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Full text of "Österreichische botanische Zeitschrift"

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Oesterr.Botan. Zeilschrift 1876. 



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Oesterreichjsche 



BOTANISCHE ZEITSCHBin 



Gemeinnatziges Organ 

für 

Botanik und Botaniker, Gärtner, Oekonomen, Forstmänner, ierzte, 

Apotheker nnd Techniker. 

Mit 



von 



Andorfer, Antoine, Ascberson, Borbäs, Burbacb, Burgersteln, CelakoTskj, Csato, Dederek, 
Dicbtl, Fiek, Pocke, Freyn, Grembllcb, flaberlandt, flalacsy, flaack, flaassknecbt, Haynald, 
Hazslinszky , Hibscb, Hoeme, Hobnel, Holuby, Janka, Ranitz, Keck, Rempf, Rerner, 
Knapp, Krenberger, Kugy, Runtze, Lercb, narcbesettl, Menyb&rtb, Mikoscb, Oborny, Pittoni, 
Prichoda, Pruckiuayr, Raascher, Relchardt, Sanier, Scbäfer, Scbalier, Simkoyics, Stanb, 
Stein, Stossicb, Tbäuien, Trantmann, üechtriiz, Tal de Lfe?re, Yatke, Yelten, Ylerhapper, 

Yoss, Yukotinoyic, Weiniierl, Wiesbaar, Wiesner. 

Redigirt 

von 

D'' Alexander Skofitz. 



XXVI. Jahrgang. 

C^Mit 1 Hiitliograpliie und 8 Holzsonnitt-A-bbilduiisenO 



Wien 1876. 

Verlag" von O. Q-erold. 



tciefl»ee library 

I 

v.26'27 



i B 5j^ Oesterreichische 

Botanische Zeitschrift. 

Gemeinnütziges Organ 



!>!• Ilsterreloblsebe Sxettplare 

botanisobe Zelts«brll« RAianSk «nil RA^ftllikAi* die fk^l darch die Post be- 

erscheint DUiailUI. ünU DViaUlllfr) «ogen werdea soUen, sind 

den Ersten jeden Monats. _ _ blo« bei der Bedaktloa 

CV.BeB., 8ehlo$$gaue Nr. 16J 
SU prSnnmeriren. 

/r5.^w:;rÄa?;i!) Apotheker und Techniker. ^^"^rAteratl^n""* 

halbjährig. C. Oerold'a Sobn 

Inserate in Wien, 

die ganze Petitaeüo pf * 1 ■<> ^e alle übrigen 

16 kr. Ost. W. *1=* Xi Bachhandlangen. 



mnjräaumerirt^aa^seibe ^^^ Oekoflomeii, ForslDiäimer, Aefzle, 



XXVI. Jahrgang. WJliE JAaiier 1876. 



XNHAIaT: Gallerie österr. Botaniker. — Wellung der Zellmembranen. Von Dr. "Wiesner. — Epüc- 
bium Kemeri. Von Dr. Borbas. — Fungi nov. austr. Von Thümen. — Zur Flora von Mähren. 
Von Oborny. — Algen des Triester Golfes. Von Hauck. (Fortsetzung.) — VegetationsverMllnisse. 
Von Dr. Kern er. — Pflanzen auf der Weltaussteilung. Von Antoine. (Fortsetzung.) — Correspoodeoz. 
Von Dr. Haynald, Dr. Rauscher, Dr. Keck, Dr. Marchesetti. — Personalnotizen. — Botanischer 
Tauscbverein. — Inserate. 



Gallerie österreichischer Botaniker. 

«XX. 

Ferdinand Schur. 

(Hit einem lithographirten Porträt.) 



D. 



T. Johann Ferdinand Schur wurde am 18. Februar 1799 
zu Königsberg in Preussen geboren, wo seine Eltern als unbemittelte 
Bürgersleute lebten. Mit dem sechsten Jahre kam er in eine Bürger- 
schule, wo er bis zum zehnten Jahre blieb, und trat dann in das 
kneiphof'sche Dom-Gymnasium. Als S.^ 14 Jahre alt war, wurde dieses 
antiquirte Gymnasium in eine höhere Bürgerschule umgestaltet und 
die Folge davon war, dass die Schüler, welche eine akademische 
Laufbahn im Auge haften, diese Anstalt verliessen. Auch S. gehörte 
zu den Austretenden und da seine Verhältnisse es ihm nicht ge- 
statteten, ein anderes Gymnasium zu besuchen, so beabsichtigte er 
im Vaterhause sich privatim auf die akademische Studentenprüfung 
vorzubereiten, allein durch Unglücksfälle hatten sich die Geld Ver- 
hältnisse seiner Familie so vermindert, dass der Knabe das Studiron 
aufgeben musste. — S. wählte nun die Pharmazie zu seinem Lebens- 
berufe, um mit der ihm lieben Pflanzenwelt in einigem Verkehr zu 

Oesterr. botan. Zeittohrift. 1* Heft. 1876. 1 



Oesterreichjsche 



: 1 



BOTANISCHE ZEITSCHRIFT 



Gemeinnatziges Organ 



für 



Botanik nndBotaniker, Gärtner, Oekonomen, Forstmänner, ierzte, 

Apotheker nnd Techniker. 



Mit 



von 



Andorfer, Antolne, Ascberson, BorbAs, Barbach, Burgerstein, CelakoTskj, Csato, Dederek, 
Dicbtl, Fiek, Pocke, Freyn, Giremblicb, flaberlandt, Halacsy, Hanck, Haussknecht, Haynald, 
Hazsllnsiky, Hibsch, Hoeme, flobnel, Holuby, Janka, RanItK, Keck, Reuipf, Rerner, 
Knapp, Krenberger, Kugj, Kuntze, Lerch, narchesettl, MenjbArth, MIkosch, Obornj, PIttoni, 
Prichoda, Pruckuiayr, Rauscher, Reichardt, Santer, Scbifer, Schuber, Simkoyics, Staub. 
Stein, Stossich, Thnuien, Trautmann, üechtriti, Tal de Li^?re, Yatke, Yelten, Yierhapper, 

Yoss, Yukotinoyl6, Welniieri, Wiesbaur, Wiesner. 

Redigirt 

von 

D' Alexander Skofltz. 



XXVI. Jahrgang. 

ClMit 1 Hiitliograpliie und 8 Holzsonxiitt-i\.bbilduxisexi.) 



Wien 1876. 

Verlag" von O. Q-erold. 



Science library 

I 
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v.26'27 



) B 5v^ Oesterreichische 

Botanisclie Zeitschrift. 

Gemeinnütziges Organ 



für 

Ol« liaterreicbisebe Sxemplare 
botanische Zelts«brll« RA^ftnik mnA ^nifknthäkwt die frei darch die Post be- 
erscheint DUiÄlllii nUU DUiaUllier) «ogen werden soUen, sind 
den Ersten jeden Monats. bioa bei der Bedaktloa 

*"'JiS'S"«"ir.«'t!'"" fiärlner, Oekonomen, Forslmänner, Aenle, '*'■"« vSüu^ik'i? "^ 

(U B. Mark) • , , t « i ■■ '" ^'t* *»• 

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halbjährig. C. Gerold*« Sobn 

Inserate __ ^ in Wien, 

die ganze Petitzeile H ' I «o "x^e &lle übrigen 

16 kr. Ost. W. *''' *• Buchhandlungen. 



XXVI. Jahrgang. WJliE Jüaher 1876. 



XNHAIaT: Gallerie österr. Botaniker. — Wellung der Zellmembranen. Von Dr. "Wiesner. — Epüa- 
bium Kemeri. Von Dr. Borbas. — Fungi nov. austr. Von Thümen. — Zur Flora von Mauren. 
Von Oborny. — Algen des Triester Golfes. Von Hauck. (Fortsetzung.) — Vegetationsverhällnisse. 
Von Dr. Kerner. — Pflanzen auf der Weltaussteilung. Von Antoine. (Fortsetzung.) — Cor respon dem. 
Von Dr. Haynald, Dr. Rauscher, Dr. Keck, Dr. Marchesetti. — Personalnotizen. — Botanischer 
Tauscbverein. — Inserate. 



Gallerie österreichischer Botaniker. 

'XX. 

Ferdinand Schur. 

(Mit eiDem lithographirten Porträt.) 

JJr. Johann Ferdinand Schur wurde am 18. Februar 1799 
zu Königsberg in Preussen geboren, wo seine Eltern als unbemittelte 
Bürgersleute lebten. Mit dem sechsten Jahre kam er in eine Bürger- 
schule, wo er bis zum zehnten Jahre blieb, und trat dann in das 
kneiphof'sche Dom-Gymnasium. Als S.^ 14 Jahre alt war, wurde dieses 
antiquirte Gymnasium in eine höhere Bürgerschule umgestaltet und 
die Folge davon war, dass die Schüler, welche eine akademische 
Laufbahn im Auge hatten, diese Anstalt verliessen. Auch S. gehörte 
zu den Austretenden und da seine Verhältnisse es ihm nicht ge- 
statteten, ein anderes Gymnasium zu besuchen, so beabsichtigte er 
im Vaterhause sich privatim auf die akademische Studentenprüfung 
vorzubereiten, allein durch Unglücksfälle hatten sich die Geld Ver- 
hältnisse seiner Familie so vermindert, dass der Knabe das Studiron 
aufgeben musste. — S. wählte nun die Pharmazie zu seinem Lebens- 
berufe, um mit der ihm lieben Pflanzenwelt in einigem Verkehr zu 

Oesterr. botan. Zeitschrift. 1> Heft. 1876. 1 



bleiben. Seine Neigung zur Botanik aber verdankte er seiner Mutter, 
welche eine grosse Blumenfreundin und Kräuterkennerin war und 
dem Knaben die nützlichen Kräuter von den sogenannten Unkräutern 
unterscheiden lehrte. 

S. trat nun als Lehrling in die Wegener'sche Apotheke zu 
Gerdauen, einer kleinen Stadt eilf Meilen von Königsberg entfernt, 
in einer fruchtbaren Gegend, auf einer Anhöhe erbaut, vom See 
Banktin umspült, in kurzer Entfernung von Wiesen, Moorbrüchen, 
Feldern und reichen Wäldern umgeben und durch einen Damm mit 
dem auf einer ähnlichen Anhöhe gelegenen Schlosse Gerdauen mit 
seinen drei schönen Gärten verbunden. Für seine botanische Neigung 
fand er also hier hinreichende Befriedigung. Die kleine Stadt bot 
keine Zerstreuungen, nächst den Berufspflichten und pharmazeutischen 
Studien war die Botanik mit itiren Exkursionen und dem damit ver- 
bundenen Sammeln seine Freude und Erholung. Leider stand S. mit 
seiner Neigung zur Naturwissenschaft ganz isolirt, aber dieses ent- 
muthigte iht) keineswegs, legte aber den Grund zu seinen späteren 
einsamen Wanderungen, die ihm bis heute geblieben sind. Schon im 
zweiten Jahre seiner Lehrzeit kannte er alle in der Umgegend wach- 
senden offizinellen Pflanzen und konnte bei der Revision der Apotheke, 
wobei er in der Pharmazie geprüft wurde, ein Herbarium von 600 
Pflanzen vorlegen und wurde seiner Kenntnisse wegen von der Kom- 
mission und später von der Regierung ermunternd belobt. Die drei 
obenerwähnten Schlossgärten waren S.'s botanische Gärten, wo er in 
der Behandlungsweise der Garten- und Kulturpflanzen Einsicht bekam 
und in den Gewächshäusern eine Anzahl exotischer Pflanzen kennen 
und behandeln lernte. Nach abgelegter Gehilfenprüfung (1819) ver-, 
blieb er noch sieben Jahre in dieser Apotheke und ging dann nach 
Fischhausen, einer kleinen Stadt fünf Meilen von Königsberg, um die 
Flora des frischen Haffs und der Ostsee zu studiren. 

S.'s Sehnsucht, nach Königsberg zurückzugehen, wurde nun 
(1821) erfüllt. Er nahm eine Gehilfenstelle in einer kleinen Apotheke 
an, um mehr Zeit zur Aufnahme seiner akademischen Studien zu ge- 
winnen. Allein seine geringen Ersparnisse und der kleine Gehalt 
reichten nicht weit und S. musste abermals Königsberg verlassen und 
als Apothekergehilfe konditioniren. Er konditionirte jetzt in mehreren 
Städten, bei deren Wahl immer auf die floristischen Verhältnisse der 
Umgegend Rücksicht genommen wurde, so z. B. in Elbing und Danzig, 
die beide, namentlich die letztere Stadt, eine vorzügliche Flora be- 
sitzen. Er war nun abwechselnd, wie die Geldumstande es ihm ge- 
statteten, bald Student, bald Apothekergehilfe, lernte Manches theoretisch 
und praktisch, war aber eigentlich Autodidakt und hatte seine Kennt- 
nisse durch ungeheure Anstrengung, eigene Kraft und Ausdauersich 
errungen. 

Nach einer Abwesenheit von vier Jahren kehrte S. wieder nach 
Königsberg zurück, um in der Apotheke des Dr. Dulk, welcher zu- 
gleich Professor der Chemie an der Universität Königsberg war, die 
erste Rezepturstelle, mit der auch die Stelle eines Amanuensis der 



Chemie verbunden war, zu übernehmen. Die versäumten CoÜogia 
wurden nun fleissig besucht und manche Lücke dadurch ausgefüllt. 
Er war freilich ein bemoostes Haupt, aber das Alter kommt bei 
wissenschaftlighen Bestrebungen nicht in Rechnung, hatt« er docli 
mit weissköpfigen Männern in Berlin Collegia gehört, z. B. bei Humboldt 
und Mitscheriich. Nach angenehm in geordneter Thätigkeit verlebten 
vier Jahren gab S. diese Stellung auf, um nach Berlin zu gehen, 
wohin er sich schon lange gesehnt halte und wo er seine Hauptwünsche 
erfüllt zu sehen hoflFte. Allein der Anfang entsprach dieser Hoffnung 
keineswegs. Er hatte nämlich auf der Reise seinen Koffer mit allen 
seinen Habseligkeiten verloren, von denen er das Heft mit mehr als 
tausend abgebildeten Keimbeobachtungen am meisten bedauerte, weil 
dieser Verlust unersetzlich war. Dagegen fand er in Berlin bei Ge- 
lehrten und Laien eine sehr freundliche Aufnahme. Nach einem Jahre 
tüchtigen Arbeitens stand S. als Candidatus Pharmaciae und Doctorandus 
Philosophiae im Begriffe, die Staatsprüfungen als Apotheker erster 
Klasse abzulegen und promovirt zu werden: S. hatte an der KOnigs- 
berger und Berliner Universität fünf Jahre Pharmazie, Chemie in 
allen Disziplinen, Physik, Mineralogie, Zoologie, Botanik, Philosophie 
u. s. w. studirt, war fünfzehn Jahre praktischer Pharmazeut und kann 
sagen, dass die grössten diesfälligen Gelehrten seiner Zeit direkt und 
indirekt seine Lehrer gewesen und dass er mit mehreren derselben 
in nähere Berührung gekommen war, z. B. in Königsberg mit Hagen, 
Dulk, Meyer, Cruse, Beer, Burdach, Eisenhardt, Meyer, Herbarth; in 
Berlin mit Humboldt, Kunth, Link, Schlechtendahl, Mitscheriich, Schubert, 
Heinrich und Gustav Rose, Magnus, Hermbstaedt, Weiss, Steffens, 
Ermann, Hegel u. a. m. Die Botanik blieb auch in Berlin trotz der 
zahlreichen Ablenkungen sein Lieblingsstudium, selbst die magere 
Flora von Berlin bot viele interessante Pflanzen dar und die Exkursionen 
waren höchst lehrreich, wenn diese von Kunth, Link oder Schlechten- 
dahl geleitet wurden. Dafür sind aber der botanische Garten und die 
botanischen Sammlungen sehr reich und leicbt zugänglich. Im k. 
Herbarium bearbeitete S. zum Zwecke einer Dissertation die Gattung 
Typha und stellte damals 4 neue Arten: T. Ehrenbergii^ domingenisy 
gigantea^ maxima auf und bildete deren Entwicklungsphasen und 
morphologische Eigenthümlichkeiten auf zwei Tafeln ab. Diese Arbeit 
kam nicht zur Publikation durch den Druck, sondern blieb Manuskript. 
Die Schlussprüfungen als Apotheker erster Klasse waren mit dem 
grössten Ruhme überstanden. Jetzt kam die Promotion an die Reihe 
und die Dissertation über die Metamorphose der Pflanzen, durch 
zahlreiche Beispiele erläutert, wurde von der philosophischen Fakultät 
mit grossem Lob und Beifall aufgenommen und der Erlangung der 
Doktorswürde stand nun auch nichts mehr im Wege. Da eine Staats- 
anstellung sich nicht so schnell erringen Hess und ein Doktor legens 
ein Zustand ist, wo man beim Uebermass von Gelehrsamkeit kaum 
sein Brod verdienen kann, so kündigte S. Privatunterricht in Chemie, 
chemischer Analyse, Pharmazie und Botanik für junge Studirende an, 
die für betreffende Examina schneller vorbereitet zu sein wünschten. 

1* 



Der Versuch gpelang vollkommen, denn nach wenigen Wochen hatte 
S. einen hübschen Wirkungskreis und eine Einnahme^ die wenigstens 
der eines Prof. extraordinarius gleichkam. Allein diese Freude sollte 
nicht lange währen. Die Cholera hielt in Berlin ihren Einzug und 
Professoren und Studenten stoben nach allen Richtungen auseinander 
und mit der fast gänzlichen Auflösung der Universität war auch die 
Einnahme S. 's sehr vermindert. Auf Anrathen seines Gönners Hermbstaedt 
nahm^ S. eine Stelle als Chemiker in einer chemischen Fabrik an, 
aber diese genügte S. keineswegs und sein unruhiger Geist strebte 
nach einem öffentlichen Wirkungskreis. Dieses Streben führte eine 
Katastrophe herbei, die für sein ganzes Leben entscheidend war. Der 
Medizinalrath Bergemann war gestorben und S. meldete sich zur 
Uebernahme dieser Stelle, da solche durch Apotheker besetzt wurde. 
Auf seinen Antrag erhielt er den Bescheid vom Ministerium, dass 
man zwar von seinen Kenntnissen überzeugt sei, dass Bewerber aber 
keine Apotheke besitze und überhaupt zu jung wäre (S. war damals 
32 Jahre alt). Diese vermeintliche Zurücksetzung brachte ihn ausser 
Fassung und bestimmte ihn, das Anerbieten Wagemann's anzunehmen 
und als Direktor einer chemischen Fabrik nach Wien zu gehen. 

S. war nun Direktor der chemischen Fabrik in Liesing bei Wien 
und hatte durch die Annahme dieser Stelle der Universitätskarriere 
entsagt. Er vertiefte sich jetzt in chemisch-technische Studien, aber 
die Botanik blieb seine Erholung. Die reiche Flora von Wien wirkte 
sehr anregend und Ausflüge nach dem Schneeberg, Steiermark, Ungarn 
u. s. w. lieferten reiche Ausbeute an seltenen Pflanzen und vielfache 
Belehrung über die Vegelationsverhältnisse Oesterreichs. Auf der Reise 
von Berlin nach Wien hatte S. Sachsen und Böhmen botanisch, wenn 
auch etwas flüchtig, durchforscht und die Vegetations Verhältnisse 
dieser interessanten Länder kennen gelernt. In Dresden hatte er die 
Freude, den gegenwärtigen Altmeister der Botanik, den genialen, 
höchst interessanten und gelehrten Dr. L. Reichenbach persönlich 
kennen zu lernen, dessen Andenken ihm noch heute werth und theuer 
ist. In Wien wurde fleissig gesammelt und in wenigen Jahren eine 
Flora von Wien und des Schneeberges zusammengetragen. Verzeich- 
nisse dieser Exkursionen liegen als Manuskripte vor und sind, wenn 
auch veraltet, doch ein Beweis von seiner Thätigkeit. Von den Wiener 
Botanikern, mit denen S. damals Umgang hatte, lebt nur noch Dr. 
Fenzl ; v. Welwilsch, Kotschy u. a. sind nicht mehr am Leben. Von 
den späteren Botanikern kam S. noch mit Unger und Reissek in Be- 
rührung, aber auch diese sind bereits nicht mehr. Dr. Skofitz lernte 
S. 1856 persönlich kennen, wo er Mitarbeiter dessen Oest. bot. Zeit- 
schrift wurde. Höchst erfreulich war für S. die persönliche Bekannt- 
schaft mit Baron Jacquin, dem Sohne des berühmten Botanikers. Der 
alte Herr nahm ihn sehr freundlich auf und lud ihn zu den jeden 
Mittwoch stattfindenden vertrauten Abendzirkeln ein, was insoferne 
grossen Werth hatte, als dies damals der einzige Ort in Wien war, 
wo in- und ausländische Gelehrte sich ungenirt treffen konnten. 



• S. verlebte als Fabriksdirektor mehrere Jahre unter nicht be- 
sonders angenehmen Zuständen. Er verliess daher Liesing, um sich 
seinen eigenen Herd zu gründen, denn er war bereits Familienvater 
geworden, und errichtete eine chemische Fabrik in Inzersdorf am 
Wienerberg. Allein das Glück war ihm nicht günstig und nach meh- 
reren Jahren gab er die Fabrik in andere Hände. S. versuchte nun 
an mehreren Orten sich häuslich einzurichten, aber immer mit un« 
günstigen Erfolgen. Der damalige industrielle Schwindel in Ungarn 
zog auch ihn dahin, um ihn vollends zum armen Manne zu machen.. 
Er lebte nun ein paar Jahre in Pressburg und St. Georgen in Ungarn, 
indem er sich industriellen Unternehmungen angeschlossen hatte, 
welche leider scheiterten. — Für die Botanik war dieser Aufenthalt 
sehr günstig, denn beide Städte besitzen eine reiche und interessante 
Flora. Unter vielen seltenen Formen wurde im Walde bei St. Georgen 
an einem schattigen Bächlein die Urtica KiovietMis Ragow. entdeckt. 
Ueberhaupt war dieses unstete Leben der Botanik nicht ungünstig. 
Er durchwanderte Ungarn in mehreren Richtungen, lernte dessen 
Vegetationscharakter kennen und entdeckte viele neuen und seltenen 
Arten, deren Publikation noch bevorsteht. 

Im J. 1845 wurde S. nach Hermannstadt in Siebenbürgen be- 
rufen, um die Anlage und Direktion einer chemischen Fabrik für 
eine Aktiengesellschaft zu übernehmen, doch fand er an der Fabrik 
keine besondere Freude und enlschioss sich, nachdem er hier acht 
Jahre das Möglichste geleistet, seine Stellung aufzugeben. 

Vor seiner beabsichtigten Abreise nach Wien wurde S. durch 
den sprechendsten Beweis der Anerkennung seiner botanischen Lei- 
stungen höchst freudig überrascht. Auf Empfehlung des siebenbürgi- 
schen Vereines für Naturwissenschaft zu Hermannsladt ertheiite der 
damalige Gouverneur von Siebenbürgen, Fürst zu Schwarzenberg, 
S. den erfreulichen Auftrag, seine Forschungen durch eine natur- 
wissenschaftliche, eigentlich botanische Rundreise auf Staatskosten 
abzuschliessen, welches Auftrages er sich in dem Zeiträume vom 5. 
Juli bis 15. August 1853 z'ur vollsten Zufriedenheit entledigte und 
durch schmeichelhafte Anerkennungsdekrete des Gouvernements als 
auch von Sr. Durchlaucht direkt dessen versichert wurde. Auf dieser 
Rundreise wurde S. von dem genialen jungen Naturforscher Albert 
Bielz begleitet, was zu dem günstigen Erfolge dieser Reise sehr viel 
beigetragen hat, da S. der Landessprachen nicht mächtig war und 
seine Aufmerksamkeit vorzugsweise der Pflanzenwelt zuwendete, 
während Bielz der Tbierwelt seine Beobachtungen widmete. Aber 
auch die geologischen Forschungen wurden bei dieser Rundreise nicht 
vernachlässigt. Der umfassende Reisebericht wurde 1859, also sechs 
Jahre nach der Reise, im Auszuge gedruckt und verö£Pentlicht. Es 
fehlt dem Abdrucke zwar manches im Manuskript Besprochene, aber 
er ist noch immer reich genug, um die auf dieser 120 Meilen um- 
fassenden Rundreise entwickelte Thätigkeit ersichtlich zu machen. 
Von den damals gesammelten 2300 neuen und seltenen Arten wären 



Der Versuch gpelang vollkommen, denn nach wenigen Wochen hatte 
S. einen hübschen Wirkungskreis und eine Einnahme,^ die wenigstens 
der eines Prof. extraordinarius gleichkam. Allein diese Freude sollte 
nicht lange währen. Die Cholera hielt in Berlin ihren Einzug und 
Professoren und Studenten stoben nach allen Richtungen auseinander 
und mit der fast gänzlichen Auflösung der Universität war auch die 
Einnahme S.'s sehr vermindert. Auf Anrathen seines Gönners Hermbstaedt 
nahm^ S. eine Stelle als Chemiker in einer chemischen Fabrik an, 
aber diese genügte S. keineswegs und sein unruhiger Geist strebte 
nach einem öffentlichen Wirkungskreis. Dieses Streben führte eine 
Katastrophe herbei, die für sein ganzes Leben entscheidend war. Der 
Medizinalrath Bergemann war gestorben und S. meldete sich zur 
Uebernahme dieser Stelle, da solche durch Apotheker besetzt wurde. 
Auf seinen Antrag erhielt er den Bescheid vom Ministerium, dass 
man zwar von seinen Kenntnissen überzeugt sei, dass Bewerber aber 
keine Apotheke besitze und überhaupt zu jung wäre (S. war damals 
32 Jahre alt). Diese vermeintliche Zurücksetzung brachte ihn ausser 
Fassung und bestimmte ihn, das Anerbieten Wagemann's anzunehmen 
und als Direktor einer chemischen Fabrik nach Wien zu gehen. 

S. war nun Direktor der chemischen Fabrik in Liesing bei Wien 
und hatte durch die Annahme dieser Stelle der Universitätskarriere 
entsagt. Er vertiefte sich jetzt in chemisch-technische Studien, aber 
die Botanik blieb seine Erholung. Die reiche Flora von Wien wirkte 
sehr anregend und Ausflüge nach dem Schneeberg, Steiermark, Ungarn 
u. s. w. lieferten reiche Ausbeute an seltenen Pflanzen und vielfache 
Belehrung über die Vegelationsverhältnisse Oesterreichs. Auf der Reise 
von Berlin nach Wien hatte S. Sachsen und Böhmen botanisch, wenn 
auch etwas flüchtig, durchforscht und die Vegetationsverhältnisse 
dieser int(3ressanten Länder kennen gelernt. In Dresden hatte er die 
Freude, den gegenwärtigen Altmeister der Botanik, den genialen, 
höchst interessanten und gelehrten Dr. L. Reichenbach persönlich 
kennen zu lernen, dessen Andenken ihm noch heute werth und theuer 
ist. In Wien wurde fleissig gesammelt und in wenigen Jahren eine 
Flora von Wien und des Schheeberges zusammengetragen. Verzeich- 
nisse dieser Exkursionen liegen als Manuskripte vor und sind, wenn 
auch veraltet, doch ein Beweis von seiner Thätigkeit. Von den Wiener 
Botanikern, mit denen S. damals Umgang hatte, lebt nur noch Dr. 
Fenzl ; v. Welwilsch, Kotschy u. a. sind nicht mehr am Leben. Von 
den späteren Botanikern kam S. noch mit Unger und Reissek in Be- 
rührung, aber auch diese sind bereits nicht mehr. Dr. Skofitz lernte 
S. 1856 persönlich kennen, wo er Mitarbeiter dessen Oest. bot. Zeit- 
schrift wurde. Höchst erfreulich war für S. die persönliche Bekannt- 
schaft mit Baron Jacquin^ dem Sohne des berühmten Botanikers. Der 
alte Herr nahm ihn sehr freundlich auf und lud ihn zu den jeden 
Mittwoch stattfindenden vertrauten Abendzirkeln ein, was insoferne 
grossen Werth hatte, als dies damals der einzige Ort in Wien war, 
wo in- und ausländische Gelehrte sich ungenirt treffen konnten. 



) B 5£^ Oesterreichische 

Botanische Zeitschrift 

Gemeinnützig^es Organ 

für 

Die liflterreiohifleb« Ezemplare 

bötanUobe ZeltMbrirt RAiAnik mtkJk RA^aiiilrAv« die fk>el darch die Post be« 

erscheint D«lll|llll. nflU DVIIIDlIlfr) aogea werden soUen, sind 

den Ersten jeden Monats. blos bei der Redaktioa 

«ianjräuumerjt^au^seii.e ^^^^ Usmm, Forslmäimer, Aerele, '"'" vfSISZriJ«: "•' 

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/»".^w.''fÄ:") Apotheker und Techniker. ""V^I'^teratlVr* 

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Inserate _ in Wien, 

die ganze Petitzeile ft 1 ■<> ^« alle übrigen 

15 kr. Ost. W. *1= X» Buchhandlungen. 



XXVI. Jahrgang. WIM, Jäaner 1876. 



ZNBAIaT: Gallerie österr. Botaniker. — Wellung der Zellmembranen. Von Dr. "Wiesner. — Bpüo- 
bium Kemeri. Von Dr. Borbas. — Fungi nov. austr. Von Thümen. — Zur Flora Ton Mabren. 
Von Oborny. — Algen des Triester Golfes. Von Hauck. (Fortsetzung.) — Vegetationsverhälinisse. 
Von Dr. Kerner. — Pflanzen auf der Weltausstellung. Von Antoine. (Fortsetzung.) — Correspondeaz. 
Von Dr. Haynald,Dr. Rauscher, Dr. Keck, Dr. Marchesetti. — Personalnotizen. — Botanischer 
Tauscbverein. — Inserate. 



Gallerte österreichischer Botaniker. 

•XX. 

Ferdinand Schur. 

(Hit einem litliograplurten Porträt.) 



D. 



T. Johann Ferdinand Schur wurde am 18. Februar 1799 
zu Königsberg in Preussen geboren, wo seine Eltern als unbemittelte 
Bürgersleute lebten. Mit dem sechsten Jahre kam er in eine Bürger- 
schule, wo er bis zum zehnten Jahre blieb, und trat dann in das 
kneiphof'sche Dom-Gymnasium. Als S.^ 14 Jahre alt war, wurde dieses 
antiquirte Gymnasium in eine höhere Bürgerschule umgestaltet und 
die Folge davon war, dass die Schüler, welche eine akademische 
Laufbahn im Auge hatten, diese Anstalt verliessen. Auch S. gehörte 
zu den Austretenden und da seine Verhältnisse es ihm nicht ge- 
statteten, ein anderes Gymnasium zu besuchen, so beabsichtigte er 
im Vaterhause sich privatim auf die akademische Studentenprüfung 
vorzubereiten, allein durch Unglücksfälle hatten sich die Geld Ver- 
hältnisse seiner Familie so vermindert, dass der Knabe das Studirea 
aufgeben musste. — S. wählte nun die Pharmazie zu seinem Lebens- 
berufe, um mit der ihm lieben Pflanzenwelt in einigem Verkehr zu 

Oesterr. botan. Zeitsohrifk. h Heft. 1876. 1 



6 

besonders hervorzuheben Centaurea Schtoarzefibergiana Schür und 
Plantago Schwarzenbergiana. 

Hierauf wurde S. von der Kronstädter Schuldirektion als Professor 
der Naturwissenschaft an das Obergymnasium und die Realschule 
berufen, eine Ehre und Ausnahme insoferne, als solche Stellen Durch- 
gangsposten für Pfarrer sind. Auf die Anfrage, ob S. eine Lehrer- 
prüfung abzulegen habe, antwortete die SchulbehOrde zu Hermann$tadt, 
dass dieses nicht nöthig wäre, da sie von den ausgebreiteten Kennt- 
nissen des Dr. Schur hinreichende Beweise habe. Aber S. fühlte sich 
in diesem Verhältnisse nicht wohl und er gab auch diese Stellung auf 
(1854), um nach Wien zurückzukehren. Sein einziger botanischer 
Freund in Kronstadt war Apotheker Hornung, in dessen GeselUichaft 
er viele Exkursionen ausführte. 

S. hatte in dem prächtigen Siebenbürgen neun Jahre verlebt 
und zwar dem Berufe nach als Fabrikant^ seiner Neigung nach als 
eifriger Naturforscher, indem er seine freie Zeit der Naturwissen- 
schaft, vorzugsweise der Pflanzenwelt widmete. Das Land ist von ihm 
in mehreren Abhandlungen hinsichts seiner Schönheit und Mannig- 
faltigkeit an Naturschätzen beschrieben worden. Die botanischen Ex- 
kursionen gehören zu den interessantesten und ausgiebigsten seines 
ganzen Lebens. Hier, wo man auf einer Grundfläche von etwa 130 
Meilen alle Yegetationszonen wie auf einer Musterkarte übersehen 
kann, fand S. die sprechendsten Beweise für seine Ansicht tlber die 
Unbeständigkeit der Pflanzenarten und es war daher Siebenbürgen 
für seine botanische Richtung von grossem Einflüsse. Aus seinen 
Aufzählungen geht hervor, dass er in Siebenbürgen über 2000 für 
diese Flora neue und viele bisher nur im Osten Europa's bekannte 
Formen entdeckt hat, obschon S. kaum die Hälfte dieses Gebietes 
durchforschen konnte. 

S. war auch einer der Hauptgründer des Vereines für Natur- 
wissenschaft zu Hermannstadt (1847^ eröfi'net 1849), welcher merk- 
würdiger Weise von Kaiser Ferdinand aus Olmtitz bestätigt wurde. 
S. war, so lange er in Hermannstadt ar^vesend, Vice-Präses dieses 
Vereines und mit treuer Anhänglichkeit erinnert er sich aus dieser 
Epoche an Dr. Kayser, Karl und Mich. Fuss, Neugeboren, Mich, und 
Alb. Beilz, Reissenberger^ Kladni, Dan. Czekeli u. a. m. 

S. gehört mehreren inländischen wissenschaftlichen Vereinen 
und Gesellschaften an, z. B. der k. k. zoologisch-botanischen Gesell- 
schaft in Wien als Mitglied, dem Vereine für Naturwissenschaft zu 
Hermannstadt und der k. ung. Gesellschaft in Pest als Korrespondent, 
dem naturforschenden Vereine zu Brunn als Ehrenmitglied. 

Es ist merkwürdig, dass S. allenthalben, wo er botanisirte, un- 
bekannte und neue Formen entdeckte. Er erklärt sich dieses theils 
dadurch, dass er am liebsten auf unbetretenen Orten botanisirte, theils 
durch seine strengere Unterscheidungsweise. Auch meint S., dass die 
Einwanderung und Einbürgerung eine wichtige Rolle spiele, indem 
durch eine Reihe von Jahren der Charakter einer Flora dadurch sehr 



verändert wird, was ein Fremder leichter als ein Einheimischer, der 
seine Flora hinreichend zu kennen wähnt, entdeckt. 

1854 kehrte S. mit grossen Erwartungen nach Wien zurück, 
fand sich aber sehr enttäuscht. Seit sechs Jahren lebt er in Brunn 
und steht jetzt am Ende seines siebenundsiebzigsten Jahres, ist geistig 
mehr als körperlich ziemlich rüstig und lebt seit dem Tode seiner 
Gattin (1874) sehr zurückgezogen. Die Botanik ist ihm auch jetzt noch 
Erholung und Beschäftigung. Kleine Exkursionen verschmäht er auch 
heute nicht, aber am meisten botanisirt er in seinem aus 13.000 
Exemplaren bestehenden Herbarium und lebt in der Vergangenheit, 
da an jeder Pflanze sich irgend eine Erinnerung knüpft. Seit seiner 
Uebersiedlung nach Brunn ist S. fast von jedem wissenschaftlichen 
Verkehre abgeschnitten. Schur stand seit seinem zwanzigsten Jahre 
mit den Botanikern, welche an konstante Arten glauben, im Wider- 
spruche; denn er betrachtet die Pflanzen nur als Individuen, die je 
nach Umständen sich verändern und umbilden können und nur so 
lange konstant erscheinen, als alle Umstände des Mediums dieselben 
bleiben. 

Von grösseren von Schur durch den Druck publizirten botani- 
schen Arbeiten wären zu bemerken: 

Sertum Florae Transsih. Separat- Abdruck aus den Verh. d. siebenb. 
Ver. 1853 umfasst auf 94 Oktavseiten über 3000 siebenbürgi- 
sche Formen. 

Reisebericht. Separat- Abdruck aus den Verh. d. sieb. Vereines 1853 
p. 58 — 212. Auch als selbstständiges Werk von der k. k. Statt- 
halterei veröffentlicht. 

Eiiumeratio plantarum Transsilvaniae. Exhibens stirpes phanerogamas 
sponte nascentes atque frequentius cultas. Vindobonae 1866. Bei 
Braumüller erschienen. Umfasst auf 981 Oktavseiten über 4600 
Pflanzenformen mit ihren Abänderungen. Phanerogamen, Gefäss- 
kryptogamen, Moose, Lebermoose und Characeen. 

Von den Manuskripten soll hier nur die letzte kaum vollendete 
Arbeit erwähnt werden, welche nächstens unter dem Titel „Physio- 
graphische Beiträge zur Würdigung der vermeintlichen Pflanzenarten " 
im Druck erscheinen dürfte. Das Manuskript umfasst 80 Grossquart- 
bogen und handelt über die Formen und Abänderungen der Flora 
von Brunn. 

Zahlreiche kleinere Arbeiten von Schur brachten seit dem Jahre 
1856 die Oesterreichische botanische Zeitschrift und in früherer 
Zeit die Verhandlungen des Vereines für Naturwissenschaft zu 
Hermannstadt. 



•«^a.oO'V'«*- 



Kleinere Arbeiten des pflanzenphysiologischen Institutes 

der Wiener Universität. 



VII. 

Veber die Wellang (Faltung) der ZeUmembranen in den Ceweben der 
Lnftwnrieln Ton Hariwegia comosa Nees, nebst allgemeinen Be- 
merkungen über die Wellnng der Zellhänte, 

Von Prof. Wiesner. 

Die ersten genaueren morphologischen Untersuchungen über 
Hariwegia comosa wurden bekanntlich von Leitgeb durchgeführt. In 
einer lehrreichen Abhandlung, welche der genannte Autor unter dem 
Titel: ,,Zur Kenntniss der Hariwegia comosa Nees^ im Jahre 1864 
veröffentlichte^), wurde unter Anderem eine ausführliche Schilde- 
rung der Entwicklungsgeschichte und des anatomischen Baues der 
Luftwurzeln dieser in mehrfacher Beziehung interessanten Pflanze 
gegeben. 

Jenes als Hypoderma aufzufassende Gewebe, welches zuerst von 
Oudemans^) in den Luftwurzeln der Orchideen und Aroideen aufge- 
funden und von Letzterem als Endodermis bezeichnet wurde, hat 
Lietgeb auch in den Luftwurzeln der Hariwegia comosa beobachtet. 
Es liegt hier unmittelbar unter der Epidermis und bildet eine dicht 
gefügte Zellschichte, in welcher zweierlei histologische Elemente er- 
kennbar sind: kürzere kegelförmige Zellen, die sich am Querschnitt 
durch ihre konvexe äussere Wandung und ihren granulösen Inhalt 
ersichtlich machen, und langgestreckte Zellen, welche keinen granu- 
lösen Inhalt führen, die aber durch eine auf Fallung der Zellmem- 
bran zurückzuführende Streifung derselben in die Augen springen. 
Schon Oudemans hat die Streifung der Zellwände in den langge- 
streckten Elementen der Endodermis (Luftwurzeln der Orchideen) auf- 
gefunden und abgebildet^). 

Die Streifung der Endodermiszellen ist auf dem Querschnitt, 
noch deutlicher auf dem radialen Längsschnitt zu erkennen. Das Zu- 
standekommen derselben ergibt sich aus dem Tangentialschnitt, in 
welcher Ansicht diese Zellen wellenförmig kontourirt erscheinen, ent- 
sprechend dem Durchschnitt der gefalteten Zellmembranen. 

Da, wie schon Leilgeb hervorhob, die Faltung der Zellmem- 
bran im Querschnitte (und zwar an den radial gestellten Wänden) 
und im radialen Längsschnitte sich als Streifung zu erkennen gibt, 
ferner in der tangentialen Ansicht der Zellen die wellenförmigen 



^) Sitzungsberichte der kaiseil. Akademie der Wissensch. math. nat. Kl. 
Band 49. 

*) üeber den Sitz der Oberhaut bei den Luftwurzeln der Orchideen. 
Verhandl. der koninkl. Akademie von Wetenscbappen. IX, Amsterdam 1861, 
pag. 117, flu. 

•) Vgl. l. c. Tafel I, Fig. 10. 



9 

Contouren der Zellwand hervortreten, so ist zu erkennen, dass es 
nur die radialen Lähgswände der gestreiften Endodermis-» 
Zellen sind, welche die Erscheinung der Faltung (Wellung) 
zeigen. Die Falten der Zellmembran verlaufen nahezu nach einer 
Richtung, welche mehr oder minder genau senkrecht auf der Axe 
der Luftwurzel steht. Im radialen Längsschnitte machen die genannten 
histologischen Elemente den Eindruck von ringförmig oder schraubig 
verdickten Zellen. 

, An anderen als den gestreiften Zellen der Endodermis hat 
Lcitgeb eine Faltung der Membranen in den Geweben der Lufwurzeln 
von Hartwegia comosa nicht beobachtet. 

Es ist mir gelungen nachzuweisen, dass auch die Zellen der 
Gefässbündelscheide und des Parenchyms gefaltete Mem- 
branen besitzen. Erstere lassen dieses Strukturverhältniss leicht er- 
kennen und ein genaues Verfolger! der in den Richtungen der drei 
anatomischen Hauptschnitte sich kundgebenden Ansichten ihrer Zell- 
membranen lehrt, dass die Falten der letzteren in der Luftwurzel im^ 
Allgemeinen so orientirt sind, wie die Falten der gestreiften Endo- 
dermiszellen. Schwieriger ist es, die Faltung der Membranen in den 
Parenchymzellen zu erkennen. 

In den nachfolgenden Zeilen will ich die Faltung der Zellmem- 
branen in den Luftwurzeln der Hartwegia comosa genauer beschreiben, 
da wohl wenige Objekte zur Demonstration dieses Formverhältnisses 
der Zelle so geeignet sein dürften, als dieses, welches in den Zellen 
des Hypoderma, des gewöhnlichen Parenchyms und der Gefässbündel- 
scheide, also im ganzen Bereiche des Grundgewebes der 
Wurzel uns die Fallung der Zellwand darbietet. 

Ich werde diese Gelegenheit benützen, um hieran einige allge- 
meine Bemerkungen über Faltung der Zellmembran zu knüpfen. Zu 
diesem Behufe dürfte es zweckmässig sein, in Kürze unsere Kennt- 
nisse über dieses Formverhältniss der vegetabilischen Zelle zusam- 
menzufassen. 

Die Faltung der Membranen gewisser vegetabilischer Zellen ist 
schon vor langer Zeit als quere Streifung gesehen worden. Man hielt 
sie aber lange für eine Verdickungsform der Zellwand, bis Caspary^) 
ihre wahre Natur erkannte. 

Caspary unterscheidet zwischen der „Wellung'' lebender und 
todter Zellen. Mit ersterer, welche ein „Resultat des Wachsthums 
und somit des Lebens'' ist, beschäftigt sich der Autor eingehender 
und die folgenden Betrachtungen beziehen sich ebenfalls nur auf le- 
bende Zellen. Die „Wellung" todter Zellen, z. B. jene der Periderm- 
zellen der Korkeiche und von Viburnum lantanoides wird von ihm 



*) üeber Streifung der Zellwand, verursacht durch Wellung. Bot. Zeitg* 
i853. p. 801 u. flFd. Daselbst auch über die von Hedwig (1782), Mirbel (1839), 
Link (1839) und Planchon (1850—1852) gemachte Auffindung der durch Faltung 
hervorgebrachten, aber fälschlich gedeuteten Strei^ng. 



10 

nur nebenher erwähnt und als Resultat des Vertrocknens der betref- 
fenden Gewebe hingestellt. 

Fallung der Membranen lebender Zellen fand Caspary im Meso- 
phyll der Blatter von Hechtia plenifolia Zucc, H, stenopetaia Klotzsch, 
Dasylirion pitcairnifolium Karw. et Zucc, Victoria regia Lindl. etc.; 
im Parenchym des Stammes von Cucurbita Pepo L., Hydrilla deu" 
tata var. pomeränica Casp., Najas minor L., Ceratophyllum demer-' 
sum L. etc.; im Parenchym der Rinde von Phoenix dactylifera L., 
Nymphaea alba L.; im Parenchym der Kelch- und Blumenblätter 
von Nymphaea alba. Auch die ringförmigen Einschnürungen an Con- 
ferva (Oedogonium) undulatum Breb. deutete Caspary als Faltung 
der Zellwand. 

Unabhängig von Caspary hat sieben Jahre später Oudemans die 
Streifung der Endodermiszellen der Luftwurzeln von Aärides suaveo^ 
lens Bl., Arachnanthe moschifera Bl. u. m. a. aufgefunden und in 
zutreffender Weise, nämlich als ^wirkliche Faltung" erklärt^). 

Vier Jahre später (1864) machte Caspary wieder ein neues 
Vorkommen faltiger Zellmembranen bekannt. In seinen „Bemerkungen 
über die Schutzscheide und die Bildung des Stammes und der Wur- 
zel'' *) kommt Caspary auf eine von ihm früher angestellte Beobachtung 
zurück, nämlich auf ein eigenthümliches an den Membranen der 
„Schutzscheide'' (Gefässbündelscheide, Strangscheide) anzutreffendes 
Strukturverhältniss, welches er damals irrig, nämlich als durch lineare 
Poren verursacht, andeutete, später aber als „Wellung" der Wand 
erkannte. Er beschrieb in der bezeichneten Abhandlung die Faltung 
der Membranen der Schutzscheide von Ficaria ranunculoides Roth, 
Elodea canadensis Rieh., Brasenia peltata Pursh. und Charlwoodia 
rubra Planch. 

Später hatPfitzer^) die namentlich auf den radialen Längswänden 
der die Gefässbündelscheide der Equiseten zusammensetzenden Zellen 
deutlich vorhandene Faltung beobachtet. 

Neuestens hat Kamieäski die Wellnng der Zellmembranen an der 
Gefässbündelscheide des Stammes, der Wurzel und Blätter der Pri- 
mulaceen^) aufgefunden. 

Andere als die genannten Arbeiten über diesen Gegenstand 
sind mir nicht bekannt geworden. 

Gelegentlich erwähnt auch DippeP) die Faltung der Zellmem- 
bran in der Gefässbündelscheide, nämlich bei Abhandlung des ana- 
tomischen Baues der Monokotylen-Wurzel. Auch Sachs ^ berührt die 
Faltung der Strangscheide-Zelle. 



*) L c. p. H. 

*) PringsDeim*8 Jahrb. für vnssensch. Bot. Bd. IV^ p. <01 flFd. 

*) lieber die Schutzscheide der deutschen Equiseten. Pringsh. Jahrb. Hir 
wissensch. Bot. Bd. VI, (1867). 

^) Zur vergl. Anatomie der Primelo. Strassburg 1815. S. das Referat 
über diese Arbeit in der Bot. Zeitg. 1875, pag. 786 ffd. 

&) Das Mikroskop. II. p. 275. 

*) Lehrbuch der Boiamk 3. Aufl. p. 109. 



11 

Alle Beobachter stimmen darin tiberein, dass die jüngsten Ent- 
wicklungsstadien der Zeilen die- Erscheinung der Faltung der Mem- 
bran noch nicht zeigen^ sondern dass die letztere erst später, wie 
Caspary sich ausdrückt, im reiferen Alter der Zelle, eintritt. 

In manchen Geweben ist, wie in der Endodermis der Orchi- 
deen-Luftwurzeln^ die Faltung der Zellwand nur an bestimmten Zell- 
wanden anzutre£Pen, und zwar hier bloss an den radialen Wänden. In 
anderen Fällen (z. B. bei Oedogonium undulatum) geht die Faltung 
rund um die Längswandung der Zelle herum. 

Wenn die Faltung nur an bestimmten Seitenflächen der Zellen 
zu bemerken ist, so ist entweder die ganze Wand (z. B. bei den 
Endodermiszellen der Orchideen und der Harttoegia comosa}^ oder 
es sind bloss einzelne Theile derselben (Schutzscheidezelle aus dem 
Hauptstamme der Brasenia peltata nach Caspary) gefaltet. 

Die an den Seitenwänden auftretenden Falten laufen entweder 
quer über die ganze Fläche der betreffenden Wände oder bloss über 
einen Theil derselben. 

Nach Caspary kommt es bei manchen Wellenbildungen vor, 
dass im weiteren Verlaufe der Entwicklung des Gewebes die Faltung 
wieder ausgeglichen wird, wie diess an der Epidermis des Blattes 
von Peperomia rubricaülis Dietr. zu bemerken ist, deren Zellen nur 
insolange Faltung zeigen, als noch keine Verdickung ihrer Wände 
eingetreten ist. 

Caspary hat gezeigt, dass die „Wellung^ sich auch künstlich 
durch Anwendung von Kalilauge oder Schwefelsäure verstärken lässt 0« 
Schon einige Jahre früher fand ich gemeinschaftlich mit A. Weiss, 
dass bei Behandlung von Oberhautgeweben verschiedener Pflanzen 
mit Kupferoxydammoniak die Schliesszellen der Spaltöfi'nungen wellen- 
förmige Ein- und Ausbuchtungen annehmen, eine Erschemung, die 
offenbar auf denselben Ursachen wie die Verstärkung der „Wellung" 
durch Kalilauge oder Schwefelsäure beruht^). Ich komme weiter unten 
noch auf diesen Punkt zurück. — 

1. Faltung der Zellmembran in den langgestreckten 
Zellen der Endodermis der Harttoegia comosa, Leitgeb zeigte 
bereits, dass die durch Faltung bedingte Streifung der Endodermis- 
zellen am radialen Längsschnitt deutlicher als am Querschnitt hervor- 
Iritt. Die Deutlichkeit des Hervortretens am Querschnitte hängt von 
der Lage der radialen Längsscheidewände dieser Zellen gegen die 
Axe der Luftwurzel ab. Je mehr diese Fläche gegen die Axe der 
Wurzel geneigt ist, desto deutlicher müssen die Streifen auf dem 
Querschnitt erscheinen. Bei genau vertikaler Stellung der Längs- 
scheidewände — die Axe der Luftwurzel vertikal gedacht — könnten 
am Querschnitte die Falten der Wand nicht mehr getrennt sichtbar 
sein. Die quere Lage der Falten auf den radialen Längswänden der 



*) Prings. Jahrb. IV. p. 105 ffd. 

') Ueber das Verhalten des Kupferoxydammoniaks zur Pflanzenwelt etc. 
Sitzungroer. d. kais. Akad. d. Wissensch. Bd. 44 (1861). 



12 

Endodermiszellen macht es begreiflich, warum am Querschnitte die 
durch die Faltung bedingten Streifen beiläufig radial verlaufen und 
nur in der Nähe der radialen Längswände anzutre£Pen sind. 

Am radialen Längsschnitte erscheinen die Streifen über die 
Zellwand ziemlich gleichmässig verbreitet. Die Länge der Zellwand 
beträgt etwa 0-10— 018 """". Auf diese Länge vertheilen sich 23— 
41 Falten (Streifen). Im Mittel beträgt desshalb die Entfernung der 
Falten voneinander in der Endodermis 0*0040 Millim. 

Am Tangentialschnitte erkennt man die Undulatton der Wand, 
wie schon Leitgeb zeigte, direkt. Durch Isolirung der Zellen nach 
dem Schulz'schen Verfahren, wie Leitgeb zeigte, oder mittelst Kali- 
lauge lässt sich die wellige Faltung der gestreiften Zellen der Endo- 
dermis schön zur Anschauung bringen. 

Die Entwicklungsgeschichte der Endodermis hat bereits Leitgeb 
gegeben und hervorgehoben, dass die Di£Perenzirung der Endodermis- 
zellen in die beiden obengenannten Elemente erst eintritt, wenn die 
über den betreffenden Zellen der Endodermis gelegenen Epidermis- 
zellen unter der Wurzelhaube hervortreten. In diesem Zeitpunkte ist 
die Faltung der Zellmembranen noch nicht bemerkbar, sie wird tiefer 
im Gewebe, etwa 1 — 2 Millim. unter der Wurzelspitze sichtbar. Etwa 
in derselben Höhe der Wurzel erscheint die Faltung der Membranen 
der Gefässbüitdelscheide-Zellen. Etwas näher dem Vegetationspunkte 
fand ich bereits die Faltung im Parenchym angedeutet. 

2. Faltung der Zellmembranen in der Gefässbündel- 
scheide der Luftwurzeln von Hedw, comosa, Leitgeb hat sich 
über die Gefässbündel der Luftwurzeln unserer Pflanze nicht näher 
ausgesprochen. Er sagt hierüber bloss Folgendes: „Im Verdickungs- 
ringe unterscheidet man einen Kreis von (8 — 13) Gefässbündeln, 
die ein mit vielen Intercellulargängen durchzogenes Mark einschliessen.^ 

Diese Gefässbündel schliessen seitlich dicht aneinander und sind 
von einer sehr scharf ausgeprägten gemeinschaftlichen Gefäss- 
bündelscheide umschlossen. Hinter derselben liegt eine Schichte von 
kurzen Bastparenchymzellen, an welche sich nach innen zu in ra- 
dialen Reihen die Gefässe (Ring-, Spiral- und getüpfelte Gefässe 
nebst Tüpfelleitzellen) anschliessen, zwischen welchen ein aus Bast- 
parenchym und Siebröhren bestehendes Gewebe zu liegen kommt. 
Eine scharfe Gliederung des Gefässbündels in Bast- und Holztheil ist 
nicht erkennbar. 

Die Zellen der gemeinschaftlichen Gefässbündelscheide erschei- 
nen im Querschnitte 4 — Gseitig, isodiametrisch oder in radialer Rich- 
tung gestreckt. An den markwärts gewendeten Tangentialwänden 
haftet der Zellkern in Form eines Kugelsegments an. Radiale Seiten- 
wände sind an jeder Zelle deutlich erkennbar. Von diesen Wänden 
aus gehen, und zwar in radialer Richtung die durch Faltung be- 
dingten Streifen der Wand. Da aber die radialen Wände nur wenig 
von der radialen Längsrichtung abweichen, so sind die Streifen hier 
im Allgemeinen weniger deutlich als an den querdurchschnittenen 
Endodermiszellen su sehen. Bei genauer Beobachtung sieht man, dass 



13 

die gestreiften Seitenwände nach der Geßissbündelseite stärker von 
der radialen Richtung abweichen, als nach der Rindenseite hin, so 
dass es bei Betrachtung des Querschnittes den Anschein gewinnt, 
als wären die radialen Wände der Zellen der Gefässbündelscheide 
nach innen zu stärker als nach aussen verdickt. 

Am radialen Längsschnitte erkennt man < kaum minder scharf 
als an den radial durchschnittenen Endodermiszellen die Streifung« 
Am tangentialen Schnitte wird die wellenförmige Gestalt der Wand 
ersichtlich. Da aber die tangentialen Wände gegen die Oberfläche 
der Wurzel etwas geneigt sind, so erscheinen dieselben bandförmige 
und es gewinnt den Anschein^ als würden die Zellen dieses Gewebes 
sehr dickwandig sein, was aber durchaus nicht der Fall ist. Die An- 
sicht der tangentialen Seitenwände der Zellen der Gefässbündelscheide 
gleicht völlig jenem Bilde, welches Oudemans von dem tangentialen 
Schnitte durch die Endodermiszelle von Arachnanthe moschifera ge- 
geben hat^). 

Die Faltung geht quer über die Radialwände, dieselbe in der 
Regel von einem Ende zum anderen durchschreitend. Selten sind auch 
die nach aussen oder innen zu. liegenden Tangentialwändd schwach 
wellenförmig gefaltet, wie Längsschnitte erkennen lassen. 

Der radiale Querdurchmesser der Zellen der Gefässbündelscheide 
misst etwa 0-035— 0056 Millim., der tangentiale 0-02f— 0-046, die 
Längsaxe 0090— 0*226 Millim. 

Nach Zählungen und Messungen, welche an den radialen Längs- 
wänden der Zellen der Gefässbündelscheide vorgenommen wurden, 
beträgt die Entfernung der Falten von einander im Mittel 0*0047 
Millim. Die Faltung ist desshalb an den Zellen der Gefässbündelscheide 
fast ebenso reichlich wie an denen der Endodermis entwickelt. 

3. Faltung der Zellmembran des Parenchyms der 
Luftwurzeln von H. c. In den Luftwurzeln der H. c. gliedert sich 
das Parenchym in zwei Partien, in das zwischen Endodermis und 
Gefässbündelscheide gelegene Rindenparenchym und das von den 
Gefässbündeln umschlossene Mark. Alle Parenchymzellen sind dünn- 
wandig, scharfkantig bis abgerundet sechsseitig im Querschnitte, im 
Sinne der Längsaxe der Luftwurzel gestreckt. Am Querschnitte er- . 
scheint die Faltung als Streifung. Die Streifen laufen den Zellgrenzen 
parallel, liegen desshalb an den Längswänden und zwar in einer auf 
der Längsaxe der Zellen senkrechten Richtung. Im Rindenparenchym 
ist die Faltung deutlicher als im Mark. An Wurzeln, welche submers 
oder in Luft erzogen wurden, tritt sie schärfer als an im Boden zur 
Entwicklung gebrachten hervor. 

Auf den Längsdurchschnitten erscheint die Faltung in Form einer 
besonders in der Nähe der Gefässbündelscheide deutlich hervortretenden 
Wellung. 

4. Verbreitung der Zellwandfaltung in lebenden Ge- 
weben. Nach vielen Beobachtungen, die ich angestellt habe, scheint 



*) L. c. Taf. II, Fig. i5. 



14 

Faltung der Zellfnembran in lebenden Geweben ausserordentlich häufig 
vorzukommen. 

Im Parenchym der Intemodien und der hypocotylen StengelgUeder 
von Keimlingen sowohl monocotyler als dicotyler Pflanzen fand ich 
dieses Formverhältiiiss fast regelmässig auf; auch im Parenchym der 
Wurzeln von Keimlingen (z. B. bei Phaseolus multiflorus) beobachtete 
ich es. 

In air diesen Fällen (z. B. am hypocotylen Stengelgliede von 
Cannabis satim) ist die Faltung $0 orientirt wie im Parenchym der 
Luftwurzeln an Hartw. com.; erscheint mithin auf Querschnitten als 
eine zu den durchschnittenen Zellmembranen parallele Streifung. 

Nicht selten ist eine Faltung auch in longiiudinaler Richtung 
an den Seitenwänden zu beobachten, die im Querschnitte als Wellung 
ersichtlich ist. Dieselbe ist indess weder regelmässig noch reich ent- 
wickelt. 

Die im Querschnitte auftretende Streifung ist hier wohl nicht 
anders als durch Faltung hervorgerufen zu deuten, wenngleich in 
den Längsschnitten die Faltung nicht augenfällig, ja manchmal gar 
nicht ersichtlich ist. Bei genauer Prüfung findet man sie hier in der 
Regel stellenwei.'-e mehr oder weniger deutlich erhalten, namentlich 
an jenen Stellen der Zellwand, welche die Intercellulargänge begrenzen. 

Bei PhUseoluSy wo die Parenchymzellen der Internodien mit 
quer verlaufenden seichten Poren versehen sind, könnte es scheinen, 
als würde die im Querschnitte ersichtliche Streifung auf diese Bil- 
dungen zurückzuführen sein. Etwas schief geschnittene nicht zu dünne 
Querschnitte, an welchen man die Poren als solche erkennen kann, 
zeigen das Zustandekommen der Streifung durch Faltung auf das 
bestimmteste und lehren auch, dass an Zellwänden, welche bereits 
scharf hervortretende Poren besitzen^ die Faltung der Zellwand ent- 
weder nicht mehr vorkommt oder bloss stellenwoise erhalten ist. 
HypoGOtyle Stengelglieder von Hanfkeimlingen Hessen die Streifung 
der Parenchymzellen in ganz unzweideutiger Weise erkennen, ob- 
gleich die Wände derselben, wie die Längsschnitte lehrten, in der 
^eit, in welcher die Streifung scharf ausgeprägt ist, noch frei von 
^oren sind. 

Die in vegetabilischen Oberhäuten so ausserordentlich häufig 
vorkommenden wellenförmig contourirten Epidermiszellen bieten offen- 
bar dasselbe Formverhältniss dar, wie die Parenchymzellen mit ge- 
falteten Membranen; nur kann hier die Wellung wegen der starken 
Abplattung der Zellen auf Durchschnitten nicht als Streifung erscheinen* 

5. Künstliche Hervorrufung der Faltenbildung vege- 
tabrlischer Membranen. Es ist schon oben hervorgehoben worden, 
dass es nicht nur gelingt, die natürliche Falten- oder Wellenbildung 
pfianzlicher Zellhäute künstlich zu verstärken, sondern ungefaltete 
Membranen zur Faltung zu bringen. Es gelingt dies sowohl bei 
Oberhautzellen, bei Schliesszellen von Spaltöffnungen, als auch bei 
Parenchymzellen, so lange sie noch wachsthumsfähig und dünnwandig 
sind, und zwar mit frisch bereitetem Kupferoxydammoniak. In jenen 



15 

Fällen, in welchen dieses Reagens die Wellenbildung der Zellmembran 
hervorruft, trilt dieselbe oft auch nach Einwirkung von Kali-, Natron- 
lauge oder Schwefelsäure, doch minder deutlich hervor. 

Ein sehr geeignetes Objekt hiefär ist ein Flächenschnitt durch 
das Blatt von Allium Porrum L., der so geführt wurde, dass er 
ausser der Epidermis auch noch eine oder zwei Lagen von Paren- 
chymzellen enthält. Legt man einen solchen Schnitt direkt in frisches 
(Baumwolle rasch lösendes) Kupferoxydammoniak ein/ so werden alle 
Zellen unter schwacher Quellung ein- und ausgebuchtet; ihre 
Zellmembranen erscheinen in Folge dessen wellenförmig gestaltet. Die 
Wellen verlaufen quer oder schief über die Längswände der Zellen. 
Die Querwände zeigen die Erscheinung minder deutlich als die Längs- 
wände, bei Querwänden an Oberhautzellen unterbleibt sie oft gänzlich. 

Während der künstlichen Faltung der J^llmembran bemerkt man 
eine sehr starke Oberflächenvergrösserung, hingegen nur eine ge- 
ringe Dickenzunahme der Zellmembran. 

6. Das Zustandekommen der Faltung der Zellwand im 
lebenden Gewebe. Dass die „Wellung" der Zellmembranen eine 
Wachsthumserscheinung ist, wurde von Caspary *) bereits ausge- 
sprochen. Es lässt sich dagegen umsoweniger ein Einwand erheben, 
als dieses Formverhältniss erst während des Wachsthums der Zellen 
auftritt und, wie von demselben Forscher hervorgehoben Wurde, 
während des Wachsthums der Zelle die Faltenbildung der Zellwand 
wieder aufgehoben werden kann. 

Es muss aber nach kurzer Ueberlegung schon klar werden, dass 
nur das (durch Intussusception staltfindende) Flächenwachsthum der Zell- 
membran, und dieses erst unter bestimmten Bedingungen, zur Faltung 
führen kann. 

Von vorneherein ist klar, dass Zellwände mit gleichmässigem 
Flächenwachsthum nur dann Faltenbildungen annehmen können, wenn 
die Oberflächenvergrösserung der Zellwände im beschränkten Räume 
erfolgt, also dem Ausdehnungsslreben der Membranen äussere Wider- 
stände entgegenstehen. Sind diese Widerstände nicht vorhanden, so 
kann die Oberflächenvergrösserung der Zellwand nur durch ungleich- 
massiges Wachsthum erklärt werden. 

Der Umstand, dass erst nach eingetretener Differenzirung des 
Urparenchyms in Grundgewebe, Hautgewebe und Gefässbündelgewebe 
Faltung der Zellmembran eintritt, also in einer Epoche, in welcher 
sichtlich das Wachsthum verschiedenwerthiger histologischer Elemente 
nach den Richtungen des Raumes ein verschiedenes ist und noth- 
wendiger Weise die Volum vergrösser ung eines Gewebes durch relativ 
langsame Entwicklung eines anderen gehemmt wird, lässt annehmen, 
dass durch das Flächenwachsthum der Zellmembran im 
beschränkten Räume die Faltung derselben zu Stande 
kommt. Für die Richtigkeit dieser Anschauung, auf deren genaue 
Begründung ich in dieser kurzen Mittheilung verzichte, spricht auch 



*) Bot. Zeit. 4853. 



1 



16 

der Umstand, dass dünne Längsschnitte durch zarte parenchymatische 
Gewebe die Faltung der Membran nicht mehr oder nur undeutlich 
erkennen lassen, wenn eine solche auch nach Aufweis anderer Schnitte 
in der pflanze vorhanden ist. In diesen Fällen wird die Faltung der 
Membran schon aufgehoben durch Beseitigung des Widerstandes, 
welcher die Faltung verursachte. 

In jenen Fällen, in welchen schon durch die Lostrennung eines 
Gewebes aus dem normalen Verbände die Faltung verschwindet oder 
wenigstens verringert wird, besteht offenbar ein Zusammenhang 
zwischen Gewebespannung und Faltung der Wand. Denn zweifellos 
muss eine Zelte, deren Längswände, so lange sie im normalen Ge- 
websverbande steht, quer gefaltet sind, bei der Ausgleichung der 
Faltung länger werden. 

Ein parenchymatisches Gewebsstück, dessen Zellen bei der Her- 
auslösung desselben aus dem normalen Verbände ihre Wellung ver- 
lieren, muss sich im Sinne der Längsaxe der Zellen strecken. In 
wie weit die Spannungszustände des parenchymatischen Grundgewebes, 
welches im jugendlichen Zustande ausserordentlich häufig Faltung der 
Zellmembran aufweist, durch letztere beeinflusst werden ^ müssen 
spätere Untersuchungen aufklären. 

Jedenfalls muss jetzt schon unterschieden werden zwischen 
variabler und stationärer Faltung der Zellmembran. Erstere kann 
nur in sehr zarten Geweben statthaben und verschwindet gänzlich 
oder wird wenigstens durch Aufhebung des die Faltung der Wand 
bedingenden Widerstandes verringert. Letztere bleibt erhalten, wenn 
auch die Widerstände , welche die Faltung verursachten , beseitigt 
sind, also auch dann, wenn die mit gefalteter Membran versehenen 
Zellen ausser Zusammenhang gebracht werden, wie diess die ge- 
streiften Elemente der Endodermis oder der Gefässbündelscheide an 
Luftwurzeln, oder w'ellenförmig contourirte, verdickte Oberhautzellen 
zeigen. Die stationäre Faltung der Zellmembranen tritt ein, wenn im 
beschränkten Räume die ihre Oberfläche vergrössernden Zellwände sich 
verdicken oder durch chemische Metamorphose die Zellen ihre Ela- 
stizität verlieren, wie diess durch Bildung von Holzsubstanz in der 
Wand der Zelle der Gefässbündelscheide ziemlich allgemein der Fall 
zu sein scheint. 

Die variable Faltung wird erfahrungsgemäss entweder wieder 
ausgeglichen, nachdem sie sich längere oder kürzere Zeit erhielt, 
oder sie geht in stationäre Faltung über. Die welligen Oberhautzellen 
zeigen, soweit meine Erfahrungen reichen, sofort stationäre Wellen- 
bildung (Faltung), welche dadurch zu Stande kommt, dass in der 
Zeit, in welcher die Flächen vergrösserung der Zell wände im be- 
schränkten Räume beginnt, die letzteren auch gleichzeitig an Dicke 
zunehmen. Die wellenförmig gestalteten Zellen anlangend, scheint es 
bemerkenswerth, dass dieselben vorzugsweise an der Unterseite der 
Blätter auftreten, woselbst in Folge relativ schwacher Beleuchtung 
das Wachsthum der Zellwände begünstigt ist. 



17 

Die Erscheinung der ^Faltung'' der Membran, wie uns selbe 
in den Zellen des Parenchyms, der Endodermis und der Gefässbündel- 
scheide so häufig entgegentritt, ist von der Bildung wellenförmiger 
Oberhautzellen nur graduell verschieden und es dürfte wohl kaum 
bezweifelt werden , dass beide Erscheinungen auch auf derselben 
Ursache beruhen. Es scheint desshalb zweckmässig, beide auf den ersten 
Blick verschiedene Form Verhältnisse in einen Begriff zusammenzu- 
fassen, also auch mit einem Ausdrucke zu belegen. Es dürfte wohl 
am passendsten sein, sich des von Caspar y gewählten Ausdruckes 
,,Wellung^ zu bedienen, da diese Bezeichnung nicht nur die ältere, 
sondern auch diejenige ist, welche für die Mehrzahl der Fälle als die 
zutreffendste erscheint. 



Epilobtuvn JKerneri n. sp. 

Auetore Dr. Vincentio de Borbäs. 

Syn. £. nutans. Kerner Vegetationsverhältnis^e des mittl. und 
östl. Ungarns und angrenzenden Siebenbürgens Nr. 616: non Schur, 
Tausch.; JS. fontanum Kern. herb, non Wahlenb. Fl. läpp, uec Schur 
ad Fuss Fl. Transsylvaniae; E. nutans Heuff.? 

E, perenne, radix fusiformis, fibrosa; caulis humilis, e basi re- 
pente erectus, 0*07 — 0*22 M. altus simplex vel rarius parce ramosus, 
inferne glaber, lineis 4. puberulis notatus, quarum duo oppositae 
costis foliorum mediis decurrentibus elevatae sunt; supeme cano- 
pubescens, apice cum floribus virgineis nutans, jam sub anthesi sar- 
menta elongata numerosa, aärea filiformia^ foliis oppositis lanceolatis, 
rarissime obovatis remotis obsita emittens, quorum nonnulla robustiora 
erecta saepe in ramos florentes convertunt; folia inferiora opposita, 
superiora alterna, omnia manifeste lanceolata, latitudinem 3 — 4plo 
longiora, in triente inferiore latissima, inde apicem obtusiusculum 
aecpie ac petiolum versus brevissimum sensim angustata, glaberrima, 
nitida, margine plana^ integerrima vel obsolete denticulata; racefnus 
3— Sflorus, flores virginei nutantes, infundibuliformes 8—10"^"* longi 
calycis laciniae lanceolatae ö"""" long., IV«"'"' latae; petala purpurea, 
Stigmata in ciavam coalita, capsulae erectae, cano-pubescentes vel 
sparse pilosae. 

Primus hanc speciem cel. A. Kerner in Hungarra detexit, ille 
primus ab affinibus (£. origanifoUo Lam., E. chordorhiso Fries, E. 
anagallidifolio Lam. et £. nutante Tausch) 1. c. . et in herbario suo 
pulcherrimo, quod ego aestate superiore studere potui, optime distin- 
xit. Quum mihi speciem novam, quam annis superioribus ego quoque 
ad rivulos vallis Groepa Bisztri alpium Szakö in Banatu^ in monte 
Arägyes subalpine, in locis turfosis ad lacum Zanöga et ad rupes 
humidulas vallis isudjele alpium Retyezät Transsylvaniae frequentissi- 

Oesterr. botan. Zeitschrift. 1. Heft. 1876. 9 



18 . ' ■ 

mam levebam, auctor celeberrimas divulgandam benigniter conces- 
serat^ nomen citatum ob homonyma antiquiora mutavi^ et viro de 
jBora hungarica optime merito dicavi. 

Ep. nutans Tausch, simillimum ,e montibus Isergebirge ad ther'- 
mas Schwarzbachenses (Trautmann exsicc. I), quocum stirpem nostram 
comparavi, caule semper simplici, glabriore, apice tantum puberulo, 
foliis sarmentorum nunquam florentium (?) fere rotundis vel obovatis, 
foliis caulinis inferioribus ellipticis, superioribus angustioribus quidem, 
sed semper ellipticis vel oblongis, nunquam ita^ ut in E, Kerneri 
mihi, acuminatis, sed apice rotundatis vel obtusis, caule apice etiam 
fructifero nutante, £. anagallidifolium Lam. (£. alpinum Fl. Germ, 
et Hung.) praeterea capsulis glabris. 

£. origanifolium Lam., quocum E, Kerneri m. in valle Groapa 
(germanis (jrube) Bisztri copiose crescit, foliis ovatis, remotiuscule 
r^pando-denticulatis^ fructibus glabriusculis, praecipue stolonibus sub-« 
terraneis (conf. Kern. 1. c). 

£. Hornemanni Reichb. (£. nutans Hörn.) „foÜis alternis ellip- 
ticis denticulatis" (conf. Reichb. fl. excurs. II. pag. 635) ex floribus 
albis (conf. Koch Synops. ed. III p. 209). 

£. chordorhiztum Fries, ^quod ego in lacu turfoso silvae inter 
Bakta et Agriam (Erlau) Hungariae centralis reperi, habitu altiore, 
foliis sessilibus, basi latissimis ect. (conf. Kern. 1. c.) diversissima. 

Forma foliorum ex capsulis erectis stirps nostra etiam Epi-^ 
lohn palustri L. similis^ hoc tamen caule altiore saepe ramoso," foliis 
caulinis lineari-lanceolatis eis Epilobii Kerneri mihi longioribus et 
angustioribus, stolonibus florigeris deficientibus, et costis foliorum mo- 
dus non decurrentibus, foli|s margine revolutis^ floribus minoribus 
distinctum. 



JFungi novi ausiriaci. 

Von P. V. Thümen. 

Im Laufe der Jahre 1871 bis 1875 gab ich unter dem Titel 
„Fungi austriaci exslccati** eine Sammlung getrockneter Pilze aus 
der österr.-ungar. Monarchie heraus. Diese Kollektion umfasst in 
Xin Centurien die Nummern 1 — 1300 und enthält Repräsentanten 
aller Familien der Pilze; dem Standorte nach sind darin: Nieder- 
Oesterreich, Ober-Oesterreich, Salzburg, Böhmen^ Mähren, Steiermark, 
Kärnthen, Tirol, Ungarn, Slavonien, Militärgrenze und Siebenbürgen 
vertreten. Von neuen Arten und Varietäten enthalten die „Fungi 
austriaci exsiccati" 41, und da der Natur der Sache gemiss die 
Sammlung sich nur in wenigen Händen befindet, es aber wün^chens- 
werth ist, dass die darin aufgestellten neuen Formen allgemeiner be- 
kannt werden, so will ich in Folgendem dieselben mit ihren Dia- 
gnosen publiziren. 



19 

1. Marasmius Kirchneri Thm. F. austr. Nr. 909. Fries, Hyme- 
nomycetes europaei p. 473 no. 30. — Marasmius scorodonius var. 
Kalchb. olim in litt, ad Thümen. M. (S. Calopodes) pileo-carnosulo, 
margine saepe umbonato, pallide fusco-albido; lamelHs sparsis, distan- 
tibus, albido-fuscis, subdecurrentibus, stipite 1 — IV2 unc. longo, brun- 
neo, filiformi, glabro. — Stalura M» scorodonii. — Bohemia sept. 
Ossegg, in pinetis, non frequens, aut. 1873. Leg. de Thümen. Nomen 
in honorem dar. amic. Leop. Kirchneri, Chir. Mag. Kaplitzensis, diii- 
gentissimi observatoris florae et faunae Bohemiae. 

2. Lactarius pusillus Fr. var. pusillus Thm. F. auslr. no. 913. 
Constanter pusillus, V2 usque IV2 unc. altus, colore pallidiore. — 
Bohemia sept. in monte „Mückenberg'' prope Graupen in pinetis pa- 
ludosis, rarissime, aest. 1873. Leg. Bertha de Thümen. 

3. Coprinus micaceus Fr. var. nudus Thm. F. austr. no. 1002. 
C pileo fusco-ferrugineo, nudo, substriato, statura minore. — Bohe- 
mia sept. Prassetitz pr. Teplitz in arborum radicibus putridis, aut. 
1873. Leg. de Thümen. 

4. Daedalea unicolor Fr. var. resupinata Thm. F. auslr. 
no. 818. Pileo resupinato, lamellis distantibus, colore obscuriore. — 
Bohemia sept. Rosenthal pr. Graupen in Aceris campestris trunco 
adhuc vivo, vel eliam in radicibus deterratis aut. 1873. Legit de 
Thümen. 

5. Daedalea unicolor Fr. var. zonata Thm. F. austr. no. 1009. 
Pileo zonato, zonis griseis et pallide ochraceis alternantibus. -— Salis- 
buria ad truncos, aest. 1872. Leg. Dr. Sauter. 

6. Schiwphyllum commune Fr. var. incisum Thm. F. austr. 
no. 1109. Pileo margine inciso. — Transsylvania Langenthai pr. Bla- 
sendorf in ramis arborum, aest. 1873. Leg. C. Barth. 

7. Polyporus versicolor Fr. var. laceratus Thm. F. austr. 
no. 916. Differt poris laceratis, pileo saepe resupinato, a forma ly- 
pica — Bohemia sept. Probstau pr. Teplitz in Alni glutinosae trunco 
putride; raro aest. 1873. Leg. de Thümen. 

8. Corticium quercinum Fr. var. tiliaceum Thm. F. austr. 
no. 326. Differt a forma typica colore violaceo et magnitudine mi- 
nore. — Bohemia sept. Probstau pr. Teplitz in Tiliae ramis semi- 
putridis, vere 1872. Leg. de Thümen. 

9. Stereum purpureum Fr. var. molaceum Thm. F. austr. 
no. 820. St. pileo obsolete zonato, villoso, pallide griseo-flavo, hy- 
menio violaceo, in speciminibus siccis demum expalescenle. — Bo- 
hemia sept. Turn pr. Teplitz ad Quercus truncos emortuos, aut. 1873. 
Leg. de Thümen. 

10. Stereum hirsutum Fr. var. pilosiusculum Thm. F. austr. 
no. 821. jSi^. pileo pilosiusculo, saepe fere nudo, variegalo zonato, 
hymenio lutescente-aurantiaco. Bohemia sept. Teplitz in Quercus 
truncis semiputridis, aut. 1873. Leg. de Thümen. 

11. Spathularia fiamda Pers. var. plicata Thm. F. austr. 
no. 925. Sp, clavulis plicatis, spalhulatis, luteolis, stipite gracile, pal- 

2* 



20 

lidiore. Plantula semper minor, quam forma normalis. -— Bohemia sept. 
Dreybunken pr. Teplitz in pinetis, aut 1873. Leg. de Thümen, 

12. Spkaeria Echii Krchr. F. austr. n. 868, Sph, peritheciis 
gregariis, epidermide nitida, minutis, globosis, atris, nucleo albo, 
osliolis prominulis, papillatis, perforatis, ascis fasciculatis, oblonge- 
ovatis, 8sporis, 40°'°' long., Ib"""" crass., sporidiis obovato-oblongis^ 
simplicibus, hyalinis. — Bohemia merid. Krumau in caulibus aridis 
Echii mlgaris, aut. 1872. — Leg. L. Kirchner. 

13. Sphaeria Eupatorii Krchr. F, austr. no. 958. Sph. peri- 
theciis sparsis, globosis, atris, nucleo griseo, demum evacuatis; ascis 
stipitatis, cylindraceis, 80°'"' long., 12°'°' crass., sporidia 8, oblongis, 
hyalinis. — Bohemia merid. Circa lacum „Plöckensteiner See** in cau- 
libus putridis Eupatorii cannabini^ aut. 1872. Leg. L. Kirchner. 

14. Sphaeria Althaeae Krchr. F. austr. no. 1265. Sph, peri- 
theciis gregariis, lentiformibus, convexis, atris; ascis cylindraceis, sti- 
pitatis, 100°'^ long., 10°'°' crass., Ssporis, sporidiis monostichis, sub- 
obliquis, hyalinis, 20°'°' long., 8°'°' crass. — Bohemia meridion. In 
horto ducali Krumauense in Althaeae roseae caulibus emortuis, aut. 
1873. Leg. L. Kirchner. 

15. Sphaerella Cicutae Krchr. F. äüstr. no. 964. Sph. peri- 
theciis gregrariis, demum subliberis, multiformibus, depressis, papilla- 
tis, ätfis, osliolis prominulis; ascis vermiculato-curvatis, fasciculatis, 
8sporis, sporidiis ovatis, simplicibus, hyalinis. — Bohemia meridion. 
Circa lacum „Plockensteiner See" ad Cicutae virosae caules putrides, 
vere 1872. Leg. L. Kirchner. 

16. Rhaphidospora Betonicae Krchr. F. austr. no. 861. Fun- 
gus spermogonium: Peritheciis atris, subrotundis; spermatiis elongato- 
ellipticis, 4gutlulatis, hyalinis. — Bohemia merid. Salnau pr. Budweis 
in caulibus emortuis Betonicae hirsutae^ rarissime, vere 18i72. Leg. 
L. Kirchner. 

17. Pleospora Rudbeckiae Krchr, F. austr. no. 858. P. peri- 
theciis sparsis, maculae nigrae indeterminatae insidentibus, demum 
liberis; ascis clavato-longis, sporidia 8, disticha^ fusiformia, medio 
constricta, flavescentia, 40°'°' long., 5°'°' crass. includentibus. — Bo- 
hemia merid. Krumau in hortis in caulibus putridis Rudbeckiae am^ 
plexicaulis^ raro, vere 1872. Leg. L. Kirchner. 

18. Pleospora Chrysanthemi Krchr. F. austr. no. 1047. Fun- 
gus conidiophorus: Conidiis 3 — 4 loculatis, ad septa arcte ponstrictis, 
oblongis, utrinque obtusis. Fungus pycnidium nondum vidi! — Bohe- 
mia merid. Salnau pr. Budweis ad caules aridos Leucanthemi vul^ 
garis, vere 1872. Leg. L. Kirchner. 

19. Lophiostoma Menthae Krchr. F. austr. no. 1153. L. peri- 
theciis sparsis, atris; ascis oblongo-cylindraceis, substipitatis, 8sporis, 
60°'°' long., 8°'°' crass., sporidiis subdistichis, fusiformibus, perparum 
curvatis, 3 — 4 septatis, loculo subultimo crassiori, ad septa subcon- 
strictis, flavis, 16°'°' long., 1 — 5°'°' crass., utrinque subtiliter anguste 
appendiculatis, appendiculis sporidiorum quadruple brevioribus. — 
Bohemia meridionalis Krumau in caulibus emortuis Menthae silve- 



.21 

striSy saepe in consortione Pucciniae Menihae Lk. hieme 1870. Leg. 
L. Kirchner. 

20. Pnccinia australis Krnck. F. austr. no, 842. Acervulis 
stylosporiferis linearibus angustalis; stylosporis globosis, lae- 
vibus, pulchre aurantiacis, stipite nullo. Acervulis teleutosporiferis 
ellipticis, vel elongalo-ellipticis, apertis, exsertis, nigris; teleuto- 
sporis fuscis, ellipticis vel breviter ellipticis, medio vix vel non 
constrictis , apice paullo incrassatis, obtusis vel in acumen breve 
obtusum, sensim protractis, basi subrotundatis, laevibus^ longe stipi- 
tatis, stipite gracili^ subhyalino, vel laete fuscescente, teleutosporis 
longiore vel eas aequante. — Tirolia in adiscensu montis „Calvarien- 
berg" supra capellam pr. Bozen^ in foliorum pagina inferiore et va- 
ginis Moliniae serotinae M. et K. vivae, vix florentis, praesertim 
teleutosporas; Aug. 1873. Leg, Prof. Fr. Körnicke. 

A Puccinia Moliniae Tul. differl.: Uredine aurantiaco nee ob- 
scuro-fusco (sec. cl.. Schröter), teleutosporis brevius stipitalis, apice 
minus rotundatis, loeulo inferiore minus semiglobosa, episporio minus 
crasso; a Puccinia arundinacea Hedw. Uredinis forma et colore, 
teleutosporis pro ratione latitudinis^ brevioribus basi magis rotundatis, 
stipite longiore, graciliore, laetiore. 

21. Coleosporium Telekiae Thm. F. austr. n. 850. Stylospores 
in acervulis fulvis, vel aurantiacis, dein expallescentibus in pagina 
foliorum inferiore, sporis oblongo-ovatis, papillatis, similibus illis Co- 
leosporii Petasitidis. Teleutospores in acervulis compactis, mino- 
ribus, rubiginosis. — Transsylvania : in monte „Valyö mare**, com. 
Hunyad, ad folia viva Telekiae speciosae^ aut. 1873. Leg. H. Lojka. 

22. Aecidium Symphyti Thm. F. austr. no. 395. Aec. acer- 
vulis orbiculatis in macula expallescentia, cupulis confertis, minimis, 
rubro-aurantiacis, ore pauci-lacerato, sporidiis ovoideis, hyalinis. — 
Austria inferior. Lantersdorf pr. Krems ad Symphyti officinalis folia 
Viva. Aest. 1871. Leg. de Thümen. 

23. Aecidium Bellidis Thm. F. austr. no. 635. Aec, in acer- 
vulis gregariis, in foliis orbiculatis, in petiolis elongatls, cupulis con- 
fertis, pallide-flglvis, ore laevi, sporidiis globosis, vel rotundato-ovoideis, 
hyalinis. Bohemia sept., Dreyhunken pr. Teplitz in foliis, petiolisque 
vivis Bellidis perennis^ aut. 1872, raro. Leg. de Thümen. — Aeci'^ 
dium Compositarum Schicht, var. Bellidis Westd. Herb, crypt. belg. 
no. 836. 

24. Peronospora effusa De By var. Polygoni Thm. F. austr. 
no. 742 et 836. DiflTert a forma typica colore fere albido et caespi- 
tibus tenuibus. — Austr. inferior. Weinzierl pr. Krems in Polygoni 
Amculariae foliis vivis, aest. 1871. (P. efftisa var. Aviculariae Thm. 
olim, no. 742). — Bohemia sept. Teplitz ad folia viva Polygoni Con-- 
töltmli, vere 1872. (P. effusa var. Polygoni Convolvuli Thm. olim, 
no. 836.) Leg. de Thümen. 

25. Stilbum lejopus Ehrenbg. var. majus Thm. F. austr. 
no. 1184. In partibus omnibus major quam forma normalis. — Trans- 



22 

sylvania : Langenthai pr. Blasendorf In fimo ovino, aut. 1873. Leg, 
C. Barth. 

26. Diplodia Marsdeniae Thm. F. austr. no. .1164. D. peri- 
theciis gregariis, raro confluentibus, epidermide tectis, demum liberis, 
erumpentibus, majusculis, atris, fere , globosis; stylosporis ovato- 
oblongis, fuscis, IS"""" long., 6^°" crass. — Hungaria, Pest in horto 
botanico in Marsdeniae erectae R. S. ramuiis emortuis. vere 1873. 
Legit H. Lojka. 

27. Diplodia aceris Fckl. var. Negnndinis Thm. F. -austr. 
no. 1289. Peritheciis dense gregariis, demum liberis, erumpentibus, 
sporidiis minoribus. — Bohemia septentr., Tetschen in horto comitis 
ad ramulos emortuos Aceris Negundinis, raro, vere 1873. Leg. de 
Thümen. — Sphaeria Negundinis Op. in Seznam rostlin 143. 

28. Cytispora Hippophaäs Thm. F. austr. no. 282. C. peri- 
theciis sparsis, magnis, epidermide tectis, demum erumpentibus, atris, 
spermatiis cylindraceis, rectis, hyalinis, minimis. — Austria inferior: 
Weinzierl pr. Krems in ramis, truncisque emortuis Bippophaes rhc^n- 
noidis vere 1871, rarissime. Leg. de Thümen. 

29. Melasmia Berberidis Thm. et Wnt. F. austr. no. 261. 
M. Peritheciis dense gregariis, parvis, in macula brunnea paginae 
superioris foliorum, interdum etiam in pagina inferiore, concavis, atris, 
nitidis; sporidiis longo stipitatis, breviter cylindraceis, curvatis. — 
Austria infer. Förthof pr. Krems ad folia viva Berberidis vulgaris in 
loeo unico, rarissime, aut. 1871. Leg. de Thümen. 

30. Fusicladium orbiculatum Thm. F. austr. no. 774. Clado- 
sporium orbiculatum Desm, in Ann. de Sc. natur. 1849, XI. 275. 

31. Cryptosporium Magnoliae Thm. F. austr. no. 1069. C. 
peritheciis epidermide primo tectis, demum liberis, vix. erumpentibus, 
nigris; sporidiis pauci-curvalis, acuminatis. — Bohemia sept. Tetschen 
in horto comitis ad Magnoliae Umbrellae Desr. (M, tripetala L.) ra- 
mulos emortuos, aut. 1873. Leg. de Thümen. 

32. Ramularia Virgaureae Thm. F. austr. no. 1072. Ä. cae- 
spitibus tenuibus, flavo-viridibus, in mactila subdiscolori ; hyphis elon- 
gatis, articulatis, cuspidatis, simplicibus; conidiis ovato-oblongis, sim- 
plicibus, magnitudine varia. — Austria inferior : Rehberg pr. Krems 
ad Solidaginis Virgaureae folia viva, aest. 1871. Rarissime. Leg. 
de Thümen. — Fortasse fungus cönidiophorus Ascosporae Solida- 
ginis Fckl. 

33. Ramulariae Lysimachiae Thm. F. austr. no. 1177. R. cae- 
spitibus laxis, tenuibus, griseis, in macula orbiculari, fusca; hyphis 
erectis, subramosis, septatis, elongalis; conidiis variis: cylindraceis, 
ovatis, ovoideis, hyalinis. — Austria inferior: Waldhof prope Krems 
in Lysimachiae thyrsiflorae foliis vivis, aest. 1870. Leg. de Thümen. 

34. Ramularia Violae Fckl. var. Violae tricoloris Thm. F. austr. 
no. 1178. DifTert conidiis abbreviatis, septatis, a forma typica. — 
Bohemia sept. Königswald in Violae tricoloris arvensis foliis vivis, 
aut. 1873. Leg. de Thümen. 



23 

35. Oidium monilioides Lk. var. ochraceum Thm. F. austr. 
no. 1084. Differt sporidiis minoribus, ochraceis a forma typica. — 
Bohemia sept. Schönau prope Teplitz ad Bromi mollis folia viva, in 
locis humidis, umbrosis, raro, aest. 1873. Leg. de Thümen. 

36. Septoria Beteroae Thm. Fungi austr. no. 1188. S. perithe- 
ciis minutis, gregariis, conicis, atris in macula nivea expallescente, 
spermatiis filiformibus. — Austria inferior : Hohenstein prope Krems 
in Berteroae incanae foiiis vivis, rarissime, aest. 1870. Legit de 
Thümen. 

37. Septoria Althaeae Thm. F. austr. no. 995. S. peritheciis 
minutis, semiimmersis, atris, subglobosis, in circulo dispositis, in ma- 
cula exarida, pallide«brunnea. — Bohemia seplentr. Hernskretschen 
pr. Tetschen in Althaeae roseae foiiis vivis vel languidis, aest. 1873. 
Leg. de Thümen. 

38. Septoria Hellebori Thm. F. austr. no. 898. S. peritheciis 
minimis, subimmersis, atris in macula spadicea, arida. — Styria: 
Wildalpen pr. Hieflau ad Hellebori nijgiri folia viva^ raro, aest. 1869. 
Leg. de Thümen. 

39. Depazea Erdingeri Thm. F. austr. no. 697. D. peritheciis 
minimis^ numerosis, globosis, atris in maculis expallescentibus, aridis, 
griseis. — Austria inferior: prope Krems ad Sisymbrii Loeselii folia 
Viva, in loco unico, vere 1870. Leg. de Thümen. In honorem dar. 
amic : €aro]i Erdingeri, praefectis Seminarii Mariani, editoris „Florulae 
Kremsensis.^ 

40. Depazea Menthae Thm. F. austr. no. 1275. D. peritheciis 
minimis, solitariis, subrotundatis, in macula violacea, dein griseo- 
expallescentia» nigro marginata; sporidiis filiformibus^ — Bohemia 
sept. Klein-Kahn prope Königswald ad Menthae arvensis folia viva, 
raro, aut. 1873. Leg. de Thümen. 

41. Rhizomorpha aquaeductorum Thm. F. austr. no. 1198. Rh. 
colore fusco-nigra, stromate longissima (ad 16" usque 29" long.), 
filiforme, libro, simplice, raro ramoso, saepe tuberculato, strato me- 
dulläre albido. — Austria infer. pr. Schottwien in aquaeducto^ aut. 
1873. Leg. J. Wallner. 

Bayreuth in Bayern, Oktober 1875. 



•40»« 



Zur Flora von Mähren. 

Von A. Obomy. 

Im Laufe der heurigen Ferien unternahm ich eine Reise nach 
Waltersdorf bei Stadt Liebau in Mahren, um das in botanischer Be^ 
Ziehung noch wenig bekannte Quellgebiet der, Oder einigermassen 
kennen zu lernen. Ungunst des Wetters vereitelte theilweise mein 
Vorhaben, das Resultat meiner Reise wäre unter günstigeren Ver- 
hältnissen ein weitaus besseres gewesen. Unter den Pflanzen, die 



24 

ich mit meinem Freunde A. Burghauser tbeils im blühenden Zu- 
stande sammelte oder doch in Fruchtexemplaren beobachten konnte, 
befinden sich : 

Actaea spicata^ Aeena strigosa Schreb., Callitriche eema^ Ca- 
rex remota, Centaurea phrygia L., Cirsiwn rivulare Link, C erio- 
phorum Scop.^ Convallaria eerticillata^ Dentaria bulhifera^ Dent. 
enneophyllos^ Drosera rotundifolia, Epipogum Gmelini Rieb., EuphoT' 
bia dulcis^ Fumaria YaillanHi Lois, Galeopsis versicolor Curi., Ga- 
linm rotundifolium^ Gentiana Pneumonanthe^ G. germanica Willd., 
Geufß ritale^ Gladiolus imbriratus Host, Hieracittm Auricula^ Hier, 
boreale Fries, H, floribundnm W. et Grab., EL tridentatum Fries, JEfy- 
pericum tetrapterum Fries, Hypochoeris glabra, H. maculata, KnoMtia 
arvensis Coult., diese konstant mit gelblich weisser Bliithe. Lathyrus 
sylvestris, Lepntodon autumnalis var. trichocephalvs Nl., Lunaria 
rediviva, Lysimachia nemorum, Lychnis diurna Sibth., Menyanthes 
trifoliata, Molinia coerulea Mönch., Melampyrum nemorosum, Nardus 
stricta, Orchis globosa, Pedicularis palustris, P. sileatica, Prenanr- 
thes purpnrea, Pyrola minor, P. secunda, P, uniflora, Rhinanthus 
angustifolius Gmel., Rumex Acetosella, Scorzonera Aumilis, Sonchus 
arvensis, dieser fast ausnahmslos mit drüsenlosen Köpfen. Succisa 
pratensis Mönch., Trientalis europaea, Valerianella Auricula DG., F. 
dentata Pollich und Valeriana dioica. 

Nicht minder ausgiebig waren Resultate bezüglich der dort 
wachsenden Gefässkryptogamen. Ich sammelte: Equisetum palustre. 
E. limosum, E. sylvaticnm, Polypodium vulgare, P, Phegopteris, P. 
Dryopteris, P. alpestre Hoppe, Pteris aquilina, Blechnum Spicant 
Roth, Asplenium Ruta muraria, A. Trichomanes, Aspidium aculeatum, 
A. spinulosum Sw., A, cristatum Sw., A. Mlix ma>s Sw.. Cystopteris 
fragilis Beruh., Botrychium matricarioides Willd. und Lycopodium 
clavatum L 

Znaim, am 19. November 1875. 



Verzeichniss der im Golfe von Triest gesammelten 

Meeralgen. 

Von F. H^uck. 

(FortietBung.) 

Ghlorophyllophyoeae. 

Syphiiaeae. 

192. Anadyomene stellata (Wulf.) Ag. CA. flabellata Lam. Kg. Speo. 

Alg. p. 511). An Cystosirenstfimmen nicht selten. 

193. Acetabularia mediterranea Lamour (Kg. Spec. Alg. pag. 510). 

Triest, in grösseren Tiefen an Steinen, meist vereinzelt, Gradi) 
an Austernschalen. 



25 

194. Dasycladus elavaeformis Ag. (Kg. Spec. Alg. p. 508). Bei Triest, 

Grignano etc. auf Steinen. — Häufig. . 
1Ü5. ValofUa utricularis (Roth) Ag. (Kg. Spec. Alg. p. 507. — V, 

iticrustans Kg. — F. pusilla Ag. — V, cespitula Zan. — 

V, syphunculus Bertol.) 

var. Aegagropüa (F. Aegagropila Ag. Kg. Spec. Alg. 
p. 507). 

An Steinen, Cystosirenstämmen, die var. Aegagropila an 
sandigen Stellen. — Häufig. 
196. — macrophysa Kg. (Spec. Alg. p. 507. — F. Uvaria Kg.). An 
Schwämmen, Muscheln in grösserer Tiefe bei Pirano. Manche 
Formen zeigen grosse Aehnlichkeit mit Dictyosphaeria valo^ 
nioides Zan. 

197. Halimeda Tuna (Lamark) Lamour (Kg. Spec. Alg. p. 504.). Bei 

Miramar, Pirano; — an Cystosirenstämmen etc., selten und 
meist nur in kleinen Exemplaren. 

198. ürfo^aa Desfontainii Decne. (Kg. Spec. Alg. pag 503. — ü, ci- 

liata Kg. tab. phyc. VII, p. 7, tab. 19.) An Steinen, Muscheln, 
Cystosiren nicht selten. 

199. Codium tomentosum (Huds.) Ag. (Kg. Spec. Alg. p. 500). Bei Tripst, 

Pirano. ~ Nicht häufig. 
200.— adhaerens (Cabrera) Ag. (Kg. Spec. Alg. p. 502 — C. dif- 

forme Kg. tab. phyc. VI. p. 35, tak 99.) Bei Triest, Pirano 

an Steinen. 
201. — Bursa (L.) Ag. (Kg. Spec. Alg. p. 502). Triest, Pirano. 
202,Bryopsis arhuscula Lamour. (Kg. Spec. Alg. p. 493, tab. phyc. 

VI. tab. 84 Fig. 1 — B. flagellata Kg. 1. c. tab. 80, Fig. 2). 
Bei Miramar im Winter. 

203. — plumosa (Hds.) Ag. (Spec. Alg. 493, tab. phyc. VI tab. 83, 
. Fig. 2 — B. abietina Kg. Spec. Alg. p. 492, tab. phyc. VI. 

tab. 80, Fig. 1.) Sehr verbreitet und häufig. 
204.— cupressoides Lamour. (Kg. Spec. Alg. p. 492; tab phyc. VI, 

tab. 79, Fig. 1. — B, adriatica Menegh. Kg. tab. phyc. VL 

p. 28, tab. 79, Fig. 2.) Bei Miramar im Winter. 
205. — Balbisiana Lamour. (Kg. Sp. Alg. p. 490). 

var. tt. Lamourouxn (£. Balbisiana ß. interrnpta Kg. tab. 

phyc. VI, tab. 74, Fig. 2 — ß. dalmatica Kg. 1. c. p. 26, 

tab. 74^ Fig. 1.) 
var. /?. disticha (Kg. tab. phyc. VI, tab. 76, Fig. 1 — B. 

caudata Ks. 1. c. pag. 27, tab. 77^ Fig. 2). Bei Triest und 

Pirano häufig. 
206. — tenuissima Mor. et Denot. (Kg. Spec. Alg. pag. 490. — 

Derbesia marina Sol.) Triest, Miramar. — Fruktifizirt im 

August. 

207. Vaucheria Pilus Mart. (Rabenh. Fl. europ. alg. p. 273). Ueberall 

auf Schlammbänken im Meere. 

208. -^ submarina Berk. (Rabenh. 1. c. p. 269). In den Salineii von 

Capodistria etc. 



26 

VlTaceae. 

209. Monostroma quaternarium (Kg.) Desmaz. (Rabenh. 1. c. p. 317.) 

In Brackwassergräben bei Capodistria und den Paluden bei 
Monfalcone. 

210. Vita Lactuca (Linnö) Le Jolis (Algues mar. de Cherb. p. 38). 

a. rigida (Ag.) Le Jol. — 

ß. latissima (Linn.) Le Jol. — 

y. Lactuca (Linn.) Le Jol. 

Ueberall gemem, das ganze Jahr hindurch. 

211. — enteromorpha Le Jol. (l. c. p. 42). 

a. lanceolata (Linnö) Le Jol. 
ß, compressa (Linnö) Le Jol. ^ 

y. intestinalis (Linnö) Le Jolis. 

Var, a. und ß. überall gemein im Meere, var. y. in allen 

brackischen Gewässern. Die Form procerrima (Le Jol. 1. c. 

pag. 47). Oft über 2 Meter lang, in fast süssem Wasser bei 

Monfalcone. 

212.-— clathrata var. uncinata (Mohr) Ag. (Le Jol. 1. c. p. 51). Bei 

Triest, Grignano etc., nicht selten. 
213. — erecta (Lyngb.) Le Jol. (1. c. p. 52). Sehr verbreitet. — Im 

Frühjahr. 
214. — marginata (J. Ag.) Le Jolis [?] (Enteromorpha marginata 
J. Ag. Alg. mar. med*, p. Iß. — Kg. tab. phyc. VI, tab. 41, 
Fig. 1). Capodistria an Steinen im Sommer. 
215. — aureola Ag. (Kg. Spec. Alg. p. 481. Tab. phyc. VI, tab. 40, 
Fig. 3). Muggia an Steinen. 

(FortsetzuDfir folgt.) 



-*»0^- 



Die Vegetations-Verhältnisse des mittleren und östlichen 
Ungarns und angrenzenden Siebenbürgens. 

Von A. Eemer. 

Lxxxn. 

1500. Euphorbia Gerardiana Jacq, — An trockenen felsigen 
Bergabhängen, auf wüsten Sandhügeln und auf den Grasfluren und 
Viehtriften des Tieflandes. — Im mittelungar. Berglande in derPilis- 
gruppe auf dem Kötagohegy bei Cs^v nächst Gran und in grosser 
Menge in der von Gran gegen Ofen Gehenden Thalsenkung bei dem 
Hohenstein und auf dem Sandberg bei P. Csaba, bei Leänyvär, Solmar, 
Vörösvär; auf den Dolomitfelsen bei dem Leopoldifeld, im Auwinkel, 
auf dem Adlersberge und Spiessberge bei Ofen, auf dem Cerithien- 
kalkplateau bei Tet^ny; in der V^rtesgruppe bei Gänt, in der Stuhl* 



27 

weisscnburger Niederung bei Vajta und Ke^r; sehr verbreitet auf 
der Kecskem. Landhöhe bei P. Csörög nächst Waitzen, R. Palota^ 
Pest, Soroksar, Ü116, Alberli, Monor, Pilis, P. Sällosär bei Tatar Szt. 
György, Sajtos bei Nagy Koros; im Tapiogebiete bei Tapio Szelle und 
Nagy Kala; in der Tiefebene bei Czeglöd, Szolnok und Szegedin; auf 
der Debrecziner Landhöhe zwischen Bököny und Nyiregyhäza. — 
E, Gerardiana findet sich demnach vorzüglich im Tieflande und in 
einem Theile der südlichen Gruppen Aes mittelungar. Berglandes, sie 
fehlt dagegen in den nördlichen Gruppen des mittelungar. Berglandes, 
ebenso auf den Trachytbergen der südlicheren Gruppen und im Bi- 
hariägebirge. — Kalk, Dolomit, tert., diluv. und alluv. Sand. 75— 
420 Meter. 

1501. Euphorbia glareosa M. B. — Auf grasigen Plätzen, stei- 
nigen Bergrücken und Bergabhängen, auf trockenen Wiesen im Grunde 
lichter Wälder und auf den Grasfluren und Viehtriften des Tieflandes. 
Im mittelungar. Berglande bei Gyöngyös am Fusse der Matra; bei 
Waitzen am Fusse des Nagyszäl, bei Gross Maros, Muzsia,- Näna und 
Gyarmat; auf dem Kötagohegy bei Csöv nächst Gran, bei P. Szänto 
am Fusse des Piliserberges, bei Set. Andrae; auf dem grossen und 
kleinen Schwabenberg , im Wolfsthale , auf dem Spiessberge und 
Blocksberge bei Ofen, auf dem Cerithienkalkplateau bei Tetöny und 
bei Hamsabök; in der Stuhl weissenburger Niederung bei Stuhlweissen- 
bürg, Szt. Miklos, Vajta und Keör; ungemein häufig auf dem Löss- 
rücken des Viniszni vrch bei Tapio Süly und Gomba und auf der 
Kecskem. Landhöhe bei P. Csörög, R. Palota, Pest, Keresztur, Cinkota, 
KisTarcsa, Soroksar, Üllö, Pills, Monor; in der Tiefebene beiCzeglöd, 
Szolnok, Arokszällas und Csäny. — In der Niederung jenseits der 
Theiss und im Biharia-Gebirge nicht beobachtet. — Kalk , Dolomit, 
tert., diluv. und alluv. Sand, insbesondere aber auf sandigem Lehm- 
boden (Löss.). 75 — 420 Meter. 

(Als Syn. ist hieherzusetzen £. pannonica Host. Fl. austr. IL 
566 (1831). — Der Name £. glareosa M. B. Fl. t. c. I., 373 datirt 
aus dem Jahre 1808. — Die Früchte sind an der im Gebiete beob- 
achteten Pflanze selten ganz kahl, in der Regel mehr oder weniger 
beliaart. — £. glareosa wächst manchmal gesellig mit E. Gerardiana 
Jacq. und ich glaube im Gebiete bei Ofen auch einen Bastart aus 
beiden gefunden zu haben, wage es aber nicht auf Grundlage des 
einzigen mir vorliegenden getrockneten Exemplares mich mit Sicher- 
heit über diese Pflanze auszusprechen.) 

1502. Euphorbia amygdaloides L. — (E, sihatica Jacq.) — 
Im Grunde und am Saume der Wälder. Im mittelungar. Berglande 
auf dem Nagy Eged bei Erlau; in der Matra; in der Magustagruppe 
auf dem Spitzkopf bei Gross-Maros; in der Pilisgruppe zwischen 
Visegrad und Set. Andrae, häufig auf dem Piliserberg und zwar bis 
zu dessen höchster Kuppe, dann im Leopoldifelde, auf dem Johannis- 
berge, ober dem Saukopfe, auf dem Schwabenberge und im Wolfsthale 
bei Ofen; im Bihariagebirge auf dem Batrinaplateau, am Abfalle der 
Galinösa und an der Ostseite der Pi^tra Batrina (hier der höchstge- 



28 

legene Standort im Gebiete), bei der Stäna Oncösa und auf der Terrasse 
vor dem Eingang zur Geisterhöhle, auf dem Cärligatu, im Valea secca^ 
auf der Stirbina, Stanösa und auf dem Dealul vetrilor bei R^zbänya; 
in der Vulcangruppe auf dem Suprapi^tra poi^nile beiVidra; imThale 
der weissen KOrös auf den tertiären Hügeln bei Halmadiu und im 
Vorlande des Bihariagebirges im Wolfswalde und bei P. Szt. Marlon 
nächst Grosswardein. — Vorherrschend auf lehmigör Bodenkrume, 
welche durch Verwitterung thonreicher Kalksteine sich gebildet hat, 
seltener auf Trachyt und auf tertiärem Lehmboden. 180—1550 Met. 
— Fehlt im Tieflande. 

1503. Euphorbia Cyparissias L. — Auf Wiesen, grasigen 
Plätzen steiniger Bergabhänge, an Dämmen, Flussufern, wüsten Plätzen 
in den Dörfern und auf Viehtriften. Durch das ganze Gebiet. Paräd, 
Gyöngyös, Näna, Gran, Kötagohegy, Piliserberg, Leopoldifeld, Auwinkel, 
Adlersberg, Festungsberg in Ofen, Promontor, R. Palota, Pest, Soröksar, 
€llö, Monor, Pills, N^gy Koros, Tapio Bicske, Czegl^d, Szolnok, 
Szegedin, Csäny, Arokszälläs, Egyek, Koka, Jakohalom, Debreczin, * 
Nagy Käroly, Grosswardein, Bel6nyes, Petrani, Vasköh, Colesci, R^z- 
bänya, Stanösa, Mon^sa, Moma. — Der höchstgelegene im Gebiete 
des mittelungar. Berglandes beobachtete Standort: die Kuppe des 
Piliserberges; im Bihariagebirge : an Waldwegep auf der Stan^sa bei 
Rözbähya. — Schiefer, Kalk, Dolomit, tert., diluv. und alluv. Sand<- 
und sandiger Lehmboden. Die häufigste alier Euphorbien im Gebiete; 
ifehlt jedoch auf tiefgründigem schweren Lehmboden. 75 — 950 Meter. 

1504. Euphorbia EstUaL. — Auf Wiesen, an Hecken, Zäunen, 
Flussufern; in Auen. — Am Fusse des Barätb6rez bei Felsö Tär- 
käny im Borsoder Comitate; bei Paräd in der Matra; bei Gross Ma* 
ros, Näna, Ofen: auf der Csepelinsel bei Ujfalü; bei Fövöny in der 
Stuhlweissenburger Niederung, bei Pest und Nagy Koros und zwi- 
schen Szecsö und Debreczin. — 95 — 250 Meter. 

1505. Euphorbia salicifolia Host. — An den Säumen der Wäl- 
der, am Rande von Gesträuch-Formationen an den Seiten der Hohl- 
wege, an Hecken und Zäunen am Saume der Weinberge. Am Fusse 
des Nagy Eged bei Erlau, zwischen Kerepes und Hatvan, bei Wailzen, 
P. Csörög, Set. Andrae, häufig in den Weingebirgen um Ofen; bei 
Ke^r in der Stuhlweissenburger Niederung; nach Steffek auch bei 
Grosswardein. — Tert^ diluv. und aUuv. Lehm- und lehmiger Sand- 
boden. 95 — 220 Meter. — (E. angustata [Roche! var.], welche 
Rochel für eine Varietät der £. salicifolia Host, dagegen Griseb. 
für eine Varietät der £. Esula L. erklärt, ist nach meiner Aufi'as- 
sung von beiden spezifisch verschieden. Sie findet sich jenseits der 
westlichen und südöstlichen Grenze des hier behandelten Gebietes; 
innerhalb desselben ist sie bisher zwar nicht aufgefunden worden, doch 
dürfte sie daselbst kaum fehlen.) 

1506. Euphorbia heida W. K. — Auf schlammigem Boden im 
Ufergelände stehender und langsam fiiessender Gewässer. Im Fluss- 
gebiete der Donau bei Csenke und auf der Csepelinsel bei Ujfalü: 
auf dem Vorlande der Pilisgruppe bei Hamsabeg; auf der Kecskem. 



29 

Landhöhe zwischen Also Dabas und Puszta Pesz^r; auf der Debre- 
cziner Landhöhe bei Nyir Bator und Debreczin; im Tieflande bei 
Hatrongyos im Heveser Comitate, am häufigsten aber im Ufergelände 
der Theiss und ihrer östlichen Zuflüsse bei T. Füred, Szolnok, Sze- 
gedin, Török Szt. Miklos, Kisujszälläs, Füspök Ladäny, F. Horlobagy, 
B^kes, Gyula, Csaba. Entlang den Ufern der Theiss, Berettyö, Mirha 
und Hortobägy sah ich weite Strecken mit IV2 Meter hohen Exem- 
plaren dieser Pflanze in dichten Beständen tiberdeckt, und sie bildet 
dort, häufig kombinirt mit Glycirrhiza echinata, eine für die Tief- 
ebene höchst charakteristische Staudenformation. (Vergl. A. Kern er, 
Pflanzenleben der Donauländer S. 70.) — Diluv. und alluv. sandiger 
Lehmboden. 75 — 150 Meter. 

1507. Euphorbia virgata W. K. — Auf Wiesen und grasige« 
Plätzen, zwischen Gebüsch an den Seitjen der Wege, an den Bö- 
schungen der Dämme und am Rande der Weingärten. — Im mittel- 
ungar. Berglande auf dem Hajduhegy bei Erlau; in der Matra auf 
dem Särhegy bei Gyöngyös; in der Pilisgruppe und im Donauthale 
bei Csenke, Gran und Ofen; in der Stuhl weissenburger Niederung 
bei Vajta; auf der Csepelinsel bei Tököl und Cs6p; auf der Debre- 
cziner Landhöhe bei Nyiregyhäza und Debreczin, in der Tiefebene 
nach Kit. im Bökeser Comitate und bei Jakohalma und nach Steffok 
im Vorlande des Bihariagebirges bei Grosswardein. — Tert., diluv. 
und alluv. Lehm- und Sandboden. Auch auf salzauswitterndem Erd- 
reich. 75 — 180 Meter. 

1508. Euphorbia segetalis L. — Auf bebautem Lande. Im Ge- 
biete selten. In Saatfeldern bei Dorogh nächst Gran (Grundl Exsicc.) ; 
bei Ofen; (Kit., Sadl.); bei Szegedin (Mayr Exsicc); unter Saaten 
bei Grosswardein (Steffek). — Diluv. und alluv. Lehm- und Sand- 
boden. 75—150 Meter. 

1509. Euphorbia dalmatica Vis. — Auf bebautem Lande auf 
dem Schwabenberge bei Ofen und am Fusse des Lindenberges zwi- 
schen Ofen und Kovätsi (Borbäs Exsicc). — (Als Syn. sind hieher- 
zuziehen: Euph. graeca Simkovics in Adatok Magyarhon Növ. 171 
[1874], nicht Boiss. et Spr.; E. taurinensis Borbäs Ujabb. Jel. 
a Magyar floräban 84 [1875], nicht AUioni. — £. graeca Boiss. 
et Spr. unterscheidet sich von E, dalmatica Vis. durch die lineal- 
länglichen, vorne am breitesten und am Ende gerundeten oder ge- 
stutzten Hüllen, durch die an der Basis herzförmigen Hüllchen, bis 
über die Mitte gespaltene Grifffei, weisse Samen und eine kegelför- 
mige Caruncula; E. taurinensis AU., wie schon Vis. in Fl. dalmat. 
III. 228 hervorhebt, durch die länglichen Blätter und Hüllen, die an 
der Basis herzförmigen Hüllchen und insbesondere durch die sehr 
kurzen, fast obsoleten Hörnchen der Drüsen. — Die obersten Blätter 
und die Hüllen der E. dalmatica Vis. sind lineal, kurz bespitzt, die 
Hüllchen sind an der Basis breit keilig oder gestutzt, aber niemals 
herzförmig, die Griffel sind bis zur Mitte gespalten, die Samen sind 
grau und haben eine weisse, halbkugelig« Caruncula, wie das alles 
bereits trefl'lich von Visiani angegeben wurde. — Von Boiss. wird 



30 

in DC. Prodr. XV, 144 sehr mit Unrecht E. dalmatica Vis. als Syn* 
zu E. graeca Boiss. et Spr. gezogen. Es sind diese beiden Euphor- 
bien durch die oben angegebenen Merkmale zum wenigsten ebensa 
unterschieden und unterscheidbar, wie £. graeca Boiss. von E. tau^ 
rinensis All. — E. dalmatica Vis. wächst auch nicht, gleich der 
£. graeca Boiss.^ auf felsigen Bergen, und es ist unrichtig, wenn 
sie Boiss. a. a. 0. „in montosis lapidosis Dalmatiae^ angibt. Sie 
findet sich vielmehr ähnlich der £. falcata in Dalmatien auf bebau- 
tem Lande, auf Saatfeldern und Brachäckern, also ganz so wie in 
Serbien und Ungarn. — Aus den von Th. Pichler auf der Insel 
Lesina gesammelten Samen im Innsbrucker botan. Garten gezogene 
E, dalmatica/'V \si9ini erreichte in einigen Individuen die Höhe von 
50 Ctm.; die oben angegebenen Merkmale erhielten sich aber auch 
an diesen üppigen Exemplaren sehr konstant.) 

1510. Euphorbia arvensis Kit. in Schult es Oest. Fl. II, 16. 
(1814). — Auf Feldern bei Szegedin in der Tiefebene (Kitaibel). — 
Von mir im Gebiete nicht beobachtet. — Schuttes gibt von dieser 
den neueren Floristen unbekannten Pflanze folgende Beschreibung: 
Die Dolde 5spaltig, dann zweispaltig, dann gabelförmig; die zwei 
Hüllchenblätter eiförmig, nervig, wie die lanzettenförmigen Stengel- 
blätter^ wovon die unteren stumpf, mit einem krautartigen Stachel; 
glatte Kapseln, — Der E. segetalis L. ähnlich; aber ausser den an- 
gegebenen Merkmalen auch durch die quer runzeligen, nicht grubig- 
netzförmigen Samen verschieden. Man könnte sie auch E, nervosa 
nennen, da die Blätter sehr nervig sind. — Vergl. über diese Euphor- 
bia auch Kit. Add. 255. 

1511. Euphorbia Peplus L. — Auf bebautem Lande. — In Ge- 
müsegärten bei Ofen und Pest. — Anderwärts im Gebiete nicht 
beobachtet. — Diluv. Lehm- und Sandboden. 95 — 120 Meter. 

1512. Euphorbia falcata L. — Auf bebautem Lande. Bei Muszla, 
Set. Andrae, Ofen, Pest, Szegedin. — Diluv. und alluv. Sandboden. 
75 — 150 Meter. — (In Gemüsegärten bei Neu-Pest fand ich auch 
eine mit E. falcata L. sehr nahe verwandte Euphorbia, die mir mit 
einer im südlichen Europa [in der Umgebung des Gardasees und in 
Dalmatien] vorkommenden, von mir E, erythrosperma genannten Art 
identisch zu sein scheint. Die bei Neu-Pest gesammelten Exemplare 
sind noch nicht genügend entwickelt, um ein sicheres Urtheil zu ge- 
statten, und ich möchte hiermit nur auf diese Pflanze aufmerksam 
gemacht haben. Sie unterscheidet sich von £. falcata L. durch die 
nicht grannenförmig bespitzten oberen Blätter und Hüllen, durch braun- 
rothe [nicht lichtgraue] Samen, die fast hörnchenlosen Glandulae und 
die bis zur Mitte gespaltenen Grifiel.) 

1513. Euphorbia exigua L. — Auf bebautem Lande und auf 
wüsten Sandhügeln. Felsö Tärkäny, Muzsla; Sandberg bei Csaba am 
Fusse des Piliserberges; Ofen; Maroth. — Tert, und dUuv. Sand- und 
sandiger Lehmboden. 95 — 250 Meter. 



31 

Das Pflanzenreich 

auf der IViener Weltaasstellmg; in Jahre 1873. 

llotizen ober die expooirteD Mauzen, PflaDzenrohstolTe und Produkte, sowie ober ihre bildlicheD D&nteDangeiL 

Von Franz Antoine. 

CFortsetsung,') ' 

Fagraea fragrans Roxb. (Ahnahr), vorzüglich für Eisenbahnschwellen. 
Feronia Elephantum Correa (VUlam maram, Yolaga korra), gelbes, 

nicht dauerhaftes Holz. 
Flacurtia inermis Roxb. 
Ficus glomerata Roxb. (Athee maram^ Athee kurra, Aiti, Diduka 

mara, GooUur). 

— religiosa L. (Arasa maram, Bangee kurra), ein schlechtes Holz, 
die piätter verwendet man als Gärbemittel. 

— racemosa L. (Uttey), grobkörniges Holz, im Wasser dauerhaft. 

— infectoria Willd. (Basali, Bassari mara). 

— indica L. (Bur, Banjan). Ein festes, nützliches Holz, der Farbe 
nach wie junges Eichenholz. v 

Grewia elastica Royle (Dhamin), gelbbraun gefärbtes, für Lanzen- 
stiele verbrauchtes Holz. 

— latifolia Vahl. 

— asiatica L. (Tedasalu Mara). 

Gmelina arborea Roxb. (Telia Goomoodoo kurra, Coomba dari, Se- 

wan), eine für Möbeln und Bauten verwendete Holzsorte. 
Gordonia obtusa Wall., Bauholz von strohgelber Färbung. 
Grumilea Gaert. sp. 

Gyrocarpus (isiaticus Willd. (Thanakoo). 

Garcinia Cotca Roxb. (Thoang-thulay), leichtes Holz für Ruder. 
Gcurdenia sessilis Arrab. (Thumein-upew). 
Heterophragma chelonioides, 

— Roxburghiana D. C. (Banago). 
Homalium tomentosum, 

Hopea parviflora (Erroom bagum). 

— odorata Roxb. (Thynga hunnet), ein grosser Baum, liefert Schiff- 
bauholz. 

Hiptage Madablota Gaert. 

Hydnocarpus alpinus Wight. Als Bauholz verwendet. 

Hedera rostrata Wight. 

Hardwickia pinnata Roxb. (Acha, Karachi Kamarada, Asni mara, 

Anjan), für Eisenbahnschwellen. — Starkes und dauerhaftes Holz. 
Halopetala integrifoUa, 
Holarrhena antidysenterica Wall. 
Juga xylocarpa D. C. (Pingadoo, Imbe mara, Erool), ein grosser 

Baum, liefert starkes und dauerhaftes Holz. 

— dulcis Willd. (Korookoy poolee maram). 
Hex Wightißtia Wall. 



32 



Ixora parmflora Vahl., gibt Tischlerholz und findet auch als Fakeln 
Anwendung. 
— arborea (&»ravi mar.a). 

JcUari 

Kungiliem 

Kormy 

Karoowela 

Kaducoy 

Kadyane 

Kokatty 

Kanooppaly 

Kooroonthu 

Kollnpotho 

Keluway 

Karoonthovary 



Karookuvatehi 

Kooniilu 

JCackanathie 

Kulveeray 

Kadamboo 

Karungali 

Karoothali 

Kustoory 

Kas Iluppai 

Kat ilumitchai 

Karingaly 

Katvagai 



Lagerstroemia Reginae Roxb. (Puhma, Bentaikoo^ Irulu mara). Vor- 
zügliches Holz. Der Baum erreicht oft einen Umfang von 20 
Fuss. 

— macrocarpa (Ven Teak), für Eisenbahnschwellen. 

— microcarpa Wight. (Nandi, Chelagadu mara). 

— parmflora Roxb. (Lendya), für kleine Bauten vorzüglich. 
Lusaka iTetranthera^ oblonga Wall. 

Lawsonia alba Lam. 

Mimusops hexandra Roxb. (Palla, Pauloi maram, Paula Kurra). 

— Elengi L. (Pogada). 

— indica Poir. (Bushew), vorzügliches Holz. 
Mimosa xylocarpa Roxb. (Peengoodoo). 

Mangifera indica L. (Ain, Mango), nicht dauerhaftes Holz. 
Michelia champacca L. (Champah mara), schönes Holz für Schreiner- 
arbeiten. 
•^ nilagarica Zenker, Holz von ziemlich dichtem Korn. 
Meliosma C^illingtonia) Ämottiana, lichtes, gestreiftes Holz. 
Machilus macrantha Neos. Brennholz. 
Mesua Coromandelina Wight. 
Memecylon ramiflorum Lam. 

— tinctorium Willd. (Allee, Hully). 
Microchlaena quinquelocularis W. et A. 
Monoceras glandulifera Hook. 



Marijanathi 
Marnthoo 
Mammurrem 
Mullay Murungay 
Malay Vemboo 



Munjackadembai 
Mathagirs Vemboo 
Miladum cooroonlhu 
Malai uthi 
Mamkulum 



Melia A^edarachta Moencb. (Mala Vemboo, Atti, Diduka mara). Vor- 
züglich schöne Holzgattung. 
Mimosa citrifolia (Nonah). 
Myrobalanus taria (Tari mara). 



33 

Mesua ferrea L. (Ghangor), dauerhaftes, hartes, grobkörniges Holz. 
Melanorrhoea mitatissima Wall. (Thytsi), schönes, dauerhaftes Holz. 

Notchi I Navoogu 



Neerkadambai 

NeUi 



Navel 

Nettaloongi 

Naikottah 

Nauclea cordifolia Roxb. (Bfunji Kadambay, Bentak, Hettiga mara^ 
Hurdoo). Leicht zu bearbeitendes, dauerhaftes Holz. 

— parcifolia Roxb. (Buta Kavamee, Nir Kadembay). Brennholz. 

— Cadamba Roxb. (Koorum Kaddam, Mah-oo-Kudoom). Für Möbeln 
und Bauten. 

— dieersifolia Wall. (Byftgth). 

Odina Wodier Roxb. (Annaikarai maram Mohen). Für Räder und 

Pfosten. 
Olea dioica Roxb. Weisses, kompaktes und dauerhaftes Holz. 

— polygamü Wight. 

Plerospermum Dalbergioides Roxb. (Peddouk, Pudouk). Eine wohl- 
riechende Holzsorte, zu Bahnschwellen verwendet. 

— suberifolium Willd. (Velanjai). 

— lancaefolium Roxb. (Natt). Ein kleiner BaUm, liefert leichtes 
Holz. 

Pterocarpus Marsupium Roxb. (Vanga, Yegee, Honne mara). Ausser 
dem^ Teali-Holze das vorzüglichste Holz für Schiffe und Eisen« 
balinbaulefi. 

— santalinum L. fil. (Erra Chendanam). 

Phoenix sylvestris Roxb« (Eetcha maram, Eetcha chetto). 
Phyllanthus Embelica L. (Nellie maram, Woosarka Kurra). Harte« 

dauerhaftes Holz. 
Prosopis spicigera L. (Purambai maram). 
Phoberos crenatus Wight. Hartes, schweres Holz. 
Pongamia glabra Vent. 

— sp. (Carody Poongen). 
Pavetta indica L. (Pavetta). 
Pentaptera tomentosa DC. (Sadra) 

— arunja DC. (Kowah). 
Pinus Webbiana Wall. 

— longifolia Roxb. (Chir) 

— ßxcelsa Wall. (Chil). 
Podocarpus sp. 

^ liemföüa Ddn. (Themyn). Man pflegt hiervon ein Stück Holz lA 
die Boote einzufügen, um dasselbe gegen Unglück und Hexerei 
zu schütaen. 

Pellykalturagoi 

Porasu 

Poombatherai 



Pfisali 
Purambay 

0«>i^. botan. Zeitiohrift 1. H0II. 1878. 



Pappela 

Penari 

Pcytha 

Poolichi 

Pofhacarata 



34 

PoihoculU CEuphorbia), 
Qnercus sp. (Johare Oak). 

— Inai (Inai). 

— dilatata Lindl. (Maru). 

— incana Rpxb. (Banj). 

— amherstiana Wall. (Jeudi). Wenig benützte Holzsorte. 
Randia sp. 

Rhodomyrtus (Myrtus) tomentosa Ait. 
Ricinus communis L. 

Spathodea stipulata Wäll. (Peethan, Pet-thahn). Gute Holzsorte. 
Shorea robusta. Roxb. (Saul, Googilapa, Kurru, Sal). Vorzügliches Holz, 
es ist elastisch und widersteht dem Angriffe der Insekten. 

— Tumbagaia Roxb. (Thuraba). 

— laccifera Hayn. (Jalari). 
Salvadora persica L. (Ookari maram). 

Sithia indica DG. (Davadaree Kurra, Chambalachan)., Wird statt des 
Sandelholzes verwendet. 

Syzygium Jambolanum DC. (Neradoo Kurra). Hartes, ziemlich dauer- 
haftes Holz. 

— Arnottianum. Zähes, dauerhaftes Holz für Räder. 
Soymida febrifuga Juss. (Chukannikilu^ Sombi). 
Salix tetrasperma Röxb. 

Solenocarpus oblongus. Weisses, starkes Holz. 

Sitsaea Zeylanica? Riecht im frischen Zustande nach Rosa rubiginosa. 

Symplocos spicata Roxb. Schlechte Holzsorte. 

Sapota eleagnoides. Brennt lebhaft, selbst im grünen Zustande. 

Sponia Wightii Planch. 

Spondias mangifera Pers. 

Strychnos nux eomica L. (Yetti Kottai). 

— potatornm L. (Taithau). 
Santalum album L. (Chendanum). 
Stereospermum suaveolens DC. 

— chelonioides DC. (Genasu mara, Padri). Ein hartes Möbelholz. 
Semicarpus auriculata. 

— Anacardium L. fil. (Sharangeottai marum). 
Sterculia Heynii, 

— guttata Roxb. (Sen tanneken). 

— urens Roxb. (Vellatanneken Kura). 
Sapindus emarginatus Vahl. (Munny Poojan). 

Schrebera Sweetenioides Roxb. (Mokah, Ghattoal). Feinkörniges, dauer- 
haftes Holz. 

Schleichera trifuga Willd. (Koosum Gio). Sehr schweres, dauerhaftes 
Holz zu Eisenbahnschwellen und Mühlenbestandtheüen. 



Schima oblata? 

Semmana. 

Simbotagn. 



Sundana Venboo» 
Somboorum. 



{TotUHzung folgt.) 



J 



35 

Correspondenz. 

Kalocsa in Ungarn, am %t. Nov. 1875. 

Meines Wissens ist Allium atropurpureum W. K. diesseits der 
Theiss noch von Niemanden gefunden worden. Ich sammelte es im 
Juni d. J. auf Saatfeldern bei Kesesü-Telek nächst Kalocsa und sende 
Ihnen davon einige Exemplare. Dr. Ludwig Haynald. 

Linz, am 23. Nov. 1875. 

Ich brachte einige Zeit des Juni in Losenstein, einer Station 
der Rudolfsbahn zu. Hier beobachtete ich: Moehringia muscosa auf 
steinigen Plätzen, Campanula pulla auf Felsblöcken an der Ens, am 
Ufer des Flusses Ärabis alpina^ auf grasigen Abhängen Calamintha 
alpina^ im Gesträuche Cirsium Erysithales, auf dem Wege zur Ruine 
Losenstein Lithospermum officinale und Se$eli glauctim. Im August 
verweilte ich einige Tage in Mühllaken, nahe bei Aschach an der 
Donau, dort fand ich u. a. in Waldungen Jasione montana und 
Campanula urticaefolia^ auf sandigen Abhängen Hieracium statice-^ 
folium^ auf Bergwiesen Dianthus deltoides und in einem Bergwasser- 
tümpel Leersia oryzoides. Als neu für die Flora von Linz sammelte 
ich aufmerksam gemacht von Herrn Dr. Schiedermayer, in einer Do- 
nauau Oa^alis corniculata. Dr. Robert Rauscher. 

Aistershaim, am 7. Dezember 1875. 

Da ich soeben in den Besitz einer Zuschrift des Mr. Lemmon, 
des eifrigen und gewissenhaften Beobachters der Darlingtonia ge- 
lange, erlaube ich mir, dessen neueste Wahrnehmungen, welche er 
an der lebenden Pflanze gemacht, für Ihr Journal mitzutheilen. 
Herr Lemmon schreibt mir: „1. Das kleine sarraceniaartig gestaltete 
Blatt mit der offenen Mündung, welches dem Jugendzustande der 
Pflanze eigenthümlich ist. findet sich hin und wieder auch bei im 
Wachsthum vorgeschrittenen Rhizomen hinter den Blättern mit der 
eigentlichen Haube oder in dieselben eingemischt. 2. Die klare wäs- 
serige Flüssigkeit, welche man auf dem Grunde der röhrigen Blatt- 
stiele antrifft, wird von den innerhalb befindlichen Adern ausgeschieden 
und haftet in perlschnurartigen Tropfen längs derselben, von wo sie 
herabtropft, um den Brunnen für die ertrinkenden Insekten zu bilden. 
3. Ein süsslicher, klebriger, klarer Stoff* wird von den Drüsen der 
Blattflächen (der „Fischschwänze") ausgeschieden und überzieht beide 
Seiten derselben, hauptsächlich aber bedeckt er die Wurzel oder 
den Callus bei der Mündung zur Haube. 4. Die Drehung der Blätter 
ist durchaus gleichmässig vertheilt, von hundert, welche ich zählte, 
sind ebensoviele nach rechts als nach links gedreht. Die Blätter Einer 
Pflanze jedoch folgen stets derselben Richtung. Die Drehung wendet 
die Blattflächen aus der Achse der Pflanze hinaus, den annähenden 
Insekten entgegen.'^ Diess zur theilweisen Ergänzung von Canby's 
Mittheilungen über Darlingtonia californica Seite 287 in dieser Zeit- 
schrift (1875). K. Keck. 

3» 



3(t 



Bombay, 5. November 1875. 

Am i. O^tobßr verliess ich Triest mi langte am 6. in Ale- 
xandrien an; Von wo ich nach kurzem Aufenthahe nach Cairo fuhr* 
Die Bahn führt den schönen Kanal von Mamudiget entlang, durch 
das fruchtbare Nilthal, welches in dieser Jahreszeit meistens mit 
Baumwolle, Mais, Gerste, Reis, Gemüsen etc. bepflanzt ist. Bäume 
sind nur spärlich vertreten. Maulbeerbäume sind hie und da zwischen 
den Saaten zerstreut, während kleine Akazien- und Palmenhaine ihre 
Kronen über die wespennestähnlichen Dörfer der Araber emporheben. 
Unsere Arunda Donax erlangt an Wassergräben und feuchten Orten 
eine Höhe von über 15 Fuss; sehr gemein ist überdies die Tamarw? 
africana, die zu Alexandrien und Cairo als Alleebaum gebraucht 
wird. Da die Zeit, die ich mich in Egypten aufhalten konnte, um 
den nach Bo^ibay fahrenden Dampfer in Suez einzuholen, eine sehr 
beschränkte war, so musste ich mich beeilen, das Sehenswürdigste 
zu besichtigen, um doch wenigstens einen flüchtigen Ueberblick des 
Landes zu erhalten. Nur anderthalb Tage war es mh* gegönnt in 
Cairo zu bleiben, gewiss sehr wenig für eine so grosse und in jeder 
Hinsicht interessante Stadt, wo die europäische Kultur den arabischen 
Fellah mehr und mehr in die Enge treibt; wo an den herrlichen 
Palästen, den grassfrrtigen Parkanlagen, den breiten gepflasterten 
Gassen sich die schmutzigen finsteren arabischen Quartiere anlehnen, 
wo neben der stolzen Equipage des Banquiers langsamen Schrittes 
eine Reihe plumper Kameele einhergeht! Am 9. verliess ich Cairo, 
um nach Suez zu fahren, welche Stadt man in 11 Stunden erreicht. 
Eine gute Weile durchfährt man die Nilebene (da man zurück bis 
Zagazig fahren muss) mit ihren hundert Kanälen, die überall Leben 
und Frische verbreiten. Da in allen Stationen meistens 20 — 30 
Minuten aufgehalten wird, so benutzte ich diese Zeit, um die nächsten 
Umgebungen zu besuchen. Die Vegetation ist im Allgemeinen ziemlich 
einförmig: auf dem Wasser prangen grossblüthige Nympheen und 
^Nelumbien mit zerfaserten Blättern, untermischt mit schönen Hottön ien 
und Utricularien, während die Ufer mit Scirpus- Cyperus- und Typha- 
Arlen dicht bewachsen sind. Bald ist jedoch die Wüste erreicht. 
Düster breitet sich die einsame, niedrige Ebene aus, hie und da 
durch wellenförmige Erhebungen unterbrochen . an denen weisse 
Gypslager zu Tage treten. Dornige Echinops und schlingende Ascle- 
pias^ sowie einige Halophyten bilden ihre spärliche Vegetation. Das- 
selbe monotone Bild, dieselbe kümmerliche Pflanzendecke bieten auch 
die Umgebungen von Suez. Da diese ganze Strecke Wüste nur we- 
nige Fuss über der Meeresoberfläche liegt, so füllen sich alle Ver- 
tiefungen mit Seewasser, welches bei der starken Verdunstung, die 
da stattfindet, das Salz in dicken Schichten ablagert. Am 14. langten 
wir in Djedda, dem Hafen der heilf^en Stadt an. Die Mohamodanor, 
die wir an Bord hatten, stürzten wie begeistert an's Land und fingen 
ihre Pilgerfahrt nach Mecca an. Die Stadt hat mehr oder weniger 
den orientalischen Typus; hohe luftige Häuser mit zierlichen, weil 



37 

YOTstehenden Verandas, ohrenaerreisende Bazars^ schnnitzigfe halb** 
nackte Menschen sind ei^, was am meisten in die Augen fällt. Die 
Stadt ist mit Mauern nmgeben und von ein paar alten rostigen Ka-^ 
nonen vertheidigt. Es Ist gefährlich, sich aus der Stadt weit zu' entr^ 
fbrnen, da die Intoleranz der Araber hier ihren höchsten Pqnkt er- 
reicht hat. Nicht lange ist es, dass die meisten europäisohen Einwohner 
der Stadt ermordet wurden oder sich flüchten mussten. So konnte 
ich nur die nächsten Umgebungen flüchtig ansehen. Sandige, wüste 
Ebenen erstrecken sich vom Meere bis auf mehrere Meilen in's Land 
hinein, wo sie von vulkanischen Bergen begrenzt sind. Sehr spärlich 
ist hier die Vegetation, einige zu knorrigen Sträuchern vwkrüppelte 
Mimosen, einige Sennas^-Arten und einige Gramineen sind die einzigen 
Repräsentanten des Pflanzenreiches in dieser traurigen Gegend. In* 
ter^anter war mir eine Fahrt zu einigen der zahlreichen Korallea-^ 
bänke, die in nicht ferner Zeit den Hafen von Djedda wahrsoheialich 
' ganz unschifTbar machen werden. Buntfarbige Madreporen, Astreen^ 
Tubiporen etc. lagen da durcheinander, während zwischen ihren 
sparrigen Armen zahllose Seesterne und Seeigel sich verbargen. Ich 
sammelte hier mehrere Sargassumr-^ Cystoseiror- und Laurentiü" 
Arten, die Florideen waren jedoch gar nicht vertreten. In drei Tagen 
kamen wir in Aden an. Diese Stadt uegt im Kessel eines ausgebrannten 
Vulkanes nnd bat unter der englischen Herrschaft ziemlich viel ge- 
wonnen. Die Berge thurmen sich hoch mit ihren zackigen, schwarzen 
Spitzen auf, auf welchen die Vegetation nur sehr spärlich vertreten 
ist. Besser sieht es aus an den von Lava und Schotter bedeckten 
tieferen Abhängen und Thälem, so dass ich hier über 35 Arten in 
der kurzen Zeit meines Aufenthaltes zusammenraffen konnte, worunter 
die schöne Capparis cariilaginea, mehrere Mimosen und Euphorbien, 
die aber alle noch auf die Bestimmung harren. Da die Phosphorescenz 
im indischen Ozean sehr stark war, so unterliess ich nicht, täglich 
mehrere Tonnen Wasser zu pumpen und durch ein dichtes Zeug zu 
fillriren, um die kleinen Thiere, die an der Meeresoberfläche schwam- 
men und das Leuchten hervorbrachten, in ^osser Menge zu sammeln. 
Ich fand dabei über 60 Arten, worunter einige Copepoden, die das 
intensivste Licht von sich gaben. Am 28. erreichten wir endlich 
Indien. Welch' ein anderes Aussehen hat jedoch die indische Flora! 
Gewöhnt an die Sand- und Stein wüsten Egypten's und Arabien's, 
fühlt man sich wirklich angenehm überrascht durch die Fülle dieser 
tropischen Vegetation. Schon bei 300 Arten sind eingelegt, und doch 
habe ich keine eigentliche Exkursion in die Jungles unternommen, 
bin gar nicht über die Grenzen der Insel, auf der Bombay Uegt^ 
gekmnmen. Es ist mir heute unmliglich, Ihnen etwas speziell über 
die Flora von Bombay zu schreiben, da ich bisher nur äusserst wenig 
bestimmt habe; überdiess möchte ich etwas ZusaHiHienhäflgendes 
Ihnen berichten, \yenn ich auch die Flora der Umgebungen und der 
andern Inseln kennen gelernt haben werde. Vorläufig kann ich nur 
sagen, dass die hiesige Flora viel weniger Analogie mit der unse-^ 
rigen hat, als die cgyjitische, wenn wir die Gramineen ausnehmen, 



38 

unter welchen ich nicht nur viele europäische Genera, sondern selbst 
etliche unserer Spezies gefunden habe. — Der Boden der Insel von 
Bombay ist vulkanischen Ursprunges und bietet an mehreren Orten, 
wie in Halabar, Hill, Hahaluxmee etc. kleine, felsige Erhebungen. 
Sonst üst. das ganze Land flach und meistens von der Kultur einge- 
nommen. Kokos- und Areca-Palme, Borassus fiabelliformiSy Mango- 
und indische Feigenbäume sind die häufigsten Bäume. Wälder sind 
nur an Halabar-Point zu finden und beherbergen viele Schlangen. 
Morgen will ich nach Elefanta fahren und nächste Woche werde ich 
meine Reise durch das Innere beginnen, nämlich nach Matteran, 
Punnah, Mahableshwuz (bei 5000' hoch), Sattara, Belgaum und Goa. 
Von hier werde ich nach Carwar fahren, wo sehr ausgedehnte aber 
wenig untersuchte Wälder liegen. Sodann nach Calicut und auf die 
Neflgherries und vielleicht nach Cotchin und Colombo. Ich werde 
nicht unterlassen, Ihnen von Zeit zu Zeit zu schreiben und einige 
Skizzen der indischen Flora zu schicken. Dr. C. de Marchesetti. 



Personalnotizen. 

— Dr. Friedr. Theoph. Bartling, ord. Professor der Botanik 
und Direktor des botanischen Gartens an der Universität Gdttingen 
ist am 19. November gestorben. 

— Dr. Hermann Freiherr v. Leonhardi's ausführliche Biographie 
befindet sich in Nr. 21—22 (1875) der Leopoldina. 



Botanischer Tanschverein in Wien. 

Sendungen sind eingelangt: Von Herrn Dr. Haynald mit Pflanzen 
aus Ungarn. — Von Herrn Holuby mit Pfl. aus Ungarn. — Von 
Herrn Matz mit Pfl. aus Niederösterreich. 

Sendungen sind abgegangen an die Herren: Forstinger, Keller, 
Dr. Stohl, Dr. Kanitz. 

Aus Dalmatien, eing. von Studnicka: Anemone coronaria^ 
Asiragalus sesameu$, Ceniawrea cristcUay C. ragusina, C. saUmUanOy 
Colchicum BerioionH, Crocus biflorus^ C. cemuSy Cyiisus rcuUcUus^ 
Delphimum peregrinum, Eryngium creticum^ Eryihraea spic4Mta, Ge^ 
msia sUcestriSy Inmia candldOy Lacandula latifolia^ Lepidium grami- 
nifolimtny Lmaria dahnatica^ Phagnaion rupestre, Phunbcigo europaea, 
Rommiea ButtHM^odhan u. a. 

Aus Ungarn, eing. von Dr. Haynald: Aüimm airopurpureum. 

Ans Oberösterreich, eing. von Dr. Rauscher: Allium senescens^ 
Atropa BeUadonmay Jasione montanUy Oxalis comiculaiay Scabiosa 
imcidaj Siiene Anneria^ Valeriana ceitica u. a. 



39 

Aus Ungarn^ eing. von Vagner: Achillea lingulata, Anemone 
narcissiflora^ Anthemis carpatica, Cirsium Erisithales, Campanula 
abietinüy C, latifolia^ Carex cnreata, Dianthus compactus, Euphor- 
bia camiolicay Gentiana pyrencUca, Hieracium pleiophyllum^ Hype^ 
ricum Richeri^ Laserpitium alpinum, Meiampyrum saxosum, Orobus 
laevigatuSy Ranunculus carpaticus, R. carinthiacus^ Rhododendron 
myrtifolium, Rumex arifolius^ Saxifraga cymoba^ Scabiosa australis^ 
Scilla praecox^ Scopolina atropoides , Scorzonera rosea^ Sedum 
hispanicuniy Sicyos ungulatus, Symphytum cordatum, Telekia spe-^ 
ciosa, Veronica petraea, Viola declinata, Cystopteris montana. 

Obige Pflanzen können im Tausche oder käuflich die Centurie 
zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden. 



aeSBBSBSSSSaSBSBSeaBBBBBHH 



Inserate. 
Einladung sEor Ftänomeration 

auf den XXVI. Jahrgang (1876) der 

Oesterreiehisehen 

Botanischen Zeitschrift 

(Oeslerr. botan. Wochenblall.) 



Auf die »yOesterreiohisolie botanisohe Zeitsolirift,'' welche von dem 
hohen k. k. österreichischen und dem hohen k. ungarischen 
Ministerium für Kultus und Unterricht den Mittelschulen 
empfohlen wurde, pränumerirt man mit 8fl. österr. W. (16 R. Mark) 
auf den ganzen Jahrgang oder mit 4 fl. österr. W. (8 R. Mark) auf 
einen Semester und zwar auf Exemplare , die frei durch die Post 
bezogen werden sollen, nur bei der Redaktion; Wien, V. Schloss- 
gasse Nr. 15. 

Alle Buchhandlungen des In- und Auslandes nehmen ebenfalls 
Pränumerationen an. Die Versendung an die Buchhandlungen hat die 
Verlagshandlung C. Gerold's Sohn in Wien übernommen. 

Von den bereits erschienenen Jahrgängen können noch voll- 
ständige Exemplare gegen nachfolgende Preise bezogen werden: 
1. Jahrgang 4 fl. (8 R. Mark) — 2. und 3. Jahrgang zu 1 fl» 
(2 R. Mark) — 8. bis 22. Jahrgang zu 2 fl. (4 R. Mark) — 23. u. 24. 
Jahrgang zu 5 fl. (10 R. Mark) — 25. Jahrgang 8 fl. (16 R. Mark) 
Bei Abnahme sämmtlicher Jahrgänge von der Redaktion, 20 Proceni 
Nachlass. 

Skofitz. 

CV. ScMossgasae lö.) 



•»* *-** 



40 . 

In J. U. Eem's Verlag (Max Maller) in Breslau ist soeben er- 
schienen: 

Beiträge zur Biologie der Pflanzen. 

Herausgegeben von 

D'* Ferdinand Cohn. 

Drittes left 
Mit seclis zum Tlieil farhigexi Tafeln. 

Preis 11 larlu 
Früher erschienen: Hefl I. 7 M., Heft U. 9 M. 



■*^d»iM^H*M 



Freunde der Landeskunde werden aufinerksam gemacht auf die seit 
i. Mai in Wien erscheinende Monatschrift: 



Kleine Beiträge 



ZOT 

Länder- und Ifölkerkiinde von Oesterreieh- Ungarn. 

Redigirt und herausgegeben yon A. £« B#lb#rt. 
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Einsichts-Exemplar^ in jeder Bnchbandlnng und durch die Expedition: WIEN, Post Sechshans. 

^Gine Zeitschrift wie die „Kleinen Beltr&ge," welche in eleganter 
dber populSrer Form bei ausserordentlich billigem Preise {t Gnkien jähriion) die 
Kenniniss der Heimai in weitere Kreise zu verbreiten strebt^ und wie die bis 
jetzt erschienenen Nummern beweisen, ihr Pro^amm auf das Interessanteste zu 
-erfQllen weiss, war für die Monarchie längst em Bedürfniss und verdient daher 
die Beachtung aller. Freunde der Heimatskunde.^ Recensionen in zahhreichen 

Fach- und Tagesblättem. 

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Dr. Hohenaoker'B ÜVaohlaois! 

SSmmfSicbe botamsche Sammlungen des verstoit^enen Dr. Hohettaekei^ 
^nd in meinen Besitz übergegangen und von nun an zu ermässigten Preisen 
durch mich zu beziehen. 

K. Keekt 

Aittershaim in Oberösterrekh. 



Redakteur and Herausgeber Dr. Alexander Bkoflts. — Verlag yon O. Oerold'i Sohn. 
■ Oroak ud Hfitt der O^ Ueberrenter'scben Bnehdrackerei (K. Baiser). 



Oesterreichisehe 

Botanische Zeitsclirift 

Gemeinntttzig^es Org^an 

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Dl« 0if«rr»lchliehe Sxemplare 

botaalsehe Z«ttB«hrlft RutftMlk Dllfl RAtsinilrAI» die fr«l durch die Post be- 

erscheint DOIÄBIK IIBa DOiaDlKer, »ogen werden soUen. sind 

den Ersten jeden Monats. bloa bei der Reduktion 

"'"nS;'°*'"S"ir..'t""" fiänner, Oekonomen, Porslmänner, .Aerale, ^"i^pflXZ^ikt "' 
/«.".^".''rÄ"i') Apotheker imd Techniker. "'"'^f.*:ä.Ji:Sr' 

halbjährig. C. eerold*« Sohn 
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die ganze PetltzeUo ly »• •3 so wie aUe tbrlgen 

16 kr. Ost. W. *1- ^» BnehhandlongM. 



^ 



XXVI. Jahrgang. WISN. Februar 1876. 



XHHAIiT: Oeum rivali X montanem. Von H i b s c h. — Floristische Mittheiluogen- Von Haussknecht. 

— Üeber ViUg vinifera. Von Dr. Focke. -- Vegetationsyerhäitnlsse. Von Dr. Kern er. — Algen des 
Triester Golfes. Von Hauck. (Fortsetzung.) — M-ykologisches. Von Schulzer. — losectivorous ptants. 
Von Stein. — Pflanzen auf der Weltausstellung, von Antoine. (Fortsetzung.) — literatorbericnte. — 
Correspondenz. Von Wiesbaur. Oborny. — Personalnotizen. — Vereine, Anstalten, UnteraehmuQgen. 

— Botanischer Tauschverein. — Inserate. 



Mittheilungen des naturwissenscliaftliclieii Vereines an der 
k. L tecIinisGlien Hochschule in Wien. 

IL 

Geum rivali X monianunt^ 

ein neuer Bastart der Sippe Geum L. 

Von J. Em. Hibsch. 

Es zeigt die Sippe Geum L., wie allgemein bekannt, eine grosse 
Neigung zu Bastartbildungen: so sind zwischen den drei Formen der- 
selben, G. urbanum L., G. rieale L. und G, montanum L. bereits 
ebenso viele Bastartformen bekannt. Es sind diess G. rivali X ur- 
banum G. Meyer (== G, intermedium Ehrh.). G. urbano X rivale 
G. Meyer (= G. intermedium Willd.) und G. inclinatum Schleich. 
(= G. pyrenaicum Willd., = G. sudeticum Tausch.). 

Im Juni V. J. wurde nun während einer von Prof. Dr. A. Korn- 
huber geleiteten Exkursion auf die Schneealpe eine 6reiim-Form be- 
obachtet, die von den bekannten wesentlich verschieden ist/ und die 

Oesterr. botaa. Zeitschrift. 2. Heft. 18741. i 



42 ■ ■ - . 

Charaktere von G, montanum und ö. rivale in einer Weise vereint, 
dass auf den ersten Blick die Bastartnatur erkannt wird. 

DfesQ Form kenneeicbnet sich durch Folgendes: 

Stengel aufrecht, zvsrei- bis mehrbllithig, Blüthen nickend; Kron- 
blatter gelb, breit verkehrt eiförmig, kurz genagelt; Kelch aufrecht; 
Fruchtköpfchen kurzgestielt; GriflTel nicht gegliedert und oberw^ärts 
kahl; Früchtchen zottig. 

Die ganze Pflanze ist sehr kräftig. Der dickwalzige, wagrechte 
Wurzelstock ist bis 8 Ctm. lang und mit dicken Fasern besetzt. Ihm 
entsteigen ein, zwei und mehr Stengel, die eine Länge bis über 0*5 M. 
erreichen und wenige (2 — 4) Blätter tragen, welche allmälig in Vor- 
blütter der Blüthenstiele übergehen. Der runde Stengel ist von unten 
nach oben in zunehmender Dichte, wie auch die Blätter, mit ein- 
fachen, abstehenden, gelben Haaren besetzt; am dichtesten stehen 
die Haare an den Blüthenstielen und an der Rückseite der Kelch-* 
blätter, so dass diese ganz wollig erscheinen, am wenigsten dicht 
am Stengelgrunde. 

Die grundständigen Blätter sind sehr lang gestielt, sammt dem 
Stiel bis über 25 Ctm. lang, leierförmig-fiederschnittig; die Abschnitte 
eiförmig oder rundlich, stumpf, am Rande gekerbt, der endständige 
sehr gross, undeutlich drei- bis fünflappig, die seitenständigen (5 — 8 
an jeder Seite) viel kleiner, verschiedi»n gross, es wechseln grössere 
mit kleineren ab; gegen den Blattgrund werden die Abschnitte immer 
Ideiner und hören unterhalb der Mitte desselben endlich ganz auf. 
Die untersten Stengelblatter sind den grundständigen ziemlich gleich 
gestaltet, nur um Vieles kleiner. In der Form weichen sie von den 
letzleren dadurch ab, dass bei ihnen der Endabschnitt deutlich drei- 
theilig ist, und dass es der seitenständigen ungetheilten Abschnitte 
bloss wenige (3) gibt. 

-^Bei den oberen Stengelblätlern verkürzt sich der Blattstiel, so 
dass die obersten zuletzt sitzen und Vorblätter für die Blüthenstiele 
darstellen. Alle Stengelblatter zeigen spitze Kerbzähne. Die Neben- 
blätter haben eine eiförmige Gestalt und sind spitz- und tief einge- 
J5chnitten-gezähnt. 

Jeder Stengel trägt zwei bis drei nickende Blüthen. Fünf von 
den Kelchblättern sind eilanzettlich, grösser als fünf zwischen diesen 
stehende kleinere von lineal-lanzettlicher Form; alle sind röthlich 
überlaufen. 

Die fünf Blumenblätter sind von gelber Farbe und kurz gena- 
gelt; die grossen Blumen etwas mehr geöfinet als bei G, rwale. Der 
kugelige Fruchtboden sitzt mit kurzem Stiele auf dem Kelche. Die 
Nüsschen sind gelbzoitig, die Griffel ungegliedert, oberwärts kahl. 
^ Die Pflanze macht den Eindruck eines üppig in die Höhe ge- 
wachsenen G. montanum. 

Sie findet sich vei einzelt zwischen Krummholzgebüsch auf dem 
südlichen Abfalle des Plateaus der Schneealpe. 

Wenn ich zum Schlüsse das Verhältniss dieser Bastartform zu 
den beiden Stammformen vergleichend in's Auge fasse, so ergibt 



43 

isich, dass dieselbe mit einem Stengel, Blüthenstande und Blumenform 
von Cr. rivale und mit den Blattern, mit der Behaarung, Farbe der 
Biüthe, mit der Frucht und mit dem Griffel von G. montanum der 
letzteren viel näher steht als der ersteren. Desshalb schien es mir 
auch angezeigt^ den an der Spitze stehenden Namen für diese neue 
Bastartform zu wählen. 



-40»" 



Floristische Mittheilungen 

Von Prof. C. Haassknecht. 

Meine Vermuthung, dass fanicum ambigtmm Guss. bei näherer 
Nachforschung sich in Deutschland weiter verbreitet herausstellen 
würde, wird mir soeben durch eine Mittheilung des Herrn Geisen- 
heyner in Kreuznach bestätigt, welcher mir schreibt, dass dasselbe 
ia grosser Menge bei Bergen, östlich von Frankfurt a. M. vorkomme. 

Dieser Fundort verbindet daher in der Verbreitung desselben 
Thüringen mit Baden, von wo aus sie durch die niedere Schweiz, 
Frankreich, Italien bis nach Syrien, Anatolien und Persien sich 
erstreckt. 

Als zweiten Fundort für Frankreich theilte mir R. v. Uechtritz 
mit, dass es um Montpellier von Duval Jouve aufgefunden worden sei. 

Tragus racemosus Desf., welcher in der Flora Mitteldeutschlands 
nur an dessen Grenze bei Eupen als eingeschleppt vorkommt, wurde 
im Laufe dieses Sommers in grosser Menge an sandigen Hügeln und 
auf benachbarten Aeckern bis Eberstadt bei Frankfurt a. M. von 
Dr. Vischer entdeckt. Der Menge und dem davon okkupirten Räume 
nach zu urtheilen, mu2»s diese Pflanze dort schon seit längerer Zeit 
sich eingebürgert haben. 

Als Beiträge zu der von mir in der Regensb. Fl. 1873 publi- 
zirten Fumarien*Abhandlung kann ich, nach Ansicht von erhaltenen 
Exemplaren folgende weitere Standorte angeben: 
Fumaria officinalis L. ß. Wirtgeni (F. Wirtgeni Koch nee alior.): 
Aecker bei Poppeisdorf bei Boon (Körnicke); Isteiner Klotz bei 
Basel; Weil im badischen Oberland e; am Rhein bei Kleinkems; 
Friedrichsfeld in Baden (Sickenberger); Frankfurt a. M. (Metz- 
ler); Aecker bei Tübingen und Bahndämme bei Roltenburg (He- 
gelmaier); in der Brühl bei Wien (Sickenberger); Weinberge bei 
Triest (Tommasini). 

— Schleicheri Soy, Will. Dürr heim in Oberbaden (Sickenberger); als 
forma pallidiflora umbrosa an Mauern von Tübingen (Hegel- 
maier); In Mittelungarn bei Batony; Bergwiesen bei Orsova; 
an Felsen des Berges Domugled bei den Herkulesbädern (Borbäs). 

— Thureti Boiss, Sierra de Ia Nieve pr. Ronda 5000' (Fritze). 

4* 



4-4 . . ^ 

Fumaria AnatolicaBoiss. Auf kalkhaUi|gfen Aeckern bei Rovigno. Von 

J. Freyn im Mai 1B75 entdeckt. 
-r- Gussonü Boiss. Istrien: Steinbrüche von Isola minore der Brio- 
nischen Inselgruppe mit Fumaria major Bad. (Freyn); bei Ca- 
tana (Strobl). 

— muralis Sond. Insel Minorca bei Mabon (Hegelmaier). 

— Reuteri Boiss. f. umbrosa, Sierra Mija bei Malaga (Winkler). 

— capreolata L. Gundelfingen bei Freiburg i. Br. eingeführt. 

— flabellata Gasp. In Istrien: Isola Cielo bei Mendolino (Mar- 
chesetti); Catana (Strobl). In Spanien von Winkler gefunden, 
ohne Standortsangabe und aus von dort gesammelten Samen 
gezogen. 

— Malacitana Hausskn. et Fr. Sierra Nevada, Genilthäl 6000 Fuss 
(Fritze). 

— rifpe^^m Boiss. ß, diffusa. Ronda (Winkler). 



Von hybriden Epilobien, denen in neuester Zeit mehr Aufmerk- 
samkeit geschenkt wird, beobachtete ich im Laufe des Sommers 
folgende : 

Epüobvum palustreXädnatum. An Waldbächen des Grossen Süntel 
bei den Plötzener Sleinkuhlen; feuchte Wälder bei Pyrmont. — 
E. palustreXmontanum an Waldbächen des Osterberges bei 
Münder a. D. — E. palustre X parmflorum am Osterberg bei 
Münder; auf Waldschlägen am Etlersberg bei Weimar. — E. pa^ 
lustreXroseum am Osterberg bei Münder a. D. 

— montanumXddnatum. Am Ettersberg bei Weimar; am Osterberg 
bei Münder; Waldschläge des Gr. Süntel; Pyrmont in Baum- 
gärten und am Griesser Berge. 

— montanum X partißorum. Am Gr. Süntel und am Osterberg bei 
Münder, sowie am Ettersberg bei Weimar. 

— montanumXroseum. Am Griesser Berg bei Pyrmont. 

— montanumXf>irgatum, Am Ettersberg bei Weimar; Rodenstein. 

— montanumXLamyi, Am Ettersberg bei Weimar. (Epilob. Lamyi 
Schultz neu für Thüringen! Am Ettersberg oft in Gesellschaft 
von E, virgatum und £. adnatum^ von denen beiden es schon 
von weitem durch die eigenthümliche Tracht auffallt). 

— parviflorumXadnatum, Anschüttungen am Bahndamme zu Gross 
Heringen; am Osterberg bei Münder; am Gross Süntel; Deister. 

— parmflprumX^irgaium. Am Ettersberg bei Weimar; Rodenstein. 

*- partifiorumXroseum. Neben dem Bahndamme bei Gros$ Herin- 
gen; Legefeld, Tröbsdorf und Ettersberg bei Weimar; am Oster- 
berg u. a. 0. bei Münder; an vielen ()rten bei Pyrmont. 

— part>iflorumXhirsutum. Tröbsdorf bei Weimar; Pyrmont. 

— adnatumXroseum. Neben dem Bahndanime bei Gross Heringen, 
Pyrmont. (Auch bei Langendorf in Oberschlesien gesammelt). 

— virgatum X roseum. Am Ettersberge bei Weimar. 



; 45 

(Aus einer Sendung des Herrn Vulpius zu Münheim i. Br. er- 
sah ich, dass E. Duriaei Gay auch auf dem Feldberg, am Seebuk 
gegen den See zu vorkommt, wo es von ihm als E, anagcUlidi" 
foHum aufgenommen wurde. Dasselbe erhielt ich aus dem Berner 
Oberlande vom Winteregg bei Murren, ebenfalls von Vulpius ge- 
sammelt.) 

Von hybriden Rumex -Formen bemerkte ich während dieses 
Sommers folgende: 

Rumex obtusifoliusXcrispus, In mehreren Formen bei Nordhausen; 
bei Weimar, Pyrmont. 

— obtu&ifolius X sanguineus. Am Osterberg bei Münder und im 
SünteK 

— obtusifoliusXconglomeratus. Bei Nordhausen am Ufer der Zorge. 

— obtustfolius X aquaticus. Bei Nordhausen und Hannover. 

— conglomeratusXcrispus, Bei Nordhausen; Pyrmont. 

— crispusXaquaticus, Bei Nordhausen; Artern. 

— crispusXsangtUneus, Am Ettersberge bei Weimar; im Süntel. 



Als Novität für die deutsche Flora kann ich Ihnen mittheilen, 
dass Capsella rubella Reuter von Dr. W. Focke in Bremen an gra- 
sigen Orten des Dorfes Lüdingen zwischen Kirchwalsede und Vissel- 
hövede, circa 5 Meilen östlich von Bremen aufgefunden worden ist. 
In derselben Gegend fängt das in der unmittelbaren Nähe von Bremen 
fehlende Anthoxanthum Puelii an gemein zu werden. Von Dr. Föcke 
gesammelte Exemplare stimmen genau mit von mir im Kanton Waadt 
in Reuter's Gesellschaft gesammelten Ex:emplaren überein. Derselbe 
glaubt es auch am Schlossberge zu Altena in Westphalen gesammelt 
zu haben. Bei näherer Nachforschung wird sich dasselbe wohl noch 
an anderen Orten Deutschlands herausstellen; ich wollte daher nicht 
verfehlen, darauf aufmerksam zu machen. Von röthlich blühenden 
Formen der Capsella bnrsa pastoris unterscheidet sie sich auf den 
ersten Blick durch die kleineren, kaum den Kelch überragenden 
Blüthenblätter, sowie durch die stets nur halb so grossen Kapseln. 
Sie wurde, so viel mir bekannt, bisher nur in Belgien^ der Schweiz, 
in Frankreich und in Italien gefunden. 



Ueber die hybriden Carices: Carex PairaeXleporina, den ich 
auf dem Kamme des Deister; C. contiguqX ditulsa bei Pyrmont; 
C. OederiX flava in den Heideteichen bei Österfeld und C. lepido^ 
carpaXOederi, den ich bei Münder am Deister auffand, werde ich 
Ihnen später berichten. 

Weimar, im November 1875. 



-«.NSÖS?'* 



46 

Ist Vüis vinifera eine ,^t" oder ein ,^astart"? 

Von W. O. Focke. 

Diejenigen Naturforscher, welche sich mit der Entwicklungs- 
theorie, möge sie nun in diesem oder jenem Gewände auftraten, 
durchaus nicht befreunden können, haben verschiedene Wege einzu- 
schlagen versucht, um die unbequemen Thatsachen, welche sich nicht 
mit der Lehre von der Artbeständigkeit vertragen, auf eine ihrem 
Geschmacke mehr zusagende Weise zu erklären, Jordan hat gefun- 
den, dass die blöden Augen der früheren Systematiker die wahren 
„Spezies^ vollständig übersehen, und grosse Artengruppen, z. B. 
200 Drabfen für eine einzige Art (Draba verna L.) gehalten haben. 
Nach ihm sind die wahren Arten durchaus beständig und unverän- 
derlich, wenn sie einander auch manchmal ausserordentlich ähnlich 
sind. Die Kulturgewächse und andere Pflanzen, welche bei der Aus- 
saat verschiedenerlei Typen liefern und somit Varietäten zu bilden 
scheinen, hält er sämmtlich für Hybrid^, die ohne menschliche Kunst- 
hilfe nur eine vorübergehende Existenz fristen können. Den umge- 
kehrten Weg, die Thatsachen zu erläutern, schlägt Regel ein. Er 
gesteht der Art einen sehr beträchtlichen Grad von Variabilität im 
Räume und in der Zeit zu. Tertiäre Vorfahren, klimatische Racen 
und sonstige nahe verwandte Formen finden alle Platz innerhalb des 
weiten Rahmens der Regerschen Spezies. Trotzdem genügt es nicht 
in allen Fällen, die Mittelformen passend unterzubringen. In solcher 
Sachlage sucht sich auch Regel durch die Annahme von Kreuzungen 
zu helfen. Unseren europäischen Weinstock z. B. hält er für einen 
Bastart von Vitis Labrusca und F. eulpina. 

So paradox diese Vorstellung auf den ersten Blick erscheinen 
mag, so lassen sich doch einige Thatsachen zu Gunsten derselben 
anführen. Zunächst können V. vinifera^ V, Labrusca und mehrere 
andere amerikanische Arten unter einander gekreuzt werden, ohne 
dass die Fruchtbarkeit der Hybriden irgendwie geschwächt erscheint. 
Sodann ist in der That das angebliche Kreuzungsprodukt Vitis mni'- 
fera auffallend formenreich. Auf der anderen Seite erheben sich aber 
die ernstesten Bedenken gegen die Zulässigkeit der Regerschei Auf- 
fassung. Zunächst ist F. tmlpina durch wichtige und tiefgreifende 
Merkmale, z. B. die fest anhaftende, nicht abspringende Rinde und 
die querrunzeligen Samen von allen anderen amerikanischen Reben 
geschieden. Sodann bietet diese Art sehr wenig Chancen für eine 
spontane Kreuzung mit F. Labrusca und zwar schon aus dem Grunde, 
weil sie gegen 8 Wochen später blüht Es scheint allerdings einem 
amerikanischen Züchter gelungen zu sein, diese bisher unüberwind- 
liche Schwierigkeit der Verbindung von F, vulpina mit anderen Vitis^ 
Arten zu umgehen, allein es hat sich nun ergeben, dass die Frucht- 
barkeit der Hybriden sehr gering war. Erst durch Rückkreuzung mit 
den Stammarten liessen sich ertragfähige Sorten daraus erzielen. An 



47 

die zufäUfge Entstehung derartiger nur durch besondere Kunstgriffe 
erzeugter Bastarte zu denken^ ist doch ausserordentlich gewagt. 

Während somit F. tmlpina sich abgesehen von ihren morpholo- 
gischen Charakteren auch durch ihre biologischen Eigenlhümlichkeiten 
wesentlich von allen anderen ameiikanischen Reben unterscheidet, ist 
auch F. Labrusca durch eine sehr beachtenswerthe Besonderheit ihres 
Baues ausgezeichnet. Die Ranken der Reben stehen bekanntlich den 
Blättern gegenüber, der Stamm ist sympodial zusammengesetzt. An 
den Zweigen von F. vinifera, aestivalU, riparia und anderen Arten 
folgt nun regelmässig auf zwei Blätter mit Ranken eines, welchem 
keine Ranke gegenüber steht. Bei F. Labmsca dagegen findet sich 
eine Ranke bei jedem Blatte. Es lässt sich nicht a priori beurtl;eilen, 
in wie weit dieses Merkmal eine scharfe Grenze zwischeh F. La- 
brusca und allen ähnlichen Arten zu ziehen gestattet; jedenfalls ist 
dasselbe bei Prüfung der Frage, ob eine Vitis-¥orm der F. Labrusca 
angereiht werden darf oder nicht, in erster Linie zu berücksichtigen. 
Auch Baustarte der F. Labrusca werden etwas von dieser morpho- 
logischen Eigenthümlichkeit der Stammart erkennen lassen, ebenso 
wie die Hybriden der Fra^aria colUna durch die Ausläufer ihre Ab- 
stammung verrathen. 

Regel hat nun v^^eder die morphologischen, noch die biologischen 
Unterschiede von F. tulpina und F. Labrusca hervorgehoben; er hat 
sich vielmehr begnügt, das Vorkommen von Filz auf der Blattunler- 
fläche und an den Zweigspitzen als Eintheilungsgrund für die ver- 
schiedenen fteben zu benützen. Die amerikanische F. aestwalis Mchx., 
welche die Rankenfolge von F. vinifera besitzt, hat er zu F. La- 
brusca gezogen, ebenso die asiatischen Arten F. Thunbergii Sieb, 
et Zucc, F. lanata Roxb. u. s. w. Es ist sehr wohl möglich, dass 
F. Thunbergii wirklich eine F. Labrusca ist, wenn man den Art- 
begrifT im weiteren Sinne auifasst; allein die Anwesenheit von Filz 
darf doch nicht als entscheidendes Merkmal angesehen werden. Zu 
F. tulpina zählt Regel die amerikanischen Arten F. cordifolia Mchx 
und F. riparia Mchx., sowie die asiatischen F. amurensis Rupr. und 
F. parvifolia Roxb. 

Man wird schon von theoretisch-systematischem Standpunkte aus 
gegründete Bedenken gegen diese Eintheilung der Reben in discolore 
Lahrusca und concolore vulpina kaum unterdrücken können. An die 
Beständigkeit der Filzbekleidung innerhalb weiter Formenkreise wird 
ein so erfahrener Systematiker, wie Regel, selbst nicht recht glauben. 
Ueberdiess werden von manchen discoloren Vitis-Avten ausdrücklich 
concolore Abänderungen erwähnt, die man allerdings bei dem jetzigen 
Stande unserer Kenntnisse als Hybride deuten könnt«. Wenn man 
aber einmal die Eintheilung der Reben in discolore und concolore 
für richtig hält, so muss F. vinifera^ die namentlich in verwildertem 
Zustande bald Filz zeigt, bald nicht, als eine schwankende Mittel- 
bildung erscheinen, deren hybrider Ursprung viel Wahrscheinlich- 
keit hat. 



48 

Die Gründe, welche gegen die Vereinigung von F. vulpina und 
V. Labrusca mit den meisten anderen von Regel zu diesen Typen 
gezogenen Rebenarten angeführt worden sind, sind für die Frage 
nach F. mnifera bedeutungslos, wenn man statt der genannten Arten 
zwei ihrer angeblichen Varietäten in's Auge fasst. Die Hybriden von 
F. aestiealis (nach Regel F. Labrusca var.) und F. riparia (nach 
Regel F. rmlpina var.) sind erfahrungsmässig allerdings keine Vitis 
vinifera, aber gegen die Behauptung, dass F. vinifera aus zwei jenen 
beiden amerikanischen Arten annähernd entsprechenden asiatischen 
Reben entsprossen sei, würde sich a priori wenig einwenden lassen. 
Man würde mindestens die Möglichkeit eines solchen Ursprungs zu- 
geben müssen, und von diesem Standpunkte aus behält die Regerscbe 
Hypothese immerhin ihre Berechtigung. 

Auch von anderen Seiten ist die Homogeneität von F. rdnifera 
bezweifelt worden. 

Ob Jordan sich irgendwo über diese Frage ausgesprochen hat, 
ist mir nicht erinnerlich. Es kann indess kaum zweifelhaft sein, dass 
er wie in anderen Fruchtarten, so auch im Weinstock mehrere Spe- 
zies nebst deren Bastarten erkennen würde. — Aber auch ein an- 
derer kpmpetenter Botaniker, der den beobachteten Thatsachen durch- 
aus unbefangen gegenübersteht, nämlich Engelmann, neigt sich der 
Ansicht zu, dass in F. vinifera mindestens zwei Arten stecken. 

Man mag somit die Sache betrachten wie man will, sei es von 
den einseitigen Standpunkten RegeFs oder Jordan's aus, sei es mit 
Hilfe der allgemeiner verbreiteten Anschauungen, wie sie Engelmann 
vertritt, man erhält stets dasselbe Ergebniss, nämlich dieses, dass 
unter F. mnifera verschiedene Typen begriffen seien. 

Wallroth, der am südlichen Harze verwilderte Reben beobach- 
tete, glaubte darin, ihrer modifizirten Blattgestalt und der Filzbeklei- 
dung der Blattunterseite wegen, eine mit F. Labrusca zusammen- 
hängende Form zu erkennen. An vielen anderen Orten Europas, 
namentlich in Ungarn und Italien, sind ebenfalls verwilderte discolore 
Reben beobachtet, deren LoftniÄca-Aehnlichkeit nicht wenig auffallend 
erschien. Auf die Rankenfolge hat man früher nicht geachtet. Ande- 
rerseits sind aber auch wilde Reben ohne Filz keineswegs seilen. 
Man kann sich daher kaum dem Eindrucke entziehen, dass die kul- 
tivirten Reben durch Verwilderung in verschiedene Stammracen zu- 
rückschlagen. Obgleich ich glaube, dass die amerikanischen Arten 
F. vnlpina und F. Labrusca gar nichts mit den europäischen Reben 
zu thur haben, so scheint es mir doch sehr wohl denkbar, dass man 
verschiedene wilde, westasiatische Arten oder Racen des Weinstockes 
in Kultur genommen hat, sowie dass diese Typen allmälig durch 
Hybridisation verschmolzen und dann durch langjährigen Anbau in 
unzählige Varietäten aufgelöst worden sind. Bei der Verwilderung 
kann eine theilweise Rückbildung zu den Stammformen stattfinden. 
Diese Vermuthung würde an Wahrspheinlichkeit gewinnen, wenn man 
fände, dass eine beträchtliche Annäherung der verwilderten europäi- 
schen Reben an wilde asiatische Ft/t^-Arten, z. B. F. amurensis 



49 

oder F. lanata stattfände. Wenn man aber von Lobm^ca-Aehnlich- 
keit sprechen will, so beachte man zunächst die Rankenfolge. 

Es ist daher wohl der Mühe werth, sich die verwilderten euro- 
päischen Reben etwas genauer anzusehen. Dabei ist Folgendes zu 
beachten. Die FeVt«- Arten sind polygamisch; man baut natürlich nur 
die Zwitterpflanze, welche sich in genügender Weise Selbst befruchtet. 
Bei der Aussaat entsteht aber auch die männliche Pflanze, \y eiche 
zur Blüthezeit weit aufi^älliger ist. Man sammle sowohl die männlichen 
als die zwittrigen Blüthen, sowie unfruchtbare Triebe von beiderlei 
Exemplaren. Zu beachten ist insbesondere die Rankenfolge, die Be- 
schaiTenheit des Blüthenstaubes in den zwittrigen und in den männ- 
lichen Blüthen, die Gestalt und Färbung der Früchte, die Form der 
Kerne. Zu notiren ist ferner der Standort (sonnig oder schattig, 
trocken oder feucht, Schwemmland oder anstehendes Gestein), sowie 
die Beschaflenheit der in der Nachbarschaft kultivirten Rebensorten. 

Zu welchen Ergebnissen diese Untersuchungen führen werden, 
lässt sich nicht voraussehen; jedenfalls werden sie aber Beiträge zur 
naturwissenschaftlichen Kenntniss einer unserer wichtigsten Kultur- 
pflanzen Uefern. Auch absichtliche Aussaaten würden von grossem 
Interesse sein. Offenbar hat ein genaues wissenschaftliches Studium 
der Natur des Weinstockes auch eine praktische Bedeutung. 

Bremen, im Jänner 1876. 



Die Vegetations-Verhältnisse des mittleren und östlichen 
Ungarns und angrenzenden Siebenburgens. 

Von A. Kerner. 
LXXXIII. 

1514. Mercurialis perennis L. — Unter Gebüsch und Gestände, 
am liebsten im Grunde der Rothbuchenwälder. Im mittelungar. Berg- 
lande bei Felsö TärkÄny zwischen Kirälyüt und dem Tarkö im Bor- 
soder Comitate; in der Matra; auf dem Nagyszäl bei Waitzen, auf 
dem Spitzkopf bei Gross Marcs; in der Pilisgruppe zwischen Visegrad 
und Set. Andrae, auf dem K^tägohegy bei Csöv nächst Gran, auf 
dem Piliserberge und auf der Slanitzka bei P. Csaba, im Leopoldifelde, 
auf dem Johannisberge und Schwabenberge und auf der Nordseite 
des Blocksberges bei Ofen; im Bihariageb. auf der Margine, Piötra 
lunga, Stanösa, Pi^tra muncelului und Scirbina, im Valea s^cca, auf 
der Pi^ra Batrina, zwischen der Bratco^a und Din^sa bei Mon^sa; 
im Rhedaigarten bei Grosswardein. — Trachyt, Schiefer, Kalk^ tert. 
und diluv. Lehmboden. 150—1580 Meter. — Fehlt im Tieflande. — 
Im mittelungar. Berglande finden sich häufig Stöcke dieser Pflanze 



50 

mit kurzen, eiförmigen^ relativ breiten, auf den Flächen ganz kahlen 
und nur am Rande kurz gewimperten Blättern; im Valea s^cca bei 
Rözbönya dagegen vereinzelte Stöcke mit sehr schmalen, lineal-lan- 
zettlichen Blättern; neben diesen individuellen Abarten aber hier wie 
dort zahlreiche Mittelstufen und Uebergänge zu jener gewöhnlichen 
Form mit breitlanzettlichen, oberseits strichelhaarigen Blättern, wie 
selbe im nördlichen und westlichen Europa vorkommt. In den Blüthen, 
und Früchten zeigen diese Abarten keine Verschiedenheit von der 
gewöhnlichen Form. Exemplare mit breiteiförmigen, kahlflächigeif 
Blättern, welche ich insbesondere auf dem Piliserberge an dem Stand- 
orte der Ferula Sadleriana Ledeb. auffand, scheint Czompo in 
seiner Diss. inaug. de Euphorb. Qung. 10 für Jtf. ovata Sternb. et 
Hoppe gehalten zu haben. Daher die irrige Angabe, dass M. ovata 
Sternbg. et Hoppe im Florengebiete von Ofen vorkomme. — Die 
echte M. ot^ataSlbg. et Hoppe findet sich erst jenseits der Grenzen 
unseres Gebietes, und zwar sind deren nächstliegende mir bekannt 
gewordene Standorte: Oedenburg im Westen und die Berge bei 
Fünfkirchen im Süden des Gebietes. [Szontag und Balek Exsicc.]) 

1515. Mercurialis annua L. — Auf bebautem Lande und an 
Schuttstellen in der Nähe bewohnter Orte. — Im Gebiete wenig ver- 
breitet. — Erlau, Ofen, Ujfalü auf der Csepelinsel. Diluv. und alluv. 
Sand- und sandiger Lehmboden. 95—200 Meter. 

1516. Urtica urens L. — Auf bebautem Lande, so wie an 
wüsten Plätzen und DüngerStätten, aber im Gebiete wenig verbreitet 
und, wie es scheint, auf weite Strecken ganz fehlend. — Gran, Ofen, 
Pest, Nagy Koros, Grosswardein, Belönyes, Vasköh, R^zbdnya. — 
Tert. diluv. und alluv. Lehm und Sand. 75 — 460 Meter. 

1517. Urtica dioica L. — An Ufern stehender und fliessender 
Gewässer, in Wäldern und Holzschlägen, an Strassen, Zäunen und 
auf Schuttplätzen in der Nähe bewohnter Orte, insbesondere häufig 
und gesellig mit Disteln und anderen hohen Stauden in der Umge- 
bung der Brunnen und der Gehöfte auf den Puszten und im Gebirge 
an den von weidenden Thieren begangenen Orten. — Im mittelungar. 
Berglande bei Erlau, Gyöngyös, Wailzen, Visegrad (in grosser Menge 
in dem Hofraume der Burgruine), Gran, P. Csaba, Ofen, Promonlor, 
Stuhlweissenburg; auf der Csepelinsel; auf der Kecskem. Landhöhe 
bei Pest, Üllö, Monor, Pills, Tatar Szt. György, P. Peszer bei Also 
Dabas, Nagy Koros; in der Tiefebene bei Szolnok, Török Szt. Miklos, 
Kisujszälläs (hier auf der Puszta M^rialäka an der Stelle , wo einst 
ein Dorf gestanden hatte, in dichten geschlossenen Beständen, weite 
Strecken bedeckend*), P. Hortobagy, Szegedin; auf der Debrecziner 
Landhöhe bei N. Käroly, im Vorlande und in den Thälern des Biha- 
riagebirges bei Grosswardein, Belönyes, Rözbänya, P^trosa, Valea 
söcca, Vatia, Slatina, But^ni; aber auch weit hinauf bis in's Hochge- 
birge, so z. B. noch am Abfalle der Pietra Galbina und Tataro6a, 
vor dem Eingange zur Geisterhöhle bei der Stäna Oncösa, an den 



*) Vergl. A. Kerner. Pflanzenleben der Donauländer. S. 18. 



51 

Wänden des kraterfdrmigren Zuganges zur EishöUe bei Scarisiöra, 
am Westabfalle der Hargine, auf dem Tomnatecu and selbst noch 
unter Juniperus nana über der Baumgrenze an der Südseite der 
Cucurbeta. Dieser letztere der höchstgelegene im Gebiete beobachtete 
Standort. — Trachyt, Porphyrit, Sienit, Schiefer, Sandstein, Kalk, tert., 
diluv. u. alluv. Lehm und Sand. 75 — 1630 Met. — (Au schattigen 
Standorten im feuchten Ufergelände von Bächen und Flüssen, insbe- 
sondere in den Bergländern erscheinen die Blätter lang ausgezogen, 
länglich-lanzettlich, dünn und schlaff und fast ohne Brennhaare [C/. 
dioica var. subinermis Uechtritz]; an trockenen Standorten, an 
Zäunen und Wegrändern, sowie in ausgetrockneten Sümpfen wird U. 
dioica dagegen vielästig und die Blätter zeigen dann ein geringes 
Ausmass und sind von derber Konsistenz [U. dioica var. microphylla 
Hausm.]. — Im, Ecsedi Läp fand Pokorny auch Exemplare, welche 
nur mit spärlichen Brennhaaren, dagegen reichlich mit nicht brennenden 
Borstenhaaren besetzt waren (U. dioica var. galeopsifolia (Wierzb. 
sp)]- — Die durch einhäusige Blüthen und liegende reich bewurzelte 
Stengelbasis ausgezeichnete U. radicans BoUa, welche im Schur 
bei S. Georgen im westlichen Ungarn massenhaft vorkommt, wurde 
in dem hier behandelten Gebiete bisher nicht beobachtet.) 

1518. Parietaria oßcinalis L. — An ähnlichen Standorten wie 
die vorhergehende Art, und so wie diese durch das weidende und 
wandernde Vieh aus dem Flachlande oft weit hinauf in's Gebirge 
verschleppt. — Auf dem Hoszusoin bei Zs^rcz im Borsoder Komitate; 
im bischöflichen Garten in Erlau; bei Näna und Gran; aufdemPiliser- 
berge bis nahe zur höchsten Kuppe sowie auch in Holzschlägen an 
der Nord- und Westseite dieses Berges, bei Set. Andrae, massenhaft 
auf der Margaretheninsel bei Ofen; im Stadtwäldchen bei Pest, bei 
Nagy Koros; im Bereiche des BHiariagebirges am Fusse des Bontoskö 
bei Petrani nächst Bel^nyes, an dem Mühlbache bei Vasköh, in der 
Nähe des Schmelzofens bei R^zbänya, bei Desna und in grosser 
Menge in der Umgebung der Quellen bei Mon6sa. — Schiefer, Kalk, 
diluv. und alluv. Sand- und sandiger Lehmboden. (Fehlt auf tief- 
gründigem schwerem Lehmboden.) 95 — 755 Met. 

1519. Cannabis sativa L. — Stellenweise förmlich eingebürgert 
und sich ohne Zuthun des Menschen durch Selbstaussaat erhaltend; 
so z. B. zwischen dem Almagyar und C7iglöd im Heveser Komitate 
und insbesondere auf der Kecskem. Landhöhe auf wüsten Sandhügeln, 
an Eisenbahndämmen und an Schuttplätzen bei Pest, Monor, Pilis und 
Nagy Koros. — Auch gebaut, sowohl im Tieflande als auch im Ge- 
birge. — Die höchstgelegenen im Gebiete beobachteten Kulturstätten 
im Bihariagebirge und zwar im (Jebiete des Aranyos bei den Gehöften 
in der Nähe der Eishöhle bei Scarisiöra (1185 Met.) und bei den 
obersten Häusern von Vidra am Dealul boului (1188 Met). 

1520.. Humulus Lupulus L. — In niederen Gehölzforraationen, 
an Hecken und Zäunen, in Holzschlägen, insbesondere aber an den 
Gebüschen am Ufer fliessender Gewässer Geschlinge bildend. — Im 
Szepasszonyvölgy, auf dem Hajduhegy und Almagyar bei Erlau; inr 



52 

der Matra bei Paräd; in der Magustag^rüppe bei Gross Maros und in 
der Nähe der Granmündung beiCsenke; in der Pilisgruppe bei Döm&s 
und Visegrad und insbesondere häufig bei Set. Andrae , auf dem 
Schwabenberge bei Ofen und im Vorlande der Pilisgruppe bei Mär- 
tonvasär; auf der Csepelinsel bei Ujfalü; auf der Kecskem. Landhöhe 
bei F. Csörög nächst Waitzen, bei Pest, Alberli, Honor, Pilis, Nagy 
Koros; auf der Debrecziner Landhöhe bei Debreczin; im Bereiche des 
Bihariageb. sehr verbreitet auf dem tertiären Vorlande zwischen 
Grosswardein und Bel^nyes, bei Bischof bad, Lasuri^ Robagani und 
Hollodu; dann bei Vasköh, Colesci, Rieni und Monösa. — Trachyt, 
Schiefer, thonreicher Kalk, tert., diluv. u. alluv. Lehm- und lehmiger 
Sandboden. 95—410 Met. — Im Gebiete nur Selten gebaut. 

1521. Ficus Carica L. — Niedrige Gebüsche an dem steinigen 
südlichen Abhänge des Blocksberges bei Ofen in der Nähe des Stand- 
ortes von Peganum Harmala, 17Ö M. Wahrscheinlich ein Rest ehemaliger 
zur Zeit der Türkenherrschafl in Ungarn am Blocksberge angelegten 
Gärten. (Vergl. A. Kern er: lieber einige in historischer Beziehung 
interessante Pflanzen der ungarischen Flora im Jahrgange 1859 der 
, Wiener Zeitung*^ und hieraus abgedruckt im gleichen Jahrgange 
der Bonplandia.) — Ficns Carica erhält sich an der bezeichneten 
Stelle am Blocksberge seit langen Jahren durch reichlichen Stock- 
ausschlag; die Zweige, welche sich mehr als 1 Meter vom Boden 
entfernen, erfrieren zwar regelmässig im Winter; aus den untersten 
Theilen der Stöcke aber, welche durch den relativ wärmeren Boden 
gegen Frost geschützt den Winter ohne Nachtheil überdauern, ent- 
wickeln sich alljährlich kräftige Sprosse, welche auch im Herbste 
kleine Früchte zur vollen Reife bringen. — Nach Sadler Fl. Com. 
Pest. 477 auch auf der Südseite des Schwabenberges bei Ofen kleine 
süsse Früchte reifend. 

Monis alba L. — Sowohl im mittelungar. Berglande als auch im Biha- 
riagebirge und im Tieflande kultivirt. Die höchst gelegene im Gebiete beobach- 
tete Kulturstätte bei Rieni nächst Vasköh im Thale der schwarzen. Koros; die 
am tiefsten gelegene Kulturstätte bei Szolnok an der Theiss. 75—320 Meter. 

Monis nigra L., Broussonetia papyrifera Vent., Celtis austraUs L,, 
Plaianus orientaZis L. werden in Gärten und Parkanlagen kultivirt. 

1522. Ulmus campestris Linnö. (U, montana With. ap. Sm.) 
— In Wäldern, meistens eingesprengt, selten in kleinen Beständen, 
Am Fusse des Somhegy bei Paräd und am Baktaitö bei Bakta in der 
Matra (an letzterem Standorte auch mit korkig geflügelten Zweigen) ; 
in der Pilisgruppe bei P. Csaba, an der Nordseite des Piliserberges^ 
auf dem Johannisberge und Lindenberge bei Ofen ; auf der Marga- 
retheninsel und bei Ujfalü auf der Csepelinsel (hier nach Tauscher 
ein kleines Wäldchen bildend^; auf der Kecskem. Landhöhe bei 
Alberti, Monor, Pilis,^ P. Pesz^r und im Tapiogebiete bei Szt. Marton 
Kata und Tapio Szelle. (Im Tapiogebiete auch häufig gepflanzt.) Im 
Bereiche des Bifaariagebirges auf dem tertiären Vorlande bei Gross- 
wardein und Lasuri, bei Vasköh und Colesci, auf der Terniciora bei 
Valea söcca, auf der Stanäsa bei Rözbänya, an der Vereinigung des 



53 

Pulsa- und Galbinathales bei P^trosa und auf dem Vervul ceresilor 
bei Monösa. — Trachyt, Schiefer, Sandslein, Kalk, tert., diluv. und 
alluv. Sand- und sandiger Lehmboden. 95 — 1160 Met, — (Es finden 
sich im Gebiete zwei Ulmen mit nicht gewimperten kurzgestielten 
Früchten; die eine hat eine Frucht^ deren Griffelkanal so lang ist/ 
dass das Samenfach in die Mitte der Frucht zu liegen kommt, der 
Flügel der reifen Frucht ist dünn, weich, schmutzig^ grünlich-grau, 
die Blätter sind lang zugespitzt und auch im Herbste noch oberseits 
von kurzen starren Trichomen rauh. Die zweite Art hat eine Frucht, 
deren Griffelkanal so kurz ist, dass das Samenfach dicht unter den 
Griffelausschnitt zu liegen kommt, der Flügel der reifen Frucht ist 
pergamentartig, steif, glänzend, die Blätter sind kurz und breit be- 
spitzt und oberseits kahl, glatt und etwas glänzend. — Von den 
meisten neueren Floristen wird die erstere dieser zwei Arten als 
Ulmus montana Sm., letztere als Ulmus campestris L. aufgeführt. 
— Ich kann mich jedoch mit dieser Nomenklatur nicht einverstanden 
erklären. — Linn6 hat nur eine europäische Ulme gekannt und 
diese (/. campestris genannt. Weder aus der kurzen Diagnose [„foliis 
duplicato-serratis basi inaequalibus^] noch aus den Citaten, noch 
auch aus den Standortsangaben [„Habitat in Europa ad pagos^] lässt 
sich aber ermitteln, welche der europäischen Ulmenarten er hiermit 
gemeint hat. In diesem Falle kann daher nur Linnö's Jlerbar mass- 
gebend sein, und da nach Hook er Flora of the Brit. Jsl. 334 im 
Linnö'schen Herbar jene Ulme, welche ich oben als die erste be- 
schrieben habe^ liegt, so hat auch diese den Namen (/. campestris L. 
zu führen, und es ist ganz unkorrekt, diese Pflanze unter dem späte- 
ren Namen V. montana With. ap. Smith aufzuführen und die oben 
als zweite beschriebene Art (/. campe^^m Linnö zu nennen. — Selbst 
für den Fall, dass man annimmt, Linnö habe in Sp. pl. alle europäischen 
Ulmen unter seiner U, campestris begriffen, und er würde auch 
dann, wenn er auf die oben angegebenen Unterscheidungsmerkmale 
aufmerksam gemacht worden wäre, die beiden in Rede stehenden 
Arten doch nicht als Arten unterschieden haben, hat doch jene Ulme, 
welche als U. campestris im Linn^'schen Herbar liegt, diesen Na- 
men zu führen. Immerhin mag man diesem Namen ein p. part. bei- 
setzen. Ganz fehlerhaft aber ist das Vorgehen der meisten neueren 
Autoren, welche die nachfolgende Art als Ulmus campestris L. be- 
zeichnen.) 

1523. Ulmus glabra Mill. — In Wäldern eingesprengt, manch- 
mal auch kleine Bestände bildend. — Im mittelungar. Berglande bei 
Waitzen und P. Csaba, an der Südseite des Piliserberges ober P. 
Szanlö; bei dem Leopoldifelde und im Wolfsthale bei Ofen (hier auch 
mit korkig geflügelten Zweigen); bei Ujfalü auf der Csepelinsel; häufig 
auf dem Lössrücken des Viniszni vrch bei Gomba und Tapio Süly 
(hier zwischen Tapio Süly und Monor in einem Mischwalde nebst 
Quercus pubescens der vorherrschende Baum); auf der Kecskemeter 
Landhöhe bei Steinbruch, Alberti, Monor, Pills, P. Pöszer; im Be- 
reiche des Bihariagebirges zwischen Lasuri und Felixbad bei Gross- 



54 . 

wardein und im Valea Li^sa bei Halmadiu. — Trachyt, Kalk, tert. 
und diluv. Sand- und Lehmboden. 95—300 Meter. — Die von Kit. 
und in Rchb. Exe. 183 bei Ofen angegebene U, tortuosa Host ist 
als Syn. hieherzuziehen. 

1524. Ulmt^ pedunculata Fouger. in Mem. de Y Acad. de 
Paris (1784). — U. effusa Willd. Prodr. Fl. berol. (1737). — In 
Laubwäldern. Im Gebiete selten und immer nur vereinzelt. Nach 
Sadier im Gebiete der Pest-Ofener Flora „sponte in nemorosis"; 
bei Sziget Ujfalü auf der Csepelinsel (Tau seh er). — Diluv. und 
alluv. Sandboden. 95 Meter. — Hie und da aueh gepflanzt, so bei 
Parkäny und Näna und im Stadtwäldchen bei Pest. 

1525. Juglans regia L. — Eingesprengt in Laubholzwäldern im 
Bihariagebirge. Im Galbinathale hinter der Einmündung des Pulsa- 
baehes Östlich von P^trosa und in den schattigen Wäldern ober Fe- 
natia bei R^zbänya. — Hier abseits von allen menschlichen Woh- 
nungen und allem Anseheine nach wirklich wild. — Kalk. 95 — 
640 Met. — Dass Juglcms regia L. seinerzeit aus Asien in die süd- 
europäischen und dann weiterhin in die mitteleuropäischen und speziell 
auch in die ungarischen Gärten eingeführt wurde, schliesst nicht aus, 
dass dieser Baum im südöstlichen Europa auch ursprünglich heimisch 
ist. Prunus avium^ obschon aus Asien nach dem südlichen Europa und 
von da in die Gärten des mittleren Europas eingeführt, ist ja auch 
in den Wäldern Mitteleuropas zuverlässig wild! Nach meiner Ansicht 
ist auch Juglans regia so wie Vitis tnnifera im südöstlichen Ungarn 
(Slavonien, Banat, Bihana) urwüchsig und in den dortigen Wäldern nicht 
erst in historischer Zeit verwildert. — Juglans regia L. wird unterhalb 
der Seehöhe von 600 Meter fast im ganzen Gebiete auch viel kultivirt. 
Manche Dörfer in den Thälern des Bihariagebirges, wie z. B. das Dorf 
Poi^ni zwischen Vasköh und Pötrosa liegen in einem förmlichen Haine 
aus Wallnussbäumen. — Selbst im Tieflande gedeiht Juglans regia noch 
ziemlich gut und findet sich dort bis hart an die Grenze des wald- 
losen Steppengebietes der Theissniederung. So sah ich in Tapio Sagh 
noch fruchttragende Wallnussbäume. Weiter ostwärts aber bei Tapio 
Szelle und Nagy Käta hat man es vergeblich versucht, Wallnussbäume 
mit Erfolg zu kultiviren. 



Verzeichniss der im (Jolfe von Triest gesammelten 

Meeralgen. 

Von F. Hauck. 

(Fortsetsung.) 

C^nferveae. 

2i6. Aegagropila Cornea Kg. (Spec. Alg. p. 414). Triest, an Cysto- 

sirenstämmen. 
217. — repens (J. Ag.) Kg. (1. c. p. 416. — Aeg. Meneghiniana Kg. 

1. c. p. 417). Auf Steinen an ruhigen Stellen. — Häufig. 



55 

2 iS. Aegtigropila corynarthra Kg. (1. c. p. 417). Miramar, Pirano. 

219. Cladophora proHfera (Roth.) Kg. (1. c. p. 390). üeberall gemein. 

Zu dieser Art sind nach den Abbildungen Kützing's CL 
catenata Kg. tab. phyc. III. tab. 82, Fig. 1 und CL scoparia 
Kg. 1. c. Fig. 2 zu ziehen. Conferva catenata (Roth) J. Ag. 
Alg. mar. medit. pag. 13 scheint mir aber nach einem Ori- 
ginalexemplare J. Agardh's aus Nizza, von der Kützing'schen 
Art verschieden und eher der CL fruticulosa Kg. Spec. Alg. 
p. 391; tab. phyc. III, tab. 84, Fig. 1 ähnlich. 

220. — catenata (Roth) — (J. Ag. Alg. mar. medit. pag. 13). Bei 

Triest, selten. 

221. — scoparioides Hauck. n. sp. — Bildet bis 8 (meist 3 — 4) Centim. 

hohe im Leben dunkelgrüne, nach dem Trocknen meist bräun- 
lich werdende Rasen. Hauptfaden circa Vs"^"' dick, Zweige 
zahlreich , di-tricholom büschlig verästelt. Aestchen an der 
Spitze Vi6— Via"^ dick. Glieder 3—6 (selten bis 12) Mal so 
lang als der Durchmesser, die untersten mit langen herab- 
laufenden, wurzelartigen, angegliederten Fäden bekleidet. — 
Zellenmembran fest, Zelleninhalt körnig. Habitus von CL prO'- 
lifera nur in allen Theilen bedeutend kleiner und zarter. Auf 
Cystosirenstämmen bei Triest. 

222. — pellucida (Dillw.) Kg. (Spec. Alg. pag. 390). Bei Triest — 

selten. 

223. — diffusa (Roth). Ich vereinige hier die Formen von Clad. utri-^ 

culosa Kg. Spec. Alg. p. 393; — CL Rissoana (Mont) Kg. 
1. c. p. 392; — CL laxa Kg. 1. c. p. 394; — CL brachy- 
clona (Mont.) Kg. 1. c. p. 394; — CL ramulosa (Menegh.) 
Kg. 1. c. pag. 391 und CL pectinicornis Kg. 1. c. pag. 400, 
Ayelche nur Alters- oder Lokalfornien der obigen Art vor- 
stellen. Durch das Gebiet verbreitet und nicht selten. 

224. — Neesiorum (Ag.) Kg. (Spec. Alg. p. 396. — CL ramosissima 

Bory. Kg. 1. c. pag. 396). Triest auf Cystosirenstämmen, — 
nicht häufig. 

225. — pumila Kg. (Spec. Alg. p. 401). — (C. flavo-albida Kg. 1. c. 
p. 401). Auf Cystosirenstämmen kleine aegagropilaartige Ras- 
chen bildend. — Häufig. 

226. — heteronema (Ag.) Kg. (Phycol. germ. p. 210; — Conferva 
heteronema J. Ag. Alg. mar. medit. pag. 13 ex specimine 
authentico; — Conf. Vadorum Aresch. Alg. scand. exsicc. 
Nr. 19. — Cladophora Vadorum Kg. Spec. Alg. pag. 402). 
In den Salinen und brackischen Gewässern des Gebietes, — 
N gemein. 

227. — laetevirens Kg. (Spec. Alg'. pag. 400, tab. phyc. IV, tab. 15, 

Fig. 1). Bei Triest. 

228. — albida (Huds.) Kg. (Spec. Alg. pag. 400. — CL tenuis Kg. 



56 

i. c. pag. 398. — CL Chlorothrix Kg. I. c. p. 398. — Cl. 
ramellosa Kg. 1. c. p. 400). Bei Miramar. 

229.— crystallina (Roth) Kg. (Spec. Alg. pag. 401). Verbreitet und 
gemein. 

230. — nitidissima Menegh. (Kg. Spec. Alg. p. 399). Verbreitet, aber 
seltener als vorige Art, vielleicht Varietät derselben« 

231.— flavida Kg. (Sp. Alg. p. 402). Primiero bei Grado. 

232. — glomeraia (L.) Kg. var. In den Salinengräben bei Capo- 

distria. 

233. — Rudolphiana (Ag.) Harv. (Kg. Öpec. Alg. p. 404. — Cl. plu^ 

mula Kg. 1. c. p. 404). Bei Miramar, häufig. 

234. — lubrica Kg. (Sp. Alg. pag. 405). . Bei Triest, Auresina etc., 

' nicht häufig. 

•235. Chaetomorpka crassa (Ag.) Kg. (Spec. Alg. p. 379.) 
Var. torulosa (Zan.) Kg, (Sp. Alg. p. 380.) 
In den Salinen von Zaule, Capodistria, Pirano etc. gemein. 

236. — setacea (Ag.) Kg. (Spec. Alg. p. 377). In Brackwiassergräben 
bei der Punta Sdobba. 

237. — aerea (Roth) Kg. (Spec. Alg. p. 379. — Chaetom.variabilis 
Kg. 1. c. pag. 378. — Chaetom. vasta Kg. 1. c. pag. 378). 
An Steinen angewachsen, bei Triest, Muggia, Isola etc.^ 
häufig. 

238.— chlorotica (Mont.) Kg. (Spec. Alg. p. 377). In den Salinen, 
nicht selten. 

239. — gracilü Kg. (Spec. Alg. p. 376). In den Salinen von Capo- 
distria. — Vielleicht nur eine langgliedrige Varietät der fol- 
genden. Art. 

240. — implexa Kg. (Spec. Alg. p. 376). Bei Zaule, sehr häufig. 

241. Rhhoclonium setaceum Kg. (Spec. Alg. pag. 383, tab. phyc. III. 

tab. 67, Fig. 1). Bei Grignano. 

242. — salinum (Schleich.) Kg. (Rabenhorst flora europ. alg. p. 330). 

In den Salinen häufig. 
243. — flavicans (Jurg.) Rabenh. (Fl. europ. alg. pag. 331). In den 
Salinen. 

II 1 • t h r i e h e a e. 

2ALHormiicia implexa (Kg.) Rabenh. (Flora europ. alg. pag. 364). 
Zwischen verschiedenen Algen aus den Salinen yon Capo- 
distria. 

245. Phaeophila Floridearnm n. gen. et spec. nenne ich einstweilen 
einen dem Bolbocoleon piliferum Pringsh. ähnlichen Schma- 
rotzer, welchen ich häufig zwischen den Rindenz^Uen ver- 
schiedener Florideen, z. B. von Gracilaria^ Chondriopsia^ 
Laurenda, Hypnaea etc. beobachtete. Die beigegebene Skizze 



57 



zeigt ein aus einer Gracilaria herauspräparirtes Stück des 
Fadens in der Seitenansicht bei 280maliger Vergrösserung. 




Die Pflanze besteht aus verästelten konfervenarligen, zwi- 
schen den Rjndenzellen verschiedener Florideen hinkriechen- 
den Fäden, die aus einer Zelienreihe gebildet werden. Die 
coleochaeteartigen Zellen tragen auf ihrem Rücken als Fort- 
setzung eine, manchmal zwei, meist spiralig gedrehte hohle 
Borsten, welche «aus der Nährpflanze herausragen. Die Borsten 
selbst erscheinen wie abgebrochen. Aus diesen Borsten her- 
vortretende Haare, wie sie bei Coleochaete^ Bolbocoleon etc. 
vorkommen, sah ich bei dieser Art nicht. — Schwärmsporen 
fanden sich zahlreich in den Mutterzellen, die sich aber weder 
durch Form noch Grösse von den vegetativen Zellen unter- 
schieden. 

Weitere Untersuchungen habe ich wegen Mangels an ge- 
eignetem Material noch nicht fortsetzen können, und bezwecke 
diese gelegentliche vorläufige Mittheilung nur, auf diese ge- 
wiss auch in anderen Meeren vorkommende Alge aufmerksam 
zu machen. 

Palmelleae. 

246. Entophysalis granulosa Kg. (Zan. Icon. phycol. adriat. Vol. III. 
pag. 93, tab. CHI). Muggia an Steinen, die bei tiefer Ebbe 
trocken liegen. Im Herbst. 

(Sohlass folgt.) 



■«>«09'9s»- 



Oesterr. boten. Zeitschrift 2. H«ft. 1876. 



58 t 

Mykologisches. 

Von St. Schulzer von Müggenbnrg. 

VI. 
Erysiphe. 

Diese Gattung zählt man bekanntlich zu den veritabeln Schma- 
rotzern der Pilzwelt, weil ihre zahlreichen Arten in der Regel lebende 
Phanerogamen bewohnen. £. epigaea Luk., auf nackter Erde, macht 
hievon die einzige mir bekannte Ausnahme. 

Ich kann indessen auch mit einem Kryptogamen-Bewohner dienen. 

£. fungicola Schlzr. fand ich gegen Ende Oktober, im Nustarer 
Waide bei Vinkovce, zerstreut auf der Oberfläche meines Boletus 
duriusculus im^ erkrankten Zustande. 

Die Pyrenien sind schwarzbraun, kuglich, dann am Scheitel 
einsinkend, 0*3"^°^ breit, guten Augen als schwarze Punkte sichtbar. 
Sie sitzen, jede für sich, auf einem aus strahlenförmigen kürzeren 
und längeren Hyphen bestehenden Mycelium. Die längeren, unter sich 
von fast gleicher Grösse, verdicken sich an der Spitze und es entsteht 
eine einfache oder einmal septirte, braune, später abfallende Conidie 
oder Chlamydospore,' während der Faden selbst ungefärbt ist. Weiter 
oben gehen vom Pyrenium in geringer Zahl steif-radienförmige, an 
dor Basis blasig erweiterte Fulcri mit einfacher Spitze ab. Ihre Länge 
beträgt beiläufig den doppelten Pyrenium-Durchmesser. Die in ziem- 
licher Zahl vorhandenen Schläuche sind blasenförmig, im oberen Theile 
oft etwas eingeschnürt, unten zu einem Stielchen geformt und führen 
ein bis zwei Sporen. Diese sind cylindrisch-oval, bei 0*04°'°' lang, 
Q.Q^^mm ji^^ ^qJ 1^1^ grosskömigem, gelbbraunen Plasma gefüllt. 

Impusa Maseae Cohn. 

Alle Befunde Cohn's in seiner trefflichen Monographie dieser 
Form, vom Erkranken der Fliege bis zum Wegschleudern der Sporen, 
bestätigte der meinige Ende Oktober, ohne irgend etwas Neues bei- 
fügen zu können. 

Die Fülle anderer Arbeit veranlasste mich, die eingesammelten 
Fliegen wegzulegen und es war schon der halbe Dezember vorüber, 
als ich sie neuerdings vornahm. Von Basidien, d. i. dem Mittelgliede 
zwischen dem Mycelium und der Spore, war keine sichere Spur mehr 
anzutreffen. Die unter einander sowohl, als mit dem Substrate noch 
immer fest zusammengeleimten weissen UeberzQge und Anhäufungen 

an Flügeln und Beinen, waren keine Sporen mehr, sondern 

leere, vom Scheitel bis über die Mitte unregelmässig zerrissene, 
schlaffe, weisse Hüllen, an denen auch die frühere absonderliche 
Sporenform nicht mehr deutlich sichtbar war. Entleerte Exosporien. 
Nirgends fand ich mehr eine in denselben eingeschlossene Spore, 
dagegen in der nächsten Umgebung deren genug in freiem Zustande, 
nun zum Verfliegen völlig geeignet, was früher, da sie mittelst der 



59 

Hülle angeklebt waren, allerdings zu den Unmöglichkeiten gehörte. 
Die Gestalt dieser, von einem glatten, harten, zerbrechlichen Epispo- 
rium umgebenen Sporen weicht von der ehemaligen wesentlich ab. 
Sie sind nun völlig citronenförmig, d i. oval mit einer kleinen stumpfen 
helleren Spitze am Scheitel und einem unmerkbaren, oft ganz fehlenden, 
warzenförmigen Vorsprunge an der Basis; messen 0*014 — 0*023°^ in 
der Länge und' 0*01 — 0*017"*"* in der Dicke, sind nun gelb-zimmet- 
braun mit einem Kerne, welcher nebst Protoplasma viele grössere 
und kleinere Fettkügelchen führt. 

Keimversuche damit im Wasser hatten nur magere Erfolge. 
Nach 16 Stunden traten an beiden Polen zugleich je ein dicker, oder 
noch häufiger zwei dünnere hyaline Keime hervor, die jedoch nicht 
über 0*006"*™ sich verlängerten. Entweder war Wasser nicht das 
rechte Medium, oder, was ich eher glaube, ihre volle Keimfähigkeit 
tritt erst im nächsten Jahre zu Ende des Spätsommers ein, wesshalb 
ich die Fliegen bis zu diesem Zeitpunkte aufhob, wo ich Ansteckungs- 
versuche zu machen beabsichtigte. Indessen unterblieb alles, weil ich 
im Hochsommer erkrankte und spät erst genas. 

Merolias albus. 

Boletus albus Bolton Tab. 78. Ich fand diesen Schwamm im 
abgewichenen, ziemlich feuchten Jahre in grosser Menge von Mitte 
September bis November im Wäldchen Crkvenac bei Vinkovce, und 
zwar die ersten Exemplare als gesellige, mit einem Theile der Unter- 
seite an der Erde, sowie an daselbst modernden Zweigen und Blättern 
haftende, bis 16 Cm. breite Rasen, alle späteren aber als komplete 
Bekleidung nicht allzudicker, bereits faulender Weissbuchenstöcke. 

Das Gewächs besteht aus wagrechten, unregelmässigen, lappigen, 
verbogenen. Einer aus dem Andern entstehenden, seitlich auf- und 
abwärts zu einem Ganzen verbundenen Hüten, wovon die grössten 
5 Cm. und etwas darüber breit sind. Bolton sah manchmal auch 
weit grössere. Es schliesst häufig Gras, Stengel u. dgl. in seine 
wirre Masse ein. Sehr selten entfällt jede Hautbildung und der ganze 
Stock ist mit einer unebenen Haut voll Kanäle, Grübchen und Löcher 
überzogen. Die Lappen oder Hüte sind oben kurzfilzig, an der Basis 
reinweiss oder weissgrau, am häufig zaserigen Rande sehr licht gelb- 
lich in's Fleischfarbige oder entschieden fleischroth, ohne Zonen. Die 
Unterseite ist erst wässerig-weiss, dann, von der Basis beginnend, 
licht-, später lebhaft ockergelb oder handschuhlederfarbig mit orange- 
farbigem Rande. Bei vielen Lappen sieht man unten einen konzen- 
trischen Bogen, nicht durch abweichende Färbung, sondern durch 
plötzlichen Wechsel in der Dicke der Hymeniumschicht. 

Letztere fand ich hinten 1 bis etwas über 2"*°* dick. Sie entsteht 
aus feinen Aederchen, welche sich von der Basis gegen den Rand 
wellenförmig hinziehen, seitlich anaslomosiren , hiedurch länglich- 
rautenförmige, meist nur seichte Fächer bilden, die wieder durch 
andere Verzweigungen in mehrere, verschiedenförmige, partienweise 
selbst runde Grübchen abgetheilt werden, wobei eben keine andere 

6* 



60 

Regel herrscht, als dass die ersten, d.i. die Hauptadern die Bichtün^ 
von der Basis zum Rande haben, was übrigens am Ende auch nicht 
mehr nachweisbar ist. Immer beginnt die Aderbildung am Grunde 
und die Unterseite junger Individuen ist am Rande auf mehrere 
Millimeter adernlos; aber die vollständige Bedeckung mit dem Ader- 
netze bleibt nie aus. 

Die Dicke des von der Basis gegen den Rand abnehmenden 
Fleisches beträgt bei den Lappen, einzeln genommen, hinten 9°""^ 
und etwas darüber; an verwachsenen Stellen; natürlich beträchtlich 
mehr. Es ist feucht-lederarlig, zähe, erst weiss oder grau, dann fast 
zimmetbraun; riecht anfänglich nicht schlecht schwammartig, zuletzt 
sehr stark und unangenehm. Am Ende verfault es und zerfällt. 

Die Sporen sind weiss, oval, bald dicker und kürzer, bald mehr 
oblong, daher ich sie einmal nur 0*005 — 0*008, ein andermal 0*01 — 
0*012°'°' lang fand. 

Es unterliegt kaum einem Zweifel, dass dieses derselbe Schwamm 
ist, welchen Bolton dicht art der Erde an Wurzeln alter Pappeln fand 
und recht gut abbildete, bis auf die rothe Färbung am Grundstücke, 
was er später im IV. Theile, Seite 3 selbst berichtigt. 

Wenn er in der Beschreibung die Fleischdicke an der Basis zu 
einem Zoll angibt, so ist dieses wohl nicht von einzelnen Hüten, 
sondern von mehreren über einander liegenden zu verstehen, wo 
man noch stärkeres Fleisch zu sehen bekommt, denn sein Durchschnitt 
entspricht in dieser Beziehung dem meinigen vollkommen. 

Die Länge der Röhrchen, d. i. die Dicke der Fruchtschicht, sah 
er, natürlich an der Basis, zu 2 Linien, ich meistens weit geringer, 
doch auch etwas über 2"*"*, und ich zweifle nicht im mindesten daran, 
dass auch die von ihm angegebene Dicke vorkommen kann. 

In solchem Falle ist die Tiefe der Kanäle und Grübchen, welche 
das Adernätz bildet, wohl auch verhältnissmässig beträchtlicher, was 
Ursache sein mag, dass Dr. Fries den Bolton'schen Schwamm in der 
letzten Ausgabe der Epikrisis zum Polyporus salignus P. = Daedalea 
saligna im Syst. myc. zählt; wer jedoch den Pilz so häufig zu sehen 
und das Entstehen der wenigstens anfangs wachsartigen Hymenium- 
seite zu beobachten Gelegenheit hatte, wie ich, kann ihn unmöglich 
anderswohin als zum Merulius stellen. Sieht man sich die Unterseite 
oder einen Anschnitt jugendlicher Individuen mit der Lupe an, so 
gruselt es Einen förmlich, denn man glaubt eine Unzahl neben und 
übereinander liegender, fadenrörmiger, für den Augenblick bewegungs- 
loser Würmer zu sehen. 

Uebrigehs ward nach dem Sys. myc. der Pol. salignus P. im 
Winter beobachtet, wo unser Schwamm längst verfault ist; der Rand 
des letzleren ist gerade das Gegentheil von „tumidus''; die beinri 
Pol, salignus einen Zoll breiten Hüte sind hier fast durchgehends, 
meistens sogar sehr bedeutend grosser; u. s. w. 



61 

Insectivorous plants by Charles Darwin. 

(London, John Hnrray, Albemarle Street, 1875.) 

Von B. Stein^ 

Ein neues Werk Darwin's ist immer ein Ereigniss, das Auf- 
sehen erregt, umsomehr, wenn es ein Thema behandelt, welches so 
sehr Tag^sfrage ist, wie das der fleischfressenden, oder nach dem 
Titel insektenfressenden Pflanzen. 

Darwin gibt in dem vorliegenden Werke nicht allein eine Ueber- 
sicht der bereits bekannten Thalsachen, sondern vor Allem eine Zu- 
sammenstellung seiner eigenen, zahlreichen, ausserordentlich exakten 
Experimente und belegt alle die überraschenden Fakta mit klaren 
Beweisen, an denen sich nicht deuteln und rütteln lasst. 

Die eingehendsten Untersuchungen hat er an Drosera rotundi- 
folia angestellt, und die Ergebnisse, welche er in XI Kapiteln nie- 
dergelegt hat, sind ungefähr folgende. 

Wie bekannt, waren Milde in Breslau (1852) und Nitschke — 
damals auch in Breslau — jetzt in Münster (1860) die Ersten, die 
wirklich sicher Bewegung an den Blättern von Drosera beobach- 
teten und dies publizirten; die älteste Notiz, welche Darwin auf- 
fand, ist von Dr. Roth 1782; Darwin selbst beschäftigt sich seit 1860 
mit der Frage der Bewegung und des Fangens von Insekten bei 
Drosera, 

Im ersten Kapitel gibt er eine kurze Uebersicht über den Bau 
des Blattes und die Art und Weise, in welcher es Insekten fängt. 
Diess geschieht durch Tropfen ausserordentlich zähen Schleimes, wel- 
chen die Drüsen ausscheiden, sowie durch Einwärtsbeugung der 
diese Drüsen tragenden „Taster" des Blattes. Drosera ist auf die 
Ernährung durch die Blätter angewiesen, da die Wurzeln der Pflanze 
ausserordentlich gering sind. 

Die Drüsen sind fähig Flüssigkeit auszuscheiden und einzu- 
saugen, sind sehr empfindlich für Anreiz durch wiederholte Berüh- 
rung, durch Druck selbst sehr kleiner Gewichte, durch thierische 
Stoffe und verschiedene chemische Lösungen, Hitze und Elektricität. 
Ein Taster (tentacle nennt Darwin das scheinbare Drüsenhaar), auf 
dessen Drüse rohes Fleisch gebracht wird, beginnt sich in 10 Se- 
kunden zu beugen, in 5 Minuten ist er völlig gebogen, und in einer 
halben Stunde erreicht er die Mitte des Blattes. Ausserdem werden 
die nächsten — und war das Stückchen Fleisch gross genug — alle 
Taster des Blattes zur Beugung nach der Mitte des Blattes resp. dem 
Punkte, wo die erste Reizung geschah, veranlasst. 

Die gebogenen Taster richten sich nach kurzer £eit wieder auf, 
und während dieses Vorganges werden die Drüsen fast oder ganz 
trocken. In der alten Lage, angelangt, beginnen sie wieder Fang- 
schleim auszuscheiden, und sind nun zu neuem Fange fertig. 

Durch unorganische Körper — Kap. II. — wird gleichfalls eine 
Biegung der Taster erzielt, aber in viel kürzerer Zeit richten sie 



62 

sich wieder auf. Ein Stückchen Haar von 0'203"'"' Länge, im Ge- 
wichte von 0*000822 Milligrm. ruft noch eine Bewegung hervor; es ist 
nicht wahrscheinlich, dass der dadurch ausgeübte Druck 0*00006 Milli- 
gramm orreichll uhd selbst noch kleinere Gewichte rufen noch eine 
Spur von Bewegung hervor. Sogar sehr kleine Mücken rufen Reiz 
hervor und werden gefangen, wenn sie mit ihren zarten Füssen einer 
Drüse anhaften. 

Wird eine Drüse drei- und mehrmals stark berührt, so erfolgt 
Bewegung, bei ein- und zweimaliger, selbst sehr kräftiger Berührung 
biegen sich die Taster nicht. (Diess erklärt, warum meist an eine 
Bewegung nicht geglaubt wurde. Schreiber dieses hat früher oft 
Drosera gleich Dionaea durch Berührungen zu reizen versucht und 
war überzeugt, sie sei nicht fähig sich zu bewegen, da selbst sehr 
starkes Aufschlagen gar keinen Erfolg zeigte.) 

Die Drüsen sind unempfindlich für den Aufschlag von Regen- 
tropfen und die Berührung der Blätter nebenstehender Pflanzen bei 
Windstössen; würden sie dadurch gereizt, so wäre die Pflanze oft 
in der Lage, keine Beute fangen zu können. 

Kap. HI behandelt Aggregationserscheinungen in den Zellen der 

S gereizten Taster. 10 Sekunden nach Reizung einer Drüse wird ihr 
nhalt trübe und wolkig. Eine Minute später erscheinen bei sehr star- 
ker Vergrösserung sichtbare Körnchen in den Zellen unterhalb der 
Drüsen und ballen sich zu Kugeln; diese Erscheinung pflanzt sich 
bis zum Fusse der Taster fort; oft ballen sich mehrere Kugeln zu- 
sammen und theilen sich wieder, und je stärker der Reiz war, um 
so stärker auch ist die Anhäufung von Protoplasma. 

Alles, was die Taster reizt, bewirkt auch diese Anhäufungen; 
von vielen probirten Reizmitteln wirkt kohlensaures Ammoniak am 
schnellsten und stärksten, 0*00048 Milligrm. einer Drüse gegeben 
bewirkt in einer Stunde die Aggregation des Protoplasma. Dieser 
Prozess geht nur vor sich, so lange das Protoplasma in kräftigem, 
lebendem Zustande ist. 

Auch bei den nicht direkt gereizten Tastern beginnt diese Be- 
wegung stets in den Drüsen; wird ein Taster gereizt, so theilt er 
diese Anreizung dem Fusse der nächsten Taster mit, aber die Proto- 
plasma-Bewegung schreitet von oben nach unten vor. 

Da die Aggregation herbeigeführt werden kann durch blosse 
Berührung, ist sie sicher unabhängig von irgend welcher Neuauf- 
nahme eines Stoffes, und nur durch. Molekularbewegung hervorge- 
rufen, gleich den Bewegungen im menschlichen Nervensysteme. 

Wasser von 43® C. ruft ein wenig Einbiegung der Blätter her- 
vor, 46 — 51® C. bewirkt rasche Beugung und Anhäufung von Proto- 
plasma; beim folgenden Eintauchen in kaltes Wasser verschliesst 
sich das Blatt wieder. 65*5® C. tödtet die Taster sofort, während 
62*7® C. sie allerdings auch tödtet, wenn sie dauernd darin bleiben, 
bei vorübergehender Einwirkung aber ihnen nicht schadet (Kap. IV). 

Die Untersuchung der Einwirkung zahlreicher stickstoffhaltiger 
und nicht stickstoffhaltiger organischer Flüssigkeiten füllt das 5. Ka- 



63 

pitel, und es zeigt sich, dass die Blätter unfehlbar den vorhandenen 
Stickstoff entdecken. Abkochungen von grünen Erbsen und Kohl- 
blättern wirken so kräftig wie rohes Fleisch; ein Auszug aus Kohl- 
blättern mit lauwarmem Wasser wirkt sehr wenig, Abkochungen 
von Gras schwächer als die von Kohl oder Erbsen. 

Das Erstaunlichste bringen die nun folgenden Untersuchungen 
über die Auflösung und Verdauung thierischer Stoffe. Gleich dem 
Thiermagen sondert Drosera einen sauren und einen dem Pepsin 
ähnlichen Yerdauungsstoff aus, die in ihrer Zusammensetzung nicht 
nur Fleisch mit Leichtigkeit auflösen, s(fndern auch Knorpel, Ei weiss, 
Knochen und selbst Zahnschmelz zersetzenl, die aus lebenden Sa- 
men Stoffe ausziehen und die Samen tödten oder wenigstens schwä- 
chen; auch aus Blättern und Pollen werden verdaubare Stoffe aus- 
gesogen. 

Kap. Vn, VIH und IX behandeln die Einflüsse von Chemikalien 
auf die Blätter, resp. ihre Taster. Alle Ammoniaksalze reizen die 
Taster, viele davon das ganze Blatt zur Biegung, und bewirken Zu- 
sammenziehung des Protoplasma. 

Am schwächsten wirkt- salpetersaures Ammoniak, am stärksten 
phosphorsaures Ammoniak, jedenfalls durch das gleichzeitige Wirken 
des Phosphors und des Stickstoffs. 0016 Mgrm. phosphorsaures Am- 
moniak in Lösung auf die Mitte eines Blattes getropft, reizt sämmt- 
liche Taster und das Blatt selbst zur Biegung; wird ein Blatt in eine 
solche Lösung getaucht, so genügt für eine Drüse 0-0000032 Milli- 
grm. des Salzes, um den Taster noch zu beugen!, eine in der That 
höchst erstaunliche Thatsache. 

Die verschiedenen anderen SalZe wirken ausserordentlich ver- 
schieden und zwar scheint dabei die in ihnen enthaltene Base zu 
wirken, da z. B. alle Nalronsalze Biegung bewirken, während kein 
Kalisalz das thut; eine Anzahl Salze wirken giftig auf das Blatt, 
z. B. Platinchlorid und Höllenstein. Viele Säuren —- alle in 437facher 
Verdünnung — wirken sehr stark auf das Blatt; einige, sogar orga-r 
nische, Säuren wirken schädlich; Benzol'nsüure, welche den Thieren 
unschädlich ist, wirkt so giftig wie Blausäure, ebenso ist Milchsäure 
für Drosera Gift, während Apfelsäure, Citronsäure, Ameisensäure etc. 
theils gar nicht, theils schwach anregend wirken. 

Aus der Reihe der Alkaloide und einiger anderer Substanzen, 
mit welchen Darwin Versuche angestellt hat, ist auffällig, dass viele 
auf die Thierwelt sehr schädlich einwirkenden Stoffe auf Drosera gar 
keine oder wenigstens keine schädliche Wirkung haben. Das furcht- 
bare Gift der Cobra-Schlange wirkt etwas anreizend, Alkohol wirkt 
gar nicht. Dämpfe von Alkohol, Campher, Chloroform, Aelher etc. 
wirken in geringen Dosen betäubend und die folgende Verdauung 
von Fleisch verzögernd, in grossen Dosen wirken sie giftig. Aber, 
wie Darwin sagt, „a special pharmacopoeia" würde nöthig sein, um 
die verschiedenen Wirkungen der verschiedenen Substanzen festzu- 
stellen. 



64 

Das X. Kap. zeigt, dass die Reizbarkeit des Blattes ausschliess- 
lich auf den Drüsen und den unmittelbar unterliegenden Zellen be- 
ruht. Die Bewegung und andere Einflüsse pflanzen sich durch die 
Zellschicht, nicht durch die Fibrovasalstränge fort. Die gereizte Drüse 
sendet sehr schnell den Anstoss zur Bewegung durch den Taster in 
die Fusspartie desselben, welche allein sich biegt. Von da geht die 
Bewegung zu den nächsten Tastern und dann zu den ferneren und 
zwar immer langsamer werdend. Der Form der Zellen folgend geht 
die Bewegung rascher längs des Blattes als quer vor sich. Je stärker 
der Anreiz zur ersten Bewegung war, um so rascher und weiter 
pflanzt er sich fort. 

Empfängt der Taster den Anreiz von seiner eigenen Drüse, so 
beugt er sich gegen das Blattcentrum, z. B. wenn das Blatt in eine 
anreizende Flüssigkeit getaucht wird, wobei also jeder Taster von 
seiner Drüse zur Biegung veranlasst wird, beugen sich alle gegen 
den Mittelpunkt, nur die kurzen in der Mitte stehenden Taster bleiben 
aufrecht. Erfolgt der Anreiz von einer Seile, so biegen sich die um- 
stehenden Taster alle genau nach dem Punkte, von welchem der. 
erste Reiz ausging. Abermals eine beachtenswerthe Erscheinung! 

Ueber den Mechanismus der Bewegung und die Veranlassung 
zur Bewegung ist noch wenig bekannt. 

Ganz ähnliche Verhältnisse — - nur durch die veränderte Blatt- 
form modifizirt — fand Darwin bei Drosera anglica^ D. intermedia, 
D, capensis^ D. spathulata und D, filiformis^ etwas abweichend bei 
D. binata. 

Drosera pallida, D. sulphurea^ D, lunata^ D. trinervis und 
heterophylla sah er nicht lebend, die ersten vier Arten „sollen" mit 
grosser Schnelligkeit ihre Blätter über gefangene Insekten schliessen. 

Hieran schliessen sich die Beobachtungen über Dionaea musci" 
pula, mit ihren bei jeder Reizung sich sofort schnell schliessenden 
Blättern. Die Vorgänge bei der Reizung von Dionaea sind so be- 
kannt, dass wir sie übergehen können. Hinsichtlich der Verdauungs- 
und Absorptionsfähigkeit sind die Erscheinungen die gleichen wie 
bei Drosera, An Stelle der Taster von Drosera besorgen winzige, 
drüsenarlige Gebilde die Aussonderung von Verdauungsflüssigkeit und 
die Einsaugung der Nährstofie. Die 6 — 8 Reizhaare sondern nichts ab. 
Ein wichtiger Unterschied ist, däss bei der Reizung eine Zusammen- 
ballurig der Zellinhalte nicht stattfindet. Wind und Regen veranlassen 
keine Reizung. 

Der Anreiz zur Bewegung pflanzt sich gleichfalls wieder durch 
die Zellschichten fort, und zwar sind es hauptsächlich die dicken 
Zellschichten der Miltelrippe, welche sich zusammenziehen und da- 
durch das Blatt schliessen. 

Die Epoche machende Entdeckung Dr. Burdon Sanderson's, dass 
ein elektrischer Strom im Blatte existirt, der bei der Reizung ausge- 
löst wird, ist inzwischen allgemein bekannt geworden. 

Ganz ähnlich Dionaea verhält sich Aidrotanda vesiculosa^ 
welche Darwin eine „kleine Wasser -Dtowaca" nennt. Bewegung 



65 

I 

wurde bei den Blättern von Aldrovanda zuerst gesehen von De Lassus 
1861 — (ich verdanke diese ganz verloren gegangene Notiz meinem 
Freunde Fr. Kurz in Berlin 11874], bis dahin glaubte ich der Erste 
gewesen zu sein, der die Reizbarkeit bei Aldr. sah). 1873 sah ich, 
dass bei genügend hoher Temperatur des Wassers die sonst ge- 
schlossenen Blätter sich öffneten und sehr reizbar waren^ sich ge- 
rade so wie bei Dionaea^ sofort nach der Berührung rasch schlössen. 
Prof. Cohn fand dann, dass die Blätter kleine Wasserthierchen fingen, 
und der Analogie mit Dionaea nach verdauen sie dieselben auch. 
Aldrovanda ist als gänzlich wurzellose Pflanze völlig auf die Er- 
nährung durch die Blätter angewiesen. Die Varietäten verticiliäta 
und anstralis — in Indien und Australien heimisch -r- verhalten sich 
ganz gleich der europäischen Form. 

Bei Drosophyllum lusitanicum findet keinerlei Bewegung des 
Blattes oder seiner Drüsen statt. Insekten werden festgehalten durch 
ausgesonderten zähen Schleim und verdaut durch eine eigene Ver- 
dauungsflüssigkeit wie bei Drosera. Die Schleimaussonderung ge- 
schieht durch grössere Agaricus-- ähnliche Drüsenhaare, die saure 
Aussonderung und Absorption durch sehr kleine Drüsen. Eine ver- 
mehrte Ausscheidung findet nach dem Fange eines Insektes nicht 
statt, fängt die Pflanze kein Opfer, so verzehren die Drüsen die eigene 
Absonderung. 

Darwin bespricht von Droseraceen ferner: Roridula dentata 
vom Kap und Byblis gigantea von Westaustralien, beide weichen 
nicht vom Typus der Familie ab. 

Ausserordentlich wichtig sind die dann folgenden Beobachtungen 
an den Drüsenhaaren von Saxifraga umbrosa, S. rotundifolia^ Pri-^ 
mula sinensis und Pelargonium zonale. Er fand, dass diese Haare 
fähig sind, Nährstoffe, die ihnen in Lösungen zukommen, aufzu- 
nehmen. Dagegen haben die Drüsen von Erica^ Mirabilis und Nico^ 
tiana diese Kraft nicht und die todten Insekten, welche zuweilen an 
diesen Drüsen kleben, sind für die Pflanze werthlos. 

Aus der Abtheilung über die ursprüngliche Form, aus der sich 
die heutigen Droseraceen entwickeln, lässt sich ein Auszug nicht 
gut geben. Darwin zeigt, dass sich leicht alle diese verschiedenen 
Formen auf eine oder einige wenige zurückführen lassen, dass die 
Fähigkeit des Insektenfangens ebenso gut zu erklären ist, wie die 
Thatsache der Verdauung, die auch in anderen Pflanzen auftritt, wie 
z. B. die Samen von Vicia ein Ferment besitzen, welches eiweiss- 
hältige Substanzen auflöst. 

Die Gattung Pinguicula hat sich gleichfalls als „fleischfressend" 
erwiesen. Pinguicula vulgaris trägt auf ihren Blättern zweierlei Drü- 
sen; lang gestielte, grössere, i6zellige und kurzgeslielte, kleinere, 
8zelUge. Alle Drüsen sondern Schleim ab, der so zäh ist, dass Dar- 
win ihn zu 18 Zoll langen Faden ausziehen konnte. Die Wurzeln 
sind selir kurz, gering an Zahl und wenig verästelt. 

Blätter, auf welche Stücke Fleisch, Eiweiss, Insekten, Samen, 
Blattstücke oder unorganische Körper gebracht wurden, rollten ihre 



66 

Blattränder einwärts — 2 Stunden 1^^ Minuten genügten zum deut^ 
liehen Einrollen; nach spätestens 48 Stunden rollt sich der Rand 
wieder auf. Stickstoffhaltige Körper veranlassen die Drüsen zu ver- 
mehrter und zwar stets saurer Ausscheidung, nicht stickstoffhaltige 
Körper vermehren die Ausscheidung zuweilen auch, aber sie ist 
dann nie sauer. Die Ausscheidung, welche aufgelöste thierische Stoffe 
enthält, wird rasch aufgesogen, und die Drüsen sind dann statt grün 
röthlichbraun und enthalten körnige Massen, jedesfalls Protoplasma. 
Pinguicula grandiflora und P. lusitanica zeigen genau die gleichen 
Erscheinungen. 

In den Blasen von Utricularia vulgaris hat Delpino schon 1868 
Crustaceen gefunden. Darwin benutzte zu seinen Untersuchungen 
Utricularia neglecta. Ueber den Bau der Blasen und ihre Fang- 
thätigkeit ist soeben auch eine Arbeit von Prof. Cohn publizirt, auf 
die sich Darwin vielfach bezieht. Die Blasen haben einen vierseitigen 
Eingangs von Cohn Mund genannt, der durch einen beweglichen 
Deckel, Gaumen, geschlossen. Dieser Gaumen ist so angebracht^ dass er 
leicht nach innen nachgibt^ aber sich eher zerreissen als nach aussen 
drängen lässt. Um den Mund herum stehen aussen lange^ verschieden 
getheilte Haare, die wohl bei dem Fange von Thieren zum Leiten 
derselben nach der Mundöffnung dienen. Am Eingange des Mundes 
stehen Drüsenhaare, die vermuthlich ein Lockmittel absondern, denn 
die Thiere gehen sehr schnell in die Blasen. Cohn setzte eines Abends 
Utricularia tmlgaris in Wasser, welches viel Cyclops und Verwandte 
enthielt, am anderen Morgen waren alle Blasen mit diesen Thieren 
gefüllt. Ein Tödten der Thiere durch Absonderung eines Stoffes 
seitens der Blase findet nicht statt, sie verhungern oder ersticken, 
wie Darwin meint; Cohn hat Thiere 5 — 6 Tage lebend in der Blase 
gesehen. Im Innern der Blasen stehen eigenthümliche vierzellige 
Apparate, die vermuthlich zur Absorption dienen; eine eigentliche 
Verdauung scheint nicht stattzufinden^ sondern nur die Verwesungs- 
produkte werden aufgenommen. 

Völlig gleich verhalten sich die Blasen aller anderen Utricula- 
rien^ in allen fand Darwin thierische Reste, sogar in den unterirdi- 
schen Blasen von Utricularia tnontana^ welche in festem Boden, 
nicht im Wasser wächst, fand er Reste von in der Erde lebenden 
Thieren. 

Auch die verwandten Gattungen: Polypompholyx mit P. multi- 
ßda und P. tenella von Westaustralien und Genlisea mit G. ornata, 
G. aurea, G, filiformis von Brasilien und G. africana von Südafrika 
verhalten sich ähnlich Utricularia^ nur ist die l^orm der Blasen von 
Genlisea eine ganz abweichende, sehr sonderbare. 

Sarracenia und Darlingtonia^ sowie Nepenthes erwähnt Darwin 
nur nebenbei, die beiden ersten sollen sich wie Utricularia ver- 
halten und nur Verwesungsprodukte aufnehmen. Nach Hooker be- 
sitzt Nepenthes Verdauungsfähigkeit; ich kann von Nepenthes de-- 
Stillatoria bezeugen, dass die Kannen, wenn sie sich öffnen, eine 
intensiv saure Flüssigkeit enthalten; 1868 hatte ich Gelegenheit diess 



67 

zu konstatiren an Pflanzen, welche ich in Proskau kultivirte, leider 
unterblieb die spezielle chemische Untersuchung, da Professor Lebe- 
mann, der sie unternehmen wollte, plötzlich nach München berufen 
wurde. 

Am Schlüsse stellt Darwin die vier Klassen höherer Pflanzen 
zusammen, welche direkt organische Stoffe aufnehmen: 

1. Die Droseraceen, Pinguicula und Nepenthes, welche wirk- 
liche Verdauung ausführen und aufzunehmende Stoffe aus thierischen 
oder pflanzlichen Körpern ausziehen. Daran schliessen sich die Pflan- 
zen, welche durch ihre Drüsenhaare Ammoniak absorbiren. 

2. Utricularittj Sarracenia und Darlingtonia^ welche die Ver- 
wesungsprodukte gefangener Thiere aufnehmen. 

3. Pflanzen, welche von Verwesungsprodukten der Vegetabilien 
leben, z. B. Neottia und 

4. solche, welche von den Säften anderer Pflanzen leben, wie 
Loranthus und Viscutn. 

Innsbruck, am 29. November 1875. 

——-40« 

Das Pflanzenreich 

auf der Wiener Weltaasstellug im Jahre I873, 

NotizeD ober die expooirtenManzeiifPflaDzeDrohstoIeiiod Produkte, sowie über ihre bOdGcbeDDarsteHinigefl. 

Von Franz Antoine. 

CFortietzuotf.') 

Tectona grandis L. (Johore Teak, Malabar Teak, Anamallay Teak, 
Pegu Teak, Taku Kurru) Das vorzüglichste Schiffbauholz unter 
den indischen Holzsorten. 

Terminalia coriacea Wight et A. (Murthey). Für Eisenbahnen. 

— glabra Wight et Ar. (Telia Muddy Kerra, Kowah). Vorzüglich 
für Bauten. 

— tomentosa Wight et Ar. (Nulea). Eines der besten Bauholz- 
sorten. 

— Muttthe (Ayah maram). 

— Chebula Roxb. (Kadukah Hurra). Hartes, schweres, dauerhaftes 
Bauholz. 

— Berryi Wight et Ar. (Vellay Marathey). 

— Bellerica Roxb. (Thaney ßahera). Grobkörniges Holz. 

— alata G. Don. (Mattimara). 

— macrocarpa Steudl (Touk-Kyalm). Schwellenholz. 
Tamarindiis indica L. (Pooleya marum, Chinta Kurru, Imlee). Für 

Mühlenbestandtheile. 
Todalia aculeata Pers. 
Thespena populnea Correa. (Portia mara). 



68 



fhanaku 
ThetxUharem 



Tothagathi 

Tetha 

Ulmus integrifoHus Roxb. (Ayah maram). 

Uvaria tomentosa Roxb. (Karu). Dauerhaftes Holz für Bauten. 

um. 

Vatica sp. (Daroo). 

— Thunbagaia Wighl et Ar. (Thumbagum). 

— laccifera Wight et Ar. (Jalari, Jalada mara). 
Vaecinium LeschenaulHi Wight. Starkes Holz. 
Viburnum Wigktianum Wall. 

Valeria indica L. (Coongilium). 

Vitex alata Roxb. (Navaladi mara, Kyet-yo). Hart und dauerhaft. 

— leucoxylon Roxb. Ein schöner grosser Baum, aber schwaches 
Holz. 



Vallooky. 
Veppalay, 
Vadothalay. 
Veila Tovarai. 
Vella. 



Yeckallay, 

Vengai. 

Vaghey, 

Velvela. 

Velloorooy. 

Wrightia antidysenterica Br. (Veppaubai marum). 

— tinctoria R. Br. (Chikkra paloi). 
■^ hexandra. (Karry palai). 

Walsura robusta Roxb. (Sowyo). Starkes Schwellenholz. 
Xylia dolabriformis Berth. (Boja). Schreinerholz. 
Xylocarpus Granatum Koen. (Pyniayoang). Für Pfähle. 
Zanthoxylon Budrungß DC. (Yemmunen). Schlechte Holzsorte. 
Zizyphus Jujuba Lam. (Teilen day Ber). Werkholz. 

Drogen und Medizinalpflanzen. 

Anethum Sotca Roxb. (Shatakuppai-virai, Soyikura-vittulu, Soyi, 

Sabbasagi). 
Ahamirta Cocculus Wight et Ar. (Kakkay - kolli-virai, Kaga mar!, 

Kakmarrke-bing, Kakamari-bijaj. 
Argemone mexicana L. (Brama-dandu-virai, .Bramha-dandi-vittulu, 

Pila-datura, Daiuri-bija). 
Aegle marmelos. Correa. (Vilvapay-ham, Bilvapandu, Bel-phal, Billa- 

patri-hamum). 
Acaciä Catechu L. (Kashu, Kanchu, Kattah, Kachu). 

— arabica Willd. (Babul). 
Acalypha indica \*, (Muktajhuri). 
Abrus precatorius Wall. (Kunch). 
Abroma angustum L. fil. (Ulatkambal) 
Abelmoschus esculentus Medic (Dhenras). 

Aloä vulgaris Lam. (Kinya-polam, Muschambaram, Elva). 

— indica Royle (Grita KumarK). 

— soccotrina Lam. 

Anamirta Cocculus Wight et Ar. (Kakkai-kollai viral, Kaka ihari, 
Kakmari, Kebing, Kakamari bija). 



69 

Aconitufn sp, (Kalkut). 
— . heterophyllum Wall. (Athisb, Atees). 
- — Napellus L. (Katbish). 

— ferox Wall. (Bikh). 
Acorus Calamus L. (Bach). 
Adhotoda vasica Nees. (Bakas). 
Aeschynomene Sesban Adans. (Jeyanti path). 
Agathotes Chirayta Don (Cnirela). 

Agave americana L. (Bakas path). 
Aleurites triloba Forst. (Akhrot). 
Aihagi maurorum DC. (Jävasi). 
Alium sativum L. 

— Cepa L. 

Alpinia Galanga Sw. (Kalanjan). 
Alstonia scholaris R. Br. (Chatus). 
Amomum Cardomomum L. (Bara-dachi). 
Anacardium occidentale L. (Hijlibadam). 
Anacyclus Pyrethrum Cass. (Akarkara). 
Andrographis panniculata Wall. (Kalmeg). 
Andropogon muricatus Retz. (Khash Khash). 
Anthemis nobilis (Babuna-phul). 
Arachis hypogaea L. (China-badam). 
Areca Catechu L. (Supari). 
Argemone mexicana L. (Shialkanta). 
Aristolochia indica L. (Isermul). 
Artemisia indica Willd. (Dona). 
Asparagus sarmentosus L: (Sata-muli) 
Asteracantha longifolia Nees (Kanta-Kalika). 
Astragalus verus Olivier (Kotila). 
Atropa Belladonna Adans. 
Azadirachta indica L. (Nim). 
Balsamodendron Mukul Stocks. (Guggul). 

— Myrrha Link (Hirabal). 
Bassia latifolia Roxb. (Mahura). 
Berberis Lycium Royle (Rasaut). 

— j asiatica Roxb. 

Boswellia thurifera Roxb. (Gandhabiraja). 
Butea frondosa Roxb. (Palaspapra). 
Caesalpinia Bonducella Flemming (Katkaranja). 

— Soppan Hamilt. (Baiiam). 
Coffea arabica L. (Kafi). 

Calotropis gigantea R. Br. (Akanda Eruhkam, Mandaramu, Ak, Yak- 
kadagidda). 

Camphora glandulifera Nees. (Nepal sasafras). 
Canarium commune L. (Janglibadam). 
Cannabis indica Lam. (Ganja, charas, Bhang.) 
Capsicum annuum L. (Lalmaricha, Moolagha, 'Mirai-pakaya, Mirchi, 
Menathina Kayi.) 



70 

Carica Papaya L. (Penpe). 
Carum aUmm (Jira). 

— nigrum (Sajira). 

— carm Dec. (Carraways). 

— Ajofcan (Omum, Yämamu, Ajyan, Yona). 
CaryophyUus aromaticus L. (Kirambu, Lavanga, Lawangali) 
Cassia alata L. cDad-mardaa pata). 

— elongata Lemery (Sonamukhi). 

— fistula L. (Sodal). 

— acuHfolia Delle. 

— lanceolata Forsk. (Nilavakai^ Nelatangedu, Natkisana, Nela- 
varike.) 

Cinnamomum albiflorum Nees (Tejpat). 

— sp. (Sirao-naga-poo, Doomake-kali-mirchi.) 

— ' Zeylanicum (Dharchin, Lawanga*"pattai, Dalchinu, Dala-chmnie.) 
Cissampelops hexandra (Nimuka). 

— pareira. 
Cinchona calisaya Wedd. 

— Condaminea H. B. 

— succirubra Pav. 
Citrullus Colocynthis Arn. 

Citrus aurantium L. (Kam-la-Iebu). 

— Limonum Risso (Patilebu). 
Clitoria Ternatea L. (Aprajita). 
Clerodendron viscosum Venl. 

Caesalpinia Banducella Lam. (Gecbcha kay^ Gachcba Kaja, Gajaga). 
Chaetca Roxburghii (Tippili Pipalu, Pipli, Ylppali.) 

(FortsetBang folgt.) 



Literatarberichte. 

Die Geschichte der Aurikel. Von A. Rerner. (Separatabdruck aus der Zeil^ 
scbrift des deutschen und österr. Alpen Vereins. VI. Bd.). München 1875. 
27 Seiten 8. 

Der vorliegende Aufsatz weist nach, dass Primula pubescens 
Jacq. (ein Bastart zwischen P. Auricula L. und P. hirsuta All.) die 
Stammpflanze der Garten -Aurikel sei. Diese interessante Hybride 
wurde zuerst in dem Garten des Prof. Aichholtz in Wien kultivirl. 
Um das Jahr 1582 sendete sie Clusius an van der Dilft nach Belgien, 
und von dort verbreitete sie sich allmälig in unzählige Gärten^ um 
der Ausgangspunkt eines eigenen Zweiges der Blumistik, der Auri^ 
kelzncht^ zu werden. Den ursprünglichen, schon Clusius annähernd 
bekannten, später aber verloren gegangenen Standort von P. pube^ 
$cens Jacq. fand der Verfasser in neuerer Zeit auf den Bergen in 
der Umgebung des Tribulaun und Habicht in Nordtirol wieder auf. 



- . ül 

Webst diesen Angaben finden sich in Professor A. Kerner's neuester 
Abhandlung zahlreiche beachtenswerthe Daten über Botaniker des 
16. Jahrhunderts, namentlich über Pona und seine Descriptio montis 
Baldi. Dieselben sind in sehr ansprechender Form mitgetheilt, so dass 
sie auch Nichtbotaniker mit Vergnügen lesen werden. 

Dr. H. W. R. 

Crjabb jelensegek a magyar flörAban. (Neuere Erscheinungen der ungar. 
Flora.) Von Dr. Vincenz Borbäs. Separatabdruck aus den Mittheilungen der 
Ungar. Akademie der Wissenschaften. III. 1875. 

Als Resultate seiner in Berlin gemachten Studien liefert Verf. 
mehrere sehr interessante und wichtige Nachträge und Ergänzungen 
zu seinen früheren diessbezüglichen Mittheilungen. Das Wichtigste 
möge hier Platz finden. Acer marsicum Guss. wird für das Banat in 
Anspruch genommen und als Mittelform zwischen A, campestre und 
A. monspessulanum erklärt. Zu letzterem wird A, ibericum M. B. mit 
dem Synonym A. reginae Amaliae Orph. als Varietät gebracht und 
noch eine zweite Abänderung, welche Verf. A. rumeliacum benennt, 
auf Grund der gekreuzten, nicht parallelen Fruchtflügel aufgestellt. 
Beide Formen werden im Banate nachgewiesen. Als Bromus angnsti" 
folius M. B. wird jene schöne Art erklärt, welche (nach dem Vorgange 
Janka's) bisher für B. variegatus M. B. gehalten wurde; hieher wird 
auch B, riparius Rehm. gebracht, zu welchem Resultate übrigens 
Janka schon früher gekommen war, wie Ref. aus dessen Exsiccaten 
bekannt ist. Eine räthselhafte, von Panö6 entdeckte, bisher aber von 
Niemandem blühend gefundene Pflanze versucht Verf. mit Chr^gan^- 
themum sinuatum Ledeb. zu identifiziren. Pan^iö vermuthete darunter 
eine Anthemide, Neilreich (in Herb. Janka) eine Umbellifere. Die 
Pflanze bleibt — da Verf. auch nur sterile Blaltbüschel vorfand — 
nach wie vor unaufgeklärt. Von Cirsium werden zwei Hybriden be- 
schrieben: C Borbdsii Freyn in litt. Ccanum X brachycephalum) und 
C Haynaldi Borb. Letzteres wird als C. ChailletiXcanum bezeich- 
net und hätte nach des Ref. Meinung ganz gut mit C silesiacum 
Wimm. CpalustreXcanum) vereinigt werden können. Dianthus Ar^ 
meriaXdeltoides Hellw. führt Verf. als P. Hellwigii an. Sehr gründ- 
lich ist die Synonymie mehrerer Nelken bearbeitet. Darnach ist D. 
giganteus D'ütv. identisch mit D. atrorubens Jcq. Ic. rar. t. 467 nee 
All. D. glaucophyüus Wierzb., Rchb., D. Balbisii Heuff., Griseb., Schur, 
Neilr., Hazsl. non Seringe, D. pruinosus Janka non Boiss., D. bana^ 
Heus Boiss. non Heufl. var. nee Kern., dessen Pflanze D. diuHnus 
Reichb. ist. Dagegen fällt P. Balbisii Ser. nach Originalexemplaren 
mit D. liburnicus Bartl (schon nach Koch) und D. capitatus Reichb. 
fil. f. 5018 (schon nach Bertol.) zusammen. Aus diesem Formenkreise 
kommt nach dem Verf. noch D. bänaticus Heufil var. (D. latifblius 
Griseb. var.) und eine vierte Form vor, welche er D. giganteiformis 
nennt. Weiters wäre D. atrorubens All. mit D. diutinus Rchb. iden- 
tisch, welche irrige Ansicht Verf. dem Ref. gegenüber brieflich be- 
reits berichtigt hat. — Echinops Ritro Ledeb. auct. hung., Griseb. It. 



72 .\ , 

hung. (non spicil) wird zu jE, ruthenicus M. B. gestellt, Eupatorium 
syriacum Jcq. im Banat angegeben., Als Euphorbia taurinensis AU. 
geht die neuerer Zeit vielfach aus der Ofner Gegend in Exsiccaten 
verbreitete E. graeca (Boiss.?) Simk. Inula VrabSlyiana Kern* ist 
nach dem Verf. hybrid aus /. ensifolia und /. squarrosa und nicht 
squarrosäXsalicina^ welche Ansicht Ref. bestätigen kann. — Jüfar- 
rubium praecox Janka ist vom Banat bis Sarepta verbreitet. — Unter 
Salvia pratensis vereinigt Verf. S. dumetorum Andrz., Ä rostrata 
Schm. und S. transsyhanica Heuff. — letztere mit Unrecht. Scor-^ 
zonera stricta Hornig Sorbus graeca Lodd, Viola Jooi Janka und 
F. macedonica Boiss. sind ebenfalls im Banate einheimisch. — Den 
Schluss der Abhandlung bilden mehrere Korrekturen früherer An- 
gaben, von denen die wichtigsten hier angeführt werden mögen: 
Achillea leptophylla C. Koch non M. B. = A. crithfnifolia W. K. iA. 
banatica Kit.); Saxifraga Clüsii Auct. = S. stellaris L. Engl, ist 
wohl bekannt; Avena pratensis Sadl. = A, praeusta Rchb. (übrigens 
auch nur eine Form dieser, vielgestaltigen Art); Centaurea decipiens 
Simk. n. Thuill. = C. Gaudini B. R.; Equisetum inundatum Hazsl. 
non Lasch = E. limosum var.; Iris foetidissima Janka = /. pseudo^ 
cyperus Schur., welche sich durch eine Capsula rostrata der /. spuria 
nähert; Iris pumila Auct. = /. aequiloba Ledeb. teste A. Braun; 
Phyteuma pauciflorum Hazsl. = Phyt, latifolium Heuff. («.) == Ph. 
confusum Kern.; Galium papillosttm Heuff. wird wegen des älteren 
Namens von Lapeyrouse (1813) in G, Eeuffelii umgetauft. — Die 
Vereinigung von Dianthus plumarius L., D. arenarius Kerner und 
D, serotinus W. K., sowie das Zusammenziehen von Avena com- 
pressa Heuff. mit A. bromoides h, kann Ref. nicht billigen, worüber 
vielleicht später einmal mehr. Fy, 

Prodroinas Florae Chersonensis aactore Edaardo a Lindemann- 
Odessa i872. LXn. 230, XXVI Seiten. 8. 

Diese Schrift ist. nicht mehr neu, bietet aber genug des Inter- 
essanten, um darauf zurück zu kommen. Da in Ledebour's klassischer 
Flora rossica das chersonesische Gouvernement nur mit 486 Arten 
bedacht ist, ward der Verfasser schon 1867 veranlasst, seine Florula 
Elisabethgradensis zu schreiben, worin er für den nördlichen Theil 
des Chersoneses allein mehr als 1000 Arten angibt (p. XXIV). Un- 
geachtet auch jetzt noch nicht alle Theile des Gebietes zuverlässlich 
untersucht sind, werden im Prodromus doch 1359 Arten aufgezählt, 
wovon 468 1 — 2jährig, 788 ausdauernde Kräuter und 103 Sträucher 
und Bäume sind (p. XLIII). Dabei ist dennoch Lindemann nach eigener 
Angabe CXXVIII) dem Beispiele jener neueren Botaniker gefolgt, die 
lieber gewisse Arten einziehen und sie nur als Varietäten betrachten. 
Ein Blick in sein Buch beweist auch diee^es alsogleich. Er ging hierin 
manchmal soweit, dass ihm nur die Wenigsten folgen möchten. Ueber- 
haupt hat Lindemann ,,die grösste Aufmerksamkeit den Varietäten 
zugewendet und diejenigen Formen der einzelnen Arten, welche im 
Ghersones vorkommen, genauer beschrieben^ (1. c). Das ist es nun 



73 

auch, was sogleich beim Durchblättern des Prodromiis aufiallt, und 
was ihn in unseren Gegenden mitunter sehr brauchbar machen 
kann. Uebrigens ist nicht eine vollständige Beschreibung der Yarie- 
tiiten gegeb^ sondern nur ein oder das andere Hauptmerkmal dem 
Umfange des Werkes entsprechend hervorgehoben. So z. B. wird 
Seite 25 bei den Varietäten der Viola karia «• genuina, ß. Ccoüima 
Besser), y. (ampesiris M, B.) und der V. odoraia DC «. hirsmtior 
(V. odanUA L.)9 ß- glabrior (F. suarA* M. B.) nur auf Farbe und 
Geruch der Blumen Rücksicht genommen, während {"ich diese fünf 
Pflanzen doch Organ für Organ nnterscheiden. Sehr anerkennens- 
w^^h ist die Arbeit, wenn die bei den vielen Varietäten sitirten 
Synonyme auch wirklich durch Vergleiche als richtig befunden wur- 
den, wie sie es bei den angeführten Beispielen an Veilchen in der 
That sind. Auflallend ist die Armuth an Weiden, Im ganzen grossen 
Gebiete wyrden nur acht Arten (Salix peniamdra^ fragilik, alba, 
am^gdalkM^ aeuüfolia, mminaiis, cinerea und Caprea) mit nur drei 
Abarten gefunden. Der Prodromus ist gewiss eine schöne Vorarbeit 
f42r die Flora des Ckersoneses, weiche uns vom Autor in Aussicht 
gestellt wird. Wb. 

„Neue deutsche Alpenzeitung.*' Unter diesem Titel er- 
scheint seit dem vor. Jahre in Wien ein Journal, redigirt von Rieh. 
Issler und Dr. Heinriclf No6, das auch für den Botaniker von hohem 
Interesse ist. So enthält z. B. die 1. Nummer von diesem Jahre an 
Originalbeiträgen nachfolgende: ,yDer Lovöen in Montenegro.'' Von 
Prof. Dr. J. Frischauf. „Ein Blick auf die Geschichte der Alpenvege- 
tation." Von Franz Flatz. „Die alpine Landschaftsphotographie in ihrer 
wissenschaftlichen Verwerthung." Von Prof. Dr. Friedr. Simony. „Aus 
den Südthälem des Monte Rosa." Von M. D^chy. 



•♦0^ 



CorrespondeiUE. 

Ralksbnrg bei Wien, am 16. Dezember IS^S. 

An derselben Stelle, wo ich im Zalaer Komitate den schönen 
Sclerantkns pseudopolycarpus gefunden habe (auf magerem, sandigem 
Waldbohen, zum Theil von grossen Buchen beschattet), wachsen auch 
die beiden im „Herbarium europaeum" des Dr. Baenitz unter Nr. 2280 
und 2279 ausgegebenen Trifolien (patens genumum und procvmbens 
mtfitmiim), worüber ich in den Verhandlungen der k. k. zoolog.-bot. 
Gesellsch. in Wien (1874, S. 47 ff.) berichtet habe. Nach Dr. Ascher- 
son's gefälliger brieflicher Mittheilung ist aber die erstere Hopfenklee- 
art, welche mir mit der Originalabbildung des Trif, patens Schreb. 
(bei Sturm „deutsche Flora" Heft 16) mehr übereinzustimmen schien, 
als jene Exemplare, welche gewöhnlich in Herbarien unter diesem 
Namen sich finden CTrifolivm parisieuse DC), nur Trif, campestre 
Schreb. - — In der Nähe davon wächst auch (unter Wachholderstau- 

Ooiterr. botan. Zyitschrift. 2. H«fl. 1876 6 



74 

den) und blüht gleichfalls schon Ende Mai jenes Galmm^ welches 
ich in dieser Zeitschrift 1874, (S. 108) für G. auremn Vis. ausgab, 
was es sicher nicht ist. . Es ist wahrscheinlich ein für Ungarn ganz 
neues Galium^ welches aber ebenso wahrscheinlich schon «inen Na- 
men hat. Die Schwierigkeit liegt nur darin, diesen unter der Namen- 
masse ausfindig zu machen. Ist er gefunden, so werde ich mich be- 
eilen, ihn mitzutheilen. Meine Pflanze ist um Kapornak nicht selten 
(Pagony, felsö erdö, Kalos^, Padär), ist abier, wie ich mich 1874 über- 
zeugte, weissblühend, so dass ich diässmal mit der Ueberzeugung 
heimkehrte, nur eine GaUum Moüugo^Yovm gefunden zu haben, nicht 
aber das gelbe Galium^ das sich 1873 unter meiner getrockneten 
Zalaer Ausbeute gefunden hatte. Und siehe da, in Kalksburg ange- 
kommen, finde ich alle meine weissen Gallen gelb geworden, 
obschon sie gut getrocknet waren. Hinc error. Vielleicht liegt in der 
Eigenschaft, gelb zu werden, auch der Schlüssel znr Lösung der 
Frage, wie Visiani das GäHum ßrmum Tausch, dem Tausch aus- 
drücklich weisse Blumen zuschreibt, für sein eigenes G. aureum 
halten konnte. Das a. a.O. erwähnte Galium von Ragusa (leg. So- 
diro S. J.) stimmt vollkommen mit einem echten Gälium aurettm 
Vis. aus Cattaro (leg. Pichler) überein, welches ich der Güte Ascher- 
son^s verdanke. — Unter ganz gleichen Verhältnissen wurde auch 
das sonderbare, in dieser Zeitschrift (1874, S. 64) erwähnte Linum 
(zufällig mit Avena capillaris und Ä. tenuis) gesammelt; es ist, wie 
Artzt in dieser Zeitschrift (1874, S. 128) ganz richtig vermuthet, 
nur lAnum catharticum L., aber durchaus bis auf die untersten (zur 
Blüthezeit gewöhnlich schon verwelkten) Blätter eine forma oder var. 
altemifolium. J. Wiesbaur S. J. 

Znaim, am 44. J&nner 4876. 

Bei der Durchsicht meiner Compositen fand ich eine in Görers- 
dorf in Nieder-Oesterr. gesammelte Pflanze, die der Finder, mein 
Freund J. Krumpholz, Beamter der Staatsbahn, im 'Juli 1871 als Cen-- 
taurea phrygia L. bestimmte. Die Richtigkeit dieser Bestimmung be- 
zweifelte ich gleich beim Empfange und erkannte nachträglich an 
dieser Pflanze die in Ungarn vorkommende Centaurea stenolepis 
Kerner (Oest. bot. Ztg. 22. Jahrg. p. 45). Erst heuer konnte ich die 
G ')rer8dorfer Pflanze mit Exemplaren aus Ungarn vergleichen, da ich 
solche durch den bot. Tauschverein in meinen Besitz bekam, und 
fand meine Nachbestimmung hinreichend bestätigt. 

Adolf Oborny. 



Penonalnotizen. 

— Nicomedes Freih. v. Rastern ist am 24. Dezember v. J. 
auf seinem Landgute Scherenbühl bei Laibach plötzlich gestorben, 
pachdem er ein Alter von 70 Jahren erreicht hatte. Er stand mit 



75 

vielen Bolanikern in regem Verkehr und war seit Jahren der Ein- 
zige, von dem Pflanzen aus Krain zu erhalten waren. 

— R. V. Traut Vetter, Direktor des kais. botanischen Gartens 
zu Petersburgs trat Kränklichkeit wegen von seinem Amte zurüde. 
An dessen Stelle wurde Dr. Eduard Regel zum Direktor ernannt. 

— Dr. Karl Fr aas, Prof. der Landwirthschaft in München, ist 
65 Jahre alt im November gestorben. 



Vereiney Anstalten, Untemehmnnjgftn. 

— In einer Sitzung der kaiserl. Akademie der Wissen- 
schaften am 21. Oktober in Wien überreichte Dr. J. Peyritsch eine 
Abhandlung: „lieber Vorkommen und Biologie von Laboulbeniaceen.^ 
Anknüpfend an seine beiden in den Sitzungsber. der kais. Akad. der 
Wissenschaften (1871, 1873) publizirten Abbandlungen über Laboul- 
beniaceen werden weitere ergänzende Daten über Vorkommen und 
Biologie von Laboulbeniaceen, die er an Coleopteren beobachtete, 
gegeben und die Ergebnisse von Infektionsversuchen, die mit der 
Fliegenlaboulbeme an Stubenfliegen angestellt wurden, mitgetheilt. 
Zu den Versuchen wurden solche Stubenfliegen, die aus Eiern ge* 
zogen wurden, verwendet. Wurde zu den in einem Fliegenhause 
gefangen gehaltenen Fliegen ein laboulbenientragendes Männchen ein- 
gesperrt, so erschienen 10 — 14 Tage später ein oder gewöhnlich 
mehrere Fliegenweibchen infizirt. Diese tragen den Pilz am Kopf und 
Rücken. Wurde hingegen ein laboulbenientragendes Weibchen zu pilz- 
freien Fliegen eingesperrt, so zeigte sich der Pilz innerhalb der ge- 
gebenen Zeit an den Extremitäten der Männchen. In dem ersten Falle 
blieben sämmtliche Männchen, im zweiten die Weibchen mit Aus- 
nahme der einen zur Infektion verwendeten Fliege innerhalb der 
ersten 10—14 Tage vollkommen intakt. Die Fliegenlaboulbenie ist 
ein unschädlicher Pil^, die Lebensdauer der Fliegen wird durch ihn 
nicht verkürzt. Der Pilz kann vollständig verschwinden, ohne eine 
Spur zurückzulassen. Er kann auf andere Dipteren nicht übertragen 
werden. 



Botanischer Tansohverein in Wien. 

Sendungen sind eingelangt: Von Herrn Oborny mit Pflanzen aus 
Mähren. — Von Herrn E. Richter mit Pfl. aus Schlesien. — Von 
Herrn L. Richter mit Pfl. aus Ungarn. 

Sendungen sind abgegangen an die Herren: Uechtritz, Hibsch, 
Dr. Rauscher, Dufft, Fischbacher, Krenberger, Woynar, Bohatsch, Gr. 
Bentzel-Sternau, Melliny. 

6 * 



76 

Aus Polen, eing. von Karo: Ädtnophora UlifoUa, AUhtm ftd^ 
lax^ A, tdneale, Andromeda polifolieL, Amdrvtoöe sept^ntrkmaüs^ Ane^ 
inofi« pafenSy Amoseris mmtsMi, CameHna microcarpa, Eisholzia 
Patrmiy GaUum ebmgeUum^ Jtmcus cdpiiaiuSy Ledum pabutre^ Lo^ 
tus ültgimtsus^ LuttUa palle$oens^ Orobanche rmbens^ Pedicmlaris 
tüvaücaf Pknpineila nigra, Potenülla Wiemimn.f>ire9caiSy Stmfraga 
Aizoon, Senecio paludosnSy S, pahtstery Silene tataricOy Teesdalia 
nndicaulis, Thalictrvm flexuosum^ Vaccinium uliginosum u. tf.* 

Aus Niederösterreich, eing. von Matz: Adonis flammea, 
AlUvm acutctngulwn^ Aster canus, Carex Michelii, C. nutans, C. 
stenophylla, Campanula bononiensis, Cauccdif muricata^ Cl^natis 
integrifotkkj Clem. recta, Cnidium venos^tm, Crypm ahpecuroides, 
Echinops Ritro^ Galium pusillum, Glechoma hirsuta, Gnaphalium 
nudnm, Iris variegata, Isatis tinctoriay Lactuca sagitttxta, L, stricta^ 
Linum ausiriacnm, L. hirsutum, Oenanthe silaifoUa^ Orchis laxißora, 
Rtmuneulus polycmthemosy Scorionera parviflora, Silene viscosa, The^ 
sium humüe, Torilis heltetica^ Verbascum Orientale \l a. 

Aus Ungarn, eing. von Holuby: Mentha cinerea, M. limosa, 
M. mndfdata u. a. 

Aus Mähren, eing. von Obomy: Aconitum Anthora, Adonis 
flammea, Antkriscns trichosperma^ Astragalus exscapus, Cynodon 
Dcu^tglon^ Euphorbia epithymoides, Gagea pusiUa, EHeracium Bati- 
Atm, H. echioides, ft fragile^ E, grcmiticum, H, PilosellaXprae'' 
altum, H, setigerum; Inula germanica, Peucedanum Oreoselinum u. a. 

Obige Pflanzen können nach beliebiger Auswahl im Tausche 
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben v^erden. 



Inserate. 

Verkauf emer PflaHzensaiiiinliing. 

Das zur Gantmasso desApothekers Sickenberger hier gehörende 
höchst werthvolle Herbarium soll im Soumissionswege versteigert 
werden und sind Angebote binnen 4 Wochen zu machen. 

Als Mindestgebot, bei welchem in diesem Falle der Zuschlag 
ertheili wird, ist auf 2000 M. festgesetzt. 

Die Sammlung ist wohlgeordnet in 196 Kartonschachteln nebst 
Glasschränken. 

Die nähere gedruckte Beschreibung theilt auf Anfrage mit 

UerrAck, den 21. Jänner 1876. 

Der Massevertreter 

G. R. Oebhard, 



ReitokUnr and Heraimgeber Dr. AlezaB««r Skollts. — Verlag too O. Oerold'i Soba. 
Drnek und Papier der O. U«b«rr««ter'icheB Boehdraekerei (V. Sats«r>. 



j 



Oesterreichische 

Eotanisclie Zeitschrift 

Gemeinnütziges Organ 

ffir 
Di* 5Bterr*iehisch* Exemplare 

bo«Mil«elie^Z«l««elirlft Rfttailik nilll RAtniltlr^r die ft^ durch die Poitbe- 

erieheiat OWmmÄ UUtt DUianiKfr, «ogeu werden soUett,ilad 

den Enten jeden Monata. 5los bei der R*diikf Ion 

«anj,rto«m.rijt »^^. (^^1», OekoDODieii, Fofslmäimef, AotU, '" tlfpfÄSS^t "' 

(le R. Marhy i i i i . ^"^ ^ege des 

gancj&hrig, oder mit AnolneKer Hllfl Tfifhllilpr Buchhandela übernimmt 

4fl. ». w. (8 B. Mark.) iipUUlCECr UUU ICtUlUiCn Pränumeration 

halbjährig. C. eerold*« Solin 

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16 kr. Ost. W. *1- ^#» Buchhandlungen. 



XXVI. Jahrgans. WM, MArz 1876. 



ZHRAXiT: Aktiv oder Passiv. Von Veiten. — Verbaseum frevnianum. Von Dr. Borbas. — Kroa- 
tische Hieracien. Von Vultotlnovic. — Algen des Triester Golfes. Von Hauck. (Schluss.) - üeber 
Sphaeria mori/ormis und S. spurea. Von Uazslinszky. — Pflanzen auf der Wellausstellung. Von 
Anto ine. (Fortsetzung.) — Literaturbericbte. — Correspondenz. Von Janka, Pseyn, Dr. Borbas, 
G rem blich. — Personalnotizen. — Vereine, Anstalten, Unternehmungen. — Botanischer Tauschverein. 
— Inserate. 



Aktiv oder Passiv? 

Von Dr. Wilh. Veiten. 

Adjunkt an der forstlichen Versuchslttitung. 

Eine für die Pflanzenphysiologie wichtige Frage ist es, welche 
von den Inhaltsgebilden der Zellen sich aktiv, und welche sich passiv 
bewegen. 

Das Folgende liefert einen kleinen Beitrag zur Entscheidung 
dieses in seiner Allgemeinheit freilich vorläufig nicht entgiltig zu lö- 
senden Problems. 

Das eigentliche Protoplasma^ jener stickstofifhältige komplicirte 
Körper oder Organismus, darüber sind wir keinen Augenblick im 
Zweifel, bewegt sich selbstständig, d. h. seine Ortsveränderungen 
werden hervorgerufen durch in ihm selbst frei werdende Kräfte. Wir 
können uns sogar noch so ausdrücken, falls die Kräfte^) als elektri- 
sche in Erscheinung treten. 

In voriger Beziehung verhalten sich solche Zellen, deren Inhalt 
dauernd an gleichem Orte seine Bewegungen vollzieht, gleich denen, 
die ihren Ort verändern. 



^) Veiten. Bau und Bewegung des Protoplasma. Regensburger Flora 1873. 

Oesterr. botan. Zeitschrift. 8. Heft. 1876. 7 



78 

Es gibt aber andere, nicht minder wichtige Grebilde, wie der 
ebengenannte^ die an Komplicirtheit in der Organisation diesem Nichts 
nachgeben; es sind diess die Chlorophyllkömer, der Zellkern und 
vielleicht auch die kleinen Körperchen im Protoplasma; für diese gilt 
unsere Fragestellung. 

Es ist interessant, die Ansichten und Beweisführungen für diese 
über die Selbstständigkeit oder UnSelbstständigkeit der Bewegung 
dieser Gebilde sich vorzuhalten, welche gewiegten Fachmännern 
entstammen. 

Zunächst sehen wir Meyen*), der früher die Bewegung dem 
Zellensafte zuschreibt und die Zellensaftkügelchen, d. h. Chlorophyll- 
körner der ValUmeria spiralis mitschwimmen lasst, später aber zu 
der Ansicht gelangt, dass der Grund der Bewegung in sehr vielen 
Fällen den festen Stoffen selbst zuzuschreiben sei. 

Unger*) spricht sich über die. Bewegung der grösseren und 
kleineren Körperchen, welche in dem Protoplasma der Vallisneria 
enthalten sind, dahin aus, dass diese sich bei der Bewegung ganz 
und gar passiv verhalten. 

In Bezug auf die winzigen Körnchen im Protoplasma, welche 
wir so überaus häufig beobachten, sind Nägeli^) und Seh wendener 
der Ansicht, dass die bewegenden Kräfte in den Körnchen selbst 
ihren Sitz haben. Andererseits finden wir wiederum bei Hofmeister*) 
die Meinung, dass die grösseren und kleineren Protoplasmakörnchen 
sichtlich passiv von dem Plasma fortbewegt werden. Sachs*) lässt 
di(^ Zellkerne und Chlorophyllkörner bei Vallisneria als passive träge 
Massen durch das Protoplasma fortschieben. 

Eine eingehendere Betrachtung über dieses Thema finden wir 
weiterhin bei Franke •). Dieser tritt aufs entschiedenste für die An- 
sicht Sachs ein , so dass also auch die lichtwärts sich bewegenden 
Chlorophyllkörner passiv ihren Ort verändern würden. 

Hanstein '') lässt den Zellkern bei der Zirkulationsbewegung ver- 
schiedener Pflanzenzellen aktiv sich bewegen. 

Sachs ^) spricht neuerdings in seinem Lehrbuch IV. die Meinung 
aus, dass es jedenfalls gewiss scheine , dass die Chlorophyllkörner 
an sich eine freie Bewegung nicht besitzen und durch das bewegli- 
che Protoplasma bald hierhin, bald dorthin geführt werden. 

Prillieux^) glaubt, dass die Chlorophyllkörner von Elodea ge- 
wöhnlich passiv sich bewegten, bei Einwirkung des Sonnenlichtes 
aber aktive Ortsveränderungen eintreten würden. 

^) Pflanzenphysiolode II. Band p. ^34. 

*) Anatomie und Physiologie der Pflanzen 1855 p. 275. 

«) Mikroskop p. 396. 

*) Pflanzenzelle p. 37. 



*) Pflanzenphysiologie p. 450. 

•) Pringsheim's Jahrbücher, Bd. VIII. 



') Die Bewegungserscheinungen des Zellkerns. Sitzungsberichte der nie- 
derrh. Ges. Bonn i870, p. S24. 
«) Botanik IV. p. 721. 
^) Prillieux. Compt. rendus. LXXVIII. p. 752. id74. 



79 

Die vorliegenden Ansichten sind im Allgemeinen sachlich wenig 
begründet, vielmehr ist es der Eindruck, den die Erscheinungen auf 
den Beobachter machen, der bestimmend für die eine oder ändere 
Ansicht einwirkt. Begründungen finden wir streng genommen nur 
bei Nägeli und Schwendener und bei Frank. 

Nageli und Schwendener stellen die Bewegung der Körnchen 
in Parallele mit der Glitschbewegung von Closterium, Sie sind im 
Mikroskop der Ansicht, dass die motorischen Kräfte, welche bei frei- 
schwebenden Körnchen die tanzende Molekularbewegung hervorrufen, 
durch den Kontakt derselben mit Protoplasma so weit modifizirt wer- 
den, dass sie eine in gleicher Richtung fortschreitende Bewegung 
bedingen. 

Es ist mir nun aber aus einer Diskussion, welche ich mit Herrn 
Prof. Dr. Nägeli über diesen Gegenstand früher führte, hervorgegangen, 
dass die aufgeworfene Frage — abgesehen davon, dass wenn man 
zwar einmal unbedingt eben diese Ansicht vertheidigen will, aller- 
dings nur Wahrscheinlichkeitsgründe gegen dieselbe erhoben werden 
können — doch ein gänzlich anderes Gesicht erhält, wenn man sich 
einmal während des ßeobachtens vorstellt, die Kömchen besässen, 
indem sie glitschen, selbst keine motorischen Kräfte und sie würden 
nur durch die Bewegung des Plasmas ihren Ort verändern, oder sie 
bewegten sich selbstständig ^). 

Gehen wir mit der einen oder anderen Vorstellung an das Mi- 
kroskop; wir werden für die eine Ansicht gewiss ebensoviel Gründe 
finden wie für die andere, sobald wir von den oft gefährlichen Ana- 
logieschlüssen absehen. 

Ich würdie mich sehr täuschen, wenn Herr Professor Nägeli 
jetzt der einen Ansicht mehr huldigte als der anderen. 

Wie verhält es sich nun mit der Begründung Frank's, welcher 
die Chlorophyllkörner sich passiv bewegen lässt? 

Man kann das von ihm Vorgebrachte folgendermassen zusam- 
menfassen: 

Bei den Ortsveränderungen der Chlorophyllkörner befindet sich 
auch wirklich das Protoplasma in denselben Bewegungen. 

Eine Ortsveränderung geht überhaupt Hand in Hand mit der- 
jenigen der Chlorophyllkörner. 

Dass das Protoplasma das Bewegende ist, bemerkt derselbe 
schliesslich, lässt sich dadurch erweisen, dass wenn in solchen Zellen 
die Chlorophyllkörner durch Körper anderer Art ersetzt sind, diese 
dann die gleichen Ortsveränderungen darbieten wie jene. So zeigten 
die Wanderung auch vergeilte Chlorophyllkömer, ebenso auch farblose 
oder nur schwach gefärbte Stärkekörner. 

Diess sind die wesentlichen Momente, an welche sich Frank 
hält. Die übrigen dort niedergelegten Beweisgründe sind nicht so 
tiefgehender Natur, dass sie eine detailiirte Gegenbeweisführung 
verlangen. 

*) Hiebei ist natürlich die mystische Vwstellung eines mit freiem Willen 
begabten Individuums gänzlich ausgeschlossen. 

7* 



Der orste Punkt betrifft die gleiche Bewegungsrichtung des 
Protoplasma und der Chlorophyllkörner. Dieise Erscheinungr ist, wenn 
man sie allgemein nimmt, unbestreitbar. Wir haben aber keinen 
Grund anzunehmen, dass das Chlorophyllkorn nicht im Stande ist 
selbst Kräfte in Freiheit zu setzen, die seine eigene Substanz in Be- 
wegung bringen. Da die Grundlage des Chlorophyllkprns eme proto- 
plasmatische ist, so ist nicht einzusehen, warum dasselbe nicht, wenn 
auch nicht gleiche, so doch ähnliche Organisation haben soll, die es 
ihm ermöglicht sich selbstständig vom Platze zu schaffen. Wenn wir 
häufig sehen, dass die Chlorophyllkörner dauernd in derselben Strö- 
mungsrichtung begriffen sind, wie das Protoplasma, so ist es in vielen 
Fällen geradezu sicher, dass hier die Bewegung der Körner durch 
die des Plasma in hohem Grade beeinflusst wird; es beweist die 
gleiche Bewegungsrichtung aber noch nicht, dass die Körner ledig- 
lich passiv fortbewegt werden. 

Für Sachs war in erster Linie die Körner- und Zellkernbewe- 
gung bei Vallisneria spiralis massgebend: warum derselbe die 
Frank'sche Chlorophyllkörnerwanderung vollständig mit der ersteren 
in Parallele stellt und sie passiv vor sich gehen lässt, ist mir leider 
unbekannt. 

Eine sichere Thatsache ist es, dass Chlorophyllkörner und 
iZellkern sozusagen an das Protoplasma gebunden sind, denn in 
einem anderen Medium können dieselben nicht existiren; überall da, 
wo dieselben sich zu bewegen trachten, wird ihre Bewegung von 
der Grösse der treibenden Kräfte, von den Widerständen und der 
Grösse und Anzahl der Gegenbewegungen abhängen. 

Wenn nun wirklich in den Chlorophyllkörnem treibende Kräfte 
liegen, so können wir bei der Chlorophyllkörnerwanderung der Elodea 
canadensis oder bei der der Farnprothallien genau dasselbe Bild er- 
halten, als wenn wir dieselben lediglich passiv ihren Ort verän- 
dern lassen. 

Was nun das Verhalten der beiderlei Theile gegenüber einem 
und demselben Agens anbelangt, so ist es ausser Zweifel, dass durch 
verschiedene Einflüsse gleichzeitig Chlorophyllkörner und Protoplasma 
in gleicher Weise afficirt werden. Das Protoplasma zieht sich oft 
genau an denselben Ort zurück, wohin die Chlorophyllkömer eben- 
falls zurückweichen. Daraus geht hervor, dass durch verschiedene 
Agentien dieselbe Wirkung bei beiderlei Körpern gleichzeitig hervor- 
gerufen wird. 

Der Umstand, dass vergeilte Chlorophyllkörner licht wärts *) zu 
wandern vermögen und dass sie überhaupt die gleichen Erscheinun- 



*) Was die Chlorophyllkömerwanderun^ in den Farnprothallienzellen be- 
trifft, welche Frank (Prings.heim's Jahrbücher VIII. Band, p. 260 und bot. Zeitung 
i871, Nr. 14) entdeckt hat, so muss ich mir hier folgende allgemeine Bemer- 
kungen erlauben. Ich habe dieselbe Erscheinung an Farnprothallien oftmals mit 
demselben oder ähnlichem Effekt hervorgerufen, es Hessen aber meine Bilder 
und ebenso auch dasjenige, welches Frank zeichnet, nicht dieselbe Deutung 
zu, wie sie dort angegeben ist. 



' 81 

gen zeigen wie normale ausgebildete Körner, ist kein Beweis, dass 
diess passiv geschehen muss, da kein Grund vorliegt, anzunehmen, 
dass ein vergeiltes Chlorophyllkorn weniger befähigt sein soll gelbst- 
ständig Ortsveränderungen vorzunehmen, als ein ergrüntes, weil der 
gedachte Mechanismus mit dem Chlorophyllfarbstoff a priori in keinem 
näheren Zusammenhange stehen wird. Dass endlich farblose oder 
schwach grün gefärbte Stärkekörner dieselben Bewegungen ausführen' 



Das Experiment fQhrte ich meist so aus, dass ich das Objekt auf einem 
GlastrSger in aen verschiedensten Stellungen über die Blendungsöffnung des Mi- 
kroskoptisches brachte und ausschliesslich Licht vom Mikroskopspiegel nach 
oben treten liess. 

Das Resultat war: Die Chlorophyllkörner sammelten sich wie es die bei- 
stehende schematische Figur Ä lehrt. Diejenigen der Oberwand bei a, die der 
ünterwand bei /?. Das Licht fällt in der Richtung ah ein. 





Frank sagt nun: „Die KÖmer der oberen Wand gehen dahin, woher das 
intensivste Licht kommt. Der dadurch gebildete Haufen a wu*ft aber seinen 
Schatten unter sich und darum ist die darunter stehende Zellwand q offenbar 
an dem entgegengesetzten Rande am stärksten beleuchtet, weil über diesem 
keine schattenwerfenden Körperchen sitzen. Da sich nun auch wirklich die 
Chlorophyllköraer der Unterwand an dieser Stelle ansammeln, so darf die ein- 
fache Annahme, dass die Chlorophyllkömer stets die stärkste Beleuchtung auf- 
suchen, mit den Beobachtungen im Einklänge befindlich betrachtet werden." 

Nun ist es aber klar, dass wenn die Gegend xy die zunächst hellsten 
Punkte in der Zelle wären und die Körner der unteren Seite demselben Gesetze 
gehorchten wie die der oberen, dass diese sich auch allmälig nach xy begeben 
müssten. Thatsächlich thun sie diess aber nie, sondern sie bleiben stets bei ß, 
welches offenbar den dunkelsten Punkt in der Zelle vorstellt, weil gerade der 
Schatten von a auf ß fällt. Zu gleicher Zeit ist aber leicht einzusehen, dass 
wenn »y die zunächst intensivst beleuchteten Punkte in der Zelle sind, dass a 
in der anstossenden Zelle fast ebenso viel Licht erhält als y^ so dass daher, 
wenn alle Chlorophyllkömer einer Zelle die Eigenschaft hätten, nach der Ge- 
gend intensivster Beleuchtung zu wandern, sie offenbar dasjenige Bild erzeugen 
müssten, welches ich in B schematisch dargestellt habe. 

Dieses Faktum trifft niemals ein, da die Art der Wanderung der Körper 
nicht im Zusammenhange mit der morphologischen Ober- oder Unterseite der 
Zelle steht, so lautet unsere Folgerung aus dem Thatbestand daher so: Die 
Chlorophyllkörner der der Lichtcjuelle zunächst gekehrten Seite wandern an die- 
jenige Stelle der Zelle, wo die mtensivsten Lichtstrahlen einfallen; die der ab- 
gekehrten zeigen ein negatives Verhalten. 

Dieser Passus birgt freilich selbst wiederum ein Räthsel, welches gelöst 
sein will! 



82 

wie Chlorophyllkömer, kann unsere Ansicht von der selbstständigen 
Bewegfung der Körner nicht erschüttern, da dieselben ähnliche Orts- 
veränderungen machten, selbst wenn sie sich sicher aktiv bewegten. 

Für den Zellkern ist es durch Hanstein ^) sehr wahrscheinlich 
gemacht worden, dass derselbe aktiv in der Zelle umherwandert. Die 
Argumente Hanstein's sind die, dass der Zellkern von dem Proto^ 
plasma nicht getrieben werden kann, weil seine Masse im Verhält- 
niss der Geringfügigkeit der strömenden Substanz so überwiegend 
ist, dass man sich dicss schwer denken kann; zweitens wollte man 
dennoch eine endliche Wirkung sich summirender kleiner Stösse an- 
nehmen, so sind die Protoplasmaströmchen oft genug in anderer 
Richtung begriffen, so dass keine Rede davon sein kann, dass der 
Kern durch das Protoplasma bewegt würde. 

Es ist begreiflich, dass die Zellkernbewegung bei meinen Un- 
tersuchungen über das Protoplasma überhaupt mich ebenfalls lebhaft 
interessirt hat. Leider bin ich in der berührten Frage nie zu einem 
sicheren Schluss gekommen, weil einmal die Bewegungsrichtung bei 
der Cirkulation der den Zellkern treffenden Piasmatheile stets sehr 
mannigfaltiger und wechselnder Natur ist, und weil es zweitens aus- 
serordentliche Schwierigkeiten hat, selbst in dem Falle, in dem ganze 
Bänder gegen die Zellkernrichtung laufen, zu entscheiden, ob nicht 
dem Auge weniger sichtbare Partien des Protoplasma dennoch in der 
Richtung des Zellkerns ziehen, also diesem zahlreiche Anstösse ertheilen. 
Ist in dieser Beziehung eine Entscheidung schwer zu treffen, 
so spricht aber für die Hanstein'sche Ansicht, dass a priori kein 
Grund vorliegt, die Fähigkeit des Zellkerns sich ebensogut wie das 
Protoplasma activ zu bewegen, abläugnen zu wollen, und weil ferner 
bei der Zelltheilung die aktive Bewegungsrähigkeit des Zellkerns so 
deutlich zu Tage tritt, dass über den letzteren Punkt kaum Zweifel 
obwalten können. 

Aus air dem Gesagten geht nun hervor, dass zwingende Gründe 
für das „Aktiv oder Passiv^ nicht vorhanden sind, sondern dass es 
vorderhand lediglich auf Wahrscheinlichkeitsgründen beruhen muss, 
der einen oder der anderen Ansicht mehr Gewicht beizulegen. 

Der Hypothese der aktiven Bewegung der Chlorophyllgebilde 
ein unterstützendes Moment zu bieten, hat das Folgende den Zweck. 

Es fragt sich in erster Linie, ob in dem ganzen Pflanzenreich 
es nicht Erscheinungen gebe, welche an und für sich die sichere 
Annahme einer selbstständigen Bewegung wenigstens eines der frag- 
lichen Objekte zulässig erscheinen lassen. 

Eine Thatsache; welche zu Gunsten dieses spricht, betrifft die 
Chlorophyllkörnerbewegung der Ohara foetida und fragilis *). Beide 



*) ^Die Bewe^ngserscheinungen des Zellkerns," Sitzungsberichte der nie- 
derrheinischen Gesellschaft in Bonn, tH70. 

*) Die erstere Art wurde in den Isarsümpfen bei München gesammelt 
und ist in München untersucht worden; die zweite stammte aus dem sogenann- 
ten Heustadiwasser des Praters in Wien und dichte zur Controlirung der frü- 
heren Ai'beit. 



83 

Pflanzen hatte ich bereits schon einige Zeit im Zimmer am Fenster 
kultivirt und da sich bei Ohara foetida nach und nach die Rinden- 
zellen Von selbst abzulösen begannen, bot ^dieselbe ein sehr günstiges 
Objekt zur Untersuchung dar. Ohara fragilis entrindete sich nicht: 
ihrer geringeren Incrustation wegen setzte aber auch sie der Beob- 
achtung keine besonderen Schwierigkeiten in den Weg. Uebrigens 
hielt ich mich meist an die jungen Quirlaste und sind die wesentli- 
chen Beobachtungen an diesen ohnediess nicht berindeten Zellen 
gemacht. 

Es ist bekannt, dass zur Zeit da die Strömung beginnt, aus 
natürlichen mechanischen Gründen eine Indißerenzzone auftritt und 
dass eigenthümlicherweise gerade diejenigen Chlorophyllkörner, weiche 
in der Ebene dieser Zone bereits an der Wand sich placirt haben, 
nunmehr ihren Ort verlassen; dieselben ziehen dann kürzere oder 
längere Zeit mit dem Protoplasma umher, bis sie gelegentlich sich 
wieder anderswo an der Wand festsetzen. Diese Ablösung von der 
Wand überhaupt findet man aber nicht nur in ganz jungen Zellen, 
sie kömmt auch noch später vor, selbst in älteren Zellen trifft man 
manchmal eine nicht unerhebliche Zahl abgelöster Körner an. 

Durch Göppert und Cohn ^) haben wir erfahren, dass in jungen 
Zellen eine äussere dickflüssige und eine innere wässerige Flüssig- 
keit in den Charenzellen sich nachweisen lüsst, dass später in den 
erwachsenen Zellen diese beiden Schichten nicht unterschieden wer- 
den .können. Bei näherer Betrachtung fanden sie indessen doch, dass 
auch in letzterem Falle zwei Schichten vorhanden seien, nur wäre 
die dickflüssige, der Wand anliegtmde, unregelmässig ausgebreitet. 
Nägeli^) bestreitet dieses, insoferne nach ihm in späteren Zuständen 
lediglich einzelne isolirte, grössere und kleinere, auf der Wandung 
hingleitende Plasmamassen von verschiedener Gestalt neben jenen frei 
schwimmenden Körpern vorhanden sind. 

Die von Cohn und Göppert angeführten zwei Schichten bei er- 
wachsenen Zellen sah ich nur in ganz jungen Zuständen; dort stellte 
ein solches Bild den Anfangszustand des Zerfallens des ursprüngli- 
chen Protoplasmasackes vor. Bei älteren Zellen sieht man aber, wie 
diess Nägeli gezeigt hat, niemals zwei verschiedene ununterbrochene 
Schichten. 

Die Deutung Nägeli's fand ich für Ohara foetida vollkommen 
bestätigt; dagegen zeigte Ohara flexilis in den meisten Fällen ein 
anderes Verhalten. Bei dieser Pflanze war, wie diess bei allen jungen 
Charenzellen der Fall ist, ein geschlossener Sack von Protoplasma 
vorhanden; nachdem das jüngste Stadium durchlaufen war, nahm 
dieser Sack beträchtlich Wasser auf, ohne wie ich es bei CA. foetida 
fast immer gesehen, sogleich in Portionen zu zerfallen; in diesem 
Stadium füllte das Plasma schon den grösseren Theil der Zelle aus 
und zu gleicher Zeit zeigte es sich reich an eingebetteten Chloro^ 



*| Botanische Zeitung. 1849, Nr. 37. 

*) Beiträge zur wissenschaftlichen Botanik. II. p. 60. 



84 

phyllkörnern; endlich trat meist eine allgemeine Verwässerung ein, 
ohn^ dass dichtere Protoplasmaportionen übrigblieben. 

Wir haben durch die vorhin genannten Forscher das Gesetz 
kennen gelernt, dass mit Ausnahme der Indifferenzschicht die Be- 
wegung in allen Theilen des Lumens statthatt, dass dieselbe aber um 
so langsamer vor sich geht, je näher man sich der Indifferenzzone, 
um so rascher^ je näher man sich der Oberfläche befindet. 

Dieses Gesetz ist nicht ganz streng richtig, da bei starken Ver- 
grösserungen bei specieller Aufmerksamkeit auf diesen Punkt er- 
sichtlich ist, dass winzige Körnchen, welche mit dem Primordial- 
schlauche in sehr nahe Berührung kommen, ihre Bewegung ziemlich, 
oft selbst ausserordentlich verlangsamen, während allerdings alle 
grösseren Gebilde, und auch die kleinsten, wenn sie auch nur eine 
sehr kleine Strecke vom Primordialschlauche entfernt dahin ziehen, 
durchaus nicht von demselben aufgehalten werden. 

Ob durch dieses Verhalten die weittragenden Consequenzen, 
welche namentlich Nägeli aus dem oben aufgestellten Gesetze ge<- 
zogen hat, alterirt werden, erlaube ich mir augenblicklich nicht zu 
beurtheilen. 

Nur eine Thatsache muss ich hier constatiren, dass nämlich der 
nicht mitrotirende protoplasmatische Wandbeleg, welcher meinem Da- 
fürhalten nach nicht selbst Primordialschlauch ist, sondern nur den- 
selben auskleidet, glitschartige Cirkulation seiner Theilchen zeigt. 

Die Abnahme der Geschwindigkeit der verschiedenen Schichten 
findet nach Nägeli derart statt, dass wenn ein an der Oberfläche lie- 

S ender Körper z. B. Vio ^^- ^^ ^ Sekunden zurückgelegt, so braucht 
erselbe in immer lieferen Schichten 5, 7, 10, 15, 22 Sekunden. 

Eine solche regelmässige Abnahme der Geschwindigkeit von 
der Wand der Zelle aus gilt nach meinen Beobachtungen lediglich 
für allerlei Inhaltsgebilde, welche in wässerigem Safte in der Zelle 
umherschwimmen. 

Was das Verhalten der Chara flexilis in dieser Beziehung an- 
belangt, so war die Geschwindigkeit der Protoplasmatheile nicht nur 
im jüngsten Stadium, sondern auch noch in dem schon erwähnten was- 
serreichen und mit Chlorophyllkörnern erfüllten, so ziemlich in Höhe 
und Breite dieselbe, mit Ausnahme der an die Indifferenzzone stossen- 
den. Trat nun statt eines einfachen Zerfallens des Protoplasma eine 
allgemeine bedeutende Verwässerung ein, so war die Geschwindig- 
keit der vertheilten Körper oft recht ungleich und scheinbar gesetz- 
los. So bewegten sich bald einzelne Partien in verschiedener Höhe 
mit fast gleicher Geschwindigkeit, was auf einen noch vorhandenen, 
wenngleich schwer sichtbaren Zusammenhang der Theile hindeutete, 
bald war eine successive Abnahme nach dem Nägeli'schen Gesetze 
bemerkbar, bald zeigte sich vereinzelt ein rascheres Vorwärtsdringen 
tiefer gelegener Theile der der Wand genäherten gegenüber. 

Nach dem Nägeli'schen Gesetze der successiven Abnahme der 
Geschwindigkeiten müssen alle Inhaltsgebilde sich um ihre Axe dre- 



85 



.len. Dieses Verhalten wird von Nägeli ^) ebenfalls durch Zahlen be- 
legt. Eine 20 Mik. grosse Kugel strömte abwechselnd mit der Ge- 
schwindigkeit von 16, 10 und 9 Sekunden auf Vio Mm. Weg und drehte 
sich dabei einmal um ihre Axe. Die Kugel lag ganz in dem einen 
Strome. Die übrigen Belege sind gleichlautend. Die Drehung von 
Körpern, welche eine ähnliche Grösse haben, wie die von Nägeli 
angezogenen, habe ich ebenfalls häufig wahrgenommen; die Anzahl 
der Umdrehungen, sei es, dass sie wie eine Kegelkugel liefen, oder 
dass sie eine um 90^ gedrehte Rotationsaxe hatten, war für unge- 
fähr 18^ eins bis ein und einhalb, selten mehr. Kleinere noch so 
mannigfaltige Inhaltskörper drehten sich nicht oder selten, wenn sie 
sich vollständig im Strome befanden; sie wurden höchstens unregel- 
mässig vorschoben. 

Nach Entwicklung dieser Thatsachen bin ich nun in der Lage 
den Beweis zu führen, dass die im Protoplasma eingebetteten Chlo- 
rophyllkörner eine von irgend weither ungleichmässigen Bewegung' 
innerhalb des Protoplasma gänzlich unabhängige selbstständige Be- 
wegung ausführen. 

Die Chlorophyllkörner, von denen ich sprechen will, sind ent- 
weder unregelmässig geformte oder linsenförmige Einzelkörner oder 
in Theilung begriffene, dann zwei vereinigten Linsen ähnlich, wobei 
die Einschnürung, welche die Biscuitform erzeugt, vom ersten bis 
zum letzten Stadium leicht verfolgt werden kann. 

Die Chlorophyllkörner selbst bewegen sich entweder frei in dem 
Protoplasmaband, oder in dem bereits reichlich mit Wasser versehe- 
nen, oder sie sind eingebettet in mehr oder weniger grosse isolirte 
Protoplasmaportionen, die in dem wässerigen Plasma dahin ziehen; 
in letzterem Falle haben sie daher absolut genau dieselbe Geschwin- 
digkeit der fortschreitenden Bewegung wie der umhüllende Körper 
selbst; in ersterem Falle differirt sie etwas aber nicht wesentlich. 

In älteren Zellen finden sich die Körner nur in jenen isolirten 
Plasmapartien, in dem ganz verwässerten Theile sah ich keine. 

Es zeigt sich nun folgende auffallende Erscheinung an ihnen. 

Der grösste Theil der mit dem Protoplasma ziehenden Körner 
führt während seines Vorwärtsschreitens eine drehende Bewegung 
aus; nur wenige Körner drehen sich nicht. 

Sowohl die Einzel- als auch die Doppelkörner haben die Fä- 
higkeit, um ihre eigene Axe zu rotiren. 

Die Drehungsaxe des Einzelkornes sowohl als die des Zwil- 
lingkbrnes kann die verschiedenartigste Stellung zur Stromrich- 
tung haben. 



^ 



'ii 



'3^ 



8 



] 



Cp^ /o^ 



a 





i) Beiträge II. p. 66. 



86 

Beistehende Figur stellt einige Fälle schematisch dar. In a sehen 
wir ein Theilkorn und ein Einzelkorn von der Fläche, wobei wir uns 
die Zelle liegend denken. Die Stromrichtung geht von x nach y. Beide 
Körner drehen sich trotz ihrer nahen Lage in entgegengesetzter 
Richtung ; andere Körner sieht man im Profil, welche sich, wenn wir 
die Zelle von der Seite betrachten, wie in b präsentiren. Die Körner 
drehen sich wie eine Kegelkugel oder umgekehrt. In c sehen wir 
endlich den interessantesten Fall, dass sich die Körner vollkommen 
senkrecht zur Stromrichtung drehen können. In den beiden ersten Fällen 
ist die Drehungsaxe senkrecht zur Stromrichtung, im letzten Fall 
parallel. Zwischen diesen Bewegungen sind aber die zwischenliegen-^ 
den Axendrehungsrichtungen ebenfalls aufzufinden, mit einem Wort, 
eine bestimmte Beziehung der Lage der Rotationsaxe der Chlorophyll- 
körner zur Rotationsaxe des gesammten Protoplasma existirt nicht. 

Die Drehungsrichtung steht ferner durchaus nicht in einem Ab- 
hängigkeitsverhältniss zu rechts ^nd links, zu oben und unten der 
Zelle, sondern gänzlich unabhängig von Wand und IndifiTerenzzone 
drehen sich die Körner oft genug geradezu entgegengesetzt, wie sie 
sich drehen müssten, wenn die Reibung an letzteren Punkten ein 
massgebender Faktor in der ganzen Sache spielte. 

Ich habe mich auf das bestimmteste überzeugt, dass die Proto- 
plasmatheile, welche solche Chlorophyllliörner umgeben, nicht wesent- 
lich ihre Abstände während des Fortschreitens verändern; wohl aber 
ist zu bemerken, dass die Chlorophyilkörner bei ihrer lebhaften Dre- 
hung wie eiji Ruder im Wasser die Theile aus dem Weg zu treiben 
suchen. 

Körper, welche vollkommen gleiche Grösse besitzen wie die 
Chlorophyilkörner, genau in derselben Ebene sich befinden, diese 
beständig begleitend zeigten keine Rotation um ihre eigene Axe. 

Die grösseren Einzelkörner, die sich der Kugelform annähern 
und die Theilkörner drehten sich, während sie bei circa 18® C. eine 
Strecke von 0*226 Mm. in 6*4 Sekunden durchliefen meist 8 — lOmal 
um ihre eigene Axe; einzelne zeigen weniger Drehungen für dieselbe 
Strecke. Auch gibt es Körner, welche sich gar nicht drehen, doch 
habe ich Grund zu zweifeln, dass dies normal ist. Die Einzelkörner 
und namentlich die kleinen drehen sich rascher wie die grossen und 
Zwillingskörner selbst wenn sich beide in derselben Höhenlage be- 
finden; sie machen 12 — 1 4 Rotationen, während sie durch eine Strecke 
von 0*226 Mm. bei 18® C. vorwärts wandern. Wollte man hier die 
Drehung von sich verschieden schnell bewegenden Schichten des 
Protoplasma ableiten, so müssten sich kleine und grosse Körner, 
welche sich in derselhen Horizontalebene bei liegenden Zellen be- 
finden, gleichviel Mal drehen, was wir im Allgemeinen nicht be- 
obachten *). 



^) Dass grosse Körner sich langsamer drehen ist uns begreiflich, weil die- 
selben fast immer Stärke einschliessen, was bei den jungen kleinen nicht oder 
nur wenig der Fall ist. Zwillingsköraer sind ebenfalls fast stärkefrei und haben 



87 

Die Chlorophyllkörner können sich rechs oder links drehen. 
Ein Umspringen von der einen Bewegung in die andere habe ich 
niemals beobachtet. 

In denjenigen Fällen, in denen die Körner sich nicht drehen, 
was aber seltener ist, werden sie wie die mitlaufenden Schleim* 
klumpen etc. da und dort etwas aus ihrer Bahn abgelenkt, aber ihre 
fortschreitende Bewegung bleibt stets gleichmässig; manchmal bleiben 
sie einen Augenblick am Primordialschlauche liegen. 

Die Rotation des Korns geht häufig ganz gleichförmig von 
Statten, doch habe ich auch oft bemerkt, dass sie stosswelse aber 
ebenfalls immer derart erfolgt, dass die Stösse stets in gleicher Zeit 
wieder eintreffen. Diese stossweise Rotation hängt ohne Zweifel da- 
mit zusammen, dass der Schwerpunkt des Korns nicht in der Mitte, 
also excentrisch liegt. 

In den isolirten Protoplasmaklumpen, welche für sich meist 
viel rascher wie das vertheilte Protoplasma dahinziehen, finden sich 
auch noch Chlorophyllkörner, welche gegenüber den etwa anfangs 
noch im mehr vertheilten Plasma vorhandenen und sich drehenden 
energischer rotiren wie die letzteren. 

Dann und wann sieht man eine ganze Anzahl Chlorophyllkörner 
sammt etwas Protoplasma als Kugel oder ähnlich geformter Körper 
dahinschwimmen; derselbe macht etwa drei Drehungen auf 0*226 
Millm. Weg bei 18® C; es scheint mir, dass hier nicht lediglich das 
Hineinragen oder Streifen an der Indifferenzzone die Drehung hervor- 
bringt, sondern dass auch hiebei die Körner in Action treten; die 
Drehungsanzahl ist bereits doppelt so gross im Allgemeinen wie die 
gleich grosser Körper, welche sicher passiv gedreht werden. 

Diese und ähnliche Drehungen langsamerer Natur sind als be- 
kannt vorauszusetzen. — In der ganzen Literatur finde ich nur einen 
einzigen Satz, welcher unverkennbar mit den früher beschriebenen 
Erscheinungen in einem engeren Zusammenhange stehen muss. Die 
Drehungsanzahl des fraglichen Körpers ist leider nicht angegeben; 
sie kann aber nicht auffallend gross gewesen sein, sonst hätten sich 
wohl Göppert und Cohn specielle Fragen über die lebhafte Drehung 
gestellt. Dieser Satz lautet:*) „Hie und da zeigt sich auch ein grös- 
seres Conglomerat von Chlorophyllkügelchen, das sich ausser seiner 
fortschreitenden Bewegung auch beständig und rasch um seine Achse 
dreht; wodurch der Schein entsteht, als ob es an seiner ganzen 
Oberfläche flimmere.** 



daher eine weit regelmSssigere Form; die Bewegung dieser gleicht der eines 
tanzenden' Paares Vind fragt es sich, ob die Bewegungen derart harmoniren, dass 
nicht vergebens Kraft vergeudet wird. Die Drefiung des stärkegefüllten Korns 
erfolgt langsamer, weil dasselbe schwerer ist im Verhältniss zur arbeitenden 
Mascnine; die Bewegung der Zwillingskörner kann retardirt sein dadurch, dass 
die Kräfte des einen und anderen nicht vollkommen gleichsinnig wirken. 
*) Botanische Zeitung 1849, Nr. 39. 



88 

Die auffallend rasche Rotation von Einzel- und Theilkörnern, 
sowie die Selbstständigkeit dieser Erscheinung ist offenbar den bis- 
herigen Beobachtern entgangen. 

Ein bemerkenswerthes Faktum ist es^ dass wenn man einen 
schwachen Druck auf die Zellen ausübt, wodurch die Bewegung be- 
kanntlich retardirt wird, die Anzahl der Drehungen der Chlorophyll- 
körner nicht in demselben Verhältniss abnimmt, wie es bei der Ge- 
schwindigkeit des Protoplasma der Fall ist; desshalb drehen sich für 
die gleiche Strecke bei schwachen Druckwirkungen die Körner doch 
nicht erheblich langsamer als vorher. Ist aber der Druck so gross, 
dass er eine bedeutende Verlangsamung in der Protoplasmabewegung 
hervorbringt, dann hört auch die Drehung auf oder wenigstens ver- 
langsamt sie sich bedeutend und wird unrefi^elmässig. 

Bei Steigerung der Temperatur wird die Anzahl der Drehungen 
für gleiche Zeiten grösser, bei Erniedrigung kleiner. 

Das weisse Licht kat keinen Einfluss auf die Drehung. 

Ein Analogieschluss der beschriebenen Chlorophyllkörnerbewe- 
gung liegt nahe; nur ist er nicht ganz treffend. Es ist der, einen 
Vergleich zu ziehen mit den Bewegungsersoheinungen frei lebendei" 
Organismen: den Schwärmsporen und den Spermatozoiden. Die Be- 
wegung dieser besteht in einem Vorrücken mit gleichzeitiger Dre- 
hung um die Axe. Nun wissen wir aber nicht sicher, ob die sich 
selbstständig drehenden Chlorophyllkörner auch eine selbstständig 
fortschreitende Bewegung besitzen; obgleich mir das Letztere sehr 
wahrscheinlich ist, hat das Heranziehen einer Analogie weniger 
Werth; endlich treten für nähere Vergleiche wiederum Schwie- 
rigkeiten in den Weg, als die Axendrehungsrichtung der Chlorophyll- 
körner eine beliebige Lage einnehmen kann, was bei den Schwärm- 
zellen nicht zutriffi. Eine eingehende experimentelle Arbeit wird 
diese Punkte zu klären haben. 

Als Hauptsatz dieser kleinen Schrift ergibt sich: 

„Die €ki«r«pkyUkirner v^n CharenieUen haben das TermSgen 
sich selbstständig in bewegen.^ 



Verbascuvn Freynianuvn nov. hybr. 

("F. Chäixi X ThapsusJ 
Auetore Vincentio de Borb&s. 

r. bienne, radix fusiformis, caulis 0-70 M. altus, angulatus, 
tomento detersili sparse obtectus, purpurascens et ut V, Chaixi Vill. 
ramosus; folia radicalia lanceolata, in petioium brevem angu- 
stata, grosse dentato-crenata, crenae mucronatae; caulinia inferiora 
ovato-lanceolata, cum superioribus summisque ovatis semidecur- 
rentia et cum bracteis, ut in V. ThapsoL,, longo acuminata, omnia 



89 

simpliciter dentato-creriata, vel summa crenulata, supra viridia, pilis 
Stellatis inspersa, subtus cano-tomenlosa; rami interrupte floridi, fasci- 
culi multiflori, pedicelli cano-tomentosi, calycem subaequantes; calycis 
lacimae aeque cano-lomentosae, lanceolatae, S^/2^^ longae; corolla 
infundibuliformis flava, extus cano-tomentosa, intus glabra^ magni«- 
tudine fere F. Thapsi, 16 — 18 "'"^ diam.; antl^erae staminum duorum 
longiorum obliquae, breviter decurrentes, filamenta omnia purpureo- 
lanata, germen dense tomentosum, stigma capitatum, fructu maturo 
caret. 

Inveni inter parentes in pascuis montanis inter pagos Veprinäc 
et Vela-Utzka Istriae prope montem Monte Maggiore (31. Juli 1875. 
Oesterr. bot. Zeitschr. 1875, p. 304) et ad vias publicas inter pagos 
Brussani et Ostaria in monte Velebit (23. August) Croatiae, et dicavi 
scrutatori florae istricae, hungaricae et transsilvanicae strenuo ac feli- 
cissimo, J. Freyn mihi amicissimo. 

Specimina, quae inter parentes in monte Velebit supra pagum 
Jablonäc, non procul a loco, qui Allan dicitur, 27. August 1875 lege- 
bam, a typo magis recedit, folia inferiora basi attenuata runcinato 
crenata, superiora late ovata, vel ovato-lanceolata, minus acumindta 
profundius crenata, magis viridia, lana filamentorum albo-purpu- 
rascentia. 

Stirps nova tomentum suum, quod omnes, ne germine quidem 
excepto, partes densius obtegit, folia radicalia in petiolum brevem 
attenuata, formam foliorum caulinorum et flores, eis Verbasci Chaixi 
Vill. majores, pedicellos breves, lacinias calycis latiores et stamina 
2. longiora a V, Thapso L. habet. 

A F. Chaixi contra ramos angulatos et paniculatos, fasciculos 
florum interruptos, colorem lanae staminum et folia crenato here- 
ditavit. 

Quod folia F. Thapsi penitus decurrentia et F. Chaixi omnino 
non decurrentia et tomentum parentum densum et tenue attinet haec 
in F. Freyniano mihi acqua portione dividebantur; folia habet semi- 
decurrentia, tomentum tenuius quam in F. Thapso, densius quam in 
F. Chaixi; his notis ab utrisque bene diversum. 

A y. Thapso praeterea racemis interruptis, ramis paniculatis 
(F. Thapsus raro est ramosum), calycis laciniis paulo angustioribus 
et lana filamentorum purpurea. 

A F. Chaixi foliis radicalibus, lanceolatis (non late ovalis, ellip- 
ticis, lyratis, grosse duplicato crenatis), caulinis acuminatis, crenuatis 
(non ovatis, petiolatis), pedicellis brevioribus, qui nunquam, ut in 
F. Chaixi, calyce longiores, laciniis calycis lanceolatis, eis F. Chaicei 
linearibus paulo latioribus, floribus infundibuliformibus paulo ma* 
joribus et staminibus duobus longioribus discrepat. 

F. collinum Schrad. (F. nigrum X Thapsus)^ cui F. Freyniannm 
mihi a parentibus etiam affine, mihi ex Ic. XX, flg. 181 Reichenbachii 
et Schraderi I. t. V. fig. 1 ! notum; hoc tamen caule racemoque sim- 
plici (tantum „in planta vegetiori axillis superioribus enascitur haud 
raro racemus unus alterque multo minor.** Schrad. 1. c. p. 35), foliis 



90 



inferioribus elliptico-oblongis (Schrad. l a), oblongo-spathulatis (Rchb. 
1. c.) cum superioribus non acuminatis, inflorescentia cylindracea 
densa, sec. Reichb. Ic. non interrupta, sec. Schrad. fascicalis remotis, 
anlheris omnibus aequalibas reniforinibus; Y. aduüerinum Koch (F. 
nijgrumXthapsiforme) praeterea coroUis multo majoribus excellunt. 



Zwei kroatische Hieraoien. 

Von Ludwig v. Vukotmovic. 

Die Hieracien bilden einen immerwährenden Gegenstand von 
Untersuchungen und ich glaube, dass es noch lange dauern dürfte, 
bis die Untersuchungen zu Ende gebracht werden. 

Ich habe in den vergangenen paar Jahren einige Erfahrungen 
gemacht, die mich gelehrt häben^ dass die äusseren Einflüsse auf die 
innere Beschaffenheit der Pflanze gestaltend einwirken, und dass auf 
diese Weise Veränderungen entstehen, die man nicht unberücksichtigt 
lassen darf; jene Schule, die uns dahin belehren will, dass wir die 
Pflanzen in die Grenzen einer Spezies, deren Begriff kaum definirbar 
ist, einzwängen sollen, ist meiner Meinung nach nicht die richtige; 
ich halte mich auch durchaus nicht an sie und verfolge das Pflanzen- 
individuum bis in das kleinste Detail; kennt man möglichst viele 
Individuen mit ihren konstanten oder veränderlichen Eigenschaften, 
dann kann man auch die Unterschiede leichter erkennen, die ihre 
gegenseitige Annäherung oder Divergenz bedingen. Ich habe über 
dieses Thema mehrere Vorträge in der südslav. Akademie gehalten 
und werde seiner Zeit — wenigstens auszugsweise — dieselben auch 
deutsch veröffentlichen. 

Seit vielen Jahren beobachte ich ein Hieracium in den bewal- 
deten Hügeln der Agramer Umgebung; nachdem ich es in den Jahren 
1856 und 1857 in mehreren Exemplaren eingesammelt hatte, fand 
ich dann einige Jahre kein einziges mehr; ich vergass darauf und 
musste dieses Hieracium am Ende für eine vorübergehende Erschei- 
nung halten. In den Jahren 1872 — 75 fand ich es an gewissen 
Standorten, aber stets etwas zerstreut, immer wieder in ziemlicher 
Menge. Seine Form ist zu charakteristisch, als dass man sie ignoriren 
könnte, und da die Form und ihre Eigenschaften an vielen Individuen 
und nach vielen Jahren stets in, derselben Weise sich wiederholen, 
so habe ich es beschrieben und benannt. 

Es mag wohl dieses Hieracium ein Verwandter des H racemosum 
und H boreale sein, was ich vorläufig ganz unerörtert lasse, denn 
ich halte alle Hieracien aus der Gruppe derjenigen, die beblätterte 
Stengeln haben, für eine Reihe von Individuen, deren Abstammung 
eine gemeinsame und die Beeinflussung eine gegenseitige ist. Bis es 
nicht festgestellt ist, wie sich mit ihrer Abstammung die Individuen 



91 

gegenseitig verhalten, ist es ganz gleichgiltig, ob ein Hieracium 
bqreale oder Sabaudum heisst. Von meinem ersten Hieracium gebe 
ich folgende gedrängte Beschreibung: ,,Ligulae flavae, subtus sericeo- 
pilosulae; inflorescentia corymbosa^ vel racemoso-umbelluliformis; 
anthodii squamis pallide virentibus, margine albidis una cum pedun- 
culis stellato-floccosis. Caulis fiexuosus pilosus, sparsim foliosus, 
pedunculos florigeros ex axillis emittenSc Hippophyllopodum, folia ima 
etiam sub anthesi vegeta, lanceolata^ elongata utrinque altenuata, 
mox in sequentia conferta^ quidquam breviora, caulina tandem abrupte 
decrescentia, sessiKa, omnia utrinque scabra, setoso-pilosa , ciiiata. 
Radix obliqua, fibrosissima; fl. Aug. Sept. Hieracium abruptifoUum 
Vuk." (In den Verhandlungen der südslav. Akademie. Band XXXUI. 
1875. Abbildung dazu.) 

Das zweite ist das in Fries Epicris. Hier. p. 97 vorkommende 
H, transsylvanicum Schur; Crepis Fussii Koväcs. H leptocephalum Vuk. 

Dieses Hieracium habe ich in den Jahren 1857 und 58 zuerst 
in den Wäldern des Agramer Gebirges gefunden, habe es sofort für 
neu erkannt und in meinen ^Hieracia Croalica'^ beschrieben und J7. 
leptocephalum Vuk. benannt. Nach zwei bis drei Jahren theilte ich 
Herrn v. Janka einige Exemplare mit und erfuhr dann von ihm, dass 
diess das J7. transsylvanicum sei, welches auch in der Marmaros 
gesammelt wurde. Ich muss wohl im Prinzipe die Priorität anerkennen 
und den Namen H transsylvanicum Schur gelten lassen, da ich aber 
andererseits kein Freund von Ländernamen bin, so gebrauche ich 
lieber den Namen leptocephalum^ weil er eine Eigenschaft der Pflapze 
ausdrückt, was bei „transsylvanicum^ um so weniger der Fall ist, 
da es mit demselben Atteste „croaticum^ heissen könnte. Ich habe, 
nachdem dieses Hieracium wenig bekannt zu sein scheint, es in den 
Verhandlungen der südslav. Akademie XXXQI publizirt und eine 
Abbildung beigegeben. 

Agram, Dezember 1875. 



Verzeichniss der im Golfe von Triest gesammelten 

Meeralgen. 

Von P. Hauck. 

(Schlass.) 

Phycochromophyceae. 

Seytenemeae. 

247. Symphyosyphon dentatus Kg. var. salinarum Hauck. Die ein- 
zelnen Fäden bis Ves Millimeter dick» Zaule, auf Salinen- 
bodeu. 



92 

IlTttUrleae. 

248. Rivulana nitida Ag. (Rabenh. Flora europ. Alg. IL pay. 208). 

Auf Steinen, an der Fluthgrenze, häufig. — Hierher 
gehören: Euactis marina Kg., £. amoena Kg., E. atra 
(Roth) Kg. als Jugendformen; Phy »actis bullata Kg., Ph. 
hbata Kg., Ph, pilifera^Kg.^ Ph. spiralis Kg. als ausge- 
wachsene und Heteractts mesenterica als alternde Form. 
Ausser den genannten dürften bei genauerer Untersuchung 
noch eine weitere Anzahl von Formen zu dieser Art zu 
ziehen sein. 

249. Zonotrichia Biasolettiana (Kg.) Rabenh. (1. c. p. 218). Im Flusse 

Timavo bei Monfalcone, nahe der Mündung, an Rohr. 

250. Schizosiphon salinus Kg. (Rabenh. I. c. pag. 239). Auf Salinen- 

boden bei Capodistria. 
251. — lasiopus Kg. (Rabenh. I. c. pag. 243). An Feisblöcken bei 

Miramar etc. 
252. — flagelliformis Kg. (Rabenh. 1. c. p. 241). An verschiedenen 

Algen aus den Salinen bei Capodistria etc. — Seh. radiatus 

Kg. und Seh. consociatus Kg. halte ich nicht für verschieden 

von dieser Art. 

OscilUrleae. 

253. Hydrocoleum lynghyaceum Kg. (Rabenh. 1. c. pag. 151). In den 

Salinen von Scoffie bei Capodistria 

254. Lyngbya salina Kg. (Rabenh. 1. c. p. 137). In Salinen. — Die 

var. terrestris Kg. auf Salinenboden bei Servola, grosse Flä- 
chen überziehend. Diese Form stimmt auch sehr gut mit der 
Abbildung Kützing's in der Tab. phyc. II tab. 43 von %m- 
phyosiphon leucocephcUus Kg. 

255. — aeruginosa Ag. (Rabenh. 1. c. p. 138). In den Salinen von 

Zaule etc. häufig. 

256. — crispa Ag. (Rabeohorst 1. c. p. 138). Salinen von Muggia. 

257. — vermicularis (Kg.) Rabenh. (l. c; p. 141). Triest im Hafen 

an Steinen und Cystosirenstämmen. 

258. — Nemalionis (Zanard.) Rabenh. (1. c. p. 142). An verschiedenen 

Algen in den Salinen und den Paluden bei Belvedere. 
259. — semiplena J. Ag. (Rabenh. 1. c. p. 113) var. sordida Zanard. 

(Rabenh. I. c). An Steinen, die zur Ebbezoit fast trocken 

liegen. — Verbreitet. 
260. — Meneghiniana (Kg. Spec. Alg. pag. 277). An Fucus etc. bei 

Triest, Pirano, Miramar. 

261. — margaritacea Kg. (Rabenh. 1. c. pag. 139. — Hohenacker 

Meeralgen Nr. 458.) An Gelidium corneum im Hafen von 
Triest. — Herbst, Winter. 

262. — polychroa Menegh. (Kg. Spec. Alg. p. 278). An verschiede- 

nen Algen bei Triest, Miramar etc. 
2ß3. Chtonoblastus salinus Kg. (Rabenh. FI. europ. Alg. IL p. 133)- 
In den Salinen von Capodistria, Zaule etc. 






93 

264. Oscillaria svbsaXsa Ag. (Rabenb. 1. c. pag. 109). Im Hafen von 

Muggia, Capodistria, Pirano etc. im Herbst. 

265. — (?) floccosa Hauck n. sp. Bildet purpurbraune, sehr schlei- 

mige, an verschiedenen Algen leicht anhaftende Flocken. 
Faden Viao bis Vgo M^* dick, Glieder 3mal kürzer als der 
Durchmesser; an den etwas eingezogenen Gelenken mit kaum 
merklich punktirten Querlinien, Enden abgestumpft. Im Hafen 
von Miramar. — Im Winter. 

266. Spirulina Hanckiana Grün, in litt. Miramar, zwischen Schizo-- 

Siphon lasiopus. 
267. — Hutchinsiae Kg. (Rabenh. Fl. europ. Alg. II. p. 93). 
268. — tenuisäma Kg. (Rabenh. 1. c. pag. 92). In den Salinen von 

Capodistria, Zaule etc. häufig. 

269. Leptothrix dalmatica Kg. (Spec. Alg. p. 265) und 

270. — jadertina Kg. (1. c.) Bei Triest, Capodistria^ Miramar etc. an 

Molosteinen. 



Ueber JSphaeria tnoriformis Tode 

und 

Sphaeria spurca WUr. 

Von Friedricli Hazslinszky. 

Unter dem Namen Sphaeria tnoriformis Tode kursiren gegen- 
wärtig zwei ihrem inneren Bau nach verschiedene^ der äusseren 
Form nach vollkommen gleiche Pilze. Der eine ist die von Currey 
aus dem Hooker'schen Herbar in Linn. Trans. XXII^ Taf. 57 Fig. 30 
abgebildete und in Cooke's British fungi S. 861 diagnosirte Sphaerie. 
Sie hat cylindrische, an beiden Enden gestutzte, im Schlauche s-för- 
miggekrümmte, im durchgehenden Lichte farblose, an 0*040 "'"^ lange 
und 0-008— 0-010 """" dicke Sporen. Sie trägt daher den Charakter 
der Leptospora-^krlQn und kommt unmittelbar neben Leptospora sper^ 
moides (HolTm.) zu stehen. Ich empfehle daher diese Form als Lepto- 
spora moriformis Currey einzuführen. In Ungarn kommt diese Form, 
wie es hier bei vielen westeuropäischen Pflanzen der Fall ist, in 
deren Yerbreitungsbezirke Ungarn mit seinem nördlichen Hochlande 
eine grosse Lücke bildet, nur in dem äussersten Osten des Landes, 
nämlich in der Gespannschaft Maramarosch vor. 

Die zweite Form ist die deutsche Bertia moriformis. Sie hat 
kahnförmige, an beiden Enden spitze, im durchgehenden Lichte fast 
farblose Sporen. Diese haben in der Jugend nur eine einzige Scheide- 
wand, welche Erscheinung Fuckel Symb. myc. 8. 164 in seine Dia- 
gnose aufnimmt. Untersucht man jedoch vollkommen reife Exemplare, 
so findet man in den meisten Sporen fünf scharf ausgeprägte, durch 
das Zusammenstossen der Sporoblasten entstandene Scheidewände; 
selten sieben oder nur drei. 

Oeaterr. botan. Zeitschrift. 3. H«ft. 1876. 8 



94 

Nachdem in diesen beiden Formen der englischen und der deutschen 
Bertia moriformis Tode als Autor zitirt wird, diese Autorschaft dem 
zu Folffe unsicher geworden ist, und nachdem Elias Fries der Erste 
war, oer diese Scheidewände beobachtet hat (siehe summa v. S. 
p. 395): darum bin ich so frei, für diese Form, wenn ja Bertta als 
Gattung zu belassen ist, die Schreibart Bertia moriformis Fries vor- 
zuschlagen. 

Aus der Gattung Bertia mtissten diejenigen Arten, welche nur 
zweifächerige Sporen besitzen, weggelassen und die Trematosphärien 
mit kahnförmigen mehrfächerigen, beiderseits spitzen Sporen, wie 
z. B. Tremotosphaeria corticola Fuckl in dieselbe aufgenommen 
werden. 

Von Sphaeria (Stigmatea) spurca Wllr. gab ich in meiner, 
meist wegen Coryneum marginatutn Fr. und Seiridium marginatum 
Nees et Henry püblizirten Arbeit „Die Sphärien der Rose. Zool. bot. 
.Verhandl. 1870 S. 216 und 217'' auch eine ausführliche Beschreibung 
der Sphaeria spurca Wllr. (Siehe 1. c. die Zeichnungen Fig. 1 — 14). 
Ich sprach diese Sphärie als Sph, spurca Wllr. an, nicht nur weil 
sie mit der Wallroth'schen Diagnose stimmt, sondern weil auch an- 
dere Forscher, wie z. B. Auerswald, in derselben diese Wallroth'sche 
Spezies erkannten. Derselben Meinung schloss sich auch Rehm an, 
der diesen Pilz mit Berufung auf meine Arbeit im zweiten Fascikel 
seiner Ascomyceten unter Z. 98 herausgab. G. Winter gab später der- 
selben Pflanze in seinen „Diagnosen und Notizen zu Rehm's Asco- 
myceten", verleitet durch einen Druckfehler in meiner o. c. Arbeit 
einen neuen Namen, indem er sie Sphaeria seriata nannte. 

Durch diesen Zuwachs steht nun die Synonymik dieser Art, 
wie folgt: 

1. Die unreife Sphärie mit noch einfächerigen Sporen ist Sphae-* 
ria rosaecola Fuckl symb. myc. S. 114. 

2. Die besser entwickelte mit zweifächerigen Sporen ist die 
Pringsheimia Rosarum Schulzer. — Der am öftesten beobachtete 
Entwicklungsstand. 

3. Die vollkommen entwickelte Sphärie mit Sporen, wie selbe 
meine o. c. Zeichnung in Fig. 8, 10, 11, 12 und 13 gibt, ist die 
Sphaeria spurca Wllr. = Sph. seriata Winter. 

Eperies, den 10. Februar 1876. 



-cooO'^'a- 



95 

Das Pflanzenreich 

a«f der IVieaer IVeltaimtellug ia Jakr« 1873. 

Notizen über die exponirten Pflanzen, PflaDzenrohstoffe und Produkte, sowie über ihre bAdiichenDarstellang^n 

Von Franz Azitoine. 

CFortsetzuagO 

Cocculus cordifoUus Dec. (Golanka). 

— indicus (Kakmari). 

— paimatus Dec. (Kalamba). 
Cocos nucifera L. (Narkol). 
Convoivulus Scammonia L. (Sukmuniya). 
Conium maculatum L. 

Coscinium fenestratutn Coleb. (Maramaujal, Ihar-Kihaldi^ Marada* 

arishina). 
Cofiym anthelmintica L. (Somraj). 
Coptis tecta (Mismitata). 
Corchorus olitorius L. (Laltepata). 
Coriandrum sativum L. (Dhaniya, Kattomalli, Daniyalu, Danyan, Kotta- 

mari-bija). 
Crinnm asiaticum L. (Bara-Kanur), 
Crocus satitms L. (Japhran). 
Croton Tiglium L. (Janialgota). 
Cuheha officinalis Miqu. (Valmiaku, Chavala-miriyalu^ Kababchini, 

Balamenasu). 
Cucumis Colocynthis L. (Indrani). 

— sativus L. (Sasa)^ 

— utüissimus Roxb. (Kankur). 

Cuminum Cymmum L. (Siragam, Jiraka, Jira, Jirage). 
Curcas purgans Med. (Bag-bheranda). 
Curcuma longa L. (Halud, Haridra}. 

— Zedoaria Rose. (Bon-halud). 
Cuscuta reflexa Roxb. 
Cupressus sempermrens L. 
Cydonia vulgaris Pers. (Bihidans). 
Cyperus hexastachys Rottb. (Mutha). 

— pertenuis Roxb. (Nagar mutha). 
Datura alba Wall. (Sada dhatura). 

— fa>stuosa L. (Kala dhatura). 
Daucus Carola L. 

Datisca cannabina L. 
Diospyros Emhryopteris Pers. (Gab). 
Dipterocarpus laevis Hamilt. (Garjantel). 
Digitalis purpurea L. 

Dra>cocephalum Royleanum Wall. (Tak-balanga). 
Elettaria cardamomum Whit. (Dacfai, Yalakki, Uachi^ Elakay^viraii 
Elakaya-vittulu, Chhota-elachi). 

8 ♦ 



96 

Emblica offtcinalis Gärtn» (Amia). 
EmbeliaRibes Burm. (Biranga). 
Erythrina indica Lam. (Palte^madar). 
EupatoriuM Äyapana Vahl. (Ayapana). 
Euphorbia ligulata Heuff. (Mansasij). 

— Ninulia Hamilton (Sij). 
Ferula galbanifera Mill. 

Feronia Elephantum Correa (Kathbel). 
Foeniculum Poiimorium Dec. (Panmouri). 
Garcinia Mangostana L. (Mangoshtin). 

— pnrpurea Roxb. 

— pictoria Roxb. (Gamboj). 

— morella Desf. 

Gentiana Kurroo Royle (Karu)i 

Gracilaria lichenoides (Kadal-pach-chi, Samudrapu pachi Mas). 

Glycyrrhiza glabra L. (Yaistita madhu). 

Gmelina asiatica L. (Gomadbu). 

— parviflora Fers. (Sri-gomadbu). 
Gossypium barbadense L. 

— herbaceum L. 

Gynocardia odorata Roxb. (Cbalmugra). 

Helleborus niger L. (Kala-Kutki). 

Hemidesmus indicus R. Br. (Ananta-muhl). 

Hordeum distichon L. 

Hibiscus Abelmoschus L. (Kala Kastuii). 

Hydnocarpus inebrians Vahl. (Niradi-multu, Niradi-vittulu, Jangli 

baddam). 
Selictris Isora L. (Kalumbiri Kai, Volumbrikaea, Merowin). 
Hydrocotyle asiatica L. (Thalkuri). 
Hyoscyamus niger L. (Khorosani-ajwana, Kurasani-yomamy Kurasani- 

vanam). 
Ichnocarpus frutescens R. Br. (Syama lata). 
Illicium anisatum L. 

Indigo f er a tinctoria L. (Nil). »*. 

Ipomaea Turpethum R. Br. (Teuri). 
Jateorhiza columba, 
Iris florentina L. (Begbanophsha). 
Juniperus communis L. (Abul). 
Laurus Camphora L. (Karpur). 
Lepidium sativum L. (Halim). 
Ligustrum diffusum (Banjoyan). 

— Ajowan (Ajoyan). 

Linum usitatissimum L. (Ttshi-masina). 
Luffa echinata Roxb. (Bandal). 
Lygodium flexuosum Sw. (Bhuth-raj). 
JCfo/t^a mauritiana L. (Kagni-pat). 
Mangifera indica L. (Amra Kasi). 
Marranta arundinacea L. (Ararut). 



97 

Mentha sativa L. (Pudina). 
Mesua ferrea L. (Nagkesor). 
Michelia Champaca L. (Chaupa). 
Momordica Charantia L. (Karola). 

— cUoica Roxb. (Ghoshal-phal). ^ 
Moeringa pterosperma Gärtn. (Sajina). 

Mucunapruriens DC. (Alkushi, Punaik-Kali^ Pedda-dulagandi, Kanch- 

kura, Turachi-gida). 
Myrica sapida WalL (Kai-phal). 
Myristica officinalis Marl. (Jaya-phal). 
Nardostachys Jatamansi DC. (Tatamansi). 
Narthex Äsafoetida Falc. (Hing-Perunkayam, Ingewa, Jugu). 
Nerium Oleander album .L. (Svet Karabi). 
Nicotiana tabacum Rchb. (Tamaku). 
Nigela sativa L. (Kala-jira, Karum siragum, Nalia-jilakara, Kalasira^ 

Kare-jirage). 
Nymphea Lotus Willd. (Saluk). 

— pubescens W. et K. (Nappo). 
Oldenlandia biflora Roxb. (^etpaprea). 
Ophelia chirita. 

Onosma echioides L. (Ratan jut). 
Oryza sativa L. (Chaul). 
Orchis mascula L. (Salep misri). 
Oxalis comiculata L. (Amrul). 
Papater somniferum L. (Posto-dana). 

— Rhoeas L. 

Paederia foetida L. (Gandba bhaduli). 

Pegannm Harmala L. (Harmal). 

Pharbitis Nil Chois. (Kala-dana, Jiriki-virai^ KoIIi-vittovalo, Zirkike 

beeni). 
Phyllanthum ürinaria L. (Hajarmoni). 
Pinus Deodara Roxb. (Debdaru). 

— longifolia Lamb. (Gandha-biraj). 

Piper chavica (== P. longum L., Chavica officinarum Miqu.) 

— Chaber Hunter (Chat). 

— cubeba L. fil. (Kababchini). 

— longum L. (Pipul). 

— nigrum L. (Gol-marich). 

Picrorrhiza Kurroa (Katuku-rogani, Katuku-rami). 
Pimpinella Änisum L. (Shombu, Sopu, Sonf, Sompu). 
Pistacia Lentiscus L. (Rami mastingi). 
PiantagQ ispaghula (Isabgul^ Iskol-virai, Ispagalk-vittulu). 
Plumbago rosea L. (Lalchitra). 

— Zeylanica L. (Chita). 
Pogostemon Patchouli Pellet (Pacha pat). 

Polanisia icosandra R. et Seh. (Hurhuria, Nay-Kadughu, Kooka-avalu^ 

Jungli-huloul). 
Polynemus plebeus (Seie-machh). 



98 

Prunus bokharienm (Alubokhara). 
Psoralea corylifolia L. (Babchi). 

Pterocarpus Marsupium Roxb. (Kanda murga, mirattave, Ganda 
murgam netturu). 

— santalinum L. (Rakta chandan). 
Ptychotis involucrata (Randuni). 

— Ajowan DC. 

Punica Granatum L (Daum chhal, Mudalaip-pasham, Dallmba-pandu, 

Anar, Dalimba-pandu.) 
Quercus infectoria Oliv. (Majuphal). 
Rheum Emodi Wall. (Reo chini). 
Ricinus communis L. (Bherenda), 
Randia dumetorum Lam. (Huen-phul). 
Rottlera tinctoria Roxb. (Kamala guri). 
Rubia Munßsta Roxb. (Manjit). 
Ruellia latehrosa Roth. (Bune-gopan). 
Saccharum officinarum L. (Ak). 
Sagus laevis Reinw. (Sagu). 
Sapindus emarginatus Vabl. (Rita). 
Scilla indica Roxb. (Jangli-piaj). 
Semecarpus Änacardium L. fil. (Bhela). 
Sesamum Orientale L. (Til). 
Sitla acuta Burm. (Kurita). 
Sinapis alba L. (Sada sarshapa). 

— nigra L. (Kala sarshapa). 

— juncea L. (Kadughu, Avalu, Rai, Sasave). 

Smilax China L. (Topchini, Paringay cbekay, Cfaobehinie). 
Solanum indicum L. (Byangal). 

— Jacquini Willd. (Kanti Kari). 
Soymida febrifuga Juss. (Rohan). 
Sphaeranthus hirtus Willd. (Chagal nadi). 
Strtfchnos Ignatii Berg. (Pyapita). 

— ntMn vomicaL, (Kiichla, Ettikottai, Mushti-vitulu, Kuehle^ke-bing, 
Mushti-^bijo). 

— potatorum L. (Nirmali, Tetan-kottai, chilla ginjalu, chilbing, 
chilli-bija). 

Styrax Benzoin Dryand. (Loban). 
Tamarindus indica L. (Tinteri). 
Terminalia Bellerica Roxb. (Bahera). 

— Chebula Roxb. (Huritaki, Kaduk-kay, Marak kaya, Halda, Alale- 
Kayi). 

Taraxacum dens leaUs Desf. 

Tinospora cordifolia (Shindil kodi, Gaduchi, Guibel^ Auruta balli). 

Tiaridium indicum L. (Hati suro). 

Triticum vulgare Vill. 

Toddalia aculeata Pers. (Miakarani kenda^ Kasinda-chettu), 

Trapa bispinosa Roxb. (Paniphal). 

Trichosanthes dioica Roxb. (Patal). 



99 

Trigonella foenum-^grctecum L. (Meli Vendayan, Mentulu, Methi^ 

Menlhys). 
Tribulus lanuginosus L. (Gokhurroo). 
Tylophora asthmatica Wight. 

Vncaria Gambir Roxb. (Kasbu, Kanchukattah, Kachu). 
Valeriana Hardwickii Wall. (Tag-ar). 
Vateria indica L. (Capal). 
Viola odorata L. (Banopsa). 
Vitex Negundo L. (NirgandW). 

— trifolia L. (Nisinda). 

Wrightia antidysentertca R. Br. (Kurchi). 

Withania somnifera ' (Amookoona root). 

Zingiber officinale Rose. (Ada Sookku, Sonti, Sont, Vanasunthi). 

— Zerumbet Rose. (Bach). 

Samen von Futterkräutern, Garten- und Nahrungs^ 

pflanzen. 

Amaranthus frumentaceus Roxb. 

Avena sativa L. 

Ackyranthes lappacea Roxb. (Sawnee). 

Arachis hypogaea L. 

Bambusa arundinacea Retz. Der Same hat einige Aehnlichkeit n^t 

Hafer und wird zur Zeit der Noth von der armen Bevölkerung 

gegessen. 
Co'ix Lacryma L. (El-yin). 
Chenopodium Quinoa Willd. 
Cajanus indicus Spr. In 26 Mustern. Ein sehr wohlschmeckendes 

und sehr beliebtes Nahrungsmittel. 
Cicer arietinum L. (Gram). In 30 Mustern. 
Canavalia gladiata DC. 
Cyanopsis psoralioides (Gowar). Die grünen Hülsen der Früchte 

werden gegessen. 
Dolichos sinensis. 

— Catjang L. (Burbutli). 
-— uniflorus Lam. 

Eleusine coracana Pers. (Raggee). 
Ervum lens Sering. 
Faba tmlgaris Mill. 
Fagopyrum esculentum Moench. 
Holcus saccharatus L. 
Hordeum distickon L. 

— kexasHchon L. In 26 Mustern. 
Lablab tmlgaris Savi 
Lathyrus sativus Sib. (Kessaree). 

OrysM sativa L. (Rice, Paddy). In vielen Varietäten und beiläufig 
500 Mustern. Die Sorten unterscheiden sich ausser der Form 
und ' Grösse des Kornes vorzugsweise auch dadurch^ dass die 



100 



Körner bei der Bereitung hart bleiben oder weich und glutinös 
werden. 
Oplismenus colonus H. B. 

— frumentaceus Kunth. In 14 Mustern. 
•Panicum müiaceum L. 

— miliare Lam. 

— pilosum Swartz. 

— brizoides Jacq. 

Paspalum scrobiculatum L. (Koda). 

Piium arvense (KuUaoo). 

Phasaeolus aconitifolius L. fil. (Mutt). 

— Roxburghii Wight (Green Gram). Eine der beliebtesten Hülsen- 
früchte. 

— Mungo L. In 30 Mustern. 

— vulgaris L. 

Sorghum vulgare Poir, (Skaloo, Jowaree). In etwa 60 Mustern. 

Soja hispida Moench. Durch den kräftigen^ nährenden Stoff, welchen 
diese Pflanze enthält, ist sie allen vegetabilischen Genussmitteln 
vorzuziehen, kann aber als zu kräftig nicht allein genossen 
werden. Es gibt eine gelbe und grüne Varietät hiervon. 

Setaria italica Beauv. In 20 Mustern. 

Triticum vulgare Vill. In 50 Mustern. 

Zea Mais Mirb. In 25 Mustern. 

Bei den Sämereien der Gartenpflanzen, deren Zahl sich auf 40 

belief, waren nur die Trivialnaraen beigegeben. 

Mehlsorten. 
Acer arietinum, 

Maranta indica Tussac (Arowroot). 
Musa paradisiaca L. (Banana). 
Sagus Rumphii Willd. (Sago). 

Thypha Elephantina (Boorance). Aus den Pollen wird Brot gebacken. 
Manihot utilissima Pohl. (Tapioca). 

Essbare Früchte, Pikeis etc. 



Amygdalus communis L. 
Anacardium occidentale L. 
Aegle Marmelos Correa (Bael.). 
Ananassa sativa Lindl. 
Bambusa arundinacea Retz. Pikeis 

von den jungen Trieben. 
Brassica nnpus L. 
Bassia Mifolia Roxb. (Mowha). 
Citrus Medica L. 
Daucus Carola L. 
Elettaria cardamomum White. 
Dioscorea Guava. 
Grewia asiatica L. (Pbalso pichle). 



Juglans regia L. 

Mangifera indica L.(Manya, Mango). 
Momordica Charantia L. 
Nelumbium «pecto«. Willd. (Tamara). 
Ptychotis Ajowßn DC. 
Phoenix dactylifera L, 
Raphanus sativus L. 
Solanum tuberosum Berter. 
— Melongena L. 
TerminaUa catappa L. 
Trapa bispinosa Roxb. (Singhara). 
Tamarindus indica L. 
Zingiber o/ficinalis Rose. • 



101 



Essbare Kryptogamen. 

Euchemma spinosum (Agar Agar). 
Gracillaria lichenoides (Ceylon moss). 



Essbare Schwämme. 



Agaricus fossulatus. 
— subochreatus. 



Zucker. 



Borassus flabelliformis L. (Palmyra sugar). 
Nipa fruticans Thunb. 
Phoenix dactylifera L. 
Saccharum officinarum L. 

T h e e. 

Mit der Theepflanze werden in Indien beiläufig JOOO Längen- 
meilen Landes bebaut, besonders Assam befasst sich vorzugsweise 
mit der Theekultur. Aber auch in anderen Distrikten geräth er vor- 
züglich. So sagen die Lokalverhältnisse von Darjeeling, obschon es 
in einer absoluten Höhe von 7000 Fuss liegt, demselben gut zu, und 
es erreichten die hier zuerst kultivirten Sträucher eine Grösse von 
20 Fuss Höhe und 50 Fuss Umfang. 

Der Theo war in etwa 30 Mustern aufgelegen, und trug die 
bekannten Aufschriften der Sorten : Gun powder, Hyson etc. 



Gew 

Allium sativum L. 
— Cepa L. 

Curcuma longa L. (Turmeric). Aus 
dem Rhizom wird das Curry 
powder erzeugt, welches in 
der indischen Kochkunst häufig 
Anwendung findet. 

Capsicum sp. (Dried chillies, Ne- 
pal chillies, Birds-eye- chillies). 

Caryophyllus aromaticus L. 

Coriandrum sativum L. 

Oelpfl 

Allium satitmm L. 

Arachys hypogaea L. 

Anacardium occidentale L. 

Azadirachta indica Juss. 

Bassia latifolia Roxb. (Mowha nut). 

Carthamus tinctorius L. 

Cocos nucifera L. 

Guizotia öleifera DC. (Ramtil). 

Gossypium herbaceum L. 



urze. 

Cartmm Carni L. 

— gracile L. 
Cuminum Cyminum L. (Cumin). 
Elettaria Cardamomum White. 
Foeniculum Panmorium DC. 
Piper nigrum L. 
Pimpinella Anisum L. (Anise). 
Ptychotis Ajowan DC. (Ajowan). 

— Roxburgiana DC. (Ajmud). 
Sinapis sp. 
Zingiber officinale Rose. 

anzen. 

Gynocardia odorata Roxb. 
Helyanthus annuus L. 
Hibiscus cannabinus L. (Ambadee). 
Jatropha curcas L. 
Linum usitatissimum L. 
Lepidium satirium L. 
Nigella sativa L. ' 

Papaver somniferum L. 
Pongamia glabra Vent. (Kurunj). 



102 

Raphanus sativus L. 
Ricinus communis L. 
— ^ major. 
Sinapis nigra L. 

— ramosa Roxb. 

— glauca Roxb. 

— dichotoma Roxb. 
Sapindus emarginatus Vahl. 
Sesamum Orientale L. 



SesamumiiMlicum L.(Teel,6ingelly). 
Hiervon kommen drei Varie- 
läten vor: die rothe Varietät 
(Kala-til), die schwarze Var. 
(Tillee), die weisse Varietät 
(Suffed-lil). 

Terminalia catappa L. Oel für die 
Haare. 

Wrightia antidysenterica R. Er. 



Aetherische Oele. 



Anthericum muricatum Thunb. 

(Khas). 
Artemisia indica Willd. (Dona- 

atra). 
Ändropogon Iwarancusa Roxb, 

(Grass oil). 

— muricatus Retz. (Khuskhus- 
atar). 

— Schoenanthus L. (Lemongrass- 
oil). 

Crocus satifous Mill. (Zafran). 
Citrus Rumphii (Batavi - neboo- 

atar). 
Camphora glandulifera Nees (Sas- 

siferus-ka-atar). 
Cucumis sativus L. (Sasa-atar). 
Jasminum grandiflorum L. Cham- 

beli). 



atar). 

— hirsutum W^illd. (Moti-atar). 

— sp. (Jui-atar). 
Lawsonia inermis L. (Hana). 
Mesua ferrea L. (Nagkesor-atar). 
Mimusops elengi Adans. (Badeha- 

pasand, Bakul atar). 
Michelia Champaca L. (Champa)« 
Narcissus Tazetta L, (Nargis). 
Pandanus odoratissimus L. fil. 

(Keora). 
Phoenix dactylifera L. (Kurnaka- 

atar). 
Pogostemmon Patchouly Pellet. (Pa- 

chapat-atar). 
Rosa centifolia L. (Gulab). 

— damascena L. (Golab-atar). 
Salix Caprea L. (Bed-mushk). 



— Sambac Ait. (Motya, Bpla-I 

Bei etwa 30 Mustern fehlte die scientifische Benennung. Unter 
den wohlriechenden Wässern nimmt das Rosenwasser die hervor- 
ragendste Stelle ein, und wovon jenes von Ghazeepore das renom- 
mirteste ist. Der Vorzug dieses Wassers liegt sowohl in dem beson- 
ders feinen Parfüm als auch darin, dass der Wohlgeruch sehr lange 
anhält. 

(Fortaetznmg folgt 



Literatarberiohte. 

Desmidiaceae areteae. Autore 0. Nordstedt. StocJ^holm 1875. 8^. 13—43 
Seiten. Tafel V— VII. 

Diese mit vielem Fleisse und grosser Gründlichkeit gearbeitete 
Abhandlung schliesst sich an frühere Arbeiten des Verfassers an und 



103 

berichtet namentlich über die Desmidiaeeen, welche, sich in dem von 
Kjellmann während der schwedischen Expedition unter Nordenskj&ld 
in den Jahren 1872 und 73 auf Spitzbergen gesammelten Materiale 
von Süsswasser-Algen (130 Proben) vorfanden. Es wird ersichtlich, 
dass Spitzbergen eine unerwartet reiche und sehr eigenthümliche 
Desmidiaceenflora besitzt, die nicht weniger als 9 Gattungen mit 85 
Arten urafasst; als formenreichste Genera sind Cosmarium mit 40 
und iS^atira^/rt^m mit 22 Spezies namhaft zu machen. 15 Arten werden 
als neu beschrieben. Kleinere sich anschliessende Mittheilungen be- 
handeln Desmidiaeeen von Jugor Scharr auf Nowaja-Semlja, ferner 
jene des russischen Lapplands. Drei beigegebene Tafeln bringen 
Abbildungen der neuen oder wenig bekannten Arten und sind gut 
ausgeführt. Die hier angezeigte Arbeit Nordstedt's wird für Phykologen 
von besonderem Interesse sein. Dr. H. W. R. 

Observations crftiques sommaires snr plasieors plantes montpelli^raliies, 

par M. H. Loret. Premiere partie. Montpellier 1875. 1 Heft. 8®. 70 Seiten. 

Der Verfasser beschäftigt sich seit 16 Jahren mit der Erforschung 
der sehr reichen Flora von Montpellier, über die Magnol schon 1676 
das Botanicon monspeliense schrieb. In dem vorliegenden Aufsatze 
behandelt Loret eine Reihe kritischer \rten von Phanerogamen aus 
dem obgenannten Florengebiete. Es sind ungefähr 50 Spezies aus 
verschiedenen Ordnungen, unter ihnen namentlich eine noch unbe- 
schriebene Hybride: Cistus salvifolio^monspeliensis (S. 13). Bei so 
mancher der kritisch beleuchteten Arten theilt Loret beachtenswerthe 
Daten mit, welche für Fachgenossen, die sich mit ähnlichen Unter- 
suchungen beschäftigen, nicht ohne Interesse sind. Es sei daher ihre 
Aufmerksamkeit auf diese Abhandlung gelenkt. Dr. H. W. R. 

Zur Kenntnfss iler Vegetationsverhältnisse von Neavorpommern und 
Rügen von Hermann Schäfer. Kiel bei C. F. Mohr. 38 Seiten. 4«. 

Diese Schrift ist als Inaugural-Dissertation zwar schon 1872 
erschienen, ist aber immerhin erwähnenswerth und namentlich für 
Pflanzengeographen interessant. Die fleissige Arbeit zerfällt in drei 
Abtheilungen: l. Allgemeine Beschaffenheit des Gebietes, U. Geogra- 
phische Verhältnisse der Vegetation der Phanerogamen -und HL 
Schilderung derselben. Die Verhältnisse der Flora des Gebietes zu der 
von Norddeutschland sowie zu jener der Nachbarländer (Mecklenburg 
und das übrige Pommern) werden durch sehr sorgfältig ausgearbeitete 
Uebersichtstabellen anschaulich gemacht. Letztere Tabelle ist dreifach 
(eigentlich fünffach) und für den üeberblick besonders interessant. Es 
werden da die den einzelnen drei in Vergleich gezogenen Florenge- 
bieten eigenthümlichen Arten zusammengestellt und sind jene, welche 
im Gebiete von Neuvorpommern und Rügen auftreten, in den beiden 
Nachbarländern aber fehlen, sowie jene, welche in den letzteren 
zugleich vorkommen, noch besonders hervorgehoben. Das Ergebniss 
des Vergleiches ist, dass einerseits ^die Flora unseres Gebietes im 
Allgemeinen denselben Charakter besitzt, als die des gesammten 



104 . 

• 

Nord- und Mitteldeutschlands*' (S. 13), im Besonderen aber in engerer 
Yerwandschaft zur Flora von Mecklenburg stebt als zu jener des 
übrigen Pommern (S. 19). Die Zahl der Pflanzen, deren Verbreitungs- 
bezirk innerhalb (od6r an den Grenzen) des an sich kleinen aber 
interessanten Gebietes in irgend einer Richtung endet, ist bedeutend 
(S. 19—24). Das übrige der Schrift nimmt der ffl.„ Theil ein. Es 
werden der Reihe nach geschildert die Vegetation des Wassers (1. 
fliessende Gewässer, 2. Teiche und Landseen, 3. Ostsee und ihre 
Strandgewüsser), der Mittelstufen zwischen Land und Wasser (1. 
Ufer, 2. Moore), und des Landes (1. Wald, 2. Wiese und Weiden, 
3. Düne, 4. Acker- und Gartenland, 5. Strassen und Schutt|)lätze). 
Den Schluss bilden Beiträge zur Flora des Gebietes, namentlich aus 
der Umgebung von Richtenberg und Franzburg, welche Gegend in 
der Flora von Marsson zu wenig berücksichtigt ist. Wb. 

Az asyngamia jelentösege i^i fajok kepz^s^re. Közli Dr. Borbas Yincze. 
(Die Bedeutung der Asyngamie auf die. Entstehung neuer Arten. Mitgetheilt 
von Dr. Vincenz Borbäs.) Budapest. Separat-Abdruck aus Nr. 1 und 2 1876 
der Zeitschrift „Termöszet." Seite i— 12. 

Der Aufsatz macht auf Dr. Kerner's vorjährige Publikation über 
diesen Gegenstand in der Weise aufmerksam, dass er sie im Auszuge 
(S. 3 — 10) übersetzt und am Schlüsse einige asyngamische Pflanzen- 
formen aus der Flora Ungarns aufiuhrt (S. 11 — 12). H. 



Correspondenz. 

St Gothärd bei Szamos-Ujvär in Siebenbürgen, am 23. Jänner 1876. 

Die Nachricht vom Auffinden des AUium atropnrpureum W. et K. 
in d6r Nähe von Kalocsa hat mich sehr interessirt. Aber auch ich 
habe im verflossenen Jahre dieses AUium diesseits der Theiss be- 
merkt und zwar gleich vor der Station Szolnok der Theissbahn auf 
einer langen Strecke gegen Abony zu zwischen den Saaten und auch 
in den grasigen Vertiefungen längs der niedrigen Akazienpflanzungen, 
die parallel zur Bahn angelegt sind; z. B. zwischen Wächterhaus 19 
und 20. — Bei dieser Gelegenheit will ich zugleich bemerken, dass 
sich die in Neureiches Aufzählung von Älliutn roseum angegebenen 
Standorte nach Einsicht von Originalexemplaren alle auf AUium atro^ 
purpureum beziehen, AUium roseum L. somit aus der Flora von 
Ungarn zu streichen ist. — Das altaische AUium robustum Kar. et 
Kit. in Ledeb. Flora ross., das ich 1 874 im Florentiner Herbar zuerst 
sah, Ist vollkommen identisch mit der ungarischen Pflanze. — In der 
Alliorum adhuc cognitorum monographia von E. Regel, die ich vor 
ein paar Tagen zugesandt erhielt, ist diess auch richtig angeführt, so 
viel Unrichtiges sich auch sonst daselbst vorfindet. So z. ist Herrn 
Regel unbekannt, wo AUium Moly wild wächst, wo doch von Bour- 
geau entdeckte Standorte in Südspanien von Gössen schon längst 



105 

publizirt und auch in Nyman's Sylloge übergegangen sind. Auch an 
dem Yorkommen in Siebenbürgen zweifle ich nicht im mindesten. 
Einem Baumgarten ist durchaus nicht zuzumuthen, dass er AUium 
ochroleucum W. K. oder A. xanthicum Gris. et Schk. für A. Moly än*< 
gesehen habe. — Wenn ich die Mittel beisammen habe, werde ich 
es mir angelegen sein lassen, die Baumgarten'sche Pflanze am Kolzu 
Brasi, südlich von Fogaras aufzusuchen. Janka. 

Pola, am 24. Jämier 1876. 

Unter den in Süd-Istrien im vorigen Jahre gemachten Funden 
sind mehrere sehr interessant und zum Theile nicht nur für das 
Koch'sche Florengebiet, sondern auch für Oeslerreich-Ungfam neu 
oder bisher sehr selten. Ich verzeichne, hier folgende Arten: Ranun- 
culus flabellatus Desf., R. eelutinus Ten. (verus), Fumaria anatoUca 
Boiss. (bei Rovigno), Trifolium Sebastiani Savi (von mir im J. 1874 
irrig als Trif, patens und heuer ohne Namen versendet), Anthemis 
incrassata Lois., Amaranthns patulm Bert. (^4. retroflexussilvestris}, 
Orchis leucostachys Griseb. (bei Canfanaro), 0. Gennarii Rchb. (0. 
picta-papilionaceä)^ Muscari Calandrinianum Pari., M. commutatum 
Guss. (bei Veruda), Polypogon maritimus Willd. (Brionische Inseln), 
Aira media Rom. Schult, und Poa silmcola Guss. (Janka's brieflich 
ausgesprochene Vermuthung, dass diese Pflanze hier vorkommen 
dürfte, hat sich also bestätigt). Einige andere Arten harren noch der 
endgiltigen Bestimmung. Ich benütze diese Gelegenheit, um die Auf- 
merksamkeit der Herren Fachgenossen auf eine Sammlung aragoni- 
scher Pflanzen aufmerksam zu machen, welche Herr F. Loscos mit 
Pardo, Verfasser einer Flora Aragoniens in Castelserjis edirt. Die 
Vorbereitungen sind so weit gediehen, dass die Vertheilung Anfangs 
Februar beginnen dürfte. Der Inhalt der jetzt erscheinenden, vorerst 
einen Centurie ist äusserst interessant. Namentlich befinden sich 
darunter mehrere der von Loscos und Pardo auffifestellten Arten und 
einige neue. Der Preis der Centurie beträgt 26V2 Francs an der 
Versandtstelle. Etwaige Anfragen sind zu richten unter der Adresse: 
„D. Antonio Chaves, jardinier du jardin botanique de l'Universit^ de 
Barcelone." Zur Verringerung der Transportkosten empfiehlt es sich, 
wenn die in einer Gegend nicht zu entfernt von einander wohnenden 
Besteller die Sendung unter einer Adresse kommen lassen. 

Freyn. 

Budapest am 6. Februar 4876. 

Koch betrachtet Dianthus Balbisii Ser. (D. ligusticus Wjlld. 
ined.) als eine Varietät des D. liburnicus Bartl et Wendl. Eine ein- 
fache Vereinigung aber, wie wir solche bei Grenier und Gödron 
sehen, könnte ich nicht billigen. Der ligurische D. Balbisii zeichnet 
sich durch seine intensiv grau-grüne Farbe aus; weiter ist er von dem 
D. liburnicus durch die längeren Blattscheiden, die 3— 4mal länger 
sind als die Breite der Blätter, und durch die am Rande nur wenig 
oder gar nicht scharfen Blätter verschieden, auch ist das Involucrum 



V- ^ 



106 

ganz anders beschaffen. I>. serotinus W. Kit., eine asyngamische Form, 
ist von D, plumarius L. jedenfalls verschieden. Die Zusammenziehung 
von Iris pumila Auct. hang, und /. a^quiloba Led. ist nach Prof» 
Kerner unrichtig. Linnö sagt selbst von seiner /. pumila „habitat in 
Austriae^ Pantioniae coUibus apricis^ und zitirt auch Jacquin's Ab- 
bildung^ welche jedenfalls unsere Pflanze ist. Borbäs. 

Hall (Tirol), am 9. Februar 4876. 

Als einen, so viel mir bekannt ist, neuen Bürger unserer tiro- 
lischen Flora kann ich Cerastium longirostre Wich, aufführen. Diese 
Hornkrautart unterscheidet sich sehr gut von C. triviale durch grös- 
seren Wuchs, grünes Aussehen, ausdauernde sterile Stämmchen, wie 
durch bedeutend grössere Samen; seinen Namen hat es davon, dass 
die Fruchtkapsel den Kelch fast um das Dreifache überragt. Die Pflanzo, 
die ursprünglich im mährischen Gesenke aufgefunden wurde, traf ich 
zum ersten Male im Sommer 1873 auf den grasigen, nach Süden 
gelegenen Abhängen des Hocheder bei Telfs in einer Heereshöhe 
von 1800 Meter auf Glimmerschiefer; in den beiden letzten verflos- 
senen Sommern traf ich es überall im Volderthale bei Hall, von 
^1500 — 1900 Met. Meereshöhe auf grasigen Abhängen des aus Phyllit 
zusammengesetzten Gebirges, woher ich ihnen nächsten Herbst auch 
Exemplare schicken werde. — Unsere tirolische Pflanze stimmt haar- 
scharf mit der von B. Fritze im Kessel im schles.-mähr. Gesenke ge- 
sammelten und freundlichst mitgetheilten Pflanze überein. 

Julius Gremblich. 



Personalnotizen. 

— Prof. P. Ascherson unternahm Mitte Februar im Auftrage 
der chedivischen geographischen Gesellschaft in Cairo eine Beise nach 
der kleinen Oase, um seine im Winter 1873/74 auf der BohIfs*8chen 
Expedition gemachten Beobachtungen zu vervollständigen. Die Dauer 
der Beise ist auf drei Monate berechnet. 



--^Ofr— 



Vereine, Anstalten, Unternehmungen. 

— In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissenschaf« 
ten in Wien am 9. Dezember legte Begierungsrath Dr. A. Pokorny 
eine Abhandlang ^lieber phyllometrische Werthe als Mittel zur Cha- 
rakteristik der Pflanzenblätter^ vor. An die Stelle der üblichen Aus- 
drücke zur Bezeichnung der Blattformen treten genaue, auf Messun- 
gen beruhende Zahlwerthe, welche gestatten^ die Ortslage eines jeden 
Punktes im Blattumriss und daher auch die ganze Blattcurve festzu- 



107 

stellen. Für die grosse Mehrzahl der Fälle genügt es, nur wenige 
(4 — 6) Messungen an geeigneter Blattstelle (als in der Blattmitte, in 
der Mitte der unteren und oberen Blatthälfte ^ bei manchen Blättern 
auch am Grunde und an der Spitze des Blattes; vorzunehmen, um 
eine Blattform durch Masswerthe so zu charakterisiren, dass sich die- 
selbe sogar geometrisch konstruiren lässt. Noch wichtiger als solche 
empirische Werthe, welche die Gestalt eines Blattes in natürlicher 
Grösse mit jedem beliebigen Grade der Genauigkeit und Annäherung 
wiederzugeben gestatten, sind die isometrischen Werthe, welche man 
erhält, wenn man alle empirischen Werthe auf eine gleiche Blattlänge re- 
duzirt. Als solche schlägt der Vortragend^ dieBlattlänge von lOOMm. vor, 
weil eine solche der Mittelgrösse der Pflanzenblätter entspricht und 
weil dabei alle Dimensionen in Hundertth eilen der Länge, also in 
einem sehr bequemen Verhältniss ausgedrückt sind. Die isometrischen 
Blattformen sind untereinander sehr leicht vergleichbar, da sie nur 
in den Breitenverhältnissen unter sich abweichen. Sie lassen sich 
ferner in ungezwungener, natürlicher Weise sämmtlich anfacht Grund- 
formen (elliptisch, rhombisch, eiförmig, verkehrt-eiförmig, deltoidisch, 
verkehrt-deltoidisch, dreieckig und verkehrt-dreieckig) zurückführen. 
Jede Grundform durchläuft wieder alle Zwischenstufen von der 
linearen bis zur kreisrunden und querbreiten Form, so dass es von 
jeder Grundform schmale und breite Typen gibt. Hiedurch, sowie 
durch gleichzeitige Berücksichtigung der mannigfachen Abänderungen 
der Blattbasis und Blattspitze ergeben sich unzählige, phyllometrisch 
scharf unterscheidbare Blattformen. Für die Zahlwerthe lassen sich 
bei ähnlicher! Blattformen einfache Ausdrücke , und Symbole wählen, 
wenn man nicht vorzieht^ die Zahlwerthe in einer empirischen oder 
isometrischen Formel vereinigt, unmittelbar zur Bezeichnung der Blatt- 
formen zu verwenden. Ergeben sich endlich etwaige Abweichungen 
von der geometrischen Form eines Blattes , so kann durch Berech- 
nung und Angabe dieser Anomalien die Eigenthümlichkeit der Blatt- 
form in ihrer ganzen Schärfe hervorgehoben werden. Die phyllome- 
trische Methode dient jedoch nicht allein zur Charakteristik der Blatt- 
formen. Durch die genaue Vergleichbarkeit der Blattformen, welche 
mit Hilfe dieser Methode möglich ist, kann erst mit Erfolg das Stu- 
dium der Veränderlichkeit der Blattform während der Entwicklungs- 
periode des einzelnen Blattes, sowie an den verschiedenen Blättern 
Eines Sprosses, Einer Pflanze, Einer Art unternommen werden, welche 
Anwendung der Methode jedoch eigenen Detailarbeiten vorbehalten 
bleiben muss. 



Botanischer Tansohverein in Wien. 

Sendungen sind eingelangt: Von Herrn Csato mit Pflanzen aus 
Siebenbürgen. — Von Herrn Vukotinovic mit Pfl. aus Kroatien. — 



108 * . 

Von Herrn Dr. Schäfer mit Pfl. aus Bräunschweig. — Von Herrn 
Hibsch mit Pfl. aus Nie^erösierreich. — Von Herrn Dr. Ressman mit 
Pfl. aus Kärnten. « ^ 

Sendungen sind abgegangen an die Herren: Dr. Pocke, Churchill, 
Gsato, Forstinger, Hütten. 

Aus Siebenbürgen, eing. von Csato: Lilium pyrenaicum. 

Aus Kroatien, eing. von Vukotinovic: Cytisus radiatuSj Dian-- 
thus longicaulis^ Gentiana utriculosa^ Helleborus atrorubens, Hieracium 
leptocephalum, H. sütaticum v. lancifolium. 

Aus Thüringen, eing. TOn Prof. Haussknecht: Aird caryophyllea, 
Bromus serotinus, Carex canescens f. major ^ iJ.echinata^ C.flataX. 
Oederi, C. Oederi f. major ^ C. remota, Crepis lodomiriensis , C. 
nicaeensis^ C. nie. v. dentata^ Epilobium parvifl, X adnatum ^ E, 
r'oseum X parvifi.^ Erucastrum obtusangulum, Festuca sciuroides, 
Fumaria Schleicheri f. umbrosa^ F. Vaillantii f, pygmaea, F. VailL 
f. vernalis erecta^ F. Wirtgeni f, umbrosa, Galium verum v. albidi-- 
florum, Glyceria plicata v. depauperata, Hieracium chlorocephalum, 
Ä gothicum^ H. murorum v. denttculatum, H. mur, v. parviflorum^ 
H. vulgatum, Hypericum quadrangulum v. parviflorum^ Lappa ma- 
crocarpa, Lythrum Salic. v. parmflorum^ Medicago denticulata^ Montia 
minor ^ Oryza cldndestina^ Papa'cer Rhoeas X dubium^ Potamogeton 
polygonifolius, Rhamnus cathart, v. pubescensj Rumex obtusif, X 
conglomeratus^ R. sanguin. X crispuSy Salix caprea>C.t>iminalis^ S. 
cinerea X.nigrican8j Sanguisorba minor ^ S. min, v. glaucescenSy S. 
platylopha^ S, stenolopha^ Spergula Morisonii, Ulmus glabra^ V. 
suberosa^ U, suber. v. minor^ Veronica opaca u» a. 

Aus Niederösterreich, eing. von Matz: Lathyrus hirsutus^ 
Limnanthemum nymphoides, Nepeta nuda. 

Obige Pflanzen können nach beliebiger Auswahl im Tausche 
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden. 



Inserate, 

In meinem Verlage erschien soeben und ist durch jede Buchhandlung zu 
beziehen: 

Contributiones ad Algologiam et Fungologiam auctore 
Paulo Friderico Beinsch, Chymiae et Historiae Naturalis Prof., 
Societatum Naturae Curiosorum Complurium Sodali. H. Cet P. 0. 
lelanopbyceae, Rbodopbyceae, ChUropbylUpbyceae, Fungi. Accedunt 
Tabulae CXXXl. 

Preis cartonirt: 60 Mark. 

T. 0. WEIGEL in Leipzig. 

Redakteur und Herausgeber Dr. Alezander Skofltx. — Verlag von O. Oerold's Sohn. 
Druck uid Papier der O. Ueberrenter'sehea Bucbdrueker«! (K. Baiser). 



Oesterreichische 



Botanisclie Zeitsclirift 

Gemeinnütziges Organ 



für 



Botanik and Botaniker, 



Die Osterrelehlsehe 
botanlscbe Zeitschrift 

erscheint 
den Eirsten jeden Monats. 

"'"ÄTti.'t!*^* fiärtaer, Oekonomen, Porslmäoner, Amte, 

(le R. Marko 

/«".'.^w.'IIÄJ:*') Apotheker und Techniker. 

halbjährig. 
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die ganze Petitzeile • wJ^' A 



16 kr. öst. W. 



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die frei durch die Post be- 
zogen werden sollen, sind 
blos bei der Redaktion 
CV. Besi,, 8<Mo8»gaue Nr. 16J 
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Im Wege des 
Bachhandels äbemimmt 
Pränumeration 
C. CleroM's Sohn 

in Wien, 

•0 wie alle übrigen 

Buchhandlungen. 



XXVI. Jahrgang. 



April 187». 



': Floristische Notizen. Von Dr. Kern er. — Zur Flora 7on Niederösterreich. Von HOhnel« 
— DianfhiM membranaceus . Von Dr. Borbas. — üeber Pflanzen der Osterr.-ung^r. Flora. Von 
Freyn. — Die Isarinsel bei Tölz. Von Dr. Schäfer. — Pflanzen auf der "Weltausstellung. Von 
Antoine. (Fortsetzung.) — Literaturberichte. — Correspondenz. Von Dr. Rauscher, Uechtritz. 
Fiek. — Vereine, Anstalten, ünternehmuDgen. — Botanischer Tauschverein. — Inserate. 



Floristische Notizen. 

Von A. Eerner. 

Auf meiner ersten Reise in das Bihariagebirge im Sommer des 
Jahres 1B58 fand ich in der alpinen Region des Rözbänyaerzuges an 
allen Quellen und Quellbächen ein Epilobium^ welches habituell einem 
schmalblättrigen E, alsinefolium Vi IL nicht unähnlich ist und mit 
diesem insbesonders in der Grösse und Farbe der Blüthen und im 
Ansehen der saftig grünen Blätter übereinstimmt* Auch darin kommt 
diese Pflanze mit E. alsinefolium überein, dass sie in Betreff des 
Ausmasses^ der Behaarung des Stengels und der Früchte sowie auch 
in der Berandung der Blätter ausserordentlich wechselt. In der Höhe 
schwankt dieses Epilobium nämlich zwischen 5 und 25 Centim., die 
grössten Blätter der üppigen Exemplare zeigen bei So"""" Länge eine 
Breite von 10-- 12°'°', die kleinen Blätter niederer Exemplare bei20°'°' 
Länge nur eine Breite von 5™°'; die Blätter sind am Rande ausge- 
schweift^ seicht gezähnt oder sind vollständig ganzrandig, der obere 
Theil des Stengels und die Fruchtknoten und Früchte sind entweder 
nur sehr schwach behaart und ähneln dann ausserordentlich jenen 
des £. alsinefolium var. Irichocarpum Kern., welches ich seit Jahren 
in vielen Exemplaren aus Tirol versendet habe, bald ist die Behaarung 

Oest«rr. botan. Zeitschrift. 4. Heft. 1876. 9 



HO 

wieder so dichl, dass die obersten Theile des Stengels und die Frucht- 
knoten ganz weisslich-grau erscheinen; die am Stengel herablaufenden 
Linien sind zwar am oberen Theile der Pflanze in der Regel deutlich 
zu erkennen, manchmal aber ziemlich verwischt und ich bewahre 
auch Exemplare, an welchen sie selbst an den oberen Internodien 
kaum zu erkennen sind. Die Ausläufer sind meistens fädlich wie jene 
des £. palustre L. und dann mit winzigen Blättchen besetzt, dort 
aber wo die .Basi^ der Pflanze von klarem Quellwasser umspült wird, 
werden die Läufer kräftiger, die Internodien derselben sind dann 
kürzer und die Blätter der Läufer grösser^ so dass sie dann jenen 
des £. alsinefolium frappant ähnlich sehen. — Die Pflanze macht so 
ganz den Eindruck eines Mitteldinges zwischen E. palustre und E. 
alsinefolium und würde ich sie in Gesellschaft dieser beiden Arten 
gefunden haben, so hätte ich sie auch gewiss für einen Bastart aus 
diesen beiden gehalten. 

Als ich bei der Bearbeitung der im Bihariagebirge gesammelten 
Pflanzen dieses Epilobium mit den Epilobien meines Herbars verglich, 
fand ich darin von Keil herstammende ganz übereinstimmende Exem- 
plare aus Böhmen und zwar ^us den „Sudeten,^ die als JE. nutans 
Schmidt bezeichnet waren, und ich nahm umsoweniger Anstand, 
meine Pflanze für £. nutans Schmidt zu halten, als die Angaben 
von Tausch in der Flora 1828, pag. 461 mit der Bestimmung Keil's 
ganz übereinstimmten *^, Ich führte dieses Epilobium daher in den 
„Vegetations-Verhältnissen Ung." als £. »ti^an« Schmidt auf und 
machte bereits damals darauf aufmerksam, dass dasselbe im Biharia- 
gebirge das Epilobium^ alsinefolium vertritt. 

Im Jahre 1869 fand ich aber im Oetzthale sowie in den Sümpfen 
auf dem Gleinserjöchel bei Mieders im Stubaithale in Tirol ein von 
mir bis dahin nicht beobachtete^s Epilobium^ das ich sofort als £. 
alpinum ß nutans Koch erkannte, und in demselben Jahre erhielt ich 
auch Exemplare eben dieser Pflanze aus dem Riesengebirge, welche 
als E» nutans Schmidt,^ Tausch bezeichnet waren. Bei einer hiedurch 
angeregten Revision meiner Epilobien und Vergleichung der ein- 
schlägigen Literatur stellte sich nun heraus, dass dieses Epilobium 
das weihre Epilobium nutans Schmidt und Tausch und daher meine 
Determination der bisher für £. nutans gehaltenen sudetisch-karpa ti- 
schen Pflanze zu rektifiziren sei. Ich bezeichnete sie damals im Herbar 
als „£. fontanum^^ finde aber unter den 1869 gemachten im Herbar 
liegenden Notizen folgende Stelle: „Höchst wahrscheinlich identisch 
mit jener Pflanze, die Wim m er in Schles. Ges. f. vaterl. Kultur 1848 
von dem nächst verwandten £. pa/ti^^re L. durch oben nickenden 
stets einfachen und höchstens V2' hohen Stengel, lanzett- 
liche (nicht lineal-lanzettliche) fast ganzrandige oder 
entfernt- und sehr seicht gezähnte etwas saftige Blätter, 



*) Tausch definirt a. a. 0. E. nutans Schmidt: Stigmata indiviso; 
caule adscendente, basi stolonifero, 4gono, paucifloro, foliis ellypticis obtusis 
subintegerrimis nilidis, germinibus incanis. 



111 

f 

satt purpurne ein wenig grössere Blüthen unterscheidet 
und die Wimmer, wenn sie neu ist, EpitoJbium scaturiginum 
nennen mikjhte. Vergl. auch Flora 1849, p. 690— -691.« 

Im Jahre 1874 beschrieb Uechtritz in der Oesterr. botan. 
Zeitjschrift, S. 240 ein EpUobium Krausei, von dem er sagt, es 
sei von der Tracht eines kleinen breitblättrigen E,palu$tre, aber der 
Stengel mit zwei erhabenen Längslinien, dabei die Blätter viel deut- 
licher gestielt, schwach glänzend und die Blüthen viel ansehnlicher 
von der Grösse derer des E. alsinefoUtm. — Uechtritz, der diese 
Pflanze in Exemplaren sah, welche von Krause im Riesengebirge 
gesammelt worden waren, bemerkt weiterhin, sie sei sowie auch E. 
scaturiginum W immer, von dem er gleichfalls getrocknete Exemplare, 
aber ohne Standortsangabe^ im Herbar der Schles. Gesellschaft fand, 
eine Bastartform aus £. alsinefolium und E. palustre und zwar sei 
E. Krausei die dem E. alsinefolium näherstehende, E, scaturiginum 
die dem £. palustre sich anschliessende Hybride. Die von ihm im 
Schles. Herbar gesehenen als £. «ca^tirt^tuKm Wimmer bezeichneten 
Exemplare unterscheiden sich von £. Krausei dadurch, dass die 
Blätter jenen des £. alsinefolium ähnlicher sehen und so wie diese 
gezähnt sind und dass an dem Stengel keine Längsleisten bemerkt 
werden können. 

Ohne Zweifel ist nun die von Wimmer sowie die von Uech- 
tritz unterschiedene Pflanze mit jenem EpUobium identisch, welches 
ich im ^ihariagebirge 1858 aufgefunden und damals irrthümlich für 
£« nutans Schmidt gehalten habe. Dass aber zwei Arten, oder 
wie Uechtritz a. a. 0. will, zwei aus £. alsinefolium und £. 
palustre hervorgegangene Bastarte vorliegen sollen, halteich 
für unrichtig. Wie ich schon früher erwähnte, findet man die Früchte 
bald mehr bald weniger behaart, die Kanten des Stengels manchmal 
fast ganz obsolet und die Blätter bald ganzrandig bald ausgeschweift 
gezähnt. Wimmer selbst sagt von den Blättern seines £. .»ca/tirt^mum, 
dass dessen Blätter fast ganzrandig oder entfernt- und sehr 
seicht gezähnt sind, und wenn die Exemplare des schlesischen 
Herbars, welche Uechtritz sah (von denen übrigens ungewiss ist, 
woher sie stammen), stark gezähnelte Blätter besitzen, so stimmen 
sie mit den Angaben Wimmer's nicht überein. Uebrigens möchte 
ich bei der Variabilität, welche diese Pflanze in Betrefi* der Berandung 
der Blätter zeigt, keinen Augenblick daran zweifeln, dass sie auch 
mit stark gezähnelten Blättern vorkommen kann und dass auch die 
im Herbar der Schles. Ges. aufbewahrten Exemplare incertae sedis 
noch in den Formenkreis des £. scaturiginum Wimmer gehören. 

Was die Frage nach der Bastartnatur anbelangt, so muss sich 
allerdings jedem, der dieses EpUobium im Gebiete der Sudeten auf- 
findet, der Gedanke aufdrängen, dass dasselbe durch Kreuzung des 
£. alsinefolium und £. palustre entstanden ist, da dort die beiden 
zuletzt genannten Arten zugleich vorkommen und auch häufig ange- 
troffen werden, während daselbst £. scaturiginum jedenfalls seltener 
ist. Anders im Bihariagebirge, wo £. alsinefolium vollständig fehlt 

9 ♦ 



11? 

und dagegen E. scaturiginum W immer an allen Quellen und an den 
Borden der über die steilen Lehnen des Schiefergebirges abfliessenden 
Quellbäche in der alpinen Region sehr häufig ist* — Vielleicht ist E. 
scaturiginum Wimmer eine jener Pflanzen, <fle ähnlich der Potentilla 
splendens^ Liriaria Halicar Marmbium remotnm^ Circaea intermedia 
etc. in dem einen Florengebiete den Eindruck von Bastarten, in einem 
zweiten Florengebiete dagegen den Eindruck von Arten machen und 
die wohl am richtigsten als zu Arten gewordene Bastarte anzusehen 
sind, welche ihren Verbreitungsbezirk über die Stelle, wo sie ent- 
standen sind, längst ausgedehnt haben. Wie dem immer sei, so viel 
ist gewiss, dass sich ein Bastart aus £. alsinefolium und E, palustre^ 
den man künstlich erzeugen würde*), von E, hcaturiginnmWimmev 
(= E. Krausei Uechtrilz) nicht würde unterscheiden lassen. 

Noch muss ich bemerken, dass mir das hier in Rede stehende 
Epilobium in den letzten Jahren aus den verschiedensten Theilen der 
östlichen Karpathen zugekommen ist. So erhielt ich es aus den Hoch- 
gebirgen in der Nähe des Duscher Passes von Fuss, vom Zuflüsse 
des Zenoga Sees in der Rötyezät-Gruppe von Lojka gesammelt und 
an Quellen und Bächlein der Kerzesorer Gebirge gesammelt von 
Simkovics. Nach Borbds, welcher dieses Epilobium in der Oesterr. 
bot. Zeitschrift XXVI, 17 unter dem Namen EpUobium Kemeri 
beschrieben hat, ist dasselbe auch auf dem Szarkö, auf dem Arägyes 
etc. ungemein häufig und es kann dasselbe demnach jedenfalls als 
eine in den östlichen Karpathen sehr verbreitete und dort, wo sie 
vorkommt, in grosser Individuenzahl auftretende Pflanze angesehen 
werden. 

Was die Nomenklatur dieses Epilobium anbelangt, sq hat das- 
selbe jedenfalls den Namen fT.tfea/tfrlgrintfm Wim m er zuführen. 
Als Synonyme sind beizusetzen: £. nntcms Keil in Sched. und Kern, 
in Oesterr. bot. Zeitschrift XIX, 30J, non Schmidt, non Tausch; 
E, Krausei (alsinefolium X palustre?) Uechtritz in Oesterr. bot. 
Zeitschr. XXIV, 240; E. Kemeri Borbäs in Oesterr. bot. Zeitschrift 
XXVI, 17. 

Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch eines anderen, soviel 
ich weiss, bisher noch nirgends erwähnten Epilobiums gedenken, 
welches ich vor einigen Jahren im Gschnitzthale in Tirol aufi^nd und 
zur freundlichen Erinnerung meinem verehrten Freunde Horiz Winkler 
zugeeignet habe. Dieses EipUabium Winkleri ist als ein der 
Combination alsinefolium X tetragonum **) entsprechender Bastart 



*) Ich werde nicht unterlassen, im kommenden Sommer E. alsinefolium 
und E* palustre im botanischen Garten zu kreuzen und über das Resultat dieser 
Kreuzung seiner Zeit berichten. 

*'*) E, tetragonum L, ist nicht nur mit Rücksicht auf die Diagnose Linn^'s 
in Sp. pl., sondern auch nach dem Befunde im Linn6*schen Herbar ohne Zweifel 
dieselbe Pflanze, welche Schreber später E, roseum nannte und welche die 
meisten neueren Floristen unter diesem Schreber'schen Namen auffuhren. — 
E. tetragonum der meisten Autoren gehört theils zu E. adnatum Griseb., 
theils zu E, obscurum Schreber. — Letzteres ist mit E, adnatum Griseb. 



113 

anzusehen und findet sich auch gesellig mit E, alsinefoUum und £. 
tetragonum .L. (rosewn Schreb.), an mehreren Stellen, manchmal 
nur vereinzelt, manchmal dagegen ziemlich häufig. — Von E. 
alsinefoUum var. trichocarpum Kern, unterscheidet es sich durch die 
oberwärts kurz grauflaumigen Stengel, länger gestielte wenigerglän- 
zende Blätter und etwas kleinere Blüthen, von £. tetragonum L. (E. 
roseum Schreb.) durch die verlängerten aus den Achseln der untersten 
Blätter ausgehenden Seitenstengel, etwas kürzer gestielte Blätter und 
dunklere grössere Blüthen. 



In der 2. Auflage der „Species plantarum'' (1762) beschreibt 
Linnö auf S. 155 ein Galium als Gcäiufn gilvaiicum» welches 
er insbesonders durch den fast stielrunden Stengel, die seegrünen 
breit-lanzettlichen Stengelblätter, haardünne Blüthenstiele und winzige 
Blüthen charakterisirt. Er zitirt in erster Linie zu dieser Pflanze das 
„Galium caule tereti fulcrato, foliis octonis glaucis et obtusis^ Hall. 
Helv. 460 und gibt diese Art „in Germaniae et Europae australis 
montibus silvosis* an. — Während der Herausgabe der 2. Auflage 
der „Spec. plant.*' erhielt Linn^ von Arduini fruchttragende Exem- 
plare eines in den venetianischen Voralpen gesammelten Galiums^ 
welches er im Appendix, p. 1667 des genannten Werkes unter dem 
Namen Galiufn laevigatum folgendermassen beschreibt: „Hanta 
pedalis, tota laevis. Folia octona s. novena, exacte lanceolata, laevia, 
minima rigida. Paniculae pedicelli capillaris tenuitatis. Flores non vidi 
fructus laeves.'' Diese Beschreibung wurde später noch in Syst. nat. 
n, p. 118 durch die Angabe, dass die Zipfel der Korolle grannenartig 
zugespitzt sind („petalis aristatis*'), ergänzt und der Name der Pflanze 
mit Rücksicht auf dieses Merkmal von Linnö in Oaliufn aristatufn 
abgeändert*). — Galium laeeigatum L. wurde nachträglich als eine 
durch die südlichen Alpen weit verbreitete und dort für den Höhen^ 
gürtel von 300 — 1300 Meter auf Kalkboden sogar sehr charakteristi- 
sche Pflanze nachgewiesen. Diese Art bleibt sich in den Südalpen 
auch allenthalben ganz gleich und die mir vorliegenden Exemplare 
aus Venetien von den Originalstandorten Ar duini's stimmen mit jenen 
aus Südtirol, der Lombardei und Piemont, sowie mit jenen aus dem 
Küstenlande und vom Krainer Schneeberg bis auf die unbedeutendsten 
Merkmale so vollständig überein, dass man hier nicht einmal von 
einer breit- und schmalblättrigen Abart sprechen könnte, wie das bei 



nicht identisch^ wie von den meisten neueren Floristen angenommen wird, 
sondern ist zu Folge der Schreber'schen Original-Exemplare im Herbar der 
Münchener Universität = E, virgatum Fries olim, JE, chordorhizum Fries 
rec. — Schreber hielt, wie aus einer handschriftlichen Bemerkung desselben 
hervorgeht, spater sein K ohscu/rum für JS. tetragonum Linn6. 

*) Der Name G, laevigatum hat nichtsdestoweniger die Priorität und es 
ist auch von den älteren und neueren französischen Autoren, sowie von Ny man 
nach den Regeln der Priorität der Name G. laevigatum L. stets vorangestellt 
worden. 



114 

den anderen verwandten Galium^Arien doch durchwegs der Fall ist« 
Auch Stöcke dieser Pflanze, welche ich einmal von den Vorbergen 
des Honte Baldo mitbrachte und in den Garten neben die anderen 
verwandten ßa/wtn- Arten verpflanzte, sowie die aus den Samen dieser 
Stöcke herangezogenen Individuen erhielten sich in allen ihren Merk- 
malen unverändert. 

Dieses GcUium laeeigatum Linn^ ist insbesonders durch folgende 
Kennzeichen zu charakterisiren. Der unterirdische Stengel treibt kurze 
Läufer und ist kriechend. Die unteren 4—5 Intemodien des ober- 
irdischen geknickt aufsteigenden Stengels sind ähnlich wie bei 
6r. silt>aticum im Durchschnitte stielruad, die Oberhaut von 7 — 10 
meist paarweise genäherten und manchmal auch verschmolzenen sehr 
zarten erhabenen Linien schwach und kaum merklich gerillt; an den 
weiter aufwärts folgenden Intemodien werden dann diese Linien 
kräftiger, ihre Zahl wird geringer und der Stengel erscheint dann in 
der Mittelhöhe von vier vorspringenden Riffen deutlich vierkantig. Die 
Laubblätter sind schmal lanzettlicb („exacte lanceolata^ L. 1. c), 
im unteren Viertel oder Drittel am breitesten und von da 
an gleichmässig und allmälig in eine begrannte Spitze vorge- 
zogen; die obere Blattseite ist dunkel saftgrün, die untere 
Seite blassgrün; der Mittelnerv hebt sich von der matten unteren 
Blattseite als ein glänzender Streif ab; der Rand der Blätter ist von 
einem äusserst zarten, dem unbewaffneten Auge nicht wahrnehmbaren 
kallösen, gewöhnlich mit vorwärts gerichteten winzigen Zäckchen be- 
setzten Saume eingefasst. Die Aeste der Inflorescenz sind unter einem 
Winkel von beiläufig 45<> aufrecht abstehend, die Inflorescenz 
im Umrisse immer länglich und nach oben zu allmälig verschmälert. 
Die Blüthenstiele sind stielrund, äusserst zart, haardünn, vor, während 
und nach der Antbese aufrecht abstehend. Die Krone ist flach ausge- 
breitet, kaum 3"^ im Durchmesser, die Zipfel derselben breit ei- 
förmig, fast dreieckig, zugespitzt. Der Discus ist stark 
gewulstet, die Oberseite des Fruchtknotens ganz bedeckend. 
Die Früchte glatt, ausgereift 2""" im Durchmesser, grün. 

Mit dieser südalpinen Pflanze wird nun in den neuesten fioristi- 
schen Werken ganz mit Unrecht ein dem östlichen Europa angehörendes 
Galium identifizirt, das habituell weit mehr dem G. Hhaticum L. 
ähnlich sieht und vielfach auch für G. silvaticum L. gehalten wurde. 
Die erste Notiz über dieses osteuropäische Galium findet sich in 
Schult es Observ. botan. in Linnei spec. plant. Oeniponti 1809. — 
Scbultes sagt nämlich a. a. 0., S. 22, von dem „6. silvaticum,^ 
welches er während seines Aufenthaltes in Krakau zu beobachten 
Gelegenheit hatte ^ dass die Beschreibung, welche Linn6 von G. 
silvaticum gibt, auf die galizische Pflanze nicht passe. „Est enim 
caulis satis firmus tetragonus, geniculis nodosis et rami oppositi 
horizontales, debiles, obsoletissime angulati seu teretiusculi. Folia 
caulina octona deflexa lanceolata, non lato-lanceolata, tres in altera, 
5 in altera parte opposita; ramea sena patentia. Pedunculi saepe 
triflori. Flores sat magni petalis acuminatis.^ Trotz dieser 



115 

beobachteten Differenzen behielt aber Scliultes dennoch 
für diese Pflanze den Namen y^Galium sileaticum^ bei und 
nennt auch noch später im Syst. veget. dieses Galium mit 
dem 4kantigen Stengel und den zugespitzten Zipfeln der 
Korolle y,Galinm sileaticum.*^ — Im Jahre 1821 machte Vest 
in der „Flora, ** II, 526, auf diese Verwechslung von Seite Sc hui tes' 
aufmerksam, indem er sftgt: y^Galium süvaticumL. ist ausgezeichnet: 
caule tereli laevi, foliis margine et carina retro scabris paniculae 
pedunculis capillaribus^ floribus minutis, virgineis nutantibus. Die von 
Herrn Prof. Schultes in Syst. veg. und in Observ. angegebene 
Pflanze kann also nicht G. sileaticum L. sein, denn sie hat caulem 
tetragonum, folia caulina deflexa, corollas sat magnas acuminatas.^ 
— Vest benannte nun a. a. 0., Seite 530, die von Schultes irr- 
thümlich als G. silvaticum aufgeführte Pflanze Oiilium SchuUesii, 
und es hat denn auch dieses osteuropäische Galium mit Fug und 
Recht diesen Namen zu führen*;* 

Von G, laetigatum L. (= G, aristatum L.) unterscheidet sich 
(r. Schultesii Vest. durch den fast bis zur Basis deutlich vierkanti- 
gen Stengel, die länglich- lanzettlichen oder verkehrt-lanzettlichen in 
der Mitte oder im vorderen Drittel breitesten unterseits seegrünen 
Stengelblätter, die breite eiförmige Inflorescenz mit abstehenden Aesten 
und spreizenden relativ längeren Blüthenstielen länglich-lanzettliche 



*) Entschieden unrichtig ist es, wenn rmn Galium intermedium Schultes 
Observ. bot. (Oeniponti 1809), p,t% müG. SchultesHY e st (^^ G,polymorphum 
Knaf) identilBiirt. Schultes beschreibt a.a.O. GM^jm^intermediumimmitielbar 
nach seinem ^^G, eilvaUcum,^ welch' letzteres = G. SchdtesU Vest ist, und 
sagt von seinem Galium intermedivm: „Galium colimus (in hört. bot. Craco- 
viensi) sistens speciem intermediam Galium inter silvaticum (i. e. G, Schultern 
Vest) et Galium glaucum L. (i. e. Asperula galioides M. B.)! — Höchst 
wahrscheinlich hatte Schultes irgend einen der zahlreichen Galium-BBsiarie 
vor Augen. Spätere Botaniker, ja selbst die Zeitgenossen Schultes' bezogen 
dann imgerweise den Namen „ö^. intermedium Schultes" auf das in Galizien 
verbreitete „ö. silvaticum Schultes,*' das sie (wie ja schon Schultes selbst 
imd später Vest) 'als eine von G. silvaticum Linnö verschiedene Art erkannten. 
Wesentlich scheint Besser und dann Uechtritz pater zu dieser Verwechslung 
Veranlassung gegeben zu haben. Letzterer gebrauchte nämlich in Flora 4821 
den von Schultes schon im Jahre 1809 für ein zwischen G. silvaticum und 
G. glaucum die Mitte haltendes Galium verwendeten Namen ^intermedium^ als 
Varietät. — Name für ein von Schultes' Pflanze jedenfalls ganz verschiedenes 
Galium^ das er bei Teplitz im nordwestlichen Ungarn auffand. Dieses Teplitzer 
Galium erklärt Uechtritz pater für eine Mittelform zwischen G, silvaticum 
und G» aristatum, L. (recte Ö. hieviaaiumh.) und nennt dasselbe (r. 5t2t;a<ict*m 
ß interm^edium. Da aus dem bezüglichen Aufsatze von Uechtritz pat. in Flora 
1821, S. 593, hervorgeht, dass er das bei Breslau vorkommende ö^aKtem <S^cÄuZf€«M 
Vest (G, silvatieum Schultes) für das G. silvaticum Linn^'s hielt (Uech- 
tritz nennt daselbst die Breslauer Pflanze (r. silvaticmi. a. borealeX so ist schwer 
zu sagen, was er unter G, silvaticum ß intermedium verstanden hat. Zufolge 
freundlicher brieflicher Mittheilung von Uechtritz fil. fehlt leider die Teplitzer 
Pflanze im Herbar seines Vaters und es lässt sich demnach auch auf diesem 
Wege ein sicheres ürtheil nicht gewinnen. Das wahrscheinlichste ist aber doch, 
dass (r. süvaticum ß intermedium Uechtritz pat. ebenso wie G. silvaticum 



116 

• 

Zipfel der etwas grösseren KoroUe, einen kleinen nur das Mittelfeld 
des Fruchtknotens krönenden Discus und bläulich bereifte Früchte.. 

Was nun die Verbreitungsbezirke dieser drei nahe 
verwandten Galium- Arien anbelangt, so lässt sich im Allge- 
meinen sagen, dass 6, siltaticum Linni dem westlichen cisalpinen 
Europa; G, laevigatum Linnö dem transalpinen südlichen Europa 
und 6. Schult esii Vest dem östlichen Europa angehört. Die Grenz- 
linien dieser Verbreitungsbezirke sind aber noch durchaus nicht so 
genau festgestellt, als es wünschenswerth wäre. Der Zweck dieser 
Zeilen ist auch kein anderer als anregend zu wirken, damit so manche 
noch schwebende Zweifel über die jedenfalls sehr merkwürdige Ver- 
breitung der drei in Rede stehenden 6a/mi»-Arten gelöst werden. 

Am genauesten ist die Nordgrenze des transalpinen G, laevigatum 
L. bekannt. Dieselbe läuft ähnlich sehr vielen anderen nördlichen 
Vegetationslinien transalpiner Pflanzen in einem nach Norden etwas 
konvexen Bogen aus der Dauphinö durch die Südschweiz (TessinJ 
nach Südtirol, erreicht hier nahe bei Botzen ihren nördlichsten Scheitel- 
punkt und zieht dann entlang der Kette im Süden des Drauthales in 
die Jütischen Alpen, wo ich Galium laevigatnm L. noch auf dem 
Predil und auf dem Krainer Schneeberge beobachtet und gesammelt 
habe. — Das dem cisalpinen westlichen Europa angehörende G, sil- 
mticum L. überschreitet nach Süden zu nirgends die Alpen, kommt 
auch mit G. laevigatum nirgends zusammen, sondern ist durch einen 
ungleich breiten von Westen nach Osten sich verschmälernden Gürtel 
(in welchem alle drei in Rede stehenden (xa/mm-Arten vollständig 
fehlen I) von G, laevigatum getrennt. In der Nordschweiz fand ich 
G. sileaticum noch häufig; auch in Nordtirol ist dasselbe noch ziemlich 
verbreitet, geht aber hier nicht über die lokale Südgrenze der Buche 
(Fagus silvaticä) nach Süden, so dass unter den südlichsten Buchen- 
bäumen Nordtirols auf dem Sonnenburger Hügel an der Brennerstrasse 
bei Innsbruck auch die südlichsten Stöcke des G, sihaticiim stehen. 
In jenem Theile der Centralalpen, in welchem die Buche fehlt, fehlt 
auch G, süvaticum und in den tirolischen Südalpen, wo die Buche 
wieder auftritt, erscheint dann an Stelle des G. siltaticum das trans- 
alpine G. laevigatum. Aehnlich scheint es sich durch die ganze 
Alpenkette zu verhalten. In den ganzen nördlichen Kalkalpen bis zum 
Kahlengebirge bei Wien findet sich nur G. siltaticum und der südliche 
Theil der Centralalpen in Salzburg und Steiermark scheint wie in Tirol 
eine wenn auch schmale Zone zu bilden, in welcher weder die eine 
noch die andere Art vorkommt. 

Viel schwieriger ist es, die Ostgrenze des G, silvaticum festzu- 
stellen und zwar darum, weil im östlichen Europa bis in die jüngste 
Zeit 6r. Schult esii theils für G. silvaticum, theils für G. laeeigatum 
genommen wurde und sich daher die meisten, wenn nicht alle Angaben 



a. boreale desselben Autors in den Formenkreis des polymorphen G. Schtdtem 
Vest (= G. süvcUicum Schult es) gehört. — Auf keinen Fall ist es identisch 
mit Cr. inttrmedium Schul les, das aus dem Jahre 1809 datirt. 



117 

über das Vorkommen des G. sihaticum in Galizien, Ungarn, Kroatien 
und Untersteiermark auf 6. Schultesübeziehen, BeiFiumeundTriestkommt 
G, sileaticum nicht mehr vor, auch G, laevigcUum^ obschon noch auf 
dem benachbarten Krainer Schneeberg von mir beobachtet, wurde bei 
Fiume bis jetzt nicht aufgefunden. Dagegen ist dort im Recina-Thale G. 
Schultesii ziemlich häufig. — Auch in der Gegend von Klagenfurt fehlt 
G, silvaticum, dagegen findet sich daselbst nach Yest bereits G. 
Schultesii und berührt dort nahezu die Nordostgrenze des Verbreitungs*- 
bezirkes des G. laevigatum. — Welche von den drei Arten in Unter- 
steiermark vorkommt, ist mir zweifelhaft. In der 2. Aufl. von Maly 
Fl. stir. 116 wird dort zwar G. laevigatum (= G. aristatum) bei 
Neuhaus und Cilli angegeben, aber es wäre nicht unmöglich, dass 
hiemit das bei dem nahen Klagenfurt vorkommende G. Schultesii 
gemeint ist "^j. Dass auf dem Kahlengebirge in den östlichen Ausläufern 
der Alpen in Niederösterreich von den (&ei in Rede stehenden Arten* 
nur G. sihaticum vorkommt, wurde bereits erwähnt**); im mittel- 
ungarischen Bergland dagegen scheint 6r. sHeaticum bereits ganz zu 
fehlen. Ich habe zwar in der Oesterr. bot. Zeitschr. XX, p. 328, dort 
G. sileaticum angegeben, aber diese Angabe basirte sich nur auf die 
Notizen, welche ich auf meinen in den Jahren 1855 — 1860 dort 
ausgeführten Exkursionen gemacht hatte; die zahlreichen getrockneten 
Exemplare, die mir seither als „6r. sileaticum^ aus diesem Gebiete 
und zwar aus dem Berglande zwischen Gran und Ofen, aus der 
Matra und aus der Gegend von Felsö tärkäny zugesendet wurden, 
gehörten durchwegs zu 6. Schultesii und es dürfte daher G. sihaticutn 
Kern. a. a. 0. sowie Sa die r Fl. Com. Pest. alsSyn. zn G. Schultesii 
Yest zu ziehen sein. Wie es sich in dem Gelände zwischen dem 
mittelungar. Berglande und dem Kahlengebirge verhält, ist weiter zu 
ermitteln. Möglicherweise treffen dort ähnlich wie in Böhmen und 
Schlesien das westliche G. sihaticum und das östliche G. Schultesii 



♦) Die alte Angabe Sommerauer's (in Maly Fl. stir.), dms ^G, aristatttm^ 
auf einem Aufschüttungsdamme bei Admont vorkomme, beruht wohl auf irgend 
einer Verwechslung. — Strobl, der genaue Kenner der Admonter Flora, hat 
G, aristatum dort neuerlich vergeblich gesucht. G.süvaticum ist dagegen nach 
Strobrs mündlicher Mittheilung bei Admont sehr verbreitet und findet sich auch 
im nördlichen Theile der steir. Gentralalpen bei Rottenmann, Trieben und 
Lorenzen. 

**) Von Dollin er wird in En. 62 „ö. aristatum^ bei Wien angegeben. 
Diese Pflanze, von welcher ich von Doli in er gesamipelte Exemplare vorliegen 
habe, ist aber weder G, laevigatum L. (= G, aristatum L.) noch G, Schultesii 
und gehört überhaupt gar nicht in die Gruppe des G. silvaticum, sondern ist 
zunächst mit G. MoUugo verwandt. Sie unterscheidet sich übrigens auch von 
diesem auf den ersten Blick durch die doppelt so grossen Früchte. (Die Früchte 
zeigen einen Durchmesser von 4"", wänrend jene des G. MoUugo höchstens 
2"" Ausmass zeigen.) Dieses Galiwn, welches ich G, macrocarpum nenne und 
an anderer Stelle ausführlicher zu behandeln gedenke, hat aifch Neil reich für 
Cr. aristatum L. genommen. Neilreich hielt nämlich, wie aus der Note auf 
S. 461 in der Fl. N.-Oest. hervorgeht, G, laevigatum L. (= G. aristatum L.) 
für eine Form des G. Mollugo! und zitirt a. a. 0. ausdrücklich G. aristatum 
Dolliner. 



118 

zusammen. Im nördliclreii Ungarn sowie im östlichen Galizien findet 
sich von den drei Galium-Arten wahrscheinlich nur G. SchulteHi; 
was mir aus Oberungarn (Borsod, Neograd, Liptau, Sohl, Marmaros) unter 
dem Namen ^ G. sÜvaücum^ zugesendet wurde, ist nämlich durchwegs 
G. Schult esii. Ebenso ist die von Wierzbicki auf dem Tilfa mare 
bei Orawitza im Banat gesammelte und mit der Bezeichnung j^G. 
aristatum Gaud?" ausgegebene Pflanze »= G. Schultesii. — Aus 
diesen Notizen ergibt sich zugleich die Westgrenze des G. SchuUesii^ 
so weit dieselbe bisher überhaupt bekannt ist. Dieselbe zieht nämlich 
von Triest und Fiume nordwärts durch die südöstlichen Ausläufer der Alpen^ 
verläuft dann als eine die nordöstnchen Ausläufer der Alpen im 
weiten Bogen umschlingende Linie in das nordöstliche Böhmen und 
nach Preussisch Schlesien. Während G, laevigatum und G.Hhaticwn 
nirgends zusammentreffen, berührt der Verbreitungsbezirk des G. 
Schultesii in den südöstlichen Alpen jenen des G. laemgatum und 
greift im nordöstlichen Böhmen und Pr. Schlesien in den Verbreitungs- 
bezirk des 6. süeaticum über, so dass dort an mehreren Punkten 
sogar beide Arten gesellig vorkommen. — Ob dort auch Bastarte 
aus 6. Schultesii und G, süvaticum vorkommen, ist meines Wissens 
bisher nicht bekannt geworden. Die Entstehung eines Bastartes aud 
G. silcaticum und G. laecigtttum ist schon aus dem Grunde nicht 
anzunehmen^ weil die Verbreitungsbezirke dieser beiden Arten nirgends 
in einander greifen; aber auch abgesehen hieven ist die Entstehung 
eines solchen Bastartes aus dem Grunde nicht leicht möglich, weU 
G. sileaticum und G. laeioigatum asyngamische Arten sind^ indem an 
gleichem Standorte im botanischen Garten G. laeeigatum erst zu 
blühen beginnt, wenn das nebenbei gepflanzte G. sihaticum zu blühen 
aufhört. 

Dagegen liegen mir mehrere bisher nicht bekannt gewordene 
Bastarte vor, welche durch Kreuzung des G. silvaiicum^ G.laevigatum 
und G. Schultesii mit andern (la/miii-Arten entstanden sind und die 
ich bei dieser Gelegenheit erwähnen will. 

1. GaKufn digeneutn CsihaticumXeerum). — Unterscheidet 
sich von G. sihaticum durch den vierkantigen flaumhaarigen Stengel, 
die grasgrünen schmäleren an der unteren Blattseite entlang dem 
Miltelnerv mit dömchenartigen vorwärts gerichteten Trichomen und 
an der oberen Blattseite mit papillenartigen kurzen Trichomen be- 
setzten Blätter und die aufrechten Stiele der Blüthenknospen; von G. 
verum durch die breiteren weichen am Rande nicht umgerollten 
Blätter, die verlängerten Intemodien der Aeste der Infloreszenz und 
den dadurch bedingten lockeren Stand der weisslichen Blüthen, durch 
die längeren Blüthenstiele und auch dadurch^ dass die letzten Ver- 
ästelungen der Inflorescenz nur von zwei schmal lanzettlichen Blättchen 
gestützt sind. — Im Jahre 1854 von mir an einem Waldrande zwischen 
Ober-Bergern und Wölbung in Niederösterreich aufgefunden. Die 
beiden muthmasslichen Stammarten in der Nähe nicht selten. — Galium 
sihaticum ß pubescens Koch Syn. dürfte auf diese Pflanze, welche 
habituell sich weit mehr an G. sihaticum als an G. verum anschliesst, 



119 

ZU beziehen sein. Ob auch G. sileaUcum ß pnbescens DC. Fl. fr. IV, 
252, muss dahin gestellt bleiben. (Q. pubescms Schrader ist hievon 
jedenfalls verschieden.) 

2. Galiufn Huteri (laevigatnm X lucidum).^ • — Die Blätter 
um die Hälfte schmäler als an G. laemgatum, in eine dünne verhält- 
nissmässig längere Granne zugespitzt, der Stengel geknickt aufsteigend, 
die Blüthenstiele spreizend; die Verzweigung und Anordnung der 
.Rispenäste so wie bei G. lucidum. — Von Hut er in Venetien am 
Torrente Perron bei Claut in Gesellschaft der muthmasslichen Stamm- 
eltern im Jahre 1873 entdeckt und mir von dort mitgetheilt. 

3. Oalium hungtmricum CSoUugo X Schultesu). — Vom 
Ansehen eines schmalblättrigen 0. Schultern^ aber die Cymen, aus 
welchen sich die Inflorescenz zusammensetzt, mehr genähert, die Aeste 
der Inflorescenz traubig angeordnet wie bei 0. Mollugo und nicht 
länger als das nächst höher stehende Internodium der Hauptachse. — 
Von Vrab^lyi bei Pelsö Tärkäny im Borsoder Comitate Ungarns mit 
G, Schultern und 6. Mollugo gesammelt und mir von dort freundlichst 
zugesendet. — Es hatte sich mir einmal der Gedanke aufgedrängt, 
dass dieser Bastart das ß. mtermedium Schultes (vergl. die Note 
auf S. 115) sein könnte, da aber Schultes seinem G. intermedium 
„caules obtusissime oblique angulati^ zuschreibt und das vorliegende 
Galium^ welches ich für einen der Combination Mollugo X ScInMem 
entsprechenden Bastart halte, einen deutlich vierkantigen Stengel 
besitzt, so muss G. intermedium Schultes eine andere Pflanze sein. 

Zum SchlusiSe möchte ich hier noch darauf aufmerksam machen, 
dass sich im südwestlichen und im südöstlichen Buropa an die drei 
im Prüheren behandelten ffa/tfim-Arten (G. silvaticum^ G, laevigcUum, 
G. Schultesii) noch einige weitere Arten aus diesem Kreise an- 
schliessen, die dort, wie es scheint, vikarirend auftreten. Dahin gehören 
im südöstlichen Europa insbesonders Oaliun§ KUaibelianum 
Rom. et Schult. (= G. capillipes Reichenb.) im südöstlichen 
Ungarn, Banat und südl. Siebenbürgen; dann Oaliufn transsil- 
vanicum Schur, eine — soweit ich aus dem einzigen mir vor- 
liegenden in der alpinen Region des Simathales in den Pogaraser 
Alpen gesammelten Exemplare beurtheilen kann — von allen bereits 
genannten sehr abweichende Pflanze und endlich Calium scaJbrum 
(Griseb. var.) = 6. papillosum Heuffel= ß. flctijfc/tt Borbäs*). 
Diese letztere Art, welche ihren Verbreitungsbezirk vom Allion iei 
Orsova südwärts bis auf den Ljubatrin in der Türkei und wahrschein- 
lich auch noch weiterhin süd- und ostwärts ausdehnt, wurde von 



*j Der Name G, papillosum Heuffel wurde von Borbäs in G.Heuffelü 
umgeändert, weil schon ein älteres Galium papiUoswm Lap. existirt. — Da 
aber Heuffel's Pflanze mit G. aristatum var. scabrvm Griseb. Spicil. 157 
identisch ist und die Namen G, eeabrum Host und G. eedbrtim Lej. nicht in 
Betracht kommen können, da sie mit G, austriacum Jacq., beziehungsweise 
(r. uLiginosum L., zusammenfallen, so hat Galium papillosum Heuffel nach 
den Regeln der Nomenklatur, welchen ich huldige, den Namen G. scabrum 
(Griseb. var.) zu fuhren. 



120 

Neil reich unbegreiflicher Weise mit G. arigtatum L. vereinigt. 
(„Non est nisi varietas G. aristeUi L. foliis snpra minutissime papUloso- 
scabris; in reliquis notis cum hoc exacte congruens.'^ Neil. Diagn. 
61.) Von G, aristatum L., recte G. laemgatwm L. unterscheidet es 
sich aber sehr auflallend durch den läuferlosen unterirdischen Stengel, 
die in der Mitte (nicht im unteren Viertel oder Drittel) breitesten 
Blätter, die fast ebensträussig gruppirten Cymen, die sehr verkürzten 
Blüthenstiele, welche nicht länger als die Blüthe selbst sind und vor 
allem durch die ganz abweichende Form der Eorolle. Dieselbe ist 
nämlich tief beckenförmig-glockig und die aufrecht abstehenden Zipfel 
derselben kaum länger als der verwachsene Theil der Eorolle. Sie 
stimmt in dieser Beziehung mit G. glaucum L. = Asperula gcUioides 
M. B. überein, während sie andererseits durch die Inflorescenz wieder 
lebhaft an Asperula Unctoria erinnert. Wer Galium glaucum L. als 
eine Asperula aufl^asst, der müsste konsequent auch Galium scabrum 
(Griseb. var.) als Asperula aufführen und sie zwischen A. galioides 
und A. tmctoria stellen. Andererseits ist aber auch die nahe Ver- 
wandtschaft mit G. laevigcUum^ G, Schultesii und G. sihaticum nicht 
zu verkennen und es wäre daher angezeigt, entweder die Gattung 
Asperula miX Galium geradezu zu vereinigen^ oder aber zwischen 
diese beiden eine neue Gattung einzuschalten, deren Prototyp Galium 
glaucum = Asperula galioides bildet. 



Beitrag zur Eenntniss der Flora von Niederosterreich. 

' Von Franz v. Höhnel, 

Assistent a. d. Hoehsolinle für Bodeiikultar. 

In den Jahren 1870 — 1874 habe ich in der Umgebung Wiens 
eine Reihe von Exkursionen ausgeführt , deren Resultate , soweit sie 
für die Eenntniss der Flora von Niederösterreich überhaupt von In- 
teresse sind, ich mir im Folgenden mitzutheilen erlaube. 

Die anzuführenden Angaben beziehen sich theils auf neue Stand- 
orte sehr seltener Arten , theils auf Funde von seltenen Varietäten 
gewöhnlicher Arten, theils auf abnorme Standorte. 

Was die berücksichtigte Literatur betrifft, so wurden abgesehen 
von Neilreich's Grundwerken und beiden Nachträgen, sämmtUche seit 
dem Erscheinen des zweiten Nachtrages in den Verhandlungen des 
zoolog.-botan. Vereines, sowie in der österr. botan. Zeitschrift ver- 
öffentlichte Standortsangaben durchgesehen, sowie Bayerns Praterflora. 
Wenn nichts desto weniger der eine oder der andere Standort bereits 
irgendwo angeführt ist, so mag dessen Erwähnung, als aus Versehen 
geschehen, entschuldigt werden. 

Die Berichtigung der Bestimmung einiger mir zweifelhafter 
Arten verdanke ich der Güte des Herrn Prof. Dr. H. W. Reichardt, 
dem ich hiermit meinen ergebensten Dank ausspreche; Tür die Rich- 
tigkeit der Determination der übrigen glaube ich bürgen zu können. 



121 

Aspidium Lonchitis Sw. muss aus der Reihe der bisher inNiederöst. 
nur auf Kalk gefundenen Pflanzen gestrichen werden. Ich fand 
diese Pflanze in einigen schönen Exemplaren im Hainbachthale 
am Bache, also mitten in der Sandstein- und Bergregion. 

Botrychium Lunaria Sw. Im Helenenthaie. 

Phalaris canariensis L. Auf Schutt links vor der Favoriten-Linie. 

Agrostis spica nenti L. In der Nähe Wiens bekanntlich selten^ im Prater. 

Danthonia decumbens DC. Am Semmeringpasse, bei Kirlin^, am Heu- 
berg bei Dornbach. Verwilderten Roggen (Secale cereale L.) auf 
einer Wiese bei Greifenstein, jede Aehre nur aus 1 — 2 Aehrchen 
bestehend. 

Lolinm temulentnm L. ist in Bayerns Praterflora nicht angeführt, wird 
aber auf den neuen Anschüttungen immer häufiger, ferner am 
Weltausstellungsplatze. 

Carex fnlva Good. a. longibrcLCteata. Nach Neureich auf der Höhe 
des Semmeringpasses ^aufgefunden; kommt aber auch viel tiefer 
auf einer kleinen feuchten Wiese in der Nähe des Stations- 
platzes vor. 

— humilis Leyss. Bisher nur auf trockenen sonnigen Hügeln, bei der 
Jesuitenmühle auf Moorboden. 

— paludosa Good. fand ich bei Hoosbrunn in einem Exemplar, bei 
welchem der grösste Theil der weiblichen Blüthen mit nur zwei Nar- 
ben versehen und dadurch mit acuta leicht zu verwechseln war. 
Bei Leobersdorf ein Exemplar, dessen unterstes Deckblatt eine 
7V2" lange Scheide mit einem 13" langen weiblichen Aehren- 
stiel hatte. 

— pilulifera L. In einem Waldschlage bei den Enödelhütten. 
TuUpa sihestris L. Blühend an Ackerrändern beim Neugebäude bei 

Simmering. 
Omithogalum comomm L. Häufig auf Wiesen zwischen Laab und 

Kaiksburg. Von 
Muscari racemosum DC. finde ich nirgends die Angabe, dass sie auch 

mit weissen Blumen vorkomme. Ich fand sie mit solchen am 

Kalenderberg (1 Exemplar), zahlreicher im Uppizaner Walde 

bei Triest. 

Goodiera repens R. Br., welche Pflanze in der Bergregion selten ist, 
am Fusswege von der Jägerhütte zum eisernen Thore. Nach 
Haläcsy (österr. botan. Zeitschr. 1873) in Wäldern am eisernen 
Thore, ohne nähere Angabe. 

Orchis coriophora L. Im Prater bisher nur auf Wiesen unter dem 
Freibade, die aber jetzt nicht mehr existiren; kömmt auch spär- 
lich auf den Wiesen unterhalb der Sofienbrücke vor. 

Cephalanthera rubra Rieh., die in der Tiefebene sehr selten ist^ in 
einem kleinen Laubwäldchen bei Gutenhof. 

Salix mirabilis Host. = S. purpurea L. v. monadelpha^ nach Neil- 
reich ein seltener Zufall, kommt an derLiesing, gleich oberhalb 
Rothneusiedl in grosser Menge vor^ und zwar 1873 ausschliess- 



122 

lieh, die gewöhnliche Form fast yerdrängend. Auch in den 
Moosbrunner Sümpfen gleich bei lichtenthal ein Exemplar. 

Salix nigricans Sm. v. concolor (j= Salix riealis Host) am Semme- 
ringpasse. 

Atriplex nitens Rbt. (Schk.) Im unteren Prater und am Laaer Berg 
zwischen den Weingärten. 

Chenopodium rubrum L. v. f>ulgare. Nach Neilreich in der näheren 
Umgegend Wiens selten und vereinzelt, auf den neuen Anschüt- 
tungen im Prater« 

— urbicum L. Im Prater beim Rondeau an der Strasse. 

— opulifolium Schrad. Selten und wegen Aehnlichkeit mit Formen 
von cUbum leicht zu übersehen; bei Dornbach, am Wr. Neu- 
städter Kanal, beim Matzleinsdorfer Friedhof. 

— ßcifolium Sm« Im hinteren Prater, selten und vereinzelt; auch 
bei Simmering. Von 

Kochia scoparia Schrad. dürfte jetzt der nächste Standort der in den 
Sandgruben am Sankt Marxer Friedhof sein, wo die Pflanze vor 
zwei Jahren ziemlich häufig war. 

Polycnemum areense L. In einem Graben zwischen Brück und Goyss. 

Amaranthus Blitum L. (=» Hleestris Desf.) Bisher bei Wien nur in 
Weingärten bei Hernais und Weinhaus , femer am Laaerberg 
gefunden. Ich fand die v. süeestris Moq. in Sandgruben beim 
Arsenal, femer auf Aeckem bei Dornbach. 

Rumex Hydrolapathum Huds. wurde bisher in nächster Nähe Wiens 
nicht gefunden. Die nächsten Standorte waren bei Velm und 
Himberg. Ich fand sie bei Simmering am Wr. Neustädter Kanal 
in einigen grossen Exemplaren. * 

— maritimus L. ß. viridis C^umex palustris Sm.) In einzelnen 
Exemplaren an der SU'asse nach Dombach. 

Plantago arenaria W. et K. In Sandgräben beim Arsenal. 

Cephaiaria transsileanica Schrad. Auf einem Acker zwischen Parndorf 
und Neusiedl massenhaft. Nach Berroyer überhaupt auf Triften 
zwischen Neusiedl und Parndorf (II. Nachtr. p. 264). In der 
Au, links hinter dem Freibade. Ist in der Praterflora nicht ent- 
halten. 

Knautia areensis Coult. v. eradiata. In einigen Exemplaren beim 
Harschhofe bei Kirling; auf schlechten Wiesen bei Parndorf. 

Stenactis bellidiflora A. Br. Nach Neilreich nur im Thalweg der Do- 
nau von der Ipser- Mündung bis Wien; ich fand sie auch auf 
der Rohrerwiese. 

Pulicaria tmlgaris Gärtn. Im flachen Strassengraben zwischen Goyss 
und Parndorf. 

Bidens cernua L. v. nana eradiata. Auf den neuen Anschüttungen 
an der Donau im Prater, die v. nana auch am Fusse desHaglers- 
berges. 

Matricaria Chamomüla L. Auf der Tttrkenschanze. 

Gnaphalium luteo^älbum L. In einem Holzschlage bei Laab. 



123 

Qalinsoga pamiflora Cavan. verbreitet sich immer mehr; im hinteren 

Prater, im Garten der Hochschule für Bodenktütur. 
Xeranthemnm awMnvm L. Um die Kirche von Goyss herum häu&g. 

1871. 
Cirsium cano^oleracevm. Auf Sumpfwiesen an der Leitha zw. Brück 

und Wilfleinsdorf. 
Scorzonera austriaca W. ß, latifolia. Eine extreme Form mit Qber 

IV2" breiten Blättern am Goldbügel bei Petersdorf 

— hispanica L. Auf dem Eisenbahndamm bei Simmering. 
Laciuca saligna L. Bei Goyss und zwischen Brück und Wilfleinsdorf. 
Campanula sibirica L. Im hinteren Theil des Praters, wo sie bisher 

nicht gefunden wurde. 

— Medium L. Auf einer Gartenmauer an der Technik, seit Jahren 
verwildert. 

Origanutn Majorana wird bei Neusiedl am See im Grossen angebaut« 

Lamium purpureum L. mit rein weissen Blüthen auf einem Acker bei 
Gramatneusiedl und bei Kaltenleutgeben. 

MarruMum vulgare L. Im Schutte der Sandgruben beim Arsenal. 

Scutellaria kastifolia L., welche im Prater selten ist, in der Au hin- 
ter der Stadlauer Brücke, stellenweise häufig. 

Ancbusa officinalis L. Mit weissen Blüthen, auf der Türkenschanze 
einzeln; auf einem Acker bei Döbling in zahlreichen Exemplaren. 

— itiüica Retz. Auf der Türkenschanze und bei Sievring. 
Lycopsis arvensis L. Zahlreich auf einem Acker bei Penzing, einzelne 

Exemplare auf der Türkenschanze. 

Lycopersicum esculentum Mill. Auf wüsten Haufen beim Arsenal. 

Verba^scum nigrum L. Auf den Wiesen zwischen Brück und Kaiser- 
steinbruch. 

Veronica longifolia L. Wohl nur zufällig in einem Exemplar im Pra- 
ter auf neuen Anschüttungen. 

Orobanche arenaria Borkh. Zahlreich im Juli 1871 in einem zwischen 
zwei Feldern gelegenen Graben am östlichen Theile des Laaer- 
berges gegen Simmering auf Artemisia vulgaris. Wurde bisher 
in der Nähe Wiens nur auf der Türkenschanze gegen Wein- 
haus und Gersthof hin, femer von S. Hein bei Grinzing ge- 
funden. 

Apium grcweolms L. Zwischen Parndorf und Brück in einem Graben. 

Bupleurum Gerardi Jcq. v. virgatum (= B. affine Sadl), Im Heili- 
genkreutzer Walde bei Brück mit Seseli t>arium Trev. 

— longifolium L.; diese schöne und seltene Pflanze, welche bisher 
in Niederösterreich nur im Thale Seeau bei Hollenstein a d. Ybbs 
gefunden wurde, habe ich, wie bereits mitgetheilt^ am 20. Juli 
1873 auf der Spitze des Göstritz in zwei Exemplaren gefunden. Da 
ich den grössten Theil der Wurzelstöcke im Boden liess, so war 
zu erwarten, dass sich die Pflanze an diesem Standorte erhalten 
werde, was in der That auch der Fall ist, da sie mein Freund 
Hibsch daselbst im Vorjahre in grösserer Menge antra ff. 

Loranthus europaeus Jcq. Im Krapfenwaldl. 



124 

Sedum refleamm L. Ist im Wiener Becken sehr selten und kommt 
besonders auf Schiefer vor; bisher nur im Emstbrunner Walde 
und auf Felsen bei Schottwien. Ich fand sie am Südabhange des 
Maaberges rechts vom Wege auf den Anninger auf Kalkfelsen 
in einigen Exemplaren. Da die Pflanze in Gärten als Tripmadam 
angebaut wird zu Küchenzwecken, so ist es immerhin möglich, 
dass sie an dem genannten abnormen Standorte nur verwil- 
dert ist. 

Saxifraga granulata L. Diese im Wiener- Walde seltene Saxifrage 
kommt auch im Rothengraben bei Weidling am Bach vor. 

Ribes petraenm Wulf. Auch ich fand diesen Strauch in fast allen 
Wechselgräben, selbst ganz nahe bei Mariensee. (Neilreich, Wo- 
toszczak.) 

Papaeer Ärgemofie L. Auf wüsten Plätzen vor der Belvederlinie» 
Glaucium comiculatum Curt. In Sandgruben bei Liesing. 
Cardamine trifolia L. Nach Neihreich auf Sandstein in der näheren 
Umgebung Wiens selten, der nächste Standplatz dürfte der von 
mir in obersten Theile des Steinbachthaies gefundene sein. 

Lepidium perfoliatum L. Im oberen Belvedere. 

Isatis Hnctoria L. An Strassen um Gutenhof. 

Erucastrum obtusangulum Reich. Rechts vom Fusswege von Liesing 
nach Rodaun, am Bache besonders bei der Brücke gegenüber 
. dem Bräuhause. 
• — Pollichii Seh. et Sp. Das nach Neilreich auf allen Donauinseln 
von Mautern bis Hainburg vorkommt, fand ich im milden Winter 
1873 am 4. Jänner in schönster Blüthe und zwar in grosser 
Menge im unteren Prater und überhaupt längs des Ufers von 
der Sofienbrücke abwärts. 

Spergtda arvensisL. \,trachysperma, welche auf Brachen des Wald- 
viertels und der Schieferberge in den Kreisen Unter- Und Ober- 
, Wienerwald gemein und oft ein lästiges Unkraut, im Wiener 
. Becken dagegen selten und mehr zufällig ist, fand ich in der 
neuen Anlage vor dem Schwarzenberggarten 1871 an einer 
Stelle in grosser Menge; ferner im selben Jahre häufig in der 
Au links hinter dem Freibade. 

Silene conica L. Einzelne Exemplare im hinteren Prater 1870. 

Malta borealis Wallm. Um Gutenhof häufig. 

Äbuülon Avicennae Gärtn. Zufällig in mehreren schönen und reichlich 
fruchtenden Exemplaren auf Sandhaufen vor dem Arsenal mit 
Amaranthus silvestris Desf. 

Euphorbia nicaeensis L. An Strassen und Wegen bei Gutenhof. 

Oxalis stricta L. In Dornbach und auf der Sofienalpe am Rande von 
Peldem. 

Sanguisorba officinalis L, das in den Thälern der Sandsteinzone selten 
ist und bisher daselbst nur bei Laab, Breitenfuhrt, Kalksburg und 
Scheiblingstein gefunden wurde, kommt auch auf der Rohrer- 
wiese im untersten Theile derselben vor. 



125 

Medicago minima Lam. Bei der Stadlauer Brücke, in Gräben. Ist für 
den Prater neu! 

Lotus tenuifolius Reich, fi. germ. Auch hinter dem Freibade und auf 
feuchten Wiesen bei Parndorf. 

Astragalus sulcatus L. wird in Bayerns Praterflora nicht aufgezählt, 
kommt aber jedes Jahr an entsprechenden Plätzen im hinteren 
Prater vor; auch beim Arsenal. 

Lathyrus satitms L. wird bei Wr. Neustadt auf Aeckern im Grossen 
als Futterpflanze gebaut. 
— palustris L., das bisher südlich von der Donau nur in den 
Sümpfen bei Moosbrunn, Himberg etc. gefunden wurde, kommt 
auch in denen zwischen Brück und Wilfleinsdorf mit Senecio 
paludosus L. vor, stellenweise häufig. 

Vicia lutea L. wurde bisher in Niederösterreich überhaupt noch nicht 
beobachtet. Ich fand einzelne Exemplare dieser Pflanze, wie be- 
reits mitgetheilt, auf der Haide des Laaer Berges. Ist jedenfalls 
nur« als ein Flüchtling, der mit Getreide eingeschleppt wurde, zu 
betrachten. Doch ist das Vorkommen dieser Pflanze desshalb 
beachtenswerth , weil sie nicht so wie die meisten der ungari- 
schen Flüchtlinge im Wiener Becken ihre westliche Grenze fin- 
det^ sondern in ganz Deutschland an zahlreichen Punkten vor- 
kommt ^ so z. B. im Gebiete des Rheins und Mains etc., wäh- 
rend z. B. Astragalus sulcatus und asper ^ Lepidium perfoliatum, 
Althaea pallida und zahlreich andere Pflanzen, die zeitweise, wie 
Astrag. sulcatus z. B. in den 40ger Jahren, ganz verschwunden 
waren, über Wien hinaus noch nicht vorgedrungen sind. 



-«0**^ 



Dianthus vnemhranaeeus n. sp. e sect. 

^^Carthusiani Boiss.^^ 

Auetore Dr. Vincentio de Borbäs. 

Glaucescens; caudiculi ...?, rami annolini 0*18 — 0*30 Mm. alti, 
oylindrici, inferne scabriusculi, superne laeves, folia infima vaginantia^ 
breviora, ut in D. collino W. Kit. et D. trifasciculato Kit. in squa- 
mas reducta, superiora internodiis paulo longiora, vel aequalia, 
paria duo suprema iis breviora, lineari-lanceolata, basim versus mi- 
nus angustata, apice longo ex sensim acuminata supra subtusque 
scabrida, margineque scaberrima, 4"^ lata; vaginae foliares 
10"*"^ longae; inflorescentia capitata, vel caule apice bifido 
fasciculata, 2 — 6flora; pars phyllorum involucri inferior in 
squamas dilatata (inde stirps^ D, collino W. Kit. facie plane si- 
milis in sectionem y^Carthusiani Boiss.'^ [Fl. or. I. p. 481] transgre- 
ditur), oblonga in apicem herbaceum, calycem, nonnunquam flores 

Oesterr. botan. Zeitsclirift. 4. Hefl. 1876. 10 



126 ' 

quoque cxcedentonl scnsim attcnuata; squamaö late ellipticae, 
scariösae, 6"" longae, membrana 2"°" lata marginatae, in 
aristam scariosam vel herbaceam 2""* longam abrupt im termi- 
natae, calycem dimidium aequantes; calyx 14 — 17"^ longus^ 
dense striatus, apice purpurascens, non attenuatus, dentes obtusiusculi, 
mucronati saepius acuti vel acuminati; lamina petalorum purpurascen- 
tium intus parce barbulata, subrotunda^ in unquem triplo longiorem 
attenuata, apice dentibus densis acuminatis; Capsula oblongo-tetra- 
gona, tubo calycis aequalis, semina non satis matura subrotunda, 
membranacea. 

Stirpem hanc Diantho cöllinq W. Kit. intermixtam a deserto 
Elisabethgradensi Rossiae ill. Dr. E. Lindemann mecum benigniter 
commuhicavit. lUe 16. Aug. ann. 1873 invenit. 

Die in der Tracht dem D. collinus gleichende Pflanze tritt durch 
die in scariöse Schuppen ausgebreiteten Hüllblätter in die y^Carthu^ 
siani Boiss.^ -Gruppe über, und es ist mehr als wahrscheinlich, dass 
sie ein Hybrid des D, collinus und einer Art der genannten Gruppe 
ist. Die Blätter sind länger, weniger rauh, als die des D, collinus^ 
der Stengel ist auch kahler; die Länge der Blattscheide, die büschel- 
förmig zusammengezogenen Cymen, die scariösen Schuppen und die 
kleineren Blüthen, wodurch mein D. memhranaceus auch von P. 
montanus WK^ D. caucas'eus Svais, Bot. Mag. t. 795! weit verschieden 
ist, Weisen auf eine kahlere, langscheidige, dichtköpfige Art der 
y^Carihusiani Boiss.''- Gruppe hin, vielleicht auf den D, polymorphus 
M. B. (D. diuHnus Kit. kOnigl. Herb, in München!), welcher gleich- 
falls ähnliche, breithäutige Schuppen hat. lieber dem Zweigpaar eines 
meiner Exemplare sind die obersten Blattscheiden in eine Lamina 
ausgebreitet; die Kelchzähne sind an einigen Exemplaren (3in wenig 
stumpf wie bei dem D. polymorphus M. B. 



Ueber einige Pflanzen, insbesondere der österr.-ungar. 

Flora. 

Von J. Freyn. 

1. Mtanunculus eluterophylloM (L. sp. pl. ed. I. p. 555! 
[excl. syn. Column.]). — Ä. Agerii Berlol. mem. sopra due spec. 
nov. pag. 5. tab. 1 ex ej. flora Italic» V. pag. 524 ! Ä. peloponne- 
siacus Boiss. diagn. or. ser. I. 63. — Flora Orient. I. pag. 28! — 
Perennis flagelli brevissimi edens, radice grumosa; gruma ovata 
subcylindribusve collo nudo; foliis radicalibus longo petiolatis, pri- 
mordialibus ovato-reniformibus plus minusve grosse crenatis vel.lo- 
batis, reliquis ambitu ovalo-triangulari sub-biternato-pinnatisectis, 
lobis obovatis vel breve lanceolatis obtusis; petiolis et costa 



127 



sparse pilosis vel glabris; caule örecto subunifloro parce piloso. supra 
medio foliis trifidis submonophyllo; calyce initio patente paulo post 
anthesin (Jemum reflexo; petalis obovalis calycem duplo superan- 
tibus luteis superne nitidis; „spica ovata, carpellis ovatis in rostrum 
eis brevius infimarum incurvum aliarum rectum abeuntibus^ (fide 
Boiss., fructum non vidi). 

Distrib. geogr. Italia (Bononia: J. Bauhin, Bertoloni), Istria, 
Graecia, Creta, Byzantium, Bithynia, Phrygia, Caucasus orientalis. 

Comparavi specimina graeca („coUes elati argolidis et Arcadiae 
Apr. 1842." Boiss. (sub Ä. peloponnesiaco; „in monte Parnethi prope 
Dekeleiam alt. 2500-3000' 14. Apr. 1873." Heldreich I sub R. pelo- 
ponnesiaco) et istrica („Wiesen von S. Feiice bei Rovigno. 15. Apr. 
1872" Marchesettil „Raine der Olivengärten bei S. Giovpnni am Ka- 
näle von Leme 2. Mai 1875" leg. ipse! colitur in horto tergestino 
chiadino dicto, Tommasini D 

Dieser Ranunkel ist von dem vor virenigen Jahren bei Rovigno 
in Istrien entdeckten Standorte neuerer Zeit mehrfach in die Her- 
barien gelangt. Unter Anderen befindet er sich von dort im Herbar 
der zooL-botan. Gesellschaft in Wien von Dr. Marchesetti gesammelt 
(als Ä. chaerophyllos), ferner hat sie Baenitz in seinem Herbar. eur. 
von Heldreich unter Nr. 2047 als R. peloponnesiacus aus Griechen- 
land gegeben, und ich selbst versendete diese Pflanze im vor. Jahre 
mehrfach als Ä. Agerii ebenfalls von Rovigno. — Ich habe noch vor 
Kurzem die Identität dieses Hahnenfusses mit Ä. chaerophyllos L. 
bezweifelt und auch für die Rovigneser Pflanze auf Grund der Bois- 
sier- und Heldreich 'sehen Originale den Namen Ä, peloponnesiacus^ 
beziehungsweise Ä. Agerii in Anspruch genommen, da Janka die 
Identität dieser beiden Namen schon früher einmal nachgewiesen hat 
(confr. auch diese Zeitschrift XX, p. 111!) und demnach dem Berto- 
lonischen Ä. Agerii die Priorität gebührt. Indessen hat erst kürzlich 
Tommasini das Zusammenfallen des Ä. Agerii mit Ä. chaerophyllos L. 
auf Grund der Standorte und Synonyme nachgewiesen und mir hie- 
ven brieflich Mittheilung gemacht. — Linn6 beschreibt nämlich (Spec. 
plant, ed. I. p. 5551) den Ä. chaerophyllos wie folgt: Ä. chaeroph. 
calycibus retroflexis, pedunculis sulcatis, caule erecto, foliis 
compositis, radice granulosa, wozu er anzieht: Guett. stamp. 275; 
Dalib. paris 1661 (enthält wörtlich Linnö'^ Diagnose). Ä. chaerophyl- 
los, asphodeli radice Bauh. pin. 181. Barr. ic. 581, — endlich Ran. 
montanusy leptophyllus, asphodeli radice column. ecphr. I. p. 312. 
t. 311! — Letzteres Synonym ist jedoch sofort auszuschliessen, da 
es einen Ranunkel mit angedrücktem (nicht zurückgebrochenem) Kelch, 
nämlich Ä. millefoliatus Vahl. darstellt. Ausser dem schon erwähnten 
Citate aus C. Bauhini Pinax Theatri botanici führt aber Linne (sp. pl. 
ed. n.) desselben Autors Ranunculus grumosa radice folio Ranun- 
culi bulbosi (Pinax p. 181 und Prodr. p. 96) an. Dort heisst es aber 
im Texte: „hie Ranunculus agris bononiensibus familiaris est et a 
D. Agerio collectus" und „hujus etiam nominimus in Phytopinace sub 
Banunculo recemosa radice Joh. Bauhini, qui in montibus bononien- 

10 * 



128 

sibus reperit.^ Bei Bologna kommt aber aus dieser Verwandtschaft 
nur jene Art vor, welche Bertoloni 200 Jahre später dem Strass- 
burger Professor Agerius (Ackermann?) zu Ehren R. Agerii benanst 
hat unter ausdrücklicher Anrufung der eben benannten Bauhin'schen 
Werke! Es ist also zweifellos, dass R, Agerii Bertol. unter dem 
Linnö'schen R, chaerophyllos inbegriffen ist, sogar an einem Origi- 
nalstandorte des letzteren vorkommt. — Es bliebe demnach noch die 
von Linn6 ebenfalls bezogene Abbildung 581 in Barrelier's „Plantae 
per Galliam, HiSpaniam et Italiam observatae^ zu erörtern übrig. 
Diese stellt den R. tenuifolius luteus grumosa radice Saractensis seu 
italicus^ dar und wird von Bertoloni (Fl. ital. V. 525) zu seinem 
R. Chaerophyllos gebracht, welcher aber, wie in Folgendem gezeigt 
wird, mit R, flabellatns Desf. identisch ist und ebenfalls ange- 
drückte, keineswegs zurückgebrochene Kelche hat. Diesem 
nach ist das oben erwähnte Citat Barrel. Ic. 581 ebenfalls auszu-* 
schliessen und für die Definition des R. chaerophyllos bleibt Linn^'s 
präzise Angabe „calyx reflexus^ und die ebenso bestimmten Bauhin'- 
sehen Nachweisungen allein übrig. — Eigentlich wäre auch noch 
das Citat „Guettard estampes 275" zu untersuchen. Das Werk ist 
mir aber nicht zugänglich, und es ist schliesslich auch gleichgiltig, 
da Linn^'s Beschreibung im Vereine mit d^n Bauhin'schen Angaben 
zwingend auf R. Agerii Bert, und mit diesem auf R. peloponnesiacus 
hinweist. Wollte man jedoch für die eben besprochene Art den Namen 
R, Ageri Bertol. aufrechterhalten, so muss man den ohnehin vielfach 
missdeuteten Namen Ran. chaerophyllos L. ganz kassiren, darf ihn 
aber keinesfalls auf die folgende Art übertragen, wie es Bertoloni und 
Boissier thun. 

2. RanunctUuM flabellatus (Desl Fl. atl. I. 438. tab. 1141), 
R, chaerophyllos Bert. fl. ital. V. 525! — Bolss. fl. Orient. I. 311 — 
Perennis, flagelli brevissimi edente, radice dense grumosa, grumis 
parvis, ovatis; collo densö reticulato-fibroso; foliis radicalibus 
longo petiolatis, primordialis ovato-reniformis, lobatis et in toto am- 
bitu inciso'Crenatis vel flabelliformibus in apicem dentatis, reliquis 
triangulari-ovatis, sub-bitornato-pinnatisectis, lobis cuneatis acu« 
tis, petiolis foliisque plus minusve dense adpresse hirsutis; caule 
erecto, subunifloro, hirsuto supra medio bi- rarius unifolio; foliis 
caulinis hirsutis subtrifidis, laciniis pinnatisectis vel simpUcis, calyce 
adpresso vel patente nunquam reflexo, corollae petalis obo- 
vatis, luteis superne nitidis, calycem dimidio longioris; spica cylin- 
drica; carpellis ovatis in rostrum angustato-triangularum subuncinatum 
abeuntibus. 

Distrib. geogr. Tota regio medfterranea europaea, africana 
et asiatica. 

Comparavi specimina hispanica („Algeciras^ Sa. de la Palma, 
26. Apr. 1873« Fritze! — „In pratis prope Escorial [Madrid] 10. Juni 
1873** Torrepando! sub R. chaerophyllo) et istrica („An Gebüsch- 
rändern bei Pomer. 16. Mai 1875 ipse legi! etiam Checco 1845, sed 
Planta indeterminata in herbario Tommasinii!). 



129 

> 

BertoIoDl schreibt in der FlcMra italica unter Anderem seinem 
M. ehaeropkyllos j^foliola calycina patentia^ zu (also nicht ^reflexa'' 
wie Linnd) upd erwähnt ausdrücklich des collo crasso fibris reticu- 
latis stipato." Freilich bringt er dazu (pag. 525) den R. flabellatu» 
Desf. als ^var. ß, habitu grandiore etc.^ Das beweist aber nur, dass 
letztere Art allerdings mit seinem R. chaerophyllos zusammenge« 
hört. Nachdem aber der Name R. chaerophyllos L. unzweifelhaft dem 
R. Agerii Bert, voranzustellen ist, auch die Bertoloni'sche Diagnose 
seines R. chaerophyllos sich im Widerspruche mit jener Linnö's 
befindet, so ist die von Bertoloni gemeinte Art dem R. fiabdlatus 
Desf. unterzuordnen, umsomehr, als Bertoloni selbst die Zusammen- 
gehörigkeit, wenn auch nur varietätsweise, anerkennt. Keineswegs 
darf dafür aber R, chaerophyllos L. geschrieben werden. — Auch 
Boissier schreibt in der Flora or^entalis dem R. chaerophyllos einen 
^calyx adpressus vel patens^ zu Und „collo dense fibrilloso^, bemerkt 
aber schliesslich: Forma orientalis europeae similis est magis quam 
varietati flabellatae (R, flabellato Desf.) in qua iudumentum magis 
adpressum et carpella brevius rostrata sunt." — Also ist auch die 
Boissier'sche Art von R. ftabellatus nur durch sehr relative und 
ziemlich nichtssagende Kennzeichen verschieden, also nicht zu unter- 
scheiden, um so mehr, als ihr die für R. flabellatus so charakteri- 
stischen (und dem wahren R. chaerophyllos L. fehlenden) beiden 
Merkmale des calyx patens und collus fibrillosus wie bei Bertoloni 
zugeschrieben werden. Sie fällt also ebenfalls mit R. flabellatus Desf. 
und nicht mit R. chaerophyllos L. zusammen. 

CFortsetaang folgt.} 



•VO'CSO'O«»- 



Die Isarinseln bei Tolz. 

Von Dr. H. Schäfer. 

Ein längerer Aufenthalt in Tölz, am Fusse der baierischen Al- 
pen, gab mir in diesem Sommer Gelegenheit, die Flora jener Gegend 
kennen zu lernen. Da das Wetter an vielen Tagen von weiteren 
Ausflügen, besonders von Bergfahrten^ zurückhielt^ war ich auf die 
nähere Umgebung des Ortes angewiesen, und so fand ich Veran- 
lassung, häufiger^ als sonst wohl geschehen wäre, die Inseln zu be- 
suchen, welche die Isar in der Nähe von Tölz bildet. Das breite Bett 
des Flusses, welches derselbe wohl nur selten ganz ausfüllt, begün- 
stigt die Bildung von GerOUablagerungen, die sich allmälig über das 
Niveau erheben und Inseln bilden. Solche Inseln bestehen dem geo- 
gnostischen Baue des umgebenden Gebirges entsprechend, ausschliejrs- 
lich aus Kalk; man benützt und brennt denselben in vielen Oefen, 
die sich an den Ufern des Flusses befinden. Das Entstehen und die 
Form «ier Kiesablagerungen wird durch die Strömung der Hauptarme 
des Flusses bestimmt, und da diese nur selten das eigentliche Ufer 



130 

berühren, so sind die dem Ufer nahen Inseln nicht, wie e^ bei den 
in der Mitte gelegenen geschieht, steten und schnellen Veränderungen 
unterworfen. — Die Vegetation der Inseln gibt den besten Aufschluss 
tiber das Alter derselben. Die Uferinseln zeigen einen entwickelten 
Pflanzenwuchs, besonders treten strauchartige Gewächse zahlreich 
auf, unter denen Erlen und Weiden vorherrschen, so dass das Ganze 
den Charakter eines Sumpfgebüsches erhält. Die Inseln in der Fluss- 
mitte erscheinen mehr oder weniger nackt, sind es aber nur in den 
ersten Wochen nach ihrem Entstehen. Die ersten Ansiedler — Hie- 
racium florentinum^ Hier, staticaefolmtn^ Buphthalmum saUcifoUum, 
Chondrilla praenanthoides, Carduus defloratus, Calamagrostis litto-^ 
rea treten sehr bald, aber getrennt durch grosse Zwischenräume auf, 
so dass der Eindruck einer kahlen Fläche nicht geändert wird. 

Die Pflanzenwelt dieser Inseln unterscheidet sich von derjenigen 
der Ufer wesentlich, da in der ersteren Elemente auftreten, die der 
zweiten völlig fremd sind. Der Grund hiervon liegt in dem Umstände, 
dass mehrere Faktoren, ich unterscheide deren vier, sich an der Zu- 
sammensetzung der Vegetation betheiligen. Der Fluss nebst seinen 
Zuflüssen aus dem Hochgebirge sowohl, als die Seitenflüsse tragen 
die Samen von Arten herbei, einige Spezies haben ihre eigentliche 
Heimat auf derartigen Kiesablagerungen, ohne sich an dem begren- 
zenden Ufer anzusiedeln, endlich sind viele Arten vom Ufer her auf 
die Inseln übergeführt. 

Die nachfolgenden Angaben sind die Ergebnisse von Exkur- 
sionen, die ich nach den meisten Inseln unternahm, welche von 
unterhalb Tölz flussaufwärts bis Lenggries liegen — eine Strecke 
von circa drei Stunden. — Ausserdem besuchte ich das Isarthal 
zwischen Fall und Vorderriess zwischen dem Einfluss der Ache und 
der Riess. 

Eine Gruppe von Arten, die weit verbreitet auf den jüngsten, 
wie ältesten Kiesbildungen vorkommen, darf man als die Bürger 
dieser Ablagerungen bezeichnen, da sie meist weder im höheren Ge- 
birge sich finden, noch auf das Ufer übertreten. — Petasites nieeus, 
(1700—6300')*), Chondrilla prenanthoides (,ibßO—SAOO% Hieracium 
florentinum (1560—3660'), Hier, glaucum (1600—5800'), Calama- 
grostis littoralis (1200 — 2850') sind als selten fehlende Spezies zu 
nennen und ebenso Myricaria germanica (900 — 3400'), die nlit Al-^ 
nus pubescens und A. glutinosa^ Salix purpurea, S. incana^ und S. 
daphnoides die Gebüsche der Inseln bildet. Equisetum variegatutn 
(800 — 3200'), das auch bei uns am Harz an ähnlichen Orten sich 
findet, sammelte ich nur einmal in der Nähe von Lenggries. 

Von dem Samen, den das Wasser aus dem Hochgebirge herab- 
führt, findet ein Theil die nöthigen Existenzbedingungen auf den Kies- 
anhäufungen und gelangt zur Entwicklung. Nicht alle Arten, welche 



'*') Die beigefügten Zahlen geben die Grenzen nach unten und oben, 
welche Sendtner in „Vegetationsverhältnisse von Südbaiern" als für die bai- 
rischen Alpen geltend anführt. 



131 

50 in diesen niederen Regionen einen sekundären Verbreitungsbezirk 
gewonnen haben, könnten sich in demselben völlig einbürgern. 

Die einen kommen in üppigen Exemplaren und weit verbreitet 
• — oft streckenweise ausschliesslich den Boden bedeckend — auf 
den älteren Inseln vor, andere finden sich nur auf den jüngeren In- 
seln und meist einzeln; fehlen stets auf den älteren. Der Same, 
welchen diese Arten bilden, bleibt wahrscheinlich entwicklungsun- 
fähig. Keineswegs ist dieser Unterschied im Verhalten alpiner Pflanzen 
abhängig von den vertikalen Grenzen im umgebenden Gebirge, es 
geht diess aus den beigesetzten Zahlen hervor^ die ebenfalls Sendtner 
entnommen sind. 

Völlig eingebürgerte, alpine Pflanzen der Isarinseln sind: GypscH 
phila repens (1500—6900') Dryas octopetala (5100—7200'), Cam^ 
panula pusillä (4170 — 75000, Euphrasia scUisburgensis^ Globularia 
cordifolia (1250—6800'), Poa alpina (4100—7900') ausserdem im 
Isarbette 1550'. Nur sporadisch kommen vor: Hutchinsia alpina (5300 — 
8230'), Saxifraga aiwides (3100*) — 7600'). Hierher würden auch 
Ärabis alpina^ Silene rupestris, Linaria alpina und Poa cenisia ge- 
hören, die Sendtner für die Isarinseln angibt, von mir aber nicht ge- 
funden wurden. 

Die Betheiligung der Vegetation der Ufer an der Bildung der 
Flora dieser Ihselii ist eine bedeutende, denn die. meisten Arten^ 
welche sich hier finden, sind zugleich Bewohner des Ufers. Wieweit 
Wind und Wasser beitragen, diese Uebereinstimmung hervorzubringen, 
lässt sich aus der Beschaflbnheit der Samen ungefähr folgern. Neben 
Arten, die sich auf kahlen Flächen leicht ansiedeln, fehlen den Inseln 
nicht Arten, welche den Abhängen der Isarufer bei Tölz, z. B. dem 
Kalvarienberge, charakteristisch sind: Dorycnium suffruticosum, Car-- 
duus defloratus^ Erica carnea^ Calama^rostis montana. Buphthalmum 
salicifolium gehört zu den häufigsten Pflanzen der steilen Flussufer 
und tritt auf den Inseln als eine der ersten und verbreitetslen Arten 
auf. Weitere Arten, die ich auf den Isarinseln sammelte, sind: Ra- 
nunculus acris, Barbarea vulgaris, Spergula nodosa, Hypericum per^ 
foratum, Lotus corniculatus, Hippocrepis comosa, Sedum acre, An- 
gelica sihestris, Galium Mollugo^ Knautia silvatica, Erigeron acre 
und E, dröbachensis y Pulicaria dyssenterica, Achillea Millefolium, 
Centaurea Jacea, Leontodon hastilis, Campanula rotundifolia und C. 
Trachelium, Euphrasia officinalis, Mentha sihestris, Thymus ser^ 
pyllum, Prunella grandiflora^ Thesium pratense und Th, rostratum^ 
Epipactis palustris, Tofjeldia calyculata, Juncus compressus und J. 
articulatus. Carex flacca, Agrostis alba und A, vulgaris, Sesleria 
coerulea, Poa annua und compressa, Molinia coerulea. Wenn die 
Verbreitung dieser Arten auch keine gleichmässige ist und die einen 
häufiger, die anderen weit seltener auftreten, lässt sich hieraus ein 



*) Die untere Grenze liegt tiefer. An der Strasse von Tölz nach Vorder- 
riess (bei Fall) fand ich S, aizoides in vielen Exemplaren dicht neben dem 
Wege, der ca. 2250 Fuss hoch liegt. 



132 

Bild der eigenartig zusammengewürfelten Vegetation dieser Inseln 
entnehmen. Arten, die sonst auf Gebüsche beschränkt sind^ tretea 
neben Wiesonbewohnem, Pflanzen, die einen sehr trockenen Stand- 
punkt lieben^ neben solchen, die Moor- und Sumpfpflanzen sind, auf. 
Das augenfälligste Beispiel bot sich mir zwischen Fall und Vorder^ 
riess, wo das ganze Thal der Isar von derartigen Kiesmassen be- 
deckt ist. Hier fand ich dicht neben alpinen Arten, wie Globularia 
cordifolia^ Dryas octopetala, Schoenus ferrugineus, das ich auch 
m der Nähe von Tölz an den feuchtesten Stellen von Wiesenmooreu 
sammelte. — An gleicher Stelle traf ich einige Exemplare von Gen^ 
tiana acaulis und eine eigenthümlich verkümmerte Form von Äeena 
satwa, deren Halm nur wenige (2 — 6) einblüthige Aehrchen trug, 
die Spelzen selbst waren grannenlos L 

Dass auch die Nebenflüsse^ die aus den Verbergen der Alpen 
der Isar zufliessen, beitragen zur Gestaltung der Vegetation dieser 
Inseln^ lässt sich als bestimmt voraussetzen, doch möchte in den 
meisten Fällen ein direkter Nachweis schwer sein und müsste eine 
Spezies betrefibn, die weder im Hochgebirge, noch an den Flussufem 
sich findet. Ein einziges solches Beispiel bot sich in Euphorbia stricta, 
welche in den 3 — 4000 Fuss hohen Bergen um Tölz verbreitet zu 
sein scheint, denn Sendtner gibt sie für den Geysacher Berg an (zu- 
gleich ihr höchstes Vorkommen bei 3500^); ich fand sie an mehreren 
Stellen am Abhänge des Blomberges, während ich sie nie in Gebü-* 
sehen in der Nähe des Flusses fand. Von dieser Pflanze fand ich 
einige Exemplare auf einer Insel, die etwas unterhalb eines Baches 
liegt, der vom Blomberge her kommt. 

Leider fehlte mir die Gelegenheit^ den obersten Lauf der Isar 
und die Thäler der Ache und der Riess kennen zu lernen, deren 
Kiesbildungen manche interessante Erscheinung der Vegetationsent«« 
Wicklung zeigen dürften. 

Seesen a. H., am 6. Jänner 1876« 



Das Pflanzenreich 

auf der Wiener Heltavsstellang iin Jahre 1873. 

HotnM iiber die expouirten Miiiieii,PiliDze8rolutoireiiiidProdol^ sowie iäier ihre bildlichen Dantelmgea. 

Von IVanz Antoine. 

CFortsetsung.') 

Narkotische Pflanzen. 

Areca Catechu L. (Areca). 
Chavica betel Miqu. 

Cannabis sativa L. Aus dieser Pflanze werden 6 verschiedene Prä-» 
parate erzeugt, u. zw.: 



133 

1. Hachich, hierzu werden die Spitzen des FruchtstaadeSy bevor die 
Samen ausreifen, genommen. 

2. Bhang besteht aus den ausgewachsenen Blättern und Kapseln. 
Es wird hieraus ein berauschendes Getränk bereitet und ist zu-^ 
gleich ein Bestandtheil des ,,Majoon^ eine Art Zucker werk. 

3. Gunjah ist der getrocknete Blüthenstand nach dem Verblühen, 
woran das ausgeschiedene Harz nicht entfernt ist und dient zum 
Rauchen. 

4. Churrus ist das ausgeschiedene Harz allein, und ist zugleich das 
kräftigste Mittel, welches die Hanfpflanze ausscheidet. In Nepal 
und Central-Indien geschieht die Einsammlung desselben da- 
durch, dass in Leder gekleidete Männer die Pflanzungen durch-« 
dringen und das an ihren Kleidern haftende Harz sodann abge^ 
streift wird. In manchen Gegenden wird die Pflanze 10 — 14 
Fuss hoch. 

5. Bei Erzeugung von Latwergen etc. wird Butter, andererseits 
auch Honig, mit dem Harze vermischt. Die gewöhnlichste Mischung 
des Hachich Kawamesk besteht aus Moschus^ Rosen- u. Mandel- 
Essenz. 

6. Chataraky, eine Tinktur der Hanfpflanze, welche in Cairo erzeugt 
wird, und ist eine Infusion mit Weingeist. 

Die vorgelegten Blüthenstände zeichneten sich durch besondere 
Grösse aus. 

Nicotiana Tabacum L. In 36 Mustern, grösstentheils verarbeitet. Sie 
vnrd in allen Dörfern gebaut. 

Papaver somniferum L Opium, lag in grossen Broden in 12 Mu- 
stern auf. 



Gummi und Harze. 

Obschon die Ausstellung mit Gummi und Harzen reich beschickt 
wurde, so glaubt man doch, dass die Pflanzenwelt Indiens noch viel 
zu wenig durchforscht sei, und man in dieser Richtung noch eine 
viel grössere Ausbeute erzielen kann. 

Butea frondosa Roxb. (Butea Kino, 
Gond Pallas). Stoff zum Roth-^ 
färben. Im Wasser leicht lös- 
lich. 

Bosfcellia Bhau^dagiana Roxb* 
(Arabian olibanum). 

— thurifera Roxb. (Salla). Eine 
Art Weihrauch fiir die Tempel. 

Balsamodendron myrrha Link. 
(Myrrh). 

— Roxburghii (Bdellium). 

— sp. 
Buchanania latifoUa Roxb. (Gond 

Gheronji). 



Äcacia arabica Willd. (Babool, 
Kara valum). 

— leucophlaea Willd. (Velvalum). 

— speciosa Hort. (Vaghay). 

— Catechu Willd. (Gond Katta, 
Kheir gum). 

AzadircLchla indica Juss. (Neem 

gum). 
Albiszia odoratissimaCAcac, odora- 

tissima Willd.) (Sella Woonga). 

— Lebbek Ucacia) Willd. (Kat- 
a-va). 

Aüanthus malabaricus DG. (Pee, 
Mutti pal; Peru gonthoo). 



134 



Bischofia jaf>anica Blum. (Sala). 

Canarium strictüm Roxb. (Black 
Dammar). 

Chloroxylon Stoietenia DC. 
(Broshoo). 

Conocarpus latifolius Roxb. (Numa, 
Veckale, Gond Dhowar). Im 
Gebrauche wie arab. Gummi. 

Chicarissa iabularis (Vemboo). 

Cochlospermum Gossypium DC. 
(Kuteera gum). 

Dipterocarpus grandiflorus Wall. 

Dammara orientalis Lamb« (Dam- 
mar). 

Dorema ammoniacum Don. (Gum 
ammoniacum). 

Eriodendron anfractuosum DC. 
(Kat-EIevam). 

Emblica officinalis Gäert. (Nelli- 
Kai). 

Ficus elcbsHca Roxb. 

Feronia Elephantum Correa (Ve- 
lar). 

Garcinia pictoria Roxb. (Mysore 
Gamboge). 

Gardenia lucida Roxb. (Gond Di- 
kamalli). 

— gummifera L. fil. (Dikamalli 
resin). 

Garcinia Morrella Desf. (Gamboge). 
Grislea tomentosa Roxb. (Dhawa 

gum). 
Hopea odorata Roxb. 

Gerbe- und F 

Acacia arabica Willd. (Babool). 

— Catechu Willd. (Catechu). 
Adenanthera Pavonina L. 
Berberis aristata DC. 

Butea frondosa Roxb. (Kesu, Mu- 

tugada, Hurou). 
Bixa Örellana L. (Rangamal Kai, 

Annato). 
Caesalpinia Coriaria Willd. (Divi- 

Divi). 

— Sappan L. (Bakam). 
Cassia auriculata L. 

— fistuloides CoUad. 



Hopea pareiflora. 
Hardwickia pinnata Roxb. 

(Acha). 
Mangifera indica L. (Mango)^ 
Macaranga tomentosa \l ight. 
Narthex Asafoetida Falc. 
Odina Wodier Roxb. ( Wodier gum). 
Pistacia Lentiscus L. 
Prosopis spicigera L. (Parabay)* 
Pterocarpus Marmpiutn Roxb. 

(Vengai, Kino). 
Pentaptera <omen^o«a Roxb.(Sadra). 
Penaea mucronata L. (Gum Sarco- 

coUa). 
Shorea robusta Roxb. (Sau! tree 

gum, Gond Ral). 
Sterculea urens Roxb. (Kuteera, 

Gond Khurroo). 
Styrax Benzoin Dryand. 
Semecarpus Anacardium I«. fil. (Sa- 

rang Kottay). 
Tamarindus indica L. (PuUia). 
Thespesia populnea Correa (Po- 

rasu). 
Therminalia angustifoliaJ9icq.(}llum 

gachi). 

— tomentosa Wight el Arn. (Ba- 
napu). 

Trachylobium mosambicense Klotsch 

(Gum animi). 
Vateria indica Gaert. (Guni piney, 

Dupada). 

ärbepflanzen. 

Cassia tora (Thungadi beeja). 

— auriculata (Auvarikay huvu). 
Curcuma longa L. (Araschima). 
Calysaccion longifolium Wight 

(Suringee). 

Carthamus tinctoriusL.(K\ksnmhfO- 
Coscinium fenestratum Colebr. 

(Harada arashna). 
Cupressus sempervirens L. (Maji). 
Cuscuta reflexa Roxb. (Akas bei). 
Cedrela Toona Roxb. (Toon). 
Calendula officinalis L. 
Coptis tecta (Mishmee tecta). 






135 



Crocus satieus L. 

Cinnamomum Cctssia BI. {Darchini, 
Tamal patra, die Blätter; Kala 
Nagkessar^dieBlumenknospen). 

Citrus Bergamia Risse. 

Delphinium sp. 

— saniculaefolium (Ispruck). 
Datisca cannabina L. (Akalbir). 
Emblica officinalis Gaert. (Aomla). 
Grisela tomentosa Roxb. (Dhawa 

Kaphul). 
Hedyotis umbellata Lam. 
Haematoxylon campechianum L. 

(Logwood). 
Indigofera tinctoria L. (Neeli). 
Jatropha Manihot L. 
Lawsonia inermisL. (Merkoi,Mendi, 

Henna). 
Mangifera indica L. (Ambosi). 
Mörinda citrifolia L. 

— tinctoria Roxb. (Aal). 

— nmbellata L. (Maddichukka^ 
Mungkudee). 

Memecylon tinctorium Willd. (Ulli 

yella). 
Myrica sapida Wall. 
Nyctanthes Arbor tristis L. (Guti 

harsingar). 
Nauclea gambir Hunt. (Gambir). 
Nipa fruticans Thunb. (Oom-tari). 
Oldenlandia umbellata L. (Chiri- 

veru). 
Onosma Emodi Wall. (Rutton). 

— echioides L. 

Gespinnst 

Agave vieipara L. Stricke und 
Matten von schöner, weisser 
Färbung. 

— americana L. Drei Fuss lange 
Fasern. 

Abelmoschus esculentus Medic. 

(Okro). 
— ficulneus Wight et A. (Bhindi). 
Acacia alba Willd. (Bake). 
Arenga saccharifera Labil. (Go- 

muli)^ Schwarze, pferdehaar- 

ahnliche Fasern. 



Pterocarpus Draco L. (Khunsuah 
woshan). 

— santalinusiRvkiii chandan^ Pa- 
langa). 

Punicä grahatum L. (Naispal). 
Pyrus communis L. (Kischta). 
Parmelia Kamtschadalis (Chuche- 

leera). 
Pistacia eera L. 
Phyllanthus Embelica L. 
Quercus infectnria Oliv. (Mayn- 

phui). 

— tinctoria Willd. 
Rhizophora mtu^ronata Lam. 

— sp. 

Rottlera tinctoria Roxb. (Kapila 

podi). 
Rubia Munjista Roxb. (Munjustee). 

— cor.difolia L. (Munjeet). 
Saleadora (Embelia) indica Gmel. 

(Sind). 
Symplocos racemosa Roxb. 
Terminalia chebula Roxb. (Hinay, 

Herda, Alalakai, Myrabolans). 

— Bellerica Roxb. 

— citrina Roxb. (Haris). 
Tamarix furas? 
Tamarindus indica L. (Amlee 

chinch). 
Uncaria Gambier Roxb. 
Ventilago maderaspatana Gaertn. 

(Poplichukka, Populi chukkay). 
Wrightia tinctoria R. Br. (Indigo). 

-Pflanzen. 

Anthericum muricatum Thunb. 

(Khus-khus). 
Andropogon intolucratus König. 

(Bunkup). 
Amphidonax bengalensis (Nurkool). 
Anemone obtusiloba Don. 
Abroma Augusta L. fil.. (Oolüt). 
Abutilon indicum Don. 
Aloe indica. 
Ananassa sativa Lindl. 
Borassus flabelliformis L. (Palmyra 

Palm). Steife, braune, 5 Fuss 

lange Fasern. 



136 



y 



Boehmeria nivea H, et Arn. (Rhea). 

— Puya Hook. (Puyaj. 
Bauhinia ValUii Wight. (Mohalic). 

— scandens L. (Mahwel). 

— racemosa Yahl. (Ari). 
Butea frondosa Roxb. (Pallas). 
Craiolaria juncea L. (Sunn). Sehr 

feine Faser. 

— tenuifoUa Wigbt. (Jubbiüpore 
hemp). 

CWatrapis gigantea R. Br. (Yercum 
Mudar). Sehr feine und weisse 
Fasern. 

— procera R. Br. 
Cocos nucifera L. Kurze, braune 

Faser. 
Careya arborea Roxb. (Koombee). 
Corchonts capsularis L. (Brown 

Jute), 8 — 10 Fuss lange, feiae 

und glänzende Faser. 

— olitorius L. (Jute). 
Caryota wreif^s L; Grobe, braune, 

iVi Fwss lange Faser. 
Corypha Taliera Roxb. (Taliera). 
Cyperus text%lis1\iunh. (Mat gras&). 

Eine 5 Fuss lange und grobe 

Faser. 
Daphne cannabina Lour. (Nepal 

paper bark). 
Eriolaema CandoUei Wall. 
Euphorbia Royleana. 
Eriaphorum camosum Wall. (Bun- 

kuss). Grobe, braungefärbte 

Faser. 
Fourcroya gigantea Vent. 
Ficus indica L. (Bur). 
Grewia elasHca Royle. 
Girardinia heterophylla Decne. 

(Neilgherry nettle). Sehr fein 

und weiss. 

Sterculia ramosa^ Ein dicker lederartiger Bast. 
ürena lobata L. (Bum^okra). 
Urtica heterophylla Wallich (Neilgherry nettle). 
Yucca gloriosa L. (Yucca). 

Die Arten von Baumwollpflanzen, welche vorzugsweise zur Ge« 
winnung der Wolle gezogen werden, sind: 

Gossypium indicum L. und 0. herbaceum L. 



Hibiscus Sabdariffa Perott. (Ro- 
seile). 

— cannabinus L. (Ambaree, 
Pundi). Ziemlich fein und bis 
6 Fuss lang. 

Hardwickia binata Roxb. (Acha), 
Helicteres Isora L. (Murroor, 

Phallie), 
Lepurandra succifera Nimmo (Sack- 

tree-bark). 
Linum usitatissimum L. 
JUusa paradisiaca L. (Platain, Ma— 

nilla hemp). 

— textilis Nees. 
Marsdenia tenacissima W. et Arn. 

(Bkal Jak). 
Morinda citrifolia L. (Mulberry). 
Poederia foetida L. (Bedolee) 

wollartige, 6 Zoll lange Faser. 
Phrynium dichotomum Roxb. (Ma- 

dar patee). 
Pandanus odoratissimus L. (Screw 

pin). Grobes Faser werk von. 

weisser Farbe. 
Sanseviera ceylcnica Willd. Eine 

feine, 2 Fus& lange, weisse 

Faser. 

— cylindrica (Marool). 
Saccharum Munyia Roxb. (Moony). 

Die Faser wird aus der Blatt- 
scheide gewonnen, sobald die 
Pflanze zu blühen beginnt. Sie 
ist grob und misst 2 Fuss in 
der Länge. 

— Sara Roxb. 
Sebania aculeata (Dunchee). 
Sida rhomboidea Roicb. (Sufed Ba- 

riola). 5 Fuss lang, dabei sehr 
fein. 



137 

Andere Arten, als: Gossypium BarbadenseL.^ Goss, Perueianum 
Cav., G. acuminatum Roxb. findei;i sich nur an Tempeln, in Gärten 
u. s. f. vor und erscheinen nie im Handel. 

Der Baumwolle, als Waare in Ballen verpackt, schlössen sich 
viele Photographien an, welche Baumwollpflanzen in den verschie- 
denen Stadien ihrer Entwicklung, Ansichten von Baumwolldistrikten^ 
Werkzeuge und deren Handhabung vorwiesen. 

Schliesslich sind noch die getrockneten Baumwollpflanzen zu 
erwähnen, welche in ganzen Exemplaren zahlreich vorgelegt wurden« 

Pflanzenstoffe zur Papierbereitung. 



Affaee americana L. 
Bambusa arundinacea Hetz. 
Boehmeria Fuja Hook (Puya). 

— nivea H. et Arn. 
Bauhinia purpurea L. 
Broussonetia papyrifera Vent. Mit 

dieser Papiersorte werden vor- 
zugsweise in Rangoon die Son- 
nenschirme überzogen. 

Calatropis gigantea R. Br. (Mudar). 

Crotolarea juncea L. 

Corchorus capsularis L. 

— olitorius L. 



Daphne cannabina Lour. (Pulp). 
Gualteria longifolia Wall. 
Gretoia sp. 

Guaauma tomentosa H. B. K. 
Hibiscus cannabinus L. 
Musa paradisiaca L. 
— textilis Neos. 
Morus indica L. 
Pandanus odoratissimus L. 
Sterculia urens Roxb. 
Urtica heterophylla Vahl. 
Urena lobata L. 
Yucca gloriosa L. 



Photographien. 

Die reichhaltige Sammlung von Photographien enthielt Aufnah- 
men von Rhapis flabelliformis L. fil., Borassus flabelliformis L., Phoe-^ 
nix dactylifera L. und mehrere Baumfarne. Aus Mysore rührte eine 
Casuarinengruppe und ein Mangobaum {Mangifera indica L.) her^ 
aus Bombay die Aufnahme von Cocos nucifera L, des Peepul-Baumes, 
eine Partie des Banackpur-Parkes und eine kolossale Ficus religiosa L. 
Ausserdem waren landschaftliche Ansichten reich vertreten, selbst 
der Himalaya stellte sein Kontingent durch mehrere Gebirgsland- 
schaften, und Simla prangte mit herrlichen Naturszenen und einer 
Winterlandschaft. Ansichten alter Tempel, Gruppen an Tempeln, in- 
nere Gemächer etc. waren der Zahl nach die vorwiegenden und be- 
liefen sich auf beiläufig 260 Stück im Formate von 8X11" in 
vorzüglicher Ausführung. 

Holländische Besitzungen in Indien. 

An einem Kreuzungspunkte der Hauptgallerie mit den Seiten- 
flügeln war die reichhaltig ausgestattete Sammlung der holländischen 
Besitzungen in Indien gruppirt. Es erhob sich eine 36Fuss hohe und 
50 Fuss im Umkreise messende Trophäe, deren Mitte aus senkrecht 
gestellten Kästen bestand, an welche sich Schaukästen in fast hori- 
zontaler Lage anschlössen. 



138 



Samßn und Früchte. 



Ammonium angnstifoKum Soner. 
Areca Catechu L. Die Nüsse sind 

ein wichtiger Bestandtheil zur 

Betel-Bereitung. 
Cocos nucifera L. 
CocctUus indicus, 
,Ccbs$ia fistulosa L. 
Coffea arabica L. In 22 Sorten 

und von verschiedenen Emte- 

plätzen. 
Caryophyllus aromaticusi L. 
JUyrktica moschata Thunb. Die 



Nüsse davon in mehreren Be* 
reitungsmethoden. Macis sind 
die östigen Samendecken der 
Nuss. 

Orys&a scüiva L. mit und ohne 
Hülsen. 

Pip6r Cubeba L. 
— nigrum L.. ' 

Theobroma Cacao Adans. 

Tamarindus indica L. 

Vanilla planifolia Andr. 



(Fortsetsungr folgt.) 



"«Ofr- 



Literaturberichte. 



Arbeiten des kais. botanischen Gartens za 8t. Petersburg. III. Band 
%. Abtheilung. St. Petersburg 4875. 8». 386 Seiten. 

Der jüngst erschienene 2. Theil des III. Bandes ist ein neuer 
Beweis der eifrigen erfolgreichen Tfaätigkeit der Beamten an dem 
obgenannten Institute und enthält eine Reihe tüchtiger Arbeiten. Zum 
grössten Theile füllt ihn Ed. RegeFs Alliorum adhuc cognitorum 
monographia (S. 1—266). Dieselbe ist mit vieler Sachkenntniss und 
Benutzung eines sehr reichen Materiales gearbeitet; sie begrenzt die 
einzelnen Arten meist mit richtigem Takte und gruppirt sie in der 
Regel naturgemäss. Es wird somit diese Monographie Jedem sehr 
erwünscht sein, der sich mit der obgenannten ungemein formenreichen 
Gattung (sie umfasst nach Regel mehr als 260 Spezies) beschäftigt. 
Es folgen dann Beschreibungen verschiedener neuer Arten, theils von 
E. R. von Trautvetter (S. 267—280), theils von E. Regel (S. 281— 
297). Der nächste Aufsatz enthält eine das Jahr 1872 umfassende 
Fortsetzung der sehr genauen und fleissigen phänologischen Beob- 
achtungen, welche F. v. Herder und H. Höltzer anstellten. Sie be- 
rücksichtigen beiläufig 600 Arten Pbanerogamen, die um Petersburg 
theils wild wachsen, theils im freien Lande des k. botanischen Gartens 
kultivirt werden (S. 299 — 373). Ein kurzer russisch geschriebener 
Aufsatz (S. 375 — 386) berichtet endlich auszugsweise über den Stand 
des Petersburger botanischen Gartens im Jahre 1874. Wir schliessen 
diese kurze Anzeige mit dem Wunsche, dass die neue Direktion des 
k. botanischen Gartens in St. Petersburg uns bald mit einer Fortsetzung 
dieser werlhvollen Arbeiten erfreuen möge. Dr. H. W. R. 



139 

Verwandtschaftsverbftitnisse un^ geographische Verbrcitong der in 
Europa einheimischen Aquilegien. Von Alb. ZimmetGr. Steyr 1875. 

Es war gewiss ein höchst lobenswerthes Unternehmen des Herrn 
Verfassers, durch diesen monographischen Versuch auf eine wie es 
scheint von den Botanikern bisher wenig beachtete Gattung aufmeriisam 
zu machen. Zunächst wird eine kurze Geschichte dieses Genus ge- 
boten, der eine genauere Auseinandersetzung der phytographischen 
Merkmale der Aquilegien folgt. Hierauf beschreibt Herr Zimmeter die 
einzelnen ihm durch Autopsie bekannt gewordenen Arten, 16 an der 
Zahl. Zwei davon sind ganz neu: A, Ebneri aus Steiermark und A. 
longisepala aus dem nordwestlichen Ungarn; bei A. glcmdnlosa Fisch. 
macht Z. noch auf eine dritte aus Siebenbürgen aufmerksam, die er 
A. Fussii nennt, deren Beschreibung er jedoch erst nach erneuter 
Prüfung frischer Exemplare veröflTentlichen wird; A. aurea Janka 
wird in A, sulphurea Zimm. umgeändert, da eine aurea bereits 
existirt. Auf die Klärung der Synonymie hat der Verf. grosse Mühe 
verwendet und dürfte die^ der beste Theil der Arbeit sein. Von S, 
56 — 58 werden anhangsweise die Arten angeführt^ von welchen der 
Autor keine Pflanzenexemplare vorliegen hatte; es sind zwei aus 
Griechenland (A. Amaliae Heldr. und A. Ottonis Örphanid.), eine aus 
Spanien (A. Reuteri Boiss.), Aie A, subalpina Boreein aus Mittel- 
frankreich (nach Z.'s Vermuthung var. von A. vulgaris L.), die 
korsische A, Bernardi Gr. Godr. und A, confusa Rotta aus dem 
Bergamaskischen (nach Z. zu A, Einseieana Schultz gehörig), endlich 
folgen die Namen der fünf Jordan'schen Arten; A, nemoralis^ collina, 
praecox^ dumeticola^ a^ggericola, Zimmeter meint, diese seien höchst 
wahrscheinlich nur Formen der vielgestaltigen A. tmlgaris L. Wenn 
auch indess Nyman im Supplement zur Sylloge sie für Formen voa 
A. vulgaris hält und Jordan selbst in seinem Werke „Diagnoses 
d'espäces nouvelles ou meconnues" als zum Typus der il. vulgaris 
gehörig angibt, so dürfte denn doch eine genauere Prüfung derselben 
etwas mehr als blosse Formen darin finden, selbst auch in dem Falle, 
dass man gegen die Jordan'schen Spezies sonst immer etwas zurück- 
haltend sein muss. So stimmt z. B. nach der Beschreibung die A. 
nemoralis Jord. ziemlich gut mit A, Ebneri Zimm. tjberein, während 
Ä, collina Jord. an A. glandulosa Fisch, erinnert. Ein entscheidendes 
Urtheil jedoch in dieser Sache zu fällen, wäre ohne Untersuchung 
und Vergleichung von Orig.-l^xemplaren von meiner Seite ebenso 
gewagt als unbesonnen. Gewiss wird der geehrte Autor bei einer 
allenfallsigen Auflage diesen Punkt einer näheren Prüfung unterziehen, 
um die Wahrheit seijies Motto: „In dubiis praestat distinguere quam 
confundere" noch mehr hervorzuheben. Den Schluss bildet eine kurze 
Gesammtübersicht der Verbreitung dieses Genus, woraus erhellt, dass 
die Arten mit hackigem Sporn mehr das östliche Europa bewohnen, 
die Arten mit geradem Sporn dagegen mehr dem Westgebiete zu- 
kommen. Auf S. 65 ist eine übersichtliche Zusammenstellung der 
Masse bei den Blüthen und Blättern der Aquilegien, pag. 66 bietet 



140 

eine analytische BestimmungstabeUe. Von den beigegebenen 4 Tafeln 
skizzirt die erste eine Art Stammbaum dieses Genus; die zweite 
charakterisirt die Eigenthümlichkeiten des Aquilegienblattes, die dritte 
und vierte veranschaulichen die geographische Verbreitung der Arten. 
Die Ausstattung des Buches ist eine sehr gute; nur ein störender 
Druckfehler ist geblieben: pag. 30 muss es statt Linker ^Link^ 
Geissen. D. 

Jahreaberfcht des Vereines f&r Natarkunde za Zwickau fftr 1874. 

Zwickau 4875. 

Den botanischen Inhalt bilden 1. ein in der Inhaltsangabe ttber* 
sehener Aufsatz übet Pflanzenabnormitäten von D. H. R. Schlecht- 
iendal (S. 26—33) und 2. „Beiträge zur Flora von Zwickau*' von 
Dr. Otto Wünsche (S. 34 — 48). Von Abnormitäten beschreibt von 
Schlechtendal Blattbildungen an Aesculus Hippocastanum (mit Ab- 
bildung), 2. an Robinia pseudacacia^ 3. an Trifolium pratense^ 4. an 
Gleditschia triacantha^ 5. an Lonicera tatarica und Cornus atba, 
6. an einem aus dem Erzgebirge stammenden Hieracium (Theilung 
des Hittelnervs*), 7. Kronenbildung an Campanula rotundifoKay 
8. Aehrenbildung an Lolium perenne (mit Abbildung), 9. verschie- 
dene Bildungen besonders der Brakteen an Plantago major ^ Plant, 
media, PI, lanceolata, 10. verschiedene Pelorienbildungen an Lt- 
naria vulgaris (mit Abbildungen). — Dr. Wünsche liefert eine be- 
deutende Anzahl von Beiträgen zur Zwickauer Flora im Anschlüsse 
an die im Osterprogramm des Zwickauer Gymnasiums 1874 erschie- 
nenen „Vorarbeiten zur Flora von Zwickau.** Es sind diese Nach- 
träge fast ausschliesslich das Ergebniss der botanischen Durchforschung 
der Umgebung von Zwickau, an der sich nach dem Verfasser der 
Reihe nach die Herren: Geih (91 neue Standorte), Hanckel (59), 
Ziecke (66), Artzt (42), Dietrich (40), Köhler (38), Polster (27), 
Gumprecht (25), Schink (15), Naumann (10), Richter (7), Wehner (6), 
Lehmann, Schlechtendal, fil. und Andere betheiligt haben. Wb. 



Correspondenz. 

Linz, am 8. März 1876. 

Den Forschungen des Hm. Friedr. Vierhapper, Gymnasial-Professor 
zu Weidenau in Oest.-Schlesien ist die Entdeckung neuer Arten im 
Ibmer-Moore in der Gegend von Wildsgut in Oberösterr. zu verdanken; 
es sind diess nachstehende Phanerogamen : Lolium italicum, Carex 
Beleonastes*}^ Cladittm Mariscus^ Rhynchospora fusca*), Alisma 
damassifolium *}, Orchis Traunsteineri, Sturmia Loeseliiy Betula Aii- 



*) Solche Theilung des Mitteln^vs kommt im Wiener- Walde an Hieracien 
der i6(a&aiM2a-Gruppe, namentlich an Meracium UnvifcUwm Host, öfters vor. 



141 

milis^^ und Drosera intermedia. Von diesen Pflanzen sind die oben 
vier mit * bezeichneljen in Neilreich's Flora Niederösterreichs in der 
Abtheilung „Pflanzengeographische Schilderung^ als in Oberösterreich 
aber nicht in Niederösterreich wachsend aufgeführten nicht enthalten. 
Selbst die an Standorten sehr reichhaltige Flora Oberösterreichs von 
Dr. Duftschmidt zählt sämmtliche jobenerwähnte Arten nicht auf. Von 
dieser mit grossem Fleisse verfassten Flora sind wegen unzureichen- 
der Zahl von Subskribenten bisher nur drei, die Monokotyledonen 
umfassende Hefte erschienen. Es wäre zu wünschen, dass dieses nach 
dem Muster der rühmlichst bekannten Flora Niederösterreichs ver-^ 
fasste Werk doch mehr Aufnahme fände^ insbesondere von Biblio- 
theken, um dessen rascheres Erscheinen zu ermöglichen. 

Dr. Robert Rauscher« 

Breslau, am 3. März 1876. 

Allen denjenigen, welche sich für nordamerikanische Pflanzen 
interessiren, ist H. Eggert's Herbatium americanum warm zu 
empfehlen. Dasselbe wird am bequemsten und auch zugleich am bil- 
ligsten durch Dr. C. Baenit2 in Königsberg bezogen, und es sind 
die Pflanzen ganz ebenso schön und vollständig geliefert, wie diess 
bei B.'s Herbarium europaeum der Fall ist, mit dessen jüngsten 
übrigens eine Fülle von Seltenheiten enthaltenden Lieferungen die 
erste Halbcenturie von Eggert's Sammlung zugleich erschienen ist* 
Im Februar sind nun bereits drei weitere Centurien ausgegeben 
worden, die eine reiche Auswahl bieten und ein durchgreifendes 
Urtheil gestatten, welches, wie^gesagt, durchaus zu Gunsten dieser 
Exsiccatenkollektion abgegeben werden darf. Die Mehrzahl der zur 
Ausgabe gelangten untadelhaft präparirten Pflanzen ist in Blüthe und 
Frucht gesammelt, was namentlich von den Bäumen und Sträuchern 
gilt; übrigens fehlt es nicht an speziellen Seltenheiten, was um so 
werthvoller ist, weil die einzelnen Arten auch käuflich abgegeben 
werden. Bcispielshalber sind die Hybridenkombinationen zwischen Ver-^ 
bena hmtata L., V. stricta Vent., F. urticifolia L. und F. angusti^ 
folia Michx. zu nennen. Den Werth dieser Sammlung, deren Prospekt 
durch jede Buchhandlung oder durch Dr. Baenitz bezogen werden 
kann, vrird noch dadurch wesentlich erhöht, dass die Revision der 
Bestimmuirgeii durch Dr. Engelmann erfolgt ist. Die bisher gelieferten 
Arten sind sämmtlich in der Umgegend von St. Louis gesammelt, 
doch gedenkt Herr Eggert im Laufe des Sommers nach dem Westen 
Nordamerikas, wahrscheinlich Califomien, zu gehen, um dort weiteres 
Material für seine Exiäccaten, denen zu diesem Zwecke eine recht 
weite Verbreitung zu wünschen ist, zusammenzubringen. 

Üechtrhz. 

Friedland in Pr.-Schlesien, den i9. März i876. 

Als ich im Frühjahre 1875 meinen Freund, Dr. Tauscher iif 
Er est besuchte, wurde ich in liebenswürdigster Weise von demselben 
in die dortige Flora eingefbhrt. Bei einem gemeinschafUichen Besuche 

Oettwr. botftB. Zoito«hrift 4. Hell. 1876. ij[ 



m 

der so Pflanzenreichen Donauinsel Csepel sammelte ich in einer jungen 
Anpflanzung des unteren Tököler Waldes eine Ajuga Chamaepitys 
(L.) Schreb., dio mir sofort wegen ihrer grossen Blüthen auffiel. Eine 
genauere Untersuchung und Vergleichung mit Ajuga Chamaepitys 
von verschiedenen deutschen Standorten stellte denn auch heraus, 
dass meine anfängliche Verrtiuthung, in der gedachten Pflanze Ajuga 
Chia Schreb. zu sehen, die richtige war. Im Jahrgange 1874 dieser 
Zeitschrift erwähnt Prof. Kerner in seinen ^Vegetations-Verhältnisse 
vom mittleren Ungarn etc." der Insel Csepel als Standort von Ajuga 
Chamaepitys. Ob diese mit dem oben erwähnten identisch ist, vermag- 
ich nicht zu sagen; doch unterliegt es keinem Zweifel — wie mir 
auch Herr von Uechtritz brieflich bestätigt hat — dass meine Pflanze 
nichV Ajuga Chamaepitys Schreb., sondern Ajuga Chia Schreb. ist, 
die ich somit als neuen Bürger der ungarischen Flora konstatiren 
kann. Die Merkmale, die Koch hinsichtlich der Grösse der Blüthen 
angibt, stimmen vollständig; denn diese letzteren erreichen fast die 
Länge des stützenden Blattes und die Röhre der Blumenkrone 
ist dreimal länger als der Kelch. Was den Unterschied in der 
Färbung und Struktur der Nüsschen dieser beiden Ajuga^Arien be- 
triflft, auf den mich. Herr von Uechtritz besonders aufmerksam machte 
und der zuerst von Pan6i6 aufgefunden wurde, so kann ich denselben 
nach genauer Untersuchung durchaus bestätigen. Die Farbe der 
Früchtchen ist bei A. Chia sehr licht, während sie im gleichen 
Alter bei A. Chamaepitys stets dunkler, meist braun sind. Die 
Nüsschen der letzteren Art sind gewissermassen mit einetn erhabenen 
Netz überzogen, das fast gleich grosse Maschen zeigt, bei A.Chia 
i^cheinen die Areolae konstant an der Basis grösser zu sein, wie 
ich diess durchgehends bei den ungarischen und einer Anzähl mir . 
vorliegender Exemplare aus der Dobrudscha gefunden habe. 

E.Fiek. 



Vereine, Anstalten, Unternehmungen« 

— In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissenschaf- 
ten in Wien am 13. Jänner überreichte Dr. Joseph Möller, Assi- 
stent am pharmakologischen Institute in Wien, eine Abhandlung: 
„Einige neue Formelemente im Heizkörper^. Mit einer umfangreichen 
Arbeit über die vergleichende Anatomie des Holzes beschäftigt, habe 
ich Gelegenheit gehabt, einige Elemente im Holzkörper zu beobachten, 
welche bisher in demselben nicht gefunden worden sind, und der 
Gegenstand scheint mir genügend wichtige um durch eine vorläufige 
Mittheilung die Aufmerksamkeit auf ihn zu lenken. 1. Das Holz der 
Avicennia africana P. d. Beauw. zeigt auf dem dunkelbraunen Qner- 
schnitte hellere konzentrische Kreislinien in nahezu gleichen Abstän- 
den von etwa 2 Mm. Hie und da anastomosiren die Linien durch ein 
kurzes Verbindungsstück oder sie theilen sich gabelig. Unter dem 



143 

Mikroskope erweisen sich diese Ringe aus 2 — ^^3 Zellen breiter Schich- 
ten von Steinzellen gebildet, welche in parallelen Zügen ohne Unter- 
brechung verlaufen und beiderseits von einer mehrzelligen Lage 
dünnwandigen Parenchyms umsäumt werden. Die Form der Stein- 
zellen ist parallelepipedisch oder abgerundet sechseckig mit dem 
Durchmesser von 0*03 Mm. Sie sind bis auf ein punkt- oder spal- 
tenförmiges Lumen verdickt und von zahlreichen Porenkanälen durch- 
zogen. Ist schon das Vorkommen von Steinzellen im Holze an sich 
auffallend genug, so muss es ein erhöhtes Interesse gewähren, Wenn 
sich ihre Bildung so regelmässig wiederholt, dass der Gedanke an 
ihre physiologische Bedeutung kaum abzuweisen ist. 2. Im Adler- 
holze C^quillaria Agallocha Reb.) findet man eine eigenthümliche 
Anordnung der parenchymatischen Elemente. Sie bilden tangentiale 
Gruppen, welche verschieden geneigt sind und winkelige Figuren bil- 
den. Mitten im Parenchym verlaufen einige Fasern, deren Querschnitt, 
einem zusammengefallenen elastischen Rohre vergleichbar , grosse 
Aehnlichkeit mit dem Baste darbietet. Sind in der That anatomisch 
und chemisch von dem Libriform derselben Art verschieden. Ihr 
Durchmesser ist grösser, ihre Verdickung beträchtlicher. Sie endigen 
oft stumpf, die Wand ist glatt, frei von Poren. Unter Glyzerin sind 
sie gelb , unter Kali quellen sie stark auf, werden blass, beinahe 
farblos, Anilin färbt sie rasch und lebhaft roth, durch Jod werden 
sie rein gelb, werden die umgebenden Zellen gelbbraun gefärbt 
werden. Nach vorausgegangenem Kochen in Kali werden sie durch 
Chlorzinkjod intensiv violett. 3. Unter dem Libriform einer Leuco- 
dendron-Art, welche unter dem Namen Protea encoerfe« bort, bekannt 
ist, kommen Fasern vor, welche von Tüpfeln frei sind, dagegen ein 
regelmässig und weit gewundenes Spiralband tragen. Nach der De- 
finition von Sanio kommt die spiralige Verdickung nur der Gefäss- 
formation zu und fehlt dem Libriform. Es steht daher die Frage, 
wohin die in Rede stehenden Elemente zu zählen seien, welche in 
Form und Anordnung von den Libriformfasern durchaus nicht ver- 
schieden sind. Zwei Momente geben, wie ich glaube, überzeugenden 
Aufschluss. Viele dieser Fasern sind nur an ihren Enden spiralig 
verdickt, im mittleren Theile sind sie von denselben feinen Spalten 
durchbohrt wie die Libriformfasern. Es kommen auch verzweigte 
Fasern mit nahezu gleichartigen Gliedern vor und da beobachtet man 
in dem einen Zweige die Spirale, in dem anderen Spaltentüpfel. Dem- 
nach können diese Elemente nicht als Trocheiden aufgefasst werden 
und zugleich beweisen sie, dass die spiralige Verdickung kein aus- 
schliesslicher Charakter der Gefässformation ist. 

— Die k. k. zoolog.-botanische Gesellschaft in Wien 
begeht am 8. April in feierlicher Sitzung das Fest ihres fünfund- 
zwanzigjährigen Bestandes. Eröffnung der Sitzung um 12 Uhr Mit- 
tags in dem grossen Festsaale der kaiserlichen Akademie der Wis- 
senschaften. 

11 * 



144 

Botanisoher Tanschirerein in Wien. 

Sendungen sind eingelangt: Von Herrn Prof. Wiesbaar mit 
Pflanzen aus Niederösterreicb. 

Sendungen sind abgegangen an die Herren: Keck, C. Richter, 
Bohatsch. 

Vom Harz und aus Pommern, eing. von Dr. Schäfer: Arum 
maculatum, Carex externa^ Digitalis purpurea, Eryngiummaritimum, 
Galium hercynicum, Malta moschata, Melica tmflora, Obiane pedwnr- 
culata^ Sanguisorba guestphalica , Sesleria caerulea flore alba, 
Stachys arvensis. 

Aus Ungarn, eing. von L. Richter : Alkanna tinctaria, Anthemis 
ruthenica, Astragalus eesicarius^ Carex stenophylla^ Calchicum 
bulbocodiaides^ Cuscuta urceolata, Echium italicum, Eradium Cica^ 
nium, EucUdium syriacum^ Hellebarus dumetorum^ Hierachlaa adarata^ 
Iris arenaria, L transsileanica, Kachia sedaides, Orobus aehroleucus, 
0, versicalar, Phlamis iuberasa^ Seeale fragile, Serratula radiata, 
Silene parviflora. 

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Redakunr und Herausgeber Dr. AlMcandar Bkoflts. — Verlag von O. Oerold's Bolia. 
Drock QBd Papier der O. Vmhmrfwimt'Hbtn Bttchdrockevei (M. Baiser). 



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Eotanisclie Zeitschrift 

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XXVl. Jahrgang. WI8N. Nai 1876. 



': PlanUe ab Uildebrandt coli. Von Vatke. — MentheiL Von Holuby. ~ OseOlaria calda- 
riorum. Von Hauck. — Oesterr. ScUrarUhus. Von Wiesbanr. — Mykologisches. Von SchuUer. 
— lieber Pflanren der österr.-ungar. Flora. Von Freyn. (Forlsetzung.) — Wanderungen durch Obcr- 
krain. Von Kugy. — Pflauzen auf der Weltausstellung. Von Antoine. (Fortsetzung.) — Lileraturbe- 
richte. — Correspondenz. Von Staub, Dr. Borbas, Dr. Keck, Dr. Lerch. — Personalnotizen. — 
Vereine, Anstalten, Unternehmungen. — Botanischer Tauschverein 



Flantas in itinere africano 

ab Jl. n. Hildebraiidt eoUeetas determiiiare per^t We Tatke« 



VI. Asclepiadaceae R. Br. 

484. Astephanus Schmperi Vatke in herb. A. Braun mss. Abys* 
sinia: Habab aug. 1872 fl. 

Volubilis ramis junioribus dense lanato-tomentellis, foliis ovali- 
bus ovatisve breviter acuminatis apiculatisve crassiu$culis subeveniis 
undique^puberulis^ peduncuILs binis ternisve petiolo brevioribus^ calyce 
tomentoso-hirto, corollae glabrae laciniis oblongis plerisque obtusis, 
antheris membrana terminatis, stigmate elongato breviter bilobo '5. 

A. (wcUo (Poir.) Decne. proximus, sed omnibus partibns. major; 
rami adulti glabrati; folia inferiora petiolo 6 mm. longo insiracta, 
lamina fere 3 cm. longa, ad 9 mm. lata, superiorä petiolo c. 5 mm. 
longo pubero-hirto affibca, lamina 1 — 1*5 cm. longa, basi fere 1 cm. 
lata rarissime cordata; flores in genere magni pedunculis c. 2 mm. 
longis fulti; calyx fere ejusdem longitudinis sepalis acutis; corolla 
c. 7 mm. longa, ex sicco flavida. 

Eadem planta est in coli, schimperiana a. 1854 n. 8 et in 
Steudneriana; cl. Schimperus adscripsit: in saxis scandit plerumque 
circa ipsipsius ramos; rarius circa alias plantas; stirps humilis qui- 

Oesterr. botan. Zeitschrift. 5. Heft. 1876. 12 



146 

dem, sed magni ambitus; lecta ad Gursarfa 8. mg. fl. et 8. oct. 
1854 fr. maturis; folliculi laeves pruinosi obtasiu^cuU; semina co- 
mosa; an forte Gyvmema macrocarpum A. Rieb.? 

1166. A. r ecurvatus Klotzch. in Peters Mosamb. Bot. L 274. 
In Sansibariae solo steril! raro sept, 1873 fl. 

139. Steinheilia radians (Forsk.) Decne. In locls deserlis prope 
Geddab apr. 1872 ,fl. fr. flores vioiacei; foliä subtus albido-reticulata. 

768. b. eadem. Aden in locis saxosis jun. 1872 fl. fr.; folliculi 
immaturi edules. 

1004. Calotropis procera (Willd.) R. Br. In insulae Sansibar 
littorlbus frutex vel arbuscula 4 m. alta jul. 1873 fl. 

Sarcostemma xnminale (L ) R. Br. Caphyllum Höchst., Boiss. 
FI. Orient. IV. 59 non R. Br.) adest in coli, beccariana e Keren c. 
4*500 p. a. m. majo 1870 fl. lecta n. 3 et in ehr^nbergiana ex in- 
sola arabica Aschik. 

181. Pentatropis spiralU (Forsk) Decne. CTylophora? cirrhoiB 
[Ehrenbg.] Aschs« in Schweinf. Beitr. 132. ex ipso [I. c] 306.) Geddah 
in locis desertis volubilis apr. 1872 fl. 

797. eadem. Hodeida in Mimoseis volubilis jun. 1872 fr. yix 
florens.. 

490. Daemia extensa (Ait.) R. Br. Abyssinia: Bogos in littoris 
silvis alt. 6000' aug. 1872 fl. fr. 

Eandem repperit Beccari in declivibus umbrosis Kedambae terrae 
Bogos dictae jun. 1870 fl. fr. n. 106. 

734 a. D. tomentoza (L.) Vatke ined. (D. cordata R. Br.) 
Prope Fridelio in terris Danakil dictis jan. 1873 fr. sp. unicum. 

491. Pentarrhinum abyssinicum Decne cum Daenna eoetenta 
sept. 1872 fl. 

483. Gomphocarpus fruticosus (L.) R. Br. var. (ß. eerticilkUms 
Turcz.). Abyssinia: Habab 8000^; suflrutex 1 m. altus, jün. ad sepL 
1872 fl. fr. 

Idem in coli, beccariana prope Keren c. 4500 p. jul. 1870 fl. 
fr. lectus n. 186. 

488. Maridenia Schimperi (Höchst.) Decne. Abyssinia: Habab. 
Bora asgede 7000' in fniticetis volubilis aug. 1872 fl. 

400. Gymnema humile Decne. (G. /ni/icii/o«t«iiiHpchst.^inFlor« 
1844, 101 nomen) Abyssinia 1872 fl. 

637. Leptadenia Forskalii Decne (I. abyssinica e)0. Abys- 
mnm: .Bogos in ripamm silvis aug. 1872 fl. cum Daemia extemsa; 
eandem colL Beccari jun. 1870 fl. n. 105. 

Baya africana Decne est in eadem coU. e valle Insaba prope 
Keren majo 1870 fl. lecta n. 48. 

734. L. pyrotechnica (Forsk.) Decne. In planilie salsa terrann 
Danakil 700^ infra mare jan. 1873 fl.; ab Hamfalo seplentriooe« 
"^ertw Marcbarab non vidi, sed austnim versus in terra somalensi 
el in Arabia in liltoris montibus ubique copiose occurrit. (H.) 

1432. I.? usciformis Vatke. Prope Meid in terra somaI«ia, 
i« mooliiun AU dictomm regione montana alt. 1200 m. in kNas 



147 

apricis secus rimas saxonim calcareorum apr. 1875 fir. frulex 1 m. 
altus. 

Aphylla ramosissima conferta ramis ramulisque brevibus sub- 
virgatis compressis articulatis, foliis ad squamas vaginaeformes arti- 
culos circumdantes reductis. 

Flores quidem ignoti, sed stirpem memorabilem indescriptam 
remanere nolui; ob similitudinem cum praecedente huc rettuli; forte 
lamen Periplocße species; folliculijs uterque plerumque maturat, sed 
alter saepius minor; habitu Visca asiatica iii mentem revocat. 

384. Ceropegia aristolochioides Decne. Abyssinia: Habab. 4 — 
6000' jul. ad sept. 1872 fl. sp. unicum. Tigre: Schamigge. 

742. Boucerosia russeliana Courbon. Buri in lava trachytica 
nov. 1872 fl. 

492. Stapelia? sp. Abyssinia: Habab aug. 1872 deflorata sp. 
unicum. 

1551. St? sp. Prope Meid terrae somalensis in regione mon- 
tana ad Serrut 1800 m. apr. 1875 fr. sp. unicum; planta virosa; 
nomien vernaculum: Goradd. 

Sequitur descfiptio Asciepiadaceae novae a beato Klotzschio in 
opere de itinere mosambicensi omissae: 

Peripioca petersiana Vatke. Foliis ovato-lanceolatis apice atte- 
nuatis obtusis mucronulatis, basi angustatis, supra parce pubierulis, 
subtus glaucis glabriusculis, cymis laxifloris folio multo brevioribus, 
florum pedicellis ebracteolatis, corollae laciniis ovato-oblongis obtusis 
emarginatisve, marginibus undulatis inflexis, extus coronaeque stami- 
neae foliolis glabriusculis^ intus dense pubescenti-villosis. % 

Circa Tette 26. dec. 1844 et 11. jan. 1845 nee non secus ri- 
vorum margines in Bios de Sena 1846 fl* legit cl. Dr. W. Peters I 

Turiones juniores apice cum foliis novellis rubelli; folia petiölo 
ad' i*5 cm. longo instructa, lamina ad 5 cm. longa, 2 — 3 cm, lata; 
flores majusculi virescentes, (ex Peters) petalis ad 7 mm. longis,. basi 
ad 2 mm. latis; corbnae stamiheae foliola nulac linearia angusta, nunc; 
latiora, apice incurvo; filamenta libera more generis; antherae mem-* 
brana obtusa terminatae, dorsö minute barbellatae; pollinia solitaria 
e granulis multis composita nee per tetrades conjuncta; an haue ob 
causam generice separanda? 

(Continuabitur.) 



Bie Menthen des südl. Trencsmer Eomitates. 

Von Jos. L. Holuby. 

Zu jenen Pflanzengattungen, die ihres Formenreichthums wegen 
von vielen Botanikern mehr gemieden als beobachtet werden, gehört 
auch die Gattung Mentha Op. Gewöhnlich begnügt man sich mit den 
drei Arten: Jf. süvestris L., aqucUica L. und arcensis L. und stellt 

12* 



148 

unter diese Namen die verschiedensten Formen neben- und viel 
häufiger noch durcheinander. 

Reuss gibt in seiner KvSt. Slov. p. 326—327 die Diagnosen 
folgender sieben Mentha^Avien: M. silvestris h,^ nepetoides Lej., 
piperita L., aquatica L.^ pratensis Sol., sativa L. und arvensis L., 
mit einer ziemlichen Anzahl von Varietäten. In den Resten seines 
Herbariums, die mir vor zwei Jahren aus Gr.-Rauschenbach zum 
Revidiren zugesandt wurden, fand ich wohl Bruchstücke von M. 
sihestris L. aus Miskolcz, itf. piperita L. (ohne Standortsangabe und 
nur kultivirt) und M, aquatica L. aus dem Gömörer Komitate, die 
übrigen in der Kv. Sl. beschriebenen Arten fehlten in dem jämmerlich 
zugerichteten Faszikel, so dass es heute aus den Ueberbleibseln des 
Reuss'schen Herbariums nicht mehr nachgewiesen werden kann, ob 
er z. B. die üf. nepetoides Lej. auch wirklich auf den angegebenen 
Orten gefunden oder diese Angabe nur anderswoher entnommen habe. 
Hazslinszky hat in seinen beiden Floren (6jsz. Magyarh. vir. p. 199 — 
200 und Magyarh. ed^nyes növ. p. 343—344) Jlf. crispa L., satita 
Sm., gentilis L., arvensis L. (mit der Bemerkung, dass diese vier 
Arten unter den Namen „J!f. arvensis^ zusammenzufassen seien), 
aquatica L. mit der seltenen rauhhaarigen Varietät „üf. hirsuta Host,^ 
viridis L. und sihestris L. mit der Varietät itf. undulata Wild. Ob 
nun die bemerkenswertheren Formen als Arten oder als Varietäten 
behandelt werden,, bleibt ziemlich gleichgiltig, da es sich hauptsächlich 
darum handelt, über die Verbreitung derselben Aufschluss zu geben. 
Das. an unser Gebiet angrenzende Neulraer Komitat hat nach Knapp's 
Prodr. Fl. C. Nitr. (Z.-B. G. XV. 134) nur M. silvestris L. und ß 
undulata Nlr., aquatica L. und ß subspicata Benth., arvensis L. 
Doch darf man daraus ja nicht schliessen, dass das Neutraer Komitat 
so arm an Menthen wäre. Weil Knapp auch die Menthen im Sinne 
Neilreich's behandelte und er sich mit den kosmopolitischen drei 
Arten begnügte, war es nicht zu erwarten, dass er eben diese formen- 
reiche Gattung monographisch bearbeite. . 

Ich beobachtete noch im Neutraer Komitate: Jlf. piperita L. in 
Freistadtl in Gärten, wo sie ohne alle Pflege wächst; M, laevigata 
Wild, besitze ich aus einem Garten in Alt-Tura, wo sie mehr geduldet 
als gepflegt wird; Jlf. verticillata L. auf sumpfigen Stellen zwischen 
Bzince und Lubina, dann an der Wag bei Neusladtl; eine der Jlf. 
gentilis L. nahe verwandte Form bei Csejthe, und eine an Jlf. acutifolia 
Sm. erinnernde ebenfalls bei Csejthe. Auf meinem kleinen Exkursions- 
gebiete im südlichen Theile des Trencsiner Komilates wurden bisher 
die nachstehenden Menthen beobachtet und gesammelt. 

Mentha Op. 

1. M. silvesfris L o. lanceolata Neilr. (M. candicans Crantz.) 
Die hiesige Pflanze hat länglich-lanzettliche, beiderseits filzige, meist 
deutlich gestielte Blätter. An Ouellen, Bächen, feuchten Gräben, ofl 
massenhaft, häufig auch im Wagthale. 



J 



J49 

ß. Blätter oberseits anscheinend kahl, etwas glänzend^ unter der 
Loupe kurz angedrückt behaart, unterseits dünngraufilzig^ kurzgestielt, 
aus seich therzformigem Grunde breitlanzettlich ; in allen Theilen schwächer 
behaart als die vorige. Auf schattigen Orten bisher in den Ljeskover 
Rodungen nur einmal beobachtet, bei Ns. Podhrad auf zwei Stellen. 
Unsere Pflanze ist mit M, nemorosa W. nicht zu verwechseln, da 
letztere schon durch eiförmige Blätter und deren anders beschaffene 
Serratur ausgezeichnet ist 

2. if. undulata Wild. Ist in Bauerngärten an Zäunen, hie und 
da auch auf Bachufern (wie in BoSica auf n^ehreren Stellen) oft in 
grösserer Menge anzutreffen. Auf dem Ns. Podhrader ev. Friedhofe 
wächst sie auf alten Gräbern, wo sie eingesetzt wurde. Deren Blätter 
sind sitzend, eingeschnitten gezähnt, wellig, gekraust, eiförmig, 

3. itf. viridis L. Unsere Pflanze ist fast kahl, dunkelgrün, hat 
schmallanzettliche Blätter und eine lineale am Grunde oft unterbrochene 
Aehre. Auf unserem Gebiete sah ich sie bisher nirgends kultivirt, 
der einzige Standort aber in Ns. Podhrad, am Rande einer Hanfgrube 
in unmittelbarer Nähe des Mühlbaches, nur etwa 80 Schritte von 
meiner Wohnung dürfte wohl darauf hinweisen, dass sie wenigstens 
in früheren Jahren hier irgendwo in Gärten gezogen wurde. 

4. Jtf. cinerea Hol. Stengel vierkantig, von abwärts gerichteten 
Haaren und — besonders im oberen Theile — dünnem aschgrauem 
Filz bekleidet, oft vom Grunde an verästelt, Aeste aufrecht abstehend; 
Blätter gestielt, eiförmig oder elliptisch, gesägt, oberseits spärlich 
angedrückt behaart, unterseits flaumig, auf den Nerven graufilzig; 
Scheinquirle in dichte, am Grunde oft unterbrochene Aehren zusam- 
mengedrängt; die endständigen Aehren kuglig bis eiförmig, die 
seitenständigen länglich, walzlich, zolllang oder noch länger; Blüthen* 
stiele und die glockigen Kelche filzig; Kelchzähne pfriemlich, ge- 
wimpert; Blumenkronen klein, lillafarbig, inwendig kahl, von aussen 
behaart; Staubfäden in der Blumenkrone eingeschlossen; Nüsschen... 

An Ufern des Mühlbaches bei Bohuslavice stellenweise massen- 
haft, oft auch vermischt mit M, Mvestris L., mit welcher sie, ober- 
flächlich betrachtet, leicht verwechselt werden könnte. Durch die 
verschieden gestalteten Blüthenähren schon auf den ersten Blick von 
allen Formen der M. aquatica L., durch die eiförmigen oder elliptischen 
gestielten Blätter von M. silvestris L verschieden. Es lag die Ver- 
suchung nahe, unsere Pflanze für einen Bastart von ilf. silvestris und 
aquatica zu halten, da sie zwischen beiden gewissermassen die Mitte 
hält; doch spricht schon der einzige Umstand gegen ihren hybriden 
Ursprung, dass sie massenhaft vorkommt und dass M. aquatica L. 
in ihrer Nähe nicht wächst. 

5. M. aquatica L. Im Wagthale sehr zerstreut. Die auf trockeneren 
Stellen wachsende Form ist kaum ein Fuss hoch, spärlich behaart, 
hat kleinere, trübgrüne Blätter von lederiger Konsistenz; die im 
Uferschlamme und zwischen Weidengebüsch wachsende ist in allen 
Theilen grösser, wenig ästig, ebenfalls nur spärlich behaart und hat 
dünne Blätter, was wohl nur durch den Standort bewirkt wird. Beide 



150 ^ 

haben grosse Blumenkronen und ragen die Staubfäden aus denselben 
hervor. 

ß. limosa iSchwrl^ls ÄTi). Sehr geitiein an Bächen in allen 
Seitenthälern des Wagtbales. Durch die eiförmigen Blüthenstände, unter 
weichen noch 1 — 3 entfernte blattwinkelständige Scheinquirie stehen, 
die kleinen, die Staubfäden einschliessenden Blumenkronen, schlanken, 
wenig ästigen Wuchs und inwendig kahle Biüthen unterscheidet sich 
unsere Pflanze von der vorstehenden. 

y. hirsuta (Huds.)* Die ganze Pflanze rauhhaarig, von grauem 
Aussehen, niedrig, kaum fusshoch. Bisher nur im Strassengraben 
unweit von der IHista Somosch bei Stvrtek, aber auch hier nur sehr 
selten. 

6. M. subiptcata Whe. Scheinquirle unterbrochen, auf der 
Hauptaxe in ein rundes Köpfchen Übergehend, auf den Nebenaxen mit 
einem Blattbüschel endigend. Doch gibt es auch Exemplare, bei welchen 
sämmtliche Blüthenstände durch ein Blattbüschel begrenzt werden. 
Unsere Pflanze hat eiförmige, grob gesägte, zugespitzte Stengelblätter. 
Es gibt Formen, die man füglich für Uebergänge zur M. arvensis L. 
halten kaün. An Bächen im Boääcthale unweit von Bohuslavice, dann 
bei MneSice und am linken Wagufer bei Krivosüd. Eine grossblumige, 
breitblätterige, starke Form, die ich im BoSäcthale in einigen Exem- 
plaren heuer fand, scheint zu M. ballotaefolia Op. zu gehören. Der 
Name ist für diese schöne Pflanze sehr bezeichnend. 

7. Jtf. verticillata L. Bisher nur im Weidengebüsch auf den 
Wagufern, zwar an mehreren Stellen bei &tvrtek/ Bohuslavice, Beckov, 
aber nicht in grosser Menge. In meinen Zusätzen zur Fi. v. Ns. Podhr. 
(Z.-B. 6. 1869. p. 929) notirte ich diese Pflanze als ^„Jtf. aquatica- 
areensis Meyer.^ Allerdings haben wir es mit einer Mittelform zwischen 
Jf. aquatica und arvensis zu thua, doch kann ich sie schon darum 
nicht für einen Bastart halten, da ich- sie seitdem! auch auf solchen 
Stellen gesehen habe, wo keine M. aquatica wächst. 

8. M. satica L. Ziemlich kahl, grossblüthig, Blätter sattgrttn, 
elliptisch, in den Blattstiel keilig verschmälert, Kelch cylindriscb mit 
pfriemlichen Zähnen. In feuchten Gräben bei §tvrtek, an der Wag bei 
Beckov, am Bachufer unweit von Ns. Podhrad, nicht gemein. Im Dorfe 
Boääca sammelte ich auf schattigen Stellen eine Form mit kleineren 
Biüthen und auffallend grossen, eiförmigen Blättern. 

9. M. areensis L. Ueberall auf Aeckern, feuchten Wiesen, in 
Gräben, an Blichen und besonders häufig im Wagthale. Die bemerkens- 
werthesten Varietäten i^ind: 

ß. arenaria. Ausgesperrt ästig, von dichtem rauhhaarigem 
Ueberzug grau. Im trockenen Sande der Wag zwischen §tvrtek und 
Bohuslavice, auch am linken Wagufer, selten. Es scheint, dass diese 
Pflanze ihre auffallende Bekleidung der sandigen Unterlage zu ver* 
danken habe. 



151 



y. Blätter elliptisch, kurzgestielt^ Stengel aufrecht, ästig, locker- 
haarig. Auf Hanffeldern, selten. Eine ähnliche Form, aber stärker 
behaart, sammelte ich am Rande des Styrteker Sumpfes. Ich vermuthe 
in der letzteren die Jtf. acutifoUa Sm. 

Ns. Podhrad^ Jänner 1876. 



Oseillaria eatdariarutn mihi n. sp. 

eiae flage des Varmhaises. 
Von P. Hauck. 

Durch mehrere Jahre beobachtete ich im Warmhause zu Mira- 
mar eine Oscülaria^ welche die feuchte Erde, Sand, Blumentöpfe mit 
einer schwarzen, glänzenden, stellenweise stahlgrün bis violett schim-^ 
roernden Haut überzog, und wegen ihres Alles überwuchernden Auf- 
tretens schon zeitlich im Frühjahre und während des ganzen Sommers 
hindurch zu einer wahren Plage wurde, gegen welche alle ange- 
wandten Vertilgungsmittel erfolglos blieben. 

Diese Alge stimmt mit keiner der mir bekannten' beschriebenen 
überein, wesshalb ich sie vorläuGg mit obigem Namen bezeichne. 

Ich zweifle nicht, dass auch diese Art dem Formenkreise einer 
schon bekannten angehört, so lange wir aber von der Fortpflanzung 
der Oscillarieen so viel wie gar nichts wissen, und nur die Selbstr 
theilung mit Sicherheit bekannt ist, mithin die Abgrenzung der Arteh 
nur nach den sehr variablen vegetativen Merkmalen geschehen kann, 
so lange finde ich es gerechtfertigt, einer jeden differirenden Form 
einen Ausdruck zu geben. Die Alge hat das äussere Aussehen von 
Chtonoblastus Vaucheri Kg., die «einzelnen Fäden sind schwarzgrün, 
geradis, Vss — Vss"*" <Jick, die Glieder 4mal kürzer als der Durch- 
messer, mit grobkörnigem Inhalte, das Endglied abgerundet. 

Bemerkenswerth ist noch das häufige Vorkommen von Am-^ 
phora lineata Greg. (A. Schmidt, Atlas der Diatomeenkunde, Taf. 26, 
Fig. 84—86) darunter. 

Es wäre nun sehr wünschenswerth und gewiss auch vom gärt- 
nerischen Interesse, über die Verbreitung und die versuchten Mittel 
zur Vertilgung dieser Osctllaria etwas Weiteres zu erfahren. Ich 
selbst traf sie noch im Warmhause des botan. Gartens zu Venedig 
(Herbst 1875). 

Triest, am 10. >4pril 1876. 



152 

Oesrterreichische Sderanthtts, 

V 

Von J. Wiesbaur S. J. 

Wie so viele andere Botaniker, so habe auch ich, obschon 
etwas später, der bekannten Aufforderung Reichenbach's nachkom- 
mend, meine Scleranthus zur Untersuchiing an den Herrn Hofrath 
eingesendet. Nun erhielt ich sie mit den Bestimmungen versehen 
zurück und bin höchst überrascht von der Mannigfaltigkeit der Na- 
men, mit denen nun meine bescheidene Sc/eran^^t^-Sammlung prang^. 
Da ich mit der Untersuchung von Pflanzen dieser Gattung mich nie 
näher befasst habe, auch erst in Folge des Reichenbach'schen Auf- 
rufes auf diese vernachlässigten Gewächse mehr Acht zu ge^en an- 
fing, bin ich als Laie iii der Scleranthologie nicht im Stande, die 
Ergebnisse der mühevollen Studien des greisen Nestors der deutschen 
Botaniker gebührend zu würdigen; aber das muss jeder offen ge- 
stehen, dass unsere gewöhnlichen floristischen Handbücher nicht 
ausreichend sind, und man in diesen sich vergebens um Rath um- 
sieht, wenn man die an verschiedenen Orten gefundenen, auch dem 
Laien auffallenden SclenmthUs ^Formen^ nach ihnen zu bestimmen 
unternimmt. 

Da ich manche Pflanzen von weniger bekannten Gegenden 
habe, mancher Pflanze bekannten Standortes aber nun ein anderer 
Name beigelegt wird, so mögen für jene Leser dieser Zeitschrift, 
weiche Freunde dieser kleinen Gewächse sind, die Scleranthus mei- 
nes Herbars hier in alphabetischer Reihe folgen, mit Angabe der 
Fundorte und des Entdeckers, wenn ich nicht selbst sie gesammelt 
habe. Herrn Hofrath L. Reichenbach aber spreche ich hiermit den 
gebührenden Dank für die mühevolle Arbeit aus mit dem Wunsche^ 
uns auch mit Beschreibungen der neuen Sc/eran^Ati^-Formen recht 
bald bekannt machen zu wollen. 

Scleranthus brachycarpus Rchb. Oberösterreich: Auf Aeckem am 
Freinberg und Hagerberg bei Linz. 

— brachyodon Rchb. Kärnten: auf dem Bnrgstall bei St. Andrae 
im Lavantthale. 

— brachyphyllus Rchb. Ungarn: in einem Holzschlage auf dem 
Pagony bei Nagy Kapornak im Zalaer Komitate. 

— debilis Rchb. Tirol: unter der Sommersaat um Natters bei Inns- 
bruck (P. AI. Dicht! S. J.). 

— dichotomus ^chh. Aus Ungarn stammend, wurde er im chemal. 
bot. Garten auf dem Freinberge bei Linz mit Sei, gypsophilan- 
^Ati« unter dem Namen des Sei, neglectus kultivirt. 

— Follioti Reichb. Oberösterreich: am Waldrande nächst der 
Rudolphsquelle zu Kirchschlag. (Dem Entdecker Fr. Grf. Folliot 
von Crenneville vom Hm. Dr. Reichenbach gewidmet.) 

— gypsophilanthus Rchb. Galizien: wahrscheinlich aus dem Ge- 
biete von Tarnopol (im Herbar des P. Eschfaeller S. J.). — 



133 

Oberösterreich: am Waldrande beim Jäger mayr nächst Linz 
(dem bekannten Standorte des Sei. perennis der Linzer Bota-* 
nilier). — Ungarn: Mariathal, MühUhal und Karldorferthal bei 
Pressburg (Vgl. auch Nr. 5). 
Bd. implicatus Rchb. Tirol: unter Roggen im Diluvium bei Natters 
nächst Innsbruck (Dichtl). — Ungarn: gleichfalls unter Roggen 
um N. Kapornak im Zal. Korn», namentlich gegen den Felsö erdö 
und Pagony zu. 

— leucoperos Rchb. Niederöstem: Stoppelfelder an der Türken- 
schanze nächst Petronell. 

— longidens Rchb. Ungarn: auf Ackerland um Pressburg (Esch- 
faeller). 

— longirameus Rchb. Ungarn: auf Aeckem um Pressburg (Esch- 
faeller), namentlich im Hühlthale. 

— longiramosus Rchb. Tirol: unter Roggen im Diluvium bei Nat- 
ters nächst Innsbruck (Dichtl). 

— tnicrocephalus Rchb. Ungarn: in arundinetis et turfosis prope 
Ercsi leglt Dr. Tauscher 6. Jun. 1872. (Durch den bot. Tausch- 
verein in Wien). Abnorm grosse Exemplare. 

— modestus Rchb. Tirol: unter Roggen im Diluvium bei Natters 
nächst Innsbruck (Dichtl). — Ungarn: um Pressburg (P. Halt- 
ler S. J.). 

Ueber ScL neglectua Rochel vgl Nr. 5. Einen echteo Sd. ntgleetw 
aus dem Banat legte Herr Reichenbach gütigst meiner Sammhing bei, so- 
wie die echten Sei. teneUus, microcephalus und biennis. 

— obsoletus Reichb. Kärnten: am Waldrande bei St. Andrae im 
Lavantthale (Baumgartner S. J.)- — Niederösterreich: auf 
Stoppelfeldern an der Türkenschanze bei Petronell. — Ober- 
österreich: am Waldrande nächst der Rudolphsquelle zu Kirch- 
schlag (Graf Crenneville). — Tirol: Kleefeld am Berge Isel 
(Dicht!). — Ungarn: auf Aeckem bei Pressburg, (Haltler 8. Okt. 
1875, Eschfaeller, 9. Okt. 1873): unter Roggen um N. Kapornak 
im Zalaer Komitate (Ende Mai 1873 namentlich gegen Also erdö^ 
Felsö erdö und Padär, auf Gondöta und Pagony). 

— Petronetlae Rchb. Niederösterreich: Stoppelfelder an der Tür- 
kenschanze bei Petronell. 

— pseudopolycarpus La Croix. Tirol: auf sandigem Schieferboden 
zu Windeck bei Hall (28. Sept. 1869). — Ungarn: Abhänge 
an der „neuen Well^ gegen die „BatzenhäuseP bei Pressburg 
(24. Hai 1865 mit Vicia lathyroides^ Älsine viscosä); in Felsö 
erdö bei N. Kapornak im Zalaer Komitate (31. Mai 1873 mit 
Vicia lathyroides^ Sagina snbulata^ Arenaria serpyllifolia var« 
condensata Lange [=i= Ar. Lloydii Jordan^ wie Herr v. Uechtritz 
mir diese Pflanze gütigst bestimmte] u. s. w.). 

— serppllaceus Rchb. Ungarn: in Weinbergen des Schüllergrundes 
bei Pressburg. 

— stenoleucus Rchb. Kärnten: am Burgstall bei St. Andrae im 
Lavantthale. — Ungarn: «inter Brassicam oleiferam prope 



154 ' 

Efcsi 16. Jun. 1872 Dr. Tauschet legit.^ (Durch den botanischen 
Tanschverein in Wien als So\. teneUu$ erhalten,) Ferner nnter 
Rogffen zu N. Kapornak im Zaiaer Kom., namentlich gegen den 
Fekö erdö zu. 

Sei. sHpatus Rchb. Ungarn: Ercsi, leg. Tauscher (durch den botan. 
Tauschverein in Wien). — Abnorme Exemplare. 

. — Tauschen Rchb. Ungarn: Ercsi, leg. Tauscher. (Durch den bot. 
Tausch verein in Wien.) 

Betreff des 8d. tendltu vgl. Nr. 19. 

— eennstus Rchb. Ungarn: Annaberg, leg. Dn Tauscher. (Durch 
den bot Tauschverein in Wien als ScL bienms erhalten.) 

— «erffci7/a/us Tausch. Tirol: unter der Wintersaat im Diluvium 
bei Natters nächst Innsbruck (Dichtl). 



Mykologisches. 

V(m St Schtilzer von Mttggenburg. 

vn. 

Druckfehler Februar 1876, Seite 59, Zeile 16 von unten, statt 
,,Hautbildung^ sollte stehen „Hutbildung.^ 

Xylaria fiUformis Alb. Schw. ind X* Bfypooßyton Cirev, 

Xylaria (Sphaeria) filiformis A... S. sahen nur die Entdecker 
fruchttragend, und zwar zwischen Juli und August, untersuchten sie 
fedoch nicht näher, weil es damals und auch weit spater genügte, 
die Pilzarten nach morphologischen Kennzeichen zu unterscheiden. 
Nitschke fand, wie er sagt, gleich allen neueren Mykologen, bloss 
junge, noch sterile Individuen, daher über Schläuche und Sporen bisher 
Niemand etwas anzugeben vermochte. 

Mir erging es mit eigenen sowohl, als mit zugesandten Funden 
eben so, und noch vor zwei Jahren musste ich mich darauf beschränken, 
den inneren Bau, die Bildung des Filzes am Fusse, sowie jene der 
Mikrokonidien am oberen Theile zu untersuchen, zu zeichnen und zu 
beschreiben. 

Voriges Jahr war mir endlich das Geschick günstiger; ich traf 
in den letzten Tagen des November nicht allein Fruktifikation an, 
sondern gelangte auch zur vollen Ueberzeugung, dass dieser bisher 
selbstständig behandelte Pilz nichts weiter ist, als eine, und zwar 
meistens steril bleibende Form der vielgestaltigen X. Hypoxylon Grev. 

Das betreflTende durch Wurmfrass arg heimgesuchte, daher nicht 
mehr sicher bestimmbare Holzstück, auf welchem nahezu 100 Individuen 
der X. Hypoxylon in allen denkbaren Formen vegetirten, fand ich 
oberhalb Vinkovce unter einem lebendigen Zaune. Man sah darauf 
zahlreiche Uebergttnge der gewdhnUeh oben plattgedrückten und 



155 

unvollkommen ästigen X. Byp, in phaMastii^ch-getheilte und weitver- 
läng-ert-ästige Gebilde, zwischen diesen aber auch überall einfache, 
stielrunde, in der Regel durchaus gleichdicke, schlanke, lange Formen 
der bisherigen X fiUformis^ wovon indessen nur ein einziges Exemplar 
fruktifizirte. 

Die obere Hälfte des letzteren fand ich steril und^ gleich dem 
ganzen Pilze, schwarzbraun geworden, weil keine Konidiehdecke mehr 
vorhanden war. Der stielvertretende, unterste Theil, beiläufig bis zu 
einem Fünftel der GesammthOhe reichend, erzeugte, gleichwie bei 
andern Xylarien, keine Früchte. Das dazwischen befindliche Hittelstück 
schwoll nicht ringsherum, sondern bloss nach einer Seite etwas an 
und hatte dort von den die Oberfläche auswärts drückenden Pyrenien 
ein auffallend höckerig-rauhes Aussehen. ■ , ' 

Die Pyrei^ien lagen zum Theile dicht an einander gedrängt, zum 
Theile wieder getrennt. Sie sind schwarz, dünn, hornartig-fest, 0*5 — 
0*75"^ hoch, bei freier Entwicklung kuglig, wo sie gedrängt liegen 
mehr oval ^ mit kaum bemerkbar erhabener Mündung und haben 
inwendig eine dicke, aus hyalinen Zellchen bestehende Wandbe- 
kleidung, von welcher überall, also konzentrisch, die lang-keulen- 
förmigen, achtsporigen Schläuche entspringen, in deren oberem Theile 
die Spbren staffeiförmig geordnet sitzen. Letztere präsentiren sich, je 
nach ihrer Lage, oval oder mit einer geraden Längenseite, d. i. sie 
sind kaffeebohnenförmig, dabei 0012— 0-015"^ lang, 0-006— 0'007°'" 
dick, anfangs licht-, dann immer dunkler braun, einfach, führen jedoch 
lange Zeil in jedem Ende eine erst bei voller Färbung verschwindende 
Sporidiole. 

' In unreifen Pyrenien sieht man eine Menge dickfadenförmiger 
Paraphysen, deren Zahl bei fortschreitender Reife immer m^hr abnimmt, 
bi3 man zuletzt nur wenige mehr antrifft; Ich halte sie deshalb für 
unentwickelte Schläuche. 

Der gallertartige Pyrenienkern ist erst bläulich -weiss, dann 
bräunt er sich durch das Reifen der Sporen. 

Vor der Fruktifikation ist der obere Theil des Pilzes mit lang- 
eiförmigen, fast keulenförmigen, dur<;hschnittlich 0*008°^ langen, 
wasserhellen, 2 Sporidiolen führenden, an der Spitze einfacher, dicht-* 
stehender, hyaliner Hyphen entstehenden Mikrokonidien bedeckt und 
sieht wie mehlbestreut aus. 

Bei der normal geformten X Hyp. war diesmal kein frucht- 
tragendes Individuum zu sehen; in früheren Jahren fand ich alles 
dem eben Gesagten völlig entsprechend, nur hatten die gedrängten, 
daher ovalen Pyrenien bloss eine Breite von etwa O'S?"^"*, was mir 
wohl auch hier vorkam. 

Uebrigens pflegen bei der Normalform die Pyrenien ebenfalls 
nicht die ganze für sie bestimmte Pilzoberfläche an einander geschlossen 
zu bewohnen, sondern partienweise zu stehen* 

Wie gesagt^ beobachteten Albertini und Schweiniz den Eintritt 
der Fruktifikation ihrer Sph. filiformis zwischen Juli und August, ich. 
zynischen November und Dezember. An der normalen Form von X. 



156 

Hypoxylon sah ich in früheren JiAren die Pyrenienbildung im Dezember 
beginiien, seltener früher. Ueberhaupt deutet meine Wahrnehmung 
an Xylarien dabin, dass dieselbe Art für sich keine genau bestimmte 
Fruktifikatienszeit einhält. So fand ich einmal die X. digitata Grev. 
noch Anrangs Juli steril, obschon die weissliche Konidienbekleidung 
ganz verschwunden war, was sonst ein Zeichen der Reife ist. Ein 
andermal überraschte ich den Pilz um dieselbe Zeit gerade im Bilden 
der Pyrenien. Und wieder ein andermal fand ich schon vor Mitte 
Juni alle Schläuche bereits zerflossen und in den Pyrenien nebst 
Schleim nur noch freie Sporen. Die X. polymorpha Grev. sah ich 
ebenso alt und überreif Anfangs Mai zwischen einer üppigen Gruppe 
jungen Nachwuchses an einem Weissbuchenstocke; Mitte Juli des 
nächsten Jahres dagegen in demselben Walde, ob aber an demselben 
Stocke weiss ich nicht; eine Gruppe völlig reifer Individuen mit intakten 
Schläuchen, wonadi man folgern machte, dass das Mycelium perennirt, 
im Lenze, wenn nicht gar schon im Winter, beginnt Fruchtkörper zu 
erzeugen, welche im Juli reifen und dann bis zum nächsten Mai 
fortbestehen, was indessen noch der Bestätigung benöthigt. 

Bolton gibt T. 129 verschiedene Formen der X. Hypoxylon^ 
^nter andern eine^ Fig. c, deren Mycelium aus beinahe gitterförmig 
anastomosirenden , der Rhhamorpha subcortiealis ganz ähnlichen 
Schnürchen besteht. Dass diese Rhisomorpha die Myceliumform der 
X. digitata ist, sah ich in unzähligen Fällen, aber erst mein letzter 
Fund der X. Bypoxylon bestätigte die Richtigkeit der Bolton'schen 
Angabe. Es war nämlich ein Individuum vorhanden, welches dadurch 
entstanden war, dass zwei in verschiedenen Punkten des Holzes 
fussende Schnürchen sich in einiger Höhe über der Hol^berfläche zu 
einem Körper, der Xylaria, vereinigten. 

Die sogenannte BMzomorpha lubcorticcUis, hat somit auch hieher 
eine, wenn auch nur selten deutlich auftretende Beziehung. 



üeber einige Pflanzen, insbesondere der österrrungar« 

Flora. 

Von J. Freyn. 

(FortsetauBf.) 

3. JRanuneulus neapolitanus Ten. Diese Art habe icb 
im abgelaufenen Jahre in grosser Menge und in allen Entwicklungs- 
Stadien beobachten können. Sie kommt ganz gleichmässig auf den 
trockenen Hügeln, sowie auf den feuchten Wiesen vor und zwar an 
letzteren Orten häufig dicht gemengt mit der folgenden Art. Die Be- 
merkungen, welche ich an dieser Stelle (XXV, p. 113 und folgd.) 
gemacht habe, sind nach den umfassenden neueren Beobaohtungen 



i 



157 

mehrfach zü ergänzen. Namentlich kann ich vollkommen bestätigen 
l¥as Janka in dieser Zeitschrift (XXV, p. 249) über die Beschaffenheit 
des Stengelgrundes gesagt hat. Er kommt bald knollig, bald nnver* 
dickt vor und es entbehrt demnach dieses Kennzeichen bei R. nea- 
politanus des Unterscheidungswerthes. Dagegen finden sich hier zu^ 
Lande keine Veränderungen in der Gestalt und der Länge des Frucht- 
schnabels; Uebergänge zu R. heucherifolius Presl konnte ich hier 
demnach ni^ht konstatiren. Selbstverständlich ivill ich damit keines- 
wegs negiren, dass solche Uebergänge anderwärts vorkommen mögen. 
Es scheint mir interessant zu konstatiren, dass die Fortpflanzung des 
R. neapolitanus nicht nur durch Samen erfolgt, sondern auch durch 
unterirdische Ausläufer. Letztere sind etwa von der Stärke der ver- 
dickten Wurzelfasern oder schwächer, cyltodrisch und in unregel- 
mässigen Abständen knotig verdickt und an diesen Stellen Wurzeln 
treibend. Diese Knoten sind jedoch nichts anderes als Knospen, aus 
denen sich später ein neues Individuum entwickelt. Untersucht man 
nämlich ein Exemplar dieser Art, woran der Ausläufer noch vor- 
handen ist, so findet man unmittelbar tiber einem der erwähnten, 
durch einen ganz kurzen Hals davon getrennt, den mehr oder weniger 
verdickten Stengelgrund und erst aus diesem entspringen dann die 
huscheligen^ verdickten Wurzelfasern. Andererseits ist die Fortsetzung 
des Ausläufers von der zur neuen Pflanze ausgebildeten Knospe an 
plötzlich ganz dünn (etwa nur V4 ini Durchmesser haltend, wie auf 
der anderen Seile der Knospe), kaum von einer gewöhnlichen Faser- 
wurzel zu unterscheiden. Dieser Ausläufertheil ist also entweder ab- 
sterbend oder zeitweilig in den Ruhezustand versetzt. Die Länge der 
erwähnten Ausläufer ist bei R. neapolitanus sehr verschiedeii, indessen 
sah ich bisher keinen längeren als 21 Cm., zumeist sind dieselben 
jedoch weit kürzer und unansehnlich. Ganz analog wie R, neapolitanus 
verbreitet sich auch R. chaerophyüos und wahrscheinlich alle diesen 
nahestehenden Arten. Tommasini hat im Triester Garten (chiadino) 
beobachtet, dass die von ihm dorthin verpflanzten Rovigneser Exem- 
plare des R. chaerophyüos sich auf diese Weise über die Beete ver- 
breitet haben u. zw. in verhältnissmässig kurzer Zeit. 

Janka erwähnt an der erwähnten Stelle, dass Tenore's Ab- 
bildung des R, neapolitanus y sowie ein Herbarexemplar dieser Art 
von demselben Autor von der Beschreibung abweichen und eher zu 
R, lanuginosus gehören. Er möchte daher auch den Namen R. Tom- 
masinii lieber erhalten wissen. Nachdem jedoch der letztere mit der 
Tenoro'schen Beschreibung des R, neapolitanus iuverlässlich stimmt, 
so kann doch wohl über den Namen kein Zweifel obwalten, gleichviel 
ob die Abbildung und das Herbarexemplar Tenore's damit im Wider- 
spruche sind oder nicht. Die Differenz mag sich auf einen Irrthum 
beim Unterschreiben der Abbildung, oder auf sonst ein Versehen 
zurückführen lassen und kann den massgebenden Wortlaut der Be- 
schreibungf nicht' beeinträchtigen. 

4. Ranunculus velutinus Ten. (in der analytischen Tabelle 
XXV^ p. 121 d. Z. steht unter axis glabra irrthümlich R. neapolitanus 



158 



8tM R^vehttinusTen.^ was ich übrigens I.e. p. 180 schon beriöhligl 
habe). — Diese Art ist nun auch für Istrien gesichert und zwar 
gehört der grösste Theil jener Pflanzen dazu^ unter welchen bisher 
it. palustris L. vermuthet wurde. Von letzterem ist jetzt nach Tom^ 
masini's brieflicher . Mittheilung nur der Standort bei Cittanuöva sicher, 
während — wie ich wenigstens in Südistrien beobachten konnte -— 
die feuchten Wiesen von Unmassen des it. velutinus Ten. Cverust) 
bedeckt sind. So namentlich auf der bekannten Wiese unter Ft. Turilia 
zwischen Stignano und Fasana und am Prato grande bei Pola. Genau 
so wie es Janka bei Florenz gefunden hat, verhält es sich auch in 
ktrien: it. velutinus kommt dicht gemengt mit R. neapoHlanus, aber 
ohne die geringsten Uebergänge vor und ist von einem geübten Auge 
auch ohne nähere Untersuchung von der letztgenannten Art auf den 
ersten Blick zu unterscheiden. Denn ausser den charakteristischen 
Früchtchen ist R. eelüHnus auch an hohlen, meist erst oberwärts 
verzweigten, etwas bläulich bereiften . Stengeln von H. neapolitanus 
zu unterscheiden, welcher gewöhnlich vom Grunde an ästig-vielstengelig 
ist und unbereifte und harte, nicht hohle Stengel besitzt. R. eeluHnus 
Ten. scheint dagegen ausschliesslich auf feuchte Standorte angewiese n 
zu sein (Wieseh und Wälder) und nur ganz ausnahmsweise fanden 
sich auch einige Individuen an grasigen Stellen des trockenen West- 
abhanges am Monte Turco bei Pola. 

bi JRanunculus InUearicus nov. spec. (R, lanuginosus 
Cambess. enum. bal. non L. Rodrig. catal. raz. p. 2! it. palustris 
Rodri^. suppl. p. 21 non L.) Multicaulis, rhizomate brevissimo fibras 
napuliformes incrassatas edente, colio subbulboso parce 
fibrillosp, foliis radicalibus longo petiolatis profunde cordata, ambitu 
subpentagonali, 3 — 5 partiti, lobis irregulariter inciso^crenatis, dentibus 
obtusiusculis ; caulibus erectis vel adscendentibus, supra medio 
ramosis, sulcatis petiolo foliisque patente hirsutis; ramificatione 
foliata, foliis breviter petiolatis subsessilibusque 3-sectis, lobis integris 
vel pauce-dentatis. Calyx adpressus; petala obovata, calycem sub- 
dimidio longiore, luteis, superne nitidis, subtus fusco-venosis; axis 
hirsuta; carpelUs planiüsculis, circumcirca margin e utrin- 
que sulco impresso cincta, in rostrum eis dimidio brevius 
8ub-*unQinatum, in curvum abeuntibus. 7^. Hajo. 

Hab. in insulis Baleariciä praesertim in insula Menorca communis. 

Comparavi specimina a dar. Rodriguezio in ins. Meporca prope 
Alayor 19. majo 1874 lectas e mihi benev. communicatas. 

Dieser Hahnenfuss gehört ebenfalls in die kritische Gruppe des 
R. neapolitanus und ist speziell dem R. heucherifolius Presl sehr 
ähnlich, unterscheidet sich aber von allen Verwandten durch den a n* 
gedrückten, nicht zurückgeschlagenen Kelch, wodurch er 
sich wieder R. lanuginosus nähert, für welchen ihn Cambess&des auch 
gehauen hat. R. palustris L., für welchen ihn Rodriguez neuerlich 
erklärt, ist es nicht, denii diese letztgenatinte Art weicht durch fäd- 
Uche (nicht verdickte) Wurzelfasern, un verdickten Stengelgrund und 
aehr kurz geschnäbelte Früchte, sowie durch einen zurücl^eschlagenen 



159 

Kelch sehr ab. R. cor^cus Viv. wird, nach der Origitiälbeschreibung 
(in Viviani, Florae corsicae speciarum novarum diagnosis.p. 81) zu 
urtheileii^ von Bertoloni vollkommen richtig zu it. po/ux^m gebracht 
und Viviani sagt von seiner Pflanze selbst „. .. «calycibus reflexis.^ 
Indessen beruft sich Viviani auf DC. syst. 1, 295, woselbst seine 
Pflanze als var. ß des R. pcUuitris angeführt wird. An dieser Stelle 
kommt aber folgende sehr auffällige Bemerkung vor: ,,flores ignoti» 
Carpella ut in var. a (nempe „R. palustris^'); stylo tarnen paulo 
longiore apice vix ac ne vix subuncinato.^ Viviani beschreibt die 
Früchte des R. corsicus nicht, da er aber De CandoUe zitirt und die 
Standorte passen, so ist seine Beschreibung gleichsam eine Ergänzung 
zu jener De Candolle's und il. corsictis ist demnach ein R. palustris 
mit längeren Fruchtschnäbeln, vielleicht also zu diesem in demselben 
Verhältnisse stehend, wie JL heucherifolius zu jR. neapolüanus. 



Eine Wandenmg durch Oberkrain. 

VoD Julius Engy. 

(Seber das SearbioJa-J«eh in das Vaehetn-Tkal, Bestetgiog der Cerat 

Prst ind des Triglav.) 

Theils bewogen von den begeisterten Schilderungen, welche mir 
die Besucher des berühmten Wochein-Thales von der an grossartigen 
Naturschönheiten so reichen Gegend gemacht, theils angezogen von 
der reichhaltigen, interessanten Flora, die jene Alpengebiete um 
Tolmein, an der Grenze Krain's und des Küstenlandes dem Pflanzen- 
freunde bieten, hatte ich immer mehr den Plan in mir reifen lassen, 
von Tolmein im IsonzO'-Thale aus über das Scarbinja-Joch jene viel 
besprochene, viel gelobte Gegend zu besuchen, und als endlich die 
Ferien herankamen und Alles hinauseilte in's Grüne und Freie, da 
schnürten auch mein Bruder und ich unsere Bündel und dampften 
am 12. August wohlgemuth mit der Bahii nach G.örz, von wo aus 
wir am nächsten Tage unsere Partie in Angriff nehmen wollten. 

Nach vierstündiger Fahrt durch das schöne Isonzo-Thal, das 
bald von steil abfallenden Bergen und Fclsabhängen umgeben zu 
einer schmalen Schlucht sich verengt, in deren Tiefe die blauen 
Wasser des Isonzo zwischen engen Ufern dahinfliessen, bald wiedär 
zu einer breiteren Thalweitung sich öfihet, wo der Strom ruhiger 
und majestätischer fliesst, weiss umrandet von Schotterfeldern j die 
von den Ftitscher ßergen heruntergeschwemmt worden, hatten wir 
endlich die letzten, senkrecht abfallenden Felsen vor Woltschach 
hinter uns, auf denen die seltene Medicctgo Pyronae ihren Standort 
genommen und vor uns lag der dunkelgrüne Waldkegel, auf dessen 



160 

Gipfel ManertrQmmer von einstiger Grösse zeugen und zu seinen 
Füssen die weissen Httuser Tolmein's liegen. Hier wachsen Hieracium 
illyricum und austräte y am Isonzoufer unter anderem Campanula 
camica nnd Inuia ensifolia^ auf Felsen beiHodrea: Medicago Pyronae 
und Athamantha Matthioli. Hinter Tolmein, erheben sieh die zahlreichen 
Bergspitzen u^d Ketten zu einer immer grösseren Höhe empor, bis 
sie endlich die felsigen, von der Mittagssonne weiss angestrahlten 
Abhänge des H. Kuck und Vohu erreichen. — Eii| Führer bis auf 
die Höhe des Passes war bald gefunden, der sich dep im Tarif fest- 
gestellten Lohn von 3 fl. ausbedung; der Nachmittage 5 Uhr^ ward 
zum Aufbruche bestimmt. 

Zunächst einen Hügel hinan, geziert mit Campanula caespitosa, 
Calamintha thymifolia^ Athamantha Matthioli, dann längs einer 
wilden, schmalen Schlucht, wo wir Gentiana asclepiadea^ Aconitum 
Lycoctonumj Myrrhis odorßta^ Epipactis rubiginosa^ Paederota Ageria^ 
Astrantia maior, Cirsium Erisithales, Phyteuma Michelii, orbiculare, 
Betonica Alopecurus, Ranunculus aconitifolius fanden und in deren 
Tiefen die schäumende Töminsca braust und tost^ führte uns der 
wohlerhaltene Pfad. Bald begann die Dämmerung ihre Schleier über 
die Gegend tu breiten, düstere Schatten senkten sich in die tiefe 
Schlucht zu unseren Füssen, dunkle Wolken begannen sich über den 
Bergen zu zeigen. Weit drüben sahen wir noch die Zinken und 
scharfen Grate, die sich in den mannigfaltigsten Formen um ihren 
mächtigen Beherrscher, den Vohu gruppiren und die noch vor Kurzem 
uns roth überstrahlt entgegengeleuchtet hatten, wie die Zinnen und 
Thürme eines sagenverklungenen^ riesenhaften Schlosses; nun ragten 
sie kahl und grau in die dunklen Lüfte. 

Es war schon finstere Nacht, als wir nach 3 Va stündiger 
Wanderung die ersten Hütten des Alpendorfes Rauna erreicht hatten, 
wo wir von einer freundlichen Sennerin gastlich aufgenommen, ^ein 
herrliches Nachtlager auf duftendem, weichem Heu fanden. Nachdem 
wir am nächsten Morgen einen anderen Führer aufgenommen^ einen 
kräftigen Aelpler, da der frühere von anderen Wanderungen her, 
die er in derselben Woche unternommen, zu müde war, verliessen 
wir Rauna um 5 Uhr Früh. 

Der Steg, umsäumt von Veronica fruticulosa^ Linum viscosum^ 
Orchis ustnlata, Epipactis rubiginosa^ Asperula longiflora, Calamintha 
thymifolia, Aconitum Napellus, tenuifolium^ Jacquinianum^ Veratrum 
Lobelianum^ Silene quadrißda L., Gymnadenia conopsea^ führt zunächst 
ziemlich eben über saftige Alpenwiesen, dann aber beginnt er, immer 
unkenntlicher werdend, steil und steiler emporzusteigen. Bald mussten 
wir durch dichtes Gebüsch dringen, bald versperrten uns Massen 

fefällter Bäume den Weg., Endlich waren wir in das Gebiet der 
eisen gekommen, in ein Gewirr von Felstrümmern und Blöcken, von 
Geröllhalden und senkrechten Abstürzen. Wo ich nur hinblickte, sah 
ich überall die lieben Kinder der Alpenwelt, die mit ihren zierlichsten 
Formen und den schönsten Farben den Boden schmückten; da leuch- 
teten auf grasiger Halde die goldgelben Köpfchen des Senecio abro^ 



161 

tanifoliu^^ dazwischen die: schimmernden Sterne des Edolweisses, 
dort winkten aus der Felsspalte blaue Glöckchen der Campanula 
Zoysii^ die weisse Blütbendolde von Potentilla Clusiana oder Wedel 
von Cystopteris fragilis und Polystichum rigidum^ üppige Sträucher 
von Rhododendnon Chamaecistus und die blaue, grossblumige Aquilegia 
eiscosa umsäumten unsern Pfad, längs welchem noch ferner zu 
finden sind : Ändrosace villosa, Thlaspi alpinum, Heracleutn austriacum, 
Viola biflora^ Aquilegia atrata^ Sa>xifraga Äizoofij crustata, ai^^oides^ 
Ächillea Clavenae^ Saaoifraga rotundifotia^ cuneifolia^ Campanula 
carnica^ Erytrichium nanum, Rhododendron hirsutum , Tofieldia 
calyculata^ Polygonum viciparutn^ Betonica Älopecurus, Bellidio/strum 
Michelii, Erhob ich aber das Auge, so konnte ich die grossartigen 
Formationen der beiden Steinriesen, des Kuck und Vohu bewundern, 
deren felsige Gehänge in kühnen Abstürzen auf das Steinmeer zu 
ihren Füssen abfallen, diese kolossalen Bergesmassen ^ welche die 
Natur als scheinbar unübersteigliche Mauer zwischen zwei Kronländern 
emporgethürmt. Nach Ueberwindung der letzten, ziemlich steil an- 
steigenden und anstrengenden Geröllhalden hatten wir nach drei- 
stündigem Steigen die Höhe der Scarbinja erreicht. 

Zwar hatte uns ein Sturm, der in der Nacht getobt, auf eine 
reine Aussicht Hoffnung gemacht, doch sahen wir uns, was den 
Westen anlangt, darin getäuscht^ denn obwohl wir deutlich den Lauf 
des breiten Tagliamento durch die italienische Ebene verfolgen konnten, 
hatten sich doch Wolken am äussersten Horizont gelagert, die uns 
den Anblick des Meeres und der nordwestlich gelegenen Bergspitzen 
verhüllten. Grossartig gestaltete sich dagegen der Blick in das jenseilige 
Wochein-Thal. Anfangs hatten sich dichte Nebel über dasselbe ge- 
lagert, plötzlich aber begannen sich diese zu heben — und tief zu 
unseren Füssen lag der düstere, dunkle See, umgeben von steilen, 
imposanten Felskolossen, auf denen nur spärlich hie und da eine 
Tanne ihre Wurzel geschlagen und nun mit dunklem Grün die kahlen 
Wände schmückt, die zerrissen und vielfach geborsten in den ruhigen 
Fluten zu ihren Füssen sich spiegeln und hinten erhebt sich stolz 
und kühn die ungeheure Pyramide des Königs der Kraincrberge, der 
ernste Triglav. 

Die Flora der Krainerseite ist noch weit reichhaltiger als die 
jenseitige. Massenhaft überdeckt hier Potentilla nitida die Felsgetrümmer 
mit rosenrothem Polster, da blüht am Rande eines Schneefeldes 
Papater alpinum und Aquilegia atrata , Ächillea Clusiana und 
Clavennae^ Aronicum scorpioides und die seltenen Ranunculus-ArXen 
R, hybridus und R. Traunfellneri sahen aus dem Gerolle hervor, 
dazwischen nach allen Seiten wachsen : Heracleum austriacum^ 
Pedicularis Hacquetii^ tuberosa, terticillata^ Jacquinii^ Horminium 
pyrenaicum^ Astrantia alpina^ maior, carniolica, Ligusticum Seguieri, 
Aconitum Lycoctonum^ Statice alpina^ Anemone alpina, Pulsatilla 
(fructif.) Athamanlha cretensiSy Scabiosa lucida^ Betonica Älopecurus. 

Nun ging es hinab; zunächst eine Stunde über grobklötzige 
Geröllmassen und theilweise über alten Schnee^ eine weitere Stunde über 

Oetterr. botan. Zeitschrift, b Heft. 1876. 1 3 



162 

kleineres Gerolle, mit Pinu$ Mughus und Alpenweide bewachgen^ 
hierauf die dritte Stunde einen steilen Buchenwald hinab ^ bis wir 
endlich das südwestliche Ufer des Sees erreichten. Eine weitere 
kleine Stunde längs dessen südlichen Ufers brachte uns zum Wirths- 
hause am östlichen Ende des Sees, eine Viertelstunde von Althammer 
entfernt. Hier verabschiedeten wir unseren Führer und hatten nach 
Vi Stunden Weges das grosse Dorf Wocheiner Feistrilz erreicht, wo 
wir vom Wirthen „zur Post* auf das zuvorkommendste empfangen, 
eine sehr gute und billige Unterkunft fanden. 

Am nächsten Tage besuchten wir den Savizzawasserfall. Auf 
einem der breiten, flachen Boote fuhren wir über das ruhige Gewässer 
des Sees dahin, der in den verschiedensten Färbungen, vom hellen 
Grün bis zum dunklen Grau spielte. Ein wohlerhaltener Pfad führte 
uns vom Westende des Sees längs der wild dahinschäumenden Savizza 
in den tiefen Thalkessel, wo ich Asplenium fissutn^ Adenostyles alpina 
und albifronSy Aconitum Napellus, paniculatum, Campanula carnica^ 
caespitosa beobachtete und an dessen Ende deir Fall sich befindet. 

Ein grossartiger Anblick! — In einer engen Felsenschlucht, 
umstarrt von senkrecht emporsteigenden Wänden, dringen hoch oben 
aus finsterer Oefi'nung, aus dem gebeimnissvoUen Schosse des Berg- 
kolosses, die klaren Fluthen; sie stürzen und brausen in wilden 
Sprüngen weissschäumend das Gewände herunter und donnern in 
einen tiefen, azurblauen Kessel, den Trümmei und Klötze umlagern 
und brechen sich dann weiter Bahn durch das Gewirr von Felsblöcken 
und entwurzelten Stämmen. 

Anstatt, wie wir geplant^ an demselben Tage noch das Wochein- 
Thal zu' verlassen, hatte ich meinen Bruder bestimmt, den nächsten 
Tag (16. August) zur Besteigung der Öerna Prst, des Schwärzen- 
Berges zu benützen, der seinen Namen von einer Schichte schwarzer 
Thonerde unmittelbar unter der höchsten Erhebung erhalten hati Um 
6 Uhr Früh brachen wir von Feistrilz auf. Einen prachtvollen üppigen 
Buchenwald steil hinansteigend hatten wir auf Wiesen, bewachsen 
mit Gentiana asclepiadea und lutea, hinaustretend nach 1^/2 Stunden 
die erste Höhe erreicht, da finden sich: Gentiana pannonica, Libanofis 
montana^ Athamanlha cretensis^ Hedysarum obscurum^ Bupleurum 
graminifolium, Phyteuma Sieberii und orbicndare, Chenopodium bonus 
Henricus, Nun ging es an Sennhütten vorbei, zunächst ziemlieh eben, 
hierauf steiler und steiler werdend eine kurze Strecke über Geröll, 
doch nirgends schwierig, geschweige denn gefährlich. 

Die Besteigung ist eine leichte und äusserst lohnende, sowohl 
was Flora als auch Aussicht anbelangt. Die schönsten und seltensten 
Alpenpflanzen Krain's haben sich hier vereinigt zu einem formenreichen 
bunten Garten; da steht neben dem amethystfarbenen Eryngium alpinum 
die prachtvolle Scorzonera rosea^ eine Spezialität der Karawanken, 
da sind weite Strecken überdeckt von den dichten Aehren des Aconitum 
Napellus^ Jacquinianum, Lycoctonum, den rothen Schirmtrauben von 
Adenostyles alpina, da entfaltet Ligusticum Seguieri seine breiten, 
weissen Dolden, Campanula Zoisii und camica, Potentilla caulescens 



j 



. 1(J3 

und nitida, Heraclßum austriacum nnA silberweisse Teppiche von 
Geranium argenteum überdecken die höchste Kuppe und jenseits 
glänzen aus dem kurzen Alpengrase zahlreiche, weisse Sternchen; 
es ist das Edelweiss, die Zierde unserer Alpen, das hier in den 
schönsten Exemplaren seinen Standort genommen. 

Zu dieser interessanten Flora gesellt sich dann die herrliche 
Aussicht auf die blaue Adria, auf die weite italienische Ebene durch-^ 
strömt von silberweissen Fäden, auf die Bergkolosse des Flitscher 
und Trentagebietes und auf den Altvater der julischen Alpen, den 
Terglou. Auf dem Abstiege machten wir noch eine höchst lohnende 
Seit^npartie zutn Ursprünge der Feislritz und nahmen dann dankend 
Abschied von dem freundlichen Wirthe „zur Post," den wir auch 
allen Touristen und Besuchern der schönen Wochein auf's wärmst« 
anempfehlen möchten. 

Nach zweistündiger Fahrt durch das schmale, romantischb 
Wochein-Thal lag plötzlich der blaue Spiegel des Veldeser Sees, der 
„Perle Krain's," vor uns. Welch' ein Kontrast zwischen ihm, der da 
so sonnig und heiter uns anlachte wie eine schmucke Braut, und 
jenem finsteren Gesellen in der Wochein, dem düsterefi Einsiedler 
der Alpenwelt. Da sieht man keine imposanten Felskolosse in senk^ 
rechten Abstürzen den Fluthen entsteigen, da liegt die Schönheit 
nicht in der Grossartigkeit der Verhältnisse, im traurigen Düster der 
Umgebung wie dort, — da plätschern die leisen Wellen des tief- 
blauen Gewässers an grünen, lieblichen Gestaden, da leuchten aus 
grünem Geäsle der Bäume freundliche Landhäuser und Villen über 
dem klaren Spiegel, da wacht hoch oben auf der Felsenhöhe ein 
malerisches Schloss über die schöne Landschaft zu meinen Füssen, 
da ziehen vom grünen Eilande die Töne eines Glöckleins herüber, 
leise getragen an den waldigen Bergen verhallend, die das schöne 
Thal umrahmen, und weit drüben ragt das Haupt des Terglou in die 
Lüfte und beschliesst das prachtvolle Gemälde. 

(Scliluss folgt*') 



Das Pflanzenreich 

auf der Wiener Wdtaasstellang im Jahre 1S73. 

Notizen über die exponirlen Pflanzen, PflaDzeDrofastoiTe and Produkte, sowie über ihre bildlichen Darstellungen. 

Von Franz Antoine. 

^ CFortsetzung.*) 

Rinden. 

Cirmamomum zeylanicuth Nees. In 

3 Sorten. 
— Culilawan G. Don. Liefert ein 



Cinchona Calisaya. Königs- China. 

— HaskarUana, Eine Abart der 
vorigen. 

— Pahudiana, Braune China. 

— officinalis L. 

— simcirubra Pav» 



wohlriechendes flüchtiges Oel. 
— Soga, Zum Roth- und Braun* 
färben. 

13^ 



S- 



164 . . 

Wurzeln. 

Curcnma longa I4. Färbemittel. 
Maranta arundinaceä L. 
JlfaȀae</oc- Wurzeln. 
Zingiber officinale Rose. 

Harze. 

Datnmara otientalis Lamb. Harz davon lag in prachtvollen Stücken auf. 

CopaZ-Harze. 

Calamus Draco. Drachenblut. 

Oele. 



Myristica moschata Thunb. 

Die Verpackung desselben ge- 
schieht gewöhnlich in Fässern 
aus dem Holze der Tectona 
grandis. 



Amygdalinus communis L. 
Caryophyllus aromaticus L. 
Lßurus Cidilaban L. Ein flüchtiges, 

wohlriechendes Oel, welches 

die Rinde abgibt. 

Hölzer. 

Caesalpinia Sappan L. 

Diospyros Ebenum Retz. Von den Molukken. 

Nauclea Gambier Hunt. (Riomo Gambier). Ein Färbe- und Gerbe- 
mittel^ wird bei Bereitung des Betels zugesetzt (Syngapore lie- 
fert hiervon 10 Millionen Kilogr. nach Etigland). 

Maclura aurantiaca Nutt. (Kadrang oder Gelbholz). 

Blätter. 

Borassus flabelliformis L. Aus Lontar-Blättern lagen zwei javanische 

Bücher vor. 
Caryota humilis. Atap-Blätter werden zu Dachungen verwendet. 
Nicotiana Tabacum L. Sah man in 16 Proben. 
Thee, in 20 Proben und von verschiedenen Plantagen. 

Faserpflanzen. 



Arenga saccharifera Labill. Go- 
muti-Palme. Sowohl Seile und 
Hüte aus den Blättern, als 
auch unverarbeitete Fasern 
lagen vor. 

Ananassa sativa Lindl. 

Agaee Cantula Wall. 

Boehmeria nivea Hook. Arn. (Ra- 
meh). Aus verschiedenen Ge- 
genden. 

Kautschuk uiid Guttapercha. 

Kautschuk von Sumatra (währsisheinlich von Calotropis gigan-- 
tea R. Br.). 



Corchorus olitorius L. 
Cocos nucifera L. 
Gossypium, Von Java in 6 Sorten. 
Urena Blumei. 

Menado Koffo. Hanf (Musa Ensete). 
Boca-Boca, Fasern. 
Moorva, Fasern. 

Gonje, Fasern zur Anfertigung von 
Kaffee- und Reissäcken. 



165 

Guttapercha von Sumatra (Ceratöphorm Leerii Hask. ?) und Pa- 
lembang in 8 Sorten in länglich viereckigen, stumpfkantigen 
Kuchen. 

Zuckermehl. 
Hiervon lagen 19 Proben auf. 

Indigo. 

In 10 Sorten. Die Färbung ging von Röthlich- Violett bis in's Schwärz- 
liche über. 

Kopak. 

Hiermit werden in Indien die Matratzen und Sluhlsitze gefüllt. Es 
scheinen Spreuhaare von einem Cybotium zu sein und hatte 
Aehnlichkeit mit dem Pulu der Sandwichsinsulaner. 

Bambusrohr 

war durch mächtige Stämme und durch daraus verfertigtes Faserwerk 
vertreten, Geflechte und Körbe waren buntfarbig und äusserst zierlich 
gearbeitet. 

Gewürznelken 

scheinen zur Anfertigung von kleinen Körbchen und sonstigem Spiel- 
zeug sehr beliebt zu sein, denn derartige Gegenstände waren in 
Menge vorhanden. 

An den Säulen der Seitengallerie lehnten fünf Stämn^e von Cm- 
cAona-Arten aus Java. Sie hatten zunächst dem Wurzelstocke bei 
8 Zoll Durchmesser und von da ab bis zum Gipfel 36 — 40 Fuss in 
der Länge, sie waren ihrer Aeste beraubt und weisslich-graue Flech- 
ten erschienen in grosser Anzahl auf der sonst ziemlich glatten Rinde. 
Das Alter dieser Stämme soll 8 — 10 Jahre betragen, und es zeigt 
sich demnach, welch* rapides Wachsthum dieser Baum unter den 
ihm zusagenden Verhältnissen entwickeln kann. 

Von hohem Interesse war ein aus 8 Cinchonaarten bestehendes 
Herbar in bedeutend grossem Formate. Unter dem sehr schön ge- 
trockneten Zweigstücke nebst Blüthenstand, Samen und Rinde befand 
sich eine Etiquette, welche ausser den Namen den Alkalo'idgehalt 
jeder Art und die Anzahl. der auf Java ausgepflanzten Bäume be- 
kannt gab. Sie reihen sich nach ihrer quantitativen Zahlenabnahme 
auf folgende Weise: 

Cinchona officinalis L. 350.000 Bäume 

— succirubra Pav. 190.000 „ 

— lancifolia 60.000 » 

— caloptera 10.000 „ 

— Hasskarliana 8.000 „ 

— Pahudiana und 

— Calisaya ohne Zahlenangabe. 



166 



Haufenweise lagen Rinden und Faserstoffe theils in ganz rohem, 
theils in verarbeitetem Zustande beisammen, es fehlte aber dabei die 
Benennung. 

Durch die Photographie machte sich Java mit seinen Tempel- 
ruinen und Götzenbildern bekannt. Etwa 300 Photographien (8x11") 
lagen davon auf. Eigentliche Yegetationsansichten fehlten. 

Slam. 

Die Ausstellung von Siam beschränkte sich auf einige Stücke 
von Rohr und sonstigem Holz, dann auf mehrere aller Bestimmung 
entbehrenden Holzmuster. Von der interessanten Uferpflanze RhizO" 
phora Mangle L. waren Rindenstöcke eingesendet. Ferner fand man 
Sämereien von Erbsen, Bohnen und sonstigen GemOsen, jedoch in 
geringer Anzahl. 

Ooohmoliiiia. 

Zu den weniger hervorragenden Expositionen ist jene von Co- 
chirrd^iß^;Zu rechnen. Die kleine Kollektion von Holzmustern war in 
der B^ftr gespaltener Stamm- oder Aststücke aufgestellt. 



.<N 



Holzmuster. 



Acacia lutea 
'. — albicans H. B. 
Aquillaria Agallocha Roxb. (Bois 

d'aigle). 
Artocarpa Chaplaska Roxb. (Mit- 

naii). 
Bambusa arundinacea Ait. 
Bassia sp. (Cha-runjr). 
Banhinia articuldta, 

— rufescens Lam. 
Baianites aegypticä Delil. 
Bombax Ceiba L, 
Borassus flabelliformis L. 
Cinnamomum Camphora Nees. 

(Camphrier). 
Cephalanthns afi'icanus Rchb, 
Combretum glutinosum Perrot. 
Caesalpinia Sappan L. 
Dalbergia sp. (Trac). 

— melanoxylon Perrol. 
Diospyros Ebenum Retz. (Ebene). 
Dipterocarpns sp, (Dau-Drao). 

— sp. (Dau-Mit). 
Gordonia sp. (Vap). 
Hopea Berrierii (Caj-sao), 



Hopea sp. (Hao-deng). Rivalisirt der 
Güte und Dauerhaftigkeit nach 
mit dem Holze von Tectona 
grandis L. 

Khaya senegalensis Juss. 

Nauclea sp. (Tou oder Toi). 

Pterocarpns santalinus L. fil. (San- 
tal rouge). 

Pterospermnm semisagillatnm^oxh. 
(Long-Mang). 

Rubia sp. (Trai). 

Spondias Birrea A. Rieh.. 

Santalum sp, (Santal musquö). 

Sapindus Saponaria L. 

Shorea rubriflora (Chai). 

Sterculia sp. (Tram). 

Ternstroemia sp. 

Tamarindus indica L. 

Terminalia Chebula Roxb. (Chieu- 
lieu-Xanh). 

Vatica sp. (Hen). 

Xylia dolabriformis Berth. 
(Gam X6). 

Zanthoxylon Budrunga Dec. (Cho)^ 



(Fortsetsttiif folr«.> 



1G7 

Literaturberichte. 

Spanien und die Balearen. Reiseerlebnisse und Naturschilderunsren« nebst 
wissenschaftlichen Zusätzen und Erläuterungen. Von Dr. Moritz "Willkomm, 
Professor an der Universität und Direktor des botanischen Gartens in Pra^. 
i Band. 8. 350 Seiten, mit Plan der Tropfsteinhöhlen von Arta. Berlin 
4876. Verlag von Theobald Grieben. 
Bekanntlich ist Willkomm der gründlichste Kenner der so inter- 
essanten Flora Spaniens; er durchforschte dieses Land wiederholt, er 
berichtete über seinen Aufenthalt daselbst in mehreren guten Werken, 
er gibt endlich im Vereine mit Lange den Prodromus tlorae Hispaniae 
heraus. Weil die balearischen Inseln botanisch und pflanzengeographisch 
iioch nicht genügend erforscht waren, so beschloss Willkomm, diese 
reizenden Eilande im Frühjahre 1873 selbst kennen zu lernen. Das 
vorliegende Buch schildert in sehr anziehender Weise seine Erlebnisse 
auf dieser Tour. Der erste Abschnitt (S. 1—26) behandelt die Reise 
nach Barcellona, der zweite beschäftigt sicK mit den balearischen In- 
seln (S. 29—172), der dritte berichtet über Slreifzüge auf dem Fesl- 
lande Spaniens (S. 175 — 254). Den Rest des Bandes füllen endlich 
wissenschaftliche Zusätze und Erläuterungen (S. 257 — 339), sowie ein 
alphabetisches Verzeichniss der Fflanzennamen (S.,341 — 350). Dieser 
letzte Theil ist für den Botaniker von besonderem Interesse und ent- 
hält eine Reihe werthvoller Mittheilungen über die Flora der Balea- 
ren, sowie der iberischen Halbinsel. Es seien namentlich hervorge- 
hoben die Daten über die Vertheilung der Vegetation auf Mallorca 
(S, 334), über die Abnahme der Wälder auf Menorca (S. 274), über 
die Ausrottung von Buxus balearica L. (S. 292), endlich die rei- 
zende Schilderung des berühmten Palmenwaldes von Elche in Spanien 
(S. 186 — 189). Da eine vollständige Aufzählung aller von Willkomm 
auf den Balearen beobachteten Pflanzen demnächst in der Linnaca 
erscheinen wird, so sei bezüglich der botanischen Details auf diesen 
Aufsatz verwiesen. Wir empfehlen Willkomm's neuest^ Werk allen 
Freunden anregender und belehrender Schilderungen fremder Länder; 
sie werden das Buch mit Befriedigung lesen. Dr. H. W. R. 

Die €ir8ien Tirols. Von Leo M. Treuinfels 0. S. B. in Marienberg. Innsbruck. 
Verlag der Wagnerischen üniversitätsbuchdruckerei. 1875. 8. 148 Seiten 
und 4 Tafel. 
Der Verfasser bespricht anfangs die Stellung der Bastarte im 
Systeme überhaupt, ihre Benennung, ferner die Zahl der Hybriden, 
welche zwischen zwei Arten möglich ist (S. 8 — 23). Hieran reihen 
sich eine Uebersicht der Eintheilung des Genus Cirsiwn (S. 24 — 26), 
so wie die Beschreibung sämmtlicher in Tirol beobachteten Arten 
und Bastarte der genannten Gattung (S. 26—111). Treuinfels behan- 
delt im Ganzen 44 Formen, von welchen 13 Arten, die übrigen Hy- 
bride sind. Unter den letzteren finden sich mehrere sehr interessante, 
so namentlich Tripel-Ba starte von Cirsinm Erisithales. C hetero- 
phyllum und C. spinosissimum. Die vorliegende Abhandlung^ ist mit 
vielem Fleisse gearbeitet und kann als ein erwünschter Beitrag zur 
genaueren Kenntniss der so reichen Cirsienflora Tirols bezeichnet 
werden. Dr. H. W. R. 






; 



168 ••■ . . • M-'.' -.. 

Victor Vi Janka ^Adatok Magyarhon dölkeleti florAjahoz'^ (Beitr%e 
zur südöstlichen Flora von Ungarn), * 

Die ^Mathematischen und naturwissenschaftlichen Berichte^ der 
pngar. Wissenschaft!. Akademie brachten im Februar dieses Jahres 
eine interessante Mittheilung von Viktor v. Janka, Kustos des ungar. 
nat. Museums. Verfasser zählt in dieser Mittheilung aus der Flora 
Ungarns und Siebenbürgens 167 Pflanzen auf, welche theils neue 
Spezies bilden, theils auf dem ungarischen Boden gänzlich neu oder 
neue Synonyme sind: alle begleitet er mit kritischen Bemerkungen. 
In der Einleitung hebt er heraus, dass er zu der Mittheilung seiner 
Daten durch den Pester Professor Vincenz Borbäs gezwungen sei, da 
dieser noch im Jahre 1874 Mittheilungen über die Flora des Banates 
publizirte, in denen er eine Auswahl von Seltenheiten und Neuig- 
keiten den rLesern aufführt, als wenn dieselben von ihm herrührten 
oder von ihm im Banate entdeckt wären, obgleich ihn Janka auf 
diese als auf Funde seiner im Jahre 1870 im Banate slattgefundenen 
Exkursionen aufmerksam machte. Unter den 167 aufgezählten Pflan- 
zen sind der Wissenschaft gänzlich neu: CrucianeUa oxyloba und 
Nasturtinm Aschersonianum von Svinicza (im unleren Donauthaie); 
Cardaitine longirostris vom Thale Kazan; Alsine cataractarum vom 
Eisetnen-Thor; Spiraea banatica vom Berge Golec (im Banat); Cra-- 
tatgtis rösaeformis von dem Herkulesbade; Phleum fallax von der 
Detuiiata; Centaurea Sadlerlana von Pest und anderen Orten Ungarns; 
endlich von der Iris pümila und der hieher gehörenden Gruppe 
dissertirend theiU er uns eine diagnostische Tabelle mit, in welcher 
er zwei neue /rw, nömlicli /. melUta und /. balkana beschreibt. Be- 
züglich Ungarns sind geographisch neu zu nennen besonders: Phleum 
ambiguum Ten., Bromus^ tfariegatus M. B. (= B. transsihanicus 
Schur!), Triticnm panormitanum Bert.^ Carex basilaris Jord,^ Parle- 
taria lusitanica L., Scutellaria scordifolia Fisch., Cachrys ferulacea 
L., Sedum neglectum Ten., so wie auch Dianthus pinifolius und 
Gypsophila illyrica vom Eisernen-Thor. Sedum anopetalum DC. und 
Acer commutatum Presl sind nur neue Determinationen, da sie in 
UeufTers „E)numeratio plantarum^ als Acer monspessulanum und Se- 
dum reflexum ß, glaucum HeufTel aufgenommen sind. Ferner theiU 
er mehrere neue Synonyma mit: Artemisia Baumgarteni ist = A. 
Villarsii = A. eriantha Ten.; Centaurea Besseriana Janka = C 
tenuifolia DC; Polygonum ramiflorum Janka = P. patuhum M. B.; 
Gallium capilUpes Reichb. = G. Kitaibelianum Schult., auch Edra- 
janthu» Kitaibelii hält er für synonym mit Edr. graminifolius DC. 
Aus allem diesem, besonders aber aus den zu den einzelnen Pflan- 
zen hinzugefügten Bemerkungen geht hervor, dass der Verfasser mit 
unermüdlichem Eifer die zweifelhaften und komplizirten Fragen der 
Scientia amabilis klärt. Unter diesen Bemerkungen sind von beson- 
derem Interesse diejenigen, welche er zu dem Chrysanthemum eul- 
gare und Chr. rotundifolium fügt. Er hält die zwei erwähnten Pflan- 
zen so sehr von einander verschieden, dass er in Chr. rotundifolium 
W. K. beinahe ein neues Genus erblickt, obzwar manche Botaniker 



r 



^69 

dieselben für Synonyme halten. Jeder Freund der Wissenschaft und 
besonders die ungarischen Botaniker können dem Verfasser für dieses 
inhaltreiche Heft Dank wissen, und wir sprechen nur die Hoffnung 
aus, dass er uns mit j^ mehr solchen Heften erfreue, in denen er 
seine jahrelifngen Untersuchungen und sehr genauen Beobachtungen 
zum gemeinsamen Nutzen der Wissenschaft darbringt. L. Simkovics. 

Correspondenz. 

Budapest, am 24. März 4876. 
Im Anschlüsse an meine Mittheilung über Vaccinium Vitis idaea 
in Nr. 7, 1875 dieser Zeitschr. (ebenso A. Artzt S. 274 d. Zeitschr.) 
erlaube ich mir ausser dem Referate des Herrn Prof. Ascherson in 
Just's Botanischem Jahresbericht 1873, S. 615, in dem er Focke's 
Ansichten bezweifelt, noch einer brieflichen Mittheilung Prof. Ascher- 
son's zu erwähnen. Prof. Ascherson schrieb mir, dass er es für eine 
zwar häufige, aber sicher nicht normale Erscheinung hält, dass die 
Preisseibeere im August u. s. w. wieder blüht. Als eine Lokalität in 
Cisleithanien, wo er die zweite Blüthe Ende Juli beobachtete, kann 
er speziell die Goslarplatte bei Krimi (Salzburg) namhaft machen. 
Auf meine hiesige Anfrage erhielt ich bisher auch eine Antwort.. 
Herr A. Gubänyi schreibt (Term^szet t. közl. Aug 1875,. S. 334), dass 
er an den von mir erwähnten Orten ebenfalls keine zweite Blüthe 
der Preisseibeere beobachtet habe, aber oberhalb Felsöbänya, zwischen 
Suttin und dem Feketehegy (schwarzen Berg) fand er dieselbe im 
August 1872 in zweiter Blüthe; und zwar fand er in den ersten 
Tagen des Monats nebst den von der ersten Blüthe stammenden Früch- 
ten die sich entwickelnden Knospen der zweiten Blüthe; später aber, 
beiläufig am 21. August, fand er keine Frucht mehr, sondern bloss 
Blüthen. Ob sich auch aus diesen Früchte entwickelten, hat er nicht 
beobachtet. M. Staub. 

Budapest, am 6. April 1876. 
Als ich im vergangenen Juni München besuchte, blätterte ich 
die Dianthus^S^mmlung des königl. Herbars durch und notirte mir 
einige Originalien auf, welche die Direktion des botanischen Gartens 
Mitte des vorigen Monats mir freundlichst nachschickte. Da fand ich 
meinen Diahthus membranacens zwischen D, collinus W. Kit* von 
Besser ausgegeben mit der Bemerkung: „Z>. medius inter D. colli" 
num ex Carthusianorum^ iatifolius und angustifolius (letzterer ist 
nur eine unbedeutende Form davon) e Volhynia.** Leider sind auch 
hier nur zwei Individuen und ohne den unteren Theil der Pflanze. 
Ich weiss aber nicht, ob Besser diese Pflanze Irgendwo beschrieben 
hat. Als />. collinus bezeichnet fand ich noch hier D. Itburnicus 
Bartl et Wendl. (nicht Gren. et Godr. = />. Balbisii Ser.I) aus den 
Exsiccaten Sendtner's (iter bosn. ^223—2224. Prologh zw. Bilibrigh 
und Livna). Da sind auch die Originalien von D. condensatus Kit. 
und D, geminatus var. bifidus Kit. aufbewahrt. Ersterer (in sub- 



170 

alpinfs illyricis Kit. in sched.) ist D. strictus Sibth. et Sm. (P. he^ 
bius Vis«) also nicht D. monspessulann» L., yvie Neilreich in ^Vege- 
tationsverhältnisse von Croatien^ p. 205 meint: Ich habe diese, schöne 
Nelke im vergangenen Sommer an vielen Orten von Croatien gesam- 
melt: Pleschevitza bei Korenitza, Szamar^ Visocica, Satorina, an letz- 
terem Orte auch mit kleinerer und ungetheilter Blumenkrone (I). 
integer Vis.), welcher aus Croatien meines Wissens noch nicht be- 
kannt war. — Dianthus geminatus var. bifidus Kit. (A D, sihaticö 
Hoppe dlversus petalis multifido laciniatis, foliis subseptemnerviis; in 
aridis et saxosis ad Modruss et Tergestum Kit. in sched.) ist dagegen 
D. mönspessulanns L. oder die Varietät D. Waldsteinii Sternb., da 
die croatische Pflanze (Fuzine Vukotinoviß exsicc.I) nach brieflichen 
Mittheilungen von L. v. Vukotinoviö mit dem bei der Isonzo gesam- 
melten D. Waldsteinii Sternb. übereinstimmt. Von den Caryophylleen 
habe ich interessante für Croatien />. litoralis Host bei Stinitza und 
Silene densiflora D'Urv.! bei Zeng gefunden. Jene Nelke, die als 
D. Requienii aus den Exsiccaten Bord^re's auch Baenitz ausgegeben 
hat, ist D. pnngens Gren. et Godr. (non L.). Borbäs. 

Aistersbaim, Oberösterreich, den 18. April 4876. 
Der Umstand, dass sich heutzutage die allgemeine Theilnahme 
der Botaniker den fleischfressenden Pflanzen zuwendet, und der an- 
dere, dass Sie diesen interessanten Pflanzen bereits mehrere Aufsätze 
gewidmet haben , veranlasst mich, heute einen mir soeben aus der 
Sierra Nevada Californiens zugekommenen Brief in Auszug und in 
Uebersetzung mitzutheilen. — Mrs. R. M. Austin , welche das Glück 
bat, einen Ort zu bewohnen, in dessen nächster Nähe die Darling^ 
tonia Californica in Menge wild wachsend zu finden, die mithin in 
der Lage ist, dieselbe gründlich zu studiren, schreibt unter anderem: 
^Ich möchte mir Ihre Ansicht erbitten, in Beireff einer kleinen, weis- 
sen, fadenförmigen, beiläufig V» (engl.) Zoll messenden Larve, welche 
sich in der Flüssigkeit aller Blattröhren der Darlingtonia vorfindet, 
und sich allem Anscheine nach von den gefangenen Insekten nährt. 
Im September v.J., als ich sie zuerst wahrnahm, meinte ich, sie sei 
die Larve irgend eines geflügelten Insektes, dessen Eier unter die 
todten Insekten abgelegt worden wären , damit die jungen die ihnen 
zusagende Nahrung in der Nähe hätten, und hielt mein Augenmerk 
sorgsam darauf gerichtet, dass mir die erwartete Verwandlung der- 
selben nicht entginge. Ich konnte jedoch keine solche bemerken. 
Diese Larven verblieben lebendig und lebhaft selbst im kältesten 
Winterwetter in der Röhre. Als beim Herannahen des Frühlings von 
der Pflanze frisches Futter gefangen wurde, hoflte ich, Nahrung und 
Wärme würden die Metamorphose bewirken. Ich wartete und wartete 
und ward wieder enttäuscht. Nun nahm ich einige Röhren, schnitt die 
Kappen weg, stellte das untere Ende in ein Gefäss mit Wasser und 
schloss sie durch darüber gebreitete Gaze ab, welche ich rings um 
das Gefiiss festband. Neue Enttäuschung , als sämmtliche Larven in 
weniger als einer Woche starben. Jetzt nahm ich einige starke Pflanzen 
und versetzte sie in meinem Hof in fliessendes Wasser und wiederholte 



171 

mein früheres Verfahren, indem ich etliche Blätter mit Gaze umhüllte. 
Die Pflanzen wuchsen und gediehen, die Larven jedoch gingen keine 
Verwandlung ein. Nunmehr wandte ich meine Aufmerksamkeit den jungen 
Blättern zu, welche die Höhe von etwa 6 Zoll erreicht hatten, bei 
denen die OefTnung in den Kappen noch geschlossen war und in 
deren Röhren sich noch keine Flüssigkeit befand. Das Wachsthum 
der Blätter in diesem Stadium ist ein unglaublich rasches; die Kap- 
pen sind von bleichgrüner Farbe und aufgeblasen, etwa wie eine 
Blase von spanischem Fiiegenpflaster auf der menschlichen Haut. Eine 
Probe, die ich mit Lackmuspapier anstellte, ergab, dass eine Säure 
vorhanden war. 2. Juni 1875. Die Kappen sind merklich angeschwol- 
len. Die Oejfnungen thun sich auf. In den jungen Röhren nichts von 
Insekten zu sehen. 8. Juni. Einige kleine schwarze, etwa Vg Zoll 
lange Coleopteren in mehreren Röhren gefunden , dieselben Röhren 
enthalten 2 — 20 der weissen Larven. 12. Juni. Larven in Röhren 
ohne Insekten gefunden; 35 Stück in .Einer gezählt, im Durchschnitt 
aber 5 — 20. 13. Juni. Zwei Dutzend Blätter mit geschlossenen Oeff- 
nungen untersucht. Sechzehn dieser Blätter enthielten die Larve von 6 
Stück bis zu einem Haufen, in der Grösse eines Weizenkornes. Während 
der Zeit des Wachstimms viele ähnliche Untersuchungen angestellt^ 
alle mit gleichem Erfolge. Woher kommen diese Larven? Wie ge- 
langen sie in die Röhren, bevor die geringste OefTnung darin wahr- 
zunehmen ist? Ist es möglich, dass irgend ein Insekt die Wände aus- 
einander drängt, seine Eier ablegt und wieder den Ausgang findet? 
Sollte die zarte Röhre von einem Insekt mittelst seines Legestachels 
durchbohrt werden, so dass die Eier auf diesem Wege hineingelan- 
gen? Ich beobachtete sie diesen Winter über. Sie sind zahlreich und 
lebendig. Am 4. Februar bei einer Temperatur von O^Fahrh. unter- 
suchte ich mehrere Röhren. Das Wasser darin war gefroren bis hin- 
unter zu der Insekten masse. Die Larven sind in Bewegung. Ich 
nahm 4 Röhren mit nach Hause und zählte die Larven in jeder. Die 
erste enthielt 82, die zweite 59, die dritte 168, die vierte 205". Doch 
ist das nur so beiläufig. Ich besass nämlich nicht die Geduld, sie 
auseinanderzulesen und in den grössten Röhren genau zu zählen. 
Ich bin überzeugt, dass einzelne davon an 500 enthalten, und dass 
sie irgend einem wichtigen Zwecke im Haushalte der Pflanze dienen, 
da sie stets in allen Blättern zu treffen und Sommer und Winter 
lebendig sind.'' K. Keck. 

Couvet, am 27. März 1876. 

Die schöne Rosa alpestris Rapin b. Beuter cat. 68 habe ich 
den 3. Juli 1874 bei Couvet entdeckt. Bis damals war sie noch nicht 
im Jura gefunden worden, obgleich Godet sie in seinem Supplement 
k la Flora du Jura bei les Planchettes angibt. D\b Pflanze von Godet 
ist aber nicht die R. alpestris Rapin, sondern eine Form von trachy^ 
phylla^ welche Herr Dr. Christ (die Rosen der Schweiz) Ä. trachy-- 
phylla f. Godetae genannt hat, in Ehre von Fräulein Godet, die 
Tochter unseres trefflichen Rhodographs. Ich habe nicht gehört^ dass 



172 



diese Rose bis jetzt anderswo gefunaeri worden sei. Bei Couvet übri- 
gens scheint sie selten zu sein, denn ich habe nur zwei Gebüsche 
gefunden, trotz fleissigen Nachsuchens. Dr. Lerch« 



"«O»- 



/ Personalnotizen. 

— Fr. R. Keil, ist am 10. März nach langjährigem Siechthum 
in einem Alter von 53 Jahren in Marburg gestorben. Er war in den 
Jahren 1846 bis 1848 Assistent der botanischen Lehrkanzel an der 
Universität Prag, später Apotheken - Provisor in Graz und Lienz, 
schliesslich widmete er sich gänzlich der Erforschung und plastischen 
Darstellung der Alpen. Seine in den ersten Jahrgängen dieser Zeit« 
Schrift publizirten botanischen Artikel behandeln auch zumeist^ie 

Flora der Alpen. ^, '-*^r^ 

— FriedrichBenseler, Obergärtner des botanischen Ga^^s 
an der Universität Wien erhielt den Titel eines k. k. Gtfrtfen-In- 
spektors. 



.. \- 



•^r-e n OO'*^- 



Vereine, Anstalten, üntemehmnngen. 

— Die zoolog.-botanische Gesellschaft in Wien beging 
in festlicher Weise am 8. April d. J. das Jubiläum ihres 25jährigen 
Bestandes. Zunächst veröffentlichte sie eine streng wissenschaftlich 
gehaltene Festschrift, die auch vom Kaiser angenommen wurde, wel- 
cher der Gesellschaft dafür in Anerkennung ihrer erspriesslichen 
Wirksamkeit die goldene Medaille für Wissenschaft und Kunst ver- 
liehen hat. Mittags fand in dem entsprechend geschmückten Saale 
der Akademie der Wissenschaften die Festversammlung statt. Der- 
selben wohnten Deputationen der verschiedenen gelehrten Vereine, 
zahlreiche Vertreter der Wissenschaft, Bürgermeister Dr. Felder, die 
Mitglieder der Gesellschaft etc. bei. Fast alle verwandten Vereine 
der gebildeten Welt hatten durch Zustimmungs-Telegramme oder 
Gratulationsschreiben ihre Theilnahme an der Feier manifestirt. Wir 
nennen 'unter vielen andern:' Sjchlesische Gesellschaft für vaterländ. 
Kultur, Dorpater Naturforscher-Gesellschaft; Senkenberg'sche natur- 
forschende Gesellschaft; Mathematisch-physische Klasse der k. Sachs. 
Gesellsch. der Wissenschaften; Naturforschende Gesellsch. in Moskau; 
Institut Egyptien in Alexandrien; Geological Society in Edinburgh; 
Freies, deutsches Hochstift in Frankfurt a. M.; Sociöt^ entomologique 
de Russie in Petersburg; NederlandsQhe Dierkundige Vereeniging in 
Rotterdam. In Deputationen waten vertreten : die Geolog. Reichs- 
anstalt durch Hofrath Hauer; die Galizische Landwirthschafts-Gesell- 
schaft durch Fürst Czartoryski und Hofrath Zaleiski; die Mährisch- 
schlesische Ackerbau-Gesellschaft durch Altgraf Salm; der Verein 
für siebenbürgische Landeskunde durch Hofsekrelär Lange; die Land* 
wirthschafts-Gesellschaft durch Baron Doblhoff und Graf Attems; die 



/ 



173 

Wiener Gartenbau-Gesellschaft durch Prof. Dr. Fenzl, Generalsekre- 
tär Schirnhofer und Prof. Reichardt; die Geographische Gesellschaft 
durch Freih. v. Helfert uud Hofr. Hochstetter; der Apotheker- Verehfi 
durch dio Apotheker Waldheim, Fuchs, Schiffer und Dr. Sedlitzky; 
der Verein für Landeskunde durch Sekretär Mayer; der Naturwissen- 
schaftliche Verein durch die Prof. Stäche und Neumayer, der Aka- 
demisch-naturhistorische Verein durch die Mitglieder Nussbaumer und 
Burgerstein, die Chemisch-physikalische Gesellschaft durch die Herren 
Ludwig und Benedikt; der Ornithologische Verein durch Graf St. Ge- 
nois und Enderes; die Gesellschaft der Aerzte und der Anthropologi- 
sche Verein durch Dr. Wahrmann. Die illustre Versammlung, welcher 
der Protektor der Gesellschaft, Erzherzog Rainer präsidirte, wurde 
vom Präsidenten, dem Fürsten Colloredo-Hannsfeld, mit einer Fest- 
rede eröffnet. In derselben wirft der Redner zunächst einen histori- 
schen Rückblick auf das Entstehen, Wachsen und Gedeihen der Zoo- 
log.-botan. Gesellschaft. Die trüben politischen Verhältnisse in der 
ersten. Hälfte dieses Jahrhunderts waren der Bildung wissenschaft- 
licher Vereine sehr wenig günstig, und es muss Wundet- nehmen, 
dass im Jahre 1836 die Gründung der Gesellschaft der Aerzte in 
Wien gelingen konnte. Die Industrie-Ausstellung für Oesterreich im 
Jahre 1845 führte zwar zu neuen Anregungen, und fassten mehrere 
Jünger der Naturwissenschaften den Gedanken zur Gründung von 
Vereinen. Allein trotzdem Namen, wie Haidinger, Baumgarten, Ettings- 
hausen, Schrötter und Andere für die Idee eintraten, kam es doch 
nur zu dem freien Vereine von Freunden der Naturwissen- 
schaften, aber es gelang nicht, eine förmliche Gesellschaft zu ge- 
stalten. Im Jahre 1846 erfolgte auf kaiserlichen Befehl die Gründung 
der Akademie der Wissenschaften, 1849 die der Geologischen Reichs- 
anstalt, doch waren beide Staatsanstalten, und es wurde der Geist 
der freien Vereinigung insbesondere von jenen vermisst, welche nicht 
berufsmässig mit Zoologie und Botanik sich beschäftigten. Zwei Män- 
ner, Georg Ritter v. Frauenfeld und Rudolf Schiner, Beide damals 
ohne hervorragende sociale Stellung, unternahmen in der fiir solche 
Massnahmen ungünstigsten Zeit, 1849 und 1850, die Gründung eines 
Vereines für organ. Naturwissenschaft, und wirkten so nachdrücklich, 
dass schon am 9. April 1851 die konstituirende Versammlung ab- 
gehalten und der provisorische Statutenentwurf genehmigt wurde. 
In diesem Statut verpflichtet sich der zoolog.-botan. Verein zur 
kräftigsten Hebung und Verbreitung zoologischer und botanischer 
Kenntnisse in ihrem ganzen Umfange, mit vorzugsweiser Berücksich- 
tigung der Fauna und Flora des Kaiserstaates Oesterreich,^ und zur 
Vermittlung eines regen ideellen Verkehres und Austausches in die- 
sen Wissenschaften mittelst periodischer Versammlungen und Publi- 
kationen. Das erste Bureau bestand aus dem Präsidenten Fürsten 
Rieh. Khevenhüller-Metsch, den Präsidenten-Stellvertretern Dr. Fenzl 
und Jakob Heckel, dem Sekretär Frauenfeld und dem Rechnungs- 
führer Job. Ortmann. Die anfängliche Zahl von 105 Mitgliedern, die 
Redner als Mitgründer des Vereins bezeichnet, hat sich bis Ende 



174 

des Vorjahres auf 1164, worunter 529 Ausländer, erhöht Die Lan- 
desvertretung von Niederösterreich gewährt der Gesellschaft die un- 
entgeltliche Benützung des Lokales für ihre naturhistorischen Samm- 
lungen; auch geniesst die Gesellschaft Subventionen des Hofes, des» 
Landes und der Regierung. Fünfundzwanzig Jahrbücher der gesell- 
schaftlichen Publikationen und zahlreiche durch die Gesellschaft her- 
ausgegebene selbstständige Abhandlungen naturhistorischen Inhalts 
geben Zeugniss von dem wissenschaftlichen Wirkenv der Gesellschaft. 
Die zoolog. und botan. Sammlungen, welche die Bestimmung haben, 
den Grundstock für ein naturhistorisches Museum des Landes Nieder- 
österreich zu bilden, sind in stetem Wachsen begriffen. In den ver- 
flossenen 25 Jahren wurden circa 1 20.000 zoologische und botanische 
Objekte an 271 öffentliche Lehranstalten vertheilt. Die GesellschaftS"^ 
Bibliothek zählt bereits 8000 Bände, worunter kostbare und seltene 
Werke aus den, Gebieten der Zoologie und Botanik; sie vermehrt 
sich fortwährend durch Schriftentausch mit 247 wissenschaftlichen 
Instituten des In- und Auslandes. Wiederholt erhielt die Gesellschaft 
Auszeichnungen bei verschiedenen Ausstellungen. Nach einem dem 
Gründer der Gesellschaft, Georg Ritter v. Frauenfeld, und dessen 
Wirken gewidmeten Nachrufe schliesst Redner mit der Kundgebung 
des Dankes an den Kaiser, das kaiserliche Haus, die Landesvertre- 
tung und den Protektor der Gesellschaft, Erzherzog Rainer, für die 
von Seite derselben dem Institute gewährte Unterstützung. Nachdem 
Fürst CoUoredo seine Rede geendet, empfing er die Gratulationen 
der verschiedenen Deputationen, deren obengenannte Führer längere 
oder kürzere Begrüssungsansprachen hielten. Schliesslich gelangten 
noch einzelne der. eingelangten Telegramme zur Verlesung. Abends 
fand im Prachtsaale des „Grand HdteP das Festbanket statt. An 
demselben betheiligten sich an hundert Personen, zumeist Vertreter 
der Wissenschaft. Fürst Colloredo-Mannsfeld eröffnete den Reigen der 
Toaste. „Wohl hat die Wissenschaft" sagte Redner, „keine Heimat, 
aber die Männer der Wissenschaft haben eine solche. Sie wirken 
und schaffen unter den schirmenden Institutionen des Staates, und 
darum Jst es zunächst am Platze, des Monarchen zu gedenken^ Unser 
Kaiser Franz Josef lebe hoch!'' Sektionschef Schröckinger bringt ein 
Hoch auf den Protektor des Vereines, Erzherzog Rainer, der die Be- 
strebungen der zoolog.-botan. Gesellschaft mit Liebe und Eifer ge- 
fördert. Der nächste Sprecher, Baron Burg, wünscht, dass der Verein 
blühe, wachse und gedeihe, und hebt darauf sein Glas. Hofrath 
Brunner v. Wattenwyl würdigt die hohen Verdienste des gegenwär- 
tigen Präsidenten Fürsten Colloredo um die zoolog.-botan. Gesell- 
schaft und bringt demselben ein Hoch. Hofrath Ritt. v. Hauer trinkt 
auf das herzliche Einvernehmen und Zusammenwirken aller wissen- 
schaftlichen Vereine. Prof. Fenzl erinnert an die Kämpfe, welche die 
Wissenschaft überall und zumeist in Oesterreich durchmachen musste, 
ehe sie sich zur siegreichen Geltung brachte. Aber trotz der Chi- 
kane, die dem Studium der Naturwissenschaften und Geschichte ent- 
gegengesetzt wurde, hat man ihren grossen Aufschwung nicht zu 



175 

hemmen vermocht. Die Werke Österreichischer Gelehrter litten unter 
diesen Verhältnissen entshieden im Auslande. Heute sei es jedoch 
besser geworden, und es stehe zu ern^arten, dass die Leistungen 
der Oesterreicher in Zukunft volle, gleich gütige Würdigung erfahren. 
Professor Fenzl trinkt auf die Freiheit der Wissenschaft. Baron 
Hardtl bringt ein Hoch auf die Regierung aus. Damit Mraren die 
offiziellen Toaste erschöpft. Noch lange blieben die Theilnehmer des 
Bankets in anregend gemüthlichem Verkehr beisammen. 

— In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissenschaften 
in Wien am 16. März legte Prof. Wiesner eine von Alfred Burger- 
stein, Gyranasialprofessor in Wien, im pflanzenphysiologisohen 
Institute der k. k. Wiener Universität durchgeführte Arbeit 
vor, unter dem Titel: „Untersuchungen über die Beziehungen der 
Nährstoffe zur Transspiration der Pflanzen. Erste Reihe.'' Der Verfasser 
hat sich, da die über diesen Gegenstand bisher publizirten Beobach- 
tungen theils unvollständig sind, theils einander widersprechen, ein- 
gehender mit der Frage beschäftigt. Die Versuche wurden sowohl 
mit ganzen, bewurzelten Pflanzen (in grösserer Zahl mit Maispflanzen), 
als auch mit abgeschnittenen Zweigen (vorzugsweise mit solchen von 
Taanis baccata) angestellt. Um den Einfluss kennen zu lernen, welchen 
saure und alkalische Salze auf die genannte Lebenserscheinung der 
Pflanzen äussern, war es nothwendig, auch die Wirkung der Säuren 
als solcher und ebenso den Einfluss von Alkalien als solcher festzu- 
stellen. Die Versuche ergaben: 1. Verdünnte Säuren beschleunigen 
die Transspiration der Pflanzen. 2. Verdünnte Alkalien dagegen 
setzen, soweit die Beobachtungen reichen, die Transspiration herab. 
3. Die mit Salzen (salpetersaurer Kalk, salpetersaures Kali, saures 
phosphorsaures Kali, kohlensaures Kali, salpetersaures Ammoniak, 
schwefelsaures Ammoniak, schwefelsaure Magnesia und Chlornatrium) 
gemachten Versuche lehrten auf das bestimmteste, dass die grössere 
oder geringere Transspiration in den Lösungen dieser Salze, wenn 
selbe der Pflanze einzeln geboten werden, im Vergleiche zu d«r 
im destillirten Wasser, von der Konzentration der Lösung abhängt. 
Sehr verdünnte (0*05, 0*1, 0*2, 0'25j^) Lösungen beschleunigen 
die Transspiration, höher konzentrirte (0*5, Ij^) Lösungen üben eine 
retardirende Wirkung auf die Wasserverdunstung aus. 4. In 
Nährstofflösungen war die Transspiration auch bei Anwendung 
solcher Konzentrationsgrade, bei welchen in den Lösungen einzelner 
Salze sich eine stärkere Wasserverdunstung geltend macht, geringer 
als im destillirten Wasser. Ob es ein allgemeines Gesetz ist, dass 
sich nämlich eine Nährstofflösung ganz anders verhält als die Lösung 
eines einzelnen Nährsalzes, oder ob die Nährstofilösungen in noch 
geringeren Konzentrationen angewendet werden müssen, um eine 
stärkere Transspiration gegenüber der im destillirten Wasser zu be- 
wirken, ob ferner die retardirende Wirkung einer Nährstofflösung 
den Nährstoffen als solchen zuzuschreiben ist, oder ob diese Er- 
scheinung in der Nährstofflösung als einem SalzgemiSch begründet 
ist, werden weitere Versuche lehren. 5. Wässerige Humus ex trakte 



176 

verhielten sich insoferne wie Nährstofliösungen, als auch sie die Tran^- 
spiration herabsetzten. — Prof. Wiesner tiberreichte ferner eine 
Arbeit des Dr. Eduard Tangl, Dozenten der Botanik an der Universität 
Lemberg: „Ueber Schlauchzellen in der Oberhaut der Blätter von 
Sedum Telephium.^ Die Entwicklungsgeschichte dieser Zellen lehrte, 
dass selbe nicht wie die von Engler an anderen Serftiwi-Arten, ferner 
an einigen Saxifragen aufgefundenen Schlauchzellen Fusionsgebilde 
sind, sondern in Folge gesteigerten Längenwachsthums zu Stande 
kommen. Der Inhalt der Schlauchzellen ist von dem der übrigen 
Elemente der Oberhaut auffällig verschieden : er ist hyalin und homogen, 
zeigt nicht die Reaktionen des Protoplasma und liefert sowohl mit 
Säuren als Alkalien Niederschlagsmembranen. Die Arbeit enthält aus- 
führliche Angaben über das mikro-chemische Verhalten des Zellinhaltes 
der genannten Schlauchzellen. 



•40*- 



Botanisoher Tansohverein in Wien. 

Sendungen sind eingelangt: Von Herrn Dr. Halacsy mit Pflan- 
zen aus Niederösterreich. — Von Herrn Dr. Lerch mit Pfl. aus der 
Schweiz. 

Sendungen sind abgegangen an die Herren: Kesselmeyr, Staub. 
Vagner, Woynar, Hiendlmayr, Waiss. 

Aus Niederösterreich, einges. von Wiesbaur: Aristolochia 
ClematiHs, Bifora radians^ Daphne Laureola^ Lactuca Scariola^ 
Orobanche rubens, Phyteuma orbiculare, Pinus T.aricio, 

Aus Ungarn, eing. von Wiesbaur : AbuHlon Amcennae^ Galium 
hyssopifoliumy Melüotus dentata. 

Aus der Schweiz, einges. von Dr. Lerch: Acer opulifolium^ 
Allium pulchellum^ Campanula rhomboidalis, Carex chordorrhiza, 
C, fulta, C. heleonastes^ C. limosa, Carum Bulbocastanum, Cerinthe 
alpina^ Chaerophyllum Villarsii^ Cineraria spathulaefoUa^ Crepis 
taraxacifolia, Dentaria pinnata, Festuca pumila, Fritillaria Melea- 
griSy Glaucium luteum, Helleborus foetidus, Hieracium cinerascens, 
H. Jacquini, IT juranum^ H. monticola, H. scorzonerifolium, LasiO" 
grostis Calamagrostis, Lathyrus heterophyllus, Orobanche Laserpitii, 
Oi Scabiosaey Phleum Michelii, Poa hybrida, P, mdetica, Potamo^ 
geton gramineus, Potentilla alpestris, Rhamnus alpinus, Ribes^e- 
traeum, Rosa alpestris, R. coriifolia f. Bellevallis, R. cor, f. cenosa^ 
Scirpus Rothii, Sorbus AriaXChamaemespilus, S, scandica, Thlaspi 
Gaudinianum, Typha minima, Viola bella. 

Obige Pflanzen können nach beliebiger Auswahl im Tausche 
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden. 

Redakteur und Herausgeber Dr. Alexander Skollts. — Verlag too O. Oerold's Boka. 
Druck und Papier der O. Ueberreuter'Mben Buchdmckerei (K. Baiser). 



Oesterreiehische 

Eotaaisclie Zeitsclirift 

Gemeinntttzig^es Org^an 

für . 

Die Asterrelchltohe fizemplard 

botanUcbe ZelUohrlft RA^fliftiL- niiil 1lA#flililz-A«» die frei durch die Post be- 

erscheint ÖWlOUlÄ UDU O VlaUllLer^ ^ogen werden soUen, siad 

den Ersten jeden Monats. bios bei der Redaktion 

"'"JflTiT.Ä!'^* Gärioer, OekoBomen, Forslmänner, Aerale, ^"«'pSSZXn?"' 

C16 B. Mark,) ' ^ i i i im» .Im Wege des 

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411. ». w. (8 R. MarJe.) ÄpiUC^Vf UUU ICtUlUlLVI. Pränumeration 

halbjährig. C. Qerold's Sohn 

Inserate _ ^ in Wien, 

die ganze Petitzeile ffl * R so wie alle übrigen 

16 kr. öst. W. *1= V« Buchhandlungen. 



XXVI. Jahrgang. WIM. Juui 1876. 

ZNBAXiT: Floristiscbe Bemerkungen. Von Uechtritz. — Melanthaceae fl. croaticae. Von Dr. Borbas. 
— Neue Pilze. Von Thümen. — Vegelations- Verhältnisse. Von Dr. Kern er. — Das Herzgespann. Von 
Dr. Pruckmayr. — Wanderungen durch Oberkrain. Von Kugy. (Schluss.) — Pflanzen auf der Welt- 
ausstellung. Von Antoine. (Fortsetzung.) — Literaturberichte. — Correspondenz. Von Dr. Celakovsky. 
Dr. Borbas. —-Vereine, Anstalten, Unternehmungen. — Botanischer Tauscbverein. — Inserate. 



Floristische Bemerkungen. 

Von R. V. UeoHtritz. 

Mit Bezug auf die neuliche Mittheilung des Herrn Gremblich 
übpr das Vorkommen des Cerastium macrocarpum Schur (1851) = 
C. longirostre Wichura (1854), C, triviale var. alpestre Lindbl., 
Hartm., erlaube ich mir darauf hinzuv\reisen, dass ich schon im Jahre 
1858 diese Pflanze an mehreren Orten Tirols (z.B. amNockspitz bei 
Innsbruck und auf den Alpen um Nauders) ziemlich häufig angetroffen 
habe (vergl. Oest. Bot. Ztschr. XVI, 3 16). Diese Pflanze findet sich 
auch amSchneibstein bei^erchtesgaden; ebenso gehört ein von Hoppe 
1816 bei Heiligenblut gesammeltes und als C. cupinum ausgegebenes 
Exemplar meiner Sammlung hierher. Im Earpathenzuge isiC. macro- 
carpum von Siebenbürgen bis zur schlesischen Grenze verbreitet; so 
häufig in der Tatra, -wo es öfter dicht neben C. triviale wächst, in 
den Liptau-Sohler Alpen am Djumbir (M. Wetschky) und noch am 
Pilsko in den virestgalizischen Beskiden (Stein). Nicht gemein dagegen 
ist diese Art in den Sudeten; nur auf deren, östliche Hälfte (Gesenke, 
Gl. Schneeberg) beschränkt, fehlt sie dem Riesengebirge, wo dagegen 
C triviale bis auf die höchsten Punkte aufsteigt. Häufig ist das C. 
macrocarpum in den skandinavischen Hochgebirgen und wie es scheint 

Oesterr. botan. Zeitschrift. 0. Heft. 1876. 14 



. 178 

auch anderwärts im Norden, so besitze ich (als C trmale alpesire 
Htn.) Exemplare aus dem östlichsten Finnland (Prov. Ladoga-Karelen: 
J. P. Norrlin) und von Island: Arnos-Syssel (Krabbe, coram.J. Lange); 
Bostrup hat es 1867 auch auf den Faröern gesammelt. Von den durch 
Herrn Gremblich hervorgehobenen Charakteren, die sich in der Kultur 
halten, möchte ich die ausdauernden sterilen Stämmchen entfernt 
wissen; dieselben fehlen allerdings dem C macrocarpum niemals, 
docb C. triviale überwintert ebenfalls oft genug durch sterile Laub* 
triebe. Die Kapsellänge variirt etwas, aber die Kapsel ist bei dieser 
Art immer grösser und breiter als bei C, tritiale. Das reinere Grün 
und die beträchtlich grösseren Samen sind sehr charakteristisch; hin- 
zuzufügen wäre noch, dass die Cyma im Durchschnitt fast immer 
einfacher und armblüthiger ist, während doch die Pflanze selbst einen 
robusteren Wuchs zeigt. In der Blattform und Länge der Fetalen 
variirt diese Art fast ebenso wie C trimale, doch sind im Gegensatz 
zu diesem die Exemplare mit grossen Fetalen die herrschenden und 
bei den kleinblüthigen sind die Petala immer noch so lang als der 
Kelch. Ich bin überzeugt, dass das C, macrocarpum^ welches, wie 
Neilreich (Diagn. pl. Hung. 29) mit Becht erinnert, von C. triviale 
d alpinum Koch Syn. verschieden scheint, aber sicher öfter mit diesem 
verwechselt wird, überhaupt in den Alpen weit verbreitet sein dürfte, 
und gewiss wird es der Schweiz so wenig fehlen, wie Dianthus 
superbus var. speciosus Bchb. (= />. Wimmert Wichura), der eine 
ähnliche Vertheilung besitzt und den schon Hegetschweiler als D. 
superbus grandiflorus (also mit derselben Bezeichnung wie Tauschi) 
aus der Begion zwischen 5 — 7000', vorzüglich in Graubündten, an- 
gibt. Ich sah kürzlich auf dem Bigi gesammelte Exemplare dieser 
Nelke, die denen aus den Sudeten vollkommen glichen; auch der D. 
superbus der Stockhornkette wird gewiss zu dieser Form gehören. 
In der Januar*Nummer des laufenden Jahrganges dieser Zeit- 
schrift ist von Herrn v. Borbäs ein Epilobium Kernen (= E. nntans 
Kerner, Vegetationsverh. 616) als neu beschrieben worden. Ich ver- 
muthete schon aus der ausführlichen Charakteristik, welche B. von 
seiner südkarpathischen Form gegeben, die Identität mit einer von 
mir in Oest. Bot. Ztschr. XXIV, p. 240 ff. als E, Krausei bezeichneten, 
damals für eine muthmassliche Hybride zwischen E, alsinefolium und 
£. palmtre genommenen Pflanze, zumal ich inzwischen durch den 
schlesischen Tausch verein von Simkovics als E, nutans eingesendete, 
wenn auch zwergige und wenig charakteristische Exemplare erhalten 
hatte, deren Beziehungen zu dem sudetischen Weidenröschen mir 
schon damals nicht entgangen waren. Durch freundliche Mittheilung' 
besserer bei der Ausarbeitung seiner Diagnose benutzter von Seiten 
des Herrn v. Borbäs habe ich mich nunmehr von der Zusammenge- 
hörigkeit beider Pflanzen völlig überzeugt, auf die ich später noch 
einmal ausführlicher -zurückkommen werde, da ich unterdessen auch 
von unserer Form weiteres Material gesehen habe. Das sudetische 
£. Krausei ist eben jedenfalls so wenig eine Hybrid^, wie die dacisch- 
karpathische, obwohl die Merkmale sehr dafür zu sprechen scheinen. 



179 

Unter den von Herrn Freyn neulich au;s Süd-Istrien bekannt 
gemachten Novitäten oder Seltenheiten für die Flora von Oesterreich- 
Ungarn wird auch Ämarantus patulus Beil. erwähnt und zugleich 
alö A, retrofleams X silvestris bezeichnet. Ichjiann aber an die Hy- 
bridität dieses Fuchsschwanzes um so weniger glauben, als derselbe 
in Süd- und Südwest-Europa weit verbreitet ist und weil ich den- 
selben in der Bozner Gegend, wo derselbe nicht gerade selten ist, 
an Standorten gefunden habe, wo weder A. retroflextss noch A. sil- 
vestris vorkamen; so z. B. in grosser Menge in feuchten Türken- 
kornfeldiern südlich der Rodlerau ohne irgend eine andere Art der 
Gattung. 

Was das neuerlich in dieser Zeitschrift wieder kurz von Vuko- 
tinovi6 besprochene Hieracium plejophyllum Schur (1851) = H. 
leptocephalum Schi, et Vuk. (1858) anbetrifft, so ist dasselbe aller- 
dings wohl als eine selbstständige Art aufzufassen, v^iewohl sich nicht 
läugnen lässt, dass diese Pflanze in der Grösse der Köpfe ziemlich 
variirt und dass es an Uebergängen zu den affinen Spezies, speziell 
zu JET. murorum, keineswegs fehlt; doch könnten diese letzteren 
möglicherweise hybriden Ursprunges sein^ denn der Hauptsache nach 
macht das A plejophyllum jedenfalls den Eindruck einer typischen 
Form. Dazu kommt die eigenthümliche Verbreitung; ich habe zahl- 
reiches Material aus Montenegro, der Herzegovina, Bosnien, Kroatien, 
Serbien, dem Banat, aus der Wallachei, Siebenbürgen, dem Komitat 
Marmaros und der Bukowina verglichen, welches im Wesentlichen 
gut übereinstimmte^ niemals aber aus andern Gegenden Formen ge- 
sehen, die zu dieser Art Anklänge zeigten. Wie man, wie es von 
. Grisebach (in Pantocsek's Adnot. ad fl. et faun. Hercegovinae etc.) 
geschehen ist, diese ausgezeichnete Pflanze mit den in Deutschland 
nicht seltenen Formen des H. Schmidtii Tausch mit beblättertem 
Stengel identifiziren kann, ist schwer begreiflich, indem sich gerade 
diese beiden Pflanzen vollständig fernstehen und kaum in irgend einem 
der charakteristischen Merkmale übereinstimmen. Habitus und Be- 
kleidung sind durchaus verschieden, nicht minder die Blattform und 
ein einzelnes Köpfchen genügt an und für sich schon, um beide sofort 
unterscheiden zu können. Mehr Wahrscheinlichkeit hätte immer noch 
Kerner's Ansicht, dass H, plejophyllum mit dem H. rotundatum Kit. 
zusammenfallen dürfte, doch muss ich gestehen, dass ich mich auch 
mit dieser im Grunde genommen nicht sonderlich befreunden kann, 
da die dafür beigebrachten Argumente (vergl. Oest. Bot. Ztschr. XXIJ., 
352 und 353) doch eben der Hauptsache nach nur hypothetische sind 
und die Beschreibung in Schultes' Oest. Flora viel zu ungenügend 
und kurz ist, um bei kritischen Formen mit Sicherheit darauf fussen 
zu können. Von einem „der ganzen Länge nach'' behaarten Stengel, 
wie K. will, ist zudem bei Schultes Nichts zu lesen, dort steht ein- 
fach: »der Stengel .... filzig.* Die starke Bekleidung des Stengels 
ist keineswegs immer vorhanden und Vertheilung derselben ist durch- 
aus nicht immer gleichmässig, denn Exemplare mit nur in der unteren 
Partie stark bekleidetem Stengel und solche, wo derselbe nur stark 

14* 



182 

C. neapolitanum Ten. . 

CC pannonicum Gris. iter. hung. C. HayncUdi Heuff.) vulgare 
in pascuis ad pagos Fuiine, Bnissäni et ad S. Johannem-Pazaristye; 
in pratis montanis infra cacumina montium Visenura ad Medäk (foliis 
latioribus) et Sveto Brdo (foliis angustioribus) ad S. Rochum. Formas 
fructiferas et florentes locis posterioribus duobus eadem tempore 
legebam. Pariter civis florae croaticae novus. 

Specimina croatica bene cum banaticis quadrant; ea, quae infra 
cacumen montis Sveto Brdo crescunt, capsulis acute tricuspidatis ad 
C, alpinum DC. quoque acceduat, sed robustiora ac C, cApinum Rchb« 
ic X fig. 946 — 48, 1 — 2-flora et stigma uncinatum. 

Cl. y. de Janka in symbolis ad floram hungaricam p. 158. 
yjColch, neapoUtanum Ten. in statu florendi a C. autumtMliL. eisdem 
regionibus etiam indigeno discerni nequire^ dicit. Mihi in dicione 
pagorum Szvinica et Plavisevica, ubi C. neapolitanum frequentissimum, 
C. autumnaie L. non erat obvium. Tria solum exemplaria, foliis la- 
tioribus et multo longioribus praedita, mihi absque floribus dubia, 
quae inter Drenkova et Szvinica supra catarractas Izläs legebam« 
Neque rectum est, ut tempore florendi duae hae species distingui non 
possent. Nam, si laciniae perigonii tesselatae, quales Janka C. eario^ 
picto svLOy a C. neapotitano Ten. aegerrime dirimendo, adscribendas 
putat, nee C. autumnali L. et C. arenaria W. Kit. pestiensi alienae 
sunt, multo magis color iste in C. neapotitano banatico apparet, cuius 
permulta specimina 21. et 22. Sept. 1874 prope Szvinica examinavi. 
Praeterea stigma uncinatum discrimen singulare. Magnitudo florum 
aequae ac foliorum certe variat. Nam si cel. Grisebach recte in speci- 
minibus, quae ad Szvinica legebam^ C, pannonicum suum iter hung. 
agnovit: (unc haec forma foliorum ab iis, quae in montibus elatioribus 
ad Thermas Herculis proveniunt, differre videntur. Folia posteriorum 
ea Colchici autumnalis L. Simulant, etiam auctor eximius folia his lattora 
(ni errore typographico) adscripsit. Folia igitur non praebent^ ut putat 
Janka, discrimen specificum, stigmate vero uncinato formae valles 
Danubii inferioris Banatus et montes Thermarum Herculis habitantes 
inter se conveniunt et a C. autumnaU L. tuto distingues. 

C. Bertolonnii Stev. Segniae legit rev. MihailoviS (Nadjena na 
Nekaju). 

Veratrum nigrum L. ad Jezerane legit rev. MihailoviS. 

Tofieldia calyculata Wahlb. in umbrosis graminosis montium 
IMrzin, Visoöica et Satorina ad Cerni Bades. 



181 

Pflanze eher für eine Varietät des H, barhafvm Tsch. halten, von 
dem sich die grösseren und kräftiger entwickelten Individuen mit, 
wenn auch im Yerhältniss zu den untersten Blältern kleineren, aber 
doch mehr allmälig an Grösse abnehmenden unteren Stengelblättern 
kaum durch positive Charaktere unterscheiden lassen; leider fehlen 
auch den serbischen Exemplaren reife Achänen, die unreifen sind 
blass braunröthlich, was nach Analogie der affinen Formen auf bei 
der völligen Reife bleiche Färbung, nicht auf schwärzliche schliessen 
lässt» Uebrigens ist zu bemerken, dass Pichler von Kalofer unter 
derselben Nummer 157 als H. anisophyllum B. zwei ganz verschie- 
dene Hieracien vertheilt hat^ von denen die eine eben die besprochene, 
mit H. barbatum verwandte Form darstellt, während die andere, 
welche ich im Herbar Prof. Ascherson's sah, ein etwas stark be- 
kleidetes, sonst ganz typisches H, boreale Fries ist (ungefähr dieselbe 
Form, welche Jordan als K occüanicnm bezeichnet hat). 

Valeriana polygama Besser (in DC. Prodr. IV. 637. 1830), 
begründet auf Y. dioeca Besser Primit. fl. galic. und Enum. pl. 
Volhyn., ist der älteste Speziesname für V. simplicifolia Kabath (Fl. 
V. Gleiwitz 1846). Bei DC. figurirt diese Pflanze auf derselben Seite 
unter zwei verschiedenen Bezeichnungen, einmal als V. elongata ß 
polygama mit den erwähnten Besser'schen Synonymen und dem 
Vaterlande Galizien, dann als F. dioeca ß infegrifolia (= F. dioica 
simplicifolia Rchb. icon.) aus Schlesien und Preussen (Loesel pruss. 
t. 84). Ledebour, der Besseres Pflanze selbst nicht gesehen hat, ist 
einfach DC. gefolgt und hat die Diagnose der V, elongata ß polygama 
(major, fl. dioecis aut polygamis, foliis summis trifidis) einfach dem 
Prodromus entlehnt. Die dreispaltigen obersten Blätter sind bei F. 
polygama in derThat vorherrschend; ganz ungetheilt sind sie selten, 
weshalb die Reichenbach^sche Bezeichnung F. dioeca simplicifolia viel 
korrekter ist als F. dioeca integrifolia. Besseres Bemerkung, dass 
diese Art in Galizien und Volhynien immer polygamisch (richtiger 
trimorph) auftritt, ist allerdings der Natur gemäss, indessen vnrd 
dadurch eine Differenz von F. dioeca nicht bedingt, die vielmehr 
ebenfalls nicht einfach dioecisch ist, sondern Blüthentrimorphismus 
zeigt (vergl. auch Ascherson, Fl. der Prov. Brandenburg, p. 281). 

Breslau, 26. März 1876. 



Melanthaceae florae Croatiae. 

Auetore Dr. Vincentio de Borb&s. 

Colchicum Visianii Farl. fl. ital. III. p. 175. 

C. Bieonae Vis. fl. dalm. et Rchb. ic. a. t. 952! non Guss. in 
saxosis montium Velebit supra portum Stinica; c. 4000^ alt. Civis 
florae croaticae novus! Cum icone Reichenbachii et formae autumnales 
et vernales, quas e tuberibus croaticis dorn! eduxi, exacte conveniunt. 



. 184 • 

und V^rtesgruppe auf allen Bergrücken und Bergabhängen; an den 
nördlich exponirten Lehnen reine Bestände bildend, an den südlich 
abdachenden Gehängen dagegen meistens nur eingesprengt. Im Tief- 
lande vollständig fehlend; dagegen wieder im Bihariagebirge und 
zwar sowohl im Rözbänyaer- und Petrosaerzuge, als auch auf dem 
Batrinaplateau, Mesiader- und Yasköher-Plateau, in derVulcan-, Ple- 
siu- und Hegyesgruppe und selbst auf dem tertiären Vorlande. Auf 
dem tertiären Vorlande bildet sie allerdings nur sehr selten reine 
Bestände, sondern erscheint daselbst gewöhnlich in den gemischten 
Laubwald eingesprengt und gemengt mit Hainbuchen, Eichen, Birken 
und Zitterpappeln, wie z. B. bei Harangme^ö und Felixbad bei Gross- 
wardein, Lasuri, Venteri, Robogani, Hollodu, Pohlasa und Kladowa 
südöstlich von Vilägos. Dasselbe ist der Fall auf dem tertiären Hügel- 
lande in den Thalbecken der drei Körösflüsse, wie z. B. zwischen 
Vasköh und Petrosa, Sedöscelu nächst R6zbänya, Criscioru und Körös- 
bänya und auch an den südlich exponirten Flanken des höheren 
Berglandes, wo die Rothbuche fast immer nur als Bestandtheil des 
gemischten Laubwaldes erscheint. Auf dem Suprapi^tra poi^nile bei 
Vidra, an manchen Stellen des Batrinaplateaus und an der Nordseite 
des Rezbänyaerzuges trlfift man die Rothbuche auch häufig in Gesell- 
schaft von Weisstannen und in hoheti Lagen wohl auch gesellig mit 
der Fichte. Reine ausgedehnte Buchenbestände beobachtete ich an 
der Nordwestseite des Petrosaerzuges im Gebiete des Jadabaches, 
insbesondere auf dem Mesiader Kalkplateau, in der zerrissenen Rand- 
zone des Batrinaplateaus in der Umgebung der Pi^tra Galbina, dann 
entlang der Südfronte des Rezbänyaerzuges vom Dealul mare bei 
Criscioru angefangen über die Dobrina zur Gaina, femer auf dem 
Vasköher Plateau in der Umgebung des Vervul ceresilor, dann am 
Nordabfalle des Moma und Plesiu und endlich in der Hegyesgruppe 
zwischen der weissen Koros und Marcs. 

Die obere Grenze der Rothbuche im Bihariagebirge wurde von 
n)ir durch nachfolgende barometrische Messungen ermittelt. 

Auf der Margine im R6zbänyaerzuge; N. Expos, . . . 1351 Meter. 

Margine, gegen Vervul Biharii; N. Expos. ...... 1312 ^ 

Vervul Biharii im R6zbänyaerzuge; NW. Exp 1371 ^ 

Vervul Biharii „ „ SW. Exp 1405 ^ 

Vervul Biharii „ „ S. Expos 1428 „ 

Vervul Biharii, gegen die Ruginosa zu; SW. Exp. . . 1396 

Vervul Biharii, gegen die Ruginosa zu; NO. Exp. . . 1424 

Gehänge ober der Stäna Sc6vea im R^zbänyaerzuge; 

NW. Expos 1342 „ 

Unterhalb des Sattels La Jocu im R^zbänyaerzuge; 

NW. Expos 1379 „ 

Verbindungskamm des Vervul Biharii mit der Cucurbeta; 

NW. Expos 1334 „ 

Auf dem vom Sattel La Jocu gegen N^gra auslaufenden 

Rücken; NW. Expos 1365 „ 



n 



183 

Auf dem vom Sattel La Jocu gegen N6gra auslaufenden 

Rücken; NO. Expos. 1391 Meter. 

Am Abhänge des Tomnatecu im Rözbänyaerzuge; W. Exp. 1388 ^ 

Am Abhänge des Tomnatecu ^ „ S. Exp. 1413 ^ 

Am Abhänge des Tomnatecu „ „ 0. Exp. 1479 ^ 

Gaina, Endpunkt des Rözbänyaerzuges; 0. Exp. ... 1460 „ 
Auf dem Dealul Boului südöstlich von der Cucurbeta; 

0. Expos 1456 „ 

Dealul Boului oberhalb Vidra; 0. Exp. 1462 „ 

Dealul Boului oberhalb Vidra; SO. Exp 1488 „ 

Abfall des Bohodei im Pötrosaerzuge; NW. Exp. . . . 1372 „ 

Abfall des Bohodei „ „ W. Exp. ... 1401 ^ 

Abfall des Bohodei „ „ S. Exp. . . . 1450 „ 

Cumuncellu im P6trosaerzuge; S. Exp 1427 „ 

Unterhalb der Piötra Talhariului im Petrosaerzuge; 0. Exp. 1456 ' ^ 
Oberhalb der Stäna Oncösa im Bereiche des Batrinapla- 

teaus; N. Expos. . 1310 ^ 

Oberhalb des Eingangs in die Geisterhöhle bei der On- 

c6sa; N. Exp 1354 „ 

Am Abfalle der Pi6tra Batrina; W. Exp 1394 „ 

Am Abfalle der Piötra Batrina; SO. Exp 1564 „ 

Aus diesen Messungen berechnet sich die obere Grenze bei 
nachfolgenden Expositionen: 

N. NO. 0. SO. S. SW. W. NW. 
mit 1332 1407 1463 1526 1430 1400 1394 1361 Met. 

Mittel 1414 Meter. 

Die untere Grenze schwankt im Vorlande und in den Thal- 
gründen des Bihariagebirges zwischen 200 und 300 Meier und stellt 
sich im Mittel aus mehreren Messungen auf 222 Met. — Im mittel- 
ungar. Berglande fällt die untere Grenze der Rothbuche an südlichen 
Lehnen auf 300, an nördlichen Lehnen auf 190 Meter. — Die tief- 
sten Standpunkte^ wo ich die Rothbuche im Bihariagebirge beobach- 
tete, sind in der Umgebung von Robogani, Hollodu und Desna, wo 
noch bei 175 Meter Seehöhe Rothbuchen stehen, und im mittelungar. 
Berglande die Thalschlucht hinter der Ruine Visegrad und die kleine 
Schlucht nächst dem Leopoldlfelde bei Ofen bei 180 Met. (Ausserhalb 
des Gebietes in der Fünfkirchener Berggruppe bei Manfa und Budafa 
nördl. von Fünfkirchen bei 240 Met.*). 

Die Rothbuche findet sich im Gebiete auf Porphyrit, Trachyt, 
Glimmerschiefer, Thonschiefer (Grauwackenschiefer und Liasschiefer), 
Kalk, tert. Lehm und Sand, ist also im Allgemeinen in Betreff des 
Substrates nicht sehr wählerisch; dennoch lässt sich nicht verkennen, 
dass sie im Gebiete stellenweise den Kalk als Untei^lage bevorzugt. 



*) Vergl. über die Grenzen von Fagibs süvatica: A. Kerner, „Studien 
über die oberen Grenzen der Holzpflanzen** in Oesterr. Revue, IV. Bd. S. 256 
und über die Buchenwälder des Bihariagebirges A. Kerner, „Pflanzenleben der 
Donauländer,« S. 124 und 297. 



186* 

So z. B. beginnt die Rothbuche auf dem Nagyszäl bei Waitzen erst 
olierhalb der Grenze des Sandsteines; ihre untere Grenze fällt dort 
mit der Grenze des Kalksteins (570 Met.) zusammen und ist darum 
auch lokal um 270 Meter gegen die normale untere Grenze ver- 
schoben. Am Uebergange von R^zbänya nach Valea söcqa erhebt sich 
an der einen Seite des Sattels die aus rothem Schiefer und Sandsteio 
gebildete Ruginosa, auf der anderen die Kalkkuppe der Pi6tra mun- 
celului; erstere ist ganz mit Fichten, letztere ganz mit Rothbuchen 
bewachsen, und auf dem Batrinaplateau kann man sicher sein, in 
allen Mulden und Kesseln, wo der Sandstein zu Tage tritt, Fichten- 
wälder, auf dem angrenzenden Kalkterrain aber Buchenwälder an- 
zutreffen. ^ 

1527. Castanea sativa Mill. — Im mitteluiigar. Berglande in 
der Magustagruppe oberhalb Gross-Maros ein ziemlich grosser Be- 
stand aus mächtigen Bäumen; in kleinen Gruppen und vereinzelt 
auch in der Pilisgruppe bei Visegrad, im Auwinkel und nächst dem 
Saukopf bei Ofen. An allen diesen Standorten aber schwerlich ur- 
sprünglich wild, sondern vor sehr langer Zeit eingeführt. — Im 
Tieflande sah ich selbst Castanea vesca nirgends gepflanzt, doch 
kommt sie nach Kanitz in Nagy Koros kultivirt vor. Im Bereiche 
des Bihariagebirges findet sie sich nur kultivirt bei Grosswardein und 
bei R^zbslnya. An letzterem Orte brachten die gepflanzten Bäume 
nur alle 4—5 Jahre Früchte zur Reife, und die Bäume wurden dort 
in neuerer Zeit wieder gefällt. Die bei Visegrad und Gross Maros 
stehenden Bäume tragen dagegen alljährlich reichlich Früchte, die 
zwar klein, aber sehr schmackhaft sind, und von welchen durch- 
schnittlich in jedem Herbste über 1000 Motzen geerntet und in den 
Handel gebracht werden. Mehrere dieser Bäume zeigen einen Umfang 
von 4 Meter. — Der Kastanienbaum liebt tiefgründigen lehmigen 
Boden und gedeiht daher auch im <jebiete insbesonuere auf dem 
schweren Lehmboden, welcher durch Verwitterung aus dem Trachyte 
und thonreichen Kalksteinen hervorgegangen ist. 95 — 435 Met. 

1528. Quercus Cerris L. — Im mittelungar. Berglande in der 
Matra bei Paräd, in der Magustagruppe auf dem Spitzkopf bei Gross 
Maros und bei Zebegöny; auf dem Nagyszäl bei Waitzen; in der^ 
Pilisgruppe auf dem Kfshegy und Piliserberg, bei P. Csaba, auf der" 
Slanitzka, auf dem Kopäszhegy, Johannisberg, Dreibrunnberg und 
Schwabenberg und im Wolfsthal bei Ofen, im Kammerwalde bei Pro- 
montor. — Fehlt im Tieflande*). Dagegen sehr verbreitet im Biharia- 
gebirge, zumal über das ganze tertiäre Vorland vom Szaldobägyer 
Walde nördlich bei Grosswardein über den Köbänyaberg bei Felix- 
bad, Szökelytelek bei Nyärszegh, Lasuri, HoUodu, Tenke zum Bon* 



*) Kanitz in Sert. Fl. territ. Nagy KörÖs. (Verh. d. zoolog.-bot. Ges. in 
Wien, 1862 S. 2i2) sagt von Q, CerrisL „format silvam veterem; culta?" — 
Wenn wirklich Q. C&rris im Walde bei Nagy Koros vorkommt, so ist sie da- 
selbst gewiss nur kultivirt. Sie fehlt nämlich in allen anderen urwüchsigen Wäl- 
dern der Kecskemeter Landhöhe, sowie überhaupt im ganzen Tieflande. 



187 

toskö bei Petrani nächst Bel^yes ; dann auf den westlichen Vorlagen 
der Plesiugruppe bei OIcsa, Bagy und Desna; insbesondere häufig. im 
Gebiete der weissen Koros auf den Trachytbergen bei Körösbänya, 
Karacs, Halmadiu, Yatia, Plescutia, But6ni und auf dem Mokra bei 
Boros Jenö, ebenso in der Hegyesgruppe auf dem Hegyes und Drocsa, 
bei Slatina, auf der Chiciora und westwärts bis Gyorok bei Arad. — 
(Fehlt dagegen auf dem Vasköher Plateau, im Petrosaer- und R6z- 
Mnyaerzuge^ auf dem Batrinaplateau und in der Vulcangruppe.) — 
In der Regel bildet Quercus Cerris einen Bestandtheil des gemischten 
Laubwaldes und ist dann am häufigsten mit j^. sessiliflora^ Fagns sil-- 
eatica^ Carpinns Betulus^ Pirus tormitMiis, P. communis^ P. Malus 
und Tilia argentea gemengt. Reine Bestände sind dagegen selten. Die 
ausgedehntesten reinen Zerreichenbestände beobachtete ich am südl. 
Abfalle des Kishegy bei Cs^v und nächst P. Csaba in der Pilisgruppe. 

— Ihre obere Grenze bestimmte ich im Bihariagebirge mit 720 Met. 
Im mittelungar. Bergl. vermochte ich ihre obere Grenze mit Sicher- 
heit nicht zu ermitteln. Es findet sich daselbst Q, Cerris noch auf 
der Kuppe des Piliserberges bei 755 Met. Ein Vergleich dieser See- 
liöhe mit der oberen Grenze im Bihariagebirge macht es übrigens 
wahrscheinlich, dass die Kuppe des genannten Berges gleichzeitig auch 
die obere Grenze der Zerreiche im mittelungar. Berglande darstellt. 

— Die tiefsten Standorte der Zerreiche liegen im mittelungar. Berg- 
lande im Kammerwalde bei Promontor: 130 Met. und im Bihariageb, 
auf den Hügeln bei Hollodu: 160 Meter und bei Chisindia nächst 
Butöni: 150 Meter. 

Q. Cerris liebt wie Castanea vesca einen tiefgründigen bün- 
digen Boden und findet sich daher ganz vorzüglich auf dem lehmigen 
Erdreich, welches durch Verwitterung sich aus dem Trachyt und 
thonreichen Kalksteinen und Schiefern herausgebildet hat. Uebrigens 
findet man stellenweise im Gebiete die Zerreiche auch auf felsigem 
Terrain, auf Glimmerschiefer, Sandstein, Cerithienkalk und bei P. Csaba 
auch auf lockerem Sandboden. 

1529. Quercus austriaca Willd. — Auf der Südseite des Pi- 
liserberges, auf der Slanitzka bei P. Csaba und im Wolfsthale bei 
Ofen. — Kalk, tert. Sand, 200—600 Meter. — (Die Laubblätter sehr 
seicht gelappt, die Lappen gerundet, stumpf. Durch diesen Zuschnitt 
der Blätter mit j^. sessilifiora^ durch die Form der Cupula und die 
bleibenden Ausschlagsschuppen mit Quercus Cerris übereinstimmend. 
Nach Neilreich's mir gegenüber einmal mündlich geäusserten Huth- 
massung vielleicht ein Bastart aus Q. Cerris und j^, sessiliflora, wo- 
für allerdings der Umstand sprechen würde, däss i^. austriaca so- 
wohl in Niederösterreich als auch in Ungarn immer nur vereinzelt 
in Gesellschaft von Q. Cerris und Q. sessiUflora angetroffen wird. 
Da aber Q. Cerris erst zu blühen beginnt^ wenn an gleichem Orte 
Q. sessiUflora bereits abgeblüht hat, ist die Kreuzung dieser beiden 
Arten wenig wahrscheinlich. Zudem stimmt die Cupula der i^, austriaca 
mit jener der Q. Cerris ganz überein, und ist in der Ausbildung 
derselben ein Einfluss der Q. sessiUflora nicht zu erkennen.) 



188 

1530. Quercus nndulata Kit. Add. p. 50. — Im mittelungar« 
Berglande an gleichen Standorten mit den beiden vorhergehenden 
Arten, in der Pilisgruppe an der Südseite des Piliserberges, auf der 
Slanitzka bei P. Csaba und im Wolfsthale und auf dem Schwaben- 
berge bei Ofen. Im Bihariagebirge auf dem Bontoskö bei Petrani 
nächst Bel^nyes. Von Vrabelyi erhielt ich bei Erlau auf dem M^sz- 
hegy gesammelte sterile Zweige einer Eiche, welche gleichfalls hie- 
her gehöiren dürfte. Von Kit. wird 0- undulafa a. a. 0. „in silva 
budensi** angegeben. — Kalk. 100—600 Met. — (Durch die Gestalt 
des Laul;)es, insbesondere durch die spitzen Zipfel der Laubblätter 
stimmt diese Eiche mit Quercus Cerris überein, durch die Beklei- 
dung der unteren Blattfiäche^ sowie durch die Gestalt der Schuppen 
der Cupula dagegen ist sie jedenfalls mit Q. pubescens weit näher 
verwandt. Für einen Bastart aus Q, Cerris und Q. pubescens möchte 
ich dieselbe nicht halten. Allerdings ist bemerkenswerth, dass sie 
sich immer nur dort findet^ wo l^. Cerris und Q, pubescens geseilig 
vorkommen.) 

1531. Quercus dilatata, — Die Zweige sowohl im Alter als 
auch in der Jugend vollständig kahl, gewöhnlich mit kleinen weiss- 

' liehen Lenticellen reichlich besetzt; die hinfälligen Schmallinealen lan- 
gen Ausschlagsschuppen seidenhaarig; die Blätter sehr kurz gestielt, 
gross (Stiel 3— 6"""" lang; Blattspreile 12— 16Ctm. lang, 9— UCtm. 
breit), im Umrisse verkehrteiförmig, fiederspaltig; die Lappen von der 
JBasis bis zum oberen Drittel an Grösse rasch zunehmend, dann plötz- 
lich an der Spitze sehr abnehmend ; die grössten zwischen dem mitt- 
leren und vorderen Drittel der Spreite befindlichen Lappen durch 
schmale, tiefe Einschnitte von einander getrennt und im Umrisse 
rhombisch; das schräg gestutzte Ende der Lappen ausgeschweift und 
zu 2—4 gerundeten Ecken oder Läppchen ausgebuchtet; die Lappen 
im vorderen Drittel oder Viertel des Blattes viel kleiner, kurz, gerun- 
det, häufig zu einem einzigen sehr breiten geschweiften Endlappen 
zusammenfliessend; die Basis des Blattes tief herzförmig, geöhrlt; 
die obere Blattseite in der Jugend mit kurzen zu 2 — 4 büschelig 
vereinten Härchen besetzt, im Alter aber fast kahl oder doch nur 
mit sehr spärlichen vereinzelten Trichoitien bestreut, schwach glän- 
zend, dunkelgrün; die untere Blattseite in der Jugend, sowie im 
Alter an den kräftiger vorspringenden Nerven behaart, an den Flächen 
selbst aber vollständig kahl, glanzlos, blasser als auf der oberen 
Seite und fast seegrün, die Knospen in den Blattachseln kugelig, die 
Knospenschuppen flaumhaarig. 

Mächtige Bäume, gesellig mit Q. pubescens^ Q, Robur L. CQ 
pedunculata auct.) und Q. ambigua Kit. in dem Waldreviere zwi- 
schen Monor und Pilis auf der Kecskemeter Landhöhe und bei Tapio 
Slily im angrenzenden Tapiogebiete. — Diluv. Sand. 90 — 130 Meter. 
In dem .lahre, in welchem ich diese Eichenart beobachtete, 
trug sie keine Blüthen und Früchte. Ich bin daher leider ausser 
Stande, eine vollständige Beschreibung derselben zu geben und muss 
die Ergänzung derselben jenen Botanikern überlassen, welche in der 



189 

Lage sind, diese sehr merkwürdige, im iingar. Tieflande wahrschein«^ 
lieh viel weiter verbreitete j^ichenaxt an Ort und Stelle zu beob- 
achten. 

Von den mit Q, dilatata gesellig wachsenden oben erwähnten 
Eichenarten unterscheidet sie sich sogleich durch das im Zu- 
schnitte lebhaft an Q. Esculus L. erinnernde Laub mit 
schmalen, tiefen Einschnitten und schräg abgestutzten 
buchtigen Enden der Lappen, von Q. pubescens W. und Q. 
ambigna Kit. tiberdiess durch die ganz kahlen Zweige und Blattstiele 
und die schon in der Jugend kahle Fläche der unteren Blattseite; 
von 0' Robur L. (jpedunculata auct.) durch die behaarten Nerven 
der unteren Blattseite und in der Jugend ziemlich reichlich, im Alter 
aber nur äusserst spärlich über die Fläche der oberen Blattseite ver- 
streuten gebü schelten Trichome. Die Blätter der Q. Robur h. sind in 
der Jugend auch an den Nerven der unteren Blattseite ganz kahl, 
ihre Blattlappen sind eiförmig, niemals eckig ausgebuchtet und die 
Einschnitte, durch welche die grössten Lappen getrennt ^d, er- 
scheinen immer nach aussen weit geöflhet. Wie schon bemerkt, er- 
innert Q, dilatata im Zuschnitte des Blattes an Q, Esculus L., aber 
die Blattlapperi sind an Q, Esculus zahlreicher, schmaler, noch mehr 
ausgebuchtet, neben den Blattnerven ist auch die Fläche der unteren 
Blattseite mit kurzen Härchen bekleidet, und auch die Haarbüschel- 
chen auf der Fläche der oberen Blattseite sind an Q. Esculus viel 
reichlicher vorhanden. 



-*4o^ 



Leonurus cardiaca Linn. 

(Das gemeine Herzgespann.) 

Von Dr. Anton Fruckmayr. 

Unsere mehr nordische Pflanze werden griechische und römi- 
sche Aerzte und Naturforscher kaum gekannt, wenigstens nicht näher 
beachtet, oder besonders benannt haben; wenngleich es nicht an 
Versuchen fehlte, sie in den Schriften der Alten aufzufinden: 

So nannte sie Otto Brunfels: Marrubium ma>s^ Hieronymus 
Tragus: Melissa sylvestris, Kaspar Bauhin : Marrubium^ Cardiadicta, 
forte Cl"^"" Theophrasti u. js. w.). Matthiolus führte sie in seinem 
Commentarius in Dioscoridem, zu Ende seiner ürticae, als Car-- 
diaca auf. 

In den Heilschatz wurde das Herzgespann erst durch das 
ärztliche Mittelalter eingeführt; welches bekanntermassen das Pflan- 
zenreich ebenso bevorzugte , als es die ärztliche Neuzeit ver- 
wahrloset. 

Offizinell war das Kraut: Herba Cardiacae, von schwa- 
chem, etwais aromatischem Gerüche und sehr bitterem Geschmacke; 



190 

welches als Wundmittel u. s. w. einst berühmt, jetzt obsolet, aber 
nicht unbedeutende Heilkräfte zu besitzen scheint. Worauf man schon 
aus dem verwandten, als Diureticum etc so hoch gepriesenen Leo- 
nums lanalus Spr. (Ballota lanata L.) schliessen kann. 

Kurz und gut hatte unsere Pflanze der alte Speyer Arzt Dr. Jo- 
hann Joachim Becher in seinem „Pamassus medicinalis illustratus^ 
(Ulm 1663) als Cardiaca (herba)^ Hertzgespann, beschrieben und 
besungen: 

,^s fördert die Geburt das Hertzgespann, es treibt 
Der Weiber Zeit und Harn. Zwei Stücke maD daraus verschreibt: 
Ein Wasser und ein Salb; die dient zum Hertzgespann, 
Die kleinen Kinder oft mit solcher schmiert man." 

• 

Wie schoyi hieraus erhellt, ist der systematisch-botanische Name 
neueren Ursprunges. 

Der Gattungsname Leonurus (sprich: Leon-^rus) wurde zuerst 
von Tournefort und Rivinus aufgestellt; er wurde anfangs auch von 
Linnö weiter gesteckt und umfasste Spezies von den Linn6'schen 
Gattungen Galeopm QGaleobdolon Linn. = Leonurus foliis ovatis, 
serratis, acutis) und Phlomis CLeonurus L. = Leonurus foliis lan- 
ceolatis, obtuse serratis und Leonitis L. == Leonurus minor capitis 
b. spei). In früheren Werken beschrieb Linnö das Herzgespann 
als Leonurus foliis caulinis, lanceolatis, trilobis (Hort. Clif- 
fort.) und als Leonurus foliis palmatis incisis (Iter Scandin). 
Was der Grund dieses neueren Namens Leonurus^ ist mir nicht be- 
kannt; ich weiss nur, dass die davon ganz verschiedene Orobanche 
major L. von Caesalpinus: Cauda leonis genannt wurde. 

Jedenfalls ist der aus Leon^-urus gebildete, nun allgemein gang- 
bare deutsche Gattungsname: Löwenschwanz cum grano salis zu. 
nehmen. Zwar schreibt Kraus (Medizinisches Lexikon): „Ura, 77 ovq<x, 
Jon. ovQi^f der Schwanz, eigentl. jon. Form von Orrhos. 2. f. o^s, 
o^^og, der Hintere, Purzel, Schwanz der Vögel." Dagegen 
schreibt Beckmann (Lexicon botanicum): ,fLeon-^rus penull. produ- 
citur, ab ovqov, urina, Leonis urina. Sic Palin-urus producitur, 
id est, rursum meiens." 

Dafür ist das Wort Cardiaca (sprich Cardiaca^ zwar alt und 
griechischen Ursprunges; aber nicht als Pflanzen-, sondern als Krank- 
heitsname und gleichbedeutend mit Cardialgia (KagdLoXyiTj}. So 
schreibt der altgriechische Arzt Alexander Trallianus (lib. VI cap. 11): 
„Cardiacus affectus iKccf^Lanrj Jux^-socg} est stomachi Vitium, quod 
accidit, ubi humores pravi, rodentes et virulenti, in ore ventriculi 
collecti fuerint.'' 

Noch ausführlicher schreibt darüber der berühmte römische 
Arzt A. Cornelius Celsus in seinem Werke: De Medicina^ lib. HI, 
cap. 19. de Cardiacis: „Huic morbo (insaniae, wovon im vorigen 
Kapitel) praecipue contrarium est id genus, quod Ka(f8t£CHov a Graecis 
nominatur, quamvis ad eum phrenitici (phrenitis, der höchste Grad 
der Insania) transeunt: siquidem mens in Ulis labat, in hoc constat. 



191 

t ' 

Id autem nil aliud est, quam nimia imbecillitas corporis; quod, sto-« 
macho languente, immodreo sudore digeritur. Licetque protinus scire, 
id esse, ubi venarum exigui, imbeciilique pulsus sunt; sudor autem 
contra consuetudinem, et modo et tempore, ex toto thorace, et cer- 
vicibus, atque etiam capite prorumpit, pedibus tantummodo et cruri- 
bus siccioribus, atque frigentibus.^ 

Also offenbar als Adjectivum (cardiacus, a, um) ein Krank- 
heitsame, gebildet von dem griechischen Substantivum xa^^^a: 1, 
eigentlich das Herz, cor; jetzt gewöhnlich der obere Magenmund. 
„Uti enim viscus thoracis, ita etiam ventriculi os na^ducv appellant 
veteres,'' schreibt Galen de placitis Hippocrat. et Piatonis lib. X. 

Damit wohl sinn- und sprachverwandt, aber dennoch wesent- 
lich von Cardiaca der Griechen und Römer verschieden ist Car- 
diaca (passio); ein Krankhmtsname des ärztlichen Mittelalters. Wovon 
Dr. Joh. Jak. Woyt in seiner medizinischen Schatzkammer (Leipzig 
1761): „Cardiaca, Carc^iaca passio, Cardiacus morbus, Car- 
diogmus, das Herzgespann, (Herz-) Wehe oder Verdriess- 
thum, Verb röchen, Anwachsen — ist eine Aufblähung des 
Unterleibes unter den kurzen Rippen, macht ein schweres, beängstig- 
tes Athemholen; überfällt insgemein die kleinen Kinder." 

Wovon auch Hufeland in seinem Enchiridium medicum unter 
Atrophia mesenterica infantum, Darrsucht der Kinder: 

„Diagno sis. Aufgetriebener, harter Unterleib, oft mit deutlich zu 
Tühlenden harten Knoten und gewöhnlicher Abmagerung der Extre- 
mitäten. Dabei gewöhnlich der stärkste, oft unersättliche Appetit (daher 
der ehemalige Glaube an Behexung bei dem beständigen Essen und 
doch immer zunehmenden Magerwerden), gewöhnlich Leibesver- 
stopfung, dazwischen auch Diarrhöe, Leibschmerz, altes, runzeliges, 
verstelltes Gesicht, die Haut überhaupt leblos, oft auch Comedones." 

Wovon endlich Adelung in seinem grossen Wörterbuche: „das 
Herzgespann (als Krankheit), eine schmerzhafte Aufblähung unter 
den kurzen Rippen am Herzen [???], wodurch ein schweres und ängst- 
liches Athemholen verursacht wird. Es ist bei Kindern und Thieren 
sehr häufig, wo es aus Unverdaulichkeit und versetzten Blähungen 
in dem Grimmdarm entsteht, obgleich es der grosse Haufen einer 
Bezauberung zuschreibt und abergläubische Mittel dagegen gebraucht; 
Cardiaca. In Oberd. das Herzspann, Herzgesperr, in Schlesien 
die Röthe, an anderen Orten der Ribbenkuchen.'' 

Diess führt uns nachgerade auf Cardiaca (herba) als Pflanzen- 
name, der sich zuerst» oder recht frühzeitig bei Leonhard Fuchs vor- 
findet; als offizineller Name Herba Cardiacae (terrestris) allgemein 
bekannt; eine wörtliche Uebersetzung des alten deutschen Wortes 
Herzgespann, Herzgesperr. 

Wir stehen da wieder am Anfange — an der schwierigen Auf- 
gabe, die wahre und ursprüngliche Bedeutung von Herzgespann, 
Herzgesperr sicher zu stellen; was mir mit Hilfe der deutschen 
Mythologie zuerst gelungen sein dürfte: 



in 

Was den Griechen und Römern die GiHtermutter Cybele, die 
in der rechten Hand einen Schlüssel h^lt^ womit sie im Lenz die 
Getreidekammern der Erde aufsperrt, oder als Getreidespenderin eia 
Aehrenbüschel : das war unseren heidnischen Vorältern ihre Hertha, 
d. i. Erde. Vergl. den H- Vorschlag in dem Worte H-elfenbein, latein. 
erda, persisch, syr. und chald. HIHt (ar'd), Erde. (Nork. mytholog. 

Wörterbuch). 

Die oberste Naturgöttin, welche vorzugsweise von dem suevi- 
schen Volksstamme zwischen dem rechten Elbe-Ufer und der Ostsee 
verehrt wurde (Tacit. Ger man. cap. 40), und welche, je nachdem 
sie bei verschiedenen Jahreszeiten und Gelegenheiten mit anderen 
himmlischen Vorzügen und Tugenden prangte, bald Bertha^ Prechta 
(die Prächtige), bald Frau Holle oder HQjde, Frau Luz, Frigg oder 
Freya (die Frau per excell^ntiam) u. s. w. hiess. 

Die Festzeit, wo sie herniederstieg auf die Erde zu den Sterb- 
lichen, war muthmasslich die heilige Weihnacht (= geweihte Nacht^ 
heilige. Nacht); damals Mutternacht genannt und durch nächtliche 
Opfer ausgezeichnet. Man zündete der Göttin^ die nun ihre Reise za 
den Völkern begann, und welche man den Flug der Hertha nannte^ 
Lichter an, machte Feuer auf dem Herde und unter grünen Bäumen, 
aus welchen man Stimmen zu vernehmen hoffte u. s. w. 

Barth (Relig. der Deutsch. L S. 24> erinnert an einige Orts- 
namen^ welche dem Hertha-Kult ihre Entstehung zu verdanken schei- 
nen, z.B. den Herthagau am Harz, Hertboga im Magdeburgischen^ 
Erdingen in Baiern am rechten Saarufer, das Dorf Erdborn im 
Mannsfeldischen. 

Gräter (Bragur) hat folgende Ortsnamen gesammelt, welche die 
weite Verbreitung des Hertha-Kultus beweisen: Her da, Dorf bei 
Eisenach; Herten, Rittersitz bei Köln; Hert, Vogtei bei Germers- 
heim in der Pfalz; Hertefeld im Clevischen; Hertesberge, Flecken 
bei Grubenhogen; Hertingshausen in der Grafschaft Leiningen; 
Hertingen^ Vogtei in Baden; Hertenstein, Dorf bei Freising in 
Baiern; Herten borg im Ober-Innthal in Tirol. 

Franz Nork, dessen „Mythologie der Volkssagen und Volks- 
mährchen'' ich diese Ortsnamen entlehne, erinnert fragweise an die 
vielen Ortsnamen Herzfeld. 

Die Glück und Segen spendende Hertha weilet noch mitten 
unter uns; sie bringt uns Jahr für Jahr nach dem Wintersolstitium 
das grosse Himmelslicht, die Sonne, und mit ihr Wärme und Frucht- 
barkeit. Und was das Merkwürdigste an der Sache, sie gewinnt^ 
eben vom heiligen deutschen Reich kommend^ seit 30 bis 40 Jahren 
auch in Oesterreich an Reichthum, Macht und Ansehen; sie fährt 
nicht mehr, wie einst, auf einem schlechten Karren, schwerfällig 
gezogen von Kühen, ihrem Symbole der Fruchtbarkeit: sie lebt schon 
auf grossem Fusse, zieht schon per Dampf und Eisenbahnen in die 
Paläste der Reichen und in die Hütten der Armen; wir sahen erst 
unlängst ihren lichtervollen Tannenbaum, den wir zwar nicht mehr 



193 

Hertbabaum (Adelung nennt die Ficbte den tlerzbaum), sondern 
nach dem Lichte der Lichter, Chris tbaum nennen. 

Und so wie nun das liebe Christkindlein grosse und kleine 
Kinder, reiche und arme Heiden beschenkt, so nahm einst die gute 
Allmutter Hertha die Kleinen und Unmündigen in ihren besonderen 
Schutz und Pflege; sie strafte nachlässige Aellern an ihren Kindern 
und heilte gleichzeitig letztere mit der nach ihr benannten Krankheit 
und Pflanze. ^ 

Also ursprünglich Hertha'sgespann, Herth^sgespann, Hert's- 
gespann; und erst, als nach Einführung des Christenthums in 
Deutschland die alternde Hertha mehr und mehr verdrängt, zuletzt mit 
nomen und omen vergessen wurde, drehte und verdrehte man das 
alte Wort so lange, bis man endlich an Herzgespann, Cardiaca 
(passio et herba) anlangend wieder einen Sinn zu finden glaubte. 

Ich setze dabei als bekannt voraus, dass der Buchstabe Z, so 
wie mit D, T und Th lautverwandt, auch öfter aus diesen gebildet. 
Als Beispiel führe ich Kraus an, welcher a. a. 0. schreibt: „Z ist 
aus d-s, t-s oder th-s zusammen gezogen und zerfällt desshalb oft 
wieder in dieselben. Auch wir bildeten Räzel ausRäthsel, hunzen 
aus hund-sen, Prätzel aus Brätsei = Gebrätsel u. s. w." 

Das einfache deutsche Verbum spanen mit dem Intensivum 
spannen (tendo, extendo, pando, expando) bezeichnet einen elasti- 
schen Körper durch Zusammendrückung oder durch Ausdehnung in 
den Fall setzen, dass er sich mit Heftigkeit bemüht, sich in seinen 
vorigen Stand zu setzen; wovon das alte Mittelwort gespann statt 
gespannt. Zustände, die auch mit der blossen Hand (manus) ge- 
setzt werden können; sie — das Zeichen der Allmacht — ist ja 
dasjenige Gliedmass der Menschen un4 Thiere, womit sie andere 
Dinge ergreifen und halten, vergl. hendoinprehendo. 

„Gott hat die Hand in jedem Spiel, 
Bald gibt er wenig und bald viel** 

singt ^nser alte Canitz. Und dir, o traute Göttin! verdanken wir — 
Aerzte und Eheleute — den Digitus Studiosus, den Arzt-, Gold- oder 
Ringfinger; der dir einst geweiht und noch jetzt Herzfinger ge- 
nannt wird. 

Die Hämorrhoiden heissen noch hie und da die Spanhexe; 
und da nach Einführung des Christenthums die Eigenschaften und 
Tugenden der altdeutschen Göttinnen auf die Himmelskönigin Maria 
übergingen, so erklärt sich der Name Manus Divae Mariae, den 
ich in mehreren alten Büchern finde, für Herzgepann als Krank- 
heit und Pflanze. 

Da auch das deutsche Verbum sperren (claudo) s. v. a. 
mit einem Ringel oder ähnlichem Dinge, selbst mit Anstämmung der 
Hände verschliessen bedeutet, so erklärt sich der Name Herzge- 
sperr in denselben Bedeutungen. 

Wenn die zürnende (gespannte) Göttin faule Aeltern an ihren 
Kindern bestraft, so wird ihr Herzgespann, Herzgesperr zum 
(Herz-) Wehe oder Verdriessthum, zum Verbrechen oder An- 

Oesterr. bot&n. Zeitißhrift. 6. Heft. 1876. j^5 



194 

wachsen; wiederum^ wenn die bimmlische Schutzfirau der Schwange« 
ren, Gebärenden und Wöchnerinnen zurErndtezeit ihre Gaben aus grossem 
tüilhorn schüttet, so begreift man, warum meine Land^leute (Ober- 
üsterreich) in Meinung und Brauch der Heimath den alten Spruch 
bewahrheiten." Vor dem „Ftihrageh'n" (Hervorgehen) soll die Wöch- 
nerin ja keinen Schritt in den Kasten (Getreidekasten) thun; sonst 
bekommt das Kind das „Herzgespörr* (aus der volksmässigen 
üeberlieferung der Heimat^ von Amand Baumgarten). 

Ich weiss nicht, ob Nork unsere Pflanze meint, wenn et über 
die Parallele zwischen Frigg (Freya) und Maria schreibt: „In den 
Ebenen Schwedens findet man eine Feldblume von hellrother Farbe: 
Maria's Hand genannt. 

Noch führe ich Adelung an, welcher über Herzgespann schreibt 
als Pflanzenname: „In dem Wahne des grossen Haufens ein kräftiges 
Mittel wider das Herzgespann, wenn es zu den Kindern in die 
Wiege gelegt wird; Leonurns cardiaca crispa L. (mehrmals). 

Johann Ruellius muss unsere Pflanze Lycopus (sprich: Lycb^ 
pus) genannt haben; daher beschreibt sie Dominions Chabrous* als 
Lycopus Ruellii, 

Ebenso wie Leonurus, ist auch Lycopus ein neugebildeter Pflan- 
zenname; wovon auph die übrigen deutschen Namen unserer Pflanze: 
Wolfsfuss, Wolfstrapp, Pes lupi, Prata lupina nachgebildet 
und entstanden sein müssen (?). 

Die nahe botanische Verwandtschaft unserer Pflanze mit Lyco- 
pus europaeus L. erhellt übrigens dadurch, dass dieser den offizi- 
neilen deutschen Namen Cardiaca palustris führt. 

Da palma s. v. w. vola, die volle oder flache Hand, so 
wird man Agripaume, wie die Franzosen unsere Pflanze nennen, 
hieher beziehen, und aus dem im Mittelalter gebräuchlichen Agri- 
palma erklären können. 

Hiermit glaube ich unseren Leonurus Cardiaca L. der deutschen 
Mythologie wieder gesichert zu haben; vielleicht gelingt es mir, noch 
andere deutsche Pflanzen dem einstigen Hertha*Kultus wieder zu 
gewinnen ! 

Haag in Oberösterreich, im Februar 1876. 



Eine Wanderung durch Oberkrain. 

Von Julius Eugy. 

(Deber das Scarbinjft-J«cli in das W^chein-Thal, Besteigung der HttWA 

Prst nad des Triglav.) 

(Sehlass.) 

Ich übergehe nun die nächsten Tage und Wochen, die ich im 
schönen Oberkrain in ländlicher Stille verlebte und eile zur Be- 
schreibung' meiner letzten Alpenpartie, zur Besteigung des Triglav. 



195 

Am 4. September, 7 Uhr Morgens hatte mich die Rudolfsbahn 
zur Station Lengenfeld gebracht, von wo aus sich das Dorf Moischtrana, 
der Ausgangspunkt meiner Tergloubesteigung, in ^/^ Stunde leicht 
erreichen lässt. Herr Schmerz, der Inhaber des besten Gasthauses 
daselbst, verschaflle mir sogleich bereitwillig einen Führer, Johann 
Glantschnig, einen, wie ich später zu bemerken Gelegenheit hatte, 
äusserst tüchtigen und geübten Mann, einen guten Geher und Kletterer, 
der nebst allen diesen EigenschaRen auch die besitzt, dass er der 
deutischen Sprache ziemlich mächtig ist. Nachdem ich mich mit ihm 
über den Lohn (5 fl.) vereinbart und Herr Schmerz mir versprochen, 
für Proviant, Bergstöcke u. dgl. die Sorge übernehmen zu wollen, 
machte ich mich auf, dem berühmten Peri^nik Wasserfall einen Besuch 
abzustatten. Der Weg dahin führt hart am Bette der Bistcrca, eines 
krystallhellen Gewässers, das aus der Vrata geflossen koiiimt, durch 
ein ziemlich schmales, von grünen Bergen umschlossenes Thal, in 
dessen Hintergrunde der gewaltige, dem Terglou vorgelagerte Zmirr 
und der kahle- Steiner ihre Häupter erheben. Nach einer Stunde hatte 
ich den Fall erreicht, nachdem ich den Donner desselben schon lange 
vorher gehört. An Pflanzen sind hier zu treffen: Arabis alpina^ 
Linaria alpina^ Calamintha alpina, Rhododendron hirsutum, Astrantia 
carniolica, Gentiana germanica, crnciata und asclepiadea, Cerastium 
ovatum^ Buphthalmum salicifolium, Dryas octopetala. 

Von der Höhe eines überhängenden Felsens, der aus einem 
Gewirr von gewaltigen Blöcken und rauhen Felstrümmern sich 
emporhebt, stürzt ein mächtiger Wasserstrahl in weitem Bogen frei 
herab; schäumend und brausend donnern in der Tiefe die Fluthen 
gegen die emporstarrenden Klippen, Alles in Gischt und Staub hüllend 
und ergiessen sich in ein tiefes azurblaues Becken, das die Gewalt 
des stürzenden Elementes in den felsigen Boden gehöhlt, während 
zu beiden Seiten des Hauptstromes kleinere Bäche den Felsen her- 
unterhüpfen, um auf den verschiedensten Wegen jenen Kessel zu 
erreichen. Imposanter als der Savizzafall durch den kühnen Bogen 
der frei stürzenden Wassermasse und die grössere Höhe hat der 
Periönig den Nachtheil, dass die Grossartigkeit der gegenüberliegenden 
Felsmasseh des Zmirr und Steiner seine eigenen Dimensionen kleiner 
und unbedeutender erscheinen lässt, während in der Wochein die 
schmale Kluft und das vollständige Abgesperrtsein von der anderen 
Welt den Eindruck zu einem überwältigenden machen. 

Um 3 Uhr Nachmittags verliessen ich und mein Führer Moischtrana 
mit Proviant und guten Bergstöcken, Letzterer auch mit Steigeisen 
versehen.. Anfangs geht es durch ein prachtvolles, üppiges Thal, das 
Rothweinthal, das umschlossen ist von Waldhügeln und schön be- 
wachsenen Bergen, über weite Wiesen und Weiden; allmälig beginnen 
dann die Berge sich ihres grünen Schmuckes zu entkleiden; kahle, 
zerrissene Wände drängen sich von beiden Seiten zusammen, bis uns 
endlich in der unteren Kerma die grossartigsten Felsenformationen 
umgeben. Allenthalben wachsen da Gentiana asclepiadea^ cruciata, 
utrictUosa , Rhododendron Chamaecistus , hirsutum , Gnaphalium 

15* 



196 

Leontopodium^ sihaticum, Arnica montq/na, Aster alpinus, Vaccinium 
Vitisidaea^ Campanula rotundifolia und caespitogUy Astrantia car-' 
niolica^ Cyclamen europaeum^ Sedum maximum^ atratum^ Veratmm 
Lobelianum^ Dryas octopetala. Im Wildbachbette Linaria alpina, 
ßupleurum graminifolium, Calaminthe alpina. Steiler beginnt der 
Pfad sich hinaufzuschwingen über Gerolle und Wildbachbetle; die 
Eichen und Buchen verschwinden, und verkrüppelte Tannen und 
Führen, niederes Krummholz, hie und da eine dunkelgrüne Eibe treten 
an ihre Stelle. Dazwischen prangen Senecio abrotanifoliuSn Gentiana 
cruciata, Rhododendron hirsutum^ Achillea Clavenae^ Rhodiola rosea^ 
Saxifraga aizoides und crustata, Crepis aurea^ Potentilla aurea, 
caulescens. 

Nach 4V2St"wdigem Marsche öffnete sich vor uns ein stiller, 
wildromantischer Alpenkessel, die obere Kerma, in der wir in der 
. Dämmerung eine Schafhütte erreichten, halb verdeckt von gewaltigen 
Felsblöcken, die uns zum Nachtquartier dienen sollte. Nachdem wir 
es uns darin bei loderndem Herdfeuer bequem gemacht und unser 
einfaches Nachtmahl (schlechtes Heidemehl in Wasser gekocht) mit 
bestem Appetit aufgezehrt hatten^ trat ich aus dem engen, rauchigßn 
Räume hinaus in's Freie. 

Wunderbare Nacht! Wunderbares Leuchten I Die Natur, die vor 
Kurzem noch nur Licht und Leben gewesen, sie war zur heiligen 
(schweigsamen) Ruhe gelangt und tiefe Nacht lag über dem schlum- 
mernden Alpenthale. Da standen ringsum die gewaltigen Häupter, 
gezackte, zerrissene Grate; dort eine wunderlich ragende, geheim- 
nissvoll starrende Riesengestalt, umflossen von den wunderbaren 
Silberfiuthen des Mondes; drüben ein graumarmorenes, ungeheures 
Becken mit sanft blitzendem Inhalte; hier die grotesken Formen eines 
schwarzen Felskolosses, scharf abgegrenzt am nächtlichen Himmel, 
dort drohende Schemen, angethan mit schimmerndem Schneemantel; 
und darüber wölbte sich die Riesenkuppel des Himmelsgewölbes mit 
ihrem Sternengeflimmer und der Mond sandte sßin fahles Licht in 
diese wunderbar /erhabene , schweigende Alpennatur. Nur selten 
kreischt ein Nachtvogel mit wildem Rufe durch die Einsamkeit der 
Alpe und weckt das Echo an den rauhen Wänden ringsum. 

Ein dürftiges Heulager in einem schmalen Bretterverschläge 
wartete meiner in der Hütte, Um 3 Uhr Frijh weckte mich der 
Führer. Rasch wurde das Frühstück genommen und wir traten hinaus 
in das noch schlafende Thal. Tiefes Dunkel lag noch über dasselbe 
gebreitet, denn der Mond war hinter finster geballten Wolken im 
Südwest verschwunden, und beim unsicheren Geflimmer der Sterne 
begannen wir langsam und vorsichtig die Höhe hinter der Sennhütte 
zu erklimmen. Ueber grobklötzige Geröllhalden, an manchem ge- 
waltigen Felsblock vorbei kamen wir höher und höher, immer vor- 
sichtig mit dem Bergstocke tastend und oft auf Händen und Füssen 
- kletternd. Als wir die erste Höhe erreicht hatten und ein wüstes 
Steinmeer vor uns lag, das wir nun zu überqueren begannen, war 
es nach und nach lichter geworden. Noch eine Stunde lang über 



197 

Geröllmassen und kurze Strecken über steile, mit dürrem Alpengrase 
/ bewachsene Abhänge — und plötzlich stand vor uns die imposante 
Riesengestalt des Terglou in spitzer Pyramide emporstarrend, umgeben 
von kühngethürmten schneebedeckten Zinken und Zacken, die ihn da 
umständen wie die Trümmer einer Welt. 

Um 5 Uhr hatten wir die Ünterkunftshütte erreicht, welche die 
Sektion Krain des deutsch-öst, Alpen Vereines am Fusse des kleinen Triglav 
gebaut. Sie sieht jämmerlich aus. Das Dach fehlt, die Bretter wurden 
von Touristen und Jägern als Feuerungsmateriale benützt, die Thür 
mit den Pfosten liegt herausgerissen am Boden, ein kleines Gerüste 
innerhalb der drei Mauern ist mit feuchtem, halbfaulem Alpenheu 
bedeckt. Wir Hessen hier Lebensmittel und Botanisirbüchse zurück 
und nach V» Stunde standen wir am Fusse des kleinen Terglou. Wir 
begannen nun den „Kamin^ und die steilen hie und da mit Erytrichium 
nanunty Potentilla nitida^ Thlaspi alpinum^ Petrocallis pyrenaica^ 
Cherteria sedoides und Dryas oc^ope^a/a besetzten Felswände hinauf- 
zuklimmen. An den schwierigsten Stellen sind handbreite Stufen in 
das Gestein gehauen oder kurze Querbalken in Abständen von unge- 
fähr 2 Fuss in die Vorsprünge eingeklemmt, so dass man daran wie 
auf einer Leiter emporsteigen kann. So geht es höher und höher und 
immer steiler erheben sich die Felsen, immer tiefer gähnt der Abgrund 
zu Füssen. 

Um 6 Uhr 10 M. stand ich auf der Spitze des kleinen Trrglav, 
der ebenso wie die höchste Spitze mit 2' hohem, neuem Schnee be- 
deckt war. Wir Hessen hier unsere Bergstöcke zurück und betraten 
nun den ebenfalls theilweise mit Schnee bedeckten, gefürchteten 
Kamm, der bis unter die Spitze der höchsten Erhebung führt und 
der jedem nicht vollkommen Schwindelfreien keine Möglichkeit hin- 
tiberzukommen bietet. Eine 20 — 30' lange, schmale Felsschneide, die 
bald breiter werdend, bald sich verschmälernd an der gefährlichsten 
Stelle in der Breite von V2 — 1' dem Fuss kaum einen festen Halt 
gewährt, zur Rechten ein furchtbarer bei dreitausend Fuss tiefer 
Abgrund, in dessen Tiefen der Gletscher, von langen und tiefen 
Spalten durchzogen, in grünlichen Farben schillert, zur Linken ein 
fast senkrechter gegen zweitausend Fuss tiefer Absturz auf ein 
weisses Schneefeld, das in der ungeheuren Tiefe die grauen Felsen 
bespült. Der Kamm führt bis unter die höchste Spitze, die in fast 
senkrechten Wänden nach allen Seiten hin jäh abstürzt, fn's Vrata- 
Thal in einem senkrechten Absturz von 6000'. Glücklich überwanden 
wir auch die letzten Schwierigkeiten an den senkrechten Felsen, indem 
wir an den eingeschlagenen Eisenhaken, an die man im Nothfalle 
Stricke binden kann, und den eingeklemmten Querbalken langsam 
emporkletterten, vorsichtig, denn ein falscher Tritt, ein loser oder 
morscher Balken könnte uns zerschmettert in den gähnenden Abgrund 
stürzen. ^ 

Um V47 Uhr stand ich auf der höchsten Erhebung , auf der 
Spitze des grossen Triglav, 9036'. 
Tief unten liegt die Welt! 



200 

Oele. 



Arachis hypogäea L. 
Calophyllum Innophyllum L. 
Cocos nucifera L. 
Croton sebifemm L. 
Sesamum indicum L.. (Sesame 
rouge). 

Mehle. 



Sesamvm Orientale L. (Sesame 

blanc). 
— Orientale var. (Sesame noir). 
Stalagmites Cambogia Pers. 
(Guttier). 



Phaseolus Mungo L. 

Sagas sp. (Sagou de Bin-Diuh). 



Coneoleulus Batata L. 
Oryza glutinosa Loiir. (Nep.). 
— satit^a L. (Riz). 

Photographien. 

Ein Albnm mit Ansichten von Cambodja und Cochinchina enthielt 
ein Panorama von Saigon, dann mehrere Landschaften mit Palmen^ 
mit einem kolossalen Banyanenbaum iFicus indica% mit Gebäuden^ 
Ruinen, Tempeln und endlich Porträts von Eingeborehen. Im Ganzen 
mag sich die Anzahl auf 200 Stück im Formate von 6X8" be- 
laufen haben. 

China. 

Das himmlische Reich war Japan's nächster Nachbar und über- 
holte dieses an Drogen^ Nahrungsmitteln etc. der Menge nach, aber 
die Bezeicimung war sehr mangelhaft und die Gegenstände selbst oft 
in sehr schlechtem oder gänzlich verdorbenem Zustande. Der grösste 
Theil der Medizinalwaaren, Sämereien und Drogen war in Pulver- 
gläsern oder Glaspokalen enthalten^ und dürften deren über 600 Stück 
aufgestellt gewesen sein. Der von Ritter v. Overbeck ausgegebene 
Katalog enthielt Andeutungen von Bereitungsweisen mancher Nah- 
rungs- oder Genussmitte], wovon das Wichtigste hier im Auszuge 
erscheint. 

Holzmuster. 

Die Sammlung beschränkte sich auf wenige vierkantige Stücke 
und auf fünf von der Insel Formosa stammendje Rahmen, die der 
Länge nach sechs, und in der Breite zwei Fuss messen , und in 
welchen 6 schmale Brettchen zu je drei Holzsorlen eingerahmt waren. 
Von jeder Sorte war ein Brettchen roh durchschnitten, während das 
andere abgeschliffen und eingeölt und mit chinesischen Schriftzeichen 
etiquettirt war. Nur wenige hatten eine botanische Benennung und 
diese waren: 
Monis japonica Hort. Dyk. 1 Cryptomeria japonica Don. 



Planera cuspidata. 



Rhtis vemicifera Dec. 



Von Holzsorten, welche zum Räuchern in Anwendung kommen, 
waren folgende vorhanden: 



Sandelholz 

Cypressenholz 

Tschinholz 



Kangholz 
Yaholz 



201 

Ausserdem war ein 15 Zoll langes Stück „Cork wood* iAnond 
palustris L.) aus Formosa vorhanden, dessen sehr dünne, lebhaft 
rothbraune Rinde sich in grossen Lamellen ablösen liess. Der Leich- 
tigkeit nach ist es dem Marke von Sambucus nigra ähnlich. Unter 
den Gegenständen aus Formosa bemerkte man weiter noch zwei, 
etwa 10 Zoll lange, unbenannte Baumfamstämmchen. 

ArzneimitteL 

Alpinia Galanga Swartz, wurde früher in der Provinz Kwantung 
häufig kultirirt. 

Camphota officina>lis Nees. \^n Formosa. 

Curcuma longa L. Wächst auf Formosa und in den südlichen Pro- 
vinzen China's. 

CAmo^Wurzel (Smilax china L.?). Aus Hanau und den westlichen 
Theilen China's. Sie wächst an den Wurzeln von Fichtenbäumen 
oder auch abgesondert von diesen. 

Echites esculenta Wall. Die Dt^a-Rinde steht bei den Indiern als 
Heilmittel gegen alle Fieberkrankheiten sehr im Ansehen. Der 
wirksame Stoff ist nach Dr. Gust's Analyse ein unkrystallisir- 
barer, sehr hygroskopischer Bitterstoff, „Ditaln^ genannt. Nach 
häufigen Versuchen und zahlreicher Anwendung stellte sich her- 
aus, dass die Dita-Rinie die Chinarinde vollkommen ersetzt, 
ohne dass dabei die üblen Nachwirkungen des Chinins zu fürch- 
ten sind. Echites kommt auf Loizon und in der Provinz Batangas 
sehr häufig vor. Die Rinde des Baumes wird abgeschält, ohne 
dass hierdurch dem Baume ein Schaden zugefügt werden soll. 
10 Kilo Rinde geben beiläufig 1 Kilo Ditai'n, und die Bereitung 
desselben ist jener von Chinin ähnlich. 

Garcinia Mangostana L. Das daraus bereitete Medikament ist das 
Extractum antidysentericum. Die Pflanze wächst in Cochinchina 
und auf den südlich gelegenen Theilen der Philippinen. Durch 
Auskochen der Fruchtschalen wird das ausgezeichnete Arznei- 
mittel gewonnen. Dr. Gust's Sohn, welcher heftig an Dysenterie 
mit Blut- und Schleimabgang erkrankte, genas nach vierund- 
zwanzigstündigem Gebrauche einer Mixtur von 8 Grm. Ejctrakt 
in 120 Grm. versüsstem Wasser und 2 Tropfen Laudanum. Bßi 
chronischer Dysenterie hat es sich als fast infallibles Mittel er- 
wiesen, so wie bei chronischen Diarrhöen, bei katarrhalischen 
Krankheiten des Uterus, der Blase und der Harnröhre wurden 
ausgezeichnete Erfolge erzielt. 

Illicium anisatum L. aus der Provinz Kwangsi. 

Opium aus den Provinzen Zechuen und Yunan. 

Rheum Emodi Wall, aus Szechuen, Shensi und anderen Provinzen. 

Genuss- und Nahrungspflanzen. 



Arachis hypogaea L. Wächst be- 
sonders auf Formosa sehr zahl- 
reich und dient der ärmeren 
Volksklasse zur Nahrung. 



Ananas. In Spalten eingelegt. 
Angelica. 

Arbutus'FviJicliie kandirt. 
Arrow-root. 



202 



Areca Catechu. Nüsse. 
Bohnen. Gelbe, grüne, rothe, 

schwarze. 
Bupleurum octoradiatwn. Die 

Wurzeln. 
Bcmbus^Sfvossen. 
Bananen. 
Broccolu 
Castanea. 
Carica Papaya L. 
Cannabis satiea L. 
Croton Eluteria. Benett. Nüsse. 
Citronen. 
Cicuta sp. 
DoUchos. 
Datteln, schwarze. (Woo-tsan). 

— rothe (Hung-tsan). 
Diospyros Kokt (schwarze Dattel- 
pflaumen). 

Equisetum hiemale L. 
Eierpflanzen Solanum melon^ 

gena L. 
Gurken. Schlangen- 
Gerste. 
Hirse, gelbe (Huang-Siaw-mi). 

— rothe (Hung-Siaw-mi). 

— von Barbaoos- (Kau-Liang). 
Indisch-Korn (Pau mi). Wird 

vorzugsweise in Tunghohow 

und Pikow gebaut. 
Ingwer, grüner. 
Kadsura chinensis. Früchte. 
Kümmel. Samen. 
Knoblauch. 
Kresse. 

Lit-chi. Euphorbia W-cÄt Desf. 
Lilienblumen (Kin tsai). 
Lilienzwiebeln. 
Lilienstaubfäden. 
Lotuswurzel, kandirt. 
Limonien -Schalen. 
Lungugangs. Eine Frucht, die 

in Nordchina häufig gezogen 

u, getrocknet aufbewahrt wird. 
Melonen mit schwarzen Samen. 



Meertange. 

Magnolien-Knospen. 

Nelumbium speciosum Wflld. Nüsse. 

Nymphaea^ Samen. 

Ogu-Ayock-chee. Eine der 
Feige ähnliche Gebirgsfrucht, 
welche in der Sonne getrock- 
net wird, und aus deren Sa- 
men eine Gallerte bereitet 
wird. 

Orangen. 

Oliven. 
— * mit Süssholz getrocknet. 

— braune. 
Paeonia rubra. 

Panax quinquefolium L. (Ginteng). 
In vielen Sorten und verschie- 
denen Bereitungsstadien. 

Parsimoneum Diospyros KaM, 
Die Fruchtschale sehr wohl- 
schmeckend. 

Punica granatum L. Früchte. 

Peh-ko-Nüsse. 

Pfirsiche. In Spalten geschnitten. 

Ricinus-Früchte. 

Rosenäpfel. 

Reis in 20 Sorten stellte der Di- 
rektor des bptan. Gartens in 
Manilla (Philippinen) aus. 

— Gebirgs-, rother und weisser. 

— Gold-wind-Schnee. 

— schleimiger. 

— aufquillender. 
Sorghum 

Salysburia adianthifolia Sm. 

Früchte davon. 
Seegras. 

Steckrüben, eingesalzen. 
Schnittlauch. 
Turmeric (Curcuma sp.), eine 

Wurzel, welche auf Formosa 

wächst und dem Rauchtabak 

beigegeben wird. 
Wasserkastanien iTrapa iii- 

ct^a). Kandirt. 



Erbsen scheinen von den Chinesen als ein allgemein verbreitetes 
Nahrungsmittel in grosser Menge gebaut zu werden, zu den be- 
liebtesten Sorten gehört die 



203 

Grüne Erbse (Tsing-iow)^ welche ein HauptbestandtheQ bei der 
von ihnen bereiteten ^Soja^ ist. Die Bereitungsweise derselben 
ist folgende: Eine gleiche Menge Erbsen und Weizen werden in 
einer Pfanne geröstet, dann zwischen zwei Mühlsteinen zerrieben 
und zeitweise mit Wasser benetzt. Alsdann wird die daraus ent- 
standene Masse der Gährung überlassen, hierauf in Scheiben 
geschnitten, welche mit Stroh gedeckt etwa 20 Tage liegen 
bleiben. Nach vollendeter Gährung, wobei sich an den Scheiben 
häufig Schimmel zeifi^t, werden sie mit Wasser gewaschen und 
in Töpfe gelegt und ebensoviel Wasser und Salz beigegeben, 
als die Scheiben wiegen. In diesem Zustande verbleiben sie 
einige Tage und werden vor dem Verbrauche abermals durch 
die Mühlsteine zerrieben. 

Schwarze Erbsen (Wu-tow) stammen aus der Provinz Feng-tim. 
Die Früchte werden gebacken und dienen als Pferdefutter, sind 
aber auch zur Soja- und Oelbereilung verwendbar. 

Rothe Erbsen (Hung-tow). Kommen in geringer Menge im Han- 
del vor. 

Kleine grüne Erbse (Ruh-tow) erscheint in Menge auf dem Markte 
von Yentai und man bereitet daraus Mehlkuchen etc. Hierzu 
werden die Früchte im Wasser erweicht, zwischen Mühlsteinen 
zerrieben, mit Wasser versetzt und durch ein Sieb gedrückt. 
Die Masse wird ausgepresst und der zurückgebliebene Kuchen 
über gelindem Feuer gebacken. 

Bohnen, weisse (Kiang-tow) hat weniger Anwerth und wird dess- 
halb in geringerer Menge gebaut. Manchmal werden sie gesot- 
tenem und gedünstetem Reis beigegeben, oder es wird Bohnen- 
käse bereitet, welcher auf folgende Weise hergestellt wird. 
Bohnen erweicht man in Wasser, zerreibt sie zwischen Mühl- 
steinen, dem hierdurch erhaltenen Brei wird Wasser zugegeben 
und sodann durch ein Sieb gepresst, darauf in einer Pfanne ge- 
kocht, in freier Luft abgekühlt und Salzwasserdämpfen ausge- 
setzt, wodurch der Brei käsig wird. Hierauf wird er mit Tüchern 
umschlagen, in einen Korb gelegt und derart gepresst, dass das 
darin enthaltene Wasser entfernt wird. 

Weizen (Mai-tzi) wird in grossen Massen verbraucht. Eine der vor- 
züglichsten Sorten ist der Schantung-Weizen. Die Saatzeit des 
Weizens fällt auf den Monat Oktober, die Ernte ergibt sich im 
Juli des darauffolgenden Jahres. 

Theo. Der Aussteller, W. G. Rusden aus Foochow, gibt an, dass 
gegenwärtig vier Hauptsorten der Theepflanze angenommen wer- 
den und zwar: 

TheaBohea L., welche vorzugsweise in der Provinz Kwantung, Kwang-si, 
Kiang-si, Fuhkien, Hunan und Hupieh wächst. 

Thea viridis L. Aus den Provinzen Chih-kiung, Agan-kien und 
Keang-su. 

Thea latifolia Lbdd., wurde im Jahre 1825 das erste Mal nach Eng- 
land gebracht. 



204 

Thea (Bohea) stricta Ait. Der Thee von Assam. 

Das Vorkommen der Theepflanze ist nach dem Dafürhalten 
dieses Ausstellers kein so beschränktes, als man ursprünglich 
angenommen hat, sondern ihr Verbreitungsbezirk reicht bis in 
das nördliche Slam, Burmah und Cochinchina. In Fuhkien wird 
der Thee an Bergabhängen in einer Höhe von 1500 Fuss auf- 
wärts gebaut. In der Provinz Chieh-kiang findet man ihn am 
Fusse der Berge oft in .unmittelbarer Nähe der Reisfelder und 
kaum einige Fuss über dem höchsten Wasserstand der dortigen 
Gewässer. Obwohl der Boden daselbst gut bearbeitet werden 
kann, so erträgt die Pflanze doch nicht so leicht die konstante 
Beraubung ihrer Blätter, ausgenommen bei hinreichender Feuch- 
tigkeit, wie diess in China besonders im Frühlinge der Fall ist. 
Der Assam-Thee dürfte seine besondere Kraft und das 
üppige Gedeihen der hinreichenden Feuchtigkeit zu verdanken 
haben. In Fuhkien wird beim Anbau des Thees kein Dünger 
angewendet, nur wird der Boden frei vom Unkraut gehalten und 
die Erde um die Wurzeln gelockert. In den nördlichen Pro- 
vinzen wird während der strengen Winter Stroh zwischen die 
Pflanzen gestreut. 

Obschon von einer und derselben Theepflanze schwarzer 
und grüner Thee erzeugt werden kann, so eignet sich Thea 
Bohea doch mehr für die Bereitung von schwarzem und Thea 
tiridis besser für den grünen Thee. 

An Theesorten und von ihrer Bereitung ist weiter anzu- 
führen : 

Golden Pekoe. Von den Chinesen wird die Art des langsamen Trock- 
nens, der jungen Blätter dieser Theesorte als ein Geheimniss 
gehalten. 

Flowery-Pekoe. In Pan-Young werden die jungen Blattknospen 
an einem lebhaften Holzfeuer fünf Minuten getrocknet, dann in 
Körben nach Foochow versendet, hier abermals über Holzfeuer 
getrocknet und warm verpackt. 

Souchong (Sin-chume, Kiai-tea) hat die Bereitungsweise mit Congo- 
thee gemein, nur darf weniger Luft zutreten und wird einem 
Holzkohlenfeuer ausgesetzt. Das Aroma ist dabei ein stärkeres, 
die Haltbarkeit aber geringer. 

Souchong (geringere Sorte) gibt einen Exportartikel nach den Ver- 
einigten Staaten und den Kontinent. 

True Oolong (Black Dragon) wächst in geringer Menge auf dem 
nördlichen Poutsching. Er wird nur fünf Minuten auf dem Feuer 
getrocknet, dann in Papier verpackt und darin völlig austrock- 
nen gelassen, wodurch er sein Aroma erhält. Es ist diess eine 
Sorte, welche nur als eine Rarität verschickt wird. 

True Pouchong wird nicht exportirt. 

(Forisetaung tolgt.y 



205 



Literatarberichte. 



Beiträge zar Biologie der Pflanzen, Herausgegeben von Dr. Ferdinand 

Oohn. Drittes Heft. Breslau 1875, J. ü. Kera*s Verlag. 8. 224 S. 6 Taf. 

Die beiden ersten Hefte der trefflichen Beiträge zur Biologie 
der Pflanzen, welche Prof. Cohn herausgibt, enthalten eine Reihe 
gediegener Aufsätze, unter denen namentlich die Untersuchungen 
über Bacterien von grosser Wichtigkeit sind. 

Das jüngst erschienene 3. Heft reiht sich seinen yorgängern 
würdig an und bringt eine bedeutende Anzahl guter, gründlich ge- 
arbeiteter Abhandlungen. Dieselben sind: Beiträge zur Entwicklungs- 
geschichte einiger Rostpilze von Dr. J. Schroeter. S. 1—11. Es wird 
in ihnen die Zusammengehörigkeit von Puccinia Caricis und Aeci^ 
diunt Urticae^ femer von Uromyces Dactylidis und Aecidiwn Ra- 
nunculaceamm nachgevdesen. — Untersuchungen über den Wider- 
stand, welchen die Hautgebilde der Verdunstung entgegensetzen^ von 
Dr. L. Just (S. 1 1 — 29). — Prüfung einiger Desinfectionsmittel durch 
Beobachtung ihrer Einwirkung auf niedere Organismen von Dr. J. 
Schroeter (S. 30 — 50). -^ üeber die einseitige Beschleunigung des 
Aufblühens einiger kötzchenförmiger Inflorescenzcn durch die Ein- 
wirkung des Lichtes von Dr. A. B. Frank (S! 51^70). .— Ueber die 
Funktion der Blasen von Aldrotanda und Utricularia von Dr. Ferd. 
Cohn (S. 71—92, Taf. 1). — Die Entwicklungsgeschichte der Gattung 
Volmx von Dr. Ferd. Cohn (S. 93—116, t. 2). — Untersuchungen 
über Pythium Equiseti von Dr. Richard Sadebeck (Seite 117 — 140, 
t. 3, 4). — Untersuchungen über Bakterien von Dr. Ferd. Cohn 2. Theil 
(S. 141 — 207, t. 5, 6). Diese sehr interessante Arbeit bringt unter 
Anderem auf Seite 202 den Versuch einer syste^iatischen Uebersicht 
der Schizophyten. — Ueber die Einwirkung verschiedener Tempera- 
turen und des Eintrocknens auf die Entwicklung von Bacterium Termo 
von Dr. Ed. Eidam (S. 208 — 224). Die eben gegebene Uebersicht des 
reichen Inhaltes lässt jede weitere Anempfehlung überflüssig erschei- 
nen und macht zugleich den Wunsch nach einer baldigen Fortsetzung 
des sehi verdienstlichen Unternehmens rege. Dr. H. W. R. 

Die darch Pilze erzeugten Krankheiten der Waldbftume. Von Dr. Ro- 
bert Hartig. 2. Auflage. Breslau. Veriag von E. Morgenstera. 1875. 8. 
24 Seiten. 
Das vorliegende Schriftchen ist gleichsam als Auszug aus Har- 
tig's grösserem Werke: „Wichtige Krankheiten der Waldbäume** 
(Berlin 1874) zu betrachten und speziell für die deutschen Förster 
zusammengestellt. Trotz seines geringen Umfanges verdient es wegen 
der Wichtigkeit seines Inhaltes, wegen der Stellung des durch seine 
wissenschaftlichen Arbeiten allgemein bekannten Verfassers, endlich 
wegen der zahlreichen in ihm enthaltenen Angaben über die verr 
schiedenen Erkrankungen unserer Holzgewächse die Beachtung der 
Fachgenossen. Welch' allgemeiner Verbreitung sich Hartig's neueste 
Publikation in Deutschland erfreut, beweist der Umstand, dass nach 
wenigen Monaten bereits eine zweite Auflage derselben nothwendig 
wurde. Sie sei daher bestens empfohlen. Dr. H. W. R. 



206 

• 

Nove biline I dniga Addenda Flori Hnratskoj. Od. IJ. Vukotinovida. 

(Neue Pflanzen und zweiter Nachtrag zur Flora Croatiens. Von L. Vukoti- 
novie.) Separatabdruck aus dem XXaIY. Bande der Schriften der südslav. 
Akad. Agram 1876. S. i— 16. 

Wir finden in vorliegendem Nachtrage abermals einige neu auf- 
gestellte Arten aus dem Gebiete der Flora Kroatiens. Diese sind.- 
AnthyUis tricolor Vuk., der Ä. polyphylla Kit. zunächst verwandt; 
Hieracium leucocephalum Vuk., eine dem Hier. Peleterianum nahe— 
stehende Form; H. praealto-bifurcum Vuk., in welchem wir nach 
der gegebenen Beschreibung eine mehr zu H, praealtum Vill. hin- 
neigende Form des weit verbreiteten Bastartes JBT. PilosellaXprae" 
altum vermuthen; Silene Schlossert Vuk. (mit Abbildung), der Silene 
congesta Sm. verwandt. Im Ganzen gewann die Flora croatica durch 
diese neueste Publikation V.'s 18 neue Pflanzenarten oder bemerkens- 
werthore Formen. H. 

Essreveteiek ^ phytographiai megjegyz^sek Janka Vietor „Adatok 
Magyarhon d^lkeleti üörikiähoz stb.^ esimii czikkere. Dr. Borb&8 
Vinzre tanlirtdl (Bemerkungen und phytographische Notizen zu Viktor 
V. Janka's „Beiträgen zu Ungarns südöstlicher Flora u. s. w." Von Prof. 
Dr. Vincenz Borbäs.). Budapest 1876. Separatabdruck aus den mathemat. 
und naturwissenschaftl. Mittneil, der ungar. Akad. der Wissensch. XIII, 2, 
S. 25—58. 

Dr. Borbäs entwickelt auf dem Felde der ungar. Phytographie 
seit einigen Jahren eine anerkennenswerthe Thätigkeit, und enthalten 
seine früheren Mittheiiungen über die Flora des Banates, sowie die 
vorliegenden Bemerkungen nicht zu unterschätzende Resultate seiner 
Forschungen. Es ist sehr zu bedauern, dass seine Publikationen den 
Anlass zu einem unliebsamen Streite gaben, auch müssen wir es auf- 
richtig gestehen, dass wir den gereizten Ton und die gar zu oft 
wiederholten gehässigen Ausfälle gegen V. v. Janka im gegenwär- 
tigen Aufsatze keineswegs billigen können. Von den hier besprochenen 
Pflanzen erwähnen wir: Phleum ambiguum Ten., Brotnus angusH- 
folius M. B., Cardamine graeca L,, Alyssum edentulum W K., Alsine 
ccttaractamm Janka und besonders Centaurea spinulosa Roch, und 
C Scabiosa L., bei welchen die Bemerkungen Borbäs' von scharfer 
Beobachtung und einer Vertrautheit mit der einschlägigen Literatur 
zeugen. H. 



Correspondenz. 

Prag, am 24. April 1876. 

' Von den Neuigkeiten der böhmischen Flora aus dem letztver- 
flössenen Jahre (1875) scheinen mir einige dessen werth zu sein^ 
dass ich sie Ihnen und mittelbar dem Leserkreise Ihres Blattes mit- 
theile. Auf einer Exkursion in das Eibthal nördlich von Prag, an der 
sich Herr K. Poläk und einige andere Herren betheiligten^ fand ich 



207 

in Tümpeln an der Bahn bei Oui^ic, zwischen Kralup und Neratovic, 
also nächst dem Standorte des Samolus Valerandi mehrere interes- 
sante Characeen, nämlich die dicht- und feinstachelige Chara crinita 
Wallr., eine Salzpflanze, und die Nitella (Tolypella) glomerata (DesvJ, 
beide für Böhmen neu. In Leonhardi's „Oest. Characeen^ vom Jahre 
1864 ist die erstere nur für Ungarn und Siebenbürgen, die letztere 
nur von einem mährischen Standorte innerhalb der österr. Monarchie 
verzeichnet. Ausser der gemeinen CA. foetida sammelte ich daselbst 
auch die Chara aspera Deth., die bisher in Böhmen nur von Bohda- 
neS durch Opiz, und das auch nur in etwas zweifelhaften Fragmenten 
bekannt war. Nebenbei erwähne ich, dass ich im J. 1874 im Stadt- 
parkteiche von Klattau Chara coronata Ziz in Menge mit Elatine 
hydropiper L. gefunden habe. Herr Gymnasialprofessor Pospichal, 
der Finder des Lathyrus pisiformis in Böhmen, entdeckte an einem 
Teiche zwischen Neu-Bydschow und Königstadtl, also im nordöstlichen 
Böhmen, die Elatine alsinastrum und die lAndernia pyxidaria^ von 
denen die erstere bisher nur aus Teichen längs des Erzgebirges, letztere 
nur aus Südböhmen, aus dem Wittingauer Becken bekannt war. 
Femer fand er die für Böhmen neue Turgenia latifolia Hoffm. in 
grosser Menge unter der Saat unweit Kopidlno, südlich von Jiän, 
und den Cytisus austriacus L., der bisher nur bei Helnik vor Alters 
gefunden, in neuerer Zeit aber nicht wieder gesammelt war, bei 
Roi^dalovic, nördlich von PodSbrad. Mit Ausnahme des letzteren und 
der Lindemia habe ich alle vorbenannten Pflanzen gesehen. Mein 
Museums-Assistent, Herr Sitensk;^, brachte mir seine in der Jiöiner 
Gegend gesammelten Pflanzen zur Durchsicht, unter denen ich eine 
unbestimmte Carex sofort als C. breeicollis DC. (forma rhynchocarpa 
Heuffel, eine siebenbürgisch-banatische Pflanze!) erkannte. Herr Si- 
tensk^ versichert, die Art wie alle übrigen Pflanzen wildwachsend 
um Jißin oder in den Dymokurer Wäldern noch als Gymnasiast ge- 
sammelt zu haben, hat aber leider den genaueren Standort der un- 
bekannten und nicht weiter beachteten Carex weder notirt noch im 
Gedächtniss behalten. Er bleibt also in Zukunft auszumitteln. Zum 
Schlüsse erlauben Sie mir, eine unverschuldet unrichtige Angabe 
Ober eine andere Carea?-Art zur Verhütung des Irrthums zu berich- 
tigen. Ich habe die Carex MairU Cosson auf Grund von Exemplaren 
im Herbar eines bereits verstorbenen Prager Arztes in Ihrer Zeit- 
schrift 1863, Nr. 8 als bei Lemberg gefunden angegeben. Herr v. 
Uechtritz bezweifelte bereits dieses Vorkommen bei Gelegenheit der 
Besprechung von Knapp's Flora von Galizien, in der meine Angabe 
berücksichtigt ist. Auch ich theile gegenwärtig den Zweifel an der 
Richtigkeit jener Angabe, nachdem ich die Erfahrung gemacht habe, 
dass der dort genannte Herr es nicht verschmäht hat, Pflanzen des 
Prager botan. Gartens .für den Opiz'schen Tauschverein mit fingirten 
Angaben über die Herkunft der Pflanze und mit fingirten Sammler- 
namen einzuliefern. Es ist somit gar nicht unwahrscheinlich, dass die 
angebliche Lemberger Pflanze als Carex Oederi im hiesigen botan. 
Garten gesammelt wurde. L. Gelakovsk]^. 



208, 

, Budapest, am 9. Mai 1876. 

Vergangene Ostern habe ich^ Dank dem Wohlwollen des Hrn. 
Erzbischofs Haynald, in Kalocsa zugebracht, wo ich die vielen Origi- 
nalien in seinem prachtvollen Herbar nachgesehen habe. Ich will 
jetzt vorläufig nur so viel erwähnen, dass das zweifelhafte Verbascum 
Hinket Friv. nichts anderes als Y. Wierzbichii Heuff. ist, welches vom 
F. lanatum Schrad. ausser dem, was ich in den Verhandl. des brand. 
botan. Vereins 1875, pag. 64 hervorgehoben habe, noch durch die 
spärliche Behaarung der Blüthenstiele und des Kelches, dessen 
Zipfel sich nach dem Verblühen sehr verlängern und beinahe zwei- 
mal länger sind als die Frucht selbst, verschieden ist. Daraus geht 
auch hervor, dass V. lanatum Schrad., welches ich im vergangenen 
Sommer unter dem Monte Maggiore und bei den Plitvitzer Seen in 
Kroatien sammelte, durch die kahlen Blüthenstiele und Kelch von 
Verb, nigrum L. sich unterscheidet. Verb, monspessulanum Schrad. 
monogr. U, t. 2, fig. 21 ist, wie schon De Candolle verrauthet hat, 
von V. Chaixii Vill. nicht verschieden. Meine Exemplare, die ich bei 
Adelsberg, am Nanos, im Litorale und Kroatien massenhaft beobach- 
tete, stimmen sowohl mit der Abbildung von Schrader, als mit den 
Exsiccaten Gouan's und Delile's aus Montpellier, Welche ich durch 
die Güte der Direktion des königl. Herb, aus Berlin erhielt, genau 
überein. Auch nach der FL excurs. Reichenbach's wächst Verbascum 
Chaixii Vill. bei Montpellier. Dianthus libumicus, Porta et Rigo ex- 
sicc, den ich ungarisch als D. rosulatus beschrieb, scheint mir D. 
tulturius Guss. et Ten. zu sein, von dem ich erst jetzt die Diagnose 
Terracino's erhielt. Borbäs^ 

-40». 



Vereine, Anstalten, ünternehmongen. 

— In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissenschaften 
in Wien am 20. Jänner übersandte Herr Prof. Josef Böhm eine 
Abhandlung: „Ueber Stärkebildung in den Chlorophyllkörnern. ^ Bei 
Versuchen über den kürzesten Zeitraum, innerhalb dessen in den 
Chlorophyllkörnern der Feuerbohne unter günstigen Bedingungen 
Stärke gebildet werden kann, kam der Verfasser zu folgenden Resul- 
taten: 1. Die bisherige Ansicht, dass alle Stärke, welche in entstärkten 
Chlorophyllkörnern von Pflanzen auftritt, wenn diese dem vollen Tages- 
lichte ausgesetzt werden, ein unmittelbares Assimilationsprodukt der 
Kohlensäure sei, ist unrichtig. 2. Jene Lichtintensität^ welche hinreicht, 
um grüne Pflanzen zur Zerlegung der Kohlensäure zu befähigen^ 
bewirkt auch eine Wanderung der Stärke aus dem Stengel in die 
Chlorophyllkörner. 3. In direktem Sonnenlichte erfolgt bei Phaseolus 
muUiflorus der Transport einer nachweisbaren Stärkemenge aus dem 
Stengel in die Chloropbyllkörner der Blätter schon innerhalb 10 bis 
15 Minuten. 4. Versuche über autochtone Stärkebildung (in Folge 
unmittelbarer Assimilation von Kohlensäure) in den Chlorophyllkörnern 



•1 



209 

können nur mit yöllig stttrkefreien Pflanzen oder mit entstärkten 
abgeschnittenen Blättern gemacftt werden. 5. Die Entstärknng abge- 
schnittener Blätter (oder Blattstücke)derFeaerbohne erfolgt im schwachen 
diffusen Tageslichte oder im Dunkel ebenso schnell wie jener^ welche 
mit der unversehrten Pflanze in Verbindung blieben. Nicht sehr 
amylumreiche Blätter werden auch entstärkt, wenn sie in grösseren 
offenen Gewissen ganz oder theilweise unter Wasser getaucht werden, 
nicht aber in sauerstoffTreiem Wasser, oder in reinem Stickstoff oder 
Wasserstoffgas. 6. Noch im Wachsthum begriffene abgeschnittene und 
entstärkte Blätter von bei schwacher Beleuchtung gezogenen Feuer- 
bohnen bilden in vollem Tageslichte in kohlensäurehältiger Atmosphäre 
nicht nur Wurzeln aus den Blattstielen, sondern vergrössern auch 
ihren Querdurchmesser, selbst wenn sie bloss mit destillirtem Wasser 
befeuchtet werden, beiläufig um ein Drittel. 7. Ganz junge Primordial- 
blätter der Keimpflanzen von Feuerbohnen , welche im dunkeln oder 
im schwachen diffusen Tageslichte gezogen wurden, sind nicht stärke- 
frei, sondern enthalten in den lUppen und unteren Mesophylzellen 
sehr viel, in dem Pallisadengewebe etwas Stärke. 8. In destillirtem 
Wasser und unter Einfluss des vollen Tageslichtes unter Glasglocken 
über Kalilauge gezogene Keimpflanzen der Feuerbohne erreichen kaum 
eine Länge von 10 Ctm.; es verschrumpfen dann die Stengel unter- 
halb der Primordialblätter. Diese sind in der Regel ganz stärkefrei. 
9. Von abgeschnittenen stärkefreien Primordialblättem der Feuerbohne 
vnrd in direktem Sonnenlichte in einer beiläufig 8 Prozent Kohlensäure 
enthaltenden Atmosphäre schon innerhalb 10 — 15 Minuten eine nach- 
weisbare Menge von Stärke gebildet. — Bei Blättern, die in bewegter 
freier Luft isolirt wurden, geschah dies erst nach '/^ Stunden. — Es 
ist nicht unwahrscheinlich, dass sich der Kohlenstoff der zerlegten 
Kohlensäure mit Wasser unmittelbar zu Stärke verbindet. 10. Keim- 
pflanzen der Feuerbohne, welche in mit Nährstofilösung befeuchtetem 
Quarzsände, und solche, die in humusreicher Gartenerde bei schwacher 
Beleuchtung oder in vollem Tageslichte unter Glasglocken über Kali«^ 
lauge, aus gleich schweren Samen gezogen werden, gehen gleich- 
zeitig zu Grunde. — Keimpflanzen, wekhe man in humusreichem 
Boden so lange in schwachem Tageslichte kultivirt, bis aus denselben 
(mit Ausnahme der Blattkissen und Spaltöffhungszellen) alle Stärke 
verschwunden ist, bilden dann bei intensiver Beleuchtung in kohlen- 
säurefreier Luft keine Stärke und sterben nicht später als gleichzeitig 
und in gleicher Weise behandelte, aber in Sand gezogene Pflanzen. 
Es nehmen die Keimpflanzen der Feuerbohne aus dem Boden demnach 
weder organische KohlenstoffVerbindungen noch Kohlensäure (in nach- 
weisbarer Menge) auf. 

— In einer Sitzung der kais^L Akademie der Wissen- 
schaften in Wien am 9. März übersandte Dr. Wilh. Veiten, Ad- 
junkt an der forstlichen Versuchsanstalt, eine Abhandlung: „Die 
physikalische Beschaffenheit des pflanzlichen Protoplasma.^ Der Ver- 
fasser stellt sich die Frage, welcher Aggregatzustand dem ausge- 
bildeten Protoplasma der Haarzellen, Blattzellen u. s. f. zukommt. 

0«tleCT. bo«M. Z«i«0ehrift. 6. Hell. 187«. 16 



210 ^ 

Das Festhalten einer Form und die gleichzeitige Beweglichkeit der 
Theilchen setze voraus, dass mindestens zwei Körper von verschie- 
denem Aggregatzustande das Protoplasma zusammensetzen. Beweg- 
lichkeit und Biegsamkeit eines Protoplasmafadens konnte in ^em 
und demselben Momente nachgewiesen werden. Der Ausdruck, das 
Plasma sei eine zähflüssige Masse, sei jedenfalls ungerechtfertigt. Es 
wird in verschiedener Weise begründet, dass in dem Protoplasma 
ein mehr oder weniger zusammenhängender Körper sich befinde, der 
den festen Aggregatzustand haben müsse, welch' letzterer mit dem 
des flüssigen vertauscht werden könne. Die Ursache der Form ist 
nicht der Unstand, dass dichte Theile flüi^ge umhüllen, sondern es 
befinden sich ' feste und flüssige Theilchen in den kleinsten Raum- 
theilen neben einander. Um seine Aufstellungen zu sichern, wendet 
sich Verfasser noch eingehend gegen den Gebrauch, den Aggregat- 
zustand aus dem Verhalten von mehr oder weniger in abnormen 
Verhältnissen stehendem Plasma ableiten zu wollen. Es wird bei die- 
ser Gelegenheit die Kugelbildung, das Hauptargument für die Ansicht 
der flüssigen Beschaffenheit des Plasma, eingehend besprochen und 
vor Allem normale und abnormale Kugelbildungen unterschieden; die 
ersteren sprächen durchaus nicht für di.e zähflüssige Natur des Plasma, 
während die letzteren unzweideutig auf einen halbflüssigen Aggregat- 
Zustand des ganzen Körpers hinwiesen. Bei der normalen Kugelbil- 
dung wird nebenbei bemerkt, dass die weniger brechbare Hälfte des 
Sonnenspektrums einseitig angewandt eine eigene Art der Kugelbil- 
dung hervorrufe, dass somit Reinke und Sachs im Unrechte seien, 
über frühere diessbezügliche Arbeiten den Stab gebrochen zu haben. 
Das Protoplasma kann durch Reize in einen zähflüssigen Zustand 
übergehen; in diesem Falle müsse man annehmen, dass die festen, 
aneinandergereihten Plasmamoleküle innerhalb eines Protoplasmaleibes 
die Eigenschaft haben, durch geringe Veranlassungen theilweise oder 
vollständig sich zu isoliren. Die Aneinanderreihung könne nur dann 
wieder von Neuem eintreten, wenn die Umlagerung der Theilchen 
nicht einen gewissen Werth überschritten habe. 

— Die koBstituirende Generalversammlung des wissenschaft- 
lichen Klubs in Wien fand am 28. April im Festsaale des öster- 
reichischen Ingenieur- und Architektenvereines statt. Namens des 
provisorischen Komit^s eröffnete Josef Freiherr v. Doblhoff die Ver- 
sammlung mit einer Ansprache, in welcher er ein historisches Bild 
des Heranwachsens der Idee zur Gründung des wissenschaftlichen 
Klubs bis zu ihrer nun erfolgenden Realisirung gab. Er besprach 
sodann die Tendenzen des Klubs, welche im Wesentlichen die Schaffung 
eines Zentralpunktes für geistiges Leben, die Popularisirung der 
Wissenschaft durch Vorträge^ die Heranbildung einer Soci^^ d'encou- 
ragement zur Anregung wissenschaftlicher Thätigkeit und die Kreirung 
gleichsam ei&es Auskunfts-Bureaus auf allen Zweigen der Wissenschaft 
bezwecken soll. Redner schlägt schliesslich das Komit^mitglied Hofrath 
Ritter v. Hauer zum Leiter der heutigen Versammlung vor. Ritter v. 
Hauer zählt in seiner Ansprache zuerst die Versudie auf, welche 



?11 

seit 35 Jahren wiederholt zur Bildung wiiSsenschafUicher Gesellschaften 
oder Vereine gemacht werden, betont jedoch, dass alle diesbezüglicl^en 
Schöpfungen an dem Uebelstande litten; dass sie einseitig waren, d. h. 
fachwissenschaftliche Vereinigungen bildeten. Nachdem er weiters 
mitgetheilt, dass die Statuten des Klubs die behördliche Genehmigung 
erhalten haben, führt er bezüglich der Wahl des Präsidenten des 
Klubs aus, derselbe soll kein Fachmann und dennoch in wissenschaft- 
lichen wie in sozialen Kreisen gekannt und hochgeachtet sßin; er 
schlage daher der Versammlung für den Präsidentenposten den Kurator- 
stellvertreter der Akademie der Wissenschaften vor, den Mann, der 
stets unverbrüchlich dem geistigen Fortschritte gehuldigt, und als er 
zur Leitung der Geschicke Oesterreichs berufen wurde, den Satz: 
„Wissen ist Macht^ als seine Devise proklamirt habe. Derselbe befinde 
sich in der Versammlung und fordere Redner die Versammlung auf, 
ihre Stimmzettel für die Präsidentenwahl abzugeben. (Rufe: „Mit 
Akklamation wählen!*) „Also,* ruft Redner, „stimmen Sie mit mir in 
dem Rufe überein: Hoch Schmerling, unser Präsident!* (Hoch- und 
Bravo-Rufe.) Der in dieser Weise gewählte Präsident Anton Ritter 
V. Schmerling drückt seinen Dank für die ihm erwiesene Ehre aus. 
Er sei in seinem vielbewegten Leben in mancher Richtung thätig 
gewesen, in wissenschaftlicher Richtung liabe er nichts geleistet. 
Gleichwohl habe er den Werth der Wissenschaft stets voll erkannt 
und die Verehrung der Träger derselben stets in seiner Brust ge- 
tragen. Er werde alle seine Kräfte dem Gedeihen des wissenschaft- 
lichen Klubs widmen. — Professor Lützow, der hierauf das Wort 
ergreift, entwirft vorerst ein Bild der von den Mitgliedern zu er- 
wartenden Leistungen des Klubs. Dieser werde den Mitgliedern zu- 
nächst ein reiches internes Leben bieten. Das erste Stockwerk des 
Hauses des Ingenieur- und Architektenvereines sei nämlich bereits 
für die Klubzwecke gemiethet. Es umfasse zwei Säle, sechs Zimmer 
und ein Vestibüle, aus welchem ein Gang in einen kleinen Vortrags- 
saal sowohl, wie in eine im Hause zu errichtende Restauration führen 
werde. Für das externe Leben, d.h. für den Verkehr mit dem grossen 
Publikum, sei der Sitzungssaal des Ingenieur- und Architektenvereines 
und für Festivitäten überdies noch der anstossende grosse Saal des 
niederösterreichischen Gewerbevereines in Aussicht genommen. Das 
Budget anlangend bezifiern sich die Jahresausgaben mit 9600 fl. Hiezu 
kommen im ersten Jahre noch die Anschafiungen des Fundus instructns 
(Möbel, Bücher etc.), die einen Kostenbetrag von 10.000 fl. bean- 
spruchen. Die Mittel zur Deckung sollen gefunden werden : ä) in den 
Jahresbeiträgen der Mitglieder, deren Zahl auf mindestens 600 ver- 
anschlagt wird — da gegenwärtig bereits über 500 dem Klub ange- 
hören — und die mit je 16 fl. fixirt wurden, zusammen also 9600 fl. ; 
b) in den Beiträgen von 35 Stiftern zu je 200 fl., deren der Klub 
heute bereits 20 zählt. Schliesslich vnirden die Wahlen für den Aus- 
schuss des Klubs vorgenommen. 

—so»- 

16* 



212 

Botanifloher Tausch verein in Wien. 

Sendungen sind eingelangt: Von Herrn Gremblich mit Pflanzen 
aus Tirol. 

Sendungen sind abgegangen an die Herren: Val de Lievre, 
E. Richter, Obomy. 

Aus Niederösterreich, einges. von Dr. Halacsy: Anthrisctis 
trichosperma, Artemisia austriaca^ Centaurea cuDillaris^ Convallaria 
latifolia, Corydalis fabctcea^ Gagea pusilla, Gentiana Pneumonanthe^ 
Gymnadenia odoratissima^ Helleborus niger, Hypericum barbatumj 
Inula germanica^ Ophrys araniferay Orchis Ictxifiora^ Papaver du-' 
bium, Phlomis tuberosa^ Sisymbrium strictissimum^ Thlaspi mon^ 
tanum u. a. ' 

Aus Tirol, einges. von Gremblich: Alsine austriaca^ Cherleria 
sedoides^ Dorycnium decumbens^ Dryas octopetala^ Euphorbia alpi" 
gena, Galium helveticum, Pedicularis Jacquimiy Plantago montana^ 
Potentilla micrantha, Pot. sterilis^ Primula glutinosa^ P, hirsuta^ 
Rhamnus saxatilis, Rhododendron ferrugineum, Ribes alpinum^ Rosa 
rubiginosa^ R. tomentosa, Rumex scutatus^ Saxifniga aphylla^ S. 
oppositifolia^ S. stellaris^ Silene quadrifida^ SoldaneUa alpina^ Tri" 
folium badiuntj Valeriana supina, — Cystopteris montana u. a. 

Obige Pflanzen können nach beliebiger Auswahl im. Tausche 
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden. 



Inserat, 

Verlag von Ferdinand Enke in Stnttgart 

Den 24. März 1876. 

Soeben erschien und ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen: 

Vergleichende IJntersachangen 

über den 

Bau der Vegetationsorgane 

der 

Nonocotyledonen 

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Dr. P. Falkenberg. 

PfiTatdosen« der Botanik an der DniTenitit ObUingaa. 

Mit drei Uthograph. Tafeln. 
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Kedakt«ar und Herausgeber Dr. Al«zaiid«r Skoflts. — Verlag von O. O«rold's Soka. 
Drack und Papier der O. U«b«rr««t«r'8cbeB Buchdruckenel (M. 8Us«r). 



Oesterreichlsche 

Eotanische Zeitschrift 

Gemeinnütziges Organ 

für 

Die österreichisch« Szeuiplara 

botanische- Zeitschrift RA#anik nnil RAfflüllrAi* die frei durch die Post be- 

erscheint DViaeiR UUa DOiaillKer, sogen werden sollen, sind 

den Ersten jeden Monats. blos bei der RedHktlon 

"'"ÄrlT..' w!'"" Gärtner, Oekonomeo, Forelmäimer, Aerzle, '"irp^SZÄS;- '" 

(16 JB. Mark,) i w i .i Im. Wege des 

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Inserate ^_ _ in Wien, 

die ganze Petitceile ff 7 "O ^^® ^^^^ übrigen 

16 kr. Ost. W. Xs = f I Bnchhandlnngen. 



XXVl. Jahrgang. WIM. Juli 187«. 



ZNHAXT: Ausscheidungsorgane der Betuloretinsäure. Von Mi kos eh. — Ceraatium peduneulatum. 
Von Dr. Celakovsky. — CerasUum bülgarieum. Von Decbtritz. — Ranunculaceen-Formen. Von 
Val de Lievre. — Üeber Pflaozen der Osterr.-ungar. Flora. Von Freyn. — Vegelations-Verhältnisse. 
Von Dr. Kern er. — Zur Flora von Prag. Von Dedecek. — üeber Ausscheidung von Wasserdampf. 
Von Dr. Burgerstein. — Pflaozen auf der WeltaussteJIung. Von Antoine. (Fortsetzung.) — Liie- 
raturberichte. — Correspondenz. Von Freyn, Dr. Asche rson. ThUmen. — Personalnotizen. — 
Vereine, Anstalten, Unternehmungen. — Botanischer Tauschyerein. 

EQeinere Arbeiten des pflanzenphysiologischen Institutes 

der Wiener Universität. 

viu. 

Veber die Organe der Aassclieidang der Betnloretins&are an der Birke. 

Von Karl Mikosch. 

H artig hatle in der Versammlung der Harzer Naturforscher zu 
Blankenburg 1842 in einem Vortrage über die Betulaceen als cha- 
rakteristisches Unterscheidungsmerkmal zwischen Betula pubescens 
und JB. alba die konstanten und überaus intensiven Ausscheidungen 
harziger Substanzen an den jungen Zweigen ersterer Art angegeben. 

Diese Ausscheidungen wurden früher mit dem in der Birkenrinde 
vorkommenden Körper als Betulin (^g^H^^Oi) bezeichnet*); erst 
Kos mann hatte erstere von letzteren getrennt und jene als Betu- 
loretinsäure (Cg^Hg^Oj) beschrieben'^). 



*) Kraut: Gmelin's Handbuch VH. 1810; vergl. auch Husemann: 
Pflanzenstoffe p. 1018. 

") Kosmann: Journal d. Pharm. XXII. 107; vergl. auch Husemann 
1. c. p. 1017. 

Oesterr. botan. Zeitschrift. 7. Heft. 1876. 17 



214 

Was die chemischen Verhaltnisse der Beluloretinsäure belrifil, 
verweise ich auf die unten angegebene Arbeit Kosmann's; hier sei 
nur erwähnt, dass die Beluloretinsäure eine Harzsäure ist, die bei 94** C. 
schmilzt; sie wird von Weingeist, leichter von Aether gelöst, aber 
nicht von Wasser. Konz. Schwefelsäure gibt damit eine intensiv 
rolhe Lösung. Die Betuloretinsäure löst sich auch in wässerigen Al- 
kalien; die gebildeten Salze sind amorph. 

Die einzige Mittheilung, die ich in der Literatur über die Or- 

äane der Ausscheidung der Betuloretinsäure auffand , rührt von K. 
iüller her*); dieser beschreibt jedoch bloss die fertigen Zustände 
und, da er die Entwicklungsgeschichte dieser Bildungen ausser Acht 
lässt, so ist es begreiflich, dass er in Bezug auf die Entstehung dieser 
Organe zu unrichtigen Anschauungen gelangt. 

Ich werde im Folgenden die Entwicklung eines solchen Abson- 
derungsorganes, das ich fortan als Drüse bezeichnen will, besprechen 
und dann werden sich von selbst die Unrichtigkeiten der Müller'schen 
Ansichten über diesen Gegenstand ergeben. 

Ich habe diese Drüsen an Betula alba (u. zw. var. vulgaris Reg. 
und laciniata Fries) studirt, und dieselben an den Laubblättern tiber- 
all, an der oberen Seite der Nebenblätter, und an der einjährigen 
Achse angetrofien, an welch' letzterer sie sich bis zum Beginn der 
nächsten Vegetationsperiode erhalten. So lange die Blätter sich noch 
in der Knospenlage beGnden, bedecken die Drüsen dicht gedrängt die 
beiderseitige Epidermis des jungen Blattes und nehmen in Folge 
gegenseitiger Abplattung verschiedene polygonale Formen an, wäh- 
rend sie, vollkommen isolirt, eine mehr halbkugelige Form besitzen. 

Hat die Knospe sich entfaltet, so werden die meisten an der 
Unterseite des Blattes befindlichen Drüsen abgeworfen, während die 
an der Oberseile ihre secernirende Thüligkeit fortsetzen. An der 
Achse hört ihre Funktion auf, wenn sich unter der Epidermis das 
Periderm entwickelt hat; in kurzer Zeit darauf werden auch sie in 
der Regel abgeworfen. 

Die die Betuloretinsäure absondernden Drüsen sind echte Triohome, 
welche sehr frühzeitig auftreten; ihre Anlagen sind an den jungen 
Laubblättern schon in einer Zeit anzutrefien , wenn die Epidermis 
derselben sich vom Mesophyll noch nicht diO'erenzirt hat. 

In diesem Enlwicklungsstadium zeigen gewisse Epidermiszellen 
ein verstärktes Breiten- und Längen wachsthum; es sind dies die ersten 
Anlagen für die Drüsen; jede dieser Zellen übertrifit an Grösse die 
benachbarten Oberhautzellen beiläufig um das Dreifache; ihr Breilen- 
durchmesser beträgt im Durchschnitt 0-0312"""', ihre Höhe O-OlOS"""". 
Sie theilt sich bald durch eine radiale Scheidewand in zwei Tochier- 
zellen, von welcher jede einzelne wieder eine Theilung durch radial 
gestellte Wände eingeht, so dass vier in einer Längsreihe stehende 
gleich grosse Zellen aus der früher genannten Epidermiszelle her- 



*) Müller: Einige Bemerkungen über die harzartigen Ausscheidungen an 
den Birkea Botan. Zeitg. 1845. 



215 

vorgegangen sind. Jede dieser vier Zellen wächst, sich papillös nach 
aussen wölbend, in die Höhe und theilt sich in tangentialer Richtung. 
Wir sehen nun in diesem Entwicklungsstadium zwei Zellreihen vor 
uns, von welchen die äussere, die weiter keine tangentialen sondern 
bloss radiale Theilungen eingeht, zur Begrenzungsschicht der Drüse 
wird, während die innere sowohl in tangentialer als radialer Rich- 
tung sich theilt und zu einem parenchymatisch aussehenden Gewebs- 
körper wird, welcher den Innenraum der Drüse erfüllt. 

Die Zellen der äusseren Reihe theilen sich nun rasch schräg 
radial in viele Toch terzeilen; diese wachsen zu langen nur am basa- 
len Theil zusammenhängenden Papillen aus , die morgensternförmig 
angeordnet sind. Sie sind die eigentlichen secernirenden Zellen; aus 
ihnen tritt die Betuloretinsäure heraus, die über den Zell wänden hin- 
ziehende sehr zarte Cuticula blasenartig auftreibend *). Die Abhebung 
der Cuticula ist schon an den in der Knospenlage befindlichen Or- 
ganen anzutreffen. 

Die innere Zellreihe nimmt , wie schon bemerkt, durch wie- 
derholte Theilungen parenchymatischen Charakter an; der Inhalt der 
Zellen dieses Theiles der Drüse, der früher farblos war, wird nun 
(schon in der Knospenlage) grün. Dieser grüne Inhalt erscheint ganz 
homogen und ist nicht an geformtes Plasma gebunden; die grüne 
Farbe rührt, wie genauere Beobachtungen lehrten, von Chlorophyll 
her. Die grüne Farbe macht später einer rothbraunen, zuletzt bei- 
nahe schwarzen Färbung Platz, was immer den Tod der betreffenden 
Drüsen anzeigt. Viele Drüsen sterben ab, bevor es zur Ausschei- 
dung der Betuloretinsäure gekommen ist; an dieser liegt die Cuticula 
den Aussenwänden der Begrenzungszellen enge an. 

Die Ausscheidung der genannten Drüsen bildet eine blassgelb- 
liclie, syrupdicke Masse, aus welcher, erst wenn das Blatt entwickelt 
ist, die Betuloretinsäure in fester Form ausgeschieden wird. 

Die genannte Harzsäure muss desshalb durch eine bis jetzt 
nicht näher bekannte flüssige Substanz in Lösung gehalten von den 
Papillen der Drüse ausgeschieden werden. 

Die Drüsen erreichen im vollkommen ausgebildeten Zustande 
eine Breite von 0-0975 bis 0*1 aS?"""", eine Höhe von 0-0468 bis 
0-0624°^^ 

Behandelt man noch jugendliche Drüsen mit konz. Kalilauge, 
so wird der Drüseninhalt gelb, später ziegelroth. 

Nach Vorhergehendem sehen wir, da ss wir es hier mit echten 
Trichomgebilden zu thun haben und nicht, wie K. Müller angibt, 
mit Wucherungen des Blattparenchyms , das die über ihm liegende 
Epidermis ganz einfach nur in die Höhe hebt. Diese Darstellung ist 
nur dem Umstände entsprungen, dass Müller nur fertige Drüsen 



*) S. Ha n stein: üeber die Organe der Schleim- und Harzabsonderung 
in den Laubknospen. Botan. Zeitg. 1868. 

17 * 



216 



beobachtete, und diese im Querschnitte zu der Täuschung Veranlas- 
sung geben, als ob das Innere der Drüse mit echten Parenchymzellen 
erfüllt wäre, die konlinuirlich in die des Mesophylls übergingen. 



Ueber Cerasiiuin pedunculaiun» Graud. 

Von Dr. Lad. Öelakovsk^. 

In seiner schätzbaren Schweizer Flora*) beschrieb Gaudin (Vol. III. 
1828, p. 251) ein neues CerasHum pedunculatum, welches er in den 
Savoyer Alpen oberhalb Chamouny bereits im Jahre 1807 entdeckt 
hatte. Gaudin unterschied diese ausgezeichnete Art, wie er sie nannte 
— „species insignis" — von dem zunächst in Betracht kommenden 
CerasHum latifolium L. in der Hauptdiagnose durch länglich- oder 
lineal-elliptische Blätter und cylindrische, schlanke, ziemlich gerade, 
den Kelch beträchtlich (doch nicht ganz zweimal) überragende Kap- 
seln. Aus der ausführlicheren Beschreibung ist noch Folgendes her- 
vorzuheben: „der Grundstock (radix) dünn und fein, oberwärts ver- 
zweigt, kriechend, die Stengel kurz, dicht beblättert, flaumig, meist 
2 — 3blüthig, seltener 1- oder 4blüthig, die Blüthenstiele end- und 
blattachselständig, länger als der ganze Stengel, 1 bis beinahe 2 Zoll 
lang, aufrecht, bisweilen bogig, die Blüthen kleiner als bei C, lati- 
folium, die Kelchblätter am Rande wenig trockenhäutig, die Blumen- 
blätter nicht viel länger als der Kelch, elliptisch, an der Spitze eher 
2spaltig als verkehrt - herzförmig, die Samen gross, zusammenge- 
drückt, kaum warzig." 

Dagegen besitzt das C. latifolium nach Gaud. meist breit ellip- 
tische, stumpfliche Blätter, verlängerte, 2 — 3 Zoll lange und entfernt 
beblätterte Stengel, ansehnliche Blüthen, deren Blumenblätter tief 
verkehrt-herzförmig sind, endlich noch kurze, im unteren Theile an- 
geschwollene Kapseln (die an seinen nicht ganz fruchtreifen Exem- 
plaren kürzer als der Kelch waren, was aber bei der reifen Kapsel 
nicht zutrifft). 

Dieses Cerastium pedunculatum geschieht zum ersten Male in 
De Candolle's Prodr. L p. 419 (vom Jahre 1824) Erwähnung, wo es 
von Seringe, dem Bearbeiter der Caryophylleen fraglich zu C. ova" 
tum Hoppe (oder C. carinthiacum Vest) als dessen Var. /?. filiforme 
(C filiforme Schleich, pl. exs.) mit dem Synonym C. pedunculatum 
(Gaud. in litteris 1814) gebracht und höchst flüchtig „caulibus uni- 
floris (sie!) pedunculis elongatis deflexls" charakterisirt wird, mit der 
beiläufigen Frage, ob es nicht eine eigene Art darstelle? Gaudin 
verwahrte sich aber in der Fl. Helvet. gegen diese Deutung und hob 



*) Flora Helvetica sive Histöria slirpium in Helvelia sponte nascenlium 
aut cuUarum continuata. Turici. 1828—4833. Vol. VII. 



219 

Bei der genaueren Revision des Konvolutes mit C. latifolium 
unserer Museumssainmlung fand sich noch ein schönes blühendes 
Exemplar des C. pedunculatum reichlicherem C latifolium beige- 
mengt vor, welches F. Roth in Tirol („Habicht bei Innsbruck 1853") 
gesammelt hat, und diese beiderlei Exemplarb ergänzen sich derart, 
dass ich zur genaueren Charakteristik des C. pedunculatum noch 
Folgendes hinzufügen kann. Habituell kommt diese Art dem C, lati- 
folium allerdings sehr nahe; sie bildet dieselben kriechenden, wur- 
zelnden, mit entfernten Paaren bleicher, schuppenartiger Blättchen 
besetzten Stämmchen; ihre Blattform ähnelt sehr derjenigen der 
schmalblättrigen Form des C. latifolium, es stimmt auch die Art der 
Behaarung und die Kelche überein. Allein die Slengelchen sind stets 
verkürzt, die Inlernodien gestaucht oder nur die beiden obersten 
etwas verlängert (etwa 3 Linien lang), die Blätter in Folge dessen 
last roseilig, was nie bei C. latifolium vorkommt, selbst nicht in der 
niedrigen Hochalpenform (C. glaciale Gaud.)* Wenn bei C. latifolium 
die Stengel doch etwas gedrungener sind, wie bei der lelzt43rwahnten 
Form, so verkürzen sich auch die Blüthenstiele, die nur dann ver- 
längert sind, wenn auch die Internodien sich gestreckt haben; wäh- 
rend bei C, pedunculatum auf die kurzen, blattbildendcn Glieder 
plötzlich der lange Blüthenstiel folgt. Die Blätter sind etwas spitzer 
(was Seringe bewogen haben mag, die Pflanze zu C. carinthiacum 
zu ziehen), scheinen übrigens im lebenden Zustande von etwas flei- 
schigerer Konsistenz zu sein, die Behaarung auf ihnen und den Kel- 
chen ist spärlicher. Die Kelchblätter sind wohl kaum kürzer, aber 
etwas schmäler als bei C. latifolium^ am Rande nicht so stark 
(rockenhäutig. Dafür weichen aber die Petalen bedeutend ab. Sie 
sind viel kleiner als bei C, latifolium^ wonig länger als der Kelch, 
dabei schmal linealkeilförmig, an der Spitze nur kurz, nämlich nur 
etwa auf V^^, der ganzen Länge in zwei schmale Läppchen gespalten; 
bei C latifolium dagegen doppelt länger und mehr als die Sepalen, 
verkehrtherzförmig-keilförmig, durcli einen tiefen Ausschnitt bis auf 
Vs oder V% ^^^ Länge gespalten. Die Nervatur der Petalen ist bei 
C. pedunculatum auch viel einfacher, der Mittelnerv verlauft einfach 
zur Bucht des Ausschnitts oder gibt vordem noch jederseits einen 
Zweig in die Lappen ab, auch die zwei Seitennerven jederseits geben 
nur ein paar Zweige nach vorn ab. In den Blumenblättern des C. 
latifolium gehen vom Mittel- und den Seitennerven melirere, sich 
in eine Anzahl Zweige theilender Aeste in die breiten Lappen aus. 
Die Staubbeutel sind bei der letzteren Art mehr als doppelt grösser. 
Die schönsten Unterschiede bieten allerdings die Kapseln; sie sind 
bei der Gaudin'schen Art verlängert, cylindrisch, gerade oder etwas 
gekrümmt, beinahe doppelt so lang als der Kelch, bei C. latifolium 
aber kaum um die Hälfte länger als der Kelch, dabei aber dicker, 
daher bauchiger, zur Spitze etwas verschmälert; die Zähne sind ge- 
rade aufrecht, an den Rändern gleichmussig oder an dem einen 
Rande stärker umgerollt. Boissier beschreibt ganz ebenso die Früchte 
der letzteren Art, wie ich sie an meinem (unter vielen Blüthenpflan- 



220 

zen einzigen) Fruchtexemplare sehe: Capsula subcurvata ovato-oblonga, 
calyce sesquilongiori, dentibus margine revolutis. Leider kann ich 
die Samen nicht vergleichen; denn an meinem Exemplare des C. 
latifolinm sind sie durch die Presse unförmlich zerquetscht. Nach 
Angabe der Autoren ist die Samenhaut vom Kern blasig abgelöst, 
ihn locker umgebend, undeutlich warzig; ebenso finde ich sie auch 
bei C, pedunculatum, braun und nur schwach gerunzelt, die Samen 
selbst nierenförmig, zusammengedrückt. 

Ueber die nähere Verwandtschaft des C pedunculatum in der 
Rotte Strephodon vermag ich wenig zu sagen. Da die Art perennirt 
und völlig kahle Blumenblätter und Staubfäden besitzt, so ist sie 
unter die Leiopetala Fenzl in Ledebour's FI. ross. neben C, tnacro^ 
carpum Boiss. et Hausskn., C. pilosnm Ledeb., C obtusifolium Kar. 
Kir., C falcatum Bunge, C. maximum L., C, lithospermifolium 
Fischer zu setzen. Der Beschreibung bei Ledebour nach dürfte die 
Schweizer Art am meisten dem C obtusifolium sich nähern. Unser 
C pedunculatum ist ferner der einzige Repräsentant der Leiopetala 
in West- und Mitteleuropa und der einzige Repräsentant der Sektion 
yyStrephodon'^ überhaupt im Gebiete der Koch'schen Flora. Zwar 
zählte dahin Koch auch das C grandiflorum W.Kit., allein diesen 
Irrthum haben bereits Andere (Fenzl, Boissier) berichtigt. Letztere 
Art gehört zur Sektion Orthodon und hat dickliche, steife, darum 
auch gerade, flache, weder an den Seitenrändern, noch mit der Spitze 
umgerollte Zähne der Kapsel. 

Die Verbreitung des C. pedunculatum ist bisher nur lückenhaft 
bekannt, wie es nicht anders sein kann, da es immer nur für eine 
geringe, wenig beachtenswerthe Varietät des C latifolium gehalten 
wurde und mit diesem darum auch öfter total verwechselt worden 
sein mag. Da seine wesentlichen Merkmale bisher so wenig bekannt 
waren, so ist es auch möglich, dass nicht einmal alle Angaben über 
sein Vorkommen richtig sein werden. Es wurde bisher gefunden auf 
den westlichen, nämlich auf den Walliser, Savoyer und französisch- 
piemontesischen Alpen (Gaud., Reichb., Gren., Bertol.). Aus den österr. 
Alpen scheint es bisher nicht bekannt gewesen zu sein. Maly zählt wohl 
nach Koch auch C. pedunculatum unter den Varietäten von C. lati- 
folium auf, gibt aber für keine derselben einen bestimmten Standort 
an. Hausmann bemerkt, C latifolium sei durch ganz Tirol gemein 
in vielen Formen, hält es aber nicht der Mühe werth, die wichti- 
geren Formen und deren Standorte anzugeben, so dass man nicht 
erfährt, ob auch das Gaudin'sche Cerastium unter den vielen Formen 
gemeint ist *). Es ist somit, wie es scheint, der hier mitgetheüte Stand- 
ort Roth's in Tirol der erste für die österreichischen Alpen nachge- 
wiesene. Schur gibt die siebenbürgischen Arpäser Alpen für das C. 
pedunculatum an. 

*) In den Nachträgen des 2. Heftes der Flora von Tirol heisst es aber: 
„Kaum zu berücksichtigende Varietäten sind Gaudin's Calaciale und C. pedun- 
culatum, beide auf höheren Alpen auch in Tirol.^ 



221 

Was den Namen der Art betrifft, so bin ich der Ansicht, dass 
Gaudin's Name den Vorrang hat vor C, filiforme Schleich., welcher 
Name zwar etwas früher (1815), aber nicht vollgiltig, nur durch 
Exsiccaten und in einem blossen Pflanzenkalalog ohne Beschreibung 
oder Diagnose veröfiTentlicht worden ist, und wie Gaudin bemerkt, 
in der späteren Ausgabe des Katalogs unterdrückt wurde *). Da- 
gegen hat Gaudin seine Art gut untersucht und beschrieben und an 
Seringe schon 1814 unter dem Namen C, pedunculatum mitgetheilt. 
Es gibt nun freilich ein neueres (griechisches) Cerast, pedunculare 
Bory et Chaub. Nur für den von mir nicht befürworteten Fall, dass 
man die beiden gleichbedeutenden, nur in der Endung verschiedenen 
Namen neben einander nicht leiden wollte (analog sind aber Galium 
sihaticum und G. silvestre u. a.), wäre Cerastium filiforme Schleich, 
vorzuziehen, um nicht den Namen der griechischen Pflanze ändern 
zu müssen. 

Prag, am 30. April 1876. 



■- c-ceo-^o- 



Cerasiiutn bulgaricum Uechtr. 

Von R. V. Uechtritz. 

Sectio Orthodon Ser. *Fugacia lejopetala Fenzl. — An- 
nuum, obscure virens, totum glanduloso-viscidum. Caulis solitarius, 
stricte erectus, simplex, humilis (0-05— 007 Meter). Folia sessilia, 
linearia, lineari-oblonga vel anguste obovato- oblonga, 
obtusa, infima, latiora brevioraque, rotundata aut rotundato-spathu- 
lata in petiolum brevissinlum latum parum angustata, ut bracteae, 
omnes herbaceae figura foliis omnino similes sed minores, 
usque ad apicem dense glanduloso-viscida. Cyma breviterdiva- 
ricata, interdum congesta, pauciflora (flore vulgo 5 — 9), i^mulis 
abbreviatis substrictis confertis. Pedicelli primum erecli, 
post anthesin saepe erecto-patentes, fructiferi calyce subbre- 
viores rarius eum aequantes, semper stricte erecti. Flores 
pentameri decandri. Calyx pro ratione magnitudinis lolius plan- 
tulae magnus (circiter 0005 met. longus), cylindricus, basi lale 
truncatus seu fere leviter umbilicatus, ubique pilis albis 
fragilibus mediocribus patentibus glanduliferis viscidus. Sepala ob- 
longa vel lanceolato-oblonga, lata, elevato-striata plerumque in- 
aequalia, interiora breviter acuminata manifestius, exteriora sub- 
obtusa, tantum ad summam apicem angustissime vel ob- 
solete scarioso-marginata, substantia herbacea omnium 



*) Ich habe zur Einsicht zwar nur die Ausgabe von 1807, doch weicht 
die folgende vermehrte Edition i815 in der Form wobl nicht ab. 



222 

in apicem viilgo obscure violaceo-coloralam excurrente. 
Petala calycem subaequantia vel eo parum breviora, anguste lineari- 
oblonga, apice leviter emarginata. Filamenla glaberrima, petalis 
subduplo broviora. Capsula demum subcurvata, calycem duplo exce- 
dens, eodem dimidio fere aut ultra angustior. Semina parva, sub- 
rotunda, matura brunnea, ubique granulato-punctata, haud vere 
marginata. 

Habitat in pascuis saxosis montanis Bulgariao orientalis 
circa Greci prope oppidum Matsch in districtus Dobrudscha dicti, 
ubi die 11. Maji 1875 legerunt fratres diligentissimi Sintenis (Plant, 
indeterm. Nr. 636). 

Plantula vernalis fugax, caulibus pro ratione firmulis slrictis 
vulgo simplicibus, rarissime breviter et parce ramosis. Sepala vulgo 
inaequalia, at interdum omnia subaequalia, obtusiuscula. Petala parum 
atque irregulariter emarginata; stamina omnia, etiam interiora epi- 
petala, optime evoluta antherifera inveni. Habitu peculiari, medium 
fere inter C, aggregatum Durieu et C. Riaei DesmouL, sed ob caules 
simplices priori magis accedens. Cum illa specie e speciminibus circa 
Telonem Galliae merid. lectis etiam convenit caule subsimplice, stricto, 
solitario, pedicellis abbreviatis, bracteis omnibus herbaceis, cyma rari- 
flora, pedicellis brevibus erectis, petalis angustis, sed differt planta gallica 
colore herbae pallide viridi, demum saepius lutescente, foliis spatliu- 
latis vel oblongo-spathulatis, mediis et inferioribus maniteste angu- 
stiusque peliolatis, inflorescentia etiam magis conferta, calyce minore, 
basi haud truncato, molliter et dense piloso, pilis longioribus sub- 
eglandulosis non patulis brevioribus glanduliferis immixtis, sepalis 
angustioribus, lanceolalo-acuminatis apice glabratis haud striatis, pe- 
talis sepalis muUo brevioribus, staniinibus 5, Capsula minore recta, 
seminibus adhuc minoribus, marginatis, margine tuberculatis celerum 
fere laevibus. — Colore obscuro-viridi herbae, bracteis omnibus her- 
baceis^ calycis simili modo truncati indumento, sepalorum figura et 
structura, staniinibus 10, Capsula, seminibus cum C, Riaei Desm. 
bene congruit, quod vero secundum specimina in F. Schultzii Herbario 
normalj^nova ser. Cent. I. Nr. 28) edita prope Prunacet CLe Vigan, 
Dep. Gard) Galliae merid. lecta a nostro satis diversum caulibus jam 
e basi ramosissimis, foliis multo latioribus ovalibus vel obovalibus, 
pedicellis semper calycem aequantibus demum reir actis, sepalis paullo 
brevioribus, petalis latioribus, longitudine ma^is variabilibus, inflore- 
scentia laxe dichotoma, ramulis cymae superioribus haud confertis 
itaque sicut ob caules ramosissimos habitu valde alieno. Longius 4ii- 
stat a C bulgarico, C. obscurum Chaub. (C. glutinosum Fr. ex p., 
Koch ex p. [a. obscurum ejus], C Grenieri «. obscurum F. Schultz, 
C. murale Schur nee MB. = C, saxigenum ejus in Oesl. Bot. Zlschr. 
XXI, p. 100 [quod forma angustifolia sepalis rostrato-acuminatis hujus 
e speciminibus a cl. autore benevole e flora Vindobonensi communi- 
catisj) caulibus minus strictis saepe pluribus, in speciminibus majori- 
bus magis ramosis, foliis latioribus oblongis vel ovato-oblongis, minus 
übtusatis^ inferioribus manifeste petiolatis, cyma laxiere, (loribus ad 



223 

ramulorum apicem minus confertig, pedicellis gracilioribus, calyce 
1 — 2plo longioribiis, bracteis summis semper-quamvis anguste-sca- 
rioso-marginatis, calyce basi minus truncato, sepalis aequalioribus lan- 
ceolalo-acuminatis, paullo minoribus, vix elevato-nervosis, apice magis 
scariosis, petalis vulgo paullo longioribus (ceterum longitudine varia- 
bilibus), profundius bidentato-emarginatis, staminibus vulgo 5, disco 
seminum minus evidenter granulato-punctato. — Ceterum etiam C 
obscuri habitus valde diversus est. — A C. fragillimo ßoiss. specie 
per regiones montanas Asiae minoris et Cypri insulae admodum di- 
vulgata valde recedit nostrum caulibus humilibus stricte ereclis nee 
adscendentibus gracilibus, foliis vix in petiolum angustatis, cyma bre- 
viter divaricata, ramulis confertifloris nee laxissime-dichotoma, pedun- 
culis calyce subbrevioribus demum erectis (nee 2 — 3plo longioribus 
refractis), seminibus ultra dimidium minoribus levius granulatis. A 
C tmoleo Boiss. Diagn. I. quocum statura humili magis accedit, e 
descriptione cl. autoris praeter nolas jam sub C. fragillimo allatas 
etiam Capsula majore calycem duplo excedente discrepat. 

Vralislaviae, medio Majo 1876. 



>40fr— 



Beiträge 

zur Eenntniss der Ranunculaceen- Formen 

der Flora Tridentina. 
Von A. Val de Liövre. 

(Fortsetzung.) 

Mit Uebergehung^ der Gattungen Myosurus und Ceratocephalus^ 
von denen mir keine Vertreter aus unserem Florengebiete bekannt 
sind, wende ich mich gleich zu der am reichsten vertretenen Gattung 
Ranunculus, und- zwar zunächst zur Gruppe der Batrachieo., 

W^enn man einen Blick auf die geschichtliche Entwicklung ihrer 
systematischen Bearbeitung und die erzielten Resultate wirft, so stellen 
sich unter den Batrachien unserer einheimischen Flora (selbst mit 
Ausdehnung auf ganz Deutschland) nur zwei scharf begrenzte und 
sicher bestimmbare Arten, Ranunculus divaricatns und fluilans^ dar. 
Die zahllosen, zu diesen Arten nicht gehörigen, und im Laufe der 
Zeiten unter verschiedenen Benennungen als Arten oder Varietäten 
aufgetauchten Formen haben bei aller Verschiedenheit doch einen 
gemeinsamen Charakterzug, der schon längst Systemaliker ersten 
Ranges, darunter voran Linnö, veranlasste, alle insgesammt als Eine 
Art unter dem Namen Ranunculus aquatilis zu vereinen. Gleichwohl 
wurde gar bald wieder das Bedürfniss einer Scheidung zwischen den 
gar zu mannigfaltigen Formen gefühlt, wobei sich das Vorhandensein 
oder Fehlen schwimmender Laubblätter am allgemeinsten Geltung 



224 

verschaffte. AHerdings ist auch dieses Unteischeidungsmerkmal kein 
durchgreifendes. Dr. Julius Rossmann hat in seinen Beiträgen zur 
Kenntniss der Wasserhahnenfüsse (Giessen 1854) auf Grund 
sorgfältigster Beobachtungen den allmäligen Uebergang der feinzer* 
theilten untergetauchten in die schwimmenden Laubblätter nachge- 
wiesen und im IL Bericht des Offenbacher Vereines für Naturkunde 
(1861, S. 50) durch eine Reihe sehr fleissig gezeichneter Abbildungen 
illustrirt. Gestützt auf die Totalität aller Merkmale stellt er zwei 
Haupttypen des R, aquatilis^ nämlich a) longifolius und b) bremfolius, 
auf, die aber eben nur Typen, durch ununterbrochene üebergänge 
verbunden, eine scharfe Scheidung in allen Fällen ebenso wenig er- 
möglichen, als das Dasein oder der Mangel sciiwimmender Blätter. 
Diese Zusammengehörigkeit der ganzen Formenreihe bestimmte wohl 
auch neuere Autoren zur Untertheilung des R, aquatilis in einen a. 
homophyllus und ß, heterophyllus. In unserem Florengebiete, wo Formen 
mit schwimmenden Blättern — so viel mir bekannt — gar nicht 
vorkommen, verliert jener Unterschied seinen praktischen Werth. 
Allein es bieten sich innerhalb dieses engen begrenzten Formenkreises 
Abänderungen dar, welche charakteristisch genug sind, um vom Flo- 
risten in ihrer Eigenthümlichkeit festgehalten zu werden. 

Ranunculus pantothrix DC, Bertol. 

Im engeren Sinne aufgefasst, werden hier alle Formen des R. 
aquatilis homophyllus mit ausser dem Wasser pinselförmig zusammen- 
fallenden Blattzipfeln und grösseren (10™°* und darüber im Durchmesser 
haltenden) Blumen verstanden. Findet sich in Wassergräben bei Trient 
(Pic di Castello, S. Martine) im Mai blühend. Die Glieder des 2"*" 
breiten fluthenden Stengels nehmen von unten nach oben an Länge 
bedeutend ab (8 — 2^*"). Länge der Blattstiele bis zur Gabeltheilung 
172 — 2^*"-; Länge der durch wiederholte Bi- und Trifurkation haar- 
förmig getheilten, in Pinselformen zusammenschliessenden Blattspreiien 
J^V» — 4^*° .; Länge der aus den obersten Stengelgliedern entspringenden 
Blüthensliele 4^*"»- bei r"" Dicke. Blüthendurchmesser lO"*"", Kelch- 
blätter lVa"*°* laiig und breit, eiförmig, gestutzt mit weissem Haut- 
rande; Blumenblätter bei 5"*"^ Länge verkehrt eiförmig, weiss mit 
5 — 7 nach oben divergirenden, zuletzt fein bifurzirenden purpurnen Adern 
durchzogen. Ungefähr 20 Staubgefasse, das Köpfchen der auf einem 
behaarten kugeligen Fruchtboden sitzenden Fruchtknoten überragend. 

Hieher gehört auch ein sehr kräftiges , mehr gedrungenes 
Exemplar im Loss'schen Herbar aus Val di Non, bei den Mühlen von 
Sanzeno (600°" alt). Alle Dimensionen gegenüber der Thalpflanze ver- 
kürzt, die Fruchtköpfchen bei 30 Carpellen tragend. Blüthendurch- 
messer 10— 12°^^ 

Ranunculus paucistamineus Tausch. 

Diese Pflanze ist hier in dem engeren Sinne der ursprünglichen 
Diagnose des Autors genommen, nicht zu verwechseln mit der viel 
weiteren, alle schwimmender Blätter entbehrenden Formen des Ra- 



225 

nunculus aquatilis L. umfassenden Bedeutung späterer Autoren. Sie 
unterscheidet sich von dem R. pantothrix Bert., mit dem sie die 
pinselförmig* zusammenschliessenden Blattzipfel gemein hat, auf den 
ersten Blick durch den zarteren Bau und die ungemein kleinen, mit 
wenigen Staubgefössen versehenen Blüthen und Fruchtköpfchen; die 
unleren Glieder des kaum über 1"*°^ dicken, ästigen, im unteren Theile 
Nebenwurzeln treibenden, flutbenden Stengels nehmen gegen die Mitte 
bis zur ersten Verästelung an Länge zu (von 2 bis 6^*°**), von da 
an bis zu dem oberen, häufiger verästelten und Blüthen tragenden 
Ende wieder bedeutend ab (von 4 bis V/^^^)- Die Blätter sind kurz 
gestielt, der Blattstiel auf eine aus den angewachsenen Nebenblättern 
gebildete Blattschcide reduzirt, die Länge des ganzen pinselförmig 
zusammenschliessenden Blattes beträgt 2^/^ bis 3^^^'^-, An der oberen 
Stengelhälfte entspringen zahlreiche , blattgegenständige , von der 
Stengelachse unter einem spitzen Winkel abstehende, kaum ^/^^^ 
dicke, iVa— 2V2^"- lange Blüthenstielchen. Die nur 4—5°'°' im Durch- 
messer haltenden Blüthen sind weiss, die Blumenblätter länglich, nach 
oben etwas breiter, abgerundet; die eiförmig spitzen, etwas kleineren 
Kelchblätter grün, vor dem weissen Hautrande dunkelviolett begrenzt. 
Staubgefässe unter 1 2 mit weissen Antheren. Fruchtknoten und Frucht- 
boden behaart. Vollkommen ausgebildete Früchtchen sah ich nicht. So 
fand ich die Pflanze im Juli 1868 in Blüthe in Gräben der Campagna 
von Riva mit fliessendem klarem Wasser (all' Inviolata, Maso Albola). 

Ranunculus trichophyllus Chaix. 

Unter diesem Namen begreife ich jene Formen des Ranunculus 
aguatilis homophyllus^ bei denen die Blattzipfel in und ausser dem 
Wasser nicht pinselförmig zusammenschliessen. Meist fein haarförmig 
und nach allen Seiten abstehend, unterscheiden sie sich leicht von 
den dickeren, in eine kreisrunde Fläche ausgebreiteten Zipfeln des 
Ä. dwaricatus. Inkrustirung in schlammigem Gewässer bewirkt bis- 
weilen ein Zusammenkleben der Blattzipfel, das nach sorgfältiger 
Entfernung der Kruste aufhört. Diese Form fand ich in der Thalsohle 
von Trient in Wassergräben am Eisenbahndamm im Juni in Blüthe 
und Frucht. Die mittleren Glieder des im Wasser flutbenden Stengels 
sind bei 2°'°' dick , 8 bis 1 4^**"- lang und erreichen erst bei den 
obersten, Blüthen tragenden Gliedern eine namhafte Verkürzung auf 
1-5— 2^- bei 1°'°' Dicke. Die fein haarförmig zertheilten Blätter sind 
kurz gestielt ; die häutigen Nebenblättchen beinahe dem ganzen Blatt- 
stiel angewachsen. Die unteren und mittleren Blätter haben 3^*°* Länge 
und Breite, welche Dimensionen sich bei den oberen auf die Hälfte 
verkürzen. An den oberen Gliedern, den Blättern gegenüber, ent- 
springen die geraden, 10 — 12°^" langen, von der Stengelachse unter 
einem halbrechten oder spitzeren Winkel abstehenden dünnen Blü- 
thenstiele. Die Blume gleicht an Grösse und Färbung der oben be- 
schriebenen unseres ß. pantothrix. Nach der Blüthe verlängert und 
verdickt sich der Fruchtstiel bis zu I72 — 37a^*"* Länge, von der 
Basis nach oben zu allmälig verdünnt, und bei der Fruchlreife meist 



226 

bogig zurückgekrtimmt. Die Fruchtköpfchen sind bei 3"^" Durchmesser 
aus 20 — 30 kahlen oder etwas behaarten, nach oben etwas gedunsenen, 
mit der Griffelbasis bespitzten Früchtchen gebildet. 

Hieher gehört auch eine im Loss'schen Herbar befindliche, mehr 
gedrungene Form aus den Sümpfen bei Corredo in Val di Non, welche 
einen Uebergang zu den echten Landformen bildet. Letzteren noch 
näher stehend sind die ebenfalls im Loss'schen Herbar befindlichen, 
nur 4 — 7^^' hohen Exemplare aus dem sumpfigen Terrain von Verdi 
bei Cleo. Während die unteren, stark inkrustirten und zusammen- 
klebenden Blätter denen eines R. pantothrix gleichen, sind die oberen 
viel kleineren Blätter wiederholt 3gabelig getheilt^ die Zipfel mit einem 
merklichen Parenchymsaum gerandet, der bald parallel mit dem Mittel- 
nerv verläuft, bald sich nach oben verbreitert, sich weiter regelmässig 
spaltet, oder einseitig in geweihartige Zacken ausläuft. Diese Form 
scheint viel Aehnlichkeit mit jener zu haben, welche Facchini in 
seiner Flora von Südtirol als im Tovel-See (ebenfalls zu Val di Non 
gehörig) vorkommend erwähnt. 

Ranunculus caespitosus Thuill. 

Die echte Landform der R, aquatilis succulenius Koch findet 
sich unter den oben erwähnten Uebergangsformen des Ä. trichophyllus 
aus den Sümpfen von Corredo im Loss'schen Herbar. Seine 7 — 8^*"** 
langen Wurzelfasern in den sumpfigen Boden senkend, erhebt sich 
das nur 2^*™- hohe Pflänzchen gerade empor mit 4 — 5 weit abstehenden 
Blättern, auf 4—8°'"' langen, geraden Stielen. Die Blaltspreite (5"""* 
lat,, y^"^ long.) ist 2raal 3gabelig, die letzten Glieder 2gabelig. Die 
Zipfel 0-3°'°' breit und dicklich; Blume (6"'°' diam.). Fetalen verkehrt- 
eiförmig, stumpf. Staubgefässe wenig, die Fruchtknoten überragend ; 
Fruchtköpfchen mit etwa 10 Carpellen (2"'"' diam.) auf 10""™ langen 
schief nach oben bogig abstehenden Stielen. 

Ranunculus divaricatus Schrank. 

Diese Art mit ihren scharf ausgeprägten, wenig Aenderungen 
unterliegenden Charakteren gehört zu den verbreitetslen BatracMen 
in der Thalsohle bei Trient, bewohnt vorzugsweise die Wassergräben 
im Campo Trentino, längs der Eisenbahn, ausser S. Martine, an der 
Strasse nach Gardolo. Die Abänderungen der Form beschränken sich 
fast nur auf Grössenunterschiede. Im Allgemeinen sind grössere, 
stärkere Formen, mit iy^—2'^'^ dicken Stengeln und IV^— 3^*"- im 
Durchmesser haltenden Blättern vorherrschend. Blüthezeit: Mai, Juni. 
Fruchtreife: Juni, Juli. 

Ranunculus fluitans Lam. 

Diese gleich der vorigen nicht leicht zu verwechselnde Art fand 
ich im Juli 1868 in Blüthe in einem mit starkem Gefälle in den 
Gardasee abfliessenden, mit reinem Wasser gefüllten Kanalgraben im 
Hofe der Roccakaserne in Riva. 

Trient, 5. März 1876. 



Ueber einige Pflanzen, insbesondere der österr.-ungar. 
Flora. 



G. Moehrhigia »edifolia Willd.'") ber. mag. 1818. p. 101. 
. f. 23 ex DC. Prodr. I. 390! — M. Ponae Loser in Oest. bot. 



228 

Die meisten Arten dieser Gattung haben nämlich nur ein sehr beschränk- 
tes Vorkommen: M. pentandra Gay findet sich nur in Südfrankreich, 
Corsica und den Balearen M.dwersifoliaDoW, in Südsteiermark und Krain, 
M.villosa Fenzl in Krain; deren Varietät (?) ß, tenuifolia^eichnrAi in 
Zoolog.-Botan. Gesellsch. XVII, 7681 wurde bisher nur bei Tultscha 
gefunden; M. Ponae Fenzl in der Lombardei, Tirol, Salzburg und 
Steiermark; M. Tommasiana Gay nur bei Como; M. glaucovirens 
Bert, nur in Südtirol und den angrenzenden italienischen Gebieten; 
M. papulosa Bert, nur in Mittel-Italien; M. Jankae Griseb und M. 
Grisebachii Janka nur in Bulgarien. — Es ist aufTällig, dass fast alle 
diese Verbreitungsbezirke in einen verhältnissmässig schmalen Strei- 
fen fallen, der sich vom südlichen Frankreich an bis in die Do- 
brudscha erstreckt. Nord- und südwärts dieses Streifens finden sich 
nur Arten von weit grösserer Verbreitung, während eine Art (M. 
polygonoides) zwar einen grossen Theil des gemeinschaftlichen Ge- 
bietes bewohnt, aber weder nord- noch südwärts weiter vorgedrun- 
gen ist. Die istrische M, sedifolia befindet sich nun so ziemlich in 
der Mille des Gürtels, in welchem die meisten Arten vorkommen, 
also gleichsam im Schöpfungscentrum, von wo aus sich diese weiter 
verbreitet haben und vielleicht auch noch weiter verbreiten werden. 
Es ist also nicht unmöglich, dass sie doch eine besondere Art dar- 
stellt, deren unterscheidende Merkmale allerdings erst noch festzu- 
stellen wären. 

7. FAnum irinervium n. sp. e Sectio Adenolinum Reichb. 
(genus). — Heteromorphum; 1— pluricaulis. Gaules adscendentes vel 
recti tereti dense foliati superne sub-bifido-ramosi foliisque plus 
minusve squamulis minimis obsiti. Folia sessilia semipellucido 
punctata, patentia lanceolata apicem versus longo attenuata, apiculata 
plane vel denique involuta, margine sursum scabriuscula cerle 
ad basin trinervia. Rami valde inaequali remoto-foliati sub anthesin 
nulantes. Flores in cyma racemosa dispositi ex axillis foliorum longa 
pedunculati, pedicellis defloratis e basi tortili unilateraliter 
arcuato-pendulis. Articulus sub calyco pauIo incrassalus, lati- 
tudine sua tri- quadruple ve longior. Sepala margine eglandulosa 
glabra, exteriora ovata apiculata vel obtusa; interiora subrotundo- 
ovata, obtusissima late albo-marginata interdum apiculata. Petala 
calyce 3--5plove longiora furcato-nervata caerulea basi lutescente 
barbatula, late obovata in unguem triangulärem sensim attenuata 
margine laterali tolo incumbentia. Capsula ovata acuta calyce m 
subduplo superante. Semina elliptica, brunnea, glabra, margine 
dimidia pars pallida. 7\. Junio, Juli. 

Habitat in pratis montanis Transsilvaniae centralis prope Kolos! 
Boös! Berkenyes! et in ditione Virägos-völgyi! comitatu Tordaensi 
atque in pratis et collibus prope Monora et Langenthai Transsilvaniae 
australis (leg. J. Barth!). 

Maasse. Wurzelkopf: 0*4— 0*8 Cm., Stengel 50—80 Cm. 
hoch bei einer Stärke von 0*1 5— 0*3 Cm. (am Grunde). Blätter von 
0*2 Cm. Breite auf 2 Cm. Länge, aber auch bis auf 0*1 Cm. Breite 



229 

auf i'l Cm. Länge reduzirt oder bis 0*3 Cm. auf 30 Cm. Länge 
vergrösserl — die grösste Breite stets in der Mitte. An den blühen- 
den Zweigen und unter den Blüthenstielen sind die Blätter bei glei- 
cher Breite wie am Stengel in den Längendimensionen stark reduzirt, 
nur mehr 4 — 5mal so lang als breit, öfter sogar breiter (0*4 Cm.) 
als am Stamme; ati den sterilen Zweigen und Stämmen jedoch stets 
vielmal kleiner und nur 0*5 — 0*1 Cm. Breite auf 0*7 — 0*5 Cm. Länge 
erreichend. Blüthenstiele l'l — 1*8 Cm. lang; Glied unter dem 
Kelche 0*1 Cm. lang, unten 0*02, oben 0*03 Cm. stark; Kelch- 
blätter, die äusseren 0*4 Cm. lang, 0*2 Cm. breit; innere 0*4 Cm. 
lang und 0*3 Cm. breit; die grösste Breite bei allen in der Mitte. 
Blumenblätter (einschliesslich des Nagels) 1*6 Cm. lang und VA Cm. 
breit, die grösste Breite im obersten Fünftel; der Nagel 0*3 Cm. 
lang und 0*2 Cm. breit. Griffel der langgriffligen Form 0'75— 
0*8 Cm., bei der kurzgriffligen 0*25 — 0*3 Cm. Staubfäden bei der 
langgriffligen Form 0*45 Cm., bei der kurzgriffligen 0*6 Cm. Kapsel 
0*45 Cm. hoch und ebenso breit, der breiteste Theil wenig unter der 
Mitte. Samen 0-3 Cm. lang, 015 Cm. breit. 

Dem Linum austriacum L. zunächst verwandt, davon jedoch 
durch die breiten, am Rande rauhen, gewöhnlich 3nervigen Blätter, 
durch die grösseren Blumen und die von den Sepalen kaum zur 
Hälfte erreichte Kapsel, endlich durch das Vorhandensein der zahl- 
reichen winzigen Schüppchen verschieden. Durch die grossen Blätter 
und Blüthen, sowie durch die Tracht und insbesondere durch das öftere 
Auftreten steriler Aestchen unter der Inflorescenz nähert sich L. 
trinemium dem L, extraaonllare Kit.! (L. perenne ß, carpathicum 
Uechlr.), allein dieses weicht durch steif aufrechte Blüthenstiele, sehr 
grosse Kapseln und — nach Alefeld — etwas geflügelte Samen sehr 
ab. Auch L. perenne L. (L. darmstadtinum Alf Id.) und L. alpinum 
Jacq. sind schon durch die aufrechten Fruchtstiele leicht zu unter- 
scheiden. Wie sich jedoch L. trinervium gegen L. squamulosnm 
Rud. abgrenzt, bleibt vorerst unklar. Nach Alefeldt (Linnaea 1864!) 
hätte diese Art ganz niedergebogene Fruchtstiele; nach BoifJsier (Fl. 
Orient. I. 8641) bogig-hängende, weil er es als var. y. zu L. austria- 
cum L. bringt. Dagegen schreibt Ledebour (FI. ross. L 426 — 427!) 
dem L, squamulosum ausdrücklich „pedicellis fructiferis erectis" zu, 
dessgleichen Fuss (Fl. Iranssilv. p. 126! sub Adenolino). — Im Falle 
L, squamulosum Rud. thatsächlich zurückgebogene Pedicellen hat, so 
dürfte damit L. trinertium umsomehr zusammenfallen, als die son- 
stigen Charaktere ziemlich übereinzustimmen scheinen. 

(Fortsetsung^ folgt.) 



Oesterr. botan. Zoitschrift. 7. Heft. 187». lg 



230 

Die Vegetations-Verhältnisse des mittleren und östlichen 
Ungarns und angrenzenden Siebenburgens. 

Von A. Eerner. 
LXXXV. 

1532. Quercus pubescens Willd. — Im miltelungfar. Berglande 
in der Matra und Hagustagruppe, auf dem Magyszäl und insbeson- 
dere auf den Losshügeln nordwärts der Donau, welche sich dem 
Nagyszäl anschliessen und gegen das Tapiothal und die Kecskemeter 
Landhöhe abflachen, bei Gödöllö, Keresztür, Isaszegh, Tapio Süly, 
Gomba, Koka, Szl. Marlon Käta, Äzecsö; in der Piüsgruppe bei Vise- 
grad und Gran, auf dem K^tägohegy und Piliserberg, im Leopold!- 
felde und Auwinkel, auf dem Lindenberg, Johannisberg, Dreibrunn- 
berg, Schwabenberg und im Wolfsthale bei Ofen, im Kammerwalde 
bei Promontor. Im Tieflande auf der Kecskemeter Landhöhe im Wald- 
reviere zwischen Monor und Pilis. Im Bereiche des Bihariagebirges 
auf dem Köbänyahegy nächst dem Bischofsbad bei Grosswardein, auf 
den Hügeln bei Hollodu, auf dem Bontoskö bei Petrani und im Thale 
der weissen Koros bei Körösbänya und Plescutia. — Gewöhnlich nur 
Bestandtheil des gemischten Laubwaldes und am häufigsten kombinirt 
mit 0* Robur, Q. sessiliflora^ Q. Cerris, Carpinus Betulus^ Populus 
tremula, Fraxinus Ornus, Tilia grandifolia^ Acer campestre^ Pirus 
communis und F. iorminalis. Als bestand bildender oder doch vorherr- 
schender Baum des gemischten Laubwaldes findet sich Q. pubescens 
insbesondere auf dem Lüssrücken des Viniszni vrch und stellenweise 
auf den Bergen bei Ofen. — Trachyt, Kalk, tert. und diluv. Lehm- 
und Sandboden. 95—750 Meter. 

1533. Quercus glabrescens. — Die Zweige grauflaumig, die 
Blätter ziemlich lang gestielt, im Umrisse und Zuschnitte bald mit 
jenen der 0- pubescens, bald mit jenen der Q. sessiUflora mehr 
übereinstimmend, in der Jugend unterseits weichhaarig, im Sommer 
jedoch erkahlend und dann nur mehr auf dem Nerven mit Haaren 
bekleidet. Die Früchte auf einer sehr kurzen, graufilzigen Spindel 
dicht zusammengedrängt. In der Jugend der Q» pubescens, später der 
Q. sessiUflora ähnlich. Grstere unterscheidet sich aber durch die auch 
im Sommer unterseits grauflaumigen oder weichhaarigen, gewöhnlich 
auch viel mehr ausgebuchteten Blätter^ letztere durch die kahle Spin- 
del der Jnflorescenz und die kahlen Zweige. Q. undulata Kit., welche 
ich am gleichen Standorte mit Q, glabrescens beobachtete, unter- 
scKeidet sich von ihr durch die in der Jugend etwas klebrigen, im 
Alter oberseits stark glänzenden Blätter und die spitzen fast drei- 
eckigen Blattzipfel; Q, dilatata Kern, durch die kahlen Zweige, die 
grossen, sehr kurz gestielten Blätter und die schmalen, tiefen Ein- 
schnitte zwischen den Blattlappen; Q. pallida Heuflel durch die kah- 
len Zweige und die mit der Spitze nach vorne gerichteten, fast 



231 

sichelförmig vorwärts gebogenen Lappen der Blätter. — Ich halte 
Q. glabrescens für einen der Kombination pnbescensXsessili-- 
flora entsprechenden Bastart. — Im Gebiete fand ich dieselbe ziem- 
lich häufig gesellig mit den muthmasslichen Stammeltern auf der 
Slanitzka bei P. Csaba in der Pilisgruppe des mittelungarischen Berg- 
landes, ausserhalb des Gebietes auch in Niederösterreich, Istrien und 
Südtirol. Zufolge der mir von v. Janka freundlichst mitgetheilten 
Exemplare findet sich diese Eiche auch nahe der Südgrenze des hier 
behandelten Gebietes auf dem Mecsek bei Ftinfkirchen. — Kalk. 300 — 
550 Meter. 

1584. Quercus ambigua Kit. Addit. p. 50. — Gesellig mit Q. 
Robur, Q, pubescens und Q. dilatata in dem Waldreviere zwischen 
Monor und Pills auf der Kecskemeter Landhöhe. Diluv. Sandboden. 
95 Meier. — Ich halte diese Eiche für einen der Kreuzung: pube- 
scensX Robur entsprechenden Bastart. Hiefür spricht wenigstens 
das vereinzelte Vorkommen zwischen den muthmasslichen Stamm- 
eltern und dann der Umstand, dass diese Eiche in ihren Merkmalen 
zwischen Q. Robur (Q. pedunculata Ehrh.) und Q. pubescens W. 
genau die Mitte hält. Von Q. glabrescens (pt^escens X sessili flora) 
lässt sie sich durch die kurz gestielten, an der Basis tief herzförmig 
ausgerandeten, nach vorne zu stark verbreiterten Blätter und die 
deutlich gestielten Früchte leicht unterscheiden. 

1535. Quercus sessiUflora Sm. — Im mittelungar. Berglande 
in der Matra bei Paräd und Bodony, in der Magustagruppe auf dem 
Spitzkopf bei Gross Maros; auf dem Nagyszäl bei Waitzen; in der 
Pilisgruppe auf dem K^tagohegy, Kishegy und Piliserberg, auf der 
Slanitzka bei P. Csaba, bei Set. Andrae, im Leopoldifelde vfhi Au- 
winkel, auf dem Lindenberg, Johannisberg, Dreibrunnberg, Schwaben- 
berg und im Wolfsthale bei Ofen; im Kammerwalde bei Promontor. 
Im Bihariagebirge die verbreitetste Eiche, zumal in der Umgebung 
von Rözbänya bei Sedöscelu, auf dem Dealul vetrilor und in der 
Nähe der Schmelzhütte, dann im Poiönathal bei Criscioru und auf 
dem Dealul mare bei Lasuri, ferner auf dem Vasköher Plateau zwi- 
schen Monösa und Vasköh; in der Plesiugruppe bei Susani und bis 
zur höchsten Kuppe des Plesiu; im Thale der weissen Koros auf dem 
Dealul vultiucluiului bei Körösbänya und im Valea Liösa bei Halma- 
diu; in der Hegyesgruppe auf dem Drocea und bei Slatina, endlich 
bei P. Szt. Märton nächst Grosswardein. — Die Angaben älterer 
Botaniker, dass diese Eichenart auch im ungar. Tieflande vorkomme, 
scheinen mir einer Bestätigung sehr bedürftig. Von mir selbst wurde 
dieselbe im Tieflande nicht beobachtet. — Porphyrit, Trachyt, Glim- 
merschiefer, Grauwackenschiefer, Sandstein, seltener auf Kalk. — 
Die Kuppen des mittelungar. Berglandes sind sämmtlich lieferliegend 
als die Höhenlinie, welche im Bereiche dieses Berglandes der oberen 
Grenze der Q. sessiUflora entsprechen würde. Im Bihariagebirge be- 
stimmte ich die obere Grenze dieser Eichenart auf dem Dealul ve- 
trilor bei R^zbänya mit 817 Met.; auf dem Plateau zwischen Monösa 
und Vasköh mit 844 Met. und auf dem Drocea in der Hegyesgruppe 

18* 



232 

mit 838 Met. An dem südwestlichen Abfalle des Plesiugipfels fand ich 
ein baumförmiges Exemplar noch hei 1101 Meter, wohl das höchste 
Eichen-Vorkommen im ganzen Gebiete. Als mittlere obere Grenze 
berechnet sich für Q. sessiliflora im Bihariagebirge die Seehöhe von 
9 00 Meter. — (Syn. Q. Robur ß. Linn^ Fl. suec. 340. — Q. Robur 
Reichenb. Excurs. 177. — Auch Schuttes in Oest. Fl. I. 619 und 
Kitaibel in Addit. 49 verstanden unter Q. Robur die Q. sessili- 
flora Sm.) 

1536. Quercus bretipes Heu f fei als var. in Enum. plant. Ban. 
195. (1858). — Im Gebiete sehr selten und von mir nur in einem 
Baume zwischen Ofen und M. Einsiede! im mittelungar. Berglande 
beobachtet. Nach meiner Ansicht ein der Kombination: RoburX 
sessiliflora entsprechender Baslart, welcher auch bei Innsbruck vor- 
kommt, und der mir von Zabel auch aus dem Buddenhäger Walde 
bei Wolgast in Pommern zugesendet wurde. — (Syn. Q, hungarica 
Kit. Addit. p. 49 [publ. 1864] nicht Hubeny ex Flora 1842, I, 268, 
welche letztere syn. mit Q. conferta Kit.) 

1537. Quercus Robur L. — iQ, pedunculata Ehrh.) — Im 
mittelungarischen Berglande gewöhnlich nur vereinzelt und in kleinen 
Gruppen; so bei Paräd, Waitzen, Set. Andrae, P. Csaba, M. Einsiedel, 
Ofen; häufiger auf den Lössrücken, welche sich dem Berglande vor- 
lagern und gegen die Kecskemeter Landhöhe und das Tapiothal ab- 
flachen, bei Gödöllö, Peczel, Isaszegh, Tapio Süly, Szecsö, Szt. Marlon 
Kata, Koka; am häufigsten und stellenweise Bestände bildend im 
Tioflande auf der Kecskemeter Landhöhe und entlang dem Strom- 
laufe der Donau, auf der Csepelinsel, bei Pest, Ecser, Alberti, Monor, 
Pills, P^ Peszer bei Also Dabas. Im Bereiche des Bihariagebirges sehr 
häufig und verbreitet über das ganze tertiäre Vorland von Gross- 
wardein über Lasuri und Hollodu nach Belönyes, ebenso in den Thal- 
becken der Körösflüsse, so namentlich auf den Hügeln zwischen Rieni 
und Vasköh, wo ich noch Gruppen riesiger uralter Q. pedunculata 
als Reste einstiger, ausgedehnter Bestände beobachtete, ebenso auf 
dem Dealul mare bei Criscioru und entlang der weissen Koros bei Körös- 
bänya, Halmadiu, Vatia und Plescutia. Entlang der Maros und den drei 
Körösflüssen findet sich Q, Robur auch in bald grösseren, bald klei- 
neren Beständen noch in der Tiefebene, und zwar sind als äusserste 
gegen den centralen waldlosen Theil der Tiefebene vorgeschobene 
Wäldchen an der schnellen Koros jene zwischen Veszlö und KörOs 
Ladäny, — weiter südwärts der Wald östlich von Bökes in der Nähe 
der Vereinigung der schwarzen und weissen Koros und an der Maros 
der Wald bei Nagy Läk bei Arad zu nennen. Der centrale Theil der 
Tiefebene ist ursprünglich waldlos und nur in der Nähe der bewohn- 
ten Orte hat man hie und da, wie z. B. bei Kisujszälläs kleine Wäld- 
chen von Q. Robur gepflanzt, die jedoch nicht sonderlich gut ge- 
deihen wollen und den gehegten Erwartungen nicht entsprechen. — 
Q, Robur findet sich im Gebiete auf tiefgründigem Lehmboden, welcher 
sich durch Verwitterung des Trachytes und thonreicher Kalksteine 
herausgebildet hat, vorzüglich aber auf tertiärem, diluv. und alluv. 



233 

Lehm- und lehmigem Sandboden. 75—620 Meier. — (Es ist kein 
Grund einzusehen, warum für diese Eichenart der Linn^'sche Name 
Q. Robur bei Seite gesetzt und der Ehrhart'sche Name substituirt 
werden sollte. Das Citat in ^pec. plant, pag. 1414 ^^Quercus cum 
longo pediculo Bauhin Pinax 420" lässt doch keinen Zweifel, dass 
Linnö in erster Linie unter Q. Robur dieselbe Eiche verstanden 
hat, welche später von Ehrhart Q. pedunculata genannt wurde. 
Zudem wird ja von Linn6 in der Flora suec. pag. 340 ausdrücklich 
diese Eiche als Q. Robur «., dagegen die Q. sessiliflora Sm. als 
Q. Robur ß, aufgeführt. Ganz unberechtigt ist es darum auch nach 
dem Vorgange von Reichb. in Fl. excurs. 177 mit dem Namen ^Q. 
Robur L." die Q. sessiliflora Sm. zu bezeichnen.} 

1538. Quercus austrahs Heuffel als var. in Enum. plant. Ban. 
pag. 195 (1858). — Auf dem diluvialen Gelände, welches sich den 
nördlichen mittelungar. Berggruppen vorlagert und sich in das Tapio- 
thal und gegen die Kecskemeter Landhohe abstuft, bei Koka, Szecsö 
und Szt. Märton Käta, weiterhin im Tieflande nach Wiesbaur (Oest. Bot. 
Zlschr. XXV. p. 358) bei Foktü und Värszc^g nächst Kalocsa. Im Vor- 
lande des Bihariagebirges bei P. Szt. Marlon nächst Grosswardein. — 
Diluv. und alluv. Lehmboden. 75 — 350 Met. — (Als Synonyme sind 
hieherzusetzen : Q. fructipendula Kit. Iter inagnovaradiense in Verh. 
der Zoolog.-botan. Gesellsch. 1863, p. l>09; Q. ßlipendula Vukot. in 
Rad. Jugoslav. Akad. II, 46; Schloss. in Oest. Bot. Zeilschr. XVII, 
404 (1867); Q. ßlipendula Janka in Oest. Bot. Zlschr. 294 (1867). 
— Ob auch Q. pendulina in Schult. Oest. Fl. L 620 (1814) hieher 
gehört, bleibt zweifelhaft. Ein mit diesem Namen bezeichnetes Exemplar 
aus der Hand KitaibeTs im Innsbrucker Universitätsherbar ist zwar 
dieselbe Pflanze, welche später mit dem Namen: australis^ fructi- 
pendula und ßlipendula belegt wurde*), aber weder die Beschreibung 
der Q. pendulina Kit. in Schult. Oesterr. Flora noch in Kit. Addit. 
stimmt mit diesem Exemplar überein, und nach den Beschreibungen 
scheint Q. pendulina viel mehr mit Q. pubescens als mit Q, Robur 
verwandt zu sein. 

Quercus spicata, Q. vertesiensis und Q. cuneata Kit. Addit. 50. — Alle 
drei auf dem Lindenberge bei Ofen von Kit. angegeben, sind mir unbekannt, 
üeber die beiden ersteren fehlt jede weitere Angabe, und es wurden von ihnen 
nur die Namen und der Standort überliefert. Q. cwneata scheint zufolge der 
kurzen Beschreibung a. a. Orten mit Q. pubescens verwandt. 



-*40fr- 



Nachlese zur Flora der Prager Umgebung, 

Von Prof. Jos. Dddeöek. 

Bereits im Dezemberheft des „Lotos" vom Jahre 1871 hatte ich 
Gelegenheit gehabt auf einige neue Bürger jenes Pflanzengebietes 
hinzuweisen. Selbes zu thun wurde ich auch später gezwungen, in- 

*) Vergl. Oest. Bot. Zeitschr. XVIII. p. 9. 



234 

dem ich es für gut gefunden hatte, im Maihefte des Jahres 1873 
der Oest. Bot. Zlschr. „Neue Beiträge zur Flora der Prager Umge- 
bung^ zu liefern. 

Dass jedoch ein auch beschränkter Bezirk niemals genug gründ- 
lich botanisch erforscht werden kann, beweist eben die nächste nord- 
östliche Lage von Prag, von der ich im Laufe der letzten zwei Jahre 
wieder etwas Neues zu liefern im Stande bin, einestheils desswegen, 
weil ich meine bisherigen Beobachtungsgrenzen überschritten, ferner 
aber, weil einige topographisch schon eruirte Arten durch ihre gute 
Verbreitungsfähigkeit auch andere Standorte eingenommen hatten. 
Es wurden auch einige neue Fundorte für weniger häufige Spezies 
konstalirt. 

Auf Grund alles dessen kann ich folgenden kurzen Bericht 
folgendermassen übersichtlich anführen und eintheilen: 1. In Pflan-« 
zen, die für die Prager Umgebung neu sind. 2. In solche, welche, 
da seltener vorkommend, an noch etlichen Lokalitäten angetroffen 
wurden. 3. In weniger seltene Pflanzen neuer Fundorte. 4. In Arten, 
die da vor einiger Zeit von mir zum erstenmale und nur an wenigen 
Plätzen beobachtet wurden, jetzt aber an einem ziemlich verbreiteten 
Bezirk als häufig, wenn nicht als gemein anzuführen sind, und 5. in 
Pflanzen, die verwildert und von Weitem eingeführt genannt werden 
müssen. 

Ad 1. Unter den neuen Arten sind es besonders einige wenige 
Pflanzen der Elbeniederung, die von östlicheren Standpunkten bekannt, 
theilweise auch im Nordwesten Böhmens ihresgleichen aufweisen. Es 
ist das ein Cnidium tenosum Koch, Gentiana Pneumonanthe L., Teu^ 
crium Scordinm L.; Chaiturus MarmbicistrumRclih, und zum Theile 
auch Laserpitium pruthenicum L. — Cnidinm, Gentiana^ Teucrium 
und Chaiturus werden alle an der mittleren Elbe (z. B. bei Pod6- 
brad und Nymburk) oder in der Nachbarschaft angetroffen. Alle 
finden sich aber zugleich auch nordwestlich, so das Teucrium bei 
Bilin, Chaiturus bei Brüx, Cnidium bei Komotau und Gentiana bei 
Leitmeritz, und diese alle wurden auch an Mittelstationen jener ent- 
fernten Lokalitäten zahlreich ermittelt, und zwar Cnidium venosum^ 
Teucrium Scordium und Chaiturus Marrubiastrum an den Garlen- 
zäunen und theilweise Wiesen auf der grossen Insel bei Elb-Koste- 
letz, in dessen Nähe eine kleine Ortschaft den Chaiturus speziell 
beherbergt. Die Gentiana Pneumonanthe und Laserpitium prutheni" 
cum var. hirtum wachsen sehr zahlreich auf den sauren Wiesen 
beim Haierhofe Mikov. Unter anderen neuen Arten ist auch beson- 
ders Senecio nemorensis L. hervorzuheben. Selbes wurde bereits von 
Südwesten Prags verzeichnet, obwohl es im Graf Cerniner Park in 
Vinoi^ massenhaft vorkommt. Es ist die var. Fuchsii^ die sonst für 
die Hügelregion Böhmens verzeichnet ist. Ferner wurde bei Mikov 
der Rhinanthus angustifolius Gmel. gesammelt, als nächster Nachbar 
der Leitmerilzer Fundorte; dann bei Sluhy nächst Elb-Kosleletz in 
der Kreideformation die in der Nähe sonst seltene Pimpinella magna 
L. und 'im Rohnitzer Wäldchen ein stattlicher, reichlich fruchtender 



235 

Strauch von Mespilus germanica L. (Diese anstatt bei ad 5 da auf- 
geführt). 

Ad 2. Zu den weniger seltenen, aus dieser Gegend jedoch von 
anderen Plätzen bekannten Pflanzen gehören: Chenopodium murale h, 
in Kobylis und im Park von Karolinenthal; Thymelea arvensis Link., 
von mir seit 1^0, wo sie bei Brnky und Chabry gesammelt wurde, 
nur noch am Ce^emin nächst Elb-Kosteletz wieder auf Kalk ange- 
troffen; Peta^tes o/ficinalis Moench. bei der Wage in Pelz-Tirolka; 
Centanrea solstitialis L. mit Kleeaussaat herumwandernd, auf einem 
Medicago-Feld bei Mratin; Carduus crispus L. im Eibufergebüsch 
bei Oupor; Cirsium eriophorum Scop. bei MSschitz; wo auch Cirsium 
acaule var. caulescens All., Sisymbrium slricHssimum L. bei Oupor; 
Corydalis fabacea Pers. beim Ze^ula in Särka; Coryd, caca Schw. 
im Walde von PakomSHtz; Maifoa pusiUa Smith in Cliabry; Clematis 
recta L. bei Hratin; Thaliclrum minus L. bei MSs^ütz, woselbst in 
der Fasanerie auch Lithospermum officinaie L., Scrophularia alata 
Gilib. bei Mratin; Sium latifolium longifolium Presl. bei Kosteletz; Chas- 
rophyllum bulbosum L. bei Oupor mit Stellaria nemorum L., Rosa 
cinnamomea L. bei Kosteletz und R. turbinata Ait. an der Chaus&^e 
in Zdiby. — Ceratophyllum submersum L. bei Oupor; Euphorbia 
eirgata W. K. bei Mratin; — Potamogeton pectinatus L. (Mratin); 
P. perfoliatus L. (Kosteletz) mit P. acutifolius Link, der auch bei 
Oupor vorkommt; daselbst Lemna gibba L.; — Gagea bohemica auf 
Hügeln bei Cimitz und am Moldauabhang bei Bruky; Allium acutan- 
gulum pratense DC. auf der Wiese bei Tfebochovitz und A. rotun- 
dum L. am Kalkraine von Chabry gegen Brnky. Cyperus fuscus L. 
bei Mratin. 

Ad 3. Häufiger als die angeführten, und aus der Gegend mehr 
bekannt, kommen vor: Salix repens L. genuina an Wiesen bei Ueße- 
min; Salsola Kali L. rosacea bei öeöemin und Kobylis; Chondrilla 
juncea L. bei Kobylis, Libeh und Prosik; Inula salicina L. bei Mikov 
und Kosteletz; Eupalorium cannabinum L. bei Mratin und in Yino^; 
Serratula tinctoria L. in allen Gehegen der Gegend; Chrysocoma 
Linosyris L. im pom. Garten Troja's; Erylhraea ramosissima Pers. 
nur bei Mratin; Cynogtossum officinale L. im Vinoi^er Parke; Yero^ 
nica spicata L. und F. longifolia L. (im Schatten besonders hoch) 
bei Kosteletz; Verbascum nigrum bei Oupor; Verb, phoeniceum L. bei 
Ceöemin; daselbst an Feldern Äßiga Chamaepitys Schreh, und Lina-^ 
ria areensis L. — Chaerophyllum aromaticum L. (Vinof); Silaus 
pratensis Bess. bei Lobkovitz; Seseli glaucum Jacq. und S. Hippo- 
marathrum L. in Troja; Diplotaxis muralis bei öeßemin; Thlaspi 
alpestre L. in Chabry; Senebiera Coronopus Per§. in LibeJi; Poten^ 
tilla supina L. in Kosteletz; Pyrus torminalis Ehrh. im Bohnitzer 
Walde; beide ilim^a/ZtWarietäten in Troja; Medicago media Pers. 
an vielen Feldrainen; Allium oleraceum L. bei PakomftHc; Ornitho- 
galum stenopetalum Fries beim ehemaligen Zdiber Walde uncT dem 
Beckov; Bromus artensis L. in Chabry und Hydrocharis morsus ra^ 
nae L. bei Oupor. 



236 

Ad 4. Unter die aus anderen Bezirken auf was immer für eine 
Weise liieher verpflanzten Kolonisten, die da jedoch dauerhafte Wohn- 
sitze aufgeschlagen und da sogar sehr überhand genommen haben, 
gehört Linaria sputia^ Scandix Pecten^ Euphorbia falcata^ Vaccaria 
pamiflora, Nigella arvensis^ Rapistrum perenne und wohl auch Po/y- 
cnemnm arvense. — Die Linaria spuria Mill. und Vaccaria parvi^ 
flora M()nch. habe ich anno 1870 zuerst bei Bofanovitz entdeckt und 
nicht näher gegen Prag gefunden. Aber seit jener Zeit haben sich 
beide Arten so zahlreich auf den Feldern um Chabry vermehrt, dass 
sie da zu keinen Seltenheiten gehören, sich auch sogar gegen Boh- 
nitz fortpflanzend. — Euphorbia falcata L. bewohnte derzeit nur den 
Kalkboden bei Brnky, während sie jetzt auch die Felder in Chabry, 
stellenweise (wo Kalk) massenhaft bedeckt. Auch Rapistrum perenne 
All., Polycnemum arvense L. und Adonis flammea Jacq., früher nur 
an Feldern, Rainen und Abhängen um Brnky zu Hause, werden heut- 
zutage auch von den Feldern bei Chabry, Cimitz und Bohnitz beher- 
bergt. Scandix Pecten Veneris L., die früher einen nur sehr be- 
schränkten Platz eingenommen hatte, hat sich bis jetzt auf sehr viele 
Gründe um Chabry erweitert. — Zu einem Verbreitungslüstling ge- 
hörte auch Oxalis stricta L., bei Oupor gesehen, von der man in 
einigen Jahren wohl möglich wird sagen können, dass sie zu keinen 
Seltenheiten Böhmens gehört! 

Ad 5. Unter Pflanzen, die im geschilderten Bezirke verwildert 
angetroflen wurden, gehört mit Ausnahme des ad 1 angeführten 
Mespilus eine^ Gleditschia^ wohl eine G. triacantha^ die man bei M£- 
schitz und noch mehr bei Oupor, wo sie ursprünglich wohl verpflanzt 
worden ist, wo sie sich aber sehr zahlreich von selbst vermehrt, be- 
liebig sammeln kann. Diese Art kann man der Aufmerksamkeit der Mor- 
phologen nur anempfehlen, denn man sieht an ihren zusammengesetz- 
ten Blättern sehr zahlreiche und an einem Blatte verschiedene Ueber- 
gänge der Blättchen in gefiederte Biälter. Ferner sah ich bei Oupor 
die Cornus alba, welche bereits von Stephans-Ueberfuhr angegeben 
wird. Eine merkwürdige Bromus-9ivi\ge Grasspezies Südamerikas, die 
ich zuerst vom ehemal. Garten der Ackerbauschule in Pisek kenne, 
und die Mniola latifolia Michx. zu sein scheint, glaube ich im Herbste 
des Jahres 1875 auch im pomologischen Garten Troja's gesehen zu 
haben. 

Prag-Karolinenthal, im Jänner 1876. 



237 

VatersnchaBgeB 

über di« 

Ausscheidung von Wasserdampf bei den Pflanzen. 

Von Dr. Carl Eder. 
Im Auszuge mitgetheilt und kritisch beleuchtet von Dr. Alfred Burgerstein. 

In jüngster Zeit ist die pflanzenphysiologische Literatur durch 
eine ziemlich umfangreiche Arbeit vermehrt worden , welche unter 
dem Titel: ^Untersuchungen über die Ausscheidung von 
Wasserdampf bei den Pflanzen*) von Dr. Carl Eder im LXXIl. 
Bande der Sitzb. der kais. Akademie der Wissenschaften zu Wien 
erschienen ist. Da ich mich seit längerer Zeit mit dem Studium der 
Lehre von der Transspiration der Pflanzen beschäftige, und mir keine 
wichtigere, diesen Gegenstand betreffende Publikation unbekannt sein 
dürfte, so war ich selbstverständlich sehr neugierig zu erfahren, 
welche neuen Beiträge die Untersuchungen des Verfassers zu der 
genannten Lebenserscheinung der Gewächse geliefert hatten. 

Die folgenden Bemerkungen, zu deren Mittheilung ich nach ge- 
nauerer Durchsicht der in Rede stehenden Abhandlung unwillkür- 
lich veranlasst wurde, werden diess klarlegen. 

Der Verfasser schickt zunächst eine, die ersten 18 Seiten um- 
fassende Einleitung voran, welche die Zusammenstellung der bis- 
herigen Literatur enthält. Diese Zusammenstellung ist, so weit die 
Literatur benützt wurde, ziemlich gut. Nur an zwei Stellen (die An- 
sicht von Sachs bezüglich der Transspiration und dem Alter der Blätter 
[p. 7] und die Ergebnisse der Untersuchungen von Böhm über die 
Transspiration im dampfgesättigten Räume [p. 11], wo von Versuchen 
im Sonnenlichte gesprochen wird) sind die Citate ungenau. 

Bei der gleich Eingangs gegebenen Aufzählung der für die 
Transspiration massgebenden Faktoren habe ich die Namhaftmachung 
des Einflusses xler physikalischen und chemischen Beschaffenheit des 
Bodens (Versuche von Sachs) vermisst. 

Auffallend endlich ist, dass in dem historischen Resumö die auf 
die Transspiration der Pflanzen Bezug habenden Arbeiten von Dau- 
beny, Hartig, G. Haberlandt, Just, Knop, Lawes, Risler, 
Schübler, u. A. gar nicht erwähnt sind. 

Auf die Einleitung folgen nun die selbstständigen Untersuchun- 
gen, welche sich auf folgende Capiteln vertheilen. 

L Diffnsi^iiSTersiiehe. 

Bevor der Verfasser an die eigentlichen Transspiralionsversuche 
ging, schien es ihm zuvor nothwendig zu sein, die Permeabilität 
der Epidermisbildungen für Wasserdampf an Zweigen, Blättern 



*) Inauguraldissertation der kgl. Universität Leipzig. Die Arbeit enthält 
136 Seiten, überaus zahlreiche Tabellen und 7 kolorirte Tafeln. 



238 

und Früchten zu studiren. Zu einer Reihe von Versuchen, welche 
mit Oberhautstücken, beziehungsweise Korklamellen von FicuSj Be— 
gonia, Melaleuca, Philodendron und Bettäa ausgeführt wurden, diente 
die bekannte von Jolly zur Bestimmung des endosmotischen Äqui- 
valentes angewendete Methode. Es ergab sich, das.s nach wenigen 
Tagen die verschiedenen Membranen für Wasserdampf permeabel wur- 
den, mit Ausnahme der Korklamellen von Melaleuca. Uiebei fiel es 
mir auf, dass während in dem einen Versuch, wo die Korklamelle 
von Melaleuca aus 9—10 Zellscbichten bestand, selbe bis zum Ende 
der Beobachtung (21 Tage) impermeabel blieb, eine solche Lamelle 
bei einem anderen Versuche bei einer Dicke von 8-^9 Zellschichten 
nach 13 Tagen, bei einer Dicke von 13 — 14 Zellschichten nach 15 
Tagen die Permeabilität verloren hatte. Eine zweite, nach einer an- 
deren Methode ausgeführte Versuchsreihe ergab, wie ich aus der 
diessbezüglichen Tabelle (IV) ^) entnehme, dass viele der verwende- 
ten Membranen durch 30 — 40, in einzelnen Fällen durch 60 — 70 Tage 
X impermeabel geblieben sind, während z. B. die Oberhaut von Philo^ 
dendron nach 7 Tagen , die von Begonia manicata nach 1 Tage, 
die eines Apfels nach 3 Tagen permeabel wurde. 

Dr. Eder hat auch zwei Versuche angestellt, um den Einfluss 
der Wachseinlagerungen auf die Permeabilität zu prüfen. Er 
sagt: „Die vom Wachs befreiten Membranen verhielten sich wesent- 
lich anders, und eine zwei Tage in Benzin gelegene Apfellamelle 
war schon nach 9 Tagen permeabel , während die nicht entfetteten 
Membranen noch impermeabel waren , als der Versuch beendet 
wurde. Bekanntlich wird eingelagertes Wachs ^) durch Benzin nicht 
vollständig entfernt , wohl aber durch kochenden Alkohol. Bei in 
Alkohol gekochter (!I)^) Apfelepidermis ging daher das Quecksilber 
schon im Laufe des ersten Tages des Versuches bedeutend in die 
Höhe . . .** 

Aus diesen zwei Versuchen , über die so manches zu sagen 
wäre, leitet Eder eine Reihe allgemeiner Sätze ab. 

Weiters hat Eder zwei Versuche angestellt, um zu sehen, ob 
Lenticellen den Durchgang des Wasserdampfes ermöglichen. 

„Bei den hiezu verwendeten Lamellen der Epidermis des Apfels 
stieg das Quecksilber (eine mit Wasser gefüllte, unten offene, oben 
mit der Versuchsmembran geschlossene Röhre stand im Quecksilber) 
schon am ersten Tage des Versuches und zwar nahezu proportional der 
Grösse und Menge der Lenticellen. Bei einer früher verwendeten 



*) In die Tabellen wurden auch Zahlenreihen von Versuchen aufgenom- 
men, die als werthlos hätten wegbleiben können. Es waren diess Versuche, 
bei denen, wie Dr. Eder selbst angibt, das Wasser durch Risse in der Epider- 
mis eindrang. 

*) Eder war es hier also um ein gelagertes Wachs zu thun, denn 
dass aufgelagertes Wachs ein Hinderniss für den Durchgang von Wasser- 
dampf ist, das ist längst (Garreau, Unser u. A.) bekannt. 

*) Wie lange wurde gekocht? Welche Veränderungen erlitt das Gewebe 
sonst noch durch das Rochen? 



239 

Kartoffellamelle, bei der das Quecksifber sofort stieg, zeigte die mi- 
kroskopische Untersuchung ebenfalls zwei kleine Lenticellen.^ 

Die auf Grund dieser zwei Versuche gemachte Entdeckung wird 
nun in den Worten zusammengefasst: 

„Lenticellen ermöglichen den Austritt von Wasserdampf aus 
Geweben, welche durch impermeable, cuticularisirte oder Korkmem- 
branen geschützt sind.' 

Nachdem bereits Du Harne] (Physique des arbres) im Jahre 1758 
die Beobachtung gemacht hatte, dass an den Lenticellen junger in Wasser 
getauchter Zweige viele Gasblasen sichtbar wurden, nachdem Stahl 
in seiner Arbeit „Entwicklungsgeschichte und Anatomie der Lenti- 
cellen*' *) über die Lenticellen („Rindenporen**) aussagt: „dieselben 
sind nicht besonders stark entwickelte Feridermtheile, sondern Durch- 
brechungen derselben; sie verhalten sich jedenfalls, was ihre 
physiologische Bedeutung betrifft^ zu dem Periderm (Kork- 
membran Eder's) wie die Spaltöffnungen zur Epidermis, "^ 
nachdem G. Haberland t, welcher in neuerer Zeit genaue Versuche 
über diesen Gegenstand angestellt hat*), die Herrn Dr. Eder unbe- 
kannt gewesen zu sein scheinen, ausdrücklich bemerkt: „Die Lenti- 
cellen peridermbesitzender Zweige bewerkstelligen also eine Kom- 
munikation zwischen den Intercellularräumen des Rindenparenchyms 
und der atmosphärischen Luft; namentlich ist der begünstigende Ein- 
fluss, welchen die Lenticellen dergestalt auf die Transspiration der 
Zweige ausüben sehr bedeutend* — so sind wohl jene zwei Ver- 
suche von Dr. Eder ziemlich überflüssig gewesen. 

IL Die Terdmistiiiig dirck blattUse Zweige. 

Der Verfasser hat zunächst die Ansicht, dass, um die Verdun- 
stung der einzelnen Zweige vergleichen zu können , der Gewichts- 
verlust nicht auf gleiches Gewicht, sondern auf gleiche Ober- 
fläche der Versuchszweige berechnet werden müsse. 

„Es ist ganz natürlich,* sagt Dr. Eder, „dass sich der Gewichts- 
verlust bei etwa gleicher Verdunstungsfähigkeit bei einer Beziehung 
derselben auf 100 Gewichtstheile für den spezifisch schwereren 
älteren Zweig als geringer berechnet. Meine Voraussetzungen wur- 
den auch insofern gerechtfertigt, als ich bei schliesslicher Anordnung 
der Zweige nach dem Gewichtsverlust per 100 D Cm. un(l per 100 
Gramm zwei verschiedene, nur in wenigen Punkten übereinstimmende 
Reihenfolgen erhielt." 

Abgesehen davon , dass es sehr schwierig ist, die Oberflache 
eines blattlosen Zweiges zu bestimmen, frage ich, woher weiss Dr. 
Eder, dass ältere Zweige spezifisch schwerer sind als jüngere? Ich 
würde das Gegentheil vermuthen. 



*) Boten. Zeitg. 4873, p. 560. 

*) Beiträge zur Kenntniss der Lenticellen. Sitzb. der kais. Akademie der 
Wissensch., Wien, LXXII. Bd. 



240 

Ferner: auf Tabelle VII. (pag. 40—69) findet man eine fast 
erdrückende Menge von Zahlen , welche die Verdunstung blattloser 
Zweige berechnet für gleiches Gewicht, gleiche Fläche und gleiche 
Zeit belegen. Ich verglich nun die Zahlen für 100 □Cm. Ober- 
fläche mit jenen für 100 Gramm Gewicht, und fand, dass selbstver- 
ständlich diese andere • waren, als jene, aber ich sah keine wesent- 
lichen Unterschiede. In demselben Maasse, als die für 100 QCm. 
Oberfläche berechneten Zahlen zu- oder abnahmen, waren auch dem- 
entsprechend die für 100 Gramm Gewicht berechneten Zahlen grösser, 
beziehungsweise kleiner. 

Endlich ist es zu verwundern, warum Eder bei den Versuchen 
mit Blättern (III. Capitel) die erhaltenen Zahlen dennoch auf gleiches 
Gewicht und nicht auf gleiche Oberfläche reduzirt hatte. 

Dr. Eder führt nun Versuche an, in denen es ihm gelang, bei 
Winter- und Sommerzweigen von Sambucus und Aesculus durch die 
Lenticellen mittelst Ouecksilberdruckes Luft auszupressen *). Da ferner 
Zweige von Philadelphus an Stellen, an denen selbst mikroskopisch 
Lenticellen nicht bemerkbar waren, viele Luftblasen austreten Hessen, 
so gelangt er zu dem Satz: 

„Ausser den Lenticellen kann demnach auch durch Rinden- 
risse die Verdunstung stattfinden.^ 

Nun, dass durch Rindenrisse eine Verdunstung stattfinden 
kann, das ist eine richtige und vielleicht von Niemandem bezwei- 
felte Thatsache. — Was die Beziehung der Lenticellen zur Wasser- 
verdunstung betrifi^t, so wurde schon von G. Haberlandt auf Grund 
vielfacher Versuche der interessante Nachweis geliefert, dass die 
Lenticellen Regulatoren der Transspira tion sind, welche an 
grünen, peridermlosen Zweigen die Wasserverdunstung vermindern, 
an peridermbesitzenden dieselbe lokal erhöhen* 

Zu einem eigenthümlichen Resultate kam Dr. Eder in Bezug 
auf den Einfluss der Blattnarben auf die Transspiration. 

„Waren die Knospen lackirt, und nur die Blattnarben frei, so 
fand ich keinen oder kaum beachtenswerthen Einfluss derselben (Blatt- 
narben), woraus man schliessen kann, dass die Blattnarben die 
Verdunstung nicht wesentlich beeinflussen.** 

Erstens scheint mir diese Behauptung in dieser allgemeinen 
Fassung zu voreilig gesagt zu sein, da die Versuche nur mit Corylus 
Avellana ,und Philadelphus gemacht wurden, und zweitens wider- 
spricht diess den von Wiesner') gemachten Beobachtungen, der 
allerdings mit Zweigen von Aesculus Hippocastanum experimentirte, 
wobei sich jedoch aus den vorgenommenen Wägungen ein auf die 
Transspiration bedeutender Einfluss der Blattnarben namentlich für 
einjährige Zweige dieser Pflanze ergab. 



*) 1. c. Sep.-Abdr. p. 23. Haberlandt hat auch mittelst Quecksilberdruckes 
für verschiedene Pflanzen gezeigt, wann deren Lenticellen sich öffnen. 

') Wiesner und Pacher. lieber die Transspiration entlaubter Zweige und 
des Stammes der Rosskastanie. Oesterr. botan. Jeitschr. 1875. Nr. 5. 



241 

Es folgen nun in der Abhandlung von Eder 3 Tabellen (V, VI 
und VII). Was die Tabelle VI! belrifTr, welche volle 30 Druckseilen 
uinfasst, so hätte dieselbe gewiss an Uebersicht gewonnen , wenn 
einige der vierdezimaligen Zahlenreihen weggeblieben wären. — 
Folgende Kolumnen sind nothwendig, aber auch vollkommen ausrei- 
chend: 1. Name und Beschreibung des Zweiges, 2. Alter desselben, 
3. Grösse seiner Oberfläche, 4. Zeit der Wägung, 5. Gewichtsverlust 
des Zweiges bei jeder Wiäigung^ 6. der Gewichtsverlust per 100 CCm. 
berechnet auf je 24 Stunden, 7. der Gewichtsverlust per 100 Gramm 
berechnet auf 24 Stunden, 8. Temperatur, 9. relative Luftfeuchtig- 
keit. Dagegen wäre es wünschenswerth geweseil, die Kolumnen: 
a) Gewicht des Zweiges beim jedesmaligen Wägen, b) der Gewichts- 
verlust berechnet auf 24 Stunden, c) der Gewichtsverlust berechnet 
auf 100 [jCm. Oberfläche, d) der Gewichtsverlust berechnet auf 
100 Gramm des ursprünglichen Gewichtes — gar nicht aufzunehmen, 
nicht nur weil die Tabelle dadurch um mindestens 1000 fünfziflrige 
Zahlen kürzer also übersichtlicher geworden wäre, sondern weil auch 
nur jenQ sub 1 — 9 angeführten Zahlen vergleichbar sind , während 
die sub a) bis d) figurirenden kein Interesse haben. 

(Schluss folgt.) 



Das Pflanzenreich 

anf der It^iener It^eltansstellnng im Jahre 1873. 

Notizeu über die exponirten Pflanzen, PflanzeDrohstolTe und Produkte, sowie über ihre bildlichen Darstellungen. 

Von Franz Antoine. 

CFortsetzungt.') 

Scented Orange Pekoe wächst nordöstlich von Foochow. Er trock- 
net nur fünf Minuten über dem Feuer, wird in Säcke gefüllt 
und nach Foochow gebracht. Hier wird er mit Chulan-Blülhen 
(Chloranthus inconspicuus Swartzj gemischt, auf Pfannen über 
Holzkohlen feuer langsam getrocknet und sodann die Chulan- 
Blüthen entfernt. Diese Prozedur wird öfter erneuert. Zuletzt 
setzen sie Blüthen von Jasminum Sambac Ait. (Mot-lee) bei, da- 
mit geröstet nachher aber wieder entfernt. Der reine Thee wird 
dann auf Pfannen abermals erhitzt und warm verpackt. Er dient 
als Zusatz zu anderen Thecsorten. Er wird nach England und 
in geringer Menge nach Australien exportirt. 

Scented Caped. Der Unterschied zwischen dieser Theesorte und 
dem Scented Orange Pekoe besieht nur im Rollen der Blätter, 
welche bei ersterem rund, bei letzterem lang gedreht er- 
scheinen. 

Congou wächst in Kaisow und in dem benachbarten Distrikte Shoul- 
dufüo. Er wird 24 — 26 Stunden lang in Bambuströgen an der 



242 

Luft getrocknet, mit den Hiinden oder Füssen gerollt und die 
Feuchtigkeit ausgedrückt. Dann wird er ausgeschüttet und kurze 
Zeit der Luft exponirt, es folgt nun ein zehn Minuten andauern- 
des Rösten über Kohlenfeuer, wird dann gesiebt und so rasch 
wie möglich verpackt. Er wird nach Russland und England 
gesendet. 

Cofigou aus der Provinz Yang-how wird nach Australien und Eng- 
land ausgeführt. 

OülongofComerce. In Saline gezogen, wird diese Theesorte an 
der Luft getrocknet und ein oder zwei Mal dem Kohlenfeuer 
ausgesetzt. Sie wird von der ärmeren Klasse der Chinesen ver- 
braucht und nur selten nach den Vereinigten Staaten versendet. 
Das Haus Evan & Comp, führt jährlich von Ningchow-Thee 
in drei Qualitäten 20 Millionen, von Oopack 17 Millionen und 
von Oonahm 42 Millionen Pfund aus. 

Nach Sibirien wird vorzugsweise Ziegelthee versendet, so 
wie auch Hoa-Yong-Thee^ der auch der Mongolei zugeführt 
wird und endlich der Lok-oan-Thee, welchen das südliche China 
konsumirt. Die Blattstiele des Theeblattes werden von den Chi- 
nesen die „Beine^ des Thees genannt. 

Rauchtabak war von Peking, Hangkow und Formosa zugesendet. 
In Formosa wächst die Tabakspflanze wild und dient den Ein- 
geborenen als Tauschartikel. 

Schnupftabak kam aus Peking. 

dewflne. 

Cinnamomum zeylanicum Breyn. Rinde und Blüthen« 

Oele. 

Arachis hypogaea L. Das Oel wird von Formosa nach China verführt, 
der mehlige Rest dient als Dünger. 

Cinnamomum zeylanicum Breyn. 

Dryandra cordifolia Thunb. CÄleurites cordata R. Br.) liefert das 
„Tungöl.'' Es dient sowohl zum Anstreichen von Bauholz, als 
auch zur Anfertigung der krug förmigen Körbe, deren Boden aus 
Binsen und Seitenwände aus Bambusbast gearbeitet sind und so- 
wohl innen als aussen mit Uaarpapier überklebt und mit diesem 
Oele imprägnirt werden. Diese Körbe dienen zum Transport des 
Bohnenöles. 

Aus dem Russe des verbrannten Tungöles entstehen die 
chinesischen Tusche. 

Illicium anisatum L. Aus den Hülsen und Samen wird Oel gepresst. 

Mentha piperita L. 

Sesamum indicum L. Mit weissen und schwarzen Körnern (letztere 
S. Orientale L.). 

Unona odoratissima Roxb. QArtabotrys odoratissima R. Br.). Kommt 
in starker Verdünnung als der sehr beliebte Parfüm „Ylang- 
Ylang** vor. 



243 

Färbe- und derbepianien. 

Carthamus tinctorius L. 

Gallen, wahrscheinlich von Rhus semialata Murray. 

Indigo von Formosa. 

Sophora japonica L. (Waifa). Ein Farbstoff, der in der Provinz Kwan- 
lung vorkommt. Er wird wenig exportirt, da er in Europa noch 
wenig gekannt ist. Es sind die getrockneten Blüthen des Baumes, 
welche auch unter den Namen „Gelbbeeren'' und „Natalkörner'' 
kursiren. 

Faser- nod Cespinnstpiaiiieii. 

Cannabis gigantea 

Cannabis von Chili. 

Arenga saccharifera Labill, Die Gomuti-Palme liefert nicht nur Sago, 
Palmen kohl etc., sondern gibt durch die an der Basis der Blatt- 
stiele befindlichen Fasern — das sog. vegetabilische Pferdehaar 
— vorzügliches Material für Schiffstaue, Matten, Bürsten, Regen- 
mäntel und viele andere Gegenstände ab. 

PiaQsen mr PapierbereitiiDg. 

Aralia papyrifera Hook. Das sogen. Reispapier. Das feingeschnittene 
Mark dieser Pflanze. 

Bambusa arundinacea Retz. Aus der Provinz Fochin wurde eine 
Kollektion von 46 Papiersorten, aus Bambus bereitet und jede 
Sorte einen speziellen Namen führend, vorgelegt. 

Abbildungen. 

Die Pflanzen, die auf Tapeten, Wänden, Schirmen, Fächern etc. 
abgebildet vorgekommen sind, waren vorzugsweise : Nelumbium^ Chry- 
santhemum und Päonien. In der Ausführung und Farbenpracht stan- 
den diese Abbildungen den japanischen nach. Photographische Abbil- 
dungen wurden gar nicht eingesendet. 

« 

Japan. 

Die Räumlichkeit, welche die kaiserl. japanische Regierung für 
ihre Ausstellung in Anspruch genommen hatte, beschränkte sich nicht 
auf eine einzelne Gräte des Industrie-Palastes, sondern erforderte 
einen Nebenbau von sehr ausgedehntem Flächenraum und den von 
den japanischen Gärtnern angelegten Garten, welchem noch an einem 
entlegeneren Theile des Ausstellungs-Rayons ein Reservegarten bei- 
gegeben war. 

Im japanischen Garten hatten sie ihre Bazare, welche stets mit 
Besuchern überfüllt waren, and wo ihre Verkäufe vom frühen Mor- 
gen bis zur sinkenden Sonne fortdauerten und sich die glänzendsten 
pekuniären Geschäfte abwickelten. 

Die ausgestellte Holzsammlung war eine reichhaltige. Die Mu- 
ster waren in Bretterform, welche in den meisten Fällen eine Länge 

von 4 — 5 FuSS hatten. (Fortsetzung folgt.) 



244 

Literatarberichte. 

BeschreibQDg neaer oder minder i^ekannter Acarocecidien (Phytoptus- 
Gallen) von Dr. Friedrich Thomas, Oberlehrer an der Oberrealschule zu 
Ohrdruf. Dresden 1876. 4. 36 Seiten und 3 Taf. (Separatabdruck aus dem 
38. Bande der Nova Acta der k. Leop. Carol. deutschen Akademie der 
Naturforscher.) 

Vom Verfasser, welcher sich durch eine Reihe von Jahren er- 
folgreich mit dem Studium der durch die Milbengattung Phytophis 
erzeugten Gallen (Acarocecidien) beschäftigt, werden im vorliegenden 
Aufsatze 25 neue oder wenig gekannte Formen von Phytoptus-^ 
Gallen beschrieben und abgebildet. Dieselben kommen an folgenden 
Pflanzen vor: Betula alba, Fagus sihatica, Populus tremula^ Ulmus 
campestris, Hieracium murorum^ Galium Mollugo, Lonicera (meh- 
rere Arien), Fraxinus excelsior, Pimpinella magna, Moehringia po~ 
lygonoides, Acer monspessulanum , Aesculus rubiamda^ Polygala 
vulgaris^ Oxalis corniculata und Ononis repens. Obwohl die Acaro- 
cecidien in erster Linie für den Zoologen von Wichtigkeit sind, so 
haben sie doch auch für den Botaniker Interesse, weil durch die 
Milben an den von ihnen bewohnten Pflanzentheilen oft sehr auf- 
fallende Bildungsabweichungen der verschiedensten Art hervorgerufen 
werden. Es sei daher die Aufmerksamkeit der Leser dieser Zeit- 
schrift auf die neueste, mit vielem Fleisso gearbeitete Abhandlung 
von Thomas gelenkt. Dr. H. W. R. 



Correspondenz. 

Pola, am 8. Juni 1876. 

In der vorigen Nummer dieser Zeitschrift bezweifelt Herr von 
üechtritz meine Angabe iiber die Hybridität von Amaranthus patulus 
Bert. Ich kann momentan nur so viel sagen, dass das hiesige Vor- 
kommen, sowie die Seltenheit durchaus dafür sprechen, dass meine 
Pflanze eine Hybride zwischen A, retroflexus und A. sihestris ist. 
Aeussersten Falles wäre also der Name A, patulus für die hiesige 
Form zu streichen. Ich werde der Sache indessen weiter nachgehen, 
sobald die Blüthezeit der Amaranthen eingetreten, und somit die 
Beobachtung lebender Exemplare möglich sein wird. — Auch heuer 
habe ich wieder einige hübsche Funde gemacht, von denen ich vor- 
erst nur Cytinus Hypocistis L. erwähnen will. Diese Pflanze fand 
ich unweit von Pola, als ich in Gesellschaft des Herrn Prof. Neuge- 
bauer die Macchien zwischen Batt. Monumenti und F. Hunida durch- 
streifte, ziemlich zahlreich auf Cistus salviaefolius L. — Dieser 
Standort ist nicht nur darum interessant, weil er der nördlichste am 
adriatischen Meere bisher bekannt gewordene ist, sondern auch dess- 
halb, weil der Schmarotzer auf den bisher beobachteten Standorten 
auf den Ouarnerischen Inseln durchaus nur auf Cistus mllosus ge- 
funden wurde. — Im Laufe der vorigen Woche erfreute uns Herr 



245 

Hofrath v. Tommasini mit seinem Besuche. Er kam begleitet von 
Dr. V. Marchesetti, und ich besuchte dann in ihrer Gesellschaft die 
bisher nur im südlichsten Theile von mir durchforschte, sonst aber 
botanisch unbekannte Schlucht zwischen Altura und Marzana. Die 
Ausbeute entsprach nicht der aufgewendeten Mühe. Namentlich konn- 
ten wir die im südlichen Theile häufige Psoralea bituminosa (von 
Sendtner am Plateau ostwärts entdeckt) weiter nördlich nicht finden. 
Indessen wäre dennoch das pflanzengeographisch gewiss merkwür- 
dige Beisammenwohnen von Carpinus Betulus mit C. orientalis Lam. 
zu verzeichnen. Erstere Art ist für Süd-Istrien neu und geht hier 
bis kaum 30 Meter Seehöhe herab. Ich vermuthe, dass sich auf diese 
Pflanze die Angaben beziehen^ wornach Ostrya carpinifolia bei Mar- 
zana vorkommen soll. Wir wenigstens haben nur Carpinus Betulus 
gesehen und zwar sowohl baumartig (fruktifizirend) als strauchartig 
unter dem sehr zahlreichen C. orientalis eingesprengt. Freyn. 

Berlin, 1. Juni 1876. 

Nach 3Yjjmonallicher Abwesenheit bin ich heute glücklich wie- 
der hier angelangt. Ich landete am 2. März in Alexandrien und 
begab mich am 9. mit Dr. Schweinfurth und Dr. Güssfeldt nach 
Benisuef, von wo aus diese Reisenden einen Ausflug in die arabische 
Wüste, nach den Klöstern St. Antonius und St. Paulus antraten, wel- 
cher auch interessante botanische Funde mit sich brachte, während 
ich mich zunächst nach Medinet-el-Fajum wandte, wo ich am 16. März 
ankam und eine Woche verweilte. Die Flora der Umgebung dieser 
Stadt weicht erheblich von der des Nilthaies unter dieser Breite ab 
und zeigt theils Anklänge an die Vegetation Unteregyptens, z. B. 
Ammi Visnaga, Cyperus dives, theils an die der Oasen; so fand ich 
auch hier den von mir früher in Dachel und Farafrah beobachteten 
Geropogon glaber^ der sonst in Aegypten nicht bekannt ist. Am 24. 
konnte ich endlich nach der kleinen Oase aufbrechen, welche ich am 
Abend des 31. erreichte. Die Vegetation des auf diesem Wege durch- 
zogenen Theiles der libyschen Wüste ist noch weit ärmer und ein- 
förmiger als auf den von mir auf der Rohlfs'schen Expedition zwei 
Jahre früher durchzogenen Strecken; eine reichere Vegetation findet 
sich nur in der Hattieh Rajftn; sie besteht der Hauptmasse nach aus 
zwei Holzgewächsen, Nitraria CPeganum Forsk.) retusa Aschs. 
(= tridentata Desf.) und Calligonum comosutn L'Hör. Ich verweilte 
einen Monat in der kleinen Oase (Uah-el-Beharieh) in der ich im 
Ganzen 163 wildwachsende Pflanzenarten beobachtete. Der Grund- 
stock der Vegetation ist, wie zu erwarten war, derselbe wie in 
den früher von mir besuchten südlicher gelegenen Oasen ; doch gibt so- 
vvohl die Anwesenheit als das Fehlen einer Anzahl aufi'allender Typen ihr 
ein etwas anderes Gepräge als in den anderen Oasen und nähert 
sie mehr den Flora in den Umgebungen von Alexandrien. So ist 
Helosciadium nodiflorum, welches in den anderen Oasen fehlt, in 
Uah-el-Beharieh gemein und 'das zierliche Ädiantum Capillus Veneris 
bekränzt die Ränder der Bewässerungsgräben und tapeziert selbst 

Ociterr. botan. Zeitschrift. 7. Heft. 187Ö. 19 



246 

von Thermalwasser überrieselte Felsen. (Dr. Scfaweinfurth fand diese 
Art auch an feuchten Felsen des Galala-Gebirges der arabischen 
Wüste.) Andere Novitäten für die Flora aller Oasen »nd: Ranun^ 
culus OBa^racAttfm) paucistamineus ^ Nymphaea caerulea y Silene 
gallica und noch eine Art aus der Verwandtschaft der Silene 
stricta L., Ononis mitissima ^ Lotus comiculatus^ Xanthium anti^ 
Quorum, Centaurea Calcitrapa, Crepis pctrmflora Desf., Cynan^ 
chum (icutum, Polygonum equisetiforme Sibth. Sm. und eine nicht 
blühend angetroffene Art mit weissfilzigen Blättern, Populus euphratica 
Oliv. , jene durch die verschiedenartige Gestalt ihres Laubes 
ausgezeichnete orientalische Pappel, vi^elche an jungen Exemplaren 
vorherrschend lineale, vtreidenähnliche Blätter entwickelt, während 
der ausgewachsene Baum solche von der Gestalt der P. tremula 
trägt, Ottelia alismoides^ Najas sp., Ällium sp., Juncus acutus und 
eine Art aus der Gruppe des J, lamprocarpus^ AcdUnia Michelii, ein 
Lepturus und Marsilia aegyptiaca, Panicum repens und Oryza australis 
A. Br. CLeersia hexandra Sw.), welche ich zahlreich blühend sammelte, 
waren von mir in Blätterexemplaren schon früher in Dachel gesammelt, 
letztere auch als solche erkannt worden. Auffällig war mir das 
Fehlen folgender, in den übrigen Oasen und auch im Nilthal beob- 
achteten Arten: Frankenia pulverulenta^ Zygophyllum cocdneum^ Hor- 
plophyllum tuberculatum ^ Melilotus sulcatus, Rhabdotheca chondril^ 
loides^ Atriplex leucoclados Boiss. (?), Rumex dentatus Cailipd., Thesium 
humile, Euphorbia aegyptiaca^ Panicum colonum^ eerticillatum, glaucum. 
Am 2. Mai verliess ich die Oase und erreichte am 6. Mittags das Nilthal 
bei Sammalut, auf einer bisher auf keiner Karte verzeichneten Strasse, 
welche durch eine nahezu vegetationslose Wüstenstrecke führt. Nach 
14tägigem Aufenthalte in Cairo schifite ich mich am 22. in Alexan- 
drien ein und begrüsste zehn Tage später die Heimat wieder. 

P. Ascherson. 

Bayreuth, am 17. Juni 1876. 

Vom 24. Juni an ist meine Adresse: „Krems in Niederöster- 
reich,'' wohin ich von diesem Tage an Briefe und Sendungen zu 
adressiren bitte. Die Herausgabe der Mycotheca universalis und des 
Herbarium mycologicum oeconomicum erleidet kerne Unterbrechung. 

F. Baron Thümen. 



-«o»^ 



Fersonalnotizen. 

— Dr. A. Kerner, Professor an der Universität Innsbruck, 
wurde von Sr. Majestät dem Kaiser „in Anerkennung seiner ver- 
dienstlichen Leistungen auf lehramtlichem und wissenschaftlichem Ge- 
biete'' durch die Verleihung des Ordens der Eisernen Krone dritter 
Klasse ausgezeichnet. 



247 

— Dr. Hubert Leitgeb, Professor an der Universität Graz, 
wurde von der mathem.-naturwissenschaftl. Klasse der kais. Akademie 
der Wissenschaften in Wien zum korrespondirenden Mitgliede gewählt. 

— Dr. Carlo de Marchesetti ist von seiner Forschungsreise, 
die er im Herbste v. J. nach Ostindien unternommen hatte, wieder 
zurückgekehrt. 

■ — Dr. W. F. G. Behn wurde von sämmtlichen Mitgliedern der 
Sektions vorstände für die Dauer bis zum J. 1886 zum Präsidenten der 
Leop. Carol. Akademie der Naturforscher gewählt. 

— Dr. H. G. A. Engler, Kustos der botanischen Anstalten und 
Privatdozent an der Universität München; Dr. A. v. Krempelhuber, 
Kreisforstmeister in München; Dr. P. W. Magnus, Privatdozent an 
der Universität Berlin; Dr. G. E- C. Schüz in Calw; Dr. W. E. Ahles, 
Professor in Stuttgart und F.A.W. Thomas, Oberlehrer zuOhrdruf, 
wurden von der L. C. Akademie der Naturforscher als Mitglieder auf- 
genommen. 



sVereine, Anstalten, Unternehmungen. 

— Die Leop. Carol. Akademie der Naturforscher ist in 
den Stand gesetzt, im laufenden Jahre jeder ihrer 9 Fachsektionen 
je ein Exemplar ihrer goldenen Cotheniusmedaille (vergl. Neigebaur, 
Geschichte des 2. Jahrhundert« u. s. w.^ p. 317) zu Gebote zu stellen, 
welche nach dem Gutachten und auf den Antrag der Sektionsvor- 
stände dem Verfasser derjenigen innerhalb der Jahre 1870 — 75 her- 
ausgegebenen Schrift, die am wirksamsten zur Förderung des betref- 
fenden Faches beigetragen hat, verliehen werden soll. Sollte in einem 
der Fächer innerhalb jenes Zeitraumes keine Schrift erschienen sein, 
welche nach Ansicht des Sek lions Vorstandes dieser Anerkennung 
würdig wäre, so könnte die Ertheilung unterbleiben, oder ein beson- 
ders werthvolles Werk der zunächst vorhergehenden Jahre an die 
Stelle treten. — Deutsche wie Nichtdeutsche, Mitglieder der Akade- 
mie wie Nichtmitglieder, finden in gleicher Weise Berücksichtigung; 
jedoch kann kein vcm einem Vorstandsmitgliede verfasstes Werk kon- 
kurriren. Es ist erwünscht, dass die Entscheidung in dieser Angele- 
genheit innerhalb eines Vierteljahres, also bis Ausgang Juli 1876, 
getroffen werde, und die Akademie wird annehmen, dass, wenn von 
einer Fachsektion bis zu diesem Zeitpunkte kein Antrag erfolgt ist, 
der Vorstand keine Anerkennung zu befürworten beabsichtigt. — 
Sowohl Verfasser wie Verleger können durch Einsendung von Schriften 
an die obenstehende Adresse (mit der Bezeichnung: „Zur Konkurrenz" 
und wenn thunlich in 2 Exempl.) die Aufmerksamkeit der Akademie und 
der Fachsektionen auf für diese Anerkennung geeignet scheinende 
Arbeiten lenken. 



19 



248 



Botanischer Taasohverein in Wien. 

Sendungen sind eingelangt: Von Herrn Prof. Wiesbaur mit 
Pflanzen aus Niederösterreich und Ungarn. 

Sendungen sind abgegangen .an die Herren: Dufft, Gremblich, 
Keller, Dr. Schäfer, Wiesbaur, ür. Ressmann. 

Aus Niederösterreich, einges. von Wiesbaur: Anemone 
nemorosa f. rosea, Corylus tubulosa^ Hierochloa australis^ Ornithogalum 
tenuiflorum^ Salix palustris^ S, purpurea f, oppositifolia^ Viola 
austriaca f, nemorum. Aus Ungarn: Cyperus glomeratus. 

Vorräthig: (B.) = Böhmen, (D.) = Dalmatien, (I.) = Istrien, 
(Kt.) = Kärnten, (M.) = Mähren, (NOe.) = Niederösterreich , (S.) 
= Salzburg, (Sb.) = Siebenbürgen, (Schw.) = Schweiz, (T.) = 
Tirol, (U.) = Ungarn. 

Acer tataricum (U.), Achillea atrata (U. Kt.), A, Clavennae 
(NOe. S.), A, Neilreichii (U.), A. nobilis (NOe.), Aegilops ovata (1.), 
A. triaristata (I.), A, triuncialis (L), Aethionema saxatile j^I. Kt.)? 
Ajuga pyramidalis (Pommern), Alisma natans (Görlitz), Allium saxatile 
(I.), Alopecurus ruthenicus (Greifswald), Alyssum minimum (U.), A. 
saxatile (NOe.), Amygdalus nana (NOe. U.), Andromeda calyculata 
(Ostpreussen), Androsace elongata (M.), A, Hausmanni TT.), A. 
septemtrionalis (NOe.), Arabis alpina (S. Kt. T.), A, arenosa (NOe.), 
A. brassicaeformis (NOe.), Artemisia camphorata (I.), A. coerulescens 
([.), A, pontica (U.), A. rupestris (Thüringen), A. scoparia (NOe.), 
A. talesiaca (Schw.), Asperula arvensis (NOe.)i A, tinctoria (NOe.), 
Astragalus austriacus (NOe. B.), A. sulcatus (NOe.), A. virgatus 
(U.), Astrantia alpina (T.), Betula nana (Erzgebirge), B. oycowiensis 
(Polen), Biscutella laevigata (S. U.), Brachypodium distachyon (Bologna 
L), Braya pinnatifida (Schw.), Briza maxima (I.), Buffonia macro^ 
Sperma (Schw.), Bupleurum affine (NOe.), B, stellatum (Schw.), B, 
tenuissimum (I. U.), Camphorosma ovata (U.), Capsela rubella (Frank- 
reich Schw.), Cardamine graeca (Banal), Ceratocephalus orthoceras 
(NOe. U.), Chenopodium ficifolium (Thüringen), Chrysosplenium oppo^ 
sitifolium (ß,), Circaea alpina (Kt.), Cladium Mariscus (Greifswald), 
Cochlearia ofßcinalis (NOe.), Contolvulus Cantabrica (U.), Coronilla 
scorpioides (1.), Crataegus nigra (U.), Crocus banaticus (Sb.), C. 
iridiflorus (Sb.), C. variegatus (D.), Crupina vulgaris (U.), Crypsis 
aculeata ((Griechenland U.), Cylisus austriacus (NOe. U.), C. ratis" 
bonensis (NOe.). 

Obige Pflanzen können nach beliebiger Auswahl im Tausche 
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden. 



Redaktear und Herausgeber Dr. Al«ZABd«r Skoflts. — Verlag tod O. O«rold's Sohn. 

Druck und Papier der O. U«b«rr««t«r'8cben Buchdruckerei (M. 8als«r). 



Oesterreichische 

Eotanisclie Zeitsclirift 

Gemeinnütziges Organ 

für 

Die A«tcrrelchl«ehe fiZAmplaVA 

botanische ZeltschrlR RAfftlllk nnil Ra^JHIiItai* die ft>cl durch die Post be- 

ersclieint DUIUUIK UOU DUHtUlKer, sogen werden soUea, sind 

den Ersten jeden Monats. blos bei der Redaktion 

"'"Är.i.'t""" Gärtner, Oekonomen, Forslmänner, Aerzle, '"l'uÄXi«^?"^ 

CIB R. Marko i n i m ^°* ^^K« des 

/«"/w.lf'Äar") Apotheker nnd Techniker. ""°^rn*«mer«u^* 

halbjährig. C. Gerold'« Sohn 

Inserate _ ^ in Wien, 

die ganze Petitseile N ^' M so ^ie alle übrigen 

15 kr. Ost. W. XJ= %^« Buchhandlungen. 



XXVI. Jahrgang. WIM. August 1876. 

XlffHAIiT; Einfluss des Frostes auf das Chlorophyll. Von Dr. Haberlandt. — IHanthut Jaezonis^ 
Von Dr. Asch er so n. — Vegetations-Verhältnisse. Von Dr. Kerner. — üeber Pflanzen der österr.- 
ungar. Flora. Von Freyn. — Orchis Spitzdii. Von Dr. Halacsy. — Algen des Triester Golfes. Von 
Hauck. — üeber Ausficheidung von V^asserdampf. Von Dr. Bur gerstein. — Pflanzen auf der Welt- 
ausstellung. Von Antoine. (Fortsetzung.) — Literaturberichte. — Correspondenz. Von Csato, Dr, 
Borbas, Stein, Thümen, Burbach. — Botanischer Tauschverein. — Inserate. 



Ueber den Einfluss des Frostes auf die Ohlorophyll- 

kömer. 

Von G. EEaberlandt. 

Spezielle Untersuchungen über die Einwirkung des Frostes auf 
bestimmte Inhaltskörper der Pflanzenzelle wurden bis jetzt meines 
Wissens noch nicht angestellt. Man berücksichtigte gewöhnlich bloss 
ganze Pflanzentheile — vor Allem die Blätter — und fasste, als es 
sich um eine befriedigende Erklärung des Erfrierens der Pflanze 
handelte, aus naheliegenden Gründen bloss die Hauptbestandtheile des 
Zellleibes, das Protoplasma, den Zellsaft und die Wandung -der Zelle 
in's Auge. Zur Vervollständigung unserer Kenntnisse über den Ein- 
fluss des Frostes auf das Pflanzenleben erschien es mir daher wün- 
schenswerth, auch* nach der vorhin angedeuteten Richtung hin einige 
zusammenhängende Beobachtungen zu sammeln. Dass ich hierbei 
mein Augenmerk vorzugsweise auf die Chlorophyllkörner richtete, 
war wohl selbstverständlich. 

Die Einwirkung des Frostes auf die genannten Inhaltskörper 
der Zelle kann sich in zweierlei Weise bemerkbar machen. Erstens 
durch die Zerstörung oder Umänderung des grünen Farbstoffes 

Oesterr. botan. Zeitschrift. 8. Heft. 1876. 20 



250 

und zweitens durch gewisse molekulare und gestaltliche Verände- 
rungen seiner protoplasmatischen Unterlage. Auf jenen Vor- 
gängen beruht z. B. das Braunwerden gefrorner Blätter von OxcUU 
acetosella beim Aufthauen*) und ein Theil der winterlichen Verfar- 
bungserscheinungen ausdauernder Blätter; genauere Untersuchungen 
über diesen Gegenstand habe ich an einem anderen Orte mitgetheilt**). 
Hier möge bloss jene zweite Reihe von Erscheinungen besprochen 
werden, welche im innigsten Zusammenhange steht mit dem eigent- 
lichen Erfrieren der Blätter. 

Vorerst will ich jedoch einiges Wenige über das Gefrieren 
organisirter Körper überhaupt, sowie über gewisse hier in Betracht 
zu kommende Eigenschaften der Chlorophyllkörner vorausschicken. 

Während man noch bis in die Sechziger-Jahre der Eisbildung 
als solcher die Tödtung der Pflanzenzelle zuschrieb, und durch die 
Ausdehnung des gefrierenden Zellsafles ein Zerreissen und Zer- 
sprengtwerden ihrer Membranen zu Stande kommen liess, hat be- 
kanntlich Sachs auf Grund zahlreicher Beobachtungen***) das Irrige 
dieser Ansicht dargelegt und eine neue, befriedigendere Erklärung 
an ihre Stelle gesetzt. Er wies zu diesem Behufe einerseits auf das 
Gefrieren von Salzlösungen, andererseits auf das Verhalten gefrornen 
Stärkekleisters beim Aufthauen hin: „Vor dem Gefrieren eine homo- 
gene Masse, erscheint er nach dem Aufthauen als ein schwammiges, 
grobporöses Gebilde, aus dessen groben Hohlräumen das aufthauende 
Wasser klar abläuft." Aehnlich verhält sich geronnenes Eiweiss, ähn- 
lich verhalten sjch wohl auch das Protoplasma und die Zellwandungen 
saftiger Gewebe. Ein Theil des imbibirten Wassers gefriert und be- 
wirkt dadurch eine Aenderung in der Gruppirung der Moleküle, 
welche den organisirten Körper zusammensetzen. Beim Aufthauen 
fliesst dann das Wasser ab, die frühere Gleichgewichtslage ist nicht 
wieder herstellbar. Aus einer glcichmässig homogenen Substanz ist 
ein „wasserarmes Netzwerk^ geworden. „Die Zellwandung widersteht 
nun nicht mehr dem Druck des Zetlsaftes, sie lässt denselben selbst 
bei geringer Pression durchfiUriren.^ Die erfrornen Organe werden 
schlaff, durchscheinend, und ein ganz geringer Druck reicht hin, um 
aus denselben Wasser zu pressen. 



*) Vergl. J. Wiesner, die natürlichen Einrichtungen zum Schutze des 
Chlorophylls etc. Festschrift der k. k. Zoolog.-Botan. Gesellsch. in Wien, 1876, 
p. 24. Die Zerstöruns; des Chlorophylls ist hier eine Folge der durch di« Frost- 
wirkung bedingten Durchlässigkeit des Protoplasmas für die im Zellsafte vor- 
handenen organischen Säuren. Dieselbe kommt nalürlich dem eigentlichen Proto- 
plasma wie dem Chlorophyll körne in gleicher Weise zu, kann übrigens bloss 
aus ihrer vorhin erwähnten Folge erschlossen werden. Letztere aber fällt ausser 
den Bereich dieser Abhandlung. 

**) Vergl. G. Haberlandt, Untersuchungen über die Winterfärbung aus- 
dauernder Blätter. Sitzungsberichte der kais. Akademie d. Wissenschaften, i 876, 
Aprilfheft. 

♦**) Vergl. Landwirthschaftliche Versuchsstationen i860, Heft V. p. 167 flf. 
— Sitzungsber. der k. sächs. Gesellsch. d. Wissensch. 4860. — Handbuch der 
Experimentalphysiologie 1868, p. 56 ff. 



251 

Auf diese Weise wird also auch in der chlorophyllführenden 
Zelle eine gewisse Menge von Imbibitionswasser ausgeschieden, wel- 
ches gemeinschaftlich mit dem infiltrirten Zellsafte die einzelnen Chlo- 
rophyllkörner gleichsam umspült. Es können hier demnach unter einer 
später noch zu erörternden Voraussetzung ganz ähnliche Verände- 
rungen Yor sich gehen, wie bei den aus künstlich verletzten Zellen 
austretenden Chlorophyllkörnern: bald treten zahlreiche, kleine 
Vacuolen auf, welche schliesslich immer grösser werdend, eine voll- 
ständige Desorganisation des Chlorophyllkorns herbeiführen; bald ist 
bloss eine einzige seitliche Vacuole bemerkbar, die an Umfang 
rasch zunehmend, das Chlorophyllkorn zu einer durchsichtigen Blase 
umgestaltet, welcher seitlich eine dunkelgrüne Protoplasmakappe auf- 
sitzt. Diese Eigenthümlichkeit der Chlorophyllkörner, oder präciser 
gesagt, ihres protoplasmatischen Bestandtheiles, kann bei Gefrierver- 
suchen insofern zu Täuschungen Veranlassung geben, als man 
vielleicht der Frostwirkung zuschreibt, was eine Folge der Präpa- 
ralion in Wasser war. Sobald aber die zu untersuchenden Quer- und 
Flächenschnitte nicht gar zu dünn siud, wenn man stets nur voll- 
kommen unverletzte Zellen berücksichtigt und sie in allen Fallen mit 
denjenigen unerfrorner Blätter vergleicht oder nöthigenfalls in Oel 
präparirt, so darf man wohl zuversichtlich annehmen, dass in dieser 
Hinsicht jede Täuschung ausgeschlossen sei. 

Zur Herstellung konstant niedriger Temperaturen verwendete 
ich einen zwar einfachen, aber sehr brauchbaren Kältemischungs- 
apparat, dessen Einrichtung mit wenigen Worten beschrieben ist. In 
ein massig grosses Becherglas von 15 Ctm. Durchmesser wurde ein 
ungefähr 3 Ctm. breiter Korkring eingepasst, der wieder zur Auf- 
nahme eines zweiten kleineren und mit Papier ausgefütterten Becher- 
glases bestimmt war. In letzteres brachte man die zum Versuche 
bestimmten Blätter, verschloss es sodann mit einer Korkscheibe, durch 
welche ein Weingeistthermometer gesteckt wurde, und füllte nun den 
Zwischenraum zwischen beiden Gläsern mit der jeweiligen Källe- 
mischung*) aus. Der ganze Apparat wurde schliesslich in ein grös- 
seres Gefäss gebracht und rings mit Strohhäcksel umgeben, so dass 
nur die Thermometerröhre daraus hervorragte. Es gelang derart jede 
beliebige Temperatur von — 15® C. während der ganzen Versuchs- 
dauer vollkommen konstant zu erhalten. Letztere betrug jedesmal 
sechs Stunden. Nach Entfernung des kleinen Becherglases aus der 
Kältemischung erfolgte das Aufthauen der gefrorenen Blätter ziemlich 
rasch. Doch vergingen immerhin 10 — 15 Minuten, bis die Weingeist- 
säule um ebensoviele Theilstriche der Skala gestiegen war. Ein lang- 
sames Aufthauen lässt sich bloss im Kältemischungsapparate selbst 
erzielen, wobei allerdings die Dauer der Frostwirkung in's Unbe- 
stimmte verlängert wird. Bei der Vergleichung der Resultate muss 
hierauf selbstverständlich Rücksicht genommen werden. Die nach- 



*) Für meine Zwecke genügte zerkleinertes Eis und Kochsalz in ver- 
schiedenen MischungsverhäUnissen. 

20* 



252 

folgenden Temperaturangaben beziehen sich übrigens ausschliesslich 
auf Versuche, deren Abschluss in einem raschen Auft hauen der 
Blätter bestand. Bei langsamem Aufthauen war zur Erzielung des- 
selben Effektes eine durchschnittlich um 2 — 4® C weiter gehende 
Temperaturerniedrigung nöthig. 

Die Versuche wurden mit den Blättern folgender Pflanzen durch- 
geführt: 

Mnium cuspidatum, Allium Cepa^ Triticum vulgare^ Ävena safiva, 
Zea Mais, Viola odorata, Brassica oleracea, Beta vulgaris, Sempervivnm 
globiferum, Sedum acre^ Taraxacum officinale, Nicotiana Tahacumy 
Hedera Helix. Es waren hier demnach mancherlei Gegensätze im Bau 
und in der Empfindlichkeit der Blätter vertreten. 

Massige Temperaturerniedrigungen von — 2® C. bewirkten selbst 
nach raschem Aufthauen noch keine nennenswerthe Veränderung in 
der Constitution des Zellinhaltes, und was uns hier zunächst interes- 
sirt, der Chlorophyll körner. Selbst das so empfindliche Blatt des Ta- 
baks blieb vollkommen turgescent. Die Chlorophyllkörner behielten 
ihre wandständige Lage und erschienen bloss schwach kernig. Durch 
schwächere Froslwirkungen kann eben noch keine dauernde Stö- 
rung der Gleichgewichtslage zwischen den Molekülen des Imbibitions- 
wassers und denjenigen der organischen Substanz bewirkt werden. 

Von merkbarem Einflüsse auf das Chlorophyllkorn sind erst 
Temperaturen unter 3^ C. und macht sich derselbe in sehr verschie- 
dener Weise gellend. Am häufigsten tritt Vacuolenbildung auf, 
welche in ihrem Anfangsstadium den Chlorophyllkörnern ein fein- 
kerniges Aussehen*) verleiht: Viola odorata, Taraxacum officincUe, 
Avena sativa, Allium Cepa u. a. Nach einem Froste von 6 — 8** C- 
erscheint dann das Chlorophyllkorn sehr deutlich punktirt oder mü 
einer seitlichen Vacuole versehen. Bei Allium Cepa sind nicht selten 
zwei Vacuolen vorhanden, die sich schliesslich vereinigen und nun 
ein farbloses Bläschen mit grünem Protoplasmagürtel darstellen. Es 
waren hier überhaupt alle diejenigen Veränderungen erkennbar, welche 
an frei im Wasser befindlichen Chlorophyllkörnern zu beobachten 
sind. Das übrige Protoplasma dagegen zeigte mit seltenen Ausnahmen 
gar keine mikroskopisch wahrnehmbare Vacuolenbildung. 

Es fragt sich nun, auf welche Weise die durch den Frost be- 
wirkte Entstehung von Vacuolen in den Clilorophyllkörnern zu er- 
klären sei? Es lässt sich hier folgende Alternative stellen: Entweder 
stammt das zur Vacuolenbildung erforderliche Wasser von aussen^ 
d. h. aus dem die Chlorophyllkörner umgebenden Protoplasma, oder 
es tritt das Imbibitionswasser des Chlorophyllkorns selbst zu Vacuolen 
zusammen. Die Wahrscheinlichkeit des ersteren Falles wurde bereits 
oben angedeutet; doch ist derselbe nur unter der Voraussetzung denk- 
bar, dass der Frost die Difiusionseigenschaflen des Chlorophyllkorns 
im Gegensatze zum übrigen Protoplasma nicht beeinflusse, dass seine 



*) Nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls kernigen Aussehen bestimmter 
Partien des Protoplasmas im normalen Zustande. 



253 

Molekularstruktur im Wesentlichen unverändert bleibe. Der zweifel- 
los sichergestellte geringere Wassergehalt des Chloropliyllkorns stimmt 
hiermit vollkommen überein. Auch ist die oft bedeutende Volumsver- 
grösserung der Chlorophyllkörner erfrorner Blätter, namentlich beim 
Auftreten seitlicher Vacuolen, bloss durch die Aufnahme von Wasser 
durch Diffusion erklärbar. Andererseits wäre es wohl kaum verständ- 
lich, warum sich das Imbibitionswasser des Chlorophyllkorns, nachdem 
es durch den Frost von der protoplasmatischen Unterlage abgeschieden 
worden, in Vacuolen sammeln und nicht vielmehr aus der „porös" 
gewordenen Substanz vollständig abfliessen sollte. 

Ein wesentlich anderes Verhalten, als das so eben geschilderte, 
zeigten die Chlorophyllkörner von Sedum und Sempermvum. Selbst 
nach Temperaturen von min. 8 — 12® C. trat keinerlei Vacuolenbildung 
auf, und ihre Form blieb auch bei vollständiger Contraction des Proto- 
plasmaschlauches ganz unverändert. Nur hie und da verschmolzen 
zwei benachbarte Körner zu einem einzigen biscuitförmigen Korne. 
Nicht selten waren sie, so lange der Protoplasmaschlauch noch intakt 
blieb, ringsum von einem Vacuolenkranze umgeben. Es dijrfte bei 
dem gegenwärtigen Stande unserer Kenntnisse über die Struktur und 
die physikalischen Eigenschaften des Protoplasmas ziemlich schwer 
fallen, das eben besprochene abweichende Verhalten in befriedigen- 
der Weise zu erklären. Vielleicht hängt es mit der immergrünen 
Natur der Blätter zusammen. 

Auch die Chlorophyllkörner des Maisblattes sind selbst nach 
starken Frösten vacuolenfrei, unterscheiden sich aber von den früher 
genannten durch die grosse Veränderlichkeit ihrer Form. Schon 
nach einer Temperatur von 4® C, erscheinen die früher schön run- 
den Körner arg verzerrt, in die Länge gezogen oder dreieckig, ohne 
dass die Contraction des Protoplasmaschlauches bereits erfolgt wäre. 
Nichtsdestoweniger ist diese Verzerrung der Chlorophyllkörner zwei- 
felsohne eine Folge der geänderten, ungleichen Spannungsverhältnisse 
im gcsammten Protoplasma des Zellleibes. Dass diese Erscheinung mit 
der Contraction des Protoplasmaschlauches in näherem Zusammen- 
bange stehe, ist übrigens nicht so ganz gewiss, als es anfänglich er- 
scheinen mag. Ich erinnere nur an das Verhalten der Chlorophyll- 
körner von Sedum und Sempervivum^ deren kreisrunder Contour 
auch nach vollständiger Contraction des Protoplasmaschlauches keine 
Veränderung erleidet. 

Nicht selten tritt in Folge der Frostwirkung eine Ballung der 
Chlorophyllkörner ein. So wurde bereits von Kraus*) beobachtet, 
dass die Chlorophyllkörner der Coniferennadeln im Winter sich gegen 
das Innere der Zelle zurückziehen, sich dort anhäufen und derart 
eine ganz charakteristische Winterstellung einnehmen. Bei NicoUana, 
Viola, Taraxacum und anderen reiclit schon eine Temperatur von 



*) G. Kraus, Beobachtungen über die winterliche Färbung immergrüner 
Gewächse. Sitzungsbericht der phys.-med. Societät zu Erlangen, Botan. Zeitg. 
1872, p. 558 ff., 1874, p. 406. 



254 

4 — e* C. hin, um das Zusammentreten von 3 — 5 Chlorophyllkörnern 
zu einem kleinen Klümpchen herbeizuführen. Doch findet hierbei 
kein Verschmelzen derselben statt; die Umrisse der an ihren Berüh- 
rungsflächen etwas abgeplatteten Körner sind stets deutlich zu er- 
kennen. Auch geht die Ballung keineswegs in allen Zellen vor sich. 
Wie in anderen Fällen ist wohl auch hier die Ursache der Bewe- 
gung im Protoplasma zu suchen und nicht etwa in den Chlorophyll- 
körnern selbst. 

Auch die von Frank*) als Apostrophe bezeichnete Seilen- 
wandstellung der Chlorophyll körner, im Allgemeinen verursacht 
durch ungünstige äussere Umstände, kann in Folge der Frostwirkung 
zu Stande kommen. Ich beobachtete sie ganz deutlich bloss an Mninm 
cuspidatum und Allinm Cepa, und zwar erst bei ziemlich tiefen 
Temperaturen (10—12® C). 

Lässt man die Blätter bei einer Temperatur von 12 — 15" C. 
unter Null gefrieren, so sind die Veränderungen, welche mit den 
Chlorophyllkörnern vor sich gehen, zumeist schon so tiefgreifende, 
dass man von einer mehr oder minder vollständigen Zerstörung 
derselben sprechen kann. Gewöhnlich (Allium^ Triticnm^ Avena, Beta 
etc.) ist dann die Zelle von einer grünen, krümeligen Masse erfüllt, 
in welcher nur mehr stellenweise die Contouren einzelner Chloro- 
phyllkörner zu sehen sind. Sie erscheinen dann stets bedeutend klei- 
ner als im normalen Zustande, halbmond- oder S-förmig verzerrt, 
dunkel und gleichsam wie ausgepresst. Mechanische und molekulare 
Aenderungen vereinigten sich, um ihre Zerstörung zu vollenden. 

Den Chlorophyllkörnern gewisser Pflanzen vermag übrigens 
selbst die intensivste Frostwirkung, welche bei unserem Klima mög- 
lich ist, kaum etwas anzuhaben. Jedes thatsächlich immergrüne 
Blatt führt auch im Winter durchaus unversehrte Chlorophyllkörner. 
Es ist diess nach dem Vorausgegangenen eigentlich selbstverständ- 
lich, da derlei Blätter durch den Frost überhaupt keinen Schaden 
erleiden, und die Zerstörung jener Inhaltskörper der Zelle ja erst bei 
viel niedrigeren Temperaturen erfolgt, als das Erfrieren der Blätter. 

Nicht alle Chlorophyllkörner ein und desselben Blattes sind 
durch den Frost in gleichem Masse zerstörbar. Diejenigen z. B., 
welche grössere oder kleinere Stärkeeinschlüsse enthalten, zerfallen 
merkwürdig rasch, indem sich ihre grüne Umhüllung im farblosen 
Protoplasma auflöst, und die einzelnen Stärkekörnchen auseiiiander- 
treten. An Veilchenblätlern konnte ich diesen Vorgang schon nach 
einer Temperaturerniedrigung auf 4—6® C. beobachten. — Auch die 
Chlorophyllkörner der verschiedenen Gewebsformen des Blattes 
zeigen solch ein verschiedenes Verhalten. Diejenigen des Schwamm- 
parenchyms sind ausnahmslos bedeutend resistenter, als die des Palli- 
sadenparenchyms; noch widerstandsfähiger sind die Chlorophyllkörner 
der Spaltöffhungszellen, was namentlich schon an den sonst so empfind- 



*) B. Frank, Ueber die Veränderung der Lage der Chloropbyllkömer etc. 
Jahrb. f. wissensch. Botanik, 4872, p. 216 ff. 



255 

liehen Blättern des Tabaks ersichtlich wird. Die genannten Zellen ent- 
halten hier selbst nach einer Temperatur von — 12® C. durchgehends ' 
noch unversehrte Chlorophyllkörner, während die Zellen des eigentlichen 
Mesophylls schon längst mit grüngefärbten, krümeligen Protoplasma- 
massen erfüllt sind. 

Um zu bestimmen, ob auch das Alter der Blätter auf die 
Zerstörbarkeit des Chlorophyllkorns einen merklichen Einfluss ausübe, 
Hess ich Blätter von Viola odorata in fünf verschiedenen £ntwick- 
lungsstadicn bei einer Temperatur von — 10® C. gefrieren. Es stellte 
sich jedoch^ was einigermassen überraschen muss, durchaus kein 
Unterschied im Erhaltungszustande der Chlorophylikörner heraus. Sie 
waren alle, mochten sie dem ältesten oder dem jüngsten Blatte ange- 
hören, zwar sehr stark kernig, im Uebrigen aber unverändert. Die 
grosse Empfindlichkeit junger Blätter gegenüber der Wirkung des 
Frostes scheint also bloss auf der grösseren Zartheit ihrer Zellmem- 
bran und nicht auch des Protoplasmas zu beruhen. — 

Die Resultate der vorliegenden Untersuchung lauten demnach 
in Kürze zusammengefasst folgendermassen: 

1. Die Chlorophyllkörner erleiden erst bei einer Temperatur \on 
min. 4 — 6^ C. eine merkbare Veränderung und werden bei 12 — 
15® C. vollständig zerstört. Ausgenommen sind hiervon die Chloro- 
phyllkörner immergrüner Gewächse, 2. Der Einfluss des Frostes 
macht sich bemerkbar: a) durch Vacuolenbildung, b) durch Form- 
verzerrung, c) durch Ballung der Körner in grössere oder kleinere 
Klümpchen, d) durch das Zustandekommen der Seitenwandstellung. 
3. Die mit Stärkeeinschlüssen versehenen Chlorophyllkörner werden 
leichter zerstört, als die stärkefreien. 4. Die Chlorophyllkörner des 
Pallisadenparenchyms sind leichter zerstörbar als diejenigen des 
Schwammparenchyms, und diese leichter als die der SpaltöiTnungs- 
zellen. 5. Das Alter der Blätter übt auf die Zerstörbarkeit der Chlo- 
rophyllkörner — bei Viola odorata wenigstens — keinen wahrnehm- 
baren Einfluss aus. 



Dianthus JiaczoniS (deltoidesxsuperhus). 

Ein neuer Nelkei^bastar t, 
Beschrieben von Dr. P. Ascherson. 

Am 2. d. M. machte ich in Begleitung meines verehrten Kol- 
legen Dr. 0. Brefeld und einer Anzahl Studirender einen Ausflug 
nach den Umgebungen des 12 Kilom. südöstlich von hier an der Spree 
gelegenen Städtchens Köpnick, wo sich uns der Lehrer G.Lehmann 
von dort, ein um die Flora der Provinz bereits durch mehrfache 
interessante Funde verdienter junger Mann, anschloss. Das Ziel un- 
serer Exkursion war eine räumlich ziemlich beschränkte trockene 



256 

Wiesenfläche am Ufer des der Spree von Norden zufliessenden Baches 
Wühle, etwa 2 Kilom. nordwestlich von der Eisenbahnstation Köpniok, 
wo Herr Lehmann bereits vor mehreren Jahren eine Anzahl in un- 
serer Gegend wenig verbreiteter Arten aufgefunden hatte. Derartige 
trockene Wiesenflächen gehören zu den i reichhaltigsten Fundorten 
unserer Flora. Ich erinnere nur an die bekannten Rudower Wiesen, 
welche ebenso wie die Köpnicker Fundstelle in der weiten Alluvial- 
ebene des Spree- (ehemaligen Oder^) Thaies auf dem linken Ufer 
des Flusses gelegen sind und in ihrer Flora eine grosse Ueberein- 
stimmung mit dem Fundorte an der Wühle zeigen. An letzterem 
kommen an bei uns weniger häufigen Arten vor: Trollitts euro- 
paeus L, Polygala comosa Schk., Dianthus superbus L., Trifolium 
montanum L., Pimpinella magna L., Peucedanum Oreoselinum (L.) 
Mnch., Las^pitium prutenicum L., Galium boreale L., Inula salicina 
L., Serratula tinctoria L., Achyrophorus maculatus (L.) Scop., Cam- 
panula glomerata L., Gentiana Amarella L., Betonica o/ficinalis L., 
Äceras pyramidalis (L.) Rchb. fil. (hier und auf den Rudower Wie- 
sen die einzigen Fundorte in der Provinz), Orchis militaris L., O. 
coriophora L., Anthericus ramosns L., Tofieldia calyculata (L.) Wah- 
lenb., Carex paradoxa Willd., C caespitosa L. (C. Drejeri Lang.)) 
(7. montana L., C. fulva Good. (C. Hornschuchiana Hoppe), Ophio- 
glossum vulgatum L. 

Als wir diese reiche Fundstelle bereits verlassen und den Rand 
des angrenzenden Kiefernwaldes überschritten hatten, brachte mir 
einer meiner Zuhörer, stud. phil. Hermann Krause von Görlitz, ein 
Exemplar einer Nelke, die sich auf den ersten Blick von den bei 
uns vorkommenden Arten unterschied. Die tief eingeschnittenen, am 
Rande in schmale Zipfel getheilten Blumjenblätter und der schwache 
Wohlgeruch erinnerten an Dianthus superbus, doch Hess die Pfirsich- 
blüthfarbe der viel kleineren Blume mit minder zerschlitzten Petalis 
kaum einen Zweifel, dass hier eine Bastartform dieser Art mit einer 
unserer rothblüthigen Nelken vorliegen müsse. Von solchen war in 
der Nähe nur D, deltoides L. und zwar sehr reichlich zu finden; 
auch die Merkmale deuten auf die Betheiligung dieser Art und nicht 
etwa des sonst bei uns häufigen, an dieser Stelle indess nicht beob- 
achteten D. Carthusianorum L. 

Die sofort angestellten Nachforschungen nach weiteren Exem- 
plaren, für die uns indess wenig Zeit mehr zur Verfügung stand, 
blieben ohne Erfolg; dagegen theilte mir Herr Lehmann mit, dass er 
dieselbe Pflanze bereifs vor einem Jahre an einem anderen Fundorte 
bei Köpnick gefunden, indess für eine Form des D. deltoides gehalten 
habe. In der That legte er mir einige Tage später das Exemplar vor, 
welches nahezu mit dem von mir selbst am Fundorte gesehenen 
tibereinstimmt. Auch an der zweiten Lokalität, einem Waldrande un- 
weit des Dorfes Glienicke bei Köpnick, etwa 5 Kilometer von der 
Wiese an der Wühle entfernt, auf dem linken Spreeufer, wurde nur 
ein einziger Strauch zwischen zahlreichem D. deltoides beobachtet, 
wahrend />. superbus auf der angrenzenden Wiese vorkommt. Nach 



257 

der BeschaOenheit des Fundortes lässt sich mit grosser Walirscheiii'- 
llchkeit annehmen, dass in beiden Fällen D. deltoides die Mutter, 
D. superbus der Vater war. Diese meines Wissens noch unbeschrie- 
bene Bastartform, die indess bei der weiten Verbreitung der Stamm- 
arten wohl noch an vielen Orten aufgefunden werden dürfte, benenne 
ich nach jenem Wendenfürsten, den die Sage in Köpnick residiren 
lässt und mit Albrecht dem Bären, dem Wiederhersteller der deutschen 
Kultur in der Mark Brandenburg, in Beziehung bringt. Ihre Beschrei- 
bung ist folgende: 

Dianthtis Jaczonis Aschers, (deltoides X, superbus). 

Rhizoma? caules graciles » 0*18 — 0*2 m. alti, 1 — 2- 
flori, e basi decumbenti ramulos breves dense foliatos D. deltoidis 
cauliculos aemulantes protrudentes, scabro-puberuli; folia lineari-lan- 
ceolata viridia, margine et in nervis subtus scabro-puberula, vaginis 
eorum latitudinem aequantibus sufTulta, inferiora obtusiuscula, supe- 
riora acuta 0*03 m. vix aequantia, summa diminuta; flores solitarii; 
bracteao calycinae 4nae vel rarius 2nae, viridiusculae vel sub- 
coloratae, ovato-ellipticae, breviter vel subaristato-acuminatae, tubi 
calycini 0*015 m. longi, 0*0025 m. lati, Ys aequantes; petalorum lamina 
001 — 0*012 m. longa in lacinias lanceolato-lineares hinc inde bi- vel 
trifidas areolae intermediae obovato-oblongae latitudinem aequantes sub- 
pinnatifido-divisa. 2|. 

Habitat in provincia Brandenburgensi prope Köpnick ad pine- 
torum pratis D. superbo ornatis conterminorum margines cum D. deltoi^ 
de parce. Floret Julio, Augusto. Petalorum lamina supra persicina, 
basi albovirens pilis hyalinis barbata, annulo purpureo angusto sub- 
interrupto ad faucem, supra annulum maculis paucis albis ornata, sub- 
tus pallidior. 

Wie aus dieser Beschreibung zu ersehen, gleichen die vegeta- 
tiven Organe (namentlich an dem Lehmann'schen Exemplare) mehr 
dem D. deltoides, an den besonders die deutliche Behaarung des 
Stengels und der Blätter und das geringe Ausmass der letzteren er- 
innert, dagegen an den allerdings kleineren Blüthen die Einwirkung 
des D. superbus durch den Zuschnitt der Petala unverkennbar ist. 
Die Kelchröhre ist bei annähernd gleicher Länge schlanker als bei 
D. deltoides^ aber verhältnissmässig dicker als bei D. superbus; die 
Gestalt und das Längenverhältniss der Kelchschuppen und die Färbung 
der schwächer als bei D. superbus wohlriechenden Blumen hält die 
Mitte zwischen beiden Stammarten. 

Von den Arten der deutschen Flora hat D. caesius Sm. wegen 
der hellrothen tief eingeschnittenen Petala eine gewisse Aehnlichkeit 
mit den Bastarten der Gruppe des D, plumarius mit den Arten mit 
ungetheilten purpurnen Blumenblättern; ich selbst habe früher D, 
Carthusianorum>< arenarius mit dieser Art verwechselt (vergl. See- 
haus in Verh. des Bot. Vereins Brandenburg 1873, S. 107). 

Von unserem D. Jaczonis unterscheidet er sich leicht durch die 
Kahlheit und graugrüne Farbe der vegetativen Organe; die Gestalt 



?58 

der Blumenblätter ist viel breiter und die Einschnitte nicht fiederig, 
sondern fingerförmig gestellt. 

Ob die unvollkommene BeschaflTenheit des Pollens, unter dem 
sich neben normalen zahlreiche verschrumpfte Zellen finden, auf die 
hybride Entstehung oder auf den Blüthendimorphismus (beide vor- 
liegende Exemplare sind gynodynamisch) zurückzuführen ist, lasse 
ich dahin gestellt. 

Ein besonderes Interesse hat, bei den nahen Beziehungen des 
D, deltoides L. zu D. afpinus L., welche Kerner in der Bot. Zeitschr. 
1865, S. 211 kennen gelehrt hat, ein Vergleich des D. Jaczonis mit 
dem im Innsbrucker botan. Garten durch Kreuzung des D, superbus 
mit D. alpinus entstandenen D. oenipontanus Kern. (a. a. 0. S. 209). 
Freilich besitze ich von letzterem nur Exemplare, deren Tracht 
sich, vermuthlich durch die lang fortgesetzte Kultur in lockerem 
Gartenboden, so verändert hat, dass sie der Originalbeschreibung 
nicht mehr entspricht. Aus der niedrigen zweiblüthigen Pflanze ist 
ein stattliches, grossblättriges, die Höhe von 0*3 M. überschreitendes 
Gewächs mit büschlig genäherten, bis zu 5 stehenden Blumen ge- 
worden. Abgesehen von diesen äusseren Merkmalen entspricht sie in 
der Gestalt und im Ausmass der Blüthentheüe noch der a. a. 0. ge- 
gebenen Beschreibung und unterscheidet sich von D. Jaczonis durch 
viel grössere Blumen mit längerem und dickerem Kelche und Kelch- 
schuppen, die, länger und länger gespitzt, die halbe Länge des Kel- 
ches übertreflbn. Jedenfalls erscheint es gerechtfertigt, mag man auch 
mit Kerner den D. alpinus für eine den Kalkalpen eigene Form des 
D. deltoides halten*), die aus der Kreuzung des typischen D. del^ 
toides mit D, superbus hervorgegangene Form mit einem eigenen 
Namen zu belegen. 

Man kennt nunmehr, so viel ich ermitteln konnte, aus der 
Gattung Dianthus im deutschen Reich und in Oesterreich-Ungarn 
folgende 7 Bastartformen (vergl. auch Just Botan. Jahresbericht für 
1874, S. 612): 

1. D. Leitgebii Reichardt in Verh. zool.-bot. Ges. 1873, 561 
(barbatus X superbus') ob = D. Court oisiiRdxb.? Buddenhagen bei 
Wolgast, Selkethal am Harz, Götlweig. 

2. D. Mikii Reich. ibarbatusXmonspessulanus) in Verh. zool.- 
bot. G. 1867 331. Görz. 

3. D. Helltoigii Borbäs (D. Armeria X deltoides). Schlesien, 
Brandenburg, Posen, Preussen, Rheinpfalz (?), Nädasd im Borsoder 
Komitate. ' 

4. Z>. Carthusianorum X deltoides flaussknecht Verh. d. Botan. 
Vereins Brandenburg 1871, S. 118. Thüringen, zw. Cumbach und 
Ober-Preilipp bei Rudolstadt. (Es empfiehlt sich, jeden Bastart mit 



*) So lange die allerdings höchst auffallenden Angaben dieses eminenten 
Beobachters nicht durch erneute experimentelle Prüfung widerlegt sind, haben 
ZNveifel an der richtigen Deutung seiner Beobachtungen keine wissenschaftliche 
Berechtigung. 



259 

einem einfachen Namen zu belegen; da der Name D. Haussknechtii 
durch Boissier [Fl. or. 1. 489] schon an eine von dem berühmten 
Reisenden im östl. Kleinasien aufgefundene Art vergeben ist, stelle 
ich dem Entdecker die Wahl eines anderen anheim.) 

5. D. Lucae Aschers. (J9. CarthusianorumXarenarius). Bran- 
denburg, Posen, Pommern. Ich belege diese Form mit dem Namen 
ihres ersten Entdeckers, des Lehrers C Lucas in Charlotten bürg, 
welcher sie auf der Insel Wollin auffand, nach welchen Exemplaren 
sie Dr. G. Schweinfurth (Verh. d. Bot. Ver. Brandenb. 1870 S. 205) 
zuerst beschrieb und (Taf. III, 13) abbildete. 

6. D. Jaczonis Aschs. (D, deltoidesXsuperbus) und 

7. D. oenipontanus Kern. (D. alpinusXsuperbtis), s. oben. 

Schliesslich Iheile ich noch mit, dass mir Hr. Lehmann gleich- 
zeitig^ mit D. Jaczonis eine andere Novität für die Flora der Provinz 
mittheilte: Scutellaria minor L., von Kuhwinkel bei Perleberg, wo 
er sie schon im Sept. 1873 auffand. Ich habe in meiner Flora der 
Provinz Brandenburg L S. 538 diese Art nur aus dem angrenzenden 
Anhalt'schen anführen können, indess, da sie ausser aus dem nord- 
westlichen Deutschland auch aus dem Königreich Sachsen bekannt 
war, die Vermuthung ausgesprochen, dass sie noch innerhalb des 
Gebietes aufzufinden sein werde, welche Voraussicht sich nunmehr 
bestätigt hat. 

Berlin, 10. Juli 1876. 

Nachschrift. 

So eben habe ich in der Sammfung meines Freundes Hauss- 
knecht den D, Carthusianorumyc^deltoides gesehen, welchen der- 
selbe zu Ehren des Apothekers Dufft in Rudolstadt, eines eifrigen 
Erforschers der dortigen Flora D. Dufftii nennt; derselbe zeigte mir 
auch D. Leitgebii Reich. (D. barbatusXsuperbus) von einer kürz- 
lich von ihm aufgefundenen neuen Lokalität, dem unfern von hier 
gelegenen Parke von Belvedere. 

Weimar, 12. Juli 1876. 



Die Vegetations-Verhältnisse des mittleren und östlichen 
Ungarns und angrenzenden Siebenburgens. 

Von A. Kerner. 
LXXXVL 

1539. Corylm Avellana L. — Im miltelungar. Berglande in der 
Matra bei Paräd, Jänosküt und Recsk; auf dem Nagyszäl bei Waitzen, 
bei Gross Maros in der Magustagruppe; in der Pilisgruppe bei Vise- 
grad, Set. Andrae und P. Csaba, auf dem Piliserberg, nächst dem 



n 



260 

Leopoldifelde, auf dem Johannisberg, bei dem Saukopf und Norma- 
baum, dann auf dem Schwabeoberg und im Wolfsthale bei Ofen. Auf 
der Kecskemeter Landhöhe in dem Waldreviere zwischen Monor und 
Pills, bei Gödöllö, auf dem Erdöhegy bei Nagy Kata und als Unter- 
holz in dem Wäldchen bei Szt. Märton Kata im Tapiogebiete. Auf 
der Debrecziner Landhöhe zwischen Debreczin und Nyiregyhäza. Im 
Bihariagebirge bei Grosswardein, Vasköh, Pötrosa und Rözbänya, in 
der zerrissenen Randzone des Batrinaplateaus im Pulsa- und Galbina- 
thale, im Valea söcca, auf der Piötra lunga und nächst dem Ein- 

Sänge zur Höhle ober Fenatia, auf siebenbürgischer Seite im Valea 
dincutia; in der Piesiugruppe auf dem Mom&, t)ei Mon^sa und auf 
der Kuppe des Plesiu; im Thale der weissen Koros bei Halmadiu und 
Körosbänya. — Sienit, Porphyrit, Trachyt, Schiefer, Kalk, tert. und 
diluv. Lehm- und Sandboden. 95—1120 Met. — (Fehlt in der Tief- 
ebene; doch wird sie daselbst hie und da kultivirt, und im Garten 
des Dr. Gessner in Tapio Szelle sah ich Sträucher, welche reichlich 
Früchte entwickelten.) 

1540, Corylus tubulosa Willd. — Nach Sadler Fl. Com. Pest. 
458 „hinc inde spontanea." — Von mir im Gebiete wildwachsend 
nicht beobachtet. 

Corylus Columa L. — Bei dem Elisenbrunnen am Fusse der Slanitzka 
nächst P. Csaba eine Gruppe stattlicher Bäume mitten im Walde, die aber nach 
Mittheilung des Försters m P. Csaba. Hrn. Petzrik, seinerzeit gepflanzt wurde. 

1541. Carpinus Betulus L. — Im mittelungar. Berglande bei 
Recsk und Paräd in der Matra; auf dem Nagyszäl bei Waitzen; in 
der Magustagruppe bei Zebeg^y und Gross Maros; in der Pilisgruppe 
bei Set. Andrae, Visegrad, Dömös, Gran,, auf dem Dobogokö, Kishegy 
und Piliserberg, auf dem Johannisberg, Dreibrunnberg, Schwabenberg 
und im Wolfsthale bei Ofen. Im Bereiche des Bihariagebirges auf dem 
tertiären Vorlande von Grosswardein über Felixbad, Lasuri, Robogani, 
Hollodu nach Belönyes; in der Umgebung von Petrosa, im Thale ein- 
wärts bis zur Vereinigung des Galbina- und Pulsathales, im Poiena- 
thale bis hinter die Schmelzhütte am Fusse des Bohodei; in der Um- 
gebung von Rözbänya im Werksthale, auf der Stanösa, Piötra lunga 
und dem Dealul vetrilor; am Fusse des Dealul mare bei Criscioru; 
auf dem Vasköher Plateau bei Colecsi und Rescirata und auf dem 
Vervul ceresilor; in der Piesiugruppe bei Monesa und Desna; in der 
Hegyesgruppe bei Slatina und im Thale der weissen Koros über 
Plescutia und Karacs nach Körösbänya. — Sienit, Trachyt, Schiefer, 
Sandstein, Kalk, tert. und diluv. Lehm- und lehmiger Sandboden. 
175— 820 Met. — Nach Frivaldszky auch im Walde der P. Peször 
bei Also Dabas im Tieflande, was ich für unrichtig halle. Möglicher- 
weise wurde sie dort einmal gepflanzt; ursprünglich wild kommt aber 
Carpinus Betulus im ungar. Tieflande nicht vor. Carpinus Betulus 
bildet im Gebiete seilen reine Bestünde, ist aber ein sehr häufiger 
und regelmässiger Bestandtheil des gemischten Laubwaldes. Die schön- 
sten Bäume davon sah ich in der Umgehung von Rt^zbänya und auf 
dem tertiären Vorlande zwischen Grosswardein und Bolenyes. — (Die 



261 

Zipfel der dreilappigeh Fruchthülle sind bald deutlich, bald undeutlich 
gesägt, häufig an einem Rande oder auch völlig ganzrandig. Man 
findet nicht selten ganzrandige und gesägte Fruchthüllen an ein 
und demselben Fruchtstande. Auch der Zuschnitt der Zipfel wechselt 
an ein und demselben Fruchtstande: lineal, länglich und länglich- 
lanzettlich. C, Carpinizza Host ist demnach als Syn. zu C Betulus 
L. zu ziehen. — Es ist übrigens auch unrichtig, dass die Romanen 
diese Baumart j^Carpinizza^ nennen. Bei den Romanen des östlichen 
Ungarns heisst dieser Baum durchwegs yjCarpinu^^ und bei Vasköh 
findet sich ein Dorf, welches mit Bezug auf das nahe Vorkommen 
eines Bestandes aus Carpinus Betulus „Carpinetu^ heisst. Dagegen 
wird nach Heuffel von den Romanen des Banales Carpinus duinensis 
Scop. „Carpinizza^ genannt, und es beruht demnach Host's Name 
ohne Zweifel auf einer Verwechslung.) 

Carpinus duinensis Scop. — (C. orientalis Lam.) — Nach Kitaibel 
im Iter Arvense (Verh. d. Zool.-bot. Ges. 1863, p. 95) bei Nagy Marcs in der 
Magustagnippe des ungar. Berglandes. 

Ostrya carpinifolia L. Nach Kitaibel bei Visegrad in der Pilisgnjppe 
des mittelungar. Berglandes. — Beide Angaben unrichtig und auf irgend einer 
Verwechslung oder einem Schreibfehler beruhend. Ich habe die Umgebung von 
Nagy Marcs und Visegrad wiederholt auf das sorgfältigste untersucht und fand 
dort zwar Carpinus BetuLus, aber niemals Carpinus duinensis und ebenso- 
wenig Ostrya carpinifoUa, 



Ueber einige Pflanzen, insbesondere der österr.-ungar. 

Flora. 

Von J. Freyn. 

(Fortsetzung.) 

8. RluBmnus intermedia Steud. et Höchst, in Flora 1827, 
pag. 741 — Rh. infectoria Koch Syn. ed. I. p. 148! ed. 11. p. 162, 
ed. lll. p. 128! — Rchb. German. 487, Neilr. croat. 217! non L. — 
Rh. adriatica A. Jord. Observ. (1849) p. 201 Tommas. Veglia. 

Als Müller im Jahre 1826 Istrien und das kroatische Litorale 
bereist hatte, brachte er unter anderen neuen Funden den Rhamnus 
mit, welcher von Steud. et Höchst, bald darauf unter obigem Namen 
als neu beschrieben wurde. Dieser Strauch scheint aber den Autoren 
nur in unvollständigen Exemplaren vorgelegen zu haben, da sie von 
der Beschaffenheit der Früchte — in dieser Gattung von entschei- 
dender Bedeutung — nichts erwähnen. Indessen besteht trotz dieses 
Mangels über die Identität ihrer Pflanze mit der südistrischen kein 
Zweifel, da daselbst eben nur Rh. intermedia zu finden ist. Nun 
hat aber Koch dieselbe Art in allen drei Ausgaben seiner Synopsis 
als Rh. infectoria angeführt und sehr treffend beschrieben und na- 
mentlich den Hauptcharakter „rima seminum clausa" hervorgehoben. 



262 

Der Name Rh. intermedius Steud. et Höchst, scheint Koch indessen 
entgangen zu sein, denn er führt ihn nicht unter den Synonymen 
seiner Rh. infecioria an^ dagegen thut es Reichenbach^ welcher den 
Strauch ebenfalls als Rhamnus infectoria anführt. Diesem Vorgange 
folgte schliesslich auch Neilreich in den Vegetationsverhältnissen von 
Kroatien mit ausdrücklicher Berufung auf Reichenbach. Inzwischen 
hatte A. Jordan in seinen Observations sur plusieurs plantes nou« 
volles rares ou critiques de la France gelegentlich Beschreibung sei- 
nes Rh. VillarsH die Unterschiede derselben gegen alle Verwandten 
festgestellt und dabei auch die Verschiedenheit des adriatischen Rh. 
infecioria nach der (von Jordan ausdrücklich zitirten) Koch'schen 
Beschreibung gegenüber dem echten Rh. infectoria Linnö's erkannt 
und wie folgt hervorgehoben: „ß. infectoria döcrit par Koch se 
distingue de Y infectoria L. par ses feuilles plus larges, presquo 
arrondies; par ses stipules ^galant le p^tiole; par le sillon de graines 
fermö; par la base du calice fructif^re tout-ä-fait aplanie^; und an 
einer anderen Stelle (pag. 19) wird dem echten Rh. infectoria L. 
ausdrücklich ein „sillon des graines ouvert depuis le milieu jusqu' 
au sommet^ fermö dans le bas^ zugeschrieben. Ebenso, wie also Jor- 
dan der bereits 22 Jahre vor seiner diessbetreifenden Publikation 
aufgestellte Name von Steudel et Höchst, unbekannt geblieben war^ 
ebenso scheint die Arbeit Jordan's den österreichischen Botanikern 
entgangen zu sein — Tommasini ausgenommen^ der mit Jordan in 
direktem Verkehr steht. Es blieb also bei der Koch'schen und Rei- 
chenbach 'sehen Deutung, denn auch Visiani's R. infectoria (Fl. dalm. 
HL 232. t. 371) gehört nach dem Citate Reichb. hieher, und selbst 
Boissier (Fl. Orient. H. 181) schreibt dem Rh. infectoria noch eine 
„rima seminis clausa^ zu. Jordan hat unzweifelhaft das Verdienst, 
den erwähnten Strauch zuerst nach allen Hauptcharakteren richtig 
erkannt und gegen Rh. infectoria L. abgegrenzt zu haben, aber 
ebenso unzweifelhaft ist die Priorität für Rh. intermedia Steud. et 
Höchst, in Anspruch zu nehmen, da die Identität beider Pflanzen 
feststeht, wenn auch die damals gelieferte Beschreibung zu wünschen 
übrig lässt. 

9. Trifolium Sebastiani Savi in diar. flaj. anno 1815. — 
Seb. Mauri Fl. rom. p. 256. t. 5. Fig. II — Caudex ercctus e basi 
adscendente-longe-ramosus vel Simplex, ramisque foliatus. F o I i a 
petiolata foliolis omnibus subsessilibus ovato-lanceolatis denti- 
culatis, margine ciliatis. Stipulao oblongo-lanceolatae basi 
aequilatae cuspidatae. Pedunculus una cum capituliim subae- 
quans. Capituli laterali pedunculati valde laxi hemisphaerici 8 — 
20flori, floribus longo pedicellatis, pedicellis puberulis deflexis 
tubo-calycino 3 — 4 longioribus. Calyx glaber; calycis denies inae- 
quali iis tubum 3 — 4 longiori, glabri, in apicem paulo barbati. Ve- 
xillum cochleariformum, sulcatum denique complicatum. Alae 
subporrectae; legumen vexillo dimidium aequans. Stylo legumine 
quadruple breviore. Corolla persistens flavescens denique fusce- 



263 

scens margine pallidiore. Q Junio. Habitat in silvis frondosis Istriae 
australis prope oppidis Pola perrarum, ul)i delexi anno 1874. 

Distrib. geogr. Italia media et australis; prov. Talusch (Lede- 
bour, Boissier). 

Es ist immerhin möglich, dass diese ziemlich unansehnliche 
Pflanze in den südlichen Gebieten nicht nur Oeslerreichs, sondern 
auch in den türkischen Provinzen bisher übersehen wurde, denn die 
Standorlsangaben zeigen eine gewaltige Lücke. Sehr wahrscheinlich 
ist diese Pflanze in Dalmatien aufzufinden, ist von dort vielleicht so- 
gar unter anderen Namen bereits in die Herbarien gelangt. 

Von den nächstverwandlen Arten der deutschen und österr.- 
ungar. Flora unterscheiden sich: 

T. agrarium L. Pollich (T. procumbens Koch nee. L.) durch 
vielblüthige dichte Köpfchen, niemals gefaltete Fahne, auseinander- 
fahrende Flügel, eiförmige Nebenblätter und gestielte Mittelblättchen. 

T. aureum Pollich (T. agrarium Koch nee L.) durch ebensolche 
Köpfchen und Blüthentheile wie T. agrarium und durch Griflel, welche 
fast so lang wie die Hülse sind. 

T. pafens Schreb. durch auseinanderfahrende Flügel, gleiche 
Griffel wie bei T, aureum, eiförmige, am Grunde herzförmige Neben- 
blätter und langgestielte Mittelblättchen. 

T. procumbens L. (T. minus Sm., T. filiforme Koch.) durch 
Früchte, welche nur wenig kürzer als die Fahne sind, viel kürzere 
Fruchtstiele, eiförmige Nebenbläller und langgeslielte Mittelblättchen. 

T. filiforme L. (T. micranthum Viv., Koch) durch nur 2 — 8blü- 
thige Köpfchen, zuletzt entfernt stehende Blülhen, kürzere Kelchzähne, 
durch Früchte, die nur wenig kürzer als die Fahne sind, und durch 
viel kürzere Blattstiele. 

T. SebasHani ist auf den ersten Blick daran zu erkennen, dass 
alle, auch die obersten Pedicellen vollkommen zurückgekrümmt sind, 
so dass alle Biüthen in der unteren Hälfte des mehr oder weniger 
halbkugeligen Köpfchens gedrängt beisammen sind, während die aus- 
schliesslich von den Blüthenstielen gebildete obere Köpfchenhälfte 
natürlich sehr locker und desshalb durchsichtig ist. 

(Fortsetsung: folgt.) 



Orchis Spitzem Saut. 

Eine Hybride? 
Von Dr. B. v. Hilacsy. 

Für die Botaniker Wien's dürfte es nicht ohne Interesse sein, 
zu erfahren, dass die von Bilimek auf den Abstürzen des Ochsenbodens 
zwischen Bockgrube und Saugraben am Schneeberge zuerst entdeckte 
Orchis Spitzeln Saut.^ von mir nach langjährigem Suchen heuer Mitte 



264 

Juli in der mittleren Krumm holzregion ' der Heuplagge aufgefunden 
wurde. — Im vergangenen Jahre fand Dr. Heinzel 1 Exemplar der- 
selben Pflanze auf einem von diesem weit entlegenen Standorte^ wo 
sie heuer jedoch von uns Beiden nicht wieder gesehen wurde. 

Wenn ich nun zu dieser objektiven Notiz noch einiges Sub- 
jektive mir anzufügen erlaube, so geschieht es meinerseits nur, um 
eineiv Versuch zu machen, um auf das Richtige in dieser planta raris- 
sima» zu gelangen. Ich fühle mich hiezu nur dadurch berechtigt, dass 
ich die Pflanze eben lebend beobachten konnte. Ob ich wirklich das 
Richtige getroßbn, mögen dann Berufenere entscheiden. 

Ich glaube in der Orchis Spitzeln einen Bastart zu erblicken. 
— Die überaus grosse Seltenheit , das stets vereinzelte Auftreten 
(wenn Bilimek, wie ich höre, jedes Jahr mehrere Individuen vom 
Schneeberge holte, so waren es oDenbar Pflanzen derselben Knollen, 
da er stets letztere zurückliess) derselben hier, wie auch in den 
Alpen Tirol's, Salzburg's und Württemberg's, abgesehen von dem 
zweifelhaften Standorte in Bosnien; — das Vorkommen derselben 
unter einer grossen Menge anderer Orchideen, wie 0. mascula^ 
maculata und Gymnadenien, lassen die Vermuthung einer Hybridität 
schon a priori gut zu. Bestärkt wird man in dieser nur noch mehr, 
wenn man die Charaktere dieser die 0. Spitzelii umgebenden Or- 
chideen näher in's Auge fasst. — Die Gymnadenien als grundver- 
schieden , kommen nicht in Betradit , dafür aber 0. mascula und 
maculata. Für den ersten Blick machte 0. Spitzeln ganz den Ein- 
druck der ersteren auf mich. — Ich kann daher auch Neilreich's 
Angabe, dass sie die Tracht der 0. Moria habe, durchaus nicht 
theilen. Mit diesen hat sie gewiss gar nichts gemein. — Freilich 
sind dann der nach abwärts gerichtete Sporn und die nicht zuge- 
spitzten Perigonzipfel wesentliche Unterscheidungsmerkmale. 

Im Ganzen liesse sich das Ererbte von den muthmasslichen 
Eltern (0. mascula et maculata) folgendermassen herleiten. 

Von 0. mascula besitzt 0. Spitzelii die länglichen, ungetheilten 
Knollen ; die Blätter, von welchen die unteren mit jener der 0. mcw- 
cula vollends übereinstimmen, während die oberen dieser nur an dem 
einen der beiden von mir gefundenen Exemplare durch ein schei- 
denförmiges Blatt vertreten sind; die etwas lockere, längliche Aehre; 
die Nervatur der Deckblätter; die im Mittellappen grössere Honig- 
lippe; die Farbe der letzteren, wie auch jene des Sporns und der 
Deckblätter und endlich den sogenannten Habitus; von 0. maculata 
die Länge der Deckblätter; die stumpfen Perigonzipfel; den walzlichen 
nach abwärts gerichteten Sporn und die Länge des letzteren. 

Es wäre somit wahrscheinlicherweise 0. Spitzelt = 0. mascula 
X maculata^ was aus weiteren eingehenderen Untersuchungen an 
'einer grösseren Anzahl von Individuen, als mir vorläuflg zu Gebote 
stehen, vorbehalten bleiben möge. 

Alles dieses gilt für die Pflanze vom Wiener Schneeberge. — 
Ob die Tiroler 0. Spitzelii (von den übrigen Standorten habe ich 
keine) dieselben Charaktere bietet, vermag ich an den mir vorgele- 



265 

genen getrockneten Exemplaren nicht zu entscheiden, da Orchideen 
meines Erachtens nur im frischen Zustande studirt werden können. 

Ich benütze diese Gelegenheit zugleich , um das Vorkommen 
eines für die Flora Niederösterreichs neuen Orchideenbastarts, der 
Gymnadenia intermedia Peterm. (conopsea X odoratissima)^ eben- 
falls am Schneeberge, anzuzeigen. Ich fand denselben unter den 
Eltern, in einem Exemplar, in der Nähe des Saugrabens. 



Verzeiehniss 

der 

im Golfe von Triest gesammelten Meeralgen. 

Von F. Hauck. 
1. N a c h t r a g. 

271. Centroceras claeulatumJiAgO Mont. (J. Ag. Spec. Alg. p. 148.) 
Miramar. Selten. ^ 

Die Exemplare gehören zur Form vpn Centroceras micra- 
canthum Kg. tab. phyc. Band 18. Taf. 18. 

272. Polysiphonia foeniculacea (Drap.) J. Ag. (Spec. Alg. p. 1012.) 
Im Hafen von Monfaicone vom Frühjahr bis zum Herbste. 

273. Sphacelaria rigida Hering. (Kützing tab. phyc. Band 5. Taf. 90.) 
Triest — im Juni — an Cystosira abrotanifolia. Die reichlich 
Brutknospen tragenden Exemplare stimmen genau mit denen des 
rothen Meeres und der zitirten Kützing'schen Abbildung. 

274. Vaucheria püoboloides Thur. (Le Jolis, Algues ' marines de 
Cherbourg p. 65. PI. I. Fig. 4, 5.) Pirano. Im Juni fruktifizirend. 
An schlammigen Stellen im Meere. Ich vermuthe, dass Vaucheria 
Pilus Martens, die ich übrigens noch nie in Frucht sammelte, 
dieselbe Pflanze sei. 

275. Palmophyllum crassum (Naccari) Kg. (Rabenh. flora europ. Alg. 
p. 49). Bei Triest. 



Oeaierr. botM. Zeiitehrift. 8. H«fl. 1876. 21 



266 

Vntersiiehiiiigei 

fiber die 

Ausscheidung von Wasserdampf bei den Pflanzen. 

Von Dr. Carl Eder. 

Im Auszuge mitgetheüt und kritisch beleuchtet von Dr. Alfred Burgersteiiu 

(Schluss.) 

in. Yerdmistiing wasserreleher Plau enthelle und abgeselinltteiier BUtter. 

„Um die Verdunstung durch die schützenden Aussengewebe 
an noch lebenden Pflanzenorganen zu untersuchen^^ benutzte Dr. Eder 
Kartoffel, Aepfel und abgeschnittene Blätter. „Bei der Schwie- 
rigkeit, deren Oberfläche genau zu messen, fand ich keinen anderen 
Ausweg, als meine Vergleiche auf gleiche Gewichtsmengen und 
Zeiträume zu beziehen, obwohl aus Vorhergesagtem zu ersehen, wie 
fehlerhaft dieses Verfahren ist." Dass dieses Verfahren Eder's in 
der That fehlerhaft war, ergibt sich aus den Untersuchungen, welche 
Just*) über die Verdunstung bei geschälten und ungeschälten Aepf ein 
angestellt hat. 

Just sagt p. 21: „Um zur Aufklärung der vorliegenden Frage 
aus den angestellten Untersuchungen einen Schluss zu ziehen, darf 
man jedenfalls nur die Verdunstung von einer bestimmten Ober- 
fläche berücksichtigen. Die Angabe der Verdunstung in Gewichts- 
prozenten ist für den vorliegenden Fall nicht brauchbar. Bei 
den zum Versuch verwendeten Aepfeln entsprechen die Massen durch- 
aus nicht den Oberflächen ..... Ich bin auf diese eigentlich selbst- 
verständlichen Dinge etwas ausführlicher eingegangen, weil sonst bei 
Arbeiten über Verdunstung hierauf nicht immer genügend Rücksicht 
genommen wurde.'' 

Nach einigen allgemeinen Betrachtungen, die Dr. Eder anstellt, 
folgen nun wieder auf 26 Seiten Tabellen (VIII und IX) , welche die 
Versuche belegen, die mit Kartofieln, Aepfeln und (zumeist) fleischigen 
Blättern durchgeführt wurden. Von diesen Tabellen gilt dasselbe^ 
was ich früher (über Tab. VII) gesagt habe. — Bei den Blättern ist 
überall die Zahl der Spaltöffnungen angegeben, welche das Gesichts- 
feld des Mikroskops bedeckten. Wie gross das Gesichtsfeld war, 
ist nicht gesagt. Bekanntlich reduzirt man bei Angabe von Spalt- 
öffnungen die Zahl auf bestimmte Flächeneinheiten, z. B. aufQBIilli- 
meter. 

Die Ergebnisse fasst Dr. Eder in folgende Sätze zusammen: 

1. Kartoffeln vermindern ihren Wassergehalt während des 
Winters in geringem Masse durch die Lenticeilen. Im Frühjahr wird 
die Verdunstung durch die Entwicklung der Keime gesteigert. Gre- 
schälte Kartofieln werden um so schneller lufttrocken und hart, je 



*) In: BeitrSge z. Biologie d. Pflanzen, herausg. von Gohn, p. 11 ff. 



267 

vollständiger die Korkschicht oder diese mit dem angrenzenden Ge- 
webe entfernt wurde. 

Nachdem bereits Nägeli, wie Eder selbst bemerkt, durch 
ausführliche Versuche mit geschälten oder ungeschälten Kartof- 
feln gezeigt hat, wie sehr die Korkhülle vor der Verdunstung schützt, 
so hat Eder eigentlich nichts Neues gefunden. 

2. „Der Wasserverlust der Aepfel steht im geraden Verhält- 
niss zur Menge ihrer Lenticellen , und wird durch die OefiFhung bei 
den Rudimenten der Blüthe und durch den Stielansatz nicht merklich 
gesteigert. ** 

Durch die Versuche mit geschälten und ungeschälten Aepfeln 
hat Eder ebenfalls nichts Neues gefunden, was nennenswerth wäre, 
da dieser Gegenstand bereits von Just einer Untersuchung unterzo- 
gen wurde, und es sich, wie es von vornherein zu erwarten war, 
herausstellte, dass geschälte Aepfel weitaus mehr verdunsten, als 
ungeschälte *). Wohl aber ist es neu , dass die Verdunstung durch 
die Rudimente der Blüthe und den Stielansatz nicht merklich ge- 
steigert wird. In der That eine schöne Entdeckung. 

3. „Die Verdunstung der Blätter ein und derselben Art steht 
theilweise im Verhältnisse zur Menge ihrer Spaltöffnungen. Durch die 
an Spaltöffnungen reichere Blattseite findet, immer eine stärkere Ver- 
dunstung statt. * 

Es ist erfreulich zusehen, dass Dr. Eder zu demselben Resultate 
kam, wie Bonnet (Usage des feuilles 1754), Garreau (Ann. sc. nat. 
1850), Unger (1862) u. A. , welche diese Frage bereits erledigt 
hatten. 

Nach diesen Untersuchungen stellte Dr. Eder Beobachtungen 
an über die Transspiration beblätterter Zweige und bewurzel- 
ter Pflanzen.'' 

Diese (eigentlichen) Untersuchungen umfassen zum Glück bloss 
327a Seiten, wovon die Hälfte auf Tabellen kommen. 

I. Vorläaftge Betrachtungen und Versnehsmethode. 

Nachdem der Verfasser einige Gesetze über das Verhältniss 
zwischen Temperatur, relativer Luftfeuchtigkeit und Wasserverdun- 
stung feuchter Körper vorausgeschickt hat, die in jeder Physik nach- 
gelesen werden können, sagt er: ^ 

„Die grosse Schwierigkeit, so schwere Gegenstände, wie grosse 
Zweige" (man kann ja auch kleine Zweige nehmen) „im Wasser, 
oder ganze Pflanzen, mit der entsprechenden Genauigkeit wiegen zu 
können, ferner der Umstand, dass der Gang der Transspiration wäh- 
rend der Wägung selbst zu Ungenauigkeiten führt, und namentlich die 
von Baranetzky festgestellte Thatsache, dass schon die geringsten 
Erschütterungen einen rapideren Gewichtsverlust bewirken, veran- 



*) Just zeigte auch, wie sich die unterschiede bei verschiedenen Tempe- 
raturen gestalten. 

21» 



268 

lässteii mich, eine Pe^timmung des Transspirationsverlustes 
durch Wägung als ungenau zu verwerfen.* 

Da nach der Ansicht von^ Dr. E der die Wassereinnähme der Pflanze 
zur Wasserabgabe derselben im Verhältnisse stehen muss (?), wen- 
dete er die Methode an, den Transspirationsverlust durch die 
Menge des aufgenommenen Wassers zu bestimmen. 

Er beschreibt nun die verwendeten Apparate, die aber eine Menge 
von Fehlerquellen einschliessen. 

Herr Dr. Eder scheint die Arbeit von Baranetzky*) nicht ge- 
nau gelesen zu haben; denn Baranetzky sagt nicht, dass schon die 
geringsten Erschütterungen einen rapiden Gewichtsverlust bewirken, 
sondern er machte u. A. die Beobachtung, dass wenn die Versuchspflanze 
nicht unmittelbar auf der Wage steht, sondern nur zur Zeit der Wä- 
gung, und dann wieder auf ihren früheren Ort transportirt wird, in 
dem Fall, als die Wägungen in ziemlich kurzen Perioden ausge- 
führt werden, Schwankungen in der Transspiration eintreten. Wenn 
die Wägungen in verschieden langen Fristen erfolgen, merkte er 
stets eine durchschnittlich stärkere Transspiration, wenn die Pflanze 
eine längere Zeit ruhig gestanden hatte. — Ein momentan starker 
Gewichtsverlust trat aber bei „einigermassen heftigen^ Erschüt- 
terungen ein. 

Allerdings bemerkt Baranetzky (1. c. p. 88), „dass die Pflanzen 
selbst gegen die schwächsten Erschütterungen noch empfindlich sind, 
und es nicht möglich ist, dieselben vor einer solchen zu schützen. 
Das Beben des Fussbodens bei dem Vorübergehen , oder das Vor- 
überfahren eines Wagens auf der Strasse genügen schon, die Pflanze 
in der besagten Weise zu affiziren.'' 

Wenn aber dem wirklich so ist, dass z. B. das Vorüberfahren 
eines Wagens auf der Strasse im Stande ist, eine in einer geschlos- 
senen Wage befindliche Pflanze zu afliziren, so frage ich, ob die- 
selbe Ursache nicht auch eine ähnliche Wirkung auf eine Pflanze 
ausüben wird, die auf dem Tisch des Laboratoriums steht und mit 
einer Bürette in Verbindung ist, welche durch das Sinken des Was- 
serstandes den Transspirationsverlust anzeigen soll. 

Der Verfasser hätte ferner bei genauer Durchsicht der Bar'a- 
netzky'schen Arbeit gefunden, was der genannte Forscher mit Recht 
in seinem historischen Resum^ über die Versuche von Miquel be- 
merkt (p. 70). 

„Auf die Grösse der Transspiration wurde nun nach der Menge 
des aufgesogenen Wassers geschlossen, dass diese Grössen genau 
proportioneil seien, was aber von Niemandem bewiesen wurde; 
im Gegentheil fand sogar Senebier, dass im Dunklen, wo keine 
Transspiration mehr wahrzunehmen ist, doch eine beträchtliche Was- 
seraufnahme noch stattfinden kann.^ 



*) Botan. Zeitg. 1872. p. 65. 



269 

Da Eder seine Versuche mit einer einzigen Ausnahme (Pha- 
$eolu8) mit Blättern und abgeschnittenen Zweigen angestellt hat, so 
will ich hier noch die Worte Unger's*) folgen lassen: 

,,Aus dem Vorstehenden ergibt sich, dass in allen Fällen bei 
abgeschnittenen Pflanzentheilen selbst unter den günstigsten Verhält- 
nissen die Aufsaugung des Wassers durch die Schnittfläche der Ab- 
gabe von Wasserdunst an die Luft nicht Schritt zu halten ver- 
mag, daher früher oder später ein Welken und Vertrocknen der 
Theile eintritt.«' 

II. Tabellen. 

Diese werden einigemal im nächsten Capitel erwähnt. Es würde 
zu weit führen, näher auf dieselben hier einzugehen. 

III. Ergebnisse der BeobachtnngeD. 

Dr. Eder gibt zunächst an, dass mit dem Steigen oder Fallen 
des Feuchtigkeitsbedürfnisses und der Temperatur der Luft eine 
grössere, beziehungsweise kleinere Transspiration übereinstimmte, was 
ja bekannte Thatsachen sind. 

Dr. Eder's Ansicht über die Transspiration in mit Dampf ge- 
sättigten Räumen und über die Methode, um solche Versuche durch- 
zuführen, ist falsch. 

Schliesslich kommt der Verfasser noch auf die Beziehungen des 
Lichtes zur Transspiration zu sprechen. 

Dass das Licht einen bedeutenden Einfluss auf die Transspira- 
tion der Pflanzen ausübt, darin stimmen bekanntlich fast alle Beobach- 
ter überein. Allein viele derartige Untersuchungen vnirden nicht 
mit der nöthigen Sorgfalt ausgeführt, was namentlich von den älteren 
Arbeiten hierüber (Guettard, Senebier, De Candolle, Miquel 
u. A.) gilt. 

Sachs, der zuerst in der Transspiration der Pflanzen eine ihrer 
komplizirtesten Funktionen erkannte, bemerkt mit Recht in seiner 
Experimenlal-Physiologie der Pflanzen: „Dabei (bei den Experimenten 
über den Einfluss des Lichtes etc.) ist aber 'zu beachten, dass die 
Temperatur der Pflanze zur Herstellung dieses Beweises (ob dag 
Licht als solches einen Einfluss hat) in beiden Fällen (Finsterniss und 
diffuses Licht) durchaus gleich sein muss , dass die Luftfeuchtigkeit 
sich nicht ändern darf; letzteres geschieht aber, wenn man die Pflanze, 
um sie zu verdunkeln, unter einen Rezipienten bringt, oder sie über- 
haupt in einen engen Raum stallt. ^ 

Was sagt nun Eder? Folgendes: 

„Meine Beobachtungen über die Einwirkung des Lichtes gegen- 
über der Dunkelheit zeigen die Tab In Tab. 6 wird die 

Transspiration durch die Dunkelheit nicht beeinflusst, sondern sinkt 
mit der Temperatur bei gleichbleibender Luftfeuchtigkeit, wie es ge- 



^) Beiträge zur Anatomie etc. Sitzb. d. kais. Akad. d. Wissensch. XLIY. 
Bd. p. 362. 



270 

schehen wäre, wenn man das Zimmer nicht verdunkelt hätte. (Wo- 
her weiss das Dr. Eder?) In Tab. 7 sinkt mit eintretender Dunkelheit 
die Temperatur und das Feuchtigkeitsbedürfniss der. Luft, dem ent- 
sprechend auch die Transspiration, die sich dann in ihrem weiteren 
Verlaufe ebenso verhält, wie wenn es hell wäre(?). Ebenso bei 
Tab. 8. — Bei dem Versuche, Tab. 9, befanden sich beide Pflanzen 
vorerst in einem dunklen Zimmer, und erst Nachmittags wurden die 
Fensterläden gfeöffnet. Die Transspiration, Temperatur und das Feuch- 
tigkeitsbedürfniss der Luft hatten noch im Dunkel ihr Maximum er- 
reicht, und sanken dann insgesammt, trotz es im Zimmer hell war.^ 
(Wie hätte sich aber die Transspiration geändert, wenn nach Oeff- 
nupg der Fensterläden Temperatur und Luftfeuchtigkeit sich nicht 
geändert hätten?) Eder schliesst nun: „Hieraus ist deutlich zu er- 
sehen , dass das Licht die Transspiration nicht beeinflusst.^ 

Ferner: „Das Licht als solches hat auf die Transspiration 
keinen Einfluss." 

Aus den zitirten Sätzen wird es klar , dass man aus diesen 
Versuchen über den Einfluss des Lichtes als solchen auf die Trans- 
spiration gar keinen Schluss ziehen kann. Was aus den zahlreichen 
Beobachtungen Eder's hervorging war, dass, wenn sowohl im Lichte, 
wie im Finstem die Temperatur und das Feuchtigkeitsbedürfniss der 
Luft stieg, oder sank, dem entsprechend auch die Transspiration 
grösser, beziehungsweise kleiner wurde. Damit ist aber über den 
Einfluss des Lichtes als solchen ofienbar gar nichts bewiesen, denn 
um diesen Beweis zu ermöglichen, müsste man zeigen, dass z. B. 
das difiuse Tageslicht bei gleichbleibender Temperatur und 
Luftfeuchtigkeit binnen kurzer Zeit die Transspiration gegenüber 
tiefer Finsterniss begünstigt. Wenn aber gesagt wird, dass das Licht 
Temperatur- und Feuchtigkeitsänderungen des die Pflanze umgebenden 
Mediums bewirkt, in Folge dessen dem entsprechende Transspira- 
tionsänderungen eintreten , so frage ich , ob man daraus etwas 
nber den direkten Einfluss des Lichtes als solchen ableiten kann? 

Ich will noch nebenbei bemerken, dass Eder bei einigen Ver- 
suchen die „Finsterniss'' durch Ueberdecken der Pflanze mit einem 
Aezipienten von Pappe herstellte. 

Nachdem der Verfasser noch auf einige i^einer Versuche hinge-? 
wiesen hat, welche darüber Aufschluss geben sollen, ob eine von 
äusseren Einflüssen unabhängige Periodizität der Transspiration 
existirt, und dabei die Annahme einer Periodizität im Sinne Unger's 
bestreitet^ schliesst er mit einem kurzen Resumd seine Untersu- 
chungen. 

Der Arbeit Dr. Eder's sind 7 kolorirte Tafeln beigegeben, 
welche in graphischer Darstellung die wichtigsten seiner Ergebnisse 
veranschaulichen, und die Herstellungskosten dieser Publikation nicht 
unbedeutend erhöht haben dürften. 



271 



Das Pflanzenreich 

auf der IVieier D^eltaossteUiuig im Jahre 1873^ 

über die exponirteB Minien, PflaDzeDrohstolTe und Produkte, sowie über ihre bildlidieBSirstellangei. 

Von Franz Antoine. 

CFortaeizTiiig,') 

■obmiister. 



Älnus maritima Hort« 
' — firma Sieb, et Z. 
Aesculus turbinata. 
Aralia canescens Sieb, et Z. 

— pentaphylla Thünb^ 
Andromeda perulata 
Azalea indica L. 
Albisisiia Julibrissin Dur. 
Aucuba japoniea L. 
Actinidia arguia. 
Amygdalus Persica L. 
Abies firma Sieb, et Z. 
Acer sp. 

Bambusa von 28 Standorten. 
Benzoin citriodorum, 
Broussonetia papyrifera Vent, 
Bleudaegle sepiaria. 
Buxus sempervirens L. 
Chamaecyparis öbtusa Sieb, et Z. 

— pisifera Sieb, et Z. 
Cryptomeria japoniea Don. 
Cleyera japoniea Thunb, 
Chamaerops excelsa, 
Callicarpa japoniea Thunb. 
CcUlopanax rieinifoüa. 
Citrus nobilis Lour. 

— sp. 

Cornus officinalis Sieb, et Z. 

— praehipoda. 
Crataegus sanguinea Fall. 
Camellia sasanqua Thunb. 

— japoniea L. 
Celtis sinensis Willd. 
Cinnamomum ped'iinculaium Nees. 

— Saurei. 

Camphora offidnarum Nees. 
Clerodendrum trichotomum Thunb. 
Chimonanthus fragrans Lindl. 
Carpinus sp. 



Cerciphyllum? japonicum. 
Clethra barbinereia, 
Cedrelacea. 

Corylopsis spicata Sieb, et Z. 
Corylus heterophylla Fisch. 
Distylium racemosum Sieb, et Z. 
Diospyros Kaki L. fiL 
Daphnidium oxyphyllum Nees. 
Daphniphyllum Roxburgii, 
Eriobotrya japoniea Lindl. 
Evodia glauca, 

— sp. 

— rutaeearpa, 
Elaeagnus umbellata* 

— crispa Thunb. 
Evonymus radicans. 
Fastua japoniea Dec* 
Fieus cariea L. 

— pyrifolia Burm. 
Fagus euspidata. 
Gleditsehia japoniea Lodd. 
Homoeceltis aspera BI. 
Hofoenia duleis Don. 
Hedera helix L. 
Hibiseus Syriacus L^ 
Hex erenata Thunb. 

— integra Thunb. 
Juglans Mandshurica Max. 
Illieium religiosum Sieb, et Z. 
Ligustrum vulgare L. 

— japonieum Thunb. 
Lindera sericea Blume. 

— glauca Blume. 

— praecox Blume. 

— triloba Blume. 
Lagerströemia indica L. 
Litistonia chinensis Mart. 
Melia japoniea. 
Magnolia Kobus Dec. 



272 



Magnoliu hypoleuca. Sehr feines] Qnerats sp. 



drappfarbenes Holz. 
Microptelia parvifolia Spach. 
Myrica Nagt Thunb. 
Morus japonica Hort. Dyk. 
Olea (Ilex) aquifolium Thunb. 

— fragrans Thunb. 
Prunus Siori. 

— Puddvm Roxb. 
— - domesHca L. 

Pyrus Ringo Sieb. 

— spectabilis Ait. 

— communis L. 

— Ctfdonia L. 

Pinüs Massoniana Lamb. 

— parviflora Sieb, et Z. 

— densiflora Sieb, et Z. 
Photinia mllosa Dec. 
Platycaria sorhifolia Sieb, et Z. 
Populus Sieboldii. 

Planera cuspidata. Gelbbraunes, 
prächtig gefladertes Holz« 

— acuminata, 
Punica Granatum L. 
Pauloumia imperialis Sieb, et Z. 
Pseudolarix Kaempferi Gord. 
Quercus dentata Thunb. 



— crispula. 

— acuta. 

Rhododendron Sieboldii Miq. 
Rosa sempervirens L. 
Rottlera japonica Spr. 
Rhapis flabelliformis L. fil. 
ilAti« vernicifera DC. 

— succedanea L. 
Salisburia adianthifolia Sm. 
Sciadopytis t>erticiüata Sieb, et Z. 
Sambucus racemosa L. 
Sapindus Mukorossi Gärtn. 

5a/ia; japonica Thunb. 
Styrax japonicum. 
Sophora japonica L. 
Stuartia monadelpha. 
Ternstroemia japonica Thunb. 
Thujopsis dolobrata. 
Talauma stellata. ' 

Torreya CTaocus) nucifera L. 
Taxus cuspidata Sieb, et Z. 
Vitex cannabifolia. 
Viburnum Opulus L. 
Vitis actinidea. 
Zizyphus Jujuba Lam. 
Zanthoxylon piperitum Dec. 



Cryptomeria japonica Don., welche ein Zehntel der Waldungen 
Japans bildet, 60 — 100 Fuss hoch wird und 4 — 5 Fuss Durchmesser 
erhält, liefert das Material zu den meisten Bauten und Geräthschaften 
dieses Landes. Im Ausstellungsrayon war der Tempel im japanischen 
Garten, dann ein kleines zierliches Häuschen, die beiderseits am 
Eingange des Gartens errichteten Bazare, sowie die sehr zierlich 
konstruirte Umzäunung desselben^ wie auch die Schindeln der Da- 
chungen sämmtlicher eben erwähnter Gebäude aus Cryptomerior-Eolz 
angefertigt. 

Unter den Geräthschaften fand man Bottiche und viele andere 
Gegenstände daraus gemacht, welche mit erstaunenswerther Genauig- 
keit gearbeitet waren. Der grösste Theil der zahllosen Kisten, in 
welchen die Waaren eingepackt waren, bestanden aus diesem hüb- 
schen, röthlichen Holze, welches an manchen Brettern riesige Dimen- 
sionen zeigten. 

Eine vorzügliche Eigenschaft des Holzes scheint die zu sein, 
dass es sich durch äussere Einflüsse nicht krümmt. So war in einem 
schwarzen Rahmen ein Brett von 4 Linien Dicke, 5 Fuss Länge und 
4 Fuss Breite aufgehangen, durch welches eine Landschaft mit Bam- 
busstämmen und Pniusbäumen nach der origfinellen japanischen Zeich- 
nungsart entworfen, durchgesägt war. Dieses aus einem Stüdc beste- 



273 

hende Brett war dabei vollkommeii eben und zeigte nicht die Icleinste 
Spur einer Zerklüftung. Zur Scbindeldeckung wird es allgemein an- 
gewendet. Die Schindeln sind 10 Zoll lang, bei 4 Zoll breit und nur 
Ya bis Vs ^^^i^ dick. Sie werden bei der Eindeckung so weit über- 
einander gelegt, dass nur 17% bis iVa Zoll frei liegen, alles Uebrige 
ist durch die darauffolgende Reihe gedeckt. Sie werden mit kleinen 
Y2 Zoll langen Nägeln aus Bambusrohr angenagelt und durch das 
aichte Ueberlegen der Schindeln geschieht es, dass bis 30 dieser 
kleinen Nägel durch eine Schindel dringen und eine ungemein feste 
Verbindung bezweckt wird. Auch aus dem Holze von Clmmaecyparis 
pisifera spaltet man ähnliche Schindeln. 

Eine Pflanze, deren Kultur wohl einige Aufmerksamkeit zuge- 
wendet werden sollte, ist HomoecelHs aspera Bl. Die Blätter werden 
der Länge nach gefalten und kommen getrocknet und partienweise 
an einen Bindfaden geheftet in den Handel. Die etwas rauhe Ober- 
fläche der Blätter dient zum feinen Schleifen des Holzes, besonders bei 
kleineren Gegenständen, welche keinen Lacküberzug erhalten, als: 
kleine Kästchen, Cigarren-Etuis u. s. f. Die fertig gemachten Gegen- 
stände werden damit abgerieben, wodurch die Oberfläche äusserst 
fein und milde sich anfühlen lässt. 

Unter den aufgestellten Holzsorten fand sich ferner ein Stämm- 
chen, etwa 4 Zoll im Durch;nesser, von Rhus succedanea L., an 
welchem die Einschnitte zur Gewinnung des unübertroffenen japani- 
schen Lackes angebracht waren. Neben denselben lagen die wenigen 
höchst primitiv ausgeführten Eisenworkzeuge zur Vornahme dieser 
Operation. Solche Einschnitte sollen zwei Mal im Jahre gemacht 
werden. Wie dieselben angebracht werden, ist aus nebenstehender 
Zeichnung ersichtlich, welche einem japanischen Holzschnitt ent- 
nommen wurde. 

Eine Hauptrolle im Haushalte der Japanesen spielt unstreitig 
das Bambusrohr. In allen Dimensionen, vom dicksten bis zum dünn^ 
sten findet es geeignete Anwendung. Die Schnellwüchsigkeit des 
Rohres und das massenhafte Vorkommen dieser Pflanze begünstigen 
den Umstand, dass es um einen beispiellosen billigen Preis im Vater- 
lande erscheint. Unter günstigen Umständen vermochte die Pflanze 
selbst in Gewächshäusern in Kew bei London 18 Zoll im Tage zu 
wachsen. 

Die ganz dünnen Zweige binden sie zusammen und sie geben 
sehr dauerhafte Besen. Das dünne Rohr verstehen sie so zu spalten, 
dass es in borstenähnlichen Fasern ausläuft, sodann beliebig gebogen 
werden kann und sehr zierliche Quirlen zum Mischen von Thee oder 
Chokolade abgibt. Das Verfahren des Spaltens auf die eben erwähnte 
Weise ist für unsere Fachleute noch unnachahmbar, und es muss 
daher das gespaltene Rohr, wie es für Matten und Geflechte ver- 
wendet wird, importirt werden. Kräftigere Stämme liefern Becher mit 
künstlich geschnitzten Bildern, wobei die Internodien den Boden tul- 
den. Aus grob gespaltenem Rohr, bogenförmig in die Erde gesteckt, 
waren die Einfassungen der Blumenbeete gemacht, und fein gespal- 



tenes Rohr lieferte das Material fttr die Hatten, mit welchem sie 
ihren Bazar verschlossen und die Blumenbeete beschatteten, dabei 




waren die dunnen Rohrstäbchen mit den Äusserst dauerhaften Fäden 
des Corchorus olUorius L. (Judhanf) aneinander gebunden. Bei den 
mitunter kolossalen Bottichen aus Cryptomeria-uolz waren die aus 
gespaltenem Bambus zopffurmig geflochtenen oft bei vier Zoll breiten 
Reife so geschickt gearbeitet, aass man den Anfang und das Ende 
des GeQechtes kaum auffinden konnte. Weiter waren aus Rohr ange- 
fertigt: Tische, Kommoden, H&beln aller Art, Nägel zum Dachdecken, 
Hüte, Fächer, Siebe, Leuchter, Federhalter, Visitkarten- und Cigarren- 
Etui, vergoldete Trinkgefasae, Löffel, Cycaden-Käfige, KOrbe, Fluten, 
Hundorgeln, Blumenvasen und viele andere Gegenstände. Ausserdem 
gab es aber noch eine ganze Kollektion von Bambusstämmen, wor- 
unter sich einige befanden, welche durch die Einwirkung des Feuers 
braunroth gefärbt erschienen, andere wieder waren brannroth mar- 
morirt, welches durch Auflegen von Seetangen und Aussetzen über 
Feuer effektuirt werden soll. 

Obschon das Rambusrohr unendlich viele vorzügliche Eigen- 
schaften in sich schliesst, so muss doch eines Umstandes erwähnt 
werden, welcher manchmal an demselben, ja selbst am Rohre von 
starker Dimension vorkommt, und dieses ist das Zerklüflen des Bob* 
res der Länge nach. Ich habe, schön geschnitzte Becher, Blumen- 



275 

behälter etc. gesehen, welche auf diese Weise gelitten hatten oder 
auch selbst in Stücke zerfielen. Einige behaupte, weder Feuchtiglceit 
noch Wärme könne auf das Bambusrohr nachtheilig einwirken, aber 
diese Behauptung scheint insoferne begrenzt zu sein, als diess nur 
bei völlig ausgereiftem und zur rechten Zeit geschnittenem Rohr der 
Fall sein wird. Das Rohr, bei welchem die Wachsthumsperiode für 
die Saison noch nicht vollkommen beendet ist, mag höchst wahr- 
scheinlich zum Zerklüften geneigt sein. 

Aus Lauras Camphora- und Morus-Uolz gab es Kommoden 
und Schüsseln, aus Planera^, Cryptomeria japonicor' und Chamae- 
cyparis pm/cra-Holz Tische und Schränke. Wegen der Eigenschaft, 
dass sich das Holz von Ahies firma Sieb, et Z. in dünne und lange 
Streifen spalten lässt, findet es vorzugsweise für Schachteln An- 
wendung. 

Abtes firma Sieb, et Z. hat eine vielfache Verwendung als Bau- 
holz, und es werden überdiess noch Hobelspäne davon abgezogen, die 
äusserst dünn, gleichmässig und von ungewöhnlicher Länge sind, sie 
werden dann verschiedentlich gefärbt und dienen zum Aufschreiben 
von Gedichten. 

• Aus der Rinde der Platycaria sorbifolia Sieb, et Z. war ein 
Kasten und aus ihrem Holze Teller^ Schüsseln etc. ausgestellt. 

Kirschen- und Ahornholz wurde zu Tabakbüchsen und vielen 
anderen Geräthschaften verwendet, und zu mehreren Schränken liefert 
das Holz Paulownia imperialis Sieb, et Z., während die Reben der 
Akebia quinata Decne zu. Sandalen verarbeitet werden. 

Der Bast der Wisteria sinensis Dec. lieferte Fächer, Schachteln 
und Körbe, sowie auch Geflechte von Calamus Rotang L. häufig er- 
schienen. Aus Cyca*- Wedeln wurden Körbe, aus HibiscfM Syriacus L. 
Koffer geflochten. 

■ollkohle und Planienasehe» 

Magnolia hypoleuca. Die Kohle dient zum Poliren. 
Azalea-^ Camellicp- und Distylium? racemosum-Asche werden als 
Beisatz zur Porzellanglasur angewendet. 

Faserstoffe; 

Boehmeria tenacissima Gaud. I (Kara mushi, Ira), mit schmutzig-grauer 
Faser, dürfte wohl die Rami und nicht Chinagras gewesen sein. 

Bam&ti^a-Fasern liefern Taue. 

Chamaecyparis obtnsa Sieb, et Z. Die Rinde wird zur Anfertigung 
von Tauen, die Fasern aber für Lunten benützt. 

Chamaerops Fortunei Hook. Die Faser für Taue, sie ist von dunkeU 
brauner Farbe. 

Corchorus oUtorius L. (Itshibi). Zu Geweben, Schnüren, zu Stoffen, 
hat überhaupt in neuester Zeit eine sehr grosse Verwendung 
und ist der Dauerhaftigkeit wegen sehr schätzbar. 

Cannabis sativa L. (Asa). 

Scirpns und Cyperus zu Tauen. 



276 



Hibiscui syriacus L (Muknge). Der Bast zu Regenmänteln. 

Musa texHlis Nees. Die Faser zu Geweben. 

Pieris aquilina L. Die Wurzelfasem. 

Pachyrrhizos Thunbergianw (Kudzu). Die Faser davon ist so weiss 

und glänzend wie Aloäfaser. 
Wisteria sinensis Dec. (Fudji). Aus der Rinde werden Seile gedreht. 

Planienmark* 

Juncus effusus L. Hiervon war das Rohmaterial und das Mark des- 
selben mit entfernter Oberhaut ersichtlich. Es wird zu Dochten bei 
den aus vegetabilischem Wachs angefertigten Kerzen verwendet, 
wobei das Mark von 4 — 5 Halmen, welches schmutzig-weiss 
gefärbt'und sammtartig anzufühlen ist, in Spiralform gedreht wird, 
während in der Mitte desselben eine mehrere Linien starke cy- 
lindrische OeiTnung verbleibt, um den Luftzug zu befördern. 

Planien lur Papierbereitiing. 

Artemisia vulgaris L. Die Asche dieser Pflanze wird zum Abkochen 

der Broussonetia-'Rinde gebraucht. 
Broussonetia papyrifera Vent. (Kadzu). Die Rinde und das Holz 

hiervon. 
Hydrangea paniculata Sieb. (Nori-no-ki). Die ausgekochte Rinde gibt 

Kleister zum Leimen des Papiers« 
Hibiscus Manihot L. Die Wurzel derselben. 
Passerina Gampi. Die Rinde. 

ledif inalplanien. 



Atrcu^tylis ovataThnnh. Die Wurzel. 

— cancellata L. 

Aconitum Fischeri Rchb. Wurzel. 
Asiragalus refleanstipulis. Wurzel. 
Angelica Arehangelica L. Wurzel. 

— japonica. Wurzel. 
Adenophora verticillata Fischer. 

Wurzel. 

— Thunbergii. Wurzel. 
Aristolochia Kaempferi Willd. 

Wurzel. 
Aretia personata. Wurzel. 
Alcea rosea L. Wurzel. 
Akebia quinata DG. Wurzel. 
Anethum graveolens L. 
Asparagus indicus, 

— lucidus, 

Arisaema vulgaris Wurzelstock. 

— japonicum. Wurzelstock. 
Artemisia vulgaris. Blätter. 

— capillifolia Fisch. Samen. 



Adianthum caudatum Roxb. We- 
deln. 

Amygdalus persica L. Blumen und 
Früchte. 

Asarum Thunbergii. 

Amomum Zingiber L. Wurzel. 

Anemarrhena asphodeloides Bunge. 
Wurzel. 

Alisma plantago L. Wurzel. 

Atropa Belladonna Adans. Wurzel. 

Acorus Calamus L. Wurzel. 

Bupleurum junceum L. Wurzel. 

Bambusa racemosa. Blumen. 

Bojeria rutaecarpa. Früchte. 

Cocculus Thunbergii DG. Wurzel. 

Coptis brachypetaia. Wurzel. 

— asplenii Salisb. Wurzel. 

— trifolia Salisb. Wurzel. 
Cochlearia officinalis L. 
Cyperus rotundus L. Knolle. 
Cinnamomum Lamarki. Wurzel. 



277 



CifmamomumLaureirii Nees. Rinde. 
Carthamus tinctorius L. Blumen. 
Celosia margaritacea L. Blumen. 
Cydonia japonica Pers. Früchte. 
Crataegus sanguinea Pall. Früchte. 
Cornus officinalis Sieb, et Z. 

Früchte. 
Cannabis satwa L. Samen. 
Cassia Tora L. Samen. 
Coriandrum sativum L. Samen. 
Cnidium japonicum, Samen. 
Citrus nobilis Lour. Fruchtschale. 



Daphnidium Hrychnifolium. 

Wurzel. 
Datura Stramonium L. Früchte. 
Daphne Genkwa Sieb, et Z. Blumen. 
Digitalis purpurea L. Blätter. 
Evodia glauca. Rinde. 
Equisetum limosum L. Blätter. 
Euphorbia Lathyris L. Samen. 
Foeniculum tmlgaris Gärtn. Samen. 
Forsythia (Syringa) suspensa 

Thunb. Früchte. 
Flüggea japonica Rieh. Knollen. 



(Fortaetsnag folgt.) 



-«Oft" 



Literatnrberiohte. 

Solla vegetazione dell* isola dl Veglia e degll adjacentl scogll di 
S. Marco, Plavnik e Pervicliio nel golfo del Qaarnero. Memoria 
di Mozio Cav. TommaBini. Trieste 1876. 8^ p. 88. 

Hofrath Ritter von Tommasini, seit länger als einem halben 
Jahrhundert mit unermüdlichem Eifer und mit glänzendem Erfolge 
für die Erforschung der Flora Istriens thätig, berichtet in dem vor- 
liegenden Aufsatze über die Vegetation der Insel Veglia und einiger 
benachbarter Scoglien im quarnerischen Golfe. Der erste Abschnitt 
(S. 7 — 16) schildert im Allgemeinen die Verhältnisse des pflanzlichen 
Lebens der genannten Insel unter Berücksichtigung der klimatischen 
Faktoren. Hierauf folgt eine üebersicht der auf Veglia's Flora bezüg- 
lichen botanischen Literatur (S. 17 — 22). Den grössten Theil der 
vorliegenden Abhandlung (S. 23 — 75) nimmt eine systematische Auf- 
zählung der Phanerogamen (871 Arten), Gefässkryptogamen (9 Spe- 
zies), Laubmoose (64 Arten) und Characeen (3 Spezies) Veglia's ein. 
Bei jeder Pflanze wird genau das Vorkommen derselben im Floren- 
gebiete erörtert. Hieran reihen sich (S. 76 — 82) kritische Bemerkungen 
über seltene oder zweifelhafte Arten, welche sehr erwünschte Angaben 
über die betreffenden Spezies enthalten; namentlich sei hier auf den 
Exkurs über Iris illyrica Tomm. aufmerksam gemacht (S. 81). Den 
Schluss bilden eine chronologisch geordnete Aufzählung der seit dem 
Jahre 1841 nach Veglia und den benachbarten Scoglien meist von 
Tommasini selbst unternommenen botanischen Ausflüge, endlich eine 
üebersicht über die einzelnen Familien der Flora von Veglia in Ta- 
bellenform. Da die Vegetation des genannten Eilandes verhältnissmässig 
wenig genau bekannt war, da sich ferner über dieselbe in der älteren 
botanischen Literatur so manche ungenaue Angaben vorfanden, so ist 
die vorliegende treffliche Arbeit Tommasini's ein höchst werthvoller 
Beitrag zur genaueren Kenntniss der ungemein interessanten Flora 



278 

der quarnerischen Inseln. Sie ist zugleich ein neuer Beweis der rast-- 
losen Thätigkeit des preisen Verfassers. Möge es demselben noch 
lange vergönnt sein, für die genauere Erforschung der Flora Istriens 
erfolgreichst zu wirken! Dr. H. W. R. 

„Index plantamm vascnlariom qaas in itlnere vere 1873 saspeeto 
in insalis Baiearibas legit et observavit Manritins Willkoinni.^ 
Separatabdruck aus der Linnaea. Neue Folge. Band VI. Heftl. Bogen 1—6. 
8". 134 Seiten. 

Die Flora der Balearen erfreut sich neuerdings einer regen 
Beachtung. Nicht nur dass die dort einheimischen Floristen (Rodriguez, 
die Insel Menorca und Barcelö, die Insel Mallorca) unsere Kenntnisse 
über die Vegetation ihrer Gebiete wesentlich zu erweitern bestrebt 
sind, haben auch fremde Forscher ihre Aufmerksamkeit jenen Inseln 
zugewendet. Es ist nun sehr erfreulich, dass sich unter diesen gerade 
der genaue Kenner der spanischen Flora, Dr. Willkomm, in jüngster 
Zeit in hervorragendster Weise an der Durchforschung betheiligt und 
in obzitirter kritisch gesichteter Arbeit seine Beobachtungen nieder- 
gelegt hat. Der Index enthält einschliesslich der von Alex. Braun und 
Leonhardi revidirten 5 Characeen, welche alle neu für die Flora der 
Balearen sind, 816 Arten aufgezählt. Hievon sind ausser den schon 
im XXV. Bande dieser Zeitschrift von Willkomm neu beschriebenen 
Arten und Varietäten noch folgende 42 neu für diiö Balearen; Gym^ 
nogramme leptophylla Desv., Asplenium Petrarchae DC, Pinus Pinaster 
Sol., Juniperus turbinata Guss. = J. oophora Kze., Avena barbata 
var. (?) humilis Wlk., Glyceria distcms Whlb., Melica unifiora L., 
Vulpia tenuis Pari., Lolium siculum Pari., Gladioltis illyricus Koch, 
Aceras densiflora Boiss., Cephalanthera grandiflora Bab. variet., ÄUium 
submllosum Salzm., Rumex Friesii G. G., Thymelaea velutina var. 
angustifolia Wlk., Centranthus Calcitrapa var. alpestris Wlk., Va-- 
lerianella truncata DC, V, eriocarpa Desv., V. Morisonii Koch ß. 
dasycarpa Wlk., Phcignalon saxaHle Cass. var. squarrosum Wlk., 
Cirsium? sp. dem C eriophomtn verwandt (blieb unbenannt, da der 
Autor nur Wurzelblätter sah), Picridium intermedium Schltz. Bip., 
Teucrium capitatum L. a, var. calycinum Wlk., Alkanna lutea Tausch., 
LithospermumincrassatumGvLSS., Myosotis intermedia Lk., Anagallis 
partifiora Lk. H., Bulbocastanum incrassatum Lange, B. mauritanicum 
Wlk. ined. = Cärum maurit> Boiss. Reut., Petroselinum peregrinum 
Lg., Sempervivum arboreum L. (verwildert), Paronychia nivea DC, 
Spergularia campestris Wilk., S. marina Wk., Rosa Pouzini Tratt., 
Prunus spinosa L. var. balearica Wlk., Sagina stricta Fries, Moeh-- 
ringia pentandra Gay, Cerastium brachypetalum Desp., Silene sericea 
AU. V. balearica Wlk., endlich Ficaria cattAae/b/ta Rchb. Ausserdem 
sind bei zahlreichen Arten Bemerkungen gemacht, Beschreibungen 
beigegeben (z. B. bei Teucrium Majorana^ pag. 68) oder Synonyme 
aufgeklärt. In letzterer Hinsicht wäre dem Crocus magontanus Rodrig. 
das viel ältere Synonym C. Cambessedesii J. Gay in Bull. fer. XXV. 
220 voranzusetzen gewesen, weil beide Namen mit Cf\ nUnimus 



279 

Cambess. non alior. identisch sind. Diese Art hat demnach schon vier 
Synonyme aufzuweisen , da nach Willk. auch C. versicolor Barcelö 
Apunt. p. 44 nee Gawl. hierher zu ziehea ist. Ferner fällt Ranunculus 
palustris p. 131 mit R. balearicus Freyn zusammen, welcher indessen 
erst nach Erscheinen des Index in dieser Zeitschrift aufgestellt wurde. 
Die auf pag. 112 im vorigen Bande dieser Zeitschrift beschriebene 
Anthyllis Vulneraria var. (?) rosea Wik. figurirt zwar noch unter 
demselben Namen auch im Index (p. 95), doch betrachtet sie der 
Autor gegenwärtig als Art, welche er Anth. rosea nennt. Von grossem 
Interesse sind ferner die im Index angegebenen zahlreichen Beob- 
achtungen über die vertikale Verbreitung der Pflanzen auf den Balearen, 
wodurch eine fühlbare Lücke ausgefüllt wurde. Fr. 



•40*" 



Correspondenz. 

Nagy-Enyed (Siebenbürgen), 6. Juli i876. 

Das Haplophyllum Biebersteinii Spach. und die Scutellaria 
luptdina L. soll nach Schur's Enumeratio plantarum Transsilvaniae 
und Fuss* Flora Transsilvaniae von Lerchenfeld auf Hügeln bei Bla- 
sendorf im Jahre 1785 gefunden worden sein. Im Jahre 1860 wurden 
diese beiden Pflanzen von meinem verstorbenen Freunde Dr. Pävai 
wieder aufgefunden und er versendete sie in mehreren Exemplaren 
an den botanischen Tauschverein in Wien. Ich weiss nicht, ob er den 
Standort dieser Pflanzen an den seinen versendeten Exemplaren bei- 
gefügten Zetteln richtig angegeben hat; aber in den oben zitirten 
beiden Werken, welche hinsichtlich der Standorte dieser Pflanzen 
auch auf Pävai sich berufen, ist der von Pävai aufgefundene Standort 
des Haplophyllum bei Maros-Ujvär und Mezösög (so heisst ein hüge- 
liger Theil Siebenbürgens) und der Scutellaria gleichfalls bei Maros- 
Ujvär und Nagy-Enyed angegeben. Diese Angaben aber sind falsch, 
denn Pävai sammelte obige Pflanzen und zwar einmal mit mir bei 
Magyar-Bago; auch bei Blasendorf kommen sie, wenigstens jetzt, 
nicht vor, denn unser eifrigster Botaniker, der Pfarrer Barth, der in 
der Nachbarschaft von Blasendorf wohnt, fand sie dort nicht. Ich 
glaube also nichts Unnöthiges zu thun, wenn ich die Standorte dieser 
beiden interessanten Pflanzen berichtige oder besser gesagt diejenigen 
Orte angebe, wo sie jetzt in grösserer Anzahl vorkommen. Am 29. 
Mai machte ich mit He^rn Pfarrer Barth die Exkursion, um diese 
beiden Pflanzen wieder aufzufinden und wir trafen sie zu unserer 
Freude in schönster Blüthe und solcher Anzahl, dass beide Arten in 
vielen Exemplaren gesammelt werden konnten. Das Haplophyllum 
Biebersteinii wächst auf sandigen und thonigen mergeligen Hügeln 
ober und um den Weingarten bei Csombord vis ä vis von Nagy-Enyed 
am linken Maros-Ufer, dann bei der angrenzenden Gemeinde Magyar- 
BagOy gleichfalls auf sandigen und mergeligen, etwas steilen, als Weide 



280 

benützten und an die Wälder angrenzenden Berglehnen. Die Scu^ 
tellaria Lupulina kommt bei Magyar-Bago an dem gegen Csombord 
gelegenen und als Weide benützten Rande der Weingärten, ohne 
Haplophyllum, dann auf den angegebenen Berglehnen gemeinschaftlich 
mit demselben vor. Bei dieser Exkursion und am letzt angegebenen 
Orte, nur an mehr begrasten Stellen fanden wir auch einige Exem- 
plare von Globularia vulgaris. Diese Pflanze soll auch nach Schur*s 
Enumeratio von Lerchenfeld bei Kronstadt gefunden worden sein, 
sonst ist mir über ihr Vorkommen in Siebenbürgen nichts mehr be- 
kannt Dass wir sie am angegebenen Standorte nur so sparsam an- 
trafen, mag nicht ihre Seltenheit, sondern das Beweiden ihres Stand- 
ortes die Ursache sein. Csatö. 

Fuzine in Groatien, 13. Juli 4876. 

Der zwei ausgezeichneten Pflanzen, Cerastium decalvans und 
Pedicularis brachyodonta Schloss. et Vukot. wegen, die die Flora 
croatica so charakterisiren^ besuchte ich heuer den Kiekberg bei 
Ogulin zum zweiten Male. Ich habe beide und ausser diesen noch 
manche andere interessante Pflanze gefunden, wie Carlina acanthifoliaj 
Ranunculus scutatus^ Draba ciliata^ Dianthus strictuSj Juniperus 
Sabina, Rhamnus pumila L., Aspidium angulare, Edrajanthus caricinus 
Schott.! (Haynald Herbar) ^. croa^tctf« Kerner I), Verbascum lanatum^ 
forma ramosa^ Laserpitium marginatum^ Adenostyles alpina, Atha^ 
manta tnutellinoides ^ Peucedanum coriaceum (Wiesen) und einen 
mir unbekannten Carduus. Bei Fu£ine am Berge Bitoraj wächst 
Carduus Per Sonata^ Süene pusilla^ Erigeron alpinus, Eryngium 
alpinum, Cystopteris montana^ alpina et anthriscifolia^ Pleurospermum 
austriacuMy Telekia speciosa, Ranunculus Grenerianus, Lonicera 
alpina^ Geranium pratense, lucidum, Vicia oroboides etc. Am 
Tuchovitzberge zwischen Fu£ine und Lepeniza fanden wir, ich und 
Herr v. Vukotinovic, Carduus candicans^ eine von mir und von Herrn 
V. Uechtritz in lit. als Athamanta Haynaldi n. sp. bezeichnete schöne 
Art^ die auch am Velebit häufig vorkommt, dann Crocus reticulatus. 
Bei FuSIne sammelte ich weiters Drosera rotundifolia^ eben wie sie 
kleine Käfer gespeist hat, Anthriscus fumarioides ^ Chrysanthemum 
macrophyllum und andere interessante Sumpf- und Wiesenpflanzen. 
Mit dem Autor habe ich auf den Wiesen des Berges Javorie pod 
debelom kosom seine schöne Silene Schlosseri Vukot. aufgesucht. Am 
ViSevitza sammelte ich eine alpine Potentilla^ ein Thlaspi mit Stolonen, 
Bupleurum Sibthorpianum Sm. fi. graec.l (B. baldense W. Kit.!), 
Cytisus radiatuSy Asplenium fissum, Vicia oroboides^ Phleum MichelO^ 
Telekia speciosa , Aquilegia viscosa^ Senecio Dorontcum, Rubus 
ChamaemoruSy Peucedanum austriacum^ Iris variegata etc. Bei Porto 
re wächst sicher Verbascum sinuatum (neu für Groatien) und ein 
noch nicht näher untersuchtes breitblätteriges, weissbltthendes Sedum. 
Zwei Tage sitzen wir schon im Zimmer, Dr. v. Schlosser ist auch 
angekommen. Es herrscht schrecklicher Sturm und Regen. 

Dr. V. V. BorbAt. 



281 

Innsbruck, 20. Juli 1876. 

Zu dem Aufsätze Celakovsk^'s über Cerastium pedunculatum 
Gaud. kann ich noch nachtragen , dass in den Tiroler Centralalpen 
C. pedunculatum viel häufiger ist als das C latifolium^ während in 
den Südalpen nur C. latifolium vorkommt. Beide Arten schliessen 
sich aus, wo die eine wächst, kommt nie die andere vor, an die 
geognostische Unterlage sind sie nicht gebunden, da beide auf Kalk und 
Schiefer vorkommen. Dieses gegenseitige Ausschliessen zeigt sich 
aber auffällig im Gschniizthale; auf der einen Thalseite , in den Gc- 
röllhalden des Huzels wächst nur C. latifolium, während unter ganz 
gleichen Verhältnissen auf der gegenüberliegenden Wand nur C. 
pedunculatum auftritt , welches den NO. Abhang des Muttenjoches 
z. B. vollständig überzieht , so dass der ganze Hang zur Blüthezeit 
als eine weisse Fläche, geschmückt mit den rothen Blüthen des 
Dianthus glacialiSy erscheint. B. Stein. 

Krems, 21. Juli 1876. 

In Folge meiner Berufung an die k. k. Versuchsstation zu Klo- 
sterneuburg bei Wien, verlege ich meinen Wohnsitz am 1. August 
dahin. Ich ersuche daher Briefe und Sendungen an mich von nun an 
nach Klosterneuburg zu adressiren. F. Br. Thümen. 

Gotha, 14. Juli 1876. 

Im Mai d. J. verschied hier nach langem, schmerzvollem Lei- 
den Dr. med. Heinr. Hess, ein eifriger und höchst kenntnissroicher 
Botaniker. Der Verstorbene hat mich durch letzfwiHige Verfügung 
mit der Verwerthung seines Herbars beauftragt. Dasselbe enthält an 
Phanerogamen die deutsche Flora im weitesten Umfange nahezu voll- 
ständig, darunter auch die meisten der in der neueston Zeit aufge- 
stellten Spezies, besonders reichhaltig; die Flora der deulschen und 
schweizer Alpen; ausserdem zahlreiche Kollektionen aus Frankreich, 
Italien, Spanien, Skandinavien; kleinere Sammlungen aus den übri- 
gen Welttheilen, viele Culta aus botanischen Gärton. Unter den 
Kryptogamen sind besonders die Farne und Laubmoose, darunter viele 
Originalexemplare der ersten Bryologen , sowie die Lebermoose mit 
den vollständigen Rabenhorsl'schen Spezies glänzend vertreten. Die 
Pflanzen, über 20.000 Spezies, stammen theils aus den Händen der 
bewährtesten deutschen u. a. Botaniker, theils sind sie von dem bis- 
herigen Besitzer auf seinen vielen Alpenreisen gesammelt. Sie sind 
tadellos erhalten. Ein vollständiger Katalog ist vorhanden und kann 
eingesehen werden. Offerte beliebe man an mich zu richten. 

0. Burbach, 
Semi nar- Oberlehrer. 



Oesterr. botan. Zeitschrift. 8. Heft. IS76. 22 



282 . 

Botauisoher Taiuolivereiii in Wien. 

Sendungen sind eingelangt: Von Herrn Janka mit Pflanzen aus 
Siebenbürgen. — Von Herrn Plosel mit P0. aus Schlesien. — Von 
Herrn Staub mit Pfl. von Fiume. 

Sendungen sind abgegangen an die Herren: Burnat, Dr. Schmidt. 

Aus Siebenbürgen, einges. von Janka: Iris humilis, Marru^ 
bium proecox, Melica picta^ Salma nutans^ Stipa Grafiana, 

Aus Schlesien, einges. von Plosel: Arnoseris minima, Cor ex 
cyperoides^ Danthonia decumbens, Eriophorum vaginatum, Festuca 
rubra, Hieracium stoloniflorum, Holcus moUis^ Hypochaetis glabra^ 
Lysimachia thyrsiflora^ Montia minor, Potentilla canescens, Polygala 
amara, P, comosa, Ribes nigrum, Setaria viridis^ Stellaria uUginosa^ 
Valerianella Morisonii^ Aspidium cristatum, A, dilatatum^ Lycopodium 
Selago^ Polypodium Phegöpteris u. a. 

Vorräthig: (B.) = Böhmen, (I.) = Istrien, (KrO = Krain, 
(Kl) = Kärnten, (NOe.) = Niederösterreich, (OOe.) = Oberösterreich, 
rP.) = Polen, (S.) = Salzbürg, (Sb.) = Siebenbürgen, (Schi.) = 
Schlesien, (Schw.) = Schweiz, (T.) = Tirol, (ü.) = Ungarn. 

Ddphne Blagayana (Kr.), Deniaria enneaphyllos (^. S. Kt.), 
Diarithus alpinus (SOe,% ärenarius (Schi), Armeria (ü.), dettoides 
(OOe.), serotinus (ü.), Diplotaxis intermedia (Sb.), Dracocephaium 
ausiriacum (NOe.), Drypis spinosa (L), Elatine hexandra (Schi.), 
triandra (Schi.), Ephedra monosta^hya (U.), Epilobium virgatum 
(Weimar), Erica arftorea (I.), Tetralix (Schi.), Erigeron neglectus 
TT.), Erodium litoreum (Frmikreicti), Eryngiumcampestre{\i,), planum 
(Ü-X Erysimum canescens (U.), repandum (B. ü.), Erythraea ramo^ 
sissima (Kt), spicata (I.), Erythronium denscanis (Kr. I.), Euphorbia 
alpigena (S.), angulata (NOe. P.), exigua (NOe. L), incana CSb.), 
transsiltanica (Sb.), eirgata (NOe.), Euphrasia gracilis (Schweden), 
litoraHs (Greifswald) , salisburgensis (NOe.) , Evonymus lalifolius 
(NOe.), r>errucosus (ü.), Ferula silvatica (Sb.), Festuca amethystina 
(ü.), hirsuta (ü.), Fritillaria Melea>gris (Kr. X montana (h% Fumaria 
Schleicheri (B.), Galinsoga part>iflora (ü. Stettin), Galium aetnicum 
(Etna), baldense (T.), commutatum (Weimar), elatum (Weimar), 
purpureum (l), setaceum (Frankreich), Genist a Halleri (Schw.), 
pubescens (ü.), eirgata (ü.), Gentiana AmarelLa (Posen), campestris 
(Görlitz Greifswald), ciliata (NOe.), germanica (NOe. P.), Geranium 
argenteum (t.), lucidum (P.), palustre (OOe.), pyrenaicum (NOe.), 
Geum montanum (NOe. T.), rieale (P.), Gladiolus palustris (Schw.), 
imbricatus (P.), Glyceria distans (NOe. U.), remotu (Ostpreussen), 
Glycyrrhiza echinata (U.), Gnaphalium Leontopodium (Kt.), nudum 
(Dresden), Gypsophila fastigiata (B. Schi.), paniculata (ü.), rigida 
(OOe.). 

Obige Pflanzen können nach beliebiger Auswahl im Tausche 
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden. 



283 



Inserate, 

In Carl Winter's Universitätsbuchhandlung in leidelberg ist 
soeben erschienen: 

Die Idchtabsorption in den Ohlorophylllösungen. Von Professor 
A. V. Wolkeif in Odessa. Mit einer lithographirten Tafel, ct. &•, brosch. 
1 Mk. 60 Pf. ■ 

Müller , Dr. N. J. C. , Professor der Botanik an der königl. Forstakademie 
Münden, Botanische Untersuchungen. V. Ueber die Einwirkung 
des Lichtes und der strahlenden Wärme auf das grüne 
Blatt unserer Waldbäume. Mit Holzschnitten, einer Lichtdruä- und 
einer Farbentafel, gr. 8. brosch. 6 Mk. 80 Pf. 

Die Sauerstoffausscheidung fleischiger Pflanzen. Ein Angriff von 
Herrn Dr. Hugo de Vrles , zurückgewiesen von Dr. Adolf Mayer. 

gr. 8. brosch. 48 kr. 



Bitte an die Botaniker und Gärtner Oesterreichs. 

In den Gärten der hiesigen Forstakademie habe ich leider nicht 
Raum genug, ein nach allen Richtungen hin befriedigendes Arboretum 
anpflanzen zu können, und bemühe mich desshalb \?enigstens ein- 
zelne Gattungen CSalix^ Rosa, Betula und Sptraea), sowie sämmt- 
liche nord- und mitteleuropäischen Holzgewächse so vollzählig, vrie 
irgend möglich, von wilden Standorten zu sammeln. Aus der reichen 
österreichischen Flora habe ich Manches nicht erhalten können , so 
namentlich nicht Bruckenthalia spiculiflora und Genista lydia aus 
Siebenbürgen, Carpinus orientalis^ Genista sericea und Genista sil" 
testris von Triest, sowie ferner typische Spiraeä crenäta und die 
Kerner'schen Cytisus-Avten oder Formen, albus Hacq., pallidus Schrad., 
virescens Kovacs., Heuffelii Wierzb., ciliatus Whlnbg., glaber L. fil. 
und leiocarpus Kern. Für eine Vermittlung obiger Arten würde ich 
mich zu grossem Danke verpflichtet fühlen, und wäre zu jedem mir 
möglichen Gegendienste mit Vergnügen bereit. 

Hannover, Minden. H. Zabel. 



Soeben erschien und wird auf Verlangen gratis und franco versandt: 

Lager-Katalog XL. Botanik. Landwirthsehaft, Verst- ni Jagd- 
wesen. 1147 Nummern. 

Frankfort a./M., Mai 1876. 

Josef Baer & Co., 

Rossmarkt iS. 
22 * 



Z8A 



Wichtig für Forstwirthe, Botaniker und 

G-artenfreunde. 



Im Verlage von E. lHorgenstern in Breslau ist soeben erschienen: 

Jahrbuch des floUesüiohen Forgtveremes für 1876. 

Herausgegeben von Ad. Tramnitz, königl. preuss. Ober- 
forstmeister. Preis: Mk. 6.00. 

Das Jahrbuch des Schlesischen Forstvereins nimmt durch den 
Werth der darin veröffentlichten wissenschaftlichen Arbeiten seit 
langer Zeit einen hervorragenden Platz in der forstlichen Litera- 
tur ein. — Um den Käufern des neuen Jahrganges auch die An- 
schaffung der früheren, deren Zahl 35 beträgt, zu erleichtem, 
werden letztere, soweit der geringe Vorrath reicht, zu bedeutend 
ermässigten Preisen abgegeben. 

Als Separatabdrticke aus dem Jahrbuche sind besonders verkäuflich: 

üeber Insohriften und Zeichen in lebenden Bäu- 
men. Von Professor Dr. H. R. Goeppert, Geh. Medizinal- 
rathe und Direktor des botanischen Gartens in Breslau. Mit 
5 lithographirten Tafeln. Preis: Mk. 1.25. 

Nachträge 2U der Schrift: lieber Inschriften und Zeichen 
in lebenden Bäumen, sowie über Maserbildung. Von 
Prof. Dr. Goeppert, Geh. Medizinalrathe. Mit 3 lithogra- 
phirten Tafeln. Preis: Mk. 0.60 

Ueber die Folgen äusserer Verletzungen der 
Bäume, insbesondere der Eichen und Obstbäume. 

Ein Beitrag zur Morphologie der Gewächse. Von Prof. Dr. 
Goeppert, Geh. Medizinalrathe. Mit 56 Holzschnitten und 
einem Atlas mit 10 lithogr. Taf. in Folio. Preis: Mk. 9.00. 

Der Name des berühmten Herrn Verfassers, sowie die Wich- 
tigkeit des behandelten Gegenstandes werden gewiss die Aufmerlc- 
samkeit aller Fachmänner auf diese bedeutenden Arbeiten lenken. 

Die durch Pilze erzeugten Krankheiten der Wald- 
bäume. Für den deutschen Förster. Von Dr. phil. Robert 
Hartig, Professor der Botanik an der Forstakademie zu 
Neustadt-Eberswalde. 2. Auflage. Preis: Mk. 0.50. 

Schneidein und Aufasten. Von Ad. Tramnitz, königl. 
preuss. Oberforstmeister. Mit 20 in den Text gedruckten 

Abbildungen. Preis: Mk. 1.50. 

Zu beziehen durch: 
C. Oerold's Sohn, Wien, Barbaragasse 2. 






Redakteur und Herausgeber Dr. Alezander Skoflts. — Verlag von O. Oerold's BoliB. 
Drnck ood Papier der O. Ueberrenter'scbeo Buchdruckerei (H. Baiser). 



Oesterreichische 

Eotanische Zeitschrift 

Gemeinnütziges Organ 

für 
Die Otterrelohltehe Exemplare 

botanliehe Zeltiehrm Botanik Dnil Rlltanikl»r die frei durch die Pott b». 

erscheint UWI»aUlJl UUU DUiaUlJier, aogea werdea soUea, sind 

den Ersten jeden Monats. bloa bei der Redaktion 

"'"Ärifl.'t^'"" fiärtaer, Oekonomen, Forslmänner, Aerale, ^"iäÄXI^t '" 

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Inserate ' in wien, 

die ganze Petitzelle jU». Q so wie alle übrigen 

15 kr. Ost. W. A^- V« Buchhandlungen. 



XXVI. Jahrgang. MWM. September 1876. 

XHBAItT: Verbreitung des Phloro^lucins. Von Weinzierl. — Zur RosenOora Sphlesieng. Von Stein. 

— MyKologisches, Von Voss. — Zur Flora von Wien. Von Kempf. — Winlerflora. Von Staub. — 
Zur Flora von Raabs. Von. Krenberger. — Pflaozen auf der Weltausstellung. Von Antoine. (Fort- 
setzung.) — Literatarbericbte. — Correspondenz. Von Dr. Marcbesetti, Knapp, Vierhapper, Dr. 
Kerner, Dr. Kanitz, Janka, Holuby. — Personalnotizen. — Vereine, Anstalten, Onternehmungen. 

— Botanischer Tauscbverein. 



Kleinere Arbeiten des pflanzenphysiologischen Institutes 

der Wiener Universität. 

IX. 

Veber die Yerbreituig des Phloroglacins im Plamenreiche. 

Von Theodor v. Weinzierl. 

Im Anfange des heurigen Jahres hat Prof. Wesel sky eine 
höchst empfindliche und präcise Reaktion auf das Phloroglucin aufge- 
funden*). Die Reaktion tritt ein, wenn man stark verdünnte Lösun- 
gen von Phloroglucin und salpetersaurem Toluidin mischt und eine 
sehr verdünnte Lösung von salpetrigsaurem Kalium oder ' Jfatriuiij 
hinzufügt. Zuerst erscheint das Gemisch farblos, färbt sich nach einiger 
Zeit gelblich, dann orangeroth und endlich scheidet sich ein zinnober- 
rother Niederschlag ab. Einen Beweis für die Empfindlichkeit der 
Reaktion gibt Prof. Weselsky in seiner Abhandlung. Der genannte 

*) P. Weselsky: Zur Nach Weisung des Phloroglucins und der salpetrig- 
sauren Salze. Originalbericht der deutschen chemischen Gesellschaft zu Berlin, 
Heft Nr. 3, Jahrg. 9. 1876. 

Oesterr. botan. Zeitschrift. 9- Hef^. 187«. 23 



286 

Forscher sagt 1. c: „Ein CC. einer Lösung, in welcher 0*0005 gr. 
Phloroglucin enthalten waren, wurde mit einem CC. einer bei ge- 
wöhnlicher Temperatur gesättigten Lösung von salpetersaurem Tofui- 
din versetzt, auf das Volumen von 50. CC. mit Wasser verdünnt und 
hierauf 1 CC. einer Lösung, welche 0001 gr. salpelrigsaures Kalium 
enthielt, hinzugegeben. Die Mischung blieb durch 10 Minuten farblos 
und klar, nach 15 Minuten fing sie an gelb zu werden, nach weite- 
ren 15 Minuten wurde sie orange, trübte sich, binnen einer Stunde 
färbte sie sich dunkelorange und nach etwa 3 Stunden entstand der 
charakteristische zinnoberrothe Niederschlag.'' 

Die Reaktion tritt auch dort ein, wo das Phloroglucin an Proto- 
catechusaure gebunden vorkommt, also auch bei Anwesenheit von 
Maclurin und Calechin, welche beiden Körper sich ja nach den be- 
kannten Untersuchungen von Hlasiwetz in Protocatechusäure und 
Phloroglucin spalten lassen. 

Diese Reaktion benutzte nun Prof. Wiesner, um durch einige 
vorläufige Versuche, welche auch von Erfolg begleitet waren, die 
Verbreitung des Phloroglucins im Pflanzenreiche kennen zu lernen. 
Am reichlichsten zeigte sich Phloroglucin in den Rinden u. zw. von 
AcerobtusatumKli.^ Popultu; alba, Tilia argentea, Ampelopsis hederacea 
und Syringa tmlgaris; jedoch in den ergrünten Cotylen, im epicotylen 
Stengelglied und in der Wurzel von Phaseolus multiflorus, im Sten- 
gel in frischen und vergilbten Blättern von Tradescantia viridis, 
ebenso in der Wurzel im Endosperm und den Blättern eines ergrün- 
ten Keimlings von Zea Mays konnte keine Spur von Phloroglucin 
nachgewiesen werden. 

Prof. Wiesner legte mir dann die Frage vor, welche weitere 
Verbreitung das Phlorqglucin im Pflanzenreiche habe, in welchen 
Pflanzentheilen und Geweben es vorkomme. 

Bevor ich die Resultate meiner diessbezüglichen Wahrnehmungen 
mittheile, bemerke ich noch, dass, worauf mich Prof. Wiesner vor 
Beginn meiner Arbeit aufmerksam machte, die genannte Reaktion 
allerdings mit grosser Wahrscheinlichkeit auf die Gegenwart von 
freiem oder gebundenen Phloroglucin schliessen lasse, aber doch nicht 
mit absoluter Gewissheit, weil möglicherweise noch andere chemische 
Individuen existiren, die mit den früher genannten Reagentien eine 
gleiche oder ähnliche Fällung geben. Unter den im Zellsafle regel- 
mässig auftretenden Kohlenhydraten , Eiweisskörpern , organischen 
Säuren, Gerbstofl'en etc. existirt jedoch keiner, welcher eine solche 
Reaktion hervorrufen würde. 

Makrochemische Untersuchungen. 

Die Aufsuchung des Phloroglucins wurde in folgender Weise 
vorgenommen. 

Vor jedem Versuche wurden die Eprouvetten mit Salpetersäure 
und hierauf mit destillirtem Wasser sorgfältig gereinigt und von den 
zu untersuchenden Pflanzentheilen gleiche Gewichtsmengen (2 — 3 gr.) 
der frischen Substanz genommen, sJ^erkleinert und in 30 CC. destill. 



287 

Wasser bis zur Siedetemperatur erhitzt, weil das Phloroglucin im 
heissen Wasser leicht löslich ist, ohne seine Eigenschaft zu verändern, 
sodann wurden die Extrakte filtrirt und das Filtrat nach vollständiger 
Abkühlung mit den Reagentien behandelt. Ich nahm gewöhnlich circa 
10 CG. von dem Extrakte und fügte zuerst 5 Tropfen einer gesät- 
tigten Lösung von salpetersaurem Toluidin und hierauf ebensoviel 
einer einpromilligen Lösung von salpetrigsaurem Natrium hinzu. 

Es folgen nun die verschiedenen Pflanzen, welche ich zur Un- 
tersuchung verwendete, nebst den Reaktionen, welche ihre Extrakte 
nach Behandlung mit den Reagentien zeigten. 

Nachdem im J. 1835 von De Koninck und Stas das Glucosid- 
Phloricin entdeckt und in reichlichen Mengen in der Wurzelrinde 
des Apfel-, Birn-, Kirschen- und Aprikosenbaumes konstatirt wurde, 
Stas ferner auch zeigte, dass das Phloricin durch Säuren in GlucoSe 
und Phloretin sich spalten lasse, welch' letzterer Körper nach Hla- 
siwetz wieder in Phloretinsäure uud Phloroglucin zerlegt werden 
kann*), so habe ich als erste Objekte der Untersuchung Pflanzen 
aus der Familie der Pomaceen und Amygdaleen gewählt, weil ich 
eben in ihnen vor Allem Phloroglucin vermuthete. 

Ich nahm von frischen mehrjährigen Trieben des Apfelbaumes 
am 8. Mai d. J. Rinde und Holz, behandelte gleiche Mengen in der 
früher geschilderten Weise und erhielt nach 6 Stunden im Rinden- 
extrakt eine reichliche zinnoberrothe Fällung, während im Holzex- 
trakt eine geringe Menge des Niederschlages sich zeigte, aber immer- 
hin noch auf das Vorhandensein des Phloroglucins deutete. Darauf 
nahm ich auch Rinde und Holz von I)/rus communis, Cydoma vul- 
garis, Sorbus Aria^ Amygdalus communis^ Prunus domestica^ Prunus 
Armeniaca und Crataegus^ wo sich überall in den Rindenextrakten 
eine ziemlich reichliche, auf Phloroglucin deutende Fällung, während 
im Holze nur eine sehr geringe Menge, in den meisten Fällen aber 
kein Phloroglucin vorzukommen scheint. Ferner untersuchte ich Rin- 
den von Acer campestre, Acer platanoides, Acer striatum, Aesculus 
Hippocastanum^ Cornus Mas etc., und fand auch in den Rinden 
dieser Pflanzen ziemlich reichliche Mengen von Phloroglucin. In Ul- 
mus campestris Hess sich nur wenig, in einigen untersuchten Legumi- 
nosen aber, als: Cytisus Laburnum, Robinia Pseudoacacia, Gle-^ 
ditschia triacanthos weder in der Wurzelrinde und im Wurzelholz, 
noch in der Stammrinde und im Stammholz mehrjähriger Triebe auch 
nicht eine Spur von Phloroglucin nachweisen. 

Um auch über die Zeit der Bildung des Phloroglucins und über 
die etwaige Wanderungsfähigkeit desselben eine annäherungsweise . 
klare Vorstellung zu bekommen, stellte ich folgende Versuche an. 

Ich nahm ein- und zweijährige Triebe von Sorbus AriaCriz.^ Pyrus 
Malus^ Pyrus communis, Prunus domestica und Cydoma vulgaris 
und konstatirte in den Rinden der Triebe am 16. Mai ziemlich er- 



*) Dr. August und Theodor Husemann: Die Pflanzenstoffe, pag. 700 
und 701, 

23* 



288 

hebliche Mengen von Phloroglucin, wöhrend die einjährigen Triebe 
weder in Rinde, noch in Holz und Blättern eine Spur von Phloro- 
glucin erkennen Hessen. Ich untersuchte noch Blattknospen an Kurz- 
trieben von den früher angeführten Pflanzen und fand in ersteren 
grosse, in letzteren geringe Quantitäten von Phloroglucin. Es scheint 
demnach die Annahme berechtigt, dass das Phloroglucin eine Wan- 
derung aus der Rinde in die junge Knospe durchmache und wahr- 
scheinlichervi^eise in der Rinde des Stammes sich entvi^ickle. 

Ich behalte mir überdiess vor, über diesen Gegenstand vreitere 
Beobachtungen und Untersuchungen anzustellen, um ein annäherungs- 
weise sicheres Resultat auch bezüglich der physiologischen Funktion 
des Phloroglucins erzielen zu können. 

Am 6. Juli wiederholte ich den Versuch mit den frischen 1jährigen 
Trieben von Cydonia vulgaris, Pyrus Malus etc. und konstatirte im 
Rindenextrakte von Cydonia vulgaris schon reichliche Mengen von 
Phloroglucin, während Pyrus Malus und Pyrus communis noch keine 
Spur von Phloroglucin erkennen Hessen. Es scheint demnach in Cy- 
donia vulgaris das Phloroglucin früher gebildet zu werden als in 
Pyrus Malus und Pyrus communis. Auch habe ich bei meinen Unter- 
suchungen die Beobachtung gemacht, dass die Quantität des in der 
Rinde auftretenden Phloroglucins von denv Alter der Pflanze abhängig 
ist, da ich in mehr als einjährigen Rinden bei gleichen Gewichts- 
mengen eine bedeutend reichlichere Fällung durch die Reaktion er- 
hielt, als in den frischen einjährigen peridermlosen Trieben. 

Folgende ZusammensteHung soU eine Uebersicht über die unter- 
suchten Pflanzen und Pflanzenfamilien geben und zugleich auch die 
Menge des in den verschiedenen Pflanzentheilen enthaltenen Phloro- 
glucins ersichtlich machen. 

Pomaceen. 

Pyrus Malus^ Rinde reichUche Mengen von Phloroglucin 

„ „ Holz ziemlich „ » « « 

„ \ Ijähr. Triebe am 16. Mai kein „ 

„ „ Ijähr. „ am 8. JuH kein „ 

„ „ Blattknospen an Kurztrieben am 16. Mai 

reichliche Mengen von „ 

J)^rus communis^ Rinde reichl. Mengen von „ 

„ „ Holz sehr geringe „ „ „ 

„ „ Ijähr. Triebe am 16. Mai kein „ 

„ „ Ijähr. „ am 8. Juli kein „ 

„ „ Blattknospen an Kurztrieben am 16. Mai 

reichliche Mengen von „ 

Cydonia vulgaris Pers., Rinde ziemHch grosse Mengen von „ 

» „ Holz sehr geringe „ „ „ 

„ „ Ijiihr. Triebe am 16. Mai kein „ 

^ „ Ijälir. „ am 8. JuH reichl. „ 

„ „ Blattknospen an Kurztrieben reichl. „ 



289 



Sorbus Aria Crtz., Sinde ziemlich reichliche Mengen von Phloroglucin 

Holz kein 

Ijähr. Triebe am 16. Mai kein 

Ijähr. ^ am 8. Juli Spur 






5) 
9) 
9) 



Amygdaleen. 
Amygdalus communis, Rinde reichliche Mengen von 



V V Holz 

Prunus Armeniaca, Rinde 

^ Holz 

domestica Rinde 

Holz 
Ijähr. Triebe am 16. Mai 
Ijähr. Triebe am 8. Juli 






55 
5? 
55 



kein 
reichliche Mengen von 

kein 

geringe Mengen von 

Spur ^ 

kein 

kein 



Uimaceen. 
Celtis australis^ Rinde 

55 55 Holz 

„ ^ Ijähr. Triebe am 20. Mai 

55 55 Ij^hr- 55 

Ulmus campestris, Rinde 

Holz 



am 10. Juli 



n 



keine 



kein 
kein 
kein 
kein 
Spur von 



Plataneen. 



55 
55 



55 



Populus alba^ Rinde 
„ 55 Holz 



55 
55 



55 
55 



Platanus occidentalis, Rinde 
55 55 Holz 

Salicineen. 

geringe Mengen 
Spur 
Leguminosen. 

Phaseolus multiflorusy ergrünte Cotylen kein 

^ ^ epicotyles Stengelglied ^ 

^ „ Wurzel 

Robinia Pseudoacacia, Stammrinde 

Stammholz 
Wurzelrinde 
„ „ Wurzelholz 

Cytisus Laburnum^ Stammrinde 
^ „ Stammholz 

„ „ Wurzelrinde 

„ „ Wurzelholz 

Gleditschia triacanthos, Rinde 

Holz 



keine Spur von 



55 
55 



55 
55 



55 
55 
55 
55 
55 
55 
55 



55 
55 
55 
55 
55 
55 
55 



55 
55 
15 
55 
55 
55 
55 

kein 



Ilex aquifolium^ Rinde 

Holz 



Aquifoliaceen. 

geringe Mengen von 

kein 



55 
55 
55 



55 
55 
55 
55 
55 
9 
55 
55 



55 
55 
55 

55 
55 
55 



55 

55 



55 
55 

55 
55 
55 
55 
55 
55 
55 
55 
55 
55 
55 
55 
55 



55 
55 



290 

Anacardiaceen. 

Rhus CotinuSy Rinde geringe Mengen von Phloroglucin 

» » Holz kein ^ 

Xanthoxyleen. 
Äilanthus glandulosa Desf., Rinde kein ^ 

„ V Holz y, 

Tiliaceen. 



„ ^ Holz kein 

Taniariscineen. 






striatuMy Rinde geringe Mengen „ 

Holz 



» 



Tilia argentea, Rinde, geringe Mengen von 

„ ^ Holz Spur y, y, 

„ grandifolia Ehrbg., Rinde geringe Mengen ,, ,, 



w 



Tamarix gallica^ Rinde keine Spur von „ 

» 55 Holz 55 55 55 „ 

55 5, Rinde Ijähr. Triebe am 4. Juli kein „ 

,5 „ Holz 55 ,5 am 4. Juli „ „ 

„ 55 Blätter „ ,5 ,5 55 

Acerineen. 

Acer obtusatum Kit., Rinde geringe Mengen von „ 

55 55 Holz 55 55 55 „ 

,5 campestre, Rinde reichl. Mengen „ „ 

n r> Holz geringe » » » 

5, platanoides^ Rinde ,5 „ ,5 ,5 

„ 55 Holz Spur 55 55 



V 
7> 



Hippocastaneen. 

Aesculus Hippocaslanuni^ Rinde zieml. reichl. Mengen ,5 „ 

5, „ Holz sehr wenig „ 

Fumariaceen. 
Diclytra spectabilis^ in Blatt und Stamm 



55 

Berberideen. 

Berberis vulgaris^ Rinde kein „ 

» V Holz „ ,5 

„ „ Blätter ^ ^ 

Coniferen. 
Cupressineen. 

TÄw/a occidentaliSj Rinde Spur von ,5 

» 95 Holz kein „ 

„ yi Blätter „ ^ 



291 



Juniperus communis^ Rinde 

Ji » Holz „ 

„ ^ Bialter „ 

Sa/to; eapreüy Rinde ziemlich reichl. Mengen „ 

„ » Holz 

Juglans regia, Rinde 

Holz 



kein Phloroglucin 



kein 
geringe Mengen von 

kein 






Cupuliferen 

Quercns tinctoria L. In der Rinde (käufliche Ouercitronrinde) konnte 
ich durch die Reaktion keine Spur von Phloroglucin nachweisen, 
obgleich das aus dein Quercitrin entstandene Quercetin sich in 
Phloroglucin und Quercetinsäure spalten lässt*). 



Corylus Avellana, Rinde 
Ji „ Holz 


reichliche Mengen 
Betulaceen. 


von 
kein 


Phloroglucin 


Betula alba, Rinde 


reichl. Mengen 


von 


5) 


y> « Holz 


Spur 
Thymeleen. 


» 


W 


Daphne Mezereum, Rinde 


ziemlich reichl. Mengen 


von 


99 


» « Holz 


Spur 
Ericaceen. 


5) 


» 


Azalea pontica, Rinde 
» „ Holz 


sehr geringe Mengen 
Oleaceen. 


kein 




Syringa eulgaris, Rinde reichl. Mengen 
„ y, Holz sehr geringe „ 
„ „ junge Blätter Spur 
„ „ Blüthe (Corolle) „ 

Fraooinus excelsior, Rinde keine „ 
» » Holz „ « 


von 

5) 






Orobancheen. 






Orobanche major, Blüthenstiel keine ^ 
„ » Blüthe y, r, 
r> 7> Wurzel „ „ 




5) 
55 




Bignoniaceen. 






Bignonia Catalpa, Rinde 
„ « Holz 




kein 


5) 



1016 



*) Dr. Aug. und Theod. Husemann: Die Pflanzenstoffe, pag. 1012— 
', woselbst die Originalabhandlungen Hlasiwetz'3 hierüber citirt sind. 



292 

C aprifoliaceen. 
Sambucus nigra, Rinde kein Phioroglucin 

„ « Holz „ ^ 



junge Triebe am 10. Juni ^ « 

^ „ Blüthen ^ „ 



y> « 



Araiiaceen. 

Hedera Helix^ Rinde keine Spur von 

Holz 



Larix decidua^ Rinde 
y) M Holz 

n » BläUer 



« 



Ampelideen. 

Ampelopsis hederacea, Rinde zieml. grosse Mengen von ^ 

^ ji Holz kein „ 

» » junge Blätter am 4. Juli sehr wenig „ 

„ „ Ijähr. Triebe reichl. „ 

Corneen. 

Cornus mas, Rinde sehr geringe Mengen von 

^ M Holz kein 

Ribesiaceen. 

Ribes rubrum, Rinde reichl. Mengen von 

j) ji Holz Spur von ^ 

„ „ Ijähr. Triebe am 4. Juli reichl. ^ 

Philadelpheen. 

Philadelphus coronarius, Rinde kein 

» » Holz „ 

Rosaceen. 

Ä05a centifolia, Rinde zieml. reichl. Mengen von 

r, 99 Holz kein 



n 






57 



» 



Taxineen. 

Taxus baccata^ Rinde sehr geringe Mengen von 

„ 55 Holz kein „ 

„ » Blätter Spur von „ 

Abietineen. 

Ptnii« silvestris, Rinde keine Spur von ^ 

" " Holz » » „ » 

, „ Blätter » » « 

iio»e« pecHnala DC, Rinde » » » » 

y> » Holz „ ^ „ „ 






293 

Auf die Honocotylen wurden die Versuche vorläufig nicht aus« 
gedehnt mit Ausnahme von Trctdescantia viridis und Zea Mays^ in 
welchen Pflanzen Prof. Wiesner weder im Stengel, noch in frischen 
und vergilbten Blättern Phloroglucin auffinden konnte. 

Mikrochemische Untersuchungen. 

Was die mikrochemische Untersuchung anbelangt, so habe ich 
die zu untersuchenden Schnitte natürlicherweise nicht mit heissem 
Wasser extrahirt^ um eben die Reaktion in denjenigen Zellen und 
Geweben zu erhalten^ welche das Phloroglucin enthalten. 

So wurden auch feine Querschnittp durch die Rinde von Sor- 
bus Aria behandelt, und nach dem Eintreten der Reaktion zeigten 
besonders die Phellogenzellen eine intensive röthlichbraune Fär- 
bung. Auch erschienen einige Parenchymzelien tingirt, aber ihre 
Färbung, sowie auch die des Phellogens stimmte nicht mit der auf 
makrochemischem Wege erhaltenen Farbe überein. Ich überzeugte 
mich jedoch durch einen Parallelversuch mit Baumwolle, dass die 
durch die Reaktion hervorgerufene Färbung der Parenchym- und 
Phellogenzellen dieselbe sei wie im makrochemischen Versuche, ob- 
gleich sie im Mikroskope anders erschien. Die Bastzellen der Baum- 
wolle, welche früher mit Phloroglucin imprägnirt und dann mit sal- 
petersaurem Toluidin und salpetrigsaurem Kali behandelt wurden, 
zeigten nach dem Eintreten der Reaktion dieselbe röthlichbraune 
Färbung, wie die mit den Reagentien behandelten Parenchym- und 
Phellogenzellen der Rinde von Sorbus Aria. Makroskopisch war je- 
doch diese Färbung an der Baumwolle nicht zu erkennen, sie er- 
schien vielmehr wie der ganze Niederschlag ziegelroth. 

Ich untersuchte nun mehrere Pflanzen auf mikrochemischem 
Wege, natürlich nur diejenigen, von denen ich mich schon früher 
durch die makrochemische Reaktion überzeugte, dass sie Phloroglucin 
enthalten. 

Bei Acer campestre bemerkte ich ebenfalls jene intensive Fär- 
bung des Phellogens, auch zeigten hier einzelne Zellen und insbe- 
sondere Zellwände des Gefässbündelgewebes, meist der Gefässbündel- 
scheide angehörig, jene charakteristische röthlichbraune Färbung. 
Aehnliches fand ich bei Pyrus Malus, Pyrus communis^ Prunus Ar- 
meniaca und bei vielen zur makrochemischen Untersuchung verwen- 
deten Pflanzen. Im Holze der untersuchten Gewächse zeigte sich im 
Allgemeinen eine sehr schwache Reaktion, entsprechend dem ver- 
hältnissmässig geringen Gehalte an Phloroglucin. Doch trat sie mit 
genügender Deutlichkeit hervor, um Farbenunterschiede zwischen den 
einzelnen Gewebselementen des Holzes wahrnehmen zu können und 
somit auch den Sitz des Phloroglucins in den verschiedenen Partien 
mit einiger Bestimmtheit angeben zu können. 

Im Gelbholze von Maclura aurantia^a Nutt. iBroussonetia tinctO" 
ria Mart.) scheint, nach der mikrochemischen Reaktion zu schliessen, 
das Maclurin, beziehungsweise das Phloroglucin seinen Hauptsitz in 
den Holzzellen und Gefässen zu haben, während die Markstrahlen^ 



294 

welche im Mikroskope nadi der Reaktion nur sehr schwach roth- 
braun tingirt erschienen, im Allgemeinen aber in Folge der Holz- 
substanz vom salpetersauren Toluidin gelb gdTärbt wurden, nur sehr 
geringe Mengen von Phloroglucin zu enthalten scheinen. Ans der 
genaueren mikroskopischen Beobachtung des Querschnittes geht aber 
mit Bestimmtheit hervor, dass in Holzzellen und Gefässen vorzugs- 
weise die Zellwände es sind, welche das Phloroglucin bergen, und 
in diesen wieder die ältesten Zellwandschicht^, in denen eben auch 
die intensivste Färbung zu erkennen war. 

Die Beobachtung stimmt im Allgemeinen mit der an irtschen 
Hölzern der untersuchten Gewächse überein, ich füge aber hinzu, 
dass ich nur im Gelbholze grössere Mengen von Phloroglucin in den 
ältesten Zellwandschichten erkennen konnte. — In der Regel habe 
ich gefunden, wie auch aus der Zusammenstellung ersichtlich ist, 
dass die Mengen des Phloroglucins im Holzo gegenüber denen in 
der Rinde mehrjähriger Gewächse sehr gering sind und eben nur 
bei der grossen Empfindlichkeit der Weselsky'schen Reaktion wahr*- 
genommen werden können. 

Aus allen diesen Beobachtungen und Untersuchungen geht nun 
hervor, dass das Phloroglucin eine ziemlich grosse Verbreitung im 
Pflanzenreiche zu haben scheint, vorzugsweise aber in der Rinde und 
zwar im Phellogen in grösseren Quantitäten vorkommt, in welchem 
wahrcheinlicher Weise auch der Ort der Bildung und der Ausgangs- 
punkt der Wanderung nach der Knospe sein dürfte. 

Es wäre endlich gewiss auch in physiologischer Beziehung von 
grossem Interesse zu erfahren, ob das Phloroglucin in der Pflanze 
als Produkt des Zerfalles, oder ob nicht umgekehrt aus dem Phlo- 
roglucin durch synthetische Processe das Phloretin und dann das 
Phlorizin sich entwickeln. Ich behalte mir eben vor, durch spätere 
Versuche und Beobachtungen den Prozess der Phloricin- und Phloro- 
glucinbildung in der Pflanze zu verfolgen, um auch über die physio- 
logische Bedeutung des Pbloricins und Phloroglucins und der gegen- 
seitigen Beziehung dieser beiden Körper einige Mittheilungen machen 
zu können. 



•c«.00««a- 



Beitrag zur Rosenflora Schlesiens. 

Von B. Stein. 

Im Jahresbericht der Scbles. vateri. Gesellsch. für 1875 gibt 
R. von Uechtritz eine Zusammenstellung der ihm aus Schlesien 
neuerlich bekannt gewordenen Rosen. Es sind diess: 
Rosa cUpina L. f. laeeis Serg. fr, globosis. 

— pomifera Herm. mit der zugehörigen JB. recondita Puget. 
^- venusta Scheutz. 

— cuspidata M. B, 



295 

Rosa inodara Fr. 

— rubiginosa L. f. grandifolia Godet. 

— micrantha Sm. 

— tomentella Löm. 

— tomentella Löm. f. sclerophylla (Scheutz). 

— coriifoüa Fr. 

— Reut&ri Reutr 

— dumetornm Thuill. var. uncinella Bess. 

— alpinaXtomentosa Strähler == R. veslita Godet f. Straeh- 
leri Uechtr. 

— spinulifolia Dem. f. speciosa Uechtr. 

— alpinaXcanina Neilr. f. pareifoUa Uechtr. = R. salaecensis 
Rap. var. üechtritziana Christ. 

— Wait^na Reichb. 

— ca/ninaXgalUca Krause. 

— trachyphylla aut. rec. vix Rau. 
— ' collma Jacq. 

Zu dieser Aufzählung kann ich durch einen glücklichen Um- 
stand noch eine erhebliche Zahl neuer Arten für Schlesien bringen, 
deren Bestimmung ich Herrn A. Dös^glise in Genf verdanke, 
welcher mit liebenswürdigster Bereitwilligkeit sich der Mühe der 
Untersuchung und Bestimmung unterzog. Die Herrn Dös^glise über- 
sandten Rosen sind zum Theil noch von Wimmer, Grabowski 
und Krause gesammelt — aus dem im Besitze meines Freundes 
Fritze in Rybnik befindlichen Herbar Wimmer, — theils von Fritze 
selbst aufgefunden. Die Wimmer 'sehen Rosen stammen aus den Jah- 
ren 1830 — 1854, und bei vielen derselben Hess sich eine genaue 
Artbezeichnung nach heutigen Begriffen nicht mehr ermöglichen. Ich 
hoffe, dass der Sammelfleiss der schlesischen Botaniker von den mei- 
sten dieser sehr interessanten Formen uns bald frisches Material zur 
Sichtung schaffen wird, da gerade Schlesien sehr reich an Rosen 
sein dürfte. 

Die in Uechtritz' Liste nicht vorhandenen Arten nachstehender 
Liste sind gesperrt gedruckt. 

Rosa adjecta Dsgls. Bad Kunzendorf bei Neurode, Zentner bei Kun- 
zendorf, Brückenberger Mühle und eine fraglich hierher gehö- 
rende Form vom Harteberg bei Silberberg, sämmtlich von Wimmer 
gesammelt. 

— alpina var. pilosula Serg. Berglehnen über Dittershof bei Frei- 
waldau (Fritze). 

— alpina L. var. setosa Serg. Melzergrube und unterhalb Görbers- 
dorf (Wimmer). 

— cinnamomea L.I Zwischen Schmiedeberg und den Grenzbauden 
(Fritze); die nicht gefüllt-blühende, wilde Form, wie sie auch 
in der subalpinen Region Tirols vorkommt 

— collina Jacq., R, marginata Wimm. non Wallr. Am Damme zw, 
Rosenthal und Karlowitz bei Breslau (Krause). 



296 

Rosa comosa Rip.^ R. rubiginosa aut. non L. Cudowa (Grabowsky), 
Karlowilz (Junger). 

— coriifolia Fr. Ditlershof bei Freiwaldau (Fritze). 

— dumalis Sechst., R. canina ß. tyulgaris W. 6r. Um Bi^eslau 
(Wimmer). 

— farinolenta Cr6p. Karstenhütle bei Rybnik (Fritze), eine höchst 
auffallige, schöne Art mit beiderseits dicht silberglänzend be- 
haarten Blättern. 

— Grenieri Dsgls.? Von Junger bei Krummhübel als Ä. tomen- 
tosa var. hispida Borkh. gesammelt. 

— Kluckii W. Gr. Cudowa (Grabowski). 

— Medoxima Dsgls. Zwischen Schmiedeberg und den Grenzbauden 
(Fritze). 

— mollissima Fr. Scheint eine der verbreitetsten Arten in Schle- 
sien zu sein; im Herbar Wimmer liegt sie von der Rosen- 
thaler Brücke bei Breslau (Wimm.) und von Cudowa (Grab.) 
vor; Fritze sammelte sie: zw. Schmiedeberg und den Grenz- 
bauden, Althof und Tscheschnitz bei Breslau, Rudateich bei Ryb- 
nik, D^bowa Gora bei Lublinitz. 

— platyphylla Rau, Ä. canina X^galHca Krause. Karlowitz bei Br. 
(Junger). 

— rotundifolia Rchb. Cudowa (Grabowski). 

— virguliorum Rip. Weinberg bei Zobten (Wimmer). 

Ausserdem liegen im Herb. Wimmer noch in Exemplaren, 
welche zu dürftig zu einer sicheren Bestimmung sind: 
Rosa ex sect. pomifera^ von Wimmer als R. alpina am Harteberg 
gesammelt. 

— canina van brachyphylla^ var. squarrosa und var. affinis aus 
der Umgegend von Breslau. 

— hispida Borkh. Schmiedeberg (leg. Köhler). 

Innsbruck, im Juli 1876. 



C>000'9«*' 



Mykologisches aus Erain. 

Von Professor Wilhelm Voss in Laibach. 

1. Uromyces Erythronii DC. 

Eine der schönsten Frühlingspflanzen der hiesigen Gegend ist 
die prächtige Zahnlilie Erythronium dens canis L., die einen nicht 
geringen Antheil an dem Schmucke jener Laubholzwälder nimmt, 
deren Unterlage aus Sandstein und Thonschiefer besteht (Schischka- 
berg und Golovec). 

Schon Anfangs April, gelbst Ende März entfaltet sie ihre BlQ- 
then und bezeichnet mit Crocus cernm Wulf, den eigentlichen Be- 
ginn der Vegetation. In den ersten Tagen des Mai, bald nachdem 



297 

die Fruchtreife begonnen, trifft man an der Unterseite der Blätter 
zuweilen auch an deren Stielen das Aecidium Erythronii DC. in 
grossen, gewöhnlich längs der Blattrippen verlaufenden Häufchen von 
orangerother Farbe. Oft einzeln, nicht selten jedoch die Blattfläche 
bedeckend und dabei so häufig, wie ich es nur bei wenigen Aeci- 
dien, vielleicht nur bei denjenigen des Sauerdorns beobachtete. 

Schon gQgQXi das Ende desselben Monats bilden sich auf den- 
selben Blättern und dann entweder um das Aecidium^ an Stelle des- 
selben oder über demselben an der anderen Blatlfläche, — oder an 
benachbarten, von Aecidium nicht befallenen Pflänzchen kleine, etwa 
0*5 """^ breite, runde Pusteln mit Uromycessporen. (Bei den von mir 
gesammelten Exemplaren liegt zwischen dem Erscheinen der Aeci- 
dien und jenem der Uromycessporen ein Zeitraum von 18 Tagen). 
Diese, De Candolle's IJredo Erythronii^ durchbrechen die Oberhaut 
sind gelbroth gefärbt, haben farblosen Stiel und Spitze*). Nach etwa 
3 — 4 Tagen färben sich die Sporen und werden braun. Nach ge- 
nauem Vergleiche konnte ich weder in Bezug auf Form und Grösse 
der Sporen, auf Struktur und Dicke der Wandung, noch in der Länge 
und Form des Stieles und. der Spitze Verschiedenheiten wahrnehmen. 
Damit schliesst der Generationswechsel dieses Pilzes, der nun unter 
Uromyces Erythronii DC. zu betrachten wäre und aus den beiden 
besprochenen Fruchtformen besteht. Inzwischen sind die Blätter der 
Nährpflanze welk geworden, und zerfallen in eine schmierige, faden- 
ziehende Masse. 

Was hier Beobachtung zeigte, bestätigten gleichzeitig ange- 
stellte Kulturen. Auf die Blätter vollkommen pilzfreier Pflänzchen der 
Zahnlilie wurden solche mit reifen Aecidienfrüchten gelegt und unter 
eine Glasglocke gestellt. Nach mehreren Tagen bildeten sich die oben 
erwähnten röthlichen Uromycessporen aus, die nach vier- bis fünf- 
tägigem Zuwarten braune Farbe annahmen. 

2. Uromyces Fritillariae Thm. 

Nicht weniger häufig als die Zahnlilie ist die Schachtulpe Fri- 
tillaria Meleagris L., welche aber nicht wie jene auf Hügeln, son- 
dern auf den feuchten Wiesen des Laibacher Stadtwaldes (die ent- 
wässerten Theile des ehemals viel weiter an die Stadt reichenden 
Moores) angetroffen wird. Ihre schöne Blüthe entfaltet sich in der 
Regel in der ersten Hälfte des Aprils. Zu Ende desselben Monats 
gelang es mir, das von Duby aus Frankreich bekannt gewordene 
Aecidium Meleagris aufzufinden, welches gewöhnlich einzeln, in läng- 
lichen Häufchen, sowohl an den Blättern als auch am Schafte vor- 
kommt; im Ganzen nicht selten, aber nur manchesmal so reichlich, 
dass der grösste Theil des Blattes davon bedeckt wird. 

Im nächsten Monate (beobachtet am 24. Mai) folgt diesem Aeci-- 
dium der gleichfalls aus Frankreich bekannte Uredo Fritillariae 
Chaillet. Meist bildet er sich auf anderen Individuen, nur in ein- 

*) Vergl. Rabenhorst D. K. I. n. 147. 



298 

zelneii Fällen traf ich Aecidium und Uredo — ein schöner üromyces — 
auf derselben Nährpflanze. Baron von Thümen, an den ich diesen 
Üromyces sandte, gibt davon folgende Diagnose und stellte sie mir 
zu diesem Zwecke in liebenswürdigster Weise zur Verfügung. 

U. acervulis minutis, linearibus, vel rotundatis^ sparsis, variae 
confertis, vix convexis, epidermide primo tectis, demum liberis, effuso- 
brunneis; sporidiis variis: subglobosis, rotundis, ovatis, ellipsoideis vel 
fere cuneatis, basi vix attenuatis, vertice non incrassato, episporio 
tenui, laevi, punctulato vel obsolete reticulato, stipite brevissimi, crasso, 
caduco, hyaline, 3—4°°' longo, subpellucidis, dilute fuscis, 23—28"^ 
crass., 35 — 38'^"' long., paraphysibus mellis. — Sporidia etiam oc- 
currunt cum apicibus impositis, hyalinis^ minutis. 

In Fritillariae Meleagris caulibus, foliisque vivis vel languescen- 
tibus. — Uredo Fritillariae Chailet. in litt. — Caeoma Fritillariae 
Schlchtd. in Linnaea 1. (1826) p. 240 n. 5. 

Obwohl ich die Zusammengehörigkeit beider Pilze durch Ver- 
suche noch nicht prüfen konnte, so bin ich doch durch die Vegeta-* 
tionsverhältnisse überzeugt, dass dieses der Fall ist. 

Das Aecidium wurde, wie mir Prof. G. v. Niessl brieflich mit- 
getheilt, auch in Kroatien beobachtet; ob der üromyces in Oesterreich 
schon gefunden, ist mir nicht bekannt^). 

Da bei beiden Uromyces-Arien die Uredoform fehlt, so ist 
dieses ein Beweis für das Naturgemässe der Gruppe Uromycopsis 
Schröter. 

Aecidien auf Euphorbien. 

Fuckel zieht zu seinem üromyces tuberculatus das Aecidium 
Euphorbiae Pers. auf E, Cyparissias L. und E. Gerardiana Jacq. 
und als Fungus stylosporiferus üredo scutellata Pers., nicht ohne 
sein Bedenken an Ort und Stelle (Symbolae Mycologicae p. 60 n. 20) 
auszudrücken. 

Schröter's Untersuchungen**) zeigten, dass die Sporen von Aecid, 
Cyparissias DC. nicht auf einer Euphorbia keimen und Üromyces- 
Häufchen hervorrufen, sondern auf Pisum sativum L. 

Dadurch wird es wahrscheinlich, dass nur einzelne Aecidien 
auf Wolfsmilcharten sich auf solchen weiter entwickeln, andere aber 
sonstige Nahrpflanzen dazu bedürfen. 

Es ist schon eine Reihe von Euphorbien, theils mit Aecidien, 
theils mit üromyces oder mit beiden bekannt, welche ich einander 
gegenüberstelle, ohne aber in Vorhinein ihre Zusammengehörigkeit 
zu behaupten***). 



*) Von Aecidium und üromyces auf Urythronmm dens canis L. und 
von letzterem auf Fritillaria Mdeagris L. gelangen Exemplare zur AuHgabe in 
Thümen's Mycoth. univ. exe. 

**) Cit. in Thümen's Aphorismen über den sog. Generationswechsel der 
Pilze etc. Bot. Ver. in Landshut. V. Bericht. 

***) Nach FuckeVs Symbolae, Schröter's Brand- und Rostpilze, von Thü- 
men (Z. B. G. in Wien, 1874, 1875). Voss: Brand-, Rost- und Mehlthaupilze 
(Z.B.G. in Wien, 1876). 



299 



A. Aecidium bekannt an: 
Euphorbia amygdaloides L. 

— Cyparissiaa L. 

— Esula L. 

— GerarcUana Jacq. 

— lucida W. et K. 

? 
? 
? 

— t^ermcosa Lam. 

— virgata W. et K. 



B. Uromyces bekannt an 
? 
Euphorbia Cyparissias L. 

? 

— Gerardianu Jacq. 

■^ nicaeensis All. 

— palustris Host. 

— pannonica Host. 

— verrucosa Lara. 

— mrgata W. et K. 



Somit ist auf E. amygdaloides, Esula und lucida kein C/ro- 
myces, auf E. nicaeensis, palustris und pannonica kein Aecidium 
bekannt. 

Euphorbia verrucosa Lam. ist im Laibacher Stadtwalde sehr 
verbreitet. Am 28. April d. J. gelang es mir, sie reichlich mit Jiec»^ 
(/ii/m besetzt zu finden. 

Als ich Ende Mai dieselbe Stelle besuchte, fanden sich zwi- 
schen den Becherchen Uromycessporen, die sich bei der Bestimmung 
als U. scutellatus (Pers.) L6v. ergaben. Dass beide zusammenge- 
hören, daran ist wohl kaum zu zweifeln. 

Wie ist es aber mit dem Aecidium Cyparissiae DC? 

Am 4. Juni d. J. fand ich auf dem westlichen Gipfel (2145') 
des Grossgallenberges E. Cyparissias mit den Aecidien und gleich 
daneben Exemplare mit 17. scutellatus (Pers.) L6v. Pisum sativum L. 
findet sich dort nicht, und die wenigen Pflanzen, die ich davon in 
der Ebene angetroffen, waren vollkommen frei von Uromyces, welcher 
erst im Herbst erscheint. Sollte Aecidium Cyparissiae DC. nur auf 
Pisum sativum L. Uromyces entwickeln? 



Beiträge zur Flora von Wien. 

Von Heinrich Kempf, 

Im nachfolgenden Verzeichnisse gebe ich Fundorte einiger in 
der Flora von Wien selten oder doch nicht gemein vorkommender 
Pflanzen bekannt. 
Himanthoglossum hircinum Spreng. Am Rücken des Kahlen- und 

Leopoldsberges gegen Kloslerneuburg zu. Juni 1875. 
Piatanthera chlorantha Custor. Auf einer Wiese im obern Weidling- 

bachthale nächst dem Steinriegel. Juni 1876. 
Ophrys arachnites Reichard. In mehreren Exemplaren auf der Wiese 

gegenüber der Rohrerhütte hinter Neuwaldegg. Mai 1876. 
Centaurea solstitialis L. Zwischen Grinzing und der Wildgrube. 

August 1874. 



300 

Cirsium tataricum Wim. et Grab. Nicht selten in einem Holzschlage 

am Scheiblingstein. Juli 1876. 
Phyteuma spicatum L. Die blaublühende Varietät sehr häufig in den 

Wäldern zwischen Sievring und Weidlingbach. Juni 1876. 
Orobanche coerulea Vill. An der Strasse zwischen Klosterneuburg 

und Kierling., Juni 1876. 
Pyrola rotundifolia L. Auf einer Wiese des Steinriegels. Juni 1876. 
Aquilegia vulgaris L. In mehreren Exemplaren (mit fleischfarbigen 

Blüthen) bei Oberweidlingbach nächst dem Jägerhause. Juni 1876. 
Raphanus sativus L. Am Grottenbache zwischen Döbling und Neustift 

an mehreren Stellen. Juni 1876. 
Malta moschata L. In mehreren Exemplaren am rechten Ufer des 

Grottenbaches bei Döbling. September 1874. 
Epilobium Dodonaei Vill. An der Strasse, die von der Rohr erb ütte 

hinter Neuwaldegg auf die Sofienalpe führt, gleich anfangs rechts. 

August 1876. 
Stellaria nemorum L. Häufig am Rosskopf an einem Wege, der auf 

die Sofienalpe führt nächst der Rohrerhütte. Mai 1876. 
Galega officinalis. Am Bisamberge in der Nähe des Magdalenenhofes. 

Juni 1875. 

Je nur in einem Exemplare fand ich: Goodyera repehs Brown 
im Juli 1875 am Eisernen Thore bei Baden auf dem Wege zwischen 
dem Aussichtsthurme und dem Jägerhause, — und Arnica montana 
L. im Juni 1876 auf einer Wiese nächst dem Harschhofe unweit 
Kierling. 



-«xseai 



Die Flora des Winters 1872—1873. 

Von Prof. Moritz Staub. 

Es ist eine bekannte Erfahrung, dass die Naturforschung auf- 
gezeichneter Thatsachen bedarf, und selbst solche, di^ anfänglich für 
unbedeutend erscheinen, gewinnen erst mit der Zeit ihre eigentliche 
Bedeutung. So denke ich, dass auch eine Zusammenstellung (die 
ihrer Ausdehnung wegen wohl in diesen Spalten nur gedrängt sein 
kann) jener floristischen Erscheinungen, welche uns der seiner meteo- 
rologischen Eigenthümlichkeiten nach im Gedächtniss stehende Winter 
1872 — 1873 bot, von der botanischen Welt nicht ungünstig aufge- 
nommen wird. 

1. Meine eigenen und die Beobachtungen des Herrn L. Simko- 
vits, die wir in der Umgebung von Budapest machten, sind in den 
Jahrbüchern der königl. ungar. Centralanstalt für Meteorologie und 
Erdmagnetismus, Jahrg. 1872/73 (Zusammenstellung der in Ungarn 
im Jahre 1872/73 ausgeführten phyto- und morphänologischen Beob- 
achtungen von M. Staub) enthalten. 

Dieselben werden noch ergänzt durch die Beobachtungen von 
J. Freyn (Jahrb. der k. k. Zoolog.-Bot. Gesellschaft zu Wien 1873). 



301 

Freyn^s Beobachtungen finden auch dadurch besondere Bedeutungf, 
dass er die biologische Einwirkung der abnormen WiUerung an eini» 
gen Pflanzen (Echinospermum Lappula, Anihemis Hnctoriaf Sideritis 
mantanaj Ficus Caricq) feststellte. 

2. L. J. Holuby legte seine Beobachtungen von Nemes- 
Podhragy schon in diesen Blättern nieder (Oesterr. Bot. Zeitschr. 
1873 Nr. 2). 

3. Aus Leibitz (in Nordungarn) berichtet S. Fäbry über die 
vorzeitige Entwicklung der Frühlingsflora (in der obgenannten phänol. 
Zusammenstellung von M. Staub). 

Ebendort finden wir auch die Beobachtungen von 

4. Frau H. A. Smith aus Fiume; 

5. die von J. Geyer in Szepes-Iglö und 

6. die von G. Tögläs in Döva (Siebenbürgen). 

7. St. Schulzer von Müggenburg pflückte am 12. Dez. 1872 in 
Vinkovce einen Zweig mit 12 reifen Himbeeren (Verhandl. d. k. k. 
ZooL-Bot. Gesellsch. zu Wien 1873).. 

-8. E. Berroyer fand in der Umgebung von Wien am 8. Dez. 
53 und am 5. Jänner 8 blühende Phanerogamen. Dr. Reichardt sah 
am 4. Jänner im Wiener bot. Garten 33 Pflanzen blühen; in der Um- 
gebung Wiens am 6. Jänner 37 Arten^ von denen 10 entschieden 
zur Frühlingsflora gehörten; F. Rieder fand am 26. Dez. 15 blühende 
Phanerogamen (Verhandl. der k. k. Zoolog.-Bot. Gesellsch. zu Wien, 
Jahrg. 1873). 

9. Mit besonderer Erwähnung sind die gründlichen Beobach- 
tungen des Prof. J. Wiesner in Mariabrunn anzuführen, die in 
dieser Zeilschrift ausführlich erschienen sind (Oesterr. Bot. Zeitschr. 
1873, Nr. 2). 

10. Einem Berichte aus Mähren ist zu entnehmen, dass bei 
Mostfinitz am 27. Dez. 28 Pflanzen blühten (Verhandl. der k. k. 
Zool.-Bot. Gesellsch. zu Wien, 1873). 

J. Hinterhuber schreibt aus Salzburg, dass dort am 6. Jänner 
viele Frühlingspflanzen blühten (Oesterr. Bot. Zeit;schr. 1873, Nr. 2). 
Fritsch bestätigt diese Erscheinung und fügt hinzu, dass in Salzburg 
das Maximum der Temperatur im Dezember auf 17*0® stieg. Die 
Frühjahrspflanzen blühten im Vergleiche zum Wiener Blüthenkalend^ 
um 2 — 3 Monate früher als in normaler Zeit (Zeitschr. der Oesterr. 
Gesellsch. für Meteorologie VIB. Bd. Nr. 4). 

In Görz und JKrain bürg entwickelten schon zu Weihnachten 
die Kartofleln faustgrasse Knollen, und Mitte Jänner wurden reife 
Kirschen und Erdbeeren zu Markt gebracht (Zeitschr. d. Oest. Ges. 
f. Meteorologie 1873, Nr. 14). 

13. Aehnliche Erscheinungen meldete DfideSek von Pisek und 
sagt, dass dieselben sich auf ganz Böhmen erstrecken (Oest. Botan. 
Zeitschr. 1873, Nr. 1) und 

14. Von Athen schrieb Dr. Landerer am 3. März, dass bis 
dahin noch kein Winter war (Oest. Bot. Ztsehr. 1873, Nr. 4). 

15. Ausführlicher äusserte sich über die Erscheinungen dieses 

Oesterr. botan. Zeitschrift. 9. Heft. 1876. 24 



802 

Winlers Prof. Dr. P. Ascli^erson in der Sitzung der Geselisch. natar- 
forschender Freunde zu Berlin am 21. Jönner 1873. Seinen zahlrei-* 
chen Aufzeichnungen nach war diese Erscheinung über ganz Nord- 
und Mitteldeutschland verbreitet. Prof Ascherson bemerkt, dass 
ans dem Ganzen hervorgehe, dass die I^zten Pflanzen des Herbstes 
und die ersten Pflanzen des Frühlings, welche sonst durch mehr* 
monatlichen Frost und Schnee von einander getrennt sind^ sich bei 
dieser Gelegenheit die Hand reichten; von ehiem frühzeitigen Er- 
scheinen kann hier aber nicht die Rede sein^ nachdem die ersten 
Frühlingspflanzen im Dezember (eine Ausnahme bildet hier nur die 
übrigens sonst auch im Herbst blühende Viola odoratay und die 
letzten Herbstpflanzen im Jänner nur durch einzelne Individuen ver- 
treten waren und als Repräsentanten der allgemeinen Blüthe nicht 
zu betrachten seien. Der grösste Theil der Pflanzen vmrde durch die 
abnorme Temperatur nicht aus seiner Winterruhe gerüttelt; die 
ganze Erscheinung aber erinnert unverkennbar an den 
Winter der Mittelmeerregion, wo ebenfalls trotz des Mangels 
des Frostes die meisten Pflanzen in den Ruhezustand verfellen. 
(Sitzungsbericht der Gesellschaft natnrforschender Freunde zu Berlin 
am 21. Jänner 1873.) 

16. In der That berichtete über ähnliche Erscheinungen aus 
Triest Hofr. Tommasini an Prof. Ascherson. 

17. In Münster wurden am 10. Dezember ebenfalls blühende 
Pflanzen beobachtet (Wochenschrift für Astronomie und Meteorologie 
etc. 1873, Nr. 23). 

Bouch6, der Obergärtner des Berliner botan. Gartens sucht die 
Ursache dieser Erscheinungen eher in der Witterung des vor- 
hergegangenen Sommers, als in der Hilde des Winters und 
sucht diess durch das Verhalten der künstlich zur Vegetation gezwun- 
genen Pflanzen zu beweisen. 

Als besonderes Beweismittel dient ihm die Rosskastanie, welcba 

! gewöhnlich im September und Oktober zum zweiten Male blüht^ aber 
ruber, nachdem der 'erste Trieb beendigt und die Knospen des näch- 
sten Frühlings ausgebildet sind, ihr Frühlingslaub fallen lässt; dann 
mht sie kurze Zeit und entwickelt erst bei Eintritt der nasseren 
Herbsttage unter dem Einflüsse der relativ wärmeren Luft neue Triebe 
und Blüthen. Nur das längere Blühen der Sommer- und Herbstpflan- 
zen sei eine Folge des Ausbleibens des Frostes, obwcAil auch hier noch 
diess zn berücksichtigen ist, dass abgemähte oder abgeweidete Pflan- 
zen dadurch zu nochmaligem Treiben und Blühen angeregt werden, 
oder es sind solche Pflanzen, die im Jahre mehrere Generationen 
haben. Dieser Auffassung tritt Prof. Ascherson entgegen, indem er 
bemerkt, dass ganz ähnliche Sommer als der 1872er schon waren, 
ohne dass sie solche floristische Erscheinungen im Gefolge gehabi 
hätten. Die Unterbrechung der Vegetation ist nur eine äussere, und 
wenn diese wie in jenem Winter wegfällt, so tritt die Blüthezeit um 
i— 2 Monate früher ein (Botan. Zeitg. 1873, Nr. 9). Später bringt 
Bouch6 neue Argumente für seine Behauptung (Botan. Zeitg. 1874, 



303 

Nr. 23) und stützt sich auch auf die Beobachtung von Dr. P. Magnus 
an den Rosskastanien des Wiener Weltausstellungsrayons. 

18. Auch die Rheingegend zeigte diese Erscheinungen. Im bot. 
Garten zu Bonn wurden vom Herrn Obergärtner Geller vom 12. bis 
24. Jänner 152 blühende Pflanzen verzeichnet. Bemerkenswerth ist hier 
die Ansicht des gleichnamigen GärtnersBouch^, der zufolge eine schlechte 
Wein- und Obsternte nur zum Theile der grossen Kälte zuzuschreiben 
wäre, sondern eher einem kühlen Sommer und kurzen Herbst; der 
Hauptgrund aber sei in der schlechten Entwicklung des jährlichen 
Holzes zu suchen, welches die Folge vom frühzeitigen Ende der Ve- 
getation sei (Bot. Ztg. 1873, Nr. 44, 45). 

19. Sehr eingehend sludirte die Erscheinungen diesem Winters 
Prof. Göppert in Breslau. Seiner Ansicht nach bedarf die Pflanze der 
Ruhe, die durch abnorme Witterung unterbrochen wird, und die Biüthe 
entwickelt sich früher auf Kosten der Entwicklung des nächsten Früh- 
jahres. Bäume sind nicht im Frühjahre, sondern im Herbste zu ver- 
setzen und Bauholz ist dann zu fällen, wenn die Bodentemperatur auf 
ihr Minimum zugeht (Bot. Ztg. 1873, Nr. 18, 19, 22, 23). 

Auch an anderen Punkten Europas verfolgte man diese Er- 
scheinungen mit Aufmerksamkeit, aber ausser der Quelle kann ich 
darüber nichts anderes angeben, da ich eben zu diesen Quellen hier 
nicht gelangen konnte. So 

20. H. Hoffmann, phänol. und meteor. Beobachtungen (Bericht 
der Oberhess. Gesellsch. für Natur- und Heilkunde, Juni 1873). 

21. Thüme, über die frühzeitige Entwicklung der Vegetation im 
J. 1873 (Sitzungsber. der naturw. Gesellsch. ,5lsis*' in Dresden. 1873, 
Jan. — mart.). 

22. Schübeier, Notizen über Vegetation im Jahre 1872 in Nor-- 
wegen. (?) 

23. Rize, P. Petit und A. Lacher legen aus der Umgebung von 
Paris im Jänner 1873 blühende Pflanzen vor (Bulletin de la ^ci^te 
botanique de France. Tom. XX. 1873, n. 1). 

Aus air dem ist ersichtlich, dass diese eigenthümliche Erschei-* 
nung sich beinahe über ganz Europa ausbreitete und es wird sich 
wohl der Mühe lohnen, bei einer Wiederholung derselben die hier 
gesammelten Erfahrungen und Beobachtungen mit einander zu ver^ 
gleichen. Es ist noch zu erwähnen^ dass alle Beobachter darin über-- 
einstimmen, dass die Holzgewächse zum grössten Theil eine 
auffallende Ausnahme bildeten. Die meisten Hessen sich 
aus ihrer Ruhe nicht stOren. 

Budapest, am 4. Februar 1876. 



24 



304 

Zweiter Naektrag 

zur Flora 

des Östlichen Waldviertels , Raabs und ümgebong. 

Von Job. A. Krenberger. 

Dieser Nachtrag soll eine Ergänzung liefern zu dem im Jahr* 
gange 1867 dieser Zeitschrift, Seite 286 und 320 et seqq., veröffent- 
lichten Aufsatze: „Beiträge zur Flora des östl. Waldviertels^ und des 
Seite 382 enthaltenen ersten Nachtrages. Da ich nämlich im ver- 
gangenen Jahre Gelegenheit hatte , die Sommerflora von Riiabs und 
Umgebung näher zu beobachten, so erlaube ich mir, die Ergebnisse 
dieser Forschung der Öffentlichkeit zu übergeben. 

Die Lokalflora von Raabs — nun auf 707 Pflanzenspezies ge- 
bracht — ist damit wohl noch nicht vollständig erschöpft, aber doch 
nahezu vollständig. Weitere Funde, wenn sie auch nur mehr spär- 
lich sein können, sollen seiner Zeit nachfolgen. 

Ich will nur noch bemerken, dass die folgenden Pflanzen, von 
denen im Jahre 1867 nur ein einziger Standort bekannt war, oder 
die als ,)SeUen^ bezeichnet waren, häufiger vorkommen: Andropogon 
Ischaemumy Lilium Martagon, Senecio viscosus et nemorensis, Phy- 
theuma spicatum^ Catnpanula glomeraitty Salvia eerticillata^ Cycla- 
men europaeumy Bupleurum falcatum^ Seseli glaucum^ Hypericum 
hirsutum, Vicia sihatica, Stachis germanica, — Achillea nobilis — 
die von Neilreich als eine für Niederösterreich seltene Pflanze er- 
klärt wird, kömmt um Raabs sehr häufig vor. 

Equisetum hiemale L. Ufer der Thaya. 
Panicum sanguinale L. 
Setaria glauca Beauv. Aecker bei Grossau. 
Agrostis stolonifera L. 

— canina L. 

Calamagrostis Halleriana DC. An felsigen Waldstellen. 

— montana Host. An Waldrändern, in Holzschlägen häufig. 

— Epigeios Roth. In Wäldern. 
Arrhenatherum elatius M . et K. 
Giyceria aquatica Presl. Ufer der Thaya. 

•^ spectfAilig M. et K. „ „ „ 
Bramms erectus Huds. An sonnigen Abhängen. 

— inermis Leysser. „ » „ 
Acorus Calamus L. Ufer der Thaya. 
Humulus Lupulus L. 

Amaranthui retroflexus L. An unkult. Orten. 

Chenopodium hybridum L. „ „ „ 

Blitum Bonus Henricus L. ,, „ „ 

— rubrum Rchb. d n w 
Atriplex patula L. „ „ „ 

— rosea L. « - « 



305 

Rumex crispus L. 
Polygonum Hydropiper L. 

— dumetorum L. An Gebüschen. 

Valeriana officinalis L. Var. major. Ufer der Tbaya. 
Knautia sileatica Duby. Ufer der Taya. 
SuQcisa pratensis Moench. 
Solidago Virgaurea L. 
Inula salicina L. 

Gnaphalium uliginosum L. Ufer der Thaya^ Strassengräben, Brach- 
felder. 
Achillea Millefolium L. var. setacea Koch. 
Chrysanthemum inodorum L. An unkalt. Orten. 
Cirsium canum M. v. Bieb. Bloss auf Wiesen um Grossau. 

— tataricum Wimm. et Gr. = C cano X oleraceum. Auf densel- 
ben Wiesen unter den Eltern. 

Carduus crispus L. Im Schlossgarten und an den Ufern der Thaya, 

am letzteren Orte in mannshohen Exemplaren. 
Lappa minor DC. An Strassenrändern. 

— tomentosa Lam. „ „ 

Centaurea stenolepsis Kern. Auf Thayawiesen häufig. 

— maculosa an unkult. Orten. 
Lactuca muralis Pres. 

Hieracium fyulgatum Koch. Var. latifolium et angustifolium. 

— rigidum Hartm. An sonnigen, buschreichen Orten. 

— boreale Fries. » ^ j, ^ 
~ sabaudum L. „ „ „ „ 

Campanula Trachelium L. 

Galium süeaticum L. An schattigen Waldstellen an der Tbaya. 

(Diese Pflanze wird nach dem anregenden Aufsatze des 

Prof. Dr. Kerner ^ Oesterr. botan. Zeitschrift Aprilheft 1876, 

näher beobachtet werden.) 

— palustre L. 

— uliginosum L. 

Gentiana pneumonanthe L. Auf Wiesen um Gr. Siegharts. 
Erythraea pulchella Fries. Aeckerränder bei Grossau. 
Mentha aquatica L. Ufer der Thaya. 

— gentilis L. » » » 

Nepeta Cataria L. An unkult. Orten. — Selten. 
Galeopsis pubescens Bess. Auf Aecker bei Grossau. 
Prunella alba Pall. 
Cuscuta Epithymum L. 
Verbascum Lychnitis L. * 

— Orientale M. v. B. 

Scrophularia Ehrharti Stev. An nassen Gräben. 
Antirrhinum Orontium L. In der Nähe des Friedhofes. 
Veronica Anagallis L. Nasse Gräben. 
Melampyrum pratense L. An Waldrändern. 
Pimpinella magna L. Im Schlossparke. 



306 



Seseli cohratum Ehfh. Auf Triften — nicht häufig. 

Heracleum Spondylium L. 

Caucalis daucoides L. 

Thorilis Anthriscus L. 

Sempertivum hirtutn L. Auf Garienmanern um das Schloss — kommt 

selten zur Blüthe. 
Thalictrum aquilegifolium L. 
Adonis aesHvalis L. Aecker bei Eibenstein. 
Aconitum pafdculaium Lam. Unter Gebüsch an der Thaya. 

— Lycoctonum L. » » » »» » 
Nasturtium silvestre L. 

Hesperis matronalis L. 

Brassica Rapa L. Var. campesiris Koch. 

Stellaria glauea With. 

Hypericum tetrapterum Fries. 

Euphorbia Peplus L. An kultiv. Orten. 

Geranium palustre L. 

— dissectum L. 

Oenothera biennis L. Gebüsche an der Thaya. 
Spiraea Aruncus L. In schattigen Schluchten» 
Ertum Monanthos L. Auf Aeckern. 

Wien, am 17. Mai 1876. 



»flo^ 



Das Pflanzenreich 

auf der Ifiener Weltaasstellung im Jahre 1873. 

iiber jie cifoiiirteii FliUM,PlaiiieiroiHtdeiiid Prodok^ »wie über ihre bildückei DmtdhageE 

Von Franz Antoine. 

CFortseismi;.') 



Falcaria japomea. Wurzel. 
Globba japonica Thunb. 
Gentiana Burseri Lapeyr. Wurzeln. 
Geum japonicum Thunb. Wurzeln. 
Glycyrrhissa glabra L. Wurzeln. 
Gardenia florida L. 
Gleditschia japonica Lodd. Samen. 
Globba japonica Thunb. Samen. 
Hydrangea Thunbergii Sieb. Blätter. 
Hyoscyamus niger L. Blätter. 
Hoteia Thunbergii Sieb, et Z. 

Wurzeln. 
Houttuynia corc/a^a Thunb. Wurzel. 
Imperata Thunbergii. Knollen. 
Jasione montana L. Wurzelrinde. 



Juniperus rigida Sieb, et Z.'Hol8 

und Früchte. 
Kochia scoparia Schrad. Samen. 
Kadsura japonica L. Früchte. 
Lappa major Gaertn. Samen. 
Unum usitaüssimum L. Samei. 
Lonicera japonica Thunb. Blätter 

und Blumen. 
^eontodon Taraxad Willd. 

Wurzeln. 
Melitis melissophyllum Adans. 
Menyanthes trifoliata L. Wurzel. 
Morus japonica Hort. Dyck. Wur- 

zelrinde. 
Magnolia hypdeuea. Stammrinde. 



307 



Magnolia robusta. Blumen. 

— Kobus DC* Knospen. 
Myrica Nagt Thunb. 
Mentha areensis L. Blätter. 
Mairicaria Chanumilla L. Blumen. 
Milla japonica. Früchte. 

Malca pulckella Bernh. Samen. 
Nelumbinm specio$utn Willd. 
Nepeta botryoides Ait. Samen. 
Nuphar japonica DC. Wurzel. 
Ophiopogon japonicus Ker. Knollen. 
Panax sp. Wurzel. 
Paeonia albiflora Pall. Wurzel. 
Pueraria Thunbergiana. Wurzel. 
Polygala japonica Houtt. Wurzel. 
Poiygonum ConeolttUus I*. Wurzel. 

— Hnctorium Lour. Blätter. 

— officinale. Wurzel, 
Pityrosperma hitemata. Wurzel. 
Polygonatum offidnaU All. 
Platicodon grandiflorum Dec. fil. 

Wurzel. 
P(U)hyMa sp. 
Periila arguta Benth. Blätter und 

Samen. 
Pleurogyne rotata Griseb. 
Pianera sibirica Blätter. 
Prunella eulgaris. Blumen. 



Prunella oinensis? Blumen. 
Prunus Amurensis, Früchte. 

— armeniaca L. Fruchtkern. 
Pseudaegie sepiaria.' Früchte. 
Plantago major L. Samen. 
Pharbitis triloba. Samen. 
Papaeer somniferum L. Samen. 
Punica Granatum L Fruchtschale. 
Petctsites japonica. Blumen. 
Ricinus communis L. Samen. 
Rosa muiiiflora Thunb. Früchte. 

— rugosa Thunb. Blumen. 
Rheum undulatum L. Wurzel. 
Scutellaria lanceolaia. Wurzel. 
Sanguisorba officinalis L. Wurzel. 
Scrophularia Buergeriana. Wurzel. 
Scirpus tuberosus Desf. Knollen. 
Sophora japonica L. Holz, Blumen. 
Sambucus racemosa L. Holz. 
Saleia officinalis L. Blätter. 
Salsola asparagoides. Blätter. 
Solanum lyraium Thunb^ Blätter. 
Schizandra japonica* Früchte. 
Sphaerococcus lichenoides Ag. 
Valeriana officinalis L. 
ZanthoxyUm piperitum Dec. 

Früchte. 
Ziaiphus Jujubea Lam. Früchte. 



Ausserdem lag Kampher^ Opium und Galläpfel in grösserer 
Menge auf. 

Die Aufstellung der eben angeführten Pflanzentheile geschah 
mittelst 5 Zoll grosser Kästchen in hexaädrischer Form aus schwarz 
lackirtem Holze, wobei nur auf einer Fläche durch eine Glastafel, 
welche zierlich umrahmt wurde, der Einblick gestattet war. Der 
Vortheil dieser würfelförmigen Kästchen ist der, dass diese ohne 
Raumverlust und mit Sicherheit gegen Zerbrechen" in Kisten verpackt 
werden können, und dass sie sodann in dem Ausstellungslokale selbst 
ohne weitere Vorbereitung, gleich den Ziegeln einer Mauer, an den 
Wänden aufgestellt werden können. Bei dem grossen Ausstellungs- 
materiale, welches sich aber hier vorfand, geschah es übrigens, dass 
die Kästchen so hoch reichten, dass die Bezeichnungen an den ober- 
sten Kästchen nicht mehr gelesen und der Inhalt nicht mehr hin- 
reichend ausgenommen weraen konnte. 



Aprikosen. 

Amomum Zingiber L. 



Nahrungsmittel. 

Bohnen. 



Brassica melanosinapis. 



308 



Corylus Avelläna L. mit kleinen, 
lang zugespitzten NOssen. 

Casianea tesca Gaerfn. 

Colocasia esculenta Schott. 

Citrus. 

Cannabis saiiva L. 

Cochleqria officinali» \f, 

Canat>alia ensiformis DC. 

Diospyros Kaki L. fil. Getrocknet 
(Persimonen). 

DaUichos umbellatus Tbunb. 

BordeuM eulgare L. 

Juglani regia L. 

LigusHeum. Die Knospen einge«- 
salzen. 

lAlium auratum Lindl. Hiervon 
werden die Zwiebeln, welche 
in den Wäldern in einer zahl- 
losen Menge aufgefunden wer- 
den, wie bei uns die Kartoffel 
gesottm und die einzelnen 
Schuppen kandirl. 

Lablab tmlgarie Savi. 

Nelumbium speciosvm Willd. Die 
Samenkorner. 

Oryza saiiva L. roh, geschult und 
polirt. 

Pinus Koraiensis Sieb, et Z. 

Pisum $atit)um L. 

Phasaeolus radiatus Benth. 

Polygonum Fagopyrum L. 

Papaver somniferum L. 

Panicum japonicum. 



Punica mitiaceum L. 

Punica granatum L. 

Pleris aquilina L. Die jungen 
Triebe. 

Prunus Mume Sieb, et Z. Die Blü- 

then eingesalzen. 
— Puddum Wall. Die Blflthcn 
eingesalzen. 

Pflaumen. 

Quercus cuspidata Thunb. 

Quadrealla (Caparis) lanceolaia 
R. P. Die Früchte eingesalzen. 

Rupania, Kastanien mit grossen, 
zugespitzten Früchten. Die 
wildwachsende Art hingegen 
hat Früchte nur in der Grösse 
einer mittelgrossen Bohne. 

Sorghum vulgare Pers. (Durra). 

Soya htspida. Zur Soya-^Bereitung. 

Salisburia adiantifolia Sm. Mit 
gelblichem Kern. Das anfangs 

Seibliche, übelriechende Frucht- 
eisch wird dann dunkelbraun. 

Sfachys SieboUUi wird in Pflaumen- 
saft gelegt. 

Trapa incisa. Die Früchte dieser 
Wasserkastanie sind genau so 
wie die unserer Trapa natans. 

Triticum satieum Lam. 

Torreya nucifera Sieb, et Z. Mit 
lang elliptischer, beiderseits 
zugespitzter Frucht. 

Zea Mais Mirb. 



Buchweizen. 
Gerste, geröstete. 
Reis. 



I e h 1. 



Senf. 

Soya-Bohne. 

Sorghum rubens Willi. 



Stärke. 



Aesculus Hyppocastanum L. 
Erythronium sp. 
Lilium cordifolium Thunb. 
Orywi saiiva L. 

Pachyrrhizos Thunbergianus. Aus 
den Wurzeln. 



Pleris aquilina L. Aus den Wur- 

zeln. 
Pinellia tubifera Ten. 
Quercus sp. 
Solanum tuberosum L. 



309 



CMserfen 

Aphanocapsa sacra. 
Camophylaephora hymneoides, Ge- 

latin. 
EfUeromorpha campressa Lk. 
Gloeapeltis califormis. 
GeUdium eameum Lmrx. 
Hymmo congulus* 



TM Algen. 

Laminaria sp. 
Mesogloia decipiens. 
Phycoseris sp. 
Porpkyra tulgari$. 
Spirogyra sp. 
Undaria pmnaiifida. 



T k • •• 

Vom chinesischen Thee lagen bei 50 Muster anf. Andere Pfhn-* 
zen^ deren Blätter einen Theeabsud liefern, waren durch 



Cassia mimosoides L. 
Hydrangea Thunbergii Sieb. 

vertreten. 



Lycium ckinense Bung. und 
Morus 



Tabak 



war sowohl in ganzen Blättern als auch in Cigarrenform Torhanden. 
Von ersteren gab es Blätter, welche ein Alter von 166, 157, 192 
bis 219 Jahren erreichten, und wurde durch beiläufig 70 Muster re- 
präsentirt. 

Slmerelen« 



Brasiica sinensis. 
Beta vulgaris L. 
Cucumis Melo L. 
Cryptotaenia canadense DC. 



Lactuca satita L. 
Lappa major Gärtn. 
Papaver somniferum L. 
Spinacia oleracea L. 



lifieire« 

Orysa sativa L. Liefert das gewöhnlich verbrauchte Getränk Sake. 



CanserTen« 



Bohnen. 

Kastanien. 

Limonien. 



Lilienzwiebeln. 

Melonen. 

Rosinen. 



• e 1 €• 

Brassica chinensis L. 

Cephalotaxus drupacea Sieb, et Z. 
Aus den Früchten. 

Camelia japonica L. Aus den Sa- 
men. 

Chrysanthemum, Aus den Blumen. 

Eleocarpus cordatus. Aus den 
Früchten. 

Gossipium. Aus den Samen. 



Juglans Mandshurica Max. Aus den 
Früchten. 

Mentha areensis L. 

Orangen. Aus den Fruchtschalen. 

PeriUa ocimoides L. 

Sesamum Orientale L. 

Soya hispida, 

Torreya nucifera. Aus den Früch- 
ten. 



810 



TegetebiUMhM Wacki. 



Dieses wird erzeugt aus: 
Rhus temicifera DC. 
— succedanea L. 
Cinnamomum peduncutatmm Nees. 
und endlich aus den RücksUindeii der Soya-Bokne. 

iSs lag iheils in unverarbeiteten Stücken, theils in Kerxen auf. 

Die Kerzen ans vegetabilischem Wachs sind acbön weiss, 
brennen aber mit rother, düsterer Flamme und rauchen stark. Sie 
sindider Form nach entweder eylindrisch oder kegelförmig, mit dem 
breiten Durchmesser nach oben oder in der Form eines dicken Ma- 
lerpinsels. Sie waren fast alle mit sehr schönen, reich kolorirten 
Bildern gezi^t und zwar mit Nelumbien, Wisteria sinensis ^ Acer 
polymorphumy jungen BambussohOssIingen, endlich aber au<;h mit 
grossen weiblichen Figuren und mit fliegenden Kranichen. 

» (Fortsetsijinir fol^t.) 



Lttoraturberiolite. 

Sertalam plantaram novaram vel minaa cognltaram florae hellenlcae« 

Autore Th. de Heldreich. Florentiae 1876. 8*. le Seiten. 

Im vorliegenden Außatze beschreibt der um die genauere 
Erforschung der Flora Griechenlands hochverdiente Verfasser eine 
Reihe neuer oder wenig gekannter Arten. Dieselben sind : Colchiewn 
amcAile, Bellevallia graeca^ B, Bolzmanni, die JRfti^an-Spezies der 
hellenischen Flora (es sind deren 6), dann ÄUium Wildüy Ä, PhcUe" 
raeumy A, Guicciardii^ Iris Sisyrinchium var. monophylla^ Crocus 
Marathonisius^ C. graecuSy Umbiiicus chloranthus^ Dianthns Mercurii^ 
Saponaria Aenesia^ Silene B^mhoUUi und & Aelplica. ' Beigegeben 
ist dem Aufsatze die Beschreibung einer neuen Lotus^Ari aus TosKana: 
Lotus Levieri. Da von den meisten der hier aufgeführten Spezies 
wohl Exemplare in den plantis exsiccatis und im herbarium normale 
florae graecae ausgegeben wurden, Beschreibungen aber bisher man-> 
gelten, so ist der hier angezeigte Aufsatz ein willkommener Beitrag 
zur vollständigeren Kenntniss der so eigenthümlichen Flora Griechen- 
lands. Namentlich dürfte die Bearbeitung der JI!fii«cart- Arten (S. 5— 8) 
allgemeineres Interesse beanspruchen. Dr. H. W. K. 

Are Insecta any material ald to plants In fertilizatioa? By Thomas 

Meehan. Salem, Massachusets, 1876. 8*. 11 Seiten. 

Der Verfasser sucht in der hier anzuzeigenden Abhandlung 
folgende Thesen zu beweisen: 1. Die Hehr zahl der Pflanzen mit leb^ 
haft gefärbten Blüthen befruchtet sich selbst. 2. Nur eine verhültniss« 
massig geringe Menge derselben bedarf zur Befruchtung der Beihilfe 
von Insekten. 3. Die sich selbst befruchtenden Pflanzen sind gesunder, 
kräftiger und viel produktiver an Samen, als jene, welche auf die 
Unterstützung von Insekten angewiesen sind. 4. Die letztgenannten 



311 

Pflanzen sind weniger geeignet, den Kampf um das Dasein erfolgreich 
zu bestehen. Diese Sätze werden durch zahlreiche meist der Flora 
Nordamerika's entnommene Beispiele zu begründen versucht. Die 
Ansichten Meehan's stehen zwar im Widerspruche mit den gegen* 
wärtig allgemein herrschenden Anschauungen, sie verdienen aber 
trotzdem doch eine eingehendere Prüfung. Denn sollten sie sich be- 
wahrheiten, so würde eine in der neuesten Zeit mit Vorliebe bear- 
beitete Parthie der Botanik eine gründliche Umgestaltung erfahren. 

Dr. H. W. R. 

Freyn J. Az 1871—1873 ^vben BfagyarorszAg keleti reszeiben jRryttJtOtf 
nOvenyek jegyzeke. (Mathematikai ^s termöszettudomanyi kozJemönyek 
voaatkozölag a hazai viszonyokra kiadja a magyar tudomänyos akademia.) 
Yerzeichniss der in den Jahren 1871 — 1873 im östlichen Ungarn gesammelten 
Pflanzen. (Mathem. und naturwissensch. Mittheilungen mit Bezugnahme auf 
die vaterländischen Verhältnisse herausgegeben von der ungarischen Akademie 
der Wissenschaften.) Band XIII, Nr. lY. Budapest 1876. 

Der Verfasser hatte als Ingenieur der Ostbahn Gelegenheit, längs 
dem Gebiete derselben botanische Beobachtungen anzustellen und 
liefert hier die Resultate derselben. Neu sind die Angaben über das 
Terrain zwischen R^v und Bucsa, das Muntje le mare-Gebirge , den 
östlichen Theil des Koloser- und Tordaer Komitates. Auf 62 Seiten 
werden die beobachteten Gefässpflanzen mit den betreffenden Stand- 
ortsangaben aufgezählt, darunter manche Novität für die siebenbür- 
gische Flora. Sei Pflanzen, wie Asplenium Ruia muraria^ Melica 
uniflqra, Beleocharis acicularis^ Junipen^us communis, Carduus nutanSy 
Veronica triphylloSy Orobanche coerulea^ Raphanus Raphanistrum, 
Tilia grandifolia und parmfolia^ Poterium Sanguisorba^ Ononis spi^ 
nosa und Hippocrepis comosa wären Standortsangaben erwünscht 
gewesen. Vinca minor und Prunus avium sind gewiss nicht verwildert, 
Fumaria officinalis hingegen eher jF. rostellata. Die Uebersetzung 
in's Ungarische besorgte V. v. Borbäs^ doch kennt er nicht vollkommen 
die topographische Literatur des hier behandelten Gebietes, denn sonst 
würde er z. B. den Häzsongärd (Hasengarten) bei Klausenburg nicht 
als „Mogyorös kert^ (= Haselnussgarten!) gelten lassen. Noch ist 
zu bemerken, dass oft statt Virägos „Vilägos^ vorkommt. Die Arbeit 
ist sonst sorgfältigst zusammengestellt, steht fast ganz auf der Höhe 
der Wissenschaft und* ist ein höchst werthvoller Beitrag zur Flora 
Ostungarns, dessen Werth das vorausgeschickte in den Schriften der 
Ungar. Akademie noch niemals vorgekommene erklärende Ortsregister 
nur noch mehr bebt. J. A. K. 



•40*— 



Correspondenz. 

Tri est, den 22. Juli 1876. 

Nachdem ich mich durch meinen Aufenthalt in Bombay in die 
indischen Verhältnisse etwas einstudirt, und mehrere Exkursionen 



312 

auf die umliegenden Inseln, die mir eine reiche Ausbeute gaben^ 
ausgeführt hatte, begab ich mich nach dem 11 Meilen entfernten 
Dorfe Candalla, welches auf dem Kamme der aus Basaltfelsen be- 
stehenden Bhor Chats, am Rande eines etwa 400 Meter tiefen, mit 
der schönsten Vegetation überwucherten Abgrundes liegt. Hier zum 
ersten Male konnte ich mich an der wilddurchwirrten Pracht der 
tropischen Vegetation entzücken. Es mischten sich wohl anfänglich in 
meiner Einbildung mit diesen schönen Bildern die Gespenster von 
Schlangen oder blutlechzenden Tigern; bald jedoch überzeugte ich 
mich, dass auch hier, wie überall, der Teufel ärger gezeichnet wird, 
als er in Wirklichkeit ist und dass der Mensch eigentlich nur eine 
einzige Art Thiere — den Menschen — zu fürchten hat. Nach Durch- 
forschung der Gegend von Candalla besuchte ich von Lanoli aus die 
acht englische Meilen entfernten Carli Caves, die grössten bisher in 
Indien vorgefundenen buddhistischen Felsentempel, von welcher Art 
Architektur in diesem Lande eine grosse Menge existirt und die auf 
die ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung zurückzudatiren sind. 
Für mich waren besonders interessant die Wasserbehälter, wo ich 
mehrere schöne Nympheen, Valisnerien, Trapen etc. sammelte. Die 
trockenen, von Humus entblössten Basaltterrassen waren von zwei 
zierlichen Compositen, Cyaiodyne lyrata und lutea gänzlich überzogen. 
Sodann hielt ich mich eine Weile in Puna, der alten Marattenhaupt- 
stadt, auf, die, obwohl kaum 120 Meilen von Bombay entfernt, eine 
ganz verschiedene Flora beherbergt, da sie durch den Schutz der 
sich hoch thürmenden Bhor Ghäts dem Einflüsse der Monsone entzogen 
ist. Die hier herrschende Regenarmuth und die Trockenheit ihres 
porösen Bodens haben einen bestimmenden Typus auf ihre Vegetation, 
bei der dornige Gesträucher und Kräuter vorherrschend sind, aufge- 
prägt. Die Küste von Bombay bis Goa wird von einer Reihe kleiner 
Hügel, theils aus Basalt, theils aus Latent bestehend, gebildet, die 
meistens einen wenig erfreulichen Anblick mit ihren kahlen oder mit 
dürftigem Gestrüppe bedeckten Abhängen, nur hie und da von kleinen 
Palmenhainen unterbrochen, darbieten. Wie verändert sich plötzlich 
die Szene in Goa! In einem grünen Wogenmeere verschwinden hier 
Berge und Thäler, zwischen denen nur dann und wann der weisse 
Thurm einer Kirche zu sehen ist. Schön, wunderschön ist das Land 
von hundert Kanälen und Flüssen durchzogen, wo die Fruchtbarkeit 
keine Grenze zu haben scheint; aber wenn man von Bombay her- 
kommt, wo Alles in einem fieberhaften, lärmenden Gewirre begriffen 
ist, plötzlich in die stillen menschenleeren Gassen von Goa versetzt 
wird, füllt man sich traurig verstimmt und das sie transit gloria mundi 
kommt unwillkürlich auf unsere Lippen! Goa, die grosse, blühende 
Stadt, existirt nicht mehr und unter den Trümmern ihrer Paläste liegt 
Portugals Ruhm in Indien begraben! Fünf Meilen von der alten Haupt- 
stadt, von der jetzt nur einige Kirchen aufrecht stehen, befindet sich 
die Stadt Pangim oder Nova Goa, die heutige Residenz des Vizekönigs, 
die aber nur 10.000 Einwohner zählt. Ich hielt mich hier anderthalb 
Monate auf und benützte diese Zeit, dieses bisher nur wenig erforschte 



313 

Gebiet zu untersuchen. Die Kultur nimmt ausgedehnte Strecken der 
Niederungen ein und besteht neben den Kokos-, Mango- und Tama- 
rindenhainen in der Bebauung des Reises und mehrerer Hülsenfrüchte. 
Charakteristisch für die sämmtlich aus Laterit bestehenden Hügel^ 
sowie für die sandigen Ufer ist das Vorherrschen des Caju C^nacardium 
occidentäle)y welches dem Norden Concans gänzlich fehlt. Herr Konsul 
Gumpert, dem ich für mehrere Freundlichkeiten schuldig bin, hatte 
mir unter ander m von einem versteinerten Walde, welcher sich in 
der Nähe von Goa befinden sollte; gesprochen. Obwohl ein versteinerter 
Wald an und für sich nichts Merkwürdiges hat, da deren bereits 
mehrere in Indien selbst gefunden wurden, so wollte ich doch nicht 
Goa verlassen, ohne nachzusehen, wo sich derselbe befinde, umsomehr, 
da die Goanesen davon gar nichts zu wissen schienen. Wie gross 
war jedoch meine Ueberraschung, als ich in der etwa 43 Meilen von 
Goa entfernten Provinz Sattari, in der Nähe der Kafieeplantage des 
Herrn Major, nicht nur eine grosse Menge verkieselten Holzes fand, 
sondern auch an demselben unwiderlegbare Spuren von den Instru- 
menten, mit welchen es gefällt wurde, bemerkte. Da ich darüber in 
der Rojal Asialic Society, sowie in der Sociefä Adriatica di Scienze 
Naturali bereits ausführlich referirt habe, so werde ich mich hier 
beschränken, hervorzuheben, dass nach der Bodenbeschaffenheit und 
der sie bedeckenden Schichten zu urtheilen, diese Versteinerungen 
ein sehr hohes Alter besitzen und jedenfalls als eines der ersten Do- 
kumente menschlicher Thätigkeit anzusehen sind. Man muss sich 
wirklich wundern, dass Niemand bisher diese eloquente Urkunde 
abgelesen, noch die grosse prähistorische Wichtigkeit derselben ein- 
gesehen hatte! Südlich von Goa treten graiiitische Berge mit einer 
undurchdringlichen Vegetation bis zum Meere vor, wodurch das Ge- 
biet von Carwar eine wildromantische Schönheit erlangt. In Mangalore 
hielt ich mich nur kurz auf, desto länger in Telliceri, von wo aus 
ich Cannaner und die mikroskopische französische Besitzung von Mahä 
besuchte. In dieser Küstenzone tritt die Kultur leider zu störend auf 
die Botanik ein, so dass meine Ausbeute hier keine ergiebige war. 
Reizend ist der Anblick eines Palmenwaldes, aber wenn man fort- 
während nichts anders als jene schlanken, unverzweigten, von einer 
einfachen Laubrosette gekrönten Stämme sieht, fühlt man die Sehnsucht 
nach Etwas, was mehr den Begriffen der rastlos thätigen tropischen 
Natur entspricht, rege werden. Und diese Sehnsucht wird mehr als 
befriedigt, wenn man auf die im fernen Osten sich hoch aufthürmenden 
Berge geht. Hier gruppiren sich die höchsten Erhobungen des Deccan, 
welche eine Höhe von über 2700 Meter erreichen und wo noch ein 
schwaches Schattenbild der alpinen Vegetation des Himalaya auftritt. 
Ich wendete meine Aufmerksamkeit hauptsächlich der wenig gekannten 
Region der Curghills, wo ich mehr als sechs Wochen die freundliche 
Gastfreundschaft des Marquis Viviani, eines neapolitanischen Edelmannes, 
der hier eine ausgedehnte Kaffeeplantage besitzt, gebrauchte. Erst 
hier lernte ich die freie ungezwungene Natur der Tropen kennen! 
Ein gigantisches Chaos wogt hier ein Wald über die Kronen des 



314 

darunterliegemleii, AHes in sich verschliiilfendt in der unbändigen 
Macht eineß von der glühendsten Sonne angeregten, von der ewigen 
Feuchtigkeit unterhaltenen Fiebers I Jeder Baum ist für sich ein Wald^ 
wo hunderterlei Gewächse in ein buntes unzertrennliches Gewirr sich 
verschlängeln. Wie mächtige Brficken von der Hand des kühnsten 
Architekten errichtet schwingen sich die Lianen von einem Baume 
sum andern und geben dem Walde das Aussehen eines gigantischen^ 
von der Natur irgend welcher unbekannten Gottheit errichteten le-* 
bendigen Tempels! Majestätisch erheben sich hier die Stämme des 
Cahphyllum angustifolium, der Michelia champaca^ des Diospyro» 
Ebenaster^ der DiUenia pentagyna, der Mesua ferreay des Artocarpu^ 
ifUegrifolia und Jdrsuta, der Cedrela Toona, der CMkrmaia tabulariSj 
der Dalbergia laHfolia, der Erylhrina indica etc. und zwischen ihnen 
wälzt sich eine Menge von Piperaceen, von Caesalpineen , von Me- 
nispermaceen, von Asclepiadeen, von Convolvulaceen, von Urticaceen 
und verweben in ihren Umarmungen den ganzen Wald wieder zu 
einem einzigen riesenhaften Baume. Alles freut sich des Lebens im 
bunten Gemische der verschiedenartigsten Farben. Umsonst würde der 
Begabteste der Maler die Töne suchen, um die unendliche Fülle der 
Abstufungen, der Schattirungen, der Strahlenrefioxe, in welchen das 
Licht auf dem Laube dieser Wälder sich zu brechon ergötzt, auf der 
Leinwand vnederzugeben! Vom dunkelsten Grün zum Gelben, zum 
reinen Purpur gibt es so viele Uebergänge, so viele Mischungen, so 
viel Mannigfaltigkeit, dass das Auge nur mit Wehmuth sich von der 
Farbe trennt, um die Schönheit und die Reichhaltigkeit der Formen, 
der Umrisse, der Begrenzungen jenes harmonischen Ganzen, das aus 
dem plastischen Ineinandergreifen so vieler heterogener Bilder ent- 
sprhigt^ zu bewundern I Während von den Aesten der Bäume liebliche 
Orchideen ihre buntfarbigen Schöpfe von den herumirrenden Lüftchen 
schaukeln lassen, erheben sich von der Erde mächtige Farrenkräuter, 
die ihre dunkelschattigen Schirme über eine Unzahl kleinerer Gewächse 
ausbreiten. Von Flechten und Moosen ist die Rinde der Bäume gänzlich 
überzogen und an den modernden Stämmen siedeln sich ganze Kolonien 
von Pilzen an. Da die Regenzeit nicht sehr ferne lag und ich noch 
ein gutes Stück Land im Norden von Bombay besuchen wollte, so 
war es mir leider nicht erlaubt, meine Exkursionen mehr nach Süden 
auszudehnen. Ich kehrte daher nach Bombay zurück, von wo aus ich 
einen Ausflug in's Guzerat machte und dabei Bassein, Damao, Surat, 
Broach, Baroda und Ahmedabad besuchte. Interessant ist die Ver- 
schiedenheit der Flora des südlich vom Flusse Tapti gelegenen Kü- 
stenstriches mit der des Guzerat verglichen. Je mehr man nach Norden 
vordringt, desto wasserärmer werden die Monsone, bis sie an den 
sandigen Ebenen des Sind sich in gänzlich wasserlose Winde ver- 
wandeln. Mit dem allmäligen Abnehmen der wässerigen Niederschläge 
verändert sich auch der Typus der Vegetation und zwar so, dass 
während in der südlichen feuchten Zone die Kokos- und Arekapalme 
vorherrschend sind, in Guzerat Akazien und Mimosen, sowie dornige 
Kräuter die hauptsächlichsten Repräsentanten der Vegetation werden. 



315 

Als Uebergang^zone kann man den Theil zwischen Damao und Surai 
betrachten, wo Phoenia^ sylvestri» und acauUs auftreten, obwohl sie 
sich nie zuWäldern gesellen. Auf der Rückkehr hatte ich Gelegenheit, 
Aden wieder zu besuchen, wo in Folge ausnahmsweise gefallenen 
Regens eine rerhäUnissmässig üppige Vegetation zwischen den schwarzen 
Basaltfelsen emportrieb. Dessgleichen war es mir gegönnt, die unweit 
Bah-el-Mandeb liegende Basaltinsel Perim zu besichtigen^ die jedoch 
in botanischer Hinsicht, mit Ausnahme weniger Statice und Scirpus, 
nur einige Halophyten beherbergt. Zuletzt lieferten mir El Ferdane 
und Port Said etliche Wüstenpflanzen, wodurch meinem Sammeln ein 
Ende gesetzt wurde. Meine Kollektionen belaufen sich auf etwa 20-^ 
25.000 Pflanzen aus allen Ordnungen, sowie auf zahlreiche Mineralien, 
Vögel, Schlangen, MoUusken etc. Ich bin gegenwärtig mit dem Ordnen 
und Bestimmen der mitgebrachten Gegenstände, sowie mit der Ver-<- 
fassung einzelner kleiner Berichte stark besdiäftigt. Nebenbei, da die 
Jahreszeit günstig ist, kann man doch nicht unterlassen, dann und 
wann kleine Exkursionen auszuführen, wie gerade vergangene Woche, 
während welcher ich mit Hofrath Tommasini und Herrn Kugy einige 
interessante Orte Kroatiens und der Militärgrenze besuchte und die 
Berge Kiek und Biela Lasiöa bei Ogulin bestieg, auf welchen sich gar 
Manches fand, wie Pedicularis brachyodonta , P^imula KUaibeliif 
Hypericum humifusum und Bicheri, Rosa reter sa, Peltaria alliaceuy 
Rhodiola rosem, EdrajantJms cariciivus, Silene pusilla, Laserpitium 
verticillatum, Juniperus Sahina und nana, Lilium camiolicum, Iris 
rariegata und mehrere andere. Dr. C. de Marchesetti. 

Wien, am 4. August <876. 
In der vorigen Nummer d. Zeitschr. referirte Herr v. Csato 
über Haplophyllum Biebersteinii^ Scutellaria lupulina und Globularia 
vulgaris, ich habe die genannten Pflanzen im Pavai'schen Herbare im 
Gegensatze zu den verschickten, wo es einfach „Transsilvania^ heisst, 
mit Standortsangaben versehen angetroffen. Da ich eine Mystifikation, 
der Schur, Andrae u. 8. w. zum Opfer fielen^ befürchtete, so unter- 
liess ich die Bekanntmachung der betreffenden Fundorte. Prof. Brassai 
fand das genannte Haplophyllum^ wie ich einer Original^Etiquette 
entnehme, am „Asszonyfaivi hegy^^ also auf einem Hügel bei Asszo- 
nyfalva (Franendorf) im Bezirke Mediasch. Veronica cwimfolia aus 
der Gegend von Scfaässburg ist nach Originalexemplaren von Baum-^ 
garten nur V. arvensis ll, während erstere Pflanze an anderen 
Punkten in Siebenbürgen voricommt und von Czetz und Schur ge* 
funden worden ist. V. udnifoUa L. fand ich am 9. Mai 1869 im 
Neutraer Komitate auf einem nassen Brachfelde unterhalb der Kirche 
näcKst Gerencs^r in Gresellschaft von Stellaria t)isci€ki M. B., Andro^ 
sace elongata L. u. s. w. Knapp. 

* Weiden au in Schlesien, am 2. August 1876. 

Ich durchwanderte in der vorigen Woc^e das Gesenke und 
sammelte u. a. ^ Aeena plnniculmis, Poa sudetioa^ Carex taginata, 
C. rigida, C. rupestris, Salix Lapponum, S. hastata, S. silesiaca, 



316 

S. hastaiaXsUesiaca^ 8. herhacea, Scrophulana Scopolii, Cerastium 
longirostrcy Strepiapus amplexifolius, Cineraria crocea, Deiphinium 
elatumf Euphrasia picta^ Myrrhis aramatica u. s. w. 

F. Vierhapper. 

Marilaun bei Trins, am 9. August 1876. 

Dieser Tage wurde von meiner Tochter Adele auf dem Finetzer- 
joch in der Nähe meines hiesigen Sommeraufenthaltes der Bastart 
aus Pedicularis incamaia und P. tuberosa = P. Vulpii Solms. ent- 
deckt. Auch die schon früher einmal dort von mir gefundene Pedic. 
atrorubens wurde von ihr mitgebracht. Kemer. 

Rlausenburg, am 15. August 1876. 

Die von Kerner auf S. 232 resp. 233 erwähnten zwei Heuffel- 
schen Otiercti^-Varietäten sind nicht in Heuff. En. plant. Ban. p. 159, 
sondern in WachteFs Zeitschrift für Natur- und Heilkunde in Ungarn, 
I. Jahrg. (1850 Nr. 13) S. 99 zuerst aufgestellt worden. Wachtel's 
Zeitschrift ist ziemlich seifen und Botanikern wenig zugänglich (in 
Wien, wenn ich mich recht erinnere, nur in der Bibliothek der k. k. 
Gesellschaft der Aerzte), desshalb Hess ich Heuffers ,)Beiträge zur 
Kenntniss der in Ungarn vorkommenden Arten der Gattung Quercui 
L. mit im Herbst fallenden Blättern^ vollinhaltlich in meinem Ver- 
such einer Geschichte der ungar. Bot. (Separatabdruck S. 170 — 180) 
abdrucken; die kurzen Diagnosen der zwei von A. Kemer erwähnten 
Eichen befinden sich auf S. 178. A. Kanitz. 

Alt-Rodna in Siebenbürgen, am 16. August 1876. 
Vorigen Mittwoch bin ich plötzlich von St. Gotthard aufgebrochen 
und hieher geeilt, um Centaurea Kotschyana HeufT. lebend zu beob- 
achten. Mein Freund Portzius hier hatte die Güte, mich auf den im 
vorigen Jahre hier entdeckten Standort der Festuca carpatica Ditr^ 
zu führen, wo auch die Centaurea Kotschyana sehr häufig ist. Die 
bisher bei letzterer angegebenen Unterschiede taugen nicht zur Unter- 
scheidung von C. Scabiosa (C, spinulosa Roch.). Wohl aber glaube 
ich gute Merkmale in den Korollen gefunden zu haben. Was die 
Festuca carpatica betrifft, so ist dieses an seinen Standorten in grosser 
Masse auftretende Gras trotz seiner Auffallendheit dennoch sehr leicht 
zu übersehen. Ich meine, dass die bisher nur von einem Orte in den 
Seealpen (bei Trione), dann aus den Abruzzen, ferner aus der Tatra 
und nun von hier bekannte Pflanze sicher noch an vielen anderen 
Orten aufgefunden werden wird. Wer ihren Standort einmal kennt, 
der wird sie schon an gleichen Plätzen aufzusuchen wissen. Gestern 
bestieg ich bei prachtvollstem Wetter den Ineu (Kühhorn) wegen 
Polyschemone nivalis. Ich habe selbe eben in bester Bltithe angetroffen« 

Janka. 

Ns. Podhrad, 18.'Augu8t 1876. 
Heute komme ich erst in die Lage, das Vorkommen der schwarzen 
Trüffel (Tuber cibarium Sibth.) in den Wäldern des M. Ljeskover 
Thaies im Trencsiner Komilate bestätigen zu können, da ich von dem 



317 

dortigen Trtiffelsammler durch Vermittlung des Herrn St. Ikä§, Stu- 
diosus Juris, einige schöne reife Exemplare dieses sonderbaren Pilze^ 
erhielt. Der heurige Sommer ist so ausserordentlich trocken, dass 
alles versengt ist und man auf unseren Bergwiesen statt der noch 
um diese Zeit dort blühenden Pflanzen nur dürres Zeug sehen kann. 
Der Frühling war garstig, kalt, der Sommer ist afrikanisch. 

Jos. L. Holuby. 



--40^ 



Fersonalnotizen. 

— Dr. Eduard Tangl, Privaldozent an der Universität Lem- 
berg wurde zum ausserordentlichen Professor der Botanik an der 
Universitüt Czernowitz ernannt. 

— F. Br. Thümen wurde vom k. k. Ackerbau-Ministerium als 
Mykolog an die k. k. Versuchsstation zu Klosterneuburg bei Wien 
berufen, an welcher er der neu errichteten Sektion für Pflanzenkrank- 
heiten vorstehen wird. 

— Dr. M. A. Eichler, Professor in Kiel, wurde von der k als. 
L. C. deutschen Akademie der Naturforscher „für das grosse Ver- 
dienst, welches derselbe sich durch die in seinen Bltithendiagrammen, 
Thl. I. 1875, niedergelegte grosse Beihe eigener morphologischer 
Beobachtungen; durch die vorzüglichen Leistungen seiner systemati- 
schen Monographien und durch seine Thätigkeit bei Herausgabe 
der Flora brasiliensis erworben hat,^ durch die Verleihung der Co- 
thenius-Medaille ausgezeichnet. 

— Dr. Antonin Victor Theveneau in B^ziers, bekannt durch 
mehrere Arbeiten über die französische Flora und mit vielen Bota- 
nikern in Verbindung gestanden, ist am 1, August, 61 Jahre alt, 
gestorben. 



Vereine, Anstalten, Unternehmungen. 

— In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissenschaf- 
ten in Wien am 20. Juli übersandte Prof. Wiesner eine Abhand- 
lung, betitelt: „Untersuchungen über den Einfluss des Lichtes und 
der strahlenden Wärme auf die Transspiration der Pflanze," deren 
Hauptergebnisse hier folgen: Sowohl die leuchtenden Strahlen, als 
auch die dunklen Wärmestrahlen verstärken die Transspiration der 
Pflanze. Der Einfluss der ultravioletten Strahlen auf diesen Process 
konnte nicht mit Sicherheit festgestellt werden, doch hat es den An- 
schein, dass diese Strahlengattung hierbei nur wenig leistet. Bei An- 
wendung einer Gasflamme tritt der Einfluss der dunklen Wärme auf 
die Transspiration relativ stärker als bei Benützung des Sonnen- 
lichtes hervor. Eine unter einem Drucke von 13 Mm. Wassersäule 

Oiiiterr. botftn. Zeitsehrift. 9. Heft. 1876- 25 



318 

brennende Gasflamme, deren Lenchtkraft gleich 6*5 Walrathkerzen, 
in Betrefi^ des Einflusses auf die Transspiration verglichen mit dem 
Sonnenlichte ergab, dass unter den sonst gegebenen äusseren Be- 
dingungen von der Wirkung des Lichtes auf die Transspiration der 
Versuchspflanzen bei ersterer Lichtquelle 57, bei letzterer 21 Proz. den 
dunklen Wärmestrahlen zufallen. Die lange bekannte, aber unerklärt 
gebliebene Steigerung der Transspiration grüner Pflanzen durch das 
Licht hat ihren Hauptgrund in der Absorption des Lichtes durch das 
Chlorophyll und in dem hierbei statthabenden Umsatz von Licht in 
Wärme, wodurch die Spannkraft der in den Gasräumen der beleuch- 
teten Pflanze enthaltene Wasserdämpfe gesteigert, die relative Feuch- 
tigkeit vermehrt und ein Austritt von Wasserdampf in die Atmosphäre 
hervorgerufen wird. Dieser Sachverhalt wurde auf drei verschiede- 
nen Wegen dargethan: durch Vergleich der Transspiration von in 
ihrer Organisation fast völlig übereinstimmenden grünen und etiolir- 
ten Pflanzen im Lichte; durch Transspirationsversuche im objektiven 
Spektrum und durch Transspirationsversuche hinter Chlorophylllösun- 
gen. Auf dem ersten Wege wurde gezeigt, dass die Anwesenheit 
des Chlorophylls die Transspiration im Lichte in der auffälligsten 
Weise steigert. Auf dem zweiten wurde dargethan, dass Deh6rain's 
Angabe, die am meisten leuchtenden Strahlen des Lichtes begünsti- 
gen die Transspiration am meisten, unrichtig ist, und bewiesen, dass 
vielmehr die dem Bereiche der Absorptionsstreifen des Chlorophyll- 
spektrums angehörigen Lichtstrahlen diese Funktion haben. Der dritte 
Weg lehrte im Grunde dasselbe; es stellte sich heraus^ dass die Licht- 
strahlen, welche eine Chlorophylllösung passirten, nur eine schwache 
Wirkung auf transspirirende grüne Pflanzen ausüben, da beim Durch- 
gang des Lichtes durch die grüne Lösung jene Lichtstrahlen ausge- 
löscht werden, welche auf die verdunstende Pflanze am stärksten 
wirken. Auch andere Farbstoffe, wie z. B. das Etiolin, können durch 
ihre Fähigkeit Licht in Wärme umzusetzen, in ähnlicher Weise wie 
das Chlorophyll die Transspiration der Pflanze im Lichte begünstigen. 
Doch leistet das Chlorophyll in dieser Richtung weitaus mehr als die 
übrigen der untersuchten Farbstoffe der lebenden Pflanze. Die Oeffhung 
der Stomata im Lichte spielt bei der Verstärkung der Verdunstung 
im Lichte nur eine untergeordnete Rolle. Die vorliegende Arbeit er- 
klärt in einfachster Weise die sogenannte Verdunstung der Pflanze 
im dampfgesätttgten Räume, die physiologische Bedeutung der im 
Chlorophyllspektrum auftretenden Absorptionen und macht mit einer 
neuen Funktion des Chlorophylls: vom Lichte getroffen die Transspi- 
ration der Pflanze und hierdurch die Flüssigkeitsbewegung im Pflanzen- 
körper gerade unter Umständen zu steigern, welche der Assimilation 
am günstigsten sind, bekannt. — Prof. Wiesner übersandte ferner 
eine Arbeit unter dem Titel : ^Beiträge zur Anatomie und Morphologie 
der Knospendecken dikotyler Holzgewächse^ von Karl Mikosch, Assi- 
stent am pflanzenphysiologischen Institute der Wiener Universität. Die 
Hauplresultate dieser Arbeit sind: die Knospendecken (Tegmente) sind 
Blattgebilde ^ die entweder als die ersten seitlichen Sprossungen an 



319 

der blättererzeugenden Axe erscheinen, oder sie sind mit dem Stamm 
in Verbindung bleibende Reste von schon abgefallenen Laubblättern. 
Im ersten Falle entstehen sie aus Blattanlagen, die entweder nur den 
Vaginatheil oder nur den Laminartheil oder nur die Nebenblätter 
deutlich ausbilden; im letzteren Falle entsprechen sie dem Blattgelenke. 
In eingehender Weise schildert diese Arbeit den anatomischen Bau 
und die Entwicklungsgeschichte typischer Formen von Knospendecken. 
— Dr. Wilh. Veiten übersandle eine Abhandlung: „üeber die Folgen 
der Einwirkung der Temperatur auf die Keimfähigkeit und Keimkraft 
des Samen von Pinus Picea Du Roi.^ (Aus dem pflanzenphysiologischen 
Laboratorium der k. k. forstlichen Versuchsleitung.) Die gewonnenen 
Resultate lauten: 1. Das Keimprozent sowohl wie die Keimgeschwin- 
digkeit gibt keinen sicheren Aufschluss über die Keimkraft der Samen; 
umgekehrt gilt dasselbe Gesetz. 2. Die Erwärmung von Samen kann 
einen günstigen oder ungünstigen Einfluss auf das Keimungsvermögen 
und die Keimkraft ausüben^ je nachdem der physiologische Zustand 
ist, in dem sich der Same befindet. 3. Die Zeitdauer der Erwärmung 
ist von wesentlichem Einflüsse auf die Entwicklung des Samen, inso- 
ferne längeres Erwärmen bei niederen Temperaturen denselben Eflekt 
wie kurzes Erwärmen auf höhere Temperaturgrade hervorrufen kann. 
4. Eine mit der vorliegenden Untersuchung im Zusammenhange ste- 
hende Hypothese lautet: „Eine nicht vollkommen normale Keimkraft 
von Samen kann ihren ungünstigen Einfluss noch auf die Weiterent- 
wicklung der Pflänzlinge auf unbestimmte ^Zeit hinaus in geringerem 
oder grösseren Masse geltend machen, insbesondere dann, wenn in 
der Natur derartige Sämlinge unter sich und nicht mit stärkeren ihrer 
Art in Konkurrenz treten, was erstores tagtäglich insbesondere in 
Wirklichkeit in der ForstwirthschafI eintritt.* 

— Die 49. Versammlung der deutschen Naturforscher und 
Aerzte findet vom 18. bis 24. d. M. in Hamburg statt. Als Ge- 
schäftsführer fungiren : Bürgermeister Dr. Kirchenpauer und Dr. 
Danzel. 



Botanisoher Tausohverein in Wien. 

Sendungen sind eingelangt: Von Herrn Karo mit Pflanzen aus 
Polen. — Von Herrn Holuby mit Pfl. aus Ungarn. 

Sendungen sind abgegangen an die Herren: Matz, Dr. Lorinser, 
Keller^ Andorfer. 

Von Fiume, einges. von Prof. Staub: Calamintha o/ficinalis, 
Corydalis ochroleuca^ Eryngium amethystinum, FertUago galbanifera, 
Globularia cordifolia, Gnaphalium angustifoliwn, Lamium Oreala, 
Medicago minima, M. orhicularis, Oxalis comiculata, Ruta dftoart- 
cata, Satureia montana. Scandix Peclen, Sesleria elangata u. a. 

Aus Polen, einges. von Karo: Alectarolophus major, A. minor, 
Anchusa artensis^ Arbutus (Iva urgi, Bnpleurum longifolium, Cen^ 

25* 



S20 

taurea maculo$äy Eriopkorwn tagmatum, Filago minima^ Fumaria 
Vaillantüf Geranium siltaticutn, Hieracium Auricula, B. boreale, 
H. subcaesium, Hypericum humifusum, Juncus sqnarrosus, Linaria 
ElatinCy Malta rotundifolia, Marrubium vulgare, Melandrium album, 
Neslia paniculata, Ononis hircina, Orchis latifolia, 0. maculata, 
Papaver dubium, PotentiUa norvegica, P. collina v. virescens, Ra" 
nunculus Sardous, Ribes alpinum, Sagina procumbens, Scirpus silta^ 
iicuSy Scrophularia nodosa, Trifolium minus, Veronica longifolia, 
Viola palustris u. a. 

Vorräthig: (B.) = Böhmen, (I.) = Istrien, (Kt.) = Kärnten, 
(NOe.) = Niederöslerreich, (P.) = Polen, (Sb.) = Siebenbürgen, 
(Schi.) = Schlesien, (Schw.) = Schweiz, (T.) = Tirol, (ü.) = 
Ungarn. 

Gnaphalium luteoalbum (T., U.), Haberlea rhodopensis (Balkan), 
Heleocharis atropurpurea (Schw.) , Heracleum austriacum (NOe.), 
Herminium Monorchis (NOe., Bügen), Hippocrepis unisiliquosa (L), 
Hippophae rhamnoides (OOe.), Hordeum maritimum (ü.), H, pra^ 
tense (Schi.), Hugueninia tanaceüfolia (Schw.), Hydrocharis morsus 
ranae (Schi.), Hypericum Richeri (Schw.), Iberis pinnata (Schw.), 
Illecebrum verticillatum (Schi.), Inula ensifolia (ü.), /. Oculus Christi 
(U.), Iris pumila (NOe.), Juncus balticus (Pommern), J. bufonius 
(Schi.), J. efpusus (OOe., Slavonien), J. glaucus (Schi.), J. obtusi-- 
florus (Frankfurt a. 0.)? J- tenuis (Sachsen), Juniperus Sabina (T.), 
Kitaibelia titifolia (ü.), Kochia arenaria (U.), K. scoparia (NOe., U.), 
Koeleria cristata (OOe., P.), K. phleoides (Bologna), Koenigia islan-^ 
dica (Norwegen), Lamium incisum (Greifswald), Lathyrus satitus 
(NOe.), L. silvestris (B.), Lavatera tkuringiaca (U.), Lemna polyr^ 
rhiza (NOe.), L. trisulca (OOe., Berlin), Leontodon incanus (NOe.), 
Lepidium perfoliatum (NOe.), Libanotis montana (Schi.), Ligusticum 
ferulaceum (Schw.), Linaria vulgaris f. Peloria ecalcarata (Schwe- 
rin), Linum gallicum (I.), L. maritimum (I.), L, perenne (OOe.)^ 
L. tenuifolium (NOe., U.), Lobelia Dortmanna (Pommern), Lolium 
italicum (Weimar), Luzula nivea (T.), L. rubella (NOe.), Lycopus 
exaltatus (U.), Lysimachia punctata (NOe., U.), Lythrum hyssopifolia 
(NOe., Syrmien), L. virgatum (ü.), Majanthemum bifolium (P.), Mal-- 
colmia africana (ü.), Marrubium peregrino'Xf^ulgare (U.), Medicago 
carstiensis (Kt.), M, minima (NOe.), Melamjiyrum barbatum (NOe.), 
Jlf. sileaticum (Riesengeb.), Melica Magnolii (Frankreich), M, nebro^ 
densis (Frankreich, Schw.), Meum athamanticum (Isergebirge), Jüft- 
bora eerna (Mannheim), Milium effusum (B., U., Bayreuth), Moenchia 
erecta (Wetterau), Molinia serotina (I., U.), Myosotis eersicolor 
(Bautzen). 

Obige Pflanzen können nach beliebiger Auswahl im Tausche 
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden. 



Redakteor and Heransgeber Dr. Alazandar Bkolltx. — Verlag Ton O. Oarold'a Sohn. 
Dmck aad Papier der O. Vabarrentar'icbea Bttcbdnickerei (K. Baiser). 



Oesterreichische 



Botanisclie Zeitsclirift 

Gemeinntttzig^es Org^an 



Die l)«terrelcbl»clie 



für 



Sxemplare 



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den Entea jede» Moaus. ' ilf. b^! d?r ■ a üt. 

""rr«'r..'t!^' Gärtner, Oekonomen, ForslmäoBer, Aerzte, ^^i?vfSJ^k?"" 

(td R. Mark.) j^^ ^Qga des 

/r.'^".';fÄJ?*o Apolheker und Techniker. ""V^r/^JSrr' 

Xüserate {. wia« 

^^AT^fr« Nr 10. "„.Ti?.!?!«!!?' 



Bnclihaiidliingeii. 



XXVI. Jahrgang. WIM. Oktober 1816. 



ZNHAXiT: Phytograflsche Beitrige. Von Dr. Celakovsky. — VegelalionsTerhältnigse. Von Dr. 
Kern er. — Mykologisches. Von Schulze r. — Eine Exkursion in das kroatische Lilorale. Von 
Stossich. — Pflanzen auf der Weltausstellung. Von Antoine. — Lileraturbericbte. — Correspondenz. 
Von Dr. Borbas, Dr. Sanier, Pilloni, Voss, WIesbaur, Hoeme. — Vereine, AnsUlten, 
Unternehmungen. — Botaniseber Tauscbverein. — Inserate. 



Phytographische Beiträge. 

Von Dr. Lad. ÖelakoYsk;^. 

X. 

Silene candicans n. sp. 
ex grege Inflatarum Boiss. iBehenanlhe Otth). 

Planta perennis, caespitosa^ tota eglanduloso-pubescens» 
Caudices ascendentes, dense foliati. Caules 6 — Opollicares, pilis bre-- 
vibus teneris dense molliter pubescenteSy erecti t>el suberecti, simpli^ 
ces, parce foliosi (foliorvm paribus 3 — 4J, basi folwlis parvis in 
squamas tergentibus densiorÜ>U8 cincH; infiorescentia cymose 7 — 
10 flora, cymis Sfloris in summq caule approximatis, con^ 
fertis^ vel cyma inßma 3flora axillari remotay floribus breviter 
pedunculatis, Folia rosularum sterilinm oboeato-^spathulata, 
acuminatay in petiolum longum aftenuata^ catUina spathulato^ 
oblonga eel superiora otata utrinque attenuata, acumine Ion- 
giore cartilagineo fnsco terminata^ dense pubescenti^tomentellay 
canescentiay superiora cum bracteis ovatis acutis candicantia. 
Calyces campanulati^ basi vix vel parum angustatiy a cap^ 
sula remotiy fmctiferi subinflati, subtiliter iOnermi, molliter subto-^ 

Oesterr. botan. Zeitschrift. 10. Heft. 1876. 26 



322 

mentosi, aündi vel Heide subcolorati, juniores cum pedunculis calyce 
brevioribus C^iccö) fuscescentes, dentibus late triangularibus acumi"^ 
natis. Lamina petalorum alborum oMonga, bifida, Iticiniis lineari-- 
oblongis, utrinque lacinula dentiformi breviori aucta, itaque quodam-- 
modo inaequaliter quadrifida, supra unguem superne biauriculatum 
intus bigibbosa. Antherae ovatae. Capsula brevis, subglobosa^ car^ 
pophoro fere aequilonga, calyce subbreeior. Semina (immatura) 
dorso coneexo obtuse verrucoso-tuberculata. 

Crescit in Syria y^circa Zebdaine prope Damascum in rupestri- 
bus frigidis opacis aquiloni oppositis alt. 6000 ped,^ (1^9- ^Ä. Kotschy 
die 2. Jun, iSöö). 

Die hier proponirte Art wurde mit Fenzl's Bestimmung als S»- 
lene odontopetala herausgegeben und auch von Boissier in der Flora 
Orient aus mit Silene physocalyx Ledeb. FI. ross. und S* Sinaica 
Boiss. Diagn. unter dem Namen S, odontopetala Fenzl in eine Art 
verschmolzen. Sie ist allerdings mit der S. physocalyx nächst ver- 
wandt, aber meines Erachtens doch (und zwar keineswegs nur vom 
Standpunkte der ,,petiles espdces^) hinreichend spezifisch verschieden. 
Sie unterscheidet sich von ihr durch die Gestalt der Blätter und 
Brakteen, die Kelchform, die Kapsel^ den gedrungenen Blüthenstand 
und ganz vorzüglich durch eine wesentlich verschiedene Behaarung. 

Die S. physocalyx hat nämlich längliche bis lanzettliche und 
lineal-Ianzettliche, ganz kurz zugespitzte Blätter, deren grundstän- 
dige in den Blattstiel lang verschmälerte ebenfalls lanzettlich oder 
verkehrt lanzettlich sind, schmal lanzeltliche Deckblätter, 7 — 24 Cm. 
lange, meist bogig aufsteigende Stengel, einen meist 3 — 7blüthigen, 
selten cymös 1 Iblüthigen, bisweilen aber nur einblüthigen, meist laxen 
Blüthenstand, dessen Endblüthe einen so langen und längeren Stiel 
besitzt als ihr Kelch, und dessen seitliche mit 2 Vorblättchen ver- 
sehene Blüthen oder ihnen entsprechende 3blüthige Cymen ebenfalls 
länger gestielt sind. Freilich gibt es aber auch eine Form (var. con-" 
gesta Fenzl in scheda), deren Blüthenstand in Bezug auf den ge- 
drängten Stand von S. candicans wenig mehr abweicht, obwohl bei 
grösserer Reichblüthigkeit (bis 11 Blüthen), die 4 — 6blülhigen Seiten- 
zweige unter der Endblüthe recht lang gestielt sind und letztere weit 
übergipfeln« Der Kelch ist zur Basis keulig verschmälert, jung sogar 
walzig, wird aber zur Fruchtzeit stark glockig aufgeblasen, mit 10 
stark vorragenden Hauptnerven (die bei S. candicans selbst am Frucht- 
kelche nur sehr fein und wenig bemerklich sind) und mit lanzettlich 
zugespitzten Kelchzähnen. Die Antheren sind länger, länglich, die 
Kapsel länglich, 2 — 3mal so lang als der Fruchtträger. Während bei 
S. candicans die oberen Blätter, Deckblätter und Kelche von der 
dichten, fein filzig-flaumigen Behaarung graulichweiss aussehen und 
jede Spur von Drüsenhaaren entbehren^ so besteht die lockerere Be- 
haarung der nur massig in's Grauliche spielenden Blätter und Kelche 
bei der S. physocalyx theils aus abstehenden Drüsenhaaren, theils 
aus dickeren, steiflichen, deutlich gegliederten drüsenlosen Haaren; 
die ersteren nehmen nach allgemeinster Regel im oberen Stengel- 



323 

theile auf den Inflorescenz^zweigen, Deckblättorn und Kelchen über- 
hand; die letzteren namentlich sind fast nur mit Drüsenhaaren be- 
streut, und längere drüsenlose Zotten finden sich nur gegen den 
Rand und die Spitze der Kelchzähne. Nur am untersten Stengeltheile 
und den Blättern der sterilen Büschel herrscht das drüsenlose steife 
Haar vor. Schon die Betrachtung mit einer guten Loupe, noch kla- 
rer natürlich die mikroskopische Betrachtung zeigt, dass die Haare 
der beiden besprochenen Arten grundverschieden sind. Bei S, physo- 
calyx sind die drüsenlosen Haare (z. B. von diQn Kelchzähnen, wo 
sie am schönsten und dichtesten) sehr weillumig und dabei ziemlich 
dünnwandig, das Lumen vielmal breiter als die Zellwand, die Zellen 
eines Haares oft sehr ungleich dick, die unteren am meisten aufge- 
trieben und häufig eine ganz dünne Zelle zwischen zwei sehr weiten 
gelegen; die Scheidewände wenig dünner als die Aussenwände, an 
ihnen aussen zwischen den Zellen eine stärkere Einschnürung. Die 
Drüsenhaare sind ähnlich, nur kürzer und schmäler mit kugelig oder 
birnförmig angeschwollener absondernder Endzelle. Ganz anders die 
feinen Haare der 5. candicans. Diese sind 2 — 3mal dünner und um 
ebensoviel kürzer, allmälig zur Spitze verjüngt, einem Bambusrohre 
vergleichbar, ohne solche Sprünge in der Weite der benachbarten 
Zellen, wie sie bei S, physocalyx so häufig sind; die Zellen sind re- 
lativ und absolut dickwandiger, die Wanddicke ungefähr gleich dem 
Durchmesser des engen Lumen, welches sich nur nach beiden Enden 
gegen die weniger als die Aussenwandung dicke Scheidewand zu 
verbreitert. 

Neben den angegebenen und meiner Ansicht nach völlig hin- 
reichenden Merkmalen ist allerdings eine habituelle Uebereinstimmung 
beider Arten, eine wahre nahe Verwandtschaft nicht zu verkennen, 
auch gleichen sich die Kronblätter und die Samen derselben sehr. 
Allein diese Uebereinstimmung darf uns doch nicht bestimmen^ beide 
Pflanzen für identisch zu halten, ebensowenig als etwa die nahe ver- 
wandte Silene auriculata Sibth., die in der Tracht, in der Blattform, 
dem Blüthenstande, den Kelchen und der Drüsenbekleidung des Sten- 
gels sehr nahe an die S, physocalyx herantritt, während sie sich 
durch die am Stengelgrunde gehäuften, langzottig-gewimperten, sonst 
aber kahlen Blätter doch unverkennbar als eine andere Art darstellt. 
Es ist überhaupt eigenthümlich, dass die Silenen dieser Gruppe nicht 
bloss von reduzirenden, sondern selbst von spezifizirenden Autoren 
öfter mit nicht zugehörigen Arten kumulirt worden sind. So ist es 
kaum begreiflich, wie jemals die italienische S, lanuginosa Bertol. 
mit der griechischen S, auriculata zusammengeworfen werden konnte, 
die doch im ganzen Ansehen, in der Blattbildung, Behaarung und 
den Kelchen weit difieriren, daher Boissier mit Recht bemerkte: 
„S. lanuginosa huic fS. auriculatae) saepe adnumerata est species 
diversa.'' Und doch haben Reichenbach, Nymann, Bertoloni beide für 
synonym erklärt oder die griechische Pflanze für eine blosse niedrige 
Form der S. lanuginosa angesehen. Es besteht aber ein Unterschied 

26» 



324 

zwischen kritischem Reduziren und unzureichend begründetem Ku- 
muliren der Arten. 

Wuchs, Substanz und Form des Blattes, wie auch die Behaa- 
rung der S. physocalyx findet sich übrigens sehr ähnlich und zwar 
ähnlicher als bei S, candicans wieder bei der 5. vallesia L. (welche 
Beziehung bereits Ledebour ganz richtig hervor hob), die nach dem 
Kelche und dem langen Fruchtträger in eine andere Section (bei 
Boissier in die der Auriculatae) gesetzt werden muss. 

Ueber die Variationsfähigkeit der S. candicans lässt sich bisher 
nichts sagen, die mir vorliegenden Exemplare desselben Standortes 
sind alle gleichartig, zeigen blosse individuelle Unterschiede, die S. 
physocalyx variirt beträchtlich in Grösse und Breite der Blätter, ohne 
jedoch die Blattform wesentlich zu ändern. An der grossblätterigen 
Form beträgt die Breite der unteren Stengelblälter bis 6 Mm., deren 
Länge S*/» Cm., an den Grundblättern sogar bis über 5 Cm.; an 
schmalblättrigen Formen Breite 2 — 3 Mm., Länge 1 — 2 Cm. Die Ele- 
vation des Standortes übt einen merklichen Einfluss auf den Habitus, 
danach unterschied Fenzl eine var. montana, von lockerem Wüchse, 
kräftigeren, bis 24 Cm. hohen Stengeln, reichlicheren Blüthen, grös- 
seren Blättern, und eine var. o/pma, gedrungener rasig, kleinblätte- 
rig, mit niedrigen, meist 1 — Sblüthigen Stengeln. Die erstere wächst 
auf dem cilicisohen Taurus nach Kotschy bei 5000 Fuss, die letztere 
bei 9000 Fuss. 

Ich übergehe nun zu der Darstellung der Flora orientalis und 
hebe aus der Diagnose der S, odontopetala Fenzl, welchen Namen 
Boissier gewählt hat. Folgendes hervor: „Caulibus superne glandu- 
loso-villosis, 1 — 7floris, foliis lanceolatis acutis vel obtusiusculis, ca- 
lyce viscidulo albido campanulato, coroUae laciniis ovatis obtusis, 
Capsula ovata carpophoro 27a — 3plo longiori, seminibus dorso con- 
vexo acute tuberculato-cristalis.'' 

Hierunter stehen ausser der Hauptform, auf die sich die Dia- 
gnose vorzugsweise bezieht, noch die Varietäten; ß, cerastüfolia^ foliis 
caulinis anguste lanceolatis, longo attenuato-acuminatis, dentibus ca- 
lycis longioribus acuminatis, y. latifolia (mit dem Synonym S, physo- 
calyx Ledeb.), foliis brevioribus, latioribus, inferioribus spathulatis 
interdum obtusis, 8, congesta CS. sinaica Boiss. olim) fioribus subses- 
silibus capitato-congestis. 

Die erste dieser Varietäten, aus Lycien (leg. Bourg), ist mir unbe- 
kannt, zur zweiten gehört unter anderen Standorten auch der der sy- 
rischen S. candicans (Kotschy Exsicc. 120). Die dritte Varietät vom 
Sinai („in rupium fissuris montis St. Catharinae*' 1835 leg. W. Schim- 
per, exsicc. 296 et 352), die von Boissier vordem als eigene Art ange- 
sehen wurde, will ich zuerst besprechen und mich ihrer hiebei gegen 
die stiefväterliche Behandlung in der Fl. Orient, annehmen. Aus der 
kurzen, soeben zitirten Diagnose der var. congesta kann man sich 
keinen entsprechenden Begriff von dieser Pflanze machen. Viel aus- 
führlicher und kenntlicher hat der berühmte Autor seine ursprüng- 
liche Art in den „Diagnosen" geschildert, woraus ich Folgendes her- 



325 

vorhebe: „Foliis enerviis carnosis, caulinis linearibus, brevissime 
tpmentoso-canis, caesio-albidis, in mucronem nigrescentem subpun- 
gentem attenuatis^ floribus 1 — 2 ex axillis superioribus ortis et 7 — 9 
in apice caulis capitatis sessilibus, calyce brevi subinflato hirsuto 
pallide lOstriato, petalis lineari-cuneatis, lamina parva emarginato- 
biloba.'' 

Mein Exemplar der Silene Sinaica (an dem leider Rhizomlheile 
und Grundblätter fehlen, die aber nach Boissier's erster Beschrei- 
bung den von S. physocalyx ähnlich sein müssen) ist an 30 Cm. 
hoch und nicht weniger als 24blüthig! Die endständige Cyme näm- 
lich ist 9blüthig und ähnlich wie bei S. candicans gedrungen-gehauft, 
die Blüthenstiele über den Brakteolen 2 — 6 Mm. lang, daher der 
Ausdruck ,,floribus in apice caulis capitatis sessilibus^ oder auch 
,,subsessilibus'' sehr übertrieben. Aus einer oder beiden Achseln der 
drei obersten Blattpaare (deren unterstes gross, deren oberstes klein, 
deckblattartig) kommen längergestielte, doch ähnlich wie dio End- 
cyme gedrungene, 3 — 5blüthige Seitencymen hervor. Die der Bois- 
sier'schen Beschreibung zu Grunde liegenden Exemplare waren also 
nicht so reichblüthig wie meines, aber offenbar nach demselben Ge- 
setze verzweigt. Die Stengelblätter sind im Zuschnitte ähnlich denen 
von S, physocalyx^ länglich oder länglich-lanzettlich, zum Grunde 
verschmälert, in eine auffallend lange, braune Knorpelspitze allmälig 
zugespitzt, in der Länge dieser Spitze noch die S, candicans über- 
treffend. Lineal sind die Blätter ebensowenig wie nervenlos, vielmehr 
auf der Unterseite von einem stark vorspringenden Mittelnerven durch- 
zogen. Charakteristisch ist die von Boissier ursprünglich hervorgehobene 
bläulich-graue Farbe derselben, die nicht wie die intensiver weiss- 
liche der Blätter der S, candicans von der dichten Behaarung, son- 
dern von der Beschaffenheit der sehr leicht ablösbaren Epidermis 
abhängt. Die Behaarung ist im Gegentheile sehr locker und zerstreut, 
obgleich fast ebenso kurz und fein wie bei S, candicans. Was aber 
in den „Diagnoses^ gar nicht erwähnt wird, ist die zahlreiche 
Drüsenhaarbekleidung auf den oberen Blättern und besonders auf 
dem oberen Theile des Stengels, den schmalen Brakteen und den 
Kelchen, die den drüsenlosen Haarzotten reichlich beigegeben ist. 
Hierin weicht die S. Sinaica von der S. candicans ganz ab, nähert 
sich vielmehr der S, physocalyx^ die aber ausser dem Drüsenhaar 
im oberen Theile nicht so zottig ist. 

Die Blüthen der Sinai-Pflanze sind bedeutend kleiner als bei 
den beiden anderen Arten. Der nur 1 Cm. lange Fruchlkelch ist nur 
unbedeutend aufgebläht, glockig-trichterförmig, die gleichlange oder 
selbst ein wenig vorragende Kapsel oberwärts locker umschliessend, 
zur Basis auffälliger als der von 5. physocalyx (der sehr viel mehr 
aufgeblasen und bei 1-5 Cm. lang ist) verengert und hiedurch um- 
somehr noch von dem fast rein glockigen Fruchtkelche der S. can- 
dicans verschieden. 

Während der Fruchtkelch der letzteren weisslich und trübpur- 
purn angelaufen, derjenige der S. physocalyx missfarbig ausgebleicht 



326 

und aof den Adern etwas geröthet ist, so steht er bei der S. 
gesättigt bläolicbgrun ans, von weissen, vorzugsweise den Commis« 
snren entsprechenden, aber nnregelmässig begrenzten häutigen Strei- 
fen durchzogen. Ausgezeichnet sind ihre Petala. Diese sind viel klei- 
ner (nur bis 10 Mm. lang, bei den anderen 13—15 Mm. lang), die 
Platte schmal, in 2 schmal-lineale, vom oft gezähnte und aussen mit 
zahlreichen, glanzenden, goldgelben Drusenhöckem, die schon bei 
18facher Loupenvergrössening sichtbar sind, besetzte Zipfel gespalten. 
Bei der S. physocalyx und S. Smaica sind die DrQsenpunkte sehr 
spärlich und blassgelb, daher erst bei stärkerer (mikroskopischer) 
Vergrösserung deutlich sichtbar. Die Seitenzähnchen, die bei S. phy^ 
socalyx, candicans, auricnlata, besonders gross bei S, lanvginosa 
vorkommen, fehlen bei S. Smaica durchausp^dagegen habe ich sie 
bei jenen nie vermisst. Ich halte daher dieses Merkmal fOr sehr be- 
ständig, und wenn Boissier bei der S, odoniapetala angibt, dass die 
Zähnchen bisweilen fehlen, so hat er hiebei wahrscheinlich an die so 
verschiedene S, Smaica gedacht Die kleine, länglich-ovale Kapsel 
der S. Sinaica ist doppelt so lang als der Fruchtträger. Dio Samen 
sind so, wie sie Boissier für die S. odoniapetala angibt, nämlich 
auf der gewölbten, kreisförmigen Rfickenseite von spitzen, gereihten 
Höckern kämmig-stachlig. Dagegen finde ich an den Samen der S, 
physoccUyx und S. Candida nur stumpfe, auf den Flächen leisten- 
artige Erhöhungen. Indessen muss ich bemerken, dass diese Samen 
nicht voll ausgebildet, sondern etwas verschrumpft sind, so dass die 
abweichende Skulptur Folge dieses Zustandes der Samen meiner 
Exemplare sein könnte, was noch weiter zu konstatiren sein wird. 
Das vorstehend Hitgetheilte wird wohl erwiesen haben, dass 
die Silene odontopetala der Fl. Orient, drei verschiedene Arten be- 
greift. Freilich könnte noch eingewendet werden, und ich habe selbst 
eine Weile den Argwohn gehegt, dass vielleicht bei der Kotschy'schen 
Pflanze des Museums eine Zettelverwechslung stattgefunden habe, 
dass also Fenzl und Boissier von dem syrischen Standorte eine an- 
dere Pflanze erhielten und verstanden haben, als mir vorliegt. Damit 
würde es stimmen, dass nicht nur Boissier, sondern bereits Fenzl die 
syrische Pflanze als seine S. odoniapetala bestimmt hat und dass auch 
die Beschrfibung Fenzfs im Pugillus plant, nov. wohl beider S^phy- 
socalyx vom Taurus, nicht aber bei der S. candicans zutrifft. Es heisst 
daselbst von der S. odontopetala: „hirsuta, scabriuscula. caulibus su- 
peme glanduloso-villosis erectis, foliis lanccolatis ac lanceolato-linearibus 
acutis^, auch wird ausdrücklich die Tauruspflanze in dieser zutreffen- 
den Weise beschrieben. Das Bedenken schwindet aber nach folgenden 
Erwägungen. Eine Zettel Verwechslung ist schon an sich nicht wahr- 
scheinlich, da ich unter den Pflanzen Kotschy's im wohlgeordneten 
Herbar Veselsky's (welches durch das grossmüthige patriotische Ver- 
mächtniss des ehemaligen Kreisgerichtspräsidenten im Besitze des 
Museums sich beflndet) wohl mitunter unrichtige Bestimmungen, nie- 
mals aber irgendwelche Verwechslung vorfand. Wichtiger ist der 
Umstand, dass die S. candicans in jenem Falle in der Flora Orient. 



327 

anderwärts mit anderem Namen angeführt sein müsste. Das ist aber 
nicht der Fall. Sie gehört entschieden nur in die Sektion: Inflatae 
calyce pubescente, woselbst keine andere mit ihr zu identiflzi- 
rende Art sich befindet, und die Musterung unseres an orientalischen 
und anderen Arten ziemlich reichen Herbariums und der sonstigen 
Diagnosen Boissier's und Ledebour's überzeugte mich, dass die Pflanze 
des Veselsk^'schen Herbars gewiss nicht anderweitig aufgestellt ist, 
dass also wirklich eine unrichtige Bestimmung von Seite der ge- 
nannten Autoren stattgefunden hat. Die S, odontopetala, auf die 
Tauruspflanze gegründet, ist im Jahre 1842 publizirt, die syrische 
Pflanze aber erst im Jahre 1855 von Kotschy gesammelt und erst 
nachträglich von Fenzl zu der bereits aufgestellten Art gezogen 
worden. Die zwar allzuknappe Diagnose, die Boissier seiner var. lati^ 
folia mitgegeben hat, passt ausserdem in der That zur S. candicans 
und hebt eines ihrer auifallendsten Merkmale gegenüber der S. phy-- 
socalyx hervor. 

Auch in BetreiT der S. Sinaica könnte ein ähnlicher Zweifel 
Platz greifen, da man kaum begreift^ wie eine so ausgezeichnete Art 
jemals, und überdiess von einem früher mehr der Spezifikation zu- 
neigenden Autor, zur S. physocalyx gezogen werden könnte. Aber 
vor der ausführlicheren Beschreibung in den „Diagnoses** muss auch 
dieser Zweifel verstummen. 

Noch muss ich es verantworten, wesshalb ich der syrischen Spe- 
zies einen neuen Namen gebe, und wesshalb ich die Tauruspflanze als 
S. physocalyx Ledeb., nicht als S* odontopetala Fenzl bezeichne. Man 
sollte glauben, dass die var. latifoUa Boiss. (mit dem in Fl. Orient, 
beigesetzten Synonym S, physocalyx Ledeb.) ebenso mit der S. can- 
dicans identisch ist, wie die var. congesta Boiss. mit der S. Sinaica^ 
dass somit der Name S. physocalyx der S, candicans zukäme. Dem 
ist aber nicht so. Die sehr gute Beschreibung Ledebour's passl genau 
nur auf die S. odontopetala: „floribus subterminalibus 1—3 (rarius 4), 
calycibus floriferis cylindrico-clavatis, glanduloso-pilosis, frucliferis 
vesiculoso-inflatis, 10 sulcato-angulatis, dentibus late-lanceolatis, sub- 
elongatis acuminatis dense ciliatis, Capsula ovata carpophoro sesqui- 
vel dupplo longiore, foliis oblongis acutis.** Zudem bemerkt der Autor 
ganz richtig, die Art schwanke zwischen der Sektion Siphono- 
morpha Otth (mit röhrig-keuligen Kelchen), wohin er sie gestellt 
hat, und der Sektion Behenant he Otth (mit aufgeblasenen Kelchen), 
indem sie blühend mehr zu jener, im Fruchtzustande besser zu dieser 
zu bringen sei. Dasselbe lässt sich aber nicht von der Silene candi- 
cans aussagen. Zu grösster Sicherheit steht dort noch die Bemerkung, 
der Autor habe dieselbe Pflanze, von Kotschy auf dem Taurus ge- 
sammelt, unter Nr. 82 seiner Kollektion gesehen. Unter dieser Num- 
mer ist in der That die bereits 1836 gesammelte Kotschy'sche Pflanze, 
die S, odontopetala ausgegeben worden und befindet sich auch in 
unserer Sammlung. Hiemit ist sichergestellt, dass S. physocalyx Led. 
und S. odontopetala Fenzl vollkommen synonym sind. Beide Namen 
sind fast gleichzeitig publizirt, das Vol. 1. der „Flora rossica^ trägt 



828 

die Jahreszahl 1842, der ,,Pugillus^ ebenfalls. Der erste Fascikel des 
ersten Bandes der Flora rossica kam aber, dem ersten Titelblatte zu- 
folge, schon im J. 1841 heraus, es ist also möglich, dass auch der 
die Silenen enthaltende bereits aus diesem Jahre herrührt. Doch die 
Publizirung beider Schriften bei dieser Ungewissheit als völlig gleich- 
zeitig angesehen, so müssen andere innere Gründe über den beizu- 
behaltenden Namen entscheiden. Es bleibt nämlich zu berücksichtigen, 
dass der Ledebour'sche Name einen prägnanteren Begriff bezeichnet, 
indem er vom Autor und Anderen niemals unrichtig gebraucht wurde 
und namentlich durch die Angabe des verschiedenen Blüthen- und 
Fruchtkelches jede Verwechslung mit der S. candicans oder gar der 
S, Sinaica ausschliesst, während die S. odontopetala^ deren Kelch 
schon ursprünglich einfach nur als weit flockig („calyce amplo cam- 
panulato^) angegeben worden, auch für die 8. candicans noch Raum 
bot, daher auch vom Autor selbst auf diese ausgedehnt wurde. Die 
Hinzufügung der S, Sinaica hat den Begriff der S. odontopetala nOi*h 
unbestimmter gemacht. 

Es geht übrigens daraus, dass Boissier die kaukasische Pflanze 
zu seiner var. latifolia bringt, auch hervor, dass diese Varietät selbst 
nicht rein abgegrenzt ist, sondern ausser der S, candicans auch noch 
die breitblättrigere Form der S. physocalyx begreift, so dass es un- 
gewiss bleibt, ob die übrigen Standorte dieser Varietät (Elbrus und 
Hermen) zu dieser oder jener Art gehören. 

Zum Schlüsse noch eine allgemeine Bemerkung. Wir sahen, 
dass die Merkmale der S. Sinaica und S. candicans^ diese als Varie- 
täten betrachtet, der Diagnose der Art S. odontopetala Fl. Orient, 
nicht entsprechen (z. B. nicht die Reichblüthigkeit der ersteren, die 
Blattform der zweiten). Noch viele Systematiker befolgen die Maxime, 
dass in der Speziesdiagnose nur die sog. „Hauptform" (noch wider- 
sinniger die „Hauptart^ genannt) zu berücksichtigen sei, nicht aber 
die „abweichenden" (a typo aberrantes) Varietäten /?., y. u. s. w., 
deren Merkmale dann natürlich mit mehreren Merkmalen der Art- 
diagnose kontrastiren. Eine solche Behandlung der Diagnosen ist aber 
unlogisch, denn der untergeordnete Begriff darf dem übergeordneten, 
in dem er enthalten ist, in keinem Merkmale widersprechen. Da 
wäre es doch gleich besser, wenigstens logischer, dass die Varietäten, 
die man so der Art logisch koordinirt hat, statt sie ihr zu subordi- 
niren, auch formell, nämlich als verschiedene Arten koordinirt würden, 
wie es die spezifizirenden Botaniker thun. Jene unlogische Behand- 
lung des Speziesbegriffs entspringt meist der Vorstellung, dass die 
spezifische Diagnose die abgekürzte Beschreibung einer konkreten 
Form sein müsse, während doch die Spezies, die mehrere namhafte 
Varietäten oder Racen begreift, ein in höherem Maasse abstrakter 
Begriff ist. Und dann — was ist denn die „Hauptform", die den 
Vorzug haben soll, allein die Art zu bestimmen? Das ist bald die 
am meisten verbreitete, bald die zuerst beachtete und beschriebene 
Form, im letzteren Falle also rein zufällig und konventionell. In 
einem Lande kann die eine Form, im anderen eine zweite die ver- 



329 

breitete sein, und was hat überhaupt die Verbreitung mit der rein 
logischen Begriffsbestimmung zu thun? Auch praktisch ist jene Me* 
thode von Nachtheil, wenn der Pflanzen Bestimmende die Merkmale 
seiner besonderen Varietät in der Diagnose der Art ausgeschlossen 
findet. Wie konnte man z. B. die Silene Sinaica mit 24blüthigem 
Stengel unter der Diagnose: „caulibus 1— 7floris'' vermuthen? Und 
so könnte sie nach der Fl. Orient, gar nicht bestimmt werden, wenn 
nicht glücklicherweise die Nummer aus den Schimper'schen Exsiccaten 
beigefügt wäre! Es sollte daher von einem modernen gründlichen 
Systematiker verlangt werden, dass die Speziesdiagnose kein Merk- 
mal enthalte, welches bloss einer Form der Art angehört, oder dass 
sie die entgegengesetzten homologen (auf denselben Pflanzentheil 
sich beziehenden) Merkmale aller Formen in disjunktiver Aufzählung 
(mit vel — vel) enthalte; so wie es der vorleuchtende Koch und der 
in logischer Genauigkeit und Sorgfalt schwer zu übertreffende Neil- 
reich geübt haben. 



Die Vegetations-Verhältnisse des mittleren und östlichen 
Ungarns und angrenzenden Siebenburgens. 

Von A. Eerner. 
LXXXVII. 

1542. Salix alba L. — Im Ufergelände fliessender und stehen- 
der Gewässer, stellenweise auch auf scheinbar trockenen Sandflächen, 
wo das Grundwasser nahe bis zur Oberfläche und das Wurzel- 
werk der Stöcke in eine stets durchfeuchtete Sandschichte hinab- 
reicht. — In dem wasserarmen mittelungar. Berglande seilen: bei 
Paräd in der Matra und bei P. Szantö in der Pilisgruppe; häufig 
dagegen im Stromgelände der Donau bei Csenke, Näna, Muzsla, 
Set. Andrae, Krotendorf, auf der Margarethen- und Csepelinsel; auf 
der Kecskemeter Landhöhe bei Pest, Alberti, Monor, Pills, P. Peszcr 
bei Also Dabas; in der Tiefebene bei Czegl^d und entlang der Theiss 
von T. Füred über Szolnok abwärts nach Szegedin; im Bereiche des 
Bihariagebirges auf dem tertiären Vorlande und in den Körösthälern 
bei Grosswardein, Lasuri, Hollodu, Belönyes, Pötrani, Vasköh, Pö- 
trosa, Rözbänya, Criscioru, Halmadiu, Körösbänya, dann auf sieben- 
bürgischer Seite im Thale des grossen und kleinen Aranyos bei Nögra 
und Yidra. Der höchstgojegene im Gebiete beobachtete Standort im 
Aranyoslhale oberhalb Nögra gegen den Vertopu zu. — In der Nähe 
bewohnter Orte häufig zur „Kopl weide" verslümmelt. Wird im Gebiete 
auch kultivirt, zumal entlang der Theiss, wo S. alba fast der einzige 
Baum ist^ den man dort in der Tiefebene zu Gesichte bekommt. Im 
Vorlande des Bihariagebirges und insbesondere im Thale der scliwar- 



330 

zen Koros werden die Zweige der dort häufig gepflanzten S. alba 
insbesondere zu Flechtwerk benützt, mit weichem die dort hausen- 
den Romanen ihre Häuser und Gärten umzäunen. — Sienit, Trachyt, 
Schiefer, tert., diluv. und alluv Sand- und sandiger Lehmboden. 
75—870 Meter. 

1543. Salix palustris Host, (super albaX fr agilis). — Im Strom- 
gelände der Donau bei Krolendorf ober Altofen. Nicht seilen auf der 
Csepelinsel. Vereinzelt zwischen Leopoldifeld und Auwinkel bei Ofen 
und hier wahrscheinlich gepflanzt. — Diluv. und alluv. Sand- und 
sandiger Lehmboden. 75 — 160 Meter. — (Auf der Csepelinsel beob- 
achtete ich an einigen Bäumen dieser Weide Kätzchen, deren Blü- 
then bald zwei-, bald drei-, bald viermännig waren, auch Bäume, 
deren sämmtliche Blüthen 4 Pollenblätter zeigten, wurden dort von 
mir beobachtet.) 

1544. Salix excelsior Host. Csubalba'Xfragilis). — Im Strom- 
gelände der Donau, aber seltener als S. palustris. — Auf der Cse- 
pelinsel. Einige hübsche cT und ^ Bäume auch am Rande des Teiches 
im Stadtwäldchen bei Pest. -— Diluv. und alluv. Sand- und sandiger 
Lehmboden. 75— 160 Meter. (Die männlichen Kätzchen zeigen im Ge- 
biete gleich jenen der S, palustris Blüthen mit 2, 3, und 4, ja mit- 
unter auch mit 5 Pollenblättern. — Alle Bäume, welche ich im 
Gebiete beobachtete, hatten Laubblätter, welche im ausgewachsenen 
Zustande auf der Kehrseite seegrün gefärbt waren, und entsprechen 
demnach genau der S, excelsior Host Salix p. 8, tab. 28, 29; S, 
excelsior a. discolor Kern. N. Oest. Weid. 64.) 

1545. Salix fragilis L. — An ähnlichen Standorten wie S. 
alba^ mit der sie im Gebiete häufig auch gesellig vorkommt. — Im 
mittelungar. Berglande bei Paräd und P. Szantö; im Stromgelände 
der Donau bei Pärkäny, Muzsla, Näna, Set. Andrae und Krotendorf; 
auf der Csepelinsel; auf der Kecskemeter Landhöhe bei Pest und im 
Waldreviere zwischen Monor und Pilis. In der Tiefebene bei Czoglöd. 
Im Bereiche des Bihariagebirges auf dem tertiären Vorlande und in 
den Körösthälern bei Grosswardein, Katonaväros, Lasuri, Hollodu, 
Rözbänya, Halmadiu und KOrösbänya und im Gebiete des Aranyos 
bei N^gra und Vidra. Oberhalb Nögra gegen den Vertopu zu gesellig 
mit S. alba und S. purpurea und daselbst der höchstgelegene im 
Gebiete beobachtete Standort dieser Baumart. — Trachyt, Schiefer, 
tert., diluv. und alluv. Sand- und sandiger Lehmboden. 75 — 870 Met. 
— Wird, wenn auch seltener, als S. alba gepflanzt und als „Kopf- 
weide" behandelt. (Bäume, deren Kätzchen neben 2männigen auch 3-, 
4- und Smännige Blüthen zeigen, wurden von mir auf der Csepelinsel 
bei Pest beobachtet. Mit „Ä. pentandra^^' welche Kitaibel als bei 
Pest vorkommend aufi*ührt, und die nach ihm auch von Sa dl er und 
Neilr. als Pflanze der Pester Flora aufgezählt wird, ist ohne Zweifel 
eine solche S, fragilis mit 5männ]gen Blüthen gemeint. Dass diese 
im „Herbar österr. Weiden'' in der ersten Dekade Nr. 10 als Salix 
fragilis var, Pokornyi ausgegebene Weide kein Bastart aus S. fra- 



331 

^lis und S. pentandra sein kann, wurde in dem Texte, welcher der 
eben genannten Dekade beigegeben ist, erörtert.) 

1546. Scdix subtriandra CamygdaUnaXfragilis) Kern. N. Oest. 
Weid. 67 und Oesterr. Bot. Zeitschr. XIV, 10. — Im Stadtwäldchen 
und auf der Csepelinsel bei Pest. — Alluv. Sandboden. 95 Meter. 

1547. Salix amygdalina L. Fl. suec. Nr. 881; Sp. pl. 1443. — 
An den Ufern stehender und fliessender Gewässer und an den Bö- 
schungen der Dämme in der Nähe von Wassergräben. — Im Strom- 
gelände der Donau bei Näna, Set. Andrae. Altofen; auf der Marga- 
rethen- und Csepelinsel; im Stadtwäidchen und zwischen Pest und 
Steinbruch an den Eisenbahndämmen; in der Tiefebene bei Czegl^d 
und von T. Füred über Szolnok nach Szegedin. Im Bereiche des 
Bihariagebirges bei Grosswardein und im Thale der weissen Koros 
zwischen Halmadiu und Körösbänya und bei Chisindia nächst Butöni. 

— Diluv. und alluv. Sand und sandiger Lehm. 75 — 280 Meter. In 
der angrenzenden Bakonygruppe bei Zircz auch noch in der Seehöhe 
von 440 Met. beobachtet. — (Blüht im Gebiete häufig im Herbste 
zum zweiten Mal.) (S. triandra Sa dl. ist als Syn. hieherzusetzen. — 
S. triandra Linnö oder doch Smith, Wahlenberg, Fries, Koch 
= S, ligustrina Host = S. amygdalina ß. concolor Koch wurde 
im Gebiete von mir nicht beobachtet. 

Salix habylonica L. — Auf Friedhöfen, dann in Gärten und Parkanlagen 
der Städte hie und da gepflanzt — Am Ufer des Stadtwäldchenteiches ein 
Baum, an dessen Kätzchen männliche und weibliche Blüthen gemischt gefunden 
werden, der aber auch viele Kätzchen mit nur männlichen und wieder solche 
mit nur weiblichen Blüthen trägt. 

Salix duphnoides Vi 11. — Wird von Sa dl er in der Flora des Pester 
Comitates angegeben- doch hat derselbe sie in diesem Florengebiete nicht selbst 
gefunden, sondern führt sie nur gestützt auf die Autorität Läng's auf (^ad mar- 
gines viarum et fossarum Com. Pest, crescere afiTirmat cl. Läng"). Nach M. Sad- 
ler Sal. 14 soll sie auch in den Comitaten Heves und Borsod vorkommen, und 
Steffek zählt diese Weide als bei Grosswardein wachsend auf. Diesen An- 
gaben lie^t aber entweder eine Verwechslung /u Grunde, oder sie beziehen 
sich vielleicht auf kultivirte Bäume. Von mir im Gebiete weder wildwachsend 
noch kultivirt gesehen. 

1548. Salix incana Schrank. — „Rarior ad rivulos et in 
salicetis insulanis" Sa dl. Fl. Com. Pest. 464. 

1549. Salix viminalis L. — An Flussufern und in Gräben ent- 
lang den Dämmen im Gebiete seilen und gewöhnlich nur vereinzelt. 

— Auf der SchifTswerftinsel bei Altofen, bei Pest auf dem Herminen- 
feld und Rakos, dann bei Alberti; nach Steffek in Oest. Bot. Zeit- 
schrift XIV, 175 auch bei Grosswardein. Ausserhalb des Gebietes 
bei Zircz in der Bakonygruppe. — Diluv. sandiger Lehmboden. 90 — 
440 Meter. 

1550. Salix elaeagnifolia Tausch. (snbpnrpureaX viminalis), 

— An gleichen Standorten wie die vorhergehende Art und mit dieser 
gesellig auf der Schiffswerftinsel bei Altofen und entlang dem Eisen- 
bahndamme in der Nähe der Herminenkapelle hinter dem Stadtwäld- 
chen bei Pest. — Diluv. und alluv. Sandboden. 95 Meter. — (Salix 



332 

mollissima Sadler Fl. Com. Pest, ist zufolge eingesehener Original- 
exemplare als Syn. hieherzuziehen. — Sadler sagt von seiner S. 
nwlissima [rede S. elaeagnifoUa Tausch]: „In salicetis ad Tibiscum 
reperit L^ng, in illis ins. Danub. M. D. Sadler.'' Hiernach kommt 
S. elaeagnifoUa und S, viminaUs wahrscheinlich auch an der Theiss 
vor. — S. mollissima Ehrh. ein der Kombination amygdalinaXvi- 
minalis entsprechender Bastart wurde bisher im Gebiete nicht aufge- 
funden. Neilreich, der S» amygdalinaX timinalis W immer Mm 
Gebiete aufzählt, hat diess in der irrigen Voraussetzung gethan, dass 
S, mollissima Sadler und S. mollissima Ehrh. identisch sei, und 
dann an die Stelle des von Sa dl. gebrauchten Namens S, mollissima 
die zu S. mollissima Ehrh. gehörige Bezeichnung „S. amygdalinaX 
viminalis Wimmer^ v orangesetzt.) 

1551. Salix rubra Huds. CpurpureaXtwninalis), — In dem 
Graben entlang dem Eisenbahndamme nächst der Herminenkapelle 
hinter dem Stadtwäldchen bei Pest. Hier häufig und (wahrscheinlich 
durch Stecklinge) so vermehrt, dass sie in Betreff der Individuenzahl 
die mit ihr dort gesellig wachsenden Stammarten 5. vimitMlis und 
S. purpurea an Zahl übertrifft. — Diluv. Sandboden. 95 Meter. 

1552. Salix nitens Gren. et Godr. Fl. d. Fr. 131; Kern. 
N. Oest. Weid. 95. CcinereaXviminalis). Einige Sträucher in der 
Nähe des Herminenfeldes am Rakos bei Pest. — Diluv. Sand. 95 Met. 

1553. Salix cinerea L. — Auf sumpfigen Wiesen und am Rande 
stehender und fliessender Gewässer. In den Thälern und Thalwei- 
tungen des mittelungar. Berglandes bei Paräd in der Matra; bei 
Csenke, Näna, Waitzen, Set. Andrae und Krotendorf und bei den 
Saukopfquellen im Auwinkel bei Ofen; auf der Kecskemeter Landhöhe 
bei P. Csörög und R. Palota, insbesondere häufig entlang dem Rakos- 
bache bei Pest; dann an den Quellen bei der Gubacs-Csarda und bei 
Soroksar, Säri, Üllö, Alberti. In der Tiefebene bei Czegl^d und Szol- 
nok; auf der Debrecziner Landhöhe bei Debreczin. Im Bereiche des 
Bihariagebirges hei Grosswardein, Felixbad, Szt. Jänos, Lasuri, Hol- 
lodu, Belenyes (hier auf den feuchten Wiesen des Thalbeckens sehr 
häufig), im Poi^nathale bei Pötrosa, bei dem Bade Mon^sa und auf 
der Bratco^a am Fusse des Plesiu, dann im Thale der weissen Koros 
durch die Thalflächen von But^ni über Halmadiu nach Körösbanya. 
Der höchstgelegene im Gebiete beobachtete Standort auf einer Sumpf- 
wiese bei Negra im Aranyosthale. — Schiefer, Kalk, tert., diluv. und 
alluv. Lehm und Sand. 75—845 Meter. Eine für das Tiefland sehr 
charakteristische Weide, welche auf den Sumpfwiesen mitunter kleine 
Bestände bildet, in deren Schutze sich auch zahlreiche auf den an- 
grenzenden, jährlich gemähten Grasflächen verschwundene oder dort 
nur kümmerlich gedeihende Stauden erhalten. — (Wurde von den älteren 
Ungar. Botanikern theilweise für S. aurita L. gehalten und wird von 
Sadler in der ersten Ausgabe der Fl. Gom. Pest, noch als S. aurita 
aufgeführt. Diese ältere, von Sadler übrigens später selbst korrigirte 
Angabe ist auch in Neureiches Aufz. übergegangen. S. aurita L. 
fehlt in dem hier behandelten Gebiete und zwar nicht nur im Tief- 



333 

lande, sondern auch im mittelungar. Berglande und im Bihariageb. 
Die Angabe KitaibeTs im Hin. d. Marmar. Reise über das Vorkom- 
men der S. aurita bei Bököny, im Ecseder Sumpfe etc. beziehen 
sich gleichfalls auf Ä. cinerea,') 

1554. Salix Caprea L. — Am Saume und in den Lücken der 
Hochwälder, Niederwälder und Holzschläge, insbesondere an felsigen 
Bergabhängen. Im mittelungar. Berglande in der Matra auf dem Galya 
und bei Paräd; in der Magustagruppe bei Gross Maros; nach Feich- 
tinger im Walde bei Csenke; in der Pilisgruppe bei Dömös, Vise- 
grad und Set. Andrae; auf dem Kishegy bei Cs6v und auf dem 
Piliserberg (hier nahe der Kuppe mehrere baumfövmige Exemplare 
mit 1-3 Meter hohem Stamme), insbesondere häufig auf dem Sand- 
berge bei F. Csaba. Im Bihariagebirge auf den Sienitfelsen bei P6- 
trosa, auf der Tartaro^a und im Valea söcca, am nordwestl. Gehänge 
des Vervul Biharii (hier der höchstgelegene, im Gebiete beobachtete 
Standort), an den Felsen ober dem Eingang in die Geisterhöhle nächst 
der Släna Onc^sa, auf der Bratco^a in der Plesiugruppe und in der 
Hegye^gruppe auf der Chiciora südöstlich von But^ni. — Sienit, Tra- 
chyt, Schiefer, Kalk, tert. Sand. 250—1350 Meter. — Fehlt auf den 
niederen Bergen bei Ofen, im Vorlande des Bihariagebirges und im 
Tieflande. Von Kitaibel wird sie zwar in Ilin. d. Marmar. Reise „in 
arenosis Debrecöni'' angegeben; doch liegt dieser Angabe sehr wahr- 
scheinlich eine Verwechslung mit Ä. cinerea L. zu Grunde, welche 
letztere durch das Tiefland allgemein verbreitet, auch bei Debreczin 
nicht selten ist, so dass sie von Kitaibel dort nicht übersehen 
werden konnte, nichtsdestoweniger aber von ihm als dort vorkom- 
mend nicht aufgezählt wird. 

1555. Salix fagifolia W. K. in Willd. Spec. plant. IV, 704 
(Caprea Xsilesiaca?J. — Im Bihariagebirge gesellig mit der vor- 
hergehenden und folgenden Art zwischen Pl^trosa und R^zbänya 
im Valea s6cca entlang dem Wege zur Höhe der Stftn6sa. — Kalk. 
1100 Meter. 

1556. Salix silesiaca Willd. — Auf felsigen Bergkuppen, Ab- 
stürzen, Ufern und in schattigen Bergschluchten im Bihariagebirge. 
Auf dem Pötrpsaerzuge selten: auf dem Vervul Britiei und Bohodei; 
häufiger auf dem R^zbänyaerzuge auf der Margine und entlang den 
Zuflüssen des Aranyos bis Nögra; am häufigsten auf dem Balrina- 
plateau in der Oncösa, dann an den feuchten Wänden der Doline, 
durch welche man zur Eishöhle von Scarisiöra hinabsteigt, weiterhin 
auf der Piötra Batrina, Varasoöa, Piölra Galbina, Pietra Boghi, im 
Valea pulsului, Valea Gropili und Valea söcca, im Kessel Ponora, auf 
der Stirbina, Stänösa und Talaro^a zwischen Pötrosa und Rözbänya. In 
der Vulcangruppe auf den Abstürzen des Suprapietra poienile bis 
herab zum Wasserfalle bei Vidra. Der am tiefsten gelegene Standort 
im Gebiete an der Piötra pulsului bei Pötrosa; der höchstgelegene 
auf den Porphyritfelsen zwischen Vervul Britiei und Bohoiei. — Por- 
phyrit, Schiefer, am häufigsten aber auf Kalk. 520 — 1620 Met., am 
häufigsten in dem Höhengürtel von 950 — 1300 Meter. 



334 

1557. Salk^ nigricans Sm. — Zwischen Pest und Palota meh- 
rere Sträucher hm Rande eines Wassergrabens in der Nähe der 
Stelle, wo die Eisenbahn den Rakosbach übersetzt. — Diluv. Sand. 
100 Met. •— Da diese Weide im ganzen Gebiete nicht weiter beob- 
achtet wurde, drängt sich der Gedanke auf, dass sie auch an dem 
oben angeg^M^en Standorte nicht urw&chsig vorkommt, sondern mit 
Stecklingen aus Pest dahin verpflanzt wurde. Der Umstand, dass S. 
nigricans in den Pester Gärten und Parkanlagen nicht kultivirt wird, 
spricht freilich wieder gegen diese Annahme. 

1558. Salix purpurea L. — An Ufern von Bächen und Flüssen. 
— Paräd, Näna^ Waitzen, St. Andrae, Pest, Margaretheninscl bei 
Ofen, Csepelinsel, Alberti, Valea pulsului bei Pötrosa; am häufigsten 
an den Ufern der Zuflüsse des Aranyos bei N^gra und Vidra. Hier 
auch der höchstgelegene im Gebiete beobachtete Standort: im Valea 
Odincutia gegen den Vertopu zu. — Schiefer, diluv. und alluv. Lehm 
und Sand. 95-950 Meter. 

1559. Salix parviflora Host CO'ngnstifoliaX, purpurea), — 
Vereinzelt unter Salix angustifolia Wulf, bei Pest: zwischen dem 
Stadtwäldchen und Neupest. — Diluv. Sand. 95 Meter. 

1560. Salix angustifolia Wulf, (nicht Fries und Koch). — 
Auf sumpfigen Wiesen, in Gräben, stellenweise auch auf wüstem, 
lockerem Sandboden in Mulden imd Thälchen, wo das Grundwasser 
das ganze Jahr über eine solche Höhe einhält, dass die Wurzeln der 
kleinen Weide stets befeuchtet bleiben. — Im Stromgelände der Do- 
nau bei Csenke^ Set. Andrae, Krotendorf, Altofen. Sehr häufig auf 
der Kecskemeter Landhöhe bei Waitzen, R. Palota, Pest, Alberti, Pilis, 
Monor, P. Szällosär bei Tatar Szt. György. Auf der Debrecziner Land- 
höhe bei Bököny und in dem Ecsedi Läp. — In der Tiefebene und auch 
im Bereiche des Bihariagebirges nicht beobachtet. — Diluv. und alluv. 
Sandboden. 95 — 150 Meter. 

1561. Salix rosmarinifolia L. ((angustifolia >Cviminalis), — 
Sehr selten in einem Graben am Eisenbahndamme hinter dem Stadt- 
wäldchen bei Pest in der Nähe des Wächterhauses Nr. 1. — Diluv. 
Sand. 95 Meter. — Syn. S. angustifolia Fries und Koch, nicht 
Wulfen. 



Mykologisches. 

Von St. Sdiulzer von Müggenburg. 

VIII. 

Um nicht der weiter unten beschriebenen neuen Art wegen, 
überflüssigerweise eine besondere Gattung aufzustellen, erlaube ich 
mir nachstehende, wie ich vermuthe, auf Kenntniss einer einzigen 
Art basirte Diagnose des um die Mykologie so hochverdienten Zeit- 
genossen ^ durch die eingeklammerten Stellen zu erweitern: 



335 

Heteropalella Fuckl nov. gen. Cupulae sessiles ore lachiiato 
(vel in siccis lobato), coriaceae, discus carnosus, discolor. Sporidia 
in sporophororum ramosorum apicibus, pedicellata (aut non), fiisi- 
formia (aut fere cylindracea), simplicia apice (saepe) appendiculata, 
hyalina. 

Fuckel's Anmerkung: „Der einzige Discomycel, der keine 
Schläuche bildet^ verstehe ich übrigens nicht, es müssle denn vom 
Myrothecium Tode, Polinema L^v. etc. erwiesen sein, dass sie gele- 
gentlich auch Schlauchgebilde sind. 

Jäfeteropatella furfuracea Schlzr. nov. spec. Cupula extus 
fusca furfuracea, irregularis, margine integre, in siccis fere clausa 
saepe lobata, Jove pluvio explanata 0*25 — 2°^ lata, disco glabro nigro; 
sporis cylindraceo-fusiformibus, 0*005— O'Ol"*"' longis, 0*002"°' crassis. 
Ad lignum fabrefactum quercus. Valde rara. 

Im April auf noch ganz gesunden, behauenen, seit mehreren 
Jahren im Freien gelegenen Eichenholze in geselligen Gruppen, nur 
ausnahmsweise 2 — 3 Individuen aneinander gedrängt, angetroffen. 
Nach der lederartig-fleischigen Substanz zu urtheilen, mag der sel- 
tene Pilz eine lange Lebensdauer haben. 

Der unregelmässig-runde, sitzende, jedoch nur mit der Mitte 
am Standorte haftende, 0*25 — 2°^°^ breite Fruchtkörper ist aussen 
braun und auffallend kleiig-rauh, die glatte Scheibe schwarz. Im 
trockenen Zustande legen sich die sonst ganzen Ränder verschiedent- 
lich, häufig lappenförmig gegen die Mitte zusammen, so dass der 
Pilz beinahe geschlossen, von der Scheibe wenig zu sehen ist. 
In diesem Zustande sind dreieckige Formen nicht selten. Angefeuch- 
tet öffnet er sich mehr oder weniger, selbst bis zur flachen Schei- 
benform. 

Im Durchschnitte ist die Hymeniumschicht schon durch die weiss- 
liche Farbe von dem zäheren schwarzbraunen Fleische deutlich unter- 
scheidbar. Sie besteht aus zellig-verflochtenen, wenig ästigen, faden- 
förmigen Basidien, welche cylindrische, mitunter etwas in 's Spindelför- 
mige neigende, einfache, hyaline, 0-005— O'Ol""* dicke Sporen in 
Menge erzeugen. 

Habituell, besonders bei trockenen Wetter, der von den Gebrü- 
dern Tulasne zu Cenangium gestellten Fries'schen Peziza-Ahtheilnng 
Encoelia entsprechend. 

Zwischen den Individuen der Heteropatella befanden sich eine 
Menge punktgrosser schwarzer Höckerchen, in welchen ich nichts 
Anderes vermuthete, als eine zu derselben gehörige Pykniden- oder 
Spermogonienform, die sich jedoch, bei genauerer Untersuchung, als 
Amphisphaeria emergens entpuppten. Ich halte es übrigens nicht für 
unmöglich, dass eine gewisse Beziehung zu einander zwischen beiden 
Pilzen besteht. 

Der vorliegende hat Mehreres mit Cenangium ligni (Desm.)Tul =: 
Trochila ligni D. N. gemein, welches ebenfalls Eichenholz bewohnt und 
von punktgrossen Wesen umgeben ist. Hier ist aber die Fructification 
der zwei Gefährten gerade umgekehrt: Die grossen Schalengebilde 



336 

besitzen Schläuche und die geschlossenen kleinern sind Spermogonien, 
eigentlich Pykniden, welche an der Spitze ästiger Hyphen winzige 
Früchtchen erzeugen. Vinkovce. 

AmphUphaeria emergens Schlzr. nova species. Gregaria 
et intermixta cum Heteropatella furfuracea. Perithecia superficiem 
Hgni immersa, dein erumpentia, corneo-carbonacea , sat crassa^ ovoidea^ 
nigra, scaberrima, puncti magnitudine. Asci clavati, octospori, para- 
physes filiformibus. Sporae oblongo-fusiformae, didymae, ad septum 
constrictae, loculis biguttulatis, fere hyalinae, 0*014 — 0'02°^ L, 
0-004— 0-005"'°' er. 

Als punktgrosse Gesellschafterin der Heterapotella furfuracea 
zahlreich an noch nicht angefaultem, im Freien liegenden, gezimmer- 
ten Eichenholze im April bemerkt. Die kohlig-hornartigen, ziemlich 
dicken, schwarzen, aussen höckerigen, durch Streckung des oberen 
Theils zu einer Hündung mehr oder weniger eiförmigen Pyrenien 
entstehen in der obersten Holzschicht^ brechen mit dem Scheitel her-* 
vor, heben sich immer mehr und sitzen am Ende nur noch mit der 
Basis im Holze. Ihre Breite variirt von 0*1 — 0.2"'°'. 

Der Kern ist bläulichweiss und besteht aus der zelligen Beklei* 
düng der Innenwand und aufrechtstehenden achtsporigen, sehr zarten 
Schläuchen und fadenförmigen Paraphysen. Erstere sind ursprünglich 
keulenförmig mit abgerundetem Scheitel; nach Ausbildung der Sporen 
gelang es mir nicht mehr den Contour zu sehen und nach der jLa-> 
gerung derselben erschien der Schlauch oben zugespitzt. Die Sporen 
liegen nämlich nach aufwärtsdrängend im Schlauche; ganz oben eine, 
dann folgen bald zwei bald drei neben und hinter einander, unten 
endet der Klumpen immer wieder mit einer Spore. Sie sind fast 
wasserhell, oblong in's Spindelförmige^ in der Mitte septirt und der- 
art eingeschnürt, dass sie gleichsam aus zwei Theilen bestehen, wo- 
von der untere gewöhnlich etwas mehr verlängert und spitziger ist, 
als der obere. Jeder Theii führt nahe der immer sehr zarten Schei- 
dewand eine kuglige grössere und gegen die Spitze eine eben so 
geformte kleinere Sporidiole. Ihre Länge variirt von 0*014 — 021, 
die Dicke von 0004 — 0*005°'"'. Gekrümmte kommen nicht selten vor. 



Eine Exkursion in das kroatisclie Litorale. 

Von Michael Stoseich. 

Hofrath Ritter von Tommasini wollte im Sommer 1875 eine bo- 
tanische Exkursion in das kroatische Gebirgsland unternehmen, um 
eine ihm weniger bekannte Flora kennen zu lernen und hatte die 
Güte mich zu diesem interessanten Ausfluge einzuladen. 

Am 20 Juli V. J. 7 Uhr Früh reisten wir mit dem Schnellzuge 
nach Fiume ab. Zwischen der Station Küllenberg und Sapiane ist 
das Terrain ganz mit Pteris aquiUna bedeckt und ausserdem findet 



337 

man in Menge Tussilago Farfara als charakteristisches Zeichen der 
Thonerde; hie und da stehen sehr schöne Wälder von Alnus glu- 
tinosa. 

Die nächstfolgende Station ist Jurdane, wo sich der Zug 20 Hi- 
nuten aufhält, eine Zeit die wir zur Aufsammlung einiger Pflänzchen, 
welche diese sterilen Gegenden verschönern, benützten. Wir fanden 
Sedum dasyphyllum, Linaria littaralis Beruh. ^ Rumex sanguineus 
und Rubus discolor Wh. 

Die letzte Station vor Fiume ist Mattuglie, in einer prachtvol- 
len Gegend gelegen und ganz von Eichenwäldern um^^eben; die Aus- 
sicht, die man von hier geniesst, ist eine der schönsten; nach rechts 
der Quamero mit seinen Inseln Cherso, Veglia und S. Marco und in 
der Weite Fiume mit den kroatischen Gebirgen, nach links der Monte 
Maggiore und die beiden Spitzen des Plavnik. 

Um 2 Uhr Nachmittags kamen wir in Fiume an. 

Den nächstfolgenden Tag verliessen wir des Morgens Fiume. 
Das Wetter war ziemlich schön, nur der M. Maggiore halte seine 
flachabgeplattete Kuppel von dichten Wolken bedeckt , ein Zeichen von 
regnerischem Wetler. 

Die neugebaute Elsenbahnlinie ist sehr interessant; ihre Lage 
eine der schönsten, indem man beinahe bis zur Station Plase die 
freie Aussicht über den Quarnero geniesst. 

Die Vegetation auf dieser Strecke ist eine ziemlich üppige; man 
findet einige Arten von Chenopodium, Centaurea splendens , Cam- 
panula pyramidalis und ausserdem eine grosse Menge von Morus 
sylvestris. Bei der Stallen Plase sieht man Centaurea rupestris 
und kleine Wälder von Fagns syhatica und Sorbvs Aria ein 
Zeichen von wenigstens 2000' Höhe; die umgebenden Berghügel 
sind alle mit Fichten bewaldet und an den Waldrändern trifft man 
die Euphorbia sylva4ica, einige Senecio-Arien und zahlreiche Ver- 
bascum phlomoides L. insbesonders bei der Station Loe. 

Das nächste Mal hält der Zug in Fuscine an , welches in einem 
sehr schönen Thale liegt, das von einem tobenden Gebirgsbach be- 
wässert wird. 

Nach drei Stunden erreichten wir endlich die Ortschaft Loque, 
von welcher aus unsere Exkursionen anfangen sollten, die jedoch 
wegen des zu schlechten Wetters missglückten. In der nächsten Um- 
gebung der Station sammelten wir Telekia speciosa Baumg. , welche 
wir in grosser Menge und voller Blülhe fanden; ausserdem sahen wir 
Galeopsis grandiflora^ Salvia glutinosa theilweise schon verblüht, Cen^ 
taurea Jacea, Sedum sexangulare, CalaminthaAcynos, Sambucus race^ 
mosa und ein beinahe baumformiges Exemplar \on Atropa Bella-^ 
donna. Die Station ist der höchste Punkt der Linie Carlstadt — Fiume, 
ca. 1000 Meter ü. d. M. gelegen. Loque selbst ist eine ziemlich grosse 
Ortschaft und bildet eine Art Halbkreis um das gleichnamige Thal. 

Nachmittags fuhren wir nach Mersla-Vodica, (frisches Wässer- 
chen), iVa Stunde von Loque entfernt. 

Ooaterr. botan. Zeitschrift. 10 Heft. 187«. 27 



338 

Das Dorf so genannt, weil es am Ufer eines kleinen Baches 
liegt, besteht nur aus einigen Häusern; die Einwohner leben nur iiroa 
Handel mit Heu und Kohle, und ihre Sprache ist eine rein kroatische, 
4laß Dorf ist ganz von kleinen Hügeln umgeben, welche einige Hundert 
Meter hoch und mit Fichten und Buchen bewaldet sind. Dieses Dorf 
wurde von uns als Aufenthaltstation erwählt, von wo ans wir den 
Berg Bisnyak besteigen wollten, ein Berg welcher bisher von sehr 
wenigen Botanikern besucht wurde. 

Als wir den folgenden Tag erwachten, sahen wir zu unserem 
grössten Entsetzen statt des schönen Berges tief herabhängende graue 
Wolken, die sich bald ihres nassen Inhaltes entluden. Das Thermo* 
meter zeigte nur 16* R. 

Gegen 8 Uhr machte der Regen eine kleine Pause , die wir 
gleich zu einem Spaziergange auf die Louisenstrasse benützten. Diese 
schönste Landstrasse Kroatiens erreicht an einem Punkte eine Höhe 
von 2936^ Hier hat man eine prachtvolle Aussicht ; nach Süden sieht 
man den Quarnero mit seinen Inseln, nach Nordost die steilen Fel- 
sen des Risnyak , nach Osten alle Thäler bis Loque und in der Weite 
die Spitze der grossen Capella. 

Nach '/* Stunden erreichten wir Jellene, ein Dorf welches nur 
zwei Häuser zählt und 2785' hoch liegt, umgeben von Fichten- und 
Buchenwäldern. 

Hier sammelten wir: Lilium carniolicum Beruh., Ranuncfilug 
Villarsii DC.^ Gentiana germanica und cruciata, Primula Thomma- 
sinii Gr. et Godr., Salix purpurea, Afhamanta cretensis, Laserpitium 
terlicillatum W. K., Valeriana rupestris, Scabiosa Fleischmanni, Cen^ 
taurea rariegafa Schloss., Carduus rollinns W.K., Achillea lanata Spr., 
Rosa retersa W. K., Daphne alpina, Ribes Grossularia und 
petraeum Wulf. 

Mittags kehrten wir wieder nach Mersla-Vodica zurück, wo ich 
noch einen kleinen Spaziergang in der Nähe des Dorfes machte und 
Dianlhus isolanus, Malta moschata und Aconitum Vulparia fand. 

Die Terrainformation ist immer dieselbe, Sandstein und Kalk- 
stein und an der Berührungsstelle ein sehr festes und hartes Kon- 
glomerat. 

Am 23. waren wir noch in diesem Orte und als das Welter 
immer schlechter wurde, fuhren wir wieder nach Loque zurück* 
Gleich hinter Loque verliessen wir das Thal, um in einen dichten 
Wald von Abies pectinata zu kommen. Die Flora ist hier eine arme, 
hie und da sieht man eine Sambucus racemosay oder einige Exeg)- 
plare von Telekia spedosa. Dieser Wald erweitert sich von Loque 
bis Mercopail und besitzt nur zwei kleine Thäler; in dem zweiten 
liegt das Dorf Sungari. Nach 2^/^ Stunden waren wir in Mercopail» 
einem der grössten Dörfer Kroatiens; es liegt in einem schönen 
Thale, welches sich bis zum Fusse des ßiela-Laöiza verlängert. Um 
^/^3 Llhr verliessen wir dieses Dorf und waren um 5 Uhr in Foscine. 
Die Flora blieb immer dieselbe, nur in der Nähe von Fuscine fanden 



339 

wir das Pyrethrum macrophyllum. Der nächste Zug brachte uns 
nach Fiume. 

Hafrath von Tommasini setzte seine Reise nach Triest fort, ich 
al^er blieb in Flame um den 26. in Gesellschaft meines Vaters und 
des Dr. R. Meyer aus Frankfurt a/M. mit dem Dampfschiffe nach Dal- 
matien zu fahren. Diese zweite Reise dauerte gegen 6 Wochen. Wir 
durchzogen das Innerdalmatien, bis Imoski und machten einen Ab- 
stecher in die Herzegowina, besuchten auch theilweise die Inseln 
und beendeten die Reise mit der Besteigung des Biokovo (5600'), 
(Sieh: Bollettino della societä adriatica di scienze naturali in Trieste 
Nr. 7), wo wir die höchst seltene Urtica glabrata fanden. 

Die nähere Reisebeschreibung überlasse ich dem Dr. R. Meyer, 
ich will nur flüchtig die interessantesten Pflanzen aufzählen, die wir 
während der Reise fanden; bemerkend dass unsere Ausbeute eine 
sehr arme war, indem seit Apnl in Dalmatien kein Regentropfen ge- 
fallen, folglich alles verbrannt war. 

Bocagnazzosee bei Zara : Datura Tatula, Dianthus ciliatus Guss^ 
Helichrysum (mgustifoiium DC, Momordica Elaterium. 

Sebenico: Centaurea ragusina, Vesicaria sinuata Poirel., Car- 
lina corymbosa, Euphorbia spinulosa, Cephalaria leucantha Sehr., 
Opuntia vulgaris Miil., Picnomon Äcarna Cass. 

Wasserfall des Kerka; Convolvulus sepium, Lythrum Salicaria, 
Äsperula canescens Vis., Echium puslulatum Sibth. 

Dernis: Bupleurum junceum, Cydonia vulgaris, Änchusa italica 
Retz. , Echinops Ritro. 

Knin: Marrubium candidissimum, Cyperus longus. 

Verlicca: Dianthus liburnicus Bartl., Pastinaca opaca Bernli., 
Edrajanthus tenuifolius DC. , Hibiscus Trionum. 

Sign: Centaurea cristata Barll., Trifolium dalmatinum Vis. 

Imoski: Scilla autumnalis, Scabiosa ucranica, Medicago pro^ 
strata Jacq., Linaria littoralis Beruh., Chenopodium viride, Bark- 
hausia foetida Mnch. 

Salona (Spalato): Camphorosma monspeUaca, Salvia Sclarea, 
Ämaranthus prostratus Balb., Pioris hispidissima Bart., Ephedra 
distachya. 

Macarsca: Ajuga Iva, Ononis Natrix, Euphorbia Peplis und 
ca/nescens, Campanula Portenschla^giana R. et Seh., Erica multiflora, 
Drypis spinosa, Cistus monspeliensis und creticus, Statice Limonium 
und cancellata Bernh., Crithmum maritimum, Croton tinctorium, Pu^ 
licaria viscosa Cass. 



►40*- 



OT ♦ 



27 



340 

Das Pflanzenreich 

anf der H^iener H^eltansstellnn^ im Jahre 1873. 

Notizeo über die exponirteii Naiizeii,NiBzeiiroh8toffe und Produkte, sowie über ihre bildlichen DarsteHongen. 

Von Franz Antoine. 

C Fortsetzung.') 

L a e k e. 

Rhus succedanea L. Liefert den unübertroffenen japanischen Lack. 

Leim Hnd Kleister. 

//ea?-Rinde liefert Vogelleim. 

Weizen, Kleister. 

Tsnmomato, ein Seegewächs, ebenfalls Kleister. 

Farbstoife. 

Alnus japonica Sieud. Früchte und Polygonum tinctorium Lour. Eine 

Rinde. 
Commelina communis L. 
Evodia glauca. Rinde. 
Erianthu^ tinetorius. Blätter. 
Gardenia florida. Früchte. 
Lithospermum arr^ense L. Wurzel. 
Myrica Nageya. Rinde. 



Indigopflanze. 
Pyrus sp. Rinde. 
Rubia Munjista Roxb. Wurzel. 
Quercns cuspidata Thunb. Rinde. 
— crispula. Rinde. 
Bhus semialata Murr. Galläpfel der 
Blätter. 



Photographie Hnd Pflanzenbilder. 

Durch die Photographie war das Kaiserreich Japan durch 64 Bil- 
der (8"xl0") vertreten. Sie waren ohne Aufschrift, und man fand 
Teiche, umgehen mit den alten Zwerggeslallen ihres Nadelholzes, 
Gärten mit Brücken, Tempel mit reichem Schnilzwerke und Blumen 
umgeben u. s. f. 

Auf zusammenlegbaren Wänden oder Bildern fand man am 
häufigsten Abbildungen von Wisteria sinensis^ Viburnum^ Camellen, 
Amygdalus, Paeonia arborea, Magnolien, Nandina domestica^ Chry- 
santhemen und Ipomaeen. Im Allgemeinen in vorzüglicher Ausführung 
und grosser Farbenpracht. Nur von Nelumbium speciosum gefiel es 
dem Künstler, eine grosse Tuschzeichnung einzusenden, welche wirk- 
lich vortrefflich durchgeführt war, aber nicht mehr den Charakter 
an sich trug, mit welchem die japanischen Gemälde uns bisher be- 
kannt waren. 

Terzeieliniss jener Pflanzen, welelie von den Japanesen inr Ansstelinn^ 
lebend eingeseliilft wurden, aber grösstentlieils anf der Seereise m 

Ornnde gingen. 



Aucuba japonica L. var. (Amoki, 
Tairi, Fosoba, Awaki, Amo- 
kiba). 



Andromeda sp. (ü6-dam, Yoraku 

tsutsudzi). 
Azalea indicah, (Kagoshima tsacts- 



341 



urizi, Kirishima, Satsuki, Kino- 

zai). 
Ardisia var. (Hanrjo, Shuromi). 
Aronia japonica (Shidesakura). 
Acer sp. (Momidzi Osakadzuki, 

Tamukeyama, Okuzomentshiki, 

Kagirinisliiki, Sliigatatea, Fehi- 

kasagaua, Asafikazada, Kadzi- 

kayde). 
Asarum Thunbergii (Kan-amoi). 
Amygdalus var. (Momo). 
Asparagus lucldns (Kasasugika- 

lura). 
Acorus aromaticus Gilib. (= A. 

Calamus L.) (Sjo-bon, Shima). 
Alisma (Sadzi-Omodaku). 
Aralia (Musaschi-Abumi). 
Aspidium (Miyamasotetsu, Moni- 

shida, Meshida, Winode). 
Adiantum (Hakoneso). 
Asplenium (Gesigesishida). 
Bambusa sp. (Bunjo^zasa, Jadake, 

Sjakotanisiku). 

— nigra (Kuro-lsiku). 

Biota Orientalis japonica (Kono- 

tegashira). 
Bignonia grandiflora Thunb. (No- 

zenkadzura). 
Benzoin (Ogatamanoki). 
Broussonetia papyrifera Venl. ja^ 

ponica (Kadzinoki). 
Bletia hyacinthina R. Br. (Shiran). 
Blechnum (Komopishida). 
Cydonia japonica Pers. 

— japonica fl. albo (Shiro-bako). 
Capsicum annuum L. (To-garashi). 
Celtis sinensis Willd. (Jenaki). 
Castanea japonica\Br. (Sando guri, 

Kuri Hanaku). 
Camellia sasanqua nova (Sasanka, 
Daikagura). 

— ya;?omca var, (Tsubaki, Oloma). 
Citrus japonica var. fructo eüip- 

tico (Knikun, Nagami). 
Corylopsis spicata Sieb, et Z. (Ta- 

samizuki). 
Crataegus sanguineus Fall, japon. 

(Sanzaski). 



Cornus officinalis Sieb, et Z. (San- 

slmya). 
Cerasus Sieboldii (Sakura). 
Chamaecyparis obtusa Sieb et Z. 

var. cKamakura^ TjoboQba, Ka- 

makurafiba). 
Cryptomeria japonica Don. var. 

(Tsirimenshugi). 
Corylus heterophytla Lodd. (Haslii- 

bami). 
Calanthe (Yebine). 
Clematis florida Thunb. var. (Kazu- 

zurauina). 

Cheilopsis moschata (Djakoso). 
Cucurbita Lagenaria L. (Hejotan). 
Coptis sp. (Woren). 
Diermüa sp. (Beni-Ulsuyi, Hama, 
Eltsugi). 

Daphnidium strychnifolium Nees. 
(Ujaku, Kosin). 

— Myrrha (Tendai Ujaku). 

Diospyros Kaki L. fil. (Kaki). 
Dioscorea japonica Thunb. (Ja- 

mano-imo). 
Daphniphyllum Roxburghii (Juzi- 

rifer). 
Daphne odorata Lara, rubra (Dzin- 

tjüke). 
Damllia sp. cKanshinoba^ Shino- 

hon). 
Evodia rutaecarpa (Goshuju). 
Eeonymus radicans var. (Masaki- 

Katsura). 
Edgeworthia papyrifera (Mitsu- 

malu). 
Eurya japonica Thunb. (Hisakaki). 
Gardenia florida L. var. (Kukutsi- 

nashi). 

Hydrangea paniculata Sieb. (Nashi- 
noki). 

— var. (Adzisaii; Bime-Adzisaii, 
Shitsidanka). 

— nova (Benigaku, Buri-Adzi- 
saii). 

Helufingia ruscifolia Willd. (Hana, 

Ikada). 
Hemerocalis (Wasaregusa). 



342 



Homoiceltis aspera BL (Mukuye- 

noki). 
Hex crenaia Thunb. (Inoutsouge, 

InaiT-metln). 

— macropkyUa Blnme (Tarajo). 
Juniperus japonica Carr. (Ibuki, 

Ogon Ibuki). 
Jasminum praecox (Wo-bai). 

— humile L. (Natffu-Wobai). 
Iris (Ajame, Fouiri, Kakistubala, 

Hama-Sjoban). 
Kerria jcpponica Dec. var. (Yama- 
bukii). 

— japonica fl. plena nova (Jage- 
Yamabukii) 

Lythrum Salicaria L. (Mischogi). 
Lindera sericea (Kouroinodji). 
Laurus camphora sp. (üradziro- 

husu). 
Ligularia Kaempferi Dec. var. 
Liguatrum var. (Fukuramotai). 

(Tsumabuki). 
Licium japonicum Thunb. (Haku- 

Ijoke). 
Lomaria sp. (Kidzinomo, Shishiga- 

shim). 
Lygodium sp. (Samisendzuru). 
Lastraea sp. (Sjorima). 
Lycopodium sp. (Fimoran, Shu- 

giran). 
Magnolia hypoleuca (Honoki). 
Myrica Nagi Thnnb. (Jamamomo). 
Menyanthes trifoliala L. (Mitsega- 

shira). 
Magnolia sp. (Momo). 
Nephrolepis sp. (Tamasida). 
Osmanthus fragrans var. (Hiragi- 

mokusei, Kinmokusai). 
Ophiopogon sp. (Nashiran). 
Onoclea sp. (Kayawarabi). 
Paeonia Moutan Sims. var. (Bolay). 

— albiftora Pallas var. (Siak- 
jaku). 

Prunus japonica Thunb. var. fl. 
pleno (Niwasakura). 

— Mume var. (Urne). 
Pauloumia japonica (Kiri). 
Planera cuspidafa (Kayaki). 



Polyponum filiforme Bart. (Midzu- 

siki, Jawata-Mizusiki). 
Pyi'us spectahilis Ail. var. (Kai-do). 

— Ringo Sieb. (Ringo). 
Punica granatum L. jap. (Zakuro). 
Pachyrrhizus Tkunbergianus (Ku- 

dzu). 
Pachysandra terminalis (Kitzi- 

djoso). 
Pittosporum var. (Cobera.) 
Knus Koraiensis Sieb, et Z. (Tjo-^ 

sengonzo). 

— sp. (Kurumatsu). 
Podocarpus Nagea var. (Maruba 

nagi). 
Pteris sp. (Nimomotoso). 
Polypodium sp. (Urabashi, Jalsu- 

meran, Amone, Katsura). 
Quercus dentata Thunb. (Kashira). 

— glauca Thunb. (Shira - Kashi). 

— glabra Thunh (Matebagashi). 

— cuspidata Thunb. (Shijnok). 

— sp. (Nara -gashima, Imane- 
gashi). 

Rhamnus sp, (Umemedaki). 
Rosa sp. (Hatoya bara, Kashin- 

bara). 
-- sempervirens (Sansfobara). 
Rhus succedanea L (Ronoki). 

— ternicifera DC. (ürushi). 
Reineckea sp. (Kamouso , Kilsi- 

djoso). 
Sterculia platanifolia L. ÜL var. 

(Awagiri). 
Stauntonia hexaphylla Decais. 

(Mube). 
Sapindus Mucorossi Gaertn. (Mu- 

kurodsi). 
Spiraea sp. (Kogomezakura, Shi- 

matsuke). 

— crenata L. (Sukiyanagi). 
Scuteliaria sp. (Talsunainiso). 
Sedum sp. (Benkeiso). 
Sanguisorba sp. (Waremako). 
Salisburia var. (Itjo). 

— glauca (Itjo). 

Sciatopitys verticillata §ieb. et Z. 
(Koyamaki). 



343 



Scirpus sp. (Futomi, Fosowi). 
Sagitlaria sp. (Kuwami). 
Serissm japonica (Keiigio). 
Torreya nucifera Sieb et Z. (Kaya). 
Thea sp. (Tjo, To Ija). 
Thujopsis dolohrata Sieb, et Z. var. 

(Ashunaro). 
Taxus japonica L. (Kjaraboku). 



Ternslroemia japonica Tliunb. 

(Mokkoku). 
Trichosanthes sp. (Ki-Karosan-Uri). 
Vincetoxicum sp. (Ninzinboku). 
Wisteria hrachyboirys Sieb, et Z. 

var. (Foudji-KabitaiO- 
— sp. (Noda fudzi, Shiro). 
Zyzyphus Jujuba Lam. ^Natsaume). 



Der Garten der Japanesen war von einem japanischen Gärtner 
angelegt. Durch ein Portal aus Crjfjo/omeria-Holz führte ein gerader 
Weg bis ungefähr in die Mitte ihres Gartengrundes. Zu beiden Sei- 
ten desselben zogen sich schmale Rasenstreifen hin, hinter welchen 
sich sodann ihre Verkaufsläden befanden. Hügel erhoben sich an 
vielen Stellen^ welche mit einzelnen Pflanzen, dann Felsenstücken, 
Thiergestallen und Vasen aus Stein und Metall und vielen anderen 
Gegenständen besetzt Waren. Zunächst dem Eingange machte sich ein 
etwa 6 Fuss hoher Monolith aus dnnkelgrauem Gestein ersichtlich, auf 
welchem eine breilblätterige Bambuspflanze, die zwischen Felsen em- 
porwuchs, eingravirt war. Die Zeichnung der Pflanze war sehr ge- 
schmackvoll gegeben, und indem man die glatte Oberflache des Steines 
mit Buchdruckerschwärze so schwärzte, dass die verliefte Zeichnung 
davon frei blieb, benutzten sie ihn gleichsam als Lithographiestein 
und verkauften die davon abgezogenen Bilder. Zu dem japanischen 
Tempel, der in der Verlängerung des oben erwähnten Weges lag, 
führte eine Brücke über einen schmäleren Theil des Teiches, dessen 
Boden und Ufer mit Steinen belegt waren, die, wie auch alles Bau- 
holz und sonstigen Erfordernisse, aus Japan überführt wurden. 

Der pflanzliche Theil litt wohl durch die äusserst stürmische 
Seereise sehr. Ein einziges sehr schOnes, dicht belaubtes, etwa 47« Fuss 
hohes Exemplar von SciatopUys verticillakt. Sieb, et Z. fand sich vor, 
alle übrigen waren zu Grunde gegangen. Einige hundertjährige Zwerg- 
bäumchen von Thujen und Retinisporen umstellten den Teich, während 
sehr viele davon todt in ihrem Reservegarten umherlagen. Ein sehr 
schönes Exemplar einer Nageia? (Dammara) mit kleinen, elliptischen, 
am Ende zugespitzten Blättern befand sich in bester Gesundheit in 
dem Garten, sowie auch ein obschon schwaches Exemplar von Homoi- 
celtis aspera Bl. Im Uebrigen wurde die Darstellung einer japani- 
schen Flora durch hier eingebürgerte Pflanzen zu ersetzen gesucht. 
Prachtvoll und sehr zahlreich darf ihre Lilienaniage, welche aus 
36 Arten und Abarten bestand, genannt werden. LUmm auratum 
war die am meisten vertretene Sorte, unter welcher viele Spielm'ten 
erschienen, welche theils auf der verschiedenen Färbung und Anzahl 
der Makeln, theils auf den verlaufenen gelben oder goldbraunen 
Längsstreifen, der in der MiWe der Fetalen hinläuft, basirt war, oder, 
worauf die Japanesen einen besonderen Werth legten, auf die Fär- 
bung des Pollens, der sich in den grossen Antheren zeigt, und bei 
manchen hellgelb, bei anderen dunkelbraun erschien. Das blassrosa 



344 

angehauchte Lilium Krameri fand grossen Anwerth, ohschon diese 
duftige Färbung nicht immer eintreffen soll. 

Die temporäre Ausstellung des Monats August bepeicherte Ja- 
pan durch die Auflage eines Herbars in Quartformat, mehr als JOOO 
einheimische Pflanzen enthaltend. Ausserdem besass die Ausstellungs- 
Kommission Bücher mit Abbildungen von Pflanzen in sehr grosser 
Anzahl, woraus ersichtlich wurde, welchen Schatz von Neuheiten Ja- 
pan noch abgeben kann. 

Ein Buch enthielt Abbildungen nur von Lilien, ein anderes 
wieder nur von Ipomaeen in farbigen Darstellungen. 

Wenn auch diese Ausstellung in Betreßt der überführten leben- 
den Pflanzen nicht ganz glücklich ausgefallen ist, so war doch die 
grossarlige Einführung lebender Originalpflanzen ein Unicum der 
Wiener Weltausstellung. Obschon auch Aegypten , Marokko etc. 
ihre Bauten mit Separatgärten umgaben, so war hierbei durchaus 
nicht Sorge getragen, lebende Pflanzen ihres Landes hierher zu 
bringen, um ihre Gartenanlagen damit ausstatten zu können. Das 
Verdienst, die Initiative in einem so weit ausgedehnten Umfange 
ergriffen zu haben, fällt den Japanesen allein zu. 

Ceylon. 

In sehr geringer Anzahl stand die Pflanzenwelt der mit einer 
üppigen Vegetation bekleideten Insel auf der Ausstellung vertreten. 
Die Mustersammlung von Holzsorten bestand aus 3 — 6 Zoll dicken 
Durchschnitten von berindeten Ast- oder Stamm-Stücken folgender 
Gattungen: 



lokmnster. 



Artocarpus integrifolia L. fil. 
(Jack). 
— pubescens Willd. 
Areca Catechu L. 
Cnryota nrens L. 



Caesalpinia Sappan L. 
Diospyros Ehenum Retz. 
Pterocarpus Moonii. 
Tectona grandis L. 
Vitex altissima Roxb. 



Faserpflanien. 

Caryota urens L. | Cocos nucifera L. 

Von beiden lagen die Fasern auf. 

Ausserdem gab es viele Kaffee- und Theesorten^ Vanilla und 
Arrow-root. 

Rinden. 

Cinnamomum zeylanicum Nees. Ein grosser Bündel hievon mit 8 Li- 
nien starken und 3 Fuss langen^ vollkommen geraden Rohren 
gehörte zu den schönsten Produkten dieser Art. 

Cinchona sp. lag ebenfalls in Rindenstücken vor. 



345 



Formosa. 



Die wenigen Produkte dieser Insel beschränkten sich auf die 
bei der armen Volksklasse China's häufig genossenen Erdinandeln 
CArachis hypogaea L.), welche auch zur Oelpressung und der Rück- 
stand als Dünger Anwendung findet, dann der getrockneten Lungu- 
gans-Früchte, der Ogu-Ayock-chee, eine feigenähniiche Frucht, aus 
deren Samen eine Art Gelöe gemacht wird, während man das Frucht* 
fleisch aufbewahrt, endlich Tumeric {Curcuma longa L.)- Ausserdem 
gab es Mark der Aralia papyrifera^ welche in dünne Blätter ge- 
schnitten, zur Blumenfabrikation Anwendung findet, dann Hanf, Kam« 
pher, Indigo und mehrere Theesorten. 

Französische Niederlassangen in Indien. 

(An der Küste von Coromandel: Pondichery und Karikal. — An der Küste von 
Orissia: Yanaon und die Bucht von Masulipatam. - An der Küste von Malabar: 
Mah^ und die Bucht von Calicut. — In Bengalen: Chandemagora und die Buch- 
ten von Cassimbazar, Jougdia, Dacca^ Balasore und Patna.) 

Wie aus nachfolgender Zusammenstellung ersitrhtlich wird, fallt 
der Schwerpunkt bei der Beschickung der Ausstellung von den fran- 
zösischen Niederlassungen in Indien auf Medizinalpflanzen, Oele, Ge- 
würze u. dgl., während Holzmuster gänzlich fehlten. 

desissmittel isd Clewirie. 



Anethum Sowa Roxb. 
Adenanthera Pavonina L. Same. 
Allium Cepa L. 
Bombax malabaricum DC. (Moul- 

lon-Ileven-v6r6). 
Bassia latifolia Roxb. Blumen. 
Capsicum annuum L. 
Caryophyllus aromaticus L. 
Cinnamomum aromaticum Nees. 
— iners Reinw. 



Coriandrum saticum L. 
CunUnum Cyminum L. (Cumin). 
Coffea arabica L. (Caf^ du Hysore, 

Cafö Cottal). 
Curcuma sp. 
Cajanus indicus Spr. 
Cicer arietinum L. 
Cynosurus sp. 
Dolichos biflorus L. 
— Catjang L. 



(FortsetKuner folgt.} 



Literatarberichte. 

Essay on fhe imitiigrafioii of fhe Norwegian Flora diiring alfer- 
nafing rainy and dry periods. By Axel Blytt. Christiania bei Alb. 
Cammermeyer. 1876. 8. 89 S. mit i koior. Karte Norwegens. 

Im vorliegenden Essay behandelt der Verfasser, welcher be- 
kanntlich eine sehr gute Flora Norwegens herausgibt und einer der 
gründlichsten Kenner der Pflanzenwelt dieses Landes ist, ein Problem, 
welches in vielen Beziehungen von Interesse erscheint. Die Frage, 



346 

auf welche Weise und wann Norwegen seine jetzige Pflanzendecke 
erhielt, wird scharfsinnig erörtert und dahin beantwortet, dass die 
gegenwärtige Flora Norwegens nach der Eiszeit wahrend verschie- 
dener Perioden, die abwechselnd trockenes und feuchtes Klima hatten, 
eingewandert sei. Bei einer ausführlichen Besprechung der Resultate 
von Blytt's Forschungen müssten viielfach auch andere Disciplinen als 
die Botanik herangezogen werden. Es S($ien daher hier nur jene 
Theile des Essay hervorgehoben, welche für die Leser dieser Zeit- 
schrift besonders wichtig erscheinen. Als solche waren namhaft zu 
machen die Schilderung der Vegetation« Norwegens; die Erörterungen 
yber die Entstehung der Torfmoore Skandinaviens; die Gliederung 
der Pflanzenarien Norwegens in arktische, subarktische, boreale, at- 
lantische, subboreale, sahatlantische u. m. a. Die beigegebene Karte 
veranschaulicht in gelungener Weise die Verbreitung der obgenann- 
ten sechs Vegetationsgruppen in Norwegen. Nicht nur der Botaniker, 
sondern auch der Palaontok)ge und Geologe werden Blytt's Essay^ 
welcher viel Anregendes und Interessantes enihält^ gerne lesen. 

Dr. M. W. R. 

„Die wichtigeren Ergebnisse der Darchforschung der sehleffischen 
Phanerogauienflora im Jahre 187^, zasaiimiengesfellt von "R. v. 

Ue^htrttE." Separalabdruck aus dem Jahresbericht der bot. Sektion der 
schJes. Gesellschaft f. vateri. Kultur, 1875, (vorgelegt in den Sitzungen vom 
2. und 30. März i876) 8. 30 S. 

Diese vom Verf. mit bekannter kritischer Schärfe gelieferte 
„Zusammenstellung^ führt in systematischer Polge eine Reihe von 
Arten und Varietäten auf, welche für die schlesische Flora theUs 
neui, theils von besonderem Interesse sind. Von ersteren wäre ins- 
besondere zu nennen: Spergularia segetalis Fenzl. — Rasa venvsta 
Scheutz (bisher nur in Siiandinavien). — R. cuspidata M. B. eera, 
R, micrantha Sm. — R. tomentella Lem. mit mehreren Abänderun- 
gen. — R, spinulifolia Demt. — R, speciosa üechtr. (bisher nur in 
der Schweiz und den Vogesen). — R. alpinaX^camma Neilr. — 
i?. parvifolia Uechtr. ==■ R. salaevensis Rap. v. Ueehirit&iana Christ, 
in litt. — R. Wamana Rchb. Fl. exe. — . Ä. tracht^phylla auct. rec. 
vix Rau = R. flexuosa ej^ ex Dfesegl. — Taraxacum nigricans Rchb. 
Fl. germ. exe. = T. alpestre DC. — Hieracium rupicolum Fr. var. 
franconicum Griseb. = JJ. bifidum Koch nee W. K. und JJ. ctncro- 
scens Jord. — Sehr erschöpfende Behandlung erfuhren die Gattungen 
Rosa (von Christ revidirt) und Hieracium. Besonders in letzterer 
Hinsicht wäre auf die gediegene Auseinandersetzung aufmerksam zu 
machen, von welcher ff. nigrescens Willd. begleitet ist, bei welcher 
Gelegenheit auch zwei neue verwandte Formen als H. glanduloso- 
dentaktm und H. stygium beschrieben und gleich E. ni^üum Uechtr. 
(1872) näher erläutert wurden. Verf. streift bei seinen Erörterungen 
nicht nur das benachlmrte Gebiet der österr.-ungarischen, sondern 
wie gewöhnlich auch jenes der Flora von Gesainmt-Europa, wesshalb 
auch diese neuerlichem MiUheilungen des Verf. für die floristischen 
Fachkreise von Wichtigkeit sind. Fr. 



347 

BorbÄs Vincenz Symbolae ad ^CaryophyUeas^ c I ^Mclanlliaf eas^ 
llorae croaticae. Agram 1876, 14 Seiten 8. Separatabdruck aus dem 
XXXVI, Bande des „Rad" (Verb, der südslav. Akad. der Wissenschalten 
und Künste). 

Das Material zu dieser Arbeit hat der Verf. in Kroation selbst 
zu sammehi oder doch zu erhalten Gelegenheit gehabt. Paronychia 
Kapela Hacq. wird wieder zur Geltung gebracht. Dianthus vagmatus 
Schloss. et Yukot. ist == D. croalicus Borbäs, zu D. monspessufanus L. 
werden D. caespitosus Kil. und D. geminatus Kit. mit der Vartelat 
bißdus Kil. gezogen und ein neuer Bastart D. Yuhotinomöti CD. Car^ 
thusianorum [vel alius MnisjXcaryophylloides Rchb.) beschrieben. Das 
über die zweite Familie Gesagte publizirte der Verf. bereits früher bei 
der Ungar. Akademie. Hiernach wäre Colchicum Bwonae Vis. et Rchb. 
= C Visianü Parlat., sowie C ponnonicum Griseb. et Schenk und 
C. Haynaldii Heuff. = C. neapolitanum Ten. Die ganze Ausstattung 
der Arbeit und die Latinitat des Verf. lassen Manches zu wünschen 
iibrig. In dem mir zufällig vorliegenden Exemplare finden sich von 
des Verf. Hand herrührende Korrekturen, doch sind diese nieht voll- 
ständig und die handschriftliche Bemerkung zur beigegebenen Tafel, 
die D. Vukolinoviöii darstellen soll, lautet: „Icon falsa, forsitan nil 
nisi D. silvestris Wulf.; delineationem Vukotinoviö solus curavit."! 

J. A. Knapp. 

Der „fünfte Bericht des botan. Vereines in Landshut 
(Baiern) über die Vereinsjahre 1874/1875*» (Landsliut 1876) 
weist 146 Mitglieder auf, wovon 28 korrespondirende sind. Drei der 
letzteren entfallen auf Oesterr.: Prof. Dr. Kornhuber in Wien, Prof. 
P. Jul. Gremblich zu Hall in Tirol und Apotheker Hinterhuber in 
Mondsee bei Salzburg. Ausserdem steht der Verein mit 66 anderen 
Vereinen, Gesellschaften und Anstalten im Schriflentausch; in Oester-- 
reich jedoch nur mit acht. Der 5. Bericht des strebsamen Landshuter 
Vereines, aus XXXI und 66 Seiten bestehend, hat somit bei uns nur 
geringe Verbreitung, und doch enthält er gar manches, was von 
Gemetninleresse sein dürfte. Martubhim tmlgare und Chondrilla jun- 
cea werden hier für die Landshuter Flora zuerst aufgeführt (entdeckt 
von Prof. Zeiss). Getreiderost und Getreidebrand wurden vielfach 
untersucht; vielfach wurde auch die Reife der Früchte beobachtet. 
„Ueberhaupt erkennt der Verein hierin eine wichtige Aufgabe, die- 
jenigen Gesetze, welche die Wissenschaft erschliesst, wo nur mög- 
lieb im Interesse der Landwirthschaft zu verbreiten (S. XVll). Dem- 
gemäss wurden auch Vorträ^ge gehalten, Experimente gemacht u. dgl. 
Unter den „Abhandlungen'^ begegnen wir zurerst den „Aphorismen 
über den sogenannten Generationswechsel der Pilze, speziell der 
Uredineen von F. v. Tbümea (S. 1—8), welche sich kurz in folgen- 
den zwei Thesen präcisiren lassen: 1. So lange nicht zur Evidenz, 
wenn müglicb durch sorgfältig ausgeführte Kultur versuche, der Nach- 
weis einer Zusammengehörigkeit verschiedener Fruchtformen (wenn 
selbe auch auf derselben Nährpflanze erscheinen) erbracht ist, müssen 



348 

die Aecidien, Uredines und Teleulosporcn als autonome Spezies be- 
trachtet werden; auf Analogie gegründete Annahmen sind unstatt- 
haft. 2. Ist bei einer Uredinee auch nur irgend eine Fruchtform, sei 
es Spermogonium, Uredo, Teleutospora oder Aecidium verschieden, 
so ist der betreffende Pilz auch eine eigene gute Art und ist von 
den verwandten, mit welchen er bisher zusammengefasst wurde, zu 
trennen." — Hieran schliesst sich ein „Verzeichniss der im oberpfäl- 
zischen Theile des bairischen Waldes uui Falkenstein und Nittenau 
beobachteten Lebermoose" von Dr. Priem, worauf (S. 15 — 31) P. Jul. 
Gremblich die „Pflanzenverhaltnisse der Gerolle in den nördlichen 
Kalkalpen" in lebhaften Farben lehrreich schildert. Wie in Kerner's 
interessantem „Pflanzenleben der Donauländer" wird auch in der klei- 
nen, scheinbar unbedeutenden Partie der Kalkalpengerölle auf das „Zu- 
sammenleben der Pflanzen auf geschlossene Formationen" vor Allem 
Rücksicht genommen. — An vierter Stelle folgen „Miszellen über 
die Alpinenflora" von Apotheker Ferchl, worauf Prof. Schmuckermair 
in längerer populärer Abhandlung über den „Kohlenstofl^ (S. 43 — 66) 
dessen Verhältniss zum Menschen, zum Thier- und Pflanzenreich in 
anschaulicher Weise darstellt. Wb. 

Seit Beginn dieses Jahres erscheint in Christiania ein von Lie, 
Müller und Sars redigirtes „Archiv for Mathematik og Naturviden- 
skap." Das vorliegende erste Heft enthält zwar keine Aufsätze bo- 
tanischen Inhaltes, es dürften aber die weiteren Hefte solche brin- 
gen; es sei daher auf das neue Unternehmen vorläufig aufmerksam 
gemacht. 



-i'4©*- 



Corresponde nz. 

Ris-Terenne in Ungarn, 19. August 1876. 

Von Fui&ine (Oest. botan.Ztschr.S.280) begab ich mich nach Fiume. 
Die Flora war hier schon zum Theil verdorrt. Geranium purpureum 
Vill. kommt auf dem Karst häufig vor, ich bemerkte es schon im 
vorigen Jahre bei Adelsberg, dann bei Fiume, Fu^ine Portorö, Bu- 
kari, Novi, Zengg, auch auf der Insel Veglia bei Besca nuova, ebenso 
in der Gegend des Berges Risnyäk. Häufig wächst bei Fiume der 
Dianthus libumicus , spärlicher am Tersato und bei Novi. Interes- 
sant war mir den Bastart Centaurea alba X Jacea^ die C, dieersi^ 
folia mihi bei Fiume zwischen C. Jacea aufzufinden; unfern davon 
wächst C. alba. Von Novi, aus dem Vinodol-Thal kann ich ausser 
Teucrium scordioides Schreb. (neu für Kroatien), Aristolochia pallidoj 
Trifolium ochroleucum, Polygala nicaeensis, Statice Limonium (weiss 
blühend, Meerufer) Asparagus scaber (?), nichts Besonderes erwäh- 
nen. Zwischen Zengg und Ostaria befinden sich die interessantesten 
Spitzen des nordwestlichen Velebitzuges: Rajnt^c, Plisivica und Sa- 
torina (Sotorno), welche noch, wie Neilreich in Vegetationsverh. von 



349 

Kroatien, p. XVIII., bemerkt, kein Botaniker besuchte. Den Satorina 
besuchte ich im Spät-Augusl des v. J. Oberhalb Stinica bei Allän- 
wirthshaus fand ich einen Plisivicaberg (= Kahlenberg) , wo ich 
zuerst Arabis croatica Schott bemerkte, und Campanula Waldsteiniana 
R. Schult, sammelte. Aber ausser dem Plesevica bei Korenica (an 
der türkischen Grenze) ist noch auch bei Kräszno ein hoher Berg, 
den man Plisivica nennt, dieser wird auch von Neilreich zitirt. Bei 
Samobor ist auch ein Plisivica. Ich ging am 18. Juli von Zengg aus 
nach St. Georgen und auf diesem- Wege fand ich Dianthus litorcUis 
Host und Scutelfaria (mentalis (zweiter Standort in Kroatien). Von 
St. Georgen geht eine Strasse über einen Sattel des Velebit nach 
Kräszno^ welche bei Altar oder Oltör den höchsten Punkt, 3719' 
erreicht, auf dieser haben mich nur Onopordum illyricum und Onosma 
montanum erfreut. In Wäldern zwischen Altar und Kr^sno tritt 
Geranium nodosum , Calamintha grandiflora, Stachys silvatica etc. 
charakteristisch auf, einzeln auch Geranium pyrenaicum, Verhascum 
Freynianum zwischen den Eltern, bei Kräszno Physospermum verli- 
cillatum (W. Kit.), Hemiaria glabra, Chrysanthemum macrophyllum, 
lieber den Berg Bilo erreichte ich ein Plateau, Jezera genannt, mit 
schönen Voralpen wiesen. Genista radiata bedeckt hier grössere 
Strecken. Am Waldrande kommt eine Brendnsa CCrocus) massenhaft 
vor , Orchis mascula , globosa, sambucina weiss und roth blühend, 
Petasites albus^ Ranunculus lanuginosus, Aquilegia viscosa, Botry^ 
chium Lunaria, Myrrhis odorata, Muscari botryoides , ein Nardssus 
Soyeria montana^ Crepis alpestris, Vicia oroboides, Orohus laemgalus, 
Rosen , ein üppiges , ästiges Lilium carniolicum. Die Kuppen von 
Rajnöc und Plisivica sind ungefähr eine Stunde von einander entfernt. 
Am Rajn^c finden sich Wälder, schöne Wiesen und kahle Felsen. 
Ich sammelte hier viele Cichoriaceen, Arabis croatica, Dryas octo- 
petala , Draha ciliata , Berberis vulgaris , Doronicum austriacum, 
Vaccinium Vitis idaea, Gymnadenia conopsea, Aspidium Lonchitis^ 
Rubus saxatilis (Schreibfehler S. 280 als Ä. Chamaemorus) ^ Colo^ 
neaster tomentosa und eine wahrscheinlich neue zwergige Carex, 
Allium Victoriaiis, Asplenium fissum. Am Plisivica konnte ich ausser 
dem Erwähnten wenig zusammenbringen: Geum rivale, Majanthe- 
mum trifolium und massenhaft Arabis croatica. Bei Besca nuova 
auf der Insel Veglia haben mich erfreut : Cirsium siculum Spr., wel- 
ches an den Bächen auch bei Arbe häufig ist, Teucrium scordioides 
Schreb., Nasturtium officinale, Asperula Staliana^ Dianthus ciliatus 
Guss. in allen drei Formen, welche Visiani in fl. dalm. unterscheidet, 
eine Micromeria , Inula Candida , Onosma montanum , Scutellaria 
Orient alis, Chlor a perfoliata, Erythraea maritima, Linum gallicum^ 
ein schönes Hieracium aus der Verwandtschaft von ff. barbatum, 
ganz grünlich gelb, Libanolis nitida, Ajuga Chamaepitys, Linum 
maritimum , Centaurea rupestris , Ptychotis ammoides etc. — Von 
Cernilug besuchte ich den Risnj^k und §nez«ik (kroatischen Schnee- 
berg) , welche ungefähr 1 Stunde von einander liegen. Risnjäk ist 
höher. Dem Botaniker, der diese interessanten Berge besteigen will, 



350 

rathe ich nach dem nahen Lazalz zu gehen, wo sich ein Wirthshaus 
lind eine Forsthtitte befinden, welche über 3000' Meereshöhe liegen. 
Schon die Umgebung von Risnjäk ist sehr interessant: Cirsmm Erm^ 
thales X palnstre , Carduus aipesfris , Epilobium alpestre (Jacq.), 
Gentiana utrietUosa, lutea, Campanula Scheuchzeri, Verbascum luna-^ 
tum, Telekia speciosa, Lilium Martagon, Adenostyles alpina, Daphne 
Laureola , Mezereum , Omphalodes terna, Mulgedium alpinum etc. 
An den Felsen traf ich gleich zwei für Kroatien neue Pflanzen: 
Betonica Älopecnrus und Laserpitmm peucedanoides (wächst auch 
am Kiek bei Ogulin). Häufig sind weiters hier: Cerastium ciliatum^ 
Hieracktm mllosum, Pedicularis t>erticillata, P. Hacquetii (seltener), 
Gnaphalium Leontopodium ^ Rhododendron hirsutum , Aster alpinus, 
Kernera saxatUis, Bupleurum> Sibthorpianum, Campanula-- und PÄy- 
teuma-\Hen , Achillea Clavennae , Carlina simplex u. s. w. §neznik 
ist schon nicht mehr so interessant, doch fand ich hier Linum alpi-* 
num (?) in Früchten, Oxytropis campestris , Campanula caricina 
(Schott) massenhaft, ohne Kelchanhängsel, Myrrhis odorata, RanuU'- 
culus aconitifolius , Thesiwn alpinum etc. Am Ostro (Vorberg des 
Risnyäk)- Primula longiflora^ Sorbus Chamaemespilus , Laserpitium 
Siler et L. peucedanoides; bei ('ernilug wächst: Lycopodium Selago, 
annotinum, Circaea aipina et intermedia, Aspidium dilatatum. Zwi«* 
sehen CernHug und Delnice tritt das Geranium nodosum wiederum 
charaklerisliseh auf. Die letzte Exkursion machte ich auf den bota- 
nisch unbekannten Bielo Lasitza bei Razdolje, doch war sie nicht 
besonders lohnend. Bei Merkopalj wächst: Dianthus Waldsteinii, 
Arnica montana, Prenanthes purpurea, Geranium phoeum, bei Raz- 
dolje: Phlenm alpinum. Am Fusse des Bielo Lasitza ist häufig: Cir-- 
eaea alpina und intermedia , C. lutetiana seltener. An der Spitze 
kommt Myrrhis odorata, Carduus Per Sonata und alpestris, Telekia 
speciosa, Epilobium alpestre (Jacq.), Geum rivale, Campanula cari- 
cina, Thlaspi montanum (?) etc. vor. Borbas. 

Lienz, 4. September 1876. 

Am 26. August ist Dr. Wilhelm Veiten, kais. Adjunkt der 
Hochschule für Bodenkultur, in der BretterUlamm, zur Spitzkofelgruppe 
gehcirig und circa 3 Stunden von hier entfernt, wo sich derselbe in 
der Absicht die Kerschbaumer Alpen zu besuchen verirrt hatte und 
wahrscheinlich von der Nacht überrascht wurde, verunglückt. Erst nach 
längerem vergeblichem Suchen gelang es in dieser tiefen und steilen 
Schlucht die Leiche aufzufinden und dieselbe unter grossen Gefahren 
und Mühen nach Lienz herabzubringen, wo sie heute unter grosser 
Theilnahme ^idt Bevölkerung beerdigt wurde. Dr. Sauter. 

Graz, 7. September 1876. 

Das Br. Fürstenwärther'sche Herbar hat Baronin v. Jena in 
Hirschberg in preus. Schlesien käuflich an sich gebracht. Ende Okto- 
ber werde ich mich nach Görz begeben und daselbst den Winter und 
das Frühjahr zubringen. v. Pittoni. 



351 

Laib ach, iO, September 1876. 
Da meine dienstlichen Verhältnisse die persöniiche Anwesenheit 
in Wien nicht ermöglichen , so wäre mir die Zusendung von Materiaie 
zur weiteren Ausführung meiner Arbeit über die Brand-, Rost- und 
Mehlthaupilze der Wiener Gegend (Verhandhingen d. k. k. z. b. Ges. 
in Wien 1876) äusserst erwünscht. Zu diesem Zwecke erlaube ich 
mir an die Herren Botaniker Wien's und dessen Umgebung die höflichste 
Bitte zu ricliten, mir darauf Bezügliches, besonders Arten der Gat- 
tungen Peronospora und Synchitrium^ leihweise zukommen zu lassen. 
Auch Unbestimmtes ist mir, bei genauer Angabe des Fundortes, sehr 
angenehm, und würde ich mich in diesem Falle der Mühe der Deter- 
mination gerne unterziehen. Professor Wilhelm Voss. 

Kalksburg b. W., am 14 September 1876 

Eine für Ungarn sehr merkwürdige Entdeckung machte dieses 
Jahr der Professor der Nat.^-Gesch. am erzbischöffichen Gymnasium 
zu Kalocsa, M. L. Menyhärth S. J., durch die Auffindung von Lythrum 
hibraeteatum Salz. (X. Thymifolia Aut.). Ich liess mir während mei- 
nes kurzen Aufenthaltes daselbst die Standortsverhältnisse dieser 
Pflanze näher bezeichnen und fand sie dann auch selbst öfters mas- 
senhaft mit und auch ohne Lythrum Hyssopifolia. Meistens war 
aber L. bibracteatum schon weiter in der Entwicklung vorge- 
schritten als L. Hyssopifolia. Uebrigens dürfte das ischöne Pflänzcben 
auch noch im Oktober an überschwemmt gewesenen Stoppelfeldern 
und ähnlichen Orten weiterhin entdeckt werden können. Da Prof. 
Menyh^rth wohl bereits einen genaueren Bericht über seine Entdeckung 
eingesandt haben wird, kann ich mich weiterer Mitthei^ungen ent- 
halten. Meine Aufmerksamkeit war auch bei den zwei Ausflügen, 
die ich mir gestatten konnte, mehr auf Melilotus maerorrhizus ge* 
richtet. Auf dem ersten derselben (über Miske und Hajos gegen Dusnok) 
traf ich jedoch nur den Mel. paluster W. K., der in und um Kalocsa 
gar nicht selten ist und mit KitaibeVs OriginalexempLaren ganz, mit 
dem Text aber bis auf die Frucht übereinstimmt, welche be- 
haart ist, nach Kitaibel aber kahl sein soll. Glücklicher war ich auf 
dem zweiten Ausfluge, zum Sziliditö, einem schönen, pflanzenreichen, 
etwa eine Stunde langen See bei Duna Pataj. An der Strasse be- 
merkte P. Menyhj^rth vom Wagen aus eine grosse, rothe Melilotns- 
Staude, die was Grösse und Tracht betriflt, eher auf M. officinalis 
oder paluster als auf Mel, dentatus schliessen liess. Nähere Ansicht 
zeigte aber, dass es der echte MeL macrorrhizus W. K. (pl. rar. Hung. 
tab. 26) sein könnte, da die vom Grafen Waldstein und Prof. Kitaibel 
(im Text zur angeführten Tafel) erwähnten Zähne der Nebenblätter sich 
deutlich vorfinden, obschon die Blätter sämmtlich abgefallen waren. 
Sogar die grosse, dicke Wurzel sUmmt mit der Abbildung überein; der 
Seitenstengel aber sind bei fehlenden Mittelstengel $ech s, somit weniger 
als die Abbildung weist. Dafür sind sie um so stärker, etwa so wie Mel. 
paluster W. K. auf der Tafel 266 abgebildet wird. Die Früchte sind 
auch hier behaart, desshalb vermuthe ich mit Grund, dass die 






352 

berühmten Verfasser der plaiitae rariores auch an dieser Pflanze, 
gerade wie am Mel. paltMter, die Behaarung der Hülsen übersehen 
haben. Das in aller Eile auf der Durchreise in Pest eingesehene 
reiche Herbar Kitaibers scheint meine Vermuthung zu bestättigen. Die 
Tracht des y^Trifolium macrorrhizum — Melilotus mdcr,^ steht auch 
mit derjenigen meiner Pflanze nicht im Widerspruch. Leider besitze 
ich bis jetzt nur Fruchtexemplare, im Herb. Kilaibers aber liegen 
nur blühende; jedoch glaube ich an diesen eine junge Hülse mit 
deutlicher Behaarung gesehen zu haben. Eine genauere Untersuchung, 
mit etwas mehr Müsse angestellt, muss hierin zu einem sicheren 
Ergebniss führen, falls keine Verwechslung vorgefallen ist. Dass eine 
solche nicht unmöglich gedacht werden kann, beweisen andere 
Jfe/i7öfiiÄ-Exemplare z. B. y^ Melilotus vulgaris^ ^ der sich vor und 
nach ^Mel, officinalis^ findet und das eine Mal behaarte, das 
andere Mal wie es scheint kahle Früchte hat. Eine genaue Unter- 
suchung der Kitaiberschen Melilotus, die einen Schatz des schi'men 
Pester National-Museums bilden, musste daher sehr lohnend 
sein. Vom höchsten Interesse wäre es zugleich aus Prag zu erfahren, 
wie die Früchte an den Originalexemplaren von MeL paluster und 
macrorrhizus im Herbar des Grafen Franz Waldstein hinsichtlich 
der Behaarung beschafien sind. Melilotus mit gezähnten Neben- 
blättern und behaarten Früchten, den ich für den echten 
Mel. macrorrhizus W. K. halte, scheint ziemlich weit verbreitet zu 
sein. In Pressburg zeigte mir P. Eschfaeller S. J. ein solches Exemplar, 
das er heuer im „Schur" bei St. Georgen gesammelt hat. Die rothe 
Färbung fehlt freilich daran, aber sie fehlt auch den Originalexem- 
plaren Kitaibers und tritt sogar bei Exemplaren mit ungezähnten 
Nebenblättern, also bei MeL paluster, im Herbste öfters auf und ist 
somit von keinem grossen Belange. Die von mir voriges Jahr an 
Dr. Baenitz gelieferten Exemplare von MeL macrorrhizus und paluster 
(Herbar. Europ. n. 2558 und 2559) sind zwar im Sinne Koch's und 
Neilreich's richtig bestimmt, betrefi*s der Nebenbläller aber, die nach 
Celakovkf's Auseinandersetzung (Oest. Bot. Z. 1870 S. 50 fi*.) sehr 
massgebend sind, müssen sie näher untersucht werden. Was aber 
die Fiederblättchen anbelangt, so sind dieselben an den Original- 
exemplaren Kitaibers bei MeL macrorrhizus sogar schmäler als an M, 
paluster, jedoch nicht so reich bezahnt als die Abbildung zeigt. 

J. Wiesbaur S. J. 

Dresden, am 10. September 1876. 

Von meinem Ausfluge bin ich seit einigen Wochen wieder 
zurück. Mit den botanischen Resultaten bin ich nicht zufrieden. Das 
Wetter war im Allgemeinen schön, ja zu schön, das heisst eine 
kolossale Hitze (in Mehadia 30®). Geregnet hat es während der gan- 
zen Zeit eigentlich nur dreimal, trotzdem ist mir ein Paquet, gerade 
die Ausbeute von Mehadia, welches ich daselbst per Post nach Semlin 
befördern Hess, ziemlich verdorben. In Semlin habe ich nur wenig 
gesammelt. Alles war verbrannt; an den Dämmen waren die wenigen 



353 

brauchbaren Spezies auch noch vom Vieh benagt und sorgfältig auf- 
gesucht. Den besten Theil lieferte das schöne waldige Gebirge bei 
Cserevicz an der Fruska Gora, hier habe ich manche hübsche Spezies 
Äum erstenmale lebend gefunden. Gern wäro ich an letzterem Orte 
noch länger geblieben, wenn nicht die unerbittliche Zeit an den Auf- 
bruch gemahnt hätte. Leider ist die Partie nach Belgrad, von wo aus 
ich gerade fleissig zu sammeln hoffte, dadurch ganz unfruchtbar ge- 
worden, dass man mich daselbst für politisch verdächtig hielt und 
zum serbischen Bürger machte, d. h. einsperrte. Zum Unglück lyiusste 
mein guter deutscher Pass in Semlin deponirt bleiben. Meine Mappe mit 
Zeitungsmakulatur und Seidenpapier, war ein besonderer Ver^chts- 
grundl Der grössere Theil desselben ist mir confiscirt wprden, so 
dass ich in Semlin den Vorrath wieder ergänzen musste. — So geht's 
im Kriege zu! Die Pflanzen konnte ich bis jetzt noch nicht durch- 
arbeiten und behalte mir daher vor Ihnen s. Z. weitere Mittheüun- 
gen zu machen. Alph. Hoeme. 



Vereine, Anstalten, üntemehmiingen. 

— In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissenschaf- 
ten in Wien, am 6. April übersandte Dr. W. Veiten eine Ab- 
handlung: „Die Einwirkung strömender Elektrizität auf die Bewe- 
gung des Protoplasma, auf den lebendigen und todten Zelleninhalt, 
sowie auf materielle Theilchen überhaupt^. Einleitung und erster 
Theil: Einfluss des galvanischen Stromes auf das Protoplasma und 
dessen Bewegungen. Verfasser kommt zu folgenden Resultaten: 
1. Constante und Inductionsströme , auch Ströme der Holtz'schen 
Elektrisirmaschine haben keine verschiedene Wirkung auf das Proto- 
plasma und dessen Bewegungen. 2. Sehr schwache elektrische Ströme 
bewirken bei Pflanzentheilen , die grosse Widerstände darbieten, 
zunächst Beschleunigung der Protoplasmabewegung, die auf Rech- 
nung der durch den Strom auftretenden höheren Temperatur gesetzt 
werden kann. 3. Wenn ein sehr schwacher elektrischer Strom längere 
Zeit einwirkt, so kann es zur Verlangsamung der Protoplasma- 
bewegung kommen, endgiltig unter Umständen auch zum Stillstand. 
4. Schwache Ströme bringen sofort Verlangsamung der Plasmabe- 
wegung hervor; bei längerer Einwirkung kann Stillstand eintreten. 
7. Wenn die Protoplasmabewegung verlangsamt ist, so stellt sich, 
insoferne das plötzliche Schwanken des elektrischen Stromes auf 
dauernd Null beim Oefihen desselben nicht zu störend einwirkt, nach 
kurzer Zeit wieder her; es kommt alsbald wiederum zum normalen 
sogenannten Fliessen. 6. War die Bewegung des Plasma durch die 
elektrische Wirkung vollständig aufgehoben, im Uebrigen aber keine 
tiefgreifenden Veränderungen vorhanden, so tritt sie nach längerer 
Zeit wieder ein, wenn das Objekt der Ruhe überlassen wird. 7. Die 
Punkte in der Zelle, an denen sich bei der Mehrzahl der untersuchten 

Ocsterr. botan. Zeitschrift. 10. Heft. 1870. 28 



354 

Pflanzen durch elektrische Effekte Protoplasma und Chlorophyllkörner 
anhäufen, sind die schmalen Querwände; sind die Stromesintensitäten 
grösser, so können auch an diversen Orten der Zelle Anhäufungen 
entstehen. 8. Ist einmal Yerlangsamung eingetreten, so kehrt der 
Protoplasmastrom nur ganz allmällg zu seiner früheren Schnelligkeit 
zurück. 9. Durch massig elektrische Reizung wird Molekularbewegung 
hervorgerufen. 10. In den meisten Fällen werden die Inhaltstheile 
der Zelle durch den elektrischen Strom ungleich afficirt. ll. Starke 
Stromesintensitäten bringen für immer Stillstand der Protoplasmabe- 
wegung hervor. 12. Durch sehr starke Ströme wird der Primordial- 
schlauch contrahirt. 13. Der Oeffnungsinductionsschlag hat öfters eine 
grössere physiologische Wirkung wie der Schliessungsschlag. 14. Die 
Dichtigkeit der Elektrizität ist von der grössten Bedeutung für ihre 
Wirksamkeit auf das Protoplasma. 15. Der durch den elektrischen 
Strom bei dem Protoplasma hervorgerufene Erregungszustand pflanzt 
sich nicht auf Nachbartheile forf. 16. Durch schwache elektrische 
Ströme wird das Protoplasma befähigt^ Wasser in seine Insuccations- 
kanäle aufzunehmen. 17. Das aufgenommene Wasser kann wiederum 
durch das Protoplasma selbst ausgepresst werden, wenn man das 
Objekt der Ruhe überlösst. 18. Bei massiger, aber nicht zu schwa- 
cher Reizung tritt vollkommene Vacuolenbildung ein, nach welcher 
entweder der Tod desselben oder Restitution erfolgt; hier ist die 
Grenze zwischen Leben und Tod. 19. Durch starke elektrische Ströme 
wird das Protoplasma selbst befähigt, Wasser in seine eigenen Inter- 
stitien aufzunehmen; es quillt auf. 20. Die gleiche Eigenschaft gilt 
für die Chlorophyllkörner. 21. Wirken sehr starke Ströme eine Zeit- 
lang ein, so sondern sich feste Partikel aus dem Protoplasma aus; 
man kann sagen: das Plasma gerinnt. 22. In einigen Fällen bemerkt 
man bei Einfluss der Elektrizität Kugelbildung des Protoplasma, ohne 
dass zunächst Wasseraufnahme ersichtlich ist; Aehnliches gilt auch 
für die Chlorophyllkörner. 23. Protoplasma und Chlorophyllkörner gehen 
durch elektrische Reize in den zähflüssigen Aggregatzustand über; 
einzelne Partien können dann, in dieses Stadium eingetreten, zu- 
sammenfliessen. 24. Durch den galvanischen Strom wird die Rotation der 
Chlorophyllkörner bei Charenzellen nicht in demselben Masse alterirt 
als wie die Protoplasmabewegungen, wodurch Rotationen desselben 
noch in Sicht kommen können bei annäherndem künstlich hervorge- 
rufenen Stillstand der Protoplasmabewegung. 25. Bei ziemlich starken 
elektrischen Strömen wird die Rotation in mehreren Fällen für 
einen Augenblick in Circulation umgewandelt; die letztere ist aber 
eine scheinbare, weil sie tiefgreifende Veränderungen im Gefolge 
trägt. 26. Bei starken elektrischen Strömen sammelt sich das Proto- 
plasma vorzugsweise gern an der dem positiven oder negativen Pole 
zugekehrten Zellenwand in Form von Platten oder ellipsoidischen 
Körpern an. 



355 

Botanischer Taasohverein in Wien. 

Sendungen sind eingelangt: Von Herrn Woynar mit Pflanzen 
aus Nordlirol. ^- Von Herrn v. Pittoni mit Pfl. aus Istrien. — Von 
Herrn Janka mit Pfl. aus Siebenbürgen. — Von Herrn Dr. Rauscher 
mit Pfl. aus Oberösterreich. 

Sendungen sind abgegangen an die Herren: Fick, Csato, Spiess, 
Janka, Dr. Rauscher. 

Aus Ungarn eingesendet von Holuby: Antirrhinum Orontium, 
Astragalus contortuplicatus^ A, Onobrychis, Avena fatua, Calatna- 
grostis litorea^ Carex hirtaeformis^ C, hordeistichos^ C, stenophylla^ 
Cirsium pannonicum^ Conium maculatum, Fdago canescens. Hieran 
dum vulgatum^ Hordeum distichon, Malta crispa^ Prunella inter-- 
media^ Sagina apetala, Salix daphnoideSj S. Lamhertiana, Scleran- 
thus Durandoi, S. Holvhyi^ S« intermedius, Vicia Ertilia u. a. 

Aus Nordtirol eing. von Woynar: Ausser den im Jahre 1875 
S. 380 angeführten Arten noch Aconitum Napellus, Anemone alpina, 
Aquilegia atrata^ Arabis hellidifolia^ Arctostaphylos officinalis, Atra- 
gene alpina, Azalea procumbens, Cirsium spinosissimnm^ Cotoneaster 
tomentosa, Crepis hlattarioides^ Daphne striata, Epilobium alpinum, 
E, trigonum, Erigeron alpinus, Eriophorum Scheuchzeri^ Gaya Sim- 
plex, Gentiana excisa, Globularia nudicaulis^ Gypsophila repens^ Im- 
peratoria Ostruthium, Juniperus nana, Linaria alpina, Menyanthes 
trifoliata, Phyteuma hemisphaericum, Pinus Cembra, P. Mughus, Poly-- 
gonum tiviparum, Potentilla aurea, Ranunculus montanus, Rosa re- 
sinosa, Salix retusa, Streptopus amplexifolius, Thesium pratense, 
Typha minima, Valeriana saxatilis, Veratrum album. 

Aus Istrien eing. von Pittoni: Centaurea alpina, Hieracium 
lasiophyllum. 

Vorräthig^ (Fr.) = Frankreich, (I.) = Istrien, (Kr.) = Krain, 
(Kt.) = Kärnten, (M.) = Mähren, (NOe.) = Niederösterreich, (OOe.) 
= Oberösterreich, (P.) = Polen, (S.) = Salzburg, (Sb.) = Sieben- 
bürgen, (Schi.) = Schlesien, (Schw.) = Schweiz, (T.) = Tirol, (U.) 
= Ungarn. 

Hutchinsia alpina (Steiermark, S.), Narcissus Pseudonarcissus 
(Aachen), Nardurus Lachenalii (Fr.), Nasturtium sihestre (NOe., P.), 
Nigritella angustifolia (NOe.), Onobrychis Tommasinii (I.), Ophrys 
muscifera (NOe.), Orlaya grandiflora (NOe.), Ornithopus perpusiltus 
(Greifswald), Orobanche cruenta (OOe.), Orobus canescens (Schw.), 
Oryza sativa (I.), Ostrya carpinifolia (I., Kt.), Oxalis stricta (T., U.). 
Paliurus aculeatus (I.), Pedicularis campestris (Sb.), P. lapponica 
(Norwegen), P. palustris (NOe., P.), Peganum Harmala (U.), Peltaria 
alliacea (NOe.), Peplis Portula (Schi.), Peucedanum äustriacum (NOe.), 
Phleboanthe Laxmanni (U.), Phleum asperum (Fr.), Phyteuma cane- 
scens (U.), Pinguicula alpina (S.), P. villosa (Norwegen), Plantago 
Cynops (Schw.), P. Tabernemontani (Sb.), Poa Megastachya (Fr.), 
P. sudetica (Schw. Gesenke), Polemonium coeruleum (P.), Polygonum 
Bistorta (P.;, Potentilla fruticosa (Schweden), P. Haynaldiana (Bal- 

28* 



356 

kan), P. incana (P.), P- petiolulata (Schw.), P. süpina (ü.), Primula 
Auricula (NOe.), P- carniolica (Kr.), P. Clusiana (NOe.)i P. varia- 
bilis (NOe.), Prunus Chamaecerasus (M. NOe.), P. fruticans (NOe.), 
P. Padus (M. U.), Plerotheca nemausensis (Fr.), PyrcfÄrtim w%e- 
riosum (ü.), Pyrola chlorantha (NOe., P., Bayreuth), P. minor (Bay- 
reuth) P. rotundifolia (ü.), P. secunda (?., T., ü.) P. umbellata 
(Schi.), P. uniflora (Berlin), Radiola Millegrana (Schi., Schweden), 
Ranunculus anemonoides (NOe.), R. aquatilis (Schi.), R, aquatilis 
var. snbmersus (Schi.), R. Flammula (OOe.), R, gracilis (Schw.), B. 
illyricus (ü), R. Lingua (NO., P.), Ä. pedatus (U.), Ä. sceleratus 
(OOe.), £. Thora (Schw.), Reseda luteola (M.), Rhinanthus alpinus 
(NOe.), Rumex pulcher (Syrmien), Satureia pygmaea (I.), Scabiosa 
suaveolens (NOe.), Scirpus caespitosus (Steiermark), S. parvulus 
(Greifswald), S. supinus (Fr.), Triticum cristatum (ü.). 

Obige Pflanzen können nach beliebiger Auswahl im Tausche 
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden 

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kann, gratis und franco. 

Klosterneuburg, 19. September 1876. 

Br. Thfimen. 

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1. November d. J. 

Königsberg i. Pr., 15. September 1876. 

Dr, C. Baenitz, 

Vanderrossgarten 64. 

CORRESPONDANCE BOTANIQUE, 

LISTE 

DES JARDINS, DES CHAIRES ET DES MUSEES BOTANlftüES Du Monde, 

PAR 

M. ilDOUARD MÖHREN. 

4** Mtion. — Juin 1876. 
Prii 8 francs (payables en timbres-postes oa en toute autre valeur). 

S'adresaer chei l'aiitettr. Boverie, n* 1, k Liige. 

Redakteur und Uerauggeber Dr. Alexander Skofltz. — Verlag tod O. Oerold's Sohn. 
Droek uod Papier der O. Veberremter'setieD Bacbdrucker«! (M. Salsev). 



Oesterreichisclie 

Botanisclie Zeitsclirift 

Gemeinnütziges Organ 

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XXVI. Jahrgang. WISE November 1826. 



'?v?^^'' liy^Arttm. Arten. Voo Menyhart. — AeddUum involvms. Von Voss. — VeRetationsver- 
Wltnisse. Von Dr. Kern er. - Myicologisches. Von Schulz er. - üeber Pflanzen der österr.-ung. 
Flora. Von Frevn.-Aus SOdausralien. Von Antoine.— A.Veiten. Von Dr. Burgerstein. - Pflan- 
zen auf der WellaussteUung, Von Antoine. — Lileraturberichle. - Correspondenz. Von Prichoda, 
Janka, Dr. Rauscher, Dr. Borbas, Freyn. Kunze, Trautmann.- Vereine, Anstalten, Unterneh- 
mungen. — Botanischer Tauschverein. — Berichtigung. 



jLythrutH'Aiten 

der Flora von Kaloesa. 

Von Ladislaus Menyhärth S. J. 

In der Umgebung von Kalocsa wurden vier Arten von Lythrum 
beobachtet, die drei gewöhnlichen, welche auch von Kerner ange- 
geben sind, und ausser diesen das L. hihracteatum Salzm. 

Lythrum Salicaria L. An nassen Wiesen, in Gräben, an den 
Donauufern. Massenhaft bei Kalocsa am Wege gegen Pataj, in Grä- 
ben bei Sz. Benedek; häufig bei Lak, Ordas, Palaj, Szakmär, Hajos, 
Dusnok, Miske, Faisz, Foktü, Uszöd; weniger verbreitet um Akasztö, 
Keczel, Csäszärtöll^s, Tolna, Paks, Kömlöd, Bölcske, Földvär. Die 
Formen L. glabrescens Neilr. und L. longistylum Koch an den ge- 
nannten Standorten fast gleichmässig verbreitet; L. gracile DG. und 
L. canescens Koch dagegen nur sehr selten; die erstere Form bei 
Dusnok, die letztere bei Bötya beobachtet. Am häufigsten findet sich 
diese Pflanze auf humusreichen Wiesen, auf Torf- und Lehmboden 
nicht so häufig, auf sandigen oder salzigen Stellen seltener. 

L, tfirgatum L. An ähnlichen Stellen, jedoch viel seltener als 
<|ie vorhergehende Art, nur bei Kalocsa am Wege gegen Pataj zeigt 

^ Oeiterr. boian. Zeitschrift. 11. Heft. 1876. 29 



358 

es die gleiche Verbreitung mit L. Salicaria L.; daselbst wurde auch 
die Form L. acuminatum Willd. mit gedrungenen Aehren beobachtet. 
An den Donauufern und in Földvär findet sich die Pflanze nach mei- 
nen Notizen nicht vor. 

L. Hyssopifolia L. Da diese Pflanze nasse Standorte liebt^ im 
Wasser selbst aber doch nicht vorkommen kann, so findet sie sich 
an Orten, die im Winter oder im Frühjahr längere Zeit von Wasser 
durchfeuchtet wurden; kommt also mit Vorliebe am Rande austrock- 
nender Inundationsstellen vor. Der vorzüglichste Standort ist Lehm- 
boden, aber auch im Salz- und Sandboden zeigt sie sich nicht selten. 
— Ist viel häufiger als die vorhergehenden Arten: in der ganzen 
Umgebung von Kalocsa, ferner bei Sz. Benedek, Lak, Ordas, Palaj, 
Szakmär, Harta, Akasztö, Hajos, Homokmögy, Dusnok, Faisz, Bätya, 
überhaupt in dem eigentlichen Tieflande unserer Gegend sehr ver- 
breitet; heuer aber, da die ganze Gegend ein Inundationsgebiet war, 
an manchen Stellen ganz massenhaft, so z. B. bei Homokm^gy, wo 
stellenweise ganze Lythrum-Wiesen zu finden sind. In den Thölern 
der Sand- und Lösshügel verhältnissmässig seltener, so in Keczel, 
Nadudvar, Tolna, Paks, Kömlöd, Bölcske, Földvär; im Torfboden der 
Rothen Moräste aber nur vereinzelt zu sehen. 

Bei den sehr verschiedenen Standorten und Bodenverhältnissen 
unserer Gegend entwickelt die Pflanze eine ganze Reihe von manch- 
mal sehr aufl'allenden Formen, die sich jedoch stufenweise in einan- 
der verlieren und die ganze Spezies als eine polymorphe, jedoch 
streng abgegrenzte Art darstellen. Besondere Aufmerksamkeit ver- 
dient eine Forma erecta, genau die Pflanze Dietrich 's FI. Bor. 12, 
815 und L. Hyssopifolium Sm. Engl. Bot. t. 292, die sich nach mei- 
nen Beobachtungen nur an wenig Lehm enthaltenden Stellen ent- 
wickelt. Diese Form zeichnet sich aus durch den schlanken aufrechten 
Stengel und Aeste, durch grosse 3 — 4°'°' lange Blumenblätter, welche 
fast dem halben Kelche gleichkommen, und durch die relativ kür- 
zeren Kelche. Sie kommt nur vereinzelt zwischen hohem Grase vor, 
häufiger aber und öfters massenhaft zwischen Getreide (bei Tyük- 
major in Kalocsa, bei Hajos). Dieser seiner Umgebung ist vielleicht 
auch die aufrechte Haltung und besonders die aufrechte Richtung 
seiner Aeste zuzuschreiben. Kleine, etwa 2 Dm. hohe Exemplare sind 
bei Homokm^gy sehr häufig (in wenig salzhaltigen Wiesenboden), sie 
haben aber genau genommen nur mehr aufstrebende Aeste. 

Die zweite Forma prostrata ist die Pflanze Jacquin's FI. austr. 
t. 133. Ver^rleicht man die Abbildung mit derjenigen Dietrich's, so 
sieht man beim ersten Blick, dass diese Form durch die sehr auf- 
fallende Tracht von der vorigen Form bedeutend verschieden ist. 
Man sucht aber umsonst nach beständigen Charakteren-; die Ueber- 
gänge sind sehr häufig und sehr mannigfach, alle Unterschiede ver- 
wischen sich nach und nach ohne angebbare Grenze. Um aber be- 
sonders die Unterschiede hinsichtlich des Kelches nicht zu viel zu 
würdigen, sei auch hier erwähnt was Dietrich darüber mitgetheilt hat : 



359 

„Der Kelch kaum anderthalb Linien lang^ (öfters wohl auch 
doppelt so lang), „einblätterig, walzenförmig, oder doch nur in 
der Jugend nach obenzu etwas verbreitet und trichterförmig, 
12rippig, mit sechs stärkeren und vier oder sechs schwächeren Rip- 
pen; 8- oder 12zähnig." Durch die mehr oder weniger abstehende 
Steliung der Kelchzähne soll man sich auch nicht verführen lassen. 
Selbst Jordan legt nach längeren Beobachtungen wenig Werth dar- 
auf. In Plant. Nouv. V. Fr. sagt er nämlich: „Dans la forme ordi- 
naire les dents du calice assez ötalöes, aprös la floraison, et conni- 
ventes seulement k la maturitö." Und von der anderen Form: „Ses 
calices k dents moins ^lal^es et tres-conniventes ä la maturitö." 
Nach diesen schliesst er aber: „Mais apres un mür examen, je reste 
persuadö que ces deux formes ne sont simplement que les deux 
etats extremes d'une möme plante et que,^ ^lant cultiv6es de grai- 
nes, elles se montreraient identiques.'' 

Als Form ist aber doch diese Pflanze leicht durch die Tracht 
zu unterscheiden. Die Aeste breiten sich auf dem Boden in aller 
Richtung aus, nur die Hauptaxe wächst gerade aufwärts, wendet sich 
aber für gewöhnlich bald gegen den Boden^ ohne ihn zu erreichen. 
Die Blätter der Hauptaxe sind sehr breit, manchmal, wie Jacquin 
abbildet, verkehrteiförmig, die übrigen lineal und kurz zugespitzt. 

Die extremste Form ist die Forma depressa. Sehr typisch ausg- 
bildet fand ich diese Pflanze bei Harta in reichlich salzhaltigem Bo- 
den. Sie ist dem L. bibracteatum Salzm. ähnlich, nur sind die Haupt- 
axe und Aeste ganz am Boden anliegend, gleichsam angedrückt, alle 
Blätter sind gleich und lineal, die Früchte einander sehr genähert, 
die Blumenblätter klein und die ganze Pflanze weisslich aschgrau. 

Exemplare des L. Hyssopifolia, in welchen man einen Anklang 
von L. Graefferi Ten. findet, beobachtete ich in P. Tetötlen bei Harta 
an schattigen Stellen. Auf diese, wie überhaupt auf die Forma erecta 
von L. Hyssopifolia passen sehr schlecht die Worte Gussone's Fl. sie. 
I. p. 525: „petala (L. Hyssopifoliae) vix lineam longa'', da sie wohl 
auch zweimal so lang zu finden sind. Wenn auch diese zwei Pflanzen 
in Herbarien öfters verwechselt vorkommen, so sind sie doch un- 
schwer zu unterscheiden. Mögen hier zur Beleuchtung des Gesagten 
die Worte Visiani's III. p. 197 einen Platz haben: „In Herbario Lin- 
naeano pro L. Hyssopifolia stat L. Graefferi Ten., petalis multo 
majoribus et floribus dodecandris diversum." Und die Worte Bertol. 
Fl. ital. V. pag. 15: Folia (L. Hyssopifoliae)^ quam in praecedente 
specie iL. Graefferi) angustiora, sed ejusdem formae, differunt tan- 
tum, quia basi paululum angustata et fere petiolata.'' 

L, bibracteatum Salzm. (errore typographi prius L. tribractea- 
tum Salzm.). Auf tiefer gelegenen Ackerslellen, die durch Inundation 
mit Schlamm bedeckt wurden. Diese bis jetzt in Ungarn nicht beob- 
achtete italienische Pflanze fand ich zuerst Mitte Juni ganz nahe bei 
der Stadt. Aufmerksam geworden beobachtete ich dann dieselbe in der 
nächsten Umgebung von Kalocsa nach allen Richtungen verbreitef. Sie 
ist an manchen Stellen wahrhaftig massenhaft, am häufigsten jedoch 

29* 



360 

in der Richtung gegen Szakmär^ wo sie sogar im Schatten der Ge- 
treidefelder häufig zu finden war. Spätere Beobachtungen erwiesen 
auch noch entferntere Standorte. So fand ich diese Pflanze in Harta 
(an mehreren Stellen längs des Weges gegen Akasztö), bei Ordas, 
Pataj, in den Puszten zwischen Akasztö und Kalocsa, in Puszten 
, zwischen Cs^szärtolt^s und Kalocsa, massenhaft bei Hajos und Ho- 
mokmögy, sehr häufig bei Dusnok, Bätya und Sz. Benedek. 

Da L, hihracteatum von mehreren Autoren mit L, Thymifolia L. 
und dieses wieder mit L. Hyssopifolia L. vereinigt wird, so könnte 
man auf den Gedanken kommen, dass unsere Pflanze nur eine va- 
riable Form von L. Hyssopifolia sei. Allein unser Lythrum ist eine 
charakterbeständige und sehr aufi*allende Form, die nur dem L, bi-- 
hracteatum (Salzm.) Tenore, Gussone, Grenier et Godron, Ledebour 
etc. entspricht, oder dem L. Thymifolia Rchb., L. Thymifolia DC. 
var. ß. Bertol., nicht aber dem L. Thymifolia L. und nicht dem L. 
Hyssopifolia L. 

Was nun die Unterschiede zwischen L. bibracteatum Salzm. 
und L. Hyssopifolia L., Thymifolia L. betrifll, so scheinen sie mir 
konstant genug und sehr ausgesprochen zu sein. Schwieriger ist es 
aber, die Unterschiede zwischen L. Thymifolia und L, Hyssopifolia 
festzuhalten, und Visiani in Fl. Dalm. III. pag. 197 sagt geradezu: 
„Inter hoc (L. Thymifolia) et L. Hyssopifolia auctorum discrimina 
specifica prorsus nulla." Pollini Fl. Veron. II. p. 94 zweifelt über die 
Charaklerbeständigkeit des L. Thymifolia und stellt es unter L. Hys-^ 
sopifolia mit folgender Bemerkung: „L. Thymifolia.,., All. ped. II. 
p. 158 in sabulosis et uliginosis fluminis Paillon agri Nicaeensis (Allio- 
nius). Species duplo minor praecedentis et forte tantum varietas." 
Moris stellt sie auch entschieden in die Formenreihe des L. Hyssopi- 
folia^ wie diess Gren. et tJodr. Fl. de France I. p. 596 in der nach- 
folgenden, lehrreichen Notiz ausdrücken: „Bertoloni et avant lui De 
Candolle dans le Prodrome ont r^uni les L. bibracteatum et L. Thy- 
mifolia comme variölös d'une möme espece. Nous avons du n^an- 
moins, ä V exemple de Tenore et de Gussone, considerer ces deux 
planlos comme espäces distinctes. Les characteres, qui les söparent 
sonl möme tellement tranchös, que Moris reunit notre L. Thymifolia 
non pas au L. bibracteatum, mais au L. Hyssopifolia, dont il en fait 
la variötö minima.^ 

Dessenungeachtet scheint es mir, dass L. Thymifolia nicht nur 
von L, bibracteatum, sondern auch von L. Hyssopifolia zu trennen 
sei, und zwar als sehr verschieden durch die Charaktere, die Grenier 
et Godr. feststellen, denen auch Ledebour Fl. ross. beistimmt. Was 
Visiani unter L. Thymifolia verstehe, ist mir sehr unklar, und die 
dalmatischen Exemplare, welche ich sehen konnte, waren nur L. 
Hyssopifolia Forma depressa. Die Angabe Pollini's ist ganz dieselbe, 
welche die von Reichb. Fl. Germ. p. 640; die Pflanze Reichenbach's 
ist aber nicht L. Thymifolia L., sondern wie es mir nach der Be- 
schreibung scheint, L. bibracteatum Salzm., und doch bemerkt auch 
er: „Plerumque sequens iL. Hyssopifolia) pro nostro sumunl." 



361 

Von L, Thymifolia ist unsere Pflanze (L. bibracteatum) sehr 
leicht durch die ausgezeichneten Merkmale zu unterscheiden, welche 
Tenore in seiner Sylloge Fl. Neap. p. 231 kurz in folgenden Worten 
zusammenfasst : Species a L. Thymifolia satis distincta, foliis spathu- 
latis, glaberrimis, laete viridibus, bracteis subrotundis vel elliplicis, 
calycibus brevioribus (?), denlibus calycinis oblusis, brevissimis, in- 
flexis. L. Thymifolia verum, cujus specimina exsicoata a cl. Delile 
Monspelii lecta et cum Tt. bibracteato simul crescenfia accepi, habet 
folia linearia angustissima, glauco viridia, bracteas lineares setaceas, 
calyce plerumque longiores et dentes calycis subulatos patentes." 
Exemplare aus Italien, Frankreich, Asien, die sehr typisch diese 
Unterschiede ausdrücken, sah ich in dem zur Einsicht gestatteten 
Herbar Sr. Exe. des Erzbischofs Haynald. Es gentigt, diese Exemplare 
nur zu sehen, um von der ausgesprochenen Verschiedenheit über- 
zeugt zu sein. 

Die Pflanze kommt bei uns in zwei verschiedenen Formen vor. 
Auf die erste F. erecta passen sehr gut die Worte Gussone's Fl. sie. 
I. 526: „^caule erecto ramis decussatis patentissimis." Sie hat eine 
Höhe von 4 — 10 Cm. und findet sich gewöhnlich zwischen hohem 
Gras aiif Lehmböden mit vorherrschendem Humus. 

Die zweite Form des L. bibracteatum ist F. prostrata. Auf 
diese passt sehr deutlich, was Bertol. Fl. ital. V. p. 15 von seinem 
L. Thymifolia sagt: „Planta grandior, a qua ortum duxil L. bi- 
bracteatum Salzm. est ipsamet species luxurians, ut videre est etiam 
Decandollei Prodr. III. p. 81 ** und Decandolle hat noch an der zitirten 
Stelle: „L. bibracteatum Salzm. in litt. Facies L. Hyssopifoliae^ cha- 
racteres L. Thymifoliae^ Es ist aber zu bemerken, dass Decandolle, 
wenn er auch L, bibracteatum zu L. Thymifolia zieht, er ihm doch 
folia lineari-lanceolata zuschreibt. Es ist also zweifelhaft, ob er das 
eigentliche L. bibracteatum Salzm. gemeint habe. Unsere Form könnte 
aber nach diesem als L. bibracteatum Auctorum gelten. Sie ist bei 
uns die häufigste und gewöhnlichste Form mit aufstrebender, bald 
aber gebogener, hingestreckter Hauptaxe, wobei sich die Aeste als 
lockeres, rasenartiges Gebilde auf dem Boden, ohne anzuliegen, ver- 
breiten: „rami opposite ramosi divergentes*' Rchb. Fl. germ. p. 640 
unter seinem L, Thymifolia. 

L. microphyllum , L. linifolium^ L, micranthum Karel et Kiril. 
Ledeb, in Fl. ross. II. p. 126 sind von unserem L. bibracteatum 
verschieden, wie es sich aber zu L. nanum Karel. et Kiril. verhalte, 
ist mir noch unklar. 

Woher aber das plötzliche, massenhafte Auftreten einer nicht 
einmal vermutheten Pflanze in unserer Gegend? Auf diese Frage, 
die sich von vorneherein aufdrängt, sind drei Antworten möglich. 
Entweder ist sie durch die Donauüberschwemmungen in unsere Ge- 
genden gekommen; oder hat sie sich aus L. Hyssopifolia entwickelt; 
oder sie war schon hier, aber"selten und unbemerkt, und entwickelte 
sich erst jetzt, bei günstigen Umständen, massenhaft. Gegen die erste 
Anschauung scheint die Thatsache zu sprechen, dass unsere Pflanze 



362 

auch innerhalb der Dämme unserer Stadt, wohin das Donauwasser 
nur als Grundwasser eingedrungen war, massenhaft vorkommt und 
zwar an zwei Stellen: die F. prostrata gegen die Gödrök zu, und 
beide Formen bei Tyükmajor. Ferner, wenn diese Pflanze durch die 
Donau zu uns gelangle, so ist es noch sehr fraglich, woher sie zu 
uns gelangen konnte? Die zweite Anschauung, dass die Pflanze aus 
L. Hyssopifolia sich herausgebildet habe, scheint zwar in den gross- 
artigen Einflüssen, die durch die lang anhaltende Ueberschwemmung 
sich geltend machen konnten, einen Anhaltspunkt zu finden; da aber 
einerseits gar keine Uebergangsformen zu finden waren, andererseits 
L, Hyssopifolia, wie überhaupt die Lythra, eine sehr grosse Bestän- 
digkeit in seinem spezifischen Charakter an sich trägt, fehlt dieser 
Muthmassung jede thatsächliche Grundlage. Die dritte Anschauung 
endlich, dass sich die Pflanze schon früher bei uns vorfand, scheint 
somit doch die wahrscheinlichste zu sein, wenigstens so lange, bis 
etwaige Beobachtungen an den Ufern der Donau und ihrer Neben- 
flüsse die erste Anschauung bekräftigen. 

Kalo es a, 8. September 1876. 



Ein Aecidium auf Myricaria germanica Desv. 

Von Prof. Wilhelm Voss. 

In den verflossenen Ferien sammelte mein geehrter Freund 
Prof. J. Gruber während seines Aufenthaltes in Tirol Hypodermier 
und hatte die Güte, mir diese zu überlassen. Zu meiner grossen 
Freude fand ich darunter ein Aecidium^ das sich als neu ergab, und 
dessen Auffindung umsomehr Interesse erregt, als bis jetzt auf keiner 
Spezies der Tamariscineen ein solches bekannt geworden. Im Folgen- 
den gebe ich die Diagnose des Pilzes, der vorläufig als selbstständige 
Art zu betrachten ist. 

Aecidien heer den weise, seltener einzeln; mennigroth, später 
bräunlich, im Durchmesser etwa 0'5— 10 Mm. 

Becher kalbkugelig, Peridie aus dicht auseinander liegenden, 
vier- bis fünfeckigen Zellen mit farblosen Membranen und gelbem, 
homogenem Inhalte gebildet. Saum gefranst, anfänglich weiss. Sporen 
rundlich, oval oder eiförmig; dünnwandig. Inhalt hyalin mit gelben 
Oeltröpfchen. 

Zumeist in den Winkeln der Aestchen, diese allseitig oder zum 
Theil umhüllend, seltener an beiden Blattflächen von Myricaria ger^ 
manica Desv. Im August 1876 an der Valschauer bei Kuplwies, in 
St. Nikolaus im ültenthale. Zerstreut. 

Da dieses Aecidium zumeist an den Aesten vorkommt, und 
diese entweder ganz oder zur Hälfte umhüllt, so nenne ich es Aeci" 
dium invohens. 

Laibach, am 25. September 1876. 



363 

Die Vegetatiofls-Verhältnisse des mittleren und östlichen 
Ungarns und angrenzenden Siebenbürgens. 

Von A. Kerner. 
LXXXVIU. 

1562. Populus alba L. — Bestandtheil der Gehölze auf den 
sandigen Landhöhen . entlang den Flüssen im Tieflande und in den 
Thälern des Berglandes. Im mittelungar. Berglande bei P. Csaba 
und P. Szantö; im Stromgelände der Donau bei Csenke, Näna, Gran, 
Waitzen, Set. Andrae, Ofen, Pest, auf der Magarethen- und Csepel- 
insel; auf der Kecskemeter Landhöhe entlang dem Rakosbache, dann bei 
Gödöllö, Alberti, Monor, Pilis, P. Peször, P. Szällosär; im Tapioge- 
biete bei Szt. Märton Käta; auf der Debrecziner Landhöhe bei De- 
breczin; in der Tiefebene bei Poroszlö und entlang der Theiss von 
T. Füred nach Szegedin; im Vorlande des Bihariagebirges bei Käto- 
naväros, Grosswardein und Hollodu. — Tert., diluv. und alluv. Sand- 
und sandiger Lehmboden. 75 — 260 Meter. 

1563. Populus canescens Sm. (albaXtremulaJ, — An gleichen 
Standorten wie die vorhergehende Art. Bei Pest; auf der Csepel- 
insel bei Ujfalü; im Waldreviere zwischen Monor und Pilis, auf der 
P. Peször bei Also Dabas und bei P, Szdllosär nächst Tatar Szt. 
György. Nach Kanitz auch bei Nagy Koros. — Diluv. und alluv. 
Sand. 75—260 M^ter. 

Populus villosa Läng in Syll. Ratisb. I, 185. — Von dem Aiitor bei 
Ofen angegeben und von Neiir. in Aufz. d. ung. Pfl. zu P. canescens Sm. gezogen, 
ist nach einem mir vorliegenden Originalexemplar kein Bastart aus P. Ma und 
P. tremula, sondern entweder eine Abart oder Missbildung von P. tremvZa 
oder eine von P. tremula ebenso wie von P. aXba verschiedene Art. — Wäh- 
rend die jungen Blätter der P. tremula L. ganz oder fast kahl sind, erscheinen 
jene der P. villosa beiderseits von seidigen glänzenden Haaren ganz dicht über- 
sponnen; die Kätzchen sind dicker und zottiger als jene der P. tremula, — 
Wurde übrigens von mir im Gebiete lebend nicht beobachtet. 

1564. Populus tremula L. Bestandtheil der Mischwälder im 
Berg- und Tieflande, meistens aber nur eingesprengt und nur selten 
kleine Gehölze und Wäldchen bildend. — Im mittelungarischen Berg- 
lande bei Recsk in der Matra; in der Pilisgruppe auf dem Piliserberg 
und Kishegy bei Cs6v, auf der Slanitzka bei P. Csaba, im Leopoldi- 
feld und Auwinkel, auf dem Schwabenberge und im Wolfsthale bei 
Ofen; auf der Kecskemeter Landhöhe bei Gödöllö, im Waldreviere 
zwischen Monor und Pilis, bei P. Pesz^r und P. Szällosär und bei 
Nagy Koros; im Tapiogebiete bei Szt. Märton Käta; auf der Debre- 
cziner Landhöhe bei Debreczin; im Bereiche des Bihariagebirges auf 
dem tertiären Vorlande bei Grosswardein und P. Szt. Märton; im 
Thale der schwarzen Koros bei Vasköh, Poi6ni, P^lrosa und Sodö- 
selu bei Rözbänya; auf dem Batrinaplateau an der Piötra Galbina und 
im Valea pulsului, an den Felswänden ober dem Eingang zur Geister- 
höhle nächst der Stäna Onc^sa (hier der höchst gelegene im Gebiete 



364 

beobachtete Standort), dann auf dem Dealul Ocalilor nächst Scari- 
siora; auf dem Yasköher Plateau bei den Eisengruben von Rescirata 
und auf dem Vervul Ceresilor; in der Plesiu^uppe auf dem Gipfel 
des Plesiu und auf dem Moma; im Thale der weissen Koros bei 
Plescutia, auf den tertiären Hügeln bei Halmadiu, im Valea Li^sa und 
bei Körösbänya; in der Hegyesgruppe bei Slatina und auf der Chi- 
ciora; in der Vulcangruppe auf dem Suprapiötra poiönile bei Vidra. 

— Sienit, Porphyrie, Trachyl, Schiefer, Sandslein, Kalk, tert., diluv. 
und alluv. Sand und Lehm. 95 — 1305 Met. — In der Tiefebene nicht 
beobachtet. 

1565. Populus nigra L. — Bestandtheil der Gehölze auf den 
sandigen Landhöhen und entlang den Flüssen in den niederen Thä- 
lern des Berglandes und im Tieflande» — Im Stromgelände der Do- 
nau bei Gran, Näna, Set. Andree, Pest, auf der Csepelinsel; auf der 
Kecskemeter Landhöhe entlang dem Rakosbache, dann bei Alberti, 
Monor, Pilis, P. Peször, Nagy Koros; im Tapiogebiete bei TapioBicske, 
Nagy Käta, Farmos, P. Söregh, Tapio Szelle und Also Szt. György; 
in der Tiefebene bei Szolnok, Poroszlö, Kisujszälläs; auf der Debre- 
cziner Landhöhe bei Debreczin; im Bereiche des Bihariagebirges bei 
Grosswardein, Vasköh, Plescutia und Jöszäsz. — Diluv. und alluv. 
Sand und sandiger Lehm. 75 — 290 Meter. — Bildet im Tieflande hie 
und da reine Bestände. Diese zerstreuten Pappelwäldchen finden sich 
insbesondere in einer schmalen Zone, welche das ursprünglich wald- 
lose centrale Steppengebiet des ungarischen Tieflandes umrandet, und 
die selbst wieder von einer viel breiteren Zone umgeben wird, in 
deren Wäldern sommergrüne Eichen die vorherrschenden Bäume sind. 

— P. nigra wird übrigens im Tieflande hie und da auch gepflanzt 
und mitunter zur Bindung des Flugsandes mit Yortheil verwendet. 

JPopuliis pyramidalis Roz. und Populus monüifera Ait. — In Park- 
anlagen und an den Strassen in der NShe bewohnter Orte gepflanzt, wenn auch 
im Vergleiche zu westlicheren Gebieten nur selten. — Feichtinger erwähnt 
in seinem Yerzeichniss der Pflanzen des nördl. Com. Gran %70 auch eines in 
jenem Florengebiete gepflanzten Bastartes aus PopuLus nigra und PoptUua py- 
ramidalis (y^Populus nigrO'pyramidalis'^). 

1566. Betula verrucosa Ehrh. (ß. alba L. part., Koch und 
der meisten deutschen Autoren;. — Im mittelungar. Berglande nach 
Kitaibel bei Paräd in der Matra. Auf der Kecskemeter Landhöhe 
bei Gödöllö, auf der Puszta Pesz6r bei Also Dabas und nach Kanitz 
häufig im alten Walde bei Nagy Koros. Am Rande der Dobrecziner 
Landhöhe im Ecsedi Läp. Im Bereiche des Bihariagebirges auf dem 
Batrinaplateau ober dem Eingang zur Geisterhöhle nächst der Stäna 
Oncösa (hier der höchstgelegene im Gebiete beobachtete Standort), 
auf der Mägura söca, im Valea pulsului, auf der Tataro^a, im Valea 
s^ca gegen Torniciora zu und auf der Pi^lra lunga; im Rözbänyaer- 
zuge an dem westlichen Abhänge der Margine und des Tomnatecu 
und häufig im Werksthale und auf dem Nögra und Dealul vetrilor 
bei R^zbänya; auf dem Vasköher Plateau bei Colesci, Calugäri, Re- 
scirata; in der Plesiugruppe auf der Südseite und auf dem Gipfel des 
Plesiu; in der Hegyesgruppe bei Slatina und auf der Chiciöra süd- 
ösllich von But^ni. — Sehr liäufig auf dem Hügellande in den Becken 
der schwarzen Koros zwischen Vasköh, Pötrosa, Sed^selu und Cri- 



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scioru, im Thale der weissen Koros bei Halmadiu und auf dem tert. 
Vorlande zwischen Grosswardein und Belönyes. — Sienit, Porphyrit, 
Trachyt, Schiefer, Sandstein, Kalk, tert., diluv. und aüuv. Sand- und 
Lehmboden. 95 — 1305 Meter. — Fehlt in der Tiefebene und merk- 
würdigerweise auch in dem Thalgelände des Aranyos im Bihariageb. 
Auch in den meisten Gruppen des mittelungar. Berglandes ist die 
Birke nicht ursprünglich wild, sondern an einigen Orten, wie z. B. bei 
Budakeszi und bei P. Csaba in der Pilisgruppe gepflanzt. Auch auf 
der Margaretheninsel bei Ofen erscheint sie nur kultivirt. — In der 
Regel trifft man die Birke im Gebiete als Bestandtheil von Misch- 
waldern. Reine Bestände derselben beobachtete ich nur in der He- 
gyesgruppe des Bihariagebirges in der Gegend von Slatina. Auf den 
diluvialen Lehmhügeln in den Körösthälern wächst Betula verrucosa 
Ehrh. gewöhnlich gesellig mit Alnus glutinosa^ Corylus Avel- 
lana