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Full text of "Österreichische Kunsttopographie"

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HANDBOUNO 
AT THE 



UNIVERSITY OF 
TORONTO FRESS 



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ÖSTERREICHISCHE KUNST- 
TOPOGRAPHIE 



HERAUSGEGEBEN VOM KUNSTHISTORISCHEN INSTITUTE 
DER K. K. ZENTRAL-KOMMISSION FÜR DENKMALPFLEGE 

REDIGIERT VON PROF. Dr. MAX DVORAK 



BAND XI 

(SALZBURG-LAND II. BAND) 

DIE DENKMALE DES POLITISCHEN BEZIRKES SALZBURG 

III. TEIL : GERICHTSBEZIRK SALZBURG 



WIEN 1916 
KUNSTVERLAG ANTON SCHROLL & Co. 

GESELLSCHAFT M. B. H. 




DIE DENKMALE DES GERICHTS- 



stgji 



BEZIRKES SALZBURG 



VON 



Dr. PAUL BUBERL 



ARCHIVALISCHER TEIL VON DR. FRANZ MARTIN 



6 TAFELN, 454 ABBILDUNGEN IM TEXTE 









WIEN 1916 
KÜNSTVERLAG ANTON SCHROLL & Co. 



ÜKSELLSCHAI-T M. B. H. 



N 

Ol 




113193Ö 



DKUCK VON UUD01.F M. ROHRER IN BRUNN. 



INHALTSVERZEICHNIS 



Seite 

Vorwort .....;. VII 

Literaturverzeichnis . * IX 

Denl<mälerverzeictinis ] 

Naelitriige ' 476 

Ver/.eiclinis der Abbildungen .•..,.,.',. 477 

Namensregister 483 

Ortsregister 493 

Sacliregister ": -•.•■ f'v'-,-- 495 



VORWORT 



011 den fünf Gerichtsbezirken des politischen Bezirkes Salzburg sind vier (St. Gilgen, Neumarkt, Talgau, 
Mattsee, Oberndorf) im X. Bande der Kunsttopographie behandelt, dem fünften, nämlich dem Gerichts- 
bezirke Salzburg, der die nähere Umgebung der Landeshauptstadt Salzburg umfaßt, mußte wegen der 
Reichhaltigkeit und der Bedeutung seiner Kunstdenkmäler ein eigener Band, der vorliegende Band XI 
der Kunsttopographie zugewiesen werden. In die Bearbeitung des Bandes teilten sich wieder der Sekretär 
der Z. K. Dr. Paul Buberi, (für die kunsthistorisch-beschreibendeii Teile) und der Staatsarchivskonzipist 
am k. k. Landesregierungsarchive in Salzburg Dr. Franz Martin (für die historisch-archivalischen Partien). 
Die architektonischen Zeichnungen wurden von den Architekten der Z. K- Emmerich Siegris und Dr. Dago- 
bert Frey ausgeführt, die photographischen Aufnahmen zum größten Teile von Dr. Paul Buberl, zum Teil 
von den Photographen Hans Makart und Franz Grillparzer. 

Die Inventarisierung des Bezirkes wurde im Jahre 1911 durchgeführt und in den folgenden Jahren er- 
gänzt und überprüft. Infolge des Kriegsausbruches und der Einberufung des Sekretärs Dr. Buberl ver- 
zögerte sich die Drucklegung des bereits 1913 in Satz gegebenen Bandes. 

Die privaten Kunstsammlungen des Bezirkes werden in einem später erscheinenden Anhang (Beiheft) 
behandelt werden. Die kunsthistorische Übersicht wird aus inneren und äußeren Gründen erst in dem 
den angrenzenden Bezirk Hallein behandelnden Bande gegeben werden. 

Eine Reihe von Subventionen ermöglichte eine reichere Ausstattung des Bandes. So spendete Sr. Majestät 
Oberstkämmereramt 1200 K, Graf Moy de Sons 200 K, Fürst Schwarzenberg 200 K, die Frli. Mayr von 
Melnhofsche Gutsverwaltung 100 K, wofür wir unseren verbindlichsten Dank auszusprechen uns erlauben. 

Wien. März 1916. 

Max Dvofäk 





Österreichische Kunsttopographie 

Herausgegeben von dem 

Kunsthistorischen Institute der k. k. Zentralkommission für Denkmalpflege 

Redigiert von Prof. Dr. Max Dvoi^dk. 



Bisher erschienen: „ , , 

Band 1: 

Die Denkmale des politischen Bezirkes Krems. 

Bearbeitet von Dr. Hans Tietze, mit Beiträgen von Prof. Dr. Moritz Hoernes und Dr. Max Nistler. 
1 Karte, 29 Tafeln, 480 Abbildungen im Text. Preis 35 Kronen. 

Beiheft zum Band 1 : Die Sammlungen des Schlosses Grafenegg. 

Bearbeitet von Dr. Hans Tietze. 
Tafeln, 114 Abbildungen im Text. Preis 10 Kronen (für Besitzer des Bandes 1 5 Kronen). 
Band 1 und das Beiheft „Grafenegg" zusammen 40 Kronen. 

Band II: 

Die Denkmale der Stadt Wien (XI. XXI. Bezirk). 

Bearbeitet von Dr. Hans Tietze, mit archäologischen Beiträgen von Dr. Heinrich Sitte. 
1 Karte, 37 Tafeln, 625 Abbildungen im Text. Preis 40 Kronen. 

Band III: 

Die Denkmale des politischen Bezirkes Melk. 

Bearbeitet von Dr. Hans Tietze, mit Beiträgen von P. Dr. Eduard Katschthaler, Dr. Hugo Oberniaicr 

und Dr. Heinrich Sitte. 
1 Karte, 28 Tafeln, 481 Abbildungen im Text. Preis 40 Kronen. 

Band IV: 
Die Denkmale des politischen Bezirkes Pöggstall. 

Bearbeitet von Pfarrer Alois Plesser und Dr. Hans Tietze, mit Beiträgen von Dr. Josef Bayer 

und Dr. Heinrich Sitte. 
1 Karte, 10 Tafeln, 301 Abbildungen im Text. Preis 25 Kronen. 

Band V:' 
Die Denkmale des politischen Bezirkes Hörn. 

Bearbeitet von Dr. Hans Tietze, mit Beiträgen von Prof. Dr. Moritz Hoernes und Johann Krahuletz. 

1 Karte, 21 Tafeln, 679 Abbildungen im Text. Preis 40 Kronen. 
(Auch in zwei Teilen: 1. Gerichtsbezirke Eggenburg und Geras, 2. Gerichtsbezirk Hörn erschienen, 

deren jeder um 25 Kronen einzeln beziehbar ist.) 

Band VI: 
Die Denkmale des politischen Bezirkes Waidhofen a. d. Thaya. 

Bearbeitet von Dr. Hans Tietze, mit Beiträgen von Dr. Josef Bayer. 
1 K-arte, 8 Tafeln, 185 Abbildungen im Text. Preis 15 Kronen. 



Band VII: 

Die Denkmale des Benediktiner-Frauen-Stiftes Nonnberg in Salzburg. 

Bearbeitet von Dr. HansTietze, mit archivalischen Beiträgen von Fr. Regintrudis von Reichlin-Meldegg O.S. II 

33 Tafeln, 281 Abbildungen im Text. Preis 35 Kronen. 

Band VIII: 

Die Denkmale des politischen Bezirkes Zwettl. 

Bearbeitet von Dr. Paul Buberl. 
1 Karte, 19 Tafeln, 443 Abbildungen im Text. Preis 35 Kronen. 

(Auch in zwei Teilen: l. Gerichtsbezirke Allentsteig und Groß-Gerungs, 2. Gericiitsbezirli Zwettl 

erschienen, dessen erster um 20 Kronen, der zweite um 25 Kronen einzeln beziehbar ist.) 

Band IX: 

Die kirchlichen Denkmale der Stadt Salzburg (mit Ausnahme von Nonnberg und St. Peter). 

Bearbeitet von Dr. Hans Tietze, mit archivalischen Beiträgen von Dr. Franz Martin. 

37 Tafeln, 330 Abbildungen im Text. Preis 35 Kronen. 

Band X: 

Die Denkmale des politischen Bezirkes Salzburg (I. und 11. Teil). 
Bearbeitet von Dr. Paul Buberl, archivalischer Teil von Dr. Franz Martin. 

1 Karte, 18 Tafeln, 588 Abbildungen im Text. Preis 40 Kronen. 
(Jeder der beiden Teile ist um 20 Kronen einzeln beziehbar.) 

Band XII: 

Die Denkmale des Benediktinerstiftes St. Peter in Salzburg. 

Bearbeitet von Dr. Hans Tietze. 
25 Tafeln, 296 Abbildungen im Text. Preis 35 Kronen. 

Band XIII: 

Die profanen Denkmale der Stadt Salzburg. 

Bearbeitet von Dr. Hans Tietze, mit archivalischen Beiträgen von Dr. Franz Martin. 

2 Pläne, 16 Tafeln, 426 Abbildungen im Text. Preis 35 Kronen. 

Band XIV: 

Baugeschichte der k. k. Hofburg in Wien bis zum XIX. Jahrhundert. 

Bearbeitet von Dr. Moriz Dreger. 
355 Abbildungen in Lichtdruck und anderen Verfahren. Preis 40 Kronen. 

Band XV : 

Kunsthistorischer Atlas der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien und Verzeichnis 

der erhaltenswerten historischen, Kunst- und Naturdenkmale des Wiener Stadtbildes. 

Bearbeitet von Dr. Hugo Hassinger. 
19 farbige Pläne, 77 Abbildungen im Text. Preis 35 Kronen. 
In Vorbereitung: 

Die Kunstsammlungen der Stadt Salzburg. Die Denkmale des politischen Bezirkes 

Gmünd. Die Denkmale des politischen Bezirkes Hallein. Der Dom zu St. Stephan in 
Wien. Die Denkmale des Stiftes Zwettl. Die Denkmale des politischen Bezirkes Brixen. 



VERZEICHNIS DER DURCHGEHENDS ZITIERTEN LITERATUR 

UND DER ABKÜRZUNGEN 



Consecratio et Reconciliatio ecclesiarum, altarium ac coemeterioruin peracta per Bertliolduni Puerstinger episcopum Chiemeiisem, 
annis 1511—1524; abgedruckt in Personalstand der Säkular- und Regular-Geistlichkeit des Erzbistums Salzburg, 1854 
S. I-XXIV (1511-1518) und 1855 S. XXIV-XLIV (1518—1524). 

Danreiter Die Saltzburgische Kirchen-Prospect gezeichnet und überreichet dem hochwürdigsten . . . Leo- 

poldo Ertz-Bischoffen zu Salzburg . . von dero Garten-Inspectore und Cammerdiener Franc. Anton 
Danreiter verlegt und an Tag gegeben durch Johann Andreas Pfeffel, der Kays. May. Hoff- 
Kupferstechern in Augsburg, o. J. (ca. 1740). 

Doppler, Konsistorialurkunden . Adam Doppler, Die ältesten Original-Urkunden des f.-e. Konsistorialarchives zu Salzburg 1200 

bis 1500 in Landeskunde X 127, XI 71, XII 179, XIII 1, XIV 1, XV 1 und XVI 207. 

Doppler -Widmann, Nonnberger 

Urkunden Urkunden und Regesten des Benediktinnen-Stiftes Nonnberg in Salzburg. Nach den Abschriften 

Adam Dopplers herausgegeben von Dr. H. WiDMANN in Landeskunde Bd. XXXV— XLVIII. 

DürLINQER, Handbuch .... Historisch-statistisches Handbuch der Erzdiözese Salzburg in ihren heutigen Grenzen. Erster 

Band: Ruraldekanate des Flachlandes. Salzburg 1862. 

Hauthaler, U.-B. I Abt Willibald Hauthaler, Salzburger Urkundenbuch, I. Band: Traditionscodices. Salz- 
burg 1910. 

Hauthaler-Martin, U.-B. 2 . . Abt Willibald Hauthaler und Franz Martin, Salzburger Urkundenbuch, IL Bd. 1. Heft: Die 

Urkunden von 790—1072. Salzburg 1910. 

Hübner, Flachland L. Hübner, Beschreibung des Erzstiftes und Reichsfürstentums Salzburg in Hinsicht auf Topo- 
graphie und Statistik. I. Band: Das salzburgische flache Land. Salzburg 1796. 

HObner, Stadt L. Hübner, Beschreibung der hochfürstlich-erzbischöflichen Haupt- und Residenzstadt Salzburg 

und ihrer Gegenden, verbunden mit ihrer ältesten Geschichte. Erster Band. Topographie. Salz- 
burg 1792. 

Landeskunde Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Bd. I— LIV (1861 — 1914). 

Meiller RAS Andreas v. Meiller, Regesta archiepiscoporum Salisburgensium inde ab anno MCVI usque ad 

annum MCCXLVI. Regesten zur Geschichte der Salzburger Erzbischöfe Conrad I., Eberhard I., 
Conrad IL, Adalbert, Conrad III. und Eberhard II. Wien 1866. 

Mitteil. d. Z. K Mitteilungen der k. k. Zentral-Kommission für Denkmalpflege. 

Pillwein, Salzachkreis .... Benedikt Pillwein, Das Herzogtum Salzburg oder der Salzburger Kreis. Ein Originalwerk. 

Historisch-geographisch-statistisch beschrieben und als ein selbständiges Lese-, Studier- und 
Nachschlagebuch bearbeitet. [Geschichte, Geographie und Statistik des Erzherzogtums Österreich 
ob der Enns und des Herzogtums Salzburg. Fünfter Teil: Der Salzburger Kreis.) Linz 1839. 

11 



X Uteraturvcrzcichnis 

Hadinoer Dr. Karl v. Radinoer, Verztichnis der Zinngegenstäiide des städtischen Museums in Salzburg. 

Salzburg 1910. Sonderabdruck aus dem Jahresberichte 1909 des städt. Museums (mit 7 Marken- 
tafeln). 

Richter, Untersuchungen . . . Eduard Richter, Untersuchungen zur histor. Geographie des ehemaligen Hoclistiftes Salzburg 

und seiner Nachbargebiete in Mitteilungen des Instituts für österreichische üeschichtsforschung. 
1. Ergänzungsband (1885) S. 590 ff. 

RosENBERO' Marc RoSENBERO, Der Goldschmiede Merkzeichen, 2. vermehrte Auflage, Frankfurt am Main 1911. 

SRA Regierungsarchiv, Salzburg. 

Widmann, Gesch. Salzburgs . . Hans Widmann, Geschichte Salzburgs, 3 Bände. [Allgemeine Staatengeschkhte, herausgegeben 

von K. Lamprecht. III. Abt. Deutsche Landesgeschichten 9. Werk.) Gotha 1907 — 1914. 



VI. 
QERICHTSBEZIRK SALZBURG 



XI 




Fig. 1 Aigen, Pfarrkirche und Scliloß, Ansicht von Südwesten (S. 4) 



Aigen, Ortsgemeinde 

Literatur: Hübner, Stadt 1, 565. — Dr. A. Weissenbach, Aigen, Besclireibung und Diclitiing. Salztiurg 1817. — Pillwein, 
Salzactittrcis 374. — DOrlinger, Handbucti 68. — Pirckmayer, Aigen bei Salzburg, 1898. — J. Prötzner, Zur SOOjälirigen 
Jubelfeier der Pfarrkirche Aigen, 1911. 

Alte Ansichten (in der Sammlung des Salzburger Museums): 1. Aquarell von Franz Sales Dremel, 1792. — 2. Kolorierte Radierung 
von Louis Wallee (Vallet), um 1800 (Fig. 2). — 3. Stich von Schneeweis, um 1800. — 4. Radierungen von Günther nach 
Zeichnungen von Runk, Anfang des XIX. Jhs. — 5. Kleine Lithographien im Verlag Oberer, Salzburg, um 1840. — 
6. Lithographie von L. Rottmann nach Q. Pezolt, um 1850. — 7. Stich von C. Huber nach J. Fischbach, um 1850. 

Ältestes Vorkommen s. unten. 



Pfarrkirche zum hl. Johannes dem Täufer. 

Die erste Nachricht über die Kirche stammt aus dem Jahre 1411: am 4. Juli weihte Bischof Engelmar 
von Chiemsee den Chor samt dem Hochaltar zu Ehren der hl. Dreifaltigkeit, des Kreuzes Christi, U. L. Frau, 
insbesonders aber St. Johannes des Täufers und des Evangelisten. Am 3. Juli 1435 wurde die Kirche 
neuerdings samt zwei Seitenaltären von Bischof Johann von Chiemsee geweiht. 1447 ist auch schon 
ein Friedhof bezeugt. Bis 1699 wurde Aigen von der Stadtpfarre aus pastoriert. In diesem Jahre wurde 
Aigen und Gnigl als Kuratie ausgeschieden und ersteres wurde die Hauptkirche, letzteres dagegen der 
Wohnsitz des Kuraten. 1852 wurden beide zu selbständigen Pfarren erhoben. 

1689 wurde die Kirche, die sich als viel zu klein und eng erwies, länger gebaut, wozu Graf Johann Josef 
Kuenburg den erforderlichen Grund schenkte. Der von Lorenz Stumpfegge r, bürgerlichem JV\aurer- 
meister, entworfene Voranschlag bezifferte sich auf 1556 fl. Am 9. August 1717 wurde die Fassung des 




4 Oerichtsbezirk Salzburg 

Hochaltars dem GoUinger Maler Jacob Simon Lamperti übertragen, indem man das Ansuchen des 
Baltasar Böckl abwies. In den Überschlägen werden Weintrauben, Laubwerck und 2 Seitenbilder St. Peter 
und Paul genannt. 1781 und 1782 wurden von Johann Oberascher Glocken gegossen. 1804 
machte Josef Fagerer, Zimmermeister im Stein, Betstühle. 

1848 wurden mit dem Raimund Hellauerschen Legate von 1500 fl. drei neue Altäre aufgestellt, die aber, 
im gotischen Stil ausgeführt, nie der Bevölkerung gefielen. Das Seitenaltarbild, Christus am Kreuze 
mit Maria, Johannes und Magdalena, wurde von Jaud um 54 fl. renoviert. 1854 machte Steinmetz Has- 
lauer einen Taufstein für 150 fl. 1869 wurde die Kirche renoviert; bei dieser Gelegenheit wurden auch 



wVyiädl 




Fig. 2 Aigen, kolorierte Radierung von Louis Wallee, um 1800 (S. 4) 



Charakte- 
ristik. 
Flg. 1-5. 



statt der Altäre, „welche in ihrem gotischen Stile mit dem Baustile der Kirche nicht harmonieren", nach 
Entwürfen des Architekten Wessiken neue hergestellt und die gesamte Inneneinrichtung erneuert. Die 
Altarbilder malte Sebastian Stief. 

1909 — 1911 wurde die Kirche nach den Plänen des Architekten Karl Pirich erweitert, indem der alte Chor 
zur östlichen Seitenkapelle umgestaltet, ein Langhaus nach N. und ein neuer Chor nach S. angebaut wurde. 

Charakteristik: Ursprünglich einschiffige tonnengewölbte Barockkirche mit halbrundem Chor und 
Westturm (um 1689), 1909 erweitert (Fig. 1—5). 

Die im Innern gänzlich stimmungslose neue Kirche ist in brüsker Weise mitten quer durch die alte gelegt. 
Die bei jeder Kirchenerweiterung anzustrebende Erhaltung des alten Bestandes ist also hier nur. eine 
scheinbare. Die Hauptteile der alten Kirche — Ostchor und Langhaus mit Westturm — sind nun ihrer 
ursprünglichen Funktion vollkommen beraubt, zu untergeordneten Räumen degradiert, künstlerisch tot. 
Auch die alte malerische Außenansicht ist durch diese unorganische Zersetzung des Alten durch das Neue 
vernichtet. Nur bei einer Ansicht ganz von S. her kann man sich den ursprünglichen Bestand halbwegs 
noch vortäuschen (Fig. 5). — Ein Muster einer künstlerisch total verunglückten Kirchenerweiterung! 



Aigen 



Lage: Am Westfuße des bewaldeten Gaisberges, nördlich neben dem Schwarzenbergschen Schlosse, vom 
Friedhof umgeben. Eine schöne alte Kastanienallee führt von NW. her zur Kirche. 

Äußeres (Fig. 1, 4): 

Bruchstein und Ziegel, verputzt und weiß gefärbelt. 

Turm: Um 1689 erbaut. Dem ursprünglichen Langhause (jetzt Querschiff) im W. vorgelagert. Hoher 
Sockel aus Nagelflue. Drei Geschosse, geschieden durch steinerne Kaffgesimse. — W. Unten über fünf 
Marmorstufen rundbogiges Tor in profilierter Steinrahmung, darüber zwei Luken, ebensolche im N. und S. 
Oben vier rundbogige Schallfenster in Steinrahmung, darunter hölzerne Zifferblätter. Ausladendes pro- 
filiertes Kranzgesims. Schindelzwiebeldach, im oberen Teil aus Blech. Vergoldete Kugel und Kreuz. 

Ursprüngliches Langhaus (jetzt Querschiff). Sockel aus Nagelflue, profiliertes Hohlkehlgesims. W. 
Giebelwand, Mitte durch vorgebauten Turm verdeckt. S. und N. In der Mitte der ehemaligen Langseiten 
Anbau des modernen Langhauses, des Chors und der Sakristei. Im N. rechts und links vom Anbau je 



Lage. 



Äußeres. 
Fig. 1, 4. 

Turm. 



Langhaus. 





I'ig. 3 Aigen, Pfarrl<irche vor dem Umbau und Schloß (S. 4) 



>' 



ein rundbogiges Fenster. Im O. halbrunder Abschluß; zwei hohe rundbogige Fenster, in der Mitte rund- 
bogige Blendnische, unter dem nordöstlichen Fenster neu ausgebrochene rechteckige Tür. Nach O. ab- 
gewalmtes Ziegelsatteldach. 

Friedhofmauer: Verputzt, mit Zement abgedeckt. Im W. alter Haupteingang zwischen zwei kugel- 
bekrönten Konglomeratpfeilern. 

Wk Inneres (Fig. 5): 

Das alte Langhaus hat ein von rundbogigen Stichkappen eingeschnittenes Tonnengewölbe. Im W. die 
alte Holzempore. Die Lösung des Erweiterungsproblems, durch die das alte Langhaus zum Querschiffe 
degradiert wurde, ist keine günstige. Der Raumeindruck ist kein einheitlicher mehr. Das Innere kahl 
und unfreundlich. 

Im ehemaligen Chor ein ornamentales Glasfenster von 1863 (Daree, München) und zwei figurale (St. Georg 
und Karl) von K- Biller, München, 1864. 

Einrichtung: 

Zwei moderne Altäre mit schönen Marmormensen, aber recht mittelmäßigem Aufbau, von 1909. In der 
südlichen Seitenkapelle moderner Altar mit Marmormensa und vergoldetem Holztabernakel, von 1869. 

Kanzel: Holz, polychromiert, einfach. An der Brüstung die Figuren der vier Evangelisten. Mitte des 
XIX. Jhs. 

Orgel: Gehäuse mit schön geschnitzten, neu vergoldeten Ranken. Anfang des XVIII. Jhs. 

Weihbrunn stein: Rötlicher Marmor, gebuckelt, eingemeißelt: L. ST. 1691 (= Lorenz Stumpfegger). 



Friedhof- 
mauer. 

Inneres. 
Fig. 5. 



Einrichtung. 



Kanzel. 

OrgeL 
Weihbrunn- 
stein. 



6 Gerichtsbezirk Salzburg 

Gemälde. Gemälde: Altes Hochaltarbild. Öl auf Leinwand. Taufe Christi, von Sebastian Stief, 1868. 

Skulpturen. Skulpturen: Holz, polychromiert. 1. Großes Kruzifix im Chor. Gut, XVlll. Jh. 

2. Prozessionskruzifix. Gut, XVlIl. Jh. 

3. Statue des auferstandenen Heilandes. Gut, XVlll. Jh. (Sakristei). 

4. Am modernen Marmortaufstein (von 1854) alter Holzdeckel mit der guten Holzstatuette des hl. Johannes 
des Täufers. XVlll. Jh. 

5. Außen im N. Missionskreuz mit gutem Kruzifixus. XVlll. Jh. 

Gitter. Gitter: Am Nordeingang altes Gittertor, Schmiedeeisen. XVIII. Jh. 

Sakristeitür. In der Sakristei die kleine alte Sakristeitür, aus starken Eichenbohlen, mit altem Schloß. Um 1690. 
Kasel. K a s e 1 : Goldbrokat. Mittelteil auf weißer, Seitenteile auf roter Seide. Erste Hälfte des XIX. Jhs. 




Fig. 4 Aigen, Pfarrkirche und Schloß, Ansicht von Süden (S. 5) 



Monstranzen. Monstranzen: 1. Silber, vergoldet. Oblonger vierpaßförmiger Fuß, getrieben (vier Gehänge von 
Granatäpfeln und Trauben, vier aufgeschraubte rundplastische Cherubsköpfchen). Am Knauf zwischen 
Blattwerk drei ovale Knöpfe mit den gravierten Monogrammen Jesu und Mariae und dem Allianzwappen 
Kuenburg-Harrach. Als Lunulaträger ein Cherubskopf. Schein: Herzförmiger Woikenrahmen mit unechten 
Steinen, durchbrochene silberne Akanthusranken mit den aufgelegten vergoldeten Relieffiguren Gott- Vaters 
(darüber die Taube), der knienden Madonna und zweier kniender Engel mit Weihrauchfässern. Trauben. 
Geflammter vergoldeter Strahlenkranz. — Marken: Augsburger Beschau (R^ 151). Meisterzeichen: LS 
in Breitoval (R"'' 483). Sehr gute Augsburger Arbeit, um 1690, wohl von Ludwig Schneider (gest. 
1729). 

2. Messing, vergoldet und versilbert, mit getriebenen Rocaiilen. Mitte des XVlll. Jhs. 

3. Messing, vergoldet und versilbert, gegossen. Mitte des XIX. Jhs. 

Ziborium. Ziborium: 1. (Fig. 6). Silber, vergoldet. Am Fuße, Cuppakorb und Deckel verziert mit je drei ge- 
Fig.6. triebenen Rocaillenkartuschen mit Rosen. — Marken: Augsburger Beschau mit Y (1777—1779; R- 216). 

Meisterzeichen: CXS (R* 568). Gute Augsburger Arbeit, um 1778, von Caspar Xaver Stipeldey 
(Meister 1766—1809). Am Deckel jüngere Krone, Messing, vergoldet, mit unechten Steinen. Ende des 
XVlll. Jhs. 
2. Modernes Ziborium. 



IB 



Aigen 



Kelche: Alle Silber, vergoldet. 

1. (Fig. Sc). Runder Fuß mit gewelltem Rande, verziert mit getriebenem Blattwerk. Am Knauf drei 
Engelshalbfiguren. Durchbrochener silberner Cuppakorb mit drei Cherubsköpfen. — Marken: Salzburger 
Beschau. Meisterzeichen: P M in Schild. Gute Salzburger Arbeit aus der Mitte des XVII. Jhs., von 
Paul Mayr (Bürger seit 1636). 

2. (Fig. 8 a). Sechspaßförmiger Fuß, verziert mit getriebenem Bandwerk, Rosen, Granatäpfeln und Trauben. 
Am Knauf drei glatte ovale Knöpfe zwischen Blattwerk. Durchbrochener silberner Cuppakorb mit Band- 
werk. — Marken: Beschauzeichen ausgefallen. Meisterzeichen: Minuskel-M (ähnlich R- 4855). Schöne 
Arbeit, um 1720. 

3. (Fig. 8/»). Fuß und Cuppakorb getrieben, mit Bandwerk und je drei ovalen Kupferemail 
medaillons in Bandwerkkartuschen: Dornenkrönung, Sturz unter dem Kreuze, Kreuzigung — 
Ölberg, Abendmahl, Geißelung. Am Knauf drei glatte Knöpfe zwischen Laubwerk. — Marken: 
Salzburger Beschau. Meisterzeichen: I M in Schild. Gute Salzburger Arbeit, um 1730, von 
Josef Mayr (Bürger seit 1728). 



(D 



Kelche. 
Fig. 8c. 



Fig. 8 a. 



Fig. 86. 




Fig. 5 Aigen, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 300 (S. 5) 



Meßkännchen und Tasse: 1 



Silber, mit getriebenem Bandwerk. — Marken: Augsburger Beschau 
(1737—1739; R- 182). Meisterzeichen „"^^ in Dreipaß. Augsburger Arbeit, 



mit Jahresbuchstaben 

um 1737. 

2. Silber, mit getriebenen Ornamenten und Cherubsköpfchen. 

Meisterzeichen: GSt. 



D -S 

Marken: Münchner Beschau von 1843. 



Kreuzpartikelmonstranz (Fig. 7^): Silber, teilweise vergoldet. Oblonger Fuß mit getriebenem 
Bandwerk. Die Balkenenden des Kreuzes verziert mit graviertem Bandwerk. Auf der Rückseite in der 
Mitte in vergoldetem Relief ein Greif in Rundmedaillon. Vergoldete Strahlen. — Marken: Münchner Beschau 

(R2 2256). Meisterzeichen: j^^^, in Schild (R'^ 2290). Gute Münchner Arbeit, um 1730, von Johann 

Michael Ernst (Meister 1680, gest. 1735). 

Reliquiar (Fig. 7a): Messing, vergoldet und versilbert. In Form einer kleinen Monstranz. Mitte des 
XVIII. Jhs. 



Meßitännchen 
und Tasse. 



Kreuzpartikel- 
monstranz. 
Fig. 7 a. 



Reliquiar. 
Fig. 7b. 



8 



Oericlitsbezirk Salzburg 



Bittgangs- 
kreuz. 
Kruzifix. 

Leuchter. 



Steinrahtnen. 



Bittgangskreuz: Messing, versilbert. Mitte des XIX. Jhs. 

Kruzifix: Kleines Standi<ruzifix, Silber, getrieben; am Fuß und an den Balkenenden Rocaillen. Salz- 
burger Beschauzeichen. Mitte des XVIII. Jhs. 

Leuchter: 1. Sechs große Leuchter von Gürtlerarbeit, Messingblech, versilbert, mit getriebenen Ro- 
caillen, dreifüßig. Mitte des XVIII. Jhs. 
2. Vier kleine dreifüßige Leuchter, Messingblech, versilbert, um 1800. 

Steinrahmen: Außen an der Ostseite des Langhauses 

eingemauert. 

1. Rechteckiger profilierter Rahmen aus rotem Marmor 

(122 X 93 cm). Oben Aufsatz mit seitlichen Voluten 

und Wappen, unten Inschriftenplatte (beide aus hellem 





Fig. 6 Aigen, Ziborium von C. X. Stipeldey 
in Augsburg, um 1778 (S. 6) 



Grabsteine. 



Fig. 9. 



Fig. 7 Aigen, Pfarrltirche. a Reliquiar, um 1750, 

b Kreuzpartilcelmonstranz von J. M. Ernst in Münclien, 

um 1730 (S. 7) 

Marmor): Franciscus Josephus Waldherr de Badamberg 
huiiis loci dominus et Serenissimi diicis Bavariae con- 
siliarius fieri fecit MDCCXLV/ {\746). Im Rahmen stark 
verrostetes „byzantinisches" Madonnenbild, Öl auf Eisen- 
blech. 

2. Ähnlicher gleichgroßer Rahmen mit dem verwitterten Bilde der Mutter Gottes von Alt-Ötting, Öl auf 
Blech. Unten Inschrift: Johannes Hrnestus S. R. I. £'(ques) et «o^(ilis) de Antrettern, provincialis 
co«s(iliarius) bell{{) et inclytiüm) s/a^(uum) provincialium cancellarius, MDCCLXVI (1766). 

Grabsteine an den Außenseiten: 1. An der Ostseite des Langhauses außen eingemauert. Roter 
Marmor (265 X 129 cm). Im vertieften Mittelfelde großes schön gemeißeltes Wappen. Umschrift in 
gotischer Minuskel: Hye leyt Seybold Noppingar der . gestorben . ist . an . sand . antonigen . tag . 
da . man . czalt . von . Christi . gepurd . tausend . iar . und (vier) hundert . jar . und . dar . nach . im . 
siben . und . dreizzigisten . jare . dem . got . genad (1437). — Oben kleinere, später zugefügteMinuskel- 
inschrift: Hie ist begraben Cristoff Noppinger der gestorben ist an aller Seintag anno dhi m° cccc 
und in dem Iviiii iar (1459) (Fig. 9). 

2. Daneben: Roter Marmor (263 X 128 cw;). Gleiches Wappen wie beim vorigen. Umschrift in gotischer 
Minuskel: Hie leit Conrad Noppinger (der) gestorben ist an vnser frawn abent der gepurd anno dni 



Aigen 



mccccxlvu (1447) avch leit hie Hanns Noppinger der gestorben ist an Sand Margareten abent anno dnl 
mcccclxi iar dem got gnad (1461). 

3. Große rote Marmorplatte an der Westseite (211 X 105 c/n). In der unteren Hälfte Wappen, in der 
oberen Inschrift in gotischer Minuskel: Disen stain vnd begrebnus hat lassen machen die Edel vnd 
Erndugendhafft Frau S u s a n a Cristalniggin geborne Khässerin witib irem lieb{en) hauswiert seligen 
als dem Edlen und Vesten Esaias Cristtalnigg zu aig{en) Welich{er) gestorb{en) ist den 4. tag sepemb(er) 
des 90. Jars deme got der almechtig ein freliche vrst{t)nd verleichen welle amen. 1591. 

4. An der Westseite des alten Langhauses: Rote Marmorplatte. Unten in rundbogiger Arl<ade Doppel- 
wappen in hohem Relief. Oben zehnzeilige Inschrift; Anndre Aman von Hundtsdo rff, welcher 
gestorben ist den 5. tag Julii im 1599 Jar . . . disen Stain haben baidte Frauen weilundt die Edl und 
Tugentsam Frau Regina Amanin ain geborne Wilpenhoferin als sein nachgelassne wittib und Frau 
Catharina Schelerin als sein befraindte zu Christlicher gedechtnus machen lassen (Fig. 10). 



Fig. 10. 




a Um 1720. 



Fig. 8 Aigen, Pfarri<irche, Kelche. 
b Von Josef Mayr in Salzburg, um 1730. c Von Paul Mayr in Salzburg, um 1650 (S. 7) 



5. An der Ostseite: Rote Marmorpiatte (148 x 76 cm). Unten Doppelwappen, Cherubskopf. Oben In- 
schrift: Elisabetha Schillerin zu harden aes Edlen Hochgelerten kern Melchardt Mülhauser 

zum flöderpach /(ü)/-(stl.) Saltzb. Hof Medici Hausfrau; 1605 (Fig. 11). Fig. 11. 

6. Rote Marmorp'atte an der Westseite, neben Nr. 3, gleichgroß. In der unteren Hälfte Wappen, etwas 
abgetreten, oben Inschrift in gotischer Minuskel: Frau Barbara Nidermaierin von Hameraw 
gebornne Mummerrin deß Edlen... Corbinian Nidermaier beider Rechten Licentiaten und wirklichen 
Saltzb. Hofgerichts Advocaten gewesste Eheliche Hausfrau; 1626. 

7. An der Westseite, neben Nr. 4, große rote Marmorplatte. In der Mitte Kelch mit Dreipaß. Johann 
Find t er, Chorherr von Mühldorf, Stadtpfarrer von Hallein, Pfarrer in Gastein und Perndorf, 1656. 

Glocken: 1. Große Glocke von 1904 (Oberascher, Salzburg). Glocken. 

2. Madonna, Enthauptung des Täufers, Kruzifix, St. Georg. Sub primo parocho in Aigen r. d. Georgio 
Freundlinger fusa a Fr. Oberascher Salisburgi MDCCCLI/I. 

3. St. Johann der Täufer, Josef, Leonhard, Madonna, Johann und Paul. Inschrift: Gegossen von Johann 
Oberascher in Salzburg 1822. 

J. Glatt, ohne Inschrift, alt. 

XI 2 



10 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Friedhof. Friedhof: In der Kapelle des neuen Friedhofs Aigen-Glas ein hübscher Rokokoaltar: Holz, alt 
gefaßt; bunt marmoriert, die geschnitzten Rocaillenzierate vergoldet. Leuchterbank mit eingebauten 
Kanontafeln und Rocaillenleuchtern. Kleines Tabernakel. Kleiner Wandaufbau mit zwei seitlichen Säulen 
vor Doppelpilastern. — Altarbild: Die hl. Familie. — Statuetten: St. Anton und St. Helena, zwei Putti. 
— Gut, um 1760. 



SSjÖtt 



ri)ifmS(ain ßfvWirtaiöfe jraöm \m^ 

Fi«(l"Am(ittw*(fi4i offaornflüilpcnfio^iD ] 
'iUöfrin nor^qfl«f|nf Icifnb.uiiöJVpii '. 
jCfltÖOTiimScIfffrüiftlsffin 6rjrotijö{t^| 




Fig. 10 Aigen, Pfarrkirche, 

Grabstein des Andreas Aman 

von Hundsdorf, 1599 (S. 9) 



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plhsrinttg^ioJiiiiai'iiit^o»«)to>biiB' ct.. g^' 



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Fig. 9 Aigen, Pfarrkirche, Grabstein 
des Seiboid Noppinger, 1437 (S. 8) 




-3)iiitn.tOrr(V^cu t)u J'üis;!-!,! 
J , f\incllt^nfHy1wu^i;ll^(U)rtöP. "| 

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JiU/ |(iTvk-nfrr(iqvn iünr^'iuHnn y^^ 
^- Vjjdirljf i»v»9S4^ti-mön-i}»TQ'''' i 
;6o r »tviftotßir^ i/i' Naot^Vr 
.(fi(^errtfiü*Ucn-ij"()v»ffi ^. ■ 
(llmtbuiri» oi»ifrftlH;\)f^ü{v 
* %fttn(i.(l]ur«t. 



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Fig. 11 Aigen, Pfarrkirche, 

Grabstein der Elisabeth Schiller, 

1605 (S. 9) 



Schloß Aigen 1 

Archivalien: Gräflich Kuenburgsches Archiv im Langenhof zu Salzburg (Originalurkunden). 
Literatur: Siehe oben. 

Der Herrensitz Aigen erscheint 1402 zum ersten Male, und zwar im Besitze des Domkapitels, das ihn 
1516 samt Mühle und Stampf an den Salzburger Bürger Jakob Kaserer vertauschte. 1524 erschien zu 
Augsburg eine Druckschrift über die Heilkraft des Aigner Wassers von Dr. Johann Paul Zangmeister, 
Leibmedikus des Erzherzogs Ferdinand. Durch Susanna Kaserer, die mit Esaias Christalnickh verheiratet 
war, kam Aigen nach 1564 an diesen und dann an ihren zweiten Mann Hans Jakob Gatt. Dieses Ehe- 
paar verkaufte die Hälfte 1589 an Augustin Prandt, fürstlichen Mautner in St. Gilgen. Am 26. Oktober 
1594 wird dem hochfürstlichen Konsistorium als Zensurbehörde ein neuer Traktat über die Heilkraft des 
Bades Aigen vorgelegt, aber die Drucklegung nicht erlaubt'). 1601 verkaufen Hans Jakob Gatt und 
seine Frau Susanna Kaserin ihren Teil am Gute A. an den Apotheker Heinrich Merodi, der 1602 die 



') Ad petitlonem Joannis Jacobi Gatt, quae erat iit scriptum oblatum de qiialitntibus et virftitibus aqiiae in Aygen imprime- 
reiur, decretum fuit iudiciorum dominorum medicinae doctorum esse desuper exquirendum. Quo facto quod hac in parte 
expedire videhitur statuetur. Und am 4. November . . . habito desuper iudicio duorum medicinae doctorum in scriptis iu- 
dicarunt domini Uli inherentes non expedire ut typis detur (Konsistorialarchiv, Protokoll f. 101 f.). 



i 



Aigen 1 1 

ndere Hälfte von Augustin Prant zu Vöcklamarkt erwarb. Merodi verkaufte am 12. Mai 1614 den Siz 

nd Hof Aigen, die Müll, das Wildbad usw. an Levin von Mortaigne, hf. Kriegs- und Hofrat. 

Nach dem Tode Johann Dietrichs von Mortaigne fiel A. 1647 an die Freiherren von Prank. Am 28. Juni 

1673 verkaufte Friedrich Gottlieb Freiherr von Prank Aigen um 8500 fl. an Johann Josef Grafen Kuen- 

burg. Erzbischof Max Gandolf erlaubte in Ansechen des daselbst befindlichen hailsamen Padtwassers 

1680 für die ankommenden Padtgöst ein Gasthaus mit den Vorrechten einer Taferne sowie eine Lederei 

zu errichten. Aber Erzbischof Johann Ernst hob 1696 diese an eine Hofmark heranreichenden Freiheiten 

wieder auf, angeblich weil der Konsens des Domkapitels zur Verleihung nicht eingeholt worden war. 

1719 wurde der „adlige Sitz" Aigen zusammen mit dem Langenhof und Grafenau zu einem Fideikommiß 

erhoben. Aber schon 1727 verkaufte Max Josef Graf Kuenburg mit Zustimmung der Mitinteressenten das 

Gut und Wildbad Aigen an seinen Sekretär Franz Josef Waldherr zu Erbrecht; er wurde 1729 mit 

dem Prädikate von Badamberg in den salzburgischen Adelsstand erhoben. Für Aigen hatte Waltherr die 

Bedeutung, daß er der Schöpfer der ersten Parkanlagen ist. Weiter ausgestaltet wurden sie vom folgenden 

Besitzer Basil von Aman. In diesen Jahren entstanden die ehemals zahlreichen Denkmäler, Altäre, 

Grotten usw., erhielt der „Freundschaftshügel" seinen Namen. Ein Reisender (Schulz) gibt von dem ' 

damaligen Zustand eine Probe: 

^ mäßiger Hügel . . auf dessen Gipfel man einen Altar, der Freundschaft gewidmet, angebracht hat. Bey einer Meyerei, 

■ die in der Nähe liegt, trat ich in eine Doppelallee von Fruchtbäumen, die den Berg hinanfahrte. Ich sah auch bald 

B einen artigen, mit Blättern durchwirkten Gittererker, in dessen Mitte das Brustbild Anakreons, von klarem Quellwasser 

H in einen Becken umflossen, aufgestellt war. Von da stieg ich den Berg weiter hinan zu einer großen Felsenhöhle, die 

H zwischen aufgetürmten Steinblöcken von der Natur gebildet und durch die Kunst zu einer Einsiedeley eingerichtet ist. — 

B Bald stößt man auf eine Einsiedlerklause, bald auf ein Lustwäldchen, bald auf eine Erhöhung, mit Weinstöcken besetzt, 

H bald auf einen Wasserfall, bald auf ein Bauernhäuschen, das mit Geschmack ausgeziert ist. bald wiederum auf ein 

B Blumenbeet, auf künstliche Trümmer, Lauben. Treibhäuser, auf einen Thurm und einen Grabhügel — mit einem Worte 

B die Kunst der Gartenverzierung hat das mit möglichster Erfindungskraft verarbeitet, was ihr die Natur darbot. 

!R)amals sah der Park von Aigen auch die Konvente der Illuminatenloge „Apollo" Salzburg („Ecclesia 
« Nicosia"). Nach Koch (Br. Mozart, Freimaurer und llluminaten. Als Manuskript gedruckt Bad Reichenhall 
Bl911, S. 31) war nicht die obere Gilowskyhöhle, sondern die untere Berggrotte die offizielle lUuminaten- 
höhle. Auch Amans Besitznachfolger, Hieronymus Graf Lodron (1788—1804) und Ernst Fürst zu Schwarzen- 
berg, Domherr von Salzburg und seit 1819 Bischof von Raab, waren für die Verschönerung des Gartens 
unermüdlich tätig, wobei der letztgenannte von dem Landschaftsmaler Runk und dem Gärtner Sebastian 
Rosenegger unterstützt wurde. Der Aigener Park sah eine neue Generation, die ebenso für ihn schwärmte 
ie die alte. Weißenbach widmete der Schönheit seiner verschiedenen Punkte eine eingehende Beschrei- 
bung und 20 lange, gefühlvolle Gedichte. — König Ludwig besang in mehreren Gedichten das „holde 
Aigen, — Nirgends hast Du Deines gleichen — In der unermeßnen Welt". — Nach des Fürsten Ernst 
Tode (1821) verblieb Aigen beim Hause Schwarzenberg. 

eschreibung: Rechteckiger, dreistöckiger Bau (Ziegel, gelb gefärbelt) mit Biedermeier-Außengliederung Beschreibung, 
und Schindeldach. In der Mitte der Westfront vorgebauter vierstöckiger Turm. Im W. vor dem Schloß- 
gebäude, mit diesem einen rechteckigen Hof umschließend, drei niedrige Wirtschaftsgebäude mit Schindel- 
dächern. Über dem rundbogigen Tor im N. Marmorwappen der Schwarzenberg (Fig. 1 — 4). 
An der Nordseite des nördlichen Wirtschaftsgebäudes eingemauert vier Marmorplatten mit Totenköpfen 
mit je vier Fledermausflügeln in Hochrelief. XVll. Jh. Jedenfalls Platten, die von einem der Erzbischof- 
gräber des älteren Typus im Salzburger Dom übrig geblieben waren'). 

Am Eingang zum Schloßplatze (östlich von der Kirche) zwei gemauerte Pfeiler, darauf zwei Steinurnen 
vom Ende des XVllI. Jhs. 
Das Innere ist einfach und bietet nichts Bemerkenswertes. Die Zimmer sind alle flachgedeckt. 

Park: Hinter dem Schlosse dehnt sich an den Abhängen des Gaisberges ein an malerischen Reizen Park, 

reicher Naturpark aus, durchflössen von einem in engem Felsbett schäumenden Gießbach. — Mehrere 
Wasserfälle und Aussichtskanzeln, eine Höhlenkluft, ein Blockhaus und Bad bildeten die besonderen 



llr 



IIb 



') Daneben waren bis 1908 zwei Marmorstatuen eingemauert, die zu dem von Kaiser Maximilian 1514 bei Hans Valckenauer in 
Salzburg bestellten Grabmal für Speyer gehörten. Jetzt im Salzburger Museum. 

2* 



12 Gerichtsbezirk Salzburg 

Anziehungspunkte dieses auch heute noch entzüclienden Parkes in der schwärmerischen Zeit der Romantik. 
RuNK hat sie in einer Folge von Radierungen verewigt. Ziemlich hoch am Hang liegt neben dem ersten 
Wasserfall eine Felsenhöhle (ehemaliger unterirdischer Wasserlauf), an deren Eingang eine kleine Marnior- 
tafel mit folgender Inschrift angebracht ist: Diese Felsen Kluft hat die Natur dem Wald-Strom; dem 
Menschen hat selbe wandelbahr gemacht im Jahr 1787 Jos. Ernst Gilowsky von Urazowa, nicht Eigen- 
thümer, sondern Liebhaber und fleißiger Pfleger und Besucher dieser schönen Einöde. Er starb im Jahr 1789. 

Haus Nr. 30. Haus Nr. 30 (an der Straße). Steinportal, oben mit Kartuschenaufsatz, XVlll. Jh. An der Ostseite des 
Hauses großes Kruzifix, Holz, alt polychromiert; XVIll. Jh. 

Bildstöcke. Bildstöcke: 1. Am Wege, 1 km nördlich vom Schlosse. Kapellenartig, rechteckig, Bruchstein und Ziegel 
weiß gefärbelt. Vorne vergittertes, rundbogiges Fenster mit tiefer tonnengewölbter Nische. Hohlkehlen- 
gesims. Weit vorspringendes, von zwei Holzsäulen gestütztes Schindeldach. — Innen geringes Gemälde, 
Öl auf Leinwand, die hl. Familie. Zwei Agnus-dei-tafeln, geringe Wachsbüste des hl. Johann von Ne- 
pomuk in Rocaillegehäuse. XVIII. Jh. — 2. An der Landstraße, nordwestlich vom Bahnhofe. Ähnlich wie 
der obige. Innen Gemälde Öl auf Leinwand, Madonna mit dem Kinde (Maria-Hilf) von Lederwasch 
und zwei schwache Leuchterengel, Holz, neu polychromiert; XVIII. Jh. 

Sammlung Walter Graf Kuenburg. Siehe Anhang. 

Sammlung Baron Henikstein. Siehe Anhang. 

Anif, Dorf und Schloß 

Archivalien: Konsistorialarchiv. — Stiftsarchiv St. Peter (Rechnungen seit 1688 und Akten). 

Literatur: Hübner, Stadt 543. — Pillwein, Salzachkreis 349. — Dürlinoer, Handbuch 75. — K. Beroer, Die Pfarrkirche zu A. 
in Mitt. d. Z. K. N. F. XVIII (1892) S. 3. 

Ältestes Vorkommen s. unten; siehe auch Schloß. 

Pfarrkirche. Pfarrkirche zum hl. Oswald. 

Im Kirchenverzeichnis der Notitia Arnonis wird schon genannt: „Ad Anua ecclesia cum territorio." Als 
das Stift St. Peter 987 vom Bistum getrennt wurde, blieb die „ecclesia ad Anaue cum decima" bei dem 
ersteren (Hauthaler, U.-B. 1, 11 u. 254). 1191 wird die Pfarre „Anava" dem Stifte bestätigt (Meiller, RAS 
155 Nr. 68). Pfarrlich gehörten in der Folge Anif, Niederalm und Grödig, die alle St. Peter inkorporiert 
waren, zusammen und jede Kirche hatte zeitweise eigene Matriken. Dieses eigentümliche Verhältnis ist 
nicht geklärt. Erst 1883 wurde der alte Verband gelöst und Anif und Grödig zu Pfarren erhoben, während 
Niederalm als Filialkirche Grödig zugewiesen wurde, jedoch einen eigenen Friedhof behielt. 
1614 waren die Altäre den Hl. Oswald, rechts Stephan und links Sebastian geweiht, das Sakrament in 
fenestra muri dexteri. Auch 1618 war in allen drei Kirchen noch kein Tabernakel (SRA Konsistorial- 
akten 141). 

1670 wird ein Mesnerhaus gebaut (228 fl). 

1682: /ör einen neuen Choraltar 168 fl. (82 fl. wurden von Wohltätern beigesteuert). 

1684: Christian Lederwasch, Kammerdiener und Hofmaler, wegen des verfaßten Altarplats 310 fl., 

dto. für 2 gemalte Altarblätier sambt darzue gehöriger Fassung 355 fl. 
1694 liefert Jeremias Sauter eine neue Uhr statt der alten. 
1696: Matthias Koller sperger. Maurermeister von Anif wegen Ausbrechung und Einmauerung 

eines Fensters 10 fl. 
1702: Georg Josef Sigmund t, bgL Maler in Salzburg, wegen verrichter Mahlerey 30 fL 
i 704 : Andrä Garttner für Umgießung der kleineren Glocke 30 fL 
1713 wird den Zechpröpsten auf ihre Bitte eines der Eisengitter, die bei dem Residenzgebeu zu Mirabell 

verändert worden und daselbsthin sich nit mehr applicieren lassen, ausgefolgt (SRA Hofk Glan- 

egg 1713). 



I 



Anif 



13 



1734 



r47: 

1756: 
1757: 



1762: 



wird eine Monstranz gel^auft und die Sakristei, die sich bisher unter dem Turm befand, auf die 

Sonnseite transferiert, da dort wegen die Dembe die Ornate nicht verwahrt werden konnten. Der 

neue Bau wurde eingädig, 18' lang und 15' breit. (SRA Glanegg Hfk. 1734 F.). 

Ludwig Hafner, Tischlermeister in Schellenberg, für die in die obere Sakristei neu gemachten 

4 Kästen 35 fl. 

Egidi Hablitschek, Goldarbeiter in Tittnioning, vor die anher verfertigte Monstranz 200 fl. 

Johann Georg Löschinge r, Hofglockengießer in Salzburg, für eine neugegoßene Glocke 

64 fL 36 kr. — Johann Georg Schmidt, Gürtler in Hallein, für eine zierver gölte Cron auf 

das Ciborium 10 fl. 

Pantaleon Würberger, Hufschmied zu Grödig, für das neue Friedhofgitter 28 fl. 12 kr. 




Fig. 12 Schloß und Dorf Anif von der Watzmannaussicht 

1769 wird eine Kuppel mit St. Johann dem Täufer auf den Taufstein gesetzt. 

1839 wurde die Kirche wegen allzu großer Baugebrechen für den Gottesdienst gesperrt und eine neue 
erbaut, die Erzbischof Friedrich am 15. November 1840 einweihte. Das Schiff wurde um 13 Schuh ver- 
längert, Schalgewölbe, Dachstuhl, Emporen wurden neu gebaut (Kosten 4000 fl.). Die drei Altäre wurden 
neu gebaut. 1845 werden die alten Glocken von Oberascher umgegossen (1587 fl. 15 kr.). 

Charakteristik: Das Langhaus wurde 1840 fast ganz neu erbaut. Dagegen stammt der sehr gut 
erhaltene, aus Konglomeratquadern gebaute und ganz unveränderte spätromanische Glockenturm 
im N. noch aus dem XIII., vielleicht aber auch XIV. Jh. Der Chor ist im Kern gotisch (Fig. 13, 14). 

Lage: An der Südwestseite des Ortes, auf einer nach O. zu abfallenden Erhebung. Ringsum vom Fried- 
hofe umgeben. 

Äußeres (Fig. 13): 

Langhaus: W. Breite Dreiecksgiebelfront, modern verputzt, mit modernem Rundbogenfries. Unten 
moderne gotisierende Kielbogentür mit Schutzdach, darüber Marmorplatte mit der eingemeißelten Jahres- 



Charakte- 
ristik. 

Fig. 13, 14. 

Lage. 

Äußeres. 
Fig. 13 



14 



Qerichisbezirk Salzburg 



zahl 1840. Im Giebel zwei querovale Fenster und ein modernes Wandgemälde (Christus als guter Hirt) 
in rundem Rahmen. Neben der Tür sind beiderseits Grabsteine eingemauert (s. unten). — S. und N. 
Modern verputzt, mit modernem Rundbogenfries. Je fünf rundbogige Fenster. 

Chor. Chor: Im S. Sakristei. Ostabschluß in fünf Seiten des Achteckes; moderne Verputzgliederung wie am 

Langhause. Drei große rundbogige Fenster. Im N. ist der Turm angebaut. 

Über Langhaus und Chor gemeinsames, nach O. abgewalmtes Satteldach, im S. aus Eternitschiefer, im 
N. aus Schindeln. Dieses halbe Eternitdach wirkt gräßlich, im Gegensatz zu dem schön patinierten 
Schindeldach, das vorzüglich mit dem altersgrauen Turm harmoniert. 

Turm. Turm: Spätromanischer Glockenturm an der Nordseite des Chores. Ganz aus mächtigen Konglomerat- 

quadern erbaut. Quadratisch; durch ein einfaches Gesims horizontal geteilt; niedriger Sockel. O. Unten 
ein, oben zwei kleine rechteckige Fenster. — N. Unten Luke. Obergeschoß: Unten im O. und N. je 




Fig. 13 Anif, Pfarrkirche, Ansicht von Nordwesten (S. 13) 



Sakristei. 

Friedhof- 
mauer. 



eine rechteckige, im W. eine rundbogige Fensteröffnung. Darüber auf allen vier Seiten in vertieftem 
oblong-rechteckigem Felde je ein großes dreiteiliges Schallfenster mit je zwei Paaren von gekuppelten 
Konglomeratsäulen; diese haben rechteckige Plinthen und einfache Kelchkapitäle, darüber trapezförmige 
Bogen-Widerlagsteine. Im O. und W. je ein horizontales Konglomerat-Hohlkehlgesinis, im N. und S. 
Dreiecksgiebel mit angenagelten quadratischen Zifferblättern aus Eisenblech. Darüber im N. ein recht- 
eckiges, durch eine ungefüge Konglomeratsäule geteiltes Fenster, im S. eine Luke. Ziegelsatteldach. 

Der wuchtig-ernste, aus dem XIII.— XIV. Jh.') stammende Turm ist sehr bemerkenswert als der am besten 
erhaltene, von späteren Umbauten ganz verschonte spätromanische Glockenturm des politischen Bezirkes 
Salzburg. Vergleiche dazu die romanischen Türme in Lamprechtshausen und Michaelbeuern (Kunsttopo- 
graphie X, Fig. 454, 466) sowie Grödig (S. 113). 

Sakristei: Im S., einstöckig. Verputz wie am Langhause. Im W., S. und N. übereinander je zwei 
oblonge Fenster, im S. rechts Tür. Schindelsatteldach, nach S. abgewalmt. 

Friedhofmau er: Bruchstein. Im W. Eingang, von zwei Konglomeratkugeln flankiert. 

') Im Lande finden sich Glockentürme von .romanischer' Form bis ins XV. Jli. hinein. 



Anif 



15 



hl 

Die rechteckigen Fenster wurden 1885—1887 in rundbogige verwandelt. 

Langhaus: Rechteckiger Saal mit rundbogigem Schalgewölbe. An den Langwänden zwischen den 
Fenstern auf hohem Sockel schmale Flachpilaster, darüber vorspringendes Gesims. Im W. moderne Musik- 
empore mit flachem Boden, von zwei großen toskanischen Marmorsäulen getragen (1887 gebaut). Am 
Gewölbe und im Bogenfelde über dem flachbogigen Triumphbogen im W. Gemälde von Josef Gold 1896. 

Chor: Wenig einspringend, bedeutend niedriger als das Langhaus. Boden um eine Stufe erhöht. Recht- 
eckig, in fünf Seiten des Achteckes geschlossen. Gewölbe mit sieben rundbogigen Stichkappen, mit 
modernen Malereien von J. Gold. Im S. und N. je eine Tür in pseudoromanischer Umrahmung, im Bogen- 
felde je zwei Heilige, von J. Gold gemalt; über der Südtür oblonges Oratoriumfenster. Im Abschlüsse 
drei rundbogige Fenster mit ornamentalen modernen Glasmalereien. In den beiden Feldern der Nordwand 
zwei große Gemälde mit Szenen aus dem Leben des hl. Oswald, von J. Gold 1900. 



Inneres. 
Fig. 14. 15. 

Langhaus. 



Chor. 



Turm: Im Untergeschoß rundbogiges massiges Tonnengewölbe, 
rechteckige Türöffnung zum Dachboden des Chores. 

Sakristei: In beiden Geschossen flach gedeckt. 



Vom ersten Geschoß führt eine alte 





Turm. 



Sakristei. 



Größtenteils modern. 



Fig. 14 Anif, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 250 (S. 15) 



Einrichtung: 



! Altäre: 1. Hochaltar. Roter und gelblicher Marmor. Auf zwei Stufen Sarkophagtumba. Aufbau: 
; Predella mit seitlichen Postamenten und Statuenkonsolen. Rundbogiges Altarbild (der hl. Oswald) von 
; Leopold Krieger in Salzburg, 1840, flankiert von zwei vorgestellten Säulen mit ionischen Kapitalen. 

Darauf verkröpftes Gebälk. Niedriger Dreiecksgiebel mit Kreuz. 

Statuen: Holz, mit Steinfarbenanstrich. St. Christophorus mit dem Christkinde, St. Florian. Tüchtige 

Arbeiten. 
' Tabernakel aus Holz, ganz vergoldet. Oben Lamm auf dem Buche, zwei Urnen; vor dem Türchen 

Kruzifix, versilbert, an den Seiten zwei kleine anbetende Engel. 
I Der ganze Altar stammt aus dem Jahre 1840. 

I Zwei Seitenaltäre. Im Aufbau einander gleich. Hölzerne, marmorierte Tumba. Einfach gehaltener 
' Wandaufbau aus rotem und gelbem Marmor, mit Leuchterbank, Predella, rundbogigem Altarbilde, geradem 
j Gesimse, Flachgiebel, Holzkreuz. 1840. 

j Altarbilder (Öl auf Leinwand): 1. Links: Die hl. Notburga reicht einer armen Mutter ein Brot. — 2. Rechts: 
' St. Isidor. Beide von Rattensperger, 1840. 



Kanzel: Holz, modern. 



Einrichtung. 

Altäre. 
Hochaltar. 



Seitenaltäre. 




Kanzel. 




16 



Oerichlsbezirk Salzburg 




Fig. 15 Anif, Pfarrkirche, Querschnitt 1 : 250 (S. 14) 



Anif 



17 



Standkruzifix: Holz, sctiwarz lackiert, mit versilberten geschnitzten Ranken am Postament. Ende des 
XVII. Jhs. — Vier versilberte Holz Statuetten, St. Petrus und Paulus, zwei hl. Fürsten; um 1700. 

Gemälde: Am Dachboden. Öl aui Leinwand. 1. St. Oswald. — 2. Mariae Verkündigung. Schwach, 
IMitte des XIX. Jhs. 

Über der Sakristeitür ein goldbronzierter Metallschild mit der von buschigen Akanthusranken um- 
rahmten Inschrift Sanctus Oswaldiis patroniis. Unten das Wappen des Stiftes St. Peter. Ende des 
jXVII. Jhs. 

'Kirchenstühle: Eichenholz, Wangen mit Flechtband und Mäander. Um 1840. 

IWeihwassermuschel: Gelber Marmor. Ende des XVII. Jhs. 

Monstranz: Silber, vergoldet. Fuß mit getriebenen unsymmetrischen Rocaillen. Um das Gehäuse 
'doppelte, durchbrochene Rocaillenumrahmung. Oben Gott- Vater mit Weltkugel, an den Seiten St. Oswald 
iund Virgil, in Relief. Dahinter Strahlenkranz mit Kreuz. — Marken: Beschauzeichen von Tittmoning. 
1 Meisterzeichen: EH in Breitschild. Sehr gute Arbeit von Egidius Hablitschek in Tittmoning, 1756 

um 200 fl. gekauft. 



Standkruzifix. 

Gemälde. 
Metallschild. 

Kirchenstühle. 

Weihwasser- 
muschel. 

Monstranz. 




ÖD 



Fig. 16 Anif, Pfarrkirche, Kelche. 

a Von H. K. Ainhorn in Salzburg, um 1650. b Salzburgisch, 

um 1750 (S. 17) 

Ziborium: Silber, vergoldet. Am Fuß, Knauf und Deckel eingravierte Ranken. Glatte Cuppa. aa— Ziborium. 

— Marken: Salzburger Beschau (S in Oval). Meisterzeichen: GR in Breitoval. Salzburger 
Arbeit aus der Mitte des XVII. Jhs., von Gebhard Raininger (Bürger seit 1640). 
Jüngere Krone aus vergoldetem Kupfer, 1757 von Johann Georg Schmidt, Gürtler in 
Hallein, um 10 fl. angefertigt. 

Kelche: Silber, vergoldet. 1. Runder Fuß, mit getriebenen, buschigen Akanthuszweigen und drei Kelche. 

Cherubsköpfen. Am Knauf getriebene Rosen. Durchbrochener silberner Cuppakorb mit drei getriebenen 
Cherubsköpfen und Akanthusranken. — Marken: Salzburger Beschauzeichen (S in Oval).--- Meisterzeichen 

H C 

^ in Schild. Sehr gute Salzburger Arbeit aus der Mitte des XVII. Jhs., von Hans Caspar Ainhorn 

(Bürger seit 1635) (Fig. 16 a). Fig. 16a. 

2. Fuß mit drei getriebenen symmetrischen Rocaillen, silberner Cuppakorb, durchbrochen, mit getriebenen 
Rocaillen. — Marken: Salzburger Beschauzeichen (S in Oval). Undeutliches Meisterzeichen. Am Boden 
unten eingraviert die Buchstaben B. G. — Gute Salzburger Arbeit aus der Mitte des XVIII. Jhs. 
(Fig. 16 b). Fig. 16ft. 

XI 3 




18 



Gericlitsbezirk Salzburg 



Weihrauchfaö 
u. Schiffchen. 

Opfertasse. 

Ampel. 

Leuchter. 



Pluviale, 
Kasein. 



Lehnstulil. 
Grabsteine. 



Glocken. 
Wegkapelle. 

Bildstock. 



Weihrauchfaß und Schiffchen: Messingblech, versilbert, getrieben, Ende des XVIIl. Jhs. 

Opfertasse: Zinn. Salzburger Marlie von 1774. 

Ampel: Messingblech versilbert, mit getriebenen Blumen. Mitte des XIX. Jhs. 

Leuchter: Sechs große und acht kleine, Messingblech, versilbert, mit getriebenen Verzierungen. Mitte 
des XIX. Jhs. 

Pluviale: Weiße Seide mit bunten gewebten Blumen. XVIII. Jh. 

Kasein: 1. Weißer Damast mit gestickten Blumen in bunter Seide. Erste Hälfte des XIX. Jhs. 

2. Roter Samt mit hochgewebten goldenen Ranken. Mitte des XIX. Jhs. 

3. Weiße Seide mit gestickten Blumen und Früchten in Gold und bunter Seide. Erste Hälfte des 
XIX. Jhs. 

4. Mittelstück Goldbrokat auf roter Seide, Seitenstücke Silberbrokat auf gelber Seide. XVIII. Jh. 

Lehn stuhl: Holz, geschnitzt, mit Lederbezug. XVII. Jh. 

Grabsteine: 1. Im Inneren an den Wänden eingemauert: 

1. Im Chore. Gelbe Marmorplatte. Unten in Hochrelief Totenkopf und -knochen, von einer Schlange 
umwunden. Nikolaus Mudet aus Lyon (Eremit in Hellbrunn), gest. 1656. 

2. Unter der MusiKempore. Einfache kleine Marmorplatte, unten eingemeißelter Totenkopf. Anna Maria 
Baumgartnerin, geb. Furthueberin, geweste Getichtsschreiberin in Helbrun; gest. 1717. 

3. Ebenda. Rote Marmorplatte. Unten eingemeißelt Totenkopf und zwei Wappen. Bartholomae Baum- 
garthner, resignierter Gerichtschreiber und Umbgelter zu Glanegg; gest. 1746 im 78. Lebensjahre. — 
Maria Catharina Baumgarthnerin, gebohrne Schwerdtfürbin, gest. 1751 im 67. Lebensjahre. 

4. Ebenda. Gelbe Marmorplatte. Johann Anton Rieger, Gerichtschreiber und Umgelter zu Glanegg, dann 
Inspector zu Hellbrunn, gest. 1764 im 37 Jahr. 

II. Seit 1885 außen am Langhaus eingemauert, vorher im Fußboden des Schiffes und Chores. 

5. Große rote Marmorplatte. Im unteren Teile in Relief das reichskulpierte Wappen der Uiberacker. Oben 
fünfzeilige Inschrift in gotischer Minuskel: Hie leit begraben der Edl und vesst hanns Überäcker der 
dan gestorbn ist am tag Sand felixen der zeit amman auf dem obern weyer a° 1505 Jar. 

6. Große rote Marmorplatte. Unten in Relief Kelch und Buch in Dreipaßrahmen. Oben achtzeilige Inschrift 
in gotischer Minuskel: Hye ligt her Jörg_schader pfarer zu anlj . . der gestorben ist am pfincztag nach 
sand Erhardtstag Alls man zeit nach xpi gepurdt MCCCCC und XV Jar (1515). 

7. Kleine weiße Marmorplatte. Susanna Helena Grüffin von Kueffstain gebohrne Freyin von Stainau, in 
Schloß Anif im Kindbett gestorben 1686. 

8. Große rote Marmorplatte am Chore. Unten eingeritztes Wappen. Johann Paul Waßner von Waßenau... 
Rath und Pfleger zu Glanegg, Anif, Guettrath und Fager, Inspector zu Hellbrunn, gest. 1688. 

9. Kleine weiße Marmorplatte. Johann Melchior Hem, Gerichtschreiber im Hellenbrunn, gest. 1708 im 
58. Jahr. 

10. Kleine weiße Marmorplatte. Oben in Relief zwei kleine Wappen in Alliance. Maria Carolina Augusta 
Gräffin von Überäkher gebohrne Reichs Freyin von und zu Leonrodt; gest. 1750 im 43. Jahre. 

11. Kleine weiße Marmorplatte, mit Weihwasserschale. Johann Baptist Frais, Accessist beim Pfleg- und 
Landgericht Glaneck, gest. 1784 im 42. Jahre. 

12. Am Boden vor dem Westeingang zwei stark abgetretene rote Marmorplatten. Bei der einen unten 
gotische Majuskelinschrift (drei Zeilen), von der nur wenig mehr erkennbar ist (. . anno dhi MCCCXX . .). 
Bei der zweiten (in der Mitte der Länge nach entzwei geschnittenen) Platte in der Mitte leerer Wappen- 
schild, oben vierzeilige gotische Minuskelinschrift. Davon lesbar: Hie .. der g . . marquard .. dem got 
gen . . XV. Jh. 

13. Am Boden vor dem Speisgitter Bruchstücke zweier rotmarmorner Grabsteine, a) Hie leyt Rupprecht 
hoeninger der gestorben ist do man z(ählt) von christi gepurd mcccc Darnach in dem XXIII Jare. — 
b) Hie leyt Caspar Pirger der gestorben ist an sand margretn tag mcccclxx. 

Glocken: Drei Glocken von 1845, von Franz Oberascher in Salzburg gegossen. 

Wegkapelle; Im Orte. Kleiner rechteckiger Bau mit Schindeldach, flachbogige Tür, Eisengitter. Innen 
Immakulatastatue und zwei Putti (Holz, polychromiert), um 1800. 

Bildstock: Neben der elektrischen Bahn, im Orte. Achtseitiger Konglomeratpfeiler mit gegiebeltem 
Tabernakel. XV. Jh. 



Schloß Anif 



19 



I» 




Fig. 17 Schloß Anif, Gesamtansicht, im Hintergrunde der Hohe QöU 



Schloß Anif 



.iteratur: Hübner, Stadt 1, 543. — Wänzler, Intelligenzblatt 1808, 575. — Pillwein, Salzachkreis 350. — Süss, Jahresbericht 
des Mus. 1853, 66. — Wiener Bautenalbum XVI, 1899, Nr. 4. 

Alte Ansichten (im Salzburger Museum): 1. Elf Aquarelle um 1810 (Fig. 18, 19), Ansichten des alten Schlosses und der ver- 
schiedenen stimmungsvollen „Plätzchen". — 2. Lithographie von L. Rottmann nach G. Pezolt, um 1850. 

Seit dem XIV. Jh. war A. ein erzbischöfliches Urbaramt, das bald ,.zu Anif", bald „am obern Weyr" genannt und schon 
frühzeitig mit dem Amte Gutrat vereinigt wurde. 1505 starb der letzte Amtmann (s S. 18). Darauf wurde es dauernd mit 
der Pflege Glanegg vereinigt. 

Die Nachrichten über das Schloß Anif reichen nicht über das XVI. Jh. hinauf. Der erste nachweisbare 
Besitzer ist der salzburgische Kanzler Dr. Niclas Ribeisen, der 1530 das Haus am obern Weyer zu 
Leibgeding erhielt. Nach 1543 hatte Anna Lienpacher das Gut zu Anif lehensweise iniie, 1535 kommt 
Achatz Kölirer zu Wispach durch Erbschaft in den Besitz des Gutes. Von diesem erhielt es um 1560 
(Christoph Ferner von Rettenwörth, ein Kapitalist und Spekulant, der sich durch seinen Plan im Jahre 
1561, die Salzach beim Passe Lueg durch Sprengungen schiffbar zu machen, der Nachwelt bekannt 
gemacht hatte. Wie es von dessen Erben an Ferdinand Freiherrn von Kuen-Belasy gekommen ist, der 
am 8. Juni 1592 mit dem Schloss Anif samt dem Weyer, den 2 Fachen in der Au, dem Fischer in der 
.Salzach aufwärts, dem Mairhaiis zu Anif und den Gründen im Ober-, Mitter und Thiergartenfeld vom 
Erzbischof Wolf Dietrich belehnt wurde (vgl. Ldkde. 51, 307), wissen wir nicht. 1606 verkaufte er Anif 
an die Brüder Ernfried und Hans Kaspar von Kuenburg. Diese Familie verkaufte es 1643 an Sophie 
von Pauernfeind, vermählt mit Johann Ägyd Ferner von Rettenwörd und Lampoting, dem letzten seines 
iStammes. Er starb 1663 und 1673 verkaufte es die Witwe an Freisgott Grafen Kuefstain und dieser 
iwiederum 1689 an Erzbischof Johann Ernst, der es erneuern ließ, worauf er es 1693 den Bischöfen von 
IChiemsee zu Lehen gab. Der letzte von diesen (Sigmund Christof Graf Zeil) bereicherte den Garten 
I 3* 



20 



Oerichtsbezirk Salzburg 




Fig. 18 Das alte Schloß Anif, Ansicht von Südosten. Aquarell um 1810 (S. 21) 



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Fig. 19 Das alte Schloß Anif, Ansicht von Südwesten. Aquarell um 1810 (S. 21) 



Schloß Anif 



21 



mit einigen Denlimälern, auf denen empfindsame Verse zu lesen waren (vgl. Wänzler a. a. O.). 1807 fiel 
das Schloß der Säkularisation anheim, es wurde aber dem Bischof um 100 fl. jährlich verpachtet und 
1811 „aus ganz besonderer Rücksicht" um 1000 fl. zu freiem Eigentum verkauft. 1815 erkaufte es aus 
der Nachlaßversteigerung des Bischofs der pens. Bräuverwalter von Kaltenhausen Ulrich Payr, 1837 Alois 
Graf Arco-Stepperg, der es in den Jahren 1838 bis 1848 nach eigenen Entwürfen und den auf seinen 
Reisen in England und Frankreich gesammelten Vorbildern in gotischem Stile zum größten Teil neu 
aufbaute. Bauführer war der bayrische Architekt Heinrich Schön auer. Nach dem Tode des Grafen 
(1891) kam das Schloß an seine einzige Tochter Sophie, vermählt mit Ernst Grafen von Moy de Sons, 
Reichsrat der Krone Bayern. 




Fig. 20 Schloß Anif, Ansicht von Nordwesten (S. 21) 



Charakteristik: Das heutige Schloß stellt einen in den Jahren 1838—1848 durch den damaligen 
Besitzer Grafen Alois Arco-Stepperg durchgeführten, in gotischem Stile gehaltenen, vollständigen Umbau 
einer älteren Anlage (Fig. 18, 19) dar, die Erzbischof Johann Ernst Graf von Thun 1689 hatte erneuern lassen. 
Alt ist das dreistöckige Hauptgebäude (im O.) in voller Höhe, dann der kleinere Südtrakt bis zur Höhe 
des ersten Stockwerkes und das Erdgeschoß der daran anstoßenden Kapelle. Alles übrige wurde erst 
um 1840 dazugebaut; auch das Hauptgebäude erhielt damals eine gotische Außengliederung. 
Der in seiner herrlichen Umgebung außerordentlich malerisch wirkende, architektonisch ganz vorzügliche 
Schloßbau ist ein vortrefflicher Beweis für die starken künstlerischen Fähigkeiten der romantischen Bau- 
kunst, ein schlagender Gegenbeweis gegen die Verallgemeinerung der vor kurzem modern gewordenen 
Verachtung der „Neogotik". 

Lage: Das Schloß, das von allen Seiten einen überaus malerischen Anblick bietet, ist mit einem mäßig 
hohen Quaderfundament mitten in einem 4 ha großen, von hohen Bäumen umstandenen Weiher auf 
eichenen Piloten erbaut. Zugänglich ist es von O. durch eine breite, auf zwei Steinpfeilern und Eisen- 
traversen aufruhende Holzbrücke (Fig. 20 ff.). 



Charakte- 
ristik. 

Fig. 18, 19. 




Lage. 



Fig. 20 ff. 



22 



Qericlilsbczirk Salzburg 




Fig. 21 Schloß Anif, Ansicht von Südosten (S. 22) 



Beschreibung. 



Haupt- 
gebäude. 



Flg. 21. 



Beschreibung: Am Ende der Brücke stehen auf Marmorpostamenten die Sandsteinstatuen des 
Königs Rudolf von Habsburg und des Herzogs Heinrich des Löwen, vom Bildhauer Entrez, um 1848. 
Ein schmaler Umgang, nach außen mit einer direkt in den Weiher abfallenden, mit Zinnen versehenen 
Quadermauer abgeschlossen, umgibt das Hauptgebäude im S. und O. 

Das rechteckige Hauptgebäude besteht aus einem Erdgeschoß und drei Stockwerken, in der östlichen 
Breitseite hat es ein spitzbogiges gotisches Portal aus rötlichem Marmor (von Entrez, um 1848); die 
geschnitzte Holztür trägt die Wappen Arco-Pallavicini. 

Über dem Tore ist ein Doppeladler in weißem Marmor eingemauert, der auf seiner Brust den Wappen- 
schild der Grafen Arco (drei Bogen) trägt; darüber Dreiecksgiebel, von zwei Fialen flankiert, aus rötli- 
chem Marmor. Neben dem Tore im Erdgeschosse links vier, rechts ein Fenster, alle flachbogig; im 
1. Stock links vier rechteckige, rechts ein spitzbogiges Fenster. Im 2. Stockwerk links vier in der Mitte 
oben rechteckig ausgenommene Fenster, rechts zwei spitzbogige Fenster. Im 3. Stock links vier ge- 
kuppelte spitzbogige Doppelfenster, rechts zwei einfache spitzbogige Fenster beiderseits einer Uhr mit 
rundem Zifferblatte in rechteckiger Steinrahmung und Verdachungsgesimse. Ähnliche auf Spitzkonsolen 
ruhende Verdachungsgesimse über den vier linken Fenstern des 2. Stockes. Alle Fenster haben gotisch 
profilierte Umrahmungen aus Konglomerat. Abschlußgesims und durchbrochene Zinnenbalustrade aus 
Konglomerat. 

S. (Fig. 21): Drei rechteckige, einmal gestufte Strebepfeiler, die eine von zwei hohen Spitzbogen durch- 
brochene Obermauer tragen, sind der alten Südwand als Gliederung vorgebaut. In jedem der vier 
Geschosse zwei Fenster von entsprechender Form wie im O. Hoher gotischer Dreiecksgiebel. 

W.: Die Hofseite ist fast ganz verbaut. Links schließt ein rechteckiger Anbau an, der in seinem oberen 
Stockwerk einen Salon mit Terrasse enthält, rechts ist ein dreistöckiges Stiegenhaus vorgebaut und daran 
stößt der südliche Flügeltrakt an. — Über dem rundbogigen Portal ein rechteckiges und darüber ein 
hohes spitzbogiges Fenster. Zuoberst links eine Uhr, ähnlich wie im O., flankiert von zwei Rundfenstern. 
Rechts sind in der Höhe des ersten Stockwerkes als einziges Erinnerungszeichen daran, daß das Schloß 
aus einem älteren Bau hervorgegangen ist, eine Wappen- und eine Inschrifttafel eingemauert, beide aus 
rötlichem Marmor. Oben das schön skulpierte Wappen des Erzbischofs Johann Ernst Grafen von Thun, 
mit einem Cherabskopf an der Unterseite. Unter dem Wappen eine große rechteckige Marmortafel, um- 
rahmt von Früchten und Akanthusblättern, mit der Inschrift: 



Schloß Anif 



23 




Fig. 22 Schloß Anif, Ansicht von Westen (S. 22) 



Salve Hospes 

et 

Si aediutn titulum igiioras 

ab aqiiila Thiiniana scriptum scito. 

Maniim petis? 

Dictante dementia exaravit Liberalitas 

Characterem Principis. 

Dum 

Nobiles hos parietes cum adiedis adiacentibus suo 

aere conscripsit &■ adscripsit Chiemensi Mytrae 

in feudum suique memoriam 

lOANNES ERNESTUS 

ex comit: de Thiin, Archi-Epüs et Princeps 

Salisburgensis. 

Gesims und Zinne wie im O. 

N. (Fig. 23): Der nördliciien, dem Teich zugel<ehrten Schimalseite ist in der Höhe der unteren zwei 
Geschosse ein halbachtec]<:iger Anbau vorgebaut, der oben eine von einer Zinnenmauer umgebene 
Altane trägt. Auf diese Altane führt ein doppelteiiiges Spitzbogenportal in reich gegliederter Umrahmung 
aus rötlichem Marmor. Darüber eingemauert die aus Sandstein gemeißelten Wappen Arco-Pallavicini mit 
der achtzackigen Krone. Gotischer Ziergiebel wie im S., mit drei schmalen Kleeblattbogenfenstern. — 
Schindelsatteldach mit kleinen gegiebelten Dachfenstern und steinernen, zinnengekrönten Rauchfängen. 

Der zweistöckige Südtrakt, der das Hauptgebäude mit dem Kapellenturm verbindet, hat an seiner 
südlichen Außenseite (Fig. 21) je sechs Fenster; im Erdgeschoß flachbogige, im I.Stock rechteckige, im 
2. Stock an den Seiten zwei rechteckige, in der Mitte vier mit rechteckigen Ausnehmungen. Über den 
Fenstern des 1. Stockwerkes steinerne Verdachungsgesimse. Steinerner Spitzbogenfries. — An der Hof- 
seite (im N.) im Erdgeschosse zwei Türen und drei Fensler, alle fiachbogig; in den zwei Geschossen 
darüber je fünf rechteckige Fenster; alle in profilierter Konglomeratrahmung; Spitzbogenfries. Steiles 
Schindelsatteldach mit steinernen Rauchfängen und hölzernen Dachfenstern. 

Das in den Südostwinkel des Hofes eingebaute Stiegen haus ist im Grundriß rechteckig und hat drei 
Stockwerke. Auf der Westseite im Erdgeschoß zwei flachbogige, in den zwei mittleren Geschossen je 



Fig. 23. 



Südtrakt. 



Stiegenhaus. 



24 



Geilchtsbezlrk Salzburg 



Turm. 
Fig. 21, 24. 



Fig. 24. 



zwei rechteckige Fenster, oben zwei gekuppelte spitzbogige Fenster. Im N. eine flachbogige Tür 
und darüber je ein Fenster entsprechend denen im W. Alle Fenster in profilierter Konglomeratrahmung. 
An der Ecke, der Mitte und dem Südende der Westseite Lisenen mit vertieften Feldern, zwischen den 
Fenstern breite Friesbänder mit gotischen Maßwerkfüllungen, alle aus Konglomerat gemeißelt. 
Oben Spitzbogenfries, Zinnenabschluß. 

Der hohe rechteckige Turm an der Südwestecke enthält in seinem Erdgeschoß die Kapelle und in dem 
darüber liegenden Stockwerk den Speisesaal. An der südlichen Außenseite (Fig. 21, 24) ist ihm ein 
einspringender, von fünf Seiten des .Achteckes gebildeter, zweigeschossiger Chorschluß vorgelagert, mit 
dreimal abgestuften Strebepfeilern an den Ecken und je drei schmalen Fenstern mit Kielbogenabschluß; 
Abgewalmtes Dach aus buntglasierten Tonziegeln; darüber zwei schmale zugespitzte Fenster. — Auf 
der Westseite (Fig. 24) unten ein großes dreiteiliges, darüber zwei einfache Spitzbogenfenster, alle 
drei in profilierter Marmorumrahmung; im dritten Geschosse ein Holzbalkon mit rechteckiger Tür, flan- 
kiert von zwei kleinen spitzbogigen Fenstern mit Verdachungsgesimsen, im vierten drei kleine spitz- 




Fig. 23 Scliloß Anif, Ansicht von Norden (S. 22) 



Fig. 23. 



Anbau. 
Fig. 23. 



gieblige Fenster. — Auf der dem Hofe zugekehrten Nordseite (Fig. 23) unten ein gotisches Portal mit 
Kleeblattbogen, in verstäbter Umrahmung aus rötlichem Marmor; darüber auf Konsolen die Sandstein- 
statue des hl. Rupert mit der Statuette der hl. Mutter Gottes von Altötting (um 1840) in den Händen. 
Darüber nebeneinander zwei große spitzbogige Fenster in profilierter Marmorumrahmung. Als Abschluß 
dieses unteren Turmteiles Treppenfries aus Konglomeratplatten. Im dritten Geschosse ein oblonges flach- 
bogiges Fenster mit vier Halbkreisbogen im Abschluß; im vierten zwei zugespitzte schmale Fensler. Im 
O. oben zwei ebensolche Fenster. Die Ecken des Turmes sind von Lisenen eingefaßt, die durch einen 
Kleeblattbogenfries verbunden sind. Die vier achteckigen schindelgedeckten Ecktürmchen sind durch eine 
von Kleeblattbogen durchbrochene Balustrade aus Konglomerat verbunden. Das aufgesetzte kleinere 
Stockwerk hat im W., N. und O. je zwei, im S. eine Spitzbogentür; darüber Spitzbogenfries, Pyramiden- 
schindeldach mit Blechknauf und Blitzableiter. 

Die Nordseile des Hofes (Fig. 23) nehmen zwei kleinere rechteckige Bauten ein, ein dreigeschossiger 
Anbau an das Hauptgebäude und der Bildersaal, beide verbunden durch eine gotische Säulenhalle mit 
vier schlanken achteckigen Marmorsäulen und drei Kreuzrippengewölbejochen. 

Der Anbau (Fig. 23) enthält in den unteren zwei Geschossen zwei Dienerzimmer (im S. und N. unten 
zwei Paare von rechteckigen, oben von spitzbogigen schmalen Fenstern), das dritte Geschoß wurde 



I 



Schloß Anif 



25 



erst 1905 aufgesetzt. Auch die steinerne Vierpaßbaiustrade über der Säulenhalle wurde erst 1905 an- 
gebracht. Der Bildersaa! hat im S. und N. je ein breites fünfteiliges Fenster in Marmorumrahmung mit 
gotischen Maßwerken; oben Altane mit Zinnenbrüstung und zwei achteckigen, schindelgedeckten Ecktürmchen. 
In der Säulenhalle im W. spitzbogige Tür zum Bildersaa! in reich verstäbter Marmorumrahmung, im O. 
marmorner Wandbrunnen mit einer weinlaubumrahmten Maske aus weißem Marmor. Die im Rechteck 
nach W. vorspringende, von einer Zinnenbrüstung umgebene Terrasse (gegen den Hof um zwei 
Stufen erhöht) hat im W. (Fig. 22, 24) zwei rechteckige Ecktürme und einen halbrunden Mittelturm, alle 
nach innen offen und mit Zinnen abgeschlossen, aus Konglomeratquadern erbaut. Im Mittelturm führt 




Fig. 22, 24. 



Fig. 24 Schloß Anif, Ansicht von Südwesten (S. 24) 

eine Wendeltreppe zu der geräumigen, unter der Terrasse geschickt angebrachten Bootshalle hinab, die 
ein Grottengewölbe aus unbehauenen Tuffsteinen und zwei spitzbogige Eingänge an den Schmalseiten hat. 
Auf einem Vorsprung der Terrasse gegen den Hof zu steht ein Brunnen (Fig. 25) mit einer acht- Fig. 25. 
seifigen Einfassung aus hellem Untersberger Marmor und einem achtseitigem Mittelpfeiler aus gleichem 
Material, der an den Seiten zwei Löwenköpfe (Karraramarmor) als Wasserspeier hat und als Postament 
der niedlichen Brunnenfigur aus weißem Karraramarmor dient, eines sitzenden Putto, der einen wasser- 
speienden Delphin in den Armen hält (um 1840). 

Unter dem Bildersaal befindet sich eine niedrige Halle, zu der man vom Hof auf eine Treppe hinab- 
steigt; sie hat einen starken Mittelpfeiler und ein aus vier sich schneidenden Tonnen gebildetes Gewölbe. 

Das Innere des Schlosses (Fig. 26) ist in vornehmem Geschmack reich ausgestattet. Die in gotischem Inneres, 
Stile gehaltene Dekoration gibt einen guten Rahmen für die zahlreichen wertvollen Kunstschätze aller Fig. 26. 
mit denen der Erbauer die Räume füllte. 

XI 4 



26 



Qerichtsbezirk Salzburg 



In der Einfahrt hölzerne Kassettendecke, gestützt durch fünf Bogen mit geschnitzten Füllungen, auf figu- 
ralen Konsolen. 

An der Wand der mit einem kassettierten Holzplafond gedeckten Einfahrt ist eine Marmorplatte mit 
skalpierter gotischer Rankenumrahmung und der eingemeißelten Erbauerinschrift eingemauert: 

Dieses Haus hab ich erbaut 

Hab dabei viel Stein verhaut 

Manches gut und manches schlecht erdacht 

Hab zehn Jahre damit zugebracht 

Geholfen haben mir der Handwerk viel 

Gottes Gnad führt es zum Ziel. 

1838—1848 
Aloys Graf von Arko— Stepperg. 




Fig. 25 Schloß Anif. Schloßhof mit dem Untersberg (S. 25) 

Eine Marmortür mit gotischem Gewände (flachem Kielbogenschluß) führt in ein Vorzimmer, von dem aus 
man rechts zur hölzernen Aufgangstiege kommt. 

Bildersaal. Der Bildersaal hat eine flache hölzerne Balkendecke mit aufgemalten Wappen. Die Wände sind zur 
Hälfte mit Holz (mit gotischen Füllungen) verkleidet. 

Die Räume im Erdgeschosse haben flache Decken. Im ersten Stock des Hauptgebäudes ebenfalls flache 
Decken, zum Teil einfache, hölzerne Kassettenplafonds. 

Der nördliche Ecksaal im zweiten Stockwerk hat noch den alten Holzplafond vom Ende des XVII. Jhs.: 
Vertiefte Kassetten, umrahmt von vergoldeten Perlstäben und Perlschnüren, Holz, braun gebeizt. Im 
Mittelfeld rechteckiges Deckenbild, Öl auf Leinwand, Galathea, auf einem von zwei Delphinen gezogenen 
Muschelkahn stehend, umgeben von drei Najaden, zwei Tritonen und einem Putto; gutes Bild, signiert: 
F. Clessmann 1844. 

An den Wänden rote Spaliere, unten Holzverkleidung, ein Kamin mit einem von zwei Marmorsäulen 
gestütztem Vorbau mit den Wappen Arko-Pallavicini und den großen Gemälden des Grafen Arko und 
seiner Gemahlin sowie des jetzigen Besitzers Grafen Moy de Sons und seiner Gemahlin. In den drei 
Zimmern daneben hölzerne Piafonds, in dem zweiten gelbe, in dem dritten grüne Seidenspaliere. Zwei 
Türen mit skalpierten Marmorgewänden (gotische Ranken). Im Schlafzimmer im Südtrakt Holzplafond, 
großer Gobelin und Stofftapeten. Im Speisesaal (Turm, ober der Kapelle) bemalter Kassettenplafond. An 



I 



Schloß Anif 



27 



den Wänden bis zur halben Höhe Holzverkleidung; oben gemalte Wappen; die Spitzbogenfenster haben 

hölzernes Maßwerk. Am Gang im zweiten Stock des Südtraktes dekorative Malereien mit drei ritterlichen 

Paaren, datiert: Anno domini 1846, vom Maler Grün wedel. 

Im dritten Stock durchaus flache Decken. 

Vom dritten Stock des Hauptgebäudes führt ein mit einer spitzbogigen Tonne gewölbter Gang zu einem 

großen flachgedeckten Zimmer im Turm (ober dem Speisesaal). Auf einer hölzernen Wendeltreppe kommt 

man von diesem in die darüber gelegene Rüstkammer und auf die Aussichtsterrasse. 

Kapelle: Dreijochiges Rippengewölbe. An den Wänden dreistäbige Halbsäulchen aus rotem Marmor 
mit gotischen Blattkapitälen aus weißem Marmor. An der Eingangswand als Konsolen die Halbfiguren 
zweier gewappneter Ritter mit Schilden in den Händen, darauf die Initialen A — / (weißer Marmor). 
Gegenüber an der Südwand als Konsolen die Halbfiguren von zwei Engeln mit den Wappenschilden 
Arko-Pallavicini. An der Westwand eingemauerter gotischer Vierpaß (aus grauem Marmor) mit dem Datum 
der Kapelleneinweihung: C. S. est 5. April 1851. In der Ostwand Oratoriumfenster in Holzrahmung mit 
zwei hölzernen Engeln. 




Kapelle. 



Fig. 26 Schloß^Anif,;iGrundriß 1 : 400^(S. 25) 



Altar: Gotische Mensa aus gelblichem Marmor. Hölzerner gotischer Aufbau. In der Mitte in Hochrelief 
Krönung der hl. Maria durch Jesus und Gott-Vater, oben die Taube; an den Seiten die Statuen der 
hl. Irene und des hl. Aloisius; Holz, steinfarben bemalt. Gute Arbeiten um 1850. 
Marmorner Taufstein, um 1850. 

Im südlichen Teile des großen, von weiten sonnigen Rasenflächen unterbrochenen Naturparkes (an- 
gelegt von Hofgärtner Win ter le, um 1840) steht ein für die Naturschwärmerei dieser Zeit bezeichnendes 
Denkmal: ein Mar m or ob el isk auf prismatischen Postamente. An vier vorspringenden Platten des 
Postamentes die Inschrift: Willkommen, Ihr Freunde — Der schönen Natur, — Der stillen Einsamkeit, 
— Des ländlichen Lebens. — An der Pyramide vier ovale Platten mit den Buchstaben STZT, am Sockel 
die Jahreszahl MDCCCIV. (Man vergleiche das Aquarell um 1810 im Salzburger Museum.) 

Grotte: Südwestlich vom Schlosse, am Weiherufer. Tonnengewölbte Grotte, an deren Eingang sich 
Stalaktiten bilden. Darüber niedrige Frontmauer mit eingelassener Marmorplatte: oben im Relief ein Bär 
mit zwei Wappenschilden. Darunter die Inschrift: Horreum hoc, iniuria temporum collapsum, a funda- 
mento erexit Joannes Aegidius Berner de Rettenwert et Lampoting Erbausferg in Lauffen et uxor eius 
Sophia Paurnfeindin Anno a partu virgineo Cl MDCXLVI (1646). 

Die Privatsammlung des Grafen und der Gräfin Moy de Sons in Schloß Anif 

wird im Anhang beschrieben. 

4* 



Altar. 



Naturpark. 

Marmor- 
obelisk. 



Grotte. 



28 



Gerichtsbezirk Salzburg 





Fig. 27 Bergheim mit dem Untersberg, Ansicht von Norden (S. 30) 



Bergheim, Dorf 

Archivalien: Pfarrarchiv (Kirchenrechnungen seit 1607 [1651 — 1666 fehlen]). — Konsistorialarchiv. 

Literatur: Pillwein, Salzachkreis 365. — Dürlinoer, Handbuch 6. — Zillner, Salzb. Geschlechterstudien, IL, Izling-Fischach- 

Bergheim-Radeck in Ldke. 19 (1879), 1 ff. — E. Richter, Untersuchungen zur hist. Geogr. in Mitt. d. Inst. f. ö. Q., 

1. E.-B., 707. 

Erzbischof Adalbert übergibt 927 dem Diakon Reginold Hof, Kirche, Zehente und Hörige ad Percheim (HAUTHALER, 
Salz. U.-B. 1, 78 Nr. 11). Auch in den nächsten Jahrzehnten wird Percheim oder Percheimun noch öfter genannt 
(ebenda 149 und 169 f.). Häufiger aber begegnet der Käme seit der Mitte des XU. Jhs., da sich ein Zweig des bedeutenden 
Ministerialengeschlechtes der Itzlinger oder Fischacher nach B. benannte (ZILLSER, a. a. O. 38 und Stammtafel). Am 
13. Juni 1295 verkauft Heinrich von Bergheim ^min gesaezze ze Perchaim mit allem daz darzue gehört, wan es min vater 
und ich herbracht haben ze rechtem lehen . . . und darzue min gericht ze Percheim, daz ich und min vater von dem 
gotshaus ze rechtem lehen gehabt haben" um 200 Pfund an Erzbischof Konrad IV. (RICHTER, a. a. O.J. Das Geschlecht 
verschwindet in den letzten Jahrzehnten des XIV. Jhs. Von der einstigen Burg, die sicher nicht an der Stelle der Kirche 
(s. unten) gestanden hat, fehlt heute Jede Spur. Das Gericht wurde nachmals mit dem Pfleggerichte h'euhaus vereinigt. 

Pfarrkirche. D 6 k 3 n 3 Ip f 3 f r k i r c h 6 z u m hl. Gcorg. 

Eine Kirche in Bergheim ist schon 927 (s. oben) nachgewiesen. Udalrkus plebanus de Perchaim ist 
Zeuge einer Urkunde im Jahre 1211 (Meiller, RAS 201, Nr. 136). Möglicherweise wurden die Steine der 
verlassenen Burg — wenn es sich 1295 (s. oben) überhaupt um mehr als ein befestigtes Haus gehandelt 
hat? — zur Vergrößerung der Kirche verwendet; jedenfalls aber wurde diese nicht erst davon gebaut, 
wie Zillner a. a. O. meint. 1430 besitzt sie schon die Kirchen zu Anthering und Haliwang als Filialen. 
Am 1. Juli 1520 wurde die Kirche samt dem Friedhofe von Bischof Berthold von Chiemsee rekonziliiert. 
Am 30. Juni des folgenden Jahres wurde der Hochaltar neu geweiht. Die Visitationsakten von 1619 
beschreiben das Innere wie folgt: 

Sacramentum asservatur in iabernaculo marmoreo pulchro, sed parieti a cornu altaris dextro affixo, quod facile esset 
ad altare summum iransportari. Altaria habent tria: 1. in hon. s. Georgii. retro quod imago Salvatoris ne discindatur 
in lamina cuprea depingatur, 2. in cornu dextero in hon. b. Marie virg.. 3. a cornu sinistro in hon. s. Joannis Bapt. 
Bapiisterium in media ecclesiae situm libertatem eiusdem impedit quod alicui columnae admoveri opportunius esset. 

Den Kirchenrechnungen entnehmen wir: 1642: für ainen neuen weiß märblstainen Taufst ain dem Maister 
bezahlt 28 ]l. — 1647: dem Franz Peret, Maler, für das Fahnblatt St. Anna 18 fl.; dem Maler umb 
ain Tafel, darauf die Oaißlung Christi zum Beichtstuhl 45 kr. — 1682: für eine Kirchenfahn dem 
Friedrich Peret. Maler, 12 fl. 



li 



Bergheitn 29 

m 4. April 1689 berichtete der Pfarrer an das Konsistorium: „Es erzaigen sich bey meiner Pfarrkirchen 
allberait so große Baufälligkeiten als erstlich an dem Thurm, welcher alltäglich zu fahlen beginnet und 
ohnedem muess abgetragen werden, 2''° an dem vordem Gewelb bey dem Hochaltar, so ganz zerbrochen 
und 3''° an dem Tach. Daß die notwendige Reparatur [:wie es der Augenschein klar erweiset und der 
hf. Paumaister Z u c a 1 1 i selbsten gesechen:] ehisten hechstermaßen vonnethen wäre. Wan nun aber 
auch die Kirchen so klain, dass sie den 3. Teil meiner anvertrauten Schaf lein, zu geschweigen die ganze 
Pfarrmenig in concursu, beschwerlich fasst, die Reparatur große Unkosten erfordert," so rate er einen 
vollständigen Neubau an. Auch der Gerichtsschreiber von Neuhaus hielt das für das Beste (27. August 
1689). Ein Überschlag nach einem Riß stellte sich auf 2854 fl. 35 kr. Am 17. Februar 1690 nahm tat- 
sächlich die hochfürstliche Hofbaumeisterei den Augenschein vor; zu einem Bau aber kam es noch nicht, 
da das nötige Geld nicht aufgetrieben werden konnte. Zwei Jahre später, am 1. März 1692, wurde der 
Pfarrer Johann B. Caspar Pock neuerdings vorstellig: „Obzwar die Heiligen Gottes ihrer Essentialglory 
nach hegst glückselig seyn und ihnen nichts ermanglet, so hat es doch bey villen das Ansehen, dass sie 
an ihrer äußerlichen Herrlichkeit große Noth leiden und das auf Erden geliebte Votum paupertatis an- 
noch stricte zu halten, ja die Nothwendigkeit zu beten gemüesset werden, unter welcher sich insonderheit 
der in dem Gottshaus Pergheim rastende hl. Ritter Georgias auch befindet, dessen Armueth also groß, 
dass er ohne Ross und ohne Zeug in einer darzue noch schlechten, baufälligen und engen Ehrenwohnung 
vor guet mues nehmen." Aber auch diese bewegliche Klage nützte nichts. Am 17. April 1693 konnte 
wegen Lebensgefahr nur mehr auf den Seitenaltären zelebriert werden und bald darauf stürzte der Hoch- 
altar überhaupt ein. Nachdem man wegen Geldaushilfen bei allen vermögenderen Kirchen angefragt 
hatte, wurde endlich 1695 der Bau durch den Maurermeister Matthias Köllersperger begonnen 
und im gleichen Jahre der Hauptsache nach fertiggestellt. 

Am 23. Dezember suchte bereits Maler Johann Martin Schaumberge r, dieweilen nun das neu- 
gebaute St. Georgen-Gottshaus alberaith verfertigt, um die Arbeiten für den neuen Hochaltar an; da 
aber die Mittel erschöpft seien und vielleicht der Erzbischof selbst den Hochaltar zahlen werde, erfolgte 
kein Bescheid. Nach und nach kam die Einrichtung zustande. 1697: Dem Meister Georg Michler, 
Tischler in Salzburg, wegen Verfertigung der neuen Kirchenstühle 55 fl, wegen der neuen Canzl 50 fl, 
dem Maler 30 fl. — 1704/06: Zum neuen Hochaltar: Simon Frieß, Bildhauer in Salzburg, 100 fl, 
Lorenz Windtpic hier, Tischlermeister daselbst 130 fl, Johann Friedrich Berette (= Pereth), 
Malern, 43 fl 30 kr, Adam Pirckmann, bgl. Maler in Salzburg, wegen der Faßarbeit 176 fl 30 kr. 
706 wurde der Hochaltar aufgestellt. 1707 folgten auch die Seitenaltäre von denselben Meistern 

it 144 fl. Eine Uhr wurde 1698 um 70 fl. von der St. Valentinskirche zu Marzoll (bei Reichenhall) 
erhandelt. 1700 gießt Andrä Gärtner, bürgerlicher Glockengießer in Salzburg, die große Glocke. 
Sonst enthalten die Kirchenrechnungen noch: 1707: neues Kirchengitter 24 fl. Baltasar Böckl für 
Mahlung des Opferstöcklsblattl bei dem neuen Gatter und das Spalier beim Hochaltar 4 fl, Ferdinand 
Sigmund Am ende, Goldarbeiter in Salzburg gegen Aufgabe der alten weißen, silbernen Monstranze 
von 71 Lot eine neue vergoldete von 121 Lot Augsburger Prob 190 fl; 1708: eine große versilberte 
Ampel; 1712 wird durch Georg Eisenperger die mittlere Glocke übergössen um 157 fl.; 1716: 
neuer Kirchenornat 140 fl; 1724: Bonifacius Obstmann, Tischler zu Seekirchen, für ein neue 
Truchen oder Ligcasten von Aichenholz in die Sacristey 30 fl, dem Rupp Pürckmann, Malern in 
Salzburg, für Bemalung desselben 2 fl 30 kr. 1726: dem Simon Schmid, Gürtler in Salzburg, für 
ein neues Fahnenkreuz 25 Jl; dem Glockengießer Andrä Zac henhube r für eine neue Glocke über 
Abzug der alten 253 fl; 1750: Josef Müller, Maler für ein Fahnenblatt 13 fl; 1761: Josef Müller 
abermals für ein Fahnenblatt 16 fl. 

1797 wurde der Turm nach dem Riß des hochfürstlichen Bauverwalters Wolf gang Hagen au er wieder- 
hergestellt, nachdem am S.August V2 7Uhr früh ein Blitz den Turm so zerquetscht hatte, dass die erste 
oder höchste Kuppel gänzlich ruiniert, die Laterne durch Zerschlagung der Säulen hart mitgenommen, 
eine Säul bis in den Boden zersprengt und eine andere stark beschädigt und die große Kuppel von ein- 



30 



Gerichtsbezirk Salzburg 



ander gesprengt wurde. 1801 wurde um 18 fl. ein Rauchfaß und 1805, da die hl. Gefäße von den 

Franzosen entwendet worden waren, von der Domkustorei ein Ziborium und zwei Kelche um 176 fl. 

erkauft. 

1839 restaurierte Maler Martin Pitzer um 30 fl. das Hochaltarbild und die Kreuzwegstationen, 1843 

wird auch der St. Johanns -Altar repariert. 1844 wird der Hochaltar, an welchem das Gold ganz wc^ 

ist und nur das rote Boloment durchschaut und der wegen Veraltung vom Wurm sehr beschädigt ist, 

von Sigfrid Jaud, Maler und Vergolder, mit einem Kostenaufwande von 849 fl. neu vergoldet. 



Charakte- 
ristik. 



I'lg. 27-30. 
Lage. 



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Fig. 28 Bergheim, Pfarrkirche von Südwesten (S. 31) 

DüRLiNOER erwähnt einen Ecce homo von Hofmaler Gastmayr in Wien, die Himmelfahrt Christi al fresco 
von Rattensperger und ein geschnitztes Kruzifi.x von Josef Haid. 
Seit 1812 ist Bergheim Sitz des Dekanats. 

Charakteristik: Das einschiffige, tonnengewölbte Langhaus, der einspringende, gleichhohe, halbrund 
geschlossene Chor und die Sakristei wurden an Stelle der alten Kirche 1695 durch Matthias Köllers- 
perger neu gebaut. Der in seinem Hauptteile noch gotische Turm erhielt 1797/98 nach Plänen Wolf- 
gang Hagenauers ein neues Glockengeschoß samt Zwiebelhelm (Fig. 27—30). 

Lage: Vom Friedhof umgeben, auf einem Hügel über dem Dorfe. Neben der Kirche steht die gotische 
St. Laurenzikapelle. 



I 

I^B Bergheim 31 

H Äußeres (Fig. 27, 28): 

Stein und Ziegel, Langhaus, Chor, Oberteil des Turmes gelb und weiß gefärbelt. 

Langhaus: Umlaufender Konglomeratsockel, profiliertes Kranzgesims. W. Dreiecksgiebelfront mit vor- 
gebautem Turm. — S. Drei hohe rechteckige, oben vier kleine breitovale Fenster. Rechts unten Tür mit 
hölzernem Vorbau; daneben zwei marmorne Weihwassermuscheln (1695). — N. Ebenso, ohne Tür. 

Chor: Einspringend, halbrund abgeschlossen, wenig höher. Niedriger Konglomeratsockel, profiliertes 
Kranzgesims. Vier hohe Fenster, darüber je ein kleines breitovales Fenster. — Über Langhaus und Chor 
gemeinsames, nach O. abgewalmtes Schindelsatteldach; Blechknauf, Kreuz. 

Turm: Der Westfront des Langhauses vorgebaut, das er beträchtlich überragt. Quadratisch; drei Ge- 
schosse aus unverputzten Nagelfluequadern, zwei abteilende einfache Bandgesimse. Hoher Sockel, ver- 
putztes profiliertes Abschlufjgesims. - W. Im Mittelgeschosse Luke. — N. und S. Neue spitzbogige Tür 
auf drei Stufen, darüber drei Luken. — Achtseitiger Oberteil, Ziegel, weiß gefärbelt; vier rundbogige 
Schallfenster, darunter hölzerne Zifferblätter, profiliertes Kranzgesims. Rotgestrichenes Schindelzwiebcl- 
dach mit Laterne, Blechkugel, Doppelkreuz; auf der Zwiebel aufgemalt die Jahreszahlen 1798 und 1894. 



Äußeres. 
Fig. 27, 28. 

Langhaus. 



Chor. 



Turm. 




Fig. 29 Bergheim, Pfarrl<irche, Grundriß 1 : 200 (S. 31) 

Sakristei: Im N. des Chores, einstöckig. — O. Links moderner Türvorbau; drei Fensler überein- 
ander. — N. Übereinander je zwei Fenster. Schindelpultdach. 

Umfriedungsmauer: Bruchstein, hellgelb verputzt, Steinplattenbelag. Im O., SO. und S. je ein 
Eingang, flankiert von zwei kugelbekrönten Postamenten aus Konglomerat. 



Sakristei. 



Umfriedungs- 
mauer. 



Inneres (Fig. 29, 30): 

Modern ausgemalt, hell und geräumig. 

Langhaus: Einschiffiger hoher Saal. Rundbogiges Tonnengewölbe mit drei Gurtbogen auf Pflastern 
(reiche profilierte Kämpfergesimse, hohe Sockel) und Eckpilastern mit schmäleren Gurtbogen. Jederseits 
vier rundbogige Stichkappen. 

Westempore: Übereinander zwei graugelb gestrichene Holztribünen mit geschweiften Brüstungen, unten ge- 
tragen von zwei toskanischen Holzsäulen und vier dünnen Holzstützen, oben von zwei kleineren tos- 
kanischen Holzsäulen. Eingebaute doppelte Holzstiege. Im W. unter der Empore rundbogige Tür in 
tlachbogiger Nische. An den beiden Türen Eisenbeschläge und große Schlösser (von 1695). — Im O. 
rundbogiger Triumphbogen in fast voller Höhe und Breite auf zwei hohen vorspringenden Pilastern. 



Inneres. 
Fig. 29, 30. 

Langhaus. 



32 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Chor. Chor: Einspringend, gleiciihoch, Boden um drei Stufen aus rotem Marmor erhöht. Sechs Wandpilaster, 

zwei rundbogige Quergurten, im Abschlüsse zwei Radiaigurten. Rundbogige Tonne und Halbi<uppel, 
fünf rundbogige Stichi<appen. \m N. Sai<risteitür in profilierter Umrahmung, darüber oblonges, vergittertes 
Oratoriumfenster und Wan dgemälde (Christi Himmelfahrt) von Ra tten sp erger, um 1840. Vier 
große Fenster, darüber kleine querovale Fenster. 

Turm. Turm: Das Untergeschoß bildet eine kreuzgewölbte Vorhalle zur Kirche. Neben der Kirchentüre zwei 

marmorne Weihwassermuscheln (1695). 

Sakristei. Sakristei: Flachgedeckt. Im W. hölzerner Stiegenaufgang zu dem gleichfalls flachgedeckten Oratorium. 




Fig. 30 Berglieim, Pfarrkirche, Inneres (S. 31) 



Einrichtung. 

Altäre. 

Hochaltar. 

Fig. 31. 



Barock und modern. 



Einrichtung: 



Altäre: 1. Hochaltar (Fig. 31). Prunkvoller hölzerner Barockaufbau, bis zum Gewölbe reichend, neu 
gefaßt. Auf zwei Holzstufen rechteckige Mensa. Großes, gelb gestrichenes Holztabernakel mit Kuppel- 
dach, vier gewundenen vergoldeten Säulchen, größerer Muschelnische mit Standkruzifix, zwei kleineren 
auf der Seite. Oben Lamm Gottes (Holz, vergoldet) und Kreuz, seitlich zwei geringe Engel (Holz, poly- 
chromiert). Seitlich der Mensa zwei adorierende Engel (Holz, polychromiert). 

Aufbau: Holz, graugelb gestrichen, zum Teil vergoldet. An den Seiten zwei Durchgänge mit geschwun- 
genen Verdachungen und Statuenpostamenten. Dreigeschossiger Unterbau; vor den Feldern vergoldetes 
Bandwerk und Ranken; zwei Cherubsköpfchen, Holz, polychromiert. — Hauptteil: Beiderseits des Altar- 
bildes je zwei große vergoldete gewundene Säulen mit Kompositkapitälen, dazwischen schön geschnitzte 
vergoldete Akanthusranken; verkröpftes Gebälk mit geschnitzten vergoldeten Zieraten (Blattranken), über 
dem Bilde Baldachin mit vergoldetem Quastengehänge, oben mit Rocailleschnitzereien (um 1750). Über 
den äußeren Säulen Volutengiebelansätze. 

Aufsatz mit Bild in Vierpaß, zwei vergoldeten gewundenen Säulen, Seitenranken, Giebelansätzen, sieben 
Skulpturen. 
Den Aufbau machte 1704/06 der Tischler Lorenz Windpichler in Salzburg um 130 fL 



Bergheim 



33 



Gemälde: Öl auf Leinwand. Altarbild: Der hl. Georg auf hoch sich aufbäumendem Schimmel erschlägt 
mit dem Schwerte den bereits vom Speer durchbohrten Drachen. Rechts oben die kniende Königstochter 
Margarete, zwei Putti. — Aufsatzbild: Krönung der Madonna durch die hl. Dreifaltigkeit. — Beide von 
Johann Friedrich Pereth, 1706. 

Skulpturen: Holz, neu polychromiert, Gewänder vergoldet und versilbert. Vier lebensgroße Statuen: Judas 
Thaddäus (Keule), Petrus (Papst mit Kirchenschlüssel), Rupert, Johann von Nepomuk. Am Aufsatze 




Fig. 31 Bergheim, Pfarrkirche, Hochaltar .von 1706. 
Skulpturen von Simon Frieß, Gemälde von J. F. Pereth (S. 32) 



kleinere Figuren: Barbara und Katharina, Josef-Nährvater, Apostel Johannes. Zuoberst auf Postament 
mit Cherubskopf St. Michael und zwei Putti. — Gute Arbeiten von Simon Frieß in Salzburg, 1706. 

Zwei Seitenaltäre im Langhaus, im Aufbau einander gleich, ähnlich dem Hochaltar, von denselben 
Meistern wie dieser 1707 angefertigt, neu gefaßt. 

Gemauerte Mensa mit modern bemaltem Holzantependium. — Wandaufbau: Holz, graugelb gestrichen, 
zum Teil vergoldet. Doppelgeschossige Predella. Auf übereckgestellten Postamenten zwei vergoldete 
gewundene Säulen und zwei Statuen auf Volutenkonsolen beiderseits des Altarbildes. Applizierte ver- 
XI 5 



Seitenaltäre. 



34 



Qerichlsbczirk Salzburg 



goldete Ranken. Vergoldete Seitenranken. Aufsatz mit Rundbild, zwei vergoldeten Säulen, Giebelansätzen, 
fünf Figuren. Aufbau von Lorenz Windpichle r, 1707. 

Linker 2. Li n k er S e i t e n al tar (Fig. 32) : Gemälde: Öl auf Leinwand. Altarbild: Kreuzigung, mit Maria, 

Seitenaltar. Magdalena, Johannes. Gut, um 1740; bezeichnet: ST ST P FF (= Stefan Sternhuber parochus fieri fccit; 

Fig. 32. er war Pfarrer 1733—1744). — Aufsatzbild: Die hl. Sippe. Gering, 1707, aus der Werkstatt Pereths. — 

Über dem einfachen Tabernakel Maria-Hilf-Bild in reich geschnitztem, vergoldetem Rocaillenrahmen (um 

1750). 

Statuen: Holz, neu polychromiert und vergoldet. Stephan und Laurentius, am Aufsatze die Hl. Apollonia 
(Nagel und Zange) und Agatha (mit ihren abgeschnittenen Brüsten auf einer Schüssel), oben die hl. 
Margareta mit zwei hl. Äbtissinnen (Scholastika und Ottilie). Gut, von Simon Frieß, 1707. 




Fig. 32 Berglieim, Pfarrkirche. Linker Seitenaltar von 1707 
Skulpturen von Simon Frieß, Kanzel von 1697 (S. 34) 



Rechter 3. Rechter Seitenaltar: Kleines vergoldetes Rokokotabernakel für die Kreuzpartikelmonstranz, um 
Sdtenaltar. 1750. 

Gemälde: öl auf Leinwand. Altarbild: Taufe Christi, oben Gott -Vater, zwei Putten, zwei Engel; um 1740. 
— Aufsatzbild: St. Sebastian und Florian, stark gedunkelt. 1707. 

Statuen: Holz, neu polychromiert und vergoldet. Zacharias und Elisabeth, am Aufsatze St. Anton von 
Padua, Franz von Assisi, Johann von Nepomuk und zwei andere heilige Priester. Gute Arbeiten von 
Simon Frieß, 1707. 

Kanzel. Kanzel (Fig. 32): Am Pfeiler zwischen Langhaus und Chor. Von der Sakristei aus zugänglich. Holz, 

Fig. 32. grüngelb gestrichen und vergoldet Fünfseitige Brüstung. An den Ecken gewundene vergoldete Säulchen 

auf Konsolen; dazwischen in Muschelnischen die guten Statuetten Christi und der vier Evangelisten 

(Holz, polychromiert und vergoldet); unter Christus ein Cherubskopf. Ablauf mit vergoldetem Granat- 



I 



ßergheim 



35 



äpfel. An der Brüstung Arm mit Kruzifix. Fünfseitiger Schalldeckel mit vergoldetem Behänge. Unten 
die Taube, oben Namen Jesu im Strahlenkranze. — Gute Arbeit von 1697. Die Tischlerarbeit von 
Georg Mich 1er. Die Skulpturen wohl von Simon Frieß. 

Orgel: Am Gehäuse geschnitzte vergoldete Ranken, um 1850. 

Tauf st ein: Untersberger Marmor. Kurzer profilierter Fuß, aciitseitiges Becken mit der eingemeißelten 
Jahreszahl 1642. Er kostete 28 fl. (s. S. 28). Holzdeckel mit der Holzstatuette Johannes des Täufers 
(XVIll. Jh.). 

Skulpturen: Holz, neu polychromiert. 1. Im Langhause lebensgroße Statue der gekrönten Mutter 
Gottes mit dem Kinde; gut, XVlIl. Jh. Postament um 1790. 

2. Vom Triumphbogen herabhängend. Lebensgroßer Kruzifixus, an den Balkenenden Cherubsköpfe. 
Tüchtige Arbeit, Mitte des XVIII. Jhs. 

3. Kruzifix; gut, XVlll. Jh. (Sakristei). 

4. Tragkreuz, XVIll. Jh. 



Orgel. 
Taufstein. 



Skulpturen. 




a b 

Fig. 33 Bergheim, Pfarrkirche, Kelche. 
a Salzburgisch, um 1630. b Salzburgisch, 1502 (S. 35) 

\ Gemälde: Öl auf Leinwand. Christus als Schmerzensmann (Ecce homo), von Gastmayr; gut, Gemälde. 
I XVIII. Jh. (Sakristei). — Moderner Kreuzweg. 

Monstranzen: 1. Silber, vergoldet. Fuß reich getrieben, Kartuschen mit Blumen, Ornamente. Schein: Monstranzen. 

Reich ornamentiert, durchbrochen, mit Perlen und unechten Steinen besetzt. Strahlenkranz. Gut, 1707. — 
I Marken: Zwei Salzburger Repunzen von 1806 (12 C). 

2. Kupfer, vergoldet und versilbert. Fuß getrieben. Schein mit durchbrochenem Rankenrahmen, Strahlen- 
j kränz, unechten Steinen. Um die Mitte des XIX. Jhs. 

I Kelche: Silber, vergoldet. 1. Sechspaßförmiger Fuß mit Wappen des Erzbischofs Leonhard von Keut- Kelche. 

Schach (Rübe) und der Jahreszahl 1.5.0.2. renovatu{m) anno 1627. Gedrückter Knauf mit Rosetten. 

Darüber kurzer sechseckiger Stiel mit den Initialen IHESVS; glatte Cuppa. — Marken: Salzburger Beschau 
' (S in Oval). — Salzburger Repunze von 1806 (CC) (Fig. 33 ö). Fig. 336. 

2. Fuß getrieben, mit Volutenornamenten und aufgelegten silbernen Cherubsköpfchen. Am Knauf drei 
j aufgelegte silberne Cherubsköpfchen. Durchbrochener silberner Cuppakorb mit Ornamenten, Leidens- 

5* 



36 



Cjerichtsbezirk Salzburg 



Werkzeugen, vier Cherubsköpfchen. — Marken: Salzburger Beschau (S in Oval). — Zwei Salzburger Re- 
punzen von 1806 (CC). Meisterniarke: B in Oval. Gute Salzburger Arbeit, um 1630, wohl von Erasmus 
Bolle (Bürger seit 1614) (Fig. 33 a). 
Beide Kelche stammen aus der Domkustorei in Salzburg. 

Rdlquiar. Reliquiar: Messing, vergoldet, in Form einer kleinen Monstranz, mit doppeltem Rocaillenrahmen und 
Strahlenkranz. Am Fuße getriebene Rocaillen. Um 1750. 

Kreuzpartikel- Kreuzpartikelmonstranz: Messing, vergoldet, getrieben. Am Fuße Ranken, am Knaufe drei 
monstranz. Widderköpfe, durchbrochener Schein mit Gitterwerk und Ranken, unechten Steinen, Strahlenkranz, Kreuz. 
Anfang des XIX. Jhs. 

Meßkannclien Zwei Meßkännchen samt Tasse: Silber, vergoldet, getrieben mit Rocaillen und Blumen. — 
mit Tasse. Marken. Augsburger Beschauzeichen mit V (1771 — 1773; R- 212). Meistermarke: CXS in Breitoval 
(R^ 568). Arbeit des Caspar Xaver Stipeldey in Augsburg, 1771. 

Rauchfaß Rauchfaß und Weihrauchschiffchen: Messing, versilbert, mit getriebenen Verzierungen. 1801 
u. Schiffchen, (s. S. 30). 

Meßbuch- Meßbucheinbände: 1. Druck von 1857. Am roten Ledereinband mit eingepreßten goldenen Ro- 
einbände. caillen graviertes Silberbeschläge, vorne St. Georg im Kampfe mit dem Drachen, rückwärts Wappen mit 
Inschrift: M. PETRVS AINKAS P. P. 1722. 

2. Druck von 1767. Schönes erhabenes Silberbeschläge, Rocaillen in durchbrochener Arbeit, in der Mitte 
zwei Kartuschenschilder mit gravierten Figuren, vorne der hl. Georg, rückwärts der hl. Michael; um 1767. 

Ampeln. Ampeln: Zwei große Ampeln. Metall, versilbert, in durchbrochener Arbeit, Akanthusranken. XVIII. Jh. 

Ornat Ornat: Goldbrokat mit buntseidenen Blumen. Sehr schöne, gut erhaltene Stücke, XVIII. Jh.; wohl der 

von 1716 (s. S. 29). 

Pluviaic. Pluviale: Silberbrokat, große buntseidene Blumen; erste Hälfte des XIX. Jhs. 

Kasein. Kasein: 1. Roter Samt, eingepreßtes Rankenmuster, XVIII. Jh. 

2. Roter Goldbrokat (modern gefärbt) mit Kreuzblütenmuster, XVIII. Jh. 

3. Silberbrokat, bunte Seidenblumen. Schönes Stück, XVlll. Jh. 

4. Goldbrokat, bunte Seidenblumen. Schönes Stück, XVlll. Jh. 

5. Silberbrokat, große Blumenranken, im Mittelstück auf violettem, auf den Seiten auf blauem Grunde. 
XVlll. Jh. 

6. Gewebt, bunte Blumen. Erste Hälfte des XIX. Jhs. 

Varia. Varia: Zwei Traglaternen. XVIII. Jh. 

1706. 



Zwei Reliquiare mit vergoldeten hölzernen Rankenrahmen, um 



Grabsteine. Grabsteine: Meist rote Marmorplatten. 1. Im Fußboden des Langhauses, stark abgetreten. Mit Doppel- 
wappen und Inschrift in gotischer Minuskel: Hie leit Pauls und Sibilla sein hausfraw die ge- 
storben sind zue sand Niklas tag m°cccc°lxin (1463). 

2. Ebenda. Sehr stark abgetreten, mit drei Wappen. Sehr beschädigte Umschrift in gotischer Minuskel: 
Hie leit ninger des heyligen Zwelfpotten dem got genad (XV. Jh.). 

3. Hinter dem Hochaltar, im Fußboden. Oben Relief. Wolf gang Hofer de Rastat (Pfarrer, gest. 1565). 

4. Im Chor. Oben skulpiertes Wappen, Kelch, Buch. Darunter Inschrift: Peter Ainkhäß von Petershaußen 
und Ainkhäßhofen, Pfarrer; gest. 1733. 

5. An der Chorwand. Untersberger Marmor. Oben skulpiertes Wappen zwischen zwei Paaren gekreuzter 
Totengebeine. Johann Baptist Noder, Pfarrer; gest. 1749. 

6. Im Chor, an der Wand. Untersberger Marmor, oben Volutengiebel. Josephus Antonius Gassmayr, 
Parochus in Bergheim qui postquam Ecclesiani hanc munifice ornaverat et domum parochialem altius 
engende in meliorem formam redegerat . . . abiit MDCCLXXVII (1777). 

7. Im Chor, an der Wand. Oben Volutengiebel. Jacobus Mayrler, Konsistorialrat, zuletzt Pfarrer in 
Bergheim; gest. 1798. 

8. An der Laibung des Triumphbogens. Oben in Relief Wappen, Kelch, Bibel. Darunter lange Inschrift. 
Stephanus Sternhueber, 11 Jahr gewester Pfarrer alda zu Berghamb; gest. 1744. 

'■). Gegenüber ähnliche Grabplatte. Oben in Relief Wappen, Buch, Kelch. Darunter Inschrift. Joseph 
Anton Dettinger, Pfarrer zu Pergheim; gest. 1763. 

lO. Im Langhaus, an der Wand. Kleine Inschriftenplatte aus Untersberger Marmor, profilierter Rahmen 
aus Adnetcr Marmor, unten Totenkopf: Johann Joseph Freyherr von Rehlingen auf üoldenstein. Ursprung 
und Etsenhcim, churbaierisch und hochfürstlich Salzburgerlicher Kämmerer, Landmann und Hauptpfleger 
zu Alt- und Lichtentann etc.; gest. 1773. 



Bergheim 



37 



n. Gegenüber. Einfache kleine Platte aus Untersberger Marmor. Fräiile Maria Anna Freyin von Reh- 
lingen in Goldenstein und Ursprung; gest. 1753. 

12., 13. Außen vor dem Südportale der Kirche am Boden zwei sehr stark abgetretene Grabsteine aus 
rotem Marmor mit den tief eingegrabenen Konturen zweier Geistlicher. Über dem Kopfe des einen noch 

leserlich: Anno dni 1468 kathedra Petri obiit Auf einem zweiten Bruchstücke (Fußteil): . . Oder 

hui{us) ecc(\es)ie plebanus . . . (Leonhard Oder, Pfarrer, 1461 — 1468). — Von dem zweiten Grabstein ist 
noch der Name üerstetter zu lesen (Pfarrer Jakob Gerstetter, 1480—1481). 

14. Außen an der Südseite des Langhauses eingemauert. Adneter Marmor. Kruzifixus, umgeben von 
Wolken mit Cherubsköpfchen. Unten links kniender Mann in Mäntelchen und Radkragen, rechts Wappen. 
Unten Inschrift in Kartusche mit Cherubskopf: Paulus Ursprunger zu Ursprung, gest. 1620 — dessen 
Hausfrau Anna Teuffenpacherin, gest. 1604 -- Florian Ursprunger Bürger und Gastgeb in Salzburg hat 
den Stain . . . machen lassen 1623. Mittelmäßige Arbeit. 

15. An der Südostseite der Friedhofsmauer. Fünf Kinder des Michael Pflöghart, 1659 — 1668. 

16. Daneben kleiner roter Marmorrahmen, ohne Inschrifttafel. Mitte des XVI. Jhs. 

Grabkreuz: Im Friedhofe (S.) ein großes schmiedeisernes Kreuz mit Bandwerk und vergoldeten 
Ranken, sowie zwei auf Blech gemalten Engeln. Vorzügliche Arbeit um 1730. Die gegossene Christus- 
figur ist modern. (Grabstätte Laichtinger.) 

Glocken: Das ganze Geläute von 1910. 



Grabkreuz. 



Glocken. 




Fig. 34 Bergheim, St. Laurenzikapellc, Grundriß 1 : 125 (S. 37) 

St. Laurenzikapelle im Friedhofe. 

Am 1. Juli 1520 weihte Bischof Berchtold Pürstinger von Chiemsee die Capella s. Laurentii in Perkhaim 
una cum uno altari in hon. ss. Laurentii et Floriani martyrum necnon Albani episcopi et Elizabeth vidue. 
1643 wurden drei Eisenfensterrahmen gemacht (10 fl.) und 1647 erhält Hans Bogenreitter, Schlosser 
in Salzburg, um ain von Sprengwerch gemachtes Güter fürs Todtenköterl in St. Lorenz 19 fl. 
Charakteristik: Einschiffige spätgotische Kapelle mit dreiseitigem Abschluß und schönem Netz- 
gewölbe, 1520 geweiht (Fig. 34, 35). 
Lage: Südlich neben der Kirche im Friedhofe (Fig. 28). 

It Äußeres (Fig. 28): 

Bruchstein und Ziegel, weiß verputzt. 

W. Giebelfront. Tür in Steinrahmen (mit schönem Eisengitter von 1647); kleine marmorne Weihwasser- 
muschel. Holzvorbau von 1911 lan Stelle eines durch einen Sturm niedergerissenen größeren). Im Ab- 
schlüsse zwei rechteckige (ursprünglich spitzbogige) Fenster. — Nach O. abgewalmtes Schindelsatteldach, 
über dem Westgiebel hölzernes Glockentürmchen mit Schindelverkleidung, Blechknauf, Doppelkreuz. 

Inneres (Fig. 34, 35) : 

Einschiffiger Raum. Gotisches Netzgewölbe mit birnförmig profilierten Rippen, die in der Mitte der 
Fensterhöhe auf Spitzkonsolen aufsitzen. Altes Marmor- und Ziegelpflaster. 



St. -Lau- 
renzi- 
kapelle. 



Charakte- 
ristik. 
Fig. 34, 35 
Lage. 

Äußere?. 
' Fig. 28. 



Inneres. 
Fig. 34, 35. 



38 



Cerichtsbezirk Salzburg 



Einrichtung. Einrichtung: 

Altar. Altar: Einfache Holzmensa. Schöner Wandaufbau. Holz, dunkelbraun gestrichen, mit vergoldeten 

Zieraten. Zwei gewundene Säulen, umrankt von vergoldeten Blättergirlanden; daneben vergoldete Frucht- 
gehänge. Gerades Gebälk mit vergoldeten Ranken. Flachbogiger Giebel, gesprengt durch Rundbild 
in reich geschnitztem vergoldetem Rankenrahmen. 

Gemälde: Altarbild, Öl auf Holz: St. Laurenz. Aufsatzbild, Öl auf Leinwand: Madonna mit dem Kinde. 
Der Altar stammt aus dem Ende des XVII. Jhs. 



Sku:pt;::c:t. 

G^^bit-:•'^ 




Fig. 35 Bergheim, St. Laurenzikapelle, Inneres. Altar vom Ende des XVU. Jhs. (S. 37) 

Skulpturen: Holz, neu polychrom iert. 1. Lebensgroße Figur der hl. Anna. 
2. Lebensgroße Statue Christi an der Geißelsäule. Beide gut, XVIII. Jh. 

Grabsteine: Bloße Inschriftplatten. 1. Phtlippus Wierl. Pfarrer (gest. 1650). 

2. Vlrgillus Wierl. Pfarrer, 1648. 

3. Johannes Millaucr, Pfarrer, Chronogramm auf 1688. 

4. Johann Franz Hofmann gewester Inhaber der Papiermüll in Lenefelden. 1709. 

5. Mpollonia Elisabdha Hof mannin 1704. 

6. Johann Sigmund Hof mann gewester Inhaber der Papier Mühl in Lengfelden 1736. 
f. Drcy Hoff manische Kinder, frest. 1726, 1728, 1729. 

8. Johann Franz Sigmund Hoff mann 1726. 



Bergheim. — Diebering 



39 



Pfarrhof: Östlich neben der Kirche. Rechteckiges zweistöckiges Gebäude. Bruchstein und Ziegel, 
gelb gefärbelt, weiße Einfassungen. In der Mitte der Südseite rundbogige Tür in Steinrahmung. Zier- 
: giebel. Schindeldach. — Den Oberstock ließ Pfarrer Gassmayr (1768—1787) aufsetzen. 

■ Wegkapellen: 1. Am Bache östlich von der Kirche. Bruchstein und Ziegel, weiß gefärbelt. Recht- 
eckig mit halbrundem Abschlüsse. Vorne flachbogige Tür (Eisengitter), geschützt durch das weit vor- 
springende, von zwei Steinsäulen getragene Dach. Im N. flachbogiges Fenster. Schindelsatteldach mit 

: Giebel im O. Innen: flachbogiges Tonnengewölbe. 
Einrichtung: Barockaltärchen mit bekleideter Mutter-Gottes-Statuette. Vier Statuetten (Holz, polychromiert), 

i St. Rupert, St. Vitalis, Johannes der Täufer, Maria; mittelmäßig, XVIII. Jh. 

j 2. Östlich davon, am Bache. Ähnlich, kleiner. Unter dem Dachvorsprunge zwei Holzsäulen. 1841 erbaut. 
{ Einrichtung: Christus im Grabe (Holz, polychromiert). — Anna Selbdritt (Holz, polychromiert); die 
i sitzende hl. Anna trägt auf ihrem linken Arme das Christkind, dem die links stehende hl. Marie eine 
] Traube reicht; mittelmäßig, Anfang des XIX. Jhs. Sechs Statuetten: Zwei adorierende Engel, St. Virgilius, 
St. Rupert, Tod, Chronos; Holz, polychromiert, mittelmäßig, XVIII. Jh. 

I 3. An der Fischach. Bruchstein und Ziegel, rot und weiß gefärbelt. Kapellenartig. Quadratisch, an den 

j Seiten je ein kleines rundbogiges Fenster, vorne vergitterte Tür. Beiderseits die Wetterheiligen St. Johann 

; und Paul. Geringe Fresken des XVIII. Jhs. Innen an der Decke geringe Malerei, Krönung Mariae durch 

I die hl. Dreifaltigkeit, XVIII. Jh. Schindelpyramidendach mit Knauf und Kreuz. 



Pfarrhof. 



Wegkapellen. 



Ehemalige St. Margaretenkirche in Fischach. 

Herzog Theodebert von Bayern übergab zirka 700 der Salzburger Kirche im Salzburggati JoceUum qiii vocatiir Fischaha, 
mansos V . . et farinariis in fluenta Fischaha", und unter den Kirchen, die um 790 dem Bischof gehörten, finden wir auch 
.ad Fischaha eccl. cum manso uno" (HAUTHALER, U.-B, 1, 10 und 13). Im XII. Jh. nennt sich auch ein Zweig der 
Ministerialenfamilie der Itzling-Bergheimer „von Fischach" (MEILLER, RAS S. 385 und HAUTHALER 1014). Die 
Visitation von 1614 beschreibt das Kirchlein: .Ecclesia est valde parva et sacelli pottus refert speciem. Altare habet unum 
Statuae, quae a qitatuor chori partibus stant turpissimae sunt et horum quaedam monslra esse videntur, quocirca non 
quierit absque necessitate, ut aliae decentiores substituerentur." 

Die Bergheimer Kirchenrechnung vermerttt 1622: „Ein Altarstein gehn Vischach zu St. Margarethen machen lassen 20 fl." 
und 1755: „Johann Rupert Seelinger, Malern in der Riettenburg, für Renovierung und Vergoldung des Altars, auch der 
2 BlOdter 29 fl."" 

Im Jahre 1800 wurde die Kirche profaniert, verliauft und in ein Wohnhaus umgewandelt, „das noch einen Weihbrunnstein 
zur Erinnerung an seine vormalige Bestimmung im Vorhause eingemauert hat" (DÜRLINGER 15). 



Ehemalige 
St. Marga- 
retenkirche 
in Fischach. 



Diebering, Weiler 



DÜRLINGER, Handbuch 34. 



Literatur: Winklhofer, Intelligenzblatt 1908, Nr. 21—23. — Pillwein, Salzachkreis 383. 

! Ms.: Wie Hallwang. 

1 Herzog Theodebert von Bayern gab an Salzburg „villam que dicitur Tittmannige" (so die späte Handschrift, doch ohne 
! Zweifel statt „Dietramingen'). In Urttunden aus der ersten Hälfte des XII. Jhs., besonders in Traditionen von St. Peter 
I (HAUTHALER, U.-B. 1, 25 und 985), begegnen uns mehrere Mitglieder eines Geschlechtes, das sich von „Dietramingin" 
• („Dietramingen", auch „Dietamigin" usw.) schrieb. In der zweiten Hälfte desselben Jlis. verschwinden sie jedoch wieder. 
Nach ZILLNER (Ldkde. 19, 55 und 21, 30) und ihm folgend RICHTER (Untersuchungen 709) stammen von ihnen die alten 
' Gutrafer ab. WINKLHOFER sucht das Schloß des Geschlechtes an einer „etliche Büchsenschüsse vom Brunnerbauern 
I gegen Osten liegenden Stelle, auf der Anhöhe, die die Bauern den Löffelstiel nennen". 

j Ehemalige Filialkirche zum hl. Michael (abgebrochen). 

j „Sie war Itlein und glidi den Kirchen aus dem XV. Jh. Ihre Länge mag 18 und ihre Breite 10 Sdiritte betragen haben. 

! Diese Kirdie stand an der westlichen Seite des Dorfes. Der Tliurm war gegen das linlie Edi des Fudisenhauses gekehrt 

und nur etlidie Sdiritte davon entfernt, er war nahe an der Straße, die vom Dorfe aus in die Lodifelder führt. Der Thurm 

erhob sich vom Grund aus, den ein Dackwerk von einer kleinen Kuppel deckte, auf deren Spitze ein Hahn stand. In der 

Kirdie war unter der nadi Art alter Tafelwerke gezierten Emporkirche ein kleiner Altar zu sehen. Das Altarblalt liatte 

eine Rahme von geschnitztem Laubwerk und stellte Mariam vor, ihr Kind auf der Schoß haltend und herum eine Menge 

I kleiner Engel, die Blumen streuten. Ober diesem war das Bild des hl. Michael angebradit. Zur Seite der zwei gedrehten 

I Säulen standen die Bischöfe Rupert und Ulrich. Ihrer unförmlichen Bildung sah man es deutlich an, dass sie sehr alt 

\ waren." 1787 wurde die Kirdie demoliert und das Material zum Bau des Vikariatshauses Hallwang verwendet. „Alles dieses 



Ehemalige 
Filialkirche 

zum 
hl. Michael. 



L 



40 



Oerichtsbeziik Salzburg 



und was sonst noch hinwegzubringen war, haben die h'adibarn sidi zugeeignet und damit ihre Hausalläre bereidiert. Reim 
Abbredien fand der Zimmermeister am Thurm, wo sidi das Gewölb ansdiloss, in einem Quaderstein eine Jahreszahl ein- 
gehauen, die über 300 Jahre alt war.' (WINKLHOFER.) 

Über die älteste Gesdiidite und den Ursprung finden sidi keine Nadiriditen, 1592 sudien die Hallwanger Zedipröpste bei 
der frstl. Hofkammer um eine Hilf- und Bausteuer für das niedergefallene Kirdilein zu Dietraming an (SRA Hfk. h'eu- 
haus 1592 F). Kirchenrechnungen: 1595: .ein neues Tuech auf den Predigstuel 1 fl. Iß 10 S,'. — 1664: .für Abprechen, 
Erweitern und von Grund Auferpauung der Rundet und Langhaus, item eines Gang-Pflasters, Überzimmers, des Thurms, 
Tafelpoden und Parkirchcn 787 fl. 25 kr." — 1780 wurde die Kirche gesperrt, 1787 abgebrochen. Die zwei Glodten, im 
Gesamtgewichte von 150 Pfund, wurden an den Glockengießer Johann Oberascher um 75 fl. verkauft, die beiden Statuen 
vom Altare fand DÜRLINGF.R zirka 1850 noch in der Neureutkapelle vor. 




Fig. 36 Elixhauscn, Pfarrkirclie von Südwesten (S. 41) 



Elixhausen, Dorf 

Archi Valien: Pfarrarchiv Bergheim. — Konsistorialarcliiv. 

Literatur: Salzburger Intelligenzblatt 1807, Sp. 563. — Salzburger Zeitung 1825, Nr- 137. — Pillwein, Salzachkreis 371. - 
DüRLiNOER, Handbuch 17. 

Unter Erzbischof Hartwic (991—1023) werden Güter ,in loco qui dicitur Ebidehsunhusa' oder .Epidesunhusun' vertauscht 
(HAUTHALER U.-B. 1, 206 und 208). In späteren Urbaren des Stiftes Nonnberg, das dort begütert war, heißt der Ort 
im XIV. Jh. ,Edexhausen' , im XV. „Ele.Khausen' (Ldkde. 23, 44—66 und 100 f.). 

Pfarrkirche. Pfarrkirche zu den Hl. Bartholomäus und Vitus. 

Laut einer Weihenotiz (gedruckt im Intelligenzblatt) wurde die Kirche {hasUica Elixhsenhaiiseti) am 
1. März 1173 von dem exilierten Bischof Ulrich von Halberstadt (vgl. Meiller, RAS 478 Anni. 18) ge- 
weiht. Neuerlich wurde die capella Elexhawsen mit einem Altare von Bischof Berthold von Chiemsee 
am 24. August 1516 konsekriert. Auch die Visitation von 1613 fand dortselbst nur einen Altar (imago 
Salvatoris a tergo concisa lamina ferrea depingatur nee non imago altaris a pulvere purgetur et ubi 
fracta est, resarclatur), jedoch keinen Kelch oder sonstiges vor, da alle Paramente bei Gottesdiensten 
erst von Bergheim, dessen Filiale sie war, herbeigebracht würden. 

1695 wurde der Eingang in der Turmhalle eröffnet und dort ein Gitter angebracht. 1704 malt Mar- 
garete Schwäblin, Malerin in Salzburg, eine Sonnenuhr (3 fl.). 1769 kam der St.-Benedikt- Altar 
aus dem Stifte Nonnberg, das in Elixhausen viele Grunduntertanen hatte, dahin (vgl. Kunsttopogr. VII, 
S. LVil). 



I 



Elixliauscn 



41 



In einer Nonnberger Notiz von 1769 heißt es: 

IDen 26. October (1769) ist der hl. Vatter Benedict- Altar völlig abgebrochen worden und der ganze Altar ausser des 
mittleren Blath . . . ist in die Khirchen auf Ellexhausen, weilen allda ville Clusters Underthanen und sonderbare Ver- 
ehrer unser hl. Muetter Erentraud, . . . verehrt worden. — Weillen ihr Kierchen Patron der hl. Bartlme, so ist innen 
die große Tafel, so in der Sacristey gehangen, welche die Bildtnus des hl. Bartlme gar schön vorstOllte, vor das Altar- 
hlath verehrt worden; es haben die bauern den Altar selbst hinausgeführt. 

Der Aufbau von 1626 ist noch erhalten. Die zwischen 1505 und 1515 unter der Äbtissin Regina Pfäffinger 
hergestellte Altartafel (s. Kunsttop. VII, S. LVII) ist leider verschwunden. 
1 1796 wurde der Turmhelm nach Kapuzinerturmart umgestaltet. 1803 wurde von Henndorf ein Taber- 
nakel gekauft und renoviert. 

1798 wurde ein Vikariat errichtet, das seit 1891 Pfarre ist. 

Die Kirche wurde 1823 von Grund aus von der Gemeinde aus eigenen Mitteln ohne Inanspruchnahme 
eines Fonds neu gebaut — nur der alte Turm blieb — und am 28. September 1824 eingeweiht. Zu 
einem 1823 neu errichteten 
zweiten Seitenaltar schenkte 
Pfarrer Matthäus Reiter in 
Ainring ein Altarblatt: Christus 
am Kreuz. Tischler und Maler 
waren von Neumarkt. Ein Altar- 
blatt, der hl. Veit, in den Kessel 
springend, fand wenig Beifall. 
1839 wurde von einem Wohl- 
täter ein neuer Kelch statt 
eines geraubten geschenkt; 
Dorlinger erwähnt, daß das 
Ziborium von Nonnberg her 
geschenkt worden sei. 

Charakteristik: Einfache 
Landkirche, einschiffig, tonnen- 
gewölbt, mit einspringendem, dreiseitig geschlossenem Chor, 1823 neu erbaut. Von der ehemaligen 
gotischen Kirche von 1516 steht nur noch der einfache Westturm, mit Zwiebelhelm. Ungünstig wirkt 
die hellgraue neue Zinkblechdachung (Fig. 36, 37). 

Lage: Vom Kirchhof umgeben, allseits frei an der Südseite des 546m hoch gelegenen Dorfes, mit 
schöner Aussicht nach S. auf die Salzburger Berge. Daneben im SO. das einstöckige, freundliche Pfarr- 
haus, im S. eine mächtige alte Linde, im N. das nette kleine Mesnerhaus. 

Äußeres (Fig. 36): 

Bruchstein und Ziegel, verputzt, gelb gefärbelt, mit weißen Einfassungen. Umlaufender Sockel. 

Turm: Spätgotisch. Drei, durch zwei Kaffgesimse abgeteilte Geschosse. W. Tür (1695) auf zwei Stufen, 
' mit Holzvorbau. — N. Unten Anbau 2. Im zweiten Geschosse eine Luke. — Im dritten Geschosse vier 
spitzbogige gotische Schallfenster in Steinrahmung mit breit ausgekehlter Laibung. Profiliertes Kranz- 
gesims, in der Mitte halbrund aufgebogen. Rotgestrichener Schindelzwiebelhelm (von 1796, ,1852 neu 
i gedacht), Knauf, Doppelkreuz. 

Langhaus: W. Dreiecksgiebelfront mit vorgebautem Turm, ganz mit Schindeln verkleidet. N. und S.: 
In der Mitte Tür, oben drei große Fenster mit marmornen Sohlbänken. Einfaches Gesims. Zinkblech- 
satteldach. 

r.hor: Stark einspringend. Drei große Fenster mit marmornen Sohlbänken, im S. Sakristeianbau. Ab- 
j gewalmtes Zinkblechsatteldach. 

[Anbauten: 1. Sakristei im S. des Chors, zweigeschossig. — W. Kleines Fenster. — S. Rundbogige 
' gotische Tür in Steinrahmung, oben mit abgeschrägten Kanten (Türstock wohl übertragen vom gotischen 

XI 6 




Fig. 37 Elixhausen, Pfarrkirche, Oriindriß 1 : 200 (S. 41) 



Charakte- 
ristik. 



Fig. 36, 37. 
Lage. 



Äußeres. 
Fig. 36. 

Turin. 



Langhaus. 



Clior. 



Anbauten, 



42 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Friedhof- 
mauer. 

Inneres. 
Fig. 37. 

Turmhalle. 
Langhaus. 



Chor. 



Anbauten. 



Einrichtung. 

Altäre. 
Hochaltar. 



Im W. Tür in flachbogiger Nische, im O. flachbogige Tür. Weihwasser- 



3ei;i;n.nltürc. 



Bau). Darüber kleines flachbogiges Fenster. -- O. Übereinander zwei flaciibogige Fenster. Alle Fenster 
mit marmornen Sohlbänken. Blechpultdach. — 2. Leichenkammer im N. des Turmes, im N. rundbogige 
Tür, im W. flachbogige Fenster. Blechdach. 

Fri ed hof mauer : Im O., S. und W. Bruchstein verputzt, Steinplattenbelag. Im SW. steinerner Stiegen- 
aufgang. 

Inneres (Fig. 37): 

Hell, geräumig, 1901 neu ausgemalt. In Turmhalle und Langhaus Fußboden aus roten Marmorplatten. 

T u r m h a 1 1 e : Flachgedeckt, 
muschel aus gelbem Marmor. 

Langhaus: Rundbogiges Schalgewölbe 
mit drei Paaren von Stichkappen und vier 
auf Flachpilastern (mit profilierten Gesim- 
sen) ruhenden Gurtbogen. — Westempore 
(Holz mit Stucküberzug) mit flachem Boden 
auf zwei Holzsäulen, beiderseits durch- 
brochen von hölzernen Stiegenaufgängen. 
Gerade Brüstung. Darüber eine zweite 
kleinere mit der Orgel, auf Holzstützen, 
mit Holzstiege. Im W. auf der Empore 
breite spitzbogige Tür zur hölzernen Turin- 
stiege. Drei marmorneWeihwassermuscheln. 

Chor: Stark einspringend, Gewölbe etwas 
niedriger als im Langhause, Boden um 
zwei Stufen aus rotem Marmor erhöht. 
Gegen das Langhaus zu rundbogige Öff- 
nung in voller Chorbreite; auf drei hinter- 
einander abgestuften Pilastern mit profi- 
lierten Gesimsen drei Gurtbogen. In den 
vier Abschlußecken eingewinkelte Pilaster 
mit einem Gurt- und zwei Radialbogen. 
Oblonge Tonne und halbkuppelförmiges 
Abschlußgewölbe. — Im S. rundbogige 
Sakristeitür mit breit abgeschrägten Kanten, 
darüber flachbogiges Oratoriumfenster mit 
einfachem Eisengitter. 

Anbauten: 1. Sakristei: Flachgedeckt, 
ebenso das Oratorium darüber. — 2. Lei- 
chenkammer. Spiegelgewölbe. 

Einrichtung: 

Drei Altäre: 1. Hochaltar: Holz, 
neu gefaßt, grüngelb gestrichen, mit ver- 
goldeten Zieraten. Freistehende Mensa mit 
modernem Tabernakelaufbau (Rokokoform), 
mit den guten, neu polychromierten Holz- 
statuetten der hl. Kirchenväter Gregor und 
Augustinus und gutem Standkruzifix; Mitte 
des XVIIl. Jhs. — An der Chorwand dahinter Wandaufbau von 1626 (s. oben). Predella; rundbogiges 
Altarbild, flankiert von zwei auf prismatischen Postamenten stehenden Säulen, die in Spiralen von ge- 
schuppten Streifen und Perlreihen umwunden sind. Daneben Konsolen. Vergoldete Koinpositkapitäle, 
verkröpfles Gebälk mit antikisierenden Gesimsen. Kleiner, von zwei Säulchen flankierter Aufsatz mit 
Kreuz. — Altarbild (St. Bartholomäus) und Aufsatzbild (Gott-Vater) von Josef Ratten sperger, 1850. 
— Neben den Säulen die Holzstatuen der Apostel Andreas und Simon, oben zwei Engel. Um 1850. 
Fünf Cherubsköpfchen, um 1626. 

2 und 3. Zwei Seitenaltäre, im Aufbau einander gleich. Holz, grünlich und rötlich marmoriert, mit 
vergoldeten, geschnitzten Zieraten. Ausgebauchte Mensa. — Wandaufbau: Über der Predella rechteckiges 
Altarbild, iiaiikiert von zwei Flachpilastern mit vergoldeten Blumengehängen und Kompositkapitälen. 




Fig. 38 Elixhausen, Pfarrkirche, Seitenaltar von 1823 (S. 43) 



I 



Elixliaust'ii 



43 



l„„...._. „„^ 

Aufsatz mit Gemälde, Seitenvoluteii, halbrund aufgebogenes Gesims, Kreuz. 

2 Linker Seitenaltar. Altarbild: Die Madonna mit dem Kinde, darüber zwei Putti. Bezeichnet: 
Joseph Rattensperger luv. et pinx. 1851. — Aufsatzbild: Die hl. Erentraud auf Wolken über 
dem Stifte Nonnberg. Ebenfalls von Rattensperger, 1851. — Zwei Statuen (Holz, polychromiert), 
die Hl. Katharina und Barbara; bezeichnet: Webersperger. Um 1851. -~ Der Altar wurde wohl 1851 
nach dem Vorbilde des rechten Seitenaltars errichtet. 

3 Rechter Seitenaltar (Fig. 38). Altarbild. Der Gekreuzigte. XVllI. Jh. 1823 geschenkt (s. Gesch.). 
Aufsatzbild: Der hl. Veit; von Jos. Rattensperger, 1851. — Zwei gute Holzstatuen, St. Rupert und 
Virgil. Um 1700. — Der Altar wurde 1823 errichtet. 

4. in der Totenkammer hübscher kleiner Altar, Holz, noch 
in der alten Originalfassung; schwarz lackiert, mit zwei flan- 
kierenden gewundenen Säulen, vergoldeten Schnitzereien. 
Übermaltes Tafelbild, Pietä. Erste Hälfte des XVII. Jhs. 

Kanzel (Fig. 38): Holz, marmoriert, Sechseckform, einfach. 
Schmucklose Brüstung (dahinter rundbogige Tür zum Ora- 
torium). Am Schalldeckel unten die Taube, oben die Gesetzes- 
tafeln in Strahlenkranz, vergoldete Ranken. Um 1850. 

Orgel: Am Gehäuse schön geschnitzte vergoldete Ranken, 
in der Mitte Cherubskopf, darüber Zifferblatt. Um 1850. 

Skulpturen: Holz, polychromiert und vergoldet. 1. Im 
Chor auf Konsole. Gute Statue des hl. Michael; Anfang des 
XVllI. Jhs. (Fig. 39). 

2. Auf Tragstangen zwei Leuchterengel. Gut, XVIII. Jh. (Fig. 38). 

3. Am Triumphbogen großes Hängekruzifix mit drei Cherubs- 
köpfen. XVIII. Jh. 

4. Prozessionskruzifix; XVllI. Jh. (Sakristei). 

5. Mutter Gottes mit dem Kinde, lebensgroß. XVIII. Jh. (Toten- 
kammer). 

Monstranzen: Messing, vergoldet. 1. Am Fuß gravierte 
Ranken. Schein mit durchbrochenem Rankenrahmen, zum Teil 
versilbert; Gott-Vater, zwei Putti. Doppelter Strahlenkranz. 
Bunte Glasflüsse. Erste Hälfte des XVIII. Jhs. 
2. Reich getrieben. Am Fuß in versilberten Reliefs die Halb- 
figuren der vier Evangelisten. Am Schein zwei Engel, oben 
Gott-Vater, unten Lamm Gottes; Glasflüsse. Strahlenkranz. 
Mitte des XIX. Jhs. 

Ziborium: Silber, vergoldet. Einfach verzierter Fuß, glatte 
Cuppa. Am Deckel getrieben die Leidenswerkzeuge und Mono- 
gramm Jesu. — Marken: Augsburger Beschau (Pinienapfel). 
Meisterzeichen: MB, darüber Kreuz (ähnlich R- 357). Augs- 
burger Arbeit, um 1650; vom Kloster Nonnberg 1798 ge- 
schenkt. 




I 



Fig. 39 Elixhausen, Pfarrkirche, Holzfigur 
:es hl. Michael, Anfang des XVIII. Jhs. (S. 43) 







Kelche: 1. Silber, vergoldet. Am Fuß getriebene Barockornamente und drei aufgelegte silberne 
Cherubsköpfe. Knauf mit Rosen. Durchbrochener silberner Cuppakorb mit Tulpen und den 
Leidenswerkzeugen. — Marken: Augsburger Beschau (Pinienapfel). — Meisterzeichen: L in G, 
in Oval. Gute Augsburger Arbeit um 1650; vielleicht von Georg Lotter (1638^1670). 

2. Messing (Cuppa Silber), vergoldet. Verziert mit getriebenen Rocaillenkartuschen mit Rosen. Um 1839. 

3. Fuß und Knauf Kupfer, Cuppa Silber, vergoldet. Getriebene Blätterverzierung. Um 1850. 

4. Fuß Messing, Cuppa Silber, vergoldet, sechs Emailbilder. Wiener Arbeit, 1862. 

Kreuzpartikel monstranz: Messing, versilbert, getrieben. Um 1850. 

Opfer fasse mit gemodelten Rocaillen. Zinn. S. W. FEIN ZIN (Schlaggenwald). Um 1850. 

Pitsche für das Taufwasser, sechsseitig. Zinn. XVIII. Jh. 



Linker 

Seitenaltar. 



Rechter 

Seitenaltar. 

Fig. 38. 

Altar. 



Kanzel. 
Fig. 38. 



Orgel. 



Skulpturen. 

Fig. 39. 
Fig. 38. 



Monstranzen. 



Ziborium. 



Kelche. 



Kreuzpartikel- 
monstranz. 
Opfertasse. 

Pitsche. 



44 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Rauchfaß. 
Ampeln. 



Kirchcn- 
fahnen. 
Kasein. 



Grabstein. 



Rauchfaß: Messing, versilbert, mit Flechtband. Um 1800. 

Ampeln: Messing, versilbert, getrieben. 1. Mit durchbrochenen Akanthusranken und Gitterwerk. 

XVIII. Jh. 

2. Mit Biedermeierdekor. Um 1850. 

Zwei Kirchenfahnen mit Messingkreuzen. Um 1823. 

Kasein: 1. Roter Silberbrokat mit Lämmern und Kreuzen. Ende des XVIll. Jhs. 

2. Mittelstück rot (modern), Seitenteile weiße Seide mit gewebten bunten Blumen. Erste Hälfte des 

XIX. Jhs. 

Grabstein: Im Langhaus an der Nordwand. Gelber Marmor. Obelisk mit Ovalschild und Weihwasser- 
schale. Andreas Hagenauer, Vikar zu EUxhausen, 1742 — 1815. 




Fig. 40 Elixhauscn, Gasthof Gmachl, Mesnerhaus und Pfarrkirche von Norden (S. 44) 

Glocken. Glocken: Drei Glocken von Franz Oberascher: zwei kleine von 1838, die große von 1862. — (Eine 
aus dem XV. Jh. und eine zweite von 1790 wurden eingeschmolzen.) 



Mesnerhaus. Mesnerhaus (Fig. 40): Nördlich neben der Kirchhofmauer. Kleiner einstöckiger Bau von 1815 mit 
Fig. 40. hübschen Eisengittern im S. Im N. Türstock aus rotem Marmor. Blechmansardendach. 



Gasthaus. 
Fig. 40. 

Haus Nr. 12. 
Bildstock. 



Gasthaus Gmachl (Fig. 40): Großes einstöckiges Giebelhaus mit Schindeldach, 1844 erbaut. Großer 
Viehstall mit drei Reihen von je sechs Platzlgewölben auf 5 Paaren von niedrigen Säulen. XVIII. Jh. 

Haus Nr. 12: Kleines rechteckiges Haus, einstöckig, mit Schindelmansardendach. Am rotmarmornen 
Türstock die Jahreszahl der Erbauung 1800. 

Bildstock: Am Südausgang des Ortes, an der Straße. Roter Marmor. Quadratische Fußplatte. Kurze 
runde Säule mit profilierter Basis. Oben würfelförmiges Tabernakel mit vier rundbogigen Nischen. Darin 
drei kleine mittelmäßige, übermalte Bildchen, öl auf Blech, Plainer Mutter Gottes, Kreuzigung, bärtiger 
Heiliger mit Buch. 1659 errichtet. 




Fig. 41 Kuratfilialkirche Elsbetlicn und Schloß Goldciistciii mit VVatzmann und Untürsbcrg (S. 55) 



Elsbethen, Dorf, mit Schloß Goldenstein 

Archivalicn: Pfarrarchiv St. JaPcob am Tlmrn (Rechnungen seit 1070). — Konsistorialarchiv. — Stiftsarctiiv St. Peter. 

Literatur: Hübner, Flachland 1, 294. — Pu.lwein, Salzachkreis 388. — Dörlinger, Handbuch 489-49S. 

Alte Ansichten: Siehe Goldenstein. 

930 gibt der Edle Rachwin unter vielen Gütern und Hörigen, die er einst vom Bayernherzog Arnolf erhielt, auch „ad 
Campanavam Puoso et uxor eins cum Filio /." an Hrzbischof Adalbert (HAUTHALER, U.-B. 1, 149). Der Name Campanif 
fComponif etc.) wurde noch im XVII. Jh. und später neben Elsbethen, das erst durch die Kirche sich allmählich einbürgerte, 
gebraucht. 

Kuratfilialkirche zur hl. Elisabeth. 

Die Kirche zu Campanif wird 1373, 18. September, in einem Zehentvergleiche zwischen dem Abte von 
St. Peter und dem Pfarrer von Hailein (Kop. in St. Peter) zum ersten Male genannt. Ablaßbriefe für 
die Kapelle oder Kirche der hl. Elisabeth in Campanif sind aus den Jahren 1443 und 1452 vorlianden 
(Greinz, Halleiner Urkunden). Um 1460 wurde eine Wochenmesse gestiftet. 1479 erhält sie als Halleiner 
Filiale von Erzbischof Bernhard einen Ablaß. 1555 klagen die Zechpröpste dem Pfleger von Glanegg, 
daß das Oberdach auf der Kirchen alles erfault, auch darneben etliche Ladwandt, desgleichen das Qemäl 
an dem Hauptaltar und Tafel vast und gar abgangen. Sie haben erst eine Glocke um 32 fl. erkauft 
und aufhängen lassen. In der Kirche sind nur zwei Altäre, aber drei Kelche, einer 16, der andere 23 fl. 
wert, der dritt ist vil noch ain merers wert. Dieweil man den Kirchen und Gotshäusern mit Einprechen 
und Einsteigen ganz gefährlich, wie yetzo gar augenscheindlich, wäre einer ersamen Gemain Gutachten 
und Bedenken, dass man den dritten und wol gultisten Kelch verkaufen und darmit der Pau verricht 
werde. Die fürstliche Hofkammer leiht ihnen am 8. Juni 1560 auf den silbernen vergullten Altarkeldi 
mit allerlei geschmelzten Pildtern, eingesetzten edlen Gestein und Perlen sambt ainer Paten silbern und 
vergult 32 fl. und am 24. August 1578, da wider sichtige Mängl und Schaden an der Freithof mauer und 
Tachwerich vor Augen sind, die zu wendten hoch von Nötten neuerlich 15 fl. (SRA Hfk. Glanegg 1578 C). 
1617 ließ sich Katharina von Rehlingen, geb. Altin, Besitzerin von Goldenstein, bei der Kirche ein Ora- 
torium mit eigenem Eingang erbauen; obzwar sie dazu keinen Konsens eingeholt hatte, ließ man ihr 



I 



Kurat- 
filialkirche. 



46 



Qcrichtsbezirk Salzburg 



dies gegen Revers doch gelten, da sie ein ewiges Licht und bei Lebzeiten ein Amt und Predigt halten 

ließ. Aus den Kirchenrechnungen verzeichnen wir: 

1672: Ferdinand Mayrhoffer Maler zu Hallein, wegen Mahlung eines Fahnenblatts 20 fl. 4 kr. 

1677 werden zwei Sakristeifenster ausgebrochen, verändert und neu gesetzt. 

1678: M. Jakob Thängl, Bürger und Tischler zu Hallein, für ein neugemachte Canzl von nusspamen 
Holz sambt der Stiegen und Altarantritt 22 fl. 

1684: Neuer Turmhelm. Johann Wolf Hoffler, hf. Camerdiener und Maler in Salzburg, umb Ver- 
gultung des Knopf und Creuz, auch von Fassung des Haans 11 fl. 4 kr. 

1699 wird bewilligt, daß die alte und etwas unförmblich gebaute Kirche nach dem eingesandten Abriss 
in eine bessere Formt gebracht, die Kirchthür unten an dem Gottshaus eingericht, die Sacristey 
erweitert, das Ossuarium umb besserer Gelegenheit willen abgebrochen und transferiert, ein Stiegen 
auf den Predigstuel durch die Sacristey gebaut, die Kirchen gepflastert und mit Stühlen ver- 
sehen, auch ein neuer Paramentencasten angeschafft werde. Die Kosten beliefen sich auf 486 fl. 
1 kr. 4 4. 




Fig. 42 Schloß Goldenstein und Kuratfilialkirche Elsbethen, Ansicht von Nordosten (S. 47) 

1699 errichtete Anton Meinrad Freiherr von Rehlingen den St.-Sebastians- und Rochus-Altar. 

1718: Johann Benedict Eisenperger, für Übergießung der alten Glocke 144 fl. 

1719: Johann Prandtstetter, Alaler für ein Fahnenblatt 9 fl. 

1726: Für eine neue Glocke von 296 U 197 fl. 

1732: Josef Krapf, Zimmermeister zu Puch, für Machung eines Speisgätters 8 fl. 16 kr. — Im 
gleichen Jahre zahlt Abt Plazidus von St. Peter: Hansen Reise hl wegen in das Gottshaus Els- 
bethen gemachten neuen Gatter u. a. 1 fl. 36 kr. Wolf gang Spies für Anstreichung des Gütters 
und Altarstaffel 5 fl. (Abteirechnungen). 

1735 wird der hl. Kreuzpartikel und 1736 der Kreuzweg eingesetzt. 

1736: Franz Christof Mayrhofer, Mahler in Hallein, vor Mahlung der Stationen 8 fl. 

1752: Jakob Schenperger, Maler in Hallein, umb 2 neue Fahnenblattl 11 fl. 30 kr. 

1761: Für ein neues Tabernakel 45 fl. 28 kr. 

1766: Josef Fagerer, Zimmermeister in Glas, macht neue Kirchenstühle. 

1778: Wolf gang Hagenauer, hf. Bauverwalter in Salzburg, für Verfertigung eines Risses zum 
neuen Kirchenthurm 7 fl. Der Bau aber kam noch nicht zustande. Es ist eine bekannte Sache, 



Elsbethen 



47 



[82 

fsS: 



1786: 
1793: 
1796 
1805 
1895 



dass der Kirchthurni zu St. Eisbeten des Einsturz keines Tags gesichert ist und von neuem auf- 
gebaut werden muss — Er ist zum Einfallen geneigt, lauten die Berichte von 1781, in welchem 
Jahre dann endlich der Bau begonnen wird (SRA Hofk. Glanegg 1781 D). 

Matthias Silier, bgl. Maler in Salzburg, für 2 Engl samt Stangen und 2 Laternen zu reno- 
vieren 6 fl. 28 kr. — In diesem Jahre werden auch drei neue Glocken gegossen. 
Franz Michael Riehr, Tischler für eine neue Grabtumba 5 fl. 30 kr. — dto. für einen 
Orgelkasten 18 fl. — für eine neue Orgel 40 fl. Der Hochaltar wird auf Kosten von Wohltätern 
neu gefaßt und die Kirche ausgeweißt. 

Johann Georg Gandolf, Tischler in Salzburg, für 2 Tumben und Schein 16 fl. 
Johann Löxhaller, Maler in Hallein, für ein neues Fahnenblatt 9 fl. 
verehrt der Abt Dominicus von St. Peter hieher ein neues Meßkleid (86 fl.) und 
einen Prozessionshimmel (27 fl.). 
wurde die Kirche außen, 1906 innen renoviert. 




Fig. 43 Elsbethen, Kuratfilialkirche, Ansicht von Norden (S. 47) 

Charakteristik: Einfache einschiffige Anlage mit gleichhohem Chor, tonnengewölbt. Die alte gotische 
Anlage (um 1443[?]) wurde 1699 umgebaut und mit einem stukkierten Gewölbe versehen, der Westturm 
1781 nach Plänen des Wolfgang Hagenauer neu gebaut (Fig. 41 — 44). 

Lage: An der Nordseite des Ortes, östlich vom angrenzenden Kloster Goldenstein, inmitten des Fried- 
hofes. Daneben der Meierhof des Stiftes St. Peter. 



Äußeres (Fig. 41—43): 

Bruchstein und Ziegel, verputzt und gelb gefärbeit. Niedriger Sockel, Hohlkehlgesims um Langhaus, 
Chor und Sakristei. 

Langhaus: W. Dreiecksgiebelfront mit vorgebautem Turme. Neben diesem zwei niedrige Anbauten 
(1 und 2), darüber je ein flachbogiges Fenster. — S. und N. Je zwei rechteckige Fenster. 

Chor: Im N. und S. durch gleichhohe Anbauten (3 und 4) verbaut. Im O. halbrunder Abschluß mit 
' zwei Fenstern im SO. und NO. und einem Blendfenster im O., unten umgeben von niedrigem, recht- 
I eckigem, flachbogig geschlossenem Anbau mit Blechpultdach und kleinem Fenster im O. Über Langhaus 
1 und Chor gemeinsames, nach O. abgerundetes Schindelsatteldach. 



Charakte- 
ristik. 

Fig. 41—44. 

Lage. 



Äußeres. 
Fig. 41-43. 



Langhaus. 



Clior. 



48 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Turm. 



Anbauten. 



Friedliof- 
mauer. 



Turm: Rauh verputzt, mit glatten Einfassungen, durch zwei einfache Marmorgesimse in drei Geschosse 
geteilt. Im W. rundbogige Tür in roter Marmorumrahmung mit der Inschrift 5. G. 1781. Darüber gemalte 
Inschrift: Renov. 1895 und ein kleines rundbogiges Fenster. Im zweiten Geschosse im N., W., S. über- 
einander je zwei kleine rundbogige Fenster in Marmorfassung. Im dritten Geschosse jederseits ein rund- 
bogiges Fenster in roter Marmorumrahmung mit Sohlbank, darüber rundes Zifferblatt, über dem sich das 
profilierte Abschlußgesims im Halbrund aufbiegt. Rot gestrichener Schindelzwiebelhelm mit Blechknauf 
und durchbrochenes Schmiedeeisenkreuz. 

Anbauten: 1 und 2. Beiderseits des Turmes je ein niedriger Anbau (im N. Stiegenaufgang, im S. 
Beinhaus). Je ein flachbogiges Fenster mit marmorner Fensterbank im W. Schindeldächer. 
3 und 4. Zwei symmetrische Anbauten im N. und S. des Chores, gleichhoch wie dieser. Beim südlichen 
im W. und O. je ein Fenster, im S. zwei Blendfenster, beim nördlichen im W. Tür und darüber Fenster, 
im N. und O. entsprechend dem südlichen Anbau; alle Fenster rechteckig, mit marmorner Sohlbank. 
Schindelsatteldächer, nach S. beziehungsweise N. abgewalmt. 

Friedhofmauer: Bruchstein, rauh verputzt, mit Steinplatten abgedeckt. Drei einfache Eingänge. 




Fig. 44 Elsbethen, Kuratfiiiali<irclic, Grundriß 1 : 300 (S. 48) 



Inneres. 
Flg. 44. 

Langhaus 
und Chor. 



Turm. 
Anbauten. 



Inneres (Fig. 44). 

Modern (1906) ausgemalt. Neues Pflaster. 

Langhaus und Chor bilden einen einheitlichen Raum. Die Wände sind durch Pflaster mit profilierten 
Kapitälgesimsen gegliedert, die ein umlaufendes, profiliertes, verkröpftes Gesims tragen. Flachbogiges, im 
O. abgerundetes Tonnengewölbe. Auf vier breiten Gurten und im Abschluß schöne stukkierte Kartuschen 
und Blattranken (um 1699) mit modernen Gemälden. 

Im W. eingebaute Empore (Holz, stucküberzogen) mit flachem Boden und geschwungener Brüstung, die 
mit guten Stukkaturen (um 1699) verziert ist: An den Seiten Akanthusranken, in der Mitte in Kar- 
tusche die hl. Cäcilie mit musizierenden Putten (neu polychroiniert). Darüber einfache hölzerne Orgel- 
empore mit flachem Boden. Unter der Empore im W. Türöffnung mit Eisengitter. Zu den beiden Anbauten 
3 und 4 führt je eine Tür im N. und S., darüber rechteckige Nische und Fenster; im N. ein zweites 
Fenster daneben in gleicher Höhe, im S. Kanzeltür. Unter den beiden Chorfenstern je eine Tür; alle 
vier in charakteristischer (grüngelb gestrichener) Putzumrahmung (um 1699). 

Turm: In der Eingangshalle gratiges Kreuzgewölbe, 
marmorne Weihwassermuscheln. 



Im N. Tür zur Stiege auf die Empore. Zwei rot- 



Anbauten: 1 . Beinkammer, flachgedeckt. 

2. Stiegenaufgang zur Empore. 

3 und 4. Die beiden Sakristeien im S. und N. des Chores haben in den beiden, durch eine Holzstiege 

verbundenen Geschossen flache Decken. 

5. Der halbkreisförmige niedrige Umgang um den Chorschluß (mit Beichtstuhl) ist flachgedeckt. 



liinrichtung. Einrichtung: 

Altäre. Altäre: Holz, neu gefaßt, braun gestrichen, mit vergoldeten, geschnitzten Verzierungen. 

Huchaiiar. 1. Hochaltar (Fig. 45): Über zwei Stufen einfache Mensa. Reich geschnitztes, ganz vergoldetes 

Fig. 4ö. Tabernakel von 1761, mit zwei seitlichen Volutenpilastern und Rocaillenverzierung. An der Walzenfront 



I 



Elsbethen 



49 



gemalt das letzte Abendmahl, davor hölzernes Kruzifix. Zwei Leuchterputti, ein Cherubsköpfchen. — 
Wandaufbau: Doppelgeschossiger Sockel mit vergoldeten Zieraten. Im Hauptteile rundbogige Nische, 
flankiert von zwei vor Pilasterbündeln stehenden Säulen, daneben auf Konsolen vor Pilastern zwei 
Statuen. Über verkröpften Gebälkstücken rundbogiger, in der Mitte zurücktretender Giebel mit ver- 
goldeter Kartusche. Aufsatz mit Nische. — Der Aufbau stammt aus dem Anfang des XVIII. Jhs. 1912 
renoviert, neue Mensaplatte aus Marmor. 




Fig. 45 
Elsbethen, Kiiratfilialkirche, Hochaltar, Anfang des XVIII. Jhs. (S. 49) 



Skulpturen: Holz, neu gefaßt, a) In der Hauptnische auf Wolken die hl. Maria mit dem Kinde, von 
Putten und Cherubsköpfchen umgeben. Unten kniet die hl. Elisabeth mit einem Laib Brot in der Hand 
und einer Kanne, neben ihr ein flehender Bettler. — b) Neben den Säulen der hl. Bischof Ulrich und 
der hl. Abt Ägidius. — c) In der Aufsatznische die Halbfigur Gottes des Vaters, darüber die Taube. — 
d) Auf den Giebelschenkeln daneben zwei hl. Mönche, St. Leonhard (mit Kette) und St. Plazidus (mit 
Keule). — e) Oben drei Putti, der mittlere mit Kreuz. Mittelgute Arbeiten, Anfang des XVIII. Jhs. 

' 2. Linker Seitenaltar. Über einer Stufe einfache Mensa. Kleines Tabernakel vor der Predella. Im 
I Aufbau rundbogiges Altarbild, darüber ovales Aufsatzbild, an den Seiten vergoldete S-förmige Akanthus- 
1 ranken. Rundbogiges Gesims mit Kreuz. Um 1699. 



Linker 
Seitenaltar. 



50 



Qeiiclitsbezirk Salzburg 



Rechter 

Seitenaltar. 

Fig. 46. 



Kanzel. 



Skulpturen. 



Gemälde. 



Kirchen- 

bänky. 

Monstranz. 

Fig. 47. 



Gemälde: öl auf Leinwand. — Altarbild: Stigmatisation des hl. Franziskus. — Aufsatzbild: Stiginatisation 
der hl. Katharina von Siena. Beides mittelgute Arbeiten von Matthias Siler 1771. 
Statuen: An den Seiten der hl. Achatius (ein römischer Krieger mit Dornenkrone) und der hl. Florian. 
Gut, um 1699. 



3. Rechter Seitenaltar (Fig. 46). 

kleines Gemälde, der hl. Josef mit dem 

rahmen mit vergoldeten geschnitzten 

1771). 

Gemälde: Altarbild: Dem hl. Antonius erscheint das 

Christkind. Oben vier Putti. Gutes Bild, signiert: 

J.M.Siler f. 1771. — Aufsatzbild: Der hl. Raimund 

(auf dem Meere kniend dahinfahrend). Ebenfalls von 

Siler, 1771. 

Statuen: St. Sebastian und Rochus; gut, 1699 (siehe 

S. 46). 

Kanzel: An der Südwand. Holz, mit Stuck über- 
zogen, neu gefaßt. Halbachteckige Brüstung, verziert 
mit vergoldeten Stuckranken. Am Ablauf vergoldete 
Akanthusblätter. Arm mit Kruzifix. Am Schalldeckel 
unten die Taube, oben auf einer Wolke ein Trompete 
blasender Putto. Um 1700. 

Skulpturen: Holz, neu polychromiert. 1. Im N. 
des Langhauses auf Konsole. Gruppe der Kreuzigung. 
Unter dem Kreuze Maria, Johannes und Magdalena. 
Oben auf Wolke ein Putto. Gut, um 1700. 

2. Im Chor auf Konsolen, die mit vergoldetein Bandwerk 
verziert sind, die sitzenden Figuren des Schmerzens- 
mannes und der schmerzhaften Mutter Gottes. Mittel- 
mäßig, XVIll. Jh. 

3. In den Nischen ober den Seitentüren des Chores 
zwei Gruppen mit kleinen Holzfiguren. Links Pietä 
mit dem hl. Johannes und drei Frauen. Rechts die 
hl. Sippe. Mittelmäßig, XVIII. Jh. 

4. Auf Tragstangen zwei auf Wolken kniende Leuchter- 
putti. Gut, um 1700. 

5. Im S. des Langhauses auf Konsole in Gehäuse die 
Statuette Christi an der Geißelsäule. XVIII. Jh. 

6. Statuette des auferstandenen Christus. Gut, XVIII. Jh. 

7. Prozessionskruzifix. XVIII. Jh. 

8. Außen im S. des Langhauses Kruzifix. Mittelmäßig, 
XVIII. Jh. 

Gemälde: Öl auf Leinwand. 1. Fünfzehn Kreuz- 
wegbilder. Mittelmäßige Arbeiten von Franz Chri- 
stoph Mayrhofer in Hallein, 1736. 
2. Als Pendant zur XV. Station die hl. Elisabeth, mit 
der Unterschrift: H. Elisabetha Kirchen Patteronin 
Bitt vor unß; aufgerichtt im Jahre 1736. 



Aufbau wie bei 2. Um 1699 (s. S, 
Christkinde; gute Arbeit, wohl von 
Ranken (um 



46). Statt des Tabernakels 
M. Siler, um 1771. Holz- 




Fig. 46 Elsbethen, Kuratfilialkirche, rechter Seitenaltar, 
um 1699 (S. 50) 



Ziborium. 

Hir. 19. 



Kirchenbänke: Einfach, gelb lackiert, 1766 von 
J. F a g e r e r in Glas gemacht. 

Monstranz (Fig. 47): Silber, zum Teil vergoldet. Oblonger Vierpaßfuß mit getriebenen Akanthuswellen- 
ranken, die in vier Fruchtbüschel endigen. Knauf mit drei Laubwerkkartuschen. Sehr reich gearbeiteter 
Schein. Doppelter in Silber getriebener Akanthusrankenrahmen, besetzt mit unechten Steinen und den zum 
Teil vergoldeten Relieffiguren Gott-Vaters, der Taube und dreier Engel mit den Leidenswerkzeugen. Der 
äußere Rahmen (mit Bandwerk) ist modern, er verdeckt den geflammten Strahlenkranz. — Marken: Augs- 
burger Beschau. Meisterzeichen: LS in Oval (R- 483). 
Sehr schöne Augsburger Arbeit, um 1700, wohl von Ludwig Schneider (gest. 1729). 

Ziborium (Fig. 48): Silber, vergoldet. Runder Fuß, getrieben mit drei Granatäpfel-, Rosen- und 
Traubenbuschen, dazwischen drei Akanthusspiralranken. Knauf wie bei der Monstranz. Durchbrochener, 



Elsbethen 



51 



|;etriebener Cuppakorb mit drei Granatäpfelbuschen, dazwischen drei Paaren von gegenständigen 
piraligen Akanthusranken. Am Deckel getriebene Ranken und Kreuz. — Marken: Salzburger 
ieschau (S in Schild). Meisterzeichen: HIH in Oval. Gute Salzburger Arbeit um 1700, wohl 
on Hans Jakob Haidt (Bürger seit 1687). 
üngere kugelförmige Rokokokrone, Silber, zum Teil vergoldet, mit getriebenen symmetrischen Rocaillen, 
unechten Steinen, Kugel und Kreuz. Beschauzeichen Tittmoning. Meisterzeichen undeutlich: Drei Buch- 
staben in Dreipaß. Tittmoninger Arbeit um 1750, wohl von Johann Caspar Lackner (gest. 1752). 



O 





Fig. 47 Elsbethen, Kuratfilialkirclie, 

Monstranz von Ludwig Schneider in Augsburg, 

um 1700 (S. 50) 



Fig. 48 Elsbethen, Kuratfilialkirche, 

Ziborium von H. J. Haidt in Salzburg, 

um 1700 (S. 50) 



reuzpartikelmonstranz: Silber. Kleines Standkreuz, am Fuße mit getriebenen, am Kreuze mit Kreuzpartikel- 
gravierten Bandwerkranken. — Beschauzeichen Tittmoning mit 13. Meisterzeichen: WL in Kreis. Arbeit monstranz. 
des Wolf gang Luckner in Tittmoning, 1735. 

Kelche: 1. Silber, vergoldet, am Fuße in drei größeren und drei kleineren Feldern verziert mit getrie- Kelche, 
benen symmetrischen Rocaillen. Dreiseitiger Knauf. Durchbrochener silberner Cuppakorb mit Rocaillen- 

ranken. — Marken: Augsburger Beschauzeichen mit H (1747—1749; R- 191). Meisterzeichen .^_ in 

. i ■ o 

Dreipaß (R-' 545). Arbeit des Joh. Jakob Schoap (oder Josef Ignaz Saler) in Augsburg, 
um 1748. 



52 



üerichtsbozirk Salzburg 



2. Silber, vergoldet. Glatt Am Fuß und Knauf gedrehte Rippen. Meistermarke E H. Beschauzeichen 
fehlt. Arbeit des Egydius Hablitschek in Tittmoning, um 1755. 

3. Kupfer, vergoldet, mit getriebenen Verzierungen. Mitte des XIX. Jhs. 

Ampel. Ampel: Messing, versilbert, mit getriebenen Rocaillen. Um 1750. 

Leuchter, Leuchter: Sechs reichgeschnitzte Leuchter, Holz, vergoldet. Am Fuße drei Cherubsköpfchen und 
Leidenswerkzeuge. Darüber ein Karyatidenengel als Träger einer mit Cherubsköpfchen besetzten Wolken- 
säule, oben ein sitzender Putto als Träger der Bekrönung. Gut, Mitte des XVlll. Jhs. 

Kirchen- K i r c h e n f a h n e n : Drei mit Kreuzen, eine mit Monogramm Maria (Messing) als Aufsatz. Fahnenblätter 
fahncii. neu oder stark übermalt. XVIII. Jh. 

Traglaterneii. Zwei Traglaternen: Sechsseitig, aus Blech. Oben je ein Ovalschild, doppelseitig bemalt (St. Elisabeth 
und St. Ulrich). Um 1770. 

Vasen. Vasen: Sechs geschnitzte Rocaillenvasen, Holz, versilbert. Mitte des XVIII. Jhs. 

Kasei. Kasel: Weiße Seide, mit gewebten bunten Blumen. XVIII. Jh. (1796[?]) — Zwei Dalm atik en. Um 1850. 

Weihwasser- Weih Wasserbecken: Außen im S. des Turmes. Kleine halbkugelförmige Schale aus rotem Marmor, 
hecken. Vorne Wappen mit springendem Steinbock und Löwen. Aus der Zeit des Erzbischofs Markus Sitticus, 
Anfang des XVII. Jhs. 

Grabsteine. Grabsteine: Im Innern im S. eingemauert zwei große Platten aus rotem Marmor. 1. In Relief zwei 
große Wappen mit Helm, Helmzier und geschwungenen Helmdecken, links das der Haunsperg (zwei 
Spießrahmen), rechts Bindenschild. XV. Jh. 

2. Unten in Relief unter einer rundbogigen Säulenhalle ein Wappen, mit Helm und Helmzier (wilder 
Mann, mit einem Blatt in der Hand). Im Bogeiizwickel ein Cherubskopf. Oben in Rollwerkrahmen sieben- 
zeiiige Inschrift in gotischer Minuskel: Hie ligt begraben der Edl und Vest Sebastian pflüegl zum Golden- 
stain und Neuen Kiembing der gestorben ist den 4. tag. Octobris anno dni 1562. Schöne Arbeit vor 1562; 
Die Sterbedaten sind nachgetragen. 

3. In der Vorhalle. Stark beschädigte Inschrift. Ein Herr von Goldenstein und Neuen Kiem{bing), gestor- 
ben 1562. 

Turmuhr. Turmuhr: Von J. Beutele, 1800. 

Glocken. Glocken: 1. Große Glocke von 1892 (Oberascher, Salzburg). 

2. Johann und Paul, St. Georg, Kruzifix. Caspar Immerdorfer in Salzburg anno 1782. 

3. Gegossen 1852 von Hollederer in Salzburg. 

Wegkapelle. Wegkapelle: Südlich neben der Friedhofmauer. Weiß verputzter rechteckiger Bau mit Dreiecksgiebel 
und rechteckiger Türöffnung im S. Schindeldach. Innen Tonnengewölbe. Auf der Mensa rundbogiges 
Gemälde, Öl auf Leinwand, Maria Verkündigung. Links der stehende Engel, rechts die kniende 
hl. Maria, oben die Taube, Gott-Vater und zwei Putti. Gutes Salzburger Bild aus der zweiten Hälfte des 
XVlll. Jhs. 

Kruzifix. Kruzifix: Im S. des Ortes an einer alten Linde Wegkruzifix, Holz, polychromiert. Gut. XVlll. Jh. 



Schloß Goldenstein 

Archivalien: Sliftsarchiv St. Peter passim. — Konsistorialarchiv. 

Literatur: Hübner, Stadt 57L — Wänzler in Intelligenzblatt 1808, 211 und 419. — Pillwein, Salzachkreis 388. — V. M. Süss, 
Jahresb. d. Mus. 1852, 72. ^ Walz, Grabdenkmäler 250 u. 207. — J. Keldorfer in der Salzb. Ztg. 1881 (auch Sonderabdruck). 

Fig. -19-51, Alte Ansichten: 1. Sepiazeichnung (nach 1711) in St. Peter in Salzburg (Fig. 49). — 2. Gemälde in Goldenstein, um 1700 (Fig. 50). — 
3. Zwei Gemälde aus der zweiten Hälfte des XVlll. .Ihs. in St. Peter in Salzburg (Fig. 51). 

Angeblich steht Goldenstein an Stelle des alten Schlosses Campanif; aber jener Ulrich, der 1267 und 
i271 genannt wird, war sicherlich nicht ritterlicher Abkunft. Außerdem gibt es bis zur Wende des 
XIX. Jhs. bei Goldenstein ein domkapitliches Urbarsgut, Kampanif. Goldenstein war im XV. Jh. wahr- 
scheinlich ira Besitze der Haunsperger. Von diesen kam es durch Praxedis von Haunsperg (Tochter 
Micliaeis, gest. 14 il) an deren Gatten Ulrich von Fladnitz, der gemeiniglich als Erbauer von Goldenstein 
gilt. Das dabei oft angeführte Datum 1449 bezeichnet eine Messenstiftung. Ulrichs in Elsbcthcn. Sichere 



I 



Schloß Ooldenstein 



53 



Nachrichten besitzen wir nicht. 1472 war Praxedis bereits Witwe und Goldenstein kam an Georg von 
Haunsperg, dem gleichfalls der Bau zugeschrieben wird. Einer anderen Nachricht zufolge soll Goldenstein 
an die Tocliter des Fladnitzer gefallen sein, die mit Bernhard von Scherffenberg vermählt war. 1491 kaufte 
es Johann Knoll, Bürger in Salzburg, von dem es an Georg Knoll, Pfleger auf Thurn, kam 1534, Niklas 
Ribeisen, der in zweiter Ehe mit Elisabeth Pflügl verheiratet war (1540 wurde die Wasserleitung gebaut), 
von diesem kam es an dessen Stiefsohn Christof Pflügl zum Goldenstein und Neuenchieming, Rat des 
Erzherzogs Karl und Hauptmann zu Gmünd. Als dieser fallierte und seine Güter unter die Hauptgläubiger 




»«iif..'- iv.-.sV:'-^. tu^w-- ■ 



Fig. 49 Scliloß Goldciistein und Kirche hlsbctlien, Sepiazeichnung im Stifte St. Peter 
in Salzburg, nach 1711 (S. 52) 

verteilt wurden, fiel Ludwig Alt dem Jüngeren 1580 der Sitz Goldenstein samt den Gründen und Holden 
im Glanegger und Wartenfelser Gerichte zu. Ludwig Alt starb 1586. Goidenstein ging auf dessen Tochter 
Katharina über, die mit Friedrich Rehlingen (gest. 1609) vermählt war. Kurz vor seinem Tode suchte 
dieser beim Konsistorium um die Meßlizenz für seine Hauskapelle an: Es sein etlich Jar her, dass 
ich ein Altar portatile bekamen, doch mich dessen, wie es sich außer E. hf. Gn. gdgsten Consens auch 
nit gezimet hatte, nie gebraucht. Wann aber zu Goldenstain ich ain schlecht und enges Oratorium ge- 
bauet, dabei ich und mein Hausfrau, die wir nun zimblich die Jar erraicht und mit teglicher Schwach- 
heit haimbgesuecht werden, auch nit alzeit zur Kürchen Gelegenheit haben, gedacht weren, uns ermelten 



&4 



Gcriclitsbezir'< Salzburg 




Fig. 50 Schloß Goldenstein von Süden. Gemälde in Goldenstein (S. 52) 




¥ig. 51 Ansicht des Schlosses Goldenstein von Nordwesten (in St. Peter in Salzburg [S. 52)) 



Schloß Goldenstein 



55 



itars auf gdgsten Consens ziie gebrauchen, so bitten sie um die Erlaubnis, die am 9. Dezember 1608 
auch erfolgt (Konsistorialarchiv). Maria Rehlingen starb 1620, worauf Goldenstein an den Sohn Friedrich, 
der wieder mit einer Haunsperg vermählt war, fiel. 1661 kaufte es der Stadtrat Johann Kurz, der sich 
nach Goldenstein nannte. 1694 verkaufen Anton Placidus und Franz Gebrüder von Kurz den Sitz, nach- 
dem sie ihn vergeblich dem Erzbischof zum Kauf angeboten hatten (Hfk. Ca dni 1694/5 C), an Raimund 
Anton iV\einrad Freiherrn von Rehlingen, der das Schloß, als er 1710 in den Barfüßerorden eintrat, gegen 
einige oneröse Bedingungen an das Stift St. Peter übergab (Nov. Chron. 630). Es diente fortab als 
Sonimeraufenthalt für die Konventualen. 1720 wurde ein Altar errichtet, der im gleichen Jahre durch 
den Bischof von Chiemsee geweiht wurde, 1723 wurden zwei Glöckchen zu Ehren der hl. Engel und 
der hl. Familie aufgehängt. Das Ausgabenbuch des Abtes Godfrid Kröll vermerkt: 1743 Dezember: 
Peter Paul Pe rw anger, Mahler, das neue Uhrblat im Schloss Goldenstain zu mahlen sambt den 
2 Zaiger hiezue zu vergolden 9 fl 30 kr. Dem Rationarium seines Nachfolgers Beda entnehmen wir: 



f. 41. 



1761. 



Vcrschidene Bilder seind in die Zimmer in Goldenstein zu öfteren erkaiifft worden mit 26 fl. 

Dem Tisc/iler filr 12 schwarz gehalste Ramen in das SpeisziJher zu Goldenstein ä 1 fl. 15 kr. . . 15 fl. 

Für andere dergl. 24 Stak theils in Goldenstein, theils In d. S. Bened. und Schot: Zimer 24 fl. 

In das Abbtey Zimmer zu Goldenstein seind für neue Fenster, Fenster-Stök Fürhäng und dergl. 

ausgelegt und v. der Oeconomie bezahlt worden, so per extractu betraget 63 fl. 10 kr. 

f. 41'. den 2ten Juiy dem Tischler Krimpacher für 2 Schenk-Kästen in Goldenstein 8 fl. 

dem Tischler Krimpacher für 4 kleine Tischt und einen Schenk- Kasten in Goldenstein // //. 

f. 42. 1762. 

den 26ten Jenner dem Glaser Mr. Lorenz Patier wird ein Auszug bezahlt für die Fenster der 

4 Gastzlmer, dan für d. Speiszimer in Goldenstein mit 62 fl. 17 kr. 

f. 42'. den 3ten Febr. wird dem Jos. Heiß Maurer Mr. ein Conto bezahlt für 10 Fensterstein in den 

4 neuen Gastzimmern, dan 5 dergl. in dem Speiszimmer zu Goldenstein 21 fl. 45 kr. 

den 12ten Febr. dem Schlosser Mr. Rumpl für d. Fensterbeschlächt in dem Speiszimer des Schlosses 

zu Goldenstein 8 fl. 40 kr. 

f. 43. dem Tischler Krimpacher für Arbeit i d. S. JoaTi-Zimmer und etwas in Goldenstein 6 fl. 

1763. 
den <?'<■'' Jenner bezalle ich dem Mahler König einen Conto für die Arbeit in den 4 Gastzirnern 

dan auch in Goldenstein Speis-Ziiner pr 630 fl. pr. Abschlag 300 fl. 

den IS'''" Jener dem Hinterseher Schlosser Mr. einen Conto für die Arbeit in Goldenstein bei 

etwelchen Fenstern bonifiziert mit 19 fl. 57 kr. 

f. 43'. 1764. 

Einem Malilcr wegen 4 Bilder in das Abteizimmer nach Goldenstein 5 fl. 30 kr. 

1790 läßt Abt Dominikus das Schloß neuerdings möblieren, wobei hauptsächlich der Tischler Rödl be- 
teiligt ist. 
1791: Dem Steinmetz von Adnet für Aufsetzen der „Brunnschallen" 10 fl. 27 kr. 

Seit 1877 ist das Schloß von Augustiner-Chorfrauen aus Rastatt in Baden bezogen, die hier ein 
Erziehungsinstitut „Notre Dame" errichtet haben. 

j Lage: Im N. des Ortes Elsbethen, in unmittelbarer Nähe der Filialkirche gelegen, mit dem Untersberg 
! und dem Watzmann im Hintergrunde, besonders von NO. her ein malerisches Bild bietend (Fig. 41, 52). 

( Charakteristik: Sehr hoher sechstöckiger Bau mit Giebeln im N. und S. und einem von zwei poly- 
j gonalen Ecktürmen flankierten niedrigeren Anbau im N. 

Äußeres (Fig. 41, 42, 52): 

' Rechteckiges Gebäude, Bruchstein, gelb gefärbelt. 

I Südfront: In der Mitte, durch eine kleine Doppelstiege vom Hof aus zugänglich, schmuckloses rund- 
bogiges Portal, daneben links ein rechteckiges, rechts zwei flachbogige Fenster. Im I.— III. Stock je drei 



Lage. 
Fig. 41, 52. 

Charakte- 
ristik. 

Äußeres. 
Fig.41,42,52. 

Südfront. 




56 



Qericlitsbezirk Salzburg 



Westfront. 



Nordfront. 
Fig. 52. 



I 



rechteckige Fenster, iin IV.— VI. Stock in der Mitte ein größeres, an den Seiten zwei kleine Fenster, im 

VII. Stock (Dachgeschoß) ein rundbogiges Fenster und zwei ovale Luken. 

Den Terrassenhof im S. flankieren zwei einstöckige Gebäude, an Stelle der kleineren älteren modern 

umgebaut. 

Im Südwesteck ein Röhrkasten mit rechteckiger Einfassung aus rotem Marmor; darin Kartusche mit 

dem Reliefwappen der Stadt Salzburg und die Jahreszahl 1598. 

Tiefer vor dem Hofe liegen Gemüse-, Obst- und Ziergarten. Der ehemalige Teich ist ausgetrocknet. 

Westfront: Im Erdgeschoß oben zwei kleine oblonge Fenster, im I. Stock drei, im II. — V. Stock je 
vier rechteckige Fenster. Im Anbau übereinander ein kleines und drei größere Fenster, ebensoviele im 
W., NW. und N. des Eckturmes. 

Nordfront (Fig. 52): Im Anbau unten drei kleine und in den drei Stockwerken darüber je drei größere 
Fenster; Schindeipultdach mit drei Dachfenstern. 




Ostfront. 



Inneres. 
Fig. ,S3. 



Fig. 52 Goldenslein, Ansicht von Nordosten (S. 55) 

In der überragenden Giebelfront des Hauptgebäudes im V. Stock an den Seiten je ein Fenster, im VI. 
drei, im VII. Stock eines rechts; angebauter hoher Rauchfang. Der kleinere nordöstliche Eckturm hat im 
N., NO. und O. in der Höhe des II. und III. Stockes je zwei Fenster. Beide Türmchen haben pyramidale 
Schindelhelme. 

Ostfront (Fig. 52): Im Anbau übereinander vier Fenster. Im Hauptgebäude unten und im I. Stock 
drei, im II. und 111. Stock je vier größere, im IV. und V. Stock je vier kleinere Fenster. 
Hohes steiles Schindelsatteldach, über den beiden abgekappten Giebeln im N. und S. abgewalmt. Über 
dem Südgiebel ein Holztürmchen. 

Inneres (Fig. 53): 

Vom ruiidbogigen Südportale kommt man in eine tonnengewölbte Halle. An ihrem Nordende zwei flach- 
bogige Türöffnungen; die linke führt zur Stiege, die rechte zur Sakristei. Dazwischen am Pfeiler rund- 
bogige Nische mit polychromierter mittelmäßiger Holzstatue der Mutter Gottes mit dem Kinde (Anfang 
des XVIII. Jhs.). Darunter und darüber stukkierte Kartuschen, um 1710. Beiderseits der Nische ein- 
gelassen zwei kleine ovale Bilder, Öl auf Leinwand, die Halbfiguren des hl. Josef und des hl. Benedikt. 



I 



Qoldenstein 



67 



Gute Arbeiten vom Anfange des XVIII. Jhs. Auf der zum Sakristeigange führenden Holztür ist eine 
Stiege und ein Putto gemalt, der ein Spruchband hält. Über der Kapellentür im O. stark übertünchte 
stukkierte Kartuschen, um 1700. 

Östlich von dieser Vorhalle liegt die kleine tonnengewölbte Kapelle. Im südlichsten Teile, der schon 
um 1600 als Kapelle eingerichtet wurde, an den Langwänden niedrige Pilaster mit stukkiertem Bandwerk 
(Anfang des XVIII. Jhs.), darauf profiliertes Gesims. Nördlich neben der Kapelle die mit einem gratigen 
Kreuzgewölbe gedeckte Sakristei und westlich von dieser ein zweiter Sakristeiraum mit Tonnen- 
gewölbe (an Stelle des ehemaligen Pferdestalles). 

Holzstiegen, mit flachbogigen Tonnen überwölbt, verbinden die Geschosse miteinander. Im I. — III. Stock 
in der Mitte je ein mit einer rundbogigen Tonne gewölbter geräumiger Gang, im IV. Stock flachgedeckter 
Gang. Im Südwesteckzimmer im I. Stock schöner Holzplafond mit tiefen, von Perlstäben umrahmten 




Fig. 53 Goldenstein, Grundriß des zweiten Stockes 1 : 200 (S. 56) 

Kassetten; Ende des XVI. Jhs. Im O. Tür in Holzrahmung, mit seitlichen Pilastern, Gesims mit Triglyphen; 
in der Tür selbst zwei quadratische Felder mit Intarsiaornamenten, oben gelb auf schwarzem Grunde, 
unten umgekehrt. Ende des XVI. Jhs. — Im S. Tür in ähnlicher Holzrahmung; die beiden einfachen 
Füllungen sind hier von Perlstäben umrahmt. Kleiner Wandschrank mit geschnitzter Holzumrahmung, 
XVII. Jh. 

Statue des thronenden hl. Wolfgang, 95 cm hoch, Holz, neu polychromiert, mit Beil und Buch in den Statue. 

Händen. Sehr gute salzburgische Arbeit vom Anfange des XVI. Jhs., neu gefaßt (Kapelle) (Fig. 54). Fig. 54. 

Gemälde: 1. 106 X 90. Tempera auf Holz. Maria Verkündigung. Rechts kniet Maria, in blaugrünem Gemälde. 
Gewände, mit einem Gebetbuch in der linken Hand; über ihrem nach links gewendeten Haupte schwebt 
die Taube. Links kniet der Engel, in weißem Gewände, mit einem gemusterten dunkelbraunen Mantel. 
Ober ihm die Halbfigur Gott-Vaters. In der linken Hand, mit der er zugleich den Zipfel des roten 
Zeltvorhanges wegzieht, hält der Engel ein Zepter, um das sich ein Schriftband herumschlingt. Rechts 
vorne ein Lilienstengel in einer blau-weißen Vase, dahinter ein Betpult. Ober einer braunen Wand 
Goldgrund. Gute deutsche Arbeit aus der zweiten Hälfte des XV. Jhs., angeblich von Martin Schongauer. 
Stammt aus der Sammlung Kilian in Zürich (Kapelle) (Fig. 55). Fig. 55. 

XI 8 . 



58 



Oerichtsbezirk Salzburg 



2. 73 X 38. Tempera auf Holz. Die hl. Barbara, Halbfigur, in grauem Kostüm, rotem Mantel, mit Krone, 
Buch, Kelch. Im Hintergrunde grüner Teppich, darüber Gewölbe mit drei rundbogigen Fenstern. Teil- 

Fig. 56. weise übermalt. Deutsches Bild, um 1500. Stammt aus der Sammlung Kilian, Zürich (Kapelle) (Fig. 56). 

3. 48 X 27. Tempera auf Holz. Halbfigur. Der hl. Apostel Philippus, mit langem, braunem Haar und 
Bart, rotem Gewände, grünem Mantel, mit einem großen Doppelkreuze in der Hand. Gelber Nimbus, 
schwarzer Hintergrund. Links oben Signatur M in W. Stark übermalt. Auf der Rückseite bemalt mit 
gotischen Ranken, Grün auf Schwarz. Deutsch, um 1500 (Kapelle). 




Fig. 54 Goldenstein, Holzfigur, St. Wolfgang, um 1500 (S. 57) 



4. Pendant dazu. Der hl. Apostel Jakobus Maior, mit langem, braunem Haar und Bart, braunem Piigerhut, 
rotem Mantel, mit Buch und Stab. Oben dieselbe Signatur M in W. Von derselben Hand, im Gewände 

Fig. 57. stark übermalt. Rückseite wie oben bemalt (Kapelle) (Fig. 57). 
Beide Tafeln stammen aus der Sammlung Kilian, Zürich. 

5. 48 X 40. Tempera auf Holz. Der hl. Josef und die hl. Maria im Tempel. Halbfiguren. Josef mit 
braunem Untergewande, rotem Obergewande, grünem Mantel, mit einem Stock in der linken Hand, die 
rechte^ erhebend. Rechts Maria mit gefalteten Händen; weißes Kopftuch, rotbraunes Gewand, grüner 
Mantel. Goldener Nimbus. Im Hintergrunde rundbogiges Doppelfenster mit Ausblick auf grüne Berge, 
darüber Goldgrund mit eingeschnittenen Ranken. Gutes deutsches Bild. 

Aui der Rückseite Fragment aus einer größeren Geißelung Christi, ein bärtiger Knecht, der die 
Flg. 58. Geißel erhebt. Anfang des XVI. Jhs. (um 1510) (Fig. 58). Stammt aus der Sammlung Kilian in Zürich 
(Kapelle). 



I 



Schloß Ooidenstein 



59 



6. 29 X 40. Tempera auf Holz. Der hl. Hieronymus, in Halbfigur, hinter einem Tische stehend, auf dem 
ein Zettel, ein aufgeschlagenes und ein geschlossenes Buch mit Brille liegt. Links auf einem Postamente 
Totenkopf, Kruzifix, Leuchter, Kerze. Auf einem Regal oben Apfel, zwei Gläser, Schachtel. Rechts durch 
ein Fenster Ausblick auf eine Landschaft. Gutes deutsches Bild aus dem Anfange des XVL Jhs. Stammt 
aus der Sammlung Kilian, Zürich, angeblich von Quentin Matsys (Krankenzimmer). 

7. 56 X 54. Tempera auf Holz. Verspottung und Dornenkrönung Christi. Vor Christus knien zwei Männer, 
die ihn verhöhnen, hinter ihm stehen zwei andere, die ihm den Dornenkranz ins Haupt schlagen. Rechts 




Fig. 55 Ooidenstein, Gemälde, Maria Verkündigung, Ende des XV. Jhs. (S. 57) 

ein fünfter Knecht mit einem Gefäß in der Hand, links zwei Pharisäer. Gute süddeutsche Arbeit, vom 
Ende des XVI. Jhs. Stammt aus der Sammlung Kilian, Zürich (Kapelle). 

I 8. 59 X 45. Tod des hl. Franz Xaver. Zu Häupten des sterbenden, am Boden einer Strohhütte liegenden 
j Heiligen zwei Engel. Oben vier Cherubsköpfe. Gutes deutsches Bild vom Ende des XVII. Jhs. Stammt 
I aus der Sammlung Kilian, Zürich (Kapelle). 

9. 72 X 106. Halbfigur einer Äbtissin in weißem Habit mit schwarzem Kopftuche. Links unten Doppel- 
L Wappen und die Inschrift: Maria Benedicta aetatis 51, 1742. Stammt aus dem Kloster Lichtental in Baden. 

10. 30 X 20. Öl auf Holz. Zwei Bildchen, die Madonna und der hl. Josef, Halbfiguren; vergoldete 
1 Rocaillenrahmen. Um 1760. Stammen aus dem Schlosse von Rastatt in Baden (Kapelle). 

j 11. 70 X 88. Christus am Ölberge, vom Engel getröstet. Rechts die schlafenden drei Apostel. Dahinter 
' der Zug der Soldaten. Skizzenhafte, aber gute deutsche Arbeit, Mitte des XVIII. Jhs. (Kapelle). 



60 



Oerichtsbezirk Salzburg 



Fig. 59. 



12. 77 X 114. Kreuzaufrichlung. Gute Kopie des XVlll. Jhs. nach Rubens. Aus der Sammlung Kilian, 
Zürich (Kapelle). 

13. 173 X 87. Eine Europa darstellende Frau (angeblich die Markgräfin Sibilla von Baden), im Gebete 
kniend vor den fünf Wunden Christi. Zu den Füßen der Frau liegen vier Kronen und die Tiara. Rechts 
von ihr die Vertreterinnen Afrikas, Asiens und Amerikas, eine Negerin, eine Asiatin und eine Indianerin, 
andächtig emporblickend. Oben vor Wolken die Hände, Füße Christi mit den Wundmalen und da- 
dornenumrankte durchbohrte Herz. Daneben zwei Paare von Cherubsköpfchen. Darüber die Taube de^ 
Hl. Geistes und Gott-Vater. Gutes deutsches Bild, signiert: J. W. Hauwiller Pinxit 7770 (Kapelle) (Fig. 59). 





Fig. 56 
Ooldenstein, Tafelbild, St. Barbara, um 1500 (S. 58) 



Fig. 57 
Ooldenstein, Gemälde, St. Jakob d. Ä.,''umil500 (S. 58) 



14. 173 X 87. Anbetung der hl. drei Könige. Ebenfalls von Hauwiller, 1770, nicht signiert (Kapelle). 

15. 106 X 74. Apotheose des hl. Johann von Nepomuk. Vor der in den Wolken thronenden Madonna, 
auf deren Sclioß das Christkind steht, kniet auf einer Wolke der hl. Johann von Nepomuk, mit seiner 
von fünf Sternen umgebenen Zunge in der Hand. Eine Schar von Cherubsköpfchen und Putten mit 
Atiributen, die auf sein Martyrium Bezug haben, umgibt ihn. Oben in hellem Lichtglanze Cherubsköpfe 
und zwei Putti mit einer Rosengirlande. Gutes süddeutsches Bild aus dem Anfange des XVIII. Jhs. 
(Sakristei). Stammt aus Rastatt. 

"^^•■J^ T^^^'J^y^^- ^^^' Brustbilder, der hl. Meinrad und der hl. Konrad von Konstanz. Mittelmäßige 
Süddeutsche Bilder des XVIII. Jhs. (Sakristei.) 

17. 2S X 19. öl auf Holz. Der hl. Johann von Nepomuk absolviert in der Beichte die Königin; 
Hintergründe der Bruckensturz, oben Putten. Gutes badisches Bild, Anfang des XVIII. Jhs. (Sakristei) 



im 



I 



Schloß Goldenstein 



61 



18. 93 X 83. Porträt, Halbfigur. Ludwig von Alt, Besitzer von Goldeiistein; ein alter Herr mit langem, 
grauem Bart, in schwarzem Gewände mit braunem Pelzbesatz. In den Händen hält er einen Brief und 
ein Paar Handschuhe. Rechts oben sein Wappen und die Inschrift: Aetatis suae 60, anno 1586. Gutes Bild, 
teilweise übermalt (Speisesaal). 

19. 144 X 88. Porträt, Halbfigur. Raimund von Rehlingen, Besitzer von Goldenstein. Jüngerer Mann mit 
brauner Perücke, in schwarzem Talar. Im Hintergrunde Ansicht von G. Mittelmäßig, um 1700 (Speisesaal). 

20. 57 X 44. Brustbild eines laiigbärtigen Greises mit einem Krückstock und einem Rosenkranz in der 
linken Hand. Gutes süddeutsches Bild, um 1700. Stammt aus der Sammlung Kilian, Zürich. 




Fig. 58 Qoldenstein, Tafelbild, St. Josef und Maria, Anfang des XVI. Jhs. 

(um 1510) (S. 58) 

21. 80 X 64. Porträt, Halbfigur. Markgraf August Georg von Baden, Stifter des Klosters; mit Zopf- 
j perücke, Brustpanzer, goldgesticktem rotem Frack, hermelingefüttertem blauem Mantel. Rechts Helm und 

Krone. Mittelmäßige badische Arbeit, um 1770. (Aus Rastatt.) 

22. Pendant, seine Gemahlin Maria Viktoria, geborene Herzogin von Aremberg, in spitzenbesetztem rotem 
Kleide, mit Häubchen. Ihr linker Arm ruht auf einem Aufrisse des Klosters. Von derselben Hand (Aus 
Rastatt.) 

23. 64 X 91. Auszug des Noah aus der Arche. Voran ein Hirt mit Ziegen, dann ein Knabe, auf einem 
Schimmel reitend, gefolgt von einem Mann und einer Frau, dahinter Rinder, Maultiere, Schafe, ein 
Kamel. Ganz rechts Noah, emporblickend zur Figur Gottes. Rechts eine Frau, ein Bündel packend. 
Gutes italienisches Bild in der Art der Bassani, angeblich von Jacopo Bassano. Ende des XVI. Jhs. Aus 
der Sammlung Kilian, Zürich. 



62 



Oerichtsbezirk Salzburg 



24. 109 X 90. Der hl. Petrus, vor dem Kruzifix kniend. Mittelgutes Bild, Anfang des XVllI. Jhs. (Aus 
Rastatt.) (I. Stock, kleines Zimmer) 

25. 156 X 68. öl auf Holz. Immakulata, auf Erdkugel, Schlange, Mond stehend. Oben zwei Putti mit 
einer Rosenkrone, unten die armen Seelen im Fegefeuer. Mittelmäßiges salzburgisches Bild aus dem 
Anfange des XVIII. Jhs. 

26. 96 X 71. Maria Verkündigung. Von links oben schwebt der Engel zu der vor ihrem Betpulte knienden 
Madonna herab, welche die Hände über der Brust kreuzt. Im Hintergrunde die Apsis einer Säulenhalle. 
Gutes badisches Bild aus der Mitte des XVIII. Jhs. Stammt aus Rastatt. 

27. 71 X 41. Öl auf Kupfer. Zu den Füßen eines von Engeln 
getragenen Kruzifixes kniet die hl. Maria Magdalena. Links 
steht ein hl. Abt, hinter ihm ein Putto mit Pastorale und 
Intel. Am Boden vor ihm liegen Krone und Schwert. Oben 
Gott-Vater. Am Rahmen Rocaillen. Gutes Salzburger Bild 
aus der Mitte des XVIII. Jhs. (I. Stock, Gang). 

28. 36 X 77. Illustration zu Matthäus, Kapitel 7, Vers 6. 
Links ein Jüngling, von Hunden angefallen. Andere Hunde 
zerreißen die am Boden liegenden hl. Schriften. Rechts 
Schwarzwaidlandschaft mit Fachwerkhäusern und einer Stein- 
brücke. Am Himmel ein Gewitter. Gutes badisches Bild aus 
der Mitte des XVIII. Jhs. 

29. Pendant dazu. Illustration zu Matthäus, Kapitel 7, Vers 6. 
Links ein Schwarzwalddorf, rechts ein Jüngling, der Ge- 
schmeide und Perlen vor die Säue wirft. Von der gleiciien 
Hand. 

30. 142 X 97. Vier Bilder in geschwungenem schwarzem 
Rahmen, aus dem Kloster St. Mergen auf dem Schwarzwalde 
stammend (III. Stock, Saal): 

a) Der hl. Dominikus übergibt dem König Alphons von 
'Kastilien einen Rosenkranz. Links der siegreiche Reiterkampf 

mit den Mauren. Oben auf Wolken die Mutter Gottes mit 
dem Kinde, von Cherubsköpfchen und Putten mit Rosen- 
girlanden umgeben. 

b) Der hl. Augustinus begibt sich mit seinen Mitbrüdern 
zum Mahle. Rechts ein die Lektion haltender Chorherr. 

c) Der hl. Petrus Forerius inmitten von Kindern. 

d) Der hl. Kardinal Quarinus verteilt Geld unter die Armen. 
Sehr gute, flott und breit gemalte badische Arbeiten, um 1760. 

31. 96 X 60. Christus tot am Kreuze. Gutes Bild, signiert: 
P. F. Nicodemo pinxit 1764. Aus der Sammlung Kilian. 

32. 170 X 84. Die Immakulata, auf der Erdkugel stehend, 
mit dem Fu(3 auf den Kopf der Schlange tretend, mit dem 
Lilienstengel in der Hand. Oben die Taube und vier Cherubs- 
köpfe. Sehr gute Arbeit, signiert: J. W. Hauwiller pinx. 
1771. Geschenk der Markgräfin Maria Viktoria von Baden 
(III. Stock). 

33. Pendant dazu. Der hl. Bernhard, Markgraf zu Baden, 
in voller Rüstung, mit Fahne und Schild. Gutes Bild, von 
gleicher Hand wie das obige, datiert 1772. Beide stammen 
aus Baden (Speisesaal). 

34. 183 X 121. Der hl. Aloisius, betend (Speisesaal). 

35. 141 X 178. Saulus wird durch Ananias von der Blindheit befreit. Gutes Salzburger Bild aus der 
Mitte des XVIII. Jhs. (von König, 17631?]). Stammt aus St. Peter (Speisesaal). 

36. Pendant dazu. Der hl. Petrus und der Zauberer vor Kaiser Nero. Von der gleichen Hand (Speisesaal). 

37. 78 X 62. Mater dolorosa. XVIII. Jh. (Aus Rastatt.) (I. Stock.) 

38.44x66. Öl auf Leinwand. Serie von elf Bildern. Szenen aus dem Leben des 
h 1. B e n e d i k t (Klausurtrakt). 

a) St. Benedikt verläßt, von Engeln geleitet, die Welt, um sich in die Einsamkeit zurückzuziehen. (Durch 
Anbrennen beschädigt.) 




Fig. 59 Goldenstein, Anbetung der fünf Wunden 
Christi durch die vier Erdteile, von J. W. Hau- 
willer, 1770 (S. 60) 



Schloß Qoldenstein 



63 



l ,^_-,^_.._. 

Korb mit Brot herab, den ihm der Teufel zu entreißen sucht. 

c) Der junge Heilige sitzt mit seinem Gefährten, der ihm am Ostertage Speise gebracht hat, in seiner 
Höhle betend vor dem gedeckten Felsentische. Oben zwei Cherubsköpfchen, unten der Rabe (Fig. 60). 

d) Landleute bringen dem jungen Heiligen Speise und Trank. 

e) Der hl. Benedikt empfängt an der Klosterpforte mit drei Mitbrüdern zwei vornehm gekleidete Knaben, 
Maurus und Plazidus, die von ihrem Vater geleitet werden. 

/) Der Heilige, bärtig, mit dem Pektorale, nimmt mit offenen Armen einen Jüngling in weltlicher Tracht 

auf, der sich an der Klosterpforte mit bittend erhobenen Armen vor ihm niedergeworfen hat. 

g) Der hl. Maurus zieht, auf dem Wasser schreitend, den versinkenden Plazidus empor. Rechts stehen, 

unter einem Portal der hl. Benedikt und zwei Mönche. 

h) Der König Totila, dessen Mantelschleppe von zwei Pagen getragen wird, kniend vor dem hl. Benedikt. 

Rechts ein Diener mit dem Zepter auf einem Polster und zwei Krieger. 



Fig. 60. 




Fig. 60 üoldeiistein, St. Benedikt mit seinem Gefiilirten in der Hölile. Skizze von F. X. König, 1757 (S. 63) 



/!) Der hl. Benedikt und die hl. Scholastika in einer Säulenhalle, neben einem runden Tische sitzend. Der 
' Heilige, der ein Buch im Schöße hält, erhebt verweisend die Hand, seine Schwester kreuzt die Hände 
1 über der Brust. Durch die Pfeiler sieht man auf die Landschaft mit Gewitter und Hagelwetter hinaus. 

k) Links der Heilige in seiner Zelle, am Betpulte kniend, zu einer weißen Taube emporblickend, der 
1 entschwebenden Seele der hl. Scholastika, die man rechts durch eine offene Tür am Sterbebette liegen 
t sieht. Neben ihr drei Nonnen. 
i /) Tod des hl. Benedikt. Links der greise Heilige, sterbend in die Arme seiner Mitbrüder zurücksinkend. 

Rechts am Altar ein segnender Priester mit einem Ministranten. In der Mitte oben die entschwebende 

Seele des Heiligen in Gestalt einer kleinen nackten Figur auf einer hellen, von Öllämpchen eingesäumten 

Lichtstraße. 

Sämtliche Bilder von einer Hand, vorzüglich gemalt, von F. X. König, 1757, wie die folgenden. 

'39. 44 X 66. Serie von fünf Bildern. Szenen aus dem Leben der Salzburger Heiligen 

Rupert, Virgil und Vital (1. Stock, Gang). 

\a) Der Bayernherzog Theodo übergibt dem hl. Rupert die Schenkungsurkunde über Salzburg. Links 
I Gefolge des Herzogs, rechts vier assistierende Mönche. Im Hintergrunde rechts die Taufe des Herzogs 
'durch den hl. Rupert, darüber die Zerstörung eines Götzenbildes. 

b) Der Schrein mit den Gebeinen des hl. Amand wird von den Mönchen und dem hl. Rupert in feier- 
llichem Zuge nach St. Peter geleitet (Fig. 61). 



Fig. 61. 



64 



öerichtsbezirk Salzburg 



c) Der hl. Rupert, in vollem bischöflichen Ornat, übergibt am Altar dem vor ihm knienden hl. Vital als 
seinem Nachfolger das Pastorale. Ein Diakon hält eine zweite Infel bereit. Links zwei Mönche. 

d) Der Tod des hl. Rupert. Der Heilige sinkt beim Zelebrieren der hl. Messe sterbend in die Arme 
Fig. 62. zweier Diakone. Rechts drei assistierende Mönche mit Leuchter, Pedum und Infel (Fig. 62). 

e) Wunder am Grabe des hl. Vitalis. Zu beiden Seiten des Sarkophages des Heiligen knien links ,eine 
Frau mit einem kranken Kinde und ein geheilter Lahmer, rechts ein greiser Lahmer mit einem Kinde 
und einer Frau. 

Diese vorzüglich erhaltenen, sehr flott und mit kräftigem Strich gemalten 16 Bilder sind die Original- 
skizzen des Salzburger Malers Franz Xaver König zu seinen 20 großen Leinwandbildern, welche 
die Hochwände des Mittelschiffes der Abteikirche St. Peter in Salzburg schmücken. Vier Skizzen wurden 
vor einigen Jahren nach St. Peter übertragen. Alle sind im Jahre 1757 entstanden (vgl. Österr. Kunsttop. 
Band XII, S. CLII, 8, 133). 




Fig. 61 Goidenstein, St. Rupert bringt die Gebeine des hl. Amand. Skizze von F. X. König, 1757 (S. 63) 

40. 103 X 86. Der hl. Ludwig von Toulouse vor dem Kruzifix kniend. Gutes Bild, Anfang des XIX. Jhs. 
(Aus Rastatt.) (1. Stock.) 

41. 57 X 64. Öl auf Holz. Katze im Gesträuch, mit einem Vogel in den Krallen. Feinpinselig gemalt, 
1815. Aus Rastatt. (Speisesaalgang.) 

42. Pendant dazu. Fuchs im Gesträuch (ebenda). 

43. 44 X 55. Öl auf Holz. Zwei Genrebilder, Hirt mit Rindern und Ziege. Gute deutsche Bilder nach 
niederländischer Art, XVII. Jh. Aus Rastatt. (Speisesaal.) 

44. 34 X 42. Genrebild. Ein Reiter, zwei Männer mit Hunden und ein Mann mit einem Schimmel vor 
einer Hütte mit zwei Frauen. Skizzenhaftes mittelmäßiges deutsches Bild nach niederländischer Art, 
Anfang des XVIII. Jhs. Aus der Sammlung Kilian. 

45. Pendant dazu. Ähnliches Motiv. Von derselben Hand (I. Stock). 

46. 23 X 31. Marine mit Segelschiffen. Vorn in einem Kahn ein Trompeter. Mittelgut, holländisch, 
XVll. Jh. Aus der Sammlung Kilian. 

47. 48 X 57. Zwei Hafenbilder mit zahlreichen Schiffen; eines mit Walfischjagd, das andere signiert: 
V.Velden. Deutsche Kopien des XVII. Jhs. nach holländischen Bildern. Aus der Sammlung Kilian. (1. Stock i 
Alle im Zimmer mit der Kassetten decke. 




Scliloß Qoldenstcin 



65 



48. 71 X 172. Ansicht des Schlosses Goldeiistein von S., mit Meierhof und Dorfkirche. Im Hintergrunde 
Salzburg. Um 1700 (Speisesaal) (Fig. 50). 

49. 44 X 76. Zwei Landschaften, eine mit einem Jäger, die andere mit Hirten und Herde. Skizzenhafte 
Arbeiten, Mitte des XVIII. Jhs. Aus der Sammlung Kilian. (I. Stock.) 

50. 43 X 64. Vier Aquarelle; Ansichten des Klosters Goldenstein von W., S., O., N. von Louis Wal lee, 
um 1830 (Speisesaal). 

45 X 33. Relief aus vergoldetem Stuck, Kopf Christi in Profil. Gut, Ende des XVIII. Jhs. 

Holz, alt polychromiert. Kopie der Mutter-Gottes-Statue von Altötting, XVIII. Jh. 

Möbel (in der Sakristei): 1. Sakristeischrank, niedrig, Holz, braun gebeizt. Zweiflügelig, mit drei 
Pilastern und zwei von Perlstäben umrahmten Feldern. Mitte des XVII. Jhs. 
2. Niedriger Sakristeischrank, ähnlich, aber ohne Pilaster. Mitte des XVII. Jhs. 



Möbel. 




Fig. 62 Goldenstein, Tod des hl. Rupert. Skizze von F. X. König, 1757 (S. 64) 



3. Hoher Paramentenschrank, Holz, braun gebeizt, schön geschnitzt. Drei nach unten sich verjüngende 
geschuppte Pilaster auf Postamenten. Zwei rechteckige Felder in Schuppenrahmen, mit Gebälk und 
Volutengiebeln. Darüber Perlgesims, Fries mit Triglyphen, Zahnschnitt, Abschlußgesims mit Perlstab. Sehr 
schöne Salzburger Arbeit, Mitte des XVII. Jhs. 

Monstranz: Kupfer, vergoldet. Knauf in Form einer Rocaillenvase. Um das Gehäuse Rahmen in Form 
eines flammenden Herzens mit runder, von Rosen umwundener Öffnung, dahinter doppelter Strahlen- 
kranz. Mitte des XVIII. Jhs. Stammt aus Rastatt. 

Kelch: Silber, vergoldet. Reich verziert in getriebener Arbeit. Am runden Fuße drei Cherubsköpfe und 

' vier ovale Medaillons mit den eingravierten Figuren der Hl. Rupert und Vital und den Leidenswerkzeugen. 

Knauf mit vier Kartuschen. Cuppakorb mit getriebenen Blumen und vier Medaillons mit den Halbfiguren 

Christi mit dem Kreuze, mit Geißel und Rutenbündel mit Schilfrohr. — Marken: Salzburger Beschau- 



zeichen. Meisterzeichen: 



HI 



g in Dreipaß. Schöne Arbeit des Hans Jakob Scheibsradt in Salzburg, 
um 1660. Stammt aus St. Peter. 

Kasel: Silber- und Goldbrokat. Mittelstück rote Rosen mit grünen Blättern, gehäkelt in Seide auf Silber- 
grund. Unten das Wappen der Markgräfin Maria Viktoria von Baden, in Seide, Silber und Gold gestickt. 
Anfang des XVIII. Jhs. 

1 



Monstranz. 



Kelch. 



Kasel. 



66 



Oerichtsbezirk Salzburg 




Fig. 63 Eugendorf, Gesamtansicht von Süden (S. 69) 



Eugendorf, Dorf 

Archivalien: Stiftsarchiv Seel<irchen (Kirchenrechnungen 1593—1619 und Ai<ten XLV 2). — Pfarrarchiv (Kirchenrechnungen seit 
1620, Lücke 1725—1740). — Konsistorialarchiv. 

Literatur: Pillwein, Salzachkreis 372. — Dürlinoer, Handbuch 36. 

Alte Ansichten: Zwei Gemälde, um 1820, Im Pfarrhof. 

Herzog Hugbert von Bayern (er regierte bis 735) gab an die Salzburger Kirche 9 Hüben Jn villa que liicittir Jiipindorf-, 
Auch in der Folge wird Hiupandorf, Jiopindorf noch öfters genannt (HAUTHALER, U.-B. 1. 25, 149, 242, 471). In späterer 
Zeit war E. auch Sitz eines Gerichtes, das bis 1326 Konrad von Wartenfels und dann bis 1333 Konrad von Kaiharn inne- 
hatte. In der Folge gehörte es als Schranne zum Pfleggerichte Neuhaus (vgl. RICHTER, Unters. 703 f.). 

Pfarrkirche. Pfarrkirche zum hl. Martin. 

Das älteste Kirchenverzeichnis in der Notitia Arnonis (IX. Jh.) nennt auch Ad Jubindorf eccl. cum rtianso I 
(Hauthaler, U.-B. 1, 11). Am 1. Februar 1380 verlieh Bischof Konrad von Regensburg der Pfarrkirche zu 
Seekirchen und ihrer Filiale, der St. Martinskirche zu Eugendorf, Ablaß (Original in Seekirchen). 1390 
stiftete Pfarrer Ulrich von Seekirchen in Eugendorf eine Wochenmesse. 
Wir lassen die Auszüge aus den Kirchenrechnungen folgen: 

1593 wird eine Tafel zu den 3 Kreuzen (Feldkapelle [?]) gemacht. — 1598: Jörg Hauch, Uhrmacher und Schlosser, für 
eine Uhr 45 fl. — 1599: Dem Maler von dem jüngsten Gericht zu malen 10 fl., von den neuen Figuren und dem 
Thurm 6 fl. Iß 18 i},. — 1611: Für die Kreuzsäul auf dem Feld zu Eugendorf für Anstreichen und Malen, auch für 
den darzuegebnen Bischof S. Martini und für 2 Paar Leuchter 8 fl. — Zu dem Kreuz in Praittenstigen ein Tafel 
malen lassen 15 fl. — Visitation von 1614: Sacramentum a cornu dextero altaris in tabernaculo ligneo depicto muro 
affixo et cancellis clausa asservatur. 2 Seitenaltäre, rechts: in hon. s. Floriani: links: in hon. s. Sebastiani. — 1626: 
Dem Maller wegen der 2 großen Urbletter, audi für das ciain in der Kirchen und für die Sohnenuhr zu mallen und 
zu vcrrcnovirn 16 fl. — 1634: Dem Michael Kriechauer, Zimmermann zu Eugendorf, von den neuen Stielen u. a. 48 fL 
4 ß 8 ^. — 1635: dto. von dem grienen Gadter bei U. L. Fr. Altar 30 ß. — 1637 wurde der Hochaltar renoviert. Dem 
Maler wegen der Ulirstendt zu renovieren, Leuchter auf den hilzern Gatter beym Altar 5 fl. Dem Maler umb eilich 
Suchen zum Kripl zu malen 2 fl. 30. Dem Tischler wegen seiner gethanen Arbeit beym Altar 27 fl. 10 ß. Von wegen 
der Altarbilder Tragerlohn 30 ß. Dem Maurer, dass er die Löcher zum Fürhang für den Hochaltar ausgebrochen 15 kr. 
Als man den Altar (von Salzburg!?]) herausgeführt 10 kr. — 1639: Umb ein neues kupfernes und guet vergoldts Kreuz 
dem Goidschmid 16 fL — 1652 wird der neue .Schacher bei der Straß- aufgerichtet. — 1653: Dem Maler für 2 Dafln 



■ 



Eügendoff 6f 



dorthin 6 fl. 20 kr. — 1655: Meister Paul D egele. Maller zu Hallein, für ein Sonnenuhr und die Uhrtafel zu 
renovirn 7 //. 46. — 1656: Mathe usen Miller, Barger und Maler zu Salzburg, von wegen der neuen Parrkirchen 
und 15 Gehaimbnussen U. L. Frau darein zu malen 36 fl. — 1661: Demselben für St. Martin- und St. Sebastian Pildter, 
2 Pischkrueg zu renovieren und die 12 Apostel in der Kirchen zu malen 16 fl. 6 ß. ~ 1663: Einen alten Kölch sambt 
der Paten umb einen neuen vertauscht, darauf bezahlt 16 fl. 49 kr. — 1667 : Für Hl. Dreifaltigkeit, Maria- und Josef- 
Bildnussen auf dem Postament 2 fl. Für einen Kasten in der Sacristey 12 fl. — 1668: Für die neue Tafl U. L. Frau 
zu fassen 8 kr. 

1682/83 wird der Choraltar gebaut: 

Adam Hartmann, Bildhauer, erhält für 2 Seitenbllder St. Georg und Florian(l) 80 fl., füi 
das Corpus St. Maria in Gloria 55 fl., 2 Tachung-Engl 4' hoch 6" breit 24 fl., hl. Michael 4' 15 fl. 

i und 7 Englsköpf 7 fl., am S.Oktober zusammen 181 fl. ausgezahlt. Adam Pürckmann, Maler, 

erhält wegen des Choraltars vom 14. Oktober 1682 bis 23. Jänner 1684 850 fl. Denen Malergesöllen 

^K wegen gehabter Mühewaltung ist auf ihr inständiges Anhalten verehrt worden 1 fl. 30 kr. Dem 

IB Meister Wolf, Tischler in Salzburg, für an den Choraltar neugemachte Arbeit 250 fl. 

IB Fi^f 6 geschnitzte Leuchter und 1 Crucifix auf den Hochaltar dem Bildhauer 24 fl. 

' 1685: Dem Meister Wolf Schmidt, Tischler zu Salzburg, für die 2 Seitenaltäre (meist von Wohltätern 

I bestritten) 7 //., dem Adam Pürckmann für die 2 Seitenaltarl mit gutem Gold planiert, ver- 
galt und schwarz ausgefasst 200 fl., auch 4 Platl oben und unten gemalt, in eins oben St. Catharina, 
unten Jesus, Maria und .Tosef, das andere oben St. Barbara, unten St. Antoni de Padua ä 15 fl. 
30 fl. Mer hab ich dazugemacht 2 Fastentücher, die Crenung und Geißlung Christi 16 fl. 
Wolf Hauset, Tischler zu Seekirchen, für das Altargatter 4 fl., für Kirchenstühle neben dem 
Hochaltar 39 fl., für Umsetzung der Kanzel, für die Auszug vor St. Josefsaltar 24 kr. Dem 
Adam Pürckmann für Fassung der Canzl, des Altargätters und Opferstockes 70 fl. 
Dem Meister Wolf Schmidt für 2 große Wandleuchter zum Hochaltar u/id zum Wetterkreuze 
5 fl. 15 kr. 
1689: Dem Bildhauer zu Laufen für 2 Leuchter, ein Postament sambt Macherlohn 6 fl. 

Wahrscheinlich 1684 gießt Johann Nusspicker, bürgerlicher Stuck- und Glockengießer eine Glocke 
um (15 fl. 6 kr.) und 1691 wird abermals eine Glocke in hon. s. Jacobi gegossen. 

1692 wird der Turm umgebaut, was 1191 fl. 27 kr. 3 .-^^ erforderte. Dem Hans Schwäbl, Bürger 
und Steinmetzen (auf den Thurm 2 Postament und Kugl gemacht) 20 fl.; Ferdinand Rein, Kupfer- 
schmied in Salzburg, für Kreuz, Knopf, Helm und die Jahreszahl 80 fl. 85 kr., Adam Pirckmann für 
die Vergoldung des Knopfes und Kreuzes 91 fl. 4 kr., Matthias Wichlhamber, Maler in Neumarkt, 
für Malung der Uhrblätter und der Sonnenuhr 11 fl. 

1693: Adam Pirckmann in die Gruft das Altar l zu butzen, auch 2 Todte zu malen 10 fl. 

1698: Dem Adam Pirckmann für ein Grab Christi zu malen 55 fl. Im gleichen Jahr wird eine neue 
Emporkirche mit Stühlen gemacht. 

1701: Jeremias Sauter für eine Uhr 213 fl. 30 kr. Ferdinand Weilhamer, Zinngießer in Salz- 
burg für ein Paar Opferkandl sammt Blattl 3 fl. 

1702: Ruep Abtsmann, Tischler zu Seekirchen, für 2 Tragsiein zu U. L. Frau und St. Johanns neben 
dem Crucifix 5 fl. 40 kr., Balthasar Böckl, Maler in Salzburg, in der Kirchen die 12 Apostel in 
Lorbeerkränz zu malen 8 fl., Mathias Fiesbauer, Schlosser in Seekirchen für 12 neue Apostelleuchter 
4 fl. 55 kr. — 1716: Josef Anton Greissing, bürgerlicher Zinngießer, für 2 Paar neue Leuchter 
und eine Ampel 22 fl. 

Am 8. April 1718 wurde wegen Gießung einer größeren Glocke im Gewichte von 14 Zentner mit Bene- 
dikt Eisenberger in Salzburg ein Kontrakt geschlossen und im gleichen Jahr testierte Christof 
Gschirr, Oberkellner in St. Peter, zu einer kleineren Glocke 300 fl. — • 1723: Anton Greissing für 

(Paar neue Leuchter 6 fl. 22 kr. und Aufgabe der alten. 
9* 



6Ö 



üericlitsbezirk Satzburg 



1735 berichtete der Dechant von Seekirchen an das Pfleggericht Neuhaus, dass die Kirche zu Eugendorf 
dergestalten baufällig sei, dass sie fast gänzlich von neuem muess repariert und erbaut werden. Zu 
diesem Zwecke machte der Hofmaurermeister Tobias Kendler 7 Risse (drei jetzt im städtischen 
Museum in Salzburg); am 8. April 1736 war die Kirche bereits abgebrochen; während des Baues, der 
sich insgesamt auf 10.372 fl. 37 kr. 3 ^ belief, wurde der Gottesdienst alternativ in Mühlberg und 
Kirchberg abgehalten. 1736 wurde die Kirche durch den Dechant von Seekirchen benediziert. Im April 
1737 war das vorgenommene Kirchengebäu bis auf das Pflaster zum Ende gelangt (SRA Hofk. Neuhaus 
1737 H). Wolf Haas, Schmidt in Eugenbach, für das gemachte neue Kirchengätter sambt Schloss 
50 fl. 30 kr., Matthias Gulter und Matthias Wallinge r, Steinhauer in Adnet, für die zwei 
großen Kirchenportale 160 fl., Johann Enzinger, Steinmetz am Ulrichshögel, für das Pflaster, Stiege 




h'ig. 64 Eugendorf, Pfarrkirche und Pfarrliaus von Nordosten (S. 69) 



und Fensterpamb 419 fl. 28 kr., Ruep Hauser, Tischler für Abbrechung der 3 Altar, auch die 2 Seiten- 
altär mit neuen Postamenten zu erhöhen 49 fl., dto. für das gemachte Speisgätter 30 fl.. Christof 
Feninger, Stokatorer zu Henndorf, für Verförtigung der Kanzl 42 fl. 

Am 10. Dezember 1736 bekommt der Stiftsdechant von Seekirchen die Erlaubnis, die maiori ex parte 
reparierte Kirche zu benedizieren. 1745 wird von Seekirchen die alte aber noch durchgehends saubere 
Monstranze um 203 fl. erkauft. 1760 wird eine Glocke umgegossen. Am 1. Mai 1763 weiht Erzbischof 
Sigmund die Kirche persönlich ein. 1771 erhält Peter Paul Berger, bürgerlicher Gürtler in Salzburg. 
101 fl. (wofür?). 1781 wird die baufällige Kapelle bei den drei Kreuzen von Grund aus neu gebaut. 
1784: Stefan Plazer, Zinngießer, für zwei Opferkandl 2 fl. 33 kr., 1787: Andrä AI tm an n, Bildhauer 
zu Neumarkt, für Übermachung des Kristum im Kerker 4 fl. 15 kr. und Georg Mösle aldort für Re- 
novierung obigen Kristus 5 fl. 36 kr. 

1792 bewilligt das hochfürstliche Konsistorium, daß der alte und ungestaltete Hochaltar der Erfordernis 
nach ausgebessert und verschönert und hiefür ein Betrag von 100 fl. verwendet werden dürfe. 1802 wird 
eine Monstranz von Gürtlerarbeit auf der Osterdult zu Salzburg um 138 fl. gekauft. 1847 wurde die 






Eugendorf 



69 



alte Orgel nach Kirchberg gegeben nnd durch Orgelbauer Moser eine neue gebaut, auch die Orgel- 
empore erneuert. 1852/56 wurde die Kirche renoviert, dabei statt des Kreuzweges von 1737 ein neuer 
von Rattensperger aufgestellt. Die Altäre wurden neu gefaßt und im Schiffe zehn Freskogemälde 
von Rattensperger gemalt. Am Hochaltar war schon damals die (gekleidete) hl. Maria. Da die 
Leute deren Entfernung nicht wollten, wurde sie in eine Nische zurückgesetzt, ringsherum mit einem 
vergoldeten Rahmen versehen und auf diese Weise ein förmliches Altarblatt ersetzt. 1857: Neuer Taufstein 
durch Steinmetz Haslauer. 

Am 24. Oktober 1787 wurde in Eugendorf ein Vikariat errichtet und im gleichen Jahre durch Jakob 
Wagner, Maurermeister in Eugendorf — wahrscheinlich nach dem Risse des hochfürstlichen Bauverwalters 
Wolfgang Hagenauer — ein Vikariatshaus gebaut, das sich auf 3636 fl. 36 kr. 3 ^|> belief. 1857 
wurde Eugendorf zur Pfarre erhoben. 




Fig. 65 Eugcndorf, Pfarrkirche, Grundriß 1 : 250 (S. 70) 

Charakteristik: Verbindung eines gotischen, 1692 umgebauten Westturmes mit einem 1736—1737 
nach Plänen von Tobias Kendler neu erbauten geräumigen, tonnengewölblen Langhaus und gleich- 
breiten und -hohen, flachbogig geschlossenen Chor (Fig. 63—66). 

Drei Originalrisse von Tobias Kendler bewahrt das Salzburger Museum, zwei Grundrisse (einen 
mit der einpunktierten gotischen Kirche) und einen Längsschnitt {einwendtige facciatä). Die alte 
gotische Kirche war einschiffig und hatte einen gleichbreiten und gleichhohen, in drei Seiten ab- 
geschlossenen Chor, dessen Ostwand bis an die Stufen des jetzigen Hochaltars reichte. Beim Umbau 
von 1736 wurde die Süd- und Westmauer benützt, die Nordmauer niedergelegt und um neun Schuh 
weiter hinausgesetzt. 

Lage: Vom Friedhof umgeben, mitten im Orte (Fig. 63). 

Äußeres (Fig. 64): 

Langhaus, Chor und Anbauten: Bruchstein und Ziegel, verputzt und weiß gefärbelt. Turm: Ganz aus 
Konglomeratquadern, mit verputzten Fugen. Ungünstig wirkt die moderne hellgraue Zinkblechdachung. 

Langhaus und Chor: W. Giebelschenkel beiderseits des vorgebauten Turmes. Links oben Boden- 
fenster. — S. Unten links ein niedriges Fenster, darüber hohes, rundbogiges Fenster, rechts daneben 
rundbogiges Portal (von 1737) in rechteckiger roter Marmorumrahmung mit einem Keilstein und vor- 



Charakte- 

ristik. 

f- ig. 63-66. 



Lage. 
Fig. 63. 

Äußeres. 
Fig. 64. 



Langiiaus 
und Chor. 



;o 



öcriclitsbezirk Salzburg 



springendem geradem Gesims; darüber hohes rundbogiges Fenster. Reclits vom Sakristeianbau zwei 
ebensolche hohe Fenster. — O. Einspringender flachbogiger Abschluß ohne Fenster. — N. Analoge Fenster 
wie im S. — Hoher Sockel aus Konglomeratquadern, umlaufendes, weit vorspringendes Hohlkehlgesims. 
Über Langhaus und Chor gemeinsames, hohes,' modernes Zinkblechdach, über dem Abschluß abgerundet. 

Turm. Turm: Vor der Mitte der Westfront des Langhauses. Hoher quadratischer Hauptteil aus Konglomerat- 

quadern mit weißverputzten Fugen, mit vorspringendem Sockel; durch vier einfache steinerne Kaffgesimse 
in fünf Geschosse geteilt. Im W. spitzbogige gotische Tür in Steinrahmung; darüber modernes Vordach 
und schmale Luke. Im N. Anbau 1 (Gerätekammer), darüber schmale Luke. Im S. Anbau 2, darüber 
zwei schmale Luken. Im vierten Geschosse drei rechteckige hölzerne Zifferblätter, im fünften vier spitz- 
bogige gotische Schallfenster. Über einfachem Gesimse ein aufgesetztes, gemauertes, weiß gefärbeltes 
Obergeschoß von 1692 mit acht kleinen Luken. Doppelzwiebelhelm, 1907 neu mit Zinkblech eingedeckt. 
Vergoldeter Knauf und Kreuz. 




Fig. 66 Eugendorf, Pfarrkirche, Inneres (1737) (S. 70) 



Anbauten. 



Fried hof- 

mauer. 

Inneres. 
Fig. 65. 65. 

Langhaus. 



Anbauten: l. Nördlich vom Turm. Gerätekammer. Eingeschossig. Im N. Fenster, im W. Tür. Blech- 
pultdach, nach W. abgewalmt. 

2. Südlich vom Turm, symmetrisch zu 1 gebaut, im S. zwei flachbogige Fenster, im W. Tür. Dach wie 
bei 1. 

3. Sakristei, im S. des Chores. Einstöckig. Im W. oben ein Fenster, im S. Tür mit Oberlichtfenster, im 
O. übereinander zwei Fenster. Blechsatteldacli, nach S. abgewalmt. 

Friedhofmauer: Bruchstein, verputzt, mit Falzziegeln abgedeckt. Im W. und NO. je ein Eingang 
zwischen zwei einfachen Pfeilern, im SW. zwischen zwei Pfeilern mit Steinkugeln. 



Modern ausgemalt. 



Inneres (Fig. 65, 66): 



Langhaus: Hoher und breiter einschiffiger Saal mit einem flachbogigen Tonnengewölbe, das durch 
breite Gurtbogen in drei, von je zwei flachbogigen Stichkappen eingeschnittene, oblonge Joche geteilt 
wird. Die Gurten ruhen aui den weit ausladenden Abschlußgesimsen von flachen Wandpfeilern, die mit 
proülierten Sockeln und stukkierten ionischen Kapitalen versehen sind. Unter dem Triumphbogen je zwei 



n 



I 



Eugendorf 



71 



einander vorgelegte ebensolche Pilaster. - Im W. übereinander zwei Emporen (Holz mit StLici<tibeizug) 
mit flachen Böden. Die untere (von 1698, mit geschwungener Brüstung) ruht auf zwei steinernen toskani- 
schen Säulen, die auf prismatischen Postamenten stehen. Die obere (von 1847, mit gerader Brüstung) wird 
von zwei hölzernen toskanischen Säulen gestützt. Unter der Empore rundbogige Tür mit einfachem 
schmiedeeisernem Gitter von Wolf Haas in Eugenbach, 1737; daneben zwei steinerne Aufgang- 
stiegen. Ober der ersten Empore rundbogige Tür zum Turme. — Im S. und N. je eine rundbogige Tür 
, mit altem Schloß (1736) in flachbogiger Nische. Im S. neben der Kanzel auf drei Stufen rechteckige 
Sakristeitür in stukkierter Umrahmung (um 1737). Links darüber rechteckiger Balkon (Holz, stuck- 
überzogen) mit rundbogiger Tür. 

Chor: Gleichbreit und -hoch wie das Lang- 
haus, Boden um zwei Stufen erhöht. Hölzerne 
Balustrade mit aufgemaltem, steinfarbenem 
Bandwerk (vom Tischler Ruep Hauser, 
1737). Einspringender, flachbogiger Abschluß 





PI 



Eugendorf, Pfarrkirche, 



Fig. 67 
Hochaltar von 1683 (1792, 1856) (S. 



h'ig. 68 Eugendorf, Pfarrkirche, 
Ornamentfeld vom Hochaltar, 1683 (S. 72) 

mit zwei Pilastern. In den beiden Ecken 
Doppelpilaster. Über dem Chorrechteck flach- 
bogiges Tonnengewölbe mit flachbogigen Gur- 
72) ten, über dem Abschluß Halbkuppel mit zwei 
Radialgurten. 

Turm: Die Eingangshalle hat ein spätgotisches Netzgewölbe mit beiderseits gekehlten Rippen, 
die jede struktive Bedeutung schon verloren haben. Im W. spitzbogige Tür in flachbogiger Nische, im 
0. rundbogiger Durchgang zum Langhaus. Zwei marmorne Weihwassermuscheln. 

Anbauten: 1. Beinhaus, südlich vom Turme. Gotisches Kreuzrippengewölbe, mit beiderseits gekehlten, 
in der Wand verlaufenden Rippen. 

2. Sakristei. Beide Geschosse haben flache Decken mit einfachen stukkierten Rahmen. Hölzerne Verbin- 
dungsstiege. 

Einrichtung: 

Altäre: Drei gleichzeitige Altäre, Holz, gelb und rotbraun marmoriert, mit geschnitzten, neu vergoldeten 
Verzierungen. Alle drei um 1683, 1856 neu gefaßt. 



Chor. 



Turm. 



Anbauten. 



Einrichtung. 
Altäre. 



72 



Gericlitäbezirk Salzburg 



Hochaltar. 1. H c h a 1 1 a r (Fig. 67) : Freistehend. Auf drei Stufen sarkophagförmige Mensa. Hoher Aufbau, beiderseits 
Fig. 67. neben der Mensa auf einem rechteciiigen Sockelbau ruhend; hohes Predellageschoß, mit je zwei stärker 

und zwei schwächer vortretenden Säulenpostamenten und vierzehn rechteckigen vertieften Feldern, auf 
denen charakteristische Blatt- und Ohrmuschelwerkornamente (Holz, geschnitzt und vergoldet) appliziert 
sind (Fig. 68); Sockel- und Abschlußgesims mit geschnitztem Blattwerk. Im Hauptteile in der Mitte rund- 
bogige Nische in einer Umrahmung von 1856. Daneben beiderseits vor kannelierten Pilastern je zwei vor- 
gestellte Säulen, die beiden äußeren Paare um eine Stufe zurücktretend, alle mit sehr reich geschnitzten 
vergoldeten Kompositkapitälen. Zwischen den Säulenpaaren prismatische Statuenpostamente mit appli- 




Fig. 70 Eugendorf, Pfarrkirche, 

Statue des hl. Sebastian 

am linken Seitenaltar. Anfang 

des XVI. Jhs. (S. 73) 





Fig. 69 Eugendorf, Pfarrkirche, 
linker Seitenaltar, 1685 (S. 73) 



Fig. 71 Eugendorf, Pfarrkirche, 
Statue des hl. Georg 

am linken Seitenaltar. Anfang 
des XVI. Jhs. (S. 73) 



zierten geschnitzten, vergoldeten Ornamenten. Verkröpftes Gebälk; am Fries applizierte vergoldete Orna- 
mente, darüber Eierstabgesims mit Konsolen, vorkragendes Abschlußgesims mit peltenförmigem Blattwerk. 
In der Mitte rundbogiges Gesims von gleicher Art. — Breiter rechteckiger Aufsatz mit glattem Sockel, 
einem von zwei Säulen flankierten, vertieften, quadratischen Mittelfeld; darin Aufsatzbild in vergoldetem 
Vierpaßrahmen. Über dem geraden Gesims geschnitzte und vergoldete barocke Ranken. 

Die Tischlerarbeiten machte 1683 Meister Wolf Schmidt in Salzburg. 1792 wurde der Hochaltar aus- 
gebessert und verschönert. 

Statuen: Holz, 1856 neu gefaßt, a) In der Mittelnische die thronende hl. Maria mit dem auf ihrem 
Schöße stehenden, mit einem langen Hemdchen bekleideten Jesuskinde; vergoldete Kupferkrone. Am 



Eugendorf 



73 



Rahmen daneben zwei schwebende Putti mit Leuchtern in den Händchen, b) Auf Postamenten am Gebälk 
über den äußeren Säulen die Statuen der Wetterheiligen Johann und Paul (zweier römischer Krieger mit 
Sonne und Wolkenballen in den Händen), c) Über dem Aufsatze der hl. Michael mit Schwert und Wage. — 
Alle diese sechs Figuren sind gute Arbeiten des Bildhauers Adam Hartmann vom Jahre 1683. 
d) Im Hauptteil zwischen den Säulen die Statuen der hl. Bischöfe Martin und Rupert, gute Arbeiten 
von 1856. 

Aufsatzbild: Öl auf Leinwand. Der hl. Martin teilt seinen Mantel mit dem Bettler. Mittelmäßig, 1856. 
Auf der Rückseite des Altars aufgemalt das Datum 1683 und darunter: Renov. 1856. 

Jünger ist das Tabernakel (um 1737). Am Sockel ge- 
schnitztes vergoldetes Bandwerk und Akanthusblätter. Vor der 
mit Messing verkleideten Tür hölzernes Kruzifix; daneben je 
zwei Pilaster mit vergoldeten Kompositkapitälen. Am Gesims 
vergoldete Akanthusblätter. Oben das Lamm Gottes auf dem 
Evangelienbuche, daneben zwei kleine anbetende Putti. Neben 
der Tür unten auf Wolken zwei kniende Leuchterputti. 

2. Linker Seitenaltar (Fig. 69): Auf einer Stufe ge- 
schwungene Mensa. Wandaufbau: Zwischengeschoß von 1737 
mit zwei vorspringenden und zwei seitlich ausladenden Kon- 
solenpostamenten. Darüber die alte Predella (mit prismatischen 
Postamenten an den Seiten) und rundbogiges Altarbild in 
geschnitztem vergoldetem Blattwerkrahmen, flankiert von zwei 
vorgestellten Säulen mit vergoldeten Kompositkapitälen. 
Gerades, über den Säulen verkröpftes Gebälk mit applizierten 
vergoldeten Ornamenten. Rundbogige Giebelansätze, in der 
Mitte rundes Aufsatzbild, von vergoldeten Ornamenten um- 
geben. Zuoberst gemaltes Monogramm Jesu im Strahlen- 
kranze. 




Der Aufbau wurde 1685 vom Tischler Wolf Schmidt in 
Salzburg gemacht (s. S. 67). 

Gemälde: Öl auf Leinwand, a) Altarbild. Die hl. Familie, oben 
die Taube und Gott-Vater. Um 1856, wohl von Rattens- 
p erger. — b) Aufsatzbild. Die hl. Katharina (Halbfigur); 
schwache Arbeit von Adam Pirckmann, 1685. — c) Auf 
der Mensa der hl. Aloisius, um 1850, mittelmäßig (Ratten s- 
perger). 

Statuen: Holz, neu polychromiert. Auf Konsolen neben den 
Säulen St. Sebastian (Fig. 70), nackt, an einen Baumstamm 
gebunden, und St. Georg (Fig. 71), in voller Rüstung, mit dem 
Speer den Drachen durchbohrend. Gute Arbeiten aus dem 
Anfange des XVI. Jhs. 

3. Rechter Seitenaltar, zum hl. Anton v.on Padua; im 
Aufbau ganz gleich wie der linke, 1685 vom Tischler Wolf 
Schmidt gemacht. 

Gemälde: Öl auf Leinwand, ä) Altarbild. Der hl. Anton von 
Padua im Gebet; links oben auf Wolken das Christkind, sich 
herabbeugend. Mittelgut, in der Mitte des XIX. Jhs. stark 
übermalt, b) Aufsatzbild. Die hl. Barbara (Halbfigur); schwach. 
Beide Bilder von Adam Pirckmann 1685. 
Statuen: Holz, neu polychromiert. Auf Konsolen neben den Säulen, auf Wolken kniend, der hl. Johann 
von Nepomuk und ein Schweigen deutender Engel. Gut, Mitte des XVIIL Jhs. 

Tabernakel: Holz, neu marmoriert, mit vergoldeten Zieraten. Auf Voluten neben dem Oberteil zwei 
kniende Engel, Holz, polychromiert, gute Arbeiten. Um 1737. 

Über dem Tabernakel in geschnitztem, vergoldetem Rahmen kleine Statuette des hl. Johannes von Nepo- 
muk in Flitterwerkrahmen, um 1737. 

4. Altar in der Totenkammer (Beinhaus). Über einfacher Mensa ein auf Holz gemalter Rokoko- 
wandaufbau mit applizierten, polychromierten Holzfiguren: In der Mitte Kruzifix, darunter die Madonna, 
oben Gott-Vater und die Taube, an den Seiten vier schwebende Putti mit Kelchen. Links unten ein 
Engel, rechts ein zweiter mit einem nackten Jüngling (arme Seele) im Arm. Unten die armen Seelen im 

XI 10 



Fig. 72 Eugendorf, Pfarrkirche, Kanzel 
von Christof Feninger in Henndorf, 1737 (S. 74) 



Linker 

Seitenaltar. 

Fig. 69. 



Fig. 70. 
Fig. 71. 



Rechter 
Seitenaltar. 



Altar in der 
Totenkammer. 



74 



Qerichtsbc'zirk Salzburg 



Kanzel. 

Fig. 72. 



Fegefeuer. An den Seiten auf Postamenten zwei römisclie Krieger mit Sprucliscliilden. Mittelmäßig, Mitte 
des XVIII. Jhs. 

Unter dem Kreuze ein gemalter Kartuschenschild mit dem Bilde eines die Totenmesse zelebrierenden 
Priesters, dem zwei Engel assistieren (Ende des XVII. Jhs.). 

Kanzel (Fig. 72): In der Mitte der südlichen Langhauswand. Holz, mit gelb gefärbelten Stukkaturen 
auf rot gefärbeltem Grunde. Halbrund. Am Ablauf zwei Cherubsköpfe, darüber Bandwerkgesims, Voluten- 
konsolen, durch Blumengirlanden verbunden. An der Brüstung in vier Feldern die Halbfiguren der vier 





Fig. 73 Eugendorf, Pfarrkirche, Kreuzigungsgruppe 
von Meinrad Guggenbichler, um 1700 (S. 75) 



Fig. 74 Eugendorf, Pfarrkirche, Christusstatue 
von Meinrad Guggenbichler, um 1700 (S. 75) 



Evangelisten. Am Baldachin unten die Taube, am Gesims drei Putti, oben die Weltkugel (mit Wolken 
und Cherubsköpfchen), darauf das thronende Christkind. Alles aus Stuck. — Neben der rechteckigen Tür 
ein Baldachin mit zwei Cherubsköpfchen (Stuck). An der Brüstung Hand mit Kruzifix (Holz, polychro- 
miert). — Interessante Arbeit von Christof Feninger in Henndorf, 1737. 

Taufstein. Tauf stein: Marmor, 1857. 

Orgel. Orgel: Dreiteiliges Gehäuse, in der Mitte Uhr. Vergoldete, geschnitzte Rankenverzierungen. 1847. 

Skulpturen. Skulpturen: Alle aus Holz, polychromiert. 

1. Kleine Gruppe der hl. Dreifaltigkeit. Gott- Vater thronend, mit dem Kruzifixus im Schöße, unten die 
Taube. Alt polychromiert. Um 1600 (Sakristei). 



I 

I 



Etigeiidorf 



75 



2. Am Mittelpilaster der nördlichen, Innern Langhauswand. Große Kreuzigungsgruppe mit lebensgroßen, 
neu polychromierten Figuren. An den oberen Balkenenden drei Cherubsköpfe. Neben dem sehr gut durch- 
modell'erten Gekreuzigten schweben zwei Putten, die mit Kelchen das Blut aus den Wunden auffangen; 
ein dritter unter den Füßen Christi. Neben dem Kreuze auf Konsolen Maria und Johannes mit traurigen 
Gebärden. Vorzügliche Arbeit, in der Art des Meinrad Guggenbichler um 1700 (die Postamente 
wurden 1702 gemacht) (Fig. 73). 

3. Statuette des auferstandenen Heilandes, neu polychromiert. Anfang des XVIII. Jhs., sehr gute Arbeit 
in der Art des Meinrad Guggenbichler (Sakristei) (Fig. 74). 



Fig. 73. 
Fig. 74. 




Fig. 75 Eugendorf, Ffarrivirclie, L)reifaltigl<eitsgruppe. Um 170;) (S. 75) 



4. Gruppe der hl. Dreifaltigkeit, Gott-Vater und Christus auf der Weltkugel thronend, einander bei der 
Hand fassend; oben schwebt die Taube. Alte Fassung. Anfang des XVIII. Jhs., gute Arbeit (Sakristei). 
Rückwärts eingeschnitten die Initialen M. P., 1829 und 1887 reiiov. (Fig. 75). 

5. In einer rundbogigen Nische der Innern nördlichen Langhauswand. Die hl. Maria, auf der Mondsichel 
stehend, mit dem nackten Jesusknaben im Arm, mit Zepter und Krone (Messing, vergoldet). Neu gefaßt. 
Gut, erste Hälfte des XVIII. Jhs. 

6. In rundbogiger, vergitterter Nische gegenüber. Christus als Schmerzensmann, auf einem Felsblock 
kniend, mit Eisenfesseln an den Füßen und einem Strick um die Hände. Gut, erste Hälfte des XVIII. Jhs. 

7. Standkruzifix, alt polychromiert. Gut, XVIII. Jh. 

8. Elfenbeinkruzifix an hölzernem, schwarzem Kreuze. Gut, XVIII. Jh. 

9. Auf Tragstangen zwei kleine kniende Leuchterengel. Gute Arbeiten um 1600, roh neu polychromiert. 

10. Zwei kleine auf Wolken kniende anbetende Engel. Um 1688. 

11. Zwei kleine, stehende Engel mit hornartigen Leuchtern. Gute Arbeiten um 1680 (Sakristei). 

12. Tragkruzifix. Mittelmäßig, XVIII. Jh. 

13. Außen an der Südwand des Langhauses. Der Gekreuzigte an hohem Kreuze. Gut, XVII. Jh. 

10* 



Fig. 75. 



76 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Gemälde. Gemälde: öl auf Leinwand. Vierzehn Kreuzwegbilder; gut, von J. Rattensperger, 1856. 

Monstranzen. Monstranzen: 1. Kleinere Monstranz, Messing, vergoldet und versilbert. Am Fuß vier applizierte durch- 
brochene Rocaillenkartuschen mit je zwei Cherubsköpfchen. Getriebener Schein mit Rocaillen und den 
geringen Figuren Gott-Vaters, der Hl. Margareta und Katharina. Strahlenkranz mit Baldachin und Kreuz. 
Mittelmäßig; Mitte des XVIIl. Jhs. 

2. Große i^onstranz, Kupfer, vergoldet und versilbert, mit getriebenen klassizistischen Ornamenten am 
breitovalen Fuße. Um das Gehäuse ovaler Rahmen mit unechten Steinen, dahinter durchbrochener, ver- 
silberter Rankenrahmen; vergoldeter Strahlenkranz. Mittelmäßig, um 1800; 1802 gekauft (s. S. 68). 

Ziborium. Ziborium: Kupfer, vergoldet, mit gegossenen Ornamenten. Mitte des XVIIl. Jhs. 
Kelche. Kelche: Silber, vergoldet (Fig. 76). 1. (Fig. 76 c) Am Sechspaßfuß applizierte, in Silber getriebene 

Fig. 76f. Verzierungen (sechs kleine, vier größere Cherubsköpfchen und vier ganz kleine), am Nodus vier appli- 
zierte Cherubsköpfchen und Kartuschen. Durchbrochener silberner Cuppakorb mit charakteristischen Orna- 
menten. — Marken: Salzburger Beschauzeichen. Meisterzeichen: Monogramm DH (oder BH [?], ^^^ 
Hans Beck, Bürger seit 1645). Schöne Salzburger Arbeit, Mitte des XVII. Jhs. Wohl identisch «Ub 
mit dem 1663 eingetauschten Kelch (s. S. 67). ^mmr 





BtüTTiitaa^ 





ksaiti^i 



a b c 

Fig. 76 Eugendorf, Pfarrkirche, Kelche. 

a Von Caspar Riss in Augsburg, um 1700. b Zweite Hälfte des XVII. Jhs. c Salzburger Arbeit um 1663 (S. 75) 



Fig. 76*. 



Fig. 76 fl. 



Opferkänn- 
chen u. Tasse. 



Wetterkreuz. 



2. Reich verziert in getriebener Arbeit. Am Fuß drei Cherubsköpfe und drei Akantliusrankeiikartusclien 
mit den Leidenswerkzeugen. Am Knauf drei ovale Knäufe in Laubwerkrahmen. Silberner Cuppakorb, 
durchbrochen, mit drei Cherubsköpfchen und drei Kartuschen mit den Leidenswerkzeugen. — Marken 
fehlen. — Sehr schöne (Augsburger[?]) Arbeit aus der zweiten Hälfte des XVII. Jhs. (Fig. 76 b). 

3. Silber, vergoldet. Fuß und Cuppa ganz übersponnen mit silbernem Filigranrankenwerk; an beiden je 
drei ovale Emailminiaturen: Abendmahl, Ölberg, Geißelung; Kreuztragung, Dornenkrönung, Kreuzigung. — 
Augsburger Beschauzeichen. — Meisterzeichen undeutlich (wohl CR in Rechteck, R- 412, Caspar 
Riss). Schöne Augsburger Arbeit um 1700 (Fig. 76 a). 

4. Fuß Kupfer, vergoldet und versilbert mit gegossenen Empireornamenten; Cuppa Silber, vergoldet. 
Ende des XVIIL Jhs. 

Opferkännchen und Tasse: Silber, getrieben. Am Rande der ovalen Platte Bandwerkranken mit 
Trauben, Ähren und den Leidenswerkzeugen in vier Kartuschen. Kännchen mit getriebenen Bandwerk- 
ranken. — Marken: Augsburger Beschauzeichen (R- 171). — Meisteizeichen poCR" 529). Schöne Augs- 
burger Arbeit um 1730, von Johann Friedrich Bräuer (gest. 1753). 

Wetterkreuz: Kupfer, vergoldet. Fuß mit Ornamenten und den Relieffiguren der Madonna, der 
hl. Katharina und des hl. Petrus; gute Arbeit von 1639. Oberteil um 1856. 



fiugendorf 



7? 



Ampel: Messing, versilbert. Reich verziert in getriebener Arbeit, um 1800. 

Reliquiare: Zwei Reliquientafeln in Form kleiner Barockaltäre, Holz, mit geschnitzten Verzierungen, 
schwarz lackiert. In jedem von beiden ein größeres und vier kleinere Wachsmedaillons. — Gut, um 1670. 

Vier Altaraufsatztafeln in ornamentalen versilberten Messingrahmen aus der Mitte des XIX. Jhs. 
Sie enthalten in der Predella Reliquien in Flitterwerkumrahmung; zwei von ihnen haben im Hauptteil 
sehr gute Bildchen (Öl auf Leinwand), Tod der hl. Anna, Tod des hl. Josef, Mitte des XVlll. Jhs. Die 
beiden anderen haben kleinere Ölbildchen (St. Isidor und St. Notburga), in Flitterwerkrahmung, Mitte 
des XVlll. Jhs. 

Leuchter: 1. Zwei sehr große dreifüßige Holzleuchter, alt versilbert, schön geschnitzt. Ende des 
XVII. Jhs. 

2. Sechs sehr schön geschnitzte, dreifüßige Holzleuchter, neu vergoldet. Von Adam Hartmann in 
Salzburg, 1683. 

3. Zwei einfach geschnitzte Holzleuchter mit rundem Fuß, gelb und schwarz lackiert. XVII. Jh. 

4. Zwei geschnitzte Rocaiilenleuchter, Holz, alt versilbert, Mitte des XVlll. Jhs. 

5. Zwei kleine geschnitzte Holzleuchter, versilbert, Mitte des XVIIl. Jhs. 

6. Vier dreifüßige Zinnleucliter. Marke: Links Salzburger Stadtwappen, rechts Löwe, darüber lAG, darunter 
1700 (Radinoer, Taf. I, 21). Arbeiten des Josef Anton Greissing in Salzburg 1716 (s. S. 67). 

7. Acht Zinnleuchter mit runden Füßen. Anfang des XIX. Jhs. 

8. Sechs große und zwölf kleine versilberte Messingblechleuchter mit getriebenen Verzierungen. Um 1850. 

Vasen: Holz. 1. Vier zweihenkelige, rundbauchige Vasen, mit geschnitzten Akanthusblältern, alt ver- 
silbert. Um 1683. 
2. Vier schön geschnitzte, neu vergoldete Rocaillenvasen. Um 1760. 

Lavabo: Zinn. Halbachteckiger Wasserbehälter und ebensolches Becken. XVIII. Jh., ohne Marke. 

Opfertassen: Zinn. 1. Drei glatte, ovale Untertassen ohne Marken. 

2. Mit geschwungenem Rande. — Marke: a) PROB ZIN 1795. — PHILIP AlCHINGER SALZBURG. 

b) Salzburger Stadtwappen; oben PROBZIN. unten 17 SALZBURG 95. 

Ölflasche: Zinn, sechseckig, mit Einschraubdeckel. Ohne Marke, XVIII. Jh. 

Kanontafeln: Eine Garnitur, mit geschnitzten und vergoldeten Rocaillenrahmen (um 1763). 

Sakristeischrank: Holz, grün lackiert. Am Aufsatzkasten Felder mit geriefelten Leisten und ge- 
schnitzte Ornamente. Über der Mitte die Jahreszahl MDCLXVIII. Charakteristisches Stück von 1668. Er 
kostete 12 fl. (s. S. 67). 

Beichtstühle: Zwei einfache, gelb lackierte Beichtstühle, oben die aufgemalten Ölbilder des hl. Petrus 
und der hl. Magdalena (Halbfiguren). Gut, Mitte des XIX. Jhs. 

Fahnen: Drei Kirchenfahnen, mit aufgenähten Ölbildern auf beiden Seiten, a) Der hl. Johann von Ne- 
pomuk und die Mitglieder einer Bruderschaft in roten Gewändern. — St. Josef mit dem Kinde. — b) Die 
hl. Anna mit der hl Maria. — Die hl. Familie. — c) Der hl. Martin und der Bettler. — XVIII. Jh., zum 
Teil stark übermalt. Messingaufsätze in guter Gürtlerarbeit. 

Grabsteine: 1. In der Turmhalle eingemauert. Große rote Marmorplatte, in vier Felder geteilt. Oben 
Spruchkartusche. Darunter rechteckiges Tonrelief, Auferweckung des Lazarus. In der Mitte Grabinschrift 
in Rollwerkrahmen. Unten in zwei rundbogigen Arkaden zwei Wappen in Relief (Elefant — springender 
Greii); darüber Cherubskopf. David Widtmanstötter zu Pabenschwandt, des Hoc ftf Urs fliehen Pfleg-Ge- 
richts Wortenfels, Urbaramt Talgew und Alansee gewester Verwalter; gestorben 1621. — Sein ehiiche 
Hausfrau . . Maria Plintenhoferin; gestorben 1637. Gute Arbeit um 1621. 

2. Im Schiff, kleine Marmorplatten: Ruepp Oggl, Würth am gasttag, 1721; seine Haußfrau Catharina 
Winckkihoferin, 1735. — Vikar Anton Raggel, 1840. 

Turmuhr: Von Johannes Beutele in Salzburg, 1779. 

Glocken: 1. Kleinste Glocke: Franz Xaver Gugg goss mich zu Salzburg anno 1801. 

2. Eine größere, gegossen von Johann Oberascher in Salzburg 1825. 

3. Zwei große Glocken von Joseph Oberascher in Salzburg, 1899 und 1901 gegossen. 



Ampel. 
Reliquiare. 

Altar- 
aufsatztafeln. 



Leuchter. 



Vasen. 

Lavabo. 
Opfertassen. 

ölflasche. 

Kanontafeln. 

Sakristei- 
schrank. 

Beichtstühle. 

Fahnen. 

Grabsteine. 



Pfarrhof: Einfaches Gebäude, 1787 erbaut (s. Gesch.). — Zwei Aquarelle. Alte Ansichten von Eugen- 
dorf von N. und S., in der Art des Louis Wallee, um 1820. 

Gmachls Gasthaus: In der Nische über der Eingangstür kleine polychromierte Holzgruppe, der 
hl. Martin teilt seinen Mantel mit dem Bettler. 'Gute Arbeit, Mitte des XVIII. Jhs. 



Turmuhr. 
Glocken. 



Pfarrhof. 



Gasthaus. 



78 



öerichtsbezirk Salzburg 




Fig. 77 Glanegg, Schloß und Meierhof (S. 80) 



Glanegg, Schlof3 und Dorf 



Archivalien: SRA (Hl'k. Glanegg 1579 D und 1806/07 A und Hofbauamt 1735 ü). 

Literatur: Hübner, Beschreibung der Stadt 1, 514. — Intelligenzblatt 1808, Nr. 22. — Pillwein, Salzachkreis 351. 
Jahresber. d. Mus. 1853, 71. 



Süss, 



Was HüBNER u. a. über die Befestigung dieses Schlosses im „Hunnenkrieg" 901 berichten, ist den kritik- 
losen Fabeleien Schlachtners nachgeschrieben. Auch ist es fraglich, ob es jemals ein Ministerialen- 
geschlecht gegeben, das sich nach dieser Burg geschrieben hat. Mir scheint vielmehr, daß jener an- 
geblich 1279 als letzter gestorbene Reinprecht von Glanegg zur kärntnerischen Familie gleichen Namens 
gehörte, in der der Name Reinprecht und Reimbert gebräuchlich war (vgl. v. Jaksch, Mon. Carinth. IV .„ 
879), wie sie denn wohl sonst in Salzburger Urkunden des XIII. Jhs. begegnen müßten. Die auch von 
Kleimayrn (Juvavia S. 425) zur Erklärung des Erwerbes von Glanegg angezogene Urkunde von 1279 
beweist gar nichts. Wahrscheinlich verdankt das Schloß den Erzbischöfen sein Entstehen, die entweder 
hier gegen die Übergriffe Berchtesgadens in der Nähe Grafengadens (Gartenau) einen befestigten Punkt 
schaffen oder aber die Straße nach Bayern am Fuße des Untersberges genügend bewacht haben wollten; 
diesem letzteren Zwecke diente ja auch die vom Mönchsberge (Blockhaus, Sinhubstraße) bis zum Unters- 
berge führende Mauer und der „Paß" Glanegg. 

Um 1350 übersiedelte der Richter zu (Ober-)Alm nach Glanegg, wo er nun öfter auch als Burggraf von 
Glanegg betitelt ist. 

Seit 1609 wohnte der Pfleger in der Stadt. Das Urbar von 1612 sagt: Das Schloss Glanegg, darinnen 
vor Jaren ein Phleger gehaust, ist der Zeit unbewohnt, das gemauerte Richterhaus herunder dem Schloss 
hat dismal ain Hausphleger oder Mair daselbs innen. Nach Erbauung des Schlosses Hellbrunn schlug 
der Gerichtsschreiber — die Pfleger waren meist Absentpfleger — hier seinen Sitz auf. 
Erzbischof Leonhard soll das Schloß in die gegenwärtige Gestalt gebracht haben; 1578 wird der Ge- 
fängnisturm, den ein gefangener Priester fast demoliert hatte, neu verwahrt und die erforderlichen Steine 
dazu vom Riedenburgberge genommen. Ein Verzeichnis der von Erzbischof Marx Sittich geführten Bauten 
sagt: Das schloss Glanegg restaurirt und gleichsamb von newem erpaut (SRA II). Erzbischof Paris Lodron 



li 



Glanegg 



79 








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Fig. 78 Schloß Glanegg, Situation (S. 80) 



* 




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Fig. 79 Schloß Glanegg, Grundriß 1 : 200 (S. 80) 



80 



Gerichtsbezirk Salzburg 



erbaute die Paßstation und Leopold Anton vor 1735 das Hofmaierschaftshaus. Das weißmarmorsleinerne 
hochfürstliclie Wappen daran machte Bartlmä Pf all, der 1729 die Bildhauerswitwe Anna Clara Weißen- 
l<irchner geheiratet hatte. 

Am 12. März 1804 übernimmt Kurfürst Ferdinand auf Anerbieten der Landschaft das Schloß Glanegg 
und enthebt diese von den Erhaltungskosten. Unter bayrischer Regierung wurde es 1812 an den Arzt 
Dr. Franz de Paula Storch verkauft, der die Kapelle am Fuße des Schloßhügels erbaute und es bis 1838 
besaß. Dessen Witwe verkaufte es an den Grafen Arco, dieser wieder an Perwein. Nach weiterem Besitz- 
wechsel kam Glanegg 1896 an die Freiherren Mayr von Meinhof. 




l 



Fig. 80 Glanegg, Meierhof (S. 81) 

Beschreibung. Beschreibung: 1 km nördlich vom Nordfuße des Untersberges am südlichen Gipfel eines isolierten, 
baumbewachsenen Hügels erbaut, die ganze umliegende Ebene, das „Moos", weithin beherrschend. 
Der Bau hat die charakteristische Form der Salzburger Schlösser des XVI. und XVH. Jhs. 
Einfacher, im Grundrisse rechteckiger, kastenförmiger, dreistöckiger Bau mit rechteckigen Fenstern. Bruch- 
stein und Ziegel, rauh verputzt und hellgelb gefärbelt, mit glatten Fensterumrahmungen. Ausladendes 
Hohlkehlgesims, steiles, über den Schmalseiten abgewalmtes Schindelsatteldach. 

W. (Hauptfront): Im Erdgeschosse links ein kleines Fenster. Im I. Stock beiderseits je ein Fenster, in 
der Mitte rechteckige Tür in marmorner Rustikaumrahmung, in der Mitte das schön skulpierte Marmor- 
wappen des Erzbischofs Markus Sitticus Grafen von Hohenems (1612 — 1619). Vor der Tür (zu der wohl 
ursprünglich eine Eingangsstiege hinaufgeführt hat) eine aus Ziegeln aufgemauerte, auf starken Pfeilern 
ruhende Altane mit modern unterwölbtem Boden und kunstloser moderner Ziegelbalustrade, weiß verputzt 
und mit wildem Wein bewachsen. In den beiden oberen Stockwerken je drei Fenster (im III. Stock in 
der Mitte Doppelfenster). 

Auf der Nordseite und einem Teil der Ostseite führt eine aus Bruchsteinen aufgemauerte, mit auf Holz- 
stützen aufruhenden modernen Schindelpultdach überdeckte Rampe zu dem in der Ostseite angebrachten 
Eingange. — N. Im I. Stock drei Blendfenster, im II. und III. Stock je drei rechteckige Fenster, oben 
drei Bodenluken. — O. In der Mitte des I, Stockes rechteckige Tür in marmorner Rustika-Umrahmung 



Glas 



81 



wie im W.; moderner hölzerner Vorbau; daneben je ein Fenster in S!einrahmung. In den beiden oberen 

Stockwerken über der Tür je ein Doppelfenster, daneben je zwei Fenster. 

Das Innere bietet nichts bemerkenswertes. Gegenwärtig ist das Schloß ganz unbewohnt (Fig. 77 — 79). Fig. 77—79. 

Meierhof (Fig. 80): Südlich unterhalb des Schlosses liegt ein Meierhof mit einem Gasthaus und einem Meierhof. 
rechteckigen Torturm im W. An der Ostseite des Torturms, dessen Einfahrt mit einem gratigen Kreuz- Fig. 80. 
gewölbe gedeckt ist, hängt unterhalb zweier Schlitzfenster das Marmorwappen des Erzbischofs Leopold Anton 
Freiherrn von Firmian (1727 — 1744). An dem südlich an den Torturm anstoßenden einstöckigen Gebäude 
ist über der Tür im O. ein schönes Marmorwappen des Erzbischofs Ma,x Gandolf, Grafen von Kuenburg 
(1668 — 1687), mit einem Cherubskopf und der eingemeißelten Jahreszahl 1669 angebracht. Ein zweites, 
größeres, halb zertrümmertes Kuenburgwappen aus Marmor hängt über der Nordtür des südlich davon 
stehenden großen Stallgebäudes, das innen zum Teil mit gratigen Kreuzgewölben auf Pfeilern eingewölbt ist. 
Über der Gasthaustür eingemauert rechteckige rote Marmorplatte mit den nebeneinander gestellten Wappen 
des Erzbistums Salzburg und des Erzbischofs Johann Jakob von Kuen-Belasy (1560 — 1586) mit der In- 

^'^^"f*^ ION. lAC. D. G. ARCH 

/EPS. SALZ. APO. SE. LEGA. MDLXXI 




Fig. 81 Glas, Doiitorschlössel (S. 82) 



Glas, Dorf 

Zur ersten Bestiftung der Salzburger Kirche gab Herzog Theodbert (nach 700) auch .villam cum tributalibus viris super 
Salzaha qiie dicitur ülasä'^. Auch später wird der Ort .Clasa, Glosa, Glese, Gleise" oft genannt (HAUTHALER, U.-B. 1, 
23 und 1027). Die dahinterliegende Gegend, die Fager, kommt ebenfalls schon zirka U36 als Vagra vor (a. a. 0.352); 
es ist nicht zu verwechseln mit dem Schlosse Vager, das auf der Straße von Reichenhall nach Hallturn liegt und seit dem 
XV. Jh. den Namen Oberhausen führte. 

Doktorschlössel (Schloß Radau n). 

Archivalien: Stiftsarchiv Nonnberg. 

Dem Stifte Nonnberg wird 1116 von Erzbischof Konrad I. der Hof zu Glase bestätigt. Auch die späteren 

Besitzbestätigungen nennen diesen Hof, der, in der Folge mehrmals geteilt, der Mittelpunkt des nonn- 

XI 11 



Doiitor- 
schlössel. 



82 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Beschreibung. 



Fig. 81. 



Stanzinghof. 



Äußeres. 



jii; ; 



Oier.. 



bergischen Besitzes in dieser Gegend war. Noch 1382 und in den späteren Urbaren wird er der Hof 
zu Glas genannt. 1412 besaß ihn Hans Perbein (Perwein); seine Besitzerreihe steht seit 1451, wo er 
nach den Inhabern der Fneseneggerhof zu Glas heißt, lückenlos fest. 1509: Hans Friesenegger, 1520: 
Jörg Friesenegger, 1544: Niclas Vockenberger zu Prähausen und seine Frau Christina Friesenegger, 
1554: Wolfgang Zwischlberger und seine Frau Margareta Friesenegger. 1559 wurde der Hof durch eine 
Überschwemmung hart mitgenommen. 1564: Hans Stainhauser, 1568: Martin Hofhaymer, 1574: Wolfgang 
Magerle, 1580: Georg Schifer und seine Frau Anna ([?] Magerle), 1601: Christof Lackner, 1605: Thomas 
Paumgartner, 1627: Jacob Kaspis und seine Frau Katharina Pemkerin, 1640: Georg Reuter, 1649: Johann 
Pinder, Pfarrer zu Sieghartsdorf, Diözese Passau, 1652: Christof Pinder, 1669: Jacob Mayr und seine 
Frau Margareta Schwarzin, 1670: Franz Mayr, hochfürstlicher Medikus (seither wohl der Name „Doktor- 
schlössel"), und seine Frau Johanna Solari, eine Tochter des Dombaumeisters, 1704 deren drei Kinder, 
1715: Josef Anton Mayr, 1718: Franz Caspar von Maralt und seine Frau Marie Martha Mayrin, 1740 
schenken sie es an die Kirche Aigen, die es 1789 an Hans Sinnleichner und seine Frau Marie Langeckerin 
verkauft, 1800 deren vier Kinder, 1802: Rupert Eisl, 1825 dessen vier Kinder, 1842: Rupert und Anna 
Eis], 1852: Dr. Gstirner, 1853: Josef und Maria Beringer, 1860: Bartlmä und Walburga Angelberger, 
1860: Therese Walponer. Seit 1879 ist das Schlössel im Besitze des Dr. Viktor Freiherrn von Fuchs 
und seiner Frau Maria geb. von Görres. 

Beschreibung: Stattliches rechteckiges Haus, weiß gefärbelt, zweistöckig, mit einfachen Fenster- 
umrahmungen. Im S. Tür, daneben je ein Fenster, in den beiden Stockwerken je drei Fenster. Im O. 
fünf Fenster Front, abgekappte Giebelwand mit zwei Dachgeschossen. Im I. Stock rechts eine Loggia 
mit drei flachbogigen Arkaden und zwei kurzen Steinsäulchen. Im N. vier Fenster Front. Im W. (ab- 
gekappte Giebelwand) unten Tür, oben vier Fenster Front. Aus dem hohen Schindelsatteldach (mit' 
Krüppelwalm im O. und W.) ragen über den Ecken des Gebäudes vier moderne gemauerte Türmchen 
hervor, sechseckig, mit schmalen Luken und Blechpyramidenhelmen. Im S. hoher Rauchfang, im W. 
kleinerer. — Im Parterre und I. Stock gewölbte Räume, im II. Stock nur flachgedeckte Zimmer. — Der 
II. Stock ist sichtlich jünger, die Türmchen ganz neu (Fig. 81). 

Stanzinghof. 

Archivalien: Stiftsarchiv Nonnberg. Literatur: HObner, Stadt 570. 
Die ältesten Urbare von 1334 und 1382 verzeichnen das dem Stifte Nonnberg grundherrliche Gut ze 
Obernaigen (Oberaigen), als dessen Inhaber von 1412 — 1520 die Prähauser erscheinen. In Aufzeichnungen 
der Jahre 1520 — 1547 wird diese Besitzung geradezu Prähausen genannt (Doppler -Widmann, Nonnberger 
Urk. S. 277, Nr. 575), die damals Niclas Vockenperger zu Prähauseti innehat, dem 1541 — 1564 wieder 
ein Leonhart Prähauser folgt. Die folgenden Besitzer sind 1564 Gandolf Welat, 1575 Ezechlel Stanzlng, 
der dem Hofe dauernd seinen Namen gegeben hat, 1583 Georg Stanzin g, 1592 Simon Werndl 
und seine Erben, 1653 Hans Eggl und seine Erben und seit 1768 Familie Schwarz. 1641 erhielt 
der Hof das Schankrecht und 1727 ward er zu Erbrecht verliehen. 1790 wird „wegen Erweiterung des 
Hauses" eine Novalstift auf das Gut gelegt. 

Äußeres: Zweistöckiges stattliches Gebäude, mit abgekappten eingeschossigen Giebeln an den Schmal- 
seiten. Im SO. hübsches Rokokoportal aus gelblichem Marmor mit geradem Sturze und einem 
von zwei Voluten flankierten Aufsatze mit breitovalem vergittertem Oberlichtfenster. Darunter Marmor- 
täfelchen: /. G. SCH. 1791. Im I. Stock fünf Fenster mit Eisengittern. — NO. Fünf Fenster Front. 
Marmorportal ähnlich wie im SO., mit der eingemeißelten Inschrift: Georg Schwarz 1790. Die fünf 
Fenster des I. Stockes haben hübsche Eisengitter. — SW. Sechs Fenster Front. Im I. Stock Eisengitter, 
die beiden links reicher, die anderen kunstlos. Ziegelsatteldach mit Krüppelwalm über den Giebeln. An 
der Langseiten breite hölzerne Hohlkehlgesimse. 

;";:cr£G; Der i^ltere südöstliche Teil hat im Erdgeschosse Tonnengewölbe mit Stichkappen, ebenso der 
Mittelgang 'xa l. Stock. Der später (1790) angebaute kleinere nordwestliche Teil hat flache Decken. 
im I. Stock zwei einfache Holzkassettendecken. 

Zwei gußeiserne Ofen. Im Gastzimmer ein größerer mit Doppeladler, zweimal Schäfer und Schäferin 
iri_ Rocaillenrahmen; interessantes Stück, datiert 1762. Im II. Stock ein kleinerer mit Reliefköpfen, datiert 
1/91 (tönerner Oberteil mit Lorbeergewinden). 



Gneis 



83 




Fig. 82 Gneis, Weiherhof (S. 83) 



Gneis, Ortschaft 
Weiherschlössel (Weiherhof) (Nr. 1). 

Literatur: HObner, Stadt 1, 442. — PiixWEiN, Salzachl<reis 345 f. 

Dieses Schlößchen wurde im Gegensatze zu dem Schloss am oberti Weiher (Anif) das am untern Weiher 
genannt. Am 4. März 1614 gibt Bischof Ernfiied von Chiemsee dem Domherrn Paris Grafen Lodron 



i| 




Fig. 83 Weiherhof, Grundriß des Erdgeschosses 1 : 200 (S. 84) 

das Schlössl auf der Gemain vor dem Nonntal am Weyr genannt zu Leibgeding (Or.). Am 24. De- 
zember 1642 gibt Erzbischof Paris Lodron unter der Bedingung den Hof Guggental einem jeweiligen 

11* 



84 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Bischof von Chiemsee, daß er das Schlößchen auf der Gmain einem beliebigen Domherrn zu lebens- 
länglichem Nutzgenuß überlasse. 

Beschreibung. Beschreibung: Der „Weiherbauernhof" (Gneis, Nr. 1) ist ein einstöckiges Gebäude, sechs Fenster 
Front, mit einem fünffensterigen Giebelgeschoß. Ein gemeinsames Schindeldach bedeckt den Wohntrakt 
und den stattlichen, durchaus gewölbten Stall, dessen Gewölbe auf Marmorsäulen ruhen. Auch die Futter- 
Fig. 82, 83. tröge sind aus Marmor (Fig. 82, 83). 

Daneben steht das kleine Ausgedinghäuschen (Gneis, Nr. 2), rechteckig, einstöckig, gegiebelt, mit Schindel- 
Fig. 84. Satteldach. An seiner Westseite sind nebeneinander zwei skulpierte Marmorplatten eingemauert (Fig. 84). 
Die eine zeigt zwischen zwei Pilastern mit Blattkapitälen, die durch ein profiliertes Gesims verbunden 
sind, die zwei von Intel und Pastorale bekrönten Wappenschiide des Bischofs von Chiemsee Ägid Rem 
(1520 — 1536), die andere enthält in ähnlicher architektonischer Umrahmung die in erhabenen klassischen 
Kapitalbuchstaben gemeißelte Inschrift: 

AEGIDIVS.DG. 

EPIS. CHIEMEN. 

AEDEIS HAS EX 

FVNDAMENTIS 

INSTAVRAVIT. 




Fig. 84 Gneis, Weiherhof. Inschriftcnplatte des Bischofs Agid Rem von Chiemsee, 

um 1530 (S. 84) 



Gnigl, Dorf 



Archivalien: Konsistorialarchiv (Bauakten, Rechnungen 1738—1768). — Landesregierungsarchiv (Hofl<. Neuhaus 1733 A). 

Literatur: HüBNER, Stadt 559. — Pillwein, Salzachl<reis 376. — Dürlinger, 59. 

Alte Ansichten (im Salzburger Museum): Aquarell von Fr. Gremel, 1792. — Kolorierte Radierung von Louis Wallee, um 1800. 

Ob der in den Breves Noütiae genannte „rivolus Glanide' auf den Glanfelder- oder auf den Gniglerbach zu beziehen ist, 
ist fraglich; für letzteres spräche der in gleichem Zusammenhange genannte Ort Kußdorf (HAUTHALER, U.-B. 1, 33) 
„Fluvius Gnigl' wird 1271 genannt (A'oviss. Chronicon 293). 



i 



farrkirche. Pfarrkirche zum hl. Michael. 

Eine Kirche in Gnigl erscheint erst 1585, und zwar als Filialkirche der Stadtpfarre. 1699 wurden Gnigl 
und Aigen zu einer Kuratie vereinigt; 1852 wurden beide zu selbständigen Pfarren erhoben. 
1701 wird bewilligt, bei der St. Michaels-Capellen ein Vordach zu erbauen, um dadurch mehr Platz für 
die Kirchenbesucher zu gewinnen. 1711 wurde der Plan zu einer Erweiterung gefaßt und hierfür von 
Sebastian Stumpfegge r, Hofsteinmetz- und Maurermeister, ein Riß gemacht. Der Überschlag 
belief sich auf 4000 fl. Aber noch 1722 war nichts geschehen und von Stumpfegger ein neuer Riß 
vorgelegt worden. Erst als ein Herr de Messa, kaiserlicher Konsul bei der Republik Venedig, 2000 fl. 
zum Kirchenbaue vermachte, wurde die Sache in Angriff genommen. Der Bau stand unter der Leitung 
des Hofmaurermeisters Tobias Kendler. Im Salzburger Museum befinden sich drei von diesem für 



t 



f 



Qnigl 



85 



Gnigler Kirche gezeichnete Pläne, Grundriß und Südfassade (ein unausgeführter und der ausgeführte 
Entwurf). — Vom Neuhauser Steinbruch wurden zum Ausmauern der Kirchen- und Sakristeigrundmauern 
120 Klafter Mauerstein, zu dem Turm-, Kirchen- und Sakristeisockel 23 Klafter Nagelstein, 260 Klafter 
Mauerstein von der Riedenburg zu den Mauern ausser dem Grund, dann zum Gewölbe 210.000 Mauer- 
ziegel und 11.000 Metzen Kalk von der Hofbaumeisterei geliefert. Den Grundstein legte Leopold Firmian, 
Domherr, Konsistorialpräsident und Dompropst zu Trient, im Jahre 1732. Große Geldknappheit war die 
Ursache des langsamen Fortschreitens des Baues und 1733 wurde nochmals um ein Darlehen von 3000 fl. 
beim Erzbischof angesucht: Unser Marianisches Gnadenbild quam Cels""'^ et Clem'""^ princeps Joannes 
Ernestus piiss. mem. Mariam tutelam nominari voluit, wird ungezweifelt Euer hj. Gnaden besonders 
beglücklidiste Regierung in annorum myriades beschützen. Die Zimmerarbeiten machte Georg Hueber, 
Hofzimmermeister, die Stukkaturarbeiten Johann Kleber. Die Bauunkosten beliefen sich auf 
11.884 fl. 287^ kr. 




l'ig. 85 Qnigl, Gesamtansicht von Nordwesttn (S. 86) 



Am 5. Dezember 1732 konnte der erste Stein zum Hochaltar gelegt werden. 1733 läßt der Kurat Johann 
Scherer auf eigene Kosten die Kanzel machen. Der Hochaltarbau erhielt durch ein Legat der Frau Anna 
Theresia Glick, geborene Laimprucher in Salzburg, per 1000 fl. eine Förderung. Stumpfegger hatte 
den Hochaltar von verschiedenem Marmor ohne Bildhauerarbeit um 4000 fl. in Akkord genommen und 
1738 aufgestellt, wegen Geldmangel aber nur 1800 fl. erhalten, weswegen bis 1742 ein Prozeß anhängig 
war. Am 11. Juni dieses Jahres wurde er erst damit beendigt, daß der Kurat Scherer aus eigenem 379 fl. 
zahlt und Stumpfegger 650 fl. nachläßt; immerhin verblieb noch eine unbedeckte Summe von 1421 fl. 
An Arbeitslöhnen waren in der Zeit von Oktober 1736 bis März 1739 in 118 Wochen für Steinmetz, 
Steinschleiffer und Stainprecher 2360 fl, vor underschidliche rode, graue, weiße und mellierte Marmor- 
stein 732 fl, für Bildhauer, Tischler und Vergolder 1092 fl verausgabt worden. Am 22. Dezember 1738 
werden Herrn Zanusi, Mahlern in Salzburg, für die 2 Hochaltarblattl über die von einem gewissen 
Guetthäter erlegten WO fl noch bezahlt 200 fl. Als Urheber der Bildhauerarbeiten dürfen wir wohl 
Josef Anton Pfaffinger ansehen, wenn uns auch nur eine Abschlagszahlung von 20 fl. in den 
Akten belegt ist. 
Am 24. Juni 1738 nahm Erzbischof Leopold Anton die Einweihung der Kirche vor. 



se 



öerichtsbezirk Salzburg 



Charakte- 
ristik. 
Fig. 85—89. 



Die Rechnung von 1756 vermerkt: Mathias Ab s mann, Tischlermeister in der Onigl wegen gemachten 
Tabernakel zum Kreuzpartikel 3 fl. 

Charakteristik: Einschiffige, kreuzförmige Barockkirche mit Frontturm, 1732 — 1738 nach Plänen 
des Tobias Kendler erbaut (Fig. 85 — 89). Die namentlich in ihrer inneren Raumwirkung trefflich 
gelungene Kirche ist wohl die beste Leistung dieses Baumeisters. 



Äußeres. Äußeres (Fig. 85, 86) : 

Fig. 85, 86. Die Kirche ist nach Norden orientiert. 

Bruchstein und Ziegel, verputzt und grüngelb gefärbelt. Umlaufender hoher Konglomeratsockel und reich 
profiliertes Kranzgesims mit glattem Fries. Lisenengliederung. 










I 

i 



Fig. 86 Gnigl, Pfarrkirche von Nordwesten (S. 86) 

Langhaus. Langhaus: S. Dreiecksgiebelfront mit vorgebautem Turme. — W. Links vorspringender Querarm mit 
rundbogigem Fenster. Rechts rundbogiges Portal in Sandsteinrahmung, oben drei rundbogige Fenster. — 
O. Entsprechend wie im W. — Schindelsatteldach. 

Chor. Chor: Rechteckig, mit flachbogigem Abschluß. Im O. und W. je ein rundbogiges Fenster. Schindel- 

satteldach, nach N. abgewalmt. 

Sakristei. Sakristei: Im N. des Chors, niedriger als dieser. Im N. und O. übereinander je zwei Fenster, im W. 
Tür mit Oberlicht, darüber Fenster. Konglomeratsockel, Hohlkehlgesims, Schindeldach. * 

T nn. Turm: Im S. des Langhauses, dreigeschossig. S. Rundbogiges Sandsteinportal mit flankierenden Pilastern 

ui';i rundbogigen Giebelansätzen. Darüber Marmorwappen des Erzbischofs Johann Ernst Grafen Thun 
^t;- 'If: 'nschrift: I. E. A. S. F. F. 1696. In dem rechteckigen Felde darüber neu übermaltes Wandgemälde: 
3or.ne:/aiir, darüber die auf Wolken thronende Himmelskönigin mit dem Jesukinde, von Putten und 
Cherubskcphhen umgeben; Chronogramm auf 1854. Im W. und O. übereinander je vier Luken. Im 
dritten Geschoccc vier rundbogige Schallfenster in Putzumrahmung, darüber Zifferblätter, kräftig profi- 
liertes Kranzgesims. Rot gestrichener Schindelzwiebelhelm, daran die Jahreszahlen 7752, 1833, 1885. 
Vergoldeter Knauf und Kreuz. 



üiiigl 



87 



Friedhofmauer: Bruchstein, mit Steinplatten abgedeckt. Im S. Haupteingang zwischen zwei kugel- Friedhof- 
bekrönten Konglomeratpfeilern, im W. neuer Eingang mit Stiege. mauer. 



Inneres (Fig. 87, 89): 

An das geräumige helle Langhaus schließt sich ein wenig ausspringendes Querhaus und der schmälere 
Chor, alle in gleicher Höhe überwölbt. Die kräftige Wandgliederung, die delikate Stukkierung der 
Gewölbe und die ganz einheitliche und gleichzeitige, in gesättigten warmen Farben, vorwiegend Rot 
und Gold, gehaltene Einrichtung vereinigen sich zu einem Gesamteindruck von ausgezeichneter harmo- 
nischer Wirkung. 

Die Wände und Gewölbe sind grünlich gefärbelt, Kapitale und Gesimse weil3, Pilaster gelb (1900 reno- 
viert). Umlaufender marmorierter Sockel Wandgliederung durch Pilaster mit profilierten Basen und 
großen ionischen Stuckkapitälen, darauf über Friesstücken umlaufendes, kräftig vorspringendes, reich 
profiliertes Kranzgesims. Flachbogiges Tonnengewölbe, von je fünf rundbogigen Stichkappen ein- 
geschnitten; die sechs Quergurten und im Querschiff auch die zwei Längsgurten sind mit stukkierten 
Bandwerkornamenten (von Johann Kleber, 1733) verziert. Die Fenster haben abgeschrägte Laibungen 
und helle ornamentale Glasfenster (von 1909). Fußboden aus roten und weißen Marmorplatteii. 



Inneres. 
Fig. 87, 89. 




Fig. 87 Gnigi, Pfarrltirche, Grundriß 1 : 300 (S. 87) 



Langhaus: Im S. Musikempore mit flachem, von vier Konsolen getragenem Boden und geschwungener 
Brüstung, reich verziert mit stukkiertem Bandwerk; im O. hölzerne Aufgangssliege. Über dem Kranz- 
gesimse im vorspringenden Turmteile Uhr mit rundem Zifferblatlc. — Die beiden rundbogigen Türen 
im 0. und W. und die Turmtür (in flachbogigen Nischen) haben schöne Eisenbeschläge und Schlösser 
(um 1733); neben jeder ein marmornes Weihwasserbecken. 

Im Querarme zwei in flachbogige Nischen eingebaute Beichtstühle. Am Gewölbe in geschwungenem 
Stuckrahmen staik übermaltes Deckengemälde: Maria Himmelfahrt. 

Chor: Gleichhoch, einspringend. Boden um zwei rote Marmorstufen erhöht. Schöne Bandwerkbalustrade 
aus verschiedenfarbigem Marmor (um 1733). Am rechteckigen Gewölbefelde besonders reiche Stukkaturen 
(Band- und Gitterwerk) von Johann Kleber, 1733. 

An der Westseite des Chors kleine rote Marmorplatte mit der Inschrift: MDCCXXXVIII die XXIV. Junii 
in festo S. Joannis Baptistae Ego Leopoldus Eleutherius Archiepiscopus ac Princeps Salisburgensis 
Legatus natus Germaiüae Primas etc. etc. ex Antiquissimis ac Illustrissimis L. L. B. B. de Firmian etc. 
etc. consecravi Ecclesiam et Altana haec in honorem b. virginis Mariae tutelaris et S. Michaelis 
archangeli et reliquias ... in eis inclusi . . . 

Sakristei: Beide Geschosse flach gedeckt. Im Erdgeschoß an der Südwand schön gearbeitetes 
Lavabo aus rot und gelb gesprenkeltem Marmor. Muschelbecken, unten eine Maske als Ablauf, um 
1737 (Fig. 88). 

Turm: In der Eingangshalle gratiges Kreuzgewölbe. Im N. zum Langhause flachbogige Öffnung mit 
einfachem, schmiedeeisernem Gitter. — Im S. rundbogige Tür. Marmorne Weihwassermuschel. 



Langhaus. 



Querarm. 
Chor. 



Sakristei. 
Lavabo. 
Fig. 88. 

Turm. 



88 



Gericlitsbezirk Salzburg 



Einrichtung. 



Altäre. 

Hochaltar. 

Fig. 90. 



Seitenaltäre. 



Linker 

Seitenaltar. 

Fig. 91. 



Rec 



Kanze';. 



Einrichtung: 
Größtenteils einheitlich, frühes Rokoko, 1733—1738. 

Altäre: 1. Hochaltar (Fig. 90). Über drei roten Marmorstufen geschwungene Mensa aus rotem 
und gelbem Marmor; daran in der Mitte Kreuzkartusche, an den Enden zwei Cherubsköpfe (Holz, poly- 
chromiert). — Aufbau aus rotem, gelbem, gesprenkeltem und grauem Marmor. Im Mittelteile über der 
Predella das rundbogige Altarbild, flankiert von zwei Säulen vor Pilastern, darauf Gebälkstücke und 
flachbogige Giebelansätze. An den Seiten zwei rundbogige Durchgänge, darüber je zwei Säulen und 
Pilaster mit Gebälk, alle mit Basen und Kompositkapitälen aus vergoldetem Holze. Breiter Aufsatz mit 
Seitenvoluten und gesprengtem Giebel. Den Aufbau stellte 
S. Stumpfegger in Salzburg 1738 her (s. S. 85). 
Tabernakel: Das ursprüngliche Holztabernakel (jetzt in der 
Sakristei) wurde 1913 durch ein marmornes ersetzt. Vor der 
Drehtür die alte kleine Kreuzigungsgruppe. Darüber byzan- 
tinisierendes Madonnenbild in vergoldetem Rahmen mit Strahlen- 
kranz, zwei Engeln, sechs Cherubsköpfen. 
Gemälde: Öl auf Leinwand. Altarbild: Der hl. Michael stürzt 
den Luzifer. Gutes Bild von Jakob Zanusi, um 1738. — 
Aufsatzbild: Christus mit dem Kreuz und Gott-Vater mit der 
Weltkugel; ebenfalls von Zanusi, 1738. 

Statuen und Figuren: Holz, polychromiert. Über den beiden 
Durchgängen die lebensgroljen Statuen der Apostel Petrus und 
Paulus (Kopien nach den Marmorstatuen vor dem Dom in 
Salzburg). Darüber je ein Putto mit Girlande. Am Aufsatze 
zwei Engel, zwei Putti mit Kelch und Anker, zwei kleinere mit 
dem Kreuze, darunter die Taube des Hl. Geistes. Zwei Blumen- 
vasen, drei Inschriftkaituschen, sechs Rosetten, zwei Festons, 
zwei Palm- und Lorbeerzweige; alle Holz, vergoldet. 
Diese Skulpturen wohl von Josef Anton Pfaffinge r, 1738. 

Zwei Seitenaltäre von 1734 — 1735, im Aufbau einander 
gleich. Über zwei Holzstufen hölzerne, marmorierte Mensa mit 
vergoldetem Kreuze. Wandaufbau: Holz, mit Marmorstuck über- 
zogen. Predella mit eingebautem Tabernakel. Altarbild, flankiert 
von je zwei übereckgestellten Pilastern, die unten in Voluten 
endigen. Verkröpftes Gesims mit vergoldeter Inschriftkartusche. 
Aufsatzgiebel mit Seitenvoluten und aufgebogenem Gesimse. 
Oben Palmette und Kreuz. Die geschnitzten Holzverzierungen, 
Kapitale und Rahmen sind vergoldet. Je zwei vorzügliche Ge- 
mälde (Öl auf Leinwand) von Jakob Zanusi, zwei Statuen 
und vier Putti (Holz, polychromiert und vergoldet), wohl von 
J. A. P f a f f i n g e r. 

2. Linker Seitenaltar (Fig. 91). Altarbild: Der Gekreuzigte, 
umgeben von der Gottesmutter, den beiden hl. Johannes, dem 
hl. Rupert, dem hl. Jakob d. A. Unten ein Engel und zwei 
Seelen im Fegefeuer, oben Monstranz, von zwei Engeln ge- 
tragen, darüber die hl. Dreifaltigkeit. Signiert: Jac. Zanusi 
Pinx. 1735. — Aufsatzbild: Der hl. Josef (Halbfigur) mit dem 
Jesukind, umgeben von Cherubsköpfchen und einem anbetenden 
Putto. Gut, ebenfalls von Zanusi, 1735. 
Zwei Statuen, die Hl. Georg und Florian, und vier Putti, 1735. 

3. Rechter Seitenaltar: Altarbild: Der hl. Johann von Nepomuk, am Betschemel kniend. Hinter 
;-l:m ein Engel, der auf ein aufgeschlagenes Buch weist, rechts zwei Putti mit Lorbeerkranz und Palm- 
zweig, oben zwei Putti mit Zungenrehquiar und Cherubsköpfe. Gute Arbeit, signiert: Giacomo 
Zanusi iiiv. et pinsse Sal. An. 1734. — Aufsatzbild: Der hl. Anton mit dem Jesukinde, Cherubs- 
köpfchen. Gut, ebenfalls von Zanusi, 1734. 

Zwei Statuen, die Hl. Ignaz von Loyola und Karl Borromäus, vier Putti, um 1734. 

Kanzel: An der Ostseite des Langhauses. Holz, mit verschiedenfarbigem Marmorstuck überzogen. 
Aufgangstiege mit Geländer. Brüstung mit vier vergoldeten Stuckreliefs, Halbfiguren der Evangelisten 
und vier Namenskartuschen. Ablauf von zwei Putten gestützt. An der Brüstung Arm mit Kruzifix. An 




Fig. 88 Gnigl, Pfarrkirche, Marmorlavabo, 
um 1737 (S. 87) 



I 



Gnigl 



89 



der hölzernen Rückwand Namen Jesu. Am Schalldeckel unten die Taube im Strahlenkranz, oben vier 
sitzende Putti mit Kreuz, Herz, Anker, Kelch, als Bekrönung posauneblasender Engel. 1733 (s. S. 85). 

Tauf stein: Marmor, 1849. Taufstein. 

Orgel: Marmoriertes einfaches Holzgehäuse mit vergoldeten Ranken, Mitte des XIX. Jhs. Orgel. 

Beichtstühle: Zwei Beichtstühle, mit vergoldeten Rankenaufsätzen. Um 1735. Beichtstühle. 

Zwei Chorbänke mit ähnlichen Ranken. Um 1735. — Einfache Kirchenbänke. 

Skulpturen: Holz, polychromiert und vergoldet. 1. Großes Kruzifix, vom Triumphbogen herabhängend. Si<ulpturen. 

Gut, um 1735. 

2. Sechs große Statuen an den Wänden, auf Konsolen mit Namenkartuschen: Maria, Johannes (Chor); 

Johann von Nepomuk, Anton von Padua, Franz von Assisi, Leonhard (Langhaus). Mittelmäßig, um 1735. 




Fig. 89 Gnigl, Pfarrkirche, Inneres (S. 87) 

3. Statue der Immakulata, auf der Weltkugel stehend, mit zwei Putten. Um 1735 (Langhaus)! 

4. Tragkreuz. XVlIl. Jh. (Sakristei). 

')■ Leichenkreuz, auf Tragstange über Totenkopf. Mitte des XVIII. Jhs. (Sakristei). 

Leuchter: 1. Acht dreifüßige Zinnleuchter. Ende des XVlll. Jhs. 

2. Sechs geschnitzte dreifüßige Hochaltarleuchter, Holz, silberbronziert. Um 1735. 

3. Vier dreifüßige Leuchter, Holz, alt vergoldet, mit Ranken. Um 1735. 
1. Vier altvergoldete Holzleuchter mit runden Füßen. Um 1735. 

). Zwei Wandleuchler (Holz, goldbronzierl) mit breiten Kartuschenschilden, reich mit Muschelwerk ge- 
schnitzt. Um 1750. 

Ampeln: Zwei aus Zinn (Ende des XVII. Jhs. und Mitte des XVIII. Jhs.), eine aus Messingblech, ver- 
•silbert, getrieben, um 1800. 



Leuchter. 



\V e i h b r u n n k e s s e 1 : 
XI 



Zinn. XVIII. Jh. 



Ampeln. 

Weihbrunn- 
kessel. 



12 



90 



Gcrichtsbezirk Salzburg 



Monstranzen. 



Fig. 92. 



Monstranzen: 1. Große Piachtmonstranz. Silber, vergoldet, reich verziert in getriebener Arbeit. Am 
Fuße vier Rocaillenkartuschen mit Trauben und Rosen. Um das Gehäuse ein schmaler und ein breiter 
Rocaillenrankenrahmen mit Reben; Strahlenkranz. In Relief daran unten St. Michael, oben Gott -Vater 
und die Taube, zuoberst Kreuz. Am Fuße gravierte Inschriftenplatte: M.A.SH. EX VOTO 1779. Zwei 
Repunzen. Alte Marken fehlen. Sehr gute Arbeit, um 1760. (Fig. 92.) 




Fig. 90 Gnigi, Piarri<irche. Hochaltar von Seb. Stumpfegger, Sliulpturen von Plaffinger, 

Gemälde von Zanusi, 1738 (S. 88) 



Ziborium. 



2, Messing, vergoldet und versilbert. Verziert mit getriebenem Band- und Muschelwerk. Am Knauf vier 
Cherubsköpfe. Großer Schein mit fünf Engeln und Gott-Vater in Relief. Rankenrahmen und Strahlen- 
kranz. Mittelmaßig, um 1740. 

Ziborium: Glatt, Silber, vergoldet. — Marken: Augsburger Beschau (großer Pinienapfel). Meister- 
zeichen: LS in Breitoval (R^ 483; wahrscheinlich Ludwig Schneider, gest. 1729). — Große Krone 
aus Silber, zum Teil vergoldet, unechte Steine. — Marken: Salzburger Beschau. Meisterzeichen: IM ir 
Schild (wohl Josef Mayr, Bürger seit 1728). 



Qnigl 



91 



Kelche: Alle aus Silber. 1. Prachtkelch. Reich mit Rocaillen getrieben. Am Fuße und an der Cuppa 
je drei Emailbildchen, von roten Steinen umrahmt: Dornenkrönung, Sturz unter dem Kreuze, Kreuzigung — 
Geißelung, Abendmahl, Ölberg. Am Fuß Inschriftenplatte: B. V. M. et S. Michaeli Archangelo d. d. d. 
Nicolaus Grassmayr (Pfarrer von Gnigl, 1752 — 1771). — Marken: Augsburger Beschau mit Jahresbuch- 
staben I (1749—1751 ; R^ 192). Meisterzeichen: I G I in Breitoval. Sehr schöne Augsburger Arbeit, um 1750 
(Fig. 93). 



Kelche. 



Fig. 93. 




Fig. 91 Gnigl, PfarrtcircliL'. Linker Soitenal 



Gemälde von Zaniisi (S. 88) 



2. Zum Teil vergoldet, mit getriebenen Rocaillen verziert. Am Knauf drei Kartuschen. Durchbrochener 
silberner Cuppakorb (Rocaillen). — Marken: Augsburger Beschau mit Jahresbuchstaben G (1745 — 1747 
R^ 190). Meisterzeichen: Kleines S in Oval. Augsburger Arbeit, um 1746. 

3. Zum Teil vergoldet, mit getriebenem Muschelwerk verziert. Durchbrochener Cuppakorb. — Marken: 

Augsburger Beschau mit Jahresbuchstaben G (1745-1747; R^ 190). Meisterzeichen j.^g (R^ 545). Augs- 
burger Arbeit des Johann Jakob Schoap oder Josef Ignaz Safer, um 1746. 

4. Zum Teil vergoldet, mit getriebenen Rocaillen. Durchbrochener Silberkorb um die Cuppa. — Marken: 
Beschauzeichen von Tittmoning (Bischof über Tor; bei R- 3650 schlecht). Meisterzeichen: EH. Am Fuß 

12* 



92 



Oericiitsbezirk Salzburg 



Bittgangs- 
kreuz. 



''rcuzpartikcl- 



graviert: M. E. /?. nee Aigneriii 1755. Gute Arbeit des Egydius Hablitscliek in Tittmoning, 
um 1755. 

Bittgangskreuz: Silber. Am Fuß aufgelegt die vergoldeten Halbfiguren der vier Evangelisten. Am 
Kreuz vergoldeter Kruzifixus, hinten vergoldete Relieffigur der Madonna. — Marken: Salzburger Beschau. 

I F 

Meisterzeichen: ^ in Schild. Salzburger Arbeit, um 

1720, wohl von Jakob Friedrich Gatto (Bürger 
seit 1709). 




Fig. 92 Gnigl, Pfarrkirche, Monstranz, 
um 1770 (S. 90) 




Fig. 93 Gnig], Pfarrkirclie, Kelch von I. Q. I. 
in Augsburg, 1750 (S. 91) 



Kreuzpartikelmonstranz: Silber, zum Teil vergoldet. Am ovalen Fuße schön getriebenes Band- 
werk, ebenso am Knauf. Um das Kristallkreuz Rahmen aus Ranken, dahinter vergoldeter Strahlenkranz. 

Zvei Repunzen. Um 1740. 



u i' a b s t c i n ; 



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Friedhof. Marmorobelisk mit Putto. Katharina Dreyer, 1840. 



Glocken: .. Größte Glocke. Kruzifix, Maria-Piain, Madonnenbild von Gnigl, St. Josef. Umschrift: 
saeCVLI hVIVs F.CCr.slAH CfLebranDI CaVsa rItV soLennI beneDICta fVI (Chronogramm = 1838). 
Benefactorum . . . munificentia comparata. Gegossen v. F. X. Giigg z. Salzburg. 



Gnlgl 



93 



2. HI. Dreifaltigkeit, St. Michael, Kruzifix. Umschrift: Sub r. D. parocho G. Beaupre denuo fiisa a F. 
Oberascher Salisburgi MDCCCLIV. 

3. Immakulata, St. Andreas, Kreuzigung, St. Michael. Gegossen von Josef Hollederer in Salzburg 1849. 

4. Kruzifix. Johann Oberascher in Salzburg anno 1788. 

Turmuhr: Von Johann Beutele, 1805. 



Fried hofkapelle: An der Südwestecke des Friedhofes, flachbogig abgeschlossen. Große flachbogige 
Öffnung und Tür mit Eisengittern, um 1740. Zinkblechpyramidendach. Innen ein übermalter Kulissen- 
altar (Seelen im Fegefeuer), vier Holzleuchter, zwei Reliquienpyramiden, um 1740. 



Grabsteine: 
Perzl, 1810. 



Turmuhr. 



Friedhof- 
kapelle. 



Gelbe Marmorplatten. 1. Pfarrer Nikolaus Graßmayr, gest. 1771. — 2. Johann Bapt. Grabsteine. 



Kapelle zu Unserer Lieben Frau am Schnoderbach (Luggaukapelle). Kapelle. 

Archivalien: SRA (Hofk. Neuhaus 1700 M, Relat. 1700, f. 51). 
Literatur: Reitlechner, Marianisches Salzburg 74. 

Im Jahre 1699 suchte Adam Reithmayr, Mailner in der obern Kendl und Melbler in Salzburg: .nachdem die St. Sebastians- 
und Rochusbruderschaft in Salzburg das von mir (1690) unweit meiner Mahle in der obern Gnigl von Holz erbaute, her- 
nach aber von hoher geistl. Obrigkeit der genannten Bruderschaft zugeeignete kleine Capellel von Mauer auffahren und 
in etwas erweitern, auch vor dem schlimmen umbvagirendten GesOndl und Ungewitter besser verwahren zu lassen gedacht 
ist und mich ersucht hat, den erforderlichen Grund 20' lang und 11' breit herzuschenken, was ich auch willens bin', um 
den Konsens hiezu an, da der Grund hofurbar sei. Hiebet wird auch angefahrt, daß die Kapelle von der Stadt und den 
Wallfahrern nach St. Wolfgang rege besucht wird. Am 12. November 1699 erfolgte die erbetene Bewilligung. 

Äußeres: Weiß gefärbelter Bruchsteinbau. Rechteckig mit halbrundem Abschlüsse. Im O. Tür, darüber Äußeres. 
Ovalfenster, Dreiecksgiebel, modernes hölzernes Glockentürmchen. An den beiden Langseiten je ein 
Fenster. Im Abschlüsse zwei Schmalfenster. Schindelsatteldach. Neben der Tür hübsche kleine marmorne 
Weihbrunnschale, um 1690. 

Inneres: Neu ausgemalt (1879). Neben der Tür Weihbrunnschale aus Marmor. Alter Fußboden aus Inneres, 
roten Marmorplatten. Vor dem Altarraume schmiedeeisernes Gitter mit F. D. (um 1700), rechts daneben 
Nische mit geringer Holzstatue Christi an der Geißelsäule, XVllI. Jh. — An der Decke des Altarraumes in 
stukkiertem Rahmen ein Gemälde (Öl auf Leinwand i: Gott- Vater, die Taube des Hl. Geistes und drei 
Putti; Anfang des XVIII. Jhs. 



Einrichtung: Einrichtung. 

Altar: Einfach; Holz, marmoriert. An der Mensa die ge.malle Figur Christi im Grabe. In dem von 
Voluten flankierten Aufbau schön geschnitzter, mit Bandwerk verzierter Holzrahmen (um 1730); darin das 
geringe alte Altarbild, die Luggau-Madonna mit dem Leichnam Christi auf dem Schöße, daneben zwei 
Engel, oben ein Cherubskopf. Darunter die Inschrift: Gott dem Allmächtigen u. unser lieben Frauen zu 
ehren hat Adam Reitmair sambt seinem Eheweib Rosina gebohrne Gemahlin dieses anhero machen 
Ao 1690. Daneben zwei geringe hölzerne Leuchterpulten. Vier vergoldete Holzleuchter, Monogramm 
Maria, Sonne und Mond. 

Holzskulpturen: 1. Statuette des hl. Wolfgang. Anfang des XVI. Jhs., gut. . Holz- 

2. Statuette des hl. Vital, XVll. Jh. Skulpturen. 

3. Christus an der Geißelsäule, um 1700. 

Gemälde: Öl auf Leinwand. 1. Alte Kopie eines 1669 zu Rom auf wunderbare Weise gemalten Mutter- Gemälde. 
Qottes-Gnadenbildes. Unten Inschrift. 

2. Großes Bild. Abbildung des Mutter-Gottes-Bildes in der Luggau (Kärnten) und der Wunder, die es 
wirkte. Zu beiden Seiten knien unten Kaiser Ferdinand 111. und die Kaiserin. Unten Inschrift von 1702. 

3. Die sieben Gnaden des Mutter-Gottes-Bildes in der Luggau. Um 1700. 

4. Die schmerzhafte Mutter Gottes neben dem Kreuze. Um 1700. Alle vier geringe Arbeiten. Fünf 
Votivbilder (1745, 1766, 1811, 1814). 



94 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Schloß Neuhaus. 

Archivalien: SRA (Hofk. Neuhaus 1596/9 L, 1603/5 L, 1650 N, Relat. 1695, f. 267'. Landschaft Fasz. 29, Nr. 50). 

Literatur: Hübner, Beschreibung 1, 167. — Pillwein, Salzachkreis 377. — Richter, Untersuchungen 703 ff. — Süss, Jahresber. 
des Mus. 1853, 81. 

Nach den alten Chroniken erbaute Erzbischof Eberhard III. von Neuhaus das Schloß im Jahre 1424, wohl 
zum Sommeraufenihalte. Eine Neugründung war es jedoch nicht, denn nicht nur 1400 ist schon ein 
Schloßpfleger auf Neuhaus bezeugt, sondern sogar schon 1219 erscheint ein Chunradus de nova domo 
als Zeuge in einer Urkunde (Or. in St. Peter) und 1254 schenkt Erzbischof Philipp dem Abte Richker 
mansum unum sab novo castro situm (Stiftsarchiv St. Peter, Cod. P Nr. 85). Wahrscheinlich nannte sich 
auch der in Urkunden um 1270 häufig begegnende Gotscalcus de novo castro oder datz dem newn 
hous nach diesem Schlosse. 

Seit 1508 war es Sitz eines Pfleggerichtes. Einem Berichte des Pflegers vom 30. April 1599 entnehmen 
wir, dass das Schloss Neuhaus an etlichen Orten offen und jedermann aus- und eingehen kann, dass 
das Haubtthor. die Kirchenthür von der Capellen. die Thür am Thurm darin die Kheichen steht, auch 



llllilÄfaÄiiiuiNiiiiliiiiiiHliiiiiilmliliniiiKIjiiiiiiiiiiiiBliliiiiiiililMiilil«;::;,!:;:;:;«^^^ i4ill;illli|i,INi,.liiiii,Jii!:i,,ii;aiiiiill:;illlii)llll!!lteÄ \ 




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Fig. 94 Schloß Neuhaus bei Gnigl, Grundriß 1 : 600 (S. 95) 

alle Schlösser, Pänder und Eissenzeug darvon abweg gebrochen, der Brunn eingeworfen worden. Und ist 
zu besorgen, es möchten sich Icstlich böse Leutt darin aufhalten, auch die am Seittenmaur, welche ganz 
frei steht, auf die I.andstrassen herabfallen und Schaden thuen, wie dann der Wind immerzue die Stain 
darvon herabwirft. Erzbischof Wolf Dietrich aber gedachte nichts in dies Schloss zu verpauen. Damals 
also amtierte schon der Pfleger respektive der Gerichtsschreiber, die wohl überhaupt in der Stadt wohnten, 
im Amtshaus herunten in Gnigl; in diesem waren laut Inventar von 1605 auch die Folterwerkzeuge und 
die Gefängnisse untergebracht. 

Die Urbarsbeschreibung von 1608 schildert Neuhaus wie folgt: Das Schloss Neuhaus ist dieser Zeit alles 
paufellig und nit zu bewohnen, der Schlossperg daselbst würdet anjetzo mit dem Hofvieh abgeözt, welcher 
ober mit Stauden und Thernern merersthails verwaxen, also dass er wenig Nutz ertregt. 
1550 sucht der Zimmermeister Wolf Braunwieser an, in das Zimmer ober der Capelle im Schloss ein- 
;.' -,i zit dürfen. Dann aber scheint das Schloß doch für das Pfleggericht bewohnbar gemacht worden 
:':. 1572 wurde ein Archivraum zugerichtet. 
x_i'5 vvLiiJe :';ii Schloß vom Blitze getroffen und teilweise eingeäschert. Die Amtsverrichtungen werden, 
^oicj-^ uciii uiu'crs Gelegenheit erpauet werde, an dem erödeten Ort verrichtet, die Schreib- und Ver- 
nörstuben werde, wan der Gerichtsschreiber von dem Ambt zum Mittagessen und- zu Nacht nach Hans 



Gnigl 



95 



gehe, mit 2 Gespör verwahrlich zugespört, das Archiv seye mit eysernen Palcken und Gattern, auch 
einer eisern und hölzernen Vorthilr versechen. unter dem Schlossthor wohne der besoldte Thorwarth. 
welcher das untere Thor verwahret und verspürter halten thuet, das Archiv aber stehe doch gleichwollen 
bey so entstehender Feuersprunsten in keiner Sicherheit, müssen die Schreib- und Verhörstuben ganz an 
das Archiv gehet, oben und unten mit hölzernen Böden versechen, welche zu Winterszait beschwerlich 
zu heizen und dahero vil Holz (so sambt dem Wasser mit großer Mühe auf den Perg muss gebracht 
werden) hiezu vonnethen ist. Desgleichen gebe es die Erfahrenheit, dass es in diesem Gepey bey 30 Jahren 
hero zum drittenmal habe eingeschlagen, der erste Straich seie ein Wasser- und der andere ein Feuer- 
straich gewesen, welcher die sogenannte Einsidlerey völlig abgeprant habe. 1697 wurde nun das Pfleg- 
haus in Gnigl erbaut und das Schloß — nach Hübner „viele Behältnisse, Keuchen und Keller, 9 ordent- 
liche Wohnzimmer und eben soviele Küchen für kleine dürftige Familien enthaltend" — an Private 
vermietet. 1793 nahm es Graf Lehrbach um 50 fl. in Pacht, der auch vieles veränderte. 1795 nahm Neu- 
haus Graf Franz Lodron, Gesandter am schwedischen Hofe, in Bestand. Churfürst Ferdinand ließ es am 
30. Dezember 1803 als freieigen an den Meistbietenden um den Ausrufspreis von 3000 fl. versteigern, 
und als sich kein Käufer meldete, wurde es neuerdings Lodron um 100 fl. auf 3 Jahre übertragen. Am 
16.August 1811 endlich wurde mit allerhöchstem Reskript die Versteigerung verfügt. Die Besitzer wechselten 
rasch: 1811 Graf Franz Lodron um 200011., 1820 Gräfin Wilhelmine Lodron geb. Gräfin Thürheim, 1820 
Rudolf Graf Westphalen, 1828 Josef Plainer, 1830 Spiegelfabrikant Andrä Ziegler, 1836 Dr. Mayrhofer, 
1851 Graf Oswald Thun, der es zum großen Teil neu aufbauen ließ und in die heutige Gestalt brachte. 

Beschreibung: Durch ein flachbogiges Tor kommt man zwischen zwei einstöckigen zinnenbekrönten 
Gebäuden über einen kleinen ansteigenden Vorplatz zum eigentlichen Schloß. Dieses besteht aus einem 
einstöckigen, rechteckigen Wohngebäude mit einem halbrunden Treppenturm im S. und dem damit durch 
einen (von einer rundbogigen Einfahrt durchbrochenen) einstöckigen Gangtrakt verbundenen geräumigen 
Turm; alle mit Zinnen bekrönt. Vor dem Wohngebäude im W. eine Terrasse und eine Loggia, im N. ein 
kleiner Garten. 

Die Räume im Erdgeschoß haben gratige Kreuzgewölbe, die im L Stock flache Decke. In den Turm sind 
eine Reihe kleiner Zimmer eingebaut (Fig. 94). 

Über der Eingangstür ins Stiegenhaus eingemauert kleine Marmorplatte. Oben in Relief ein Engel mit 
dem Thunschen Wappen, unten Inschrift: Joannes Antonius de Thonno Decanus eccl{esi)ae Metrop{o\is) 
Salisburgen{s\s) /(ieri) /(ecit) anno Dni MDLXXXVIIII (1589). Sie stammt vom ehemaligen Einödhof 
bei Morzg (s. dort). 

Vom Schloßturm aus prächtiger Blick über den Flachgau zum Hohen Göll, Untersberg, Kapuzinerberg, 
zur bayrischen Ebene. 

Die Privatsammlung der Gräfin Rosine Dubsky-Thun wird im Anhange beschrieben. 
Minnesheim. 

Alte Ansicht; Tableau vom Schlößchen und den Qartenansichten, Stich von Fr. Müller, um 1795. 

Dieses kleine Landgut wurde von Erzbischof Paris Lodron für seine Familie erbaut. Am 14. Jänner 1644 
verliehen Ludwig Pflanzmann, hochfürstlicher Obristwaldmeister, und Hans Ruprecht Rottmayr, hochfürst- 
licher Pflegsverwalter zu Neuhaus, auf Befehl des Erzbischofs der Gräfin Katharina Lodron, dessen 
Schwägerin, das Hofhölzl zu Gnigl (v. Jaksch, Das gfl. Lodronsche Archiv in Gmünd, in Archiv f. vat. G. 
V. Kärnten XIX, 85). 

Um 1793 verschönerte Franz Graf Lodron diesen Besitz. Hübner (Stadt 562) erwähnt den neu angelegten 
englischen Garten mit einer „Menge angenehmer Partien von Rasen-Parterren, Ruheplätzen, kleinen Hügeln 
und Bosketen, einen in die Rundung gegrabenen Weiher, der eine Kanincheninsel umfließt und mit vielen 
Enten besetzt ist, ein kleines holländisches Meyerhaus, das inwendig geschmackvoll meublirt ist und vor 
und neben sich eingezäunte Feld- und Gartenstücke, ein hohes freystehendes Taubenhaus und einen 
Hühnergarten mit etlichen Einfängen für Lämmer und Ziegen, ein chinesisches Sommerhaus auf einen 
künstlichen Hügel, das unter sich ein unterirdisches sehr artig meublirtes Cabinet mit einem eigenen 



Beschreibung. 



Fig. 94. 



Minnesheim. 



96 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Eingang hat, und endlich ein artiges Thal mit einem kleinen Fischteiche, worüber eine schmahle Brücke 
zu einem Grabhügel führt, der mit einer Pyramide geziert und mit Bäumen und Gesträuchen ringsum 
besetzt ist". 

Noch Pillwein (Salzachkreis 377) findet Minnesheim wegen „seiner geschmackvollen Meublirung und 
seinen höchst einladenden englischen Gartenanlagen sehr interessant. Im Lustschlosse findet man ver- 
schiedene Kupferstiche (Rembrand, den berühmten Maler vorstellend, Sterne, den Verfasser von Yorks 
empfindsamer Reise) und Gemähide (mehrere Mahler malten sich selbst als: Mengs, Rubens, Battoni usw.); 
im Garten künstlich angelegte Weiher, Hügel, Bosquetten, Alleen, Häuschen (hierunter ein chinesisches 
Sommerhaus unter einer Brücke mit künstlichen Ruinen) verschiedene Denkmähler: dem Ritter Sylvester 




Fig. 95 Gnigl, Minneslieim. Erinnerungsmonument, 1793 (S. 97) 



Baron von Latran mit der chronologisch unrichtigen Jahreszahl 1096, für K. Leopold L von schönstem 
Alabaster, für Virgllius Maro, eine Ära mit Wünschen für den denkenden Leser, für geselliges Vergnügen, 
für einsame Betrachtung, einen Todten-Aschenkrug mit mythologischen Verzierungen usw." 
Von Franziska Schön von Monte Cerro geb. Gräfin Lodron (gest. 188S) kam Minnesheim an ihren Sohn, 
den jetzigen Besitzer Major Schön von Monte Cerro. 

Beschreibung. Beschreibung: Zweistöckiger Bau von unregelmäßigem Grundrisse, mit moderner Fassadierung und 
niedrigem Zinkblechsatteldach. Gegen die Straße zu zweimal geknickte Front mit acht Fensterachsen. 
Die Tür in profilierter Marmorrahmung des XVll. Jhs. Darüber die Inschrift: Dulcia oblivia vitae und 
Schutzdach (um 1793). Im S. sieben, im N. vier Fenster Front, im W. gegen den Garten fünf Fenster 
Front i'-üd zwei Türen. 

■/iTi stSctischen .Museum in Salzburg (Mappenzimmer) befindet sich eine Reihe von Plänen für diesen 
Bau. Zwei ältere Blätter zeigen den ersten Entwurf, den Wolfgang Hagenauer im Jahre 1765 
machte, in zwei Varianten, zwei jüngere die tatsächlich zur Ausführung gekommenen Pläne des Salz- 
bäiger Architekten Johann Georg Laschenzky. Dieser hat die Idee seines Vorgängers im wesent- 
lichen übernommen, er vermehrte nur die Zahl der Fensterachsen an der Straßen- und Gartenfront und 
veränderte teilweise die Inneneinteilung. 



Qnigl 



97 



Eine von Würthle und Spinnhirn in den Siebzigerjahren gemachte photographische Aufnahme zeigt das 
Landhaus noch ganz unverändert, mit den einfachen Fensterumrahmungen und dem anheimelnden, über 
dem II. Stocke der beiden Langseiten mansardierten hohen Schindeldache. Erst 1888 wurde durch einen 
Umbau der ursprüngliche Charakter des Gebäudes verdorben, besonders durch den Ausbau der bisher 
mansardierten Räume des II. Stockes, die neue Fassadierung und durch das neue Blechdach. 

Park: In dem großen Garten, der sich südwestlich vom Hause ausdehnt, ist im Geschmack des aus- 
gehenden XVIII. Jhs. eine Anzahl von kleinen Monumenten und Denkmälern aufgestellt (um 1793). Die 
Erklärung der perspektivischen Partien des rcichsgräfl. Lodronischen Gartens zu Minnesheim, die Müllers 
Ansichtentafel beiliegt, wohl von Hobner (Salzburg, Museum), gibt uns die bei einigen Stücken nötigen 



Park. 




Fig. 96 Qnigl, Minnesiieim. Denkmal des Kaisers Leopold 1. (S. 98) 



Aufklärungen. Ähnlich wie der (jüngere) Aigner-Park ist der zu Minnesheim von besonderem Interesse 
für die Kenntnis der klassizistischen Geschmacksrichtung und der beginnenden, naturschwärmerischen 
und gefühlsseligen Romantik')- 

1. Vor dem Hause ein dreiseitiges Marmorpostament mit einer flachen Schale an der Oberseite. An den 
drei Seiten auf geschupptem Grunde drei ovale Schilde mit den Inschriften: Der einsamen Betrachtung — 
Dem denkenden leser — Dem geselligen Vergnügen (mit Bezug auf jede der hier einmündenden drei 
Alleen). Um 1793. 

2. Am Boden ein marmornes Volutenkapitäl eines Pilasters und unweit davon ein Bruchstück eines solchen. 
XVIll. Jh. 

3. Auf einem kleinen, ganz mit Efeu bewachsenem Hügel steht ein prismatisches Postament, darauf eine 
von einem Pinienapfel bekrönte Urne, um die sich eine Schlange schlingt. Marmor. An der Vorderseite 
des Postamentes die Inschrift: Dem Andenken Nicklas des freygebigen und wohltaetigen Mannes, red- 



') Verschwunden sind: Ein chinesisches Vogelhaus, eine Kapelle in gotischem Geschmack mit einer Sammlung Lodronischer 
Rüstungen, ein Denkmal Virgils, eine gotische Nische mit der Büste des Horaz am Ende einer langen Obstallee, eine chinesische 
Brücke, eine Pyramide zum Andenken der nouvelle Heloise, ein chinesisches Lusthaus auf einem Rosenhügel, darunter ein unter- 
irdisches Kabinett, ein Weinberg, ein Teich voll ausländischer Fische und Enten, darin eine Insel, auf der Kaninchen in einer 
Feste residieren, ein Weideplatz für Lämmer und Ziegen u. a. 

XI 13 



98 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Fig. 95. Liehen. Freundes, guten Oheims, Franz und Wilhelmine. MDCCXCIII (Fig. 95). — Errichtet von Franz 
Grafen Lodron, 1793. 

4. Prismatisches Marmorpostament mit vier ovalen Feldern; zwei davon sind herausgebrochen, zwei zeigen 
noch die Löcherspuren der ursprünglich hier angebrachten Inschriften mit Metallbuchstaben. Auf dem 
Postamente steht eine abgebrochene kannelierte Säule und eine Urne, beide aus Marmor. Neben der 

Fig. 96. Säulenbasis im Boden eine runde Öffnung in den Hohlraum des Postamentes. Um 1793 (Fig. 96). 

Es war ein Denkmal des Kaisers Leopold I., der dem Hause Lodron große Beweise seines Wohlwollens 
gab. Neben dem (jetzt verschwundenen) Brustbilde des Kaisers, einem Relief aus karrarischem Marmor, 
las man die Inschrift: Div. Leopoldo I. Caes. S. Aug. hoc Lateranenses grati animi posuere monumentum. 
Aus der zertrümmerten Säule stieg ein Lorbeer auf und aus dem Postament kam eine Trauerweide, die 
sich über ihn herabbeugte. 




Fig. 97 ünigl, Minnesheim. Familienmonunient der Grafen Lodron, 1795 (S. 98) 



5. Würfelförmiges Postament aus Konglomerat, mit drei eingelassenen marmornen Inschrifttafeln und 
einem marmornen Relief, das einen Kampf von Landsknechten mit Türken darstellt und von einem Flecht- 
bande umrahmt ist. Obenauf steht ein großes Tongefäß. Die Inschriften lauten: Silvester Lateranus 
baro Lodroni portam Hierosolymorum sub Godifredo Bullionio occupans primus comes Lodroni ac castri 
Romani creatus anno ML. — Ad perpetuam rei memoriam ac in posterum emulationem felix in patriam 
dedux f. f. anno MLIL — Digniore tanti viri erecto monumento cara vestigia injuriae temporum errepta 

Fig. 97. hie transferri jussit Franciscus nepos an: MDCCXCV (Fig. 97). 

Das (natürlich damals neu gemachte) familiengeschichtliche Monument war angeblich unter der Erde 
gefunden. 

6. Auf einem kleinen Hügel inmitten von alten Bäumen ein Obelisk aus Marmor auf einem prismatischen 
Postamente, in dessen vier Felder Freimaurerzeichen eingemeißelt sind: Ein G in einem sechszackigen 
Sterne, B, ADVC, J. 

7. Neben einer gewaltigen alten Fichte, deren Zweige ringsherum bis zum Boden reichen und so innen 
einen runden Raum von beträchtlichem Umfange einschließen, steht noch das von Hübner erwähnte 
ho!iündi.-:'ie Meyerhaus, ein mit Fichtenrinde verkleidetes kleines Blockhaus, das innen ein Vor- 
zimmer, ein Zimmer mit je zwei Fenstern auf drei Seiten und eine kleine Kammer enthält. Die beiden 
ersteren haben flache Stuckdecken, ihre Wände sind mit bemerkenswerten gemalten Tapeten vom Ende 
des XVin. Jhs. verkleidet. Die des Vorzimmers haben ein einfacheres Muster (Brombeerzweige), die im 
Zimmer zeigen auf schwarzem Grunde antikische Motive: Vasen mit Blumensträußen, nistende Tauben 
unter einem Blütenbogen, einen Putto, auf einer Scheibe stehend, zwei Pegasuspferde zierlich an roten 
Bändern haltend. Die Tapeten sind sehr gut erhalten, 



ünigl 



99 



Inschrift- 
platte. 



Rauchen- 
bichlcrhof. 



Marmorne quadratische Inschriftplatte, flankiert von zwei Pilastern, darunter Gesims und flacher 
Dreiecksgiebel; im Giebelfelde in Relief ein Lorbeerkranz mit zwei Schleifen. Inschrift: 

PARIS 

EX COM. LODRONI 

ARCHIEPS ET PRINCEPS 

SAUSBVRGENSIS 
S. SEDIS APLICAE LEGAT. 

JWAVIAM SAXEIS H/S 

MOLIBVS ET PROPVGNA- 

CVLIS ATQVE AGGERE 

PERPETVO COMVNIVIT 

Diese Inschrift stammt vom abgebrochenen äußern Linzertor, das Erzbischof Paris 1628 neu erbaut hatte 
(vgl. Hübner, Stadt 361). 

Die Gemäldesammlung des Herrn Majors Schön von Monte-Cerro in Minnesheim 

wird im Anhange beschrieben. 

Rauchenbichierhof. 

Im Besitze des Herrn Franz Mayr. 

1741 kaufte Handelsmann Franz Anton Rauchenbichler von den Elixhauserschen Erben den „Bergerbräuhof 

vor dem Linzertor" und ließ das dazugehörige „alte Häusl an der Wegkreuzung" in wohnbaren Zustand 

setzen. Gleichzeitig wird ein „Gartenspitz", der zum ,.GütI in der Sandgruben'' gehörte, „Herrn Rauhen- 

pichler zu einer Einfahrt zu seinem neu erpauten Hof'' überlassen. (SRA, Hofk. Neuhaus 1741 G und 

Urbar 148 Nr. 16). 

Er hieß auch Waldbichlhof. 1831 erkaufte denselben von den Rauchenbichler die Baronin Wolfsberg, die 

unter dem Namen der „Hundsgräfin" bekannt ist, von der das Gut 1845 wieder an die Familie von 

Rauchenbichler überging. Seit 1881 besitzt dasselbe die Gablerbräufamilie: seit 1881 Franz Mayr und seit 

«1911 dessen gleichnamiger Sohn. 
Beschreibung: Rechteckiges, einstöckiges Gebäude, modern verputzt. Hauptfront an der Straßenseite Beschreibung 
im SO. Im Erdgeschosse sechs quadratische, im I. Stock sechs rechteckige Fenster in neuer Verputz- 
umrahmung, über dem umlaufenden, breiten Hohlkehlgesimse aufgesetztes Giebelgeschoß, von zwei Voluten 
flankiert, mit zwei Fenstern in alter Verputzumrahmung und Schindelpyramidendach. Beiderseits zwei 
[j Tore zwischen hohen gemauerten, mit Schindeln abgedeckten Pfeilern. Der Nordwestteil des Gebäudes 
' ist modern. An der Nordostseite Sandsteinportal des XVIII. Jhs., mit ovalem, vergittertem Oberlichtfenster 
in Kartuschenrahmuug, von zwei Voluten flankieit. Oben vier Fenster, zwei davon vermauert. Im SW. 
zehn Fenster Front. Über der Tür eingemauertes Wappen der Familie Guilelmo (Ende des XVIIL Jhs.). — 
Schindelsatteldach mit Dachfenstern. 

Im Erdgeschosse gewölbte Räume. Im I. Stock großes Südeckzimmer, alter Stuckplafond mit Band- und 
Gitterwerk (um 1730). 

Gemälde: 1. Porträt des Erzbischofs Johann Ernst Grafen Thun (Brustbild), oval, 44 x 56, mit Ölfarbe Gemälde, 
übermalter Kupferstich. Um 1690. 

2. Vier Aquarelle von Louis Wallee. a) Siezenheim und Liefering mit dem Hohen Staufen. b) Salz- 
burg mit dem Hohen Göll und Untersberg, von Maria-Piain aus gesehen; signiert, c) Gnigl und Schloß 
Neuhaus, d) Leopoldskron mit Göll und Untersberg; signiert. — Alle vier um 1800. 

3. Öl auf Leinwand. 57 x 80. Zwei kleine Hunde auf einer Brüstung. Im Hintergrunde ein dreistöckiges 
Haus. Der Tradition nach die Lieblingshündchen der sogenannten Hundsgräfin. 

Eine Sammlung jüngerer Waffen, mehrere Stücke Zinn. 

Im Garten auf der Nordostseite: zwischen zwei gemauerten Pfeilern schmiedeisernes Rokokogitter, um Gartcn- 
1750. Am Ende des Gartens kleiner elliptischer Garten p avill on, gemauert, weiß gefärbelt, mit einer pavillon. 
Tür und vier Fenstern in alter Verputzumrahmung. Über profiliertem Gesims erneuertes, einmal abge- 
stuftes Schindeldach mit zwei Blechknäufen. Um 1760. Inneres erneuert. 

13* 



100 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Robinigliof. Robinighof (Gnigl, Haus Nr. 1, Robinigstraße). 

Archivalien: SRA (Domkapitel, Protokoll 1656/8 f. 107 111 47). — Urbare 248 f. 97. 

1648 kam der Hof gleich den übrigen Höfen im Moos an das Domkapitel. 1657 hatte ihn Johann 
Baptist Graf Lodron zu Nutznießung. In diesem Jahre aber verkaufte ihn das Domkapitel an Bartlme 
Reiter zu Erbrecht. Er hieß damals der Kochhof. Die bäuerlichen oder bürgerlichen Besitzer inter- 
essieren uns hier nicht. 1744 erwarb ihn von Franz Lebilsch Georg Josef von Robinig zu Rothenfeld 
(gest. 1760), vermählt mit Maria Viktoria Aniser (gest. 1783), dann überkamen ihn Siegmund von Robinig 
1784 und 1814 dessen gleichnamiger Sohn. Nach dem Aussterben der Familie Robing kam der Hof in 
den Besitz des Herrn Buxbaum in Salzburg, von dessen Witwe ihn 1885 Frau Hermine Fahrner erwarb. 



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l-'ig. 98 Rübinighof, Anficht von Südosten (S. lOÜ) 



Charakte- 
ristik. 



Fig. 98— 101. 

Beschreibung, 
lig. 100. 



Charakteristik: Reizendes einstöckiges Rokokolandhaus, um 1770 erbaut. Wohnhaus (im O.), Stall 
und Wirtschaftsräume sind nach Art der Salzburger Bauernhäuser unter einem Dache vereinigt. Außer- 
ordentlich malerisch die sehr reich behandelte Ostfassade mit dem beherrschenden, lebhaft geschwungenen 
Giebel und den von reichen Stukkaturen umrahmten Fenstern. Der unbekannte Architekt hat das Problem, 
dem alten, heimischen, praktischen Typus ein modernes Kleid zu geben, das Bauernhaus in einen be- 
haglichen, anmutigen Landsitz zu verwandeln, in vortrefflicher Weise gelöst (Fig. 98 — 101). 

Beschreibung: Einstöckiges, rechteckiges Gebäude, weiß gefärbelt. 

Hauptfront im O. (Fig. 100): Schwach vorspringender Mittelrisalit. Konglomeratsockel. Flachbogige Haus- 
tür in Marmorumrahmung. Daneben Marmorbänke auf Konglomeratsockeln und zwei Fenster mit 
stukkierten Rocaillenaufsätzen. Darüber auf vier Maimorkonsolen großer Balkon mit schmiedeeisernem 
Rokokogitter. Balkontür in schöner rötlicher Marmorrahmung. Im Giebel ovales Hochrelief: Der hl. Josef ■. 
mit dem Christkinde. Darüber in Stuckkartusche die Marmorwappen Robinig-Aniser (Fig. 100). Die 
"■tch'Z Fenster des ersten Stockes haben reich stukkierte Rokokoumrahmiingen; in den Giebeln zwei 
Kriegsrköpfe und vier Brustbilder (Frühling, Sommer, Herbst, Winter). Über dem breiten Hohlkehl- 
22si!Ti3e, das über dem Mittelrisalit sich aufbiegt, ein großer zweigeschossiger Giebel mit Eckpfosten aus 
Konglonicn.t, einfachen Rechteckfenslern und rundem Zifferblatte. Auf der Giebelspitze offenes Glocken- 
iürmchen Auf den beiden Langseiten im Wohngebäude je sechs Fenster. Die Erdgeschoßfenster sind 
s'.eiiigercilinit und vergittert, die im I. Stock haben rotmarmorne Sohlbänke sowie Fensterläden, die noch 
die alte Bemalung mit Rokokoornamenten und mythologischen Bildchen aufweisen. 



Gnigl 



101 



Im hinteren Teile des Gebäudes ist ein Pferdestall, ein Ochsen- und Kuhstall und eine Waschküche 
untergebracht. Oben Scheunenraum. An der Südseite gemalte Sonnenuhr. Am Westgiebel marmornes 
Doppelwappen Robinig-Aniser mit Lorbeergirlande, um 1780. Umlaufender Konglomeratsockel und breites 
Hohlkehlgesims. Schindelsatteldach. 

Inneres (Fig. 101): Im Erdgeschoß ein Flur in der Mitte und flachgedeckte Zimmer. 

Im I. Stock ist die große, bemalte Halle interessant, welche die ganze Mitte des Wohntraktes einnimmt. 
Die Wände sind vollständig mit klassizistischen Wandmalereien bedeckt: An der Rückwand ein Brunnen 
mit der Statue der Diana und zwei Sphingen. An den Langwänden Wasserfall, Tempelchen, Obelisk, Pan- 
statue, Tempel mit Statue der Polyhymnia, Obelisk mit dem Monogramm MVO, Säulenstümpfe usw. Vor 



Inneres. 
Fig. 101. 




Fig 99 Gnigl, Robinighof, Ostfassade (S. 100) 



den zwei Kaminen bemalte Verkleidungen, Öl auf Leinwand: Ein auf einem Meerroß reitender Triton, Ceres 
auf einem von Elefanten gezogenen Wagen. Die ganze Dekoration stammt nicht aus der Erbauungszeit 
des Hofes, sondern ist im charakteristischen Geschmack des ausgehenden XVIll. Jhs. gehalten (um 1790). 
Im O. Balkontür (mit geschnitzten Rocaillen) und zwei Fenstern. — Im Südosten ein Saal mit reicher 
Stuckdecke (Bandwerk und geflammte Rocaillen), um 1750. — Im Nordosteckzimmer ebenfalls ein schöner 
Stuckplafond: In der Mitte eine bärtige Maske, umgeben von militärischen Emblemen und Rocaillen. Am 
Rande Rocaillen- und Bandwerkornamente; um 1750. 

Im Garten ein gotisierender marmorner Gedächtnisobelisk für Sigismund Rubinich Edlen von Rottenfeld, 
röm. Reichsritter . . . errichtet von seiner Gattin Maria 1844. 

Vor dem Hofe an der Straße Marmorbrunnen mit dem Wappen der Robinig, einer Urne und der Inschrift: 
' Errichtet von Maria v. Rubinich im Jahre 1848. 

; Bildstock: Am Ende der Fichtenallee im W. Konglomerat. Rustizierter Pfeiler mit Hohlkehlgesims, 
j darauf hochovales Tabernakel, darin altes Holzbild (St. Florian und Leonhard, Dreifaltigkeit, im Hinter- 
I gründe der Robinighof). XVIII. Jh. 

Die Privatsammlung Fahr n er im Robinighof wird im Anhange beschrieben. 



Bildstock. 



102 



Röckibrunn. Röcklbrunn (jetzt Nr. 87). 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Archivalien: SRA (Hofk. Neuhaus 1684 N). — Domkapitel II 27/2 L. 
Literatur: HÜBNER, Stadt 1, 563. 
Fig. 102. Alte Ansicht: Stich von M. Diesel, um 1730 (Fig. 102). 

Das Gut Rechenprun wird schon im ältesten Urbar von zirka 1150 — 1200 von St. Peter genannt (Zillner, 
Stadtgesch. 1, 162). Ein Hans der Reckenprunner, Bürger von Salzburg, wird 1366 genannt (Verhandl. 
d. bist. V. f. Niederbayern X, 327 und 60). 




Fig. 100 Roblnighof, Mittelpartie der Ostfassade (S. 100) 



Nach Hobner und Hoffmann (Gesch. d. Domkapitels, Ldkde. 9, 216) soll das drei Geschoß hohe Schloß 
Röggelbrunn Paris Lodron als Dompropst (1615^1619) erbaut haben, was aber zu bezweifeln ist. Am 
9. Jänner 1634 verleiht Erzbischof Paris seinem Bruder Christof das Itzlingermoos im Landgerichte Neu- 
haus etc. mit der Fischgerechtigkeit im Bachl Reckenbnmn zu freiem Eigen. Wir erfahren daraus, woher 
der Name des Gutes kommt. Dieses selbst eikaufte am 20. Februar 1636 der Erzbischof von den 
.•;::;^.'chei! Frben und schenkte es seinem Bruder Grafen Christof Lodron, worauf am 20. März des 
;-^.'iari!K':;n Jahres Abt Albert von St. Peter die Grundherrschaft über das Gut aufgibt. 1648 aber verleiht 
i.-'aris aa^ i. ;.'l!ije)mui, s mit vier Höfen dem Domkapitel, nachdem er die Lodronische Familie anderweitig 
eriischädigt iiattc (SRA Kapitelprotokoll 1648 f. 31). In der Folge wurde Röcklbrunn dem jeweiligen Dom- 
propst Zügewiesen. 1698 wurde das Maierhaus und 1791 das Gärtnerhaus durch den Maurermeister Heifl 



Gnigl 



103 



gebaut. Die hohen Reparaturkosten veranlaßten den Dompropst und das Domkapitel, das Schlößchen am 
18. Oktober 1803 versteigern zu lassen, und zwar die Mairschaft mit dem Mairhause und ISy^ Tagbau 
Grund um den Ausrufpreis von 4500 fl. und das Schlößchen selbst mit dem Garten von 2^/^ Tagbau um 

I.Shck. 



Heu-u Futter • 
bodcn. 





Erdq'escifoss. 




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Fig. 101 Robinighof, Grundriß des Erdgeschosses und I. Stocl<es 1 : 250 (S. 100) 



2500 fl. Letzteres bestand dem Versteigerungsedikte zufolge aus „einem zweygädigen gemauerten, in ein 
gleiches Viereck gebauten Hause. Eine marmorsteinerne, gewölbte Stiege führt in den ersten Stock, wo 
ein Vorplatz mit zwei Altanen, ein heitzbares und zwei unheitzbare Zimmer, dann eine Retirad sich 
befindet. Ebenso der II. Stock. Nicht ferne von diesem Gebäude steht das erst vor 12 Jahren neugebaute 



104 



Qerichtsbezirk Salzburg 



Beschreibung. 



Gärtnerhaus; mit vier Zimmern im I. Stock. Zwischen diesen Gebäuden befindet sich ein großes Glashaus 
nebst zwei Treibhäusern. Dazu die Gärten und der Grasplatz, worin ein Weiher und zwei mit Marmor- 
stein ausgesetzte Springbrünne angebracht sind". Erbrechtsbesitzer wurden bei der Lizitation Kaufmann 
Paschinger für die Maierei mit 5501 fl. und Johann B. Rauchenbichler, Handelsmann, für das Schlößchen 
und die Gärtnerei mit 3420 fl. 
Die späteren Besitzer sind: von Hepperger; Ritter von Schmerling, 1873; Lang; Baronin Majneri. 

Beschreibung: Modernisiertes, kleines, rechteckiges Gebäude, dreigeschossig, mit zwei zweigeschossigen 
Flügeln. Im SO. Doppeltreppe zum Hochparterre. Im Obergeschosse drei Fenster, auf den Schmalseiten 
je zwei Fenster. Pyramiden-Eternitdach. 
Am südlich daneben liegenden Maierhaus über der Tür Marmortafel mit der Jahreszahl 1698. 




Fig. 102 Röcklbrunn, Stich von M. Diesel, um 1730 (S. 102) 



Ehemaliges Ehemaliges Pfleghaus. Jetzt Grazer Reichsstraße Nr. 6 (St. Anna-Bezirkskranken- und Versorgungs- 
Pfleghaus. haus). Im Jahre 1697 vom Erzbischof Johann Ernst Grafen Thun erbaut. Langgestrecktes zweistöckiges 
Gebäude, im N. und S. gegiebelt, mit je fünf Fenstern Front, im W. in der Mitte moderner Giebel und 
neun Fenster Front, ebensoviel im O. Der südliche Teil des Gebäudes ist modern. Zinkblechdach. Über 
der Eingangstür im N. Marmorwappen des Erzbischofs Johann Ernst mit Cherubskopf. Darunter Inschrift- 
tafel: 10 ANN: ERNEST: A. P. S. S. A. L. N. C. D. T. F. F. Ao MDCXCVII. 

Ehemaliger Ehemaliger hf. Meierhof (jetzt Andrä Blümlstraße Nr. 30, alt Nr. 52) Das Gebäude hatte 1592 
hf. i^/it'erhof. ZWO Stuben aufeinander gehabt, nemblich die obere für einen Pfleger, darinnen er mit seinen Dienern, 
wenn ein Durchzug von Landsknechten beschiecht, das sich gar oft zuetragt, sein Wonung ninibt und 
etliche Nacht alda beleiben mues, und dann die untere Stuben für den Mayr und sein Gesindl. Am 
Charfreitag des genannten Jahres brannte das Haus aus Ursache, dass des Mayrs Weib gepachen und 
garn gesotten hat und der Rauchfang und die Feuerstatt zerkloben war, ab; nur der Kasten (Scheune) 
konnte gerettet werden. Statt dieser alten zerissenen Scheyrn von lauter alte Ladwerch wurde nun um 
cCG !'.. ein besseres, größeres Gebäude errichtet (SRA Hfk. Neuhaus 1515/51 A und 1592/6 A). Laut den 
Inschriften wurde dieses Maierhaus 1697 von Erzbischof Johann Ernst abermals aus der Asche erhoben, 
c^^e'-gleichen 1712 von Erzbischof Franz Anton die gegenüberliegende Scheune und Stallung (Hübner, 
Stadt 560 f). 

Bescnre.cung. Beschreibung: Modernisiertes einstöckiges Haus, Hauptfront im SW. mit fünf Fenstern im I. Stock.. 
Ziegelsalteldach mit Krüppelwalm im NO. und SW. Über der Eingangstür kleines Marmorwappen des 



f 



Gois 



105 



Erzbischofs Johann Ernst Grafen Thun (1687 — 1709), darunter die Inschrift: loan. Ernest. archps et prps 
Salisburg. e cinere erexit 1697. 

Haus Andrä Blümlstraße Nr. 31, alt Nr. 51 (s. oben). Großes Bauernhaus. Hauptfront (mit abge- Privathäuser, 
kapptem Giebel) im SO.: Tür mit je zwei Fenstern beiderseits, im I. Stock fünf Fenster, darüber drei 
Dachgeschoßfenster, über diesen noch ein Fenster und zwei ovale Luken. Schindelsatteldach, über den 
Giebeln abgekappt. Über der Tür im SO. Marmorwappen des Erzbischofs Franz Anton Grafen Harrach 
(1709 — 1727) mit dem Chronogramm: Hoc praedhim e cinere surgebat (= 1712) Francisco Antonio 
S. R. J. principe et archiepö. Salisburgensi S. sedis apostolicae legato nato S. R. J. principe ab Harrach. 

I Linzer Reichsstraße Nr. 39 (alt Nr. 79): Hübsches, gegiebeltes, einstöckiges Bauernhaus mit alten 
stukkierten Fensterumrahmungen im Erdgeschosse und schmiedeeisernen Korbgittern im Obergeschosse. 

[ Schindelsatteldach. Ende des XVlIl. Jhs. 

' Außerdem eine ganze Reihe hübscher alter Bauernhäuser, meist einstöckig, mit abgekappten Dreiecks- 
giebeln und Schindelsatteldächern. 

Grazer Reichsstraße Nr. 25 (J. Sillners Kunstmühle): Im Hofe ein roter Marmorblock mit der Inschrift: 

M 

. . LI ALTARE CVM 

. . NT/S RESTAVRARI 

{?)ATER MARTINVS 

{k)NNO MDCVI. 

Kirchbergsteig Nr. 2: Einstöckiges Haus mit gebrochenem Giebel, Biech-Mansardendach. Am 
'. Giebel Wandgemälde: Plainer Mutter Gottes. XVIII. Jh. 

Kirchbergsteig Nr. 3: 1849 erbaut. . 

JMühlstraße Nr. 3: Neben der Tür eingemauerte kleine Marmorplatte mit zwei plump gemeißelten 
Wappenschilden und der Inschrift: A. Leonhart Tarnboner f. 1538 M. 

Mühlstraße Nr. 10: Geringes Wandbild (Pietä, 1856 renoviert), darunter in Nischen zwei Holz- 
statuetten (Madonna, Andreas). XVIII. Jh. 

Mühlstraße Nr. 14: An der Nordseite großes Wandgemälde (Kreuzabnahme), gering, XVII. Jh., viel- 
fach übermalt. 

Wegkapellen: 1. Im Orte, beim Beginn der Guggentaler Straße. Üblicher Typus, mit vorspringendem, Wegkapellen, 
von zwei Holzsäulen gestütztem Blechpyramidendach. In der mit einem fiachbogigen Fenster (Eisen- 
gitter um 1730) geöffneten Nische zwei größere Statuetten, die Hl. Barbara und Katharina, mittelmäßig, 
um 1750; drei kleinere, zwei Leuchterengel und der hl. Johann von Nepomuk, gering, XVIII. Jh. 
Alle Holz, alt polychromiert. — Gemälde, Kopie der Maria-Hilf-Madonna, Öl auf Leinwand, schwach, 
XVIII. Jh. 

2. An der Straße nach Guggental. Üblicher Typus, kleiner rechteckiger Bruchsteinbau mit weit vor- 
springendem Schindeldache. Vorne vergitterte rundbogige Tür. Innen einfache Stukkaturen und ganz 
verblaßte Wandmalereien, erste Hälfte des XIX. Jhs. 



Gois, Dorf 



Arcliivalien; Konsistoriaiarchiv (Kirchenrechnungen 1688—1694 und 1779—1811, die übrigen verloren). — SRA (Kapitelproto- 
j koUe passim). 

' Literatur: HüBNER, Flachland 133. — Pii.i.WEiN, Salzachkreis 360. — G. A. Pichler, Gois als das römische Collis, in Ldkde. 1 
(1»61), 65—67. — DüRLiNOER, Handbuch 120. — Reitlechner, Die St. Jakobskirche zu Geis, in „Die kirchliche Kunst" 
J Xll (1905) S. 124 (meist nur den pseudogotischen Altar betreffend). 

Im Jahre 1127 übergaben die Stiftsdienstleute Altman und sein Sohn Waltcliun de Colle aus Not den Hfigel (collem) dort- 
, selbst gegen den Nutzgenuß eines Hofes im nahen Viehhausen. Auch später begegnen noch öfter Personen, die sich von 
\Collis, Colse, Golles, Gois nennen (HAUTHALER, U.-B. 1, 336 Nr. 155 und S. 1028). (Nicht zu verwechseln mit den 

Besitzern des Golserhofes b. Montfori!) 

XI 14 



106 



Qericlitsbezirk Salzburg 



Filial- 
kirche. 



Filialkirche zum hl. Jakob. 

Die Kirche wird zum erstenmal unter Abt Richer (nach 1242 Juni 15) erwähnt, als die drei Brüder 

Heinrich, Otto und Portius de Golse quoddam patviim nemus, qiiod luxta ecclesie nemus in Golse iure 




Fig. 103 üuis, Filialkirchc von Nordosten (S. 107) 

















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Fig. 104, Geis Filialliirche von Osten (S. 107) 



^:c.,:"etut:s pcssederant, an St. Peter schenkten (a. a. O. 506, Nr. 468 c). Am 1. Mai 1465 verlieh Erz- 
oischot Buikard der St. Jakobskirche, Filiale der Pfarre Siezenheim, einen Ablaß. Die Kirche hatte stets 
nur einen Altar; 1614 bemerkt hierzu die Visitation: Et ne alterius imago a tergo Salvatoris excidi in- 



I 



Gois 



107 



cepta superstitionibus et irreveretitia maiori Uli irrogetur contra tales ex cathedra populus admoneatur. 
Aus den Jahren 1688 — 1694 verzeichnen wir: 

1688 Chris tof Egedacher für die neue Orgel 207 fl. Für Crucifix und Leuchter 14 fl. 
1693 Martin Schulz, Bärger und Traxler in Salzburg, für 4 Büschkrüg und 4 Leuchter von Linden- 
holz 5 fl. — Adam Plrckmann, Maler, für Fassung derselben auf Goldschmiedart 5 fl. 5 kr. 10 rdf. 
1697 wird dem Domkapitel vorgetragen: Dieweilen dann bis dato in dem Gotteshaus zu Gols keine 
Stielt, sondern nur Spangen mit darauf genagleten Läden gewest, das Esterrlchpflaster aber voller 
Grueben und ganz schadhaft, so wurden für die Stühle 59 fl. und für ein Pflaster von gererlten Marmel 
71 fl. bewilligt (Prot. f. 92). 

1707 bewilligt das Domkapitel, wasmassen das aldortige alte Altarl ganz schlecht und die Gemain umb 
ain neues unterthänig bitten lasse, 218 fi. für Maler, Tischler und Bildhauer für einen neuen Altar nach 
vorgelegtem Riß (Prot. f. 70) und 1740 ein Gitter, damit die öfters vorbeygehenten Leuth umb so 
mehrers zur Andacht angefrischet werden möchten, als sie bei Errichtung der Gütter in die Kirchen 




Pig. 105 Qois, Filialkirche, Orundri(5 1 : 150 (S. 108) 



hineinsehen und vielleicht zu einer mehreren Einlegung in den darbeystehenden Opferstock bewegt 

werden könnten. Im gleichen Jahre wird mehrerer Sicherheit halber das Thärgwang von ganzem Stein 

gemacht (Prot. f. 222 und 742). 

1742 ist beim Gebetläuten die größere Glocke zersprungen und hat alle Resonanz verloren. Andrä Asm. 

Zöchengruber gießt sie für 116 fl. neu. Gleichzeitig werden auch Opferkandl umgegossen und für 

das Mutter-Gottes-Biid am Altar ein neues Kleid und Schlayer erworben (Prot. f. 864). 

1751 wird für den St.-Jakobs-Partikel ein Tabernakel für 28 fl. angeschafft und 1755 ein Predigtstuhl 

errichtet. 

Aus den Rechnungen von 1779 ff.: 7779 Für einen Paramentenkasten (anläßlich der Erweiterung der 

Sakristei) 7 fl. 1785 Niclas Ort, Hofgürtler für eine Cron zur Muttergottes und Kindl 25 fl. 1789 

Dominicus Plasiste mich in Piding für eine Tumba auf den Hochaltar und Neufassung der 

Statue U. L. Frau 20 fl. 1791 Josef Schödl, Zinngießer für eine neue Ampel 11 fl. 40 kr. 

1871 wird die größere Glocke umgegossen und 1901 ein neuer pseudogotischer Altar von Bildhauer 

Ripper aufgestellt, die Kirche selbst ausgemalt. 

14* 



108 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Charal<te- 
ristilt. 

Fig.103— 106. 

Bau- 
entwicltlung. 



Lage. 



Charakteristik: Einlieitlictie kleine spätgotische Anlage (um 1465) mit einschiffigem Langhaus und 
breitem, dreiseitig geschlossenem Chor, beide mit Netzgewölben; im W. vorgebaut ein im Verhältnis zur 
Anlage zu großer spätgotischer Turm (Fig. 103—106). 

Bauentwicklung: Wie man aus dem verputzten Trennungssprung an der Nordseite und aus der 
Verschiedenheit des Sockels sieht, ist der Chor später an das Langhaus angebaut; ebenso der Turm, der 
gar nicht mit ihm in Verband steht. Daraus läßt sich eine Erklärung für die sonderbare Gestaltung des 
Baues erschließen: An das im Kerne ältere, wohl sicher noch romanische (ursprünglich flachgedeckte) 
kleine Langhaus wurde im XV. Jh. ein Chor angebaut; beide wurden mit Netzgewölben eingewölbt. 
Gleichzeitig erfolgte der Anbau des großen Turmes. Einen zeitlichen Anhaltspunkt für diesen Umbau gibt 
der Ablaß von 1465. — Die Sakristei wurde 1779 erweitert. 

Lage: Auf einem niedrigen Hügel im NW. des kleinen Dorfes malerisch gelegen, mit schönem Rund- 
blick auf den Untersberg, Hohen Stauten, den Flachgau, Maria Piain, MüUn, Hohensalzburg, Gaisberg. 




Fig. 106 Gois, Filialkirche, Inneres (S. 109) 



Äußeres. Äußeres (Fig. 103, 104): 

Fig. 103, 104. Bruchstein, weiß verputzt. 

Langhaus. Langhaus: Giebelfront, durch den Turm fast ganz verbaut. Im S. angebaut Vorhalle und Sakristei, 
links daneben kleines Fenster. Im N. links rundbogiges Fenster, rechts breitovales Fenster. 

Chor. Chor: Konglomeratsockel. Drei rundbogige Fenster. Hohlkehlgesims. Gemeinsames, nach O. abgewalmtes 

Schindelsatteldach. 

Turm. Turm: Dem Langhaus im W. vorgebaut. Hoher Sockel aus Konglomeratquadern, mit profiliertem Gesims. 

Drei einfache Kaffgesimse aus Konglomerat teilen den Turm in drei Geschosse. Im W. rundbogige Tür 
in profilierter gotischer Steinrahmung (zwei Rundstäbe zwischen drei Hohlkehlen); darüber Schutzdach 
und kleines Fenster. Im S. übereinander zwei kleine Fenster und eine Luke. Oben auf jeder Seite ein 
rundbcj^iges Schallfenster. Über jeder Turmseite ein hoher Dreiecksgiebel. An den vier Ecken einfache 
VVässerspeier aus Stein. Achtseitiger Schindelpyramidenhelm, vergoldeter Knauf und Doppelkreuz mit Hahn. 

Anbauhr]. Anbauten: i. Sakristei, im S. angebaut. Im S. zwei kleine Fenster, im W. rundbogige Tür in iMarmor- 
umrahmung, darüber rundbogige Statuennische. 



Oois 



109 




Fig. 107 Gois, Filialkirche, 

Holzstatue der Madonna, Ende des 

XV. Jhs. (S. 109) 



2. Durch Aufführung einer zweiten Mauer wurde westlich neben der 
Sakristei eine offene Vorhalle vor der flachbogigen südlichen Kirchentür 
geschaffen. — Über beiden Anbauten gemeinsames Schindelpultdach. Über 
der Sakristei großes Dachfenster als Lichtschacht für das südliche Lang- 
hausfenster. 

Inneres (Fig. 105, 106): 
Neu ausgemalt (1900). 

Das Langhaus und der damit durch einen Spitzbogen in voller Breite 
und Höhe verbundene, dreiseitig geschlossene, gleichhohe und nur wenig 
einspringende Chor sind mit einem spätgotischen, von spitzbogigen 
Stichkappen eingeschnittenem Netzgewölbe eingewölbt. Die Rippen 
sind birnförmig profiliert; im Langhaus verschneiden sie sich in Halb- 
säulen, im Chor ruhen sie auf einfachen Konsolen auf. Im westlichsten 
Teil ist oberhalb der Orgel ein gratiges Kreuzgewölbejoch eingebrochen. 
Im W. moderne hölzerne Westempore mit flachem Boden, im S. durch 
eine Holzstiege vom Langhaus aus zugänglich; darunter im-W. flach- 
bogige Türöffnung, im S. flachbogige Tür; über der Empore im W. rund- 
bogige Tür zum Turm. Im Langhaus im S. und N. je ein rundbogiges 
Fenster, im N. noch ein breitovales Fenster. — Im Chor im S. Sakristei- 
tür in rechteckiger Marmorumrahmung mit oben austretenden Ecken, 
rechts darüber flachbogige Kanzeltür; im S., O. und N. je ein rund- 
bogiges Fenster. 

Turm: Im Untergeschoß gratiges Kreuzgewölbe; dient als Vorhalle. Im 
W. rundbogige Tür auf drei Stufen, im O. flachbogige Öffnung. 

Sakristei: Flach gedeckt. An der Decke stukkierter geschwungener 
Rahmen. 

Einrichtung: 

Altar: Holz. Moderner pseudogotischer Flügelaltar mit Tafelbildern von 
J. Gold, 1903 errichtet. Alt ist nur die Mittelstatue im Schrein, die 
stehende hl. Maria mit dem 
nackten Jesusknäblein auf den 
Armen, Holz, neu polychromiert; 
mittelmäßig, Ende des XV. Jhs. 
Die beiden Kronen, die Haar- 
und Schuiterpartien der Madonna 
sind neu ergänzt, auch das Ge- 
wand ist überarbeitet (Fig. 107). 

Kanzel: Holz. Modern, pseudo- 
gotisch. 



Skulpturen: Holz, polychromiert. 1. Im Chore. Kruzifix; 
schwach, XVll. Jh. 

2. In der Sakristei. Statuette des auferstandenen Heilandes, alt 
polychromiert. Mittelmäßig, XVllI. Jh. 

3. In der Vorhalle, oben in Nische. Statue des hl. Jakob mit 
Pilgermantel, Kreuzstab, Buch. Gut, Mitte des XVIII. Jhs. 

Gemälde: 1. Fünfzehn Kreuzwegbilder, Öl auf Holz, XVIII. Jh., 
modern, vollständig übermalt, schwach. 

2. Votivbiid, Öl auf Holz, vom Jahre 1767. Links Ansicht des 
alten barocken Altars der Kirche. Gute Arbeit. 

3. Zwei kleine Ölbilder (Leinwand), der reuige Petrus und Maria 
Magdalena (Halbfiguren). Anfang des XVIII. Jhs. Sie befanden 
sich jedenfalls ursprünglich über den Beichtstühlen. 

Kelch (Fig. 108): Silber, vergoldet. Gotische Form. Sechspaß- 
förmiger Fuß, gedrückter Knauf mit sechs rhombenförmigen 
Knöpfen, darauf die gotischen Minuskelbuchstaben c riet 3. 
An den sechsseitigen Griffstücken und darüber sind in gotischer 
Minuskel die Namen ihesvs und maria eingraviert. Glatte 
Cuppa, nach oben stark verbreitert. Um 1500. 




Inneres. 
Fig. 105, 106. 

Langhaus. 



Turm. 

Sakristei. 

Einrichtung. 
Altar. 



Fig. 107. 
Kanzel. 

Skulpturen. 



Gemälde. 



Kelch. 
Fig. 108. 



Fig. 108 
Gois, Filialkirche, gotischer Kelch (S. 109) 



HO 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Reliquiar. Reliquiar In Form einer kleinen Monstranz. Messing, vergoldet und versilbert, mit getriebenen Band- 
und Gitterwerkornamenten. Um 1740. 

Kreuzpartikel- Kreuzpartikelmonstranz: Kupfer, vergoldet, mit getriebenen Rocaillen und unechten Steinen, 
monstranz. Um das Reliquiengehäuse dreifache Umrahmung. Mitte des XVIII. Jhs. 

Lavabo. Lavabo: Zinn. XVIII. Jh. 

Opfertasse Opfertasse und zwei Kännchen: Zinn, glatt. Marke: links Salzburger Stadtwappen, rechtg 
u.Kännchen. springendes Einhorn mit Henkelkrug, oben A-GS, unten 1741 (Radinger Taf. I 26). 

Leuchter. Leuchter: 1. Ein dreifüßiger Holzleuchter, vergoldet, mit schwarzen Füllungen. Mitte des XVII. Jhs, 

2. Sechs dreifüßige geschnitzte Holzleuchter, versilbert und vergoldet, mit Blatt- und Gitterwerk, um 1730. 

3. Vier große und vier kleine, Holz, geschnitzt und vergoldet, dreifüßig, mit Rocaillen. Um 1750. 

Laternen. Laternen: Zwei Traglaternen, Blech, neu bemalt, mit Gitterwerk. Um 1730. 

Vasen. Vasen: 1. Zwei Vasen mit Laubwerk und je zwei Cherubsköpfchen, XVll. Jh. 

2. Vier Vasen mit Gilterwerk, Holz, vergoldet. Um 1730. 

3. Vier kleine Rocaillenvasen, Holz, vergoldet. Um 1750. 

Glocken. Glocken: 1. Kleinere Glocke. St. Jakob. Umschrift in gotischen Minuskeln: ihesvs nasvrenvs eit 
kinig der ivten erparm dich vber vns . 1544. 
2. Größere Glocke, von F. Oberascher 1871. 



Grödig, Dorf 

Arcliivalien: Konsistorialarchiv. — Stiftsarchiv St. Peter (Rechnungen seit 1688 und Akten). — SRA (Konsistorialakten 141 und 
Regierung IX 245). 

Literatur: Hübmfr, Stadt 515 — Pillwein, Salzachkreis 352. — Dürlinoer, Handbuch 75 f. 

Ältestes Vorkommen siehe unten. Alte Namensformen sind: Cretti, Chrethica, Grettic/i, Greticli u. ä. (HAUTHALER, 
U.-B. 1. 2032). 

Piarri<irciie. Pfarrkirche zu Unserer Lieben Frau Verkündigung. 

Im Arnonischen Güterverzeichnis (Ende des VIII. Jh.) kommt sie als ad Crethica ecclesia cum territorio 
vor, die {ecclesia ad Gretich cum decima) 987 bei der Trennung des Bistums von der Abtei St. Peter 
bei dieser verblieb (Hauthaler, a. a. O. 11 und 254). Über das Verhältnis zu Anif und Niederalm ver- 
gleiche die Ausführungen bei erstgenanntem Orte. 1625 wurde der Pfarrsitz von Niederalm (Rif) nach 
Grödig übertragen, aber erst 1883 wurde dieses zur selbständigen Pfarre erhoben. 
1513 wurde der Chor erweitert. Abt Wolfgang von St. Peter vermerkt in seinem Ausgabenbuch: Item 
in Gretich posuimus primum lapidem pro ampliando choro ecclesie B. M. V. ibidem et super lapidem 
posuimus Ren. flor. I, actum Gervasii (18. Juni [Cista CLXXIV 6, f. 12']). 
Das Konsekrationstagebuch des Bischofs Berthold Pürstinger von Chiemsee verzeichnet zum 14. Juni 
1523: Consecratus est novus chorus unacum antiqua ecclesia beate Marie virginis in Gredich et duobus 
altaribus, primum in choro in hon. eiusdem sanctissime virginis Marie ac ss. Katharine et Barbare 
virginum et martyrum, alterum in dextro latere in hon. s. Anne genitricis Marie et s. Affre ac suarum 
sodalium, similiter ibidem cimiterium est reconciliatum. 1588 befanden sich in der Kirche ein Glas- 
fenster, darstellend einen Engel mit dem Trauner- und Strasserschen Wappen sowie Grabsteine des 
Wilhelm Trauner von Gartenau (gest. 1427) und des Achatz Trauner und seiner Frau Wandula (Trauner- 
sches Familienbuch F. 172 u. 215'). 1614 war das Altarsakrament noch in tabernaculo marmoreo muro 
dextero. Der rechtseitige Altar war der hl. Anna geweiht, der linke dagegen, a cuius dextero latere 
fenesira in columna, ubi olim sacramentum asservabatur et obstinatur, dem hl. Georg. 1617 wird der 
Hochaltar neu gemacht. Martin Seiser, Bürger und Tischler, lieferte ihn von Nußbaumholz um 70 fl.; 
später mußte er ihn aber wieder verändern, indem er in der mittern Füllung anstat der Bilder ain Plat 
machte von harte/n Holz zu dem Mallwerch mit sambt ainer nusspaumen Ramb herumb, tuet 3 fl. 4 ß, 
mehr Hab ich auf der Seiten 2 neue Postament gemacht, darauf die Bilder stehn 2 fl. Die Schnitz- 



Grödig 111 

arbeiten, darunter 3 Pilder sambt dem Salvatter und 2 Ihrer hj. Gn. Wappen, die Adam G u c t m a n n 
vergoldete, hatte Andreas Pernegger für 130 fl. übernommen. Am 16. Jänner 1638 gibt der Abt 
von St. Peter den Kirchpröpsten wegen einer neuen Uhr 12 fl. als Beisteuer. 

1686 wird dem Konsistorium berichtet: Nun thuet schon lenger Zeit dleselb Nachbarschaft uns anlaufen 
und bitten, dass bei Gelegenhait der Reparation des Thurmdachs die Thurmniauer umb 20' mechte er- 
hechert und das Thurmdach wie zu Morzg spitzet gemacht werden. Sie sei zu hegst noch 572' dick. 
Er sei ohne Zweifel der schlechteste Turm im ganzen Erzstifte. Das Langhausdach ist um 8' höher als 
das Thurmdach. Der Thurm hat nur auf einer Seite Fenster und stecket also in dem Kirchengepey, dass 
ordinari nur alleinig in die negsten Häuser das Leuthen gehört wird und also an denen Werktagen 
kaum dass halbe Dorf wissen kann, ob und wann eine Mess seye, zu geschweigen, dass das höhere 
und hellere üeleuth auch an Verdreibung des Hochweders vil effectuiere und Nutzen thete. Die hierzu 
erforderlichen Kosten von 575 fl. wurden am 2. Juli bewilligt. 
1693: Statt des ganz alten und verfaulten Taffelpoden ein sauberes Rohrgewölb von Güpps durch den 

Maurermeister Matthias Kölle rsberger in Anif um 350 fl. gedingt. 
1694: Neue Uhr durch Jeremias Saute r. 
1714: Meister Franz Jakob Ott, Tischler in Salzburg, für einen in die Sakristei gemachten Kasten 

18 fl. Christof Grien twald, Schlosser, für dessen Beschlagung 11 fl. 
1734: Wegen der Postamenter zur Aufmachung der vom alten Altar vorhandenen Bildnussen u. a. dem 

Zimmermeister und Maurer 3 fl. 48 kr. Dem Tischlermeister zu Salzburg wegen Machung des 

Oratorii und Ausbesserung der Stüel u. a. 20 fl. 
1735: Dem Bildhauer zu Neumarkt für Machung des Hochaltars ISO fl. Wolf gang Spies, Maler, 

wegen Fassung desselben 205 fl. Johann Zängerle, Tischler zu Salzburg, wegen Machung 

der Kanzel, Oratorii u. a. 69 f. 1736 demselben für die Empore 50 fl. 
1754: Für sechs neue Leuchter und vier neue Buschkrüge von Gürtlerarbeit 80 fl. 15 kr. 
1755: Für Abbrechung der alten ausser der Freithofs gestandenen Kapelle, Übersetzung der steinernen 

Gättersäulen und Ausbesserung der Freithofmauer 13 fl. 

Am 16. Mai 1805 brannte die Kirche vollständig ab; noch am Tage selbst erschien Kurfürst Ferdinand 
an der Brandstätte, versprach Hilfe und äußerte den Wunsch, daß die Kirche, von der nur die Chorbänke 
und das Turmgewölbe stehen geblieben war, noch vor dem Winter unter Dach komme. Zudem spendete 
er 100 Stämme Bauholz. Das Stift St. Peter zahlte 400 fl. und nahm die Inneneinrichtung auf sich. Bau- 
meister war Matthias Karlsdorfer, Domkap.- und Stadtmaurermeister in Salzburg. Am 23. Juni 
1807 schloß das Stift St. Peter mit Peter Pf lau der, bürgerlichem Stukkateur, einen Kontrakt ab, wo- 
nach dieser die Verzierungen im Chor sowohl als im Langhaus mit Einschluss der Seitenwände bis zum 
Boden nach dem Risse gut und dauerhaft herzustellen, auch zu diesem den Gyps und Kalk und andere 
Materialien um 1050 fl beyzuschaffen hat, doch sind davon die Nebenkapellen ausgeschlossen. Anton 
Gramm er, bürgerlicher Tischlermeister, erhielt für das Tabernakel 13 fl., für die Rahmen zu den zwei 
Seitenaltären 5 fl. 26 kr., für den Rahmen zum Hochaltare 5 fl. 29 kr. Franz Hitzl, Bildhauer, legte 
Rechnung: Großer Schein mit Gwilk. 4 Geheng mit Frichten und Engelsköpf, 2 große Capodell mit die 
Schaffgesimbs, 4 kleine, 2 Stadien ausgebösert, 2 Engel mit neue Fliegt, 3 Ramen mit Herzlauber und 
Bierlein versözt 98 fL Franz Tuche, bürgerlicher Vergolder, für Vergoldung der Capitelle und Schaf- 
gesimbser 28 fl. 36 kr., im ganzen 300 fl. 

Die Altarbilder malten Nesslthaler und Streicher: 

Quifung, das ich Endesunterzeichneter von Sr. Hw. und Gnaden des Herrn Prelaten zu St. Peter für 
das Hochaltarblad in der Pfarrkirche zu Grödig, vorstellend den Englischen Gruß, 300 fl bar emp- 
fangen hab. 

Salzburg. 30. Oktober 1808. Andr. Nesselthaler, 

k. k. prov. Salzb. Truchsess und Hofmahler. 



112 Qerichtsbezirk Salzburg 

Conto aus Anbefellung des wohlgeb. Herrn Herrn Andr. Nöstldaller würdigsten k. k. Hofmaler: 
das Seittenaltarblädtl, den hl. Josephus accordiertermaßen gemahlen per 60 fl. 

15. Juni 1808. Franz Streicher, Mahler. 

Recompens 10 fl. 
Anton Högler, Kameral- und bürgerlicher Steinmetzmeister, lieferte den Hochaltar und die Seiten- 
altäre nach Akkord für 1100 fl., das Tabernakel sammt den 2 Säulen für 200 fl., das Speisgländer für 
160 fl., 2 Chorsäulen für 80 fl. und Opfer- und Weihbrunnschalen für 45 fl., zusammen 1635 fl. 
FranzHitzlfür2 bedete Engl zu dem Hochaltar 24 fl, für 6 große Leuchter 2^j^ hoch 33 fl, 2 Leuchter 
2' hoch 8 fl., für 2 Postamenter für den Tabernakel und den erhabenen Namen, 2 Kreuze mit Strahlen 
16 fl, für 6 Leuchter 2' hoch 24 fl und im Jahre 1810: auf den Tabernakel ein Lamb mit dem Buch 
mit die 7 Sigill und 2 Vasi 10 fl. Jacob Müller, bürgerlicher Maler, vergoldet und faßt 2 Capitäle 
und Schafgesimbse 2 fl 36 kr, ein Crucifix nach der Natur und vergoldet das Scheint 1 fl, dann die 
2 Rahmen für die Altarbilder 72 fl, endlich 4 Lorbeergehänge 1 fl 12 kr. Tuche vergoldet eine Ver- 
zierung im obern Fries, 2 Wappen und einen großen Schein mit dem Auge Gottes 32 fl. Johann Georg 
Moesle (aus Neumarkt bei Salzburg), Buchhändler in Wien, kauft bei Herrn Bing auf Rechnung St. Peters 
das Gemälde des hl. Florian um 90 fl. und sandte es nach Salzburg (rechtes Seitenaltarbild). 
Die Creuzigung Christi unterzogen, den Saft gegeben und ausgebessert 25 fl 45 kr, die Stäbe bei dem 
Ölberg, Geißlung, Krönung und Kreuztragung mit Feingold 15 fl 36 kr, die Krönung neugemahlen 36 fl, 
Buzen des Ölbergs und Geißlung, St. Florian unten und oben hinausgemalt 6 fl. 

Xaver HornOck, bgl. Mahler. 

Leonhard Sauer, Orgel- und Instrumentenmacher in Reichenhall, liefert 1809 die Orgel. Bartlmä 
Lehn er (Lachner), Schreinermeister in Schellenberg, erhielt für die Kirchenstühle 45 fl, für einen 
Sakristeikasten mit sechs Schubladen 8 fl. 35 kr. (5 Diehrl sind mit Silberfarb angestrichen). 
Die Glocken goß Johann Oberascher; eine im Gewichte von 2 q wird 1809 vom Schlosse Piain 
hierher gebracht. 

1813 wird um die Aufstellung eines Kieuzweges angesucht. Die 5 großen Bilder, des Leidens Christi 
vorstellend, womit der f Prälat der Kirche zu Grödig eine Schankung gemacht hat sind nach dem Urteil 
der Kenner solche Meisterstücke, die von dem Pinsel eines jeden Malers nicht so leicht erreicht werden 
können. Da zu besorgen ist, dass durch die Einführung des Kreuzwegs mit 15 neuen Kreuzwegtafeln 
die schön gezierte Kirche nur verunstaltet werden dürfte, so ist zu überlegen, ob die Andacht nicht auch 
bei den 5 Bildern verrichtet werden könnte — eine Äußerung, die nicht nur den josefinischen Geist des 
betreffenden Konsistorialrates verrät, sondern auch den Beifall über die im Geschmacke der Zeit vor- 
genommene prächtige Ausstattung und Einrichtung dieser Kirche, die auch heute noch als Musterbeispiel 
dieser wenig baufrohen Zeit dienen kann. Mit Dekret vom 25. März wird die Aufstellung eines Kreuz- 
weges aber doch bewilligt, allerdings mit dem Vorbehalt, daß die Kirche nicht verunstaltet wird. 1814 
waren die Seitenaltäre noch ohne Reliquien. 
Am 18. Oktober 1837 weihte Erzbischof Friedrich die Kirche ein. 
Der Turm wurde 1872 in seine heutige Gestalt gebracht; der Umbau kostete 8088 fl. 
Charakte- Charakteristik: An das im Kern noch romanische (ursprünglich flachgedeckte) Langhaus wurde 
1513-^1523 ein geräumiger gotischer Chor angebaut. Der ursprünglich niedrige romanische Südturm 
wurde 1686 beträchtlich erhöht und erhielt 1872 noch ein Obergeschoß. Nach dem Brande von 1805 
7-urde die Kirche neu eingewölbt, durch ein Seitenschiff vergrößert und mit hübschen Stukkaturen von 
Pe.c; ?:;f.uder geschmückt (Fig. 109 — 111). 

Äußeres (Fig. 109): 

Bruchstein und Ziegel, glatte Wände, verputzt und gelb gefärbelt. 

Langhaus: W. Breite Dreiecksgiebelfront mit breiter Stützmauer in der Mitte. In der nördlichen 
Hälfte vorgelagert Anbau 1. Oben kleines flachbogiges Bodenfenster. — S. Links flachbogige Tür, da- 



ristik. 



Grödig 



113 



neben marmorne Weihwasserschale, rechts zwei große rundbogige Fenster. — N. Drei große rundbogige 
Fenster, beiderseits Stützmauern. An den beiden Langseiten hölzerne Hohlkehigesimse. — Hohes Schindel- 
satteldach. 



Chor: S. Durch Turm und Sakristei verbaut. — O. und N. Hoher Sockel aus Konglomeratstein. Fünf 

dreifach abgestufte Strebepfeiler, oben und unten rechteckig, in der Mitte dreikantig vorspringend; oben 

abgepultet, über der ersten Stufe Hohlkehigesims, über der zweiten Kaffgesims, um den 

ganzen Chor herumlaufend. Drei spitzbogige Fenster, eines im O. ist vermauert. Ar 

der Ostseite über dem Sockel, in einen Quader eingemeißelt, ein merkwürdiges, 20 cm 

hohes Zeichen (s. nebenstehend). — Als Abschluß umlaufendes steinernes und darüber 

noch hölzernes Hohlkehlgesims. Schindelsatteldach, nach O. abgewalmt. 



Chor. 



i a-8 




Fig. 109 Grödig, Pfarrkirche von Südosten (S. 112) 

Turm: Im S. des Chores. Fünfgeschossiger quadratischer Hauptteil, durch modernen Rundbogenfries 
abgeschlossen, darüber einspringendes modernes achtseitiges Glockengeschoß. W. Unten durch das Lang- 
haus verbaut. — S. In den fünf Geschossen übereinander: Kleine Tür mit oblongem Oberlichtfenster, 
schmale Luke, schmale rundbogige Luke, renoviertes, gekuppeltes, romanisches Doppelbogenfenster mit 
Mittelstütze, darüber modernes pseudoromanisches Doppelbogenfenster. — O. Unten Sakristeianbau. 
Darüber romanisches Doppelbogenfenster (renoviert) und Luke. — N. Oben Luke. Im modernen Glocken- 
geschosse vier spitzbogige Fenster mit modernen Maßwerken. Achtseitiger spitzer Schieferhelm mit 
vergoldetem Knauf und Kreuz. 

Anbauten: 1. Moderne gotisierende Vorhalle im W. des Langhauses. 

2. Sakristei im S. des Chores, einstöckig. Im S. und O. je zwei oblonge Fenster übereinander. Schindelpultdach. 

Fried hofmauer: Bruchstein. Im S. einfaches Tor mit eisernem Gitter. 1908 wurde der Friedhof er- 
weitert und an der Nordseite das Leichenhaus gebaut. 

Inneres (Fig. HO, 111): 

Weiß gefärbelt. Schöne Stukkaturen von Franz Pf 1 ander in Salzburg, 1808. 

Langhaus: Saalartiges Hauptschiff, schmäleres und niedrigeres Seitenschiff im S., mit ersterem durch 
,drei Rundbogenöffnungen verbunden. An den beiden Langwänden des Hauptschiffes je zwei flache 
;Pilaster mit schönen ionischen Stuckkapitälen, darüber Gebälk mit glattem Fries und bemaltem Gesims 

XI 15 



Turm. 



Anbauten. 

Friedhof- 
mauer. 

Inneres. 
Fig. 110, 111. 

Langhaus. 



114 



öerichtsbczirk Salzburg 



(1808). Schwach gewölbte Decke mit guter Stuckgliederung von 1808: in der Mitte die Taube im 
Strahlenkranz, umgeben von einem großen ovalen Lorbeerkranzrahmen. In den sechs Feldern darum! 
herum stukkierte Zweige und Kränze mit Bändern. Auch die drei rundbogigen Fenster im N. sind vonj 
Empirestuckrahmen umgeben. Im W. über der flachbogigen, um zwei Stufen erhöhten Eingangstür die 
Musikempore (Holz mit Stucküberzug); vorspringender Mittelteil und flacher Boden, der von zwei 
auf prismatischen Postamenten stehenden modernen toskanischen Säulen aus Untersberger Marmor 
gestützt wird. An der Brüstung drei stukkierte Rosetten und zwei Musikembleme. Im W. breiter rund- 
bogiger Triumphbogen, darüber in Stuck das Doppelwappen des Stiftes St. Peter und des Abtes Domi- 
nikus Hagenauer mit der Jahreszahl 1808. — Das Seitenschiff hat ein rundbogiges Tonnengewölbe mit 
drei Paaren von rundbogigen Stichkappen. Im W. hölzerne Aufgangsstiege zur Musikempore. — Drei 
Weihwassermuschelschalen aus gelbem Marmor. 




Fig. 110 Grödig, Pfarrkirclie, Grundriß 1 : 200 (S. 113) 



Chor. 



Fig. 112. 



Turm. 



::iKn^t-.;;. 



itii.ir 



Chor: Etwas höher und schmäler als das Hauptschiff, Boden um zwei Stufen (aus rotem Marmor) erhöht 
Das ursprünglich gotische, 1808 erneuerte Gewölbe (von 1523) wird von sieben ganzen und zwei halben 
spitzbogigen Stichkappen eingeschnitten. Es hat eine hübsche Stuckdekoration von Peter 
Pflauder (1808) (Fig. 112): Namen Jesu, Rosette, Auge Gottes; acht ovale Medaillons mit den Halb- 
figuren der Kirchenväter und der Evangelisten in Relief, darüber Bandschleifen, darunter gekreuzte 
Zweige; vier von Zweigen umrahmte Ovalmedaillons mit liturgischen Emblemen. Um die vier rund- 
bogigen Fenster (das südliche geht in die Sakristei) Stuckrahmen von 1808; moderne ornamentale Glas- 
malereien. Im S. kleine steingerahmte Rundbogentür zur Turmhalle, darüber, von einfachen Konsolen 
gestützt, rechteckiger balkonartiger Kanzelgang (Holz mit Stucküberzug) mit drei Stuckrosetten (1808), 
durch eine spitzbogige gotische Tür vom Obergeschosse der Sakristei aus zugänglich. 
Schöne dreiteilige Balustrade (Kommunionbank) aus rotem Marmor niit Balustern aus hellgelbem 
Marmor, von Anton Högler in Salzburg, 1808. 

Turm: Die untere Halle hat ein gratiges Kreuzgewölbe; die vier Türen stehen in flachbogigen Nischen. 
Im ersten Geschosse führt im W. eine kleine rechteckige Tür auf den Dachboden des Seitenschiffes, eine 
zweite im N. auf den des Chores (alt). Im dritten Geschoß im W. eine vermauerte Luke; ein Beweis, 
daß der Turm hier ursprünglich schon frei stand. Im vierten Geschoß im W. ein vermauertes romanisches 
Doppelbogenfenster, dessen Säule durch eine Holzstütze ersetzt ist. 

oakrir-toi: In beiden Geschossen flach gedeckt. 

Einrichtung: 
Altäre: 1. Hochaltar. Gelblichroter und dunkelroter Untersberger Marmor. Auf zwei Stufen lange 
Men&a. angelchr.t an eire übermannshohe Wand, die seitlich von zwei Türen durchbrochen ist. Seitlich 



Qrödig 



115 



neben der Mensa die Wappen des Stiftes St. Peter und des Abtes Dominikus Hagenauer, Holz, vergoldet. 
In der Mitte eingebautes Tabernakel mit zwei Säulchen und Kruzifix. In dem aus grauem Marmor be- 
stehenden Wandteile daneben in je drei Feldern applizierte Embleme, Holz, vergoldet (Fruchtgehänge 
mit Cherubsköpfchen, Kreuz und Anker, Kelch auf Meßbuch, von Reben umrahmt). 

Über dem Tabernakel moderne Marienstatue, über den Seitendurchgängen die Statuen zweier Engel 
mit Weihrauchfässern (Holz, neu gefaßt); sehr gute Arbeiten, wohl vom Hochaltar von 1617 (Andreas 
Fern egger). 

Auf der Rückseite, ober der Tür der Epistelseite, die eingemeißelte Inschrift: Gemacht worden von Anton 
Högler bürgt. Steinmetzmeister in Salzburg aTio 1809. Aufgesetzt worden von Sebastian Högler. 
An der Rückwand des Chorschlusses auf gemauertem Unterbaue das Altarbild in einem gelben JHarmor- 
rahmen, flankiert von zwei Säulen mit vergoldeten Kompositkapitälen, oben gerades Gesims; darauf 
Auge Gottes und zwei anbetende Putten (Holz, polychromiert). Altarbild: Die Verkündigung. Von links 




Fig. 111 Orödig, Pfarrkirche, Inneres (S. 113) 



schreitet der Engel heran, in der gesenkten Rechten eine Lilie haltend, mit der erhobenen Linken zur 

Taube zeigend. Rechts kniet Maria, den Kopf zu Gabriel zurückwendend. Oben, um die Taube, Putti 

und Cherubsköpfe. Signiert: A. Nesselt hale r Pinx. 1808. Gute Arbeit. 

Neben dem Bilde auf Marmorpostamenten die überlebensgroßen Statuen der hl. Anna und des hl. Joachim; 

mittelmäßige Arbeiten des XVlll. Jhs. Sie kamen 1838 aus dem Kreuzgang des Stiftes St. Peter hieher 

und sind zwei umgearbeitete Prophetenstatuen (!). 

Der Marmoraufbau stammt von Johann Högler, die Schnitzarbeiten von Franz Hitzl, 1808 1809. 

'Zwei Seitenaltäre aus verschiedenfarbigem Marmor, vom Jahre 1808. Über der Mensa hohe Predella 
mit kleinem Tabernakel, darauf Altarbild, ähnlich umrahmt wie am Hochaltar; oben vergoldetes Holz- 
kreuz. Auf den Tabernakeln je ein kleines Holzkruzifix. 

B. Linker Seitenaltar. Altarbild: Der hl. Josef, auf Wolken kniend, das Christkind anbetend; Engel. 
"Von Franz Streicher, 1808; schlecht übermalt. 

I 

5. Rechter Seitenaltar. Altarbild: Der hl. Florian, auf Wolken kniend. Ein Engel gießt auf seine 
'ürbitte hin Wasser auf ein brennendes Haus. Unten flehende Menschen. Sehr gutes österreichisches 
3ild in der Art des Kremser Schmidt, um 1770 (s. S. 111). 
3ie Marmorarbeiten lieferte Johann Högler, die Schnitzereien Franz Hitzl, 1808/09. 

15* 



Seitenaltäre. 



Linker 
Seitenaltar. 

Rechter 
Seitenaltar. 



116 



Oerichtsbezirk Salzburg 



Kanzel. Kanzel: An der Südseite des Triumphbogens, Holz mit Stucküberzug. Am Ablaufe Palmettenkelch, 
an der Brüstung zwei Rosetten und Buch mit Lorbeerzweigen, in Stuck. Am Schalldeckel unten die Taube 
(Holz, versilbert), oben die Gesetzestafeln. Um 1808. 

Taufstein. Tauf stein: Untersberger Marmor, einfach, kelchförmig. 1883. 

Ampel. Ampel: Messingblech, getrieben, versilbert, reich verziert. Empire, um 1808. 

Orgel. Orgel: Dreiteiliges Gehäuse mit geschnitzten vergoldeten Verzierungen und dem Wappen des Stiftes 

St. Peter. Um 1840. 

Kirchenbänke. Kirchenbänke: Einfach geschnitzte Empirewangen; von Barthlmä Lehner in Schellenberg, 1808. 

Gemälde. Gemälde: In Stuckrahmen in die Wände eingelassen, Öl auf Leinwand. 1. Im Chor. Tod des hl. Benedikt. 
Mittelmäßig, Ende des XVII. Jhs. 

2—6. Seitenschiff. 2. Großes Bild der Kreuzigung. Mittelmäßig, XVIII. Jh. — 3. Christus und der Engel 
am Ölberg und 4. Geißelung Christi. Beide von derselben Hand. Gut, Mitte des XVIII. Jhs. — 5. Dornen- 




Fig. 112 Qrödig, Pfarrkirche. Stukkaturen am Chorgewölbe von Peter Pflauder, 1808 (S. 114) 



Holz- 
skuloturen. 



iMoiistraiiz. 



krönung und Verspottung Christi. Mittelmäßig, XVIII. Jh. — 6. Christus bei der Kreuztragung und die 
Frauen. Mittelgut, Anfang des XVIII. Jhs. Diese Bilder (die fünf Geheimnisse des schmerzhaften Rosen- 
kranzes darstellend) stammen aus dem Stifte St. Peter. 

7. Beweinung Christi, schwach, in schönem klassizistischem Rahmen. Um 1800. 

8. Vierzehn schwache Kreuzwegbilder von Jaud, 1813. 

Holzskulpturen: Polychromiert. 1. In der Vorhalle. Statue der sitzenden Mutter Gottes mit dem 
Jesusknaben auf dem Schöße. Gute Arbeit, Mitte des XVII. Jhs. . 

2. Statuette des auferstandenen Christus. Schwach, XVIII. Jh. 

3. Christus an der Geißelsäule. Schwach, XVIIL Jh. 

4. Wandkruzifix im Seitenschiffe. XVIII. Jh. 

5. S'Eitue des auferstandenen Christus. Anfang des XIX. Jhs. 

?. Statuetten der vier Evangelisten, versilbert. Gering, Anfang des XIX. Jhs. 

7. Kicine;. Wr.ndkruzifix im Chor. Anfang des XIX. Jhs. 

Aus Grödig stammt auch die Pietä, die jetzt in der Hl.-Geist-Kapelle in St. Peter aufgestellt ist, eine 

sehr gute Arbeit des XVIII. Jhs., neu gefaßt. 

Monstranz: Silber, vergoldet, mit getriebenen Verzierungen und unechten Steinen. Doppelter Schein, 
mit den getriebenen Relieffiguren von Gott -Vater, Taube, Verkündigung, zwei Cherubsköpfchen; dahinter 



Grödig 



117 



vergoldeter Strahlenkranz. Unter der Lunula ein Cherubsköpfchen. — Marken: Aiigsburger Beschau mit 
D (1739—1741; R^ 183). Meisterzeichen: SD (R^ 542). Gute Arbeit von Salomon Dreyer in Augs- 
burg, 1740. 

Ziborium: Silber, vergoldet. Reich verziert mit getriebenen Rocaillen und Blumen am Fuß, Knauf und Ziborium. 
Cuppakorb. Über dem Deckel vergoldete Kupferkrone. — Marken: Augsburger Beschauzeichen mit Z 
(1779—1780; R- 217). Meisterzeichen: CXS (R'^ 568). Gute Arbeit von Caspar Xaver Stipeldey 
in Augsburg, 1780. 

Kelche: Alle Silber, vergoldet. 1. Sechspaßförmiger Fuß und Knauf, glatte Cuppa. — ^^wk Kelclic. 

Marken: Salzburger Beschau (S in Oval). Meisterzeichen: P M in Breitoval. Arbeit des Paul J^^| 
Mayr in Salzburg (Bürger seit 1636) um 1650. *••' 

2. Mehrfach geschwungener Fuß mit gewelltem Umrisse, sechsseitiger Knauf, glatte Cuppa. — Marken: 
Augsburger Beschau mit K (1751 — 1753; R- 193). Meisterzeichen: j , o '" Dreipaß (R^ 545). Augsburger 

Arbeit, um 1752, von Johann Jakob Schoap oder Josef Ignaz Saler. 

3. Fuß, dreiseitiger Knauf und Cuppakorb schön verziert, mit getriebenen Rokokoornamenten, Ähren, 
Rosen und Trauben. — Marken: Augsburger Beschau mit W (1773 — 1775; R^ 213). Meisterzeichen: lAS 
in breitovalem Felde. Gute Augsburger Arbeit, um 1774. 

Kreuzpartikelmonstranz: Messing, vergoldet und versilbert, mit getriebenen Verzierungen und Kreuzpartikei- 
unechten Steinen. Einfach, XVIII. Jh. monstranz. 

Wetterkreuz: Messing, vergoldet, mit appliziertem silbernem Kruzifixus und Rosetten. Einfach, XVIII. Jh. Wetterkreuz. 

Lavabo: Zinn; ohne Marke. XVIII. Jh. Lavabo. 

Pitsche: Zinn, sechseckig, mit Einschraubdeckel. XVIII. Jh. Pitsclie. 

Kasein: 1. Weiße Seide mit goldgevvebtem Arabeskenmuster. Kasein. 

2. Rote Seide mit buntem Blumenmuster, gewebt. 

3. Weiße Seide mit großblumigem buntem Muster, gewebt. 

4. Rosafarbige Seide mit buntem Blumenmuster, gewebt. — Alle Anfang des XIX. Jhs. 

In den Besitz der Kirche gehört auch ein A n t e p e n d i u m des XVII. Jhs., das gegenwärtig in St. Peter Antependium. 
aufbewahrt wird. 

Opfertassen: Drei breite Untertassen für Opferkännchen, Zinn. — Marken: a) S. W. FEINZINN, Opfertassen, 
darüber Krone; FRANZ SCHMIDT (Radinoer Taf. III 22, 24); b) Links dreitürmiges Tor, darunter 7775, 
rechts Auge Gottes, darunter SALZB. (Radingf.r Taf. II 33). Arbeit des Stefan Platzer (1773—1791). 

Eine getriebene silberne Opfertasse des XVIII. Jhs. ist derzeit in St. Peter in Salzburg zur Aufbewahrung. 

Kruzifix: Schwarzes Holz, Christus aus Zinn. XVIII. Jh. Kruzifix. 

Opfersammeikasten: Holz, darauf kleine Madonnenstatuette. XVII. Jh. Opferkasten. 

Leuchter: 1. Vier kleine Leuchter von Gürtlerarbeit, Messingblech, versilbert, dreifüßig, mit getriebenen Leuchter, 
buschigen Akanthusranken und je drei Cherubsköpfchen. Ende des XVII. Jhs. 

2. Sechs große Leuchter, Holz, vergoldet. Anfang des XVIII. Jhs. 

3. Acht geschnitzte Seitenaltarleuchter, Holz, goldbronziert. Um 1730. 

4. Sechs große Rokokoleuchter, Messingblech, versilbert, mit getriebenen Verzierungen. 1754 (s. Gesch.). 

5. Sechs große Empireleuchter, Holz, goldbronziert. Von Franz Hitzl, 1808. 

Großer Osterkerzenleuchter, Messingblech, versilbert, getrieben, dreifüßig, mit buschigen Akanthusranken 

und drei Cherubsköpfen. Ende des XVII. Jhs. 

Vier Empire-Flammenurnen, Holz, versilbert. Um 1808. 

Grabsteine: Im Seitenschiff. Untersberger Marmor. 1. Pyramide. Franz Pichler, Candidat der Rechte, Grabsteine, 
abgestürzt vom Untersberge, 1779. 

2. Ahnlich. Vinzenz Rudolf Paar, Diener des Staats bei dem Justiz-Amte in Salzburg, 1783 — 1801. 

3. Pyramide. Franz Paul von Storch, Medizinalrat und Badearzt in Gastein, 1763 — 1838. 

Glocken: Drei größere mit der Inschrift: Joh. Oberascher goss mich in Salzburg 1811; eine kleine Glocken, 
von Oberascher in Salzburg 1862. 

P f a r r h f. PfarrhoL 

Den 4. September 1626 (vgl. oben) Hansen Mayr von Gredig wegen zu dem Pfarrhof aldort gebrachten 

Stain ain Auszug bezalt. 

dto M. Fabian Angerer, Zimmermaister, in Abschlag seines Gedings den Pfarrhof zu Gredig betr. 30 fl 

(Abteirechnungen von St. Peter). 

1791 wird der Pfarrhof Grödig inwendig fast ganz neu gebaut, es werden steinerne Stiegen usw. um 

755 fl. 43 kr. gemacht. 



118 



Gerichtsbezirk Salzburg 




Fig. 113 Qroßgmain, Gesamtansicht von der Ruine Piain aus (S. 124) 



Großgmain, Dorf 

Archivalien: Konsistorialarchiv. - Pfarrarchiv (Kirchenrechnungen seit 1671). — SRA (Kreisaint, H. 11). 

Literatur: Feuchtnf.r Gaudenz, Glaubwürdiger Bericht von dem Ursprung und Alterthumc der allgem. Qnadenmutter Maria auf 
der Gmain (S.ilzburg 1875). — Hübner, Flachland 133. — Piixwein, Salzachkreis 359. — Dürlinger, Handbuch 104. — 
Myrtenreiser, Festgabe zur achten Säculärfeier 1878. — Reitlechner, Marianisches Salzburg 78. 

Über die Tafelbilder: Pillwein, Salzachkrcis 359. — Sighart, Mittelalterliche Kunst (1858) 171. — Sighart in Bavaria I (1860) 
270. — Derselbe, Geschichte der bildenden Künste in Bayern 1863, 581. — Gg. Petzolt, Temperamalereien in der Kirche 
zu Großgmain, in Deutsches Kunstblatt 1852, 75. — G. Dahlke, Bartholomäus Zeitblom und die Flügelgemälde zu Groß- 
gmain, in Repertorium für Kunstwissenschaft IV (1881) 344. — Stiassny, Altsalzburger Tafelbilder, in Jahrbuch der Kunst- 
sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses XXIV (1903) 64. — Otto Fischer, Die altdeutsche Malerei in Salzburg 
(Leipzig 1908) 112 f. — Stiassny, Studien zur Altsalzburger Malerei, Repertorium für Kunstwissenschaft 1911, 315. 

Alte Ansicht: Stich von Fischbach-Huber, um 1850. 

Schon unter Herzog Theodbert (nach 700) werden Zinspflichtige der Salzburger Kirche in Mona genannt (HAUTHALER, 
U.-B. 1, 14 und 23). Auch in der Folge wird der Ort als Mnona, Man, Muono noch öfter genannt. Der Name Groß- 
gmain ist Jungen Datums. 



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-1, 



•irche zu Unserer Lieben Frau. 

Z5zbis:':of Konrad I. errichtete bei der Pfarre Reichenhall 1136 die Augustinerchorherrenpropstei St. Zeno. 
Z;. oieser Plans gehörte, wie wir der Bestätigung des Papstes Lucius II. von 1144 April 5. (Mon. Boic. 3, 
530) entnehiTien; auch die capella s. Marie Muona. Bis 1807, in welchem Jahre Großgmain zur Pfarre 
crüoben wurde, war es von St. Zeno aus excurrendo versehen worden. Laut der noch vorhandenen In- 
schriiten (s. u.) baute Erzbiscbof Leonhard v. Keutschach an der Kirche und die am 14. Juli 1520 von 



I 



Großgtnain 119 



Bischof Berthold Pürstinger von Chiemsee vorgenommene Weihe zweier Seitenaltäre') kann als Abschluß 
der Bautätigkeit angesehen werden. Die Beteiligung des Erzbischofs an dieser dem Stifte St. Zeno in- 
korporierten Kirche erklärt sich daraus, daß Großgmain damals der marianische Wallfahrtsort des Flach- 
landes und der Nachbargaue war. 1572 z. B. kirchfahrtet Erzbischof Johann Jakob auf die Gmain, wobei 
er das Mittagmahl auf aigne Spesa im Clostr St. Zeno nimmt und am 12. Juli 1617 unternimmt die 
Salzburger Corporis-Christi-Bruderschaft wegen der aldort beschechnen vilfältigen und sich aus der 
Genaden Gottes noch täglich furtragundten Wunderzeichen ebenfalls eine Wallfahrt nach Großmain. 
Johann Stainhauser, der in seinen „Denkwürdigkeiten der Regierung des Erzbischofs Marcus Sitticus" 
(Bd. 4 f. 141') dies notiert, schrieb, wie er bei dieser Gelegenheit bemerkt, selbst ein sonderbares Buech- 
lein über diese Wunder. Gegenstand der Verehrung war nicht nur die Erzbischof Thiemo zugeschriebene 
Marienstatue, „die von einem marmornen Brunnengestelle in das Schloß Piain und von diesem in die 
Kirche kam" (Hübner), sondern auch die Gruppe der hl. Dreifaltigkeit (s. u.). 1539 wurde das Gnaden- 
bild auf einen eigenen Altar übersetzt. 

Aus den Akten und Rechnungen sind wir über die Beschaffung der Einrichtung verhältnismäßig gut 
unterrichtet, nur über den alten gotischen Hochaltar und die Tafelbilder waren keine archivalischen 
Nachrichten zu ermitteln. 

1623 erforderte die Aufstellung eines Tabernakels und die Umstellung der Altäre viel Überlegung^). 
1626 haben der Erzbischof und die Visitatoren etliche Ungelegenheiten befunden und die Translation des 
Tabernacls, die Renovatlo altaris devotionis, so hinder dem Choraltar, ferner eiserne Gatter zur besseren 
Sicherung, Abbrechung der 2 Altäre, so hinten bei der Kirchtür unter der Empore und Einverleibung 
derselben in den Chor anbefohlen. Hans Walpurger macht aus Anfriemung des Herrn Paumeisters 
(Solari) zu einem Tabernagel auf die Geniain 7 Pildtlein und 2 Frichtkrieg um 51 fl. Auf eine Anfrage, 
was mit dem alten (gotischen) Tabernakel, so noch in der Seitenmauer unverletzt stehet, auch von vielen 
noch angebett wirdt, ergeht der Befehl, das alte Tabernakel zu vermauern und zu verstreichen. 
Für das Tabernakel, das unter Oberleitung des hochfürstlichen Bauschreibers Jacob Perger ausgeführt 
wurde, hatte Johann Faistenauer, Mahler und Reiser zu Berchtesgaden, 1624 zwei Visiere für 
8 fl. gemacht. 

1646 wurde ein Geding mit Meister Martin Pfenninger, Steinmetz, umb einen marmorsteinern 
Grandt, ein Stuck zu dem Prunn negst bey U. L. Frauen Kirchen auf der Gmain bestehend aus 4 Stuck 
so in den Poden gelegt werden, 4 Seitenwendt, 4 Calaunen, ein stein. Stocksaul 4' hoch, 4 Stapf l, 
Prunnstuben 8' in der Vierung 3' 3" tief um 250 fl. gemacht. 
1668 Hans Caspar Ainhorn, Goldschmied in Salzburg, für 2 Altarleuchter von Silber per 24 Mark 

398 fl. 
1672 Dem Christof Egedacher für eine Orgel 252 fl. Georg Pamber, Bilthauer zu Reichen- 
hall wegen gemachten Todtencreiz mit einem Crucifix, St. Johannes- und Maria Bildt 5 fl. 

1674 wird eine neue Sakristei gebaut. — Christian Gernthaler, Ratsbürger und Maler zu Reichen- 
hall wegen Mahlung des hangenden Mariabildt 1 fl. 15 kr. 

1675 Andre Doppler, Steinmetz und Maurer zu Viehhausen, wegen Macliung eines Steinwerchs zu 
der Sakristei 36 fl. — Hans Georg Stadler, Bürger und Tischler zu Reichenhall, um den 
gemachten Tabernakl 19 fl. N. Bildhauer in Salzburg für dessen beim Tabernakl gehabte Arbeit 
15 fl. — Christian Gernthaler, Maler, für beim Tabernakl und in anderweg gemachte 
Arbeit 39 fl. 42 kr. Für ein gemahlnes Blatt ausgeben 3 fl. 

') Consecrata sunt duo altaria in ecclesia parrochiali beate Marie virginis auf der Gmain; primum in dextro totere in 
honore ss. martyrum Achatii, Erasmi et Dionysii, alterum in sinistro latere in honore ss. confessorum Leonhardi, Rudberti 
ei Virgilii. 

') Propst Georg von St. Zeno gab am 16. Juni 1623 das Gutachten ab: Sonsten wann doch das Tabeniacl übersetzt wird, 
wollen etliche Pauverstendige ftlr ratsam, nutz und zierlich erachten, wann der Hochaltar sambt der darhinte r 
Stehenten Seilen abgetragen, besser (doch ganz frey) zurück und der ain mitter sambt dem hintern U- L. Frauen 
Altar nach der Seiten zesetzen gdgst consentirt würde. 



120 Gerichtsbezirk Salzburg 

1676 (?) Hans Caspar Ainhorn, Goldschmied in Salzburg, für 4 Bilder von Silber 304 fl. 41 kr. und 

ein Opferböckl 35 11. 
1679 Hans Kaspar Baldauf f, Kunsttischler in Reichenhall, für ein Fahnenkreuz 1 fl. 54 kr. 

1682 Franz Conrad JV\arschandt, Goldarbeiter in Salzburg, umb aus alten dargebnen Gold und 
silbernen Dingen U. L. Frau zugerichte und gemachte neue Cron 80 fl. 36 kr. 

1683 dto. für einen neu eingetauschten Kelch Daraufgabe 52 fl. — Johann Schwaiger, Bildhauer- 
gsöllen zu Reichenhall, umb geschnitzte 4 neue Altarleuchter 16 fl. 

1686 Hans Georg Stadler, Tischler, umb zu dem neuen Tabernakl gethane Arbeit 19 fl. — Johann 
Schwaiger, Bildhauer, umb zu dem Tabernakl underschidlich gemachte Sachen 32 fl, dem Maler 
Pöck zu Reichenhall, für Mach- und Verfassung des ganz neuen Tabernakls 93 fl. 

1688 Christian Gernthaler, Maler zu Reichenhall, umb dass er 10 uralte Stuck und ain Jedweders 
sambt dessen absonderlichen Lobgeschicliten und Miraculn von neuem gemalen 35 fl. 53 kr. — 
Johann Schwaiger für Leuchter und Maykrieg 10 fl. 30 kr. 

1689 dto. für 2 paar saubere Leichter mit Zierrathen und Lauber auf die silbere Art zu schneiden 
10 fl. — Martin Pöck, Maler in Reichenhall, für die mit gutem Feingold und Silber vergolt und 
gefasste 2 Wandlstangen und darauf geschnittne 2 Engl 10 fl. 

1691 für einen neuen silbernen und ganz vergolten Kelch 11 fl. 14 kr. 

1692 Für den neuen Prunn 98 ß. 21 kr. 

1693 legt Andreas Doppler, Steinmetz in Viehhausen, einen Überschlag vor für das Postament 
und U. L. Frau doppleten oder zwayen Haubtseithen stehente Biltnus sambt der Säullen 40' hoch 
bei Abtrag des alten und Verbesserung der Staffeln, der sich auf 344 fl. 18 kr. beziffert und der 
am 3. April 1693 vom Konsistorium bewilligt wird. Laut Reclmung bezog Doppler 409 fl. 26 kr. 
Jphann Schwaiger, Bildhauer in Reichenhall, (für die Brunnenfigur selbst) 162 fl. — Josef 
Norbert Blumb, Maler, für die ausgemachte (!) Hütten 51 fl. 30 kr. 

1697 Franz Sanz, Goldschmied in Reichenhall, wegen Bcschlagnus eines Messbueclis mit Silber 17 fl. 

30 kr. — Martin Pöck, wegen Renovierung 14 Blätter miraculoser Bilder 12 fl. 50 kr. — dto. 

wegen Malung einer großen Dafl unter dem Gloggthurm 13 fL 30 kr. 
1702 Jeremias Sauter für Machung einer neuer Uhr 374 fl. 
1705 Zu Erkauf ung zweier von weichem Kupfer und übersilberte Engl mit 2 Opfersdialln sambt 2 Opfer- 

kändl und einen Fürhang von Cardis 30 fl. 

1707 wird die „Feldkapelle am Kreuzweg" errichtet. 

1708 Hans Edtfelder, Zimmermeister, für Machung der neuen Kirchenstühl 154 fl. 
Christof Khrüner, Tischler, für Machung der Zieraten daran 28 fl. 20 kr. 

1711 Adam Unverdorben, Goldschmied in Salzburg,/«/- 4 neue gemachte Geheng zu U. L. Frau 
23 fl. — Vermag Befelch von 20. März 1711 ist ein neuer Altar (Choraltar) aufzusetzen 
vei williget und derentwegen Georgen Doppler, Steinmetzmeister in Himmelreich, bezalt 
worden 900 fl. — Dem Johann Schwaiger, bürgerlichem Bildhauer in Reichenhall, für zwei 
Bilder aus weißem Marmor 15' hoch ä 60 fl. und ein drittes Bild im Auszug 6' hoch 30 fl., zu- 
sammen 150 fl. — Georg Doppler für zwei Postamente zu den (obigen) Statuen, dann zu 
der andern Kirchtür einen Weihbrunnstein gleich dem andern 150 fl., für eine steinerne Bank zu 
der Kirchtür 7 fl, für 12 steinerne Apostelleuchter 22 fl. — Christof Krüner, Tischler, für 
die neugemachte Kirchtür 7 fl. 20 kr. 

1712 Johann Schwaiger, Bildhauer zu Reichenhall, 50 fl. 

1713 Andreas Esterreich, Bildhauer zu Neuburg (wo?), für 4 saubere Maybisch 21 fl. 36 kr. — 
Johttin Schwaiger, Bildhauer, für zwei Statuen u. a. zu dem neuen Gnadenaltar 126 fl. — 
Georg Bernhard Franzi, Maler, für verschiedene Malerarbeit 32 fl. 40 kr. 

1715 Johaiin Schwaiger, Bildhauer, für eine neue Marienfigur 4 fl. 

1716 Georg Doppler für ein steinernes Gatter zum neuen Altar 215 fl. 



b 



Großgmain 121 



1717 Ferdinand Siegmund Amende, Goldarbeiter in Salzburg, für eine silberne Ampel 148 fl. 8 kr. 

1719 Da die an dem erst vor kurzer Zeit neu, gemaditen marmelsteinern Altar vasst so weiß als die 
gleich hinter bemelten Altar sidi befindende Mauer und daher wöder solche noch das ünadenbild 
recht siditbar oder sauber herauskamt, so wurde ein Spalier von Brocatel 9572 Ellen erworben 
für 230 fl. 

1722 Tobias Khrüner, bürgerlicher Tischler, wegen Machung des Oratorii 55 fl. 45 kr. 

1723 Peter Paul Perwange r, Maler, für Malung von 6 Schildt und Zweig zu Processionen 6 fl. 

1725 Von Francesco Cappellano, einem Italiener, ist ein schwarzes Messgewand mit einem 
solchen Antependio, dann ein blaues Messgewand mit untersdiiedlichen Farben und ein derlei 
Antependium erkauft worden um 100 fl. — Die alt vorhanden gewesten silbernen Opferkändl 
sind gegen derlei neue ausgetauscht und dafür Ferdinand Sigmund Amende gegeben 
worden 29 fl. 

1726 In gleicher Weise wurden die alten zinnernen ausgetauscht und dafür Joh. Michael Wildt, 
Zinngießer in Salzburg, 57 kr. gegeben. — Friedrich(\) Sigmund Amende hat einen Kölch 
mit neuer Manier mit weißen Passionsplattln getribner Arbeit Augsburger Prob um 58 fl. 12 kr. 
hergeben, dafür gegeben die alte und 19 fl. — Desgleichen wird auch die alte, 208 Lot schwere 
Monstranz bei Amende gegen Daraufgabe von 140 fl. ausgetauscht. 

1728 Friedrich Garttner, Maler zu Oh&ihausen, für Übersilberung zweier Leuchter, aucli Machung 
und Versilberung von S Maybisch 22 fl. — Johann Schwaiger, Bildhauer, für Abputzung der 

2 steinernen Bilder St. Rupert und Augustin 3 fl. 30 kr. — dto. für Schnitzung 2 Engl, 4' hoch 
zum Gnadenaltar 12 fl. — Johann Präntl für deren Fassung 21 fl. — Johann Hackl für 
Gießung der kleinsten Glocke 53 fl. 

Die Rechnungen von 1729 bis 1730 fehlen. 

1731 Johann Carl Guetermann von Augsburg umb Ertauscfiung neuer silberner Opferkändl 
10 fl. 15 kr. — Für Abtragung des völligen Gewölbs und Machung eines Schalgewölbs 811 fl. 
40 kr. 

1734 Anton Elsesse r, Maler in Teisendorf, für Fassung eines Kruzifixes 18 fl. — Leopold Ehe- 
gassner, Bildhauer in Reichenhall, umb aine mit 4 Sdinerklen gemachte Kupl und anderes 

3 fl. 10 kr. 

1734 wird bewilligt, dass die 2 schlechten und kleinen hölzernen Seitenaltäre, weilten ermelte 
Altäre an die Mauer zu verendern sein, neugemadit und das Oratorium über die Sakristey 
gebaut werde. — Die Überschläge des Georg Doppler von Himmelreich wegen der Altäre 
belaufen sich auf 360 fl, die des Hofmaurermeisters Tobias Kendler wegen des Oratoriums 
auf 183 fl. 

Den Originalquittungen entnehmen wir: 

1734 Wegen von Stockerthorarbeith gemachte obere und untere Parkürdien, zway Oratoria, Kürchen- 
porthall und Laubwerdi an den 2 Seitenaltären 51 fl. Michael Vierthaler, Stockhertorer. 

Den 13. Decembris 1734 zu Salzburg. 
Ich Endsbenender bekhene hiemit, dass ich von Ihro Hodiwürden Herrn Pfarrer Oelasius Drauner 
vor zwey Altarblöther sanibt zwey Oberbläthl zu dem hochlöbl. Gottshaus auf die Gemaine 
hundertundsiebzig sage fl. 170 vor die völlige Bezallung richtig empfangen habe, bezeigt mit eigener 
Handschrift Jacob Zanusi, Pittore di Cortee. 

1735 Johann Enzinger, Steinmetz am Ulrichhögl, für 3 Thürgerichter, 20 Stiegenstaffl und 6 Fenster- 
penk etc. 73 fl. 

1736 Johann Georg Hölger, Schlosser zu Reichenhall, für Gätterarbeit 225 fl. — Ignati Vier- 
thaler, Stockherthorer, vor Ausmahlung des Kirchenportals und 2 Oratorien 2 fl. 

1736 wurden von Tischler Johann Georg Langmayr in Waging und Maler Peter Paul Per- 
wanger Überschläge von 230 fl. (samt Bildhauerarbeit) beziehungsweise 212 fl. für eine neue 
XI -16 



122 Gerichtsbezirk Salzburg 

Kanzl gleich der andern bereits zierlich hergestellten eingereicht. — Leopold Ehegassner, 
Bildhauer von Reichenhall, für 8 zu den Seitenaltären gemachte Engl und Leuchter 8 fl., dem 
E Isäss er für deren Fassung 21 fl. 
1737 Ratione Putzung der 2 Seitenaltarplatl Jacoben Zanusi, Malern von Salzburg 10 fl. 30 kr. 

1737 Johann Georg Langmayr, Tischler in Waging, für 4 Leuchter, Püschkrieg und die Kanzl in 
Abschlag 135 fl. — Johann Georg Hitzl, bürgerlichem Bildhauer zu Salzburg, zu der Canzl 
oben auf 2 Khindl, die das Creuz halten, auf der Khugel 2 Engelsköpf sambt dem Gwilk, auf 
denen Schnirglen auf der Cancelli 4 Kindel sambt drei Instrumänten, hinten an der Tir den Baster 
Vonus (Pastor bonus) fladi geschnitten, inwentig an dem Cancel dachet den hl. Geist, sambt den 
Schein und Gwilk, auf der Cancel den Armb und Crucifix, an der Cancel herumb 3 Basseriolef, 
unten herum 4 Engelsköpf 90 fl. — Peter Paul Perwanger für Fassung der Kanzel 345 fl. 

1738 war der Kirchenbau vollendet, der 11.388 fL kostete. Die Separatrechnungen darüber sind leider 
nicht erhalten. 

1738 Peter Paul Perwanger wegen Fassung der Rahmen zu den Seitenaltären und zum Bilde 
des hl. Forerius 18 fl. 

1739 Johann Obwexer, Handelsherrn in Augsburg, für Stoffe zum Himmel und Rauchmantel 60 fl. 

Im gleichen Jahre sucht die Kirchenverwaltung an, es möchte, waßmaßen der alte Hochaltar bey 
Abtragung in solch sdiadhaften und ermoderten Standt befunden worden, dass selbiger nit mehr 
aufgericht werden kann, ein neuer Hochaltar mit Beibehaltung der alten von der Gemeinde und 
Wallfahrern sonderbarlich hochgehaltenen Dreifaltigkeitsbilder durch den Tischler Langmayr in 
Waging um 2070 fl. aufgerichtet werden. Das Konsistorium aber gab dabei zu bedenken, ob nicht 
das auf dem in der forderen tiaubtmauer anlehnenten Altar befindliche Maria Gnadenbild auf 
den neu zu errichtenden und weiters hinfür zu setzenden Hochaltar füglich transferiert werden 
könnte, folgend der fordere Altar gänzlich abgebrochen und etwo anderweitig hin appliziert werden 
könne. Hierzu machte die Kirchenvorstehung geltend, daß 1. die Kirche der hl. Dreifaltigkeit geweiht 
sei, 2. die auf dem Hochaltar stehende Krönung Maria vom gemeinen Volk als wundertätig ver- 
ehrt werde, 3. die in Vorschlag gebrachte Erbauung eines neuen Seitenaltars (allermaßen der hinter 
dem Hochaltar stehende Gnadenbildaltar wegen Vertiefung der Nütsdien und Kasten nit leiditlich 
aliter appliciert werden kann) neue Kosten von 1500 fl. verursachen würde. Am 9. Oktober 1739 
erfolgte der Konsens. Demnach verfertigte Langmayr die Architectur von Grund auf 36' hodi, 
16' breit und eine schöne Stellung mit einem sehr miesamen Grund sam.bt dem miesamen Laub- 
werch, Zierraten mit Einschluss des Altarsteins und Tabernacl um 800 fl., und Perwanger hatte 
alle miesambe Schneidarbeit guet zu vergolten, item alle figuren ganz ohne das Nackende, den 
Tabernakel ganz zu vergolden, die Architectur nach der Figuren Verlangen mit guten Farben zu 
marmelieren und alles mit spanischen Firnis zu überziehen für 1270 fl. 

1740 Ferdinand Sigmund Amende umb einen neuen Kelch gegen den alten und 26 fl. 28 kr. 
Leopold Ehegasse r, bürgerlichem Bildhauer von Reichenhall, für die Engl auf die Seitenaltär 
16 fl. dto. für 4 Leuchter und 4 Maikrieg auf S. Sebastiansaltar 36 fl. — Anton E 1 s ä s s e r, 
Maler, für unterschiedliche Arbeit auf die Seitenaltär 10 fl. 

1748 Das ausgetretene und ruinierte, weiß und rote Pflaster legt neu Josef Doppler, Steinmetz am 
Himmelreich, für 364 fl. Ein Drittel der Platten steuerte die hochfürstliche Hofbaumeisterei bei. 

1730 Peter Paul Perwanger, Maler in Salzburg, hat ein Altarblad von gueten Farben mit der 
Bildnus des hl. Leonardi in der Glory mit Engin, einer Landschaft und Vieh gemahlen und hiefäi 
accordicrtermaßen nebst des Tischlers Verdienst und Vergoldung des Ramb empfangen 45 fl. 21 kr 

1751, am 29. August °IJ abends, schlug der Blitz in den Turm ein, der Strahl fuhr durch die Kirche 
und beschädigte die Empore und die Fassung des Hochaltars. Beim Wiederaufbau des Turmes 
wurde das Gemäuer um 5' erhöht und eine andere Kuppel gebaut. Die Kosten beliefen sich au 
1919 fl. 



öroßgmain 1-^"^ 

1756 3 alte zinnerne Leuchter für 3 neue hergegeben 16 11. 24 kr. — Für einen neuen Schein zum 
Tabernaiiel 3 fl. 45 kr.; ein neues Rauchfaß gekauft. 

1757 Für eine neue silberne Ampel die alte und 180 fl. 

1759 Franz Xaver König, Maler in Salzburg, für ein Fahnenblatt der Skapulierbruderschaft 10 fl. 

1761 Karl Wolfgang Gugg für Umgießung der großen Glocke 598 fl. 10 kr. 

1762 Josef Anton Diemb, bürgerlicher Zinngießer, für 3 Paar Opferkandl 4 fl. 10 kr. 

1765 einen neuen Keldi gegen einen alten eingetauscht 46 fl.; ferner haben Gutthäter einen ziemlichen 
kostbaren Kelch mit Platten und Diemannt versetzt beigeschafft, worzue aber das Gotteshaus 
contribuieren hat miessen 90 fl. 

1772 Lorenz Benedict Lipper t, Zinngießer zu Reichenhall, wegen Umgießung zinnerner Leuchter 
11 fl. 10 kr. 

1766 wird von vorrätigem Silber ein Kruzifix zu den 6 silbernen Leuchtern verfertigt und die Orgel 
repariert. 

1778 macht Johann Posch, Schmied auf der Gmain, die Kirchentür (69 fl.) und Egyd Frey, 
Schlosser in Reichenhali, die Schlösser daran (20 fl.). — Josef Pruner, Maler, für Übermalung 
der zwischen den Kirchtüren befindlichen Mirakln 8 fl. 30 kr. — Antonio Cant riner, Tischler, 
für 2 Beiditstühle von weichem Holz 2 fl. 30 kr. 

1779 Andre Mertz, Gürtler zu Reichenhall, um 8 neue Leuchter von Messing und versilbert und 
8 Büschkrüge 116 fl. Demselben für ein flügmdes Blatt von Messing und versilbert, so ober 
dem Gnadenbild auf den Hochaltar angehöft und der neu verliehne Ablass daraufgeschrieben 11 fl. 

1784 wird die Kirche, aus der die Votivtafeln entfernt worden waren, ausgeweißt. 

1785 Dominicus Plassisgänik, Tischlermeister zu Piding, umbwillen er 6 große Leuchter und ein 
großes Crucifix gut vergoldet 30 fl. Demselben für das neue hl. Grab nach dem Kupfer und 
der Vorschrift verfertigt 12 fl. Für eine neue Brunnsäul beim Mesnerhaus von Adneter Alarmor 
51 fl. — Johann Stefan PI atz er, für ein Opferdätzl samt Kanerl auf Silberart 3 fl. 12 kr. 

1786 Stefan Platzer, Hofzinngießer für einen Weihbrunnkessel gegen den alten und 2 fl. 40 kr. 
1794 Josef Doppler, Steinmetz im Himmelreich, für 2 Opferstöcke von Marmor 27 fl. 

1802 Andrä Mertz, für eine Ampi von Gürtlerarbeit, 2' 8'//' hoch, 74 fl. 

Am 27. April 1830 machte das Pfleggericht Salzburg das Kreisamt „auf 4 antike Holzgemälde von aner- 
kanntem Werte von 1499" aufmerksam. „Die Gemähide waren bis dahin in die Seitenwäiide der Kirche 
eingefalzt, wo sie die salpetrige Feuchtigkeit der Mauer beinahe schon gänzlich verderbet und unkennt- 
lich gemacht hatte." 
Am 23. April 1831 berichtete Pfleger Petermandl über die vorgenommenen Arbeiten: 

Die Entfernung der 4 antiken Kunstgemälde von der feuchten Mauerwand zeigte sich als unverschüblich, um sie vor dem 
gänzlichen Verderben noch zu retten. Ebenso unwiderleglich ist es, daß diese nämlichen Gemälde aufgehört hätten ein 
Kunstschatz zu sein, wenn sie nicht zugleich renovirt d. i. geputzt, verkittet, ausgebessert und gefirnist und an der Rück- 
seite mit Ölfarbe angestrichen worden wären. Nun war es aber der f Herr Domkapitular Marchner, dem die geistl. Vogtei 
die Besorgung dieser Ausbesserung übertrug. Letztere wurde auch von dem hierorts bekannten Maler Franz Zcb- 
h aus er so glücklich ausgeführt, dass wohl auch noch für die Verschönerung mittels der Vergoldung des Hintergrundes 
1 die einstmalige höhere Genehmigung verhofft werden dürfte. In diesem überraschend verbesserten Zustande traf der Unter- 
zeichnete (Pfleger Petermandl) diese Gemälde in der Wohnung des Herrn Domherrn Marchner, der den Unterzeichneten 
wenige Tage vor seinem Hinscheiden in der Ostcrzeit 1830 zu sich erbitten ließ, ihn mündlich ersuchte, sich von der Würde 
des Gegenstandes augenscheinlich zu überzeugen und ihm an das Herz legte, für eine solche Aufstellung der Gemälde zu 
sorgen, die ihrem Werte und der ferneren schadenfreien Erhaltung entsprechend wäre. 

■;^|Die Kosten beliefen sich auf 210 fl. Petermandl ließ nach Marchners Tode, da die Wohnung geräumt 

•i (werden mußte, beim Tapezierer Pfanzelter nach eingesehenen Mustern und Preisen auch die Goldrahmen 

-.und nötigen Tapeten bestellen und nach dem Einlangen die Bilder sogleich in der Kirche an den geeigneten 

'Plätzen in der zur Konservierung nötigen Entfernung an den beiderseitigen Mauerwänden aufstellen. 

1839 berichtete das Pfleggericht abermals an das Kreisamt: 

16* 



124 



öerichtsbezirk Salzburg 



Die Pfarrkirche Großgmain hat 3 Bilder, und zwar eines hinter dem Hochaltar, eines an dem Evangelien- und eines am 
Epistelseitenaltar. Ebenso besitzt dieselbe 2 alte 8' holie und 10' breite Holzgemälde, welche wegen ihres beschädigten 
verwahrlosten und rahmenlosen Zustandes in der obern Sakristei bisher aufbewahrt wurden. Diese 5 Bilder sollen nach 
mehrfältiger Beurteilung verschiedener Kunstverständiger von berühmten Meistern gemalt werden und als Altertum und 
Kunstgemälde von bedeutendem Werte sein. 

Ihre Restaurierung wurde am 22. August 1839 dem Maler Martin Pitzer für 150 fl. übertragen. 1871 
wurde die Marienstatue von gebranntem Thon(\) itirer Kleider entledigt, wobei beide Hände und ein 
Vorfuß des Kindes abgingen. Aus dem Silber der Kronen wurde ein Kelch gemacht. 
1840 wurde das Braunsbühelgut gekauft und zu einem Pfarrhof adaptiert. 



Charakte- 
ristik. 

Fig.113-117. 

Bau- 
entwicklung. 




Fig. 114 Großgmain, Pfarrkirche von Nordwesten (S. 124) 

Charakteristik: Einschiffige, geräumige Rokokoanlage mit Sciialgewölbe, 1731 aus einer gotischen 
Kirche umgebaut. Gotischer Westturm mit Rokokohelm von 1751. Gotisches Portal. Die 1674 neu er- 
baute Sakristei erhielt 1734 ein von Tobias Kendler gebautes Oratorium (Fig. 113 — 117). 
Bauentwicklung: Wie die beiden seitlichen gotischen Portale beweisen, sind die Langhausmauern 
noch die der gotischen Kirche (um 1499). Auch der Chor scheint (nach den alten Ansichten) schon bei 
der gotischen Anlage die jetzige Größe und Höhe gehabt zu haben. 1731 und in den folgenden Jahren 
erfolgte ein Umbau der Kirche: Es wurden in regelmäßiger Reihe große Rundbogenfenster ausgebrochen, 
ein einheitlicher Sockel wurde um die Kirche gelegt, das schwere gotische Rippengewölbe, das sich zu 
spalten drohte, wurde durch ein leichtes Schalgewölbe ersetzt, die Kirche im Innern durch Pilaster 
gegliedert und durch Stuckrahmen von Michael Vierthaler geschmückt. Dieser Umbau geht — 
v;ie v/ir aus den architektonischen Formen schließen — auf den Salzburger Hofmaurermeister Tobia 
Kendler zurück, der übrigens 1734 ausdrücklich beim Neubau des Oratoriums genannt wird. 



i 



.-'.:'gi;aus 
:..K, C;;nr. 



Äußeres (Fig. 114): 

Biuciistein und Ziegei, rauh (gelb) verputzt, mit glatten, weißen Einfassungen. 

Langhaus und Choi: Gleichbreit und -hoch. Hoher Sockel mit profiliertem Steingesimse. Stukkiertes 
Hohlkehlabschlußgesims. — W. Zwei Giebelwandstreifen beiderseits des Turmes. — S. Großer Anbau 



Großgmain 



125 



(Vorhalle und Sakiistei). Links davon unten ein niedriges flachbogiges, darüber ein hohes rundbogiges 
Fenster. Im Chor hohes rundbogiges Fenster. — O. Chorabschluß in fünf Seiten des Zwölfeckes; vier 
hohe rundbogige Fenster. Alle haben marmorne Fensterbänke und einfache Eisengitter. N. Vier hohe 
rundbogige Fenster, rechts unten ein kleineres, wie im S., alle mit Eisengittern. Unter dem zweiten 
Fenster spitzbogiges, gotisches Seitenportal mit abgeschrägtem Gewände aus rotem Marmor, 
über dem mit Hohlkehlgesims abgeschlossenen Sockel profiliert durch zwei Rundstäbe und einen 
Kantstab zwischen drei Hohlkehlen. Links marmornes Weihwasserbecken. Hohes steiles Satteldach, 
nach O. abgewalmt, im N. noch mit der alten schönen Schindelbedachung, im S. mit ungünstig 
wirkendem, grauem Eternit gedeckt. 

Turm: Der Westfront vorgebaut, ganz aus sorgsam gefügten Quadern erbaut, bis auf den rot ge- 
färbelten, gotischen Kleeblattbogenfries, der das Glockengeschoß abtrennt, ungegliedert. Doch erkennt 
man deutlich an drei dunkleren, horizontalen Quaderbändern die Spuren der ursprünglichen gotischen 
Kaffgesimse, die später — wohl beim barocken Umbau der Kirche — abgemeißelt wurden. (Erhalten 
sind die beiden oberen noch an der Ostseite innerhalb des Langhausdachstuhles.) 




Ripfienprofi/ ^p 



Fig. 115 Großgmain, Pfarri<irche, Grundriß 1 :250 (S. 125) 

Vorspringender Sockel. Unten ist die Nord- und Südseite von je einer gedrückten Spitzbogenöffnung 
durchbrochen. Im S. darüber eine schmale Luke, oben ein Fensterchen mit abgeschrägten Kanten. Im W. 
übereinander eine Luke und zwei kleine Fenster, im N. oben zwei kleine Fenster. Im Glockengeschoß 
auf jeder Seite ein hohes spitzbogiges, gotisches Schallfenster in profilierter Steinrahmung (Kantstab 
zwischen zwei Hohlkehlen). Über jedem Schallfenster ein rundes Zifferblatt, über dem sich das profilierte, 
rot gefärbelte Hohikehlgesims im Halbkreise aufbiegt. Doppelzwiebelhelm von 1751, mit grün ge- 
strichenem Blech eingedeckt. Vergoldeter Knauf und Kreuz. 

Anbau: Im S. des Langhauses und Chores, Vorhalle und Sakristei enthaltend. Einstöckig, von ent- 
sprechender Außengliederung wie das Langhaus. Links (Vorhalle) ein niedriger, rechts (Sakristei) ein 
\ hoher Sockel wie am Langhause. — S. Links großes spitzbogiges gotisches Portal, mit beiderseits abge- 
j schrägtem, birnförmig profiliertem Gewände aus Stein. Rechts daneben drei, im Obergeschoß oben vier 
, Fenster in geschwungenen Verputzumrahmungen, mit einfachen Eisengittern. Im O. unten Tür in Stein- 
' rahmen, mit Oberlichtfenster, oben größeres Fenster. Umlaufendes Stuckhohlkehlgesims. Pultdach, nach 
i O. und W. abgewalmt, aus grauem Eternitschiefer. 

! Friedhof mauer: Bruchstein und Ziegel, verputzt, mit Schindeln abgedeckt, mit drei Eingangsöffnungen 
im S. und W. Im Südwesteck ist eine Kapelle eingebaut (s. unten). 

Inneres (Fig. 115, 116): 

Langhaus und Chor bilden einen einheitlichen großen Saal. Alter Fußboden aus gelben und roten Mar- 
morplatten (von Georg Doppler, 1748). 



Turm. 



Anbau. 



Friedhof- 
mauer. 

Inneres. 
Fig. 115, 116. 



126 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Langhaus. Langhaus: Flachbogiges Schalgewölbe, das durch Quergurten in drei, von je zwei rundbogigen 
Stichkappen eingeschnittene Joche geteilt wird. An den Wänden über hohem umlaufendem Sockel 
zwischen den Fenstern je zwei Pilaster, unter der Triumphbogengurte je zwei Doppelpilaster, alle mit 
profilierten Basen und stukkierten ionischen, von Girlanden umwundenen Kapitalen. Darauf je ein 
Gebälkstück mit schwerem, weit ausladendem Abschlußgesimse, auf dem die Gewölbegurten aufruhen. 
Das ganze Gewölbe ist reich verziert mit schönem, stukkiertem Bandwerk mit vergoldeter Gitterwerk- 
füllung von Michael Vierthaler, um 1734. In der Mitte jedes Feldes in geschwungenem Rahmen 

DeAen- ein Deckengemälde: 

gemälde. 1. (Ober der Musikempore) eine Schar musizierender Engel. An dem durch die Orgel verdeckten Teile 
soll sich die Signatur des Malers befinden: Igiiaz Warmati 1735. 

2. Die hl. Maria als Hilfe der Kranken. Oben auf Wolken die thronende Mutter Gottes mit dem Kinde 
zwischen den knienden Heiligen Anna und Sebastian. Unten eine Schar von hilfeflehenden Kranken. 




Fig. 116 Großgmain, Pfarrkirche, Inneres (S. 125) 



3. Oben auf Wolken das Wallfahrtsbild der Mutter Gottes mit dem Kinde in reich mit Devotionalien 
behängtem Mantel, von Putten umgeben. Daneben die knienden hl. Bischöfe Rupert und Augustinus. 
Darunter vier Putten und ein Engel. Unten Ansicht der Kirche zu Großgmain (noch mit dem gotischen 
Helme), des Pfarrhofes und der Stadt Reichenhall. 

Westempore. Westempore mit flachem, von zwei Steinsäulen gestütztem Boden und geschwungener Brüstung (Holz 
mit Stucküberzug). Darüber ähnliche, schmälere Musikempore auf zwei Holzstützen. Beide Brüstungen sind 
reich verziert mit schönen Stukkaturen (Ranken, Band- und Gitterwerk) von Michael Viert haier, 
1734 (s. S. 121). Zwei gemauerte Stiegen führen beiderseits zur Empore. 

Im zweiten Joche im N. und S. je eine rundbogige Tür in flachbogiger Nische. Oben im N. drei hohe 
rundbogige Fenster mit abgeschrägter Laibung. 

im S. im zweiten und dritten Wandfelde oben je eine zweifenstrige Oratorienloge, schön verziert mit 
stukkiertem Band- und Gitterwerk, oben Gesims mit stukkiertem Behänge, darauf zwei Flammenurnen 
(von Michael Vierthaler, 1734). Über den beiden Oratorien je ein rundbogiges Fenster. 
In der Mitte des zweiten Joches wird der vordere Teil des Langhauses in voller Breite durch ein 
schmiedeeisernes Gitter mit hübschem Lanzenspitzenaufsatz (von J. G. Hölger in Reichenhall 1736) 
abgeschlossen. 



Oroßgmain 



127 



Chor: Im Raum einheitlich mit dem Langhause, Boden um drei Stufen erhöht. Schöne Balustrade aus 
gelbem und rotem Marmor, mit zwei seitlichen Durchgängen. Wandgliederung entsprechend dem Lang- 
hause. Am Beginn des Chorschlusses jederseits ein Doppelpilaster wie am Beginn des Chores. In den 
vier Ecken eingewinkelte Pilaster. Über dem Chorrechteck Tonnengewölbefeld wie im Langhaus. Abschluß- 
gewölbe mit fünf radialen rundbogigen Stichkappen und vier Radialgurten. Das Gewölbe ist in gleicher 
Art reich stukkiert wie das des Langhauses. In der Mitte des rechteckigen Feldes Deckengemälde in 
geschwungenem Rahmen: Krönung der hl. Maria durch die hl. Dreifaltigkeit. Im Bogenfeld der Ostseite 



Chor. 




hig. 117 

Oroßgmain, Pfarrkirche, gotisches Hauptportal (um 1500). 

Ciewölbestukkaturen von M. Vierthaler, 1737 (S. 129) 



des Abschlusses über dem Altar Wandgemälde, der bekrönte Name „Maria", umgeben von Cherubs- 
i köpfen und drei Engeln (s. oben). — Im S. rechteckige Sakristeitür in heller Marmorumrahmung mit 
I Fries und profiliertem Gesimse, 1675 von Andreas Doppler gemacht. 
1 Schönes „Speisgitter'', Balustrade aus rotem und weißem Marmor, von Georg Doppler, 1716. 

(Anbauten: 1. Sakristei (1674). Im Erdgeschoß rundbogiges Tonnengewölbe mit drei Paaren von durch- 
laufenden Stichkappen; im O. Tür und daneben Lavabo aus rotem Marmor. Im N. Tür zum Chor und 
Eisentür zu einem Wandschrank in profilierter, roter Marmorumrahmung. Im O. ein, im S. drei Fenster. 

■ Eine gemauerte Stiege führt zum flachgedeckten Obergeschoß (Oratorium, 1734 erbaut). Von der Stiege 
aus im N. rechteckige Kanzeltür. Im Oberstock vier Fenster im S., je eines im O. und W.; im N. zwei 
Türen zu den Logenoratorien, darüber rundbogige Fenster. 



Wand- 
gemälde. 



Anbauten. 



128 



Gerichtsbezirk Salzburg 




Fig. 118 Großgmain, Pfarrkirche, Hochaltar von 1739 (S. 129) 



Großgmain 



129 



^ 



2. Vorhalle im S. des Langhauses. Im S. spitzbogiger Eingang mit birnförmig profilierter Steinlaibung. 
Im N. das schöne gotische Kirchen portal aus rotem Marmor (Fig. 117): Kielbogen- 
förmige Öffnung, polygonal in drei Seiten abgeschrägtes Gewände. Glatter Sockel, durch Hohl- 
kehlgesims abgeschlossen. Das Gewände ist kräftig profiliert durch drei tiefe Hohlkehlen, zwei 
starke Stäbe von kielbogenförmigem Profil mit abgekappter Spitze, einen starken und einen 
dünnen Rundstab. An den Spitzen der Kielbogen verschneiden sich die Stäbe. Steinmetzzeichen: 

Im N. und S. zwei große Votivtafeln aus Holz (s. unten). 
— Barockes, von vier flachbogigen Stichkappen eingeschnit- 
tenes, gratiges Gewölbe, schön verziert mit weißen Stuck- 
ornamenten auf gelbgrauem Grunde: Bandwerk mit 
Akanthusblätterabzweigungen, hineinverschlungen natürliche 
Zweige. In der Mitte Kartusche mit rosenbekränztem 
Flammenherzen und dem bekrönten Monogramm Mariae. 
Gute Arbeit von Michael Vierthaler, 1734. Die Ge- 
wölbezwickel ruhen auf einfachen stukkierten Konsolen- 
gesimsen. 

Neben dem Portal zwei gleichgroße Weihwasserbecken 
aus gelblichem Marmor; je ein rundes Becken auf baluster- 
förmigem Fuße. Beide von Georg Doppler, 1711 
(s. S. 120). 

Turm: Die nach N. und S. mit je einem gedrückten 
Spitzbogen sich öffnende untere Halle ist mit einem spät- 
gotischen Sterngewölbe eingewölbt, dessen spitz zugekantete, 
beiderseits breit gekehlte Rippen auf halbkegelförmigen Kon- 
solen aufsitzen (XV. Jh.). 

Einrichtung: 

Altäre: 1. Hochaltar (Fig. 118). Freistehend. Holz, 
grünlich, gelb und rot marmoriert, mit reichen vergoldeten 
geschnitzten Verzierungen. Neu gefaßt. Über zwei mar- 
mornen und einer hölzernen Stufe geschwungene Mensa 
mit vergoldeten Eckzieraten und Kreuz. Auf der breiten 
Leuchterbank steht das große Tabernakel: Reich ver- 
ziert, in Weiß und Gold gehalten. Vor der rundbogigen 
Türnische kleine Kreuzigungsgruppe (Holz, vergoldet). — 
Aufbau: Beiderseits der Mensa je zwei stufenförmig ein- 
ander vorgestellte prismatische Postamente. Darauf über 
einem Gesimse je zwei Säulenpostamente, verbunden durch 
die geschwungene Predella, aus der seitlich übereckgestellte 
Statuenpostamente vortreten. Die vierzehn Felder dieser 
sechs Postamente sind verziert mit je einer applizierten 
vergoldeten Kartusche, gebildet aus Band-, Gitterwerk und 
zwei Akanthusblättern. Im Hauptteile in der Mitte große 
rundbogige Nische in vergoldetem, ornamentiertem Rahmen, 
rot bemalt; an der Koncha applizierte vergoldete Band- 
werkornamente. An den Seiten eine Ordnung von je drei 
Pilastern und je zwei Säulen mit vergoldeten ionischen 
Basen und korinthischen Kapitalen. Verkröpftes Gebälk; 
das Abschlußgesims ist in der Mitte über der mit einer 
Inschriftkartusche bekrönten Nische aufgebogen. 
Aufsatz: Rundbogige Mittelnische, eingerahmt an den Seiten 
von zwei schrägen Doppelvoluten, oben von einem an den 
se aufgebogenen Gesims. Unten seitlich zwei große Vasen, 
vergoldet). Als Bekrönung ein Kreuz über Postament und 



Kircliunportal. 
Fia. 117. 




I'ig. 119 (jrotigmain, Plarrkirclie, ünadenbild, 
gotisclie Steingußstatuc von 1453 (S. 130) 



leiten verkröpften, in der Mitte im Halbkrei 

>ben zwei runde Blumenschalen (Holz, ganz 

iCartusche, vergoldet. 

Hn Aufbau verfertigte 1739 der Tischler Johann Georg Langmayr in Waging um 800 iL 

;'tatuen: Alle (mit Ausnahme der Madonna) Holz, polychromiert und vergoldet, neu gefaßt. 
'l. Gotische Figuren: 1. Das Gnadenbild, die Mutter Gottes mit dem einen vergoldeten Apfel im Händ- 
!hen haltenden Christkinde auf den Armen. Am Sockel in gotisch-arabischen Ziffern die Jahreszah llfi73 
XI 17 



Weihwassei- 
becken. 



Turm. 



Einrichtung. 

Altäre. 
Hochaltar. 
Fig. 118. 



Tabernakel. 



Statuen. 



130 



Gerichtsbezirk Salzburg 



(1453 [nicht etwa 1473])') und die moderne gefälschte Inschrift: opus S. Thiemonis A. E. Sal. HOL Stein- 
guß, in ungünstig wirkender Weise neu polychromiert, die Krone von 1871. Vorzügliche Arbeit aus dem 
Fig. 119. Jahre 1453 (Fig. 119). Das Gnadenbild, das seit 1539 seinen eigenen Altar hatte, stand bis 1739 auf dem 
marmornen Choraltar hinter dem Hochaltar. — Stilistisch geht die Figur zusammen mit dem Gnadenbilde 
Maria Säul in St. Peter in Salzburg (Kunsttop. XII 17) und der Madonna in Irrsdorf (Kunsttop. X 66), die 
aus dem gleichen Material (kristallinischer Gips) sind; vgl. über dieses die M. d. Z. K-, N. F. V, Seite CXIV. 




Fig. 120 Qroßgmain, Pfarrliirclie. Marmorner Clioraltar von G. Doppler, 
Statuen von J. Schwaiger, 1711 (S. 131) 

2. Die Aufsatzgruppe, Krönung der hl. Maria durch die hl. Dreifaltigkeit. In der Mitte die kniende! 
betende Gottesmutter, deren reichgearbeitete Krone von drei kleinen Engeln gehalten wird. Daneben 
thronen auf Wolken links Christus mit dem Kreuz in der Hand, rechts Gott -Vater mit dem Weltapfel. 
Oben schwebt die Taube. Sehr gute Arbeit, um 1495. Die Gruppe stammt vom alten gotischen Hoch- 
altar und scheint mir mit der Schule des Michael Fächer (der 1495 — 1498 in Salzburg war) in 
Zusammenhang zu stehen. 

') Vgl. über diese für uns ungewöhnliche, aber damals gebräuchliche Form der Fünf Capelli, Lexicon abbreviaturarum, Leipzig 1910, p. 441 



Großgmain 



131 



B. Die übrigen Figuren stammen wie der ganze Altaraufbau aus dem Jahre 1739: 1. Neben dem Taber- 
nakel zwei kniende anbetende Engel. 

2. Neben der Hauptnische die Statuen der hl. Bischöfe Rupert und Augustinus. 

3. Neben Maria zwei schwebende Engel, der rechte mit einem Stern in der Hand. 

4. Am Strahlenkranz um Maria herum zwei Cherubsköpfchen und zwei Putti, die einen Strahlennimbus 
halten. 

5. Am Aufsatz auf versilberten Wolken neun Cherubsköpfchen. 

Alle sehr gute Arbeiten, die großen Engel von Johann Schwaiger in Reichenhall, 1728 (s. S. 121), 
die übrigen von 1739. 





Fig. 121 Oroßgniain, Pfarrkirche. 
Altarbild von P. P. Perwanger, 1750 (S. 132) 



Fig. 122 Qroßgmain, Pfarrkirche. Rechter Seitenaltar 
von Georg Doppler, Gemälde von Zaniisi, 1734 (S. 132) 



;2. Marmoraltar (Fig. 120), am Mittelfelde des Ciiorschlusses, hinter dem Hochaltar: Auf einer mar- 
! mornen und zwei hölzernen Stufen gemauerte rechteckige Mensa mit roter Marmorplatte, mit geschwun- 
gener Verkleidung aus Holz, olivgrau gestrichen, mit geschnitzten Rocaillen an den Ecken; Mitte des 
^XVill. Jhs. — Kleines einfaches Tabernakel, Holz, weiß lackiert, mit vergoldeten Verzierungen; Mitte des 
'XVIll. Jhs. Wandaufbau: Verschiedenfarbiger Marmor (rot, gelb, grau, weiß); beiderseits der Mensa je 
'ein prismatisches, schräg vorgestelltes Postament. Darauf über proHliertem Gesimse ein zweites, neben 
diesem innen eine Volutenkonsole und wieder ein Postament. Auf dem zurücktretenden mittleren 
i Predellateile ovales Inschriftschild aus grauem Marmor, umrahmt von Ranken aus weißem Marmor: 
Erectutn est hoc altare digiiis honoribus amabilissimae virgiiüs Mariae MDCCXII. 

17* 



Marmoraltar. 
Fig. 120. 



132 



Oerichtsbezirk Salzburg 



Hauptteil: Altarbild in polygonal geschlossenem, profiliertem, rotem Marmorrahmen. Daneben zwei 
Säulenpaare aus rotem Marmor (die inneren Säulen vor Pilastern); weißmarmorne Kompositkapitäle mit 
Cherubsköpfen. Über dem Altarbilde Kartusche mit Inschrift: Maria Refugium nostnim ora pro nobis. 
Vorspringende Gebälkstücke mit Akanthusblätterfries, verbunden durch das zurücktretende geradlinige 
Abschlußgesims. — Aufsatz: Rechteckiges Feld in der Breite des Altarbildes, mit ovalem Relief (Taube) 
und Cherubsköpfchen in rotem Marmorrahmen. Flankierend zwei Pilaster mit Froiitalvoluten als Kapitalen. 
Daneben zwei Giebelschrägen mit Voluten, auf denen große Flammenurnen stehen. Verkröpftes Gebälk. 
Volutengiebelansätze. In der Mitte auf niedrigem Postamente Monogramm Jesu in vergoldetem Strahlen- 
kranze. 

Den Aufbau machte 1711 Georg Doppler, Steinmetz in Himmelreich, um 900 fl. (s. S. 120). [3is 
1739 enthielt dieser Altar das Gnadenbild. 

Altarbild: Öl auf Leinwand. Der kniende hl. Abt Leonhard, auf einer Wolke emporgetragen von einem 
Engel, der sein Pastorale hält. Rechts oben Gott-Vater und zwei Putten. Unten betende Bauern, Pferde 
und Rinder. Im Hintergrunde die Plainburg, der Pfarrhof und die Kirche, noch mit dem gotischen Turm- 
Fig. 121. helme, von N. gesehen. Gute Arbeit von Peter Paul Perwanger, 1750 (s. S. 122) (Fig. 121). 

Skulpturen: Zwischen den Säulen auf niedrigen Basen die Statuen der hl. Bischöfe Rupert und Augustinus 
aus hellgrauem Untersberger Marmor. Ovales marmornes Aufsatzrelief, die Taube des Hl. Geistes auf 
Wolken, von Cherubsköpfchen umgeben. Alle drei gute Arbeiten von Johann Schwaiger in Reichen- 
hall, 1711 (s. S. 120). 

Auf dem Gebälk über den Säulen die neu polychromierten Holzfiguren des hl. Franz von Assisi und 
des hl. Anton von Padua mit dem Christkind. Um 1750. 

Seitenaltäre. Zwei marmorne Seite naltäre von einander gleichem Aufbau. Gesprenkelter roter und grauer Marmor. 

Linker 3. Linker Seite naltar: Über zwei Holzstufen geschwungene Mensa aus verschiedenfarbigem 

Seitenaltar. Marmor. — Wandaufbau: Breiter als die Mensa. Verschiedenfarbiger Marmor. Predella mit zwei schräg 
vorspringenden, doppelgeschossigen seitlichen Postamenten, auf denen schlanke Säulchen mit weißen 
Kompositkapitälen stehen, das Altarbild flankierend. Über Volutenkonsolen schwach profiliertes Gesims. 
Aufsatz mit Ovalbüd, eingerahmt von Schrägvoluten, oben Volutengiebel, bekrönt von Baldachin mh 
vergoldetem Monogramm Jesu im Strahlenkranze. Schöne Arbeit, von Georg Doppler, 1734. 

Gemälde: Öl auf Leinwand. Altarbild. Der hl. Sebastian, nackt an einen Baumstamm gebunden, von 
Pfeilen durchbohrt, todesmatt zusammensinkend. Zu seinen Füßen ein weinender Putto und ein zweiter, 
der einen herausgezogenen Pfeil in der Hand hält. Oben schweben ein Cherubskopf und ein Putto mit 
Palmzweig und Kranz. Sehr gutes Bild, signiert: Jac. Zaniisi In: (e) Pingit (sie!) Salisb: 1734 (siehe 
S. 121). — Aufsatzbild: Der Schutzengel (Halbfigur) mit einem Knaben. Gut, ebenfalls von Jacob 
Zan usi, 1734. 

Skulpturen: Am Aufsatze vier Putti, Holz, neu polychromieit, zwei größere mit Palmzweig, Pfeil und 
Bogen und zwei kleinere. Gut, von Leopold Ehegassner in Reichenhall, 1736 (s. S. 122). Daneben 
zwei Flammenurnen. 

Tabernakel: Klein, Holz, weiß lackiert, mit vergoldeten Zieraten. Auf der rundbogigen Nischentür ge- 
malte Kreuzpartikelmonstranz, bekrönt von der Halbfigur des Schmerzensmannes. Daneben zwei kleine 
Leuchterengel, oben am Gesims vier sitzende Putten mit den Leidenswerkzeugen und über vergoldetei 
Kartusche kleines Kruzifix; alle Holz, polychromiert und vergoldet. Gut, um 1734. 

Rechter 4. Rechter Seiten altar (Fig. 122). Im Aufbau ganz entsprechend wie der linke, von Georg 
Seitenaltar. Doppler, 1734. 

Flg. 122. Gemälde: Altarbild: Die hl. Anna mit der kleinen hl. Maria, dahinter Joachim. Oben ein Putto mii 
einer Rose und ein Cherubsköpfchen. Sehr gute Arbeit, signiert: J. Zanusi Pinss. Sal. 1734. — Auf- 
satzbild, oval: Der hl. Josef (Halbfigur) mit dem Christkinde. Gut, ebenfalls von Jacob Zanusi, 1734 

Skulpturen: Holz, polychromiert. Vier sitzende Putti am Aufsatze, die zwei größeren mit Palmzweig unc 
Lilie. Gut, von Leopold Ehegassner in Reichenhall, 1736 (s. S. 122). 

Kanzel. Kanzel (Fig. 123): Am Pilaster an der Südseite des Langhauses zwischen den beiden Oratorienbalkonen 
Fig 123. Holz, rot und grün marmoriert, mit reichen vergoldeten Ornamenten, Reliefs und Figuren. Dreiseitig« 
geschwungene Brüstung, mit drei vergoldeten Reliefs zwischen Vertikal voluten: a) Der gute Sämant 
und der Teufel, der Unkraut zwischen seinen Weizen sät. — /;) Ein thronender Papst (Petrus) mit Kelc 
und dreifachem Kreuz und die vier Kirchenväter. In der Mitte ein aufgeschlagenes Buch mit Spruch, un 
geben von den vier Evangelistensymbolen. — c) Der Prophet Jeremias auf einem mit Totengerippe 
besäten Felde. Oben Auge Gottes und vier blasende Köpfchen. - Am Ablaufe vergoldete Bandwerk- uw 
Gitterwerkornamente, unten vier polychromierte Cherubsköpfchen. An der Brüstung Arm mit Kruzifn 
An der Tür vergoldetes Relief, der gute Hirt, zwischen zwei Lisenenpaaren mit veigoldetem Behänge 
Am geschwungenen Schalldeckel unten die Taube in der Glorie. Am Gesims vergoldetes Behänge, dr< 



Qroßgmain 



133 



Spruchkartuschen. Bedachung mit vier Voiutensparren; darauf vier Putten mit Harfe, Gesetzestafeln, 
Rauchfaß und Schiffchen, Kreuz mit der ehernen Schlange. Zu oberst über zwei Ciierubsköpfchen ver- 
goldete Weltkugel mit dem von zwei Putten gehaltenen Kreuze. 

Sehr gute Arbeit, vom Jahre 1737. Die Tischlerarbeit von Joh. Georg Langmayr in Waging, die 
Skulpturen von Johann Georg Hitzl in Salzburg; die alte Fassung war von P. P. Perwanger. 
Die Kanzel kostete 570 fl. 




Fig. 123 üroßgmain, Pfarrkirche. Kanzel von 
Sliulpturen von J. G. Hitzl (S. 132) 



1737. 



Orgel: Dreiteiliges Gehäuse, mit vier Pilastern und durchbrochenen vergoldeten geschnitzten Ver- Orgel, 

zierungen, rundem Zifferblatt und Cherubskopf. Um 1850. 

Beichtstühle: Zwei Beichtstühle, braunes Holz, mit einfacher Bandwerkintarsia und applizierten Beichtstühle, 
vergoldeten Bandwerkornamenten, einem Fruchtbüschel und zwei Blumenbüscheln. Oben modern über- 
malte Bilder (Petrus und Magdalena) sowie vier vergoldete Flammenurnen. Um 1735. 

Tauf stein: Gelblicher Marmor. Quadratische Plinthe, prismatischer Fuß, polygonales Becken; einfacher Taufstein. 
Holzdeckel. Um 1738. 

Opferstöcke: Zwei Opferstöcke aus rötlichem Marmor. Von Josef Doppler, 1794. Opferstöcke. 



134 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Kirchen- Kirchenbänke: Eichenholz. Mittelzeile mit neun breiten, zwei Seitenzeilen mit je sieben schmäleren 
bänke. Bänken. Die Seitenwangen mit buschigen Akanthusranken schön geschnitzt. Von Hans Edtfelder, 

1708. 

Holz- Holzskulpturen: 1. An der Nordwand des Langhauses die überlebensgroße Statue des hl. Johann 

Skulpturen. von Nepomuk, dem ein Engel das Kruzifix hält. Unten ein stehender Putto mit Palmzweig und Sternen- 
kranz. An der Konsole vorn vergoldetes Relief, der Brückensturz. Gut, um 1735. 

2. Großes Kruzifix, vom Triumphbogen herabhängend. An den vier kleeblattförmigen Kreuzesenden je 
ein Cherubskopf. Gut, um 1735. 

Die übrigen meist in der Sakristei. 

3. Kieuzigungsgruppe, 79 cm hoch, alt gefaßt. Runder Fuß, kurzer Griff, darauf Kugel mit dem Kruzifix 
und zwei seitlichen Ranken als Konsolen für die Figuren der hl. Maria und des hl. Johannes. Gut, 
von Georg Pamer, 1672. 

4. Vier Heiligenstatuetten für den Hochaltar, auf prismatischen Basen mit je einem Cherubskopf und 
Seitenvoluten: Petrus und Paulus, Jakobus Maior und Rochus. Gut, zweite Hälfte des XVII. Jhs. 

5. Statue eines Heiligen mit einem Buch, alt gefaßt, XVII. Jh. 

6. Zwei Büsten, Johannes der Evangelist und Johannes der Täufer, auf niedrigen Postamenten mit einer 
von Ranken umrahmten verglasten Reliquienöffnung, versilbert. Ende des XVII. Jhs. 

7. Vier Heiligenstatuetten, 33 cm hoch, die Heiligen Josef mit dem Kind, Antonius mit dem Kinde, 
Barbara und Katharina, versilbert. Sie stehen auf ursprünglicli nicht zugehörigen älteren prismatischen, 
mit Seitenvoluten und gerippten Leisten versehenen silberbronzierten Holzpostamenten aus der Mitte des 
XVII. Jhs. Als Untersätze dienen Postamente, die an der Nordseite mit versilbertem Messingblech ver- 
kleidet sind, das reich mit getriebenen Rocail'.en verziert ist. Die Statuetten und diese jüngeren Postamente 
stammen aus der Mitte des XVIll. Jhs. 

8. Kleine Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes. Mitte des XVIII. Jhs. (Sakristei). 

9. Statue der Immakulata auf Erdkugel, Schlange und Halbmond. XVIII. Jh. (Sakristei). 

10. Vier Leuchterengel. Dreifüßige versilberte Postamente mit Akanthusranken; darauf je ein stehender 
Engel mit einem gewundenen Hörn als Leuchter in den Händen. Um 1700 (Sakristei) 

11. Zwei kleine Leuchterengel, versilbert. Mitte des XVIII. Jhs. 

12. Zwei kleine anbetende Engel. XVIll. Jh. 



13. Prozessionskruzifix, mit Kartusche und vier Cherubsköpfchen. XVII. Jh. 

14. Kleines Tragkruzifix. Anfang des XVIII. Jhs. 

15. Standkruzifix mit dreifüßigem Rankenpostament. Den Schalt umarmt ein sitzender Engel. An den 
Balkenenden vier Cherubsköpfe. Neu versilbert. Anfang des XVIII. Jhs. (rechter Seitenallar). 

16. Hohes Standkruzifix auf dreifüßigem, mit Akanthusranken und Gitterwerk verzieitem Postamente, ver- 
goldet. Um 1730. 

17. Standkruzifix, 65 cm hoch. Gut, XVIII. Jh. 

18. Sitzende Madonna mit dem Kind, Holz, polychromiert, mit Naturhaar ausgestattet und mit Samtkleid 
bekleidet, in einem großen verglasten Holzgehäuse, das mit vergoldeten Ornamenten geschmückt ist. 
Mitte des XVIII. Jhs. (Chor). 



Qemäidc. Gemälde: 

I. Große Tafelbilder vom alten gotischen Flügelaltar: 

Vier große rechteckige Tafeln, 153 X 99 cm, mit Szenen aus dem Leben der hl. Maria. 

Tafell. 1. (Tafel I). Darbringung Christi im Tempel. Auf der Stufe eines Altars kniet links vorne 

Maria (in weißem Kopftuche, rotem Untergewande, blaugrünem Obergewande) und reicht mit beiden 
Händen auf einem Linnen das nackte Jesuskind dem weißbärtigen Simeon (blaßviolettes Untergewand, 

Fig. 124. roter Mantel mit Kapuze) (Fig. 124). Rechts hinter diesem steht der glattrasierte Hohepriester mit auf 
der Brust gekreuzten Händen, in dunkelblauem Gewände und braunem Mantel, mit einer turbanartig 
von einem gelben Tuch umwundenen, infelähnlichen Kopfbedeckung. Hinter diesem ein bartloser Diakon 
mit violetter Mütze, in langer Alba mit gelbem Humerale. Links der graubärtige hl. Josef mit gebeugten 
Knien, mit den Armen auf die Mensa gestützt, zwei Tauben in den Händen haltend (ziegelrotes Unter- 
gewand, blaßroter Mantel). Dahinter zwei Frauen in dunklen Gewändern, mit weißen Kopftüchern. Auf 
der Mensa sind die rosafarbig umrahmten schwarzen Gesetzestafeln aufgestellt, welche in Goldschrift 
die Inschriit tragen : 

Dy X Gepot: Ich gelaub /(n) ame{m) Got. — NU eytl swer pey got. — Heylig di feyrtag. — Eer vater 
lind m!ie/:{cr). - Mit sey ein tötter. — NU sey ein vnkeusch{er). — NU sey ein Tieb. — NU sey falscher 
lit^S- — Deines nägsten weit nit beger. — NU seines gut und er. — 




TAFEL I MEISTER VON GROSSGMAIN, DARBRINGUNG CHRISTI 

IM TEMPEL (S. 134) 




TAFEL II MEISTER VON GROSSGMAIN, CHRISTUS ALS KNABE 

IM TEMPEL (S. 135) 



Großgmain 



135 



Dece{m) p(iec)epta: Ununi crede deu(m). — Nee vane jiira p{Qi) ip{su)m. — Sabata sanctifices. — 
Habeas in hono{r)e p{&xQ)nt{€)s. — Non s/s occisor. für mechusQ) testis iniq{uus). alterius nuptam nee 
rem cupias alienam. 1499. 
Die Inschrift ist modern nachgemalt. 

Rüci<seite: Sechs aufgeleimte Holzleisten. Links steht eine Frau in dunkelbraunem Gewände, mit 
weißem Kopftuche. Vor ihr erkennt man die Reste einer dunkelgewandeten größeren Figur. Oben eine 
Burg, rechts Bäume. Vielleicht war die Heimsuchung dargestellt (Fig. 125, 126). 



Fig. 125, 126, 




Fig. 124 Meister von Großgmain, Detail aus der Darbringung im Tempel, 1499 (S. 134) 



2. (Tafel II). Christus als Knabe im Tempel, unter den Schriftgelehrten. Im Hintergrunde sitzt 
in der Mitte unter einer flachbogigen Arkade auf einem Lehnstuhle der jugendliche Jesus, mit den 
Fingern die Gebärde des Zählens machend (Fig. 127). Vorne sitzen auf einer niedrigen Bank drei Schrift- 
gelehrte; der linke hört ruhig zu, der mittlere dreht sich voll Zorn um und hält sich das Ohr zu, der 
zur Rechten disputiert mit einem vor ihm stehenden Pharisäer, der ein offenes Buch im Arme hält. Zwei 
andere stehen links, im Gespräche auf den Knaben deutend. Ein Greis, auf seinen Stock gestützt, 
kommt, von einem Jünglinge gefolgt, links zur Tür herein. Durch die gegenüberliegende Arkade treten 
Maria und Josef ein. Ganz vorn am getäfelten Marmorboden liegt ein offenes Buch. Goldgrund mit 
eingeschnittenem Muster. Zwei Säulchen mit gotischen Basen bilden den Seitenabschluß. — Die Rück- 
seite ist leer. 



Tafel II. 
Fig. 127. 



136 



Qerichtsbezirk Salzburg 



Tafel 111. 3. (Tafel III)- Pfingstfest. In der Mitte sitzt mit gefalteten Händen und niedergeschlagenem Blicke 
die lil. Maria. Im Halbkreise um sie herum sitzen die Apostel und Jünger, im ganzen 20 Männer, alle 
mit gefalteten Händen betend, mit Ausnahme des jungen Mannes links vorn, der beide Hände gekreuzt 
über den Rücken eines geschlossenen Buches gelegt hat. Ober Maria schwebt die Taube. Marmor- 
fußboden. In der Mitte Brüstung. Oben Goldgrund mit eingeschnittenen Mustern. 

Rüqkseite: Reste einer Darstellung der Beschneidung Christi., Oben das Rippengewölbe einer 
Fig. 128. gotischen Hallenkirche. Vier aufgeleimte Holzleisten (Fig. 128). 




Fig. 125 Qroßgniain, Rückseite des Bildes Darbringung im Tempel (S. 135 



Tafel IV. 



Fig. 129. 



4. (Tafel IV). Tod Maria. Der Mutter Gottes, die mit schlaff herabsinkenden Armen vor iiirem Bet- 
pulte kniet, nur aufrechterhalten vom hl. Johannes, erteilt der hl. Petrus den letzten Segen; in der linken 
Hand hält er das Buch, aus dem er die Sterbegetjete eben verlesen hat. Im Hintergrunde stehen neun 
Apostel, mit Gebärden der Trauer. Der Alte links wischt sich die Tränen aus den Augen, der mit dem 
prächtigen Greisenkopf in der Mitte hält in den Händen die Sterbekerze (Fig. 129). Ein Jüngling, rechts 
taucht seine Finger in ein Näpfchen mit Weihwasser. Den rechten Teil des Bildes nimmt das perspek- 
tivisch vom Fußende gesehene, von einem Baldachin überdachte große Bett ein. Ein Apostel rechts 
schlägt den Vorhang zurück. Im Vordergrunde eine Truhe, auf der ein Wasserglas und drei Zinngeräte 
stehen, ein Teller mit zwei Äpfeln, eine Kanne und ein Leuchter; darunter sieht man zwei Pantoffel. 
(Der mit grünen Vögeln gemusterte Goldbrokatbehang des Lesepultes ist moderne Ergänzung.) 




TAFEL III MEISTER VON GROSSGMAIN, PFINGSTFEST (S. 136) 




TAFEL IV MEISTER VON GROSSGMAIN, TOD MARIA (S. 136) 




TAFEL V GROSSGMAIN, CHRISTUS UND DIE HL. MARIA 
MIT DEM KINDE (S. 137) 



Qroßgniain 



137 



Rückseite: Reste einer Anbetung der Könige. Links die thronende Madonna mit dem Kinde 
(Fig. 130), Reste von vier Köpfen. Rechts Ausblick auf eine Burg. Das reizende Madonnenköpfchen ist 
von besonderer Zartheit (Fig. 131). 
Zwei schmale hohe Tafeln, 262 x 55 cm, teilweise übermalt. 

5. Christus, bartlos, mit langem, schwarzem, bis auf die Schultern wallendem Haare, stehend, in 
hellgrauem, einfach herabfallendem Gewände, mit dem vom Kreuze bekrönten Weltapfel in der rechten 
Hand. Boden grün, Grund rot, oben zwei goldene gotische Kleeblattbogen (Tafel V)'). 



Fig. 130. 
Fig. 131. 



Tafel V. 




Fig. 126 Großgmain, Rückseite des Bildes Darbringung im Tempel, Detail (S. 135) 



i6. Die hl. Maria, mit dem nackten Jesusknäblein am rechten Arme, stehend. Die Gottesmutter hat 
langes blondes Lockenhaar und trägt über dem hellgelben Untergewande einen blaßvioletten langen 
.faltigen Mantel, aus dem unten die Spitze eines schmal beschuhten Fußes hervorschaut. Grund wie bei 5 
(Tafel V, Fig. 132). 

Diese sechs Tafelbilder gehörten ursprünglich zu einem großen gotischen Flügelaltar, jedenfalls zum 

jHochaltar der unter Erzbischof Leonhard von Keutschach (1495—1519) neu erbauten Gmainer Wallfahrts- 

.kirche selbst. Die beiden langen Tafeln — Christus und Maria — schmückten entweder die Rückwand, 

i') Auf der Rückseite eingeschnittenes Goldrankenmuster. Ausgespart ein 1-70 m langes Spitzoval, außen gelb, innen weiß, dar- 
unter noch 40 cm weiße Fläche (für eine vorgesteUte Statue samt Postament). 

XI 18 



Fig. 132. 



138 



Gerichtsbezirk Salzburg 



oder dienten als Seitenabschlüsse. Die vier (auch auf den Rückseiten bemalten) Tafeln aus dem Marien- 
leben waren die Flügel. Zwei weitere Stücke derselben Reihe, die Siohart noch 1845 gesehen hatte, 
fehlen seit langem; man hat daraus auf einen Doppelflügelaltar mit zusammen acht Tafeln geschlossen. 
Als plastische Hauptgruppe des Mittelschreines ist die Krönung Maria anzusehen, die jetzt am Aufsatze 
des Hochaltars von 1739 angebracht ist. Das Gnadenbild — die aus Steinguß hergestellte Marien- 
statue — stand nicht auf diesem Altar, sondern auf einem eigenen Choraltar hinter dem Hochaltar 
(s. oben die Notizen zu 1626 und 1739, S. 119, 122). 




Fig. 127 Meister von Qroßgmain. Der Christusknabe im Tempel, Detail (S. 135) 



Die vier Marienbilder sind „zweifellos das Beste, was sich an spätgotischer Malerei im Lande erhalten 
hat". Mit dem Schwaben Barthel Zeitbio m, dem sie lange Zeit zugeschrieben wurden, haben sie 
gar nichts zu tun (vgl. über die Genesis dieses Irrtums Stiassny, S. 64). Daß sie bayrisch-salzburgisch 
sind, geht schon aus dem bayrischen Dialekt des Dekaloges hervor. 
Eduard von Enoerth hat zuerst die Gmainer Bilder in Verbindung gebracht mit vier großen Altarflügeln 
der Wiener Galerie, die mit R. F. signiert und 1490 und 1491 datiert sind (Beschr. Verz. III, Nr. 1500 
bis 1503). Daß die Wiener und die Gmainer Tafeln vom gleichen Meister sind, hat dann (1903) Robert 



Großgmain 



139 



Stiassny (Altsalzburger Tafelbilder) zu begründen gesucht und den R. F. mit Rueland Frueauf d. Ä. 
identifiziert, der in Salzburg und Passau von 1470 — 1503 nachweisbar ist, Dieser Bestimmung ist zuletzt 
(1908) Robert Fischer (Die altdeutsche Malerei in Salzburg) nach einigen Bedenken gefolgt. 
Die Unterschiede zwischen den Wiener Bildern von 1491 und den Großgmainern sind jedoch so groß, 
daß ich ihre Zuweisung an denselben Meister nicht für berechtigt halten kann. Es sind offenbar zwei 
in ihren künstlerischen Absichten ganz verschiedene Charaktere. Da aber anderseits gewisse äußerliche 
Übereinstimmungen nicht zu leugnen sind, so sehe ich in dem jedenfalls salzburgischen Meister von 




Fig. 128 Großgmain, Beschneidung Cliristi. Riicltseite des Pfingstfestcs (S. 136) 

I Großgmain einen künstlerisch höher stehenden, jüngeren Schüler oder Werkstattgenossen des Rueland 

■ Frueauf d. Ä. (näheres s. Kunsthist. Übersicht). 

{ Wieder eine andere Individualität ist der Maler der Rückseiten der Tafeln, eine Geselle, der neben 

seinem Meister durchaus seine Selbständigkeit behauptet, namentlich in dem Stück Landschaft und 

Architektur, das wir noch sehen, ganz auf der Höhe seiner Zeit steht. 

I 7. Großes, spitzbogiggeschlossenes Votivbild auf Holz, die Ostwand der Vorhalle einnehmend. Oben 
I Wappen des Erzbischofs von Salzburg, Leonhard von Keutschach (1495—1519). Darunter die Inschrift 
' in gotischer Minuskel: Allen und yeden menschen gegenwärtigen und künftigen die dise geschrifft lesen 

18* 



140 



Gerichtsbezirk Salzburg 



hören oder sehen ist khundt und wissen als man zalt nach christi geburde Jiinffzehenhiindert und im 
dreyzehendem jar, der zeyt des hochwirdigisten fiirsten und herren herren Leonharden Ertzbischoven zu 
Saltzburg und legat des stuls zu Rom, unsers genedigislen herren, ist durch den erwirdigen unsern gene- 
digen herrn herrn Oswalden Brobst des gotzhaus sand Zen und ersamen herren Martein Schrembß 
Pfarrer und derzeyt Zechbröbsten zu yeren fürstlichen gnaden suppliciert schriftlich und mündlich cm- 
sigklich und mit hohem vleiß der hochgelobten junckfrawen Marie unser patron und himelfürstin, Ja 
auch allen himlischen heren zu lob und ere die hochwirdig und wunderlich würckung der zaychen so 
die muter gotz nun vil jar alda auß sunder gnad und yeren verdienen, auch müterlich lieb, so sie zu 
menigklichen, krancken und bedürfftigen gehabt und noch hat, gewürcht oder gethan, offenlich würden, 
anzaigt. Damit söllich mercklich zaichen an tag khäme, zu Urkunden verschaffen, Also haben ir gnad 
mit gueten willen betracht, got dem almächtigen, seiner muter Marie zu eien und irer gnaden damit 



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Fig. 129 Meister von Großgmain. Tod Maria, Detail (S. 136) 



dankper ze sein und deß zum beschehen guetlicli vetwilligt und ze thun verschafft. Darauf den ge- 
schwornen Notar} Maister Jörgen Waltenperg des löblichen Consistorj des hochwirdigen siifft Saltzburg 
die zeugen der enden gelaytt zu examinieren, zu verhören und ze fragen verordnet, der dan vil gehört 
und gefragt sein worden auch anzaigt und mit warhayt gesagt haben, wie ir hernach werd vitiden und 
lesen. Solche ir sag ordenlich durch ine mit rechten formen und maß aufgeschrieben und also irer ff. g. 
rätten fürgestellt, daß also beschehen und den loblichen und hochgelerte rätten zu verlesen fürgepracht 
die solch handlanch auch angenomen und darauff verschafft und bevolhen solch zaichen oder dergleychen 
anzeschreiben zu ingrossieren und das alles annzäygen. Auch von wegen des ainfeltigen menschen dem 
solchs mer dann anders ze hertsen geet an die kirchen wie hie hernach und an anderen enden ze malen 
bevelch und gemalt aller maß und formen wie anzaigt ist, alles treulich und an gevar. Got dem al- 
mechtigen, seiner werden muter Marie sey lob und ere und dem hochwirdigisten fiirsten danckh und 
allen denen die darzu geübt sein gewest die ewig saligkayt Amen. 

Darunter in zwei Reihen zehn einfach gemalte verblaßte Bilder mit erklärendem Texte: 

1. Ein Mann stürzt aus einem Segelboot ins Meer. Hanns schnell hat sich her verlübt mit einem leben- 

iigen opfer in einem schiffpruch zu Venedig, von stund an ist er erledigt worden. 



Qroßgmain 



141 



2. Vier Frauen bemühen sich um ein neugeborenes Kind. Ein kiiid von einer iodten muter gebracht, ist 
zur tauff kommen, alspald der vater sich her verlübt hat mit einem lebentigen opfer. 

3. Ein Knabe liegt nackt im Bette; daneben stehen ein Arzt und zwei Frauen. Ein knab hat zween 
brach gehabt, kain artzt hat im gehelffen mögen, die muter hat in her verlübt und er ist über nacht 
gesundt worden. 

4. Zwei Männer heben ein auf einen Knaben gefallenes Tor auf; links die betende Mutter. Ein groß 
und schwär stadl thor ist auff ein kind gefallen, die muter hat das kind her verlübt mit einem opfer 
und ist von stund an gesund worden. 




Fig. 130 Großgmain, Rest einer Anbetung der Könige (Rückseite des Bildes 

Tod Maria) (S. 137) 

5. Links klagende Mutter, am Boden ein Kind neben der umgestürzten Wiege, rechts ein Schwein. Ein 
saw hat einem kind das heupl gar erpissen und zerrissen und es ward her versprochen mit einem leben- 
tigen opfer und ward gesundt. 

6. Vorne eine betende Frau, hinten ein erhenktes Mädchen, rechts ein Mann mit einer Hacke. Ein 
Mägdlein hat sich erhenkt m einer zerrissnen pfaid, die da hängte für ein handtuch, die muetter er- 
schrocken verlobt das kind mit einem lebentigen Opfer hieher und ward wider lebendig. 

7. Ein Mann stürzt mit seinem Wagen in einen Fluß; iin Hintergrunde die Kirche Groß-Gmain. Ein 
Mann ist über ein stainwand 9 klafter höh abgefallen mit roß und wagen in ein wasser 6 klafter dieff, 
mitten im fall hat er sich hieher versprochen und ist gnädiglich erledigt worden. 



142 



Gerichtsbezirk Salzburg 



8. Eine Frau hält ein bewußtloses Kind in den Armen; durch ein Fenster erblickt man die Kirche Groß- 
Gmain. Ein kind wäre ertrunken in einem Bad, da das die mutier vernani mit betriebtem Herzen hat 
sie das Itind herverlobt mit einem lebendigen opfer und ward wider lebendig. 

9. Ein Mann zieht einen zweiten aus einer Schleuse. Im Hintergrunde die Kirche. Ein ehrbarer Burger 
zu Reichenhall wäre über ein waßerdurchlaß abgefallen, in solchem Fall verlobt er sich zu U. L. F. auf 
der Gmain mit einem lebendigen Opfer und wirdt erlöst. 




Fig. 131 Qroßgtnain,' Madonna (Detail). Rückseite des Bildes Tod Maria (S. 137) 



10. Eine Frau zieht ein Kind aus einem über einem Feuer hängenden Kessel. Rechts: Ein Mann hebt 
ein Kind aus einem Schmiedefeuer. Ein kind war in ein siedhaißes waßer, hernach gar in ein jeur ge- 
fallen, die muetter verlobt sich sambt dem kind mit einem opfer alher und befände sich frisch und gesund. 

Drei Inschriften vermelden Restaurierungen in den Jahren 1595, 1687, 1778. Die übermalten Bilder haben 
keinen künstlerischen, jedoch für die Kirche einen besonderen historischen Wert. Von Interesse für die 
Baugescliichte sind die Ansichten der Wallfahrtskirche selbst (im S. nur die Vorhalle, keine Sakristei; 
über dem Turme hoher Pyramidenhelm). 

8. Als Pendant an der Wand gegenüber eine zweite, spitzbogig geschlossene, aus mehreren Brettern zu- 
sammengesetzte Holztafel mit geringen Malereien (XVII. Jh.). Oben Gott -Vater und die Mutter Gottes 
von Großgmain, darunter 17 Szenen mit Darstellungen von wunderbaren Heilungen und Errettungen von 



Qroßgmain 



143 



Personen, die sich in der Not der Mutter Gottes von Großgmain verlobten. Aucti .diese Bilder sind 
künstlerisch geringwertig. Von Interesse sind die Ansichten der Kirche: Im S. steht östlich in einer Ent- 
fernung neben- der gotischen Torvorhalle bereits eine einstöckige Sakristei, mit ersterer durch einen 
niedrigen Zwischenbau verbunden. 




Fig. 132 Meister von Großgmain. Die hl. Jungfrau mit dem Kinde, Detail (S. 137) 

I 

Unter diesen älteren Bildern sind noch zwei Reihen von ganz verwitterten jüngeren angebracht, elf 
} Szenen, die alle das mit dem dreieckig fallenden Stoffkleide verhüMte Gnadenbild zeigen (XVllI. Jh.). 
I 9. Holz, halbkreisförmig; in der Turmhalle. Kreuzigung mit Maria und Johannes. Beiderseits die Propheten 

Jeremias und Oseas mit Schrifttafeln. Am Kreuze die Inschrift: Anno 1609. Renoviert anno 1696. 

II. Die folgenden Gemälde alle in der Sakristei (meist Öl auf Leinwand). 

10. 105 X 79. Halbfiguren. Ecce-Homo. Christus zwischen einem Pharisäer und einem geharnischten 
Schergen. Mittelgut, Ende des XVII. Jhs. 



144 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Fig. 133. 



Monstranzen. 
Fig. 134. 



Ziborium. 



Kelche. 

Fig. 135. 



11. 51 X 36. Holz. Kreuzigung, mit Maria und Johannes. Mittelgut, XVIII. Jh. 

12. 60 X 42. Halbfigur. Der hl. Chorherr Petrus Forerius mit einem Kruzifix in der Hand. Oben ein 
Cherubskopf und ein Putto mit einem brennenden Herzen in der Hand. Gut, Art des Zanusi. Schön 
geschnitzter Rol<okorahnien in Weiß und Gold; 1738 (s. S. 122). 

13. 136 X 75. Zwei zusammengehörige Bilder, Joachim und Anna, stehend, betend; oben schweben 
Cherubsköpfchen. Gute Salzburger Arbeiten, Mitte des XVUI. Jhs. 

14. 136 X 75. Der hl. Josef, auf der Weltkugel stehend, mit Lilie und Zimmermannswerkzeugen. Mitte 
des XVIII. Jhs. 

15. 208 X 110. Zwei große Altarbilder, rundbogig. a) Links sitzt die hl. Anna, die dem auf dem Schöße 
der hl. Maria stehenden Jesukinde einen Apfel reicht. Oben schweben vier Putten, b) Der hl. Sebastian, 
an einen Baumstamm gefesselt. Neben ihm knien zwei 

Putten, zwei andere schweben oben (Fig. 133). 
Beide gute Bilder, von gleicher Hand, erste Hälfte des 
XIX. Jhs. Sie waren jedenfalls dazu bestimmt, die Seiten- 
altarbilder von Zanusi zu ersetzen. 

Monstranzen: 1. Große Monstranz (Fig. 134). Silber, 
vergoldet. Prächtige getriebene Arbeit. Am ovalen, acht- 
fach ausgebuchten Fuße zwischen schrägen S-Voluten 
vier aufgeschraubte silberne ovale Medaillons mit den 
hochgetriebenen Figuren der sitzenden Evangelisten mit 
ihren Symbolen, von blumenumwundenem Bandwerk um- 
rahmt. Achtseitiger Knauf mit graviertem Bandwerk. Um 
das Gehäuse herzförmiger Rahmen mit kurzem Strahlen- 
besatz. Dahinter breiter durchbrochener silberner Rahmen 
mit getriebenen Akanthusranken und vier applizierten 
vergoldeten getriebenen Relieffiguren: Oben Taube und 
Gott-Vater, an den Seiten zwei kniende Engel mit Weih- 
rauchfässern, unten die thronende Mutter Gottes mit dem 
Jesukinde. Oben Bandwerk und Baldachin. Großer ver- 
goldeter Strahlenkranz mit Kreuz. Zahlreiche große un- 
echte bunte Steine in achtseitiger Silberfassung. — Marken 

(viermal): Augsburger Beschau. Meisterzeichen: „g in 

Dreipaß (R^ 519). Vorzügliche Arbeit des Johann 
Friedrich Bräuer in Augsburg, vom Anfange des 
XVIII. Jhs., 1726 erworben (s. S. 121). 

2. Klassizistische Form, Kupfer, vergoldet. Fuß oval, 
dreimal abgestuft, verziert in getriebener Arbeit mit Blatt- 
und Lorbeergirlanden und von Bändern umwundenen 
Blumen. Dreifach geteilter Knauf mit vasenförmigem 
Mittelstück. Lunula besetzt mit silbernen Ranken und 
roten Steinen. Um das Gehäuse doppelter getriebener, 
durchbrochener Rahmen aus Blattranken, innen vergoldet, 
außen versilbert, mit unechten Steinen besetzt. Dahinter 
vergoldeter Strahlenkranz mit Kreuz. Um 1800. 

Ziborium: Silber, vergoldet. Runder Fuß mit ge- 
triebenem Bandwerk und Blumen. Runder Knauf. Cuppa- 
korb mit getriebenem Bandwerk, Blumen und Ähren. 
— Marken: Augsburger Beschau. Undeutliches Meister- 
zeichen. Schöne Augsburger Arbeit vom Anfange des 
XVIII. Jhs. 

Kelche: Silber, vergoldet. 1. Großer Prachtkelch (Fig. 135). Prächtig verziert mit getriebenen Orna- 
menten und Figuren sowie sechs gemalten Emailmedaillons, besetzt mit Halbedelsteinen. Am sechspaß- 
förmigen Fuße drei auf Wolken sitzende Putten, die auf den Köpfen Körbe mit Trauben tragen. Da- 
zwischen je eine Kartusche mit Bandwerk, zwei Ährenbüscheln und einem Lorbeerrahmen um ein ovales 
aufgeschraubtes Emailmedaillon: Verspottung Christi — Christus stürzt unter dem Kieuze — Kreuzigung, 
mit Maria, Johannes und Maria Magdalena. Am Griff unten flachgetriebenes Bandwerk und Behänge. -— 
Knaui: An der Basis durchbrochener Bandwerkring, besetzt mit drei kleinen Muscheln und drei appli- 
zierten silbergefaßten Rauten. Darüber Mittelstück mit drei glatten Kartuschen, zwischen denen drei in 
Hochrelief getriebene Putten stehen, deren Arme in den volutenförmigen, mit je einem Halbedelsteine 




Fig. 133 
Qroßgmain. Der hl. Sebastian, um 1830 (S. 144) 



Oroßgmain 



145 



besetzteil Oberteilen der Kartuschen stecken. — Cuppakorb ähnlich verziert wie der Fuß. Drei Email- 
medaillons: Abendmahl — Geißelung Christi — Christus am Ölberge. Dazwischen je ein auf Wolken 

schwebender Putto mit Leidenswerkzeugen (Kreuz, Stab mit Schwamm, Nägel und Hammer). 
[M) Oben über einem Wellenbande durchbrochener Bandwerkfries mit kleinen Muscheln. — Marken: 

Unbekanntes Beschauzeichen. Meisterzeichen: AR in breitovalem Felde. Ausgezeichnete Arbeit 

um 1720. Vom gleichen Meister ist ein Kelch in Siezenheim. 

2. (Fig. 136 a, 137 a). Reich verziert in getriebener Arbeit. 
Sechspaßfuß mit drei von zierlichem Bandwerk um- 
rahmten Paaren von Cherubsköpfchen, drei ovalen Me- 
daillons mit je zwei Figuren: Maria und Josef, oben 
Auge Gottes — Maria Verkündigung — Maria Heim- 





Fig. 136«, 
137a. 



Fig. 131 Großginain, Monstranz 
von J. F. Bräuer in Augsburg, um 1726 (S. 144) 



Fig. 135 Oroßgmain, Prachtkclchi, 
um 1720 (S. 144) 



.suchung. Unter den Medaillons Blumengirlanden. Knauf mit Rocaillen. Massiver Cuppakorb, ähnlich 
'wie der Fuß verziert. Reliefmedaillons: Maria Tempelgang — JV\ariä Himmelfahrt. — Unten das Jesu- 
kind in Windeln, von Cherubsköpfchen auf Wolken getragen, ober ihm ein Engel mit dem strahlenden 
iMonogramm Jesu. Ein breiter Perlstab und ein Zinkenkranz bildet den Abschluß. — Marken: Augs- 

I T 

burger Beschau. Meisterzeichen: pg in Dreipaß (R^ 519). Sehr schöne Arbeit des Johann Friedrich 
Bräuer in Augsburg, um 1726, Knauf um 1750. Der Kelch wurde 1726 erworben (s. S. 121). 

3. (Fig. 136 c, 137 d). Rokokoform. Der geschwungen-runde, einmal abgestufte, dreifach gebuckelte Fuß, 

der dreiseitige Knauf und der massive Cuppakorb sind reich verziert mit getriebenen unsymmetrischen 

Rocaillen. Am Fuß und Cuppakorb je drei Rocaillenkartuschen mit einer Rose in der Mitte. — Marken: 

XI 19 



Fig. 136c, 
137Ö. 



146 



Oerichtsbezirk Salzburg 



Augsburger Beschau mit O (1759-1761; R- 200). Meisterzeichen: ITH in Breitoval (R^ 265). Schöne 
Arbeit des Josef Tobias Herzebick in Augsburg, 1 760. 

Fig. 136&. 4. (Fig. 136/?). Reiche Rokokoform, mit sechs Emailmedaillons. Prächtig verziert mit getriebenen Rocaillen. 
Geschwungen-runder Fuß mit kräitiger Abstufung. In drei Rocaillenkartuschen je ein fein gemaltes Email- 
medaiilon, umrahmt von durchbrochenen silbernen Ranken und zehn roten Steinen: Ecce-Homo — Ver- 
spottung und Dornenkrönung — Kreuzigung. Vasenförmiger dreiseitiger Rocaillenknauf. Am massiven 
Cuppakorb in Rocaillenumrahmung drei wie oben gefaßte Emailmedailions: Chiistus am Ölberge, vom 
Engel getröstet — Abendmahl — Geißelung Christi. Diese sechs Szenen sind sehr gut und fein gemalt. — 

Marken: Augsburger Beschauzeichen mit Q (1763—1765; R^ 204). Meisterzeichen: J^ in Dreipaß (R^ 553). 

Sehr schöne Arbeit des Georg Ignaz Bauer in Augsburg, um 1764; 1765 erworben (s. S. 123). 

5. Schmuckloser glatter Kelch. -- Marken: Am Fuße ganz klein SN. An der Patene: Rosette in Fünfeck, 
A K in Rechteck. XIX. Jh. 




Fig. 136 Oroßgmain, Kelche. 
a Von J. Fr. Bräuer in Augsburg, 1726 b Von G. J. Bauer in Augsburg, 1764. c Von J. T. Herzebick, 1760 (S. 145, 146) 



Kreuzpartikel- Kreuzpartikel monstranz: Silber, zum Teil vergoldet, getrieben. Am ' ovalen Fuße Bandwerk- 
monstranz. Ornamente, zwei Cherubsköpfe, zwei Rosenbuschen. Runder Knauf mit Bandwerk. Schein: Großes Kreuz 
mit ovalem Mittelteile (darin unter Glas der hl. Kreuzpartikel) und trapezförmigen Armen, verziert mit 
graviertem Bandwerk. Vergoldeter Strahlenkranz. Zwischen den Kreuzarmen appliziert silbernes Band- 
werk. Unten ein Cherubskopf, oben auf Wolke die Halbfigur Christi als Schmerzensmann. Rückwärts am 
Gehäuse eingraviert ein Kreuz und die Initialen M. G. Alte Marken fehlen. Mittelmäßige Arbeit. Um 1735. 

Opferkänn- Opferkännchen samt Platte: 1. Silber. Schön verziert mit getriebenem Bandwerk auf gepunztem 
chen U.Platte. Grund und Gitterwerk. In der Mitte der Tasse in zwei Perlkreisen die gravierten Monogramme Jesu und 

Maria. — Marken: Augsburger Beschau. Meisterzeichen: p g in Dreipaß (R^ 519). Gute Arbeit des 

Johann Friedrich Bräuer in Augsburg, um 1725. Sie wurden 1725 erworben (s. S. 121). 

2. Silber, vergoldet. Schön verziert mit getriebenen Rocaillen. Rokokoform. — Marken: Augsburger 

Beschau mit K (1751—1753; R^ 194). Meisterzeichen: ^j^^ in Herzfeld (R-' 539). Schöne Augsburger 



Großgmain 



147 



Arbeit, um 1752, von Franz Christoph Mäderl (gest. 1765) (oder Friedrich Conrad Mitt- 
nacht [gest. 1788J) (Fig. 138). 

3. Silber. Verziert mit getriebenen Rocaillen. An der Tasse in zwei Kreisen die gepunzten Monogramme 
Jesu und Maria. Alte Marken fehlen. Mittelmäßig, Mitte des XVlIl. Jhs. 

Rauchfaß und Schiffchen: 1. Silber. Beide schön verziert mit getriebenen großen Blüten und 
Blumen. Am Rauchfasse drei Cherubsköpfchen. — Marken: Salzburger Beschau. Meisterzeichen: P M 
in Queroval. Schöne Arbeit des Paul Mayr in Salzburg (Bürger seit 1636), um 1660 (Fig. 139). 

2. Messing, versilbert. Verziert mit getriebenen Rocaillen, Gitterwerk und Blumen. 1756 gekauft (s. S. 123). 

Taufschüssel: Kupfer, innen verzinnt. Am Boden in primitiver getriebener Arbeit die Figur des 
lil. Cliristophorus mit dem Jesukind auf den Schultern, im Kreis umrahmt von getiiebener Wellenranke 
und unleserlicher Inschrift. Am Rande eingepunzte Rosetten; XVI. Jh. 

Bittgangskreuz: Silber. Am Fuße getriebene Rosen. Kruzifixus und Rosetten vergoldet. — Maike 
ausgebrochen. Mittelmäßig, Mitte des XIX. Jhs. 



Fig. 138. 



Rauchfaß 

u. Schiffchen. 

Fig. 139. 

Taufschüssel. 



Biltgangs- 
kreuz. 




Fig. 137 Großgmain, Kelche, a Von J. F. Bräuer in Augsburg, 1726. 
b Von J. T. Herzebick in Augsburg, 1760 (S. 145, 146) 



Gürtlerarbeiten: 1. (Fig. 140). Vier große Reliquiare zum Aufstellen am Hochaltare, 1'30 w hoch, 
Holzgehäuse, vorne verkleidet mit reich getriebenen Rahmen aus versilbertem Messingblech in Form 
einer mit fünf vergoldeten Trauben und drei vergoldeten Rosen besetzten großen Rocaillenkartusche mit 
zwei verglasten Öffnungen. Unten in reicher Flitterrahmung die Reliquien und je ein ovales Wachs- 
medaillon; oben auf einem mit versilbertem Messingblech maskierten Rocaillenpostament die versilberte 
Holzstatuette je eines stehenden Heiligen, umgeben von vergoldetem Strahlenkranze: die hl. Bischöfe 
Augustinus und Nikolaus, die hl. Mönche Franciscus und Felix (?). — Statuetten und Rahmen gute 
Arbeiten aus der Mitte des XVIII. Jhs. 

2. Reliquiar: Messing, vergoldet und versilbert, mit getriebenen Rocaillen und unechten Steinen verziert. 
In Form einer kleinen Rokokomonstranz. Mittelmäßig, Mitte des XVIII. Jhs. 

3. Zwei kniende Leuchterengel. 46 cm hoch, in getriebenem Flachrelief aus versilbertem Messingblech. 
Um 1700. 

4. Tragkreuz, zum Aufstecken auf eine Holzstange, 85 cm hoch. Messing, vergoldet, mit applizierten 
getriebenen versilberten Rocaillen und dem Auge Gottes im Strahlenkranze. Mitte des XVIII. Jhs. 

5. Altarkruzifix: Holzkern, verkleidet mit getriebenem versilbertem Messingblech, 77 cm hoch. Auf dem 
breiten Rocaillenpostament stehen an den Seiten Maria und Johannes. Mitte des XVIII. Jhs. 

19* 



Gürtler- 
arbeiten. 
Fig. 140. 



148 



Gerichtsbezirk Salzburg 



6. Kleines Standkruzifix, 42 cm hoch, Messingblech, versilbert, auf Holzkern. Die Figur des Gekreuzigten 
und die Inschriftenkartusche darüber sind vergoldet. Am Postamente getriebene Rocaillen. Mitte des 
XVIII. Jhs. 

7. Vier Schmucktafeln für den Hochaltar, 105 cm hoch. Reich geschnitzte, alt versilberte Rocaillenrahmen 
um flache rundbogige Nischen mit den Reliefhalbfiguren einer hl. Nonne (Scholastika) und dreier hl. 
Mönche aus getriebenem versilbertem Messingblech. Mitte des XVIII. Jhs. 

8. Reliquiar, in Form einer kleinen Monstranz, 31 cm^hoc\\, Messing, versilbert und vergoldet. Erste 
Hälfte des XIX. Jhs. 




Fig. 138 Großgmain, Opferkännclien samt Platte von F. C. Mädcrl in Augsburg, 1752 (S. 147) 



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Fig. 139 Großgmain, Rauchfaß und Schiffciien von Paul Mayr in Salzburg, um 1660 (S. 147) ^ 



Kanontafeln. Kanontafeln: Garnitur mit schönen Rokokorahmen aus getriebenem versilbertem Messingblech. Gut, 
um 1750. 

Leuchter. Leuchter: 1. Großer dreiseitiger Holzleuchter, mit drei Volutenfüßen und geschnitzten Ornamenten, 
bratin gestrichen. Mitte des XVII. Jhs. (Beim Hochaltar.) 

2. Vier geschnitzte Leuchter, dreifüßig. Holz, versilbert. Am Postament und am Knauf je ein Cherubs- 
kopf. Um 1700. (Rechter Seitenaltar.) 

3. Sechs geschnitzte versilberte Holzleuchter, dreifüßig. Am Postament und am Knauf je drei Cherubs- 
köpfe. Um 1700. (Hochaltar.) 



Großgmain 



149 



4. Vier geschnitzte versilberte Holzleuchter, dreifüßig, mit Akanthuswerk. Am Postamente vorne je drei 
Cherubsköpie, am Knauf einer. Anfang des XVIII. Jhs. (Linker Seitenaltar.) 

5. Sechs geschnitzte Holzleuchter, versilbert, dreifüßig, am Postamente vorne fünf Cherubsköpfe. Anfang 
des XVIII. Jhs. 

6. Acht dreifüßige Holzleuchter, weiß, mit vergoldetem Bandwerk. Um 1730. (Sakristei.) 

7. Vier Leuchter, Messing, versilbert, mit getriebenem Bandwerk, um 1730. 

8. Acht große Leuchter, 78 cm hoch, dreifüßig, von reich profilierter Form, aus versilbertem Messingblech, 
reich verziert mit getriebenen Rocaillen. Schöne Arbeit vom Gürtler AndreasMertzin Reichenhall, 1779. 

Vasen: 1. Vier zweihenklige Blumenvasen, Holz, versilbert, mit drei vergoldeten Cherubsköpfen. Vasen. 

Von Andreas Österreich, 1713 (s. S. 120). 

2. Zwei breite und zwei kleine Vasen, Holz, versilbert, mit ver- 
goldetem Bandwerke. Um 1735. 

3. Sechs zweihenklige Ziervasen. Holzkern, vorn verkleidet mit 
versilbertem Messingblech, mit getriebenen Rocaillen. Von 
A. Mertz, 1778 (s. S. 123). 

P 1 u V i a 1 e : Mittelstück roter, Hauptteil weißer Goldbrokat. Zweite Pluviale. 
Hälfte des XVIII. Jhs. 

Dalmatika: Weiße Seide mit gestickten Rosen, Kornblumen Dalmatika. 
und grünen Zweigen. XVIII. Jh. 

Kasein: 1. Prachtkasel. Weiße Seide, reich gestickt mit schweren Kasein, 

goldenen Ranken, Band- und Gitterwerk. Auf der Stola in Gold 
gestickt die Initialen FGP und die Jahreszahl 1786. Sehr schöne 
Arbeit. 

2. Mittelstück weiße Seide mit gewebten roten Rosen und gelben 
Blättern. Seitenteile rote Seide mit großen gewebten silbernen 
Blattranken. XVIII. Jh. 

3. Weiße Seide, mit gestickten hellrosafarbigen Rosen, blaßgrünen 
Stengeln und blauen Kornblumen. Schöne Arbeit. XVIII. Jh. 

4. Mittelstück weißer Goldbrokat, mit grünen Ranken und fleisch- 
farbenen Blumen. Seitenteile rot mit gewebten goldenen Blumen. 
XVIII. Jh. 

5. Mittelstück roter Samt, Seitenteile rosafarbiger Brokat mit groß- 
blumigem Muster. XVIII. Jh. 

6. Mittelstück weiCe Seide mit gewebten großen goldenen Blättern, 
roten und violetten Rosen, grünen Zweigen. Seitenteile wie bei 3. 
XVIII. Jh. 

7. Miltelstück roter Samt, Seitenteile orangefarbener Goldbrokat 
mit großblumigem Muster. XVIII. Jh. 

Varia: 1. Altes Tabernakel des Hochaltars. Holz, vergoldet. Varia. 

Rundbogige Tür, von Rankenwerk umrahmt, oben Muschel. Da- 
neben auf Postamenten zwei vorgestellte gedrehte, von Reben 
umwundene Säulen mit Kompositkapitälen. An den Ecken kanne- 
lierte Pilaster mit Konsolen für Statuetten. Gebälk mit (späterem) 
kleinem Giebelaufsatz. 1675 von Hans Georg Stadler in 
Reichenhall angefertigt (s. S. 119) (Sakristei). 
2. Traglaternen. Zwei große mit gewundenen Stäben und je sechs alt polychromierten Evangelisten- 

tatuetten aus Ho!z. Oben die Statuette des hl. Sebastian (die zweite fehlt). Um 1720 (Sakristei). 

i. Sechs einfachere Traglaternen. XVIII. Jh. 

4. Zwei Garnituren von Kerzentragstangen. XVIII. Jh. 

5. Rahmen um kleine rundbogige Nische, Holz, vergoldet. Reiches geschnitztes Rankenwerk, oben rundes 
Medaillon mit dem gut gemalten Brustbilde der hl. Maria. Zweite Hälfte des XVII. Jhs. (Sakristei). 

6. Vier kleine Reliquientafeln, Holz, neu (grau) gestrichen. In jedem unten ein oblonges, oben ein größeres 
rechteckiges Feld, darin unter Glas in Goldflitterfassung Reliquien. An den Seiten und oben geschwungene 
Verzierungen. XVII. Jh. (Seitenaltäre). 

7. Zwei Reliquiare in geschwungenen, gut geschnitzten, altvergoldeten Holzrahmen. Um 1750. 

8. Vier Aufsatztafeln für den Hochaltar, 105 cm hoch, Holz, versilbert, in Form von reich geschnitzten 
Rocaillenkartuschen auf Basen mit zwei Volutenfüßen. Im Gehäuse unter Glas verschiedene Devotionalien. 
Mitte des XVIII. Jhs. 

9. Zwei geschnitzte Rocaillenpostamente, Holz, vergoldet und versilbert, mit den Monogrammen Jesu 
und Maria. Mitte des XVIII. Jhs. 



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Fig. 140 Großgmain, Reliquiar 
aus getriebenem Messing, um 1750 (S. 147) 



150 



Gerichtsbezirk Salzburg 



10. Postament mit zwei Cherubsliöpfchen, Holz, polychromiert, XVlll. Jii. 

11. Standkruzifix: Auf prismatischem Postamente hohes Kreuz, beide aus schwarz lackiertem Holze. 
Daran die gut modellierte, 35 cm hohe Figur des Gekreuzigten aus Zinn. Oben Inschriftschild. Am 
Postamente die modern aufgemalte Jahreszahl 1611. Gute Arbeit. 

12. Standkruzifix, 70 cm hoch, mit einfachem Postamente. Holz, schwarz lackiert, der Gekreuzigte aus 
Zinn. XVII. Jh. 

13. Zwei kleine Reliquiare, Holz, schwarz lackiert, in Form eines kleinen Altärchens, 46 cm hoch. Die 
ursprünglichen applizierten Verzierungen (wohl aus getriebenem Silber) fehlen. Dritte Hälfte des XVII. Jhs. 

14. Vier Kirchenfahnen mit übermalten doppelseitigen Fahnenblättern und Messingkreuzen, a) Inmia- 
kulata — St. Florian. Um 1730. — b) Madonna über Skapulierbruderschaft und über Kranken. Von 




Fig. 141 Oroßgmain, Marmorbrunnen mit doppelseitiger Marienstatue 
von J. Schwaiger, 1693 (S. 152) 



Franz X. König, 1759 (s. Gesch.) — c) Krönung Maria — Maria mit ihren Eltern. Um 1735. 

d) Hl. Familie — St. Barbara: modern. 

15. Sakristeischrank, Nußbaum mit geschnitzten Füllungen. Um 1674. 

Grabsteine. Grabsteine: Rote Marmorplatten (wenn nicht anders angegeben). In der offenen Turmhalle sind an 
der Ostwand sechs Grabsteine aufgestellt. 1. Sehr großer Stein. In den zwei unteren Dritteln in Relief 
großes Wappen der Nußdorfer (springendes Einhorn) mit zwei kleinen unkenntlichen Ahnenwappen. 
Oben fünfzeilige, sehr stark abgetretene Inschrift in gotischer Minuskel. 

2. Kleiner Stein. Unten in Relief zwei in die Allianz gestellte Wappen. Oben siebenzeilige Inschrift in 
gotischer Minuskel: Hie begraben Junkhf{r)aw Brigita des Edlh Vessten Hanns{&n) vd{n) Sonderndorf ze 
Unn (?) derzeit pfleger zu Reichenhall eetiche Tochter. 1519. 

3. Unten Relief: Flachbogige Nische mit Muschelabschluß, flankiert von zwei Pilastern, in den Zwickeln 
zwei Cherubsköpfchen; darin zwei Wappenschilde. Oben neunzeilige Inschrift: Anno domini 1583 Am 
Heyligen Aufartag Ist in Gott seligklichen Verschiden der Edle Hochgelert und Vest Rochus Freymon 
beder Rechtn Doctor Frst. Bayr. Rath und in die 20 Jar gewester Bergtesgadischer Cantzler. 



Großgmain 



151 



4. In der unteren Hälfte in Hochrelief reich skulpiertes Wappen, flankiert von zwei Cherubsköpfen, dar- 
unter Totenkopf. Oben in skulpierter Umrahmung mit vier Eckmasken neunzeilige Inschrift. Andre Hau 
zu Ohenihausen. gestorben 25. November 1612. Gute Arbeit. 

5. Kleine oblonge Inschriftenplatte. Gedenkstein für Georg Kambier auf der Schwaig (gest. 1597), seine 
Frau Margareta (gest. 1606) und deren Kinder, im Jahre 1607 errichtet von ihrem Sohn Meister Hans 
Kambier, Schneider und Bürger in Salzburg. 

6. Kleiner Obelisk aus hellem Marmor. Sebastian Mundigler, 1822. 

Glocken: 1. Zweitgrößte Glocke. Glatt, oben Umschrift in gotischer Minuskel: omnes sancti dei orate 
pro nobis yhesus maria — ha ans Reycher 1501 . 



Glocken. 




Fig. 142 üroßginain, Marmorbninnen mit doppelseitiger Marienstatuc 
von J. Schwaiger, 1693 (S. 152) 



2. GroCe Glocke. Oben Fries, unten Inschrift: [Gott] . . . zu ehren pin ich geflossen Carl Wolfgang Gug 
[goss mich] in Salzburg anno 1761. Maria Krönung — Mutter Gottes von Gmain. 

3. Gotische Glocke. Glatt. Oben Inschrift in gotischer Minuskel: Jesus nazarenus rex iudaeorum 1511. 

4. Gegossen von Oberascher, Salzburg, 1832. 

5. Modern. 

Im Friedhofe mehrere gute schmiedeeiserne Kreuze des XVIII. Jhs. 

Kapelle: Im Südwesteck des Friedhofes. Einfacher, kleiner, rechteckiger, weiß gefärbelter Bau; im O. 
rundbogige Öffnung mit gutem schmiedeeisernem Gilter des XVII. Jhs.; Brüstung und Kniebank aus 
rotem Marmor. Vorspringendes Pyramidenschindeldach. Innen gratiges Kreuzgewölbe. Einfacher Holz- 
altar mit Aufsatzbild: Öl auf Leinwand. Links drei blau gekleidete Mitglieder der Skapulierbruderschaft; 
rechts arme Seelen im Fegefeuer. Oben die auf Wolken thronende Madonna mit dem Kinde, die dem 
hl. Simon Stock ein Skapulier reicht. Links ein Putto mit einem Skapulier. Geschnitzter Rocaillenrahmen 
(in Weiß und Gold). Um 1755. — Kruzifix und vier Holzleuchter, um 1700. Sechs Soldatengedenk- 
kreuze aus Holz, mit gut gemalten Blechbildchen (1846, 1849, 1856, 1857). 



Kapelle. 



152 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Brunnen. Brunnen (Fig. 141, 142): Am Platze hart neben der südlichen Friedhofmauer. Heller Untersberger 
Fig. 141, 142. Marmor. Auf zwei Stufen sechseckige Brunneneinfassung, verziert mit skulpierten dicken Fruchtgehängen. 
Darauf einfaches schmiedeeisernes Gitter. In der Mitte auf prismatischem, jederseits mit einem gut 
skulpierten Cherubskopfe verziertem Postament die merkwürdigerweise nach zwei Seiten hin ausgebildete, 
auf der Mondsichel stehende Statue der Immakulata (mit zwei Gesichtern). Auf der Westseite empor- 
blickend, mit auf der Brust gekreuzten Händen, auf der Ostseite niederblickend, mit beiden Händen ihre 
Brüste haltend, aus denen ursprünglich zwei Wasserstrahlen herniederflossen, mit Beziehung auf das 
Wunder des hl. Bernhard. Ein Blechkranz verdeckt jetzt diese Darstellung. Der Brunnen wurde zuerst 
1646 vom Steinmetzen Martin Pfenninger um 250 fl. hergestellt (s. S. 119). 1693 wurde er durch den 
Ste'nmetzen Andreas Doppler in Viehhausen verschönert und erhielt die von dem Reichenhaller 
Bildhauer Johann Schwaiger gemeißelte doppelseitige Marienstatue (s. S. 120). 

Wegkruzifix. Wegkruzifix: Am Wege von Gmain zur Plainburg, mit drei Cherubsköpfen. Holz, neu gefaßt. XVIII. Jh. 







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Fig. 143 Ruine Piain, Grundriß 1 : 800 (S. 153) 



Ruine Piain 

Archivalien: SRA (Hfk. Glanegg 1577 J). 

Literatur: HObner, Flachland 134. — Pillwein, Salzachkreis 360. — Süss, Jahresb. d. Mus. 1853, 83. — Richter, Unter- 
suchungen, passim, bes. 686. — Otto Piper, Österr. Burgen, V (1907) 121 f. 

Die Plainburg ist die Stammburg der Grafen von Plaien oder Piaigen, die um 1100 auftauchen und 
1260 ausstarben. Um 1140 wird ein Hof Reut iuxta Plagien castrum genannt (Hauthaler, U.-B. 1, 354). 
Noch am 1. Mai 1250 versprachen die Brüder Otto und Konrad dem Erzbischof Philipp, daß mindestens 
einer von ihnen, außer wenn ein Kampf die Anwesenheit beider erfordere, beständig auf Playn, also 



Ruine Piain 



153 



in der Nähe des Erzbischofs, anwesend sei (Juvavia 405). Durch den Ausgleich mit Bayern im Erhartinger 
Vertrage 1275 und durch Verzicht der Plainischen Verwandten fiel Schloß und Gericht an das Erzstift, das 
dort Burggrafen oder Pfleger einsetzte. Am 28. April 1576 wurde mit Sebastian Möracker, Zimmer- 
meister, ein Geding gemacht: Er soll 

das jetzt stehunt alt Tachwerk alles abtragen, desgleichen auch die alten POden und Holzwerch alles herausbrächen. 

Er soll auch das neue Tachwerch alles umb 3 Schuech höher, als es im Modell verfasst ist, machen und dasselb mit 

»einem guten Überzimmer aufbauen und drey Rinnen, darein das Wasser von allen Dächern allenthalben /Hessen thuet, 
der Notdurft nach an die Statt richten, auch alsdann von denselben Rinnen das Wasser durch andere Rinnen in ain 
Wasserstuben oder Zistern führen, mer soll er auf angeregte Überzimmer ain neues Schardach von Lerchenschinll auf- 
dOgken, er soll auch einen Ausgang auf vermelts Tach und unter dem Tach ain Zug, damit man alle Notdurft auf- 
ziehen kann, machen und nachdem auf diesen (großen) Stock zway Türmt, wie sy in Modell verfasst sein, kommen, 
so soll er gleichfalls dieselben mit Zimmer- und Tachwerk versehen. 




Fig. 144 Ruine Piain, Haupttor (S. 154) 



In das Gebäude kommen 19 Tiirstöcl<e, 16 große Fenster, A^;.^ hoch, 3' weit, 36 kleine Fenster 3' 5 Zoll hoch, 2^j.^ weit, 
2 kleine Fensterin in die Verhör- und Gesindstube dardurch das Essen geraicht müess werden. Für die Thflrstöck 
15 glatte Thürn und für die Fenster 52 Palgkhen. Da die Zistern nicht .gehäbig' ist, soll er eine Wasserstube machen 
12' lang 8' weit und 5' tief. 

Für diese Arbeiten bekam er das Material beigestellt und 370 fl. und 10 fl. Leykauf. 
Außerdem waren bei diesem Bau noch beschäftigt: G eorg H altensinn, Hofschlosser, Carl Pamber, 
•Hofhafner, Peter Schalmoser, Bürger und Steinmetz (400 fl.), Philipp Weinmair, Bürger und 
Glaser (40 fl.). 1594 wurde das Gericht mit dem in Staufenegg vereinigt und die Burg seither nicht mehr er- 
jhalten. Erst Erzbischof Max Gandolph ließ — wie die Inschrift über dem Tor besagt — im Jahre 1674 die 
Jhalbverfallene Feste wieder bewohnbar machen. Im Laufe des XVIII. Jhs. überließ man sie endgültig dem 
jVerfalle. Die Ruine war im XiX. Jh. einige Zeit Privateigentum des Königs Ludwig I. von Bayern. 
Die Capella in castro Piajen wurde 1144 von Papst Lucius II. dem Stifte St. Zeno, in dessen Pfarre sie 
lag, bestätigt (Mon. Boic. 3, 530). Über ihre Schicksale sind wir nicht unterrichtet. Eine Glocke kam 
11809 nach Grödig (s. dort). 

XI 20 



154 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Besdireibung. Beschreibung (Fig. 143 — 145): Die Burgruine liegt auf einem mäßig hohen, aber die Umgebung 
Fig.143— 145. vollkommen beherrschenden, nach allen Seiten hin gleichmäßig abfallenden, jetzt ganz bewaldeten Hügel, 
IV2 ^w östlich von Großgmain (635 m Seehöhe). 

Der jetzige Fußweg führt an der Ostseite der Burganlage am alten Eingang vorbei durch eine Bresche 
der Mauer direkt in den äußeren Burghof. 

Der alte Eingang lag im NO. der ganzen Anlage. Hier stehen noch die drei aus Bruchsteinen errichteten 
Breitpfeiler, auf denen die hölzerne Zufahrtsbrücke auflag. Das Tor ist fast ganz zusammengestürzt. Von 
der Toranlage steht noch das kurze Stück Nordmauer und die Ostmauer. An einem Mauerabsatz im 
Innern der Ostmauer erkennt man, daß die Einfahrt überwölbt war, wohl mit einem flachbogigen Tonnen- 
gewölbe. Unten in der Ostmauer eine Schießluke mit breit abgeschrägter Laibung, oben drei Tramlöcher 
für den am Gewölbe auflagernden Holzboden des Obergeschosses. 




Fig. 145 Ruine Piain, Inneres der Haiiptburg (S. 154) 



Fisj. 114. 



Unmittelbar rechts (westlich) neben dem Tor erhebt sich zu beträchtlicher Höhe ein sehr fest aus Quadern 
und Bruchsteinen erbauter Torturm, von dessen Nordostecke sich 1910 ein beträchtliches Stück gelöst 
hat. Der noch gut erhaltene Eingang liegt an der Südseite, in Stockliöhe über dem Boden. Im W. ist 
jetzt eine große Öffnung eingebrochen. Im O. ist oben noch eine Schießscharte erhalten. Das Innere 
(4:4-5 m) ist zur Hälfte von den Trümmern der eingestürzten oberen Mauerteile angefüllt. 
An den Berchfrit schloß sich im W. die Ringmauer an, die dann nach SW. umbog und zur Hauptburg 
führte. Im letzteren Teile steht sie noch in beträchtlicher Höhe. 
Eine zweite, weniger hoch erhaltene lange Mauer zieht sich vom Tore in südwestlicher Richtung bogen- 
förmig und ansteigend zu der höher gelegenen Hauptburg hin. Diese Ringmauern umschlossen nach 
außen hin den relativ sehr großen äußern Burghof, der nicht eben ist, sondern gegen die Hauptburg 
zu nach Südwesten ziemlich stark ansteigt. Von den wahrscheinlich hölzernen Wirtschaftsgebäuden, die 
jedenfalls ursprünglich hier standen, ist nichts mehr zu sehen. 
Die Hauptburg steht auf dem Gipfel des Hügels. Sie hat die Form eines unregelmäßigen Sechseckes 
und wird von einer hohen Bruchsteinmauer umschlossen, die gut erhalten ist. An der schmalen Nord- 
ostseite sieht man ein vermauertes flachbogiges Fenster mit Ziegelsturz und darüber ein altes vermauerte 
ruiidbogiges Fenster in Steinrahmung mit abgeschrägter Laibung. Die dem äußeren Burghof zugekehrt 
lange, gerade Hauptfront erstreckt sich von SW. nach NO. Ungefähr in ihrer Mitte liegt das alte Haupt 
tor (Fig. 144), ein großes gotisches Spitzbogenportal in profilierter Sandsteinumrahmung. Darüber is 
oben das Marmorwappen des Erzbischofs Max Gandolph Grafen von Kuenburg eingemauert und unte 
diesem eine dunkel verwitterte Marmortafel mit der Kapitalinschrift: Munimentum hoc tractu temporii 



Guggental 



155 



consiimptum / habilitati restituU / Max. Gand. ex comiti. de / Kuenburg ar. Sal. S. S. ap. L Äö MDCLXXIV. 
Daneben links oben zwei ausgebrochene Öffnungen und zwei intakte schmale Schießscharten in Sand- 
steinrahmung. Rechts vom Tor fünf später ausgebrochene Öffnungen. 

Die beiden langen Mauern im N. und SW. bilden zugleich die äußeren Umfassungsmauern. Auch sie 
sind von mehreren, später vergrößerten Öffnungen und Schießscharten durchbrochen (Fig. 145). Von den 
Gebäuden, die diese umfangreichen Mauern umschlossen, ist nichts stehen geblieben mit Ausnahme eines 
langen, schmalen, rechteckigen Gebäudes, dessen Fundamente im N. des Hofes zu erkennen sind; nur 
die Südwestmauer steht noch in größerer Höhe, sie ist von zwei großen Öffnungen durchbrochen und 
hat ein von Quadern eingefaßtes Eck. Im Innern war dieses Gebäude (wie man an der hohen Nordmauer 
sieht) in drei Geschosse geteilt. Im Nordwesteck, wo wohl ursprünglich ein Turm war, ist jetzt ein 
hölzerner Aussichtsturm eingebaut, der einen sehr schönen Blick auf Großgmain und die Umgebung 
bietet (Fig. 113). Gleich rechts vom Tore liegt ein in den Fels gehauener tiefer (jetzt wasserloser) 
Brunnen in runder Einfassung. 

Das Niveau des nordöstlichen schmäleren Teiles der Hauptburg liegt um einige Meter höher als der 
innere Burghof. Die Fundamente des Gebäudes, das hier stand (wohl der Palas), liegen unter einer 
dichten Humusschichte. Die ganze Ruine ist mit Bäumen und Gesträuch bewachsen, auch auf den 
Mauern selbst haben zahlreiche kleine Bäumchen Wurzel gefaßt. 
Als die stattlichste Burgruine unseres Bezirkes verdient Piain unsere besondere Beachtung. 



Fig. 145. 




Guggental, Rotte 



Archivalien: SRA (Hoflc. Neuhaus passini). 

Literatur: Hübner, Stadt 1, 563. — Piu.wein, Salzachkreis 377. 

NOO (6. Juni) verkauf t Hans der Pfaffenswanter von Pä/iel an Heinr'.ch von Gitkken- 
tal seinen Zehent zu Qukkental im Gerichte Heuberg (SCHMID, Urk.-Regesten der 
Alien Kapelle in Regensbiirg. 1911, S. 98 und 516). 1589 besitzt das Gut G. .Mar- 
gareta Schiltl oder Brieferin, geb. Fran/nriann, ,M. Georg Scribas, Hofgerichtsse/iretärs 
Hausfrau' (SRA Hofk. Salzb. I5S9 M-). Erzbischof Paris Lodron brachte es an 
sich und widmete es zu der 1633 von ihm gegründeten Primogenitur für die Lo- 
dronische Familie. Wenige Jahre später kaufte er es aber von dieser wieder zu- 
rück und übergab am 24. Dezember 1642 ,das Gut und Hof Guggenthal und Mühl 
im Graben daselbst . . . nit weniger das neugebaute Herrenhaus" dem Rischof 
Johann Christof von Chiemsee und seinen Nachfolgern gegen mehrere Bedingungen 
(v. JAKSCH in Archiv für vat. Gesch. von Kärnten XIX 173). Zur Bequemlich- 
keit für die gräfl. Familie wurde 1633 ein .Forstenweg" angelegt, der ausschließlich 
nur von dieser befahreu werden durfte. 1682 erhielt die Frlaubnis zur Benutzung 
auch Franz Carl Polito, hf. Truchseß und bestellter Hauptmann (vermählt mit 
M. Ursula Katharina v. Grimming), der 1670 (1. Juli) Gut und Hof Guggental 
samt der Mühle im Graben, einen Waldort, das neugebaute Herrenhaus und alles 
Zugehör von Bischof Johann Franz von Chiemsee zu Erbrecht gekauft hatte (Orig.- 
Urk. SRA), jedoch gegen Unterhaltung des Weges (Hofk. Neuhaus 1696 N.). 

Nebenkirche zum hl. Kreuz. 

Moderne Kirche, in gotischem Stile 1862—1864 durch Georg WeickI 
in Salzburg erbaut. Die Einrichtung stammt aus der gleichen Zeit 
(pseudogotisch). Alt ist außer einem auf Holz gemaltem Madonnen- 
bilde (Kopie des XVlll. Jhs. nach einer älteren Vorlage) nur die 

Kanzel (Fig. 146): Roter, weiß geäderter Marmor. Auf siebenseitigem 
Postament eine gedrehte Säule mit gewundenen Kannelüren und ein- 
fachem Hohlkehlkapitäl; darauf die gleichfalls siebenseitige Brüstung 
mit vier freistehenden Seiten. — Am vorderen Felde eingemeißelt 

die Jahreszahl 1512. Die Kanzel stammt aus dem alten Salzburger Dom, von wo sie um 1600 

nach Wals und von dort 1862 nach Guggental kam. 

Ehemaliger Hof Guggental (jetzt Volksschule): An der neuen Straße unterhalb des Brauhauses 
und der Kirche. Anheimelndes einstöckiges Gebäude mit umlaufendem Gurtgesimse zwischen den 
beiden Geschossen, breitem Hohlkehlgesimse und hohem Schindelzeltdache. Über der rundbogigen 
Osttür eingemauerte, von einer Intel bekrönte Marmorkartusche mit dem Wappen des Bischofs 
von Chiemsee, Franz Vigil Grafen Spaur (1644—1670). 

20* 



1 ly. 146 Guggental, Nebenkirche. 

.Marmorkanzel von 1512 aus dem Salz 

burger Dom (S. 155) 



Neben- 
kirche. 



Kanzel. 
Fig. 146. 



Ehemaliger 
Hof Guggen- 
tal. 



156 



Qerichtsbezirk Salzburg 







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Fig. 147 Hallwang, Gesamtansicht von Südwesten (S. 158) 

Hallwang, Dorf 

Archivalien: Dekanatsarchiv Bergheim. — Pfarrarchiv (Kirchenrechniingen 1594 ff.). 

Literatur: Wänzler, Intelligenzblatt 1808. — PiuwEiN, Salzachkreis 383. — Dürlinger, Handbuch 23. 

Ms.: Auo. WiNKLHOFER (geb. zu Hallwang 1772). Alteste Nachrichten von Halming, 2 Bde. - Die Reise nnch Hallwang nächst 
Salzburg. Für die Freunde der schönen und erhabenen Natur beschrieben von Lorenz Braunwieser, Akademiker (geb. zu 
Strass bei Hallwang am 20. Jänner 1804) im Jahre 1826. 143 S. — üeschichte der Vikariatskirche Hallwang und ihrer 
Nebenkirchen von Josef Dürlinger (Vikar zu Hallwang 1848 — 1857), 3 Bde. mit zusammen 570 S., alle im Pfarrarchiv. 

.Locus Haldinwanc" kommt zum ersten Male in einer Tradition aus der Zeit Erzhischof Hartwigs (991—1023) vor. Im 
zweiten Jahrzehnt des XII. Jhs. erscheint Adelbert de Haldenwanch als Hochstiftsministeriale (HAUTHALER, U.-B. 1, 
198. 320 und 598), der unzweifelhaft, wie DÜRLINGER und ZILLNER (Llide 21, 30) meinen, mit Adalbero von Dietraming 
(s. oben) identisch ist. Auch später — 1297 und 1307 — finden wir Hallwanger in Urkunden (Mon. Boic. 3, 181 und 
Nov. Chronicon 312). Noch 1460 wird die Burg H., die nach WINKLHOEER „auf der hohen Grube ober dem Dorf' 
stand, genannt. In diesem Jahre nämlich wird .Margareta N. Weinziurlin vom Schloss Halbmwang" auf Fürbitte des 
hl. Vital geheilt (Miracula s. Vitalis). 
1334 verkaufen Rager und Heinrich von Radeck die Burg Radeck und das Landgericht Malbenwanch" etc. an Erzbischof 
Friedrich III. um 1025 Pfund Pfennige (RICHTER, Untersuchungen 709). Die Grenzen des Gerichtes dürften sich mit 
denen der heutigen Pfarre decken. Seit 1508 war die Schranne H. dem Pfleggerichte Neuhaus einverleibt. 

Pfarrkirche. Pfarrkirche zum hl. Martin. 

Aus dem Kirchenpatron hat Dürlinger wohl mit Recht auf eine Gründung der Kirche durch das Edel- 
geschlecht der Hallwanger geschlossen; er setzt deren Erbauung nicht vor 1200 an. Urkundlich erscheint 
die Kirche zum ersten Male 1430, am 21. 01<tober, da der Pfarrer von Bergheim eine Gottesdienstordnung 
für die excurrendo zu versehenden Kirchen Anthering und Halbmbaiig festsetzt, die in der erzbischöf- 
lichen Bestätigung schon als von altersher {ab aittiquö) herkömmlich bezeichnet wird (Ldkde 13, 102 ff. 
Nr. 142 f.). Eine Glocke von 1481 kam 1910 ins Museum nach Salzburg. Die Diözesanvisitation von 
1613 berichtet: 



I 



Hallwang 157 

Sacramentiim asservatiir in tabernaciilo ligneo mitro dextero affixo, qiiod cum Ugnetim sit, fache possit transportari 
aiit certe sedilia, quo dicto tabernaciilo contigiia sunt omnino avellenda. Primum altare in hon. s. Ulrici qnod cum 
breve sit et ipsi muro anteriori admovendum et utrimque ad duos palmites erit protrahendum. Alterum in cornu 
sinistro in hon. s. Martini (\), sed non consecratum. Coemeterium consecratum quidem est, sed pomerium magis refert 
quam locum sacium. 

1617: dem Goldschnned amb ein silbernen Becher zu den Communicanten 4 fl. 1 ;i 4 v^. 1620: dem 
Mais f er Christof Gottsreiter, Maurermeister der geniainen Stadt Salzburg, nacher Hallwang 
citiert, um Augenschein einzunemben, was gestalten das Gotshaus allda mecht erweitert werden, ist im 
Beisein des Pfarrers, besagten Meisters, beeder Zechbröbsten und des Mesners verzehrt worden I fl. 
32 kr. 1625: für ein neues Ciborium, so ganz verguldt, wigt 23 Lot 38 fl. 6 ß. 1643: Kaspar Ain- 
horn, Goldschmied in Salzburg, gibt gegen einen alten silbernen Kelch einen neuen, demselben für eine 
Monstranze 96 fl. 1649: Turmreparatur und Anbringung von drei Sonnenuhren. 1677: Dem Uiirmacher 
Johann Sauter für das Werk 120 fl., dem Maler Pereth in Salzburg für 2 Uhrblätter 11 fl. samt 
den l<ieinen Ausgaben 136 fl. 58 l<r. 

1686 maciite sich eine bedeutende Eaufäliigkeit der Hauptmauern geltend. Man demolierte das Haupt- 
scliiff und baute an die Stelle der Mauern drei Pfeiler für das Gewölbe. Leiter der Arbeiten war der 
hochfürstliche Baumeister Kaspar Zuccalli von Adlholzen, der eben damals in Salzburg die Kajetaner- 
kirche baute. Er bekam kcntraktgemäß für den Bau in Akkord 5000 fl. Der Grundstein wurde im Juli 

1687 durch den Domheirn Freiherrn von Leiblfing gelegt (SRA Kapitelprotokoll 12. Juli). Im ganzen 
belief sich der Bau auf 6O0O fl. Eingeweiht wurde die Kirche am 20. Juli 1694 durch den Bischof von 
Chiemsee, Siegmund Ignaz Grafen Wolkenstein. Der Meister des 1692 aufgestellten Hochaltars, der 
einen auf einem Schimmel reitenden geschnitzten hl. Martin enthielt, war — wie gelegentlich in den 
Akten über den Hochaltar in St. Gilgen erwähnt wird — Meinrad Guggenbichler von Mondsee. 

Die Seitenaltäre, die bisher keine Altarsteine gehabt hatten, erhielten nun solche: Für den Unserer-Lieben- 
Frau-Altar von Joachim Albrecht Freiherrn von Leiblfing, Domherrn, und für den St.-Kajetan-Altar von 
dem Domkap. -Maurermeister Sebastian Stumpfegger. 1713/14: für die neuen Seitenaltäre dem Tischler 
Wind b ichler 72 fl , dem Bildhauer Frieß 42 fl. und dem Maler Mölkh 122, zusammen 236 fl. 
1715: Franz Gärtner, Glockengießer in Salzburg, für eine Glocke 823 fl. 8 kr 2 -d). — 1722: für 
eine silberne Ampel beigesteuert 10 fl. — 1723: dem hf. Capelldiener für seine Bemühung wegen des 
neuen gdgst verehrten Kelchs 34 kr. — 1724: Der Helene Silbherin{?) vor Machung eines neuen Creuzs 
zur Monstranze 8 fl 15 kr. — 1739 erforderte die Einziehung von Schließen 349 fl. 34'/., kr. — 1754: 
Turmreparatur 208 fl. — 1763 wurde statt des alt baufälligen und allerdings schadhaften Kirchenthurms 
(—: Turmhelmes) ein ganz neuer zierlicher und dauerhafter nach dem Riß des hf. Bauverwalters Wolf- 
nang H agenauer mit einem Aufwände von 1746 fl. 14 kr. gebaut. — 1758: neuer Kelch einge- 
tauscht. — 1763: Josef Freiherr von Rehlingen, Pfleger in Neumarkt, schenkt einen Kreuzpartikel in 
einem Monstränzchen. — 1787 wurde das Kirchengewölbe abgetragen und durch ein hölzernes ersetzt, 
wobei auch die das Licht benehmenden Pfeiler entbehrlich und beseitigt wurden, was zusammen 1349 fl. 
kostete. — 1791: für neue Kirchenstühle 212 fl. — 1802 wurde von der St.-Johann-Kirche auf dem Im- 
berge eine Orgel gekauft, die 1842 durch eine neue von Louis Moser, Orgelbauer, ersetzt wurde (866 fl). — 
1805 ließ Gertraud Millthaler, Bauerstochter, den schon ziemlich alten und an manchen Orten ruinierten 

• Seitenaltar Unserer Lieben Frau ausbessern und renovieren. — 1849 wurde mit einem Kostenaufwande 
von 300 fl. der Hochaltar renoviert. — 1858 ging eine gründliche Renovation vor sich. Es wurden neu 

1 gemacht: ein Aufsatz zum Hochaltare 200 fl., eine neue Kanzel 250 fl., Chorstühle und ein Speisegitter. 

[Bildhauer Scheidl und der Tischler erhielt 992 fl., der Maler und Vergolder 1727 fl. (darunter 54 fl. 
für einen neuen Kreuzweg), Sebastian Stief für drei neue Altarbilder 180 fl. 

Charakteristik: Barocke Saalkirche mit einspringendem (im Kerne gotischen) Chor und Westtunn. Ctiarakte- 
Die 1687 — 1694 von Kaspar Zuccali dreischiffig erweiterte (ursprünglich gotische) Kirche wurde 1787 "^*''^- 

durch Beseitigung der Mittelschiffpfeiler in eine einschiffige verwandelt und erhielt damals ein einheit- 



11 



158 



Gerichtsbezirk Salzburg 



liches hölzernes Sclialge wölbe. Der aus dem XV. Jh. stammende gotische Turm erhielt 1763 (nach einem 
Fig.147— 150. Plane von Wolfgang Hagenauer) einen neuen Zwiebelhelm (Fig. 147 — 150). 

Lage. Lage: An der Ostseite des auf einem Höhenrücken gelegenen Dorfes, vom Friedhof umgeben, von dem 

sich ein schöner Blick auf die Salzburger Berge bietet. 



Äußeres. 
Fig. 147, 148. 



Langhaus. 



Chor. 



Äußeres (Fig. 147, 148): 

Verputzter Bruchsteinbau, gelb gefärbelt, mit weißen Einfassungen. Turm aus Konglomerat erbaut, ver- 
putzt, grau gefärbelt, mit weißer Quadrierung. 

Langhaus: Einfacher Sockel, profilierte Verputzgesimse. Im W. Dreieckgiebelfront mit vorgebautem 
Turm, im S. vier, im N. drei hohe Rundbogenfenster und Tür mit rundbogigem Blendtenster. Im O. 
glatte Giebelfront mit vorgebautem Chor, im S. Sakristei und daneben breite, schindelgedeckte Stütz- 
mauer. 

Chor: Einfacher Sockel. Drei hohe Rundbogenfenster, im O. ein ebensolches Blendfenster. Profiliertes 
Abschlußgesims. Gemeinsames, nach O. abgewalmtes Schindelsatteldach. 




Fig. 148 Hallwang, P/'arrkirche, Äußeres von Südosten (S. 158) 



Turm. Turm: Gotischer quadratischer Hauptteil, durch Kaffgesimse in drei Geschosse abgeteilt. Im W. gotische 

Tür in Steinrahmung mit flachem Kleeblattbogen und dicken, in den oberen Ecken versciinittetien Rund- 
stäben. Im N. zwei, im S. drei Schmalluken. Achtseitiges Glockengeschoß mit vier einmal abgestuften 
Strebepfeilern an den Schrägseiten. Drei spitzbogige und im W. ein kleineres rechteckiges Schallfenster; 
zwei hölzerne Zifferblätter. Achtseitiger Schindelzwiebelhelm (von 1763) mit Laterne, vergoldetem Blech- 
knauf und Kreuz. Am Helm die Jahreszahl 1849 (Neueindeckung). 

Anbauten. Anbauten: 1. Totenkammer im S. des Turmes. Im W. Tür und breites flachbogiges Fenster mit 
Eisengitter, daneben rotmarmorne Weihwassermuschel. Im S. kleine Tür, darüber Luke. Zinkblech- 
satteldach. 

2. Sakristei im S. des Chores, zweigeschossig, Konglomeratsockel, Hohlkehlgesims. Im S. übereinander 
zwei vergitterte Fenster. Im O. kleine Tür in Steinrahmung, auf fünf rotmarmornen Stufen; links oben 
vergittertes Fenster. — Schindeldach. 

Umfriedungs- Umfriedungsmauer: Weiß verputzte Bruchsteinmauer, im N. mit Steinplattenbelag, an den übrigen 

mauer. Seiten mit Schindelbelag. Im O., N., W. je ein offener Ausgang zwischen zwei mit Schindelpyraniiden 

abgedeckten prismatischen Pfeilern. 



Hallwang 



159 



Inneres (Fig. 149, 150): 

Geräumig und heil. Modern ausgemalt. Alter Fußboden aus roten Marmorplatten. 

Langhaus: Mäßig hoch. Flachbogiges Tonnengewölbe (Holz mit Stucküberzug), vier Felder mit je 
zwei flachbogigen Stichkappen, drei Quergurten auf sehr flachen Pilastern mit stark ausladenden Ge- 
simsen. Die Tür im N. in flachbogiger Nische. Im W. unter und auf der Empore je eine rundbogige 
Tür mit abgeschrägten Kanten. Die rundbogigen Fenster haben abgeschrägte Laibung. Im westlichsten 
Gewölbefelde übereinander zwei hölzerne Westemporen mit flachen Böden und geraden Brüstungen. Die 
untere ruht auf zwei, die obere kleinere (mit der Orgel) auf vier Holzsäulen. Im O. Triumphbogen, von 
zwei Pilastern flankiert. 

Chor: Stark einspringend, Gewölbe gleichhoch. Boden um eine Stufe erhöht. Sechs Pilaster wie im 
Langhause. Rundbogiges Tonnengewölbe mit zwei Quergurten und zwei rundbogigen Stichkappen, halb- 
rundes Abschlußgewölbe mit drei flachbogigen Stichkappen und zwei Radialgurten. Im S. gotische 
Sakristeitür in Steinrahmung mit flachem Kleeblattbogen und dicken, in den Ecken verschnittenen 
Rundstäben. Darüber oblonges Fenster mit Eisengitter. Rechts oben rechteckige gotische Kanzel- 
tür in Steinrahmung, mit dicken, in den Ecken verschnittenen Rundstäben. Im O. hinter dem Altar 
Nische für den Beichtstuhl. Geschnitzte, rot und gelb maimorierte Balustrade, 1858. 



Inneres. 
Fig. 149, 150. 

Langhaus. 



Chor. 




Fig. 149 Hallwang, Pfarritirche, Grundriß 1 : 200 (S. 159) 

Turm: Im Untergeschosse gotisches Kreuziippengewölbe; beiderseits gekehlte, in die Wand einschnei- Turm. 

dende Rippen, runder Schlußstein mit Schild. Das Kleeblattbogenportal im W. steht in flachbogiger 
Nische. Im O. rundbogige Tür zur Kirche mit einfachem Eisengitter. Zwei Weihwassermuscheln aus 
gelbem Marmor mit Monogramm Jesu, XVIII. Jh. 

Anbauten: 1. Totenkammer. Flache Decke. Anbauten. 

2. Sakristei. Flachgedeckt, ebenso das durch eine Holzstiege zugängliche Oratorium darüber. 



Einrichtung: Einrichtung. 

Altäre: 1. Hochaltar (Fig. 151). Freistehend. Einfache Mensa (Holz, polychromiert) auf zwei Holz- Altäre, 

stufen. Schönes Tabernakel (Holz, vergoldet) mit zwei Säulenpaaren; gutes Standkruzifix. Oben Lamm Hochaltar. 
Gottes, zwei kleine Leuchterengel (Holz, polychromiert) und kleine Kopie der Plainer Madonna in ver- Fig. 151. 
goldetem Rahmen mit Strahlenkranz. — Aufbau: Holz, gelb marmoriert, mit roten Gesimsen. — Predella: 
An den Seiten prismatische Säulenpostamente; in vier Feldern vergoldete Fruchtgehänge. Seitlich zwei 
Statuenkonsolen mit vergoldeten Voluten. — Hauptteil mit Altarbild (darüber vergoldete Laubwerk- 
kartusche), zwei Säulen, verkröpften Gebälkstücken. — Aufsatz mit Bild, konkaven Seitenflächen, zwei 



160 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Seitenaltäre. 



Giebelansätze, in der Mitte Kreuz (1858 neu gemacht). Daneben zwei Statuen. — Auf der Rückseite des 

Aufbaues die Jahreszahl 1763. 

Der alte Aufbau scheint 1849 und 1858 stari< verändert worden zu sein. 

Gemälde: Altarbild. Der hl. Martin teilt seinen Mantel iriit dem Bettier. Mittelmäßig, bezeichnet: Joh. 

Entjeldcr in Schwaz 1849. — Aufsatzbild: Die hl. Dreifaltigkeit, gut, von Seb. Stief, 1858. 

Statuen: Holz, polychromiert. St. Rupert und St. Ulrich, am Aufsatze der hl. Anton von Padua und die 

hl. Margareta. Gut, 1763. 

2 und 3. Zwei Sei ten a 1 täre, ganz gleich im Aufbau. 1713/14 errichtet, im XIX. Jh. überarbeitet. 
Holz, gelb und rot marmoriert. Hinter der einfachen Mensa Wandaufbau. Predella mit zwei vor- 
springenden Postamenten. Hauptteil mit rundbogigem Bilde, flankiert von zwei Pilastern und zwei vor- 
springenden Säulen mit vergoldeten Basen und Rompositkapitälen. Verkröpftes Gebälk mit vergoldeter 
Inschriftenkartusche. Aufsatz: Gemälde, flankiert von zwei Säulchen, daneben zwei Statuen. Veikröpites 
Gebälk, flachbogige Giebelansätze mit zwei Putti, in der Mitte eine Statuette auf Postament. — Vor der 
Predella je ein ganz vergoldetes Tabernakel, um 1763. 




Fig. 150 Hallwang, Pfarrkirche, Inneres (S. 159) 



Linker 
Seitenaltar. 



Rechter 
Seitenaltar. 



Kanzel. 

Orgel. 

Taufsteiii. 

Weihwasser- 
btjckcii. 



Linker Seitenaltar: Gemälde: Altarbild (Mutter Gottes), modern (von S. Stief, 1860). — Aufsatz- 
bild: Der hl. Sebastian und der hl. Florian. 

Statuen: Alle Holz, polychromiert. Am Aufsatze Joachim und Anna, oben Christus und zwei Putti. Von 
Simon Frieß, 1714. 

Rechter Seitenaltar: Gemälde: Altarbild (Herz Jesu), modern (von J. Gold, 1879). — Aufsatz- 
bild: Der hl. Leonhard und der hl. Ägidius; gut, um 1714. 

Statuen: Alle Holz, polychromiert. Am Aufsatze St. Virgil und St. Rupert, oben zwei Putti und der 
hl. Karl Borromäus. Von Simon Frieß, 1714. 

Kanzel: Holz, marmoriert. Modern (1858). 

Orgel: Gehäuse mit vergoldeten Schnitzereien (1842). 

Tauf stein: Modern (1858). 

Weih Wasserbecken: Roter gefleckter Marmor. Achteckiges Wandbecken mit stumpfem Ablaufe. 
Vorne Wappen der Familie Pratzl (ein Baumast). XV. Jh. Daneben ein alter eiserner Opferstock. 



Hallwang 



161 



Skulpturen: Holz, polychromiert. 1. In der Sakristei die guten Statuetten der hl. Bischöfe Martin und 
Rupert auf geschnitzten Postamenten. Anfang des XVIII. Jhs. 

2. Zwei sitzende Leuchterputten; gut, Anfang des XVIII. Jhs. (Sakristei). 

3. Tabernakelaufsatz, Auge Gottes, mit Rocaillenranken, ganz vergoldet; um 1750 (Sakristei). 

4. Statue des auferstandenen Heilandes, alt polychromiert; gut, Anfang des XVIII. Jhs. 

5. Zwei kniende Leuchterengel auf Tragstangen, die in ihrem oberen Teile von Reben umrankt sind; um 1700. 

6. Prozessionskruzifix; sehr gut, erste Hälfte des XVIII. Jhs. 

7. In der Totenkammer altarartiger Wandaufbau mit Figuren: Der Gekreuzigte, Johannes und Maria, die 
Ecclesia, ein Engel mit einer geretteten Seele, drei Putten, St. Florian und St. Leonhard, die armen 
Seelen im Fegefeuer. Darüber ein Baldachin; um 1760. 



Skulpturen. 




Fig. 151 Hallwang, Pfarrkirche, Hochaltar (S. 162) 



8. Im Pfarrhause vier alt versilberte Statuetten auf geschnitzten Postamenten mit Bandwerk, St. Joachim 
' und Anna, Jakobus der Ältere und ein Apostel mit Buch. Gute Arbeiten, um 1720. 

9. Ebenda. Statuette des hl. Rochus mit einem Hunde. Anfang des XVIII. Jhs. 

i Monstranz: Kupfer, vergoldet und versilbert. Am Fuße reiche getriebene Rokokoornamente. Am 
I Knauf drei Cherubsköpfe. Schein mit Gitter- und Rankenwerk, den Relieffiguren Gott-Vaters, von vier 
j Engeln und Putto mit dem Schweißtuch; Strahlenkranz, Kreuz. Glasflüsse. Um 1750. 

! Ziborium: Silber, vergoldet, ganz glatt. — Marken: Salzburger Beschauzeichen (S in Oval). Meister- 



Monstranz. 



Ziborium. 



zeichen : 



HC 



. in Schild. Arbeit des Hans Caspar Ainhorn in Salzburg (Bürger seit 1635). Wohl 
identisch mit dem 1643 gelieferten Kelch (s. S. 157). 

XI 21 



162 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Kelclie. 



Wetterkreuz. 



Kreuzpartikel- 
monstranz. 

Vortrags- 
kreuz. 



Leuchter. 



Varia. 



Grabsteine. 



Glocken. 



Kelche: 1. Silber, vergoldet. Sechspaßfuß mit getriebenen Rosen, Akanthusranken und Ornamenten. 
Am Knauf drei Ovalknöpfe zwischen Blattwerk, unten ausladender Blumenkranz, Cuppasilberkorb, durch- 
brochen und getrieben, mit Ornamenten, Blumen und den Leidenswerkzeugen. — Marken: Augs- 
burger Beschauzeichen (R^ 146). Meisterniarke: G H in breitovalem Felde. Schönes Stück, Ende des 
XVII. Jhs. 

2. Zum Teil vergoldet. Getriebener Sechspaßfuß mit Akanthusranken, Früchten und drei ovalen Medaillons 
(Kreuz, Herz und Schriftband INRI). Am Knauf drei getriebene Cherubsköpfe. Durchbrochener Cuppa- 
korb mit getriebenen Blumenranken und drei Medaillons mit den Leidenswerkzeugen. — Marken: 
Augsburger Beschau (R- 165). Meistermarke: Minuskel- m (ähnlich wie R-' 4855). Schönes Stück, 
um 1700. 

3. Zum Teil vergoldet. Sechspaßfuß init getriebenen Bandornamenten und drei Cherubsköpfen, am runden 
Knauf drei glatte Ovalschilde zwischen Blattwerk. Durchbrochener Cuppakorb mit Bandornamenten und 

drei Cherubsköpfen. — Marken: Augsburger Beschau (R^ 169). Meistermarke: „„ in Dreipaß (R^ 519). 

Schönes Stück von Johann Friedrich Bräuer in Augsburg (Meister 1705 — 1753). Um 1723 (s. S. 157). 

Wetterkreuz: Messing, vergoldet. Am Fuße vier getriebene Rocaillen. Die in Dreipässen endigenden 
Kreuzbalken sind vorne mit vergoldeten, rückwärts mit versilberten applizierten Rocaillenornamenten 
verziert. Versilberter Kruzifixus. Gute Arbeit, um 1760. 

Kreuzpartikelmonstranz: Messing, vergoldet, mit getriebenen Rokokoornamenten. 1763 geschenkt 
(s. S. 157). 

Vortragkreuz: Auf einer Holzstange, Messing, vergoldet und versilbert. Kugeliger Knauf, oben mit 
Perlkranz, dreipaßförmige Balkenenden. Daran vorne drei runde Medaillons mit den getriebenen Relief- 
figuren der vier Evangelisten. Sehr gut getriebener Kruzifixus. Auf der Rückseite appliziert vier fein- 
getriebene vergoldete Flachreliefs, oben Gott-Vater, an den Seiten Löwe, Gemsbock und Hirsch, unten 
Moses, der auf die eherne Schlange hinweist. Glasflüsse. Interessantes Stück aus dem Ende des 
XVI. Jhs. 

Leuchter: 1. Vier dreifüßige, alt versilberte Holzleuchter mit Volutenfüßen. XVII. Jh. 

2. Vier dreifüßige Holzleuchter, schön geschnitzt, mit Laubwerk, silberbronziert. Um 1700. 

3. Zwei kleine vergoldete Holzleuchter mit je drei Cherubsköpfen. Um 1700. 

4. Sechs Zinnleuchter, dreifüßig, Empireform. Erste Hälfte des XIX. Jhs. 



Varia: Drei Kirchenfahnen mit übermalten Bildern und guten Messingkreuzen. 
Traglaternen. XVIII. Jh. 



XVIII. Jh. 



Zwei 



Grabsteine: 1. 1480. Unter der Mauer der Totenkammer am Boden, halb verdeckt. Rote Marmor- 
platte mit gotischer Minuskelinschrift: Hie /igt begrabn Ruep(tv\) Prätzl phleger ze Radekke . . der 
gestorben ist (anno dni) mcccclxxx an so(nd) .... 

2. Im Chor am Boden kleine Marmorplatte. Johann Georg Bauer, erster Vikar, 1790. 

3. Im O. des Langhauses, außen. Gelbe Marmorplatte mit Standkruzifix. Anton Köllersperger, Maurer- 
meister in der Gnigl, 1765 — 1823. 

Glocken: Drei Glocken von Oberascher, 1899. — Eine kleine gotische Glocke von 1481 mit der 
Minuskelinschrift: anno dorn, mcccclxxxi iar + o rex glorie veni cum /»(ace) wurde 1911 dem Museum 
in Salzburg überlassen. Von den beiden anderen, 1899 eingeschmolzenen Glocken stammte die mildere 
von 1601, die große von 1715 (Dürlinoer S. 27). 



Pfarrhof. 



Beschreibung. 



P f a r r h o f . 

Mit Urkunde vom 15. Oktober 1787 wurde in Hallwang ein Vikariat errichtet. Das Konsistorium befahl 
am 15. April 1788 den Bau eines Vikariatshauses, nachdem Erzbischof Hieronymus den von Wolf gang 
Hagenauer verfaßten Riß genehmigt hatte. Die Materialien wurden vom eingeworfenen Kirchengewölbe 
und dem demolierten Dieberinger Kirchlein (s. daselbst) genommen. Baukosten 3400 fl. 23 kr. Das 
Vikariat wurde 1858 zur Pfarre erhoben. . r 



Besciireibung: 

blechdach. 



Einfacher Bau, rechteckig, einstöckig, mit breitem Hohlkehlgesimse und Zink- 



Gasthaus. Gasthaus Wintersteller: Großes einstöckiges Bauernhaus mit achtfenstriger Westfront, ab- 
gekappten Giebeln, weit vorspringendem Schindelsatteldach, daran vorn die Jahreszahl 1792. 




TAFEL VI HELLBRUNN, ( 




*^ 






-»■^^c.^-._.. 



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l VSfftbrun. I 



pE. STICH UM 1630 (S. 163) 



I 




Fig. 152 Hellbrunn, Gesamtansicht von Nordosten (S. 196) 



Schloß Hellbrunn 



Archivalien: SRA (Hofbesoldiingsrechnungen. — Hfk. ülanegg passim. — Hfk.-Relat. 1760 f. 982. — Hfk.-Protok. 1770 f. 290, 456, 
512; 1772 f. 514 und Rdat. i. 416. — Hofbauamt 1791 D). 

Handschriftliches: [Johann Stainhauser], Hellebruiin. Beschreibung des hf. überaus fiertröflichen Lustsorth Hellebrunn genannt... 
beschrieben worden im Jahr des Herrn MDCXIX, Papier, 38 Bl., im Museum Salzburg und Wien, Staatsarchiv. 

Literatur: Hübner, Stadt 520—542. — B. Seitner, Beschreibung des k. k. Lustschlosses Hellbrunn, dessen Anlagen und JVlerk- 
würdigkeitcn. Mit 16 lithogr. Ansichten. Salzburg 1836. — Pillwein, Salzachkreis 354—357. — [Schallhammer A. R. v.]. 
Die kais. Lustschlösser Hellbrunn und KIeßheim. Salzburg 1856. — Dürlinoer, Handbuch 90. — Bilder aus Salzburg in 
Zeitschrift für bildende Kunst. Oktober 1889. — [Marie Schupfer], Das kalserliclie Lustschloß Hellbrunn bei Salzburg. 
Salzburg 1894. — Dr. Hans Wid.mann, Unterhaltungsbeilage der Linzer Tagespost Nr. 25, 1903 — Dr. Franz Martin, 
Hellbrunn in der „Wiener Zeitung" 1909 Nr. 233. — A[lexander] H[eilmeyer], Alte Gartenplastik, und Ludwig Straniak, 
Wasserwerke und Wasserspiele im Heilbrunner Lustgarten in .Die Plastik' 1 6, 1911 (G. Callway, München). — Maria 
Luise Gothein, Geschichte der Gartenkunst, Jena 1914, IL Band, S. 104—107. 

Alte Ansichten und Pläne: 1. Hintergrund im Porträt des Erzbischofs Mar.x Sittich in Hellbrunn, 1618 (Fig. 153). — 2. Anonymer 
Stich um 1630, Plattengröße 86 X 40 cm, im k. k. Regierungsarchiv in Salzburg (Tafel VI). — 3. Stich von Merian, um 
1640, 36X28 cm (Fig. 154). — 4. Stich von Melchior Küsell, 1679.-5. Stiche von M. Diesel, um 1730. — 6. Die Garten- 
prospekt von Hellbrunn, gezeichnet und . . . überreichet dem . . . Herrn Leopoldo Ertzbischoffen zu Saltzburg . . . 
von dero . . . Garteninspectore u. Camerdiener Franc. Anton Danreiter. 20 Stiche von C. Rembshard nach Zeichnungen 
Danreiters, um 1735. (Die Originalzeichnungen Danreiters im Salzburger Museum.) (Fig. 155, 157—159.) — 7. Große 
Grundrißzeichnung der Gesamtanlage mit Legende, von Stefan Müllner, 1776 (Salzburg, k. k. Regierungsarchiv). — 8. Zwei 
übereinstimmende Grundrißzeichnungen, 1805 im kurfürstl. Mappierzimmer gezeichnet von Alois Wegscheider und Anton 
Geisler (k. k. Regierungsarchiv) (Fig. 156). — 9. Kolorierte Radierungen von F. Naumann (Hempel) und Louis Waliee, 
Anfang des XIX. Jhs. — 10. Stich von J. Fischbach (C. Huber), um 1850. 

In dem quellenreichen Gebiete, wo die Salzachau zurücktritt und zu Füßen des jäh ansteigenden 
Konglomeratberges der Boden gefestet ist, haben die Erzbischöfe schon früh einen Tiergarten angelegt. 
Die Zeit ist unbekannt, doch wird schon 1421 eine Peunt pey dem Tirgarten und 1479 ein Neubruch 
prope Tiergarten et fontem genannt (Or. in St. Peter und SRA, Urbar Nr. 4 f. 58). Davon hieß auch der 
Berg, dessen früherer, wohl romanischer Name uns verloren ist, der „Tiergartenberg". Eine Chronik des 
XVI. Jhs. schreibt von Erzbischof Ernst (1540 bis 1554): Im Thiergartten, ain halbe Meli ob Salzburg 

21* 



Fig. 153. 
Tafel VI. 
Fig. 154. 



Fig. 155, 
157-159. 

Fig. 156. 



164 



Gerichtsbezirk Salzburg 



zunegst bey dem Meyer und Lusthäusl daseWsthiii hat er aiii schöne Behausung jür ainen Gammer und 
Häetter des Gartten erpaul. Stainhausf.r sagt, daß zuvor allda nichts anders als der Perg mit einer engen 
und nit so hochen Maurn umbfangen war, darinnen allain zwen Weyer mit Forchen und Salbmling, auch 
etliche Stuck Dändl, deren ein Jäger in einem schlechten Heisl wohnundt, gewardet, sich befunden. 

Das ist die Vorzeit Hellbrunns. Seine Zeit kam erst mit der sinnenfrohen Renaissance, als den Fürsten 
die Mauern der Städte zu eng wurden und Lustschlösser in schönen Punkten der Umgebung entstanden. 




Fig. 153 Hellbrunn, älteste Ansicht, 1618 (S. 163) 



Waren die Erzbischöfe des Mittelalters, wenn sie nicht in Blühnbach oder am Hintersee oder anderswo 
dem Waidwerk oblagen, ihrer Stadt und ihrem Bischofshof auf die Hohensalzburg entronnen, an deren 
Südhang ein Garten mit edlen italienischen Gewächsen entstand, so hatte schon Johann Jakob von Kuen- 
Belasy (1560—1586) in Rif sich einen schönen Sommersitz mit Fischweihern und Wasserwerken geschaffen. 
Wolf Dietrich hatte sich und den Seinigen in Altenau hart vor dem Tore der Stadt einen prächtigen 
Sommersitz erbaut, den er selbst in vorgerückten Jahren einen „schweigenden Hafen" genannt hat. Auch 



Schloß Hellbrunn 



165 




F\j. 154 Hellbrunn aus der Vogelschau, Stich von Merlan, um 1640 (S. 163) 



166 



Gerichtsbezirk Salzburg 



sein nicht minder prachtliebender Nachfolger Marx Sittich Graf von Holienems (1612 — 1619) wollte einen 
derartigen Landsitz nicht missen. Altenau gab er zwar den Namen „Mirabell", aber damit war wenig 
getan; die Erinnerung an seinen Vorgänger war darin so stark, daß die Freude nicht aufkommen 
konnte und gerade jene Gedanken nicht verscheucht wurden, denen er entfliehen wollte. So schritt er 
denn schon im 15. Monate seiner Regierung (1613) zum Bau eines Lustschlosses im Tiergarten, 
das er Hellbrunn benannte. 1615 war das Ganze vollendet. Es ist überaus beklagenswert, daß 
wir über die gesamten Bauten Wolf Dietrichs, Marx Sittichs und Paris Lodrons so gut wie gar nichts 
wissen. Die Akten fehlen und waren wohl schon vor der Säkularisation nicht mehr vorhanden. Johann 





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Fig. 155 Hellbrunn, Gesamtanlage. Stich von F. A. üanreiter, um 1735 (S. 163) 

Stainhauser, der schon in seinem „Leben und Wandel Wolf Dietrichs" ein geradezu beschämend geringes 
Verständnis für Kunst an den Tag legt und auch nicht einen Künstler nannte, sinkt in seinen sieben 
Bände umfassenden „Denkwürdigkeiten der Regierung Mark Sittichs" ganz auf das Niveau eines Zech- 
propstes herab, der nur Kirchenfeste und Predigten und, wenn es gut geht, einen Faschingsscherz be- 
schreibt, aber nicht einmal den Baumeister des Domes nennt. Er hat uns auch die älteste Beschreibung 
Hellbrunns hinterlassen, auf die wir noch zurückkommen werden; er nennt auch darin nicht einen 
Namen von jenen Künstlern, die all das Schöne geschaffen. 

Es ist sicher, daß als Architekt des Schlosses wie auch der ganzen Gartenanlage Santino Solari zu 
betrachten ist, der seit Herbst 1612 als Baumeister am Salzburger Hof ist, und von dem es auf seinem 



i 



Schloß Hellbrunn 



167 



Bild in der Domschatzkammer heißt: . . . statuariiis idem et archltectus . ., qiii et palatia hortosqiie 
piincipis marmore gypsoqiie animavit (Kunsttopographie IX, 27). Das Vorbild Hellbrunns dürfte wohl im 
Gebiete des Comersees zu suchen sein. Vor allem sind es die zahlreichen Skulpturen in den verschie- 
denen Grotten und im Parke, die unsere Aufmerksamkeit erregen. Sie dürften, da sie ohne Zweifel an 
Ort und Stelle gearbeitet wurden, von Solari selbst und von jenen beiden Bildhauern stammen, die 
wir in den Jahren 1614 — 1617 mit dem verhältnismäßig hohen Lohne von 40 fl. (gleich Solari) am Hofe 




■.rni -yL^/ufy^^ jf/a/Zr 



Fig. 156 Hellbrunn, Grundriß vom Jahre 1805 (Salzburg, Regierungsarchiv) (S. 163) 



linden: Hieronymo Preosto und Bernardo Zanini. In der zweiten Hälfte 1616 und 1617 kommt 
I auch mit dem bescheidenen Gehalte von 20 fl. ein Fr. Gioachino Briinmaister vor. Er scheint irgend 
I einem Orden angehört zu haben. In der Hofmalerei werden 1613 Hans Hofher (17 fl 2 ß 20 ^), 
\ Michael Jacob (13 fl) und ein Malerjungl (3 fl 2 ß) genannt, 1614 aber begegnet als Hofmaler Nicolo 
\Pellegrino (49 fl), bis seit 1616 Don Arsenio Masgatti (recte Mascagni) (50 fl) nachzu- 
weisen ist. Ihm sind auch die Wandmalereien des Saales und Oktogons zuzuweisen. Schwieriger ist deren 
r Deutung. Da sie demnach in die letzten Jahre Mark Sittichs fallen, gewinnt die Vermutung an Wahr- 
scheinlichkeit, daß der Maler seine Porträte dem Kreise der jung angetrauten Gemahlin des Neffen und 
Günstlings Marx Sittichs, Jakob Hannibal Grafen von Hohenems, Maria Sidonia Herzogin von Teschen- 



168 Gerichtsbezirk Salzburg 

Sagan entnommen habe. Da Sidonia schon am 13. März 1619 starb, so wäien die Malereien in die Jahre 
1616 — 1619 zu setzen. (An Salome von Altenau zu denken ist für jeden, der Marx Sittichs Verhältnis zu 
Wolf Dietrich kennt, ausgeschlossen. Eher möglich wäre die alte Tradition, wonach hier die Geliebte des 
Erzbischofs Ursula Katharina von Mabon, geborene Block aus Brabant, dargestellt wäre [s. Emsburg].) 

In der Folgezeit war nun das neuerbaute Hellbrunn der Schauplatz zahlreicher Festlichkeiten und 
Belustigungen. 

Stainhauser erzählt in seinen Denkwürdigkeiten der Regierung Marx Sittichs 1618 f. 281: 

Den 12. Juli [1618], auf welchen fallen thuet das Fest der hl. Jungfrau Margareth. ist nachmittag; in dem lif. I.ustorth 
Hellprunn ein ansehnliches Gejagt gehalten worden, in welchem ein Beer, ein Stier und ein böses Pferdt aufgeführt 
und aneinandergehetzt worden; da der Stier dem Beern etliche guete Stoß geben, den auf die Hörner genommen und 
in die Hoch geschützt, doch hat sich das Pferdt vor ihnen zum hosten mit Schlagen gewehrt. Letztlich ist der Stier 
durch die Jäger mit Spiessen erlegt worden. 

Der erste fürstliche Gast, der Hellbrunn besuchte, dürfte Erzherzog Maximilian von Österreich, Hoch- 
und Deutschmeister und Statthalter von Tirol, gewesen sein, der Ende August 1615 in Salzburg weilte. 
Es gibt zum Nachdenken, daß zu gleicher Zeit — am 29. August — die hf. Paiimaisterei-Mitverwohnien 
Santin Sollari, Paumeister und Jacob Berger, Pauschreiber, an alle Pfleger und Gerichtsverwaiinlen 
des Erzstiftes den Befehl erlassen, dass aus hf. unsers gdgsten Fürsten und Herrn Bevelch yedweder 
seiner Verwaltung unverzogenlich alle Maurer, da was Nutz anzutreffen, auf kommenden Montag früe 
Uhrzeit in den fürstl. Thiergarten verordnen, wa aber soliche nicht guetwillig, mit Ernst triingentlich 
verschaffen, damit in die 24 gewislich erscheinen, doch allzeit umb die Bezahlung (SRA Alte Bauakten 
V II 1). Aus dem Gerichte Raschenberg kamen sechs, aus Tetlham-Halmberg vier Leute. Die Eile und 
das sonderbare Zusammentreffen mit dem Besuche des Erzherzogs läßt also die Vermutung als wohl- 
begründet erscheinen, daß es sich hier um den Bau des „Monatschlößchens" oder „Waldems" 
handelt, das der Sage nach einer Laune Marx Sittichs, einen Herzog (von Bayern?) oder Herzogin zu 
überraschen, entsprungen sein soll. Damit stimmt, daß wir bei diesem Besuche talsächlich von einer 
Rückreise des Erzherzogs auf der gleichen Route vernehmen. So fänden also doch die landläufige Sage 
und der Name — mit einer gewissen Korrektur — ihre Erklärung. 
Nach Hübner wurden am 31. August 1617 vor dem Kurfürsten von Köln, Ferdinand, dem bayrischen 
Herzog Albrecht und dessen Gemahlin Mathilde, die von einer Gemsjagd in Berchtesgaden kamen, im 
steinernen Theater Pastorelle aufgeführt. 

Beim Tode des Erzbischofs (1619) war der Bau Hellbrunns so gut wie beendet; das beweist die aus 
dem Jahre 1619 stammende Beschreibung Stainhausers; wir lassen sie nur so weit folgen, als sie uns 
die Bestimmung oder die Deutung einzelner Räumlichkeiten nennt und heute verschwundene Objekte 
beschreibt. 

Stainhauser erzählt, daß der Erzbischof von Freisaal aus einen schnurgeraden praiden VC'eeg zum Reiten und zum l'aren 
mehrertails zu paiden Seiten mit Alber- und anderen Fruchtpaumen lustig besözt haben machen und zuritsten lassen. 
Er beschreibt ferner das Portal am Ende der Allee: Zu ermelten Porten rechten Seiten ist das T r a b a nt e n z i m m e r, 
daran die Wagenhütten stosset, von dannen aus ein lange schnurgeradte gepflasterte weite Gassen bis zum Hof des 
Palasts sich erströckt, auf welcher Gassen rechten Seiten hinauf gögen dem Platz, die S ta 1 1 u ng zu den Dumelpferdteit, 
nachmals der Brunnen mit einem Mascharagesicht, daran der Reitstall sambt der S a 1 1 k a m e r, zur lingen Hand 
und Eingang der Porten erstlich das Thorzimer, nachmals in der langen Gassen abwert s der Carbiner Pferd 
Stallung, darnach auch ain Prun gegen dem abgedachten über, mit einem Mascharagesicht, daran die Fuerross- 
stallung, ferner die Heu- und Zimerhüten, die Pumerantschenstuben, der hf. Leibstall, an welche des Herrn Hof- 
capelanns und der Officier Zimmer stosset. — Kapelle. Auf selbiger Seiten der Cappellen sein neun Zimmer, weicht 
von den Camerherrn bewohnet werden, gögenüber ist der Herren Tafelstuben, auch daran neun andere dergleicheti 
Zimmer, darinnen die hf. Truchsessen und Officiere einlosiert werden. — Brunnen unter der Stiege, Freitreppe, Wappei 
und Inschrift, Portal. 

Im Eintridt des Pallasts ist der Vorsall, alda die hf. Leibquardia der Carbiner, wan Ir hf. Gn. droben sein, db 
Wacht halten; auf der rechten Hundt geht man in ein Vorzimmer mit schönen Spaniern und gemalenen Tafeli 
geziert, daran stosset ein überlengtes Schlafzimmer mit dergleichen Spalliern und drey großen von Olfarbei 



Schloß Hellbrunn 169 

gemalerten Landschaften formirt, von demselben ein Camer hinein mit einem Camin: gegenüber ein anders mit gleichen 
Spaniern behengtes Schlafzimmer, auf der linggen Seilten an der Stiegen ein Vorzimer, daran ain Schlaf- 
c a m e r, hinein pass ein überlengtes Zimmer mit Spaltirn und vier großen von Ölfarben gemallnen Landschaften 
formirt, alda auch ein Camin, daran abermals ain S c h l a f z i m e r, die Thürgerüst aller diser Zimer sein von weißen 
Undersperger Stainen. 

Darnach geht man über ain lange pralle Stiegen von 34 roth marmelstainenen Staffeln, erstlich in ein Vorzimmer 
mit roth vergulden Lader tapeziert und drey von Ölfarben künstlich gemalenen Taffein geziert, von diesem hinein in 
die Anticamera, darinen ein zierlich schöner Ofen, plau und verguldes Löder, in deme des Erzstifts und Ir. hf. Gn. 
Wappen mustert, auch ain natürliches Conterfet eines großen Wildschweins, 1618 am Haunsberg erlegt. Von dannen 
hinein der Camerdiener Zimer mit gleichen Formenten. Von der Antecamera in Irer hf. Gn. Leib z immer 
zu gehen erzaigt sich erstlich ein V o r s ä l e l, darinnen ein zierlicher Ofen, überaus schöne Tapezereyen von vergulden 
Löder mit Rosen und Bildern, vier Quatri oder Stuck von Ölfarben künstlich gemalen. Bilder eines Steinbockes von 
1617, Sonnenblume, zwai verwunderliche große, auch alda gewachsene Weinplöter, ein 1617 in Tittmoning gefangener 
Hausen, ein 1616 von Erzherzog Leopold verehrter Fisch, der einem Stiert gleichet, Hecht, bei der Rheinbrücke in Konstanz 
gefangen. Voigt weiter f. hf. Gn. Schlafzimmer, darinen ein wolgezierte Pöthstatt mit gelb mosierten atlassenen 
Fürhängen und dergleichen Himmel, dabei ein zierliches verfasstes Altärl mit Lapis Lazuli, darinen das Vösperbild, 
welches baiderseits 2 Engel halten, sehr künstlich von Wax possiert, oben darauf ein künstlich gemalenes Täfl, darin 
U. L. Frau. Die Camer ist mit Tapezerey von blau vergulden Löder behangen, darinen auch 6 schöne Quadri von Öll- 
farben: die Föstung, Pallast und andere darumb ligunde Gegent der Grafschaft Hochenembs conterfeydet : von dannen 
kombt man in den schönen von blau, roth und weißen spallierten, märmelstainen gepfasterten Saal, allerseits künstlich 
in die Perspectif und sonst von großen Pildern gemallen und verguldet, wie auch 12 Kaiser von Golt gemalen, über sich 
in dem Luft allerlay Vögel, und noch in den vierOgeden Bilder von Kupfer gemalen, auch Ir hf. Gn. Wappen mit disen 
Worten: Numen vel dissita iungit. Darunder ein künstlich einwerts auf die Mauer gemalene Thür, also natürlich als 
wan es ein rechte Thür und Eingang in ein anderes Zimer were. Aus Jetzt beschribnen Saal kombt man in ein a c h t- 
eggetes überkochtes Zimer: zu oberist sieht man ein achteggets Thiernlein mit Fenstern, gleich herunden im 
Gewilk erzaigen sich acht von Ölfarben gemalene Frauenpilder und darunder des hochlöbl. Erzstifts und Irer hf. Gn. 
Wappen, viermal abgetaut, pösser herab 4 Vögl Conterfet als ein Adler, Fasan, Prambhen, und ein Umbvogel, her- 
under in den vier Theilen lebensgroß gemalene Frauen und Mansbilder, thails Musicanten, darbey zu baiden Thalien 6, 
das macht In allem 24 Säulen mit güldenen Knäblein und Laubwerch geziert. Inmittels der vier Thail sein schöne 
Gepeu in die Perspectif gemalen, mit etlichen Weiblein. Mitten im Zimer steht ein überlengte steinerne Tischtafel mit 
allerley schönen gefärbten Stainen in weiß Alabaster künstlich eingelegt, deren Gestöll von schwarz ebenen Holz. — 
Von dannen geht man widerumb zurück in Ir hf. Gn. Schlafcamer und aus derselben in ein anderes Zimer 
gegen dem Brunnwerk hinaus, so von grien und vergulden Löder mit rodem Frieswerch tapeziert, darinen 5 Quadri 
und 3 Conterfeth von Ölfarben, aus dlsem kombt man in ein anders Zimer mit vergulden Löder auf blauen Boden 
und Frieswerch von Mannsköpfen und Vögeln, 7 Quadri von Ölfarben künstlich gemalen. von welchem Zimer aus Ir 
hf. Gn. durch ein gehalmen Seh n eggen in den Saal hinauf gehen können, welcher so lang als das ganz Palatium, 
alda man auch vornen und hindten durch doppelte große Fenster In die h'ache und Fern aussehen kan. Diser Saal 
ist mit 6 großen von Ölfarben gemalenen Landschaft und 54 allerley großer Herren und Frauen Conterfethen geziert. 
Von dannen durch obbemelten Schneggen, welcher über die 90 weiß stainene Stapffein hat, kombt man zu änderest 
des Palatii zu der G rotta N eptuni, auch in den fürstl. Mundt- und Herrenkeller, auch in die M u ndtkuc he l. 

Es folgt die Beschreibung der einzelnen Grotten, Teatrien und Brünen. Neptungrotte — den Ausdruck Oermaul kennt 
Stainhauser noch nicht, er nennt es ein Mascharagesicht. — Dardurch geht man in ein andere G rotta, darinnen 
auf allen Seiten viel groß und klaine Spiegel artlich versözt zu sechen, welche sonst obenüber von Bildern künstlich 
gemalen und verguldet. Von dannen kombt man durch zwo Porten in ein G r o 1 1 a, welche allenthalben mit Tuffstein 
und Perlmutter, auch Meerschneggen versözt und sonderlich obenüber also künstlich gebaut, dass es scheint als wan 
die Tuffstein herabfallen wollten. Inmitten der Grotta geht ein Drachen herfär aus einem Felsen. Darbey lässt sich 
auch ein Guggu hören und zween Vögl mit ihren natürlichen Stimmen. In dieser Grotta sein auch allerlei . . Tier, als 
Drachen, Affen. Steinbock samt einer schön auf die Mauer gemalten Landschaft zu sehen. 

Von der Grotta Keptunl gegenüber auf der andern Seiten geht man in ein anderes Gewölb von allerlay Farben ein- 
gelegter Stuccatorarbeith, Opera mosaica genannt in die R u i n e n g r o 1 1 e. 

Rechts hinauf vom Palast das Theatrum, darbey auf paiden Seiten zwo. das were vier . . . Statua, nemblich in 
der Mitten zween Armeinanischer König in der Miten ein römischer Kaiser, und auf der Seiten zway Weibspilder, 
der obgedachten Königen Gemahlin (!), ober des Kaisers Statua stehet Roma Victri.x und 4 Pyramides. . . . eine 
lange Tafel, darinnen ein aufgehundes Wasser zum darein setzunden Wein khiellen . . . zu oberist des Vis c hw ey e r 
steht die Statua Fluvii. — Orpheusgrotte. . . . zu seinen Fiessen llgt ein künstlich ausgehauenes Weibspild, als 
wan es schlaffen thete. — Ein wenig von diser Grotta aufwerts erzaigt sich ein halbrundes Platzet mit einem hohen 
XI 22 



170 



Gerichtsbezirk Salzburg 



grienen Gländer, daran Weinröben gefunden, in der Miten steht ein stainene S ta tu a eines Narren, auf den 
Seiten seindt zween andere knieende Narren mit aufgerissenen Meilern, heraußen auch zween weißsteinene Hundt, 
unden bass ein von Stain ausgehauener Knab mit einem Pallester auf die mittlere Statua zihlendt, herunden ist ein 
ander stainener Hundt und darbey ein überlengter Weyer, in dessen Mitel ein stainene Statua einer Wasser- 
göttin zu sechen, aus disen Weyer . . . ist ein Wassergang in einen andern IHeineren viereggeten Weyer, zu paiden 
Seiten stainene T ri to ne s. 

Von dannen siht man ein einfallendes Wasser, alda 5 aufsteigende Wasserquellen, in Mitten desselben ein aufgehunder 
halber Wasserspiegel, darbey ein claines duich das Wasser treibundes Hammerwerch. zu Endt der Weyer auf einem 
stalnen hochen Postament, davor beyderseits Sitzstatten, steht die Statua B acc hi. zu oberst zween von Staln 
gehauene Hundt und d rey Py ramides. 
Der B rune n Alte mb s . . . gegenüber der Neptungrotte . . . da erstlich ein Schildkrot umblaufend und Wasser von 
sich gebend zusehen, darneben baiderseits 6 stainene Schüßeln mit aufgehunden Wasser, in dem viereggeten Weyer 
darbey erheben sich 2 Weyer oder Schroffen, in dem ainen erzaigt sich zu oberist ein Sirena oder Mörfräulein, 
weliches umblaufend von den Bristen Wasser ausgibt, in dem andern Felsen gegenüber ist ein T hrito n, welcher auch 




Fig. 157 Hellbrunn, Brunnen Altembs, Stich von Danreiter, um 1735 (S. 163) 



umbgehund auf einer Muschel blasund einen andern sonderbaren Thon von sich gibt und hören lasset; in Mitte des 
Weyers stehen 2 ringunde weiß märmelstainene T rito ne s, Wasser aus ihren Meillern ausgießundt. Zu Endt merbesagten 
Weyers stehen 2 große stainene Löwen, aus denen ebnermaßen Wasser laufet, darzwischen erhübt sich ein auf- 
gehundes Wasser, welches ein mössingene Kugel darein geworfen in der Höche aufhalten thuet. pöser hinauf siht man 
ein durch 7 Staffel künstliches abfallendes Wasser, darbey 2 Stainpöck von weißen Marmel Ir hf. Gn. Wappen 
haltend, alda auch ein Weyerl, darinen 8 aus dem Boden heraus quellunde Fluß, ferner siht man ain paiderseits zierlich 
erpautes Tlieatrum und darbey die 4 Jahreszeiten durch soviel klainer herumb stehunde Bilder und Statuas 
repraesentirt. zu obrist die Inschrift: Quos hie usw. (s. S. 236). Ob dieser Scfirlft steht ein weiß märmelsteinerne 
Statua des P er sei in der ain Handt ein Säbl und in der andern der Medusae abgeschlagenes Haubt haldunt, 
umb disen Prunen stehn 1 4 s c hö ne groß e P ä me r ä n t s c he n. 

ürotta der Veneris. 

Gleich nach disem herrlichen Brunnen kombt man zu diser Grotta, darinen die Göttin d e r Lieb, Venus, stehundt, 
die aus einem Walfisch, darauf sie mit Füßen tritt, Wasser ausgibt. Nebenbei ist ein Hafner, in seiner Werkstatt . „ auj 
der rcciiten Seiten der Grotten ein Meerwunder, welches Perseus zu Erledigung der an den Felsen angebundenen AndrO 
iiieda umbringt, gegenüber die Fama, auf einer Bosaun blasund, darbet eine Eule, ir natürliche Stimme gebend, weichet 
alles das Wasser treibt. Vorn heraus ein stainenes Theatrum mit drei Pyramides; darin ein rundiertes Wasserwerd^ 



Schloß Hellbrunn 



171 



In Mittel ein erhöhter Wasserspiegel, der Ablauf des Wassers geschieht Ober vier Staffel oder Sealini. Nebenbei eine 

Mühle, gegenüber ein Schleifer, heriinden baß zwo Schiltkrotten und zween Schneggen, welche zwölf Wasser ausgeben. 

Gleich darauf auf einem erhöhten Postament steht ain weiß märmelsteinene S t at u a der Göttin Diana . . . in der 

Hundt ein Pogen haltund. 

Herab gegen die Mauer . . . ein Wildschwein mit ihren Jungen, aller Gestalt und Gtöße wie das . . . am Haunsperg 

gefangene. 

Die G ro 1 1 a des Drachens. 
Gleich hernach kombt man zu einer offenen, mit Tuffstein ausgesözten Grotten, darin ein Wasser von sich gebender 
Drach erscheint, hierunden bass ist ein durch das aufspringende Wasser artlich formiertes Glas zu sehen. 

Brunn der Bu ry d ic e. 
Der ist mit einem Theatro umbfangen. inmittel dessen steht ein Frauenbild der Eurydice . ... an dem einen Fuß eine 
Schlange und ein Körbt mit Blumen in der Hand haltend (Virgil 4to Georgicorum). Hervorne . . . ein eingeschlossen von 
sich selbst aufwallundes und durch vier scalini ablaufundes Wasser. 




Fig. 158 Hellbruiin, Belvedere, Stich von Danreiter, um 1735 (S. 163) 



Die G ro tta des Stainpocks. 
Mer ein klaine Grotta, darinnen ein Stainpock, Wasser von sich gebend, herab bass die Göttin Pallas mit Schilt 
und Lanzen. 

Die Grotta d e 11' l d o l o oder Abgotts. 
Erstermelter gegenüber kombt man zu einer grossen, mit vier Türnlein aufgefürten Grotten delV Idolo oder zum Abgott, 
so darinnen stehundt, also genannt, von Tufstain ausgesözt, zu unterist darin ein starcker Schwall von sich selbst auf- 
gehundes Wasser über sich steigundt. Aus welicher Grotta, wan man in die zu bayden Seiten erbautte LustgewOlber 
komben wil, in bayderseits Andröttung der Staffel soll einer durch das entgegenspringunde Spriezwerch paß benözt 
werden. Vorbemelte Lustgäng sein von schönen Gemäll, Tuffstain und von allerlay far\>en eingelegten Lasurwerch 
überaus schön und wol geziert. Inmitten derselben ein weißstainener Apollo, wie er den M a rsy a m Satyrum 
schindten thuet. Heraußen ist ein Weyer, wie ein Kleblat formiert, bey jedem derselben ein stainener Triton sich befindet, 
deren der Obrist aus dem Mundt Wasser von sich gibt. 

Der Brunn Mercurii. 
Weiter kombt man zu einem Brunnwerck, darbey ein Postament, auf welchem Mercurius . . . stehet, herunden ein ein- 
gefasstes Wasser, mer sechs Frosch, die Wasser von sich spriezen, in der Mitten erscheint ein aufspringendes Wasser, 
welches durch 5 scaline herabfallt, allda vier Nattern, so kreizweiß gegeneinen der Wasser ausspriezen. 

22* 



172 Qericlitsbezirk Salzburg 

Der Brunn Di anae. 

An obbemelten stosset ein anderes Brunnwerch, alda auf einem erhöhten Postament eine Göttin . . ., welche einen Vogel 
in der Hand haltund und D iana m andeuten soll, davor ist ein eingefasstes Wasser, darvon fünf Wasser aufspringen. 

Ein anderer Brunn. 

Alda eine . . . sitzunde Wassergöttin, die . . . A m p h it r i t e, aller Wassergöttinnen Muetter sein soll, aus welchen Brunnen 
das Wasser von dem ersten Stafel herabfallund, auf den andern gleich so hoch steiget. Herunden erscheinet auch ein 
hochaufsteigendes Wasser, daneben vier niedere sich erzaigen. 

Der Brunnen N e p t u n i. 

Bey disem steht der Wassergott Neptunus, unter dessen Fiiessen ein rundierter Wasserschwal, durch einen Walfisch 
herausspringund, im Brunnen sein zway aufsteigunde Wasser, welche durch ein stainene Maschara und artlich rundierten 
Schmal herauslauft. 

• B r u n n s t u b e n. 

Gleich nach erstbemelten Brunnen kombt man zu einer achtöggeten, zierlich aufgemauerten, mit 5 Landschaften von 
gemalenen Vischweyern (darzwischen herunden vier weiß märmelstainene Bank sein) gezierten Brunnstuben, welche 
oben geöffnet, darin Speißsälbmling enthalten werden, allda in einer Nischia auf einen stainen Postament ain Wasser- 
göttin, einen Buschen Mosskolben in Menden haltund, steht. 
Von obbemelter Brunnstuben geht man zu einem schön aufgemauerten achteggeten Lusthaus, welches mit einem 
zierlichen Dach bedeckt, inwendig hipsch gemalen ist, alda gleichfals auf einem stainen Postament ein weiß 
märmelsteinernes Weibspilt die Göttin Flo r a m zusechen. In dieses Orth nach innen gegebnem Zeichen oder Klopfen 
versamblen sich die schöne große Speisförchen, deren ein merkliche Anzal in dem Weyer darbey eingesözt sein, dass 
man dieselbigen, wann es regnet, unter dem lach, wovern aber schön Wetter, auf dem Gang heraus mit höchstem Lust 
abspeisen kann. 

Durch die negste Porten und den Thiergarten zu dem LustschlOssl Belv edere . . . Ain guete Viertl-Stundt von dem 
Palast Hclleprunn in dem Thiergarten, welcher mit einer absonderlichen kochen Mauer sambt dem darin stehunden 
schönen und ganz gelegsamen Berg ein sehr große Weiten umbfangen, erzaigt sich der zwar claine, doch überaus 
lustige Palast Belvedere, also genant von dem herrlichen schönen Aussechen, auf den schif reichen Fluß die 
Salzach, auf einer Hoch erpaut, wann man aber über die Stiegen hinauf kombt, ist im Eingang der Porten der Keller, 
die Silbercamer, das Speisgewölb und die Kuechen; darnach geht man über ein abgesetzte märmelsteinerne Stiegen, 
dergleichen auf der andern Seiten auch aine ist, in ein Vorheisl, dardurch man in das fierstliche Zimer geht, weliclies 
mit allerley schönen Landtafeln, Conterfehten und Stätten gezieret, da ein Pergola oder Gang, darauf man auf- und 
abwerts sehr weit aussechen kan, auf Anif, Rif. Hallein, Sant Martensperg (verschrieben statt Dürrenberg [?]) dreymeil- 
wegs, gegenüber auf das Schloß Golnstain und abwerts die ganze Gegent auf Salzburg, das frstl. Haubtschloss und 
noch weiter. An dises Zimer stosset hf. Gnaden Schlafcamer, welche gleicliermaßen mit Landschaften, Conter- 
fethen und einem stattlichen Böth formiert ist. 

Von dem Belvedere herab kombt man zu den scheuen andechtigen C a pe lle n und Eremitoriis. Erstlich 
bey dem Eingang hat es alenthalben ein gute Weiten herumb, von einem Orth zu dem andern, zierlich zuegerichte 
Gang, auch von allerlay Stauden schön gemachte Bögen und in den Eggen bei den aufgerichten Creizen und sonst 
underwegen bey den Durchgengen gehalte Sitzstatten mit clainen Pämblein und Staudach also accomodirt, dos es 
ainer lustigen Wildnus und ainsidlischen Orth allerdings gleichet. Erstlich zwar kombt man zu der fiernembsten und 
Haubtcapellen, welche alle gemauert, ein rechte Clausur und verschlossen ist, zu S. Francisco genant, wie dan der 
darinen stehunde und wohlgezierte Altar, in dessen Mitl die Piltnus besagten Heiligen Francisci gemalen, solches 
anzaigt. Neben der Capellen ist auf der ainen Seiten ain Wohnzellen oder Zimerl, auf der andern ein Schlafcamerl; 
in dieser Capellen kan man Möß lesen und wird darinnen oft celebriert, wie dan auch ein Gloggen darbey zur Möss 
zu leiten, zu welicher wie gleichfahls zu den andern sechs gemauerten hernach beschribnen Capellen haben damals 
regierende päbstlich Heiligkeit Paulus V. ein genadenreichen Ablass ertailt, vermig des bey diser S. Francisci hangunden 
lateinischen Breve: Paulus papa V. Omnibus Christi fidelibus qui eremitorium s. Francisci et sex capellas prope dictum 
existentes loci de Hellebrunn nuncupati Salisb. dioc. singulis diebus festis de praecepto ac consuetudine ac singulis 
sextis feriis et sabbatiis cuiuslibet hebdomatis visitaverint et ibi pro Christianorum principum concordia, haeresum 
cxtirpatione ac sanctae matris ecclesiae exaltatione pias ad Deum preces effuderint, quo die praedictorum id egerini, 
tres annos et totidem quadragenas de iniunctis eis seu alias quomodolibet debitis poenitentiis in forma ecclesiae con- 
i:ueta relaxat. Datae Romae apud s. Mariam Majorem sub annulo piscatoris die 21. Martii anno 1618 pontificatus 
sui anno decimo quarto. S. Cardinalis S. Susannae. 
Bey obbeschribner Clausur S. Francisci ist ein grosser hineingefiegter und in die Salzach ausrinnender Fluß oder 
Pach, lauiers Prunenwasser, fischreich von Asch und Ferchen, darinen ein Insl mit Wasser umbgeben, in Mitl deren 
das K'l nigl ha US, welche darinnen ein große Anzahl sein und ausziechen. Von S. Francisco aus kombt man aber- 

\: 



Schloß Hellbrunn 173 

mal durch einen zierlich gemachten Gang zu dem ersten aufgerichten Greiz, daran ein Kölich mit diser Schrift: 
Pater si fieri potest, transeat a me calix iste. Darbey die erste gemauerte C ap eilen. Das Mitistuck ain Cappellen 
im Altar ist Christus der Herr am Ölberg bittund. Darnach kombt man zu dem Eremito rio des hl. Pauli, 
ersten Ainsidls, da er in ainer stainern Höll, Mansgröß, in Gestalt eines rechten Eremiten andechtig sitzt und ihme 
der Rah ein Prot bringt, darbey in ainer Da fei die lateinische Fersus zu lesen: 

Tempore quo Decii servebat Suva tyrannis 

^Christicolas diris pressit acerba malis 
Territus his fugiens Thebaide Paulus eremum 

Intrat et a corvo pabula grata capit. 
Das ist zu deitsch: 

Als Decius verfolget hart Sein Speis war vierzig Jahr allain 

Die Christen, Paulus fliehen wart Von Tadtlen bis auf sechzig Jahr 

Aus der Landschaft Thebaida Ein Rab ihm teglich bringen war 

In einen großen Wald und wohnet da Ein halbes Prot; kniend im Gebet 
Hoch auf einem Perg im Hollenstain Er seinen Geist aufgeben thet. 
Alda ist auch ein schön fliessendes Wasser, und umb den hl. Paulum allerlay Vögel. 

Zu negst darbey steht ain hilzene Cap eilen und Altar, dessen Mitistuck, wie Judas Christum den Herrn küsset und 
ihn die Juden gefangen haben: bey obbesagtem S.Pauli Eremitorio ist mer ain Greiz, daran zwo Hendt mit diser 
Schrift: Circumveniamus iustum, quia est contrarius operibus nostris. Nicht weit darvon steht ein anderes Greiz 
mit den 30 Silberling und volgunder Schrift: Cum gladiis et fustibus exirunt tamquam ad latrones. Über ein Stiegt 
aufwerts kombt man zu einem gemaurten Eremitorio, da in einer Grotta ain Eremit ligundt liset, darbey ein Dafel hangund: 

Exuit Arnulphus mitram clerumque Metensem 

Deserit et missit Omnibus antra subit 

Fungitur hie Christo cunctis dat verba sautis 

Inque crucis signo plurima mira facit. 
Das ist zu deitsch: 

Arnulfus hat den Bischofshuet Im Christenglauben viel erbauth. 

Die Clerisey und alles Guet Dan viel von ihm han gehört 

Zu Meton hinterlassen gar Lehrhaffte und heilsame Wort 

Und in ein Höllein zochen war. Viel Wunderzaichen er bedacht 

Da er sich Christum ganz vertraut Durch das Greiz Christi hat verbracht. 

Von dannen abwerts steht mehr ein Greiz, darauf der Hann und Judaskopf, darunder geschrieben: Amicus meus 
osculi me tradit signo. Darbey die ander Gapellen gemauert ist und der Altar darinnen das Mitistuck die Abnemung 
Christi vom Greiz sambt einem darbey stehunden Eremitorio, darinnen ein betunder Ainsidl und dise Schrift: 

Rex Daniae patrem matrem sponsamque Sebaldus 

Deserit et peregre sie ut Alexius abit 

Seque aliud pluviis radicibus herbis 

Pro regno gaudens se reperisse Deum. 
Das ist zu deitsch: 

Sebaldus König in Dennenmark Bey Niermwerg einen Wald bekombte 

Hat Christum eingebildet so stark Der in bedunket sein bequemb 

Dass er verlassen den Vater sein Deswegen plibe er in dem 

Die Mueter und sein Braut allain Gott darinnen dienend Tag und Nacht 

Und fleucht in ferne frembde Land Mit Beten, Fasten, in Andacht. 

Darbey der Bruedern Antonii Q u int i, welcher ein Italianer alda ein eremitisches Loben fieret, Wohnung oder 

Zellen, nemblich ein claines Stibl, Kamerl und Küchel zu sechen, der wardt von Hof aus underhalten. Ein zim- 

liclies Weg aufwerts ist abermalen ein aufgerichtes Greiz zu sechen, daran Christi Haubt mit verbundenen Augen 

und zween Judasköpfen, darunter dise Schrift: Dabit persecutientibus se masillam replebitur opprobriis. Von dannen 

paß aufwerts kombt man zu einem anderen Greiz mit dem Rock des Herrn: Vide domine et considera, quoniam facta 

sum vilis. Über etliche Staffel weiter über sich erzaigt sich ein gemauertes E r e m it o r iu m, darinnen einer auf den 

Knien betunder und durch ein Loch als ein Fenster in die nechst daran stossende Capellen sechunder Ainsidl. darbey 

ein Tafel mit Carminibus : , .... o ^ ^ • 

Imperu victus rex Suata Copius armis 

Sambri ad radices exuit arma vigi 

Mutavit regnum sed vir non perdidit illud 

Ecce sibi ecce feris imperat ecce potis. 



174 Oerichtsbezirk Salzburg 

Das ist zu deitsch: 

Suata Copius überwunden Ihm da ein Wildnus auserkies 

Von Reich nit wollte sein gebunden Da er andechtig dienet Gott 

Kein König auch nit sein genennt Befalch sich dem in seiner Noth 

Sein Herz deswegen anders wendt War froh, dass er hat zu den Stunden 

Die Waffen am Perg Sambri ließ Für sein Reich Jesum Christum funden. 

Neben im ligt ein artlich formierter Beer und Low, anzudeiten, dass diesem königlichen Eremiten seiner Heiligkeit wögen 
alle wilde Thier sein gehorsam gewesen. In deren an dises Eremitorium stossendt gemauerter dritten Capellen steht 
ein Altar, darinnen die Gaißlung Christi des Herrn gemalen. Gleich darvor steht ain Greiz mit der Gaißl und Kötten, 
darbey geschrieben: Sine causa flagellis caeciderunt me. 

Über ain Stiegen von zwölf stainen Staffeln geht man weiter aufwerts zu der vierten gemauerten Capellen, 
vor deren heraussen ein Vorschopf die Figur im Altar ist Christus am Greiz, darbey Maria und Johannes, auch Maria 
Magdalena, das Kreuz umbschließend. Ausser besagten Capellen steht ein Greiz mit 2 eisernen Handschuechen und 
der Dörnencron, darbey: Plectentes coronam de spinis posuerunt super caput eius. Über ein stainen Stiegen abwerts 
kombt man zu einem Paumb, an dem die Saul der Gaislung, das Rohr der Grönung und ein Windliecht zu sechen. 
Gleich darbey steht ain Greiz, darauf das Handpöck, Schisset. Hamer und Zang mit diser Schrift: Innocens sum de 
sanguine iusti huius. Ferner etlich Staffeln abwerts ist in ainem Felsen ein knieender Ainsidl darbey ein Grotta, in 
deren auch ein bettunder Eremit zu sechen. Über 18 hillizene Staffel aufwärts kombt man zu einem Greiz, daran das 
Schweißtuech Christi, ihm von der Veronica dargereicht, darunter also geschrieben: Attendite et videte si est dolor 
sicut dolor meus. Gleich gegenüber steht ein anders Greiz, daran 3 Wllrffel, darunder: Et super vestem meam mise- 
runt sortem. Darbey die finfte gemauerte Capellen mit einem hilzen Vorschopf, des darinnen stehunden Altars Mittel- 
stuck ist die Auferstehung Christi, darhinder sihet man ein allenthalben von zierlichen Landschaften, Wildnussen und 
und mehrlay Ainsidlern schön gemallenes Eremitorium auf den fürüberrinnunden Pach hinaus respondierundt, alda 
man umb die Gapellen auf einem gepflasterten und bedeckten Gang gehen kann. Abwerts pass ist ein Greiz, daran 
die Leiter mit volgunder Schrift: Videbunt in quem transfixerunt. Darundter im Wasser steht ein schöne hoche rot 
marmelstainerne Marterseil. 

Nachmals kombt man zum Greiz mit dem Sper und Schwammen, darunter also geschriben: Et terribilibus oculis plaga 
percitientes aceto potabant me. Nicht weit darvon steht ein anders Greiz, daran die verwunde Hendt, Fieß und Herz 
Christi mit der Schrift zu sechen: Insurrexerunt in me viri absque misericordia. Darbey steht die sechst und löste 
Gapellen, in deren Altar die siben Schmerzen U. L. Frau gemallen. Zunegst darbey ist ein Eremitorium und auf der 
Erden ein ganzer wilder Ainsidl kriechundt, darbey ein Tafel 

Demone quam salvit castivox aute puellam 

Hanc violans mactat mox Joannis amor 
In specubus tandem solvens pro crimine panes 

Est venatori serpere visus humi. 

Das ist zu deitsch: 

Johann Gerin thet einsam leben Am Jungfrau thet lieb gewinnen 

Und all sein Thun war Gott ergeben Die der vor hett zu Gott bekehrt 

Das kundt der Teifel leiden nicht Hernach aber greilich ermördt 

Derhalben listigen Weis anrieht Erwöckts doch wieder von dem Todt 

Dass er nach des Fleisches Lust und Sinnen Auf strenge Bueß und Bitt zu Gott. 

Von disem Ainsidl Joannes thuet ausfierlich Meldung die zu Manchen teitsch gedruckt Historia montis Serrati in 
Hispania. Und damit enden sich also die Gapellen und Eremitoria. 

Der Thi ergarten hat ein verwunderliche große Weiten und ist alles mit einer hochen Mauer, damit das Witt nit 
ausspringen mag, umbfangen. Darinnen befinden sich das Rotwildpräts und der Döntl der Zeit über 100 Stuck, auch 
ein Staingaiß, welche alle sowol auf dem darinen stehunden hierzu ganz beqiiemben Berg und Wäldlein als herunden 
auf der Ebne schöne lustige Gestreißl, ihr guete Waid und Unterkamen haben: neben einem groß hilzernen Haus und 
anderen erhaischunden Gelegenhaiten darzue ist ein aigner Jäger bestell, der darauf sein Obacht hat und des Gewilts 
pflegt, welcher alda sein aigne Behausung hat. Das Wildt und die Döntl sein fast heimisch, dass sie die Leut nit 
sonderlich scheichen (denn sie werden gejagt) welche ein herrliche Lust zu sechen ist. Wan Potentaten und Fürsten- 
persohnen den Thiergarten und Hellebrunn zu besichtigen hinaufkommen, pflegen denselben Ir hf. Gnaden zu sondern 
Ehren und Belustigung ein Gejagt anzustellen und zuverwilligen, dass sie etliche Stuck schießen und föllen mögen. Es 
haben zwar Ir hf. Gn. darinnen auch vor disem einen großen Stainpock gehabt, welcher jedoch als droben vermeldet, 
weil er die Hiiz nit erleiden mögen, in wenig Tagen todt blieben. In gleichen haben sie ein zimliche Anzall Gämsen 
hineinthuen lassen, welche aber das Orth auch nit erdulten wollen. 



Schloß Hellbrunn 



175 



Theatriitn des Bergs. Auf lezt vermeltem Perg des Thiergartens ist in Sonderhait auch wol zu besichtigen das 
in den Fölsen ausgehauene und artlich accomodierte schön und große Theatrum, welches mit sondern Fleiß und 
Kunst also durchbrochen und zu Agierung der Pastoralen zuegerichtet, dass die Personen überall aus den Fölsen 
artlich herfllrkomen, darob sich die Auditores und Zuehörer n'it wenig verwundern, wie dan Ir hf. Gn. etlichmal und 
sonderlich in Gegenwertigkeit fürstlicher Personen solche Pastoral haben agirn lassen, welche neben der Ver- 
wunderung einem herrlichen Lust empfangen und dises Werk sonderlich hoch gelobt haben. 

W aide mb s. Wenn man von jetzt beschribnen Theatro den Berg hinauf gegen Hellbrunn werts herabkombt. erzaigt 
sich gleich zu Endt, doch auf der tiöche des Bergs ein zierlich schön erpautes Palatium W aldemb s, genannt 
von seinem abgelegnen Sitz gegen dem Wald zue, darvon man alles Geben und Gelegenheit des ganzen Hellbrunns, 
auch sonst weit und breit aussechen kann. Der Eingang dessen ist vom Wald, hat ein gepflastertes Vorhöfel, auf der 
Rechten desselben geht man in der Edlknaben und Camerdienerdiernitz und die Silbercamer, gegenüber auf der linggen 
Handt in die Kuechl und GOrgaden, dannen hinein ist das Vorhaus, dardurch man in den Keller hinab kombt, darnach 
in das Tafelzimcr, so zu beiden Seiten Cämer hat. Über ein abgesözte Stiegen von 22 weißstainen Staffeln erzaigt 




Fig. 159 Hellbrunn, Lustgarten am großen Weiher mit Vedute auf Goldenstein, 
Stich von Danreiter, um 1735 (S. 163) 



sich ein Vorhaus und hinein Ir hf. Gn. Zimer und Schlafcamer sambt einer Nebencamer, gegenüber ein andere Camer 
und von dem Zimer hinaus ist ein schöne Pergola zum Aussechen. Über ein andere von 24 weißstainen Staffeln ab- 
gesözte Stiegen kombt man erstlich in ein Vorhaus, darinnen vier ausgesözte Fenster gegen dem Wald, weiter hinein 
ist der überlengte schöne Saal, darinnen von Landschaften künstlich von Ölfarben gemalen, allerlay Conterfeth und 
Stött zu Sechen, von diesem Saal hinaus geht man in Ir hf. Gn. Studivolo oder Schreibstübl. 

Vogelhaus. An den stattlichen Pallast Hellebrun stosset auch das grosse Vogelhaus, darinnen derzeit allain 
Turteltauben und allerlay andere klaine Vögel enthalten werden. Darbey ist des G ä rtle rs Behausung. Kit 
weit davon steht ein schön örlenswäldlein. darinnen zween Süz, alda halten sich zween Kränich auf, deren ainer, wan 
man ime vorpfeift, artlich danzen und lustige Spring thuet. Es ist auch im großen Hof des Palasts bey dem Berg ain 
Stainadler zu sechen. Mer von bemeltem Vogelhaus hindan ist ein Pach, darinnen 19 Tärggische, 8 Indianische und 
zwo viergefliglete Anten umbschwimben. Alda sein auch in die Tausent Schildkröten und ein großer Umbvogel oder 
Löffelgans. Mer sein alda drey Storchen, 8 Wildänden und zween große Schwannen. 

Fasannengarten. Der ist mit einer hochen weiten Mauer umbfangen, darinnen über die Hundert Stuck Fasanen 
und drey Stainhuener ihr Underkomen haben. In der Mitten desselben steht auf einem weiß märmelstainen Postament 
von dergleichen Stain ausgehauen die Jäger- und waidtmanische Göttin Diana mit ihrem Schweinspieß und bey 
sich habundten Hund. Darbey steht auch das Fasanenhaus, darinnen die Fasanen Winterszeiten enthalten werden 



176 Gerichtsbezirk Salzburg 

haben herander ir aigne Stuben, ober derselben hat der Fasanenwarter sein Losament. Zu oberist aber ist das Taubenhaus. 
Darbey auch an zwayen Orten der alten und jungen Meerfäckel Heisl oder Stättlein, darein ein grosse Anzahl alda ist. 
Beschreibung der Lust- und andern Gärten und Vischweyer. 

Erstlich von dem Palast Hellebrunn ausgehundt kombl man in ein schönen grossen Paumgarten mit allen gueten 
und herrlichen Fruchtpaumen erfillet, daran stossen zway Gärtlein von Türggischen Erdtpören, darinnen zween grosse 
von weissen Marmelstain gehauene Py ramides stehn. Volgen zween gegen einander überstehende zierlich 
gemachte Irrgärten. Gegen dem ainen aber der Rosengarten. Weiter hinfür sein vier große Thail oder Stuck 
von allerley schönen und vil frembden Blumenwerch, auch andern Gewächs erfüllet; die werden mit einem großen 
Weyer, darinen allerlay sonderlich aber ganz rote Visch, Nerfling genant, sich enthalten, umbgeben. 
Umb solichen und hernach stehunden Lustgarten ist aussen herumb ein schöne hoche Mauer aufgeführt, die allent- 
halben mit gueten und fruchtbaren Weinreben besötzt, in deren zierliche Bilder gemalen, darinnen ist auch eingeschlossen 
der Ka rpfe nw ey e r. Darbey zway clainere als die obberrierten und gegenüber auch zway dergleichen Gartenstuck 
von allerley schönen und auslendischen setzamen Bluemenwerk. Gewächs und mehrerley wällischen Fruchtpaumen 
verziert zu sechen. 

In Mitten des großen Weyers kombt man durch eine zierliche von Holz gemachte und rot angestrichene Stiegen, der- 
gleichen auch aine gegenüber ist, in ain schönen vierfach abgetauten Lustgarten mit allerley selzamen Bluemenwerch 
und wellischen Fruchtpamen erfilt, in den Innern vier Dryangeln sieht man erstlich einen von Buechspaumb gemachten 
römischen Adler, nachmals Irer hf. Gn. dritens eines hw. Thuembcapitls Wappen und im vierten ein Sunuhr. Ferner 
steigt man auf einer zweimal abgesetzten stainen Stiegen von 29 Staffeln, dergleichen es gegenüber auch eine hat 
(und man in den Absetzen umb und umb gehen kan) zu einem schönen Lusthaus hinauf, alda man in die Gärten und 
Weyer schön Übersechen kan. Herunden pas im Absatz von den Stiegen hinumb kombt man zu zwo stainen 
AI t ha n e n mit weiß märmelstainen Stollen geziert, ander der zwo Grotten, in denen zwen stainene Zwergen aus 
einer Muschel Wasser in ein weiß märmelstainen Schallen von sich gebundt. Darbey auch zwo dergleichen Sitzpenk 
für die Rastunden zu finden. 

Ausserhalb des Lustgartens an die Mauer stosset der Kuchelgarten. So hat es auch hinter der Camerherrn 
Tafelzimer zway Feigenheiser, darinnen schöne grosse und fruchtbare Feigenpaum zu sechen. Schließlich ist 
ebenmessig in disem fstl. Lustorth Hellebrunn hinder dem Thumelstall auch ein Thumbelplatz, alda man die 
Pferdt bereithen und abrichten kann, alda auch die Schieß hätte n zum Armbrost, und die Ringlrennstatt 
ist, also dass diser fstl. Lustorth Helleprunn mit allen desselben jetzt beschriebenen Gelegenheiten ein soliche Weiten in 
sich begreifet, dass einer zu Fueß, wan er außerhalb der Mauer denselben umbspazieren wil, ein guete lange Stundt 
genug zu thun hat. 

Nach dem Tode des Erzbischofs Marx Sittich (9. Oktober 1619) dekretierte das sedevakantregierende 

Domkapitel : Sovil die Paumeisterel anbelangt, solle derselben das Gebeu in Hellprunn außer der Grotta 

(wahrscheinlich die sog. Götzengrotte mit der Gruppe des Apollo und Marsyas) so noch vollendet 

werden solle, einzustellen anbevolhen werden. (Protokoll f. 131.) 

1628 sah das Lustschloß abermals illustre Gäste. Am 8. Juni führte Erzbischof Paris Graf Lodron (1619 

bis 1653) den mit 5 Pagen und 9 Kammerdienern 10 Tage lang in Salzburg anwesenden Großherzog 

Ferdinand II. von Toskana sowie die Prinzen Johann Karl und de Venosa nach Hellbrunn {Fontana 

chiara, deutsch Albrun). 

Die Berichterstatterin der Reise, Margherita Costa (fstoria del viaggio d'Alemagna del . . duca di Toscana 

Ferdinando secundo. Venezia 1628 pag. 269 ff.) schildert den Lustort und die Feierlichkeiten dortselbst 

wie folgt: 

Villa e un chiuso che gira intorno a sei miglia compresovi il bosco degl' animali salvatichi e pianura tutta, eccettuamente un 
monte, che vista per tutto isolato, da ogni banda vestito d'alberi con belli viali. Per il quäle sino alla sominitä ä si puö 
andare in carozza. Giunti in detto luogo s'andö a piedi a vedere una parte del monte, dove sono diversi tabernacoli, 
distanti l'uno dall'altro un tirar di mano in forma di tanti romitorii e nella maggior parte di essi erano figure al naturale di 
terra cotta, vestiti da romiti, che facevano diversi esercitii spirituali e rendeva in somma tutto il luogo gran devozione 
rnassime, che di quando in quando si trovavano affisi ä pedali de gl'aberi diversi misterii di passione con motti sacri 
e spesso ä canto alli detti romitorii si trovavano fontione con peschiere . . . . e nello scendere il monte e per la pianura si 
veddero molti branchi di daini e di cervi. 

Ilpalazzo.c.e molto vago e depinto in gran parte dentro nelle volte con scacchi anche indorati. — Hier wurde Tafel 
gehalten. — In seggiole tutte eguali ed al solito in argenteria dorata. II S(ua) A(ltezza) si lavö solo il primo conforme 
all' altru volte se bene invitö l'arcivescovo a lavarsi. Hierauf wurde der Berg besichtigt: e vi si trovö una cosa inaspettata, 
cioe vicino alla sommitä del monte un anfiteatro fatto dalla natura dentro al sasso e ridotto poi dall' arte in forma di 



Schloß Hellbrunn 177 

scena capace, che vi potrebbono Stare 4000 persone. Vi s' entrava per una buca come di caverna ed il lume veniva dalla 
parte di sopra cioe da una grand' apertura fatta pur nel sasso che rispondeva nella sommitä del monte. In diesem steinernen 
Theater hatte nun der Erzbiscliof eine Vorstellung vorbereitet: „Magdalena, die Sünderin". Magdalena, in lüsternen Kleidern, 
erscheint, der Teufel lauert auf sie, aber der Schutzengel hält ihn ab, ed intanto uscendo fuora un romito la converti ed 
ella spogliandosi gl' ornamenti e scapigliata cacciö via gl' anioretti e 1' angelo messoseli piü d'apresso fece del tutto allontanare 
il diavolo, che si rimasto solo in scena e raccoglier le spoglie fu da Plotono, che usci fuora attorniato da gran quantitä 
d' altri diavoli, condennato a piü gran supplicii per l'essor comesso inhavere lasciata convertire Madalena e quivi fii incate- 
nato . . non li valendo ragioni che adduceva in sua scusa ed una schiera d' angeli, che comparse resonando e cantando per 
l'uUegrezza di tal conversione dette fine alla rapprensentazione. — Sua A. volse vcdere dentro la scena, e si trovorno altre 
stanzette cavate nel sasso per commoditä della scena con una riuscita dell' altra parte del monte fatta ä forza di scarbello per 
servizio della scena. 

Si calö poi il monte da quella parte, dov' e situato un p a 1 a z e 1 1 o, il quäle finisce d' adornare il monte e si venne al 
piano nel domestico ä vedere le peschieri, 1' uccelliere, le fonti, i viali coperti, i labirinti, i spartimenti de semplici, li scherzi 
deir acque e altre delizie, che in gran quantitä vi erano e potrebbe certo la detta villa comparire con qualsivoglia p i ü 
deliziosa d' Italia. Avanti di partire . . fece 1' arcivescovo una sinfonia e musica in campagna di 130 tra voci e istru- 
menti; oltreche anche a desinare s' hebbe la musica. Mit Wagen kehrte die Gesellschaft in die Stadt zurück, ma prima si 
eran fatte caccie e pesche nella medesima villa. 

Aus den Jahren 1647 — 1652 liegen Nachrichten über Reparaturen und kleinere Erneuerungen der zahl- 
reichen, auf Holz oder Blech gemalten Figürchen der mechanischen Wasserspiele vor: 

Auszigl betreffend in daß hochfrl. Lustorth Helleprun waß die Mallerey betrifft thuet den 27. Aprilis 1647. 
Erstlich 37 Bliiemen mit Ollfarben gefasst und gemalt thuet aine in die ander 2 kr. thuen zusammen . . 1 fl. 14 kr. 

Mer 27 Graßbuschen mit öllfarben gemalt, thuet aine in die ander 2 kr. zusammen — . 54 . 

Mer ein grossen Satyren zu der kleinen Grotta gehörig 1 , 25 . 

Mer ein Narren unter das Wasser gehörig /, — , 

Mer ein Khugl darauf die himmlische Zaichen gehören, gemalt thuet — ,40 , 

Summa 5 fl. 3 kr. 

Joannes Oberlender. Maller alhier. 

Verzaichnus waß in den hochfürstl. Lustorth Hellbrunn ich undterschribner für Arbeith 

gemacht hab alß volgt. (1650.) 

Erstlichen 48 Pluemben ganz verneuert für eine 2 kr. thuet 1 fl. 36 kr. 

mehr für 21 Graßpüscher 1 St. 2 kr — . 42 . 

mehr grosse Schartell oder lange Graßbleder deren fünffe thuet für ains 5 kr. in allem — . 25 , 

für den Haffner — . 16 , 

für den Schleiffer _ „ 16 . 

für den Müllner — . 16 , 

für das Waßerkherbl _ . 50 . 

für die zween weisse Löwen — , 32 , 

für die zwo schwarze gemarmoUerte Khuglen — . 20 , 

für den Acteum sambt den 6 Hunden 1 , 24 . 

für zwo Schildkhrotter — ^ js , 

Mehr für 4 Nattern die Wasser geben /^_, 

für die Andten — „ 18 „ 

für den Walfisch — ^ js _ 

für die zween Schneggen so Wasser geben — „ 12 „ 

für die grosse Khugl undter das Wasser gehörig — „ 40 . 

für den grossen Mohrnkhopf der auch undter das Wasser gehört — . 30 . 

für den Narren auf dem aichen Pretl daselbsthin gehörig / , — , 

für den Otter mit dem Visch — „ 12 . 

aber für ain Vögel auf die Khugl — . 8 „ 

für zway Wasserkhügl, das aine verguldt das andere versilbert — , 12 „ 

mehr zu den drey Narren ain Pallester gemahlt _ „ /5 ^ 

für ain grosse Tafel zu St. Francisce, darauf ain lateinische grosse Schrifft gemacht St. Johann von 

Gerin Leben betr. darfür 2 „ — , 

Summa aller dieser Posten . . . . 13 fl. 41 kr. 
Johannes Überlender Maller alhir. 
XI 23 



i'o Gerichtsbezirk Salzburg 

Verzaichntis was ich Entsbenandter in den lif. Hellprun gemacht hab, als wie hernach volgt: 

Erstachen für den Gardtner zu den geflachten Mönern Oter-Ptindtwerg auf Regollpapier 7 Fisierung wie auch pey dem 

Ertpörperg zu der Coppen thuet 2 fl. — kr 

Mer ein groses Pret, so undter das Waser geliört, pey den siben Prinen ganz übermalt thuet 2 fl. 30 kr 

Mer aus dem Huechenweier ein grose Grundtferchen auf 26 Pfnndt schwer, von Öilfarben iihunderfedt und 

die Schrift darzue geschriben thuet 2 fl. 30 kr 

1652, den 2. O/i^ober. Johannes Überlendter 

Maller alhier. 
Als nemlich in der Prunstuben, wo die Saibling seindt, 5 große Landtschaften, die vohler Bildter seindt, von Fischereiei, 
ain Stugk IPj.^ hoch, braidt 7 Schuech, solche groß vohnnedten seindt gewest, habe solche ganz ibermahlen miessei. 

und nach der Nodturft vehrferdtigdt, tueth fihr aine 5 fl. 30 kr. zusammen 27 fl. 30 kr 

Anno 1652, den 9. Oktober. Johannes Überlendter 

Mahler allhie. 

Verzaichnuß waß ich Endtsbenanter im hochfrl. Helleprun alhie gearbeit hab alß volgt. (1652.) 

Erstachen einen neuen Acteum gemacht auf 16 Zoll hoch darfür 4 fl. 30 kr 

Darzue 6 Hundt 3 ligent 3 sizent darfür 6 , — 

ainen Otter im Maull einen Visch 2 . 20 

In die Grotten einen grossen Kopf sambt einer Hundt darfür 4 „ — 

2 par Fürfieß zu denen Piltern an den PUramus darfür i , — 

Zu den geflochtnen Piltern 3 neue Degen gemacht für ainen 40 kr. 2 . — 

Mer 1 Schwert 1 Zepter 1 pr 50 kr 1 „ 40 

Mer 1 Degen das Gefäß von Eisen 1 „ 20 

In die Ainsidlerey für den Ainsidl Pauluß 1 neues par Fueß darfür I . 40 

3 parr Hendt außpessert 9 Finger daran gemacht darfür — ,36 

3 Stainene Platl für ains 10 kr — , 30 

Summa 27 fl. 6 kr 

Jakob Geroldt 
Bilthauer alhir. 

Im Jahre 1660 brannten die dem Schlosse an der Ostseite vorgelagerten Baulichkeiten ab, die abei 
alsbald wieder aufgebaut wurden. Am 23. Jänner 1663 ergeht der Befehl: Zu Hellpmnn bey dem 
widerumb neu aufgepauten Wohnungen und Einsetz solle I. hf. Gnaden Wappen ob der Porten oder Tai 
zwischen des Gärtners Bewohnung und s. v. Rossstallung gegen der Straßen heraus und hinein gegef 
dem Garten zwischen der neuen Einsetz und besagter Stallung die Schrift affigirt werden. Dai 
Wappen trägt die Jahreszahl 1660. 

Gabriel Bucelinus stellt in seiner 1662 erschienenen Germania topo-, chrono-, stematographica Sacra e 
profana (II. p. 68) Hellbrunn folgendes — noch heute gültige — Zeugnis aus: „Horti, piscinae, aede: 
principis loco Hellprunn suspensos atque attonitos omnes quotquot primum intuentur, retinent, uti e 
arces eorumdem hortorum Belvedere et Waldemps nee non eremitoria faliendo tempori structa, quae noi 
oculos solum afficiant sed animum pelliciant ad solitudinis amorem verum etiam qui numquam eius 
modi cogitationem in omni vita admisere." 

1663 kam Kaiser Leopold 1. nach Salzburg und am Nachmittag des 23. September besuchte er (aller 
dings bei ungünstiger Witterung) Hellbrunn, peramoenuni et sumptuosuni palatium ac viridariuni (Petrui 
Lambecius, Commentariorum usw. Vindob. 1665 pag. 665 ff.). 

Über die Sonnenuhr unterrichtet uns folgende Quittung: 

Auf Anbefelhen Ihr Gd: Herrn Dückher Pflegern zu Helprun hab ich Endsbenanter in den hochfürstl. Lustorth Hi 
brun die Sonen Uhr gemalt und Ihr hochfürstl. Gd. Wappen wie auch auf jeder Seiten ein Figur gemalt tuet 
altes }6 , 

Anno 1668. Marthin Wisenauer 

Den 5. Dezember ist mir Undterschribenem Maller, 

dises Außzigl bezalt worden mit . . 15 fl. 



Schloß Hellbrunn 179 

Co. Galeazzo Gualdo Priorato rühmt in seiner 1668 erschienenen Relazione dell' arcivescovato 
e principato di Saltzburc etc. (Colonia) ebenfalls Hellbrunn, insbesondere: 

. . . teatro naturale nel sasso vivo con la scena e stanze incavate nel medesimo sasso per i coniici, ove gia si soleva 
be n spesso recitare comedie et farvi altre rappresentazioni. Piu ad alto nel medesimo monte alle parte rivoltaverso 
Salzburg giace un p a IIa z zlno con dentro di quello tulte e commoditä e puö chiamarsi Belvedere, poi che la vista 
e mirabile scoprendosi da ogni parte bellissime collinette, monti pianure tempestate de casamenti e giardini e da qnesto 
pallazzino si mira tutta la pianta del palazzo e giardino d'Helbrun nel quäle poi si cala. In questo giardino e mera- 
viglioso il vedersi la quantitä di fontane che visono e le peschiere ripiene de trutte e de salmoncini. Visono diverse 
grotte, che con bellissimi giocchi d' acqua e con statue celebri particolamente una rappresentante Orfeo di 
grandissima stima. Rende poi stitpore una stanza tranfigurata tutta in ruine naturali cosi ben architettate, che ogn' 
uno quäl vi entra inhoridisce e sospetta d' esser in gravissimo pericolo. In detto giardino sono ucc eliere con 
dentro ogni genere de volatili. Vi si vedono plante di melangoli e limoni bellissime, cosa rara in quel paese di clima 
contrario ä detti frutti. Vi sono viali, Spaliere d' ogni sorte de frondi e vaghissime prospettive. Dali' altra parte 
dal palazzo sono cortili pieni di fagia n i. cottornici et altri piü stimati ucelli con i loro repostigli per ritirarsi 
ä riposo la notte et in occasione de mali tempi vi e in oltre un altro cortile proveduto d' anitre, d' ocche d' India 
e de Turchia et d' ogni sorte di polli e per tutto scorre limpadimente /' acqua: si vede infinito numero di conigli e de 
lapini con le loro grotte et in somma non vi manca cosa alcuna opporiuna ad' una casa reale di campagna . . . 
/l palazzo edi forma moderna : vi sono motte stanze et alcune sale riguardevoli et in somma una ressidenza cosi 
copiosa di tutte le deutle humane, che si possono desiderare. Si vedono neue sale di questo palazzo molti quadri di 
pitture fatte da pittori d' Italia e frä i altre cose dilettevoli e curiose s' ammirano pesciccelli et animali di 
stravagante forma, che si sono presi ö nel fiume ö ne boschi con V inscrittione sotto ad ogn' uno dell' anno mese 
e giorno, che si presero. 

Der größte Panegyriker aber, den Hellbrunn je gefunden, ist Gisberti, der die Reise des Kurfürsten 
Ferdinand Maria von Bayern nach Salzburg im Jahre 1670 beschrieben hat (II viaggio dell' AA. SS. EE. 
di Baviera a Salzburgo in giornate divise e All' Altezza Real di Savoia in lettere di Ravaglio descritto. 
Monaco 1670). Da eine Übersetzung unmöglich das Original erreichen kann, geben wir auch diese 
Beschreibung im Urtext. 

Am 26. August schreibt Gisberti: 

Oh che ben retiro, oh che vaghe delitie, oh che paradisetto terrestre ho sortito di osservar hoggi mal fuor di Salzburgo 
un hora servendo i miei Serenissimi padroni, che se n' andär ä goderlo. Egli e Hellbiunn, luogo veramente degno di 
questo nome. avendo all' intorno V acque piü del vetro chiare, piü del cristallo limpide e piü de medesimi cieli traspa- 
renti e diafne. lo non credo che la natura, per quanto sudi, possa in onde piü lucide liquefare i suoi monti. Ristrette intra 
rive di marmo le calme formano si bei specchi alla vista, che nel seno profondo si distinguono i pesci da i pesci ed altrove 
dair arene le arene. A quanti ufficii eile servano, a quanti impegni vengano costrette daW arte se V imagini V. A. R. 
alla sola consideratione, che sono state l' amore d' un principe, il diletto d' un grandissimo ingegno. Marco Sittico arci- 
vescovo di famosa memoria, inamorato in questo colle, che con cento ruscelli piagneva su' l verde seno d' una vasta pia- 
nura l' incolta felicitä d' un sito che meritava d' essere il desiderio d' un mondo, chiamb da straniere contrade. Ingegneri 
e vendicando il torto continuato fino al suo tempo dalla inavertenza de' trasandati, lasciö alle recreationi de' posleri 
una perpetua delitia dell' animo: e cosi ad eterno ricordo del suo nobile divertimento la redentione di que' perduti 
diporti in un gran sasso scolpita. Es folgt die Inschrift: Quos hie amoenos usw. 

E di vero, se si guardan le mura, puo dirsi, che quivi sia la fortezza del passatempo : se a' teatri lo spettacolo del 
piacere, se finalmente alle fonti il vago tripudio dell' acque. Aon m' arrischio ä descrivere a minuto i portenti di 
questo giardino, impero che nella varietä mi confondo, nella raritä mi ammutisco. II dirle, che fatto un lago tra 
marmi, si pesca col filo, si preda col ferro, e si discerne quanti e quai pesci vengono all' esca, quanti e quai dell' 
acuto tridente alle punte: lo scriverle che sotto cieli di sasso s' addensa l' acqua in rugiade; s' alluma e si colora in 
iridi, si cribra e si discioglie in pioggia, si rapprende e si sgranella in grandini, che si squarcia in nembi, che si 
diffonde in diluvii, che cade in zampilli. che ascende in goccie, che gira tra spruzzaglie e stille, or filandosi in tende, 
or tessendosi in tele, sempre vaga e sempre varia fora troppo vile il racconto, troppo vulgär l 'apparato. II narrar, 
che si dilata in quadrate lastre di vetro e che cuopre, senza nasconder, le imagini, che si forma in lante'rne e che 
serra senza spegnere il lume: che ascende in bicchieri di puro cristallo, i quali continuamente si sfanno facendos 
e successivamente coli' unirsi si rompono, che riversciandosi in orbe, compone un mondo sotto i piedi d' Amore, tanto 
piü durevole quanto piü labile; da cui la mortalitä moralitä ricavando, impara, che indefesso perire e il nostro essere, 
un essere incessante il nostro perire, precipitio la vita, esistenza la distruttione medesima. V ostentar, che capricciosa 
da cento statoe se n' esce ö sia dal labbro di chi la vomita senza fastidio, ö dalle trombe di chi la soffia, ö da stru- 

23* 



180 Gerichtsbezirk Salzburg 

menti dt chi la balza, ö dall' armi di chi la vibra, che garrula singhiozzando imita il canto degli uccellini emula ogni 

suono, mente ogni passo: e poco. 

Che finge il nuoto dell' anitre, il moto de' draghi, il corso di bestie, il guizzo de' pesci, il volo d'alati, il girar dl 

ruote, il lavorar d'artefici, il rimbombar d'oricalchi, V aprir delle fauci, il voglier de' lumi, e lutte le stravaganze possi- 

bili; non basta. 

Che insidiosa da mille bände recondite sorge e sontmerge; insulta et assalta. assedia et insidia, ö sotto scagni sedendo 

ö sopra il suolo, in andando ö a piedestalli, appoggiandosi 6 ad un' nicchio fermandosi, ö che so io, non e credibile. 

Pur con mio stupore, la vidi pio vere in iina nube, spirare da una sampogna. nascere da vermini, scrisciarsi con serpi, 

circondarmi, quäl turbine, imprigionar tra le sue grade il curioso, invogllere nelle sue retl l' incauto. 

Ancor io ne venni deluso e ne ringratio la fraude; poiche non senza godimento m' offese. Una testa di pietra, che 

aprivasi all' onde, e tni mostrava con beffe la lingua e per ischerno stravoglieva e stralunava le lud m' incanto, cosi 

bene, che pol se ne rise di mia disgratia. Volli fuggire e tutte si serrar d' acqua le parte, correre, ed ogni passo, era 

la zampa del Pegaso; fermarmi, ed orgni dlmora il incommodo dell' insulto; cosi che atlo schizzo di tante canne 

insolenti mi diedi per vinto, e cessi ben bagnato allo stratagema dcl fönte, anzi de fonti, essendo un labirinto d'acque 

il giardino, un giuoco delle Naiadi, quel teatro di fiori. quell' anfiteatro di loggie quel campidoglio di statoe, quel 

museo delle Gratie, quell' ente di ragione visibile trä le delitie. 

Un' ultra bei motivo sarebbe alla penna se potesse far de pennello e dipingere a V. A. R. una stanza, quivi fabbricala 

in forma diruvinosa anticaglla, dove atteriscono le volle rose e cadenti, le cornici rotte e scomesse, inchinate 

le parleti, aperti gli archi, precipitosi gli usci e tutto all' intorno finta una vecchia reliquia del tempo, all' ultimo 

scompaginarsi ridotta, ma non avendo ne pur ombra, non che per rappresentarla colori cedo all' imaginatione il mio 

carico, e solo attesto esser' ella una bella ruina, un gratioso spavento et una delle bugie piü strane, che sappia 

Inventar i architetto. 

Non parle dell' horto fatto la selva de' fagiani, non d' un monte reso abitation de' conigli, non de' canali, colmi di 

testuggini, non delle rive popolate dall' anitre d' India e Turche; non dell' aquile, che domestiche stanno sotto le 

plante non de' cigni, che muti navigan vive navicelle, quell' onde, non de rivi, che fingono un' inestricabile Meandro 

alle trote, non finalmente de palagio edificato in un mese sü le cime del colle, imperoche a tanta copia di cose corto 

sarebbe un' anno, stretto un volume. 

Ein dal parco d' Hellbrunn datierter Brief vom 31. August lautet: 

Qui dove l' arcivescovo ha fatto a i principi dl Baviera li 26. del cadente pescar salmoncini e trotte, li 28. cacciar 
capri e camozze, e l' uno e l' altro giorno goder musicl e suoni qui lieto e coniento vi) divertendo Io sguardo ed alla 
mono le ricreationi dell' occhio confido. Qui veggo da lungo muro sterminato parco rinchluso, nel mezo gravidO' 
d' un teatro un gran monte scoperto, sü le cime carico di grandezza e di fasto bei palagio inalzato, all' Intorno folto 
di faggi un bosco, al basso rlcchi di pesce i canali, sopra le rlve piene di commoditä le loggie e i casini, ad alte 
abbelllto di Tempil e di celle l' eremltagglo e copioso dapertutto di passatempi il delitioso recinto. Oh bella solitudlnet 
popolata da soll diporti. Oh degna di soll re avventurosa foresta! Signore. tra queste selve piü che in un labirinto 
mi perdo. Non ho a tante cose parole. Truovo dlstillata in quest' acque Venetia, Roma tra queste fabbriche in un 
compendio ridotta, ed io sü queste carte in un ristretto d' umiliatione confuso. 

Und ein Jahr später, als Gisberti einen Salzburger Bischofskatalog in Versen dem Erzbischof Max 
Gandolph widmete (La cronologia degli abbati vescovi et arcivescovi di Salzburgo . . . Encomio 1671) 
gedenkt er bei der Stanze auf Paris abermals Hellbrunns: 

Ne parli Hellbrunn, tra l cui giardini e fonti 

Fin de' Latinl montl. 

Le delitie süperbe il senso obbliä 

A le venture etä sacrati 1 marmi 

Con eternati carml 

Del Sittico valor narrino i vanti 

E dal Lodron prendan la voce i canti. 

1673 hören wir von einem (Mari o n e tte n-)Theater im Schlosse. Am 7. März schreibt Baron Ludwig 
Franz Rehlingen an den Gerichtsschreiber von Glanegg, der zugleich stets auch Lastor tsinspector war: 

Aus gdgstem Befehl Ihrer hf. Gn. wolle der Herr Fünsueisern diss Herrn Peter Hilfertingkh. das in selbigem Palast 
stehende klaine Theatrum sambt aller Zuegehör und Verenderungen zaigen und nach Genuegen besichtigen lassen, 
Folgends auch dahin bedacht sein, wie angeregtes Theatrum auf vermess ergehenden Befelch zerlegt und verwarlieh 
anhero gebracht werden möge. 



Schloß Hellbrunn 181 

Örtlichkeiten und Gegenstände erfahren wir aus nachstehenden Verzeichnissen: 

Inventarium 
was ao 1673 dem Andreen Khöllerer Hofwirth im Helprun. zu dessen Verandtwordtung an Hoj und mein Pflegers 

Mobilien anverthraut wordten. 

Hof Mobilien 

Ain Taft darauf der Salzastromb zwischen Salzburg und Hallen, zwey auf einer Tafl abcontrafete Pluemen, zwey 

Rebenpletter auf ainer Tafl, drey Seulstiel von gülden Leder; ain grientiechens Tafltuecli so alt (AB wahr vorher zu 

Waldembs), sechs rot angestrichen Scabel. 

Pflegers Mobilien 

Vier H. Erzbischoffen Contrafei alß Georg. Wolf Dietrich, Marx Sittich und Paridis, ain Tafl der Frieling und aine 
der Summer, ain Täfl Capuciner Generalis Contrafet. Johann Paul Waßner 

Nicht uninteressant ist das Gesuch des hf. Brunnmeisters Karl Wentzeisen an den Erzbischof, um 

Mehrung seiner monatlichen Besoldung von 10 fl., worin er ausführt: 

. . . wie nunmehr aber die Arbeiten bey gedachter Wasserkhunst vill schwerer, weder selbige vor disem gewest seind, 
gestalten seidt deren Erhebung man weiters nichts newes gemacht: sondern nur das alte her und her reparirt hat, 
hingegen anjezo die Notwendigkheit erfordert, das alle pleyene Wasserröhren mflessen ybergossen und von neuem 
gelegt werden, zudeme das auch in anderwegen eines nach dem andern zu Grundt gehen und die Wideraufrichtung 
erfordern thuet, wie ich dan Gott Lob berait einen gueten Anfang bey der khlainen und grossen Grota gemacht hab 
und zwar alles auf neue Manier und mit Duff versezt, massen Euer hochfürstl. Gn. etc. etc. ain und anders Selbsten 
mit Augen gesehen, und Gott sey die Ehr, daran ein gdigistes Wollgefallen getragen: und das Werckh zu continuiren, 
mir gdigist anbevohlen, weilen vormallen die Berg und anders nur von grober Mauererarbeit gewest seind, und werde, 
mitls göttlichen Beystandts, noch solche Werkh vor Augen stöllen, woran verhoffent yeder ein gefallen tragen würdet, 
dieweilen dann diese beruembte Wasserkhunst mein l ie b e r E n d l {^= Ahn) weilandWenzeisen sei. 
erstens erfunden und aufgericht und solche von obvermeldt meinem auch lieben Vattern seel. ilber 30 und 
nunmehr auch von mir schon in das 16. Jahr gefihrt und conserviert worden. 

Ein Verzaichnus, was im hf. Lustorth Hellprun dermahlen ganz nothwendig zu reparieren were, von 1689 

nennt uns mehrere Örtlichkeiten, als 

Tendlstahl, Thier- und neuer Fasanengarten, Hofkuchl, Garttners Wohnung, Sommerhaus by dem großen Ferchenweyer, 
Saibling Prunstuben, Luxenhaus. In der Capellen Sacristey ainen neuen Fueßpoden zu legen, Pomerantzengang im 
Garten, Stock mit eicherne Säulen. Sternweyer, Karpfenweyer. zwey hllzene Stiegen, worüber man zu dem Erdbierperg 
(= Erdbeerberg) gehen mueß. entweder von Höh zu rep. oder selbige von Mauer-Stain mit einem über den Canal 
gesprengten Pogen erpauen. 

Ein Bericht der hf. Hofbaumeisterei vom 13. Februar 1708 laulet: 

Demnach Ihre hf. Gn. bereits vor 2 Jahren anbevolchen haben, dass der Weyer umb den Erdtpörperg am hf. Lustorth 
Heibrunn um fortan festen Bestand zu haben, mit Quälern von Naglstain auszusetzen, also ist man dem nachkommen 
und fast die Hälfte verfertigt. 

1710 hören wir von der St. Francisci-Capellen in der Ainsidlerey im Rehgarten und gleichzeitig, daß 
der Altachbach so verwachsen ist, dass man mit dem Zillel zu denen darin vorhandenen Antenkobln, 
weniger wann I. hf. Gn. mit Fischen und sonsten etwo ein Recreation gdgst vornemen wolten, der Not- 
durft nach nit mehr hindurch fahren kann. 

Ein gutes Bild gibt die Beschreibung Hellbrunns in Keyßlers Neuesten Reisen (I. 48) aus dem Jahre 
1729, insbesondere vom Tiergarten: 

Die Gebäude sind nicht sonderlich, der Garten aber sehr angenehm, gleichsam in einer Wildnis angelegt; 
und weil hier eine Menge Quellen entspringen, so findet man allenthalben die schönsten Wasserwerke, 
Teiche und Bassins, in deren hellem Wasser die Forellen und Saiblinge herum schwimmen, und mit 
Lebern von Kälbern, Ochsen etc. gefüttert werden. Diese Wasser treiben längst dem Garten allerley 
kleine Figuren von Mühlen, Scheerschleifern, Töpfern etc. und mag man bey den Grotten noch so wohl 
auf seiner Hut seyn, so wird man doch den Vexierwassern nicht entgehen. Unter andern schönen 
Grotten ist ein einfallendes altes Gewölbe von Backsteinen sehr künstlich vorgestellet. Über einer Quelle 
liegt die Statue eines Monstri, das einem wilden Mann nicht unähnlich sehen würde, wenn es nicht einen 
Hahnenkamm und Adlersfüße hätte. 



182 Gericlitsbezirk Salzburg 

In der hiesigen Menagerie sieht man Kraniche, einen Nimmersatt, der nichts anders ist als eine große 
Seegans, so am Schlünde einen großen Sack hat, worinnen sie viele Nahrung sammeln und behalten 
kann; Steinadler, Luchsen und zween Biber oder Kastore, so itzt ein Junges (deren sie selten über drey 
bringen) hatten. Sie leben am Wasser und werden mit Rinden der Bäume und mit schlechten Fischen 
gefüttert. Der Kaninchenberg ist mit einem tiefen Wassergraben umgeben, wodurch diese Tiere verhindert 
werden, über ihre Grenzen sich auszubreiten. 

Die vollständige Einrichtung zu damaliger Zeit bietet uns ein Inventar von 1733*). 

In dem. Lust-Ort h Hellbrun: 
Ihro hochfürstl. Genaden etc. etc. Schlaff- ZiMer. 

Vier Stuckh SpalUer von verguldten Lader mit des Marco Sittico etc. Wappen. 

Ain griener alt ziemblich zerrissener Damasque Tafet yber einen Tisch oben auf mit Löder. 

Zwey Fenster Vorhang von grienem Taffet. 

Ain khleines Vorhengl. 

Ain deto. 

Ain Lainsessl von grtlenen geblümten Sammeth. 

Ain grtlen sammetenes Khüssen. 

Ain Laibstuell und kupferer KhOsel. 

Ain Tisch mit einem türkischen Tebich. 

Ain alte spannische Wandt von grünem Taffet. 

Ain gemahlene alte Taffl, worauf ein Wasserhiersch jagt. 

Ain khupfcrer Kössl in der Retirada. 

Ain zünners Nacht-Gschirr. 

Ihrer hochfürstl. Gnaden etc. etc. Audienz-Zimmer. 

Sieben Stukh vergoldt SpalUer mit Marci Sittici etc. etc. Wappen. 

Ain griener Sammeth yber ain Tisch. 

Ain Yberlög yber einen Tisch von Schlessinger Sammeth. 

Ain Yberlög von grüenem Damasque sambt dem Löder yber ainem Pöttschragen. 

Ain Pöttstatt woryber ain Tebich von blauen Tuech und Fleckhl gestickhten Frieß. 

Zwey Portieren von grienen Taffet. 

Zwey dergleichen Fenster Vorhang. 

Ain Sessl von grien geblumbten Sammeth mit einem rott taffetenen Khüssen. 

Ain Khüssen von grüenem Sammeth. 

Zway Feyer Rosst mit grossen mössingen Zierathen, dan der Camin-Zeug, aller mit mössingen Khnöpfen. 

Zwey rott sammetene Sessl und Khüsser mit Marci Sittici Wappen. 

Ain Mahlerey ober dem Camin des LazarJ Erweckhung. 

Ain anders solch khleines Frauen Bildt. (Diese beiden fehlen 1699.) 

Cammer Haitzer Zimmer. 

Fünf Stuckh Spallieren von vergoldten Löder. 

Ain alte Yberlög yber einen Cassten von rotten Tuech sambt einem Löder. i 

Zwey Lain Sessl von rotten Tuech, mit gelb seydenen Fransen. 

Ain Cafherstuell mit rothen Yberzug khupferen Khössl. 

Zwey Lainsessl von goldenen Löder mit Marci Sittici Wappen. 

Zwey Landschafften ober denen Thüeren. 

Fünff abcopierte Fisch. 

Ain stainers Pröttspill. 

Ain Crucifix von Holtz. 

Ain Tischt mit einem alt rott tiechenen Töbich. 

Ain oblong auf weissen Grundt gemahlen blaue Lilien und eine rothe Bluem. 

Ain blau-aichene Yberlög mit Flekhl Arbeith. 



\ 



') Auch aus dem Jahre 1699 ist ein Inventar der Spaliere und anderer Mobilien vorhanden, das im allgemeinen dieselben 
Gegenstände enthält. Vorliegendes ist ausführlicher und wurde deshalb hier abgedruckt. Nur größere Abweichungen werden 

vern-.crkt. 



Schloß Hellbrunn 183 

Das erste Zimmer. 
Neun Stiickh vergoldt loderne Spallier. 

Fünff Lain-Sessl von dergleichen Leder mit Marci Sitici Wappen. 

Ain TaflbOtt-Schragen mit einer grüenen Yberlög und Löder. 

Ain Taffl-Deckh von Trüb-Sammeth. 

Vier Siuckh Mahlerey von allerhandt Thieren. 

Zway Stuckh von Fischen. 

Ain Schwain-Hatz. 

Ain Bluemben-Stuckh. 

Ain Landschafft mit Vögl. 

Ain Stuckh mit einer Sonnenbluemb. 

Ain abgemahlen von Hamburg gebrachtes khleine Rössl. 

Ain gemahlen Taffl ober der Thier worauf ein Biber. 

Ain Tisch mit einer alten gruenen Töbich. 

Das änderte Zimmer. 

Söchs Stuckh blau und vergoldte Löder Spallier. 

Zwey Camin-Rosst mit mössingen Knöpfen, dann die Zuegehörr, mit mössingen Handthöben, die Zang aber mit einer hölzern. 

Ain Stuckh Malerey von underschidlichen Thieren. 

Ain Stuckh ober der Thier. Hollen Embs vorstöllendt. 

Ain Landtscliafft mit einem Einsidler. 

Ain doppeltes Sässl von braun Holz und schwarz eingelögt. 

Drey blau iiechene alte Yberlögen mit einem von underschidlichen färbigen Tuech eingelegten Frieß. 

Söchs löderne Lain-Sessl von Marco Siitico etc. etc. 

Zwey gemahlene Taften auf denen ain achtfießiges Pferdt sambt ainem Pollackh dan ain Rehbockh und ain Gämbs. 

Im Saall oder dritten Zimmer. 
Drey turkhische lange Taffl-Teppich. 

Ain deto khleiner. 

Ain sehr alte grien Domasquene Yberlög mit einem Löder yber ainen Tisch gehörig. 

Fünffundzwainzig löderne Sessl. 

Ain Löder yber den Schenkh Tisch sambt einem rothen Tuech. 

Ain Tischt mit ainem grienen Tuech. 

Im Cabineth. 
Alda befindet sich dermahlen: Nichts. 

Im viertten Zimmer. 

Sieben Stuckh grien und vergoldt löderne Spallier. 

Ain gemainer Tisch. 

Fünffzöhen grosse und khleine Mahlereyen mit underschidlichen Vögten. 

Ain Pöttstadt-Schragen sambt dem lödernen Yberzug. 

Ain Landtscliafft. 

Ain lödeier khleiner Sessl. 

Ain alt spanische Wandt. 

Ain Schwein Stuckh. 

Im filnfften Zimmer^). 

Ain Yberlög auf einen Cassten von aussenher gestickt. 

Zwey blau gestickhte Potiren mit dem Graf Thunischen Wappen. 

Ain Stuckh Mahlerey von Wildt-Schweinen. 

Ain Landtscliafft worauf der Jonas entworffen. 

Ain andere mit einer Schlacht. 

Ain Stach! Schwein. 

Ain Stain Adler. 

Ain Schwarze Andten. 

Ain Wildt-Scliwein. 

In dem Vorhatiß. 

Ain Schwein und Ain Hirsch und 

Ain Straussen-Jagdt. Zwey Wildtschwein-Stuckh. 

Fünff Stuckh von Vögten. Ain weisser Rehbockh. 

') 1699 ist hier: Officier-Stueben und Gardarobba. Das übrige fehlt jedoch. 



184 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Im Obern großen Poden underm Tach 
ist dermahlen Nichts. 

In dem fierundern Stoc/tli in Zimmer und Quarderobba. 

Zwey Siäckh lange Mahlereyen von Tliier- und Cen- aucli solche Polster. 

iauren Gefecht. Siben nidere Pötl-Stadl. 

Filnff Strosöckh. Etliche alte Tisch und Tafflen. 

Im henindern Vorhauß. 

Ain rott-marmorstainener Tisch mit scliwarze Fließ. Ain alte Vösstung. 

Ain Bildt die Statt Praag. 
Zwey alte Landschafften. 



Ain Stückhl mit Speissen. 



Vor dißmahlen Nichts. 



Im Bell-veder. 

1699 ; Hin Tisch-Debig von grienem Tuech, so im facies herumb gestickt. 
Ein Türkischer Tebig. 
Drey Stiehl ohne Lain. 
Ein Orin-Korb mit grien Fueß überzogen sambt Glas. 



Aniezto Nichts. 



Waldt-Embs. 
1699 : Ein Türkischer Debig. 

Vier Lainsäsel von vergolden Leder. 

Zwey Stiehl ohne Lain. 

Ein grien tiechene Yberleg, so ganz unbrauchbar. 



Ain Silber vergoldter Khölch 

Ain Pathen 

Söchs Palla 

Fünff Purificatoria 

Ain Chorr-Rockh 

Zwey Albmen 

Fünff Gürttlen 

Söchs Humeralia 

Vier Handtiecher 

Vier Corporallen 

Zwey Au flögen 

Zwey Altar Tüecher 

ZOhen KOlch Tiechl 

Acht Corporall Taschen 

Zway weise 

Zwey rotte 

Ain grüenes 

Zway blau und 

Ain Schwarz Mössgewandt sambt Stollen und 

Zwey Pareth 

Zwey geferbte und 

Ain schwarz Anlependium 

Ain blauer Crucifix Mantl 

Söchs Altar Khüss 

Vier Missalia 

Zwey Ritualia 

Ain Evangely Buech 

Ain zünncrne Oblath-Pixen 

Ain zünnerner Weichbrun-Khössl 

Ain Weichwadl mit einem zinnernen Still 

Ain mössinges Rauch Vaaß 



Hoff-Cappellen in Hellbrun. 

Khürchen Ornat: 

Ain mössinges Rauch Schifl 
Ain zünnernes Gießböckh sambt der Aichl 
Vier zünnerne Opfer Kändl 
Ain solches Blatt l 
Acht zünnerne Altar Leuchter 
Acht zünnerne Püschkriegl 
Zwey hölzerne PUsch-Khrieg 
Zöhen Püsch 
Vier Mössingene und 
vier hölzere Altar Leichter 
Ain eißener Leichter 
Zwey Stuell 
Ain Knüee Panckh 

Ain Lainsessl mit rotten Tuech yberzogen 
Ain getruckht leiners Tuech zum Altardeckhen 
Ain gräen und 
Ain rottes Staffl Tuech 

Acht Passiones Christi auf Khupfer gemahlene Täferl 
Manipulln Ain Wandt KhlOkhl 

Ain Liecht Kopper 
Zway Altar Crucifix, 
Zwey alt gemahlene Täferl in Holz 
Ain Parttwisch, 
Zwey lange Handtiecher 
Drey Altar Täferl, als zum Canon, Joannis Evangelium 

und Lavabo 
Ain Tuscht 
Ain Kölch-Läffl 
Ain anderer Sacristei Casten 
Ain gross gemahlene yberhöchte Sancti Joannis Nepo- 

muceni Tafl. 



Schloß Hellbrunn 185 

Im Moiiath Februar 1736 
ist dahin neu gemacht worden 

1 Albm und Humeral von Warnsdorffer I.einwath, die Albm mit braithen Spizen besezt. 

Im Maij 

1 A'eu Roit tiechenes Canzl Tuech. 

Im Septb. 

2 Altar Tiecher von Warnsdorffer Leinwath mit braitten Spizen. 

2 deto mit Hauß Leinwath mit Spizen. 

Im Octoher 

2 neue Albmen von härbener Leinwath mit Spieen sambt üüertlen und Numeralien. 

■ 1734 wurde eine Kapelle im Eremitorio abgebrochen und die Steine davon zum Bau eines Jägerhauses 
! in Rif verwendet (Hfk. Glanegg 1734 F). 

Am 17. Jänner 1748 wurde von der hochfürstlichen Obristjägermeisterei folgendes Attest ausgefertigt: 
, Wasmassen anno 1531 in dem hf. Erzstift Salzburg unter Regierung s. hf. Eminenz Kardinal und Erz- 
bischof Matthäi Lang am Haunsberg, Pfleggericht Laufen, auf einer Jagd ein Forstteufel oder 
\ Monstrum, welches gelb von Farbe und sich von niemand ansehen lassen wollend, allen Winkeln 
\ zueilte, einen Hannenkamm auf dem Haubte, ein Menschenangesicht mit Bart, Adlerfüße, schier Löwen- 
I tatzen und einen Hundschweif hatte, auch weder durch Liebkosen noch mit Gewalt einige Speise oder 
Trank annehmend, bald vom Hunger starb, gefangen worden sei. Ein solches hat man von hier unten- 
stehendem hf. Amte aus, obschon dissfalls keine schriftliche Documente, allermassen vor 217 Jahren die 
Jägerei hierlands so regulär annoch nit gefilrstet, sondern dergleichen gefangene merkwürdige Thiere nur 
abzuschildern und mit Inschriften zu versehen, gleichwie mehrere dergleichen vorhandene an die Hand 
geben, üblich war, fündig sein wollen; um so viel glaubbarer zu attestieren nicht den mindesten Anstand 
I nehmen sollen als schon beilich vor 130 Jahren S. hf. Gnaden Erzb. Marx Sitticus das uralt vorhandene 
ast vermoderte samt der Aufschrift auf Holz gemalene Bild schon vorhin im hf. Lustort Hellbrunn, 
hernach aber S. hf. Gn. Erzb. Johann Ernst als ein sonderbarer Liebhaber der Jägerei zwei diesem 
gleiche in Marmor ausgehauen mit Inschriften versehene Statuen verfertigen eine hievon alda im Garten 
unter einer mit Spritzwerk und Wasserkunst versehenen Grotte liegend, die andere aber in dem hf. Lust- 
orte Kiessheim ohne diesfalls genommene Bedenken als ein hierlands alle Zeit glaubwürdig befunden 
allbekantes Wunderthier jedmänniglich haben vor Augen stellen lassen wollen. Actum Salzburg den 
17. Januari 1748. S. hf. Gn. Erzbischofen zu Salzburg etc verordneten Obristjägermeisteramt allda. 
Franz Josef Graf Kuenburg, Oberstjägermeister (vgl. Hübner Stadt 1, 537 und Schallhamer 14). 
1741 berichtete Franz Anton Danreiter, hochfürstlicher Garteninspektor, daß die sogen. Schmitten, worinnen 
die Villen kleinen sich bewegenden Figuren zu finden, ungangbar ist und stimmt bei derselben Gelegenheit 
dasselbe Lied an, das wir schon 1681 von Wentzeisen vernommen: Über dieses Alles hat doch der hf. 
Garten zu Hellbrunn ein nicht wenige Connexion mit der Oeconomie dasigen Orths, und ist zu 
beförchten, dass, so ein Stuck nach dem andern eingehen sollte, der Zufluß deren dahin zur Recreation 
, sich begebenden In- und Ausländern sich auch nach und nach ebenfahls verlieren würdte. 
Aber erst sieben Jahre danach kam es zur endgültigen Neuschaffung der Schmiedgrotte. 1748 
wurden bei der sogenannten „Schmiedgrotte" (7' lang, 8' hoch) umfassende Reparaturen notwendig. 
; Bei dieser Gelegenheit erbot sich Lorenz Rosenegger, Raitter am Dürrnberg, die Grotte nach folgender 
Beschreibung vom 12. Juli neuzugestalten. 

Beschreibung 

was bey dem . . . Lustohrt Helbrun in Beysein deß . . . Herrn AV A': Cleeber lioctifürstl. Salzburg: Bau Directoris etc. 

wie auch deß . . . Herrn Johann Jacoben Kendler hochfürstl. Salzburg, löbl: Pflöggerichts-Schreibern daselbst auch 

H" Hofprunmaisters vor ernanntes Helbrun wegen der ruinierten in dessen Kunst- und Lustgartten befindtlichen 

S c h m i d t e n, umb neue Reparirung verabredeter in Augenschein genommen worden. 

Als erstl. ist diese Sclimiten wegen verfaulten Grundt, allwo das Röderwerch sich befindet, eines neuen, und zwar 

tauerhaffteren, dan dem alten, nembl: von puren aichernen Holz und ohnentpOrl: Grundts auch ganzer Stelagi, sambt 

XI 24 ■ 



186 Qerichtsbezirk Salzburg 

neuen Wasser- oder Tribl-Rädl mit der Geleger und Zugehör : wan änderst eine thaueren solte daran gehoffet werden 

und herzustöllen benöttiget. 

2do die Schmitten Selbsten, umb auch die neue Stelage zu bevestigen, genzlich abgetragen, die Figuren sambt den 

Gepeu was ein u. anders brauchbar, renovirt, die Bewergungen neu eingericht, u. noch das Übrige darzue behörig 

gemacht werden solle. 

3Uo das völlig ruinierte Uhrwerch durchgehents abgetragen, an dessen Stath ein ganz neues bequemblicheres, umb 

doch die Maschinen oder Figuren desto leichter zu bewögen, vermögentes Uhr oder Tribwerch, so nun das fiaubt- 

oder Kunstwerch der ganzen Maschinerie hineinzumachen unentpörlich beschechen derffte, wan änderst eine Ehr daran 

liget gemacht werden solle. 

4'o wan doch unmaßgeblich welches zwar schon verabrödeter Massen Selbsten nicht leichtl. umbhin gehen konte ;/ iedoch 

wan ein solches mit hechsten Widerwillen gescheiten mieste ,; vor die zu denen noch alt, u. ohnbrauclibaren, ein und 

andere neue Figuren welcfie in underschidllch nach dero selbsteignen Belleben anzuschaffenten Handtierungen oder 

Professionen bestunden, sambt darzuegehörigen Wohnungen wegen mehreren Lust oder Kunst zu beobachten, alldie- 

weillen ein so grosses Gepäu ein pur lehres nichts anvor representirte ., auf das Neue aber Jeder menigl. ain satsames 

Contento verursachen würde. 

5to zumahlen, wie schon vorgemeldet, in jenen nicht vorzuschreiben, doch desto herrlicher allweillen ein dergleichen 

Lust- u. Kunstolirt der weiten curiosen Welt zur Genlege bekhant, nicht uneben stehen würde, wan ein Orgl- 

Werckh alß welches das Hörn In der hochen Vestung Salzburg oder einen Echo u. dergleichen zu Belieben stehenten 

StLen so alles durch das Haubtwasser oder Trlb-Rädl mit den dazue benöttigten Werck, allwo das Wasser ohne deme 

durch die bleyerne Röhrn, damit ein solches alles sambt der ganzen Machino bewegt werden muß, vorstöllen wurde. 

Waß der darzue belauffenten meinen UnItOsten und Verdienen betreffent, alß wolle ein solches meiner fürstl. Genaden 

und gnädigisten Gebietter unden Herrn Herrn etc. etc. hechstangebornen Milde u. Clemenz dero selbsteigner in dergleichen 

statsamben anvor bewusten heclisten Scienz und Erfahrenheit submisisslme anheimbgestöllet haben. 

Beschreibung 
die ruinöse Schmittengrotta in hochfrl. Salzburg: Lorenz Rosenegger 

Lust- und Kunstgarten Hellbrunn betrfd. Promptus Raitter in Thürnperg. 

den 12. July äö 1748. 

Die Aufsicht über die Arbeit wurde dem Hofkammerrat und Baudirektor Johann Ernst von Keutschach 
und dem Kammerdiener und Lustgarteninspektor Fianz Anton Danreiter übertragen. Am 26. Oktober 
wurde nun folgender Uiicostens-Contract und Überschlag, Die Schmidt-Grotta in Hellbrunn betr. ab- 
geschlossen, indem sich Rosenegger verbindlich gemacht, ain Hörn mit Echo in zwai Werck und 2 Windt- 
laden oder Pälgen 10 Stiken spülend, mit Einschluß aller hierzue benöthigter Materialien, ausser des 

Holz, mit welchen selbst nit versehen wäre zu verferttigen umb 50 fl — kr 

Weiter machet sich Rosenegger anheuschig 100 neue Figuren, so alle wohl postirt u. in Agilitet gesezt 
seind, in ermelte Grotta zu bringen, wofür er sambt Faßen und darzue erforderlichen Pichsen auch 

Drahtwerch mit Einschluß der alten noch brauchbaren einzurichten protendirt 100 fl — kr 

Vor der in der Grata ins Prospekt herumb führende Gepäu, Walz und Triebwerch, sambt Tassen und 
anderer Zuegehörde, auch aller Bemiehungen item aigner Verkostung vor sich und seinem Gsöll, iedoch 
ohne Quartier, Pöth, Liecht und Beheizung, so ihme von Helbrun aus aparte zuezustöllen wäre, zu- 
sammen 150 fl — kr 

Nach heijl: 3: König alß vollendter Generalbschau beim Pergwerch im Thürnperg verspricht Rosenegger 
im Helbrun sich zu stallen, dem Werckh den Anfang zu machen, ii. [:geliebts Gott:] in medio Junij: 
solcher zu Ende zu bringen, worbei Rosenegger gebetten, zur Bestreittung der Unkosten nach angefan- ' 
gener Arbeith monathl. ä Conto Angelt etwas erfolgen zu lassen. 
Außer disen müssen 2 Zimmerleith 14 Tag gehalten werden, das Geleger von aichenen Holz zu ver- 

förttigen, deren Wocherlohn betragt 3 fl 44 kr 

Das zum Geleger und anderen Werckh benöttigte Holz würdet beiy. angeschlagen ... 13 fl — kr 
Was aber auf Verförttigung aines kupfern Radis, so in Diametro 3 Schuech seyn: wordurch das ganze 
Werckh getrieben werden mueß, item 2 Messing ainziihlige Wechsl dann 3 par solche Hilsen an Un- 
kosten crlaiiffen würdet, khan man ohne Beyziechung und Vernemmung des Kupferschmidts und Gloggen- 
gießers dermahl in kheinen verlässlichen Überschlag bringen. Weiters 40: Schuech ainzählig bleyerne 
Rohr, xü'ordurch das Wasser auf ersagtes Radt gekittet würd, erforderten, ieder Schuech zu 5'ls Pf ge- 



Schloß Hellbrunn 187 

rechnet, 220 Pf.; wan aber ain neuer Modi, so ainzählig, hey der Hoffpaumeisterey nit vorhandten, u. 
derjenige, dessen gegossener Schuech 5'ls Pf. wögt, bißanhero von gemainer Statt Paumaisterey entlehnet 
worden, ohnmaßgebigist beygeschafft wurde, worzue 9 fl Unkosten erforderlich, khonte die Helffte Bley 

in Erspahrung khomen und wären nur 820 fl. nothwendig, wofür 15 fl — kr 

Gießerlohn vom Pf: 6 ^ 3 fl — ^, 

Ain hierzue benöttigte Wasserbehaltnus oder Reserva von aichenen Holz der Länge nach 6 und in der 

Braitte 3 Schuech eingeschlossen der Zimmer arbaith, Kitt und Nögl 6 fl 40 kr 

Summe ausser des Kupferschmidts u. Gloggenguessers Verdiensts 

343 fl. 24 kr. 
Am 10. Dezember ratifizierte Erzbischof Andreas Jakob Graf Dietrichstein diesen Kontralit. Im Jänner 
1750 aber wandte sich Rosenegger, Promptus-Raitter und Kunstarbeither in Thürnberg dermahlen im 
Lustorth Helbrun, mit der Bitte an den Erzbischof, es möchten ihm, da die paktierte Summe von 350 fi. 
' bereits für die Arbeit aufgegangen, das Werk aber noch ungefähr vier Monate beanspruchen würde, 
I wöchentlich 10 fl. Lohn ausgeworfen werden bis zur Vollendung dieses kunstreichen Werkes, da ohnedem 
vor meine Persohn nicht mehr dann wöchentlich mit Kost und Lohn sambt Beyschaffung meines Werk- 
zeugs 2 fl kommet, welches in Betracht meiner Miehe und wegen speculirent viller schlaflosen Nacht 
, nicht zu vill sein solle, besonders da ich vill aus Saxen, Wienn, Venedig und anderen Orthen aigents 
umb einige Kunstwerk hieher geraiste Leuth habe zu ihren gresten Widerwillen mit lehren Hendten ab- 
speisen miessen. Ich verlange hiedurch keinen Gwin, sondern nur dem hf. Lustorth einen Welt berueffenen 
Namen, mir aber eine Ehre zu erwerben. Die Ursache dieser Überschreitung war der Umstand, daß der 
Kontrakt nur ein neues Werk in die alte Schmiedgrotte vorsah, während mittlerweile durch Danreiter 
eine ganz neue größere Grotte (IS'/-/ lang. 20' breit) errichtet worden war. Rosenegger arbeitete mit 
zwei Gesellen. Am 28. April 1750 bewilligte Erzbischof das Wochengeld von 10 fl. Bis Ende Juni 
1750 waren auf die Besoldung Roseneggers und seiner zwei Gesellen 549 fl. 40 kr., auf Bildhauerarbeit 
144 fl 24 kr. und auf Drechsler- und andere Arbeit 19 fl. 34 kr., zusammen also 713 fl. 38 kr. auf- 
gegangen. Die Bildhauer waren Bartlmä Pfäll in Nonntal (85 Figuren), Josef Georg Frieß 
(18 Figuren), Johann Georg Roß in Hallein (5 Figuren) und Josef Strasser, Bildhauergeselle 
(49 Figuren). Die Drechslerarbeiten machte Johann Ulrich Rettensteine r. Bis Mai 1751 war die 
Summe schon auf 1035 fl. 18 kr. aufgelaufen. Am 1. September 1752 endlich war dem Erzbischof die 
Geduld ausgegangen und er befahl, dem Rosenegger so lange kein Geld mehr zu verabfolgen, bis nicht 
das Werk tatsächlich vollendet wäre. Gleichzeitig wurde Rosenegger auf Hohensalzburg in Verhalt 
genommen, wo ein Korporal auf ihn, damit er nicht entflüeche, obachtsambes Aug zu halten und bis 
gänzlicher Verförttigung des Werks alle hilfliche Hand zu bieten, unter Tag ihm kein Getränk zu lassen 
und ihm auf der Seite zu bleiben hatte, um auf die Arbeit fleißig Achtung zu geben. Aber schon am 
gleichen Tage wurde er gegen eine Erklärung wieder entlassen, ihm aber zur Aufsicht und zu baldigen 
Ende Betreibung der Korporal als Aufsicht mitgegeben. Am 28. Oktober 1752 war das Werk endlich 
vollendet. Im Juni 1753 stimmten der Hofkapellmeister Johann Ernst Eberlin und Hoforgelbauer 
iEgedacher das Orgelwerk. Gleichzeitig wurden auch folgende Beschreibungen des „Mechanischen 
Theaters", wie es fortab genannt wurde, verfaßt. 

Explikation oder Erklerung der neuerpauten und verfertigten Kunsigrotta in dem hochfilrstl. Salzburg. Lust Orth 
Hellbrunn, so vorweisset eine hoc/ifärstl. Hoffmarch, alß erstl. in dessen Mitte die lioclifürstl. auf Romanisch erbaute 
Residenz, zu beyden Seilten das Pau und Preywesen, Ringsherumb verschiedene Handtierungen und Professionisten in 
Ihren Werckstätten auch letztl. mit einem künstl. Orgl- oder Hornwerckh sambt Echo und Concert. Alles durch Wasser 

betrieben. 

Figuren Residenz: 

bewegt, unbewegt. Hochfürstl. Wappen 

2 Stuken mit Lavetten. 

2 Grenadier so auf und abspatzieren, 

2 1 Hercoles sambt Hydra. 

24* 



10 


47 


53 


7 


50 


20 


113 


74 




3 




66 



J Gerichtsbezirk Salzburg 

Figuren 
bewegl. unbewegt. 

4 Im ersten Umbgang 2 Cavattier und 2 Dantes. 

8 Römische Kayser auf der ersten Gallery. 

4 1 Pantaton 1 Harlequin 1 Docto 1 Scaramuzo. 

3 Auf d. 2ten Gallery 2 Cavattier 1 Dame. 

10 Kaysert. Brust Bilder in denen Kitschen. 

6 Vasis auf denen Patustraten. 

2 Trag Mändt unter den forderen Trompetergang. 

2 Figuren in Nitschen vorstellend die erste Archite/tturam, die zweite Musicam. 
6 Delphinen in den Thurn. 

3 Fortuna auf der Welt Kugel. 
3 Trompeter auf die 3 Gang. 
2 Wächter bey der Klolten. 

Summa der würckl. bewegl. und unbewegt. Figuren. 

Rechter Handt. 

Liniter Handt. 

Summa Summarum der bewegl. und unbewegt Figuren. Eine und andere Stuc/t so auch ein jedes 

vor eine Figur gerechnet wirdt. 
Schilder Rechter Handt. 
Linker Handt als unten zu sehen ist. 

113 143 Summa Summarum. 

Rechter Handt 

I bohrender Zimmermann 

4 Stekenschlager 

1 Vorsinger 

2 Baumschneider 
1 Zimmermeister 
1 Tagwercker so umb die Arbeit fragt 
1 Tagwercker mit dem Rennseyl 
4 Zimmerleuth sambt Brust Zeug Klim und Seyl 
1 Wagner mit der Schmidtsaulen und gemachten Redern 

3 im Kauffladen 1 Kauffmann mit unterscliiedtl. Waaren I Bagot Mändt 1 hangender Drach. ^ 

6 im ersten Umbgang 5 Tagwercker welche zu tragen verschiedtl: Paumaterialien 1 Zimmerman SO 

mit seinem Werckzeug auf die Arbeit geht. 
8 Tagwerker im zweyten Umbgang. welche zutragen verschiedtl. Paumaterialien. 

4 Maurer im S'en Stockh mit Ziegl Maltertrug und Geristen, 

8 Auf dem Dach 7 Zimmerleuth 1 Pollier so trinkt. 

1 11 Barbierer 1 sitzt und läßt sich barbieren 

1 Schildt mit unterschiedtl. ausgeliengien Barbier Schüsseln. 
3 Schmidt nebst Zugehör und Schildt. 

3 1 Zangießer mit den Drehe Radt 1 Gesell mit der Gießkandl l Radttreiberin und unterschiedU. 

Zünngeschirr. 

1 1 Drexler sambt Drehbank und Zugehör. *■ 

2 1 Mahler sambt Potre 3 Farbenrelber u. 7 Landschafften. 
53 7 Summa der würckl. bewegl. und unbewegt. Figuren. 

3 Schilder so auch ein Jedes vor eine Figur gerechnet wirdt. '^ 



Auf dem Boden 
neben der Residenz. 



( 



Linker Handt 
Auf dem Boden neben der Residenz. 

1 Wandt Wascher nebst 1 Faß und Wannen. 

2 Binder und ein Faß. 
5 1 Metzger so den Ochsen schlägt, 1 Ochs so niederfalt und wieder aufsteht 1 Metzger so 

Messer wetzt 1 Metzger so das Lämpl absticht 1 Lämpl auf den Schrägen so die 4 FUß um 
Kopf bewegt. 



Schloß Hellbrunn 



189 



Figuren 
bewegt, unbewegt. 
1 



11 



3 

4 
4 

3 
2 



5(1 



1 
9 



20 
66 



Reyffensclmeider mit der Reyf Ban/i. 

1 Pälir 1 Pälirentreiber so den Pätiren an der Kelten liat 1 attes Weib so mit ilim tanzt und 
2 blasende Pälirentreiber. 

Im Keller 12 Bierfässer 23 Kändl und Krug und 5 Laternen. 

Im Wirtshauß 1 Wirdt 1 Kellner 1 Pauer mit der Raditrugen und altem Weib 4 Gäste und 1 Schildt. 

Im Preyhauß I Maischer 2 Aufkhieler 1 so Bier füllt 1 Maischpoding 1 Pierkhiel 8 Fässer 4 Amper. 

Auf der Maltz Thennen 2 welche Hauffen arbeiten, 1 Maltz Trager und 6 MaltzUauffen. 

In der Fleischbanck 1 Schildt 1 Ausgezogenes Lämpl 2 Ausgezogene Ochsen 2 Hammel 1 Schweins- 
Kopf 1 Mulde mit Warst 1 Brett mit Bratwärst. 

Bekhin sambt Lehn Labt Semmeln Strützen Wecken 5 Mehlsäck. 

Im Umbgang 1 Judt auf den Schwein 1 Altes Weib 1 Pilrger mit der Wiegen auf den Puckl 

1 Kind darinnen und 1 darauf 1 Kleiner Pilrger 1 so Taback raucht 1 Schneider auf der Gaiß 

2 Gitzl auf den Buckel und Werck Zeug 1 Wagner so das Radt umbkehrt. 
Im Caffehauß oben 3 Gäste und unten 2 Spaniolen. 

1 Meister Schuster so zuschneidt 2 Gesellen und 1 Schildt. 

1 Schneider Meister so zuschneidt 2 Gesellen und 1 Schildt. 

1 Riemer Meister 1 Gesell so Leder stecken sambt Rist Banck 2 Gesellen sambt Riemer Rössl 

und Schildt. 
1 Weißgerber Meister 2 Gesellen so Haut schaben und 2 Werck Bänck. 
1 Bildthauer so ein hillzernes Bild ausarbeit sambt Schrägen, 1 Gesell so im Stein arbeitet, sambt 

Brustbildt Schrägen und Werkstatt mit unterschiedl. academischen Stuck. 
Summa der wtlrckl. bewegt, und unbewegt. Figuren. 
Stuck so auch ein jedes vor eine Figur gerechnet wirdt alß 1 Fass und Wannen hey dem Wandt 

Wascher 1 Faß bey den Binder 40 Stuck im Keller 14 Stuck im Preyhauß 6 auf der Maltz- 

thennen und 4 Schildter machen zusammen 66 Stuck oder 66 unbewegt. Figuren. 



Specification 
derer in dem neuen Mechanischen Kunstwerckh in Hellbrun theills riehrent theills unbeweglichen Figuren 

und anderen Sachen. 



Erstlich 
2 Orgl Werckh auf einer Walzen durch das Wasser 
4 Stück spillent. 

Figuren 
In Kaufmans Laden 

1 Kaufmann mit verschiedentlichen 

Wahren. 
1 Pagothen Mändl daselbst. 
1 hangender Track. 



Unbewegt. 



Im ersten Umbgang 
5 Tagwercker 

1 Zimmermann. 

Im ersten Stockh. 

8 umbgehende Tagwercker verschidentliclie Pau Mate- 
rialia tragent. 

Im änderten deto. 
4 arbeithende Maurer auf dem Gerist sambt Zieglen. 

Auf dem Tach. 
8 derley Zimmer Leith. 

Herunten auf dem Poden. 

1 Zimmergsöll mit einem Keuger porrent 
4 Steckhenschlager 



1 Vorsänger 

2 mit einer Zugsag schneidende Zimmergsöllen 
I Zimmermeister 

1 Tagwercker 

1 deto beym Aufzug sambt Globen und Saill 

4 Zugleith sambt dem Brust Zug. 

•' In der Barbier Stuben. 
1 Gsöll 



Unbeweglich 



I 1 Persolin auf den Barbier Siz 
I / Schild. 

In der Schmidten 



4 Schmidt-Knecht 

1 Wagner sambt Schild. 

Oben auf der Schlosserey 
3 Naglschmid 
1 Schlosser 
1 Schild, unbeweglich. 

In dem änderten Gaden. 
1 Träxler sambt Trapanckh Werckzeug und Schild. 

In der Zinngüesser Werckstad. 
1 Trapanckh und verschidenes Zingeschier. 



190 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Mahler Werckhstath. 

1 Mahler bey einen Porträte item 7 Landschäfftler 
1 Farbreiber. 

Auf der herentheren Seithen. 

12 Pier Vaß 
5 Ämpper 
Unbewegt. 23 Kandln et Krüeg 
5 Plechene Latern 
1 Schild 
1 Würth 
1 Kellner 

1 Paar ain altes Weib in einer Rädl 
Truhen fiehrent 

2 Bindtergsölln an einen Vaß Raiff an- 
treibent 

1 Raijf Schneider 
1 Wandt Wascher. 



An Figuren 
8 Pier Vaß 



Im Preuhauß 
Nichts 

Auf den Malz-Thenn 
Nihil 



1 Schneider, so auf dem Gaißpockh reittet mit Werck- 

zeug und 2 Kizl in der Putten versechen 
1 Wagner mit umbtreibenden Rad. 

Weißgerber Werckhstad. 

1 Maister \ 

1 Gsöll i ^^'^^'' "^^^^Ssent 



1 Schild. 



l Maister \ 



Riemer Werckhstad. 



so Lader röckhen 



1 Gsöll I 

'2 Riemergsöllen sambt Riemer Rössl 

1 Schild. 

Bild -Hauer Werckhstad 

l beym Schrägen in Holz arbeithender Bildhauer 

l anderer deto in Stain arbeithent mit Schrägen und 

Brustbild 
Underschidlich zurBildhauerey gehörige Academie-Stuckh. 

Schneider Werckhstad 

1 Schild mit einem Gaißpockh 

2 Näende Schneidergsöllen 

1 Maister auf einen Tisch zuschneident. 



In den Fleisch Bahckh 



\ 



ausgezogen 



Unbew. 



1 Schild 

1 Lämppel 

2 Oxen / 
2 Schweinen Schuncken 
1 deto Köpft 

1 Muelter mit Wurst und Punzen 

1 BrOd mit Brad Wärst 

1 Mezger so ein Lämppl abstichet 

1 Lämppl den Kopf und Füess bewegent 

1 Metzger, welcher den Oxen schlagt 

1 Ox der niderfahlet und aufstehet 

1 Fleischhackher Messer wezent. 



Beym Pern-Tam 
1 Per 
1 Pern-Treiber disen in der Ketten fiehrent 

1 altes Weib mit dem Fern tanzent 

2 blasende Pern Treiber. 



Im Pöckhen-Laden 

I Pöckhin mit Lenlaib, Sembl, Struzen, 
Röggelen und Mehlsäckh 



unbewegt. 



Umb den Pöckh Laden gehen herumb 

1 Jud auf einem Schwein reittent 
1 altes Weib 

1 Bürger Pauer sambt Wiegen und 

2 Kindern 

! Tobackh rauchender Paur 



Schuester Werckhstad 
1 Schild 

1 Maister Arbeith herrichtent 

1 Schuech machender Knecht 

1 deto welcher wixet. 

Caffae Hauß 
Nichts. 

Residenz 

2 Schildwach haltende Grenadier 
2 Methollene Stuckhl auf Laveten 
I Hochfürstl. Wappen 

1 Hercules mit Hydra 
8 Rom. Kaiser 

10 solche Brust Bilder 
Unbewegt. 6 Bases 

2 Gang tragende Männer 
2 Figuren Architekturam et Musicam 

vorstellent 
6 Delphin über ein methallene Gloggen 
I Fortuna zu obrist auf der Residenz 
ohne der Schild an anderer Cleinigh- 

ketten: 128 Figuren. r 

Bereits geschnizet aber annoch uneingerichtet 
seynt nachvolgende Figuren vorhanden: 

Zu der Residenz gehörig in dem Umbgang in besagter 

Residenz 

2 Frauenzimmer t 

2 Ca valiers. 



Schloß Hellbrunn 191 

Herausser der Residenz Lederer Werckhstad. 



2 Knecht in denen Wonnen. 



l Scapier 

1 do do 

1 Scharmiizo 

1 Bantilon Auf die claine Altana 



I Hund 

1 Exercitien Meister. 



2 spännische Figuren. 

Auf die erste Altana j^ ^.^ Schmidten 

3 Cavalier 

1 Frauen Zimmer. 1 Ploß palgen ziehen 

l Schmid Maister 
In Thrompether Gang 1 Pferdt im Nothstall 

3 i hrompether. 1 Reit Knecht. 

In Uhr Thurn 

Auf dem Poden 

2 So die Uhr anschlagen. j j^„gf. ^ 

IWildschiez 1 ^"'"ff"''- 
Im Keller 

I Wartin 

4 Spiller ;„ ^,-^ Zilnngüesser Werckhstad. 
4 Gast 



10 arbeithende Knecht. 



Im Preuhaus ^ GsOll bei der Güeßpanckh. 

1 Weibsperson das Rad treibent 



1 Maister. 



1 Türckh ■^"'" Kaufmannsgewölb 

I Pöllackh I Paar mit dem Schmalz Kibl. 

3 Göst 57 Stuckh uneinge richte r Figuren. 

Hochfürstl : Salzburg: Lustorths Verwaltung Hellbrunn 

den 28. Septb. 1752. 

Johann Jakob Kendler. 

Die nächsten Jahre bringen abermals Reparaturen. 1758 werden die Bleiröhren der Forstteiiflgrota aus- 
gebessert und die Röhren des Regenbogens in der großen Grota umgegossen. 1759 waren in der Ab- 
gottsgrotta und Salblingstuben an den Seitenwänden daselbst, die mit klein und größeren ver- 
schiedenlich färbigen Pflästerln eingelegt sind, viele tausend große und kleine Feldln wegen der vermut- 
lichen Felchtigkeit wirklichen abgestanden. 

Die Wiederherstellung erforderte ziemlich viel Auslagen: 

Benedict Zopf, Stockkathorer 123 fl, Martin Dreyer, Hof- und bgl. Hafner für 22000 groß und 
kleine gelb, weiß, blau und meergrüne glasierte viereckige Steint, das Tausend zu 5 fl . . . . 110 fl 
Josef Miller, Hofvergolder und Maler für Neumalung der 5 Stück Malereien in der Forelngrottn , 
welche alle ruinirt und nicht mehr richtig waren, ä 18 fl zus. 90 fl. 

•1760 wird befunden, dass die Ruckmauer der sogen. Silbergrota sich hindanbegeben und ville Spacatur 
gemacht, auch schon vor etwelcher Zeit des Einfahls halber habe müssen gespreizet werden, welche ver- 
muthlich wegen denen villfalltig alldorth befindlichen Prunflüssen und etwan des nicht genugsam ge- 
knackten Fundaments herkommen könne, mithin diese unentbehrlich abgetragen, neue Firsten geschlagen, 
juf selbe ein gut- und gewehrliches Fundament angelegt und also erwehnte Grota in guth und dauer- 
haften Standt widerumb hergerichtet werden müsse. Der Kostenvoranschlag beläuft sich auf 287 II. 
iJ9 kr. 2 v^. Den Beginn der Arbeiten setzte Erzbischof Siegmund auf das Frühjahr 1761 an. 

Km 27. März 1770 suchte Leopold Rosenegger, des gewesten Oberbergraiters aus Hallein Sohn, an, da 
'ir von einer sicheren Hand vernommen habe, dass F. J. Gn. gnädigstes Belieben tragen sollten, das 
:>on meinem Vatter sei. in Hellebrunn errichtete Werk ausbuzen und reparieren zu lassen. Wan nun ich 
iie Model meines Vatters noch in Händen und von ihm in dieser Kunst profitiert habe, demnach mit 



192 Gerichtsbezirk Salzburg 

der Gottes Hilf mich an dieses Werk getraue, es möge ihm die Ausbesserung übertragen werden. Das 
Pfleggericht berichtete, daß die Beschädigung sich nur auf die Orgel und Pfeifen beschränke, weshalb 
dem Hoforgelmacher Rochus Egedacher die Reparirung des Horns, Auswexliing der Pfeifen und Stim- 
mung des Leders für 50 fl. übertragen wird. 1772 werden die zwei von Gips gemachten und vor der 
großen Groten im Lustorth Hellbrunn stehenten Hirschen, die wetterschlächtig auch dabei die Läuff in 
manichem abgebrochen um 48 fl. repariert. 

Im April 1775 kam der jüngste Sohn der Kaiserin Maria Theresia, Erzherzog Maximilian (nachmals Kur- 
fürst von Köln), zu Erzbischof Hieronymus auf Besuch. Bei dieser Gelegenheit wurde auch Hellbrunn 
besichtigt. Daselbst wurde mit der Steinbockjagd — wir entnehmen diese Schilderung einem gleich- 
zeitigen Briefe des Hofratspräsidenten v. Kleinmayern — der Anfang gemacht. Der Erzherzog schoße den 
schwersten und ältesten Bock zweimal wund. Er verkletterte sich jedoch mit gelähmten Füßen in eine 
Felsenhöhle, so dass nur der Kopf hervorragte, und dann gab ihm Baron von Lehrbach den letzten 
Schuß auf die Stirne, worauf er von der Höhe des Felsens wie eine schwere Kugel herabrollte und 
gleichsam vor den Füßen des Erzherzogs und Erzbischofs sein letztes Compliment machte. Der Erz- 
herzog war ungemein freudig darüber und ich muss es selbst gestehen, dass ich vielleicht eine so artige 
und compendiose Jagd von seltenen Thieren nicht mehr sehen werde. Man hatte sie bald oben, bald 
unten, bald stehend, bald flüchtig, bald steigend und kletternd und so immer in dem Gesicht; und dies 
alles ohne Lärm, Geschrei und Treiber. Nach diesen verfügte man sich in den Garten an die Weyer, 
woselbst der Erzherzog etwelche Stücke von größerer Gattung Forellen und Saiblingen mit der Angel 
herauszog. Von dannen gienge es in das Patheon und da wurden die eingesperrten Forellen und Saib- 
linge mit langen Gabeln rechtschaffen zusammengemezelt. 

1791 wurde die Mauer beim steinernen Tische teilweise erneuert, nachdem schon 1788 der Hofstukkateur 
Pflauder einiges ä la mosaique um 123 fl. gearbeitet liatte. Im gleichen Jahre wurde auch das zweite 
Belvedereschlößl im Heilbrunner Hirschgarten repariert und das Monatschlößchen einer gründlichen Re- 
novierung unterzogen. Drei Rohrböden waren eingefallen und Fenster, Thüren, Küche und Keller be- 
fanden sich in einem äußerst elenden Zustande. Erzbischof Hieronymus beschloß, es neu herstellen, 
ausmalen und zum Teil einrichten zu lassen, was auf 1288 fl. veranschlagt wurde. Aus den Akten er- 
fahren wir, daß früher alle Reparaturen durch den hochfürstlichen Oberstbaukommissär Elias von Geyer 
hintersteilig gemacht worden waren. Louis Grenier, Ingenieurhauptmann berichtet: Seit 35 Jahren ist 
keine Hand mehr angelegt worden. Da ich vor 11, 10 und noch vor 9 Jahren darauf beharrte, dass die 
Ausbesserung des bekannten Schlössls nicht länger mehr verschoben werden könnte, erhielt ich von Herrn 
V. Geyer zur Antwort, dass alle Reparationen vergeblich sey, weil obiges Gebäude ohnehin gänzlich ab- 
getragen werden sollte, und Graf Galler, der Referent bei der Hofkammer, äußerte sich über Geyer mit 
einem vielsagenden: De mortuis nil nisi bene. Im Juli 1791 waren die Arbeiten, die sich auf 1626 fl. 
28 kr. bezifferten, vollendet (Hofbauamt 1791 D). 

Am 10. Mai 1807 wurden auf dem Wasser nach Wien alle im Hellenbrunn vorräthige seltene Vögel als 
Gold- und Silberfasanen, ausländische Anten und Hennen, sogar die Schwanen gebracht, und damit in 
diesem Lustort nichts mehr seltenes gefunden würde, so wurden die 3 vorräthigen Biber abgeschlagen 
und das Fleisch verkauft. Die von dem Kurfürsten von Passau hieher gebrachten und um Hellenbrunn 
ausgelassenen weißen Hirschen erhielten ebenfalls die Weisung, so bald es thunlich sein wird, nach 
Wien zu migrieren. (Tagebuch des Abtes Dominikus Hagenauer von St. Peter pag. 270.) * 

Ein Inventar von 1825 zählt folgende Grotten und Wasserwerkgebäude auf: Das Fischhaus oder die 
Salblingstube, Neptungrotte, Monstrumgrotte, Grotte der Kleopatra, Acteongrotte, musaische Grotte, Grotte 
der Diana, Gebäude der Mechanik, Steinbockgrotte, Mohrenkopfgrotte, Sternweihergrotte, Grotte zum 
Vogelsang; die Ruinen und Regenbögen befinden sich zu ebener Erde im Lustschlosse selbst. Orpheus- 
grolle, Amphitheater um den steinernen Tisch, Brunnhaus. 



Schloß Hellbrunn 



193 



Beschreibung: 

Der alte Haupteingang liegt im O.; hier endet die im rechten Winkel von Salzburg aus auf die Schloß- 
anlage führende, aus prächtigen alten Bäumen bestehende Heilbrunner Allee, während eine gleich schöne 
Allee in gerader Richtung von Glasenbach-Aigen auf das Tor hinführt. 

Der Eingang selbst (Fig. 160) wird gebildet von zwei hohen rechteckigen Mauerkulissen, die durch 
je zwei Pilaster (mit Sockeln und Kapitalen aus Konglomeratstein) gegliedert und innen von Ortsteinen 
aus Untersberger Marmor eingefaßt sind. Oben Gebälk mit vorspringenden Abschlußgesimsen, daran zwei 
Marmorwappen des Erzbischofs Marcus Sitticus; oben darauf stehen je zwei in Kugeln endigende Marmor- 
obelisken auf Konglomeratpostamenten. Prächtiges schmiedeeisernes Rokokogitter, im Jahre 1888 aus 
Schönbrunn hierher überführt. Zu beiden Seiten des Tores je ein einfaches niedriges einstöckiges 
Gebäude, das rechte unten mit vermauerten Schlüsselschießscharten. Beide waren ursprünglich bloß 
eingeschossig und wurden erst im XVlll. Jh. erhöht. Das Gebäude zur Rechten diente zuerst als 



Beschreibung. 



Eingang. 
Fig. 160. 




Fig. 160 Hellbrunn, Haupteingang (S. 193) 



Wohnung der erzbischöflichen Trabantenleibgarde, seit Erzbischof Guidobald als solche des Gerichts- 
dieners; eine Arrestzelle ist noch erhalten; im SW. schließt sich daran ein Stallgebäude. Das Gebäude 
zur Linken bewohnte zuerst der Torwart, am Ende des XVIII. Jhs. Waldmeister und Zimmerpolierer, 
jetzt der Verwalter. Das im O. daran anstoßende eingeschossige Gebäude war früher Stall. Durch ein 
im S. des Verwalterhauses in die Mauer gebrochenes, von zwei einfachen Konglomeratpfeilern flankiertes 
Tor mit schmiedeeisernem Rokokogitter kommt man in den ehemaligen Damhirschengarten. Alle bespro- 
chenen Gebäude haben Schindeldächer. 

Vom Haupttore führt in schnurgerader Linie auf das Schloß zu eine lange Straße, zuerst von zwei 
mäßig hohen Mauern, mit Kugelakazien zu beiden Seiten, vor dem Schlosse dann von zwei langgestreckten 
eingeschossigen Gebäuden flankiert. In diesen waren 1619 untergebracht: Rechts die Stallung für die 
Tummelpferde, ein Brunnen mit einem Mascheron, Reitstall und Sattelkammer; links der Stall der 
Karabinerleibgarde, wieder ein Brunnen, die Wagenpferdestallung, Heu- und Zimmereihütte, Pomeranzen- 
stube, der hf. Leibstall, am Ende die Zimmer des Hofkaplans und der Offiziere. 

Wie die Veränderung des Bestandes gegenüber den Ansichten Fig. 153—154 zeigt, ist dieser Trakt 

umgebaut, und zwar 1660. Dies besagt eine am Südosttrakte eingemauerte weiße Marmorplatte mit 

dem Reliefwappen des Erzbischofs Guidobald Grafen von Thun (1654—1668) und der Inschrift: Hoc 

XI 25 



194 



Gerichtsbezirk Salzburg 



latus haustum fortuito igne, ut datnno doceret sapere, fortius et ampltus pro habitatione et hortensium 
hyematione per arcuata opera iiistauravit Giüdobaldus arch. et princeps MDCLX. 
An Stelle zweier bogenförmiger, von je einem Tore durchbrochener Mauern, welche wir auf den ältesten 
Ansichten Fig. 153 — 154 sehen, stehen am Ende der Straße zwei einstöckige, 1692 erbaute Gebäude, 
Fig. ihl. gegen den Hof zu halbrund eingebogen (Fig. 161). In dem nördlichen (Fig. 167a) befand sich zuerst 
die Wohnung des Pflegers, dann des Gerichtsschreibers (jetzt die des Hofgärtners). In dem südlichen {b) 
war die des Hofgärtners (jetzt die des Schloßwirtes). 

In der jetzigen Hofgärtnerwohnung befinden sich im Erdgeschosse zwei durch einen Flachbogen ver- 
bundene Zimmer von unregelmäßiger Grundrißform mit schön stukkierten Decken: In dem einen 
ein ovales Mittelfeld, von vier Kartuschen umgeben, in dem anderen ein oblonges Mittelfeld, umrahmt 
von buschigem Blattwerk und zwei Muscheln. An der Laibung des Bogens gekreuzte Zweige und in 
der Mitte eine ovale Kartusche mit zwei Cherubsköpfen und der Jahreszahl 1692. In der Küche daneben 
ein rotmarmorner Brunnentrog mit der Jahreszahl 1745. 




Fig. 161 Hellbruiiii, Eckgebäude im Runddl des Hofes (1692) (S. 194) 



Schloßhof. Der im NO. abgerundete geräumige Schloßhof wird an den beiden Langseiten von niedrigen Gebäuden 
begrenzt, in denen jetzt die Restauration und Dienstwohnungen untergebracht sind. Ursprünglich (1619) 
befanden sich in dem nordwestlichen Flügel (c) außer der Kapelle neun Kammerherrenzimmer. Der Plan 
von 1776 (Regierungsarchiv) nennt westlich von der Kapelle das Gasthaus, östlich das Kanzleizimmer 
und die Wohnung des Pflegers und Oberschreibers. Der geradlinige Teil ist noch von 1613, der innen 
gebogene Anbau von 1692, wie eine an der Außenseite eingemauerte Marmortafel angibt (vgl. Fig. 153, 
154 mit 155). 

Kapelle. Ungefähr in der Mitte des Nordwesttraktes ist die Kapelle eingebaut, die sich um ein Geschoß über 
die übrigen Gebäude erhebt. Sie hat in der Mitte eine Tür mit gebrochenem Giebel und Eisengitter, 
oben ein Doppelfenster mit Giebelverdachung und ist durch ein vorspringendes Gesims und einen ge- 
schwungenen Giebel darüber abgeschlossen, der mit einer gemalten Sonnenuhr verziert und mit zwe' 
steinernen Kugeln und einem Pinienzapfen bekrönt ist. Die Ecken sind mit Kongloraeralquadein aimieit. 
Unten marmorne Sitzbänke. 

Inneres. Das iieu ausgemalte Innere der rechteckigen, halbrund abgeschlossenen Kapelle ist einfach 
gehalten, kn den Wänden Flachpilaster mit stukkierten ionischen Kapitalen, darüber ein Gesims mit 
Eierstab. Über der in flachbogiger Nische stehenden Eingangstür ein rechteckiger, wohl für eine 
Inschrift bestimmter Stuckrahmen, darüber Doppelfenster. Rundbogiges Tonnengewölbe, über der 



Schloß Htllbrunn 



195 



halbrunden Apsis abgerundet. In der Apsis beiderseits je ein Fenster. Rechts Tür zur kleinen quadra- 
tischen kreuzgewölbten Sakristei. An der Kapellentür altes Schloß und Beschläge (um 1615). 

Einfacher Holzaltar (geschwungene Mensa und Tabernakel), weiß lackiert, mit vergoldeten Zieraten; 
dahinter großes Holzkruzifix mit vergoldetem Christus, modern. Neben der Tür marmornes Weihwasser- 
becken. 

Gemälde: 1. Öl auf Holz. Madonna mit dem Kinde. Maria (Halbfigur) wendet den ganz im Profil 
gestellten Kopf zu dem auf ihrem Schöße sitzenden nackten Jesusknaben; rechts Ausblick auf eine Land- 
schaft. Gutes, leider teilweise stark abgeriebenes Bild, italienisch beeinflußt, Ende des XVI. Jhs. — 
Reichgeschnitzter vergoldeter Rahmen, erste Hälfte des XVIII. Jhs. 



Altar. 



Gemälde. 





1 




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4" 


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Fig.. 162 Helibrunn, Schloßfront gegen Nordosten (S. 196) 



2. Öl auf Leinwand. Verlobung der hl. Katharina mit dem Christkinde. In der Mitte die sitzende hl. 
Maria mit dem Kinde, dahinter der hl. Josef, rechts die kniende hl. Katharina, links zwei Putti, der 
vordere mit der Krone. Gute, italienisch beeinflußte Arbeit aus der ersten Hälfte des XVII. Jhs. 

In dem gegenüberliegenden Flügeltrakte im SO. (d) waren 1619 die Tafelstube und neun Zimmer 
für die Truchsesse und Offiziere, seit Erzbischof Guidobald die Wohnung des Mitterschreibers, drei 
Küchen, ein Brunnen und die Wohnung des Brunnenmeisters. Der Plan von 1776 nennt: Im O. das 
Glashaus, in der Mitte die Hofküche, im W. die Brunnenmeisterwohnung; jetzt verschiedene Wohnungen. 
Der Kapelle gegenüber ein ganz gleich gegliederter, als Glockenturm dienender Bau mit einer Uhr 
im Giebel. 

Zwei rundbogige Tore im N. und O. führen in den Garten, zwei Durchgänge im W. und S. in den 
vorderen Schloßpark. 

25* 



Flügeltrakt. 



196 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Schloß- 
gebäude. 
Fig. 152, 
162-168. 



Schloßgebäude (Fig. 152, 162—168). 

In den Jahren 1613 — 1615 wohl nach dem Entwurf des Santino Solari erbaut. In der Fassadierung lehnt 
sich das Schloß an die Residenzbauten der Erzbischöfe Wolf Dietrich und Marx Sittich in Salzburg an. 

Das eigentliche Schloßgebäude ist zweigeschossig und hat im Grundrisse die Form eines oblongen Recht- 
eckes, an dessen Schmalseiten turmartig zwei quadratische Risalite vorspringen. Vor der Hauptfront im 
NO. befindet sich eine Treppenanlage, aus der südwestlichen Langfront tritt ein rechteckiger Mittel- 
risalit vor. Die Außengliederung ist im wesentlichen eine horizontale: Sockel mit starkem Rundstab in 
der Mitte, unter den Fenstern je zwei einfache Bandgesimse, alle gleichwie die Fensterumrahmungen aus 
Konglomerat (Nagelfluh). Als Abschluß profiliertes Putzgesims, darüber vorkragendes weiß stukkiertes 
Hohlkehlgesims. 




Fig. 163 Hellbrunn, Marmorrelief in der Brunnengrotte 
unter der Hauptstiege, um 1613 (S. 196) 

Hauptfront. Hauptfront im NO. (Fig. 162): Zum Hauptportal führt eine marmorne Doppelstiege (mit mar- 
Fig. 162. mornen Balustern und kugelbekrönten Postamenten, auf Konglomeratunterbau). Die beiden Stiegen 
münden auf eine kleine Altane, von der aus der Hoftrompeter zur Tafel zu blasen pflegte. 

Unterhalb dieser Altane befindet sich ein um vier Stufen in den Boden vertiefter, nach vorne mit einem 
flachbogigen Tor sich öffnender Brunnenraum (Fig. 167, 1). Er ist ringsum mit Konglomeratquadern 
verkleidet und mit einer aus Quadern bestehenden flachbogigen Tonne gewölbt. An der Rückwand dieser 
Fig. 162. mit großen Marmorplatten gepflasterten Brunnengrotte ist ein großes Marmorrelief (Fig. 163) auf- 
gcite'it, darstellend einen knienden, langbärtigen, nackten Mann mit einem Rebenkranze im Haare, der 
zwei S'.einböcke (Wappentiere des Erzbischofs Marcus Sitticus) in den Armen hält; gute Arbeit, um 1613. 
Aus de:! Mäulern der beiden Steinböcke fließt das Wasser in ein ovales Marmorbecken. Oberhalb der 
Gruppe ist die Wand mit Tuffstein verkleidet. 



I 



Schloß Hellbrimn 



197 



Beiderseits der Stiege je fünf oblonge, steingerahmte vergitterte Kellerfenster. Im ersten Geschoß in 

der Mitte Portal aus Konglomerat: Rundbogige Türöffnung mit zwei einfachen Kämpfersteinen und 

einem Schlußsteine, flankiert von zwei Rustikapilastern mit tiefen Horizontalfugen, einfachen Basen und 

profilierten Gesimsen. Darauf Fries aus hellem Untersberger Marmor mit der eingemeißelten fünfzeiligen 

Kapitalinschrift: ^ . . . ,.,. , 

^ Quae circumspiciens aedificata certiis 

Marcus Sitticus ex AUaembsiis co/?z(itibus) 

ar<:A(iepiscopus) 5a//5^(urgensis) ad successorum suiq{ue) 

animi levamen decimo quinto mense fundavit 

I atq{ue) perfecit anno dni A1DCXV principatus IUI. 

' Über dem profilierten verkröpften Gesims in der Mitte das schön skulpierte Marmorwappen des 
; Erbauers Erzbischofs Marcus Sitticus, Grafen von Hohenembs, durch zwei marmorne Fruchtschnüre ver- 
! bunden mit zwei auf profilierten Postamenten ruhenden Marmorkugeln. 




Fig. 164 
Hellbrunn, Ansicht des Schlosses vom großen Weiher im Südosten (S. 197) 



Beiderseits des Tores im Mittelteile je drei, in den wenig vorspringenden Seitenteilen je zwei Fenster in 
Konglomeratrahmung mit profilierten Sturzgesimsen. Im zweiten Geschoß in der Mitte ein Doppelfenster 
und beiderseits davon je fünf Fenster mit profilierten Dreiecksgiebelverdachungen. 

!ln der Mitte über dem Abschlußgesims ein rechteckiges Dachgeschoß mit flachbogigem Giebel; in der 
i Mitte ein Doppelfenster und darüber zwischen zwei profilierten Gesimsen zwei Mezzaninfenster in Kon- 
glomeratrahmung; an den Seiten Marmorvoluten mit Vasen. 

Südostseite (Fig. 164): Rechts unten neben dem Durchgange rechteckige Kellertür, darüber im ersten 
Geschosse zwei Fenster mit profilierten Gesimsen, im zweiten Geschoß ein Fenster und eine Balkontür mit 
Giebelverdachung. In dem Winkel ein später eingebauter rechteckiger Wendeltreppenaufgang; darin im SO. 

! unten Tür, darüber ein oblonges und oben ein größeres Fenster; profiliertes Abschlußgesims, Schindeldach. 

ilm stark vorspringenden Eckrisalit im NO. unten eine Tür und links daneben ein vermauertes Fenster, im 
i-isten Geschoß ein Doppelfenster (eines vermauert) mit profiliertem Sturze, darüber ein zweites Doppel- 
fenster mit Giebelverdachung (rechte Hälfte beseitigt), in der Mitte Ovalnische mit der Marmorbüste eines 

'bärtigen römischen Kaisers. 



Südostseite. 
Fig. 164. 



198 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Nordwest- 
scite. 



In der Südostseite des Risalits unten ein dreifaches Kellerfenster (die zwei seitlichen vermauert), im 
ersten Geschoß ein dreifaches grofJes Fenster (das mittlere in der unteren Hälfte, die beiden seitlichen 
ganz vermauert) mit profiliertem Sturzgesims. Im zweiten Geschoß ein Holzbaliion mit schmiedeeiserner 
Balustrade, rechteckige Balkontür mit zwei seitlichen Fenstern in Steinrahmung mit profilierter Giebel- 
verdachung, die in der Mitte durch eine ovale Nische mit der Marmorbüste eines bartlosen römischen 
Kaisers unterbrochen ist. 

Nordwestseite: In der linken Hälfte unten Tür und daneben oblonges Kellerfenster; moderner 
Vorbau mit zwei Holzsäulen. Im ersten Geschosse zwei Fenster mit profiliertem Sturze, im zweiten zwei 




Flg. 165 Heiibrunn, Nordwestrisalit des Schlosses mit Bacchusstatue (S. 198) 



Fig 165. mit Giebelverdachung. — Im vorspringenden Risalit (Fig. 165) im NO. unten Tür mit zwei seitlichen, 
vermauerten, oblongen Fenstern, im ersten Geschoß ein dreifaches Fenster mit geradem Sturze (die beiden 
seitlichen ganz, das mittlere zur Hälfte vermauert), im zweiten ein dreifaches Fenster mit gebrochenem 
Giebel, darin in der Mitte Marmorstatue eines bartlosen römischen Kaisers. Links daneben noch ein recht- 
eckie^es Fenster. Reicher gegliedert ist die den Weiheranlagen zugekehrte Nordwestseite des Risalites. 
Drc!!U(Jies oblonges Kellerfenster (die beiden seitlichen vermauert), im ersten Geschosse dreifaches Fenster 
wie im NO., im zweiten Balkon mit Tür und zwei Seitenfenstern, Giebelverdachung und marmorner 
Kaiserbüste. Der flache Holzboden des rechteckigen, mit schmiedeeiserner Brüstung versehenen Balkons 



Schloß Hellbrunn 



199 



wild an den Seiten getragen von zwei marmornen Atlanten, die statt des Unterleibes zwei in ein- 
andergesclilungene, in eine Maske endigende Schlangenscliwänze haben, in der Mitte von einer großen 
Volutenkonsole mit einer Maske, ebenfalls aus Untersberger Marmor. 

Südwestfassade (Fig. 166): Dem Sternweilier zugekeiirt. In der Mitte rechteckig vorspringender 
Risalit; darin großes Konglomeratportal mit Rustikagliederung; neben der rundbogigen Öffnung zwei 
nach unten sich verjüngende halbrunde Pflaster mit marmornen Köpfen und Füßen als Kapitalen und 
Basen; gerades Gebälk, über der Blechverdachung zwei Marmorkugeln. Darüber breitovales Fenster in 
Verputzumrahmung; im zweiten Geschosse Doppelfenster mit gebrochenem Giebel, darüber schön skul- 
pieites Marmorwappen des Erzbischofs Marcus Sitticus. Darauf als drittes Geschoß Aufsatz mit Giebel 
von gleicher Gliederung wie bei der Hoffassade. 



Siidwest- 
fassade. 
Fi" 166. 




Fig. 166 Hellbrunn, Südwestfassade des Schlosses mit Eingang zur Neptungrotte (S. 199) 



M^ 



eben dem Portal an den Ecken zwei Marmorkartuschen mit bronzenen Hirschenköpfen, aus denen 
Wasserstrahlen gespritzt werden können, bezeichnet: Hitzl fc. (Sie wurden im XIX. Jh. als Ersatz der früher 
lier befindlichen zwei Stuckhirsche von 1693 angebracht, die durch Verwitterung zugrunde gegangen waren; 
ranz Hitzl lebte 1791 — 1856.) In den beiden Seitenwänden des Risalits im ersten Geschosse je ein ver- 
schaltes Fenster mit geradem Sturz, im zweiten Geschosse je eines mit Giebelverdachung, im Aufsatze je 
•in einfaches Fenster. 

^Mderseits des Mittelrisalits in allen drei Geschossen je vier paarweise zusammengerückte Fenster von ent- 
prechender Umrahmung wie auf den übrigen Seiten. In den vorspringenden Eckrisaliten in allen drei Ge- 
chossen je drei Fenster; von denen im Grotten- und 1. Geschosse sind die beiden seitlichen vermauert. Über 
lern gebrochenen Giebel im 2. Geschosse in Ovalnische je eine Marmorbüste eines römischen Kaisers. 
Jher dem Hauptgebäude Schindelsatteldach, über den Schmalseiten abgewalmt, mit gemauerten Rauch- 
innren und Dachfenstern. Über den Eckbauten Schindelpyramidendächer, mit prismatischen hölzernen, 
plechgedeckten Laternen mit Blitzableitern, die schon 1786 durch den salzburgischen Professor P. Domi- 
likus Beck eingerichtet worden waren. 



200 



Gerichtsbezirk Salzburg 




go yubx^ 



Fig. 167 Hellbrunn, Grundriß 1 : 700 (S. 202) 



Schloß Hellbrunn 



201 



XI 




(M 

o 

CM 



3 

Qf 









26 



202 



Qerichtsbezirk Salzburg 



Inneres. 
Fig. 167, 168. 



Inneres (Fig. 167, 168): 

Vom Haupttore kommt man in ein rechteckiges Vor haus (wo früher die Leibgarde Wache hielt), mit 
einem Marmorpflaster und einem von je zwei rundbogigen Stichkappen eingeschnittenen flachbogigeii 
Tonnengewölbe (Fig. 167, 2). In der Rückwand große leere rundbogige Nische, daneben zwei Türen, die zu 
zwei Wendeltreppen führen, von denen man auch zu den Grotten hinabkommen kann. Darüber je ein 
oblonges Oberlichtfenster (das linke vermauert) und darüber je ein großes Fenster mit Holzgitter. Im 
NW. eine Heizöffnung mit Eisentür und eine kleinere Tür zu den Parterrezimmern, im SO. eine größere 
zur Aufgangsstiege und weiterhin eine zweite Tür zu den Parterrezimmern im südöstlichen Flügel. Alle 
Fenster und Türen in profilierter Umrahmung von Untersberger Marmor. 




Fig. 169 Hellbrunn. Gemalte japanische Piipiertapeten (S. 203) 



Im südöstlichen Teile haben Vorhalle und Küche ein von rundbogigen Stichkappen eingeschnittenes 

Gewölbe, die drei nebeneinander liegenden Zimmer flache Decken und das Gemach im Eckrisalit ein 

gratiges Kreuzgewölbe. 

Rechts von der Halle liegen vier Räume: 1. Vorzimmer (3). Gewölbe, auf jeder Seite zwei rundbogige 

Stichkappen. — 2. Daneben im SW. (4), verbunden durch Tür in profilierter Marmorrahmung, ähnlicher 

Raum; rundbogiges Tonnengewölbe mit je zwei rundbogigen Stichkappen. — 3. Der durch die ganze 

Breite gehende Karabinersaal mit flacher Holzdecke (5). — 4. Im Seitenrisalit die Küche mit vier- 

kappigem Gewölbe und altem Herde (6). 

Eine gerade aufsteigende Stiege mit 34 Stufen aus rotem Marmor führt in den Oberstock, der die 

Fürstenzimmer enthält, und zwar zunächst in ein gewölbtes Vorzimmer (7) mit drei, von geraden 

St'u.'zgesimsen überdachten Portalen aus rotem Adneter Marmor. 

Neben der Stiege ein schönes vergoldetes, schmiedeeisernes Gitter zwischen einem halb in die Wand 

eingemauertem und einem freistehenden prismatischen Postament aus poliertem gelbem Marmor; in den 



Schloß Hellbrunn 



203 



drei ovalen Seitenfeldern des letzteren ist zweimal der Steinbock, einmal der Löwe in Relief dargestellt. 
Gitter und Postamente um 1615. 

Von den geräumigen Zimmern haben sieben dieselben, über einem umlaufenden Gesims aufsteigenden 
Spiegelgewölbe wie der Vorraum. Die Verbindungstüren sind fast durchweg in rotem Marmor gefaßt und 
mit geradem Sturzgesimse versehen. In dem Zimmer der Hofseite neben dem Festsaal (12) ein Kamin 
in rechteckiger, kräftig profilierter Umrahmung aus gelbrotem Marmor, mit schön gearbeiteter, schmiede- 
eiserner, doppelflügeliger Tür. Im gleichen Zimmer an den Wänden japanische Papiertapeten 




1-ig. 1/0 Hellbrunn. Detail aus der japanischen Tapete (S. 203) 



um 1720. (Die von Stainhauser erwähnten blau-goldenen Ledertapeten sind nirgends mehr vorhanden.) 
In dem im SO. angrenzenden oblongen Speisesaal (13) ein Kachelofen von 1608 (s. unten) und zwei 
Hängelaternen mit verglastem Messinggehäuse (XVIII. Jh.). In dem Zimmer südöstlich davon (14) dieselbe 
japanische Schablonentapete wie oben, in dem größeren Zimmer neben dem Vorzimmer (15) sehr wert- 
volle, mit der Hand sehr sorgfältig gemalte japanische Papiertapeten (angeblich von 1720): viel- 
ästige Bäumchen mit weißen, roten und blauen Blüten, belebt von vielerlei Vögeln und Schmetterlingen; 
vorzügliche Arbeit (Fig. 169, 170). Im selben Zimmer ein Kamin in reich profilierter Umrahmung aus 
rotem Marmor, mit bemalter Eisentür und eine große verglaste Hängelaterne mit vergoldetem Holzgehäuse 
(Ende des XVIII. Jhs.). Im Zimmer im südöstlichen Vorbau (16) an den Wänden Leinwandspaliere des 
XVllI. Jhs., mit braun aufgedruckten Blumenstreifen. 

26* 



Fig. 169, 170. 



204 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Festsaal. 
Fig. 171. 



Einen besonderen Schmuck weisen der durch die ganze Breite des Gebäudes gehende Festsaal und das 
anstoßende achteckige Zimmer im Nordwestrisalit auf. Beide sind an den Wänden und am Gewölbe voll- _ 
ständig bemalt. | 

Der Festsaal (10) (Fig. 171) hat einen Fußboden aus gelblichen und roten quadratischen Marmor- 
platten und ein flachbogiges Gewölbe. Nach Hübner hatte dieser Saal (1792) „vergoldete Ledertapeten 
auf blauem und rotem Grunde und viele große Gemälde, darunter 12 Abbildungen von Kaisern aus 
Gold". 1854 wurden die Tapeten durch Malerei ersetzt und die Wandgemälde selbst „restauriert", d. h. 
mit Ölfarben vielfach übermalt. Wände und Gewölbe sind durch Architekturmalerei gegliedert. An 




Fig. 171 Hellbrunn, Festsaal (S. 204) 



den Wänden stehen vor Pilastern auf reichverzierten Postamenten zwölf lorbeerbekränzte römische Kaiser 
im Panzer und kurzen Mantel, mit Schwert und Feldherrnstab. An den Postamenten die kleinen Inschriften: 
Julio Cesare, Augusto, Tiberio, Caligula, Claudio, Nerone, Galba, Othone, Vltelllo, Vespaslano, Tito, 
Domlzlano. In der Mitte der beiden Schmalseiten zwei Trophäen, wie die Kaiser in Goldbronze und 
Braun (größtenteils neu [1850]) gemalt. Auf den gemalten Gesimsen darüber 16 Paare von (mit Kupfer- 
bronze gemalten) Putten, die je eine Fruchtschale stützen. Über den Fenstern und Türen sechsmal in 
Gold vor rotem Grunde die Wappentiere des Erzstiftes und des Erzbischofs Marcus Sitticus, Löwe und 
Sieinbock. Ober den beiden Türen im SO. zwei gemalte Wappenschilde mit je zwei darüber schwebenden 
rutleri. Im linken das normale Wappen des Erzbischofs Marcus Sitticus, im rechten ein phantastisches 
Wappen: Löwe (Wappentier des Erzbistums Salzburg) und Steinbock (Wappentier der Grafen von Hohen- 
^Tübs) in inniger Umarmung; darüber der Wahlspruch: Numen vel dlsslta jungit. 



Schloß Hellbriinn 



205 




Fig. 172 Hellbrunn. Oktogon, erstes Wandfeld (S. 211) 



206 



Gerichtsbezirk Salzburg 




Fig. 173 Hellbrurin. Oktogon, zweites Wandfeld (S. 212) 



Schloß Hellbrunn 



207 




Fig. 174 Hellbrunn. Oktogon, drittes Wandfeld (S. 212) 



m 



208 



Gerichtsbezirk Salzburg 




Fig." 175 Hellbrunn. Oktogon, viertes Wandfeld (S. 212) 



Schloß Hellbrunn 



209 



An den beiden Langseiten sind zwei perspektivische Durctiblicke gemalt. Links erblickt man durch 
eine Säulenhalle, eine Pfeilerhalie — in der links zwei Frauen mit Früchten, rechts ein Krieger und 
eine Frau stehen - und eine von zwei Palästen flankierte Straße die Markuskirche von Venedig. Rechts 
durch eine Säulenhalle Durchblick auf einen von einstöckigen Gebäuden mit hohen Rundbogenarkaden 
umschlossenen Platz. Zwischen den Säulen und dem Pfeiler links eine ältere Frau, die eine jüngere, von 
zwei Mädchen begleitete Dame begrüßt, rechts eine vornehm gekleidete Dame am Arm eines blondlockigen 
jungen Kriegers; in den Mittelarkaden links ein Mann, rechts ein junger Krieger im Gespräche mit einem 
1 Mädchen. 




Fig. 176 Hellbrunn. Oktogon, Detail aus dem ersten Wandfeld (S. 211) 



Ober dem vorspringenden Saalgesims uingibt das Gewölbe eine gemalte Balustrade. Darauf ein Falke, 
I zwei Enten, zwei Papageien, ein Affe, ein Pfau, ein Reiher. In den vier Ecken sitzen auf der Balustrade je zwei 
' kupferbronzene nackte Jünglinge, die einen Fruchtkranz tragen. In der Mitte der Schmalseiten im SW. 
ein Putto mit drei Kränzen, im NO. einer mit Apfel und Ährenbüschel. Eine gemalte Säulenarchitektur 
I durchschneidet den von allerlei Vögeln belebten blauen Himmel. In den Säulengaleiien je diei Paare 
) von allegorischen Frauen, im NW. eine Frau mit Palmzweig und Zügel, daneben eine zweite in voller 
! Rüstung; zwei aufwärts blickende Frauen, die eine mit Kelch, die andere betend (Glaube); eine Frau 
mit zwei Kindern und eine zweite mit Öllampe und Hahn (Häuslichkeit). Im SO. eine Frau mit Schwert 
und Wage (Gerechtigkeit), eine zweite, die einen Pelikan mit seinen Jungen in den Armen hält (auf- 
opfernde Mutterliebe); eine Frau mit Helm an einer Säule (Stärke), daneben eine mit einer Reitgerte (?); 
eine behelmte Frau mit einem von einer Schlange umwundenen Speer und einem Spiegel in der Hand 
(Wahrheit), daneben eine zweite mit einem Wanderstab. In dem kreisrund durchbrochenen, von einer 
XI 27 



210 



Qcriclitsbczirk Salzburg 




Fig. 177 Hellbrunn. Oktogon, Details aus dein zweiten Wandield (S. 212) Fig. 178 




Fig. 179 Hellbrunn. Oktogon, Detail aus dem zweiten Wandfeld (S. 212) 



Schloß Hellbrunn 



211 



Balustrade umgebenen Mittelteile schwebt, in perspektivischer Verkürzung gesehen, eine geflügelte Frau 
mit Palmzweig und Blumenkranz in den Händen. 

Alle Malereien sind — besonders in den großen Flächen — vielfach restauriert. Relativ am besten und 
unversehrtesten sind die Figuren in dem perspektivischen Gemälde der Südostwand. Bei genauem Zusehen 
erkennt man bald die Unterschiede der alten, von feinen Rissen durchzogenen, in einer Art Wachstechnik 
gemalten Partien und der modernen glatten Ölfarbenübermalungen. 

Auch das Oktogon im nordwestlichen Vorbau (11) ist vollständig ausgemalt. An den Laibungen 
der vier Tür- und Fensternischen Arabesken und Putten in Gold auf rotem Grunde, 1854 fast ganz 



Oktogon. 




Fig. 180 Hellbrunn. Oktogon, Detail aus dem dritten Wandfeld (S. 212) 



neu gemalt. In den acht Ecken je zwei Säulen auf gemeinsamen, mit Akanthusblattwerk und je zwei 
Steinbockköpfen verzierten, oben ausgebauchten Postamenten, mit gewundenen blauen Schäften, von 
goldenen Reben umrankt, in denen Putten herumklettern. Bei den vier nicht durchbrochenen Wand- 
abschnitten tragen je zwei Säulen init zwei perspektivisch zurückgestellten von gleicher Bildung eine 
quadratische Decke, die kreisrund durchbrochen ist. Auf dem Rande sitzt je ein Vogel (Fasan, Adler, 
Pelikan, Sperber). Hinter jeder dieser Säulenhallen öffnet sich ein perspektivischer Durchblick auf eine 
langgestreckte Galerie mit prismatischen Pfeilern, zwei mit flacher Kassettendecke, zwei mit Kreuzgewölben. 
Diese Hallen gehen auf einen Hof hinaus, der durch einen halbrunden Arkadenbau abgeschlossen wird. 
Herren und Damen im Zeitkostüm vom Anfange des XVII. Jhs. wandeln in den vier Säulenhallen: 

1. (Fig. 172). Vorne rechts eine blonde junge Dame in dekolletierter Toilette (rot, mit blauem Oberkleide) 
mit hohem Leinenkragen, Fächer und Taschentuch in den Händen (Fig. 176). Hinter ihr eine alte Duenna 

27* 



Fig. 172. 
Fig. 176. 



212 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Fig. 173. 
Fig. 177. 



Fig. 178. 



mit weißem Kopftuch; in den Arkaden zwei Dienerinnen und ein Mann. Ein quergeiiender tiefer Sprung 
durclischneidet leider das Bild. 

2. (Fig. 173). Rechts eine vornehm gekleidete Dame mit roter Taille und faltigem weißem Rock, Spitzenkrause, 
Perlendiadem und goldener Halskette (Fig. 177); sie überreicht mit liebenswürdigem Lächeln eine rote 
Nelke einem Kavalier (in blau-weißem Gewände, mit gelbem Mantel und grüner Schärpe), der, das rote,, 
mit zwei weißen Straußfedern geschmückte Barett in der Linken hallend, ehrerbietig auf sie zuschreitet 
(Fig. 178). Die Ähnlichkeit mit dem Bildnisse des Erzbischofs Marx Sittich (Fig. 185) läßt die alte Tradition 
als begründet erscheinen, daß hier Marcus Sitticus als junger Edelmann (Graf von Hohenembs) dargestellt ist. 




Fig. 181 Hellbrunn. Oktogon, Kuppelgemälde (S. 213) 

Links stehen zwei junge Damen, die eine in rotem, die andere in blauem Kostüm, beide mit Perldiademen, 
Fig. 179. goldenen Halsketten und Mühlradkragen; vielleicht die Töchter der Dame oder Hofdamen (Fig. 179). 

Alle Personen unverkennbar Porträts. 

Fig. 174. 3. (Fig. 174). Eine schöne junge Tänzerin (in gelbem Gewände, mit einer roten Straußfeder im sorgfältig frisierten 

Fig. 180. blonden Haar) (Fig. 180), der zwei Jünglinge aufspielen. Links ein blonder kräftig gebauter Bursch (in 

rotem Leibrock mit blau gepufften grünen Hosen) mit einer Laute, rechts ein brünetter feingliedriger 

schlanker Jüngling (mit violettem Rock und weißen, rot gepufften Pumphosen), auf einer Geige spielend. 

Fig. 175. 4. (Fig. 175). Als Pendant zu 1 eine junge blonde Dame (mit rotem Leibchen, blauem Mieder, weißem Rock, 

hohem, spitzenbesetztem Kragen) mit Fächer und Taschentuch in den Händen. Hinter ihr eine dunkelhaarige 

Dienerin* in grünem Gewände, mit einem Hündchen in den Armen. Die dargestellte Dame ist einei] 

glaubwürdigen Tradition zufolge Frau von Mabon, die Freundin des Marcus Sitticus. 



Schloß Hellbrunn 



213 



Auf den Säulen ein reicli mit Gold ornamentiertes Gesims (in der Mitte je ein Steinbockkopf). Der 
Tambour darüber hat in den Ecken goldornamentierte violette Pilaster; die grün fondierten Wandfelder 
dazwischen sind von goldenen Kartuschenrahmen durchbrochen, die von je zwei braun gemalten Satyrn 
gehalten werden. In diesen Öffnungen stehen vor blauem Himmel abwechselnd Löwe und Steinbock. — 
Die aus acht Kalottenstreifen bestehende Kuppel weist eine phantastische durchbrochene Dekoration auf. 
Acht reich gegliederte, bizarr profilierte Sparren, feurigrot grundiert, mit goldenen Einfassungen. In den 
Winkeln je eine Vase. In den acht Öffnungen vor blauem Himmel auf vergoldeten Postamenten acht 
allegorische Figuren schöner Frauen (Fig. 181, 182). 



Fig. 181, 182.- 




Fig. 182 Hellbrunn. Oktogon, Kuppelgemälde (S. 213) 



1. mit Palmzweig und Rosenkranz, 

2. mit Füllhorn (Früchte) und Krone, 

3. rosenstreuend, mit Krone, 

4. Gold und Geschmeide streuend, mit reicher Krone, 

5. eine licht durchstrahlte, nur leicht bekleidete Frau, mit der Sonne in der Hand, 

6. eine sitzende Frau, die Milch aus ihren beiden Brüsten spritzt, 

7. ein Mädchen in kurzem Rock, mit einer Taube in der Hand, 

8. eine sitzende Frau, mit Stab und Hut in den Händen. 

Oben vereinigen sich die acht in Steinbockköpfen endigenden Sparren in einem achteckigen Rahmen. 
Den Boden des Oktogonpavillons bildet ein zu geometrischen Kompartimenten zusammengestelltes Pflaster 
j aus roten, blauen und weißen Marmorplatten. 



214 



Qericlitsbezirk Salzburg 



Kachelofen. 
Fig. 183, 184. 



Die am glatten Auftrag erkennbaren Ölfarbenübermalungen von 1854 erstrecken sich meist nur auf groß- 
flächige Partien: die Gründe, Architekturen, Säulen, das Ornamentale. Die Figuren sind, besonders in 
den Köpfen, fast unberührt. Man erkennt die alten Partien an den feinen Haarrissen und an der pastosen 
Pinselstrichstruktur. Die Qualität der Bilder ist eine 
vorzügliche. 

Als Maler gilt der Tradition nach Arsenio Mas- 
cagni, was nach einem Vergleiche mit dem Hoch- 
altarbilde des Salzburger Domes als sicher gelten kann. 
Interessant ist die Technik: Es sind keine Fresken; 
auf einen sorgfältig geglätteten Stuckgrund sind in 
papierdünner Schicht die jedenfalls mit Wachs ver- 
setzten Farben aufgetragen. 

Die Dekoration der beiden Räume ist eine noch renais- 
sancemäßige, ganz aus italienischem Geiste geborene. 
Säulenarchitekturen mit kunstvollen perspektivischen 
Durchblicken, im Saal römische Imperatoren, alle- 
gorische Frauen als Tugenden, nackte Jünglinge, 
denen der Sixtinadecke nachempfunden. Trägt der 
Empfangssaal ganz den Charakter fürstlicher Reprä- 
sentation, so ist das Oktogon ausschließlich dem 
Kultus der schönen Frau gewidmet. 
Das Ganze ein durchaus einzigartiges Denkmal früh- 
barocker italienischer Innendekoration auf reindeutschem 
Boden. 

Kachelofen (Fig. 183, 184): Im Speisesaale (Hof- 
seite) in einer tiefen rundbogigen Nische der Südwest- 
wand. Auf einem Eisengerüste mit sechs Eisenstäben 
aufgebaut, von rechteckigem Grundrisse. Die glasierten 
weißen Kacheln sind mit blauer Zeichnung dekoriert, 
die Ornamente und Figuren zum Teil gelb und grün 
koloriert. An den Ecken und in der Mitte der beiden 
Seitenflächen Pflaster mit vertieften, ornamentierten 
Feldern; am Postamente je ein Cherubskopf, am Kapital 
ein Widderkopf, beide plastisch gebildet und zum Teil 
vergoldet. An den Sockelfeldern dazwischen fünf Dar- 
stellungen in Vierpaßrahmen: 

1. Oben auf Wolken eine posauneblasende Frau in 
einem von zwei geflügelten Löwen gezogenen Wagen. 
Unten am Meer ein untergehendes Schiff mit er- 
trinkenden Menschen. 

2. Oben auf Wolken Venus, vor Jupiter kniend. Unten 
eine schlafende Frau. 

3. Venus auf einem von zwei Amoretten gezogenen 
Wagen. 

4. Venus mit Amor auf einem von zwei Vögeln gezogenen Wagen, auf Wolken über einer Stadt. 

5. Ein Mann und eine Frau betreten eine Herberge; die Wirtin empfängt sie. (Beschädigt.) 

Au den beiden Eckenpilastern der Vorderseite das Wappen des Erzbischofs Marx Sittich. Zwischen 
den Pilasterfeldern fünf seichte Nischen mit Muschelabschlüssen. Darin: 




Fig. 183 



Hellbrunn. Kachelofen von Friedrich StrobI, 
1608—1615 (S. 214) 



Schloß Hellbrunn 



215 



1. Der hl. Johannes predigt den Juden (beschädigt); darunter die Jahreszahl 1608. 

2. Ein stehender nackter Jüngling (der Sonnengott), darüber die Inschrift SOL, unten die beiden Sonnen- 
rosse mit dem Wagen; ein Kriegsknecht ersticht einen Knaben. — Am Pilaster dazwischen oben Bacchus, 
unten Musikinstrumente. 




Fig. 184 Hcllbruim. Kachelofen von 1608—1615, Detail, Vorderseite (S. 214) 



3. (Vorderseite.) Venus und Amor; landschaftlicher Hintergrund mit kosenden Paaren usw. In der Um- 
rahmung Waffen und Musikinstrumente (Fig. 184). 

4. Namengebung des hl. Johannes; darunter die Jahreszahl 1608. — - Am nächsten Pilaster Monogramm 
Jesu, die Initialen des Hafners F. St. und Jahreszahl 1608. 



216 



Qerichtsbezirk Salzburg 



Gemälde. 
Fig. 185. 



5. Johannes predigt vier Pharisäern (zum Teil alt restauriert). Neben den Konchen in zum Teil ver- 
goldetem Relief je zwei Engel. 
Am Fries zwischen den Kapitalen in breitovalen, von zwei Puttenhermen flankierten Feldern verschiedene 
Jagdszenen (Jäger mit Hunden, Eberjagd, Bärenjagd, Reiter mit Falkonier, Hirschhetze). 
Über vorspringendem Gesims schmälerer Oberteil mit profiliertem Sockel und Abschlußgesims. An den 
abgefasten Ecken vorne ein Krieger und Perseus mit dem Medusenhaupt. In den ähnlich wie unten 
gebildeten Nischen ein Krieger zu Roß, Salome emp- 
fängt vom Henker das Haupt des hl. Johannes (oder 
Tomyris mit dem Cyrushaupt?), MARS mit Schwert 
und Schild. — Gesprengter rundbogiger Abschluß- 
giebel mit Flammenurne. 

Die Figuren und Szenen sind zwar — wie gewöhn- 
lich bei diesen Töpferarbeiten — recht handwerk- 
mäßig gezeichnet. Als Ganzes wirkt der Ofen aber 
sehr dekorativ und gehört zu den besten derartigen 
Stücken in unserem Bezirke. 

Trotz der dreimal vorkommenden Jahreszahl 1608 
kann die endgültige Fertigstellung und Zusammen- 
setzung wegen des aufgemalten Wappens des Erz- 
bischofs Marx Sittich doch erst 1612 (Regierungs- 
antritt) beziehungsweise 1613 — 1615 (Bau von Hell- 
brunii) erfolgt sein. Die Initialen F. St. passen auf 
den im Salzburger Bürgerbuche genannten Hafner 
Friedrich Strobl den Jungen, Meister seit 1601. 

Gemälde: In der Regel Öl auf Leinwand. 

1. (Fig. 185). 221 X 127 r/n. Porträt des Erzbischofs 
Marcus Sitticus, in ganzer Figur stehend, in roter 
Mozette und Chorhemd. Er hält ein Bild, das den 
bis zum Hauptgesims geführten Dombau darstellt; am 
Rahmen die Jahreszahl 1618. Hinter dem Erzbischof 
hängt an der Wand, deren Tapete alternierend den 
Steinbock und den Löwen als Muster zeigt, in schwarzem 
Rahmen ein zweites Bild, welches uns Schloß und Park 
Hellbrunn, Emslieb und die Hohensalzburg zeigt. 
Diese älteste Darstellung von Hellbrunn (Fig. 153) ist 
sehr wichtig zur Kenntnis dessen, was 1618 schon voll- 
endet war, namentlich in bezug auf den Park und 
die Grotten. Das Gemälde ist sehr gut erhalten. 

2. Ansicht des Schlosses und Ortes Hohenembs, des Heimatsortes des Erzbischofs Marx Sittich. Anfang 
des XVII. Jhs. (Nr. 112, SW.). 

3. Im Erdgeschosse drei sehr große oblonge dekorative Gemälde, Öl auf Leinwand, in alten Rahmen 
mit vergoldetem Perlstab, intakt erhalten. 540 X 180 cm: 

a) Wassergottheiten, Tritonen und Nereiden, in lebhafter Bewegung. Links ein Mann mit Wasserroß, 
eine Frau mit einem Knaben, ein trunkener Bacchant. Drei Greise, darunter ein Faun mit dem jungen 
Amor auf den Schultern, eine Nereide mit zwei Kindern, eine Gruppe von kämpfenden Tritonen, eine 
liegende nackte Frau (Ariadne) und ein Putto, ein greiser Triton und ein Jüngling. 

b) Ein phantastisches Bild von vielen miteinander kämpfenden Tieren: Bären, Hunde, Löwen, Hirsche, 
ein Stier, Greifen und Drachen, eine Sphinx. 




Fig. 185 Hellbrunn. 
Porträt des Erzbischofs Marcus Sitticus, 1618 (S. 216) 



Schloß Hellbrunn 



217 



c) Eine Schar von Kentauren gerät beim Frauenraub in wilden Kampf (Fig. 186). Gut, erste Hälfte des 
XVll. Jhs. 

4. Eberjagd. Zwei Edelleute zu Roß stechen mit Degen auf den von Hunden gehetzten Eber ein. Ein 
Jagdknecht durchbohrt ihn mit dem Jagdspeer. Anfang des XVII. Jhs. (Nr. 111, SW.). 

Eine Serie von Ölbildern auf Leinwand in verschiedener Größe, alle in schwarzen Rahmen mit vergoldeten 
Innenleisten. Meist Jagdbilder und Darstellungen seltener Tiere: 

5. Ein Hausen. Anno 1616. Diser Gestallt und grosse haben ler Fürstl. Durchleicht. Ertzhertzog Leopollus 
lerer hf. Gnatten Marx Sittichen Ertz-Blschoffen zu Saltzburg einen lebentlgen Vlsch verehrt und gen 
Hellprun Iberanndtworden lassen (Nr. 154, Stiege). 

6. Holz. Ein riesiger Hausen. Anno 1617 den 6. February aln halbe Meli bey der Statt Tltmonlng In 
der Saltzach .... Ist dlser hierunden abconterfeter Vlsch ebnermassen und grosse, gefangen und . . Herrn 
Marx Sittichen Ertzblschouen zu Saltzburg . . zu dero lobt. Hojfhaltung gebracht . . worden. Hat gewOg. 
238 U. Um 1617 (Nr. 145, Vorzimmer). 



Fig. 186. 




Fig. 186 Hellbrunn. Kentaurenkampf, erste Hälfte des XVll. Jhs. (S. 217) 



7. Ein Steinbock. Den 25. Juny Ist dlßer ansehenllch Stalnbock In gleicher gestalt und form alhero gen 
; Hellbrun In den Dlergarten Ihr hf. Gn. Ertzblschouen Marx Sltlch geantwort worden, nacher den 31. July 

well er die Hltz nicht leiden mögen, Dott bllben. A5 1617 (Nr. 130, Speisesaal). 

8. Große Sonnenblume, von vorne und hinten gesehen. Aller große und gestalt Ist dlse Bluemen In dem 
Für. Saltzburgischen New erpawten Lustgarten zu Hellprunn gewachsen. 1618. 

9. Ein riesiger Eber. Ao 1618 den 5. Nouember Ist aler dlsser gestalt und gröse aln Wildschwein an 
dem haunsperg geschossen worden und In den fürstlichen Helbrun Iberantwurt worden, halt gewogen 
5 zenelzner 24 IIb. (Nr. 57, Speisesaal). 

' 10. Ein großer brauner Bär. Anno 1629 den 17. Octobrls Ist gegenwlerdlger Bär aller Masse und Gestalt 

\ aln Mein von Lauffen am Stlerel genannt mit 6 schuss durch einen Jäger gefeit und zu der hf. Hoff- 
statt geantwurtet worden (Nr. 58, Speisesaal). 
II. Ein Schwan. Aö 1636 Im Monat Januarl Ist hie contrafeth Wüte Schwan durch ein Jegi^x) bey 

' Lifering geschosen und In hf. Helprun gellffert word{en) (Nr. 62, Speisesaal). 

j 12. Ein Gemsbock. Im Hintergründe Hasenjagd. Anfang des XVII. Jhs. (Nr. 110, Speisesaal). 

I 13. Ein Pelikan und ein Hund. XVII. Jh. (Nr. 63, Speisesaal). 

14. Ein Huchen, 113 cm lang. Aller massen und gestalt Ist dlser Huchen, so 28 u gewegen, und In der 
Saltza gefangen alher In hf. Hellprun gebracht und Im laxweyer eingesetzt worden am 23. May ao 
1633 (Nr. 148, SW.). 

15. Ein Huchen, 109 cm lang. Der Huchen dlser gestalt und gresse hat sich alhle Im hf. Hellprun Im 
laxweyer In die 17 jar lang befundten; hat gewegen 25 Ü. 1633 (Nr. 147, SW.). 

XI 28 



218 Gerichtsbezirk Salzburg 

16. Ein Fisch, 1 m lang. Aller mas, gestalt und gres ist dise hie abconterfet grundferchen 12 Jahr lang 
In dem hf. Hellbrun im Huochweier gespeist wordten. Aö 1652 den 30. Augusti abgestanden und in 
die hf. Hofhaltung gelifert worden, halt gewogen 26 üb. (Nr. 146, SW.). 

17. Hirsch. Im Hintergrunde Anthering. Den 5. July ano 1654 ist diser Hiersch . . zue Anthering im 
Schlagfeld lebendtiger gefangen und in hf. Thiergarten zu Hellprunn gebracht worden. 

18. Ein Kakadu. Anno 1661 ist diser Schacatutsh hieher nacher Salzburg erkhauft und Ao 1669 (ein- 
gegangen?) (Nr. 135, SW.). 

19. Ein Pferd. Dises Pferdt hat gehabt ein Burger zu Hambpurg und mit sich in der Gutschen gefiehrt. 
Ist 13 Jahr alt worden und sodan verreckht. Anno 1667 (Nr. 133). 

20. Renntier. Dißem Contrafet gleich sein von Ihrer Khönigl. May auß Schweden 4 Rentier hiehero ver- 
ehret, deren aines 6 Jahr lang alhie lebentig behalten worden, so anno 1668 Todt gelegen. 

21. Ein Papagei. . . . ist diser indianischer Raab erkauft und in der hf. Residenz alda 1669 abgemalt 
worden (Nr. 134, SW.). 

22. Ein Wels, 158 cm lang. Den Ersten Juni] Ao 1671 ist bemelter waller gefangen worden ann dem 
Tächenße(e) in ein khlainen Reischen, hat gewogen 39 pfuntt (Nr. 153, SW.). 

23. Ein Scliwan und ein Storcli. XVII. Jh. (Nr. 114). 

24. Großes Bild mit 10 Stück Wild, vom Ende des XVII. Jhs. (Nr. 143, Stiegenraum): 

a) Weißer Zwölfender. Den 28. Junif Ao 1690 ist gegenwertiger weiser Hirsch von Ernst Christoph 
Hietl, Forstmaistern außerhalb Glanegg . . lebendig gefangen, auch hieher in das Lustorth Hellbrunn 
geliefert worden. 

b) Weißer Achtender. Ao 1693 Den 18. Juny wurde durch Ernst Christoph Hietl, Forstmaistern, ein 
dergleichen weißer Hirsch im Tauchelpoden, Gollinger Gerichts am so genanten Sadelegg auf der höche 
in der Scherffe mit Netzen gefangen und zwey Stundt lang bis zum Tauchelsteen lebendig gebracht, alda 
er vor Hitze verschmachtet. 

c) Ein schwarzer Wolf, 1691 im Pfleggerichte Radtstatt gefangen. 

d) Ein schwarz-weiß gefleckter Eber. Dieses geschäckete Wildschwein ist in dem . . . Pfleggericht Lauffen 
durch den hf. Forstmaister Ernst Christoph Hietl in tiicher eingericht und von Ihro Hochfürstl. Gnaden 
in denen Zeug mit einem Schweinsspeer erstochen worden Ad 1694. 

e) Ein schwarz-weißer Gemsbock, Inschrift übermalt. 

/) Drei weiße Rehböcke. Diese weisse Rech Böckh sind aus Böhmen von denen Herrschaften . . . Maxi- 
milian Graffen von Thun hieher geschickt und in . . Hellbrun einige Zeit behalten worden, 
g) Zwei weiße Hasen. 

25. Ein türkischer Diener neben einem achtfüßigen Rappen. Dis Pfertt wie's hie gemalter zue sechen ist ad 
1673 in der Hochfürstl. Salzburg. Residenz gewestt. Um 1673 (Nr. 144, Stiegenraum). 

26. Ein Geier. Diser alda abcontrafethe Stain Adler ist Ao. 1667 im Augusti von Regenspurg hiehero 
und alda im hf. Lustorth Hellprun biß auf Ao. 1688 behalten worden (Nr. 61, Speisesaal). 

27. Eine Trappe. AÖ 1726 bey kalten Winter sein dergleichen Trappen in dem Saltzburg. gebirg gefangen 
worden (Nr. 131, SW.). 

28. Vier Bilder, verschiedene Vögel. Ein weißer Reiher (Nr. 132), zwei Fasanen (Nr. 128), ein schwarzer 
Fasan (Nr. 116), ein Fasan und eine Wildente (Nr. 118). XVIII. Jh. (SW.). 

29. Eine Schleiereule. Den 4ten Jenner 1781 ist dise gatung Nacht Eilin in dem rinweg auf dem hf. 
Voglden gefangt worden (Nr. 155, SW.). 

30. Eine Trappe, ein Schneehuhn. XVIII. Jh. (Nr. 115, Vorzimmer). 

31. Große Landschaft mit Reiterkampf. XVII. Jh. (Nr. 161). 

32. Landschaft mit Meer, Schiff und Walfisch. XVII. Jh. (Nr. 160). 

33. Landschaft mit Staffage. Vorne drei Frauen und Schweinehirten. XVII. Jh. (Nr. 149, Stiegenraum). 

34. Landschaft mit Ruinen. XVII. Jh. (Nr. 129, SW.). 

35. Landschaft mit Wildenten. XVIII. Jh. (Nr. 113, SW.). 



Schloß Hellbrunn 



219 



Grotten im Schloß. 

Im Erdgeschosse des Haupttraktes sind an der Südseite fünf Grotten untei gebracht, in denen auch an 
den heißesten Tagen die angenehmste Kühle herrscht. Sie stammen alle aus der Erbauungszeit (1613—1615). 
Steinhauser (1619) beschreibt sie schon (vgl. S. 169). 

1. Neptungrotte: In der Mitte, höher als die vier anderen, die größte und am reichsten ausgestattete 
von allen. Rechteckig, mit einem rundbogigen Tonnengewölbe gedeckt. Durch das große rundbogige 



Grotten 
im Schloß. 



Neptungrotte. 




Fig. 187 Hellbrunn. Neptungrotte, Hauptwand (S. 219) 

I Portal im S. (s. S. 199) strömt Luft und Licht in den prächtigen Raum, der dank der soliden Technik 
der Inkrustation seiner Wände trotz der enormen Feuchtigkeit, die durch den im Sommer täglich so oft 
j in Funktion gesetzten „künstlichen Regen" und die Neptunsfontäne selbst erzeugt wird, sich noch in 
\ vorzüglichem Erhaltungszustande repräsentiert. 

( Die Wände sind ganz mit Marmor und Tuff verkleidet. An der dem Eingange gegenüberliegenden Nord- 
' ostwand (Fig. 187) eine große flachbogige Tuffsteinnische, rundbogig abgeschlossen mit einer großen 

28* 



Fig. 187. 



220 



Gerichtsbezirk Salzburg 



stukkierten Muschel. In der Nische steht die überlebensgroße Marmorstatue des nackten, von einem 
Manteltuch umflatterten Meergottes Neptun, der die Rechte mit dem Dreizack zum Stoß erhebt. Dar- 
unter das sogenannte „Germaul", eine Blechmaske mit beweglichem Unterkiefer sowie zwei marmorne 
Meeresrosse mit Flossen -Vorderbeinen und Fisch-Hinterleibern; aus ihren geöffneten Mäulern fließen zwei 
Wasserstrahlen in ein halbrund vorspringendes niedriges Wasserbecken. 
Die beiden seitlichen Wandflächen sind von roten Marmorstreifen eingefaßt und auf schwarz gefärbeltem 
Grunde mit weißen Marmorskulpturen verziert: In der Mitte links der springende Löwe, rechts der sprin- 
gende Steinbock, darüber je ein Steinbockkopf, der ein über seine Hörnerspitzen gelegtes Fruchtgewinde 
im Maule hält, darunter ein Blätterkelch. Oben und unten je eine Blätterrosette. 




Fig. 188 Hellbrunii. Neptungrotte, Seitenwand (S. 220) 



In dem rundbogigen Bogenstreifen über dem umlaufenden, profilierten Marmorkranzgesimse zwei Frucht- 
vasen, Fruchtgewinde und das Wappen des Erzbischofs Marx Sittich, alles in weißem Marmor auf 
schwarz gefärbeltem Grunde. 

Fig. 188. Mit dem gleichen Material sind die beiden Seitenwände verziert (Fig. 188). Links eine Tür in weißer 
Marmorfassung, darüber in rotem Marmorrahmen ein Feld mit zwei fast ganz vollplastisch ausgeführten 
marmornen Tritonenputten, die einen kleinen (ursprünglich) wasserspeienden Delphin in den Händen 
halten. Am mittleren Wandstreifen im Mittelfelde Löwe und Steinbock in Umarmung (Hochrelief in 
weißem Marmor). Rechts daneben rundbogige große Nische in roter Marmorumrahmung. Darin die über- 
lebensgroße Marmorstatue einer lächelnden Nymphe, mit einem Muscheldiadem im Lockenhaar. Sie tritt 



Schloß Hellbrunn 



221 




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3 



OD 



222 



Gerichtsbezirk Salzburg 



mit dem techten Fuß auf den Kopf eines Delphins und stützt ilire linke Hand auf seinen Schwanz. Die 
rechte Hand erhebt sie zu der entblößten Brust. 

Ganz entsprechend ist die Dekoration der Nordwestwand. Auch hier steht in der Nische eine Nympheii- 
statue, ähnlich bewegt wie ihr Gegenüber. In der erhobenen linken Hand hält sie eine Muschel. 
Die dekorativen Marmorfiguren und Zierate und die drei großen Statuen sind vortrefflich gearbeitet. Sie 
sind von dem gleichen oberitalienischen Meister, wie die Gruppe des Apollo und Marsyas (s. S. 245), 
um 1613—1615. 

Die Eingangswand ist mit Tuff verkleidet. Ober der Tür Fruchtgewinde beiderseits einer verwitterten 
Kartusche mit Steinbock und Löwen (weißer Marmor). 

Das rundbogige Tonnengewölbe ist in ein rundes Mittelfeld und 14 Seitenfelder zerlegt, die durch Tuff- 
stalaktitenbänder getrennt und mit Stukkaturwerk und kleinen Muscheln auf grauem Kieselmosaikgrunde 




Fig. 190 Hellbrunn. Weihergruppe "zwischen „Theater" und Schloß (S. 226) 



Grotte links 

von der 
Neptungrotte. 



verziert sind. Im Mittelfeld ein verwittertes Fresko in perspektivischer Untersicht: Ein durch eine Balu- 
stradenöffnung zum blauen Himmel emporschwebender weiblicher geflügelter Genius, mit Blumen in 
den Händen. 

Beiderseits der Neptungrotte je zwei niedrige Grotten, eingewölbt von flachbogigen Tonnengewölben mit 
je zwei rundbogigen Stichkappen. Im SW. je zwei oblonge Fenster in tiefen flachbogigen Nischen, deren 
Gewände zum Teil mit stark verwitterten ornamentalen Stukkaturen verziert sind. 

2. Grotte links von der Neptunsgrotte: An den Fenstergewänden seitlich stukkierte Akanthus- 
ranken, oben in der Mitte eine Maske, beim rechten Fenster mit noch gut erhaltener alter bunter Be- 
malung. In den mit Tuffstein verkleideten Wänden sind unten rechteckige Felder ausgespart, die mit 
halbzerstörten farbigen Stuckranken verziert sind. Darüber rundbogige Bogenfelder mit besser erhaltenen 
larMgen Stuckranken auf schwarzem Kieselmosaikgrunde. Im SO. oben zwei Steinbockköpfe mit Festons 
und Va:-en. — Am Gewölbe Reste von Malereien: Durchbrochene braunrote Decke mit Musikputten vor 
blauem Himmelsgrunde. 



Schloß Hellbrunn 



223 



3. Ru in eiigro tte: Die Grotte im Nordwesteck ist künstlich mit großem Geschick in eine Ruine ver- Ruinengrotte, 
wandelt. Mauern und Gewölbe sind geborsten, klaffende Sprünge lassen jeden Augenblick den Ein- 
sturz befürchten. In dem Gewölbe, von dem sich der Verputz anscheinend gelöst hat, ist in der Mitte 

ein gewaltiges Loch, durch das die morschen Bretter einer gebrochenen Diele hereinragen, Ziegel 
drohen herunterzufallen. Durch geschickte Stuck- und Verputzarbeit ist die Wirkung eine äußerst 
täuschende. 

4. Die Silber- oder Spiegelgrotte rechts von der Neptungrotte hatte sehr schöne Stukkaturen Silber- oder 
an den Wänden, die jetzt durch die Feuchtigkeit stark zerstört sind. Über einem Sockel aus rotem Marmor- Spiegelgrotte, 
stuck zieht sich ringsum ein Wandstreifen mit reicher Stuckdekoration: Rechteckige Felder, von Eierstäben 

und Lorbeergirlanden umrahmt, gefüllt mit Rankenwerk und Steinbockköpfen. Darüber ein stattlicher 
Fries aus gereihten Maskenkartuschen mit runden offenen Mäulern. Die rundbogigen Bogenfelder im 
NW. und NO. sind jetzt leer, waren aber ursprünglich mit Spiegeln verkleidet. In den seitlichen Fenster- 




feiP»*'' 



Fig. 191 Hellbrunn. Frauenstatue auf der Weiherinsel (S. 226) 



laibungen stukkierte große beblätterte Spiralranken, die von Steinbockköpfen ausgehen; ziemlich gut 
erhalten. An den Bogenfeldern über den beiden Fenstern je ein Cherubskopf. Die drei Türen sind von 
Flechtbändern umrahmt. Die Stukkaturen an den Wänden waren alle farbig (weiß, gelb, grün, blauer Grund). 
Am Gewölbe stark zerstörte Malereien: In der Mitte eine kreisrunde, von vier Mohren gehaltene Balu- 
strade, auf der vier Frauen mit Notenblättern in den Händen sitzen. In den beiden nordöstlichen Stich- 
kappenzwickeln erkennt man zwei sitzende musizierende Frauen; die eine bläst auf der Flöte, die andere 
spielt Cello. Im südöstlichen Gewölbefelde fliegende Putten mit Notenblättern in den Händen. Alle 
Figuren heben sich vom blauen Himmel ab. Durch die Gewölbemalereien soll also auch hier — wie 
oben im Oktogon — die Illusion hervorgebracht werden, als erblicke man durch das durchbrochene Ge- 
wölbe den blauen Himmel; wohl von Mascagni. 

Die rechteckigen Gewände der beiden flachbogigen Türen im SO. sind in Stuck geometrisch ornamentiert: 
Je ein rundes Mittelfeld und vier Zwickelfelder, dunkelblau gefärbt und von gelben Perlstäben umrahmt. 
Die glatten Trennungsstreifen gelb. Blattwerkbordüre. — 1761 wurde die Grotte wegen Einsturzgefahr 
neu untermauert und mit einem Stützpfeiler gesichert (s. S. 191). 



224 



Gerielitsbezirk Salzburg 



Die ehedem sehr prächtigen, jetzt unter dem Einfluß der großen Feuchtigi<eit halb zerstörten Stukka- 
turen zeigen denselben Charakter wie jene in der von Marx Sittich gestifteten Kapelle in der Franzis- 
kanerkirche in Salzburg (Kunsttopographie Bd. IX, S. 101, Fig. 132). 

Vogelsang- 5. Vogelsanggrotte. Der südöstliche Eckraum ist durch Tuffverkleidung in eine Grotte verwandelt, 
grotte. Vogelsanggrotte genannt wegen der künstlichen Vogelstimmen, die mechanisch zum Ertönen gebracht 

werden können. In der Mitte der Südostseite ein kleiner Brunnen in Tuftassung: Um einen Felsen be- 
wegen sich durch Wasserkraft kleine Holzfiguren, ein Triton, eine Najade, ein Drache und ein Delphin. 

In den Raum hinter der Neptungrotte münden die beiden steinernen Wendeltreppen. Dieser Raum und die 
übrigen Erdgeschoßräume sind ungeschmückt und haben Tonnengewölbe mit durchlaufenden Stichkappen. 



Der Park. 




Fig. 192 Helibrunn. Das „Theater" (S. 226) 

Der Park mit seinen dekorativen Architekturen und Skulpturen. 

Von allgemein kunstgeschichtlicher Bedeutung und kulturhistorischem Interesse sind die Theatra, Grotten 
und Brunnen im Park mit ihren Wasserkünsten und zahlreichen Statuen, überhaupt die ganze kunst- 
mäßige Parkanlage, die 1613 begonnen und 1618 vollendet, als das älteste erhaltene Beispiel barocker, 
italienischer Gartenarchitektur und Gartenplastik auf deutschem Boden angesprochen werden muß. 
Santino Solari war es wohl, der den Plan des Parkes entwarf, auch die Statuen wurden teils von 
ihm selbst, teils von Hieronymo Preosto und Bernardo Zanini (1614—1617) ausgeführt. 
Im wesentlichen ist die Originalanlage von 1613 noch heute erhalten, die Skulpturen und Kleinarchitek- 
turen stammen zum größten Teil noch aus der Erbauungszeit. Später dazugekommen sind nur folgende: 
Dar Weinkeller (1659), das Monstrum (um 1700), der sog. Kleopatrabrunnen (um 1700), das mechanische 
■Jhfcaicr (1750) und die beiden Rosse. 

Auch an der alten Anlage wurde im Laufe der verflossenen drei Jahrhunderte manches geändert, so vor 
aüem das rein Gärtnerische selbst. Während zuerst teils regelmäßig, teils unregelmäßig gepflanzte kleine 



Schloß Hellbrunn 



225 



Bäumchen überwiegen und nur am großen Weiher itunstvoll ornamentierte Boskette und zwei Irrgärten 
sich finden (Fig. 153 — 154), hat sich die eigentliche Gartenkunst um 1735 schon bedeutend größere 
Flächen erobeit, wie wir aus den Stichen des F. A. Danreiter, hf. Garteninspektors, sehen, der wohl 
diese neuartigen Gartenanlagen meistens selbst entworfen hatte. Jedenfalls wurde der ursprünglich in 
italienischem Charakter gehaltene Park damals — der von Versailles ausgehenden Richtung entsprechend — 
in französischem Geschmacke umgestaltet (Fig. 155). Doch schon zwei Menschenalter später (um 1790) 
mußte diese kunstmäßige Strenge und Symmetrie zum Teil dem neuen „englischen Gartenstil" weichen 




Fig. 193 Hellbrunn. Kaiserstatue im „Theater", um 1613 (S. 226) 

und ein „Naturpark" mit gesucht unregelmäßigen Wegen erstand im Norden des großen Weihers (Fig. 156). 
Den Charakter, den die gärtnerischen Anlagen damals erhielten, haben sie im wesentlichen noch heute. 
Auch an den alten Grotten und Brunnen wurde im XVIII. und XIX. Jh. einiges verändert. Die 
Statue des Narren, die auf einem Abhang südwestlich der Orpheusgrotte stand, wurde 1901 vor das alte 
Fasanenhaus gestellt (Fig. 205), drei andere Statuen von dort sind verschwunden. Die Statue der Diana 
mit dem Hunde (Fig. 218) ist von ihrem ehemaligen Standorte in der JVlitte des Fasanengartens um 1700 
in die ursprüngliche Eurydikegrotte gewandert (Fig. 217), die Eurydikestatue wieder stellte man (um 1700) 
als „Kleopatra" in einer neuen Grotte auf, die man an Stelle einer Dianagrotte von 1613 erbaut hatte. 
Die Dianastatue dieser alten Grotte steht jetzt am ovalen Weiher bei der Orpheusgrotte (Fig. 203), ihr 
XI 29 



It 



226 



Gerichtsbezirk Salzburg 



gegenüber die Statue einer Wassergöttin, die ursprünglich im offenen Oktogon beim großen Weiher 

stand. Der Tempietto, der neben diesem war, wurde um 1790 abgebrochen und die darin befindliche 

Florastatue (Fig. 234) in die Nähe des Perseus (Fig. 235) gestellt, der ursprünglich die Bekrönung des 

„Brunnen Altembs" gebildet hatte (Fig. 157). Ganz verschwunden ist ein Amphitritebrunnen, der neben 

dem Neptunbrunnen (Fig. 226) war. Die zahlreichen Einsiedeleien und Eremitorien im Süden des großen 

Mauereinfanges fielen der aufgeklärten Zeit am Ende des XVIII. Jhs. (um 1780) zum Opfer, das reizende 

Schlößchen „Belvedere", das noch Hübner (1792) beschreibt (Fig. 158), ließ man im Laufe des XIX. Jhs. 

verfallen; jetzt ist es ganz vom Erdboden verschwunden. 

Die Gartenplastik Hellbrunns gehört also fast ganz der 

Erbauungszeit (1613 — 1615) an. Charakteristisch für die Zeit ist 

die Auswahl: Die antiken Göttergestalten des heidnischen Olymp sind es, 

mit denen der erste Kirchenfürst Deutschlands seinen Park bevölkerte. 

Alles atmet antike Sinnenfreude, heitere Lebenslust. Dem Christentum aber 

war — bezeichnenderweise nur in der Form idyllischer Einsiedeleien — 

der entlegenste Winkel des großen Parkes angewiesen. 

Beschreibung. Beschreibung: Nordwestlich vom Schlosse liegen, beiderseits von Bäumen 

und Gebüsch eingerahmt, in einer Achse zwei kleinere rechteckige Wasser- 
bassins und dazwischen ein größeres elliptisches, mit Einfassungen von 
Fig. 190. Konglomeratquadern (Fig. 190). Sechs Figuren aus grau verwittertem Unters- 

berger Marmor schmücken diese drei, durch Kanäle verbundenen Weiher. Im 

ersten zwei kniende Tritonen, die in Muscheln blasen, aus denen Wasser 

fließt. Im ovalen Weiher in der Mitte auf einem rechteckigen Raseninselchen 

eine sitzende Frau mit einer Muschel in der erhobenen Linken {statiia 

einer Wassergöttin); ursprünglich kamen Wasserstrahlen aus ihren Brüsten, 
Fig. 191. (F'g- 191)- Jnr dritten Bassin an den Seiten zwei wasserspeiende Tritonen 

welche vornübergebeugt beide Hände über ihre Köpfe halten; am Ende der 

rechteckigen obeien Ausbuchtung als Abschluß ein sitzender Flußgott, 

einen Kranz im lockigen Haar, mit dem rechten Arm auf eine Tafel und 

eine liegende Urne gestützt, aus deren Öffnung Quellwasser in den Weiher 

fließt; mit der linken Hand hält er den Schwanz eines kleinen Delphins, 

aus dessen Rachen gleichfalls Wasser rieselt (Fig. 190). In diesem Weiher 

waren ursprünglich Huchen gesetzt. 

Den Abschluß der Weiheranlage bildet „das Theatrum" (Fig. 192), eine 

konkave Exedra mit zwei Seitenflügeln, zu welchen Galerien hinführen. Zum 
halbkreisförmigen Podest des konkaven Mittelteiles führen vier Konglomerat- 
stufen. Dahinter erheben sich vier Reihen von Sitzstufen. Die halbkreis- 
förmige Abschlußwand ist in der Mitte von einer rundbogigen Nische, an den Seiten von zwei Türen durch- 
brochen und mit gelbem Tuff verkleidet. Dieser rahmt große quadratische Felder ein, welche ein duich 
kleine Flußkiesel hergestelltes ornamentales Mosaik (weiße Ranken auf grauem Grund) aufweisen. Über 
der Mitte ein Giebelaufsatz aus Konglomerat, mit zwei kurzen Seitenlisenen und eingebogenen, in Kugeln 
endigenden Wangen; über dem Gesims zwei Giebelansätze. Im Mittelfelde des Giebels vor rot gefärbeltem 
Grunde das schön skulpierte JVlarmorwappen des Erzbischofs Marcus Sitticus, gehalten von einem Löwen 
und einem Steinbock, den Wappentieren des Erzstiftes und des Erbauers. Auf den Giebelansätzen 
zwei doppelhenklige Marmorvasen und in der Mitte die Marmorstatue einer sitzenden behelmten Frau (nach 
Hübner die siegreiche Roma). Auf den vorspringenden, mit gelb gefälbeltem Tuff verkleideten Eckpfeilern 
der beiden Seitenflügel der Exedra stehen vier in Kugeln endigende Pyramiden aus Konglomeratstein. 
Vier große Marmorstatuen dienen als Schmuck des „Theaters": In der rundbogigen Mittelnische 
Fig. 193, 194. das überlebensgroße Standbild eines jugendlichen römischen Kaisers (Fig. 193, 194) in enganliegendem 



Das 
„Theater". 
Fig. 192. 




I'ig. 194 Hellbrunn. Kaiserstatue 
vom „Theater", Detail (S. 226) 



Schloß Hellbrunn 



227 



Panzer, die rechte Hand mit dem Feldherrnstab auf den Oberschenkel, die in einen Mantelzipfel ver- 
grabene Linke in die Hüfte gestützt, den rechten Fuß vorgestellt, den mächtigen Kopf mit leisem 
Lächein leicht zur Sehe geneigt. 

Auf den die Sitzstufenreihen beiderseits abschließenden Volutenwangen (aus Konglomerat) die auf Lehn- 
stühlen thronenden Statuen zweier Frauen ohne jegliches Attribut, nach Stainhauser die Frauen der 
Barbarenfürsten, nach Hübnf.r Komödie und Tragödie. Die Frau zur Linken (Fig. 195) ist über dem 
Untergewande mit einem engen Miederleibchen, einem faltigen Rock, der das rechte Bein frei läßt, und 
einem leicht über die rechte Schulter gelegten Mantel bekleidet; in der rechten Hand hält sie ein 
zusammengefaltetes Tuch(?). Man beachte die Ähnlichkeit des Profils mit dem der schlafenden Frau 
in der Orpheusgrotte. — Die zur Rechten sitzende Frau (Fig. 196), welche die rechte Hand mit pathe- 
tischer Bewegung auf die linke Brustseite hält, ist in ein faltiges Gewand und einen Mantel gehüllt, 
der auch über den Kopf gezogen ist; die Nase ist ergänzt. 



Fig. 195. 



Fig. 196. 






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Fig. 195 



Hellbrunn. Fraiienstatuen am „Theater" (S. 227) 



Fig. 196 



In der rundbogigen Nische des linken Flügels die überlebensgroße Marmorstatue eines bärtigen Mannes 
in antiker Persertracht, der mit der linken Hand seinen rechten Unterarm hält (Fig. 197); nach Hühner 
der Philosoph Demokrit, wahrscheinlicher aber ist, daß hier ein besiegter Barbarenkönig dargestellt sein 
soll (die antiken Vorbilder zu diesen Figuren waren die Statuen besiegter Partherfürsten). 
In der rechten Nische als Pendant die Statue eines ganz ähnlich gekleideten bärtigen Perserkönigs, der 
mit der rechten Hand seinen Mantel aufrafft und die linke aufs Herz legt (Fig. 198); nach Hübner der 
Philosoph Heraklit. 

Alle sechs Statuen sind von demselben Meister, den wir nach seinem markantesten Werk als Meister der 
Orpheusgruppe bezeichnen wollen (um 1613). 

Die beiden seitlichen Galerien haben auf niedriger Konglomeratmauer Balustraden mit marmornen Doppel- 
balustern und Konglomeratpostamenten, über denen auf profilierten Marmorbasen Kugeln aus Konglomerat 
aufgestellt sind. Über den Ecken der beiden Eingangsseiten je zwei Konglomeratpyramiden mit Marmor- 
kugeln auf den Spitzen. 

29* 



Fig. 197. 



Fig. 198. 



228 



Gerichtsbezirk Salzburg 




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Schloß Hellbrunn 



229 



In dem rechteckigen Räume zwischen den beiden Galerien und der Exedra steht, von zehn Marmor- 
schemehi umgeben, ein langer rechteckiger Marmortisch, an den Ecken mit Voluten und darüber Stein- 
bockköpfen verziert, aus denen Wasser in Muschelschalen am Boden fließt. An den beiden Seitenwänden 
Fruchtgirlanden in Relief, an der vorderen Schmalseite Löwe und Steinbock, mit den Vorderfüßen inein- 
ander verschlungen, in der Tischplatte eine rechteckige, mit Wasser gefüllte Vertiefung zum Kühlen der 
Weine. Aus den Handgrifföffnungen der Schemel spritzt auf einen Druck am Wasserwerk das Wasser 
nach allen Seiten. 




Fig. 199 Hellbrunn. Orpheusgrotte, um 1613 (S. 229) 



Orpheusgrotte {grotta Orphei) (Fig. 199). An der Südwestseite des rechteckigen Weihers vor dem 
„Theater", in den Abhang hineingebaut. Rechteckiger Bau aus Konglomeratquadern, mit zwei rechteckigen 

I seitlichen Vorsprüngen im hinteren Teile. Wandgliederung (Konglomerat) durch Lisenen, welche oben 
und in der Mitte durch ebenso breite Bänder verbunden sind. Vorspringendes Hohlkehlgesims. — 
l""assade: Rundbogige Tür in einfacher Umrahmung, daneben vertiefte rechteckige Felder, darüber pro- 
filiertes Gesims. Über den Seitenlisenen der Tür am Gesims zwei Reliefkugeln auf niedrigen Postamenten, 
dazwischen ein großer marmorner Steinbockkopf, das Wappentier der Grafen von Hohenembs. Schindeldach; 

! über den beiden vorderen Gebäudeecken zwei schlanke Marmorpyramiden mit Kugeln auf den Spitzen. 

I Das Innere ist durch Tuffsteinverkleidung zu einer Grotte umgestaltet (vorne Tonnengewölbe, rückwärts 

I Stalaktitengewölbe mit drei Tuffsteinsäulen). Im vorderen Teile, von efeubewachsenem Tuffstein im Halb- 



Orpheus- 

grotte. 

Fig. 199. 



230 



Gerichtsbezirk Salzburg 



rund eingefaßt, eine kleine niedrige Quellengrotte mit einem marmornen „Meerbock"; das Quellwasser fließt 
über eine kleine Steintreppe in den nahen Weiher. Links und rechts Marmorbänke. Beiderseits der 
Quellennische führen je vier Stufen zu einem Podest und dann abermals zwei Stufen zu dem halbrund 
geschlossenen rückwärtigen Teil. In der Mitte des Abschlusses steht auf einem halbkreisförmigen, mit 
Tuffstein verkleideten Postamente die überlebensgroße Statue des jugendschönen Orpheus, mit Geige 




Fig. 200 Hellbrunn. Gruppe des Orpheus und der Eurydike, um 1613 (S. 230) 



Fig. 200. 



Fig. 201. 



und Bogen in den Händen (Fig. 200). Er trägt eine panzerartige Tunika, deren halb offener Schlitz auf 
der Brust durch eine zierliche Bandschleife zusammengehalten wird. Eine Maske, zwei Löwen- und zwei 
Satyrköpfe in Profil verzieren die halbrunden Lappen unterhalb des Gürtels, Steinbockköpfe bilden den 
Abschluß der SandalenstiefeL Der schöne, lockenumwallte und mit einem Lorbeerkranze geschmückte 
Kopf (Fig. 201) ist nach links aufwärts gewendet. Vorzüglich charakterisiert ist der Ausdruck der künst- 
lerischen Verzückung des Sängers in den schwärmerisch aufwärts blickenden Augen und dem leicht ge- 
öffneten Munde. Sehr gut auch das ganze Siandmotiv und die Drapierung des Mantels, der in edlem 
Schwung um die linke Schulter und das rechte Knie gelegt ist. 



Schloß Hellbrunn 



231 



Vor dem Sänger liegt auf schwellendem Lager die schlafende Eurydike, mit dem rechten Arm unter 
dem rosenbekränzten Kopf, die linke Hand lässig an den Gürtel gelegt. Die schöne Frau ist mit einer 
zierlich gefältelten, vorne über den Beinen stark gekürzten Tunika bekleidet. Ein sinnlicher Zug liegt 
in dem vollen Gesichte mit der zurückfliehenden Stirn, der leicht gebogenen Nase, dem kleinen, scharf 
profilierten, lächelnden Mund und dem kleinen runden Kinn. Zu den üppigen Armen und Beinen und 
dem vollen Hals steht in pikantem Gegensatze der kleine, knospende Busen. Ein um den Hals hän- 
gendes Medaillon mit dem Reliefporträt eines bärtigen Erzbischofs gibt der Überlieferung recht, die als 
Urbild der schlafenden Schönen die Frau von Mabon, die Geliebte des Erbauers von Hellbrunn sieht. 




I-i^. 201 Hellbrunn. Orpheus, Detail (S. 230) 



Interessant ist die auf das Stoffliche Rücksicht nehmende Behandlung des Marmors bei den beiden 
Figuren. Im Gegensatze zu den matten Gewändern sind die Fleischpartien künstlich geglättet, die Leder- 
streifen am Panzer künstlich gerauht, die Haare geriefelt. 

Neben Orpheus liegen Löwe und Steinbock, in den Nischen des Hintergrundes sieben andere Tiere 
(Hase, Bär, Fuchs, Luchs, Gemse, Wolf, Affe), die mit ihrer geringeren Qualität die Hand eines Gehilfen 
verraten. 

Der Orpheus und die Tiere sind aus gelblichweißem, die Eurydike aus rötlichem Untersberger Marmor. 
Die beiden Figuren stehen an künstlerischer Qualität allen übrigen in Hellbrunn voran. Archivalisch ist 
uns der Name des sicher oberitalienischen Meisters nicht überliefert (vielleicht sind sie von Santino 
Solar i selbst). Zu datieren sind sie um 1613. 

Am Abhang oberhalb des mittleren (ovalen) Weihers liegt ein kleiner, von einer niedrigen Konglomerat- 
mauer eingefaßter Platz, zu dem zwei Wege hinaufführen. Hinter der konkaven Brüstung erhob sich 



232 



Qerichtsbezirk Salzburg 



ein grüngestrichenes Holzgeländer mit Weinreben. In der Mitte stand eine Narrenstatue (die erst 1901 
vor das Fasaiihaus versetzt wurde, s. Fig. 205), an den Seiten zwei knieende Narren mit aufgerissenen 
Mäulern (noch 1792 von Hübner beschrieben, jetzt verschwunden), heraußeii auch jene zwei Hunde, die 
jetzt vor der Venusgrotte stehen. Ein tiefer unten stehender Knabe, der mit einer Baiester auf den 
Narren zielte, war schon 1792 zertrümmert und ist jetzt verschwunden. Es ist bedauerlich, daß diese 
alte Originalanlage von 1619 aufgelassen und die Figuren zerstreut wurden. 





Fig. 202 Hellbninn. Statue der Moosgöttin, um 1615 (S. 232) 



Fig. 203 Hellbrunn. Statue der Diana (S. 242) 



Fio-. 202, 



Fi". 203. 



Zu beiden Seiten des ovalen mittleren Weihers stehen am Abhang auf hohen prismatischen Postamenten 
die Statuen zweier Frauen aus hellem Marmor. 
Die Statue im O. (gewöhnlich Ceres genannt) hält im Arm ein Bündel „Moßröhren" (Schilfrohrkolben) 
(Fig. 202). Sie stand ursprünglich im Oktogon, der sogenannten Saiblingstube (s. S. 250), von wo sie 
erst 1901 hieher versetzt wurde. Stainhauser nennt sie eine Wassergöttin. 

Die Statue in W. (Fig. 203) hat ein über den Beinen aufgeknöpftes geschlitztes Gewand. Ein Speer- 
ansatz in der rechten, ein Falke auf der linken Hand, ein kleines Hifthorn und ein Strickbündel am 
Gürtel charakterisieren sie als Dia n a, die Göttin der Jagd. An den Seitenflächen des Postainentes je 
ein Löwenkopf mit einem Blumenringe im Maule. — Diese Statue erwähnt Stainhauser als Hauptfigur 



Schloß Hellbninn 



233 



des Dianabrunnens (neben dem Merkurbrunnen). Als dieser am Ende des XVII. Jhs. zum „Kleopatrabrunnen" 
umgebaut wurde, kam sie in die Nische des Fasanenhauses. An ihrer jetzigen Stelle steht sie seit 1901. 
Auch diese beiden Statuen stammen also aus der Erbauungszeit des Schlosses (1613—1615). 

An der südöstlichen Seite dieser ganzen Anlage steht vor dem Schloß auf hohem Konglomeratpostament 
die Marmorstatue des Weingottes Bacchus, eines wohlgenährten stämmigen Jünglings mit einer Schale 
und einer Traube in den Händen und einem Rebenkranz im Haar. Ein als Stütze dienender Baumstumpf 
liefert das nötige Feigenblatt. Die Figur gehört der Werkstatt des Orpheusmeisters an (um 1613). 

Südlich neben der Bacchusstatue ein Ruheplatz aus zwei im rechten Winkel aufeinanderstoßenden 
niedrigen Konglomeratwänden, auf denen kleine, kugelbekrönte Marm orobelisken stehen. Dazwischen 
zwei liegende Jagdhunde (Marmor). Um 1613. (Fig. 204.) 



Fig. 204. 







Fig. 204 Heilbrunn. Ruhebanl< (S. 233) 

Weinkeller: Hinter diesem Plätzchen im SW. ein rechteckiges, nach NO. zu offenes, gemauertes Wüiniiellcr. 
Gebäude mit flacher Holzdecke und Schindeldach. Innen an der Südwestseite in Konglomeratrahmung 
eine Holztür mit altem Eisenbeschläge, von vier Eisengittern (mit den Buchstaben GD) durchbrochen. 
Darüber elliptische Öffnung und das Marmorwappen des Erzbischofs Guidobald Grafen Thun mit der 
Inschrift: Hortiim absoliitiim caetera iiniim calidius desiderare cellae vinariae aestivum frigus audivit 
et adiuvit Guidobaldus anhiep(iscop)us pr{mce)ps ex cow(itibus) de Thun MOCLIX (1659). Der 
dahinter in den Abhang eingebaute Keller wurde also als Weinkeller im Jahre 1659 vom Erzbischof 
Guidobald erbaut. 

Nordöstlich neben der Drei -Weiher-Anlage lag der alte Fasan- und Gef 1 ügelgarten, von ersterer 
durch eine Mauer geschieden, von der heute nur mehr ein Stück mit einem Tor, gegenüber der Orpheus- 
grotte, steht. Der südöstliche Teil ist jetzt (nach Abbruch der alten kleinen Gebäude [vgl. Fig. 153]) in einen 
Restaurationsgarten verwandelt. Dagegen blieb der nordwestliche Abschluß bestehen: In der Mitte das kleine, 
an der Fassade leicht eingebogene, einstöckige Fasanen haus (Fig. 205). Im SO. in der Mitte eine Fig. 205. 
hohe (jetzt leere) rundbogige Bildnische, seitlich zwei Türen, oben drei Fenster. Über den beiden Ecken 
Konglomeratpyramiden mit Marmorkugeln. Schindeldach. 

XI 30 



234 



Qerichtsbezirk Salzburg 



Das Häuschen hat innen eine Kaminanlage und diente als Unterkunft und zur Oberwinterung seltenen 
Geflügels. Die Außenseiten sind durch Ecklisenen und Gesimsbänder gegliedert, die Fenster zum Teil 
vermauert. Daneben liegt ein einstöckiges Häuschen, ehemals die Wohnung des Fasanenwärters. Die 
flankierenden Mauern biegen beiderseits im Halbkreis aus und sind mit je vier halbrunden Nischen ver- 
sehen. In einer derselben (im O.) ein durch einen vertikalen Mauersprung halbzerstörtes Fresko, die 
lebensgroße Figur des Apollo mit der Leier, gelb auf rotbraunem Grunde (um 1613). Der südöstliche Teil 
der Mauer ist abgebrochen. 

Auf einer niedrigen Basis vor dem Häuschen steht die überlebensgroße Marmorstatue eines unter- 
setzten, derbgliedrigen, nackten Narren, der sein plumpes Gesicht zu einer kläglichen Fratze verzieht; 



Sternweiher. 
Fig. 206, 207. 



Fig. 208. 




Fig. 205 Hellbruim. Fasanenliaus mit Narrenstatuc, um 1618 (S. 233) 

mit der rechten Hand greift er auf seine mützenartige Kopfbedeckung, mit der linken an den Ast eines 
Baumstumpfes, der die Statue stützt. Um die Hüfte hängt ihm eine Felltasche. Um 1613. Diese Statue 
stand ursprünglich (bis 1901) oberhalb des ovalen Weihers (s. oben). 

In der Mitte des Fasanengartens stand 1619 die Statue der Diana mit dem Hunde (Fig. 218). 

An dem östlich daneben liegenden Teiche liegt ein in die Mauer eingebauter, als Wäscherei dienender gewölbter 
Raum mit zwei von einem Mittelpfeiler gestützten Bogenöffnungen. An der einen Schmalseite alter Kamin. 
In dem Garten östlich davon stand 1619 das große Vogelhaus und das kleine Gärtnerhaus. 

Sternweiher (Brunnen Altembs) (Fig. 206,207), am Abhang an der Südwestseite des Schlosses. 
Terrasse mit drei Absätzen. Den oberen Abschluß der Anlage bildet ein aus Konglomeratquadern bestehender 
Grottenbau, der von je zwei konkaven Stützmauern flankiert wird. — Der als Rustika-Tor behandelte Mittel- 
bau hat in der Mitte eine tiefe, flachbogig geschlossene Grotte mit Sitzbänkeii an den Seiten. Im Hinter- 
grunde in flachbogiger Umrahmung aus rotem Marmor eine halbrund ausgehöhlte Nische mit einer Statue 
(Fig. 208 N Prismatisches Postament aus rötlichem Marmor, mit profilierter Sockel- und Deckplatte; im 
vorderen Felde in Hochrelief Löwe und Steinbock (Wappentiere des Erzstiftes Salzburg und des Erzbischofs 
Marcus Sitticus), einander umarmend. Darauf die überlebensgroße weiße Marmorstatue eines schlanken fein- 



Schloß Hellbrtinn 



235 




Fig. 206 Hellbrunn. Sternweiher mit dem Brunnen Altetnbs (S. 234) 




Fig. 207 Hellbrunn. Sternweiher mit Brunnen Altembs, Mittelgrotte (S. 234) 



30* 



236 



Qerichtsbezirk Salzburg 



gliedrigen Jünglings in Helm mit Federbusch und römischem Panzer, mit einem auf der linken Schulter 
geknoteten, rückwärts steif herabfallenden Mantel. Er greift mit der rechten Hand an eine oben abge- 
Fig. 209. brochene Säule, auf die auch die linke hinzuweisen scheint, wenigstens hält sie kein Attribut (Fig. 209j. 
Die Deutung ist unklar. Tüchtige Arbeit um 1613, vom Meister der Orpheusgruppe. 
Am Gewölbe geometrische Figuren, von Tuffstalaktiten gebildet, auf einem Mosaikgrunde von grauen 
Flußkieseln. In der Mitte stukkierte Blätterrosette mit blecherner Traube. 




Fig. 203 Hellbrunn. Brunnen Altembs, Statue eines Helden, um 1613 (S. 234) 

Über dem Gesims außen eine massive Konglotneratbalustrade mit eingemauerten Marmorbalustern und 
vorspringenden Postamenten. Im Mittelfeld ein marmornes Fruchtgehänge. Auf dem Gesims dieser Attika 
stehen außen je zwei Marmorvasen, in der Mitte ein Aufsatz, flankiert von zwei in Voluten endigenden 
Steinbockköpfen und überdacht von einem Gesims, auf dem jetzt über einem Postament eine Marmorvase 
steht. In diesen Giebelaufsatz ist eine Tafel aus weißem Marmor mit der eingemeißelten Kapitalinschrift 
eingelassen: Quos hie amoenos colles, herhosa prata, nitidas vides aquas, Marcus Sitticus arch{\&^i- 
sco)p!is Salisb{uTgtns\s) et princeps neglecta naturae dona non absque conimiseratione admirans moenibus 
ciiixit, theatris ornavit, e paludoso limo tot varios fontes collegit, dilectae posteritati dicavit MDCXIII. 
Ursprünglich (s. Fig. 157) und noch am Ende des XVIII. Jhs. (Hübner) war der Bau von der Kolossal- 
statue des Perseus gekrönt, die jetzt im Ziergarten steht (Fig. 235). 



Schloß Hellbrunn 



237 



An den beiden bogenförmigen Flügelwänden, welche den Platz vor der Grotte im Halbrund abschließen, 
sind wie in der Grotte unten steinerne Sitzbänke angebracht; oben sind sie mit mächtig geschwungenen 
Voluten abgeschlossen. Im rechten Winkel daran setzen beiderseits zwei längere und niedrigere, gleich- 
falls konkav geschweifte Konglomeratquadei mauern an. 

An den beiden Mauerecken und -enden stehen auf hohen Konglomeratpostamenten vier lebensgroße 
Marmorstatuen, Personifikationen der vier Jahreszeiten: 1. Frühling; eine Jungfrau mit einem 
Blumenkranz im langen, rückwärts in den Gürtel gesteckten Lockenhaar, einem langen knittrigen, 
über dem rechten Schenkel unmotiviert in die Höhe geschobenen Untergewand und einem auf der 




Fig. 209 Hellbrunn. Brunnen Altembs, Statue eines Helden, 
Detail (S. 234) 

Seite geschlitzten kurzen Obergewand, in dessen hochgenommenem vorderem Teile sie Blumen hält. Der 
Brustschlitz ist durch eine Schleife zusammengehalten (dasselbe Motiv wie bei der Orpheusgruppe); die 
Gürtelschnalle ist mit einem Steinbockkopf verziert. 

2. Sommer (Fig. 210). Schlanke Frau mit einem dicken Fruchtkranz am Kopf, in hochgeschürztem Ge- 
wände, mit Sandalenstiefeln. In der erhobenen rechten Hand hält sie eine Sichel, mit der linken entnimmt 
sie einem auf einem niedrigen Felsenblocke stehenden, mit Früchten gefüllten Körbchen einige Früchte. 
Der in Profil geradezu klassisch fein durchgebildete Kopf besteht aus feinerem Marmor, ist in den Rumpf 
eingesetzt und rückwärts durch eine mit Blei vergossene Eisenspange mit diesem verbunden. 



Fig. 210. 



238 



Oericlitsbozirk Salzburg 



Fig. 211. 3. Herbst (Fig. 211). Ein junger kraftstrotzender Mann von massigem Gliederbau, in schöner Kontra- 
poststellung, das linke Bein auf ein Fäßchen, die linke Hand auf einen Baumstumpf aufstemmend, den 
mit Trauben und Weinlaub bekränzten sinnlich-derben Kopf zu einem Traubeiibündel emporwendend, das 
er in der erhobenen Rechten hält. Ein dicker Kranz von Trauben und Weinblättern umgibt seine Hüfte. 
4. Winter. Ein bärtiger alter Mann, nur mit einem über die linke Schulter gelegten, auf der Brust links 
vorn geknoteten, rückwärts bis zum Boden auffallenden Mantel bekleidet, hält die rechte Hand wärmend 
über eine Feuerschale, die auf einem prismatischen Postamente steht. 





Fig. 210 Hellbninn. Der Sommer, 



Fig. 211 Hellbrunn. Der Herbst, 



Statuen am Brunnen Altembs (S. 237, 233) 



Alle vier Figuren stammen aus der Werkstätte des Meisters der Orpheusgruppe (um 1613), sind nach 
seinen Entwürfen gefertigt und wohl von iiim selbst überarbeitet. Als sicher eigenhändige Arbeit ist der 
feine Kopf der Sommergöttin anzusprechen. Am wenigsten günstig wirkt der „Winter". Der vortrefflich 
komponierte „Herbst" übertrifft qualitativ bei weitem den nordwestlich vor dem Schlosse stehenden, 
im Motiv ähnlichen Bacchus. 

Die beschriebene Architektur dient als Hintergrund der wichtigsten Quellenanlage des Parkes. In dem 
Halbrund vor der Grotte liegt ein seichtes, mit Marmor gefaßtes Bassin in Form eines halben Sternes 
mit sieben Zacken. Aus jeder dieser Spitzen sprudelt eine Quelle. Aus diesem Becken, nach dem das 



Schloß Hellbrunn 



239 



Ganze der „Sternweiher" heißt, fällt das kristallklare Wasser über eine Stufe in ein rechteckiges Bassin und 
von diesem durch eine schmale Öffnung über eine Marmorplatte und eine von Konglomeratblöcken ein- 
gefaßte Marmortreppe von fünf Stufen in einen noch größeren quadratischen, mit Konglomerat gefaßten Weiher. 
Beiderseits der oberen Verbindungsöffnung zwei marmorne, liegende, lebensgroße Steinböcke, die mit den 
Vorderfüßen das Wappen des Erzbischofs Marcus Sitticus halten (Fig. 212). Über den beiden mit steinernen 



Fig. 212. 




Fig. 212 Hellbrunn. Partie vom Sternweiher, um 1613 (S. 239) 



Sitzbänken versehenen Seiten der oberen Ausnehmung des untersten Weihers, zu der neben der Kaskade 
kleine Treppen mit sechs Konglomeratstufen hinabführen, halten zwei lebensgroße liegende Marmorlöwen 
Wacht, aus deren Rachen Wasserstrahlen fließen. 

In der Mitte des unteren Weihers eine Marmorgruppe zweier miteinander ringender Tritonen, welche 
Wasser aus ihren Mäulern spritzen. Davor drei kleine Springbrunnen, von denen der mittlere einen Ball 
in die Höhe schleudert. 

Beiderseits von dem Tritonenpaar waren ehemals zwei Sleinhügelchen, auf deren einem eine umlaufende Sirene aus den 
Urlisten Wasser spritzte, und auf dem andern ein ebenfalls umlaufender Triton, der auf einer Muschel blasend, einen sonder- 
baren Laut von sich gab (Hübnf.r 1 530). 



240 



Qerichtsbezirk Salzburg 



Vorne neben den beiden dreistufigen roten Marmortreppen je drei kleine Marmorschalen mit Spring- 
brunnen. Dazwischen lief ursprünglich eine Schildkröte umher, welche Wasser spie (Hübner I 530). 
Zu beiden Seiten des unteren Weihers sind aus Konglomeratblöcken zwei Hügel aufgebaut; in dem 
Innern des südöstlichen sind die Pumpwerke angebracht. Auf dem einen steht oben ein Böcklein, der 
andere ist von allerlei Tieren bevölkert (zwei Steinböcken, einem Dachs, einem Hasen); oben steht 
wieder ein kleiner Steinbock, unten sitzt ein großer Hund. Alle aus Marmor. Um 1613. Die Tiere 
standen früher meist in der Vogelsanggrotte, der Hund gehörte vielleicht zur Dianastatue Fig. 202. 
An der Südostseite des Schlosses ist längs eines schmalen, mit Konglomerat gefaßten Kanals eine Reihe 
von Brunnen, Grotten und Statuen angebracht: 




fig. 213 Hellbrunn. Brunnen der Venus, um 1613 (S. 24U) 



Venusgrottc. 
Fig. 213. 



V\<r. 214. 



1. Links vier kleine Tuffgrotten mit mechanischen Spielwerken, kleinen beweglichen Holzfiguren: Scheren- 
schleifer, Apollo schindet den Marsyas, ein Müller, Perseus befreit die Andromeda, ein Hafner. 

2. Vennsgroite (GrottaVeneris) (Fig. 213). Gegenüber ein kleiner Grottenbau aus Konglomerat- 
quadern. Rundbogige Tür, darüber Pyramide zwischen zwei Hörnern; zwei schräg abfallende Seitenmauern, 
in Postamente endigend, auf denen Pyramiden stehen. — Im Innern ist die kleine Grotte ganz mit Tuff- 
Tropfstein verkleidet. An den Seiten zwei marmorne Sitzbänke, hinten rundbogige Nische mit der 
lebensgroßen Marmorstatue der Göttin Venus, mit kunstvoller hoher Frisur, in antikem Gewände 
(Fig. 214); sie legt die linke Hand auf die Brust, ihre rechte Hand ruht auf dem aufgerichteten Schwanz, 
ihr rechter Fuß auf dem Kopf eines Delphins, aus dessen Maul ein kunstvoller Wassersturz (in Form 
einer Glasglocke) über einen Blumenstrauß quillt. Sehr gute Arbeit, um 1613, vom Meister der Orpheus- 
gruppe. — Vor der Grotte kleines elliptisches Bassin mit kleiner Amorfigur und kleiner Kanal, darin 
zwei blecherne Schildkröten, deren Mäuler durch einen glasröhrenartigen Wasserstrahl verbunden sind. 
Vor der aus Konglomeratbruchsteinen bestehenden niedrigen Umfassungsmauer halten zwei liegendei 



Schloß Hellbrunn 



241 



Doggen aus Marmor Wache. Diese Hunde stammen von dem Platze des Narren, oberhalb der Orpheus- 
grotte (s. oben). 

3. Dianastatue {Statua Dianae). Auf hohem prismatischem Konglomeratpostament mit vorspringender 
Deckplatte die lebensgroße Statue einer Göttin in reichgefaltetem Gewände, dessen Zipfel sie mit der rechten 
Hand hochnimmt, während die leicht emporgehobene Linke ehemals einen Bogen hielt (Fig. 215). Der 
Halbmond im reichgelockten Haar kennzeichnet die Dargestellte als Diana. — Die gut gearbeitete 

Marmorstatue stammt wohl aus der Erbauungszeit des 
Schlosses (sie wird von Stainhauser beschrieben und kommt 





Fig. 214 Hellbrurn. Statue der Venus, 
um 1613 (S. 240) 



Fig. 215 Helibrunn. Statue der Diana, 
um 1613 (S. 241) 



schon auf der Ansicht von 1618 vor), weicht aber in ihrem Stil, namentlich der viel reicheren und fort- 
geschritteneren Gewandbehandlung beträchtlich von den übrigen Hauptfiguren ab. Sie ist der Endpunkt 
der Vedute durch die Allee vom Ziergarten mit den beiden springenden Pferden her. 
4. Ein Seitenweg führt rechts zu einem mitten ins dämmerige Grün des hier urwüchsigen Parkes 
hineingestellten lebensgroßen Wildschweines mit zwei Jungen, aus Marmor; um 1618. Es hat 
die Gestalt und Größe wie das 1618 am Haunsperg geschossene (s. S. 217. Nr. 9). Stainhauser erwähnt 
|es bereits 1619. 

,5. Stein bockgrotte (Fig. 216). Kleiner flachgiebeliger Bau mit flachbogiger Nische, ganz mit Tuff- 
stein verkleidet. Im Hintergrunde eine Höhle, in der ein wasserspeiender marmorner „Meerbock" liegt, 
XI 31 



Dianastatue. 



Fig. 215. 



Steinbock- 
grotte. 
Fig. 216. 



i 



242 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Diana- 
brunnen. 
Fig. 217. 



mit Steinbockkopf, Vorderflossen und Delphinsdiwanz. Das Wasser fließt durch einen Kanal ab, dessen 
schief abfallender Boden mit Marmorplatten gepflastert ist, in die zwei Kanäle in Form von Ketten 
eingemeißelt sind. Daneben zwei steinerne Sitzbäiike. 

Nach Stainhauser schloß sich an das Wildschwein die ürotta des Trachens, deren Beschreibung (und Dar- 
stellung auf den Ansichten Fig. 153 — 154) der vorstehenden Grotte entspricht. Wenn man Bedenken trägt, 
die jetzige Grottenfigur als „Drachen" zu bezeichnen, so muß man annehmen, daß sie aus der abgebro- 
chenen Steinbockgrotte hierher übertragen und die ursprüngliche Drachenfigur beseitigt wurde. 

6. Dianabrunnen (Fig. 217). Kleiner Bau aus Konglomeratquadern. In der Rückmauer hohe rundbogige, 
übergiebelte Nischenöffnung. Die beiden rechtwinklig anschließenden Seitenmauern sind S-förmig ge- 
schwungen und endigen vorne in prismatische Postamente mit Kugeln. Innen marmorne Sitzbänke um 
das kleine rechteckige Wasserbassin herum. -- Die rundbogig ausgehöhlte tiefe Nische ist mit Tuffstein 
verkleidet, oben in Form einer Muschel; an den Seiten geometrische Kompartimente, in den oberen vier 




I 



Fig. 216 Hellbrunn. Steinbockgrotte, um 1613 (S. 241) 



Feldern je eine stukkierte Türschließe. — In der Nische auf niedrigem würfelförmigem Konglomeratsockel 
Fig. 218. die lebensgroße Marmorstatue der Diana (Fig. 218). Die schlanke Göttin trägt eine Tunika mit kurzen 
Ärmeln, auf dem Haupt einen Helm mit einem fantastischen Aufsatz von Federn und Tüchern. Um Brust 
und Hüfte schlingt sich eine hinten geknotete Schärpe. In der rechten Hand hält sie einen Holzspeer, 
die linke legt sie auf den Kopf eines neben ihr sitzenden Hundes. — Sehr gute Arbeit, um 1613, wie 
der junge Krieger in der Sternweihergrotte, mit dem sie am meisten übereinstimmt, vom Meister der 
Orpheusgruppe. 

Stainhauser beschreibt nach der Drachengrotte den Brunn der Eurydice, welcher mit dem jetzigen Diana- 
brunnen identisch sein muß. In dem kleinen Theatro befand sich zu seiner Zeit (1619) die Statue der 
Eurydike, die seit dem Ende des XVII. Jhs. in dem Brunnenwerk neben dem Merkur steht (Fig. 224). Die 
jetzt hier stehende Dianastatue mit dem Hunde stand ursprünglich (s. S. 175, ferner Fig. 153 — 154) auf 
einem hohen Postament in der Mitte des ehemaligen Fasanengartens (jetzt Restaurationsgarten) nördlich 
vom Schlosse. 

Diese Umwechslung der Statuen fand — wie ich aus verschiedenen Gründen schließe — am Ende des 
XVII. Jhs. statt, als man zum Bau der sogenannten „Kleopatragruppe" die Eurydikestatue brauchte 
(vgl. die Bemerkungen zum jetzigen Eurydikebrunnen S. 248), 



Schloß Hellbrunn 



243 



Die von Stainhausrr vor der Athenestatue erwähnte Grotta des Stainpocks besteht nicht mehr. Gegenüber 
dem mechanischen Theater (s. unten) befindet sich eine kleine Zuschauerterrasse mit einer Marmor- 
sitzbank (s. S. 251). 

7. Minervastatue {üöttin Pallas) (Fig. 219). Hohes achtseitiges Konglomeratpostament mit profilierter 
quadratischer Deckplatte. Darauf die lebensgroße Marmorstatue der Göttin in langem Gewände mit Helm, 
Speer und Ägis. — Gute Arbeit, um 1613, aus der Werkstätte des Meisters der Orpheusgruppe. — Vor der 
Statue marmorne Bank, Ruckenwand aus Konglomerat, oben im Giebel großer marmorner Steinbockkopf. 

8. Mydasgrotte {Grotta dell' Idolo oder Abgottsgrotte). Nordöstlich von dem schmalen 
Kanal, gegenüber der Minervastatue. Quadratisches niedriges Gebäude mit vier Eckrisaliten. Bruchstein 
und Ziegel, verputzt und gelb gefärbelt. Außengliederung durch vertiefte rechteckige Felder. In den 



Minerva- 

statue. 

Fig. 219. 



Mydasgrotte. 




I'"ig. 217 Hellbrunn. Brunnen der Diana, um 1613 (S. 242) 

: I 

\ Eckrisaliten je zwei rot gefärbelte leere Statuennischen, im W. und O. in der Mitte je eine ebensolche 
(i Nische, daneben beiderseits unten ein rechteckiges, oben ein querovales Fenster. Im S. in der Mitte 
jl vorgelagert eine aus Konglomeratblöcken zusammengesetzte Grottenwand mit Tür; in zwei seitlichen 
■' Nischen die marmornen Halbfiguren eines Mannes und einer Frau mit dem Wappen des Erzbischofs 

Marcus Sitticus; sie dienten als Wasserspeier; geringe Arbeiten, um 1613. — Im N. rechteckiger Vorbau, 
I darin steingerahmte Eingangstür mit profiliertem Sturzgesims, darüber querovales Fenster, geschwungener 

Giebel mit einem querovalen Fenster und drei Steinkugeln. Pyramidenschindeldächer über den vier 

Kckrisaliten, über dem Gebäude abgewalmtes Schindelsatteldach. 



Inneres: 

I Beim Eingang eine viereckige, ganz mit Tuffstein verkleidete Grotte. In der Mitte am Boden als Posta- 

,'ment eines Springbrunnens ein Felsen mit Schlange, Kröte und Schildkröte. Der Wasserstrahl trägt eine 

Blechkrone empor. Durch zwei Türöffnungen gelangt man in einen in Hufeisenform um diese Grotte 

3p 



Inneres. 



244 



Qericlitsbezirk Salzburg 



herumgeführten bedeutenden höheren Gang, der eine sehr elegante und beachtenswerte Wanddekoration 
aufweist: Größere und ideinere rechteckige Felder mit geometrisch-perspektivischen Wiirfelmustern aus 
kleinen weißen, gelben und blauen, auch grünen Fayenceplättchen, umrahmt von Stuckbändern mit Eierstab- 
muster. Diese in unseren Gegenden sehr seltene Dekorationsart hat eine Parallele nur in jener der 
Grabkapelle des Erzbischofs Wolf Dietrich im St. Sebastiansfriedhof in Salzburg, einem Werke des Elia 
Castell 0. 





hig. 218 Hellbiuiin. Statue der Diana, 
um 1613 (S. 242) 



Fig. 219 Hellbrimn. Statue der Minerva, 
um 1613 (S. 243) 



Die übrigen Wandflächen sind mit Tuffstein verkleidet. An den Schmalseiten und diesen gegenüber vier 
rundbogige (leere) Nischen mit großen stukkierten Muscheln als Abschlüssen, darüber ein stukkierter 
Steinbockkopf; als Umrahmung ein Eierstab aus Stuck, rot und gelb bemalt. Über und unter den ovalen 
Oberlichtfenstern Festons aus Tüchern und Früchten (Stuck). Eine ähnliche Dekoration mit verwittertem 
Widderkopf über den marmornen Türstöcken. (Hier allein sind noch die originalen Fayenceplättchen von 
1619 erhalten.) 

In der Mitte der Nordwand große flachbogige Nische, umrahmt von rot und gelb gefärbelten Komparti- 
inenten, die von stukkierten Eierstabgesimsen eingefaßt sind. Unten ist ein Haufen von Konglomerat- 
trünimern als Felsengrund aufgebaut. In der'Nische die Gruppe der Seh in düng desMarsyas, zwei 



Schloß Hellbrunn 



245 



Überlebensgroße Statuen aus hellgelbem Untersberger Marmor (Fig. 220). Links Apollo (in kurzer Tunika, 
Mantel, Stiefeln), der mit der rechten Hand das Messer hebt, mit der linken den Marsyas beim Arme 
packt. Rechts der Satyr Marsyas, mit Stricken und einem Riemen an einen Baumstamm gefesselt. In der 
herabhängenden rechten Hand hält er die Syrinx. 

Die Gruppe ist das Werk eines italienischen Bildhauers, von der gleichen Hand wie der Poseidon in 
der mittleren Schloßgrotte, um 1619. 



Fig. 220. 




Fig. 220 Hellbruiin. Mannorgruppe, Apollo und Marsyas, um 1619 (S. 245) 

Die flache Decke des Umgangs ist in Felder geteilt, die mit Tuffsteinbändern umrahmt sind. Dazwischen graues 
Kieselmosaik. Die illusionistischen Malereien (fliegende Vögel vor blauem Himmel) sind modern erneuert. 
Die Stuck- und Fayencedekoration haben durch die Feuchtigkeit und die Salpetersalze stark gelitten. 
Die Dekoration der Grotte geht auf die Erbauungszeit zurück. Sie war jedoch schon im XVlIl. Jh. durch 
die Feuchtigkeit so beschädigt, daß man 1759 zu einer umfassenden Restaurierung schritt. Die glasierten 
Plättchen wurden fast alle vom Hafner Martin Dreyer neu gemacht (22.000 Stück), ebenso die 
Stukkaturen durch Benedikt Zopf. Im Jahre 1894 wurden die unteren Felder nochmals erneuert. Alt 
sind nur die Partien über den beiden Eingängen. 



246 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Merl<ur- 
brunnen. 
Fig. 221. 



Östlich von der Mydasgrotte befand sich 1619 ein kleiner kleeblattförmiger Weiher mit drei Tritonen- 
figuren (siehe Fig. 153 — 154), der aber schon auf Danreiters Stich (um 1735) zugeschüttet erscheint, um 
einem großen Blumenboskett Platz zu machen (s. Fig. 155). 

9. Me rku r br u n n e n {Brunn MercurU) (Fig. 221). Kleeblattförmiges Quellenbassin in Steinfassung, von 
Sitzbänken aus Konglomerat umgeben. Das Wasser fließt über einen schmalen, von Konglomeratblöcken 

flankierten Kanal ab. 

Gegenüber am Abhänge, von Gebüsch 
umgeben, auf hohem prismatischem Kon- 
glomeratpostamente die überlebensgroße 



-**-.^ -' 







-<:-' 



:* : ;3E^, 








Fig. 221 Hc'llbriinn. Merkurbrunnen, um 1613 (S. 246) 



Fig. 222 Merkurstatue, um 1613 (S. 246) 



Fig. 222. 



Brunnen 

der Eurydike. 

Fig. 223. 



Marmorstatue des Merkur. Der wohlgebaute jugendkräftige Götterbote (Fig. 222) steht emporschauend 
flugbereit da. Die Last des Körpers ruht auf dem rechten Bein, das linke ist bereits leicht erhoben. 
Mit der linken Hand hält der Jüngling, zugleich damit das Gesicht beschattend, den einen Zipfel des 
Mantels hoch empor, der leicht um die Hüfte geschlungen hinten in schwerem Faltenwurf herabfällt. 
Die rechte Hand, welche den (aus Eisen hergestellten) Schlangenstab hält, ist in die rechte Hüfte 
gestemmt, dem Mantel hier Halt verleihend. Die Flügel an den Füßen und der geflügelte Helm kenn- 
zeichnen den Götterboten. — Sehr gute Arbeit, uin 1613, am nächsten dem „Herbst" beim Sternweiher 
verwandt. 

10. Brunnen der Eurydike, ursprünglich Brunn Dianae (Fig. 223). Nordöstlich neben dem 
Merkurbrunnen. Kleines herzförmiges Quellenbecken, aus dem über vier Stufen das Wasser in einen 



Schloß Hellbrunn 



247 



kurzeil Kanal abfließt, der in den langen Kanal mündet; an den vier Ecken des Kanals niedrige prisma- 
tische Postamente aus Konglomerat. Auf drei Seiten ist der kleine Platz von hohen Konglomeratmauern 
umschlossen. Rückwand: In der Mitte hohe, rot gefärbelte Rundbogennische in Konglomeratsteinrahmung, 
flankieit von zwei Konglomeratlisenen mit einfachen Gesimsen. In den aus Konglomeratbruchsteinen 
aufgeführten Seitenflächen daneben oben je ein querovales Fenster, unten je eine rot gefärbelte Rund- 
bogennische in einer Umrahmung von Konglomeratwerkstücken. In jeder der beiden Nischen ein mit dem 
Schwanz aufgerichteter Maimoidelphin, aus dessen Nasenlöchern Wasser in eine marmorne Muschelschale 
fließt. In den Ecken aneinanderstoßend zwei Konglomeratpilaster. 

Die beiden konkav gebogenen Seitenwände bestehen je aus einem schmalen rechteckigen Konglomerat- 
bruchsteinmauerstück, das vorne durch einen Pilaster abgeschlossen wird, und zwei großen Volutenwangen 




Fig. 223 Hellbrunn. Brunnen der Eurydike (S. 246) 



aus Werkstücken von Konglomerat; unter den letzteren je eine bogenförmige marmorne Sitzbank. Neben 
den beiden kurzen Zugangswegen je zwei niedrige Postamente aus Konglomerat. Auf den beiden vorderen 
stehen aufgerichtet zwei kleine Marmorlöwen, die in den Vorderpranken zwei glatte Kartuschen (wohl 
ursprünglich mit Wappen bemalt) halten. 

Den oberen Abschluß der (außen verputzten) architektonischen Rückwand bilden rohe Steintrümmer, auf 
denen Gebüsch und Gras wächst. Dahinter Schindelbedeckung. 

In der Mitte der Hauptnische der Rückwand steht auf einem in eine Muschelschale hineingestellten pris- 
matischen Postament die lebensgroße Marmorstatue der Eurydike (Fig. 224). Die Gattin des 
Orpheus trägt ein langärmeliges, an den Handgelenken durch Bänder geschlossenes Untergewand und 
ein gegürtetes, faltenreiches Obergewand mit kurzen Ärmeln. Auf dem schön frisierten Haar liegt ein 
eigentümlicher Kopfschmuck, ein von einer Doppelvolute ausgehendes, rückwärts herabfallendes Schleier- 
tuch. In der rechten Hand hält sie an die Brust gedrückt ein geflochtenes Körbchen, in der gesenkten 



Fig. 224. 



248 



Qerichtsbezirk Salzburg 



linken ein paar Blumen. Ihr nackter linker Fuß tritt auf die sich emporringelnde Schlange, die ihr den 
tödlichen Biß versetzt (Kopf abgebrochen). Das nach rechts aufwärts gewendete schöne Gesicht ist 
schmerzvoll verzogen. — Postament und Statue aus Marmor. — Sehr gute Arbeit des Meisters der 
Orpheusgruppe, um 1613. 

Diese Grotte, die unserer Untersuchung ein interessantes Problem stellte, fällt aus der Reihe der übrigen 
heraus. Ihr ganzer, mehr aufs Ruinenhafte berechneter Charakter entspricht nicht dem Anfang des XVH. Jhs. 
In der Tat hatte sie früher — wie wir auf den alten Ansichten Fig. 153—154 erkennen — ein anderes 




Fig. 224 Hellbrunn. Statue der Eurydike, um 1613 (S. 247) 



Aussehen. Auch die Eurydikestatue stand nicht ursprünglich hier, denn nach Stainhauser stieß unmittelbar 
an den Merkurbrunnen der „Brunn Dlanae" , in welchem auf einem Postament die Göttin Diana mit einem 
Vogel in der Hand stand. Man sieht diese Dianastatue auch auf dem Bilde von 1618 (Fig. 153), die 
ganze Grotte auf Fig. 154 und Taf. VI. Es ist dies zweifellos jene, die jetzt am ovalen Weiher steht (Fig. 203). 
Auf dem Stich Danreiters (um 1735) sehen wir schon die vorstehende Grotte als Grotte der Cleopatra 
in ihrer heutigen Gestalt, mit der Eurydikestatue, die man (wegen der Schlange) fälschlich für eine 
Kleopatra hielt. Diese Eurydikestatue aber ist alt (1613) und stand in der jetzigen Dianagrotte (s. oben 
S. 242). Ihr mußte also — zwischen 1619 und 1740 — die ursprüngliche Dianastatue (Fig. 203) weichen. 
Gleichzeitig mit dieser Umstellung baute man an Stelle der ehemaligen architektonischen Umrahmung 



Schloß Hellbrunn 



249 



die jetzige. Ich glaube, daß diese Veränderung unter Erzbischof Johann Ernst Grafen Thun (1 687-- 1709) 
geschah. Ich bin auch zu dem Schlüsse gekommen, daß die beiden springenden Rosse (Wappentiere 
der Familie Thun) (Fig. 232, 233) ursprünglich auf den beiden äußeren Postamenten der Grotte standen, 
die Löwen mit den Wappen aber (Wappentiere des Erzstiftes) auf den inneren (s. unten S. 252) '). 

11. Forstteufel (Fig. 225). Südöstlich neben dem Eurydiketheater. Vom Kanalweg führt ein von niedrigen 

Konglomeratbruchsteinmauern eingefaßter Weg zu einem in gleicher Weise eingefriedeten kleinen Platz. 

In der Abschlußmauer kleine Höhle, darin auf rechteckigem Postament die Marmorfigur eines kauernden 
jMischwesens mit einem bärtigen Mannskopf, Hahnenkamm, löwenartigen Vorderfüßen, Hinterfüßen mit 
IVogelklauen und einem buschigen Schwanz. Am Sockel die fünfzeiiige Inschrift: Anno 1531 ist ein so 
\gestaUes Monstrum, so man einen Forstteuffl genennet, unter Regierung Cardinal und Ertzbischoffens 
\zu Salzburg Matthaei Lang in Haunsperg auf einer Jagt gefangen worden; es war gelb von färb, gantz 
\wildt und wolle die Leuth nit ansehen, sondern verbarg sich in die winckel, trueg einen Hannenkhamb 
\auf dem haubt, hatte ein Menschenangesicht mit Bart, Adlerfuesß, schier Lewendatzen und einen Hundß- 

schwaiff, starb bald Hungers, man mechte Ihm vil so lieblich lockhen oder sovil gewalts anthuen daß 
• es esßen oder trinckhen weite. — Die Figur stammt nicht aus der Erbauungszeit des Schlosses, sondern 
{wurde erst unter Erzbischof Johann Ernst (um 1700) angefertigt (s. S. 185). 



Forstteufel. 
Fig. 225. 




Fig. 22.5 Hellbriinn. D.t Forstteiifel, um 1700 (S. 249) 

12. Neptunsbrunnen (Brunn Neptuni). Südöstlich davon, am Wege. Wasserbecken, hinten im Halb- 
rund von einer höheren, vorne im Rechteck von einer niedrigeren Mauer aus Konglomeratblöcken eingefaßt. 
. In der Mitte eine marmorne Muschelschale, aus der das Quellwasser emporsprudelt. Dahinter die lebensgroße 
t Marmorstalue des auf einem Delphin sitzenden Neptun (Fig. 226). Sein abgebogener rechter Fuß ist in ein 
! Manteltuch verstrickt, das über seinen Schoß und den linken Oberschenkel hinweggeführt ist. Der linke 
I Fuß ruht auf dem Maul des Delphins. Die gesenkte linke Hand, welche das andere Mantelende hält, 
I stützt sich auf den Delphinrücken, die auf den linken Oberschenkel gelegte rechte Hand hält einen höl- 
I zernen Dreizack. Durch zwei Öffnungen fließt das Wasser ab. Dazwischen an einem Felsstücke eine 
groteske Marmormaske, aus deren Maul Wasser fließt. — Statue und Maske um 1613. Felsumrahniung 
um 1700. 



Neptuns- 
brunnen. 



Fig 226. 



') Noch erhöht wird die Konfusion durch Hubner (1792). Dieser nennt unsere Grotte „das Theater der Venus Idalia mit einer 
Taube in der Hand". Kein Zweifel, er meint die Dianastatue Fig. 203, die man also damals wieder an ihren richtigen Platz gestellt 
hatte. Doch bald wurde sie wieder durch die Eurydike verdrängt, wie ich meine, im Jahre 1822, welche Jahreszahl nebst den 
Monogrammen 5 in T und AS am Oewandsaume der Statue eingemeißelt ist. 

XI 32 



250 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Rechts nebeil dem Neptunsbriinnen befand sich nach Stainhauser (1619) ein Brunnen mit der (sitzenden) 
Statue der Amphitrite. Diese ist jetzt verschollen. 

Oktogon. 13. Oktogon (Bnmiistuben). Östlich davon, am Wege. Achtecliiges, am Abhang erbautes dachloses Ge- 
bäude, verputzt, gelb und weiß gefärbelt. Außengliederung durch vertiefte Felder. In der Nordseite (am 
Wege) rechteckige Tür in Nagelfluhquadernrahmung, mit profiliertem, konkavem Sturzgesims in rund- 
bogiger Nische. — In dem oben offenen Innern ein achtseitiges Bassin. In den Wänden abwechselnd 
rechteckige vertiefte Felder und drei rundbogige Nischen. Um 1613. 




Fig. 226 Hellbrunn. Statue des Neptun, um 1613 (S. 249) 

In dieser Brunnenstube wurden nach Stainhausek Saiblinge gehalten, an den Wänden waren Landschaften 
mit verschiedenen Fischereien gemalt (noch 1792 sichtbar). In einer Nische stand bis vor wenigen Jahren 
auf einem Steinpostament die Statue einer Wassergöttin mit einem Buschen Moosrohr (Schilf) in den 
Händen. Diese Statue steht jetzt im NW. des Schlosses neben dem ovalen Weiher (Fig. 202). 
Unweit davon, an der Längsseite des angrenzenden Weihers, stand ursprünglich (1619) ein achteckiges 
Lustliaus, mit einem Dache gedeckt, innen schön ausgemalt (s. Fig. 153, Taf. VI). Darin stand auf 
einem Postament die Statue der Göttin Flora, die jetzt am großen Weiher neben dem Perseus steht 
(Fig. 234). Hier versammelten sich auf ein Klopfen hin in einem Bassin die großen Forellen des Weihers. 
Zu HüBNRK.s Zeiten (um 1790) wurde dieses Häuschen leider abgebrochen. 



Schloß Hellbrunn 



251 



Östlich neben dem Oktogon liegt ein großer rechteckiger, an den beiden Schmalseiten halbrund aus- 
gebuchteter Weiher. Darin die Marmorstatuen zweier Tritonen, welche die linke Hand in die Hüfte 
stemmen und mit der rechten Muschelhörner am Munde halten. Um 1613. 

14. D a s mechanische Theater. An dem schmalen Kanal, gegenüber der Steinbock- und Dianagrotte. 
Rauh verputzter und gelb gefärbelter Bau mit Blechdach. Im N. dreiseitiger Abschluß, im S. große Schauwand: 
Die große rundbogige Nischenöffnung wird flankiert von je zwei horizontal gefugten Pilastern aus rötlichem 
Marmor; darauf gerades Gebälk. Geschwungener Volutengiebel mit Marmoreinfassung. Auf den Seiten- 
voluten eine lachende und eine traurige Faunbüste (Marmor). Über dem geschwungenen Mittelgesims 
eine große Vase. Im Giebelfeld oben das große Marmorwappen des Erzbischofs Andreas Jakob Grafen 
Dietrichstein mit Kardinalshut und Quasten aus Metall. Darunter Marmorkartusche mit der Inschrift: 



Mechanisches 
Theater. 




Fig. 227 Hellbrunn. Mechanisches Theater (S. 251) 



" Urbis mechanismi vahos lahores per ludicram histrioniam exhibent fictitü homuli artis et ingenii con- 
gressu elaborati, dubium an ars sit supra naturam, vel natura supra artem, marmorea haec structura 
rcsolvet, quam advenis in admirationem, iuventuti ad delicium et novum horti ornamentum hydraulico 
organificio in hanc formam erigi fecit Andreas Jacobus archiep: et princ: Salisb: ex com: de Dietrich- 
stein etc. etc. ut dilecta posteritatis videat monumentum MDCCL (1750). 

I In der großen rundbogigen Nische befindet sich das 1748 bis 1752 von Lorenz Rosenegger, 
Bergarbeiter in Dürrnberg, angefertigte „Mechanische Theater", das Leben und Treiben in einer Hof- 
niark darstellend, eine große Holzarchitektur mit zahlreichen Holzfiguren, die sich auf einen Griff 
am Hebel des komplizierten Uhrwerks alle zu bewegen anfangen (Fig. 227). Dazu ertönen die Klänge 
einer gleichfalls mechanischen Orgel. Die Holzfiguren sind geschnitzt von Bartelmä Pfäll in 
; Nonntal (85 Figuren), Josef Georg Frieß in Salzburg (18 Figuren), Josef Strasser (49 Figuren) 
i und Johann Georg Ross in Hallein (49 Figuren). Vgl. das Archivalische und die alten Beschrei- 
bungen S. 186 f. 

32» 



Fig. 227. 



252 



Qerichtsbezirk Salzburg 



Lustgarten. 
Fig. 228 f. 



Der Lustgarten mit der großen Weiheranlage (Fig. 228 f.). 

Östlich vom Schlosse liegt ein großer sonniger rechteckiger Ziergarten, auf drei Seiten von Alleen 
umgeben. Die glattgeschorenen Rasenflächen sind durch Blumenboskette geziert. An seinem westlichen 
Ende stehen auf prismatischen Postamenten zwei hohe kugelbekrönte, marmorne Obelisken mit vier 
Kugeln als Füßen (um 1613), dazwischen unter den Bäumen ein Marmortisch. 
Zwei große Weiher, an den Langseiten des Ziergartens durch schmale Kanäle verbunden, umschließen 
ein großes rechteckiges Blumenparterre. An dessen Ecken stehen vier Marmorstatuen: Auf prisma- 
tischem Postament je ein bärtiger Zwerg oder ein Putto, in ein Muschelhorn blasend. Die unreg-elmäßigen 
Sockelplatten dieser vier mittelmäßigen Figuren passen nicht zu den Postamenten. Ihre Form deutet 





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Fig. 228 Hellbrunn. Lustgarten (S. 2.52) 



vielmehr darauf hin, daß sie ursprünglich als Eckfiguren auf einer in stumpfem Winkel gebrochenen Ba- 
lustrade standen^). Auf den ältesten Ansichten (Fig. 153 — 155) sehen wir die Figuren an dieser Stelle nicht, 
erst auf den Stichen Diesels und Danreiters (Fig. 156) nebst vier anderen Figuren, die jetzt nicht mehr vor- 
handen sind. Ich glaube, daß sie von dem Pavillon stammen, der sich inmitten der Insel erhob (s. unten). 
Am halbrund ausgebuchteten oberen Teil des westlichen Weihers stehen auf prismatischen Konglomerat- 
postamenten die Marmorfiguren zweier kleiner sich aufbäumender Rosse (Einhorne, denen die Hörner 
Fig.228-233. fehlen); gute, sehr dekorative Arbeiten (Fig. 228—233). 

Diese beiden Rosse werden weder von Stainhauser noch von Hübner erwähnt, noch sind sie auf den alten 
Ansichten oder Plänen verzeichnet. Nun haben die Sockelplatten dieser beiden Figuren eine eigentüm- 
liche Form — die von Rhomben — , die zu den jetzigen quadratischen Postamenten nicht passen. Ich 
glaube aus diesem Momente schließen zu können, daß die Rosse ursprünglich auf den beiden äußerer 

') Das beweisen auch an zwei Postamenten die angesetzten Halbbaluster. 



Schloß Hellbrunn 



253 



Postamenten der Eurydikegrotte (Fig. 223) standen, auf die sie genau passen. Dort sind sie auch gegen- 
ständlich erklärlich als Wappentiere des Erzbischofs Johann Ernst Grafen Thun. Sie gehören also dem 
Ende des XVII. Jhs. an. Man hat sie von der Grotte (wahrscheinlich als zu groß) schon vor 1740 ent- 
fernt, sie dürften dann irgendwo in ein Depot gestellt worden sein, bis man sie im XIX. Jh. hier auf- 
stellte, wo sie ganz vortrefflich wirken. 

Ursprünglich (vgl. Stainhausers Beschreibung u. Fig. 153 — 154) war dieser Lustgarten von einer eigenen Mauer umfangen, die 
mit Weinreben besetzt und mit zierlichen Bildern geschmückt war. Dort, wo jetzt das im XIX. Jh. gepflanzte Kasianienwäldchen 
steht (beim Marmortisch), war 1619 ein Obstgarten, östlich davon zwei Erdbeergärtlein. Da, wo jetzt vor den beiden Rossen die 
zwei Rosenparterre sind, waren zwei Irrgärten, daneben im S. ein Rosengärtlein, weiterhin vier Beete mit seltenen Blumen. Die 
Insel inmitten des großen Hauptweihers, war mit allerlei Blumen und südlichen Obstbäumen bepflanzt. Invier Dreiecken sah man 




Fig. 229 Hellbrunn. Partie aus dem Lustgarten mit dem Obelisken, den beiden Rossen und dem Monatsschlößchen (S. 252) 



hier — aus Buchs gepflanzt — einen römischen Adler, das Wappen des Erzstiftes und des Erzbischofs Marx Sittich sowie das 
des Domkapitels und eine Sonnenuhr. In der Mitte der Insel erhob sich ein ziemlich hoher Hügel, durch zwei Stiegen mit je 
29 Stufen zugänglich. Darauf stand ein Lusthaus mit zwei steinernen Altanen, darunter zwei Grotten mit je zwei Zwergstatuen, 
die aus einer Muschel Wasser ausspritzten (s. oben). 
In dem Gartenzwickel nördlich vom Lustgarten war eine offene Reitschule, ein Armbrustschießplatz und eine Ringelrennstatt. 

Nördlich vom Ziergarten liegt ein um 1790 unter dem Erzbischof Hieronymus Grafen Colloredo „anstatt 
eines sehr mageren Obstgartens" angelegter englischer Garten, in den auch der nördliche Weiher 
und der angrenzende Teil des alten Lustgartens (nach Abbruch der diesen umfangenden Mauer) ein- 
bezogen wurde. In diesem dreieckigen „Naturgarten" steht jetzt eine hohe, oben abgebrochene Marmor- 
säule (sie stammt vom ehemaligen Ringelplatz beim Monatsschlößchen, vgl. S. 259). 
In diesem englischen Garten stehen jetzt an der Allee neben dem großen Weiher zwei Statuen: 
1. Auf schön profiliertem, prismatischem Marmorpostament die überlebensgroße Marmorstatue der Flora 
in kurzärmeligem, über den Beinen emporgeschobenem Gewände, im Haare ein Diadem mit Blumen- 



254 



Gerichtsbezirk Salzburg 



girlaiiden, in den Händen ein großes FüUiiorn mit Blumen. - - Gute Arbeit, um 1613, vom Meister der 
Fig. 234. Orpheusgruppe (Fig. 234). Die Statue stand ursprünglich in dem um 1790 abgebrochenen Tempietto am 
Weiher südlich vom großen Ziergarten (s. oben). 

Beim Weiterschreiten links über dem Weiher malerischer Durchblick zur Hohensalzburg. 

Fig. 235, 236. 2. Auf niedrigem Konglomeratpostamente die überlebensgroße Marmorstatue des P e r s e u s (Fig. 235, 236). 
Der prächtig modellierte Held steht in stolz-ernster Siegerstellung mit dem rechten Fuß auf dem Rumpfe 
der Medusa. Die gesenkte Rechte ruht lässig am Griffe des gewaltigen Schwertes, mit der Linken streckt 
er triumphierend das Haupt der erschlagenen Feindin empor. Ein Tuch schlingt sich vom Knöchel der 
linken Hand über den Rücken und bedeckt vorne die Scham. An der linken Hüfte hängt die mächtige 
Scheide an einem quer über die Brust gehenden Bande, in das hinten der Mantel eingekle;Timt ist, dessen 




Fig. 230 Hellbrunn. Partie aus dem Lustgarten beim großen Weitier. Im Hintergrunde der Untersberg (S. 252) 

steil herabfallendes Ende der Statue als Stütze dient. Von besonderer Schönheit ist der lockenumrahmte 
trotzig-ernste Kopf. 

Die Statue ist die imposanteste im Parke, ein vortreffliches Werk des Meisters der Orpheusgruppe, 
um 1613. Sie bildete ursprünglich die Bekrönung des „Brunnens Altembs" gegenüber der Südwestfront 
des Schlosses (s. Fig. 157) und wurde im XIX. Jh. wahrscheinlich aus Sicherheitsgründen — sie ist in 
der Tat für den Giebel zu gewichtig — von dort entfernt und hier aufgestellt. 

Vom Wege vor dem Perseus prächtiger Blick gegen Südwesten, mit dem großen Weiher und dem Zier- 
garten im Vordergrunde und dem Untersberg im Hintergrunde (Fig. 230). 

Am Ostende des Ziergartens mündet in der Mitte zwischen hohen Lebensbäumen eine schattige Allee 
von riesigen Fichten; als Abschluß vorne zwei mächtige Ahornbäume. Am Ende dieser Allee erblickte 
man früher, als die Bäume noch nicht so hoch waren, das am jenseitigen Ufer gelegene Schloß Golden- 
stein (jetzt Kloster, s. S. 52 f.). Die ganze Allee ist auf diese Vedute hin angelegt (die Umfassungsmauer 



Schloß Hcllbrunn 



255 



ist an der betreffenden Stelle erniedrigt). Mit Rücksicht auf diesen Blick war schon 1613 die kurze Allee 
westlich des Weihers angelegt worden, an derem Ende die Venusstatue (Fig. 215) aufgestellt wurde. Auf dem 
Stiche Danreiters (Fig. 159) sehen wir nun diese Vedute auch östlich vom Lustgarten durch die Fichtenallee 
bis zur Salzach fortgesetzt und am jenseitigen Ufer bis zum Schlosse Goldenstein weitergeführt (vgl. auch 
den Plan von 1776 im k. k. Regierungsarchiv). Die Allee scheint also um 1730 gepflanzt worden zu sein. 
Im östlichen Teile des Schloßterrains liegt der sehr große ehemalige Tiergarten, nach außen durch 
hohe Mauern abgeschlossen. Hier wurden Damhirsche und Rehe gehegt. 

Südöstlich vom Ziergarten erhebt sich ein langgestreckter, aus Konglomerat bestehender, ganz mit Laub- 
bäumen und Fichten bewachsener Hügel, der sogenannte Wäldern sberg. An seiner Nordwestseite lugt 
ein Schlößchen aus dem Grün, das 



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Fig. 231 Hellbninn. Großer Weiher mit den beiden Rossen. Im Hintergrunde der Untersberg (S. 252) 

Monatsschlössel, von seinem Erbauer Marcus Sitticus von Hohenems Waldems genannt (Fig. 237—239). 
Den Namen Monatsschlössel erhielt es von der Sage, „daß es, um den Wunsch eines durchreisenden 
bayrischen Herzogs zu befriedigen und ihn bei seiner Rückkehr mit dessen Ausführung zu überraschen, 
vom Erzbischof in einem Monat erbauet wurde'- (Hübner I 539). Diese Sage erfährt aus den ArchivaJien 
ihre historische Richtigstellung dahin, daß der fürstliche Gast Erzherzog Maximilian von Österreich war, 
der Hellbrunn 1615 besuchte. Leiter des Baues war Santino Solari (vgl. S. 168). 
Vom Ziergarten führt ein mit hölzernen Stufen versehener Weg hinan. Noch unterhalb des Schlößchens 
liegt ein kleines Plateau mit einem runden Marmortisch und drei Marmorbänken; von hier aus hübscher 
Blick auf Hellbrunn und die Hohensalzburg. Im letzten Stück des Weges eine Treppe mit Konglomeratstufen. 
Das villenartige Schlößchen ist im Grundrisse rechteckig, aus Bruchsteinen und Ziegeln erbaut, verputzt 
und gelb gefärbelt. Die Außengliederung entspricht der des Schlosses Hellbrunn. Die rechteckigen Fenster 
stehen in einfacher, an den beiden oberen Ecken im Quadrat austretender Umrahmung und haben profilierte 
Sturzgesimse; auch die charakteristischen doppelten Bandgesimse unter den Fenstern finden sich hier wieder. 



Monats- 
schlössel. 
Fig. 237-239. 



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Qericlitsbezirk Salzburg 




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Gerichtsbezirk Salzburg 



Eingangs- 
front. 
Fig. 238. 



Eingan gsf r 11 1 im SO. (Fig. 238): Zwischen zwei niedrigen reclitecl<igen Anbauten in der kurzen 
Verbindungsmauer das Eingangstor, in Konglomeratrahmung, mit flachem Kleeblattbogen und Dreiecks- 
giebel aus Konglomerat; in der Mauer daneben je ein vertieftes rechteckiges Feld. 
Die beiden eingeschossigen Anbauten haben gegen den kleinen Hof zu je eine Tür und zwei quadratische 
Fenster (die im SO. vermauert). Im südwestlichen Anbau außen im SW. zwei rechteckige Fenster in 
Konglomeratrahmung, im SO. ähnliches vermauertes Fenster. — Im nordöstlichen Anbau im SO. ein ver- 
gittertes Fenster in Konglomeratrahmung, im NO. ein kleines Fenster. 

In der Schloßfront zwischen den beiden Anbauten Tür mit profiliertem Sturze, daneben je ein kleines 
vergittertes Fenster. Im I. Stock in der Mitte ein Doppelfenster mit Sturzgesims und Dreiecksgiebel, der 




Fig. 237^Hellbrunn. Die beiden Rosse und das Monatssctilössel (S. 25-4) 



in der Mitte durch das Marmorwappen des Erzbischofs Marcus Sitticus unterbrochen ist; daneben je ein 
Fenster mit profiliertem Sturz. Im II. Stock in der Mitte vier gekuppelte Rundbogenfenster, an den Seiten 
je ein Fenster wie unten. 

Nordostseite: Im Erdgeschosse links ein quadratisches Fenster, in den zwei Stockwerken je drei Fenster 
in einfacher Umrahmung, mit profiliertem Sturz; die beiden mittleren sind vermauert. 
Nordwestfront: In dem hier infolge des abfallenden Terrains höher liegenden Erdgeschoß in der Mitte 
ein Doppelfenster, daneben zwei Blendnischen; in den nur wenig vorspringenden Seitenrisaliten je ein 
kleincG Fenster. In den beiden Stockwerken in der Mitte übereinander zwei Balkons mit je einer recht- 
eckigen, von zwei großen Steinkonsolen getragenen Bodenplatte aus rotem Marmor und schmiedeeisernem 
Geländer (Spirahiiotive). Der Balkon im I. Stock hat eine große rundbogige Tür, daneben zwei leere 
rundbogigc Slaiuennischen, der des II. Stockes eine rechteckige Tür mit Dreiecksgiebel, der in der Mitte 
durch ein großes Marmorwappen des Erbauers unterbrochen ist. In den beiden Seitenrisaliten überein- 
ander je zwei Fenster mit profiliertem Sturze; über dem Dachgesinise sind oberhalb der Risalite zwei 



Schloß Hellbrunn 



259 



geschwungene Ziergiebel aufgesetzt; sie enthalten je ein Fenster und sind mit je drei marmornen Pyra- 
miden bekrönt. 

Südwestseite: Im Erdgeschosse drei kleine Fenster, in den beiden Stockwerken je drei Fenster wie im NO. 
Über dem profilierten Abschlußgesimse weit ausladendes Hohlkehlgesims. Schindelsatteldach, nach SW. 
und NO. abgewalmt, mit einem gemauerten Rauchfang. 
Über den beiden Anbauten niedrige Blechdächer mit je einem großen Rauchfang. 

Das Innere des Schlößchens (Fig. 239) ist ganz einfach und schmucklos, alle Räume haben glatte flache 
Decken. Durch die Eingangstür kommt man in einen rechteckigen Flur, von dem aus links eine Stiege 
(mit roten Marmorstufen) in die beiden Stockwerke führt, daneben eine Tür zur Kellerstiege, in der 
Mitte Tür zu einem Zimmer mit neuerem Kachelofen; links davon ein dreifensteriges Zimmer, rechts 
eine einfensterige Kammer. 



Inneres. 
Fig. 239. 




Fig. 238 Hellbrunn. Monatsschlössel, Hofseite (S. 258) 

Im I. Stock ein entsprechender Vorraum mit Doppelfenster im SO. und zwei Türen im NW. und NO. In 
der Mitte ein größeres Zimmer mit Balkon und einem Kamin in profilierter Umrahmung von rötlichem 
Marmor, durch zwei Türen verbunden mit zwei kleinen zweifensterigen Zimmern an den Seiten. Aus 
dem zur Rechten kommt man in ein drittes zweifensteriges Zimmerchen, das wieder mit dem Flur in Ver- 
bindung steht. 

Die Einteilung des II. Stockes weicht insofern ab, als die drei nebeneinander liegenden Zimmer zu einem 
einzigen rechteckigen Saal zusammengezogen sind; er ist modern tapeziert. Vom Balkon aus schöne 
Aussicht auf Hellbrunn, den Flachgau, Hohenstaufen, Mönchsberg, Hohensalzburg und Kapuzinerberg. 
Die beiden kleinen Flügelbauten im Hofe dienten als Küche und Dienerwohnung. 
\'on der Spitze des Hügels östlich oberhalb des Monatsschlösseis schöner Blick gegen Salzburg. 
Nach dem alten Plane (Taf. VI) lag südöstlich hinter dem Schlößchen ein „Renn- und Ringelplatz" mit 
zwei Steinsäulen; davon ist jetzt auf dem talartig sich verbreiternden Platze zirka 150 Schritte vom Schlöß- 
chen nichts mehr zu sehen. Eine der Säulen steht jetzt im englischen Garten (s. S. 253). 

33* 



260 



Oerichtsbezirk Salzburg 



Durch den lauscliigeii schönen Buchenwald kommt man weiterhin zum steinernen Theater, an der Nord- 
ostseite des Waldemsberges gelegen. Mit künstlicher Nachhilfe — der Platz diente jedenfalls als Stein- 
bruch für den Schloßbau — wurde hier von Marcus Sitticus aus einer riesigen Felshöhle ein imposantes 
Fig. 240. Felsentheater geschaffen (Fig. 240), das als das älteste erhaltene Freilichttheater auf deutschem Boden 
besondere Beachtung verdient. 

In die Felswand ist eine mächtige Nische eingebrochen, welche den Bühnenraum bildet. Als Szenerie 
dient ein Felsengeklüft mit Höhlen und drei Eingängen. Der überhängende Fels links ist durch eine 
feste Stützmauer gesichert, der zur Rechten ist senkrecht abgeschnitten. Die Bühne selbst ist um 1 m 
über dem geräumigen, unter freiem Hinmiel liegenden Zuschauerraum erhöht. Hinter der halbkreisförmigen, 
aus dem Felsen gehauenen Hintergrundszenerie läuft ein geräumiger Umgang, der sich rückwärts zu 
einer tiefen und breiten rechteckigen Höhle erweitert. Ein Gang führt von hier auf einen geräumigen, 
allseits von hohen, künstlich abgemeißelten Felswänden umschlossenen Platz, in den von oben her eine 



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Fig. 239 Hellbninn. Monatsschlössel, Grundriß 1 : 200 (S. 259) 



steinerne Zugangsstiege einmündet. Im Bühnenraume verraten verschiedene eingemeißelte Tramlöcher 
das ehemalige Vorhandensein hölzerner Gerüste für Kulissen und Vorhang. Rechts vom Bühnenraum istj 
eine tiefe Einbuchtung des Felsens, in der — nach den Tramlöchern zu schließen — früher hölzerne 
Logen eingebaut waren. 

Dem Theater vorgelagert ist ein riesiges Felsentor, auf dem oben mehrere große alte Bäume Wurzel 
Fig. 241. gefaßt haben (Fig. 241). 

Das Ganze bietet einen interessanten malerischen Anblick. Auch an den heißesten Tagen herrscht hier 
feuchte Kühle. 

Von der an der Südseite des Berges liegenden „Watzmannaussicht" prächtiger Blick auf Anif, Grödig, 
Hallein, Tennengebirge, Paß Lueg, Hohen Göll, Watzmann und Untersberg (Fig. 12, 17). 

Am südöstlichen Ende des großen Parkes lag an der Mauer auf einer mäßigen Bodenerhebung das gleich- 
falls von Erzbiscliof Marcus Sitticus erbaute Schlößchen Belvedere (Fig. 158). Man findet mit Hilfe 
des alten Planes (Taf. VI) zwar im Terrain noch die Stelle, wo es lag, doch ist der Platz so verwachsen, daß 
man nicht einmal mehr Mauerreste zu erkennen vermag. Die ehemalige schöne Aussicht ist ringsum 



Schloß Hellbrunn 



261 



durch Iiolie Bäume vollkomnieu verdeckt. Hübner, zu dessen Zeiten (1792) das Gebäude noch stand, 
beschreibt es also: 

Schlößchen Belvedere, von den vorzüglich reizenden Aussichten so genannt, die ninn von da aus über den ganzen Salzachstrom 
hinab, aufwärts weit hinter Hallein und nacli allen Seiten hat. Das Schloß steht auf einem Hügel, dessen Abhang mit Quadern 
vorwärts gerade aufgemauert und zu einem ebenen Vorgrunde erhöht ist. Man steigt über eine steinerne Treppe von 18 Stufen 
hinauf und kommt dann auf einen ebenen, mit Sande bestreuten Raum, in dessen Hintergrunde das kleine Schloß erbaut ist, zu 




Fig. 240 Hellbrunn. Steinernes Theater (S. 260) 



dem man beiderseits über zwei Treppenabsätze von 12 und 8 steinernen Stufen emporklimmt. Der Mittelteil des Schlößchens 
springt einige Schritte hervor; hat oben an der Treppe nach den Seiten zwei Türen, durch welche man in das Innere des Schlöß- 
chens kommt. Zwischen den Treppen zur ebenen Erde führt ein Tor in der Mitte in die Küche, den Keller und einige niedere 
Behältnisse. Der Vorsprung hat nur ein Fenster und über demselben das Wappen des Erbauers. Auf beiden Flügeln des Schlöß- 
chens ist ebenfalls nur 1 Fenster und 2 auf jeder Seite. 

Das Schlößchen hat nur einen kleinen Saal, der ehedem mit Landschaften und Abbildungen von Städten und Menschen geziert 
war, und gegen die Salzach ein Balkonfenster mit einem Balkon. 



262 



Gerichtsbezirk Salzburg 



In dem südlich davon liegenden Teile des Parkes lagen acht größere und kleinere Einsiedeleien, 

die am Ende des XVIII. Jhs. aufgelassen wurden und seither vollkommen verschwunden sind. 

Der ganze große Park ist von einer langen verputzten, gelb gefärbelten und mit Schindeln abgedeckten 

Mauer umfangen. Im SW. bei der Haltestelle der Trambahn rundbogiges Tor, daneben eingemauert das 

Marmorwappen des Erzbischofs Marcus Sitticus mit der Jahreszahl MDCXII. Ein ähnliches Wappen an 

der Nordwestecke. 

An der Westseite der Mauer das einstöckige Häuschen des ehemaligen Steinbockwärters mit vorgebautem 

sechsseitigem Turm. Beide mit Schindeldächern. Am Turm eingemauert große rechteckige Marmorplatte 

mit Reliefwappen des Erzbischofs Marcus Sitticus, in Kartusche mit Cherubskopf, darüber der Kardinalshut, 

darunter die Jahreszahl MDCXII. 




Fig. 241 
Heilbrunn. Felsentor vor dem steinernen Theater (S. 260 



Hinterwinkl. — Itzling. — Kalham 



263 




Flg. 242 Kirchberg. Filialkirche, Ansicht von Süden (S. 264) 

Hinterwinkl, Rotte 

Wegkapelle: Beim Aigiier Fager. Üblicher Typus mit vorspringendem Dach. Im fiachbogig gewölbtem Wegkapcllc 
inneiiraume geringe Holzstatue der Madonna. XVIII. Jh. — Daneben geringes Holzkruzifix; XVIII. Jh. 

Itzling, Dorf 

Moderne Pfarrkirche, 1903 erbaut (Nachahmung einer romanischen Basilika). Vier geschnitzte 
Leuchter und drei Kanontafeln, um 1790. 

Die Sammlung Baron Schwarz im Stadel hof wird im Anhang beschrieben. 

Die Bildstöcke am Plainweg und die Plainbrücke sind unter Maria-Piain (s. S. 378) beschrieben. 



Kalham, Weiler 

Literatur: Hübner, Flachland, 162. — Pillwein, Salzachkreis 373 — Richter, Untersuchungen 704 ff. 

BiirgruineKalham. 

Dns Ministerialengeschleclit von Challieiman, Chalaheimen, Chaleheim, Kalhaim u. a. begegnet häufig in Urkunden und 
Traditionen des XII. und XIII. Jlis. (HAUTHALER. U.-B. 1, 966 und MEILLER, RAS 379). 1245 (22. Februar) belefinte Erz- 
luschof Eberhard IL neuerdings Ulrich von Kaiheim u. a. mit einer Gült „in curia Challieim" (MEILLER, a. a. O. 295 Nr. 
~>H2). Sie besaßen auch das Gericht und scheinen unter den Ministerialen, die, im Zwisciienreich emporgekommen, dem 
i-.rzbischof Friedrich II. viel zu schaffen machten, eine Art Führerrolle ausgeübt zu haben. Ende Juli 1275 belagerte der 
l'rzbischof die Burg (Staatsarchiv Wien. Kod. 340 [bl. 106] f. 104) und zerstörte sie: ,castrum Chalheim a venerabili 
i'riderico archiepiscopo propter enormitates innumeras ibi commissas funditus destruiiur" ; Mon. Germ. SS. IX). Sie 
iz'iirde aber doch wieder aufgebaut, erst 1299 (3. Juni) gibt Heinrich von Chalheim dem Erzbischof den Burgstall und das 
Gericht zu K. auf, jedoch 1326 finden wir Konrad von K wieder im Besitze desselben. Erst 1333 (29. April) verkauft er 
..von großer gült und anderer Notdurft sein Gericht ze Chalheim mit samt dem purchstal. da daz haus ze Chal/ieim 
rlwan auflag' an Erzbischof Friedrich III. Die Burg ist längst in Ruinen gefallen, die Stelle, wo sie stand, ist im Walde 
kaum mehr erkennbar. 



Burgruine. 



264 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Filial- 
l<irclic. 



Kirchberg, Einschiebt 

Archivalien: Pfarrarcliiv Eugendorf. 

Literatur: Pillwein, Salzachkreis 373. — Dürlinger, Handbuch 41. 

Filialkirche zum hl. Georg 

1390 stiftet Pfarrer Ulrich von Seekirchen mit einem Gut auf dem Kirchperg dem lieben Herrn St. Görgen 
eine Wochenmesse. Die Diözesanvisitation von 1614 erwähnt aui3er dem Hochaltar noch einen auf der 
rechten Seite zu Ehren des hl. Laurentius. Aus den Kirchenrechnungen: 

1641: Dem Tischler zu Seekirchen wegen der Tafeln zu der Parkirchen 4 fl. Dem Maler ist wegen St. 
Georgen Figuren auf besagten Tafeln bezahlt worden 30 fl. — 1666: Reparierung des Kirchen podens, 
Parkirchen und Kirchenstände. ~ 1698/99: Neuer Dachstuhl und Erbauung des Turmes. — 1702: Für 2 
neue von Wax possierte und eingefasste Altärl 6 fl. — 1704: Zwei neue Fenster ausgebrochen, zwei alte 




Chai.iklc- 
risiik. 

l-ig.242-245. 



Fig. 243 Kirchberg. Filialkirche, Ansiclit von Südosten (S. 265) 

zugemacht. — 1706 und 1707: Meinrad G uggenb ichler, Bildhauer zu Mondsee, wegen des ver- 
förtigten neuen Altars 58 fl. Wegen Fassung des von Holz geschnützten Bildnus St. Georgii, welches 
in den Schacher zu der Aich gestellt worden 3 fl. ~ 1708: Matthias Fiesbauer, Schlosser in See- 
kirchen, für das Gitter zu Aich 6 fl. 27 kr. — 1714: Georg Alt mann, Zimmermeister für Machung 
der Kirchenständ 22 fl. — 1762 werden der baufällige Turm, auch die Dachung repariert, eine neue 
Kirchentür ausgebrochen und neue Kirchenstühle beigeschafft für 232 fl. — 1795: Neue Glocke. — 1851 
wird die größere Glocke neu gegossen. — 1893: Neue Glocke. — 1905 kam der Kreuzweg von Plain- 
feld (gemalt von Josef Schauer in Seekirchen, 1805) hierher. 

Am Fronleichnamstage, den 23. Juni 1911, schlug der Blitz in den Turm ein, wobei der barocke Zwiebel- 
helm und die Glocken dem Brande zum Opfer fielen. 

Läge: Auf einem isolierten Hügel neben einem Bauernhofe gelegen, weithin sichtbar. Der malerische 
.'\r.blick des Kirchleins wird nur durch die moderne hellgraue Zinkblechdachung beeinträchtigt (Fig. 242). 

Charakteristik: Einschiffiges gotisches Kirchlein mit netzgewölbtem einspringendem Chore, flach- 
gedecktem Schiffe (mit hölzerner Westempore von 1640), gemauertem Dachreiter im W. vom Jahre 1699 
(Helm von 1911) und gotischer Sakristei (Fig. 242—245). 



Kirchberg 



265 



Das Langhaus, dessen flache Decke 1699 erneuert wurde, ist älter (XIII. — XIV. Jh.) als der spätgotische, 
dem XV. Jh. angehörige Chor samt Sakristei. 

Äußeres (Fig. 242, 243): Äußeres. 

Bruchstein, verputzt, gelb gefärbelt. Fig. 242, 243. 

Langhaus: W. Dreiecksgiebelfront mit aufgesetztem Turme. Rundbogige, einfach beschlagene alte Lnnglmus. 
Tür mit abgeschrägter Laibung. Daneben eingemauerter, eiserner Opferstock und Weihwassermuschel. 
Hölzerner Vorbau. — S. Links oben kleines Fenster,, in der Mitte unlen ein gleiches, darüber ein 
gotisches Spitzbogenfenster mit breit gekehlter Laibung; rechts oben ein größeres gotisches Spitzbo'j;en- 
fenster von gleicher Form, schräg darunter eine flachbogige Tür in Holzrahmung mit Schindelvordach 
(1762 ausgebrochen). — N. Links oben rundbogiges Fenster, rechts unten kleines oblonges Fenster. — 
Steiles modernes Zinkblechsatteldach. 

Chor: Einspringend, etwas höher, dreiseitig abgeschlossen. Einfacher Sockel, gotisches steinernes Ab- Ciior. 

schlußgesims mit Rundstab und breiter Hohlkehle. Im S. und N. je ein rundbogiges Fenster (1704 aus- 
gebrochen), im SO. eingemauertes Relief (s. unten), im O. vermauertes gotisches Spitzbogenfenster mit 
tief gekehlter Steinlaibnng; im NO. vermauertes gotisches Fenster mit abgeschrägter spitzbogiger Laibung 
und Kleeblattbogen i beide wurden 1704 zugemauert). Modernes Zinkblechsatteldach, über dem Abschluß 
abgewalmt. 




Fig. 244 Kircliberg. Filiallurclic, Grundriß I : 200 (S. 265) 



Turm: Gemaueiter Dachreiter über dem Westgiebel. Quadratisches Untergeschoß, achtseitiges Ober- 
geschoß mit drei flachbogigen Schallfenstern im N., O. und S. und einer großen Schlüsselschicßscharte 
im W. Der alte Schindelzwiebelhelm brannte 1911, da er keinen Blitzableiter hatte, durch Blitzschlag 
ab und wurde durch einen achtseitigen pyramidenförmigen Helm mit Zinkblechdachung ersetzt. 

Sakristei: Im S. des Chores, eingeschossig. Niedriger Sockel. Im S. und O. je ein kleines Fenster. 
Im S. steinernes gotisches Hohlkehlgesims. Schindelpultdach. 

Inneres (Fig. 244, 245): 

Gelb gefärbelt. Decke weiß. Fußboden aus Ziegelplatten. 

Langhaus: Über Hohlkehle flache Stuckdecke. Im O. gotischer spitzbogiger Triumphbogen mit profilierter 
Steinlaibung mit einem breiten Rundstab in der Mitte. Im W. der rechteckig vorspringende Unterbau 
des Turmes, von rundbogigem Eingange durchbrochen. Oben rechteckige Öffnung. 

Im W. eingebaut alte hölzerne Westempore mit flachem, unten einfach kassettiertem Boden und 
gerader Brüstung. Diese ist mit sechs rechteckigen Gemälden (Öl auf Holz) geschmückt: a) Der hl. Georg 
gefangen vor dem Kaiser. Legende: Zur Zeit des Kaisers Diocietian — St. Georg der christlich Ritters- 
man — Thet vil wunder mit großer Macht — Wurd darumh dem Kaiser gefangen bracht. — /;) St. Georg 
wird mit Keulen geschlagen. Legende: Der Hieß mit anderen vilen plagen — In grausam hart mit 
Kolben schlagen — Versuecht Ihn mitt Feinen allerhandt — Muest doch darmit warden zueschandt. — 

XI 34 



Turm. 



Sakristei. 



Inneres. 
Fig. 244, 245. 

Langliaus. 



Wcsteiiipore. 



266 



Gericlitsbezirk Salzburg 



c) St. Georg wird vor dem Kaiser zur Hinrichtung geführt. Legende: Der Kaiser khilndt diß erdulden 
nicht — Schafft daß man St. Georg bald hlnricht — Da war sein Glaub erst recht problertt — Als 
man Ihm zue dem Rad ausfüehrt. — d) Links die Kaiserin mit zwei Frauen, rechts St. Georg am Rade, 
von Engeln getröstet. Legende: Khain pein, khain marter war also groß — M;* im khündt geben den 
Herzstoß — Bllb allzeit beständig gesund wolgemuett — Sieh was der Glaub zue Christo Thuett. — 
e) Links der thronende Kaiser, rechts St. Georg kniend, vor zusammenfallenden Götzenbildern. Legende: 
Alß ihn der Khaiser bezwingen wolt, — Daß er den Abgöttern opfern sott, — Ruefft er zue Gott in 
Himmel auff — Die Götzenbilder füellen zue Hauff. — f) Enthauptung des hl. Georg und der 
Kaiserin. Legende: Zu letzt alß dise Rütterthat — Gott zue vollenden geff allen halt - Wurdt er 
enthaupt, erlangt den Lohn — Sampt der Khayserin die Martter Crohn. — Qualitativ geringe, aber 
interessante Arbeiten, datiert 1640. 




Fig. 245 Kirchberg. Filialkirche, Inneres (S. 265) 



Clior. 



Sakristei. 



Chor: Einspringend, gleichhoch, Boden um eine Stufe erhöht. Spätgotisches Netzgewöibe mit 
breit gekehlten Rippen, drei runden Schlußsteinen. In den sieben Wandfeldern sind spitzbogige Gurt- 
bogen eingeblendet, denen in den vier Ecken und in der Mitte der beiden Langseiten mit halbachteckigen 
Sockeln versehene halbrunde Säulen vorgelagert sind, in welche die Rippen einschneiden; die beiden 
Halbsäulen im Chorrechteck haben einfache Riiigkapitäle. Im S. gotische Sakristeitür in spitzbogiger 
Steinlaibung, profiliert durch einen Rundstab zwischen zwei Hohlkehlen. Am Boden unter dem Triumph- 
bogen eine große quadratische Marmorplatte. 



Sakristei: Gratiges Kreuzgewölbe 
bogigen Nischen. 



mit vier spitzbogigen Stichkappen. Die beiden Fenster in flach- 



liii'.richtuug. 

Altarü. 
Hochaltar. 
Fig. 24fi 



Einrichtung: 

A. Itäre: 1. Hochaltar (Fig. 246). Auf zwei Holzstufen gemauerte Mensa mit roter Marmorplatte. — 
Aufbau: Holz, schwarz gestrichen, mit vergoldeten geschnitzten Verzierungen. Predella mit vergoldetem 
Fruchtgehänge, an den Seiten zwei prismatische Säulenpostamente mit schön skulpierten, alt polychro- 
mierten Cherubsköpfen. Daneben je eine ausladende Statuenkonsole mit vergoldeter Akanthusranke. Im 
Hauptteil in der Mitte rundbogige Nische mit der alt polychromierten Holzstatue des auf einem Schimmel 
reitenden hl. Georg, der mit dem Speer den Drachen durchbohrt; dahinter auf Felsen die kleine Figur 
der knienden gekrönten Königstochter. Oben ein Cherubskopf. — Daneben zwei vorgestellte gewundene 



Kirchberg 



267 




00 

CS 







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o 






:^ 



34» 



268 



Oerichtsbezirk Salzburg 



I--ig. 217. 



Stitenaltar^ 
Fig. 248. 



Kanzel. 




Fig. 248 Kircliberg. Filialkirche, Seitenaltar (1691) 
mit zwei gotischen Statuen (S. 268) 



kleine . Statue des hl. Laurentius. — Statt des 

Statuette der hl. Maria mit dem Kinde. 

Auf dem Predellafelde die Inschrift: Gott dem Allmcchtigen zu 

Ehrn dan aller Christglaubigen Seelen zu Trost hat Georg 

Knutzinger zu Knutzing und Magtalena sein Hausfrau dis altärl 

setzen lassen. Im Jahr 1691. ~ Die beiden Statuen sind noch 

spätgotisch, um 1500. 

Kanzel: Einfache buntmarmorierte Holzbrüstung; Arm mit 
Kruzifix. XVII. Jh. 



Säulen, von vergoldetem Weinlaub umwunden, mit 
vergoldeten Kompositkapitälen; am Fries des Gebälk- 
stückes darüber je ein kleiner Cherubskopf. An den 
Seiten auf Konsolen links die Statue des hl. Sigis- 
mund (eines Jünglings im Panzer, mit Fürstenhut 
und Hermelinmantel, mit Pfeilen und einer rot-weißen 
Fahne in den Händen), rechts die Statue des hl. Flo- 
rian (Fig. 247). Über den Statuen hornartige Bal- 
dachinvorsprünge mit vergoldeten Ranken. Verkröpf- 
tes Gebälk. — Flachbogige Giebelansätze mit ver- 
goldeten Ranken, darauf je ein sitzender Putto mit 
einem Palmzweig. In der Mitte in einem vergoldeten 
Lorbeerrahmen, umgeben von weißen Wolken, drei 
Cherubsköpfchen und Strahlenkranz, ein ovales Auf- 
satzbild (Öl auf Leinwand), der hl. Laurentius, in 
ganzer Figur stehend, mit Palmzweig und Rost; im 
Hintergrunde die Marter des Heiligen. Gute Arbeit. 

Der interessante, besonders durch seine intakte Ori- 
ginalfassung sehr seltene und wichtige Altar ist eine 
sehr gute Arbeit des Bildhauers Meinrad Guggen- 
bichler aus Mondsee vom Jahre 1707. 

Kleines Rokokotabernakel, Holz, rotbraun marmoriert, 

mit vergoldetem Gitterwerk. Um 1740. 

Neben dem Hochaltare ein eiserner Opferstock. 

2. Seitenaltar (Fig. 248): An der östlichen Lang- 
hauswand links. Gemauerte Mensa mit roter Marmor- 
platte. ^ Wandaufbau : Holz, schwarz gestrichen, mit 
vergoldeten Verzierungen. Über der Predella ganz 
übermaltes Marienbild, umgeben von zwei Engeln 
mit Schrifttafeln und vier Putten mit Porträts von 
Heiligen; flankierend zwei Säulen mit vergoldeten 
korinthischen Kapitalen; daneben vergoldetes Blatt- 
werk. Gerades Gesims mit Kartusche und flach- 
bogigen Gie- 
belansätzen. 
Darauf die 
Tabernakels 



Kirchenbanke. Einfache Kirchenbänke von 1762. 

Skulpturen. Skulpturen: 1. Am Triumphbogen Kruzifix, Holz, polychro- 
miert; XVL Jh. 

2. Außen an der Südostwand des Chores. Eingemauerte recht- 
eckige Granitplatte, oblong, mit detn in Hochrelief gearbeiteten 
Brustbild einer bartlosen Person en face, mit einer runden Mütze. 
li,^. 2 11). XV. .Ili.(?). Wahrscheinlich Grabmalfigur (Fig. 249). 

iHiii.ii.K Cieinäide: Öl auf Leinwand. 1. Dreifaltigkeit, Kruzifix, Mon- 
stranz, Imniakiilata, umgeben von Engeln und sieben Heiligen; 
unten die armen Seelen im Fegefeuer. Mittelmäßig, datiert 1721. 

2. Die hl. Familie; beschädigt, schwach, XVIII. Jh. 

3. Maria-Hilf, XVIII. Jh. 




Fig. 249 
Kirchberg. Filialkirche, Steinrelief (S. 268) 



Koppl 269 

4. Zahlreiche Votivbilder des XVIII. Jlis., auf denen interessanterweise St. Georg als Viehpatron dar- 
gestellt ist. 

5. Ecce honio und schmerzhafte Mutter Gottes, gering, XVllI. Jh. 
Moderner Öldruck-Kreuzweg. 

Leuchter: 1. Am Hochaltare vier schön geschnitzte Holzleuchter, alt versilbert, um 1707. Leuchter. 

2. Am Seitenaltare zwei schön geschnitzte Rokokoleuchter, Holz, alt vergoldet, Mitte des XVIll. Jhs. 

Reliquiar: Messing, zum Teil versilbert, in Form einer kleinen Monstranz, mit getriebenen Ver- Rdiquiar. 
zierungen. Datiert: /. H. — E. H. 1744. 



r 



Koppl, Weiler 



Arcliiviilien; Pfarrarcliiv (Kirclienrecliniingcn seit 1623 mit Lücken). — Konsistorialarcliiv. 

Literatur: HiJBNER, Flachland 1, 168. — WiNKLHOFER, Intelligenzblatt 1808, 564. — PiLi.WErN, Salzachkreis 385. — Dürlinger, 
Handbuch 50. — Richter, Untersuchungen 714. 

In Boschenstein, unweit der Kirche K-, ist nacii den Angaben WINKLHOFERS ein Scliloß gestanden, das den im XII. und 
XIH. Jli. nachweisbaren Herren von Nockstein gehörte. I3I3 schon hatten die Bischöfe von Chietnsee dort ihren Ricliter 
sitzen, ohne daß wir den I'rwerbstitel dieser Hofmark — von den Bischöfen prätendierten Landgerichtes — wüßten. 1807 
wurde dieses Gericht mit Keuhaus vereinigt. 

Pfarrkirche zum hl. Jakob. Pfarrkirche. 

Die Kirche zu Koppl erscheint zum ersten Male im Jahie 1514, und zwar als Filiale von Seekirchen. Am 
Chorgewölbe fand man die Jahreszahl 1511, am Sakramenthäuschen steht 1518. 1592 ließ sich hier ein 
Expositus nieder, der seit 1611 als förmlicher Vikar vorkommt. 1859 wurde Koppl zur Ffarre erhoben. 
Ein Inventar von 1607 führt u. a. auf: 

///; hocilwürdigen Sacramentliausl ain niössinge Khapsen, darinnen ain clains vergotts Capsl zum liw. Sacrament, dar- 
über ein rothtaffenter Peytl. Auf dem vordem Altar zwen alt eisern Leichter. Sechs alt W'andlslangen. Abermals 
auf den zwayen nidern Altären S. Sebastian und etliche andere Pilder, auch auf jeden Altar ain weißleinern Altartuech 
mit geferbten Franzen, so schlecht sein. Ain schwarze SchreiblafI auf der Canzl. 

Die Diözesanvisitation von 1614 fand das Sakrament in tabernaculo lapideo muro affixo fenestra duplici 
»et cancellis etiam ferreis iniinito a cornu dextero sowie drei Altäre; der zweite war der hl. Margareta 
geweiht, qiiod versus muriini rediicatur et ampliatur ac deinde cathedra concionatoria parva miiiidctar, 
ubi nunc pars imaginis predicti altaris est, muro affigatui. Der dritte war der hl. Kreuzaltar. 

Schon 1682 besorgte man, daß der obere getäffeite Poden sinken, herabfallen und großes Unglück ver- 
ursachen werde. Am 16. Juni 1690 nun, da gleich die Kirchmenig wegen der Wettergottsdienst ver- 
samblet wäre, hat besagter Poden merklich zu sinken und zu krachen angefangen; der völlige Einfall 
hat mit alsbald gesetzten Spreizen bekumerlich verhuettet werden können; auf erfolgten Fall wären 
die 2 Seitenaltare, wovon der aine noch schön und sauber ist, völlig ruiniert, auch die Kirchmenig nit 
mehr zum hl. Gottesdienst bey so vor Augen scheinendem Ruin erschienen, wie sie sich dann verwichenen 
Sonntag beraits um ein merkliches verringert hat, nit weniger die ad Interim gesetzten Spreizen die 
schwere Last nit lang werden aushalten' können. Ein Überschlag zur Reparatur belief sich auf 332 fl. 

1691 : Dem Hofzinngiefier wegen 6 gemachter Altarleuchter über altes Zinn 12 fl 30 kr. 

1716: Den 1. Oktober wegen des ruinösen Kirchengwölbs und Tachung durch geistl. und weltl. Obrig- 
keit mit Zueziehung des Maurer- und Zimmermeisters den Augenschein vorgekehrt, hat man aus- 
gelegt 4 fl. 48 kr. Da der Maller sambt einem üsöllen und der Tischler wegen des Hochaltars 
den Augenschein und Masserey eingenommen, ist mit Einschluss des Kutschers und Pferd auf 
Zehrung und anderes ergangen 3 fl. 

1717 beginnt die Gwölbung des Chorpogens, auch wird ein Fenster auf der Emporkirche ausgebrochen; 
die Kosten belaufen sich auf 602 fl. 16 kr. 



270 Qerichtsbezirk Salzburg 

Lorenz Wi n dbicli 1 er, Tischler in Salzburg, erhält für verschiedene Arbeiten 10 fl. 1721, 1723 
und 1724 sucht die Gemeinde um Aufrichtung eines neuen Hochaltars für zirka 700 fl. an, wird 
aber abgewiesen. Erst als der Dechant von Köstendorf den alten Altar als ser schlecht und ganz 
pauföllig beschreibt und die Guttäter die ganzen Kosten mit Ausnahme der Fassung auf sich 
nehmen, wird 1726 das Gesuch bewilligt. Josef Andre Eis!, ansessiger bgl. Mahler zu Neu- 
markt, für die Fassung sambt die Blöder darein zu malen 385 fl. Wenn aber statt gutem Gold Tinctur 
genommen wird, welches auch gleichfalls seinen Bestand hat, so käme der Hochaltar auf 270 fl. 
Das Konsistorium entschied sich für gutes Gold. Der gleichen Zeit gehört aucii der Überschlag 
Eisls für einen Seiten altar auf 200 fl. an. 

Alles was in dem Riss von Bildhauerarbeit als 4 Statuen, auch alles Laubwerch sambt der ganzen 
Tischlerarbelth ingleichen für Fassung, was die Visier weiset, was gelb angezeigt, alles von guttem 
Gold zu vergulden, das übrige lasirn und die Architectur glanzmärbl zu fassen, ist für alle Un- 
khosten als Dischler, Bilthauer und Mahler mit Einschluss der zway darzuegehörigen Blödern 
. 200 fl. 
1731: Ein ziervergolte Monstranzen von getriebener Arbeit mit Figuren in 13 Löt. Augsburger Prob- 
selber holt 94 Loth ä 1 fl. 35 kr., zus. 148 fl. 50 kr., darangeben ein alte Monstranzen in 12 lot. 
Salzburger Prob G wicht 55 Lot ä 1 fl. 6 kr., zusammen 60 fl. Herrn Ferdinand Sigmund 
Amende hat hiezu in seinem Todbött verehrt dem Gottshaus 1 Dugaten per 4 fl. 15 kr., seind 
also darauf bezalt worden 85 fl. 35 kr. 

1733: Umb ain Crucifix und Arm auf die Canzl 4 fl. Auf die Canzl ein Thür und auf das Oratorium 
ein Aufsatz mit Fenster u. Teppich und Leinwand 1 fl 20 kr. 

1741: Andrä Zachenhuber, wegen Gießung einer Glocke zu 812 it 388 fl 44 kr. 

1768: Für Renovierung des Gemahls im hl. Grab, worauf der Leichnamb Christi 55 kr. 

1771: Für ein Paar neue Opferkändl samt Tazen 1 fl. 50 kr. 

1787: Nikolaus Ort, bgl. Hofgürtler, für Versilberung und der 6 Altarleuchter und 2 Hängeleuchter, 
dann einer Oellampen 28 fl. 

1796: Johann Pentele, Hof- und bgl. Großuhrmacher für die neue Uhr 150 fl. 

1808: Der Vikar Augustin Winkelhofer erkauft das alte Tabernakel, das ehedem in der Schwarzen Bruder- 
schaftskirche im Kai stand und nach deren Sperrung an die Domkirche abgegeben worden war, 
um 50 fl., in Hoffnung, es werde die Summe durch Guttäter aufgebracht werden. Infolge des 
Krieges aber wurden nur 25 fl. gesammelt. Die Domkustodie gab das Tabernakel, das neu sicher 
1000 Taler gekostet hat, nicht billiger her. 

Am 23. Juli 1816 brannte die Kirche durch Blitzschlag ab; die Altäre verbrannten, wohl aber wurden die 
Geräte gerettet. In den folgenden Jahren wurde die Kirche wieder aufgebaut, eine große Anzahl Kirchcu- 
paramente kam von der Staatsgüterinspektion (meist Meßkleider), ein Kruzifix von Elfenbein auf schwarzem 
Postament aus der Residenz, eine Glocke von den Theatinern. Das Hochaltarbild malte 1820 „Kunst- 
mahler Hornöck," 1835 restaurierte es, „da es von bedeutendem Kunstwert ist," Kunstmaler Martin 
Pitzer. 

(.liKiniKie- Charakteristik: Einschiffige kleine Landkirche, mit einspringendem, dreiseitig geschlossenem Chor 
'■'^''•" und Nordturni. Die Mauern gehören noch dem spätgotischen Baue (um 1511) an, die Gewölbe wurden 

iy.2:>ii~ 25-' nach dem Brande von 1816 erneuert, wobei auch die Chormauern erhöht wurden (Fig. 250— 252). 

i'iRi'- Latic: Das malerische Kirchlein, das besonders von N. her, mit den Bergen im Hintergrund, einen 

hübschen Anblick bietet, steht, von der Friedhofsmauer umgürtet, auf einem Hügel im N. einiger tiefer 
gelegener Höfe. 



Koppl 



271 



Äußeres (Fig. 250): 



Bruchstein, verputzt und gelb gefärbeit. 



Langhaus: W. Dreiecksgiebelfront, mit Schindeln verkleidet. Vor der rechteckigen Tür hölzerner 
Vorbau, darüber ein rundbogiges Fenster. - S. Niedrige glatte Wand mit steinernem gotischem Hohl- 
kehlgesims. Links vor der rundbogigen Tür Anbau 1; rechts zwei vergitterte rundbogige Fenster mit 
marmornen Fensterbänken. — N. Zwei Fenster wie im S. 

Chor: Einspringend, höher als das Langhaus. Im S. und SO. je ein Fenster wie im Langhause. Über 
den Fenstern umlaufendes steinernes gotisches Hohlkehlgesims. Im N. sind Turm und Sakristei an- 
gebaut. — Über Langhaus und Chor gemeinsames, nach O. abgewalmtes Schindelsatteldach. 

Turm: Im N. des Chores. Quadratischer ungegliederter Hauptteil; im O. kleine Luke, im N. unten 
übereinander zwei kleine Fenster, Westseite ganz mit Schindeln verkleidet. Niedriges achtseitiges Glocken- 



Äußeres. 
Fig. 250. 

Langhaus. 



Chor. 



Turm. 




Fig. 250 Koppl. Pfarrkirche, Ansicht von Norden (S. 27i) 

geschoß mit vier rundbogigen Schallfenstern; die drei Westseiten sind mit Schindeln verkleidet. An der 
Nordseitc die Jahreszahl 1881. Über Hohlkehigesims achtseitiger pyramidenförmiger Schindelhelm mit 
vergoldetem Knauf und Kreuz. 

Anbauten: 1. Im S. des Langhauses, niedriger, im O. abgerundet. — W. Ganz nrit Schindeln ver- Anbauten. 
kleidet. — S. Links rundbogige Fenster, rechts flachbogige Tür. — Schindelpultdach, nach O. und W. 
zu abgewalmt. 

2. Sakristei im N. des Chores. Einstöckig, niedriger als der Chor. Im O. links Tür, rechts übereinander 
zwei Fenster; im N. übereinander zwei Fenster. Schindeldach. 

Fri e d ho f m a u er: Bruchstein, verputzt, mit Schindeln abgedeckt. Im W. und O. je eine kleinere, im Friedhof- 
SW. eine größere Öffnung mit zwei kugelbekrönten Pfeilern. mauer. 



Inneres (Fig. 251, 252): 

Moderne einfache Ausmalung. Alter Fußboden aus roten Marmorplatten. 

Langhaus: Einschiffig. Rundbogige Längstonne. Im S. flachbogige Tür in rechteckiger Nische, im 
W. rundbogige Tür in flachbogiger Nische. Hölzerne, stucküberzogene Westempore mit flachem, 
von vier Hoizpfeilern gestütztem Boden und gerader Brüstung. Im O. rundbogiger Triumphbogen. 



Inneres. 
Fig. 251, 252. 

Langhaus. 



272 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Chor. Chor: Schmäler, niedriger, Boden um eine Stufe höher. Rundbogiges, im O. abgerundetes Tonnen- 

gewölbe mit sieben rundbogigen Stichkappen. Unter den Gewölbezwickein einfache Konsolengesimse. 
Im N. Sakristeitür, oben kleine flachbogige Kanzeltür. Einfache Holzbalustrade. 

Turm. Turm: Unten flach, darüber Tonnengewölbe. 

Anbauten. Anbauten: 1. Im S. des Langhauses, durch eine Quermauer (mit vergitterter rundbogiger Öffnung) 
geteilt in zwei flachgedeckte Räume, im W. Beinkammer, im O. Vorhalle vor der rundbogigen Kirchentür; 
im O. hinter rundbogiger Türöffnung halbrunde Nische mit der Stalue des Schmerzensmannes. 
2. Sakristei in beiden Geschossen flach gedeckt. 

Einrichtung. Einrichtung: 

Altäre. Altäre: Drei Altäre, Holz, gelb und rot marmoriert, mit vergoldeten geschnitzten Zieraten, Altarbildern 

(Öl auf Leinwand) und Holzstatuen (polychromiert und vergoldet). 

Hochahar. 1. Hochaltar: Fieistehend. Auf zwei Stufen einfache Mensa. Ganz vergoldetes Holz-Tabernakel mit 
zwei Säulchen beiderseits der Türnische; vor dieser Kruzifix; auf der von Blumen umwundenen Kuppel 
Monogramm Jesu in der Glorie. - Aufbau: Über der Predella rundbogiges Altarbild, flankiert von zwei 




Fig. 251 Koppl. Pfarrlurche, üriindrili 1 : 200 (S. 271) 



StiitciialUire. 



Linker 
ieilriu\li:ir. 



Piiastern und zwei seit ich vorgestellten Säulen. Verkröpftes Gebälk, über der Mitte Baldachin und flach- 
bogiges Gesims. Aufsatz mit flachbogigem Gesims. Über den Säulen zwei vergoldete Flammenurnen. 
Aufbau und Tabernakel um 1820. 

Altarbild: Die Immakulata, von Cherubsköpfchen umgeben; oben die Taube. Gutes Bild. Bezeichnet: 
Franz Xaver Hornöck von Salzburg, 1820. — Aufsatzbild: Christus und Gott-Vater, mit der Krone in 
den Händen. Von demselben, 1820. 

Statuen: Beiderseits des Altarbildes auf Konsolen die Apostel Andreas und Thomas. Am Aufsatze zwei 
anbetende Engel, oben die Statuette Christi als guter Hirt. Mittelgute Arbeiten vom Jahre 1726. 

Zwei Seitenaltäre, im Aufbau einander gleich, um 1820. Auf einer Stufe rechteckige Kastenmensa 
mit Kreuz. Wandaufbau: Niedrige Predella mit seitlichen Postamenten; veikröpftes Gesims. Im Hauptteil 
Altarbild, flankiert von je einem Pilaster und einer Säule, alle mit vergoldeten Kompositkapitälen. Giebel- 
aufsatz mit eckigen Seitenvoluten, rundbogig verdacht; an den Seilen zwei Vasen, oben zwei Kugeln und 
Kreuz; vergoldete Blattgehänge. 

'2, Linker S e i t e n a 1 1 a r. Altarbild: Kreuzigung. Links unter dem schräg stehenden Kreuze stehen 
Maria und Johannes, rechts kniet Magdalena. Mittelmäßig, um 1820. Am Aufsatz moderner Öldruck, Christus. 
Statuen: St. Johann von Nepomuk und St. Leonhard, mittelmäßig. Am Giebel ein Cherubsköpfchen. 
Um 1726. 



Kopp] 



273 



3. Rechter Seitenaltar. Altarbild: Die hl. Familie. Oben Gott-Vater und die Taube. Schwach, Rechter 
Mitte des XIX. Jhs. — Aufsatzbild: Moderner Öldruck, Maria. Seitenaltar. 

Statuen: St. Florian und St. Georg, mittelmäßig; am Giebel ein Cherubsköpfchen. Um 1726. 

Kanzel: An der Nordseite des Triumphbogens. Holz, polychromiert, achtseitig. An der Brüstung Kanzel, 

zwischen Rundbogen die Reli^ffiguren Christi und der Evangelisten. Am Schalldeckel unten die 
Taube. Pseudoronianisch, Mitte des XIX. Jhs. — Am Baldachin oben die Statuette des hl. Michael; gut, 
ij um 1820. 

Orgel: Am Holzgehäuse geschnitzte vergoldete Rankenverzierungen. Um 1820. Orgel. 

Sakramentsh ansehen (Fig. 253): In die Mensa der Beinkammer ist das alte gotische Sakraments- Sakraments- 
häuschen (aus rotem Marmor) eingemauert. Rechteckig, oben mit Zinnen abgeschlossen. Nische in pro- liänschen. 
filierter Kielbogenumrahmung. Oben eingemeißelt die Jahreszahl 1518 und die Buchstaben A. M. Fig. 253. 




Fig. 252 Koppl. Pfarrkirche, Inneres (S. 271) 



^ Skulpturen: Holz, polychromiert. 1. Im Langhause großes Kruzifix. Mittelmäßig, Anfang des XVIII. Jhs. 

1 2. In der Vorhalle lebensgroße Statue Christi als Schmerzensmann. XVIII. Jh. 

i 3. In der Beinkammer Kruzifix über den Seelen im Fegefeuer. XVIII. Jh. 

! 4. Bekleidete Holzpuppe der Madonna in verglastem Gehäuse. Ende des XVIII. Jhs. 

I 5. Zwei Leuchterengel. XVIII. Jh. 

I 6. Statuette des Auferstandenen. XVIII. Jh. (Sakristei). 

7. Prozessionskruzifix. XVllI. Jh. 

8. Vortragkreuz. Christusfigur aus Elfenbein; gute Arbeit, XVIII. Jh. (stammt aus der Residenz in Salz- 
burg). 

9. Kopf der Madonna (auf Glas gemalt) in hübschem kleinem Holzrahmen von der Form einer Altar- 
wand, flankiert von zwei gewundenen Säulen- und Akanthusranken, Gesims mit geflammtem Hobel. 
Aufsatzgiebel mit Pergamentminiatur (Schweißtuch). Intakte alte Fassung: Blau lasiert, vergoldete Ranken 
und Gesimse. Ende des XVII. Jhs. 



Skulpturen. 



Gemälde: 14 kleine Kreuzwegbilder. Um 1850. 
XI 



Gemälde. 



35 



274 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Monstranz. Monstranz (Fig. 254): Silber, vergoldet. Ovaler Fuß, reich getrieben mit Kartuschen, vier Oval- 
Fig. 254. medailloi;s mit den Figuren der Evangelisten, von Trauben umgeben. Am Knaufe Rosen. Um das 
Gehäuse kleiner Strahlenkranzrahmen mit bunten Glasflüssen, dahinter ein breiter durchbrochener 
Rahmen mit Ranken und den getriebenen Figuren Gott-Vaters auf Wolken, zweier Engel mit Rauch- 
fässern, der Madonna und von vier Putten; oben vor dem Kreuze die Taube. Vergoldeter Strahlenkranz. 

Als Lunulaträger dient ein Cherubskopf. — Marken: Augsburger Beschall (R^ 175). Meisterzeichen: j,.g 

in Dreipaß (R^ 522). Gute Arbeit des Johann David Salier in Augsburg (gest. 1724), vom Anfange 
des XVIII. Jhs. Die Monstranz wurde 1731 gekauft (s. S. 270). 

Ziborium. Ziborium (Fig. 255): Silber, vergoldet. Runder Fuß, getrieben mit Kornblumen und buschigen Akanthus- 
l'ig. 255. ranken sowie drei Cherubsköpfchen. Am Knaufe drei Cherubsköpfe. Durchbrochener Cuppakorb, ähnlich 



wie der Fuß getrieben. — Marken: Salzburger Beschau (S in Oval). Meisterzeichen: 



H I 



in Dreipaß. 



Sehr gute Arbeit des Hans Jakob Scheibsradt in Salzburg (Bürger seit 1653), um 1670. Jüngere 
Krone, Kupfer, vergoldet. 




Ivelclic. 



OiifcitassL'. 

.\iniKl. 
lA'iiohlcr. 

\':i.--oii. 
Vaiin. 



Flg. 253 
Kopp], Pfarrl<irclie. Sakramentsliäuschen von 1518 (S. 273) 

Kelche: Silber, vergoldet. 1. Am Fuße getriebene Bandwerkkartuschen mit Rosen. Am Knaufe drei 
ovale Kartuschen. Durchbrochener silberner Cuppakorb mit getriebenem Bandwerk und Rosen. — Marken: 

Augsburger Beschau mit C (1737—1739; R^ 182). Meisterzeichen: j.^g in Dieipaß (R-' 545). Gute Arbeit 

des Johann Jakob Schoap (oder Jos. Ignaz Saler) in Augsburg, um 1738. Eine der ältesten 
Arbeiten dieses Meisters. 

2. Messing, vergoldet, mit getriebenen Ornamenten und je drei Porzellan-Email-Miniaturen an Fuß und 
Cuppa (Fußwaschung, Frauen am Grabe, Noli me längere; Ölberg, Gefangennahme, Kreuzigung). Mitte 
des XIX. Jhs._ 

Opfertasse: 1. Zinn, gemodelt, XVIll. Jh., Salzburger Marke. — 2. Messing, versilbert, XVIII. Jh. 

Ampel: Messing, versilbert, getrieben und durchbrochen. XVIII. Jh. 

Leuchter: 1. Sechs große und drei kleine, Messing, versilbert, mit getriebenen Rocaillen, um 1750. — 
2. Zwei dreifüßige Zinnleuchter. XVIII. Jh. 

Vasen: Vier zweihenkelige Vasen, Messing, versilbert, mit getriebenen Rocaillen, um 1750. 

Varia: Zwei alte Kirchenfahnen und zwei Traglaternen. XVIII. Jh. 



Koppl 



275 



Grabsteine: 1. Im Langhause drei abgetretene Grabplatten des XVIII. Jhs. 

2. Außen im Süden des Langliauses. Rote Marmorplatte. Unten ein Reliefwappen. Darüber die 
zehnzeilige Inschrift: Alhie ligt begraben der Ehrenvesst und ivol Vorneni Herr Ruprecht Mony 
22 Jahr Hohfiirstl. Saltzburg. Verweser in der Ebenau; gest. 1656. 

Turmuhr: Von Johann Bentele in Salzburg, 1796. 

Glocken: 1 . Gegossen von F. X. Gugg zu Salzburg, 
1820. 2. Gegossen von F. Oberascher in Salzburg, 
1852. 3. Gegossen von F. X. Gugg zu Salzburg, 1831. 




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Grabsteine. 



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Fig. 254 Koppl, Pfarrltirehe. Monstranz 
von Joli. David Salier in Augsburg, um 1724 (S. 274) 



Fig. 255 Koppl, Pfarrkirche. Ziborium 
von H. J. Scheibsradt in Salzburg, um 1670 (S. 274) 



Pfarrhof: Gemälde: 1. Die Apostel Jakob d. Ä. und Andreas. Unten Kirche und Pfarrhof Koppl. Gut, 
Ende des XVIII. Jhs. — 2. Kreuzigung. Um 1750. — 3. Porträt eines Geistlichen. Gut, um 1780. 

In der Schule: Wachs-Christkind auf gestickter Tafel in geschnitztem Rocaillenrahmen. Um 1760. 
Schnurnkapelle zu Unserer Lieben Frau. 

Das bischöflich Cliiemseesche Urbar von 1577 erwähnt die „Wintschntirntafeni" , 1628 die „Tafern von derWintschntirir. 

Über die Entstehung dieser Kapelle, die ihrer Bauart nach um 1620 zu setzen sein wird, fehlen alle 
Nachrichten. Die Koppler Kirchenrechnung von 1710 bemerkt: Die Capellen an der Windschnur hat 

35* 



Pfarrhof. 



Kapelle. 



276 



Qericlitsbezirk Salzburg 



Lage. 

Busclireibiing. 



Äußeres. 



Inneres. 



nichts ertragen, weilten darbey das Gwölb eingefallen und also widerumb zu erheben ist. — 1711: AuJ 
Erbauung der Capelln auf der Windschnurn, item Zinimerleut, Schmid, Schlosser, Glaser, Baumaterialien, 
laden u. d. ist ausgelegt worden 389 fl 51 kr. 1734 wurde die Kapelle eingeweiht. 

Lage: An der Straße Salzburg — St. Gilgen, Va ^^^ südlich von Koppl, beim Gasthause zur Schnurn. 
Beschreibung: Rechteckiger Quadernbau aus dem Anfange des XVll. Jhs., 1711 wiederhergestellt. 
Gute Stukkaturen an der Decke und Stuckaltar, um 1711. Die Kapeile ist im ganzen Bezirke die einzige 
Vertreterin dieses interessanten Typus. 

Äußeres: Rechteckiger Bau aus Konglomeratquadern; der weiße Verputz ist fast ganz abgefallen. Pro- 
filierte Stuckfensterumrahmungen. Einfacher Steinsockel. Im N. rechteckige Tür in profih'erler Umrahmung 
aus rotem Marmor. Darüber leerer querovaler Rahmen; an den Seiten zwei rechteckige Fenster. Im O. 
rundbogige Blendnische, im S. zwei Fenster und Blendnische, Westseite ganz mit Schindeln verkleidet. 
Über hölzernem Hohlkehlgesims Schindelzeltdach. 

Inneres: Alter Fußboden aus roten Marmorplatten. Über Flachpilastern reich profiliertes Gesims. Das 
Spiegelgewölbe reich verziert mit hübschen Stukkaturen, um 1711: Geschwungenes Mittelfeld und 
vier Seitenfelder, dazwischen Akanthusranken und natürliche Zweige, Kartuschen, drei Putti; der westliche 
Teil der Decke ist durch eingedrungene Feuchtigkeit beschädigt. Gute Arbeit. 




Altar. 



Gemälde. 

Hulz- 

statuuULU 

ü'.v.l -iLUL-'i.'ter. 



Fig. 256 Landschaft zwischen Koppl und Plainfeld, mit Oaisberg und Nockstein 

Altar: Gemauerte Mensa mit einfach (mit Blumen) bemaltem Holzantependium. Altarwand aus Stuck. 

Recliteckiges Gemälde, flankiert von zwei Säulen, die von Zweigen umrankt sind, mit Volulenkapitälen. 

Neben dem Rahmen drei Putten. Flachbogiger Giebelaufsatz mit Seitenvoluten und zwei Putten. 

Gemälde: .Altarbild. Maria Himmelfahrt, beschädigt. 

Aufsatzbild: Christus und Gott -Vater mit der Krone in den Händen, oben die Taube. 

Der ganze Altar um 1711. 

Gemälde: 1. Die hl. Familie und ein Engel, gut. — 2. St. Sebastian. — 3. Zwölf Szenen aus dem Leben 
der hl. Notburga. — 4. Madonnen -Wallfahrtsbild. XVlll. Jh. 

II olzstatuetten: Polychromiert. 1. Bischof mit Buch, um 1500. — 2. St. Johannes; gut, 1. Hälfte des 
XVI. Jhs. — 3. St. Rupeit; XVII. Jh. - 4. St. Notburga; um 1750. - 5. Bekleidete Mutter Gottes im 
Glaskasten. XVIIl. Jh. — Zwei Holzleuchter; um 1711. 

13 ild Stöcke: 1. ^j^km nordöstlich von der Kirche, bei der Hofgruppe Willischwand. Üblicher Typus, 
rechteckiger, weiß verputzter Bruchsteinbau mit vorspringendem Schindeldache. Tiefe Nische mit flach- 
bogiger Öffnung. XVIII. Jh. — Innen Holzkruziiix, mittelmäßig, XVIII. Jh. — 2. 1 km nördlich von der 
Schnurn, ähnlich. 

In Weißbach, 1 km nordwestlich von Koppl, eine 1875 erbaute Kapelle mit ziemlich großem Turme. 



Lengfelden 



277 



Lengfelden, Dorf 

Archivalien: SRA (Alte Baiiakten B III 2). 

Literatur: PiLLWEiN, Salzaclikreis 366. — Dürlinqer, Handbuch 16. 

930 übergab der Edle Rachwin dem Erzbischof Odalbert 10 herzogliche Hufen an der Salzach zwischen „Lenginveld" und 
Puch (bei Hallein) und unter Erzbischof Tietmar (1025—1041) hatte der Priester Pdigrim „in loco Lenginuuelt diclo" ein 
Lehen (HAUTHALER. U.-B. 1. 148 und 212). 

Seit dem XVI. Jh. ist dort eine Papiermühle nachweisbar, die seit 1701 im Besitze der Familie Hoff mann, seit 1852 in dem 
derer von Rauchenbichler war. Das Alter der Kapelle ist unbekannt. — Seit 1898 befindet sich durt das Missionshaus 
, Maria Sorg" der St.-Petrus-Claver-Sodalitdt für die afrikanischen Missionen. 

Kapelle in Maria Sorg: Im Garten hinter dem Missionsgebäude. 

Äußeres: Rechteckiger weiß gefärbelter Ziegelbau mit einspringendem halbrundem Abschluß. Im W. 
Tür, im S. und N. je zwei Fenster. Profiliertes Kranzgesims. Nach O. abgewalmtes Schindelsatteldach. 
Im W. hölzerner Türvorbau mit sechs Holzsäulen. Mitte des XVIII. Jhs. 



Kapelle. 
Äußeres. 



I 




Fig. 257 Lengfelden, Hufschmiede (S. 277) 



Inneres: Tonnengewölbe mit Stukkaturen aus der Mitte des XVIII. Jhs., in der Mitte Kartusche mit hmcres. 
zwei Putten (mit Lilie und Krone). Über der Tür Stuckkarluscheii mit verblaßtem Wandgeniälde. In der 
gewölbten Apside in stukkiertem Kartuscheniahmen diei Ölgemälde, die hl. Dreifaltigkeit, der hl. Leonhaid 
und der hl. Florian, Mitte des XVIll. Jhs., übermalt. In der Mitte der Apsis über der Mensa großes recht- 
eckiges Gemälde, Öl auf Blech, eine sogenannte Ähren-Madonna, die hl. Maria mit gefalteten Händen 
betend stehend, in langem blauem, mit goldenen Ähren geschmücktem Gewände, Kopie des XVIII. Jhs. 
nach einem italienischen Trecentobilde; modein übermalt. 

Zwei Statuetten, der hl. Josef mit dem Kind und der hl. Johann von Nepomuk, Holz, polychromiert, 
mittelmäßig, XVIII. Jh. 

Haus Nr. 6 (Fig. 257): Hufschmiede. Rechteckiger einstöckiger Giebelbau. Vorne Halle mit drei rund- Maus Nr. 6. 
bogigen Arkaden auf kurzen Steinsäulen. In der Westseite eingemauert kleine rote Marmorplatte mit v\g. 257. 
Wappen der Ursprunger und Inschrift: Anno 1628 hab ich Florian Ursprünge/' Burger und gastg(e)t> zu 
Salizb{urg) dise Schmit(e{x\) erpaiitt. Am Anfange des XIX. Jhs. brannte der Oberstock ab und wurde 
neu aufgebaut. 

Brücke (Fig. 258): 1614 zeigte sich die Notwendigkeit, die baufällige und zerfaulte aus 5 Joch be- Brücke. 
stehende Brücke, zu niehrer Sicherheit und Bestendigkeit eine neue von ganzen Quadern von Grund Fig. 258. 
in die Höhe 7' und Digke 7', dann die übrige Höhe alls in die 7' von dergleichen guten Zeug und 
großen Steinen in die 6' dick zu bauen. Es wurde deshalb wegen Machung eines stainern Joch zu der 
Lengfelder Brücke mit San t in Sollario hf. Paumeister ein Kontrakt geschlossen. 1730 wurde die 



278 



Gerichtsbezirk Salzburg 



durch große Qüss beschädigte Pruggenmauer mit "zehn Stück Quadersteinen, jeder 5' lang, repariert. 
Rundbogige, aus Nagelfluliquadern gebaute Brücke über die Fischach. An den Außenseiten der Brüstung 
eingemauert Wappen des Eizbischofs Paris Lodron und Kapitalinschrift: 

archiepTs 

paris ex com. 

lodroni f. 

MDCXXXV 
(Archiepiscopus Paris ex comitibus Lodroni fecit 1635). 




Fig. 258 Lengfelden. Paris-Lodron Brücke, 1635 (S. 277) 



Filial- 
kirche. 



St. Leonhard, Rotte 

Archivalien; Pfarrarcliiv Grödig (Inventar von 1668 und Akten von 1848—1850). — Konsistorialarchiv (Akten und Rechnungen 

1732—1739, 1745—1749). 
Literatur: Hübner, Flachland 296. — Pili.wein, Salzaclikreis 357. — Dürlinger, Handbucii 88. — Seb. Wim.mer, Hallein und 

Umgebung 139. 
Alte Ansichten: 1. Am Hochaltarbild der Kirche, 1692. — 2. Kolorierte Radierung von Louis Wallee, um 1800. — 3. Aquarell 

um 1810 (Museum). 

Ort: Siehe Kirche. 

Fllialkirctie zum til. Leonhard in Grafengaden. 

Indem die älteren Historiker die Urkunde des Erzbischofs Konrad I. von 1123 (Meiller, RAS 10 Nr. 55), 
worin er dem Domkapitel ein Salzbergwerk zwischen der Salzach und der „niederen Alben", „Tuval" 
genannt, schenkte, für echt annahmen, setzten sie die Gründung dieser Kirche als Gotteshaus für die 
Salzarbeiter in diese Zeit. Da aber das Bergwerk erst im letzten Jahrzehnt des XII. Jhs. eröffnet wurde 
(vgl. Widmann, Gesch. Salzburgs 1, 288), so ist auch die Gründung von St. Leonhard. falls sie überhaupt 
mit dem Bergbau in Zusammenhang steht, nicht vor dieser Zeit anzusetzen. Sie dürfte vielmehr eine 
Gründung Berclitesgadens sein, das ja das Gebiet bis Niederalm — ob mit Recht oder Unrecht, ist hier 
nicht zu erörtern — beanspruchte. Zum ersten Male wird die Kirche 1407 genannt, wo der pfarrliche 
Gottesdienst von hier nach Schellenberg verlegt und das bisherige Filialverhältnis umgekehrt wurde 



St. Leonhard 



279 



(Köch-Sternfeld, Gesch. Berchtesgadens 2, 52). Die betreffende Urkunde konnten wir aber nicht einsehen. 
Von einer Inkorporation der Kirche an das Domkapitel, die Dürunger erwähnt, ist nichts bekannt. Im 
Jahre 1816, als Schellenberg mit Berchtesgaden an Bayern fiel, wurde St. Leonhard als Filiale mit Grödig 
verbunden, ohne jedoch in eine Verbindung mit dem Stifte St. Peter zu treten. 

1643/44 wurde der Kirchturm St. Leonhard in Gravengaden von Grundt underfahren, auch bis in alle 
Hoch linders Überzimmer aiifgefiert und erbaut. Beteiligt waren Hans Heiss, ]V\aurermeister in 
Berchtesgaden, sowie die Salzburger Christof Gottsreiter und Martin Pfenninger. 1662 
macht Urban Senggier, Maurermeister in Schellenberg, die Empore. 1692 gelangt der Hochaltar 
zur Perfection und gleichzeitig wird die jetzige Kanzel durch Christof Tatz, Tischler, aufgestellt, da 
die alte baufällig war und fast die ganze Kirche verstellte. 




Flg. 259 St. Leonliard mit dem Untcrsbi;rg. Ansicht von Nordosten (S. 280) 



Den Kirchenrechnungen 1732 — 1739 entnehmen wir: 

1734: Josef Hoc hp ichler wegen eines neuen Creuz zu machen 4 fl. 53 kr. — Dem Maler von 
Hallein wegen des Crucifix am Friedhof zu fassen 3 fl. 15 kr. — 1737: Herrn Cassierer zu Berchtesgaden 
sind wegen der silbernen Leuchter sambt anderen nach Augsburg zu übermachen bezahlt worden 
465 fl. — Franz Thaddäus Lang, Goldschmied von Augsburg, empfangt einen alten vergolten 
Kelch 24 Loth schwer 27 fl. 12 kr. — 1738: Herrn Cassierer zu Berchtesgaden wegen des Goldschmieds 
zu Augsburg 750 fl. 

1738 wird durch Peter Wening, Hofzimmermeister, um 91 fl. die Turmkuppel umgeändert. 1750 gießt 
Johann Melchior Immendorfer, bürgerlicher und Landschafts-Stuck- und Glockengießer, eine 
zerklüftete Glocke um 57 iL um. Am 24. Mai 1770 schlug der Blitz in den Turm ein, ohne jedoch zu 
zünden. 1832 reklamierte die Kirche die zum silbernen Kruzifix gehörigen sechs silbernen Leuchter und 



280 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Büschkrüge, die in Sciiellenberg nur aufbewahrt wurden, von der bayrischen Regierung. Es scheint, daß 
es ohne Erfolg war, da gleichzeitig sechs Messingleuchter, silberplattiert, neu gekauft wurden (SRA Kreis- 
amt Z. 8620). Von Interesse ist die Beschreibung Pii.lweins von 1839: „Man trifft in der Kirche um und 
hinter dem Altar Opfertafeln, Hufeisen in Reihen, einen übergroßen eisernen Fuß, Krücken, Pferde aus 
Wachs, neben der Emporkirche die ganze eiserne Rüstung eines Ritters an der Wand, auf der Epistel- 
seite die auffallend kleine Figur eines gepanzerten Ritters von Guetrath und in einer Marmornische 
mitten auf dem Boden der Sakristei ein versteinertes Amons-Horn." Von alledem ist nichts mehr vor- 
handen. 1846—1850 wurde durch den Steinmetzen Josef Haslauer anstatt des alten Hochaltars, der 
gewundene Säulen wie der in Maria Piain hatte, ein neuer, desgleichen zwei neue Seitenaltäre um die 




Fig. 260 St. Lconhard. Filialkirctie, Ansicht von Südwesten (S. 281) 



Uiarakte- 
rislik. 

I-ij<,259— 202. 



Gesamtkosten von 3233 fl. errichtet. 1850 — 1851 wurde durch Ludwig Moser eine neue Orgel auf- 
gestellt (559 tl.), 1857 durch Haslauer ein marmornes Speisgitter, das von der Kirche in Kuchl ge- 
kauft worden war (1780 von Andrä Straßgschwandtner in Adnet gemacht), errichtet und im 
Chor ein neues Pflaster gelegt. 1862 wurde die Kirche neu gepflastert (das Pflaster stammte aus der 
abgetragenen St.-Andrä-Kirche in Salzburg). 1905 wurde der Turm gründlich ausgebessert und die Birne 
unter dem Kreuz neu gemacht. 

Charakteristik: Gotische Anlage mit einschiffigem Langhause (dreijochiges Kreuzrippengewölbe) 
und dreiseitig geschlossenem, etwas höherem und schmälerem Chore; Westturm (ganz aus Quadern) 
vom Jahre 1644 (Helm von 1738) (Fig. 259—262). 

Die Anlage wirkt zwar im Innern einheitlich gotisch, doch ist das Langhaus im Kerne wohl noch 
romanisch (hochgelegene Fenster, kein Sockel!) und gehört dem XIII. Jh. an. Im XV. Jh. dürfte es dann 



St. Leonhard 



281 



eingewölbt und durch den neugebauten Chor (Sockel!) erweitert worden sein. 1644 wurde der Turm, 
1678 die Sakristei neugebimt. Im XVII. Jh. (vor 1692) wurden auch die Langhausfenster barockisiert. 

Lage: Auf einem niedrigen ummauerten Hügel neben der Straf3e und dem Almfiuß in dem aus zer- 
streuten Häusern bestehenden Orte. Vom Friedhof aus, der die Kirche umgibt, schöner Blick auf den 
Westabsturz des Untersberges (Fig. 259). 



P 



Äußeres (Fig. 259, 260): 

Konglomeratquadern- und Bruchsteinbau. 

Langhaus: Verputzt und rosafarbig gefärbelt, glatte Wände. W. Dreiecksgiebelschenkel beiderseits des 
Turmes. Südlich von diesem kleiner Anbau 1, oben querovale Dachbodenluke. — S. In der Mitte gotische 
Eingangstür in Steinrahmung, in den oberen Ecken einspringendes profiliertes Gesims (Rundstab zwischen 
zwei Hohlkehlen), darüber rechteckige Ausnehmung. Unten links vergittertes Fenster in Marmorumrah- 
mung; oben in der Mitte querovales, daneben beiderseits je ein großes rechteckiges Fenster mit mar- 
morner Sohlbank; alle drei vergittert. — N. Sakristei (Anbau 2); rechts Stützpfeiler, oben zwei rechteckige 
Fenster wie im S. — An den beiden Langseiten schwach vorkragendes Konglomeratgesims. 







Lage. 
Fig. 259. 

Äußeres. 
Fig. 259, 260. 

Langhaus. 



Fig. 261 St. Leonhard. Filialkirche, Grundriß 1 : 200 (S. 282) 



Chor: Einspringend, etwas höher als das Langhaus. Rechteckig, mit dreiseitigem Abschluß. Umlaufender Chor. 

Konglomeratsockel, schmales Konglomerathohlkehlgesims. Fünf hohe gotische Spitzbogenfenster mit 
marmornen Sohlbänken, vergittert und mit Drahtgeflecht geschützt. 
Über Langhaus und Chor steiles, nach O. abgewalmtes Kupferblech-Satteldach. 

Turm: Im W. des Langhauses, ganz aus unverputzten rötlichen Quadern aufgeführt. Vorspringender Turm. 

Sockel, drei die Geschosse trennende steinerne Hohlkehlgesimse, profiliertes vorspringendes Putzabschluß- 
gesims, über den vier Zifferblättern rundbogig aufgebogen. — S. Große rundbogige Tür mit abgeschrägter 
Kante. Im zweiten Geschosse Marmorwappen des Kurfürsten von Köln und Propstes von Berchtesgaden 
Ferdinand, darüber ein Cherubskopf mit der Kurfürstenkrone, darunter Kartusche mit der Kapitalinschrift: 
Ferdinandus archiepiscopus et elector Coloniensis pmepositus Berchtersgadensis 1644; darüber schmale 
Luke. Im dritten und vierten Geschosse je ein rundbogiges Fenster mit abgeschrägter Laibung. — W. 
Luke und zwei Fenster wie im S. — N. Wie im S. (ohne Wappen). — O. Über dem Dachfirst des Lang- 
hauses gekürztes rundbogiges Schallfenster. — Schönprofilierter Zwiebelhelm (Kupferblech) mit Kugel 
und Kreuz. 

Anbauten: 1. Kleiner Einbau im Winkel südlich vom Turme. Rauh verputzte Felder zwischen Eck- Anbauten, 
"lisenen. Vorne flachbogige Nische. Nischenöffnung in voller Breite mit profilierter Sohlbank aus rotem 
•Marmor; zur Hälfte durch schmiedeeisernes Gitter abgeschlossen. In der Nische hölzerne Ölberggruppe 
(s. unten). — Blechpultdach. 

XI 36 



282 



Oerichtsbezirk Salzburg 



Umfriedungs- 
mauer. 



2. Sakristei im N. des Langhauses. Gleichhbch wie dieses. Vorspringender Konglomeratsockel, hölzernes 
Dachgesims. — W. Oben kleines Fenster. — N. Auf einer Stufe kleine rechteckige Türöffnung in Marmor- 
rahniung mit eiserner, einfach beschlagener Tür; darin eingraviert die Jahreszahl 1678 und die Buch- 
staben C. G. Darüber kleines vergittertes Fenster in Marmorrahmung. — O. Übereinander zwei vergitterte 
Fenster. — Halbes Blechpyramidendach. 

Umfriedungsmauer: Bruchstein, zum großen Teil neu (1898) mit Zementplatten, zum kleinen Teil 
alt mit großen Steinplatten abgedeckt. Im S. ein kleiner, im O. ein größerer Eingang. Im SO. führt 
eine steinerne Stiege herauf. Westlich daneben kleine weißgefärbelte, quadratische Kapelle mit 
Blechpyramidendach; im N. rundbogige Öffnung mit marmorner Sohlbank. Das Innere ist mit einem 
gratigen Kreuzgewölbe gedeckt. Innen kleines Kruzifix und zwei geschnitzte Leuchter (Holz), erste 
Hälfte des XVIIl. Jhs. 




Fig. 262 St. Leonliard. Filiall<irctie, Inneres (S. 282) 



Inneres. Inneres (Fig. 261, 262): 

Fig. 261, 262. Einfach ausgemalt. 

Langhaus. Langhaus: Drei oblonge gotische Kreuzgewölbejoche mit beiderseits gekehlten Rippen und runden 
Schlußsteinen. Die Rippenbündel ruhen an den Langwänden auf je zwei starken Halbsäulen mit einfachen 
Sockeln und Kapitalen, in den beiden Westecken sind sie in die iVlusikempore eingebaut, in den Ost- 
ecken ist ihr Abschluß durch die Altäre verdeckt. — Im W. die 1662—1663 von Urban Senggier in 
Schellenberg gebaute gemauerte Musikempore, unterwölbt mit sechs gratigen Kreuzgewölbejochen (eines 
von der Stiege durchbrochen), mit flachbogigen Gurten, in der Mitte von vier toskanischen Marmorsäulen 
gestützt. In die Deckplatten der beiden vorderen Säulen ist das Monogramm Jesu und die Jahreszahl 
1663 eingemeißelt. Gerade gemauerte Brüstung. Im Südwestwinkel eingebaut gemauerter Stiegenaufgang 
mit 18 Marmorstufen. Unter der Empore rundbogige Tür in Steinrahmung mit schwerer Holztür und 
Eisengittcr des XVII. Jhs. Ober der Empore flachbogige Turmtür auf drei Stufen. - Im N. Sakristeitür 
lind darüber ilachbogige Oratoriumsöffnung und Kanzeltür. — Im O. in voller Höhe spitzbogiger Triumph- 
bogen mit abgeschrägter Laibung. Schöne Balustrade aus rotem und grauem Marmor von Andreas 
Straßgschwandtner in Adnet, 1780. Alter Fußboden, im O. aus regelmäßigen quadratischen 
gelben und roten Marmorplatten, im W. aus unregelmäßigen roten Marmorplatten. 



St. Leonhard 



283 



Chor: Etwas höher als das Langhaus, Boden um drei Stufen aus rotem Marmor erhöht. Gotisches Chor. 

Abschlußgewölbe mit fünf spitzbogigen Stichkappen. Die beiderseits gekehlten Rippen sind nach ihrem 
Zusammenschlüsse schräg abgeschnitten. Runder Schlußstein. — Die vier seitlichen Spitzbogenfenster 
sind mit modernen Maßwerken und ornamentalen Glasmalereien von 1862 (Brüder Daree, München) ver- 
sehen. Das Ostfenster hinter dem Altar hat noch die barockisierte rechteckige Form und Butzenscheiben. 

Turm: Das als Vorhalle dienende Untergeschoß Turm. 

hat im S., O. und N. je eine rundbogige Tür und 
ein gratiges Kreuzgewölbe. Vor der Kirchentür 
schmiedeeisernes Gitter, um 1644. Ovales marmornes 
Weihwasserbecken. 

Anbauten: 1. Ölberg. Die Nische ist innen flach- Anbauten, 
bogig gewölbt. 

2. Sakristei. Erdgeschoß flachgedeckt. Im W. ein- 
gebauter Beichtstuhl und Marmorstiege zum tonnen- 
gewölbten Obergeschosse. 

Einrichtung: Einrichtung. 

Altäre: Alle drei aus rotem Marmor, 1850 von Altäre. 

JosefHaslauer hergestellt, mit alten Altarbildern 
und Statuen. 

1. Hochaltar: Freistehend. Auf zwei roten Mar- Hochaltar. 
morstufen sarkophagförmige Mensa mit vergoldetem 
Kreuz. Predella mit zwei seitlichen Säulenposta- 
menten. Im Aufbau beiderseits des großen Altar- 
bildes je ein Pilaster mit vorgestellter Säule, beide 
mit Kompositkapitälen, darüber Gebälk. Niedriger . 
Giebelaufsatz mit schrägen Seitenvoluten. Marmorne 
Spruchkartusche. Oben Kreuz. 

Altarbild (Fig. 263): Öl auf Leinwand. Der hl. Leon- Fig. 263. 
hard als Fürbitter vor Maria. Oben links die auf 
Wolken thronende Gottesmutter mit dem nackten 
segnenden Kind auf dem Schöße. Sie weist mit der 
linken Hand nach abwärts, ihr Fuß ruht auf der 
von zwei Engeln gehaltenen Mondsichel. Rechts 
von ihr kniet der hl. Leonhard, den Blick bittend 
emporgewendet, mit den ausgestreckten Händen auf 
die Hilfeflehenden weisend. Links unten Kranke, 
eine Frau mit Krücke, den Arm in der Schlinge, 
ein von einem Knaben geführter blinder Greis, ein 
Besessener, von zwei Männern gehalten. In der 
Mitte ein Bauer und eine Bäuerin, für ihr Vieh 
bittend (Pferd, Rind, zwei Schafe). Rechts ein Ge- 
fangener, flehend die Hände ausstreckend, eine 
Mutter mit ihrem kranken Säugling, ein Tauber 
mit einem Glöckchen. Oben eine Schar von Putten 
und Engeln, rechts drei mit den Attributen des 
Heiligen. Im Hintergrunde Darstellung der Kirche 
St. Leonhard mit einem Pyramidenhelm und einem Anbau im S., sonst in ihrer heutigen Gestalt. Gute 
Arbeit vom Jahre 1692, wohl vom Hofmaler Johann Wolf Hofler'). 

Statuen: Über den flachbogigen Durchgängen aus rotem Marmor beiderseits des Altars die lebensgroßen 
polychromierten Holzstatuen des hl. Georg als Drachentöter und des hl. Martin, der seinen Mantel zer- 
schneidet, um ihn mit dem rechts knienden (viel kleineren) Bettler zu teilen. Gute Arbeiten, um 1692. — 
Am Aufsatz auf vergoldeten Wolken zwei Putti, Holz, polychromiert; um 1692. 

Tabernakel: Holz, 1902 neu vergoldet, oben das Lamm auf dem Buche, vor dem Türchen Kruzifix, 
seitlich zwei Flammenurnen. Um 1850. 




Fig. 263 St. Leonhard. Filialkirche, 
Hochaltarbild von J. W. Hofler, 1692 (S. 283) 



) Ich glaube diese drei Bilder dem Hofmaler Hof 1er zuweisen zu können, wegen der Stilverwandtscliaft mit dem archivalisch 
sichergestellten Altarbilde in Niederalm (von 1690); vgl. dort. Sonst könnte man sie auch mit J. F. P e r e t in Zusammenhang 
bringen. 

36* 



284 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Seitenaltäre. 



Fig. 264. 



Kanzel. 
Fig. 265. 



Orgel. 



Skulpturen. 



Gemälde. 



Monstranz. 



2. Zwei im Aufbau einander gleiche Seitenaltäre aus rotem Marmor vom Jahre 1850. Auf roter 
Marmorstufe sarkophagförmige Mensa, niedrige Predella, Altarbild, flankiert von zwei Pilastern mit Frontal- 
voluten als Kapitalen, darüber Friesstück, Gesims und flacher Dreiecksgiebel mit Holzkreuz. — Ver- 
goldetes hölzernes Tabernakel, urh 1850. 

Altarbild beim linken Seitenaltar: Öl auf Leinwand. Die hl. Familie. Im Halbkreise sitzen der 
hl. Josef, Maria mit dem Kinde, die hl. Anna und der hl. Joachim. Die Großmutter gibt dem Kind aus 
einem Fruchtköibchen einen Apfel. Oben auf Wolken Golt-Valer mit der Weltkugel, darunter die Taube, 
darunter vier blumenstreuende Putten (Fig. 264). 

Altarbild beim rechten Seite naltar: Öl auf Leinwand. Beweinung Christi. Unter dem Kreuze Maria 
mit dem Leichnam Christi im Schöße. Rechts Johannes, darunter Magdalena, das Blut von der Hand 
Christi wischend. Links zwei weinende Putti. Oben zwei trauernde fliegende Engel. 
Beide Bilder von der gleichen Hand; gute Arbeiten 
vom Ende des XVII. Jhs. (um 1692), wohl von 
Johann Wolf Hof 1er (s. Anm. S. 284). 

Kanzel (Fig. 265): An der Nordwand. Reich ver- 
ziert. Halbrunde Brüstung, besetzt mit sechs gewun- 
denen, laubumrankten, auf prismatischen Postamenten 
stehenden Säulchen mitKompositkapitälen ; dazwischen 
übergiebelte Blendnischen mit den auf vergoldeten 
Blattwerkkonsolen stehenden guten Statuetten der 
Hl. Hieronymus, Ambrosius, Gregor, Augustinus (nicht 
Leonhard!) und Bonaventura. Darunter Namenstäfel- 
chen. Über den Säulen Fries und Gesims mit Eier- 
stab. — Die steinerne Halbsäule der Wand hat eine 
vergoldete Holzverkleidung, kannelierten Schaft und 
Kompositkapitäl. Daneben je eine Tür mit flach- 
bogiger Verdachung. — Schalldeckel mit vergoldetem 
Eierstab und Peltenreihe. Am Deckel. Kranzreif mit 
aufstehenden vergoldeten Akanihuspalmetten. 
Die ganze Kanzel ist eine für die Gegend charakte- 
ristische und seltene Arbeit vom Jahre 1692 (s. Gesch.). 

Orgel: Verziert mit vergoldeten geschnitzten Ran- 
ken. 1850. 

Skulpturen: Alle Holz, polychromiert. 1. Großes 
Kruzifix im Innern, über der Südtür. Sehr gut, An- 
fang des XVIIL Jhs. 

2. Kleines Kruzifix hinter dem Altar. XVII. Jh. 

3. Ölberggruppe, im äußeren Anbau. Christus, drei 
schlafende Jünger, Engel. XVII. Jh. 

4. Großes Kruzifix, außen im S. des Langhauses, 
ganz von Grün umwachsen. Gut, zweite Hälfte des 
XVII. Jhs. 

5. Tonstatuette des hl. Leonhard, in vergitterter 
Nische in der Laibung der südlichen Turmtür. Gut, 
XVIIL Jh. 

6. Große Statue der hl. Maria Magdalena. Mittel- 
mäßig, um 1700 (Sakristei). 

7. Statue des hl. Johann von Nepomuk. Mitte des 
XVIIL Jhs. (Sakristei). , 

Gemälde: Öl auf Leinwand. 1. Brustbild des dornengekrönten Heilands; schwach. Brustbild der Mutter 
Gottes; gute Arbeit. Beide in gleichen, mit geschnitzten und vergoldeten Rokokoornamenten verzierten 
Rahmen. Laut aufgeklebtem Zettel gestiftet von Franz Josef Pettschnegg, gewester Veldivebl am Han- 
genden Stein 1736. 

2. Liariü Heimsuchung, in schön geschnitztem Rahmen. Ende des XVIIL Jhs. Wahrscheinlich altes Altar- 
au^satzbild. 

3. 14 Kreuzwegbilder, Öl auf Holz. Ende des XVII. Jhs. 

4. y\n der Rückseite des Hochaltars zahlreiche Votivbilder des XVIIL und XIX. Jhs. 

Monstranz: Messing, vergoldet und versilbert, getrieben. Am Fuße Rosen und Trauben. Einfacher 
Schein mit Rebenrahnien, Gott-Vater und zwei Engeln. Erste Hälfte des XIX. Jhs. 




Fig. 264 St. Leonhard. Filialkirche, 
linkes Seitenaltarbild von J. W. Hofler, um 1692 (S. 284) 



St. Leonhard 



285 



ö 



Ziborium (Fig. 266 a): Silber, zum Teil vergoldet. Runder Fui3 und Deckel, getrieben' mit buschigen 
Akanthusranken und je drei ovalen Medaillons mit Leidenswerkzeugen. Durchbrochener, getriebener 
silberner Cuppakorb mit buschigen Akanthusranken und drei arma Christi in ovalen Medaillons. — 
Marken: Augsburger Beschau (R^ 158). Meisterzeichen: In Breitoval AL. Gute Augsburger Arbeit. 
Wohl das im Inventar von 1668 vorkommende ganz neue Ciborium von Silber, vergoldt. — • _ 
Später aufgesetzte Krone von kugeliger Form, Silber, vergoldet, mit getriebenen silbernen i^^k 
symmetrischen Rocaillen und Gitterwerk. — Marken: Salzburger Beschau. Meisterzeichen: I M M ^|i^||^ 
in Breitoval. Arbeit des Johann Michael Mayr in Salzburg (Meister seit 1750), um 1750. 

Kelche: Alle Silber, vergoldet. 1. Abgestufter 
runder Fuß, sechsseitiger kleiner Knauf, 
glatte Cuppa. — Marken: ä) Beschau- 
zeichen fehlt, b) Undeutliche Meister- 
marke: AR(?). Um 1760. 

2. Schöner Rokokokelch. Fuß, Knauf und Cuppa- 
korb reich verziert mit getriebenen symmetri- 
schen Rocaillen. — Marke wie bei 1. Um 1760 
(Fig. 266 b). 

3. Großer reich gearbeiteter Kelch. Reich verziert 
mit gegossenem Blattweikornament. Am Fuß und 
am Cuppakorb je drei ovale Porzellanminiaturen 
in Silberfiligraiiumrahmung: Ölberg, Abendmahl, 
Christus und die Jünger zu Emaus; Geißelung, 
Dornenkrönung, Kreuzigung. — Marken: Rtsmer 
Hallein 1860 (Reitsamer). 

Kreuzpartikelmonstranz: Kupfer, ver- 
goldet, mit getriebenen Verzierungen. Oberteil 
Mitte des XVIll. Jhs., Fuß Mitte des XIX. Jhs. 

Reliquiar: Kupfer, vergoldet, in Form einer 
kleinen hübschen Monstranz. Übliche Form, mit 
reichen getriebenen unsymmetrischen Rocaillen 
und unechten Steinen. Um 1770. 

Kruzifix (Fig. 267): Großes Altarkruzifix, Sil- 
ber, mit drei geschwungenen Füßen und rundem 
Knaufe, reich getrieben mit Bandwerkornamenten 
und Gitterwerk. Am Kreuz am unteren Schaft 
und an den kleeblattförmigen drei oberen Enden 
aufgelegte getriebene Bandwerkornamente. — 
Marken: Augsburger Beschau mit I (R^ 192; 
1749—1751). Meisterzeichen: FCM in Rechteck 
(R- 536). Sehr schöne Augsburger Arbeit vom 
Jahre 1750, wohl von Franz Christoph 
Mäderl (Meister seit 1729, gest. 1765). 

Opferkän neben mit Tasse: Messing, ver- 
silbert, mit getriebenen Ornamenten. Mitte des 
XVIII. Jhs. 

Rauchfaß: Messing, versilbert, mit getriebenen 
Akanthusranken. Zweite Hälfte des XVII. Jhs. 

We ihra uch seh i f f che n: Messing, versilb^t, mit getriebenen Rocaillen. Mitte des XVIll. Jhs. 

.\mpel: Messing, versilbert, mit getriebenen Ornamenten. Mitte des XIX. Jhs. 

Leuchter: 1. Barock. Zwei große dreifüßige Leuchter, reich geschnitzt, Holz, versilbert. Zweite Hälfte 

des XVII. Jhs. 

L'. Barock. Zwei kleine geschnitzte Leuchter, Holz, vergoldet. Anfang des XVIII. Jhs. 

5. Empire, dreifüßig. Sechs große und zwölf kleine, Holz, geschnitzt und vergoldet. Erste Hälfte des 

XIX. Jhs. 

1. Sechs große Empireleuchter, dreifüßig, Messingblech, versilbert, getrieben. 1832 gekauft. 

■ K Acht dreifüßige Empireleuchter, Zinn. Erste Hälfte des XIX. Jhs. 

IMuviale: Weißer Seidenbrokat, mit gewebten bunten Blumen und goldenen Ranken. Erste Hälfte des 
XIX. Jhs. 



Ziborium. 
Fig. 266 a. 




•ig. 265 St. Leonhard. Filialkirclie, Kanzel von 1692 (S. 284) 



Kelche. 



Fig. 266 b. 



Krcuzpartikcl- 
monslranz. 

Reliquiar. 



Kruzifix. 
Fig. 267. 



Opfer- 

kännchen mit 

Tasse. 

Rauchfaß. 

Weihrauch- 
schiffchen. 

Ampel. 

Leuchter. 



Phivialc 



286 



Qerichtsbezirk Salzburg 



Kasein. Kasein: 1. Goldbrokat mit buntseidenen gewebten Blumen. 

2. Mittelteil rot, Seitenteile weiße Seide mit gewebten bunten Blumen. 

3. Weiße Seide mit großen bunten gewebten Blumen. 

4. Grüner Moiree. — Alle aus der ersten Hälfte und Mitte des XIX. Jhs. 

Varia. Varia: 1. Zwei Reliquiare in rechteckigen Rahmen mit je vier kleinen Wachsmedaillons und den Figuren 

der Immakulata und des hl. Josef aus Wachs in reicher Filigrandrahtumrahmung. XVIll. Jh. (Sakristei). 

2. Standkruzifix über dem Sakristeitische, Holz, schwarz lackiert, 
zum Teil silber- und goldbronziert. Gut, Mitte des XVII. Jhs. 

3. Kleines Standkruzifix, Holz, mit versilbertem Kruzifixus. 
XVIII. Jh. (Sakristei). 

4. Zwei hölzerne Sammeltafeln und eine Opfertafel, alle drei 
mit kleinen Statuetten des hl. Leonhard. XVIII. Jh. 

5. Einfacher weiß lackierter Schrank (Oratorium). Mitte des 
XVII. Jhs. 





a h 

Fig. 266 St. Leonhard, Filialkirche, a Ziborium von A L in Augs- 
burg, um 1665; Krone um 1750. b Kelch, um 1760 (S. 285) 



Fig. 267 St. Leonhard, Filialkirche. 
Silberkruzifix von F. C. Mäderl in Augs- 
burg, 1750 (S. 285) 



nT.lv.-in'j. Grabsteine: Im Fußboden des Langhauses mehrere stark abgetretene Grabsteine: 1. Rote vierzeilige 
Inschrift in gotischer Minuskel: Anno dni 1509 die xv mensis Juli obiit ieroni{mns) graber qii ctr lis 
in grich hie sepM(ltus). 

2. Daneben rote Marmorplatte. Unten Kelch. Oben fünfzeilige Minuskelinschrift: Hie ligt begraben . . . 
der gestorben ist. am freitag nach pangracij anno dni mcccccxiv. 

Weiters fünf abgetretene Inschriften in gelben Quadratplatten des Pflasters: 1. Ganz unleserlich. — | 
2. Josephus Alexins Ignatius Grimming de Nidernrain obiit die 21. Februarij Ab: 1730. — 3. M. Franc. 1 
de Grihiing in Nideni{r&[)n nata de Staudach in Wislmch; gest. 1739. — 4. Maria Anna Grimming . . . - 
5. Ganz abgetreten. 



Schloß Leopoldskron 



287 



Glocken: 1. Maria mit dem Kinde, St. Michael, St. Leonliard, Puttenfries. Durch das feier bin ich 
geflossen, Hans Rohrer in Linz hat mich gössen anno 1651. 

2. Kreuzigung, Beweinung Christi, Anbetung des Hirten, Maria mit dem Kinde. -- Franz HoUederer in 
Salzburg, 1844. 

3. Kruzifix, St. Franz, Maria, Johannes Evangelista. — Franz HoUederer in Salzburg, 1843. 



Glocken. 



Brunnen: An der Straße gegenüber Zieglers Gasthaus. Rechteckiger Röhrkasten aus rotem Marmor; 
dahinter achtseitiger Pfeiler aus weißem Marmor mit quadratischer Deckplatte, darauf die Marmorstatue 
eines Putto mit einem Ährenbündel im linken Arm; gute Arbeit aus der ersten Hälfte des XVIII. Jhs. 

Bildstock: An der Straße, beim Gasthofe Drachenloch. Kapellenartiger, gotisierender, moderner Bau. 
Innen die lebensgroße Holzstatue Christi an der Geißelsäule, XVIII. Jh. Zwei getriebene Leuchter, Messing, 
versilbert, Ende des XVIII. Jhs. 



Brunnen. 



Bildstock. 




Fig. 268 Schloß Leopoldskron mit dem Hohen Qöll und Untersberg. Ansicht von der Richterhöhe 

am Mönchsberg (S. 302) 



Schloß Leopoldskron 

Archivalien: SRA (Alte Bauakten F II 6; Hofk. Hofbauamt 17570). — Musealarchiv. 

Literatur: Hübner, Stadt 1, 427—439. — (Hormayr) Archiv f. Geogr., Histor., Staats- und Kriegskunde 1822, 255. — Pill wein, 
Salzachkreis 399. — Dürlinoer, Handbuch 100. — Knorz Justus, Schloß Leopoldskron usw. in Ldkde 42 (1902) 
155—184. — J. Forster, Stucco-Dekorationen aus Schloß Leopoldskron usw., Berlin, 1897 (Tafelwerk). 

Alte Ansichten: Federzeichnung von G. A. Riedl, 1773 (Museum). — Kolorierte Radierung von Louis Wallee, um 1800; von 
Schneeweis, umtl800. — Tuschzeichnung von 0. Pezolt, 1836 (Museum). 

An der Stelle, wo der sog. Radi- oder Niederleghof auf der Riedenburg mit dem hf. Fischweiher Kueh- 
weiher stand, wobei (schon 1605) eine Fischhütte war, begann Erzbischof Leopold Anton Graf Firmian 
im Jahre 1736 den Bau des Schlosses, das er wohl in Anklang an das der Familie gehörige Schloß 



288 Qerichtsbezirk Salzburg 

Cronmetz in Südtirol Leopoldskron nannte. Am 12. November 1736 errichtete er für seine Familie ein 
Primogenitursfideikomniiß, worin er das Schloß als den Hauptsitz erklärte und als Einkünfte das lange 
oder wilde Moos südlich von Leopoldskron bis zum Untersberg und auf diesem noch etliche Almen 
bestimmte. Erzbischof Sigmund verlieh dem Sitze auch die Hofmarksfreiheit. 

Als Baumeister des Schlosses gilt der in den mathematischen Wissenschaften hochgelehrte P. Bernard 
Stuart aus dem Regensburger Schottenkloster St. Jakob, der bei Leopold, welcher ein großer Lieb- 
haber von astronomischen und mathematischen Gegenständen, insbesonders Sonnenuhren war, viel galt 
und auch die Torfkultur in Salzburg neu zu heben bemüht war. Akten über den Bau fehlen fast gänzlich; 
nur zufällige Nachrichten finden sich. Manches verdanken wir auch dem Akte, der den Streit Stuarts 
mit dem hf. Unterbaumeister Johann Kleber betrifft. Dieser stammte aus dem Bregenzerwalde und 
war Stukkatorer; er war seit Juli 1730 in Salzburg. Seine Verwendbarkeit brachte ihn in die hf. Hof- 
baumeisterei, wo er am 2. Februar 1739 Unterbaumeister wurde. Kleber, der sich allmählich zum Faktotum 
Stuarts herausgebildet hatte, warf diesem Übervorteilung nicht nur seiner Person (Klebers), sondern 
auch der Hofbaumeisterei vor; eine Disziplinaruntersuchung war die Folge; gegen Stuart wurde zwar 
nicht eingeschritten, aber er war moralisch verurteilt, fiel in Ungnade und verließ Salzburg, während 
Kleber in Diensten blieb, bis er 1757 Bergverwalter in Hallstatt wurde: So viel sei zum Verständnis vor- 
ausgeschickt. 

Einige Puncte, so sich von 1736 Ins 1740 zwischen Sr. Hw. Herrn P. Stuart, Paudirector und mir zu- 
getragen, als 

Nachdem Herr Friedrich Koch sei. gew. Pauverwalter mit Tod abgangen, habe mit größter Begierde 
Gelegenheit gesucht durch Bekantschaft des Herrn P. Stuart mich an allhiesigen hf. Salzb. Hof wegen 
dem Pauwesen zu engagiren, indessen ist er selbst zum Paudirector gnädigst ernennt worden, ich aber 
bin ihme mit unterschidlichen Rissen, Überschlägen und anderen Pausachen möglichst an die Hand 
gegangen, von denen nebst andern seynd gewesen: Riss und Modell zur hf. Thumbanzl, die Abmess- 
und in Grundlegung aller hoch Firmianischen Grund samt dem großen Moos, die Riss der f acta da, 
T achwerk und Turn in Leo poldsc ron, Grund- und Aufriss für Herrn P. P. Benedictiner zur 
Kirchen und Haus in Schwarzach und noch vil andere Sachen, für welches alles nach Contento bin 
bezalt. . . . Machte auch die Stuccadorarbeit in dem Realstock der Leopoldscron gegen 
die Alben. 

Stuart, der, wie gelegentlich erwähnt wird, am Jesuitensaalbau in Augsburg beteiligt war und Kleber 
seinen gewesten Bedienten, Discipl und dienten nennt, suchte sich gegen die Anwürfe, auf die wir hier 
nicht weiter eingehen können, zu rechtfertigen und den Anteil Klebers an diesen Arbeiten- herabzu- 
mindern und für sich und die Hofbaumeisterei in Anspruch zu nehmen, was Kleber veranlaßte, anzu- 
geben, er habe überhaupt niemals Stuart einen Riss machen und zeichnen sehen und er habe für das 
Missionshaus im Gebürg ikonographisch und perspectivisch aufzureissen gleich anfangs täglich 1 fl. 
bezahlt, nach diesen habe vor geometrische Abreissung der Leopoldscrongründe samt dem großen Moos, 
dann der Facciata und Dombcanzl widerumb die Bezahlung wie oben erklärt. 

Aus den weiteren Prozeßakten erfahren wir auch, daß Johann Georg Braun, Stuchodor von Wesso- 
brunn, welcher die Stuchodorerzierrathen an denen ersteren zwei Öfen in Leopoldscron alleinig ver- 
fertigt hat, von Joh. Kleber hiefür 34 fL empfangen, und daß Johann Lindentaler, Stochadorer 
in Salzburg, beim Herrn Hofhafner 7 Wochen (für Leopoldskron) gearbeitet hat. 

Am 26. Mai 1744 erst wurde die Kapelle zu Ehren U. L. Frau, der Hl. Rupert und Leopold geweiht. 
In diesem Jahre wurde auch die Glocke für 133 fl. 20 kr. gegossen. 

Noch am 22. Oktober desselben Jahres segnete Leopold Anton in Leopoldskron das Zeitliche. 
Leopoldskron fiel an seinen Neffen Laktanz Grafen Firmian (seit 1736 vermählt mit Ma.ximiliana Gräfin 
Lodron) und ihm verdankt es seine Blüte. Laktanz war ein für die bildenden Künste überaus begeisterter 
Maim, der sich nicht nur eine bedeutende Gemälde und Kupferstichsammlung anlegte, sondern auch 
selbst malte und modellierte. Er starb zu Nogaredo am 6. März 1786. Seine Grabschrift in der 



Schloß Leopoldskron 289 

St. Rupertskapelle zu Villa Lagarina enthält keine Überhebung, wenn sie von ihm sagt: eruditus laünis 
et graecis litteris ac liberalium disciplinamm scientissimus praeclarus etiam delineandi et fingendi 
artifex, denique exemplar antiquae virtutis et religionis. 

Im Artikel 10 seines am 19. Dezember 1775 aufgerichteten Testamentes hatte Laktanz verfügt: Bestimme 
alle meine gute und theuere in der Leopoldskron bejindliche Gemähide besonders die Mallersamlung zu 
einem Familien-Fideicommiss, also dass hierüber besonders Inventarium errichtet, solche niemalen zer- 
theilet, am mindesten etwas davon veräußert werde, und was hierwider beschieht, ipso facto null und 
nichtig seyn soll. 

Nach Laktanzs' Tode übernahm sein damals schon 51jähriger Sohn Leopold Anton das Fideikommiß; 
sein erstes war, daß er dem Domkapitel das ganze Besitztum zum Kaufe anbot, ohne Erfolg zu haben. 
Leopold hatte wenig Interesse an den Sammlungen; seine Güte, mit der er Bilder zum Kopieren verlieh, 
wurde oft mißbraucht. Als er 1828 starb, fiel, da das Fideikommiß 1812 aufgehoben worden war, Leopolds- 
kron an seinen Schwiegersohn Karl Grafen Wolkenstein-Trostburg; nur das, was Ritterlehen war, nämlich 
der Weiher und das „Moos- oder Lazarethölzl" samt dem Moore kam an Leopold Grafen Firmian, Erz- 
bischof von Wien, der Weiher blieb bis heute im Besitze der Firmianschen Familie. Das Schloß ver- 
kaufte Graf Wolkenstein 1837 um 30.000 fl. an Georg Zierer, Schießstättewirt in Salzburg, der es, um auf 
seine Kosten zu kommen, förmlich plünderte, die Sammlungen verschleuderte und was auch dabei nicht 
wegging, versteigerte. Der Normalpreis für ein Bild war 4 fl. 1845 erwarben das Schloß um 45.000 fl. 
zwei gewesene Oberkellner aus Weinsberg in Württemberg, die es in ein Hotel umwandeln wollten und 
daselbst Schlammbäder errichteten; im großen Saale wurde damals protestantischer Gottesdienst gehalten. 
1848 kaufte Zierer das Schloß um 47.000 fl. zurück, um es 3 Monate später an Heinrich Ritter von 
Mertens wieder zu verkaufen. Dieser ließ wieder anstatt der von Zierer herausgerissenen neue Parkett- 
böden legen. 1851 verkaufte er Leopoldskron um 62.500 fl. an Exkönig Ludwig I. von Bayern, der sich 
dort gerne aufhielt. 1869 wurde es jedoch — nach Ludwigs Tode — an den Notar Dr. Julius Schindler, 
bekannt unter dem Dichternamen Julius von der Traun (gest. 1885), um 40.000 fl. verkauft. In das Erbe 
Schindlers teilten sich sein Sohn Julius, der 1890 seinen Anteil an Bankier kais. Rat Karl Spängier 
abtrat, und die Tochter, vereh. Schaffarik. Ersterer Anteil kam 1895 an Frau Hyra. Im gleichen Jahre 
erwarb Baron Rüdt-Colenberg beide Anteile um 85.000 fl. Seit 1904 ist Herr Regierungsrat Paul Wolf 
Besitzer. 
Das Mairhaus wurde 1763 an Stelle des Radihofes erbaut. 

Da häufig Gemälde auftauchen, die aus Leopoldskron stammen sollen, geben wir hier anhangsweise als 
Ergänzung zu den von Hübner, a. a. O., gebrachten Verzeichnissen ein Inventar, das aus dem Anfange 
des XIX. Jhs. (nach 1809) stammt. 

C a t a I o g alter G e mäh Ide und Zeichnungen, welche zur Majorats- 
Herrschaft Leopoldskron gehörig. 

G etnählde^) 

in dem Saale 

•'■/ — 2 Zwey große Familien Gemähide allegorischer Vorstellung Rensi 

■3—6 die vier Jahres-Zeiten idem 

*7 das Decitenstücli, die Vermählung der Atalanda Ebner 

Kapelle 

*<S das Altarblatt Ebner 

'"9—12 Vier Evangelien Stüctie Rensi 

■''13—16 Vier Evangelisten idem 

'"17—19 Zwey andere Stticii, nebst dem Decliensttlclt idem 

') Die mit einem Sterne versehenen sind jetzt noch im Schlosse vorhanden. 

XI 37 



290 Gerichtsbezirk Salzburg 

Dann befinden sich in verschiedenen Zimmern folgende Gemähide. 

"20 Erzbischof V. Firmian j: Portrait :; Rensi 

21 David der König, spielend auf der Harfe Mola 

22 Eine Feuers Brunst Jean Wildens 

23 Eine Landschaft mit dem Prospekt einer Stadt Beych 

24 Portrait des Freyh. zu Firmian Vaters des Erzbischofs Firmian 

25 Portrait der Freyfrau v. Firmian Mutter des Erzb. Firmian gebohr. v. Thun 

26 Petrus und Johannes nach dem Evangello wo sie Lahme gesund machen Calabrese 

27 Diogenes der Cynlker Salvator Rosa 

2S Ein Evangelien Stück, wie die Frauen den Erlöser beym Grabe vergebens suchten Napolltano 

29 Ein Evangelien Stück wo der Erlöser zu Petrus sagt: Komm folge mir nach. Ich werde 

dich zum Menschenfischer machen etc idem 

30—31 Kirchen Perspectiv- Prospect Neefs 

32 Amor klagt die Psyche an j: nach Ovld ./ Nach Raphael 

33 Amors Hochzelt mit der Psyche ,: nach Ovld ;/ nach Raphael 

34 Familie Christi nach Raphael 

35 Himmelfahrt Christi ': klein ;/ nach Raphael 

36 Himmelfahrt Maria ,; klein :j nach Raphael 

37 Portrait i : klein — unbekannt : j 

38 Ein Kopfstück j: klein:/ 

39 Mutter Gottes j: klein:! Conca Cavagll 

40 Der hl. Joseph sterbend Guido Renl 

41 Mutter Gottes mit dem Kinde, Petrus und Paulus j:eln Nachtstück :l Gerhard Hondhorst 

42 Christus und Johannes als Kinder Garzl 

43 Portrait j: unbekant :/ Tltlano 

44 Kopf eines Alten ,: auf Holz :] Giuseppe d'Arplno 

45 Petrus der Apostel : Brustbild :j Grasmayr 

46 Kreutz- Ab nehmung Christi Rubens 

47 Auferstehung Christi 

48 Apollo und Mldas j: Götterg. :j Rubens 

49 Hercules und Omphale Sollmena 

50 Ein altes Portrait :: unbekannt :j 

51 Die heil. Magdalena , .• Sclzzo ./ Rothmayr 

52 Die berühmte Galathee Nach Raphael 

53 Hell. Hleronlmus Rembrant 

54 Der Heiland und Johannes als Kinder Troger 

55 Ein Apostels Kopf mit halb : Flg: • . . . • Cigiiano 

56 Heil. Magdalena halb Flg Idem 

57 Cruclfix mit dem hell. Franziskus Ebner 

58 Ein Perspectlv-Stück Dolens 

59 Mutter Gottes mit dem saugenden Kinde Schldone 

60 Flucht In Aegypten j:groß:i Glordano ;:Luka. 

61 Christus mit den Jüngern In Emaus Plazetta 

62 Vesper-Bild Grasmayr 

63 Familie Christi auf der Flucht In Egypten 

64 Ein Stück mit Jagdhunden Hondlus 

65—66 Zwei Holländisch : Bauern Stück Breenberg 

67 Eine Dlestel Burgau 

68 Ein Reitpferd mit einer Landschaft Idem 

69 Toder Fuchs 

70 Ein Stück toder Vögel 

71 Hünner mit Ihren Jungen Burgau 

72—73 Bauernstück holländisch : flamänd: Jordans 

74 Heil: Johaii der Täufer halb Flg: Grasmayr 

75 Heil: Hlroninius halb Flg: Idem 

76 Hell: Sebastian halb Flg: 

77 Arch Noe, ein Thlersiück j: groß ••/ . 



Schloß Leopoldskron 291 

78—79 Zwei Perspectiv ': Niederländisch :j Bles 

'■■80 Balthasar König von Israel an der Tafel, ebenda eine unbekannte Hand sein Urtheil schrieb 

81 Der hell: Bartholomäus geschunden 

82 Paulus der Eremit j: groß halb:Flg:( Grasmayr 

83 Antonius der Eremit idem 

84 Mutter Gottes l: ganze Figur. -j Pesaro j: Simon:/ 

85 Christus vom Kreutze herabgenommen, nebst seiner gOttl: Mutter und hell: Johannes . . . Palma Vecchlo 

86 Hell: Hlronlmus 

87 Eine Alte mit einem Kinde bey der Glut Sandrart 

88 Ein Landschafichen 

89—90 Bataillen ,: klein:! Casa Nova 

91—92 Itallänlsche Bauern Stück 

■'■93—96 4 Jahrszelten 

97 Christus und Thomas halb: Fig : Lebensgroß 

98 Die Mutter Gottes mit 2 Jungfrauen j: auf Holz :/ Cranach 

99 Die Mutter Gottes , ; waschend ;/ Carlo Maratta 

100 — lOI Landschaften mit Reisewägen staflrt Nlderländ Schul 

102 Ein toder Haase 

103 Tode Vögel 

104 Eine Ente mit Ihren Jungen 

105-106 Holländisch Bauern Stück 

107 Ein Stück mit Jagd Hunden 

108 Ein Mops : en Portrait: Enzlnger 

109 Eine Diesiel oben 67 Burgau 

HO Ein Reitpferd mit einer Landschaft oben 68 idem 

111—112 Zwey Superportalen mit Landschaften 

113—114 Zwey Superportalen. Diana — Pomona 

115 Auferstehung Christi : Altarbl. Sclzze :' Rensl 

113—117 Ein Alter und eine Alte ,:halb Figur:' idem 

118—119 Christus als Lehrer ■: ein Evangelien Stück ; Troger 

120—121 Hell. Hlronlmus und Magdalena /; halb: Flg :j Plazetta 

122 Mutter Gottes mit dem Kinde Carracclsche Schult 

123 Katharina von Slena Gallo dello Pazlzlo 

124 Hell. Joseph mit dem Kinde 

125 Ein Mutter Gottes Bild Sollmena 

126 Ein Ecce Homo Kopf Alt deutsche Schult 

127 Der englische Gruß : halb Fig: :j 

128 Maria Himmelfahrt : groß •■/ . 

129 Die heilige Familie Zanusl 

130 Hell. Johannes von Nepomuk idem 

131 Die unbefleckte Empfängnis Maria mit allegorischen Bildern Troger 

132 Die hell. Clara 

133 Saut bey der Zauberin von Enthor 

134 Ein Frucht Stück ;:groß:i 

135 Der leidende Jesus nach Rembrant 

136—139 Blumen Stücke /; klein :j 

140—143 Winter Jagden j: klein .■/ Enzlnger 

144, 145 Italienische Conversations Stücke 

146 Ein Alter , ; als phllosophlrend ;/ 

147 Eine Frau beym Toilette wo ihr ein Trompetter einen Brief überglebt 

148 Italienisches Bauern Stück 

149 Holländisches Bauern Stück :: auf Holz: j 

150 Der hell. Phlllppus Nerius ;:groß:l Conca Cavagll 

151 Ein Cruclflx Rothmayr 

152 Die Gehurt Christi Schlavonl 

153—156 Vier Eremiten :: auf Holz klein .-/ 

157-^172 16 Voglstäcke 

37* 



]76 Schweisstuech nach dem Evangelium j: groß auf Leinwaih gemahlen . 



292 Gericlitsbezirk Salzburg 

173-175 3 Superportalen, als: Samson bei der Dalila. — Agar mit dem Ismael flüchtig, wo 

ihnen ein Engel eine Brunnquelle zeigt, — eine Landschaft 

Unwissend den Mah- 
ler. doch kommen alle 
Kenner tiberein daß 
es aus der welschen 
Schule und von ei- 
nen der berühmtesten 
Mahler seye. 

177 Ceres j:ein Nachtstück:! Gerhard Hondhorst 

178 Der berauschte Silenus Rubens 

179 Jupiter und Callisto idem 

180 Christus, da er dem Petrus die Schlüssel übergibt !: Alle Fig. Lebensgröße ./ . Guido Reni 

181 Christus wie er Magdalen erscheint 

182 Himmelfahrt Maria /; Altarbl. Scizze ;/ Carrazische Schult 

183 Ein Knab ': halb : Fig. :l Troger 

184 Ein Weib mit einem Kinde • Amorosi 

185—186 Johann der Täufer Garzi 

187 Der heil: Franziskus, wie er die Wundmahlen empfängt 

188 Mutter Gottes mit dem heil: Anton Piazetta 

189 Heil: Katharina j: Skizze ./ 

190 Gregor Taumaturgus -^ Bischof, wie er dem Gewässer sich zu theilen gebiet Carloni 

191 Triumpf der Kirche ::Skize:; Conca Cavagli 

192 Heil. Ursula 

193, 194 Zwei Köpfe \: Studium .-/ 

195 Ein Kind ::halb:Fig:j Amorosi 

196 Eurigenia j: Skizze:/ Rothmayr 

197 Heil. Hironimus j: halb Fig: groß ;/ NB: hat General Lecourb genohmen Rovera 

198 Susana überrascht von den 2 Alten Rothmayr 

199 Charitas Romana , ; klein :/ 

200, 201 Zwei Halbfiguren \: Studium :\ 

202 Ein Kopf : Studium:] 

203-208 Je ein Kind i: halb Fig:: Amorosi 

209 Familie Christi mit den heil. Hyronimus, Franziskus und Katharina !: groß ;/ Paulo Veronese 

210 Die Geißlung Christi Trevisani 

211 Ein Kopf ;.- Studium :j 

212 Ein Mann j: Halb Figur :j 

213 — 216 4 Frauenzimmer , .■ alle g: als Element :j 

217, 218 Zwei Stücke nach Ovids Metamorph. Caval. Liberi 

219, 220 2 Superportalen mit 2 Landschaften 

221 Marsias geschunden von Apollo Rothmayr 

222 Der sterbende Abel Salvator Rosa 

223 Der heil Veit Rothmayr 

224 Die Mutter Gottes mit dem Kinde nebst einem Engel /.• auf Holz .■/ Banfi 

( Joh. Bapt. Galli 

225 Antonius der Eremit | ^^^^^ .^ p^^.^.^ 

226 Mutter Gottes mit schlafenden Kinde j: halb Figur:! 

nach Albert Dürrers 

227 Die heil: drey Könige ,, , ,, 

228 Die Familie Christi j:groß:j nach Rubens 

229 Heil: Magdalena j: halb Fig:/ 

230 Der Erlöser l:halb Fig:/ Rothmayr ' 

231 Die Mutter Gottes f: halb Fig:j idem 

232 Heil. Hieronimus i: halb Fig:/ Rothmayr 

233 Heil. .Magdalena j: halb Figur:/ idem 

234, 235 Zwei italienische Bauern Stücke 

236 Ein Apostels Kopf Grasmayr 



Schloß Leopoldskron 293 

237 Maria Himmelfahrt .• Hine Altarblatt : Skize ;/ Römische Schiill 

238 Der Evangelist Markus ': eine Skize :j eadem 

239—242 4 Pferdt Stücke 

243 Petrus und Franziskus j: halb Fig. Muziani 

244 Der Heil: Martin Bischof sterbend /.• eine Altarblats Skize :j Zignaroti 

245 Johann der Täufer ;: oval ;; Mola 

246 Maria Himmelfahrt ': Altarbl : Skize :j Chonca 

247—250 4 Pferd Stück • • • . 

251 Ein Apostels Kopf Grasmayr 

252 Katharina bey der Mutter Gottes !: eine Altarblats Skizze :J Römische Schall 

253 Maria Himelfahrt : Altarbl: Skize :l eadem 

254 Der alt und Junge Tobias ,': bibl: Gesch :,' Bolognesische Schult 

255 Charitas Romana eadem 

256 Herodias ': Bibl: Geschichte .•/ Carlo Loth 

257 Eine Landschaft . 

258, 259 Zwei Conversations Stücke 

260 Die Geburt Cliristi ,: Skize:, Römische Schall 

261—264 4 Conversation Stücke 

265, 266 2 Superportalen als Kinder Stücke die allegorisch die Bild/iautr und Baukunst vorstellen 

267 Curtius der Römer stürzt sich um die Republik zu retten in einen feurigen Schlund . . Nickhl 

268, 269 Landschaften mit Menschen und Vieh stafiert /.• groß .• 

270 Ceres ,: nach Ovids Metamorph : , Coypel 

271 Pomona : nach Ovlds Metamorph :l idem 

272 Diana im Baad 

273, 274 Aufnahme der Kunst j: allegorisch :j 

275 Flora die Göttin : Skize:; 

276 Sisyphus /.• nach der Mitologie :/ 

*277 Portrait des Lactanzius Grafen v. Firmian noch in seiner Jugend als oberst Jägermeister . Zanusi 

278 Eine Köchin in der Küche abspülend 

279. 280 Zwei Stück mit Fischen i: groß:' 

281, 282 Zwei Frucht Stück 

283 Eine Köchin : Portrait halb Figur: (NB: hat General Lecourb genohmen.) Lorenzoni 

284 Ein Farbenreiber .• Portrait halb Figur .•/ idem 

285 Ein Küchenstück idem 

NB: hat General Lecourb genohmen 

286 Ein Küchen Stück 

287 Ein ruhender Hirtenknab 

288 Ein Todenkopf : genähter Arbeit :j 

289 Ein Harlequin /; von Schmetterlingen gemacht .•/ . 

290 — 292 3 Superportalen als 3 Landschaften 

293 Dldo, Stifterin und Königin Kartagos verbrennt sich 

294, 295 Zwei Blumen Stücke 

296 Ein Landschäftchen 

297, 298 Geschossene Vögel Enzinger 

299—303 Die fünf Sinne (Jetzt im städtischen Museum.) 

305, 306 Zwei Rudera Stack I: groß oval:! Pannini 

307 Ein Thier Stück ': groß // Roos 

308 Ein Hirtenstück Italienische Schult 

309 Ein Jagdstück 

310, 311 Zwei Landschaften mit Menschen und Vieh staffirt 

312 Ein Haase j: Studium:! 

313 Ein Fuchs ': Studium ;/ 

314—316 Drei Tier Stücke j: groß .•/ Roos 

317, 318 Zwei Bataillen ;: groß :• Bourguignon 

319, 320 dto. Leander 

321, 322 Zwei Hirtenstücke ; groß ; Italiänisch Schult 

323—329 7 Rudera Stück /.• groß .•/ Viviani 



294 Qerichtsbezirk Salzburg 

330 I Riidera-Stilck 1: groß :/ Gisolfi 

331, 332 Zwei Landschaften mit Menschen und Vieh staffiert Momper 

333 Ein Rudera Stück Viviani 

334 Ein Italidnisch Baaernstück 

335 Eine Landschaft /; klein j: Salvator Rosa 

336 Ein Pferdstack 

337, 338 Zwei Hirtenstacke j: genähter Arbeit :j 

339 Ein Rudera Stuck • Viviani 

340 Eine Landschaft mit Menschen und Vieh staffiert Momper 

341 Ein Thierstack : klein :j 

342 Ein Pferdstack 

343 Kreutzigung Christi j: eine Albarblats Skitze : groß :j Rensi 

344 Christus am Oelberg .■ Altarbl: Skizze, groß :j idem 

345—348 Die vier Evangelisten ,: Halbfiguren .•/ idem 

349 Charitas Romana /; groß .•/ 

350, 351 Venus, Mercurius 

352 Dem Jakob, Patriarchen zeigen seine Söhne Josephs blutiges Kleid :j: groß :j 

353 Heil. Petrus j: halb Eig. :! 

354 Ein Apostel ;: halb Fig. : 

355—357 Drey Landschaften ,.• klein :j 

355 Der verlohrne Sohn nach dem Evangelium /; groß .;' nach Guercino 

359 Die Mutter Gottes mit dem Kinde ; halb Fig. .■/ . Bolognesische Schult^ 

360 Johannes in der Waste ; Skizze ;, • Graßmayr -' 

361 Heil. Nikolaus : Skizze ;/ idem | 

362 Ein Kinder Stück Bergler f 

363 Aufnahme der Kunst .- allegorisch : ■ i 

364 Eine Landschaft j: mittelmäßiger Größe ;/ Niederländ. Schall $ 

365 Heiliger Alexius .• ganze Figur : Troger ^ 

365 Anbettung des göttlichen Kindes von den 3 Königen ,; Skize .-/ Graßmayr *'; 

367 Flucht der heil: Familie nach Egypfen j: Skizze // idem f 

368 Ein Kinder Stück Bergler i 

359 Aufnahme der Kunst ': allegorisch .• 

310 Eine Landschaft /.■ mittelmässiger Grösse :,' Niederländ. Schall / 

371, 372 Zwei Superportalen: als Moyses gefunden von der Tochter Pharaos. — Agar vom F 

Abraham entlassen ■ 

373 Judith mit dem Haupt des Hollofernes Trevisani ",;: 

374 Herodias mit dem Haupt des heil Johannes idem , 

375 Petrus von Alcantara Troger 

376, 377 dto. ,: Skizzen :,' nach Solimena 

378 Portrait Kaisers Karl des 5^^" 

379 Portrait eben beneiitens Frauen Gemahlin 

380 Ein junger Graf zu Lodron j: Portrait :j Zanusi 

381 Ein Weib, halb Fig: unbekant ;: Portrait .•/ 

382, 383 Zwey Seestacke 

*384 Sämmtl. Familie des hochs Hl. Grafen Lactanz von Firmian /: en Portrait, sehr groß ./ . Rensi 

385 Vigil Maria Fürst von Firmian idem 

386 Karl Graf von Firmian Gouverneur in Meyland idem 

387 Karl Graf von Firmian Gouverneur .• im Toisont :j Knoller 

*388 Gräfin von Firmian gebohrne Gräfin zu Lodron Rensi 

■389 Lactanz Graf und Herr zu Firmian idem 

■390 Portrait eines Mannes j: unbekannt .•/ 

'-'391 Portrait eines römischen Kardinals 

S92 Portrait Doctors Martin Luther 

393 Portrait Luthers Weib 

*394 Porlrait Kaisers Karl des 6'en Hauzinger 

*395 Portrait der Kaiserin .... idem 

398—398 Portraits unbekannter Männer Rensi 



Schloß Leopoldskron 295 

399 Portrait eines Weibes : unbekannt ;/ idem 

400 Portrait von 2 Köpfen ; Studium ;/ 

*40I Portrait Leopolds Gr: v. Firmian Erzbischofen zu Salzburg Zanusi 

402 Portrait einer Fräuln Gr: v: Firmian Rensi 

403 Portrait eines Manns : unbekant ./ LactanzGraf Firmian 

404 Portrait eines Kammerdieners bey Lactanz G. Firmian idem 

405 Portrait ; klein unbekant : 

406 Portrait : alt klein achteckicht ; 

407 rfo Fraters Leopold Benedict Gr. v. Firmian 

408 Portrait : alt klein achteckicht ./ 

409, 410 Zwey Superportalen mit 2 Landschaften 

4U, 412 Ein Jagdstück ,; sehr klein :,' 

4J3, 414 Zwey Stück Feder Vieh /; klein ; 

415, 416 Jagdliund bey einen toden Federwildbrüth Enzinger 

417, 418 Zwey Stück toder Vögel 

419 Ein Jagdhund bey einen toden Wildprät Enzinger 

420 Ein Stück von Schafen und Ziegen Italiänisch Schall 

421 Ein Jagdhund bey einem Haasen Enzinger 

422 Ein Hirsch : allein .• idem 

423 Ein Jagdhund bey einem toden Fuchse 

424 Ein Hirsch : allein .•/ Enzinger 

425 Ein Jagdhund bey einen toden Haasen 

426 Ein Geißbock Roos 

427 Ein Wildschwein forciert von Hunden und gefangen : Lebens Grösse : Zanusi 

428 Das Paradies : groß ; Hamilton 

429, 430 Jagdhund bey einem toden Wildbret Enzinger 

431 Ein Rehbock ,: allein : idem 

432 Ein toder Fuchs ; Lebens Grösse ;, 

433 Ein todes Gems nebst 2 Jagdhunden ,; Lebens Größe ;, Zanusi 

434 Ein toder Haase ,'; Lebensgröße .•/ 

435 Ein toder Rehbock Enzinger 

436 Ein toder Haas mit Federwild idem 

437 Ein Hirsch, der 2 Thieren nachzieht idem 

438 2 Hirschen die miteinander kämpfen idem 

439 Ein ruhender Hirsch bey einem Thier, das ein Kalb säugt idem 

440 Ein Hirsch der einem Thiere nachzieht idem 

441 Ein toder Hirsch nebst einem ruhenden Jäger idem 

442 Ein zutod forcierter Hirsch nebst zwen Jägern idem 

443 Eine Wildschwein Hatze idem 

444 Ein Hirsch alein , idem 

445, 448 Jagdstück mit einem rulienden Jäger idem 

447 Ein toder Hirsch nebst einen ausruhenden Jäger idem 

448 Eine Bären Hatze idem 

449, 450 Zwey Superportalen mit zway Landschaften 

451 Ein grosse Landschaft mit Fuhrwerk ausstaffiert 

452 Eine Landschaft ,: wintert, klein ./ • 

453 Eine Landschaft mit eben aufgehenden Monde, Leute machen ein Feuer auf 

454, 455 Bataillen : klein, auf Holz :l 

456 Gebargicht — winterliclie Gegend mit Schlittenfahrten staffiert Sörz 

457, 458 Landschaften mit Wasser 

459 — 461 Drey Landschafften .• winterlich ./ 

462, 463 Landschaften mit Bauern Hütten 

464 — 467 Vier Landschaften i: bergicht, klein :j 

468, 469 Grössere Landschaften mit Vieh staffiert 

470 Eine Landschaft mit gebürgichtem Prospect 

471 Eine Seegegend 

472 Eine Landschaft mit viellen Menschen und Vieh staffiert 



296 Gerichtsbezirk Salzburg 

473, 474 Zwei Landschaften mit einem Fliiße, entfernten Gebäuden. Menschen und Vieh '.: groß : Poußin 

475 Eine Landschaft mit Wasser, Menschen und Pferden stafirt 

476 Eine Landschaft sehr bergicht mit Reiltenden 

477 Eine Landschaft mit einer Bauernhiitte und einer entfernten Kirche staffirt ,: groß :\ . 

478 Eine Landschaft mit einer Windmühle .• groß :j 

479, 480 Zwei Landschaften in der Dämmerung ; groß :j 

481, 482 Landschaften mit Gebäuden ; groß ;/ 

483 Eine Landschaft mit Vieh und entfernten Gebäuden ;: groß ;/ Poußin 

484 Eine Landschaft mit einen Fluß 'dem 

485, 486 Zwei Landschaften und Jagdstücke j: groß :j 

487—491 Fünf Landschaften mit Gebäuden ,; klein :j 

492 Landschaft mit Felsen /; klein :j 

493 Landschaft j: waldicht ./ 

494 Landschaft mit nahen Gebirg 

495 Landschaft /; bergicht ;/ 

496 Landschaft mit einer Kirche, wo man den Kirchtag feyert 

497 Landschaft mit einer Bauernhütte 

498 Eine Landschaft mit Rudera, Menschen und Vieh staffiert ,.■ groß ;/ 

499, 500 Landschaften mit Prospect durch Mitte des Waldes 

501 Landschaft und Seegegend : sehr klein .■/ 

502, 503 Landschaften mit einem Fluß und Schiffen 

504—506 Drey Landschaften : bergicht klein :j 

507 Landschaft mit einem Dorf staffiert 

508 Landschaft mit entfernten Gebürgen 

509 Landschaft mit einer Bauernhütte 

510—512 Drey Landschaften /; Bergicht .• 

513 Landschaft j: gebürgicht :j 

514 Landschaft mit einem Ufer, wo Schiffe anlanden 

515 — 516 Zwey Superportalen mit 2 Landschaften 

*517 Eine opfernde Vcstal, Gräfin zu Lodron en Portrait, nun Stiftsdame zu Hall 

518 Drey Festalen beym Opfer 

519 Christus am Kreutz j: groß .•/ Ebner 

520 Familie Christi Rensi 

521 Ein Frauenzimmer im Bette .■ klein, en Miniature :j 

522 Ein Frauenbild j: alt auf Kupfer ;/ 

523 Familie Christi • 

524 Kaiser Karl 6te /.• en Portrait :i 

525 Kaiserin Elisabeth, Karls 6ien Gemahlin 

526, 527 Zwei Holländische Stücke Horemans 

528 Ein Fruchtstück ': groß :j •. 

529—534 6 Sacramente auf Atlas /.• groß :/ Ponsin 

535—544 10 gemahlte Akten 

545 Auferstehung Christi ,: Skizze .•/ Troger 

546 Geburt Christi 

547 Die Anbettung des Heylands ^on den heil 3 Königen 

548 Kaiserin Maria Theresia Franzens des /''" Gemahlin ,': Portrait .•/ 

549 Die Opferung Maria im Tempel 

*550 Maximiliana Gräfin von Firmian, gebohrne Gräfin zu Lodron j: Portrait :j 

*551 Lactanz Graf und Herr zu Firmian 

552 Todes Reh /.• Lebens Grösse Studium .•/ Zanusi 

553 Todes Gems i^em 

554 Barbara Gräfin von Firmian jtzt Gräfin v. Thun ,: Portrait .•/ 

555, 556 Zwei Portraits j: unbekannt .•/ 

557 Kinder mit Blumen 

558 Eine Thier-Hatze , 

559 Maria Reinigung im Tempel 

560 Eine Graf in zu Lodron j: Portrait ;/ Rensi 



Schloß Leopoldskron 



297 



561 Ein gemahlter Akt 

*562 Joseph Graf von Thun Fürstbischof von Passau /.■ Portrait ;/ 

563, 564 Zwei Portraits !: unbekannt :. 

*565 Eine Thier Hatze 

566 Fortuna Göttin ': Skizze ;/ 

567 Erzengel Michael j: Skizze ;/ 

568 Christliche Kirche ;: allegorisch ; 

569 Ein Todenkopf ' 

570, 571 Zwei Bataillen ': groß ;/ 

Dann befinden sich in mehreren Zimmern 548 verschiedene Zeichnungen und kleinere Portraits, gezeichnet von 
Laktanz Graf zu Firmian. 



darinn befinden sich 

Abach Joannes 
Albani Francesco 
Alberti Giuseppe 
Alberto Dtirero 
Albrecht Baltas. Aug: 
A Idegraf Heinrich 
Allegri detto Corregio 
Altomonte Bartol. 
Altomonte Martino 
Amiconi 

Anderlini Pietro 
Arigoni Veneto 
d'Arpino Cavagl. Giuseppe 
Artemisia Gentelesca 
Aurbach Jos: Gottfried 

von Baien Henricus 

Balestra Antonio 

Bandinel Baccio 

Barbieri Gio. Franc. 

Barocci Federico 

Baroni Gaspar Ant. 

Basignano Domenico 

Basili Genero 

Bassano Giacomo 

Batoni Pompeus 

Besch Franc. Joach. 

Bellarite liinocente 

Beilud 

Benoit 

van der Berf 

Bergler Joseph 

Bergmüller Joa. Georg 

de Bertolli Daniel 

Bibiena Aless. Galt. 

Biblena Ferd. Galt. 

Bibiena Francesco 
i Bibiena Gio. Carlo 
\ Bibiena Gio. Maria 
, Blanchare Jaques 

von Bles Heinrich 

linnarota Mich. Angelo 
XI 



Mahler- Gallerte 
.304 Portraits der berühmtesten Mahler alt und 
und Nationen als: 

Boneti Veronese 
Borini Anna 
Borini Antonio 
Botani Joseph 
Boulogne, Louis de 
Bourguignon 
Brentano Simon 
Breugel Petrus 
von Bronchorst Jean 
Brouwer Adrianus 
Le Brun Charles 
Brusasorzi 

Calotus Jacobus 
Cambruzzi Giacomo 
Campi Giulio 
Canaletto Bernardo 
Canaletto Gio. Ant: 
Canziani Gio. Battista 
Caracci Agostino 
Caracci Anibale 
Caracci Lodovico 
Cariera Rosalba 
Cassana Nicola 
Cignano Carlo 
Clmaroli Gio. Batt. 
Comendri Lorenzo 
Conca Cavag: Sebast. 
Conti Cavag. Fra. 
Copezky Giovanus 
Corregio vid: Allegri 
Corti Agostino 
da Cortona Pietro 
de Coster Adam 
Coypel Anton 
de Craier Caspar 
Crespi Cavaglier 
Cretti Donato 
della Croce Jo. Nep. 
della Croce Prosp: Jo Nep. 

Dancica Pietro 
Dathan . 



neuer Zeiten, verschiedener Schulten. 

von Diepenbeke Abrah. 

Domenichino 

Drogni Lodovico 

Durach Jo: Bapt. 

Durero Alberto vid: Alberto 

van Dych 

Ebner Franz Anton 
Entigazola Contessa 
Enzlnger Anton 

Fabro oder Quinto Messis 
Fava Conte Ercole Pietro 
Ferrari Francesco 
Ferretti Gio. Domenico 
Fe sei Christoph 
Firmian Conte Lactanz 
Filter 

Franc Fr. Frid: 
Frank Franciscus 
Franceschini Marc Ant. 
Fnnch Joseph 

Gabiano 

Gabun Cavaglier 

Gambara Lattantio 

van der Gest Cornelia 

Gillo Senese 

Giordano Luca 

Giulio Roman detto Giulio Pippi: 

de Goez Baron 

Golzius 

Graff An tan 

Grasmayr J: G: 

Graziana Ercole 

Guerfurt Agostino 

Guglielmi 

Guido-Reni 

Hagenauer Madam Rosa 
Heinz Joseph 
Handhorst Ger. 

38 



298 



Oerichtsbezirk Salzburg 



Handl Massimiliano 

Hauzinger Joseph 

Hespele 

Hofmann Baronessa Fellcita 

Holbein 

Horeb Benjamin 

Hiigfort Ignazio 

Hungklinger Andreas 

Jordaens Jaques 

Ismann Venetiano 

Isolani Conte Alamano 

Fr. Julianus a. S. Bassil. otd. Cann: 

Kaufmann Angelica 

Knoller Martina 

Knoller Chevalier oder Knoller 

Kranzinger Joseph 

Kunstner 

Lampsonius Dominicus 

Lazarini Gregorio 

van Leyden Lucas 

Lelli Ercole 

Leonl Lodovico 

Liberi Cavaglier Pietro 

Lioni Ottavio 

Litterini Cattarina 

Lodi Carlo 

Loidl Königl: Pohl: C: Mahler 

Longhi Pietro 

Lorenzo Fra 

Lot Carlo 

Lutti Cavaglier 

Manaigo Sylvestro 

Maran Antonio 

Maratta Carlo 

de Marees Georgi 

P. Masthuber 

Media Ferdinando Gran Principe 

de Meidens Martina 

Mengs Cavalier 

Mettenleiter J. Jacob 

Meuzzi Vincenza 

Michael Angela vid. Bonarata 

Mignard Pierre 

Milanesi Isabella 

Mingozzi 

Minozzi Bernardo 

Maar Carla 

Morilius Barthal: 

'Auller Christian 

Mü'ia A'lnria Anna 

Murrari 

MuHo Bu'iog/iesc 

Nanelti 
iCazzari Bartol: 



de Neve Francais 
Nocarina Dyonisio 
Nogari Giuseppe 
P. Norbertus a Viena 
van der Nort Adamus 

V. Obersdorf Gräfin 
Obstat 
Ongaro üio: 
Onterberger M: Aug: 
Orient Gioseppe 
Orlando Stephano 
Orsani Gioseppe 

Paglia il giavine 

Paglia il vechio 

Palelio 

Palma Giacomo 

Panel Paolo 

Parrocel 

Paulo Veronese 

Payer Caspar 

Pechio Domenico 

Pessi Prospero 

Piattoli Gaetano 

Piattoli Mar. Anna 

Piazzeita Gio. Battista 

Pippi Giulio detto Gio. Rom: 

Pittoni Gio. Batlista 

Pachetti Senese 

Poksberger Ja. 

Polak Marl. Theoph. 

P: Pazzi Jesuit 

Prand Christian 

Prandel 

Preusler Gio. Just. 

Prusaferra 

de Pucci Gio. Ant. 

de Purgan F. M. S. 

Pustera Paolo 

Quelinus Erasmus 

Quinta Messis detto il Fabro 

Raphael d'Urbino Orig. 
Raphael d Urbino Cap. 
Rembrand 
Rensi Andrea 
Rensi Ja. Battista 
del Ri Gaspero 
Richter David 
Ridinger Ja. Elias 
Riga Monsieur 
Rizzi Sebastiana 
Rongalli Christoph 
Rassi Antoni 
Rotmayr Jo. Bapt: 
Rattari Pietro 



Rubens Pietro Paolo 
Rugendas Georg Phil. 

Sacchi Andreas 

Saiter Daniel 

Saluzzl da Firali 

de Sandrat Joachimus 

de Sandrat Susana 

Sansan Giuseppe 

Santini Lucretia 

Santino Bolognese 

Scamann Joseph 

Schaepf F. J. 

Schmid Martin 

Schwarz Christoph 

Screta Carla 

Sewin Claud. Alb. 

Seybaldt 

Signorini Bartol. 

Simonini Francesco 

Siries Violante nee Porroii 

Snelin.x Gio: 

Sniders Frances: 

Soderini Mauro 

Soenfeld Gio: 

dal Sole Anna Marie 

dal Sole Gio. Ginseppe 

Salimena Francesco 

de .StaWent Adrianus 

Strasburger 

Strudl Cavaglier 

Surmana Anna 

Suttermanns Justus 

Tasea da Viterbo 

Te.npesta Cavaglier 

Teniers David 

Testa Pietro 

Tiepollo Giovanni Battista 

Tintoretta Marietta 

Tintaretto 

Tischbein J. H. 

Titiano Vecellio 

Torelli Feiice 

Torelli Lucia 

Trevisani 

Trivisan Angialo 

Troger Paolo 

del Vaga Pierino 
Vaini 

Van Dych Anton 
Varotti Antonio 
Vasari üiorg: d'Aretsa 
Vassilaschi Antonio 
Vello Domenico 
Vicentini Antonio 
Vittali Candida 



Schloß Leopoldskron 



299 



Vleiighels Nicola 
Umstatt. F. G. 
Voltolini Andrea 
de Vos (jiigüelmo 
de Vos Martino 

Wadersgotit Friderico 
Waldmann Michael 



Welskirchner 
Wlmpp Johannes 
Winter 
Wolfart Artus 

Zanchi d'Este 
Zannonl 
Zanusl Jacob 



Zanotti Gio. Pletro 
Zell Gottfried 
Zeller Anton 
Zeni Joh. Bapt 
Zlgnaroli Francesco 
Zochi Giuseppe 
Zucharell Francesco 

2 Portraits sind unbekannt. 



Anhang 
derjenigen Gemähide, welche dem dermahligen Besitzer elgenthümlich gehören als 

1 Jakob und Esau /.• groß ;/ Bergler 

2 Eine Landschaft Saftleben 

3 Das Paradies Bergler 

4 Portrait : klein, unbekannt ;/ 

5 Portrait eines Ritters j: alt deutscher Tracht :j , Sandrat 

6 Mutter Gottes ,: Brustbild : Zlgnaroli 

7 dto. Salwiati 

8, 9 Ein Mannskopf und ein Altweiber Kopf : Studium ;/ 

10 Portrait eines Frauenzimmers alt deutscher Tracht ': unbek. :j 

;/, 12 Pferdstück Hamilton 

13, 14 Zwei holländische Stück Cuigers 

15, 16 Landschaften mit Menschen und Pferden Burgau 

17 Mutter Gottes : klein ;/ Carlo Maratta 

18 Ein Mutter Gottes Bild : halb Fig :l Carlo Dolce 

10 Salvator Mundl ,.• ganze Fig : Bergler 

20 Christus am Kreutz mit Maria, Johannes und Magdalena Italiän. Schult 

21 Ein alter holländischer Bauer, der Tobak raucht : Lebensgroß ;/ Brouber 

22 Ein Frucht Stiick Dupuls 

23—25 Drei halbe Figuren j: Studium ;/ 

26, 27 Ein Alter /.- halb Fig: Portrait und Studium :j Bergler 

28, 29 Ein Mädchen j: halb Fig: Studium ; Bergler 

30, 31 Ein Jud und eine Jüdin : holländisches Stück ./ 

32 Venus schlafend nach Rubens 

33 Das goldene Vließ Bergler 

34 Der Raub des Ganlmedes idem 

35, 36 Conversations Stück , : auf Kupfer ; Breenberg 

37 Ein allegorisches Stück, Mahlerey und Sternkunde vorstellend 

38 Danae oder der goldene Regen Glorgl 

39 Ein Fisch schwimmend in einem Wasserschaf anbey eine Henne j: Studium ./ 

40 Portrait eines Soldaten Salzb: Milltairs Zeller 

41 Portrait eines Bauers idem 

42 Portrait eines Kapuziners von Salzburgischen Conv Zeller 

43 Portrait der Mademoiselle Amalie Reischl idem 

44 Portrait eines Hirchen ; Halb Figur Lebens Größe :j 

45 Zween Hunde ': Original ; ' Rubens 

46 Ein Stück Thier mit einem Kalb in der Ruhe Enzinger 

47 Ein Hirsch der einem Thier nachzieht idem 

48, 49 Jagdstück, wo mehrere Jäger zu Pferd sind Birke 

50 Ein Jagdhund, der einen Fasan stehet 

51 Ein Jagdhund, der bey geschossenen Federwildbret liegt 

52—57 Sechs Thierstück ': klein ; Enzinger 

58 Ein Jagdhund bey einem geschossenen Fuchs idem 

59 Ein Jagdhund ruhend bey einem geschossenen Fuchs idem 

60, 61 Zwei Pferd- und Jagdstück h klein :! Hamilton 

62 Ein Hirsch und ein Thier Enzinger 

38* 



300 Qerichtsbezirk Salzburg 

63 Zween Hirchen, die miteinander kämpfen idem 

64 Ein Mops idem 

65 Ein Hirsch idem 

66 Zween Hirschen nebst einem Thier und Kalb • . idem 

67 Ein Jagd und Thierstück j: groß .■/ 

68, 69 Haase sitzend 

70 Ein Jagdhund mit toden Vögeln ■ Hamilton 

71 Ein Hirich von Hunden verfolgt Ridinger 

72 Ein Thier von Hunden verfolgt idem 

73 Eine Bären-Hatze Enzinger 

74 Eine Wildschwein Hatze idem 

75 Ein Hirsch von Luchsen gefangen idem 

76 Ein Thier von Wölfen gefangen idem 

77 Ein Damhirsch nebst dem Thiere idem 

78 Zween Steinböcke idem 

79 Ein Jagdhund der einen Fasan steht idem 

80 Zwey Gemsen Enzinger 

81 Damhirsch nebst einem Thier idem 

82 Ein dänisches Hündchen idem 

83 Ein Thier allein idem 

84 Zween Hirschen bey einem ruhenden Thier • idem 

85 Ein Jagd und Thier Stück ,: groß .-; idem 

86 Ein toder Hirsch Enzinger 

87 Ein Jagdhund in der Nähe eines Fasans idem 

88 Ein Hirsch nebst einem ruhenden Thier idem 

89 Ein Hirsch der einem Thier nachzieht idem 

90 Ein todes Stück Thier idem 

91 Ein todes Reh j: Lebens Größe :j 

92 Eine Wildschwein Hatze Wachslunder 

93 Eine Tiger Hatze idem 

94, 95 Jagdstück mit Jägern, Jagdhunden, toden Wildbret j: groß :j 

96, 97 Hirsch mit Hunden forciert Enzinger 

98 Ein Hirsch der einem Thier nachzieht 'dem 

99 Ein Hirsch nebst einem ruhenden Thier .... • ■ idem 

100, 101 Zwei Landschaften mit Bauernhütten staffiert Schinagl 

102, 103 Zwei Landschaft und Seegegend mit Gebäuden und schiffenden staffiert Brand 

104, 105 Zwei Kinder Stück Caval. Liberi 

(Städtisches Museum Salzburg, Nr. 436.) 

Das Verlassenschaftsinventar enthält außer verschiedenem Chinesischen, Wiener und anderem Porzellan. 
Hollitscher Geschirr, Englischen und ordinären Zinn, auch eine Reihe von Malereien, die Franz Streicher, 
bgl. Maler, geschätzt hat, von denen aber die gnädige Frau Wittwe bey ihrem Gewissen betheuerte, dass 
auch diese Gemähide unter die vom f zum Fideicommiss bestimten gehören, so dass diese ganze Rubrik 
mit Ausnahme von Nr. 24, welche nicht in Anspruch genommen wurde, aus dem Verlassenschafts- 
inventar wieder ausgeschieden wurde. Wir geben dieses Verzeichnis dennoch: 

//. kr. 

1 Portrait des Bildhauers Bergmosers 3 

2 Christus am Kreuz, eine Skizze von Altarblatt im Mirabell 45 

3 Die Aufopferung im Tempel, eine Skizze 1 30 

4 Die Himmelfahrt Christi von Paul Troger / 

5 Philippus Nereus 30 

6 Kaiser Franz von Rensi / 

7 Zxn'ey Töchter von Zanusi 1 

8 Der hl. Petrus 45 

9 Iphigenia ... 2 

10 Skize eines AUarblats, vorstellend die triumphierende Kirche 2 30 



Schloß Leopoldskron 301 

//. kr. 

11 Ein kleines Fraiienbild mit Jesukind auf Kupfer • . 1 30 

12 Ein junger altdeutscher Portraitkopf auf Holz 30 

13 Ein Portrait von Baron Rott 12 

14 2 Portraits von Kaiser Karl VI. und der Kaiserin Elisabeth zusammen . . 2 

15 Portrait Kaiser Joseph II. 3 

16 2 Stflcke zween Philosophen vorstellend 2 

17 Die Geburt Christi 45 

18 Eine Landschaft 30 

19 2 Götter Stücke, davon eines der Merkur 1 30 

20 Supra Portastücke von Zanusi. davon eines vorstellet den Moyses als er im Pinsenkorbe gefunden 
wurde, das zweite die Agar 4 

21 Ein ruhendes Kind 45 

22 Ein geistliches Historienstück 45 

23 Die hl. Theresia ; 30 

24 2 alte Portrait im Zimmer der Mama 2 ß 

25 Die Martirisierung des hl. Bartholomä auf Holz / 30 

26 Ein Frauenbild von Rothmayr, item Christus der Herr zus 4 

27 Ein Crucifix von Rothmayr ■ .... 2 30 

28 Eine Skize von einem Altarblat vorstellend einen sterbenden Heiligen von Signarolli / 30 

29 2 große Fruchtstücke 2 30 

30 2 große Stücke von Alexander und Darius 4 

31 Große Skize eines Altarhlats von Paul Troger die streitende und triumphierende Kirche vorstellend 4 

32 Skize eines Altarblats Maria Himmelfahrt / 

33 Ein Landschaftsstück mit schwarzer Rahme und goldgeschnitzter Leiste / 

34 Ein großes Götterstllck worauf Apollo, Silen etc 1 30 

35 Ein großes Stück, der hl. Veit von Rotmair 2 

36 Ein großes langlichtes Stück, vorstellend einen zu Boden gestürzten Mannskörper 1 30 

37 Ein Rehbock im Kleinen von Enzinger 1 30 

38 2 große Stücke eines ein geschossenes Gams, das andere einen geschossenen Rehbock vorstellend 

von Zanusi . . 5 

39 2 Blumen-Stücke / 

40 Ein großes Stück, eine gute Kopie von der Nacht von Sandrart . . ■ ■ . 2 30 

41 Die Verspottung Christi • . . . 15 

42 2 kleine Skizen vorstellend die Kirche und den Salvator 30 

43 Eine kleine Skize die Mutter Gottes und Jesukind .... 12 

44 Eine große länglicht schmale Skizze von einem Plandfond vorstellend die Seligmachung und Verdamung 2 

45 2 Compagnon Bataillen Stücke 3 

46 Portrait eines Malers 30 

47 Ein Stück der Streit der Furien / 30 

48 Portrait eines welschen Kardinals / 

49 Portrait eines Altdeutschen 15 

50 Die hl. Magdalena 12 

51 Skize eine Glorie vorstellend / 

52 Ein Apostelkopf 15 

53 Eine große Skize von Pladfond in der Leopoldskron 1 

54 Auf einem Bilde 2 alte Köpfe 24 

55 Die hl. Agatha mit entblößtem Leib v. Rotmayr 1 30 

56 Ein großes Frauenstück mit Jesukind und noch 2 Frauenpersonen von Albrecht Dürer auf Holz . . 3 

57 Ein mittleres Portrait eines Trinkenden mit einem ganz goldenen Rahmel 12 

58 2 Baumschläge 30 

59 2 langlichte Genius-Stücke 1 

60 Ein Paulus-Kopf 12 

61 Der hl. Hieronymus in der Busse, ein akadem. Akt 45 

62 Ein Landschaftsstuck mit Staffierung von Hornvieh 24 

63 Ein Idealkopf 12 

Zusamen 91 fl. 45 kr. 2 ß. 



302 



Qerichtsbezirk Salzburg 



Laktanzens Bibliothek, aus 143 teils größeren, teils kleineren auch gar kleinen Werken, dann 710 
Folio-, Quart-, Octav- und Duodezbänden bestehend, übernahm um den Pauschalpreis von 1000 fl. 
Dompropst Vigil Maria Fürst Firmian, ebenso um 500 fl., die in 43 Theken resp. Bänden gesammelten 
Kupferstiche; auch deren Einverleibung in das Fideikommiß hatte Laktanz, wie aus der Einholung 
der hf. Erlaubnis hervorgeht, ursprünglich geplant, im Testament aber hat er es dann — ob aus 
Versehen oder absichtlich, ist unbekannt — nicht erwähnt. 
Die vielen in großen gipsenen Köpfen und anderen derley Figuren bestehenden römischen antiquen 
Abgüsse sind nicht spezifiziert und mit 30 fl. angeschlagen. Die römischen Münzen, zusammen 38 Lo 
Silber wiegend, werden versteigert. 

Aus dem Übrigen sei noch hervorgehoben: 

/ ßcce Homobild mit einem ganz goldenen Ramel, so zwar 100 Dukaten wiegt, aber die gnädige Frau Witwe if, 
Händen hat, und 

eine kostbare durc/i Jemand aus der gräflichen Familie v. Firmian einst auf dem Turnier als ein Siegpreis erfochiem 
ungefähr fingerlange Perl, so einen Wassermann vorstellet. Der Werth hlevon, da sie hier niemand zu schätzen in 
Stande ist, bleibt bis auf eine zur Versilberung etwa glücklich sich ergebende Gelegenheit noch zur 7-eit unbestimmt 




Fig. 269 Leopoldskron. Ansicht von Süden (S. 303) 



Lage. 



•■!:,'. 268 {f. 

Gharnkt''- 



Lage: Das Schloß, das als der größartigste profane Rokokobau des Landes angesprochen werden darf, 
liegt in landschaftlich bezaubernder Umgebung malerisch am Nordufer eines großen langgestreckte5 
Weihers, 1 km südlich vom Mönchsberg, im flachen „Leopoldskroner Moos". Alleen mit großen alt 
Bäumen führen zur Stadt (Fig. 268 ff.). 

Charakteristik: Prächtiger rechteckiger Rokokopalast mit gegiebelten dreifenstrigen Mittelrisaliten 
an den beiden Langseiten, von 1736 bis etwa 1740 erbaut von P. Bernhard Stuart und Johann 
!\ lebe r, mit reichem Stukkaturschmuck. 

Ansclieineud war ursprünglich nur der gegiebelte Mittelrisalit dreistöckig, der jetzige dritte Stock jedocl 
nur mansaidiert und wurde erst am Ende des XVIIl. Jhs. in seiner heutigen Form ausgebaut. Leide 
geben uns keine alten Ansichten über den ursprünglichen Bestand genaue Auskunft. Das Bild im Fest 
saal scheint in dieser Hinsicht wenig genau. 



Schloß Leopoldskron 



303 



Der Hauptraum ist der die Mitte einnehmende, durcli die beiden Stockwerke durchgehende prächtige 
Festsaal. Reich geschmückt sind auch die große Kapelle im Erdgeschoß und das vornehme Stiegenhaus, 
die geräumigen Zimmer haben schön stukkierte Decken und große Öfen. 

Die ganz vorzüglichen, zum großen Teil von Johann Kleber herrührenden Plafondstukkaturen 
sind das Beste, was das Land an Werken der Stukko-Kunst des frühen Rokoko aufzuweisen hat. 

Äußeres (Fig. 269— 273): 

Nördliche Langfront (Fig. 270). Gegen den Mönchsberg zu gewendet. Horizontal gegliedert durch 
Parallelfugen in dem oben durch ein Traufgesims abgeschlossenen Erdgeschoß, durch ein den obersten 
Stock abtrennendes starkes Gebälk mit glattem Fries und vorkragendem profiliertem Gesims, sowie durch 
ein weniger vorspringendes Abschlußgesims mit aufgesetzter Attika Die Vertikale wird betont durch die 



Äußeres. 

Nördliche 
Langfront. 
Fig. 270. 




Fig. 270 Leopoldskron. Nordfassade (S. 303) 



Pilastergliederung des nur wenig vorspringenden, dreifenstrigen Mittelrisalits und durch die zwei Flach- 
pilasterpaare, welche die zweifenstrigen, noch schwächer vortretenden Seitenteile in den beiden Haupt- 
geschossen einfassen. 

Im Erdgeschosse in der Mitte eine rechteckige Tür zwischen zwei großen Fenstern, alle drei mit halb- 
kreisförmigen Oberlichtfenstern; die Fenster haben schöne schmiedeeiserne Gitter (um 1740), das über der 
Tür enthält das bekrönte Wappenschild des Erbauers, Erzbischofs Leopold Anton Grafen Firmian. Diesen 
drei, durch gefugte Breitpilaster geschiedenen Öffnungen ist eine vorne auf vier starken quadratischen 
Pfeilern ruhende Altane vorgebaut, die mit einem von drei rundbogigen Stichkappenpaaren eingeschnittenen 
Tonnengewölbe unterwölbt ist, sich nach außen mit Rundbogen öffnet und oben über profiliertem Gesimse 
eine Marmorbalustrude trägt. Daneben im Erdgeschosse je fünf oblonge Kellerfenster und darüber große 
Parterrefenster in profilierten Verputzumrahmungen mit Schlußstein, mit schönen schmiedeeisernen Gittern. 



304 



Gericlitsbezirk Salzburg 



l'ig. 271. Im Mittelrisalit über der Altane (Fig. 271) eine durch die zwei Hauptgeschosse gehende Ordnung von 
vier Flachpilastern aus rötlichem Marmor mit stukkierten Volutenkapitälen, über denen sich der profilierte 
Architrav und der glatte Fries verkröpfen. Dazwischen drei rundbogige Türen in Verputzumrahmung mit 
reich stukkierter flachbogiger Verdachung, darüber drei wellenförmig abgeschlossene Oberlichtfenster mit 
aufgebogener marmorner Sohlbank, in hübscher stukkierter Umrahmung. 




Fig. 271 Leopoldskron. Mittelrisalit der Nordfassade (S. 304) 



In dem von zwei Profilvoluten flankierten Giebelgeschosse des Mittelrisalits ein flachbogiges und zwei 
rechteckige Fenster, in stukkierter Umrahmung mit reichen Verdachungen. Das höhere Mittelfenster wird 
Üankiert durch zwei Pilaster mit stukkierten Volutenkapitälen, über denen ein profiliertes, seitlich mit 
konkav gebogenen Schenkeln sich senkendes Gesims aufruht. Kräftig ausladendes profiliertes Abschluß- 
s,^csinis, an drn Seiten eingebogen, in der Mitte im Halbkreis aufgebogen. Im Bogenfeld das große Stuck- 
wappen der Grafen Firmian in reichverzierter Kartusche, von Blechkrone bekrönt. 

Neben dem Mitteirisalit beiderseits je fünf Fenster. Die besonders großen im I. Stock haben profilierte 
Si)iilbänke und reich stukkierte Verdachungen, deren Formen bei den beiden Seitenrisaliten variiert 



Schloß Leopoldskron 



305 



sind. Die niedrigeren Fenster des II. Stockes haben einfachere stukkierte Umrahmungen mit Schlußstein. 
Die Umrahmungen der quadratischen Fenster des III. Stockes entsprechen den einfachen des Erdgeschosses. 




Fig. 272 Leopolilskrun. Ansicht von Südosten (S. 305) 



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Fig. 273 Leopoldskron. Ansicht von Süden (S. 308) 

Östliche SchmaUront (Fig. 272): Gliederung, Fensterformen und Umrahmungen entsprechen 
denen der beiden Seitenrisalite im N. In jedem der vier Geschosse vier Fenster. Im Hauptteile an den 
Ecken und in der Mitte je eine Lisene. Entsprechende Lisenen im III. Stockwerke. 

XI 39 



Östliche 

Schmalfront 

Fig. 272. 



30G 



Gericlitsbezirk Salzburg 




Fig. 274 Leopolciskron. Grundriß im Erdgeschoß 1:300 (S. 308) 




Fig. 275 Leopoldskron. Grundriß im I. Stock 1 : 300 (S. 308) 



Schloß Leopoldskron 



307 




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Fig. 276 Leopoldskron. Querschnitt 1 ; 150 (S. 308) 



39» 



308 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Südl. Lang- Südliche Langfront (Fig. 273): Gegen den Weiher und den Untersberg zu gerichtet. Die Gliederung 
front. Fig. 273. jg^ genau die gleiche wie im N. 

Westliclie 
Schmalfront. 



Westliche Schmalfront: Ebenso gegliedert wie die Ostseite. 



Inneres. I n n e r e s (Fig. 274 ff.) : 

Fig. 277. Im Erdgeschoß in der Mitte große rechteckige Halle (Fig. 277) mit flachem, von je drei rundbogigen 
Stichkappen eingeschnittenem Spiegelgewölbe. Im O. und W. in der Mitte in rundbogiger Nische je ein 
Kamin in roter Marmorumrahmung, darüber an der Wand stukkierte Rocaillen. An den Seiten daneben 
im O. zwei, im W. eine rechteckige Tür in Umrahmung von poliertem Untersberger Marmor, oben Giebel 
mit ovalem Mittelstück, Seitenvoluten und flachbogigem Gesims. An der Decke vielfach geschwungener 
stukkierter Rahmen, darin oberhalb der beiden Ampeln stukkierte Rocaillenornamente. 




Fig. 277 Leopoldskron, Halle (S. 308) 

Im W. führt das Portal auf der Weiherseite in die Kapelle, eine rundbogige Öffnung auf der Landseite 
zu einem kurzen Gang, dessen von rundbogigen Stichkappen eingeschnittenes Tonnengewölbe mit 
stukkierten Band- und Gitterwerkornamenten verziert ist (gelb und rosa gefärbelt auf weißem Grunde). 
Am Ende dieses Ganges im S. und W. je eine Tür in gleicher Marmorumrahmung wie die drei in der 
Halle. Durch die westliche kommt man in drei kleinere Räume und in die große Küche, alle eingewölbt 
mit Tonnen mit durchlaufenden rundbogigen Stichkappen; die Küche enthält einen großen und einen 
kleinen Ofen, beide mit der alten Kaminänlage, außerdem ein großes Waschbecken aus einem Marmor- 
monolith. Die zweite Tür im S. führt zu dem tonnengewölbten Kellergang hinab, die zwei rundbogigen 
Öffnungen daneben zum Stiegenhaus. 

Durch die erste Tür im O. gelangt man zunächst in einen flachgedeckten Vorraum und weiterhin in vier 
Zimmer, zwischen denen die jetzige kleine Küche liegt, alle mit flachen Decken. 



* 



Schloß Lcopoldskroii 



309 



Kapelle: 

Im Erdgeschoß, im südwestlichen Teil gelegen, durch eine Marmortür von der Halle aus zugänglich, 
durch zwei Geschosse. gehend, im Grundriß rechteckig. Im O. und W. je eine Tür, im S. je zwei Fenster 
oben und unten. An den Wänden zwölf vergoldete Weihekreuze in stukkierten Rahmen, davor schmiede- 
eiserne Wandleuchter. An der Südwand oben balkonförmiges eingebautes Oratorium, Holz, weiß 
stukkiert, mit gelb und rosa gefärbelten reichen Stuckornamenten; der flache Boden wird in der Mitte 
von zwei, an den Seiten von je einer Konsole getragen. Ober der Brüstung an den Seiten zwei in drei 
Seiten des Achteckes geschlossene Logen, in der Mitte ein rechteckiger Logenaufbau mit je drei recht- 
eckigen Öffnungen und geschnitzten, gelb bemalten ornamentalen Aufsätzen (Forster. Taf. 12). — 



Kapüllc. 




Fig. 278 Leopoldskron. Gewölbe der Kapelle (S. 309) 

Spiegelgewölbe (Fig. 278), jederseils von zwei rundbogigen Stichkappen eingeschnitten; die Zwickel 
ruhen auf Konsolengesimsen mit stukkiertem Gitterwerkbehänge. — In der Mitte ein Decken- 
gemälde (s. unten) in geschwungenem Stuckrahmen. Die übrigen Flächen des Gewölbes sind reich 
verziert mit blaßgelb und hellrosafarbig getönten Stuckornamenten (Muschel-, Band- und Gitterwerk) auf 
weißem Grunde. In vier Kartuschen sind kirchliche Geräte dargestellt. In den vier Bogenfeldern der Wände 
im W., N. und O. sind oben in stukkierten Rahmen vier Ölbilder, die Evangelisten -(s. unten) angebracht. 
In dem aus roten und gelben Mar- COR Westlich neben der Kapelle 

morplatten bestehenden Boden ist in LEOPOLDI FIRMIANI liegt die niedrigere kleine 

der Mitte eine ovale graue Marmor- ARCHIEPISCOP^USAUSB^^^ Sakristei; flachbogiges Ton- 

platte eingelassen, die in eingelegten QUEM AMAVERAT nengewölbe mit zwei durch 

Messingbuchstaben die Inschrift trägt: QUIESCIT. laufenden Stichkappen. 



Fig. 278. 



310 



Qerichtsbezirk Salzburg 



Einrichtung. 

Altar. 
Fig. 279. 



Einrichtung: 

Altar (Fig. 279): An der Nordwand in der Mitte. Auf zwei Stufen aus hellem Marmor geschwungene 
Mensa aus rot und gelb gesprenkeltem Marmor, mit Eckvoluten. Auf der aus rötlichem Marmor 
bestehenden Leuchterbank steht in der Mitte ein kleines Tabernakel aus grüngelbem, grau gesprenkeltem 
Marmor, mit rundbogigem Türchen und drei applizierten Cherubsköpfchen aus vergoldetem Holze; auf 
der Bedachung vergoldeter Weltapfel mit Kreuz. 




Fig. 279 Leopoldskron. Altar mit Gemälde von F. A. Ebner, 17-10 (S. 310) 

Wandaufbau, aus sechs verschiedenfarbigen Marmorsorten hergestellt: Neben der Predella (aus rotem 
Marmor) auf schräg auswärts gestellten Postamenten zwei Volutenkonsolen mit applizierten Verzierungen 
(Holz, vergoldet). 

Großes Altarbild in profiliertem Rahmen aus grauem Marmor, flankiert von zwei schräg gestellten 
Pilastern (aus rot, gelb, grau gesprenkeltem Marmor), mit vergoldeten hölzernen Kompositkapitälen. 



Schloß Leopoldskron 



311 



Darauf je ein Gebälkstück mit geschweiftem Giebelansatz; über dem Aitarbilde rundbogiges Gesims. Als 
Aufsatz große plastische Gruppe (s. unten). 

Skulpturen: Alle Holz, ganz vergoldet. Vor den Pilastern die lebensgroßen Statuen zweier bärtiger 
römischer Krieger in Panzer, Mantel, Helm. Links St. Donatus, mit Blitzbündel und Schwert; rechts 
St. Florian, mit Wassereimer und Lanze. Über dem Altarbilde Gott-Vater mit Zepter und Weltkugel, auf 
Wolken thronend, umgeben von Cherubsköpfchen und Putten. — Sehr gute Arbeiten vom Jahre 1740. 
Altarbild: Öl auf Leinwand, zirka 350 X 200 cm. Unter einem von zwei schwebenden Putten gehaltenen 
hellgrünen Baldachin thront auf einem hohen Postamente zwischen zwei Säulen die hl. Jungfrau mit 




Fig. 280 Leopoldskron. Christus und die Samaritcrin 
am Brunnen, von Rensi, um 1740 (S. 311) 



dem segnenden Kinde auf dem Schöße. Hinter ihr zwei Engel. Vorne links steht der Gründer Salzburgs, 
der hl. Rupert, in bischöflichem Ornat, mit der rechten Hand auf die Madonna hinweisend. Rechts kniet 
auf einer Stufe der Namenspatron des Erbauers, der hl. Babenbergermarkgraf Leopold, ein graubärtiger 
Oreis im Harnisch, mit rotem hermelinverbrämtem Mantel. Vor ihm liegt die blaue Fahne mit den 
goldenen Lerchen von Niederösterreich und darauf die Fürstenkrone. Gutes Bild, signiert: Franc: 
Anton: Ebner Salisburgensis fecit 1740. 

Zum Altar gehören vier Ziervasen und sechs reich geschnitzte, mit Helm und Krone geschmückte Leuchter, 
Holz, vergoldet, um 1740; drei Kanontafeln in vergoldetem klassizistischem Rahmen, Ende des XVIII. Jhs. 

Gemälde: Öl auf Leinwand. Vier zusammengehörige Bilder, 220 X 145. — 1. Christus und" der Haupt- 
,mann von Capernaum. — 2. Christus heilt einen Stummen. — 3. Christus heilt einen Blinden. — 
4. Christus und die Samariterin am Brunnen (Fig. 280). 



Gemälde. 



Fig. 280. 



312 



Gcriclitsbezirk Salzburg 



Zwei ebenso große Gegenstücke. — 5. Der hl. Johann von Nepomuk wird von zwei Schergen von der 

Brücke herabgestürzt. — 6. Der hl. Petrus von Alcantara, ein bartloser Franziskanermönch mit einem 

Kreuze im Arm, auf einer Wolke kniend, von einem Engel unterstützt. 

Alle sechs Bilder in gleichen schwarzen Holzrahmen mit vergoldeter Innenleiste und vergoldeten 

Zieraten. 

Oben in den Bogenfeldern vier Bilder in stukkierten Rahmen, die Halbfiguren der Evangelisten: 7. Lukas, 

8. Matthäus, 9. Markus, 10. Johannes (Förster, Taf. 13, 14). 




1-::, 2S!. 



Fig. 281 Leopoldskron. Kapelle, Kruzifix (S. 312) 

Alle 10 Bilder tüchtige, sehr gut erhaltene Arbeiten, um 1740, von Rensi (Hobner 1, 438). 

11. Deckenbild, der Glaube, eine auf Wolken thronende Frau mit Kelch und Kreuz, umgeben von drei 

Engeln, Putten und Cherubsköpfchen. Gute Arbeit um 1740, nach Hübner I, 438 von Franz Anton 

Ebner, nach dem Kataloge (S. 289) von Rensi. 

Die einfach verzierten Kirchenbänke und die Sakristeischränke sind aus ungestrichenem Eichenholz her- 

?:c^lellt. .\uf dem Aufsatz des großen Sakristeischrankes sehr gutes Kruzifix, Holz,^ geschnitzt (Figut 

-2 cm hocU), um 1740 (Fig. 281). — In der Sakristei kleines rahmenloses Gemälde, 47 X 35, eine 

slohende Heilige (S. Rrigitta?), mit einer brennenden Kerze in der Hand. Gute Arbeit um 1740, in dei 

Art "des Rensi. 



Schloß Leopoldskrori 



313 



In der Kapelle hängt die vom Erzbischof Leopold Anton Eleutherius Freiherrn von Firmian ausgestellte 
Urkunde, wornach die Kapelle im Jahre 1744 am 26. Mai in dem von ihm ganz neu erbauten Schlosse 
Leopoldskron zu Ehren der hl. Maria und der Hl. Rupert und Leopold geweiht wurde. 

Das Stiegentlaus, das durch alle vier Geschosse hindurchgeht, ist sehr geräumig angelegt und prächtig 
verziert. Eine bequeme Treppe mit niedrigen Stufen aus grauem Kalkstein führt mit neun Absätzen empor. 
In der Mitte je vier quadratische Pfeiler mit profilierten Kapitälgesimsen, mit rosafarbigem Kunstmarmor 
verkleidet, durch sehr schön gearbeitete ansteigende Balustraden aus gelblichem Untersberger Marmor und 



Stiegenhaus. 




Fig. 282 Leopoldskron. Gewölbestukko im Stiegenliause (S. 313) 



oben durch ansteigende Flachbogen verbunden; über den Treppen ansteigende, über den Absätzen gerade 
Tonnengewölbe, eingeschnitten von durchlaufenden Stichkappen. Gewölbe und Bogenlaibungen sind durch- 
aus reich verziert mit stukkiertem, blaßgelb und blaßrosa gefärbtem Gitter- und Bandwerk (Forster, 
Taf. 21 — 25) (Fig. 282). An den Wänden, den Pfeilern entsprechend und mit ihnen durch abgeschrägte 
Bogengurten verbunden, Pilaster aus rosafarbigem Kunstmarmor, mit profilierten Kapitälgesimsen; die Sockel 
und verbindenden Gesimsestreifen sind aus echtem rötlichgelbem Marmor. Auf dem kurzen Gang im 
I. Stockwerk im O. und W. je eine große Tür in profilierter Umrahmung aus rot und gelb gesprenkeltem 
Marmor; über dem mit Kunstmarmor verkleidetem Mittelpilaster zwischen den beiden Fenstern stukkierte 
bekrönte Kartusche mit den Initialen LC. — Am Gang im II. Stock im O. und W. zwei ganz ähnliche 
XI 40 



Fig. 282. 



314 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Türen wie unten, aber aus Kunstmarmor; darüber zwei Wappenkartuschen der Firmian (Holz, vergoldet). 
Über dem Mittelpilaster stukkierte Kartusche mit den Initialen LA (Leopold Anton). Im dritten Stock- 
werk sind die Mittelpfeiler durch Postamente ersetzt. Die Wände in diesem obersten Teile des Stiegen- 
hauses sind gegliedert durch ein System von zwei übereinanderstehenden Pilastern aus Kunstmarmor, 
unten breitere Pilaster mit Kapitäigesimsen, durch ein breites Gesims verbunden, darüber schmälere 
mit stukkierten ionischen Kapitalen, auf denen ein vorkragendes profiliertes Hohlkehlgesims (aus rotem 
Kunstmarmor) aufruht. Die spiegelgewöibte flache Decke des Stiegenhauses ist geschmückt mit einem 
geschwungenen Rahmen in der Mitte und stukkierten Ornamenten an den Seiten. Die beiden Türen 
des obersten Absatzes haben Holzumrahrhung. 




Fig. 283 Lcopoldsicron. Festsaai (S. 314) 



Festsaal. 

Fig. 283. 



l-iv;. 284. 



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2iilaidc. 



Festsaal (Fig. 283): Der prächtigste Raum des Schlosses ist der mit besonderem Prunk ausgestattete 
große Saal, der in der Mitte, oberhalb der Halle liegt und durch zwei Stockwerke durchgeht. Der Boden 
ist mit quadratischen roten und gelben Marmorplatten belegt. Weiß, Rosa und Gold sind die den farbigen 
Eindruck der Wandgliederung bestimmenden Farben. Die beiden Langwände einerseits und die beiden 
Schmalwände anderseits sind in ganz symmetrischer Weise gegliedert. — O. und W. (Fig. 285): In 
der Mitte je ein prachtvoll gemeißelter Kamin aus rot und gelb gesprenkeltem Marmor mit Seiten- 
voluten und geschwungenem Gesims. Innen verkleidet mit Delfter Fayence-Kacheln; trefflich gearbeitete 
sciimiedeeiserne Rückwand mit dem Firmianwappen (Fig. 284). Darüber in vergoldetem Stuck Fächer 
mit Krone und Gitterwerk, flankiert von zwei Voluten aus rosafarbigem Marmorstuck. Darüber je ein sehr 
großes Gemälde (Öl auf Leinwand) in grau marmoriertem Stuckrahmen mit vergoldeten Zieraten. 

Gemälde im W. (Fig. 285): Allegorie. In der Mitte sitzen Laktanz Freiherr von Firmian und seine 
Gemahlin Maximiliana geborne Gräfin Lodron. Rechts steht ein zweiter Firmian, in Harnisch und Purpur- 
montel, die rechte Hand auf ein Rutenbündel stützend. Hinter ihm ein Knabe mit einem Hund. Hinter 



Schloß Leopoldskron 



315 



dem Paare ein weiblicher Genius, links Herkules mit dem Löwen, rechts Pomona mit Fruchtkorb. In 
der Mitte thront auf einer Wolke Minerva, die einen Putto lesen lehrt. Oben Chronos mit der Sense, 
ein Jüngling mit einem Rad und ein Genius mit einem Kranz in der Hand. Links auf der Attika 
einer Säulenhalle zwei blasende Trompeter und eine Dienerin. Beide Bilder gute Arbeiten von Rensi, 
um 1740. 

Gemälde im O. (Fig. 286): Erzbischof Leopold Graf von Firmian überreicht seinem Neffen Laktanz 
Freiherrn von Firmian die Fideikommißurkunde von Leopoldskron. Ober dem in der Cappa magna der 
Legaten thronenden Erzbischof schwebt Minerva herab, mit Schild und Ölzweig in den Händen. Neben 
dem gepanzerten Neffen steht Merkur mit dem Schlangenstab. Rechts im Vordergrund zwei Pagen und 
eine weiße Dogge. Im Hintergrund erblickt man Schloß Leopoldskron, in anderer Form als heute, der 



Gemälde. 
Fig. 286. 




Fig. 284 Leopoldskron. Marmorkamiti, um 1740 (S. 314) 



dritte Stock fehlt, auf dem roten Ziegeldach in der Mitte ein Türmchen. Oben schwebt die nackte 
Ruhmesgöttin, mit einer Posaune in der Hand, unter ihr ein Putto mit dem Pallium. 

Neben den beiden großen Bildern je zwei Pilaster aus rosafarbigem Kunstmarmor, mit profilierten Basen 
aus echtem gelb-braun-rot gesprenkeltem Marmor und einem umlaufenden Sockel aus rötlichgelbem 
Marmor; die Kompositkapitäle sind aus vergoldetem Stuck. Je zwei gleiche Pilaster an den beiden 
Schmalseiten im N. und S. zwischen den Fenstern. Über den Pilastern ruht ein umlaufendes Gebälk 
aus rosafarbigem Kunstmarmor, dessen Abschlußgesims über den beiden Gemälden zu zwei Voluten- 
giebeln sich aufbiegt. Die Wandfelder zu beiden Seiten der Bilder sind in Stuck verziert: Unten Symbole 
der vier Elemente (Flammenurne, Weihrauchvase, Blumenvase, Springbrunnenvase); an den seitlichen 
Rahmenleisten mit Schleifen angebunden verschiedene Geräte, die sich auf Beschäftigungen mit den 
vier Elementen beziehen; oben Giebel mit zwei bärtigen Masken; weiß auf blaßrosafarbig getontem 
Innengrund. An den Seiten unten je eine Tür in rechteckiger rosafarbiger Marmorumrahmung. Darüber 
in ovalen Rahmen aus grau marmoriertem Stuck, von vergoldetem Band- und Gitterwerk umgeben, 

40* 



316 



Qerichtsbezirk Salzburg 



Ölbilder, die vier Jalireszeiten darstellend: a) Junges blumenbekränztes Mädchen mit drei Putten, h) Frau 
mit Sicliel und Garbenbündel; zwei Putten mit Früchten, c) Frau und Mädchen bei der Weinlese. 
d) Weintrinkender Greis und wurstessender Knabe, in einer Stube neben einem Kohlenbecken. — Alle 
vier gute Arbeiten von Rensi, um 1740. 

An den beiden Schmalseiten ist ober den unteren drei Fenstern je ein Galeriegang erbaut, dessen 
unten schön stukkierter Boden auf zwei Volutenkonsolen aus rotem Kunstmarmor ruht; schöne 
Balustraden mit schmiedeeisernen Gittern (Band- und Gitterwerk, in Schwarz und Gold). In der Mitte 
die Wappenschilde der Firmian und Lodron. An den Enden der beiden Galerien, die den Ost- und West- 




Fig. 285 Lcopoldskron. Festsaal, Westwand (S. 314) 



teil des II. Stockwerkes miteinander verbinden, je eine Tür in Umrahmung aus rosafarbigem Kunstmarmor. 
An den zwölf Pilastern sind unten stukkierte vergoldete Kartuschen mit je einem Stern appliziert, an 
denen zweiarmige Wandleuchter befestigt sind, aus vergoldetem Schmiedeeisen, mit Kristallglasbehänge. 

Das flache Spiegelgewölbe hat in der Mitte ein sehr großes Deckengemälde in grau 
ifr. 287. marmoriertem Stuckrahmen mit vergoldeten Zieraten: Die Vermählung der Atalante (Fig. 287). Links 
sitzt unter einem Baldachin ein greiser Seher. Vor ihm auf einer Estrade Hippomenes und Atalante, 
Hand in Hand. Die junge Braut trägt drei goldene Äpfel. Der kleine Amor neben ihnen weist auf die 
Siegespyramide hin, an der ein Öl- und ein Lorbeerzweig befestigt ist. Oben auf Wolken Venus auf 
dem Taubenwagen, Hymen mit Blumenkranz und Fackel. Ringsherum Zi:schauer, oben Putten. Mittel- 
mäßige Arbeit, hait in den l-'arben, signiert: Fr: Ant: Ebner luv. & Piiix. 1744. 



Scilloß Leopoldskron 



317 



Reiche Stukkaturen umgeben das Gemälde. In den großen vier Eckkartuschen sind Architektur, Musik, 
Astronomie und Malerei dargestellt, wohl die Lieblingskünste des Erbauers: a) Maurer mit Senkblei; 
Gerüste, Winden, Architekturstücke, b) Orpheus mit der Lyra, umgeben von Vögeln, Pegasus, Einhorn, 
Hirsch; allerlei Musikinstrumente, c) Ein Mann mit einem Fernrohr einen Stern betrachtend, umgeben 





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Fig. 286 Leopoldskron. Festsaal, Stiftungsbild von Rensi, um 1740 (S. 315) 



von astronomischen Instrumenten, d) Ein Maler vor einem auf einer Staffelei stehenden Bilde, neben 
ihm ein Knabe beim Farbenanreiben. — Die vier Kartuschen in der Mitte der Seiten repräsentieren die 
vier Erdteile; sie enthalten je einen Schild, umgeben von Emblemen und Tieren: a) Schild mit Sonne 
und heraldischer Lilie; Fahnen, Hengst, Rind, b) Schild mit Mondsichel; Speer, Helm, Köcher, Bogen, 
Schild; Kamel, Krokodil, c) Schild mit Stern; Köcher, Fahnen; Elefant, Drache, d) Leerer Schild; 
Speer, Hörn; Affe, Löwe. Über jeder dieser Kartuschen wieder kriegerische Embleme. Dazwischen Band- 
werkkonfigurationen und Postamente mit Behänge und Frucht- und Blumenkörbclien (Forsti:r, TaL 1, 4—6). 



I. stock. 



318 



Gerichtsbuzirk Salzburg 



Diese zum Teil figuralen Stukkaturen der Decke liefern den Beweis, daß der sonst im Ornamentalen 
so ausgezeichnete Künstler im Figuralen, bei der Darstellung von Mensch und Tier nicht so Gutes leistet. 
Zwei prächtige reiche Glasluster mit Sternen, Halbmonden und Kronen. 

I. Stock. 

Östlich vom Festsaal liegen zwei einfenstrige Vorzimmer und vier große Zimmer mit zwei, beziehungs- 
weise vier Fenstern, alle mit Türen in profilierter Holzrahmung und starken Stuckplafonds über pro- 
filiertem Gesims. Die beiden zweifenstrigen Zimmer in der Mitte haben am Plafond geschwungene, leere 




Fig. 287 Leopoldskron. Festsaal, Decke mit Gemälde von F. A. Ebner, 1744 (S. 316) 



Stuckrahmen und große, rechteckige Kachelöfen, grün glasiert, mit Bandwerk ornamentiert (um 1740). 
Reich stukkiert sind die Decken der beiden Eckzimmer. 
Nordostzimmer: In den Ecken große Kartuschen mit je einem Blumenkorb, dazwischen kleinere, in eine 
Vase endigend (Forster, Taf. 8). Grün glasierter, geschwungener Kachelofen, um 1740. 
Südostzimmer: Die Decke ist nach dem gleichen System, aber mit anderen Einzelformen prächtig 
I i-'. 288. stukkiert (Forstcr, Taf. 32) (Fig. 288). Runder, weiß glasierter Kachelofen mit Lorbeer- und Rosengirlanden, 
von einer bekränzten Flammenurne bekrönt; Ende des XVllI. Jhs. Er steht vor einer Nische, die mit 
vergoldeten Stuckornamenten verziert ist, um 1740. 
im westlichen Teile des 1. Stockes, neben Stiegenhaus und Kapelle, liegen zwei Kabinette und zwei 
Eckzimmer mit scliön stukkierten Decken über profilierten Gesimsen, rechteckigen Fenstern und Türen 
in profilierter Hoizrahmunu. 1. Kabinett im N., vom Stiegenhaus aus zugänglich. Drei Türen im W., 0. 



Schloß Leopoldskron 



319 



und S., ein Fenster im N. Glatte Decke. Kamin in rechteckiger Umrahmung von rötlichgeibem Marmor 
mit profiliertem Sturzgesimse. 

j, 2. Eckzimmer im NW. Zwei Türen im O. und S., je zwei Fenster im W. und N. Der Plafond ist bei 
' freigelassenem Mittelteil reich stukkiert, in gleicher Art wie bei den beiden Ostzimmern, aber mit anderen 
Motiven. In den Ecken große Kartuschen mit zwei gegenständigen Adlerköpfen beiderseits einer Flammen- 
|i urne (Fig. 289). In der Seitenmitte je eine Kartusche mit gegittertem Quastenbehänge und zwei Fruchtkörb- 
chen. Dazwischen kleinere gegitterte Bandwerkstücke, bekrönt von einem Blumenkörbchen (Forster, Jaf. 9). 



Fig. 289. 







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Fig. 288 Leopoldskron. SüdostzimmL-r im I. Stock, Eckstück vom Stiickplafond (S. 318) 



Im Südosteck großer Ka'chelofen, modern mit blauer Ölfarbe gestrichen, mit vergoldeten Ornamenten 
(Rocaillen, Bandwerk, Muschel). Im- Hauptteil die dekorativ verwendeten Bestandteile des Firmenwappens, 
flankiert von zwei Urnen. Als Bekrönung die auf dem Kissen liegende Krone; Mitte des XVIII. Jhs. 
(Fig. 290). Venezianischer Glasluster. 

' 3. Eckzimmer im SW. Fenster und Türen entsprechend wie in 2. Die Stukkaturen der Decke haben — 
bei Beibehaltung des gleichen Schmucksystems — wieder andere Formen. In den Ecken über einem 
umgestürzten Blattkorb ein kleiner Doppelbogengiebel mit einer Palmette im Zwickel, darüber Bandwerk 
mit vier hängenden Blütenketten (Fig. 291). In der Seitenmitte breite Bandwerkkartusche, als Füllung eine 
Quastenpalmette und darüber Gitterwerk, darüber auf einem Quastenbehang ein Blumenstrauß. Zwischen- 

i stücke, gebildet aus gegenständigen Akanthusvoluten in schräger S-Form, bekrönt von einem Blumen- 

j korb. Weiß, mit blaßgelben Innengründen (Forster, Taf. 19). 

I Großer Kachelofen genau wie im benachbarten Zimmer (Fig. 290). 



Fig. 290. 



Fig. 291. 



320 



Gericlitsbczirk Salzburg 



4. Kabinett im S., entsprechend wie das im N., mit dem es durch einen kleinen Raum verbunden 
ist. In einer Nische im W. großer, mit Bandwerk verzierter Kachelofen, mit grüner Ölfarbe modern 
gestrichen, um 1740. Aus diesem Kabinett kommt man durch die Osttür auf das Oratorium der Kapelle. 

11. Stock. II. Stock. 

Vom Stiegenhaus gelangt man rechts über die Nordgalerie des Festsaales in die Gemächer im östlichen 
Teil des II. Stockes. 

1. Längliches Vorzimmer mit drei holzumrahmten Türen im O., S. und W. und einem Fenster im N. 
Über profiliertem Gesims glatte Decke. Schöne hohe Stockuhr, Holz mit eingelegtem Bandwerk, Gehäuse- 
umrahmung und Aufsatz vergoldet, um 1740. 




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Fig. 289 Leopoldskron. Nordwestzimmer im 1. Stock, Eckstück vom Stuckpiafond (S. 319) 

2. Zimmer. Je eine Tür im O. und W., zwei Fenster im N. Flachdecke über profiliertem Stuck- 
gesimse. Grün glasierter (übertünchter) Kachelofen ohne Schmuck. 

3. Eckzimmer im NO. Je zwei Fenster im N. und O., je eine Tür im W. und S. Über profiliertem 
lig. 292. Gesims Flachdecke mit sehr schönen Stukkaturen (Fig. 292). In den Ecken und der Mitte jeder Seite je 

eine Konfiguration von Band- und Gitterwerk, naturalistischen Blättern und Blüten, die zum Teil plastisch 
frei vom Grunde sich lösen; weiß mit gelben Innenfonds auf blaßblauem Grunde (Forster, Taf. -30). — 
Grün glasierter rechteckiger Kachelofen mit Bandwerk, von einer Flammenurne bekrönt, grau über- 
strichen, um 1740. 

4. Eckzimmer im SO. Je eine Tür im N. und W., je zwei Fenster im O. und S. Ähnlich reiche Stuck- 
decke wie im Nebenzimmer (3); weiß auf blaßgelbem Grunde (Forstf.r, Taf. 31). 



Scliloß Leopoldskron 



321 



Kachelofen mit Bandwerk und Urne, ursprünglich weiß glasiert, jetzt hellgelb gefärbelt, mit weißen 
Ornamenten, um 1740. 

5. Südzimmer. Je eine Tür im O. und W., zwei Fenster im S. Über profiliertem Stuckgesimse glatte 
Decke, modern bemalt. — Weiß glasierter runder Kachelofen, in Flammenurne endigend, Ende des 
XVIII. Jhs. (Fig. 293). 

6. Vorzimmer im S., entsprechend wie 1, mit dem es durch einen schmalen Gang verbunden ist, von 
dem links eine Tür zur hölzernen, durch alle drei Geschosse gehenden Wendeltreppe, rechts eine zweite 
zu einem Raum führt, welcher die Heizöffnungen der Kachelöfen und das Klosett enthält. 



Fig. 293. 




Fig. 290 Leopoldskron. Ofen, um 1750 (S. 319) 



Von diesem Vorzimmer kommt man durch eine Tür zur Südgalerie des Festsales und über diese in 
die Gemächer im Westteil des II. Stockes. 

7. Südzimmer. Je eine Tür im O. und W., zwei Fenster im S. Glatter Plafond über stukkiertem Gesims. 
Geschwungener, hellgrün glasierter Kachelofen mit zwei Öffnungen, in Flammenurne endigend 
(Fig. 294). 

8. Südkabinett, mit glattem Plafond wie oben. Je eine Tür im O., N. und W., im S. ein Fenster. 

9. Südwesteckzimmer. Je eine Tür im O. und N., je zwei Fenster im S. und W. Über profiliertem Stuck- 
Vgesims reich stukkierte Decke. Die großen Konfigurationen in den Ecken und Seitenmitten sind hier 

'durch kleinere verbunden. Weiß auf blaßgelbem Grunde (Forster, Taf. 10). 

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Fig. 294. 



322 



Gerichtsbezirk Salzburg 















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Fig. 291 Leopoldskron. Südwestzimmer im 1. Stock, Eckstück vom Stuckplafond (S. 319) 




Fig. 292 Leopoldskron. Nordostzimmer im II. Stock, Eckstück vom Stuckplafond (S. 320) 



Scliloß Lcopoldskron 



323 



10. Nordwesteckzimmer. Je zwei Fenster im W. und N., je eine Tür im S. und O. Prächtig stukkierter 
Plafond, nach demselben System verziert wie 9, aber mit anderen Motiven. Auf den Verbindungsstücken 
stehen Weihrauchurnen (Forster, Taf. 18). 

Hellgrün glasierter Kachelofen, sehr hoch, von geschwungener Form, mit zwei Öffnungen, mit Band- 
werk verziert, um 1740 (Fig. 295). 

11. Kabinett. Je eine Tür im O., W. und S., ein Fenster im N. Zwischen diesem und dem Kabinett 8 
liegt ein kleiner Raum mit den Heizöffnungen der beiden Öfen in den Zimmern 7 und 10. 

Vom Kabinett 11 kommt man wieder ins Stiegenhaus. 



Fig. 295. 



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Fig. 293 Leopoldsl<ron. Ofen, 
Ende des XVlll. Jhs. (S. 321) 



Fig. 294 Leopoldsl<ron. Ofen, 
um 1740 (S. 321) 



Fig. 295 Leopoldslifon. Ofen, 
um 1740 (S. 323) 



Im III. Stock links von der Treppe (im W.) sechs einfache Zimmer tnit Flachdecken. 

Rechts kommt man in einen Saal, der an Bodenfläche dem darunter liegenden Festsaal entspricht, aber 
niedriger ist. Im N. und S. je drei große Fenster. Flache Decke mit vier Eckrosetten und zwei großen 
Mittelrosetten aus Stuck, Ende des XVIII. Jhs. In diesem Saal befand sich die große „Malergalerie", 
.S7 Porträte. 

Zwei Türen im O. füliren wieder in eine Reilie von flachgedeckten einfachen Zimmern, in denen zu 
Hübners Zeiten Sammlungen ausgestopfter Vögel und Tiere, Gipsabgüsse und Handzeichnungen des 
Grafen Laktanz Firmian aufbewahrt wurden. 

41* 



324 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Gemälde. 
Porträts in 
der Halle. 



Gemälde: 



Porträts in der Halle. 



Alle oval, Öl auf Leinwand, in schwarzen Rahmen mit vergoldeten Innenleisten. 

1. 82 X 58. Brustbild. Laktanz Freiherr von Firmian, der Neffe des Erbauers, mit grauer Allongeperücke, 
in Brustpanzer, dunkelblauem Frack. Gutes Bild, wohl von Ebner, um 1740 (Alte Nr. 353). 

2. Pendant dazu. Seine Gemahlin Maximiliana, geb. Gräfin Lodron, in dekolletiertem dunkelblauem 
Kostüm. Von derselben Hand (Alte Nr. 352). 

3. 83 X 58. Halbfigur. Offizier mit Zopfperücke, im Brustpanzer, mit weißem, rotgefüttertem Rock, mit 
dem Hut unter dem linken Arm. Gutes Bild, um 1760. 




Fig. 296 Leopoldskron. Porträt der Kaiserin Elisabeth (S. 326) 



4. Pendant dazu. Junge Dame in ausgeschnittenem blauem, mit schwarzem Pelz verbrämtem Kleide, mit 
einer schwarzen Mütze auf dem Kopf und einem Briefe in der rechten Hand. Von derselben Hand. 

5. 83 X 58. Brustbild. Offizier mit Zopfperücke, roter Weste mit Goldborten, blauem Rock mit roten 
Ärmelaufschlägen, rotem Mantel. Gutes Bild, um 1760. 

6. Pendant dazu. Dame mit gelber, spitzenbesetzter Corsage, in dunkelblauem Kostüm, mit rotem, gelb 
Seiüttertcm Mantel. Von derselben Hand. 

7. 83 X ö9. Brustbild. Herr mit Zopfperücke, gelber Weste, rotem Rock mit schwarzem Besatz, silbernen 
Fangschnüreu. Mittelmäßig, um 1770. 

8. Pendant. Dame in weißem, weit dekolletiertem Spitzenkleide, mit blauem Mantel. Von der- 
selben Hand. 



Schloß Leopoldskron 



325 



9. Brustbild. Herr mit grauer Perücke, rotem goldgesticktem Rock, mit einem Ordenskreuz an blauem 
Bande. Gutes Bild, um 1760. 

10. Pendant. Dame in blauem Kostüm mit schwarzem Spitzenüberwurf, Spitzenhäubchen mit schwarzem 
Bande, Perlenhalsband und Ohrringen. Dieselbe im Saale im III. Stock. 

11. Brustbild. Älterer Herr mit Zopfperücke, blauem Rock mit Goldstickerei, rotem Mantel. Mittelmäßig, 
um 1770. 

12. Pendant. Dame in pelzverbrämtem rotem Kleide, mit grünem goldgesticktem Mantel. Schwach. 

13. Brustbild. Junger Domherr, mit halblanger weißer Perücke, in graublauer Rochette. Gutes Bild, um 1760. 

14. Brustbild. Junger Mann mit halblanger Perücke, in weißem Rock, roter Weste mit Goldborten, rotem, 
blau gefüttertem Mantel. Gutes Bild, von derselben Hand, um 1760. 




Fig. 297 Leopoldskron. Porträt des Erzbischofs Leopold Anton Frh. v. Firmian, 
von Zanusi, um 1740 (S. 326) 



15. Brustbild. Älterer Herr mit weißer Zopfperücke, im Harnisch, mit rotem, pelzverbrämtem Mantel. 
Mittelgut, um 1770. 

16. Pendant. Dame in rotem ausgeschnittenem Kostüm, mit schwarzem Spitzenüberwurf. Von der- 
selben Hand. 

Porträts im Stiegenhaus. 

17. 122 X 93. Kaiser Karl VI., in Halbfigur, mit langer grauer Ällongeperücke, im Panzer, Orden des 
goldenen Vlieses, Purpurmantel, mit Zepter und Reichsapfel in den Händen. Rechts die deutsche Kaiser- 
krone. Gutes österreichisches Bild, um 1730, nach dem Katalog (s. S. 294) von Hauzinger. 



Porträts im 
Stiegenliair. 



326 



Gerichtsbezirk Salzburg 



18. Pendant dazu, in gleichem Rahmen. Seine Gemahlin, Kaiserin Elisabeth, Halbfigur. In dekolletiertem 
Goldbrokatkleide, mit rot gefüttertem blauem Mantel, mit dem rechten Arm auf einen Polster gestützt, 

Fig. 296. auf dem eine Krone liegt. Gutes Bild von der gleichen Hand (Fig. 296). 

19. 170 X 122. Erzbischof Leopold Anton Eleutherius Freiherr von Firmian, Kniestück. In einem 
Fauteuil sitzend, in rotem Kardinalstalar mit weißer Pelzrochette. Gutes Bild, um 1740, wohl von 

Fig. 297. Z a n u s i. Schöner gleichzeitiger Rahmen (Fig. 297). 

20. 107 X 84. Halbfigur. Sitzender Herr, mit langer grauer Allongeperücke, im Brustpanzer, mit 
violettem goldgesticktem Frack und rotem Mantel. Gutes Salzburger Bild, Anfang des XVIII. Jhs. 

21. Pendant dazu. Des obigen Gemahlin. Ältere Dame mit grauer Perücke, in dekolletiertem rosafarbigem, 
weiß gemustertem Kostüm mit weiß gefüttertem blauem Mantel. In der linken Hand hält sie Narzissen, 
in der rechten ein Medaillon mit dem Bildnisse eines bärtigen Priesters (Johann von Nepomuk?). Gut, 
von derselben Hand. 

22. 83 X 61. Halbfigur. Älterer glattrasierter Herr mit Zopfperücke in dunkelblauem Frack mit weißen 
Spitzen, mit einem Stock in der rechten Hand. Gutes Salzburger Bild. Hinten auf der Leinwand 
signiert: Jo: Durach Fecit 1775. 




Fig. 298 Leopoldskron. Hirsclilietze, von J. F. Kien, 1682 (S. 327) 

23. 86 X 69. Halbfigur. Ältere Dame mit grauer Perücke in dunkelviolettem Kostüm mit Schneppen- 
taille, mit gelbem Mantel. Mittelgut, um 1775. 

24. 12 X 95. Kniestück. Erzbischof Leopold Anton Freiherr von Firmian in einem Lehnstuhl nach rechts 
hin sitzend, in Kardinalstalar, mit Pektoralkreuz an rotem Bande, mit einem Brief in der Hand. 
Mittelgutes Bild, um 1740. 

25. 97 X 72. Rückwärts die alte Nummer 339. Halbfigur. Kardinal mit Adlernase, mit halblanger grauer 
Perücke, in Spitzenchorhemd. In den Händen hält er das rote Birett und einen Brief mit der Anschrift: 
AI Eccelso et Rev 111 Sig: Monsig: Leopoldo de Firmian Arcivcscovo et Principe Salisburgo. 
Der Dargestellte ist jedoch mit dem Adressaten nicht identisch. Um 1743. 

26. 93 X 77. Halbfigur. Kaiser Josef IL, in gelber Weste mit Goldtressen, dunkelgrünem Uniformrock 
mit roten Aufschlägen und goldenen Fangschnüren. Um 1780. 



''■ :i i'iivraer.". 



Gemälde in den Zimmern. 



-/. IGl X 'Jl. Gesellschaftsszene. In einer Säulenhalle sitzen an einem Tisch vier Lautenspieler. Reciils 
in Konversalion vornehme Herren und Damen, zwei davon mit Masken. In der Mitte ein Knabe 

ein trinkender Landsknecht, ein Trabant und ein Diener mit einem Pferde. 

Im Hintergrunde 



und ein Mädchen, links 

Oben schwebt auf einer Wolke Venus mit einem Flammenherzen in der Hand. 

Ausblick auf Landschaft. Mittelmäßig, um 1600 (II. St. SO.). 



' 



Schloß Leopoldskron 



327 



28. 110 X 170. Das Gastmahl des Belsazar. In einer langen tonnengewölbten Halle sitzen an zwei 
Tafeln zalilreiche Gäste. In der Mitte ist auf Tisciien der Goldsciiatz des Tempels aufgespeichert. Links 
oben erscheint die Hand mit dem Spruch. Mittelmäßiges deutsciies Bild aus der Mitte des XVII. Jhs. 
(II. St. S.). 

29. 86 X 137. Hirschhetze durcii türkisciie Reiter (Nr. 128). In einem Fhil3 in der Mitte ein von den 
Hunden angefallener Hirsch. Ein Türke zu Pferd ist im Begriff, ihn mit dem Speer zu durchbohren, 
auch zwei andere stürmen auf ihn ein, ein dritter spannt den Bogen. Links ein zweiter Hirsch, von 
einem Reiter verfolgt. Bezeichnet: J. F. Kien fecit Anno 1682 (II. St. N.) (Fig. 298). 



Fig. 298. 




Fig. 299 Leopoldskron. Porträt dos Jolianti Fr;inz Laktaiiz Frli. v. Firinian, 
von Jakob Zanusi, 1736 (S, 329) 



30. 161 X 300. Links drei berittene Soldaten, mit zwei Bauern sprechend; daneben Treiber mit Maultier. 
Rechts eine Gruppe von Kavalleristen, die sich vor einer Buschenschänke stärken. Schwaches Bild, 
Erste Hälfte des XVIII. Jhs. (II. St. N.). 

31. 62 X 43. Der hl. Bischof Ulrich, in Haibfigur, auf ein Buch hinweisend. Vor ihm liegt ein aus- 
geweideter Fisch mit zwei Schlüsseln. Oben Cherubsköpfe. Gutes Salzburger Bild vom Anfang des 
XVIII. Jhs. (II. St. S.). 

32. 63 X 44. Ein bärtiger Mönch mit Stab, Halbfigur. Mittelmäßig, Salzburgisch, XVIII. Jh. (II. St. S.). 

33. 187 X 70. Geringes Maria-Hilf-Bild, XVIII. Jh. (IL St. S.). 

34. 83 X 115. Flucht nach Ägypten. In Mondlandschaft die hl. Familie, von zwei fackeltragenden 
Engeln geleitet. Anfang des XVIII. Jhs. (IL St. NO.). 



328 



Gerichtsbezirk Salzburg 



35. 82 X 115. Taufe Christi im Jordan. Im Hintergrunde Burgruine auf einem Felsen. Von derselben 
Hand (H. St. SO.). 

36. 82 X 115. Die hl. Familie auf der Wanderschaft nach Jerusalem. Von derselben Hand (II. St. SO.). 

37. 83 X 115. Anbetung der Hirten. Links unter einer römischen Säulenruine die Madonna anbetend 
vor dem Kinde kniend, von Hirten umgeben. Rechts Ausblick auf Landschaft mit Fluß und Brücke. 
Um 1740 (II. St. SW.). 

38. Pendant dazu. Gang nach Emaus. In Landschaft mit römischer Ruine links Jesus mit den beiden 
Jüngern; von derselben Hand (ebenda). 




h'ig. 300 Leopoldsl^ron. Maximiliana Freiin von Firiiiian als Vestalin, 
von Rensi, um 1740 (S. 329) 



39. 44 X 59. Bekehrung des hl. Paulus (Nr. 88). In der Mitte Saulus, von einem Schimmel zu Boden 
geworfen, von einem Knecht unterstützt. Ringsherum Reiter auf wild sich bäumenden Pferden. Alter 
Rahmen. Gutes Bild, erste Hälfte des XVIII. Jhs. (II. St. SW.). 

40. 55 X 43. Christus und die Ehebrecherin (Nr. 59); in gemaltem Ovalrahmen. Halbfiguren. Alter 
Rahmen. Gutes Salzburger Bild, um 1740 (II. St. SW.). 

41. 94 >, 113. In Landschaft Orpheus mit der Harfe, von vielerlei Tieren umgeben. Mittelmäßig, um 
1740 (II. St. NW.). 

42. Pendant dazu. Baumlandschaft mit Hirten, Rindern und Schafherde. Von derselben Hand (ebenda). 

43. 76 X 129. Landschaft. An einem Fluß vorne eine Frau mit einem Knaben und zwei Fischer. Im 
Hintergründe ein Schloß und eine Stadt, vorne rechts ein Haus. Mittelmäßig, um 1740 (II. St. NW.). 

44. 66 X 94. Zwei Pendants, Landschaften mit Fluß. Schwach, XVIII. Jh. (II. St. NO.). 



Schloß Leopoldskron 



329 



45, 46. 70 X 200. Zwei Supraporten. Am Rahmen die Nr. 235 und 236. Drei Putti beim Meißeln eines 
Frauenkopfes, ein vierter zeichnet. Vier Putti beim Vermessen von Architekturstücken. Um 1740, wohl 
von Z a n u s i (!. St. N.). 

47. 115 X 90. Porträt, Kniestück. Johann Franz Laktanz Freiherr von Firmian, hochfürstlicher 
Obersthof- und Jägermeister. Ein auf einer Steinbank sitzender junger Mann mit langer grauer Allonge- 
perücke, in goldgesticktem rotem Frack, Goldbrokatweste und roten Hosen, mit der rechten Hand auf 
einen Stock gestützt, mit der linken mit den Locken spielend. Hinten aufgeklebter Zettel mit der 
kalligraphischen Inschrift: Joannes Franciscus Lactantius L: B: De Firmian, Dnus in Cronmez, Meggel 
Et Leopoldskron, Aug"" : Caes: Caroli VI. CaWierariiis Aclualis, Necnon Cef'"' Et Rev"'' Archi-Episcopi, 
Et S. S. J. Principis Salisburgns Suppremus Aulae Et Venat"'" Praefectus et Episcop' Tridcnt'"' Mares- 
calliis Haeraedis Aetat: Suae Anno XXIV. J: P: K: Gutes Bild von Jakob Zanusi 1736 (Fig. 299). 




Fi". 299, 



Fig. 301 
Leopoldskron. Evangelist Johannes, um 1740 (S. 330) 



48. Pendant dazu. Seine Gemahlin Maximiliana, geb. Gräfin Lodron. Junge Frau mit weißer Allonge- 
perücke, in ausgeschnittenem, spitzenbesetztem, blauem Kleide mit rot-weißem Schal, auf einer Steinbank 
sitzend. Mit dem rechten Arm stützt sie sich auf das Postament einer Steinvase, mit der Linken streichelt 
sie ein kleines Hündchen. Hinten auf der Leinwand aufgeklebter Papierzettel mit der Inschrift: 
Maximiliana Ex Com: De Lodron Conjiix Lactantii L: B: De Firmian Aetat: Suae XXI. Weniger gut 
als das Bild des Gatten, ebenfalls von Zanusi. Teilweise übermalt. 

49. 200 X 134, oval. Porträt, Kniestück. Junge Dame, als Vestalin gekleidet, das hl. Feuer nährend, 
I Maximiliana Freiin von Firmian, geb. Gräfin Lodron, Stiftsdame. Gutes Bild von Rensi, um 1740 

(II. St. S.) (Fig. 300). 
\ 50. 50 X 40. Pastell auf Pergament. Porträt, Brustbild. Glattrasierter älterer Herr mit grauer Zopfperücke, 
f; in blauem Frack, mit dem Orden des goldenen Vlieses. Gutes Bild, auf der Rückseite signiert: 
; Josephus Kranzinger Pinxit Aö 1765 (II. St. S.). 



Fig. 300. 



XI 



42 



330 



Oericlitsbczirk Salzburg 



Gemälde im 
großen Saal 
im III. Stock. 



Fig. 301. 



Gemälde im großen Saal im III. Stock. 

51. 170 X 122. Nachtstück. Eine Frau (Medea) mit einem Blumenkranz im Haar, in einem mit Sternen 
besetzten Gewände, betrachtet nachdenklich ihre zwei schlafenden Knaben, die von einer Laterne 
beleuchtet werden. Durch die Öffnung der Zauberhöhle scheint der Mond herein. Mittelgutes Bild, auf 
der Rückseite der Leinwand signiert: Philipp Jakob Niclihl Pinxit 1743. 

52. 144 X 94. Vier große Bilder in gemaltem ovalem Ausschnitt, die vier Evangelisten, in Halbfiguren, 
mit ihren Symbolen. Gute Arbeiten, neapolitanisch beeinflußt, um 1740 (Fig. 301). 




Fig. 302 Leopoldskron. Ein Bischof aus der gfl. Familie Firmian, um 1740 (S. 330) 



12. 302. 



53. 74 X 53 (alte Nr. 70). Brustbild. Graubärtiger betender Greis in braunem Gewände. Mittelmäßig, 
XVIII. Jh. 

54. 81 X 63. Halbfigur. Betender graubärtiger Mönch mit Stab. Mittelmäßig, XVIII. Jh. 

55. 68 X 60. Brustbild; weinender graubärtiger Greis, die Hände über einen Globus faltend. Gut, XVIII. Jh. 

56. 76 X 55. Hl. Maria von Wessobrunn, mit einem Rosenkranz im Haar, Brustbild. XVIII. Jh. 
Ö7, SG X 65. Brustbild, segnender Papst. Mitte des XVIII. Jhs. 

n8. 13S X 102. Kniestück. Bischof mit Firmian'scher Familienähnlichkeit, Leopold Ernst 1739—1763 
3;$:l;o[ von Seckau oder Vigil Maria 1744—1753 Bischof von Lavant, dann 1753—1788 Dompropst von 
Salzburg, mit lialblanger grauer Allongeperücke, in violettem Talar, Chorhemd, Hermeiinmozett, in einem 
Thronsessel. Neben ihm ein Sekretär, der ihm einen Brief vorliest. Gutes Bild, um 1750 (Fig. 302). 
59. 79 X 58, in- gemaltem ovalem Ausschnitt. Brustbild. Alter Herr mit langer weißer Allongeperückc, in 
schwarzem Gewände, mit breitem Spitzenjabot. Gut, Anfang des XVIII. Jhs. Wohl der Vater des Erzbischofs. 



Scilloß Leopoldskron 



331 



60. Pendant dazu. Alte Dame, in blauem, goldgesticktem Kostüm, mit rotem Mantel. Anfang des 
XVIII. Jhs. 

61. 85 X 67. Halbfigur. Offizier mit halblanger grauer Allongeperücke, in Brustpanzer mit rotem Frack, 
mit dem Hut unter dem linken Arm. Gut, erste Hälfte des XVIII. Jhs. 

62. Pendant dazu. Dame mit grauer Perücke und Häubchen, in rotbraunem Kostüm mit schwarzem 
Spitzenüberwurf, Perlenhalsband und -Ohrringen. Von derselben Hand. 

63. 109 X 83. Zwei Kinder. Ein mit einem violetten Hosenkleidchen bekleideter Knabe gibt seinem 
kleinen Brüderchen, das im Hemdchen auf einer Dogge sitzt, einen Apfel. Am Halsbande des Hundes 
die Initialen V. F. Inschrift auf der Rückseite der Leinwand: Carl Graj v. Firmian alt 5 Jahr und 
Joseph Graj v. Firmian alt 1 Jahr. Fr: Thad: H elbling Inv: et Pinxit Aö 1776. Mittelgutes Bild. 

64. 87 X 67. Halbfigur. Herr mit Zopfperücke in dunkelblauem Rock mit geflochtenen Goldborten, mit 
einem Ordenskreuze an rotem Bande. Wohl ein Graf von Firmian. Um 1780. 

65. Pendant dazu. Sitzende Frau mit aufeinandergelegten Händen, in dekolletiertem rosafarbigem Kleide 
mit weißem und schwarzem Spitzenbesatz. Um 1780 (am Rahmen Zettel: Nr. 5/8). 




Fig. 303 Leopoldskron. Deckenmalerei im Inselpavillon (S. 332) 



66. 84 X 67. Brustbild. Junger Bischof, mit Zopfperücke, in schwarzer Soutane und rotem Mantel mit 
einem granatenbesetzten Pektoralkreuz. Gut, um 1780. 

67. 84 X 67, in gemaltem ovalem Ausschnitt. Halbfigur. Junger Bischof (derselbe wie der Vorige?), mit 
Zopfperücke, in schwarzer Soutane, mit Pektoralkreuz, mit einem Buche in der Hand. Gut, um 1780. 
Alter Zettel Nr. 6/3. 

68. 84 X 67. Halbfigur. Älterer Geistlicher mit Zopfperücke, in schwarzer Soutane, Komturkreuz des 
Stephansordens an rot-grünem Bande und reichgefaßtem Pektorale an der Brust. Gut, um 1780. Alter 
Zettel Nr. 10/9. 

69. 80 X 61. Brustbild. Erzbischof Hieronymus Graf Colloredo (1772 — 1812), in roter Cappa, mit großem 
Pektorale, an das er mit der rechten Hand greift. Hinten grüner Vorhang. Gut, um 1775. 

70. 87 X 66. Ganze Figur. Kleines Kind, im Hemdchen, auf einem roten Polster sitzend, mit einer 
Blumengirlande in der Hand. Ende des XVIII. Jhs. 

71. 78 X 60. Brustbild. Herr mit weißer Zopfperücke, in blauem, pelzverbrämtem Hausrock. Ende 
des XVIII. Jhs. 

72. Pendant dazu. Dame mit hochfrisierter grauer Perücke, in blauem, mit braunem Pelze verbrämtem 
Kostüm. Von derselben Hand. Ende des XVIII. Jhs. 

73. 85 X 68, in gemaltem Ovalausschnitt. Brustbild. Herr mit Zopfperücke, in violettem Frack. Um 1780. 

74. 81 X 59, oval. Brustbild. Offizier mit Zopfperücke, in weiiBer Uniform mit roten Borten am Rock. 
Um 1780. 

42* 



332 



Gerichtsbezirk Salzburg 



75. Pendant dazu. Dame mit blauem Halsliand, in blau-weißem Kostüm. Von derselben Hand. 

76. 82 X 68. Halbfigur. Ältere Frau, auf einem Sofa sitzend, mit weißer Spitzenhaube in violettem 
Gewände. Ende des XVIII. Jhs. 

77. 74 X 53. Halbfigur. Junge hübsche Dame, an einem Tiscliclien lehnend, in Empirekostüm, in aus- 
geschnittenem weißem Kleide mit blauem Überwurf. Gut, um 1810. 




Fig. 304 Leopoldskron. Nepomukstatiie von J. A. Pfaffinger, um 1736 (S. 333) 

Genre. Genre. 

78. 49 X 39. Schnitter. Mittelmäßig, XVIII. Jh. 

79. Pendant dazu. Lammscherer. Von derselben Hand. 

80. 49 X 39. Jüngling, mit einer Laute und einem Blumenkörbchen in den Händen. XVIII. Jh. 

81. Pendant dazu: Mädchen vor einem Tische mit Früchten. XVIII. Jh. 

82. 49 X 39. Zwei Pendants, ein Fischverkäufer und ein Koch mit Pastete in den Händen. XVIII. Jh. 
Zwei gleiche, aber größere Bilder sind in Schloß Anif. 

83. 28 X 37. Vier unbedeutende Bildchen, ein junges höfisch gekleidetes Paar darstellend, wie es ver- 
schiedenen Beschäftigungen zusieht (Fischfang, Vogelfang, Jagd, Feuerwerk). Vielleicht von Laktanz Firmian. 

84. 45 ; 124. Landschaft mit römischer Tempelruine und Steinbrüchen. Gering, XVIII. Jh. (III. St.). 

85. Pendant. Flußlandschaft mit Burgen und Stadt. Gering, XVIII. Jh. 

iMsolpaviilon. Inselpavilloii: Auf einer kleinen Insel, der sog. „Musikinsel", südöstlich vom Schlosse steht inmitten 
von Bäumen ein achtseitiger hölzerner Pavillon, mit vier flachbogigen Tür- und vier rechteckigen Fenster- 
öffnungen. Achtseitiges Schindelmansardendach. Das Innere ist vollständig ausgemalt nach Art einer 



Liefering 333 

Stuckdekoration: In den Ecken Pilaster, ober den Türen mythologische Szenen, Meer- und Flußgott- 
heiten. An der achtseitigen Holzkuppel unten durchbrochene geschwungene Balustrade mit Rokoko- 
vasen über den Fenstern und Medaillons über den Türen, in denen Putten bei verschiedenen 
Beschäftigungen dargestellt sind (Jagd, Fischfang, Gärtnerei, Vogelstellerei). Am blauen Himmel darüber 
tummeln sich zahlreiche Putti mit den Vögeln. Zwei lassen an Bändern Vögel aufsteigen, einer hält 
auf einer Tragstange eine Eule, einer schießt mit dem Bogen, andere halten Falken, geben Takt zur 
Musik, tragen einen Blumenkorb, einer liegt als Mars auf einem Fahnentuch, ein anderer hält einen 
großen Sonnenschirm (Fig. 303). Gute Arbeit, um 1750. Leider wird dieses interessante Denkmal nicht Fig. 303. 
mit der gebührenden Sorgfalt instand gehalten. 

Statue des hl. Johann von Nepomuk (Fig. 304): An der Wegkreuzung beim südöstlichen Ncpomuk- 

Ende des Weihers. Material: Untersberger Marmor. Auf einem Steinplattenbelag eine im Achteck um statue. 

das Standbild herumgeführte Marmorbalustrade. In der Mitte des Raumes mannshohes Postament, dessen Fig. 304. 

Grundriß die Form eines Achteckes hat, von dem vier gegenständige Seiten stark eingebogen sind. 

Über den schmäleren vier anderen Seiten Frontalvoluten. An der Frontseite im Relief das Wappen des 

Erzbischofs Leopold Grafen von Firmian. Über vorspringendem profiliertem Gesimse kürzerer Oberteil, 

dessen vier schmälere Seiten von Frontalvoluten gebildet sind, während die breiteren von achtzackigen 

Sternen durchbrochen sind. Darauf die überlebensgroße Statue des hl. Johann von Nepomuk, der, den 

Kopf aufwärts gewendet, im linken Arm Kruzifix und Palmzweig hält, die rechte Hand auf die Brust 

legt. — Sehr gute Arbeit um 1736, wohl von Josef Anton Pfaffinge r. — Um das Monuinent im 

Dreieck drei riesige, mit dem Denkmal gleichzeitige Kastanienbäume. 

Liefering, Dorf 

Archivalien: Konsistorialarcliiv. — Die älteren Kirchenrechnungen verloren (ab 1779 im Konsistorialarchiv). 

Literatur: HüBNER, Stadt 489. — Pillwein, Salzachkrcis 362. — Dürlinoer, Handbuch 130. 

Dignoliis gab zu Anfang des VIII. Jhs. 3 Hüben .in loco qiii dicittir Litieringa (in vico . . Liiieringe)" an die Salzburger 

Kirche (HAUTHALER. U.-R. 1. 9 und 37). Siehe auch Schloß. 

Filialkirche zu den Hl. Petrus und Paulus. Füiai- 

tcirclie. 
Ad Liueringa ecclesia cum territorio verzeichnet das Arnonische Güterverzeichnis vom Ende des VIII. Jhs. 

(Hauthaler a. a. O. 11). Am 2. Jänner 1469 verleiht Kardinaldiakon Theodorus auf Bitte des Laien Rubert 
Kleshaimer der St. Peterskirche in Lifring, Filiale von Sietzenheim, und am 14. Oktober 1475 der Kardinal 
Julianus Tit. St. Petri ad vincula und der Kardinal Theodor auf Bitte des Rubert Gold und seiner Frau 
Margareta der St. Peter- und Pauls-Kirche Ablässe (Orr.). Am 17. August 1516 weihte Bischof Berthold 
Pürstinger von Chiemsee die Kirche der Hl. Petrus und Paulus in Lüfiing cum tribus altaribus: aii- 
terius in hon. ss. Petri et Pauli ac aliorum apostolorum, alterum in dextro latere in hon. s. Johannis 
evangeliste et Anne, tertium in latere sinistro in hon. ss. Rudberti, Virgilii et Leonardi. Ibidem eodem 
die cimiterium est consecratum. 

1671 werden am Turm- und Langhausgebäude für 357 fl. Reparaturen vorgenommen (SRA Kapitel- 
protokoll F. 29 und 48). 1691 wird der Turm erhöht, was aber einen langwierigen Prozeß des Dom- 
kapitels mit dem Erzbischof Johann Ernst, der auf der Einholung des Ordinariatskonsenses bestand, bei 
der römischen Kurie zur Folge hatte. 

Die Kirchenrechnung vermerkt über den Bau: 1691: Wegen Erhechung und Verenderung des Kirchen- 
thurns, dann Erpauung eines anderen Portals, Todtengrujft und Glockenstuhls 2621 fl. 5 kr. 
Die Kirchenrechnungen 1779ff. enthalten u. a.: 1781: Niclas Orth, Gürtler, für eine Cron auf das 
Ciborium von Messing und getriebner Arbeit 12 fl. — 1790: Matthäus Moser, Zimmermeister zu 
Saldorf, für das im Freithof aufgesetzte neue große Kreuz 27 fl. 8 kr. — 1791: Franz Rödl, Tischler- 
meister zu Salzburg, für die 3 neuen Altäre 360 fl. Franz Streicher, Maler, für 3 neue Altar- 
blätter 180 fl. Dominicas Plassisganig in Piding für Machung der Risse zu den Altären 5 fl. 
1793 werden zinnerne Altadeuchter angekauft und 1795 wird durch Joh. Oberascher eine Glocke 
umgegossen (127 fl.). 1894 wurden anstatt der alten Altäre, die als „Bretterwände" bezeichnet wurden, 
durch den Bildhauer Pörnbacher neue im pseudogotischen Stil aufgestellt. 



334 



GerichtsbeKirk Salzburg 



Charakte- 
ristik. 

Fig.305— 308. 

Lage. 
Fig. 305, 306. 

Äußeres. 
Fig. 305, 306. 

Langhaus 
und Chor. 



Charakteristik: Einschiffige spätgotische Kirche (1516 geweiht) mit schönem Netzgewölbe (Strebe- 
pfeiler innen eingezogen). Die Langhausmauern sind vielleicht noch romanisch. Gotischer Westturm, 
mit achtseitigem barockem Obergeschosse von 1691. Hübsche Portalvorhalle von 1691 (Fig. 305 — 308). 

Lage: Erhöht inmitten des Friedhofes auf stark nach NW. ansteigendem Terrain im W. des Ortes 
(Fig. 305, 306). 

Äußeres (Fig. 305, 306) : 

Verputzter und weiß gefärbelter Bruchstein- und Ziegelbau. 

Langhaus und Chor: Gleichbreit und -hoch. W. Dreiecksgiebelfront mit vorgebautem Turm; im N. 
unten gotische rechteckige Tür in Steinrahmung mit in den Ecken verschnittenem Rundstab und Hohl- 
kehle. — S. Links Vorhalle (Anbau 1), in der Mitte Kapellenanbau (2). Um den östlichen Teil des 
Langhauses und des in drei Seiten geschlossenen Chores läuft ein massiger Konglomeratsockel, oben 
mit einer Hohlkehle abgeschlossen. Im S. unter der Vorhalle rundbogige Tür in Sandsteinumrahmung 











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Fig. 305 i^iefering. FiHalkirche, Ansicht von Nordwesten (S. 334) 



von 1691 (eiserner Türring von 1691); ober dem Anbau 2 zwei rundbogige Fenster, das rechte mit 
spitzbogiger Laibung; im Chor ein rundbogiges Fenster. — Im SO. und NO. je ein rundbogiges 
Fenster. — Im N. Anbau 3 (Sakristei) und 4 (Leichenkammer); über der letzt-eren ein rundbogiges 
Fenster mit spitzbogiger Laibung. — Mit Ausnahme der Westseite umlaufendes gotisches steinernes 
Hohlkehlgesims. Nach O. abgewalmtes steiles Satteldach, im S. mit Blech und Ziegeln, über dem Ab- 
schlüsse und im N. mit Schindeln. 

Turm: Im S. übereinander ein kleines oblonges Fenster und zwei Luken, im W. oben kleines Fenster. 
Zuoberst vier rundbogige Schallfenster mit steinernen Balustraden. Kräftig profiliertes Abschlußgesims. 
Das aufgesetzte achteckige Glockengeschoß (von 1691) hat Eckpilaster, vier rundbogige Schaufenster mit 
Steinbalustraden, vier runde blecherne Zifferblätter, profiliertes y\bschlußgesims. Achtseitige Schindei- 
Isaube mit hölzerner, blechgedeckter Laterne, vergoldetem Knauf und Kreuz. Am Helm die Jahreszahlen 
1722, 1839, 1893. 

Anbauten: 1. Hübsche Türvorhalle im S. (um 1691). Quadratisch, nach S. und O. mit Flachbogen 
:-;eüf[net, nach W. leider später vermauert. Im N. rundbogige Kirchentür in einfacher Sandsteinumrahmung. 
Das Gewölbe (Kreuzgewölbe mit stukkierten, von einem mit Rosette gezierten Mittelkreis ausgehenden 
Rippen) wird getragen von zwei toskanischen Säulen aus rotem Marmor mit Würfelsockeln. Über profi- 
li&rtem vorspringendem Gesimse Schindelsatteldach, nach S. abgewalmt. 



Liefering 



335 



2. Kapelle im S. des Langhauses. Eingeschossig. Im W. flachbogige Tür, daneben eingemauert acht- 
eckiges marmornes Weihwasserbecken mit pyramidenstumpfförmigem Ablauf und dem in gotischer Mi- 
nuskel eingemeißelten Namen: Oswald H. Im S. flachbogiges Fenster und eingemauerter Grabstein 
(s. unten). Über vorspringendem Gesimse Schindelwalmdach. 

3. Sakristei im N. des Chores. Eingeschossig. Im O. Tür in Sandsteinrahmung mit quadratischem Ober- 
lichtfenster, im N. kleines Fenster. Schindelwalmdach. 

4. Totenkammer, daneben, modern. 

Fried hofmauer: Bruchstein, weiß verputzt, abgedeckt mit Schindeln, Steinplatten und Zement. Drei 
einfache Eingänge. 



Friüdhof- 
inauer. 




Fig. 306 Liefering. Filiall<irche, Ansicht von Südwesten (S. 333) 



Inneres 

Einfach gefärbelt. Wände gelb, Gewölbe blau, Rippen gelb. Alter Fußboden aus roten und grauen 
Marmorplatten. 

Langhaus und Chor: Einheitlicher Raum. Gleichbreit und -hoch. An den Wänden und in den Ecken 
des Abschlusses vor rechteckigen, an den Kanten breit gekehlten Wandpfeilern schlanke Dreiviertelsäulen 
mit vorspringenden, oben gekehlten Postamenten und einfachen, ring- oder rautenförmig gegliederten 
Kapitalen. Auf diesen sitzen dickere kurze Halbsäulen auf, in welche die beiderseits gekehlten Rippen 
des spätgotischen Netzgewölbes einschneiden. Im Langhause drei Joche mit je zwei breiten 
spitzbogigen Stichkappen, Chorabschluß mit ein Paar breiten und drei schmäleren Stichkappen. Die 
rundbogigen Fenster haben abgeschrägte spitzbogige Laibungen. 



Inneres. 



Langhaus 
und Chor. 



336 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Turm. 



Anbauten. 



Im W. eingebaut hölzerne Musikempore mit flachem, von zwei Holzsäulen gestütztem Boden und 
einer mit pseudogotischen Ornamenten bemalten Brüstung. Darunter im S. rundbogige Tür in flach 
bogiger Nische, daneben marmorne Weihwassermuschel, im W. flachbogige eiserne Turmtür und daneben 
rechts kleinere gotische Tür in Steinrahmung mit flachem Kleeblattbogen; im N. rundbogige Nische mit 
Statue des Schmerzensmannes. Unter der Empore ist das Langhaus durch ein einfaches schmiede^ 
eisernes Stabgitter (um 1700) abgesperrt. Auf der Empore im W. gedrückt-spitzbogige Turmtür in 
Steinrahmung. Im dritten Wandfelde im N. rechteckige Sakristeitür. 

Turm: Der untere Läutraum hat ein rundbogiges Tonnengewölbe, das im S. über dem Fenster von 
einer flachbogigen Stichkappe eingeschnitten, im W. von der hölzernen Stiege durchbrochen ist. 

Anbauten: 1. Vorhalle. Siehe Äußeres. 

2. Kapelle im S. Flach gedeckt. 

3. Sakristei im N. Rundbogiges Tonnengewölbe mit zwei durchlaufenden rundbogigen Stichkappeu. 
Südwestwinkel führt eine gemauerte Stiege zur Kanzeltür. 




Fig. 397 Liefering. Filialkirche, Grundriß 1 : 200 (S. 335) 



Einrichtung. 



Altäre. 



Kanzel. 



Weiliwasser- 

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Einrichtung: 

Altäre: Hochaltar und zwei Seitenaltäre, Holz, pseudogotisch (1894), mit alten Mensen von 1791 
Hinter dem Hochaltar Aufbau mit drei alten Holzstatuen: Die auf einer Wolke stehende Madonna mit 
dem Kinde, die Apostel Petrus und Paulus; gute Arbeiten, um 1791, wohl von D. Plasisganig. 

Kanzel: Holz, pseudogotisch, modern; in spitzbogigen Feldern vier alte Leinwandbildchen, die stehenden 
vier Evangelisten. XVIII. Jh. 

Weihwasserbecken: Roter, weiß geäderter Marmor. Auf schön profiliertem, im Grundrisse quadra- 
tischem Postamente das große, ovale, muschelförmige Becken, mit Opferstock in der Mitte. XVlll. Jh. 
Ein ganz ähnliches Becken in Siezenheim. 

Skulpturen: Holz, polychroniiert. 1. Auf Konsolen im Chore die Statuen des gegeißelten dornen- 
gckiöntcn Heilandes und der schmerzhaften Mutter Gottes. XVIII. Jh. 

2. Über der Sakristeitür Kruzifix, darüber die Taube und die Halbfigur Gott-Vaters. Mitte des XIX. Jhs. 

3. Tiagkruzifix. XVIII. Jh. 

4. Standkruzifix am Sakristeischrank. XVII. Jh. 

5. In der Wandnische unter der Empore Statue des gegeißelten Schmerzensmannes. XVIII. Jh. 



Liefering 



337 




Reste eines gotischen Flügelaltars. In einen neuen gotisierenden Altaraufbau (Kapelle im S. Reste eines 
des Langhauses) sind vier doppelseitig bemalte kleine Tafeln (Gesamtgröße (72 x 55 cm) eingelassen. gotischen 
Die Temperabilder sind intakt bis auf die erneuerten Gründe (außen golden, innen blau). Flügelaltars. 

Außenseiten (Fig. 309—312): 1. Kreuzigung des hl. Petrus. Zwei Henkersknechte binden die Füße und Fig.309— 312. 
Hände des Apostels an das umgekehrte Kreuz. Links zwei Männer (Fig. 309). 

2. Hinrichtung des hl. Paulus. In der Mitte kniet betend der Heilige, ein Henkers- 
knecht hinter ihm holt zum Schlage aus. Links zwei, rechts drei Zuschauer (Fig. 310). 

3. Maria Verkündigung. Links steht der Engel mit dem Schriftband in der Hand, 
rechts kniet Maria am Betpulte (Fig. 311). 

4. Christi Geburt. Links kniet Maria in Anbetung vor dem auf dem Ende ihres 
langen blauen Gewandes liegenden Christkind, rechts Josef mit einer Kerze in der 
Hand. Durch die Fenster einer Ruinenwand im Hintergrunde schauen Ochs, Esel 
und zwei Hirten herein (Fig. 312). 

Innenseiten: 1. Petrus und Paulus (Fig. 313). 

2. Die hl. Bischöfe Ulrich (mit Fisch) und Nikolaus (mit drei Äpfeln) (Fig. 314). 

3. Links die hl. Katharina mit Schwert und Rad, rechts die Madonna (?) mit dem 
Christkind auf dem Arm und einem Apfel in der Hand (Fig. 315). 

4. Die hl. Barbara mit dem Turm und die hl. Margareta mit dem Drachen (Fig. 316). 

Die acht Bilder, ein Werk anspruchsloser Landgotik, sind von der Hand eines 
mittelmäßigen Salzburger Meisters um 1470 und stehen den kleineren Tafeln des 
einstigen Hochaltars 2u St. Leonhard bei Tamsweg nahe. Das Mittelbild soll in 
den Achtzigerjahren gestohlen worden sein (Otto Fischer, Altdeutsche Malerei in 
Salzburg, 1908, S. 89). 

Gemälde: 1. Öl auf Leinwand. Im Chor. Der hl. Isidor als Hirt, betend; am Boden üeniäide. 
liegt die Krone; oben zwei Putti. Gutes Salzburger Bild aus der Mitte des 
XVin. Jhs. 

2. Im Chor. Kopie der Mutter Gottes von Maria Piain in geschnitztem Rahmen mit 
Wolken und Strahlenkranz, zwei Cherubsköpfchen und zwei Putten mit dem Mono- 
gramm Maria (Holz, polychromiert). Erste Hälfte des XVIII. Jhs. 

3. Unter der Empore. Zwei Bilder, Christus mit Petrus und zwei Aposteln im 
Fischerboot; Christus und Petrus wandeln am Meere. XVIII. Jh. 

4. Auf der Empore. 
Maria Himmelfahrt. 
Unten um den Sarg 
herum die staunenden 
Apostel, oben Maria, 
von Putten und Che- 
rubsköpfchen empor- 
getragen. Gutes Salz- 
burger Bild. Mitte des 
XVIII. Jhs. 

5. Ebenda. Krönung 
Maria durch die hl. 
Dreifaltigkeit. Unten 
ein Chor von Musik- 
engeln. Mittelmäßig, 
Ende des XVII. Jhs. 

6. In der Sakristei. 
Der hl. Rochus vor 
dem Kruzifix, sitzend. 
Ein Engel entblößt 
sein verwundetes Bein. 
Schwach, XVII. Jh. 

Monstranz: Mes- Monstranz, 
sing, vergoldet. Vier- 
paßförmiger breiter 
Fuß mit zwei getrie- 
benen Blumen- und 

XI 43 



Fig. 308 Liefering. Filialkirclie, L;ingensclinitt 1 : 200 (S. 335) 



338 



Qerichtsbezirk Salzburg 




Fig. 309 




Fig. 310 




Fig311 Fig-31-2 

Liefering, Filialkirche. Vier Bilder von den Außenseiten eines gotischen Flügelaltars, um 1470 (S. 337) 



Liefering 



339 




Fig. 313 



Pig. 314 





Fig. 31.5 Fig. 316 

Liefering, Filialkirclie. Vier Bilder von den Innenseiten eines gotischen Flügelaltars, um 1470 (S. 337) 



43* 



340 



Gerichtsbezirk Salzburg 



zwei Gitterwerkkartusclieii. Um das Gehäuse getriebener vergoldeter Rankenralinieii mit kurzem Straiileii- 
kraiize, dahinter breiter versilberter Rahmen mit getriebenen Ähren, Rosen und Trauben. Appliziert die 
vergoldeten Relieftiguren Gott-Vaters, zweier Engel und unten die Immakulata. Oben zwei kleine Voll- 
figuren, die Apostel Petrus und Paulus. Erste Hälfte des XIX. Jhs. 

Ziborium. Ziborium: Kupfer, vergoldet, mit getriebenen Ornamenten und Blumen. Mitte des XIX. Jhs., einfach. 

Kelciie. Kelche: 1. (Fig. 317). Silber, vergoldet. Gotische Form. Sechspaßförmiger Fuß, oben verziert mit 
Fig. 317. gravierten gotischen Maßwerkornamenten. Breitgedrückter Nodus, oben und unten mit einem Kranze 
von je sechs rundlappigen, getriebenen Blättern, die mit gravierten Fischblasen verziert sind, versehen. 
Dazwischen sechs quadratische, auf die Spitze gestellte Knöpfe mit vier lilienartigen Blüten. An den 
sechseckigen Stücken des Griffes ober- und unterhalb des Knaufes sind lateinische Kapitalbuchstaben 
eingraviert: MARI AN — MAN AHN. Glatte, nach oben stark verbreiterte Cuppa. — Marken: Salzburger 
Beschau (S in Kreisfeld). Meisterzeichen fehlt. Schöne Salzburger Arbeit vom Anfange des XVI. Jhs. 




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Fig. 317 Liefering, Fiiialkirclie. Gotisciier 
Kelch, Salzburger Arbeit, um 1500 (S. 340) 



Flg. 318 Liefering, Filialkirchc. Kelch 
von Weber, Salzburg, um 1680 (S. 340) 



Fig. 318. 



Opfer- 

kännchen 
mit Tasse. 

Weihrauch- 
schiffchen. 

ricßbuch. 



Lavabo. 
Ampel. 



2. (Fig. 318). Silber, vergoldet. Runder Fuß mit gezacktem Rande, verziert mit getriebenen, gepunzten 
Ranken und drei aufgeschraubten, in Silber getriebenen Cherubsköpfchen. Eiförmiger Nodus mit drei 
ovalen Medaillons. Cuppakorb durchbrochen, aus getriebenen buschigen Blattranken. Marken: Un- 
deutliches Salzburger Beschauzeichen in geschwungenem Schilde. Meisterzeichen: Andreaskreuz in zu- 
gespitztem Ringe. Schöne Arbeit der Silberschmiedewerkstatt Weber in Salzburg, um 1680. 

3. Kupfer, vergoldet. Empireform. Anfang des XIX. Jhs. 

Opferkännchen samt Tasse: Messing, versilbert, mit getriebenen Ornamenten. Um 1840. 

Weihrauchschiffchen: Messing, versilbert, verziert mit getriebenen Rocaillen. Statt des Knaufes 
ein Delphin. Gut, Mitte des XVIII. Jhs. 

Meßbuch: Druck von 1841, roter Ledereinband, getriebenes versilbertes Messingbeschläge. 1842 

gestiftet. 

Lavabo: Becken und Wasserbehälter. Zinn. XVIII. Jh. 

Ampel: Messing, vergoldet, reich verziert mit durchbrochenen getriebenen Rocaillen. Mitte des XVHI. Jhs. 



Liefering 



341 



Leuchter: 1. Sechs dreifüßige Leuciiter, Messing, versilbert, reicii profiliert, mit getriebenen buschigen Luucliter. 
1 Blätterranken. Am Postament drei rundplastische, am Knaufe drei reliefierte Cherubsköpfe. Gut, zweite 
' Hälfte des XVII. Jhs. 
; 2. Acht versilberte Messingleuchter, mit Kreuzen an den dreifüßigen Postamenten. Mitte des XIX. Jhs. 

I Vier Zierstücke für den Hochaltar, Messing, versilbert, die in flachem Relief getriebenen Halbfiguren Zierstücke. 

der Heiligen Georg, Sebastian, Rochus und Florian auf ornamentierten getriebenen Postamenten. Erste 
j Hälfte des XIX. Jhs. 

! 

, Pluviale: Weiße Seide mit gestickten buntseidenen Rosen. Ende des XVIII. Jhs. Pluviale. 

I 

Kasel: Weiße Seide mit gewebten großen Blumen. XVIII. Jh. Kasei. 

Grabsteine: 1. Innen, Südwand des Langhauses. Rote Marmorplatte. Untere Hälfte: RelieL Flach- Grabsteine, 
bogige Nische mit Muschelabschluß, von Pilasterbündeln flankiert. Darin Halbfigur einer Frau im Mäntel- 
chen mit Radkragen. Links unten Wappen. Oben zwölfzeilige Inschrift: Frau Eva Kuppers von Gem- 
men xveiland des Ehrnvöst und Manhafft Lienhartten Ehrgots Khünigklich May. zu Hispani über ein 
Regiment Obersten Leittenampts geweste versprcc/ine hausfraw, so den 23. May aö 1596 säligklich in 
gott entschlaffen . . . 

2. Außen im S. des Kapellenanbaues. Rote Marmorplatte. Oben in flachbogiger Vertiefung Relief: In 
der Mitte Kruzifix, links ein kniender bärtiger Mann in Zeittracht, mit Radkragen und Mäntelchen, rechts 
Kartusche mit Wappen. Unten neunzeilige, beschädigte Inschrift: Mariin S . . gman gewester hochfirst 
.... und .läger zu Lüferüig (gest. 1649) und sein liausfrau Maria und iiire ehelichen lihinder names 
Georg und Maria. Mittelmäßige Arbeit. 

3. Nordwand des Langhauses. Kleine rote Marmorplatte, unten graviertes Doppelwappen. Frantz Georg 
Grembs von Lifring im Leben gewester Hochfürst. Saltzburg. und Fürstl. Eggenberg: Rath zu Gromau 
auch respektive Hoff- und Leib Medicus / Gestorben 30. Alärz 1706. 

Glocken: 1. Gotische Form. St. Petrus. Umschrift in gotischer Minuskel: Veni domine cum pace. 1543. oiocker. 

2. Größte Glocke. Wappen des Domkapitels, Madonna mit dem Hl. Rupert und Virgil. Inschrift: Johann 
Oberascher goss mich in Salzburg 1795. 

3. St. Johann und Paul. Umschrift in Kapital: Durch Gottes Willen bin ich durchs Feuer geflossen. 
Lienhart Rider hat mich zu Saltzburg gegossen anno MDLXXXIIII (1584). 

4. Kleinste Glocke, glatt, gotische Form, ohne Inschrift. XV. Jh. 



S c li 1 ß b a u c r n g II t mit der S t. - A n n a - K a p c 1 1 e. 

Der erste urkundlich nachweisbare Besitzer ist Dr. Leonhard Kurz, auch der ,.Lifringer" genannt, „der 
freyen Kunst und Ertzney Dr."; er besaß das Gut Liefering von 1463 — 1495. Auf die Witwe Ursula 
Lyfringerin folgte beider Tochter Magdalena und 1509 deren Mann Sebastian Klaner, Urbarrichter des 
Stiftes St. Peter. 

Um 1600 besaß das Gut der bekannte Oberst und spätere Gefangenschaflswächter des Erzbischols Wolf 
Dietrich, Leonhard Ehrgott, der 1606 die St.-Anna-Kapelle erbaute und wahrscheinlich auch den Hof 
in die heutige Gestalt brachte. Die Kapelle wurde am 16. Oktober 1606 zur Ehre der Himmelfahrt Maria 
geweiht (Rritlechner, Marian. Salzburg 75). Nach dem Tode Ehrgotts (gest. 1620) folgen die Grimming 
im Besitze des Hofes Liefering und nach diesen kam in dessen Besitz der hochfürstliche Leibmedikus 
Dr. Franz Georg Grembs (gest. 1706). Seine Erben verkaufen ihn an ihren bisherigen Kurator Adam 
Franz Gutrater, hochfürstlichen Hofgerichtssekretär. 1758 verkaufen Rupert von Altengutrat, hochfürst- 
licher Truchseß und Landmann, Josef Claudius, Theol. Cand., Subdiakon, Maria Franziska v. A. und 
Maria Elisabeth v. A. geb. Meichlbeck das Gut und den Adelsitz Liefering um 4000 fl. an Johann Marian 
Lürzer von Zehendtal, hochfürstlich geheimen Kriegsrat und resignierten Landschaftskanzler (SRA XXV 
G 24). 1763 aber erwerben das freieigene sog. adelige Gutratherische Landgut zu Liefering Lorenz 
Hierl und Kunigund Böstin um 5135 fl., 1793 folgt Kunigunde allein und 1803 Franz Paul Hörl (SRA 
Steuerkataster Salzburg f. 22). 

Beschreibung: Massiges zweistöckiges Gebäude mit kleinen Fenstern, gestutztem Nordgiebel und 
gebrochenem Dreiecksgiebel im S. Hohes Schindelsatteldach mit Krüppelwalm im N. und S. 



Scliloßbaucrn- 

giit mit der 

St.-Aniia- 

Kapellc. 



Besclireibung. 



342 



Gerichtsbezirk Salzburg 



St.-Anna- 
Kapelle. 

Fig. 319. 

Äußeres. 
Fig. 319. 



Inneres. 



Einriclitung. 
Altar. 



Sliulptur. 



Gemälde. 



Vasen. 
Ziborium. 



St.-Anna-Kapelle. 

Im O. angebaut an den Schloßbauernhof. Kleiner Bau mit gegiebelter Front und Dachreiter, 1606 erbaut 

(Fig. 319). 

Äußeres (Fig. 319): Gelb gefärbelter Ziegelbau, nach N. orientiert. — S. Rundbogige Tür in einfacher 
Umrahmung, darüber eingemauert rote Marmortafel (s. unten). Oben ein achteckiges und ein kleines 
flachbogiges Fenster. Geschwungener Giebel mit seitlichen Voluten. Darüber aufgesetzt ein quadratisches 
Glockentürmchen mit vier flachbogigen Schallfenstern und Schindelzwiebelhelm mit Blechspitze, Knauf 
und Kreuz. — O. An den Seiten unten zwei Stützpfeiler. Links oben ein oblonges Fenster mit schmiede- 
eisernem Volutengitter, rechts ein rundbogiges Fenster. — Dreiseitiger Ostabschluß mit zwei Fenstern. Im 
W. ist unten eine kleine zweifensterige Sakristei angebaut. Daran schließt sich ein von einem halben 
Bogen durchbrochener Verbindungsgang mit dem Bauernhof. Über hölzerner Hohlkehle Schindelsattel- 
dach, nach N. abgewalmt. 

Inneres: Tonnengewölbe, von rundbogigen Stichkappen eingeschnitten, verziert mit neu bemalten 
Rokokostukkaturen: In der Mitte Monogramm Jesu im Strahlenkranz, an den Zwickeln im Langhause 
die Brustbilder der vier Evangelisten. 
Mitte des XVllI. Jhs. , ^ 

Im Langhaus an den Wänden je 
zwei Flachpilaster mit ionischen 
Kapitalen und profilierten Gesimsen. 

Im S. ist eine schmale, rundbogige, 
unterwölbte Empore eingebaut. 

Westlich davon, durch eine kleine 
Tür zugänglich, liegt eine flach- 
gedeckte kleine Sakristei, darüber 
ein ebenfalls flachgedecktes Ora- 
torium. 




Fig. 319 Liefering, Scliioßbauernliof und St.-Anna-Kapeiie von Südosten (S. 342) 



Einrichtung: 

Altar: Anstatt des alten Altares 
von 1606, den der Besitzer vor 
einigen Jahren verkaufte, ein grau 
marmorierter Holzaltar mit Ro- 
caillen; Bild und Statuen modern. 

Skulptur: Über der Tür außen 
eingemauert quadratische rote Mar- 
morplatte. Oben in flachbogiger 
Nische Wappen mit doppelter Helm- 
zier, flankiert von einem Atlanten 
und einer Karyatide, darunter vierzeilige verwitterte Inschrift: Oott und sein Heyl. Miietter Maria 

zu ... . und Ehr hat der Rom. Khay. May. Rath und Obrist Herr Leonhart Ehrgott 

dise Cappele von Grand auf erheben und aufbauen lassen Darüber ein guter Cherubskopf aus 

Marmor. 

In der Kirche hing eine Papiertafel mit der Inschrift: Zu Ehr Gottes, der Himlfahrt Maria unßer Frauen 
hat Obrist Leonard Ehrgott dise Kürch lassen bauen, so den sechszechenden October geweichet war, als 
man zeltet Eintausent sechshundert und 6 Jahr. (Jetzt am Dachboden.) 

Gemälde: Öl auf Leinwand. 1. Brustbild. Knabe mit langer grauer Allongeperücke in blauem Rock und 
rotem Mantel. Erste Hälfte des XVIII. Jhs., mittelmäßig. 

2. Zwölf große Bilder, Öl auf Leinwand. Brustbilder der zwölf Apostel, geringe Arbeiten, aus der ersten 
Hälfte des XVIII. Jhs. 

Zwei Rocaillenvasen, Holz, vergoldet. Mitte des XVIII. Jhs. 

Ziborium: Fuß Kupfer, vergoldet, Cuppa Silber, vergoldet. Gotische Form, am Fuß sechs applizierte 
versilberte Cherubsköpfchen. Breit gedrückter runder Knauf. Um 1600. — Deckel Krone, Kupfer, ver- 
goldet. Mitte des XVIII. Jhs. 



Hof Schönleifen 



343 



Hof Schönleiten (jetzt Kloster der Missionäre vom hlst. Herzen Jesu) 

Archivalien: SRA Anlaitlibell Salzb. 1654 f. 283. - Hofk. Salzb. 1680 R. — Domkapitel 11 27 Q. 

Die Erbauer dieses Landsitzes sind die salzburgischen Domherren Johann Dietrich und Karl Ferdinand 
Freiherren (seit 1667 Grafen) von Muggenthal, die 1654 von Johann Andrä Weickh, JUDr., und seiner 
Frau Maria Wiserin das „Surhamerhaus" und zehn andere Urbarstücke um 4600 fl. erkauft hatten. Nach 
Johann Dietrichs Tode (1677) war Karl Ferdinand der alleinige Besitzer, der es aber nicht behielt. Am 
30. September 1678 entschloß sich Erzbischof Max Gandolf Graf Kuenburg, demnach Wir nach reiflicher 
Überlegung befunden, dass sowohlen zu noch mehrerer Erlaiditerung der bürgerlichen Quartier als auch 
anderer erheblichen Ursachen und Abhelfung viler Beschwerungen ein größere Mannschaft auf den Minich- 
berg zu legen und jeniges Orth, so der Thumbdechantey angehörig („Johannesschlößchen"), wegen der mit 
dem dermahlen besetzten Senioratschlössl („Marquetenderschlößchen") habender Communication sonder- 
bahr dienlich wäre, und derentwegen aUberait mit unserm Thumbcapitl dahin gehandlet, dass selbiges 
den Graf Muggenthalischen Hof zu Lifering . . hievor annehmen und einen Tausdi treffen wollte, in An- 
sehung dieses Werk zu Wohlfahrt des gemainen Wesens und Conservation der Vestung angesechen, nun 
audi hierauf mit Herrn Graf Carl Ferdinand von Muggenthall umb gedachten Hof zu Lifering einen 
solchen Kauf per 6000 fl zu treffen. Infolgedessen war die Nutznießung des Schlößchens Schönleiten — 
der Name findet sich bereits in den Tauschakten — dem jeweiligen Domdechant eingeräumt. 1752 wird 
das Schlößchen, das damals vier Ecktürme hatte, als baufällig bezeichnet (Domkapitelprotokoll). Der 
domkapitl. Urbarkommissär Josef Köllersperger berichtete am 25. November 1764: Weilten von Euer 
hochw. hochgräfl. Excellenzien etc. schon öfters abgenohmen, dass Hochdieselbe nicht ungeneigt weren, 
das Dombdechanteyische Schlössl Schönleiten einen hervorkommend guetten Kauffer zuvereussern und 
nunmehro der hf. Hofrath und Bibliothecarius Herr Franz Thadaeus von Kleymayr sich gegen mir ge- 
äussert, dass er gedachts Schlössl, wan solches fallt were, nach hochgnedigem Belieben freyeigen oder 
erbreditllch erkaufen wollte. 1768 kam der Kauf wirklich zustande. 

1805 verkauften die Kleymayrschen Erben den Hof an den Mühlenbesitzer Heilmayr. Seit 1889 ist 
Schönleiten ein Missionshaus der Missionäre vom hh. Herzen Jesu, die neben dem alten Schlößchen 
eine stattliche Kapelle (1895) und ein Instituts- und Klostergebäude errichteten. 

Beschreibung: Zweistöckiges rechteckiges Gebäude mit einfach umrahmten Fenstern, Gurtgesimsen, 
hohem Blechmansardendach. Im O. ist ein etwas höherer Turm vorgebaut, der unten von einem Gewölbe 
durchbrochen ist, an das sich vorne eine Aufgangstreppe aus Konglomerat anschließt. Am Turm oben 
Marmorwappen (Schrattenbach!) und oblonge, schön skulpierte Rollwerkkartusche mit zwei Cherubsköpfen 
und der Inschrift: Johann Dieterich Graf von Muggenthall, Herr zu Waal, des Hochlöbl. Ertzstifft Saltz- 
burg Thumbherr und Scholasticus Ihr. Rom. Kayserl. May. Rath Aho 1655. 

S t. -Philo mena-Kapelle. 

An ihrer Stelle stand früher ein einfaches, rot angestrichenes Holzkreuz, das Zillner (Stadtgeschichte, 1, 15) 
für ein Weichbildkreuz hält. Die gegenwärtige Kapelle wurde 1838 erbaut. 

Charakteristik: Kapelle mit halbrundem Abschluß und Giebeltürmchen, um 1838 erbaut. 

Lage: Westlich neben der Lieferinger Straße, von alten Kastanien umstanden. 

Äußeres: Bruchstein und Ziegel, rauh verputzt, mit glatten Einfassungen. Umlaufender Sockel. Im W. 
rundbogige Tür in Sandsteinrahmung, mit Eisengitter (darin A G). Darüber marmorner Spruchschild und 
Maria-Plain-Bild (Blech). Im N. und S. je zwei rundbogige Fenster mit Eisengitter. Im S. auf Blech gemalt 
die Madonna mit dem Kinde. Hohlkehlgesims. Schindelsatteldach, nach O. abgewalmt. Gemauertes Giebel- 
türmchen im W., mit vier rundbogigen Schallöffnungen, Schindel-Pyramidendach, Blechknauf, Doppelkreuz. 

Inneres: Über dem Schiff und dem einspringenden rundbogigen Abschlüsse flachbogiges Gewölbe. 
Vor der Apsis schmiedeeisernes Gitter. Fußboden aus quadratischen, roten und weißen Marmorplatten. 

Einrichtung: Ober der einfachen Holzmensa in Wandnis;he die Statue des gegeißelten Heilandes 
(Holz, polychromiert), in vergoldetem Rahmen. — Bänke aus Eichenholz mit geschnitzten Seitenwangen. — 
Messingampel. Alles um 1838. 



Beschreibung. 



St.-Philo- 
mena-Kapelle. 



Charakteristik. 

Lage. 

Äußeres. 



Inneres. 
Einrichtung. 



344 



Gerichtsbezirk Salzburg 




Fig. 320 Maria-Piain mit dem Kalvarienberg (S. 352) 



Maria Piain 



Wallfahrts- 
kirche. 



Archivalien: Konsistorialarchiv. — SRA Hfk. Neuhaus 1657 H, 1668 G, 1670, 1676/7 V, Alte Bauakten A III B, Hfk. Hofbaumeisterei 
1682/3 D, Domkapitelprotokolle 1745 f. und 1748 f. — Regestum historiae Plainensis im Superiorat zu Maria Piain. 

Literatur: Die älteren Andachts- und Gelegenheitsschriften siehe bei Lindner, Monasticon 70. — Hübner, Stadt 1, 546—557. 

Stephan im Intelligenzblatt 1820, 533. — Pillwein, Salzachkreis 367. — P. Gregor Reitlechner, Beschreibung der 
Wallfahrt . . . Maria Piain (Innsbruck 1898) 64 S., (neu: Salzburg 1913). — Derselbe, Marianisches Salzburg (Innsbruck 
1904) 68—73. — Anton Eckardt, Die Baukunst in Salzburg während des XVII. Jhs., Straßburg 1910, S. 81—85. 

ßs scheint mir nicht recht wahrscheinlich, daß der Ortsname auf irgendwelche Beziehungen zu dem 1259 ausgestorbenen 
Grafengeschlechte gleiclien Namens deutet. Die Lösung ist Sache der Sprachforscher. 1343 25. Jänner erhält Otto bonus 
mercator einen Neubruch zu Piain „novale dictum Playn- von der Hofmeisterei zu Erbrecht (Urbar 3 f. 49'). Zirka 1415 
erscheint das .predium in Piayen' . Daß es sich um dieses handelt, beweist die Eintragung im Amte Bergheim nach Itzling 
und Radeck ; 1624 wird der «Weg im Piain vom Grafenholz bis an die Obermül" repariert (Hofkammer A'euhaus 1624 A). 

Wallfahrtskirche zu Unseren Lieben Frauen -Trost. 

Das Gnadenbild stammt aus Regen in Niederbayern; dort besaß es der Bäcker Paul Regner, dessen Haus 
von den Truppen Bernhards von Weimar 1633 niedergebrannt wurde. Im Schutte fand man das Bild 
unversehrt. Die Bäckerin ließ wenige schwarze Male am oberen Rande durch den Maler Stephan 
Waschinger übermalen. Das Gerücht von diesem Wunder verbreitete sich in der Umgebung und gelangte 
auch zu den Ohren der Pflegerin von Fürsteneck, Argula, der Gemahlin des Johann Ludwig von 
Grimming zu Niederrain, geb. Ecker von Kapfing. Diese ertauschte gegen eine von dem Maler Stephan 
Waschinger gemalte Kopie das Original, das dann später mit dem mittlerweile in den Ruhestand getretenen 
Johann Ludwig in dessen Heimat Mülleck (an der Stelle des heutigen St.-Johann-Spitales) nach Salzburg 
wanderte. Nach Johann Ludwigs Tode, der es zwei Jahre im Grimmingschlosse zu Mülleck verehrt hatte, 
erbaute sich dessen Bruder Rudolf 1652 auf dem Plainberge bei Salzburg eine hölzerne Kapelle und 
stellte das Bild zur öffentlichen Verehrung auf. Aber das hf. Konsistorium, das stets gegen derlei neue 
Andachtsstätten überraschend rigoros vorging, stellte ihm das ab, indem es befahl, das Bild in irgend 
einer Kirche zur Aufstellung zu bringen. Aus Verdruß darüber ließ er das Original durch den Maler 
Franz Beretti kopieren, stellte diese Kopie auf dem Plainberge auf und nahm das Original 1653 



Maria Piain 345 

nach Mülleck und 1658 mit sich auf den Wankerberg (Diözese Augsburg), wo er sich eine Einsiedelei 
baute, bei der sich gar bald eine von der Nachbarschaft erbaute Kapelle zu Ehren des wundertätigen 
Gnadenbildes erhob. Aber das Augsburger Ordinariat war nicht weniger rigoros und setzte das Bild in 
der Pfarrkirche zu Nesslwang zur öffentlichen Verehrung aus. Es wurde aber 1665 auch von hier fort- 
genommen und in Augsburg beim Konsistorium aufbewahrt. 

Mittlerweile hatte auch die Berettische Kopie auf dem Piain die Wallfahrer an sich gezogen, so daß 
man 1656 einen Neubau ins Auge fassen mußte. Ihre hf. Gnaden (Erzbischof Guidobald) wollen bey 
U. L. Frauen Bildt am Piain disen Sommer hindurch, geliebts Gott, mit Legung der Kirchenfundamenten 
einen Anfang machen. 1657 wurde das Gut Hofstett, das Wilhelm Fachner, Landrichter zu Rauris, aus 
der Rudolf Grimmingschen Gantmasse gekauft hatte, um 2000 f!. zur Kapelle erkauft, und auf der 
obersten Fläche des Hügels östlich vom Presbyterium der heutigen Kirche eine achteckige Kapelle 
mit drei Altären und einem Musikchor erbaut. Im mittleren Altar ward das Gnadenbild aufgestellt, das 
Johann Paul Wasner, hf. Baukommissär und Waldmeister, nach dem ersten Bilde von Christian 
Zach, Maler zu Salzburg, hatte malen lassen. Am 6. Mai 1657 benedizierte Abt Amand von St. Peter 
die Kapelle. Am 17. Mai schon wurde Andrä Anggerl, dem bey U. L. Frauen am Piain das hiezu 
erkaufte Guet zu Bstandt verlassen und der anjetzo bey dem ncuerpauten Gottshaus alda für einen 
Mesner aufgestellt worden, bittlich, dieweil dann die weit entlegnen Kirchfarter bis dato nächtlicher 
Weil ihr Aufenthaltung bey ihm gesuecht, die er zu begerter Notdurft auch mit wenig warmer Speis 
versechen, beynebens aber zu einer Erquickung auch eines Trunks verlangen, auch Wein und Bier 
ausschenken zu dürfen. Am 4. Juli wurde ihm dies nur für die Kirchfahrter und auf Widerruf 
■bewilligt unter der Bedingung, daß er den Wein vom Wirt in Lengfelden nehme. So war auch ein 
Wirtshaus vorhanden, und am 8. Februar 1668 verlieh Erzbischof Guidobald von Regensburg aus 
dem gewesten Beiheljer im Hofstall, der aldorten von einem Pferdt verwichner Zeit stark gefället 
ivorden. die Cramerai auf dem Blain. Er setzte dann ein Kramladl auf, wo er auch Wachs verkaufen 
durfte. 1670 wird dem Simon Markhtl, am linken Arm und Hand elend ganz verzehrt, der durch 
11 Jahre das Brot auf den Piain trug, die Aufrichtung eines kleinen Brothletls erlaubt, nachdem auch 
3 Ehmüllnern Brolläden erlaubt worden waren. Die Zahl der Wallfahrer und der dort persolvierten 
Messen läßt es begreiflich erscheinen, daß schon 1667 zu Erzbischof Guidobalds Lebzeiten noch von 
seinem vorhabenden Kirchengebeu gesprochen wurde. Der Grundstein aber wurde erst am 12. April 1671 
von Erzbischof Max Gandolf gelegt. Die noch vorhandene Maurerkelle trägt die Inschrift: „Ob usum 
huius ferri posito primo lapide templi MDCLXXI aurea manus Maximiliana nunquam putrescat." Schon 
im Jahre 1660 hatten sich die Grazer Discalceaten-Auqustiier, unterstützt von dem Kardinal Grafen 
Harrach, der Kaiserin Eleonore, dem Bischof von Wien u. a. um die Überlassung der Wallfahrt beim 
Erzbischoi beworben, aber erst am 30. Jänner 1672 übergab Erzbischof Max Gandolf die Kirche an 
die Benediktineruniversität Salzburg, worauf der Universitätsrektor ein provisorisches Haus für einige 
Patres erbauen ließ. 

Leiter des Kirchenbaues war Giovanni Antonio Dario. Die im Turmknopfe vorgefundene Inskrip- 
tion lautet: 

Den 20. April Anno 167 J ist von Ihrer Hochfürstl. Gdn. Maximiliano Gandolpho Erzbischofn zu Salzburg etc. der erste 
Stain zu dieser K'irchen Maria Trost auf dem Piain gelegt worden. 

den 12. November Anno 1672 ist dieser Knopf aufgesetzt worden, darbey gewesen Ihre Hochwürden P. Bernardus Waibl 
von Maria Einsiedl hochf. Rath und derzeit der erste Superior am Piain etc. wie auch P. Anseimus Mayliser von 
St. Peter zu Salzburg, Bruder Christophorus Sandtholzer von Maria Elnsidl, Her Antonius D arii hochfürstl. Salz- 
burgerlscher Baumeister, üeorgius Prenner Maurer Pallier und Georgius Stoissenberger Zimmer Pallier, und Johannes 
Schmid, Gramer und Huetmann alda, alles in Jesu, Maria, Joseph, Benedicti und Caroli Namen, amen. 

Aus dem Kontrakt über die Steinarbeiten erfahren wir: 

Den 23. Juny 1672 ist von der hochfürstl. Salzburg. Hofpaumaisterey etc. im Bey sein Sig. Antonio Dario an 
H a n n s e n H a s e ne r l. Burger und Stalnmez und Maurmaister alhir, zu den neuen Khürchen Gepeu zu unser lieben 
XI 44 



346 Qerichtsbezirk Salzburg 

Frauen aufm Piain das hernach beschribene Stainwerckh von Rietenburger h'aglstain angefrimbt und verdingt worden 
wie folgt: 

Erstachen 10 Schafftgsimbs auf das erste Haubtgsimbs, darunter zwey mit Lesennen. 
12 Wellenstuckh, darunter zwey mit Lesennen. 
12 Capitel. auch darunter zway mit Lesennen. 

So ist ime H a s e n e r l für iedweders an die Statt aufgemachtes Gsimbs und Wellenstuckh vier Gulden ftlr alle 
12 Capitel fünffzig Gulden zubezallen versprochen worden. 

Dann auch das andere Haubtgsimbs oben darauf, welches 2V2 Schuech dickh 4 Schuech in Fürspringen und Aufligen 
iedes Gsimbs zu zwai Stuckhen, ime Hasenerl versprochen worden, maß die Mässerey der hangenden Platten nach, in 
der Leng und Verkhripfung mit sich bringet, für ieden Schuech zubezallen pr. zwen ain dritl Gulden, zu welch allen 
Stukhen Hasenerl den Stain selbst schaffen: die Arbeit machen, die Schmidtcosten bezallen und den Werckzeug hergeben 
und mit dessen Leuthen aufladen helfen lassen mueß; wann und sooft ain Stuckh an diser völligen Arbeith würckh- 
lich verfertiget sein würde, sol es ihme Hasenerl bezalt werden. Salzburg 17. supra. 
Johann Paul Waßner 
L. S. 

M. Hanß Hasenerl 

I g (SRA, Alte Bauakten: CIV 1 d.) 

1673 zahlte das Superiorat für den Transport der vier Evangelistenstatuen aus der Stadt 1 fl. Fahrlohn 
und Meister Georgen Schwäbl werden umb zu dem Kirchengepeu dargebne 11 Thürgerichter von 
Naglstein 76 fl. 32 kr. bezahlt. 

Den Hochaltar ließ der Erzbischof bauen; der erste aber war durchbrochen; dadurch hätte man bei 
der rückwärtigen Beleuchtung vom Gnadenbild nichts gesehen, weshalb er ihn nach Abtenau schenkte 
gegen Haltung eines Jahrtages durch 100 Jahre. Die Hofzahlamtsrechnung von 1672 vermerkt: Fran- 
cisco de Neve Mallern umb die in das hf. Domstift und auf den Piain gemachte Müllerei 784 fl. 11 kr. 
und 1674: Francisco de Neve, Maller, hat für gemalte 4 Altarplödter erhalten 985 fl. (Riedi. in 
Museumjahresbericht 1858, 75). Über die beim zweiten Altar beteiligten Künstler sind wir nicht unter- 
richtet. 

Die übrige Einrichtung schafften im Laufe der nächsten Jahre die Prälaten der konföderierten Bene- 
diktinerstifte bei. Den Anfang machte St. Peter in Salzburg: 

7675. Altar St. Josef auf dem Piain, der angefangen in Martll. P. Prior gibt Mense Aprlll aus 
der Sacrlstey zu dlsem Altar bar 150 fl.. den 12. Juli widerumb 350 fl. Der Altar auf dem Piain hat 
gestauten: Die Bllthawer-Arbeith bey Wolf Weißkirchner 120 fl, dem Bllthawer-Gesöllen Tringhgelt 
gäben 2 fl. Die 2 Altarplöder bey Herrn Francisco de Neve 245 fl. Die Traxlerarbeith bey 
Meister Martin Sehen 7 fl. 30 kr. Das fassen Ist nach und nach dem Nie las Graman bezalt 
worden 42 fl. Für Tischlerarbeiten dem Hofzimmermeister des Klosters 22 fl. 29 kr. In Suinma belief 
sich der Altar auf 946 fl. 42 kr. Auch sonst spendete St. Peter mehreres. 
Der Altarstaln war ein alter Grabstaln. 

Die Originalquittung lautet: 

Ich Thomas S c hw a nt h a 1 1 e r Burger und Bildhauer in Riedt, Landts Beyrn, bekenne für mich und all mein 
Erben hiermit öffentlich in craft diess, dass von dem hochwirdigen in Gott, Edl- und hochgelehrten Herrn Herrn 
Edmundo, Abbten des lobw. uralten St. Peters Closters in Salzburg und hf. Roth daselbst etc., ich yenige 200 fl. Rhei- 
nisch in Münz, welche Se. Hochwürden und Gnaden mir umb die zu dem neuen Closter Petrischen Seittenaltar in unser 
üben Frauen-Kürchen am Piain namentlich verförtigte Bildhauer- und Dischlerarbeith zu geben versprochen, an heut . . 
par und ohne Abgang empfangen habe etc. Geschechen in Riedt den 21. Augusti des 1674 Jahrs. 

L. S. Thomas Schwantaller 

(Petschaft, Wappen mit Schwan) Burger und Bildhauer alda. 

oben 7". 5. 

Ich \'icolaus G rabmayr, Inwohner und Maller alhier in Salzburg bekenne . ., dass Abt Edmund etc. (wie oben) 
mir für den gfas.st oder vergulten Josephsaltar . . am Piain umb dargegebnes Galt, Verdienst und anders in Summa 
für alles 450 Reinische Münz zu verschiedenen Mahlen und anheut dato par . . bezahlt haben etc. ... Zu Urkund 



Maria Piain 347 

ick diese mit meinen gewöhnlichen Petschaft verförtigte Quittung von Handten gegeben, welche, weilten ich selbst nit 

schreiben kann, auf Erbitten Reichhardten Mengoth anstatt meiner mit seinem und meinem Namen undterschriben hat. 

Beschechen zu Salzburg den änderten Monathstag Septembris im 1674 Febr. 

L. S. N i c o l a u s Grabmayr 

L. S. Re ichhardt Mengoth, 
1673 

Das ich Entsbenendter wegen der zweyen Altarblätter, als die Vermehlung unser lieben Frauen und St. Josephs und 

Pdas Obtrblat auff den Piain von dem loblichen Chloster von St. Peter die 245 fl. par empfangen hab, das bezeugt 
mein aigne Handtschrifft. Datum Salzburg den 26. Junii anno ut supra Francuiesco de N e v e. 

Andre D ob le r, Stainmetz- und Maurermaister im Pfleggericht Stauffenögg, macht zu den neyen Kirchengebeu amb 
Blain zum Altar des Abtes von St. Petr rotmarmorne Staffl in Allem 53' in diesem Ciething und Preiß, wie ich zu der 
hf. Baumeisterei und zu den andern Altären dargeben hab, als nemblich den Schue filr Macherlohn, Kauff und Fuhr- 
lohn ohne Mangel an Blain zu liffern 35 fl. 20 kr. 

Maister Hans T r ä x l, Bürger, Steinmetz- und Maurermeister, arbeitet ebenfalls für den neuen Altar für 7 fl. 12 kr. 

(St.-Peter-Stiftsarchiv 72 f.) 

I Wolf Weisse nkhircher der Jüngere erhält am 7. Juni 1673 für die zu dem Altar des Stiftes St. Peter gehörigen 

Pilter S. Peter und Paul ains hoch 5' 9" , für eines 30 fl., mer für 2 Dachungskindl für ains 5 fl., für die Gesprüch 
und Englsköpf 20 fl., zusammen 120 fl. 

1674 den 25. Jenner habe ich von Iro Hw. u. Gn. Herrn Herrn Prelaten von St. Peter auf den angefangenen Altar 

empfangen 8 fl. und in allem schon darauf empfangen 60 fl. Nicolaus Gramer 

AB. Sein ihme bey Fassung des andern Altars abzogen worden. Maller alhier 

Am 31. Mai 1674 erhält er für den Engelaltar 40 fl., ebenso 20 fl. am 25. Juni. 

Am 20. Juli im Namen des Bilthauers zu Riedt als Thomas Schwan dtaller auf den F.nglaltar 50 fl. und am 
28. Juli auf den Englaltar 30 fl. 

1673 Meister Martin S c h e n n, Bürger und Dräxler, macht zu dem neuen Altar: 

ainen geflambten Ring von hiertem Holz — fl. 50 kr. 

mer 34 midlerne Rosen mit Laub 1 „ 42 , 

mer 44 dreifache Rosen große mit Lauben geschnitten 4 . 24 . 

Mer 12 Stängl Badternuster (= Paternoster) — , 12 . 

mer 12 Khnöbl zu ainem Ros döckhten (!) — . 6 , 

mer 4 Kugl undter ainem Stesl von hierten Holz — . 8 . 

mer 1 Chreizl in die BaaerQ) — . 4 . 

mer 12 Khierzen von weißem Holz zu St. Josefsaltar — „ 24 „ 

7 fL 30 kr. 
Die Abteirechnung vermerkt hiezu noch: 

NB. es ist zwar vorhero ein anderer Altar auf den Piain angefangen, aber aus gewissen Vrsachen nit ver- 
förttiget worden; solchen nit ausgemachten Altar hat alsdann herr Pater Rector von dem Closter erhandlet vnd die 
ausgelögte Vncossten widerumb erstattet, ist also derenthalben weder per Empfang noch Ausgaben etwas zusezen. 

1658: Der auf den Piain verehrte Kölch (1 Mark 8 Loth schwer) hat gestanten 32 fl. 
1673: Davit Sc heiber, Goldschmid zu Salzburg amb einen gemachten Kölch auf den Piain 81 fl. 
Dem Zanini umb ein Missal auf den St. Josefsaltar 4 fl. 30 kr. 

1675 Umb ein gemallnes Antipendium auf den Piain auf des Closters Altar 1 fl. 30 kr. (Stifts- 
rechnungen St. Peter.) 

Am 11. Juni 1674 weihte Bischof Polykarp Graf Kuenburg, Bischof von Gurk, die 3 Seitenaltäre, von 
denen er selbst den Kreuzaltar hatte erbauen lassen, und am 12. August 1674 konsekrierte Erzbischof 
Max Gandolf selbst die Kirche und den Hochaltar. 1675 widmete der Erzbischof zum Unterhalte der 
Kirche und der Verpflegung von vier Patres 14.500 fl., deren Zinsen solange zum Kapital geschlagen 
werden sollten, bis die Summe von 24.000 fl. erreicht werde, was 1704 geschah. 

Im Juni 1676 bat das Rektorat der Universität, es möchte der Mesner am Piain, der bisher in dem 
hilzernen Haus, wo er gewohnet, Wein und Bier ausgeschenkt hat, das von den Patres, die vor 3 Monaten 
ihr Clösterl bezogen, nunmehr verlassene Haus beziehen, welches zum Pier- und Weinauschenken vil 

44* 



348 Qerichtsbezirk Salzburg 

tauglicher, auch Feuersgefahr halber vil sicherer ist, auch zweifelsohne zu Mehr- und Aufnemung der 

Kirchfahrt gedeuen würdet. Dies wird am 21. Juli mit dem bewilligt, dass dort keine Hochzeit- und 

Freitänzhaltung, Kindlmal- und Todtenzehrung abgehalten oder eine Kuglstadt errichtet werde. 

1676 wurde auch das Originalbild von Augsburg requiriert und im Kapeilenzimmer des 1. Superiorats- 

stockes aufgestellt. 

In diesem Jahre ließ das Stift Kremsmünster den St. Benediktaltar machen. 

Ao 1676. 
Von Ihro Magnificenz als Herrn Pater Giegori Vice Rectorii etc. Iiab ich empfangen wie volgt 
als nemblich yber das Geding 250 Gulden den Altar blob gemacht darfür . . . 3 fl. 
abermalen zu den obern Plätl die Leinwant gekaufft . . . 30 kr. 
wie auch ein Antipendliim so auf den Platin gehörig für solches . . . 3 fl. Summa 6 fl. 30 kr. 

Dieser Auszug Ist mler mit Dankh bezalt worden. Nico laus Gramer') Maller 

Per Camerey allhier. 

Erenbert Abbt m. p. 

In das würdige unser lieben Frauen Gottshaus auf den Piain negst Saltzburg hat aus gnedlgen Beveich Ihro Hoch- 
würden und Gnaden Herrn Herrn Praelaten von Cremsmlnster etc. der wolerwlrdige und hochgelehrte Herr Gregorius 
Wimperger als Vice Reclor In Praesentia des hochwürdigen etc. Herrn Pectoris mit mir Endtsunterschribnen für den 
Altar zu faßen und sauber mit guetten feingoldt vergulden, wie die Visierung zeigt, gedingt per 259 fl., daran Ich für 
ein Drangelt empfangen 25 fl., welches Geding mit zwo gleich lautenden Spaltzötl aufgerlcht und algner underzogner 
Handtschrlfft und Pöttschafft verförtlgt. Actum Salzburg den 
S. 
Pr. Gregorius Wibmperger ■ A' ic o l a u s Gramer') 

Profess zu Crembsmunster Bürger und Maller aihier 

und Vicerector in Collegio zu Salzburg m. p. m. p. 

Diese Rechnung wurde am 15. Jänner (1676 [?], für Vergoldung) bezahlt. 

Nicoiaus Gramer, Maller aihier. 

In das würdige Unser Lieben Frauen Gotteshaus auf dem Piain negst Salzburg hat auß gnedlgen Beveich Ihro Hoch- 
würden und Gnaden Herrn Herrn Prelaten von Crembsmlnster etc. etc. der wollehrwürdig und hochgelehrte Herr 
Gregorius Wimbperger alß Vice Rector in praesentia des hochwürdigen etc. Herrn Pectoris mit mir Entsunderschribnen 
für die Bilthauerarbeith alß nemblich s. Maurum und Placltum mit zween {ge)khlaitten Dachungs Engl und zway 
Dachungs Khlntl, sambt denen darzue gehörigen Engelsköpfen, Fruchtplschen, auch Zierathen, wie die Visierung zaigi, 
gedingt pr. 250 fl., daran Ich für ein Drangelt empfangen 25 fl. warbey Ich mich obllgieret die Dischlerarbeith davon 
zu bezallen. Welches Geding mit zwo gleichlauttenten Spaltzötln aufgerlcht, und baiden underzognen Hand: und Pett- 
schafft verfertigt. 

Actum Salzburg den . . 

(L. S.) (l. S.) 

Gregory Wibmperger T li o m a s S c h w a n t h a 1 1 e r 

Profess. zu Crembsmunster Bürger und Bllthauer In Ried m. p. 

und Vicerector in Cotlegl zu Salzburg m. p. 
Daß Ich Endtsunderschrlbner von Ihro Hochwürden Herrn P. Gregorius Wibmperger Profeß zu Crembsmlnster an heul 
dato für die von Ihro Hochwürden und Genaden Herrn Herrn Praelathen zu Crembsrnimter verferttlgten und auf- 
gesezten Altar auf dem Piain pactlrtermassen vermög der auffgerichten Spaltzötl zwayhundert fünf f zig gülden, sage 
250 fl. paar uud ohne Abgang völlig empfangen habe, bezeugt dise von mir mit eigner Hanet underschribene und mit 
meinem gewöhnlichen Pettschafft verfertigte Quittung. 

Gegeben in Salzburg den 12. January Anno 1676. 

(L. S.) T h m a s S c h w a n d a 1 1 e r, Burger und 

Bildhauer in Rldt. 

Verzalchnus 

derjenigen Cossten, so auf den nacher Salzburg zu unnser Lieben Frauen am Piain verehrten Altar auferloffen und 

durch P. Gregorius Wimperger, Vice Rectorn In ermelten Salzburg unnd Professen In Crembsmunster, bezalt worden. 

Ao 1676 
Vermög aufgeiichten Spaltzötl sub N» 1 Ist mit Thoma S c hw a n t a 1 1 e r, Blldthauern in Riedt, umb seine Arbelth 
gedingt unnd auf 250 fl. verglichen welche ihme auch gegen Quitung mit N" 2 bezahlt worden. Desgleichen ist 

') Gramer wohl identiscli mit Grabmayr. 



Maria Piain 349 

beschechen mit N i c o l a o ü r a in in e r in Salzburg unnd lauthet die mit i/iine aiifgerichte Spaltzötl sub N" 3 auj 250 fl., 

welche ihme ebenfahls vermag dessen Qnittung mit K" 4 abgeben werden. 

Trinkgelt für Bildthauer und Mallergsöllen 3 fl. 

Dem Stallmaister zu St. Peter so den Altar iiacher unnser Frauen Piain gef lehrt, Thrlnkgeli 1 fl. 4 kr. 

Ainen Leithkhauf 3 fl. 

Dem Mösner auf dem Piain für dis Leith io den Altar aufgesezt, Rest bezalt N" 5 4 fl. 2 kr. 4 i',. 

Herrn Paul Gschwandlner umb dahin abgegebene Aögl lauth Ausziegl A'» 6 guetligetan — fl. 6 kr. — £,. 

M. Hannsen ürienwaldt, Schlosser, sein Ausziegl N" 7 bezalt I fl. 7 kr. 6 A- 

Item ainen Maurer Zimmermann und Tagwercher 1 fl. 2 kr. 

Summa der Cossten des Altars 515 fl. 7 kr. 10 i^. 
Dise 515 fl. 7 kr. 10 .$, hat Camer per Außgaab zu segen 

Erenbeit Abbt in. p. (Stiftsarcliiv Kremsiiiiinster.) 

In der Kammereirechnung 1676 Nr. 18 ist zu lesen: 

Ihr Hochwürden vnd Gnaden haben für den Altar auf den Piain naclier Salzburg bezallen lassen 515 fl. 7 ß 10 £,. 

Nr. 19: 

Nicoiao Grammer für ein Antipendium vnnd selbig blau zu machen 6 fl. 4 ß — ^|. 

Noch im gleichen Jahre ließ die Stadt Salzburg den Altar der hl. Familie samt Ausstattung machen. 
Die Stadtkammeramtsrechnungen enthalten darüber folgendes: 

1676 Nov. 12 IL 24: Wilhelm Faistenberger, Maliern, wegen des zum verguldten undtr der 
Hundt habenden Altars auf den Piain in Abschlag seines konfftig zu siiechen habenden Verdienstes 
zu 2 underschiedlichen Malen ä conto 124 fl. 2 ß. 

1677 . . . 180 fl. 2 ß. 
„ Simon Fries, Bildhauern, wegen seiner bei dem Altar auf dem Piain gemachten Arbeit in Abschlag 

dessen Praetcnsion in 5 Posten 110 fl. 

1677. . . 99 fl. 
Gervasy Protasy Storch, Dischlern, in Abschlag seiner bey dem Altar auf dem Piain 

gemachten Arbeit zu 5 Malen 80 f. 

1677 . . . 30 fl. 

1677 April 1 Joann Franz Pereth, Mallern, alhie, wegen des großen Plaths, auch eines clainen 
Pläthls, so er in den Altar auf den Piain verförttigt und accordiertermaßen gemacht . . . 150 fl. 

1677: Jacoben Gerolt, Bildhauern allhie, von 4 hohen und von Holz zierlich geschnitene Leichter, 

so auf den Piain zn dem neuen Altar verehrt worden, sambt 2 desgleichen Pürschkrieg . . 16 fl. 

„ Simon Fries, Bildhauern für ein Crucifix von harten weißen Holz geschnitten, so auf den Plain- 

altar appliciert worden 2 fl. 

Gervasyen Storch, Dischlern, von dem schwarzen gehalsten Stock und Greiz ... 1 fl. 4 ß. 
Versilberung und Vergoldung der Leuchter und Buschkrug dem Nicolaus G rabmay r, Maler 14 fl. 

Den nächsten Altar ließ Abt Placidus von Lambach erbauen (Akten darüber fehlen im dortigen Stifts- 
archiv), den letzten endlich Gräfin Justina Lamberg, geb. Gräfin Kuenburg, in Amerang. Diese wurden 
am 3. November 1679 geweiht. 1681 lieferte Jeremias Saut er, Hofuhrmacher, für 600 fl. die Uhr. 

Die Vollendung des Klostergebäudes 1681 bestritt St. Peter: 

Umb Sticklpflasler dem Michael Dumberger 101-6 fl. 

Dem Herrn Bartlmae von Obstall wegen gemachter Mödl und anderer Bemühung zu 

2 Malen 33 fL 

Summe aller Ausgaben 1292 fl. 15 kr. 2 -i^). 

Aus der gleichen Zeit stammt auch ein Verzeichnis oder Überschlag, wan man bey U. L. Frauen-Trost 
auf dem Piain die Schatzkammer auf einer Seiten und auf der andern Seiten auch zugleich bauen 
will, der sich auf 1704 fl. bezifferte. (Cista 70 b.) 

Drei Glocken, davon die größte mit 38 Zentnern, goß Hans Nußpicke r. 



350 



Gerichtsbezirk Salzburg 



1683 verfertigt Meister Hans Tliomas, Bürger und Schlosser, 5 eiserne Gatter, wozu ihm, da seine 

Werkstatt für diese Arbeit zu eng war, beim Bürgerspital eine eigene Arbeitshütte von der hf. Hofbau- 

meisterei aufgestellt wurde. Es kostete 1123 fl. 

Die Orgel beschaffte der Abt von Weingarten, die Kanzel der Abt von Garsten. 

Daß der Andrang zur Wallfahrt ein großer war, erhellt daraus, daß 1685 der Zimmermeister Philipp 

S c h r n für ein Modell zur Erweiterung der Kirche und anderen Hausarbeiten 31 }l. erhielt. 

Im Jahrgang 1688 der Hofzahlamtsrechnung findet sich der Vermerk: Auf Herrn P. Josef Drescher, 

derzeit Superiorn auf dem Piain beschehne Suppliciern haben Ihre hf. Gn. jene 300 fl. bezalen lassen, 

welche das Gotteshaus daselbst dem Maler Neve um das Altarblatt der 14 Nothelfer schuldig blieb 

(RiEDL in Jahresber. d. Museums 1858 S. 76). Schwanthaler soll dafür gearbeitet haben. 




Fig. 321 Maria Piain. Wallfahrtskirche, Ansicht von Südosten (S. 352) 



Nach und nach folgten auch die Stationskapellen: 

1692: habe ich (Abt Edmund von St. Peter) auf dem Piain die Capellen Coronationis Christi aufrichten 
lassen und derenthalben dem P. Superior bezalt 300 fl. (Stiftsrechnungen St. Peter). Die Ölbergkapelle 
baute die Gemahlin des Oberstall- und Jägermeisters Johann Franz Grafen Kuenburg, die mit der Kreuz- 
tragung Abt Anselm von Garsten. Die Geißelungskapelle trägt das Wappen des Dr. jur. Franz Kimpflern, 
die der Kreuzabnahme weist den Abt von Gleink Rupert II. von Freyssauff (1709—1735) als Stifter auf. 
1705 stiftete ein Bürger die 15 Rosenkranz-Psalterstationen auf dem Wege von Froschheim nach Piain. 
1728 gibt der Stadtrat von Salzburg Herrn P. Paul Superior am Piain wegen des neuerpauten 
Calvariberg 150 fl. und 1734 der Abt von St. Peter in .Abschlag der Uncosten zu der Crönung auf dem 
Calvariberg auf dem Piain 50 fl. 

1732 wurde das Originalgnadenbild, das bislang im ersten Stockwerke des Plainer Superioratsgebäudes 
aufbewahrt worden war, in feierlicher Prozession (von der auch ein Kupferstich existiert) durch Erzbischof 
Leopold Anton auf den Hochaltar übertragen und aus diesem Anlaß auch eine neue Glorie von gutem 



Maria Piain 



351 



t 



Probsilber mit messingen feuervergoldeten Strahlen angefertigt. Die 1751 erfolgte Krönung des Gnaden- 
bildes hat folgende Vorgeschichte. Am 11. Dezember 1745 erinnerte Domherr Graf Thurn-Valsassina das 
Domkapitel, dass nach dem Tod des verstorbenen Erzbischofs hf. Gn. (Leopold Anton) bey anscheinender 
Gefahr des Erzstifts und Anruckung der sowohl dazumal gewesene kais. bayr. als königl. Hungarischen 
Truppes und erfolgter Einnemung in die Haubtstadt der Letzteren ein hw. Dombcapitel das Gelilbd 
gemacht habe, die wundertätige Bildnus U. L. Fr. auf dem Piain becrönen zu lassen, falls das Erzstift 
von der angetrohten Gefahr würde entlediget werden, keine Maß gebend, ob nunmehr solches in Erfüllung 
wolle gebracht werden. Wir hören länger nichts mehr. Erst am 7. Juni 1748 fragt sich Thurn wieder 
an, ob weilten die Romanische Silberarbeit nicht sonderlich belobet ist, die hiezuerforderliche Cron alhie 
verfertigen zu lassen gefälligen wolle. Die Entscheidung darüber gab ihm das Domkapitel anheim, 




Fig. 322 Maria Piain. Wallfalirtskirclie, Ansiclit von Südwesten (S. 352) 



worauf er am 13. September die Rechnung darüber mit 352 fl. vorlegte. Die von P. Benedikt XIV. selbst 
geweihten Kronen wurden 1751 unter großer Feierlichkeit an Ort und Stelle gebracht, wo am 4. Juli die 
Krönung des Gnadenbildes durch den Erzbischof Andreas Jakob von Dietrichstein vorgenommen wurde. 
Nach Aufhebung der Universität 1810 fiel Maria Piain 1824—1825 fundationsgemäß an das Stift St. Peter. 

1817 schenkte Abt Josef Neumayr von St. Peter ein marmornes Geländer von einer Altane, die Abt 
Dominikus in dem inneren Hof oberhalb dem. Portale der Klausur in dem daselbst angebrachten 
Subgrundio errichten ließ, für ein Speisgitter nach Maria Piain, nachdem Abt Josef den ganzen Vorsprung 
mit samt der Altane abtragen hatte lassen. Steinmetzmeister Anton Högler richtete dieses Altane- 
geländer') zu einem Speisgeländer zu und überarbeitete es (Stiftsarchiv PP u. 13). 
1837 wurden die neuen Kreuzwegbilder, die ein Wallfahrer durch den Maler Wurzer hatte malen 
lassen, eingeweiht. 



') Das sein Vater Joliann Högler 1790 gemacht hatte (vgl. Kunsttopographie, Bd. XII, S. CLXXXIll). 



352 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Charakteristik: Gewölbte Barockkirche mit Seitenkapelleii und Emporen, einspringendem Chor 
und doppeltürmiger Fassade, 1671—1673 von Giovanni Antonio Dario erbaut. An der Fassade 
I-ig.320— 328. fünf große gleichzeitige Marmorskulpturen (Fig. 320—328). 



Cliatakte- 
ristik. 



Äußeres. 
Fig. 320 -323. 



Äußeres (Fig. 320-323): 

Bruchstein und Ziegel, verputzt und weiß gefärbelt. Gelb gefärbelte Gliederungen aus Muschelkalk 
(Konglomerat), die der Salzburger Steinmetz Hans Hasenörl lieferte (1672). 

Langhaus. Langhaus: Doppeltürmige Sü df a s sa d e. Geradlinige, dreigeschossige Front. 

Untergeschoß: Ordnung von 6 Pilastern aus Muschelkalk mit mannshohen Postamenten und einfachen 
Gesimsen; darüber einfaches Gebälk mit glattem Fries und kräftig vorspringendem, profiliertem Gesims, 




Fig. 323 Maria Piain. Wallfahrtskirche, Südfassade, Detail (S. 353) 



Über den beiden Mittelpilastern verkröpft, aus Muschelkalk. Drei Türen in profilierter Umrahmung aus 
hellem Untersberger Marmor. 

Über der größeren Mitteltür flachbogiger Giebel, in der Mitte unterbrochen durch das Marmorwappen 
des Erzbischofs Max Gandolf Grafen von Kuenburg. Über den kleineren Seitentüren profilierte Dreieck- 
giebel aus hellem Marmor, darüber rundbogige Nischen mit rechteckiger Muschelkalkumrahmung. In 
den beiden äußersten Feldern zwei Fenster in Muschelkalkrahmen. 

Mittelgeschoß: Niedriger als das untere. Ähnliche Gliederung init 6 Pilastern und Gebälk; das Gesims 
springt weniger stark vor. In der Mitte großes, an den Seiten zwei kleinere flachbogige Fenster in 
Muschelkalkrahmen. Dazwischen Nischen wie unten. 

Obergeschoß: In der Mitte Giebelaufsatz mit zwei flankierenden Pilastern, Doppelfenster und verkröpften, 
profilierten Gesimsen; darüber Kreuz und zwei Flammenurnen aus Blech. Zwei eingebogene Wangen 



Maria Piain 



353 



I verbinden den Mittelteil mit den ihn flankierenden beiden Türmen, die in der Fassade nur mit ihrem 
Obergeschoß zur selbständigen Geltung kommen; sie haben Eckpilaster, je ein flachbogiges Fenster in 

; Muschelkalkrahmen, ein profiliertes, an den Ecken verkröpftes Gesims und Blechhauben mit Laterne, 
Kugel und Kreuz. 

Den besonderen Schmuck der ziemlich eintönigen Fassade bilden fünf große Marmorskulpturen 
(Fig. 323, 324). Über der Haupttür in flachbogig verdachter, ovaler Umrahmung ein Hochrelief, die 

I Gottesmutter mit dem Kinde, von Wolken mit drei Cherubsköpfen umgeben; vergoldete Messingkronen. 

j In den Nischen die überlebensgroßen guten Statuen der vier Evangelisten mit ihren Symbolen, unten 
Lukas und Johannes, oben Matthäus und Markus. Sie wurden 1673 aufgestellt und gelten — wohl mit 
Recht — als Arbeiten des Giovanni Antonio Dario, Erbauers des Residenzbrunnens in Salzburg. 




I-'ig. 323, 324. 



l"ig. 324 Maria Piain. Madonnenrelief, Südfassade (S. 353) 



An den Langseiten der Kirche tritt die doppeltürmige Südfassade mit ihren Schmalseiten als selbständiges 
Bauglied heraus. Wie in der Südfront drei Geschosse mit Pilastern aus Konglomerat an den Ecken und 
kräftig profilierten Gesimsen. In den zwei oberen Geschossen je ein flachbogiges Fenster in profilierter 
Steinfassung. 

Ostseite: Die SeitenkapeUen mit den Emporen darüber bilden scheinbar das Seitenschiff des über- 
ragenden Mittelschiffes; darin unten zwei größere, oben zwei kleinere flachbogige Fenster in profilierter 
Konglomeratfassung, Mittellisene, ziemlich flaches Blechpultdach. Das überragende Kirchenschiff darüber 
hat drei, durch zwei kräftige Pilaster geschiedene niedrige flachbogige Fenster in profilierter Steinrahmung. 
Hohlkehlgesims. — Die Westseite ist ganz gleich gegliedert. Blechsatteldach. 

Chor: Schmäler und niedriger als das Schiff, in drei Seiten geschlossen. Im O. eingeschossiger Sakristei- 
anbau. Darüber flachbogiges Fenster in Steinrahmung. Ebenso im W. Abgewalmtes Blechsatteldach mit 
achtseitigem Glockentürmchcn mit vergoldeter Kugel und Kreuz. 

XI 45 



Chor. 



354 



üericlitsbczirk Salzburg 



Anbauten. 



Inneres. 
Fig. 325-328. 

Langhaus. 
Fig. 327. 



Anbauten: 1. Ostsakristei. Zweigeschossig, in der Nähe des unteren Randes der Eniporenfenster mit 
breitem Hohlkehlgesims abschließend. Im O. übereinander je zwei oblonge Fenster in Steinrahmung, im 
N. je eines. Halbes Blechsatteldach. 

2. Westsakristei. Dreigeschossig. Im N. unten oblonges Fenster in Steinrahmung, darüber übereinander 
zwei einfache Fenster, ebenso im W. In der nördlichen Hälfte der Westseite angebaut zweigeschossiger 
Verbindungsgang zum Superioratsgebäude, unten mit rundbogigem kreuzgewölbtem Durchgang. Unter 
diesem in der Westseite der Sakristei oblonges, steingerahmtes Fenster. Halbes Blechsatteldach. 

Inneres (Fig. 325—328) : 

Modern ausgemalt. Alter Fußboden aus quadratischen roten und gelben Marmorplatten. 

Langhaus: Hoher Saal. Die beiden Langwände sind durch je drei hohe Pilaster gegliedert, die ein 
schweres profiliertes Gebälk tragen (Fig. 327). Zwischen den Pilastern zwei hohe Rundbogenöffnungen mit 
anschließenden, mäßig tiefen, rechteckigen Seitenkapellen (barocke gratige Kreuzgewölbe, je ein großes 




Fig. 325 Maria Piain. Grundriß 1 : 250 (S. 35 1) 



flachbogiges Fenster); darüber, von je zwei einfach profilierten Konsolen getragen, je ein Emporenbalkon 
mit hölzerner Balustrade vor je zwei rechteckigen Emporenöffnungen; die zwei Eckpfosten in Relief 
verziert mit polychromierten Fruchtgehängen, der Mittelpfosten mit Wappen des Erzbischofs Max Gandolf. 
Im O. und W. oben je drei flachbogige Fenster. 

Im S. zweigeschossige Musikempore, ruhend auf zwei rechteckigen Mittel- und entsprechenden Wand- 
pfeilern mit einfachen Gesimsen. Im Untergeschoß breiter flachbogiger Durchgang in der Mitte, zwei 
schmälere rundbogige Durchgänge an den Seiten; barocke Kreuzgewölbe. Darüber Empore mit drei, den 
unteren Durchgängen entsprechenden Arkaden gegen das Schiff. Darüber Orgelchor mit hölzerner 
Balustrade, ebenso gebildet wie jene der anschließenden Balkone. Im S. unter der Musikempore drei 
Türe;i in ilachbogigen Nischen, oben großes flachbogiges Fenster. 

Nordseite: Das Gesims der Langwände setzt sich an der Ostwand fort und verkröpft sich um die Laibung 
der ieiativ schmalen und sehr hohen rundbogigen Öffnung zum Chor. 

Gewölbe: Tonne, vier Felder mit je zwei rundbogigen Stichkappen; drei rundbogige Quergurten über 
den Wandpfeilern; Stuckrippen. 



Maria Piain 



355 



Chor: Um zwei Stufen aus gelbem Marmor erhöht. An den Seiten 
unten je eine Tür in Steinrahmung. 

Darüber je eine rechteckige hohe Marmortafel mit vergoldeter Kapital- 
inschrift in schönem gelbmarmornem Rollwerkrahmen : Deo iini et trino, 
deiparaeqiie Mariae, virgini, matri consolationis et pacis hanc ecclesiam 
et aram extriii feclt et dedicavit — Maximilianus Gandolphus ex comit. 
de Kuenburg archiepisc. et princ. Salisb. S. Sedis ap. leg. nat. German. 
prim. dominica ante assumptionem b. M. v. anno domini MDCLXXIV 
(1674). 

Darüber im W. zwei einfache hölzerne Emporenbaikone, im O. einer. 
Das Gesims des Langhauses läuft auch um den ganzen Chor. Oben 
beiderseits je ein flachbogiges Fenster. 

Kreuzgewölbe, Abschluß mit drei rundbogigen 
Stichkappen, deren Zwickel auf kurzen, bis 
zum verkröpften Hauptgesims reichenden, in 
die Ecken gestellten Pilastern aufruhen. 

Vor dem Hochaltar eine kurze Marmor- 
balustrade (Speisgitter) aus rötlichem Marmor, 
mit drei prismatischen Pfosten und schweren 
Lorbeerfestons dazwischen. Von Johann Hög- 
1er, 1790, 1817 hier aufgestellt (s. S. 351). 





Chor. 



Zni 



Fig. 327 Maria Piain. 

Hauptgesims im Innern 

1 : 50 (S. 354) 




Fig. 326 Maria Piain. Längensclinitt 1 : 250 (S. 354) 



45* 



356 



Geiichtsbczirk Salzbur" 



Einrichtung. E i n r i c li 1 11 II g : 

Altäre. Altäre: Die Altäre waren ursprünglich alle blau gefaßt, mit vergoldeten Zieraten. 

Hochaltar. 1. Hochaltar, von 1674 (Fig. 329). Gemauerte reciiteckige Mensa über drei Stufen aus Untersberger 
Flg. 329. Marmor. Tabernakel: Kupfer, vergoldet, reich mit versilberten Rocaillen verziert. Darüber in getriebenem 
Relief zwei Engel mit Leuchtern (Messing, versilbert). Darüber das kleine Gnadenbild (mit Gold und 
Edelsteinen geschmückt) in Rahmen aus getriebenem Silber (1732), umgeben von einer auf einen Strahlen- 
kranz aufgelegten groiien asymmetrischen Rocaillekartusche aus getriebenem Silber (1751). Darunter 
Silberwappen des Erzbischofs Max Gandolf. 




Fig. 328 Maria Piain. Inneres (S. 354) 



Roter Samtbaldachin mit modernem Baldachinträger. — Wandaufbau. Holz, rotbraun lackiert und vergoldet. 
Neben der Mensa zwei rundbogige Durchgänge, von vergoldeten Biattgirlanden eingerahmt, mit je einen, 
polychromierlen Cherubsköpfchen und vergoldetem Fruchtgehänge. Darüber je zwei gewundene ver- 
goldete Säulen, umwunden von Weingirlanden mit blauen Trauben; vergoldete Kompositkapitäle. 
Zwischen jedem Säulenpaar die überlebensgroße Statue eines hl. Bischofs, Holz, polychromiert, ver- 
goldet; links der hl. Vitalis mit Pastorale und einem Herzen, aus dem eine Lilie sprießt, rechts der 
hl. Maximilian mit Pastorale und Schwert. 

Altarbild (zum größten Teile durch den Samtbaldachin des Gnadenbildes verdeckt): Öl auf Leinwand, 
Maria Himmelfahrt. Von Francesco de Neve, 1674. Über den Säulen gerades, im Mittelteil zurück- 
sp:ingendes Gebälk; am braunen Fries vergoldete Ranken und vier polychromierte Cherubsköpfe; ver- 
goldeter Zahnschnitt, Eierstab, Konsolengesims. Leicht geschweifter Giebel, in der Mitte unterbrochen 
durch das von 7 vergoldeten Putten umgebene Wappen des Erztischofs Max Gandolf. Darüber in 
rundem, von einem Ciierubskopf bekröntem, vergoldetem Lorbeerkranzrahmen das Aufsatzbild (Öl auf 
Leinwand), die hl. Dreifaltigkeit mit zwei Putti zu den Füßen; gute Arbeit, ebenfalls von Francesco 



Maria Piain 



357 



de Neve, 1674. Beiderseits davon, auf den Giebelansätzen ruhend, zwei überlebensgroße Engel mit 
Lilienstengeln in den Händen und zwei hl. Bischöfe in vollem Ornat mit je einem Putte; St. Rupert 




I-ig. 329 Maria Piain. Hochaltar von 1674 (S. 356) 



(Salzfaß), St. Virgilius (Kirchenmodell). Hinter dem Rundbilde als Hintergrund Aufsatzwand, flankiert 
von zwei Piiastern mit Cherubsköpfen; verkröpftes Gebälk flachbogige Giebelansätze. Über der Mitte 



358 



Gericlitsbezirk Salzburg 



thronend ein Engel mit Kreuz in den Händen, auf den Giebelansätzen beiderseits je ein Putto mit 
Lorbeerliranz. Alle genannten Figuren aus Holz, polychromiert, mit vergoldeten Gewändern. 

Linker 2. Linker Seite naltar (Kreuzaltar) (Fig. 329) : Auf der Mensa verglaster Reliquienschrein in 

Seitenaltar. geschnitzter vergoldeter Umrahmung; oben zwei polychromierte Holzstatuetten, Augustinus und Hiero- 
Fig. 329. nymus. Um 1730. 

Wandaufbau: Holz, braun gestrichen und vergoldet. Großes Gemälde (Öl auf Leinwand) in rund- 
bogigem geschnitztem Rahmen: Christus am Kreuze, darunter Maria, Johannes, Magdalena; gute Arbeit, 
signiert: Eqiies de Roethiers iiiv. et pinxit Ao 1744. Beiderseits des Altarbildes zwei stehende Engel, 
Holz, polychromiert, vergoldet, mittelmäßige Arbeiten, auf übermannshohen, hölzernen, mit vergoldeten 
Traubengehängen verzierten Postamenten. 

Über dem Altarbilde kleineres Rundbild (Öl auf Leinwand): Christus zum Himmel emporschwebend; 
mittelmäßige Arbeit, in vergoldetem Blätterrahmen, den sechs Putti aus vergoldetem Holze tragen; zu 
Oberst ein Putto mit Schriftband. Ein breiter Strahlenkranz (Holz, vergoldet) stellt die Verbindung des 
Tondo mit dem Altarbilde her. Über dem Reliquienschrein Schriftband: 

Hanc aram dedicavit Polycarpus 

ex comitibus de Kuenburg Episcopiis et Princeps 

Giircciisis Praepositus Salisburgeiisis Anno MDCLXXIV. 

Der Altar wurde 1674 auf Kosten des Bischofs von Gurk, Polykarp Grafen von Kuenburg, hergestellt. 

Rechter 3. Rechter Seitenaltar (Engel- oder Josefi-Altar) (Fig. 329): Im Aufbaue ähnlich dem 
Seitenaltar. vorigen. Wie dort Reliquienschrein, oben mit den Holzstatuetten des hl. Gregor und Ambrosius, um 
Fig. 329. 1730. Altarbild: Vermählung Maria, Öl auf Leinwand, gute Arbeit von Francesco de Neve, 1673. 
Die beiden Engel beiderseits (Holz, polychromiert, vergoldet) sind größer als beim linken Seitenaltar. 
Oben Rundbild, Öl auf Leinwand, Flucht nach Ägypten, ebenfalls von Neve, in vergoldetem Holz- 
rahmen mit Strahlenkranz und zehn Putti aus vergoldetem Holze. 

Der Altar wurde 1673 auf Kosten des Stiftes St. Peter hergestellt. Die Tischler- und Bildhauerarbeiten 
machte Thomas Schwanthaler in Ried. 



Altäre 

in den Seiten- 

ka pellen. 

Altar der 

hl. Familie. 



den Seitenkapellen, 1 679 geweiht. 

Familie. Erste Kapelle links. Rechteckige gemauerte Mensa 



St. -Benedikt- 
Altar. 
Fig. 330. 



Vier Altäre in 

4. Altar der hl. Familie. Erste Kapelle links. Rechteckige gemauerte Mensa auf zwei roten 
Marmorstufen. Wandaufbau, Holz, braun gestrichen und vergoldet. Predella: Mittelfeld mit vergoldeter 
Blattranke; an den Seiten vorspringende Postamente mit den Kartuschenwappen der Stadt Salzburg. — 
Modernes Altarbild, die hl. Famile (von Seb. Stiel, 1866). Beiderseits die lebensgroßen Statuen des 
hl. Johannes des Täufers und des Evangelisten Johannes, hinter jedem ein Engelskopf. Darüber jeder- 
seits die Halbfigur eines Engels als Träger des mit einem Cherubskopf verzierten Gebälkstückes. Über 
dem Altarbilde Cherubskopf. Verkröpftes Gesims; flachbogige Giebelansätze, darauf zwei Engel mit 
Palmzweigen. Dazwischen auf Konsole Ovalbild (Öl auf Leinwand), das Christkind mit der Kreuzes- 
fahne als Bezwinger der Schlange und des Todes (von Joh. Franz Pereth, 1677); jederseits des 
Bildes ein Putto, oben Cherubskopf und Namenszug Jesu. Die Skulpturen, alle Holz, polychromiert, 
mit zum Teil vergoldeten Gewändern, sind gute Arbeiten. 

Der Altar wurde 1676/77 auf Kosten der Stadt Salzburg hergestellt. Die Skulpturen stammen von dem 
Salzburger Bildhauer Simon Fries, die Tischlerarbeiten von G.P.Storch (s. S. 349). Das ehe- 
malige Altarbild von Pereth befindet sich in St. Peter in Salzburg (Kunsttopographie XII, S. 143). 

5. St. -Benedikt-Altar (Fig. 330): Zweite Kapelle links. Auf zwei roten Marmorstufen gemauerte 
Mensa. — Wandaufbau, Holz, rotbraun gestrichen und vergoldet. Predella: Glattes Mittelstück, an den 
Seiten zwei Postamente; als Zierate geschnitzte vergoldete Blätter und Früchte sowie interessante 
Knorpelwerkvoluten. Rundbogiges Altarbild (Öl auf Leinwand): Der hl. Benedikt, das Christkind 
umarmend, die hl. Scholastika anbetend, links die Madonna und der hl. Josef; im Hintergrunde Archi- 
tektur; gute Arbeit. Beiderseits je eine gewundene vergoldete Säule mit Weingirlande, Kompositkapitäl. 
Daneben auf Konsole zwei Statuen, der hl. Maurus (mit Pastorale und Buch) und der hl. Placidus 
(rnit Buch und Schwert); ober jederti ein Cherubskopf; auf den Säulen Gebälkstücke mit vergoldeten 
Zieraten, flachbogige Giebelansätze. Über dem Altarbilde ein Cherubskopf. Aufsatz: In der Mitte Gemälde 
(Öl auf Leinwand), der hl. Benedikt, in schwarzem Habit, kniend emporblickend zur Vision der Seele 
des Bischofs German von Capua; gute Arbeit. Jederseits des Bildes eine gewundene Säule (wie 
unten) und ein liinweisender großer Engel, auf den Giebelansätzen sitzend. Oben Cherubsköpfchen, 
vcikröpites Gebälk, geschweifte Giebelansätze mit zwei Putti, dazwischen Wappen des Abtes Irimbert 
von Kremsmünster. 



Maria Piain 



359 



Zu Oberst Namen Jesu in Strahlenkranz. Der ganze Altar ist gut komponiert. Die Skulpturen (Holz, 
polychromiert, mit vergoldeten Gewändern) sind tüchtige Arbeiten. 

Der Altar wurde 1676 auf Kosten des Stiftes Kremsmünster hergestellt. Die Fassung besorgte der iV\aler 
Nikolaus Grabmayer in Salzburg, die Skulpturen und Statuen stammen von dem Bildhauer 
Thomas Schwanthaler in Ried. Der ganze Altar kostete 515 fl. (s. S. 348). 



i 




Fig. 330 
Maria Piain. St. -Benedikt-Altar mit Sl<ulpturen von Tliomas Schwanthaler, 1676 (S. 358) 



6. Vi e r zeh n-N o t li e If er-Al tar (Fig. 331): Erste Kapelle rechts. Im Aufbau ähnlich wie 4. Gemauerte 
Mensa auf zwei roten JVlarmorstufen. Wandaufbau, Holz, braun gestrichen mit vergoldeten Zieraten: 
Predella mit seitlichen Postamenten, geschnitzten vergoldeten Ranken und Kartuschen. Vor der Predella 
in verglastem Schrein mit vergoldeten Verzierungeii kleine Statue der hl. Notburga, Holz, polychromiert, 
um 1730. — Hauptteil: Rundbogiges Altarbild (Öl auf Leinwand), die hl. vierzehn Nothelfer. Gute 
Arbeit von Francesco de Neve, um 1679. 

Am Rahmen oben drei Cherubsköpfe. Beiderseits des Bildes die kräftig bewegten Statuen der beiden 
Apostelfürsten Petrus und Paulus. 



Viorzehn-Not- 

hclfcr-Altar. 

Fig. 331. 



360 



Ocriclitsbczirk Salzburg 



Dahinter Pilaster, oben mit Clierubsköpfen als Konsolen der Gebälkstücke, flachbogige Giebelansätze; 
auf diesen je ein Engel mit Palmzweig. 

Aufsatz: Rundbild (Öl auf Leinwand), die hl. Maria mit ihren Eltern, schwache Arbeit; versilberter 
Blätterkranzrahmen. Darüber reiches Gebälk mit vergoldeten Zieraten, Dreieckgiebelansätze mit zwei 
Putten, dazwischen Gruppe von fünf Cherubsköpfen, oben Namenszug Maria. Die Skulpturen (Holz, 
polychromiert, vergoldet) sind tüchtige Arbeiten des Salzburger Bildhauers Wolf Weissenkirc hner, 
1673; sie waren ursprünglich für den Josefialtar des Stiftes St. Peter gemacht worden (s. S. 347). 




Fig. 331 
Maria Plaiii. Nothelferaltar mit Skulpturen von Wolf Weisscnkircliuer, 1673 (S. 359) 



-Sippe- 
Altar. 
332. 



ng 



Der Altar wurde auf Kosten der Gräfin Justine Lamberg hergestellt und 1679 geweiht. Man verwendete 
dazu die Skulpturen eines für St. Peter angefangenen Altars. 

7. Hl. -Sippe-Altar (Fig. 332): Zweite Kapelle rechts. Gemauerte Mensa auf zwei Stufen. Wandaufbau 
ganz übereinstimmend mit 5. — Altarbild: Öl auf Leinwand, die hl. Sippe, schwache Arbeit (Leder- 
wasch). Beiderseits die guten Statuen zweier hl. Bischöfe, St. Kilian (Pastorale, Schwert) und 
St. Wolfgang (Pastorale, Kirchenmodell). Aufsatzbild: Öl auf Leinwand. Gott-Vater mit Weltkugel, drei 



Maria Piain 



361 



Putti; übermalt. Daneben die kleineren Statuen des hl. Meinrad (Keule, Krug) und des hl. Benedikt. 
Über dem Aufsatze zwei Putti und Wappen des Abtes Placidus von Lambach. Vor der Predella ein Öl- 
gemälde in schön geschnittenem vergoldetem Rahmen mit zwei Putten, die hl. Walburgis und die 
Wunder an ihrem Grabe, um 1720. — Die Skulpturen (Holz, polychromiert, vergoldet) sind gute 
Arbeiten, um 1679. 

Den Altar ließ das Stift Lambach erbauen, die Rechnungen fehlen jedoch; geweiht wurde er 1679. 




Fig. 332 
Maria Piain. Hl.-Sippe-Altar (1677) und Kanzel (um 1682) (S. 360) 



Kanzel (Fig. 332): Am Mittelpfeiler der Ostseite des Langhauses. Holz, braun gestrichen, mit ver- 
goldeten Verzierungen. Stiege mit vergoldeten Fruchtgehängen. Polygonale Brüstung. An den Ecken fünf 
Puttohermen, durch vergoldete Fruchtgehänge verbunden. Auf den Brüstungsflächen dazwischen einfache 
Grisaillemalereien: Der Brand des Marktes Regen, oben das Gnadenbild, von zwei Engeln gehalten — 
ußenansicht der Kirche Maria Piain — die Brunnenkapelle, darüber Wasserwunder Mosis. Am Ablauf 
der Brüstung versilberter Wolkenballen mit drei Putti und vier Cherubsköpfchen (Holz, polychromiert). — 
Baldachin: Vielfach geschweiftes Gesims, vergoldete Blättergirlande, Taube im Strahlenkranz; oben sieben 
XI 46 



Kanzel. 
1-ig. 332. 



A 



3Ü2 



Gericlitsbezirk Salzburg 



Blumenvasen (Holz, vergoldet) und zehn kleine Putti (Holz, polychromiert). An der hölzernen Rück- 
wand in vergoldeter Holzkartusche Wappen des Abtes Anselm von Garsten, der die Kanzel hatte machen 
lassen. Um 1682. 

Orgel. Orgel: Monumentales Holzgehäuse, rotgestrichen, mit vergoldeten Zieraten. Über hohem Unterbau vor 

Pilastern vier gewundene, von Weinlaub umrankte Säulen mit vergoldeten Kompositkapitälen, darüber 
verkröpftes Gesims und geschwungene, nach innen zu eingerollte Giebelansätze. An den Seiten hohe, 
reichgeschnitzte und durchbrochene, vergoldete Rankenstücke. Unten Inschrift: Alphonsus abbas monasterii 
Weingartens is Deiparae virginis honori fieri fecit (Chronogramm =^ 1682). Oben in vergoldeter Kartusciie 
das Wappen des Stifters, des Abtes Alfons von Weingarten. — Darüber großes Uhr-Zifferblatt. 

Beichtstühle. Beichtstühle: Vier prächtige Beichtstühle in den Seitenkapellen. Nußbaumholz mit eingelegten Band- 
Fig. 333. Ornamenten und reichen, zum Teil vergoldeten Rocailleschnitzereien. Schöne Stücke, um 1760 (Fig. 333). 




Fig. 333 Maria Piain. Beichtstuhl, um 17tiO (S. 362 



Chorgitter. Chorgitter (Fig. 334) : In voller Schiffsbreite über den Chorstufen. Schöne geschnittene Schiniede- 

Fig. 334. eisenarbeit mit großen Spiralranken, drei Türen. Über der Mitteltür Wappen des Erzbischofs Max 

Gandolf, von zwei Putten gehalten, polychromiert. An den Seiten Namen Jesu und Maria, vergoldet, 

und die Jahreszahl 1685. Vom Schlosser Hans Thomas in Salzburg, 1685. 

Weihwasser- Weihwasserbecken: Zwei Weihwasserbecken vor den Pfeilern der Musikempore. Marmor. Reich 
bccken. profiliertes Postament aus gelbem, ovale Muschelschale aus rotem Marmor. Um 1674. 

Konmuiiion- K m m u n i n b a n k : Im Chor, freistehend. Roter Marmor. Drei kurze Pfeiler, dazwischen schwere 
bHiik. Laubgehänge. Von Johann Högler in Salzburg, 1790. (Stammt von einer Altane in St. Peter.) 

Baiikc. Bänke: 12 Doppelreihen von Sitzbänken. Die Wangen mit Laubwerk schön geschnitzt; Oberseite init 

Messingbeschlägen. Um 1675. 

Steiiirelief. S t e i 11 r e i i e f : Am mittleren Pfeiler im O. Rechteckige Platte aus Kehlheimerstein, in Relief verziert 
Monogramm Jesu von den Passionswerkzeugen umgeben. Datiert 1675. Am roten Marmorrahmen Wappen 



Maria Piain 



363 



C.L und die Inschrift:... hab ich Christoph Lüsime, Bildhauer in Salzburg, dises Stammen 
Wappen zu betrachtung seines bittern Leidens und Sterbenß fingiert, gemacht und alhero verehrt, 
anno 1677. 

Gemälde: Acht gleichartige Gemälde in geschwungenen, schwarz-goldenen Rahmen, vorzügliche 
Arbeiten, von Martin Johann Schmidt (Kremser Schmidt) um 1765. Alle in Halbfiguren, Öl auf 
Leinwand. 



Gemälde. 



I 




Fig. 334 Maria Piain. Cliorgitter von Hans Thomas in Salzburg, 1685 (S. 362) 



1. Maria trauernd (unter dem Kreuze). 

2. Johannes weinend (unter dem Kreuze). 

3. Der hl. Maurus tröstet einen in den Block gefesselten Gefangenen. Signiert: Mart: Job: Schmidt 
1765. 

4. Der hl. Benedikt betend. 

5. Letztes Mahl des hl. Benedikt und der hl. Scholastika. 

6. Der hl. Benedikt segnet den vergifteten Wein. 

7. Der hl. Placidus mit Pastorale und Palmzweig. 

8. Der hl. Wolfgang (Benediktinerabt mit Pastorale, Beil und Kirchenmodell). 

46* 



364 



Gerichtsbezirk Salzburg 










Nr. 1 und 2 in der Halle der Musikempore, 3, 4, 7, 8 in den Seitenkapellen über den Beichtstühlen, 
5 und 6 im N. des Langhauses neben den Seitenaltären. — Bräunliches Kolorit, Hintergründe ganz 
in dunklem Braun verschwimmend. Besonders gut Maria und das Wunder des hl. Benedikt. 

Volivbild. Votivbild der Stadt Hallein von 1736, mit Ansicht der Stadt, der Plainer Madonna, Hieronymus und 
Antonius; Öl auf Blech. 

Skulpturen. Skulpturen: An den Pfeilern im Langhause fünf lebensgroße Statuen (Holz, neu polychromiert). 

1. Die hl. Gertraud, im Habit der Benediktinerinnen, mit Buch und Pastorale; in der Brust das kleine Christ- 
kind. An der Konsole zwei Putti mit Inschriftkartusche. 

2. Der hl. Johann von Nepomuk. Konsole wie bei 1. 

3. Die Immakulata auf der vergoldeten Weltkugel (zwei 
Putti, zwei Cherubsköpfchen, Schlange). 

4. Christus im Purpurmantel, mit Dornenkrone, Schilf- 
rohr (Ecce-Homo). 

5. Die schmerzhafte Mutter Gottes (Dolch im Herzen). 
Gute Arbeiten, um 1730. 

6. Madonna mit dem Kinde (Holz, polychromiert, ver- 
goldet und versilbert) an einem langen Seile mit Kugeln 
(Rosenkranz) im Langhaus hängend. Um 1675. 

Monstranz. Monstranz (Fig. 335, 336): Silber, vergoldet. 81 cm 
Fig. 335, 336. hoch, reich getrieben. Am Fuße die vier sehr guten 
Halbfiguren der Hl. Rupert, Virgil, Benedikt und Scho- 
lastika, Ornamente, aufgesetzte Halbedelsteine und Perlen. 
Am Knauf drei Cherubsköpfchen und eine Kamee, die 
sitzende Madonna mit dem Kinde, in Silberfassung mit 
Diamanten. Lunula und Kapsel verziert mit Perlen und 
echten Steinen. Reicher Rahmen aus durchbrochenem 
Band- und Rankenwerk, zehn Trauben aus orientalischen 
Perlen, zwei Putti und vier mit Diamanten besetzte 
Ährenbüschel. Oben die Plainer Madonna, darüber feine 
Emaiigruppe der Kreuzigung, zu oberst Baldachin und 
Kreuz; unten liegendes Email-Einhorn, dessen Rücken 
von einer großen Perle gebildet wird. Strahlenkranz. — 
Marken: Augsburger Beschau (Rosenbf.rg" 176). Meister- 
marke undeutlich, in Dreipaß: j,« (Rosenberg^ 523). 

Auf der Unterseite des Fußes eingraviert die Inschrift: 
Haec Monstrantia ex pretiosis oblationibiis peregrinan- 
tium et huc ad Matrem nostrain Consolalricem con- 
fugientiuni fidelium confecta est. Anno 1733. P. Gre- 
gorius Homer, p. t. Universltatis Rector et Superior in 
Piain. Vorzügliche Arbeit aus der Werkstätte des 
Johann David Salier in Augsburg, 1733, 1735 von 
A. G. Riedlechner in Salzburg um 1359 fl. geliefert. 

Ziborium. Ziborium: Silber, vergoldet, mit getriebenen buschigen 
Ranken. Augsburger Beschau. Meisterzeichen : C K in Breit- 
oval. Ende des XVII. Jhs. — Darauf getriebene vergoldete 
Silberkrone mit sechs Bügeln und getriebenen Akanthus- 
palmetten. Unechte Steine. Marken: Salzburger Beschau 
(S in Oval). Meisterzeichen wie beim Ziborium in Elsbethen, 
s.S.51. Arbeit desHans Jakob Haidt (Bürger seit 1687). 

Kelclie. Kelche: Silber, vergoldet. 1. 2A cm hoch. Glatt; 
Sechspaßfuß. — Marken: Undeutliches Beschau- 
zeichen. Meistermarke: In Oval L im G. Arbeit 
des Georg Lotter oder Gregor Linderer 
in Augsburg. Um 1650. 

2. 25 cm- hoch. Getrieben. Am Fuß und Knauf Blumen, durchbrochener Cuppakorb mit Blumen. Tu 
Am Fuß drei Emails mit Phönix, Strauß und Wappen Scherffenberg-Kuenburg, Jahreszahl 1676. — 
Marken : Salzburger Beschau (S in Oval). Meisterzeichen : Andreaskreuz in Ring. — An der Unterseite 
gravierte Inschrift: Sidonia Magdalena Comitissa de Scherffenbcni nata Comitissa de Küenburgdona- 
Fig. 337rt. Vit As Dhi 1676. Gute Arbeit des Daniel Weber in Salzburg (Bürger seit 1649), 1676 (Fig.337rt). 





Fig. 335 
Maria Piain. ]\lonstranz von Joliann David Sa 
in Augsburg, 1733 (S. 364) 



rkisen. 




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Maria Piain 



365 



3. 23-5 cm hoch. Am Fuß und Knauf je drei getriebene Cherubsköpfchen und Blumen. Auf die Cuppa 
aufgelegt in durchbrochenem getriebenem Silberrelief drei Putti mit den Leidenswerkzeugen, Blumen 
und Ranken. — Marken auf Cuppa- und Fußrand: Augsburger Beschau. Meisterzeichen: A P in Breit- 
oval. Ende des XVII. Jhs. (um 1680). 




Fig. 336 Maria Piain. Monstranz, Detail (S. 364) 



4. 26 cm hoch. Getriebene Verzierungen. Sechspaßfuß mit Lamm, Schaubroten, Weingefäß, Mannaregen 
und (in ovalen Silbermedaillons) den „arma Christi". Auf der Cuppa „arma Christi" und drei Cherubs- 
köpfchen. Anfang des XVIII. Jhs. (Fig. 338 a). 

5. 27 cm hoch. Reich getrieben mit asymmetrischen Rocaillen. — Marken: Augsburger Beschau mit 

r* T 
K (1751—1753; Rosenberg'- 194). Meisterzeichen: ^ ''" nrAin^ft CP^cnMcnnr-.ä 

Ignaz Bauer in Augsburg, um 1752. 



Fig. 338 0. 



in Dreipaß (Rosenberg ^ 533). Arbeit des Georg 



366 



Gerichtsbezirk Salzburg 



■ig. 337/), 
338/;. 



6. 26 cm hoch. Getrieben mit Rocaillen. Sechs schwache ovale Miniaturbilder in Kupferemail: Ölberg, 

Abendmahl, Geißelung (Cuppa), Dornenkrönung, Kreuztragung, Kreuzigung (Fuß). — Marken: . _^ 

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Augsburger Beschau mit L (1753—1755; Rosenberg- 196). Meisterzeichen: . _ in Dreipaß y^k /n A 

(Rosenberg ^ 545). Arbeit des Johann Jakob Schoap oder Josef Ignaz Saler in 
Augsburg, 1754 (Fig. 337/!», 338/)). 



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a Fig. 337 Maria Piain. Kelche. b 

a Von Daniel Weber in Salzburg, 1676. b Von J. J. Schoap 

in Augsburg, 1754 (S. 364, 366) 




a Fig. 338 Maria Piain. Kelche. b 

a Anf. d. XVIll. Jhs. b Von J. J. Schoap in Augsburg, 1754 (S. 365, 366) 

7. 26-5 cm hoch. Reich getrieben mit Rocaillen. Am Fuß und an der Cuppa je drei Miniaturen in Kupfer- 
email, Abendmaiil, Ölberg, Geißelung; Dornenkrönung, Fall unter dem Kreuze, Kreuzigung. — Zwei 
undeutliche Marken: Beschauzeichen Tittmoning(?). Meisterzeichen: ?H (wohl Egyd Hablitschek 
in Titlmoning). Um 1760. 



Maria Plaiii 



367 



Kreuzpartikel mo II stra HZ 
Rokokogehäuse, um 1760. 



von 1847 (Kupfer, vergoldet) in sehr reicii geschnitztem verglastem 



Pektoralkreuz: Silber, vergoldet. Einfaciie Kette. Guter Kruzifixus in Emailmalerei auf Porzellan 
in vergoldeter Silberfassung mit Almandinen. Rückwärts eingraviert B.A.S.P. 1772 (Beda abbas S. Petri). 
Schöne Arbeit, 1772. ' ' 



Meßbuchbeschläge: 1. 24 X 36 cm. Druck von 
Wappen und Dedikationsinschrift des Erzbischofs Max 




1671. Vorne ganzseitige Pergamentminiatur mit 
Gandolf, 1681. Einband: Rotbraunes Leder mit 
Goldpressung. Reiches getriebenes Silber- 
beschläge. In den Ecken schöne buschige Blatt- 
ranken mit Cherubsköpfen, in der Mitte jeder- 
seits ein ovales Medaillon mit eingravierter Fi- 
gur (St. Benedikt — St. Rupert). Feingearbeitete 
Schließen mit getriebenen Blumen. Augs- 
burger Beschau. Vorzügliche Arbeit von 1681 
(Fig. 339). 



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monstranz. 

Pektoral- 
kreuz. 



Meübuch- 
lieschläge. 



Fig. 339. 



Fig. 339 Maria Piain. Meßbiichbeschläge von 1681, 
Augsburger Arbeit (S. 367) 



Fig. 34.) Maria Piain. Gebetbuch 
um 1691 (S. 367) 



2. Druck von 1765. Getriebene Silberbeschläge, Eckstücke mit Bandwerk und Cherubsköpfchen. In der 
Mitte je eine Kartusche. Auf der vorderen graviert Plainer Mutter Oottes mit Gebetsunterschrift. Auf 
der Rückseite graviertes Wappen und Inschrift: Zacharias Ausweger 1679. — Marken: Salzburger 
Beschau. Meisterzeichen: GR in Schild. Arbeit des Gebhard Raininger in Salzburg (Bürger 
seit 1640), 1679. 

3. 24 X 38 c/«. Druck von 1734. Roter Ledereinband mit Goldpressung. Schönes Silberbeschläge (durch- 
brochenes und getriebenes Bandrankenwerk). Um 1734. — Marke: I in G (vielleicht Jakob Gatto in 
Salzburg). Um 1734. 

4. 37 X 24 cm. Druck von 1790. Violetter Samteinband mit schönem Silberbeschläge in getriebener 
Arbeit (Kartuschen mit klassizistischem Dekor). — Marke: PP in Vierpaß. Anfang des XIX. Jhs. 

Gebe tb u ch (Fig. 340): 5-5 X 8-5 cw. Druck von 1672. Deckel: Silber, vergoldet, reich verziert mit 
vergoldetem Doppeladler, emaillierten Ranken, zahlreichen Granaten und dreizehn Amethysten. Auf den 
Schließen vier Amethyste. 1691 geopfert von Maria Anna von Gleispach, geb. Gräfin von Kufstein. 

Opfertasse: Silber, zum Teil vergoldet, 33 cm lang. Oval. In der Mitte eingepunzt Namen Jesu 
und Maria in kreisrunden Rahmen. Am Rande vier Kartuschen mit den Leidenswerkzeugen und dem 



Gebetbuch. 
Fig. 340. 

Opfertasse. 



368 



Gcrichtsbezirk Salzburg 



Flammenherzen. Schönes Band- und Rankenwerk. — Marken: Augsburger Beschau (Rosenberg* 172). 
Fig. 341. Meisterzeichen: LS (Rosenberg- 483). Arbeit des Ludwig Schneider in Augsburg, um 1720 (Fig. 341). 
Von den zugehörigen Kännchen sind nur die Deckel alt, das übrige wurde 1901 ergänzt. 

Ornat. Ornat: Silberbrokat mit roten und blauen Blumen; Mittelstücke modern. Ende des XVll. Jhs. 

Kasein. Kasein: 1. Auf moderne weiße Seide übertragen prachtvolle Seidenstickerei, Christus, Maria, zwei Engel, 
Blumen und Früchte. Auf der Rückseite Doppelwappen Rehlingen-Admont 7675. Ausgezeichnet schöne 
Fig. 342, 343. Arbeit. Gestiftet von Raimund Freiherrn von Rehlingen, Abt von Admont 1659—1675 (Fig. 342, 343). 

2. Goldbrokat mit J appliziertem, rotem Samtrankenmuster. Sehr schönes Stück, Ende des XVI. Jhs. 
Fig. 344. (Fig. 344). 

3. Weißer Seidendamast mit gestickten kleinen bunten Blumen und Goldranken. Sehr feine Arbeit, Mitte 
des XVIII. Jhs. 

4. Weißer Seidendamast mit gestickten großen Blumen, goldenen und farbigen Blättern. Sehr gute 
Fig. 345. Arbeit, Anfang des XVIII. Jhs. (Fig. 345). 




Fig. 341 Maria Piain. Opfertasse von Ludwig Schneider in Augsburg, um 1720 (S. 368) 



5. Silberbrokat mit grün-gelb-roten Blumenranken. Auf der Rückseite gesticktes Wappen des Erzbischofs 
Max Gandolf. Um 1674. 

6. Grüner Seidenbrokat mit weißem Blumenmuster, alte Goldborten; auf Stola und Manipel applizierte 
große in Gold gestickte Kreuze. Auf der Rückseite gesticktes Wappen des Erzbischofs Max Gandolf. 
Gutes Stück. Um 1674. 

7. Grüner Goldbrokat mit großem Blumenmuster. XVIII. Jh. 

8. Grüne Seide mit gewebten kleinen Seidenblumen. XVIII. Jh. 

9. Seitenteile weißer Goldbrokat, Mittelstück ein Stab mit großen grünen Ranken und roten Schleifen 
in Gobelinstich. Ende des XVII. Jhs. Gestiftet von der Königin Eleonore von Polen. 

10. Blaßblauer Goldbrokat, neues weißes Mittelstück. Ende des XVII. Jhs. 

11. Mittelstück neuer gelber Moireestoff. Seitenteile kleingemusterter, eigenartiger Goldbrokat. Ende 
des XVII. Jhs. 

12. Sehr schwere Kasel, grüne Seide, vollständig bedeckt mit in Überfangstich hergestellten sehr großen 
Soiinenbluincn, Ranken und Girlanden aus vergoldetem Metall. Auf der Rückseite Wappen des Erz- 
^■ischois Max Gandolf. Um 1674 (Fig. 346). 

15. Süberbiökat mit gewebten bunten Blumen und Blättern. XVII. Jh. 

14. Römisch-vioielter Atlas an den Seitenteilen. Mittelstück, Goldbrokat mit violettem Muster. XVII. Jh. 

15. Weiß. Seitenteile, modern. Mittelstück kleinmusteriger Goldbrokat mit Seidenblumen. Ende des 
'XVII. Jhs. 



Maria Piain 



369 




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47 



370 



Gerichtsbezirk Salzburg 











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Maria Piain 



371 



16. Mittelstück, modern, roter Plüsch. Seitenteile roter Goldbrokat. Gesticktes Wappen: Oben blaues 
Feld, unten drei schräge rote Balken auf weißem Grunde. XVIII. Jh. 

17. Weiß. Roter Silberbrokat mit Blumenmuster. XVIII. Jh. 

18. Roter Silberbrokat, XVIII. Jh. (modern, neu gefärbt). 

19. Weißer Goldbrokat mit bunten Blumen. XVIII. Jh. 

20. Mittelstück roter Samt, Seitenteile Silberbrokat mit roten Blumen. XVIII. Jh. 

21. Gold- und Silberbrokat mit bunten Blumen. XVIII. Jh. 

Pluviale: Grün, gelb und rot geblümter Silberbrokat. Um 1674. 

Infel: Gold- und Silberbrokat, gewebte bunte 
Blumen. Anfang des XVIII. Jhs. 

Antependien: 1. Auf modernes Antependium 
appliziert vier Streifen eines Antependiums von 
1683, Vertikalstreifen, umwunden von grünen Ranken 
und roten Schleifen, Goldgrund, Gobelinstich. 1683 
vom Domherrn J. A. Frhn. von Leiblfing geschenkt. 
2. Auf rotem Samtgrunde ein schmaler Horizontal- 
und drei breite Vertikalstreifen, Goldbrokat mit 
neu appliziertem rotem Samtmuster. Italienisch, 
XVI. Jh. 

Leuchter: Acht dreifüßige, versilberte Holz- 
leuchter. Um 1675. - Acht große dreifüßige, ver- 
silberte Metalleuchter. Um 1800. — Vier drei- 
füßige, versilberte Holzleuchter. Um 1800. 

Vasen: Zwei versilberte Metallvasen mit getrie- 
benen Rocaillen. Um 1750. 

Ampeln: Eine große Ampel mit getriebenen 
Rocaillen, um 1750. — Drei kleinere Ampeln, um 
1800. Alle aus versilbertem Metall. — Sechsarmiger 
Hängeleuchter mit Kugel, Spiralarmen, Doppel- 
adler; Messing, versilbert, um 1680. 

Glocken: 1. Große Glocke. Madonna mit dem 
Kinde, St. Vitaiis, St. Maximilian, Wappen des Erz- 
bischofs Max Gandolf mit der Jahreszaiil 1680. — 
Umschrift: Zu der Ehr Gottes leidt man mich, 
die Lewentigen berueff ich, die Doden bewein ich, 
Hans Niisbiciiher goss mich. 

2. Wappen des Erzbischofs Max Gandolf, 1680, 
St. Rupert, St. Virgil, Krönung der hl. Maria, darunter: 
Hanns Nusbickher in Salzburg gos mich. — Um- 
schrift: Benedictio dei omnip: Pat: et Filii et Spir: 
S: descendat super nos et fruct: terrae et maneat 
semp: 

3. St. Johannes und Jakobus mit Beischrift: In 
honorem dei ac S. Joannis et Jacobi Apost: fi- 
liorum tonitrui. Wappen des Erzbischofs Max 
Gandolf mit der Inschrift: F{ien) /(ecit) et bened(ixii) 
Maximilianus üandolphus Comes de Kuenburg 
d. G. Archieps. et Princ. Salisb. S. Sed. Ap. Leg. 

A{nn)o Dni MDCLXXII. -- Umschrift in zwei Zeilen: Durch das Feur bin ich geflossen, Joann 
Eisenberger in Salzburg hat mich gegossen anno MDCLXXII. 

4. St. Josef und Benedikt. Inschrift: In honorem Dei ac S. Josephi et S. Benedicti. Wappen des Erz- 
bischofs Max Gandolf mit derselben Inschrift wie bei der vorigen Glocke. — Umschrift: Joann Eisen- 
berger in Salzburg goss mich anno dni MDCLXXII. 

5. Johann der Täufer, Mutter Gottes von Maria Piain, hl. Schutzengel. — Inschrift: Max. Gand. ex Comit. 
de Kuenburg D. G. A. S. S. S. A. L. F. F. Anno Dni 1672. — Sumpt. Plainens. repar. anno dni 1770 
S. P. J. D. — Umschrift: loannes OberasCher saLIsbVrgensIs Me fVDerat. — A fulgure, grandine et 
a mala tempestate libera nos Domine Jesu Christe. 




Fig. 346 Maria Piain. QoldgesticlKte Kasel, um 1674 (S. 368) 



Pluviale. 
Intel. 



Antependien. 



Leuchter. 

Vasen. 
Ampeln. 

ülockeii. 



Turmuhr: Mit dem auf Blech gemalten Wappen des Erzbischofs Max Gandolf. 
und zum Englishen Perpentickel gemacht Johann Beutele in Salzburg (um 1780). 



Inschrift: Renoviert 



47* 



Furmuhr. 



372 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Siiperiorats- 
gebäude. 
Äußeres. 



Inneres. 



Altar. 



Gemälde. 



Fig. 317. 



Superioratsgebäude: 1676 vollendet. 

Äußeres: Einfaches, rechteckiges, zweistöckiges Gebäude mit elf Fensterachsen im S. Über der Tür 
gemalte Sonnenuhr. Blechdach. 

Inneres: Im Vorhaus Tonne mit zwei Paaren von Stichkappen. Im Erdgeschosse langer Gang, Tonne 
mit Stichkappen. Alle Räume im Erdgeschosse gewölbt mit Tonne mit Stichkappen. 

Im I. Stock langer Gang, Tonne mit Stichkappen. Am Westende Tür in Holzrahmung mit Jahreszahl 
MDCLXXV (1675). Am Ostende an der Wand die Holzfiguren des Gekreuzigten und der hl. Maria, 
Holz, neu polychromiert, gute Arbeiten; als Hintergrund Freskomalerei mit den großen Figuren der 
hl. Agnes und der hl. Maria Magdalena; oben Putti mit Baldachin, Gott-Vater. Mitte des XVIII. Jhs. — 
Daneben bemalter hölzerner Oratoriumeingang, Ende des XVII. Jhs. — Im W. kleiner Saal mit schönem, 
schwerem Kassette nplafond aus Zirbelholz (1675) und blauem Kachelofen (s. unten). 

Im II. Stock langer Gang mit schöner Stuckdecke. Sechs Felder, umrahmt von Bändern mit Perlstab 
und Wellenband. Ende des XVII. Jhs. (um 1674). 

Im II. Stock im W. Saal mit schöner Stuckdecke. Geometrische Kompartimente, umrahmt von breiten 
profilierten Bändern mit Perlstab und Wellenband, vier große Rosetten, um 1674. — Im 1. Zimmer 
daneben Holzplafond mit vertieften quadratischen und rundeii Feldern, um 1674; großer, viereckiger, 
weißer Empirekachelofen, Anfang des XIX. Jhs. Gemälde, Öl auf Leinwand, die hl. Familie, Halb- 
figuren, Ende des XVII. Jh., modern übermalt. — Fünf Aquarelle 43 x 64, St. Gilgen, Mondsee, Hohen- 
werfen, Paß Lueg; bezeichnet: Louis Wallee fecit, 1827. 

Im 3. Zimmer einfache Holzdecke; großer, weißer Kachelofen mit Rocaillen, zweite Hälfte des XVIII. Jhs. 
Im 4. Zimmer einfache Holzdecke. 

Kleiner Altar, Holz, schwarz gefaßt, mit vergoldeten Leisten. Altarbild: Maria-Einsiedeln, daneben 
St. Benedikt und Vital, oben die hl. Dreifaltigkeit. Um 1700. 
Standkruzifix und zwei geschnitzte Leuchter, um 1700. 

Gemälde: Meist Öl auf Leinwand. 1. 229 x 164 cm. Porträt des Erzbischofs Max Gandolf, des 
Erbauers der Kirche von Maria Piain; ganze Figur. Links Durchblick auf Kirche und Superiorat. Kopf 
gut, das übrige grob übermalt. Um 1674 (Saal, I. Stock). 

2. 92 >c 70 cm. Porträt. Brustbild. Erzbischof Leopold Anton Eleutherius Graf von Firniian. Schwach. Um 
1730 (I. Stock, Saal). 

3. 88 X 69 cm. Porträt des Erzbischofs Siegmund Schrattenbach. Brustbild. Mittelgut. Um 1765 
(I. Stock, Saal). 

4. 90 X 70 cm. Porträt. Erzbischof Hieronymus Graf Colloredo. Brustbild. Schwach; übermalt. Um 1780 
(I. Stock, Saal). 

5. 79 X 65 cm. Porträt. Brustbild. Kaiser Franz I. Schwach. Um 1820 (I. Stock, Saal). 

6. 61 X 46 cm. Porträt eines schwarzhaarigen Weltgeistlichen; gute Arbeit, rückwärts bezeichnet: 
f^r. Jäger piiix. 1830 (II. Stock). 

7. Tempera auf Leinwand. 180 x 120 cm. Drei kartuschenförmige Bilder. Kirchenweihe durch Erzbischof 
Max Gandolf. Übertragung des ursprünglichen Gnadenbildes in die Kirche und Einschließung desselben 
in den Hochaltar durch Erzbischof Leopold Firmian (1732). Um 1774 (vom Jubiläum) (I. Stock, Gang). 

8. Tempera auf Leinwand. 220 x 142 cm. Vier Bilder mit Szenen aus der Geschichte des Gnadenbildes 
von Maria Piain. Um 1774 (I. Stock, Gang). 

9. Sechs Stilleben, Ende des XVII. Jhs. (Gang, 11. Stiege). 

10. Großes Stilleben. In einem riesigen Früchtenkranz, der an die Arme zweier Bacchushermen gebunden 
ist, sieht man vor einem mit Wein und Speisen bedeckten Tische einen Jüngling mit Flöte (in blauem 
Frack, Dreispitz) sitzen. Gute Arbeit aus der zweiten Hälfte des XVIII. Jhs. (IL Stock, Gang). 
(Fig. 347). 

11. 105 X 150 c/H. Sieben Gemälde, die sieben Bitten des Vaterunsers; gute Arbeiten. Auf dreien Wappen, 
auf einem die Jahreszahl 1676. Z. A (Zacharias Ausweger), auf einem anderen 7677 (I. Stock, Gang). 

12. 200 >; 120 cm. Maria Verkündigung. Gut, bezeichnet: EX VOTO 1684 (Erdgeschoß). 

13. Pendant dazu, die Immakulata; rechts oben Gott-Vater, unten das kniende Stifterpaar in schwarzer 
Gewandung. Gute Arbeit von gleicher Hand, bezeichnet: EX VOTÖ 1684 (beide im Vorhaus). 

14. 68 X 52 COT. Madonna mit dem Kinde, Halbfigur. Schwach. XVIL Jh. (L Stock). 

15. 42 X 37 cm. Die Dreifaltigkeit in Gestalt eines Mannes mit drei gleichen Gesichtern. Bäurisch roh, 
XVII. Jh. (I. Stock, Saal). 

16. 136 X \\2 cm. Christus an der Geißelsäule. Mittelmäßig, Ende des XVII. Jhs. (Erdgeschoß, Gang). 

17. 157 X 101 cm. Ecce-Homo. Schwach, um 1700 (Stiege). 

18. Tempera auf Leinwand. Kopie des Gnadenbildes. Schwach. Um 1700 (I. Stock, über der Saaltür). 

19. 115 X 81 cm. Dem hl. Anton von Padua erscheint das Christkind; dahinter ein Engel. Gute Arbeit 
Anfang des XVIII. Jhs. (Stiege). 



Maria Piain 



373 



20. 140 X 90 cm. Der hl. Josef thronend inmitten eines Kranzes aus sieben roten und sieben weißen 
Rosen (die sieben Leiden und sieben Freuden des hl. Josef). Mittelmäßig, Anfang des XVIII. Jhs. (Erd- 
geschoß, Gang). 

21. 19 schwache Bilder. Öl auf Leinwand. Heilige des Benediktinerordens, Kniestücke, darunter 
erklärender Text; um 1700. Nach den aufgemalten Wappen gestiftet von Äbten der verschiedenen 
Benediktinerklöster (II. Stock, Gang). 

22. 146x70fm. Christus am Kreuze. Gut. Rechts unten bezeichnet: Eques De Röethiers inv. (et) 
pinx 1724 (I. Stock, Saal). 

23. 51 X 40. Brustbild. St. Benedikt mit dem Bilde der Madonna. Schwach, Anfang des XVIII. Jhf. 
(Erdgeschoß). 

24. Öl auf Glas. 42 X 32 cm. Halbfigur der Madonna, auf einen Spiegel gemalt. Gut. Erste Hälfte 
des XVIII. Jhs. (Erdgeschoß). 




Hg. 347 Maria Piain. Superiorat, Stilleben, zweite Hälfte des XVIII. Jhs. (S. 372) 



25. Zirka 200 X 160 rw. Gott -Vater krönt die Immakulata, ein Putto stößt der Schlange den Kreuzesspeer 
in den Rachen. Gute Arbeit. Mitte des XVIII. Jhs. (Vorhaus). 

26. 32 X 28 cm. Nachbildung der Plainer Madonna. Gering, XVIII. Jh. (I. Stock, Saal). 

27. Öl auf Porzellan. 9x8 cm. Miniatur. Halbfigur der Madonna. Gut. Rückwärts bezeichnet: Ant. 
Heller 828 fecit (I. Stock). 

28. 32 X 23 cm. Zwei Baumlandschaften, im Hintergrunde Maria Piain — Abersee. Gute Arbeiten, 
bezeichnet: A. Reiffenstuhl pinx. (Erdgeschoß). 

29. 22 X 31 cm. Genrebild. Rast am Wege. Eine Salzburger Bauersfrau mit einem Knaben steht vor 
zwei am Wegrande sitzenden Männern. Tüchtige Arbeit, bezeichnet: Carl Miliner 1847. 

30. 22 X 31 cm. Genrebild. Zwei Bäuerinnen und ein Kind unter einem Torbogen. P. J. Gries 1847 
(Wallfahrtspriester). 

31. 30 X 38. Alpenlandschaft mit Kirche; Gut, um 1840. 

32. 31 X 37 fw. Landschaft bei Sturm; mittelmäßig, bezeichnet: Ic. Gries 1846. 

Skulpturen: 1. Holzkruzifix, polychromiert. Von Franz Nissl, Anfang des XIX. Jhs. 

2. Relief, 49 X 37 cm. Gips, vergoldet, Brustbild des Kaisers Franz I.; gut, Anfang des XIX. Jhs. 



Skulpturen. 



374 



Gcrichtsbezirk Salzburg 



Wachs- Wachsplastiken: 1. Im Rahmen 22 X 27 cm. Halbfiguren des hl. Benedikt und des hl. Maurus; 
Plastiken. polychromiert. Gute Arbeiten, Ende des XVII. Jhs. 

2. Im Gehäuse 33 X 48 cm, polychromiert. Bekleidete Halbligur der Madonna mit dem Kinde. Gut, 
Ende des XVII. Jhs. 

3. Im Rahmen 29 x 39 cm. Der hl. Hieronymus in seiner Höhle. Rein weiß. Sehr feine Arbeit, um 1720. 

4. Die hl. Maria Magdalena. XVIII. Jh. — Alle in der Schatzkammer. 




Fig. 348 Maria Piain. Kachelofen, um 1675 (S. 375) 

Vnria. Varia: In der Schatzkammer vier alte Schauschränke, Holz, weiß lackiert, mit bleigefaßten Sechseck- 

scheiben. Als Aufsätze vier Gemälde: Die Erzbischöfe Max Gandolf Graf Kuenburg, Leopold Anton Graf 
Firmian, Andreas Jakob Graf Dietrichstein, Rudolf von Griming, das Maria-Plain-Bild verehrend. Ein weiß 
lackierter Schrank mit Gelb in Gelb gemalten allegorischen Bildern. Um 1750. 

Ml derSchatzkammer die Kopie des Maria-Plain-Bildes, das früher am Hochaltar hing (von Zach, s. Gesch.). — 
Tabernakel für die Monstranz, Holz, neu gefaßt. An der Tür Kruzifixus, Maria und Johannes; sehr gute 
Arbeiten, Anfang des XVIII. Jhs. An den Seiten zwei Putten mit Spiegeln. — 



Maria Piain 



375 



Ofen (Fig. 348, 349): Im Saale des I. Stockes großer rechteckiger Ofen, blau glasiert. Als Füße sechs Ofen, 

sitzende Hunde. 48 Kacheln mit der Figur eines Reiters (Kaisers), zum Teil mit den Buchstaben D Fig. 348, 349. 
oder H, S, P, M und K, in rundbogiger Umrahmung von Früchten. An den Ecken bärtige Masken und 
Cherubsköpfe. Als obere Randbekrönung 9 Akrotere mit Cherubsköpfen. Schönes Prachtstück, um 1675. 

Handschrift: Bruderschaftsbuch der Marianischen Bruderschaft in Piain 1681. Papier 195 X 310 mw. Handsclirift. 
Roter Ledereinband mit schöner Goldpressung. Am Anfang 14 Pergamentblätter mit gemalter Miniatur 
und Wappen. 1. Bruderschaftsmesse. In der Mitte der zelebrierende Priester, unten die Seelen im 
Fegefeuer. Zur Seite die Mitglieder, oben zwei Engel mit dem Gnadenbilde. Es folgen die Wappen 
und eigenhändigen Unterschriften des Erzbischofs Max Gandolf (1681), der Königin Eleonora von Polen 
(1683), des Herzogs Karl von Lothringen (1683), der Kaiserin Eleonora, der Erzbischöfe von Salzburg 
Johann Ernst (1691), Franz Anton, Leopold (1727), des Markgrafen Georg von Baden (1737, ohne 
Unterschrift), des Kardinals Josef Dominik Grafen von Lamberg, Bischofs von Passau, der Erzbischofs 




Fig. 349 Maria Piain. Detail vom Kachelofen (S. 375) 



Jakob Ernst von Salzburg (1745), Andreas Jakob (1749), Siegmund (1753) und Augustin (1834); auf Papier 
Wappen und Unterschrift des Erzbischofs Friedrich Fürsten von Schwarzenberg (1843). Weiter rückwärts 
auf Pergament Miniaturporträt und Autogramm des berühmten Kapuzinerpaters Marco d'Aviano, 1682. 

Opfergaben: Zahlreiche Opfergaben, besonders Silberfiligran-Rosenkreuze. 



Opfergaben. 



St. -Benedikt-Statue: Vor der Kirchenfront. Untersberger Marmor. Auf quadratischer Basis schön 
profiliertes Postament, darauf toskanische Säule mit der guten Statue des hl. Benedikt mit Pastorale 
und Buch. Zu seinen Füßen Wappen des Stiftes St. Peter; auf der Kartusche Vogel mit Brot. An der 
Basis der Statue eingemeißelt: P. A. S. P. (Placidus abbas S. Petri), 17Ü9. 

Hl.-Grab-Kapelle: Östlich von der Kirche, freistehend. 

Äußeres: Bruchstein und Ziegel, verputzt und gelb gefärbelt. Rechteckiger, fünfseitig geschlossener 
Bau, nach W. orientiert. Im westlichen Teile niedriger Sockel, darauf zehn toskanische Säulchen aus 
Nagelfluh (Konglomerat) mit spitzbogigen Blendarkaden. Im O. über fünf Stufen kleine Tür, darüber 



St.-Benedikt- 
Statue. 



Hl.-Orab- 
Kapclle. 
Äußeres. 



376 



Gericlitsbezirk Salzburg 



Inneres. 



breitovale Marmorkartusche mit der Inschrift: Germani fratres Carolas Francisc{us) et Caspar{üs) 
Alhert{us) L. L. B. B. (liberi barones) a Lerchenfeldt, in Gebelkhoven et Amerlandt. D. D. (domini) 
in Obernprenberg, Menckhoven, Elthamb, Mämbling, Erb- et Eckhershamb etc. Maximiliani Enianuelis 
utr(ius) Bav:(anae) et. Sup{enons) Pa/(atinatus) Ducis S. /?. J. archidap{iien) et Electoris Ser{tmss[)nii 
etc. etc., Camerarii, consiliarii Aulici et praefecti in Fridtbiirg ac Wildtshutt nionumentum hoc posiierunt 
anno MDCXCIl (1692). Darüber war ein schönes Wappen der Lerchenfeld, das 1909 gestohlen wurde. 
An den Seiten drei kleine schlitzartige Fenster. — Niedriges Blechdach, im W. sechseckiges Türmchen 
aus Holz, mit sechs durch Spitzbogen verbundenen Säulchen. 

Inneres: Vorraum, nach W. zu elliptisch abgeschlossen: Tonnengewölbe. Im W. niedriger rechteckiger 
Durchgang zur tonnengewölbten Grabkammer. In dieser an der Nordseite hinter schmiedeeisernen 
Gittern unten die lebensgroße Figur Christi im Grabe, oben die kleineren Figuren des auferstandenen 
Christus und zweier Engel (Holz, neu polychromiert); gute Arbeiten. Anfang des XVIII. Jhs. 




Piu;. 350 Maria Piain. 
Kalvarienberg, Pietägruppe, um 1730 (S. 378) 



Ursprungs- 
kapelle. 



Sogenannte Ursprungskapelle: 

Östlich neben dem Gasthause. Einfacher rechteckiger Bau mit einspringendem, halbrundem Abschlüsse. 
Bruchstein und Ziegel, hellgelb gefärbelt, Hohlkehlgesims. Im W. Tür (mit hölzernem Vorbau auf vier 
Säulen). Darüber gemalte Jahreszahl 1710, kleine Bildnische, Giebel, oben abgeplattet. Im N. und S. 
je ein großes Fenster in profilierter Umrahmung. Blechdach; über dem Giebel achteckiges Türmchen 
aus Blech. 



Inneres. Inneres: Tonnengewölbe mit zwei Stichkappen. Barockes Deckengemälde: Im Mittelfelde 
ein graubärtiger Mann kniend vor dem in einem einfachen Bretterverschläge untergebrachten Bilde der 
Plainer Madonna; darüber Glorie mit Gott-Vater und Engeln. Rings um das Bild in Nachahmung von 
weißen Stuckarbeiten dekorative Ornamentmalerei. Gute Arbeit, Mitte des XVIII. Jhs. Vor der Apsis 
schönes Eisengitter, um 1710. 

Aitnr. Altar: Über der einfachen Mensa an einem hölzernen Baldachinaufbau Kopie des Gnadenbildes von 

Maria Piain in einem von zwei Engeln getragenen Herzen aus versilbertem Holze. XVIII. Jh. 

Skuipiuien. Skulpturen: Zwei Leuchterengel, die Statuen des hl. Rochus und des hl. Sebastian, Holz, polychromiert. 
Mittelmäßig, XVIII. Jh. — Zahlreiche Votivbildchen. 



Maria Piain 



377 



Kalvarienberg: 

Am Südabhang des Berges, auf dem sich die Kirche erhebt, stehen längs des von Gebüschzäunen ein- 
gefaßten Aufganges vier Kapellen und darüber eine offene Halle mit der Kreuzigungsgruppe. Die 
Kapeilen alle aus Bruchstein und Ziegel, verputzt und hellgelb gefärbelt. 

1. Rechteckige Kapelle. Eckpilaster, Kranzgesims. Vorne große Türöffnung; schönes Eisengitter (sechs 
Reihen Wellenranken). Darüber breitovales Fenster in profilierter Umrahmung; schönes Eisengitter. — 
An den Schmalseiten oben je ein breitovales Fenster in profilierter Laibung. — Niedriges Schindel- 
dach, zwei Holzkreuze. 

Inneres: Oben profiliertes Kranzgesims (Eier- und Perlstab). Gewölbe mit zehn Stichkappen und, ver- 
tieftem rechteckigem Mittelfelde mit stukkierter Umrahmung und Rosette. 

Einfacher Altar. — Vor dekorativer Landschaft (seitlich Kulissen) Ölberggruppe, fünf lebensgroße 
Holzstatuen, neu polychromiert. Rechts Christus, kniend betend. Links oben auf einer Wolke der 
Engel mit Kelch und Kreuz. Unten die drei schlafenden Apostel. Gute Arbeiten. — Die Kapelle wurde 
1686 von der Gräfin Kuenburg erbaut. 



Kalvarien- 
berg. 




Fig. 351 Plainbrücke, 1733 (S. 378) 



2. Breitovale Kapelle, mit gerader, flachbogig übergiebelter Front an der Vorderseite. Eckpilaster, Gebälk 
mit Triglyphenfries, profiliertes Abschlußgesims. Vorne große Türöffnung, einfaches Spiralgitter. Darüber 
in profilierter Umrahmung breitovales Fenster mit rechteckiger Ausnehmung oben und unten. Darüber 
Steinwappen Kimpflern (springender Löwe, umgeben von sieben Sternen). 

An den beiden Seiten je ein breitovales Fenster. Pyramidenförmiges Schindeldach mit Kreuz. 

Inneres: An den Wänden vier Pilaster mit Triglyphenkämpfern. Profiliertes Kranzgesims. Kuppel mit 

vier trapezförmigen Kompartimenten in stukkierter Umrahmung und rundes Mittelfeld mit Rosette. 

Auf einem Holzpodium in vier lebensgroßen, neu polychromierten Holzfiguren die Gruppe der G e i ß e 1 u n g 

Christi. Gute Arbeit. — Dr. jur. Franz Kimpflern ließ diese Kapelle um 1690 erbauen. 

3. Ganz ähnliche runde Kapelle. Außen einfacher Fries. Steinwappen des Abtes Edmund Sinhuber von 
St. Peter in Salzburg. Blechdach. Innen achteckig, in die Ecken gestellte Pilaster, profiliertes ausladendes 
Kranzgesims. Kuppel mit Rosette, achteckigem Mittelfelde und acht Segmenten in stukkierter Umrahmung. 
Auf einem Holzpodium in drei lebensgroßen, neu polychromierten Holzfiguren die Gruppe der 
Dornenkrönung. — Die Kapelle wurde 1692 von Abt Edmund von St. Peter erbaut. 

XI 48 



378 



ricrichtfbezirk Salzburg 



Fig. 350. 



Wirtshaus. 



Nepoinuk- 

Statiie. 

Fig. 351, 352. 



'.ilii.-uicl<e. 



4. Breitovale Kapelle. Vorne große Türöffnung mit schönem Eisengitter wie bei 1. Darüber Oberlicht- 
fenster in Form eines Kreisabschnittes; schönes Eisengitter. An den Seiten je ein breitovales Fenster in 
profilierter Umrahmung. Lisenen, profiliertes Kranzgesims. Blechkuppel, Kreuz. 

Inneres: Oval. Vier Pilaster mit Kämpfergesimsen, profiliertes Kranzgesims. Elliptische Kuppel mit 
ovalem Mittelfelde und acht stukkierten kreuzförmigen Bändern. 

Auf Holzpodium in drei lebensgroßen Figuren, Holz, neu polychromiert, Gruppe der Kreuztragung: 
Christus fallend, Simon von Cyrene, Veronika mit Schweißtuch. Gute Arbeiten. — Die Kapelle ließ Abt 
Anselm von Garsten um 1690 erbauen. 

5. Über den vier Kapellen auf der Höhe hohe offene Halle. Vier 
perspektivisch (im Grundriß trapezförmig) angeordnete Pfeiler 
aus Nagelfluh (Konglomerat) mit hohen Postamenten und pro- 
filierten Gesimsen tragen ein Holzdach mit Dreiecksgiebel an 
der Vorderseite; Flammenurne. 

Kreuzigungsgruppe, sechs Statuen, Holz, neu polychromiert: 
Christus und die beiden Schacher am Kreuze, sehr gute Arbeiten, 
um 1692. Unten Maria, Johannes, Magdalena, schwächere und 
jüngere Arbeiten, Anfang des XIX. Jhs. Lebendes Gebüsch bildet 
den Hintergrund. 

6. Am Ende des geraden Weges hinter dem Kreuzigungstempel 
breitovale Kapelle mit vorgelegter gerader Giebelfront. Sockel. 
Vorne flankierende Eckpilaster mit verkröpften, profilierten Ge- 
simsen. Umlaufender Triglyphenfries. Ausladendes, profiliertes 
Abschlußgesims. Vorne auf drei Stufen aus Nagelfluh große Tür- 
öffnung mit schönem Eisengitter. Darüber auf Volutenkonsoleii 
profilierte Giebelverdachung; im Giebelfelde stukkiertes Band- 
ornament. Als Abschluß der Front Dreieckgiebel mit Doppel- 
wappen Stift Gleink-Freyssauff aus Untersberger Marmor. An 
den Seiten je ein breitovales, oben und unten rechteckig aus- 
genommenes Fenster. Blechkuppel, Kreuz. 

Inneres: Vier Pilaster mit Kämpfergesimsen. Profiliertes Kranz- 
gesims, gegenüber der Tür unterbrochen. Kuppel, durch stukkierte 
Bänder in ein rundes Mittelfeld und vier Segmente geteilt. 
Auf Holzpodium in fünf lebensgroßen Figuren vorzügliche Gruppe 
der Pietä mit einem Engel und zwei Putten (Fig. 350). Darüber 
an der Wand auf Wolken fünf trauernde Putti. Alle aus Holz, 
neu polychromiert. Dekorativer, gemalter Hintergrund, ganz neu 
übermalt. — Die Kapelle wurde von Rupert II. von Freyssauff, 
Abt von Gleink (1709—1735), gebaut. 

Wirtshaus: Dieses Haus diente ursprünglich als Priester- 
wohnung und wurde, nachdem die Patres das Superioratsgebäude 
bezogen, zu einem Gasthause umgestaltet. 1687 wurde es neu 
gebaut. 

St. -Johann-von-Nepomuk-Statue (Fig. 351 , 352) : Auf 
der alten, aus Konglomeratquadern erbauten einbogigen PI a in- 
brück e. In der Mitte der westlichen Brüstung auf vorsprin- 
gendem Sockel Marmorpostament mit dem bescliädigten Relief- 
wappen des Erzbischofs Leopold Anton Freiherrn von Firmian. 
Darauf die lebensgroße Marmorstatue des Brückenheiligen, eine 

Arbeit des Salzburger Bildhauers Johann Anton Pfaffingerum 1 733 ; signiert /. A. Paffinger (sie !). 
Am Mittelquader der östlichen Brückenbrüstung die eingemeißelte Jahreszahl 7755. 
Unweit davon der achte Stationspfeiler des Kreuzweges nach Maria Piain (s. unten). 

Bildstöcke: 1. In Salzburg am Beginn der Plainstraße (beim Hause Nr. 1). In der Wiese neben dem 
Wege (an Stelle des „Bayr. Platzls"?, vergl. Richtf.r, Untersuchungen S. 727). Konglomerat. Oblonger 
I^icilcr mit Postament, kräftig ausladendem Gesimse und kugelbekröntem Volutengiebel. In der rund- 
bogigen Nische modernes Bild der Mutter Gottes von Maria Piain. Anfang des XVIII. Jhs. (Fig. 353). 
Unweit davon ein Pfeiler des Kreuzweges von Maria Piain (s. S. 379). 

2. In einem von einem Fichtenzaune eingefriedeten kleinen Platze, von vier jungen Linden umgeben, 
neben dem Hause Plainbergstraße Nr. 2 (unweit der Plainbrücke). Heller Untersberger Marmor. Auf 




Fig. 352 Statue des hl. Joliann von Nepomul« 

auf der Plainbrüci<e, von J. A. Pfalfinger, 1733 

(S. 378) 



Maria Piain 



379 



abgestuftem Postament ein dünner schlanker Pfeiler mit einer Frontalvolute als Basis. Darauf ein 
ovaler Marmorrahmen um das auf Blech gemalte erneuerte Plainer Mutter-Gottes-Bild, mit drei Cherubs- 
köpfchen oben und zwei unten. Darauf Stern mit Strahlenkranz (Metall). Auf der Rückseite Gebets- 
inschrift und die Jahreszahl 1738. 

Stationsweg: Am Wege von Salzburg nach Maria Piain stehen 15 Tabernakelsäulen aus Konglomerat Kreuzweg. 
(Nagelfluh), alle von gleichem Typus: Über Würfelsockel prismatischer Pfeiler mit vier Horizontalfugen, 
darauf über Gesims Rechtecktabernakel, verdacht mit Wellenbogengiebel. Die Bilder (die Rosenkranz- 
Geheimnisse darstellend) sind zum Teil modern erneuert. 

Am Ende dieses Kreuzweges, kurz vor dem Kalvarienberg von Maria Piain, steht eine größere Bildstock- 
säule aus Konglomerat: Auf würfelförmigem Postament ein mannshoher prismatischer Pfeiler mit pro- 
filiertem Basis- und Kapitälgesimse, darauf ein rundbogig geschlossenes Tabernakel mit dem modern 
erneuerten Bildnis der Mutter Gottes von Maria Piain. Aus der auf Blech gemalten, modern erneuerten 
Inschrift am Pfeiler geht hervor, daß eine sündige Person in der Stadt im Jahre 1705 diese 15 Ge- 
heimnis-Säulen gesetzt hat, zum Danke dafür, daß Salzburg von dem verderblichen Kriegsfeuer im 
.lalire 1704 verschont blieb und von den Schrecknissen, die der am 26. Dezember 1686 erschienene 
Komet anzeigte {eine schreckliche Ruthe, am Firmament des Himmels ausgestreckt). 

Am Hause Nr. 31 unterhalb Maria Piain ist ein Relief aus gelblichem Marmor eingemauert: Kartusche 
mit Wappen zwischen zwei Vohitengiebelansätzen, darüber Cherubskopf. Um 1700. 

Nördlich neben der Kirche zwei alte Verkaufsbuden, kleine Häuschen mit weit vorspringenden Vcrkaufs- 
Hlechdächern. Das größere hat eine Wandgliederung durch Holzpilaster mit großen Volutenkapitälen. budcn. 

Das Mesnerhaus ist ein einfacher Bau mit Blechdach und polygonalem, türmchenartigen Rauchfange. 



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Fig. 353 Plainweg. Bildstock, um 1705 (S. 378) 



48* 



380 



Gi'riclitsbuzirk Snizburg 







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Fig. 354 Maxglan. Gesamtansicht mit dem Hoiiun Gull und Untersberg (S. 382) 



Maxglan, Dorf 

Arcliivalicn: Archiv des cliem. Augustincrl^losters Miillii (Kirchenreclinungen 167911. [mit Lücken] und Akten). - Konsistorialarcliiv. 

Literatur: Hübner, Beschreibung der Stadt Salzburg 1. — Piilwein, Salzaclikreis 333. 

Die zahlreichen Römerfunde (angeführt bei PILLWEIN a. a. O.) und die 1894 hier zutage geliommenen Schmucligegen- 
stände (vermutlich aas merovingischer Zeit, vgl. Jahresbericht des Mus. 189.5 S. XV und Taf. I) deuten auf eine größere 
Ansiedlung in unseren ersten Jahrhunderten hin, so daß die Vermutung, jene Basti i/ia, die der hl. Severin „iuxta oppidum 
Joviaco' besuchte, sei in M. zu suclien, nicht der Berechtigung entbehrt. Unter den ersten Gittern, die der hl. Rupert von 
Herzog Theodo erhielt, befanden sich auch „in villa que dicitur Glana tributales manentes in coloniis XIIII." Zu Oatilos 
Zeit (vor 748) gab der Edle Ogo von seinem Eigen „in loco diclo ad Glana casum et curtem suam cum alio appendicio 
suo super rivolum Glane" (HAUTHALER, U.-B. 1, 19 und 3.3), wobei es in diesen Fällen allerdings zweifelhaft ist, ob es 
sich um Maxglan oder das nahe Glanhofen handelt. „Ad Glana (Glän) duo loca" werden aucli 987 genannt (a. a. 0.254). 

Pfarrkirche. Pfarrkirche zum hl. Maximilian. 

Eine Kirche bestand hier jedenfalls schon in der ersten christlichen Zeit, wenn auch die älteste Nachricht 
über die Kirche erst aus dem Jahre 1323, wo ein hub und ein paumgarten ze Olan bi der chirchen ge- 
nannt werden (Museum Salzburg, Bürgerspitalurkunde Nr. 4), stammt. In späterer Zeit gehörte sie dem 
seit 1461 als Kollegiatstift, seit 1605 als Augustinereremitenkloster bestehenden Stifte MüUn, von dem 
sie erst 1907 bei Errichtung der selbständigen Pfarre losgelöst wurde. 

Am 6. Mai 1519 weihte (reconciliata et inuncta) Bischof Berthold von Chiemsee die Kirche 5. Maxi- 
miliani una cum cimiterio sub limitibus ecclesiae parrochialis in Molendinis sita penes Salzeburgam. 
Den Archivalien entnehmen wir: 

1680: Hans Caspar A in hörn von einem silber- und vergoldten Deckt auf das Ciborium und ein 
silbernes Speisliapsl 8 fl. 18 kr. 3 ^. — 1682: dto umb ain neu silber- und Übergottes Ciborium 25 fl. 
Wilhelm Fai stcnp erger. Mahlern, 30 fl. Für 6 Paar schwarze hölzerne Leuchter 3 fl. 6 kr. — 
1686: Dem Maler für 2 Seitenaltäre zu fassen 150 fl. Ruepp Sc ha i d e r, Bürger und Tischler, 64 fl. 



I 



M;ixglan 381 

Bei Auf Satzung der 2 Seitenaltäre ist in Drunk erloffen 1 fl. — 1687/88: Johann Fridterich 
Perreth, Mahler, legt Rechnung: Zu dem lobwirdtigen Gottshaus S. Maximiliani hab ich Entsbenanter 
gemacht wie hernach folgt: alles nemblidien 2 große Altarblatl sambt den 2 kleinern in die Höche, 
für Alles 35 fl., mehr für den Gesöllen ein Trinkgelt 30 kr., Summa 35 fl. 30 kr. 
Anno 1687 hab ich Entsunderschribner den Aigner, Bilthauer, für die Bitter zu Maximilian auf der 
Borkhirchen lassen geben 10 fl.; für das herausfassen 6 fl. Baltasar Böc kl Alaler. 

Kirchenrechnung 1687: Baltasar Böckl für die auf die Parkirchen gemacht und gefasste 2 Pilder 
16 fl. — Ruepp Haider, Burger und Tischler, für das Greiz zu dem Christus und die Postament zu 
U. L. Frau und St. Johanns 2 fl. 

1689: Für Beschlagung eines Missales der Catharina Ainho min, Goldschmiedswitwe 3 fl. 26 kr. — 
1690 wird der Turm umgebaut: Die völligen Pauunkosten des neugemachten Thurn betreffen 217 fl. 40 kr. 
Dem Andre Dobler für einen von weißem Marmel gemachten Weihbrunnstein 15 fl. 
Baltasar Pöckl, Bürger und Maler, quittiert: U. L. Fr. am Hochaltar und dem Kindl beyden 
das Gesicht gefasst und die Cron mit gutem Gold vergoldt, auch auf dem Choraltar den Schein aus- 
gebessert 1 fl. 36 kr. Mehr den Deckel auf dem Weidibrunnstock gemahlen und 2 Bildnusse S. Maxi- 
miliani 1 fl. 9 kr., zus. 7 fl. 51 kr. 

Des Handwerker Verdienst bey den neuen Glockenstuhl 9 fl. 52 kr. 

1691 : Uncosten auf die Maurer, Zimmerleut und Tagwerker des Gebeus der Sacristey 75 fl. 1 kr. — 
1692: Hans Sc hwabl, Bürger und Steinmetz, 13 fl. 50 kr. — 1693: Frau Ainho min für ein 
Crisampixen 4 fl. 30 kr. Dem Steinmetz 108 fl 10 kr. — 1694: Andre Doppler, Steinmetzmeister, 
macht das Kirchenpflaster. — 1739 wurde das Bild der hl. Notburga am Epistelseitenaltar in Tirol 
gemalt (Pillwein). — 1753: anheuer ist das löbl. Gottshaus genzlich renovirt worden um 411 fl. 11 kr. — 
1762: Zu dem neuen Tabernacl sambt Canontafl haben die Guttäter beigetragen 65 fl., das Gottes- 
haus 73 fl. 45 kr. für einen neuen Kelchkasten 13 fl. 33 kr. für eine neue Sakristeytür 26 fl. 19 kr. 
1763: Die Schmidtarbeit wegen des neuen Gatters in der Todtenkapellc und der neuen Kirchenthür 

19 fl. 38 kr. — 1765: für einen neuen Kelch 65 fl. — 1766 wird die Kirchentür zurückgesetzt. — 
1768: Dem Zinngießer für die Leuchter und Gießböck 8 fl. 50 kr. — 1772: Für die 2 Statuen auf dem 
Magdalenenaltar dem Bildhauer 18 fl., dem Maler 12 fl. Dem Schlosser für gemachte 2 neue Gatter 
auf den Chor mit Abzug eines alten 41 fl. 45 kr. 

1774: Neuer Hochaltar. Jakob Mösl, Hoff- und bgl. Steinmetzmeister, quittiert: Heint dato den 
23. October 1774 hab ich Endesunderschriebner wegen des von Marmor errichten neuen Altar zu 
Maxglan empfangen 340 fl. 
Johann G eorg Hitzl, bgl. Bildhauer alhie, quittiert am 6. Dezember 1774: Erstlichen 2 Figuren 

20 fl., mehr 2 Engten sambt dem Gewölk 14 fl., 2 Kapitel auf die Säulen und Schafgsimbs 10 fl. 
Mehr 2 Tragstein Zierrathen und Laubwerch auf dem ganzen Altar geschnitten, vor diese Zierarbeith 
22 fl. zus. 60 fl. — Dem Josef Miller, Hofvergolder, 112 fl. 

Im Jahre 1787 bestanden vier Altäre: 1. Der Hochaltar; 2. auf der Evangelienseite mit einem gemalten 

Bilde; 3. auf der Epistelseite mit einer Statue des leidenden Heilandes, die aus einer Feldkapelle hierher 

gebracht wurde; 4. auf der fensterlosen Seite (wegen der Sakristei) mit einem Bilde der hl. Notburga. 

Es wird nun der Vorschlag gemacht, um diese Ungleichheit zu beseitigen, dieses Notburgabild auf den 

dritten Altar zu versetzen. Dieses wird am 11. Juni 1787 bewilligt und als Oberblatt des Notburga- 

altars, wo bisher der hl. Feierabend war, statt dessen (im Zeitalter der Aufhebung der Feiertage und 

des Feierabends!) ein Bild der schmerzhaften Mutter Gottes durch den bürgerlichen Maler Josef 

Ramsperger um 5fl. gemalt. — 1816 wird der Kreuzweg eingeführt. 

Charakteristik: Einschiffige gotische Anlage mit einspringendem Chor und Westturm, 1516—1519. Charakte- 

spätgotisch eingewölbt (im Langhaus vier Joche mit innen eingezogenen Strebepfeilern). Der Westturm '■'^''''■ 

wurde 1690 umgebaut, die Sakristei 1691 neu gebaut. Die alten gotischen Fenster wurden in der 

Barockzeit alle in rundbogige umgewandelt (Fig. 354—358). Fig.354— 358. 



382 



QeTiclitsbezirk Salzburg 



Äußeres. 
Fig. 354, 355. 

Langhaus. 



Äußeres (Fig. 354, 355): 

Bruchstein und Ziegel, verputzt und gelb gefärbelt. 

Langhaus: W. Dreiecksgiebelfront mit vorgebautem Turme. — S. Links Anbau 1. Oben vier rund- 
bogige Fenster; zwischen den beiden rechten stark verwittertes Wandgemälde, der hl. Christoph (XVIII. Jh.). 
Darunter eingemauert ein plumpes S t e i n r e 1 i e f (zwei durch eine Achse verbundene achtspeichige Räder), 
dessen Bedeutung und Alter unklar ist. — O. Dreiecksgiebelfront mit vorgebautem niedrigem Chor. Oben 
Luke und Stein mit der Jahreszahl 1516. — N. Sakristeianbau. Rechts große rechteckige Tür in Stein- 
rahmung, darüber Schutzdach und rundbogiges Fenster. Am Eck Stützmauer. Im S., O. und N. um- 
laufendes gotisches Hohlkehlgesims aus Stein. Steiles Schindelsatteldach. 




Fig. 355 Maxglan. Pfarrl<irclie, Ansicht von Südosten (S. 382) 



Chor. 



S:tkrisu i 



Turm, 



Chor: Fünfseitig, Gesimshöhe wie am Langhause, Firsthöhe niedriger. Hoher Konglomeratsockel; darin 
im S. unten Tür zur Krypta, im O. polygonales Weihwasserbecken und quadratisches Kryptafenster. Oben 
vier rundbogige Fenster. Gotisches Hohlkehlgesims aus Stein. Schindelsatteldach, nach O. abgewalmt, 
mit Blechknauf und Kreuz. 

Sakristei: Im N. des Langhauses, um die Hälfte niedriger. Konglomeratsockel. — O. Auf fünf Stufen 
Tür mit Oberlichtfenster in Steinrahmung. Daneben steinerner Wasserablauf. — N. Zwei quadratische 
Fenster in Steinrahmung. Halbes Schindelpyramidendach. 

TuriTi: Dem Langhaus im W. vorgebaut. Hoher Konglomeratsockel. Drei, durch gotische, steinerne 
Kaffgesimse getreinite Geschosse, Ecklisenen in Putz, einfaches Kranzgesims, darüber auf jeder Seite 



Maxglan 



383 



ein hoher Dreiecksgiebel. Im N. eine, im W. zwei, im S. vier Luken. Vier ein- 
fache rundbogige Schallfenster mit hölzernen Balustraden. In den Giebeln im 
N., O. und S. je ein quadratisches hölzernes Zifferblatt. Spitzer, achtseitiger, pyra- 
midaler Schindelhelm mit Knauf und Hahn. 

Vorbau: Im S. des Langhauses. Im W. dreiseitiger Abschluß. Im S. Tür und 
drei Fenster. Blechdach. 

Fried hofmauer: Bruchstein, mit Steinplatten abgedeckt. Im SO. einfacher 
Stiegeneingang zwischen zwei gemauerten Pfeilern. 




Fif. o57 Maxghiii. Piarrkirclio, Ungenschnitt 1:250(8.383) 



Einheitlicher gotischer Innenraum 
mit ziemlich niedrigem Gewölbe, 
neu ausgemalt. Fußboden aus 
roten Marmorplatten. 

Langhaus: Im N. und S. je 
vier tief eingeschnittene spitz- 
bogige Wandnischen, gebildet 
durch die innen angebrachten 
Strebepfeiler. Gotisches Netz- 
gewölbe mit beiderseits gekehl- 
ten und geschrägten Rippen, die 
an den stark vorspringenden 
Wandpfeilern auf einfachen Kon- 
solen aufsitzen. ImW. eingebaute 
Musikempore (Holz mit Stuck- 
überzug) mit flachem Boden und 
geschwungener Brüstung, daran 
stukkierteMusikinstrumente. Dar- 
unter im S. rundbogige Tür zur 
Vorhalle, im W. flachbogige zur 
Turmhalle mit einfachem Eisen- 
gitter von 1763, im N. rechteckige 
Tür. Die Fenster haben ab- 



Vorbaii. 

Fricdliof- 
mauer. 



Inneres. 
Fig.356-358. 



Langliaus. 



384 



Gerichtsbezirk Salzburg 



geschrägte Laibungen und ornamentale Glasmalereien von 1882, 1884. Im N. im dritten Joche Sakristei- 
und Kanzeltür. Der Boden des östlichsten Joches ist um eine Stufe erhöhl. Im O. große Spitzbogen- 
öffnung zum Chore mit abgeschrägter Laibung. 

Chor. Chor: Um zwei Stufen erhöht. Gotisches Rippengewölbe mit fünf spitzbogigen Stichkappen. Die Rippen 

(wie im Langhause) sitzen in mittlerer Wandhöhe auf kleinen Konsolen. 

Turm. Turm: Im Untergeschoß unregelmäßiges Gewölbe, vom Steinstiegenaufgange durchbrochen. 

Sakristei. Sakristei: Flachgedeckt. 

Vorhalle. Vorhalle: Flachgedeckt. Vorder alten Totenkapelle einfaches Eisengitter von 1763. Marmorne Weih- 
wassermuschel, XVII. Jh. 




Fig. 358 Maxglan. Piarrkirclie, Inneres (S. 383) 



Einrichtung. Einrichtung: 

Altäre. Altäre: 1. Hochaltar (Fig. 359). Freistehend, aus verschiedenfarbigem Marmor. Tumba aus rotem 

Hochaltar. und gelbem Marmor, vorne Kreuz. Aufbau: Über der Predella Altarbild in geschwungenem Marmor- 

Fig. 359. rahmen, flankiert von zwei Säulen mit Kompositkapitälen aus vergoldetem Holze. Rundbogiger Giebel, 

geschwungener Aufsatz. — Diesen Marmoraufbau machte 1774 der Hofsteinmetzmeister Jakob Mösl. 

Altarbild: Die hl. Maria, von Engeln und Putten getragen, emporschwebend; oben die hl. Dreifaltigkeit. 

Aufsatzbild: St. Maximilian (Halbfigur). Beide Öl auf Leinwand, gut, 1774. 

Zwei Statuen, St. Augustin und S. Monika; auf den Voluten über den Säulen zwei sitzende Putti, Holz, 

polychromiert. Gut, von Johann Georg Hitzl, 1774. 

Großes, mit Rocaillen verziertes, ganz vergoldetes Holztabernakel; am Türchen in Relief das Abendmahl. 

1762 aufgestellt (s. S. 381). 

)c:lenaii;iic. Zwei Seitenaltäre, im Aufbau einander gleich. Holz, braun lackiert, mit vergoldeten Zieraten. An 
den Mensen die Monogramme Jesu und Maria in Rocaillenkartuschen. Über der Predella Altarbild, von 
zwei Säulen flankiert, verkröpftes Gebälk mit flachbogigen Giebelansätzen, Aufsatz mit ovalem Gemälde. 
Die beiden Seitenaltäre stammen im Aufbau aus dem Jahre 1686. 



l-iiikcr 2. Linker S c i t e n a 1 1 a r. Altarbild : 

Seitcnaltar. Aufsatzbild: St. Nikolaus. Beide Öl au 



Die büßende hl. Maria Magdalena; rechts ihre Himmelfahrt. 
■ Leinwand, schwache Arbeiten von J. F. Pereth, 1687. 



Maxglan 



385 



Zwei Statuen, St. Thomas von Villanova und St. Johannes von Facundo (von J. G. Hitzl, 1772) und 
zwei sitzende Putti (von 1687), alle vier Holz, polychromiert. 

3. Rechter Seitenaltar. Altarbild: Die hl. Notburga, von Putten umgeben, 1739. — Aufsatzbild: 
St. Leonhard, 1687. Öl auf Leinwand, schwache Arbeiten. 

Zwei Statuen, St. Wilhelm (Mönch mit Fahne) und St. Klara (Nonne mit Goldherz und Geißel) von 
J. G. Hitzl, um 1772. Zwei Putti, um 1687. Alle Holz, polychromiert. 



Rechter 
Seitenaltar. 




Fig. 359 Maxglan. Pfarrkirche, Hochaltar von 1774, Tabernakel von 1762 (S. 384) 

Kanzel: Holz mit weißem Stucküberzug. Mit guten Stukkaturen verziert. An der Brüstung ein paar Kanzel. 

Cherubsköpfchen. Am Schalldeckel unten die Taube, oben zwei Vasen, ein Cherubskopf und ein Putto. 

Schöne Arbeit, um 1760 (Fig. 360). Fig. 360. 

Tauf stein: Als Fuß ein überarbeitetes umgestürztes Kelchkapitäl aus weißem Marmor, das sich in der Taufstein. 
Kirche befunden hatte, aber anscheinend nicht aus ihr stammt (XIII. Jh.). Achtseitiges Becken aus rot- 
weiß gesprenkeltem Marmor (ursprünglich Weihwasserbecken). Die jetzige Zusammenstellung ist modern 

Weihwasserbecken (mit Opferstock): Gelber Marmor. Aufgegliedertem prismatischem Fuß ovales Weihwasser- 
Becken. 1690 von Andreas Dobler gemacht (vgl. S. 381). becken, 



XI 



49 



386 



Gerichtsbezirk Salzburg 



Si<ulpturen: Skulpturen: Holz, polychromiert. 1. Auf Konsole im Langhause Statue der Mutter Gottes mit dem 
Kinde, mit gotischen Nachklängen. XVII. Jh. 

2. An der Nordwand im Langhause auf einem Stuckpostament von zirka 1790 großes Kreuz mit der gut 
geschnitzten lebensgroßen Figur des Gekreuzigten. Um 1687. 

3. In einer Nische der Nordwand des Langhauses Statue Christi neben marmorner Geißelsäule. Gut, 
XVIIL Jh. 

4. Auf Konsole im Langhause Statue der hl. Anna mit der kleinen hl. Maria. Mitte des XVIII. Jhs. 




Fig. 360 Maxglan. Pfarrltirche, Stucltl<anzel, um 1760 (S. 385) 



:ir:iidr. 



5. Zwei Statuen, die Apostel Petrus und Paulus. Gut, XVIII. Jh. (jetzt am Dachboden). 

6. Prozessionskruzifix. XVII. Jh. 

7. Kleines Wandkruzifix. XVIII. Jh. (Sakristei). 

8. Haibfiguren der Hl. Pankraz und Maximilian. XVIII. Jh. (Sakristei). 

9. Statuette des auferstandenen Heilandes. XVIII. Jh. (Sakristei). 

10. Ein kleineres und ein größeres Standkruzifix. XVIII. Jh. (Sakristei). 

11. Tragkruzifix. XVII. Jh. (Dachboden). 

Gemälde: Öl auf Leinwand. 1. Schmerzhatte Mutter Gottes (Halbfigur). Von J. Ramsperger, 1787. 

2. 14 kleine schwaclie Kreuzwegbilder von 1816 in geschnitzten Rokokorahmen. 

3. Zwei ovale Bilder, St. Florian mit Engel und Putten, St. Rochus. Mittelmäßig, XVIII. Jh. (Dachboden). 

4. Maria mit dem Kinde (S. Maria ad Sanguinem), 1635. Alter Holzrahmen (Vorhalle). 

5. Maria vom guten Rat, in geschnitztem vergoldetem Holzrahmen. Mitte des XVIII. Jhs. (Sakristei). 



Maxglan 



387 



Zwei Opferbüchsen: Schmiedeeisen, mit gemalten Schilden. XVIII. Jh. Opferbüchsen. 

Gitter: Unter der Empore schmiedeeisernes Gitter in der ganzen Breite des Langhauses. XVIII. Jh. Güter. 

Monstranz: Silber, vergoldet, reich verziert in getriebener Arbeit mit asymmetrischen Rocaillen und Monstranz. 
Rosen. Dreimal kräftig abgestufter Fuß, dreiseitiger vasenförmiger Knauf. Um das Gehäuse dreifache 
Umrahmung, zwei durchbrochene Rocaillenrahmen mit unechten grünen und roten Steinen, Strahlenkranz 
mit Kreuz. — Marken: Augsburger Beschau mit Jahresbuchstaben R (1765 — 1767; R- 206). Meister- 

/-* T 

zeichen: „ in Dreipaß (R^ 553). Sehr schöne 

Arbeit von Georg Ignaz Bauer in Augs- 
burg, um 1765 (Fig. 361). Fig. 361. 

Ziborium: Cuppa Silber, vergoldet, alles Ziborium, 
übrige Messing, vergoldet. Der hohe, kräftig 
abgesetzte Ful3, der achtseitige Knauf, Cuppa- 





Fig. 361 Maxglan. Pfarrkirche, 
Monstranz von G. J. Bauer in Augsburg, 1765 (S. 387) 



Fig. 362 Maxglan. Pfarrkirche, 
Ziborium, um 1800 (S. 387) 



korb und Deckel sind in getriebener Arbeit verziert mit Kartuschen aus Blattwerk und Lorbeerkränzen, 
darin am Fuße Trauben und Rosen. Gute Arbeit vom Ende des XVIII. Jhs. — Aufgesetzte Krone mit 
unechten Steinen (Fig. 362). 

Kelche: 1. Silber, vergoldet. Fuß reich getrieben mit Muschelwerk und drei Paaren von Cherubs- 
köpfchen in Kartuschen. Am Knauf drei Muschelkartuschen. Cuppakorb ähnlich wie der Fuß. — Marken: 
Salzburger Beschau. Unkenntliches Meisterzeichen. Unten am Fuße gravierte Inschrift: Sacro sanctus 

49« 



Fig. 362. 
Kelche. 



388 



Qcriclitsbczirk Salzburg 



Fig. 363 ft. 



Fig. 363 rt. 



Fig. 363 c. 

Kreiizpartikel- 
monstranz. 

Bittgangs- 
kreuz. 

Weihraucli- 
schiffchen. 



saiiguis Christi in calice hoc offerendus cedat in remissioneni oninium peccatorum Maria Elisabetha 
Huberin et totius Familiae MDCCXIII. — Sehr schöne Salzburger Arbeit, um 1713 (Fig. 363 Z>). 

2. Silber, zum Teil vergoldet, reich getrieben. Am Fuße sechs Sektoren mit symmetrischen und asym- 
metrischen Rocaillen. Am dreiseitigen Knauf Rocaillen. Cuppakorb ähnlich wie der Fuß. — Marken: 

Tittmoninger Beschau. Meisterzeichen: ^ .. Gute Arbeit des Johann Caspar Lack n er in Titt- 

moning (1713—1752), um 1750 (Fig. 363«). 

3. Fuß Kupfer, vergoldet, Cuppa Silber, vergoldet, getrieben, mit Empireornamenten. Am Fuß unten die 
gravierte Inschrift: Georg Oschwendner Mesner 1801. Gute Arbeit (Fig. 363c). 

Kreuzpartikelmonstranz: Kupfer, vergoldet, mit getriebenen Rocaillen. Mitte des XVllI. Jhs. 
(Authentik von 1725). 

Bittgangskreuz: Silber, einfach. — Marken: Salzburger Amtszeichen von 1832. Meisterzeichen: R F. 

Weihrauch Schiffchen: Silber, mit getriebenen Zweigen verziert. XVIII. Jh. 




Fig. 363 Maxglan. Pfarrkirche, Kelche. 
a Von Joh. Caspar Lackner in Tiltmoning. b Salzburgisch, um 1713. c Von 1801 (S. 388) 



Kasein. 



Sakristei- 

KaiiiiiiUu'clr 
I.e'.iclner. 



Kasein: 1. Gelbe Seide mit bunten Blumen, gewebt. XVIII. Jh. 

2. Gelbe Seide mit roten Blumen und grünen Blättern, gewebt. XVIII. Jh. 

3. Alte Seitenteile: Weiße Seide mit buntem Blumenmuster, gewebt. XVIII. Jh. 

4. Bunte Seidenstickerei, auf neue weiße Seide übertragen. Erste Hälfte des XIX. Jhs. 

5. Alte Seidenstickerei, auf neue weiße Seide übertragen. Ende des XVIII. Jhs. 

Sakristeikasten: Holz, mit Bandwerk bemalt. Am Aufsatze Halbfigur des hl. Bischofs Maximilian 
(Holz, polychromiert). 1762. 

Kanontafeln: Eine Garnitur, Holz, vergoldet. Um 1790. 

Leuchter: 1. Sechs große dreifüßige Leuchter, Messingblech, versilbert, mit getriebenen Akanthusranken 
und je sechs Cherubsköpfchen. Ende des XVII. Jhs. 

2. Sechs große dreifüßige Hochaltarleuchter, Messingblech, versilbert, mit getriebenem Bandwerk. Um 1730. 

3. Sechs dreifüßige vergoldete Holzleuchter, geschnitzt. Anfang des XVIII. Jhs. 

4. Zwei Garnituren von je vier geschnitzten Seitenaltarleuchtern, Holz, vergoldet. Mitte des XVIII. Jhs. 



Maxglan 



389 



Varia: 1. Vier Vasen, Messingblech, versilbert, mit getriebenen Rocaillen. Mitte des XVIII. Jhs. 

2. Sechs kleine vergoldete Flammenurnen mit geschnitzten Rocaillen, Holz, vergoldet. Mitte des XVIll. Jhs. 

3. Kreuz mit Rocaillen und Strahlenkranz. Kupfer, vergoldet und versilbert, getrieben. Mitte des XVlll Jhs. 

4. Zwei Reliquiare in schön geschnitzten vergoldeten Holzrahmen. Mitte des XVlll. Jhs. 

5. Kleines Standkruzifix mit vergoldetem Postament, Holz. XVIII. Jh. 

6. Kleines Tabernakel für den Kreuzpartikel, Holz, vergoldet. Erste Hälfte des XVIII. Jhs. 

Grabsteine: 1. Außen im O. des Langhauses kleiner Grabstein. Oben in grobem Relief zwei kniende 
Paare beiderseits eines Kruzifixes. Riipreht . . . 1670. 
2. In der Vorhalle. Georg Hasenerl, Tradtziecher, 1737. 

Glocken: 1. Umschrift in gotischer Minuskel: o lex glorie veni cum pace. anno domino (!) mxxxxll iar 

(1542). 

2. Drei Glocken von 1909. 

Am Mesner haus neben der Kirche die Jahreszahl 1652. 

Johann von Nepomuk-Statue: Auf der Steinbrücke östlich der Kirche. Auf Konglomeratsockel 
Marmorbasis und schwache Marmorstatue des Heiligen. XVIII. Jh. (Die Statue stand ursprünglich in 
Salzburg in der Nähe des Künstlerhauses und wurde erst 1873 hierher versetzt.) 

Kreuzwegsäule: An der Straße zum St. Johannisspital. Elliptische Säule mit großem Reliefkreuze' 
darauf größeres Tabernakel, darin in rundbogiger Nische die auf Blech gemalte Figur Christi im Spott- 
mantel. Darunter eingemeißelt: 1709. 

Bildstöcke: 1. In der Rochusgasse, vor dem Hause Nr. 48, 1889 erbaut. In der tiefen vergitterten 
Nische ein Miniaturhochaltar aus Holz mit zwei guten kleinen Ölbildern auf Leinwand: a) Himmelfahrt 
und Krönung der hl. Maria, b) Der hl. Aloisius. Neben den beiden Säulenpaaren zwei Statuetten des 
hl. Sebastian. Das ganze Altärchen salzburgisch, um 1760. 

2. Am Beginne der Maxglaner Hauptstraße, neben der Glanbrücke kleiner Holzbau mit der großen Holz- 
statue des hl. Johann von Nepomuk. XVIII. Jh. 

3. Deggendorfische Hauskapelle in der Villastraße. Flachbogig abgeschlossener kleiner Bau mit zwei 
toskanischen Säulen aus Höglauerstein an der Vorderseite. Vorspringendes Gesims, Schindeldach. Vor 
der großen Rundbogennische Eisengitter von 1741, N. H. In der Koncha übermaltes Wandgemälde, 
hl. Dreifaltigkeit, um 1741. Drei neu polychromierte Holzstatuen, U.L.Frau mit dem Kinde, St. Augustin 
und Rupert, um 1741, gut. 

4. An der Friedhofmauer kleiner gemauerter Bildstock mit vergitterter Nische. Innen Gemälde auf Holz, 
der Heiland im Kerker, XVIII. Jh. 

Rochuskaserne. 

Literatur: Hübner, Stadt I, 510. — Pillwein, Salzachkreis 338. 

Das ursprüngliche Pesthaus oder Lazarett, von Erzbischof Paris Lodron erbaut, befand sich unweit dieser 

Stelle. Die Zeit der Verlegung ist unbekannt. 1711 wurde bei der in alhiesigen Lazareth befindlichen 

5. Rochi-Capelln eine neue Sacristei gebaut (SRA Hfk. Hofbauamt 1711 J). 

Mit der Zeit wurde das Gebäude überflüssig und 1754 von Erzbischof Siegmund zu einem Zucht- und 
Arbeitshause ausgestaltet, indem er „einen Flügel mit dem Thor hinzubaute und rückwärts ein Par kleine 
Gebäude zu verschiedenem Gebrauche aufführen ließ. Die in der Mitte des Vierecks frey stehende 
Kapelle hatte schon mit dem von della Neve gemahlten Altarblatte im Lazarethe gestanden; der Erz- 
bischof ließ sie also nur, so viel nöthig war, erneuern, und übergab die gottesdienstliche Besorgung den 
PP. Augustinern zu Müllen. Nun ist seit einigen Jahren auch der ganze Altaraufsatz von Marmor erbaut 
worden. Über dem Portale des Thores ließ Sigmund folgende Worte in eine marmorne Platte graben: 
Abstine aut sustine. Unter dem Wappenschilde dieses Erzbischofes sieht man die Jahreszahl 1758". So 
Hübner. 

Im XIX. Jh. diente das Gebäude bis zum Ankaufe durch die Stieglbräuerei von 1807—1816 als Spital, 
dann als Kaserne. 

Rochuskapelle. 

Mitten im Hofe der ehemaligen Rochuskaserne (jetzt Stallung der Stieglbräuerei) ein kleiner achtseitiger 
Bau, gelb gefärbelt. Im O. rechteckige Tür mit altem Eisengitter, darüber Fenster mit steinerner Sohl- 



Varla. 



Grabsteine. 



Glocken. 



Mesnerhaus. 

Joh. V. Nepo- 
mul<-Statue. 



Kreuzweg- 
Säule. 



Bildstöcke. 



Rochus- 
kaserne. 



Rochus- 
kapelle. 



390 



Oerichtsbezirk Salzburg 



bank. Daneben je zwei große rechteckige Fenster. Über Hohlgesims achtseitiges pyramidales Eternit- 
dach mit vierseitigem Glockentürmchen (vergoldeter Knauf und Kreuz). 
Im Innern alter Marmorplattenfußboden. Achtkappige Kuppel. 



Einrichtung. 

Altar. 



Skulpturen. 



Einrichtung: 

Altar: Auf einer Stufe aus rotem Marmor die sarkophagförmige Tumba aus verschiedenfarbigem 
Marmor. Wandaufbau aus rotem, grauem und gelbem Marmor: Predella mit seitlichen Postamenten, 
Altarbild in grauem Marmorrahmen, flankiert von zwei Säulen mit geschnitzten vergoldeten Komposit- 
kapitälen, darauf Gebälkstücke mit flachbogigem, in der Mitte zurückspringendem Giebelgesims. Der 
ganze, nur mit wenigen Lorbeergewinden und zwei Blumenvasen (Holz) verzierte Marmoraufbau 
wurde — wie eine in der Kapelle aufgehängte Pergamentinschrift berichtet — im Jahre 1781 nach einer 
Zeichnung des hochfürstlichen Bauverwalters Wolfgang Hagenauer vom Steinmetzmeister Lorenz 
Stumpfegger hergestellt. Die Vergoldung machte der Maler Josef Ramsperger, den Holzzierat 
schnitzte der Bildhauer Jakob Hermele. 

Gemälde: Öl auf Leinwand. Altarbild: Ein kniender Engel heilt die Beinwunde des hl. Rochus, des 
Pestpatrons; rechts ein Hund. Signiert: Fran. de Neue p. Sehr gutes Bild von Francesco de Neve, 
um 1670. — Aufsatzbild, oval: Der hl. Sebastian (Halbfigur). Von anderer Hand, Ende des XVIII. Jhs. 

Tabernakel: Holz, neu gefaßt. Vor der Muschelnische Kruzifix. Um 1720. 



Skulpturen: 1. In flachen Nischen beiderseits des Altars die kleinen Marmorstatuen des hl. 
Borromäus und des hl. Ignaz von Loyola auf rötlichen Marmorpostamenten. Ende des XVIII. Jhs. 
2. Neben dem Tabernakel zwei neugefaßte Holzstatuetten, St. Sebastian und Rochus. XVIII. Jh. 



Karl 




Fig. 364 Morzg. Pfarrkirche, Ansicht von Nordosten, mit dem Untersberg (S. 392) 



Mayrwies, Weiler 

Als Erzbischof Friedrich 987 dem Stifte St. Peter eigene Besitzungen ausschied, da gab er auch „Meinvuisa (Meinwisa, 
Meinwisi)- (HAUTHALER. U.-B. 1, 254). 

Bei dem Hof in M. muß 1592 ein „neuer Stadl" gebaut werden, „dieweil es den Unterthanen zum gueten beschiecht. denn 
sausten muss man das Heu nit allein mit den Hoffuhrleuten, sondern mit 38 Robotfuhren gar durch die Stadt herein und 
das meist in das Nunthal hinausfähren. Da meist Regenwetter ist, so kommt das Heu meist erstickt und erschimplt an, 
so dass kein Vieh es essen mag.' Kostenvoranschlag 186 fl., die sich durch das eigene Holz aus den hf. Wäldern auf 
wenig aber 100 fl. reduzieren. (Hofk. Neuhaus 1575/51 0.) 

Seit dem XVII. .Ih. haiic M. die gräfliche Familie Lodron zu Erbrecht (v. JAKSCH, Gfl. Lodronsches Archiv in Gmünd, in 
Archiv für vaterl. Gesch. von Kärnten 19, S. 177). 



Morzg 391 

Morzg, Dorf 

Archivalien: Konsistorialarctiiv (Kirchenreclinungen seit 1760, vereinzelte ältere im städtischen Stiftungsarchiv). 

Literatur: Hübner, Stadt 1. — Pillwein, Salzachkreis 340. 

Herzog Theodbert von Bayern übergab dem hl. Rudbert „villam Morciago cum tributalibus viris'. 930 wird gleichfalls 
„Morzaga" genannt {HAUTHALER, U.-B. 1. 23 und 149), Erzbischof Konrad I. bestätigte n44 dem Kloster Nonnberg 
„Morzige cum decimationibus suis" (ESTERL, Cfironilt von Nonnberg 201). 




Fig. 365 Morzg. Pfarrkirche, Ansicht von Südwesten, mit dem Gaisberg (S. 392) • 



Pfarrkirche zum hl. V i t u s. 

Der Umstand, daß in der Urkunde des Erzbischofs Konrad I. von 1147 Zehente in Morzg erwähnt sind,- 
läßt auf eine Kirche dortselbst schließen. Aus der gefälschten Urkunde Konrads I. von 1139 für das 
Salzburger Domkapitel, worin diesem die Stadtpfarre zugeteilt wird, erfahren wir, daß die Kirche Morzig, 
die der Äbtissin von Nonnberg (abbatissa . ., in cuius proprietate eadeni ecclesia sita est) und zur Stadt- 
pfarre gehört, von Bischof Roman I. von Gurk eben damals geweiht wurde (Meiller RAS 37 Nr. 209), 
wobei aber die Äbtissin auf den Zehent verzichtete. 1699 wurde JVlorzg zur Kuratie Nonntal eingeteilt 
und von dieser bis 1911 excurrendo pastoriert. Seit 1911 ist Morzg selbständige Pfarre. 
Der Kirchturm wurde laut Inschrift 1515 — 1520 erbaut. 

Nach Pillwein wurde die Kirche 1683 in ihrer heutigen Gestalt gebaut und am 24. Mai 1699 geweiht. 
Nähere Nachrichten fehlen. Die Seitenaltäre widmeten laut den Wappen Johann Josef Graf Kuenburg 
und dessen Gemahlin Josefa Maria geb. Gräfin Harrach sowie Ferdinand Paris Freiherr von Rehlingen 
und dessen Gemahlin Maria Ursula Theresia geb. Gräfin von Sarntheim, 1686. 
1712 wurde von Franz Gärtner die große Glocke gegossen. 

1764: Auf das mit gdgster Verwilligung vorgenommene Thurngebäu seind Unkosten erlaufen 330 fl. 12 ^. 
1770: Dem Lorenz Hörnibler, bgl. Bildhauer allhier, vor 3 neue Tumba zu 3 Altären 49 fl. — 

Ruperten Lobwiser, bgl. Bildhauer allhie, vor seiner gemachten Verdienst 33 fl. 
1771: Dem Johann Aic hhorn, Brunnmeister in Nonntal, für abgegebene Materialien zum neuen 

Grab 24 fl. — Dem Andre Langwider, bgl. Maler, das Grab zu mahlen 25 fl. 
1773: Für ein Cruzifix auf die Canzl 1 fl. 40 kr. — Herrn Strele und Compagn. vor einen silbernen 

getribenen und in Feyr vergolten Kelch 78 fl. 28 kr. 
1774: sind an die Streite, Ongania und Comp, vor ein Paar Opferkandl und Taza. auch anderes 

bezahlt worden 47 fl. 



Pfarrkirche. 



392 



Qerichtsbezirk Salzburg 



Charakte- 
ristik. 



Fig.364-370. 



Charakteristik: Interessante, dreischiffige, tonnengewölbte Barockkirche von 1683, mit überhöhtem 
Mittelschiff, das durch Rundbogenarkaden auf Säulen mit den niedrigeren Seitenschiffen verbunden ist, 
und einspringendem, gleichhohem Chor. Die Kirche, deren Gewölbe durch fein stukkierte Bänder ge- 
gliedert ist, steht für ihre Zeit (1683) als ganz einheitlich entworfene, geschmackvolle Anlage, besonders 
wegen der Säulen als Gewölbeträger, im ganzen Bezirke einzig da und hebt sich vorteilhaft von anderen 
gleichzeitigen, nüchternen Kirchenbauten des Landes ab. Italienischer Einfluß ist sicher. 
Der Turm stammt in seinem Hauptteil aus den Jahren 1515 — 1520, das Obergeschoß wurde 1764 um- 
gebaut und mit dem jetzigen, elegant profilierten Zwiebelhelm versehen (Fig. 364 — 370). 



Äußeres. 
Fig. 364-366. 

Langhaus. 



Chur. 




Turm. 



Fig. 366 Morzg. Pfarrkirche, Ansiclit von Nordwesten (S. 392) 

Äußeres (Fig. 364—366): 

Bruchstein und Ziegel, verputzt, hellgrün gefärbelt. 

Langhaus: W. Breite rechteckige Front, mit vor- und eingebautem Turm. — S. Links rechteckige Tür 
in Konglomeratrahmung, an den oberen Ecken ausspringend; darüber kurzes rundbogiges Fenster. 
Rechts zwei größere rundbogige Fenster. — O. Giebelschrägwand südlich neben dem Chor. — N. Ent- 
sprechend wie im S. 

Chor: Stark einspringend, in gleicher Firsthöhe mit dem Langhaus. Drei schmale rundbogige Fenster. 
Im N. Sakristei. Umlaufendes Hohlkehlgesims. Über Langhaus und Chor gemeinsames, nach W. und O. 
abgewalmtes Schindelsatteldach; über dem Chor Blechknauf und Eisenkreuz. 

Turm: Dem Langhaus im W. vor- und eingebaut. Quadratisch, durch einfache Blechgesimse in drei 
Geschosse geteilt. Massiger Konglomeratsockel. Im W. Tür mit Schutzdach, darüber Luke. Im S. Luke 



Morzg 



393 



im 2. Geschoß. Oben vier rundbogige Schallfenster, darüber runde Zifferblätter, über denen sich das 
profilierte Abschlußgesims im Halbrund ausbiegt. Blechgedeckter Zwiebelhelm (1764) mit vergoldetem 
Blechknauf und Eisenkreuz (renoviert 1894). 

Unten an der Südseite eingemauerte rote Marmorplatte. Unten zwei Wappenschilde (springender Fuchs, 
Ring). Darüber zehnzeilige Minuskelinschrift: Anno 1515 hat her Barthlme von Blangkenfels tumherr 
and Pfarrer zu Saltz(burg) und die nachtperschaft hye disen thurn vom grundt aufzepawen angefangen. 
— Anno 1520 hat her Caspar von Rusenbach tumherr und pfarr(er) zu Saltz(burg) sambt der nacht- 
perschaft disen thurn got lob gar vollendet. 

Anbauten: 1. Sakristei im N. des Chores. Gleichhoch wie das Langhaus. Im N. Tür auf vier Stein- 
stufen, oben kleines Fenster. Im W. zwei schmale Fensterchen, im O. zwei Fenster übereinander. Hohl- 
kehlgesims, Schindelpultdach. 



Anbauten. 




Fig. 367 Morzg. Pfarrkirche, Grundriß 1 : 150 (S. 392) 



2. Beinkammer. Kleiner niedriger Anbau im S. des Chors. Im S. zwei Türen, im O. flachbogiges 
Fenster mit rotmarmorner Fensterbank und marmorner Weihwasserschale. Schindelpultdach, nach Osten 
abgewalmt. 

Fried hofmauer: Bruchstein, rauh verputzt, zum Teil mit Schindeln, zum größeren Teil mit Stein- 
platten abgedeckt. Haupteingang irn O. zwischen zwei kugelbekrönten Konglomeratpfeilern, einfache 
Durchlässe im S. und NO. 

Inneres (Fig. 368—370): 

Grünlichgrau gefärbelt, Gesims weiß. Einheitliche Gliederung der Gewölbe durch ornamentale Stuck- 
bänder (um 1683). Harmonische Raumwirkung. Alter Fußboden aus grauen und roten Marmorplatten. 

Langhaus: Dreischiffig. Das überhöhte und breitere Mittelschiff hat ein rundbogiges Tonnengewölbe, 
das durch Quergurten in drei oblonge, von je zwei rundbogigen Stichkappen eingeschnittene Joche geteilt 
wird. Rundbogige Arkaden (mit je zwei großen, auf Würfelpostamenten stehenden, gemauerten toskani- 
schen Säulen) verbinden das Mittelschiff mit den niedrigeren und schmäleren Seitenschiffen; diese 

XI 50 



Friedhof- 
mauer. 

Inneres. 
Fig. 368— 370. 



Langtiaus. 



394 



Gerichtsbezirk Salzburg 



sind mit einer schmalen rundbogigen Tonne eingewölbt, deren drei durch rundbogige Gurten geschiedene 
Joche derart von durchlaufenden seitlichen Stichkappen eingeschnitten sind, daß eine Art gratiger Kreuz- 
gewölbe entsteht. Im Mittelschiff sind die Ränder der Quergurten und die 
Grate von mehrfach profilierten schmalen Stuckbändern eingefaßt, in der Mitte 
jedes Joches ein ovaler Rahmen. In die Laibungen der Arkadenbogen und 
der Quergurten in den Seitenschiffen sind vertiefte, rechteckige, von Perireihen 
eingefaßte Felder eingesetzt; die Grate, Bogen und kreuzförmigen Mittelfelder 
der Gewölbejoche in den Seitenschiffen sind von Perlstäben und Perlreihen 
eingerahmt. 

In der West wand sind beiderseits Stiegenaufgänge mit Steintreppen ein- 
gebaut, die zuerst mit einem gratigen Kreuzgewölbe, dann einer ansteigenden 
flachbogigen Tonne, zuletzt mit einem rechteckigen Kreuzgewölbe eingewölbt 
sind, welch letzteres ebenso wie der daraus auf die Musikempore führende 
rundbogige Durchgang in ähnlicher Weise mit Perlstäben und Perlreihen (aus 
Stuck) verziert ist wie die Seitenschiffgewölbe. 

Die in das westliche Joch in voller Breite eingebaute, grüngelb lackierte 
Holzempore hat einen flachen, einfach kassettierten Boden und eine gerade 
Brüstung, die durch geschuppte Pilaster (mit durchlaufenden Sockel- und 
Kapitälgesimsen) in neun mit querovalen Rahmen belegte Felder geteilt wird. 
— Unter der Empore in der Mitte rundbogige Tür mit schmiedeeisernem 
Gitter (s. unten); daneben zwei rechteckig eingetiefte, gratig gewölbte Nischen 
(für zwei Bänke) mit rundbogigen Öffnungen; an den Seiten die beiden 
breiten flachbogigen Öffnungen zu den Aufgangstreppen. Im S. und N. unter 
der Empore je eine Tür in flachbogiger Nische, daneben je eine gelbmarmorne 
Weihwassermuschel. An den drei Türen alte Eisenbeschläge (1683). — Ober 
der Empore in der Mitte niedrige flachbogige Türöffnung zum Turm, daneben 
die beiden rundbogigen Öffnungen der Treppen, neben diesen zwei breite 
überhöhte Rundbogen, dahinter je ein gratiges, mit Perlstabbändern ver- 
ziertes Gewölbejoch (die darunter liegenden ansteigenden Tonnen sind erst 
später eingebaut). In das südliche dieser beiden Joche ist ein Holzkasten 
eingebaut. 





Fig. 368 Morzg. Pfarrltirche, Längenschnitt 1 : 150 (S. 392) 



Morzg 



395 




Fig. 369 Morzg. Pfarrkirche, Inneres, Chor (S. 393) 




Fig. 370 Morzg. Pfarrkirche, Inneres, Musikempore (S. 393) 



50* 



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Gerichtsbezirk Salzburg 



Mit dem östlichen Gurtbogen öffnet sich das Langhaus in voller Höhe und Breite zum Chor. Darüber 
die modern erneuerten gemalten Jahreszahlen 1683, 1765, 1818, 1862, welche sich auf die Erbauung 
und die Renovierungen beziehen. 

Chor. Chor: Gleichbreit und -hoch wie 

das Mittelschiff, Boden um zwei 
Stufen aus rotem Marmor erhöht. 
Einfache Holzbalustrade. Gewölbe: 
Schmales oblonges Tonnengewölbe- 
feld mit Stichkappen und Abschluß- 
gewölbe mit fünf rundbogigen Stich- 
kappen; Grate, Bogen und die bei- 
den Mittelfelder sind eingefaßt von 
breiten antikisierenden Stuckbän- 
dern (Zickzackband und Perlstab), 
um 1683. Die beiden Quergurten 
und die vier Radialgurten ruhen 
auf Flachpilastern, deren Kapitäl- 
gesims mit einem Zickzackband und 
einem Eierstab (in Stuck) verziert 
sind. 

Im N. Sakristeitür, im 2. Feld oben 
oblonges Oratoriumfenster; im NO., 
SO., S. je ein rundbogiges Fenster, 
dessen Laibung mit perlgefaßten 
rechteckigen Feldern verziert ist; 
moderne ornamentale Glasmale- 
reien. 

Turm. Turm: Das Untergeschoß bildet 

eine Vorhalle, mit flacher Holzdecke. 
Im W. rechteckige Tür in flachbogi- 
ger Nische, im O. rundbogige Tür- 
öffnung mit schmiedeeisernem Stab- 
gitter; daran oben ein Täfelchen mit 
einer Inschrift, wonach der Ehrnveste 
khunstreiche herr Joseph Geister, 
Gardtner in Graf Cienburgischen 
Hoff zu Grafenall sambt seiner 
haiißfrauen Anna Sophia Geiste- 
ren . . dises gädter machen lassen 
1710. 

Sakristei. Sakristei: Beide Geschosse sind 
flach gedeckt. Unter den Decken 
umlaufende breite Stuckgesimse. Im 
Erdgeschoß Eierstab, im Ober- 
geschoß Zickzackband mit Blüten. 

Einrichtung. Einrichtung: 

Altäre. Altäre: 1. Gotischer Hoch- 

Hochaltar, a Itar (Fig. 371). Hölzerner Mensa- 
Fig. 371. kästen, an den Seiten mit alter, vorne 
mit erneuerter gotischer Maßwerk- 
bemalung. Hinter der niedrigen 
Leuchterrampe (mit geschnitzten 
Ornamenten vergoldet, um 1730) 
erhebt sich eine 95 cm hohe Holz- 
wand, mit erneuerter gotischer Ran- 
kenbemalung (Gold auf Blau) und 

einem in der Mitte eingebauten, im Halbrund vorspringenden Tabernakel. Darauf steht in der Mitte ein 
alter gotischer Flügelaltar (Holz, neu gefaßt, graugrün und rot gestrichen, Verzierungen vergoldet). 




Fig. 371 Morzg. Pfarrkirche, gotischer Hochaltar, um 1480 (S. 396) 



Morzg 



397 



In dem reckteckigen Mittelschrein (Fig. 372), der oben mit durchbrochenem, reichem Fialenwerk 
und drei Kielbogen verziert, an den Seiten und unten von applizierten vergoldeten und versilberten 



Fig. 372. 




Fig. 372 Morzg. Pfarrkirche, Statuen der Hl. Georg, Veit und Leonhard im Sclirein des Hociialtars (S. 397) 

Ranken umrahmt ist, stehen drei 95 cm hohe Holzstatuen: Links St. Georg, ein gepanzerter bartloser 
Jüngling mit blondem Lockenhaar, der mit seinem Speere den Drachen durchbohrt; in der Mitte der 



398 



Gerichlsbezirk Salzburg 





Fig. 373 



Fig. 374 





Fig. 375 Fig. 376 

Morzg. Pfarri<irclie, gotischer Hochaltar. Vier Reliefs an der Innenseite der Flügel, Legende des hl. Veit (S. 400) 



Morzg 



399 





Fig. 377 



Fig. 378 





Fig. 379 Fig. 380 

Morzg. Pfarrkirche, gotischer Flügelaltar. Vier Tafelbilder an der Außenseite der Flügel, 
St. Maria Aegyptiaca, St. Sebastian, Ursula und 10.000 Märtyrer(?) (S. 400) 



400 



Gerichtsbezirk Salzburg 



hl. Veit, ein braunlockiger Jüngling, mit Fürstenhut, in faltenreichem Gewände, mit Palmzweig und Buch 
in den Händen; rechts der hl. Leonhard, ein bartloser Mönch in vergoldetem Habit, mit Kette und 
Buch. 

Innenfiiigel. Innenflügel: Jeder der beiden Flügel ist an den Innenseiten mit zwei polychromierten und ver- 
goldeten Reliefs verziert; oben applizierte vergoldete Ranken, a) Der hl. Veit (als Knabe) steht 
neben einem auf gedrehter Säule aufgestellten Götzenbilde. Links hinter ihm sein Vater Hylas, ein 
bärtiger Mann, der ihn bei der Schulter faßt und auf das Götzenbild deutet, daneben ein Jüngling. Rechts 
ein bärtiger Fürst (Valerianus) mit Turban und Zepter, hinter ihm ein bartloser Mann mit Keule 
Fig. 373. (Fig. 373). 

b) An einem gedeckten Tische sitzt links der hl. Veit neben einer jungen Frau. Rechts ein Jüngling 
und ein Mädchen beim Tanze (beide halten ein Tuch). Hinter einer Brüstung ein Dudelsackpfeifer und 

Fig. 374. ein junger Mann als Zuschauer (Fig. 374). 

c) In der Mitte der hl. Veit, in Vorderansicht, in einem Lehnstuhl sitzend, mit Palmzweig und Buch 
in den Händen. Links stehen zwei Engel, rechts hinter einer Brüstung der erblindete Vater, ein bärtiger 

Fig. 375. Mann, der die rechte Hand über die Augen hält (Fig. 375). 

d) Der hl. Veit mit gefalteten Händen im Ölkessel, neben ihm ein bärtiger Mann und eine Frau. An 
den Seiten zwei Schergen, einer mit einem Feuerhaken, der andere mit einem Kruge. An dem auf drei 

Fig. 376. Tierfüßen stehenden Kessel stehen die Kapitalbuchstaben MVTS (martyr Vitus?) • V ■ GRE (Fig. 376). 



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