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Full text of "Studien zur Familiengeschichte"



KARL GRAF KUEFSTEIN 

K. U. K. GEHEIMER RAT. A. 0. GESANDTER U. BEV. MINISTER A. D. 



STUDIEN 



ZUR 



FAMILIENGESCHICHTE 



IN VERBINDUNG MIT 
DER LANDES- UND KULTURGESCHICHTE 



, TEIL 

17. JAHRHUNDERT 



WIEN UND LEIPZIG 

WILHELM BRAUMÜLLER 

K. K. UNIVERSITÄTS-VERLAGSBUGHHANDLUNG 

GESELLSCHAFT M. B. H. 
1915 



HAROLD B. LEE LIBRARY 

BRIGHAM YOUKG UNIVERS1TY 

PROVO, UTAH 



In gleichem Verlage ist erschienen: 

Klief Stein, Karl Graf, k.u.k. Geheimer Rat, a.o. Gesandter und bevollmächtigter 

Minister a. D. 

Studien zur Familiengeschichte. 

I. Teil: Bis zum Jahre 1525. Lex.-8 (XL. 355 S.). 1908. 24 K — 20 M. 

II. Teil: 16. Jahrhundert. Lex.-8" (XV. 402 S.). 1911. 12 K — 10 M. 



»In den letzten Jahren hat in Österreich das Studium der Familienarchive in er- 
freulicher Weise zugenommen, und das vorliegende, sehr schön ausgestattete Buch schließt 
sich der ansehnlichen Reihe derartiger Publikationen würdig an. Graf Kuefstein ist allen 
nur irgendwie zugänglichen zeitgenössischen Quellen und späteren Bearbeitungen nach- 
gegangen und versucht nun, nach jahrelanger mühsamer Arbeit, die Geschichte seines 
Geschlechtes zu rekonstruieren; dabei läßt er ein großes Maß von kritischer Selbst- 
beschränkung und Bescheidenheit walten und wagt, zum Unterschied von manchen anderen 
Familiengeschichten, keine willkürlichen Behauptungen und gewaltsamen Ableitungen. Da- 
durch gewinnt das Buch an historischem Wert und wissenschaftlichem Ansehen.« 

Neue Freie Presse, 4. Oktober 1908. 

»Karl Graf Kuefstein bietet uns die Früchte seiner mehr als vierzigjährigen Forschung 
in einem ungemein gründlichen Quellenwerk: Studien zur Familiengeschichte dar, dessen 
erster Teil bis zum Jahre 1525 reichend im Verlage von Wilhelm Braumüller soeben er- 
schienen ist. Kein Fachgelehrter, kein eigens bestellter Archivar ist bei diesem Buche 
zu Gevatter gestanden, der gräfliche Autor hat selbst Hand angelegt, weder Plage noch 
Mühe gescheut, um alles ihm zugängliche Material an Urkunden, Exzerpten, Handschriften 
und gedruckten Vorarbeiten mit strenger Gewissenhaftigkeit aufzulesen, prüfend, wie vor- 
sichtig abwägend, zu verwerten. Das macht hauptsächlich den persönlichen Reiz dieser 
Studien aus.« Fremden-Blatt, 1. November 1908. 

Ȇber die ,Studien zur Familiengeschichte', die genaue Kunde geben von dem Ent- 
wicklungsgange des gräflichen Geschlechtes der Kuefstein, sollte eigentlich ein österreichi- 
scher Willibald Alexis kommen. Denn das ist weit mehr als eine bloße Familienchronik, 
hier reiht sich, was niederösterreichische Landes- und österreichische Reichsgeschichte an- 
langt, Kapitel an Kapitel, welches den Parallelgang offenbart zwischen dem bodenständigen 
Patriziat, Adel und Bürgertum und dem sich immer gewaltiger ausdehnenden Reiche.« 

Neues Wiener Tagblatt, 4. November 1908. 

»Nun liegt der zweite Band dieser Familienhistorie vor und er würde, wäre es 
möglich, den starken und sympathischen Eindruck noch vertiefen, den der erste wach- 
gerufen hat, und zwar in den weitesten Kreisen, bei den Fachmännern auf dem Gebiete 
der Geschichtsforschung, bei denen, die mit Recht jeden Beitrag zur Ausbreitung der 
Kenntnisse von Leben und Taten berühmter Geschlechter gern begrüßen, und schließlich 
bei allen Freunden des Autors. Die sorgsamste, ja eine peinlich gewissenhafte Objektivität 
zeichnet diese ungemein interessante Familiengeschichte aus, die unter dem zu bescheidenen 
Titel , Studien zur Familiengeschichte' erscheint.« Neues Wiener Tagblatt, 9. Februar 1911. 

»Und so darf man wohl mit einiger Sicherheit auch dem trefflichen Buche für 
weitere Kreise die gleiche warme Teilnahme prognostizieren, mit der es sogleich bei seinem 
Erscheinen in Fachkreisen begrüßt worden ist. Es berührt vor allem schon außerordentlich 
sympathisch durch den so ungewöhnlich bescheidenen Ton, mit welchem ein Mann von der 
Bildung und den geschichtlich-literarischen Qualitäten Karl Kuefsteins um Nachsicht für 
seine Arbeit bittet, eine Arbeit, die nicht nur durch ihre ein Menschenalter umfassende 
Dauer für ihren Ernst und ihre Gründlichkeit, sondern auch durch peinlich genaues Quellen- 
studium, sorgfältigen Aktennachweis und gewissenhafteste Fürsorge für ihre innere Wahr- 
haftigkeit lauter für ihre Vorzüge spricht, als fremdes Lob je vermöchte.« 

Das Vaterland, 2. Dezember 1908. 

»Dieses auf gründlichen archivalischen Studien beruhende gelehrte Werk schildert 
die Gestalten und das Leben von zwei der bedeutendsten Ahnherren des Verfassers im 
16. Jahrhundert. Beide Lebensläufe sind mit der Geschichte der niederösterreichischen 
Lande innig verknüpft.« Neues Wiener Journal, 13. August 1911. 

Fortsetzung auf der dritten Umschlagseite. 




HANS GEORG IV. 

Reichsgraf von Kuefstein, Freiherr auf Greillenstein und Hohenkrän. 

Aet. 25. A° 1670. 



KARL GRAF KUEFSTEIN 

K. U. K. GEHEIMER RAT, A. O. GESANDTER U. BEV. MINISTER A. D. 



STUDIEN 



ZUR 



FAMILIENGESCHICHTE 



IN VERBINDUNG MIT 
DER LANDES- UND KULTURGESCHICHTE 



III. TEIL 
17. JAHRHUNDERT 



WIEN UND LEIPZIG 
WILHELM BRAUMÜLLER 

K. K. UNIVERSITÄTS-VERLAGSBUCHHANDLUNG 
GESELLSCHAFT M. B. H. 

1915 



DRUCK VON FRIEDRICH JASPER IN WIEN. 



HAROLD B. LEE LIBRARY 

BRIGHAM YOUNG UNIVERS1TY 

PROVO.UXAH 



Forsan et haeo olim meminisse juvabit. 
Yergil, Aen. T. 203. 



VORWORT. 



ä*?« 



nmitten des tosenden Weltkrieges, der die Sorge um die Zu- 
kunft des Vaterlandes wie um teure Angehörige täglich erneut, 
sollen diese Zeilen ein Werk des Friedens künden, welches 
bestimmt war, das 500 jährige Jubiläum der Erwerbung Feinfelds, unseres 
ältesten dokumentarisch beglaubigten Familiensitzes in Niederösterreich, 
zu feiern. Unter den stündlichen Aufregungen des uns aufgedrungenen 
Verteidigungskampfes tritt wohl das Interesse an Allem zurück, was 
nicht mit den großartigen militärischen und politischen Ereignissen in 
Zusammenhang steht. Doch bleibt keine Wahl, wenn man, nahezu 
77Jährig, nicht mehr mit- hinausziehen kann, als in bescheidenerem Wir- 
kungskreise Zeugnis abzulegen von ungebrochenem Mute und dem alle 
Patrioten beseelenden Vertrauen in die Kraft des alten ruhmvollen 
Habsburger Reiches, welches, stark durch die Gerechtigkeit seiner 
Sache, mit seinen Heldensöhnen die übermächtigen Feinde mit Gottes 
Hülfe nicht nur siegreich überwinden, sondern auch die schwer ge- 
prüfte. Bevölkerung in eine Ära glücklichen Friedens hinüberführen 
wird, in welcher ihrer Hände Fleiß wieder Segen findet, die höchsten 
idealen Güter der Menschheit zu gesicherterer Geltung und erhöhtem 
Aufschwünge gelangen und kein künstlich geschürter Haß mehr die 
internationalen Beziehungen vergiftet. 

Wie die Einzelnen, so verschwinden auch die Familien angesichts 
der Größe der Zeit. Immerhin wird sich in den vorliegenden, seit 
Jahren in mühe voller Arbeit zusammengetragenen Blättern Manches 
finden, was für die Geschichte unseres geliebten Vaterlandes nicht ohne 
Interesse sein dürfte, Vieles nur für die Familie, Anderes wieder ge- 
eignet, rapide Streiflichter auf kulturgeschichtliche Momente, wie die 
inneren Verhältnisse der Bevölkerung und ihrer Klassen, zu werfen. 
Mag Einiges weniger wichtig für die Allgemeinheit erscheinen, Anderes 
nur episodisch behandelt worden sein, so war man doch bemüht, gerade 
in einer Zeit, wo sich so viel Verschiedenartiges darbietet, sich das von 
Lessing im Laokoon eigentlich nur den Alten vindizierte Vorrecht, 
»keiner Sache weder zu viel, noch zu wenig zu tun,« möglichst vor 



IV 

Augen zu halten. In einer Familiengeschichte finden spezielle Gesichts- 
punkte ihre Berechtigung und bei einzelnen historischen Darstellungen 
mußte weiter ausgeholt werden, um die Beteiligung der Familien- 
mitglieder klarer zu beleuchten. 

Das Hervortreten der drei Brüder H. Jacob, H. Lorenz und 
H. Ludwig in der ständischen und konfessionellen Bewegung, des 
Letzteren Verhandlungen mit K. Ferdinand II., seine Botschaft zu 
Sultan Murad IV., mit den Abbildungen, dann sein Wirken als Landes- 
hauptmann in Oberösterreich samt den Beziehungen zu dem seiner Ob- 
hut anvertrauten Prinzen Rupert v. d. Pfalz, sowie seine literarische 
Betätigung als erster Übersetzer spanischer Schriftsteller, — Georg 
Adams Tätigkeit als Oberst der Wiener Stadtguardia und V.- 
Kommandant von Wien während der letzten Jahre des dreißigjährigen 
Krieges, die ihm vom Kaiser anvertrauten geheimen Missionen nach 
Ungarn und an König Johann Kasimir von Polen, sowie seine Teil- 
nahme am Wirken der Fruchtbringenden Gesellschaft in Weimar, — 
ferner Hans Heinrichs, des Errichters der Kuefstein- (heute Savoyen-) 
Dragoner, militärische Aktionen, seine Mission zum Kurfürsten Hans 
Georsr von Sachsen und dem Fürsten von Waldeck zur Beschleuni- 
gung des Zuges der Hilfstruppen zur Befreiung Wiens, — endlich das 
patriotische Wirken seines Bruders, unseres Hans Georg während der 
Belagerung — sind ebensoviele Momente, welche eingehendere Be- 
sprechung erheischten und auch heute noch Interesse bieten. Und es 
wird schließlich eine pikante Erinnerung bilden, daß Hans Georgs 
Schwiegervater Paul von Ho eher, der einflußreiche Obersthofkanzler 
Leopolds L, schon damals die Gefahren der immer stärker aufstreben- 
den zarischen Macht erkannte und in einem berühmten Gutachten davor 
warnte, Rußland die Aufnahme in die europäische Staatenordnung zu 
gewähren. Gott verleihe Habsburgs Bannern glorreichen Sieg, um heute 
endlich im Vereine mit unserem treuen Bundesgenossen die ewig über- 
greifende Macht in gebührende Schranken zurückzuweisen und den 
Frieden Europas zu sichern. 

Von solch' patriotischem Wunsche geleitet, mögen diese Blätter 
hinausfliegen und derselben nachsichtigen Aufnahme empfohlen sein, 
welche ihre Vorgänger zu finden so glücklich waren. 

Greillenstein, im Mai des Kriegsjahres 1915. 

Der Verfasser. 



INHALT 



Seite 

Vorwort III 

Kap. 

XXI. Hans Jacob und seine Geschwister Hans Lorenz II., Hans Wilhelm, 

Hans Ludwig, Eva, Anastasia, Sara und Justina bis um 1620 . . i 

i. Allgemeiner Familienstand. — 2. Personalstand der Geschwister und Heiraten: 
Hans Jacob mit Clara von Puechaimb, Hans Lorenz mit Anna von Puechaimb und 
Hans Ludwig mit Maria von Grabner zur Rosenburg. — 3. Auseinandersetzung der 
Geschwister. — 4. Hans Jacob übernimmt Greillenstein. — 5. Greillenstein. Histori- 
scher Nachtrag. 

XXII. Die drei Brüder Hans Jacob, Hans Lorenz und Hans Ludwig in 

der ständischen Bewegung 1603 bis 1620 , 35 

i.- Unter Kaiser Rudolf II. 1603 — 1612. — Kampf der Stände um ihre politi- 36 
sehen und religiösen Freiheiten. — Wahldifferenzen 1604. — Die Erzherzoge gegen 
den Kaiser. — Matthias' Zug nach Prag. — Einzug in Wien. — • Secessio in Hornam 
1608. — Hans Jacob Khuffstainers Mission an Erzherzog Maximilian. — Die sog. 
Kapitulations-Resolution. — Huldigung der Stände 1609. — Dissensionen. — Puechaimb, 
Hofkirchen, Starhemberg und Khuefstein für den Kaiser. — Die Passauer. — 
Matthias' zweiter Zug nach Prag und Krönung 161 1. — Kaiser Rudolfs Ableben 1612. 

2. Unter Kaiser Matthias 1612 — 1619. — Gravamina der Stände. — Kon- 68 
vent in Linz. — General-Landtag in Prag. — Hans Lorenz Khuffsteiners Mission an 
den Kaiser. — Ferdinands Krönung in Prag und Preßburg. — Verhinderung des 
evangelischen Gottesdienstes. — Der Fenstersturz. — Hans Ludwig Khuffsteiner an 
den ungarischen Reichstag. — Die böhmischen Unruhen. — Khlesls Sturz. — 
Ständische Beschwerden und Verhandlungen. — Ableben des Kaisers. 

3. Unter Kaiser Ferdinand IL — 1619. Hans Ludwig von Khuffstein. — 88 
Evangelische und Katholische. — Anrücken der Böhmen. — Die Audienz vom 5. Juni. 

— Hans Ludwig von Khuefsteins Missionen an Thurn und an die Oberösterreicher. . — 
Audienz vom 11. Juni. — Die Stände wieder in Hörn. — Die Gebrüder Khuefsteiner. 
— • Hans Ludwig von Khuffsteins Mission an Erzherzog Albrecht. — Buquoy in 
Hörn. — Hans Ludwig von Khuffsteins Mission an den Deutschen Fürstentag in 
Nürnberg. — Des Kaisers Rückkehr nach Wien. 

1620. Hans Ludwig von Khuffsteins Diarien über seine Missionen an den Kaiser. 

— Bei Buquoy in Krems. — In Wien. — Audienz vom 4. März. — Zurück nach 
Hörn. — In Puechberg. — In Hörn. — Bei General von Hofkirchen. — In Wien. — 
Audienzen vom 31. März und 3. April. — Privates. — Landtag vom 10. April. — 
Die Wiener an die Retzer. — Audienz vom 3. Mai. — Antwort der Stände. — Die 
Horner. — Audienz vom 22. Mai. — Nach Hörn und Retz. — Kaiserliche Resolution 
vom 28. Mai. — Ablehnung durch die Retzer. — Hans Ludwigs nochmalige Mission 
an den Kaiser. — Audienz vom 5. Juli. — Khuffstein ausgewiesen und vom Kaiser 
wieder zurückgehalten. — Konzessionen des Kaisers. — Huldigung vom 13. Juli. — ■ 



VI 

,, Seite 

kap. 

Er huldigt nicht. — Seine Abschiedsaudienz vom 19. Juli. — In Retz. — Die Sitzung 
vom 1. August. — Abfall der Ketzer. — Hans Ludwig und seine Brüder nach Hörn 
und Wien. — Huldigung. — Die Retzer in Böhmen. — Maximilian von Bayern und 
Buquoy in Greillenstein. — Schluß. 

XXIII. Hans Jacob (geb. 1577, t 1633). Fernerer Lebensgang 165 

1. Allgemeines. — 2. Personalia. Fürschneider des Erzherzogs Matthias, Bei- 
sitzer der Landrechte, Oberst, Generalproviantmeister der Stände, Kammer-Rat, 
Reichs-Hofrat, Kämmerer. — 3. Verordneter. — Missionen. — Rangsfragen. — 4. Oberst- 
Erbland-Silberkämmerer-Amt. — 5. Besitz- und Vermögensverhältnisse. — Greillen- 
stein. — Lehenssachen. — St. Marein. — Haus in Wien. — Schauenstein. — Dobra. 

— Burgschleinitz und dessen Geschichte. — Die Sleunzer, Kuenringer, Eckartzauer, 
Zysterstorffer, Römer, Bayer und Innprucker. — Kämpfe. — Belagerung der Burg. — 
Hans Lorenz' Erfolg gegen Buquoy. — Die Khuefsteiner. — 6. Zweite Heirat mit 
Maria Veronica von Urschenbeckh. — 7. Testament und Ableben. — Die Kinder. — 
Bilder und Epitaphien. 

XXIV. Hans Lorenz II., Bruder des Hans Jacob (geb. 1578, f 1628). Fernerer 

Lebensgang 2I 3 

1. Personalia. — 2. Ständisches. — 3. Besitz. — Spitz, Zaissing und Maria- 
Laach. — Konfessionelle Weiterungen. — Verwüstungen der Polaken, Brand von 
Spitz und Wiederaufbau. — 4. Ableben. — 5. Hans Lorenz' Gattin Anna von 
Puechaimb. — Aufenthalt in Aggstein und Regensburg. — Heimkehr nach Spitz 
und Beisetzung in Maria-Laach. -- 6. Die Kinder: A. Johann Wilhelm, Oberst- 
Inhaber der Kueffstein- Schönkirchen-Dragoner. — B. Jacob Ludwig. Besitz Spitz 
und Maria-Laach. — C. Anna Justina, verehelichte von Geyer, Spitz. — 
D. Anastasia und Sara. Maria Afra, verehelichte Thanrädl. — E. Jacob 
Ludwigs Witwe Judith, geb. Teufflin zu Guntersdorf, Weyerburg und 
Ruckendorf. 

XXV. Hans Ludwig, dritter Bruder des Hans Jacob. Fernerer Lebens- 

gang (geb. 1582, f 1656) 230 

A. In Niederösterreich. 1. Personalia. — Rat. — Kämmerer. — N.-ö. 
Kammer-Rat. — 2. Bei den Ständen. — 3. Besitz. — Zaissing. — Maria-Laach. — 
Puechberg. — Ottenschlag. — Freihof in Klosterneuburg. — Zelkinger Lehen. — 
Rechberg. — 4. Heirat mit Susanna Eleonora von Stubenberg. — 5. Konfessionelles. 

— Rückkehr zum alten Glauben. — P. Lamorman. — 6. Übersetzung von Romanen. 

— Montemajors Diana. — Boccaccios Fiametta. — S. Pedros Carcell de Amor. 

B. Hans Ludwigs Botschaft zu Sultan Murad IV. - Allgemeines. — 259 
Schrift Kaiser Josefs II. — Auszug aus der Relation über die Botschaft. — Die 
Türkenbilder. 

C. In Qberösterreich. 1630— 1656. — 1. Landeshauptmann. — Oberöster- 2S0 
reichischer Herrenstand. — Geheimer Rat. — 2. Grafenstand. — Oberst-Silber- 
kämmerer. — Landstand in Böhmen. — 3. Amtliches. — Bauernaufstand. — Pulver- 
und Salniterfabrik. — Reisen des Hofes. — Varia. — 4. Kurfürst von Trier als Ge- 
fangener. — 5. Prinz Rupert von der Pfalz als Gefangener bei Hans Ludwig. — 
Dessen Tochter Susanna Maria, später Gattin des Johann von Werth. — 6. Privates. 

— 7. Die 39 Kinder. — 8. Ableben und Testament. — 9. Bilder und Epitaphien. 

XXVI. Die Schwestern der drei Brüder joi 

Eva, verehelichte Thanrädl. — Die Thanrädl. — Stammtafel. — Anastasia und 
Sara. Justina Concordia Claudia verehelichte von Brandis. — Ihr Sohn Franz Adam 
Graf Brandis, Verfasser des Tiroler Ehrenkränzleins. — Familienbeziehungen zu Eva 
Christina von Khuffstein und der Greillensteiner Linie. 



VII 

Kap. Seite 

XXVII. Oeorg Adam, Sohn Hans Jacobs und Eva Christina von Neuhaus. 

1605—1656. Fortsetzung des Hauptstammes 308 

1. Erste Zeit. — 2. Kriegsdienst. — 3. Stadtguardia- Oberstlieutenant und 
Oberstentitel. — Verwendung der Stände. — Belagerung und Einnahme von Krems. 

— Kriegskommando. — Ständischer Kommissär. — Hof-Kriegsrat. — 4. Missionen. 

— Nach Schlesien und an den Herzog zu Sachsen. — Nach Ungarn. — Ungarischer 
Magnat. — Nach Oberungarn. — An König Johann Casimir von Polen. — 5. Ver- 
ordneter der Stände. — Erbhuldigung. — Oberst-Kämmerer-Amt. — 6. Reichsgrafen- 
stand. — 7. Heirat mit Eva Christina von Neuhaus. — 8. Besitzungen. — Greillen- 
stein. — Burgschleinitz. — 9. Literarisches. — Fruchtbringende Gesellschaft. — Der 
Kunstliebende. — Sein Werk. — 10. Ableben und Testament. — 11. Eva Christina. 

— 12. Die Kinder. Bilder. 

XXVIII. Anna Elisabeth, Schwester Georg Adams, verehelichte Gräfin 
Kollonitsch 343 

Heirat mit Ernst von Kollonitsch. — Hochzeitstafel in Kirchberg am Wald 
mit Kaiser Ferdinand IL, Kaiserin Eleonora und deren Kindern. — Mutter des Kardi- 
nals Leopold von Kollonitsch. — Ins Kloster St. Laurentii zurückgezogen. 

XXIX. Hans Heinrich, ältester Sohn Georg Adams und Charlotte Juliana 

von Schaumburg-Lippe zu Bückeburg 349 

1. Personalia. — 2. Brüderlicher Vergleich über die Herrschaften. — 3. Familien- 
nachrichten aus Lippe-Bückeburg. — 4. Lebensgang. — Militärdienst. — Bei Düne- 
waldt-Kürassieren. — Oberst-Wachtmeister bei Harrant-Kürassieren. — 5. Verehe- 
lichung mit Charlotte Juliana in Bückeburg. — 6. Weiterer Militärdienst. — Schlacht 
u. Reiterattacke bei Gengenheim-Zabern. — In französischer Gefangenschaft. — 
Ludwig XIV. will ihn nicht freigeben. — Rückkehr nach Bückeburg. — In Böhmen. 

— 7. Errichtung der Kuefstein-Dragoner. — In Schlesien. — Im Reich. — 8. Mission 
an den Kurfürsten von Sachsen und den Fürsten von Waldeck. — Schreiben des 
Herzogs Carl von Lothringen und des Kurfürsten. — Dessen Zug durch Böhmen. — 
9. Beim Entsatz von Wien. — Bei Parkany. — Heldentod. — Das Regiment dem 
Prinzen Eugen von Savoyen verliehen. — Ehrung desselben durch Erzherzog 
Friedrich. — 10. Charlotte Juliana. — n. Die Kinder. — Hans Georg fällt vor 
Casale. — 12. Bilder. 

XXX. Hans Georg IV., Bruder Hans Heinrichs, und Anna Francisca 

Hocherin von Hohenkrän 369 

1. Allgemeines. — 2. Familienvergleich. — 3. Verehelichung mit Anna Fran- 
cisca Hocherin von Hohenkrän. — 4. Besitz. — Greillenstein. — Burgschleinitz. — 
Reichsunmittelbare Baronie Hohenkrän. — Litschau. — Atzelsdorf. — Pilotischer 
Garten in Wien. — Lehen. — Vesten Reizenschlag und Reingers. — Drittelsteuer 
und Landsteuer. — Zehenten. — Vermögensverhältnisse. — 5. Ständischer Ver- 
ordneter. — Präses. — 6. Belagerung von Wien. — Verordneten-Kollegium in Krems. 

— Vorsitzender. — Verproviantierung von Wien. — 7. Anerkennungen für Hans 
Georg. — Porträt des Kaisers, Degen von den Ständen, Reitzeug Kara Mustaphas. — 

8. Späteres. — Wiederherstellung der Ordnung. — Erlässe aus Greillenstein. — 

9. Stiftung des Fideikommisses. — 10. Stiftung von Gruft, Spital und Kapelle. — 
n. Andere Kunstwerke und Bilder. — 12. Testament und Ableben. — 13. Die 
Kinder. — 14. Epitaphien. — 15. Johann Paul Hocher von Hohenkrän, Vater der 
Anna Francisca. 

XXXI. Die Schwestern Hans Heinrichs und Hans Georgs 395 

1. Maria Elisabeth, Oberin im Königlichen Damenstift in Hall. — 2. Clara. — 
3. Maria Susanna, verehelichte Gräfin von Rottal. 



VIII 

Seite 
Kap. 

XXXII. Die alte Familiengruft in Maria-Laach und die Grabschriften . . 401 

Kuefstein'sche Stammtafel bis in das 18. Jahrhundert. 

Urkunden-Beilagen 4°9 

Namen-Register ■ ' 4 21 

Nachträge und Berichtigungen 439 



ABKÜRZUNGEN BEI DEN ZITATEN. 



StA. 

HfkA. 

HfkzlA. 

HfKgsA. 

H. K. R. 

HfBib. 

StatthA. 

LA. 

Ldsk. 

Adler 

M.-L. 

Vz. 

Fam. 

W. 

Quellen Wien 

Gesch. Beil. 

Raupach 

Huber 

Diarium 

Schifer 

Hoheneck 

Ldmarsch. Ger. 

Greill. 



K. u. k. Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien. 

K. u. k. Hof-Kammerarchiv im Gemeinsamen Finanzministerium. 

K. u. k. Hof-Kanzleiarchiv im k. k. Ministerium des Innern. 

K. u. k. Hof-Kriegsarchiv. 

Hof-Kriegsrats-Protokoll. 

K. k. Hof-Bibliothek. 

Archiv der niederösterreichischen Statthalterei. 

Niederösterreichisches Landesarchiv in Wien. 

Blätter und Jahrbücher des Vereines für Landeskunde von Niederöster- 
reich. 

Blätter und Jahrbücher der k. k. Heraldischen Gesellschaft Adler in Wien. 

Maria-Laach. 

Greillensteiner Archivverzeichnis, als Manuskript gedruckt 1906. 

Familienchronik von 1714 und Stammtafel von 1728. 

Wisgrill, Schauplatz des niederösterreichischen Adels. 

Quellen zur Geschichte der Stadt Wien (vom Altertumsverein). 

Geschichtliche Beilagen zu den Konsistorialkurrenden der Diözese 
St. Polten. 

Raupach, Evangelisches Österreich, und Fortsetzung. 

Alfons Huber, Geschichte Österreichs. 

Diarium Hans Ludwigs von Kuffstein über seine Missionen. 

Karl Freih. v. Schifer-Freyling, Manuskript in München. 

Hoheneck, Die Stände des Erzherzogtums Österreich ob der Enns. 

Niederösterreichisches Landmarschallgericht, Akten i. k. k. Landesgericht. 

Greillenstein, Schloß und Archiv. 



NB. Die Schreibweise der Eigennamen richtet sich nach der Zeit und den Doku- 
menten, worauf sich die oft auffallende Verschiedenheit erklärt. 



VERZEICHNIS DER BILDER. 



Seite 

Hans Georg IV. Graf Kuefstein, Porträt Titelbild 

Schloß Greillenstein, Arkadenhof v. 1585. E. A 1 

» > Kapelle v. 1604 m 't Wappen Kuefstein-Puechaimb. E. A. . . 9 

Schloß Spitz, Hof mit Wappen Kuefstein-Puechaimb 11 

Die Rosenburg 1672. V 13 

Hans Ludwig v. Kuefstein A° 1604, E. A. u. Grabtafel seiner Frau M a v. Grabner 12—13 

Hans Wilhelm v. Kuefstein, Grabschild v. 1604. E. A 15 

Das Freizeichen der N.-ö. Stände 35 

Greillenstein, Plafond v. 1590. E. A 166—167 

Hans Jacob im Hochzeitsgewand, 1601. E. A 168 

Clara im Hochzeitsgewand. 1601. E. A 169 

Greillenstein, Arkadengang. Nach Gräfin Pötting 179 

Veste St. Marein v. 1672. V 185 

Der Schauenstein. Nach Kopp v. Felsenthal 187 

Ruine Dobra a. Kamp. K. T 189 

Veste Burgschleinitz. Nach altem Gemälde 191 

» » E. A 201 u. 204 

Grabschriften der Clara v. Kuefstein-Puechaimb und ihrer Söhne. E. A. . . . 210 — 211 

Spitz mit Ruine Hinterhaus. E. A 215 

Hans Lorenz' II. Porträt 216—217 

Schloßruine Zaissing. E. A 220 

H. Georgs III. Monument in Maria-Laach. E. A 221 

H. Lorenz' Grabschild. E. A 229 

Joh. Wilhelms II. Porträt. Nach Widemann 232 

Jacob Ludwigs Porträt. Nach Widemann 233 

Die Osterburg v. 1672. V 235 

Die Weierburg v. 1672, V 237 

Veste Gunderstorff v. 1672. V 238 

Schloß Zaissing. Inschrift Con Dios 241 

Schloß Puechberg, Tor mit den Wappen Kuefstein, Grabner u. Stubenberg. E. A. . 246 

Burg Rechperg a. d. Krems v. 1672. V 249 

Hans Ludwig's Wappen und Porträtstich 258 — 259 

Seine Einschiffung und Botschaftsreise nach Konstantinopel und Türkenbilder . 264 — 265 

Die Linzer Burg v. 1623 280 

H. Ludwig und Gattin Susanna Eleonore. Porträts. E. A 282 u. 283 

Seine Tochter Susanna Maria als Braut und verheiratet. E. A 294 u. 295 

Schloß Weidenholz in Oberösterreich v. 1674. V 296 

Veste Thernberg von Thanrädl v. 1672. V 303 

Die gräfl. Brandissche Fahlburg in Tirol (Gf. Brandis) 307 



X 

Seite 

Georg Adams' Porträt v. 1644. Nach Widemann 311 

Georg Adam und Gattin Eva Christina, geb. von Neuhaus. E. A 326 u. 327 

Fruchtbringende Gesellschaft. Der Palmbaum 331 

Greillenstein, Kamin mit dem Allianzwappen Kuefstein-Neuhaus. E. A 341 

Anna Elisabeth v. K., verehel. Kollonitsch. Nach altem Porträt 344 

Burg Kirchberg a. Wald v. 1672. V 345 

Kardinal Leopold von Kollonitsch. Porträt. K. T 347 

Hans Heinrich Graf v. Kuefstein. Porträt 351 

Seine Gattin Charlotte Juliana v. Schaumburg-Lippe. Porträt. E. A 356 

Erzherzog Friedrich als Prinz Eugen, Oberst der Kuefstein-Dragoner (Holburg) 366 — 367 

Residenz Bückeburg im 16. Jahrhundert. Nach Merian 367 

Greillenstein, Wappenmedaillon K.-Hocher v. Hohenkrän. Nach S. R. Binder . . . 371 

H. Georg und Gattin Anna Francisca Hocherin zu Hohenkrän. Porträts. E. A. 372 u. 373 

Der Hohenkrän in Schwaben 375 

Veste Litschau v. 1672. V 377 

Greillenstein, Gruftkapelle. E. A 387 

» Pegasusbrunnen v. 1690. E. A 389 

» Grabmal von H. Georg und Anna Francisca. E. A 391 

Joh. Paul Hocher Freih. v. Hohenkrän, Oberster Hofkanzler (Ah. Fam.-Fid.-C.-Bibl.) 393 

Greillenstein: Dessen Grabmal. E. A 394 

Maria Elisabeth, Gräfin v. K., Oberin des Damenstiftes zu Hall. E. A 396 

Maria-Laach, Inneres der Kirche. E. A 402 



Familientafel Hans Georg III 4 — 5 

» Hans Jacob 166 

» Hans Lorenz II 214 

» Hans Ludwig 240 

» Georg Adam 310 

» Hans Heinrich 350 

» Hans Georg IV 370 

Stammtafel Thanrädl 302 

Kuefsteinsche Stammtafel. 16. Jahrhundert 
» » 17. — 18. » 

Familientafel Hans Lorenz' II. ..... 

» Hans Ludwig's 

Wappentafel des Hans Lorenz I. f. d. II. Band. 



408—409 



E. A. = Eigene Aufnahme des Verfassers. — K. T. = Kunsttopographie, d. h. nach 
den von der k. k. Zentralkommission gütigst zur Verfügung gestellten Klischees. — 

V. = G. M. Vischer v. 1672 u. 1674. 

S. 35. Das ständische Freizeichen nach dem vom Altertumsvereine gütigst zur Ver- 
fügung gestellten Klischee. 

Bei den Tafeln: W. = Wisgrill. — Sb. = Siebmacher. — Wb. = Wurzbach. 

St. = Starzer. — B. = Buccellini. — D. O. = Deutsch. Ord.-Arch. — 

Farn. = Familiennotizen. — A. A. = K. k. Adelsarchiv. 



XXI. 



HANS JAKOB 

UND SEINE GESCHWISTER GEMEINSAM BIS UM 1620. 

H. LORENZ IL, H. WILHELM, H. LUDWIG, 

EVA, VEREHEL. THANRÄDLIN, 

ANASTASIA, SARA, 

JUSTINA CONCORDIA CLAUDIA, VEREHEL. BRANDIS. 




Arkadenhof Greillenstein von ca. 1585. 



1. Hans Jacob und seine Geschwister. 
(Hans Georgs III. hinterlassene Familie.) 




m Verlaufe der Lebensbeschreibung des Hans Georg - Khuef-Die Familie, 
stainer ist schon seiner Kinder gedacht worden, soweit es 
in seine Epoche gehörte und am Schlüsse wurde auch seiner 
Witwe Anna geb. Kirchbergerin ein Abschnitt gewidmet. 1 ) 

Um einen vollständigen Überblick über den damaligen Familien- 
stand zu gewinnen, ist es notwendig, diese Daten kurz zu rekapitu- 
lieren und namentlich zu vervollständigen. 

Wir haben erfahren, daß H. Georg von seiner im Jahre 1558 
geehelichten ersten Frau Radigundt von Neuhaus zu Rüetting 
sechs Kinder hatte, von denen vier jung gestorben sind, Maria im 
ledigen Stand blieb und Georg Ehrenreich im Jahre 1584 zu Kon- 
stantinopel, 24 Jahre alt, verschied. Die zweite, im Jahre 1574 ihm 
angetraute Frau Anna von Kirchberg zu Viehofen beschenkte ihn 
mit 16 Kindern 2 ), wodurch er im ganzen 22 Sprößlinge zu begrüßen in die 
Lage kam. Von diesen überlebten ihn nur vier Söhne und fünf Töchter, 
nämlich Hansjacob, HansLorenz, Hans Wilhelm undHansLudwig, 
sowie Eva, Veronica, Anastasia, Sara und Justina Concordia. 3 ) 



1 ) K. Kuefstein, Studien II, 137, 141, 319, 321, 324. 

2 ) Die Stammtafel zum IL Band druckt irrtümlich 15 anstatt 16. 

3 ) Danach die Notiz in Band II, 137, die nur von zwei Töchtern spricht, zu 
korrigieren. 

Kuefstein. III. 1 



Im Testamente von 1595 werden noch zwei bereits in Maria- 
Laach bestattete Kinder, sowie Hans Erasmus genannt, der aber 
gleichfalls vor dem Vater starb, wie aus dem Testamente von 1603 1 ) 
hervorgeht. In ersterem wird dagegen Justina Concordia neben ihren 
Schwestern nicht genannt, sie muß also erst nach 1595 zur Welt ge- 
kommen sein. Vom zweiten Testamente ist leider der die Töchter 
betreffende Artikel nicht erhalten. Dagegen spricht es ausdrücklich 
von den vier Söhnen, und aus dem geschwisterlichen Vergleiche vom 
10. März 16 15 gewinnen wir authentische Auskunft darüber, daß damals 
noch drei Brüder und vier Schwestern, also sieben Geschwister lebten. 
Hans Wilhelm nämlich war schon sehr bald seinem Vater in die 
Ewigkeit gefolgt, indem er am 20. Oktober 1604 vor Gran den Helden- 
tod fand. 2 ) Auch Veronica war mittlerweile im Schlosse zu Gars 
zwischen 1606 und 1609 gestorben, wie bereits gegenüber der unrichtigen 
Abschrift ihrer verlorenen Grabschrift, nach der sie gestorben wäre, 
bevor noch ihre leibliche Mutter das Licht der Welt erblickt hatte 3 ), 
nachgewiesen wurde. So blieben von den im Testamente von 1595 
genannten Kindern im Jahre 1615 nur mehr drei Söhne, Hans Jacob, 
Hans Lorenz und Hans Ludwig, und drei Töchter, Eva, Anastasia 
und Sara, übrig. Da nun der geschwisterliche Vergleich vom 10. März 
1615 ausdrücklich von vier Schwestern — von denen leider nur die 
Thanrädlin mit Namen genannt wird — spricht, mit denen die drei 
Brüder die Vermögensteilung vorzunehmen hatten, so ist es klar, daß 
die vierte erst nach dem Testamente von 1595 hinzugekommen war 
und dies kann eben nur die Justina Concordia sein, die auch noch 
den Namen Claudia erhielt, wie später dargelegt werden soll. Auch 
stimmt dies mit dem Epitaphium der Mutter Anna aus demselben Jahre, 
welches ausdrücklich sagt, daß sie sieben lebende Kinder hinter sich 
verläßt, vollkommen überein. 

Also: das Testament von 1595 spricht von fünf Söhnen und vier 
Töchtern, außerdem von zwei bereits in Maria-Laach begrabenen Kindern 
— wohl Hans Helmhardt und Maria Anna 4 ), von denen jedoch keine 
Grabschrift vorhanden ist. Dazu kommt noch das in Allentsteig be- 
erdigte Töchterlein Radigundt 5 ) und die eben erwähnte nach 1595 
geborene Justina Concordia. Dies ergibt im ganzen 13 Kinder, welche 
konstatiert werden konnten. Da es aber 16 waren, die Anna nach der 
ausdrücklichen Erwähnung ihres Epitaphiums ihrem Gatten schenkte, 
so bleiben drei, die wahrscheinlich sehr jung gestorben sind, noch 
unbenannt, und diese 16 zu den sechs Kindern der ersten Gattin 
Radigundt hinzugerechnet, ist die Übereinstimmung mit den Angaben 
der Familienchronik über 22 Kinder Hans Georgs von den zwei 
Gattinnen hergestellt. 



1 ) Beide Testamente in Band II, 316 u. 382 ff. abgedruckt 

2 ) Epitaphium in Maria-Laach. 

3 ) Kuefstein, 1. c. II, p. 137 und 323. 

4 ) Kuefsteinsche Familienchronik von 1714 u. Wisgrill, V, 302. 

5 ) Kuefstein, 1. c. II, 137. 



Schwieriger als diese allgemeine Zusammenstellung gestaltet sich 
die genaue Bestimmung der Personaldaten über Geburt, Heirat und 
Ableben der einzelnen Familienmitglieder. Sie werden von den ver- 
schiedenen Quellen dort, wo die Autoren sich nicht einfach aufeinander 
beziehen, oft recht divergierend angegeben. Eine genaue Präzisierung 
ist also sehr wesentlich. In Ermanglung von Geburts- und Taufscheinen 
ist man großenteils auf die leider auch nicht immer verläßlichen Grab- 
schriften angewiesen, die zuweilen schwer lösbare Rätsel aufgeben, 
namentlich z. B. wenn die Schrift auf dem Sarge mit den Angaben 
des Epitaphiums oder des Wappenschildes nicht übereinstimmt, worauf 
später bei der Zusammenstellung der Epitaphien der schönen Grab- 
monumente in der Kirche von Maria Laach, betreffs der einzelnen in 
der dortigen Familiengruft Bestatteten näher eingegangen werden wird. 
Doch hier schon ist es notwendig, die Daten über die Geschwister 
in chronologischer Reihe übersichtlich zusammenzustellen, indem jene 
Notizen zugrunde gelegt werden, welche nach genauem Studium der vor- 
liegenden Anhaltspunkte als authentisch oder der Wahrheit am nächsten 
kommend, anzunehmen sind. 

Leider müssen hiebei einige von Wisgrill ohne jeden Beleg ge- 
gebene Daten 1 ) gerade für diese Periode zum Teil korrigiert werden, 
was speziell hervorgehoben zu werden verdient, weil alle späteren Publi- 
kationen sich begreiflicherweise zumeist auf diese sonst so ausgezeichnete 
Quelle beziehen. Unsere eigenen Dokumente geben eine ganze Reihe 
authentischer Anhaltspunkte, auf Grund deren man mit Hinzunahme 
anderweitiger Notizen und Berechnungen manches Unverständliche aufzu- 
klären imstande ist. 

Die Geburten dieser Kinder erfolgten nach diesen Daten in ziem- 
lich naher Aufeinanderfolge: Helmhardt und Maria Anna 1576, 
Jacob 1577, Lorenz 1578, Radigundt 1579, Eva 1580, Wilhelm 1581, 
Ludwig 1582, Veronica etwa 1588, Erasmus 158g, Anastasia ?, 
Sara 1593, Justina Concordia nach 1595 und dazwischen noch drei 
ungenannte. Alle diese Daten sind ganz wohl möglich. Eine einzige 
Inkongruenz ergäbe sich, wenn man die Geburt Wilhelms am 
11. Dezember 1581 nach der Familienchronik annimmt. Dann kann jene 
Ludwigs keinesfalls schon am 1 1. Juni des nächsten Jahres stattgefunden 
haben. Man müßte, wenn man den nur von Wisgrill ohne Beleg an- 
geführten 11. Juni festhalten wollte, auf das Jahr 1583 übergehen oder 
vorsichtiger auf das Monatsdatum, bis auf weitere Aufklärung, ganz ver- 
zichten. 



•) Wisgrill, V. 302 fr. 



1* 



4 



Die Kinder des 

(geb. 28. 2. 1536 Mitternacht, f 5. 7. 1603 

A. Von der 1. Gattin Radigundt von 

1. Georg Ehrenreich, f 1584 in Constantinopel 24Jährig und zu Galata begraben. 

i. Testam. d. Vaters v. 1595 noch genannt sein müssen. 

2.-6 Maria f ledig. (Fam.-Chr.) und 

B. Von der 2. Gattin Anna von Kirchberg verm. 13. 6. i574 ] )> 



1. Hans Helm- 
hart, 
| ledig vor 1595. 

Fam.-Chr. 
geb. 1576, + 1591. 

W. 

Im Testamente nicht 
genannt. 



Die Söhne. In der Reihenfolge der Auf- 



2. Hans Jacob, 

Lt. Epitaph f 31. 8. 1633. 

Gelebt 56 Jahr, 2 Monat, 5 Tage, 

also geb. um 26. 6. 1577. 

(Univ.-Kirche.) 

(Sargschrift M. L. sagt unrichtig 

f 1629.) 

1. verm. 15. 1. 1601 Clara v. 
Puechaimb, geb. ca. 12. 3. 1579, 

f 5. 10. 1618. (M. L.) 

2. verm. 18. 1. 1626 Maria Vero- 
nicav. Bräuner, geb. Urschen- 
beck, geb. 1582, f 2. 12. 1639. 

(Epit. Univ.-Kirche u. Matr. 
St. Stefan.) 

Gewesene Witwe 

1. desCyriacus Freihr. v.Weber. 

2. des Georg Seyfried Freihr. 

v. Bräuner. 



3. Hans Lorenz, 

geb. 1578, f 2. 5. 1628 im 

50. Jahre. 

(Wappenschild i. M. L.) 

(Wisgrill sagt geb. 1582, 
f 1619. Beides falsch.) 

verm. 1. 3. 1604 Anna von 

Puechaimb, geb. 9.9.1583 

auf Schloß Karlstein, f 6. 12. 

1645. (M. L.) 



Die TÖChter. Gleichfalls in der 



7. Maria (Anna), 
geb. 1576, f vor 1595 (W.). 

Im Testamente nicht ge- 
nannt. 



8. Radigundt 2 ), 

geb. 26. 12. 1579,1 Novb. 

1580 zu Allentsteig. 

(Archivsverz.) 



9. Eva, 
geb. 1580 (W.). Im Testa- 
ment v. 1595 als noch nicht 
vogtbar genannt. 

Verm. um 1600 Baltasar 
Christof Freihr. v. Than- 
rädl auf Ternberg u. 
Reehberg, \ Wr.-Neu- 
stadt, Dezb. 1651. 

(Fam.-Arch., Testam.) 



14.-16. Drei früh verstorbene unbenannte Kinder. Das Epitaphium 



l ) Kuefstein, 1. c. II, 137 u. 147. 

•) Greillensteiner Archivsverz. v. 1615, Nr. 259. 



NB. M. L. = Maria Laach, Epitaphium oder Sargschrift. 
Vz. = Greillensteiner Archivsverzeichnis v. 1615. 
Farn. = Familiengeschichte v. 1714 oder Stammtafel v. 1728. 
W. = Wisgrill. 



Hans Georg III. 

Samstag i Nachm. in Greillenstein.) 

Neuhaus, Heiratsabred 26. 6. 1558. f I573- 1 ) 

(Fam.-Chr.) Also 1560 geboren. Wisgrill sagt unrichtig f 1603. Dann hätte er doch 
Aber dieses spricht nur von Kindern der 2. Gattin. 

4 früh verstorbene unbenannte Kinder. 

geb. zwischen August und October 1559, f 17. 2. 16 15. (M. L.) 



Zählung im Testamente des Vaters v. 1595. 



4. Hans Wilhelm, 
geb. 11. 12. 1581 zwischen 
4 u. 5 Uhr, u. 29. 10. 1604 v. 
Hauptmann Ebenberg im 
Zweikampf erstochen vor Gran. 
(Fam.-Chr.) 

Epitaphium sagt: im kais. 
Lager vor Gran geblieben 20. 
10. 1604, alt 22 Jahr, 10 Mo- 
nate, 4 Tage. 
(M. L. Berechnung stimmt 
nicht.) 5 ) 

Sargschrift sagt: »am 10. 
Oktober 1604 zur Erde be- 
stätiget«, jedenfalls unrichtig. 
(Wisgrill sagt: geb. 1584, 
f 1618. Beides falsch.) 



5. Hans Ludwig, 
f 26. 9. 1656. 

Im Testament v. 20. 1. 1655 sagt 
er selbst im 73. Jahre zu stehen. 
Also geb. ca. 1582. Da er auch 
im Testamente des Vaters v. 1603 
als bereits vogtbar bezeichnet 
wird, also über 21 Jahre nach der 
Bestimmung 3 ) des Vaters, kann 
er kaum nach 1582 oder Anfang 
1583 geboren sein. 

(Wisgrill, e tutti quanti, sagen 
unrichtig geb. 1587. 4 ) 

1. verm. Decemb. 1607. Maria 
Grabnerin von Rosenberg, 
geb. 1589, f 8. 1. 1623 (Grabtafel.) 

2. verm. 27. 11. 1623. Susanna 
Eleonora von Stubenberg, 

geb. 12. 9. 1602, f nach 1657. 



6. Hans Erasmus, 
geb. 1589, f 1601. 

(Fam.-Chr. u. Wis- 
grill.) 
Im Testamente von 
1595 als klein und 
unerzogen, in jenem 
von 1603 nicht mehr 
erwähnt. 



Reihenfolge des Testamentes des Vaters. 



10. Veronica 5 ), 

f iHjährig im Schlosse 

Gars, zwischen 1606 u. 1609 

(M. L.), also geb. zwischen 

1588 u. 1591. 

11. Anastasia, 
f ledig. Im Diarium ihres 
Bruders Hans Ludwig 
i. J. 1620 öfters erwähnt. 



12. Sara, 

f ledig. Im 1. Testamente 
ihres Bruders Hans jacob 
v. 9. 12. 1618 zur Vor- 
münderin seiner Kinder 
ernannt. 

(Nach Wisgrill geb. 1593.) 



13. Justina Concordia 

Claudia. 6 ) 
Im Testamente v. 1595 
nicht erwähnt, also erst 
nachher, u. vor 1603 ge- 
boren, 
Dame der Erzherzogin 
Claudia, verm. 15. 7. 1631 
Veit Benno Freihr. v. 
Brandis f 1660. 



der Anna spricht ausdrücklich von 16 Kindern derselben. (M. L.) 



1 ) Kuefstein. 1. c. II, 137 u. 141. 

2 ) Die Lebensberechnungen haben den neuen Kalender laut Nachrechnung nicht 
berücksichtigt und sind überhaupt nicht zuverlässig. 

3 ) Kuefstein, 1. c. II, 383 u. 387. 

4 ) Fischerberg u. Frideshaimb geben kein Geburtsdatum. Nur Wisgrill den 
11. Juni 1587 ohne jeden Beleg und nach ihm alle anderen. 

5 ) Sargschrift in M. L. sagt f 1555, also vor der Geburt ihrer Mutter! Falsch 
kopiert, vgl. diese Studien, II, 323. 

6 ) Gf. Brandis, Famil.-Buch, p. 115 u. 122. 



Die Witwe Über die Mutter dieser Kinder ist bereits im zweiten Bande alles 

Hans Georgs. g esa gt W orden, was von ihrem Lebensgange zu erfahren war. ') Da 

Kirchtiere; dieser sie aber noch in die Zeitepoche nach dem Ableben des Gatten 
führte, möge eine kurze Rekapitulation gestattet sein, durch welche 
auch ein Fundamentalirrtum, der sich in die meisten genealogischen 
Werke und sogar in unseren alten Stammbaum eingeschlichen hat, 
richtiggestellt wird. Anna, die Witwe Hans Georgs, erhielt gegen 
Verzicht auf ihre Ansprüche aus dem Heiratskontrakt die Herrschaft 
Puechberg am Kamp als Witwensitz. Am 4. Juli 1606 verehelichte sie 
sich zum zweiten Male mit Matthäus Freiherrn von Teufel, dem 
Besitzer der benachbarten Herrschaft Gars, dessen erste Frau ihre 
Cousine Praxedis von Kirchberg gewesen. 

Der oben erwähnte sehr verbreitete Irrtum behauptet nun, daß ihr 
erster Mann Hans Georg von Khuef stein, der tatsächlich am 5. Juli 
1603 starb, noch bis zum Jahre 1630 am Leben geblieben wäre. Die nächste 
Folge dieser Konfusion war, daß sie sich auf die Gattin übertrug, welcher 
nun das Todesjahr des Mannes 1603 imputiert ward, während er als 
zweite oder vielmehr dritte Frau die eben genannte Praxedis ange- 
dichtet erhielt und doch im Gegenteil seine Witwe es war, die sich wieder 
verehelichte. Nicht alle ähnlichen, unsere Familie betreffenden Irrtümer 
können speziell widerlegt werden. Doch dieser hat so hervorragende 
Mißverständnisse bereitet, daß besonders darauf aufmerksam gemacht 
werden mußte. Im allgemeinen wird es genügen, die richtigen Daten 
anzuführen, aus denen sich das Fehlerhafte der entgegenstehenden von 
selbst ergibt. 

Nach zweijähriger Ehe verschied auch Matthäus, und Anna ge- 
wann Gars als zweiten Witwensitz, dessen sie sich jedoch schon im 
Jahre 160g entledigte, indem sie sich ihn durch K. Matthias um 
52.884 fl. für dessen Bruder, den Deutsch-Ordensgroßmeister Erzherzog 
Maximilian, ablösen ließ. 2 ) Auch Puechberg gab sie nach wenigen 
Jahren auf. 

Denn am 20. März 161 2 schloß sie mit ihrem jüngsten Sohne 
Hans Ludwig von Khuefstain einen Vertrag über die Fruchtnießung 
der Herrschaft. 3 ) Sie lebte dann viel in Wien, wo sie auch am 17. Fe- 
bruar 16 15 verschied, umgeben von ihren Kindern und Enkeln, und, 
wie ihr Epitaphium in Maria-Laach sagt: »mit schöner Vernunft und 
betendem Mund«. 



* 



Dieses prächtige Monument in Maria-Laach ist schon im zweiten 
Bande abgebildet worden, und soll auch mit allen anderen Denkmalen 
unserer Familie in dieser Kirche beim Ausgange der jetzt zu behandeln- 
den Generation reproduziert werden. Es gibt als Sterbetag den 17. Fe- 
bruar 1615 an und als Lebensdauer 55 Jahre, 4 Monate, 3 Tage. Dies 



') Kuefstein, 1. c. II, p. 321 ff. 

-) Ldsk. Niederösterreichische Topographie. III, 318. 

3 ) Verzeichnis des Archives Greillenstein v. 1615, Anhang, II, 37. 



führt für ihre Geburt auf den 14. Oktober 1559 zurück. Die Schrift auf 
dem Sarge aber gibt als Sterbetag den 18. Februar an und als Lebens- 
dauer 55 Jahre, 5 Monate, 29 Tage und 3 Stunden. Dies würde auf 
den 19. August 1559 als Geburtsdatum deuten. Man kann wählen. Beide 
Berechnungen stimmen damit überein, daß sie, wie das Epitaphium 
ausdrücklich erwähnt, in ihrem 15. Jahre schon sich verehelichte. Bei 
dem Widerstreite der Angaben und da auch aus anderen Beispielen zu 
entnehmen ist, daß solche Lebensdauerberechnungen nicht immer ganz 
stimmen, dürfte es sicherer sein, sich nicht allzusehr darauf zu verlassen, 
und sich zu begnügen, den Herbst 1559 anzunehmen. 

Wir haben schon bei dem Gatten der Anna, Hans Georg III., 
eine ähnliche Inkongruenz der Berechnung zwischen der Legende des 
Wappenschildes und jener der Familienchronik kennen gelernt. Da aber 
von der Familienchronik die Daten der Geburt und des Ablebens ganz 
präzis angegeben sind und letzteres auch mit der Legende des Grab- 
schildes übereinstimmt, kommt man zu dem überraschenden Resultate, 
daß die Berechnung der Chronik über die Lebensdauer mit ihren eigenen 
Geburts- und Sterbedaten nicht im Einklänge steht, wohl aber mit 
der Lebensberechnung des Grabschildes. 1 ) 



* 

* 



2. Personalstand der Geschwister. Heiraten. 

Bevor auf die politische Betätigung der Brüder in den ständischen 
Angelegenheiten, in denen sie eine nicht unbedeutende Rolle zu spielen 
berufen waren, eingegangen wird, ist es notwendig, die sie betreffenden 
weiteren persönlichen Daten der ersten Periode zu fixieren. Da sie in 
dieser Zeit noch eng miteinander verknüpft waren, kann die Behandlung 
auch nicht ganz getrennt werden. Wir geben also vorerst die Perso- 
nalien und dann die Auseinandersetzung der Geschwister und die übrigen 
Geschäftsangelegenheiten wieder. 

Mit Hans Jacob, dem ältesten Sohne des Hans Georg be- Hans Jacob 
ginnend, erinnern wir uns, daß er schon in jungen Jahren mit seinen Tr ^J^J^ 
Brüdern nach Böhmen, also wohl an die Prager Universität gesendet 
worden war (1590), 1594 — 1597 nach Mähren und Jena, wo aber unter 
dem 9. August 1594 nur seine Brüder inskribiert erscheinen 2 ), dann 
finden wir ihn am 17. August 1599 in Siena (Inskr.-No. 2571), 21. Januar 
1600 und wieder 9. Oktober 1601 in Padua (No. 4676)2), endlich im 
Jahre 1601 wieder in Prag, also sogar noch nach seiner Verehelichung 4 ), 
die am 15. Januar 1601 stattfand. 



v. Puechaimb. 



') Kuefstein, 1. c. II, 317. Auf pag. 135 desselben Bandes, Zeile 17, ist zu lesen 
anstatt Epitaphium etc., richtig: Familienchronik, und anstatt aet. 67 Jahre, 5 Monate, 
11 Tage zu lesen: 4 Monate, 5 Tage. 

2 ) Inskriptionslisten der Universität Jena. 

3 ) Kuefstein, 1. c. II, 31g. 

4 ) A. v. Luschin, Österreicher an Italien. Universitäten in Ldsk. XV, 84, XVI, 241 
u. 242, XVII, 493. In dieser ausgezeichneten Zusammenstellung (Ldsk. XIV— XIX) kon- 



Wie es mit seinen Kriegsdiensten zu halten ist, darüber finden 
sich für die damalige Zeit keine Dokumente. Nur von den Brüdern 
Lorenz und Wilhelm kennen wir Schreiben vom u. März 1602 über 
ihren Eintritt in ein Regiment. ') Jedoch wird von allen genealogischen 
Schriftstellern gesagt, er sei ein Kriegsmann von Jugend auf gewesen 
und habe in mehreren Feldzügen alle Stufen bis zum Range eines 
Obersten durchgemacht, mit welchem bekleidet er im Jahre 1620 zurück- 
getreten sei. 2 ) Letzteres ist richtig, wie wir später sehen werden. 

Sein Schreiben aus Krems 3. Juli 1602 erweist, daß er damals 
Kriegskommissär für das Viertel Obern Manhartsberg war. Er bittet seinen 
»Schwager«, der Verunglimpfung keinen Glauben beizumessen, als wenn 
er bei der Einquartierung der Hofkircherischen Knechte ungleich 
verfahren wäre und die Flecken und Dörfer seines Vaters verschont 
hätte. Ihm und Pacher als Kommissarien war die Aufgabe zugefallen, 
ein Fähndl Knechte nach Neupölla und den umliegenden Flecken zu 
legen. Sie ließen den Richter und einige Bürger kommen, bestimmten 
das Quartier für den Hauptmann samt seinen Leuten und Dienern in 
Neupölla und frugen, welche Dörfer zunächst lägen und wie viele Knechte 
jeder fassen könnte. Nach ihren eigenen Angaben wurde von beiden 
Kommissären und dem Quartiermeister die Liste verfaßt, ohne zu 
fragen, welcher Obrigkeit die Ortschaften angehörten. Übrigens seien 
ihm selbst jene seines Vaters, deren überhaupt nicht viele wären, nicht 
genügend bekannt und die Neupöllinger hätten auch keinen Grund ge- 
habt, einen oder den anderen auszulassen. Er könne sich auf das Jura- 
ment des Pacher und des Quatiermeisters berufen und selbst nur be- 
zeugen, daß er die Verteilung ganz unparteiisch vorgenommen habe. 
Aber niemand wolle Soldaten auf seine Untertanen legen lassen und 
namentlich die Geistlichen möchten immer exempt sein. Übrigens wolle 
er das mühsame Amt gern einem anderen gönnen und bitte seinen 
»Schwager« als seinen großen Patron — wahrscheinlich den Landmarschall 
— diese dienstliche Erinnerung als Rechtfertigung dienen zu lassen. 3 ) 

Damals hatte er bereits die Hofwürde eines Fürschneiders des 
Erzherzogs Matthias inne. Denn schon in der Heiratsabrede vom 28. Sep- 
tember 1 600 wird er ausdrücklich als solcher bezeichnet und die Creden- 
tialien des Kaisers vom 2. Januar 1601 an den Hochzeitsgesandten nennen 
ihn ebenso. 4 } Wie lange er es geblieben, ist nicht bekannt. 

Bald sehen wir ihn als Beisitzer der Landrechte. Nach einer Mit- 
teilung der Regierung an die Kammer vom 23. September 1605 hat er 
die gewohnte Eidespflicht am 24. November 1603 abgelegt, scheint aber 
schon vom 20. November an fungiert zu haben. Die Hofkammer war 



staticrt der Verfasser, daß von allen darin erwähnten N. ö. Familien nur noch 28 sich 
auf die heutige Zeit erhalten haben. Die beigefügten Lebensdaten des Inskribierten sind 
zumeist aus Wisgrill geschöpft, dessen Angaben nicht immer unanfechtbar sind. 

1 ) Kuefstein. 1. c. II, 319. 

•) Wisgrill, V, 303. 

3 ) Orig. Perg. Archiv Greillenstein. Adresse abgerissen. 

*) HofkA. Farn. Act. Ku. 4. — Starzer, N. ö. Statth. p. 437 kannte jedenfalls 
nur das Datum der Credentialien. 



9 



l y * t 




Schloßkapelle von Greillenstein 1604. 



nicht ordnungsgemäß verständigt worden, weshalb ihm die gebräuch- 
liche Besoldung nicht ausgefolgt wurde und er erst darum reklamieren 
mußte. In der oben erwähnten Note der Regierung, welche die Sache 
monierte, wird gesagt, man habe »mit Hn. Hans Jacoben Khuef- 
stainer, Freiherrn verhandelt, damit er sich als ein ordinari Beisitzer 
im Herrenstand bei denen N. O. Landrechten anstatt Hn. Hans Chri- 
stoffen Teufels, Freiherrn, gebrauchen lassen wolle, dessen er sich zu 
thun bewilligte«. 1 ) 

Unter dem Datum Prag 5. Mai 1607 ernannte Kaiser Rudolf den 
»Edlen lieben Getreuen Hanns Jacob Kuefstainer, Freiherrn etc. 
welcher nun über 12 Jahre lang, und ain ziemliche Zeit hero als Bei- 
sitzer bei unseren Landrechten u. d. E. gehorsamlich erzeigt und be- 
wiesen, für die getreulichen, ersprießlichen und nützlichen Dienste zu 
unserem Rathe wie alle andern wirklichen Räthe« etc. 2 ) Die Taxe für 
den Ratsbrief betrug 30 fl. 3 ) Hans Jacob war damals 30 Jahre alt, 
stand also in demselben Alter, in dem auch sein Vater als Vizedomb 
diese Würde erhalten hatte, während sie dem Großvater Hans Lorenz 
als Landuntermarschall mit 45 Jahren zuteil geworden war. 

In dem Dekrete von 1607 wird ausdrücklich bezug genommen 
auf mehr als zwölfjährige Dienste, woraus hervorgeht, daß Hans Jacob 
schon vor dem Jahre 1595 in Verwendung stand, womit auch die 
Militärdienste visiert gewesen sein dürften. 



l ) HfkA. Famil. Act. Ku. 4. 

'■') Orig. Perg. Archiv Greillenstein. 

3 ) StA. Reichstaxbücher, Bd. 1609. 



10 

Der Militärdienst scheint intermittierend geleistet worden zu sein, 
wodurch der Besuch der Universitäten, der oft ohne längeren Aufenthalt 
erfolgte, und anderweitige Dienststellung ermöglicht wurde. 



Hans Jacob heiratete noch zu Lebzeiten seines Vaters die Tochter 
Clara des Adam von Puechaimb Freiherrn zu Raabs und Khrum- 
bach, auf Carlstain und Praunstorff, Erbtruchsessen in Österreich, 
Rom. kais. Maj. Rath und einer ehrsamen Landschaft in Ö. u. d. E. Ver- 
ordneten, des Freundes und Gesinnungsgenossen Hans Georgs, der 
bei dessen Testamenten als Zeuge fungierte, und seiner Frau Anna 
geb. Freiin v. Tannhausen. Die »christliche, willkürliche und wol- 
bedächtliche eheliche Heirathsabredt« ist am 28. September 1600 
»zwischen des edlen und gestrengen Hn. Hans Georgen Khuef- 
stainer zum Greillnstain u. Fainfelt, Spiz, Zaissing und Puech- 
berg, Pfandinhaber der Herrschaft Schaunstain am Camp, Rom. 
kais. Maj. Rath und seiner ehelichen Gemahel, Frauen Anna geb. 
Khirchbergerin zu Seisenburg und Viehofen, beeder ehelichem Sohn 
Hn. Hans Jacoben Khuefstainer, der Fürstl. Durchl. Hn. Mathiasen 
Erzherzogen zu Oesterreich etc. fürschneider, und des Hn. Adam von 
Puechaimb (wie oben) . . . beeder ehelichen Tochter Fräulein Clara« 
zu Greillenstein abgeschlossen worden. 

Die Namen der »erbetenen Herrn Befreundten und Beiständt, sowie 
die Bestimmungen der Abrede sind aus dem beigedruckten Texte zu 
Beil. 1. entnehmen. ') 

Bald darauf, am 15. Januar 1601, fand die Hochzeit im Schlosse 
Greillenstein statt. Wenigstens lauteten die Einladungen auf diesen 
Tag 2 ), welcher auch im Kreditiv des Kaisers Rudolf II. für seinen 
Gesandten angegeben ist. Als solcher war über Ansuchen des Vaters der 
Braut Adam von Puechaimb mit Dekret vom 2. Januar 1601 dieser selbst 
beauftragt, den Kaiser zu repräsentieren und »neben gewöhnlicher Glück- 
wünschung und Vermeldung unserer kaisl. Gnadt« das übliche Trink- 
geschirr für Braut und Bräutigam zu verehren. 11 ) Gleichzeitig wurde die 
Hofkammer beauftragt, dem Gesandten ein »silbern übergültes« Trink- 
geschirr von 70 — 80 fl. Wert zu erkaufen und zu übergeben, wie dies 
damals bei den Hochzeiten der Herrenstandsmitglieder üblich war. 

Aus dieser Ehe entsprossen sieben Kinder, wie Hans Jacob in 
seinem Testamente vom 9. Dezember 161 8 sagt. Seine Gattin Clara 
hatte er kurz vorher, am 5. Oktober desselben Jahres 4 ), zu seinem 
großen Schmerze verloren. 



1 ) Archiv Greillenstein. Dieser Heiratsbrief ist aus drei unvollständigen Exemplaren 
zusammengestellt worden. Vgl. auch Wisgrill, Forts, i. Adler. 1890, p. 200 u. Stamm- 
tafel V, Puechaimb. Krumbach. 

'-) Wisgrill, V. 304. 

3 ) HfkA. Fam.-Act Ku. 4 u. Act Puechaimb. B. P. 320. 

4 ) Epitaphium in Ma.-Laach. 



11 




Spitz. 
Schloßhof. Eingang mit dem Wappen Kuefstein-Puechaimb. 



Hans Lorenz IL folgte bald dem Beispiele des älteren Bruders, Hans 
indem er sich nur drei Jahre später, aber schon nach dem Ableben des L ° re ^ n * L 
Vaters am i. März 1604 mit Anna Maria, der dritten Tochter des oben v# puechaimb. 
erwähnten Adam von Puechaimb und dessen erster Gattin Anna von 
Thannhausen verehelichte. So haben die beiden Brüder die beiden 
Schwestern geheiratet. 

Bei der Hochzeit hätte ebenso wie bei jener des Hans Jacob, der 
gnädigen Absicht des Kaisers gemäß, ein Spezialgesandter dessen Glück- 
wünsche samt einem Trinkgefäße von etwa 80 fl. Wert übergeben sollen. 
Dies muß aus einem unbekannten Grunde unterblieben sein. Denn der 
Brautvater, welcher am 1. Januar 1604 für die am 1. März um 1 Uhr im 
Landhaus zu feiernde Hochzeit die übliche Bitte gestellt hatte, die am 
15. Februar durch ein Schreiben des Kaisers Rudolf an Matthias be- 
willigt wurde, machte unter dem 17. Mai 1604 die Anzeige an die Hof- 
kammer, daß er trotz mehrfacher Ansuchen das Trinkgeschirr nicht er- 
halten habe, worauf der Kriegszahlmeister angewiesen wurde, es ihm 
nachträglich auszufolgen. Im zweiten Schreiben nennt er seine Tochter 
Anna offenbar aus Zerstreutheit Elisabeth, welches der Name ihrer 
Schwester Teufel war. 1 ) 

Der Ehe des Hans Lorenz entsprossen 2 Söhne und 4 Töchter. 
Hans Lorenz samt seiner Familie blieb evangelisch. Er starb in kaiserl. 
Diensten als Oberster und Hofkriegsrat. 2 ) Über ihn und die Seinigen 
soll später das Nähere mitgeteilt werden. 



l ) HofkA. Farn. -Act. Puechaimb B. P. 
-) Wisgrill, V, 302. 



320. 



12 

[Die dritte der Schwestern, Elisabeth, hatte schon am 12. Sep- 
tember 1602 den bekannten Georg- von Teufel geheiratet, obwohl, 
nach einer Notiz unseres alten Archivsverzeichnisses, der Prädikant 
Holtzmann versucht hatte, abzureden, da »fromme Eltern der Evangel. 
Confession ihre Kinder keinem Papisten ohne Verletzung ihres Ge- 
wissens geben können«. Offenbar daraufhin wurden die Brautleute ver- 
anlaßt, sich zu geloben, die Augsburger Konfession zu bekennen. 
Nichtsdestoweniger kehrte Georg einige Jahre darauf zum alten Glauben 
zurück, nahm noch wichtige Stellungen ein und führte bis zu seinem 
Tode die Statthalterschaft von Niederösterreich. 1 )] 



Hans Ludwig Wieder nach einem Zwischenräume von drei Jahren verehelichte 

u. Maria g^jj der Jüngste der Brüder, Hans Ludwig, der die bedeutendste Rolle 

zu Rosenburg, spielen sollte, mit Maria Grabnerin, der Tochter des gleichfalls eifrig 
evangelischen Sebastian Grabner zu Rosenberg und Pottenbrunn, 
Judenau, auf Joslowitz und Schlickeisdorf und dessen erster Gattin 
Johanna von Polhaimb. 

Sebastian Grabner war der Sohn jenes Leopold Grabner, 
von welchem wir schon öfters zu sprechen in der Lage waren, als 
unserem Hans Georg durch gleiche eifrige evangelische Gesinnung 
verbunden. Er war es, welcher den ersten evangelischen Prädikanten 
nach Niederösterreich als Hofprediger in die Rosenburg berief, die seit- 
dem nicht aufhörte, einen Hauptagitationsplatz für die evangelischen 
Stände abzugeben. Er war es auch, welcher mit David Chytraeus 
in die von Kaiser Maximilian II. niedergesetzte Kommission zur 
Ausarbeitung der evangelischen Kirchenagende berufen worden war, 
die auch später in der Rosenburg gedruckt wurde. 2 ) Sein Sohn 
Sebastian, Vater der Braut des Hans Ludwig, hatte die letztere 
schöne Burg prächtig umgebaut zu derselben Zeit, in welcher sein 
künftiger Schwiegersohn seine eigene alte Veste Greillenstein in dem 
damals modernen Stile des cinque cento mit ausgezeichnetem Kunst- 
verständnis neu errichtet hatte. Die Kinder der Schöpfer der beiden 
benachbarten so umgestalteten alten Burgen fanden sich zum Lebens- 
bunde zusammen. 

Leider aber war Sebastian Grabner nicht vom Schicksale be- 
günstigt. Er konnte den alten Familienbesitz nicht halten, sondern fand 
sich veranlaßt, ihn zu verkaufen. Hans von Jörger erwarb ihn am 
24. April 1604 und verkaufte ihn schon am 31. Mai desselben Jahres 
an seinen Vetter Georg Wilhelm von Jörger, welcher ihn am 1. März 
1610 »aus beweglichen Ursachen« an die evangelischen Stände weiter 
gab. Diese behielten die Herrschaft auch nicht lange, sondern ver- 
äußerten sie am 2$. April 161 1 an den Kardinal Franz von Diet- 
richstein. 3 ) 



!) Vgl. Kuefstein, 1. c. II, 267. 
= ) Kuefstein, 1. c. II, 191, 201, 202 u. a. O. 

3 ) LA. Einl. 54. Rosenburg. Ldsk. XXVI, 361. Die kleine Differenz der Daten ist 
wohl auf die Anzeige an die Landschaft zurückzuführen. 




Hans Ludwig von Kliuffstein. 
Aet. 21. A° 1604. 




Grabtafel der Maria von Khuefstain geb. Grabnerin zur Rosenburg. 



13 



&3?-. 



KOSENPERG 







Die Rosenburg. 



Die Hochzeit Khuefstein-Grabner fand jedenfalls auf der Rosen- 
burg statt, dem früheren Sitze des Brautvaters. 

In betreff des Datums dieser Heirat des Hans Lud wig besteht ein 
ganz ähnlicher Irrtum wie über jenes seiner Geburt, welches bereits oben 
auf das Jahr 1582 (anstatt 1587) richtig fixiert wurde. Wisgrill 1 ) und nach 
ihm alle anderen Historiker, die sich mit unserem Hans Ludwig be- 
faßten, setzt die Heirat auf den 28. Oktober 16 10. Woher dieses genaue 
Datum kommt, wird leider nicht angegeben. Hormayr 2 ) sagt, daß die 
evangelischen Stände 16 10 die Rosenburg kauften und der Besitzer von 
Hörn, Reichardt von Puechaimb, dort die Aufsicht führte, Freuden- 
gelage und Ritterspiele gab, besonders als Hans Ludwig von Khuef- 
stein eine Tochter des ehemaligen Besitzers Sebastian Grabner zur 
Frau nahm. Es heißt, daß die Evangelischen zur Erholung zur Rosen- 
burg zogen und wenn sie das Geläute vom nahen Altenburg hörten, 
welches die geängstigten Benediktiner zum Gebete rief, auf dem Söller 
der Burg Pauken wirbeln und Trompeten schmettern ließen und mit 
Hohngelächter aus mächtigen Pokalen den abergläubischen Scheerköpfen 
mit langen Zügen Verderben tranken. 3 ) Dies macht allerdings einen sehr 
dramatischen Eindruck, aber auch jenen posthumer Übertreibung. Keines- 

i) Wisgrill, V, 314. 

-) Hormayr, Taschenbuch, 1831, p. 19g. Wenn man diese Darstellung genauer 
liest, gibt sie das Jahr 1610 nicht positiv für die Hochzeit, sondern nur für den Kauf. 

3 ) Ldsk. XXVI, 59, wird hinzugesetzt: 1610 fand die glänzende Festlichkeit der 
Vermählung Hans Ludwigs des hl. Rom. Reichs Grafen von Kueffstein, Freiherrn etc. 
(wurde 1620 katholisch) statt. Dies ist ein dreifacher Irrtum. Denn 1. war er damals 
noch lange nicht Graf, 2. konvertierte er erst im Jahre 1627 un ^ 3- f an ^ die Hochzeit 
schon im Dezember 1607, also zur Zeit des Besitzes des Georg Wilhelm Freiherrn 
von Jörger statt. 



14 

falls aber kann daraus geschlossen werden, daß dies bei der Hochzeit 
Kuefsteins geschehen und daß diese tatsächlich im Jahre 1610 statt- 
gefunden habe. Im Dezember, als die Hochzeit wirklich stattfand, wird 
es ebensowenig wie Ende Oktober verlockend gewesen sein, das Fest- 
mahl auf dem Altane abzuhalten. 

Es ergibt sich aus den positiven Daten der schönen Grabtafel der 
Maria Grabnerin, deren Abbildung nach dem einzigen erhaltenen Ab- 
drucke ') beigegeben wird, in authentischer Weise ein ganz anderes 
Datum. Sie sagt deutlich, daß Maria >am 8. Januar dieses 1623. 
Jahres früh umb 5 Uhr ihres Alters, 33 Jahre, 6 Monate, 23 Tage sanft 
u. seliglich entschlafen ist, nachdem sie ihrem liebsten Herrn und Ehe- 
gemal Hn. Hans Ludwig von Khueffstain etc. christlich und löblich 
15 Jahr 1 Monat und 6 Tag ehelich beigewohnt«. Die Rückrechnung 
führt auf den 2. Dezember 1607 als wenigstens ungefähr anzunehmendes 
Datum der Hochzeit. Es wäre wohl auch recht unwahrscheinlich, daß 
die arme, stets leidende Frau, deren »Uebelaufsein« ihren Gatten beinahe 
verhindert hätte, die Mission an den Nürnberger Fürstentag aus- 
zuführen, in der Zeit von kaum mehr als zwölf Jahren (Oktober 16 10 
bis 27. Dezember 1622) 15 Kinder zur Welt hätte bringen können. Sie 
kam — wie die Grabschrift sich drastisch ausdrückt — »umb 14 Trachten« 
und auch das 15. Kind, ein Söhnlein, welches sie am 27. Dezember 1622 
zur Welt brachte, starb gleich wieder, wie alle seine Vorgänger, die 
auf der Grabtafel durch einzelne und nicht etwa auf Zwillinge deutende 
Doppel-Zweige versinnbildlicht werden. 

Sie wird dabei als die »Letzte dieses uhralten adeligen Geschlechtes« 
bezeichnet. Mit vollem Rechte. Denn tatsächlich war ihr Bruder Hans 
Leopold ihr schon am 12. März 1619 vorausgegangen. Auf seiner 
gleichfalls schönen Grabtafel 2 ), welche ganz analog jener der Schwester 
disponiert ist, und für diese als Vorbild gedient haben dürfte, wird er 
auch als »Letzter seines alten fürnemben Geschlechtes, welches etliche 
hundert Jahr in Oesterreich rühmlich gewähret« genannt. Nach ihm war 
seine Schwester die letzte des Namens. 3 ) 

Die weiteren Schicksale Hans Ludwig's werden nach dem, seinem 
und seiner Brüder Eingreifen in die politisch-religiöse Entwicklung ge- 
widmeten Abschnitte darzustellen sein. 



Hans Hans Wilhelm, geb. 11. Dezember 1581, der dritte der Brüder, 

1 e m " ist nicht mehr wie diese in der Lage gewesen, sich einer Lebensgefährtin 
zu verbinden, da er schon im Jahre 1604 dahingerafft ward. Er war 
schon im Jahre 1590 und 1593 nach Böhmen, jedenfalls zur Universität 
Prag gesendet worden, dann zwischen 1594 — 1597 nach Mähren, und 
findet sich unter dem 9. August 1594 in Jena inskribiert. 4 ) Die italieni- 

') Orig. Pap. Archiv Greillenstein eingerahmt zwischen Glastafeln. 

2 ) Adler, 1878 ad p. 20. Im Besitze des Hn. Krahl in Wien. 

3 ) Vgl. Die Daten Wisgrills III, 371, die danach kaum mehr haltbar erscheinen. 

4 ) Inskriptionslisten der Universität Jena. 



15 

sehen Universitäten scheint er nicht besucht zu haben. Wenigstens er- 
scheint seine Name dort nicht genannt. Am n. März 1602 schrieb er, 
wie sein Bruder Lorenz, an den Vater, um zu melden, daß er sich 
bei seinem Obersten für den künftigen Feldzug verpflichtet habe. 1 ) 

Bald jedoch fand seine kriegerische Laufbahn ein tragisches Ende, 
indem er vor Gran im Oktober 1604 den Heldentod starb. Seine Brüder 
brachten ihn in die Familiengruft in Maria- La ach und setzten ihm 
auf der Tumba des prächtigen Monumentes des Vaters eine Gedenk- 




Hans Wilhelms Grabschild. 



schrift, deren lateinischer Text zusammen mit der abgekürzten deutschen 
Legende des Wappenschildes später wiedergegeben werden soll. 

Sie besagt, daß er, nachdem er für die Verteidigung der Christen- 
heit und des Vaterlandes mit höchstem Lobe drei Fähnlein männlich 
befehligt, zweimal mit heldenhaftem Mute Legionen von 300 Mann gegen 
den Feind geführt und diesen oft unverzagt angegriffen hatte, endlich 
bei der Verteidigung des von den Türken belagerten Gran im kaiserl. 
christlichen Lager mit den Seinigen befindlich am 20. Oktober 1604 um 
5 Uhr nachmittags das Leben verließ. 



') Kuefstein II, 319 u. Die Luschinschen Inskriptionslisten. Ldsk. XV, 84. 



16 

Die Familienchronik setzt hinzu, daß er vor Gran vom Hauptmann 
Georg Ebenberg- den 29. Oktober 1604 in einem Zweikampf erstochen 
wurde, 22 Jahre, 10 Monate, 4 Tage alt. 1 ) 

Hiezu ist zu bemerken, daß die am 8. September begonnene Be- 
lagerung von Gran schon am 11. Oktober wieder aufgehoben wurde, 
indem Ali Pascha sah, daß er nichts ausrichten konnte und abzog, 
nachdem er 8000 Mann gegen 700 der unserigen verloren hatte. Am 
12. schon streifte er beim Ratzenstädtlein. Drei Tage nachher kam Erz- 
herzog Matthias im Lager vor Gran an. 2 ) Es könnten also nur nach- 
trägliche Gefechte auf dem Rückzuge der Türken sein, bei welchen 
Hans Wilhelm gefallen wäre, falls das Datum vom 20. oder gar 
29. Oktober festgehalten werden soll. 

Anderseits findet die Version der Familienchronik, nach welcher 
Wilhelm in einem Zweikampfe fiel, ihre Bestätigung durch eine Notiz 
in den Protokollen des Hofkriegsrates vom 3. November 1604, welche 
besagt: »Hans Jacob und Hans Ludwig Khueffstainer, Freiherren, 
bitten um Einziehung Hauptmann Ebenspergs wegen Entleibung ihres 
Bruders«. Die Erledigung besagt lakonisch, sie »haben sich diesorts 
beim Regiment anzumelden«. Weiteres ist nicht bekannt. 3 ) 

Da Wilhelms Ableben schon in diese erste Periode fällt, mußte 
das Wenige, aber Ehrenvolle, was über ihn zu sagen war, schon hier 
vor der Vergessenheit bewahrt werden. 



Die Über die Schwestern, von denen sich Eva, die Älteste, schon zu 

Schwestern. Lebzeiten des Vaters mit Baltasar Christof Thanrädl, Freiherrn auf 
Ternberg und Rechberg, dem Bruder des bekannten Andreas, um 
das Jahr 1600 und die Jüngste, Justina Concordia, im Jahre 1631 
mit Veit Benno, Freiherrn, später Grafen von Brandis, vermählte, 
sowie Anastasia und Sara, die ledig blieben, wird später speziell ge- 
sprochen werden. 



3. Auseinandersetzung der Geschwister. 

Wir wissen, daß Hans Georg in seinem Testamente vom 3. Januar 
1603, welches jenes vom 13. Dezember 1595 in einigen Punkten ab- 
änderte, seine damals am Leben befindlichen vier Söhne Hans Jacob, 
Hans Lorenz, Hans Wilhelm und Hans Ludwig »zu rechten natür- 
lichen Leibserben investirt und benannte hatte, welche baldtunlichst 
nach seinem Ableben brüderlich zu gleichen Teilen untereinander ab- 



1 ) Wisgrill sagt, geb. 1584 u. gestb. 1618. Beides falsch. 

2 ) Ortelius redivivus, ungar. Chronik, p. 365, wird von Lichtenberger zu 
seinem wertvollen Aufsatze über die Grabmäler von Maria-Laach zitiert. (Ber. d. Altert. 
V. 1859, p. 112.) Allein da steht kein Wort von H. Wilhelm Kuefstainer, sondern 
nur allgem. Geschichtliches. 

3 ) K. u. k. Kriegsarchiv. Hfkrgs. R. Prot. 1604. Exp. Fol. 629. 



17 

teilen sollten — außer Puechberg, welches seiner Gattin Anna als 
Witwensitz bestimmt war. Doch fügte er ausdrücklich hinzu, sie sollen 
»dahin bedacht sein, daß die Herrschaft Greilnstain, in Güldt 
und Gütern und derselben Zugehörungen ungetheilt beisammen 
gelaßen und bei dem Namen und Stammen der Herren Kueff- 
stainer erhalten werde«. 1 ) 

Hiemit war schon die Absicht einer Fideikommißstiftung als Familien- 
gutsbewahrung zum mindesten deutlich ausgesprochen, wenn sie auch 
noch nicht mit allen später erforderlichen Kautelen umgeben war und 
namentlich die Bestimmung der Majoratserbfolge noch fehlte. Die In- 
tention wurde auch durch die Nachkommen getreulich in Ehren gehalten, 
bis sie in der dritten Generation, gerade ein Jahrhundert später, im 
Jahre 1696, respektive 1699 durch den Urenkel desselben Namens, Hans 
Georg IV., zur formellen Ausführung gebracht ward. 



Den Intentionen des Vaters entsprach es sonach jedenfalls, daß Di ß 
Hans Jacob, der Älteste seiner Söhne, auch ohne ausdrücklich dazu 
bestimmt worden zu sein, die Hauptherrschaft Greillenstein samt Fein- 
feld und Schauenstein mit den sonstigen Akzessorien übernahm und 
damit gleichzeitig sich mit der in den damaligen Zeitläuften nicht leichten 
Aufgabe belastete, seine Geschwister auszuzahlen oder doch wenigstens 
ihre Anteile, soweit sie nicht durch Herrschaften oder anderweit gedeckt 
waren, also speziell jene der Schwestern, sicherzustellen. 

Hans Lorenz überkam Spitz und Schwälnbach, Hans Wilhelm 
Schloß und Dorf Eppenberg, Hans Ludwig aber Zaissing samt 
Laach und einem Amte Schwälnbach. Später übernahm er dafür 
Puechberg. 

Unter dem 21. April 1604 richteten die vier Brüder die betreffenden 
vier Gesuche an die Landtafel 2 ), immer je drei für denjenigen, dem die 
betreffende Herrschaft zugeschrieben werden sollte. Schwälnbach kommt 
sowohl bei Spitz (H. Lorenz) als Zaissing (H. Ludwig) vor, war 
also offenbar in mehrere Ämter geteilt. 

Schon wenige Monate darauf fand Hans Wilhelm den Heldentod 
und seine Besitzung fiel auf seine Brüder, die sich laut ihrer Anzeige 
ddo. Greillenstein, 4. Oktober 1606, dahin verglichen, daß sie dem 
Hans Lorenz übergeben wurde. Dieser verkaufte sie laut Meldung 
ddo. Spitz, 4. Januar 1608, an seinen Vetter Georg Bernhard von 
Neuhaus und Rutting zu Stadikirchen. 3 ) 



: ) Kuefstein, 1. c. II, 315 u. 387. 

2 ) LA. Einl. V. O. M. B. Greillenstein 168, Spitz 87, Schwälnbach 86, 
Eppenberg 31. 

3 ) LA. Einl. V. 0. M. B. 31. Eppenberg. — Vgl. auch diese Studien II, 301, wozu 
zu bemerken ist, daß der Kauf des Hs. Georg, der die Herrschaft dem Paul Pränntl 
ablöste, schon vom 30. November 1590 datiert. 

Kusfstein. III. 2 



18 

General- Um die Erledigung - einiger »Rechtsstreite und Handlungen«, welche 

vollmacht. nac h ^ em Ableben des Vaters »sich in gehaltener brüderlicher Theil- 
und Vergleichung nicht haben separiren laßen, sondern nothwendig von 
uns Erben und Gebrüdern sammentlich in Gemein agirt und ausgeführt 
werden sollen; nun aber es rathsam und Fürtrager erscheint, daß solche 
Sachen an Einen allein zu handeln vertraut und cedirt werden«, erteilten 
die Brüder Hans Lorenz und Hans Ludwig Khuefstainer, Frei- 
herrn, dem Hans Jacob, Freiherrn zu Greillenstein und Herrn zu 
Spiz, auf Fainfeldt, Pfandinhaber der Herrschaft Schaunstain am 
Camp, Rom. kais. Maj. Beisitzer der N. ö. Landrechten, unter dem 
20. Mai 1606 eine Generalvollmacht »als bevollmächtigter Gewalt- 
träger die gegenwärtigen und alle künftigen unsere Generalhandlungen 
auf sich zu nehmen«, einen tauglichen Advokaten zu bestellen und alles 
nach bestem Wissen nach der Gerichtsordnung durchzuführen. ') Als 
solche Gegenstände werden speziell bezeichnet: i°- eine Action gegen 
die Hn. Verordneten wegen 4000 Thaler, dagegen diese wiederum ein 
Anforderung wegen 3158 fl. 7 ß 14 •8- vermeinten Schuldrestes inten- 
tiren. 2°- eine Action c tra Hn. Abten zu Altenburg und Pfarrherrn zu 
Garsch wegen 43 Mändl Waiz so sie auf der Hofbraiten zu Puech- 
perg gewaltthätiger Weis gehebt und weggeführt. 3°- eine Action c' r< 
Joh. Donat Moser von Clamb in Sachen des Gut Erdberg und jetzt 
auf fürgangene Vergleichung die vertragsmäßige Richtigmachung. 4°- eine 
Action so Hans Hof mann von Eidlitz muth willigerweis über auf- 
gerichteten Vertrag intendirt Kraft deren er vermainte ausständige 
Landesanlagen zu erstatten begehrt, anjetzo aber auf sonderen Betrag 
p. cedirung neben dem Concept auch der Original Verträge stark anhält etc. 
Über die sub N°- 1 erwähnten Verrechnungen der Erben Hans 
Georgs mit den Ständen und den der Familie zugefügten Schaden 
von 10.000 fl. ist schon gesprochen worden. 2 ) Die Geschwister ließen 
natürlich die Sache nicht ruhen, sondern kamen wieder auf ihre For- 
derungen zurück. Schließlich erübrigte nichts mehr, als den Rechts- 
weg gegen die Verordneten zu betreten. In deren Amtsrelation vom 
16. November 1618 3 ) wird der »den Ständen bekannten Strittigkeiten 
zwischen Hans Georg Khuefstainers Erben und der Landschaft 
wegen eines conditionirten An- und Gegendarlehens« Erwähnung getan. 
» Ob wol der Schluß dahin gegangen sei, daß es bei der von der Kanzlei 
verfertigten Abraithung zu verbleiben habe, so glaubten die Erben 
sich nicht damit begnügen zu sollen, sondern den Weg Rechtens zu 
betreten. Sie haben auch schon bei dem Landmarschall-Gerichte geklagt. 
Zur Vermeidung weitläufiger Prozeßualien hat der Landmarschall eine 
Commission mit Job Hartm. Enenkl, C. L. Fernberger u. Christof 
Leysser zusammengesetzt, zu der von Amts wegen aus der Verordneten 
Mitt J.B.Weber, Secretär Lehner und Buchhalter Funckh zugezogen 
wurden«. Diese haben ein Operat zur Ratifikation vorgelegt, welches 
jedoch offenbar nicht mehr zur Verhandlung gelangte. Denn die Amts- 

1 ) Copie Papier. Archiv Greillenstein, sub carton III, 23. 

2 ) Kuefstein, 1. c. II, 312. 

3 ) LA. Ldtgsprot. Fol. 174 ff. 



19 

relation pro 1620 wiederholte wortwörtlich dasselbe. 1 ) Nach dem Gut- 
achten der Ausschüsse vom 14. Dezember 1620 hatte sich die Kom- 
mission > solchergestalt verglichen, daß beide Schuldbriefe des An- u. 
Gegenlehens cassirt und die Gebrüder Khuefstainer gegen Aufhebung 
aller Prätensionen noch dazu 1727 fl. auf nächste Weihnachten, als 
A°- 161 8, doch ohne Interessen, bezahlen sollten. Da aber der Landtag 
sich bis dato verzogen hat, ist ihnen keine Mora zu imputiren. Diesem 
nach wird vorgeschlagen, ihnen diese Forderung auf eine Schuldver- 
schreibung gegen gebürliche Interessen inner Jahresfrist zu bezahlen ge- 
laßen werde«, was allem Anscheine nach angenommen wurde und die 
Angelegenheit bereinigte. 2 ) Aber erst vom 23. August 1630 ist ein 
Tödtschein der Verordneten ausgestellt, durch welchen ein Schuldschein 
des Hans Georg vom 24. April 1581 über 7840 fl. samt Interessen 
von Hans Jacob nunmehr eingelöst worden, aber nicht mehr zu finden 
war, daher amortisiert werden mußte. 3 ) Es scheint sich hier noch um 
eine andere Schuldforderung gehandelt zu haben, welche ebenfalls zum 
Teile durch Kompensation gutgemacht wurde. 

Über die in Punkt 2 erwähnte heitere Episode der Puechberger 
Fehde ist auch bereits eingehend gesprochen worden. 4 ) 

Die in den Punkten 3 und 4 aufgezählten Angelegenheiten werden 
in den vorhandenen Prozeßakten nicht berührt. 

Ein weiteres wichtigfes Moment in den Geschäftsbeziehungen der Puechberg 

1 ß1 O 

Geschwister ergab sich durch die Verhandlungen über Puechberg zur 
Übernahme durch Hans Ludwig. Ihre Mutter Anna hatte schon am 
16. Februar 16 12 eine Vereinbarung mit Hans Jacob getroffen 5 ) und am 
20. März 1612 einen Vertrag mit dem jüngsten Sohne Hans Ludwig 
über die Nutznießung der Herrschaft Puechberg abgeschlossen, welche 
bekanntlich ihr zum Witwensitze angewiesen war. 6 ) Über den Inhalt 
dieses Abkommens wissen wir nichts. Wir können nur aus dem Um- 
stand, daß Anna auch den zweiten Witwensitz Gars von ihrem im 
Jahre 1608 verstorbenen zweiten Gatten Matthäus von Teufel dem 
König Matthias gegen Ablösung 160g abgetreten hatte und, wie es 
scheint, mehr in Wien zu leben, oder doch der Administration enthoben 
zu sein wünschte, darauf schließen, daß man die Eigentumsverhältnisse 
in Ordnung bringen wollte. Dies wird bestätigt durch die sehr bald 
darauf, am 8. April 16 12, an die Landtafel gerichteten Gesuche der 
Brüder Hans Jacob und Hans Lorenz: »Demnach auf tödtlichen Ab- 
gang weiland des Hn. Hans Georg Khuefstainer, Freiherrn etc., die 
Vesten Puechberg mit deroselben Ein und Zugehörung auf uns und 
unseren Bruder Hans Ludwig erblichen verfallen, wir unsere darauf 
habende erbliche Gebürnuß jetztgedachtem Bruder H s - Ludwig käuf- 



l ) LA. Ldtgsprot. Fol. 356. 
-) LA. Ldtgsprot. Fol. 371. 

3 ) Archiv Greill. Pap. mit 6 Siegeln. — Vgl. auch Arch.-Verz. Anhang I, 4. 

4 ) Kuefstein, 1. c. II, 274 ff. 

5 ) Archiv Gr eillenstein. Archivsverzeichnis v. 7. Aug. 1776, N°- 7 schreibt irrig 
Hans Georg anstatt jedenfalls Jacob. 

°) Kuefstein, 1. c. II, 321 ff. Archivsverz. Anh. II, 37. 

2* 



20 



Vergleich 
v. 1615. 



liehen übergeben und zustehen haben laßen, also daß er nunmehr das 
ganze Gut Puechberg mit deßen Herrlichkeit, Recht u. Gerechtigkeiten 
auch allen Einkommen inmaßen solches vorbemelter unser lieber Vater 
sei. possedirt etc. an sich gebracht hat, innehabe.« Schließlich wird die 
Bitte um Anschreibung des H s - Ludwig, wie von ihnen, auch von ihm 
selbst mit der Begründung gestellt, daß er zu seinem Drittel jene seiner 
Brüder dazu erkauft habe. Die Anschreibung erfolgte am 14. Juni 1612. 1 ) 

Wenn wir auch über den sonstigen Inhalt der brüderlichen Ab- 
machung vom 8. April 1612, welche zur Übernahme Puechbergs durch 
Hans Ludwig führte, keine direkten Daten besitzen, so gibt uns dar- 
über genügende Kunde jener Vergleich, welchen die Geschwister 
nach dem am 17. Februar erfolgten Ableben der Mutter unter dem 
10. März des Jahres 1615 in Wien abschlössen. 2 ) 

Hans Jacob, welchem Greillenstein, die Hauptherrschaft zu- 
gefallen war, übernimmt die seinen Schwestern angefallenen väterlichen 
Erbteile per je 3000 fl. zur Sicherstellung auf jene Herrschaft. Dazu 
kommt der durch das Ableben der Veronica freigewordene Teilbetrag 
von 500 fl. für jede 3 ), sowie 200 fl. mütterliches Legat. Schließlich werden 
gewisse 3500 fl. des väterlichen Testamentes, deren Natur strittig war, 
dergestalt geteilt, daß jede der vier Schwestern davon 200 fl. erhält, das 
Übrige aber den drei Brüdern zufallen soll. Außerdem ist Hans Ludwig 
für den Kauf Puechbergs jedem der Geschwister 3000 fl. zu entrichten 
schuldig. Daraus geht hervor, daß Puechberg damals auf 21.000 fl. 
veranschlagt war, da es sieben Geschwister waren. 

Wir haben bereits oben hervorgehoben, wie wertvoll uns dieser 
geschwisterliche Vergleich für die Fixierung des damaligen Familien- 
standes ist, obwohl bedauerlicherweise die Namen der Schwestern darin 
nicht erwähnt werden, außer der verstorbenen Veronica und der Eva 
Thanrädlin. So hatte jede der Schwestern ein Erbteil von 6900 fl. 

Dies führt uns zu den letzten geschwisterlichen Geschäfts- 
abmachungen dieser Periode, durch welche die Besitzkomplexe mög- 
lichst in sich geschlossen wurden. Hans Ludwig, welchem die Herr- 
schaft Zäsing (Zaising) mit den beiden Ämtern Laach und Schwäln- 
bach zugefallen war, verkaufte diese an Hans Lorenz, dessen An- 
schreibung darauf beide Brüder mit Eingabe vom 25. Juli 161 7 erbaten. 4 ) 

Hans Lorenz hatte nun einen, wenn auch nicht ganz geschlossenen, 
doch aus naheliegenden Teilen bestehenden Besitz gewonnen, indem 
seine Herrschaft Spitz mit dem früher damit vereint gewesenen Zaising, 
Maria-Laach und Schwälnbach wieder in derselben Hand ver- 
bunden war. 

Zu erwähnen wären noch pro notitia, die Verhandlungen zwischen 

1626 u. 1628.Hans Jacob und Hans Ludwig wegen des Verkaufs von Puechberg 

im Jahre 1626, worüber in der dem Hans Ludwig gewidmeten späteren 



Zaisins 
1617. 



Puechberg 



l ) LA. Einl. O. M. 157. Puechberg. 
'-) Orig. coneept. Archiv Greillenstein. 

3 ) Diese Berechnung ist nicht ganz klar. 3000 fl. in vier Teile zerlegt ergeben 
eigentlich 750 fl. 

4 ) LA. Einl. V. O. M. B. Schwälnbach, 86. 



21 

Abteilung- gesprochen wird, und ein Vergleich zwischen Hans Jacob 
und Hans Lorenz vom 22. Februar 1628, also kurz vor dem Tode des 
letzteren, über dessen Inhalt nichts Näheres bekannt ist. 1 ) 



4. Hans Jacob übernimmt Greillenstein. 

Nachdem Hans Jacob als der Älteste die Hauptherrschaft Greillen- 
stein übernommen und außerdem durch die oben erwähnte Generalvoll- 
macht von 1606 das Recht und die Pflicht erworben hatte, die Vertretung 
seiner Geschwister zu führen, war es eine natürliche Konsequenz, daß 
sich die Geschäfte nicht nur seines Besitzes, sondern der ganzen Familie, 
soweit sie die Gemeinsamkeit betrafen, um ihn herum kristallisierten. 
Fs wird sich nun am besten empfehlen, sie, soweit sie in seiner Hand 
lagen, chronologisch anzuführen, ohne näher auf Einzelheiten einzugehen, 
die kein besonderes Interesse mehr zu erwecken imstande sind. 

Eine der ersten Sorgen zur Aufrechthaltung des Besitzstandes war 
die Erneuerung der Belehnungen. Wir wissen, daß ein Teil des alten 
Kuefsteinschen Besitzes zu Feinfeld von den Puechaimbs in Hörn 
zu Lehen ging und haben auch von den früheren Belehnungen gesprochen. 
Allein seit jener des Hans Georg IL im Jahre 1496 2 ) war nichts mehr 
davon zu hören, ausgenommen etwa der einfache Bezug auf die Lehen- 
barkeit in dem Rückkaufsvertrage über Feinfeld vom 26. Mai 1539. 3 ) 
Die übrigen Dokumente sind wohl verloren gegangen. Doch finden 
sich Notizen über eine im Jahre 1604 erfolgte Belehnung Georgs von 
Puechaimb an Hans Georg Khuefstainer, der jedoch schon im 
Jahre 1603 verstorben war. Es soll also heißen Hans Jacob. Aus dem 
Jahre 1610 stammt ein Revers an Hans von Puechaimb, der richtig 
auf Hans Jacob von Khuefstain lautet 4 ), wahrscheinlich infolge der 
Veränderung in manu dominanti. 

Gleichfalls im Jahre 1604 erfolgte die Belehnung mit dem Zehent 
zu Limberg. Wir haben schon erzählt 5 ), daß Hans Georg im Jahre 
1571 den Gebrüdern Pernstorffer — Benedict, Hans Leopold, 
Caspar und Wolfhardt — ein Drittel Wein- und Getreidezehent zu 
Limberg zu Feld und Dorf abgekauft hatte. Die Belehnung damit er- 
hielt er von Kaiser Maximilian IL unter dem 16. Februar 1572 und 
nachmals von Kaiser Rudolf IL am 8. Dezember 1579 

Der Lehenbrief an Hans Jacob für ihn und seine Brüder Lorenz, 
Wilhelm und Ludwig ist von Kaiser Rudolf IL am 16. August 1604 
erteilt. Am 4. März 16 10 wurde die Belehnung vom Könige Matthias 
nach dessen Übernahme der Landesregierung in derselben Weise er- 
neuert. Der in letzterem Lehenbriefe enthaltene Bezug auf die frühere 



*) Archiv. Greillst. Inventar v. 1776, N°- 9. 

-) Kuefstein, 1. c. I, 250. 

3 ) L. c. II, 18. Urkunde N"- 70. 

4 ) N. ö Topogr. III, 32, auf Grund d. Index script. ant. fam. Puchaim i. LA. 
r> ) Kuefstein, 1. c. II, 300. 



Die Lehen. 



22 

Verleihung von 1604, die angeblich an Hans Georg geschehen wäre, 
beruht auf einem Kanzleiversehen, denn in dem bezogenen Briefe steht 
ganz richtig Hans Jacob, und nicht Georg. 1 ) 

In demselben Jahre 1604, am 8. Dezember, schrieb Hans Jacob 
an »den wolgebornen Herrn Hans Wolfhardten Strein, Herrn von 
und zu Schwarzenau, auf Neuen Ungerschütz, Fräding, Vettau 
und Frähn, seinem insonders günstigen und freundlichen lieben Hn. 
Schwägern und Hn. Vattern« um die Neubelehnung mit i6 1 / 2 Schilling 
Pfennig gelts auf drei Lehen zum T hau res, so von der Herrschaft 
Schwarzenau zu Lehen rühren, für sich und seine Brüder zu erhalten. 2 ) 
Er bezieht sich auf ein vorheriges Antwortschreiben und sendet ihm 
den damit erbeten gewesenen letztausgefertigten Lehenbrief. Die Be- 
titelung »Vatter« dürfte des höheren Alters wegen gebraucht worden 
sein. Schon am 9. Juni 1609 sandete er diese 16 Schilling 15 Pfennig 
dem Strein wieder auf, da er sie >dem Hn. Wolff Georg von Althan 
Freihn. zu der Goldburg und Muerstetten auf Waldtreichs am 
Großen Campp recht und redlichen verkauft und übergeben habe. 3 ) 

Hiemit sind die damaligen Lehenbelange vom Jahre 1604 erschöpft 
gewesen. 

Doch kamen infolge der später zu behandelnden Käufe von Hans 
von Puechaimb noch der Hof zu Mestreichs, mit welchem Hans 
Jacob am 22. April 1613 belehnt wurde 4 ), und das Landgericht zu 
Greillenstein hinzu. Der Lehenbrief über dieses aus den Puechaimb- 
schen Gerichten zusammengesetzte neue Landgericht an Hans Jacob 
ist vom 21. März 1614 datiert und umfaßt die Vesten und Landgerichte, 
die früher zu Wildberg gehört haben sollen, als zu Greillenstein, 
Rörenpach, Fainfeldt, Purckhstall, Dapach, Fürnveldt, Wuzen- 
dorf, Frankenreuth, Waiden, Goplsdorf, St. Marein, Azlsdorf, 
auch an der Tebnitzmühle und am Gries, so beide zu Wegscheidt 
gelegen. 6 ) 

Man weiß, daß Greillenstein selbst samt allen Appertinentien ledig- 
lich frei eigener Besitz war, seitdem es im Jahre 1525 von dem Lehenbande 
befreit worden war. Über die diesfalls neu aufgefundenen interessanten 
Daten wird in einem eigenen Abschnitte gehandelt. 



Kleinere Einige kleinere Erbschaftssachen wurden zwischen den Brüdern 

Erbschafts- bald geregelt. 

Am 24. September 1604 erhielt Hans Jacob aus der Grabner- 
schen Einlage zu Rosenburg Zehnten auf der dortigen Thurnmühle 
und zu Ramsau, die seinem Vater Hans Georg aus der Grabner- 



J ) Diese Original-Lehenbriefe im Archiv Greillenstein. 

2 ) Orig. Pap. Archiv Greillenstein 

3 ) Orig. Pap. Archiv Greillenstein. 

4 ) StatthA. Lehenb. 1611— 1615, Fol. 160. 

5 ) StatthA. 1. c, Fol. 201. 



23 

sehen Exekution gerichtlich zugesprochen worden waren. 1 ) (Diese ver- 
kaufte er schon am 28. März 1606 und 18. April 1607, bestehend aus 1 fl. 
Geld, 10 Metzen Korn und 1 Unterthan oder 1 fl. 5 Shilling 16 Denare 
Gült, dem Ernst Freiherrn von Kollonitsch, der sie 1. Juli 1607 in 
Rosenburg dem Ulrich Khlarcher von Sieghardtreuth überließ.) 2 ) 

Noch am 20. November 1604 ^ e ^ er ^ m Giltbuche abtun einen 
Greillensteiner Untertan, den sein Vater schon im Jahre 1581 dem 
Joachim Khelhamer zu Summarein freiwillig zediert hatte, ohne 
daß dieser ihn auch hätte abschreiben lassen. Laut Beurkundungen 
vom 25. Dezember 1604 und vom 9. April 1605 verkaufte er einige 
Untertanen, welche aus dem Schlickhenstorferschen Grundbuch an 
seinen Vater gekommen waren, dem Georg Caspar von Neuhaus 
und Ruetting, auf Senftenberg und Stadelkirchen. Dieser war, 
wie wir aus dem zweiten Bande wissen, als Sohn des Georg von Neu- 
haus, ältesten Bruders der Radigundt von Neuhaus, ersten Gattin 
unseres Hans Georg III., ihr rechter Neffe, also ein Vetter des Hans 
Jacob. Dann erfolgten Dienstverkäufe an Caspar Sagl, Hofmeister 
des Stiftes Molk zu Ravelspach, am Radlprunnerhof, 9. August 
1607 und an Wolfgang von Althann zur Goldburg und Mur- 
stetten 17. Juni 1608. 3 ) 

Im Jahre 1609 erbot sich Hans Jacob mit Johann von Althan 
und Peter Gregoroczki die von ihren Untertanen eingenommenen 
Gelder in das Hofkammeramt zu erlegen. 4 ) 

Wohl um den nach und nach an ihn herantretenden höheren An- 
forderungen gewachsen zu sein, fand sich Hans Jacob veranlaßt, am 
9. März 161 1 das Dorf Pernschlag samt der Dorfobrigkeit, 2$ Holden 
und Zehenten an Bernhard von Puechaimb um 6000 fl. rhein. und 
50 Dukaten Leitkauf zu veräußern. 5 ) Wir wissen schon von früher, daß der 
Vater Hans Georg diese Besitzung am 23. April 1578 von Adam Mayer 
zu Zettenreut erkauft hatte, und zwar ausdrücklich als frei eigen. 6 ) 
Der Ertrag dürfte wohl zu gemeinsamer Verwendung gedient haben. 

Nach den brüderlichen Abmachungen von 161 2 und den Vergleichen 
mit der Mutter Anna, infolge deren Hans Ludwig Puechberg über- 
nahm, zedierte ihm Hans Jacob am 1. (zugeschrieben 14.) Februar 1613 
aus der Greillensteiner Einlage ein Traidtzehentel zu Tautendorf vor 
dem Walde, welches der Vater durch gerichtliche Exekution aus der 
Grabn er sehen Krida an sich gebracht hatte. 7 ) 



1 ) LA. Einl. Greillenstein 168. O. M. 

2 ) LA. Einl. Rosenburg 54 u. Greillenstein 168. O. M. Geschichtl. Beil. VIII, 
671. Sie gingen später an Muschinger über, dessen Erben Mollart u. a. sie mit der 
Herrschaft Rosenburg wegen Schulden veräußern mußten, bis sie 6. August 1659 an 
Joachim Freiherrn von VVindhag gediehen. 

3 ) LA. Einl. Greillenstein 168 und Summarein 73. O. M. 

4 ) HofkA. Exp. B. N. Ö. 1609, Fol. 715. 

5 ) Geschichtl. Beil. IV, 132 u. Ldsk. 1902, p. 94. 

G ) Also nicht lebenbar, wie obige sagen. Dieser Studien II, 301 u. Urk. 109. Orig. 
Kaufbrief. Ein anderes Exemplar in Lds.-A., Landmarsch. Urk. 454. 

7 ) LA. Einl. 168. O. M. Greillenstein u. 157 Puechberg. — (Geschichtl. Beil. 
VIII, 633, zu modifizieren.) 



24 

Gleicherweise zedierte er an Hans Lorenz nach Spitz am 12., 
respektive 22. Februar 161 3 einen aus der Verlassenschaft des Vaters, 
noch von dessen Vetter Hans Christoph Pöttinger herrührenden, 
bisher nach Greillenstein bezogenen kleinen Wein- und Traidtzehent 
zu Einöd bei Nußdorf, von 2 fl. jährlich. Der am 26. Februar 161 3 
an Hans Ludwig Kirchperger aufgesandete Wein- und Traidtzehent, 
am Plahn gelegen, dürfte mit dem früher genannten identisch sein. 1 ) Ein 
anderes ganz ähnliches Zehentel hatte Hans Jacob schon im Jahre 1604 
an denselben Kirchberger verkauft und dessen Abschreibung am 
10. September 1604 verlangt. Am 22. April 1613 war er genötigt, darauf 
zurückzukommen, gleichzeitig mit der Forderung an die Gerhaben der 
Kirchberger sehen Erben um Ersatz der von 1604 — 16 12 gezahlten 
Landesumlagen, die noch von Greillenstein aus bestritten worden 
waren, samt Interessen per 46 fl. 6 ß 28 xh Die Geklagten wiesen ihn 
unter dem 10. Juni 1613 an die Frau Rueberin, der mittlerweile das 
Gut Nußdorf verkauft und eingeantwortet worden war, wodurch er 
sich natürlich nicht abschrecken ließ, sein Recht bei den Kirchberger- 
schen, die den Genuß gehabt, zu suchen; von seiner diesfälligen Ein- 
gabe vom 11. Januar 16 14 an liegt nichts mehr hier vor. 2 ) Aber aus 
den im Landesarchive vorhandenen Akten geht hervor, daß am 14. Mai 
1618 ein Vergleich über dies von der Witwe des Hans Ludwig 
Kirchberger herrührende Zehentel mit deren zweitem Gatten Hans 
Rueber und dessen zweiter Frau, geb. Schallenberg, zustande kam. 
Auch bezüglich des von Hans Lorenz im Jahre 1613 dem Kirch- 
berger verkauften Zehenteis mußte noch am 1. Dezember 1622 neuer- 
dings um die Umschreibung eingeschritten werden, weil diese durch Nach- 
lässigkeit der genannten Ehepaare versäumt worden war. a ) 

Verkäufe. Andere Verkäufe über Zehnten, Gülten und sonstige Dienste 

schließen sich an. Am 20. April 16 12 an Wolfgang von Althan, unter 
dem gleichen Datum an Bernhard von Puechaimb — am 12. Fe- 
bruar 1613 an Paris von Sonderndorf, Freiherrn zu Kirchberg 
am Walde und auf Allentsteig, auf Grund seiner Erklärung ddo. 
Allentsteig, 1. Januar 1613, — 7. Mai 1615 an Haimeran von Vel- 
derndorf ein von Hans von Puechaimb erkauftes Traidt zuTroben- 
reuth, - am i.Juni 1615 Stücke an Hans von Puechaimb zu Hörn 
und Wildberg etc. 4 ) 
Er- Dagegen erfolgten Erwerbungen durch Kauf oder im Tausch- 

werbuiigen. wege, wie am 24. März 16 12 und 12. Februar 1613 Untertanen auf 
zwei Mühlen zu Wegscheidt, dann Wildberg und Mestreichs von 
Hans von Puechaimb und Paris von Sonderndorf. 5 ) Dann von 
demselben Hans von Puechaimb auf Wildberg laut eines umfang- 
reichen Kaufkontraktes ddo. Wildberg, 1. November 1612 6 ), welcher 



') LA. Greillenstein, 1. c. u. 87. Spitz. 

2 ) Archiv Greillenstein. III, 23. Dom. 14. 

3 ) LA. Einl. 65 u. 66. V. O. W. W. Nußdorf a. d. Traisen. 

4 ) LA. Einl. Greillenstein. O. M. 168. 

5 ) LA. 1. c. 

6 ) Archiv Greillenstein. Orig. Pergam. Beschädigt. Siegel abgerissen. 



25 

Interesse für die ganze Gegend bietet, Untertanen zu Hötzelsdorf, 
Grunddienste und Zehenten am Sommerperg und Rauchmais samt 
Gehölz, Wildbahn, Fisch wasser, Dorfobrigkeit, Pantaiding und aller 
Herrlichkeit, z\ Untertanen zu Cainraith, 12 zu. Walckenstein samt 
Hofwiese, Gehölz und aller Zugehörung, je 2 zu Simonsherberg und 
Meiselsdorf, 3 zu Hainrichsdorf, 14 zu Kunring, 2 zu Rein- 
prechtspölla, 1 zu St. Bernhardt, dann 2 Mühlen und 1 Badstube, 
Überlandgründe zu Eggenburg, Wainzendorf und Großnondorf mit 
Drittelzehent, Wildbahn und Reißgejaid, dann das Pfarr- und Kirchen- 
lehen und Vogtei zu Kunring mit allen Ein- und Zugehörungen, ebenso 
zu Summarein und Atzelsdorf, das Landgericht daselbst mit 
allen Zugehörungen, Freiheiten und Gerechtigkeiten etc. Es wird 
ausdrücklich hinzugefügt, daß alle diese Stücke freieigen sind, »wie 
solche er, seine Eltern und vorigen Besitzer bis anhero genutzt, genoßen 
und auf dato innegehabt haben«. Nur das Landgericht wird als landes- 
fürstliches Lehen bezeichnet. 1 ) 

Wie und wann das erwähnte Kirchenlehen zu Khunring auf die Khuenring. 
Puechhaimb übergegangen war, bildete natürlich keinen Gegenstand 
des Kaufbriefes und da keinerlei Notizen darüber vorliegen, ist es auch 
nicht erlaubt, Vermutungen anzustellen, die sich vielleicht als unbe- 
rechtigt herausstellen könnten. 

Dieser Vertrag ist jedenfalls derselbe, welcher unter dem 31. De- 
zember 161 2 dem Landhaus zur Anschreibung angezeigt wurde. 2 ) 

Interessant ist eine offenbar von einem Puechaimbschen Beamten 
an den Landschaftsbuchhalter Hans Funckh noch vor dem formellen 
Abschlüsse des Vertrages am 6. Oktober 161 2 gerichtete Anfrage um 
Auskünfte über die von seinem gnädigen Herrn an Hn. Hans Jacob 
Khuefstainer verkauften Stücke, wie viele Untertanen zu Kunring 
und Reinprechtspölla samt dem Kirchenlehen, Pfarrhof, Zehenten 
und allem dortigen Puechaimbschen Einkommen? Vogtei und Kirchen- 
lehen wurde samt anderen zehn Holden und Diensten auf den Wert 
von 1 fl. 1 ß 7V2 &> a l so wenig bedeutend angegeben. 3 ) 

Hans Jacob suchte auch sehr bald sich dieses Besitzes in mehreren 
Teilen zu entledigen. Schon unter dem 1. November 1614 zeigte er an, 
daß er Kirchenlehen und Vogtei samt dem zum Pfarrhofe gehörigen 
großen und kleinen Zehent, dann außerdem 16 Untertanen zu Rein- 
prechtspölla und andere Stücke, wie er diese von Hans von Pue- 
chaimb käuflich erworben, dem Hans von Rätzendorf und Wolf 
Perger, Sekretär bei den N. ö. Landrechten, als den der Jungfrau 
Susanna Hoffmeisterin vom Gerichte verordneten Gerhaben verkauft 
habe. Und am 1. Juni 1615 meldete er den Verkauf von 55 von Hans 
von Puechaimb erkauften Untertanen und anderen Teilen an Melchior 
von Kain. 4 ) 



1 ) Danach d. Angaben in Geschichtl. Beil. V, 293, a. d. Pfarrarchive u. Topogr. 
572 u. VI, 808, zu vervollständigen. 

=) LA. Einl. Greillenstein. O. M. B. 168. 

3 ) LA. Einl. 168 zit. 

4 ) LA. 1. c. 



26 

Die erstgenannten Käufer blieben aber mit der Zahlung säumig, 
so daß Hans Jacob am 26. Februar 1615 ein mit dem Kaufvertrage 
belegtes Klagbegehren stellen mußte, in welchem er darlegte, daß er 
sein Gütl Khunring ihnen um 5500 fl. verkauft und sie bereits in 
Possess gesetzt habe, sie hätten zwar den ersten Termin mit 3000 fl. 
bar erlegt, allein die übrigen 2500 fi. trotz ihrer »vermög des rothen 
Waxels« (also besonders streng) übernommenen Verpflichtung noch nicht. 
Am 28. Februar schon erging an sie die Zahlungsaufforderung des 
Landmarschallischen Gerichtes unter Androhung der Exekution, welcher 
bis zum 30. März noch verschiedene Anrufungen folgten. J ) 

Am 18. September 1615 bat sodann Wolf Perger, nachdem der 
Ratzendorffer mit Tode abgegangen und seine Pflegetochter, welche 
nunmehr ihre vogtbaren Jahre erreicht, sich mit Herrn Wolf Pollani 
zu Wisendt verehelicht hat, sie auf diese ihr gehörigen Güter anzu- 
schreiben, zu denen 160 Untertanen gehörten. Die Ab- und Zuschreibung 
erfolgte an demselben Datum. 2 ) Hierauf bezieht sich wohl ein bei den 
Akten liegendes undatiertes Verzeichnis »über diejenigen Stück, Gilt 
und Güter, so Hr. Hans Jacob Khuefstainer etc. dem Polanj mit 
Khunring u. Reinprechtspölla verkauft hat« und deren taxierte 
Gült für das Jahr 16 15 inklusive Aufbotgeld, Religionsbewilligung etc. 
auf rund 55 fl. angeschlagen erscheint 3 ), von denen ein großer Teil als 
Steuern an das Land abgeliefert werden mußte. Da zudem der Pfarr- 
besitz nur den geringeren Teil der verkauften Objekte bildete, so hatte 
er damals und wahrscheinlich schon Jahrhunderte lang nicht mehr jene 
Bedeutung, welche dem Wittum im Jahre 1629 nachträglich beigemessen 
wurde, wie z. B. 400 Joch Wald, dann Weingärten etc. 

Nach den Klosterratsakten hätte »Wolf von Polani schon viele 
Jahre vor der Rebellion das schlechte Pfarrl Kuhnering sammt ihrer 
schlechten Zugehörung innegehabt«. 4 ) Er soll im Pfarrhofe gewohnt 
haben, bis der Kaiser es selbst konfiszierte und dem Prälaten von 
Klosterneuburg überließ. 5 ) 

Dieser Darstellung ist wegen des Interesses, welches einige Forscher 
der Sache widmeten, etwas mehr Ausführlichkeit geschenkt worden als 
sie an sich verdienen würde, und dürfte zur Aufklärung einiger dunkler 
Punkte wenigstens halbwegs dienen. 
St. Bernhardt. Unter dem 13. Juli 1613 wurde zu Greillenstein ein ebenfalls 

sehr schön ausgefertigter Vertrag mit dem P. Thomas Andreae soc. 
Jesu, Subprior des Klosters St. Bernhardt im Beuggreich als Ver- 
treters des V. Rektors P. Joannis Mollensis und des ganzen Collegii 
S. J. von Wien abgeschlossen. Letztere traten ein ihrer Pfarrkirche zu 
Neukirchen mit 12 Schilling 3 Pfennig jährlich zu Michaeli dienst- 
bares ödes Lehen, zu Rörnpach gelegen, ab, welches damals die der 



M Archiv Greillenstein. III, 23, Dom. 16. 

2 ) LA. 1. c. 168. 

3 ) Archiv Greillenstein. III, 23, Dom. 16. 

<) Wiedemann, III, 171. — Über die Polani vgl. Wisgrill, Adler 1876, p. 105 
u. Kunsttopographie, V, 92. 

5 ) N. ö. Topogr. V, 572 u. VI, 80S. — Geschichtl. Beil. V, 293. 



27 

Herrschaft Schauenstein zugehörigen Untertanen Jacob Khopper 
und Hans Wissauer innehatten. Dagegen überließ ihnen Hans Jacob 
seinen eigentümlichen Untertan zu St. Bernhardt, der ihm mit aller 
Gerechtigkeit zugehörte, auf ewige Zeiten 1 ) und am 7. Mai 161 5 durch 
einen anderen Tauschvertrag wieder einen Untertan und andere Stücke. 2 ) 
Am 30. Oktober 161 5 kaufte Hans Jacob von Ferdinand Pern- Limberg. 
storffer vom Poppen zu Carnaprunn und Weinsteg, kais. Truchseß, 
acht Viertel Weingärten im Gebirge zu Limberg, in der Rüsten ge- 
nannt, für welche er ihn und Joachim Stockhorner als Gerhaben der 
Sebastian Pernerstorfferschen Kinder zu Richtigmachung der Rück- 
stände im Juni gerichtlich verhalten mußte. 3 ) 

Endlich erwarb Hans Jacob noch 161 7 und 1623 den Markt Grafenschlag. 
Grafenschlag, den früher Kaiser Rudolf IL seinem bekannten Günst- 
ling Wolf Rumpf, Freiherrn von Wielross geschenkt hatte, von 
seinem Bruder Hans Ludwig, der ihn von diesem erworben hatte. Er 
veräußerte ihn wieder an Max von Polhaimb, von dem er 1669 an 
Ferdinand Ernst Graf Herberstein überging, der ihn mit Otten- 
schlag vereinigte. 4 ) 

Im Übrigen liegt noch ein gedrucktes Patent vor, über das von den Zapfenmaß. 
Verordneten dem Hans Jacob verpachtete Zapfenmaß von Georgi 
161 3 — 161 8 um 60 fi. jährlich, mit schönem in Papier gedrucktem Wappen. 
Der Bestandbrief, welcher die Orte anführt, fehlt jedoch leider. 

* * 

* 

In die erste Periode der Administration der Herrschaft Greillen- Altenburg, 
stein fällt auch die glückliche Bereinigung der vielen peinlichen Dis- 
sensionen mit dem benachbarten Stifte Altenburg. Da über diese mit 
der Religionsbewegung in Zusammenhang stehenden Angelegenheiten 
bereits im vorigen Bande eingehend berichtet wurde, bedarf es hier nur 
der einfachen Erinnerung, daß der durch K. Matthias veranlaßte Ver- 
gleich zwischen dem Abte Thomas und Hans Jacob in feierlicher 
Weise unter Mitwirkung der Brüder Lorenz und Ludwig von Kuef- 
stein am 12. Dezember 1611 zustande kam und vom König am 24. Mai 
161 2 ratifiziert ward 5 ), wodurch die gegenseitigen Beziehungen wieder 
in das freudigst zu begrüßende, gut nachbarliche Verhältnis geleitet 
wurden. 

Der Religionsunterschied aber blieb noch bestehen. Wir werden Maria-Laach. 
bei der Besprechung des Lebensganges seines Bruders Hans Lorenz 
sehen, wie Hans Jacob als Ältester der Familie das Lehenrecht über 
die Pfarre zu Maria-Laach ausübte, welche zu des Hans Lorenz 
Herrschaft Spitz und Zaising gehörte. 



') StA. Orig. Pergam. — Copie: Archiv Greillenstein. 

-) LA. 168 1. c. 

3 ) Arch. Greillenstein. III, 24. 

4 ) N. ö. Topogr. III, 639. Geschichtl. Beil. VI, 618. 

5 ) Kuefstein, 1. c. II. 277. 



28 

Greillenstein. Nach der Schlußbestimmung- über das Kirchen- und Schulwesen 

im Testamente des Hans Jacob vom Jahre 1618 muß sich damals 
noch ein evangelischer Pfarrer samt Schule in Greillenstein befunden 
haben. 



Rechts- 
streitig- 
keiten. 



M. Fuhrmann 
in Retz. 



An Dissensionen über Rechtsverhältnisse fehlte es in damaliger 
Zeit weniger noch als heute und Hans Jacob, der von seinem Vater 
einige Energie und Festigkeit geerbt hatte, war nicht der Mann, sich 
seine Rechte schmälern zu lassen. Fast bei jedem Kaufe oder Verkaufe 
von Zehenten, Gülten, Gerechtigkeiten etc. pflegten sich Unklarheiten zu 
zeigen, die zuweilen langwierige Prozesse um oft unbedeutende Giebig- 
keiten zur Folge hatten. 

Von den Rechtsstreitigkeiten des Hans Jacob mögen viele, viel- 
leicht die meisten, nicht mehr bekannt sein. Aber diejenigen, über welche 
die Akten, wenigstens zum Teile erhalten sind, bringen einige recht 
wertvolle Nachrichten über Angelegenheiten, von denen keine anderen 
Notizen vorliegen. 1 ) 

Ein Memorial des Matthias Schudler, der auch bei dem Ror- 
b acher Prozesse als Zeuge vorkommt, und Hans Jacobs Rechtsvertreter 
gewesen zu sein scheint, zählt die damaligen Rechtssachen auf. 
Geschlossen waren um 1615 der Pitnersche Prozeß, dann Rogen- 
dorf c tra Khuefstainer wegen einer Bürgverschreibung, Hauszins- 
sache c tra Rueber, seit zwei Jahren angestanden, c tra Weltzer, Zehent- 
sache c (ra Polhaimb und c tra die Frau Anna von Puechaimb. Gegen 
den Rotzer Stadtrichter war die Sache noch anhängig, wie wir gleich 
sehen werden, und gegen die Verordneten war die Revision am 17. Okto- 
ber (Jahr nicht angegeben) »durch einen guten Freund auf Linz dem 
Obristen von Khollonitsch zugeschickt, der sie dem Reichsvicekanzler 
übergeben, allda noch zu sollicitiren ist«. 

Die erste Aktion, über welche Akten erhalten sind, ging gegen 
den Stadtrichter Martin Fuhrmann zu Retz, dem Hans Jacob 
sub dato Greillenstein, Pauli Bekehrung, 1610, sein ihm bei der 
brüderlichen Teilung als frei eigentümlich zugefallenes Viertel Wein- 
garten in Obern Sätzen, welches zu der Herrschaft Greillenstain 
dienstbar war, um 90 fl. Rhein, verkauft hatte. Nachdem dieser Dienst 
drei Jahre lang unterlassen wurde, wandte sich Hans Jacob am 8. Novem- 
ber 16 13 an den Rat der Stadt Retz, um den Käufer zur Zahlung zu 
verhalten. Dagegen aber erhob sich der Statthalter Paul Sixt Graf 
Trautson, da der erwähnte Garten zu seiner Herrschaft Kaya dienstbar 
sei und der Vater Hans Jacobs durch seinen Weinzierl vor 30 Jahren 
den Dienst an den Bergrichter geleistet habe. Hans Jacob bestritt das 
Recht Trautsons und Kaiser Matthias schrieb mehrfach »an die zu 
Retz«, sie sollen den Khuefstainer zufriedenstellen. Die Streitigkeit 
zog sich bis in das Jahr 161 7 hin. Es dürfte ein Ausgleich sie bereinigt 
haben, denn ein (undatiertes) Schreiben Hans Jacobs an Trautson 
stellt sie unter Darlegung seines Rechtes dessen hochvernünftiger Dezision 
zur Erwägung. 



') Archiv Greillenstein. Cartons III, 23 u. 24. Dom. Fase. I, 13—23. 



29 

Ein anderer Prozeß betraf die Edle Regina, Witwe des Abra- Regina 
hamb von Rohrbach und Snarbach zu Ebenzweier, geb. Schmidt- v. Rohrbach. 
auerin, welcher die Gattin Hans Jacobs, Clara, geb. Puech- 
aimb, laut Schuldschein vom 13. März 161 2 bare 2000 fl. Rhein, zu 
15 Patzen oder 60 Kreuzer auf zwei Jahre zu 5% unter Verpfändung 
ihres ganzen Besitzes geliehen hatte. Auf die Bitte um Exekution vom 
14. März 16 14 erhielt Clara am 23. April 1614 vom Landmarschall 
Georg Bernhard von Ursenpeck ein schönes Ansatzdekret und einen 
Weisbotenbefehl vom 5. Mai 1614, auf Grund deren sie die Exekution 
auf den Hunds thurm führen wollte. Sie mußte sich aber an das Dom- 
kapitel zu St. Stephan wenden, dem dieses Gut dienstbar war. Mittler- 
weile hatte die Rorbach, wie aus der Clara Klagen vom 22. und 
28. April hervorgeht, eine Generalkommission für alle ihre Kreditoren 
beantragt und den Hundsthurm alieniert. Clara wurde nun auf die bei 
der Porschin liegenden 5000 fl. verwiesen, deren Inhibierung sie am 
3. Mai erbat. Ob sie etwas bekommen hat, ist nicht zu finden. 

Am 26. Oktober 1606 verlangte Johann Bittner am Thurnhof Thurnhof in 
in Hörn von Hans Jacob die Leistung der angeblich von der Hof- Horn - 
breiten zu Greillenstein zu fordernden zwei Zehentteile, welche For- 
derung am 12. September 1609 von der mittlerweile zur Witwe ge- 
wordenen Polixena Pittnerin, geb. Crafftin, deren Leibgeding auf 
dem Thurnhof lag, wiederholt ward. Hans Jacob bestritt die, wie es 
scheint, schon längst strittige Forderung durch bis 1537 zurückreichende 
Zehentaus weise, nach denen nicht die verlangten 12, sondern, wenn über- 
haupt, nie mehr als 5 fl. gereicht worden waren. Am 11. März 1610 stellte 
sie eine Generalvollmacht ihrem Manne, dem Dr. med. Johann Pittner, 
aus, den Hans Jacob in seinen Eingaben vom ig. April 1610 und 
18. Januar ,1611 einen »friedhässigen« nennt. Erst im Jahre 1616 kam 
ein gütlicher Ausgleich zustande, den Hans Jacob am 5. Februar dem 
Landmarschalle anzeigte, dessen Inhalt aber nicht bekannt ist. Caspar 
Kraft von Maires, wohl der Vater der Polixena, baute im Jahre 1582 
den alten Thurnhof in Hörn für das Stift St. Nicolas bei Passau 
neu auf. 1 ) 

Ein besonders feindseliger Nachbar war Peter Gregoroczky zu Gregoroczky 
Krumau, über den sich Hans Jacob auch in dem von ihm verfaßten zu Krnman. 
Archivverzeichnis beklagte, es wäre notwendig, ihm eine landesfürstliche 
Kommission zur Inspektion des dortigen Landgerichtes zu senden. 2 ) 
Dieser warf dem Hans Jacob (1. Februar 1613) mehrere »Gewalten« 
vor. Er habe ein Hochgericht im Fuggier (angeblich zwischen 
Röhrenbach und Greillenstein!) errichtet und nachdem es als im 
Krumau er Landgericht gelegen, abgetragen worden war, wieder neu 
hergestellt, dann habe er im Forst sich den Vogelturm gewaltsam an- 
gemaßt, den Tebernitzbach pänig (?) gemacht und seinen Untertanen 
zu Loibernreuth in Bestand gegeben. Hans Jacob antwortete am 
9. Februar, der Kläger berühme und unterstehe sich oft etwas, dessen er 
weder Fug noch Recht habe und sei niemals in ruhiger Possess gewesen. 
Dieser replizirte, der Vater Hans Georg habe alle Malefizer von 
Greillenstein nach Krumau zum Gericht abgegeben, namentlich z. B. 
den Holzbauer, der drei Morde begangen und justifiziert wurde, eine 
Dirn, die ihr Kind den Hunden vorgeworfen hatte, den Halter Caspar 



') P. Friedr. Endl, Studien III, 100. — N. ö. Topogr. IV, 422 u. VI, 356. 
-) Greillenstein, Archivsverz. v. 1615. No. 122. 



30 

Frölich zu Röhrenbach, vor etwa 45 Jahren den »Bettler Tibolt, der 
sich zunächst am Greillensteiner Thor an der Linden mit dem Strange 
das Leben abgekürzt, worauf ihn das Kr um auer Landgericht über eine 
Steinwand neben dem Pölzbach hinabwerfen und wegnehmen laßen«. 
Erst am 18. Februar 1615 ordnete der Landmarschall Ursenpeckh die 
Zeugenvernehmung für den 2$. März an. In betreff des Vogelthurms 
scheint sie für den Kläger günstig ausgefallen zu sein. Aber aus den 
Weisartikeln Hans Jacobs geht hervor, daß er sich mit aller Energie 
gegen die zu seinem Arger aufgestellte Behauptung, daß Greillenstein 
vordem ein schlechter dienstbarer Hof, Greyllenhof genannt, gewesen, 
mit Gegenbeweisen wehrte. Ebenso gegen die Behauptung, daß der 
Fuggier, dessen Lage dem Gegner nicht einmal bekannt sei, in das 
Krumauer Landgericht gehöre, während diese ganze Gegend nach 
Hörn dem Puechaimbschen Gerichte zustehe. Am 21. März antwortet 
er weiter, daß er auf die Fragen wegen des Vogelthurms und des Teber- 
nitzbaches antworten werde, die anderen aber seien schon verschlafen, 
weil der Gegner solange stillgeschwiegen. Er bat also am ig. Mai 1615 
um Abweisung. Nun zogen sich die prozessualischen formalen Schriften- 
wechsel hin, bis am 16. Januar 161 7 Gregoroczky eine neue Klage 
vorbrachte, weil Hans Jacob im Dezember v. J. unrechtmäßig im Forste 
gejagt habe. Dieser konnte sich auf sein Recht als Herr von Schauen- 
stein berufen, und sandte einen von Gregoroczky provozierten land- 
marschallischen Befehl, der ihm durch zwei Bauern überbracht wurde, 
zurück mit dem Bemerken, daß er nur solche Befehle anzunehmen 
brauche, welche durch geschworene Amtsboten exequiert werden. Seit- 
dem ist von der Sache nichts mehr zu hören. ') Sie ist wahrscheinlich 
im Vergleichswege beigelegt worden. 

Henckhl Eine ganz ähnliche Jagdkontestation spielte etwas später mit 

Donnersmarck dem »Lazaro Henckhl dem Eiteren von Donnersmarck, welchem 
zu Gföhl. K a i ser R u dolff IL die Herrschaft Gföhl sammt allen Gerechtigkeiten 
und dem alten jetzo zum Theil wieder erhebten Bilrgstall der Geyaidt- 
hof genannt«, um 220.000 fl. gegen Rückkauf, also als Pfandherrschaft, 
am 12. April 1608 verkauft hatte, mit einigen speziellen Bedingungen, 
z. B. das Holz nicht zu überschlagen und es zu »Schaufeln, Scheibtruhen, 
Rädern etc. für die Artolerie« billig herzugeben. Hans Jacob berief 
sich auf das ihm als Herrn von Schauenstein laut Grundbuch von 
149g zustehende Recht: »von erst mag ain Herr auf dem Gföller 
Wald jagen, mag auch das Holz an dem Wald zur Nothdurft des 
Schloß nehmen«, und wandte sich am 16. Dezember 1624 an die Hof- 
kammer um Schutz der ihm mit Schauenstein verkauften alten 
Gerechtigkeit gegen die derselben entgegengestellten Verhinderungen 
Henckhls. Am 8. März 1625 antwortete diese Stelle, daß der Verkäufer 
den Käufer nicht zu schirmen brauche. Jeder habe selbst sein Recht 
zu wahren. Am 5. April antwortete er dem Verwalter von Gföhl, der 
behauptet hatte, es habe niemand als sein Herr das Recht dort zu jagen, 
daß er diesmal bei Dobra und noch an anderen Orten jagen und Holz 
fällen lassen werde, dessen er zum Schlosse bedürfe. Er Heß im Weg- 
linger Forst jagen und protestierte noch bis 162g gegen die Verhin- 
derungen Henckhls. 2 ) 



1 ) Archiv Greillenstein, 1. c. Dom. 18. 

2 ) L. c. Dom. 22. 



31 



stein. 



Polixena 
v. Collalto. 



Am 24. Juli 1615 klagt Wilhelm Wratislav von Mitrowitz, Wratislav 
Ritter des Malteserordens und Kommendator zu Mailberg gegen 2 
Hans Jacob, daß dieser sich unterstanden habe, an die Mauer des 
Friedhofes zu Walckenstein einen Schafhof bauen und dafür die Mauer 
7 Klafter lang einreißen zu lassen, sowie dem Pfarrer sammt der Gemeinde 
das Fischwasser zu verwehren. Er verlangte 500 und 2000 Dukaten Pönfall. 
Am 24. September 16 15 antwortete Hans Jacob, er habe, ob er zwar 
beim landmarschallischen Gerichte jahrelang Beisitzer gewesen, niemals 
eine so ungereimte Klage gesehen. Er habe die Dörfer Hötzelsdorf, 
Walckenstein und Kainreut mit aller Gerechtigkeit von Hans von 
Puechaimb erkauft und zwei Jahre lang ruhig innegehabt, aber schon 
vor einiger Zeit wieder verkauft, also dort nichts mehr zu suchen. 
Wratislav klage offenbar auf Instigation seines Pfarrers, der in seiner 
Predigt nicht — wie er behauptet — durch das Geschrei der Schafe, 
sondern durch andere Ungelegenheit und unordentlich geführtes Leben 
gehindert werde. Der Hof sei auf seinem eigenen Grund und Boden 
gebaut und die Fischerei ihm als Besitzer zugestanden. Die Prozeßakten 
laufen bis 1622, 16. März, ohne Abschluß. 1 ) 

Den Aufenthalt in Wien verschönte eine Mietstreitigkeit mit der 
Gräfin Bianca Polixena Collalto, geb. Thurn. Die Brüder Hans 
Jacob und Ludwig hatten durch Hans Lorenz einen Mietkontrakt 
vom 23. April 1617 mit dem Palatin Graf Emerich Thurzo zu Arva, 
über dessen Behausung neben dem Jesuitengäßl am Hof durch dessen 
Sekretär Martin Sculteti abgeschlossen — 5 Stuben, 6 Kammern, 
Kuchl und Vorhaus samt einem Ort auf dem Boden für Hafer, um 
50 Taler am Ende jedes Quartals. Den Roßstall, während die Mutter 
des Thurzo da ist, nur auf zwei Pferde. Außer dem Bestandgeld 
liehen sie dem Sculteti 200 Taler ä 70 kr. Der Empfangschein über 
200 mährische Taler ist vom 27. Februar 161 7. Im Jahre 1620 jedoch 
wurde das Thurczosche Haus vom Kaiser dem Grafen Collalto ge- 
schenkt, wie die Hofkammer am 26. November der N. ö. Kammer mit- 
teilte. Gräfin Collalto 2 ) verlangte nun die Räumung der Wohnung, 
gegen welche aber unter dem 26. Januar 1621 die Mieter protestierten, 
insolange sie nicht ihr Darlehen zurückerhalten hätten. Hans Jacob 
fügte allerdings hinzu, er habe nur sein Recht behaupten wollen. Da 
er ein eigenes Haus gekauft, hätte er ohnedies die Absicht gehabt, 
in dieses zu ziehen. Nichtsdestoweniger kommen noch im Jahre 1623 
Prozessualien vor. 3 ) Die Lage dieses eigenen Hauses ist leider nicht 
angegeben. Wir erfahren nur, daß Hans Jacob von 1617—1621 im 
Thurczoschen Hause, vorher aber, wie aus einer Gregoroczkyschen 
Zustellung hervorgeht, im Jahre 1613 im Hütendorferschen Hause 
am Judenplatze gewohnt hat. 

Eine posthume Folge der Kriegswirren war die Klage vom 12. Juli 
1629 der Erben des Vincenz Muschinger zu Rosenberg, der Maria 
Caterina von Molart und Martha Elisabeth Kurz gegen Hans 
Jacob auf Ersatz jener 70 Muth Körner, welche er als Direktor und 
Oberstproviantmeister der Evangelischen laut Spezifikation vom 25. Oktober 
1619 aus der Herrschaft Rosenberg bezogen hatte. (Der Metzen Waiz 



Kuefstein- 
sches Haus. 



Rosenberg. 
Ständische 
Lieferung. 



l ) L. c. Dom. 20. 

*) Die Bianca Polixena war also schon i. J. 1620 verheiratet, nicht erst 1624, 
wie Wisgrill, II, Stammtafel Collalto, sagt. 
3 ) Arch. Greill. Dom. 21. 



32 

i fl., Korn 6 Schilling, Hafer 3 Schilling.) Hans Jacob antwortete am 
17. Juli, es komme ihm diese Klage schmerzlich unverdient vor, da 
er, wie sein Schreiben vom 23. März 1623, das seines kulturhistorischen 
Interesses wegen erwähnt wird, zeigt, mehr als Freund geraten habe, 
diese Vorräte in der Stand Proviant zu liefern, damit sie nicht etwa vom 
Kriegsvolk geplündert würden, und das Schloß Rosenberg dazu. Am 
26. April 1630 bat er neuerlich um Abweisung. Er habe sich nicht per- 
sönlich verpflichtet, es gehe die Stände an, für die der Proviant bestimmt 
war. Das scheint man begriffen zu haben, denn es kam nichts mehr. 1 ) 



5. Greillenstein. Historischer Nachtrag. 

Zu den im vorigen Bande gegebenen Daten über den Übergang 
Greillensteins von den Dachpecks an die Volkra und die vor- 
übergehende Lehenbarkeit der Veste sind auf Grund weiterer Nach- 
forschungen einige Vervollständigungen nachzutragen, da es mir ge- 
lungen ist, den Text einiger Lehenbriefe und die Dokumentierung der 
dem Wolfganz Volkra im Jahre 1525 erteilten Befreiung vom Lehen- 
bande aufzufinden. 

Bisher galt uns als der älteste bekannte Lehenbrief über Greillen- 
stein, dessen Lehenbarkeit überhaupt bald aufhörte, jener, welchen 
König Ladislaus am 25. Juni 1455 dem Engelprecht Dachpeckh 
erteilt hatte 2 ) und dessen Text in dem Spruchbriefe von 1501 wieder- 
holt wurde. 3 ) 

Wir wissen jedoch, daß Greillenstein schon mindestens ein Jahr- 
hundert vorher den Dachpeckhs gehörte, von denen bereits eingehend 
gesprochen wurde, ebenso wie vom Übergange der Veste von den 
Grellen auf sie und von diesen auf die Volkra. 4 ) Es möge hier nur 
daran erinnert werden, daß die Dachpeckhs zu den ältesten Lehen- 
trägern der Meissauer gerechnet werden. Man findet sie schon vom 
Jahre 1135 au ^ Urkunden an hervorragender Stelle als Zeugen, und 
Ulrich von Meissau erteilte 1139 dem Heinrich dem Dachpeckhen 
den lehensherrlichen Konsens, das Haus Dachpach auf seine Kinder 
zu übertragen. 5 ) Im Jahre 137 1 erscheint zuerst der Name Greillinstain 
bei den Gebrüdern Hans und Wulfing Dachpeckh, ohne daß ein 
Lehenbrief darüber aufzufinden gewesen wäre. Doch am Schlüsse des 
Verzeichnisses der Meissauer Lehen, welches mit dem Jahre 1427 an- 
hebt, steht gleich im Anschluß an die St ätz er Lehen die Notiz: »Engel- 
precht der Dachpeckh hat zu Lehen von erst die Vest zu Grellen- 
stein etc Das alles sein väterlich Erb ist. 6 ) Grellenstein wird 



') L. c. Dom. 23. 

2 ) StA. Lehenb. d. Kg. Ladislaus. Cod. 44, Fol. 54b. — Kuefstein, Studien. 
II, 83 u. Urk. N°- 80. In Bd. I, 81, wird dieser Lehenbrief irrtümlich dem Wolfgang, 
Sohn des Engelprecht zugeschrieben. 

3 ) Kuefstein, 1. c. II, 94 u. 96. 

*) Kuefstein, 1. c. I, 74—85 u. II, 81—96. 

E ) Kuefstein, 1. c. I, 76. — Wisgrill, II, 163. 

6 ) StA. Lehenb. d. Hzg. Alb recht V. Cod. 40. Fol. 149. 



33 

hier noch separat verliehen, während es später mit Harmansdorf zu- 
sammengezogen erscheint In dieser Aufzeichnung ist das Datum nicht 
genannt, welches aber bald nach 1430, dem Jahre der Katastrophe 
Ottos von Meissau, zu setzen sein dürfte, keinesfalls später als 1433, 
da das erwähnte Verzeichnis nicht weiter reicht. Übrigens kommt 
Greillenstein weder in der Liste der dem Meissauer abgenommenen 
Güter vor, noch in jener der ihm verbliebenen.') 

Die Aufzählung im Meissauer Lehensrepertorium zeigt, daß da- 
mals schon Dappach mit Greillenstein vereinigt war, daß aber seit- 
dem mit dem Lehenbriefe von 1455 noch eine Reihe von Stücken, wie Beil. 2. 
die Ob er au und kleinere Gülten hinzugekommen sind, welche des Ver- 
gleiches halber in der Beilage angefügt werden. 

Auf Engelprecht Dachpeckh folgte dessen Sohn Wolfgang. 
Von diesem wissen wir, daß er sich unter dem 30. Jänner 1482 bei 
Kaiser Friedrich über dessen Hauptleute Waltschko und Weisspriach 
und über den Rottmeister Aigner von Burgschleinitz beklagte, daß 
sie ihm seinen Maierhof zu Harmansdorf und dann auch jenen zu 
Greillenstein mit Getraide und Pferden verbrannt hatten, wodurch ihm 
und seinen Untertanen ein Schaden von wenigstens 11 00 Pfd. Pfg. zu- 
gefügt wurde. 2 ) 

Wolfgangs Sohn Hans war der letzte des Stammes, dessen 
Belehnung wieder unter Bezugnahme auf sein Erbrecht am Samstage 
nach Jacobi 1496 erfolgte. 3 ) Nach dem Ableben des Hans wurde 
Greillenstein als apertes Lehen zum Teile dem Grafen Eitel Fritz von 
Zollern und den Gebrüdern Hohenfeld verliehen. Die Gerhaben der 
Tochter Veronica des letzten Dachbeck aber erhoben Ansprüche auf 
den ihr gebührenden Teil des Erbes, und es kam zu einem Spruche, der 
von den gewählten Spruchleuten am Sonntage Quasimodogeniti 1501 ge- 
fällt ward. Danach hatten die Gerhaben Christof Grabner zu Zacking, 
Viguläus Velabrunner und Stefan Mülwanger zu Wolfstain sich 
sowohl mit dem Zollern als den Hohenfelds verglichen. 4 ) Demgemäß 
konnten sie Greillenstein dem Steffan Volkra sehr bald verkaufen 
und dieser die Belehnung erhalten. Der Lehenbrief, am Sonntage Jubi- 
late 1503 ausgestellt, bezieht sich im Eingange auf die vorgedachten 
Verhandlungen und enthält die letzte genaue Aufzählung der damals zu 
Greillenstein gehörigen Lehenstücke. 5 ) Hiebei sind jedoch einige 
Stücke, wie das Haus Dachbach samt Meierhof und Grundstücken, u.a. 
nicht mehr aufgenommen. Nach einer späteren Marginalnotiz zum Lehen- 
briefe des Hans Dachpeckh wurden sie im Jahre 1533 dem Christof 
von Greysenegg zum Sighardts anstatt seiner Hausfrau verliehen 6 ), 
offenbar infolge der oben dargelegten Auseinandersetzung. Dieser war 



1 ) Ldsk. 1881, p. 50. Pölzl, Die Herren von Meissau. — Kurz, K. Albrecht II. 
II, 330—339- 

2 ) St.-A. Rep. I. — Geschichtl. Beil. IX, 75. — Kuefstein, II, 83 u. add. VI. 

3 ) Statth.-A. Maximilian I. Lehenbuch 1494 — 1498, Fol. 232. 

4 ) Kuefstein, II, 93 ff. 

5 ) Statth.-A. Lehenbuch 1497 — 1508, Fol. 67. 

6 ) Statth.-A. Maximilianisches Lehenbuch 1494— -1498, Fol. 232. 

Kuefstein. III. 3 



34 

der zweite Gatte der Veronica Dachpeckin, Witwe des Ruprecht 
Welzer von Spiegelfeld. 1 ) 

Interessant ist es, daß trotz der damaligen Trennung die Veste 
Dachbach später wieder mit Greillenstein vereinigt wurde. 

Die Lehenbarkeit Greillensteins dauerte nicht mehr lange. Wenn 
auch sie nicht schon beim Übergange von den Dachbeckhs auf den 
Zollern und die Volkra erloschen war 2 ), so wurde das Lehenband 
doch schon bald darauf i. J. 1525 zugunsten des Wolfgang Volkra 
aufgehoben. 

Eine spätere Marginalbemerkung zum Texte des Lehen briefes 
v. 15 13 für Steffan Volkra sagt: »Wolfgangen Volkra sind diese 
Güter aus der Lehenschaft befreit und der wegen ain Urkundt am 17. Tag 
Januarii des 1525 Jahres so er beihändig gefertigt, wie das kraft Rat- 
schlags v. 9. September 1596 Jahres hieher zu verzeichnen befohlen 
worden.« 3 ) Umfangreiche Lehenbefreiungen fanden an demselben Tage 
für ihn statt, auch in Oberösterreich, und in Niederösterreich die aus 
den Vesten Stainaprunn, Praitenwaidach etc. bestehende ganze 
Erbschaft nach der Mutter Missingdorf. 4 ) 

Wolf gang Volkra mag in seiner Stellung als Obersthofmarschall 
sich die Gnade der Lehenbefreiung erwirkt haben, so daß bald nach 
seinem Ableben (f 1531) seine Witwe Barbara Haill von Maimburg 
im Namen ihrer Söhne Joachim, Andreas und Agapitus »die Vesten 
Grellenstein im Peugkhreich« ihrem lieben Schwager Laurenzen 
Khuefstainer samt allen Zugehörungen als gänzlich freieigen verkaufen 
konnte. Bekanntlich war dessen Gattin Barbara eine Halbschwester 
des Wolfgang Volkra, Tochter des Stephan Volkra und seiner 
zweiten Frau Barbara von Thalheim, während Wolfgang von der 
ersten Frau, Martha von Missendorf, stammte. Dies ist der früher 
gebräuchlichen Verwechslung dieser beiden Frauen gegenüber bereits 
im zweiten Bande eingehend dokumentarisch nachgewiesen worden. 5 ) 



>) Kuefstein II, 92. 

2 ) Kuefstein, Studien. II, 95. 

3 ) Statth.-A. Lehenb. 1497— 1508, Fol. 67. 

4 ) Statth.-A. Lehenb. 1510— 1518, Fol. 25. 
& ) Kuefstein, 1. c. II, 6. 



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XXII. 



DIE DREI BRÜDER 



H. JACOB, H. LORENZ und H. LUDWIG 



IN DER STÄNDISCHEN BEWEGUNG 1603 — 1620. 



Kampf 
der Stände 

um ihre 
politischen 




1. Unter K. Rudolf IL 1603-1612. 

1 

jach dem Ableben Hans Georg-s (5. Juli 1603) übernahmen 

dessen Söhne die politische Erbschaft des Vaters und traten 

bald in den Vordergrund der immer heftiger sich gestaltenden 

,. un £ ständischen Bewegung. Hans Lorenz und Hans Wilhelm, der schon 
religiösen . 

Freiheiten. i m Oktober 1604 starb, werden bereits vom Februar 1604 an genannt, 

1673. während Hans Jacob und Hans Ludwig, der Älteste und der Jüngste, 
erst später Erwähnung finden. Wie oben angedeutet wurde, soll die in 
derselben Richtung orientierte politische Tätigkeit der Brüder gemeinsam 
behandelt werden, wodurch auch eine einheitliche Darstellung der stän- 
dischen und religiösen Bewegung bis zum Ausgange derselben im Jahre 
1620 ermöglicht wird. Am Schlüsse der Lebensbeschreibung des Hans 
Georg 1 ) wurde die Mission des Wolfgang von Hofkirchen an 
die deutschen Reichsfürsten erwähnt, welche deren Verwendung bei 
Kaiser Rudolf erbitten sollte, um die strengen Maßregeln gegen die 
Evangelischen gemildert zu sehen. Die Stände hatten sich wieder ver- 
gebens direkt an den Kaiser gewendet und ließen sich erbittert zu der 
energischen Erklärung hinreißen, »daß sie demjenigen was Se. Maj. 
ihnen bisher in Religionssachen befohlen, Gewißens und Ehrenhalber 
nicht könnten nachkommen, auch, wenn sie demselben nachlebten, in 
den wißentlichen Zorn Gottes verfallen würden. Daher sie lieber Alles 
was ihnen darüber begegnen möchte, ausstehen, ja lieber das Leben 
selbst verlieren wollten«. 2 ) 

Durch diese unumwundene Sprache bedenklich gemacht, forderte 
Rudolf den Erzherzog-Statthalter zur Erstattung seines Gutachtens auf. 
Dieser ließ ein solches durch Khlesl ausarbeiten, dessen berühmt ge- 
wordenes, sehr eingehendes Memorandum, welches Matthias unter 
dem 2. August 1604 an Rudolf sandte, eine entschiedene Haltung 
empfahl und bei ausführlicher Darlegung der Lage zu dem Schlüsse 
gelangte, daß es anstatt der zahllosen schriftlichen und mündlichen Aus- 
einandersetzungen einfacher sei, die ganze Religionskonzession auf- 
zuheben, was gar nicht so schwer durchzuführen wäre. Eine spezielle 



1 ) Kuefstein, 1. c. II, 263. 

2 ) Raupach, Evangel. Österreich. 223. — Wiedemann, Gesch. d. Reform, u. 
Gegenreform in Unter-Österreich, I, 513. — Khevenh., Ann. Ferd. VI, 2782. — A. Huber, 
Gesch. Österreichs. IV, 355. 



37 

Kommission prüfte die einzelnen gravamina der Evangelischen und 
widerlegte sie Punkt für Punkt. ') 

Schon vom 27. Januar 1604 an bis 16 ig wurden in einer amtlichen 1604. 
Liste 10 1 Ständemitglieder gezählt, »welche Ihr. Maj. Befehlen in der 
Religions Reformation nicht nachgelebt, sondern dawider gethan 
und bei der N. Ö. Regierung angeklagt wurden«, aber anscheinend ohne 
Folge, da »sie sich sonst ruhig betragen haben«. Von den Brüdern 
Khuefstain ist keiner darin benannt. 2 ) 

Die Katholischen begannen, der Unterstützung von oben sicher, 
sich ihrer Kraft bewußt zu werden. Der schon seit einigen Jahren vom 
Kaiser ausgesprochene Wunsch, daß auch Katholiken zu Verordneten 
gewählt werden sollten, wurde immer wieder aufgenommen und ließ 
sich schließlich nicht mehr von der Hand weisen. Auf dem Landtage 
vom 16. Februar 1604 manifestierte sich zuerst eine schärfere Spaltung 
zwischen den beiden Konfessionen im Schöße der Stände. 

Bei der Ersatzwahl für den evangelischen Herrenstandsverordneten 
Adam von Puechaimb verlangten die Katholischen diese Stelle für 
Johann Eusebius Freiherrn von Khuen, während von den Evan- 
gelischen Ludwig von Starhemberg gewählt wurde. Obwohl er 
31 Stimmen erhielt — zwei fielen auf Bernhard von Puechaimb — 
wurde Khuen, der deren nur 23 erlangt hatte, bestätigt, was von der 
Gegenpartei als Eingriff in die Freiheit der Wahl beanständet wurde. 

Unter den Wählern der Majorität befanden sich Hans Wilhelm 
— einmal irrig Wolf genannt — und Hans Lorenz Khueffstainer, 
auf einer der übrigen unbedeutend differierenden Listen aber ohne Vor- 
namen angeführt. 3 ) 

Gegen den Wahlvorgang verfaßten die Herren und Ritter der 
Augsburger Konfession eine mit 62 Unterschriften versehene Beschwerde- 
schrift, welche am 18. Februar von einer starken Anzahl derselben dem 
Erzherzog Matthias überreicht ward. Auch hier finden sich die Namen 
der Brüder Wilhelm und Lorenz Khuffstainer. Es wurde Klage 
darüber geführt, daß der katholische Landmarschall Lamberg von 
Seifried Preiner am Mantel hinausgezerrt worden sei, um zu ver- 
hindern, daß er das zugunsten der Majorität ausgefallene Wahlresultat 
ordnungsmäßig verkünde, was durch den entstandenen Tumult unmöglich 
gemacht war. 4 ) Am 25. wurden sie aber angewiesen, die Installation 
ihres Verordneten nicht vorzunehmen, sondern vor allem die Propo- 
sitionen zu erledigen, bis über ihre Beschwerde eine Resolution erfolgen 
würde. Diese kam erst am 7. Juli nach mannigfachem Schriften Wechsel 
und bestimmte, daß jederzeit von jedem Stande auch ein Katholischer 



l ) Khevenh. VI, 2782. Hofk?l.-Arch. IV, A, 3. — Raupach, 1. c. 224 — 231. — 
Wiedemann, I, 514 ff. — Hammer, Khlesls Leben, I, 216 u. Urk. 384. — Huber, 
IV' 355 — 356. — Krones Handb. d. Gesch. Österreichs. III, 361 ff. 

-) Hk. A. Oesterr. R. 14. 

3 ) LA. A. III, 2 und A. 2: — ^ 

1 

4 ) LA. Reg. A. III. 2. — Rel. Excpt. B, Fol. 80 u. Bibl, Die kath. u. prot. Stände 
im 17. Jahrh. 13. 



38 

gewählt werden solle und daß auch die Städte ihre zwei Verordneten 
absenden dürfen, »denn wir nit bedacht mit Unsren Kammergütern 
weniger als die anderen Stände zu sein«. 1 ) 



1605. Die Evangelischen erzielten nicht nur keinen Erfolg ihrer Proteste, 

sondern mußten sich nochmals eine Niederlage gefallen lassen. In einer 
ohne Angabe der Tagesordnung einberufenen und fast ausschließlich 
von Katholischen sehr schwach besuchten Sitzung wurde an Stelle des 
unter Anklage des Hochverrates gestellten Wolf gang von Hofkirchen 
von den 13 Anwesenden der katholische Gundaker von Liechten- 
stein zum Verordneten gewählt, ohne Berücksichtigung des von Andre 
Thonradl gestellten Begehrens um Suspension der Wahl. 2 ) 

Neuerliche heftige Proteste und die Gefahren der politischen Situa- 
tion im Osten trugen dazu bei, daß mildere Saiten aufgezogen wurden. 
Matthias suchte einen Vergleich zustande zu bringen, der auch wirk- 
lich am 3. März 1605 zwischen dem katholischen und evangelischen 
Herrenstand abgeschlossen, von Matthias bestätigt und auch dem Ritter- 
stande zum Beitritte bekanntgegeben wurde. Dieser aber wählte, anstatt 
sich nach dem Austritte Ehrenreichs von Wurmbrandt nach der 
Resolution vom 7. Juli 1604 zu richten, an dessen Stelle den Evangeli- 
schen H. Sigmund von Greiß, welcher zwar vom Erzherzog bean- 
standet, vom Kaiser aber belassen wurde. 3 ) 

Mit dieser Haltung stimmte der versöhnliche Tenor der Resolution 
überein, welche trotz der von Khlesl und dem Erzherzog empfohlenen 
größeren Energie in ziemlich unbestimmter Weise verfügte, das Religions- 
werk von den politischen Sachen zu trennen, und nur gegen Privat- 
personen mit Strafe vorzugehen 4 ), wodurch den Ständen gegenüber das 
Reformwerk etwas eingedämmt schien. Die fortschreitende Gemütskrank- 
heit des Kaisers ließ den schon aufsteigenden Verdacht gegen den Bruder 
nicht mehr zur Ruhe kommen. 

Dieser aber, gekränkt nicht nur durch die Ablehnung seiner An- 
träge, sondern auch darüber, daß die kaiserliche Resolution vom Früh- 
jahr 1605 den Ständen früher bekannt geworden war als ihm selbst, 
schrieb am 10. März zurück, das Religionswesen lasse sich vom politi- 
schen nicht trennen, die Stände kümmerten sich nicht um die kaiserlichen 
Resolutionen, hielten ihre Konventikel ungescheut ab, und ließen es 
sich nicht nehmen, für ihre Mitglieder einzutreten, da sie eines jeden 
einzelnen Sache als solche der Gemeinsamkeit ansähen. Er schloß mit 
der Bitte, ihn seines schweren Amtes in betreff des Religionswesens zu 
entheben, nachdem seine Autorität nun um so viel verringert sei. 5 ) Der 
Kaiser antwortete darauf nicht. Khlesl selbst erklärte sich dem Erz- 
herzoge gegenüber in einem Schreiben vom Juli 1605 mit der »Suspen- 
sion scharfer Exekutionen und Einstellung un zeitiger Reformationen« 
dieser Zeit einverstanden, mißbilligte aber die Mitteilung davon an die 



') LA. Rel. Exe. B. und Bibl, 1. c. 24. 

•) LA. A. III, 2. — Bibl, 1. c. 25. 

3 ) LA. Rel. Exe. B. 

*) Wiedemann, Reform, u. Gegenreform in Unter-Österreich. I, 515. 

5 ) Wiedemann, 1. c. 518. — Khevenh., 1. c. 3030 ff. 



39 

Stände, obwohl er ihnen in einem anderen Schreiben das Zeugnis aus- 
stellte, es fehle dem Adel Österreichs nicht an hohem Sinn und Mut, 
nur Einhelligkeit der Religion sei zu wünschen. ') 



Der zutage tretende Zwiespalt der kaiserlichen Brüder und der Ein- Die 
fall Stephan Bocskays samt dem von den Türken begünstigten Auf- Erz h erZ0 S e 
rühre in Ungarn gaben der Situation eine andere Wendung. Angesichts Kaiser, 
der Dringlichkeit einer Abhilfe hielt Matthias am 28. April 1605 mit 
seinem Bruder Maximilian und den steierischen Erzherzogen in Linz 
Besprechungen, um sich über eventuelle Einwirkung auf den durch diese 
Ereignisse in seiner Gemütsstimmung besonders betroffenen Kaiser zu 
beraten. 

Schon im Januar 1599 hatte sich Matthias durch Reichardt 
Strein ein Gutachten über die Sukzession der Krone Böhmens aus- 
arbeiten lassen und seit dem liefen die Korrespondenzen der Erzherzoge 
über den Gemütszustand des Kaisers fleißig weiter. 2 ) Dieser erteilte 
übrigens, als jene sich gegen seinen Willen in Prag einfanden, dem 
Bruder unbedingte Vollmacht zur Leitung des Krieges in Ungarn und 
zu Unterhandlungen mit Bocskay. 3 ) 

Daß die Evangelischen bei dem Bocskay sehen Aufrühre ihre 1606. 
Hände im Spiele gehabt haben sollen, ist nicht bewiesen. Nur zu den 
Friedensverhandlungen wurden auf Grund der Landtagspropositionen 
Delegierte der Stände von Niederösterreich, die von Matthias eigen- 
mächtig einberufen waren, beigegeben, ebenso auch solche aus Ober- 
österreich, Böhmen, Mähren, Schlesien und Steiermark, welche durch 
ihre Unterschrift den am 23. Juni 1606 zu Wien zwischen Erzherzog 
Matthias als Bevollmächtigtem des Kaisers und Stephan Illeshazy 
als Bevollmächtigtem des Fürsten von Siebenbürgen Stephan 
Bocskay abgeschlossenen Frieden verbürgen sollten. Nachdem der 
Kaiser, trotz seiner Abneigung gegen die den Ungarn versprochene 
Freiheit der evangelischen Religionsübung endlich mit Mühe zur Be- 
stätigung dieses Friedens bewogen worden war, erklärten sich am 
23. September die kontrahierenden Stände neuerdings zur Einhaltung 
desselben verpflichtet. Bald folgten nun die Unterhandlungen mit den 
Türken, die unter Vermittlung Illeshazys — 29. Oktober bis 11. No- 
vember 1606 — endlich durch den zu Zsitvatorok abgeschlossenen 
Frieden in nicht ungünstiger Weise auf Grundlage des uti possidetio 
für die Dauer von 20 Jahren zu Ende geführt wurden. 4 ) Jedoch ließ sich 
Kaiser Rudolf jetzt nicht bewegen, diesen Frieden mit den Türken zu 
bestätigen, da er ohne seine vorherige Ermächtigung abgeschlossen 
worden sei. 

Das Mißtrauen des Kaisers war nicht unberechtigt. Denn schon 
am 25. April 1606 war Matthias von seinem Bruder Maximilian und 
den Vettern Ferdinand und Max Ernst als Haupt und Stütze des 



*■) Hammer, Khlesls Leben. I, 220 u. Urk. S. 414. 
-) Hof-KzlA. Böhmen. I, A, i, N°- 2982. 

3 ) Huber, 1. c. 458 ff. — Bibl, 1. c. 28 ff. 

4 ) LA. Rel. Exe. B. — Raupach, E. O. 231. — Hammer, 1. c. II, 10- 
Huber, IV, 467 ff. u. 476 ff. — Krones Handb. d. Gesch. Österreichs. III, 364. 



•13. — 



40 

Erzhauses erklärt worden, während ihm von anderer Seite suggeriert 
wurde, sich zum König von Ungarn proklamieren zu lassen und gestützt 
auf die Stände der Österreichischen Länder den Bruder zur Abdankung 
zu zwingen. 

Diese aber waren in sich geteilt und konnten sich über die Ver- 
wendung der Kassegelder, welche die Evangelischen für ihre speziellen 
Zwecke in Anspruch nahmen, nicht einigen. Die Evangelischen waren 
schon mit den Oberösterreichern verbündet. Die Katholischen schlössen 
gleichfalls am 31. Mai 1606 eine Union »zur Verhütung des Unter- 
ganges der katholischen Religion« und betrauten einen ansehnlichen 
Ausschuß von Prälaten, Herren und Rittern mit der Führung der Ge- 
1607. schäfte. ') Von dieser Konjungierung machten sie dem Erzherzog Matthias 
und später auch dem Kaiser im Jahre 1607 Mitteilung. Die von Khlesl 
zur Begründung dieser Union aufgesetzte Schrift, welche einen licht- 
vollen Rückblick auf die Entstehung und Ausbreitung der neuen Lehre 
und die dagegen ergriffenen Maßnahmen wirft, weist auf die Übergriffe 
der Evangelischen hin und betont, daß diese Se. Majestät ohne Unterlaß 
mit ihren Anliegen behelligten und noch letzthin erklärt hätten, den 
kaiserlichen Resolutionen, die sie in ihrem Gewissen beschwerten, nicht 
nachkommen zu können. 2 ) 

Dagegen glaubten sich die Evangelischen unter Darlegung einer 
Reihe von Beschwerdepunkten durch eine eigene Gesandtschaft beim 
Kaiser beklagen zu dürfen, erhielten aber nur einen Verweis für ihr 
Bündnis und die Umgehung des Erzherzogs, die sie damit zu rechtfertigen 
suchten, daß sie Se. Majestät als den Landesfürsten betrachteten. Es blieb 
bei der ungnädigen Resolution vom 21. Juni, durch welche sie wieder 
dem Matthias zugewendet wurden. 3 ) 

Beide Parteien standen einander nun geschlossen gegenüber, und 
auch im Deutschen Reiche schlug die Geburtsstunde für die protestantische 
Union und die katholische Liga, bei welcher der Kaiser vergebens 
Anhalt suchte. 

Das Mißtrauen, welches der Kaiser gegen die Räte seines Bruders 
zeigte, die Kränkung, die er letzterem dadurch zufügte, daß er sich auf 
dem nach Regensburg für Juni 1607 einberufenen Reichstage nicht 
durch diesen, sondern durch Ferdinand vertreten ließ, die der steieri- 
schen Linie bewiesene Bevorzugung, welche Befürchtungen vor frustrie- 
renden Bestimmungen in betreff der Nachfolge erweckten, seine ge- 
heimen Heiratsprojekte 4 ) waren wohl geeignet, der gegen die poli- 
tische Haltung Rudolfs ohnehin bestehenden Verstimmung schärferen 
Charakter zu verleihen und Matthias dazu zu drängen, die zunehmende 
Geisteskrankheit des Kaisers zu benützen, um als Vertreter des be- 
drohten Erzhauses in entschiedenerer Weise dessen Interessen zu wahren. 

Das Widerstreben Rudolfs, den Frieden von Zsitvatorok, nach 
welchem vier Fünftel der Bodenfläche Ungarns unter türkischer Ober- 
hoheit standen 5 ), anzuerkennen, welches so weit ging, daß er die schon 
abgesendete Ratifikation wieder annullierte und schwer bewogen werden 



l ) Bibl, 33. — Wiedemann, I, 520. 

-) Khevenh., VI, 3167 ff. — Raup ach, E. Ö. 235 u. Beil. VIII. — Bibl. 34 2 , 
über d. Datum der Schrift. 

3 ) Khevenh., VI, 3148. — Wiedemann, I, 523. 

4 ) Hof-KzlA. 1. c, N°- 2982. Huniwalds Mission ins Reich. 
■'') Hurt er, V, 103. 



41 

konnte, sie wieder frei zu geben, und seine Absicht, den Krieg trotz- 
dem weiterzuführen, erweckten schwere Befürchtungen bei den Ungarn, 
die schon durch die letzten Kriegsjahre unsäglich gelitten hatten. Auch 
in Österreich fürchtete man neuerliche Einfälle Bocskayscher Horden. 
Angesichts dieser bedenklichen Sachlage war es begreiflich, daß 
Matthias sich vor allem mit den Ständen der unter seiner Statthalter- 
schaft stehenden Länder Ungarn und Österreich ohne Unterschied der 
Religion ins Einvernehmen zu setzen suchte und einige der Vornehmsten 
zu sich berief. Unter diesen werden genannt Harrach, Bräuner, Hof- 
kirchen aus Unterösterreich, die Brüder Stahrenberg, Wolkersdorf, 
Jörger und namentlich der berühmte Tschernembl aus Oberöster- 
reich. Letzterer riet, Herrn Carl von Zierotin von Mähren und Mat- 
thias Thurn aus Böhmen zu gewinnen. 1 ) Als nun gar im Herbste der 
Aufstand der Hayduken mit neuem Unheil drohte, war es höchste Zeit 
zum Handeln. 

Auf Zierotins Einladung fanden sich in Rossitz die Hauptver- 
treter der mährischen und österreichischen Stände ein, wobei die Initiative 
der gemeinschaftlichen Aktion den letzteren überlassen wurde. 111 es- 
hagy, Zierotin und Tschernembl waren es, welche alle Transaktionen 
verwarfen und auf eine gewaltsame Lösung drangen. Denn die rebelli- 
schen Hayduken drohten die Türken, die ohnehin durch die kriegerischen 
Dispositionen des Kaisers unsicher geworden waren, wieder hereinzu- 
ziehen. Matthias, welcher seinen Bruder immer noch fruchtlos be- 
stürmte, der traurigen Lage Abhilfe zu schaffen, sah sich nun gedrängt, 
selbständig zu handeln, verständigte schon Mitte Dezember die Österreicher 
von der gefährlichen Lage und berief einen Ausschuß der ober- und 
niederösterreichischen Stände zum 27. Dezember nach Wien, um ihnen 
die Frage vorzulegen, was zur Erhaltung der Länder gegen die neuer- 
liche Erhebung der Hayduken zu tun sei, worauf ihm geraten wurde, 
zuerst sich mit den Ungarn zu benehmen. 



Matthias traf am 15. Januar zudem von ihm einberufenen ungari- 
schen Reichstage in Preßburg ein, wohin ihm die 36 Ausschüsse der 
österreichischen Stände folgten. 2 ) Auf die von den Ungarn gestellte 
direkte Frage erklärten die Österreicher am 25. Januar 1608 ihr Ein- 
verständnis mit dem Wiener Frieden vom 23 Juni 1606 und versprachen 
am 31. d.M. dem Erzherzoge gegenüber die unverbrüchliche Aufrecht- 
erhaltung desselben, worauf Matthias die Zusage erteilte, sie ob ihres 
Bündnisses beim Kaiser zu vertreten. 3 ) 

Am 1. Februar 1608 kam nun der Vertrag von Preßburg zustande, 
welcher als Schutz- und Trutzbündnis des Erzherzogs Matthias mit 
den ungarischen und österreichischen Ständen zur Aufrechthaltung des 
Wiener und des türkischen Friedens und Stillung des Aufstandes der 
Hayduken abgeschlossen wurde und mit einer Verbrüderung zwischen 
den ungarischen und österreichischen Ständen gegen jedermann zu- 



*) Khevenh., VI, 3151. 

2 ) Gindely Rudolf, II. I. 183 ff. Peter von Chlumecky, Carl von Zierotin, 
399. — Huber, IV, 485 ff. — Hurter, Gesch. K. Ferdinands II. V, 139 ff. — Khevenh., 
VII, 7 ff. 

3 ) LA. Rel. Exe. B. u. A. IV, 1. 



1608. 

Vertrag 

von 
Preßburg. 



42 

sammenging. Letztere Redewendung- gab ihr schon eine unverkennbare 
Spitze gegen den Kaiser. Obwohl dieser durch einen eigenen Sendboten 
die Stände anwies, auseinanderzugehen, dagegen einen Reichstag zum 
ii. März einberief und trotzdem ein Teil der Österreicher, namentlich 
die Katholiken, neue Verhandlungen mit Rudolf wünschten, gaben doch 
alle, samt den Prälaten, ihre Unterschrift. 1 ) Doch fand sich Matthias 
bewogen, seiner Zusage gemäß, ebenso wie die ungarischen Stände den 
Abschluß des Bündnisses, welches einen ersten Schritt gegen den recht- 
mäßigen Herrn bedeutete, diesem gegenüber mit dem Zwange der 
Umstände und der drohenden Kriegsgefahr zu rechtfertigen. Ähnliche 
Schreiben ergingen an die übrigen Mitglieder des Kaiserhauses, an den 
König von Spanien, die katholischen und protestantischen Pursten in 
Deutschland und Italien. 

Der Kaiser beantwortete die ihm zugekommene Rechtfertigung am 
23. Februar mit der Ermahnung, ernstlich mit allen Neuerungen und 
Tätlichkeiten einzuhalten, alle Zusammenforderungen der österreichischen, 
ungarischen oder anderer Stände, die Verhandlungen mit den Türken 
und alle anderen Praktiken einzustellen und den Reichstag nicht zu 
verderben. Er wolle übrigens selbst die Erzherzoge, Kurfürsten u. a. 
um sich versammeln. Auch an die oberösterreichischen Stände erging 
am 27. Februar eine Resolution, durch welche die »Preßburger Con- 
vocation und deren Verlaufenheit sowie alles was daraus folgen würde 
als ungültig« erklärt wurde. 

Nachdem Matthias schon am 5. Februar die Verordneten auf- 
gefordert hatte, die Stände wegen des Aufstandes der Hayduken ein- 
zuberufen und dies am 8. für den 24. Februar geschehen war, wurde 
auch diese Einberufung vom Kaiser für ungültig erklärt, und bei Ver- 
luste der Lehen und sonstigen Gerechtigkeiten die Abhaltung untersagt. 2 ) 

Die Stände verantworteten sich damit, daß in Preßburg nichts vor- 
gekommen sei, was gegen die Ehre und das Wohl des Kaisers gegangen 
wäre, von dessen bevollmächtigtem Vertreter sie ordnungsmäßig einberufen 
worden seien. 3 ) In Wien trat der Landtag unbeanstandet zusammen. Am 
27. erstatteten die Ausschüsse ihre Relation über das Preßburger 
Bündnis und dieses wurde in Gegenwart des Erzherzogs von den an- 
wesenden etwa 76 Mitgliedern, die Katholischen samt den Prälaten 
mitinbegriffen 4 ), appropriiert, ratifiziert und gutgeheißen. Diese Ratifi- 
kation zeigten die Verordneten unter dem 2. März den Oberösterreichern 
an, wie auch die Absendung einer Rechtfertigungsdeputation an den 
Kaiser, dessen Drohschreiben von den Oberösterreichern nach Wien 
mitgeteilt wurde. Obwohl man hier von einigen Seiten Anstand erhob, 
auf die weitergehenden Rüstungsverlangen des Erzherzogs einzugehen, 
da keine Gefahr der Invasion bestehe, wenn man den Frieden ruhig 
einhalte, wurde doch mit Werbung von Kriegsvolk gegen die Hayduken 
begonnen. 5 ) 



L ) LA. Rel. Exe. B. A. IV, 1. — Arch. A. 10, 3 mit 84 Siegeln und Unterschriften. 
Abgedruckt bei Hammer, II. Beil., p. 77. (48 Ungar, u. 36 österreichische, kein Kf. 
dabei.) — Chlum ecky-Zierotin, 403. 

-) LA. Rel. Exe. B. 

3 ) Hurter, V, 169. 

4 ) LA. 1. c. nominatim angeführt (kein Kf.). 

5 ) LA. 1. c. Hurter, V, 171 u. Huber, IV, 495, sagen dagegen, daß die Rüstungen 
verweigert wurden. 



43 

Nun näherte sich auch Mähren der Bewegung. Zierotin und 
Carl von Liechtenstein gingen Hand in Hand gegen die kaiserliche 
Regierung. Anstatt den vom Kaiser für den 14. April nach Prag ein- 
berufenen General-Landtag der Böhmischen Länder zu erwarten, kamen 
die Mährischen Stände in großer Anzahl am 13. April in Eibenschitz 
zusammen und setzten eine provisorische Regierung unter der Direktion 
Liechtensteins ein. 1 ) Dorthin sandten über Aufforderung des Matthias 
vom 23. März auch die N. Ö. Stände Deputierte, deren Wahl sie dem 
Erzherzog überlassen hatten, indem sie ihm am 2. April gleichzeitig be- 
merkten, daß sie mit Rüstung des Kriegsvolks zu Fuß und zu Roß be- 
reits das Äußerste getan hätten. Tags darauf forderten sie die Ober- 
österreicher auf, auch das ihrige zu tun, sie hätten schon 1500 Reiter 
und 5 Fähnl Knechte an die Mährische Grenze gelegt und über 130.000 fl. 
ausgegeben. 

Die Instruktion der 3 oberen Stände vom 9. April an ihre Depu- 
tierten lautete dahin, daß sie die Mährer zu einer Vereinigung mit ihnen 
auffordern sollen, womit nichts gegen Se. Maj. geschehe, welcher den 
Wiener Vertrag nachträglich unter dem 6. August bestätigt habe. Das 
neue Preßburger Bündnis sei nur die Folge des Vertrages. Sie mögen, 
falls Matthias sich an die Böhmische Grenze begebe, zur Observierung 
der Til lyschen Werbungen und des Böhmischen Aufgebotes, »dessen 
Intente unbekannt«, den Konföderierten den Durchzug gestatten. 2 ) 
Diese Instruktion wurde am 13. April den Deputierten Paul Jacob von 
Starhemberg und Sebastian Günther von Hager nachgesendet, 
welche auch wie die Oberösterreicher am 19. zu Eibenschitz das 
Bündnis mit den Mährern, Ungarn und Matthias unterzeichneten, »zur 
Unterdrückung des Haydukenaufstandes und Aufrechthaltung des Wiener 
Friedens, oder wenn wegen einer anderen gerechten und gesetzlichen 
Sache ein Störer aufträte« 3 ), womit der Kaiser visiert erschien. 

Trotz der mehrfachen Bemühungen Rudolfs durch den Cardinal 
von Dietrichstein war des Matthias Fortschreiten auf der beschrit- 
tenen Bahn nicht mehr aufzuhalten, obwohl er durch die Lossagung 
Ferdinands in Regensburg vom Pakte von 1606 wesentlich ge- 
schwächt wurde und sich nicht mehr als Vertreter des Gesamthauses 
geben konnte. 

Matthias aber, welcher nun außer den ihm schon unterstehenden Matthias' Zug 
Ländern Ungarn und Österreich auch noch das bisher unter der direkten nacn Prag- 
Oberhoheit des Kaisers gebliebene Mähren für sich gewonnen hatte, fühlte 
sich stark genug, um offen gegen den kaiserlichen Bruder sich aufzu- 
lehnen. Mit den von den Ständen ihm zugeführten Truppen, die schon über 
20.000 Mann stark waren, brach er am 15. April von Wien - — wo er 
zu seiner Vertretung ein »Geheimes Deputirten Collegium« niedergesetzt 
hatte 4 ) — auf und hielt am 23. seinen feierlichen Einzug in Znaim, wo- 
hin die Österreichischen Stände — denen er den guten Ausgang von 
Eibenschitz angezeigt hatte — ihm, seiner Aufforderung gemäß, die 



l ) Gindely, I, 202. — Huber, IV, 500. — Chlumecky-Zierotin, 434. 

-) LA. 1. c. u. Reg. A. 4, 34. Instruction mit 40 Siegeln ohne Namen (kein Kf. dabei). 

3 ) LA. 1. c. A. 10, 4. Arch. Nur die obere Reihe mit Unterschriften, dann 55 Siegel 
(kein Kf). — Hammer, II, 73. — Loserth, Die Stände Mährens u. d. protest. Stände 
Oesterreichs 1608 i. d. Zeitschrift d. Deutsch. Vereins f. d. Gesch. Mährens. IV (1900), 
p. 226 ff. 

4) Hof-KkzlA. III, A, 1. 



44 

noch nötigen »Requisita« nachsenden sollten. Von hier erließ er auch 
am 26. Schreiben an die Reichsfürsten, um seinen Zug und das Bündnis 
von Preßburg zu rechtfertigen 1 ), während der vom Kaiser nach Prag 
berufene Khlesl den Anschluß der Stände an den Erzherzog damit zu 
erklären suchte, daß der Kaiser sie in der ungarischen Gefahr preis- 
gegeben und ihnen sogar einmal geraten habe, sich selbst zu helfen, 
wie sie könnten, da er selbst sie nicht zu schützen vermöchte. In Öster- 
reich sei niemand, weder aus Geistlichen noch Weltlichen, der für 
Se. Majestät wäre und auch auf die Sektischen kein Verlaß, die die 
Provinz dem Erzherzog schon ganz hätten übergeben wollen, wenn nicht 
Khuen, Meggan und Preiner sich widersetzt hätten. 2 ) Die konfes- 
sionelle Gegenstellung schien momentan angesichts des Dranges der 
politischen Ziele in den Hintergrund gedrückt. 

Matthias, fest auf das Bündnis der Unierten bauend, zog weiter, 
über Iglau nach Czaslau, wohin er die Deputierten der Stände, nament- 
lich aus Böhmen, berufen hatte. Aber es fand sich niemand derselben ein, 
dagegen Gesandte des Kaisers, des Königs von Spanien und der Kur- 
fürsten, welche vermittelnd einwirken wollten. Auf dem ganzen Zuge 
fanden zahlreiche Missionen des Cardinais Dietrichstein, des spani- 
schen Gesandten San Clemente, des Nuntius etc. statt, jedoch ohne Er- 
folge zu erzielen. Die Schwäche Rudolfs war zu offensichtlich, die von 
ihm aufgebrachten geringen Truppen in desolatem Zustande. Doch fand 
er auf dem erstaunlicherweise von ihm selbst eröffneten Landtage vom 
23. Mai genügende Sympathie, um die Böhmischen Stände, welche gegen 
die Losreißung der Mährer ohnehin aufgebracht waren, zu verhindern, 
sich dem Matthias zuzuwenden. Die feurigen Reden Zierotins und 
des im Namen der Österreicher an den Böhmischen Landtag delegierten 
Tschernembl konnten nur platonischen Erfolg erzielen und als die 
Stände ihre politischen Verlangen vom Kaiser zugesichert erhielten, 
konnte dieser, sich seines Thrones sicher wähnend, die Verhandlungen 
mit dem rebellischen Bruder weiterführen. In Dubec kam nichts zu- 
Vertrag von stände, da die Böhmen auf Mähren nicht verzichten wollten. Erst als 
Lieben. Matthias bis Sterbohol, knapp vor Prag rückte, kam man sich auch 
am grünen Tische näher. Die Verhandlungen wurden in Lieben geführt 
vom 18. bis 24., und am 25. Juni setzte der bedrängte Kaiser schweren 
Herzens seinen Namen unter die am Mittwoch nach S. Joh. Baptist 
vor Prag datierten Urkunden, durch welche seinem Bruder Österreich 
und Ungarn, sowie auch Mähren zu unabhängiger Regierung abgetreten 
und die Anwartschaft auf Böhmen zugesichert wurde. Endlich kam auch 
die definitive Ratifikation des Friedens mit der Türkei zustande. Die 
mit Matthias unierten Länder waren im Vertrage mitinbegriffen und 
die Österreichischen Stände, auf welche der Vertrag vom 25. am 29. Juni 
ausgefertigt erscheint, wurden gleichzeitig ihres Eides entbunden, unter 
Zuwendung desselben an Matthias. Von den Österreichern sind hier 
unterschrieben, außer Preiner und Euseb. von Khuen: G. A. von 
Hofkirchen, W. von Zelking, Tschernembl, R. von Starhem- 
berg, Sebastian Günther von Hager zu Allentsteig, Paris von 
Sonderndorf zu Kirchberg, Wolf Sigm. von Losenstein, P. Ch. 
Flußhardt zu Pottendorf und Jacob Stängl von Waidenfels. Am 



>) LA. Rel. Exe. B. 

•) Gindely, I, 195. — Hammer, II, 64 u. Beil. N°- 213 — Khlesls Itinerar. — 
Chlumecky, Carl v. Zierotin, p. 370. — Hurter, V, 120. 



45 

2 s- Juli dankten die Stände ihr Kriegsvolk ab, von dem nur noch 
iooo Puchhaimbsche Reiter unter den Waffen behalten wurden. 1 ) 

Daneben kam ein geheimer Vertrag der Österreicher und Mährer 
mit den Ungarn vom 29. Juni zustande, worin gegenseitige Hilfe für 
die freie Religionsübung versprochen wird, weshalb die Huldigung nur 
mit dem Vorbehalt geschehen soll, daß sie der Freiheit des Gewissens und 
des Religionsexerzitiums unpräjudizierlich sei, worauf die in den Verträgen 
von Preßburg und Eibenschitz gebrauchten Worte »qualem cunque 
ob causam justam et legitimam« vornehmlich zu beziehen seien. Hier 
beginnt also die Religionsfrage wieder in den Vordergrund zu treten, 
welche bei der Evangelischen Majorität gewiß einen wesentlichen Grund 
für die Teilnahme an der Bewegung abgegeben hatte. Doch zeigte sich 
der Erzherzog nicht so geneigt, wie gehofft worden war. Von Öster- 
reichern sind auf der Urkunde vom 29. unterschrieben: Herberstein, 
Zelking, Gotth. Reich, und Matth. von Starhemberg, Losen- 
stein, Tschernembl, W. A. von Puechaimb, Rudolf Teufel, Son- 
derndorf, Flußhart und Stängl. 2 ) 

Am 24. Juli hielt Matthias seinen königlichen Einzug in Wien, Einzug in 
am 25. in Brunn, und endlich am 19. November konnte er zu Preßburg Wien, 
sein Haupt mit der Krone des hl. Stephan schmücken, welche ihm der p^b^ra; 
großmütige Kaiser in das Lager vor Prag mit dem Wunsche übersendet 
hatte, es möge ihm vergönnt sein, sie mit mehr Ruhe zu tragen als 
ihm selbst geworden war. Doch hatte er vorher eine Wahlkapitulation 
unterschreiben müssen, die eine Beschränkung der königlichen Macht 
und volle Religionsfreiheit verbürgte. Auch in Mähren waren weitgehende 
Konzessionen notwendig geworden, welche auch den Bürgern die Teil- 
name am Gottesdienste des Adels sicherten. 3 ) 



Weniger glatt ging" es in Österreich ab. Matthias, noch als Schwierig- 
em ^o » keitsn weuen 
designierter König von Ungarn und Böhmen, lud am 4. August die ,i er Huldigung 
niederösterreichischen Stände für den 8. September zur Erbhuldigung j n n.-0. 
ein, versprach, dann wolle er die ständischen Privilegien konfirmieren 
und die gravamina der Evangelischen erledigen. Diese aber gingen von 
dem schon bei früheren Huldigungen öfters vertretenen und jetzt in Linz 
von Tschernembl offen proklamierten Standpunkte aus, daß vorher der 
neue Landesfürst die Privilegien und Freiheiten der Stände altem Ge- 
brauche gemäß bestätigen müsse. Bis dahin bleibe die Regierungsgewalt 
in ihren Händen. Insbesondere waren es die Evangelischen, welche hofften, 
für die an Matthias geleistete Gefolgschaft, welche ihn zu seinen Er- 
folgen gegen den Kaiser geführt hatte, nunmehr, als Zeichen der Dank- 
barkeit die Freigabe ihrer Religionsübung zu erlangen. In der Tat war 
im Wiener Frieden von 1606 das freie Exerzitium einer der hauptsäch- 
lichsten Punkte gewesen und dieses w T ar auch in Preßburg und Eiben- 
schitz unter der Bezeichnung der »gerechten und gesetzlichen Sache« 

!) LA. Rel. Exe. B. — Arch. A. 10, 15 u. A. IV, 1. — H. Kzl. A. No. 2983. — 
Wiedemann, I, 526. — Hurte r, VI, 56. — Chlumecky-Zierotin, 493 ff. — Schreiben 
von Matthias vom 14. u. Antwort Rudolfs vom 17. im Hfkzl. A. II, A, 3. 

2 ) Loserth, 1. c. 228 u. 260. — Huber, IV, 515. — Hammer, II, 91 u. Urk. 
pag. 116. 

3 ) Loserth, 1. c. 229. 



46 

verstanden worden, wie es dann im geheimen Bündnisse von Strbohol 
neuerlichen Ausdruck erhielt. Die Ungarn hatten ihre Freiheit durch- 
gesetzt, jetzt beriefen sich die mit ihnen zu gleichem Zweck verbündeten 
österreichischen Stände gleichfalls darauf und wollten, den gegenseitigen 
Stipulationen folgend, auch für ihre eigenen Interessen dieselbe Zusage 
noch vor der Huldigung erhalten. Von dieser Basis ausgehend, wendeten 
sich die Unter- und Oberösterreicher in einer gemeinsamen weitausholenden 
Eingabe vom 19. August an Matthias, um ihn an ihre Mitwirkung 
zu mahnen, kraft deren er erst ihr wirklicher Landesfürst werden könnte 
und verlangten die Wiederherstellung der Religionssachen in jenen Zu- 
stand, in welchem ihn Rudolf II. übernommen hatte und wie sie schon 
zu Zeiten Ferdinands I. bestanden, wo sich beide Teile ruhig neben- 
einander vertrugen, auch dieselben Kirchen benützt hätten. Sonst würden 
sie keinen Anlaß gehabt haben, die Lösung von ihrem dem älteren Erb- 
herrn geleisteten Eide zu akzeptieren, wenn sie nicht Abhilfe für ihre 
Gewissenssache gehofft hätten. ') 

Wie sich in Linz die Evangelischen Stände samt den Städten 
neuerdings zu einem speziellen Bündnis mit den Unterösterreichern am 
30. August vereinigten und am darauffolgenden Sonntage im ganzen 
Lande den Gottesdienst wieder aufnahmen, so hielten sich auch in N.-Ö. 
die Evangelischen dazu berechtigt und ließen die Kirche in Inzersdorf, 
um die sich schon so viele Streitigkeiten gedreht hatten, wieder eröffnen, 
worauf diese von der Regierung neuerdings gesperrt und ihr Besitzer 
Hans Adam Geyer von Osterburg, der das Regierungsplakat ab- 
gerissen hatte, gefänglich eingezogen wurde. Dies wurde als unverdiente 
Härte angesehen, die sehr aufregend wirkte. Die Folge davon war eine 
ziemlich heftige Protestationsschrift, welche von 1 80 Herren und Rittern 
dem Könige nach dessen Rückkehr aus Mähren, wo er vom 22. August 
bis 4. September sich der Huldigung wegen befunden hatte, überreicht 
wurde. 2 ) Matthias antwortete unter dem 12. mit den oft genug wieder- 
holten Argumenten, daß solche Religionsgravamina als Privatsachen 
mit der Huldigung nichts zu tun hätten und nichts geschehen sei, was 
ihm nicht in Kraft seiner Rechte über die Städte zustünde. 3 ) 

Gleichzeitig erfolgte auch die Erledigung jener vom ig. August. 
Diese Antwort, gerichtet an »jene aus den Ständen, welche sich bei 
Sr. Majestät vor dessen Abreise nach Mähren absonderlich persönlich 
angemeldet und eine Schrift überreicht haben«, rügt besonders, daß die 
Stände sich weigerten, die Huldigung zu leisten, bevor nicht ihre in 
der Schrift eingebrachten gravamina erledigt wären und weist in 
ziemlich scharfem Tone auf die schon oft hervorgehobenen Pflichten 
der Erbländer und Erbuntertanen hin, deren Bitten erst nach der Huldi- 
gung zur Frage kämen. 4 ) 
Die Stände Beide Resolutionen von H. Sigm. von Greiß als Verordneten in 

der Sitzung der Stände vorgelesen, machten aber auf diese den Ein- 
druck, daß sie sich so scharfer Tonart von früheren Landesherren nicht 



in Hörn. 



') Raupach, Forsch. III, 174 fr. u. Beil. p. 47 ff. — Huber, IV, 515 ff. — Hurter, 
VI, 88 ff. — Loserth, 1. c. p. 230. 

2 ) Wahrscheinlich nach Loserth, 1. c. 232, am 9. Sptb. und nicht wie Raupach 
1. c. Beil. p. 60 sagt, am 12., von welchem Tage schon die Antwort des Königs datiert ist. 
— Chlumecky, 1. c. 514 — 521. 

3 ) LA. Ldtgsprot. 205. — Raupach, Forts. III. Beil., p. 63. 

4 ) LA. Ldtgsprot. 204. 



47 

erinnern konnten. Sie rief gleichsam nach einer ähnlichen Replik, die 
sich die Stände nicht entgehen ließen. Zwar wollten sie die vom Kaiser 
beliebte Zession, zu der sie selbst mitgewirkt, ebensowenig bestreiten, 
wie die Erbberechtigung des Erzherzogs, doch hätten sie alle Ursache, 
darauf zu bestehen, daß ihre gravamina vor der Huldigung erledigt 
werden, denn vorher seien sie nicht als Erbuntertanen zu betrachten 
und gerade die Hoffnung auf das freie Religionsexerzitium sei ein Haupt- 
hebel gewesen, sich der älteren Untertänigkeit zu entledigen. Der Vor- 
gang gegen Geyer sei eine Verletzung ihrer Rechte. In Anbetracht 
der zu beobachtenden hitzigen Stimmung fänden sie es vorsichtiger, 
keinen Anlaß zu Unzukömmlichkeiten zu geben und hätten daher be- 
schlossen, sich von hinnen zu begeben. Sie erwarteten gehorsam die 
königlichen Resolutionen und bäten nur diese künftig persönlich zu unter- 
schreiben. Der Drohung folgte ohne Verzug die Tat. Nachdem diese 
Schrift durch die in Wien zurückbleibenden Kollonitsch, Losenstein 
und Herberstein übergeben war, verließen am 14. September die Evan- 
gelischen die Stadt und zogen nach Hörn. 1 ) Der Huldigungslandtag, 
der am 11. von Matthias persönlich eröffnet worden war, mußte nach 
dieser Sezession als gesprengt betrachtet werden. Denn in Hörn befand 
sich jetzt die große Majorität der Stände, 116 Herren und 144 Ritter, 
zusammen 260 Mitglieder, deren Zahl sich noch auf etwa 400 erhöhte, 
die zu den reichsten und angesehensten Landherren gehörten. Unter 
den auf einer Liste vom 22. September promiscue angeführten Namen 
finden sich jene der 3 Brüder Hans Jacob, Hans Lorenz und Hans 
Ludwig Freiherrn von Khuf stein, die nun noch öfters hervortreten 
sollten. 2 j 



Um nicht ganz abzubrechen, wurde noch zwei Tage darauf, am 
16. September, eine im Namen aller vier Stände ausgefertigte Eingabe 
an den König übergeben, in welcher diesem zu seinem Regierungs- 
antritte gratuliert, die Huldigung gegen vorherige Bestätigung der Privi- 
legien versprochen und um Einberufung der abwesenden Ständemitglieder 
gebeten wurde. 3 ) Die Katholischen, welche von den Evangelischen gleich 
nach deren Sezession durch Schreiben vom 15. September beschworen 
worden waren, die gemeinsame Sache nicht zu verlassen, da nur durch 
festes Zusammenstehen die alten Rechte und Privilegien der Stände zur 
Anerkennung gebracht werden könnten 4 ), ersuchten unter dem 20. Sep- 
tember die Evangelischen in Beantwortung ihres Schreibens, zur Huldi- 
gung nach Wien zurückzukehren, indem sie sich tatsächlich als Erb- 
untertanen betrachteten und mit den Versprechungen des Königs in 
betreff der ständischen Rechte sich beruhigen zu können glaubten. 5 ) 



l ) Raupach, Forts. III, 178 fr. u. Beil. 60 ff. — Hurter, VI, 90 ff. — Huber, 
IV, 520 ff. — Khevenh., VII, 33. — Loserth, 1. c. 233. 
-) LA. Rel. E. B. — Gindely, 1. c. I, 282. 
3 ) LA. Ldtgsprot. p. 197. 
*) Raupach, Forts. III, Beil. p. 70. 
5 ) LA. Ldtgsprot. 207 u. Pol. Exe. B. — A. III, 14 u. 18. 



48 

Matthias seinerseits forderte die gesamten Stände mit einem neuer- 
lichen Erlaß vom 22. wiederum zu der auf den 30. September ver- 
schobenen Huldigung auf und suchte gleichzeitig auf die Widerspenstigen 
vermittelnd einzuwirken, indem er den milder gestimmten Erzherzog 
Maximilian zu Verhandlungen benützte. Dieser wieder wandte sich an 
die Evangelischen Sigmund von Herberstein und Sigmund von 
Losenstein, die nach Hörn entsendet wurden und dort die Benennung 
eines Ausschusses erreichten, der in 10 Forderungspunkten, hauptsäch- 
lich die Anerkennung der Religionskonzessionen Maximilians II. an 
die Stände und die Städte, freie Religionsübung auf dem Lande und 
Gleichstellung in den Ämtern, alles unter Mitfertigung der mährischen 
und ungarischen Stände zu verlangen hatte. *) 

Letztere Bedingung war eine Folge der Konföderation, an welcher 
Matthias selbst beteiligt war. Unter seiner Ägyde hatten sich die öster- 
reichischen Stände in Wien, Preßburg und Eibenschitz mit den 
Mährern und Ungarn verbunden. Er mußte es sich also gefallen lassen, 
daß diese Verträge sowie auch das Separatbündnis von Strbohol vom 
29. Juni nunmehr angerufen wurden, wo es ihm weniger angenehm 
sein mochte, an die früher eingegangenen Verpflichtungen erinnert zu 
werden. Die Horner waren mit den Mährern in fortlaufender Verbin- 
dung und unterrichteten diese ebenso wie die Ungarn von dem Fort- 
gange ihrer Verhandlungen. Aul ihr Ersuchen antwortete Zierotin 
entgegenkommend und, nachdem Quintin von Althan an diesen ab- 
gesendet worden war, und ebenso Ludwig von Königsberg, Hans 
Rueber und Wilhelm von Neydeck nach Ungarn, wurde die Ver- 
mittlung der Mährer und speziell des mäßigend einwirkenden Zierotin 
beim Könige eingelegt, der sie auch mit Schreiben vom 3. Oktober 
akzeptierte in der Erwartung, daß sie nichts vertreten würden, was etwa 
Unbilliges verlangt werden wollte. 2 ) 

An demselben Tage schlössen die Horner angesichts der erfolg- 
losen Verhandlungen ihrer Abgeordneten in Wien, welche ihnen eine 
schriftliche Antwort des Erzherzogs vom letzten September überbracht 
hatten, sowie der ihnen bedrohlich scheinenden Haltung des Hofes und 
der Rüstungen der Katholischen ein neues Bündnis mit den Oberöster- 
reichern, um vereint ihre Ansprüche zu vertreten. Der Bundesbrief trägt 
166 Unterschriften, unter diesen jene der bereits oben genannten drei 
Gebrüder Kuefsteiner. 3 ) Gleichzeitig begannen sie Rüstungen, die 
bis Mitte November schon 4000 Mann zusammenbrachten. 4 ) 

Auf das letzte Dekret des Erzherzogs antworteten sie mit dem 
Hinweise darauf, daß sie die Huldigung nicht leisten könnten, solange 
sie nicht in ihren Freiheiten und Privilegien der Übung nach bestätigt 
worden seien und die Religionskonzession anerkannt wäre. Dieses in der 
Nacht vom 3. zum 4. Oktober abgesendete Schreiben kreuzte sich mit 
einer neuerlichen Sendung Losensteins nach Hörn, die aber eben- 
sowenig Erfolg hatte als jene der Herren von Trautson, Fürstenberg 

') Loserth, 1. c. 234 ff. — Bibl, 1. c. 44. — Raupach, Forts. III, 181 ff. u. 
Beil. p. 71. 

2 ) Loserth, 1. c. 236 u. Beil. XI. 

3 ) LA. Rel. E. B. u. A. 10, 11. — Hfkzl. A. IV, H. 4. — Notizenbl. IV v. J. 1854, 
p. 321 ff. (Notizen über die Kuefstein p. 372 mit einigen Fehlern.) 

4 ) Hurter, IV, 524. — Bibl, 1. c. p. 45. — Khevenh., VII, 33. 



49 

und Stadion, welche als Vertrauensmänner des Erzherzogs neuerliche 
Vorschläge desselben zu überbringen hatten. 1 ) 

Das Versprechen Maximilians, das kaiserliche Wort des Vaters 
in betreff der »gegebenen Konzession nicht zu disputieren, also auch sie 
an ihrem Ort verbleiben zu lassen«, schien keine genügende Sicherheit 
zu bieten, insolange es nicht auch vom Könige selbst gegeben würde, 
wie die Horner es in ihrem Schreiben vom 14. Oktober verlangten.'^) 

Matthias hatte alle Ursache nicht mit ihnen zu brechen. Doch ist 
es begreiflich, daß er die Huldigung nicht länger hinausschieben wollte, 
welcher jene der Ungarn folgen sollte. So ging an dem zuletzt festge- 
setzten Termin des 16. Oktober die Erbhuldigung der Katholischen allein 
vor sich, denen sich nur 2 Evangelische, Carl von Teufel und Fried- 
rich von Windischgrätz, anschlössen. Der König konfirmierte den 
Ständen ihre Privilegien und Freiheiten, und verbot jede Teilung des 
Landes, welches stets vom Ältesten des Hauses regiert werden solle. 3 ) 
Den Hörnern ließ er durch Maximilian sagen, er bedauere, daß sie 
sich von den übrigen Ständen bei der nicht mehr aufzuschiebenden 
Huldigung abgesondert hätten, doch sei diese so vorgenommen worden, 
daß sie ihnen nicht zum Präjudiz oder Nachteile gereichen solle. Sie 
mögen einen Ausschuß nach Wien senden, um über ihre Prätensionen 
zu verhandeln. Der König selbst bekräftigte dieses Schreiben, indem er 
am 19. den Erzherzog als seinen Vertreter während seiner Abwesenheit 
bezeichnete und die Horner zu Verhandlungen mit diesem aufforderte, 
Trautson und Fürstenberg wurden neuerdings nach Hörn gesendet. 4 ) 
Man sieht, wie sehr man wünschte, zu einer Vereinbarung zu gelangen 
und auch die Horner erklärten sich zu Verhandlungen bereit, die sie 
jedoch noch hinausschoben, bis alle ihre Mitglieder versammelt sein 
würden. 5 ) 



Mittlerweile riefen sie wieder die Dazwischenkunft der Mährischen 
Stände an, deren in Wien anwesenden Gesandten sie am 18. von der 
erfolgten Huldigung der Katholischen Kenntnis gaben, welche ihnen 
zu großem Präjudize gereiche. G ) Weder die Mährer, noch auch die gleich- 
zeitig angegangenen Ungarn zeigten sich zu extremen Maßnahmen be- 
reit. Die ersteren suchten jedoch nach Möglichkeit durch Vermittlung 
zu helfen. Namentlich Zierotin, der den Erzherzog in guter Disposition 
fand, mahnte zur Versöhnlichkeit. »Wenn Ihr Stände besiegt werdet«, 
schrieb er an Tschernembl, »dann habt Ihr keine Hoffnung mehr, Eure 
alten Freiheiten je wieder herzustellen. Religionswahrheiten lassen sich 

nicht mit den Waffen behaupten Gebt etwas von Eurem Rechte 

nach, um die Hauptsache zu retten, seid mäßig und bescheiden.« 7 ) 

Dies war aber nicht nach dem Sinne der Horner, die ihre Macht 
fühlten und auch bei den Ungarn, an welche sie schon anfangs Oktober 
eine Gesandtschaft von 5 Personen delegiert hatten, Unterstützung zu finden 

i) Raupach, Forts. III, 185 ff. — Loserth, 1. c. 240 u. Beil. XVII u. XVIII. 

2 ) Loserth, 1. c. 241. 

3 ) LA. Rel. E. B. — HfkzlA. I, A, 2. - LA. A. 3, 18. - Khevenh., VII, 160. 

4 ) Loserth, 1. c 241. — Bibl, 1. c. 45. 

5 ) Loserth, 1. c. 242, wiederholt auf p. 244. 

6 ) Loserth, 1. c. Beil. XIX. 
") Chlumecky, 1. c. 545. 

Kuefstein. III. •* 



50 

hofften. Tschernembl führte das Wort als Prinzipalgesandter und wurde 
zu Preßburg von den versammelten Ständen am 21. Oktober, dem Tage 
vor dem Einzüge des Matthias, empfangen. Seine schwungvolle Rede 
machte so tiefen Eindruck, daß die Stände beschlossen, den Österreichern 
zu Hilfe zu kommen, ja, Einige wollten sogar die Krönung nicht eher 
vornehmen. *) Allein es ging nicht so hitzig weiter. 

Die Ungarn fühlten wohl, daß sie den Österreichern zu Hilfe zu 
kommen verpflichtet wären und daß dies auch im Interesse der Auf- 
rechthaltung ihrer eigenen Privilegien und Religionsfreiheiten gelegen 
sei. Doch konnte man sich zu einem aktiven Vorgehen nicht entschließen. 
Es sollten vorerst 12 Mitglieder der österreichischen Stände nach Preß- 
burgkommen, dem Reichstage ihre Beschwerden vorzubringen. Der König 
aber stellte sich dagegen, weil Österreich ein erbuntertäniges Land sei 
und mit dem Königreich Ungarn keine Gemeinschaft habe. Ein Stand- 
punkt, der später bedauert worden sein mag. Den Ständen ließ Matthias 
am 27. Oktober mitteilen, daß er diese ganze Angelegenheit dem Erz- 
herzog Maximilian übergeben habe. Da er ihre Vermittlung übrigens 
nicht ablehnte, unterließen sie es nicht, sich der Horner anzunehmen, 
für welche namentlich der neuerwählte Palatin Illeszhazy beim Könige 
eintrat. -) 



Missionen Die Horner wählten am 29. October den Hans Jacob Freiherrn 

an den von Kuefstein zu ihrem Vertreter, welcher im Namen der Evangelischen 
°" Stände von Ober- und Niederösterreich beim Erzherzog sprechen sollte, 
und baten um freies Geleit für ihn. Der Erzherzog jedoch hielt dies 
nicht für notwendig, da sein Wort ihnen wie Brief und Siegel gelten 
müsse. Er wies auch die Verhandlung mit beiden Ländern zusammen ab, 
sondern »die Oberösterreicher sollen das Ihrige separat vorbringen und 
steht ihnen Ab- und Zuzug in gleicher Weise ohne Gefahr bevor«. 3 ) 

Ohne sich daran zu kehren, nahmen diese an der vom Erzherzog 
verlangten Gesandtschaft von 20 Mitgliedern teil, welcher Hans Jacob 
von Khuefstein jedoch nicht angehörte. 

Diese Deputation wurde mit Kredenzschreiben und Instruktion vom 
1. November nach Wien abgeordnet und am 5. vom Erzherzog in 
Audienz empfangen. Die Gesandten verlangten vor allem die königliche 
Vollmacht des Erzherzogs zu sehen, welcher daraufhin erklärte, er sei 
bereit, diese vorzuweisen, aber vorerst sollten sie die Punkte, welche sie 
vertreten wollten, in einer Schrift neuerdings niederlegen. Es waren im 
wesentlichen dieselben, um welche sich die ganze Bewegung schon zu 
Zeiten der Statthalterschaft Matthias' gedreht hatte, nämlich die Be- 
stätigung der Religionsassekuration, die Ausdehnung auf die Städte, 
der sogenannte Auslauf der Bürger zu den Kirchen der Adeligen, und 
hauptsächlich die Art der Anwendung der Konzession. Diesmal hatten 
die Delegierten noch spezielle Vorwürfe zu widerlegen. Ihre Rüstungen 
betreffend, bezeugten sie vor Gott, daß ihnen niemals in Gedanken ge- 
kommen, die Waffen gegen den König zu gebrauchen, sondern lediglich 
gegen ihre Widersacher und deren eigene Rüstungen. Beim Böhmischen 

x ) Raupach, Forts. III, 195 ff. — Khevenh., 1. c. VII, 15. 

2 ) Raupach, Forts. III, 197. — Loserth, 1. c. 254. 

3 ) Loserth, 1. c. pag. 242, wiederholt p. 245. 



51 

Zuge, meinten sie mit deutlicher Anspielung- auf ihre Beihilfe, hätten 
sie mit den unierten Ländern auch die Waffen behalten müssen, bis der 
Vertrag - zustande gekommen war, und jetzt erböten sie sich auch sie 
niederzulegen, wenn der Erzherzog die Versicherung gebe, daß auch 
die Gegenpartei abrüste. Die Erbhuldigung werde nie eher geleistet 
als bis der Landesfürst die Freiheiten bestätigt habe. Daß sie sich der 
Städte annehmen, sei ihr Recht aus christlicher Nächstenliebe und weil 
in bezug auf das Religionsexerzitium kein Unterschied bestehe. Und 
wegen der verlangten Absonderung von den Oberösterreichern wurde 
darauf verwiesen, daß sie so stark miteinander verbunden seien, daß 
gar nichts geschehen könne, was nicht für beide gelten müßte. Wenn 
es zu einem Einvernehmen komme, so soll dies vom Könige, dem Erz- 
herzoge und den unierten Landen sowie den protestierenden Reichs- 
und Kurfürsten unterschrieben werden. Dann seien sie bereit die Huldi- 
gung zu leisten und sich als getreue, gehorsame Stände zu erweisen. ') 

Das Verlangen der Garantie der Reichsfürsten und der konfö- 
derierten Länder kann nach der damaligen Sachlage nicht als besonders 
auffallend betrachtet werden. Matthias selbst war auf seinem Zuge 
gegen den Bruder stets besorgt gewesen, seine Handlungen den Reichs- 
und Kurfürsten gegenüber zu rechtfertigen. Wie damals fanden auch 
diesmals Einwirkungen derselben statt und namentlich war es Kurfürst 
Christian IL von Sachsen und Friedrich von der Pfalz, welche 
sehr dringende Vorstellungen zugunsten der Evangelischen bei Matthias 
vorbrachten. 2 ) Und wie der König diese nicht vermeiden konnte, so 
mußte er darauf gefaßt sein, daß die Stände, mit denen er sich gegen 
den Bruder verbündet hatte, sich immer wieder auf diese Konföderation 
beriefen, die ihm seitdem unbequem geworden war. 

So hatte er auch nicht umhin gekonnt, die Mediation der Ungarn 
anzunehmen, welche jetzt eifrig ins Werk gesetzt wurde. Thurczo 
wirkte mit Illeszhazy und Zierotin dahin, den Hörnern Mäßigung 
und dem König Nachgiebigkeit zu empfehlen, da er bei einem blutigen 
Zusammenstoße in keinem Falle auf einen Sieg rechnen könne und nur 
die Ungarn und Mährer um so sicherer auf die Seite der Österreicher 
treiben würde. 3 ) Jedoch ließ sich Matthias zu nichts anderem herbei 
als was er am 5. November wiederholte, daß er die Konzession seines 
Vaters in allen Punkten zu bestätigen bereit sei, den Städten und Märkten 
aber könne er das exercitium religionis nicht einräumen. Nur als 
Konnivenz könnte er es geschehen lassen, daß die Bürger ihr Exerzitium 
außerhalb der Städte und Märkte suchen. Andere petita, wie die gleich- 
mäßige Besetzung der Ämter etc. würden berücksichtigt werden, wenn 
die Evangelischen ihre Truppen entlassen, sich untertänigst bei ihm 
einstellen und die Oberösterreicher ihr Unrecht erkennen. Diese Antwort 
des Königs wurde den Hörnern durch eine eigene Gesandtschaft unter 
Führung Thurczos mündlich mitgeteilt und außerdem noch schriftlich 
in 14 Punkten zur Annahme geraten. Die Homer, schmerzlich ent- 
täuscht durch die unerwartet schwache Haltung der Ungarn, mahnten 
diese, der gemeinsamen Ziele der Union nicht zu vergessen, verwahrten 
sich am 15. November gegen den Vorwurf ungesetzlichen Vorgehens, 



*) Raupach, Forts. III, 187 fr. — Bibl, 1. c. 46 ff. — Loserth, 1. c. 245 fr. — 
Hurter, VI, 162. 

2 ) Raupach, Forts. III. 194. 

3 ) Gindely, Rudolf II., I, 285. — Raupach, Forts. III, 198. 

4* 



52 

da es von alters her Gebrauch gewesen, die Huldigung- erst nach er- 
folgter Bestätigung der Privilegien vorzunehmen und erinnerten daran, 
daß ihre vor der Abreise des Königs nach Mähren ihm übergebene 
Petition noch nicht erledigt sei. Auch das strenge Vorgehen gegen 
Geyer und Hofkirchen schreckte sie vor zu großer Vertrauensseligkeit 
zurück. Sie wünschten nur den Katholischen gleichgestellt zu sein und 
»bloß ein Plätzchen, wo sie mit den Bürgern und Bauern ihren Gott an- 
beten dürfen.« *) 

Mit Bitterkeit mußte es die Österreicher erfüllen, daß ihnen allein 
dieselben Freiheiten versagt bleiben sollten, welche die verbündeten 
Ungarn und Mährer anstandslos genossen. Wenn sie auch — nach der 
am ig. November gegen ihre Hoffnungen vollzogenen ungarischen 
Königskrönung — von dieser Seite keine andere Hilfe zu erwarten 
hatten, als die Fortsetzung der Vermittlung, so fühlten sie sich doch 
noch stark genug, durch das was sie als rechtmäßigen Anspruch zu be- 
trachten gewohnt waren und auch durch ihre eigene Kraft und Be- 
deutung da sie die große Majorität des Besitzes vertraten. Diese selbst- 
bewußte Haltung spricht sich in ihrer Eingabe vom 14. Dezember 1608 
aus, welche unter Rekapitulation ihres Standpunktes als eine Art von 
Ultimatum die sich hoffnungslos hinschleppenden Verhandlungen vor- 
läufig zum Stillstande brachte. 2 ) 

Diese »endliche und schließliche Erklärungsschrift« beginnt mit 
dem Vorsatze, mit dem Erzherzog als einem aufrechten deutschen Fürsten 
seiner Aufforderung nach auch recht deutsch zu reden und erinnert 
daran, daß die Evangelischen Stände die Pflichterlassung ihres noch 
lebenden Erbherrn des Kaisers nur deshalb akzeptiert haben, weil dessen 
Räte ungeachtet seiner bei der Erbhuldigung erfolgten Erklärung es in 
geist- und weltlichen Sachen in dem Status verbleiben zu lassen, wie 
er bei der Übernahme sich befand, diesen von Jahr zu Jahr zu ver- 
ändern, das Exerzitium der Stände, dann in den Städten und auf dem 
Lande abzuschaffen bemüht waren. Endlich sei es dahin gekommen, 
daß alle Ämter mit katholischen, neuen Leuten besetzt worden seien, die 
der Landesfreiheiten unkundig sind. Daher komme auch die unrichtige 
Auffassung, daß sie einfach zur Huldigung schuldig wären, gegen das 
österreichische Herkommen, simpliciter de piano ohne genügende Ver- 
sicherung. Auch beim jetzigen Kaiser, wie früher, hätten die Stände 
nicht eher gehuldigt als bis er sich in den Religionspunkten expresse 
erklärt hatte, und doch war er der Älteste des Hauses der durch Erb- 
schaft, und nicht durch bedingte Zession wie jetzt, die Länder angetreten 
hat. Nicht um die Religionsassekuration, welche sich der König er- 
boten habe zu bestätigen, und die für alle Zeiten gegeben war, gehe 
der Streit, sondern darum, wie sie verstanden werden soll. Und nun 
kommen alle die oben erwähnten und aus den früheren Verhandlungen 
sattsam bekannten gravamina. Wenn aber Se. Durchlaucht diesen 
Punkten, bei denen sie beharren müssen, nicht willfahren zu können 
meine, so sähen sie sich genötigt, die Sache vor den Kaiser zu bringen, 
welchem als Haupt der Christenheit und des heiligen Römischen Reiches 
noch das direkte dominium der österreichischen Lande zustehe. 

* * 

* 



') Loserth, 1. c. p. 247 u. 256. 

2 ) LA. Rel. E. B. u. Reg. A. 4, 9. — Raupach, Forts. III, 193 u. Beil. XIII. 
Loserth, 1. c. 258. 



53 

Die Erledigung hierauf erfolgte erst im nächsten Jahre, nachdem 1609. 
am 27. Dezember nur auf die Resolution vom 27. November hingewiesen 
worden war, durch ein scharfes Dekret des Königs vom 7. Januar, 
welches die Huldigung auf den 21. festsetzte und zur Einstellung der 
Rüstungen aufforderte. Sodann erging ein anderes Dekret, welches dem 
Kriegsvolk verbot, sich für andere als die königlichen Dienste, wo ohne- 
hin Mangel daran war, werben zu lassen. 1 ) Eine noch kräftigere Ant- 
wort der Horner, von demselben 7. Januar datiert, also anscheinend 
schon im voraus entworfen, vertrat ihre Haltung gegenüber allen Vor- 
würfen und bat neuerlich um die Versicherung vor der Huldigung. Sie 
dachten gar nicht daran, ihre Truppen zu entlassen, die sie mit vollem 
Rechte geworben hätten, um gegen jene der Katholischen und der 
königlichen Völker sich schützen zu können. 

Wenn Matthias ihnen einmal hatte sagen lassen, es sei ihm nie 
in den Sinn gekommen, die Religionskonzession zu kränken, er könne 
sie aber nicht auf die Bürger und Städte ausdehnen lassen, und wollten 
sie sich damit nicht begnügen, möchten sie tun was sie wollten 2 ), so 
bedurfte es kaum mehr dieser offenbar nur im Unmute gefallenen Auf- 
forderung. Sie hatten schon selbst einen anderen Weg eingeschlagen, 
indem sie seit August Anlehnung an die neugebildete protestantische 
Union im Reiche suchten, deren bewegende Kraft, Herzog Christian 
von Anhalt, nur zu bereit war, Hilfe in Aussicht zu stellen. Richard 
von Starhemberg wurde im September an die Unionsfürsten abge- 
sendet und Tschernembl konferierte Mitte November in Wittingau 
bei Wok von Rosenberg mit Anhalt, welcher es bereits verstanden 
hatte, sogar den Kaiser für seine Pläne zu gewinnen. Menschlich be- 
greiflich ist es, daß Rudolph das Vorgehen seines Bruders nicht ver- 
gessen konnte und sonach den Vorspiegelungen Glauben schenkte, die 
ihm Hoffnung erwecken konnten, das Verlorene wieder zu gewinnen. 
Dafür war er sogar bereit, die so lange verweigerten Konzessionen zu 
gewähren, die die Stände seinem Bruder gegen alle Erwartung immer 
noch nicht abzutrotzen vermochten. Aber die Ungarn und Mährer wollten 
von der Rückkehr unter die Regierung des Kaisers nichts mehr wissen. 
»Lieber zu den Türken«, hatte Zierotin geschrieben. Nur die Österreicher 
fand Anhalt einträchtig und entschlossen 3 ) und nur wenige scheinen 
dem Kaiser zugeneigt gewesen zu sein, als dieser den Erzherzog Leo- 
pold — 9. Dezember 1608 — beauftragte, bei Matthias im Vereine 
mit Maximilian die Zurückerstattung der Länder zu betreiben, worauf 
der König zuerst versöhnlich antwortete, er sei bereit, den Kaiser als 
Haupt der Christenheit und des Hauses sowie als Lehensherrn anzu- 
erkennen, aber auf eine eigentliche Abtretung könne er nicht eingehen. 4 ) 

Nach allen Seiten hin suchten die Horner Fühlung mit den Bundes- 
genossen. Erasmus von Eitzing und Tschernembl 6 ) wurden nach 
Preßburg, Ulrich von Starhemberg nach Kaschau 6 ), wo sich ein 
Teil der ungarischen Stände befand, abgesendet, während ein Ausschuß 



1 ) LA. Rel. E. B. — HfkzlA. I, A, 2. — Huber, IV, 538. — Raupach, 1. c. 
193 u. Beil. XIV, XVII u. XVIII. — Hammer, 1. c. II, 129. 

2 ) Raupach, E. Oe. 238. — (Gindely, I, 195, gibt ähnliche Worte des Kaisers.) 

3 ) Hurter, VI, 168 ff. — Gindely, I, 282 u. 297. — Huber, IV, 535. 

4 ) Hub er, IV, 537. — Gindely, I, 290 ff. — Hurter, VI, 170. 
6 ) Gindely, I, 295. 

°) Hurter, VI, 172. 



54 

der ober- und niederösterreichischen Stände in Linz sich an die Fürsten 
der Union um Hilfe und tatkräftige Unterstützung wandte. 1 ) Letztere 
war keineswegs bereit, effektiv einzugreifen und die ersteren fanden, 
daß der Bündnisvertrag nicht anwendbar sei. Doch begaben sich der 
Palatin Illeszhazy und Zierotin mit einigen Standesgenossen im Januar 
wieder nach Wien, wo es ihnen gelang, den zwischen seinem Gewissen 
und dem Wunsche, Österreich nicht zu verlieren, schwankenden König 
gegen das Widerstreben von Khlesl, Khuen, Meggau und des Erz- 
herzogs Leopold zum Einlenken zu bestimmen. Auf die Horner wirkte 
namentlich die mährische Deputation unter Zierotin, der sie bewog, 
wieder eine Abordnung von 10 Bevollmächtigten nach Wien zu senden. 2 ) 
Obwohl der Geleitbrief des Königs schon am 31. Januar ausgestellt 
worden war, kam die Gesandtschaft erst am 21. Februar 1609 nach 
Wien. Die im Vereine mit Zierotin, hauptsächlich von Jörger und 
Tschernembl geführten Verhandlungen gestalteten sich so schwierig, 
daß sie nicht nur innerhalb der von den Hörnern gesetzten Frist von 
10 Tagen nicht zu Ende geführt werden konnten, sondern auch mehr- 
fach nahe dem Abbruche standen. Knapp vor der angedrohten Abreise 
der Gesandten gelang es Zierotin und Liechtenstein, den König 
umzustimmen. »Was soll ich tun«, soll er ausgerufen haben, »bewillige 
ich, so bin ich verdammt, und gebe ich nicht nach, so verliere ich das 
Land!« Die Betrachtung, daß er nichts gebe, was nicht seine Vorgänger 
schon bewilligt hatten, konnte ihn nur schwach beruhigen. 



Die Kapi- Allerdings aber ging die sogenannte Kapitulationsresolution, 

T^Bolntimi we ^ cne er am J 9- März 1609 unterschrieb, doch einigermaßen darüber 
v. 19. März hinaus, indem namentlich nachträglich noch am 21. auf Grund der den 
1609. Mährern vorher erteilten Zusicherungen eine komplementäre Ausdehnung 
hinzutrat, welche die Häuser in den Städten und die 3 Kirchen — 
Hernais, Inzersdorf und Tribuswinkel — betraf. Nach den nicht 
überall gleichmäßig wiedergegebenen Bestimmungen wird den Ständen 
auf ihren Besitzungen, Schlössern, Häusern, Mühlen etc., sie mögen sie 
bewohnen oder nicht, und ihren Häusern in der Stadt freies Religions- 
exerzitium zugestanden, ebenso allen ihren Glaubensgenossen, sie mögen 
eingepfarrt sein wo immer. Diese brauchten also nicht mehr abgeschafft 
zu werden. Das unparteiische Judizium und der Hofrat sollen errichtet, 
alle Exekutionen aufgehoben und die Kriegsvölker von beiden Seiten ab- 
gedankt werden. Das Original v. 19. ist unterschrieben von Liechten- 
stein, Traut so n, Mollard, Khuenberg, Leiser, Zierotin undjörger. 3 ) 
Bei der am 2^. März den Gesandten der Horner erteilten Ab- 
schiedsaudienz sprach Tschernembl im Namen- der Ober- und Unter- 
österreicher den gehorsamsten Dank aus, fügte aber gleich hinzu, daß 



*■) Gindely, I, 298. 

'-) Raupach, Forts. III, p. 204. — Chlumecky, 1. c. 541. — Huber, IV, 540. 
3 ) LA. Rel. E. B. — Abschrift sub A. III, 18 u. A. IV, 13 u. 8. — Khevenh., VII, 
163. — Raupach, E. O. 239 ff. u. Beil. IX u. Forts. III, 202 ff. — Hurter, VI, Buch 52. 

— Gindely, I, 296 ff. — Huber, IV, 539 ff. — Hammer, II, 122-139. — Bibl, 55 ff. 

— Wiedemann, I, 537 ff. 



55 



es jetzt hauptsächlich auf die Art der Ausführung der Konzessionen 
ankomme. Se. Maj. möge daher nicht gestatten, daß jemand gegen diese 
rede oder handle. Nicht nur Österreich, sondern auch Böhmen, Mähreh, 
Ungarn und das ganze Römische Reich, mit dessen Fürsten sie in 
Korrespondenz bleiben müßten, habe sein Auge darauf, wie denn eben 
auch die Gesandten der Union beim Kaiser erschienen seien. Dann 
ging er so weit, die Entfernung Khlesls, als der hauptsächlich den 
Ständen abgeneigten und die Eintracht störenden Persönlichkeit, zu ver- 
langen. ') 

Gewiß durften sie sich verletzt fühlen, von Seite desselben den 
Vorwurf der Rebellion gegen sich geschleudert zu sehen, den sie eben- 
sowenig zu verdienen glaubten, wie ihr gegenwärtiger Landesfürst, der 
sie gegen den früheren mit den Waffen in der Hand geführt hatte. Sie 
blieben auf dem Standpunkte legaler Opposition, der allerdings durch 
den Zweifel, wer eigentlich der gesetzliche Herr sei, sowie die alther- 
gebrachten Rechte begründet werden konnte. Die damaligen Verhält- 
nisse sind nicht mit dem heutigen Maßstabe zu bemessen. Auch heute 
begegnen wir übrigens sehr entschiedenen Oppositionen der Vertretungs- 
körper. Einige Monate später, am 9. Juli, sah auch der Kaiser sich 
genötigt, nachzugeben und den Majestätsbrief zu bewilligen. 

Die Evangelischen Stände hatten einen entschiedenen Sieg errungen, Huldigung 
das Ziel ihrer halbhundertjährigen Kämpfe und konnten jetzt befriedigt v - 29. April, 
die Huldigung leisten. 

Wie sehr man darauf hielt, sie zahlreich dazu erscheinen zu sehen, 
lehrt ein Verzeichnis von 83 Mitgliedern des Herrenstandes, welche alle 
einzeln aufgefordert werden sollten und unter denen auch die Gebrüder 
Hans Jacob, Hans Lorenz und Hans Ludwig, die Khuefstainer, 
die auch erschienen, genannt werden. Dieses von der Hofkanzlei an die 
Verordneten gesendete Schriftstück bemerkt ausdrücklich, daß allen 
Adressaten die Anrede: »Edler lieber Getreuer« gegeben und ihnen 
spacium wegen des Tages gelassen werden solle. 2 ) 

Die Huldigung ging am 29. April in gewohnter feierlicher Weise 3 ) 
und mit einem stattlichen Bankett bei Hofe, allerdings aber ohne das 
übliche Hochamt bei St. Stephan vor sich. 4 ) 

Tatsächlich waren erschienen 100 Herren und bei 128 Ritter. Nach 
der Huldigung wurden die Religionsprivilegien gemäß der vorher ge- 
gebenen Zusage vom Könige bestätigt. 5 ) In einer späteren Erledigung 
desselben wird ausdrücklich daran erinnert, daß die Stände sich für 
Erteilung der Assekuration bedankt und daraufhin gehuldigt hätten. ) 



') Raupach, Forts. III, Beil., p. 131 (Text). — Huber, V, 543. — Hurter, 
VI, 188. 

-) LA. A. III, 14. 

3 ) Also nicht so still wie Wiedemann, I, 540, sagt. 

4 ) LA. A. III, 18, Beschreibung. — Hammer, II, 141. — Hurter, VI, 191. — 
Huber, IV, 542. — Gindely, I, 308. 

r LA. A. III, 18 u. Rel. E. B. 
6 ) LA. 1. c. 



56 

Neuerliche Die Konzession war gegeben. Nun aber kam es, wie Tschernembl 

Beschwerden, gesagt hatte, auf die Ausführung an, die sofort der Opposition der 
Gegenpartei begegnete. Noch am Tage der Unterzeichnung protestierten 
der Prälatenstand und die katholischen Stände gegen die Assekuration. 
Erzherzog Leopold als Bischof von Passau legte gleichfalls Verwahrung 
gegen Schmälerung seiner kirchlichen Rechte ein, ebenso wie Khlesl 
als Bischof von Wien, und Matthias, dem Banne verfallen, sah sich 
genötigt, sich beim Papste davon zu lösen. Daß Jörger, Geyer und 
Landau ihre Kirchen bei Wien hatten wieder öffnen lassen und in 
Hernais der aus Kursachsen gesendete Höe unter außerordentlichem 
Zulaufe predigte, sowie daß die Reichsfürsten sich an Matthias für die 
Freigebung der Religion auch in den Städten wandten, erregte sofort 
bittere Stimmung gegen den neuen Zustand. Es war also nicht über- 
raschend, daß, nachdem der von den Evangelischen verlangte Landtag 
am 5. September vom Könige eröffnet worden war, die Katholischen 
auf die Frage, ob sie die Resolution mit ihnen gemeinsam ausführen 
wollten, bemerkten, sie wüßten nichts von einer mit ihnen getroffenen 
Abmachung, worauf letztere am 9. September erklärten, daß sie der 
Majestät ein Memorial überreichen wollten, daher vorher nicht zu den 
Propositionen schreiten könnten. 

Am 11. ließen nun die Unkatholischen dem Könige diese Schrift 
durch einen Ausschuß überreichen, welchem angehörten: P.Jacob von 
Starhemberg, Helmhardt Jörger, Wolf Thonradl, Hans Jacob 
Kuffsteiner, Sebastian Grabner, H. R. Inderseer, Albr. Geyer 
und W. Steger. Sie beschweren sich, daß in der Landtagsproposition 
der Kapitulation nicht gedacht sei und führen die auf Grund derselben 
vor allem zu erörtenden Punkte an, nämlich Aufrichtung des unpar- 
teiischen Judiciums, Besetzung der hohen Ämter, Abdankung des Kriegs- 
volks, Fertigung der Resolution durch Erzherzog Maximilian und die 
Publikation der Assekuration, damit die Katholischen sich auch danach 
richten, sowie andere gravamina, die seitdem entstanden waren. Über 
welches alles sie um gnädige Remedierung flehten, mit dem Versprechen, 
sich bei Beratung der Propositionen als getreue und gehorsame Stände 
zu erweisen. *•) 

Diese in ruhigem und ehrfurchtsvollem Tone gehaltene Schrift 
hatte nicht das Glück günstig aufgenommen zu werden. Schon bei 
der Übergabsaudienz ließ Matthias als Antwort auf das Verlangen 
Tschernembls ihnen vermelden, daß Khlesl, von dem in der Ein- 
gabe kein Wort gesagt war, an keiner Verhinderung Schuld sei und von 
seiner ordentlichen Session im Landtage nicht könne ausgeschlossen 
werden, in dem Vertrauen, die Stände würden Ihrer Maj. nichts Beschwer- 
liches zumuten. Dennoch wurde von den Ständen am 12. abermals be- 
schlossen, daß sie nicht neben ihm, der sie in einer Predigt heftig 
beschimpft hatte, sitzen könnten, noch wollten, was in einer eigenen Schrift 
motiviert wurde. 2 ) Außerdem wurde eine andere aufgesetzt und beide 
am 22. September, wieder durch einen Ausschuß, übergeben. Sie wollten 
die Propositionen noch vornehmen, wenn sie nur auf ihre Eingaben 
eine befriedigende Resolution erhalten würden, welche vom Könige 
unterschrieben und an alle drei Stände beider Erzherzogtümer gerichtet 



!) LA. Rel. E. B. — Raupach, Forts. III, 244, Beil. XXVI. - Chlumecky, 
1. c 628 ff. 

-) Raupach, 1. c. 247 u. Beil. XXVIII. 



57 

sei. Dem Könige zu Gefallen verzichten sie darauf, die vorgegangene 
Friedenshandlung eine Kapitulation zu nennen, bitten aber um Publi- 
kation derselben, da sonst die Katholiken keine Verhandlung darüber 
eingehen würden. 1 ) 

Nachdem die wegen der Weinlese erbetene Prorogation des Land- 
tages abgeschlagen worden war, erbaten die Stände wieder Audienz, 
aber nur G. A. v. Hofkirchen wurde vorgelassen, da die Teilnahme 
des 4. Standes nicht bewilligt wurde. Er wurde auf seine Fürsprache 
für die Städte dahin beschieden, daß Se. Maj. dasjenige, was zugesagt 
wurde, unfehlbar halten wolle, was sich in der übrigens strengen Re- 
solution vom 12. Oktober wiederholt fand. 

Diese Versicherung konnte jedoch nicht genügen, da der sonstige 
Inhalt der Resolution höchst unbefriedigend lautete. Es wurde daher 
eine neue Schrift verfaßt, welche besonders hervorhob, daß sich die 
Niederösterreicher von den Oberösterreichern nicht trennen lassen können, 
da sie ein konstituiertes corpus bilden, und die Kapitulation auf beide 
laute, daß in dieser auch die Städte und Märkte begriffen seien die 
den vierten Stand ausmachen, daher nicht von den anderen getrennt 
werden könnten, endlich auch seien die anderen Punkte noch nicht durch- 
geführt. Diese Schrift wurde durch Greiß und Geymann am 1. No- 
vember übergeben und am 12. erhielt ein vorgeforderter Ausschuß von 
8 Mitgliedern eine dilatorische Antwort, welche der König einige Tage 
später, am 14. vor seinem Aufbruche zum Reichstage nach Preßburg 
wieder vor einem Ausschusse dahin ergänzte, daß er nicht beabsichtigt 
habe, die Ober- und Unterösterreicher zu trennen und halten werde, was 
er den beiden Ständen wie auch den Städten und Märkten versprochen 
habe. 2 ) 

Da trotzdem immer noch die Kapitulation nicht eingehalten, gegen 
die Evangelischen in den Städten vorgegangen wurde und die so oft 
erbetene Antwort auf ihre Eingaben nicht erfolgte — nachdem die Mährer 
sich wieder einmal vergebens für sie verwendet hatten — sandten sie 
den Rat Starzer nach Preßburg zum König und an den Reichstag 
und als Jener unverrichteter Dinge zurückkehrte, schrieben sie eine 
Zusammenkunft auf den 2. Dezember aus, in welcher die Absendung- 
einer Gesandtschaft von 12 Mitgliedern an den König beschlossen wurde, 
welche sich vor allem mit dem neu ernannten Palatin Graf Georg 
Thurczo in Verbindung setzte und vom Reichstage empfangen wurde, 
vor dem Tschernembl in lateinischer Rede die Vermittlung der Stände 
erbat. Die Ungarn haben zwar die Bündnisse von Preßburg und Eiben- 
schitz gesetzlich inartikulieren und die 3 Evangelischen Stände von 
Nieder- und Oberösterreich in die ungarische Landtafel am 5. Dezember 
einverleiben lassen 3 ), aber nicht befunden, daß der casus foederis jetzt 
gegeben sei. Doch gelang es dem Palatin, den König zu der Zusage zu 
bewegen, den Landtag auf den 3. Februar wieder zur Reassumierung 
zu berufen, die gravamina zu erledigen und eine Aufklärung in betreff 
der Städte, die er als Stand anerkenne, zu geben. 4 ) 



L ) Raupach, 1. c. 245 ff. 

2 ) Raupach, Forts. III, 251. — Hurter, VI, 205 ff. — Gindely, II, 95 ff. 
Huber, V, 13 ff. 

3 ) HfkzIA. IV, H. 4. 

4 ) Raupach, Forts. III, 261 ff. — Hammer, 1. c. II, 157. 



58 

Bestätigung Noch vor dem Zusammentritte des dem Versprechen gemäß ein- 

V 1610 berufenen Landtages verlangten die Evangelischen in einem am 16. Januar 
durch Oberst von Hofkirchen übergebenen Memorial neuerdings die 
Publikation der Resolution und beklagten sich über Eingriffe gegen 
dieselbe, und die Mährischen Stände gewährten ihnen, der Konföderation 
gemäß, ihre Vermittlung beim Könige. Ebenso ließ der Palatin es sich 
angelegen sein, mildernd zu wirken. Da sie die Teilnahme am Landtage 
verweigerten, solange ihnen nicht Satisfaktion gegeben sei und auch 
die Katholiken Entgegenkommen zeigten, anderseits Matthias, durch 
die Haltung des Kaisers, die Aufstellung des Passauer Kriegsvolkes, die 
Umtriebe Anhalts in Verbindung mit der Union bedroht, es für klüger 
hielt, sich mit seinen Ständen besser zu stellen, entschloß er sich 
endlich zum Bescheide v. 21. Februar, welcher die Kapitulations- 
resolution neuerdings bestätigte und erklärte, daß unter dem 
4. Stande die Städte und Märkte verstanden und in der Konzes- 
sion begriffen seien, und es im Wunsch des Königs liege, in Frieden 
und Eintracht alles beraten und die Propositionen votiert zu sehen. Dieser 
Bescheid wurde den gesamten Ständen von den königlichen Räten und 
Thurczo im Beisein der Mährischen Stände am 20. und 22. Februar 1610 
öffentlich im Landhause vorgetragen und auch schriftlich mitgeteilt, wo- 
durch die oben nicht genehme Publikation umgangen wurde. Die Stände 
dankten und erläuterten den Bescheid dahin, daß durch die Bezugnahme 
auf die Resolution vom ig. März 1609 auch die ganze mündliche Ver- 
abredung begriffen sei, nach welcher Se. Maj. alle Amter, Dienste und 
Ratsstellen aus den Personen besetzen wolle, welche die gesamten Stände 
vorschlagen. Ferner mögen danach die den Bürgerstand repräsentieren- 
den 18 Städte und Märkte nicht mehr als Kammergüter, sondern als 
4. Stand genannt und gehalten werden. Tatsächlich wurden endlich am 
3. März ihre Verordneten mit den anderen zur Audienz zugelassen. 1 ) 

Die Evangelischen hatten einen neuen Sieg errungen. Der Adel hatte 
sonach die so lange vergebens angestrebte Anerkennung des Bürger- 
standes endlich durchgesetzt und dieses Zugeständnis darf wohl als der 
Höhepunkt der ständischen Erfolge betrachtet werden. 



Ständische Man hätte erwarten können, daß jetzt eitel Ruhe und Friede herr- 

Dissensionen. sehen würde, nachdem die Evangelischen befriedigt waren und die 
Katholiken die statt der erbetenen allgemeinen Publikation im Land- 
hause erfolgte Verkündigung der Resolution wenigstens stillschweigend 
hingenommen hatten. Nun aber konnten sich die beiden Parteien in 
ihren internen Angelegenheiten nicht einigen. 

Die Katholischen waren auch nicht müßig geblieben, und hatten 
über Instigation Khlesls, der ein geeignetes Mittel gefunden hatte, um 
den gegen ihn gerichteten Anklagen ein paroli zu bieten, einen neuen, 
auch von Liechtenstein gefördeten Bund geschlossen, »um der Rom. 

!) LA. A. III, 18. — Khevenh., VII, 277-281. — Raupach, E. O. 246fr. u. 
Forts. III, 2S5 ff. — Huber, V, 19. — Hurter, VI, 215 fr. — Hammer, II, 161 ff. — 
Bibl, 63 ff. 



59 

kathol. Religion völligen Untergang oder doch starken Abbruch zu ver- 
hüten«. Am i. Februar wurde das Bündnis zwischen den Prälaten, 29 Herren 
und 18 Rittern auf 3 Jahre abgeschlossen und am 11. vom Könige 
konfirmiert, der versprach, »mit ihnen zu leben und zu sterben«, wenn 
die Evangelischen die katholische Religion zu unterdrücken versuchen 
wollten '), was eigentümlich anmutet, wenn man erwägt, daß einer der 
Hauptzwecke eben darin lag, die königliche Resolution vom ig. März 
nicht auszuführen, deren Aufrechthaltung er nach der anderen Seite 
hin zu versprechen nicht ermüdete. 

Das durch dieses Bündnis gehobene Selbstvertrauen der Katholi- 
schen zeigte seine Wirkung gleich beim ersten wichtigen Punkte, der 
Verordnetenwahl. Nach der Resolution vom 7. Juli 1604 hatten die 
katholischen Herren und Ritter je einen Verordneten zu beanspruchen, 
was auch bei der letzten Wahl beobachtet worden war, allerdings gegen 
den Widerspruch der Evangelischen, welche diese Resolution als unge- 
setzlich betrachteten. Am 12. März zur Wahl aufgefordert, ließen die 
im Prälatensaale versammelten Katholischen den Evangelischen in der 
Herrenstube durch Schönkirchen und Thonradl vermelden, daß dem 
Landuntermarschall nicht das Recht zustehe, die Einladung ergehen zu 
lassen, sondern nur dem Ältesten des Herrenstandes, worauf die Anderen 
durch F. Marschall Herberstein und Jörger antworteten, daß sie die 
Wahlresolution zwar nicht anerkennen, aber den Landmarschall Urschen- 
beck als Haupt verehren, wenn er sich nach Billigkeit gegen sie be- 
nehme. Sie wählten Ludwig Starhemberg und H. Jörger vom Herren- 
stand und Christ. Leißer vom Ritterstand, also durchwegs Evan- 
gelische, wogegen die anderen natürlich protestierten, mit der Trennung 
der Kasse drohten und sich weigerten, an die Propositionen zu gehen. 

Nach mehrfachem persönlichen Eingreifen des Königs, der am 23. 
die Differenzen beider Parteien aus eigener Machtvollkommenheit für 
aufgehoben erklärt hatte, dann Vorladung von 6 Verordneten zu Kon- 
ferenzen bei Hof und vielem Schriftenwechsel, kam erst am 9. Juni 
mündiich ein vom König am 14. August bestätigter Vergleich zustande, 
nach welchem die Katholischen ihre 2 Verordneten diesmal noch dazu 
wählen durften, so daß die Zahl nunmehr von 6 auf 8 Mitglieder stieg. 2 ) 

Am 24. Mai hatten die Evangelischen ihre Einwilligung gegeben, 
daß der von der Session ausgeschlossene Bischof Khlesl wieder zuge- 
lassen, aber angewiesen werde, sich stets friedfertig zu beweisen und 
jede Feindseligkeit bei Seite zu lassen. Und am 28. Mai stellten die 
gesamten Stände die Vollmachten für die in Gemäßheit der Aufforderung 
des Königs v. 2. Mai zu dessen Unterstützung beim Prager Fürsten- 
konvent gewählten Deputierten aus, nämlich Eusebius von Khuen, 
G. A. von Hofkirchen, Sebastian Günther von Hager und Paris 
von Sonderndorf, welche sich schon am 26. auf den Weg gemacht 
hatten. 3 ) 

Am 15. Juni nach Bewilligung der doppelten Gülte für 1609 und 1610 
zur Erhaltung des Grenzkriegsvolkes wurde der Landtag geschlossen. 4 ) 



•) LA. E. R. u. A. IV, 8. — Wiedemann, I, 545. — Huber, V, 18. — Hurter, 
VI, 211. 

J ) LA. Rel E. B. — A. II, 3—5. — Bibl, 63-73. — Hurter, VI, 217fr. 
n ) LA. Rel. E. B. — H. Kzl. A. 1. c. N°. 2987. — Hammer, II, 196 u. 197. 
4 ) Hurter, VI, 222. — Bibl, 72. 



60 

Versuche der Die Evangelischen hörten auch nach den ihnen gewährten Kon- 

Annanerung Zessionen nicht auf, darüber zu klagen, daß diese nicht loyal eing-ehalten 
zwischen r^ 

Kaiser und wur den und immer noch gesucht werde, die Städte vom Adel zu trennen. 

Ständen. Die Aufnahme, welche ihre Abgesandten zuerst in Ungarn, dann in 
Mähren fanden, sowie das Entgegenkommen der Deutschen Fürsten in 
Verbindung mit den nie ausgesetzten Intriguen Anhalts und den da- 
durch ermutigten Agitationen des Kaisers hatten auch dazu geführt, 
daß eine Annäherung an diesen zum Mindesten als Drohung nicht ganz 
vernachlässigt wurde. So hatten sie schon einmal Andeutungen gemacht ') 
und sollen angeblich auch die Ungarn und Mährer aufgefordert haben, 
die Oberhoheit desselben wieder anzuerkennen, sofern der König ihnen 
nicht das gleiche bewillige was der Kaiser den Böhmen zugestanden 
habe, oder eigentlich noch mehr, wie Ferdinand richtig urteilte. Denn 
die Konzession des Königs war schon 4 Monate vor jener des Kaisers 
erteilt worden. 2 ) 

Hierauf mag Matthias angespielt haben, als ersieh veranlaßt sah, 
in der Audienz vom 3. März den Ständen gegenüber die Hoffnung aus- 
zusprechen, »sie würden fortan fremder Herren müssig gehen und treu 
zu ihm stehen«. 3 ) Er schien bei anderen nicht überraschend gefunden 
zu haben, was in dieser Zeit täglicher Tergiversationen auch bei ihm 
selbst keine Seltenheit war. 

Als man den Ständen eine Warnung zukommen ließ, daß von 
Seite der Calvinisten ein Verzeichnis solcher Ständemitglieder ver- 
breitet werde, die zur Rückkehr unter des Kaisers Hoheit geneigt wären, 
protestierten sie dagegen, und viele, deren Namen genannt waren, er- 
klärten aus freien Stücken, sie wüßten nichts davon, es wäre ihnen nie 
in den Sinn gekommen, sich von Matthias zu trennen. 4 ) 

Namentlich durch Anhalt dürften die Illusionen des Kaisers ge- 
nährt worden sein, der gleich bereit war, die Evangelischen bei ihrer 
schwachen Seite zu fassen. Ein öffentliches Patent erging am ig. April 
an die Stände und wurde am 20. Mai wiederholt. Darin versprach der 
Kaiser, da sie nur durch Hinterlist von ihm abgelockt worden seien, 
gänzliches Verzeihen, dann Bestätigung der Privilegien, Verbesserung 
der Landesverwaltung und vollständige Religionsfreiheit, die er durch 
einen Majestätsbrief zu besiegeln sich erbot. Matthias, begreiflicher- 
weise beunruhigt, verbot den Ständen jeden brieflichen Verkehr nach 
außen, wogegen sich diese verwahrten und gegen die Schuldigen vor- 
zugehen zusagten. 6 ) 

Die verheißungsvollen Aufforderungen des Kaisers waren gewiß 
auf der Erwartung basiert, daß die Stände, die sich gern nach allen 
Seiten hin decken mochten, nicht abgeneigt wären, wenigstens in Fühlung 
mit ihm zu treten. In der Tat fanden unter der Hand Besprechungen 
statt, und wie Tennagel sich zu den Hörnern begeben hatte, um das 
Terrain zu sondieren, so fanden sich auch einige derselben in Prag 
ein. Über den genauen Zeitpunkt schwebt mysteriöses Dunkel und auch 
die Namen der Personen sind nur mühsam zu eruieren. 



'") LA. Rel. E. B. — Krones, Gesch. Österreichs. III, 370. 

2 ) Hurter, VI, 250. 

3 ) Gindely, II, icg. 

4 ) Hurter, VI, 303. 

5 ) Hurter, VI, 266 u. 274. — Hammer, II, 198 u. 199. — Huber, V, 21. 



61 

Es werden hauptsächlich genannt: Ehrenreich Puechaimb, Wolf 
Hofkirchen, ein Khuefstainer und Gotthardt Starhemberg. *) 
Doch waren es viel mehr noch, als diese allein. 

Wolf Sigmund Losenstein 2 ) berichtete über die Session der 
Abgeordneten der unierten Königreiche und Länder, welche in Ver- 
tretung des Königs Matthias von Trautson empfangen wurden. 
Dieser teilte ihnen die Instruktion des Königs an seine Vertreter in 
Prag mit, sich in keine Diskussion über die Abtretung der Länder ein- 
zulassen. Dann zog er ein Schreiben hervor, »welches von einem gar 
guten Ort komme, darin angedeutet wird, wie daß W. Hofkirchen, 
Ehrenreich Puechaimb und ein Khuefstainer sich für österreichi- 
sche Abgesandte ausgeben und sehr böse servitia uns thun sollen, mit 
Vertröstung und gewißer Zusag, daß die Meisten von den Ständen in 
den alten Gehorsam des Kaisers begehren, in Erwägung sie wohl er- 
kennen, daß sie außer dieses Mittel in des Türken Gewalt kommen 
müssen, auf welche Angabe man ihnen in kurz ein gewaltiges cinquanta 
dargeben wird etc.«. 

Weitere Auskünfte finden wir in den späteren Aussagen Franz 
Tennagels und des Reichshofrates Hegenmüller. Ersterer nennt in 
seinen angeblich unter der Folter abgegebenen Geständnissen (April 161 1) 
als solche, welche das Ruinieren Regis angeraten hätten, den Hegen- 
müller, Grafen von Sulz, Graf Althan, Ubesco und sich selbst, so- 
wie noch Ramee. 3 ) Hegenmüller erklärte (18. Juni 1611) aus eigenem 
Anerbieten, er wisse von den Landleuten und Städten in Österreich, so 
von Ihr. königl. Maj. weichen und Ihrer kais. Maj. zufallen wollten, daß 
etliche Monate nach Verfließung des 1. Mai, da man keine Hoffnung 
auf den Conventum gehabt, Herr Landgraf (sc. v. Hessen) ihm auf 
Befehl des Kaisers auferlegt, einen Schein zu machen, um diejenigen, 
so Ihm zum Besten etwas fürnehmen wollten, zu schützen und mit kaiser- 
lichen Gnaden zu bedenken. Die Personen seien nicht benannt worden. 
Nach schriftlichen Berichten E. von Mollards seien es ansehnliche 
Personen gewesen, die den Kaiser der Recuperation der Länder ver- 
trösteten. Die Herren von Liechtenstein, Preiner und Harrach hätten 
die Punkte konzipiert, dann kamen Althan und G. E. v. Puechaimb. 
Letzterer habe dem Kaiser vermeldet, daß er und die Stände dem Könige 
gehorsam bleiben wollten, woferne dieser das, was er ihnen in politicis 
et Religiosibus zugesagt, halte, sonst aber würden sie bei der kais. 
Maj. verbleiben. Doch müsse Diese dann die Privilegien konfirmieren 
und halten. Zu Anfang des Konvents sei Hofkirchen und Puechaimb 
berufen worden, die Kurfürsten zu informieren, daß die Länder wieder 
zum Kaiser begehrten. Dann sei das Religionspatent auf die Bahn ge- 
kommen, welches nicht eher publiziert werden sollte, als bis der Kaiser 

1 ) Hurter, VI, 464, nennt diese vier unter Bezug auf ein Schreiben Hofkirchens 
aus Preßburg vom 29. November, p. 62 des Anhangs der Relation über die Unterhand- 
lungen der Horner, aber VI, 274 nur Hofkirchen und Starhemberg. — Huber, 
V, 21, nennt gleichfalls obige vier, p. 28 aber nur Starhemberg, Hofkirchen und 
Althan unter Bezug auf Losensteins Schreiben. — Hammer, II. 199 u. 205, nennt 
Puechaimb, Hofkirchen und Kuefstein. 

2 ) Wolf Sigm. Losensteins u. Flußhardts Schreiben vom 27. Mai 1610 an 
die oberösterreichischen Stände nennt Hofkirchen, Puechaimb und Khuefstain. 
Notizbl. 1859, p. 403 (aus der Sammlung des Herrn Carl v. Latour). 

3 ) LA. A. IV, 31. Die Aussagen Tennagels. — Hammer, II, 264. — F. Kurz, 
Gesch. d. Kriegsvolks v. 1610, p. 90. — Gindely, II, 227. 



62 

der Stände sicher gewesen wäre. 1 ) Auch Geh. Rat Hunewald nennt 
Liechtenstein, Preiner und Mollard.-) 

Aus diesen Darlegungen schon ist zu entnehmen, daß diese »Prak- 
tiken« gar nicht so unbedeutend gewesen sein können, wie sie oft dar- 
gestellt werden, und daß die genannten hervorragenden Persönlichkeiten 
noch manche andere hinter sich gehabt haben müssen. Sonst wäre auch 
die Schärfe, mit welcher Matthias dagegen vorging, nicht erklärlich. 
Ebenso geht ganz deutlich der Grund dieser Bewegung aus den Er- 
klärungen Puechaimbs hervor. Das Vertrauen in die Zusagen des 
Matthias war geschwunden. Man wechselte den Herrn ebenso leicht 
wie dieser seine Absichten. Es ist also nicht notwendig, nur persönliche 
Motive dahinter zu suchen. 3 ) 

Diese Annäherungen müssen auch weiter zurückreichen, als — wie 
Hegenmüller sagt — einige Monate nach dem i. Mai. Denn schon 
am 18. Mai wurde im Geheimen Rate über die Frage Sr. Maj. ver- 
handelt, was mit Denen geschehen solle, die solche »Praktiken« getrieben 
und sich sogar an das kaiserliche Hoflager begeben haben? Und vom 
12. Mai datiert ein bei den Berichten Schröttls liegender Zettel ohne 
Unterschrift, welcher Se. Maj. warnt, auf der Hut zu sein, »denn allhier 
(Prag) täglich Kriegsrath ist« und G. E. v. Puechaimb ein Regiment 
sammelt. Ein anderer Zettel besagt, daß »Puechaimb, Hofkirchen 
und Khueffstainer sich für der österreichischen Stände Abgesandte 
ausgeben und wollen dadurch auch die Böhmen an sich ziehen mit Ver- 
meldung, daß Ihrer mehrere interessiert und unterschrieben seien, denn 
sie sähen, daß, wenn sie Se. Kais. Majest. verlassen möchten, sie des 
Türken eigen würden«. 4 ) 

Dies ist die einzige kurze Notiz, in welcher der Khueffstainer er- 
wähnt wird und auf welcher auch die Mitteilung Trautsons beruhen 
dürfte. Das Fehlen des Vornamens macht es leider unmöglich zu kon- 
statieren, auf welchen der Brüder es sich bezieht, umsoweniger, als auch 
bei allen künftigen Verhandlungen über diese Angelegenheit keine Rede 
mehr von ihm ist. 

Hofkirchen und Puechaimb dagegen wurden sofort (am 18. Mai) 
streng vorgeladen, sich zu verantworten. 5 ) Bezeichnend für die damaligen 
Zustände ist die Aufnahme der Zitation des Königs. Nach des kaiserl. 
Kammerhausboten Fröschl Berichten habe Hofkirchen geantwortet, 
er werde den Bescheid schon herunterschicken. Puechaimb aber, 
»welcher bei Ihr. fürstl. Gnaden dem von Hessen das Frühmahl ein- 
genommen, und sehr überweint gewesen, hat gar nichts geantwortet«. 6 ) 
Er säumte jedoch nicht, sich an den Kaiser um Schutz und um dessen 
Vermittlung dagegen zu wenden, daß ihm aus Strafe vom Könige ein 
ganzes Fähnlein Knechte auf se ; n Gut Raabs gelegt und die Rüstungen 
und Waffen weggeführt wurden. 7 ) Der erbetene Schutz wurde ihm durch 
kaiserl. Dekret vom 26. Mai gewährt, das ihm untersagte Prag zu ver- 
lassen. Er konnte sich also in seinem Schreiben vom 29. Mai darauf 



') HfkzlA. I, A. 1. Böhm. Succession. N°- 2990. 

*) Hammer-Purgstall, Verhandlungen mit Hrn. v. Rosenberg. Böhm. Gesellsch. 
d. Wissensch. V. Folge, Bd. 3. 

3 ) Wie F. Kurz, Gesch. d. Kriegsvolks v. 1610. Linz 18C9, I, 79 ff. 

4 ) HfkzlA. 1. c. N°- 2987. 

5 ) HfkzlA. 1. c. 

c ) HfkzlA. 1. c. 2987. 
7 ) HfkzlA. 1. c. 2988. 



63 

berufen, daß der Kaiser ihn wieder in -seine Dienste genommen habe. 
Diesem gegenüber beklagte er sich auch, daß andere allhier anwesende 
österreichische Herren — außer Wolf von Hofkirchen und ihm — 
nicht abgefordert wurden. Er sei sich keiner Schuld gegen den König 
bewußt. x ) Auch ist in den Akten nur von einer Vorladung dieser beiden 
die Rede, nicht aber daß sich alle unter den Schutz des Kaisers ge- 
stellt hätten. 2 ) 

Der ganze Vorgang ist höchst charakteristisch. Das Gutachten der 
Stände auf die ihnen von Mathias vorgelegte Frage wurde am 29. Mai 
erstattet und ging, im Anschlüsse an jenes der Geheimen Räte, dahin, 
»daß alle, die sich solcher Ungebühr unterstanden haben sollen, vom König 
herzitiert, verhört, und wenn sich ersagtermaßen befunden, wider die 
parierenden Personen vermöge der Landesprivilegien, Statuten und Ge- 
wohnheiten, gegen denen contumacibus aber und ausbleibenden wider 
derselben Hab und Güter prozediert werden solle. Weil aber die erste 
Erforderung allein nach Hof vor Eur. Maj. zur Anhörung des Fürhaltes, 
aber nicht zum Rechten beschehen, keiner der Erforderten daher er- 
schienen sei«, wird es zur Diskretion Sr. Maj. gestellt, sie nochmals 
vorzuladen, dann aber der gleichmäßigen Behandlung wegen auch alle 
anderen, oder deren Erklärung abzuwarten, nachdem niemand ungehört 
und ohne evidenten Beweis kondemniert werden könne. 3 ) 

Nach dieser wenig entschiedenen Antwort scheint die Sache wie 
so viele andere in Sand verlaufen zu sein, was von weiteren ähn- 
lichen »Praktiken« keinesfalls abschrecken konnte. Wirklich berichtet 
des Matthias Vertrauensmann Georg Schröttl aus Prag unter dem 
28. August, daß das Verständniswerk der Kurfürsten dadurch beein- 
trächtigt werde, daß »einige böse schwärmerische Geister sich allhier 
finden, welche immerfort blasen und ungereimte Einwürfe thun«. Er sei 
entschlossen, dies Sr. kaiserl. Maj. categorice zu entdecken. Einer der 
kaiserl. Räte habe ihm auf seine Frage, wer diese seien, den Wolf 
Hofkirchen, Oberst von Puechaimb, Gotthard von Starhemberg 
und deren Adhärenten genannt, welche fürgeben, daß es niemals so gut 
für Se. kaiserl. Maj. gestanden und daß sich die Stände in wenig Tagen 
weit eines anderen erklären werden als bisher. Sie wollen sich demnächst 
versammeln und ihr Kriegsvolk nicht auseinanderlassen, bis sie von Mat- 
thias bessere Resolutionen erlangt hätten. Hofkirchen soll auch seinem 
Bruder Georg Andre und anderen in Österreich und Mähren zuge- 
schrieben haben, sie mögen wohl Achtung auf sich geben, man werde 
in Kürze nach dem geschlossenen accordo sie unversehens einziehen 
und ihnen die Köpfe abreißen. Einige Äußerungen der Erzherzoge Ferdi- 
nand und Maximilian ließen ähnliches befürchten. 1 ) 

Am 5. Juni hatte Matthias wirklich eine neue Vorladung an die 
genannten zwei unbotmäßigen Herren allein gerichtet und über die 
Puechaimbsche Angelegenheit sich sogar an die Kurfürsten gewendet. 5 ) 

Doch wurde die Frage der Ahndung erst später anläßlich der bei 
dem Passauer Kriegsvolk befindlichen Landleute wieder aufgeworfen 
(28. Dezember 1610), worauf die Stände darauf hinwiesen, daß sich dar- 



*) HfkzlA. 1. c. 2988. 
s ) Vgl. F. Kurz, 1. c. 

3 ) HfkzlA. 1. c. 2986 u. 2987. 

4 ) HfkzlA. 1. c. 29S8. 
r ') HfkzlA. 1. c. 2987. 



64 



Verhand- 
lungen nnd 
Wiener Ver- 
trag vom 
10. Septb. 
1610. 



unter auch solche befinden möchten, >die nicht malo animo, sondern 
bloß pro stipendio militirten und allermeist ihr geleistetes Jurament in 
Acht nähmen«. Ein Dekret vom ,4. Januar 161 1 kommt wieder darauf 
zurück und verlangt Bestrafung auch der Praktizierer, gegen welche ein 
eigenes Patent in Aussicht gestellt wird, damit der König wisse, auf 
wen er sich verlassen könne. Die Stände verlangten, daß darin auf ihre 
Zustimmung hingewiesen werde. Beide Patente wurden im Konzepte den 
Ständen vorgelegt und von diesen mit der Bedingung gebilligt, daß die 
Landesmitglieder wegen ihrer Freiheiten nicht nach der peinlichen Ge- 
richtsordnung Carls V., sondern nach rechtlicher Erkenntnis gestraft 
werden sollen. ') 

Offenbar hatten beide Richtungen Anhänger gefunden. Es fehlte 
nicht an vermittelnden Bemühungen, die Gegensätze auszugleichen. 
Während Rudolf noch am 20. November die Ober- und Unteröster- 
reicher aufforderte, sich ihm als dem wahren Erbherrn wieder anzu- 
schließen, mahnten diese samt den Ungarn und Mährern den Matthias 
zu vorsichtigem Vorgehen, um sich ohne Unterschied der Religion mit 
den Reichsfürsten und ausländischen Mächten zur Erhaltung des Friedens 
ins Einvernehmen zu setzen. 2 ) 

Der Kaiser, nicht gesonnen, seine Illusionen aufzugeben, schreckte 
nicht zurück, mit der Deutschen Union Verbindungen anzuknüpfen und 
die bekannten Werbungen des sogenannten Passauer Kriegs volks durch 
Erzherzog Leopold zuzulassen. Erst die vermittelnden Bemühungen des 
Prager Fürstenkonventes brachten einen Stillstand zuwege. 

Namentlich war es der dem Kaiser zugetane Herzog Heinrich 
Julius von Braunschweig, der auch bei den Ständen in großem Ver- 
trauen stand, der eifriges Wirken für die Beruhigung entfaltete. Wieder- 
holt — 30. August und 15. September — schrieb er den österreichi- 
schen Ständen, sich als verständige Leute von bösen, falschen und 
unruhigen Köpfen zum Widrigen nicht verleiten zu lassen, daß etliche 
vornehme und ansehnliche Personen in diesen Landen mit allerhand ge- 
fährlichen und weitaussehenden Praktiken die Vergleichung verhindern 
möchten. 3 ) 

Diese im Vereine mit den anderen Fürsten angewandten Bemühungen 
vermochten endlich den Kaiser zu Verhandlungen mit seinem Bruder, 
der seiner Hilfe für die Erlangung der Rom. Königskrone bedurfte. Zum 
Fürstenkongreß waren schon Ende April die Kurfürsten von Mainz, 
Köln und Sachsen, die Erzherzoge Maximilian und Ferdinand u. a. 
mit glänzendem Gefolge eingetroffen. Rudolf erhoffte die Zurückstellung 
der abgetretenen Länder, auf die Matthias, der durch Liechtenstein, 
Khrenberg, Meggau und Richard Starhemberg vertreten war, 
nicht leicht eingehen konnte. Die Verhandlungen gestalteten sich erst 
hoffnungsvoller, als der Kurfürst von Köln, Erzherzog Ferdinand und 
Braunschweig als Abgesandte des Konventes in Wien eintrafen und 
sich überzeugten, daß niemand wünschte, wieder unter die Regierung 
des Kaisers zu kommen. So kam endlich in Wien am 30. September 
1610 ein Vertrag zustande, in welchem Mathias sich herbeiließ, den 



') LA. Ldtshdlungs-Prot. N°- 12, p. 328 fr. 
-) HfkzlA. 1. c. No. 2987 u. 2988. 

3 ) Die Schreiben des Herzogs Heinrich Julius v. Braunschweig in der k. k. 
Hofbibliothek, Sign. 44427. B. 



65 

Kaiser als Obersten Lehensherrn für Österreich und Mähren anzu- 
erkennen, durch die Erzherzoge Abbitte zu leisten und den Hausvertrag 
von 1606 zur Kassierung auszuliefern. 1 ) 



Aber auch dieser mit so schwerer Mühe zustande gebrachte Aus- Letzte An- 
efleich brachte keine Ruhe. Matthias hatte die Römische Königfskrone strengungen 
nicht erreicht, wurde im Gegenteil dadurch gekränkt, daß der Kaiser 
sie dem Erzherzog Leopold verschaffen wollte, und dessen Kriegsvolk p ass a U er 
wurde nicht abgedankt. So blieben beide Teile unter Waffen, und der 
König, der bis vor kurzem noch durch die Rüstungen der Stände sich 
bedroht fühlte, mußte jetzt diese bitten, nicht abzurüsten, um ihm beizu- 
stehen. Das ganze Jahr ist ausgefüllt vom Passauer Kriegslärm. Für 
uns ist nur von Interesse, was speziell die österreichischen Stände be- 
trifft und in aller Kürze zu rekapitulieren ist. 2 ) 

Im Dezember (7. resp. 29.) ersuchte Matthias den Kaiser, den 
Vertrag zu halten und die Passauer abzudanken, die ihn zwingen, 
auch seine Rüstungen beizubehalten. Er wandte sich auch an Braun- 
schweig und die Stände. Am 9. beantragten die Verordneten die Bildung 
einer Konföderation mit Oberösterreich, Salzburg, Bayern, Mähren und 
Ungarn gegen das Passauer Kriegsvolk und am 1 1. wurde dem Könige 
die von ihm verlangte Liste der zur Konföderation zu bestimmenden 
Landleute übergeben. 3 ) 

Am 21. Dezember brachen die Passauer, die nicht mehr zu halten 
waren, in Oberösterreich ein, was der Landeshauptmann am 23. anzeigte. 
Anstatt des erhofften freundlichen Empfanges, fanden sie dort feindselige 
Stimmung der Bevölkerung. Matthias säumte nicht (28.), die Stände zu 
energischem Auftreten zu mahnen, worin er vorangehen werde. Sie mögen 
auf Grund des Ständebeschlusses handeln, der den Verordneten die Be- 
fugnis erteilt, in dringenden Fällen mit Zuziehung der nächstgelegenen 
Landleute vorzugehen. 

Die Ausschüsse der unierten Länder wurden nach Wien berufen, ißll. 
wo der Plan des Vorgehens gegen die Passauer entworfen ward. Den an 
sie ergangenen Aufforderungen gemäß ersuchten die Stände am 2. Januar 
161 1 die Böhmischen um ihren Beistand zur Aufrechthaltung des 1608er 
Vertrages und am 4. wurden die Ungarn um Hilfe angegangen, die 
Thurczo für den Notfall zusagte. Mittlerweile stellten sie selbst Reiter 
und Knechte auf und benannten die Kommissäre für das Kriegsvolk. 4 ) 
Matthias dankte ihnen für ihre werktätige Hilfe. 

Noch immer suchte Braunschweig zu vermitteln. Dem miß- 
trauischen König schrieb er (29. Januar), daß ihm von Praktiken gegen 
ihn nichts bekannt sei, und dem Kaiser gab er den Rat, »sich nicht 
von hitzigen jungen Leuten, so ihre consilia zu hoch aus der Luft 



1 ) LA. Rel. E. B. — Hfkzl. A. 1. c. N°- 2987, 2988 u. 2991. — Gindely, II, 
148fr. — Hammer, II, 306 ff. u. Urk., p. 247. — Hurter, VI, 267. — Häberlin- 
Senkenberg, Neue Teutsche Reichsgsch. XXIII, 187 ff. 

2 ) LA. Rel. E. B. u. Reg. A. 4, 21. — Khevenh., VII, 342 ff. — Hammer, II. 
237—312. — Gindely, II, 164—242. — Hurter, VI, 348—422. — Huber, 1. c. V, 25 
bis 43. 

3 ) LA. Ldtgshdlg. 322 u. Rel. E. B. 

4 ) LA. Ldtgshdlg. 349. — Chlumecky, 1. c. 724 ff. 

Kuefstein. III. *> 



66 

nehmen und weiter fliegen wollen als ihnen die Flügel gewachsen sind, 
zu widrigen Affekten verführen zu lassen«. 

Doch mußte sich Ramee angesichts Rüstungen der Österreicher 
und des Königs endlich entschließen, das schöne Land, in dem seine 
Horden wie die Barbaren gehaust hatten, zu räumen und die Böhmische 
Grenze zu überschreiten (30. Januar). Bald darauf erließ der Kaiser ein 
Patent (16. Februar), mit welchem er als Oberst und alleiniger Kriegs- 
herr des in Passau und Böhmen geworbenen Kriegsvolks von allen 
Offizieren einen neuen Gehorsamseid verlangte. 1 ) 
Matthias' Nun wandten sich die Böhmischen Stände an Matthias, was sich 

zweiter Zug di eser nicht zweimal sagen ließ und auch Zierotin drängte ihn, den 
nac rag. Kaiser zu entthronen. Er bereitete eine Expedition vor, ließ jedoch 
zu seiner Rechtfertigung in Prag durch seine Geheimen Räte eine 
Resolution vom 27. Februar 161 1 in Gegenwart der Abgeordneten der 
Stände (von Niederösterreich A. Hofkirchen und Euseb. Khuen) 
übergeben. 2 ) In dieser weitläufigen, mit 33 Beilagen versehenen Staats- 
schrift beschwert er sich darüber, daß der Kaiser den Vertrag nicht 
halte, gegen ihn rüste und die Länder durch Konzessionen an sich zu 
ziehen suche, auf Grund falscher Berichte von friedhässigen Leuten. Die 
Vermittlungsaktion des Herzogs von Braunschweig hatte nicht den 
Erfolg gehabt, Matthias von seinem Vorhaben abzubringen. Ebenso- 
wenig die Vorstellungen der N. Ö. Stände vom 22., daß der Zuzug des 
österreichischen Adels nach Böhmen bei diesen gefährlichen Zeiten 
wegen Bloßstellung des Landes bedenklich wäre. Doch sandte er den 
General Herberstein und Oberst Puechaimb ab und folgte selbst am 
8. März nach, begleitet von Vertretern der österreichischen Stände. 3 ) 

Kaiser Rudolf, machtlos und bar aller Verteidigungsmittel, kam 
seinem Bruder freundlich entgegen und forderte ihn am 19. durch ein 
eigenes Schreiben auf, seine Reise fortzusetzen, da er annehme, daß er 
nach Prag als Freund und Bruder komme. Am 20. forderte er Leopold 
zur Abdankung seiner Krieger auf. Matthias versprach darauf am 
21., nichts gegen ihn zu unternehmen, da er, von den drei Ständen 
Böhmens aufgefordert, wirklich als Freund und Bruder komme, wie er 
schon durch den Herzog von Braunschweig erklärt habe. Am 22. ließ 
er durch "Waldstein, der ihm entgegengesandt worden war, sagen, daß 
er in der Altstadt wohnen werde. 4 ) Als er am 23. zu Böhm.-Brot an- 
kam, schickten in der Nacht die Böhmischen Stände Abgesandte, die 
ihn nach Prag luden, wobei der »lange Hr. v. Waldstein« eine lange 
Rede hielt. 5 ) 
Matthias' Am 24. März bereits hielt Matthias seinen feierlichen Einzug in 

Einzug Prag, bei dem die österreichische Reiterei unter Puchhaim und das 
* nP ? a S un ^ Fußvolk unter dem Obersten von Kollonitsch sich in Rot und Weiß 
ronung. p r ä c htig ausnahm. Am nächsten Tage schon sandte der König Schreiben 
aus, um seinen Räten und den Ständen in Wien Mitteilung über seinen 
freundlichen Empfang beim Kaiser und den Böhmischen Ständen zu 
machen. Am 12. April zeigte Rudolf diesen an, daß er sich bewogen 



1 ) LA. A. IV, 31. 

2 ) Hammer, II, 250. — Häberlin, Neue deutsche R. -Gesch. 1. c. p. 375. 

3 ) Hammer, II, 262—266. — Huber, V, 33 ff. — Hurter, VI, 470. — Gindely, 
II, 248. — HfkzlA. 2990. Mägerls Beschreibung d. Böhm. Reise vom 18. März an. 

*) LA. R. E. B. 

s ) HfkzlA. 1. c. Auch LA. A. IV, 31. 



67 

gefunden habe, seinen Bruder zum König wählen nnd krönen zu lassen, 
wogegen sie nichts einzuwenden fanden. Doch die Krönung konnte 
erst stattfinden, nachdem den Ständen — welche sehr schwere Zu- 
sagen, wie die Konföderation mit den übrigen österreichischen Län- 
dern, Ungarn, Sachsen etc. gefordert hatten, wodurch eine Art von 
Föderativstaat entstanden wäre — wenigstens die Bestätigung ihrer Privi- 
legien und der freien Religionsübung nach dem Majestätsbriefe zugesagt 
worden war. Kardinal Dietrichstein, der frühere eifrige Unterhändler 
zwischen den Brüdern, setzte dem König Matthias die Böhmische 
Krone am 23. Mai auf das Haupt. 

Die Verhandlungen über die Stellung des Kaisers schleppten sich Verhand- 
noch hinaus. Am 2. Juli fand Matthias, dem Bruder und dessen langen und 
intriganten Ratgebern, die seine ohnmächtigen Wünsche nicht zur Ruhe g^g e pg S 
kommen ließen, nicht trauend, sich veranlaßt, die N. Ö. Stände zu er- 
suchen, ihr Kriegsvolk nicht abzudanken, da er sich mit dem Kaiser, 
trotz der geschehenen Krönung und der Abdankung des Passauer 
Kriegsvolks, noch nicht ganz ausgeglichen habe. Im V. O. M. B. hatten 
die Adeligen ohnehin laut ihrer Anzeige vom 23. März den 20. Mann 
aufbieten und an die Grenze legen lassen 1 ), offenbar gegen den neuer- 
lich befürchteten Einfall der Passauer. Die Verordneten aber beant- 
worteten am 6. Juli die Aufforderung des Königs charakteristisch mit 
der Bitte, diesem beschwerlichen Negotio endlich einmal ein Ende zu 
machen, damit die Länder wieder zur Ruhe kommen und das Kriegs- 
volk abgedankt werden könne. Endlich am 3. August konnten sie 
Khuen in Prag beauftragen, dasselbe abzudanken. Matthias dagegen 
ersuchte, das Puechaimbsche Volk nach Komorn zu führen und 
zeigte den Durchzug der Dampierreschen Reiter nach Neuhäusl an. 
Er bedurfte deren zum Schutze der ungarischen Grenzen und auch mit 
Rücksicht auf die wieder auftauchenden Agitationen des Kaisers, der 
sich mit der Protestantischen Union einließ, aber schon am 20. Januar 1612. 
161 2 dahingerafft ward. 2 ) 



1 ) LA. Rel. E. B. 

2 ) LA. Rel. E. B. 



5* 



2. Unter K. Matthias 1612-1619. 



1612. 

Matthias' 

Kaiserwahl. 




|as Ableben Kaiser Rudolfs, dem nur der Glanz der Kaiser- 
krone bis zu seinem Ende treu geblieben war, konnte zwar 
seinem bereits mit der Macht bekleideten Bruder keinen Zu- 
wachs derselben mehr bringen, wohl aber ihn von einer stetigen Sorge 
befreien und immer wieder auftauchende Unsicherheiten über den Rechts- 
punkt beseitigen. Matthias, dessen Skrupel über die erteilten Ver- 
sprechungen, wenn sich solche regten, ihm schwere Momente bereiteten, 
hatte wohl etwas mehr Bewegungsfreiheit, sich über dieselben hinweg- 
zusetzen. Doch durfte er die Evangelischen, mit deren Hilfe er seine 
Erfolge erreicht hatte, nicht rücksichtslos abstoßen, da sie das Über- 
gewicht in den ständischen Vertretungen der Länder besaßen. Die 
Situation für ihn war so drückend, daß er sich in einem intimen Briefe 
an seinen Neffen Ferdinand in der bittersten Weise darüber beklagte. 
Das Deutsche Reich befinde sich in offensichtlicher Auflösung, in Ungarn 
herrsche der Palatin Thurczo, ohne sich um seine Befehle zu kümmern 
und helfe lieber Bethlen Gabor und den Siebenbürgern oder Türken 
als ihm, in Böhmen könne er die Stände nicht einberufen, wenn er 
ihnen nicht die Konföderation zugebe, in Mähren regiere Zierotin, in 
Schlesien der Markgraf von Jägerndorf, und was die Erzherzogtümer 
betreffe, so wisse er nicht, ob er den Ständen von Ober- oder von 
Niederösterreich schlechtere Absichten zumuten solle, sie seien bereit, 
eher einen Fremden zum Landesherrn zu nehmen, wenn er ihnen nicht 
willfahre. 1 ) Möge dies auch nur auf die extremen Anhänger radikal 
Tschernemblscher Ideen oder Zierotinscher ständisch-autonomistischer 
Ideale gemeint sein, so lagen doch die Dinge recht drohend und Mat- 
thias mußte darauf bedacht sein, das durch seine von Khlesl be- 
herrschte Politik heraufbeschworene Mißtrauen nicht zu vermehren. 

Schon im Dezember 1611 hatten sämtliche Erzherzoge, einsehend, 
wie nötig bei diesen Zuständen eine Einigung aller Mitglieder des Hauses 
zu dessen Festigung sei, einen neuen Vertrag zu diesem Behufe ge- 
schlossen und namentlich die Erlangung der Kaiserwürde für Matthias 
zu erstreben sich verbunden. Kein ernster Konkurrent stand entgegen, 
so daß es den vereinten Bemühungen Khlesls und des spanischen Ge- 
sandten Zuniga gelang, die bei einigen Kurfürsten vorhandene Miß- 
stimmung wegen des Matthias Auftreten gegen den Bruder zu über- 
winden und die Wahl zu sichern. So fand diese einstimmig am 13. Juni 
statt und die Kaiserkrönung folgte am 24. Juni 16 12 in Frankfurt a/M. 2 ) 

1 ) Gindely, 3ojähr. Krieg. Böhmischer Aufstand. I, 79. — Huber, V, 50. 

2 ) Lünig, Deutsch. Reichsarchiv. Pars gen. 2. Forts. — Huber, V, 43 ff. — 
J. B. Weiß, Weltgesch. IX, 180. — Khevenh., VII, 442, gibt das Datum nach altem Stil. 



69 

Wenn Rudolf stetem Drängen ausgesetzt gewesen, seinem Bruder 
durch dessen Wahl zum Römischen Könige die Nachfolge im Reiche 
zu sichern, so mußte jetzt dieser den gleichen Ansturm über sich er- 
gehen lassen, um die Kaiserkrone dem Hause zu erhalten. Die Verhand- 
lungen darüber mit den Kurfürsten und Spanien erfüllten hauptsächlich 
dank den Gegenbemühungen zuerst Khlesls, dann der Union und 
Frankreichs seine ganze Regierungszeit und nachdem endlich alle Hinder- 
nisse überwunden waren, wurden sie durch die in Böhmen eingetretenen 
Ereignisse vereitelt, so daß auch Ferdinand, wie Matthias, erst nach 
seinem eigenen Regierungsantritte zum Römischen König gewählt und 
als Kaiser gekrönt werden konnte. *) 

Auch der Nimbus der Kaiserkrone vermochte Matthias seinen Gravamina 
immer heftiger drängenden Untertanen gegenüber kein genügend starkes der stande - 
Gegengewicht zu bieten, wie es die Bildung eines eigenen kaiserl. 
Heeres getan hätte. Die Kreierung eines solchen wurde wohl ins Auge 
gefaßt. Doch waren die Kassen leer und die in Madrid und Rom ver- 
suchten Schritte vermochten nicht sie zu füllen. Weder Philipp III. 
noch Paul V. ließen sich zu Subsidien herbei, obwohl namentlich 
letzterem vorgestellt worden war, wie drohend die Türkengefahr wieder 
herantrete und wie günstig es für die Sache der Kirche wäre, dem Kaiser 
zu einem Machtmittel zu verhelfen, welches ihm die beste Stütze gegen- 
über dem Fortschreiten der Evangelischen Bewegung gewähren würde. 2 ) 

So sah sich der Kaiser auf sich selbst angewiesen und genötigt, 
der Kunst des Lavierens, in welcher er schon so viel Geschicklichkeit 
bewiesen hatte, weiter zu vertrauen. Die Stände ihrerseits fühlten wohl 
durch, daß die Tendenzen der Regierung ihren Ansprüchen nicht geneigt 
waren und daß mit der Kapitulationsresolution die Ausführung derselben 
nicht Hand in Hand gehe. Daher drängten sie auf ein aufrichtigeres 
Vorgehen. 

Auf die Mitteilung über den Regierungswechsel und den bevor- 
stehenden Landtag antwortete der katholische Landmarschall v. Urschen- 
beck im Namen beider Parteien gleich, daß die Stände nicht nur die 
Amtsrelation, sondern auch die gravamina, von 12 Mitgliedern jedes 
Standes verfaßt, in Beratung ziehen würden. In den Propositionen vom 
30. März, welche das Erscheinen der Stände dankend anerkannten, ge- 
schah der großen Schuldenlast des Kaisers Erwähnung, welcher den 
größten Teil seiner Einkünfte dem Kaiser Rudolf habe zur Erhaltung 
des Friedens abtreten müssen, 300.000 Gulden allein zu seinem Deputate. 
Die Stände bewilligten den größten Teil der petita. 3 ) Aber noch vor 
der Abreise des Kaisers nach Prag erhoben die Evangelischen Be- 
schwerden gegen vorgekommene Verletzungen der Religionskonzession 
und baten um endliche Einsetzung des zugesagten unparteiischen Ge- 
richtes, wogegen die Katholischen auf Anregung Khlesls gegen die 
diesem Bischöfe zugefügten Eingriffe rekriminierten. Auch die darauf 
bezügliche kaiserliche Resolution vom 20. April wies auf den einge- 
gangenen Vergleich wegen NichtStörung der Religionsübung hin und 
versprach aufs neue die Einhaltung der Kapitulation. 4 ) 



1 ) Gindely, 1. c. I, cap. 4. — Hurter, VII. Buch, 58. — Khevenh., VIII, 882 ff. 

2 ) Gindely, 1. c. I, 76 ff. — Huber, V, 54 u. 69. 

3 ) LA. Rel. E. B. v, 1612. 

4 ) Raupach, Forts. III, 309 ff. — Hammer, III, 12 u. 13. — Wiedemann, 
I, 548 ff 



70 

Die Regierung fand für ihre Haltung gegenüber diesen nicht ganz 
unbegründeten Beschwerden der Evangelischen einen günstigen Stütz- 
punkt in den internen Dissensionen der Stände selbst und der von zu- 
nehmendem Vertrauen gehobenen Widerstandskraft der Katholischen, 
die sich jetzt in der neuerdings aufgetauchten Frage der Verwendung 
der gemeinsamen Gelder lebhaft erwies. Jetzt waren es diese, welche 
die früher von ihnen perhorreszierte Trennung der Kasse verlangten 
oder doch damit drohten. 

(Die Diskussionen zogen sich durch mehrere Jahre hin. Erst nach- 
dem die Evangelischen zur Beruhigung der Katholischen erklärt hatten, 
daß ihre Rüstungen keineswegs gegen diese gerichtet seien, was schon 
daraus hervorgehe, daß das im Bereiche der Horner liegende Stift 
Altenburg und andere nicht im mindesten behelligt worden seien, 
sondern sie nur auf ihre eigene Sicherheit bedacht waren, brach sich 
wieder die Erkenntnis durch, daß nur das gemeinsame ungeteilte Kasse- 
wesen einen genügenden Rückhalt für den Kredit der Stände und die 
Anforderungen des Landesfürsten bieten könne. So kam schließlich eine 
Vereinbarung zustande, welche am 12. Mai 1615 durch eine kaiserliche 
Resolution die bestätigende Weihe erhielt. Noch immer war aber das 
Horner Schulden wesen nicht ganz beigelegt und erst einige Jahre später 
(Abkommen vom 2$. April 1616) gelangten die Diskussionen darüber 
zur Ruhe 1 ).) 



1613. Die zur Fastnachtszeit in Wien anläßlich der Anwesenheit des 

Erzherzogs Ferdinand und seiner Gemahlin und anderer Mitglieder 
des Kaiserhauses und fürstlicher Personen veranstalteten großen Fest- 
lichkeiten vermochten die Aufmerksamkeit von den trüben inneren Zu- 
ständen nicht abzulenken. 

Am 7. Februar erstatteten die katholischen Ausschüsse an ihre 
Mandanten eine eingehende Relation über die Konföderation, die Ver- 
ordnetenwahl und die Kasseangelegenheiten (160g — 1613) und am 11. des- 
selben Monates unterbreiteten die Ober- und Niederösterreichischen Stände 
gemeinsame gravamina an den Kaiser und erbaten die Expektanz auf 
weltliche Lehen und Besetzung der Bischofssitze mit Berücksichtigung 
der Adeligen. 2 ) 

Während das Kaiserpaar zur Krönung der Königin sich nach 
Preßburg begeben hatte, vereinigten sich die Stände beider Kon- 
fessionen aus beiden Erzherzogtümern zu gemeinsamer Beratung, die 
Evangelischen außerdem noch separat, um ihre Beschwerden sodann 
dem Kaiser in Preßburg durch P. J. von Starhemberg vortragen 
zu lassen, worauf sie auf Sr. Majestät baldige Rückkehr nach Wien 
vertröstet wurden. Hier aber brachte Khlesl wieder seine Gegen- 
gravamina vor, zu deren Behebung sie vor allem aufgefordert wurden. 
Es scheint die Absicht bestanden zu haben, die Österreicher vom 
ungarischen Reichstage fern zu halten, was Khlesl in charakteristischer 
Weise bekämpfte, man möge Harrach, Gundaker und Max von 
Liechtenstein nicht neuerdings unzufrieden machen, damit sie nicht 
neue Meutereien im Lande anrichteten. Am 20. Juni reiste Matthias 



1 ) LA. Rel. E. B. — - Bibl, Die kathol. u. protest. Stände im 17. Jahrh., pag. 74 ff. 

2 ) LA. Rel. E. B. 



71 

nach Regensburg zum Reichstage, von dem er erst im Oktober zu- 
rückkehrte. Mittlerweile war Erzherzog Ferdinand mit der Regierung 
der Erzherzogtümer betraut, wofür er seine Residenz in Wien aufschlug. 
Dies mag vielleicht dazu beigetragen haben, daß die Evangelischen, 
dem Rate der Oberösterreicher folgend, sich namentlich in betreff des 
Hernalser Gottesdienstes zu mäßigen bereit schienen. 1 ) 

Dagegen gab es genug Mißverständnisse zwischen den Ständen 1614. 
selbst. Aus den Akten ist zu ersehen, daß einige Herren — es werden 
genannt Bernhard von Puechaim, Adolf Graf Althan, Hans Jacob 
Khuffstainer Freiherr und Quintin von Althan — sich während 
des prolongierten Landtages außerhalb der Landstube versammelt und 
einen Beschluß in Betreff der Verordnetenwahl und der Landtagsbe- 
willigungen gefaßt haben sollen, um sich dem Kaiser und dessen Stell- 
vertreter sowie den Interessen des Landes günstig zu zeigen. Infolge- 
dessen wandten sich alle vier Stände am 25. April an den Landmarschall 
und ihren Ausschuß mit dem Auftrage, den genannten vier Herren diesen 
Vorgang, zu dem diese sich bekannt hatten, als ungebührlich ernstlich 
zu verweisen und ihnen zu verbieten, sich künftighin auf Privatzusammen- 
künfte, die nur zum Nachteile des Landes seien, einzulassen. Über den 
weiteren Fortgang dieser Angelegenheit ist nichts zu finden gewesen. 
Die genannten vier Herren, die die Loyalität hatten, sich dazu zu be- 
kennen, müssen doch eine ziemliche Anzahl dem Kaiser zugeneigter 
Gleichgesinnter um sich versammelt gehabt haben, da sie sonst nicht 
die Hoffnung hätten hegen können, ihren Beschluß zur Anerkennung 
zu bringen. 2 ) 

Die Stände verwahrten sich übrigens bei dieser Gelegenheit auch 
gegen die von oben herab immer wieder versuchte Bestreitung ihres 
Rechtes freier Zusammenkünfte und erklärten sich — nebenbei gesagt 
— auch mit der von den Verordneten beabsichtigten Anlage eines Ge- 
schlechterbuches einverstanden. 3 ) 

Mittlerweile gingen die Korrespondenzen über die Gravamina 
weiter. Am 5. Juni enthielt die Triplik wieder die Bitte, die Prälaten 
und der 4. Stand mögen beim Landmarschallgerichte belassen und die 
Städte, die noch immer nur als Kammergüter behandelt würden, als 
freier Stand anerkannt und tituliert werden. Auch sollten die Regierungs- 
ratsstellen zur Hälfte mit Evangelischen besetzt werden. 4 ) 



Angesichts der immer drohender sich gestaltenden Verhältnisse in General- 
Ungarn und Siebenbürgen, dem Andrängen des Türkischen Ein- konvent in 
flusses, der sich dort geltend machte und der wachsenden Kriegsgefahr, ^inz. 
lag es nicht nur im Interesse des Kaisers, sondern auch der bedrohten 
Länder, endlich die längst zugesagte Defension in Angriff zu nehmen. 
Zur Beratung derselben, aber auch der Konföderation und anderer Be- 
gehren der Böhmischen Stände, hatte Matthias anläßlich der ihm durch 



') Raupach, Forts. III, 313 ff. — Khevenh., VIII, 542 ff. — Hammer, III, 22 u. 41. 

2 ) LA. Rel. E. B. u. Reg. A. IV, 8. 

3 ) LA. Landtagshdlg. 

*) LA. Rel. E. B. u. Reg. B. 2, 7. 



72 

letztere gewährten Unterstützung- gegen Rudolf die Einberufung eines 
Generallandtages versprochen. So sehr er aber auch der Schaffung 
einer Heeresmacht bedurfte und sie gegen die Evangelische Be- 
wegung und die befürchtete Rebellion zu gebrauchen wünschte, suchte 
er doch den Generallandtag, der eine allgemeine Konföderation gebären 
könnte, zu umgehen. Der an Stelle dessen nach Budweis einberufene 
Landtag hatte kein erwünschtes Resultat. Es wurde nun die Idee der 
Einberufung eines Generalkonventes nach Linz erwogen, wohin sich 
der Kaiser der in Wien und Prag herrschenden Pest wegen begeben 
hatte. Ohne Konzessionen seien keine Bewilligungen zu erhoffen, wurde 
geltend gemacht, sonst würden die Evangelischen wie auf dem Regens- 
burger Reichstage sie verweigern, man möge nur Vorkehrungen treffen, 
um extreme Tendenzen hintanzuhalten und die Gegenwart der Erzherzoge 
und einiger Reichsfürsten sichern. Wirklich trat der Generalkonvent in 
Linz zusammen und wurde am n. August 1614 eröffnet. Es erschienen 
Mitglieder der Stände von Ober- und Unterösterreich, Ungarn, Böhmen, 
Mähren, Lausitz etc. Die Böhmischen Stände hatten zwar in Budweis 
verweigert, Delegierte zu wählen. Aber Matthias hatte direkt von sich 
aus die hervorragendsten zum Erscheinen beauftragt. Die Inner- und 
Vorderösterreicher hatten ihre Stimmen ihren regierenden Erzherzogen 
Ferdinand und Maximilian übertragen, die das Direktorium führten. 
Von Niederösterreich waren delegiert die Äbte von Göttweig, Zwettl, 
Altenburg und St. Dorothea, vom Herrenstande Schönkirchen, 
Hofkirchen, Jörger und Preuner, vom Ritterstande Leysser, 
Günther Hager, Weltzer und Weber, vom vierten Stande Moser, 
Lehner, Pacher und Ernst. Die Festsetzung einer gemeinsamen 
Defensionsordnung fand keinen Anklang, sondern die meisten vota 
gingen auf Erhaltung des Friedens und so endete der Konvent, der die 
ersten Keime eines österreichischen Reichstages hätte enthalten sollen, 
aber wegen eventueller Unionsbestrebungen der Evangelischen so 
sehr gefürchtet worden war und etwa 200.000 fl. gekostet hatte, Ende 
August ohne Resultat. l ) 

1615. Auch der nunmehr wieder in Erwägung gezogene Generalland- 

General- tag in Prag, zu dem man sich nach Versagen aller früheren Kom- 
landtag in binationen doch endlich entschließen mußte, brachte keine besseren 

irag. Aussichten. Wenn auch auf kaiserlicher Seite die Begriffe Koalition 
und Defension wesentliche Befürchtungen erweckten, so hatte doch 
Khlesl mit weitblickendem Auge jene Seiten erfaßt, welche der Dynastie 
und ihrem Länderkomplexe mehr Vorteile als Gefahren bedeuten könnten. 
Denn eine alle diese Gebiete umfassende Vereinigung mit gemeinsamen 
Mitteln der Verteidigung war gewiß ein staatsmännisches Ziel, dessen 
Erreichung auf Jahrhunderte hinaus segensreiche Wirkung hervor- 
gebracht hätte. Es wurde durch die Länder selbst vereitelt. Der Kaiser, 
sein Mißtrauen überwindend, hatte den Tag einberufen. Mit Dekret vom 
20. Februar 16 15 gestattete er, daß sich aus den Niederösterreichischen 
Ständen etliche zu dem auf den 29. April einberufenen Böhmischen 
Landtage begeben. Sie sollen alles, was zu Ihrer Majestät Notdurft und 
dem Erzherzogtum zum Nutzen und Wohlfahrt gereiche, bedenken und 
annehmbare Personen vorschlagen. 



*) Khevenh., VIII. 646 ff. — Gindely, 1. c. I, 97 u. Gindely, Der 1. Österreich. 
Reichstag in Linz 1614 in den Ber. d. Akad. d. Wissensch. XL, 230. — Hammer, III, 
64 ff. — Vgl. Bibl, 1. c. p. 83. — Huber, V, 71. 



73 

Auch die Instruktion der Gesandten sollte eine Modifikation er- 
leiden durch die Eliminierung- des von den Katholischen beanstandeten 
Ausdruckes Konföderation, welcher jedoch trotzdem aufrechterhalten 
wurde. Dem gegenüber wurde darauf gehalten zu präzisieren, daß es 
sich nur um eine »allgemeine Defensionsordnung« gegen die Türken 
handle. *) 

Diese war ebenso wie die Konföderation von Anfang an illusorisch 
geworden. Der Generallandtag wurde wohl am 15. Juni eröffnet. Aber 
die Ungarn waren nicht erschienen, sondern hatten nur schriftlich um 
Subsidien gebeten. Dann konnten sich die Böhmen mit den Nebenländern 
nicht verständigen, und als endlich die Niederösterreicher vorgelassen 
wurden, fühlten sich diese durch das Verlangen, sie sollten erst um die 
Konföderation anhalten, zu der sie doch von den Böhmen geladen worden 
waren, begreiflicherweise verletzt. Ihre Instruktion lautete dahin, die 
kaiserliche Majestät in Aufrichtung einer Konföderation und General- 
defension zu unterstützen. Daß sich alle unter des Kaiser Szepter stehen- 
den Länder gegen die Türken zusammenschließen sollten, kam der Aus- 
legung, welche Khlesl dem Kaiser suggeriert hatte, wohl ziemlich nahe. 
Aber dieser, der sich mit dem Wort Konföderation nicht zu versöhnen 
vermochte, war über den negativen Ausgang nicht böse, sondern gab 
den Österreichern gern die Erlaubnis zur Abreise. 2 ) 

Nichts war gewonnen als ein neues Zeugnis für die allgemeine 
Zerfahrenheit, bei den Regierenden wie den Regierten, und die nicht 
mehr zurückzuweisende Notwendigkeit, nach dem Fehlschlagen aller Be- 
strebungen für eine gemeinsame Defension das Friedenswerk mit der 
Türkei um so ernster zu betreiben. Im Juli desselben Jahres gelang es 
in der Tat, einen Frieden zustande zu bringen, den ersten, der mit der 
Türkei in Wien abgeschlossen wurde und sich als Verlängerung jenes 
von Zsitva Torok darstellte, nachdem vorher schon Bethlen Gabor zu 
Tyrnau als Fürst von Siebenbürgen anerkannt worden war. Schon 
im nächsten Jahre ergab sich die Notwendigkeit, ihn durch einen neuen 
Vertrag, der von dem kürzlich mit dem Kardinalshute begnadeten Khlesl 
gleichfalls wieder in Wien verhandelt wurde, am 9. Mai zu bekräftigen. 3 ) 

Der Kaiser, der einerseits die Evangelischen durch Zusagen zu Ständische 
besänftigen suchte, hatte trotzdem keinen Anstand genommen, die am Beschwerden. 
1. März von 43 katholischen Ständen abgeschlossene separate Kon- 
föderation zu bestätigen. Dadurch gestärkt, verweigerten diese das 
unparteiische Judizium und vereitelten die Verhandlungen über die 
Kasse, die in der Burg und im Landhause geführt wurden. 4 ) 

Um dem evangelischen Gottesdienste in der Umgebung Wiens 
beizukommen, war gegen Wolfgang Jörger und dessen Sohn schon 



*) LA. Rel. E. B. — Staatsarch. Rep. I. Protokolle der Sitzungen der Gesandten 
v. 8. Juli bis 20. August 16 15. 

'-) Gindely, 1. c. I, 110. — Hammer, III, 97. — Bibl, 1. c. 84. — Huber, V, 
85. — Chlumecky, Carl v. Zierotyn, 851. 

3 ) Hammer, III, 101, 103, 164, 167. — Huber, V, 76, 77. — Khevenh., VIII, 
742, 942. 

Die Schwierigkeiten, welche die Unterhändler Ali Pascha und Gratiani, sowie 
Apponyi und Pethey bereiteten, trieben Khlesl zu der Äußerung: »Mit den Ungarn 
will ich gern gut Freund sein, aber alle Geschäftsberührung lieber vermeiden. Zehn 
Notare und ico Zeugen müßte man haben, um ihre Veränderungen von Stund zu Stund 
zu verzeichnen.« 

4 ) LA. Rel. E. B. 



74 

vor einiger Zeit ein Prozeß auf Verlust des Lehens Herhals wegen 
Felonie eingeleitet und auf des J. B. vonPachelb Gut St. Ulrich die 
Einstellung des Gottesdienstes anbefohlen worden. 1 ) 

Die Evangelischen, welche dem Kaiser in Ebersdorff durch 
P. J. von Starhemberg schon am ig. November 1614 eine Protesta- 
tion dagegen hatten überreichen lassen, wiederholten diese nach Er- 
öffnung des Landtages von 161 5 am 16. April unter Berufung auf die 
Kapitulationsresolution, indem sie die Einsetzung des unparteiischen 
Gerichtes wieder urgierten und dafür eintraten, daß die Vertreter der 
Städte der Zusicherung gemäß als 4. Stand betrachtet und nicht von 
der Audienz der anderen Stände ausgeschlossen werden mögen. 

Die hierauf im Mai erteilte Antwort wiederholte die Einwände der 
früheren, erinnerte an die gerichtliche Entscheidung und an die alte Auf- 
fassung bezüglich der Städte und verschob die Frage des unparteiischen 
Gerichtes. Zur Beruhigung der verstimmten Stände konnte es nicht bei- 
tragen, daß man noch einen Schritt weiter ging. Am 15. Dezember 161 5 
erfloß ein Dekret der geheimen Räte an die Verordneten mit dem Auf- 
trage, die Ausübung des Exerzitiums in Wien und anderen Städten zu 
verbieten, unter der Anführung, daß Polheim sein Kind im Landhaus 
durch den Prädikanten habe taufen lassen. 2 ) 

* * 

* 

Mission an Die Stände waren schon entschlossen, sich an den nach Prag ge- 

den Kaiser, zogenen Kaiser durch eine neue, feierliche Deputation zu wenden, zu 

H. Lorenz welche als Gesandte gewählt wurden: Freiherr Hans Lorenz Khuf- 

vn ' steiner für Niederösterreich und Georg Wolf Au er für Oberösterreich, 

welche im Dezember in Prag eintrafen. Das Referat über diese Mission 

möge hier nach Raup ach wiedergegeben werden, der sich auf den 

Bericht Auers an die Oberösterreicher beruft. 3 ) 

Die Gesandten sprachen zuerst bei Khlesl, dem Oberstkämmerer 
von Meggau, Vizekanzler von Ulm u. a. vor und wurden am 31. De- 
zember zur Kayserl. Audientz vorgefordert. »Da Hr. Kuf steiner, der 
das Wort führte, nach vorgängiger gewöhnlichen Bezeugung eines unter- 
tänigsten Respects und Entschuldigung des ausgebetenen Zutritts, Ihro 
Kays. May. im Namen der Stände Augsp. Conf. des Ertzherzogthums 
Oesterreich unter und ob der Enns in vier besonderen Puncten um 
Dero allergnädigste Hülff und Beystand anflehete. Der erste Punct 
betraf die obgedachte Hernalserische Lehn-Strittigkeit, da die Be- 
klagten und Intereßirten einen Kayserl. Befehl bekommen hatten, sich 
dem Judicio der N.-Oe. Regierung zu unterwerfen, obgleich diese Sache 
kraft der Capitulations-Resolution einig und allein für das bewilligte 
unpartheyische Judicium gehörete, wie in einer Schrift, welche die 
Gesandten Ihro Kays. Maj. einzuhändigen Befehl hatten, augenschein- 
lich bewiesen worden: daher die Stände baten, daß der Cammer-Pro- 



1 ) Raupach, Ev. Oc. 250 u. Forts. III, 320. — Khevenh., VIII, 748. — Ham- 
mer, III, 55. 

2 ) LA. Rel. E. B. 

3 ) Raupach, Forts. III, 324 — 328. — Hammer, III, 126, bezieht sich auf Rau- 
pach. Der Bericht Auers an die oberösterr. Stände ist nicht mehr zu finden. 



75 

curator mit seiner Klage von der N.-Oe. Regierung ab und auf das 
unpartheyische Judicium verwiesen, auch der Regierung alle fernere 
Handlung und Erkenntnis hierinnen verboten, und Hn. Jörgern die 
Verleyhung des Guhts Hernais, da überall keine Fälligkeit zu beweisen, 
verwilliget werden mögte. Der zweyte Punct betraf ebengedachtes 
unpartheyisches Judicium, um dessen Bestellung die Evangel. Stände 
nun so lange Zeit angehalten, auch schon vorlängsten die Personen von 
ihrer Seiten namhaft gemacht hatten, dieses aber von den Catholischen 
bis hieher nicht erhalten können; weswegen ihre Bitte dahin ging, weil 
die Catholischen durch ihre Moram sich ihrer freyen Wahl begeben, 
daß J. Kays. Maj. aus Landesfürstl. Macht zu Ersetzung dieses Judicii 
qualificirte Personen erkiesen mögten. Das abgeschafte Religions-Exer- 
ticium zu S. Ulrich war das dritte, das dem Kayser vorgetragen ward, 
als eine der Capitulations-Resolution offenbar zuwider lauffende Hand- 
lung, da, wo des Abts zum Schotten Klage statt finden solte, nicht 
nur ebengedachte Resolution, sondern auch K. Maximiliani IL Reli- 
gions-Conceßion selbst ipso fakto annulliret und aufgehoben würde, 
indem die Evangel. Stände wenig Orte zu ihrem Religions-Exercitio 
fünden, über welche sich nicht die Geistlichen des Juris dioecesani 
anmasseten; weswegen Ihro Maj. vorgedachtes Exercitium ehest zu re- 
stituiren unterthänigst gebeten ward. Wozu endlich als das vierte kam 
die gleichfalls vorerwehnte Vereinigung der Kassa, zu welcher sich 
die Catholischen nicht anders verstehen wolten, als daß die Evangelische 
einen ihnen höchst-verfänglichen Revers von sich stelleten; daher die- 
selbe J. Kayserl. Maj. ersuchten, die Sache bey den Catholischen da- 
hin dirigiren, daß sie die ihnen angehändigte Schadlos- Verschreibung 
annehmen und sich mit ihnen vereinigen mögten, damit sie nicht ge- 
nöthiget würden (wie sie sonst fest entschlossen) sich hierinnen von 
ihnen zu separiren. Welche Vorstellung denn mit einer demühtigen Bitte 
um allergnädigste Erhörung und Gewährung in diesem der Stände gantz 
billigem Begehren beschlossen ward«. Diese Rede des Gesandten an den 
Kayser ward von dem Vice-Kantzler von Ulm alsobald also beantwortet: 

»Wie Ihro Kays. Maj. sich gnädigst wohl zu entsinnen wüsten, 
»daß Sie sich zu Antretung der Landes-fürstl. -Regierung so viel in 
»Concessione Religionis erboten, daß dadurch gleichsam Ihr. Kayserl. 
»Gewissen beruhet worden, hätten auch jedermann gleiches Recht zu 
»ertheilen versprochen, und bisher die Justitiam also administrieret, 
»daß Sie gnädigst verhofft gehabt, die Stände würden deroselben 
»weiter verschonen und mehreres beschwerliches nicht zumuhten. 
»Jedoch, weil man sich auf die übergebene Schrift referiren thue, so 
»wolten sich J. Kays. Maj. in derselben der Nohtdurft nach ersehen, 
»und alsdann ferner darauf allergnädigst resolviren.« ') 



l ) Als Hr. v. Ulm, bemerkt Auer, fast mitten in der Rede gewesen, hat Hr. Bischof 
den Kopf geschüttelt und die hhn. Geheimen einander in die Ohren geredet. Als Hr. 
v. Ulm aber, welcher sich gegen uns Abgesandten gewendet, solches nicht in Acht ge- 
nommen, haben ihn letzlich Se. Maj. mit lauten Worten zu sich gefordert und zusammen 
etliche Worte in der Stille miteinander geredet. So viel wir im Vertrauen Nachricht be- 
kommen, sollen I. M. ihme Hn. v. Ulm schärfer zu reden befohlen haben. 



76 

1616. Wegen der Anfangs 1616 erfolgten Krönung der Kaiserin Anna 

zur Böhmischen Königin mußten die Gesandten auf die erbetene Re- 
solution noch warten. In einer am 8. Januar bey dem Bischof Khlesel 
gehabten Audientz unterredete sich derselbe mit ihnen wohl eine Stunde 
lang über ihre Klagepunkte, und machte ihnen verschiedene Einwürfe, 
welche aber von den Gesandten gründlich beantwortet wurden. 

Unter andern berief sich Khufstein auf die Capitulations-Resolution. 
Der Bischof antwortete: »Ich bin nicht dabey gewesen, wie man mit 
euch tractiret hat; man hat es aber nur in der Eyl, wie man auf Oester- 
reichisch sagt, zusammen gerafft, und hat bey den Mährern geheissen, 
wir wären gern bald hinweg, bei den Rähten aber, wir wären gern 
bald fertig. Als auch bey Gelegenheit der mit Genehmhaltung K. Mat- 
thiä A°. 1608 zwischen den Ungarischen, Mährischen und Österreichi- 
schen Ständen aufgerichtete Conföderation gedacht wurde, hies es: 
Was Conföderation? Die Conföderatio, so die Länder damals haben 
aufgerichtet, wie wir vor Prag seyn gezogen, ist nunmehro aus. Wenn 
es also seyn soll, so werden wir auch verursachet werden, uns mit Papst, 
Spanien und der Liga im Reich zu verbinden. Ich möchte nur wohl 
wissen, was die Herren für Köpfe haben, die ihnen solches rahten; es 
seyn mit rechte Politici.« 

»Als sie am 22. in einer abermaligen Audientz den Bischof er- 
suchten, dazu behülflich zu seyn, daß ihre Sache im geheimen Raht 
bald vorgenommen, und sie mit einer gnädigsten Resolution mögten 
abgefertiget werden, versprach er ihnen solches, und rieth zugleich, 
daß sie sich desfalls bey dem Hn. Obrist-Camerer melden solten, welches 
sie auch von Stund an thaten. Mitlerweil erhielten die Gesandten am 
30. Januar von den Herren Verordneten der N.-Oe. Stände aus Wien 
wegen der Hernalserischen Sache eine abermalige Supplication an 
J. Kays. Maj., in welcher mit dem Proces bis zu Ihro Majestät alier- 
gnädigsten Resolution inne zu halten gebeten ward. Weil aber der 
Kayser wegen einer überkommenen Leibes-Schwachheit keine Audientz 
annahm, ihm auch keine Regierungs-Sachen durften vorgebracht werden, 
so wandten sie sich wiederum am 1. Febr. zu dem Bischof Khleseln, 
und überreichten ihm diese Supplique, mit Bitte, selbige dem Kayser 
vorzutragen, und ein gewehrliches Decret auszuwircken; welches er auch 
versprach, und von ihren Differentzien sich nochmals mit ihnen unter- 
redete. Endlich ward ihnen am 5. Febr. durch den Secretarium Grapler 
die Kayserl. Resolution, (v. 26. Jänner 16 16) wiewohl verschlossen, an- 
gehändiget, welche sie zwar mit aller gebührenden Ehrerbietigkeit an- 
nahmen, aber von derselben keine Abschrift erhalten konnten, ob sie 
gleich darum anhielten. Als sie auch in der am 7. Febr. bey Hn. Khleseln 
gehabten Abschieds- Audientz um diese Abschrift Ansuchung thaten, 
musten sie sich an der Antwort begnügen lassen: daß es auch vordem 
bräuchig gewesen, denen Gesandten der Stände die Kayserl. Resolution 
verschlossen zuzustellen; wie es denn auch geschehe den Ständen zu 
Ehren, indem es allezeit ein mehreres Ansehen habe, wenn der Kayser 
seinen Ständen selbst schreibet etc. Bey diesem Abschied, als die Ge- 
sandten bedauerten, daß sie nicht vor Ihro Majestät selbst kommen und 
die Evangel. Stände Deroselben Gnade empfehlen konnten, und sich 
entschuldigten, daß sie Ihre fürstl. Gnaden bei so vielen hochwichtig 
wißendlichen Geschäften so oft molestiren müßten, war die Antwort: 
Es ist einmal wahr, daß ich mehr arbeiten muß als ein Esel. Wann mir 



77 

Ihr. Maj. 100.000 fl. gäben, wollt' ichs nit nehmen, wann ich um Lohn 
dienete, und wollte viel lieber Holz hacken. In merito antwortete er: 
In der Religion bekenn ich, bin ich der Herren Feind, denn ich halte 
sie für Ketzer, also entgegen sie mich auch; aber wo ich sonst den 
Ständen, denen die Herren meinen Grus und Dienst vermelden wollen, 
mit gutem Gewissen in politicis kan dienen, will ichs jederzeit thun; 
womit er sie unter Anwünschung einer glücklichen Reise beurlaubte. 
Nachdem die Gesandten mit der verschlossenen Resolution in O ester- 
reich angekommen, und selbige eröfnet ward, so funden die Stände 
darinnen nichts anders, als eine weitleuftige Widerlegung der wegen des 
Hernalserischen Processes übergebenen Schrift, und daß Hr. Helm- 
hard Jörger nebst seinen Interessenten allerdings verbunden wären, 
die Sache vor der N. Oest. Regierung erörtern zu lassen; derer übrigen 
von den Gesandten vorgetragenen Puncten aber war mit keinem Wort 
gedacht, nur, daß die Stände wegen des zu S. Ulrich eingestellten 
Religions-Exercitii auf eine künftige gnädigste Resolution vertröstet 
wurden.« 



Wenn die Stände mit dieser Petition ebensowenig Erfolg hatten 1616. 
wie mit den vorhergegangenen, so lag dies einerseits in der immer 
mehr anwachsenden Strömung der Gegenreformation, anderseits aber 
an den von den Evangelischen selbst begangenen Fehlern und Unter- 
lassungen. Ihr Kirchenwesen befand sich, wie Raupach selbst zugesteht, 
in einem wenig erbaulichen Zustande, dem die Stände keine genügende 
Aufmerksamkeit schenkten, noch Abhilfe brachten. Die Prädikanten, 
denen es an einem richtigen Haupte fehlte, gingen nach eigenem Be- 
lieben vor und gaben öfters, namentlich durch Streitigkeiten unter sich, 
Ärgernisse, die ihrem Ansehen nicht zuträglich waren und zur Schwächung 
ihrer Stellung wesentlich beitrugen. Daß die Stände schließlich alles auf- 
boten, um den Gottesdienst in Hern als aufrecht zu halten, lag im 
Interesse der Wiener Bürgerschaft, welcher — nach erfolgter Schließung 
von St. Ulrich — kein anderer Ort für den Evangelischen Gottesdienst 
mehr zu Gebote stand. 1 ) 

Trotz eifriger Unterstützung durch ihre Gesinnungsgenossen, und Verordneten- 
sogar Frauen, wie Barbara Teuflin-Breunerin, Dorothea Starhem- kolleginm, 
berg-Tannhausen u. a. 2 ), war ihre Position schwächer geworden, und 
so konnten sie dem langjährigen Andrängen der Katholiken auf die 
Parität beim Verordnetenkollegium auf die Dauer nicht widerstehen. 

Nach der im Jahre 1610 getroffenen Abmachung sollten die Katho- 
lischen je einen Vertreter im Herren- und Ritterstande haben, so daß 
den vier Delegierten der Evangelischen zwei Katholische gegenüber- 
standen, welche durch die zwei Verordneten des Prälatenstandes auf 
vier ergänzt wurden. Da diese Bestimmung nur für das eine Mal galt, 
kam es im Jahre 1612 zu dem Beschlüsse, daß die Wahlen durchgehends 
von beiden Parteien vorgenommen werden sollten. Wieder zwei Jahre 
darauf einigte man sich dahin, daß jedes corpus den Ersatzmann für 
den ihm angehörenden Ausscheidenden designieren und dann conjunc- 
tim wählen lassen solle. So folgten auf die Evangelischen Ludwig 



*) Raupach, Forts. III, 329 ff. 

2 ) Raupach, Forts. III, 335 ff. — Hammer, III, 124. 



78 

v. Starhemberg und Georg Wilhelm v. Jörger im Jahre 1614 Sig- 
mund Adam v. Traun und Max v. Polheim. Als im Jahre 1616 
Hans Balthasar v. Hoyos (katholisch) auszutreten hatte, wurde er 
vermocht, das Amt weiter zu führen und erst als bei seiner Resignation 
im nächsten Jahre von den Katholischen Hans Christoph v. Urschen- 
beck und an Stelle Jörgers von den Evangelischen Paul Jacob von 
Starhemberg gewählt wurde, entbrannte der Streit wieder heftiger, 
diesmal um das Recht des Vorsitzes, welches schließlich den Katho- 
lischen, die sich an die Intervention Khuens bei Khlesl gewendet 
hatten, konzediert wurde. Im nächsten Jahre 16 18 aber wollten diese den 
üblichen Turnus nicht mehr einhalten und verweigerten dem Starhem- 
berg den Vorsitz, bis der Kaiser zu des Letzteren Gunsten entschied. 1 ) 
1617. Für die Spannung zwischen beiden Parteien ist es bezeichnend, 

daß die Relation der katholischen Verordneten über den Ausgleich im 
Kassestreite beantragte, den 4. Stand zu keiner Verordnetenstelle mehr 
zuzulassen (19. Mai 161 7), während die Evangelischen laut eines Be- 
richtes derselben Verordneten vom 18. November beschlossen hatten, 
kein Gut an Katholische zu verkaufen, wohl aber von diesen deren zu 
erwerben, sobald sich die Möglichkeit dazu ergäbe. 2 ) 
Ferdinand's I n das Jahr 16 17 fällt, wie bereits erwähnt, nach längeren Ver- 

Krönung handlungen mit den Böhmischen Ständen sowie mit Philipp III. und 
Preßburg. °- en übrigen Mitgliedern des Kaiserhauses die Krönung des Erzherzogs 
Ferdinand als König von Böhmen, welcher im darauffolgenden Jahre 
die Proklamation (16. Mai) und Krönung (i.Juli) als König von Ungarn 
nachfolgte, trotz der Gegenbemühungen des von den Böhmischen Direk- 
toren entsendeten Jessenius. Die Römische Königswürde, welche nach 
der Prag er Krönung erlangt werden sollte, nachdem die vorbereitenden 
Schritte schon die Zustimmung der Kurfürsten und Spaniens gesichert 
hatten, wurde durch die bekannten folgenschweren Ereignisse des 
Jahres 161 8 in die Ferne gerückt. 3 ) 



1618. In Österreich wie in Böhmen war es die Verhinderung des 

Verhinderung Evangelischen Gottesdienstes durch Sperrung der Kirchen, welche 
des evangeli- (j en gefährlichsten Zündstoff in die ohnehin schon verbitterten Geister 
SC denstes teS warf - Wie dort das Vorgehen gegen die Kirchen von Klostergrab 
und Braunau als Verletzung des Majestätsbriefes empfunden wurde, so 
bildeten hier die dem Gottesdienste in den Kirchen der Umgebung Wiens 
entgegengestellten Hindernisse den wesentlichsten Anlaß zu den stets 
wiederholten bitteren Beschwerden über die Entziehung der von den 
Ständen für die Bürgerschaft mit Mühe erlangten schließlichen Zuge- 
ständnisse. Als nun gegen Helmhart Jörger tatsächlich vorgegangen 
werden sollte, sandten die Stände wieder einige Abgeordnete an den 
von Prag leidend zurückgekehrten Kaiser nach Ebersdorf, der sie 
am 13. Februar 161 8 allerdings in Audienz empfing, aber auf schrift- 
liche Erledigung vertröstete. 4 ) 

1 ) Bibl, 1. c. p. 85—88 (Landesarchiv A. 4, 3). — Hammer, IV, 18. 

2 ) LA. Rel. E. B. 

3 ) Khevenh., VIII, 1070 ff. — Gindely, I, 1590". u. 360fr. — Hurter, VII, 
Buch 60. — Huber, V, 87 fr. 

4 ) Khevenh., IX, 5. — Raupach, Forts. III, 343. 



79 

Daß sie angesichts des geringen Vertrauens in die unbestimmten 
Absichten der Regierung anderweitige Hilfe nicht verschmähen durften, 
lag in der Natur der Situation. Ungarischerseits suchte man vermittelnd 
zu wirken. Palatin Georg Thurczo 1 ) hatte die katholischen Stände 
schon früher aufgefordert, Entgegenkommen zu zeigen, worauf diese 
am 26. Februar erklärten, daß sie die Evangelischen in ihrer Religions- 
übung nicht stören wollten. Aber als ihre Verordneten durch ein kais. 
Dekret gefragt wurden, weshalb sie auf die Ansage Trauns zur Be- 
ratung eines kaiserl. Begehrens nicht erschienen seien, verwiesen sie 
a\n 5. Juni auf das ihnen von ihren Kommittenten erteilte Verbot, an 
Beratungen mit den Evangelischen teilzunehmen, solange die Frage 
des Vorsitzes nicht geregelt wäre. 2 ) 

Am 22. Mai, also fast gleichzeitig mit dem am 23. in Prag er- Fenstersturz, 
folgenden verhängnisvollen Fenstersturze, übergaben die Niederöster- 
reicher ein ausführliches Memoriale, in welchem neuerlich geklagt 
wurde, daß die Resolution von 1609 nie ordentlich verlautbart worden, 
daher auch fast kein Punkt derselben unverletzt geblieben sei. So seien 
gegen die erteilten Konzessionen die Kirchen in Inzersdorf, St. Ulrich, 
Hernais gesperrt worden, die Erbbegräbnisse verweigert, Untertanen 
wegen ihrer Konfession ausgewiesen, der vierte Stand nicht als solcher 
anerkannt und bei den Ämtern nur auf Anstellung von Katholiken ge- 
sehen worden. 3 ) 

Zur Unterstützung ihrer Reklamationen beschlossen die Evangeli- Mission an 
sehen Stände eine Gesandtschaft an den zur Wahl und Krönung des den nngar. 
Königs Ferdinand in Preßburg versammelten ungarischen Reichstag ^ eiCÜ *j ta S- 
zu senden. Wie schwierig es oft war, die geeigneten Persönlichkeiten v . Khnefstefn. 
für eine solche Mission zu finden, zeigen die mit Hans Ludwig Khuef- 
stainer diesfalls angeknüpften Verhandlungen. Am 3. Mai 16 18 schrieben 
ihm die Verordneten nach Puechberg, um ihn zu bitten, an Stelle des 
Andre Thanrädl, der sich entschuldigt habe, zusammen mit dem 
Obersten Ludwig von Königsberg die Gesandtschaft zu übernehmen. 
Am 16. d. M. erging an den Khuefstainer, der sich noch nicht aus- 
gesprochen hatte, ein neuerliches Ersuchen, da Königsberg in Steier- 
mark sei und sich des Direktoriums — d. h. der Führung — entschlagen 
wolle. Es sei periculum in mora, weil sich zwischen Ferdinand und 
den Ungarn schon ein Vergleich ergeben habe. Am 20. entschuldigt 
sich Hans Ludwig in einem Schreiben, welches nur als Konzept ohne 
Unterschrift vorliegt, in betreff des Direktoriums, empfiehlt aber dafür 
den Georg Leopold von Landau, der sich schon in den Böhmischen 
Sachen als tauglich erwiesen habe. Neben diesem wolle er sich gern 
ganz eifrig und willig gebrauchen lassen. Über die weitere Korrespondenz 
mit Hans Ludwig liegt nichts vor. 4 ) Man weiß nur, daß mit der In- 
struktion vom 25. Mai schließlich Georg Achatz Enenkl und Johann 
Albrecht Artstetter nach Preßburg gingen, wo sie am 18. Juni in 



') Georg Thurczo, f 24. Dezember 1616 lt. Hurter, VII, 217. Sigm. Forgäch 
wurde erst am 16. Mai 1618 bei der Königswahl Ferdinands zu seinem Nachfolger ge- 
wählt. — Khevenh., IX, 17. — Huber, V, 96. 

2 ) LA. Rel. E. B. 

3 ) Raupach, III, 343fr. — Bibl, 1. c. 92. — Huber, V, 113. 

4 ) St A. Oest. 10b. 



80 

Gesamtaudienz vom Reichstage empfangen wurden. Es wurde ihnen 
auch ein Interzessionsschreiben an den Kaiser bewilligt und durch eine 
eigene Gesandtschaft nach Wien gebracht, wo es keine ungnädige Auf- 
nahme fand, aber nur mit dem Hinweise auf die bereits direkt erfolgte 
Resolution — welche erst am 9. November herausgegeben wurde — 
quittiert ward. Eine gleiche Vermittlung bei einigen Reichsfürsten 
zu erbitten, sandten die Stände denselben Enenkl ab. 1 ) 

Die Auch mit den Böhmen waren die Beziehungen trotz des berech- 

böhmischen tigten Mißmutes über den eigentümlichen Empfang beim Generalland- 
ünruneii. tage in Prag nicht abgebrochen. Von dorther gab man sich jetzt alle 
Mühe, die Österreicher zum Anschlüsse an die Bewegung zu gewinnen, 
wozu diese sich jedoch noch nicht entschließen konnten. Nachrichten 
aus Prag vom 6. bis 9. Juni suchten davor zu warnen, daß der Kaiser 
zu den Waffen greife, da die Stände gesonnen seien, ihre Privilegien 
mit Leib und Gut zu verteidigen und sie das ganze Land für sich haben. 
Allerdings lag dem Kaiser der Gedanke bewaffneten Widerstandes nahe. 
Das Anschwellen der Unruhen in Böhmen, die offene Rebellion, die 
befürchteten Dispositionen für eine allgemeine Evangelische Konfödera- 
tion zwischen den Erbländern und der Deutschen Union ließen das von 
den Erzherzogen Ferdinand und Maximilian befürwortete schärfere 
Vorgehen als naheliegendes Auskunftsmittel erscheinen. Allein es fehlten 
die Mittel und man war darauf reduziert zu temporisieren. Den Böhmen 
versicherte Matthias (11. und 18. Juni), daß er nichts gegen den 
Majestätsbrief, gegen welchen ihm nie ein Antrag gestellt worden sei, 
zu tun im Sinne habe. 2 ) 

Gegen die Österreicher ward auch etwas eingelenkt. Am 13. Juni 
erhielten die katholischen Verordneten den Befehl, dem Evangelischen 
P. Jac. v. Starhemberg für diesmal den Vorsitz zu überlassen und 
mit den Evangelischen gemeinsam des Landes Notdurft zu beraten, was 
nun auch zugesagt wurde. Am 15. forderte Matthias die Verordneten 
auf, ihm treu zu bleiben, indem er sie gleichzeitig vom Ausbruche der 
Böhmischen Rebellion in Kenntnis setzte. Sie versprachen ihm auch 
Treue und Mithilfe zur Aufrechthaltung der Autorität Sr. Majestät und 
daß sie die Aufrührer nicht unterstützen wollten, was der Kaiser am 
18. gerne akzeptierte. 3 ) 

Demgemäß verlangte Matthias am 27. Juni Maßregeln gegen die 
bei Wittingau liegenden Böhmischen Rebellen, worauf Landobrist 
G. A. v. Hofkirchen die Viertelhauptleute einberuft und Kommissäre 
ernannt werden. Die an der Grenze liegenden Herren, wie der Abt zu 
Zwettl, Graf Fürstenberg, die Stadt Weitra u. a. werden aufgefordert, 
ihre Schlösser gegen feindliche Überfälle wohl zu verwahren. Dafür 
dankte Matthias den Ständen, daß sie treu bleiben wollen, am 9. Juli. 
An demselben Tage aber ließ er »an die auf dem Prager Schlosse 
versammelten Personen aus den Ständen des Königreichs Böhmen« 
eine strenge Verwarnung gegen die von ihnen aufgestellte Defensions- 
ordnung und ihr Bestreben, außerhalb des Landes Hilfe zu suchen, er- 
gehen. Am 17. Juli 16 18 wurde der N. Ö. Landtag auf den 8. August 



') Hfk. Arch. R. 14. Oesterr. — Raupach, III, 343 ff. — Bibl, I.e. 92. — Huber, 

V, 113. 

*) LA. Rel. E. B. — Gindely, 1. c. I, 327. — Khevenh., IX, 71 ff. 
3 ) LA. Rel. E. B. 



81 

ausgeschrieben und am 20. bezeichneten die Stände ihre Kommissäre 
für die Abführung- des kaiserl. Kriegsvolks, welches in der Eile auf- 
gebracht worden war, an die Grenze. Matthias fühlte die Notwendig- 
keit, seinen Kriegszug gegen die Böhmen zu rechtfertigen, wie aus dem 
an die N. 0. Verordneten gerichteten Dekrete vom 27. hervorgeht, 
worauf diese dem Wunsche Ausdruck gaben, daß diese Unruhen zur 
Ehre des österreichischen Hauses und zum Frieden der Länder in Güte 
beigelegt werden mögen. 1 ) 



Je rücksichtsloser die in offenem Aufrühre befindlichen Böhmischen Khlesls 
Stände den Versuchen des Kaisers, auf friedlichem Wege ein Abkommen Sturz. 
zu finden, entgegentraten, desto offensichtlicher wurde die Fruchtlosig- 
keit dieser zu spät angebrachten Bemühungen, welche nur den Mangel 
an Macht durchscheinen ließen, und desto stärkere Argumente konnte 
die Partei des energischen Vorgehens für sich geltend machen. Längst 
war der übermächtige Einfluß Khlesls den Erzherzogen lästig, die 
schon am 15. September des vorigen Jahres ihren Unmut zu erkennen 
gegeben hatten, indem sie dagegen protestierten, daß der Kardinal 
ihnen im Range vorgehe. 2 ) Die Gegensätze spitzten sich zu und es kam 
am 20. Juli zu dem längst vorbereiteten Gewaltstreiche gegen 
Khlesl 3 ), den die Erzherzoge Ferdinand und Maximilian als größtes 
Hindernis ihrer Kampfpolitik betrachteten. Auf die allgemeine Bedeutung 
dieses hochpolitischen Ereignisses, welches einen Wendepunkt in der 
Entwicklung der österreichischen Geschichte markiert, ist hier nicht 
weiter einzugehen. Matthias hatte nun selbst zu erdulden, was er seit 
einem Dezennium seinem Bruder anzutun nicht zurückgeschreckt hatte. 
Für die Österreichischen Stände aber, die uns hier näher beschäftigen, 
war nicht nur nichts gewonnen, sondern ihre konfessionellen Interessen 
liefen weit größere Gefahr als früher, wenn auch die Restauration noch 
nicht genügende Machtmittel besaß, sich durchzusetzen. Die Bemühungen 
zur Schaffung eines starken kais. Heeres unter Dampierre und Buquoy, 
welche im August in Böhmen einrückten, wurden eifrig fortgesetzt und 
gaben Anlaß zu vielfachen Beschwerden der Stände, namentlich gegen 
die Exzesse der Dampierreschen Reiter. Zu dem auf den 8. August 
ausgeschrieben gewesenen Landtage erschien nur eine geringe Anzahl 
Mitglieder und als der Kaiser sich wegen Aufschubes an die Verordneten 
wandte, erwiderten diese, dies stehe dem Landmarschall zu. Die Land- 
leute aus dem Viertel ober dem Manhartsberge erklärten am 18. August 
überhaupt nicht erscheinen zu können, w r egen der vor Augen stehenden 
Kriegsgefahr, die ihnen allerdings zunächst drohte. Nun wandte sich 
der Hof an die Verordneten um Bewilligung eines Darlehens, welches 
diese sich aber nicht ermächtigt fühlten, zu gewähren, ebensowenig wie 
die Zusammenberufung der nächstgelegenen Landleute zur Aufbringung 
desselben. Doch erklärten sich die Evangelischen den Katholischen gegen- 
über zu gemeinsamer Defension bereit. 4 ) 



i) LA. Rel. E. B. 

2 ) Hfkzlei. A. 1. c. I, A, 2. 

3 ) Khevenh., IX, 200 ff. — Gindely, I, 334. — Hurter, VII, 316. — Hammer, 
IV, 82. — Kerschbaumer, Cardinal Khlesl, p. 2ioff. 

*) LA. Rel. E. B. — Ldtgsprot. 138. — Bibl, 1. c. 93. 



Kuefsteir. III. 



82 

Neue Angesichts der immer verwirrter sich gestaltenden Lage, deren 

Beschwerden Klärung- zum mindesten in betreff der konfessionellen Beschwerden noch 
vor dem in Aussicht genommenen Landtage herbeizuführen höchst dring- 
lich erschien, fanden sich die Stände bemüssigt, ihre Eingabe vom 22. Mai 
in Erinnerung zu bringen, zu welchem Behufe sich 85 Mitglieder des 
Herren- und Ritterstandes am 28. September nach Ebersdorf begaben. 
Bei der Audienz erging sich Andreas Thanrädl in so weitläufigen 
heftigen Auseinandersetzungen, daß der kranke Kaiser selbst sich ge- 
nötigt sah, ihn zur Kürze zu mahnen. Eine gnädige Resolution wurde 
zwar zugesagt. Das Vertrauen war aber gering, denn beim Fortgehen 
versprachen die Herren, am 1. November wiederzukommen. 1 ) Sie er- 
schienen sogar schon früher, 60 Mann hoch, und nachdem sie gedroht 
hatten, vor der Burg mit Weib und Kind zu knien, bis ihr Begehren 
erfüllt wäre, wurde ihnen eine neuerliche Audienz am 12. Oktober 
gewährt, die wieder dramatisch verlief. 2 ) 

Wirklich erhielten sie eine in entgegenkommendem Tone gehaltene 
Resolution vom 9. November, die auf jeden der angeführten Beschwerde- 
punkte reflektierte. Die Resolution von 1609 sei genügend bekannt, 
um nicht noch publiziert werden zu müssen. Wenn sie aus Unkenntnis 
verletzt worden wäre, möge die Sache auf dem ordentlichen Rechtswege 
anhängig gemacht werden. Die Katholiken würden neuerdings aufge- 
fordert werden, das Schiedsgericht anzunehmen, die Städte und Märkte 
seien immer als Kammergüter behandelt worden, und in der Beamten- 
schaft genug Evangelische angestellt. In dem Hernalser Streite erfolgte 
eine befriedigende Lösung, indem am 13. November den Jörgerschen 
Erben das Lehen zuerkannt ward. Auf den kaiserl. Erlaß vom 9. No- 
vember replizierten die Evangelischen wieder in einer weitläufigen Gegen- 
schrift und baten um eingehende Erläuterung. 3 ) 

Die Propositionen zu dem auf den 21. November 161 8 aufgeschobenen 
Landtag enthielten genug ernste Mahnungen. Nach der Mitteilung über den 
Abschluß des 20jährigen Friedens mit der Türkei zeigten sie den Ständen 
den Böhmischen Aufstand, den Fenstersturz, Wahl der 30 Direktoren, 
Ausweisung der Jesuiten, Belagerung von Budweis und Pilsen, Ver- 
bindung mit den Kurfürsten gegen Se. Maj. an und verlangten die Be- 
willigung von 200.000 fl. im Vertrauen auf die Treue der N. Ö. Stände. 4 ) 
Dissensionen Diese jedoch konnten zu keiner gemeinsamen Beratung gelangen, 

der solange sie nicht ihre internen Differenzen beglichen hatten. Die Evan- 

kat und SClien g" eiiscnen wußten sehr wohl, daß sie von den katholischen Standes- 
evangelischen genossen zum mindesten ebenso bedenkliche Hindernisse in Ausübung 
Stände. ihrer Konfession zu befürchten hatten wie von der Regierung. Sie 
wollten also vorerst in dieser Richtung beruhigt werden. Daher die 
Evangelischen Stände von Ober- und Unter-Österreich die Katholischen 
unter Berufung auf die Konzessionsdokumente, die Attestate der Mähri- 
schen Vermittler und jene des ungar. Palatins um eine positive Zusicherung 
baten, daß diese sie in ihrem Exerzitium ungestört lassen und die 
Delegierten für Beratung des unparteiischen Indiziums benennen wollten. 
Nach mehrfachem Schriften Wechsel und einer Aufforderung des Kaisers, 
weicherauch die gesamten Stände am 22. und 29. dringend einladen ließ, 

») Hurter, VII, 428. 

2 ) Gindely, I, 428. — Raupach, Forts. III, 347, Anmk. i. — Hurter, VII, 380. 

3 ) LA. Rel. E. B. u. Raupach, Forts. III, 347. — Hurter, VII, 429. — Bibl, 
1. c. 94. 

4 ) LA. Rel. E. B. u. Ldtg<prot. v. 1618 u. 1619. 



83 

ihren Dissens zu begleichen und zu den Vorlagen zu schreiten, gaben die 
Katholischen am i. Dezember endlich eine Äußerung ab, daß sie bereit 
seien, das Evangelische Religionsexerzitium ungestört zu lassen und 
Delegierte für das Iudizium zu ernennen. Hiefür aber verlangten die 
Evangelischen eine Formel, die von beiden Teilen zu unterschreiben 
wäre. Sie glaubten auch einer Bemerkung gegenüber, daß von Störungen 
nichts bekannt sei, am 4. Dezember eine Reihe von 18 und dann noch 
10 Fällen aufzählen zu sollen, in denen sie von den Katholischen beein- 
trächtigt worden wären, welche aber von dort aus mit 96 Gegen- 
beschwerden erwidert wurden. 1 ) 

Der Landtag kam auf diese Weise nicht weiter. Die Nachrichten 
aus Böhmen, der Vormarsch Thurns, über dessen Einbruch in Öster- 
reich und die Einnahme Zwettls der Landesoberst Sig. Ad. Traun 
am 2. Dezember berichtete, trugen gewiß nicht dazu bei, die Stände 
gefügiger zu machen. Am 2. Dezember erstatteten die drei N. 0. Evan- 
gelischen Stände an den Kaiser ein Gutachten, wie der Böhmische Auf- 
stand zu tilgen wäre. »Mit Rücksicht auf das Innsbrucker Libell, nach 
welchem kein Offensivkrieg ohne Einwilligung der Länder geführt werden 
darf, hätten diese erst konsultiert werden sollen, bevor zu den Waffen 
gegriffen wurde. Nachdem aber Se. Maj. durch unüberlegte Ratschläge 
dazu gedrängt worden, könnte der Böhmischen Macht nur mit starkem 
Heeresaufgebote entgegengetreten werden. Doch wegen des unsicheren 
exitus sei es geraten, einen Ausschuß aus den Ständen an die Böhmen 
zu senden, um sie von weiterem feindlichen Vorgehen abzuhalten und 
dann einen Generalkonvent aus allen Königreichen und Ländern zu- 
sammenzurufen, um die Sache auf den Grund zu behandeln.« 2 ) Also 
wieder die Idee der politischen Vereinigung auf Basis der konfessionellen 
Gemeinsamkeit und eine geringe Widerstandslust gegen die Böhmen. 

Die Oberösterreicher gingen einen Schritt weiter, indem sie wegen 
zu großer Gefahr dem kaiserl. Kriegsvolk die Pässe zu öffnen sich 
weigerten. Schon im Juli hatten sie dem Erzherzog Maximilian den 
Durchzug der Reiterei verweigert und Jörger nach Wien gesendet, 
mit der Erklärung, daß sie selbst die Verteidigung in die Hand nehmen 
wollten. 3 ) Nichtsdestoweniger baten sie um friedliche Beilegung, wovon 
sie die Böhmen und Unterösterreicher verständigten (4. und 5. Dezb.). 
Die Direktoren suchten die letzteren über den Einfall in N. Ö. zu 
beruhigen, da dieser nur zum Schutze der Evangelischen Religion unter- 
nommen sei und baten um freundliche Haltung (8 ten ). Doch die N. Ö. 
Verordneten ermahnten die Landleute, dem Kaiser treu zu bleiben 
(11. Dezb.). Am 18. zeigte der Kurfürst Joh. Georg von Sachsen 
dem Kaiser an, daß er über dessen Aufforderung zur Beschwichtigung 
des Böhmischen Aufstandes wirke und deshalb die Kurfürsten von 
Mainz und der Pfalz sowie den Herzog von Bayern zu einer Konferenz 
nach Eger geladen habe, wohin auch Se. Maj. und die Böhmen 
Delegierte senden sollten. Das beantragte Waffenstillstandspatent könnte 
am besten Hr. v. Wallenstein dem Feldmarschall Buquoy und den 
Direktoren mitteilen. 4 ) 



!) LA. Rel. E. B. — Raupach, Ev. Oe. 257 u. Forts. III, 349. — Hurter, VII, 
432 ff. u. 613. — Khevenh., IX, 138 ff. — Bibl, 1. c. 106. 
*) LA. Rel. E. B. u. Reg. A. 4, 6. 

3 ) Hammer, IV, 63. 

4 ) LA. Rel. E. B. 

6* 



84 

Am 20. wurden die Evangelischen neuerdings unter Zusage der 
baldigen Erledigung ihrer gravamina aufgefordert, sich von den Katho- 
lischen nicht zu separieren, sondern die das gemeinsame Vaterland be- 
rührenden Angelegenheiten mit ihnen zu beraten. Wieder erfolgte der 
Hinweis auf die Notwendigkeit der vorherigen Abgabe der katholischen 
Versicherung de non turbando. Von oben wurde nichts unversucht 
gelassen, um den ewigen Streit zu schlichten und zu der gemeinsamen 
Beratung zu gelangen. So erging am 28. ein kaiserl. Dekret an die 
gesamten 4 Stände um ihr Gutachten über Beendigung der Feindselig- 
keiten. Eine gemeinsame Beratung jedoch kam auch darüber nicht zu- 
stande. Um so größere Verantwortung lastete auf den Verordneten. 
Am 29. Dezember erhielt Sigm. Ad. von Traun als Verordneter 
durch eine unbekannte Person zwei Schreiben der Böhmischen Direk- 
toren vom 8. und 11. Dezb. an die gesamten vier Stände. Darin war 
die Aufforderung enthalten, sich mit den Böhmen zur Erhaltung ihrer 
Privilegien und Freiheiten zu verbinden, denen bald Gefahr drohen 
werde. Die Evangelischen aber, welche nicht weniger als die Katho- 
lischen noch treu zum Kaiser standen, kamen überein, ihm die an 
sie gerichteten Briefe zu überliefern, wofür ihnen noch unter dem 
31. Dezember der Dank des Kaisers ausgesprochen wurde, gleichzeitig 
unter Widerlegung der gegen ihn in diesen Schreiben geschleuderten 
verleumderischen Anklagen, und neuerlicher Aufforderung zu den ge- 
meinsamen Beratungen zu schreiten. 1 ) Während die Ober Österreicher 
sich mit der Konföderation lt. ihres Schreibens vom 21. Dezember unter 
den gewöhnlichen Reserven »nur zur Versicherung des Vaterlandes und 
damit Se. Maj. sie mit Eröffnung der Pässe, Einlage von Kriegsvolk etc. 
verschone« einverstanden zeigten 2 ), hatten die Nieder-Österreicher in der 
Tat, trotz der Zusammenkünfte einiger Mitglieder mit den Ober-Öster- 
reichern und Ungarn in Hörn, durch ihre im Vereine mit den Mährern 
beobachtete zuwartende Haltung wesentlich zum Mißerfolge des Böhmi- 
schen Einfalles beigetragen und dadurch dem schwer bedrängten Kaiser 
und der Sache des Friedens unverkennbare Dienste geleistet. 3 ) 
jgjg Den kaiserl. Ermahnungen entsprechend, richteten die Evangelischen 

Die Schreiten am 4. Januar des folgenden Jahres eine Aufforderung an die Katholi- 
der Böhmen sehen zur gemeinsamen Beratung über die Beantwortung der Böhmischen 
an die Schreiben, zu welcher sie sich bereit erklärten, unter der nun schon 
sterreic er. se ik s j- verst ä nc ili c h gewordenen Voraussetzung, daß ihnen die so oft ver- 
langte kategorische Versicherung in der Religionsfrage gegeben werde. 
Da auf diesem Wege die Hoffnungen auf eine Vereinbarung immer 
schwächer wurden, entschloß sich der Kaiser mit Dekret vom 5. Januar 
eine Kommission zum Vergleiche anzuordnen. An demselben Tage zeigte 
er den Verordneten an, daß über ihr Ansuchen Herr Hans Lorenz 
Freiherr von Kuefstein mit Dekret vom 4. zum Oberkommissär des 
Viertels ob dem Wiener Wald zu Erhaltung guter Kriegsdisziplin be- 
stellt wurde. 4 ) 

Zwar übergaben die Katholischen schon am 8. Januar ihre Ant- 
wort auf die Anfrage der Evangelischen dem Kaiser zur Approbation. 



') LA. Rel. E. B. — Raupach, Forts. III, 352 fr. 
-) Hofk.-A. R. 14. 

3 ) Gindely, I, 430 u. 437. 

4 ) LA. Rel. E. B. — Rtg. A. 4, 32. — Hofk.-Arch. Familien-Act. vide auch später 
sub Hans Lorenz. 



85 

Aber sie genügte diesen wieder nicht und sie entschuldigten sich 
beim Kaiser wegen der Religionskommission, da unter diesen Um- 
ständen eine solche Beratung »eher disputierlich als nützlich« sein 
würde. Sie hielten sich wegen der Aussichtslosigkeit derselben be- 
rechtigt, selbständig vorzugehen und ihre Antwort am 15. an die 
Direktoren ergehen zu lassen. Sie sprachen ihre Befriedigung aus, daß 
diese sich bereit erklärt hatten, sich unter annehmbaren Bedingungen zu 
unterwerfen und wiesen auf ihr eigenes Beispiel hin, daß sie sich an 
den Kaiser gewendet und hoffnungsreiche Zusicherungen erhalten hätten, 
auch mit den Katholischen zu einem Einvernehmen zu gelangen hofften. 
Was die Konföderation betrifft, so wäre es wohl wünschenswert gewesen, 
daß diese damals als Se. Maj. zu Budweis selbst darein gewilligt und 
die Stände aufgefordert hatte, einen Ausschuß zu wählen, und auf den 
General- Landtag nach Prag (16 15) zu schicken, ihren Fortgang erreicht 
hätte. Aber auch jetzt wäre eine solche nicht zuwider, »woferne sie nicht 
gegen Ihr. Maj. und das Haus Oesterreich noch zur Unterdrückung der 
katholischen Stände in ihrer Religion gerichtet, sondern anderen dgl. 
Bündnißen gleich und von Sr. Maj. confirmirt würde«. 1 ) 

Ungeachtet dieser vorsichtigen Wendung erhielten die Evangeli- 
schen am 4. Februar eine scharfe Rüge für die ohne kaiserl. Genehmi- 
gung erteilte Antwort und die darin enthaltenen entgegenkommenden 
Äußerungen 2 ), während die von den Katholischen gleichfalls abgesendete 
Antwort, welche ohne Erwähnung der Konföderation sich zu freund- 
nachbarlicher Friedlichkeit erklärte und um Rückberufung des Kriegs- 
volkes bat, vom Kaiser am 22. Jänner ratihabiert worden war. Die 
Evangelischen, welche — nach einer am 18. dess. M. erstatteten Anzeige 
der Katholischen — in den allerdings am meisten gefährdeten zwei 
Oberen Vierteln die Untertanen bewaffnet hatten, was jene nun gleich- 
falls tun wollten, verteidigten sich gegen den Vorwurf der Konföderation 
und rieten dem Kaiser dringend zum Frieden. Sie baten ihn, das 
Fugg ersehe Kriegsvolk nicht gegen die Böhmen zu stellen, damit das 
von den Kurfürsten angestellte Interpositionswerk in seinem Fortgang 
nicht gestört werde. 3 ) 

Gleiche Gutachten angesichts der gefährlichen Situation, nament- 
lich ein solches von Tschernembl, drängten den ohnehin friedliebenden 
Kaiser, den Weg der Verhandlungen dem zweifelhaften Kriegsglücke 
vorzuziehen. Der Einfall der Böhmen in Österreich, das in Mähren neu 
aufgerichtete Direktorium, die gefährliche Religionsbevvegung in den 
österreichischen Landen, der Venedigische und Savoy'sche Krieg, die 
drohende Haltung der Türkei, die Werbungen des Siebenbürgers, die 
Unverläßlichkeit der Ungarn, die Verhandlungen der Unierten mit Frank- 
reich, England, Dänemark, Schweden, der Schweiz und Venedig, alles 
dies wurde auf der anderen Seite hervorgehoben, um zu energischem 
Einschreiten zu raten. Matthias zog den Weg friedlicher Verhandlungen 
vorläufig vor und akzeptierte die Vermittlung der Kurfürsten und Fürsten, 
die der Kurfürst von Sachsen auf den 14. April nach Eger berief. 4 ) 



1 ) LA. Rel. E. B. u. Reg. A. 4, 6. — Meyer, Londorp. Suppl. II, 127. — Rau- 
pach, Forts. III, 355 fr. — Khevenh., IX, 329 ff. — Hurter, VII, 447 ff. — Bibl, 
1. c. 102 ff. 

2 ) Meyer, Londorp. suppl. II, 139. 

3 ) LA. Rel. E. B. — Raupach, Forts. III, 361fr. 

4 ) Khevenh., IX, 294 u. 312. 



86 

Inter- Angesichts dieser bevorstehenden Versammlung mahnten die Evan- 

konfessionelle gelischen am 19. Januar in einer eingehenden Eingabe neuerdings zum 
Kommission. Frieden. Doch erklärten sie sich, bei Wiederholung ihrer gravamina, 
zu der interkonfessionellen Friedenskommission bereit, wenn ihnen die 
schon so oft präzisierte Zusage de non turbando von den Katholischen 
erteilt würde. Nachdem der Kaiser die Beantwortung in Aussicht ge- 
stellt hatte, kam endlich am 28. Februar im Landhause die erste Sitzung 
zustande. 1 ) 

Die Oberösterreicher hatten schon am 22. um Sendung eines Dele- 
gierten nach Linz gebeten, »weil die schriftliche Kommunikation jetziger 
Zeit über Land gefährlich sein will«. 2 ) 

Die Evangelischen legten in einer Schrift vom 2. März dar, wie 
die Religionskonzession sowohl als die Kapitulation samt der Inter- 
position der Mährischen Stände und der Attestation des Palatins Thurczo 
vielfach von den Katholischen verletzt worden seien, weshalb sie diese 
ersuchten, »sich categorice, rund, lauter, deutsch, Biedermännisch und 
ohne falsch zu erklären, ob sie dies für unrecht erkennen und abstellen 
wollen? « 



Über den Fortgang der Verhandlungen gibt Traun in einem am 
4. März von Wien aus an Hans Ludwig Khuefstainer gerichteten 
Schreiben authentische Nachricht. Rückblickend erinnert er daran, »man 
habe die öfters abgeschlagene Kommission endlich angenommen, weil 
man glaubte, unsere Sachen würden besser erläutert und die Suspizion, 
als hätte man andere Intentionen, widerlegt werden können. Auch hoffe 
man, weil Zierotin, welcher bisher sich zu der commissio nicht habe 
brauchen lassen, jetzt angenommen habe, daß es nicht ohne Frucht ab- 
gehen möchte. Vor 3 Tagen sei mit der Kommission ein Anfang ge- 
macht worden. Als die Commissari unser Begehren an die Katholischen 
verlangten, habe man sich auf die vorigen 4 Schriften bezogen. Andern 
Tags erklärten die Katholischen durch die Kommissarien, daß sie die 
Evangelischen Stände in den der Augsburgischen Konfession erteilten 
Konzessionen, Kapitulation und landesfürstliche Resolutionen nicht pertu- 
bieren, sondern dabei ruhig verbleiben lassen wollten. Da aber solche 
Generalantwort von den Evangelischen schon früher nicht genügend 
befunden worden war, so wurden diese ersucht zu spezifizieren, was sie 
noch desiderierten. Dies ist heute neben einem mündlichen Vortrag ge- 
schehen. Weil aber das Werk wichtig ist und einer Beratschlagung unter 
den Kommissarien bedarf, haben sie die Antwort auf Montag differiert.« 
Dann klagt Traun über die Bedrängnisse durch das Kriegsvolk im 
Waldviertel. »Aber mehr leidet der arme Mann. Man sucht zwar so viel 
möglich zu remediren, alles aber umsonst, solang nit Mars zu regieren 
aufhört, dahin man sich anjetzo auch bemüht. Steht fürnemblich noch 
an Resolutio der Interpositoren, wie sie sich des modi halber ver- 



') LA. Rel. E. B. — Raupach, Forts. III, 359 u. 365 ff. — Bibl, 104 ff. 
-) Hfk.-A. R. 14. 



87 



g-leichen mögen.« Dies erwartet man täglich. 1 ) Die kaiserl. Kommissäre, 
welche auf beide Parteien dringend einwirkten, konnten an demselben 
4. März daraufhinweisen, daß sich diese schon genügend genähert hätten, 
um durch weiteres Entgegenkommen zu dem erwünschten Resultate zu 
gelangen. 

Der durch das »Böhmische Unwesen« immer mehr bedrängte Kaiser Resolution 
mochte zu der Überzeugung gelangt sein, daß dies nur durch ein Ein- vom ®- M ärz. 
greifen seinerseits erreicht werden könnte, wozu ihm der Moment ge- 
kommen schien. Es erging also endlich am 9. März die zugesagte 
Resolution 2 ), welche sowohl im Tone als in der Sache gnädig gehalten 
war und den Evangelischen wohl Befriedigung gewähren konnte. Auf 
alle gravamina eingehend, wurde namentlich in betreff der so sehr 
gewünschten Publizierung der Kapitulationsresolution der N. Ö. Re- 
gierung aufgetragen, im Sinne derselben vorzugehen und sodann das 
gleichfalls schon so oft urgierte Schiedsgericht in sichere Aussicht ge- 
stellt. Dagegen wurden die Evangelischen dringend ermahnt, nunmehr 
alles aufzubieten, um die gemeinsamen Beratungen zu des Vaterlandes 
Wohl in Frieden und Eintracht zu führen. 

Unter der Pression der Kommissäre gaben nun bei der nächsten 
Zusammenkunft am 14. März die Katholischen eine entgegenkommende 
mündliche Erklärung ab, welcher noch hinzugefügt wurde, daß, wenn 
auch jetzt kein Vergleich zustande käme, sie doch darauf bedacht wären, 
mit den Evangelischen »Freund-, nachbar- und vertraulich zu leben«, 
worauf Helmhart Jörger ausrief: »Gott gebe, daß es dermaleins im 
Werk beschehe.« Es wurden nun auch die Delegierten für das Schieds- 
gericht ernannt und es sah ganz hoffnungsvoll aus. 

Durch das am 20. März erfolgte Ableben des Kaisers Mat- Kaisers 
thias trat in der ganzen politischen Situation ein gründlicher Wandel I J?^ ias ' 
ein. Nichtsdestoweniger gingen die Verhandlungen zwischen beiden Par- 
teien eine Zeit lang weiter, bis sie zu der bedauerlichen Trennung im 
Juni führten. 3 ) 

Man kann darauf anwenden, was Mag. Crusius nach Straßburg 
schrieb: »Status Austriae Inferioris haben den Taumelkelch von der 
Hand des Herrn empfangen: sie gehen zu Rath und schließen nichts, 
kommen zusammen und ziehen von einander und kommen aber und 
abermal zusammen und schließen doch einmal so viel als das ander.« 4 ) 
Wäre zuweilen auch auf heutige Verhältnisse anwendbar. 



J ) Schreiben des Sigm. Ad. v. Traun vom 4. März 1619 an H. Ludw. Khuef- 
stainer. Archiv Greillenstein. 

-) St.-A. Handschr. N<>. 108, V 1 , Fol. 135. 

3 ) LA. Kel. E. B. — Khevenh, IX, 328—332. — Hurter, VII, 450 -453. — 
Raupach, Forts. III, 364—380. — Wiedemann, I, 560 — 563. — Bibl, p. 104 — 108. 

4 ) Kaupach, Forts. III, Beil. XLI, p. 225. 



1619. 

Hans Ludwig 

von 

Kuefstein. 




3. Unter K. Ferdinand IL 1619 u. 1620. 

ie wir sehen werden, hat in den nun zu besprechenden Jahren 
1619 und 1620 Hans Ludwig- Freiherr von Khuefstain 
eine hervorragende Vertrauensstellung bei den Evangelischen 
Ständen eingenommen, die durch die ihm aufgetragenen Missionen an 
die oberösterreich. Stände in Linz, an Erzherzog Albert in den Nieder- 
landen und an den Deutschen Fürstentag in Nürnberg i.J. 1619, dann 
an Kaiser Ferdinand i.J. 1620 anschaulich zutage ttat, so sehr, daß 
man die ganzen Verhandlungen zwischen den Dissentierenden in Hörn 
und Retz und dem Kaiser Ferdinand sich um seine Person gruppieren 
sieht. Wenn man bedenkt, wie schon hervorragende Geschichtschreiber, 
wie Gindely und Adam Wolf, sich eingehend mit seinen Missionen 
befassen und seine genauen Diarien für die Landesgeschichte verwerten, 
so wird es nur begreiflich erscheinen, wenn ihnen hier, wo es sich um 
eine Familiengeschichte handelt, die mit jener so eng verknüpft ist, eine 
um so größere Aufmerksamkeit zugewendet wird. Wobei hervorgehoben 
zu werden verdient, daß in Ermangelung der Akten der Horner, von 
denen bisher nur sporadische Vestigia gefunden werden konnten, gerade 
diese Tagebücher einige fühlbare Lücken auszufüllen geeignet erscheinen. 
So lange die beabsichtigte Publikation derselben nicht zustande kommen 
kann, dürften die hier zusammengestellten pragmatischen Auszüge das 
Wesentlichste dessen, was sie für die Spezialgeschichte enthalten, wieder- 
geben, wenn auch leider eine ganze Reihe nebensächlicher Notizen, die 
von kulturhistorischem Interesse sind, beiseite gelassen werden müssen. 



Widerstand 
der Evan- 
gelischen. 



Wenn schon bei der Übernahme der Regierung durch K. Matthias 
die Begründung seines Rechtes auf eine noch nicht offene Nachfolger- 
schaft zu Zweifeln Anlaß gegeben hatte, welche den Ständen, und nicht 
nur den Evangelischen, eine gut verwendbare Handhabe zu der Forderung 
von Bedingungen für die formale Unterwerfung boten, so traten solche 
Zweifel anläßlich der jetzt imminenten Anerkennung eines neuen Herrn 
in verschärftem Maße hervor. Damals war der Bruder dem Bruder ge- 
folgt, jetzt aber handelte es sich um den Übergang auf eine andere 
Linie des Hauses, damals konnten Konzessionen erwartet werden, jetzt 
aber war in dieser Richtung nicht nur nichts zu erhoffen, sondern sogar 
ein verschärftes Vorgehen gegen die neue Lehre zu befürchten. Wenn 
auch gegen die Erbfolge Ferdinands, der in Böhmen sowohl als auch 
in Ungarn schon als König gekrönt war, auch in Österreich auf die 



89 

Dauer kein ernster Widerstand begründet werden konnte, so mußte doch 
der Verzicht des Erzherzogs Albrecht, letzten noch lebenden Bruders 
des Matthias, vorhergehen. Ein solcher war nur für Böhmen und Ungarn 
ausgesprochen worden, während für Österreich nur die am 2. Februar 
eventualiter ausgestellte Vollmacht an seinen Neffen Ferdinand vorlag, 
in seinem Namen die Huldigung aufzunehmen und die Administration 
des Bandes zu führen. 1 ) 

Nach dem Ableben des Kaisers wurden infolgedessen die Stände 
durch ein am 22. März an die Verordneten gerichtetes Dekret für den 
25. nach Hofe geladen. Sie. erschienen zwar dort, hörten die Mitteilung - 
von der Vollmacht Albrechts an, aber als sie im Bandhause tagen 
sollten, verweigerten die Evangelischen auf Antrag des Hans Jörger, 
mit den Katholischen gemeinsam zu beraten, was diese schon am 23. 
mit der Bitte um Prolongation des Termines zum Bandtag als bevor- 
stehend gemeldet hatten. So kam es zu keinem Beschlüsse, und mittels 
Patent der Verordneten von demselben Tage wurden die vier Stände 
nun zur Huldigungsberatung auf den 15. April geladen. Von beiden 
Seiten wurde auf diesen Termin eine gewisse Hoffnung gesetzt. Aber 
selbst die kathol. Stände, welche zur Huldigung geneigter gewesen 
wären, hatten Bedenken wegen des noch nicht erfolgten Verzichtes des 
Erzherzogs Albrecht und der erforderlichen Bestätigung der allge- 
meinen Privilegien, zu denen sie jedoch die Religionskonzession nicht 
gerechnet sehen wollten. Sie hatten daher am 26. März dem Könige 
geantwortet, die Huldigung sei eine so wichtige Sache, daß sie nur 
in einer allgemeinen Versammlung beratschlagt werden könne. Gleich- 
zeitig beschwerten auch sie sich, ebenso wie die anderen, über das 
böhmische Kriegsvolk, worauf der König am 27. den allgemeinen 
Ständen Abhilfe versprach. 

Auch die Religionsverhandlungen, welche von der durch Matthias 
veranlaßten Kommission bis zu dessen Tode nicht ganz aussichtslos 
geführt worden waren, sollten nun über Antrag der Katholischen auf 
Wunsch des Königs am 15. April wieder aufgenommen werden. Doch 
verstrich auch dieser Termin fruchtlos. Am 17. ernannten die von den 
Katholischen (am 28. März) speziell geladenen Oberösterreicher ihre 
Delegierten, nachdem sie sich am 15. April zur Konföderation mit den 
Unterösterreichern und den Böhmen bereit erklärt hatten. Daß die 
Katholischen am 9. ihre Religionsschriften aus den Akten Khlesls 
erbitten mußten, zeigt diesen deutlich als Autor oder Inspirator der- 
selben, woran ohnehin kein Zweifel obwaltete. Angesichts der immer 
drohender sich gestaltenden Tage forderte der König am 20. die Ver- 
ordneten neuerdings auf, die Stände für die Defensionsberatung einzu- 
berufen. Am 23. April kam wirklich eine gemeinsame Sitzung zustande, 
in welcher Carl Jörger im Namen der Oberösterreicher zu vereintem Vor- 
gehen mit Mähren und Ungarn aufforderte, um in der Böhmischen Sache 
auf eine gütliche Ausgleichung zu dringen und den König zum Frieden 
zu mahnen. Zwei Tage darauf unterstützte eine zweite Botschaft der Ober- 
österreicher diese Worte, indem sie gleichzeitig den Beitritt zur Böhmi- 
schen Konföderation anzeigte und die Unterösterreicher dazu aufforderte. 2 ) 



') Für d. folgende: LA. Rel. E. B. — Hurter, VII, 502 ff. — Gindely, 30Jähr. 
Krieg. Böhm. Aufstand II, 52 ff. — Bibl, 1. c. 109 ff. — Khevenh., IX, 342 ff . — Rau- 
pach, Forts III, 393 ff. 

•) LA. Rel. E. B. — Gindely, I.e. II, 57. 



90 

Verhand- An demselben 25. April ersuchten die Evangelischen beider Erz- 

lungen der herzogtümer die Katholischen um Antwort auf ihre Forderungen v. 
mit den 2i.Novemb. 1618. Siegingen also auf den Beginn der Religionsverhand- 
Katholischen. hingen zurück, wodurch alles, was in der von Matthias angeregten 
Kommission gewonnen worden war, ausgeschaltet erschien. Hierauf 
wiederholten die Katholischen am 30. die früher schon gegebene Er- 
klärung, daß sie die Evangelischen in ihren Religionskonzessionen so 
wenig turbieren wollten als diese die Katholischen. Gleichzeitig ver- 
langten sie wieder gemeinsame Beratung wegen der Defension. Auf 
letztere erklärten jedoch die Evangelischen (am 2. Mai) nicht eingehen 
zu können, da sie von der allzu verklausulierten Antwort, namentlich 
in betreff der Untertanen und Glaubensgenossen, nicht befriedigt seien 
und auch verlangten, daß ihre Beschwerden als gerechtfertigt erkannt 
würden. Sie bestanden also auf der so oft schon vergebens erbetenen 
kategorischen Deklaration und drohten für den Verweigerungsfall mit 
der definitiven Separation. Die Gegensätze standen sich zu schroff gegen- 
über, als daß auf einen bleibenden Erfolg zu hoffen gewesen wäre, so 
lange nicht die Katholischen eine Zusicherung gegeben hätten, welche 
den Evangelischen völlige Beruhigung über die Einhaltung derselben 
bei der Ausführung zu gewähren geeignet war. 

Nichtsdestoweniger wurde weiter verhandelt. Es fanden sich in der 
äußeren Lage und den durch das heranrückende Heer der Böhmen be- 
reiteten Gefahren Momente genug, welche allen Parteien, den Evangeli- 
schen wie den Katholischen und auch dem Könige vor Augen führten, 
wie wünschenswert es wäre, einverständlich vorgehen zu können. Die 
Stände hatten schon am 28. April durch einen Ausschuß und dann 
schriftlich am 30. den König wieder um Abhilfe gegen die Verwüstungen 
der königlichen wie der Böhmischen Kriegsvölker und um Abberufung 
der fremden Söldlinge, wie der Kroaten und Ungarn, gebeten. ') 

Der König, in dem Bestreben, eine endliche Einigung zu erzielen, 
hatte selbst eine Zusammenkunft am 3. Mai veranstaltet, die wieder 
fruchtlos verlief. 

Nachdem die Evangelischen auf die Beratung der Defension nicht 
eingehen wollten, bevor sie nicht durch eine Erklärung der Katholischen 
befriedigt worden wären, wendeten sich diese am 6. Mai an den König 
mit der etwas naiven Frage, was nun zutun sei, während sie doch das 
Mittel in der Hand hatten, die Evangelischen durch eine rückhaltlose 
Zusage zu zwingen, Farbe zu bekennen. Die kgl. Antwort lautete sofort 
auch dahin, daß zu hoffen sei, die Evangelischen würden sich akkommo- 
dieren. Doch diese hielten am 7. ihren früheren Standpunkt aufrecht 
und beantworteten am 8. Mai die königl. Propositionen dahin, daß sie 
vorerst eine Abordnung an Erzherzog Albrecht in die Niederlande 
senden wollten, um dessen ordnungsmäßige Pienipotenz zu erlangen. 
Sodann müßten die politischen u. Religionsprivilegien durch Revers 
konfirmiert, die Gravamina erledigt, die Gerichte gleichmäßig besetzt und 
die Konföderationen bestätigt werden. Der ohne Rat u. Willen der 
Stände begonnene Böhmische Krieg möge beigelegt und das fremde 
Kriegsvolk abgedankt werden. 2 ) 

In dieser Haltung fühlten sie sich von den Oberösterreichern be- 
stärkt, welche nach des Kaisers Tode die Regierung des Landes, ge- 



*) LA. Rel. E. B. u. A. IV, 32. — Bibl, 1. c. 112 ff. — Raupach, Forts. III, 394. 
'-) LA. Rel. E. B. — Hurt er, VII, 506. — Raupach, III, 394. 



91 

stützt auf die von ihnen angerufenen alten Gewohnheiten, selbst in die 
Hand genommen hatten. Gegen dieses behauptete Recht trat ein Me- 
morandum auf, welches in historischer Deduktion die Rechte Ferdi- 
nands darlegte, unter nicht mißzuverstehender Erinnerung an die Ent- 
hauptung des Michael Eytzing und Hans v. Puechaimb zu Wiener- 
Neustadt i. J. 1522. Hierauf antwortete der unermüdliche Tschernembl, 
die Seele der Opposition der Oberösterreicher, anstatt dem Rufe des zur 
Aussöhnung bereiten Königs zu folgen, durch ein Schreiben vom 12. 
und ein eingehendes Memorandum v. 20. Mai, welches Ferdinand zur 
Kenntnis zu nehmen nicht verschmähte, obwohl es ziemlich starke 
Aufstellungen enthielt und nachzuweisen suchte, daß nicht der Landes- 
fürst die Untertanen wähle, sondern diese ihren Herrn, er möge also 
die von ihnen eingesetzte provisor. Regierung bestehen lassen bis 
zur regelmäßigen Wahl und vorerst die Böhmische Sache in Ordnung 
bringen. l ) 

Die Niederösterreicher ließen sich nicht verleiten, so weit zu gehen, Anrücken 
abgesehen etwa von einigen Extremen, sondern suchten noch immer der Boüinen - 
mit den Katholischen, die gleichfalls mehr Entgegenkommen zeigten, 
zu einer Einigung zu gelangen, für welche sich der König selbst ein- 
setzte. Es schien sich doch eine Annäherung vorzubereiten. Denn am 
14. u. 16. Mai erklärten die Katholischen deutlicher, daß sie sich der 
Beeinträchtigung der Evangelischen zu enthalten versprechen und auch 
deren Untertanen sowie jene der Katholischen wegen der Religion 
nicht turbieren wollen. Als die Evangelischen einige Tage darauf, am 
2$ sten , in sieben Punkten auseinandersetzten, in welchem Sinne sie diese 
Erklärung verstanden wissen wollten, schlugen die anderen am 2. Juni 
vor, endlich anstatt des unfruchtbaren Schriftenwechsels zu der in 
Aussicht genommenen Konferenz zu schreiten, zu der es am 4. Juni 
kam, als Thurn schon in bedenkliche Nähe der Hauptstadt vor- 
gerückt war. 2 ) 

Schon am 11. Mai hatten mit Einwilligung des Königs die Evan- 
gelischen 14 Abgeordnete zu ihm nach Laa gesendet, ebenso wie die 
Katholischen den H. Christ, v. Puechaimb und andere. Beide Teile 
brachten dieselbe Beschwerde über den unberechtigten Einfall in das Land 
vor und baten ihn, sein Volk, welches Verwüstungen und Räubereien 
beging, schleunigst wieder fortzuführen, worauf aber mit Drohungen 
geantwortet wurde. Thurn verlangte neuerdings die Konföderation. Am 
24. und 25. Mai wurden sowohl von den Katholischen als den Evan- 
gelischen Missionen an Thurn wegen der Besatzung von Laa abge- 
fertigt. Die Evangelischen hatten sich schon in ihrer Antwort v. 15. Jänner 
an die Böhmischen Direktoren zur Konföderation bereit erklärt unter 
der Bedingung, daß sie nichts gegen den Landesherrn noch die kathol. 
Religion enthalte. Die Schreiben v. 25. März u. 24. April hatten sie erst 
nach einer Vereinbarung beider Religionsparteien beantworten wollen. 
Die Katholischen aber wollten nicht ohne vorherige Zustimmung des 
Königs darauf eingehen und leugneten, daß die vorgeschlagene Kon- 
föderation als eine Fortsetzung jener angesehen werden könnte, welche 



l ) Khevenh., IX, 390. — Gindely, II, 60 u. 61. — Hurter, VII, 528. Dessen 
Zitat Khevenh., IX, 293 (recte 294) bezieht sich richtiger auf das noch an Matthias 
gerichtete Gutachten v. Anfange d. Jahres, während jenes v. 20. Mai 1619 von Khevenh. 
gar nicht erwähnt w : rd. StA. Handschr. ic8, V 3 , Fol. 141. 

-) LA. Rel. E. B. — Hurter, VII, 507. — Bibl, 114 ff. — Gindely, II, 64. 



92 

die gesamten Stände i. J. 1614 mit Matthias' Zustimmung - und sogar 
Einwirkung geschlossen und auf dem Generallandtage zu Prag 161 5 
wieder bekräftigt hatten. 1 ) 



Thurn Daß die Stände den Absichten Thurns, der erklärte, zu kommen, 

vor Wien. >>um Österreich und Steyer zu den Böhmen bringen zu wollen, die Jesuiter 
auszujagen, in jeder Provinz Direktoren zu bestellen« u. dgl., wie er 
solches mit den Ungarn besprochen habe, nicht beipflichten konnten, 
bedarf keiner Erwähnung. Auch die Evangelischen waren von solchen 
phantastischen Extremen nicht eingenommen. Sie wären der Mehrzahl 
nach auch nicht abgeneigt gewesen, mit den anderen zusammen die von 
diesen vorgeschlagene gemeinsame Abordnung an Thurn zu senden, 
der bereits seinen Übergang über die Donau bei Fischamend bewerk- 
stelligt hatte und, nach den durch Andre Thonrädl am 4. von ihm 
zurückgebrachten Nachrichten, noch an diesem Tage sein Lager in die 
Nähe der Stadt verlegen wollte. Ohne Lösung der Frage der Konfödera- 
tion wäre diese Sendung ein vergeblicher Schritt gewesen. Daher führte 
es auch zu keinem Resultat, als in der Konferenz v. 4., in welcher 
Sigm. Ad. Traun für die Evangelischen, Hans Christoph Urschen- 
beck für die Katholischen das Wort führte, die obenerwähnten Argu- 
mente sich wieder gegenüberstanden. Am folgenden Tage, 5. Juni, ging 
man über Vorschlag Trauns von der Frage der Konföderation auf jene 
der noch immer nicht gewährten Religionszusicherung über. Da die so 
starr verlangte Formulierung nicht zu erreichen war, erklärten die an- 
wesenden 50 Evangelischen, welche keine ernsten Absichten zu einem 
Abkommen bei den Katholischen erkennen zu können glaubten, daß 
sie sich von diesen definitiv trennen wollten, wie sie schon 
längst angedroht hatten, sowohl im Politischen als in den Geschäften 
und dem Kassawesen. Sie teilten dies durch Greiß den Katholischen 
mit: Sie würden auch sofort bei dem Könige vorsprechen, um hievon 
Meldung zu erstatten und ihm die gefährliche Situation vorzustellen, 
welche dem Lande durch den Einfall der immer näher heranrückenden 
Böhmen drohe. 2 ) 
Die Audienz Dies geschah auch sofort in einer um 10 Uhr erlangten Audienz, 

vom 5. Juni, in welcher Paul Jacob von Starhemberg vorstellte, daß die Katholi- 
schen zu der Separation Ursache gegeben hätten und die gehorsamste 
Bitte stellte, auf die vielfach und wohlmeinend gegebenen Gutachten 
gnädigst zu reflektieren und zu den dienlichsten Friedensmitteln zu 
greifen, um den Krieg, der ohne ihr Vorwissen begonnen worden sei, 
zu beendigen, auf welchen Fall die Evangelischen zu Erlangung eines 
endlichen und beständigen Friedens gern ihr Äußerstes zusetzen wollten. 



1 ) LA. Rel. E. B. u. Repertorium I, p. 291. — St. A. Handschr. 108, Fol. 57. 

2 ) LA. A. IV, 7 u. 8 u. Rel. E. B. — Gindely, II, 76 ff. — Huber, V, 124 ff. — 
Bibl, 1. c. 119 ff. — Hurter, VII, 519 ff u. Huber in Mitt. d. Inst. f. ö. Gesch. XVI, 
662. — Klein, Gesch. d. Christenths. in Österreich. V, 279. Berichte des Chr. Puechner, 
Gesandten der o.-ö. Stände in Wien v. 3. bis 14. Juni 1619. 



93 

S e - Majestät antwortete hierauf: »Sie hätten der löbl. Stände Anbringen 
gnädigst angehört, wie aber daraus zu vernehmen daß die Evangelischen 
Stände die Sachen nur gar zu weit extendirten und der Handel wichtig, 
also sei vonnöthen, solches in reife Berathsch lagung zu ziehen. Sie 
wollten sich aber also gnädigst und aufrichtig erklären und gegen den 
Ständen erzeigen, daß sie damit zufrieden sein und Ihr. Maj. teutsches 
ehrlich und christlich Gemüth sehen und spüren sollten etc.« 1 ) Nach der 
Audienz ließ der König die Herren v. Starhemberg und Traun be- 
sonders wiederum zu sich erfordern, welchen er vorschlug, sich selbst 
interponieren zu wollen, oder, wenn sie dagegen Bedenken hätten, so 
mögen die Evangelischen mit und neben den Katholischen bei den 
Böhmen und dem Grafen Thurn durch einen Ausschuß die Notdurft 
handeln. Zur Erlangung der Antwort auf diesen Vorschlag benannte 
der König wiederum eine Audienz für 3 Uhr. Die Stände beratschlagten 
und kamen zu dem Schlüsse, keines der beiden vorgeschlagenen Mittel 
anzunehmen, sondern bei ihrer früheren Resolution zu verharren. Als sie 
dies zu der bestimmten Stunde in gesamter Audienz anzeigten, stellten 
sie zugleich die Bitte, S e Maj. möge die Katholischen disponiert machen, 
auf ihre letzte Erläuterungsschrift sich zu erklären, was sie nochmals 
annehmen wollten. Auch dies bewilligte der König und benannte 
wiederum beiden Teilen für den folgenden Tag, 6. Juni, um 8 Uhr, eine 
Audienz. Ehe sie sich dahin begaben, beschlossen die Evangelischen, 
dabei zu bleiben, sich mit den Katholischen in nichts einzulassen, falls 
diese die verlangte Erklärung nicht abgäben. 2 ) 

Die durch legendenhafte Ausschmückung später so berühmt ge- 
wordene Audienz v. 5. Juni wäre nach den vorstehenden Berichten doch 
nicht so stürmisch vorbeigegangen, wie dies gern dargestellt wird. 
Puechner, der Gesandte der Oberösterreich. Stände, der seine Auf- 
zeichnungen auf unmittelbare Kenntnisnahmen gründen konnte, sagt aus- 
drücklich, daß Traun, damaliger Präsident der (sc. Evangelischen) Stände, 
referiert habe, die Audienz sei wohl abgegangen, und aus den weiteren 
Notizen ergibt sich gleichfalls, daß die Verhandlungen mit dem Könige 
in der Burg noch an demselben Tage und an den folgenden fortgesetzt 
wurden. 3 ) 



Khevenhüller allerdings, die Hauptquelle für die dramatische 
Darstellung - , sagt, »die unkatholischen Stände hätten, nachdem Thurn 
sich der Vorstadt Wien's bemächtigt« (was an diesem Tage poch gar 
nicht der Fall war, sondern erst am 6 lcn ) »einen solchen Übermuth 
gefaßt, daß sie vor dem König ohne einigen Respect in die Ante- 
camera getreten und hat der Andre Thonrädl im Namen ihrer 
(nicht dieser, sondern Starhemberg führte das Wort) ihre Meinung 
ratione confoederationis et compositionis der Böheim. Unruhe und daß 

1 ) Berichte Puechners bei Klein, 1. c. V, 279 ff. — Raupach, Forts. III, 390 
wörtlich übereinstimmend. 

-) Raupach, III, Forts. 389 u. 390 u. Ev. O. 265. — Gindely, II, 76 ff. — Bibl, 
1. c. 120 ff. — Ad. Wolf, 1. c. 249. — Hurter, VII, 554 ff. 

3 ) Puechners Berich e 1. c. 



94 

sie nicht mit der Pienipotenz des Österreich. Regimentes halber, so 
Erzhzg. Albrecht dem König Ferdinand gegeben, zufrieden seien, 
fürgebracht. Inzwischen aber, als sie noch eben bei I. M. im Zimmer 
waren, da kommen unwissend und ohne Ordnung aus sonderlicher 
Schickung Gottes 500 (recte 400) des Gf. Dampierre von Gebhard 
von Santelier geführte Küraßier von Krems nach Wien. Die prä- 
sentierten sich stracks auf dem Burgplatz, darüber nicht allein bei den 
ungehorsamen Ständen selbsten, sondern auch in der Burgerschaft ein 
großes Schröcken entstanden.« 1 ) 

Spätere Legendendichtung fügte hinzu, Thonrädl, der allerdings 
etwas hitzig gewesen sein mag, habe sich hinreißen lassen, den König 
bei einem Knopf seines Wamses zu fassen und ihm mit unehrerbietigen 
Worten die Feder zum Unterschreiben hingehalten. 

Die neuere Geschichtschreibung war in der Lage, auf Grund 
authentischer Dokumente den ohnehin schon genügend dramatischen 
Vorgang von allem verwirrenden Beiwerke zu befreien und der sogen. 
Sturmpetition ihren wahren Charakter wiederzugeben, sowie deren rich- 
tiges Datum zu fixieren. 2 ) Auch Thonrädl dürfte vielleicht von dem 
Vorwurfe losgesprochen werden, seinem Wahlspruche: »Tu's nicht, 
Gott siechts!« untreu geworden zu sein, ganz abgesehen davon, daß 
weder Puechner noch auch Hans Ludwig von Kuffstein in seinen 
Diarien von einem solchen Vorfalle Erwähnung tut. 

Puechner schrieb »noch vor Eßen, weill die löbl. Ständt gen Hof 
gefahren und im Uebrigen Bericht erwartet wie die Audienz abgehen 
werde. Unterdeßen, bald nachdem die Stand gen Hof kommen, hat sich 
ein Lärmen erhebt und sein etlich Cornet Reiter, so wie ich vernimb, 
Conte Tampier wieder zurückbracht, herein und Alles auf den Burgplatz 
und für die Burg hinein erfodert worden, wie dann gleichfalls auch 
etlfch Fähndl Knecht aufzogen und etlich Platz auch theils Gaßen ein- 
genommen, sowol die Thore gesperrt, daß man außer gar Bekannter 
weder aus noch ein können. Unter dem das Geschrei kommen, die 
Ständt wären in der Burg arrestiert oder würdt vielleicht etwo was 
anders mit ihnen fürgenommen werden, welches auch verursacht, daß 
bei der Bürgerschaft und allenthalben schier ein Auflauf worden . . . 
bis doch endlich nach 12 Uhr die Ständt wieder herauskommen, da es 
wieder stiller worden und das allenthalb in Ordnung gestellte Volk 
wieder abzogen.« 

Es war also jedenfalls ein bedeutungsvoller Moment und es konnte 
ein Aufstand der Wiener befürchtet werden, wenn ihre Besorgnisse für 
die Stände in Erfüllung gegangen wären. 

Daß in der Audienz nichts vorgegangen sein konnte, was diese 
berechtigt hätte, und sie namentlich durch keinen Vorfall verunziert 
wurde, der mit der Würde des Königs unvereinbar gewesen wäre, wird 



1 ) Khevenh. IX, 398. 

2 ) Gindely, II, 76—81, auf Grund der Berichte des spanischen Botschafters Onate 
(in Simanras) u des sächsischen Gesandten (i. sächs. Staatsarchiv). — Huber, Ö. Gesch. 
V, 124, u. in d. Mitteil. d. Inst. f. ö. Gesch.schreibung. XIV, 379 — 381; XV, 396 u. 664: 
XVI, 626. — Ant. Klein, Gesch. d. Christent. in Ost. V, 279 ff. mit d. Berichten des 
ob.-ö. Gesandten Christof Puechner in Wien v. 3t.— 14. Juni 1619. — Hirn, Mitt. cit. 
XV, 970. Memorial des Tirol. Kammer-Rates Schiller v. Herdern. — Ad. Wolf, I.e. 250. 
— Bibl, 1. c. 120. — O. Klopp in Mitteil. cit. XV, 394, bezieht sich für den iit. auf 
Theatr. Europ. v. 1635. I, 139 u. Londorp , acta pub. I, 619, vgl. auch Hurter, VII, 554. 
Abelin, Theatr. Europ., p. 123 sagt nichts von einer erregten Szene. 



95 

offensichtlich dadurch bewiesen, daß die Stände noch an demselben 
Tage nochmals in Audienz empfangen wurden und die Verhandlungen 
auch an den nächsten Tagen ungestörten Fortgang fanden. Es wird 
sogar von Puechner berichtet, daß sich Se. Maj. in der Nachmittags- 
audienz vom 5. »wegen des heutigen Auflaufes hoch entschuldigt habe, 
daß es ohne desselben Willen u. Befehl geschehen u. daß die Com- 
pagnien ohnehin aufgezogen wären <. Man kam sich schließlich so 
nahe, daß über Aufforderung des Königs die Evangelischen wie die 
Katholischen ihm gelobten, »in der Stadt nichts Thätliches oder Widriges 
fürzunehmen«. 1 ) 

Also sind die den Evangelischen zugemuteten Intentionen, »sich 
eines Tores zu bemächtigen, um Thurn einzulassen, den König ge- 
fangen zu nehmen und in ein Kloster zu stecken, die junge Herrschaft 
in ihrer Religion aufzuziehen, den Geheimen Räten die Köpfe herunter- 
zuschmeißen«, nur auf unklare, von den Gegnern ausgestreute, durch 
Furcht erzeugte Ausgeburten der Phantasie zurückzuführen, die Hans 
Ludwig Khuefstainer anläßlich seiner Mission nach Linz bei den 
Oberösterreichern und in Nürnberg bei den deutschen Fürsten ent- 
schieden in Abrede stellen konnte. 2 ) Nichts von alledem konnte be- 
wiesen werden. Wenn Thurn sich gebrüstet hatte, es würde ihm ein 
Tor geöffnet werden, »um dann auf Passauerisch zu verfahren«, so ist 
nicht einmal der mindeste Versuch dazu zu konstatieren gewesen. Er 
war im Gegenteile sehr enttäuscht, unverrichteter Dinge wieder abziehen 
zu müssen, um den Seinigen, die in Böhmen einige' Schlappen durch 
Buquoy erlitten hatten, zu Hilfe zu eilen. 

Auch die Evangelischen wurden durch unkontrollierbare Gerüchte 
in Schrecken versetzt, die infolge des unerwarteten Erscheinens der 
Panzerreiter, obwohl deren Berufung zur Verteidigung gegen die Böhmen 
nur als gebotene Sicherheitsmaßregel zu betrachten war, um so leichter 
Glauben fanden. »Weil allerlei Reden verbreitet waren« — schreibt 
Puechner — »und namentlich die fürnehmen Frauen ihre Herren er- 
innern lassen, als wäre ein Tradimentum und Anschlag wider die Evan- 
gelischen beschlossen, wollten sie nicht mehr in corpore bei Hofe er- 
scheinen, sondern aus jedem Stande nur eine Person hineinschicken.« 
Noch in ihrer Eingabe v. 25. Juni entschuldigten sie sich, der Einladung 
des Königs zur Huldigung am 5. des nächsten Monates keine Folge 
leisten zu können, denn sie seien bei Hofe so sehr angeschwärzt worden 
und es liege so viel fremdes Volk in der Stadt, daß sie sich nicht sicher 
fühlten. »Denn erstlich befinden wir, daß die Ev. Stände, da sie vor 
wenig Wochen bei Ew. Maj. in ziemlicher Anzahl gnädigst Audienz 
gehabt, durch den mit etlichen Compagnien Reiter, welche in währender 
Audienz in völligem Spornstreich mit aufgezogenen Röhren und zum 
Angriff gehörigen armis auf den Burgplatz geritten und daselbst so 
lang als die Evangel. Stände darinnen zu Hof, d. i. bis gegen Abend, 
verblieben, gehalten, fürgangenen ungewöhnlichen, zuvor nie erhörten 
Actum in solches Mißtrauen gerathen, daß sie bald darauf allhie nach- 
einander verreist und von hinnen wegbegeben haben. Daraus haben sie 
ersehen, daß der König von feindseligen Leuten gegen sie eingenommen 
werde.« 3 ) 



1 ) Klein, 1. c. 293. 

-) Diarium Kh.s i. Staatsarchiv. — Ad. Wolf, 1. c. 254. 

3 ) LA. Rel. E. B. u. Ldtgshlung. 



96 

Von beiden Seiten also war steigendes Mißtrauen Schuld an einer 
schwer zurückzudrängenden Erbitterung und es ist zu bemerken, daß der 
Audienz vom 5. Juni eine besondere Bedeutung schon damals beigelegt 
ward. Wenn sie auch nicht in jene Extreme überging, welche ihr im Laufe 
der Zeit angedichtet wurden, so bleibt noch genug, um ihr den Stempel 
eines der merkwürdigsten Momente in unserer Geschichte aufzudrücken 
und die Seelengröße des Monarchen, welchen im Momente der schwer- 
sten Bedrängnis sein Gottesvertrauen nicht verließ, bewundern zu lassen. 

Allerdings aber ist es nicht mehr am Platze, die wichtigen Ereig- 
nisse dieses Tages als einen so entscheidenden Wendepunkt zu betrachten, 
wie es gern geschieht. Die Gefahren für den König waren durch das 
Hereinziehen der Panzerreiter noch nicht beschworen: Thurn nahm in 
der Nacht zum 6. die Vorstadt ein und sein Heer lag noch bis zum 
13. vor den Toren. Die Verhandlungen der Stände, sowohl der Evan- 
gelischen als auch der Katholischen — mit Einwilligung des Königs — 
dauerten ebenso fort wie jene mit letzterem selbst, und wenn die Evan- 
gelischen noch an demselben Tage wieder in der Burg erschienen und 
ebenso an den folgenden, so ist dies der beste Beweis dagegen, daß 
sie nicht etwa sofort die Stadt verließen und auch nicht fluchtartig aus 
der Audienz herausstürmten, wie es zuweilen darzustellen beliebt wird. r ) 

Zu den neuesten Festsetzungen der Historiker über diese Audienz 
ist auch jene des Datums zu erwähnen, als welches früher der 11. Juni 
angenommen wurde, während jetzt, nach den Forschungen Gindelys 
und Hubers der 5. als richtig fixiert ist. 2 ) Dies wird ganz ausschlag- 
gebend bestätigt durch die bereits zitierten Aufzeichnungen des Ge- 
sandten der ob. -Österreich. Stände Puechner vom 3. bis 14. Juni, 
welcher für die Audienz der Stände ausdrücklich vom 5. spricht und 
gerade diesen Tag sehr eingehend behandelt, während er über die Audienz 
vom 1 1 . gar nichts sagt. 

Die frühere Annahme basiert wahrscheinlich auf einem Vermerk 
im N.-ö. Landesarchiv 3 ) zum n. Juni: »Denkwürdige Petition der N.-ö. 
Evangel. Stände an König Ferdinand übergeben von 16, worunter 
auch Andrae Freiherr von Thonradl. Diese blieben bis gegen Abend 
bei dem Könige, bis sie durch Reiter verscheucht wurden.« Diese Notiz 
datiert wie die anderen Zusammenstellungen desselben Protokolles aus 
späterer Zeit, wodurch die Verwechslung erklärlich wird. 

* * 



Verhand- 
lungen mit 
Thnrn. 



Eine Erklärung, wie jene, auf welcher die Evangelischen noch am 
6. früh, gleich nach der Audienz v. 5. Juni, bestanden, wurde tatsäch- 



l ) Daß der Vorgang legendenhaft ausgeschmückt wurde und in dem historischen 
Bewußtsein des großen Publikums als unveräußerliches Inventar sorgsam behütet wird, 
ist ebenso begreiflich, als daß er als dankbares Motiv künstlerischer Betätigung gern Ver- 
wendung findet. Eine den unwiderlegbaren Errungenschaften der wissenschaftlichen For- 
schung geradezu entgegenlaufende Darstellung, wie auf dem Triptychon eines hervor- 
ragenden Meisters in d. Frühjahrsausstellung v. 1911, kann jedoch nicht als berechtigt 
betrachtet werden, wenn sie noch als historisches Dokument zu gelten Anspruch erheben 
und nicht zur Tendenz werden will. 

•) Gindely, Huber, Klein, Hirn, Bibl, Ad. Wolf f, I.e. — Vancsa i. Gesch. 
d. Stadt Wien v. Altert.-V. IV, 128. Dafür spricht auch der Gang der Erzählung bei 
Katona, Hist. crit. Reg. Hung. XXX, 38 ff. Auch Bibl i. An Siegen u. Ehren reich. 

3) LA. Rel. E. B. 



97 

lieh seitens der vier katholischen Stände an den König abgegeben: 
»Also wollen wir mit Ew. kgl. Maj. als plenipotenzirten Gubernators 
gnädigster Einwilligung die der Augspurg. Confession zugethanen 
wider ihre erlangten privilegia weder jetzt noch künftig keineswegs 
nicht turbiren, noch denen so solches thun werden, einige Assistenz 
nicht leisten.« Diese durch Eggenberg den Evangelischen noch am 
6. mitgeteilte Erklärung genügte diesen wieder nicht, da die Frage der 
Konföderation darin nicht inbegriffen war. 1 ) 

Noch am 7. sandten die Evangelischen mit einer Salva guardia 
des Königs, der ihre Hilfeleistung gegen die Böhmen angerufen und 
ihnen freien Verkehr mit Thurn bewilligt hatte, einen Ausschuß an 
diesen ab mit der Anfrage, zu welchem Ende er mit solchem Kriegs- 
volk in das Land, das gegen Böhmen nichts verschuldet habe, gezogen 
sei und welche gütliche Komposition möglich wäre? Thurn hatte sie, 
nach ihrem noch am 7. fertiggestellten u. am 8. erstatteten Bericht 
an den König, mit großer Verwunderung empfangen, da sie auf seine 
Bedingungen nicht eingehen wollten. Daher bäten sie den König, seine 
Vermittlung eintreten zu lassen, um den Grafen zu kontentieren, sie 
müßten sonst selbst zur Defension schreiten, um sich und ihre Weiber 
und Kinder sowie ihre Untergebenen zu verteidigen 2 ) In der Tat waren 
die Zustände im Lande grauenhaft. Die gegen die Böhmen geworbenen 
fremden Völker, Ungarn, Kroaten, Kosaken, die Söldlinge des kais. 
Obersten W. A. v. Puechaimb, besonders aber die Dampierreschen 
Wallonen verwüsteten das Land, und namentlich die Güter der Evan- 
gelischen, aber auch jene der Katholischen in der barbarischesten Weise. 3 ) 

Angesichts dieser Zustände nahm der König die ihm durch Land- 
obersten von Hoffkirchen, Leysser und Hergenpüler übergebene 
schriftliche Darlegung gnädig entgegen und beschwerte sich nur über 
die darin enthaltenen starken Ausdrücke, welche jedoch dahin erklärt 
wurden, daß sie die treue Wiedergabe der Thurnschen Antwort seien. 4 ) 
Am 9. antwortete Se. Maj.,* daß er zu den Werbungen gegen seinen 
Willen durch die Böhmen genötigt worden sei. Von der Konföderation 
sei ihm noch nichts vorgebracht worden, weshalb er nicht finde, weshalb 
die Stände zur Defension gezwungen seien, die er nicht bewilligt habe. 
Die Verwüstungen täten ihm leid. Er erließ auch strengen Befehl an 
Dampierre, dagegen aufzutreten 5 ) 



Da Thurn aber drängte, wurde der junge Hoffkirchen zu diesem 
gesendet, der sich bereit erklärte, bis Mittag zu warten und die Abge- 
sandten nach Hernais zum Frühmahl bat. Mittlerweile ging eine Ge- 
sandtschaft, bestehend aus Hans Ulrich Starhemberg, Tanrädl und 
Starzer, nach Preßburg. Eine andere seitens der Ungarn kam zu Thurn 
und dann zum Könige nach Wien. Thurn ließ sagen, die Ungarn (des 
Königs) seien in Böhmen mit Sengen und Brennen eingefallen, er werde 



!) LA. Rel. E. B. u. Reg. A. IV, 7 u. 8. 

2 ) LA. Reg. A. IV, 7. — Klein, 1. c. 302. 

3 ) LA. Rel. E. B. — Raupach, Forts. III, 391 u. 396. 

4 ) Klein, 1. c. 302. 

5 ) LA. Rel. E. B. u. A. 4, 7. — Raupach, Fo.ts. III, 396. 

Kuefstein. III. 



A. Klein, 1. c. 306. 
7 



H. Ludwig 

Kuefsteins 

Mission an 

Timm. 



98 

desgleichen hier tun. 1 ) Wieder ging am 10. eine Gesandtschaft der 
Stände zu ihm hinaus. Diesmal führte sie Hans Ludwig Khuffstainer 
mit Fernberger und Parer. 2 ) 

Nach dem von Puechner in seinem Tagebuche wiedergegebenen 
Summarium der Relation der Gesandten ist zuerst der Graf gebeten 
worden, die Ev. Stände und das Land mit Brennen und Verwüstungen 
zu verschonen, da sie an den beschwerlichen Zuständen des Königreichs 
Böhmen nicht schuldig seien, worauf Thurn antwortete, er erkenne 
dies an, müsse aber seinen Befehlen gehorchen, doch wolle er der Evangl. 
Stände als nun Konföderierten in allweg verschonen. Dann wurde er 
gebeten, ihnen zu kommunizieren, was die ungar. Gesandten bei ihm 
angebracht und er ihnen geantwortet habe. Er gab ihnen Abschrift von 
beiden Schriften. Die Ungarn wollten wissen, ob es noch seine Meinung 
sei — wie am 5. Tieffenbach mit Illeszhazy verabredet — daß sie 
sich für Erlangung des Friedens interponieren sollten. Er möge sein 
Volk abführen, damit der König nicht verhindert werde, den Landtag 
abzuhalten und zu besuchen. Die Antw 7 ort des Grafen war ablehnend. 
Was Tieffenbach mit Illeszhazy geredet, sei nur ein unverfänglicher 
Diskurs gewesen. Er habe nicht Gewalt, Frieden zu schließen, sondern 
die Konföderation zu suchen. Erst dann könne von Frieden und anderen 
Notdurften der Länder gesprochen werden. Vor Abführung des ungar. 
Volkes sei kein Friede zu hoffen. Er verstehe also nicht, wie man ihm 
zumuten könne, vorher in andere Quartiere zu ziehen. 3 ) 

Hierauf ist die ungar. Deputation nach Wien zur Audienz ge- 
kommen; über deren Resultat nichts vorliegt. 

Gelegentlich ist die Frage gestellt worden, ob die Stände von 
Wien abreisen werden, mit der Andeutung, daß der Graf es nicht für 
ratsam halte, die Stadt Wien gar zu *desiderieren« (desertieren?). 
Ferner wurde vermeldet, daß das ungar. noch ausständige Volk weder 
in dieses Land, noch nach Mähren komme. Im Gegenteile würden 
die Ungarn nicht allein das andere Volk zurückfordern, sondern auch 
die Obristen und Befehlshaber ernstlich strafen. Ebenso habe er auch 
der Konföderation halber gute Hoffnung. Der Böhmen Intent sei, die 
Konföderation und Gleichheit zwischen den Katholischen und Evangeli- 
schen zu erhalten und das Königreich Böhmen und die unierten Länder 
bei dem Haus Österreich mit der Reputation, Macht und Gewalt, wie es 
zuvor gewest, zu erhalten. Wers anders sagt, der redt keine Wahrheit." 1 ) 

Dies klingt allerdings etwas anders als die früheren Reden Thurns, 
dürfte daher mit Vorsicht aufzunehmen sein, beweist aber wenigstens, 
daß die Mission Khuffstainers einen vollkommen loyalen Inhalt be- 
wahrt hat. 

Der König, zu dem auch die Deputation der Ungarn zur Audienz 
gekommen war, wurde durch Starhemberg von dieser Antwort in 



*■) A. Klein, 1. c. 306 ff — Puechner sagt im P. S. zum Schreiben v. n t,2n 
gestern, also am io ten . 

2 ) Gindely, ganz allgemein. II, 89. 

3 ) A. Klein, 1. c. 309 ff. 

*) A. Klein, 1. c. 310 u. 311. 



99 

Kenntnis gesetzt und beteuerte neuerdings, daß er das Brennen in 
Böhmen strengstens verboten habe. 

Mittlerweile hatten die Stände für ihre Delegierten nach Prag In- 
struktionen fertiggestellt, welche samt anderen Schriften Khuefstain 
und Rauber als Abgesandte den Oberösterreichern in Linz mitzu- 
teilen beauftragt wurden. 1 ) 



Auf die neulich gegebene Antwort des Königs begab sich wieder Audienz 
eine Deputation von 16 Mitgliedern am n. Juni in die Burg. Dies ist v - "• Juni - 
jene Audienz, von welcher bereits oben erwähnt wurde, daß sie zu einer 
Verwechslung mit jener vom 5. Anlaß gegeben habe. Die Deputierten 
bezogen sich auf das, was ihnen Se. Maj. auf ihre schriftliche Kommu- 
nikation und gehorsamstes Bitten vom 8. am 9. mündlich und dann 
schriftlich geantwortet und beteuerten, ihre Rüstungen seien weder 
gegen Se. Maj. und das Haus Habsburg, noch auch die Katholischen 
gerichtet, sondern lediglich zu ihrer eigenen Verteidigung gegen das 
grassierende schädliche Volk bestimmt und um den endlichen Unter- 
gang ihres lieben Vaterlandes zu verhüten. Von ihrem Beschlüsse wegen 
der Konföderation mit den Böhmen aber könnten sie nicht abgehen. 2 ) 
An demselben 11. Juni hatte Thurn von der Landstraße aus ein Droh- 
schreiben an die Katholischen gerichtet, worauf diese ihn neuerlich 
beschworen, den gräßlichen Verwüstungen Einhalt zu tun. 3 ) Durch 
seinen kurz darauf erfolgten Abzug endigten diese Verhandlungen von 
selbst. 

Nun wandten sich die Katholischen am 12. in dem Wunsch- Klar- 
heit zu erhalten an den König, ohne dessen Genehmigung sie der Kon- 
föderation nicht beitreten wollten, und baten die Separation entweder 
offen abzulehnen oder zu genehmigen. Gleichzeitig lag ihnen daran, in 
betreff des Rechtsbestandes der Regierung aus der Unsicherheit heraus- 
zukommen, zu welcher der Mangel eines bestimmten Verzichtes des 
Erzherzogs Albrecht zum mindesten einen geeigneten Vorwand bot. 
Sie sandten also am 13. den Heinrich Christof Thanradl, des Erz- 
herzogs Ferdinand Rat und Regent des Regiments der N. Ö. Lande, 
an Albrecht mit der Bitte, entweder die Regierung selbst zu über- 
nehmen oder eine unzweideutige Vollmacht auszustellen. 4 ) 

Mittlerweile hatten die Evangelischen wieder einen Versuch ge- 
macht, aus den ständischen Geldern 60 — 70.000 fl. zu Rüstungen gegen 
die Ungarn zu beheben. Damit waren die, das Land ebenso wie die 
Böhmen verwüstenden königl. Söldlinge ohne Sold gemeint. Diese 
Forderung wurde (18. Juni) mit der Motivierung abgelehnt, daß wegen 
der nun seit 2 Jahren ausständigen Landtagsbewilligungen keine Mittel 
mehr vorhanden seien. Auch ihren eigenen Verordneten verweigerten 
die Katholischen eine ähnliche Forderung, so daß diese sich für eine 
Aufnahme von 100.000 fl. an die Thomas Odescalchischen Erben 



1 ) A. Klein, 1. c. 312. 

2 ) LA. Rel. E. B. — St. A. Handschrift. 108, V J , Fol. 80. — Raupach, Forts. 

HI, 397- 

3 ) LA. A. IV, 11. 

4 ) LA. Rel. E. B. — Reg. A. III, 17 u. Reg. A. 4, 7. — Hurter, VII, 573. 



100 

wenden mußten. 1 ) Doch wurde später von Erzherzog Leopold die Auf- 
nahme gestattet.' 2 ) 

Am 19. wandten sich die Katholischen neuerdings an den König, 
der immer noch Zeit zu gewinnen suchte, um ihn unter Darstellung der 
greulichen Zustände im Lande zu bitten, ernste Maßregeln dagegen zu 
ergreifen, ihnen Schutz und Schirm gegen den Böhmischen Einfall zu 
gewähren und damit die Huldigung endlich vor sich gehen könne, eine 
auch den Evangelischen genügende Vollmacht des Erzherzogs Albrecht 
als des gegenwärtigen Landesfürsten zu beschaffen. 3 ) 

Dieser aber hatte schon unter dem 6. Juni erklärt, daß an der 
früheren Vollmacht nicht gezweifelt und die Huldigung nicht verschoben 
werden dürfe und am 16. Juli wiederholte er diese Erklärung. Ferdi- 
nand, von dem natürlichen Wunsche beseelt, noch vor seiner Abreise 
die Huldigung zustande zu bringen und nach Thurns Abzug sich freier 
iühlend, wies die Verordneten an, die Stände zum 5. Juli einzuladen. 4 ) 
Die Evangelischen jedoch erklärten am 25. Juni mit der bereits er- 
wähnten weitausholenden Schrift, weshalb sie genötigt gewesen seien, 
einen anderen Versammlungsort zu wählen, wie dies schon öfter ge- 
schehen. Sie seien übrigens für den Landesfürsten und das Vaterland 
bereit einzustehen und geneigt zu huldigen, sobald ihre oft wiederholten 
Bedingungen erfüllt sein würden. Nur die friedhässigen Ratschläge der 
Katholischen und die Notwendigkeit, ihre Familien und Güter gegen 
das tyrannische Kriegsvolk zu beschützen, hätten sie hinweggetrieben. 5 ) 
Hieraufließ Ferdinand (28. Juni) die Katholischen allein zur Huldigung 
laden. Anstatt des 5. kam die Versammlung erst am 10. Juli zu- 
sammen, mußte aber wieder resultatlos auseinandergehen, da sich die 
wenigen erschienenen Unkatholischen nach Verlesung der Propositionen 
wieder entfernten. Die Katholischen beschwerten sich über die Vereitlung 
der gemeinsamen Beratung und erklärten sich am 13. zur Huldigung 
bereit, jedoch auch nur gegen vorherige Bestätigung der ständischen 
Privilegien. 6 ) 



H. Ludwig Je bedrängter sich die Niederösterreicher fühlten, desto mehr mußte 

Kuefsteins ihnen daran gelegen sein, das bisherige vereinte Vorgehen mit den Ober- 

die Ober- Österreichern aufrecht zu erhalten, wenn auch sie sich nicht entschließen 

Österreicher, konnten, diese auf ihren extremen Wegen zu begleiten. Doch war es 

notwendig, eine Anlehnung in betreff des Verhaltens zu der Böhmischen 

Konföderation zu suchen. Während man auch in der anderen Richtung 

die Fühlung aufrecht erhielt und zu dem auf den 14. Juni verschobenen 

Preßburger Reichstag Gesandte schickte (A. Thanradl, Starzer, 

Starhemberg und Fleischhak), 7 ) hoffte man in Linz eine finanzielle 

Aushilfe für die Rüstungen zu erlangen. Dies schien um so dringender, 



*) Hurter, VII, 574. — Bibl, 123. 

2 ) Hurter, VIII, 136. 

3 ) LA. Kel. E. B. — Bibl, 124. — Hurter, VII, 574. 

4 ) Hurter, VII, 575. — Bibl, 124. 

5 ) LA. Rel. E. B. — Bibl, 125. — Hurter, VII, 575. 
( ) LA. Rel. E. B. — Hurter, VII, 576. — Bibl, 127. 

7 ) Firnhaber in d. Sitzungsber. d. Ak. d. Wissensch. XX \ III, 363. 



101 

als die unerquicklichen Verhältnisse zu den Katholischen wenig- Aus- 
sicht auf ein baldiges Abkommen über die gemeinsamen Kassegelder 
gewährten. Es wurde also am 12. Juni eine Gesandtschaft beauftragt, 
sich nach Linz zu begeben. Gindely sagt darüber: »Hans Ludwig 
von Kufstein, ein Mitglied der damals in Osterreich zahlreich ver- 
tretenen und reich begüterten Familie dieses Namens, der auf vielfachen 
Reisen sich sprachliche Kenntnisse angeeignet hatte und sich wegen 
seiner feinen Manieren zu einem Diplomaten vorzugsweise eignete, wurde 
nebst dem W. A. Rauber zu diesem Zwecke ausersehen.« 1 ) Die ihnen 
mitgegebene Instruktion vom 13. lautete hauptsächlich auf Erlangung 
von Darlehen für die notwendigen Rüstungen. 2 ) Tatsächlich handelt es 
sich auch überhaupt um Fühlungnahme mit den Oberösterreichern. Hans 
Ludwig hat über alle seine Missionen sehr genaue, auch kulturhisto- 
risch interessante Tagebücher geführt, denen wir die Hauptmomente für 
die Linzer Sendung entnehmen, bei welcher er, wie bei allen übrigen, 
stets mäßigend zu wirken suchte, ohne den ständischen Rechten etwas 
zu vergeben/ 1 ) 

Am 13. Juni machte sich Hans Ludwig auf den Weg, reiste zuerst 
nach seinem Schlosse Puchberg und am 15., da der Weg über Freistadt 
durch die Ungarn verlegt war, über Krems, Spitz, Melk und Ebers- 
perg nach Linz, wo er seinen Mitgesandten W. A. Rauber vom Ritter- 
stande traf. Vom Landeshauptmann S. L. von Polhaimb — an dem er 
ein Schreiben des P. J. v. Starhemberg überbrachte — A. Ungnadt, 
Gottfried und G. A. v. Polhaimb, sowie H. A. Geymann freundlich 
begrüßt, wandte er sich zuerst an G. E. v. Tschernembl »als da- 
maligen Verordneten und Präsidenten der Evangelischen Beratschlagung«, 
welcher zwar bemerklich machte, daß die Präsidierung derzeit nicht an 
ihm, sondern an Hn. Ungnadt sei, aber ihn besuchen kam und über 
den Böhmischen Krieg und König Ferdinand eingehend sprach. Cha- 
rakteristisch für seine Auffassung ist seine Beurteilung des letzteren. 
Bei diesem Herrn, meinte er, konkurrieren alle notae tyranni, wie er 
es bisher bewiesen, daher er auch alle Länder, wo er zu regieren be- 
ginne, verderbe. Man könne weder durch Pienipotenz, noch Zession 
(sc. des Erzh. Albrecht) in seine Regierung willigen, bevor nicht die 
Länder durch eine starke Konföderation wohl stabiliert und versichert 
seien. Dies sei er auch bereit — »wie er in großer und schöner Aus- 
führung erwiesen« — dem Könige, wenn er zu ihm berufen würde, mit 
allem Respekte unverhohlen darzulegen. Den Unterösterreichern warf er 
allzuwenig Eifer, zu große Nachlässigkeit und zu lange Kunktierung mit 
der Defension vor und ließ die Gegengründe seines Mitredners nicht 
gelten. In demselben Tone sprach Ortolf Geymann, der sogar den 
Unterösterreichern nicht nur vorwarf, ihr Zögern sei an ihrem und der 
Böhmen Verderben, sowie den gefährlichen Streifzügen des Tampier 
mit seinem Volke schuld, sondern auch, daß sie den Thurn herein- 
gerufen und durch seine Abwesenheit die Niederlage Mansfelds in 

') Gindely, II, 187 ff. — Adam Wolf, 1. c. 252 ff. 

•) Instruktion v. 13. Juni 1619. St. A. N. ö. 10, B u. Hfk. A. R. 14. 

3 ) Khuefstainer, Diarium über die Mission an die Ob. ö. Stände vom 13. bis 
26. Juni 1619. St. A. N. ö. Akten 10, b. — Vide auch Ad. Wolf, Geschichtl. Bilder 
aus Österreich. Kap. V, Hans Ludw. von Kufstein. I, 252—261. — Gindely, I, 187 
bis 189. 



102 

Böhmen ermöglicht worden wäre. Kuefstainer hat »ihm zwar aufs 
Beste so möglich abgeleugnet und widertrieben, dann auch wenig ge- 
haftet, sondern wir haben uns der Inkulpation und des Verdachtes nicht 
entschütten mögen.« Geymann erinnerte auch an eine Äußerung Ferdi- 
nands anläßlich des Linzer Kongresses, wo er gesagt hätte, wenn er 
diese Länder einmal antreten sollte, würde er es nur mit Kriegsvolk 
versehen tun, woraus zu schließen sei, daß er nicht nach Billigkeit, 
sondern mit Gewalt zu regieren beabsichtigte. 

Am 20. wurden die Gesandten von den Ständen im Landhause 
in feierlicher Audienz mit allen Ehren empfangen, übergaben ihre 
Kredentionalien und wurden auf die meritorische Antwort bis nach 
reiflicher Beratung der wichtigen Angelegenheit vertröstet. Sie erfuhren 
nur, daß zwar Gebh. Jörger vorgebracht habe, wenn sie die N. Öster- 
reicher nicht a cavallo bringen, würde es noch lange hergehen, aber 
das Darlehen werde hart zu erlangen sein, da das frühere noch nicht 
gezahlt sei. Bei der Tafel kam das Gespräch auf das erbetene Darlehen. 
Der Landoberst v. Starhemberg meinte, die Werbung sei zu wenig, 
worauf Kf. replizierte, sie würden schon mehr Volk anwerben, die Gült- 
pferde ausstaffieren, das Aufgebot ergehen lassen und auf den Notfall 
selber aufsitzen, und als Starhemberg Zweifel aussprach, ob man das 
geworbene Volk auch wirklich für sie brauchen werde, erhielt er die Ver- 
sicherung, diesfalls sei nichts zu besorgen, da alle hohen und niederen Be- 
fehlshaber Landesmitglieder der Evangel. Religion sein würden. Wegen 
des Darlehens meinte Tschern embl, es sei nirgends Geld bekannt, 
wenn man eines wüßte, könnten vielleicht die Stände wenigstens die 
Hälfte garantieren. Auf sein Ansuchen wurde die Instruktion der nach 
Prag und der nach Ungarn delegierten N. Ö. Gesandten dem Ungnadt 
übersendet, wogegen dieser die Gegendeduktion der Obderennser auf die 
Impugnation des Hofes an die Gesandten mitteilte. 1 ) Doch in betreff 
des Darlehens gingen die Sachen nicht weiter, trotz der vorhandenen 
günstigen Dispositionen. In einer Konversation mit Ungnadt wurde 
über die Idee der Entfernung der Stände aus Wien gesprochen. Ungnadt 
meinte, daß sie dort zu sehr dem Hofe nahe seien und Böhmische oder 
andere Gesandte nicht sicher empfangen könnten. Kuefstein widerlegte 
mit Erfolg diese Bedenken. Die Korrespondenzen könnten füglicher durch 
Schreiben als durch Gesandte erledigt werden, dem Hofe brauche man 
nicht alles zu kommunizieren und ein tauglicher Ausschuß könne in 
loco bleiben, wodurch das Ausschwatzen verhütet würde. Aber mehr 
als freundliche Worte waren nicht zu erreichen. Dagegen hatte er 
noch einen dramatischen Zwischenfall zu bestehen. Nach einer Mahlzeit 
machte ihm Wilhelm von Hofkirchen 2 ), der von den Ständen O. W. W. 
gesendet worden war, in trunkenem Zustande kränkende Bemerkungen 
wegen seiner Instruktion, worauf ihm Hans Ludwig, wie er schreibt, 
drei Mentidex gegeben. Der Streit wurde heftiger, so daß die Parteien 
vor das Tor gingen und die Wehren schon entblößt hatten, als sich die 
zahlreichen Begleiter dazwischen legten und sodann den Kf., dem alle 



') Dies ist offenbar das bereits oben erwähnte Memorandum Tschernembls 
v. 20. Mai 1619. 

-) Mitglied des Deputierten-Kollegiums, Sohn des Wolfgang v. Hofkirchen, des 
sogen, protestant. Papstes u. Neffe des ständischen Generals Georg Andreas v. Hof- 
kirchen. 



103 

Recht gaben, nach Hause geleiteten. Den übernächsten Tag wurde die 
Sache in Starhembergs Hause zu seiner Satisfaktion ausgeglichen. 

Nach verschiedenen weiteren vertraulichen Gesprächen und gegen- 
seitigen Besuchen begaben sich die Gesandten am 26. auf die Rück- 
reise und Hans Ludwig gelangte am 27. nach Spitz, wo er zu seiner 
unangenehmen Überraschung durch seinen Bruder Hans Lorenz die 
Nachricht erhielt, daß die Stände nicht mehr in Wien anzutreffen seien, 
sondern auf den 1. Juli eine Zusammenkunft in Hörn ausgeschrieben 
hatten. 1 ) 



In Ausführung der in ihrer Schrift vom 25. Juni dargelegten Ab- Die Stände 
sieht hatten die Evangelischen wirklich Wien den Rücken gekehrt und * n Hörn, 
sich wieder in jenen festen Zufluchtsort zurückgezogen, welcher ihnen 
schon damals, als dieselben Schwierigkeiten sie von der Huldigung für 
Matthias zurückhielten, einen sicheren Hort geboten, und seitdem nicht 
aufgehört hatte, eine Art von Hauptquartier für sie zu bilden. Die Idee 
war schon aufgetaucht, als Thurn vor Wien lag, aber von diesem eben- 
sowenig gebilligt worden wie von den Gemäßigten unter ihren eigenen 
Parteimitgliedern. Namentlich Hans Ludwig Khuefstainer hatte ent- 
schieden davon abgeraten und seinen Standpunkt auch Tschernembl 
und den andern Oberösterreichern gegenüber in Linz verfochten, wie 
bereits erwähnt wurde, war aber mit seiner Abmahnung nicht durch- 
gedrungen. 2 ) 

Die in Hörn zusammengetretenen Ständemitglieder, etwa 200 Herren 
und Ritter, fanden zwar ein Mandat des Königs vor, das ihre Vereinigung 
verbot und sie zur Rückkehr aufforderte. Allein im Gefühle der eigenen, 
durch 1000 angeworbene Musketiere verstärkten Macht, beschränkten 
sie sich darauf, die Motive ihrer Abreise zu rechtfertigen und sich über 
die Verwüstungen des Landes durch die fremden Söldner zu beklagen, 
doch verzichteten sie auf die gleichzeitig untersagte Bewaffnung ihrer 
Untertanen. Mit der Überbringung dieser vom 11. datierten Darlegung 
wurde ein starker Ausschuß betraut. 3 ) 

Das eigentliche Wesen der am 5. Juli begonnenen Beratungen lag 
in der Organisation des Defensionswesens. Sie führten zu einem Schlüsse 
(vom 6. Juli), dessen erster Punkt bestimmte, daß ein Direktorium ein- 
gesetzt werden solle, in welchem von der Antizipation und anderen 
Dingen, die zu der Werbung gehörig, geredet werden kann. Dieses 
Direktorium wurde den Hhn. Verordneten anvertraut, denen aus jedem 
Viertel 2 Ausschüsse adjungiert wurden. Als Sitz war Hörn bestimmt, 
wobei darauf bedacht genommen werden sollte, »wie dieser Ort vor 
einem jähligen Anfall gesichert sein mag«. 4 ) 



!) Kf. Diarium i. St. A. — Ad. Wolf, I, 252—261. — Gindely, II, 187 — 189. 

2 ) St. A. Diarium, 1. c. — Gindely, II, 89 u. 188. — Ad. Wolf, 1. c. 259 u. 261. 

3 ) St. A. Österr. 10 b. _ Gindely, II, 189 u. 190. — Ad. Wolf, 1. c. 262. — 
Bibl, 126. 

4 ) Text des Beschlusses; St. A. Österreich. 10 b . 



104 

Dieses Kollegium wurde also gleich in den ersten Sitzungen der 
Horner beschlossen 1 ) und zunächst den Verordneten und deren Adjun- 
gierten anvertraut. Am 17. September aber verfaßte man eine Instruktion 
an die Direktoren, in deren Eingang diese ausdrücklich benannt erscheinen, 
und zwar Sigm. Adam Traun als Präsident, dann vom Herrenstande 
Ludwig und Mert Starhemberg, Andre Puchaimb der Ältere, 
Erasmus Landau, Wilh. Hofkirchen, Georg Achaz Enenkl, 
Andre Thonrädl, Hans Jacob Khuefstainer, und vom Ritterstande 
Christof Leysser, Hans Melchior Matschko, Wolf Christof 
Römer, V. A. Engelhofer, Math. Wollzogen und Zacharias 
Starzer. Neydeckh und Friedeshaimb als Verordnete komplettierten 
die Zahl der Acht aus jedem Stande. Friedesheim war Stellvertreter 
des Vorsitzenden Traun, nach dessen Rücktritt er die Verhandlungen 
leitete, und namentlich bei den letzten verhängnisvollen Sitzungen eine 
leitende Rolle spielte. 2 ) 

Wenn auch die Betrauung dieser Herren und Ritter mit dem 
Direktorium keinem Zweifel unterliegt, so hat sich doch diese Bezeich- 
nung nicht recht einzubürgern vermocht. Außer in der auswärtigen 
Korrespondenz mit den Ungarn und Böhmen scheint sie nicht viel ge- 
braucht worden zu sein. Wenigstens kommt sie in den zahlreichen, im 
Original vorhandenen Schreiben der Gebrüder Khuefstainer und an 
dieselben nur ein oder zwei Mal vor. Es wird zumeist von den »Ver- 
ordneten und Deputierten« oder »Ausschüssen« gesprochen. So in den 
Schreiben an Hans Ludwig vom 7. Januar 1620, an Hans Jacob vom 
23. Mai 1620 u. a., und auch das ganz feierliche formelle Schreiben 
derselben an H s - Ludwig vom 20. März 1620 bedient sich keiner anderen 
Benennung. 3 ) 

Daß die obige Aufzählung nicht ganz vollzählig ist, geht schon 
daraus hervor, daß Hans Lorenz Khuefstainer, welcher die ganze 
Zeit als Ausschuß fungierte, wie aus seinen Briefen zu entnehmen ist, 
nicht genannt wird. Es wurden also vom Kollegium noch andere ad- 
jungiert. 

* * 

* 

Die Gebrüder Hans jacob, der älteste der Brüder, war, außer seiner Zugehörig- 

Kuefstein. ^ e it zum Kollegium der Deputierten, Generaloberst-Proviantmeister der 
Stände, laut Patent ddo. Hörn, 26. Oktober 1619 4 ). Am 7. De- 
zember 1619 wandte sich Rudolf Imprucker aus Eggenburg an 
ihn um die nötigen Lieferungen für seine Truppen und am 18. Februar 
1620 schloß er als Evangelischer Deputierter einen Lieferungsvertrag mit 
Ulrich Christoph von Scherffenberg, kais. Rat, wofür er einen . 
Teil aus eigenem Säckel bestritt. Eine Abrechnung mit den Ständen 
über früher von ihm dargeliehene 13.000 fl erfolgte am 20. Februar. 

x ) Gindely sagt im September. 

2 ) St. A., 1. c. mit einer Abschrift dieser Instruktion von H. Ludw. v. Kufsteins 
Hand, vgl. Gindely, 1. c. II, 195. 

3 ) Orig. i. St. A. Oest. 10 1>. 

4 ) KriegsA. F. A. 1619. 



105 

Am 12. März meldete er, daß er für Proviant des Militärs genügend 
gesorgt habe. Am 23. Mai (v. oben) schrieben ihm die Stände in diesen 
Angelegenheiten, und noch am 29. September und 25. Oktober 1620 lud 
er seinen Proviantverwalter Paul Reichert in Hörn ein, ungeachtet 
des Verbotes des Legher, zur Abraittung nach Wien zu kommen. 1 ) 

Hans Lorenz, Oberstlieutenant, dessen Ernennung zum Ober- 
Kriegskommissär am 5. Jänner 1619 auf Ansuchen der Verordneten 
durch Kaiser Mathias erfolgt war, wie wir oben gesehen haben, ge- 
hörte dem Kollegium an, ohne in der Aufzählung genannt zu werden, 
wie aus den vorliegenden Briefen hervorgeht. Er hatte schon am 12. April 
1619, da die Stadt Hörn notwendig verbollwerkt und verschanzt werden 
mußte, den umliegenden Ortschaften Mödring, Burgstall, Strogen, 
Neubau, Breitenaich, Mold, Martersdorf, Zaingrub, Stockern, 
Meiselsdorf und Markt Gars anbefohlen, so viel Mannschaft und 
Schanzzeug zu liefern als von dem in Hörn liegenden Hauptmann oder 
dem Bürgermeister verlangt würde. 2 ) Dem oben ausgesprochenen späteren 
Wunsche der Deputierten nach Sicherung der Stadt war also schon, 
wenn auch damals noch in anderer Absicht, vorgearbeitet worden. Am 
25. dss. Monats antwortete er von Ret z aus dem Pfleger des Erz- 
bischofs von Salzburg in Traismauer auf dessen Ansuchen um Zu- 
rückziehung der dorthin gelegten Soldaten, daß diese Verlegung auf 
spezielles königl. Dekret geschehen sei. Doch kam er insoweit entgegen, 
daß er anheimgab, die Truppen in die Umgebung zu verteilen. 3 ) 

Hans Ludwig, der Jüngste der Brüder, gehörte niemals dem 
Kollegium der Deputierten an, genoß aber deren Vertrauen für die 
Missionen an die oberösterreichischen Stände, nach Brüssel an Erz- 
herzog Albert, nach Nürnberg zum Kurfürstentag und mehrmals an 
Kaiser Ferdinand, solange ihr Verhalten noch als Opposition angesehen 
werden konnte, bis sie zur Rebellion übergingen und er zur Huldigung 
schritt. Die Diarien über seine Missionen bieten ein interessantes fort- 
laufendes Bild der damaligen ständischen* Verhandlungen und sollen für 
die folgenden Darstellungen als noch wenig benützte authentische Quelle 
herangezogen werden. 



Trotz der Secessio in Hornam waren die Verbindungen nicht ab- Ver- 
gebrochen. Die Verhandlungen dauerten fort, sowohl mit den Katho- handlangen, 
lischen, denen Beträge für die Defension und die Hauptmannsstellen 
aus der gemeinsamen Kasse zur Disposition gestellt und Auskünfte über 
die Laaer Besatzung gegeben wurden, die gegen den Willen der Stände 
zurückgezogen worden war 4 ), als auch mit dem während der Abwesen- 
heit des am 11. Juli zur Frankfurter Wahl gereisten Königs durch eine 
neue Vollmacht des Erzherzogs Albrecht vom 19. zu dessen Vertreter 



x ) Die Schreiben im Archiv Greillenstein. 

2 ) Schweickhardt, Darstellung. O. M. B. I, 170. — Hon. Burger, Alten- 
burg p. 172. 

3 ) Schreiben: Archiv Greillenstein. 

4 ) LA. Rel. E. B. 



106 

ernannten Erzherzog - Leopold, welcher sich durch die Entwaffnung 
der Bürger energisch einführte 1 ), aber keinen andern Erfolg erzielte, als 
die Wiederholung, daß die Evangelischen gegen vorherige Bestätigung 
ihrer Konzession und Beilegung ihrer Beschwerden zur Huldigung bereit 
seien, was schon oft genug gesagt worden war. 2 ) Von der Konföderation 
wollten die Evangelischen gleichfalls nicht lassen, wie sie es dem Könige 
des öfteren erklärt hatten. So waren zu dem am 8. Juli zusammen- 
getretenen Generallandtage nach Prag Delegierte entsendet worden 
— Gewalt vom 17. Juli für Greiss, Rauber und Neydegg — welche 
sich der neuen Generaldefension vom 16. August anschlössen »zur Ver- 
teidigung ihrer Rechte, Majestätsbriefe und Gewohnheiten, Erhaltung 
ihrer Religion und Gewissensfreiheit gegen jeden Angriff, mit Aus- 
schluß der Böhmischen Händel, damit jedes Land unter seinem Landes- 
fürsten zu einer erträglichen Regierung komme. Dieser soll das alle 
5 Jahre zu erneuernde Bündnis vor der Huldigung anerkennen. 3 ) Man 
schob also noch immer den Beitritt des Königs in den Vordergrund, 
so wenig ernstlich darauf zu rechnen war. Den Abgesandten konnte in 
der Tat nicht entgangen sein, daß gleichzeitig mit ihren Verhandlungen 
der Böhmische Landtag über die Absetzung des Königs Ferdinand be- 
riet, welche wirklich am 19. August votiert und am 26. durch die 
Wahl des Kurfürsten Friedrich v. d. Pfalz, nach Ausschaltung der 
anderen Kandidaten Carl Em. v. Savoyen und Joh. Georg von 
Sachsen, ihr trauriges Komplement fand. 

Einigen Trost mag der in seinen avitischen Rechten so schwer 
verletzte rechtmäßige König darin gefunden haben, daß seine Wahl in 
Frankfurt gleich darauf am 28. einstimmig zu seinen Gunsten ausfiel 
und ihm am 9. September die Kaiserkrone des hl. Rom. Reiches 
mit dem herkömmlichen Gepränge auf das Haupt gesetzt werden 
konnte. 4 ) 

Zudem gelang es Leopold, das Huldigungswerk günstig zu wenden, 
das er auf Anregung der Katholischen wieder in Angriff genommen 
hatte. Die Evangelischen erklärten wohl wiederholt, daß sie nicht eher 
huldigen könnten, als bis ihre Religionsprivilegien bestätigt worden 
wären, wie bei Matthias und Rudolf. Der Erzherzog aber, von dem 
bisher festgehaltenen Standpunkte ausgehend, daß diese nicht zu den 
allgemeinen ständischen Privilegien gehören, forderte sie am 3. Septb. 
auf, wogegen sie am 6. wieder ihre Argumente vorbrachten und 
gleichzeitig an die Katholischen das dringende Ersuchen richteten, sich 
vor der Huldigung der Aufrechthaltung ihrer Privilegien zu versichern. 
Diesen erklärte nun Leopold, daß die Erledigung auch ihrer grava- 
mina vor der Huldigung nicht erfolgen könne, sondern erst später nach 
Gelegenheit. Der Landmarschall von Urschenbeck erhielt den Auftrag, 
sie zum 10. September zu laden. An diesem Tage huldigten wirk- 
lich neben den Prälaten und Fürsten 12 Herren und 32 Ritter, sowie 
die Vertreter von 18 »mitleidenden« Städten und Märkten, von den 
Evangelischen nur Gottfried von Hardegg und Sohn, Hans von 
Althan und Oberst Stuber. Die Horner hatten sich schon vorher 



1 ) Hfkzl. A. I, A, 1. — Gindely, II, 190. 

2 ) LA. Rel. E. B. 

3 ) St. A. Oesterr. 10* u. Handschr. 108, V, Fol. 155. — Hfkzl. A. IV, H, 4. 
Gindely, II, igoff. — Hurter, VIII, 143. — Huber, V, 132. 

4 ) Gindely, II, Kap. 4. — Hurter, VIII, Buch 1. — Khevenh., IX, 402. 



107 

entschuldigt und gebeten, ihr Ausbleiben nicht als Ungehorsam oder 
gar Untreue auszulegen. 1 ) 

Tatsächlich konnten sie auch noch nicht mit dem odiosen Begriffe 
der Rebellion behaftet werden. Sie hofften ebenso noch auf einen Aus- 
gleich wie der König selbst, der sehr wohl wußte, daß unter dem 
schon durch die eben erfolgte Interimshuldigung geteilten Ständen sich 
noch viele befanden, deren Heranziehung nur eine Frage der Zeit war, da 
sie nicht die Absicht hatten, sich zu hochverräterischen Unternehmungen 
herzugeben. 

Die Katholischen ihrerseits bemühten sich gleichfalls, die Dis- 
sentierenden wieder heranzuziehen. Die von Osten her durch das Heran- 
rücken Bethlen Gabors und dessen Verbindung mit den Böhmen 
drohenden neuen Gefahren für das von den Böhmischen und kaiserl. 
Scharen schon schwer heimgesuchte Land war Aufforderung genug, sich 
gemeinsam zu einer allgemeinen Landesdefension (10. und 15. September) 
zu vereinigen. 2 ) Aber die Evangelischen antworteten ablehnend (am 18.), 
es wäre nicht so weit gekommen, wenn man ihren und der Deutschen 
Fürsten Ratschlägen Gehör geschenkt hätte. Da aber das sanftmütige 
kaiserl. Herz durch die kathol. Räte mehr zur Rache gereizt als zur 
Versöhnlichkeit gestimmt worden sei, dann fremdes grausames Volk ins 
Land geführt werde, so sei sich über dessen Jammer und Elend nicht 
zu verwundern. Solange auf die an die Katholischen gestellte Frage 
keine kategorische Antwort erfolge und sie ihren Haß gegen die Evan- 
gelischen nicht unterdrückten, könnten sie sich auf Gesamtberatungen 
nicht einlassen, sondern müßte die Defension von jedem Teile für sich 
ins Werk gesetzt werden. 3 ) Sie fühlten sich selbst stark genug, gestützt 
auf eine Macht von etwa 6000 Mann, welche zwar nicht gewillt war 
gegen den Kaiser Krieg zu führen, aber doch gewärtig sein mußte, von 
den heranrückenden Kriegsvölkern Buquoys angegriffen zu werden. 4 ) 

Es war ein Zustand allgemeiner Begriffsverwirrung, ein Kriegs- 
zustand ohne Krieg. Oben wurde verhandelt und unten platzten die 
Gegensätze aufeinander. Der König, der nötigen Mittel bar, um ganz 
auf eigenen Füßen zu stehen, bedurfte noch immer der Stände, und 
diese, durch trübe Erfahrungen gewitzigt, steiften sich auf die von 
Matthias inaugurierte Konföderationspolitik, um zur Sicherung der ihnen 
damals gegebenen Zusagen zu gelangen. 



Von wesentlichem Interesse für die Autorität Ferdinands war es, H. Ludwig 

seine Stellung- durch die schon oft erbetene definitive Verzichtleistung- Kuersteins 

., .■ 6 ,„ , r • r t-. ■, , - , »7 Mission an 

seines Oheims Albrecht auf. eine festere Rechtsbasis zu gründen. Auch Erzherzog 

die Stände drangen auf eine Klarstellung. Schon im Juni hatten die Albrecht. 
Katholischen den Heinr. Christof Thanrädl (Neffe des Andreas), 
dessen Relation erst am 20. September einlangte, an den Erzherzog ab- 
gesendet. Dann folgten, mit ähnlichem Anliegen des Königs abgesandt, 



l ) LA. Rel. E. B. — A. 3, 20. Verzeichnis der Huldigenden. 
8 ) LA. Rel. E. B. - Ad. Wolf, I, 264. 
3 ) Raupach, Forts. III, 398. 
«) Ad. Wolf, I, 264. 



108 

Leonhard von Harrach und H. v. Questenberg 1 ) und endlich wollten 
die Evangelischen den lang gehegten Entschluß ausführen, gleichfalls 
durch eine Mission an den Erzherzog heranzutreten, dessen wirklichen 
Regierungsantritt viele von ihnen lieber gesehen hätten als seine Ent- 
sagung. Die Wahl für diese Mission fiel auf Hans Ludwig von Khuef- 
stain, der sie jedoch nur ohne Hintergedanken annehmen wollte. Er 
kannte genau genug die verborgenen Tendenzen Einiger seiner Partei- 
genossen, um sich nicht unvermerkt in eine seinen Ideen nicht kon- 
venierende Richtung drängen zu lassen. Daher sein Zögern. In Baden, 
wo er sich zur Kur befand, erfuhr er durch seine Brüder von der ihm 
bevorstehenden Aufforderung. 2 ) Hans Jacob schrieb ihm am n. August 
über das, was in Hörn während seiner Abwesenheit vorgegangen war 
und bat ihn, die Niederländ. Mission, »da sie nicht wider Gott, den 
König oder unsern Landesfürsten anzusehen sei«, anzunehmen. Als 
charakteristisch für die Auffassung der Brüder verdient der Satz hervor- 
gehoben zu werden. »Es ist Gottlob bei dem verblieben, daß die Mehr- 
zahl der Stände durch die Wenigeren mit vernünftigen Argumenten 
dahin accommodiert wurde, daß wir sämmtlich zu der Huldigung zu 
greifen gesonnen, die auf den 29. d. ausgeschrieben, aber schwerlich 
zu dieser Zeit wird durchgeführt werden können . . .« Also wären die 
Horner damals schon bereit gewesen zu huldigen und diese Stimmung 
offenbar nicht rechtzeitig benützt worden. 

Am 14. August schrieb ihm sodann Hans Lorenz aus Wien, 
wo er eben angekommen war, um ihn zu bitten, die Absendung, welche 
sämtliche Stände beschlossen hätten ihm anzuvertrauen, nicht zu re- 
füsieren und fügte hinzu: »Wir Ausschuß haben ein schweres Werk vor 
uns. Gott gebe, daß wir's zu bederseits contento verrichten mögen«. 
Er war also Ausschuß, obwohl sein Name in der oben wiedergegebenen 
Liste des Deputiertenkollegiums nicht vorkommt. 3 ) 

Der darin erwähnte Brief Dampierres über das Mährische Treffen 
dürfte dessen Mißerfolg bei Wisternitz gegen Tieffenbach vom 
5. August betroffen haben, welcher den Mährischen Ständen den Mut 
gab, sich den Böhmen anzuschließen. 4 ) Sie wurden seitdem durch den 
Obersten von Salern mit ig Fahnen ä 300 Mann verstärkt. 5 ) 

Am 15. kam Hans Lorenz selbst, ihn zu persuadieren, und tags 
darauf begab sich H. Ludwig nach Wien, wo er den von Hörn aus 
deputierten Ausschuß im Landhause traf und vom Präsidenten S. A. 
v. Traun im Namen der Evangelischen ersucht wurde, diese Mission zu 
übernehmen. Nachdem Traun seine Bedenken widerlegt hatte, verlangte 
er die vorherige Einsicht seiner Instruktion, die er aber erst am 26. 

1 ) LA. A. III, 17. — Gindely, II, 192 ff. — Khevenh., IX, 671. 

2 ) H. L. v. Khuefstain, Diarium meiner Absendung ins Niederland zu Erzhg. 
Alberto samt Beilagen. — Gindely, II, 19+ ff. — Khevenh., IX, 672 gibt unrichtige 
Namen, deren Mission tatsächlich nie zustande kam, wie aus Khuefsteins Nürnberger 
Diarium hervorgeht. 

3 ) Die Orig.-Briefe im Archiv Greillenstein. 

4 ) Gindely, II, 122 u. 186. — Khevenh, IX, 684. — Hurter, VII, 568. 

5 ) St. A. Handschr. 108, V J , Fol. 156. Schreiben aus dem Lager Tieffenbachs 
in Selowitz v. 10. August 1619. 



109 

in Wien nach Beendigung seiner Kur erhielt. Hans Lorenz ent- 
schuldigte die Verspätung wegen Überhäufung und gab ihm einige 
interessante Winke in betreff der Reise, des Audienzbegehrens, der 
Kleidung und der Kredentialien an die Infantin. 

Auch von dem bekannten Job. Hartmann Freihr. v. Enenkl kam 
ein aufmunterndes Schreiben vom 22. August, in welchem von den 
Kosten gesprochen und ein junger Traun, den auch Thanrädl gern 
nach Frankfurt mitgenommen hätte 1 ), warm empfohlen wird, damit er 
ihn mit sich nehme. 

Nachdem Hans Ludwig dem S. A. v. Traun als Vorsitzenden 
des Deputiertenkollegiums einige Bedenken zu der Instruktion bezeichnet 
und in Puechberg mit dem ihm beigegebenen Gesandten des Ritter- 
standes über Rosse und Wagen und andere Vorbereitungen zu der Reise 
verhandelt hatte, erhielt er noch Briefe seines Bruders Hans Jacob 
(vom 4. und 5. September), der ihm zuredete, »obzwar bei jetzigen ge- 
färlichen und besorgentlich in künftig noch ärgeren Läufen nicht gut 
von Haus, sonderlich einen so weiten Weg zu reisen ratsam, so ist es 
doch eine so rümliche und ansehnliche Legation, welche mehrers mit 
Freuden anzunehmen als abzuschlagen <. Er nimmt keinen Anstand, trotz 
seiner Eigenschaft als Mitglied des Deputiertenkollegiums zuzusetzen: 
»Da aber die Instruction auf einen andern Schlag gerichtet werden 
sollte, müßte ich mehrers davon als darzu rathen. Ich will aber ver- 
hoffen, die löbl. Ständt werden Dir, Herr, nichts Widerwärtiges zu- 
muthen. Auf den Montag hab ich Willens früh zu Hörn zu sein und 
auf nächsten Sonntag mich mit meinem lieben Gott zu versöhnen.« 

Hans Ludwig fand es geraten, den am 12. September in großer 
Anzahl in Hörn versammelten Ständen ein Memorial zu über- 
reichen, in welchem er begehrte, daß in einer neben seinen mündlichen 
Äußerungen dem Erzherzog zu überreichenden Schrift die Punkte seiner 
Instruktion konskribiert würden, wozu jedoch momentan wieder keine 
Zeit war. 

Als er am T7. wieder erschien, fand er neben anderen Mutationen 
auch diese, daß gegen die früheren Intentionen von Werbungen und 
Waffen gehandelt wurde. Er legte dar, daß er mit Rücksicht darauf die 
Mission, für welche er die Instruktion zum Einsehen erhalten, nicht über- 
nehmen könnte. Er bitte daher um Erläuterung, wider wen und wohin 
diese neue Werbung gerichtet sei, damit er sich entschließen könne, ob 
er mit guten Ehren und Gewissen und ohne Gefahr die Absendung ver- 
richten könne, indem er sich versehe, daß die Stände ihm nichts Widriges 
auftragen würden. 

Fridesheim, der an Stelle des erkrankten Traun präsidierte, 
antwortete, es sei Sache des Herrenstandes, sich darüber zu äußern, 
forderte ihn aber am 26. auf, sich auf den Weg zu machen. Als er 
sich auf seine früheren Erklärungen bezog, wurde er durch seinen Bruder 
H s Jacob, »als Einem des Mittels«, ersucht, seine mündlich gestellten 
Punkte schriftlich zu übergeben, welches er, »wiewohl mit Verdruß«, 



v ) Orig., Archiv Greillenstein. 



110 

getan. Er erhielt darauf weder Bescheid noch Instruktion und kehrte 
am 28. nach seinem Puechberg zurück. Er hatte auch vernommen, 
daß man ihm die versprochenen monatlichen 1000 fl., die auch der Ge- 
sandte der Katholischen gehabt, nicht geben wollte, sondern nur 2000 
für die ganze Reise. 

»Am 30. kam ein Geschrei nach Hörn«, schreibt er weiter, daß 
Gf. Buquoy mit der ganzen kais. Armee aus Böhmen gegen Hörn 
ziehe. Tatsächlich besetzte dieser am 2. Oktober die Stadt. Die Depu- 
tierten hatten sich eiligst samt der Kanzlei entfernt. Da bei dieser 
eilenden Verreisung Hr. Georg Achatz Enenkl und Mich. Galler 
sich zum Khuefstainer nach Puechberg salviert hatten, wurde Enenkl, 
als er nach Maissau ausritt, ersucht, dem Traun vorzustellen, daß es 
nötig wäre, zu wissen, ob die Reise, die schon viele Opfer gekostet hätte, 
noch zustande komme. Dieser ließ antworten, er habe gehört, daß Erz- 
herzog Albrecht verstorben sei. 

Am 13. Oktober verlangte er eine formelle Entscheidung der 
Deputierten und als diese wieder in Hörn zusammenkamen, meinten 
die meisten, es sei schon zu spät. Er selbst enthielt sich begreiflicher- 
weise des votums und blieb weiter aufs Ungewisse hin mit 7 Personen 
und 15 Rossen belastet. 

Endlich erhielt er am 24. die von Hörn am 2^. erlassene Mit- 
teilung, »der Evangel. Stände bevollmächtigte Direktoren hätten mit Un- 
willen wahrgenommen, daß die Mission wegen der im Lande neu ent- 
standenen Impedimenta bisher vermieden bleiben mußte und sie nun 
selbst denken, daß nichts daraus werden möchte«. 



# 



Zession 
des Erzh. 
Albrecht. 



In der Tat war die Frage durch die Ereignisse überholt. Die 
Bemühungen Harrachs in Brüssel hatten schon am 22. Juli einen 
Zessionsentwurf zustande gebracht. In der zu Marienburg am 9. Oktober 
ausgestellten Urkunde erklärte Erzherzog Albrecht »sein ganzes Erb- 
recht an den ihm der Natur nach nächststehenden Erben Ferdinand« 
abzutreten. Diese definitive Zession wurde am 12. den Ständen mit der 
Aufforderung zur Huldigung mitgeteilt. 1 ) 

Während diese, vor einem entscheidenden Schritte zurückschreckend, 
ihre Völker dergestalt in Quartiere legten, daß jeder Zusammenstoß mit 
den Kaiserlichen vermieden werde, ließ ihnen auch der König noch die 
Möglichkeit friedlichen Ausgleiches offen. Er richtete am 11. auf seiner 
Rückreise von Frankfurt durch den Oberstkämmerer von Meggau 
seinen kaiserlichen Gruß an die Stände, denen er sagen ließ, er werde 
solche Mittel anwenden, damit das Vaterland erhalten und das Miß- 
trauen beseitigt werde. Sie möchten sich gedulden und sich allein an 
das Haus Osterreich halten, ohne sich von den Widerwärtigen zu widrigen 
consiliis bewegen zu lassen. 2 ) 



') LA. Rel. E. B. — A. III, 17. — Hfkzl. A. I, A, 1. 
2 ) Raupach, Forts. III, 399. — Gindely, II, 307. 



Gindely, II, 193 ff. 



111 

Mittlerweile war der zur Abwehr des Vorrückens Bethlens gegen 
Wien aus Böhmen herbeigerufene Gf. Buquoy auf seinem Marsche zur 
Vereinigung mit Dampierre vor Hörn gezogen, welches, wie wir aus 
dem Diarium Khuefstains wissen, am 2. Oktober eingenommen wurde. 
Am 13. meldete Ciriak von Traun den Evangelischen Ständen, daß sein 
Bruder Oberst Adam von Traun aus Hörn abgezogen sei, weil es 
durch das kaiserliche Heer unter Buquoy belagert und einige Stunden 
bombardiert wurde. Er befinde sich in Eggenburg und erwarte weitere 
Befehle. Er habe zwar dem Kaiser keinen Eid geleistet, werde ihm 
aber die Treue bewahren. 1 ) Die Evangelischen hatten sich entfernt. 
Reichardt von Puechaim, der Besitzer von Hörn, war zurückgeblieben 
und wurde von Buquoy sowie von Albrecht von Waldstein mit 
Vorwürfen überhäuft, der Pflichten gegen den Landesherrn vergessen 
zu haben, worauf er replizierte, es wären nur mehr wenige, die es mit 
Ferdinand hielten, in Böhmen etwa fünf, in Mähren ein Paar, in Öster- 
reich kaum über zehn nicht geistliche Ständemitglieder. 2 ) Buquoy zog 
am 6. nach Retz und Znaim weiter und die Stände kehrten nach 
Hörn zurück. 

Am 18. wollten sie wieder eine Deputation an den Kaiser ab- 
senden, die aber nicht zustande kam, wahrscheinlich wegen des mittler- 
weile erfolgten Einbruches der Böhmen, die gegen Wien zur Ver- 
einigung mit Bethlen zogen. 3 ) Thurn schrieb den Direktoren noch 
am 15. November von Preß bürg aus." 1 ) Wie weit sie auf dessen Ver- 
lockungen eingingen, muß dahingestellt bleiben. Dieses und vieles andere, 
was ihnen zur Last gelegt wird, ist vielfach auf gleichzeitige Schreiben 
des etwas voreingenommenen Erzherzogs Leopold und katholischer 
Landesmitglieder zurückzuführen, die manche herumschwirrenden Gerüchte 
aufgefangen haben mögen. Außerdem wird den Niederösterreichern 
manches aufgebürdet, was ihren Oberösterreichischen Gesinnungsgenossen 
gebührt, die, viel tatkräftiger und rücksichtsloser, den Kampf schon auf- 
genommen hatten. Die zögernde Haltung der Niederösterreicher bildete 
gerade ein Moment der Enttäuschung für die Böhmen, die auf Grund 
der Konföderation auf diese ihre Hoffnung gesetzt hatten und mit Un- 
mut gewahrten, daß sie sich von den Extremen nicht fortreißen lassen 
wollten. 5 ) 



Die Niederösterreicher scheuten vor dem letzten Schritte zurück, H. Ludwig 
der sie zu offenen Rebellen gestempelt hätte. Sie wünschten gewiß Kuefsteins 
nicht unter die Botmäßigkeit Bethlens zu geraten, der die unverkenn- den Deutschen 
bare Absicht zeigte, sich nicht nur zum König von Ungarn, sondern Fürstentag 
auch zum Herrn von Österreich aufzuschwingen. Um ihre Zweifel zu in Nürnberg, 
beschwichtigen und womöglich Hilfe und Unterstützung zu finden, be- 
schlossen sie, sich an den Unionstag zu wenden, welcher von den 



») LA. Rel. E. B. 

2 ) St. A. Handschr. 108, V-, Fol. 229. — Gindely, II, 277. — Hurter, VIII, 159, 
sagt, Buquoy sei ungehindert in Hörn eingezogen. — Raupach, Forts. III, 399. 
? ) Hurter, VIII, 160. 
4 ) Hfk.-A. Oest. R. 14. 
5 J Frieß, Der Einfall der Oberösterreicher in Ldsk. 1889, p. 171fr. 



112 

Deutschen Fürsten in Nürnberg- als Korrespondenztag- einberufen war. 1 ) 
Sie dachten nun wieder an Hans Ludwig von Khufstein, dessen 
dynastische Treue und versöhnliches Wesen ihn als den geeigneten 
Mann für diese heikle diplomatische Mission erscheinen ließ. 2 ) 

Auch diesmal hatte er gewisse Bedenken. Erst in Hörn, wo er 
auf die Berufung der Stände am 6. November erschien, gab er dem 
Drängen seines Bruders Hans Jacob und des Mertt von Starhemberg, 
den er bei diesem fand und der im Namen der Deputierten dringend 
zuredete, nach, und erklärte sich bereit, mit Ferd. Nütz, dem Ab- 
geordneten des Ritterstandes, die schwere Aufgabe zu übernehmen. Nach 
Puechberg, wo er seine Frau so übel auffand, daß er wieder schwankend 
wurde und sich bei Traun entschuldigte, nicht mehr nach Hörn zu 
kommen, brachte ihm am 8. der Sekretär Hafner ein Schreiben der 
Stände, in welchem sie ihm eine eingehendere Ausführung für die Fürsten 
in Aussicht stellten. Der Eile wegen sollte die frühere Instruktion für 
die Niederländische Mission, die er schon behoben habe, samt dem 
Kredentionale, dessen Überschrift er in Nürnberg nach Umständen 
libellieren möge, genügen. 

Noch denselben Nachmittag machte er sich auf den Weg, kam 
aber nur bis Gföhl, weil er im Wald irregefahren war. Am folgenden 
Tage, den g., war er mittags in Spitz, der Besitzung seines Bruders 
Hans Lorenz, dessen jungen Sohn Hans Wilhelm er mit sich nahm. 
Des bösen Weges halber kam er nicht weiter als nach Emersdorf, 
von wo er durch seinen Schwallenbacher Weinzierl ein Schreiben 
an Traun richtete: Er müsse auf dem linken Ufer der Donau bleiben, 
da er bei Persenbeug wegen der von Steiermark her gegen Molk 
heraufziehenden Wallonen nicht übersetzen könne. Beinebens habe er 
im Fahren dem jetzigen Status nachgedacht und gefunden, daß es >bei 
unserem frommen alten Erzherzog Alberto« allen Unpassionierten un- 
verantwortlich fallen dürfte, »wenn allein wir die schuldigste. Insinuation, 
so die Katholischen und die Oberennsischen geleistet, und wir uns vor- 
genommen hatten, nicht effectuiren sollten«. Er schlägt daher vor, ihn 
zur Ersparung der Kosten gleich von Nürnberg aus nach Brüssel 
fahren zu lassen, voraussetzend, daß die Stände sich seiner Frau und 
seines Hauses annehmen wollten. »Den Böheimischen und den ihren 
partibus gar zu viel vor der Zeit von den Unsrigen inclinirenden 
würde die bisher geschehene Dilation dieser billigen gehorsam Erzeigung 
bei unserem Erbherrn, der vielleicht einen Weg zur Verschaffung der 
Ruhe unseres Vaterlandes zeigen möchte, abgeschnitten.« 

Man sieht, wie Hans Ludwig bemüht war, versöhnlich und den 
hitzigen Elementen gegenüber zurückhaltend zu wirken. In diesem Sinne 
hatte er seine Mission aufgefaßt, wie er dies in Linz, wo er am n, um 
8 Uhr abends eintraf, nachdem er in Grein den auf dem Wasser herab- 
kommenden Fürsten Liechtenstein begegnet hatte, den Oberösterreichern 
Gotthardt Starhemberg, Ungnadt und Tschernembl, die ihn zum 
Frühstücke zurückhielten, auseinandersetzte. Er sei nur gesonnen, die 



!) Gindely, I», 293 ff. 

2 ) St. A. H. L. v. Kuefsteins Diarium; s. auch Ad. Wolf, I, 264—268. — 
Gindely, II, 307—310. 



113 

anwesenden Potentaten zu informieren, sowie deren Rat und nur für 
den Notfall Hilfe zu begehren, »was sie nicht übel aufnahmen«. 

Nachmittags (den 12. ') fuhr er weiter und kam am 13, zu Christof 
Hohenfelder nach Grünbach, von wo er den Deputierten um Nach- 
sendung der Instruktion nach Nürnberg schrieb. 

Von der kulturhistorisch höchst interessanten Beschreibung der 
Reise muß hier leider abgesehen werden. Es möge nur Erwähnung 
finden, daß er in Regensburg (am 17.) vom Stadtrat feierlich mit einem 
Sermon, Glückwunsch zu der übernommenen Mission und 16 Kannen 
Wein begrüßt wurde und Freiherr Paul von Eckh sich als Verwandter 
vorstellte. Von da sandte er auch ein Schreiben an seine Prinzipalen 
unter der Adresse seiner Schwägerin, der »Hans Lorenzin«, in Spitz. 

Am 20. um 5 Uhr abends kam er endlich nach Nürnberg, nach 
Zurücklegung der 58 Meilen in 12 Tagen. 

Er bat sogleich den Professor Daniel Schwendtner, der die 
geometria practica geschrieben hatte und den er in Altorf nicht 
zu Hause getroffen, zum Nachtmahl. 

Am 21. früh sandte er zuerst um den Agenten der Oberöster- 
reicher D r - Lanjahr. Dann erschien der Notar der Stadt, um ihn im 
Namen derselben zu begrüßen und ihm durch acht Bürger 16 Kannen 
Wein zu offerieren, die er mit 1 Dukaten honorierte. 

Nachdem er seinen Hofmeister zu des Kurfürsten Vice cancellarius 
D r - Camerarius mit Empfehlung seiner Prinzipalen und Bitte um Ver- 
mittlung einer Audienz gesendet hatte, erhielt er höflichste Antwort, 
aber sein Herr sei beim Markgrafen von Anspach zum Mittagmahl 
und werde auch dort bleiben, könne also erst am nächsten Morgen ver- 
ständigt werden. 

Pfalzgraf Friedrich war schon am 19. angekommen und die 
Fürsten hielten — wie Khuefstein am 2$. an die Deputierten schrieb 
— gerade am 21. ihre erste Session. Der Kurfürst, welcher allge- 
mein als König von Böhmen behandelt wurde und ein entsprechen- 
des höfisches Zeremoniell beobachten ließ, präsidierte den anwesenden 
g Fürsten — drei sächsische, drei Württembergische und drei Ans- 
pachische neben anderen fürstlichen, gräflichen und städtischen Abge- 
ordneten. »Chursachsen will sich aber zu dieser Beratschlagung ganz 
nicht verstehen, sondern will verlauten, sei mehr inclinirt dem Kaiser 
zu helfen. Von Dänemark und Venedig ist Niemand hier. Die Fürsten 
sitzen täglich von 8 — 1 Uhr und darüber fleißig, eßen nachmals des 
Tags nur einmal bei Einem unter ihnen (so herumgeht) alle beisammen, 
halten ihre consilia ganz geheim, so doch vermutlich in Kürze aus- 
brechen möchte . . . Sie wollen Absendung an die kaiserl. Maj. abgehen 
lassen mit dem Begehren sich der entzogenen Länder willig zu begeben, 
da Sie Sich und Ihr Haus nicht ganz ruinieren wollten. Die Antwort — 
setzt Khuefstein hinzu — und folgender Effect ist leicht zu erachten. 
Der Ausgang steht in Gottes ^Händen.« 

Trotz seiner kurzen Anwesenheit scheint er schon einen wenig 
ermunternden Eindruck über die Chancen seiner Mission in Folge der 
verschiedenen Strömungen, die eine Einhelligkeit der Fürsten zu ver- 



') In einer bei Firnhaber, XXVIII, 440, abgedruckten Relation über die dortige 
Ständeversammlung findet sich der 14. als der Tag angegeben, an welchem Herr Hans 
Ludwig Khuefstainer als Abgesandter der N. ö. Stände zum Korrespondenztage nach 
Nürnberg von hinnen verraist sei. 

Kuefstein. III. ° 



114 

hindern geeignet waren, erhalten zu haben. Denn in dem eben erwähnten 
Schreiben an seine Mandanten, bevor er noch eine Audienz gehabt 
hatte, dachte er schon an die Rückreise. Er habe die erbetene Instruction 
noch nicht erhalten; jetzt werde es zu spät sein, da er nach Hause 
dränge, wo seine schwer erkrankte Frau und seine Untertanen vom 
Kriegsvolk hart bedrängt würden. 

Seine Tags vorher mit Hn. v. Ruppa, dem Oberstkämmerer des 
neuen Königs, gehabte Konversation, dürfte ihm schon einigen Vor- 
geschmack gegeben haben. Hr. v. Ruppa, der ihn um eine Stunde 
gebeten hatte, um ihn zu begrüßen, fand sich bald darauf bei ihm ein, 
wie im Diarium gesagt wird, »mit vielen Komplimenten«. Er hatte ihn 
für einen Abgesandten der Oberösterreicher gehalten und sagte, als er 
seines Irrtums belehrt wurde, »O ja, wir sind mit einem und dem 
Andern verbunden.« Alle seine Reden gingen darauf hinaus, Ferdi- 
nand um, den er nicht gern einen Kaiser genannt, man wisse, wie er 
es geworden, zu verunglimpfen, die Wahl des Pfalzgrafen zu verteidigen 
und in verdeckten Anspielungen anzudeuten, man werde dem Kaiser 
raten, die verlorenen Länder aufzugeben, um nicht die andern zu ge- 
fährden. Er erwähnte auch der Ansprüche Bethlens, worauf Khuefstein 
erwiderte, er »wolle nicht hoffen, daß unser Land getreue Inwohner und 
die Evangelischen Stände es um das Römische Reich und dessen Fürsten 
verdient hätten, vom Reiche weggerissen und einem Fremden zur Beute 
gegeben zu werden«. »Ei nein«, rief Ruppa aus, »das behüte Gott, 
denn Se. Maj. hat dem Bethlen geantwortet, daß er die conföderirten 
Länder beschützen müßte«. Er frug dann, ob die Mission an den König 
allein oder an alle Fürsten gerichtet sei, worauf er die Antwort erhielt, 
der Eile wegen konnte man nur an alle insgesamt schreiben — die Adresse 
hatte er in Nürnberg schon hinzugesetzt — doch wolle er gern um eine 
Audienz bei dem König als dem Vornehmsten gleich bitten. Ruppa 
versprach diese für morgen und empfahl sich mit allen höflichen Ver- 
sicherungen. 

Trotz seines schmerzlichen Katarrhs fuhr Khuefstein am 25. mit 
geschwollener Wange zu der ihm für y 2 8 Uhr angesagten Audienz, aber 
bald wieder nach Hause, da sie wegen der bereits begonnenen Fürsten- 
Sitzung auf den Nachmittag verschoben werden mußte, wofür Ruppa 
ihm alle Entschuldigungen überbrachte. 

Da er sah, daß es mit der Audienz nur bei einem Potentaten 
so schwer und langsam hergehe, besorgte er, daß es bei den gesamten 
Fürsten noch langsamer fortgehen werde und sie unversehens vonein- 
ander gehen könnten, ohne ihn angehört zu haben. Er dachte nun auf 
einen andern modus, nämlich den König selbst zu bitten, das ohnehin 
auf alle Stände libellierte Kredentionale für dieselben entgegenzunehmen, 
so daß sie nicht mit einer Audienz belästiget würden, dagegen etliche 
Räte mit der ferneren mündlichen Information zu betrauen. 

So geschah es auch, als er durch den Oberstkämmerer unter Vor- 
tritt zweier Diener zur Audienz introduziert wurde. Der König ging ihm 
auf halbem Wege entgegen, »ohne Mantel, die Wehr an der Seiten und 
den Hut abgethan und bis nach Vermeldung der Dienste und Wünsche 
in der Hand behalten, ihm die Hand geboten und mit einer tapferen 
Maniera sein Anbringen angehöret«. Dieses hatte Khuefstein schon 
den oben angedeuteten Intentionen angepaßt, an Stelle dessen, was er 
beabsichtigt hatte, dem ganzen Konvente vorzutragen. 



115 

Nach der formalen Anrede, während welcher Friedrich den Hut 
in der Hand behielt, ward vermeldet, daß die N. ö. Stände es für not- 
wendig - gehalten, zu diesem Korrespondenztage der Evangel. Könige 
und Fürsten in und außer dem hl. Rom. Reiche Einen aus ihrer Mitte 
zu delegieren, um über das, was sie, die Stände vorgekehrt haben, Aus- 
kunft zu geben. Sie hätten aus Mangel an Zeit keine einzelnen Schreiben 
an Jeden der Fürsten richten können und es sei die Absicht gewesen, 
daß der Gesandte von allen Fürsten zusammen in Gesamtaudienz em- 
pfangen würde. Da sie aber durch ihre Beratungen allzusehr in An- 
spruch genommen seien, bittet er um Niedersetzung eines Ausschusses, 
um sein Anbringen zu vernehmen und zu beantworten. Zu diesem möge 
der Agent der Oberösterreicher zugezogen werden, der noch kein Kre- 
dentionale erhalten habe. 

Hierauf sagte Ihre Maj. ziemlich still und leis ohne Rückung des 
Hutes: »Ich thue mich des Entbietens der löbl. Stände aus N. ö. 
gnädig bedanken und will das, was der Hr. Abgesandte vorgebracht 
sammt dem Schreiben beratschlagen und mich förderlich darauf er- 
klären, versichere sie auch, daß ich ihnen alles Gute zu erweisen ganz 
geneigt bin.« 

Da Khuefstein dies nicht als eine meritorische Antwort betrachten 
konnte, sah er die beiden Herren an, ob Einer etwas Weiteres sagen 
möchte. Da er nichts vermerkte, sagte er mit einer Reverenz: »Der so 
gnädig ertheilten Audienz und gegebenen Antwort thue ich mich unter- 
thänigst bedanken und bitte Sie geruhen meine angebrachten Begehren 
gnädigst zu befördern, wornach Se. Maj. den Hut abgethan und gehalten, 
so lang ich Ihn gesehen.« 

Der Oberstkanzler begleitete ihn hinaus und zog ihn in der Tafel- 
stube bei Seite, um ihm, nach einigen Bedenken über D r Langjahrs 
mangelhafte Beglaubigung zu wiederholen, er möchte nichts unterlassen, 
den Ständen zu dienen, wenn er nur wüßte, auf welche Weis? Worauf 
H. Ludwig erwiderte, es würde ihnen am Besten gedient sein, wenn 
in einem förderlichen Schreiben Se. Maj. und die andern Fürsten ihre 
billigen Actiones approbieren, ihnen Rat erteilen und auf den Notfall 
wirkliche Hilfe zusagen wollten. Ruppa versprach öfter einander zu 
sprechen, und wurde zum König abberufen. 

Nachmittags erschien er wieder im Namen seines Herrn, um dessen 
»Compassion mit den Österreich. Landen sehr exagerirt« zu versichern 
und zu fragen, welches die Intention der Mission zu Erzherzog Alberto 
sei. Ebenso wünschte der König die Information zu kennen, die Khuef- 
stein, wie oben gesagt, für den gesamten Konvent vorbereitet hatte, nun 
aber der niederzusetzenden Kommission vortragen wollte. Er antwortete, 
die Frage sei zwar captiös und bedürfe mehrer Überlegung. Aber er 
könne sagen, die Erwähnung der Sendung an den Erzherzog Alberto, 
an welchen sie auch vom Erzherzog Leopold gewiesen worden wären, 
sei nur geschehen, um darzutun, daß Derjenige, der auserlesen war, den 
Erzherzog zu informieren, dies auch am Besten dem König gegenüber 
tun könne. Seitdem habe sich die rerum facies gänzlich geändert, die 
Mission sei nicht mehr opportun erschienen, habe also jetzt nichts mehr 
mit der Sache zu tun. Was aber die Stände in Zukunft zu tun beab- 
sichtigten, davon könne er nicht reden. Damit die wahren Intentionen 
der Stände erkannt werden, wolle er ihm die von ihm in drei Punkten 
verfaßte Instruktion einhändigen, doch mit der Bitte, daß seinem in der 

8* 



116 

Audienz gestellten Ersuchen gemäß das Kredentional allen Potentaten 
fürgebracht und in einem Ausschusse gehört werden möge. Obwohl 
nun ersichtlich war, daß man die Sache lieber den königl. Hofräten 
vorbehalten wollte, stimmte Ruppa endlich bei. Nebenbei frug er, 
warum denn die Unterösterreicher, als Thurn vor Wien gekommen, 
sich so gar nicht resolvieren konnten, was Khuefstein »ihm mit guten 
Gründen ablehnte«. 

Also ein neuer Beweis dafür, was dieser schon bei seiner Linzer 
Mission gleicherweise entgegnet hatte, daß die Evangelischen keines- 
wegs die Absicht gehabt hatten, den ohne genügende Grundlage ge- 
hegten Wünschen nach Öffnung eines Tores entgegenzukommen. 

»Als ich sah, daß dieser Herr ganz einen anderen Weg, dann ich 
suchte, gehen wollte, und ob er wohl diesmal davon abgefallen, das 
Werk wieder dahin excaminiren möchte, hab ichs bei andern Fürsten 
auch anhängig zu machen destomehr geeilet und sonderlich Württem- 
berg hierin zu gewinnen gesucht.« Nach .Mitteilung dessen Rates 
Grünthal kam auch seinem Herrn des Ruppa Vorhaben, das er nicht 
in den Intentionen des Königs gelegen betrachte, fremd vor, da dieser 
nicht mehr Länder begehre, sondern wenn er die Krone nicht schon 
angenommen hätte, sie nimmer annehmen würde. 

Wie früher bei den sächsischen Herzogen Joh. Ernst v. Weimar 
und Julius sowie dann bei dem Markgrafen von Anspach wurde er 
bei dem Württemberger zwar mit allem höfischen Zeremoniell, aber 
äußerst freundlich und entgegenkommend empfangen und namentlich 
bei letzterem in nochmaliger Privataudienz aller Unterstützung versichert. 
Zu seinem Erstaunen erfuhr er, daß ihnen noch keine Mitteilung von dem, 
dem Könige für alle Anderen übergebenen Kredentionale zugekommen 
war, wodurch die Verdachtsmomente gegen Friedrichs unverläßliche 
Haltung nur bestärkt werden konnten. 

Auf Chursachsen war dieser wegen dessen unresolvierter Neutralität 
besonders schlecht zu sprechen. Man werde, sagte Ruppa gelegentlich, 
zwei fürstliche Personen zu ihm abordnen, die ihm ignem et aquam 
proponieren sollten. Wenn er nur ein wenig wollte, könnte der Religion 
gewaltig geholfen werden. Aber es werde die Zeit schon kommen, daß 
anstatt seines durch spanisches Geld bezahlten Schönbergs sein Ge- 
wissen wird aufweichen etc. 

Obwohl Ruppa immer noch bestrebt war, die Angelegenheit mög- 
lichst seinem Herrn zu reservieren, konnte er bei der gleichmäßig ent- 
schiedenen Haltung Khuefsteins nicht anders als endlich der von 
diesem verlangten Kommission freien Lauf zu lassen. Sie trat bei ihm 
am i. Dezember nachmittags zusammen und bestand neben den Dele- 
gierten des Königs aus Vertretern von Anspach, Württemberg, 
Straßburg, Ulm und Nürnberg. 

Diesen ließ der Gesandte den Vortrag, den er, wie wir wissen, für den 
ganzen Konvent vorbereitet hatte, durch D r - Langjahr etwas abgekürzt 
vorlesen. Darin wenden sich die N. ö. Stände an jene des hl. Rom. Reiches, 
dessen Kreis und Feodum sie seien und flehen den hl. Geist auf ihre 
Beratungen herab. Es werden dann die Leiden der österreichischen Stände 
beschrieben, die gar seit den Böhmischen Unruhen entsetzlich seien, 
allen ausländischen Nationen werde freier Paß ohne Ordnung gegeben, 
mit Morden, Rauben, Plündern, Schänden, sogar Ausgraben der Toten, 
darunter fürnehmer Herrenstandspersonen. Aus was Ursachen aber sie 



117 

sich vom homagium an Ihr kais. Maj. mit Rücksicht auf die an 
Erzherzog Albert gediehene Erbfolge entschuldigten, darüber seien von 
den Katholischen ganz ungleiche Informationen an die fremden Höfe 
gelangt. Die wahre Ursache sei gewesen, daß nachdem Erzherzog Albert 
den Kaiser Ferdinand und dann auch den Erzherzog Leopold bevoll- 
mächtigt hatte, die altem Herkommen gemäß erhoffte Bestätigung 
ihrer Privilegien nicht erfolgte, sie sich also so lange entschuldigen 
mußten, bis sie genügende Versicherung erhalten haben würden. Darauf- 
hin seien sie Rebellen intituliert und drangsaliert, ja gar ihrer Häuser 
und Schlösser Verwahrung inhibiert worden. So wurden sie zur Defen- 
sion gedrängt und haben 6000 Mann aufgebracht, aber nur zu ihrer 
Verteidigung und Bewachung von Weib und Kind, nicht aber gegen 
ihren Landesherrn Albertum, mit dem sie die Bande aufrechterhalten 
wollen. Man möge also keine anderen falschen Unterstellungen sich 
bieten lassen. 

Es wurde hierauf quasi unanimiter geantwortet, dies seien auch 
die Böhmischen und Reichsgravamina, kein Unpassionierter könne den 
Österreichern Unrecht geben. Man werde den Prinzipalen referieren und 
dann die Antwort erteilen. Khuefstein dankte im Namen beider Lande 
und bat in folgendem Sinne zu antworten: i°- der Stände actiones zu 
approbiren, 2°- ihnen treuen Rath und Animirung zukommen zu lassen, 
3" : sie auf mehreren Nothfall einer wirklichen Hülf und Assistenz, so- 
bald sie verlangt würde, zu trösten. Endlich würde beiden Teilen ge- 
holfen, wenn die nun angefangene Korrespondenz künftig gepflegt würde. 

Er ließ die Antwort mehrfach urgieren, »aber kein effetto er- 
folget«. Dagegen befand er sich am 4. Dezember im Sitzungssaale der 
Union, als alle Fürsten und Gesandten — ausgenommen der König — 
dem kaiserl. Gesandten Grafen von Zollern zum Empfang bis an die 
Stiegen entgegengingen 1 ), dessen Mission übrigens von keinem besseren 
Erfolge begleitet war als seine eigene. Wenigstens entsprach die Ant- 
wort, die ihm zuteil wurde, nicht den gehegten Wünschen. 

Noch bevor sie ihm zuteil ward, erhielt er Andeutungen in dieser 
Richtung. Namentlich der Herzog von Württemberg, der sich ihm 
und seinen Mandanten besonders geneigt zeigte, ließ ihm gleichsam 
kondolieren und sich entschuldigen, daß seine Expedition nicht zu seiner 
und der Stände Satisfaktion ergehen würde. Er ließ durch seinen Rat 
Geizkofi er wiederholt versichern, wie übel er mit der s. E. unvoll- 
kommenen Antwort zufrieden sei, wie herzlich er den Ständen gewogen, 
dagegen mit des Königs und seiner Räte Prozeß schlechtlich zufrieden 
sei, so daß in die Länge mehrerer Disgust erwachsen möchte. Bei der 
Verabschiedung versicherte ihn der Herzog, daß er nicht nur sein gnädiger 
Herr, sondern auch sein Freund verbleibe etc. 

An demselben 5. Dezember erfolgte auch die sofort erteilte Ab- 
schiedsaudienz bei dem Könige, welcher den Ständen beider Lande sagen 
ließ, wo er ihnen gnädig willfahren könne, werde er es gerne tun und 
bleibe den Gesandten gnädig gewogen. Er bot ihm »neben Abthuung des 
Hutes die Hände und hat eine ziemlich tiefe Reverenz gethan und so- 
lange wir Sie gesehen, den Hut in Händen behalten«. 

1 ) Gindely, II, 299, widerlegt die Erzählung Slavatas (Hurter, VIII, 181), 
wonach sich Zollern als Vertreter des Kaisers auf den für den Pfalzgrafen vorbereiteten 
Thronsessel niedergelassen hätte, auf Grund der Relation Zollerns (in der Münchener 
Hofbibliothek). Er habe die Würde des Kaisers zu wahren gewußt, indem er sich über- 
haupt nicht setzte und dadurch auch die Andern zwang, stehen zu bleiben. 



118 

Die durch Ruppa zuzustellende schriftliche Antwort ist leider 
nirgends zu finden. Auf den Abend fuhr Khuefstein, von Geiz- 
kofier abgeholt, in das Württembergsche Logis, »wo er den König 
und die Fürsten schon an der Tafel und die fürnembsten Offiziere auf- 
wartend fand«. Im Eßzimmer der hohen Offiziere wurde ihm die obere 
Stelle neben dem Oberstkanzler angeboten. Nachher als die Fürsten 
nach dem Waschen an der Tafel standen, zog ihn zuerst der Markgraf 
von Durlach, dann der Markgraf von Anspach zur Seite und kon- 
dolierte gleichfalls, daß die Beantwortung für die Lande, denen er die 
besten Wünsche sende, nicht zum contento der Stände ausfalle, doch 
sei sie nicht mit seinem und anderer Fürsten Willen, sondern per 
majora geschehen. Er hoffe, sie würden es zu Hause besser stehend 
finden, er sei in dem, was er darunten habe, auch schon dreimal aus- 
geplündert worden. 

Nachdem Hans Ludwig sah, daß hier nichts mehr zu richten 
war, nahm er allerseits seinen Abschied und begab sich nach Hause, 
um Tags darauf seine Rückreise anzutreten. 

Diese bietet ebenso interessante kulturhistorische Rückblicke wie 
die Beobachtungen, die der hochgebildete aufmerksame Beobachter in 
der alten Patrizierstadt selbst anstellte. Obwohl stark in Anspruch ge- 
nommen, fand er Zeit, alles Merkwürdige anzusehen, so das Zeughaus, 
das Gießhaus, das Schloß, »darinnen man fast in allen Winkeln die öster- 
reichischen Wappen und Monumenta sieht«, dann das Peller sehe 
Haus, das schönste und zierlichste in Nürnberg, ferner die berühmte 
Braun ersehe Kunstkammer. Er setzte sich in Verbindung mit Handels- 
leuten, sowie mit dem bereits genannten Professor Schwendtner, dessen 
Instrumente er im Thomasberg- Hofe besichtigte, besah und kaufte 
Kuriositäten, die man ihm ins Haus brachte, u. a. »einen gespitzten 
Diamanten« für seine Frau und wohnte einer »Geschlechterhochzeit« 
bei, zu welcher man ihn, obwohl er unbekannt bleiben wollte, hineinbat. 
Man verehrte ihm einen Tanz, dessen er sich entschuldigte, indem er 
sich durch seinen jungen Neffen H. Wilhelm vertreten ließ, doch des 
Trinkens konnte er sich nicht ganz erwehren. 

Daß er die Kirchen nicht unbesucht ließ, versteht sich bei seiner 
tief religiösen Denkungsart von selbst. Niemals versäumte er die Predigt, 
vor wichtigen Verrichtungen kommunizierte er, hielt am Freitag seine 
regelmäßige Fasten, und am Abend nach der Audienz bei dem Könige 
findet sich die Notiz: »Zu Hause allein geblieben und mit Gott geredet.« 

Ein Mann so festen Glaubens mußte wohl von der Stichhaltigkeit, 
dessen was er zu vertreten übernommen hatte, tief durchdrungen sein. 
Er muß auch vom Resultate seiner Mission nicht so unbefriedigt heim- 
gekehrt sein, wie es nach den ihm zugebrachten Entschuldigungen an- 
genommen werden könnte, wenn er bei seiner Heimkehr nach Puech- 
berg sein Diarium mit den Worten beschließt: »Und habe hiemit auch 
diese Absendung geendet und abgeleget, mit allem Fleiß dahin trachtend, 
daß selbige zu meiner Erbherren des Hauses Oesterreich und meines 
Vaterlandes Nutz, förderst zu der Ehre Gottes gereichen möchte, dessen 
Allmacht ich um eine gnädige Geleit- und Beschützung demüthig dankend 
zu seinem ferneren Schirm und Regierung gleichmäßig mich befehle.« 

Auch seine Mandanten waren nicht unzufrieden. Als er am 29. in 
Hörn seine Relation übergab, »wurde ihm von Traun als Vorsitzenden 
der Deputierten in des gesammten Collegii Namen großer Dank gesagt 



119 

und er konnte wohl verspüren, daß alle mit seiner Verrichtung wohl 
zufrieden gewesen, inmaßen es das erhaltene Decret ausweiset«. 

Vor Khuefsteins Rückkehr hatten sich wichtige Ereignisse ab- D^s Kaisers 
gespielt. Der Kaiser, welcher sich von Frankfurt aus nach Graz be- nacll -y^j en 
geben hatte, da die Oberösterreicher die Pässe gesperrt hielten, war am 
24. November nach Wien zurückgekehrt. Fast gleichzeitig mit ihm er- 
schienen die Ungarn und Böhmen unter Bethlen vor den Toren der 
Hauptstadt, welcher sie jedoch schon am 29. wieder den Rücken kehren 
mußten, um dem Homannayschen Angriff entgegenzutreten. 

Der Kaiser, welchen eine Deputation von Bürgern beider Kon- 
fessionen schon in Schottwien um Abhilfe gegen die Buquoysche 
Soldateska gebeten hatte, empfing durch G. A. v. Hofkirchen und 
Chr. Leysser die Glückwünsche der Hörn er — welche zum 9. De- 
zember eine Versammlung einberufen hatten — zur Erlangung der 
Kaiserkrone und am 3. Dezember jene der Oberösterreicher, die sich 
bitter darüber beklagten, daß Erzherzog Leopold Diejenigen, die sich 
in die Böhmische Konföderation eingelassen hatten, Erz-Rebellen ge- 
nannt habe, was sie nicht verdienten, da sie die Treue gegen den Erb- 
herrn nicht verletzen wollten, wenn nur dieser den schädlichen fremden 
Ratschlägen kein Gehör gäbe. Daraufhin wurden sie neuerlich aufge- 
fordert, ihre Abgesandten zur Beratung längstens Ende Januar nach Wien 
zu senden, nachdem die definitive Zession des Erzherzogs Albrecht 
jetzt vorliege. Die Unterösterreicher ihrerseits erhielten am 2. Januar 
eine gnädige Resolution, mit dem Dank für die Gratulationen, Ver- 
sprechen der Aufrechthaltung der Privilegien, Beilegung der gegen die 
Verwüstungen des unbezahlten kaiserl. Kriegsvolkes erhobenen bitteren 
Beschwerden, sowie auch die gleiche Aufforderung zum Erscheinen. 1 ) 

* * 



Sonderbar mutet es an, unter dem Waffengetümmel der sich gegen- 1620.'-) 
überstehenden Heerhaufen von fortlaufenden Verhandlungen zu hören, als Ver- 
grabe es keine feindlichen Aktionen. Oben verhandelte man mit allen Rück- Handlungen 

. ^ . u °er die 

sichten und unten platzten die Gegensätze aufeinander. Korrespondenzen Huldigung. 

über Defensionsmaßregeln und Verlegung der Kriegsvölker zwischen 
Katholischen und Evangelischen sowie dem Kaiser charakterisieren 
den Anfang des J. 1620, während sich daneben blutige Kämpfe ab- 
spielten und der Kaiser sich den Rücken zu decken suchte, indem er 
nach schwierigen Verhandlungen am 16. Jänner 1620 zu Preßburg einen 
allerdings sehr prekären Waffenstillstand mit Bethlen Gabor schloß, 
den er am 23. zum Reichsfürsten erhob. 3 ) 



1 ) L. A. Hurter, VIII, 167. — Raupach, Forts. III, 405—406. — Ad. Wolf, 
268. — Bibl, 132. — Khevenh., IX, 681. — Vancsa, Polit. Gesch. Wiens, heraus- 
geg. v. Alterth. -Verein. Separ.-Abdr. 21 ff. 

2 ) Zum Diarium Khuefsteins v. 18. Februar bis 17. Juni 1620. 

3 ) Firnhaber in d. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissensch. XXVIII, p. 453 u. 
461. — Gindely, II, 349. — Huber, V, 151. 



120 

Wie unsicher die Lage blieb und wie wenig ernst der Vertrag 
seitens Bethlens gemeint war, der nur Zeit gewinnen wollte, zeigt der 
am vorhergehenden Tage, den 15. Jänner, von ihm mit Friedrich ge- 
schlossene Bündnisvertrag, welchen vonseiten der Niederösterreicher 
als Konföderierten Andre Thanrädl, Erasm. v. Landau und Starzer 
mitunterschrieben hatten. Als sich die N. 0. Evangelischen Verordneten 
am 7. Jänner an »ihren sonders lieben Hn. Hans Ludwigen Khuef- 
stainer in Puechberg« wandten, um ihn für eine Sendung nach Un- 
garn zu gewinnen, hatte dieser keine Geneigtheit dazu gezeigt, ebenso 
wenig wie im Mai 1618. 1 ) Er mochte die angebahnten Verbindungen 
mit Ungarn und Böhmen nicht billigen, die seiner loyalen Auffassung 
nicht zusagten. 

Am 29. Jänner erklärte Ferdinand die Böhmische Königswahl als 
null und nichtig und als die Stände am 31. sich wieder über die Räu- 
bereien der kais. Hilfsvölker beschwerten, riet er ihnen, ihre Regimenter, 
die sie wegen Geldmangels entlassen wollten (Colloredo und Monte- 
cuccoli) lieber noch einige Zeit zu erhalten. 2 ) 

Mission Die öfters zum Erscheinen aufgeforderten Evangelischen, welche 

an den Kaiser. j n ^ er sc hon erwähnten Session v. 9. Dezember hauptsächlich die Frage 
beraten hatten, ob und wie mit S. kais. Maj. über die bisher der Huldi- 
gung entgegenstehenden Verhinderungen in Güte traktiert werden könnte, 
erklärten sich am 10. Februar bereit, nach Ankunft der Oberösterreicher 
eine gemeinsame Deputation nach Wien zu senden, indem diejenigen, 
»welche die Schuld und Billigkeit und des Landes Wohlfahrt besser zu 
Gemüte gefaßt«, die Oberhand gegen die Ablehnenden behielten. Zu Ge- 
sandten wurden gewählt: Aus dem Herrenstande Sigm. Adam v. Traun, 
Ferd d - v. Herberstein und Hans Ludwig Khuefstainer, vom Ritter- 
stande Leisser, Pernstorffer und Ferd d - Nütz. Eine ihnen neben der 
Instruktion mitzugebende Schrift konnte erst am 13. abgehört werden. 
Am 17. wurde Khueffstein von seinen Mitgesandten avisiert, daß sie 
nächsten Montag früh von Hörn aufbrechen wollten, um auf dem Lande 
hinabzureisen, er möge also übermorgen hinkommen. Von Gf. Buquoy 
hätten sie schon »eine lebendige Convoy« erbeten, die auch gleich be- 
willigt ward. Am 20. um 9 Uhr früh traten sie sodann die Reise an, von 
Oberst Stadell bis Zöbing und von da von einer ansehnlichen kaiserl. 
Abteilung bis Gneixendorf und Krems begleitet. Dort, wo sie im »gül- 
denen Hirschen« abstiegen, hatten sie sich eines sehr entgegenkommenden 
Empfanges seitens des Grafen Buquoy zu erfreuen, der sie sofort zum 
Nachtmahl lud. 3 ) 

Bei Bncuioy Dieser war, nachdem er die im November vor Melk gezogenen 

in Krems. Oberösterreicher zur Heimkehr genötigt hatte, am 10. Februar mit 
8000 Mann bei Krems über die Donau gegangen und hatte am darauf- 
folgenden Tage bei Langenlois die Böhmen so entscheidend geschlagen, 



') St. A. Österreich. 10b. 

2 ) L. A. Rel. E. B. 

3 ) St. A. Ost. io b . — Hans Ludwig Khuefstainers Diarium v. 18. Febr. bis 
17. Juni 1620. — Ad. Wolf, 1. c. 269 — 287. — Gindely, III, 187—210. 



121 

daß sich ihr Oberbefehlshaber von Fels nur mit knapper Mühe nach 
Hörn retten konnte. 1 ) In seinem Berichte über diese Affaire klagt 
Buquoy, es sei nicht alles geschehen, was er gewollt, doch habe er 
dem Feinde 1200 Mann niedergehaut, 6 Fahnen und 2 Cornet erbeutet, 
sowie 2 Stuck, von denen jedes eine Kugel von 10 Pfd. schießen kann. 
Die Wallonen zu Stein haben allein über 100 Gefangene gemacht. Von 
einer Teilnahme der Österreicher, die nach Gindely damals schon mit 
den Böhmen vereinigt gewesen sein sollen, ist darin nichts erwähnt. 2 ) 

Buquoy zögerte jedoch, seinen Sieg auszunützen und blieb vor- 
läufig in Krems, wo er die Gesandten gerade empfangen konnte. Er war 
sehr erfreut, zu hören, daß Khuefstein der spanischen Sprache mächtig 
sei, er zog ihn in ein Fenster und frug ihn, was er wohl glaube, daß aus 
der Sache werden solle, und als er zur Antwort erhielt: »Hoffentlich ein 
gutes Ende«, erwiderte er: »Ich aber nicht, denn der Kaiser wird den 
Herren zwar alles konfirmieren was ihre Landes- und Religionsfreiheiten 
sein. Aber wenn man ein Wort von der Konföderation sagen würd, so 
würde sich das ganze Werk zerstoßen.« Khuefstein antwortete, daß die 
Konföderation dem Landesfürsten nicht weniger als den Ländern zum 
besten gemeint sei und zu einer Zeit errichtet wurde, als vielleicht niemand 
noch auf die Wahl eines anderen Königs in Böhmen gedacht habe. 
S. Maj. werde sich bei besserer Erläuterung überzeugen, daß sie nicht 
gegen ihn gerichtet sei. Buquoy, der meinte die Waffen seien das 
einzige Mittel, möge bedenken »wie viel Unschuldige hierunter leiden, 
und sonderlich in diesem elenden Österreich, darinnen doch gewiß der 
meiste Teil des Adels dem Haus Österreich mit aller schuldigen Treue 
beigetan ist, wenn sie allein die Freiheiten etc. konfirmiert haben « . Nach 
der Tafel hatte der Gesandte wieder Anlaß der Überzeugung Ausdruck 
zu leihen daß S. Maj. mit der Konföderation wohl zufrieden sein könnte 
und verspüren werde daß das Haus Österreich noch viele treue Vasallen 
in diesen Landen habe, wie er es für sich, seine Brüder, die Mitgesandten 
und viele andere versprechen wolle, doch allerwegen die Landesfreiheiten 
vorbehalten. Hierauf sagte Buquoy: »Ich glaube es von dem Herrn und 
seinen Brüdern, sie erweisen es aber auch im Werk. Antwort: »Ja, gewiß- 
lich, tun S. Maj. was Sie billig sollen, so haben sie an uns solche treue 
Vasallen die wir unser Vermögen und Blut in Dero billigen Diensten 
nicht sparen werden.« Beim Abschied begleitete ihn Buquoy bis zu der 
Stiege und sagte ihm, er möge seine ehrliche Erklärung nicht vergessen, 
er wolle ihn daran ermahnen, worauf dieser versicherte: »Ja, Ew. Exz., 
tuns sicher, Sie werden nie keine andere Intention bei mir verspüren.« 

Weil Buquoy angedeutet hatte, er wolle gegen Hörn ziehen, 
ließen die Gesandten ihm durch Max Liechtenstein davon abraten, 
da sie sonst nichts Nützliches verhandeln könnten. Der Zug wurde auch 
vorläufig aufgegeben. 

Noch als sie anderen Tages die Schiffe bestiegen, um auf der Donau 
hinabzufahren, sandte Buquoy seinen Ober-Proviantmeister Heinrich 



1 ) Ldsk. 188g, p. 171 ff. — Frieß, Einfall der Oberösterreicher i. J. 1619. — Gin- 
dely, III, 89. 

2 ) St. A. Bericht Buquoys v. 12. Febr. 1620. 



122 

Christof Thanrädl, Bruder des Andre 1 ), um Khuefstein zu bitten, 
sich noch einmal zu ihm zu bemühen. Dieser empfing ihn mit Entschuldi- 
gung für das Bemühen. Er wolle ihn aus besonderem Vertraueu warnen, 
sie möchten sich nicht einbilden daß S. Maj. die Konföderation annehmen 
würde. Als er erfuhr daß H. Ludwig auch Wälisch reden konnte, war 
es ihm angenehm auch Liechtenstein ins Gespräch ziehen zu können. 
Dieselben Argumente wurden wiederholt. AlsBuquoy meinte, wenn der 
Landesfürst seinen Untertanen trauen solle, warum nicht diese ihm, ohne 
eine solche schädliche Assekuration, antwortete H. Ludwig, »Ihm könnte 
man vielleicht trauen, aber denen Räten nicht allezeit. Nam vestigia 
terrent. Nachdem wir mit K. Mathias uns aufs beste verglichen zu haben 
vermeint, kaum acht Tage verstrichen, man uns von neuem viel große 
Unbilligkeiten angetan. Dahero wollten wir gern diesmals eine solche 
Vereinigung stabilieren, die nicht so liederlich möchte gebrochen werden. 
Zu dem wir kein ander Mittel sehen als die Konföderation. Denn dadurch 
wird der Herr mit denen Untertanen und die Länder untereinander fein 
reciproce verbunden, daß aller Unbilligkeit gleichsam der Paß gesperrt, 
entgegen gutes Vertrauen bestätiget wird. Nicht wider den Kaiser, aber 
wohl in billigen Sachen zu der Länder Konservierung. Und ich hoffe, 
es könnte das Böhaimbische Wesen noch wohl ohne Waffen beigelegt 
werden, wenn man rechte Mittel brauchen würde. Denn ich schwöre bei 
meinem Gewissen, daß ich gänzlich glaube, auch fast meinen Kopf zu 
Pfand setzen wollte, daß wenn Ihr. Maj. diese Böhaimbsche Differenz 
dem Rom. Reich umb Dero Sentenz aufgäben, selbige für Ihr. Maj. er- 
gehen würde.« Hierauf lachten beide Herren und sagte Gf. Buquoy 
spanisch: »Mein lieber Senor Baron, wenn der Herr in seiner Religion 
kein besseres Gewissen hätte, als in dem, das er jetzund gesagt, würde 
er nicht so stark auf die Freiheit der Gewissen dringen. Denn lieber der 
Herr sage mir, wenn ihm einer diesen seinen Mantel nähme und begehrte 
nachmals, der Herr solle einen anderen urteilen lassen wem er bleiben 
solle, wollte es der Herr tun?« Antwort: »Herr, ehe ich mich selbst in 
Gefahr mehreren Schadens oder andere Unschuldige neben mir stürzen 
täte, wollte ich lieber eines unparteiischen Richters Urteil leiden. Also 
auch Ihr. Maj. sollten ja lieber wollen dies gütige Mittel versuchen, als 
so viel Christenblut vergießen lassen, könnten doch nachmals die Waffen 
gleichwohl ergriffen werden.« Nachdem Buquoy erwiderte, S. Maj. seien 
daran nicht schuldig, sondern jene die Ihr das Ihrige nehmen wollten, 
bat ihn Khuefstein um möglichste Verschonung des armen unschuldigen 
gemeinen Mannes und nahm seinen Abschied, um seine Kollegen auf dem 
Schiffe nicht länger warten zu lassen. Heinr. Chr. Thanrädl, welcher 
ihn bis zum Stadttor begleitete, wiederholte ihm eine Äußerung Buquoys, 
»er merke wohl, die Lutherischen Stände haben solche Gesandte nach 
Wien verordnet, die sich nicht werden fangen oder betrügen lassen«. 
Damit hat er die Situation sehr richtig gekennzeichnet. 

Starken Sturmes wegen mußten die Reisenden in Klosterneuburg 
ans Land gehen, wo sie im Stift gastliche Aufnahme fanden. 
In Wien. Anderen Tages in Wien angelangt setzten sie sich sofort mit 

ihren Religionsverwandten in Verbindung. Am 24. wurde das Anbringen 
an den Kaiser und Schreiben an die Horner sowie die Oberennser 
ausgefertigt. Am 28. erhielt H. Ludwig ein vertrauliches Schreiben in 



*■) Nicht dieser selbst, wie Gindely, III, 190 sagt. 



123 



Ziffern von seinem ältesten Bruder Hans Jacob, Mitglied des Kollegiums 
in Hörn, und am 3. März kamen noch andere Schreiben aus Hörn, 
»derentwegen sie stracks aus der Kirchen in Hernais«, wo sie die 
erste Passionspredigt hörten, zu Hn. v. Traun eilten, um Rat zu halten 
und eine Gesamtaudienz zu begehren. 

Diese Audienz wurde ihnen am nächsten Tage nachmittags erteilt. Audienz 
Zweck derselben war die Entschuldigung, daß sie wegen Abwesenheit vom 4. März, 
der Oberösterreicher noch nichts in der Hauptsache hatten anbringen 
können, dann Lamentation der so übel traktierten Landesmitglieder und 
daß 200 Personen aus Furcht vor dem Kriegsvolk in eine Au geflohen 
und dort erfroren wären, endlich Protest gegen das Verbot der Ausfuhr 
von Gold aus der Stadt. Der Kaiser, welcher allen die Hand bot, ver- 
langte eine schriftliche Darlegung der vorgebrachten Beschwerden und 
entließ sie gnädigst. Dann begleiteten sie ihn zur Vesper. 

Khuefstein und Nütz konnten nun, dem offenbar an sie er- 
gangenen Rufe folgend, sich nach Hörn begeben, auch von den Wiener 
Evangelischen mit Instruktion und anderen Behelfen versehen. Von 
beiden Seiten scheint ein Ideenaustausch um so eiliger gewünscht worden 
zu sein, als der Kaiser immer entschiedener zur Huldigung drängte. 
Auf seinen Befehl v. 26. hatten die Verordneten die »gehuldigten« 
Stände auf Sonntag den 8. März zur Beratung über den Huldigungs- 
termin geladen, der dann auf den 8. April festgesetzt wurde. Unter den 
Punkten, welche die Gesandten den Retzern vorzulegen hatten, spielte 
diese Frage jedenfalls eine Hauptrolle. ') 

Die Gesandten hatten diesmal Schwierigkeiten mit dem Konvoi. Zurück 
Sie erhielten nur eine geringe Bedeckung kaiserlicherseits von zehn nach Hörn. 
Reitern, die sie über Tulln am 6. nach Krems brachten, wo sie ver- 
gebens auf eine weitere Begleitung fahndeten, da Buquoy, der tags- 
vorher (also am 5.) mit der ganzen Armada aufgebrochen war, ihnen, 
als er endlich am 8. zu erreichen war, sagen ließ, »ihre ganze Trakta- 
tion sei nur Spiegelfechterei, er rücke morgen (also den 9.) vor Hörn«. 
Es blieb also nichts übrig, als den Wiener Konvoi zu vermögen, sie 
noch weiter zu eskortieren. Trotzdem wurde ein Lakai unterwegs (beim 
Tettenhengst) von kaiserl. Polacken ausgeraubt, sie kamen aber schließ- 
lich ohne weiteren Unfall bis nach Hoin mit der kais. Eskorte, da sie 
auch von Hofkirchen keine Antwort erhalten hatten. 2 ) 

Gleich anderen Tages wurden sie im Rat empfangen, wo Khuef- 
stein die Punkte der Instruktion vorbrachte, worauf der Vorsitzende 
Friedeshaimb bemerkte, daß weil der Punkte viele und darunter sehr 
wichtige seien, sie selbige in reife Beratschlagung ziehen müßten. Was 
aber ein mitgegebenes Schreiben an den General von Hofkirchen 
betraf, so wünschten die Deputierten, daß dasjenige, was die Gesandten 
mit dem General zu traktieren hätten, ihnen selbst kommuniziert werde, 
worauf er sie sofort damit beruhigte, daß es sich nur um den ge- 
fangenen Hauptmann Schmidt handle. 

Hierauf ging er nach Hause und fuhr nach Puechberg, wo er des i n 

bösen Weges halber erst gegen Mitternacht ankam, um seine Frau aus der Puechberg. 
unsicheren Nachbarschaft der Polacken und anderen kaiserlichen Volkes, 
welches im Lager vor Meyßau lag, in Sicherheit zu bringen. Weil 
einige bereits über den Kamp gesetzt, mußte er stündlich auf einen 



r ) Relation Khuefsteins v. 19. März an die Wiener Evangelischen. Beilage z. Diarium. 
-) LA. Rel. E. B. — Ad. Wolf, I, 276. — Gindely, III, 191. 



124 

Angriff gefaßt sein. Sie brachen also am n. abends mit einem von 
Hörn gesendeten Konvoi von zehn Pferden auf. Aber bei dem Walde 
in Scherbach, eine Stunde hinter Gars, stießen sie schon auf kaiser- 
liche Schildwachen und kehrten in den Markt zurück, wo sie die ganze 
Nacht mit einigen aus dem Schlosse herabgeschickten Musketieren in 
Sorge des Angriffes bleiben mußten. »Weil aber in derselben Nacht 
(also v. ii. auf den 12) das kaiserische Volk von Meyßau und Um- 
gegend etwas eilends zurückgewichen war«, konnten sie auf den frei- 
gewordenen Straßen des Reviers glücklich nach Hörn gelangen. Bei 
seinem Bruder, dem Obersten Proviantmeister, traf er auch Andre 
Thanrädl, mit dem er über »diese schwebenden schweren Sachen viel 
geredet, aber unsere Intent und opiniones ganz different befunden«. 1 ) 

Buquoy, der am 5. mit der ganzen Armada von Krems aus- 
gezogen war, hatte sich zunächst gegen Meyßau gewendet, auf einem 
Berge zwischen dort und Burgschleinitz postiert und dessen Kirch- 
hof eingenommen, wurde aber von Anhalt zum Rückzug nach Krems 
gezwungen. 2 ) Diese Affäre dürfte es gewesen sein, bei welcher Hans 
Lorenz Khuefsteiner, als Führer einer ständischen Reiterabteilung 
von Hörn ausbrechend, den Buquoyschen Kosaken empfindliche 
Schlappen beibrachte, für welche diese am 20. durch einen Raubzug 
nach seinem Markte Spitz, den sie einäscherten, schwere Rache 
nahmen. 3 ) 

Anhalt nützte seinen Erfolg nicht aus, sondern beschränkte sich 
darauf, Retz einzunehmen (20. März) und mußte wegen Anschwel- 
lung des Kamps den geplanten Überfall auf das in Schiltern bei 
Langenlois liegende Waldstein sehe Kavallerieregiment aufgeben. 4 ) 
Die Kaiserlichen hatten auch spanischen Sukkurs erhalten. Am 9. März 
zeigten die kathol. Verordneten an, daß ihr ständischer Landoberst das 
Generalat über die ungarisch-spanischen Völker übernommen habe. 5 ) 
In Hörn. Am 13. wurden die Gesandten wieder in den Rat beschieden. Da 

Nütz nach Hause fuhr wurde Khuefstein gebeten allein zu kommen, 
um das Antwortschreiben an die Wiener Mitgesandten zu übernehmen. 
Er bedankte sich für die schleunige Abfertigung und bat um Fortsetzung 
der bisher gepflogenen guten Korrespondenz. Nicht ohne Grund setzte 
er hinzu, die HHn. Deputierten möchten alles, was wohlmeinend an sie 
angebracht würde, im besten aufnehmen und »unsere actiones nicht aus 
anderen unvollkommenen Berichten sinistre interpretiren, sondern viel- 
mehr versichern, daß solche zu keinem anderen scopo gerichtet, denn 
zu Conservirung und Wiedererhebung unseres leider fast verderbten 
Vaterlandes, dessen Religions- und Profanfreiheiten etc.«. Hierauf repli- 
zierte Frideshaimb, »daß man sich gewiß nichts anderes zu ihnen als 
treuen Religionsmitgliedern denn aller guten Intentionen versehe, außer 
was hinc et in de in Discursen, darinnen zuweilen Einer den Andern nicht 
recht verstünde, fürliefe, wie entgegen sie nichts anders als die Ehre 
Gottes, seines Wortes Beförderung und des Landes Wohlfahrt suchten 
und begehrten«. 



') Diarium. 

2 ) StA. Handschr. 108. V 3 , Fol. 14. — Hurter, VIII, 412. 

3 ) Gedenkb. d. Pfarre Spitz. Gmisch-Gmasch von P. Augustin Fischer. 1737. 
Weiteres darüber sub cap. Hans Lorenz und Burgschleinitz im Kap. Hans Jakob. 

4 ) Gindely, III, 101 u. 103. 

5 ) LA. Rel. E. B. 



125 

Mit dieser tröstlichen Versicherung verabschiedete sich Khuefstein 
wohl wissend, daß seine versöhnliche, vermittelnde Haltung den Hitz- 
köpfen unter den Hörnern nicht ganz konvenierte. 

Daß sich im Kollegium der Deputierten verschiedene Strömungen 
kreuzten, war gleich aus der ihm auf sein Verlangen zur Disposition 
gestellten Abschrift des geschlossen ihm übergebenen Antwortschreibens 
zu entnehmen, in welcher er die — offenbar erbetene — Mitteilung der 
Prager Relation vermißte, die unter dem Vorgeben abgeschlagen 
wurde, daß sie noch uneröffnet sei, während er doch schon erfahren 
hatte, daß eine Abschrift an die Oberennser abgegangen und auch 
die ungarische Relation kürzlich kommuniziert worden war. Er ließ dies 
dem Frideshaimb andeuten, welcher durch Nöltl ihn bat, nicht viel 
daraus zu machen, denn es sei beschlossen worden, beide Relationen 
nicht zu versenden, bevor sie von den Ständen abgelesen worden wären. 
Die Oberennser aber seien selbst schon dabei gewesen, also kein 
Grund vorhanden, zurückzuhalten. Nachdem aber Mertt von Starhem- 
berg, welcher mit Abschrift des den Gesandten erteilten Schreibens 
nach Eggenburg zum Böhmischen General gesendet worden war, zurück 
kam 1 ), wurde dieses wieder zurückverlangt, was Hans Ludwig zuerst 
verweigerte, weil es ihm »etwas fremd vorkam«, ein offiziell übergebenes 
Schreiben durch einen Diener zurückverlangen zu lassen. Erst über noch- 
malige Sollizitierung von Frideshaimb und Starhemberg, die nur 
»noch etwas nachsehen« wollten, gab er es heraus mit dem Bemerken, 
er und Nütz würden jetzt nicht mehr darum sollizitieren, sondern ab- 
reisen sobald die Antwort Buquoys in betreff des Konvois ankäme. 

Den nächsten Morgen, den 15., erhielten sie durch Nöltl ein ge- 
ändertes Schreiben und nach dem Mittagmahl, welches sie bei dem 
General von Hofkirchen mit dem bei den Böhmen militierenden 
Herzog Franz Carl von Sachsen einnahmen, traten sie die Rückreise 
nach Wien an. 

Khuefstein ließ sich überhaupt durch die Horner Strömungen, so Bei General 
weit sie seinen Ideen nicht entsprachen, nicht irre machen. Er ging ruhig v. Hofkirchen, 
seines Weges weiter und kümmerte sich auch wenig um den ihm aus- 
gesprochenen Wunsch 2 ) in betreff des Verkehres mit dem General von 
Hofkirchen. Im Gegenteil begab er sich stracks aus der Sitzung der 
Deputierten zu diesem, mit dem er »viel frei und offen discurirte, för- 
derist die mit unserer Armada der Böhmischen geschehene Assistenz 
bffd., ob selbige nicht der zwischen Ihr. Maj. und uns vorstehenden 
Tractation etwas Verhinderung bringen möchte u. dgl. Darauf mir in 
der Substanz diese Erläuterung gethan, daß er, wiewohl ungern, nicht 
weniger habe thun können, weil des Gf. Buquoy Zug nach Hörn 
gangen und ihm nicht thunlich sein wollen, in diesem schlechten Ort 
seiner zu erwarten, sondern vielmehr gebühren, dem früh auf der Weit 
zu begegnen, inmaßen er gethan und daselbst die Böhaimbische Ar- 
mada gefunden, neben deren er der Gewalt fürzubeugen billig erachten 
müssen etc. Ich habe zwar darauf meine Meinung gesagt, er ist aber 
bei der seinigen verblieben«. 

Doch empfand dieser schwer die Mißbilligung. Denn er beschwerte 
sich bei Hans Lorenz, daß dessen Bruder öffentlich vorgebe, er würde 



1 ) Diese Bemerkung aus dem Berichte Khuefsteins an die Wiener Gesandten ist 
in seinem Diarium nicht enthalten. 

•) Nicht Verbot, wie Gindely, III, 192 sagt. 



126 

es nicht verantworten können, weil er keinen Befehl dazu gehabt. 
Allerdings habe er die Stände nicht befragen können, weil sie nicht 
zur Stelle waren, aber die Deputierten hätten wohl darum gewußt. Er 
bittet also, mit dem Urteil zurückzuhalten, bis er sich mündlich mit 
gutem Fundament verantworten könne. 1 ) Offenbar wußte der Schreiber 
damals noch nichts von der obigen Konversation vom 13. 

Nicht genug an dem wurde auch noch am 20. in besonders for- 
meller Ausfertigung ein Schreiben seitens der Deputierten an den Khuef- 
steiner gerichtet. 2 ) Sie haben vom »G al v. Hofkirchen (mit allen seinen 
Titeln) mit Befremden vernommen, daß der Herr in seinem nächsten 
Allhiersein sich hab vernehmen lassen, daß der General wider der Stände 
und Deputierten Wissen und Willen auf den vom Conte Buquoy negst 
beschehenen feindlichen An- und Überzug unser Volk zu der BÖhaimb. 
und Mährischen Armada gestoßen haben soll«. Weil dgl. Reden großen 
Import haben etc., könne dem General nicht verargt werden Empfind- 
lichkeit zu haben. Obwohl sie nun nicht nötig haben sich zu purgieren, 
erinnern sie daran, daß die von K. Mathias verwilligte Konföderation 
durch einen allgemeinen Schluß renoviert wurde, sonderlich als Buquoy 
im V. O. W. W. eingebrochen etc., und unter den Konföderierten be- 
sonders am 12. u. 20. Januar u. 12. Febr. erklärt wurde, sich beizustehen. 
Obwohl der General nicht dazu verpflichtet gewesen wäre, hat er als- 
bald nachdem ihm der Anzug* Buquoy s in der Nacht avisiert wurde, 
den Präsidenten des Kollegs verständigt. Nicht er, sondern Buquoy 
habe die Feindseligkeiten begonnen, indem er das Schloß Meißau be- 
rannte. Niemand könne ihnen verargen, mit Hilfe ihrer Konföderierten 
zur Notwehr zu greifen. Er möge also als ein eifriges und getreues 
Landesmitglied solche weit aussehende Reden unterlassen und der De- 
putierten Handlungen nicht kritisieren. 3 ) 

Pikant ist es, daß unter den zehn aufgedrückten Wappen dieses Er- 
lasses sich auch jenes des Hans Jacob von Khueffstein, Bruders des 
Getadelten, befindet. 
In Wien. Die Rückreise Khuefsteins nach Wien ging diesmal etwas 

glatter vonstatten. Bis Zöbing geleitete ihn eine Abteilung Reiter seines 
Bruders und weiter fuhren die Gesandten ohne Begleitung, da die von 
Buquoy gesendete Eskorte den unteren Weg am Kamp anstatt des 
oberen genommen hatte. In Loys hatte der General sie »in zwei feine 
Häuser« einquartiert und Wein gesendet, nachdem er sie bis 10 Uhr 
vergebens zum Nachtmahl erwartet hatte. Anderen Tages, den 16. März, 
wurde bei Buquoy vor und nach der Tafel viel geredet, wobei Hans 
Ludwig seine Meinung für die Stände treulich verfocht. Der General 
war sehr zuvorkommend und als er vernahm, »daß unsere Frauen mit 
dem Essen übel accommodirt«, ließ er alle stattlichen Speisen hinüber- 
tragen, im Überflusse, mit süßen und anderen Weinen. Dann begleitete 

1 ) Schreiben des Hans Lorenz Khuefstainer v. 17. März aus Hörn. Archiv 
Greillenstein. 

2 ) Schreiben der Deputierten. Beilage zum Diarium im St.A. 

3 ) Diarium. Am 21. Febr. sprach Buquoy von seinem Zuge gegen Hörn. Erst am 
5. März aber zog er von Krems ab, belagerte Meyßau am 7. und wurde am 11. zum 
Rückzuge genötigt. Die Vereinigung Hofkirchens mit den Böhmen würde danach erst An- 
fang März stattgehabt haben, da sie im Diarium als ein novum erscheint, während Gin- 
dely, III, 79 u. 82, u. Huber, V, 163 schon vom Januar sprechen. Im Berichte Buquoys 
v. 20. Febr. 1620 über seinen Sieg bei Langenlois wird kein Wort über Hofkirchen u. d. 
Österreicher gesagt. 



127 

er sie selbst bis Gneixendorf zu Pferde mit Liechtenstein, Tieffen- 
bach und anderen und conversirte mit den Damen durch Khuefsteins 
Verdolmetschung-. Von Krems aus fuhren sie am 17. wieder auf der 
Donau hinunter, mußten aber abermals vor den Toren Wiens über- 
nachten, da diese bereits gesperrt waren. Gleich am nächsten Tage 
wurde bei Traun Rat gehalten, wobei H. Ludwig über seine Mission 
referierte, und beschlossen wurde, um eine Audienz bei S. Maj. nachzu- 
suchen, die ihnen auch für den 20. gewährt ward. Unter Überreichung 
eines Memorials erbat Traun »mit guter Ausführung« neuerlich die 
Induzien, den allgemeinen Waffenstillstand für beide Österreich mit 
Ungarn und Böhmen bis auf Michaeli und Fortführung der fremden 
Kriegsvölker. Der Kaiser antwortete bald darauf mit neuerlicher Auf- 
forderung, zur Huldigung am 8. April zu erscheinen. 1 ) 

Die Situation war schon etwas geändert. Es hatten sich die 
sogen, gehuldigten Stände in ziemlicher Anzahl in Wien eingefunden 
und am 11. zur Huldigung an Ferdinand bereit erklärt, jedoch gleich- 
falls nur gegen Bestätigung der Privilegien und mit dem Ansuchen nicht 
nur eines Friedensschlusses und der Entfernung sowohl des Feindes als 
des kais. Kriegsvolkes, sondern auch der Heranziehung der Evangeli- 
schen. Hierauf versprach ein kais. Dekret v. 12. März, daß die Privi- 
legien bestätigt und die Originalzession des Erzherzogs Albrecht mit- 
geteilt, sowie daß die Stände altem Gebrauch gemäß einzeln zur Huldi- 
gung geladen werden würden, sie mögen selbst den Tag dazu bestim- 
men. Übrigens habe der General den Auftrag zur völligen Austreibung 
des Feindes. Nun zeigten die Stände am 17. an, daß sie den Land- 
marschall und die Verordneten zur Anhörung der Zession nach Hof be- 
stimmt hätten und in etwa 14 Tagen sollten die Katholischen und Evan- 
gelischen eingeladen werden. Am 19. beauftragten sie die Verordneten, 
die Frage der Abdankung des Kriegsvolkes bis nach der Huldigung zu 
verschieben, dem Landesobristen v. Hofkirchen und anderen, die sich 
in Evangelische Dienste begeben, die Besoldung einzustellen und in Zu- 
kunft alles auf die Stände im allgemeinen, ohne die Bezeichnung- »ge- 
huldigt« auszufertigen. Das Präsidium, welches jetzt an den Evangeli- 
schen wäre, möge, wenn diese nicht erscheinen, dem H s - Christoph 
v. Urschenbeck übergeben werden. 2 ) 

Am 22. gab Gundaker v. Polhaimb den Gesandten ein großes 
Bankett und am 24. kamen endlich die Oberennser Gesandten an, der 
Prälat von Wilhering, Erasm. v. Starhemberg, Simon Engel und 
Puechner. 3 ) Allein Herberstein und Leysser, die zu ihrem Emp- 
fange abgeordnet wurden, kamen enttäuscht zurück. Nur Starhemberg 
hatte sich finden lassen und geäußert, sie kämen nur zu S. Maj. ad 
audiendum verbum. Dies bestürzte die Niederösterreicher um so mehr, 
als diese gerade nur auf sie gewartet hatten, um die Hauptsache beim 
Kaiser gemeinsam vorzubringen. Als Jene auf entsprechende Ein- 
ladung erschienen, ging es etwas scharf her, so daß sie sich durch der 



') Diarium. Ein mit dem von Khuefstein am 20. überreichten Memorial inhalt- 
lich ganz gleichlautendes (vielleicht v. d. Wiener Evangelischen) wird von Khevenh., 
IX, 1036, u. nach ihm von Raupach, Forts., III, 407, auf den 23. datiert, sowie von 
Hurter, VIII, 414, der sich auf d. St.-A. bezieht, wo aber nichts darüber zu finden ist. 
Die Antwort des Kaisers wird auf d. 24. angegeben. 

2 ) LA. Ldtgsprot. u. Rel. E. B. 

3 ) Diarium. 



128 

Hn. v. Traun und Leysser hitzige Reden gekränkt zurückzogen und 
sich zur Audienz begaben. Dem Hans Ludwig ward nun in Gemein- 
schaft mit Pernerstorffer die delikate Aufgabe zuteil, sie wieder zu 
versöhnen und zu dem für beide Teile so notwendigen gemeinsamen 
Vorgehen zurückzuführen. Es gelang ihm auch wirklich das Mißver- 
ständnis zu beheben und die gute Freundschaft wiederherzustellen. Man 
teilte sich die Instruktionen und anderen Dokumente mit und sicherte 
sich gemeinsames Vorgehen zu. 

Am 27. notiert H s - Ludwig den Empfang des kaiserl. Ausschreibens 
zur Huldigung am 8. April zu erscheinen. 1 ) 

Durch das geringe Entgegenkommen etwas verstimmt, nahm er 
sich kein Blatt vor den Mund, als er zwei Tage darauf bei Hofe, 
wohin er sich öfters begab, mit Erasm. v. Starhemberg, Carl 
v. Liechtenstein und dem Hofkammer- Präsidenten Seyfried 
v. Preuner zusammentraf und mit ihnen von dem Böhaimbischen und 
österreichischen Unwesen bis 7 Uhr in der Nacht konversierte. Letzterem 
erklärte er offen, »man solle bei Hof keine Gedanken schöpfen, daß auf 
die beschehene Ausschreibung die Stände diesmal herabkommen könnten, 
denn neben der so kurzen Zeit wäre ihnen nur sicheres Geleit zum Herab- 
reisen bewilligt, nicht aber hier und für ihre Schlösser etc. Dahero er- 
folgen würde, daß wenn man nicht mit uns gesondert tractiren wollte, 
das ganze Werk sich zerstoßen und nachmal nicht mehr so bald in einen 
Stand der gütigen Handlung zu richten sein, sondern besorglich alles 
übers und über gehen. Entgegen da man die Induzien verwilligte, würde 
die Sache zu Ihr. Maj. und dieses traurigen Landes Ruhe ausschlagen«. 
Auf die Frage, wohin S. Maj. denn Dero Volk inzwischen führen sollte, 
war er um die Antwort nicht verlegen. »Auf die Steyerische Frontier 
gegen den Türken und einestheils, sonderlich die unchristlichen Polacken 
gar abdanken, hergegen wollten wir uns bemühen, daß die Böhmen ihr 
Volk nicht allein aus dem Lande führen, sondern auch abdanken.« Auch 
die Evangelischen würden dasselbe tun, wenn die Katholischen nach- 
folgen. Wenn dann die Differenz mit dem Pfalzgrafen zu dem Stande 
Rechtens gedeiht und die Sentenz ohne Zweifel zugunsten des Kaisers 
ausfällt, würde sein Zweck »mit minderen Unkosten und weniger Be- 
schwerung des Gewissens wegen so vieles unschuldigen Blutvergießen 
erlangt«. Diese letzteren Argumente ließ sich Preuner so wohl belieben, 
daß er gesagt: »Nun, das wäre ein Diskurs, der einen Weg machen 
möchte«, und sofort zu S. Maj. gegangen ist. 2 ) Also damals schon ein 
wenn auch nur schwacher Anklang an eine Internationale Arbitrage. 

Anderen Tages hatte er bei dem Mittagmahl, zu welchem ihn 
Preuner geladen, Gelegenheit diesem gegenüber seine Auffassung in 
betreff der Konföderation und der gestellten Bitten neuerdings zu ver- 
teidigen. Sodann ritt er nach Hof um Audienz zu erbitten, in welcher 
ein neues Memorial »umb Resolution, ob Sie mit uns Gesandten nichts 
zu tractiren gesonnen«, übergeben werden sollte. Dies bestätigt, daß die 
letzte Resolution (v. 24.) ihnen nicht direkt zugestellt wurde. 

Audienz Am 3 1 - früh 7 Uhr hatte er die erbetene Audienz, in welcher er 

vom 31. März, den Inhalt des Memorials mündlich entwickelte und um Sicherheit 

für sein Puechberg bat. S. Maj. antwortete, wenn die Gesandten etwas 



') Wohl jenes v. 24. Gindely, III, 195. 
-) Diarium. 



129 

zu traktieren hätten, wollten Sie sie gern vernehmen. Er habe nicht 
beabsichtigt, darin eine Veränderung eintreten zu lassen, und werde das 
abermalige Memorial lesen und so beantworten, daß sie damit zufrieden 
sein würden. Dann drückte Er sein Bedauern aus, »daß es bei Eurem 
Gut so übel gangen und man Euch noch mehr drölich (bedrohlich) sein 
solle, denn ich Euch und Eure Brüder für treu und aufrecht gehalten. 
Daß es mir aber nicht wehe thun solle, daß Ehs (Ihr) Euch mit denen 
Böhaimben so weit verhäkelt, könnt Ihr selber gedenken. Ich hätte 
gemeint, es sollten eher Berg einfallen. Aber ich versiehe mich und 
ermahne Euch, Ihr sollet noch in der gehorsamen affection gegen mir 
verharren, entgegen versichert Euch aller Gnaden von mir«. Dann ver- 
sprach er Befehl wegen seines Gutes, dessen Namen er verlangte, an 
Stadion, den Präsidenten des Hofkriegsrates, zu geben. Khuefstein 
bedankte sich, daß Dieselben seine und seiner Brüder Treue erkennen 
und versicherte, daß sie alle, so viel Gewissens halber sein kann, jeder- 
zeit gehorsam und untertänig bleiben werden. 

In den letzten Beratungen war beschlossen worden, wahrscheinlich Audienz 
angesichts des so nahe bevorstehenden Huldigungstermines und da man Tom 3. April, 
auf die Oberösterreicher, die der Kaiser nicht mit ihnen zusammen 
empfangen wollte, nicht mehr rechnen konnte, endlich die den Gesandten 
von den Hörnern mitgegebene Schrift, in welcher sie die Bedingungen 
zur Huldigung darlegten, samt dem Kredentional zu überreichen. Dies 
geschah in der Audienz v. 3. April, in welcher Traun das Wort führte 
und von S. Maj. gnädigst unter Versprechen einer Antwort angehört 
wurde. Nachher wurden sie von M egg au und Dr. Verda (dem künf- 
tigen Werdenberg) in die Antecamera gebeten, wo ihnen letzterer 
auf Befehl des Kaisers die Motive mitteilte, weshalb dieser nicht in ihre 
begehrten »Inducien« willigen konnte. Denn 1. Hätte sich S. Maj. da- 
durch in seinen Rechten auf die Krone Böhmen gegenüber der un- 
rechtmäßigen Wahl etwas zu vergeben geglaubt. 2. Sei diese Differenz 
schon vordem dem kurfürstlichen Kollegio aufgegeben worden. 3. Da 
in des Kaisers Kriegsheere auch Völker anderer Potentaten, könne man 
ohne deren Rat in keinen Stillstand eingehen. 4. Habe es mit Österreich 
eine ganz andere Meinung als mit Böhmen u. es bedarf keiner Induzien, 
wenn sich des Ersteren Stände akkommodieren, wie er hoffe. Wenn die 
Böhmen, denen der Kaiser durch Bethlen Gabor einen salvum con- 
duct gesendet, kommen, werde er sich zum besten gnädigst finden 
lassen. ') 

Diese Mitteilungen erbaten sich die Gesandten schriftlich. Gf. Meg- 
gau beteuerte, wie leid es Ihr. Maj. sei, aber der Sachen sei nicht besser 
zu helfen denn daß sie sich mit der Majestät akkommodieren und ihr 
Volk zu dem kaiserlichen stoßen lassen, dann sei der Krieg leicht aus 
dem Land gebracht. >Dieses haben wir mit Stillschweigen verantwortet«, 
schließt K h u e f s t e i n. 2 ) 



! ) Die von Gindely, III, 193 erwähnten weitergehenden desideria eines Homer 
Anonymus sind unter den Beilagen des Diariums nicht mehr zu finden. 

*) Diarium. — Khevenh., IX, 1037 u. 1038. — Raupach, Forts., III, 407 u. 408. 

Kuefslein. III. 9 



130 

Privates. Während dieser Zeit vernachlässigte Hans Ludwig - nicht alle 

seine Verbindungen zu benützen um für seine Prinzipalen, aber in einem 
versöhnlichen Sinne zu wirken, während diese sich immer weniger kon- 
ziliant zeigten. Er ging oft zu Hof und nahm teil an den dortigen 
Empfängen, wie er auch in regen Beziehungen zu der Familie Liechten- 
stein stand und bei Carl v. Liechtenstein in einer Angelegenheit 
der ihm Verwandten Frau Amaley intervenierte. 

Am 9. ließen die Wiener Evangelischen Stände die Absendung 
von zwei Delegierten ansagen, doch erschienen diese am 10. nicht. 

Khuefstein fuhr zu Hof, dem Oberstkämmerer eine Antwort auf 
das jüngste Dekret Sr. Maj. zu übergeben. Da er aber gerade ein 
Schreiben seiner Schwägerin aus Aggstein erhielt, welches um Reme- 
dierung gegen die ihrem Schlosse Zäsing zugesetzte harte Behandlung 
bat, wegen deren sie sich zu den Trauns geflüchtet hatte, beschloß er, 
die Antwort selbst dem Kaiser zu übergeben und dies, sowie eine Be- 
schwerde über die Öffnung der Gruft in Maria-Laach und das Verderben 
u. die Plünderung des Marktes Spitz, den Brand, Mord und anderes 
vorzutragen. Er wurde auch »mit Kondolenz« angehört und es ergingen 
Befehle an Stadion und Buquoy. *) Mit Maximilian von Liechten- 
stein hatte er schon auf Ersuchen Trauns verabredet, daß dessen Gattin 
mit seiner, des H. Ludwig Schwägerin und Schwester in Aggstein von 
einer Ordonnanz mit einer genügenden Anzahl von Musketieren abgeholt 
werden und (respektive von Aggsbach) auf der Donau herunterfahren 
sollten. 

Nebenbei verkaufte H. Ludwig einem Mönch aus dem Minoriten- 
kloster einen Zug Schimmel um 300 fl. 

Wenn Hans Ludwig im Namen der Evangelischen wiederholt auf 
die Gewährung der Induzien, Waffenstillstand und Hinwegführung der 
geworbenen fremden Kriegsvölker drang, so war dies, ganz abgesehen 
von der politischen Frage, durch die dem Lande zugefügten greulichen 
Verwüstungen gewiß nicht unbegründet. Vielfache Eingaben der Stände, 
auch der katholischen, gaben erschreckende Darstellungen der von den 
Polaken, Kosaken, Wallonen und Ungarn begangenen unmenschlichen 
Grausamkeiten, am lebhaftesten eine Schrift v. 23. März. 2 ) Und schon 
Hans Ludwig selbst hatte bei seiner Mission nach Nürnberg im 
Dezemb. 16 19 den Deutschen Fürsten ein bewegliches Bild der herr- 
schenden Zustände gegeben, die sich seitdem bis zur Unerträglichkeit 
steigerten. Trotz aller Beschwerden und auch Versprechungen nahmen 
die Verwüstungen immer noch zu und noch am 9. Juni 1620 verfaßte 
man eine Zusammenstellung derselben. 3 ) Darunter finden sich auch solche, 
die von Khuefstein angegeben worden waren. Trunkene Reiter hatten 
sein Dorf Rottenbach gebrandschatzt, mit der Behauptung, es wäre 
von »Buquoy mit Bewilligung des Königs angeordnet, alle Bauern und 
Ortschaften um eine gewisse Summe Geldes zu schätzen, wenn sie sich 
aber erwiderten, die Dörfer mit Feuer anzustecken« . Sie begehrten also 
1 50 Reichstaler mit gespannten Büchsen. Kurz darauf kamen andere 
von Weißenbach und verlangten 100 Taler, raubten einige Häuser aus 
und haben »Gehölz, Berg, Thal und Haid durchritten und wen sie an 
Auslauf angetroffen, um Geld geschätzt, hart geschleift und geschlagen«. 



l ) Diarium. Vide auch später sub Hans Lorenz. 
•) Raupach, Ev. Ost., p. 269 u. Beil. X. 
3 ) StA. Handschr. 108. V 2 , Fol. 127. 



131 

Von anderen Untaten auf Khuef st ein sehen Herrschaften ist ohnehin 
schon gesprochen worden. 

Man begreift, wie gefährlich die wiederholten Hin- und Herfahrten 
zwischen Wien und Hörn mitten durch die nahe aneinanderstehenden 
feindlichen Heerscharen und wie notwendig die Sicherheitseskorten 
waren. 

Wenn man bedenkt, daß das ganze Jahr hindurch bis zum Ab- 
züge Buquoys nach Böhmen (20. September) die Gegend um den Mann- 
hartsberg zum Kriegslager für drei Heere diente, kann man sich ein 
Bild davon machen, wie dieser Landesteil ausgesogen und verwüstet 
war und wie tief die dezimierte Bevölkerung durch die Unmenschlich- 
keiten der fremden Horden bedrückt war. Die flehentlichen Bitten um 
Abhilfe ermangelten also nicht einer schmerzlichen Grundlage. 

Der Landtag, zu dem endlich eine genügende Anzahl von Stände- Landtag 
mitgliedern erschienen war, dabei von den Evangelischen 79 Herren und vom 10. April. 
Ritter, konnte nun am 10. April eröffnet werden und am 11. sollten die 
Vorverhandlungen für die Huldigung beginnen. Die Wiener bemühten 
sich, die Hörn er herüberzuziehen, während diese sie zurückhalten 
wollten. 

Die Gesandten kamen schon um 5V2 Uhr früh bei Hn. v. Traun Die Wiener 
zusammen und beschlossen ins Landhaus zu den andern zu gehen, diese bei Ho *" 
vor allem über die ihnen gegebene Titulatur »Gesandte von Hörn« zur 
Rede zu stellen und sie von aller schädlichen Separation abzuhalten, 
was zu einer scharfen Auseinandersetzung führte. Die Gesandten zogen 
sich zurück mit dem Erbieten ihre vota darüber abzugeben, ob man 
mit den Katholischen zu Hof gehen solle die Zession des Erzherzogs 
Albert anzuhören, so lange man ihm nicht gehuldigt habe. Doch 
leisteten die Evangelischen der Aufforderung des Landmarschalls Folge 
und begaben sich nach Hof. Als Paul Jacob v. Starhemberg die 
Gesandten aufforderte, desgleichen zu tun, weigerten sie sich dessen, 
begaben sich aber zu Eggenberg, um sich bei Sr. Maj. entschuldigen 
zu lassen. Sobald sie aber dort eingetreten waren, kamen Job Hart- 
mann Enenckhl u. Michael Zeller im Auftrage der Stände mit der 
beweglichen Bitte, sie möchten doch zu Verhütung aller Weitläufigkeit 
diesmal ad audiendum verbum neben ihnen stehen, was auch Eggen- 
berg dringend anriet. Sie willigten unter der Bedingung ein, daß die 
anderen in den weiteren Verhandlungen sich mit ihnen als der Stände 
Gesandten benehmen würden. Als nun Starhemberg, nachdem der 
Landmarschall geendet, erklärte, daß »die Stände der Augsburger 
Confession neben den Gesandten diese Sachen in reife Deliberation 
ziehen und gegen Ihr. Maj. sich unterthänigst erklären würden, sein 
Ihr. Maj. etwas (sowol als die Räth) erstutzt« und haben sich, nachdem 
sie mit Eggenberg und dieser mit Harrach und Meggau geheim 
geredet, ohne Antwort zurückgezogen. *) 

Die Stände ihrerseits begaben sich in das Landhaus, wo beide 
Parteien gemeinsam die bei Hofe empfangenen Schriften abhörten, 
nämlich die Propositionen mit der Aufforderung zur Huldigung, den 
Verzicht des Erzhzgs. Albrecht samt einem Schreiben desselben und 
die Mahnung, ihre Differenzen zu vergleichen. 2 ) Da hierüber keine ge- 
meinschaftliche Beratung stattfinden konnte, wie Starhemberg dem 



') Diarium. 

-) Diarium. — LA. Rel. E. B. u. Ldtgshdlg. u. A. 3, 20. 

9* 



132 

Landmarschall erklärte, verlangte er Abschriften der abgelesenen Doku- 
mente und zog sich mit den Evangelischen in die Ritterstube zurück. 
Hier gingen über die Anerkennung der Mission der Gesandten »mit 
ziemlich großer Confusion und Lautschälligkeit viel Discurs fürüber«, 
bis Starhemberg ohne eigentliche Umfrage aussprach, es sei be- 
schlossen, die Absendung der Gesandten solle »in ihrem esse verbleiben, 
doch wolle man den obigen Ständen zuschreiben, sie ihres Herab- 
kommens zu ermahnen«. 
Die Wiener Diese löbliche Absicht war nicht so leicht durchzuführen, obwohl 

Evangelischen ,-jie Beratungen darüber sofort in Angriff genommen wurden. Schon 
Retzer. am nächsten Tage, dem 12., nach Anhörung der gewohnten Sonntags- 
predigt in Hernais, wurde Khuefstein von dem Frühmahl, zu welchem 
ihn Herzog Rudolf Maximilian von Sachsen mit Starhemberg, 
Losenstein, Enenkl, Solms u. a. geladen hatte, in den Rat erbeten 
und die nächsten Tage erfolgten auch Gesamtsitzungen im Landhause. 
Am 14. wurde ein kais. Dekret, welches den salvum conductum für die 
Gesandten und herabkommenden Stände bewilligte, verlesen, aber die 
darin enthaltene kurze Befristung und der Ausdruck, daß sie ihre con- 
tumaciam purgieren sollten, »sehr geahndet, improbirt und deren Unfug 
doziret«. Eine Eingabe um entsprechende Abänderung wurde beschlossen 
und wieder Hans Ludwig ausersehen, dieselbe zu überbringen, dessen 
er sich aber entschuldigte, um seine Schwägerin, Frau des Hans 
Lorenz, die mit seiner Schwester Anastasia eben glücklich von Agg- 
stein herabgekommen war, zu empfangen. 

Am 15. wurde das beschlossene Memoriale abgehört und unge- 
achtet des Sträubens der Gesandten beschlossen, sie, die ohnehin das 
Hauptwerk zu führen hätten, sollen auch dieses übergeben. Auch für 
die Mission nach Hörn waren die Freiwilligen nicht leicht zu finden. 
Nachdem Quintin v. Althan, G. A. Enenkl u. H. J. Trautmans- 
dorf sich entschuldigt hatten, wurde Fernberger vom Ritterstande 
allein damit betraut. 1 ) 

Anstatt nach Hörn mußte dieser sich nach Retz begeben. Denn 
mittlerweile war auf dem Kriegsschauplatze eine nicht unwesentliche 
Änderung eingetreten, infolge deren sich die Evangelischen, die sich in 
Hörn wegen des Anrückens Buquoys nicht mehr sicher fühlten, nach 
Retz zurückgezogen hatten. Der General war wieder auf den blut- 
getränkten Kampfplatz vorgerückt und es gelang ihm, die Böhmen in 
einen Hinterhalt zu locken und ihnen in Sitzendorf bei Meyßau eine 
empfindliche Niederlage beizubringen (13. April). Ihr Feldmarschall von 
Fels fiel mit einer ganzen Reihe Böhmischer Adeliger. Buquoy nahm 
noch die Rosenburg ein, wo große Beute gemacht wurde 2 ), und nicht 
lange nachher überfiel Dampierre dasinGars liegende Mansfeldsche 
Reiterregiment der Niederösterreicher, wonach der Markt in Brand ge- 
steckt wurde. 3 ) 

Wenn auch Buquoy sich aus seiner zuwartenden Haltung durch 
diese Erfolge nicht herausbringen ließ, so trugen sie doch mächtig 
bei, das Machtbewußtsein des Kaisers zu heben und ihn zur Nachgiebig- 
keit weniger geneigt zu machen, das Vertrauen der Evangelischen aber, 
denen die Böhmische Armee keine Sicherheit mehr bot, zu erschüttern. 



1 ) Diaiium. 

2 ) Gindely, III, 105. 

3 ) Gindely, III, 119. Laut Diariuni am 2. Mai. 



133 

Es war gerade Osterzeit, in welcher Hans Ludwig - und seine 
Kollegen fleißig- zur Kirche nach Hernais pilgerten. Am 17., Kar- 
freitag, hörte er früh die Predigt, des Nachmittags aber fuhr er mit 
Scherffenberg gen Hof, hörte dort eine Wällische Predigt, begleitete 
Se. Maj. in die Vesper zu den Augustinern und hielt dann seine ge- 
wöhnliche Fasten. >Zur Nacht sein Ihr. Maj. selbst mit den Flagellanten 
und einem brennenden Windlicht in der Hand gegangen und haben am 
18. gar früh um 5 Uhr die Gräber zu Fuß besucht.« 

Da vor der Rückkehr Fernbergers, der erst am 21. nach Retz 
gelangte, nichts wesentliches zu erwarten war, benützte Khuefstein, 
welcher am dritten Ostertage im Landhause den beiden Ständen vor dem 
Beginne der Verhandlungen die Predigt aus der Postille des Arndt 1 ) 
vorgelesen hatte, die Tage der Ruhe zu einem Besuche seines Schwagers 
Baltasar Thanrädl 2 ) in der Neustadt, des Hn. v. Khuenburg in 
Kottingbrunn und des Herrn Lienhardt von Herberstein in Baden, 
wo er »ein paar Stunden« badete, nachdem er die Predigt in Feslau 
gehört. 

Nach seiner Rückkehr nach Wien hat er am 27. »bei Hof auf- Bei Hof. 
gewartet und die nächsten Tage an den Beratungen über eine neue 
Eingabe, in welcher dem Kaiser etliche Friedensmittel an die Hand 
gegeben werden sollten«, mitgewirkt. 3 ) Der Entwurf wurde am 30. April 
in Verhinderung Trauns (der sich hatte zur Ader lassen) von 
P. J. v. Starhemberg den hiefür zusammenberufenen »Evangelischen 
im Landhause vorgelegt und von Allen gelobt und approbirt«. Während 
dieser Handlung ließ der Land-Untermarschall im Namen der Katholi- 
schen sie einladen, in die Herrenstube zu kommen, um ein an die ge- 
samten Stände gerichtetes kais. Dekret mit diesen gemeinsam anzu- 
hören. Sie ließen aber um. etwas Verzug bitten, da sie selbst gerade mit 
einer Eingabe an Se. Maj. beschäftigt seien, worauf die Katholischen 
ihnen sagen ließen, sie hätten zwar gedacht, die Abhörung des kais. 
Dekretes sollte allen anderen Privatsachen vorgehen, doch wollten sie 
es auf nächsten Samstag nach Philippi u. Jacob i vertagen, was die 
Evangelischen gern akzeptierten. Am 5. Mai berieten sie auch wirklich 
über die Beantwortung. 

Hans Ludwig hatte am 27. zum Mittagmahl die Oberösterreich. 
Gesandten Erasm. Starhemberg und Engell, dann P. Jacob und Hans 
Ulrich Starhemberg, Gundaker Polhaimb, Bernh. Puechaimb, 
Emerich Khainach, Andre Morakschy, Christoph Leysser, Geb- 
hard Wilh. Weltzer, Christ. Wilh. Pernstorffer und Ferd. Nütz 
empfangen. Dann suchte er vergebens Buquoy wegen der Ver- 
wüstungen zu sprechen, mußte aber seine Hoffnungen wegen Erhaltung 
seines Puechberg nahezu aufgeben, da er erfuhr, daß Dampierre 
die Ständischen (die Mansfeldischen) bei Garsch geschlagen und 
diesen Markt angezündet hatte. 

Mittlerweile war den in Wien anwesenden Evangelischen, welche 
vom Kaiser als die eigentlichen Vertreter der Evangelischen Stände 

1 ) Man erinnert sich, daß dem Hans Georg Khuefsteiner, Vater des Hs. Lud- 
wig der berühmte Flacianer Christophorus Irenäus, seine i. J. 1585 verfaßte Postille 
dediziert hatte, gleichzeitig wie den HHn. David Gf. Mansfeld, Hans Wilhelm 
v. Roggendorf, Achaz v. Landau, Andrä, Wolff u. Sigmund v. Polhaimb und 
anderen. Raupach, Presbyt., 73. 

2 ) Dessen Besitz Thernberg liegt unweit von Wiener-Neustadt. 

3 ) Diarium u. Gindely, III, 201. 



134 

betrachtet wurden, auf deren (und offenbar auch der Hörn er) »unter- 
schiedliche vier vom 3. April bis änderten dieses (also 2. Mai) einge- 
reichte Schriften« eine Antwort erteilt worden, welche einen kräftigen 
Verweis wegen der mit offenkundigen Rebellen eingegangenen Kon- 
föderation und die Aufforderung enthielt sofort darauf zu verzichten, 
wogegen dann die Privilegien und alten Gebräuche bestätigt werden 
würden. *) 

Audienz Zur Überreichung des oben erwähnten, am 30. April beschlossenen 

vom 3. Mai. Memorandums auf das kais. Dekret v. 9. April war den Gesandten 
der Horner samt jenen der Oberennser eine Gesamtaudienz für Sonntag 
den 3. Mai bewilligt worden. 

Vor derselben ließ sich der Obersthofmeister v. Eggen b er g durch 
Polhaimb erkundigen, weshalb die Oberösterreicher nicht vorher zu 
ihm kämen, worauf er die beruhigende Antwort erhielt, daß sie 
dessen kein Bedenken trügen. Er kam dann selbst heraus und frug 
Hn. v. Traun vertraulich, ob die Gesandten nicht etwa solche Friedens- 
mittel vorschlagen wollten, durch welche Se. Maj. offendiert und zu einer 
solchen mündlichen Antwort veranlaßt würde, die Sie lieber vermeiden 
wollten. Auch hierauf erfolgte die beruhigende Auskunft, Se. Maj. würden 
nur solche Friedensmittel zu vernehmen haben, die Sie hoffentlich eben 
so gnädig aufnehmen würden, als sie treuherzig und wohlmeinend für- 
gebracht werden. 

Nachdem sie dann vorgelassen worden waren und Traun die Sub- 
stanz kürzlich zusammengefaßt hatte, »haben Se. Maj. mit ganz gnädigster 
Maniera betheuert, wie begierig Sie jederzeit zu finden gewesen, wollten 
demnach unsere Schrift gern vernehmen und gewißlich zu Erlangung 
von Friede, Ruhe und Einigkeit alles thun, so Sie Ehren u. Gewissens- 
halber thun könnten u. blieben uns wie bishero mit Gnaden wohl ge- 
wogen«. Dann wartete Khuefstein noch eine Weile bei der Tafel auf 
und ritt nach Hause. 2 ) 

In dem vom Kaiser entgegengenommenen Memorandum wird, 
gestützt auf eingehende historische Rückblicke, an dessen bekannte 
friedliebende Gesinnung appelliert. Wäre es bei der von K. Matthias 
1611, 1614 u. 1615 ins Werk gesetzten Konföderation geblieben und 
K. Ferdinand als Nachfolger hätte sich an die Spitze gestellt, wäre 
es nicht zum Kriege gekommen und die Stände in ihren Freiheiten 
nicht turbiert, noch auch die Länder verwüstet worden. Da der Sieg 
zweifelhaft und der Krieg gegen die Bewilligung der Stände und 
den Rat der Kurfürsten begonnen wurde, möge mit deren Zutun der 
Böhmische Krieg beendigt, Friede mit Bethlen geschlossen und die 
fremden Kriegsvölker entfernt werden. Aus beiden Religionen mögen 
Deputierte an den ungar. Landtag in Neusohl gesendet werden um 

x ) Khevenh., IX, 1049 gibt den Text der ausdrücklich sagt: auf die vier bis 
2. Mai eingereichten Schriften. Also ist die einleitende Angabe Khevenh. s »auf diese 
Schrift« nur eine chronologische Interversion. Denn die vorher, IX, 1038, abgedruckte 
Eingabe ist, wie auch Gindely, III, 201 annimmt, das erst nachher, am 3 Mai, einge- 
reichte Memorandum, wie- schon aus dem Bezüge auf d. Dekret v. 9. April hervorgeht. 
Die Antwort darauf ist erst IX, 1052 abgedruckt. 

2 ) Diarium. 



135 

die Ungarn zu bewegen mit den Österreichern Gesandte an die 
Böhmen und die Reichsfürsten zum gemeinsamen Friedenswerke abzu- 
ordnen. 1 ) 

Hierauf ließ der Kaiser den ob- u. unterÖsterreich. Gesandten »in 
Beantwortung dieses am 3. überreichten gehorsamlichen Gutachtens« 
in Gnaden sagen, er sei gegen seinen Willen durch die Rebellen zum 
Kriege gezwungen worden, zu dessen Beilegung das beste Mittel wäre 
die abgedrungenen Königreiche u. Länder zu restituieren, und daß die 
Stände mit gutem Beispiele vorangehen und ihre Erbpflicht leisten. Die 
schon im März erfolgte Interposition der Reichsfürsten sei jetzt nicht 
mehr am Platze. 2 ) 

Diese hatten wirklich von Mühlhausen aus die Stände sämtlicher 
unierten Länder gemahnt sich dem Kaiser gehorsam zu zeigen, sonst 
müßten sie ihm zu Hilfe kommen und am 13. Mai erhielten die Öster- 
reicher eine ähnliche Warnung vor der Konföderation. 3 ) Der Kaiser 
seinerseits hatte schon am 30. April den Kurfürsten feierlich aufgefor- 
dert, unter Strafe der Exekution Böhmen zu räumen. 4 ) 

Am 5. kamen die Evangelischen wieder im Landhause zusammen, Antwort der 
um die Antwort auf das letzte kais. Dekret (wohl jenes, welches ihnen Stände. 
am 30. April zugekommen war, v. oben) abzuhören. Dann wurde die 
Äußerung der Katholischen entgegengenommen, welche am 2. Mai, im 
Verfolge der am 20. April auf Befehl des Kaisers wieder begonnenen 
Ausgleichsverhandlungen, erklärten, daß sie in allem was der Kaiser 
in Religionssachen bewilligen würde, zur Fortpflanzung guter Einigkeit 
die Evangelischen ungeturbiert lassen wollten, gegen gleiches Vorgehen 
der letzteren. 5 ) Diese Erklärung wurde wieder allzu general befunden, 
aber weil man auf die kais. Resolution täglich warte (wohl auf die Ein- 
gabe v. 3.), ließ man es dabei bewenden. c ) 

Als Hans Ludwig am 6. gen Hof geritten war, aber Se. Maj. 
»weihen Sie eingenommen, nicht hervorkamen«, nahm ihn Buquoy 
wieder beiseite, um auf Kassierung der Konföderation neuerdings zu 
dringen. Auf seine Klage über die Ruinierung des Marktes Spitz ver- 
sicherte dieser, daß dies ohne seinen Befehl geschehen. Als er aber 
anderen Tages Buquoy in der spanischen Botschaft aufsuchte und dieser, 
obwohl er eben bei der Abreise war, ihn freundlichst in seine Kammer 
zogVgab er mm zwar für seine Güter beste Vertröstung, wegen jener 
des Hans Lorenz aber diffikultierte er etwas, da die Soldaten schwer 
zu halten seien wenn sie wüßten daß der Hr. Obrist Lieut 1 - gegen sie sei. 
Und was Traun betreffe, so wolle er diesem als einem treuen Diener 
des Kaisers gern dienen, allein das Volk habe eine erschreckliche 
Rabbia weil das Schloß Meyßau jüngsthin verschont worden und 
dessen Besatzung stetig auf die Seinigen herausstreife, das sollte 
Hr. v. Traun abstellen. Und wieder mußte Khuefstein auf die An- 
würfe wegen der Abstellung der Konföderation replizieren. 



*) StA. Handschr. 108. V 3 , Fol. 94. — Khevenh., IX, 1038. 

2 ) Khevenh., IX, 1052. 

3 ) LA. Rel. E. B. — Khevenh, IX, 842. 

*) St.A. Handschr. 108. V 3 , Fol. 76, gedrucktes Patent. 

5 ) LA. Rel. E. B. — Raupach, III, 410. 

6 ) Diarium. 



136 



Die Homer. 



Relation 

Fernbergers 

an die 

Wiener. 



An demselben 7. teilten die Gesandten die ihnen inzwischen zu- 
gekommene erwartete kais. Resolution den versammelten Evangelischen 
mit dem Bemerken mit, daß die Beantwortung derselben besser bis nach 
Anhörung der Relation Fernbergers, der erst am Vorabend zurück- 
gekehrt war, verschoben bliebe. 1 ) 

Wenn die Wiener die Hoffnung gehegt hatten, die Hörn er zur 
Herabkunft zu bewegen, wie dies der Kaiser gewünscht hatte, so war 
deren Stimmung wenig ermutigend und man konnte aus dem, was mitt- 
lerweile dort geschehen war, kaum Hoffnung schöpfen. 

Am 2. April hatten sie ein Patent an alle Evangelischen in den 
vier Vierteln erlassen, daß sie nicht huldigen so lange nicht die Bestäti- 
gung ihrer Privilegien erfolgt wäre 2 ), und am 4. schrieben sie auch den 
Katholischen, die Einladungen zum 8. April seien nicht in der üblichen 
Form und von einem Herrn des Hauses Österreich, dem sich ihre Vor- 
eltern nicht durch Gewalt des Schwertes, sondern freiwillig unterworfen, 
ausgestellt worden, von der Freiheit der Religion keine Erwähnung 
getan. Da auch die Privilegien nicht bestätigt wurden, noch auch die 
mit Bewilligung des K. Matthias eingegangene Konföderation, so mögen 
sie sich solch unzeitiger Huldigung entschlagen, sonst würde alles daraus 
entstehende Unheil ihnen zur Last fallen. 3 ) Sie standen nicht an, zwei 
Delegierte — Andr. v. Puechaimb und Erasm. v. Neydegg — nach 
Prag zu senden, welche am 25. April den von den Böhmischen Ständen 
immatrikulierten Vertrag mit Bethlen v. 15. Januar, der von Friedrich 
bestätigt wurde, unterschrieben. Zum art. 6 werden nach den von Puech- 
aimb in betreff der Beitragsleistung von jährlich 8000 fl. wegen Ver- 
armung des Landes gemachten Reserven die Namen der Böhmischen 
Defensoren und jene der konföderierten Länder aufgezählt: Für Nieder- 
österreich die in Hörn befindlichen Deputierten: E Baronibus: 
S. A. Traun, Ludw. u. Mart. Starhemberg, Andr. Puechaimb sen., 
Erasm. Landau, Wilh. Hofkirchen, Andr. Thanrädl, Joh. Jacobus 
Kueffstainerus, statuum Evang. generalis annonae praefectus. 
Ex equitibus: Frideshaimb, Ferd. Nütz, J. Melch. Maschko, 
W. Chr. Römer de Burgschleinitz, Math. Wolzogen in Missing- 
dorf, Zach. Starzer, assessor. 4 ) 

Bei diesen dort immer mehr die Oberhand gewinnenden separa- 
tistischen Strömungen konnte kaum etwas anderes erwartet werden als 
eine Ablehnung. Die Retzer entschuldigten sich von dem Herabreisen 
mit den im Wege stehenden Unsicherheiten und baten im Gegenteile, 
man möge Delegierte hinaufsenden. Nichtsdestoweniger ist nicht zu 
übersehen, daß Fernberger, welcher am 8. seine Relation erstattete, 
bemerkte, seine Mission sei »wegen vieles noch inhärirenden Argwohnes 
höchst nöthig gewesen. Doch seien die Meisten ganz wohl intentionirt, 
wenn die begehrte Confirmation und deren Assecuration genugsamb 
erfolge«. Die actiones der Gesandten seien gar sehr gelobt worden. 5 ) 



1 ) Diarium. 

2 ) StA. Handschr. 108. V 3 , Fol. 69. — LA. Exe. B. — A. 3. 20. — Meyer, 
Londorp. Suppl. II, 234. 

3 ) LA. Rel. E. B. 

4 ) Firnhaber in d. Sitz.-Ber. d. Ak. d. Wissensch. XXXIV, 165 ff., 227, 234. — 
Katona, hist. crit. Reg. Hung. XXX, 337 fr. — Hurter, VIII, 371. Diese Deputierten 
werden nur als solche aufgezählt ohne Erwähnung der Unterzeichnung. 

5 ) Diarium. 



137 

Nach Abhörung- dieser Relation hat Traun »das Concept, welches 
wir zur Beantwortung des kais. Dekretes (die Renunzierung auf die 
Konföderation bff) verfaßt hatten«, zur Verlesung gebracht, welches 
trotz des Widerspruches einiger »Widerwärtiger welche vermeinten, 
wir arrogirten uns zu viel«, doch schließlich so gut befunden wurde, 
daß es, nur mit Berücksichtigung einiger Notizen des Wilh. v. Greyss 
als eines ehemaligen Gesandten in Prag, zur Annahme gelangte. 1 ) 

Da der um die Stadt lagernden Polaken wegen die Predigt in 
Hernais eingestellt werden mußte, wurde die Kommunion am Sonntag 
den 10. bei Hn. Eliasen im Landhause eingenommen. Und am 15. 
wurde wieder eine Eingabe wegen der »tyrannischen unerhörten Unthaten 
des kais. Volkes« ausgearbeitet und um Resolution auf die Hauptschrift 
wegen der Induzien gebeten (die also offenbar noch nicht genügend 
beantwortet worden war). 

Doch gleich am 16. erhielten die gesamten Evangelischen und 
katholischen Stände ein kais. Dekret -j, zur Huldigung auf den 1. Juni 
zu erscheinen, welches in der Herrenstube abgehört wurde, und die 
Evangelischen, die sich in die Ritterstube zurückgezogen hatten ein 
anderes mit dem Versprechen, Se. Maj. wolle sich noch vorher also 
willfährig erklären, daß sie sich zu beschweren keine billige Ursache 
haben würden, jedoch bei scharfer Bedrohung der Ausbleibenden. Die 
Beantwortung wurde der Diskretion der Gesandten anheimgestellt. 
Gleichzeitig erhielten die Verordneten eine Rüge wegen der im Land- 
hause erfolgten Kommunion, welche sie beauftragt wurden, mit guter 
Entschuldigung des Pfarrers Eliasen ohne Vergebung ihrer Prätensionen 
zu beantworten. 

Eine kleine freudigere Diversion bereitete die Verlobung des 
Wolf Christoph von Volkra mit Elisabeth Christina von Zinzen- 
dorf, welche im Roggendorfschen Hause bei Wolf Sigm d - v. Losen- 
stein stattfand. H. Ludwig mußte »das Anbringen thun« und auf 
starkes Andrängen Volkras bei der Kopulation in Hernais neben 
G. E. v. Zinzendorf als Brautführer fungieren. Die Hochzeit ward im 
Khünigspergschen Hause abends abgehalten. 

Die Antwortschrift auf das jüngste kais. Dekret wurde in der 
Audienz v. 19. von Khuefstein mit mündlicher Begründung übergeben, 
wobei er »alle gnädigste Affection bei Sr. Maj. verspürte« 3 ), nachdem 
sich (am 18.) die Katholischen neuerdings zur Huldigung bereit erklärt 
hatten, jedoch auch nur gegen Bestätigung der Privilegien und Erledi- 
gung der gravamina. Gleichzeitig zeigten sie an, daß sich die Evangeli- 
schen in keine Beratung mit ihnen einlassen wollen. 4 ) 

In Ausführung der ihnen übertragenen Mission hatten Traun und Audienz 
Khuefstein wieder eine Audienz erbeten, welche ihnen auch sehr vom 22. Mai. 
bald gewährt wurde. Am 22., als sie um 7 Uhr gen Hof gefahren waren, 
empfing sie der Kaiser, sobald er aus der Messe kam, und »haben 
mündlich vermeldet, Sie hätten gnädigst vernommen dasjenig so durch 
den Khuffstain und Nützen jüngsthin wäre fürgebracht worden, 
und sollten wir versichert sein, daß die ertheilte Resolution nicht darum 



1 ) Diarium. 

2 ) v. 13. laut Rel. E. B. 

3 ) Diarium. 

*) LA. Rel. E. A. 



138 

auf die Stände und nicht an uns ausgefertiget worden oder auch die 
endliche oder Hauptresolution uns deswegen nicht gegeben wurde, daß 
Ihr. Maj. in unsere Personen einiges Mißtrauen trüge, sondern weilen 
Sie uns jederzeit wohlintentionirte aufrichtige Cavallieri befunden, hätte 
Sie vielmehr ein absonderlich gutes Vertrauen zu uns, vor vielen andern. 
Allein weil derlei Huldigungssachen mit denen Ständen und allhie in 
loco, nicht über Land, zu geschehen pflegten, als wollten Sie es auch 
also halten, zu dem Endt Sie die Ständt hierher erfordert hätten, ver- 
mahnten uns demnach gnädigst, wir wollten gute officia leisten, damit 
die Ständt herabkämen. Entzwischen hätten Sie uns diese schriftliche 
Resolution anhändigen, beinebens mündlich Sich dahin gnädigst er- 
klären wollen, daß Sie denen Ständen Augspurgischer Confession 
zu ihrer Herabkunft eine solche Resolution in puncto religionis ertheilen 
wollten, dawider sie sich billig zu beschweren keine Ursach haben, son- 
dern im Werk zu spüren haben sollten, daß Ihr Maj. mit und bei ihnen 
in Frieden und Ruhe zu leben begehrten, welches wir denen Ständen 
andeuten sollten«. 1 ) 

Traun antwortete: »Wir bedanken uns der gnädigsten Erklärung, 
hätten aber gern gesehen, daß sich Ew. Maj. hauptsächlich gegen uns re- 
solviert hätten, bitten um gnädigste Beurlaubung und Erteilung des not- 
wendigen Konvoi und Sie mögen den Ständen gnädigster Kaiser und 
Herr bleiben.« Als dieser auf seine Frage erfuhr, daß sie erst nächsten 
Sonntag reisen könnten, »sagten Sie — da Sie sonst schon den Handschuh 
abziehen wollten, — Nun, so will ich Euch jetzund noch nicht die Hand 
geben, sondern noch etwan rufen«. Traun und Leysser wurden zu- 
rückgehalten und noch einzeln zur Leistung guter Servitien ermahnt, 
Khuefstein aber auf nächsten Tag beschieden, und »abends um */ 2 5 Uhr, 
als Se. Maj. in die Vesper gegangen, zu Denselben in das Oratorium er- 
fordert worden, da Sie dann mit gnädigsten Worten mir zugesprochen, 
daß Sie auf sonderbar zu mir habendes Vertrauen mich ersuchten, ich 
wollte Derselben zu meiner Hinaufkunft gute servitia leisten, damit wir 
ehestens zu einem guten Ende gelangen möchten u. wollten Sie gewiß- 
lich dermaßen mit Gnaden gegen mir erkennen, daß ich spüren sollte, 
wie Sie meine gute Affection u. Realität, so Sie bei mir verspürten, 
wohl erkennen u. mit kais. Gnaden, deren ich mich versichern möchte, 
zu belohnen begehrten etc. Darauf ich: Allergn. Kaiser, daß Ew Maj. 
meine unterth. treu u. gehorsamste Devotion, die ich zwar bisher im 
Werk zu erweisen wenig Gelegenheit gehabt, Allergn, erkennen, dessen 
habe ich mich höchlich zu erfreuen große Ursach, nicht weniger der 
so allergn. angebotenen kais. Gnaden, dadurch dann Ew. Maj. Derselben 
mich noch mehrers zu unterth. Diensten (damit zwar Ew. Maj. als meinem 
Erbherrn ich ohne das verbunden) verobligiren, deren auch Ew. Maj. 
Sich bei mir Allergn, zu versichern haben. Anjetzo aber, weil wegen 
Ew. Maj. noch nicht erteilter Resolution wir gleichsam leer zu unseren 
Principalen erscheinen, ist das Werk sehr schwer. Doch will ich das 
Meine nach meiner Wenigkeit gern thun, wenn ich allein wissen könnte, 

l ) Diarium. 



139 

auf was Weis.« Auf die Bitte, ihm darüber eine Anleitung zu geben, 
sagte Se. Maj., ihn gleichsam mit einem Nachsinnen ein wenig an- 
schauend, »Mein Khuefstainer, Ich sähe halt gern, daß Ihr und die 
Andern bald herabkämet, damit Wir doch der Sach ein gutes Ende 
machten«. Worauf dieser: »Wann Ew. Maj. Sich dahin hätten bewegen 
lassen, daß Sie uns eine erfreuliche Resolution auf der Stand Begehren 
ertheilet hätten, wäre dem Werk unschwer geholfen worden. Aber also 
weiß ich fürwahr nicht, womit die Ständt zur Herabkunft bewogen 
werden möchten. Doch will ich hoffen u. gebeten haben, Ew. Maj. ge- 
ruhten sich aufs Ehest allergn. zu erklären, so werden dann die Stände 
ihre stets continuirte unterth. Treu hingegen wirklich erweisen.« In- 
zwischen rate er, einige Particular-Cavallieri durch Handbriefl zu 
ersuchen, worauf der Kaiser: »Ja, mein Khuefstainer, Ihr sagt wohl, 
aber sie sein halt oben so seltsam, daß ich nicht weiß, wem ich trauen 
solle, und denkt selber, es wäre mir spöttlich, wenn ich einem Parti- 
cular schreiben sollte, da es nicht wohl angelegt wäre. Denn eben auf 
den Obst. v. Hofkirchen, der mir so viel versprochen, habe ich mich 
nicht sicher zu verlassen. Wen aber meint Ihr?« H.Ludwig antwortete, 
er sei kein Deputierter gewesen, kenne die Gemüter weniger als Se. Maj. 
und wolle niemand akkusieren oder loben, glaube aber, daß der Hof- 
kirchen noch wohl affektioniert sei, wie auch viele andere, beede seine 
Brüder, der Oberst von Traun etc. »Ich will der Sachen nachdenken«, 
sagte der Kaiser, »und, mein Khuefstainer, thun andere nicht gut, so 
thut Ihr es und die Eurigen und vermahnet Andere auch dazu mit 
Versicherung, daß Ich's un vergolten nicht lassen will, und kommt bald 
herab.« Khuefstein versicherte, er wolle tun, was er könne, aber auf 
den bestimmten Tag wäre es ihm sowohl als andern nicht möglich, 
daher möge ihr Ausbleiben nicht in Ungnaden vermerkt werden. Als 
der Kaiser ihn nach seinen Brüdern frug, bat er, den Hans Lorenz 
seiner Aktionen halber zu entschuldigen, er habe jetzt auch den Ruin 
zu beklagen, »auf welches Ihr. Maj. mit etlichen Anzügen geantwortet 
und mit Wiederholung Allergn. Versicherung der beharrlichen kais. 
Gnade mir die Hand geboten«. . 

Noch an demselben Abende teilte ihm Eggenberg mit, daß Se. 
Maj. seine Worte »nicht allein mit Allergn. Gefallen aufgenommen, 
sondern aus meinem Discurs ein solches Capital gemacht, daß Sie mir 
förder ist wohl affectionirt worden«. Wegen der Handbriefl habe sich 
Se. Maj. auf seine zwei Brüder und Hofkirchen resolviert. Wegen der 
greulichen Tyrannei des Kriegs volkes aber fürchtete Khuefstein, daß 
viele wohlintentionierte alteriert worden sein möchten, glaubte aber, daß 
dergleichen kais. Gnade bei jedem wohl angelegt sein würde, wenn nur 
bald eine gute und lautere Resolution den Ständen zukäme. Er ver- 
wendete sich dann dafür, daß der Termin prolongiert werde und riet, 
daß zu dem bevorstehenden ungarischen Landtage neben den kaiserlichen 
auch Evangelische Gesandte abgeordnet werden möchten, was der Hr. 
Ob. Hofmeister sich »gar wohl belieben lassen«. 

Anderen Tages (Sonntag d. 24.) übergab ihm Eggenberg die 
vier Handbriefl an seine Brüder, den Landesobristen v. Hofkirchen 



140 

und den Obersten v. Traun unter neuerlichem Erbieten aller guten 
Dienste. 

Am 27., als er gerade bei Gundaker v. Polhaimb mit Star- 
hemberg, Traun u. Walterskirchen 1 ) speiste, wurde er wieder zu 
Eggenberg gebeten und bemühte sich neuerdings, dem eben erhal- 
tenen Auftrage der Deputierten nachkommend, um Erlangung der kais. 
Resolution. Hierauf wurde ihm, mit Wiederholung kaiserlicher Gewogen- 
heit von Eggenberg angedeutet, »Daß er auf mein so bewegliches An- 
halten und gute Motivas, sonderlich in Erwägung nunmehr der Tag vor- 
handen auf welchen Ihr. Maj. Sich Dero Resolution zu eröffnen allergn. 
erboten, die Sache dahin zu incaminiren helfe, daß Ihr Maj. gedachte 
Resolution zu geben verwillige, wenn selbige von denen Ständen begehrt 
würde«. 2 ) Khuefstein machte hierauf auf die sich ergebende Diffikultät 
aufmerksam, wenn die hiesigen Mitglieder sich Stände nennen, die Ge- 
sandten präteriert und eine schädliche Separation hervorgebracht würde, 
wurde aber ersucht, auf seine Kollegen in vermittelndem Sinne einzu- 
wirken. Er erläuterte noch die von seinem Bruder Hans Lorenz ge- 
schehene Ablehnung der kaiserl. Kriegskommission, welche der Kaiser 
»etwas übel aufgenommen« hatte und wurde mit neuerlichen Ver- 
sicherungen der Affektion des Kaisers entlassen, welcher nach der 
letzten Audienz die Äußerung getan: »Ich habs gemerkt daß der Khuef- 
stainer recht von treuem Herzen mit Mir geredet hat.« 
Nach Hörn Die Gesandten hatten ihre Mission erfüllt und namentlich den Be- 

und Retz. mühungen Khuefsteins war es zu danken, daß der Kaiser den Ständen 
endlich die lange erbetene Resolution am 28. Mai erteilte, wenn sie ihnen 
auch nicht direkt eingehändigt ward. Sie konnten nun an die Rückreise 
gehen. Schon gleich nach der Audienz v. 22. hatten sie den Gesinnungs- 
genossen im Landhause valediziert und durch den Mund P. J. Starhem- 
bergs deren Dank und Belobung ihres angewendeten Fleißes entgegen- 
genommen. 

Wegen der gefährlichen Polaken genügte die am 29. erhaltene 
Eskorte nicht, an deren Stelle sie am 30. durch Vermittlung Eggen- 
bergs eine verstärkte von 100 Pferden erhielten, mit der sie auch 
glücklich am 30. bis Tulln und am 31, nach Krems gelangten. Hier 
erwartete sie das Nachtmahl bei dem kaiserl. Ober-Proviantmeister 
Heinrich Thanrädl, aber zum Nachtquartier mußten sie sich mit dem 
ganz leeren Khoflerschen Hause begnügen, während die Frauenzimmer 
bei dem güldenen Hirschen einquartiert waren, mit einer Schildwache 
vor jedem Zimmer. Tagsdarauf kamen sie, nachdem sie das Frühmahl 
bei Buquoy abgelehnt hatten, mit dessen Konvoi von 200 Pferden bis 
Loys. Der General mit den Obersten Liechtenstein und Wallenstein 
und vielen anderen begleitete sie bis Zöbing, wo er von ihnen und den 
Frauenzimmern freundlich Urlaub nahm. Da der ständische General, 



') Georg Christof v. Walterskirchen, der ebenso wie Hans Ludwig der 
gemäßigten Richtung angehörte u. stets dem Landesfürsten treu blieb. Walterskirchen, 
Die Walterskirchen, II, 8. 

2 ) Also nicht: »wie sie von den Ständen begehrt werde«, wie Ad. Wolf, I, 285, 
sagt. Sc. von den Wienern, die der Kaiser als die eigentlichen Stände anerkannte. 



141 

aus Irrung mit den Schreiben, keinen Konvoi entgegengeschickt hatte, 
nahmen sie den kaiserlichen bis nach Nondorf mit und kamen von da 
ohne Begleitung um 7 Uhr glücklich nach Hörn. 

Hier fand Hans Ludwig seinen Bruder Hans Lorenz an den 
Pocken tödlich erkrankt, blieb daher bei ihm, bis er am 3. mit einer 
Begleitung von acht Pferden seiner Abteilung nach Puechberg ge- 
langte. Er fand dort, wo innerhalb zweier Monate 400 Personen gestorben 
waren, »das Haus, Dorf und Maierhof so voll Kranken die dorthin ge- 
flohen waren, daß es abscheulich zu vernehmen gewesen«. 1 ) Der stän- 
dische Oberst Adam v. Traun stellte ihm auf Befehl des Generals 
20 Musketiere zur Disposition, »da der Feind stark im Anzüge und viel- 
leicht auf des Hn. Schwagers Schloß sobald als auf ein anderes sein 
Anschlag haben möchte«. Sie wurden aber bald wieder, da sich nichts 
zeigte, mit je 3 fl. Verehrung abgelohnt. 2 ) 

Den 7. und 8. Juni war Hans Ludwig wieder in Hörn, nahm 
das Frühmahl bei Hofkirchen, übergab ihm dabei das kais. Handbriefl 
und fand ihn zur Billigkeit wohl affektioniert. Nichtsdestoweniger »zog 
dieser am 9. mit einem Teile der ständischen Armada von Hörn aus, 
um sich mit der Böhaimbischen für einen bestimmten Anschlag zu kon- 
jungieren« (wohl für den bekanntlich mißglückten Angriff bei Haders- 
dorf vom 10.). Die Gesandten ritten ein Stück Weges mit und fuhren 
dann nach Retz, wo die Brüder Khuefstein im Kloster bewohnt wurden. 

Die kais. Resolution v. 28. Mai 1620, welche hauptsächlich durch Kaiserliche 
die fortgesetzten eindringlichen Bemühungen der Gesandten und vor- Resolution 
nehmlich Khuefsteins hervorgerufen wurde, enthielt das größte Maß vom 28. Mai. 
von Zugeständnissen, welches den Evangelischen von Ferdinand ge- 
währt wurde. Deren Nichtannahme durch die Retz er ist auch als der 
eigentliche Wendepunkt des Verhältnisses zwischen ihnen und dem 
Kaiser zu betrachten. 

Der Kaiser erinnert, mit welcher Sorge er das Erzherzogtum mit 
der Pienipotenz des Erzherzogs Albrecht als des unmittelbaren Herrn 
übernommen und vor Feindesgefahr zu schützen bemüht gewesen. Durch 
die definitive Zession wirklicher Landesfürst geworden, habe er die 
Stände zuerst zum 8. April, dann i.Juni einberufen. Die Konföderation 
mit den abtrünnigen Rebellen, durch welche der Erbfeind der Christen- 
heit ermutigt werde, wird als unerlaubt verurteilt und mit allen daraus 
folgenden Verpflichtungen aus kaiserlicher Vollmacht für null u. nichtig 
erklärt. Wenn die Renunziation darauf von den Ständen geschehen, 
wird die Majestät nicht allein vor der Erbhuldigung den gesamten 
Unterennsischen Ständen über ihre Privilegien, Freiheiten, Herkommen 
und guten Gewohnheiten den gebräuchigen Revers erteilen und hernach 
konfirmieren, sondern auch die der Augspurg. Konfession zugetanen 
Stände bei deren Exercitio so viel sie dessen vermög der Kon- 
zession in Gebrauch haben, verbleiben lassen und nicht tur- 
bieren. So sei er auch geneigt nach geleisteter Erbhuldigung die gra- 
vamina nach Billigkeit als guter Vater zu beseitigen. Sie versehen sich 
also, daß die Evangelischen sich zur Beratung über die Mittel den 



l ) Diarium. 

*) Schreiben Ad. Trauns d°- Hörn 4. Juni 1620. Aichiv Greillenstein u. Diarium. 



142 

Feind aus dem Lande zu bringen und die Beschwerden über das Kriegs- 
volk zu beheben, zu dem fixierten Termin einfinden und ihre Ausschüsse 
benennen. Sonst werde gegen die Ungehorsamen die Gebühr gehandelt 
werden müssen. 1 ) 

Diese unstreitig Entgegenkommen zeigende Resolution wurde in 
Wien als das Summum der äußersten Konzessionen betrachtet und auf 
deren versöhnliche Wirkung um so mehr gebaut, als schärfere Rat- 
schläge wie die des Reichshofrates Grafen von Zollern zurückgewiesen 
worden waren und der Kaiser sogar die Zustimmung des Papstes 
Paul V. und der Jesuiten durch seinen Beichtvater P. Becanus für 
die Konzession eingeholt hatte. 2 ) 

Der Erlaß wurde nicht den Gesandten eingehändigt, sondern wie 
sich aus den Motivierungen Eggenbergs ohnehin ergibt, den in Wien 
befindlichen Evangel. Ständen direkt zugestellt. Eine Notiz Khuefsteins 
auf der von seiner Hand herrührenden Abschrift besagt ausdrücklich, 
daß die Schrift von diesen am i.Juni eröffnet, durch sechs Ausschüsse 
nach Retz gesendet und dort am 20. abgehört wurde. 3 ) Wohl aber 
mögen vorher schon Andeutungen über deren Inhalt hingelangt sein. 
Denn am 30. Mai war eine Versammlung auf den 9. Juni(!) als wichtig 
einberufen worden, weil die Huldigung auf den 1. bestimmt und Termin- 
verlängerung nötig sei, mit der Unterschrift von zehn Mitgliedern des 
Kollegiums. Darunter H s - Jacob Khuefstainer an dritter Stelle. 4 ) 

Wie man in Retz über das dachte, was zu erwarten war, und 
welche Illusionen sich die Extremen über die eigene Bedeutung machten, 
ist aus einigen Schreiben ziemlich unverblümt zu entnehmen, von denen 
Beil. 3. zwei des Andre Thanrädl an Hans Ludwig im Auszuge wieder- 
gegeben werden. Wir wissen, welche Kluft die Anschauungen dieses 
Hitzkopfes von jenen des Adressaten, dem er für seine Verwendung 
bei Hof »wegen erlittenen Ruins« dankte, trennte. Ein ganz anderer Ton 
war aus den schon erwähnten Briefen des auch dem Deputierten- 
kollegium angehörenden Hans Jacob Khuefstein v. 4. u. 5. Septb. 
16 19 und dem noch anzuführenden v. 10. Juli 1620 zu vernehmen. 5 ) 

Sehr sicher des Erfolges fühlte man sich auch in Wien nicht. 
Noch am 5. Juni forderte man die dortigen Evangelischen auf, die 
Sezessionisten herüberzuziehen und die zur Huldigung drängenden Ka- 
tholischen erhielten den Wink, sich zu gedulden. 6 ) 

Bei den Retzern gewannen die Extremen immer mehr an Boden 
und suchten zum definitiven Bruche mit dem Kaiser und zur Wahl 
eines anderen Schutzherrn zu treiben. Nach der scharfen Ablehnung 
des Kurfürsten von Sachsen war der Pfalzgraf Friedrich in Aussicht 
genommen, für den namentlich Tschernembl und die Starhembergs 
im Verein mit Anhalt und Hohenlohe und den Führern der Böhmen 



1 ) St. A. Handschr. Nr. 108. V 3 , Fol. 162. — Khevenh., IX, 1055. — Eine Kopie 
des Erlasses von der Hand Khuefsteins liegt dessen Diarium bei. 

2 ) Gindely, III, 208. — Bibl, 1. c. 136. 

3 ) Danach ist es nicht richtig, daß Khuefstein diesen Erlaß am 28. Mai vom 
Kaiser erhalten u. am 2. Juni von Hörn nach Retz gesendet hätte, wie Gindely, III, 208 
u. 210 sagt, oder daß er schon am 28. Mai im Landtage kundgemacht worden wäre, wie 
Ad. Wolf, I, 286 annimmt. 

4 ) StA. 1. c. V 3 , Fol. 160. — Meyer, Londorp. Suppl. II, 235. 

5 ) StA. Ost. io b u. Arch. Greillenstein. 

6 ) LA. Rel. E. B. u. A. 3, 16. 



143 

agitierten. *) Eine Versöhnung- zeigte sich mehr und mehr als unerreichbar 
und das Verhängnis ging seinen Weg. 

Hans Ludwig übergab seine Relation und schloß diesen Teil 
seines Diariums mit dem Bedauern »nicht genügsamer Vergnügung der 
Deputierten und Etlicher aus den Ständen, doch hats diesmal wie ander- 
wärts bei mir geheißen: Nemo aequior factorum meorum Judex quam 
Deus et conscientia mea, huic judicio facta mea probare desidero«. 2 ) 

* * 

* 

Zu den am 17. eröffneten Sitzungen inRetz hatten sich 80 Herren und Ad Diarium 
Ritter eingefunden, außerdem Geymann für die Oberösterreicher utld JJ^/wust 
die Ausschüsse der Wiener Evangelischen. Für Böhmen verlangten 1620 
Thurn und Kaplirs, für Mähren später Roggendorf und Zastris SitzTmgeil der 
die Admission, die ihnen infolge der energischen Einsprache Khuef- Retzer. 
steins und der Gemäßigten nur für die Fragen der Konföderation, bald 
aber ohne Beschränkung gewährt wurde. Die Deputierten referierten 
zuerst über die von ihnen veranlaßten Absendungen nach Wien, Ungarn, 
Böhmen und Dresden etc., dann über die Ursachen der Translation 
des Kollegiums nach Retz, sie erwähnten »der Stände oft geschehenen 
Anerbietens des schuldigen Gehorsams, dagegen der üblen Tractation 
Leopoldi und weillen keine Hoffnung mehr der Güte« so sei eine 
endliche Resolution zu nehmen. Der Gesandten nach Wien Relation 
wurde am 19. vorgelesen. Ihre »Verrichtung und Fleiß wurde von 
Allen hochgerühmt« und dafür ihnen Dank gesagt. An demselben Tage 
wurde von den Herrenstandsmitgliedern — deren nur 19 erschienen — 
über die von Traun eingereichte Demission beschlossen, ihn zu bitten, 
noch auszuharren. 

Am 20. endlich, als alle vier Stände neuerdings zur Huldigung auf Ablehnung 
den 6. Juli streng aufgefordert wurden, bei sonstiger Behandlung als Re- R eso i u tion 
bellen, kam der verhängnisvolle Beschluß zustande, die kaiserl. Resolution 
könne man keinesfalls annehmen, sondern nur dann huldigen, wenn Se. 
Maj. sich categorice erklären, 1. die Konföderation zu bestätigen, 2. mit 
den Nachbarn Frieden zu schließen und den Krieg aus dem Lande zu 
bringen, 3. diesem Lande alle privilegia, sonderlich religiosa vollkommeu 
zu kontinuieren. Widrigens müsse man an andere Mittel zur Erhaltung 
der Freiheiten denken und sei an allem resultierenden Unheil unschuldig. 
Man beschloß also neuerdings an den Kaiser heranzutreten. 3 ) 

Die am 2 1 . angeregte Wahl eines Schutzherrn wurde vertagt, weil 
die Mehrzahl sich für einen nochmaligen Versuch bei dem Kaiser aus- 
sprach. Als nun am folgenden Tage ein angeblich am Vorabende ge- 
faßter Beschluß von 27 Stimmen, den König von Böhmen zu erwählen, 
abgelesen wurde, haben sich — wie das Diarium sagt — »unser Etliche 
mit nicht geringem Verdruß der Widerwärtigen und etlichen hitzigen 
Reden zu beeden Theilen so stark opponirt, daß wir es bei dem er- 
halten, daß dem gestrigen Beschlüsse gemäß die Benennung eines Schutz- 



1 ) Gindely, III, 210. — Ad. Wolf, I, 288. 

2 ) Diarium v. 18. Febr. bis 17. Juni. Vgl. auch jenes v. 17. Juni bis 21. August. 

3 ) Diarium u. LA. Rel. E. B. u. A. 3, 16. 



144 

herrn bis auf Vernehmung der kaiserl. Antwort auf unsere Replica ver- 
schoben worden«. 1 ) 

H. Ludwig's Es blieb bei dem beabsichtigten letzten Versuche. Die schwere 

nochmalige Aufgabe, diese heikle Mission an den Monarchen zu übernehmen, fiel 

den Kaiser, wieder dem Hans Ludwig von Khuefstein zu, nachdem S. A. von 
Traun sein Deputiertenmandat zurückgelegt hatte. Mit schwerem Herzen 
und geringer Hoffnung mag er die nicht ungefährliche Sendung auf sich 
genommen haben, zu der er sich durch die Pflicht der Loyalität sowohl 
den Mitständen als dem Landesfürsten gegenüber bewogen fühlte. 2 ) 

Er nahm zwei Schreiben mit, eines an den Kaiser und das andere 
an die Geheimen Räte, nachdem er in seiner Instruktion die Worte 
»mit diesen scharf zu reden« hatte streichen lassen. Am 23. Juni ritt er 
nach Puechberg, beichtete und kommunizierte in Hörn und kam am 
4. Juli, von ständischen und kaiserlichen Reitern beschützt, nach Wien. 
Vor allem setzte er sich mit den dortigen Evangelischen in Ver- 
bindung, die zwar von der Resolution v. 28. Mai ebenso wenig befriedigt 
waren wie die Horner, ihm aber doch den erbetenen Delegierten aus 
dem Ritterstande nicht beigaben, sondern ihm überließen, die Schrift 
allein zu überreichen. Dagegen wurde ihm bei ihren Beratungen der 
Ehrenplatz angewiesen und auf seinen Vorschlag die Katholischen auf- 
gefordert sich nicht abermals, wie das letzte Mal, mit der Huldigung 
zu übereilen und von ihnen zu trennen. 3 ) Auf das durch Enenkl und 
Fernberger überbrachte Ansuchen, die Mission Khuefsteins zu unter- 
stützen, teilten die Katholischen dem Kaiser mit, daß die Evangelischen 
noch um Aufschub bitten und Schreiben an ihn und sie überreichen 
wollten. 4 ) 
Audienz Abends des 5. Juli, nach der Vesper, als Khuefstein zur Audienz 

vom 5. Juli, erschien, ließ Meggau ihn bitten und sagte ihm in der Ritterstube, 
»Se. Maj. hätte Nachricht es seien in der Schrift solche , Anzüge' die 
Unterthanen ihrem Herrn oder ein Landmann seinem Landesfürsten für- 
zutragen nicht geziemen, wollte ihn also vor der Überreichung warnen 
da Sie es ihrer Hoheit gemäß rissentiren müßten, so Sie aber sonderlich 
gegen ihn, dem Sie förderist wohl gewogen, nicht gern thun wollten«. 
Darauf die Antwort erfolgte, »daß die Stände sich weder in dieser noch 
in vorigen Schriften gegen Se. kais. Maj. einiger Ungeziemung unter- 
standen hätten, wozu er sich auch nicht hätte gebrauchen lassen. Die 
Schrift sei nichts anderes als eine Wiederholung der am 3. Aprilis 
übergebenen u. wüßte er sich in seiner geringen Vernunft keines un- 
gebürlichen Anzugs zu erinnern. Es wäre denn daß Se. Maj. die unter- 
thänige Bitte um Antwort innerhalb des Termins von 14 Tagen übel 
aufgenommen hätte. Hierauf Meggau: Ist nicht ein appendix auf die 



1 ) Diarium v. 17. Juni bis 21. August 1620. — LA. Rel. E. B. — A. 3, 16. — 
Gindely, III, 210 bis 230. — Ad. Wolf, I, 387—297. 

2 ) Diarium. — Gindely, III, 213 — 221. — Ad Wolf, I, 288 — 293. — Raupach, 
Ev. Ö. 271 u. Forts. III, 413 u. 414. Auch Khevenh., IX, 1058— 1060. — Hurter, VIII, 
419 — 420. — Wiedemann, I, 573 ff. 

3 ) Diarium. 

4 ) LA. Rel. E. B. u. A. 3, 16. 



145 

letzt bei der Schrift? Antwort: Ich weiß keinen andern als den so vor 
diesem öfters, sonderlich bei voriger kais. Majestät gebraucht worden, 
daß nämlich wenn Se. Maj. sich auf die letzte Schrift nicht a. gn. resol- 
vieren würden, die Stände auf zulässige Mittel bedacht sein müssten 
sich und die Ihrigen sowie ihre Privilegien vor allem Zwang und Ge- 
walt zu schützen«. Hiemit gab sich Gf. Meggau zufrieden und Khuef- 
stein fügte hinzu: »Herr Graf glaube mir daß ich in der Treu gegen 
Se. Maj. so viel ich Gewissens halber thun kann, Keinem cedire. Aber 
bei dieser Resolution könne Niemand dem es mit der Religion ernst 
ist, acquiesciren. Sie gebe weniger als K. Matthias und was K. Fer- 
dinand anfangs auch gewähren wollte und sie nicht annehmen wollten.« 
Es würde nur noch um weitere Erläuterung gebeten und »obwol in Ihr. 
Maj. Wort kein Mißtrauen zu setzen, so sein doch dieselbe ein sterblich 
Mensch wie wir andern. Diese Sache aber muß auf die künftigen Landes- 
fürsten und unsere Posterität verbindlich transferirt werden, damit nicht 
nach jedes Herrn Absterben das Land in solche Unruhe und Blutbad, 
wie leider jetzund vor Augen, eingeleitet werde«. Die Konföderation 
habe vielleicht ein odioses Ansehen, sei aber tatsächlich nicht für jene 
störend welche die beiderseitigen Privilegien zu erhalten begehren, 
sondern nur gen jene, welche sie infringieren wollten. Die Renunziation 
sei nicht möglich wegen Aufrechthaltung ihrer Ehr, Jurament u. Insigel 
u. weil sie die Konföderierten mit gänzlicher Ruinierung ihrer Güter 
und Personen auf dem Halse liegen hätten, was Se. Maj. als christlicher 
weiser Herr nicht wünschen wird. 

Als nun Se. Maj. aus der Vesper darin Khuefstein eine Weil der 
Musik zugehört gekommen, und er sein Schreiben übergeben mit münd- 
licher Befürwortung (gleichzeitig mit einer Fürsprache für die gefangenen 
Puechaimb und Weltzer) antwortete Se. Maj.: »Sie hätten das so ich 
im Namen der Herrn und Landleut (nicht Stände) zu Retz vorgebracht, 
gnädigst vernommen, könnten mir auch auf alle Punkte alsbald ant- 
worten, wollten sich aber in kein Disputat einlassen, sondern die Schrift 
einsehen und sich darauf also gnädigst resolviren wie Sie es gegen 
Gott und alle Welt verantworten könnten. Würden es aber alsdann die 
Herrn und Landleute Augsp. Conf. nicht annehmen, so würden (hier 
stutzten Se. Maj. ein wenig, gleichsam ungewiß was Sie sagen wollten) 
sie nicht thun was recht ist, verhofften aber, die Getreuen würden sich, 
wie recht ist, bequemen, wie sie sich dann sonderlich zu mir, als dessen 
Treue sie untzhero gespürt, keines Widrigen versehen wollten, blieben 
im Uebrigen denen Herrn und Landleuten, meinen Principalen und mir 
mit kais. und landesfstl. Gnaden wohl gewogen. Hierauf ich mich dieser 
a. g. Antwort unterthänigst bedankt und beinebens meiner beharrlichen 
Treu, soviel ich mit gutem Gewissen thun könne, versichert. Als ich 
das Wort mit gutem Gewissen kaum ausgeredet, sagten Se. Maj.: Ja, 
ich auch, was ich mit gutem Gewissen und Ehren thun kann, will ich 
thun, was aber wider mein Gewissen und Reputation ist, thue ich nicht, 
ich sage es categorice. Hierauf ich: A. Gn. Herr, das wolle Gott nicht, 
daß Ew. Maj. von uns etwas widers Gewissen oder Reputation zugemuthet 
werden soll, sondern thun sich nur die gehorsamsten Stände wie auch 

Kuefstein. III. 10 



146 

ich zu Ew. Maj. kais. Huld nochmals unterthänigst befehlen. Hierüber 
Se. Maj. particularia mit mir a. gn. geredet u. mich licentiret.« 

Nach der Audienz hat Khuefstein dem Gf. Meggau und Herrn 
von Trautmansdorf das an die Geheimen Räte gerichtete Schreiben, 
welches ersterer allein vorher nicht entgegennehmen wollte, mit warmer 
Befürwortung übergeben. Sie bedankten sich für den Gruß der Stände 
und versicherten, nichts zu unterlassen, was zu Ihr. Maj. Diensten und 
des Vaterlandes Wohl gereichen könnte. Meggau aber kam ihm nach, 
zog ihn in ein Fenster und bat ihn, ihm zu sagen, ob etwas so Scharfes 
oder Ehrenrühriges darin stände, worauf sie entsprechend antworten 
müßten, sonst sei es besser, das Schreiben uneröffnet zurückzugeben. 
Khuefstein sagte, er wisse zwar nichts sonderlich Offendierliches, 
geschweige denn Ehrenrühriges, hätte nur präcavieren wollen, um die 
Ungunst der Herren nicht zu erregen (die er anfangs gebeten hatte, das 
Einschreiten der Stände nicht übel aufzunehmen). 

Nachdem er den 6. Juli benützt, um seinen Bericht zu verfassen, 
konnte er erst um 10 Uhr der Aufforderung der Stände gemäß zu ihrer 
Sitzung erscheinen, bei welcher ihm wieder das erste Votum angetragen 
wurde u. er über seine Audienz referierte. Ein neuerliches Dekret hatte 
die Ausschüsse zur Huldigungsberatung auf den nächsten Tag, also den 
7., aufgefordert, worauf wieder beschlossen wurde sich zu entschuldigen. 1 ) 

Von dem, was er mitzuteilen hatte, wenig befriedigt, reichten die 
in Wien befindlichen Evangelischen 34 Herren und 41 Ritter ein 
Memoriale (v. 6. Juli) ein, daß sie in zu geringer Anzahl anwesend seien, 
um Se. Majestät und des lieben Vaterlandes Wohl bei so übereilter Tag- 
satzung angesichts der allzu konditionierten Resolution v. 28. Mai nütz- 
lich traktieren zu können. Zudem seien sie mit den Katholischen noch 
nicht verglichen und hofften auf eine Resolution, welche auch den 
Retzern erlauben würde, zu erscheinen. 2 ) 

Es ist nicht überraschend, daß bei Durchsicht des Schreibens 
Beil. 4. an die Geheimen Räte 3 ) diese ihre ersten Befürchtungen über dessen 
Inhalt mehr als bestätigt gefunden haben und daß auch der Kaiser sich 
in der Meinung bestärkt fand, etwas fester aufzutreten. Seine gegen- 
wärtige Situation gab ihm dazu mehr Rückhalt. Man erwartete das Ein- 
rücken des Herzogs von Bayern über Oberösterreich mit dem Ligisti- 
schen Heere und es waren wieder 2000 Kosaken angelangt, welche 
zwischen den Retzern und den anderen Evangelischen im Lande eine 
Separation zu machen bestimmt wurden. 4 ) 

Das kais. Dekret vom 8., welches sich als Antwort auf das Me- 
moriale v. 6. gibt, lautete daher auch schon etwas kategorischer. Es 
wird darin vorgehalten, daß trotz der schon seit vier Monaten ausge- 
schriebenen Huldigung einige gar nicht erschienen, andere aber sich 
mit des Kaisers Feinden und Rebellen noch tiefer einließen, und an 



1 ) Diarium Khuefsteins. — Gindely, III, 217. 

2 ) LA. Rel. E. B. — Raupach, III, 414. — Khevenh., IX, 1061. 

3 ) Bei Raupach, Forts. III, Beil. 42 ganz, bei Khevenh., IX, 1058 größtenteils 
abgedruckt. — StA. Handschr. 108, V 3 , Fol. 316. Excerpt. 

4 ) Raupach, Forts. III, 414. — Khevenh., IX, 1060. — Gindely, III, 217. 



147 

der Konföderation, obwohl sie kassiert wurde, festhalten. Die Zusagen 
v. 28. Mai genügen, da sie das bieten, was zur Zeit des K. Matthias 
bestand. Das Mißtrauen möge also fallen gelassen werden. Die zu Retz 
Versammelten hätten sich separiert, seien also nicht mehr als Stände 
zu betrachten und keine Resolution an sie zu richten. Daher sollen die 
in Wien Befindlichen am 13. zur Huldigung erscheinen und am 10. 
ihre Ausschüsse senden. Hievon wurden auch die Katholischen ver- 
ständigt. *) 

Strenge Ahndung aber traf den Überbringer jenes Schreibens. Ausweisung 

Als die Stände am q, zusammengetreten waren, um über das kais. < 

•^. ~ - ,.,T^,r- j 1- tj Resolution 

Dekret v. 8. zu beraten, erhielt Khuefstein, der eben ins Land- v g Juli 

haus gefahren war, um die Stände nicht warten zu lassen, durch 
den Kais. Sekretär Grapler die Mitteilung: »Ihr. kais. Maj. schicken 
ihn zu mir mit Befehl mir anzuzeigen Sie empfänden mit höch- 
sten Ungnaden daß ich diejenige Schrift so etliche wenig Mit- 
glieder der Augspurg. Confession voll hitziger, böser, rebellischer 
Anzug an Ihr. Maj. sammt einem tröhlichen scharpfen und bösen 
Schreiben an die HHn. Geheimen Räth welches Ihr. Maj. selber er- 
brochen, zu überreichen auf mich genommen hätte, und wie Sie sich 
dessen, zumal über beschehene Warnung zu mir a. gn. nicht ver- 
sehen, also hätten Sie hierüber Fug und Ursach solches mit scharpfer 
Bestrafung, indem ich mich dadurch unglaitlich verhalten hätte, gegen 
meine Person zu ahnden. Sie wollten es aber diesmals aus kais. Gelindig- 
keit bei gegenwärtig schriftlicher Resolution bewenden lassen.« »Als ich 
nun die scharfe, unverhoffte und unverdiente Resolution, mit der mir 
bei Sonnenschein aus der Stadt zu reisen auferlegt ward, gelesen, mich 
darob, wie billig, höchlichen beschwert, umb daß ich als ein Gesandter 
nicht etlicher wenig Mitglieder, sondern der gesammten Evangelischen 
Stände, dazu ungehört und unverantwortet mit Spott abgeschafft würde, 
sagte Grapler mit etlichen ziemlich scharfen Anzügen, doch gegen meine 
Person ganz bescheidentlich, dieses wäre Ihr. Maj. endliche Meinung, deren 
ich mich bequemen und ohne einige Replica, deren keine auch Ihr. Maj. 
annehmen würde, nachkommen sollte, sich beinebens, als deme solches 
leid wäre, für entschuldigt zu halten bittend. Hierüber ich kürzlich ge- 
antwortet, daß mir dieser Prozeß so wehe thäte, als einige Ursach ich 
dazu nicht gegeben hätte, ich begehrte mich aber solcher, wiewohl 
schmerzlich und unverdienten Verordnung nicht zu widersetzen, son- 
dern derselben gehorsamst nachzuleben, bitte ihn doch er wollte Ihr. 
Maj. mich unterthänigst befehlen, derselben anzeigend daß ich mich 
hiezu vor Gott und Ihr. Maj. unschuldig befinde, wie ichs mündlich 
oder schriftlich, da es zugelassen wäre worden, erwiesen haben wollte. 
Weil mir aber auch das Gehör von Ihr. Maj. wider Dero Brauch ver- 
weigert wurde, müßte ichs mit Geduld und Schmerzen dabei bewenden 
lassen und Gott befehlen, wollte es aber gleich den hier anwesenden 
Evangelischen Mitgliedern, so beisammen, klagweis fürtragen, so ich 
auch, indem Grapler also abgeschieden, gethan, welche sämmtlich es 

!) LA. Rel. E. B. — StA. Handschr. V-\ Fol. 316. — Raupach, Forts. III, 415. 
— Khevenh., IX, 1062. 

10* 



148 

hoch empfunden und einhellig dahin geschlossen, daß man alsbald einen 
Ausschuß zu Ihr. Maj., so damals zu Gatterburg (Schönbrunn) ge- 
wesen, schicken, dieselbe neben gebührender Ahndung dieser unge- 
wöhnlichen scharfen Resolution und Bitte selbige zu ändern, zugleich 
für mich intercediren und um Erlängerung des Termins zum Abreisen, 
weil der so kurze mir sehr beschwerlich wäre, Ihr Maj. unterthänigst und 
beweglichst ersuchen sollten.« 1 ) 

Dazu wurden aus jedem Stande drei, nämlich Gundakher von 
Polhaimb, Wolf N. v. Auersperg, Pilgram v. Sinzendorf, Georg 
Laysser v. Neuhaus, Gebh. Wilh. Welzer und H. Christ. Geyer 
benannt, welche gleich nach dem Essen hinausfuhren und nach ihrer 
Rückkehr öffentlich den Ständen relationierten. Sie seien alsbald vor- 
gelassen worden, obwohl der Kaiser eben mit den Geheimen Räten 
spielte, und gnädigst angehört. Er antwortete aber, »dergleichen Schrift 
wäre nie keinem Herrn von Österreich zugekommen, viel weniger ein 
solches Schreiben an die Geh. Räthe. Sie hätten sich dessen nicht 
versehen, und ob Sie wohl nicht die allergrößte Vernunft hätten, so 
trauten Sie sich doch, die Ihr von Gott anvertrauten Reiche und Länder 
mit dessen Beistand, wie recht, zu regieren, wären kein Narr oder Kind, 
daß Sie Ihre Räth regieren ließen, wunderten sich, daß die hiesigen 
Stände sich dieser Schrift und Sach annähmen. Sie hätten sonst wider 
mich und meine Brüder keine Ungnade, sondern hielten uns für treu, 
ließen es aber bei der Resolution verbleiben«. Auf neuerliches Ansuchen 
Polhaimb s, die Resolution zu ändern, .sagte der Kaiser, er wolle sich 
bedenken, beriet sich mit den Geh. Räten und frug ihn dann allein, 
warum er sich in dieser feindseligen Sache brauchen ließe, und als 
dieser antwortete, »aus schuldiger Treue gegen Ew. Maj. weil zu be- 
sorgen, aus diesem Prozeß möchte eine schädliche Extremität erfolgen«, 
sagte Er: »wollet Ihr mir auch drohen? Die Resolution bleibt bei ihrem 
vigore. Wider den Khuefstainer habe ich keine Ungnad, er mag 3, 
4 oder 5 Tag oder, wie lang er will, hier bleiben. Da er auch etwas 
anzubringen, will ich ihn gern hören«, was der Kaiser auch allen Aus- 
schüssen, die wieder vorgelassen wurden, wiederholte, indem er sie 
gnädigst lizentierte. Nach Anhörung der Relation der Ausschüsse haben 
die Stände beschlossen, die Antwort des Kaisers ohne Replik zu lassen, 
der Khuefstainer »werde der Sach selber zu thun wissen«. Da nun 
Starhemberg durch Urschenbeck die Anzeige erhalten hatte, daß 
die Katholischen jetzt zur Huldigung schreiten wollten und um die An- 
sicht der Evangelischen darüber baten, fand man eine Antwort nicht 
nötig. 2 ) 

Die strenge Resolution des Kaisers an den Khuefstainer vom 
9. Juli 3 ) samt dem ihm an demselben Tage erteilten Passierschein 4 ) zur 
Beil. 5. Rückreise nach Rotz findet sich unter den Dokumenten-Beilagen ab- 
gedruckt. 

1 ) Diarium. 
-) Diarium. 

3 ) LA. Reg. A. 3, 16 u. St.A. Handschr. 108, V 3 , Fol. 212. 

4 ) St.A. Ost. 10b. 



149 

Am 10. sind die Ausschüsse, dann die Stände zusammengekommen, Annäherung, 
sich wieder zu beraten. Die Notwendigkeit, sich zu fügen, wohl er- 
kennend, bezogen sie sich zwar noch auf die ihnen erteilten Privilegien, 
wie sie am 3. April dargelegt wurden, bedauerten, daß der Religions- 
punkt nicht früher besser expliziert worden sei, so daß dann keine 
scharfen Schriften erforderlich gewesen wären, erklärten sich aber bereit, 
zur Beratung der Huldigung aus jedem Stande 4 Ausschüsse, also zu- 
sammen 1 2 inklus. der Städte nach Hof zu senden, wenn sie ihrer Privi- 
legien sicher wären. 1 ) 

Hierauf ward nur die Resolution wiederholt und die Ausschüsse 
für 4 Uhr Nachm. vorgeladen mit dem Bemerken, daß die Deputierten 
des vierten Standes schon bezeichnet seien. Auf einen neuerlichen Ein- 
wand, daß sie die Traktation der Religion für die eigentlichen Präpera- 
torien halten, hieß es, daß es keine Traktation mehr gebe, sie sollen 
morgen Samst., 11. Juli um 8 Uhr erscheinen, da die Huldigung am 
Montag vorgenommen werde, es erscheine wer da wolle. 

Wie nun am ti. Starhemberg den Ständen vorgetragen was 
Se. Maj. proponierte, hat sich Liechtenstein und Trautson anmelden 
lassen und sie unter Titulierung mit allen Prädikaten, auch jenen des 
vierten Standes, in feierlicher Ansprache aufgefordert, ohne weitere 
Diffikultäten den Worten des Kaisers zu vertrauen, worauf Starhem- 
berg für die kais. Gnade dankte und die Evangelischen gegen den 
Vorwurf in Schutz nahm, die Erbhuldigung aufgehalten zu haben, die 
sie gern geleistet hätten, wenn sie nur des Ihrigen versichert wären. 2 ) 

Dies wurde wieder in Beratung gezogen und noch an demselben 
Tage durch eine Deputation von 20 Ständen eine Schrift überreicht, um 
zu präzisieren, wie sie die kais. Resolution auffaßten, als Bestätigung 
aller von Maximilian und Matthias erlangten Zusicherungen, Reme- 
dierung der Gravamina, Ausstellung des Reverses vor der Huldigung 
etc., wofür sie diese leisten wollten, mit der Reserve, sich nicht daran 
gebunden zu fühlen, wenn in Zukunft gegen ihre Privilegien gehandelt 
würde. 3 ) 

Der Kaiser gab hierauf ex tempore mündlich zur Antwort: »Wir 
haben vernommen etc. . . . Das Exercitium der Augsburger Confession 
betreffend hab ich mich also heroisch, fürstlich und kaiserlich 
resolviert daß sich die Stände mit Fug dawider zu beschweren nicht 
Ursach haben sollen, in Erwägung ich sie bei dem Exercitio vermelter 
Confession allermaßen sie zu K. Matthiae Zeiten gehabt, imperturbirt 
lassen will, deswegen sie denn einiges Mißtrauen in Mich nicht setzen sollen. 
Glaubt meinen Worten (und damit die Hand auf die Brust legend und 
über sich zum Himmel sehend) denn ich ihnen alles, so wahr ich ein 
geborner Erzherzog und erwählter Rom. Kaiser bin, gewißlichen halten, 
mich auch in einem und andern gegen ihnen also erzeigen wie ein Vater 
gegen seine Kinder und bei ihnen leben u. sterben will.« 



*) LA. Rel. E. B. Schreiben der Stände v. 20. Juli 1620. — A. 3, 16. 

*) LA. Rel. E. B. — A. 3, 16. 

3 ) Raupach, III, 416. — Bibl, 141. — Wiedemann, I, 575. 



150 



Konzession 
des Kaisers. 



Khnefstein 
vom Kaiser 

zurück- 
gehalten. 



Diese Antwort wurde endlich für genügend befunden, jedoch bat 
man um deren schriftliche Ausfertigung und um 6 Wochen Aufschub, 
damit sich die Abwesenden einfinden könnten. Starhemberg trug dies 
dem Kaiser nach der Abendmahlzeit vor und erhielt die Zusage der 
schriftlichen Ausfertigung, aber Verweigerung des Aufschubes der Hul- 
digung. Diese präjudiziere niemandem. Wer nicht gegenwärtig, sich aber 
nachher anmeldet, werde immer Gnade finden. Die Amnestie werde in 
Beratung gezogen werden und so wolle Er auch die Resolution, so er 
Herrn Khuefstainer gegeben, noch in mehreres Nachdenken nehmen. 
Die schriftliche Ausfertigung der kaiserlichen Zusage wurde auch tat- 
sächlich verabfolgt. 1 ) 

Khuefstain hatte sich infolge der letzteren Worte des Kaisers 
um eine Abschiedsaudienz bemüht, aber vergebens. Bald war der Oberst- 
kämmerer nicht zu finden, bald eine andere Verhinderung eingefallen 
und als er endlich bat, ihn vorher anzumelden, damit er sich nicht wieder 
fruchtlos hinzubemühen brauche, ließ ihm der Kaiser sagen, er wüßte 
nichts zu befehlen, als daß er und seine Brüder treu bleiben mögen. 
Hätte er aber etwas anzubringen, könne er es dem Oberstkämmerer 
sagen. »Nach diesem schimpflichen und spöttlichen Bescheid habe ichs 
mit Schmerzen bewenden und mich so unverdient von dem Kaiser ver- 
stoßen sehen müssen, so Gott zu seiner Zeit rächen und meine gute 
Intention offenbaren wird. « Hierauf war er am 1 1 . früh bereits reisefertig, 
als er von den Ständen durch Baltasar Thanrädl, seinen Schwager, 
gebeten wurde, noch einen Tag zu verziehen, den er benützte, um sich 
bei dem Oberstkämmerer über den zu geringen Konvoi von vier Pferden 
zu beschweren, der auf Befehl des Kaisers selbst auf zehn erhöht wurde. 
Noch am Abend desselben Tages erhielt er durch Starhemberg 
den Befehl des Kaisers, auch den folgenden Tag noch zu bleiben. An 
diesem 12. hat er die Predigt in Hernais gehört und die Stände haben 
sich >mit öfterem Abtreten und Repliziren endlich dahin verglichen mit 
gewissen conditionibus am folgenden Tage die Huldigung zu leisten 
und habe ich solches mit Discursen (weilen ich rebus sie stantibus 
denen consiliis beizuwohnen Bedenken getragen) als eine dem Kaiser und 
Ständen m. E. ganz schädliche Sache zu verhüten mich zwar stark be- 
müht, aber nichts richten können«. 2 ) 

Diese hatten schon — wie sie den Retzern schrieben — auf die 
letzte Antwort des Kaisers mit der Zusicherung der schriftlichen Aus- 
fertigung seiner mündlichen Erklärung nicht anders gekonnt, als ihren 
Ausschuß nach Hof zu senden, wo das Konzept des Reverses, womit 
sich der Kaiser vor der Huldigung gegen alle vier Stände verpflichten 
sollte, verlesen wurde. 

Einigen Bemerkungen Starhembergs gegenüber antworteten die 
Geheimen Räte, daß die Huldigung nicht mehr differiert werden könne. 
Es werde ein Dekret allen Bedenken vorbeugen. Der Konföderation 
werde bei dem Vortrage des Huldigungsaktes nicht gedacht werden, 



») LA. E. B. 
2 ) Diarium. 



— Reg. A. IV, 8 u. A. 3, 16. — St. A. Ost. iot>. 



151 

die Katholischen hätten ohnehin schon erklärt, sich dem zu fügen, was 
der Kaiser bestimmt habe, wegen der Amnestie werde nach der Hul- 
digung ein genauer Termin fixiert werden, so daß der, welcher sich 
dann einstellt, ebenso behandelt wird wie die Huldigenden, endlich was 
die dem Khuefstainer übergebene Resolution betrifft, so solle sie 
durch eine Nachresolution limitiert werden. 

Nun waren auch die letzten Bedenken zum Schweigen gebracht 
und die Wiener schrieben den Retzern: >weil nun nicht mehr an 
Se. Maj. herangetreten werden konnte, und die mündliche Antwort 
schriftlich herausgegeben wurde, haben wir uns abends entschlossen 
andern Tags zur Huldigung zu erscheinen«. 1 ) 

Nichtsdestoweniger wurde, um ihre Rechtfertigung ganz vollständig 
zu gestalten, noch im letzten Moment dem Kaiser, bevor er nach 
St. Stephan ritt, von Starhemberg ein Memorandum übergeben, in 
welchem sie nochmals ihre Auffassung über die Zusagen des Kaisers 
präzisierten, worauf dieser in gewohnter Geduld versicherte: »Traut mir, 
ich will Euer treuer Vater sein, seid Ihr meine treuen Kinder.« Und 
vor dem Gelübde hat Se. Maj. diese Worte vermeldt: »Mögt Euch sicher- 
lich versehen daß Ich bis in den Tod Eur gnädigster Kaiser und Herr 
bleiben und solches mit gutem freiwilligen Gemüth erzeigen u. Euch sammt 
und sonders alle Privilegien confirmiren und Gerechtigkeit ertheilen will.« 2 ) 

So ging die Huldigung in der gewohnten feierlichen Weise am Huldigung 
13. Juli vor sich. Hierauf wurde den Ständen die Bestätigung ihrer Pri- l ' 

vilegien erteilt, unter Bezugnahme auf die vorher gegebenen Versprechun- 
gen, ohne jedoch die Religion zu nennen. 3 ) Die Anzahl der Evangeli- 
schen wird verschieden angegeben. Nach einer Liste im Landesarchiv 
huldigten von ihnen 38 Herren u. 39 Ritter, denen sich schriftlich noch 
10 anschlössen, also zusammen 87. 4 ) Die Katholischen werden — ohne 
die 19 Prälaten — auf 62 od. 63 angegeben, also in ziemlicher Minorität. 
Von den Evangelischen aber waren laut Liste v. 13. Juli 1620 vom 
Herrenstande 54 — darunter die drei Khuefstainer — und 60 Ritter, 
also zusammen 114 ausgeblieben 5 ), von denen sich jedoch manche nach- 
träglich einstellten, andere in Hörn und Retz gewaltsam zurückgehalten 
wurden, wo bei den letzten Sitzungen nur 59 Herren und Ritter gegen- 
wärtig waren. 

Hans Ludwig erzählt ganz lakonisch: »Den 13. Juli haben die Evan- 
gelischen Stände, alle so hier gewesen, außer ich, Sigm. Ad. v. Traun, 
und Ferd. v. Herberstein neben den Katholischen gehuldigt, mit was 
für Bedingungen wird die Zeit geben. Ich hab aus einem Haus dem 
Zug aus der Kirchen bei St. Stephan zugeschaut, das Mittagmal bei 
Hn. v. Traun gessen.« 6 ) 

') LA. Rel. E. B. — A. 3, 16. — Schreiben an die Retzer v. 20. Juli. Histor. Dar- 
stellung v. 2. Juli an, durch Khuefstein überbracht. 

2 ) LA. |. c. 

3 ) LA. Rel. E. B. u. Arch. XII, 2. — Hfkz. A. IV, H. 1. - Khevenh., IX, 1064. 
♦) LA. Rel. E. B. — Bibl, 1. c. 143 gibt 86. — Khevenh., IX, 1065; Hurter, 

VIII, 422; Gindely, III, 223 differieren. 

5 ) Hofk. A. Ost. R. 14. 

6 ) Diarium. 



152 



Abschieds- 

Audienz 

Khuefsteins 

v. 19. Juli. 



In einem Schreiben an die Retzer von demselben Tage sagt er: 
>Es hat sich aber durch inständiges Treiben des Hofes und nach und 
nach und mehr und lauter erfolgte Resolutiones die Sache wider all 
mein Vermeinen dahin gelenket daß die hiesigen Mitglieder unserer 
Religion (deren, wie man sagt, in die 80 sein) sich mit gewissen ihres 
Vermainens genügsamen conditionibus zu der Huldigung gewilligt und 
selbige heute geleistet. Geben vor nichts vergessen oder vergeben zu 
haben, inmaßen sie sich deswegen gegen Euer und männiglich genug- 
sam zu sinceriren gedenken«, was sie durch ihr schon erwähntes, ihm 
selbst anvertrautes Schreiben v. 20. Juli eingehend zu tun sich bemühten. 1 ) 

Khuefstain war, wie wir gesehen haben, nicht nur von den 
Ständen, sondern auch noch länger vom Kaiser selbst zurückgehalten 
worden, der die harte Behandlung, die er dem loyalen Unterhändler 
hatte angedeihen lassen, bedauern mochte und vielleicht glaubte, ihn 
noch zur Huldigung zu vermögen. Obwohl dieser sich zu letzterer 
noch nicht verstehen konnte, da er sich seinen Mandanten verpflichtet 
fühlte, suchte er doch mäßigend einzuwirken. Als er bei P. J. v. Star- 
hemberg am 14. erschien, um durch dessen Vermittlung die Abferti- 
gung durch Se. Maj. zu erlangen, gab er den wohlmeinenden Rat, es 
mögen die Umstände ur\d Ursachen der Huldigung durch Schreiben 
an die Retzer sowohl als an die Oberennser und auch die Ungarn 
präzisiert werden, um Verbitterung und eventuelle Einfälle der Ungarn 
und Böhmen zu verhüten. Auch wäre es gut, wenn Se. Maj. jemand 
Evangelischen nach Ungarn senden würde. Beides nahm Starhemberg 
auf sich. 2 ) 

Als der Oberstkämmerer Khüfl ihm auf die mehrfachen Ansuchen 
entschuldigend sagen ließ, es sei seine Post, über die er sich beklagt 
hatte, schlecht ausgerichtet worden, er möge ihm seine Anliegen ver- 
traulich klagen, antwortete er, daß er niemand etwas zu klagen, viel 
weniger abzubitten habe, weil er sich keines Verbrechens bewußt sei. 
Nur weil Sr. Maj. Begehren ihn zurückgehalten habe, müsse er auf 
Dessen Befehle warten. Auch die »gehuldigten« Evangel. Stände baten 
ihn, noch zwei Tage zu verziehen. Nun kam es wirklich zu der in Aus- 
sicht gestellten Abschiedsaudienz. Als er am ig. eben von der Predigt 
aus Hern als zurückkam, erhielt er den Besuch Gundakers von 
Polhaimb, durch den der Kaiser ihm sagen ließ: »Er habe zwar damit 
etwas difficultiret weil er nicht leiden mochte man mit derselben meiner 
Sach oder wegen meiner Principalen etwas disputiren würde. Doch weil 
Sie mir nach wie vor mit kais. Gnaden gewogen wären, sollte ich um 
3 Uhr N. M. nach Hof kommen.« Sobald Ihr. M*. vom Mittagschlaf er- 
wacht, wurde er vorgelassen. Auf seine Anrede hat »Se. Maj. mit ziem- 
licher Ausführung, wie übel Sie die Schrift und der Hn. Gehaimen 
Schreiben aufgenommen mir fürgehalten, mit Vermelden Sie sich zu mir 
deren Ueberantwortung nicht versehen hätten, doch letzlich dero kaiserl. 
Gnad mich versichert, zu beständiger Fidelität mich. ermahnt und mit 
gebotener Hand allergnädigst licentirt. Mir hat zwar viel Replizirens 

1 ) Raupach, Forts. III, 47/ bb . 

2 ) Diarium. 



153 

diesmal nicht gebühren wollen, doch hab ich gemeldet, daß, wenn es 
die Zeit und Ihr. Maj. Gelegenheit leiden sollten, ich gewißlich die 
Schrift und meine Person also unterthänigst zu justinzieren mir getrauete 
daß Ihr. Maj. hoffentlich a. gn. zufrieden sein würden, bäte auch Sie ge- 
ruhten wider meine HHn. Principalen und mich alle kais. Ungnad 
schwinden und dieserhalb sammt mir Diese in all. kais. Gnaden befohlen 
sein zu lassen etc. Schließlichen Ihr. Maj. mein liebes Weib, so ihrer 
üblen Disposition halber hier verbliebe, unterthänigst befohlen, darauf 
Ihr. Maj. gesagt: »Verlaßt Euch darauf, ich will mir sie in Gnaden be- 
fohlen sein lassen.« Als er auch bat, daß wenn er zum bestimmten 
Termin nicht erscheinen könnte, es ihm nicht in Ungnaden aufzunehmen, 
sagte der Kaiser, es hätte mit ihm kein Bedenken, wenn er sich nur 
schriftlich erklärte. In puncto eines Handbriefleins an den General sagte 
Se. Maj.: »Es ist gleich so viel, wenn Ihrs von meinetwegen sagt, Ihr 
seid besser als ein Brief.« 1 ) 

Mit diesen Worten war die über eine Viertelstunde gewährte 
Audienz zu Ende, welche ein beredtes Zeichen für die vorsichtige Milde 
des Kaisers sowohl als das Vertrauen, welches ihm der Charakter des 
Gesandten seiner Opponenten einflößte, ablegt. Dieser konnte nun die 
ihm zugefügte Kränkung als ausgelöscht betrachten und die Heimreise 
beruhigten Gemütes antreten. 

Bald nach der Huldigung am 16. erhielten die Evangelischen in Landtag. 
Wien ein Patent, mit welchem die Ausgebliebenen aufgefordert wurden, 
sich innerhalb 14 Tagen zu stellen u. ein anderes, den Khuefstainer 
betreffendes. Sie replizierten, daß der Termin zu kurz sei, und baten 
neuerdings um Verlängerung. Am 17. wurden den Ständen die Propo- 
sitionen vorgetragen. Nachdem ihnen für die Huldigung gedankt und 
die Versprechungen erneuert worden waren, wurden sie aufgefordert, 
die etlichen unruhigen Landesmitglieder zurückzurufen die durch eine 
Abordnung an die ungarischen Stände nach Neusohl gesendet worden 
waren, und die Ungarn zu veranlassen, sich friedliebend zu zeigen. Die 
Katholischen mögen ihr Kriegsvolk noch länger unterhalten, die Evan- 
gelischen aber das ihrige vom Feinde abführen und Sr. Maj. zur Ver- 
fügung stellen. Zu den Rüstungen gegen die Türken wird die doppelte 
Gült v. 1 38.000 fi. verlangt. Die Evangelischen erklärten hierauf durch 
P. J. Starhemberg, da nur wenige anwesend seien, wäre es besser, 
den Landtag auf einige Wochen zu differieren und die anderen nochmals 
aufzufordern. Um das seit zwei Jahren bestehende Obstaculum der Dif- 
ferenz mit den Katholischen zu beheben, ward ein Vergleichsvorschlag 
vorgelegt, welcher die sattsam bekannte Forderung der kategorischen 
Erklärung wieder vorbrachte. Hierauf entfernten sie sich, obwohl die 
erbetene Prorogation abgeschlagen wurde. 

Doch schrieben sie, der Aufforderung des Kaisers nachkommend, an 
die Retzer, um sie zum baldmöglichsten Erscheinen aufzufordern. 2 ) All 
ihr Vorhaben und Verrichtung sei einzig dahin gerichtet gewesen, »wie die 
Ehre Gottes und Aller Seelenheil befördert, das erbärmliche Elend des 
Landes in Acht genommen, die Landesfreiheiten sowohl in religiosicis 



J ) Diarium. 

2 ) LA. Rel. E. u. A. 3, 16. Schreiben der Evangel. Stände an die Retzer vom 
20. Juli 1620. 



154 

als in politicis in vigore erhalten und auch die bei Sr. Maj. am 3. April 
fürgetragene und den 10. Mai erklärte Conföderation gelassen und alles 
in vorigen Stand gebracht werde zu des lieben Vaterlandes Wohlfahrt, 
und vermeinen durch die kais. Versprechen dergestalt assecurirt zu sein 
daß wir des Exercitium's Religionis etc. uns ruhig werden gebrauchen 
können. So könnten die schweren Militia wie auch das Collegium der 
den Verordneten adjungirten Ausschüsse und Deputirten fallen, u. actiones 
am Besten dahin dirigirt werden, daß die Herren in dem vom Hof ge- 
setzten Termin v. 14 Tagen sich hier einstellen und alle Landesnotdurften 
conjunctim mit uns beraten.« Schon vorher waren diese ersucht worden, 
einen starken Ausschuß nach Wien zu senden. Sie werden schließlich 
gebeten, alles als treu gemeint für das liebe Vaterland aufzunehmen 
und die Abgesandten von Neusohl abzuberufen, deren Vortrag höchst 
beschwerlich empfunden worden sei. Sie mögen bedenken, wie viele 
tausende christlicher Seelen unschuldig leiden, und nicht mehr anstehen, 
sich mit ihnen zu vereinigen, um die Landeswohlfahrt zu besorgen. *) 

Die Wiener Dieses zweifelsohne unter Zutun der versöhnlichen Ratschläge 

an die Hetzer Khuefsteins verfaßte Schreiben mit der ausführlichen Darlegung dessen, 
was die Wiener Evangelischen vor, in und nach der Huldigung mit 
Ihr. Maj. traktiert, wurde ihm in der Sitzung v. 21. Juli, zu welcher er 
speziell gebeten worden war, eingehändigt, und nachdem er sie beweglich 
gebeten, ihre Konsilia zu möglichster Wiederbringung der Konjunktion 
zu dirigieren, konnte er sich wieder auf den Weg nach Retz machen. 
Er fuhr vorläufig über Krems, wo er von Buquoy einen Konvoi 
von 50 Reitern erhielt, während sein Schreiben an Hofkirchen 
diesem nicht zugekommen war, nach Hörn. 2 ) Hier traf er mit seinem 
Bruder Hans Jacob zusammen, von dem er schon am 13. vertrauliche 
Andeutungen über die Stimmung, die er bei den Deputierten finden 
Beil. 6. würde, erhalten hatte. In dessen Schreiben von politischem und kultur- 
historischem Interesse wird schon die Besorgnis laut »die Verrichtung 
und der Dank bei denen HHn. Deputierten werde gleichförmig sein«, und 
der Wunsch ausgesprochen »Gott geb ainesmal einen Frieden, welchen 
ich und andere gern sähen, andere aber, denen der Krieg mehrers 
als ihre Güter tragen, nicht begehren.« 3 ) 

Hans Jacob, selbst Deputierter, war also auch mit den unruhigen 
Drängern nicht einverstanden und sein Bruder Ludwig empfand keine 
besondere Eile, sich mit ihnen zu begegnen. Als die Deputierten diesen 
um seine Relation ersuchten, sandte er sie am 26. von Hörn aus mit 
der Entschuldigung, daß er übel auf sei und eben erst damit fertig wurde. 
Er fügte auch hier den ausdrücklichen Wunsch hinzu, »daß sie ihre 
consilia und actiones dahin richten mögen, damit die Ehre Gottes, so in 
dem ruhigen Frieden viel mehr denn in dem blutigen Kriege, erlanget 
und propagirt wird, realiter gesucht und nach unseres bedrängten Vater- 
landes Wohlfahrt ernstlich gestrebet werde«. 4 ) 



1 ) LA. Rel. E. B. - - A. 3, 16. 

2 ) Diarium. 



3 ) Schreiben des H s Jacob Khuefstein d° Hörn 10. Juli. Archiv Greillenstein. 

4 ) Schreiben v. 26. Juli. Beilage zum Diarium. 



155 

In diesem Sinne einer friedlichen Vermittlung hatte er seine dornen- 
volle Mission aufgefaßt und mit bestem Wissen und Gewissen durch- 
zuführen versucht. Er mußte jetzt mit Schmerzen sehen, daß die loyalsten 
Intentionen durch unüberbrückbare Gegensätze vereitelt wurden. Er hatte 
in der letzten] Audienz den Kaiser versichert, daß er sich wohl getrauen 
würde, die beanstandete Schrift zu justifizieren. Dies hatte er auch nicht 
lange vorher in einem Schreiben »an seinen Schwager« den Hofkammer- 
präsidenten Gundaker von Polhaimb als den ältesten Herrenstands- 
ausschuß versucht, in welchem er ausführte, gerade dem Kaiser könnte 
der Beitritt zu der Böhmischen Konföderation von großem Nutzen sein. 
Es sei Staatsraison, sie nicht zurückzuweisen um nicht die Übeldispo- 
nierten ins Extrem zu drängen. Im Texte sei überall von der Treue 
gegen den jeweiligen Landesfürsten die Rede, dessen Benennung er 
allerdings nicht habe durchsetzen können. Erkläre sich Se. Maj. bald 
gut wegen der Religion und der Privilegien, so erhalten Sie Österreich 
und Ungarn und gewinnen Böhmen samt inkorporierten Landen. Da er 
selbst keine amtliche Stellung bekleide, möge Polhaimb diesen aus 
Liebe zum Vaterlande und Verehrung des Kaisers gegebenen guten Rat 
vertreten. Trotz der großen erlittenen Schäden, indem ihm eben erst sein 
schönes Dorf Nondorf samt Maierhof verbrannt, 400 Untertanen in 
Grund verderbt worden und er jede Stunde gewärtigen müsse, daß ihm 
sein Kastell Puechberg gleichfalls verbrannt werde, wolle er davon 
nicht reden, sondern befriedige sich mit dem guten Gewissen, Gott und 
seinem Erbherrn treugeblieben zu sein. 1 ) 

So wenig diese Bemühungen in Wien verfangen hatten, so illu- 
sorisch erwiesen sich die Hoffnungen auf ein Einlenken der Retzer, 
von denen sich allerdings schon eine Reihe der Gemäßigten zurück- 
gezogen hatte. Schon vor seiner Abreise von Wien hatte Hans 
Ludwig wohl die Überzeugung gewonnen, daß seine dynastische Treue 
ihm nicht erlauben würde, den Irrwegen der Extremen zu folgen, von 
denen er voraussah, daß sie das schwergeprüfte Vaterland und sich 
selbst in abgrundtiefe Gefahren zu stürzen drohten. 

Es war also eine natürliche Konsequenz, daß er jetzt nicht mehr 
zögerte, seine Erklärung abzugeben. Er tat dies von Hörn aus am 25. 
in einem am 26. expedierten Schreiben an den Kaiser, welches er samt 
den analogen seiner zwei Brüder an Polhaimb unter Bezugnahme auf 
ein früheres, bei diesem hinterlassenes Schreiben zur Übergabe sandte. 
Er konnte Se. Maj. an die in der letzten Audienz ihm erteilte Ermäch- 
tigung, seine persönliche Fidelität auch schriftlich zu versichern, er- 
innern und sich als getreuer Vasall und Untertan erklären. 2 ) 

Ebenso begreiflich und der Situation angemessen war es, daß er 
sich noch zu den entscheidenden Sitzungen der Retzer einfand, in denen 
seine Relation abgehört und über die weiteren Absichten Beschluß ge- 
faßt werden sollte, wobei er noch eine leise Hoffnung gehabt haben 
mag, vor extremen Tendenzen noch zurückzuhalten.. 

In Retz, wohin er sich mit seinem Bruder am 30. abends begab, In Retz. 
fand er die ihm schon angedeutete, seinen vermittelnden Bestrebungen 
völlig entgegengesetzte Strömung, welche die unter dem Banne der ex- 



') Diarium. Schreiben v. 8. Mai. Die Mutter seiner Frau M. v. Grabner war eine 
Polhaimb. 

'-) St.-A. Diarium u. Beilagen. — Ad. Wolf, I, 294. — Gindely, III, 225. 



156 

tremen Tendenzen einiger Führer befangenen Reste der Dissentierenden 
immer weiter in die gefährlichste Richtung trieb. Einige hatten schon 
geheime Fäden nach außen gesponnen. Ein Schreiben an den König 
von Dänemark sollte finanzielle Hilfe erbitten. 1 ) Christof Rauber, 
Greiß zum Wald und ErasmNeydeck waren schon mit Vollmachten 
d° Hörn 17. Juli nach Prag gesendet worden, um Friedrich wegen 
der Wahl zum Schutzherrn zu sondieren 2 ) und Ludw. v. Starhemberg 
und Starzer hatten als Gesandte zum Reichstage in Neusohl dort 
31 Beschwerdepunkte der ö. Stände dargelegt und für das Bündnis mit 
den Ungarn Vorträge gehalten, die in Wien bitter empfunden wurden 3 ), 
um so mehr als die hier befindlichen Evangelischen die Ungarn gerade 
ersucht hatten, mit Rücksicht auf die Religionszugeständnisse des Kaisers 
von Feindseligkeiten abzustehen und gemeinsam gegen die Türken zu 
ziehen. 4 ) 

Unter diesen Umständen konnten alle Versuche, die Retzer von 
ihrem, jetzt an Wahnsinn grenzenden Vorhaben zurückzuhalten, keinen 
Erfolg mehr zeitigen und die definitive Trennung von ihnen wurde un- 
vermeidlich. 

Sie trat auch unverweilt zutage, In der Sitzung v. 31. Juli, zu welcher 
Khuefstein gleich nach seiner Ankunft geladen worden war, erschienen 
59 Herren und Ritter. Zuerst wurde Dr. Lackner als Gesandter des 
Bethlehem (sie!) Gabor vernommen. Er sei auf »unser Begehren« 
(jedoch nur jenes der Deputierten, ohne Vorwissen der Stände) er- 
schienen, um an den Verhandlungen teilzunehmen und Informationen zu 
geben. Doch gab er zu verstehen, »daß die Ungarn noch nicht ungeneigt 
seien mit Ihr kais. Maj. die Friedenstractation zu tentiren«. Ebenso 
wohnten von Mähren Rogendorf und Rechenberg und von Ober- 
österreich Tschernembl bei. Dann wurde Khuefstein s Relation samt 
Beilagen, welche er schon von Hörn aus gesendet hatte, verlesen, was 
sich bis 2 Uhr hinzog. 1 ') 

Sitzung -Die entscheidende Sitzung v. 1. August möge nach dem Diarium, 

v. 1. August, dem, wie ich glaube, einzigen vorhandenen Referat eines Augenzeugen, 
wörtlich wiedergegeben werden, um so mehr als sie durch dramatische 
Momente an den Eid der Wallensteinschen Generale anklingt. Khuef- 
stein schreibt: 
Abfall der »Den ersten Tag Augusti sein wir fast in voriger Anzahl wiederum 

Retzer. zusammenkommen und die vorbemelten Gesandten dabei gewesen. Da 
dann der Präsident v. Frideshaimb durch den Secretarium Dr. Hafner 
einen Extract ablesen lassen, beedes der Ständt laut ihrer Hauptschriften 
beschehene Begehren und deren unterschiedlich darüber erfolgte kais. 
Resolutionen, mit Intention denen Ständen einzubilden, daß sie in keiner 
einzigen Sach annehmbliche Satisfaction erlangt hätten, welches dann 
bei allen (außer unser 4 oder 5) dermaßen gehaftet, daß man dahin ge- 



») Hofk.A. R. 14. 

-) StA. Handschr. 108. V 2 , Fol. 155. — Gindely, III, 225. 

3 ) LA. Rel. E. B. — StA. Ost. 10b. — Gindely, III, 148 ff. 

4 ) LA. Hei. E. B. 

5 ) Diarium. 



157 

schlössen, man könne und wolle weder huldigen noch ferner tractiren, 
sondern den König in Böhaimb zu einem Schutzherrn erbitten. Zu dem 
Ende eine Schrift durch Ausschuß verfaßt denen Ständen fürgebracht 
und folgends aufs förderlichste eine Legation nach Prag geordnet werden 
solle: Bei welchem Schluß ich es dann (wiewohl ich in meinem voto 
beedes ausdrücklich widersprochen und improbirt) mit Schmerzen müssen 
bewenden lassen. Nach gemachtem diesem Schluß hat Hr. v. Frides- 
haimb proponirt: Nachdem wegen vieler Ursachen, sonders des starken 
Bruch so zwischen denen Ständen mit Huldigung der Unterigen Mit- 
stände und damit ferner dergleichen nicht geschehen möchte, sondern 
die Stände untereinander versichert sein könnten, wie sie sich aufeinander 
zu verlassen und der Verschwiegenheit in ihren Consiliis und actionibus 
zu getrösten hätten: als habe das Collegium der Deputirten für gut an- 
gesehen, daß sich die Stände mit einem Jurament zusammen verbünden, 
zu dem Ende sie eine Formulam verfassen und hiemit wollten ablesen 
lassen. So alsbald' (ehe die Stände von Ja oder Nein votirt) beschehen, 
und als Hr. General zum ersten voto es ihm allerdings gefallen lassen 
und gefragt, ob nicht schon dieses Jurament im Original vorhanden sei, 
hat secretarius Dr. Hafner (weil zweifelsonders Alles schon vorher ab- 
gedroschen gewesen) schon auf der Seiten ein Libell darin anfangs 
dieser Eid an erstem Blatt, und folgends vieles Wachs zu Petschaften 
mit Ordnung aufgedruckt gewesen, gehabt und herfürgebracht, welches 
Hr. General selber gegen dem Concept collationirt und gleich darauf 
unterschrieben, dann (ohne weitere Umfrag oder Votiern) die Andern 
alle gefolget, außer meinem Bruder Hn. Hans Jacob 1 ), Ich, Hr. Chri- 
stoph Leysser, Hr. v. Rappach, Hr. Hartmann von Landau und 
Hr. Max Teufel. (Doch haben die beeden Letzten, als ich vernommen, 
hernach bald gefertiget.) Wir Andern haben uns dessen neben Anderem 
darum geweigert, weil wir diese Conföderationen viel weniger die Re- 
lationes niemalen abgehöret. Darob man zwar ziemlich bald zufrieden 
gewesen, doch Hr. v. Frideshaimb vermeldet, es sei Niemand ge- 
zwungen, wer aber nicht schwöret, werde sich künftig der Zusammen- 
künfte zu enthalten haben. Dabei es unserstheils damals verblieben und 
wir hinausgingen, die Uebrigen beisammen verblieben und als ich ver- 
nommen, den körperlichen Eid zusammen geschworen. Den 2. Augusti 
hat man in Ständen Rath gehalten, aber mir und Hn. Hans Jacoben 
nicht angesaget. Wir aber haben die Predigt angehört und sein auf den 
Abend gen Hörn gefahren.« 2 ) 

Der abgeforderte Eid, welcher von 29 Herren und 33 Rittern 3 ) 
geleistet wurde, besagt, »daß wir die zwischen dem Königreich Ungarn, 
Böhmen und incorporirten Landen, wie auch Oesterreich unter und ob 
der Enns A° 1619 zu Prag geschlossene und zur Erhaltung der politi- 
schen und Religionsfreiheit, auch zur Steuerung aller Turbatorum pacis 
aufgerichtete, von aller Länder Gesandten besiegelte und mit Eid be- 
kräftigte, nochmals A° 1620 bei dem General-Landtage zu Prag solemniter 

l ) Hans Lorenz, der dritte Bruder, war in Hörn. 

: ) Diarium, benützt von Ad. Wolf, I, 295 u. Gindely, III, 227. 

3 ) Zusammen 62, wohl inklusive der noch in Hörn von Hofkirchen Eingefangenen. 



158 



publizierte Conföderation nun u. zu künftiger Zeit standhaftig und un- 
verbrüchlich halten und ohne Anstiftung- loser Praktiken dagegen, es 
sei bei Sr. Maj., dero Hof oder in anderem Weg, nichts thun wollen, etc.« x ) 

Daß die Anhänger der Dynastie diesen Eid nicht schwören konnten, 
ist ebenso begreiflich, als daß nun, nachdem sie den Bruch mit ihren 
früheren Gesinnungsgenossen, von denen sie sich im Inneren schon 
längst getrennt hatten, offenbar gemacht hatten, das Tischtuch zwischen 
ihnen zerschnitten war. 

In Hörn machte Hofkirchen, welcher am 7. den dort in ziem- 
licher Anzahl anwesenden Landleuten denselben Eid abnahm, noch einen 
Versuch, die Gebrüder wieder zu gewinnen, die sich jedoch neuerdings 
— Hans Lorenz nach dreitägiger Bedenkzeit — weigerten. 
Die drei Wie schwer der Verlust der drei Brüder Khuefstein in Retz 

Khuefsteiner empfunden wurde, beweisen neben den oben erwähnten Bemühungen sie 
und deren wieder zu gewinnen, die Schwierigkeiten, die ihrer Abreise von Hörn 
Huldigung, entgegengestellt wurden, und die Versuche sich ihrer Güter zu be- 
mächtigen. 2 ) 

Als Hans Ludwig zu sich nach Puechberg zurückkehren wollte, 
erfuhr er durch einen der Musketiere die früher dort einquartiert ge- 
wesen, daß Befehl gekommen sei ihn nicht hineinzulassen, und da ihm 
>eine Abschrift dieser Ordinanz« vorgewiesen wurde, mußte er sich be- 
quemen sich nach Hörn zurückzubegeben. Seine Beschwerde wurde 
von Hofkirchen dahin beantwortet, man könne ihn nicht hineinlassen, 
denn Puechberg sei ein festes und an dem Feind gelegenes Grenz- 
schloß. Er könne übrigens holen lassen was er wolle. Sein Verdacht, 
es solle einem anderen Herrn übergeben werden, wurde vom General mit 
hoher Beteuerung zurückgewiesen, der auch keine Anstände machte, als 
er die Absicht aussprach »nach Wien zu seiner lieben Gemahel« zu reisen. 

Dies verzögerte sich wegen der den Weg unsicher machenden 
Böhmischen, ungarischen und Niederländischen Völker, bis ihm Anhalt 
sowohl als Buquoy 3 ) die erbetenen Konvois zusagten. Erst am 18. 
konnte er aufbrechen. Mit ihm sein Bruder Hans Lorenz mit der 
Frau, Paris von Sonderndorf samt Frau und Kindern, Christof 
von Rappach mit Frau und jungem Sohn, Christof Leysser und 
Frau, Ehrenberg, Losperg, Khneissel und Feyrtag, also noch 
einige, die sich eines Besseren besonnen hatten, mit 20 Wagen und 
30 Reitrossen. Sie wurden von 120 Reitern und 20 Musketieren der 
Stände bis zum Tettenhengst eskortiert und bei Schönberg von 
100 kaiserl. Musketieren des Preunerischen Regimentes aufgenommen 
bis nach Zöbing. Am 19. besuchten sie Buquoy in Grafenegg zu 
einer Unterredung und gelangten am 21. August auf 5 Schiffen glück- 
lich nach Wien. 4 ) 



1 ) Hofk.A. Österr. R. 14 (Repertum in oancellaria Hornensi) v. 3. Aug. datiert. 
-) Khevenh., IX, 1068. 

3 ) Die Schreiben an diesen in spanischer Sprache waren gezeichnet: El barone 
Juan Luys Cuefsteyne. Diarium samt Beilagen. 

4 ) Diarium. 



159 

Nach seiner Ankunft in Wien vollzog H. Ludwig seine Huldigung 
persönlich. Ebenso seine Brüder. Alle drei beschlossen damit eine be- 
deutungsvolle Epoche ihres Lebens, in welcher sie für ihre politische 
und religiöse Überzeugung mannhaft eingetreten waren bis an die 
Grenzlinie, wo ihre Kaisertreue ihnen verbot, dem Wege der Rebellion 
gegen den Landesfürsten, den die Retzer nun betraten, zu folgen. 

Das Diarium schließt H. Ludwig mit den Worten: »Gott sei Lob 
und Dank gesagt. Dem ich auch ins Künftige mein Leben, Thun und 

Wohlfahrt befehle.« 

* * 

* 

Die Retzer schritten auf ihrer verhängnisvollen Bahn weiter. Sie Die Retzer 
sandten jetzt eine Deputation, welcher G. Hofkirchen, Puechhaim, ln Böhmen. 
Martin Starhemberg, Rauber und Neydeckh angehörten, nach 
Prag, wo sie >gar stattlich in 9 Kutschen und mit 40 Pferden« ein- 
trafen und tagsdarauf vom Pfalzgrafen empfangen wurden. ') Sie baten 
ihn um seinen Schutz, indem sie ihn — wenn ihre alten Privilegien und 
Freiheiten, die sie schon vor der Regierung des Hauses Habsburg 
und auch jener des gräflichen Stammes von Babenberg besaßen, be- 
stätigt würden — als ihren Schutzherrn anerkennen wollten. Sie moti- 
vierten dies damit, daß sie sich vergebens an den Kaiser gewendet 
hätten, und sogar, nachdem die zur Huldigung auf den ersten Termin 
v. i.Juli nicht Erscheinenden als Rebellen erklärt worden, auf die Kon- 
föderation verzichten wollten, aber für den Fall der Verweigerung erklärt 
hätten, auf andere Mittel bedacht sein zu müssen. »Es hat aber auch 
dieses nicht verfangen, sondern als Herr Hans Ludwig Khuefstainer 
die verfaßte Schrift kraft seiner von den Ständen erhaltenen Instruction 
hinabgebracht, ist solche dermaßen übel angesehen gewesen, daß sich 
Ihr. Maj. in einem an Ihn Khuefstainer lautenden Decret dahin er- 
klärt, daß Sie die Ständt keiner weiteren Antwort würdigen, sie nit vor 
Ständt erkennen wollen und Ihn Hn. Khuefstainer, umb daß er sich 
zu Ueberantwortung besagter Schrift gebrauchen lassen, bei Sonnen- 
schein aus der Stadt geschafft haben.« 2 ) Also die Behandlung ihres 
Abgesandten und üble Aufnahme ihrer Eingabe war als ein Hauptmotiv 
in den Vordergrund geschoben. 

Wenn sie den Pfalzgrafen versicherten, daß ihrer noch über andert- 
halb hundert seien, die dem Kaiser nicht huldigen wollten, so war der 
Wunsch der Vater des Gedankens. Denn tatsächlich' hatten, wie wir 
gesehen, nur 62 Ständemitglieder den Eid v. 1. August geleistet, und 
auf die Abwesenden war schwerlich mehr zu rechnen. 

Friedrich ließ ihnen vom Groß - Hofmeister Grafen So lms im 
Schlosse ein stattliches Bankett anbieten, wagte es aber, angesichts der 
Lage, die sich für ihn immer bedenklicher gestaltete, nicht, die Schutz- 
herrschaft und Huldigung anzunehmen. Er glaubte sie nur versichern 
zu können, daß er — wenn er auch ihr Anerbieten vertagen müsse — 
sie nach seinen Kräften schützen werde, da ihre Sache eine gemeinsame 
sei. 3 ) So hatten sie an dem Schutze eines Herrn, der selbst schon schutz- 

*) Khevenh., IX, 1004 setzt die Ankunft auf den 23. August und nach ihm Gin- 
dely, III, 228. Alle drei Hofkirchen, Georg Andreas, Wilhelm u. Hans Bern- 
hard, wurden geächtet. 

2 ) Hofk.-A. Österreich. R. 14 setzt die Audienz auf den 20. August. 

3 ) Gindely, III, 229. 



160 

bedürftig war, un bon billet de La Chätre. Bald mußten sie den bitteren 
Ernst fühlen. Der Kaiser, durch das Herannahen der Liga mit den 
Truppen Maximilians von Bayern seiner Macht bewußt, erließ am 
12. September das erste Dekret gegen die Rebellen, welches am 16. 
feierlich proklamiert ward. 31 Ständemitglieder wurden als öffentliche 
Rebellen und ihrer Güter verlustig erklärt, »weil sie sich der Huldi- 
gung entzogen und zu den Rebellen begeben hatten«. Also nicht der 
Religion wegen, wie so oft behauptet wird. Am 14. Oktober dess. J. 
folgte ein zweites Patent, womit 37 andere Landesmitglieder mit dem- 
selben Schicksale gestraft wurden. Von diesen als Rebellen erklärten 
68 Personen, unter denen sich auch solche befanden, die nicht Stände 
waren, wurden nachträglich noch einige wieder in Gnaden aufge- 
nommen. 1 ) Sehr einträglich waren die Konfiskationen nicht. Im J. 1620 
waren sie für Niederösterreich auf rund 2,207.400 fi. bewertet, die darauf 
haftenden Schulden aber nahe an 2 Millionen. 2 ) 



Maximilian Herzog Maximilian von Bayern, welcher am 24. Juli im Auf- 

von Bayern trage der Liga in Oberösterreich eingerückt war und die Stände in Linz 
Greillenstein. trotz ihres Widerstrebens am 20. August zur Huldigung gezwungen 
hatte, war am 2^. von dort aufgebrochen, nachdem er den Obersten 
Freiherrn von Herberstorff zum Landeshauptmann eingesetzt hatte. 
Er rückte zur Vereinigung mit Buquoy über Weitra nach Zwettl, 
wo er rastete, während die Abteilung Dampierres bei Grafenwerth 
von Anhalt, der immer noch bei Eggenburg stand, eine kleine Schlappe 
erlitt, wodurch der Anschluß mit Buquoy verzögert wurde. Am 7. Sep- 
tember setzte Maximilian seinen Marsch nach Oberndorf fort, 
während Buquoy ihm gegen Neu-Pölla entgegenkam. Am 8. fand 
die Vereinigung beider Heere, offenbar zwischen Neu-Pölla und 
Greillenstein statt. 3 ) Über diese Vereinigung schreibt Kheven- 
hüller 4 ): »Den 8. September sein Ihr Fürstl. Durchlaucht, nachdem sie zu 
Oberndorf in einem Heustadel über Nacht geblieben, des Morgens mit 
dem Volk vor das Schloß Greillenstein gerückt, daselbsten sich die 
darinnen liegenden Soldaten zur Wehr gesetzt, sobald sie aber 
Se. Durchl. selbst mit der ganzen Armada und also den Ernst gesehen, 
haben sie das Schloß aufgegeben und sein in die Stadt Hörn gezogen, 
hat dieses Schloß Greillenstein dem Hans Jacob Freiherrn von 
Kuffstein gehöret, der sich in der Böhmen Dienst gebrauchen lassen 
und zu Hörn sich damals aufgehalten. 5 ) Daselbsten hat sich der Comte 
de Bouquoy das erste Mal 2 od. 3 Stund nachdem Se. Fstl. Durchl. 
ankommen, sehen lassen und höchstgedachter Durchl. die Hand geküßt. 



l ) LA. Rel. E. B. — Hofk.-Arch. Ost. R. 14. — Hurter, VIII, 427. — Ad. Wolf, 
I, 297. — Raupach, E. O. 272. — Khevenh., IX, 1069. 

■) Hofk.-A. Ost. R. 14. 

3 ) Gindely, III, 254. 

*) Khevenh. IX, 1073. — Kerschbaumer, Gesch. d. Bist. St. Polten, I, 459 u. 
Gesch. Beil. IV, 133. 

5 ) Dreifach unrichtig! H. Jacob war nie in der Böhmen Dienst, war längst nicht 
mehr in Hörn und hatte gehuldigt. 



161 

Den 9. Septb. haben Se. Durchl. dem von Puechaim, der sich in 
einem andern Schloß zu Wiltberg nebst bei Grewlenstein gelegen, 
aufgehalten, sagen lassen, daß er das Schloß aufgeben sollte, weil er 
sich aber dessen geweigert, ist befohlen worden, es zu nehmen«, was 
auch geschehen. Nachmittags ist die kais. Armada vorübergezogen 
die Se. Durchl. passiren sehen. Die Böhmische Besatzung vom Kloster 
Altenburg sammt dem Kloster hat sich freiwillig ergeben. Nachdem 
Fürst Christian von Anhalt gesehen, daß sich die Baierische Armee 
mit der kaiserl. vereinigt, hat er sich mit seinen Truppen nach Böhmen 
zurückbegeben. Hörn und Eggenburg haben sich den Kaiserlichen 
ergeben, nachdem auf Hörn schon 30 Schüsse von groben Stücken ab- 
gegeben worden waren. 1 ) »Den 12. ist man zu Greillenstein auf- 
gebrochen, doch vorher Se. Fstl. Durchl. mit Gf. Buquoy sich berath- 
schlagt und entschlossen dem Feind bis Drosendorf nachzuziehen«, um 
dann nach Böhmen zu rücken.' 2 ) 

Also hatte Maximilian vom 8. bis 12. Septb. 1620 sein Quartier 
im Schlosse Greillenstein aufgeschlagen, wo auch der Feldzugsplan, 
der sie schließlich zum Weißen Berge führte, mit Buquoy verabredet 
wurde. 



Die Wiener Evangelischen hatten wohl gehuldigt, nachdem sie Schluß, 
ihrer Religions- und polit. Rechie sicher zu sein annehmen durften. 
Allein ihr Verhältnis zu den Katholischen war nicht besser geworden. 
Sie waren zu keiner gemeinsamen Beratung zu bringen, bevor sie nicht 
die Assecuration auf Grund der Zugeständnisse v. 16. Mai 161 9 von 
ihnen erhalten hätten (31. August 1620). Der Kaiser, der vergebens zur 
Beratung der Propositionen drängte, erklärte am 4. Septemb. ihre Dif- 
ferenzen für diesmal ausgeglichen, wodurch wenigstens so viel erreicht 
wurde, daß die Verhandlungen einen ernsteren Fortgang nahmen. Allein 
den mit Vorwissen des Königs Matthias unter Interposition des Palatins 
Georg Thurczo und der Mährischen Stände i. J. 1610 angebahnten 
Vergleich wollten die Katholischen nicht mehr gelten lassen, da die 
Kommission zu keinem Resultat gelangt sei und den Evangelischen ihre 
am 26. Febr. 1610 recht biedermännisch u. deutsch gegebene Erklärung 
nicht genügt habe. Jetzt verlor der Kaiser endlich die Geduld und erklärte 
am 12. Septb. 1620 gleichzeitig mit dem ersten Rebellendekret, daß er 
den Differenzen nicht länger zusehen könne, hob selbe nochmals auf und 
ermahnte zum letzten Male, zu den Propositionen zu schreiten. Die 
Energie hatte Erfolg. Die Katholischen konnten schon am 14. melden, 
daß sich die Evangelischen williger zeigten und diese erklärten wirklich 
(22,. und 25.), angesichts der drohenden Feindesgefahr die vom Wohle 
des Landes erforderte gemeinsame Beratung pflegen zu wollen, wogegen 
ihnen wieder die Versicherung zuteil ward, sie bei den kais. Zusagen 
v. ii. Juli unturbiert zu lassen. 



') Khevenh., IX, 1074. — Gindely, III, 254 sagt, Hörn u. Eggenburg haben sich 
ohne Widerstand ergeben. 

2 ) Khevenh., IX, 1075. 

Kuefstein. III. H 



162 

Doch erst am 18. Dezb. erfolgte die Antwort aller vier Stände. Sie 
wurde übergeben durch Georg von Teufel und Hans Jacob von 
Khuefstain. Die Stände bedankten sich für die ihnen bei der Huldigung 
erteilte Zusicherung ihrer Privilegien, freuten sich der auf Se. Maj. ge- 
fallenen Sukzession und baten um Erledigung ihrer Gravamina sowie Ein- 
stellung der militär. Requisitionen, da sie die Erhaltung ihres Kriegs- 
volkes nicht mehr leisten könnten, und stellten die um 55.000 fl. versetzten 
Kleinodien zurück. Mit der Beglückwünschung zum Regierungsantritt, 
den sie von der Huldigung an rechneten, waren die normalen Be- 
ziehungen zum Landesfürsten wiederhergestellt, der sie mit Wohlgefallen 
aufnahm und den Schutz ihrer Privilegien und Erledigung der Gra- 
vamina zusagte. Er habe alles zu einem friedlichen Ausgleiche mit den 
Böhmen angewendet, selbst mit Hintansetzung seiner Würde, sei aber 
wegen Erfolglosigkeit dieser Bemühungen zu den Waffen zu greifen 
genötigt gewesen. Er wolle sich daran setzen, alles wieder in den 
früheren Stand zu bringen (20. Dezb. 1620). *) 

Mit der erfolgten Huldigung seitens der dem angestammten Landes- 
herrn die Treue bewahrenden Mehrzahl der Stände, der definitiven Sepa- 
ration der Retzer Extremen u. deren Übergang zum fremden Fürsten, 
der Verurteilung der Rebellen und der Bewältigung- des Böhmischen 
Aufstandes nach der Schlacht am Weißen Berge (8. Novb. 1620) war 
nicht nur der Widerstand der Evangelischen überwunden, sondern auch 
die politische Bedeutung der schon seit längerer Zeit in sich geteilten 
Stände überhaupt wesentlich geschwächt, die landesfürstliche Machtvoll- 
kommenheit dagegen in bisher ungeahnter Weise gehoben nnd durch 
die weiteren Erfolge so sehr gekräftigt, daß die Betätigung der Stände 
in der neuen Ära und ihr Einfluß auf die Regierung des Landes immer 
mehr zurückgedrängt ward. Ihre Privilegien wurden wohl bestätigt und 
die so hartnäckig verteidigten Religionskonzessionen in thesi aufrecht- 
erhalten. Allein die Auslegung und Ausführung lag ganz in der Hand 
des Hofes. Die Kraft des Uradels war gebrochen, wie Dr. Bibl treffend 
sagt, und ein landfremder Adel trat in die offen gelassenen Lücken. 2 ) 

Der Aufbau des neuen Staatswesens, welches den Anforderungen 
.der Zeit entsprechend die Gewalt des Ganzen mehr und mehr in den 
Händen des Oberhauptes konzentrierte, ließ auch die früheren Verhält- 
nisse in den Hintergrund treten und die erteilten Zusicherungen wurden 
nach und nach durch den Schleier der Vergessenheit den Augen der 
Beteiligten verhüllt, nicht ohne eine gewisse Passivität derjenigen, für 
die sie gegeben worden waren. 

Nachdem der Kaiser einer Kommission die Frage vorgelegt hatte, 
ob er verpflichtet sei, den Evangelischen die zugesagte Freiheit ihrer 
Religion zu belassen, und dies von einer Seite bejaht, von der anderen 
aber negiert wurde, weil nur das Augsburger Bekenntnis freigegeben 
worden sei, während jetzt die meisten Evangelischen in Österreich Kal- 
viner wären, wählte er einen Mittelweg und ordnete mit Generale vom 
14. Septb. 1627 die Ausschaffung der Prädikanten an 3 ), wodurch dem 
Gottesdienste ihrer Konfession der Boden abgegraben war. Am 24. dess.M. 
wurden die Patrone angewiesen, nur kathol. Geistliche anzustellen, dann 



*) LA. Rel. E. B. 
-) Bibl, 1. c. 159. 

3 ) LA. Rel. E. B. — Huber, V, 242. — Khevenh., XI, 304. — Hurter, IX, 
200 ff. u. X, 119. 



163 

mit Generale v. 10. April 1628 die Evangel. Religionsübung überhaupt 
eingestellt. *) Nur die Stände behielten die Freiheit des Glaubens. Allein 
die Mittel, ihn auszuüben, waren ihnen benommen. Als gläubige Christen 
konnte es ihrem Gewissen nicht genügen, ganz ohne Gottesdienst ihr 
Leben hinzubringen. Es blieb also wohl nichts übrig, als sich dem alten 
Glauben wieder zuzuwenden. Nichtsdestoweniger befanden sich i. J. 1647 
noch 164 Herren u. 85 Ritter, zusammen 249 Personen von 78 Geschlech- 
tern Evangel. Konfession unter den Ständen. 2 ) Wenn die meisten anderen 
den Religionswechsel vollzogen hatten, so war dies nicht infolge so 
strenger Maßregeln, wie etwa in Böhmen oder auch Ob. -Osterreich, 
geschehen. Denn in Niederösterreich waren die Herren u. Ritter von 
den allgemeinen Bekehrungsmandaten ausgenommen und nicht mit Ver- 
bannung bedroht, weil ihnen für ihre Huldigung die Konzession be- 
stätigt worden war, wie wir im Verlaufe der Darstellung gesehen haben. 3 ) 
Khlesl selbst hatte davor gewarnt, wie in Ob. -Österreich vorzugehen, 
weil sonst so viele Seelen, Einwohner und Arme verloren gingen. 4 ) 
Nicht die Unkatholischen wurden bestraft, sondern die Rebellen, nicht 
der Glaube, sondern der Aufruhr. 5 ) Der Konfession kam man auf an- 
derem Wege bei. 

Wie recht hatte Tschernembl, als er nach der Religionskonzession 
v. 1609 dem König Matthias zurief, es komme jetzt alles auf die Aus- 
führung an. Vom Standpunkte einer objektiven historischen Auffassung 
kann man nicht verkennen, daß in der Tat diese sukzessive eingeleiteten 
Maßregeln der Gegenreformation die eklatanteste Rechtfertigung jenes 
tief gewurzelten Mißtrauens bieten, welches die Evangelischen Stände 
in feiner Witterung der ihnen entgegenarbeitenden Tendenzen verhin- 
derte, auch in den schönsten und feierlichsten Versprechungen eine 
dauernde Garantie der so schwer erkämpften Religionsfreiheit zu finden. 



') LA. Rel. E. B. 

2 ) LA. Rel. E. B. genaue Liste der Namen. 

3 ) Vgl. auch Huber, V, 241. — Ad. Wolf, I, 299. 

4 ) Raupach, Ev. Ö. 290. 
6 ) Hurter, VIII, 428. 



11* 



XXIII. 

HANS JACOB'S 

FERNERER LEBENSGANG, 
f 1633 

FORTSETZUNG DES HAUPTSTAMMES. 



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1. Allgemeines. 



jlie durch Bestätigung der politischen und Religionsprivilegien 
seitens des Kaisers und die vollzogene Huldigung der treu- 
gebliebenen Stände erfolgte allgemeine Aussöhnung schuf eine 
neue Sachlage, welche es den Ständemitgliedern, die sich bisher im poli- 
tischen Leben in dieser oder jener Richtung hervorgetan hatten, ermög- 
lichte, auch fernerhin ihre Dienste den öffentlichen Angelegenheiten zu 
widmen und im Interesse des Landes für den Ausgleich der noch be- 
stehenden Divergenzen und die Konsolidierung normaler Verhältnisse das 
Gewicht ihres Ansehens und ihrer Autorität in die Wagschale zu werfen. 
Es war auch eine kluge Politik des Hofes, mit Anwendung der mög- 
lichsten Milde die Schwankenden heranzuziehen, und auch den Evan- 
gelischen, ohne daß diese ihren Glauben aufzugeben brauchten, der- 
gestalt Entgegenkommen zu zeigen, daß sie sich mit dem neuen Zu- 
stande der Dinge befreunden und ihre schätzbaren Kenntnisse und 
Fähigkeiten dem Dienste des Vaterlandes erhalten konnten. 

Wohl waren die Gegensätze nicht sofort zu verschmelzen, doch 
verloren sie allmählich an Schärfe. Bei den Ständen, wo es darauf am 
meisten ankam, bewahrten die Evangelischen noch die Majorität im 
Rate der Verordneten, bis das immer kräftiger hervortretende Drängen 
auf Besetzung aller Beamtenstellen mit Katholiken nicht mehr zurück- 
zuweisen war und v. 26. März 1627 an auch die Herabminderung der 
Verordneten von acht auf sechs den Katholischen die Majorität sicherte. 1 ) 
Die noch lange fortdauernde Teilung nach Konfessionen hatte ihre Be- 
deutung in meritorischer Hinsicht wesentlich eingebüßt und behielt 
schließlich hauptsächlich wegen des Kassawesens eine gewisse Wichtig- 
keit. Der Werdegang der staatlichen Entwicklung orientierte sich nach 
neuen Polen, die der Neugestaltung des alten Staatswesens die Wege 
einer glänzenden Zukunft zu weisen schienen. 

In weiser Einsicht, daß alle Kräfte unverloren bleiben sollten, 
wurden nicht nur diejenigen, welche sich treu erwiesen hatten, sondern 
auch namentlich jene, welche man zum Vorteile des Staates zu ge- 
winnen trachtete, durch möglichstes Entgegenkommen herangezogen. 
Die Frage der dynastischen Treue stand vorerst im Vordergrund, jene 
nach der Religion folgte in zweiter Linie. Die Äußerungen kais. Wohl- 
wollens und Vertrauens für unsere Familie, obwohl alle ihre Mitglieder 
noch evangelisch waren, sind ebenso sehr ein Beweis der Anerkennung 
ihrer geleisteten Dienste als des Wunsches, ihre bewährten Kräfte auch 
in Hinkunft sich dienstbar zu erhalten. Die Gebrüder gehörten noch 



1 ) LA. Repert. I, pag. 89, und Beilagen, A, II, 3. 



168 

dem evangelischen Glauben an, als das kais. Dekret v. 1622 ihnen das 
alte Prädikat bestätigte und die Verleihung des Oberst-Silberkämmerer- 
Amtes 1624 fand nur einen von ihnen zum alten Glauben zurückgekehrt 
(Jacob), während ein anderer (H. Ludwig) ihm viel später i. J. 1627 
folgte, der dritte (H. Lorenz) aber gar nicht. Die Familie bewegte sich 
in einer aufsteigenden Linie, die durch die politischen Wirren kaum 
vorübergehend unterbrochen wurde. Der Grafentitel, der in unberufener 
Weise zuweilen damit in Verbindung gebracht werden wollte, kam erst 




Hans Jacob im Hochzeitsgewand. 1601. 



E. A. 



viel später zuerst dem Hans Ludwig, Stifter der ob.-ö. Linie, zu, in 
unsere Linie aber erst in der darauffolgenden Generation, als den 
Religionsfragen schon längst nicht mehr die frühere Bedeutung bei- 
gelegt wurde. ') 



') Danach sind also die unrichtigen Auffassungen des P. Wiedemann, der Ba- 
ronin Handel-Mazzetti u. a. richtigzustellen. Khevenh., IX, 1069 u. 1274 verwechselt 
die Personen u. Hurter, IX, 251 spricht sogar von einer Verbannung, die niemals statt- 
gefunden hat. Die Listen der erklärten Rebellen sind genügend bekannt. Hfk.-A. R. 14, Ö. 
u. L.-A. Rel. E. B. 



169 

Bei Allen finden wir die Aufrechthaltung der bisher schon vor der 
ständischen Bewegung eingenommenen oder während derselben erlangten 
Stellungen und deren natürliche Weiterbildung. 

2. Personalia. 

Hans Jacob, der älteste der Brüder, 1577 geboren, heiratete 1601 
Clara v. Puechaimb und fungierte schon vorher als Fürschneider des 




Clara im Hochzeitsgewand. 1601. 



E. A. 



Erzherzogs Matthias. Kurz rekapitulierend, was über den ersten Teil 
seines Lebens schon gesagt wurde, erinnern wir uns, daß er von 1603 
an Beisitzer der Landrechte war und von Kaiser Rudolf mit Dekret 
v. 5. Mai 1607 für mehr als zwölf Jahre hindurch treu geleistete Dienste 
zu dessen wirklichem Rat ernannt wurde. 1 ) Er wird als Kriegsmann 
von Jugend auf bezeichnet, der sich in mehreren Feldzügen bewährte, bis 
er als Oberst den Kriegsdienst verließ. 2 ) In den kritischen Jahren der 



x ) Orig. Perg. Archiv Greillenstein. 
3 ) Wisgrill, V, 303. 



170 

ständischen Bewegung stand er wie seine Brüder fest auf Seite der 
Evangelischen Religionsgenossen. Wir haben seine Tätigkeit in dem 
diesen Ereignissen gewidmeten Abschnitte bereits verfolgt. Nur einige 
Momente, die mehr seine Person betreffen, wären noch hinzuzufügen. 

Als man von Hof aus ein wachsames Auge auf die Rüstungen der 
Evangelischen hatte, wurde auch Hans Jacob aufgefordert (19. Sept. 
16 19) dem Hofkriegsrat ein »parifizirtes Verzeichniß was für arma in 
seiner Rüstkammer sich befinden förderlich zu überschicken«. 1 ) Die 
Evangelischen Stände zu Hörn errichteten mit Patent v. 26. Oktob. 1619 
ein Proviantamt und Hans Jacob, welcher deren Direktorium angehörte, 
wurde zum Obrist-Proviantmeister für Einkauf von Vieh und Vor- 
räten auch außer Landes ernannt. 2 ) Wir haben ihn auch in dieser Eigen- 
schaft schon kennen gelernt. 

Im darauffolgenden Jahre erschien Herzog Maximilian von 
Bayern im Lande, belagerte Greillenstein und nahm es begreiflicher- 
weise bald ein, um dort v. 8. bis 12. September sein Hauptquartier auf- 
zuschlagen und mit Buquoy zu konferieren. Greillenstein erhielt 
offenbar eine kaiserl. Besatzung. Denn am 27. Oktober 1620 bat Hans 
Jacob um Verordnung von Munition für die auf seinem Gute u. dem 
seines Bruders eingelegten Garnisonen, wofür er an den Hofkriegsrat 
Max Freihn. v. Beckh, dem das Kommando derselben anvertraut war, 
gewiesen wurde. 3 ) 

Als infolge der geleisteten Huldigung die Wogen des Sturmes 
sich geglättet hatten, wurden auch die bewährten Dienste des Hans 
Jacob wieder angenommen und ihm die Ernennung zum N.-Ö. Kammer- 
Rate erteilt »wegen seiner Ihro kais. Maj. und dem hochlöbl. Hause 
Oesterreich in mehr Weg erzaigt und bewiesenen eifrigen, nutz- und er- 
spießlichen Dienste«. Am 31. Dezember 1620 erging ein Hofkanzleidekret 
an die Hofkammer, daß Hr. H. Jacob Kuefstainer, welcher zum 
N.-Ö. Kammer-Rate aufgenommen wurde, alsbald installiert werden 
solle. 4 ) Kurz vorher war die Hofkammer mit Erlaß v. 29. Dezemb. 1620 
verständigt worden, daß »Se. Maj. Deroselben N.-Ö. Kammer-Rat Hans 
Jacoben Kuefstainer, Freiherrn, wegen seiner Ihro kaisl. Majestät und 
dem hochlöbl. Hause Oesterreich in mehr Weg erzaigt u. bewiesenen 
eifrigen nutz- und ersprießlichen Dienste mit Dero Reichshofrathstitel 
gnädigst gewürdigt und begabt haben«. Am 19. Februar 162 1 wurde die 
Hofkammer davon verständigt. 5 ) Im J. 1622 erhielt er die Kämmerers- 
würde. ) 

Als Hans Jacob um diese Zeit zum Verordneten gewählt wurde, 
erging ein Dekret v. 28. Septbr. 1622, wonach ihm Se. k. Majestät »aus 
sonderer Gnade die N.-ö. Kammer-Rathsstelle vorbehalten u. seine Be- 
soldung wie der anderen fortpassiren lassen wollen, doch daß er in den 
Commissionen u. Sachen welche Ihr Maj. ihm auftragen werden sich 
gehorsamst gebrauchen lassen solle«. Er mußte sich aber mehrfach ver- 
wenden, um die Besoldung wirklich zu erlangen. Am 5. Januar 1627 
wurde ihm eine solche v. 1000 fl. samt der Zubuße von 300 fi. vom 



l ) Krgs-A. H. K. R. 1619. R. 267. 
v ) Krgs-A. F. A. 1619, irj'26. 

3 ) Krgs-A. H. K. R. 1620, E. 50+ u. 505. 

4 ) Hfk.-A. 1620, E. 441. 



5 ) Hfk.-A. Fam.-Akt. Ku. u. 1621, E. 89. 

6 ) Kämmerer-Almanach. p. 68. — Der Status partic. Regim. Ferd. II. nennt ihn 
irrtümlich noch i. J. 1639 (f 1633). 



171 

i. Januar 1626 an bewilligt, wohl infolge der Ernennung zum wirkl. 
Reichshofrat, über welche die Intimation an den Hofzahlmeister 
allerdings erst am 4. März 1627 erging. 1 ) 

Am 20. Januar 1631 trat er als Regiments-Rat in die Regierung 
u. das Salzamt wurde beauftragt, ihm seine Besoldung zu reichen. 2 ) Er 
verblieb in Aktivität bis zu seinem Ableben am 31. Aug. 1633. 3 ) 

Das Fried eshaim sehe Wappenbuch gibt nachstehende Daten 4 ): 

16 C. 31. 

Tandem. 

(Darunter das alte Wappen mit dem Mohren.) 

Herr Hans Jacob Herr von Khueffstain 
(Oesterreicher) Freiherr zu Greillenstain und Herr zu Spitz, aufFain- 
feldt, Schaunstain und Burgschleinitz, Obrister Erbsilberkammerer 
beeder Erzherzogthumb Oesterreich undter u. ob der Enns, Rom. kais. 
Maj. Ferdinandi II. gevvester Cammerer, Reichshof und N.-Ö. Cammer- 
Rath, auch ainer N.-Ö. Landschaft Herrenstandsverordneter etc. Ist in 
Reg. Rath komen den 20. Januarii 1631 Continuirt bis zu Endt seines 
Lebens, gestorben auf seinem Schloß Greillenstain den 31. Augusti 
1633 und zu Wien in der Neuen Jesuiter Kirchen bei dem Collegio 
unter seiner erbauten Capellen begraben. R. I. Pace. 

3. Verordneter. 

Neben den eben erwähnten Stellungen beteiligte sich Hans Jacob 
auch noch an den Arbeiten der Stände. Wir dürfen daran erinnern, daß 
er 1607, 1617 u. 1618 für die Amtsrelation der Verordneten, 16 17 und 
161 8 als Kommissär für Ob. u. Unter-Mannhartsberg für die Verlassung 
des Zapfenmaßes, 1620 mit H. Lorenz für den Sitzenbergschen Streit 
u. v. a. genannt wird, seiner politischen Betätigung nicht zu vergessen, 
die bereits eingehend gewürdigt wurde. 

Und jetzt gibt seine Wahl zum Verordneten nur noch Anlaß zu 
folgender Darstellung. 

Im Frühjahr 1621 wurden wegen der Resignierung dreier Ver- 
ordneter — S. A. Traun, P. J. Starhemberg u. Hans Christof 
Urschenbeck, Freiherrn — Neuwahlen notwendig. Aber die Mit- 
glieder des Herrenstandes waren anscheinend damals nicht leicht zu- 
sammenzubringen. Nach mehrfachen Einberufungen kam endlich die 
Wahl zustande. Am 19. Septb. 1622 teilte der kathol. Herrenstand 
jenem der Augsp. Konfession in Freundschaft mit, daß Hr. Hans 
Jacob Khuefstainer, Freiherr, anstatt des Hn. H. Chr. Urschenpeckh 
zum Verordneten des kathol. Herrenstandes erkiest worden sei. Da aber 
die persönliche Mitteilung u. Vorstellung nicht möglich sei, indem sich 
der Evangel. Herrenstand nicht in Anzahl hier befinde, so müsse die 
schriftliche Mitteilung gewählt werden. An demselben Tage wurde der 
Gewählte schriftlich verständigt und ersucht, nachdem wegen des Ver- 
ordnetenamtes gebührlich mit ihm erhandelt worden, weihen des kathol. 
HHnstandes Notdurft die unverzügliche Bedienung dieses Amtes er- 

i) Hfk.-A. Farn.- Akt. Ku. 4. — Hfk.-Prot. 1627, E. 153 u. R. 86. 
■) Hfk.-A. 1632, R. 244. 

3 ) Starzer. N.-ö. Statth., p. 437 u. Epitaphium. — Wisgrill, V, 303. 

4 ) Statth.-A. Friedeshaim, Fol. 78. 



172 

fordere, daß er zu der Verordnetenstelle gewißlich erscheine und solche 
dem in ihn gesetzten Vertrauen gemäß auch wirklich abwarte. *■) Am 
30. Septb. erhielt die N.-Ö. Kammer ein Hofdekret v. 28., den H.Jacob 
Kuffstainer zum Verordneten des Landes zu installieren. 2 ) Am 27. Septb. 
wurde Urschenbeck von den Ständen aufgefordert, ihm die gebührende 
Wohnung einzuräumen, »da er nicht nur zum Verordneten erkiest wurde, 
sondern auch dieses Amt bereits bediene, also einen Anspruch auf die 
Wohnung habe«. Er konnte sich derselben aber nicht sobald erfreuen. 
Denn noch unter dem 29. Juli 1623 fand er sich genötigt, seinen Mit- 
verordneten zu schreiben, daß das Haus ganz baufällig sei. Er bitte 
also, daß es »der Notdurft noch diesen Sommer also reparirt werde, 
daß ich künftigen Herbst mich einziehen könne«. Zugleich protestierte 
er, »da ihm das Zimmergeld dafür ferner gereicht werden soll, und bei 
jetzigen theuren Zeiten dergl. Wohnung nicht unter 1000 fl. kann be- 
standen werden«, daß er weder die 400 fl. noch die jetzige kupferne 
Münz annehmen könne, was er »zu vernünftigem Nachdenken erinnere«. 3 ) 

Wie sich diese Wohnungsfrage, welche nicht ohne kulturhistor. 
Interesse ist, weiter gestaltet hat, ist nicht bekannt. Jedenfalls in an- 
nehmbarer Weise, denn Hans Jacob übte das Verordnetenamt tatsäch- 
lich aus, bis er i. J. 1626 darauf verzichtete und an seine Stelle am 
14. Oktober der Freih. Joh. Bapt. v. Weber erwählt wurde, »da 
Khuefstainer noch im jüngstverwichenen Landtage sein 4 Jahre lang 
bedientes Amt zurückgelegt hat«. 4 ) 

Er war also Verordneter v. 19. Septb. 1622 bis Oktob. 1626 5 ) und 
durfte daneben die Funktion eines N.-ö. Kammer-Rates beibehalten, wie 
wir schon gesehen haben. 

Während dieser Zeit war er mit verschiedenen Missionen betraut 
worden. Schon i. J. 1622 bis in den November hatte er als Proviant- 
meister u. verordneter Kommissarius neben Heinr. Christ. Thanrädl 
eine nicht näher bezeichnete Mission auszuführen, bei welcher sie sich an 
den Obersten von Stadion halten sollten. 6 ) Dann ward er mit dem 
Vize-Statthalter Georg von Teufel, Dr. Justinian Hötzenberger 
und Dr. Jacob v. Scholz am 10. März 1623 in die Kommission ernannt, 
welche auf Antrag des Erzh. Leopold als Bischofs von Passau die den 
Pfarren während der Kriegswirren von den ständischen Truppen, den 
Böhmen und den kaiserl. Völkern sowie den Bayern zugefügten Schäden 
eruieren sollte. Die Kommission arbeitete fleißig, aber Erzh. Leopold 
verlor die Geduld und erlangte vom Kaiser am 5. Juli 1624 den Befehl, 
den Widdum jeder Pfarre nach den Akten der Visitation i. J. 1544 — 
an welcher unser Hans Lorenz, Großvater des Hans jacob, bekannt- 
lich wesentlich mitgewirkt hatte 7 ) — wiederherzustellen. Die kais. Kom- 
missäre wurden 1625 u. 1626 mehrmals gemahnt, ihre Relation vorzu- 
legen. Ihre Aufgabe war nicht nur an sich schwierig, sondern wird sich 
auch vielfach als undurchführbar erwiesen haben. Die Resignation und 
Heirat des Erzherzogs führten diesen selbst zu anderen Interessen. 8 ) 

') LA. A. 2, 3 — 5/2 u. Arch. Greill. Invent. d. HHnstds. 

2 ) Hfk.-A. 1622, E. 474. 

3 ) Orig. Schreiben v. 29. Juli 1623, Archiv Greill. 

4 ) LA. A. 2, 3-5/2. 

5 ) Also nicht, wie Starzer, N.-Ö. Statth., pag.437 sagt, von 1626 — 30. 

6 ) H. K. R. Prot. 1621, R. 308 u. 1622. R. 195, 322 u. 333. 

7 ) Bd. II, 71. 

8 ) Wiedemann, 1. c. II, 520 ff, — Starzer, N.-ö. Statth., 244. — Hurter, 
Ferd. II, IX, 191. 



173 

Eine andere Mission Hans Jacobs bestand darin, mit den Äbten 
August von den Schotten und Christof von Heiligenkreuz, dann 
Ferd. v. Herberstein, Gundaker v. Polhaimb, Leisser, Genger 
v. Grünbüchl und Fazy zu Nieder-Absdorf dem Hans Georg von 
Neudegg, Viertelhauptmann bei der Defension, das eingezogene Schloß 
Nieder- Grünbach, welches nur mehr ein Steinhaufen war, zu verkaufen 
(n. März 1624). ') 

In der Relation der Verordneten v. 28. März 1629 über das Gut- 
achten des Raitkollegiums f. d. J. 1628 wird gesagt: »umb Herrn Hans 
Jacoben von Kuefstains Altar p. 37500. wissen die HHn. Verord- 
neten auch nichts wie es damit beschaffen, dahero Er per decretum umb 
Bericht zu ersuchen sein wird«. In der Landtagshandlung v. 162g wird 
wörtlich dasselbe referiert, und dann ist nichts mehr darüber zu finden, 
ob es sich etwa um eine Widmung, eine Entschädigung für Zerstörung, 
ein Verkaufsanbot od. sonst etwas gehandelt hat. 2 ) 

Am 25. April 1624 kommt er als Reichshof- und Kammer-Rat, 
Kämmerer und Verordneter unter den Ausschüssen für die Beratung 
des dritten Punktes der Landtagspropositionen behufs Ausfindigmachung 
der Mittel für die verlangten Bewilligungen vor, eine Aufgabe, die 
damals noch schwieriger war als heute. 3 ] Endlich war er i. J. 1626 Kom- 
missär für Vergleichung der Kassadifferenz zwischen den beiden Reli- 
gionsparteien, unter Intervention des Kaisers selbst. 4 ) Und noch nach 
seinem Rücktritte vom Verordneten amt findet sich sein Name mit jenen 
seiner Brüder teils in den Ausschüssen, teils als Raitherr oder ohne 
nähere Bezeichnung in den Protokollen erwähnt. 5 ) 

Aus dieser Beteiligung muß ein Moment hervorgehoben werden, Rangsfragen. 
welches die Rangverhältnisse der Familie betrifft und auch vom 
kulturhistorischen Standpunkte nicht uninteressant ist. 

Wir haben schon gesehen, daß nach Wiederherstellung der ge- 
regelten Beziehungen der Stände zum Landesfürsten auch ihre inneren 
Dissensionen einen milderen Charakter annahmen und der Gegensatz 
zwischen der Kathol. und Evangelischen Partei mehr und mehr verblaßte, 
nichtsdestoweniger aber die Parteigruppierung noch lange hinaus im 
Namen fortbestand. Aus den allerdings zuweilen recht unklaren Proto- 
kollen des Herrenstandes kann man doch so viel ersehen, daß dort die 
Besprechungen über die Designierung der Verordneten nach den beiden 
Gruppen ziemlich friedlich vor sich gingen und Gewicht darauf gelegt 
wurde, daß die beiden Religionsparteien sich näherten und Hand in 
Hand zusammen wirkten. Es traten eben andere Fragen in den Vorder- 
grund der Diskussion, welche ein gemeinsames Interesse repräsentierten. 
Der Herrenstand hatte angesichts der zahlreichen Ernennungen zu Frei- 
herren und Grafen, welche die Introduktion auf die Herrenbank bean- 
spruchten, vielfach über Anmaßungen der neuen Mitglieder zu klagen 
und namentlich in der Session nach dem Alter sich oft gegen Zurück- 
setzung zu wehren. Andere Wünsche kamen hinzu, die heute kleinlich 
erscheinen möchten, damals aber von Bedeutung waren. So wurde der 
Kaiser i. J. 1623 gebeten, durch Dekret zu bestimmen, daß als alte Ge- 
schlechter nur jene anzusehen seien, welche bis auf K. Ferdinands (I.) 

1 ) N.-ö. Topogr. VI, 92. 

2 ) La. Ldtgshdlg. 1628 u. 1629 u. Prot. Fol. 875, 

3 ) LA. Ldtgshdlg. 1624. 

4 ) LA. Ldtgshdlg. 1626. 

5 ) LA. Ldtgsprot. 1628. 



174 

Zeiten wirkliche Mitglieder des Ritterstandes gewesen und daß diesen 
das Prädikat gestrenge u. getreue liebe gegeben werde. Der Ritterstand 
soll den Herren das Prädikat »gnädig« geben. Dann wurde geklagt, 
daß dies verweigert werde, und die Ritter doch das Prädikat »gestreng« 
in Anspruch nehmen, daß ihre Ehefrauen sich Gemahlinnen und die 
Töchter sich Fräulein intitulieren lassen, daß sie sich des roten Wachses 
bedienen und den Herrenstand überhaupt nicht genug respektieren. 
Dieser verlangte nun für sich das Prädikat » Wohlgeboren «, welches 
dem Herrenstande im Rom. Reiche gegeben werde, und protestierte 
dagegen, die Anrede »gnädig« dem Statthalter geben zu sollen. Noch 
i. d. J. 1660 wurden Verhandlungen über die beabsichtigte neue Kleider- 
ordnung geführt und darauf bestanden, daß ein Unterschied zwischen 
dem Herren- und Ritterstande bestehen bleiben müsse. 1 ) 

Unter diesen Umständen werden die kleinen Differenzen, die sich 
in betreff des Ranges des Hans Jacob, als er Verordneter war, ergaben, 
nicht in Erstaunen setzen. Die von Hans Jacob auf Grund der Er- 
hebung der Familie in den alten Freiherrenstand »bei dem alten Herren- 
stand prätendirte Stelle und Session« gab Anlaß zu solchen Diskussionen. 
Unter dem 26. Feber 1624 war diesem Gremium mitgeteilt worden, daß 
der Kaiser auf Grund des dem alten Herrenstande A°. 1588 erteilten 
Privilegiums und dabei befindlichen kais. Reservates den Hans Jacob 
von Khuefstein darin aufzunehmen bewilligt haben und sonach be- 
fehlen, daß der Hr. Landmarschall und der alte HHnstand ihm die Session 
und Stelle dem Alter nach assigniere. Darauf bat der genannte Stand 
(Konzept v. 28. Feber 1624), von Sr. Maj. vorher gehört zu werden. Am 
21. März wurde darüber beratschlagt und man fand, daß, wenn H.Jacob 
dem Alter nach sitzen sollte, so müßten ihm 50 Geschlechter alten Herren- 
standes in der Session weichen, deren Verzeichnis nicht Sr. Maj., sondern 
dem Fürsten Eggenberg mit dem Begleitschreiben übergeben wurde. 
Infolgedessen wurde das eingangs erwähnte Dekret nochmals erlassen, 
nur mit Auslassung der Worte »dem Alter nach«. 2 ) Damit erschien die 
Schwierigkeit behoben. Bei den Beratungen des alten Herrenstandes 
(1627) über die Prätensionen der Jungen unter Berufung auf das Pri- 
vilegium von 1588 wurde (von Polhaimb) daraufhingewiesen, »daß der 
Herr von Kuefstein ist zurücktrieben worden ratione senii«. 3 ) Er hatte 
sich trotzdem genügend zur Geltung gebracht, wie wir schon aus den 
vielen Vertrauensmissionen schließen konnten, die wir aufzuzählen in der 
Lage waren. 

4. Oberst-Erblandsilberkämmerer-Amt. 

Angesichts der von Hans Jacob sowie auch seinen Brüdern ge- 
leisteten treuen Dienste war es nicht erstaunlich, daß ihnen in Anlehnung 
an die ihrem Vater schon verliehene Freiherrnwürde auch in Ausführung 
der anscheinend schon damals bestandenen Absicht das Adelsprädikat 
von, welches früher nicht für notwendig erachtet worden war, jetzt aber 
eine größere Bedeutung gewonnen hatte, formell bestätigt wurde. Die 
Gebrüder erhielten durch ein Dekret v. 28. Septb. 1622 die Mitteilung, 
Se. Maj. lasse ihnen in Gnaden anzeigen, Sie habe über ihr untertäniges 



l ) Arch. Greill., Invent. d. Schriften d, Herrenstandes v. J. 1645 ff., Fol. 12—254. 

~) Invent. zit. Fol. 109 u. 111. 

3 ) Invent. zit. Rapulare d. Protok. Fol. 192. 



175 

Bitten »wegen der von ihren Voreltern und ihnen selbst von vielen 
Jahren her erzeigten getreuen, nütz- und ersprießlichen Dienste verwilligt 
daß sie sich wie von Alters her Herren von Kuefstein Freiherrn zu 
Greylenstein und Herren auf Spitz schreiben und nennen mögen«. 
Dies war im Grunde nicht mehr als eine gewöhnliche Folgeerscheinung 
der Erhebung zu Freiherren und Aufnahme in den Herrenstand, welche 
schon vor 20 Jahren erfolgt war, aber infolge des Ablebens des Hans 
Georg und der sodann bald eingetretenen politischen Wirren damals 
nicht zu den weiteren Korrelaten geführt hatte. Die Verständigung an 
die N. Ö. Regierung und Kammer war schon unter dem 15. Septb. 
1622 ergangen.') Natürlich war dies nicht eine Neuverleihung des Adels, 
sondern höchstens die Anerkennung einer neuen Ausdrucksform. 

Dagegen stellt sich als eine besondere Gnade und Auszeichnung 
die Verleihung des Oberst-Erblandsilberkämmerer-Amtes dar, 
welches speziell für unsere Familie kreiert und zu den bereits bestehenden 
übrigen Landesämtern für die Erzherzogtümer Ober- und Niederösterreich 
hinzugefügt wurde. Der Gabbrief v. 25. Juni 1624 2 ) besagt, »aus gnädig- Gabbrief, 
ster Lieb und Affection so Wir zu Unserem Erzherzogthum Oesterreich, 
dessen Landständen und Unterthanen tragen, haben Wir aus eigener 
Bewegnuß bemelt Unser Erzherzogthum unter und ob der Enns mit dem 
Erbsilberkammeramt gnädiglich gewürdiget und versehen, so daß es 
hinfüro dies wie andere Erbämter haben soll« etc., und mit Rücksicht 
auf die Verdienste der Familie und »des Hans Jacob von Kuefstein, 
Freiherrn es ihm und seinen männlichen ehelichen Leibes-Erben 
gewidmet und ihn dergestalt damit belehnt, daß allweg der Älteste das 
Amt tragen und sich Obrist-Silberkämmerer, die anderen aber Erb-Silber- 
kämmerer nennen sollen«. Der Älteste soll bei Ablegung der Erbpflicht 
der Erzherzogtümer gegenwärtig sein und seinen Dienst verrichten. Es 
soll ihm, wie den anderen Erbämtern, die Tafel zugereicht und als Ver- 
ehrung in dem Wert wie ungefähr einem Hofmarschall das silberne 
Gießbeck samt der Kandl, das Fürschneidmesser samt den gebrauchten 
Kredenzen wie auch dem Tischgewand, Tellern und anderem Tafelgeräte 
erfolgt werden. Auch sollen ihm jährlich und eines jeden Jahres be- 
sonders aus dem Salzamte zu Gmunden zwanzig Fuder Salz maut- und 
aufschlagfrei gereicht werden. Gegen alle Zuwiderhandelnden wird eine 
Pön von 50 Mark Gold angedroht. Als Zeugen werden zur Erhöhung 
der Feierlichkeit der Handlung angeführt: Erzherzog Leopold, Bischof 
zu Straßburg und Passau, Erzherzog Carl, Hochmeister in Preußen 
und Deutschordensmeister in Deutsch und Welschen Landen, Ladislaus 
Sigmundus Fürst in Polen und Schweden, Joh. Ulrich Fürst zu 
Krumau und Eggenberg, Leonh. Helfreich Graf von Meggau, 
Statthalter der N.-Ö. Landen, Carl von Harrach, Maximilian Graf 
Trautmansdorf, Joh. Bapt. Verda Freiherr von Werdenberg, Hof- 
vizekanzler, Georg Teufel, Vizestatthalter der N.-Ö. Landen, Hans 
Heinrich von Salburg, Pilgram von Sinzendorf auf Ernst- 
brunn u. a. 

Schon am Tage vor der Ausfertigung des Lehenbriefes, am 24. Juni 
1624, war die Mitteilung dieser Verleihung an die N.-Ö. Regierung und 
Kammer ergangen, dann an alle anderen beteiligten Stellen, wie am 26. 
an die Statthalterei in Linz, am 28. an den Hofkriegsrat und noch 

l ) Arch. Greill.. Alte Kopien bei Abschrift des Freiherrndiploms von 1602. 
*) Arch. Greill.. Orig.-Pergam. u. Grundb. Greill.. Fol. 1 ff . 



176 

am 7. Novemb. an die Hof kammer wegen der zu dem neuen Amt ge 
widmeten Regalien, nämlich der 20 Fuder oder Stock Gottsheils oder 
Mueß Salz, welche alljährlich ausgefolgt werden sollten. 1 ) 

Die Ausfertigungen scheinen nicht überall mit erwünschter Be- 
schleunigung veranlaßt worden zu sein. Schon am 11. August fand 
sich Hans Jacob veranlaßt, sich brieflich an Werdenberg zuwenden, 
um die Ausfertigung der längst versprochenen kais. Resolution zu er- 
halten. Diese sollte betreffen 1. das Prädikat Wohlgeboren, 2. die jähr- 
liche Abgabe der 20 Stöckl Mueßsalz und 3. Verleihung eines aperten 
Lehens zu besserer Erhaltung des Anstandes. Hans Jacob erwähnt in 
seinem Schreiben, daß er gern selbst gekommen wäre, aber sein fast 
stetiges Übelaufsein halte ihn von seiner Schuldigkeit ab. Er bittet, ihn 
zu entschuldigen, und fügt hinzu, daß Se. Maj. sich schon wegen der bei 
jeder Erbhuldigung zu verleihenden Tafel, Gießbeck und Kandl wie auch 
Fürschneidmesser und gebrauchten Kredenz samt Tischgewand resolviert 
habe, es nur noch an den oben erwähnten Punkten ermangle. Übrigens 
habe er sich gegen den Rossi weitläufiger erklärt. 2 ) Hierauf erfolgte 
die oben schon zitierte Weisung v. 7. Novemb. 1624 an die Hofkammer 
in betreff des Salzes u. am 6. Dezb. erhielt Hans Jacob die Belehnung 
für sich u. seine Deszendenz. 

Mittlerweile scheinen sich anderweitige Einflüsse geltend gemacht zu 
haben. Denn am 20. Septb. 1627 teilte ein kais. Dekret an die N.-Ö. Re- 
gierung mit, daß die Brüder von Kueffstain ihres alten adeligen Ge- 
schlechtes und Herkommen, sonderlich aber der zu Kriegs- u. Friedens- 
zeiten treu geleisteten Dienste etc. wegen mit dem Erbsilberkämmerer- 
Amte begabt und zugleich auch mit dem Prädikate Wohlgeboren 
zu intitulieren verwilligt wurden. Dies Dekret wurde am 30. Septb. dem 
Hofkriegsrat mitgeteilt. 3 ) Unter gleichem Datum erging an den Käm- 
merer u. N.-Ö. Regimentsrat Hans Ludwig und den Obersten Hans 
Lorenz die Mitteilung, daß dem Hans Jacob als Ältesten für ihn und 
seine Brüder das Erbsilberkämmerer-Amt samt dem Prädikat Wohl- 
geboren verliehen wurde. 4 ) Es scheint dieses zu jenem gehörig betrachtet 
und nur bei der ersten Ausfertigung vergessen worden zu sein. Am 
2. Oktober wurde auch der Landmarschall analog verständigt. 5 ) 

Es war also, kurz nachdem Hans Jacob für sich und seine De- 
szendenz die Belehnung erhalten hatte, eine wesentliche Modifikation 
der Erbfolge eingetreten. Aus dem Seniorate für dessen Stamm wurde 
ein solches für die ganze Familie und das Erbamt auf den ganzen Namen 
und Stamm ausgedehnt, so daß auch die Brüder Hans Lorenz und 
Hans Ludwig mitinbegriffen waren. Alle drei erhielten am 1. April 
1628 die Belehnung in der Hand des Hans Jacob »dergestalt daß 
allezeit der Aeltere desselben männlichen Namens und Stammes das 
Amt mit allen seinen Ehren, Würden und Rechten innehaben, genießen 
u. verwesen solle« etc. Demgemäß ging es nach dem Ableben H. Jacobs 
nicht auf dessen Sohn, sondern auf seinen einzigen noch lebenden Bruder 
Hans Ludwig, den Landeshauptmann in Oberösterreich, über, welcher 
1633 u. 1637 für sich und seine Vettern Hans Wilhelm, Georg Adam 



!) Hfk.-A. Farn. -Akt. Ku. 4 u. Prot. 1624, E. 690 u. 1054. — Hfkzl.-A. IV, D. 4. — 
H. K. R. 1624, E. 445. 

=) Hfkzl.-A. IV, D. 4. 

3 ) Archiv Greillenstein. Orig, Papier. Akt Urkunden- — H. K. R. Prot. 1627, E. 410. 

4 ) Hfkzl.-A. 1. c. 

5 ) Archiv Gr. Orig. Pap. Konzeptsabschrift. 



177 

und Jacob Ludwig - belehnt wurde.') Da die Linie des Hans Lorenz 
schon 1645 erlosch, handelte es sich nur mehr, neben der Greillen- 
steiner, um die ob. -österreichische Linie, deren Mitglieder mit so glück- 
licher Langlebigkeit gesegnet waren, daß sie bis zu ihrem gänzlichen 
Erlöschen das Amt fast ausschließlich in ihren Händen behielten. Nur 
i-J- 1739 u. 1742 trat Hans Leopold, der Chef der Greillensteiner 
Linie dazwischen, nach dessen Ableben 1746 wieder der Oberösterreicher 
Lobgott daran kam, bis nach dessen Tode i. J. 1750 die ob.-ö. Linie 
erlosch und das Amt mit Joh. Ferdinand I. stabil an die Greillen- 
steiner zurückfiel. 2 ) 

Gerade des hohen Alters wegen waren die Ob. -Österreicher öfters 
genötigt, sich bei den N.-ö. Erbhuldigungen durch Mitglieder der hiesigen 
Linie vertreten zu lassen. So vertrat H. Leopold i. J. 1705 in Wien 
u. 1732 in Linz seine Vettern Hilfgott und Franz Ludwig. 3 ) 

Von den durch das Hin- und Herrücken des Amtes (Linz, Passau, 
Wien) recht lückenhaft gewordenen Akten gibt jener über die Erb- 
huldigung an Joseph I. v. 22. Septb. 1705 die ältesten Anhaltspunkte. 
Gf. Leopold, Chef der n.-ö. Linie, erstattete einen eingehenden Bericht 
über seine Verrichtung, der schon über die Zeitepoche des vorliegenden 
Bandes hinausreicht. Die diesem Berichte beigeschlossene Liste jener 
Gegenstände, welche der »Herr des Erbamtes« zu seiner Tafel mitzu- 
bringen verpflichtet war, beweist, daß dasselbe recht oneros war und 
ziemlich kostspielige Verpflichtungen auferlegte. 4 ) 

Allerdings waren durch den Gabbrief auch die bereits oben er- 
wähnten Regalien verliehen worden, deren wirkliche Ausfolgung jedoch 
immer erst erbeten werden mußte, wie auch H. Leopold in seinem 
Berichte sagt, und namentlich in betreff des Mueß oder Gottsheilsalzes 
immer auf Schwierigkeiten stieß. 

So erbat Hans Ludwig für die geleistete Erbhuldigung an Fer- 
dinand III. in Linz v. J. 1630 die zu dem Erbamt gehörigen Sachen. 
Die N.-ö. Kammer wurde erst befragt, was in solchen Fällen gebräuch- 
lich sei, u. zu ehestem Bericht aufgefordert, »da es in nächster Audienz 
könnte fürgebracht werden«. Durch eigenes Dekret v. 15. März 163 1 erhielt 
er die Zuerkennung eines silbernen Gießbeckens samt Kanne im W T erte 
von 400 fl.') Bei der am 28. Mai 1629 in Wien stattgehabten N.-ö. Erb- 
huldigung muß das Amt durch Hans Jacob vertreten gewesen sein, 
aber es findet sich keine Erwähnung davon. Wohl aber wissen wir von 
den 1651 und 1652 erfolgten Erbhuldigungen in Wien und Linz, bei 
denen der Oberstlieut'. Graf Kuefstein (Georg Adam) und dessen 
Vetter recte Oheim, der Landeshauptmann Hans Ludwig, intervenierten, 
daß unter dem 31. Juli 1652 die hinterlassene Hofkammer den Auftrag 
erhielt, »wegen Erzeugung von 2 Präsenten, jedes von 400 fl. wegen 
bedienten Erbsilberkämmereramtes« das Nötige zu veranlassen. 6 ) 

Besonders der Bezug der 20 Fuder sogen. Mueß oder Gottesheil- 
salzes aus dem Salzamt Gmunden war mit Weiterungen verbunden. 
Während es zoll- und aufschlagfrei verabreicht werden sollte, hatte es 



') Statth.-A. Lehenbuch 1623—28, Fol. 88, 256 u. 381. 

2 ) Arch. Greill. I, 2 C . Obst.-Erbl.-Silbk.-Amt. ChronVerz. a. d. Lehensarchive. 

n ) Arch. Greill. I, 2 C u. Grundbuch Gr. v. 1706, Fol. 8 ff. 

4 ) Arch. Greill. I, 2 C u. Grundbuch Gr. Konzepte der Relation. 

5 ) Hfk.-A. I, 8, 2. — Hfk.-A. 1631, E. 20. 

6 ) Hfk.-A. 1629, E. 85, 263 u. 347, R. 59, 365, - H. K. R. 1652, R. 296. 

Kuefstein III. *" 



178 

gleich eine Auflage von 40 bis 60 fi. zu tragen und obwohl es alljährlich 
auszufolgen war, mußte immer wiederholt darum angesucht werden. 
Jedoch wurde es dem H. Jacob durch Anweisung des Salzamtes 
Gmunden v. 20. Juli 1629 wirklich gewährt. 1 ) Später sind nur ein- 
zelne sporadische Notizen der Jahre 1707, 1708, 1729 u. 1746 in den 
Wirtschaftsbüchern aufzufinden. Es wurde nicht regelmäßig mehr be- 
zogen und nur mit solchen Umständlichkeiten, daß man offenbar lieber 
darauf verzichtete. 

Bei der Lehenablösung blieben bekanntlich die Würdelehen un- 
berührt. Nur die damit verbundenen lehenbaren Regalien sollten unter 
das Gesetz v. 12. Mai 1869 (Art. I) fallen. In diesem Falle aber wurden 
sie trotz des lehenrechtlichen Nachweises der Berechtigung von der 
Finanzprokuratur und dem Finanzministerium unter Berufung auf Motive, 
deren Begründung keineswegs stichhältig erscheint, unberücksichtigt 
gelassen und weder abgelöst noch auch geleistet. 2 ) 

Daß sich schon Hans Leopold anläßlich der Huldigung von 1705 
und angesichts der erwarteten Kreierung neuer Erbämter veranlaßt sah, 
sich dafür einzusetzen, daß dem seinigen kein Eintrag geschehe, dürfte 
nur als berechtigt angesehen werden. Der Rang gegenüber den anderen 
scheint nicht sehr fest fixiert gewesen zu sein. Die einzige, hier vor- 
handene eigentliche Instruktion, jene für die Huldigung an K.Franz II. 
v. 25. April 1792, weist dem Oberstsilberkämmerer nur bei der Tafel 
gegenüber den Majestäten einen bestimmten Platz an und nach der 
Zeremonie seinen Tisch, zu welchem er elf bis zwölf Personen ein- 
laden konnte. Nach dem Aufforderungsschreiben v. 6. Septb. 1732 für 
die Huldigung der Oberösterreich. Stände in Linz hatte er dort bei 
dem Huldigungsakte den Rang nach dem Obristschildtrager und Kampf- 
richter rechter Hand einzunehmen. 

Heute sind von den zehn, beiden Erzherzogtümern gemeinsamen 
Erbämtern nur mehr fünf belehnt, während von den. spezifisch oberöster- 
reichischen und niederösterreichischen die Mehrzahl durch Aussterben 
der vasallitischen Familie oder aus anderen Ursachen vakant geblieben 
ist. Ohnehin ist in Ermangelung der Stände keine Erbhuldigungszeremonie 
mehr zu erwarten. 

Die letzte der N.-ö. Stände fand nach dem Ableben des K.Franz 
an K. Ferdinand am 14. Juni 1835 statt. 3 ) Mein Vater Franz Graf 
Kuefstein, welcher dabei das Erbamt zu verrichten gehabt hätte, 
mußte sich, da er als Gesandter im Auslande (Hannover) festgehalten 
war, durch den Grafen Franz von Colloredo-Wallsee vertreten lassen. 
Das ihm dafür als Andenken a. gn. gespendete Vermailbesteck wird als 
wertvolle Erinnerung pietätvoll aufbewahrt und ist als einziger bleibender 
Repräsentant aller früheren zum Fideikommiß gewidmet worden. 



i) Hfk.-A. 1629, R. 365. 

2 ) Arch. Greillenstein, I, 2 C , Verhandlungsakten u. Ausarbeitungen für die Lehen- 
allodialisierungs-Kommission, Finanzprokuratur, Firanzministerium etc. 

3 ) Ausführlich beschrieben in J. Fr. Castelli's »Erbhuldigung der N.-ö. Stände 
an Kaiser Ferdinand I. von Österreich«. 



179 




Greillenstein. Arkadengang. 

Nach einem Ölgemälde der Gräfin Adrienne von Pötting. 



5. Besitz- und Vermögensverhältnisse. 

Wir haben schon im ersten Abschnitte die dahin gehörigen ge- Greillenstein. 
schäftlichen Agenden des Hans Jacob dargestellt und müssen nun jene 
daran reihen, welche nach der Wiederherstellung geordneter Verhältnisse 
sich darboten. Daß die Wirren der letzten Jahre auf die Vermögens- 
verhältnisse der Ständemitglieder drückend und zum Teil vernichtend 
eingewirkt hatten, bedarf keiner näheren Ausführung. Besonders Greillen- 
stein hatte durch die Kämpfe desj. 1620, die Belagerung durch Herzog 
Maximilian von Bayern und die sodann hineingelegten Garnisonen 
der Kaiserlichen schwer gelitten. Hans Jacob klagte in einer Ein- 
gabe v. 2$. April 162 1 an die N.-ö. Kammer darüber, »daß er sowol 
von den kaiserlichen als den Böhmischen Völkern also ruinirt und in 
Armuth gesetzt worden sei, daß er von allem seinem liegenden Gut 
nicht einen Pfennig Einkommen habe und ihm mehreres nicht ge- 
lassen worden als neben weniger Vahrnuß zween Schuldbrief von 
den Evangel. Ständen, die sich auf 13.000 u. 5360, rund 19.000 fi. be- 
laufen. Da er von Sr. Maj. Volk mehr als um 30.000 fl. geschädigt 

12* 



180 

worden, bittet er, gleichsam an den Bettelstab gebracht, daß ihm gegen 
Cedirung dieser liquiden Schulden entweder das Gut Krumau oder die 
2 Höfe St. Marein und Thumau käuflich übergeben werden«. Beide 
Schuldscheine der Stände an ihren Oberst-Proviantmeister H. Jacob 
von Kuefstein lagen in Copia bei. Die Finanzprokuratur sprach sich 
nicht gerade dagegen aus, wollte aber erst noch eine Schätzung der 
beiden Güter veranlaßt sehen. 1 ) Doch wurde am 12. Mai die N.-ö. 
Kammer angewiesen, das Begehren abzulehnen, »da Se. Maj. sich nit 
resolviren dgl. Schuldverschreibungen zu acceptiren«. 2 ) 

Die Vermögensverhältnisse scheinen sich trotz alledem nach und nach 
gebessert zu haben. Hans Jacob war sogar in der Lage, wie sein Vater, 
dem Kaiser mit ziemlich bedeutenden Summen Hilfe zu bieten. Die kais. 
Verschreibungen v. 16. Septb. u. 18. Oktober 1623 lauteten auf 80 000 
und 22.000 fl. für zwei Jahre zu 5% geliehen »zu Unseren bevorstehenden 
unentbehrlichen Kriegs- und anderen Ausgaben«. 3 ) Die Zinsen, um welche 
mehrfach angesucht werden mußte, wurden zumeist auf die Landtags- 
bewilligungen geworfen oder auch auf die Fugger sehen 300.000 fl., aus 
denen auch die dem Botschafter Hans Ludwig von Kuefstein für 
den Sultan mitzugebenden Präsente bestritten werden sollten. 4 ) Daß die 
Rückzahlung der Darlehen nicht innerhalb der bestimmten Frist erfolgte, 
braucht kaum erwähnt zu werden. Im Gegenteil wurde Hans Jacob — 
da er mit seinem Bruder jetzt ausgeglichen sei — ersucht, sich noch 
etwas zu gedulden. Das Kapital sei in der langen Münze erlegt worden, 
die Zinsen aber würden in gutem Gelde entrichtet. 5 ) Im folgenden Jahre 
fand ein Umtausch beider Obligationen gegen solche an die Gattin 
Maria Veronica, welche Teildarleherin gewesen sein mag, wieder auf 
zwei Jahre unter dem 16. Septbr. und 18. Oktober 1628 statt. 6 ) Die 
Hofkammer, welche am 13. Juni 1629 beim Kriegszahlamte angefragt 
hatte, wann die Beträge durch Hans Jacob erlegt worden waren und 
wohin verwendet, erhielt am 28. dess. M. den Auftrag, drei Herren ab- 
zuordnen, um diesem zu Gemüt zu reden und »einen ausgiebigen Nach- 
laß an Capital beweglich zu erhandeln«. 7 ) Ob hiebei jene 3000 fi. eine 
Rolle spielten, welche Bartlmae Denklmayer sei. in Hörn dem 
H. Jacob geliehen hatte u. welche nun als Rebellengut Sr. Maj. heim- 
gefallen erklärt wurden, nachdem die Kammerprokuratur den Auftrag 
hatte, in allen dergl. wider Se. Maj. geschehenen Darlehen Dessen 
Interessen wahrzunehmen, möge dahingestellt bleiben. 8 ) Jedenfalls stellte 
Maria Veronica im Juli die Bitte, den Kommissären anzubefehlen, 
ihr in der sie konzernierenden Post nichts Beschwerliches zuzufügen, 
und verlangte die Umfertigung ihrer Prätention auf ihren Namen. 9 ) 

Daß die Darlehenssumme mindestens zum Teil von seiner Gattin 
herrührte, geht aus seiner Eingabe v. 22. April 1630 hervor, in welcher 
er klagt, in welche Verlegenheit sie beide gekommen seien dadurch, 
daß ihnen nun schon seit fünf Jahren kein Heller an Zinsen gereicht 



*) Hfk.-A. Ost. K. 12—7. — LA. Wisgrill, Mskpt. Miscellanea. 

2 ) Hfk.-A. Prot. 1621, E. 215. 

3 ) Hfk.-A. Ged.b. 1620 f.. Fol. 424 u. 434 wörtlich. — Hfk.-Prot. 1623, R. 391 u. 466. 

4 ) Hfk.-A. 1624, R -343 u - 437 u - Ged.-B. 1628, Fol. 277. 

5 ) Hfk.-A. 1627, R.36, 84 u. 446. 

u ) Hfk.-A. 1628, R.344 u. Ged.b. Fol. 305. 

') Hfk.-A. 1629, R.300 u. E. 299. 

s ) Hfk.-A. 1629, E. 71. 

9 ) Hfk.-A. 1629, E.324 u. 350. 



181 

wurde. Sonst seien sie bereit, die Summe bis zu besserer Zahlungs- 
gelegenheit still liegen zu lassen. Sie bedürften wenigstens der Zinsen 
angesichts der sich steigernden Landesanlagen und weil sie wegen der 
Generalstillstände nichts hereinbringen könnten, um nicht vor die Ex- 
ekution gestellt zu werden. Auch seine Besoldung sei noch rückständig. 1 ) 

Wie schnell damals die Vermögensverhältnisse zerrüttet werden 
konnten, geht aus einer anderen Majestätseingabe hervor, in welcher 
H. Jacob i.J. 1624 um die Rückzahlung seines Darlehens mit Rücksicht 
auf die oben erwähnte Verwüstung seiner Herrschaften zu bitten sich 
genötigt sah. Gleichzeitig bemerkte er, daß er »wegen ausgestandener 
Ruina« seine Güter werde verkaufen müssen, und bot sie dem Kaiser 
an unter Hinweis auf den vorzüglichen Bau des — jetzt leeren — 
Schlosses Greillenstein, welches — wie schon der Erbauer Hans 
Georg es charakterisiert hatte — selbst zu einer fürstlichen Residenz 
geeignet wäre und infolge seiner günstigen Lage dem Kaiser bei seinen 
Reisen nach Böhmen, Mähren oder Oberösterreich, wohin man von da 
in etlichen Stunden gelangen könne, einen bequemen Ruhepunkt ge- 
währen würde. 2 ) Dieses Majestätsgesuch bietet ein trauriges Bild der 
Zustände unseres Landes zur Zeit des 30 jähr. Krieges. 

Am 26. Mai und 28. Juni 1625 wurde der Hof-Kriegszahlmeister 
und die N.-ö. Kammer beauftragt, über den erwähnten Vorschlag zu 
berichten, worauf dieser dem Supplikanten mit Tergalerledigung vom 
18. Juli >in Freundschaft zurückgestellt ward, mit Erinnerung, daß man 
ihn zwar gern kontentiert sehen wolle, man stünde aber der Mittel halber 
derzeit sonderbar an. Derow r egen man ihm anheimgebe, ob er selbst 
sichere und etwa unangewiesene Mittel zu seiner Befriedigung fürschlagen 
und benennen wolle«. Hierauf antwortete H. Jacob, daß es ihm zw r ar 
beschwerlich scheine, selbst die Mittel zu suchen, so habe er doch einige 
Stücke, Gerechtigkeiten und Güter erfragt, die zu seiner Kontentierung 
beförderlich wären. Die Liste derselben wurde von den in Neustadt 
befindlichen Räten der Hofkammer unter d. 5. August 1625 an die in 
Wien zurückgebliebenen um deren Gutbedünken gesendet, über welches 
leider nichts mehr zu finden ist. 3 ) 

Vielleicht steht die Erwerbung von Burgschleinitz, welche separat 
behandelt wird, damit im Zusammenhange. Noch i.J. 1631 hatte er immer 
noch keine Interessen erhalten und schlug vor, ihm von den Landesanlagen 
so viel in Händen zu lassen, als ersteren entspräche. Ob ihm die zwei 
Silberstücke v. 450 Mark, für welche er i. J. 1625 einen Paßbrief zur 
Einfuhr aus Augsburg erhielt, viel geholfen haben werden, muß 
dahingestellt bleiben. 4 ) 

Unter diesen Umständen war die Administration der Güter gewiß 
nicht leicht. Zu den bereits in der ersten Periode behandelten Rechts- 
streitigkeiten, die noch herüberspielten, gesellten sich andere Dissensionen 
in Herrschaftssachen. So mußte der Pfarrer Sterlegger von Alt-Pölla 
durch Dekret der Stände v. 12. April 1625 aufgefordert werden, ihm 
den bis dahin verweigerten Taz für die ausgeschänkten Weine zu ent- 
richten. 5 ) Ferner veranlaßten die wiederholten Versuche der Steuer- 



') Arch. Greillenstein. Konzept mit d. praes. v. 22. April 1630 versehen. 

=) Hfk.-A. Fam.-Akt. Ku. 4. 

'■») Hfk.-A. Fam.-Akt. Ku. u. Prot. 1625, R. 197. 

4 ) Hfk.-A. 1631, E. 57 u. 1625, R. 391. 

5 ) Gesch. Beil. IV, 414. 



182 

Pflichtigen sich dem Grundbuchsdienst u. der Steuerpflicht zu entziehen, 
ein eigenes Patent des Kaisers v. 30. Januar 1627, welches »alle Jene, 
die bei des H. Jac. v. Kuefstein Grundbüchern dienstbare Grund- 
stücke und Güter besitzen, da die Herrschaft Greillenstein ein ziem- 
lich großes Grundbuch habe, in welches viele Häuser u. Grundstück 
gehörig, von denen die Gewähren in vielen Jahren nicht gereicht wurden, 
insonderheit Prälaten, Pfarrer, Beneficiaten, Bruderschaften und Ge- 
meinden« aufforderte, innerhalb zweier Monate die rückständigen Ge- 
bühren zu entrichten und künftighin bei jeder Veränderung die Gewähren 
mit 1 fl. Rhein, zu erneuern etc. l ) 

Lehenssachen. Die Lehenssachen erforderten große Aufmerksamkeit. Infolge des 

Regierungsantrittes des Kaisers Ferdinand II. mußte sich Hans Jacob 
um die Neubelehn ung bewerben. Er erhielt sie auch am 5. u. 9. Febr. 
1621 mit den Stücken zu Niedermeisling (wiederholt 1623) und dem 
Drittelzehent zu Limberg, am 11. Febr. mit dem Landgericht Greillen- 
stein (ehemals Wildberg), welches er zuerst am 2 1 . März 1604 erhalten 
hatte, ferner dem Hofe zu Me Streichs und anderen. 

Zu den vielen Rechtsstreitigkeiten, welche aus den verwickelten 
Grundbuchs- und Giebigkeitsverhältnissen entsprangen, trugen die For- 
derungen aus dem seiner ursprünglichen Natur schon damals entfremdeten 
Lehenrechte wesentlich bei. Schon längst waren die Lehen nichts anderes 
als gegen Entgelt und zeitweise Abgaben erworbene Grundstücke, 
Zehenten oder andere Einnahmsquellen, die mit Leichtigkeit aus einer 
Hand in die andere gingen, wobei der Lehensherr durch die bei jeder 
Veränderung ihm gebührende Reichung das beste Geschäft machte. 
Die internen Wirren in den ersten Jahrzehnten des Jahrhunderts erleich- 
terten vielen das Bestreben, sich diesen Lehenspflichten stillschweigend 
zu entziehen und die Lehenstücke nach und nach als Allod zu betrachten. 
Nach Wiederherstellung geregelterer Verhältnisse suchten die Lehen- 
stuben die sog. verschlafenen Afterlehen wieder zu reklamieren und 
verliehen sie, ganz dem Lehensrechte entsprechend, wie es noch bis zur 
gesetzlichen Aufhebung des Lehenbandes geübt wurde, an den ersten 
Anzeiger eines aperten oder heimgefallenen Lehens, dessen der frühere 
Besitzer sich durch Vernachlässigung der Lehenpflichten verlustig ge- 
macht hatte. Daß letztere nicht immer gleich zurücktreten wollten, ist 
ebenso erklärlich, als daß der neue Erwerber in Verbindung mit dem 
Lehensherrn dessen Rechte und die mit eigenen Opfern erworbenen 
Ansprüche rechtmäßig vertrat. 

Anlaß zu solchen stets langwierigen Auseinandersetzungen gaben 
namentlich einige alte Roggendorfer Lehen, die auf die Hoyos über- 
gegangen waren. Wenn auch die Belehnung Hans Jacobs mit dem 
Glinzenhof am 19. April 1621 durch Hans Baltasar Freiherrn von 
Hoyos als einem apert gewordenen Lehen, welches dem ersten An- 
zeiger gebührte, keinerlei Anfechtung erfuhr, so war dies mit den 
Zehenten in der Pöltinger (St. Polten), Wilhemspurger und Gräfen- 
dorfer Pfarre weniger einfach. Paul Christof Flusshart zu Potten- 
dorf behauptete die Allodialeigenschaft, wurde aber sachfällig und am 
16. Septb. 1627 vom Landmarschallgericht zur unweigerlichen Abtretung 
an Hans Jacob verurteilt, welcher diese Zehenten aber schon im darauf- 



l ) Archiv Greillst, Orig. Pergam. 



183 

folgenden 1628er Jahre dem N.-ö. Regimentsrate Dr. Hafner weiter- 
verkaufte. ') 

Ahnlichem Widerspruche begegnete auch Hans Jacobs zweite 
Gattin Maria Veronica i. J. 1630 in betreff des Himbergerhofes zu 
Biedermanstorff von den Stans'schen Erben, gegen welche der da- 
malige Landmarschall Baltasar von Hoyos als Lehensherr sein Recht 
wahren mußte. Dann 1631 für Lehenstücke, welche schon ihrem früheren 
Gatten Maximilian Breuner verliehen worden waren, gegen G. Feder 1 
zu Tribuswinkel und Wolf Mathes von Khünigsperg, endlich für 
andere bei Achau u. Leopoldsdorf gelegene i. J. 1631 gegen Catha- 
rina Frau von Concin geb. von Cyriackh, Freiin zu Leopolds- 
dorf, welche behauptete, keine ehemals Roggendorfer Lehen zu be- 
sitzen. Alle diese Kontestationen wurden auf Grund der kais. Resolution 
v. 21. August 1624 dahin verwiesen, daß vorerst die Frage, ob Feudalia 
oder Allodia, entschieden werden müsse. Daher zogen sie sich auch 
jahrelang hinaus und überdauerten die Lebenszeit der streitenden Teile. 
Nach dem Tode der Concin führten sie deren Erben Fünfkirchen 
gegen die Maria Veronica und den Hans Ludwig von Hoyos, 
dessen Vater Baltasar mittlerweile ebenfalls verstorben war, wie auch 
die Ma. Veronica, weiter. Und noch i.J. 1665 wechselt Hans Baltasar 
Gf. Hoyos gerichtliche Aktenstücke mit dem Seyfried Leonhardt 
Gf. Breuner, einem Neffen der Maria Veronica. 2 ) 

Die vielfachen Schwierigkeiten, mit denen Hans Jacob infolge 
der oben dargestellten Verhältnisse zu kämpfen hatte, machen es begreif- 
lich, daß er erst i. J. 1630 auf Greillenstein im Giltbuch angeschrieben 
wurde. Über die damaligen Abgaben der Herren u. Ritter gibt ein 
Verzeichnis des Propstes Springel von Pernegg als kais. Raitherr 
v.J. 1634 interessante Auskunft. 3 ) 

Bei den Bemühungen, die Herrschaft aus den Unordnungen der 
politischen und religiösen W T irren wieder in eine geregelte Ordnung 
hinüberzuführen, fand LIans Jacob wenigstens treue Unterstützung bei 
seinen Beamten. Dafür spricht ein schön ausgefertigtes Dekret, mit dem 
er seinem Rentschreiber Hans Schönauer für dessen vieljährige treue 
Dienste auf seinem Hof zu Weyden Befreiung von Robot und anderen 
Leistungen unter dem 1. Januar 1625 erteilt. 4 ) 

Zur Zeit, als Hans Jacob sein Testament v.J. 1618 verfaßte, be- Kirchen und 
stand, wie aus einer Verfügung desselben hervorgeht, in Greillenstein Schulwesen, 
ein von ihm bestelltes Kirchen- und Schulwesen. Pfarrherr und Kon- 
Hofprediger war Daniel Hasen, welcher die Leichpredigt auf die am f essionelles - 
5. Oktober d. J. verschiedene Gattin Clara des H.Jacob hielt. 5 ) Mit 



x ) Schloßarchiv Hörn,- 240 6/2 u. 257 — 24. 

•) Schloßarchiv Hörn, 240 — 25 — 5. 

3 ) Alf. Zäk in Ldsk. 1904, S. 199 f.: Danach waren veranschlagt: 

n ;; w ~ ~ Haus- 

Lrulten , , 

gülden 

Hansjacob von Kueffstein f.d. Hschft. Greillenstein 64 fl. 7 Schill. 20 fr 152 fl. 

f. Dobra 39 > 4 » 28 » 62 » 



Seine Gattin Maria Veronica geb. Urschenbeck wegen 



'2 



11t 



Ottenschlager Güter 56 » 5 » 10 

Hans Lorenz von Kueffstein wegen Spitz . . . 103 > 4 » 20 » 232 
> » » » »Zaising, 
Laach u. Schwallenbach 12 » 4 » 2. » 48 

4 ) Archiv Greillst. Orig. Perg. 

5 ) Schifer-Freyling, IV, 1421. 



184 

dem Einzüge seiner zweiten Gattin Maria Veronica, Tochter des Land- 
marschalls und Hauptes der Katholischen Georg- Bernhard von 
Urschenbeck, welche er am 18. Januar 1626 heiratete und die seinen 
Übertritt bewirkt haben soll '), dürfte für das Evangelische Wesen kein 
Boden mehr verblieben sein, wenn es nicht schon früher aufgelöst wurde, 
nachdem er 1622 zum Verordneten des kathol. Herrenstandes gewählt 
worden war. Er hatte stets zu den Gemäßigten gehört und aus seinen 
vertrauten Korrespondenzen wissen wir, wie sehr er, obwohl dem Horner 
Direktorium angehörend, einen friedlichen Ausgleich herbeisehnte und 
längst gern aus der Tyrannei der Extremen losgekommen wäre. Es 
bedurfte also wohl keines großen Anstoßes. Nichtsdestoweniger hatte 
er noch unter den Reminiszenzen aus der Sturm- und Drangperiode zu 
leiden, wie wir bereits anläßlich der nachträglichen Denunziation einer 
in diese zurückreichenden Schuld gesehen haben. 

Jedenfalls war er sehr tolerant, später ebenso wie vorher. Wohl 
hatte er katholische Geistliche angestellt. Aber auch ein solcher, Bal- 
tasar Watschko, gab Anstoß. Der Prälat von Altenburg klagte, 
daß er sich als Pfarrer geberde, aber nicht die reine orthodoxe 
Lehre, sondern Häresie verbreite und rasch einen starken Zulauf er- 
worben habe. 2 ) Auch der Rentschreiber Schönauer, dem H. Jacob 
das früher erwähnte Belobungsdekret ausgestellt hatte, soll sich »seines 
ketzerischen Irrtums wegen« grobe Eingriffe in die Pfarrechte erlaubt 
haben, weshalb ihm nach dem Ableben H. Jacobs mit der höheren 
Obrigkeit gedroht wurde, wenn er sich nicht gutwillig vergleiche 
(27. Jänner 1635). Noch i. J. 1653 befanden sich in der Pfarre sechs 
Lutheraner, darunter der Pfleger G. Ad. Schönauer samt Frau. 3 ) 

* * 



Anderer 
Besitz. 

St. Marein 
(Krumau). 



Bald nach seinem Antritte bot sich für Hans Jacob die Aussicht, 
ein Gut in der Nachbarschaft zu erwerben, wofür Summarein (St. Ma- 
rein), Krumau u. Thumau in Frage kamen. 

Nach dem Ableben des Peter Gregorotzki i. J. 1620 wurde 
Krumau, welches durch die Kriegsvölker gänzlich devastiert worden 
war, als Gut eines proklamierten Rebellen zu Händen des Landesfürsten 
eingezogen und verwaltungsweise dem Hof-Zahlmeister Josef Niesser 
anvertraut. In einem Berichte der Kammerprokuratur v. 1621 wird 
Gregorotzki als ein bekannter Feind des Vaterlandes bezeichnet, 
welcher es immer mit dem »Bethlehem« und anderen Rebellen ge- 
halten habe. Hans Jacob Khuefstainer, der Nachbar von Krumau, 
glaubte sich nun um die eingezogene Herrschaft bewerben zu können. 
Er erhielt aber durch kais. Dekret v. 22. Mai 162 1 als Kammer-Rat 
den Auftrag, Krumau dem Nicolaus Esterhazy, dem es schon lange 
versprochen gewesen, um 20.000 fl. gegen Werbung von 1500 Soldaten 
einzugeben. Dieser veräußerte es bald wieder an die Gregorotzki- 
schen Erben (Sigm. Megyery etc.), die nicht aufgehört hatten, Ein- 
sprache zu erheben. 

Dagegen kam der Kauf von Summarein (St. Marein) zustande, 
nachdem im Februar 1622 entschieden worden war, daß vorher die 



!) Ad. Wolf, 1. c. S. 246. 

2 ) Wiedemann, II, 549. 

3 ) Hon. Burger, Altenburg, 152. 



185 



JVM/VMREIN 




Nach Vi seh er v. 1672. 



dafür angeordnete Kommission stattfinden müsse. 1 ) Das »Rittergut 
Summarein am Kamp im Boigreich« samt Dappach, welches von 
der Frau des letzten Dachbeck auf ihren Gatten Weltzer zu Sieg- 
hardt und von deren Erben an Hans Albrecht von Artstetten 
übergegangen war, wurde diesem als erklärtem Rebellen unter dem 
5. Novemb. 1621 eingezogen und dem Hans Jacob von Kuefstein 
um 5000 fl. verkauft. Dieser jedoch fand es in einem so verwüsteten Zu- 
stande, daß er sein Kaufrecht an den Hofkammerrats-Direktor Vincenz 
Muschinger auf Rosenburg abtrat, welchem der Kaiser es am 
27. Octob. 1622 als freies Erbgut um dieselben 5000 fl. verkaufte, unter 
der Bedingung, daß er kein unkatholisches Exerzitium dort dulde. 
Muschinger verlieh das Gut um 1000 fl. an seinen Burghauptmann 
Prueschenk von Lindenhofen, der es um mehr als 25.000 fl. Wert 
erhöhte, aber nach Muschingers Tode mit Verlust an die Polixena 
von Weltz, geb. Jörgerin für deren frühere Ansprüche an den Art- 
stetter zedieren mußte (1634). Wir werden später sehen, wie Dappach 
davon abgelöst an die Eva Christina Gräfin Kuefstein gelangte. 2 ) 
Ein anderer Kauf wurde am 14. März 1624 mit Georg von Neydeck 
um Gülten zu Alt-Pölla abgeschlossen. 3 ) 

Anderseits hatte Hans Jacob ein ihm gehöriges Haus in Wien Hans in Wien, 
an den Kaiser für die Kapuziner verkauft. Die Hofkammer restierte 
ihm am 26. August 1621 noch 171 fl. 15 kr. und Ende 1622 noch 
100 Rsthlr. Leitkauf wegen des erhandelten Hauses für die Kapuziner 
(wofür ihm am 31. Juli 1621 noch 2362 fl. auf dem Goldischen Haus, 
so dem H. Schopper verkauft wurde, hafteten). 4 ) Das verkaufte Haus 
stand jedenfalls in oder an dem Kuefsteinschen Garten am Neuen 
Markt, welcher auf dem im vorigen Bande reproduzierten Stiche vom 



*) H. K. R. 1622, E.92. 

-) Hon. Burger, Altenburg, S. 136, u. Verbesserungen, S. 27. — N.-ö. Topogr., 
VI, 120. — Kuefstein, II, 96 danach zu modifizieren. 
3 J Greill., Invent. Nr. 112. 
4 ) Hfk.-A. Prot. 1621, E 360; 1622, E. 504 u. 1621, R. 242. 



186 

J. 1600 erscheint und sonach wurde es zu dem damals erfolgenden 
Baue und der Installation des Kapuzinerklosters u. der kais. Gruft ein- 
bezogen. 1 ) 

Gleichzeitig hatte H. Jacob noch Forderungen v. 2000 fl. an 
Dietrich von Puechaimb und stand in irgendwelchen Beziehungen 
zu jenen » 14.156 fl. so von dem Gute Immendorf von denen v. Puech- 
aimb herrühren«. Auch hatte er zu berichten über einen Schuldbrief 
p. ii5ooofl., den die Stände Augsburger Konfession dem als Rebellen 
proklamierten Erasm. v. Landau ausgestellt hatten. 2 ) 

* * 



Schauenstein. Nach dem Ableben Hans Georgs betrachtete sein Sohn und 

Nachfolger Hans Jacob sich als den rechtmäßigen Besitzer von Schauen- 
stein, dessen ältere Geschichte wir schon im II. Bande eingehend erzählt 
haben. 3 ) Dagegen bewarb sich der N.-ö. Kammer-Rat Peter Haeckhl 
zu Lichtenfels seiner 48 jährigen Dienste halber um die Ablösung der 
Pfandherrschaft, welche dem Hans Georg Khuffsteiner, wie er er- 
wähnte, am 17. Novemb. 1574 übergeben worden war. Die N.-ö. Kammer 
trug am 26. Februar 1604 auf Bewilligung an. Da aber keine Schätzung 
erfolgt war, wurde Haeckhl aufgefordert, zu sagen, was er über die 
Pfandsumme für den Erbkauf noch geben wolle. Er erklärte sich für 
2000 fl., die ihm mittlerweile aus dem Vizedom-Amte mit 8°/ verzinst 
werden sollten. Obwohl Hans Jacob von Kuefstain 3000 fl. bot und 
darauf hinwies, daß er die Herrschaft nach seinem Vater erblich über- 
nommen und keine Aufkündigung erhalten habe, sie auch auf Lebenszeit 
des Landsidl verliehen worden sei und wegen der Arrondierung von 
Greillenstein ihm trotz ihres ungenügenden Ertrages wertvoller sei 
als anderen, entschied Erzherzog Matthias für Haeckhl (1. Dezb. 
1604). Dieser scheint nachträglich doch veranlaßt worden zu sein, das 
Angebot zu erhöhen und so wurde ihm Schauenstein am 25. Novemb. 
1609 gegen das Übermaß von 3000 fl. bewilligt (Resolution u. Dekret 
v. 3. u. 12. Dezb. 1609), wonach er dem Kuefst einer seine darauf 
liegende Pfandsumme zu ersetzen habe. Dieser aber wurde angewiesen, 
sich der Übergabe anzunehmen. 4 ) 

Am 29. März 1610 wiederholte die N.-ö. Kammer die am 25. Novb., 
3. u. 12. Dezb. ihm zugeschriebene Aufkündigung der Pfandsumme für 
das dem Haeckhl verliehene Schauenstein am Wald unter Bezug 
auf eine am 22. Dezb. durch Boten nach Greillenstein gesendete Mit- 
teilung. Da die Beraittung der Herrschaft damals »wegen Einfall von 
großem Schnee u. Kälte« nicht abgehalten werden konnte, solle sie jetzt 
erfolgen. Am 14. April wurde sie von den Kommissären Michael 
Püdler, Wolf Khainiger u. Jobst Strewel abgehalten u., nachdem 
sie »durch verschiedene Praetentionen des Hn. Khuefsteiner verzögert« 
worden, am 16. die Herrschaft dem Haeckhl eingegeben. Die Schätzung 



*) K.A.Schimmer, Häuserchronik, S. 195 u. 204, u. Kisch, Straßen u. Plätze 
von Wien, S. 177. — Kuefstein, II, 302. 

-) Hfk.-A. Prot. 1622, E. 365 ; 1623, E. 306 u. 1621, E. 480 u. R. 232. 

3 ) Kuefstein, II, S. 27g ff. 

4 ) Hofk.-A. Exp.-B. N.-Ö. 1609, Fol. 724. 



187 




Schauenstein. Nach Kopp v. Felsenthals Original. 



auf freies Eigen ergab 78450. 4ß 20 \h Außerdem aber waren noch 
zwei andere Anschläge gemacht auf 18.027 und gar 22.4700. *) 

Der letzte, mit vielen Korrekturen, gibt die eingehendste Beschrei- 
bung des Schlosses: »Erstlichen das Schloß Schauenstein, welches auf 
einem ziemlich hohen Perg, auf der einen Seite gar gerichts auf den 
Kamp gelegen, mit einem Graben, einer großen dicken Ringmauer um- 
fangen. Inwendig auch einem starken viereckigen hohen Thurm (daß er 
fünf Ecken hat, ist keinem der Beschreiber aufgefallen), einer öden 
Capellen, an Dachwerk, Zimmer, starken Gewölben, Kammern, Keller, 
einer Zisterne, wie auch im unteren Hofe mit guten gewölbten und un- 
gewölbten Roß- u. Viehställen sammt Stuben und Kammer zur Wohnung 
eines Maier u. Maiergesind der Noth dürft nach in ziemlichem Bau also 
versehen, daß in zutragender Feindsgefahr die dazu gehörigen Unter- 
thanen und andere ihre Zuflucht und ihren Aufenthalt sicher darin wohl 
haben können, wie auch mit schlechten Unkosten die Zimmer aufgebessert 
und zugerichtet werden könnten, daß ein Herr gut Wohnung darin haben 
möchte. So hat es auch außerhalb des Schlosses nächst dabei einen 
ziemlichen Stadel und ein Hütten zur Futterei sammt einem Hofgärtl 
so mit einer Mauer umfangen, welches zusammen in Pausch angeschlagen 
2500 fl. macht.« 

Das Gehölz, der sogen. Puchberg, Lass oder Kampleiten zu 
564V2 Joch ä 20 fl., abzüglich einiger öden Flecke, Felsen etc., zusammen 
10.822 fl. Im anderen Anschlage wird das Schloß mit 1200 fl. u. das 



') Hfk.-A. Herrsch. -Akt. Schauenstein. Das Urbar v. 1499 erliegt dort in einer Ab- 
schrift von der Hand des Hohenfeld v. 1. Septb. 1553 samt dem am 27. Septb. 1569 
von den Kommissären Khuefsteiner, Neuhofer u. Schadtner aufgenommenen neuen 
Urbar u. Grundbuch. — Reproduziert im Urbar v. 1653. Arch. Greill. 



188 

Gehölz mit 7807 fl. bewertet. Man sieht, welche auseinanderstrebenden 
Resultate zum Vorschein gebracht wurden, und wie sehr hin- und her- 
gerechnet werden mußte. Sodann wurde an Haeckhl der Verkaufsbrief 
des Matthias am 2. August 1610 ausgefertigt. 

Mit der zugunsten des Haeckhl getroffenen Entscheidung konnte 
sich aber H. Jacob begreiflicherweise nicht beruhigen, sondern berief 
sich in einer Eingabe dto. Greillenstein ig. Septemb. 1610 auf die 
Übung, Pfandschillinge vor allem den Erben zu erhalten und Meliora- 
tionen, wie dies kürzlich für Gars geschehen, billig zu vergüten, nament- 
lich die von ihm erkauften beiden Stixenhöfe per 4270 fl., da er sich doch 
für zu gut halte, für dieselben ein Untertan des Hn. Haeckhl zu werden. 
Wenn es der Mühe wert gewesen wäre und er das Geld bei den jetzigen 
Zeitläuften nicht besser brauchen könnte als die Herrschaft, würde er 
unter Interzession der konföderierten Länder bei der kgl. Majestät es 
erreicht haben, sie zu behalten. Die erfolgte Steigerung sei nicht auf 
den Pfandschilling, sondern auf das Eigentum erfolgt. Das Holz habe 
er und sein Vater so bewirtet, daß es sich wohl sehen lassen könne. 
Er erinnere sich auch, daß der Erbe Georg seines Stiefvaters Matthaeus 
Teufel die Herrschaft Gars höher als um den darauf liegenden Pfand- 
schilling genossen habe, doch sei diesem nichts dafür abgezogen worden. 
Daher sei die ihm abverlangte Daraufzahlung wegen höherer Nutzung 
unbillig. Wenn Haeckhl sich nicht scheut, die alten wohlverdienten 
Geschlechter von ihrem Pfandschilling auszubitten, so darf er sich nicht 
mißfallen lassen, das darauf liegende Geld zu erstatten. Sein (des 
H. Jacobs) Antrag v. 2640 fl. Mehranschlag geschehe nur wegen mehrerer 
Einigkeit. 

Am 12. Oktober 1610 beklagte sich Haeckhl über die Sticheleien 
seines Gegners und bat, >da es bei persönlicher Uebergabe zu etwas 
Gröberen kommen könnte« — sein Gewissen mochte nicht ganz ruhig 
gewesen sein — sie möge an ihn erst den anderen Tag, d. h. nach dem Fort- 
gehen des Khuefstainers erfolgen. Dadurch wurde sie nicht beschleunigt, 
weshalb sie von Kg. Matthias am 6. März unter Zurückweisung des 
Anspruches des Kuef steine rs urgiert ward. Aber noch am 29. März 
161 1 bittet dieser die Kommissäre um kurzen Aufschub der Übergabe, 
»weil er sein Weib und anderes noch dort hat und bei jetziger heiliger 
Zeit nicht so schnell transferieren kann. Auch würden die HHn. schlecht 
untergebracht sein.« 

Die Übergabe scheint endlich doch erfolgt zu sein. Am 13. Mai 161 1 
bestätigte H. Jacob 100 fl. für Bauentschädigung von Niesser zu Idols- 
perg erhalten zu haben und am 20. März 1612 rechtfertigte er sich 
gegen ungebührliches Vorgehen des Haeckhl, indem er sich nochmals 
zum Verkaufe der Stixenhofer Gründe erbot, worauf er am 2. April 
von Matthias streng angewiesen wurde, sie abzutreten. 1 ) 

Dies ist das letzte Aktenstück des Faszikels und zugleich das be- 
redteste Zeichen der Animosität und Willkür, mit welcher in dieser 
ganzen Angelegenheit gegen Hans Jacob vorgegangen wurde, augen- 
scheinlich beeinflußt durch die religiös-politische Richtung, in welcher 
er den Fußtapfen seines Vaters gefolgt war. 

Von Haeckhl ging die Herrschaft bald an Joseph Niesser 
von Stanstraßen über, welcher sie an Hans Jacob verkaufte. Sein 



l ) Hofk.-Archiv. Herrsch.-Akt, 1. c. u. Hfk. Prot. 16*2, R. Fol. 116. 



189 

Gehorsambrief an die Untertanen zu Schauenstein ist datiert v. 28. Dezb. 
1622 und war mit der Quittung über den bezahlten Kaufschilling be- 
legt. '•) Sonach hat dieser Kauf kurz vorher stattgefunden. Hiemit waren 
die vielen Streitigkeiten und Verhandlungen endlich beendigt und diese 
Herrschaft zur definitiven Vereinigung mit Greillenstein gebracht. 
Durch die Fideikommifistiftung v. 169g wurde Schauenstein als 
integrierender Bestandteil des Kuefste in sehen Fideikommisses erklärt. 




Dobra. 



K. T. 



Eine interessante Erwerbung war die der schönen Waldherr- 
schaft Dobra am Kamp mit der romantischen Burg, die damals wohl 
noch teilweise bewohnbar war. Der Kaufvertrag vom 24. Februar 1625 
wurde von Hans Jacob mit den Gerhaben der Huetstockerschen 
Kinder dergestalt abgeschlossen, daß ihm Dobra zufiel, während er 
zugunsten jener, seiner Göd und Gödl, auf das Gut Tief fenb ach ver- 
zichtete. Seine Ansprüche waren begründet durch die seit vielen Jahren 



Dobra. 



*) Inventar v. 1776, Nr. 115 u. 116. 



190 

geleisteten Zahlungen der Landesumlagen und sonstiger Schulden für 
seine Taufkinder. 1 ) 

Dieser Vertrag ward unter dem 13. März 1625 vom Kaiser be- 
stätigt, »weil derselbe den Huetstockerschen Kindern zum Vortheil 
gereicht«. 2 ) Es wird darin anerkannt, daß Kuefstein wegen des Gutes 
Dobra, so er von der Landschaft wegen hochangelaufener Steuern und 
Landesanlagen ablösungsweise an sich gebracht, mit Joachim von 
Wickhen von Paltern und dessen Gattin Justina geb. Irrnfriedin, 
verwitweten Huetstockerin als Gerhabin weil. Alexander Huet- 
stockers Kinder Maria Ursula, Anna Susanna und Alexander 
Magnus, sich dahin verglichen habe, daß er diesen Kindern, welche 
seine Göd und Godl sind, von dem Jure prioritatis erkauften Besitze 
den einen Teil, nämlich das Gut Tieffenbach, wieder zediert, wogegen 
die Eheleute Wickh ihm den halben Teil der an die Landschaft ge- 
leisteten Zahlungen p. 4534 fl. 7 Schill. 13 Pfg. zurückzuerstatten zusagen 
und ihm ihre auf Dobra versicherten 1000 fl. Rh., um welche dieses 
wegen des Gebäudes mehr als Tieffenbach wert ist, sowie sonstige 
Schuldscheine und Gerechtigkeiten übergeben. 

Am 27. April 1626 bat Hans Jacob, nachdem er am 28. Juli 1625 die 
Belehnung mit Dobra erhalten hatte 3 ), um die Anschreibung im Gilt- 
buch unter Darlegung desselben Sachverhaltes mit dem Bemerken, daß 
er das devastierte und in totum ruinierte Gütl samt allen Zugehörungen 
für seine seit vielen Jahren dafür bar bezahlten Landessteuern über- 
nommen, aber das dazu gehörige Tieffenbach aus Gutwilligkeit den 
Huetstockerschen Kindern überlassen habe. 4 ) 

Das Gut ging noch zu Lebzeiten des Hans Jacob (Belehnungen 
v. 1625, 1633 u. 1638) an seine zweite Frau Maria Veronica über 5 ) 
und wurde von ihren hinterlassenen Erben durch deren gerichtlich ver- 
ordnete Gerhaben und Curatores ad lites Rudolph von Sinzendorf, 
E. F. Bräuner und Ferd d . Thavonat vermöge des am 9. August 1639 
von der N.-ö. Regierung ergangenen Abschiedes der Anna Maria 
Walderodin geb. Langwig, welche uneingedenk der ihrer Mutter, 
geborenen Huetstockerin, von Hans Jacob erwiesenen Wohltaten 
einen Prozeß angestrengt hatte, dieser i. J. 1641 wirklich abgetreten. 

Die H. Jacob Kuefstein- recte Maria Veronicaschen Erben 
— die Geschwister Georg Seyfried und Eva Maria Eusebia 
v. Bräuner, verehlichte Joh. v. Kollonitsch — welche Reklamationen 
wegen der Meliorationen erhoben hatten, mußten auch die auf 29.116 fl. 
ermäßigten Raittungen ersetzen. Tatsächlich bestätigte die Walderodin 
am 19. Novemb. 1651, durch den als Preiner'schen Gerhaben ver- 
ordneten Regenten J. B. Lang 30.322 fl. bar empfangen zu haben. Am 
26. August 1654 kam endlich ein definitiver Vergleich zustande und die 
Walderodin konnte am 22. Juni 1655 um die Anschreibung ein- 
schreiten. fi ) 



l l LA. Einlage Dobra, 128, O. M. 

-) LA. B. Nr. 816. — Vgl. Wisgrill, IV, 472 über die Huetstocker. 

r ') Statth.-A. Lehenb. 1623—38, Fol. 14. 

*) LA. Einl. 128, O. M. Dobra. 

5 ) Statth.-A. Lehenb. 1623—38, Fol. 39 u. 462. 

6 ) LA., 1. c. u. Hfkzl.-A. N.-Ö. Nr. 4 v. J. 1654 U.A., VI B. Der Vergleich in vidi- 
mierter Abschrift. 



191 




Nach einem alten Ölgemälde in Greillenstein. 



Wir gelangen nun zu einer anderen wichtigen Akquisition, die den Burg- 
voraussichtigen Bemühungen Hans Jacobs zu verdanken ist. Es ist die SCÜ lemitz. 
Veste und Herrschaft Burgschleinitz, welche seitdem bei unserer 
Familie geblieben ist und einen integrierenden Bestandteil des Fidei- 
kommisses bildet. Nicht nur diese engere Beziehung, sondern auch das 
allgemeine Interesse, welches sich an die historische Burg und ihre 
ältesten Besitzer knüpft, legt den Wunsch nahe, einige Bausteine zur 
Geschichte derselben auf Grund des bisher erreichbaren authentischen 
Materiales zusammenzutragen. ') 

Burgschleinitz liegt in einer der interessantesten Gegenden 
Niederösterreichs, unmittelbar auf dem langgezogenen Höhenrücken des 
Mannhartsberges, wo sich wichtige geologische, prähistorische und ethno- 
graphische Momente vereinigen, die in dem durch die intelligenten 
Sammelarbeiten des eifrigen Forschers Krahuletz zustande gekommenen 
Eggenburger Museum zu einer sehenswerten wissenschaftlichen Dar- 
stellung gebracht werden. 

Wann die erste Ansiedlung, welche als eine der ältesten der Silva Die Sleunzer- 
Nortica gilt, erfolgte und in welche Zeit die Anlage der Burg, die, 
auf einem von breiter Wasserfläche umringten Felsen gelegen, eine leicht 
zu verteidigende Zufluchtsstätte bot, zu setzen ist, mag dahingestellt 

l ) Der nachstehende historische Versuch wurde schon im Herbste 1912 fertig- 
gestellt und sodann in den Monatsblättern 387, 388 u. 38g v. J. 1913 der Herald. Gesell- 
schaft Adler veröffentlicht. Das kurze Resümee über die Schleunzer basiert auf den 
damals festgestellten Daten der kompetentesten Autoritäten. Seitdem hat Viktor Freiherr 
von Handel-Mazzetti im Jahrbuch derselben Gesellsch. über den unter den Nach- 
forschungen immer größer heranwachsenden Stamm der Schleunzer neues Licht verbreitet 
und es konnten daraus einige wertvolle Notizen zur Vervollständigung benützt werden. 



192 

bleiben. Wir können nur, vom ersten Auftauchen der Herren von Slunz 
als Besitzer beginnend, jene Daten rekapitulieren, welche bisher von der 
Forschung eruiert wurden. Marchward de Schlinz wird als Zeuge 
auf dem Schenkungsbriefe des Markgrafen Ernst von zirka 1074 an 
das Kloster Melk genannt. 1 ) Da aber die Echtheit dieses Dokumentes 
jetzt bestritten wird 2 ), so kann erst mit Pabo de Slunce (112g) und 
dessen gleichnamigem Sohne (bis 1 167) der Anfang gemacht werden, 
ohne daß man sagen könnte, ob einer von diesen die Burg gegründet 
hat. Dann erscheint 11 76 Marchwardus und 1194 Krafto I. Endlich 
von 1209 an die Brüder Krafto IL, Cholo I. und Ottol. 3 ) Es werden 
Cholo de Sleynce et Otto frater ejus gleich nach Ulricus de Val- 
chenberg als Zeugen genannt auf einer Schenkungsurkunde des Had- 
marus de Chunring' an das Stift Zwettl anläßlich der auf seiner 
neuen Burg Weitra gefeierten Hochzeit seiner und der Euphemia 
einzigen Tochter Gisela mit dem Ulrico Baroni de Valchenberg 
(anno 1208). 4 ) Die beiden genannten Brüder dürften mit den oben er- 
wähnten Cholo und Otto identisch sein. Letzterer hatte zahlreiche 
Dienstmannen und wird als Nobilis vir und Nobiliter natus bezeugt, 
namentlich auf einer Urkunde von 1234 in Gneixendorf bei Krems 
ausgestellt, in welcher er sich auf seine Pro Ava Elisabeth mater 
domini Pabonis de Sleuntz bezieht und dem Kloster Baumgarten- 
berg- auf Befehl des Herzogs von Österreich ein Gut zurückstellt zum 
Seelenheile seiner Gattin Kunigunde. 5 ) Es wird die Vermutung auf- 
gestellt, daß er durch diese, welche er als Witwe des letzten Grafen 
von Klamm-Velburg geheiratet haben soll, dessen bedeutende Be- 
sitzungen überkommen habe. 6 ) Er — oder sein gleichnamiger Sohn — 
wohnte 1241 der Belehnung Alberos von Kuenring mit Passauer 
Lehen in Oberösterreich bei. 7 ) Otto I. wird zuletzt auf einer Urkunde 
des Herzogs Ottokar i. J. 1256 genannt. Er hinterließ die Söhne 
Cholo IL und Krafto III. und mehrere Töchter sowie eine Witwe 
Kunigunde. s ) 

Im Kampfe gegen die Ungarn unter den Mauern von Staat z am 
26. Juni 1260 soll es der letzte Schleunzer Chrafto gewesen sein, welcher 
mit den Gebrüdern Otto und Konrad von Pleien-Hardegg den 
fliehenden Feind so hitzig verfolgte, daß sie in einen Hinterhalt gerieten 
und alle drei Helden ihr Leben ließen. 9 ) Anderseits wird auch noch 
1262 ein Deutsch-Ordens-Komtur Otto von Schleunz genannt. 10 ) Doch 
sind es Töchter eines Otto — Otto I. nach Frhn. v. Handel — auf 
welche einige Besitzungen der Sleuntzer übergingen. 

Die eine dieser Töchter hatte den Otto von Pertholsdorf, 
Camerarius Austriae, zum Gatten, welcher am 22. Februar 1281 von 



!) Meiller, Babenb Reg. 9, Nr. 11. — Ldsk., VIII, 303. 

2 ) Ldsk., XXXI, 461 ff. 

3 ) Meiller, Babenb. Reg. 338. Ldsk., XIV, 188, Reg. 16, XIII, 305, Reg. 90 u. 
in, Reg. 68, XII, 204. — Handel-Mazzetti, Die HHn. v. Schleunz, S. 12 u. 21. 

<) Link, Ann. Cl. Vall. I, 252. 

5 ) Urkundenbuch von Oberösterreich III, 21, Nr. XX. — Gesch. Beil. IX, 73. — 
Meiller, 1. c. 154, Nr. 24. 

°) Ldsk. Mon.-Bl. 1910, S. 116, von Baron Handel-Mazzetti. 

7 ) Frieß, Die Herren v. Kuenring, 98. 

8 ) Frh. v. Handel, 1 c. S. 77. 

9 ) Monum. Germ, script. IX, C44 u. XVII. 402. — Ldsk. XI, 150 u. Mon.-Bl. 1910, 
S. 116. — In Ldsk. XVII, 346 (Neill) u. XXXIV, 449 (Plesser) wird er Otto genannt. 

in ) Ldsk. Mon.-Bl. 1910, S. 116. 



193 

den ihr nach des Vaters Tode überkommenen Gütern Besitzungen zu 
Enzenbach an Ulrich von Cappellen verkaufte. 1 ) Die andere, Hed- 
wig, vielleicht die ältere, hatte den Wolfing von Sonnberg ge- 
ehelicht 2 ) und anscheinend Schleuntz geerbt. Wulfing von Sunn- 
berg erscheint auf einer am 3. Juni 1282 zu Hörn ausgestellten Ver- 
kaufsurkunde des Stefan von Maissau über einen Hof zu Weiden 
an das Stift Altenburg (wobei auch noch ein Dominus Erbo de Sleunz 
als Zeuge fungiert). 3 ) Dann in Kuenringer Urkunden als von Sonnen- 
berg, »den man haizzet von Sleunz«, oder als Wulfing von Sleunz 
der Sonnberger (129g bis 1308). 4 ) Hedwig und ihr Wirt Herr Wul- 
finch von Sunnberg überließen im Jahre 1291 das Kirchenlehen zu 
Burgschleinitz, welches sie von ihrem Vater, Herrn Otten von Sluntz, 
geerbt hatte, dem Stefan von Maissau, der es gleich wieder gegen 
jenes von Neukirchen eintauschte. 5 ) Eine dritte Tochter Ottos soll 
Hadmar IL von Sunberg geehelicht haben. ) 

Nun erscheint Gräfin Kunigunde von Sleunz und Mern auf 
Urkunden mit Leutold von Kuenring. 7 ) Schon durch Urkunde dto. 
Schleinitz 25. Oktober 1281 schenkte Chunigundis Comitissa dieta de 
Mern dem Frauenkloster Per n egg einen Meierhof und zwei Holden 
zu Burgschleinitz. Auch hier kommt wieder der oben erwähnte Ebro 
de Sleuntz, miles, als Zeuge vor. 8 ) Am 11. November 1285 beurkundet 
Ulrich von Hochstetten, daß seine Großmutter Kunigunde von 
Sleunz ihre Güter zu Enzensbach etc. ihm übergeben und er dieselben 
an das Kloster Minnebach verkauft habe. Am 9. Mai 1288 übergibt 
Kunigunde Gräfin von Sleunz und Mern dem Herzog Albrecht 
und dem Lande Österreich die Gebrüder Weiderfelde und unter 
dem 19. Oktober 1292 an das Kloster Minnbach ihr Eigentum zu 
Neukirchen gegen Reichspoldsdorf unter Mitsiegelung des Leu- 
tolt von Chunring. Am 15. Mai 1291 hatte dieser selbst zu Sleunz 
eine Urkunde in Angelegenheiten des Abtes von Aldersbach aus- 
gestellt. 9 ) 

Aus allen diesen Dokumenten sind schon die nahen Beziehungen Kuenringer. 
der Sleunzer zu den Kuenringern zu entnehmen, besonders wenn 
man beobachtet, daß erstere zuweilen auf Urkunden vorkommen, wo 
sonst fast nur Kuenringer zu finden sind, wie bei der Hochzeit der 
Tochter des Hadmar in Weitra. Leutold selbst wird auch als Besitzer 
unserer Veste genannt, ebenso wie auch später noch Johann V. 10 ) 

Sie waren auch im Giltbuch darauf eingetragen, und zwar Leutold 
vom Jahre 1297 an, Heinrich II. 1312, Georg 1450 und Johann 1500. 

Während dieses gewissermaßen theoretischen Giltbuchbesitzes der 
Kuenringer finden sich eine ganze Reihe wirklicher Innehaber der 
Veste, welche sie vom Kaiser direkt und nicht etwa als Afterlehen von 
den Kuenringern erhielten. 



l ) Frieß, 1. c. — Reg. 350. 

-) Meill er, Babenb. Reg., S. 205. 

3 ) Altenb. Urk. (Fontes, XXI). S. 25. 

4 ) Frieß, 1. c. Reg., 501 u. 589. — Fontes, III, 350 u. XXI, 120. 

5 ) Archiv f. N.-Ö. I, 61. — Lichnowsky, II, Reg. 6. 

6 ) Frh. v. Handel, 1. c. S. 81. 

7 ) Frieß. 1. c. S. 136. 

8 ) Ldsk. XXXI, 292. 

9 ) Frieß, 1. c. 387, 408, 441, 432 u. Lichnowsky, I, Reg. 993. 
°) Frieß, 1. c. S. 132. — Ldsk. II, 9 u. XVI, 412, u. 1904, S. 54. 

Kuefstein III. 13 



9 ) 
10\ 



194 



Haunfeld. 

Stüchs. 

Zelking. 
Lazperger. 
Dachpeck. 

Purberg. 
Neydeck. 



Fraunhofer. 
Pebringer. 



So Moritz von Haunfeld und Ulrich der Stüchs, welche die 
Veste Burgschleinitz samt dem Kirchenlehen den Brüdern Jost und 
Alber von Zelking abtraten. Letztere stellten sie im Jahre 1357 dem 
Herzog Albrecht zurück. 1 ) 1382 erscheint Charl der Lozperger 
Burggraf zu Purchslewncz 2 ), 1383 verkauft Hans der Dachpeckh 
von Grellenstain mit seinem Bruder Wulfing und Vetter Hans 
Gülten an Hans den Tumbritzer. Im J. 1396 hatte Hawg von Pur- 
berg »ze Lehen die vest Purksluncz die ein Lehen ist von dem 
Fürstentum ze Österreich«. Bald darauf, noch in demselben Jahre, erhielt 
Hans Neidegger die Belehnung. 3 ) Hawg von Purberg hatte die 
Veste seinem Schwager Rudolf Lazperger übergeben, welcher sie 
dem anderen Schwager Hans dem Neydegger samt Kirchenlehen und 
Vogtei um 2125 Pfd. Pfg. verkaufte. Auch Herzog Leopold verlieh 
dem Neydegger noch speziell die Lehenschaft über die Kirche. 4 ) 

Am Sonntag vor St. Veitstag 1401 stellte Hans der Neidegger 
einen Revers über die ihm vom Herzog Albrecht verliehenen Gerichte 
auf den Sloss und Dörfern zuPurgkhschleinitz, Völsenberg, Neydegg 
etc. aus, welche Gerichte bald von Burgschleinitz abkamen. 5 ) Dann 
über die Weingärten zu der Veste Purckschleinitz, die bei 14 Faß 
Wein tragen, eine Mühle zu Praunstorff etc. Mitgesiegelt von Hans 
dem Rueckendorfer und Hans dem Schencken von Riedt. 6 ) 

Im Jahre 141 6 empfing der Neidegger wieder die Veste Burg- 
schleinitz mit dem Gerichte und Kirchenlehen allda, nachdem er seine 
eigentümlichen Güter Angern, Zacking u. a. schon 1401 dem Herzog 
Leopold übergeben und zu Lehen gemacht hatte. Er war damals des 
Herzogs Wilhelm Kammermeister 7 ) und um das Jahr 1427 wurde 
wieder ein Hans Neydegker, wohl der Sohn des vorigen, mit den- 
selben Stücken belehnt. 8 ) 

Für das Jahr 1451 wird Ritter Wilhelm Frauenhofer als Besitzer 
genannt 9 ) und am 10. September 1455 erhielt Wilhelm Pebringer 
die Belehnung. lü ) Die Frauenhoferschen Erben erhoben Ansprüche, 
die durch einen Vertrag von 1466 ihre Regelung fanden.") 

Zu den Zeiten der Unruhen unter Kaiser Friedrich ist Burg- 
schleinitz natürlich nicht verschont geblieben. Es war in den 1480er 
Jahren erst von böhmischen Raubscharen besetzt, die unter Wlcek 
einen Tabor in der Nähe angelegt hatten. Dann wieder kamen kaiser- 
liche Völker, die nicht minder arg hausten. Der Kaiser verlangte Bericht 
über die Schäden, welche Watzlaw Wultzschko, Andre v. Weis- 
priach und andere kaiserliche Hauptleute bei Eggenburg angerichtet 
hatten. Wolfgang Dachpeck zum Grellenstein meldete hierauf aus 



!) Lichnowsky, 1. c. III, Nr. 1924. 

2 ) Archiv f. N.-Ö. II, 44. 

3 ) St.-A. Lehenb. Hzg. Albr. IV. Nr. 107 u. 377. — Gesch. Beil. IX, 73 sagen irr- 
tümlich 1395. 

4 ) Gesch. Beil. IX, 73 ff. sagen 1399. 

b ) Histor. Atlas v. N.-Ö. Erläuterungen II, 85. 

6 ) Hofk.-A. Herrsch. Akten, B. 5— 6. — Orig. i. St.-A. —Lichnowsky, V, Reg. 459. 
') Hofk.-A. sub Anger a. d. Lehenbrief d. Herzogs Albrecht IV., Fol. 95 u. 102. 
— Ldsk. XV. 220. 

8 ) Notizbl. 1859, S. 76. — Lehenb. Albrechts V. 

9 ) Wisgrill, III, 87, ohne Beleg. 

ln ) Notizbl. 1854. S. 212. — Lehenb. d. Kg. Ladislaus. 

u ) Wisgrill, III, 88, zitiert Enenkl, Mskpt. I, 395 u. 401, wo jedoch von Burg- 
schleinitz keine Rede ist. 



195 



Grellenstein am Mittwoch vor Maria Lichtmeß (30. Jänner) 1482 über 
die kaiserlichen Hauptleute: »Die von Burgkschleincz mit dem Rott- 
meister Albrecht Aigner haben seinen Maierhof in Harmanstorff 
mit dem Dorf in der Nacht, als der Friede auf acht Tage einging, aus- 
gebrannt. Sie haben am Sonntag vor dem neuen Jahr auch seinen Maier- 
hof zu Grellenstain mit Pferden und Getraide verbrannt. Er und seine 
Unterthanen haben wenigstens 1 1 00 Pfund Pfennige Schaden gelitten, 
was er gnädig zu bedencken bitte.« 1 ) 

Es war die Zeit, wo unser unglückliches Heimatland von durch 
Werbung hereingelockten fremden Kriegsvölkern heimgesucht war. 
Namentlich Ungarn und Böhmen, zum Teil unter Führern, die dem 
Kaiser abgesagt hatten, verheerten das Land von ihren Tabors aus. 
Wlcek hatte zwei bei Stetteldorf und Burgschleinitz, Weispriach 
einen bei Nußdorf. 2 ) Dies ist wohl derselbe, dessen Kriegsvölker vom 
Kaiser noch als die seinigen betrachtet worden waren. 

Die Vesten und Burgen entgingen dem Schicksal der Eroberung 
und Zerstörung damals nur schwer und wechselten schnell aus einer 
Hand in die andere. Burgschleinitz scheint ihm auch verfallen ge- 
wesen zu sein. Denn es erscheint nun wieder ein anderer Name mit 
Jörg von Eckartsau, dem damaligen Besitzer von Maissau, welchem 
unter dem 12. Dezember 1482 Kaiser Friedrich versprach, Burg- 
schleinitz und andere durch die aufrührerischen Böhmen und Mährer 
zerstörte benachbarte Burgen nicht ohne dessen Einwilligung wieder 
aufbauen zu lassen. 3 ) Und für das Jahr 1480 dokumentiert ein schön 
gearbeitetes skulptiertes Wappen am Turme des zweiten Hofes der Burg 
den Bernhard von Zysterstorff als Herren derselben. 

Dies alles, während im Giltbuch noch immer die Kuenringer 
angeschrieben waren. 

Die eben genannten Jörg von Eckartsau von 1482 und Bern- 
hard von Zysterstorff von 1480 sind sonach als die ersten Inhaber 
der Veste Purckschleinitz nach der Besitzergreifung und Zerstörung 
derselben durch Kaiser Friedrich, auf welche das zitierte Dokument 
vom 12. Dezember 1282 hinweist, anzusehen. Für den ersten spricht 
diese authentische Urkunde, während der zweite lediglich durch sein 
oben erwähntes Wappen dokumentiert wird, dessen vollkommen gut er- 
haltene Umschrift deutlich lautet: »Bernhard von Zysterstorff anno 
MCCCCLXXX . JHS.« 

Jedoch sind in den Lehenbüchern keine Belehnungen dieser Besitzer 
mit unserer Veste zu finden, sondern lediglich solche mit anderen 
Stücken. So Jörg und Wolfgang Zysterstorffer mit Wallseer Lehen 
zwischen 1440 und 1446 4 ), dann Leopold von Eckartsaw mit kaiser- 
lichen Lehen (1440— 1442) 5 ), Jörg von Eckartsaw 1443 mit dem 
Dorf Purckstall, bei dem Mannhartsberg gelegen, einem Holz bei 
Ober-Hollabrunn etc., Ludwig von Eckartzaw mit Land bei 
Wagram etc. B ) und später noch dessen Sohn Wilhelm mit dessen 
Stücken und Gülten bei Wagram, Eckartzaw etc. (1494 bis 1499) 7 )! 

!) Orig. St.-A. Rep. I. — Gesch. Beil. IX, 73. — Kuefstein, Studien, II. S. VI, 
addenda ad S. 83. 

*) Ldsk. XIII, 13, 31. 

3 ) Orig. St.-A. Rep. I. 

*) Statth.-A. Wallseer Lehenb., Kod. 1655, Fol. 101 u. 135. 

5 ) Statth.-A. Lehenb. K. Friedrichs, Kod. 1656, 1. Teil. 

G ) Statth.-A. Lehenb. K. Friedrichs, Kod. 1656s Fol. 56, 57 u. 92. 

7 ) Statth.-A. Lehenb. K. Maximilians, Kod. 1656 d, Fol. 225. 

13* 



Eckartzau. 



Bernhard 

von 

Zysterstorff. 



196 

Von Purckschleinitz ist dabei nirgends eine Erwähnung- zu entdecken. 
Die Veste ist offenbar ziemlich bald in andere Hände übergegangen, 
und zwar in jene der Pernstorffer. 
Pernstorffer. Dieses Geschlecht besaß die Veste Poppen und verschiedene 

andere Lehenstücke, mit denen Hans Pernstorffer und sein Bruder 
zwischen 1443 und 1480 belehnt erscheinen. 1 ) Im Jahre 1490 wurden 
Hans und Friedrich die Gebrüder Pernstorffer ddo. Lyncz mit 
Poppen belehnt, mit dem Bemerken, »daß sie sich von Uns als dem 
rechten Herrn an weil. König Mathias von Hungarn geschlagen und 
ihre Lehen verwirkt haben, aber auf die demüthige Bitte des Hans 
Pernstorffer, Unseres Thürhüters ihnen wieder verliehen wurden«. 2 ) 

Ähnlich mag es sich mit der Veste Purckhschleinitz und den 
anderen, bei der Herrschaft Maissau gelegenen Schlössern verhalten 
haben, welche nach dem Wortlaute der oben zitierten, dem Eckartz- 
awer erteilten Urkunde dem Feinde abgenommen und zerbrochen worden 
waren. 

Jedenfalls steht es fest, daß die genannte Veste noch vor dem 
Jahre 1493 dem Hans Pernstorffer, wohl demselben, der eben als 
Türhüter des Kaisers genannt wurde und 'bei diesem in besonderen 
Gnaden gestanden zu sein scheint, verliehen wurde. Wir erfahren dies 
aus der am 6. März 1527 erfolgten Verleihung an dessen Sohn Leopold 
Pernstorffer. In dessen Lehenbriefe wird ausdrücklich darauf Bezug 
genommen, daß sein Vater Hans vom Kaiser Maximilian, »dermalen 
Rom. König«, damit belehnt worden war 3 ), also vor dem Ableben des 
Kaisers Friedrich. Bei dem Lehenbriefe von 1527 ist nicht — wie bei 
den späteren — eine Marginalrubrik, welche auf die vorhergegangene 
Verleihung hinweist, angebracht, sondern im Gegenteil das Wort »desinit«, 
woraus ersichtlich ist, daß schon damals über die im Texte erwähnte 
frühere Verleihung keine Aufzeichnung vorhanden war. 

In den sämtlichen Maximilianeischen Lehenbüchern findet sich diese 
nicht, wohl aber solche über die Veste Poppen (1497 — x 5 2 5)- 

Im Jahre 1536 wurde Leopold Pernstorffer neuerdings mit der 

zerbrochenen Veste Burgschleinitz, welche sein Vater Hans gehabt, 

belehnt. 4 ) Da damals kein Lehensfall weder in manu dominanti noch 

vasallitica war, hatte sich Leopold vielleicht wieder einer Felonie 

schuldig gemacht. Wenigstens ist bei seiner Belehnung mit der Veste 

Limberg am 24. Juli 1533 von einer Rechtfertigung desselben die 

Rede. 5 ) Bald darauf verkaufte Wilhelm Pernstorffer die Veste 

Römer. Purckschleinitz an Wolfgang Römer, welcher am 27. März 1542 

die Belehnung erhielt. ) Auch Poppen, den alten Pernstorfferschen 

Besitz, verkaufte Wilhelm etwas später, und zwar an die Neuhover, 

welche anno 1565 damit belehnt wurden. 7 ) 

Burg- Mit dem Römerschen Besitze gelangen wir zu der neueren Periode 

schleinitz in d er Geschichte unserer Burg, welche uns schon einen freieren Ausblick 

eyermar . g ew ährt. Bevor wir uns diesen zunutze machen, muß noch einer zuweilen 

auftauchenden Verwechslung Erwähnung gemacht werden, welche verwir- 



1 ) Statth.-A. Lehenb. K. Friedrichs, Kod. 1656c, Fol. 213. 

2 ) Statth.-A. Lehenb. K. Friedrichs, Kod. 1656 b, Fol. 47. 

3 ) Statth.-A. Lehenb. K. Ferdinands 1525 — 1529, Fol. 88. 

4 ) Statth.-A. Lehenb. K. Ferdinands 1529 — 1538, Fol. 219. 

5 ) Statth.-A. Lehenb. K. Ferdinands 1529— 1538, Fol. 116. 

6 ) Statth.-A. Lehenb. K. Ferdinands 1539— 1546, Fol. 115. 

7 ) Statth.-A. 1564— 1566, Fol. 97. 



197 

rend gewirkt hat. Es wurde von manchen als Besitzer Seyfried von Kol- 
lonitsch eingeschoben 1 ), dessen Familie jedoch nur mit dem steirischen 
Burgschleinitz zu tun hatte. In den Lehenbriefen werden beide gleich- 
namige Orte stets streng auseinander gehalten durch die Worte: »Unserer 
Lehenschaft Unsers Fürstenthums Oesterreich« oder »Unseres Fürsten- 
thums Steyer« und bei letzterem ist auch von keiner Veste, sondern 
nur von einem Hof die Rede, mit welchem das Dorf an der Klaggen 
verbunden war und der zwischen 1443 und 146g dem Friedrich von 
Klech verliehen gewesen. 2 ) Im Jahre 1492 soll »Georg von Kollonitsch 
mit kaiserlicher Bewilligung das Veste Schloß Burgschleinitz auf 
seinem Gut und Grunde im Cillyer Viertel in Steyermark« neu erbaut 
haben. ;! ) Im Jahre 1497 erhielt, wohl derselbe, »Georg Kollonitsch, 
den man nennt Krabaten, auch Pfleger zu Murnberg (Steir)«, einen 
Lehenurlaub, und zwischen 1510 und 1518 wurden »Seyfried und 
Hieronymus die Colomitschen für sich und als Lehenträger von 
Mertten und Hainnichen ihren Gebrüdern« belehnt mit den »Stücken 
und Gütern Unserer Lehenschaft Unseres Fürstenthums Steyer einem 
Hof zu Purchschleinitz mit dem Dorf und dem Dorf Ober- und 
Nieder-Schleinitz, einem Dorf an der Flakken etc.« Im Jahre 1541 
wurde diese Belehnung erneuert. 4 ) Die Verwechslung wurde dadurch, 
daß die Lehenbriefe promiscue eingetragen wurden und daß auch bei 
der niederösterreichischen Veste ein Dorf des Namens Oberschleinitz 
liegt, sehr erleichtert. 

Kehren wir nun von diesem kleinen Exkurse in die Steiermark zu Römer, 
den wirklichen Besitzern unseres niederösterreichischen Burgschleinitz 
zurück. Wir haben bei Wolfgang Römer gehalten, welcher im Jahre 
1542 belehnt wurde. Er erscheint im Jahre 1543 als Herr zu Burg- 
schleinitz und Grünau in einer Streitsache zwischen dem Abte Er as- 
mus von Zwettl und Sebastian Hager zu Allentsteig, zu deren 
Schlichtung er als deputierter Schiedsrichter vom landmarschallischen 
Gerichte entsendet worden war. 5 ) Nach seinem Ableben trat sein Sohn 
Kaspar Römer die väterliche Erbschaft an. Im Giltbuche ist er schon 
vom Jahre 1559 an eingetragen. Doch erst vom 26. Oktober 1564 datiert 
sein Lehenbrief 6 ) und unter dem 2. Dezember 1579 erfolgte seine neuer- 
liche Belehnung 7 ), wahrscheinlich wegen des beabsichtigten Verkaufes 
an Georg Bayer, welcher am 27. Juni 1581 die Belehnung erhielt. 8 ) Bayer. 
Allein erst am 25. Mai 1582 meldete Kaspar Römer der Landschaft, 
daß er seine »ödte Vesten Purckhschleinitz so sammt derselben Gülten 
und Gütern in gemainer Landschaft Gültbuch begriffen, als nemblich 
das ödte Purkstall mit seinem Anbau und Wassergraben etc. Herrn 
Georgen Payer zu Dürnbach und Neupau verkauft habe«. Vom 
Landgericht ist hier schon keine Rede mehr. Es ging auf Eggenburg 
über. 9 ) Georg Bayer wurde auch mit den übrigen schon erwähnten 



') Bl. f. Ldsk. XXXIV. 450. 

; ) Staats. -A. Cod. supp]. 431, pag. 45 u. 154. 

:i ) Wisgrill, V, 184. 

4 ) Statth.-A. Lehenb. 1494— 1499 u. Lehenb. 1510 — 1518, Fol. 74, u. Lehenb. 1539 bis 
1546, Fol. 89. 

5 ) Link, Ann. Claravall. I, 421. — LA. Wisgrill, Mskpt. 
G ) Statth. Lehenb. 1564— 1566, Fol. 5. 

') Statth. Lehenb. 1576— 1586, Fol. 136. 
8 ) Statth. Lehenb. 1576— 1586, Fol. 252. 
9 j LA. Einl. Burgschi. Nr. 416. — Erläuterung z. histor. Atlas, II, 85. 



198 

Stücken und Gülten belehnt, von denen er einige Teile bald wieder 
(1589) an Enenkl, Hoheneck u. a. veräußerte. 

Dagegen ist ihm zu verdanken, daß die zerstörte Burg wieder 
wohnlich hergestellt wurde. An der Decke des alten Saales im zweiten 
Stock weisen die Buchstaben G. B. Z. D. V. P. 1589 (Georg Bayer 
zu Dirnbach und Purgschleinitz) auf ihn hin. Die gleiche, nur mehr 
teilweise kenntliche Jahreszahl war über dem äußeren Burgtore ange- 
bracht und die schönen steinernen Fensterkreuze an dem letzten rechts- 
seitigen Trakte im dritten Hofe zeugen noch von dem Geschmacke des 
Erbauers. 

Georg Bayer war sonach Besitzer vom Jahre 1581 (dem Jahre 
seiner Belehnung an) bis nach 1589 und gegen 1597. Denn unter dem 
10. Mai 1597 datiert der Lehenbrief seines Sohnes Georg Ernreich 
Bayer für ihn und seine Gebrüder Hans Hermann und Ferdinand 
Jakob über die zerbrochene Veste Purckschleinitz, »welche ihr väter- 
lich Erb ist«. 1 ) 

Wieso es kommt, daß der zweite Bruder Hans Hermann von 
157 1 bis 1597 im Giltbuch angeschrieben steht, während sein Vater 
Georg dort ganz übergangen wird, ist nicht klar und dürfte nur be- 
stätigen, daß diese Eintragungen erst nachträglich erfolgten. 

Es hatte sich mittlerweile in der Bayer sehen Familie ein Drama 
abgespielt, über welches uns lediglich die Marginalbemerkung zu dem 
letzten Lehenbriefe, die sich auf den nächsten von 16 13 bezieht, kurze 
Nachricht vermittelt: »Diese Bairischen Güter wären diesmal den Rechten 
nach Ihrer Maj. heimbgefallen, weil obstehender und sein leiblicher 
Bruder einander selbst fürsetzlich entleibte, aber es ist gleich verliehen 
worden.« 2 ) 

Also Georg Ernreich und Hans Hermann hatten einen Doppel- 
selbstmord begangen und die kaiserliche Gnade wollte es die Nach- 
kommen nicht entgelten lassen, sondern ließ am 4. März 161 3 dem 
Georg Leo, Sohn des Hermann, die Belehnung in der Person seines 
Gerhaben Wilhelm Weltzer zukommen. 3 ) 

Daß die Verhältnisse etwas kompliziert geworden waren, geht aus 
Korrespondenzen des genannten Gerhaben und dem Umstände hervor, 
daß noch im Jahre 1604 ein Mitglied der Familie der früheren Besitzer, 
Wolf Christoph Römer, eine Vormerkung auf Burgschleinitz zu- 
gunsten seiner Frau Anna Susanna von Artstetten machen ließ. 4 ) 
Dieser Römer wurde im Jahre 1620 in der ersten Rebellenliste pro- 
klamiert und mit seiner Bitte um Aussöhnung abgewiesen, muß also 
stark kompromittiert gewesen sein. 5 ) 

Bald starb auch der kürzlich erst belehnte Georg Leo Bayer 
und unter dem 17. Juli 1618 wurden seine Erben belehnt. ) Wenn auch 
eine Marginalnotiz zum Lehenbrief 7 ) sagt, daß die Lehenpflicht nicht 
geleistet wurde, daher die Lehen apert worden, so scheint doch wieder 
die kaiserliche Gnade gewaltet zu haben, denn am 22. September 1618 
konnten die Bayerschen Erben durch ihren Lehenträger Hans Adam 



1 ) Statth.-A. Lehenb. 1587— 1610, Fol. 111. 

2 ) Statth.-A. Lehenb. 1587— 1610, Fol. in. 

3 ) Statth.-A. Lebenb. 1611 — 1615, Fol. 169. 

4 ) LA. Wisgrill, Mskpt. 
») Hofk.-A. K. 14. 

6 ) Statth.-A. Lehenb. 1616 — 1624, Fol. 79. 
'•) Statth.-A. 1611 — 1615, Fol. 169. 



199 



Khroen auf Muggendorf die zerbrochene Veste sowie die zwei 
anderen Lehen über Stücke in der Umgebung- dem Kaiser aufsanden, 
mit der Bitte, sie dem Rudolph von Innpruckh, dem er sie im Auf- Innprugger. 
trage seiner Mandanten verkauft hatte, zu verleihen. Dieser Innprugger, 
welcher — nach einer späteren Zeugenaussage über Weisartikel des 
Hans Jacob von Kuefstein — eine der Bay ersehen Töchter zur 
Ehe hatte, bat nun um die Belehnung, welche ihm auch ohne Anstand 
bewilligt ward. 1 ) 

Der Lehenbrief des Kaisers Matthias, datiert vom 17. Dezember 
1618, verleiht ihm »die zerbrochene Vesten Purgschleinitz mit deren 
Nutzungen und Gülten etc., also daß er sie wiederum bauen mag .... 
und mit derselben getreu und gehorsam sei . . . und sie Uns und Unseren 
Erben offen halte etc.« 

Die Lehenserneuerung aber nach dem Ableben des Kaisers ging 
nicht so leicht. Der Innprucker versäumte nicht nur den lehensrecht- 
lichen Termin für die Bitte um Belehnung, sondern vernachlässigte auch 
noch immer die Reichung der Lehengebühren, zog sich also gesetzlich 
den Verlust des Lehens zu, welches vom Kaiser als apert erklärt und 
eingezogen wurde. 2 ) 

Innprugger konnte demzufolge, als er sich endlich entschloß, am 
22. Dezember 1620 um die Belehnung einzukommen, nicht mehr auf eine 
günstige Erledigung hoffen. Er gesteht selbst den Grund dafür in einer 
späteren Eingabe vom 31. Januar 1624 ein, »weil er noch in terminis 
purgationis gestanden. Da er aber jetzt mit Sr. Majestät gehorsamst ver- 
söhnt sei, stelle er seine Bitte aufs Neue. Der frühere Lehenbrief — 
dessen Vorlage immer verlangt wurde — sei wegen der Landesunruhen 
zu den HHn. Gienger auf Schloß Rabenstein geflüchtet worden«. 

Er erlangte auch schließlich die Belehnung mit der Veste nicht 
mehr, durfte aber andere Lehenstücke und sein Allodialgut Peygarten 
behalten. Der Bericht des Taxators war zu ungünstig gewesen. Nach 
diesem besaß er drei Lehen: »die ödte Veste Purgschleinitz, dann 
Stücke zu Nieder-Dirnbach und achthalb Pfund Geld zu Suttendorf, 
hat aber weder bei weil. Kaiser Matthias noch bei jetziger Majestät 
Regierung die Tax bezahlt, viel weniger die gewöhnliche Lehenpflicht 
geleistet. 3 .) Er beteiligte sich außerdem an den Unruhen gegen den Kaiser 
und verwirkte seine Lehen infolge von Felonie. 4 ) 

In dieser Zeit, vom Tode des Kaisers Matthias an bis zu der 
nächsten Belehnung, also zwischen 1619 und 1624, hatte die Veste eigent- 
lich keinen anderen rechtmäßigen Herrn als den Kaiser als Lehens- 
herrn. Ob Innprugger noch sich dessen prävalierte, ist nicht bekannt. 
Sie scheint gerade in diesen Jahren durch die Kriegsvölker aller Art 
am meisten gelitten zu haben. Namentlich sollen die böhmischen Söldner 
unter Christian von Anhalt, die sie im Jahre 1620 besetzten, darin 
barbarisch gehaust haben. 

Damals fanden in der dortigen Gegend in den unseligen inneren Kämpfe 
Kämpfen verschiedene Zusammenstöße der ständischen und böhmischen bei Burg- 
Truppen mit jenen Buquoys statt. Wir erinnern nur an den Sieg des sc Yfion ltZ 



1 ) Archiv Greillenstein, III, 24 (Originale u. Kopien). — Statth.-A. Lehenb. Ferd. III., 
Fol. 79 ff. — Über die Familie der Innprugger oder Imprugger vgl. Kuefstein, Studien. 

I, 199 ff- 

2 ) Statth.-A. Lehenb. 1616-1624, Fol. 86. 

3 ) Archiv Greillenstein, 1. c. 

4 ) Statth.-A. Lehenb. 1616 — 1624, Fol. 375, 376, 377. 



200 

letzteren bei Langenlois (n. Februar 1620), der den böhmischen An- 
führer General von Fels zur eiligen Flucht nach Hörn zwang, dann 
an den anderen bei Sitzendorf (13. April), durch welchen dessen Heer 
nahezu vernichtet ward und Fels selbst den Tod fand. 1 ) Aber gerade 
zwischen Maissau und Burgschleinitz hatte Buquoy schlimmere 
Erfahrungen zumachen gehabt. 2 ) Wie Hans Ludwig von Kuefstein 
schreibt, der am 6. März auf der Rückreise von seiner Mission an den 
Kaiser Krems passierte, war Buquoy, der die Verhandlungen mit den 
Evangelischen für Spiegelfechterei erklärt hatte, gerade tagsvorher, also 
am 5., ohne ihn abzuwarten, von dort mit der ganzen Armada aufge- 
brochen und wollte am 9. vor Hörn rücken. Es ging aber diesmal nicht 
ganz nach Wunsch. Er hatte zuerst Maissau bedroht. Aber durch den 
aus Eggenburg heranrückenden Anhalt in Schach gehalten, postierte 
er sich auf einem Berge zwischen Maissau und Burgschleinitz, 
welches er am 9. angriff. Nach einem Bericht von diesem Tage aus 
dem Feldlager vor Burgschleinitz wurde der Friedhof eingenommen, 
wobei sich die Polacken sehr hervortaten, so daß die Besatzung ihn 
räumen mußte. 3 ) Sie hielt jedoch die Burg und die beiden Armeen 
setzten den Geschützkampf fort. Am 10. bewegten sich die Truppen 
Buquoys an Burgschleinitz vorbei gegen Reinprechtspölla auf 
dem Wege nach Hörn, wurden aber bei Khünringen vom Feinde 
aufgehalten, der ihnen eine Anhöhe entriß und sie am 11. zum Rückzug 
nach Krems zwang, der auch durch Mangel an Munition und Lebens- 
mitteln nötig geworden war. 

Dieser Rückzug wurde ihnen sehr verderblich. Anhalt setzte heftig 
nach, wobei die Truppen der Evangelischen mit ihren Reitern unter 
Hans Lorenz Khufstainer, von Hörn ausbrechend, zum Erfolge 
wesentlich beitrugen, wofür die Polacken seinen Markt Spitz ein- 
äscherten. 4 ) Der Abend dieses Tages war es, an welchem des Lorenz 
Bruder, Hans Ludwig Khufstainer, von seinem Schlosse Puech- 
berg nach Hörn zurückkehren wollte, zuerst durch den Kampf zurück- 
gehalten wurde, dann aber bald ungehindert durchkam, nachdem, wie 
er schreibt, »das kaiserl. Volk von Mais sau und Umgegend etwas 
eilends zurückgewichen war«. 

Die Veste Burgschleinitz, in welcher sich die Besatzung zu 
halten vermochte, war also noch nicht so »zerbrochen«, daß sie nicht 
mehr verteidigt werden konnte. Die Kugeln der Kaiserlichen mögen ihr 
allerdings nicht sehr wohl getan und die Bay ersehen Restaurierungen 
schwerlich geschont haben. 
Kuefsteiner. Die Besitzung kam, wie aus alledem ersichtlich wird, in einem 

ziemlich desolaten Zustand an unsere Familie. Am 7. Februar 1624 wurde 
dem Hans Jacob v. Khuffstein »die zerbrochene Veste Purck- 
schleinitz mit ihren Nutzungen etc., welche vorhin 17. Juli 1618 den 
Georg Leonis Erben zwar verliehen war, bald darauf Rudolfen von 
Ynnbrugge aufgesandet, aber von ihm das Homagium nicht geleistet, 
auch darüber sich der Unruhe wider Uns theilhaftig gemacht haben soll, 
dahero solche apert lassen worden, als ersten Bewerber verliehen«. 5 ) 



1624 
bis heute. 



x ) Gindely, III, 89 u. 105. 

-) Gindely, III, 95 ff. — Diarium Hans Ludwigs von Kuefstein v. J. 1620. 

3 ) St.-A. Handschr. 108, V 2 , Fol. 24. 

4 ) Ged.-B. d. Pfarre Spitz a. d. D. v. P. Aug. Fischer. 

5 ) Statth.-A. Lehenb. Ferd. II., Fol. 375 ff. 



201 




Burgschleinitz. 



E. A. 



Innpruckers Lehenbrief wurde kassiert 1 ) und Hans Jacob 1626 im 
Giltbuche angeschrieben. 

Mit dem Lehen der Burg gingen noch zwei andere zusammen, die 
Innpruggersche Reklamationen veranlaßten. Andere wurden an Mert 
von Starhemberg und an des Georg Leonis Bayers Erben ver- 
liehen, später auch an Werdenberg. 2 ) Man sieht also, wie sehr der 
alte Besitz schon damals zerrissen war, so daß für den Kern mit der 
Burg nur mehr wenig übrig blieb. 

Die Ansprüche der Innprugger, auf welche sich die bereits er- 
wähnten Weisartikel von 1625 beziehen, führten endlich zu einem so- 
genannten Verlasse vom 13. Februar 1632, nach welchem dem Hans 
Jacob von Khufstein die Veste Purckschleinitz samt ihrem genau 
spezifizierten Zugehör, so ihm als apertes Lehen von der kaiserlichen 
Majestät verliehen, dem Innprugger aber seine dem Hans Jacob 
bereits eingeantworteten, frei eigenen und teils auch lehenbaren Güter 



!) Statth.-A. Lehenb. Ferd. II., Fol'. 86. 

2 ) Statth.-A. Lehenb. Matthias', Randnotizen, Fol. 169 ff., u. LA. Einlage 416, Burg- 
schleinitz. 



202 

zugesprochen wurden. Die Durchführung sollten die Kommissäre Ferd. 
Nütz und Christof Perkhammer von Perkhofen, kais. Schlüssel- 
amtmann zu Krems, innerhalb 14 Tagen besorgen. Die Kommission 
wurde auf Antrag Innpruckers hinausgeschoben und schließlich, da 
er den Termin versäumte, ex offo anbefohlen. Nichtsdestoweniger zogen 
sich die Verhandlungen noch bis in die Zeiten des Georg Adam, 
Sohnes des Hans Jacob Kuffsteiner, hin. 1 ) 

Dieser wurde, wahrscheinlich infolge des erwähnten Vergleiches 
— denn sonst war keine Veranlassung dazu, da weder in manu domi- 
nanti noch servienti eine Veränderung vor sich gegangen war — am 
18. Juni 1632 neu belehnt. 2 ) Der Lehenbrief ist mit jenem vom 7. Februar 
1624 völlig identisch, ausgenommen, daß die Veste nicht mehr als »zer- 
brochen« bezeichnet wird, woraus geschlossen werden kann, daß der neue 
Besitzer Hans Jacob, welcher seit 1626 im Giltbuche darauf angeschrieben 
war, sie mittlerweile wenigstens halbwegs wieder hatte herstellen lassen. 

Nichtsdestoweniger ist es begreiflich, daß der Bauzustand des 
Schlosses und des Meierhofes noch als schlecht bezeichnet werden mußte. 3 ) 
(Das Schloß wurde auf 1500, der Meierhof auf 50 fl. bewertet, Gehölz 
300 Joch ä 8 fL, Teich 54 fl. auf 48 Schock.) Das Ganze verlockte nicht 
zu größeren Investitionen, die der Ertrag nicht decken konnte. 

Dies mag Georg Adam von Kuffstein, welcher nach dem Ab- 
leben seines Vaters, am 3. Juni 1634, un d nach jenem des Kaisers, am 
9. Januar 1638 die Belehnung von Burgschleinitz, Nieder-Dirnbach 
und Suttendorf empfangen hatte 4 ), bewogen haben, sich mit dem Ge- 
danken der Veräußerung zu tragen. Dagegen meldeten sich nun wieder 
die Innprugger, Melchior Georg und Wolfgang Ehrenreich, 
Söhne des Rudolph, »da sie mit ihm in lite pendente et revisione 
actuali darüber stünden«. Sie bestritten auch die Eintragung in das 
Giltbuch, die ohne ihre Einwilligung erfolgt sei. 5 ) 

Am 8. Oktober 1640 beschwerte sich Georg Adam über die 
schlechte Wirtschaft des provisorisch hinausgesendeten landschaftlichen 
Pflegers und bat um dessen Abberufung unter dem Hinweise, daß die 
1000 fl. Rückstände noch von den Innpruggern herrühren. Diesem 
Ansuchen wurde sofort stattgegeben und am 9. Januar 1641 konnte 
Georg Adam den Verordneten danken, daß sie ihm das Lehen wieder 
übergeben hatten, indem er gleichzeitig um die Abrechnung und den 
Ausweis über die ausständigen Landesumlagen bat. Laut eines Berichtes 
vom 26. März 1642 bestanden vor dem böhmischen Einfalle bei der 
Veste Purgschleinitz 15 behauste Güter, von denen 12 jetzt öd 
lagen. In der Grundbuchshandlung war schon am 14. März 1640 vor- 
gegangen worden, wobei die Innprugger wieder nicht erschienen. Seit- 
dem war der Besitz nicht mehr gestört. Doch geht aus einer späteren 
Eingabe vom Jahre 1680 des Max Freiherrn von Salamanca, als 
Sohnes einer geborenen Impruckherin, hervor, daß im Jahre 1642 
eine Exekution gegen die Impruckherischen Allodgülten geführt 
wurde, welche Kuefstein — also damals Georg Adam — um an- 
geblich 9139 fl. gekauft haben soll. 6 ) 



') Archiv Greillenstein, III. 24. 

2 ) Statth.-A. Lehenb. 1623 ff., Fol. 215. 

3 ) LA. Einl. 416, Ausweis v. 6. Mai 1637. 

4 ) Statth.-A. Lehenb. 1623 — 1638, Fol. 281 u. 434. 

5 ) Arch. Greill. IN, 25 u. LA. Einl. 416. 
°) LA. Einl. 416 u. Archiv Greill. III, 25. 



203 

Im Jahre 1656, nach dem Ableben Georg Adams, ging die Herr- 
schaft an dessen ältesten Sohn Hans Heinrich über und von diesem 
an dessen Bruder Hans Georg IV., welcher im Giltbuche erst im 
Jahre 1687 eingetragen ist, aber die Herrschaft schon mit Vertrag vom 
30. September 1668 vorübergehend an seinen Oheim Lobgott Grat 
Kuefstein, ältesten Sohn des Hans Ludwig, Stifters der oberöster- 
reichischen Linie, um 2i.ooofl. verkaufte, »weihen er höchst bedürftig 
etlicher Geldmittel zur Abledigung auf der Herrschaft Greillenstein 
theils Prioritätsschulden«. Diese sollten nach dem Vertrage zuerst von 
der ersten Rate des Kaufpreises per 10.000 fl. abgetragen werden. Unter 
Bezugnahme auf die geschwisterliche Teilung übernimmt der Käufer 
alle Ansprüche zur Befriedigung — ausgenommen jene der evangeli- 
schen Stände, welche wahrscheinlich noch aus den ständischen Streitig- 
keiten über die Zahlungen der Kriegsvölker herrührten. Der Vertrag 
ist mitunterzeichnet von Leopold von Kollonitsch, damaligem Bischof 
von Wr. -Neustadt, dem berühmten späteren Kardinal und Verteidiger 
Wiens, Geschwisterkind mit Hans Georg von Kuefstein. 1 ) 

Den erforderlichen Lehenurlaub erhielt H. Georg am 11. Oktober, 
Lobgott am 29. November 1669. Am 7. Februar 1670 wurde der Ver- 
kauf bewilligt und Lobgott am 12. August desselben Jahres belehnt. 2 ) 

Lobgfott benützte den kurzen Zeitraum seines Besitzes von nur 
sechs Jahren zum Abschlüsse eines Vergleiches (vom 1. Januar 1669) 
mit Christof Ernst Graf Scherffenberg als Gerhaben der Christof 
Dietrich Schallenbergschen Erben über einen >zu der nach Vesten 
Burgschleinitz vogtsobrigkeitlich gehörigen alten Kapellen von vielen 
Jahren her hintersteiligen Dienst von 9 fl. 4 Schill., welchen T7 Unter- 
tanen zu Jährings der Herrschaft Rosenau angehörige Untertanen 
jährlich zu dienen schuldig waren«. Schallenberg verspricht diesen 
Dienst zu der Schloßkapelle jährlich durch die Untertanen leisten zu 
lassen, wogegen Lobgott auf die rückständigen Leistungen verzichtet. 3 ) 

Im Mai 1674 kaufte Hans Georg die Herrschaft wieder zurück 
und erhielt am 18. Juni 1675 die Neubelehnung. 4 ) Er hatte offenbar die 
momentan durch die an die Geschwister zu leistenden Zahlungen ent- 
standene Verlegenheit glücklich überwunden. Er ging noch weiter und 
konnte Burgschleinitz als integrierenden Bestandteil dem von ihm er- 
richteten Familienfideikommisse inkorporieren, bei welchem es auch ge- 
blieben ist. 

Die Herrschaft Burgschleinitz war jedenfalls eine wertvolle Er- 
werbung als Erweiterung des Familienbesitzes. Aber als Ertragfähigkeit 
darf man sie nicht zu hoch anschlagen. Sie war weit davon entfernt, 
noch alles das in sich zu begreifen, was früher damit in Zusammenhang 
stand und noch in den Lehenbriefen derNeydecker genannt wird. Der 
ganze Besitz war längst auseinandergerissen und der übriggebliebene Rest 
durch die vielfachen kriegerischen Ereignisse, die darüber hinwegbrausten, 
in den Grund hinein ruiniert. Die Veste selbst, die schon von den Zeiten 
Kaiser Friedrichs an als ödes Schloß und öder Burgstall bezeichnet 
ward und nur als »zerbrochen« verliehen wurde, war in den Kriegsereig- 
nissen gänzlich verwüstet, eingerissen und nach jeder feindlichen Er- 

L ) Archiv Greillenstein, Kopie v. 1. Oktob. 1668 u. Inv. 1776, Nr. 136. 
=) Statth.-A. Lehenb. 1668 ff. Fol. 83, 84, 100, 106. 

3 ) Archiv Greillenstein, Orig.-Perg. u. Inv. 1776, Nr. 113. 

4 ) Archiv Greillenstein, Bericht des Verwalters Joh. Mich. Hollstain des Kuef- 
steinschen Freihofes in Klosterneuburg v. 19. Juni 1674. — Lehenb. 1668 zit. Fol. 236. 



204 

stürmung notdürftig wieder hergestellt worden, um dann bald wieder 
zerstört zu werden. Von den böhmischen Söldnern unter Anhalt wurde 
sie, wie wir gesehen haben, stark hergenommen, wie von den ihnen 
entgegenstehenden Kaiserlichen, und die Schweden dürften später auch 
noch das ihrige dazu beigetragen haben, um auch den größten Teil der 
Bayer sehen Restaurierungen zu zerstören, von denen man heute nur 
noch einige schöne Rudera als künstlerisch beachtenswerte Ornamente 
bewundern kann. Dagegen sind im Laufe unseres Besitzes wesentliche 
Verbesserungen und Herstellungen gemacht worden; die auf den alten 
Bildern v.J. 1672 und 1688 noch ersichtliche hölzerne Zugbrücke durch 




Gesamtansicht von Burgschleinitz. 



E. A. 



eine schön gewölbte, massiv steinerne ersetzt, der Meierhof der da- 
neben stand, hinter dem Schlosse neu aufgebaut und dieses wohnlich 
hergerichtet. 

Trotz aller wiederholten Zerstörungen zeugt der Bau noch heute 
von der Solidität der gewaltigen ursprünglichen Anlage und steht fester 
da als manches moderne Bauwerk. Was zu erhalten ist, wird selbstverständ- 
lich sorgsam bewahrt. Daß einige separierte Räume, zu denen leider die 
Kapelle gehört, längst unrettbar verloren sind, bedauern die Besitzer 
am schmerzlichsten selbst, ist aber kein Grund, das ganze, wohl erhaltene 
Gebäude damit zu identifizieren, und zu behaupten, daß es dem Verfall 
entgegengehe und nur notdürftig unter Dach gebracht sei etc. ') 

Eine Burg, die so viel gelitten hat, ist kein Ringstraßenhaus und 
darf nicht nach dem äußeren Anscheine allein beurteilt werden. Obwohl 
sie als Ruine übernommen wurde, gewährt sie heute so sicheres Heim, 
daß sie jahraus jahrein bewohnt wird. Es ist daher der Sachlage nicht 

>) Bl. f. Ldsk. XXXIV, 451. 



205 

entsprechend und sehr ungerecht, wenn sie als baufällig hingestellt wird, 
was wohl nur auf wenig fachkundigen Berichten oberflächlicher Besucher 
beruhen kann. Dagegen können auch die der Burg gewidmeten wert- 
vollen Beschreibungen in der »Niederösterreichischen Kunst-Topographie«, 
V, i angerufen werden. 

Wir können diesen kurzen Überblick nicht schließen, ohne des 
Lichtstrahles zu gedenken, den ein herrliches Gestirn der modernen Zeit 
auf die alte Burg geworfen hat. Sie hat unseren großen Grill parzer 
in ihren Räumen beherbergt. Allerdings war er damals noch nicht be- 
rühmt, als er im Jahre 1808 (25. September) als iyjähriger Student in 
Burgschleinitz weilte, daher auch keine Aufzeichnungen darüber vor- 
handen sind. Ebensowenig über seinen Aufenthalt in Greillenstein, 
wo er im Herbste 1807 auf Besuch bei dem dortigen Verwalter wohnte, 
wie aus seinem Briefe vom 30. Septb. hervorgeht 1 .) Er scheint mit dessen 
Frau verwandt gewesen zu sein.-) Dieser wird ihn wohl auch nach 
Burgschleinitz mitgenommen haben. In Greillenstein soll er das 
vom 13. Oktober 1807 datierte Gedicht »Heckabes Klage« verfaßt haben, 
welches in der Jubiläumsausgabe seiner Werke als drittes erscheinen soll. 

6. Zweite Heirat mit Maria Veronica von Urschenbeckh. 

Wie wir im ersten Teile der Lebensgeschichte des Hans Jacob 
erfahren haben, hatte er den Schmerz, seine geliebte Gattin Clara von 
Puechaimb, welche er am 15. Januar 1601 geheiratet hatte 3 ), schon im 
J. 161 8 (5. Oktob.) zu verlieren. Die Trauer, welche er darüber empfand, 
drückte ihn dergestalt, daß er seinen eigenen Tod als bevorstehend an- 
nahm und sich schon damals, im kräftigsten Mannesalter (41 Jahre) ver- 
anlaßt sah, sein Testament zu errichten, in welchem er seiner dahin- 
geschiedenen Gattin warme Worte des Schmerzes nachrief. 

Wohl mit Rücksicht auf die Kinder, die sie ihm in unmündigen 
Jahren zurückgelassen hatte, entschloß er sich acht Jahre danach zu 
einer neuen Heirat. Am 18. Januar 1626 wurde er zu St. Stephan in 
Wien mit Maria Veronica, Tochter des Georg Bernhard Freiherrn 
von Urschenbeck, Landmarschall 1606 bis 1620 und Führer der Ka- 
tholischen, getraut. 4 ) Diese war die Witwe des Maximilian Breunner 
Freiherrn zu Stübing und schon vorher in erster Ehe mit Otto 
Cyriacus Freiherrn von Weber zu Röz und Pisemberg verheiratet 
gewesen. 

Über die Hochzeitsfeier ist nichts weiter bekannt, als daß die Amts- 
relation der Verordneten v. J. 1626 die Stände daran erinnerte, Hans 
Jacob von Khuefstein habe die gesamten HHn. Verordneten zu 
seinem hochzeitlichen Ehrentage freundlich eingeladen. »Da sich Hr. von 
Kuefstein zu ersprießlichem Nutzen u. Frommen des gemeinen Wesens 
ansehnlich meritirt, auch Hr. Gebhard Wilhelm v. Weltzer, Land- 
untermarschall — der gleichzeitig seine Einladung gesendet — sich 



1 ) Jahrb. d. Grillparzer-Ges. 1890. 

2 ) Die Frau des Verwalters Franz Xav. Cessner war eine Tochter des Wiener 
Magistratsrates Andr. Kohl, u. dessen Gattin wird im Taufbuch der Pfarre Röhrenbach 
v. 1815, pag. 4 als eine geb. Grilbarz angegeben. 

3 ) Der Hochzeitstag v. 15. Januar 1601 ist außer durch die schon pag. 10 ange- 
gebenen Momente konstatiert durch die von Schiffer-Freyling, 4, 1421 gegebene 
Notiz des Greillensteiner Hofpredigers Daniel Hasen. 

4 ) St. Stephan, Wien, Kopul..-Bch„ T. 12, Fol. 221. — Wisgrill, V, 304. 



206 

dessen fähig und verdient gemacht habe, sei beeder HHn. Einladung 
wohlmeinend und mit einem ergiebigen Hochzeitspräsent zu bedenken.« 
Am 2. Mai und 27. Juni billigte der Ausschuß diese Anträge. 1 ) 

Der Ehe entsprossen keine Kinder, aber sie scheint glücklich ge- 
wesen zu sein. 

Einer gewissen Pikanterie ermangelt es nicht, daß Maria Veronica 
schon lange vor ihrer Verehelichung mit Hans Jacob in geschäftlichen 
Beziehungen zu ihm stand. Durch Vertrag v. ig. Juni 1623 kaufte sie 
von ihm die Amter Nieder-Meisling, Walthausen, Mittenreith, 
Reichenbach und Conrathschlag mit allen Zugehörungen und 
Rechten, wie dieser sie jüngsthin von seinem Bruder Hans Ludwig 
erworben hatte. Als Zeugen fungierten dabei letzterer selbst und Hans 
Lorenz. 2 ) Sie wurde mit den neu erworbenen Gütern am 13. August 
1624 und dann wieder i. J. 1638 belehnt. Außerdem besaß sie noch den 
Weinwartshof zu Muggendorf bei Tulln, mit dem sie 1624, 1630 
u. 1638 belehnt wurde, dann das der »lieben andächtigen Maria 
Veronica Preynerin« i. J. 1614 in der Person ihres damaligen Ehe- 
vogtes Maximilian von Preyner verliehene Fischwasser zu Achau 
an der Schwechat (wieder verliehen 1621), den Sitz zu Ainöd, Zehenten 
zu Rappottenstein etc. 3 ) Endlich noch den bereits bei den Lehen- 
sachen des Hans Jacob erwähnten Himbergerhof zu Bidermanns- 
torff, einen anderen bei Leopoldsdorf gegen Achau etc. 

Nach der Maria Veronica Ableben erbten ihre Kinder zweiter 
P^he, Georg Seyfried Graf Bräuner und Eva Maria Eusebia, Gattin 
des Joh. Baptist Gf. Kollonitsch, auch Dobra, über dessen Belange 
schon gesprochen wurde. Mit Muggendorf wurde Georg Seyfried 
Bräuner am 19. Dezb. 1640 für sich und seine Schwester Maria 
Eusebia, damals schon verwitwete Gräfin Kollonitsch, belehnt. 4 ) 

Wenn außerdem noch von der Kuefstainerin zu Rottenbach 
i. J. 1632 gesprochen wird, so mag damit die Maria Veronica gemeint 
sein. Aber das kleine Gütchen wird auch später noch als Besitz ihres 
Sohnes Georg Adam und des Enkels Hans Georg IV. von Kuef- 
stein genannt. 5 ) 

Über jene Schuldforderung v. 102.000 fl. an den Kaiser, welche 
den Ehegatten gemeinsam zustand, ist schon bei der Behandlung der 
Vermögensverhältnisse Hs. Jacobs gesprochen worden. Noch i. J. 1639 
berichtete der Kriegszahlmeister über diese Anforderung. 6 ) 

Eine sogen.SeyfriedKollonitsch-Lewenczische Schuldforderung 
der Maria Veronica gab der Hofkammer i. Januar 1631 Veranlassung, 
zu bestimmen, daß sie befriedigt werden solle, weil sie die erste war, 
sich zu einem so starken Nachlasse herbeizulassen, daß die anderen 
Kreditoren nachgezogen wurden. 7 ) 

Nach dem Ableben des H. Jacob kam sie um »Contentirung mit 
ihres Gemals sei. hinterstelliger N. ö. Regierungsbesoldung«: ein, worauf 
das Salzamt am 29. Dezb. 1633 beauftragt wurde, »das Möglichste zu 
thun « . 8 ) 

') LA. Ldtg.-Prot. 1626, Fol. 376 u. 404. 

2 ) LA. Fasz. B., Nr. 796. 

3 ) Statth -A. Lehenb. 1621 ff. 
") N.-ö. Topogr VI. 908. 

5 ) Gesch. Beil. V, 439; VI, 325. — Wisgrill, V, 303. 

6 ) Hfk.-A. 1639, E. 563. 

7 ) Hfk.-A. Prot. 1631, E. 26. 

8 ) Hfk.-A. Prot. 1633, E. 611. 



207 

Sie selbst folgte ihm am 2. Dezb. 1639 im Tode nach. Ihr Name 
kommt in unseren Familienpapieren gar nicht vor, nicht einmal in den 
kaum ein Jahrhundert später verfaßten Stammtafeln. Schon P. Leop. 
Fischer, der ihr Epitaphium aufgezeichnet hat, sagt bei diesem An- 
lasse, daß er nirgends etwas Anderes über sie finden konnte, die ihrem 
Gatten keine Nachkommenschaft gegeben hatte. 1 ) 

7. Testament u. Ableben. 

Hans Jacob entschlief am 31. August 1633, ohne daß ein späteres 
Testament von ihm erhalten geblieben wäre als das oben schon er- 
wähnte, welches er am 9. Dezb. 16 18 kurz nach dem Tode seiner ge- 
liebten ersten Gattin errichtet hatte. 2 ) Wenn auch die meisten Bestim- 
mungen bei seinem Ableben schon antiquiert waren, enthält es doch 
eine Reihe von Notizen, welche für die Familiengeschichte nicht zu über- 
sehen sind. 

Nach einem von ebenso tiefem religiösen Gefühle getragenen Ein- 
gange, wie jener seines Vaters gewesen war, Anrufung des allmächtigen 
Gottes und Empfehlung in seine Gnade samt Sündenbekenntnis, richtet 
er einen warmen Nachruf an seine Frau und bestimmt dann, daß sein 
toter Körper in seinem gewöhnlichen Nachtrock ohne alles Gepränge 
und Zeremonien, nur mit einem christlichen Sermon von rechter Be- 
reitung zu einem seligen Sterben in eine hölzerne Truhe und kupfernen 
Sarg gelegt und nach La ach zu seinen Eltern und Gattin gelegt werde. 
Den Untertanen wird nachgelassen, was sie unter 10 fl. schuldig sind 
und eine Almosenverteilung in Greillenstein und Laach angeordnet 
sowie eine Stiftung für zehn seiner Waisenkinder. Der Prediger erhält 
einen Gulden von 10 Dukaten, die Dienstleute Abfertigungen. 

»Demnach der getreue barmherzige Gott mir aus meiner liebe- 
reichen Ehe« sieben Kinder gegeben, davon der fromme Gott nach 
seinem göttlichen gnädigen Willen zwei Söhnl in ihren unmündigen 
Jahren, nämlich Hans Erasm und Hans Georg zu sich genommen, 
welcher liebe Körperl auch in der Gruft zu Laach ruhen, die übrigen 
aber, als drei Söhne namens Georg Adam, Georg Christoff und 
Hans Georg, dann zwo Töchter Anna Elisabeth und Clara Maria 
nach Gottes Willen noch im Leben, also setze und instituire ich zu 
meinen rechten natürlichen Erben erstbenannte meine liebe drei Söhne«. 
Da sie aber noch klein und unmündig waren, setzte er seine Brüder 
H. Lorenz u. H. Ludwig und seine Schwester Fräul. Sara zu Vor- 
mündern u. Gerhaben ein mit der Bitte, für ihre gute Erziehung zu 
sorgen. Das noch kleine Töchterl Clara Maria möge Sara bei sich 
behalten und ihr befohlen sein lassen. 

Interessant ist der zehnte Punkt, in welchem er seine Brüder daran 
erinnert, »mit was schweren Schuldenlast ich unser Stammenhaus die 
Herrschaft Grailnstain angenommen, solches unserem Geschlecht zu 
Ehren nicht allein bei Bau erhalten, sondern auch (ohne Ruhm) mit 
noch mehrerem Gebäu und Requisiten geziert u. vermehrt. Bitte dem- 
nach meine treu wohlmeinende Sorgfältigkeit brüderlich zu bedenken 
und mit Rath u. That meinen Söhnen beizuspringen und die Theilung 



] ) Leop. Fischer soc. J, Brevis notitia. 1771. Suppl. II, cap. XI, 189 — 191. 
-) Orig. Pap. Archiv Greillenstein. 



208 

also helfen disponiren, damit die Herrschaft nicht allein meinen Söhnen 
ein Eigenthum, sondern auch ungetheilt Einem allein verbleibe. Denn 
sonsten unmöglich daß dies Gebäu in seinem esse der Nothdurft nach 
erhalten werde«. 

Mit diesem Wunsche erfüllte Hans Jacob die Bestimmung des 
väterlichen Testamentes, welche Hans Georg schon dahin formuliert 
hatte, daß die Herrschaft Greilnstain ungeteilter beisammen 
gelassen und bei dem Namen und Stamme der Herren Kuef- 
stainer erhalten werde. 1 ) 

Weiters bittet Hans Jacob als voraussichtiger Hausvater die Ger- 
haben, sie mögen nicht säumen, die Offizier und Dienstboten sowie die 
Untertanen in Glübd und Pflicht zu nehmen, Inventarien der Verlassen- 
schaft und brieflichen Instrumente anfertigen zu lassen, die Lehen zu 
nehmen und namentlich, daß »alle brieflichen Urkunden, so uns die 
HHn. Khuefstainer in gemain betreffen, in das durch mich verwahrte 
Briefgewölb deponirt würden und jedweder Theil hiezu einen Schlüßel 
und Beschreibung — inmaßen ich allbereits dergleichen Libell zu machen 
angefangen — hätte damit aines ohne des andern Willen in den Briefen 
nichts fürnehmen oder verrücken könne«. 

Aus diesem § 13 entnehmen wir die Bestätigung der im vorigen 
Bande — bei dessen Verfassung dieses Testament noch nicht bekannt 
war — schon ausgesprochenen Vermutung, daß Hans Jacob es war, 
dem wir die Anfertigung des Archivverzeichnisses von 1615 2 ) verdanken, 
welches uns bisher so ausgezeichnete Dienste für die Familiengeschichte 
geleistet hat. Leider aber ist es allem Anscheine nach weder vom Ver- 
fasser selbst noch von seinen Nachkommen fortgesetzt worden. Zum 
mindesten ist nichts darüber auf uns gekommen. 

Im 14. Artikel werden die Töchter bedacht. Da diese dem Landes- 
gebrauche nach im Väterlichen den Söhnen nicht gleich gehalten werden 
können, so habe er ihnen in dem, was ihnen und ihren Brüdern von 
ihrer Mutter anerstorben war, einen solchen Vorteil vor den Söhnen 
zuteil werden lassen, daß sie wohl zufrieden sein und um so viel mehr 
ihrer lieben u. treuen Mutter danken können. Jede soll 4000 fl. Rhein. 
(3 m väterlich u. 1 m mütterlich) zu 7% und 5 eingerichtete Betten er- 
halten sowie den täglichen Unterhalt mit Essen, Trinken, Zimmer u. 
Liegestatt. Im Falle ihrer Verehelichung sollen je 1000 fl. für die Hoch- 
zeit u. Kleidung angelegt, die übrigen bar ausgefolgt werden. 

Im letzten Punkte wird die Fortführung des von ihm bestellten 
Kirchen- u. Schulwesens angeordnet, ein seitdem obsolet gewordener 
Wunsch. 

Die Aufzählung der Kinder im Testamente ist natürlich vollständig, 
da deren Mutter damals eben gestorben war, die zweite Ehe aber 
kinderlos blieb. Von diesen überlebten den Vater nur Georg Adam, 
der die Familie fortpflanzte und Anna Elisabeth, die, als Gattin des 
Ernst v. Kollonitsch, die Mutter des berühmten Kardinals Leopold 
v, Kollonitsch wurde. 



i) Bd. II, 315 u.. 387. c 

2 ) Verzeichnis des Kuefsteinschen Fam.-Archives in Greillenstein v. J. 1615. 
Herausgegeben v. Karl Gf. Kuef stein. Wien 1906. 



209 

Von Hans Jacob besitzen wir ein schönes Porträt in Lebensgröße, Bilder 
mit der Inschrift: >Herr Hans Jacob Herr Khuefstainer Freiherr, • t un v 
mit der Klaidung deren er den andern Tag auf seiner Hochzeit ange- p ^ 
than gewest. alt 23. A°. 1601.« Als Pendant hängt daneben das Porträt 
seiner ersten Frau Clara von Puechaimb mit analoger Inschrift. 1 ) Da 
die Hochzeit am 15. Januar 1601 stattfand, war er an diesem Tage tat- 
sächlich noch 23 Jahre alt, wenn man seine Geburt auf den 28. Juni 
1577 annimmt, d. i. nämlich jenes Datum, welches sich durch Vergleich 
der auf seinem Epitaphium angegebenen Lebensdauer mit dem Datum 
seines Ablebens ergibt und auch zumeist angenommen wird. 2 ) Letzteres 
erscheint nicht nur durch das Epitaphium, sondern auch durch die offi- 
ziellen Notizen, da er bis zu seinem Ende als Regimentsrat in der Re- 
gierung diente, auf den 31. August 1633 unanfechtbar konstatiert. 3 ) 
Das von unseren alten Stammtafeln gegebene Geburtsjahr 1575 ist 
danach unrichtig. 

Ebenso offenbar das Datum auf einem Sarge in Maria-Laach: 
»Joh. Jacobus Herr v. Ku efstein gewester kais. Kämmerer, ist ge- 
storben 1629.« Unmöglich ist es nicht, daß H. Jacob in späteren 
Jahren, als die Kapelle des Akadem. Gymnasiums aufgelassen wurde, 
nach Ma.-Laach — wie er es in seinem Testament angeordnet hatte 
— transportiert und ein ungenaues Sterbedatum beigesetzt worden wäre. 

Ein dritter Jacob soll nach der allerdings erst nachträglich zu- 
sammengestellten Chronik von St. Augustin in Wien i. J. 1653 dort 
begraben worden sein. 4 ) Da er ausdrücklich als Stadtguardia-Oberstlieutt. 
angegeben ist, so ist Georg Adam, der Sohn des H. Jacob, gemeint 
und nicht nur der Name, sondern auch das Datum unrichtig, denn dieser 
starb, wie wir später ganz unwiderleglich sehen werden, erst i. J. 1656. 

In der Schloßkapelle in Greillenstein, deren Altar die Wappen 
des Hans Georg III. und der Anna von Kirchberg trägt, weisen 
die großen Torflügel jene des Hans Jacob und der Clara von 
Puechaimb de A°. 1604 in noch frischen Farben auf. 5 ) 

Wenn der jüngere Bruder Hans Ludwig es liebte, sinnreiche, 
geistestiefe Inschriften im Innern und Äußern seiner Schlösser und 
Kapellen, namentlich in Oberösterreich anzubringen, so bewies Hans 
Jacob besonderes Talent für schön stilisierte, zu Herzen gehende Nach- 
rufe an seine geliebten Dahingeschiedenen. 

Wir glauben sie hier in chronologischer Folge wiedergeben zu 
sollen, indem wir mit dem Epitaphium beginnen, welches die tief- 
betrübten Eltern ihren zwei frühverstorbenen Kindern Hans Erasmus 
und Hans Georg in der Kirche von Maria-Laach errichten ließen. 
In deutscher Übersetzung lautet es: 

> Unter diesem Monumente ruhen friedlich die aus der legitimen Joh. Erasmus 
Ehe des Hn. Joh. Jacob Kuefsteinerus, Frhn. v. Greillenstein und and 
Spitz, Herr in Feinfeld, der Geheil. kais. Maj. Rath etc., und der Joh - Geor S- 
edlen Frau Clara Herrin von Buechaimb u. Freiherrin v. Greillen- 
stein, seiner geliebtesten Gattin, hervorgegangenen jungen Söhne 
Joannes Erasmus und Joannes Georgius frommen Angedenkens, 



1 ) Beide Bilder auf S. 168 u. 169. 

2 ) Schifer-Freyling, I, 661 — 665. 

3 ) Statth.-A. Friedesheim, Fol. 78. 

4 ) Chronik v. St. Augustin, II, 166. 

5 ) S. Vignette auf S. 9. 



— Starzer, N.-ö. Statth., S. 437. 



K u:f stein III. 



14 



210 

von denen ersterer am 24. Juli 1607, der andere am 12. Juni 1609 ihr 
Leben begannen, aber durch vorzeitiges Schicksal hinweggeraubt, jeder 
im Jahre seiner Geburt, ersterer am 6. Dezb. 1607, Joh. Georg aber 
am 17. Dezb. 1609, was er Menschliches an sich hatte, abzulegen ge- 
zwungen ward: welche mit allen dem Leben fromm Entschlafenen einst 
die Posaune des allmächtigen Gottes zum glorreichen Eingang in ein 
durch keine Jahrhunderte endigendes Leben auferwecken wird. Amen.« 

Gattin Clara. Hieran schließt sich das Epitaphium, welches Hans Jacob seiner 

geb. ihm schon i.J. 1618 entrissenen ersten Gattin Clara gleichfalls in der 

v. Puechaimb. Kirche yon Maria-Laach widmete, im deutschen Texte: 

»Hier ruhet in Gott der Edle Leib weil, der wohlgeb. Frauen 
Clara Frauen Khuefstainerin, Freiherrin ein geborne Freiherrin von 
Puechhaimb, welche, nachdem sie in Gemeinschaft der nunmehr von 
ihm abgeschiedenen seligen Seelen 39 Jahr 6 Monat 23 Tag 17 Stunden in 
diesem mühseligen und Ellenden Leben christlichen u. mit allen Tugenden 
zugebracht, den 5. October des 16 18. Jahr nach Christy Geburt in dem 
Schloß Greillenstain mit großer Geduld u. Andacht aber höchsten 
Schmerzen u. Traurigkeit Ihres hinterlassenen Hn. Gemachel u. Kinder 
willig geschieden u. Gott ihrem Schöpfer wiederumben gegeben hat, 
der gewissen Zuversicht der Allmächtige werde sie Beidt am Jüngsten 
Tag mit Freuden wiedrumben vereinigen u. umb das Verdienst Jesu 
Christy seines geliebten Sohnes willen mit allen Gläubigen der ewigen 
Freudt genießen lassen. Amen.« 

Die Sargschrift stimmt mit dem Epitaphium. Die Beisetzung er- 
folgte am i.Januar 16 19. l ) 

Das bereits abgebildete schöne Monument 2 ) hat ihr Gatte in tief 
religiösem Gottvertrauen mit nachstehenden Bibelsprüchen geziert: 

Aus Psalm 73 u. 29. »Herr, wann ich nur Dich habe, so frag ich 
nichts nach Himmel u. Erden. Wann mir gleich Leib u. Seel ver- 
schmacht, so bist Du doch Gott allein meines Herzens Trost u. mein 
Theil.« Aus dem Propheten Esaia, 50. Kap. »Aber der Gerechte kommt 
um u. Niemand ist der es zum Herzen nähme und heilige Leut werden 
aufgerafft und Niemand achtet darauf denn die Gerechten werden auf- 
gerafft für den Unglück u. die richtig für sich gewandelt haben 
kommen zum Frieden u. ruhen in ihren Kammern.« 

Aus der Offenbarung Johannis des 21. Kap. »Und Ich Johannes 
sähe einen Neuen Himmel u. eine neue Erde u. die erste Erde u. der 
erste Himmel verging u. das Meer ist nicht mehr u. Ich Johannes sähe 
die heilige Stadt, das neue Jerusalem von Gott aus dem Himmel herab- 
fahren zubereit als eine geschmückte Braut ihrem Manne u. ich höret 
eine große Stimme von dem Stuhl die sprach : Siehe da eine Stätte 
Gottes bei den Menschen u. Er wird bei ihnen wohnen u. sie werden 
Sein Volk sein u. Gott wird abwischen alle Thränen von ihren Augen 
u. der Tod wird nicht mehr sein noch Leid noch Geschrei noch 
Schmerzen wird mehr sein. Dann das erste ist vergangen u. der auf 
dem Stuhl saß sprach: Siehe Ich machte es alles neu u. er spricht zu 
mir: Schreib, denn diese Worte sind wahrhaftig u. gewiß.« 
Georg Hier folgt die rührende Grabschrift, welche Hans Jacob seinem 

Christoph. Sohne Georg Christoph widmete, der in der Gruft zu St. Anna liegt: 



l ) Maria-Laach, ältestes Totenprotokoll. — Schifer-Freyling, 4, 1421 sagt 
30. Dezb. 1618. 

■) Abbildung: Band II, S. 325. 




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CHRISTTSEINES GELIEBTEN SOHNS WIIXEN,MITALLEN, 
GLAVBIGEN DER EWIGEN EREVDT 
G ENI ESSEN LASSEN AMEN^ 



Sargsclirift der Clara Khuefstainerin, Freiherrin, geb. v. Puechaimb. 

t 5. Oktober 16 18. 
(Alter Stich in Greillenstein.) 



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Aus dem Lateinischen: 

»Daß doch das Setzreis Stets aufs Neue 

ein Baum geworden wäre! erfaßt mich der Schmerz. 

Also ruhst Du hier Georg Christophorus mein Sohn. Nicht 
kämpfe ich dagegen an. Dem Schicksale stehen seine Befehle zu, an 
uns ist es, zu folgen. Du stirbst, denn Du warst sterblich, aber Du stirbst 
als ein Rechtschaffener, das ist ein Trost für uns. Wenn Dich Schön- 
gestalteten der Tod dahinrafft ist es Schicksals Blindheit, wenn im 
15. Lebensjahre ist es Raubsucht, wenn den Gelehrten — Unmenschlich- 
keit, wenn durch Blatternkrankheit — Grausamkeit. Du hast gelebt, Dir 
genug, nichts dem Zeitalter — o, des unmoralischen und stürmischen — 
mir zu wenig, dem Vaterlande ein Weniges, ganz wenig der Familie 
die in Thränen zerfließt: Nimm (Schicksal) anstatt des Verstorbenen 
meine grauen Haare, ja vielmehr meine Jahre und diesen Grabeshügel. 
Du bist vorangegangen, wir folgen auch willig, so will es die Bestim- 
mung, doch so lange wir zögern, sei ewig gegrüßt, o Sohn, und ewig 
lebe wohl — so rufe ich Dein Vater. 29. Dezember 162g. 

Als die bleiche Parze den sterbenden Kufsteiner sah, 
Gestand sie ihre Schuld und erröthete.« 

Der diese Inschrift tragende Sarg wurde in der Gruft zu St. Anna 
in Wien aufgefunden, als i. J. 1886 der unter dem benachbarten ehe- 
maligen Schulgebäude liegende Teil derselben wegen eines Neubaues 
geräumt werden mußte. Er war der einzige, welcher unter der Kirche 
selbst stand, und befindet sich noch dort. Auf dessen Deckel ist, 
durch eine Kupferplatte geschützt, eine vergoldete, reich gravierte 
Inschrifttafel angebracht. Der Sorgfalt des verdienstvollen Professors 
Alois Hauser, welcher sich als k. k. Konservator der Erforschung der 
Grufträume mit hingebendem Eifer sachkundig widmete, verdanken wir 
die Kenntnis des Textes der rührenden Grabschrift sowie eine zur Repro- 
duktion leider nicht genügende photographische Abbildung der Platte. l ) 

Hans Jacob selbst fand seine letzte Ruhestätte in der von ihm H. Jacob, 
erbauten eigenen Kapelle in der Jesuitenkirche des Collegii Academici. 
Sein Epitaphium, welches möglicherweise ihm selbst seine Entstehung 
verdankt, wird nachstehend im Vereine mit jenem wiedergegeben, welches 
der Maria Veronica, die in derselben Gruft bestattet wurde, von 
ihren Kindern Georg Seyfried v. Breuner und Eva Maria Eusebia 
v. Kollonitsch gewidmet ward. Von dieser Kapelle ist heute nichts 
mehr vorhanden, nicht einmal eine Notiz über die Stelle, an welcher 
sie stand. Hans Jacob soll in Greillenstein gestorben und dorthin 
überführt worden sein. 2 ) Später aber scheint er doch noch nach Maria- 
Laach gebracht worden zu sein, wo eine Sargschrift seinen Namen 
aber mit unrichtigem Datum gibt, wie schon erwähnt. 

Glücklicherweise sind die Epitaphien beider Ehegatten durch die 
sorgfältige Aufzeichnung des P. Leopold Fischer vor der Vergessen- 
heit bewahrt worden: 3 ) Jenes des Hans Jacob sagt, deutsch übersetzt: 

') Hausers eingehendes Referat in d. Mitteilungen d. Altert.-V. u. als Separat- 
broschüre i. Selbstverlag. 

2 ) Wisgrill, V, 304. Die nachträglich in seine Additamenta aufgenommene Notiz, 
daß H. Jacob in Röhrenbach begraben wurde, ist gewiß nicht zutreffend. 

3 ) Leop. Fischer S. J., Brevis notitia. Suppl. II, cap. XI, p. 189— 191. — Wis- 
grill, V, 304 u. I, 385. 

14* 



212 



Epitaph 

der 

Maria 

Veronica. 



»Dem besten größten ewigen Gott!« 

»Dem Leser Gruß! Frommes Gebet erbitte ich von Dir, denn 
nichts geschieht vergebens für die Verstorbenen. Und damit Du wissest, 
wer ich war, bevor ich in Staub zerfiel: Ich war Joannes Jacobus 
von Kueffstein, Freiherr auf Greillenstein, Herr auf Spitz, Fein- 
feld, Schaunstein und Purgschleinitz, Obersterblandsilberkämmerer 
in Österreich ob und unter der Enns, der hlg. kais. Maj. Kämmerer, der 
N. Ö. Regierung und der Hofkammer Rath, sowie des N. Ö. Herren- 
standes Verordneter. Ich habe gelebt 56 Jahre, 2 Monate, 5 Tage und 
bin gestorben den 31. August 1633. Jetzt weißt Du wer ich war, was 
ich bin wirst Du sein: Ich erkenne Dich nicht mehr in der Finsternis, 
Du aber im Lichte kenne Dich selbst.« 

»Dem besten Vater der trauernde Sohn Georgius Adamus.« 

»Den geheiligten Überresten der erhabenen und ausgezeichneten 
Frau Maria Veronica Freiin von Kueffstein aus der Familie der 
Freiherrn von Ursenpeckh geboren, und am 2. Dezember 1639 m die 
Ewigkeit eingegangen. Die trauernden Kinder der Eltern Georg Sey- 
fried von Preuner Freiherr, und Eva Maria Eusebia Preunerin 
verehelichte Gräfin Kollonitsch dessen Schwester. Sie lebte 57 Jahre. 
Jetzt ruhe sie in Frieden!« 



XXIV. 

HANS LORENZ II. 

ZWEITER BRÜDER DES H. JACOB 

FERNERER LEBENSGANG. 

GEB. 1578, f 1628. 

1645 AUSGESTORBENE SEITENLINIE. 



214 



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E. A. 




1. Hans Lorenz' Personalia. 

um Lebenslange des Hans Lorenz schreitend, müssen wir vor 
allem in Kürze daran erinnern, daß er, wie bereits im I. Teile 
erwähnt wurde, gleich seinen Brüdern frühzeitig zu ernsten 
Studien angehalten worden war. Er bezog mit diesen mehrere Universi- 
täten, war 1590 u. 1593 in Böhmen, also wohl Prag, dann in Mähren 1 ) 
und 1594, 9. August, in Jena 2 ) inskribiert. Dann besuchten die Brüder 
die Italien. Universitäten 3 ), ohne daß des H. Lorenz Name dort er- 
wähnt wäre. 

Sehr bald trat er und Wilhelm in Kriegsdienste, wie sie unter 
dem 11. März 1602 dem Vater meldeten. 4 ) 

H. Lorenz' Heirat v. 1. März 1604 mit Anna von Puechaimb, 
Schwester der Gattin seines Bruders H. Jacob, ist bereits eingehend 
besprochen worden. Ebenso haben wir seine Betätigung in der ständi- 



') Diese Studien, II, 319. 

2 ) Inskriptionslisten der Univ. Jena. 

3 ) Hofrat Luschins Inskriptionslisten in Ldsk. XV, 84 ff. 

4 ) Diese Studien, II, 319. 



216 

sehen Bewegung sowohl im Politischen als in seiner Eigenschaft als 
Reiterführer kennen gelernt. Wir fanden ihn als Wähler der Majorität bei 
der bestrittenen Verordneten wähl v. Februar 1604, am 14. September 
1608 mit seinen Brüdern bei den Hörnern, als Mitunterzeichner des 
Bundesbriefes v. 3. Oktober 1608, und am 29. April 160g bei der Huldi- 
gung an König Matthias, nach dessen sogen. Kapitulations-Resolution. 

Bald darauf muß er ein Kommando (etwa als Viertelskommissär) 
im V. O. M. B. geführt haben. Denn in einem Schreiben dto. Spitz 
15. März 161 3 richtete er an den Bürgermeister, Richter und Rat der 
kais. Stadt Enns die Aufforderung, den Gastgeber Chr. Strasser 
alldort zur Zahlung seiner Schuld, wahrscheinlich anläßlich von Truppen- 
verlegungen, zu veranlassen, » widrigen s, da dies zum 4. Male vergebens 
verlangt würde, er den nächsten Ennser in allen kais. oder anderen 
Mauthen aufhalten und so lange verarrestiren wolle, bis er des Seinigen 
habhaft worden«. 1 ) 

In den J. 1 61 5 u. 1616 trat H. Lorenz durch die bereits besprochene 
Mission als Wortführer der Evangel. Stände zu K. Matthias nach 
Prag besonders hervor. Wie wenig ihm sein entschiedenes Auftreten 
aber schadete, ist daraus ersichtlich, daß er sich unter jenen Personen 
befand, welche von der Hofkammer in einem Memoriale v. 28. Novb. 
161 6 dem Kaiser zur Auswahl für Kammerrats-Stellen nach dem Ab- 
leben des Präsidenten von Heussenstein vorgeschlagen wurden. 2 ) 

Der Landtag v. 1616 erteilte ihm den Auftrag, 500 Musketiere 
für die Stände zu werben. Dafür waren ihm 1000 fl. als sogen. Rekompens 
bewilligt worden. Da er begreiflicherweise viel mehr ausgegeben hatte, 
stellte er eine Mehrforderung, die ihm aber nicht bewilligt wurde. 3 ) 

Am 4. Januar 1619 sodann wurde mit kais. Dekret »Unser Rath 
H. Lorenz Kuefsteiner« zum Ober-Quartierskommissär für das 
V. O. M. B. ernannt, um den gegen das kais. Kriegsvolk erhobenen 
Klagen Abhilfe zu schaffen. Das Dekret gewährt einen charakteristischen 
Blick in die damaligen Zustände, welche das Land zu erdrücken drohten. 4 ) 
Nach der bezüglichen Notiz in den Protokollen des Hofkriegsrates hatte 
Lorenz als Prinzipalkommissär für Dampierres Kriegsvolk zu Roß 
und zu Fuß zu fungieren, also über die Mannszucht desselben zu wachen. 
Nach dem Ableben des K. Matthias verlangte H. Lorenz »zu seinem 
Obristquartier-Commissariat unter d. 25. März die Umfertigung der Patenta 
auf Sr. (jetzigen) Majestät Namen«, die auch erfolgte. Am 27. März erhielt 
Dampierre den Befehl, dem Hn. Commissari Khueffstainer zur Ver- 
sicherung der Paß so viel als er begehre Volk zu lassen. 5 ) 

Seine Tätigkeit muß befriedigend gewesen sein. Denn unter dem 
3. Mai geschieht eine Erwähnung seines treuen Dienens und am 22. Mai 
sowie 28. Juni wird die Bewilligung des Kriegsrats-Titels verzeichnet. 
Am 22. Mai wird auch das Liefergeld für Lorenz als dem für das 
Dampierresche Kriegsvolk verordneten Kommissarius vom Kaiser be- 
stimmt. 6 ) Wegen dieses Liefergeldes aber fand er sich genötigt, unter dem 
I.September 16 19 als Kriegsrat eine Eingabe an Erzherzog Leopold 
zu richten, in welcher er ausführte : 



*) Orig. Pap. Archiv Greillenstein. 
-) Hfk.-Prot. 1616. R. Fol. 424. 

3 ) LA. Ldtgshdlg. 16 17, Fol. 91 u. 106. 

4 ) Hfk.-A. Fam.-Akt. Ku. 4. — LA. A. IV, 32 u. Rel. E. B. 

5 ) Hfk.R.-Prot. 1619, R. 195 u. 213, E. 327. 

6 ) Hfk.R.-Prot. 1619, R. 223, 229, 238, 33 u. Hfk.-A. 1619, Prot. E. 245. 




Johannes Laurentius Khnffstainer. 



217 

»Mit was (ohne Ruhm zu melden) Eifer u. getreustem Fleiß, Mühe 
und Wachtsamkeit, äußerstem meinem Vermögen u. Verstand nach ich 
dieser mir aufgetragenen Commission bis in d. 5. Monat abgewartet, 
lasse ich andere Befehlshaber u. Cavagliers, insonderheit aber Hn. Grafen 
Tampiero, als neben dem ich mich zu jeder occasion u. Gefahr Leibes 
und Lebens willig gebrauchen lassen, davon reden und judiciren, in- 
maßen ich auch bei Einnehmung Grätzen selbsten dabei gewesen, 
will ich jetzo nicht melden, was ich in solcher Zeit bei Haus versäumbt 
und eingebüßt, allein damit ich nur gegen d. ganze hochlöbl, Haus 
Oesterreich meine schuldigste Affection dem in mich gesetzten Vertrauen 
nach erzaigen möcht. Obwolen mir nun zwar gegen solch' meiner ge- 
habten Auslagen das ordentliche Liefergeld von Ihr Maj. selbst zugesagt 
worden, ist mir doch bisher noch ein Schlechtes geraicht, das Uebrige 
aber, als 5870. 7ß 20 0- nicht bezahlt worden, während andere geringere 
Offiziere das Ihrige erhalten haben« etc. Einer Notiz nach sollten sie 
aus dem Salzamt bezahlt werden. 1 ) 

Es scheint, daß er das Oberst-Kriegskommissariat, welches er schon 
zu K. Matthias' Zeiten u. auch unter K. Ferdinand führte, nieder- 
gelegt hatte. Denn am 27. Mai 1620 sagt sein Bruder Hans Ludwig 
im Gespräche mit Eggenberg, daß der Kaiser die Ablehnung des 
H. Lorenz »etwas übel genommen« habe. In der Audienz vom 22. 
hatte er schon um Nachsicht für seinen Bruder Lorenz (nach dem 
Kampfe bei Burgschleinitz v. 11. März), und später noch für dessen 
seitdem eingeäscherten Markt Spitz um Schonung gebeten. 

Die definitive Ausfertigung des Hofkriegsrats-Dekretes mag wohl 
durch die Ereignisse des Jahres 1620 hintangehalten worden sein. Ein 
Konzept aus diesem Jahre sagt, daß er »wegen seiner im Kriegswesen 
und sonst erlangten und bisher Sr. Maj. und dem Haus Oesterreich in 
mehrerer Weise, guter Erfahrenheit u. geleisteter treuer aufrechter und 
redlicher Dienste mit Dero Kriegsrathspraedicat gnädigst gewürdigt u. 
begabt wurde«. Bei der Hofkammer findet sich ein darauf bezügliches 
Hofkanzlei-Dekret erst unter dem 22. Dezember 1620 verzeichnet, beim 
Hofkriegsrate aber schon unter dem 3. Mai 16 ig. 2 ) 

H. Lorenz' Haltung in den ständischen Wirren haben wir ebenso 
bemerkt, wie wir aus den Diarien seines Bruders Hans Ludwig ersahen, 
wie oft er dessen nicht ganz gefahrlose Hin- und Her-Reisen zum 
Kaiser nach Wien und zurück nach Hörn mit seinen Reitern schützend 
zu sichern berufen war. Wir haben auch dargestellt, wie die Gebrüder 
trotz aller oppositionellen Haltung kaisertreu geblieben sind und in dem 
letzten kritischen Moment sich von den zu einem fremden Fürsten 
gravitierenden verblendeten Standesgenossen entschieden trennten. Es 
war also nach Wiederherstellung der regelmäßigen Beziehungen zum 
Landesfürsten ganz natürlich, daß ihre patriotischen Dienste zur Kon- 
solidierung der Ordnung angeboten und gern angenommen wurden. 

Hans Lorenz ward vom Kaiser mit der Aufgabe betraut, das 
ständische Kriegsvolk abzuführen, »wenn es dazu kommen sollte«. 3 ) 
Da dieses recht zügellos geworden war und Buquoy auch das seinige 
nicht im Zaume zu halten vermochte, wandten sich die Stände i. J. 1621 
zu wiederholten Malen an den Kaiser mit der Bitte, Ordnung zu schaffen. 
Sie schlugen vor, zur Abführung des Kriegsvolkes Landesmitglieder zu 

x ) Hofk.-A. Familien-Akt. Ku. 4. 

*) Hfk.-A. Fam.-Akt. Ku. u. Prot. 1620, E. 425. — H. K. R. Prot 1619, R. 223. 

3 ) LA. A. III, 11. 



218 

bestimmen und nannten als solche den Abt von Altenburg, Hans 
Lorenz Khuefstainer und Ferd d . Nütz. 1 ) 

Es lag in der Natur der Sache, daß Hans Lorenz zur Stärkung 
seiner Autorität »neben dem Kriegsrats-Titel auch zum Obersten 
angenommen wurde« (am 5. Juni 1621) und dann am 28. Juni neuerdings 
die Mission als Kommissarius erhielt. 2 ) H. Jacob verwendete sich dafür, 
daß dem H. Lorenz, welcher zwar noch Evangelisch aber durchaus 
kaisertreu sei und bei den Soldaten einen guten Namen habe, auf- 
getragen werde, ein Regiment zu Fuß oder 500 Pferde aufzustellen, da 
Befehlshaber und Gemeine auf ihn warteten und sonst dem Feinde zu- 
laufen würden. 3 ) Noch bis zum J. 1624 hatte er sich mit der Bändigung 
des verwilderten Kriegsvolkes abzumühen. Am 19. April klagt er, daß 
das an den Böhmischen und Mährischen Grenzen liegende Volk mit 
Gewalt in die zwei Viertel o. u. u. d. Manhartsberg eindringen wolle. 
Gleichzeitig schrieb er über seine üble Leibesdisposition und dürfte 
um Enthebung von dem mühseligen Amt gebeten haben. *) 

2. Ständisches. 

Außerdem beteiligte sich Hans Lorenz wie seine Brüder mit 
demselben patriotischen Eifer wie vorher an den Arbeiten der Stände. 
Sein Name wird genannt neben H. Jacob für den Sitzenbergschen 
Streit mit Greiss i. J. 1620, dann für die Erledigung der Amtsrelation 
der Verordneten 1622, für die versetzten ungarischen Güter und für die 
Hofvorschläge i. J. 1623. Im J. 1624, am 13. März, beschloß der Herren- 
stand unter Vorsitz des Landmarschalls Seyfried Christof Preuner, 
daß künftighin in keinem Landtage mehr denn drei Geschlechter auf- 
genommen werden sollen. Unter den Unterschriften befindet sich jene 
des Hans Lorenz. 5 ) Am 26. Februar 1628 finden wir diesen als zur 
Beratung des 1628er Anschlages erkiesten Ausschuß mit dem Abte zu 
Hl. Kreuz u. Georg Christof Walterskirchcn. 6 ) In demselben Jahre 
trat er noch in den vertraulichen Verhandlungen des Herrenstandes 
hervor. In der Sitzung v. 11. März 1628 handelte es sich — so weit die 
mehr als lakonisch geführten Protokolle verständlich sind — darum, 
Protest dagegen einzulegen, daß nach einer kais. Resolution dem Statt- 
halter die Titulatur »gnädig« gegeben werden solle. Zwei Delegierte 
sollten zum Kaiser oder zum Kardinal nach Prag geschickt werden 
oder aber den Statthalter selbst angehen, »zu weichen«. Vorgeschlagen 
wurden Polhaimb und Oberst Hans Lorenz v. Kuefstain. Letzterer 
verlangte vor allem eine Abschrift der kais. Resolution und meinte, es 
sei schon früher beschlossen worden, quod non zu schicken. Doch wurden 
er und Polhaimb gewählt. 7 ) Am 3. April kam der beabsichtigte Rück- 
tritt Polhaimbs (offenbar vom Verordnetenmandat) zur Sprache. Hoyos 
meinte, man möge das beabsichtigte Erhandeln mit ihm beiseite lassen 
und den Hans Ludwig von Kuefstein als bereits Erwählten begrüßen 
und bedanken. Andere warfen ein, »Hr. v. Kuefstein ist nit mehr der 



l ) LA. Rel. E. B. — Ldsk. XV, 146. 
-) H. K. R. Prot. 1621, R. 200 u. 207. 

3 ) Schreiben H. Jacobs an Muschinger v. 25. März 1623. Arch. Greill. 

4 ) H. K. R. Prot. 1624, E. 382. 

5 ) LA. A. 1. 6. 7. 

6 ) LA. Ldtgshdl. 

7 ) Arch. Greill. Inventarium d. Herrenstandes. Protok. rapular. Fol. 195. 



219 

Religion« (sc. Evangel.). Warum beede Religionen eligieren. Einhellig 
sei gebräuchlich. Hardegg will Polhaimb erhandeln. Herrn v. Kuef- 
stein sei zu danken. Nunmehr müssen Katholische und Evangelische 
zusammenhalten. Urschenpeckh meinte, er wähle den Hans Lorenz. 

Hans Lorenz sagt: Hn. Kanzler zu danken, ist billig. Vor i Jahr 
ist Hr. Hans Ludwig eligiert worden. Billig, daß man ihm eine Cor- 
teggia tue. Bedankt sich, erwählt zu werden. Gönnt jedem den Dienst. 
Keiner zuwider. Weil Hr. v. Polhaimb so weit gedient, gar das 5. Jahr 
ausdienen soll. Eligiert Hn. v. Sintzendorf. Nach Hn. v. Starhem- 
bergs Aviso soll Hans Lorenz katholisch werden. Das sei eine Diffi- 
kultät. Sintzendorf wählt ihn, wenn er in der Religion verbleiben 
würde. Prandeis eligiert ihn auch, »weil noch nit wissend, daß er 
katholisch worden sei«. Eligiert wurde Sintzendorf, und Hans Ludwig 
wurde bedankt, daß er sich habe brauchen lassen. 1 ) 

Aus diesem Protokolle kann man ersehen, wie die Besprechungen 
bei den vertrauten Zusammenkünften des Herrenstandes eigentlich friedlich 
und eher gemütlich vor sich gingen, und daß schon an das Zusammen- 
gehen beider Religionsparteien appelliert wurde. Hans Lorenz hatte 
offenbar beider Vertrauen. Man glaubte auch nicht an das nicht be- 
gründete Gerücht seines Übertrittes, der tatsächlich niemals erfolgte. Be- 
züglich des Hans Ludwig, der 1627 konvertierte, wird auf den ihn be- 
treffenden Abschnitt verwiesen. 

3. Besitz. 

Wie wir gesehen haben, war in der Erbteilung der Brüder, über Spitz, 
welche unter dem 21. April 1604 den Ständen Bericht erstattet wurde, 
die Herrschaft Spitz mit einem Teile von Schwällnbach an Hans 
Lorenz gefallen und unter demselben Datum um dessen Anschreibung 
auf diese gebeten worden. 2 ) 

Hans Lorenz war bemüht, seinen schönen Besitz zu vermehren. 
So erwarb er schon am 31. Januar 1615 von der Witwe Susanna 
Stettner zu Grabenhof Gülten, mit denen er i. J. 1615 belehnt wurde, 
und am 12., respektive 22. Februar 1613 zedierte ihm Hans Jacob 
einen bisher nach Greillenstein gelieferten Wein- u. Getreidezehent 
aus der Verlassenschaft des Vaters von dessen Vetter Hans Chri- 
stoph Pöttinger herrührend, zu Einöd bei Nußdorf a. d. Traisen 
gelegen. '■') Wahrscheinlich denselben, welchen er dem Hans Ludwig 
Kirchberger am 26. Februar 1613 verkaufte u. aufsandete u. der auch 
»am Plahn« genannt wurde. 4 ) Dann erwarb er durch Vergleich v. 6. Novb. 
161 3 von der Pfarre Spitz den Hof von Küfering. 5 ) 

Nach dem plötzlichen Ableben Hans Wilhelms im Oktober 1604 
ging, so viel den ganz oberflächlichen vorhandenen Nachrichten zu ent- 
nehmen ist, die kais. Pfandherrschaft Eppenberg, Dorf u. Schloß, bei 
Gföhl, welche der Vater i. J. 1591 dem Paul Praentel abgelöst hatte, auf 
Hans Lorenz über, welcher sie schon 1615 an Bernhard von Neuhaus, 
den Neffen der Randigundt, ersten Frau Hans Georgs, verkaufte. ) 

1 ) Arch. Greill, Inventarium d. Herrenstandes, Protokoll rapulare, Fol. 194 — 197. 

2 ) LA. Einl. 87. 0. M. B. Spitz. - Dieses Bandes p. 17. 

3 ) LA. 1. c. u. Statth.-A. Lehenb. 1615. 

4 ) Archiv Greillenstein, III, 23. 

5 ) Gesch. Beil. IV, 258 u. 272. — Topogr. V, 278. 

6 ) Kuefstein, II, 301. — N.-ö. Topogr. II, 659. — Schweickhardt O. M., 
IV, 131. 



220 




Zaissing, Schloßruine. 



E. A. 



Zaissing. 



Im J. 1614 unterschrieb Hans Lorenz als Zeuge neben Maxim, 
v. Teuffei u. Maxim, v. Polhaimb auf dem benachbarten Dürnstein 
am 15. April die wichtige Urkunde, mittels welcher Engelburg, Tochter 
des Carl Ludwig von Zelking und seiner Gattin Ursula zu Wind- 
hag (nachher Praag u. Zaruba), zugunsten ihres Bruders Christoph 
Wilhelm von Zelcking, ihres Vetters Hans Wilhelm und des 
ganzen Mannesstammes auf ihr Erbe Verzicht leistete. l ) 

H. Lorenz suchte gleich für das Wohlergehen und Aufblühen des 
Marktes Spitz zu sorgen, indem er dessen Gesuch um Errichtung eines 
Eisenhandels befürwortend einreichte. Aus den Protokollen der Hof- 
kammer geht hervor, daß sie unter dem 18. Oktober 161 7 angewiesen 
wurde, Hn. Lorenz Khueffstainer »anstatt derer von Spitz von ge- 
suchter Zulaß eines Eisenhandels abweislich zu bescheiden, dem Hn. 
v. Hoyos aber eine solche im Markt Emersdorf zu gestatten.« 2 ) 

Endlich erkaufte Hans Lorenz die Herrschaft Zaissing mit den 
beiden Amtern Laach und Schwälnbach laut Anmeldung v. 25. Juli 
1 6 1 7 3 ) von seinem Bruder Hans Ludwig, welcher seinen Sitz in 
Puechberg aufgeschlagen hatte. 

Das auf halber Höhe des Jauerling gelegene, einst lehenbare 4 ) 
Zaissing war, wie wir bereits wissen, 5 ) in der brüderlichen Teilung 

!) Ldsk. XXXV, 498. 

2 ) Hfk.-A. 1617, R. 459. 

3 ) LA. Einl. O. M. 86. Schwälnbach. 

4 ) Hfk.-A. Herrsch.-Akt. Zaissing, Akt v. 1541. 

5 ) Oben, S. 17 u. 20 u. Bd. II, 294 ff. 



221 




Hans Georg's III. 
Monument in Maria-Laach. 



E. A. 



dem Hans Ludwig - zugefallen. Dieser hatte während seiner Besitzzeit 
(1603 — 161 7) das Schloß umgebaut, verschönert und mit sinnreichen In- 
schriften geschmückt. Im Hofe stand, wie Schmidl 1 ) erzählt, ein hüb- 
scher Springbrunnen und die oberen Stockwerke enthielten getäfelte 
Plafonds mit zierlichen Wappen. Jenes des Hans Ludwig- mit dessen 
Namen und der Jahreszahl 1606 gibt offenbar das Datum des Umbaues 
wieder. In seinen Diarien spricht er öfters von Z aissing als dem Auf- 
enthalte seines Bruders Lorenz und den Verwüstungen durch die 
Kriegsvölker. 2 ) Das Schloß entging damals noch gänzlicher Zerstörung, 
fiel aber später i. J. 1858 einem Brande zum Opfer, der alles ver- 
nichtete, was H. Ludwigs Kunstsinn geschaffen hatte. 

Die Herrschaft Spitz war nun durch Zaissing, Laach und das Maria-Laach. 
damit vereinigte Schwälnbach zu einem bedeutenden Komplexe wieder 
angewachsen, wie ihn der Vater besessen hatte. 

Schon im II. Bande war von den Reibungen die Rede, zu denen 
die Evangelische Bewegung in Spitz und Maria-Laach Anlaß gab, 
und es ist manches richtiggestellt worden, was dem damaligen Besitzer 
Hans Georg III. Khuefstainer unrechtmäßigerweise zur Last gelegt 
wurde. So namentlich, daß er die Prädikanten dort eingeführt hätte 3 ), 
während er beide Pfarren bei seiner Übernahme von Praxedis und 



') Ad. Schmidl, Wiens Umgebungen, 1835, I, 375. 

"■) Oben, S. 130. 

3 ) Wie Wiedemann, Gesch. d. Ref. i. N.-Ö., III, 28 behauptet. 



222 

Matthias von Teufel i. J. 1584 längst von den durch die Kirch- 
berger berufenen Prädikanten besetzt fand. 1 ) Allerdings hielt er sie 
aufrecht, in konsequenter Betätigung seiner religiösen Überzeugung. Sein 
Sohn Hans Lorenz, der diese teilte, blieb ihr bis an sein Lebensende 
getreu, wie er dies in der seiner Naturanlage entsprechenden energischen 
Weise bewies. 

In Maria-Laach pastorisierte der von den Kirchbergern 1562 
eingesetzte Prädikant Wolf gang Cr eil bis 1599, an dessen Stelle 
Hans Georg III. mit dem bereits im vorigen Bande wiedergegebenen 
Dekrete den Magister Georg Hoeschelius ernannte. 1608 folgte Petrus 
Dorfner und 1612 Timotheus Textor. 2 ) Zu dessen Zeit wanderten 
Evangel. Familien nach Ma.-Laach, um vor Verfolgungen sicher zu 
sein, blieben aber auch hier, wo außerdem noch die Augsburger von 
den Flaccianern angefeindet wurden, nicht unangefochten. Die Pro- 
testanten fanden, wie die Pfarrprotokolle sagen, mächtigen Schutz bei 
den Herren Khuefstainern zu Zaising, dem nahegelegenen Schlosse. 
Im J. 16 14 hatte sich ein protestant. Zimmermann aus dem kathol. 
Arnsdorf großer Schmerzen halber in der Donau ertränkt, wie der 
Evangel. Matrikenführer erzählt, und wurde nun auf Befehl des Khuef- 
stainers zu Laach beerdigt, »weil der Pfaff von Arnsdorf ihn nicht 
hat wollen in Freydhof lassen«. Im J. 1 61 5 wurde Jakob Pernwalder 
Pastor, starb aber sehr bald mitsamt seinen vier Kindern an der Pest, 
die 264 Personen dahinraffte, so daß, »weil kein Prediger zu bekommen 
gewesen«, der Kirchen- u. Schuldiener Leop. Prändtl die Leichen- 
rede halten mußte. 3 ) 

Auf Pernwalder folgte i. J. 1616 Johann Nitschen und dann 
erhielt Johannes Drommer von Freiberg bei Meißen die Bestal- 
lung als Pfarrherr und Seelsorger durch Lehenbrief, datiert Schloß 
Greillenstein, 15. Oktob. 1617, und ausgestellt von »Hans Jacob als 
derzeit dem Ältesten des Hauses der Herren Khuefstain er und Lehens- 
herrn der Kirchen und Pfarr zu Laach«. Drommer bekennt in seinem 
Revers von demselben Ort und Datum, daß er »auf vorhergehende ordent- 
liche Vokation und beschehene seiner Konfession Bestätigung und Kon- 
firmation sich in Lehr und Leben seiner Erklärung und Versprechen 
gemäß ungeändert seiner Religion und unärgerlich seinem hochtragenden 
Amte der schuldigen christlichen Gebühr nach verhalten, die Lehen- 
schaft der Khuefstainer und das Eigentum der Kirche respektieren etc. 
und sich speziell Hn. Hans Lorenz, dieweillen Sr. Gnaden Hr. Bruder 
etwas weit gesessen, als seinemGnädigen Lehensherrn in Allem schuldigen 
Gehorsam u. Willkür erzaigen will« etc. 4 ) 

Zum J. 1620 sagt das Pfarrprotokoll, es sei ein sehr trauriges ge- 
wesen, denn das Sterbebuch wies 216 Sterbefälle auf. Einige Leute 
wurden von den Wallonen erschossen, die sich im Schlosse Z aissing 
festgesetzt haben sollen. 

Der letzte protestant. Pastor (1627) war Magister Christophorus 
Steydlmayr, kais. Maj. gefreiter Poet. Im J. 1636 kam Hermann 



') Kuefstein, II, 296. 

-) Kuefstein, II, 298. — Wiedemann, III, 29. 

3 ) Hippolytus. St. Pöltener Diözesan-Zeitschrift, 1860, III. Jahrg., S. 311 ff., aus den 
Pfarrprotokollen der Wallfahrtskirche Ma.-Laach am Jauerling mitget. v. Kooperator 
Joh. Sc hm id. 

4 ) Arch. Greillst. Orig. Pap. 



223 

Pichler als erster kathol. Seelsorger nach Maria-Laach. Im Protokolle 
dieses Jahres wird schon die Kirche als »Gotteshaus unser lieben Frau 
Sechsfinger« bezeichnet. *) 

In Spitz fungierte schon v. J. 1550 an der von den Kirch- Spitz, 
bergern berufene Prädikant Salomon Weiß als Schloßprediger, und 
als Hans Georg Khuefstainer i. J. 1584 die Herrschaft erwarb, fand 
er dessen Nachfolger Paul Piscator, der 1592 von Paul Pruckner 
abgelöst ward. Das Weitere während der Lebenszeit des Hans Georg 
ist bereits im II. Bande erzählt worden. 2 ) 

Sein Sohn Hans Lorenz kehrte sich auch nicht um das Verbot 
des Erzherzogs Matthias v.J. 1604, sondern nahm i. J. 160g den Abra- 
ham Bogner zum Hofprediger für Spitz an. Hier hatte er natürlich 
auch die weniger angenehmen Verhandlungen über das Patronatsrecht 
des Bayrischen Klosters Nieder-Alteich weiter zuführen. Dieses aner- 
kannte er, nachdem der Prozeß schon zu Zeiten seines Vaters am 
26. Septb. 1597 zugunsten des Abtes entschieden worden war. in einem 
mit dem Prälaten Bernhard von Nieder-Altaich als Lehens- und 
Vogtherrn der Pfarre Spitz am 6. Novemb. 1613 abgeschlossenen Ver- 
gleiche. Gegen Einstellung aller bisherigen Klagen verpflichtete er sich, 
auf die bisher prätendierte Vogtei über die unter der Hschft. Spitz 
liegenden und der Kirche gehörenden Gründe u. Höfe u. die Filialen 
der Pfarre zu verzichten. Die Kirchenrechnungen von Spitz und 
Schwallenbach sollen in Gegenwart des Vikars und des Kuefsteiners 
oder deren Vertreter vorgenommen werden. Die späteren Klagen über 
seine Teilnahme sind daher nicht berechtigt. 3 ) Bei Aggsbach scheint 
sie allerdings nur auf Übung beruht zu haben. 4 ) 

Hans Lorenz erbaute, nachdem die Pfarrkirche wieder dem kathol. 
Pfarrer überantwortet worden war, eine eigene Evangel. Kirche in un- 
mittelbarer Nähe des Schlosses, mit Schule, samt Wohnung für den 
Prädikanten. Diese Kirche wurde von dem Hofprediger Bogner am 
14. April 161 3 feierlich eingeweiht. Aus Anlaß dieses »in volkreicher 
Versammlung« gehaltenen Festes ließ der Prediger in Wittenberg 
eine Beschreibung der »Predigten und schönen Kirchen-Ceremonien« 
drucken und verteilen. Und das Andenken daran wurde außerdem noch 
durch eine auf eine hohe Marmortafel gravierte Inschrift verewigt, 
welche lautet: »Tabernaculum Deo Jacob individuae Trinitati sacrum, 
quod venturi non immemor aevi illustris ac generosus Dominus Joannes 
Laurentius Kueffstainer Liber Baro in Greillenstein, Dominus in 
Spitz, tarn in sui ac suorum quam in senatus populique Spiziani pietatis 
ac devotionis monumentum sie extrui curavit, anno post salutem repara- 
tam MDCXIII die dedicationis sacrae, qui erat deeimus oetavus calen- 
darum Maij.« 5 ) 

Dieser Tempel, für welchen im Volksmund sich die Bezeichnung 
»Judentempel « erhalten hatte, vielleicht wegen Anrufung des Gottes J a c o b's, 



*) Pfarrprotokolle, 1. c. 

2 ) Kuefstein, II, 296 fr. — Gesch. Beil. IV, 279. 

3 ) Gesch. Beil. IV, 258. — Gedenkb. d. Pfarre Spitz v. P. Augustin Fischer. 
1734, Bch. III, 9. 

4 ) Ged.b. cit. III, 4—6. 

5 ) Ged.b. d. Pf. Spitz, S. 83. —Gesch. Beil. IV, 280 u. 281. — Wiedemann, 1. c. 
III, 21. — Ldsk. XXII, 435. — Die verschiedenen kleineren, meist Personalirrtümer der 
genannten Artikel, korrigieren sich durch obige Darstellung von selbst. 



224 

ist bei dem von den räuberischen Polacken gelegten Brande i. J. 1620 
mit dem ganzen Markte zerstört worden. Wenn auch das Gedenkbuch 
vom J. 1734 noch vom »Lutherischen Saale« spricht, so stand jedenfalls 
der Tempel jahrhundertelang leer und ohne Dach, so daß die dort be- 
findliche schöne Marmortafel mit der Inschrift allen Witterungseinflüssen 
ausgesetzt war. Über Anregung des Verfassers dieser Zeilen wurde sie 
i.J. 1888 vom Wiener Magistrate in dankenswerterweise an einem 
gesicherteren Orte im Schlosse selbst untergebracht. *■) 

Das Holz zum Bau der Evangel. Kirche soll in den Wäldern der 
Pfarre geschlagen worden sein. Außerdem wurden dafür 800 fl. von den 
Bruderschaften beigetragen. Die Entrüstung hierüber, die aus den Auf- 
zeichnungen des Gedenkbuches gegen den Gutsherrn zum Ausdruck 
kommt, ist ebenso ungerechtfertigt wie frühere oben charakterisierte 
Vorwürfe. Denn wie die von demselben Autor in demselben Bande ver- 
zeichneten genauen Listen u. Rechnungen ausweisen, wurden diese Be- 
träge von den Bruderschaften selbst bewilligt, was sehr begreiflich ist, 
weil ihre Mitglieder selbst schon zum neuen Glauben geneigt waren. 2 ) 
Dies ist um so weniger überraschend, als die Spitzer offen erklärt 
hatten, »in der ganzen Pfarre befinde sich nicht ein einziger Mensch, 
der einer anderen als der Augsburger Konfession anhängig sei und 
sie wollen dabei bis an ihr Ende verbleiben«. 3 ) Hans Lorenz ging 
also eins mit der ganzen Gemeinde und verdiente schwerlich die An- 
weisung auf die Flammen der Hölle, die ihm der sonst so verdienst- 
volle Kompilator P.Fischer noch ein Jahrhundert später in posthumer 
Erregung ausstellte. Das Gedenkbuch beinzichtigte sogar den Lutheri- 
schen Saal, daß es dort bei Tag und Nacht nicht sicher sei, und der 
Pfleger fand sich noch i.J. 1733 bei der Nacht beunruhigt. 4 ) Das hatten 
allerdings die räuberischen Polacken nicht bedacht! 

Brand von Wie wir bereits bei Besprechung der kriegerischen Ereignisse in 

Spitz. Niederösterreich u. in der Geschichte von Burgschleinitz näher aus- 
geführt haben, hat sich Hans Lorenz im J. 1620, am 11. März, an der 
Affäre in der Umgebung von Eggenburg, Burgschleinitz und 
Meißau als Führer einer ständischen Reiterabteilung von etwa 400 Mann 
beteiligt, mit denen er, von Hörn ausbrechend, den Buquoy sehen 
Völkern eine Schlappe beigebracht hat. In der Klage des Pfarrers 
Simon Hansrab an die kais. Majestät gegen den Lorenz Khuef- 
steiner heißt es, daß dieser >die aus Hörn fürgangene Niederlage des 
Buquoy sehen Volkes, wie man sagt, am Meisten verursacht habe«, 
darauf die letzteren nicht allein seinen Markt, sondern auch das Gottes- 
haus ausgeplündert haben. Sie kamen, wie weiter erzählt wird, »bis zu 
37 Mann aus Haß gegen den Kuefstainer den 20. Martii 1620 in ver- 
stellter Polackischer Klaidung nacher Spitz, den Markt, das Gotteshaus, 
den Erlahof, Kirchen Aggsbach und Schwallenbach wie auch die 
Probstei Spitz spoliirt, den 24. Martii darauf den Markt und Probstei 
abgebronnen und ruinirt«. 5 ) Diese Erzählung kann nur unter Berufung 
auf die zitierte Quelle wiedergegeben werden. Es dürften auch wohl 
keine verkleideten, sondern wirkliche Polacken gewesen sein, die keiner 



*) Schreiben des Bürgermeisters Hn. Ed. Uhl v. 28. Septb. 1888. Arch. Greill. 

2 ) Ged.b. 1. c. 83 u. II, 9*. — Gesch. Beil. IV, 280. 

3 ) Diese Studien II, 297. 

*) Ged.b. 1. c. 83 (Gmisch-Gmasch). 

5 ) Ged.b. 1. c. II, 472 u. III, 11 u. 83. — Gesch. Beil. IV, 281. 



22ö 



Ver- 



Spitzer. 



besonders zwingenden Motive bedurften, um Brand zu stiften und 
zu plündern. 

Bei diesem Anlasse ist auch der Kirchenschatz von Spitz ge- 
plündert worden, über welchen die Annalen des Gedenkbuches eine 
etwas unklare Geschichte erzählen. Sämtliche Zimelien sollen schon beim 
Beginn der Unruhen vom Pfarrer nach Arnsdorf in den Fstl. Salz- 
burgschen Pflegerhof in Sicherheit gebracht worden sein. Um sie ganz 
gut zu salvieren, sollten sie in Ober-Arnsdorf für Nieder-Altaich ein- 
geschifft werden. Da seien die Zechpröpst »zu des Kuefsteiners Gemahn 
geloffen«, um zu fragen, ob dies geschehen dürfe. Diese habe ihren Gatten, 
der sich in Hörn mit den anderen Ständen befand, befragt und die Ant- 
wort erhalten, die Sachen dürften nicht abgesendet werden, bevor sie 
restituiert seien. So blieben sie und fielen den räuberischen Polaken in 
die Hände. ') Es ist nun nicht klar, worauf die Anzeige an den Herr- 
schaftsbesitzer basierte, da dieser doch das Patronat des Klosters an- 
erkannt hatte, u. warum der Pfarrer sich nicht getraute, selbständig zu 
handeln. 

Durch die von den wilden Söldlingen angerichteten Verwüstungen 
und namentlich den Brand von Spitz und die Plünderung ihres Schlosses Wendungen 
Zaising in Schrecken versetzt, wandte sich H. Lorenz' Gattin Anna 
an den Kaiser um Hilfe für sie und ihre Untertanen. Sie setzte ihren 
in Hörn befindlichen Mann in Kenntnis und bat auch ihren Schwager 
Hans Ludwig, der sich eben, als Abgesandter der Horner Stände an 
den Kaiser, in Wien befand, um Interzession bei diesem. H. Ludwig 
hatte sich schon in der Audienz v. 31. März über die Verwüstungen, 
Brandlegungen und Plünderungen beklagt und gnädige Aufnahme ge- 
funden. Am 10. April aber empfing er ein so bewegliches Schreiben 
von seiner Schwägerin aus Aggstein, daß er sich entschloß, sogleich um 
Audienz zu bitten, um >das erlittene Unrecht samt der geöffneten 
Gruft und verderbtem Markte Spitz« vorzutragen. Diese wurde ihm 
auch, bevor Se. Maj. auf die Hatz ausgeritten, erteilt, um eine Schrift 
der Stände zu übergeben. >Da ich dann daneben, erzählt er, die Plün- 
derung des Marktes (Spitz), den Brand, Mord und anderes so fürge- 
loffen, auch sonderlich die Gefahr wegen Zäsing aufs Beweglichste 
fürgebracht und um gdgst Remedirung gebeten. Darauf Ihr. Maj. so 
mich ganz gnädigst und mit Condolenz angehört, auch um der Kirchen 
u. des Schloß Namen gefragt, alsbald willfährig mir geantwortet. Sie 
wollten sich auf unsere (der Stände) Schrift gdgst resolviren und die 
andern Unordnungen alsbald abstellen. Ich sollte nur dem von Stadion 
(als Präsidenten des Kriegsrates) die Oerter aufgezeichnet geben. Dessen 
ich mich unterth. bedankt, u. als ich am Herausgehen gedachten Hn. 
Präsidenten gleich in der Camera gesehen, demselben solchen Ihr Maj. 
gdgst. Befehl angedeutet, der sich der Vollziehung willig erboten. Als 
auch Ihr. Maj. gleich hernach herausgangen, haben Sie ihn, Hn. v. Sta- 
dion gerufen u. ihm solches Selber auch mündlich befohlen, auch nach- 
dem wir Ihr. Maj. bis zum Wagen begleitet, Sich erboten eine eigene 
Staffett mit dieser Ordinanz zum Hn. General zu schicken.« 2 ) 

Man sieht, wie human der Monarch auch gegen die in der Oppo- 
sition befindlichen Ständemitglieder sich erwies, an deren dynastischer 
Treue er trotz allem nicht zweifelte. 



') Ged.b. 1. c. II, 472. — Gesch. Beil. IV, 260. 

-) Diarium des H. Ludwig v. Kuefstcin i. St.-A. 

Kuefstein. III. 



15 



226 

Am 22. April ging an Buquoy ein ernstlicher Befehl ab, das Gütl 
Zaising, so der Frauen Khuefstainerin gehörig, samt deren Märkten 
(Spitz) u. Dörfern vor des Kriegsvolks fernerem Streifen u. Plündern 
zu schützen. 1 ) Hoffentlich hat es etwas genützt. Das Ärgste, leider, war 
schon geschehen durch den Brand von Spitz. Und selbst die Gruft in 
Maria-Laach war nicht verschont geblieben. Begreiflich, daß sich 
Anna zu den befreundeten Trauns nach dem gegenüber am anderen 
Ufer der Donau liegenden Aggstein geflüchtet hatte. 
Wieder- Nachdem der Friede mit dem Landesfürsten wiederhergestellt war, 

aufbau. säumte Hans Lorenz nicht, sich als Gutsherr für seine armen Spitzer 
Untertanen wieder bei dem Kaiser zu verwenden. In seiner Eingabe 
v. 17. November 1620 sagt er: 

»Nun ist aber landkundig, daß ermelter mein Markt Spitz abge- 
wichenen 20. Tag Martii durch das zu Langenlois gelegene Kriegsvolk 
nit allein ganz und gar ausgeplündert, alles Vorraths, Paarschaft und 
vorhandener Varnuß bis auf den äußersten Heller beraubt, ja was ob 
und unter der Erden verborgen gelegen und vergraben gewest, herfür- 
gebracht, alles u. jedes gefunden u. hinweggeführt worden, sondern 
auch noch dazu den 24. ejusdem darauf angezündt u. dermaßen in die 
Aschen u. Staub geleget, daß kein einziges Haus mehr ganz u. fast 
kein Stein auf dem andern geblieben, also auch die kais. Salzstatt zu- 
gleich mit ganz zu Hauffen geworfen u. alles der Erden gleich gemacht, 
das noch vorhandene Salz meistentheils verwüstet, der übergebliebene 
kleine Rest sammt der damals gehabten u. wohlverwahrten, ja gar ver- 
mauerten Ew. Maj. zugehörigen ziemlichen Barschaft neben meiner 
armen Leute Vermögen alles hinweggeraubt, u. denselben schönen Markt 
dermaßen zugericht funditus et radicitus ruinirt und verderbt worden, 
daß es einen Stein erbarmen mochte, u. anjetzo an der Stell da hievor 
die wohlerbauten schönen Häuser gestanden, das Gras fast mannslang 
wachsen thut, u. also mehr einer Wüsten, da die wilden Thiere sich 
aufhalten, als einem Markt u. Wohnung der Menschen ähnlich ist. 
Wann dann durch solche Spoliir- Devastir- und endliche Verderbung die 
armen Leut um alles was sie um u. an, ja gleichsam im Blut gehabt, 
erbärmlicherweis gekommen, also daß sie nit zu leben, noch zu ihrer 
künftigen Unterhaltung einige Hoffnung nit haben, ja auch kein Mög- 
lichkeit ist, daß sie sich da es gleich anjetzo zu gewünschtem Frieden 
und Ruhe kommen, inner 10 Jahren wieder erschwingen u. ihres er- 
littenen Schadens etwas erholen können«, — aus allen diesen Motiven 
wird um Nachlaß des wegen der ungetreuen Salzer auf sie entfallenden 
Entschädigungsbetrages v. 1047 fl. 8 kr. gebeten. Die dieser Bitte zu- 
grunde liegenden Angaben des H.Lorenz wurden am 28. Novb. 1620 
vom Salzamt mit dem Bemerken bestätigt, daß sich »die Spitzer erst 
jetzt nach Abführung des Kriegsvolkes ein wenig zu ihren Brandstätten 
gefunden«. Die Eingabe wurde, nachdem sie abgelehnt worden war, am 
1. Februar 162 1 von Hans Lorenz in dringender Weise wiederholt 
und am 10. Februar 1621 von der Regierung der Gnade Sr. Maj. an- 
heimgestellt. Es erfolgte jedoch am 22. März 162 1 vom Kammerpräsi- 
denten eine Ablehnung, welche an Hans LorenzKhuefstainer, Sr. kais. 
Maj. Hof-Kriegsrat gerichtet war. 2 ) Er war also damals schon definitiv 
in den kais. Kriegsdienst wieder übernommen worden. 



*) Krgs.-A. H. K. R. 1620. R. 232. 

2 ) Hfk.-A. Herrsch. -Akten. Spitz, S. 13/14. 



227 

Umgekehrt hatte sich auch der Prälat von Nieder- Altaich und 
der Pfarrer von Spitz an den Kaiser gewendet, um gegen denKhuef- 
stainer, als den Herrn der Herrschaft, dem sie gern alle Schuld an 
den Kriegsereignissen zuschieben wollten, ihre Klagen vorzubringen, 
über deren Resultat jedoch nichts weiter zu finden war. 1 ) 

Im Septb. 1623 erhielt H. Lorenz den Befehl, seine Untertanen 
anzuhalten, daß sie dem Stammschreiber Sr. Maj. Bauholzlieferungen 
nicht verweigern u. i. J. 1625 wurde er mit dem Grafen v. Stetteldorf 
(Hardegg) ermahnt, ohne Widerrede den neuen Aufschlag von 1 Groschen 
per Emer zu bezahlen. 2 ) 

Daß Hans Lorenz seine Bemühungen, sich für die Spitzer einzu- 
setzen, nicht aufgab, beweisen außer seinen angeführten Schreiben seine 
weiteren Schritte. So wandte er sich noch am 8. Oktober 1625 an den 
Rat von Weißenkirchen mit dem Ansuchen, da seine Mittel nicht 
hinreichten, das Gotteshaus wieder aufzubauen, so mögen die von 
Weißenkirchen, welche an dem Gottesdienste teilnehmen, deshalb 
auch eine Beisteuer leisten. Sie zeigten sich auch willfährig und über- 
mittelten 150 fl. 3 ) 

Allein bald war es mit dem Gottesdienste überhaupt zu Ende. Denn 
mit dem Generale v. 14. Septb. 1627 wurde die Ausschaffung der Prä- 
dikanten verfügt, wodurch selbst an jenen Orten, wo er rechtmäßig 
erlaubt war, die Ausübung desselben unmöglich gemacht wurde. Die 
Erbitterung gegen diese Maßregel war so tiefgehend, daß sie sich 
namentlich gegen jene Personen, welchen man vorwarf, dazu beige- 
tragen zu haben, kehrte und zuweilen in ungehörig drastischer Weise sich 
gegen sie äußerte. Darunter scheint namentlich der Pfarrer Leopold 
Griesbacher von Weiten gelitten zu haben, der als einer der Provo- 
katoren des einschneidenden Erlasses — wohl ohne Grund — betrachtet 
wurde. Er hatte sich beklagt (1628), daß er von den Filialkirchen nur 
die Stola habe, und dem Hans Lorenz vorgeworfen, daß er die Zehnten 
des Liebfrauen-Gotteshauses zu Laach gewalttätigerweise beziehe. Nun 
fürchtete er sich, da die Ketzer, zu denen auch der beleidigte Gutsherr 
gehörte, ihm gedroht hätten, ihn »auf die Haut zu legen«, wo sie ihn 
erwischten, und getraute sich nicht, den Pfarrhof zu verlassen. 4 ) Die 
ganze Erzählung eines in begreifliche Aufregung versetzten Gemütes 
ist schon deshalb nicht klar, weil Maria-Laach niemals nach Weiten 
gehörte, den dortigen Pfarrer daher nicht anging. Seitdem war nichts 
weiter davon zu hören und mit dem Ableben des H. Lorenz in dem- 
selben Jahre gingen die Herrschaften an seine Söhne über. 

Jedenfalls konnten die Spitzer, Dank seinen Bemühungen, schon 
damals ihren Markt wieder aufbauen und ihn zu jener Blüte empor- 
heben, welche ihn heute als einen der reizendsten Plätze unserer herr- 
lichen Wachau erscheinen läßt. 



l ) Ged.b. 1. c. II, 472. — Gesch. Beil. IV, 260. 

-) Hfk.-A. Prot. 1617 R. Fol. 459, 1624, R- 415 «■ 1625, R- 7- 

3 ) Wiedemann, 1. c. III, 21. 

4 ) Geschichtl. Beil., III, 245. 



15* 



228 



4. Hans Lorenz' Ableben. 



Hans Lorenz war der einzige der Brüder, der nicht daran zu 
denken brauchte, eine zweite Ehe einzugehen, da ihm die Freude zu- 
teil wurde, von seiner geliebten Gattin Anna von Puechaimb bis an 
das Ende seines Lebens treu geleitet zu werden. Er starb vor ihr, aber 
nicht so früh, wie Wisgrill behauptet, der ihn i. J. iöiq eines jähen 
Todes enden läßt 1 ), sondern ein Jahrzehnt später. Im J. 1625 unter- 
schrieb er sich auf einem Stammbuchblatt als Hofkriegsrat und Oberst. 2 ) 
Seitdem haben wir ihn noch in den ständischen Versammlungen ge- 
sehen, zuletzt in der bereits oben erwähnten Sitzung des Herrenstandes 
v. 3. April 1628. Sein Wappenschild in Maria-Laach und die Schrift 
auf seinem Sarge geben übereinstimmend d. J. 1628, ersterer den 2. Mai, 
letztere den 24. März. Da wir ihn aber eben noch in der Sitzung des 
Herrenstandes v. 3. April d. J. lebendig gesehen haben, ist die Sarg- 
schrift wieder einmal unrichtig und man muß sich auf den Wappen- 
schild verlassen. Dieser sagt, daß er seines Alters im 50. Jahre starb. 
Daraus geht auch hervor, daß er 1578 (oder in den ersten Monaten 1579) ge- 
boren war und nicht erst 1582, wie Wisgrill angibt. Und zwar dürfte 1578 
anzunehmen sein, da wir bestimmt wissen, daß schon im Dezember 157g 
seine Schwester Radigundt geboren wurde. Das Jahresdatum 1578 
wird bestätigt durch eine Notiz Schiefers, welcher die Geburtsjahre 
der drei Brüder genau festgestellt hat. 3 ) 

Seiner und seiner Gattin gedenkt kein prächtiges Epitaphium. Die 
Sargschriften aber werden in dem Verzeichnis der Särge in der Familien- 
gruft zu Maria-Laach wiedergegeben. An beide erinnert außerdem ein 
schönes Allianzwappen über der Eingangstüre im inneren Hofe des 
Schlosses von Spitz. 4 ) 

Von Hans Lorenz selbst existiert ein kleines Ölgemälde in halber 
Figur, welches ihn in militärischer Tracht, ohne Rüstung, darstellt und 
derselben Zeit angehört wie jene seiner Brüder, also den ersten Jahren 
des Jahrhunderts. Es trägt die Inschrift: Johannes Laurentius Khuff- 
stainer, ohne Datum noch Alter. 

5. Hans Lorenz' Gattin Anna von Puechaimb. 

Hans Lorenz, welcher bis zu seinem Ende dem Evangelischen 
Bekenntnisse treu blieb, bekleidete ebenso lange die Stellen eines kais. 
Obersten, eines Mitgliedes des Hofkriegsrates und eines Ausschusses 
des Herren Standes. Es lag also weder für ihn noch für seine Gemahlin, 
so viel man weiß, ein zwingender Grund vor, auszuwandern. Doch hat 
sie wenigstens zeitweise das Land verlassen. Der berühmte Nürn- 
bergische Theologe Jo. Saubertus hat eine am Neujahrstage 1643 
gehaltene Predigt mit einem Anhange herausgegeben, genannt »Denk- 
zeddel oder Register der vornehmsten Herren u. Frauen so der kais. 
Maj. zu unterthänigstem Gehorsam, dem Allerhöchsten Gott zu Ehren 
und ihrer Seligkeit zum Besten aus Steyer, Kärnten und Crain 
(dabei auch etliche Oberösterreichische und andere begriffen) um der 



*) Wisgrill, V, 302, ohne Beleg für die Daten. 

: ) Hofbibl. Mskpt. CXV, 42. 

3 ) Schiefer-Freyling, I, 661-665. 

*) Abgebildet S. 11. 



229 




Hans Lorenz' Grabschild. 



E. A. 



Evangel. Religion willen in die Fremde gezogen und das Vaterland 
verlassen«, unter welchen »Frau Anna Herrn Hans Lorentzens, 
Herrn von Khuffstein, Freihn. zu Greillenstein, Herrn zu Spitz etc. 
Frau Gemalin geb. Herrin von Pucheimb« und daran anschließend: 
»Fräulein Anastasia, Frl. Sara und Frl. Anna Justina, Herrin u. 
Freiherrin zu Khuffstein.« *) Hier ist weder der Ort noch das Jahr 
ihres Aufenthaltes angegeben. 

Wisgrill nennt Regensburg und Nürnberg. 2 ) Ersteres ist 
richtig. Wenn er aber das J. 1620 angibt und Anna als Witwe bezeichnet, 
so ist das ein doppelter Irrtum. Nachdem ihr Gemahl erst 1628 gestorben 
ist, wie wir bei seiner Lebensbeschreibung dokumentarisch nachgewiesen 
haben, so war sie i. J. 1620 noch nicht Witwe. Sodann liegen ganz un- 
widerlegliche Beweise vor, daß sie gerade in diesem kritischen Jahre im 
Lande geweilt hat. Wir haben von einer Anfrage der Zechpröbste an 
sie wegen Abtransport des Kirchensilbers von Spitz, wo sie wohnte, 
v.J. 1620, gehört, dann von ihrer Verwendung beim Kaiser und dessen 
beruhigendem Erlaß v. 22. April dess. J. an Buquoy. Ferner wissen wir 
aus den Diarien ihres Schwagers H. Ludwig, daß sie während des 
Kommandos ihres Gatten in Hörn zumeist in Spitz und Zaising be- 



') Raupach, Forts. III, 438. 
2 ) Wisgrill, V, 302. 



230 

findlich war und am 14. April 1620 spricht er von der schwierigen 
Herabkunft der Frau Lorentzin mit seiner Schwester Anastasia und 
der Frau von Traun von der Burg Aggstein herunter. ') Endlich 
aber, last not least, wird Anna mit ihrem Manne ausdrücklich unter 
jenen Personen genannt, welche sich bei der am 17. August 1620 von 
Hörn nach Wien abgegangenen Karawane befanden. Höchstens am 
Ende d. J., wahrscheinlich aber erst nach dem Ableben des H.Lorenz, 
dürfte sie nach Regensburg gekommen sein. Im J. 1632 bat sie um 
Erteilung eines Paßbriefes, welcher ihr auch am 4. Septb. 1632 von der 
Hofkammer gewährt wurde, »sie von Regensburg nacher Spitz frei 
passiren zu lassen«. 2 ) 

Dann finden wir sie in Preßburg — ihre Schwägerin Eva Than- 
rädlin lebte eine Zeitlang in Ödenburg — als Taufpatin des Sohnes 
Joh. Christian des Matthias Stubik v. Königstein auf Windig- 
janken, Gfäll u. Ursendorf etc. u. der Frau Anna Elisabeth von 
Polhai m am 8. Dezb. 1637 unter einer bei d. Evangelischen damals 
üblichen großen Anzahl von Paten — 36 im ganzen. 3 ) 

Einige Jahre darauf richtete sie unter dem 7. Juni 1640 an den 
Kaiser ein Majestätsgesuch, in welchem sie ausdrücklich betont, daß sie 
mit ihrem ganzen Besitze in Österreich angesessen ist. 4 ) Dieses Gesuch 
betraf nicht etwa eine Religionsschwierigkeit, sondern die sehr einfache 
Bitte, das auf dem Hans Khevenhüllerischen Vermögen liegende 
Verbot für sie, da sie sich keines Verbrechens schuldig gemacht habe, 
aufzuheben, damit sie die ihr vom N.-ö. Hofkammerpräsidenten Sigm. 
Ludw. Grafen v. Dietrichstein schuldigen 1000 fl., die er auch zu 
zahlen bereit sei, erhalten könne, ohne wegen dieser Summe hin- und 
hergesprengt zu werden. Über die Erledigung ist nichts bekannt. 5 ) 

Auch Elisabeth von Teuffei, Schwester der Anna, wird unter 
den Exulantinnen genannt, obwohl ihr Gatte Georg von Teuf fei bei 
Ferdinand IL in hohem Ansehen stand und schon etwa um 1606 
katholisch geworden war, uneingedenk des bei der Verehelichung ge- 
gebenen gegenseitigen Versprechens, die Augsburger Konfession zu 
bekennen. 6 ) 

Anna von Kuefstein starb am 6. Dezb. 1645 und ist in der 
Familiengruft in Maria- Laach beigesetzt worden. Ihre Sargschrift sagt, 
daß sie im Schlosse Karlstein am 9. Septb. 1583 das Licht der Welt 
erblickte, aber nicht, wo sie entschlief, während bei ihrer Tochter 
Anastasia ausdrücklich angeführt wird, daß sie in Regensburg ver- 
schieden und von dort hertransportiert worden war. Anna dürfte also 
wohl in Spitz ihr Leben beschlossen haben. 



') V. p. 130, 225 u. 216. 

-) Hfk.-A. Prot. 1632, E. 310 u. R. 217. 

3 ) Otto v. Walterskirchen, Die Walterskirchen. II. 123. 

4 ) Hfk -A. Farn. -Akt Ku. — Wisgrill sagt unrichtig; i. J. 1642. 

5 ) Nach Wisgrill, V, 82 hatte Hans Khevenhüller sich zu d. Schweden be- 
geben u. bei Nürnberg als Oberst gegen d. Kaiserlichen gekämpft. 

6 ) Starzer, N.-ö. Statth., 243. — Kuefstein, II, 267. 



231 



6. Hans Lorenz' Kinder. 

Da der Stamm des Hans Lorenz schon mit dessen Kindern aus- 
starb, möge er gleich hier bis zu seinem Ende geführt werden. Aus 
seiner Ehe mit Anna von Puechaimb waren, soweit es bekannt ist, 
sechs Kinder entsprossen, nämlich Johann Wilhelm, Jacob Ludwig, 
Anna Justina, Anastasia, Sara und Maria Affra. 

Von Joh. Wilhelm, dem ältesten, geb. 1604, wissen wir, daß er 1- Johann 
sich zuerst den Studien gewidmet hat. Im J. 16 19 nahm ihn sein Oheim Wilhelm. 
Hans Ludwig bei seiner Mission an den Deutschen Fürstentag mit 
nach Nürnberg, wo er bei einer Geschlechterhochzeit anstatt des Ge- 
sandten den Ehrentanz zu vollführen hatte. Am 24. Mai 1624 war er 
an der Universität Padua inskribiert. 1 ) Dann wandte er sich der mili- 
tärischen Laufbahn zu und erreichte schnell den Oberstenrang. 

Nach dem Ableben des Vaters i. J. 1628 übernahm er mit seinem 
Bruder Jacob Ludwig die Herrschaften Spitz, Zaising, Laach u. 
Schwällenbach, die frei vererblich waren. Die nicht bedeutenden 
damit verbundenen Lehen — zwei Bauern zu Schabing, welche i. J. 1613 
von der Witwe Stettner am Grabenhof gekauft worden waren — 
wurden ihnen nach einem Lehenurlaub v. 16. Febr. 1629 am 17. Febr. 
1631 verliehen und nach dem Tode Wilhelms dem Jacob Ludwig 
wieder i. J. 1640, dem sie 1643 gegen 30 fi. freigemacht wurden. 2 ) Joh. 
Wilhelm hatte wohl wenig Gelegenheit, sich mit der Administration 
der Güter zu befassen, da ihn seine Kriegsdienste fern davon hielten. 

Er war von 1635 bis zu seinem Tode i. J. 1637 Oberst-Inhaber der 
Kueffstein-Dragoner. Sein Regiment wurde schon bald nachher, 
i.J. 1639, als Schönkirchen-Dragoner aufgelöst, daher nicht vielmehr 
darüber zu finden war. Bekannt ist nur, daß es 1635 von Wolf Matthias 
Frhn. v. Teuffei errichtet wurde und sehr bald danach auf Wilhelm 
von Kueffstein überging. Erstand mit demselben 1636 am Oberrhein 
bei der Hauptarmee, kämpfte bei Roye unter Frhn. v. Werth, kam 
dann wieder zu der Hauptarmee unter Gallas, nahm teil an der Unter- 
nehmung gegen Colmar und stand 1637 unter Hatzfeld. Um diese 
Zeit ward Wilhelm aus dem Leben gerufen und das Regiment dem 
Oberst Schönkirchen übergeben. Es wird trotzdem noch i. J. 1638 unter 
Gallas in Pommern als Kueffstein-Dragoner bezeichnet. 3 ) 

Joh. Wilhelm war nach seiner Sargschrift auch kais. Kämmerer, 
geb. 1604, gestorben 1637, seines Alters 33 Jahr. Auch unsere Stamm- 
tafel sagt, daß er ledig im Kriege starb. Er soll katholisch geworden 
sein. 4 ) 

Ein schöner Stich von Elias Widemann 5 ) bezeichnet ihn 1637 a ^ s 
Mille Tragonum Colon ellus mit dem Motto: Aut totum aut nihil, dem auch 
seine äußere Erscheinung entspricht. Noch in demselben Jahre scheint er 
auf dem Felde der Ehre sein Leben ausgehaucht zu haben. 



1 ) Ldsk. XVI. 242. — Luschin, Inskriptionslisten. 

2 ) Statth.-A. Lehenb. 1623—38, Fol. 114 u. 188, u. Lehenb. 1639—56, Fol 76. 

3 ) Wrede. Gesch. d. k. u. k. Wehrmacht, IIP, 625. 
*) Wisgrill, V, 303. 

5 ) El. Wiedemann. Comitium gloriae 1646, No. 40. Die Jahreszahl 1637 kommt 
uur auf den separaten Stichen vor. 



232 

2. Jacob Jacob Ludwig-, der jüngere Bruder, besuchte wie seine Oheime 

Ludwig. dj e Italien. Universitäten. Wir finden ihn unter dem i. Mai 1627 in 
Padua inskribiert. 




B'mj- U'i'Jrmart (Ud. > 



Er war vermählt mit Judith von Teufel, Tochter des Rudolf 
Freihn. von Teufel und der Polixena Freiin v. Eytzing, einer der drei 
Schwestern, die drei Teufel heirateten. Judith war auch Geschwister- 
enkelin mit dem Statthalter Georg von Teufel, dem Gatten der Elisa- 
beth von Puechaimb, deren zwei Schwestern die beiden Gebrüder 



283 

Kuefstein geehelicht hatten. Die Ehe Jacob Ludwigs mit Judith 
blieb kinderlos. ! ) 

Jacob Ludwig scheint schon zu Lebzeiten seines älteren Bruders 




die Besitzungen übernommen zu haben. Denn unter dem 6. April 1632 
bestätigte er seinem Markte Spitz die bereits von seinem verstorbenen 
Vater konfirmierten Privilegien und Freiheiten. 2 ; 

*) Kuefstein, II, 267. — Starzer, N.-ö. Statth., S. 242. — Bucellin, III, 2, 236 
gibt ihr irrig noch einen zweiten Gatten. 

-) Fstl- Starhembergsches Archiv Efferding. Orig. Pap. Zwei kleine Siegel. 



234 

Von ihm liegen mehrere Schreiben über militärische Bewegungen 
vor, welche er wahrscheinlich als Kriegskommissär im V. O. M. B. zu 
veranlassen hatte. 1 ) Am 3. März 1643 schreibt er den N.-ö. Verordneten 
in betreff der zu Pöstenpoy (Persenbeug) und Klein-Pechlarn 
liegenden Völker, mit der Bitte um Anweisung wegen ihrer Fortführung 
zum Ranff tischen Regiment. In einem anderen Schreiben aus derselben 
Zeit meldet er, daß die Landesmitglieder sich zu keiner ferneren Kon- 
tribution verstehen wollen. Er bittet also um einen eigenen strengen 
Befehl zur militär. Exekution durch einen Kommissär. Dann erachtet er 
als billig, daß die in das Viertel O. W. W. deputierte Traunische Kom- 
pagnie, obgleich sie noch hier liege, von dort aus verpflegt werde, womit 
Traun auch einverstanden sei. Er schließt energisch »und es erforderts 
einmal dieses Viertels Armuth«. 

Endlich am 24. Januar 1644 schreibt er dem Landmarschall über 
Benachrichtigung des Herrn Stockhorner, »weil beede Regimenter 
Sächsische seien, werden sie sich nicht reformieren lassen und dieses 
Viertel würde 20 Kompagnien anstatt 12 bekommen, die ohnehin schon 
schwer fallen. Es wäre also nur billig, des Obersten Schleinitz Regi- 
ment in die anderen Viertel einzuteilen. Dies könne nur vom Hof ver- 
anlaßt werden. Wir Commissarien wann wir alle unsere Kraft und Witz 
zusammennehmen, können nichts ändern.« Es sei zu befürchten, daß die 
Untertanen ihre Häuser und Dienste verlassen und davonlaufen müssen. 
Recht erbauliche Zeugnisse über den Zustand des Landes! 

Trotz seiner militärischen Verwendung und seines Kommandos 
als Vize-Colonellus ist Jacob Ludwigs Name in den Akten des Hof- 
kriegsrates nicht zu finden. Dagegen wird er im Stammbuche des 
H. Seifried Frhn. v. Hager v.J. 1648 als schon gestorben erwähnt. 2 ) 
Die Bezeichnung Ob.-Leit. wurde nachträglich in Rittmeister korrigiert. 

Übrigens scheint er in guten Verhältnissen gestanden zu sein. 
Denn sein Name kommt unter den höheren Beiträgen von 1000 fi. zu 
der i. J. 1643 kreierten Darlehenskommission für die »jetzig benötigten 
Kriegsausgaben« vor. 3 ) 

Er blieb bis an sein Ende Evangelisch, war kais. Kämmerer u. 
Obstltt. und starb 1645, wie seine Grabschrift in Maria-Laach bezeugt. 
Das gleich zu besprechende Familienabkommen über seinen Nachlaß ist 
schon v. 22. März 1646 datiert. 4 ) 

Auch von ihm ist ein schöner Stich vorhanden, der gleichfalls dem 
Griffel Wiedemanns zu danken ist und auf den Separatabdrücken die 
Jahreszahl 1645 trägt. Die Umschrift lautet: Jacobus Ludovicus a 
Kuefstein S. C. M. Unius Legionis peditus vice colonellus. Mit dem 
Wahlspruche: Pro Deo, Caesare et Patria. 5 ) 



1 ) Arch. Greill. Orig. Pap. Drei Schreiben. 

? ) Stammbuch des Hans Seifried Frhn. v. Hager zu Allentsteig. Publ. v. 
Freihn. v. Blittersdorf. Monatsblatt der k. k. Herald. Gesellsch. Adler. 1904, Nr. 41. 

3 ) Hfk.-A. Prot. 1643, R 117. 

4 ) Wisgrill, V, 303, läßt ihn irrig noch i. J. 1651 leben. 

5 ) El. Wiedemann, com. glor, cit. Nr. 41. 



235 



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Nach G. M. Vis eher v. 1672. 



Nach dem Ableben des Jacob Ludwig-, letzten Sprossen des Hans 3. Anna 
Lorenzschen Mannesstammes, traten dessen Witwe Judith geb. Teufelin ^q™ 
und seine Schwester Anna Justina, Gattin des Hans Ehrenreich Herrin von 
Geyer, Edlen Herrn zu Osterburg, späteren Freiherrn von Geyers- Spitz. 
perg 1 ), als Erbinnen cum beneficio legis auf. Judith schloß am 22. März 
1646 einen Vergleich ȟber ihre Heiraths- Wittibs- und all' andere zu 
ihres Hn. Ehegemals sei. Verlassenschaft habende Spruch und For- 
derungen auf Interposition der vom Landmarschall- Gerichte dazu ver- 
ordneten Commissarien und erbetenen Beistände«. Der Witwe wurde 
passiert das Heiratsgut von 2000 fl., Morgengabe 1000 fl., Schuldbrief 
2000 fl., dann für Getreide etc. zusammen 6445 fl. Unterschrieben ist 
der Vertrag neben Judith von Kuefstein von Anna Justina von 
Geyer, deren Gatten Ehrenreich und seinen Brüdern Adam und 
Hans Reichard. 2 ) 

Spitz und die übrigen Herrschaften gingen an Justina über, von 
welcher der Kontinuität des Besitzes wegen gleich hier im Anschlüsse 
an ihren Bruder gesprochen werden möge. In ihrem Gesuche v. 17. De- 
zember 1657 an die Landschaft findet sich in Kürze der ganze Hergang 
dargelegt : 3 j »Es ist die Herrschaft Spiz, item Zaissing, La ach und 
Schwöllenbach darumben noch mein Vater Herr Hans Lorenz Herr 
von Khuefstain an der Gült steht, nach seinem Ableben auf seine 
hinterlassenen zween Söhne als Hn. Hans Wilhelmb und Jacob Lud- 
wig meine leiblichen Hn. Gebrüder auch sei., folgends aber, weilen sie 
ohne Leibserben gestorben, allein auf mich erblich kommen, wie dann 
solche Herrschaft ich in rechtlichem possess habe.« Sonach verlangte 
sie die Anschreibung für sich und ihren Gemahl, und nach dem Tode 
desselben am 23. Juni 1662 für sich allein, was beides im Giltbuche er- 
folgte. Warum inzwischen i.J. 163g eine Eintragung auf ihren Oheim 



1 ) Wisgrill, V. 303 u. III, 297 

2 ) LA. B. Nr. 950 ex 1646. 

3 J LA. Einl. Spitz Nr. 87 u. 86. 



236 

Joh. Ludwig von Kuefstein erfolgte, während nach ihrer ausdrück- 
lichen Erklärung i. J. 1657 noch ihr Vater dort angeschrieben war, ist 
nicht näher bekannt. 

Justina hatte zwei Töchter, von denen die ältere Anna Doro- 
thea den Otto Lorenz Grafen von Abensberg-Traun heiratete 
(1662) *) und Universalerbin ihrer Mutter wurde. 2 ) Die jüngere, Mar- 
garethe, vermählte sich den 29. Oktober 1665 zu Onolzbach mit 
Ernestus Heinricus Borcke, dominus in Regenwalde, Strammel 
etc., Fürstl. Brandenburgischen Geheimen Rat, Ober-Hofmarschall u. 
Kammerdirektor, geb. 1. Febr. 1629 zu Stettin in Pommern. 3 ) 

Justinas Gatte war damals schon verstorben und sie folgte ihm 
i. J. 1666 ins Grab, wenige Wochen nach der Heirat ihrer Tochter 
Margarethe. Nach ihrer Grabschrift in Maria-Laach war sie 1614 
geboren, wurde also 52 Jahre alt. 

Ihre ältere Tochter Anna Dorothea von Traun, der Spitz zu- 
gefallen war, stellte im Verein mit ihrem Gatten unter dem 5. Dezb. 
1667 die Bitte um Einverleibung auf die Herrschaft Spitz. 4 ) Sie muß 
bald gestorben sein. Denn schon am 18. November 1680 bat Traun als 
Kurator seiner mit Anna Dorothea Geyerin erzeugten Kinder die 
ihnen als mütterliche Erbschaft zugefallene Herrschaft Spitz, welche er 
mit Erlaubnis des Kaisers dem Gundaker Graf Dietrichstein ver- 
kauft hatte, diesem zuzuschreiben. Der Verkauf war mit Albrecht 
Ernst Grafen von Kurland als Kurator der Kinder des Gundaker 
von Dietrichstein und der Elisabeth Constantia von Questen- 
berg abgeschlossen worden. Der mittlerweile zum Fürsten avanzierte 
Käufer instituierte am 21. Januar 1690 ein Fideikommiß, dem auch Spitz, 
Zaissing und Schwällenbach einverleibt wurde. 5 ) 

1861 ging Spitz an Herberstein, 1870 an Schönborn über und 

gelangte endlich i.J. 1871 in den stabilen Besitz des Wiener Bürger- 

spitalfondes. 6 ) 

4. Anastasia, Von den Töchtern des H. Lorenz IL haben Anastasi a, Sara 

Sara und und Anna Justina nach dem Zeugnisse des Mag. Saubertus v. J. 1643 

T^ 1 dl * n Nürnberg und Regensburg gelebt, wo ihre Mutter sich zeitweise 

aufhielt. Nach den Sargschriften in Maria-Laach starb Sara am 

31. August 1641 in Spitz, und Anastasia am 2^. Februar 1648 in 

Regensburg 7 ), von wo sie nach Maria-Laach transportiert ward. Die 

vierte Schwester, namens Maria Affra, heiratete in Regensburg i.J. 

1653 den emigrierten Georg Christof Freiherrn von Thanrädl. 8 ) 

welcher als Sohn ihrer Tante Eva Thanrädlin, geb. Kuefstein, ihr 

richtiges Geschwisterkind war. 



') Wisgrill, III, 297. 
3 ) LA. Einl. Spitz 86. 

3 ) Schiefer, VII, 837. 

4 ) Während des Traunschen Besitzes wurde Spitz neuerlich von einem verheerenden 
Brande heimgesucht, über welchen der öfters schon zitierte P. Fischer in der Pfarr- 
chronik launig schreibt: Im J 1662 ist eine abermalig Feuersbrunst ausgekommen, weil 
der Bäckerjung mit einer Dirn in einer unzulässigen Liebe verstrickt bei der Nacht ein- 
geschlafen, hernach ist aus diesem Venusfeuer das dem Markt so schädliche Feuer ent- 
standen, daß das Schloß auch selber auf dieser Seiten in die Asch geraten u. Gf. Traun 
nichts als sein Schlafrock davon gebracht. 

5 ) LA. Einl. 86. Schwällenbach. 

6 ) LA. Einl. Spitz 87 u. Giltbuch. 

7 ) Aber nicht, wie Wisgrill, V, 303 sagt, bei der Mutter, die schon 1645 ge- 
storben war. 

8 ) Wisgrill, V, 303. — Mskpt. Karton 101 i. LA. 



237 



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Nach G. M. Vischer v. 1672. 



Jacob Ludwigs Witwe Judith kam durch den am 20, resp. 5- Jacob 
28. September 1649 nach dem Tode des Vaters Rudolf von Teufel JjfY 1 ^ 
zwischen ihr und ihren Schwestern abgeschlossenen »endlichen Ver- Judith 
gleich« 1 ) in den Besitz der Herrschaft Weyerburg. Nach dem von der geb. v. TeufeL 
ältesten Schwester Maria Barbara Gräfin von Hardegg unter dem 
28. Juni 164g verfaßten Teil-Libell, war die ganze Verlassenschaft, welche 
in den Herrschaften Gundersdorf, Weyerburg, dem Dorfe Rucken- 
dorf und der Veldtungs-Mühle bestand, auf 139.410 fl. angeschlagen. 

Judith von Kuefstein, welche als die jüngste nach altösterreichi- 
schem Rechte den Aufgriff hatte, wählte Weyerburg mit Rucken- 
dorf und der Mühle Die zwei unverheirateten Schwestern Polixena 
und Potentiana suchten ihre Gebühr auf Guntersdorf, von wo auch 
der vierte Teil an Barbara von Hardegg auszuzahlen war, nachdem 
diese Herrschaft auf 108.410 fl. geschätzt und in betreff der Admini- 
stration sowie der Zahlungsmodalitäten weitgehende Erleichterungen 
stipuliert worden waren. 2 ) 

Am 12. Novb. 1650 baten die Schwestern Barbara, Potentiana 
und Polixena um Anschreibung der Judith auf ihren Teil, und diese 
mit Barbara um jene der genannten ledigen Schwestern auf Gunters- 
dorf. 3 ) Dort wohnten sie auch und es wurde geistlicherseits geklagt, 
daß sich dort und in Ob -Hollabrunn die meiste Renitenz zeige. 
Fräul. von Teufel illudiere die kais. Verordnungen, indem sie un- 
katholische Predigten vorlesen lasse. Auch wolle die Frau v. Kuffstein 
und ihr Pfleger nicht parieren. 4 ) Potentiana war wahrscheinlich schon 
gestorben, wohl i.J. 1657, als das wechselseitige Testament der Schwestern 
eröffnet wurde. 5 ) Polixena lebte noch mit Judith zusammen. Sie machten 
i.J. 1663 eine Reise nach Wallsee, wohin sie einen Paßbrief auf un- 
mautbare Mobilien, 80 Emer Wein, Schmalz u. andere Viktualien, außer 



') Orig. Konzept. Archiv Greillenstein. 

2 ) Starzer, N.-ö. Statth. Stammtafel der Teufel, S. 242, zu ergänzen durch die 
Namen der Schwestern. 

3 ) LA. Einl. 86 u. 156 U. M. B. Guntersdorf u. Weyerburg. 

4 ) Burger, Altenburg, S. 88. 

5 ) Landmarschallger. Testament Nr. 11. Kop. in Greillenstein. 



238 

der Bestandmaut zu Ybbs u. Sarmingstein erhielten. 1 ) Polixena 
starb 1665, wonach Judith aus Guntersdorf am iö.Novb. 1665 die 
Anzeige erstattete, daß sie diese durch das Ableben ihrer beiden 
Schwestern auf sie übergegangene Herrschaft dem Otto Christof von 
Teufel (ihrem Vetter) verkauft habe. Dieser gab sie schon 1688 an 
Serenyi, von dem sie am 10. Dezb. 1 7 1 7 Joh. Ludwig von Ludwigs- 
dorf kaufte, um sie bald zu einem Majorate zu erheben. 2 ) 

Im J. 1668 verkaufte Judith das Dorf Fieglersdorf an Gf. Rudolf 
Sinzendorf u. 1672 erwarb sie dagegen Zehnten zu Stetteldorf zu 
ihrer Herrschaft Weyerburg. Zeitweise wohnte sie in Enzersdorf im 
langen Tal. In den Osterberichten 1677 für das Dekanat Stock erau 
wird wieder geklagt, daß »Fräulein« Judith von Kuefstein in Enzers- 
dorf (damals der Christiane von Windischgrätz gehörig) mit zwei 
Dienstboten der Lutherischen Lehre anhänge. 3 ) Noch am 13. April 1685 
erhielt sie durch ihren Vollmachtträger Ott Christof Teufel die Be- 
lehnung mit einem weiteren Sechstel am Schlosse Weyerburg. 4 ) 

Judith starb i. J. 1687. Am 7. Juni d. J. wurde ihr schon am 
3. März 1683 in Wien errichtetes Testament beim Landmarschallischen 
Gerichte publiziert. 5 ) Sie setzte den O. Chr. Teufel zum Universalerben 
ein und verteilte im übrigen mit freigebiger Hand reichliche Legate an 
Verwandte und Befreundete. Die Kinder ihres Vetters Georg Adams 
v. Kuefstein erhielten 7000 fi. u. ihr Hr. Göd, der ältere Sohn ihres 
Neffen Gf. Hans Heinrich von Kuefstein 1000 fl. Andere Legate 
fielen an Sinzendorf, Khevenhüller, Strozzi, Hardegg, Traun etc. 

Von den Herrschaften ist im Testament keine Erwähnung mehr 
getan. Sie fielen — wie Gundersdorf — an den Universalerben O. Chr. 
v. Teufel, der schon am 5. Febr. 1688 »die von seiner Frau Maimb 
Judith verwitweten Gräfin von Kuefstein anererbte Herrschaft 
Weyerburg, Gut Ruckendorf, die Veldtungs- Mühle und Gütl 
Füllendorf an Hn. v. Khrautten« verkaufte, von dem sie 1692 weiter 
an die Hochburg und schließlich an die Schönborn kamen. 6 ) 

1 ) Hfk.-A. 1663. R. 356. 

2 ) LA. Einl. 156. U. M. B. — Schweickhart. U. M. B. II, 203 u. VII, 206. — 
N.-ö. Topogr. III, 768, hier zu setzen Judith anstatt H. Jakob. 

3 ) Wiedemann, V, 151. 

4 ) Statth.-A. Lehenb. 1682 ff., Fol. 92. 

5 ) Landm.-Ger. Testam. Nr. 85. Kopia in Greillenstein. 
e ) LA. Einl. 86. U. M. B. 



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Nach G. M. Vischer v. 1672. 



XXV. 

HANS LUDWIG. 

DRITTER BRUDER DES H. JACOB. 

FERNERER LEBENSGANG. 

GEB. 1582, f 1656. 

STIFTER DER OBERÖSTERREICHISCHEN SEITENLINIE. 

1750 ERLOSCHEN. 



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Über dem Schloßtore von Zaissing. 




A. In Niederösterreich. Bis 1628. 

ans Ludwig, der Jüngste der Brüder, geb. 1582 (nicht 1587), l.Personalia. 
wie bereits nachgewiesen wurde, begleitete diese trotz seiner 
geringen Jahre zu den Universitäten von Prag (1590 — 1593) und 
Jena (1594 bis I 597)- 1 ) An letzterer Universität datiert seine In- 
skription v. 9. August 1594 2 ), in Padua v. 4. August 1600 sub Nr. 4767 3 ), 
Bologna 9. April 1601 und Siena 21. April 1601 sub Nr. 2792. 4 ) 

Über seine erste Heirat mit Maria Grabnerin v. d. Rosenburg 
und deren Ableben ist bereits gesprochen worden. 5 ) Ebenso über sein 
Wirken in der ständischen Bewegung und namentlich die Verhandlungen, 
welche er mit K. Ferdinand II. im Namen der Evangelischen Stände 
zu führen hatte, welche an der Hand seiner Diarien dargestellt wurden. 
Wir haben gesehen, in welchem Grade er sich durch seinen loyalen 
Charakter die Hochschätzung des Kaisers erworben hatte, der ihm seine 
Zuneigung über eine momentane Ungnade hinaus bewahrte und durch 
vielfache Beweise sein ungeschwächtes Vertrauen betätigte. 

Es wurde auch sofort nach Wiederherstellung normaler Verhält- 
nisse wesentlich auf seine Mitwirkung gerechnet. Vor allem schien es 
geboten, die verwickelte Lage der Kriegsvölker zu klären, was am 
Zweckmäßigsten durch Übernahme der nicht mehr benötigten ständi- 
schen Truppen in den kais. Dienst zu erreichen war. 



l ) Diese Studien II, 319. 

•) Inscript.-Listen d. Univ. Jena. 

3 ) Daß er damals nur ißjährig gewesen korrigiert sich durch d. neuerlich kon- 
statierte Geburtsjahr v. 1582. 

4 ) Luschin, Die Inscript.-Listen an d. Italien. Universitäten in Ldsk. XV, 84 u. 
XVII, 493- 

5 ) pag. 12. 



Kuefstein. III. 



16 



242 

Die Vermittlungsaktion Hans Ludwigs hatte sich nach einem über 
Ersuchen der Stände erlassenen Dekrete des Kaisers v. 1 6. Oktober 1620 
dahin zu betätigen, daß er mit dem ständischen Oberstwachtmeister 
Hektor von Kornfail wegen dessen Kriegsvolks verhandeln und ihm 
Vergessen und Vergebung alles früheren zusichern sollte. 1 ) Kornfail 
wurde aufgefordert, sich zum Khufstainer nach Aspern oder Korneu- 
burg zu begeben. Im Vereine mit Oberst Hans von Kollonitsch ge- 
lang es nicht nur den Kornfail, sondern auch den Obersten Speth 
samt ihren Kriegsscharen dem Kaiser zu gewinnen. Über die in Aspern 
gepflogenen Verhandlungen erstatteten Khufstain und Kollonitsch 
am 14. Decb. 1620 ihren Bericht an den Kaiser 2 ) und gleichmäßig auch an 
die Stände. 3 ) Über Aufforderung der Hofkammer berichtete H. Ludwig 
unter d. 9. Jänner 162 1, daß er mit Kornfail v. 24. bis 29. Novb. und 
im Vereine mit Kollonitsch v. 8. bis 14. Decb. verhandelt habe, und 
mit dem Obersten Speth noch bis ult°- December. 4 ) 

Hierauf wurde wegen Übernahme des Evangel. Kriegsvolkes eine 
Hofkonferenz einberufen, zu welcher alle 4 Stände ihre Delegierten mit 
Instruktion v. 2. Jänner 162 1 absandten. Die Katholischen verweigerten 
wie bisher den Sold der Evangelischen Hauptleute aus der gemeinsamen 
Kasse bestreiten zu lassen und es erging an Kollonitsch und Khuf- 
stain der Auftrag, an Jene, die in den allgemeinen ständischen Dienst 
zu übernehmen wären, die bezügl. Intimation mit Dekret auszufertigen. 5 ) 
Es ist ganz natürlich, daß man auch weiterhin suchte H Ludwigs 
Erfahrung und Geschicklichkeit zum Nutzen der öffentlichen Angelegen- 
heiten zu verwerten. Man verhandelte mit ihm behufs Eintritts in die 

Rat bei der N. ö. Regierung und am 15. Decb. 1620 leistete er das gewöhnliche 

Regierung. Jurament. Am 17. Jänner 1621 stellte er an die Hofkammer das An- 
suchen »da er auf der R. K. Maj. Belieben zu Dero wirklichem 
Rathe sich gehorsamst habe erhandeln laßen«, möge ihm die gewöhn- 
liche Jahresbesoldung v. 500, und die für Herrenstandsmitglieder übliche 

Kämmerer. Zubuße v. 200 fl. angewiesen werden. Seit d. J. 1623 finden wir ihn 
auch schon als Kämmerer tituliert. 6 ) 
Donau- Wie sehr Hans Ludwig sich um die Landesangelegenheiten, 

Regulierung, speziell die Sicherung seiner Vaterstadt Wien annahm, beweist seine 
Eingabe v. Juni 1627 an die Hofkammer in betreff der Regelung der 
Donau und der Vorkehrungen gegen die Überschwemmungsgefahr, die 
damals jedenfalls häufiger und drohender zu fürchten war als heute. 
Leider liegt über diesen Vorschlag nichts anderes mehr vor als die 
knappe Notiz über den Bericht der Hofkammer v. 23. Juni an den 

Kammerrat. Kaiser: »gen hoff Die vernimbt hieraus was Dero Kammer- u. N. ö. 
Regimentsrath Hans Ludwig von Khuefstain wegen herein- 
bringung des Thonaustrombes und Verhütung dessen Ausbruches auf 
das Marchfeld gehors. anbringen und bitten thut. Ob nun wohl die 
Hofkammer dieses ein ganz notwendiges und nützliches Wesen zu sein 
gehors. erachte, so wolle sie doch der Meinung sein, die von Wien 
mit Gutachten zu vernehmen. « 7 ) 

1 ) StA. Verhandlungsact Nr. 2538. Oe. io b - 

2 ) Arch. Greillenstein. Orig. 

3 ) StA. 1. c. — Concept in Greillenst. 

4 ) HfkA. Ku. 4. Fam. Act. 

5 ) LA. Rel. E. B. 

6 ) HfkA. Fam. Act. Ku. — StatthA. Fridesheim II. 55. — Arch. Greill. Heirats- 
kontrakt v. 1623 u. kais. Kreditiv v. 10. Sept. 1628. 

7 ) HfkA. 1627, E. 313. 



243 

Gerade in jenen Jahren beschäftigte man sich mit der Frage 
der Regulierung der unregelmäßig sich verbreitenden Donaugevvässer, 
welche jedoch noch zu keinem entscheidenden Resultate gelangt war. 
Das große Projekt des F. A. v. Hoyos blieb unvollendet und mehrere 
andere Vorschläge fanden gleichfalls nicht die Billigung der Regierung. 1 ) 
Auch jener des Hans Ludwig von Khuefstain hatte anscheinend 
trotz der ihm gewährten Billigung keinen besseren Erfolg. Nach den 
alten Karten 2 ) von 1530, 1547 u. 1683 floß ein beträchtlicher "Teil der 
Donauwässer dort, wo heute der Kanal sie eindämmt. Hans Ludwig 
selbst sollte sich bald dort einschiffen, als er als Botschafter des Kaisers 
sich mit seinem ganzen Gefolge nach Konstantinopel zu begeben hatte. 
Auf dem großen Ölbilde, welches diesen Moment genau festgehalten hat, 
stellt sich der Strom an jenem Punkte bei der Schlagbrücke und Biber- 
bastei sehr mächtig dar. ^ 

Wir finden H. Ludwigs Namen i. J. 1622 und später bei der Er- 2. Bei den 
ledigung der Amtsrelation der Verordneten, für die Aufnahme der Re- stan den. 
lation der Raitherrn, dann für die Beratung der Verordneten-Instruk- 
tion v. J. 1623, für die Gerichtsordnung und die Differenz wegen des 
Direktoriums, die Bewilligung des Darlehens v. 1 Million an den Kaiser 
in demselben Jahre, und noch bei verschiedenen Anlässen bis z. J. 1628. 4 ) 

Am 3. April ds. J. fand die bereits bei H. Lorenz erwähnte Sitzung 
des Herrenstandes statt, in welcher dieser sich für die Wahl des Hans 
Ludwig zum Verordneten einsetzte, aber selbst gewählt wurde, an- 
scheinend weil sein Bruder nicht mehr zu den Evangelischen gehörte. 8 ) 

Langwierige Verhandlungen mit den Ständen wurden durch die 
ausständige Regierungsratsbesoldung Hans Ludwigs, deren er durch 
mehr als 10 Jahre nicht habhaft werden konnte, veranlaßt. Während der 
Abwesenheit ihres Gatten in Konstantinopel bat Susanna Eleonora 
um die Liquidierung. 6 ) Schon vorher 1627 hatte eine Hofanweisung die 
Zahlung auf die Landtagsbewilligung verwiesen. Allein die Stände machten 
Schwierigkeiten auch als eine neuerliche Hofanweisung v. 4. Juli 1628 7 ) 
an sie herantrat. H. Ludwig aber wurde noch unter dem 12. Juni 1630 
von der Hofkammer verständigt, daß »die ihm vor 3 Jahren wegen 
durch 10 Jahre geleistete N. Ö. Regiments Rathsdienste verwilligten 
10.000 fl. durch die Landtagsbewilligungen gedeckt werden sollen, für 
die 12.000 fl. aber für die Türkische Botschaft möge er selbst auf be- 
queme Mittel zu seiner völligen Contentirung denken ! « 8 ) Nachdem auch 
dieses nichts half, wurden die N. Ö. Stände durch ein neuerliches Hof- 
schreiben v. 19. Novemb. 1633 in sehr eindringlichem Tone ersucht, 
wenigstens die Hälfte per 5000 fl. zu übernehmen, da er so lange Ge- 
duld getragen und als N. ü. Landesmitglied Steuer zahle. 9 ) 

Die Stände beeilten sich keineswegs nachzugeben. Im Gegenteil. 
Sie akzeptierten am 16. Juni 1635 den Antrag der Verordneten auf 

l ) Vict. Thiel, Gesch. d. Donau-Regulirungen i. Jahrb. d. N. ö. Ldsk. I. 1903, 
p. 139 ff. — Mitis, Gesch. d. Donaukanals. — Wisgrill, IV, 450. 

: ) Von Hirschvogel, Wolmuet u. Meldemann, publ. v. Camesina, dann 
Heinr. Schmidt (1683). 

3 ) V. Abth. B. 

4 ) LA. Ldtgsprot. u. A. III, 11. 

5 ) V. oben p. 18. 

°) HfkA. 1628, E. 400. 

7 ) LA. Rep. I. A. IX, Nr. 56, p 923. 

8 ) HfkA. Gedb. 1630, Fol. 32 

9 ) LA. Ldtgsprot. 1633. 

16* 



244 



3. Besitz. 
Zaissing. 



Puechberg. 



»schlechte Erledigung« unter Hinweis auf frühere Beschlüsse, nach denen 
kein Landesmitglied unter Gefahr des Verlustes sich Anweisungen auf 
künftige Bewilligungen die den Privilegien widersprechen, geben lassen 
solle. Erasmus von Starhemberg als Mandatar H. Ludwigs wurde 
in diesem Sinne verständigt. 1 ) Nichtsdestoweniger erfolgten fortwährend 
solche Anweisungen seitens des Hofes aus dem einfachen Grunde, weil 
man bei der perennierenden Finanznot sich nicht anders zu helfen wußte. 
Ob H. Ludwig aber jemals etwas bekommen hat, ist nicht zu kon- 
statieren gewesen. 

Wie wir bereits aus der Darstellung des ersten Abschnittes wissen, 
übernahm Hans Ludwig bei der Erbteilung v. 1603 die Herrschaft 
Zaissing mit Maria Laach und einem Teile von Schwällenbach, ver- 
kaufte sie aber durch Vertrag v. 161 7 an seinen Bruder H. Lorenz, 
der sie schon früher faktisch übernahm. H. Ludwig selbst war schon 
i. J. 161 2 durch Vertrag mit der Mutter und dann den Geschwistern in 
den Besitz von Puechberg gelangt, wo er auch wahrscheinlich seit- 
dem zumeist seinen Wohnsitz aufschlug, wenn er auch Zaissing und 
Maria Laach bis 161 7 rechtlich besaß. Als er nach der Übernahme 

die Zuschreibung des ihm von Hans Jacob 
zu Tautendorf aus der Grabnerschen Ver- 
Februar 1613), stellte es sich heraus, daß der 
Landschaft den Eintrag irrtümlich zu Zaissing ge- 
was auf sein Ansuchen v. 11. Juni 16 14 sofort richtig- 



Puechbergs sich um 
zedierten Traidzehentels 
lassenschaft bewarb (14. 
Buchhalter der 
schrieben hatte, 

gestellt wurde. 2 ) Laut Kaufvertrag d to - Hörn 24. Mai 1613 3 ) erwarb er 
von Reichardt von Puechaimb zu Hörn mehrere Stücke und Gülten 
zu Nondorf, Leobersdorf, Maires und Tautendorf, mit 1. f. Lehen, 
worauf sich die Eingabe v. 12. Juni 16 14 beziehen dürfte. Dagegen 
wurde am 27. April 1615 die Abschreibung des dem Christoph 
Leysser zu Kronegg und Idolsperg, auf Schiltern und Mittel- 
berg verkauften Weingartens- und Zehents veranlaßt. Später wurden 
noch Grundholden zu Unterplank erworben. 4 ) Eine Folge der Guts- 
nachbarschaft war eine Kommissionsverhandlung, die am ult°- Martii 
für d. 11. Juni 161 8 angeordnet wurde, mit den Hillebrandtschen Erben 
wegen der Herrschaft Gars. 5 ) 

Hans Ludwig und seine Ehefrau waren am 31. Jänner 161 8 mit 
Lehenstücken begabt worden, welche vom Landesfürsten als »Unsere 
Lehen der Herrschaft Weitra« bezeichnet und 1623 an Hans Jacob, 
der sie seinem Bruder abgekauft hatte, weiter verliehen wurden. Und am 
11. Februar 1621 wurden die drei Brüder unter Bezugnahme auf den 
letzten Lehenbrief v. 4. März 16 10 wieder mit Puechberg belehnt. 6 ) 

Am 27. Oktober 1620 stellte Frau Maria Khuffensteinerin die 
Bitte um »Ausfertigung eines Befehls an den Hauptmann zu Rapol- 
stein ihres Herrn Erbschaft von dannen erfolgen zu laßen«, was auch 
bewilligt wurde. 7 ) Marias Bruder, Leopold Grabner, war 1619 im 
Auslande gestorben. Es ist also nicht unmöglich, daß ihr von dort aus 



J ) LA. Ldtgsprot. 1634 — 36. Fol. 248 u. 261. 

•) LA. Einl. 157. O. M. Puechberg. — Gesch. Beil. VIII, 633, darnach zu ver- 
vollständigen. 

3 ) Kaufbrief i. Gfl. Hoyos'schen Archive in Hörn. 97, III, 7. 

4 ) LA. Einl. 157. 0. M. Puechberg. 

5 ) HfkA. Prot. 1618. E. Fol. 90. 

6 ) Statth.-A. Lehenb. 1616—24. 

7 ) H. K. R. 1620. E. 504 u. 505. 



245 

ein Erbteil zugekommen wäre. Übrigens beschwerte sich H. Ludwig 
bald darauf seiner Untertanen halber gegen die Garnisonen zu Zwettl, 
Rappottenstein und Weitra, worauf Buquoy am 28. April 1621 an- 
gewiesen wurde, den Gewalttätigkeiten des Kriegsvolkes Einhalt zu tun ) 

Am 19. Juli 1622 verkaufte Hans Ludwig und seine Gemahlin Ottenschlag. 
Maria geb Grabnerin von Rosenberg, »die letzte dieses Geschlechtes«, 
an Gundaker von Polhaimb auf Lichtenegg ihren Schwager und 
Vetter für ihn und seinen jungen Vetter und Pflegesohn Carl von 
Polhaimb, ihr Freihaus im Markte Ottenschlag, samt Zugehor, dann 
die Untertanen des Hofamtes und des Spielberger Amtes sowie ver- 
schiedene Zehnten, teils freieigene, teils 1. f. lehenbare. 2 ) 

Dagegen erwarb Hans Ludwig am 10. Febr. 1626 die von 
Paul Jacob von Starhemberg zu Schönpüchl zu Lehen ruhrenden 
Zehente zu Herrnloss und Riezendorf, durch Tausch mit Benedict 
von Schifer, und vertauschte sie schon am 31. Jänner 1627 weiter an 
Wolf Sig-mund Steger von und zu Ladendorf. 3 ) 

Offenbar zur Arrondierung der Herrschaft Puechberg erwarb Puechberg. 
Hans Ludwig durch Kaufvertrag vom 11. Septb. 1624 »beede ode 
Vesten Kameck und Zaingrub«, welche von Puechberg nur durch die 
Herrschaft Gar s getrennt waren. Der ehrwürdige Tobias Schwaben, 
Offizial in Wien, verkaufte anstatt seines Bruders Caspar's Erben diese 
Güter samt »Unterthanen zu Mannigfall, Martersdorf, Nondorf etc. 
außer dem Kirchenlehen zu Kameck, so alles landesfstl. Lehen ist« 
um 12.000 fl. und 300 fl. Leutkauf, unter der Bedingung, daß die der 
kathol. Religion zugetanen Untertanen keine Beschwerung erfahren 
sollen 4 ) Bald darauf sollte Puechberg verkauft werden, worüber eine 
Differenz zwischen den Brüdern entstand, welche allerdings schnell wieder 
beglichen wurde. Als nämlich Hans Ludwig Puechberg mit 94 Unter- 
tanen u. 51 fl. Gült i. J. 1626 an den Freiherrn Benedict Schifer 
verkaufte, erhob Hans Jacob Einsprache dagegen, da er zu diesem 
Gute vermöge seines Einstandes Reservatansprüche habe und bat, daß 
ohne sein Vorwissen keine Ab- und Zuschreibung vorgenommen werde. 
Bald jedoch kam ein Einverständnis zustande, H s Jacob nahm sein 
Verbot zurück (11. März), nachdem H s - Ludwig schon am 8. ds. M. 
seine Aufsandung und Bitte um Ab- und Zuschreibung angezeigt hatte. 
Er bezeichnete sich dabei noch als fürstl. Brandenburgscher Lehen- 
rath in Oesterreich. 5 ) 

Am 14. Mai 1627 bat Benedict v. Schifer und am 16. No- 
vember 1637 dessen Sohn Ferdinand um Zuschreibung der vor 
12 Jahren von seinem Vater weil. Benedict von Hn. v. Khuef stein 
erhandelten Herrschaft, die er seinen Geschwistern abgelöst hatte. — 
15. Decemb. 1682. Lehenbrief über Puechberg an Eva Frau v. Pol- 
haimb geb. Schifferin, Freiin, Wittib, wie es früher ihrem Vater Fer- 
dinand als Ältestem für sich u. seine Brüder Wolf Helmhart, Carl u. 
Erasm. zu Lehen gegeben war. — 23. Jänner 1683. Eva v. Polhaimb 
verkauft d. Hschft an M a - Magdalena Gfin. Auersperg geb. Gfin. 
Henklin. 23. Mai 1687. — Diese an Carl Frhn. Häcklberger v. Höchen- 
berg. — 16. Jänner 1690. Dieser an Antonio Francisco Gf. Collalto. 

i) H. K. R. 1621, R. 181. 

2) Starhemb. Arch. Efferding. Orig. Perg. ohne Siegel, jedoch mit Unterschritt. 

■■) Starhemb. Arch. Efferding. Orig. Perg. resp. Pap. 

4 ) Schloßarchiv Hörn. 311— IV— 17. 

5 ) LA. Einl. O. M. B. Puechberg 157. 



246 



— 3°- August 1701. Dessen Sohn Leopold Gf. Collalto an M a Susanna 
Gfin v. Rottal geb. Gfin. v. Khuefstein, Wittib, Tochter des Georg- 
Adam, des Neffen des H. Ludwig v. Khuefstein und an Job. Sigm d 
Gf. Rottal als des mind. jähr. Leop. Ferd. Anton Gf. Rottal Ger- 
haben. Aufsandung v. 30. Aug. 1702. — 10. Jänner 1703. Gesuch der 
M a Susanna um Zuschreibung an ihren Pupillen (Joh. Christof 
Gf. Rottal hatte in s. Testament v. 1696 als Vormund für seinen jüng- 
sten Sohn Leopold u. 2 m. j. Töchter seinen ältesten Sohn Sigmund 
und deren Mutter eingesetzt). — 14. April 1712. Leop. Ferd. Anton Gf. 
Rottal zeigt an, daß er seine Hschften Puechberg und Gars dem 
Fürstbischof v. Wien Frhn. v. Rumel verkauft hat. — 13. März 1715. 
Dieser bittet um Zuschreibung der Hschft Puechberg an seinen Vetter 
den Landunterjägermeister Frz. Jos. Freihr. v. Rumel. — 3. April 1727. 
Nach dessen Ableben wurde sein minderjähr. Erbe Carl auf Puech- 
berg wie auch auf die A° 1693 von der kais. Hofkammer an die 
3 oberen Stände übergebene Hschft Gars angeschrieben. 1 ) Nach seinem 
Ableben seine Tochter Antonia v. Hack i.J. 1779. Dann kam Georg 
Rohr v. Rohrau und i.J. 1823 Fürst Carl v. Croy, bei dessen Familie 
sich Puechberg heute noch befindet. 2 ) 

Dieser kurze Rückblick auf die Geschichte des schönen altinter- 
essanten Puechberg und unsere Beziehungen zu dieser Besitzung, welche 
dem Hans Georg III. , dessen Witwe Anna von Kirchberg und deren 
Sohn Hans Ludwig durch etwa ein halbes Jahrhundert als Wohnsitz 
gedient hat und namentlich bei des Letzteren Missionen an Ferdi- 
nand IL in den bewegten Jahren der ständischen Mißhelligkeiten viel 

genannt wurde, möge noch 
durch einige Richtigstellungen 
ergänzt werden. 

Daß Hans Georg III. 
1593 bis 16 12 Besitzer gewesen 
sein soll 3 ), ist ein Irrtum. In 
meinem Bd II, 293, ist nach- 
gewiesen, daß derKauf Puech- 
bergs viel früher, vielleicht 
schon 1578, spätestens aber 
1588 erfolgte und die Auf- 
sandunof des Math. Teufl für 
die Eintragung an die Gült wie 
gewöhnlich einige Zeit später 
(1592) ausgestellt wurde. Auch 
die Namen der Frauen werden 
falsch angegeben, infolge der 
Verwechslung zwischen Vater 
und Sohn. Denn Hans Georg 
starb schon i.J. 1603 und nicht 
erst 1630, wie oft behauptet 
wird. Nicht seine, sondern 
seines Sohnes Hans Lud- 
wig Gattinnen sind es, deren 
Wappen über der Einfahrt der Burg prangen: Grabner (blauer Schräg- 

1 ) LA. 1. c. 

2 ) N.-ö. Topographie II. 251 u. Schweickhardt, O. M. B. IV, 35. 

3 ) Gesch. Beil. VIII, 628. ~ 




247 

balken) und Stubenberg (in unrichtig- getauschten Farben schwarzer 
Anker [od. Wolfsangel] auf weißem Feld). 

Die am Anfang dieses Abschnittes wiedergegebene Darstellung 
der über dem Schloßtore von Zaissing angebrachten, auf den Wellen 
schwebenden Sirene mit über sich gehaltenem Spruchbande ließ H. Lud- 
wig i. J. 1615 im Garten vonPuechberg über dem Eingange zu einem 
kleinen Pavillon wiederholen. 

Außer seinem Lieblingssitze Puechberg besaß Hans Ludwig noch Khuefsteiner 
den sogen. Khuefsteiner Freihof in Klosterneuburg, in der oberen in F ™ 1 ^ s t t er . 
Stadt gelegen. Es ist nicht bekannt, wann dieser angekauft wurde. Wir neu b urg . 
wissen nur, daß H. Ludwig am 20. April 1627 für ihn eine Befreiung 
erlangte, dergestalt, daß er »fürderhin gänzlich von aller Einquartierung 
befreit sein sollte«. ') In einem Briefe sagt sein Sohn Gottrau am 29. März 
1677, der Hof habe seinem Vater schon über 50 Jahre gehört. 2 ) Es ist 
also nicht ausgeschlossen, daß Hans Ludwig ihn schon besaß als er auf 
seinen Hin- und Herreisen als Gesandter der Evangelischen Stände an 
den Kaiser öfters durch Klosterneuburg geführt wurde. Das eine Mal 
(21. Febr. 1620) fand er »weil das Städtlein voll Volk war« im Kloster 
gastfreundliche und ehrenvolle Aufnahme, ein anderes Mal (2. Juli) sagt 
sein Diarium nicht, wo er übernachtete, was sonst stets geschah, wenn 
er genötigt war, in einem Gasthofe abzusteigen. 3 ) 

Das Rechtsverhältnis dieses Khuefsteiner Freihofes wird durch 
eine Reklamation des Verwalters v. 7. August 1675 an die fürstbischöf- 
lich Passauersche Administration in Königstetten näher beleuchtet: 
»Es wird Ew Gnd erinnerlich sein, daß A° 1495 Ihr hochfstl. Gdn Chri- 
stoph sei. als damals regierender Fürst u. Herr zu Passau vor sich 
und alle hochfstl. successores wegen eines allhie zu Klosterneu- 
burg nächst dem Freythof bei S l - Martin liegenden und anjetzo der 
Passauerhof benambsten Behausung und wegen des Grund so der- 
malen meines gdg. Hn. Gf. Gottrau v. Khueffstain alldort haben- 
den und mir zur Verwaltung gdg. anvertrauten Freyhofs mit 45 $ auf 
S*- Michaeli u. 5 # vor ain Faschingshenn, 6 & vor ain Tagwerk zu 
rechten Grunddienst jährlich dienstbar worden sei; welches auch von 
1495 bis auf 1649 allen u. jeden des anjetzo meines gdg. Hn. Grafens 
Freihof vorgevolgten Aigenthümbern von dem hochfstl. Rentamt 
Khenigstedten der Gebühr gemäß entrichtet worden. Wann nun aber 
ungeachtet zu verschiedenen Malen geschehenen Anmahnen seit 1649 
keine Abstattung erfolgte«, werden diese 26jährigen Rückstände neuer- 
dings urgiert. Resultat unbekannt. 4 ) 

Mit dem Freihofe war damals ein nicht unbedeutender Besitz an 
Weingärten verbunden, deren Ertrag dem Hans Ludwig, namentlich 
seitdem er die Landeshauptmannschaft in Ob. Österreich übernommen 
hatte, wesentlich half sein Hauswesen und seine Repräsentationspflichten 
in Linz. zu erleichtern. Anfangs August 1 631, also nicht lange nach seinem 
Amtsantritte richtete er eine Eingabe an die N. Ö. Verordneten, daß der 
von seiner eigenen Fechsung zu Klosterneuburg herrührende Wein, 
von dem er jährlich 90 — 100 Eimer zu seiner Hausnotdurft benötige, 
obwohl er sonst bei allen kais. Mauten frei passiere, in Ybbs zurück- 



l ) Hfkzl. A. IV. D. ex 1627. 

'-) Arch. Greill. Berichte d. Verwalters J. M. Holstain k. Waldbereiters 1671— 1683. 

3 ) H. Ludwigs Diarien cit. 

*) Arch. Greill. Berichte des Verwalters Holstain cit. 



248 

gehalten werde, weil von jedem Gulden Wert noch 4 kr. über den neuen 
Aufschlag von 3 Schill, bezahlt werden sollten. Sein Tafeltrunk möge 
ihm frei zugelassen werden. Darüber wurden vorerst die Aufschlagsleute 
zu Ybbs befragt. 1 ) Ein anderer Paßbrief erging vom Kaiser am 26. Aug. 
1633 für den i. J. 1632 gefechseten Wein »von seinen zu Klosterneu- 
burg habenden 44 Vierteln Weingärten«, in Summa für 500 Eimer, von 
denen 271 schon abgeführt waren. 2 ) Aus diesen knappen Notizen kann 
man sich schon ein ungefähres Bild vom Umfange des Besitzes und 
seines Ertrages machen. 

Um diese Zeit scheint H. Ludwig die Absicht gehabt zu haben, 
ihn zu vergrößern, zu welchem Behufe er das unbewohnte alte Gebäude 
der Burg zur Erbauung eines Hauses erwerben wollte. Doch wurde sein 
Gesuch v. 9. Febr. vom Kaiser über Gegenstellung des Propstes Bern- 
hard Waitz unter dem 5. März 1633 abgelehnt. 3 ) Übrigens war der 
Freihof noch sehr wohl bewohnbar. Wenigstens entschuldigt sich der 
Verwalter einmal, er habe die Gfin. Starhemberg nicht entsprechend 
empfangen können, denn sie sei früher angekommen als das Aviso. Später 
aber scheint es ungemütlich geworden zu sein. Denn nach einem Be- 
richte v. 10. April 1677 wollten die Dienstboten nicht länger bleiben, 
da ein Geist sie »alle 3 Nächte mit einem schrecklichen Getümmel er- 
schreckte«. 

Nach dem Ableben Hans Ludwigs i. J. 1656 ging der Hof auf 
seinen Sohn Gottrau über, dessen älterer Bruder Lobgott häufig 
an dessen Stelle die Administration inspizieren kam, da ihn der Kauf 
von Burgschleinitz öfters in diese Gegend führte. Die Berichte des 
Verwalters Holstain sind auch teilweise an ihn gerichtet und ent- 
halten Manches über Burgschleinitzer Sachen. So erfahren wir aus 
einem Bericht v. ig. Juni 1674, daß Gf. Lobgott vor 3 — 4 Wochen in 
Wien war und das Gut Burgschleinitz hinwiederum an Gf. Hans 
Georg verkauft hat, also im Mai 1674, wie wir schon erfahren haben. 4 ) 
Noch i. J. 1678 wurden aus der Burg verschiedene Mobilien, wie ein 
schwarzsamtenes Kastei, eine eiserne Truhe mit den Schriften etc. an 
Lobgott nach Linz gesendet. 

Mit dem Besitze war auch eine Wirtschaft und Wald wie es scheint 
auch am anderen Ufer der Donau verbunden, dessen Holzfuhren zu 
manchen Mißhelligkeiten mit der Maut Anlaß gaben. 

Nach allen Andeutungen scheint der Besitz aber weniger einträglich 
geworden zu sein. Der Verwalter mußte sich öfters an Lobgott wenden 
und dessen Bruder Gottrau bitten, seiner Freigebigkeit Schranken zu 
setzen. Dieser befand sich in Prag als kais. Rittmeister und konnte 
sich offenbar nicht nach Wunsch mit der Administration befassen. Es 
wurde also der Verkauf ins Auge gefaßt. Nach vielfachen Verhandlungen 
brachte ihn endlich Lobgott im Namen seines Bruders zustande. Am 
1. Mai 1679 meldete der Verwalter diesem nach Prag in Beantwortung 
dessen Schreibens v. 19. April, daß Lobgott den Hof an Baron 
Abele, »welcher stätig bei S r Maj. in Laxenburg wegen seiner 
großen Geschäfte anwesend« sei, um 9500 fi. u. 200 fl. Leitkauf ver- 
äußert habe. 



!) Arch. Greill. Orig. Pap. 
s ) HfkA. Farn. Act. Ku. 4. 

3 ) Stiftsarchiv Klosterneuburg. Mitth. d. Baurates H. Huber. 

4 ) V. oben p. 203. 



249 



R.£CHpERG 




V N ' , - ' 



Nach G. M. Vischer v. 1672. 



Zelkinger 
Lehen. 



Wegen des Interesses, welches die Verhältnisse dieses Freihofes 
in der den Wienern so nahestehenden befreundeten Schwesterstadt bieten 
könnten, ist ihnen hier eine eigentlich über den Rahmen des vorliegenden 
Bandes hinausgreifende Aufmerksamkeit gewidmet worden. 

Obwohl Hans Ludwig durch seine Ernennung zum Landeshaupt- 
mann von Ob. Österreich v. J. 1630 an seinen ständigen Wohnsitz in 
Linz haben mußte, gab er doch seine Beziehungen zum heimatlichen 
Niederösterreich nicht auf, indem er auch hier noch einigen Besitz erwarb. 

Am 6. April 1632 erhielt er von Ludwig Wilhelm von Zelking 
zu Lehen den Zehent auf 8 Lehen zu Münnichthal und auf 4 Lehen und 
1 V2 Hofstatl zu Putzing in Eberstorffer Pfarr in N. 0. Dieselbe Be- 
lehnung wurde ihm am 10. Octob. 1649 von Otto Heinrich von Zinzen- 
dorf u. Pottendorf als dem Gewaltträger der Kinder seiner Frau Anna 
Apollonia geb. Freiin von Zelking wieder erteilt. 1 ) 

Später kaufte er, am 24. Mai 1650, die Herrschaft Rechberg i. Ge- Rechberg, 
birge im N. 0. Waldviertel von seinem Neffen Georg Christoph Than- 
rädl, Sohn seiner Schwester Eva und ihres Gatten Baltasar Christof 
Thanrädl. welcher sich nicht lange danach (1653) in Regensburg mit 
Maria Afra, Tochter des Hans Lorenz und der Anna von Kuef- 
stein vermählt haben soll. 2 ) Die Eheleute waren sonach Geschwister- 
kinder. Rechberg, auf welches H. Ludwig am 9. Jänner 1651 an- 
geschrieben worden war, ging nach dessen Ableben i. J. 1656 ab inte- 
stato an seine Söhne Gottrau, Lobgott, Preisgott und Hilfgott 
über, dann durch Teilung an Hilfgott und von diesem durch Kauf an 
Gottrau, der die Herrschaft mit Kaufbrief d to Linz 18. Jänner 1668 unter 
Beistand seiner Brüder an David Graf Weißenwolf veräußerte. 3 ) 

Ferner erwarb H. Ludwig i. J. 1651 von Adam v. Pottenstein Gneixendorf. 
den Trautinger und den Wasserhof zu Gneixendorf bei Krems 
und verkaufte beide wieder im folgenden Jahre an Michel Amstetter. 
Ein Jahrhundert später 1797 kaufte sie wieder ein Kuefstein, Franz, 
von der Litschauer Linie, der auch zeitweise dort wohnte. 4 ) 

') Fstl. Starhemberg. Archiv Efferding. 

2 ) LA. Wisgrill. V, 303 u. Mscpt. Karton 101. 

3 ) LA. Einl. Rechberg, O. M. B. 447. — Erklärung Gottraus v. 7. Jänner 1669. — 
Also nicht aus der Verlassenschaft Gottraus. wie Schweickhardt, O. M. B.III, 208 sagt 

4 ) N. O. Topogr. III, 480. — Greill. V, 4s 4 . 



250 

4. Heirat Kaum ein Jahr nach dem Ableben seiner ersten Frau Maria 

mit Susanna Grabnerin zur Rosenburg-, über welche bereits eingehend gesprochen 
Stnoenberff 11 wur( ^ e l )> entschloß sich Hans Ludwig zu einer zweiten Ehe. Seine Aus- 
erkorene war Susanna Eleonore von Stubenberg, weil, des Georg 
Hartmann Herrn v. Stubenberg und der Dorothea Freiin von Than- 
hausen Tochter. In dem üblichen Gesuche (de praes. 24. Novemb. 1623) 
an den Kaiser um Abordnung eines Vertreters zu der Hochzeit sagt 
H. Ludwig: »Demnach zweifelsfrei aus göttlicher Providenz mich ent- 
schloßen meinen Wittibstand zu verändern . . . bitte ich als Eur. Maj. 
geringer doch allergetreuester Rath und Minister ... zu meinem Ehren- 
tage Jemanden so die kais. Stelle vertrete, abzuordnen«. Die Hochzeit 
soll »nur mit einer Malzeit ohne Tanz und Musik, wegen jetziger trüb- 
seliger u. beschwerlicher Zeiten in gemainer Landschaft Landhaus voll- 
zogen werden«. Die um Bericht beauftragte Registratur gab die Aus- 
kunft, daß dgl. Standespersonen eine Hochzeitsverehrung im Werte 
von 80—100 fl. erhalten, worauf ein silbernes vergoldetes Trinkgeschirr 
v. 80 fl. festgesetzt und das übliche Kredenzschreiben am 25. Novemb. 
ausgefertigt wurde, analog jenem bei der Hochzeit des Hans Jacob 
v.J. 1601. 2 ) Bei dem an demselben Tage mit den gewöhnlichen Forma- 
litäten abgeschlossenen Heiratsvertrage fungierten als Zeugen: für den 
Bräutigam dessen Brüder Hans Jacob, Reichshof- u. N. 0. Kammer- 
rat, Kämmerer und Verordneter und Hans Lorenz, Kriegsrat und Oberst, 
dann Gundaker von Polhaimb auf Lichtenegg, Reichshofrat, Käm- 
merer u. Verordneter und Job Hartmann Enenkl, k. Rat u. Regent 
der N. 0. Lande, anderseits für die Braut, deren Eltern bereits verstorben 
waren, ihre Brüder Georg und Wolf von Stubenberg auf Kapfen- 
berg, Erbschenken zu Steyer, und in deren Vertretung Hans Jacob 
Khisl, Graf zu Gottschee, Geheimrat, Obersterblandjägermeister in 
Steyermark und Erbtruchseß in Görz, Oberstkämmerer u. Oberstzeug- 
meister in Steyer, dann Wolf Sigmund Graf zu Losenstein, k. Rat 
u. Kämmerer, Oberst Erblandjägermeister in Oesterreich ob. d. Enns 
und Hans Baltasar von Hoyos zum Stixenstein, Geheimrat, N. Ö. 
Kammerpräsident u. Kämmerer. 3 ) 

Am 27. Novemb. 1623 fand die Hochzeit in den Festsälen des 
Landhauses in Wien statt, welche damals, wenn keine ständischen Ver- 
sammlungen es verhinderten, sowohl vonseiten des kais. Hofes als auch 
von den durch Rang und Alter hervorragenden ständischen Familien 
zu verschiedenen festlichen Anlässen benützt wurden. 4 ) Bei der Tafel 
überbrachte Georg d. J. von Losenstein des Kaisers Glückwünsche 
und Hochzeitsgeschenk. 5 ) 

Die am 12. September 1602 geborene Susanna Eleonore 6 ), welche 
damals also 2 1 Jahre zählte, schenkte ihrem Gatten im Laufe ihrer 
33jährigen glücklichen und gesegneten Ehe angeblich 24 Kinder, von 
denen beim Ableben des Vaters gesprochen werden wird. Sie starb 
um 1658. 



') pag. 12 ff. 

2 ) HfkA. Farn. Act. Ku. — Prot. 1623, E. 721 u. R. 495 u. oben p. jo. 

3 ) Arch. Greillenst. u. Zentralarchiv d. Deutsch. Ritterord. in Wien. 

*) Dr. Ant. Mayer, D. N. Ö. Landhaus, pag. 50. — Kaltenböck in d. ö. Zeitschr. 
1837, Nr. 55. 

5 ) Wisgrill, V, 314. 

6 ) Loserth, Die Herren von Stubenberg, pag. 239 u. Stammtafel. Dieser setzt 
mit Wurzbach irrig ihr Ableben auf d. J. 1623, welches d. Jahr ihrer Hochzeit war. 
Auch das von unserer alten Stammtafel angegebene Todesjahr 1645 ist unrichtig. 



251 

Hans Ludwig hatte noch von seiner Mission an den Nürnberger 5. Kon- 
Fürstentag her gute Verbindungen im Reiche, wo mau ihm Vertrauen fessionelles. 
entgegenbrachte. So baten ihn »die Brüder Christian und Joachim 
Ernst von Brandenburg schriftlich und durch ihre Abgesandten 
mündlich sich in deren Österreich. Lehensachen neben P. J. von Star- 
hemberg ihrem Lehenträger, zu einem adjuncto, und bei ihren Herr- 
schaften Seeveld und Schweinbarth zum Aufseher gebrauchen zu 
lassen und ihren dortigen Offizieren mit räthlicher Assistenz Beistand 
leisten zu wollen«. So meldete er dem Kaiser, ohne dessen Erlaubnis 
er weder solches Amt, noch den offerierten Ratstitel annehmen könne. 
Da die Markgrafen schon durch den Oberstkämmerer die Einwilligung 
Sr. Maj. erlangt hatten, bat Hans Ludwig nun um die entsprechende 
a. gn. Resolution, welche ihm auch mit Dekret v. 21. Juni 1624 nach dem 
Wortlaute seines Begehrens erteilt wurde. 1 ) 

Bald darauf soll er sich mit einer Anfrage an den König Gustav 
Adolf gewendet haben, welcher für das den Russen abgenommene, 
durch den Krieg entvölkerte Ingermannland unter den mißvergnügten 
Evangelischen unter günstigen Bedingungen Einwanderer zu finden hoffce. 
In einem Briefe des Hans Ludwig an den ihm befreundeten kaiserl. 
und Gf. Solmsschen Rat Valentin Purgoldt dd t0 - Wien 5. Novb. 1625 
heißt es: Ich mögte sehr gern wißen ob mein Schreiben an I. k. M. 
in Schweden zurecht eingeliefert worden und wie sich doch eigentlich 
der Status der Ingermann'schen Provinz verhalte. Mich deucht, so 
der König ihm belieben ließe mich zu beantworten, und gründlich von 
einem und andern informiren zu laßen, ich wollte Dero Majestät Ver- 
langen mit Ersetzung selbiger Provinz, bei publizirter sehr scharfer Re- 
ligionsreformation im Land ob der Enns und denen Steirischen Erb- 
ländern, und dazu mit Consolation vieler eifriger frommer Herzen nicht 
wenig beförderlich sein können.« 2 ) 

Selbst hatte er wohl kaum den Gedanken gefaßt, auszuwandern. , 
Es war dies lange vor dem Einfalle Gustav Adolphs in Deutschland, 
als er noch nicht als Landesfeind zu betrachten war. Hans Ludwig 
hatte offenbar die menschenfreundliche Intention jenen Glaubensgenossen, 
welche durch die in Ob. Österreich und Steiermark schärfer gehandhabte 
Gegenreformation daran dachten, das Land zu verlassen, eine neue Heimat 
zu zeigen, falls die Auskünfte günstig gewesen wären, die aber, cha- 
rakteristisch genug, überhaupt ausblieben. 

Der Kampf um die Religion hatte schon den Boden des Glaubens 
verlassen und war zum Werkzeuge der Politik geworden, die sich nicht 
mehr darum kümmerte, welcher Konfession jene angehörten, die als 
Alliierte gewichtig in die Wagschale fielen. Das Wohl und Wehe der 
Einzelnen bildete keinen Gegenstand der Berücksichtigung mehr. 

Solche Beobachtungen mögen den tiefen Denker Hans Ludwig, 
der mit Grauen den durch den Religionskriege hervorgerufenen Greueln 
und Verwüstungen folgte, schon lange bewegt haben, in seinem Geiste der 
Frage nachzuforschen, »ob denn der Unterschied in den beiden großen 
christlichen Glaubensbekenntnissen wirklich bedeutend genug sei«, um 
einen so furchtbar tiefgehenden Gegensatz und so unauslöschlichen Haß 
zu begründen. Lange wird er mit sich selbst gekämpft haben, um sich 
zu einem in seinem Falle besonders schweren Entschlüsse emporzuringen. 

1 ) HfkzlA. II. A. 4 ex 1624. 

2 ) Raup ach, 1. c. Forts. III, 436. 



252 

Vielleicht auch hätte er die erlösende Formel nicht selbständig finden 
können, wenn nicht unverkennbare geistliche Mitwirkung die letzten 
Zweifel zu beheben ihm beigestanden wäre. 

Der berühmte Jesuit Lamormain, Beichtvater Ferdinands IL, 
welcher auf diesen einen überwiegenden Einfluß auszuüben verstand, 
hat seinen durchdringenden Geistesgaben auch nach anderen Seiten hin 
Geltung zu verschaffen gewußt. Ein Vorkämpfer für die energische 
Durchführung der Gegenreformation, betrachtete er es als wichtige 
Aufgabe, sich dem Seelenheile hervorragender Persönlichkeiten mit be- 
sonderer Aufmerksamkeit zu widmen. »Ein eigenes Geschick — heißt 
es in seiner Biographie ') — besaß er, Irrgläubige zur Kirche zurück- 
zuführen. Unter seinen Convertiten finden sich die Namen Nassau, 
Kuefstein, Mansfeld, Schwarzenberg, Stahrnberg, Tieffen- 
bach u. a.«. Hier wird zwar kein Vorname angegeben. Aber es kann 
sich nur um Hans Ludwig handeln, da Hans Jacob schon vor 
einigen Jahren übergetreten war und Hans Lorenz niemals. Auch 
weist die Bedeutung, die dieser Konversion beigemessen wurde, nur 
auf ihn hin. 

In der Tat erregte sie ziemliches Aufsehen, vielleicht mehr durch 
die Überraschung als durch die Sache selbst. Denn, wenn an und für 
sich es näher lag zum alten Glauben zurückzukehren als der Übergang 
zu einem neuen, so hatten sich außerdem die Verhältnisse in so eigen- 
tümlicher Weise herausgebildet, daß — wie im 2. Bande bei der Be- 
sprechung der ständischen und religiösen Bewegung bereits eingehend 
dargelegt wurde — die namentlich durch die Hetzereien der Flaccianer 
hervorgerufene Spaltung den kirchlichen Zusammenhang der Evangeli- 
schen zerrissen hatte und diese einen sicheren Rückhalt nicht mehr 
finden konnten. Anderseits wurde die Ausübung des Gottesdienstes selbst 
in Niederösterreich, wo er den Ständen, weil sie sich freiwillig zur 
Huldigung entschlossen hatten, bewilligt worden war, durch verschiedene 
Mittel dergestalt erschwert und schließlich sogut wie unmöglich gemacht, 
daß es, wollte man überhaupt noch dem religiösen Bedürfnisse einen 
Ausdruck geben, kaum zu vermeiden war, sich dem katholischen Gottes- 
dienste zuzuwenden, von dem sich ja in den Anfängen wenigstens der 
Lutherische nicht durchwegs getrennt hatte. 

Waren dies auch mehr äußerliche Motive, die gewissermaßen »dem 
Zwang gehorchend, nicht dem inneren Triebe« dahin führten, nur eine 
erträglichere Situation zu schaffen, so darf Hans Ludwigs Übertritt 
nicht so beurteilt werden. Hier traten sehr ausschlaggebende dogmatische 
und theologische Gründe auf, welche er sich veranlaßt sah, gleich am 
Tage nach seiner öffentlichen Kommunion, am 27. Septbr. 1627, seinem 
besonderen Freunde, dem kaiserl. und gräfi. Solmsschen Rate Valentin 
Purgoldt schriftlich auseinanderzusetzen: 2 ) 



') Rud. Stiegele, S. J. Biogr. d. W. Lamormaini in Histor. Jahrb. d. Görres- 
gesellsch. XXVIII ex 1907 p. 558. 

3 ) Raup ach, Forts. III, 440—444. Diese Korrespondenz befand sich früher in der 
Bibliothek des Frhn. v. Uffenbach in Abschrift. Mspt Pars V, vol. 48, pag 348, aus 
welcher sie vom Besitzer dem B. Raupach übertragen wurde. Sie führt den Titel: 
Hn. Hans Ludwig Frhn. zu Khueffstein, Rom. kais. Maj. N. Ö. Regimentsraths Cor- 
respondenz mit Hn. Valentin Purgoldt, auch kais. Rath, Comitem Palatinum und des 
Hn. Grafen zu Solms Rath, woraus Jenes großer Eifer vor die Evangel. Lutherische 
Religion, dagegen aber auch die nachher geführten Motiven, warum er zur kathol. Religion 
getreten weitläufig u. gelehrt ausgeführt zu sehen. Script. 1622 — 1633. 



253 

»Wie er viel Zeit sich an der Lutherischen Absolution, indem aus 
»Mangel der Special-Beicht das Amt der Schlüssel nicht exerciret werden 
»könnte, geärgert, und an derselben Ministrorum Beruf billig ge- 
»zweifelt hätte; und als er dasjenige Buch, so die Universität zu Witten- 
»berg neuligst unter dem Namen Fidelis Admonitio ausgehenlassen, 
»fleißig gelesen, im Fürsatz, sich aus demselben in berührter Religion 
»zu erbauen, sey ihm gantz das Widrige widerfahren. Denn da besagte 
»Universität am 81. Blat bemeldeten Buchs clare sagte, daß der Catho- 
»lischen Ministrorum Tauff, (de quo quidem dubium non fuit) Ab- 
»solution et (notetur) similes actus, welches nichts anders als die 
»übrige Sacramenta seyn könnten, rechtmäßig wären, auch gar diese 
»ratio: Cum ab Episcopis ordinentur, angezogen hätte, so hätte 
»ihm diese Sache seinen vorigen Scrupel vermehret und dahin getrieben, 
»daß er dem gantzen Werk mit Lesen und Discursen in Gottesfurcht 
»mehrers nachgedacht und geforschet, dadurch auch so weit kommen, 
»daß ihm Gott die Augen geöffnet, den geringen Grund der Lutherischen 
»gegen der uhralt Catholischen Kirchen clärlich gezeiget, und durch 
»seine Barmhertzigkeit erleuchtet, daß er jene zu verlassen und zu 
»dieser sich zu bekennen von seinem Gewissen angetrieben worden: 
»welches er dem Hn. Purgoldt als seinem sonders lieben vertrauten 
»Freund zu dem Ende communicirte, daß er dieser Sach nachdenken 
»und bey erkannter Wahrheit Gott die Ehre geben und ihm nach- 
» folgen wolle.« 

Dies teilte Purgoldt der Universität Wittenberg mit, deren 
Gegenschrift er am 16. Mai 1628 dem Hans Ludwig nach Wien 
sandte. Da dieser eben die Reise nach Konstantinopel antrat, konnte 
er erst aus Raab, wo er sich eine Zeitlang aufhalten mußte, am 
1. Septbr. eine Antwort senden. In derselben bezeugte er nicht allein 
sein Vergnügen über die erhaltene Schrift, sondern widerlegte auch weit- 
läufig alles, was dem Papsttum als irrig in der Lehre vorgeworfen wurde, 
indem er die Argumente der Wittenberger zurückwies. 1 ) 

Wir haben geglaubt, diesen weit entlegenen Diskussionen, wenn 
auch nur vorübergehend, einen Moment der Aufmerksamkeit widmen 
zu sollen, weil das Aufsehen, welches dieser Übertritt hervorrief, ein 
ebenso beredtes Zeugnis für die Bedeutung der Persönlichkeit wie von 
der Gelehrsamkeit und der tiefen Religiosität des hervorragenden Staats- 
manns liefert, der unablässig bemüht war, die Wahrheit zu suchen. Es 
ist an sich Sache jedes Einzelnen, sich mit seinem Gewissen abzufinden 
und seinen Idealen in seinem Inneren Tempel zu errichten. Daher soll 
man, wo so ernste Motive vorliegen, sich nicht für ermächtigt halten, 
andere hineinzuinterpretieren, wie dies sonderbarer Weise gerade von 
katholischen Schriftstellern geschieht, während der Protestant Raupach 
als ruhiger Geschichtsschreiber sich darauf beschränkt, die Tatsachen 
pragmatisch zu erzählen und der hervorragenden Persönlichkeit, ihrem 
Ernste und Charakter alle Gerechtigkeit widerfahren läßt. Der katholische 
Geistliche 2 ) dagegen hätte sich doch über die Erfolge seines Ordens- 
genossen Lamormain eher zu freuen gehabt, als hämische Bemerkungen 
daran zu knüpfen und die sonst so liebenswürdige Romankünstlerin 3 ) hat 
wohl nicht daran gedacht, daß von den alten Geschlechtern, die sie vor- 

1 ) Raupach, Forts. III, 440—444. 

2 ) Wiedemann, I, 614. 

3 ) Erika v. Handel-Mazzetti, Jesse u. Maria. 



254 

führt, Sprößlinge existieren könnten, die in ihrer Familiengeschichte be- 
wandert genug sind, um zu wissen, daß gewisse Aufstellungen der histori- 
schen Wahrheit nicht gerecht werden. So roh und unvermittelt sind die 
Dinge denn doch auch in jener Zeit nicht vor sich gegangen. Ohne ge- 
rade das exoriare aliquis ex ossibus ultor anrufen zu müssen, darf 
man doch die jedenfalls unwillkürlichen Unrichtigkeiten auf ihr wahres 
Maß zurückführen. Vor allem handelte es sich damals nicht um die 
ganze Familie, wie behauptet ward, sondern nur um ein einzelnes Mit- 
glied derselben, den Gründer einer Seitenlinie, welcher bei Ferdinand II. 
schon zur Zeit seiner entschiedensten Evangelischen ständischen Oppo- 
sition in hohem Ansehen stand. Daß der Kaiser an Evangelischen, 
die sich ohne Zwang bereden ließen, zum Katholizismus zurückzukehren, 
besondere Freude empfand, ist bei seiner sonstigen Haltung wohl klar. 
Raupach selbst führt als solche an den Rudolph Frhr. v. Tieffen- 
bach 1 ), dem der Kaiser schrieb, er wollte seinen Kopf küssen, wenn er bei 
ihm wäre, und den Joh. Ludwig von Kuffstein, dem er die erwähnte 
längere Darstellung widmet. Daß dieser in der Gunst seines Kaisers 
dadurch gestiegen sein mag, wäre wohl schwer zu leugnen. Allein dies 
w r ar nicht das Einzige, was für ihn sprach. Das von Wiedemann selbst 
wiedergegebene, erst 3 Jahre nachher erfolgte Geheimratsdekret, eine 
natürliche Folge der Ernennung zum Landeshauptmann und jenes, durch 
welches er noch viel später in den Grafenstand erhoben wurde, führen 
die außergewöhnlichen Verdienste genau an, welche er sich um Kaiser 
und Reich erworben hatte. Und diese können wohl auch durch eine 
noch so überraschende Konversion weder geschmälert, noch auch gar 
ausgelöscht werden. Die Familie war geradeso wie viele andere schon 
seit den Zeiten Ferdinands I. und Maximilians IL im Aufsteigen 
begriffen, hatte unter allen Kaisern bedeutende Dienste geleistet und 
sich unter den Ständen, die damals noch die Regierung des Landes in 
der Hand hatten, eine hervorragende Stellung erworben. Es war also 
nur gewissermaßen eine Konsequenz der Entwicklung, wenn sie in den 
Grafenstand gelangte, was übrigens für die ältere Greillensteiner 
Linie erst in der folgenden Generation der Fall war, als die konfes- 
sionellen Gegensätze längst ihre Schärfe verloren hatten. Man darf, wenn 
man halbwegs historisch gerecht sein will, die tatsächlichen Dienste 
doch nicht so gering anschlagen, um ganz darüber hinwegzusehen und 
nur das herauszuholen, was für irgendeine gewöhnlich gefärbte Darstel- 
lung passend erscheint. 

Diese kleine Digression, welcher wir mit Vergnügen hiemit valedi- 
zieren — um mit Hans Ludwig zu reden — schien nicht nur berechtigt, 
sondern auch, da es sich um dessen Lebensbeschreibung handelt, mit 
Rücksicht auf den Lärm, der sich um seine Konversion erhoben hatte, 
geradezu geboten. 



l ) P. Wilh. Lamormain, Ferdinands II. Tugenden, p. 9. — Raupach, 1. c. 



255 

Hans Ludwig-, welcher sich, wie wir wissen, an Italien, u. Deutschen 6. Romane. 
Universitäten mit Eifer studierend, einen soliden Fond humanistischer Bil- 
dung- erworben und durch Reisen seinen Horizont erweitert hatte, suchte 
seine Kenntnisse und Eindrücke auch fruchtbringend auf literarischem 
Felde zu verwerten. Er beherrschte die Französische, Italienische und 
Spanische Sprache, welch letzterer, der damaligen Hofsprache, er sich vor- 
teilhaft in seinen vertraulichen Besprechungen mit dem kais. General Gf. B u- 
quoy anläßlich seiner Missionen zu K. Ferdinand II. bedienen konnte. 

Diese Sprachenkenntnisse führten ihn gewissermaßen von selbst auf 
das dem Zeitgeschmacke am Nächsten liegende Feld der schönen Literatur, 
welches fast ausschließlich ausländische Früchte zeitigte. Es war die 
Epoche, in welcher die Ritter- und Schäfer-Romane blühten und sich in 
der Gunst des gebildeten Publikums ablösten. Die aus Portugies.-Spani- 
schem Ursprung hervorgegangenen Romane, vor allem Amadis von 
Gallien, der sich an die Artussage anlehnte, dann der französische 
Schäfer-Roman Asträa des Honore d'Urse Marquis de Valromey 
wurden mit Eifer gelesen und auch nachgeahmt. Gleichen Rufes er- 
freuten sich die »Diana« des Spaniers Jörg, de Montemayor, welche Montemayors 
eigentlich als Urbild der Schäfer- Romane g-elten kann, und seines Diana. 
Landsmannes Diego de San Pedro »Carcell de Amor«. An beiden 
Werken übte Hans Ludwig seine Übersetzungskunst mit vielem Glücke. 
Denn aus den mehrfachen Auflagen seiner Diana kann mit Recht 
darauf geschlossen werden, daß sein Buch, von dem heute leider nur 
mehr wenig Exemplare vorhanden sind, guten Absatz gefunden hat. l ) 

Wie beliebt Montemayors Werk war, ersieht man schon daraus, 
daß es mehr als 70 Ausgaben, Übersetzungen, namentlich französische 
und englische, und Fortsetzungen erlebte. Die erste Ausgabe der Über- 
setzung Khuefsteins wurde schon i. J. 1619 bei Michael Endters in 
Nürnberg- gedruckt, wo später auch die Übersetzung eines Italienischen 
Werkes durch seinen Neffen Georg Adam herauskam, und — wie es 
scheint — gleichzeitig auch in Linz. Vom J. 1624 datiert eine zweite 
Auflage in Leipzig bei Michael Wachsmann, und in d. J. 1624 
und 1690 wurden in Linz wieder Ausgaben veröffentlicht. Exemplare 
dieser Auflagen befinden sich in den Bibliotheken von Göttingen 
(1619), Berlin (1624) und München (1624 u. 1690). 

Der vollständigste Titel des Werkes ist jener der zweiten Auflage: 
»Lustige amorosische Discurs und Historien der Schäfereien von der 
schönen verliebten Diana und dem vergeßenen Syreno. Darinnen viel 
anmutige Historien von mancherlei Liebhabenden Personen /, Glücks 
und Unglücks wunderbarlichen Verenderungen, / sammt dero Beschrei- 
bung des Tempels der Göttin Dianae und des Palastes/ so wol auch 
der Gesellschaft der weisen Frauen Felicia begriffen. Allen und jeden 
hohes und niedriges Stands Personen zur recreation sehr lustig und 
kurzweilig zu lesen. Aus dem Spanischen in die Hochdeutsche Sprache 
versetzet / durch wolgebornen herrn / herrn Hansz Ludwigen / herrn 
Khueffsteinern / freiherrn etc. 2 ) 

1 ) Dr. Adam Schneider, Spaniens Anteil an d. Deutsch. Literatur d. 16. — 17. Jahr- 
hunderts mit Übersetzungsproben, p. 233 ff. u. 245. — Dr. F. M. Mayer, Gesch. Oester- 
reichs. II. 376. Zitiert d. Übersetzung Kuefsteins. — Alte Presse v. 25. Juli 1872 
»vom rechten Deutsch«. — Vgl. auch Dr. O. Denk, Ludw. v. Anhalt u. d. frucht- 
bringende Gesellschaft. Deutscher Hausschatz, 1908, Heft 9. — F.W. Barthold, Gesch. 
d. fruchtbr. Gesellsch. — G. Schönherr, J. de Montemayor. — Bobertag, Gesch. 
d. Romans. 

2 ) Ad. Schneider, 1. c, p. 233. 



256 



Fiametta. 



Diana. 



Diese Übersetzung- der Diana wird als von speziellem Werte für 
die Deutsche Literatur bezeichnet. 1 ) H. Ludwig - sagt darüber in der 
Vorrede: »Hiemit erscheint, günstig gebietende Damas, die auf Dero- 
selben Befelch von mir aus Hispanischer Sprach verdeutschte Diana 
als gut es beider so ganz unterschiedener Sprachen Eigenschaft und 
meiner darin habenden geringen Wissenschaft oder vielmehr Unerfahren- 
heit nach sein können, welche ich billig niemand andern als Ihnen zu 
senden und übergeben sollen, in Erwägung von theils deroselben solche 
Verdeutschung mir mit Gnaden anbefolen worden . . . Dannenhero auch 
zu Denenselben ich mich einer gleichmäßigen Aufnehmung versehen und 
mit Fürschützung meiner hiemit erwiesenen schuldigen Obedienz die 
Unvollkommenheiten so hierinnen (vielleicht häufig) sich ereignen bei- 
wohnender reichen Milde und Discretion nach zu erstatten unterdienst- 
lich gfebeten haben will . . . Inmaßen nun ich auch vor diesem die Fia- 
metta aus Italienischer Sprache und die Gefengnis der Liebe oder 
Carcell de Amor auch aus dem Spanischen zu deroselben (günstige 
Damas) Lust, Kurzweil und Ergötzlichkeit verdeutscht, aber derzeit 
noch nicht drucken laßen«. 

Hans Ludwig hat von der Diana die 2 ersten Teile, deren 
erster 7, der zweite 8 Bücher umfaßt, übersetzt, den dritten aber auf 
später verschoben. Der Roman bringt Erzählungen von wirklich erlebten 
Abenteuern, deren Held Montemayor selbst ist. Er will die Sehnsucht 
seines unter dem Namen Syreno personifizierten liebenden Herzens 
schildern. Doch war damit das Werk nicht zu Ende, das Montemayor 
nicht abschließen konnte. Es erstanden ihm vielfache Fortsetzungen, zu 
welchen die Komposition selbst durch Aneinanderreihung verschiedener, 
nicht innerlich zusammenhängender Erzählungen wie im Decamerone, 
gewissermaßen die Handhabe geboten hatte. 2 ) 

Eine kurze Inhaltsangabe nach Bobertag und Schönherr wird 
das Werk am besten charakterisieren: 

Nach einjähriger Abwesenheit kehrt der Schäfer Syreno in sein 
Heimatstal zurück und klagt an den Ufern der Eszla mit vielen Thränen 
und Seufzern über die verlorene Liebe seiner angebeteten Diana, die 
sich mit dem wenig liebenswürdigen Delio verbunden hatte. Sein Freund 
Sylvano, der gleichfalls sein Herz an dieselbe Ungetreue verloren hatte, 
vereinigt sich mit ihm in gleicher Trauer. Sie singen Lieder, die Syreno 
auf Diana, und sie auf ihn einstens gedichtet hatten. Die schöne Hirtin 
Sylvagia, welche sich in demselben Zustande unglücklicher Liebe be- 
findet, schließt sich ihnen mit einem anderen Liede an und erzählt ihre 
Leidensgeschichte. Die schöne Ysmena hatte bei einem Feste die Rolle 
ihres Vetters und Geliebten Alanio, der ihr sehr ähnlich sieht, gespielt, 
was die bedauerliche Folge hatte, daß sich Sylvagia in Alanio ver- 
liebte und diesen der Ysmena abspenstig machen wollte. Diese 
schäkerte zum Schein mit Montano, wobei sie sich wirklich in ihn ver- 
liebte und er in sie. Alanio wollte nun wieder zu Ysmena zurück, 
aber es half nichts und — wie Bobertag charakteristisch sich aus- 
drückt — die guten Leute liebten nun unglücklich im Kreise herum. 
Infolge dieses erotischen Rattenkönigs wurde Sylvagia von ihrem Vater 
aus der Heimat entfernt, Montano heiratete Ysmena und Alanios 
Hochzeit mit ihrer Schwester Sylvia stand bevor. 

1 ) Ad. Schneider, 1. c, p. 234. 

-) Ausführliche Inhaltsangabe bei G. Schönherr, J. de Montemayor, p. 32 u. 
Bobertag, Gesch. d. Romans. I, 424 — 428. 



257 

Bei einer einsamen Quelle, wo die drei Leidenden am andern 
Morgen ihre Klagen weiter aushauchen, begegnen sie 3 Nymphen, 
welche die Schicksale Syrenos besingen, wonach sie von 3 liebeskranken 
wilden Männern überfallen werden, vor denen nur eine neu hinzukommende 
Hirtin Felismena sie rettet. Den 3 Nymphen, welche zum Tempel 
der Diana gehören, erzählt die tapfere Hirtin ihre eigene romantische 
Geschichte. Als ihre Mutter mit ihr guter Hoffnung war, behauptete sie, 
Paris hätte den Apfel nicht der Venus, sondern der Minerva reichen 
sollen. Aus Rache verkündete ihr Venus im Traume, sie werde 2 Kinder 
gebären, die in der Liebe höchst unglücklich sein würden, Pallas hin- 
gegen verhieß ihnen Waffenglück. Richtig verliebte sich Felismena 
in Don Felis, dem sie in Männerkleidern folgte, dieser aber in Celia, die 
sich wieder den angeblich männlichen Boten Felismena erkoren hatte. 

Die ganze Gesellschaft gelangt nun an einen See und auf eine 
Insel, wo sie die schöne Hirtin Beiisa finden, die ihnen klagt, daß 
sie die ganze Gegend mit ihren Thränen bewässere. Ihren Geliebten 
Arsilio habe dessen Vater aus Eifersucht mit einem vergifteten Pfeile 
erschossen und als er ihn erkannte, sich in sein Schwert gestürzt. 

Weiters ziehen sie zu Felicia, der Priesterin der Diana, die sie 
in ihrem prächtigen, mit Edelsteinen und Gold verzierten Tempel herr- 
lich aufnimmt und über die Natur der Liebe aufklärt. Durch die Leiden 
ihrer Besucher gerührt, gibt ihnen am nächsten Tage Felicia einen 
Zaubertrank. Syreno wird von seiner Liebe zu Diana geheilt, während 
Sylvano und Sylvagia sich gegenseitig finden. Don Felis kehrt zu 
Felismena, welche der Beiisa den Arsileo zurückgestellt hatte, 
zurück und so werden Alle, die sich wirklich lieben, miteinander ver- 
bunden. Nur Syreno bleibt fürderhin unempfänglich für die Liebe. 

Das zweite Werk, die Übersetzung des Carcell de Amor des Carcell 
Diego de San Pedro, ist nur in einer Auflage bekannt, welche i. J. de Amor. 
1630 bei des oben genannten Michael Wachsmanns Erben in Leipzig 
herausgekommen ist, aber bei Andreas Manischen in Gera gedruckt 
wurde. Auch von dieser befindet sich ein Exemplar in der kgl. Biblio- 
thek in Berlin. Der Titel lautet: »Carcell de Amor oder Gefängniß 
der Lieb. Darinnen eingebracht wird die traurige und doch sehr schöne 
Historia von einem Ritter genannt. Constante und der königlichen 
Tochter Rigorosa, auß spanischer Sprach in Hochteutsch gebracht 
durch den Wohlgebornen Herrn Hans Ludwigen Herrn Khueff- 
steinern Freihn. etc.« 1 ) 

Hier hat sich der Übersetzer größere Freiheit der Bewegung er- 
laubt. Er sagt selbst in der Vorrede: »Demnach habe ich gegenwärtiges 
Büchlein aus der Spanischen in die Teutsche Sprach zu bringen, auch 
etliche Discurs meiner Einfalt mit einzumengen mich unterfangen.« So 
haben auch die handelnden Personen allegorische Namen erhalten. Der 
spanische Leriano ist zu einem Constante geworden, die Laureola 
zur Rigorosa und der Guerifio zum Venturoso. Gaulo heißt 
Furioso und Persio wird zum Zeloso umgetauft etc. 2 ) 

Wie sehr sich diese spanische Romanliteratur in der Beliebtheit 
der gebildeten Welt zu erhalten wußte, und welcher Wertschätzung die 
Übersetzungen Kuefsteins sich erfreuten, dafür findet man einen sinn- 



1 ) Ad. Schneider. 1. c, p. 245. 

•) Inhaltsangabe bei Ticknor. I, 336. — L. Clarus, Darstellung der spanischen 
Literatur. II, 193. 

Kuefstein. III. 1? 



258 

fälligen Beweis in dem Umstände, daß sie späteren deutschen Be- 
arbeitungen als Grundlage dienten. Kaum ein Menschenalter war ver- 
gangen, als schon die Jungen glaubten, die älteren Bearbeitungen in 
eine den neueren Anschauungen angepaßte Form bringen zu sollen. 
Kein Geringerer als G. Ph. Harsdörffer, der berühmte Gründer des 
Ordens der Pegnitzschäfer und Verfasser des »Poetischen (Nürnberger) 
Trichters«, baute seine »modernere« Übersetzung der Diana (1646) auf 
jener unseres Hans Ludwig auf, indem er sich »nur bemühte die von 
Letzterem nach der zeitgemäßen Gewohnheit eingemengten Französischen, 
Welschen und Lateinischen Wörter durch die neuerlich in Schwung 
gekommene Rechtschreibung zu ersetzen«. Er fühlte sich aber doch ge- 
nötigt, sich gewissermaßen zu entschuldigen, indem er seinem Vorgänger 
alle Gerechtigkeit widerfahren ließ: »Solches ist doch besagten Herrn 
Dolmetschers Schuld nicht beizumeßen, sondern der bösen Gewohnheit 
selber Zeit. Jedoch verbleibt ihm, Hn. Khueffsteiner das unsterbliche 
Lob daß er unter den Ersten gewesen die aus fremden Sprachen mit 
sehr großer Mühewaltung zu übersetzen angefangen und hierdurch seines 
Namens ruhmwürdiges Angedenken gestiftet« .... 

Aus den von Ad. Schneider wiedergegebenen Übersetzungen 
Hans Ludwigs möge hier das Lied Montanos aus dem 1. Buche des 
i.Teiles der Diana wiedergegeben werden, welches doppeltes Interesse 
bieten dürfte, da es mit einem später von Heinr. Heine in anderer 
Weise verwerteten Motive beginnt. 

Ey nerrische Lieb, Ey törichte Lieb, 

Ei'm andern ist die holt die ich gern lieben wolt. 



Daß ich bin thörich ist am Tag 
Wer solts umb euch nicht sein. 
Vilmehr thorhait lest schein 
Wer umb euch nicht sein mag 
Ein Narr und wer nicht fein 
Daß ich blieb länger holdt 
Der'n so mich nicht wollt. 



H. 

Ich schau euch an. Ihr möcht mein nicht 

Thut hieran gar unrecht 

Sollt euch einbilden schlecht 

Zu haben vor eurem Angesicht 

Den ihr am liebsten seht 

So wer euch noch mehrers holdt 

und ihr seht gleichwol was ihr wollt. 



Alan kann dem Hans Ludwig die Bewunderung nicht versagen, 
daß er inmitten der wichtigen politischen Verhandlungen, mit denen er 
betraut war, und von denen er in umfangreichen Tagebüchern ein- 
gehende Rechenschaft abgelegt hat, genügende Muße und Freiheit des 
Geistes sich bewahren konnte, sich auch noch aktiv in der schöngeistigen 
Literatur zu betätigen. Seine Vorliebe für die sonore spanische Sprache 
bewies er vielfach durch die an seinen Schlössern angebrachten Sprüche 
in diesem Idiom, mit deren einem er seine Diarien zu beginnen liebte: 



Con Dios y la Ventura! 



i6 



Äß 



Con Dios 



28 




Hans Ludwig Herr von Khueffstain 

Freiherr R. Kais. Maj. Rath, Cammerer u. d. z. Orator etc. 

schreyb dies im Abraisen nach Constantinopel 

den 20. Julii ann. ut supra in Wien. 

(Nach einem Stammbuch der Fst. Liechtensteinschen Bibliothek.) 




Nach den Khevenhüllerschen Annalen. 



259 



B. Hans Ludwigs Botschaft zu Murad IV. 



Hans Ludwigs eingehende Relation an den Kaiser über seine 
Mission als Botschafter zu Sultan Murad IV. in Konstantinopel gibt 
ein so interessantes Bild vom geschichtlichen und politischen Standpunkte 
nicht nur, sondern auch in kulturhistorischer und nationalökonomischer 
Hinsicht, daß ein möglichst knapp gehaltener Auszug unter Verwertung 
der Schreiben des Kaisers und der Hofstellen sowie der zahlreichen 
kurzen Notizen der Protokolle der Hofkammer und des Hofkriegsrates 
einiges Interesse bieten dürfte. ') 

Wir gewinnen Einsicht in die Kompliziertheit der Verhältnisse und 
die vielfachen Schwierigkeiten, welche zu überwinden waren. Schon die 
Ausrüstung und Zusammenstellung der Begleitung an Kavalieren, Künst- 
lern, Professionisten nahm geraume Zeit in Anspruch. Da gerade im 
Oriente auf das äußere Erscheinen das größte Gewicht gelegt wurde, 
wollte H. Ludwig es an nichts mangeln lassen, um den Kaiser würdig 
zu vertreten. Er soll ihn gefragt haben, ob ein Gefolge von 200 Personen 
genüge. In der Tat kam er nach Schätzung des türkischen Gegenbot- 
schafters mit 180 Personen in der Türkei an. Und in Konstantinopel 
bestand sein »Comitat« aus 150, als er bei einer großen Ausfahrt den 
Großvezier begegnete, der sich durch diese Pracht in seinem Hochmute 
verletzt fand. Das große Gemälde seiner Einschiffung auf dem Donauarme 
bei der Biberbastei zeigt allerdings eine ganze Flotille von Personen- 
und Transportschiffen, auf denen sich ein zahlreiches Gefolge befindet. 
Die Reise ging auch nicht mit Eilzugsgeschwindigkeit vor sich und wurde 
namentlich durch die vor Überschreitung der damals sehr nahen Grenze mit 
dem streitbaren Vezier zu Ofen zu pflegenden minutiösen Verabredungen 
verzögert. Die lebendigen Darstellungen H. Ludwigs werden durch die 
von ihm mitgebrachten bildlichen Wiedergaben der interessantesten 
Momente eine willkommene Illustration finden. 2 ) 

Seine Relation fand so hohe Wertung, daß H. Rud. Gf. Puechaimb 
i. J. 1634 bei seiner Abordnung an den Sultan ausdrücklich auf dieselbe 
verwiesen wurde. 3 ) Und jenes Exemplar derselben, welches sich in der 
k. u. k. Orientalischen (jetzt Konsular-) Akademie befindet, trägt eine 
besonders ehrenvolle Zierde durch die Unterschrift des Kaisers Joseph. 
Als 1748 eine türkische Botschaft nach Wien kam, ließ der von der 
Kaiserin Maria Theresia zum ersten Direktor der von ihr gegründeten 
Anstalt der »Sprachknaben« berufene Pater Franz, welcher auch den 
Unterricht des jungen Erzherzogs leitete, seinen Schüler aus diesem 
Buche lesen und dieser schrieb zum Andenken auf das erste Blatt: 

»Aus diesem Buche habe ich lesen gelernt: 

Josephus Archidux Austriae. 1748.« 



l ) Orig.-Ber. an d. Kaiser i. k. u. k. Haus-, Hof- u. Staatsarchiv in Wien samt allen 
Schreiben und Beilagen. Orig.-Konzept i. Arch. Greill. samt Abschriftenband. Andere 
Exempl. i. ob.-ö. Landesarchiv, Schloß Weinberg, Konsularakademie etc. — Eingehender 
Auszug beiKhevenh., Ann. XI, 252—279 u. 721 — 744. — Kürzere beiHammer-Purgstall, 
Gesch. d. üsman. Reiches V, 95 ff., u. Zinkeisen, IV. 458fr. — Abelinus, Theatr. Europ. 

'-) Die 11 Bilder auf Pergament in Greillenstein. Im 12. Rahmen die Beschreibung 
der Präsente für den Sultan. 

;i ) Khevenh. Ann. XI, 1392. 

17* 



260 



Auszug aus Hans Ludwigs Relation an den Kaiser. 

Als es sich nach dem am 12. Septb. 1627 geschlossen en Frieden zu 
Szöny darum handelte, einen Orator oder Botschafter nach Konstanti- 
nopel zu senden, und der türkische Gegenbotschafter die Herreise bereits 
angetreten hatte, ließ der in Prag befindliche Kaiser durch seinen Geh. 
Rat u. Hofkammer-Präsidenten Anton, Abt zu Kremsmünster, den 
Joh. Ludwig Freihn. von Khuefstein auffordern, diese Mission zu über- 
nehmen. Dieser erhielt dessen Schreiben — wie er in seinem Testament 
sagt — gänzlich unerwartet am 21. Novemb. 1627 und bat sofort in seiner 
Antwort von demselben Tage, ihm diese Absendung, welche ihm allzu 
überraschend kam, zu erlassen. Nachdem aber der Kaiser bei seinem 
Entschlüsse verharrte und ihn nach Prag berief, machte er sich am 
2. Dezb. auf den Weg dorthin, wo er der kurzen Tage und böser Wege 
zufolge erst am 10. eintraf. Khuefstein wies zwar daraufhin, daß er — 
abgesehen von anderen Bedenken — »sein Weib mit 2 unerzogenen 
Kindern und großem Leib bekümmert zurücklassen müßte«. 1 ) Aber er 
hatte keine Möglichkeit mehr, sich den Wünschen des Kaisers zu ent- 
ziehen. Die von ihm aufgestellten Bedingungen wurden vom Hofkammer- 
Präsidenten Abt Anton und dem Hofkriegsrats-Präsidenten Grafen Coll- 
alto leicht akzeptiert und er selbst vom Kaiser am 5. Januar 1628 in Ab- 
schiedsaudienz empfangen. Am 6. reiste er nach Wien zurück, um seine 
Reisevorbereitungen zu treffen, allein die Abreise verzögerte sich, weil 
die Kopie der türkischen Friedenskonfirmation, welche durch einen Aga 
überbracht worden war, zu mangelhaft befunden wurde. Am 6. Juli über- 
reichte er ein Memorial und konnte endlich expediert werden unter Zu- 
teilung des Sekretärs Mo ßmüller.' 2 ) Am 9. Juli wurde er von dem mitt- 
lerweile nach Wien zurückgekehrten Kaiser neuerlich in Abschieds- 
audienz empfangen und am 20. um 4 Uhr N. M. trat er die Reise zu 
Wasser auf den zugeordneten Schiffen samt seinem Gefolge vorläufig 
nach Raab an, wohin ihm die noch ausständigen Instruktionen und 
die Präsente nachgeschickt werden sollten, die mangels des dazu be- 
stimmten eigenen Schiffes nicht gleich mitgenommen werden konnten. 
Obst. Breuner in Raab war von seiner bevorstehenden Ankunft schon 
am 6. Juli verständigt worden. 3 ) 

Am 22. gelangte die Mission nach Preßburg, wo sie nicht vom 
Schloßhauptmann, sondern nur vom Magistrat begrüßt wurde, und des 
großen Regens und Windes halber erst am 27. nach Raab. Hier fand 
sie gleich am Ufer feierlichen Empfang vom Obstltt. Paul Zechi mit 
der ganzen Soldatesca und wurde im kais. Provianthaus, welches dringend 
der Restaurierung bedürftig war, einquartiert. Der türkische Internunzius, 
welcher ihn von Wien aus begleitete, wurde außerhalb der Festung 
untergebracht. 

Mittlerweile fand die Korrespondenz wegen Korrektur der unvoll- 
ständig redigierten türkischen Friedensratifikation mit dem Vezier zu 
Ofen, Murteza Bassa, statt, welcher antwortete, daß er den Schahin 
Aga an die Pforte abgesendet habe, deren Antwort er in 25 Tagen er- 
warte. Nachdem der Vezier ihn ersucht hatte, nach Komorn weiter- 
zufahren, wogegen er den türkischen Gegenbotschafter mit dem ihn be- 



1 ) Vide Stammtafel, S. 240. 

2 ) H. K. R. 162S, E. 255 u. 257. 

3 ) H. K. R. 1628, R. 97. 



261 

gleitenden kais. Internunzius nach Gran abgehen lassen würde, ant- 
wortete ihm K., er erwarte vorher die kais. Resolution, mahnte ihn aber 
gleichzeitig, die Beschwerden der Hauptleute an der Grenze bei Kanizsa 
gegen die barbarischen Behelligungen seitens der Türken ernstlich ab- 
zustellen. Am 7. August richtete er einen Bericht an den Kaiser, in 
welchem er um die Instruktion und sonstigen notwendigen Behelfe bat 
und verschiedene Punkte eingehend erörterte, wie die Frage des Ein- 
zuges in Konstantinopel mit fliegenden Fahnen und klingendem Spiel, 
welches dem Freihn. v. Mollard verwehrt worden war, so daß dieser, 
vor der Stadt schon angelangt, wieder umkehren wollte, dann die Frage 
der eventuellen Remotion des Fürsten von Siebenbürgen, dessen böse 
Machinationen neuerdings auftauchen könnten, und wie er sich diesem 
gegenüber verhalten solle, ferner die Sicherung der Korrespondenz, 
Beigabe zweier Dolmetsche, die gewünschte Veränderung des Patriarchen 
zu Konstantinopel, bezüglich dessen im Einvernehmen mit Rom und 
Spanien das Abkommen getroffen werden sollte, daß die Pforte nur einen 
solchen akzeptiere, der dem Rom. Stuhl oder dem Kaiser genehm wäre. 

Infolge erhaltener kais. Ermächtigung zur Weiterreise, die sich mit 
einem direkten neuerlichen Ansuchen des Veziers an den Kaiser ge- 
kreuzt hatte, bestimmte H, Ludwig dem Vezier den 2. September für 
seine Abreise mit der Aufforderung, am gleichen Tage den türkischen 
Botschafter nach Gran abgehen zu lassen. 1 ) Er schildert den Vezier als 
einen argen hoffärtigen Türken, dem gegenüber er der Autorität des 
Kaisers durch Annahme des von ihm festgesetzten Tages nicht ver- 
geben dürfe. 

Inzwischen hatte er die erbetenen Instruktionen im Konzept er- 
halten. Seine Aufträge betrafen außer den Ceremonialia und den dem 
Brauche nach zu überbringenden Präsenten die Zurückforderung der 
trotz des Friedens gewaltsam weggenommenen Festungen. Die im Ver- 
trage nicht festgesetzte Dauer des Friedens sollte auf 20 oder gar 25 Jahre 
vereinbart und verlangt werden, daß von den den Türken als zinsbar 
zugestandenen 60 Dörfern keine anderen als die verabredeten Kontri- 
butionen abgenommen werden. Ferner möge ersieh die Antworten schriftlich 
geben lassen, damit nicht, wie es seinem Vorgänger Adam v. Herber- 
stein geschehen, diese von der mündlichen Antwort abweichend seien. 
In bezug auf die Komplimente und das Verhalten gegen den türki- 
schen Kaiser, seine Würdenträger und die Gesandten der christlichen 
Potentaten möge ihm der anwesende Resident Sebastian Lustrir oder 
etwa der Rudolph Schmidt, der ihm beigegeben wurde 2 ), an die Hand 
gehen. Übrigens soll er die Forderungen nicht so stellen, daß der Friede 
gefährdet werden könnte, denn was er jetzt nicht erreichte, »würde man 
später den Waffen anvertrauen«. Da von England u. Holland an der 
Pforte viele Sachen gehandelt werden, soll er ein wachsames Auge 
darauf haben und ihnen entgegenarbeiten, auch Frankreich u. Venedig 
beobachten, aber mit Diskretion. Des Bethlens halber soll er sich in 
nichts »Versteckliches« einlassen, in generalibus halten und höchstens 
den Türken zu verstehen geben, daß der Kaiser ihm infolge seiner fried- 
lichen Inklination hohe Gnade erwiesen habe. Bezüglich der Festung 
Waitzen wird ein Schreiben des Erzbischofs von Gran an Bethlen 
übersendet, des letzteren Gesandten aber sei mit Glimpfen zu ant- 



') K. K. R. 1628, E. 274. 
2 ) H. K. K. 1628, R. 216. 



262 

worten, daß diese Frage nur die beiden Potentaten allein angehe. Die 
Ansprüche auf Siebenbürgen müssen vorläufig zurückgestellt werden. 
Aber es sei zu verstehen zu geben, daß wir diesen Frieden nicht aus 
Furcht, sondern zur Schonung des armen gemeinen Mannes u. Einhal- 
tung des kais. Wortes schließen. 

Der Botschafter hatte sich auch von den Dispositionen des Sultans 
für Krieg oder Ruhe, den Finanzen des Reiches, dem Zustande des 
Heeres und der untertänigen Völker sowie den persischen und tartari- 
schen Vorgängen genau zu informieren. Nachdem der Kaimakam in 
seiner Barbaria contra omne jus gentium die Schreiben, mit denen der 
R. Schmidt an die Pforte gesendet worden war, nicht allein eigen- 
mächtig erbrochen, sondern auch den Lustrir genötigt hatte, sie in 
Gegenwart des holländischen Gesandten zu entziffern und zu lesen, wird 
ein neuer Ziffer gemacht werden. Da der falsche Patriarch Cirill zu 
Konstantinopel mit Hilfe des englischen u. holländ. Botschafters in 
einer griechischen Druckerei ketzerische Bücher herausgeben will, möge 
dies mit allem Ernst verhütet werden. Die Klagen wegen der Übergriffe 
bei Kanischa sollen dem Vezier von Ofen zu dringender Abhilfe an- 
empfohlen werden. Im übrigen solle der Botschafter sich auf der Reise 
in keinem Orte aufhalten, sondern nach Verrichtung der Komplimente 
und Austeilung der Präsente seinen Weg alsbald fortsetzen. 

Mit Schreiben v. 24. August an den Kaiser bestätigt Khuefstein den 
Empfang dieses ihm durch Gebhard von Questenberg übermittelten 
Entwurfes seiner Instruktion, zu welcher er einige Vervollständigungen 
erbittet. Namentlich wünschte er die Frage der freien Navigation und 
Handlung unter der kais. Bandera wieder anzuregen. Er schlägt auch 
Erteilung eines Kreditivs oder Präsents an den französ. Botschafter vor, 
der schon in betreff des Patriarchen gute Dienste geleistet habe. Übri- 
gens sollten die Präsente verbessert werden. Schließlich sei neben 
Waitzen auch noch Lippa zurückzuverlangen. Hierauf erhielt er vor- 
läufig verschiedene avisa der Geh. Räte von Graz, des Palatins Ester- 
hazy u. Aufträge für den Pascha von Ofen. 1 ) 

Trotz weiterer dringender Ersuchen des Veziers zu Ofen, wo die 
Infektion herrschte, durch den dem türk. Botschafter beigegebenen kais. 
Internunzius Balogh Istvan ließ er sich nicht von dem seinerseits be- 
stimmten Termin abbringen und »hat sich am 2. Septb. mit dem Türk. 
Internuntius M ehern et Begh zu Wasser aufgemacht«. Eine Meile vor 
Komorn wurde er vom Obersten der Festung Freihn. Ernst v. Kol- 
lonitsch samt der Soldatesca feierlich eingeholt und von den Geschützen 
der Festung salutiert. 

Hier erhielt er ein Schreiben des Kaisers v. 30. August, welches 
seine Vorschläge genehmigte und ihn ermächtigte, die Dauer des Friedens, 
wenn es nicht anders ginge, auch auf 25 Jahre zuzugestehen. Seine eifrige 
und erfolgreiche Verwendung beim Vezier zu Ofen für die ihm aus 
verschiedenen Orten, auch aus Bosnien, zugekommenen Beschwerden 
wurde vom Kaiser belobt und am 1. Septbr. sandte ihm dieser eine ein- 
gehende Beschreibung des Sieges des Herzogs von Friedland über 
den König von Dänemark bei Wolgast v. 22. August. 2 ) 

Am 14. September kam ihm auch die definitive Instruktion samt 
sonstigen erforderlichen Dokumenten zu, für welche er jedoch noch eine 



*■) H. K. R. 1628, R. 241, 253, 254, 256, 257, 264, 266 ff. u. E. 273. 
2 ) H. K. R. 1628, R. 270, 275, 276, 279. 



263 

Ergänzung in betreff der Handels- u. Schiffahrtsfreiheit erbat. Gleich- 
zeitig mußte er melden, daß der türkische Internunzius schon seit 24 Tagen 
das ihm gebührende Deputat von der ungar. Hof kammer nicht erhalten 
habe, daher er ihm 100 Taler zu leihen genötigt war. 

Der Provinzial der ungar. Franziskaner brachte einkaiserl. Schreiben, 
welches dessen Begehren um Nachforschung nach den sterblichen Resten 
des sei. Johannes Capistranus unterstützte. Der Botschafter erlaubte 
dem Provinzial, mit ihm nach Ofen zufahren, obwohl er sich von dieser 
Verwendung mehr Schwierigkeiten als Erfolg versprach, was er auch 
dem Kaiser nicht verhehlte. 

Nachdem er noch den mit der korrigierten Ratifikation aus Kon- 
stantinopel zurückgekehrten Schahin Aga außerhalb der Festung in 
Audienz empfangen hatte 1 ) und die Begegnung mit dem türkischen 
Gegenbotschafter in allen Einzelheiten, wie Anzahl der militärischen 
Begleitung, Stunde und Ort der Auswechslung verabredet, auch Oberst 
Kollonitsch als Kommissär vom Kaiser gesendet worden war, konnte 
sich der Botschafter endlich am 26. September 1628 gegen die Grenze 
hin in Bewegung setzen. Er hatte 13, der türk. Internunzius Mehemet 
Beg aber 5 Schiffe. Auf dem Lande marschierten daneben 400 Reiter 
aus den Festungen Komorn und Raab und 200 Mann zu Fuß. Um 
10 Uhr gelangte der Zug- zu dem bestimmten Orte zwischen Szöny und 
Almasch. 

»Und weillen der Türk. Botschafter Rechet (Redscheb) Bassa 
mit viel ansehnlichen Türken und dem Beg von Gran bereits auf dem 
Land meiner erwartet, habe ich meinen Comitat alsbald aussteigen lassen 
und zween meiner Aufwarter, als den Marques Barnaba Centurion und 
Stephanum Debay Freiherrn, mit einer guten Anzahl Diener zudem 
Botschafter geschickt, Ihn grüßen, empfangen und beinebens andeuten 
lassen daß wann er der abgeredten Abwechslung stattzugeben Willens 
u. gefaßt, ich derselben gleichermaßen urbietig sei. Inmittels seind vier 
Aga von ihm zu mir abgeordent kommen, die mich empfangen und 
neben fdl. Glückwünsch ung um meinen Wohlstand befragt, darneben 
gebeten, ich wollt auf halben Weg zu ihnen kommen, gleiches zu thun 
wären sie ihresteils auch urbietig. Denen ich antworten lassen, daß ich 
auf Zurückkunft meiner Abgeordneten der Gebühr nicht entgegen sein 
wolle u. weilen dieselben mit gleichmäßiger Antwort u. Bitte angelangt, 
bin ich sammt dem mir von Ew. Maj. intimirten Commissario u. Obristen 
zu Komorn Ernsten von Kollonitsch Freihn., aus meinem Schiff 
ans Land gestiegen und haben wir beederseits gegeneinander zu gehen 
angefangen. Ich aber gleich darauf vermerkt, daß die Türken ihrer 
stolzen Art nach und zu Erzaigung einer vermeinten Praeminenz lang- 
samer, dann wir fortgangen und gar still zu stehen sich unterstanden, 
dahero auch stillgestanden und dem mir an der linken Hand gehenden 
Türkischen Internuntio sagen lassen, er solle seines Kaisers Botschafter 
zum Fortgehen ermahnen, sonst sei mir das Umkehren so leicht als 
das Warten oder Fürdergehen. Darob er erschrocken und auf die 
seinige gewunken, daß sie gehen sollten, welches gleich beschehen und 
wir bald völlig aneinanderkommen, auch beederseits freundlich gegrüßt 
u. empfangen. Ich darüber dem Türk. Botschafter anzeigen lassen, dem- 
nach durch göttliche Schickung der heilsame Frieden zwischen beeden 
Kaisern geschlossen u. zu dessen völliger Ratification von m. a. gn. K. 



! ) H. K. R. 1628, R. 274. 



264 

u. Hn. ich an seines großmächtigsten Kaisers Porten abgeordnet worden, 
sei ich bereit zu Vollzug solches kais. Befehls in dem Namen Gottes 
fortzureisen nicht zweifelnd, weil ich nichts Unbilliges begehren würde, 
von seinem Kaiser willfährige u. fördersame Expedition meinem Wunsch 
gemäß haben werde. Ihm aber wüßte ich nichts dann die Gesundheit 
zu wünschen sintemalen in dem Übrigem er zu einem so weisen u. ge- 
rechten Kaiser geschickt werde, daß von demselben, denen Räthen u. 
Ministris er sich anders nichts denn aller Gnad, Ehr und guten Expedi- 
tion zu versehen hätte. Als der Türk. Botschafter mir darauf auch Glück 
gewünscht und guter Expedition mich vertröstet, habe ich des Geleits- 
briefs Anregung thun lassen ... in Gottes Namen die Abwechslung völlig 
geendet, ihn einem kais. Commissario, und mich den Türken anvertraut, 
die mich mit großem Geschrei, Ehrerbietung u. Freuden angenommen 
u. auf mein Schiff begleitet, auf welches ich den Beg von Gran ge- 
nommen, so ein arger böser Mann ist.« Trotzdem gelang es, diesen 
zu dem Versprechen zu bereden, die Übeltäter, gegen welche der 
Oberstleutt. zu Neuhäusel Klage geführt hatte, zu bestrafen, worauf 
ihm erst der ihm bestimmte goldene Becher als Präsent übergeben 
wurde. 

In Gran mußte die Mission wegen der in der Stadt herrschenden 
Pest in einer Au einquartiert werden. Sie wurde auch an Viktualien 
schlecht genug traktiert. Sobald die Türken ihn in ihren Händen hatten, 
versuchten sie, ihrer angeborenen Hoffart nach, diesen Orator, wie die 
früheren, schlechter Traktation zu unterziehen, wogegen er sich stets zu 
wehren nicht verfehlte. 

Auf Ansuchen des Begs von Waitzen hielt sich der Botschafter 
dort auf und kam den Tag darauf, am 28. um 9 Uhr nach Ofen. Eine 
Meile vor der Stadt wurde er von Tschauken und Reiterei empfangen 
und »mit Schießen aus beiden Städten Ofen u. Pesth prächtig genug 
begrüßt«. Um die Macht u. Grandezza der Türken recht vor Augen zu 
führen, hatte der Vezier einen guten Teil der Reiterei »aus Bosnia und 
Graecia« herangezogen. Der Infektion wegen wurde die Botschaft in 
Zelten auf der Heide unterhalb Pesth untergebracht und wieder mit 
Viktualien so schlecht gehalten, daß sie hätte Not leiden müssen, wenn 
sie nicht Vorrat aus Komorn mitgebracht hätte, bis der Tayn od. De- 
putat in Geld assigniert wurde. 

Trotz seiner früheren Höflichkeitsversicherungen ließ der Vezier 
den Botschafter erst etliche Stunden nach dessen Landen und Aussteigen 
begrüßen. 

Tags darauf, am 29., zur gegebenen Stunde ritt der Botschafter 
zu ihm, mit klingendem Spiel, was die Türken als ungewöhnlich nicht 
gut aufnahmen. Reiter u. Fußvolk machten Spalier, wohl geputzt, aber 
sehr schlecht armiert, bis zu dem Zelt, in welchem sich die Vornehmen 
befanden. Er wurde zu einem Stuhl geleitet, mußte aber zu seinem Er- 
staunen bemerken, daß der Vezier noch gar nicht da war. Derselbe ist 
über eine ziemliche Weile erst »unter einem am Ende des Zeltes über 
zwerch gezogenen Vorhang herfürgangen als wie ein Frauenzimmer und 
hat sich gegenüber ohne einigen Gruß oder frdl. Ehrerbietung gesetzet«. 
Der Botschafter glaubte, vorläufig darüber hinweggehen zu sollen, um 
keinen großen Rumor zu veranlassen, übergab ihm die Präsente des 
Kaisers, die er spöttlich genug annahm, und richtete seine Aufträge 
aus. Das diese enthaltende Memorial ließ er ihm durch den Dolmetsch, 
— »weil ich ihn um seiner Hoffart willen selber nicht würdigen wollen« 



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Ungefährliche Beschreibung 1 ) 

Derjenigen Präsenten, welche der Römische Kaiser Ferdinand der ander 
dem Türkischen Kaiser Murath Han nach der geschloßenen Friedenstrac- 
tation Anno 1628 bei seinem Oratorn Herrn Hanns Ludwigen von Kufstein 

geschenket hat. 

Erstlich ist eine große Truhe ungefähr zwo Ellen Hoch anderthalb Elen weit u. 
drei Elen lang so allein tausend Gulden kosten soll welche gar viel Datzen hat mit dem 
besten roten Sammet und Carmesin Atlaß durchfüttert, auswendig mit schönen roten u. 
verguldten Türkischen Leder überzogen, mit blau angelaufenen u. gemusirten Schnüren 
allenthalben beschlagen u. mit fünf künstlichen Schlößern u. noch dazu mit einem Ueber- 
zug versehen ist. Darinnen ist erstlich ein Niederträchtiger runder Tisch von ganz 

Silber so matt u. mit güldenen Triangeln rundumb geziert und sich übereinander legen 
läßt sammt seinem von Ebiner Holz sehr künstlich gemachten Postament so in ein ab- 
sonderliche Datzen unter dem Tisch blath gestellt ist. — Auf den Orten der Truhe werden 
gesehen: 4 Hohe ganz Silber u. stark verguldhe Leuchter mit ihren dazu gehörigen 
Silber u. vergüldeten Abbrecher. — Neben den Leuchtern liegen altweg 6 große Silber u. 
vergüldte Schüsseln mit ihren gleich so großen und verguldten Dekhlen. - - Ganz in der 
Mitte ist zu sehen ein überaus schönes doch rundes Handbekhen mit durchbrochenem Deckhel, 
und einem sehr zierlichen Auffguß. — Auf den Orten ein ganz silbern u. stark vergüldte große 
Glutpfanne auch großen verguldten Glutkorph und verguldten Rauchfaß sammt einem großen 
Tranknapf in Gestalt eines Weichkessels. — An d. Rand der Truhen inwendig herum ist 
eine Anzahl von Silber u. vergüldter Löffel und Messer auf Türkische Manier. So dann große 
Salz, Gewürz u. Confect Büchsen u. Laden ingleichen von Silber u. ganz vergüldt. Inwendig 
des Lichts der Truhen sein 12 zirlich silbern u. vergüldte Schalen von erhöhter Arbeit. 
Item etlich Dutzend vier u. acht eckete Silber u. vergüldte Teller u. zu Orten Salz- u. 
kleine Essigbüchsen u. dergl. Schüsseln. So seindt auch andere Fach für die allerzärtigste 
u. köstlichste Tischleinwand u. zu den Wachskerzen. — Außerhalb der Truhen u. jetzt 
erzählt deren Zugehör deren Zierde Kunst u. Arbeit nicht genugsamb beschrieben werden 
kann, sind 4 große mit Ebinger Holz, Perlenmutter u. Silber auf das allerschönste u. 
künstlichste gefaßte Spiegel mit ihrem Futteral. — Ferner etlich u. 60 Niederträchtige 
mittelmäßige u. hohe vergüldte Pokale fast von gleicher Arbeit, u. hohe weiße Füße u. 
eben aufstehende Mejen. q ganz vergüldte Handbecher mit ihren Ausgüssen von lauter 
getriebener Arbeit deren je einer künstlicher, ansehnlicher, u. anders formiert ist als der 
andere. — Etlich Dutzend große, mittelmäßige u. kleine ganz vergüldte Poten Teller 
u. Schalen. — 12 kleine Walßuhren welche zum Theil nur zeigen, zum Theil zeigen und 
schlagen ganze, viertel und halbe Stundt, deren etliche mit Rubin u. andern Edel- 
gesteiner, Chrystall, Hyazinth u. Malachit zierlich u. köstlich gefaßt sein. 12 große Uhren 
meistentheils auf den Türkischen Zeiger gericht, an deren etlichen auch die Bewegungen 
der Planeten, der Sonne durch ihre zwölf Zeichen, des Monds, u. alle anderen himm- 
lischen Aspect zu sehen, etliche haben andere Galanterien, vom Hahnenschrei, von Gejäg 
u. dgl. Ist auch unter denselben ein Uhr so auf den Motum perpetuum gericht sein soll, 
wie nit weniger ein gar zierlich u. künstliches Uhrwerk in Gestalt eines großen Mejer . . . 
u. konnte ein jegliches dieser Werke wohl für ein Rarität u. Meisterstuck gehalten 
werden. — Zudem sind auch etliche mittelmäßige u. kleine Schreibtische von Ebinger- 
holz v. goldt u. Silber sehr artig u. kunstreich eingelegt. Etliche auch von gespiegleter 
Arbeit darinnen goschmeidige Apotheke klein auch was zur Feld u. Hausarznei u. Chir- 
urgie gehörig. Welches alles über die 200.000 fl. gekostet haben soll, aber dafür ge- 
halten wird, daß es bei den Türken außerhalb der Uhrwerke in keiner sonderlichen Con- 
sideration sein sondern was von Gold u. Silber gearbeitet bald wiederum in den Tügel 
gehen werde, weil das Mißtrauen der Türken gegen der Teutschen Nation gar zu groß 
u. ihre Präsenten mehrertheils nur in Kleidern, Waffen, F'ederpuschen, Pferden u. Roßzeug 
bestehen. Es wird aber dafür gehalten weil nie so ansehnliche Botschafter von beiden 
Kaiser zusammengeschickt worden, sonderlich aber von der Türken Porte noch nie kein 
Wascha zu dem Römischon Kaiser kommen, man auch keines Friedensstandes wie des 
jetzigen zu so großem Vortheil, Profit und Commodität sowol der Königreich u. Erb- 
landen als des Römischen Reiches halber sich zu prävalieren verhoffte, so vermeint man, 
Ihro kais. Majestät habe sich der Präsenten halber so viel höher angreifen wollen. In- 
maßen Sie auch bei hiesiger Stadt die Verordnung gethan, daß sowohl eine Bürgerschaft 
als die von der Niederlage u. Roßhandelsleute, welchs mit Pferden versehen, sich auf 
das Beste u. Zierlichste muntieren u. zu Einbegleitung der Türkischen Botschaft welche 
mit Allerehesten geschehen möchte in guter Bereitscheft halten solle. 



x ) Von Gräfin Guidobaldine v. Kuefstein-Paar, Mutter des Verfassers, genau 
in der alten Schrift nachgeschrieben nach dem in den Franzosenkriegen fortgeschleppten 
Originale, welches sich dann im Archiv von Hannover (oder Kassel) befand, aber heute 
nicht mehr zu finden ist. 



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Audienz beim Vezier zu Ofen. 29. Septb. 1628. 

A Ihr Exz. der Hr. Botschafter. B Der Vezier zu Ofen. C Die Türkischen Bässen in dem Divan. 
D Der Dolmetsch. E Ihrer Exz. Hof- und Stallmeister. F Ihrer Exz. Aufwarter und Offiziere. 
G Die Türkischen Tschorbaschis, Hauptleute und Rittmeister. H Die gegenwärtigen Präsente 
für den Vezier. I Ihrer Exz. Volk und andere Diener, so dieser Audienz gegenwärtig gewesen. 




Ihr Exz. Hn. Oratoris Einzug in Constantinopel, beschehen den 25. Novemb. 1628. 

A Türkische Hauptleute bei 200. B Hn. Oratoris Hörlpauker allein. C Hn. Oratoris 6 Feld- 
trompeter. D Hr. Franz Friedrich Geymann mit der Fahne. E Vier Kammerdiener. F Sechs 
Edelknaben. G Die zwei Courriere. H Hn. Oratoris Adel und Aufwarter. I Hof- und Stallmeister. 
K Zween Botschafter von der Stadt Ragusa. L Hr. Sebastian Lustrir. I. M. Resident. IM Der 
beeden Bässen, so Ihr Exz. in die Mitte genommen, zwei Handroi3, welche man ihn fürgeführet. 
N Ihr Exz. Lakaien. O Ihr Exz. Hr. Orator in Mitte zweier Bässen. P Zween Dolmetsch. 
Q Des französ. und venetian. Botschafters Secretarii und andere vornehme Diener, so Ihr Exz. 
empfangen und begleitet. R Offiziere und Bediente. S Ihr Exz. Wagen. T Unterschiedliches 

Volk. V Zwei Carossen. \Y Apothekerwagen. 




Ihr Exz. des kaiserl. Hn. Oratoris Audienz. 

1. Der Türkische Kaiser. 2. Ihr Exz. der Hr. Botschafter. 3. Der kaisl. Ordinari Resident Hr. 
Sebastian Lustrir. 4. Der Dragoman od. Dolmetsch so ein Italien. Renegat gewesen. 5. Ein 

6. Zween 
7. Die Vezier 
u. Geheimen Räth des Türk. Kaisers Amurath. 
So geschehen den 3. Dezember 1628. 



Kämmerer so Ihr Exz. zur Audienz und Küssung des Türkischen kaisl. Ärmels geführt 
Kämmerer so des Hn. Botschafters Aufwarter zu solcher Küssung angenommen 




Oben neben dem Gitter nahezu unleserlich steht: Solcher Gestalten pfleget der Sultan 
die kaisl. Hhn. Oratores vor der Audienz durch seine Veziere im Divan oder Ort da 

man Rath hält, mit Essen bedienen zu lassen. 

A Der Ort oder Divan da man Rath hält ist mit schönen Persianischen Teppichen ut 1 die Hanken 
mit Seidenteppichen und schönen Kissen ut 2 belegt. B An der Wand Türkisches Gemählwerk. 
C Ein großes Straußen-Ei nach Türkischer Manier gemahlet, daran Hanken etliche Schnür von 
Perlen. D Ein Fenster in der Wand, eines Werkschuh's groß, eng vergittert, daraus der Sultan 
in Rath sehen kann, er aber nit gesehen wird. E Der Tisch ist ein großes rundes silbernes 
Platten, ungefähr ein Spanne hoch, darauf geßen haben Hr. Großorator, Hr. Lustrir und der 
neu Resident, auch Chaimakam und GYoßmufti wie 1 u. 2 anzeigen. F Dolmetsch. G 3 andere 
Vezier sammt des Hn. Orator Beichtvater. I Zween Cadileskir sammt des Hn. Oratoris 2 Offizier. 
K Ober- und Vice-Testerdar. L Hofmeister u. Stallmeister u. 2 Aufwarter. M Kanzler u. 
Hr. Thanrädl sammt 2 Offizier. N Speisenträger. O Die in Porzellan zu trinken geben. P Die 
Kammerdiener u. Trainoffizier. Q Chiausen u. andere Ministri so im Divan aufwarten. 




A Die schöne Moschee oder Kirch so Sultan Amurat erbaut. B Die Mauer u. Vorhof umb 
die Moschee. C Pyramis oder zugestutzte Säul auf diesem Platz. D Ein dreifach gewundene Säul 
von Erz mit 3 Schlangenköpf. E Ein Pyramis von Quarzstücken so alt und an Orten zerfallen. 
F Solicher Gestalt pflegen alle Freitag die Türken in Kennen und Steckenvverfen sich zu geben. 
G Das Volk so in einem Kranz zuschaut. H Also pflegt das gemeine Volk das Ringen und ihre 
Stärke des Leibs zu geben. I Diese haben sich schon ausgezogen und zum Ringen fertig gemacht. 
K Der Ringmeister so den Ringern den Segen gibt und zusieht, daß das Ringen ohne Gemach, 

Stoß, Fangen, Griff also abgeht. 




Oben: Eine Türkische Herberg oder Carawanserei. 

A Das Thor oder Eingang. B Die Zimmer darauf. C Die Mauer damit die Carawanserei um- 
fangen. D Ein großer gepflasterter Hof. E Zwei Röhrenbrunnen mit 4 Röhren in Stein gehauen 
u. bei jedem ein steinerner Grander. F Absatz darunter man trocken logirt. G Verschlagene 
Kammer darin man das Pferdfutter um Geld verkauft. H Zwei Eingang nebeneinander. I Großes 
hohes Gewölb. K Die Stallung zu beeden Seiten darin man 4 od. 500 Pferd stellet. 

Unten: Ein Türkisches Begräbniß. 
A Des Verstorbenen Diener so ein Trühlein traget darinnen Weihrauch. B Drei Hoggia od. 
Pfaffen so die Ohren mit d. Daumben verstopfen und sehr häßlich schreien. C Das Volk so 
mit der Leich gehet. D Die Leich von 4 Personen getragen mit einem goldenen Stuck bedeckt, 
auch einem Kleid u. goldgenähtem Fascenet, bei dem Kopf ein Bund mit 3 kleinen Reiger- 

büschlein und gülden Flor geziret. 




Solchergestalt verehren die Türken ihre Braut vor der Hochzeit und holen sie folgends 
in ihre Häuser ab: Dieser trägt Silbergeschirr u. Kleinodien für die Braut. Diese beede 
tragen Golden u. Seidenzeug zum Frauengewand. Dieser trägt der Braut Stiefel und 
Papatschen. Dieser tragt hölzerne Schuth so sie Opanken nennen. Dieser tragt 2 goldene 
Hauben od. Hut. Dieser tragt ein 3faches Känichfaß in den Zimmern zu gebrauchen. Dieser 
tragt 2 Nachtleuchter. Die erste Sclavin so in der Küchel dienet. Auf diesem Maulthier sein 
gemachte Kleider u. Leinwand in einer Kisten. Dieses Maulthier tragt die Matratzen u. was zum 
Bett gehört. Die andere' Sclavin so die Wasch verricht. Die dritte Sclavin so die Braut selbst 
bedient. Die vierte ingleichen. Ein Türk so in einer gemalten Reutten zur Zier ein schönes Platt 
in Wachs pussirt. Drei Türken so zur Zier einen großen hochen Baum auf d. Schönste gemal 
mit Blumen von geschnitzter Arbeit und Rauschgold behängt. Die Fünfte ist selbst auch eine 
Türkin so stets bei ihr dienen muß. Unter diesem Himmel od. Fürhans: reit die Braut selbst. 




Ein Türkische Predig. 

A Sein 2 Predigstühl daraut der Fürnembste der Derwisch oder Türkischen Münnich B pre- 
digte und ein anderer C ihm den Text fürlas welchen er auslegen sollte. D Sein Derwisch so 
sich nach der Predig in ain Scheib herumdreheten und nach Vollendung deßen dem so auf dem 
Teppich geseßen Reverenz machten u. ihm die Hand küßten. E Die sein auch Derwisch so 
also stehen und die Andern so sie vom Trahen müde wurden, ablöseten. F Türken so dieser 

Andacht beiwohneten. 




Weil denen fürnemben Türkischen Weibsbildern gar wenig außer Haus oder unter frembde 

Mannsbilder zu kommen erlaubet wird, laden sie sich untereinander in ihre Häuser u. ergötzen 

sich mit solcherlei Tanzen, Comödien u. Kurzweilen. 




A Ein Weibsbild in einem Sack mit gebogenen Knien an einem Laden daraus sie einen Frauen- 
hut gestohlen, aufgehängt worden. B Also henkt man die Männer auf dem nächstbesten Ort da 
mans ertappt in ihren Verbrechen, bis auf d. Lenden entblößt, einstheils in Hals od. Bauch 
aufgeschnitten. C Subbassa als obrister Profoß. D Zween ihm zugegebene Janitscharen. E Einer 
der den Kramern die Waaren wägt obs just sein oder nit. F Also straft man die Kramer wann 
sie schlechte Waaren od. zu geringes Gewicht haben, solchen man die Hand bindet u. an 
ihrem eigenen Laden mit einem Ohr angenagelter allen Leuten zu Spott einen ganzen Tag also 
stehen laßt. G Oder man legt ihn auf die Erden, 2 halten ihm die Fuß in die Höhe, 
2 schlagen ihm mit Stecken auf die Sohlen so lange bis der Richter schreit: Hört auf. Einer ist 
allezeit dabei der die Streich abzählt. Alsdann muß der Kramer dem Janitscharen für jeden 
Streich 1 kr geben. H Ein Laden dabei ein Beck Brot feil hat. I Also straft man die so etwas 
Grobes verschulden, indem ihnen 2 auf die Hand knien, 2 die Fuß halten, 2 auf die Lenden 
und 2 auf die Sohlen prügeln. K Auf diese Weis straft man die Bäcker u. Fleischhacker so sie 
zu geringes Gewicht haben. L Dieses ist eine große Straf bei d. Türken mit ihren Rebellischen 
Feinden oder denen welche Türken gewesen und Christen worden. M Also pflegen d. Türken 

den Hunden u. Katzen Almosen zu geben. 




AAA Ringelrennen zu dreien Ringeln in einer völligen Carriera also daß man die Copy auf ein 
jedes neu einlegen muß u. die 3 Ring tapfer weggeführt. B Hat im völligen Randrennen 
das Zündkraut aufgeschüttet u. tupfet mit d. Zündstrick darauf. C Brennt ein langes Rohr 
am Wang los. D Der verschießt im Lauf fünf Pfeile u. gar gewiß. E Wendet sich im Rennen 
auch im Schuß auf alle Seiten u. schießt gar gewiß. F Zuckt im völligen Rand den Säbel bis 
auf den Spitz daß er doch nit gar aus der Scheiden kommt. G Zieht den Säbel gar auß, exerzirt 
sich damit und steckt ihn im Rennen wieder ein. H Läßt sich auf der linken Seiten aus d. 
Sattel also daß er mit der rechten Hand die Erden erreicht und gleichwol mit d. Füßen im 
Stegreif bleibt. I Kommt mit der rechten Hand und Fuß auf die Erden. K Wendet sich im 
Sattel einmal rings umb und umb daß er gleichwol wieder recht in Sattel kommt. L Steht im 
Rand auf und spielet mit dem Pusikan. M Steht im Sattel auf u. schwingt 3 Mal eine kleine Wurf- 
spieß umb die Achsel herumb. N Stehet auf dem Sattel u. spielet mit dem Säbel. O Stehet 
auf dem Sattel, hat oben ein runden Reif wie ein Wagenrad, darinnen gemacht 3 Säbel die Schneid 
in die Höh kehrend u. spielet mit dem Pusikan. P Schreibt im Rand auf einem solchen Sattel. 
Q Steht im Rand auf dem Sattel u. brennt ein Rohr los indem er einen Faden daran der 
Urucker gebunden ist, anziehet. R Thut einen Sturzbaum im Sattel also daß er mit den Füßen 
über sich kommt u. schwingt sich wiedrumb in d. Sattel. 



265 

— überreichen und fügte mündlich noch die zwei Punkte wegen der 
Loslassung etlicher teutscher Gefangener zu Ofen und der Nachforschung 
nach dem Körper des Joh. Capistranus hinzu, wovon ersterer gegen 
Freigebung des zu Raab gefangenen Saphir Aga, letzterer ungern 
und mit Verweisung an den Mufti genehmigt wurde. Kaum zu Hause 
angelangt, nachdem er zwei Kaftan übereinander und 40 für seine Leute 
sowie Tuch für die anderen erhalteu hatte, sandte er den Marino Tu- 
disi, Residenten des Hofkriegsrats-Präsidenten Gf. Althan zum Vezier, 
um Satisfaktion für die erwiesene Unhöflichkeit zu erlangen. Diese 
wurde ihm auch gewährt, indem die zwei Paschas von Er lau und Her- 
zegowina ihm öffentlich Abbitte leisten mußten, wodurch er, nachdem 
er sie zuerst scharf angelassen, sich in solchen Respekt gesetzt hatte, 
daß man ihm künftig höflicher begegnete als den früheren Botschaftern 
und der Pascha von Ofen ihm bei der nächsten Audienz sehr freundlich 
entgegenkam. Doch konnte er keine Zusage für die zu Szöny stipulierte 
Übergabe von Waitzen u. Lippa erhalten noch auch für das klingende 
Spiel u. d. fliegenden Fahnen beim Einzug in Konstantinopel. Es 
wurde ihm ein Ringelrennen u. Vorstellung zu Roß veranstaltet und 
die Abschiedsaudienz zeremoniös-feierlich gehalten, wobei aber der Bot- 
schafter seinen Stuhl nicht richtig gestellt fand, so daß er ihn selbst 
an die gebührende Stelle rückte zur großen Beschämung des Veziers. Er 
mahnte ihn, das kais. Schreiben ohne Verzug zu beantworten und strenge 
darauf zu sehen, daß künftig die Grenzverletzungen hintangehalten werden. 

Am 5. Oktob. 1628 fuhr der Botschafter zu Wasser, wohin er von 
den Leuten des Veziers bei Überbringung der Antwort an den Kaiser 
feierlich begleitet worden war, gegen Griechisch-Weißenburg weiter, 
wo er nach überstandenen großen Sorglichkeiten durch die unerfahrenen 
liederlichen Schiffsleute erst am 14. ankam. Vorher noch ward er bei 
Vukovar vom Pascha von Bosnien mit der Canisischen Ritter- 
schaft, die von Ofen wieder zurück war (zirka 2000 Mann) feierlich be- 
grüßt, denen er vom Schiff aus durch die sechs Trompeter u. Heer- 
pauker und Schwenken der Botschaftsfahne den Gegengruß sandte. Bei 
Abgabe der Freudenschüsse haben sie sich sehr ungewandt gezeigt. 
Infolge der viel Sorge verursachenden Unerfahrenheit der liederlichen 
Schiffsleute gelangte er erst am 14. nach Griech. -Weißenburg, wo 
ihm eine Deputation Ragusaner Kaufleute ihre Verehrung für Se. Maj. 
bezeigte. Da die Beschaffung der Wagen und Pferde für die zu Land 
erfolgende Weiterreise mehrere Tage in Anspruch nahm, wurde der 
gezwungene Aufenthalt zur Korrespondenz benützt, Berichte an den 
Kaiser und Schreiben an den Vezier zu Ofen abgesendet. In einem 
chiffrierten Bericht legte der Botschafter seine Beobachtungen über 
den Zustand des Landes, die Regierung und die Truppen nieder. Nament- 
lich die Anzahl, Bewaffnung und Ausbildung der letzteren wurde un- 
günstig geschildert, weshalb auch die Türken über den geschlossenen 
Frieden sehr erfreut seien, und der Vezier von Ofen den Botschafter 
als Garantie gern möglichst lange in Konstantinopel zurückgehalten 
sehen wolle. 

Am 20. konnte die Reise angetreten werden, mit 7 Wagen des 
Botschafters zu 6 Pferden, 65 Bauernwagen zu 3 Pferden und 15 Reit- 
kleppern, im ganzen 252 Pferde. 1 ) 



1 ) Auf der Reise verlor er, wie er schreibt, nur drei Personen an der Infektion, 
v. auch Theatr. Europ. 1. c, I, 1144. 



266 

Nach drei Tagen Reise wurde ihm vom Konstantinopler Resi- 
denten gemeldet, daß der große Rebell Abassa Bassa sich ergeben, 
was er von Nissa aus am 29. nach Wien berichtete, indem er auf den 
dadurch gesteigerten Hochmut der Türken hinwies. 

Auf dieser Reise ist dem Botschafter »in allen — wenigen — für- 
nehmen Städten mit Entgegenkommen von Reiterei u. Fußvolk genüg- 
same gebührliche Ehr erwiesen worden, sonderlich zu Adrianopel mit 
2 Elephanten neben den Truppen«. Besonders hebt er hervor, mit wel- 
cher Freude ihn überall die Christen empfingen, und wie in künftigen 
Kriegen diese Dispositionen, die sich beim Anblick des Römischen 
Adlers auf der Botschafterfahne und des Kruzifixes äußerten, nutzbar 
gemacht werden könnten. Zur Sicherung der Korrespondenz hat der 
Botschafter an einzelnen Etappen, wie Ofen, Weißenburg, Sophia ver- 
läßliche Leute auf eigene Kosten postiert. 

In Adrianopel erhielt er die Nachricht, daß der türkische Bot- 
schafter in Wien von der Schwechat aus seinen Einzug gehalten habe, 
worüber ihm der Vezier von Ofen gleichfalls schrieb, um ihn zu er- 
suchen, da diesem der Einzug zwar mit klingendem Spiel, aber nicht 
mit fliegender Fahne gestattet worden sei, seinerseits auch die Fahne 
eingerollt zu führen und nicht um Mehreres anzusuchen. Gleiches schrieb 
auch der Mufti v. Ofen, welcher ebenso wie der Schahin Aga die 
Botschaft begleitete. 

Am 18. Novemb. wurde sie in Selibria, »einer feinen Stadt am 
weißen Meer, 4 Meilen vor Konstantinopel«, vom kais. Residenten 
Sebastian Lustrir begrüßt mit der Bitte des Kaimakams, wegen des 
Einzugs nichts zu diffikultieren. Doch hat er »bei allen fürnehmen Orten 
das Spiel rühren und die Fahnen fliegen lassen«, von Pontegrande 
durch bis Pontepiccolo, 2 Meilen vor Konstantinopel, obwohl ihm 
der Schahin Aga gedroht hatte, es könnten durch die Mohren und 
Spahis, die in den Flecken liegen, Unannehmlichkeiten widerfahren. 

Folgenden Tages beauftragte er den Residenten und den Marino 
Tudesi, sich zum Kaimakam — in Abwesenheit des Großveziers — zu 
begeben, um die Verabredung über den feierlichen Einzug zu treffen. 
Obwohl diesem vorgestellt wurde, daß dem türk. Botschafter in Wien 
das Spiel gestattet worden war, wollte er auch dieses nicht zulassen, da 
es gegen das kirchliche Gesetz sei. Khuefstein verlangte einen Aufschub, 
um den vom Zuge gegen den Abasa zurückerwarteten Großvezier und die 
sich daran knüpfenden Personalveränderungen abzuwarten. Als aber der 
Kaimakam, der auf die Ehre, den Einzug unter seiner Amtsführung 
geschehen zu lassen und die Präsente zu erhalten, nicht verzichten wollte, 
ihn bitten ließ, keine Schwierigkeiten zu machen, der Sultan selbst wolle 
dem Kaiser darüberschreiben, glaubte der Botschafter, nicht »das ganze 
Friedenswerk wegen dieser Ceremonie in große Weitläufigkeit oder zu 
gänzlichem Bruch kommen zu lassen«, wohl wissend, daß bei den Türken 
auch Strömungen gegen d. Frieden sich geltend machen könnten 1 ) — und 
setzte den Einzug auf den 25. fest. 

Eine Stunde nach Tagesanbruch zog der Botschafter aus mit flie- 
genden Fahnen und klingendem Spiel bis eine halbe Meile vor der Stadt, 
wo er von den ersten Türken empfangen wurde. Der Resident des 
Veziers von Ofen überbrachte ihm ein wohlgeputztes Roß und bei 40 
andere für seine Leute. Alles saß auf, das Spiel wurde eingestellt und 



l ) Theatr. Europ. cit. I, 1144. 



267 

die Fahne mit einem seidenen Bande eingebunden. Bald darauf kam des 
französ. Botschafters Sekretär mit 10 Dienern, stieg - vom Pferde und ob- 
wohl ihm die Hand geboten wurde, küßte er den Stegreif, wonach er 
eine bedächtige, höfliche Rede hielt. Dann kam der Venezianische 
Bailo mit Worten höchster Reverenz und Devotion und schloß sich 
ebenfalls dem Zuge an. Zwei Bässen, welche in einem Tal mit 300 wohl- 
geputzten Pferden ihn erwarteten, nahmen ihn in ihre Mitte und ließen 
ihre Reiterei folgen. Weiters schlössen sich zwei Ragusaner Botschafter 
an und eine Adelsperson des Siebenbürgischen Gesandten kam eilends 
geritten, sprach nach Küssung seines Rockes einige ungarische Worte 
und ritt spornstreichs wieder davon. »Mit jetzt kurz berührter Ordnung 
bin ich stattlich eingeholet und in die Stadt, deren Fenster und Gassen 
von Zusehern unglaublich voll gewesen, bis vor das Logement oder den 
Haan, darinnen andremal die kais. Oratores zu logiren gepfleget, be- 
gleitet worden. Außer desselben haben die beeden Bässen zu Roß sammt 
ihrer Ritterschaft sich licentiret. Die Ragusaner Botschafter aber neben 
bemelten Französ. u. Venedigischen Abgeordneten mich gar in das 
Zimmer begleitet. Darüber ich diese mit freundl. Bedankung zu ihren 
Herren gelassen, die Raguser aber bei dem Essen behalten.« 

Der Siebenbürg. Gesandte Toldolaghi sandte seinen ordinari Re- 
sidenten fragen, ob er den Botschafter besuchen könne, was dieser 
gemäß seiner Instruktion zwar mit Dank, aber ziemlich kühl, seiner 
Diskretion anheimstellte, da er seiner Assistenz nicht bedürfe. Schon in 
Pontepiccolo hatten ihm zwei seiner ungarischen adeligen Aufwärter, 
Stephanus Rebay, Freiherr, des Palatins Schwestersohn, u. Michael 
Pongraz, dessen besonders vertrauter Diener, mitgeteilt, daß sie ein 
ungarisches Schreiben desselben an den kais. Ordinari Residenten Lu- 
strir zu übergeben hätten, welches eine wichtige Traktation des Som- 
batheli wider den Fürsten in Siebenbürgen, der ihm d. Güter kon- 
fisziert hatte, konzerniere. Da einiges in Esterhazys Instruktion für 
den Sombathely mit seiner eigenen in Widerspruch stand und der 
Palatin ihm bei seinen Besprechungen keine Erwähnung davon getan 
hatte, fand sich der Botschafter veranlaßt, die Sache an den Kaiser zu 
berichten und dessen Befehle zu erbitten. Mittlerweile erhielt Sombat- 
hely den Befehl, nichts zu tun, bevor er den Botschafter gesprochen. 

Nach Ankunft bei der Pforte war es die erste Sorge des Bot- 
schafters, sich um die Audienz beim Sultan zu bewerben, vor welcher 
er auch die Höflichkeitsbesuche bei den anderen Botschaftern nicht 
machen durfte. In dem am 30. stattgehabten Empfange beim Kaimakam, 
welcher den neuerlichen Anwurf, den Großvezier abzuwarten, mit dem 
Bemerken zurückwies, sein Herr habe genug Veziere; weil er dem an- 
deren die Ehre der Introduktion nicht gönnen wollte, wurde die Audienz 
beim Großherrn auf Dienstag, 5. Dezb. festgesetzt und Khuef stein ahnte 
bereits, daß er die Feindschaft der beiden noch schwer entgelten würde. 

Er hatte unter den ihm in bianco mitgegebenen Kreditiven nur 
eines für den Kaimakam ausgefertigt, dessen Übergabe er aber be- 
dauerte, weil der hochmütige Vezier das kais. Schreiben sowie die Prä- 
sente (eine stattliche Uhr u. 42 Mark Silber) ziemlich spöttlich ange- 
nommen hatte. Er stand daher von Ausfertigung weiterer Kreditive an 
andere Veziere — außer dem Großvezier und dem Mufti — ab. 

Bis zur Audienz wurde die neue, schmucke Livree fertiggestellt 
und der Botschafter hatte vielerlei Bitten und Anwürfe wegen Verbes- 
serung der Präsente für den Sultan abzuwehren. Da noch niemand sie 



268 

gesehen hatte und sie durchwegs aus stark vergoldetem Silbergeschirr 
in einer kunstvoll gearbeiteten Truhe bestanden und einen Wert von 
mindestens 10.000 Talern repräsentierten, fand er sich nicht veranlaßt, 
auf solche Versuche, die den türkischen Gewohnheiten entsprachen, ein- 
zugehen, um den Charakter des freiwilligen Geschenkes zu wahren, ganz 
abgesehen davon, daß die nach Wien gesendeten Gaben des Sultans 
ganz unterwertig waren. Nur für die Suitana, welche der Kaiserin an- 
geblich etwas Absonderliches gesendet haben sollte, fügte er von den 
Extrapräsenten noch einen schönen, großen Spiegel, eine künstliche Uhr 
u. »ein durch Uhrwerk von sich selbst schlagendes Instrumentlein« hinzu. 
Dies Alles wurde vor der Audienz »mit feinem Pomp« in das Seraglio 
getragen und nach dem Bankett öffentlich ausgestellt. Es waren an die 
70 Stück, womit der Botschafter »so wohl bestanden, daß noch denselben 
Abend der Sultan durch seinen 3 Spannen langen, liebsten Kammer- 
zwerg fragen ließ, ob nicht das schöne Hündlein auf gedachtem Instru- 
mentlein auch die Stunden schlage, weil es die Augen rühre, was zeigt, 
daß ihnen dieses kindische Werk seltsam und lieb gewesen«. 

Am 5. Dezemb. fand die Audienz statt. Das Ein- u. Abholen, das 
Bankett im Diwan, Austeilung von 40 Kaftanen und die anderen Zere- 
monien gingen etwas stattlicher als bei den früheren Oratores vor sich. 
Bei der Übergabe des kais. Kreditivs v. 10. Septb. und der Bestätigung 
des Friedens von Szöny von demselben Datum ließ der Botschafter 
seinen Vortrag dem noch jungen u. unerfahrenen Sultan von Periode 
zu Periode ins Türkische übertragen und unterstützte ihn durch ein 
schriftliches Memoriale, in welchem die Punkte seiner Mission folgender- 
maßen präzisiert wurden: 

1. Versehen sich Se. Majestät, daß der Sultan den Frieden ehr- 
lich halte, dies allen seinen Befehlshabern auftrage und den Feinden 
des Kaisers kein Gehör schenke, noch sie unterstütze. 2. Sollen alle 
früheren Kapitulationen aufrechterhalten werden. Namentlich bestimmt 
Art. 7 der zu Wien 16 16 abgeschlossenen, daß diejenigen Christen, son- 
derlich Geistliche und Ordenspersonen, so der päpstlichen Religion folgen, 
in des Sultans Gebieten sicher wohnen, Kirchen erbauen und ihren Gottes- 
dienst haben mögen, auch von niemand beschwert werden sollen. Da nun 
solche Beschwerungen namentlich gegen Jesuiten kürzlich vorgekommen 
sind, sollen sie für die Zukunft abgestellt werden. 3. Mögen die Be- 
sprechungen wegen Ausführung der Art. 9 u. 10 ex 1616 über die Handels- 
freiheit bald in Angriff genommen werden. 4. Freilassung der gegen- 
seitigen Gefangenen auf Grund der anzufertigenden Verzeichnisse. 5. Rück- 
stellung der gegen den Frieden eingenommenen > Häuser« Lippa u. 
Waizen, sowie 6. der über die 60 verwilligten Dörfer besetzten Ort- 
schaften. 7. Abstellung der vertragswidrigen Belastung des christlichen 
Adels und der Soldaten an den Grenzen bei Kanischa usw. 

Auf seinen Vortrag erhielt der Botschafter »nach ihrer unlöblichen 
Gewohnheit« weder vom Sultan noch von jemand anderem eine Ant- 
wort. Doch war die Audienz als stattlich u. wohl abgelaufen zu betrachten, 
wofür ihm der französ. Botschafter durch den Konsul in Alexandrien 
seine Gratulation vermelden ließ. 

Er konnte hierauf die üblichen Besuche abstatten. Bei dem Groß- 
mufti fand er höflichen Empfang und bei den Botschaftern von Vene- 
dig und Frankreich ließ er durch den Marches Centurini und 2 Fran- 
zösische und 1 Sächsischen von Adel, bei dem siebenbürgischen aber durch 
3 ungarische Aufwärter die gebräuchlichen Komplimente ablegen, die 



269 

allseits freundlich aufgenommen wurden. Der englische Botschafter be- 
dauerte, nicht selbst kommen zu können, da er fürchte, seinem Könige 
dadurch einen Ungefallen zu tun. Auch der Niederländer entschuldigte 
sich, nicht entgegengeritten zu sein, da er kein Aviso erhalten habe. 

Am 8. ließ der Kaimakam ihn unvermutet zu einer ganz ver- 
traulichen Besprechung bitten. Er frug ihn, ob der Kaiser gesonnen 
sei, den Frieden zu halten, was bejaht wurde, sofern er nicht durch 
die Übergriffe an den Grenzen daran verhindert werde. Der Bot- 
schafter benützte die Gelegenheit, um vor den Intriguen der »wider- 
wärtigen« christlichen Botschafter zu warnen, und als der Kaimakam 
von den Bestrebungen des Pfalzgrafen, sein Königreich wieder zu er- 
obern, sprach, verfehlte er nicht, ihn auf die Erfolge der kais. Waffen 
unter dem Herzog von Friedland und die zahlreichen Truppen hin- 
zuweisen, welche alle solchen Versuche zu vereiteln genügten. Als vor 
zwei Jahren Bethlen und Murteza Bassa in Ungarn einfielen, sei 
Friedland unvermutet mit 30.000 Mann erschienen u. habe gleichwohl 
im Reiche eine starke Armada hinterlassen. Endlich kam der Kaimakam, 
nachdem er seinem Gast mit Waschen, Räuchern u. dgl. besondere 
Ehren erwiesen, auf seinen besten Freund, den Murteza, Vezier von 
Ofen, zu sprechen und welche Gesinnung der Kaiser gegen ihn hege, 
worauf ihm die vorsichtige Antwort zuteil ward, er könne auf dessen 
Gewogenheit rechnen, so lange er sich ruhig verhalte. Übrigens schloß 
der Botschafter aus den Fragen nach der Dauer des Friedens, daß die 
Türken nicht gesonnen seien, ihn lange zu halten. 

Tags darauf konnte er an einem ihm vom Kaimakam zur Dis- 
position gestellten Orte den triumphalen Einzug des Großveziers Usruf 
(Chosrew) Bassa mit dem gefangenen Rebellen Abassa von Erzerum 
— späteren Pascha von Bosnien — ansehen. 

Der Botschafter ließ den Großvezier durch den Residenten zu seiner 
Ankunft begrüßen. Als er aber diesen in seinem bekannten Hochmut 
mehrere Tage nicht empfing, verbot ihm H. Ludwig, wieder hinzu- 
gehen, und ließ sagen, er erwarte eine Ansage, und als er aufgefordert 
wurde, sofort zu kommen, antwortete er, daß er erst abends erscheinen 
werde. Daraufhin empfing ihn Usruf »seiner Ungeschicklichkeit nach 
ganz freundlich, woraus abermals zu ersehen, daß bei dieser stolzen 
Nation, so man nur nicht zu viel nachgibt, der Majestät Hoheit besser 
erhalten werden kann, als man etwa vermeinet«. Das Kreditiv aber und 
die mehr als 1000 Taler werten Präsente nahm er ohne Dank an. Daher 
der Botschafter den Kaiser bat, in Zukunft keinem Vezier mehr zu 
schreiben, nachdem auch unsere Geheimen Räte keine Schreiben des 
Sultans erhalten. Auch die Präsente sollten eingeschränkt werden. Durch 
Schreiben des Kaisers u. des Hof-Kriegsrates hatte er schon erfahren, 
daß der am 19. Novb. von den Majestäten empfangene türkische Gegen- 
botschafter ganz geringe u. »sportliche« Präsente offeriert habe. 1 ) 



l ) H. K. R. 1628, R. 289 u. 1629, R. 199. Aus einem Schreiben des Ernst v. Kol- 
lonitsch v. 22. Oktober erfuhr Hans Ludwig, daß dieser am 21. den türkischen Gegen- 
botschafter Redscheb Pascha glücklich nach Wien gebracht habe. Graf Schwarzen- 
berg empfing ihn bei St. Marx, worauf sie ihn zwischen sich nahmen und mit vielen 
Herren zum Kärntnertor einritten. Der Weg führte über den Kohlmarkt u. Graben zum 
Rotenturm und über die Schlagbrücke in des Hn. Pertholders Haus. Das Spiel hat 
man passiert, aber die drei Fahnen eingeschlagen führen lassen. Dieser Botschafter be- 
klagte sich bald über mangelhaftes Traktatment, er habe seit 40 Tagen nichts zu essen 
gehabt! Mit 110 Talern täglich war er nicht zufrieden, denn dem Khuffstein würden 



270 

Bei den übrigen Vezieren ging alles glatt vor sich und hat sich 
keiner unterstanden, sich anders als im Audienzzimmer finden zu lassen. 

Am 17. Dezb. wollte der Großvezier die Übersetzung der lateini- 
schen Friedenskapitulation ins Türkische bei sich vornehmen lassen. Der 
Resident konnte aber nicht Türkisch und sein Dolmetsch ebensowenig 
Lateinisch wie jener des Botschafters, sondern beide nur Ungarisch. Man 
mußte das Dokument also zuerst ins Ungarische und von da ins Türki- 
sche übertragen. Dem Residenten Lustrir drohte der Großvezier mit 
Ahndung, falls er schlechte Ratschläge gäbe. Nur andeutungsweise brachte 
der Botschafter den Grund der Aufregung des Großveziers heraus, der 
übrigens ein gänzlich unerfahrener Mann sei und nie einen Botschafter 
gesehen habe. Er schreibt: »Als ich ihn den Tag vorher mit etlichen 
Carrossen, Reitenden und meinem ganzen Comitat bei 1 50 Personen in 
der neuen Livree so ziemlich sauber war, begegnete, hat er sich ob 
meiner seines Bedünkens allzugroßen Pracht, sonderlich meiner samm- 
tenen ziemlich viel vergolten Carrozza und den vergültenen Roßgeschirren 
so hoch offendirt befunden, daß er dieser ungereimten Furia gegen Ew. 
Maj. fürnehmen Residenten an dieser Porten sich unterstanden.« Diese 
Übereilung gereute ihn bald, denn tags darauf sandte er den Schahin 
Aga mit einer Entschuldigung an den Botschafter, rühmend, wie hoch 
dessen Person und Manier im Traktieren die Veziere sowohl als den 
Sultan selbst vergnüget habe, was ihm anderen Tages sein Sekretär 
wiederholte. Diesem gab der Botschafter auf Anraten des Residenten 
ein Präsent, da man durch ihn manches erfahren könne. Allein er meint, 
daß solche Geschenke, wie er auch aus der früheren Oratoren Berichten 
ersehen habe, nicht viel nützen, da man auch falsch berichtet wird. 
Der Kaiser möge also diese Spesen sparen und lieber auf die Ver- 
stärkungen der Grenzen verwenden, wo die Obersten die besten Kund- 
schafter seien. 

Die Ankunft des Franziskaners Bonaventura Koszlovary zur 
Ausforschung der Gebeine des sei. Joh. Capistranus setzte den Bot- 
schafter in Erstaunen, da man schon in Ofen deutlich gespürt hatte, 
wie unangenehm es den Türken sei und wie der Vezier es nur pro 
forma an den Mufti überschoben habe. Zudem sei der Körper schon 
vor vielen Jahren ausgegraben worden und befinde sich in den Händen 
der unkatholischen Christen. Die Gefahr des Betruges wäre also nicht 
ausgeschlossen. Nach drei Monaten gelang es endlich, den Franziskaner 
zur Rückkehr zu bewegen, wobei der Botschafter den Rat gab, ihn, 
falls das Werk fortgesetzt werden sollte, durch einen anderen zu ersetzen. 
Er selbst habe sich dessen nur infolge des speziellen kais. Befehles an- 
genommen und mit Mühe erreicht, daß der Mufti die Sache wieder 
dem Vezier v. Ofen übertrug. 

In betreff des Status der kathol. Religion überhaupt lenkte der 
Botschafter die Aufmerksamkeit auf den überwiegenden Einfluß Frank- 
reichs, dem nur durch Vermehrung der Österreich. Missionäre, nament- 



für seine 180 Personen Gefolge über 9000 Aspern gereicht.*) Er insultierte den Unter- 
händler Dasquier u. sogar den Arsenalkommandanten General St. Hillier und wollte 
direkt zum Kaiser reiten, wurde aber bei der Wache am Rotenturmtor zurückgewiesen 
und mußte sich schließlich entschuldigen.**) 



*) Im Gegenteil hatte Khuffstein nach seiner Rückkehr noch 10.808 Taler zu 
fordern, die er schwerlich erhalten hat. 

**) H. K. R. 1628, R. 283, 286, 288. 



271 

lieh "durch Jesuiten, entgegengearbeitet werden könnte, wie er in seinem 
Schreiben v. 23. Dezb. 1628 an den Beichtvater des Kaisers, P. Lamor- 
main, ausführte. 

Am Weihnachtstage beantwortete er fünf ihm gleichzeitig über die 
vorstehenden Angelegenheiten zugekommenen Schreiben des Kaisers, 
darunter eines v. 21. Oktober, worin ihm neuerlich dessen Zufriedenheit 
über seine Haltung lobend ausgesprochen wurde. 

Kurz darauf (26. Dezb. u. 3. Jänner) konnte er über die Bethlen- 
schen Agitationen Näheres mitteilen. Der Bethlensche Gesandte Tol- 
dolagi beschwerte sich gegen die Agitationen des Szombathely in 
einem ungebräuchlichen Schreiben, welches ihm der Botschafter mit 
dem Bemerken zurücksandte, er möge ihm nur erst den längst ver- 
sprochenen Begrüßungsbesuch abstatten, der dann auch erfolgte. Die 
gewünschten Informationen ließ er ihm durch Pongratz mitteilen. 
Szombathely hielt sich nicht an das ihm erteilte Verbot, sondern an 
die Instruktion des Palatins und zog sogar zum Siebenbürg. Gesandten. 
Doch hatte er dem Botschafter geheime Mitteilungen über Bethlens 
Intentionen gegenüber Polen zukommen lassen. Die zwei abgesetzten 
Khane der Tartaren sollen sich mit des Königs Kosaken konjungieren 
und die Türken mit Bethlenschen Kriegern gegen sie ziehen. Hans 
Ludwig rät daher dem Kaiser, man möge noch nicht den Frieden 
brechen, sondern warten bis die Türkei durch den Zug gegen Persien 
gebunden ist, und den Bethlen, wenn er aus seinem Lande ausfallen 
sollte, lieber ungewarnt als mit Vor wissen überfallen. Dieser habe den 
Fürsten der Moldau angespornt, 10.000 Mann gegen den Kaiser aufzu- 
stellen. Es sei klar, daß man sich auf Bethlen ohne dessen Austritt 
aus der Union und Religionsänderung nie verlassen könne. Er werde 
auch in Konstantinopel nicht sonderlich estimiert u. sein Gesandter 
vom Großvezier schlecht behandelt. Szombathely sei mit diesem Ge- 
sandten abgereist, könnte aber trotz seiner eigentümlichen Haltung noch 
eventuell verwendet werden. Zu weiteren Kundschaften, namentlich über 
den venezian. Botschafter, bedürfe es noch einiger Geldmittel. 

Seit der siegreichen Unterdrückung der Abassaschen Rebellion 
war der Übermut der Türken dergestalt angeschwollen, daß sie nicht 
mehr so sehr auf die längere Dauer des Friedens hielten. Der Groß- 
vezier selbst war dagegen und ließ seinen Hochmut auch sogar den 
Botschafter fühlen. Als roher, ungebildeter Emporkömmling kannte er 
keine Grenzen seiner Willkür und strafte die Untergebenen für geringere 
Vergehen, wie falsches Maß u. Gewicht, schlechte Ware u. dgl., in der 
grausamsten Weise mit Ohrannageln oder -Abschneiden usw. *) Dem 
Agenten Bethlens, der vor ihm nicht vom Roß abgesessen war, drohte 
er mit Niederhauen und sogar den Botschafter ließ er warnen, am 
St. Johannes-Tage nach Galata zu den Franziskanern zu fahren, sonst 
werde er ihm und seinen Zauschen die Köpfe abhauen lassen. Der Bot- 
schafter beschwerte sich sofort durch den Groß-Mufti, einen verständigen, 
alten Türken, und drohte mit Meldung an den Sultan und den Kaiser, 
worauf er sofort und wiederholt die dringendsten Entschuldigungen des 
Großveziers erhielt, der nicht gegen ihn, sondern gegen dessen Leute 
wegen großer Überbürdung irritiert gewesen sei. Trotzdem inhibierte 
er die Ausfahrt am Neujahrstag wieder wie auch den Verkehr mit 



') Dieser könnt' die Polizei — meint H. Ludwig — mit der man in Österreich 
so lang nicht fortkommen kann, bald ins Werk richten. 



272 

den Botschaftern unter dem Vorwande, daß er sich zuerst mit ihm be- 
sprechen wolle. 

Der französ. Botschafter führte diese feindselige Haltung, an der 
er selbst nicht ganz unschuldig gewesen sein soll, darauf zurück, daß 
der Botschafter die Audienz beim Sultan vor seiner Rückkehr genommen 
habe. Von anderer Seite wird die Menge des Gefolges und die Pracht 
der Karossen des Botschafters wie auch der Wunsch angeführt, dem 
persischen Feldzuge zu entgehen und lieber gegen den Kaiser zu ziehen. 

Hans Ludwig, auf Mittel u. Wege bedacht, dem schlimmen Ein- 
fluß des Großveziers entgegenzuarbeiten, machte in einem vertraulichen 
Schreiben v. 3. Januar 162g an den Statthalter Seifried Christoph 
v. Breuner den für den Kaiser bestimmten Vorschlag, nicht nur die 
Sultanin und deren Töchter, mit denen sie Alles regiert, mit Präsenten 
zu bedenken, sondern auch, um die Türken über unsere Intentionen 
sicher zu machen, den Sultan, weil er ein junger, sanftmütiger 1 ), fried- 
liebender Herr und gleichalterig mit dem Römischen König sei, zu des 
letzteren bevorstehender Hochzeit einzuladen. 2 ) 

Am 12. Januar wurde der Botschafter zum Großvezier gebeten, der 
sich zwar entschuldigte, aber von dem Verbot nicht lassen wollte, da es 
zu des Botschafters Ehre und Sicherheit gegeben sei. Wir erinnern uns, 
daß auch der türk. Gegenbotschafter in Wien vom Einritte in die Stadt 
einmal abgehalten werden mußte. 

Am 15. Januar berichtete der Botschafter wieder über die Verhin- 
derung seines Verkehrs mit den Botschaftern und die Gerüchte über die 
Niederlagen des Herzogs von Friedland und der Polen durch die 
Schweden, dann daß der französ. Botschafter — der das Besuchsverbot 
selbst hervorgerufen haben soll — dem Residenten gegenüber die militär. 
Macht seines Königs nach der Einnahme von La Rochelle übermäßig 
hervorhebe. Der venezian. Botschafter habe ihn besucht und stelle sich 
freundlicher als alle. Doch soll er Volk werben nicht nur des mantuani- 
schen Unwesens halber, sondern weil man in Venedig wegen des Pa- 
triarchats von Aquileja etwas von Seite des Kaisers befürchte. Es sei 
auch gesprochen worden, der Großvezier wolle den Botschafter noch 
ehe er es verlange, zur Abschiedsaudienz beim Sultan melden. 

Bald darauf, am 24., war er in der Lage, zu berichten, daß tat- 
sächlich einige Polen, darunter der Oberst zu Krakau, den Bethlen 
zum König begehrten u. dieser sich an d. Pforte gewendet habe, um 
die Tartaren zu sich ziehen zu dürfen, was jedoch wegen des persischen 
Feldzuges verweigert wurde, wonach also der Frieden mit Polen u. dem 
Kaiser erhalten bleibt. Nach dieser Ablehnung war des Toldolagi Be- 
nehmen ganz verändert. Er bedauerte das Schreiben, in welchem er den 
Kaiser des Friedensbruches geziehen u. welches ihm der Botschafter 
zurückgeschickt hatte, und meinte, bei den Türken sei kein Vertrauen 
zu haben, er werde seinen Herrn bereden, zum Kaiser zu halten. Der 
Botschafter sprach ihm eindringlich zu, Bethlen möge sich der großen 
Gnade erinnern, die er vom Kaiser genossen, u. ihm Treue halten und 
gab im Berichte den Rat, man möge diesen Mann, der so viel Unheil 
gestiftet und jetzt trätabler zu werden scheine, sich sogar der kathol. 



1 ) Wurde später der blutdürstigste Tyrann. 

2 ) In demselben Schreiben an Breuner sagt er: »Dero Gemahel wie auch den 
Fräulein, sonderlich der schönen Frl. Grödl, so vergangene Ostern das rothe Ei mit mir 
gef. getheilt, küsse ich mit schuldiger Reverenz den Rock, befehle denselben treulichst 
ihre Dienerin, mein liebes Weib.« 



273 

Religion geneigt zeige, zu gewinnen suchen, um ihn vom Kriege gegen 
Polen abzuhalten. 

Übrigens klagte der Botschafter, daß er täglich schlechter behan- 
delt werde und seine u. seiner Leute Ration nicht erhalte, unter dem 
offenbar falschen Vorwande, daß der türkische Botschafter in Wien 
schlecht gehalten werde. Daher auch würde von der unersättlichen türki- 
schen Habsucht noch immer an den Präsenten herumgemakelt u. der 
Großvezier selbst schiene eine besonders große Summe zu erhoffen. l ) 

Nachdem aber dieser sich überzeugt hatte, daß er keine solche zu 
erwarten habe, änderte er seine Haltung und nahm das Ausfahrverbot 
zurück vom 25. Febr. abds. an, wonach der Botschafter einige Male un- 
beanstandet ausfahren konnte. Durch gleiche Vermittlung des Capudan 
Pascha und des Mufti von Ofen wurde bessere Traktierung u. Beant- 
wortung der Geschäftspunkte in Aussicht gestellt, die jedoch durch leere 
Ausflüchte, wie üble Behandlung des türk. Botschafters in Wien, Zweifel 
wegen der friedlichen Dispositionen, Präsente u. dgl., trotz der sehr ent- 
schiedenen Widerlegungen immer wieder hinausgeschoben wurde. 

Inzwischen war der Vize-Superior der Jesuiten von Galata 
(5. Febr.) erschienen, offenbar im Auftrage des französ. Botschafters u. 
hatte das Vorgehen des siebenbürg. Gesandten, als habe dieser ihn auf 
seine Seite gebracht, widerlegt, was Khufstain freundlich entgegen- 
nahm, aber skeptisch als excusatio non petita accusatio manifesta be- 
trachtete. 

Einige Zeit darauf wurde die Ausfahrt wieder eingestellt unter dem 
Vorwande, daß die durchziehenden Soldaten, die jetzt gegen den Rebellen 
im Yemen bestimmt waren, Ungelegenheiten bereiten könnten. Nament- 
lich zum venezian. Bailo wurde der Botschafter nicht gelassen. 

Am 15. März berief der Großvezier den Residenten zu sich, um 
Aufklärung über die angeblichen Truppenansammlungen bei Kaschau 
zu verlangen. Er habe gegenwärtig drei Kriegsexpeditionen vor sich, 
wider die rebellischen Tartaren und Russen, in den Yemen und nach 
Persien, daher wolle er den Deutschen gegenüber beruhigt sein u. selbst 
an den Kaiser schreiben. Der Botschafter ließ ihm sagen, von beson- 
deren Truppenansammlungen sei ihm nichts bekannt, wohl aber, daß 
mit Rücksicht auf die vielfältigen bisher stattgehabten Grenzverletzungen 
und friedensbrüchigen Inkursionen sämtliche Grenzen in stärkerer Bereit- 
schaft gehalten werden müßten. Zudem seien ihm selbst die Gerüchte 
über feindselige Absichten Bethlens gegen den König v. Polen bekannt 
(die ihm schon vom Kaiser mit Schreiben v. 7. Novemb. signalisiert 
worden waren). Der Kaiser könnte seinen Schwager und die Kinder 
seiner Schwester nicht im Stiche lassen. Bethlen, als guter Nachbar und 
Freund der Pforte, möge also zur Ruhe gemahnt werden. Der Groß- 
vezier war von dieser Antwort so befriedigt, daß er den Bethlen, den 
er als türkischen Vajda bezeichnete, einen Hund nannte. Khuefstein 
wiederholte in seinem Bericht v. 29. März hierüber den Rat, die Grenzen in 
guten Verteidigungszustand zu versetzen und die Spesen für die Geschenke 
lieber dorthin zu verwenden. Dem Vezier von Ofen schrieb er auch, 
um ihm seine falschen Berichte vorzuhalten. 

Er traute auch den offiziellen Versicherungen nicht und machte 
darauf aufmerksam, daß die große Anzahl von Truppen samt dem Zuzug 
der Fürsten der Moldau und der Walachei nicht im Verhältnis zur Be- 



') H. K. R. 1629, R. 204, 206, 208, 216. 

18 



Kuefstein. III. 



274 

wältigung der Tartaren und Russen stehe, und aus zufälligen Äußerungen 
hervorgehe, daß man gegen Polen verstimmt sei, weil es den längst 
angekündigten Botschafter zur Bestätigung des Friedens nicht gesendet, 
sondern dem abgesetzten Khan der Tartaren Hilfe geleistet habe. 

Bezügl. des Ausfahrens wandte Khuefstein nun ein anderes Vor- 
gehen an, indem er dem Großvezier für seine Fürsorge Dank sagen 
ließ, was zur Folge hatte, daß dieser ihm am 14. April, dem hl. Oster- 
abend, mit besonderer Höflichkeit antwortete, er möge, da das Fußvolk 
nach dem Yemen nun abgezogen, ruhig nach Gala ta fahren, was auch 
am Ostertage geschah. Aber als der Botschafter einige Tage darauf ans 
Schwarze Meer und nach Skutari spazieren fahren wollte, wurde dies 
wieder eingestellt, wogegen bei dem den erkrankten Vezier vertretenden 
Chihaga gleich protestiert wurde unter Mitteilung der in einem kaiserl. 
Schreiben enthaltenen Beschwerden gegen den türk. Botschafter in Wien. 
Der Großvezier sandte durch einen Zorbaschi od. Janitscharenhauptmann 
Entschuldigungen und beteuerte neuerdings, das Verbot sei nur zur Ehre 
u. Sicherheit des Botschafters erfolgt, den er gleichzeitig einlud, seinen 
Auszug nach Persien anzusehen. 

Von Bethlen war kürzlich ein Internunzius angekommen und in 
dessen Begleitung »ein Bruder desjenigen Grafen, der 1626 wegen des 
Attentates gegen Ludwig XIII. enthauptet worden war« 1 ), und ein Hol- 
länder, welche beide die Pforte für den Pfalzgrafen gegen den Kaiser 
gewinnen sollten. Auf die Vorstellungen Khuefsteins hatte der Groß- 
vezier beteuert, daß er davon nichts wisse und Frieden halten wolle. 
Dagegen kamen persische Kundschafter, welche aussagten, ihr König 
sei sehr stark u. wolle den Kaiser zum Krieg gegen die Türken auf- 
fordern. Immerhin wäre es geraten, sich des Abassa, der jetzt Pascha 
von Bosnien sei, möglichst zu versichern, meint Hans Ludwig in 
seiner Berichterstattung. 

Mehr und mehr drängte der Botschafter auf die ihm vom Groß- 
vezier zugesagte endliche Beantwortung der Verhandlungspunkte, und 
seine Abfertigung. Der Kaiser, welcher ihm schon im März die Er- 
mächtigung erteilt hatte, »wieder herauszuziehen«, wiederholte sie mit 
einem gnädigen Schreiban v. 20. April, indem er ihm Sein Ah. Wohl- 
gefallen über seine Haltung in allen aufgetauchten Fragen aussprach. 
Er solle jedoch noch die Ankunft des an Stelle des zurückgetretenen 
Lustrir ernannten neuen Residenten Hans Rudolph Schmidt ab- 
warten, welcher auf die Bitte der Gattin des Hans Ludwig angewiesen 
wurde, gleichzeitig mit des Orators Kurier ehetunlichst hinunter zu reisen, 
damit der türk. Botschafter in Wien nicht länger auf schwere Unkosten 
zurückgehalten zu werden brauche. Man werde letzterem auch weder 
Spiel noch Fahnen bei seinem Auszuge zugestehen. 2 ) Ferner erhielt der 
Botschafter bezüglich der Reklamation von Waizen und Lippa, die so 
böses Blut gemacht, die Andeutung, daß letzteres, welches die Türken 
schon lange hätten, nicht so stark zu begehren sei als Waizen, da dieses 
erst kürzlich friedensbrüchig von ihnen besetzt wurde. Und bezüglich 
der 60 strittigen Dörfer sei die Spezialkommission wegen des Wider- 
strebens der türkischen Delegierten zu keinem Resultat gelangt. Die 



*) Wegen der Verschwörung gegen Richelieu u. den König wurde Graf v. Chalais 
hingerichtet u. die Prinzen v. Vendome, Söhne Heinrichs IV. und der Gabrielle d'Estrees, 
ins Ausland gesendet. Lavallee, Hist d. Francais. III, 112. — Capefigne, Richelieu etc. 
IV, cap. 40. — v.Weiß, Weltgesch IX, 236. 

■) H. K. R. 1629, E. 43 u. 46. 



275 

Verhandlungen seien nun dem Palatin und dem Vezier von Ofen über- 
tragen worden. 

So war die fernere Aufgabe der Mission etwas eingeschränkt. Ihr 
Hauptzweck war bereits erreicht, die Bestätigung des geschlossenen 
Friedens zu manifestieren, worauf türkischerseits das größte Gewicht 
gelegt worden war. 

Es blieben aber noch einige heikle Fragen, namentlich jene des 
Patriarchates, die dem Kaiser besonders am Herzen lag. Nach Anzeige des 
griech. Erzbischofs Athanasius wäre der Patriarch zu Konstantinopel 
vom Schisma ausgetreten und Kalviner geworden und verbreite kalvini- 
sche Katechismen. Er möge durch einen Katholiken ersetzt werden, 
wofür die Propaganda und der König von Neapel gern Mittel zur 
Disposition stellen würden. Der französ. Botschafter hatte ihn schon weg- 
gebracht, der englische aber mit dem holländischen ihn wieder restituiert. 
Khuefstein solle nun den Sultan veranlassen, nur einen solchen Patri- 
archen zu akzeptieren, der ihm vom Papste gesendet würde. Er fand 
aber die Angaben der griechischen Bischöfe nicht bestätigt und es 
kamen ihm diese überhaupt verdächtig vor. Da die Sache bei seiner 
Ankunft in Konstantinopel ruchbar geworden war, gab er anheim, 
einen anderen Weg zur Vereinigung der schismatischen Provinz mit der 
Römischen Kirche zu suchen, worüber er auch an Khlesl und La- 
mormain berichtete. 

Dem Franziskaner Pietro Paulo Pruni erteilte er ein Empfeh- 
lungsschreiben an den Fürsten der Wallachei, infolgedessen dieser aut 
eigene Kosten in seiner Residenz eine kathol. Kirche erbauen ließ. 

Nach dem Auszuge des Usruf mußte der Botschafter wieder mit 
dem Kaimakam Reggieb Bassa verhandeln, der als besonderer Freund 
des feindseligen Veziers von Ofen wie auch des Bethlen galt. Da 
jedoch der noch in Skutari befindliche Großvezier das Regiment noch 
nicht abgegeben hatte, stand er ebenso wie die Veziere, die des Sultans 
Schwestern zu Gattinnen hatten und nur durch Verwendung der Sultanin- 
Mutter vor dem Haß Usrufs beschützt worden waren, noch gänzlich in 
Furcht vor ihm. 

Khuefstein konnte indessen wieder ausreiten, wovon er aber »mit 
Moderation« Gebrauch machte. Zuerst zur Prozession zu Fronleichnam 
in Galata, wo er daraufhielt, die Proeminenz des Kaisers vor den an- 
deren christlichen Fürsten hervortreten zu lassen, um so mehr als er 
gemerkt hatte, daß der französ. Botschafter ihm bei solchen öffentlichen 
Gelegenheiten nicht gern weichen wollte und sich überhaupt seit dem 
Einfalle seines Königs in Italia hochmütiger benahm. 

Am 21. Juni konnte er endlich seinen Besuch bei dem venezian. 
Bailo Sebastiano Veniero abstatten, welcher ihn ausnehmend zuvor- 
kommend empfing und die größte Deferenz für das Haus Österreich 
zur Schau trug, was der Botschafter, wie er sich auszudrücken pflegte, 
in seinem Wert u. Unwert beruhen ließ. 

Als zu dieser Zeit die gewöhnliche Veränderung (von 5 od. 6 Jahren) 
mit dem Fürsten der Moldau vor sich ging, ließ der Botschafter den 
iöjähr. Sohn des Radul Wayda, welcher die Würde seines Vaters 
durch ein Geschenk von 160.000 Talern erlangt hatte, dazu beglück- 
wünschen, welches er »aus Mangel an Vernunft« nur durch einen Rund- 
trunk u. erst später durch zwei Abgesandte »verdankte«. Aus diesem 
Anlasse beantragte Khuefstein, es möge dieser häufige Wechsel in der 

18* 



276 

Moldau und ebenso in der Wallachei benützt werden, um von uns 
aus geeignete Personen des Landes dazu zu gewinnen. 

Am i.Juli traf der neue Resident in Pontepiccolo ein, von wo 
er am 4. mit zwei Karrossen und einigen Herren des Gefolges eingeholt 
und in den Han des Botschafters geführt wurde, der seine Ankunft 
unter dem 7. Juli meldete. 1 ) Ein von ihm mitgebrachtes Schreiben des 
Pascha von Ofen berührte zwei Punkte, die Dauer des Friedens und 
die Botschaftersendungen von drei zu drei Jahren. Zu ersterer Frage war 
er von der Pforte nicht ermächtigt und bezüglich der zweiten gab Khuef- 
stein den Rat, diese Sendungen seltener zu verwilligen, dagegen die 
vorfallenden Irrungen an der Grenze zu erörtern. 

Der Kaimakam hatte gleichfalls ein großes Präsent erwartet. Er 
war jetzt ziemlich unfreundlich gestimmt und wollte nicht nur die Ab- 
schiedsaudienz beim Sultan übereilt ansetzen, sondern auch dem Bot- 
schafter vorher keine Unterredung gewähren. Dieser bestand darauf und 
erklärte, nicht eher zur Audienz zu kommen, als bis er auf seine über- 
reichten Punkte eine schriftliche Antwort erhalten haben würde. Man 
hatte erwartet, der Botschafter würde sich zum Großvezier nachSkutari 
begeben, was er nicht für entsprechend hielt, da er zum Sultan nach 
Konstantinopel gesendet worden war. Über sein Andringen begnügte 
man sich mit Abschriften der vom Großvezier mitgenommenen Doku- 
mente, die ihnen schon viermal übergeben worden waren. 

Am 19. Juli kam der Botschafter endlich mit dem Kaimakam in 
dessen Hause zusammen und brachte seine Mängel gegen die Antwort 
vor, deren schriftliche und unterschriebene Übergabe er heischte, an- 
statt der beabsichtigten Inserierung in des Sultans Antwort an den Kaiser. 

Die Dauer des Friedens betreffend, wollte kein Teil zuerst mit 
einer Ansicht herausrücken, so daß man auf die von den Friedens- 
kommissären schon in Aussicht genommenen 25 Jahre zu schließen kam. 
Fernere Abordnungen sollen dem Kaiser und dem Sultan anheimgestellt 
bleiben. 

Wieder traten Befürchtungen über die Absichten des Kaisers gegen 
die Länder des schwer erkrankten Bethlen zutage. Der Botschafter 
möge den Kaiser vor solchen Plänen warnen, worauf dieser antwortete, 
er glaube nicht daran, sei aber nicht berechtigt, dem Kaiser eine War- 
nung zukommen zu lassen, sondern nur dessen Befehle auszuführen. Und 
als sein Mitredner ihm eine Liste von vielen Orten vorlas, welche den 
Türken gehört hatten, erwiderte er, »wenn es. darauf ankäme, könnte 
er mit besserem Fug alles von Gran bis Konstantinopel begehren, 
weil solches alles der Christen gewesen sei«. 

Er remonstrierte sofort gegen die Verweigerung von Lippa und 
Waizen sowie auch, unter Berufung auf die Kapitulation von 1616, daß 
der Orden der Jesuiten als ein neuer von der Admission in der Türkei aus- 
geschlossen werden sollte. Es wurden ihm zwar vage Zusicherungen erteilt, 
aber er konnte verstehen, daß die »widerwärtigen Botschafter« schon ent- 
gegengearbeitet hatten. Die schließliche Antwort war auch in dieser 
Richtung nicht modifiziert worden. 

Der erste Punkt derselben bestätigt den Frieden, wie verabredet. 
Der zweite gewährt allen von altersher im ottoman. Gebiete zugelassenen 
Priestern u. Mönchen die Freiheit der Religionsübung — außer den 
neu aufgestandenen Jesuiten. Der dritte Punkt bestimmt die von früher 



l ) H. K. R. 1629, E. 305. 



277 

her bestehende Sicherheit für die Hin- u. Herreisen der Kaufleute. 4. Die 
Frage der Gefangenen wird dem Vezier zu Ofen zu traktieren über- 
lassen, ebenso 5. die reklamierten 60 Dörfer. 6. Von Lippa soll man 
nicht reden, ohne die Freundschaft zu stören. Man hat es nicht weg- 
genommen u. es ist bei der Friedenstraktation nicht erwähnt worden. 
Und Waizen ist nur anstatt Bolondvar behalten, soll auch nicht 
erwähnt werden. 7. Sollen ernstliche Befehle die Unordnungen bei 
Kanischa abstellen. 8. Nochmalige Freundschaftsversicherung. 

Khuefstein akzeptierte diese Antwort nur unter Protest und 
lediglich unpräjudizierlich zur Vorlage an den Kaiser. 

Die Abschiedsaudienz beim Sultan fand am 24. Juli in gewohnter 
feierlicher Weise statt. Nur daß bloß 20 Kaftane für das Gefolge ge- 
geben wurden. Der Botschafter verabschiedete sich mit einer kurzen 
Rede, stellte den neuen Residenten vor und empfahl sich der Gewogen- 
heit des Sultans für seine Rückreise. 

Er scheint geahnt zu haben, daß er dieses Wohlwollen nötig haben 
werde. Denn des Kaimakams böswilliger Hintertreibungen war noch 
kein Ende. Wegen des Bayrams mußte er bis zum 4. August auf den 
Abschiedsempfang bei ihm warten. Er wiederholte das schon schriftlich 
gestellte Begehren um Freilassung der beiden Marchesi Centurioni 
seines Gefolges, welche er nach Genua entlassen hatte, und die auf der 
Überfahrt vom Pascha von Tunis gefangen und dem Capudan Pascha 
als Sklaven geschenkt worden waren. Er erhielt die Antwort, als Genueser 
seien sie Feinde der Pforte. Von den sonstigen Gefangenen, die den Bot- 
schaftern gewöhnlich freigegeben werden, den gebräuchigen Ehrenge- 
schenken, wie z. B. dem Roß aus des Kaisers Stall, wollte man nichts 
wissen und er fand es unter der Würde seines Herrn, durch Präsente 
diese sonst gewohnten Freundlichkeitsbezeigungen hervorzurufen. Als 
der Kaimakam ihm sagte, er wäre ein gar lieber und glückseliger Bot- 
schafter, indem er Frieden gebracht, antwortete er, dieser sei vom Kaiser 
den Türken durch ihn gesendet worden, er aber hätte von ihnen weder 
Freundschaft noch Glück empfangen, sondern vielmehr das Widrige, 
was der Kaimakam ohne Widerrede verschluckte. Dafür machte er ihm 
neue Zusagen, die natürlich nicht gehalten wurden. Auch wurde ihm 
das Antwortschreiben des Sultans an den Kaiser nicht, wie es ver- 
sprochen war, vor der Zusiegelung vorgelesen, noch davon eine Kopie 
übergeben. 

Außerdem movierte der Kaimakam die Frage, ob denn der Auf- 
trag auf Zurückbegehren von Lippa u. Waizen gelautet habe, und 
.dabei eine Drohung angehängt gewesen, worauf Khuefstein erinnerte, 
sein Auftrag sei auf Türkisch übergeben worden, was aber der Kaiser 
beschließen werde, wenn er die Ablehnung erhalte, könne er nicht 
wissen. Ferner beschwerte sich der Kaimakam wieder über die angeb- 
liche Ungleichheit der Präsente, welche der Botschafter damit wider- 
legte, daß er ihm die Vergleichung der Listen anbot, nach denen der 
türkische Botschafter nicht den dritten Teil dessen übergeben habe, was 
er selbst nach Konstantinopel gebracht. Er könnte also die Differenz 
reklamieren. Worauf dieser »schamroth und mit entfärbtem Angesicht« 
gleich einen anderen Diskurs angefangen. Die Unterredung schloß ohne 
besondere Freundlichkeit, aber doch mit Überreichung eines Kaftans. 

Die anderen Veziere, die er besuchen wollte, waren meist außer- 
halb der Stadt oder ließen sich entschuldigen. Er ließ sie begrüßen, als 
sie im Diwan beisammen waren, was sie als ein »spanisch Stückl« nach- 



278 

träglich lobten. Den Groß-Mufti, einen alten, feinen Mann, besuchte er 
in seinem Garten. Dieser bat, Se. Maj. möge, wenn Bethlen stürbe, 
nichts gegen Siebenbürgen unternehmen, wogegen Khuefstein er- 
innerte, daß die Komitate, die der Kaiser ihm aus Gnade persönlich 
gegeben, nach seinem Tode natürlich von den Türken nicht beansprucht 
werden dürften. 

Noch am 13. August schrieb Khuefstein aus Konstantinopel, 
daß er das ihm bewiesene Übelwollen hauptsächlich der Einschränkung 
der bisher gebräuchlichen täglichen Schenkungen zuschreiben müsse, 
weil er das Eis zu brechen und nach Sr. Maj. a. gn. Befehl den alten, 
bösen Brauch abzubringen angefangen, worin er unbeachtet des eigenen 
Verlustes auch fernerhin zu kontinuieren sich vornehme. 

Er verabschiedete sich weiters von den christlichen Botschaftern, 
außer dem französischen, der ihn nie besucht hatte, »und wegen des 
Kriegseinfalles in Savoyen und der Expedition nach Montferrat gar 
zu viel Bravirens sich vernehmen lassen«. Am 18. August 1629 brach er 
auf, nachdem er v. 25. Novb. 1628 an neun Monate weniger sieben 
Tage in Konstantinopel gewesen, und zog in guter Ordnung aus der 
Stadt, vor deren Toren er sofort das Spiel erschallen und die Fahnen 
wehen ließ. 

Bei der Rückreise, die auf demselben Wege über Pontepiccolo, 
Silebria und Adrianopel vor sich ging, hatte der Botschafter eine 
ganze Reihe von Schikanen zu bestehen. Schon zur Abreise blieb man 
ihm 5000 Taler schuldig und es wurden ihm die nötigen Wagen nur 
mit großer Verzögerung und nicht in genügender Menge beigestellt, so 
daß er zu den 35 gelieferten noch 10 selbst aufnehmen mußte. Seine 
sämtlichen Sachen wurden durchsucht, obwohl er sich energisch dagegen 
wehrte, und in Adrianopel ihm sogar auf Befehl des Kaimakam die 
von ihm selbst erkauften Sklaven trotz der erhaltenen Freilassungsbriefe, 
die angeblich nur innerhalb der Türkei gelten sollten, abgenommen. Die 
Rosse wurden ihm »aus besonderer Freundschaft« belassen. Nachdem 
er auf die Erledigung seiner Reklamationen sieben Tage hatte warten 
müssen, konnte er am 1. September seine Reise fortsetzen. Am 9. schrieb 
er aus Sophia und am 25. aus Griechisch-Weißenburg. 

Von dort meldete er unter dem 28. Septb. dem Kaiser über die 
Angelegenheit der völkerrechtswidrig gefangen gehaltenen Marchesi 
Centurioni und das ihm widerfahrene üble Traktament. Er fügte den 
dringenden Rat hinzu, an den Grenzen in wachsamer Bereitschaft zu stehen 
und scharfe Schreiben an den Sultan und die Veziere zu richten, »welche 
den Kaimakam und auch den Murteza zu Ofen um den Dienst oder 
gar das Leben bringen könnten, was zur Erlöschung vieler Machinationen 
ohne Zweifel fürträglich sein würde«. Tatsächlich ging auch ein Befehl 
zu energischen Reklamationen an den Residenten Schmidt ab. 1 ) 

Aus demselben Orte konnte er auch melden, daß eine Deputation 
von Kaufleuten aus Bosnien zu ihm gekommen sei, um ihr Land der 
Gnade des Kaisers anzuempfehlen, wie auch die ganze dortige Ragu- 
sanische Nation an allen durchgekommenen Orten zu Sr. Maj. aufblickt, 
welche Dispositionen er für einen künftigen Krieg, der von Bosnien 
und Kroatien aus geführt würde, zur Berücksichtigung anempfiehlt. 

Am 11. Oktober gelangteer endlich nach Ofen, wo ihn der Vezier 
feierlich mit einem Gefolge von 3000 Mann empfing. Seitdem er in dessen 



i) H. K. R. 1629, E. 331, 336. 



279 

Gebiet gekommen, war er überhaupt viel zuvorkommender behandelt 
worden. 

Er hatte noch vielfache Verhandlungen mit ihm über das ihm 
angetane Unrecht unter Reklamation der Freigebung der Centurioni 
sowie der ihm abgenommenen Sklaven, ferner über die dem Palatin 
übertragene Kommission betreffs der 60 Dörfer, dann wegen verschie- 
dener neuerlicher Übergriffe der Türken an den Grenzen, und er mußte 
warten, bis die Abmachungen wegen der Auswechslung mit dem Gegen- 
botschafter getroffen waren. Die lange Dauer der Zurückhaltung ver- 
anlaßte ihn am 9. Novb., die bewegliche Bitte zu stellen, »ehest von diesem 
Volk erledigt zu werden«, nachdem schon fast die Hälfte seiner Leute 
erkrankt sei und neben so schlimmer Logierung und einbrechender Kälte 
die Verpflegung je länger je schlechter werde. 

Der Gegenbotschafter, welchem die Klagen Khuefsteins gleich- 
falls vorgehalten wurden, säumte nicht, dessen üble Behandlung damit 
entschuldigen zu wollen, daß dieser zu hart gegen die Türken und nicht 
freigebig genug gewesen wäre, wogegen dieser sich natürlich wieder recht- 
fertigte. 

Am 28. Novb. konnte er von Ofen aufbrechen und am 30. fand 
zu Almasch die Auswechslung mit dem türk. Botschafter in aller Ord- 
nung statt. Durch die mühsame Beschaffung der nötigen Wagen aufge- 
halten, ging die Rückkehr nur langsam vor sich. In Ungar isch- 
Altenburg (5. Dezb.) erhielt er durch einen Chausen aus Ofen zwei 
türkische Schreiben für den Kaiser und den Hof-Kriegsrat in betreff der 
Witwe des eben verstorbenen Bethlen, welche die Türkei um Assistenz 
gebeten haben soll, falls sie von den Deutschen angefochten würde. Noch 
vielfache Korrespondenzen wurden auf der Rückreise gewechselt. *) 

Am 8. Dezb. langte er endlich in Wien an, wo er gleich am an- 
deren Tage dem Kaiser die mitgebrachten Schreiben des Sultans usw. 
überreichen und über seine Mission Bericht erstatten konnte. 

Dem eingehenden schriftlichen Berichte ließ er noch ein Memorial 
über die Person des Sultans und die Verhältnisse der Türkei, sowie ein 
anderes über die zweckmäßigste Art der Vermittlung der Korrespondenz 
und ein lateinisches über den Status Regni Ottomanici Turcici folgen. 



l ) H. K. R. 1629, E. 335, 337, 344, 358, 360 u. R. 225, 226, 229, 230, 231. 



280 




Die Linzer Burg v. J. 1623. (Ob.-ö. Land.-Archiv.) 



C. Landeshauptmann in Oberösterreich. 1630— 1656. 

1. Landes- Hans Ludwig hatte die ihm übertragene, unter den damaligen 

hauptmann. Zeit- und Kultur Verhältnissen doppelt schwierige Mission nach Kon- 
stantinopel zur hohen Zufriedenheit seines kaiserlichen Auftraggebers 
durchgeführt. Die Geschäftsgewandtheit und Geschicklichkeit, von der 
er bei diesem Anlasse neue Proben abgelegt hatte, ließen ihn für andere 
wichtige Funktionen in hohem Maße geeignet erscheinen. Es kann daher 
nicht Wunder nehmen, daß schon vor seiner am 8. Dezb. 1629 erfolgten 
Rückkehr nach Wien Verhandlungen mit ihm angeknüpft wurden. Der 
Obersthofmeister Gf. M egg au bot ihm im Auftrage Sr. Maj. die seit 
dem am 11. Septb. 1629 erfolgten Ableben des Gf. Herberstorff va- 
kante Stelle des Landeshauptmanns von Oberösterreich an. Über seine 
wahrscheinlich mündliche Annahme wurde am 29. Dezb. die Buchhaltung 
angewiesen, zu berichten, wie es in solchen Fällen mit der Ergötzlich- 
keit gehalten wurde. 1 ) 

Der neue Landeshauptmann trat sein während der Kriegsunruhen 
besonders exponiertes Amt sehr bald an. Seine Installation in Linz 
fand bereits am 5. Febr. 1630 in feierlicher Weise statt, wobei die Stände, 
obwohl sie keine schriftliche Intimation erhalten hatten, in corpore er- 
schienen. 2 ) Sie wurde durch den N. ö. Regimentsrat Kämmerer Hans 
Heinrich Freiherrn von Salburg vorgenommen. Die Kosten derselben 
per 50 fl. wurden vom o. ö. Vizedomb Konstantin Grundemann 
v. Falkenberg unter dem 11. Juni 1630 bei der Hofkammer reklamiert. 3 ) 



') Hfk.A. 1629, E. 590. 

2 ) Ob. ö. Ldsarch. — F. Stauber, Ephemeriden d. ob. ö. Stände. Linz 1884. — 
Wisgrill u. d. Histor. Catalogus d. Eph. Ob. ö. Wien 1662, pag. 152 sagen unrichtig 1631. 

3 ) HfkA. Fam.Akt. Ku. 4. 



281 

Bald nach der Installation, am 2. März 1630, wurde der neue Landes- Ob.-ö. Herren- 
hauptmann auf Wunsch des Kaisers für sich und seine ganze Descen- stand, 
denz in den ob. ö. Herrenstand aufgenommen. 1 ) 

Noch in demselben Jahre, am 24. Juli, erhielt Hans Ludwig - die Geheimer Rat. 
Ernennung zum Geheimen Rate, welche, wenn sie auch eine gewöhn- 
liche Folge des erhaltenen Amtes war, doch nicht immer so schnell er- 
folgte, und hier speziell mit den durch die Übernahme der Botschaft 
nach Konstantinopel erworbenen Verdiensten motiviert wurde, wie 
sich bei der einige Jahre später erfolgten Erhebung in den Grafenstand 
ausführlicher wiederholt findet. 2 ) 

So war Hans Ludwig in Oberösterreich seßhaft geworden, wo 
er das übernommene Amt als Landeshauptmann bis zu seinem Ende 
mit Ehren und Ruhm führte und der Stammvater der jüngeren ob. österr. 
Linie wurde, die sich reich entfaltete, zahlreiche Blüten trieb, aber schon 
in der Zeit eines Jahrhunderts gänzlich erlöschen sollte. 

Aufgabe dieser Familiengeschichte ist es, zunächst die Schicksale 
des Hauptstammes in Niederösterreich vor Augen zu führen, die 
Nebenlinien späterer Behandlung vorbehaltend. Daher würde auch die 
Darstellung des weiteren Lebensganges des Hans Ludwig eigentlich 
über den Rahmen des vorliegenden Werkes hinausragen. Um dem Wirken 
dieses Staatsmannes eine seiner Bedeutung entsprechende Würdigung 
angedeihen zu lassen, wäre zudem eine noch vollkommenere Ausbeutung 
des vorhandenen Materiales und Nachforschung nach neuen Quellen not- 
wendig, indem die Archive der ob.-ö. Linie mit deren zahlreichen Be- 
sitzungen in die Hände anderer Familien gelangt 3 ), teilweise auch in 
den das Land so oft verwüstenden Kriegen zugrunde gegangen sind. 

Einige Momente nur können hier hervorgehoben werden, welche 
für die Familie besonders prägnantes Interesse bieten oder sonst von 
Bedeutung sind. 

* * 

* 

Nach einer Reihe von Jahren, in denen Hans Ludwig die ver- 2. Grafen- 
antwortungsreiche Stelle eines Landeshauptmannes in dem vielfachen stand, 
feindlichen Einfällen ausgesetzten Oberösterreich zur großen Befriedigung 
seines kaiserl. Herrn ausgefüllt hatte, ward ihm eine besondere An- 
erkennung desselben durch die Verleihung des Grafenstandes zuteil. 
Diese Erhebung datiert vom 20. Februar 1634 4 ), das Patent darüber 
kam aber erst am 12. April 1646 zur formalen Ausfertigung in Gestalt 
einer »Erneuerung des am 20. Febr. 1634 verliehenen, aber nicht 
zur Ausfertigung gelangten Grafenstandes für das Reich und 
die Erbländer mit dem Titel Hoch- u. Wohlgeboren und der Be- 
willigung, im Reiche und den Erblanden Herrschaften zu besitzen und 
sich davon zu nennen«. 5 ) Schon vorher, im Lehenbriefe v. 2^. Dezemb. 
1633 über das Oberst-Silberkämmereramt war ihm der Grafentitel ge- 
geben worden. 6 ) 

l ) Hoheneck, I, 535. — Ad. Wolf, I, 300. 

3 ) Hfk.A. Farn. Akt. Ku. 4. — N. ö. Kammerb. 1630, Fol. 133. 

3 ) 10 Foliobände im Gräfl. Thürheim'schen Archive zu Weinberg, andere im 
ob. ö. Landesarchive etc. 

4 ) Arch. Greill. Authentizierte Abschrift dto. Linz, 1. Juli 1652. — St.A. Hofk.Akt. 
— Die Mitteilung an d. Hofkammer erscheint erst v. 15. Septb. 1634 sub E. 489 ver- 
zeichnet. 

5 ) Reichsakt., Adelsarchiv i. k. k. Min. d. Innern. 

6 ) Statth.A. Lehenb. 1623 fr., Fol. 256 u. 257. 



282 

Die Verleihung- des Grafenstandes v. 1634, welche lediglich seine 
Person und die von ihm abstammenden Nachkommen, also die jüngere 
oberösterreich. Linie umfaßte, wird durch die speziellen Verdienste be- 
gründet, welche er sich um Kaiser und Reich erworben hatte. Der be- 
treffende Passus muß daher hier wiedergegeben werden. Nach dem allen 
ähnlichen Dekreten analogen Eingange heißt es: 

»Wann Wir Uns dann nit allein erinnern, sondern auch im Werke 
vielmal erfahren u. zu Unserm sonderbaren gnädigsten Wohlgefallen in 




Hans Ludwig. 



kais. Gnaden erkennen die adeligen fürtrefflichen Qualitäten bekannte 
hohe Erfahrenheit, zusammt der beiwohnenden erleuchten Vernunft, 
Geschicklichkeit und anderen berühmten Tugenden, damit der hoch 
u. wohlgeborne Unser Lieber Getreuer Hans Ludwig von Khuef- 
stain, Freiherr zu Greillenstein und Herr auf Spitz, Obrist-Erbsilber- 
kämmerer beeder Erzherzogtümer Österreich ob u. unter der Enns, Unser 
gehaimber Rath, Kämmerer u. Landeshauptmann in Österreich ob d. Enns 
begabt, wie auch das gute uralte adelige Herkommen und herrlichen Stand, 
darin Er begriffen, sonderlich aber die sehr angenehmben, hochansehn- 
lichen, tapferen u. ersprießlichen, allgemein nützlichen Dienste, so Er 
nicht allein Unseren höchstgeehrten Vorfahren am Reich, Rom. Kaisern, 



283 

Königen, u. Unserem gesammten löbl. Haus Österreich, sondern auch 
Uns selbsten von vielen Jahren her mit gehorsamster treuer Devotion 
in unterschiedlichen Rathsmitteln u. vielen andern Ihm aufgetragenen 
Commissionen u. Absendungen, vorderist aber in der ansehnlichen u. 
von Ihm zu Unserem a. gn. Contento auch sein von Khueffstain 
Freihn., gutem Lob und Ruhm verrichten Legation an die Ottomanische 
Porten, mit sonderlicher Integrität, höchst angelegenem Fleiß und Euffer 
ganz unverdrossen und ungescheut ainiger Gefahr, auch unverschont 




Susanna Eleonore geb. v. Stubenberg. 



E. A. 



Leib, Gutes und Blutes zu des gemainen Wesens hocherfreulicher Wol- 
fahrt und ersprießlichem Nutzen unterthänigst willig erzaigt und be- 
wiesen, solche noch dato mit wirklicher Bedienung der Landeshaupt- 
mannschaft Unseres Erzherzogthums Österreich o. d. Enns, und denen 
von Uns Ihme öfters aufgetragenen extraordinari Commissionen und 
wichtigen Verrichtungen, ungespart aller Mühe u. Arbeit beständig 
leistet u. ferners zu leisten des unterthänigsten Erbietens ist, auch Vohl 
thun kann, mag u. soll. Als haben Wir solches alles gütlichen ange- 
sehen, wahrgenommen u. ziemlich zu sein erachtet, daß obgenannter 
Hans Ludwig von Kueffstain, Freiherr, solcher Uns, dem Hl. Reich 
u. Unserem Haus Österreich in mannigfaltiger Weise geleisteten ge- 



284 



Ob.- Silber- 
Kämmerer. 



Kämmerer. 



Landstand 
in Böhmen. 



3. Amtliches, 



treuen u. ersprießlichen Dienste halber um deren Willen Wir Ihm hin- 
wider aller Gnaden wohl würdig- erkennen, von Uns, dem Hl. Reich 
und Unserem Erzhaus Österreich mit allen Ehren und Gnaden wirk- 
lich bedacht und versehen werde. Und haben demnach zu etwas Ergötz- 
lichkeit u. Erkanntnus solcher fürtrefflicher Ritter und herrlichen Tugen- 
den, wohlhergebrachten rühmlichen Verhaltnuß und langwierigen getreuen 
Verdienens, mit wohlbedachtem Muth, gutem Rath, rechten Wissen u. 
auch selbst eigener wohlaffectionirter Bewegnuß mehrgemelten Hans 
Ludwigen von Khuefstain, Freiherrn, diese besondere Gnad gethan 
und Ihn sammt allen seinen jetzigen und künftigen Ehelichen Leibs- 
Erben und derselben Erbens-Erben Manns u. Frauen Personen abstei- 
gender Linie für u. für in ewige Zeiten in den Stand, Ehr, Würde, Unser 
u. des Hl. Rom. Reichs, auch Unserer Erbkönigreiche, Fürstenthümer 
und Lande Graven und Grävinnen gewürdiget, erhebt und gesetzt, auch 
der Schaar, Gesellschaft u. Gemeinschaft derselben zugefügt« etc. 

Über die Vermehrung oder sogen. Besserung des alten adeligen 
Wappens, welches in gleicher Ausfertigung später auch auf die ältere 
Linie übertragen wurde, wird bei dieser gesprochen werden. 

Für die g-anze Familie von Bedeutung ist ferner das ihr ver- 
liehene Oberst-Silberkämmereramt in beiden Erzherzogtümern, über 
welches bereits bei Hans Jacob ausführlich gehandelt wurde. 1 ) Hier 
ist nur zu erwähnen, daß nach dem Ableben dieses seines älteren Bruders 
(31. Aug. 1633) au .f Grund der oben dargestellten Normen Hans Ludwig 
als der nunmehr Älteste des Geschlechtes darin sukzedierte. Er erhielt 
die Belehnung für sich und die N. ö. Vettern am 2$. Dezb. 1633, dann 
wieder 1637 beim Regierungsantritte Ferdinands III. u. fungierte bei 
der Erbhuldigung an Ferdinand IV. i. J. 1652 in Linz, während in 
Wien sein Neffe Georg Adam ihn vertrat. 2 ) Ebenso wurde er am 
16. Juni 1634 u. am 3. Sept. 1637 m it dem Zehnten v. Limberg bei 
Burgschleinitz, als einem gleichfalls durch beide Linien gemeinsam 
zu vererbenden Seniorate belehnt. 3 ) 

Am 22. Mai 1645 erhielt er in Linz den Kämmererschlüssel von 
K. Ferdinand III., während er schon seit 1623 Kämmerer des kaiserl. 
Vaters war. 4 ) 

Mit kais. Dekret v. 23. Novemb. 1645 erteilte ihm der Kaiser die 
Ermächtigung, sich in Böhmen und dessen inkorporierten Landen an- 
sässig zu machen, worauf seine und seiner Deszendenz Aufnahme als 
dortige Landleute erfolgte. 5 ) 

Mit der Annahme des Amtes eines Landeshauptmanns von Ober- 
österreich hatte Hans Ludwig eine schwere verantwortungsreiche Bürde 
übernommen. Das Land war von Grund auf verwüstet, durch die Kriegs- 
wirren ausgesogen und die verarmte Bevölkerung durch die strengen 
Maßnahmen des verhaßten bayrischen Statthalters Herberstorff er- 
bittert, so daß die Funken des schwer unterdrückten Fadingerschen 
Aufruhrs noch immer unter der Asche glühten. Eine feste und zugleich 
gerechte und milde Hand war notwendig, um das dem rechtmäßigen 
Herrn endlich wieder zurückgestellte Land zu beruhigen und zu kräf- 
tigen. Doch wurde dies nicht leicht gemacht, denn bei jedem der mehr- 



i) S. 174 ff. 

2 ) S. 177. 

3 ) Staath.A. Lehenb. 1623 ff, Fol. 275 u. 381, u. Arch. Greill. 

4 ) Kämmerer-Almanach, S. 88, u. oben S. 242. 

5 ) Arch. Greill. cop. vid. Instrum. b. d. stand. Archivs, Ao. 1691, 14. Juli, sub M. 3. 



285 

fachen Anläufe der Schweden suchten Emissäre die Saat des Aufruhrs 
auszustreuen und es gelang wirklich im Septemb. 1632 die Flammen 
neuerdings anzufachen. Der Landeshauptmann, dem keine genügenden 
Verteidigungsmittel zu Gebote standen, suchte zu vermitteln. Schließ- 
lich mußte Waffengewalt angewendet werden, die auch bei den späteren 
Versuchen erfolgreich eingriff. Das Übrige sollte die Reformationskom- 
mission tun. Sie bestand aus dem Landeshauptmann Hans Ludwig, 
welcher gern ausgleichend zu wirken suchte, H. W. v. Starhem- 
berg, Jacob Perchtold auf Ungarschütz, Hofkammer-Direktor und 
Regent der N. ö. Lande, und Constantin Grundemann v. Falkenau, 
Ob. ö. Vizedom. l ) Über die Erfolge dieser Kommission und die Bauern- 
unruhen überhaupt ist bereits von so vielen ausgezeichneten Historikern 
geschrieben worden, daß es sehr unbescheiden wäre, auf diese über den 
Rahmen des vorliegenden Werkes hinausgreifenden, ohnehin genügend 
bekannten Episoden hier einzugehen. 2 ) 

Nur beispielsweise mögen noch einige Notizen über H. Ludwigs 
Wirken für eine künftige speziellere Darstellung festgehalten werden. 

Von seinen zahlreichen gedruckten Patenten 3 ) enthält gleich das 
erste v. 16. Juli 1630 eingehende Vorschriften gegen die Infektions- 
seuche, andere wiederholen diese, die meisten aber befassen sich mit 
den Kriegsangelegenheiten, Werbungen, Durchzügen und Verteidigung 
gegen die heranziehenden Feinde, Zurückweisung der Insolenzien der 
Soldateska. Man erkennt in allem seine Sorge für die Schonung des 
Bauernstandes und des armen Mannes. Zuweilen auch kamen Irrungen 
mit den Ständen vor, die vom Kaiser dabei angewiesen wurden, den 
»gutbefindenden Dispositionen des Landeshauptmanns zu pariren«. 4 ) Es 
fehlte auch nicht an scharfen Schreiben an die Verordneten, wenn sie etwa 
in Geldsachen für die Truppen sich angesichts der großen dem Lande 
auferlegten Lasten den kaiserl. Wünschen zu akkommodieren zögerten. 5 ) 

Bald nach seinem Antritte ergriff er die Initiative zur Anlage 
einer Salniterwerkstatt u. Pulverfabrik, welche in den kriegerischen 
Zeiten, da Linz ein Zentralpunkt für Lieferung von Munition, Geschützen 
und sonstigem Bedarf der Truppen war, der kais. Armee und dem Ärar 
wesentlichen Nutzen brachte und daher auch nach ihm noch seinen 
Erben anvertraut blieb. In den gleichen Intentionen beantragte er die 
Disposition einer Pulverkammer im Schlosse und 1633 die Errichtung 
eines Rohr- und Büchsenwerkes in Steyer. Er mußte sich öfters für 
die Aufrechterhaltung seiner so nützlichen Anstalten einsetzen und fand, 
dabei die Unterstützung des Hofkriegsrates, welcher am 5. Febr. 1638 
die Hofkammer »neuerlich erinnerte«, daß die Erzeugung des Pulvers 
in eigener Regie dem Kaiser viel billiger komme, wenn aber der 
Khuff stein für seine Auslagen nicht befriedigt werde, könnte er es 
nicht weiter besorgen. Die Kosten (2000 fi.) wurden diesmal auf die 
ob. ö. Landesbewilligung geworfen, die aber bereits erschöpft war. 6 ) 



1 ) H. K. R. 1632, E. 318 u. 338, u. a. vielen Orten. 

2 ) Khevenh., Ann., XI, 261 ff., 274!?., I955ff. — Kurz, Beitr. z. Gesch. d. Landes 
ob d. E., II, XXV u. 1 ff. — A. Czerny, Bilder a. d. Zeit der Bauernunruhen. — Strnadt. 
Der Bauernkrieg in Ob.Ö. — F. Stauber, Histor. Ephemeriden. Linz 1884, S. 74 ff. — 
F. Pritz, Gesch. d. Landes ob d. E. Linz 1847, S. 422, 427, 433, 434, 435. 

3 ) Arch. Greill. 

4 ) H. K. R. 1630, E. 30.6, 430; 1632, E. 224, 225. 

5 ) Arch. Greill. Schreiben H. Ludwigs s. v. 7. Dezb. 1634. 

6 ) H. K. R. 1631, E. 451, 488 u. R. 10; 1633, E. 340; 1637 u. 1638, E. 213 u. 214. 



286 

Viel war mit Abgabe von Geschützen, Musketen, Munition und 
Truppen zu tun, und über die Bewegungen der Kriegsvölker Korre- 
spondenzen zu führen, auch mit Wallenstein 1 ), und unter dem 19. Febr. 
1634 wurde ihm »der Verlauf mit dem Herzog von Friedland zu wissen 
gemacht, auch was sonst zu thun vonnöthen«. 2 ) Am 30. Novb. 1633 meldet 
er die bedauerliche Übergabe Regensburgs. 3 ) 

Durch die dem Lande auferlegten Kriegslasten bewogen, brachte 
er die Beschwerden desselben dem Kaiser vor und erlangte laut dessen 
Schreiben v. 19. Mai 1634, daß Aldringen angewiesen wurde, die zu- 
rückgebliebenen Völker zur Armada abzusenden. 4 ) Dem Befehle gemäß 
forderte er die Stände mit Schreiben v. 27. Oktober d. J. auf, die Kon- 
tribution zu leisten. Er würde gern zu den Herren nach Wels kommen, 
allein da die Weinferien zu Ende und die böse Seuche im Abnehmen 
sei, hoffe er sie bald in Linz zurück zu sehen, um ihnen die Befehle 
Sr. Maj. ausrichten zu können. 5 ) Dann wieder waren dringende Vor- 
kehrungen gegen den Einbruch der Schweden zu treffen, namentlich in 
den unglücklichen vierziger Jahren, die den Kriegsschauplatz gegen 
Oberösterreich hinführten. 6 ) Interessant ist das kais. Befehlschreiben 
v. 27.Novemb. 1647 für Übernahme der de Werth- und Sporckischen 
Offiziere und die Anweisung an den Feldkriegszahlmeister, »er solle 
nicht mehr difficultiren«. 7 ) Die Bevölkerung zeigte wenig Zuvorkommen 
für die aus Bayern heruntergebrachten Truppen u. Geschütze, wollte 
weder Unterhalt gewähren noch die Geschütze transportieren, wie Goltz 
aus Krumau unter dem 10. August 1649 klagt. 8 ) 

Hans Ludwig selbst war der Erste, die der Bevölkerung auf- 
erlegten schweren Lasten zu beklagen, und namentlich wie er über die 
spanischen Hilfstruppen dachte, legte er offen am 25. März 1644 dem 
Obersthofmeister der Kaiserin F. Chr. Khevenhüller dar: »Ein Theil 
gottlob unserer landesverderblichen Heuschrecken zieht noch zu rechter 
Zeit ab, mögen froh sein, daß sie mit ganzer Haut davonkommen, denn 
ihre Insolenzien haben die Bauernschaft bereits in solche Desperation 
gebracht, daß sie sich schon zur Gegenwehr gestellt u. mit angehender 
größerer Wärme gefährliche Unruhen zu befürchten waren. Sogar der 
Commandant Zuniga hat wegen der schlechten Parition der Reiter 
Excusen gemacht und sagen lassen, man möge der Bauernschaft er- 
lauben od. befehlen, sich selbst zu beschützen. Der bemelte Don Felix 
ist ein tapferer, ehrlicher, wohl intentionirter Cavalier und der beste 
Commandant, der in diesem Land gewesen. Kann ihn nur bestens emp- 
fehlen, als gegen Ihr. Maj. und das Haus Österreich absonderlich devot.« 9 ) 
Reisen Vielfache Reisen des kais. Hofes nach Ob. Österreich erheischten 

des Hofes, besondere Vorkehrungen. Gleich i. J. 1630 kam das Kaiserpaar mit dem 
König Ferdinand und zwei Töchtern. Im J. 1635 hatte H.Ludwig den 
Kurfürsten Maximilian v. Bayern zu empfangen, als dieser sich zur 



*) H. K. R. 1631, E. 401 u. 402; 1632, E. 391 u. R. 5, 186; 1633, E. 450; 1634, 

R. 180; 1638, R. 242; 1639, E. 722. Kurz, II, 95 u. Hallwichs Wallenstein. 

2 ) Hofbibl. Mskpt. 68. Schreiben v. 19. Februar 1623. 

3) H. K. R. 1633, E. 432. 

4 ) Arch. Greill. Pap. Unterschr. d. Kaisers. 

5 ) Arch. Greill. 

6 ) F Pritz, 1. c. 439 ff. 

7 ) H. K. R 1648, E. 67. 

8 ) Arch. Greill. Ori *. Schreiben. 
& ) Arch. Greill. Orig. Schreiben. 



287 

Verehelichung mit der Erzherzogin Maria Anna nach Wien begab. 1 ) 
Daß es in dem durch militärische Exaktionen ausgesogenen Lande nicht 
immer leicht war, sogar für die Majestäten entsprechend vorzusorgen, 
wird nicht unbegreiflich erscheinen. So mußte Hans Ludwig, als der 
Kaiser sich im J. 1636 zum Kurfürstentage nach Regensburg begab, 
durch offenes Patent v. 1. Mai die Klöster u. Herrschaften auffordern, 
alles, was zur Verpflegung für den Hofstaat notwendig wäre, vorzube- 
reiten, »denn bei der letzten Reise der jetzigen königl. Maj. war selbst 
gegen Zahlung fast nichts zu haben gewesen«. 2 ) Im J. 163g reiste Erz- 
herzog Leopold zur Armee durch und i. d. J. 1Ö40 bis 1642 war Kaiser 
Ferdinand III. mehrmals in Linz, als er gleichfalls sich zur Armee 
begab. 3 ) In letzterem Jahre bewies er durch spezielle Anordnungen 
aus Laxenburg seine Sorgfalt für die Kaiserin-Mutter Eleonora von 
Mantua, als sie sich zur Verrichtung ihrer Andacht nach Passau be- 
geben wollte. Von dieser Reise wissen wir, daß die Fahrt bis Passau 
auf dem Schiffe erfolgte, wo gekocht u. gespeist wurde, und Hans 
Ludwig mit Frau und Tochter sie begleitete, worüber einige kultur- 
historisch interessante Daten vorhanden sind. 4 ) Im J. 1645 ließ der Kaiser 
seine Gemahlin Maria Anna als Regentin in Linz zurück, wo sie am 
18. Mai 1646 starb. Erzherzog Leopold erschien öfters zur Vertreibung 
schwedischer Angriffe. 

Die Stände leisteten bereitwillig schwere Kontributionen für diese 
Reisen, so i. J. 1636 eine Beihilfe von 18.000 fl. für den Kaiser, 3000 fl. 
für Erzherzog Leopold i. J. 163g, wieder für den Kaiser 10.000 fl. im 
J. 1640 und 1500 fl. für die Wallfahrt der Kaiserin Eleonora i. J. 1642. 5 ) 
Auch der Landeshauptmann war persönlich beteiligt. Er mußte sich erst 
bei der Plofkammer beschweren, um den Ersatz der Auslagen, die er 
aus Eigenem zu tragen nicht mehr imstande sei, zu erlangen. 

Wohl angesichts der würdigen Unterkunft der höchsten Herr- 
schaften waren auch Restaurierungsarbeiten an der alten Burg notwendig 
geworden. Die Kosten derselben w T urden allerdings durch Dekret aus 
Regensburg v. 15. Febr. 1641 an das Vizedombamt ersetzt, diesem 
aber hinzugefügt: »Nun aber wollen Wir einmal nicht, daß sich der 
Landeshauptmann in die Cameralia immiscire, sondern Ihr werdet Unsere 
Verordnungen in denselben zu erwarten haben.« 6 ) 

Mehr intern administrative Angelegenheiten betrafen einige andere Varia. 
Verhandlungen. So sollten die ob.-ö. Städte dazu gebracht werden, für 
einen Bürgschaftsbetrag Polhaimbs für Kaiser Matthias auf 10.000 fl. 
den jetzigen Kaiser als Schuldner zu akzeptieren. 7 ) Ferner wurde die 
seit 1570 schwebende Streitfrage über die den Ständen vom Kaiser be- 
willigte Öffnung eines Tores in den Linzer Stadtwall endlich in beider- 
seitigem Einverständnis bereinigt, wobei der Landeshauptmann den Stand- 
punkt des Magistrates vertrat. 8 ) Und i. J. 1645 entstand wieder eine Streitig- 



*■) Khevenh., Ann. XI, 1775. 

2 ) Arch. Greill. Geschrieb. Patent. 

s ) F. Pritz, 1. c. 418, 440 ff. 

4 ) HfkA. Farn. -Akt. Ku. Nach einem Partikulare betrugen nur die Privatkosten 
62 fl. 26 kr. — 18 Pfd. Kälbernes 1 fl. 12 kr., 16 Pfd. Rindfleisch ä 14 fl- zus. 56 kr., 9 junge 
Hühner ä 6 kr. 3 8- u. 1 gespickter Hase auf d. Schiff 45 kr., V, pfd - holländ. Käse 12 kr., 
Braunbier für die Gräfin u. Frl. Tochter 2 Achtel 8 kr. 

5 ) Stauber, 1. c. 314. 

6 ) HfkA. Fam.-Akt. Ku. 

7 ) HfkA. 1632, R. 10. 

8 ) Stauber, 1. c. 109 ff. 



288 

keit über Durchbrechung - der Stadtmauer dadurch, daß der kais. Oberst- 
hofmarschall H. W. Gf. Starhemberg durch dieselbe ein Türl in sein 
Freihaus brechen ließ, wogegen Bürgermeister und Rat Protest einlegten 
und der Landeshauptmann den widerstrebenden Starhemberg sogar 
mit Exekution zu bedrohen genötigt war. l ) 

Im J. 1650, am 26. Septb., erhielt Hans Ludwig eine Erinnerung 
an seine Mission nach Konstantin opeh indem er ersucht wurde, das 
an ihn gerichtet gewesene Originalschreiben des Murteza Pascha, 
des Veziers von Ofen, betreffend die Rekognoszierung des türkischen 
Friedens, nach Wien zu senden. 2 ) 

Die letzten auf die Tätigkeit H. Ludwigs bezüglichen offiziellen 
Notizen stammen v. 31. August und 16. Septb. 1656. Nach ersterer war 
ein kais. Befehl an ihn mit anderen zurückgehalten worden, weil der 
betr. Landtagsschluß noch nicht vorlag 3 ), und die letztere betraf den 
Auftrag an ihn, die Pässe gegen die Aufrührer verhauen zu lassen. 4 ) 
Und noch am 20. Septb. zeigte er den Verordneten die Krönung des 
Erzherzogs Leopold in Prag an. 5 ) 

Seit 1631 war das dem Landeshauptmann bewilligte Adjuta di 
costa v. 1000 fl. auf die Landtagsbewilligungen geworfen, ebenso wie 
der Ersatz für die durch den Bauernaufstand erlittenen Beschädigungen 
der Güter per 20.000 fl. 6 ) 

4. Kurfürst Während seiner langen Regierung in Linz erhielt Hans Ludwig 

and eigenartige Beweise des Vertrauens seines Kaisers dadurch, daß mehrere 

Erzbischof hohe Kriegsgefangene seiner Obhut übergeben wurden. Seine wissen- 

v. Trier, schaftliche Bildung und weltmännischen Eigenschaften, von denen er 

bei seinen Missionen vielfache Beweise geliefert hatte, mögen hiefür den 

Ausschlag gegeben haben. 

Die erste dieser hervorragenden Persönlichkeiten, welcher der kais. 
Hof mit besonderer Rücksicht begegnen wollte, war der Kurfürst von 
Trier Erzbischof Philipp Christoph von Soeter, der wegen seiner 
Hinneigung zu Frankreich in die Reichsacht verfallen war. Die am 
26. März 1635 erfolgte Gefangennahme des Kurfürsten in seinem 
Palais zu Trier durch die Spanier unter Oberst Maillard wird von 
Khevenhüller sehr anschaulich beschrieben. Er wurde zuerst nach 
Luxemburg und i. J. 1636 nach Linz gebracht. 7 ) Am 24. Novb. wurde 
H. Ludwig avisiert, daß ihm für dessen ehrenvollere Bewachung eine 
Anzahl Knechte der Wiener Stadtguardia hingeschickt würde. 8 ) Schon 
im August 1637 durfte der Kurfürst nach Wien. Doch erst 1645 konnte 
Turenne den Abtrünnigen wieder in sein Land zurückführen. 



*) Arch. Greill Fasz. 1645 bis 1648. 

2 ) H. K. R. 1650, R. 142 u. 155. 

3 ) HfkA. 1656, R. 417. 

4 ) H. K. R. 1656, R. 362 u. 367. 

5 ) Ob. ö. LdsA. Linz, Bd. 2 u. 349. 

6 ) Stauber, 1. c. 153. 

") Khevenh., Ann. XII, 1771. — Schramberg, Rhein. Antiquarius. II, 1, S. 107. 
— Hurter, Gesch. Ferd. II. XI, 248. — J. Feil, Die Schweden in Österreich. Quellen 
u. Forsch. 1849, S. 419. 

8 ) H. K. R. 1636, R. 338. 



v. d. Pfalz. 



289 

Weit freundlicheres Interesse bietet Prinz Rupert von der Pfalz, 5. Prinz 
der jugendlichste und sympathischeste der Paladine, die dem Kaiser im t ^ u P^, 
großen Kriege gegenüberstanden, und der sich auch Ferdinands III. 
besondere Wertschätzung zu erringen wußte. 

Prinz Rupert, der am 27. Dezb. 1619 in Prag geborene dritte 
Sohn des Winterkönigs Friedrich V. von der Pfalz, war, als sein 
älterer Bruder Carl Ludwig am Niederrhein und in Westfalen ein Heer 
zusammenzog, um im Vereine mit den Schweden unter King und 
Königsmark sein Stammland wiederzugewinnen, von London aus in 
jugendlichem Feuer zu ihm geeilt und legte sofort Proben tollkühner 
Tapferkeit ab. Diese führte ihn in der Schlacht bei Vlotho an der 
Weser, wo die Seinigen von den Kaiserlichen unter Hatzfeld am 
17. Oktober 1638 eine vernichtende Niederlage erlitten, zu weit in die 
feindlichen Reiter, so daß er, mit dem Pferde gestürzt, sich trotz mann- 
hafter Gegenwehr endlich ergeben mußte. Oberst Lippe schlug das 
Visier des gänzlich Gepanzerten zurück und frug ihn, wer er sei. »Ein 
Oberst«, antwortete der Pfalzgraf. »Sacrement,« rief der ergraute Veteran, 
»ein junger Oberst.« Gerade kam General v. Hatzfeld angeritten, er- 
kannte sofort den Gefangenen — so erzählt Warburton — begrüßte 
ihn respektvoll und vertraute ihn dem Obersten Devereux — dem 
Mörder Wallensteins — um ihn nach Warrendorf zu führen, dann 
nach Bamberg. Lord Craven und F. M. Ference u. A. wurden 
unterwegs untergebracht. Rupert aber, auf dessen Gefangenschaft 
der Kaiser große Stücke hielt, kam in sicheren Gewahrsam nach Linz 
unter die Obhut des Landeshauptmanns Hans Ludwig Grafen von 
Kuefstein *) 

Über den Aufenthalt des Prinzen in Linz geben die aus dessen 
sogen. Memoiren schöpfenden Lebensbeschreibungen ziemlich ausführ- 
liche, teils auch legendenhafte Darstellungen, auf welche eingegangen 
werden muß, weil sie nicht nur an sich sehr Interessantes über den edlen 
Prinzen bringen, sondern auch noch ihm einen Flirt mit der Tochter 
seines Beschützers zuschreiben. 

Diesen gleich zu erwähnenden, oft romanhaften Zusammenstellungen 
können wir unserseits nur einige knappe oifizielle Notizen voranstellen, 
die begreiflicherweise wenig Anregendes für die Phantasie enthalten. 

Am 6. April 1639, also bald nach der Ankunft des Prinzen, wurde 
dem Landeshauptmann geschrieben, »wegen der besseren Unterhaltung 
des zu Linz gefangenen jungen Pfalzgrafen Roberti und Reichung 
jedem Guardi Soldaten des Tages 12 kr. — Item Bezahlung an ihn, 
Landeshauptmann allda 100 Dukaten so dem Pfalzgrafen geliehen 
worden«. 2 ) 

Am iö.Oktob. d. J. wurde von Hans Ludwig »wegen des gefan- 
genen Pfalzgrafen Robert Limitation des Arrestes« geschrieben und 
unter demselben Datum die vom Landeshauptmann offenbar schon vor- 



1 ) British Museum in London. Mskpt. Lansdowne, Nr. 817. 78/D. 18. — Bodleian 
Library Oxford. Mskpt. Rawlinson, D. 720. — E. Warburton, Menoirs of Prince Rupert 
and the Cavaliers. London 1849, auf Grund d Mskpt. Benett. — C. v. Spruner, Pfalz- 
graf Rupert der Cavalier. München 1854. — A.v. Treskow, Leben des Prinzen Ruprecht 
v. d. Pfalz. Berlin 1857. — »Revue des 2 mondes.« 184g, rag. 223fr.: Cavaliers et Tetes 
rondes, p. E. Forcade. — Fairfax correspondence, by Johnson London 1S48 (Nehelp), 
— Theatr. Europ. III, 957- 986. — Sporschil, Gesch. d. ö. Monarchie. V, 37. — 
Krones. III, 520. 

2 ) HfkA. 1639, E. 466. 

Kuefstein. III. 19 



290 

her erbetene Erlaubnis »für den verarrestirten Pfalzgrafen Robert 
ins Ballhaus« erteilt. 1 ) Am 15. Novb. erhielt er wieder die Ermächti- 
gung, »daß er den Pfalzgrafen Robert mit der Wacht in das Ballhaus 
erlaube, sich aber doch seiner Person neben Erweisung aller Cortesia 
versichere«. Endlich am 16. d. M. wurde ihm »das Original des Pfalz- 
grafen Schreibens an Ihr. Maj., welcher sich des Revers, wan nit zugleich 
die Wacht abgestellt werde, verweigert«, übersendet. 2 ) 

Aus diesen knappen Notizen ist wenigstens so viel zu entnehmen, 
daß sich Hans Ludwig schon sehr bald nach der Ankunft seines 
Schützlings für diesen in Wien nicht ohne Erfolg verwendete. Der 
Kaiser selbst hatte gleich nach der Gefangennahme des Prinzen be- 
fohlen, ihn >auf das Allerhonorabelste zu tractiren gleich als ob er 
Dero Sohn wäre. Es wurden ihm auch aus dem Gravenhag viel köst- 
liche Kleider u. Leinwand geschickt und ihm eine kgl. Kutsche machen 
lassen, da er nach dem kais. Hof geführt werden sollte«. Die bald darauf 
begonnenen Verhandlungen für seine Auswechslung gegen den polni- 
schen Prinzen Casimir führten zu keinem Resultat. Erst i. Oktob. 1641 
wurde er vom Kaiser aus Gnaden freigegeben. 3 ) 

Die englischen Manuskripte bieten genußreichere Ausbeute. War- 
burton gibt eine summarische Übersicht über die sogen. Benett col- 
lection, eine große Anzahl von Aufzeichnungen und Briefen, die, wie 
es scheint, schon bei Lebzeiten des Prinzen für eine Biographie des- 
selben von seinem Sekretär Oberst Benett zusammengestellt worden 
waren. Doch sind nur einzelne Teile derselben mehr erreichbar. Am 
sichersten folgen wir dem Mskpt. Lansdowne, welches der Verfasser 
der vorliegenden Studien im British Museum im Mai 1888 wörtlich ab- 
geschrieben hat. Es zeigt sich mit dem Mskpt. Rawlinson in Oxford 
völlig identisch u. dürfte anderen als Basis gedient haben. Es sagt: 

»Dort (in Linz) wurde der Prinz streng gefangen gehalten mit 
nur 1 Pagen und 2 Mann als Bedienung. Da lernte er böses Geschick 
überwinden und über Widerwärtigkeiten triumphieren durch eine unge- 
brochene Standhaftigkeit. Aber nachdem der Graf, sein Bewacher, seine 
edlen u. tugendhaften Dispositionen kennen gelernt hatte, begann er ihn 
zu lieben und eine große Achtung für ihn zu hegen, zeigte die Neigung, 
ihm dienstbar zu sein, soweit seine Treue und das in ihn gesetzte Ver- 
trauen es erlaubten. Alle Freiheit, deren er innerhalb der Burg genießen 
konnte, war ihm gestattet, die Freuden des Gartens, die Wahl seiner 
Unterhaltungen, freier Verkehr mit wem er wollte. Und hier war 
der Prinz zum zweiten Male glücklich in der Gunst einer der glänzend- 
sten Schönheiten ihrer Zeit, der Tochter des Grafen, einer jungen 
Dame, nicht weniger hervorragend durch die Reize ihres Geistes als 
jener ihrer schönen Gestalt, und auf welche die hohe Geburt, die Tapfer- 
keit, der Mut, die Charakterstärke und das Unglück unseres Prinzen 
einen weit sichtlicheren Eindruck machten als auf ihren Vater, indem 
sie ihn ihr zu einer erhabenen Person gestalteten. Der Prinz seiner- 
seits zeigte ihr keineswegs Gleichgültigkeit, denn er nannte sie später 
niemals in seinem Leben ohne Bezeigungen der höchsten Bewunderung 
und ohne den Wunsch zu äußern ihr zu dienen. Die Liebenswürdigkeit 
der jungen Dame erweckte auch in ihrem Vater größere Freundlichkeit 



l ) H. K. R. 1639, E. 625 u. R. 391. 
5 ) H. K. R. 1639, R. 420 u. E. 680. 
3 ) Theatr. Europ. des Abeün, III, 1000 u. IV, 93 u. 448. 



291 

u. Herzlichkeit. So weit, daß des Prinzen bisherige Freiheiten zu familiären 
Beziehungen sich ausdehnten, wie häufige Besuche, Einladungen u. dgl. 
Und so stand es mit ihm viele Monate lang, als plötzlich — mag sein 
infolge der dem Kaiser von Zeit zu Zeit zukommenden Berichte über 
seine Art, sich zu zerstreuen, welche einen aktiven und ungebrochenen 
Geist bewiesen und ihn verdächtig machten — die vertraulichen Be- 
ziehungen zum Grafen aufhörten und an Stelle der früheren Höflich- 
keiten 12 Musketiere und 2 Hellebardiere den Prinzen bei allen seinen 
Bewegungen bewachten. Und diese Beaufsichtigung wurde noch strenger 
gehandhabt, als nach 2% Jahren der Gefangenhaltung Rupert seine 
Freilassung gegen solche Bedingungen, wie sie viele andere ohne Zweifel 
angenommen hätten, verweigerte. Eine geringere Standhaftigkeit und 
Ehre als die seinige würde den ihm vorgelegten Propositionen nicht 
widerstanden haben, ohne der Verlockung zur Freiheit zu folgen.« 

Dies sind die einzigen Worte der übereinstimmenden Manuskripte, 
in denen die Beziehungen des Prinzen zu seinem Bewacher und dessen 
Tochter erwähnt, besser gesagt, nur gestreift werden. Man wird zugeben, 
daß aus dieser knappen Erzählung nur mit viel Phantasie ein eigent- 
licher Roman konstruiert werden könnte, wie dies nachfolgende Schrift- 
steller effektvoll versuchten, während es sich bei dem äußerst jugend- 
lichen Alter der Gräfin nur um eine kindliche Schwärmerei gehandelt 
haben kann. 

Um jedoch in einer so zarten Angelegenheit nicht gleich mit rauher 
Hand alle Illusionen zu zerstören, mögen hier einige kompletierende 
Momente aus der blumenreichen Darstellung Warburtons angefügt 
werden, welche auch historisches Interesse bieten. 

Er beginnt damit, gleich Vermutungen über die Gründe der In- 
ternierung Ruperts in Linz aufzustellen. »Der Gouverneur von Linz, 
sagt er, war Graf Kuffstein, ein tapferer, alter Krieger des Kaisers. 
Er hatte ehemals den reformierten Glauben bekannt, aber jenen seines 
Herrn beim Eintritt in dessen Dienste angenommen. Er stand hoch in 
Gnaden bei Hof und es war ihm der Wunsch des Kaisers anvertraut, 
den jungen Pfalzgrafen in seine Dienste zu ziehen. Als Vorbereitung 
suchte der Graf seinen Gefangenen zu bekehren. Unser Prinz aber war 
das, was sein Bruder eigensinnig genannt hätte, in seiner Zurückweisung 
neuer Doktrinen. Die ihm angebotene Gesellschaft von zwei Priestern, 
Jesuiten, welche sich für sein geistiges Wohl besonders interessierten, 
beantwortete er mit der Versicherung, er würde glücklich sein, des 
Grafen Freunde zu sehen, vorausgesetzt, daß er auch die seinigen 
empfangen dürfe. Dies wurde verweigert und so blieb er in Einsam- 
keit. Seine Festigkeit wurde bald auf eine weit gefährlichere Probe 
gestellt. 

Hier wird nun mit einigen romanhaften Ausschmückungen der als 
einziges geliebtes Kind Hans Ludwigs bezeichneten Tochter gedacht, 
> welche in der finsteren alten Burg wie eine zarte Dryade in einem 
knorrigen Baume lebte«. Ihr sollte die Mission zugedacht worden sein, 
ihren königl. Gefangenen zu erheitern und, wenn möglich, seine Seele 
dem alten Glauben zurückzugewinnen. »Wird der Leser ihn bedauern — 
oder auch sie? Er brauchte nur das Beispiel des ritterlichen Heinrich 
von Navarra nachzuahmen, um frei zu sein. Sein königl. Oheim 
(Karl I.), sein kathol. Gegner, seine Dame, seine weltlichen Interessen, 
alles sprach für eine Konversion. Seine eigene Überzeugung, sein 
tapferes männliches Herz waren dagegen.« 

19* 



292 

Wenn die angeblichen Bemühungen der jungen Gräfin diesen Wider- 
stand begreiflicherweise nicht zu überwinden vermochten, so waren die 
ernsteren Versuche des Kaisers und seines Vertreters von keinem bes- 
seren Erfolge gekrönt. 

In der Fortsetzung des Manuskriptes Lansdown und der Darstel- 
lung Warburtons wird eingehend darüber gesprochen. »Man bot dem 
Prinzen die Freiheit unter der Bedingung an, daß er den Kaiser um Ver- 
zeihung bitte und sich zum Katholizismus bekehre, endlich daß er anstatt 
dessen ein Kommando gegen Frankreich oder Schweden annehme. Allen 
diesen Verlockungen setzte der Prinz eine unbeugsame Weigerung ent- 
gegen, welche vielleicht dazu beitrug, daß seine Gefangenschaft sich 
strenger gestaltete Erzherzog Leopold, welcher nach Linz gekommen 
war, um einen Überfall der Schweden zur Befreiung des Prinzen zu- 
rückzuschlagen, hatte von diesem einen so vorteilhaften Eindruck ge- 
wonnen, daß er ihm feste Freundschaft widmete. Er verschaffte ihm 
auch bei seinem Bruder, dem Kaiser, alle mögliche Nachsicht, so daß 
Rupert dem Ballspiel obliegen, schießen und sonstige kriegerische 
Übungen ausführen durfte. Endlich wurde er auf sein Ehrenwort ge- 
halten und konnte drei Tage hintereinander die Burg verlassen, um zu 
jagen oder Besuche zu machen. Mittlerweile gingen die Bemühungen 
seiner Familie und des englischen Hofes weiter. Als aber ein neuerlicher 
Angriff der Schweden auf Linz bevorstand, wurden die Freiheiten des 
Prinzen wieder eingeschränkt. Von der menschlichen Gesellschaft abge- 
schnitten, machte er eine schöne weiße Dogge und einen Hasen, den 
er selbst abgerichtet hatte, ihm zu folgen und gelehrig zu bitten, zu 
seinen Freunden.« 

»Erzherzog Leopold überraschte die Schweden an der böhmischen 
Grenze und bereitete ihnen eine schwere Niederlage. Dieser Einfall der 
Schweden, welcher so viel Unglück für unseren Prinzen im Gefolge zu 
haben drohte, war jedoch die Veranlassung zu seiner Befreiung. Erz- 
herzog Leopold hatte anläßlich seiner Anwesenheit in der Linzer Burg 
seine Freundschaft mit dem Prinzen erneuert und verwendete sich wieder 
für ihn gegen den Einfluß des Herzogs von Bayern. Auch die Kaiserin 
interessierte sich für ihn und »belagerte das Privatohr des Kaisers, 
während der englische Botschafter Sir Thomas Roe das öffentliche 
in Anspruch nahm«. Gegen alle diese Bemühungen stemmte sich eine 
Frau, die Herzogin von Bayern, welche einen Fußfall beim Kaiser tat, 
um Ruperts Freilassung zu verhindern. Und »einer Frauen Haar zieht 
mehr als ein Joch Ochsen«. Sie hatte auch Erfolg, bis die Kaiserin, 
durch die Eifersucht angestachelt, endlich doch den Sieg davon- 
trug.« ') 

»Es handelte sich nun darum, den Prinzen mit dem Kaiser persön- 
lich zusammenzubringen. Ein günstiger Zufall bot die Gelegenheit, als 
Ferdinand in der Umgegend von Linz jagte. Ein aufgebrachter Eber 
setzt sich zur Wehr. Da stürzt ein Jüngling aus dem Dickicht hervor, 
wirft sich dem wütenden Tiere entgegen und streckt es mit der Schweins- 
feder nieder. In demselben Augenblick kommt der Kaiser angeritten 
und hält dem kühnen Jäger seine Hand entgegen. Dieser küßt sie ehr- 
furchtsvoll zur Überraschung aller — und ist frei.« 2 ) 



') Mskpt. Lan sdown. 1. c; Rawlinson, 1. c. ; Warburton, 1. c. 
•) So erzählt Warburton, I, pag. 457 auf Grund Mskpt. lienett und nach ihm 
Spruner u. Treskow. 



293 

Wir haben geglaubt, es der interessanten Erscheinung - des Prinzen 
Rupert, die mit unserer Familie verwoben ist, schuldig- zu sein, aus 
den englischen Urquellen diesen kurzen Auszug seiner Geschichte, so 
weit sie uns angeht, hier wiederzugeben. Die große Rolle, welche 
ihm in der Geschichte Englands bevorstand, leiht seinem Vorleben noch 
erhöhtes Interesse. Wir müssen ihm unserseits die Gerechtigkeit wider- 
fahren lassen, daß er seine jugendliche Schwärmerei — mehr kann es 
natürlich nicht gewesen sein — bis in sein hohes Alter lebendig erhielt 
und daß — wie Warburton zutreffend sagt — ihre Ehre durch die 
seinige bewahrt war. Es ist bekannt, daß er alle Angebote seines Oheims 
für vorteilhafte Verbindungen, wie die mit der viel umworbenen Mar- 
garethe von Rohan, der Tochter des letzten Hauptes der Hugenotten 
in Frankreich, konstant ausschlug. 

Den englischen Memoiren haben wir den Vortritt gelassen. Nun 
sei auch uns ein Wort gestattet. Wenn auch einiges in ihrer Darstel- 
lung die Kritik objektiver Geschichtschreibung geradezu herauszufordern 
scheint, so möge dies dem vielleicht nicht genügend gesichteten Quellen- 
material zugute gehalten werden. Einige Bedenken aber können unmög- 
lich unterdrückt werden. Daß H. Ludwig als alter tapferer Krieger 
bezeichnet wird, etwa wie Sir Paulet als Behüter der Maria Stuart, 
während er der einzige der Brüder war, der niemals in Kriegsdiensten 
stand und nur Staatsmann war, daß der Turm der Linzer Burg knapp 
an die Donau versetzt wird, während diese etwas weiter vorüber rauscht, 
daß Linz einmal in the land of Trent liegen soll 1 ), daß die Engländer 
selbst über das Alter ihres Helden nicht genau orientiert waren, da 
sie ihn 1 8 jährig nennen, als er nach Linz gebracht wurde, während 
er damals schon im 20. Jahre stand, bedarf nur einer vorübergehenden 
Erwähnung. 

Wenn aber die liebreizende Tochter Hans Ludwigs als dessen 
einziges Kind bezeichnet wird, so ist dies eine starke Kühnheit einem 
Vater gegenüber, der auf 30 oder sogar 39 Kinder zurückzublicken im- 
stande war, wie die Stammtafel nachweist. Zwei Töchter mindestens 
waren damals am Leben und nur die dritte könnte möglicherweise erst 
etwas später das Licht der Welt erblickt haben. 

Noch größeres Bedenken erweckt das allzu jugendliche Alter der 
ältesten, und nur um diese könnte es sich handeln. Nach dem Testament 
des Vaters und unseren alten Stammtafeln hieß sie Susanna Maria und 
obwohl ihr Taufname von den englischen Quellen gar nicht erwähnt wird, 
haben nachfolgende Bearbeiter 2 ), offenbar auf Grund unserer Genealogie, 
diesen Namen substituiert. Nun aber findet sich, daß die Susanna Maria 
nach unseren Familientafeln erst i. J. 1633, nach einem in Greillenstein be- 
findlichen und hier wiedergegebenen Porträt i. J. 1630 geboren wurde. 
Wenn man die Darstellung der Familie des Hans Ludwig am Eingange 
dieses Kapitels eines aufmerksamen Blickes zu würdigen die Güte hat, 
wird man sehen, daß Eleonora von Stubenberg von ihrer Heirat an 
bis zum J. 1629 ihrem Gatten in jeder Jahresfrist ein Kind geschenkt hat 
und daß diese Kinder genau fixiert sind. Susanna Maria kann also 
allerfrühestens i. J. 1630 (1632 kam schon Lobgott) das Licht der Welt 
erblickt haben. Auch 1633, wie bereits erwähnt, wäre möglich. Wenn 



l ) Mskpt. d. Capt. Pyne. 
~) Spruner, 1. c. 



294 

wir nun zugunsten des Romans den frühesten Termin v. 1630 annehmen 
wollen, so war sie bei der Ankunft Ruperts i. J. 1639 erst neun Jahre 
und bei seiner Freilassung elf Jahre alt, also viel zu jung für einen 
ernsthaften Flirt, wie ihn die Engländer, damals schon erfindungsreich 
wie Odysseus, ihr anzudichten bemüht waren. Die Späteren gehen 




Susanna Maria als Braut. 



E. A. 



unbedenklich einen Schritt weiter. Der eine 1 ) gibt ihr schlankweg 
16 Jahre, wonach sie i. J. 1623 geboren wäre, während ihre Eltern erst 
am Ende d. J. heirateten. Der andere 2 ) hat den Abendgesprächen der 
Liebenden auf den Zinnen der Burg beim Rauschen der Donau ge- 
lauscht und genau gesehen, wie die schöne Gräfin das blonde Köpfchen 
hängen ließ, immer weniger aß und blässer und blässer wurde, so daß 



1 ) Spruner, l. c. 
? ) Treskow, 1. c. 



295 

sie ihrem Vater ernstliche Besorgnisse einflößte. Der geistvolle For- 
eade in seiner fesselnden Besprechung 1 ) legt sich noch geringeren Zwang 
auf. Glücklicherweise hat sich die Arme von ihrer Schwäche bald wieder 
erholt, wie das von Gesundheit u. Lebenslust zeugende Bild der Braut 
beweist. Sie beglückte, als sie heiratsfähig geworden, mit ihrer Hand 




Susanna Maria, verheiratet. 



nicht nur den berühmten Feldmarschall Johann von Werth, sondern 
nach ihm noch drei Ehegatten und endete ihr Leben i. J. 1697 in 
Benatek, der dem General v. Werth vom Kaiser verliehenen schönen 
Herrschaft in Böhmen. 

* * 



l ) Revue des deux Mondes, 1. c. 



296 






\XE-ft?EN'HOl-X. 



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Nach G. M. Vischer v. 1674. 



6. Privates. Hans Ludwig scheint in günstigen Verhältnissen gewesen zu 

sein. Bei der Sammlung unter den Herrenstandsmitgliedern für die 
Kriegsausgaben i.J. 1643 figuriert er mit 1000 fl. an zweiter Stelle. 1 ) 
Als i.J. 1631 seine Schwester Justina Claudia den Veit Benno von 
Brandis heiraten sollte, erleichterte er das Zustandekommen der Ver- 
bindung durch die Zusage von 10.000 fl. Beisteuer. 2 ) 

Er war auch in der Lage, eine Reihe von Gütern in Ob. Österreich 
zu erwerben. Von Sophia Stängl-Hack kaufte er am 26. Oktob. 1635 
alle ihre Güter, u. am 2. April 1636 von Salome Schmidthauerin 
ihre Gülten im Weingarten zu Linz. Ferner überließ ihm K. Ferdi- 
nand IL unter dem 3. Oktob. dess. J. für seine im 1. f. Landgerichte 
Donauthal liegenden Ämter u. Holden einen eigenen Landgerichts- 
bezirk. Pfalzgraf Maximilian bei Rhein belehnte ihn am 14. Aug. 
1640 mit dem Hof in der Wies und der Ferchhub in der Waizen- 
kirchner Pfarre. Dann kaufte er von L. Kemeter zu Tribein dessen 
Untertanen im Lichtenegger Hofamt u. dem Beutel- u. Rechtlehen- 
amt (18. Aug. 164g). Endlich am 10. Mai 1652 erhielt er von Carl 
Eusebius Fürst Liechtenstein die Belehnung mit 17 halben Fisch- 
weiden an der Traun in der Schafwiesen unterhalb Wels als Ritter- 
lehen. 3 ) 

Es ist ganz erklärlich, daß sich H. Ludwigs Beteiligung an ver- 
schiedenen Vertragsakten durch seine Unterschrift dokumentiert findet. 
So auf einem Verkaufbrief des Hans Maxim, v. Jörger zu Tollet 
u. dessen Gattin Anna Katharina an Gotthardt von Scherffen- 
berg über die Schlösser Prandeck, Zellhof, Prandthoff v. 24. April 
1631 4 ), dann auf einem Vertrage des Georg Siegmund von Salburg 
auf Salaberg mit dem Gerhaben der Seb. Zehentnerschen Erben zu 



') HfkA. 1643, R. 123. 

2 ) V. nachfolg. Artikel über Justina. 

3 ) Fstl. Starhembergs Arch. Efferding. 

4 ) LA. Nr. 3966, S. 26. 



39 Kinder. 



297 

Püchlern auf dem Zehenthofe über das dort hinterlassene Töchterl 
Anna Maria.*) 

Die Akten über die großen Herrschaften sind mit diesen an jene 
Familien übergegangen, welche der unserigen im Besitze nachfolgten. 
Wir zitieren die im Testamente H. Ludwigs erwähnten Herrschaften 
Harthamb, Weidenholz, Rechberg, Kirchberg und Eggenberg. 2 ) 
Andere wie Schwerdtberg, Windegg, Obenberg, Hardt u. Pon- 
eggen kamen erst seinem Sohne Lobgott durch Heirat mit Ma. Anna 
v. Starhemberg zu. Weidenholz, 1635 erkauft, war H. Ludwigs 
Lieblingssitz, den er künstlerisch verschönerte u. mit tiefsinnigen In- 
schriften schmückte. 

Hans Ludwig, welcher im politischen Leben vielfache Erfolge 0( J' u P^ n 
erringen konnte, war auch nach anderer Richtung ungewöhnlich ge- 
segnet, indem ihm eine das sonstige Maß übersteigende Anzahl von 
Kindern zuteil ward. Es sollen deren 39 gewesen sein. 

Nachdem alle 15 Kinder seiner ersten Frau Maria Grabnerin 
von Rosenburg gleich nach der Geburt wieder abberufen worden 
waren, machte er bei seiner zweiten Heirat das Gelübde, alle seine 
Söhne schon durch ihren Namen Gott zu weihen, in der Hoffnung, 
daß ihnen durch Dessen Gnade mehr Lebenskraft geschenkt werden 
würde. 3 ) Diese Hoffnung wurde nicht getäuscht, denn Susanna 
Eleonora von Stubenberg nahm die Gewohnheit an, ihn jedes 
Jahr mit einem Sprößling zu erfreuen. 15 davon sind dokumentarisch 
konstatiert, wie aus der auf Grund aller auffindbaren authentischen 
Dokumente neu entworfenen Stammtafel am Anfange dieses Kapitels 
zu entnehmen ist. Man weiß aber nicht mit Sicherheit, wann die 
Serie zum Abschluß kam. Das Epitaphium des Hilfgott 4 ) bezeichnet 
diesen ausdrücklich als »von 39 das letzterzeugte Kind«. Auch im Testa- 
mente des Vaters wird er als jüngster aufgezählt. Da er 17 13 gestorben 
ist und in den alten Stammtafeln als 7ojährig bezeichnet wird, müßte 
er 1643 geboren sein. In den bis dahin verstrichenen 20 Jahren der Ehe 
könnte die Gattin allerdings ebenso viele Kinder zur Welt gebracht 
haben, und es ist nicht ausgeschlossen, daß die Altersangabe des Hilf- 
gott nicht ganz stimmt u. er auch später auf die Welt gekommen wäre, 
wonach den obigen 20 Jahren einige zugelegt werden könnten. Immerhin 
muß man auch einen Irrtum des Steinmetz als nicht ausgeschlossen er- 
achten. Susanna Eleonora überlebte ihren Gatten um nicht vielmehr als 
ein Jahr. Noch am 21. Jänner 1658 ist von der ihr gewährten Fortführung 
des Pulververlages eine Erwähnung zu finden 5 ), später aber nur mehr 
von den Kindern. Sie muß also i J. 1658 verstorben sein. 

Es sei zum Schlüsse nur kurz der Legende gedacht, nach welcher 
der 70jährige Vater seinem ältesten Sohne Gotthilf, welcher in die 
Gesellschaft Jesu eingetreten war, als er seine erste hl. Messe in der 
neuhergerichteten Kapelle des Schlosses Weidenholz las, selbst mini- 
striert habe. 6 ) Nach Raupach jedoch soll ihm der Vater bei der Ge- 
burt i. J. 1625 den Namen Gotthilf gegeben haben, »nach seinem steten 



!) Arch. Greill. 

2 ) S. auch Hoheneck, I, 535. 

3 ) Hoheneck, I, 536. — Wisgrill. V, 314. 

4 ) Im rechten Seitenschiffe der Kirche zu St. Peter in Salzburg. 

5 ) HfkA. 1658, R. 25. 

6 ) Hoheneck, I, 538. — Wisgrill, V, 314. — Raupach, Forts. III, 444. 



298 



Seufzen, daß Gott Seiner bedrängten Kirche helfen wolle u. omen cum 

nomine correspondire«. 1 ) 
8. Ableben Hans Ludwigs tatenreiches Leben fand am 27. Septb. 1656 um 

Testament 5 ^hr ^h verwarteten Abschluß zur tiefen Trauer der Seinigen und 

des Vaterlandes, dem er mit seinen besten Kräften gerade in den 

schwierigsten Zeiten gedient hatte. 

Die Matrikel der Stadtpfarre von Linz schreiben zu diesem Tage: 
Exe. Comes Joannes Ludovig a Kueffstain, capitaneus Provinciae 
mane hora 5 obdormivit. 2 ) 

Am 19. d. folg. Mon. schon erfolgte die kais. Gehaltsanweisung für 
den neuen Landeshauptmann Grafen Weißenwolf. 3 ) Bald darauf, am 
20. Novemb., intimierte die Hofkammer, daß auf seinen Bericht der 
Witwe des verstorbenen Landeshauptmanns Gf. Kuefstein und seinen 
Erben die Fortsetzung des Pulververlages noch auf dieses u. das nächste 
1657er Jahr gegen sichere Anweisung der 6000 fl. jährlich verliehen 
wurde. 4 ) 

In seinem Testamente v. 20. Januar 1655 sagt H. Ludwig aus- 
drücklich, »umb Willen ich nunmehr eines hohen, nämlich in dem 
73. Jahre meines Alters nit lang mehr ausbleiben mag, sondern ich den 
Tod täglich, ja stündlich um so viel mehr zu gewarten, weil mir der 
gütige Gott eine Zeit hero unterschiedliche Mahnzetteln durch allerhand 
Leibsbeschwerden u. Krankheiten zugesendet«. Erstand also bei seinem 
Ableben i.J. 1656 im 74. Lebensjahre, war sonach, wie schon in der 
I.Abteilung berechnet wurde, i.J. 1582 geboren, was durch die kürzlich 
aufgefundenen Notizen Schifers eine neue Bestätigung findet. 5 ) Da- 
durch erweisen sich die Angaben Wisgrills, die von so vielen anderen 
übernommen werden, für die Geburt wie für das Ableben als ungenau 
und es ist 1587, resp. 1657 in 1582, resp. 1656 zu korrigieren. 

In seinem Testamente hebt Hans Ludwig alle früheren auf, welche 
er errichtete, als er »in dem 1627. Jahre von der christsei. abgeleibten 
kais. Maj. Ferdinando seeundo aus der N. ö. RegierungsMittl von 
Wien nacher Prag ohne ainige meiner Vermuthung abgefordert und 
vor einen oratoren an die Ottomanische Porten a. gn. erküset und ab- 
geschicket worden, ingleichen A°. 1648, nachdem ich schon über 10 Jahre 
Landeshauptmann in diesem Land gewesen, meine testamentar. Disposi- 
tiones nach damaliger Beschaffenheit meines Hauses und dessen Umstand 
aufgerichtet und niemalen vermuthet, daß mich Gott ein so hohes Alter 
erreichen und solcherlei Änderung, als sich dermalen ereignen, erleben 
lassen würde«. 

Seiner Frau Susanna Eleonora vermachteer, abgesehen von den 
beiderseitigen Verabredungen über deren Heiratsansprüche, die freie 
Wohnung in seinem mittleren Freihause in der Stadt samt Garten etc. 
und den unlängst angekauften Maierhof in dem Weyer samt Äckern 
u. Gärten, Ziegelofen etc., dann 5000 fl. u. den Hafer auf ihre 6 Pferde 
etc., wogegen sie in dem geräumigen Hause den Söhnen bei ihrer An- 
wesenheit einige Zimmer einräumen möge, damit sie nicht in Wirts- 



1 ) Raupach, 1. c. 441. 

2 ) Gefäll. Mitt. d. ob. ö. Ldsarchivars Dr. Zibermayer. 

3 ) Ob. ö. Ldsarch. Linz, Bd 2 u. 349 

4 ) H. K. K. 1656, E. 666 u. 690. — HfkA. GedB. 1656, Fol. 200 u. Prot. R. 643. 

5 ) Schifer-Freyling, Verzeichnis der auf d. großen Landtage v. 1610 erschienenen 
HHn. und ihre Geburtsdaten. 



299 

häuser zu gehen genötigt seien. Sie möge auch seinen Mählring und das 
andere Fürsetzringlein sowie das Paar Armbänder, so sie ihm noch im 
Brautstand verehrte, zu seinem Andenken tragen oder den Kindern 
schenken. Die drei Töchter, welche von den ihm bescherten noch leben, 
nennt er Susanna Maria, Theresia — welche mit Annehmung des 
geistlichen Standes ihren Namen in Mariam Susannam verändert — 
u. Joanna Ludwiga. Sie erhalten je 4000 fl. Und weil die älteste, 
Susanna Maria, bereits verehelicht gewesen, nunmehr verwittibt, durch 
die Haltung der ansehnlichen Hochzeit u. Ausstaffierung schon mehr 
als 1000 fl. erhalten, wird ihr für d. übrige eine Forderung v. 3000 fl. 
übergeben, welche ihr verstorbener Gatte Johann Freih. v. Werth 
dem H. Ludwig gutzumachen hatte. Außerdem vermacht ihr H. Lud- 
wig ein Paar große silberne Blumenkrüge, die ihm seine Gattin einst 
geschenkt hat. Die andere Tochter Theresia — jetzt Maria Susanna — 
hat bei ihrer Einkleidung auch schon 1000 fl. erhalten, also haben ihr die 
Söhne noch 3000 fl. auszuzahlen. Ihr ist bestimmt sein »täglich gebrauchter 
Rosenkranz von Olivenkernen des hl. ölberges, mit Gold gefaßt, welchen 
ihm die Mönche des hl. Grabes zu Jerusalem, als er kais. Orator in 
Konstantinopel gewesen, verehrten, samt dem kleinen schildkrotenen, 
in Silber gefaßten Weihkessel«. Die jüngste Tochter, noch unvogtbar, 
hat die ganzen 4000 fl. zu erhalten, sodann als Andenken sein goldenes 
Kettl samt daran hangendem Agnus Dei u. Heiligtümern, so er stets 
am Halse trug. 

Von den Söhnen ist der älteste, Gotthilf in die Sozietät Jesu ein- 
getreten u. hat sich auf 5000 fl. ausgeglichen, von denen er das meiste 
schon empfangen. Die fünf anderen derzeit lebenden Söhne, namens 
Lobgott, Ehrgott, Gottrau, Preysgott u. Hilfgott, erhalten die 
Hälfte des unbeladenen Vermögens als Legitima. Die andere aber fällt 
denjenigen derselben zu, welche im weltlichen Stande verbleiben und 
nicht etwa in dem geistlichen Stande oder einem Ritterorden genügende 
Versorgung finden, wozu er ihnen völlig freie Hand läßt, ohne dafür 
oder dagegen zu raten. Die vier älteren Söhne, welche bereits vogtbar 
(22 Jahre) oder doch so nahe daran sind, daß sie keiner Gerhabschaft 
mehr bedürfen, sollen gleich zur brüderlichen Teilung schreiten, aber 
die Herrschaften nicht zerrissen werden. Dem Gottrau, als einem Geist- 
lichen, sollen sie seine Legitima auszahlen. Für Hilfgott, welcher noch 
vogtbar ist, werden die Mutter und die zwei ältesten Söhne zu Ger- 
haben bestellt. 

Neben anderen Legaten u. Stiftungen erhält der durch 20 Jahre 
bei ihm gewesene Diener u. Hofmeister Peter Piellmaier von Adls- 
perg 1000 fl., und es werden ihm die Kinder um so mehr empfohlen, 
als er selbst wegen seiner Devotion und Amtsgeschäfte ihm alle seine 
eigenen Negotia anvertraut hat, also niemand anderer seinen Kindern 
so gut Auskunft geben kann. 

Als Zeugen sind unterschrieben: David Ungnad Graf v. Weißen- 
wolf, Obst-Erblandhofmeister in Ob. 0., Freiherr zu Sonn- u. Enns- 
egg, auf Waldstein, Steyeregg, Erlach u. Reuth, Geh. Rat, 
Kämmerer und Hofkammer-Präsident, Hans Reichardt Graf v. Star- 
hemberg auf Wildberg, Riedegg u. Lobenstein, Herr der Graf- 
schaft Schaunberg, Kämmerer, Hof-Kriegsrat, Oberst, und Sigmund 
Rudolf Freiherr zu Polhaimb u. Wartenberg, auf Ottenschlag, 
Mayers u. Goblspurg, seine HHn. Schwäger u. Vettern. Linz, 
20. Januar 1655. 



300 



9. Bilder 

und 
Epitaphien. 



Von Hans Ludwig besitzen wir mehrere Bilder. Ein Brustbild in 
Öl in Greillenstein stellt ihn als jungen Mann dar mit der Inschrift: 
Aetat. 21. A°. 1604. Dies stimmt mit dem Geburtsdatum von Ende 1582. 
Außerdem ein Porträt in Öl in Lebensgröße, Kniestück, aus späterer Zeit, 
als Landeshauptmann. Dieses Bild, anscheinend eine alte Kopie, befand 
sich neben anderen Porträts bekannter Persönlichkeiten aus dem 16. u. 
17. Jahrhundert im Schlosse zu Grein, Ob. Ö , und wurde mit den Bildern 
seiner Frau, geb. Stubenberg, sowie seines Sohnes Lobgott samt 
dessen Gattin, geb. Starhemberg, von Sr. Hoheit dem Herzog Ernst 
von Koburg- Gotha — gegen Kopien — gnädigst anher überlassen. 

Auch mehrere Stiche sind vorhanden. Der beste, Sign. Jo. M. Kraus, 
ist der vorn reproduzierte aus den Khevenhüllerschen Annalen. 1 ) Ein 
weniger guter, dessen Kupferplatte sich in Greillenstein befindet, war 
vielleicht zuerst dafür bestimmt. 

Hans Ludwig verordnete in seinem Testamente, daß »mein Leib 
ohne alles übrige Gepränge meinem Stand und Amte gemäß allhier zu 
Linz in der Klosterkirchen bei dem Landhaus, allda ich vor diesem 
einen Zypressen-Altar, auch eine Gruft machen, auch ein Monumentum 
aufrichten lassen, ehrlich eingesetzet u. begraben werde«. Dies geschah 
und ist ihm kein anderes Epitaphium gesetzt worden als das von ihm 
selbst errichtete, welches in Übersetzung lautet: 

»Tue das, was du sterbend getan zu haben wünschest. Von der 
Geburt an sterben wir und das Ende hängt vom Ursprung ab. Leibend 
der Sterblichkeit eingedenk, hat Johann Ludwig Graf von Kueff- 
stain, beider Österreich Oberster Erbsilberkämmerer, des sei. Rom. 
Kaisers Ferdinand IL Geheimer Rat und Desselben Orator zu der 
Ottoman. Pforten, später dessen Sohnes Ferdinand III. Landeshaupt- 
mann des Erzherzogtums Österreich ob d. Enns, dieses Monument samt 
der darunter befindlichen Krypta sich und seiner Nachkommenschaft 
errichten lassen. A.D. 1641.« 2 ) 

Diese Gruft, in welcher eine Reihe seiner Nachkommen zur letzten 
Ruhe bestattet wurde, ist heute nicht mehr aufzufinden. 

Hiemit nehmen wir Abschied von Hans Ludwig und seinen Nach- 
kommen, von welchen bei seinem Ableben drei Töchter und sechs Söhne 
am Leben waren. Mit diesen beginnt die oberösterreichische Linie, deren 
Schicksale einer späteren Darstellung vorbehalten bleiben müssen. Sie 
entfaltete sich zahlreich, trieb mehrere Zweige in Linz, Salzburg und 
Passau, erlosch aber schon i. J. 1750 mit Preisgott IL, Urenkel des 
Hans Ludwig. 

Wir schließen mit einem Lieblingsspruche des H. Ludwig aus 
dem Schlosse Weiden holz: 



Schaunberg. 
Ao. 1535. 



Perckhaim. 
1540. 



Losenstain. 
1593 



Hohenfeld. 
1612. 



Kuefstein. 
1635. 



Wer dises sieht, gedenck dabey, Und bild ihm niemand anders ein 

Wie all Irdisch unbständig sey, Wie es vor gwesn, wirds künfftig seyn, 

Wie gar kein Herrschafft Hauß noch Gut Was die Zeit gibt nimbt wider die Zeit 

Bey einen Gschlecht lang bleiben thut. Dise Welt ist voller Eytelkeit. 



* 



* 



* 



l ) Khevenh., Ann. Bd. II, 363 der Porträts. 

-) Arch. Greill. Alte Abschrift der Epitaphien dieser Gruft. — Hoheneck, Monu- 
menta et Epitaphia und Die Stände etc. I, 538. 



XXVI. 

DIE SCHWESTERN 

DER 

DREI BRÜDER H. JACOB, H. LORENZ UND H. LUDWIG 

EVA, VEREHEL. THANRÄDLIN, 

SARA, 

AN ASTASI A, 

JUSTINA CONCORDIA CLAUDIA, 

VEREHEL. VON BRANDIS. 



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Nach G. M. Vischer v. 1672. 



fon den Töchtern Hans Georgs III. hatte, wie wir wissen, Eva, Eva, vereheJ. 
die älteste, geb. 1580, um d. J. 1600, also noch zu Lebzeiten Thanrädlin. 
des Vaters, den Baltasar Christoph von Thanrädl, Frei- 
herrn auf Thernberg und Rechberg, Stranzendorf und 
Ebergassing, einen jüngeren Bruder des vielgenannten Andreas, ge- 
heiratet. ') Sie wird im Testament v. 1595 sowie im geschwisterlichen Ver- 
gleich v. 16 1 5 genannt und in den Diarien ihres Bruders Hans Ludwig 
geschieht der Frau Thanrädlin öfters Erwähnung. Er stand mit ihrem 
Gatten und dessen Geschwistern in innigen verwandtschaftlichen Be- 
ziehungen und sah oft den General-Proviantmeister Heinrich Christoph 
und den kais. Obersten u. Kriegsrat Wolfgang sowie deren Schwester 
Frl. Lisi Thanrädlin, die alle in den Diarien öfters genannt werden. Von 
Andreas aber trennten ihn tiefgehende Gegensätze der Anschauungen, 
die in Hörn zu mehrfachen Auseinandersetzungen führten. 2 ) 

Baltasar Christoph soll 1584 geboren sein, wäre also bei seiner 
Heirat erst 16 Jahre alt und vier Jahre jünger gewesen als seine Braut! 
— Die Ehegatten besaßen Thernberg und hatten auch Besitz in der 
nahe gelegenen Neustadt, wo sie am 23. April 1620 den Besuch Hans 
Ludwigs empfingen. 3 ) Im J. 1627 sollen sie in Ödenburg gelebt 
haben 4 ), ohne jedoch den alten Familienbesitz Thernberg aufzugeben, 
wie aus Evas Testament und dem Übergang auf den Sohn hervorgeht. 
Baltasar muß um 1638 oder früher gestorben sein, da sein Sohn 
Georg Christoph den Besitz des Oheims Wolff direkt überkam. 

Eva setzte ihr Testament, in dem sie sich, katholisch geworden, 
Eva Maria nennt, in der Neustadt am 25. November 1642 auf und 
übergab es dem dortigen Bischof Joannes zur Aufbewahrung. Nach 
ihrem Ableben, welches um den 11. od. 12. Dezember 1651 erfolgt sein 
muß 5 ), sandte der Bischof das Testament am 13. Dezember dem Land- 
marschall Gf. Traun, welcher es über Einschreiten des Sohnes und 
Erben am 22. dess. M. publizierte. 6 ) 

Eva setzte ihren Sohn Georg Christoph zum Erben ein und 
bestimmte, daß ihr Freihaus in Neustadt sammt Gartl vor dem Fleisch- 

l ) Siehe oben S. 1 ff. 

•) Siehe oben S. 124 u. 142. 

3 ) Siehe oben S. 133. 

') LA. Wisgrill, Mskpt. 

5 ) Also nicht 1642, wie Siebm. sagt. 

6 ) Landmarsch.-Gerichtl. Testam. Nr. 23. 



304 

hackertor und Wiese vor dem Ungarthor bei dem Geschlecht der Than- 
rädl verbleiben solle. Stürbe aber Georg- ohne Erben, so soll dieser 
Besitz auf ihren Bruder Hans Ludwig Grafen v. Kuffstein und 
dessen Erben übergehen. Er erhält für die ihr und ihrem Sohne jeder- 
zeit erwiesene brüderliche und väterliche Liebe und Treue außerdem 
2000 fl. Von dem gewöhnlich als zweiter überlebender Sohn angegebenen 
Wolf Christoph ist bei alledem kein Wort erwähnt, sondern Georg 
wird wie ein einziger Sohn behandelt. 

Dagegen traf sie eingehende Anordnungen für ihre Beisetzung in 
der Familiengruft zu Thernberg, wo ihr »liebgewester Herr sei. Herr 
Baltasar und sieben ihrer verstorbenen Kinder begraben liegen«. Die 
Beerdigung soll ohne Gepränge, aber mit Einhaltung der kathol. Zere- 
monien vor sich gehen. Für ein alljährliches Seelenamt stiftet sie ein 
Kapital von iooo fl. Für den Transport nach Thernberg soll der 
Pfleger einen Wagen mit 6 gleichen Rossen, Wappen u. Lichtern, wie 
es sich gehört, besorgen, wofür ihm 12 Taler zu reichen sind. 

Georg Christoph, welcher offenbar Thernberg schon übernommen 
hatte, erbte auch noch Rechberg und Stranzendorf von seinem 
Oheim, dem Obersten u. Kriegsrat Wolff Thanrädl. Rechberg wurde 
ihm am 10. Mai 1639 eingeantwortet 1 ) und am 18. Dezemb. 1640 schrieb 
er, daß er dieses und Stranzendorf vor 2 Jahren auf zeitlichen Hintritt 
seines Vetters (recte Oheims) ganz ruiniert übernommen habe. 2 ) Er beeilte 
sich auch, es an seinen anderen Oheim HansLudwig v. Kuffstein zu ver- 
kaufen (24. Mai 1650). 3 ) Im J. 1659 erlangte er das Indigenat in Ungarn. 4 ) 

Er soll Regina Händl auf Eggendorf geheiratet haben, dann 
Christina von Puechaimb, endlich Sidonia Elisabeth von Prö- 
sing, welche das nach seinem Ableben auf sie übergegangeneThernberg 
1679 an P. v. Pleyern verkaufte. 5 ) Später kam es an J. W. von Wurm- 
brandt, welcher dort seine berühmten Collectanea verfaßt haben soll. 6 ) 

Georg Christoph soll mit seiner dritten Frau ausgewandert sein, 
einen sächsischen Zweig gegründet haben und i. J. 1665 in Regens- 
burg gestorben sein. 7 ) 

Wolf Christoph von Thanrädl, von dem nicht mit Sicherheit 
entschieden werden kann, ob er wirklich als Georg's Bruder anzusehen 
ist, erscheint in der Liste jener Österreich. Herren u. Ritter, welche 
sich gleich bei Beginn des Kongresses zu Osnabrück i. J. 1645 an die 
Evangelischen Reichsstände und die schwedischen Bevollmächtigten ge- 
wendet hatten, um dieselben Konzessionen zu verlangen, welche diese 
für die Böhmen gefordert hatten. Obwohl sich die Unterösterreicher, 
wie in Art. V des Friedensinstrumentes gesagt wird, zumeist in der 
Heimat befanden, scheint Wolf Christoph mit den Oberösterreichern 
schon zu den Exulanten gehört zu haben. 8 ) 

Wahrscheinlich war es dieser, und nicht der schon mit 3 Frauen 
gesegnete Georg Christoph, welcher i. J. 1653 zu Regensburg die 



!) LA. Einl Rechberg O. M. B. 447. Besitzbogen macht irrig Baltasar z. Erblasser. 
■) LA. Einl. Thernberg U. W W. 138. 

3 ) LA. Einl. Rechherg O. M. B. 447. 

4 ) LA. Wisgrill, Mskpt. Addit. 

5 ) LA. Einl. Thernberg U. W. W. 138 u. Besitzbogen. 

6 ) Schweickhardt, U. W W. VI, 230. — J. F. v. H., Burgvesten. I, 257. 

">) Siebmacher, N.ö. Adel. IV, 323. — Wisgrill, Gleichenstein, Tab. geneal. 

8 ) Meiern, Acta pacis Westphal. IV, 174. — Raupach. Ev. Ö. 293 u Forts. 
III, 452, also oben S. 249 Wolf anstatt Geo-g zu setzen. — Wisgrill, V, 303 nennt 
Georg, in den Additiones aber Wolff als Exulanten. 



305 



1 ) Siebmacher nennt, gewiß richtig, den Wolf als Gatten der Maria Afra, Wis- 
grill den Georg, dem er außerdem die Hänndlin zulegt. 

2 ) Schweickhard, O. W. W. VIII. 161. — C. Schachinger, Ruine Aggstein, 
S. 18. — Ed. Reithmayer, Burg Aggstein, S. 8. 

3 ) Vide oben S. 130, 225 u. 226. 

4 ) Vide oben S. 236. 

5 ) Ferd Gf. Brandis, Familienbuch, S. 114 ff. 

Kuefstein. III. 



Sara. 



Maria Afra, Tochter des Hans Lorenz II. von Kuffstein, heiratete, 
wodurch, falls er wirklich ein Sohn der Eva gewesen, eine zweite Ver- 
schwägerung mit ihrer Familie erfolgt wäre. 1 ) 

Angesichts unserer mehrfachen Beziehungen zu diesem Geschlechte, 
welches in der Landesgeschichte eine nicht unbemerkte Rolle gespielt 
hat. durfte trotz der Schwierigkeiten, sichere Daten zu erlangen, wenig- 
stens der Versuch gewagt werden, auf Grund unserer Familiennotizen 
und anderer Quellen an der Hand einer alten, im Fstl. Liechtenstein- 
schen Archiv befindlichen Stammtafel eine Übersicht seiner Mitglieder, 
so weit sie bekannt geworden sind, zusammenzustellen, ohne auf unbe- 
dingte Vollständigkeit Anspruch zu erheben. 

Anastasias Name erscheint öfters in den Tagebüchern ihres Anastasia 
Bruders Hans Ludwig, namentlich anläßlich ihrer am 14. April 1620 
nicht ohne Mühe erfolgten Herabkunft von der Burg Aggstein mit 
ihrer Schwägerin Anna, Gattin ihres anderen Bruders H. Lorenz. 
Aggstein gehörte damals dem mit einer Polhaimb verehelichten Otto 
Maximilian von Traun durch Erbschaft nach seiner eifrig evangeli- 
schen Cousine, Anna von Polhaimb, die es von Kaiser Rudolf IL 
i. J. 1606 gekauft, dann wohnlich hergerichtet und mit Zubauten ver- 
schönert hatte. 2 ) Gegenüber am linken Ufer der Donau lag auf halber 
Höhe desjauerling das dem Hans Lorenz gehörige Schloß Z aissing, 
in welchem seine Gattin Anna damals zumeist wohnte. 3 ) 

Sara wurde im Testament ihres Bruders Hans Jacob, welches er 
kurz nach dem Tode seiner ersten Frau Clara vonPuechaimb am 9. Dezb. 
16 18 aufsetzte, mit der Mitgerhabschaft über seine noch in unvogtbarem 
Alter stehenden Kinder betraut und dringend gebeten, für sein jüngstes 
Töchterlein Clara Maria mütterlich zu sorgen und sie bei sich zu behalten. 

Die Namen der Schwestern Anastasia, Sara und Justina wieder- 
holen sich in auffallender Weise bei ihren Nichten, den Töchtern des 
Hans Lorenz, über welche bereits gesprochen wurde. 4 ) Eine Verwechs- 
lung mit den letzteren, die in Spitz begraben wurden, ist jedoch auf 
Grund verschiedener Momente ausgeschlossen. 

Die jüngste Schwester Justina Concordia, über welche schon 
anläßlich des geschwisterlichen Vergleiches v. 10. März 16 15 insoweit 
gesprochen wurde, als es die Konstatierung ihrer Existenz und der Zeit 
ihrer Geburt zwischen 1595 und 1603, den Daten der Testamente des 
Vaters, nötig machte, wird in unserer alten Stammtafel von 1728 als 
letzte Tochter des Hans Georg III. angeführt mit dem Bemerken, daß 
sie den Veit Benno Grafen von Brandis heiratete. 

Nach dem Familienbuche der Grafen von Brandis 5 ), in welchem 
sie Justina Claudia genannt wird, erfolgte ihre Ehe mit dem damaligen 
Freiherrn Veit Benno am 15. Juli 1631, also in nicht mehr ganz jungen 
Jahren. Sie war Kammerfräulein der Erzherzogin Claudia. Vielleicht 
erklärt diese nahe Verbindung die Annahme des Namens ihrer hohen 
Schutzfrau, der auch mit ihrem Übertritt zum Katholizismus, den' sie 
mit elf oder zwölf Jahren gegen den Willen und die dringenden Mahnungen 



Justina. 
verehel. 
Brandis. 



806 

ihrer Familie bewerkstelligte — wie in ihrer noch vorhandenen Leichen- 
rede erwähnt wird — in Zusammenhang stehen dürfte. 

Claudia von Medici, welche Erzherzog Leopold von Tyrol 
nach Ablegung seiner bischöflichen Würden i. J. 1626 geheiratet hatte, 
bewies der Justina besondere Fürsorge. Namentlich betrieb sie deren 
Heirat mit dem damaligen Amtmanne zu Botzen, Veit Benno von 
Brandis, dessen Vater Jakob Andrae, Landeshauptmann von Tirol, 
die Medizäerin an der Grenze einzuholen gehabt hatte. 

Am 16. April 1631 schrieb letztere an die Gräfin Hans v. Wol- 
kenstein, deren Gatte damals Landeshauptmann war: »Liebe Gräfin, 
Da werdet euch zu erindern wissen was Ir guet mir hienegst under 
Meiner Durchreisen zu Lienz geredet, ob zwischen dem Amtmann zu 
Botzen, Veit Benno Freihn. v. Brandis, und meiner bisher gewesten 
Hoffräulein Justina von Khuefstein ein Heurath angestellt werden 
möcht. Wenn ich dann um ein solches nit allein zu Gemüth genommen, 
und dafür gehalten, daß es zu beeden Theilen ein nit ungleiche Hand- 
lung abgeben, insonderheit aber Meines frdl. geliebten Gemals, Liebden, 
als welche sonsten gegen Ihnen von Khuefstein, umb willen sie Uns 
bis dato nach allem Unseren Wohlgefallen embsich und getreulich ge- 
dienet, ein sonderbar gnädigst affection getragen, nit zuwider sein 
werde. Alß hab Ich nit allein mit derselben zu Unser Zusambenkhunft 
mehreres daraus geredt, sondern auch die Sach zu Wien mit ihren von 
Khueffstein Befreindten und insonderheit ihren Bruder der R. k. M. 
geh. Rath, Kämmerer und Landshauptmann in Oe. o. d. E. conferirt, 
und so weit gebracht, daß er sich bereit erklärt, ihrer uff ein solch 
Fahl zur Abfertigung 10.000 und uff die Hochzeit 2000 fl. zu erstatten 
neben andern viel ansehnlichen statt. — Die weil Wir dann nunmehr 
derorten wieder angelangt u. ermeldt Meines Hn. Gemals Lbd. und Ich nit 
ungern sehen, daß die Sach förderlichst an ein Orth gemacht, und die 
Heirath vollzogen werde, hab Ich nit unterlassen wollen, daß euch alles, 
wie hiemit zu berichten, gdgst. gesinnend, wie Ir daß werkh bisher unter 
Eurer Direction gehabt, daß wollet auch künftigs die Handt darob halten 
u. es dahin befördern, daß er von Brandis sich eines beständig darüber 
erkläre, auch demnach die Hochzeit, die Wir, wie in solchen Fällen Her- 
kommen, zum Hoff aushalten, auch der Zeit halb es Euch und ime heimb- 
gestellt haben wollen, fürgenommen und zueweckh gezogen werden möge.« 

Diese erzherzogliche Brautwerbung war von vollständigem Erfolge 
gekrönt. Zum Heiratsvertrage war Freiherr von Bemblberg von der Erz- 
herzogin delegiert worden. Die Braut hatte ein Erbteil von 6900 fl., welches 
die Brüder ein Jahr nach der Hochzeit auszuzahlen oder mit 5 Prozent 
zu verzinsen versprochen hatten. Dies stimmt mit dem im Brandisschen 
Buche angegebenen Betrage von rund 7000 fl. ziemlich überein. Als 
Morgengabe wurden 2000 fl. bestimmt. Diese samt ihrem eigenen Ver- 
mögen und einem Witwengehalte von 500 fl. wurden ihr für den Fall, als 
sie ihren Gatten überleben würde, zugesichert. Nach dem Briefe der Erz- 
herzogin hatte Hans Ludwig sogar 12.000 fl. zugesagt. Am 15. Juli 1631 
konnte nun die Hochzeit nach den Bestimmungen der Erzherzogin stattfinden. 

Veit Benno von Brandis spielte eine bedeutende Rolle in der 
Landesgeschichte und genoß hohes Ansehen, sowie das Vertranen des 
Erzherzogs. Er wurde Landeshauptmann wie sein Vater und mit seinem 
Bruder durch die Erhebung der Familie in den Grafenstand geehrt. Er 
ist der Stammvater der noch blühenden Tiroler Linie geworden. Lange 
Zeit aber hofften die Gatten vergebens auf einen Nachfolger. Justina 



307 

















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Nach Photogr. d. Grafen Carl von Brandts. 

Die Fahlburg. 

wandte sich in ihrem Gottvertrauen inbrünstig an die Mutter Gottes 
und suchte deren Schutz durch eine Angelobung-, über welche das 
Wunderbuch des Stiftes Ficht eine bemerkenswerte Aufzeichnung ent- 
hält: »1640. Die hochgeb. Frau Justina Claudia Gräfin v. Brandis 
geb. Gräfin v. Khuefstein, des hoch u. wohlgeb. Hn. Veit Grafen v. 
Brandis Ehegemahl, nachdem sie 7 Jahre unfruchtbar gewesen, und 
einen Leibeserben höchstens verlangte, hat sie gehört von dem wunder- 
tätigen Bilde, so in uns. Frauen Kapellen ob den Linden in St. Georgen- 
berg steht, verlobte sich demnach zu selbigem mit Aufopferung eines 
Goldstückes und etlich weißen waxenen Kerzen, die sie von Botzen 
auf St. Georgenberg im Herbst Ao. 1639 durch eigenen Boten heraus- 
geschickt. Ihr Gebet und Bitte ist erhört und bald hernach als den 
4. Juli nächstfolgenden 1640. Jahres 1 ) mit einem männlichen noch lebenden 
Erben, namens Franciscus Adam Graf zu Pranteiss erfreuet worden, 
maßen sich ermelte Gräfin dessen eine mit eigener Handschrift verfertigte 
Urkund von sich geben.« Ausgestellt Botzen 28. Septb. 1640. Just. 
Claudia Gfin. v. Prandeis geb. Gfin. v. Khuefstein. 2 ) 

In dieser Zeit wurde der alte Brandis'sche Besitz der Fahlburg 
bei Brandis in Südtirol neu erbaut und mit den heute noch sichtbaren 
Wappen der Ehegatten geschmückt. 

Trotz ihres Glaubenswechsels scheint Justina mit ihren Geschwistern, 
von denen einige später ihrem Beispiele folgten, in guten Beziehungen 
geblieben zu sein. In ihren Testamenten v. 1. Oktober 1633 und 20. April 
1639 vermachte sie ihnen, »obwohl sie nach der tirolischen Landesordnung 
nicht dazu verbunden gewesen wäre, alle von ihren geliebten Eltern sei. 
ererbten Kleider, Kleinodien und Ketten«, und speziell der ältesten 
Tochter ihres geliebten Hn. Bruders Hans Ludwig — also der Su- 
sanna Maria — ihre »großen Zählperlen sammt dem güldenen dop- 
pelten ringleten Kettl«, sodann allen zusammen 1000 fi. als Abfertigung, 
falls sie ohne Leibeserben sterben würde. Da sie deren noch erhielt, 

wurden diese Legate hinfällig. Ihr letztes Testament v. 12. April 1660 

* 

') Nach d. Fam.-Buch, S. 130, aber wurde er schon am t8. Juli 1639 geboren. 
2 ) Brandis, 1. c. 121. 

20* 



308 

spricht auch nicht mehr davon. 1 ) Als »Anweiser« fungierte dabei der 
ihr unter dem n. Jänner 1658 zugeordnete Dr. Joh. Paul Hocher, des 
Erzherzogs Ferdinand Carl ob. Österreich. Regimentsrat, der spätere 
Oberste Hofkanzler Leopolds L, dessen Tochter die Gattin des Hans 
Georg IV. Grafen v. Kuefstein wurde. 2 ) 

Justina starb Ende 1660, da vom 11. Jänner 1661 an schon Legate 
für sie ausbezahlt wurden. In der schon erwähnten Leichenrede wird 
gerühmt, daß sie sehr eifrig im Empfange der hl. Sakramente und in 
Wohltätigkeit gegen die Armen gewesen. Aus Dankbarkeit für die 
Geburt des Sohnes gab sie alljährlich zu Ehren der Mutter Gottes ein 
Almosen von so viel Gulden, als er Jahre zählte. 

Dieser Sohn Franz Adam Gf. Brandis — dem sie noch zwei 
Schwestern schenkte — wird von Bucellinus 3 ) als schon in der Jugend 
Summae expectationis juvenis bezeichnet, welche Hoffnungen er auch 
reichlich erfüllte, namentlich durch seine historischen u. genealogi- 
schen Arbeiten, Werke, von denen das heute noch geschätzte »Des 
tirolischen Adlers immergrünendes Ehrenkränzel« als besonders wertvoller 
Beitrag zu der Landes- u. Familiengeschichte berühmt geworden ist. 

Nach dem Ableben der Justina entstanden Korrespondenzen über 
ihre auf Greillenstein versicherten Ansprüche. Ihre Schwester Sara 
hatte die Hypothek, welche sie durch das Testament des Vaters erhalten, 
auf sie transferiert. Die Reklamation, welche sich auf den bereits oben 
besprochenen geschwisterlichen Vergleich v. 10. März 16 15 und einen 
nicht näher bekannten Vertrag do. Wien, 24. März 1634 beruft, fiel in 
eine sehr ungünstige Zeit. Eva Christina, Witwe nach Georg Adam, 
Neffen der Justina, befand sich mit ihren noch jungen Söhnen in einer 
wenig glücklichen Lage. Am 6. Juni 1665 legte sie die Situation dem 
Grafen Franz Adam von Brandis offen dar. Die Güter seien — so 
schrieb sie — durch die Völker in den Grund ruiniert und keine Ein- 
nahmen zu erzielen. »Wenn wir wirklich Burgschleinitz verkauft haben 
werden, um höchste Schulden von Greillenstein damit abzuzahlen«, so 
könne man doch nichts anderes mehr anbringen »wegen des unglück- 
seligen Restes, bei den Evangelischen Ständen, so noch bei Hof liegt«. 
Sie möchte mit ihrem Blut bezahlen und wiederholt unter dem 12. Januar 
1666, daß sie mit ihrem Schmuck und Silber 4000 fl. aufzubringen glaubt. 

Als Kardinal Ernst Adalbert von Harrach nach Tirol kam, 
um die Kaiserin Margaretha bei ihrer Rückkehr aus Spanien zu emp- 
fangen, gab ihm Eva Christina 4000 h 1 . »in 15 verpetschierten Säcken« 
mit, um sie dem Gf. Brandis gegen völlige Abquittierung zu übergeben. 
Einer ihrer Söhne, wahrscheinlich Hans Georg, bezieht sich in einem 
undatierten Bericht darauf, dies vom Bischof Grafen Kollonitsch und 
seiner Mutter Schwester Fräul. Maria Salome von Neuhaus erfahren 
zu haben u. daß alles abgetilgt sei, was aber nicht unbestritten blieb. 4 ) 

Jedenfalls ist aus dem Aktenkonvolut zu entnehmen, daß dank dem 
Entgegenkommen des Gf. Brandis und der Intervention des Hofkanzlers 
von Hocher Frhn. zu Hochenkrän, »von dem man wisse, mit was 
Licht und Billigkeit er vorleuchte«, ein Vergleich angebahnt wurde, 
über den jedoch nichts weiteres vorliegt. 

*) Gräfl. Brandissches Fam. -Archiv in Schloß Brandis. VIII, 23. Nach d. gütigen 
Mitteilungen des Grafen Carl von Brandis. 

2 ) Vide Kap. XXX. 

3 ) Bucellin. I, 187. 

4 ) Über Eva Christina vide die Kap. XXVII, XXIX u. XXX. 



XXVII. 

GEORG ADAM 

SOHN HANS JACOB'S 
GEB. 1605, f 1656 

UND 

EVA CHRISTINA V. NEUHAUS 

FORTSETZUNG DES HAUPTSTAMMES. 



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geb 1641 
Klosterfrau i. 
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3. 12. 1674 
Oberin 16.7. 
169s, t 4- 3- 
1699 im 
58. Jahr 
(Epit. Stifts- 
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ei dem Ableben Hans Jacobs waren von dessen Kindern, l. Erste Zeit 
über welche bereits oben 1 ) nähere Auskunft gegeben wurde, 
soviel man weiß, nur mehr der älteste Sohn Hans Georg 
Adam und die Tochter Anna Elisabeth, Gattin des Frei- 
herrn Ernst von Kollonitsch, am Leben. 

Georg Adam, der Nachfolger des Vaters im ererbten Familien- 
besitze, war nach übereinstimmenden Nachrichten i. J. 1605 geboren 2 ), 
was auch durch die später zu besprechenden Porträts Bestätigung findet, 



1 ) S. 207. 

2 ) Stammtafel v. 1728. 



Wisgrill, V, 305. — Stich Wiedemanns v. 1644. 



312 



2. Kriegs- 
dienste. 



3. Stadt- 

guardia. 

Oberstlieut. 



namentlich durch den schönen Stich v. 1644, der sein damaliges Alter 
auf 39 Jahre angibt. Dies stimmt auch zu den Geburtsdaten seiner Ge- 
schwister, soweit sie bekannt sind. Die bald nach ihrer Geburt ver- 
storbenen Erasmus und H. Georg waren 1607, resp. 1609 geboren, 
Georg Christoph 1611 (f 1629) und Anna Elisabeth 1603. 

Georg Adam studierte, wie sein Vater, an Italienischen Univer- 
sitäten. Wir finden ihn als George Adam, Seigneur et Baron de Kueff- 
stein am 8. Juni 1626 in Padua und im November dess. J. als Lib. 
Baro in Greilnstein et Spitz in Siena inskribiert. 1 ) 

Nach seiner Heimkehr muß er bald in Kriegsdienste getreten 
sein, spätestens 1627. Denn i. J. 1643 berief er sich auf 1 3 Jahre Kriegs- 
dienste und 4 Jahre in der Stadtguardia. 

Die erste Nachricht darüber finden wir in einem Briefe des Ernst 
von Kollonitsch v. 2z. Oktb. 1628 an den Botschafter Hans Ludwig 
von Kuffstein in Konstantinöpel, in welchem es heißt »Ihre Excellz. 
Frau Gemalin sammt den ihrigen seind Gottlob wohl auf. Hr. Georg 
Adam ist in das Lager, hat sich mit seiner Frau Mutter zerkriegt, doch 
nicht ohne Ursach.« 2 ) Sie war eben seine Stiefmutter, die vor 2 Jahren 
vom Vater angeheiratete Maria Veronica v. Urschenbeck. 

Wir wissen auch, daß ihn Herzog Albrecht von Friedland in der 
Zeit zwischen 1630 u. 1634 als Oberstwachtmeister des Hardeggschen 
Regimentes zum Hauptmann über eine Kompagnie ernannt und ihm ein 
Werbepatent für dieselbe ausgestellt hat. 3 ) 

Am 4. Juli 1634 wurde eine Tagsatzung für eine »Commission 
zwischen Grafen Adolf von Puechaimb und dessen Oberst Wacht- 
meister Freiherrn von Kuefstein und seiner zwei Hauptleute benennt«. 
Aus der lakonischen Notiz des Protokolls ist der Gegenstand nicht zu 
entnehmen. 4 ) 

Etwas später wurde er durch ein vom Kaiser unterschriebenes 
Dekret v. 2. April 1639 beauftragt, im V. O. M. B. Pferde für das Heer 
anzukaufen, »nachdem Unsere im Hl. Rom. Reiche gegen den Feind 
liegende Armada sonderlich die Reiterei an Pferden sehr abkommen, 
also daß vordrist dahin zu gedenken, wollen Wir dem Feind mit Macht 
begegnen u. die getreuen Unterthanen vor weiterem feindlichen Einfall 
versichert halten, daß gedachte Reiter sowol mit Pferden als anderem 
Zubehör eilends montirt u. zu Feld ausgerüstet werden dazu Wir in die 
5000 Roß vonnöthen haben etc.«. Als Lieferplatz wird Stadt Eggen- 
burg bestimmt. 5 ) 

In demselben Jahre, vielleicht infolge zufriedenstellender Ausführung 
der ihm übertragenen, in diesen Kriegszeiten wichtigen Missionen, wurde 
Georg Adam, welcher vorher schon von den Ständen empfohlen worden 
zu sein scheint, zum Oberstlieut. der Wiener Stadtguardia ernannt. 
Der Hofkriegsrat erhielt darüber die* Verständigung v. 24. Septemb. 1639, 
und der Hofmarschall ward angewiesen, sich mit dem Bürgermeister 
wegen Quartier für ihn und den Oberstwachtmeister Schwab zu ver- 
gleichen (9. Novemb.). 6 ) 



') Ldsk. XVIII, 291, v. Hofr. v. Luschin. 

2 ) H. Ludw. v. Kuffsteins Botsch Relation. Beilagen i. Arch. Greill. 

3 ) Gfl. Hardeggsches Archiv in Stetteldorf. Urkunde. 

4 ) H. K. R. Prot. 1634. R 233. 

5 ) Arch. Gr eil Ist. Orig. Perg. Unterschrift Ferdinands III. 

6 ) H. K. R. 1639. R. 374 u. 10/4. — AI. Veltze, D. Wiener Stadtguardia, S. 160. 



313 

Die Funktionen des Stadtguardia-Oberstlieutnants, des eigentlichen 
Kommandanten von Wien waren äußerst zahlreich und verschieden. Sie 
bewegten sich zwischen den gewöhnlichen militärischen Obliegenheiten 
u. jenen des Festungskommandanten und stiegen zu den höchsten poli- 
tischen Missionen empor. 

Über die aus den Protokollen des Hofkriegsrates und der Hof- 
kammer ersichtlichen Agenden, die zum großen Teile kein weitergehendes 
Interesse beanspruchen können, möge nur eine kurze Übersicht ein allge- 
meines Bild gewähren. 

Von besonderer Wichtigkeit war in den damaligen Kriegszeiten 
die Überwachung der Stadttore. Gleich (8. Octob.) wurden jene Personen 
bezeichnet, welche beim nächtlichen Einlaß passieren durften. Da G. 
Adam fand, »daß die Einnehmer beim Kärnthnerthor nicht bastant 
seien«, wurde ihm am 13. Oktobr. eine qualifizierte Person zur Aushilfe 
und außerdem als besondere Errungenschaft Inslichtkerzen für die Wachen 
bewilligt. Der Florentiner Agent soll frei eingehen, der Venedische Re- 
sident aber die Gebühr bezahlen, und an Sonn- und Feiertagen kein 
Jude in die Stadt gelassen werden. ') 

Dann wurde die Anwendung der Gelder für die Mannschaft anders 
als bei den bisherigen Stadtobersten Mansfeldt und Löbl geregelt 
und 1000 Dukaten Strafgeld des Gf. Hoyos für die Schottenbastei ver- 
wendet, dagegen der Stadtguardia wiederholt verboten, das Gras im 
Stadtgraben und auf den Basteien abmähen zu lassen, da es dem kais. 
Hospital zugewendet sei. 2 ) 

Speziell wurde dem Obersten untersagt, dem Passauer Offizial (des 
Bischofs) ohne Begrüßung der N. ö. Regierung militär. Assistenz zu 
leisten und verwiesen, daß er dem Ott Teufel Profoßen und Musketiere 
zur Exekution gegen seine Untertanen geliehen hatte. Auch soll er sich 
eines Calvinischen Verordneten, der der Regierung zu parieren ver- 
weigerte, nicht annehmen und überhaupt dem Rumormeister keine Ver- 
hinderung machen, dagegen aber gegen die von ihm berichtete Unge- 
bühr der spanischen Werber bei ihrem Gesandten Klage führen. 3 ) 

Vielfältige wichtige Aufträge bezeugen aber das Vertrauen, welches 
in seine Geschicklichkeit gesetzt wurde. So z. B. hatte er im Septb. 1648 
in einer Untersuchung in causa debiti zwischen Feldmarschall Götz sei. 
und Daim zu fungieren. 4 ) 

Im übrigen kommen die heterogensten Geschäfte in der Hand des 
Stadtobersten zusammen, Absetzung und Ernennung von Offizieren, Kom- 
missionen über Bauten beim kais. Zeughaus, Kanalbauten, Basteiver- 
stärkungen und noch nach seinem Tode fand sich unter seinen Papieren 
eine Liste über die Dauer der Haft von 15 Gefangenen im Stockhause 
vor, die dem Kriegsgerichtsschultheißen übermittelt wurde. 5 ) 

Viel Ungelegenheit verursachten die Türkischen Botschaften. Im Türkische 
Mai 1645 hatte Georg Adam den in Begleitung des kais. Botschafters Botschafter. 
Czernin eingetroffenen Botschafter (wohl Ibrahim Pascha 6 ), über 
dessen Reise nach Linz schon mit ihm korrespondiert worden war, täg- 



') H. K. R. 1639, R. 183 u. E. 598 u. 602. — 1640, R. 135 u. 1643, R. 352, 359. 

2 ) Hfk. A. 1643, R. 446. — H. K. R. 1643, R. 348. — 1649, E. 241 u. 1656, E. 333. 

3 ) H. K. R. 1651, E. 460, 464, 1654, E. 126 u. R. 85, 1655, E. 175 u. 241 
u. R. 109. 

4 ) H. K. R. 1648, R. 248. 

5 ) H. K. R. 1640, E. 214. - 1655, E. 337. - 1656, E. 733. 

6 ) Hammer-Purgstall, Gesch. d. Osman. Reiches. III, 251. 



314 

lieh zu besuchen und ihm die wider ihn einlangenden Klagen, an denen 
es nicht mangelte, vorzuhalten und sie abstellen zu lassen, bis dieser am 
20. Sptb. die Abschiedsaudienz erhielt. 1 ) 

Im J. 1650 hatte er wieder für einen Türkischen Botschafter, den 
Hassan Pascha, zu sorgen, dessen Einzug auf den St. Andreastag 
(30. Nvb.) ihm am 28. angesagt worden war. Am 17. Dezb. wurde er 
angewiesen, wegen des vom Botschafter begehrten täglichen Deputats 
an Haber, Heu u. Holz ihn zur Geduld zu weisen. Am 10. Januar 1651 
wurden ihm die von Forgacs u. Wesselenyi wie auch Bosani 
wider die Türken eingelangten Klagen samt des Citaja zu Ofen und 
des Beg zu Gran und Waitzen Schreiben zur Kommunikation an den 
Botschafter übersendet. Am 15. Febr. wurde er beauftragt, die Aus- 
und Eingehung allerhand fremder Personen bei den Türken abzustellen. 
Am 30. März waren wieder Klagen des Wesselenyi u. Sigmd. Ester- 
hazy gegen Türkische Streifereien dem Hassan Pascha vorzuhalten 
u. diesen wegen der ihm abgenommenen 42 Paar Ochsen zu vertrösten. 
Am 24. April wurde Georg Adam als Commissarius verständigt, daß 
der Botschafter am 5. Mai seine Lizentierungsaudienz haben und gleich 
darauf fortreisen werde. Tags darauf erhielt er das Plazet auf seine Vor- 
schläge wegen der dem Botschafter zu seiner Abfertigung zu gebenden 
Präsente. Wieder aber trafen Klagen gegen die von den Türken be- 
absichtigte Fortifikation von Waitzen ein, und daß 400 Türken den 
Nädasdyschen Ort Limpach abgebrannt hatten. Endlich am 6. Mai 
wurde der Botschafter zur Abschiedsaudienz zugelassen u. expediert. 2 ) 
Militaria, Am 28. Novemb. 1641 erhielt Georg Adam den Oberstentitel. 3 ) 

Obersten- Als nun i. J. 1643 Graf Mansfeld starb, hielt er sich für berechtigt, 
sich um den vakant gewordenen Posten des Stadtguardia-Obersten und 
die usuelle Befürwortung der Stände zu bewerben. Er begründete sein 
Gesuch an diese »alldieweil ich nicht allein in dem Feldt 13 Jahre, son- 
dern auch bei allhiesiger Stadtguardia nunmehr bald 4 Jahre jederzeit 
zu meiner vorgesetzten Commandanten Contenta, fürnemblich aber hoffent- 
lich zu Ihr. kais. Maj. Satisfaction geführet und gleichsamb diese Stell 
mit Recht erobert, dieweillen aber üblich u. bräuchlich daß wo bei 
einer Vestung ein Obriststell ledig wirdt, selbige Landstände taugliche 
Subjecta ihres Mittels vorzuschlagen pflegen,« bittet er seine wenige 
Person ehethunlichst zu empfehlen. 
Verwendung Die Stände säumten nicht diesem Wunsche zu entsprechen, indem 

der Stände. s [ e am 2 g. April 1643 den Kaiser baten, dem Herrn von Khueffstain, 
den seine vieljährigen Kriegsdienste schon selbst genugsam rekomman- 
dieren, die Obristenstelle zu verleihen, »weil er zu derselben sowol die 
erforderliche Kriegserfahrenheit als andere hiezu nothwendige Qualitäten 
habe und ein um die Stände wohlverdientes und dem allgemeinen Vater- 
lande wohlanstehendes Landesmitglied sei, auch im Uebrigen also be- 
schaffen, daß er seinen bis anhero erzeigten Actionen nach solche Stelle 
sowol zu der Majestät gefälligem Vergnügen, als auch zu gemeinem 
Nutzen allergetreuest bedienen werde«. Die Stände bitten schließlich, 
ihre Verwendung nicht ungütig zu nehmen, nachdem eine solche der 
Übung entspreche und ceteris paribus den Landesmitgliedern stets 
der Vorzug gegeben werde. 4 ) 

') H. K. R. 1645, E. 337 u. R. 231. 243, 268. 

2 ) H. K. R. 1650, R. 174, 181, u. 1651, R. 1, 24, 32, 56, 58, 69. 

3 ) H. K. R. 1641, R. 368. 

4 ) LA. A. X, 5. Interzessionen u. Rep. I, S. 1117. 



315 



Ihr Vorschlag fand nur die Rubrikalerledigung »bedarf keiner 
Resoluüonc. Denn mittlerweile war die Wahl auf Don Hannibal 
Marchese di Gonzaga gefallen (der diese Stelle bis z. J. 1660 inne- 
hatte) und Georg Adam erhielt die Verständigung, daß dessen In- 
stallierung am 22. August stattfinden soll. 1 ) 

Als es sich anläßlich des Einfalles der Schweden um Verstärkung 
der Wiener Fortifikationen handelte, erhielt Georg Adam Aufträge 
des Kaisers im Vereine mit Oberst Reich auszuführen. 2 ) 

Im Kriegsjahr 1646 war Georg Adam im aktiven Kriegs- 
dienst verwendet. Denn er war dem General Gf. Puechaimb bei- 
gegeben, welcher die Aufgabe hatte, unser von den Schweden jahre- 
lang ausgesogenes und verwüstetes Land von den bösen Gästen zu be- 
freien. Puechaimb hielt große Stücke auf den Kuef st einer, denn er 
stellte die Bitte, ihn noch länger bei ihm bleiben zu lassen, indem er 
gleichzeitig die eheste Einnahme von Krems in Aussicht stellte. Diesem 
Wunsche wurde entsprochen und Georg Adam beauftragt (am 30. April), 
im V. O. M. B. zu verbleiben und dem Puechaimb zu assistieren, bis 
die Impresa gegen Krems vorüber wäre. Er erhielt auch den Befehl, 
die Demolierung der Fortifikationen von Korneuburg und Ravens- 
burg zu inspizieren und dabei keine Sprengungen durch Pulver vor- 
zunehmen. Im September war er in die Kommission zwischen Hofkriegs- 
rat und Hofkammer wegen der Raaber Garnison deputiert und vom 
28. Oktober an mit dem Oberstkriegskommando in beiden Vierteln Ob- 
u. Unt.-Mannhartsberg betraut. So wurde er direkter Nachfolger seines 
Vetters Jacob Ludwig, welcher noch in der letzten Zeit vor seinem 
Ableben von den Schweden auf einem ihrer Streifzüge gefangen ge- 
nommen worden sein soll. 3 ) Er war offenbar ein guter Kenner des 
Fortifikationswesens, da er so vielfach für Inspizierung der Befestigungs- 
werke und auch für die Belagerung von Krems verwendet wurde. 4 ) 

Eine heikle Mission war es, den schwedischen Kommandanten 
Koch zu Kronsegg auf die kais. Seite zu bringen, was auch nach 
seiner günstigen Berichterstattung gelungen zu sein scheint. Wie er 
auch für den schwedischen Kapitän Schreyer Pardon erreichte. 5 ) 

In diesem Jahre wurde Georg Adam zum kais. Kämmerer 
ernannt. 6 ) 

Hand in Hand mit der militärischen Tätigkeit im kais. Dienste 
ging seine Verwendung als Oberkriegskommissär der Stände. 

Am 5. Febr. 1647 schreibt er von Greillenstein dem Landmar- 
schall und den Verordneten und am 9. aus Waidthofen im Vereine mit 
dem Probst Norbert v. Pernegg über die in Krems logierenden 
Völker. Die am 28. Januar begehrte Besprechung der Kommissarien der 
gesamten Vier Viertel konnte nicht erfolgen, da sie nicht beisammen 
waren. Die Abteilung der Völker sei ohnehin schon in Wien ge- 
schehen und wenn das Demerische und Fürstenbergsche Regiment 
im V. U. W. W. viel empfangen habe, was diesem vom Herobigen zu 
ersetzen wäre, so sei keine Anordnung bisher erfolgt, und werden sie 



1645. 



1646 
Belagerung 

und 

Einnahme 

von Krems. 



Ob. Kriegs- 
kommando 



Ständischer 
Kommissär. 

1647. 



1 ) H. K. R. 1643. E. 456 u. R. 381. — Veltz6, D. Wiener Stadtguardia. 1. c. 

2 ) J. Feil, Die Schweden in Österreich. Quellen u. Forsch. 1849. S. 509. 

3 ) Kurz, Landwehre, I, 172. 

4 ) H. K. R. 1646, E. 170 u. 460 u. R. 126, 170, 173, 180, 186 u. 189 u. 1647, 
E. 431. — Feil 1. c. sagt nichts darüber. 

5 ) H. K. R. 1646, E. 109 u. R. 114. 

6 j Kämmereralmanach sub No. 92 (Khopfstein) u. 97. 



316 



Demission. 
1650. 



Hofkriegsrat 



sich gedulden müssen. Das ganze Magazin in Krems sei zur Sub- 
levierung der armen Bürgerschaft ausgeleert und kein Proviant vor- 
handen. Die Kommissarien der anderen Viertel mögen angewiesen 
werden, zur Verhütung weiterer Konfusion für die ihnen assignierten 
Völker den gebührenden Unterhalt ordentlich zu liefern. Die begehrte 
Spezifikation, was seit der Eroberung Korneuburgs auf die im Viertel 
gelegenen Völker aufgelaufen ist, soll nächstens eingereicht werden. ') 
Was auch erfolgte. 2 ) 

Ein anderes Schreiben v. i. April dess. J. macht anläßlich der be- 
vorstehenden Veränderung mit Hn. Grafen v. Fürstenberg das Quartiers- 
direktorium darauf aufmerksam, daß man ihm zwar noch bis 12.000 fl. 
für Winter- und Sommer- Verpflegung restierend verbleibe, wovon jedoch 
für das, was er aus dem oberen Viertel empfangen, wenigstens 4000 fl. 
abzurechnen wären, sowie die von den Kommissarien ihm baar ver- 
abfolgten mehr als 3000 fl. Hauptmann Bauer in Drosendorf klagte, 
die Einwohner seien ganz verarmt und die vorfindigen 8 Stücke ohne 
Kugeln und Pulver. 3 ) 

Am 8. Oktob. 1648 wurde Georg Adam wieder mit einem kais. 
Patent in das Waldviertel gesendet, um für die hineingelegten Soldaten 
zu sorgen und Plünderungen zu verhüten. 4 ) 

»Weillen nun die Länder von den schweren Lasten der Kriegs- 
völker enthebet worden«, schrieb Georg Adam i. J. 1650 an den Land- 
marschall, wie analog auch die anderen Kriegskommissäre, »dahero sie 
auch hinfüro des so häufigen Commissariat nicht bedürfen werden, als 
habe ich mich erstlich gegen Ew. dienstlich zu bedanken daß Sie diese 
geraume Zeit über das gnädige Vertrauen in mich setzen und mich zu 
einem Commissario gebrauchen haben mögen, wünschend daß meine 
Kräfte u. Vermögen dem Willen gleich gewest wären, sollte an mir nichts 
ermangelt haben denen löbl. Ständen sammt u. sonders alle beliebige 
Satisfaction zu geben, beinebens bittend den Abgang nit meinem ge- 
ringerem Willen sondern daß ich es besser zu verrichten nicht vermocht 
habe zuzuschreiben. Resignire hierauf Ew. dieses mir aufgetragene Com- 
missariat, hinwiederumb mit diesem dienstlichen Erbieten, daß, da Ew. 
in dgl. od. andern mein wenige Person unserem lieben Vaterland zum 
Besten hinfürders zu gebrauchen Ihnen belieben lassen werden, Ich mich 
jederzeit so willig als schuldig finden lassen werde.« 

Mit ihm resignierten auch die anderen Oberkommissäre Ott Hein- 
rich von Zinzendorf, Christ. Ad. Geyer, Hans Ehrenreich Geyer, 
Ehrenreich von Traun, F. J. von Weltz. Diese alle wurden jedoch 
ersucht, ihr Amt provisorisch fortzuführen und gleichmäßig bedankt. 
Laut Landtagsbeschluß v. 26. Sptb. 1650 wurden sie dann entlassen und 
die Verordneten beauftragt, zu sehen, was Weiteres zu verfügen sei. 5 ) 

Bald darauf dürfte Georg Adam die Ernennung zum Hofkriegs- 
rat erhalten haben. Die erste ausdrückliche Bezeichnung als solcher in 
den Protokollen rt ) datiert zwar erst vom März 1654, aber im kais. Diplom 
v. 7. Septbr. dess. J. über die Bestätigung des Grafenstandes wird schon 



l ) Beide Schreiben i. Arch. Greillenstein. 
s ) Mitth. d. Arch, f. N. Ö. I, 198. 
s ) Archiv Greillenstein. 

4 ) H. K. R, 1648, K. 272. 

5 ) LA. Ldtgsprot. 1650, Fol. 357 ff. 

6 ) H. K. R. 1654, E. 426. 



317 

auf seine Dienste als Hofkriegsrat hingewiesen, womit offenbar nicht nur 
die paar Monate gemeint sein konnten. 

Außer den oben erwähnten militärischen Angelegenheiten wurden 4. Missionen. 
dem Georg Adam viele wichtige Missionen auch nach außen hin an- 
vertraut, die zumeist mit den Kriegsereignissen in Zusammenhang 
standen. So wurde er im Februar 1641 infolge eines Berichtes des Gf. 
Philipp Mansfeld wegen der Rekrutierung nach Schlesien entsendet. 1 ) Nach 
Im Februar 1642 konnte er berichten, daß dieses Land ganz vom Feinde Schlesien und 
liberiert und der letzte Posten glücklich erobert worden sei. Seine v Sachsen 
Mission ging auch an den Herzog Franz Albert von Sachsen, für 1641—43. 
welchen er ein Kreditiv zu überbringen hatte, und an das Oberamt in 
Schlesien. Über seinen Bericht erhielt er eine neue kais. Instruktion an 
den Ober-Regenten der Grafschaft Glatz Joh. Putz, woraus »zu ersehen, 
was Ihr. Maj. auf dessen wider den Kommandanten zu Glatz angebrachte 
Klage für eine Resolution geschöpft u. was Sie deshalb dem Hn. Oberst- 
lieutt. v. Kuefstein für eine Commission ertheilt, damit diesem an die 
Hand gegangen und die Restitutio des so unbefugt durch den Com- 
mandanten Eingenommenen erhalten werde«. In betreff der gleichzeitigen 
Mission an den Herzog von Sachsen findet sich nur ein allgemeiner 
Hinweis auf seine Relation. 2 ) 

Erst im folgenden Februar 1643 konnte Georg Adam über seine 
Mission nach Glatz, den Bauzustand und die Bemannung der Festung 
Bericht erstatten. Es war ihm gelungen, einen Vergleich zwischen dem 
Oberst Ruebl an der und den Ständen über deren Beschwerden zustande 
zu bringen, mit welchem diese so zufrieden waren, daß sie baten, »bei 
dem Kuefsteinschen Vergleich manutenirt zu werden«. 3 ) Und im No- 
vember 1644 hatte er mit Gonzaga ein Übereinkommen mit den Trop- 
pauer Landständen zu begutachten. 4 ) 

Von dieser Zeit bis zum Ende seines Lebens war Georg Adam 
fast ununterbrochen mit außerordentlichen Missionen nach außen hin be- 
traut, in denen er offenbar die speziellen Intentionen des Kaisers zu 
erfüllen hatte. Die meisten derselben gingen nach Ungarn, wo es sich 
hauptsächlich um die Verteidigung der Grenzen gegen die im Be- 
sitze des größten Teiles des Landes befindlichen Türken handelte. 

Im J. 1643 hatte er die Bezahlungen der Truppen an der Grenze 1643. 
gegen Kanischa und der Windischen Mark zu besorgen, in Raab, 
Preßburg u. Altenburg mit dem Pieroni die Befestigungen zu in- 
spizieren und über die »gehuldigten Dörfer« zu relationieren, überhaupt 
über militär. Maßnahmen zu verhandeln, was sich ins 1644. Jahr hineinzog. 
Die Cancelleria Hungarica verlangte seine Instruktion. Eine solche vom 
20. März 1645 beauftragte ihn zu Verhandlungen mit Batthiany und 1645. 
Nadasdy behufs Aufbringung von 3000 ungar. u. kroatischen Husaren 
unter seinem Kommando. 5 ) 

Die Kämpfe gegen die Schweden hielten ihn i. J. 1646 in Nieder- 1646. 
Österreich zurück. 



1 ) H. K. R. 1641, E. 232, u. 1642, E. 263. 

2 ) H. K. R. 1642, E. 254 u. 47 mit Akt, u R. 28, 29. 163 u. 383. — Hfk A. 1642, 
E- 75 u - 59 2 < u - R 64. — Im Akt ad 47 findet sich ein Referat über Torstensons Sieg 
bei Leipzig mit der übermütigen Prahlerei der Leipziger: »Sobald der Ochs wird lernen 
spinnen, wird Torstenson Leipzig gewinnen.« 

3 ) H. K. R. 1643, E. 269, 25, 81 u. 727. — Hfk.A. 1643, E. 70 u. 318. 

4 ) H. K. R. 1644, R. 380. 

5 ) H. K. R. 1643. E. 588 u. R. 190, 192; 1644, E. 189 u. R. 250, 255, 265; 1645, 
R. 171 u. E. 132 u. 226. — Hfk.A. 1644, R. 311. 



318 

Nach Ungarn. Aber schon im Juni 1647 mußte sich Georg Adam wieder nach 

1647. Ungarn begeben, diesmal in einer ehrenvollen persönlichen Angelegen- 
heit sowohl als im Auftrage der Stände. Er schreibt am 5. Juni 1647 J ) 
aus Vischa an Conrad Baltasar Graf Starhemberg, Regenten der 
N. ö. Landen, seinen hochgeehrten Herrn Bruder, daß er eilends hinunter 
nach Preßburg verreisen mußte, teils in seinen eigenen Geschäften, teils 
in der Ständt Diensten, weil Feldmarschall Holzapfl per posta nach 
Preßburg verreist ist, allda wegen Herausmarsch der in den Inner- 
österreich. Landen gelegenen Regimenter und völliger Zusammenziehung 
der Armada eine Unterredung gepflogen wird, welcher er, damit man 
in diesem Land beizeiten die nötige Fürsehung tun möge, beiwohnen 
soll. Er entschuldigt sich also, Freitag zu der anberaumten Kommission 
(in Wien) nicht erscheinen zu können, macht aber darauf aufmerksam, 
daß die Ausschüsse der Augsburger Konfession Vollmacht haben müßten, 
über ihre Prätensionen mit ihm abzuschließen, sonst könne nichts Ver- 
läßliches abgehandelt werden. Welches diese Anforderungen waren, ist 
nicht bekannt. Sie dürften aus der Zeit der Religionswirren gestammt 
haben. 
Ungarischer Die eigenen Geschäfte, von denen Georg Adam in seinem 

Magnat. Schreiben an Starhemberg spricht, und welche jedenfalls den Haupt- 
zweck seiner Reise bildeten, waren dadurch motiviert, daß ihm die 
Auszeichnung zuteil geworden war, von den ungarischen Ständen 
in ihre Mitte aufgenommen zu werden. Nach dem Wortlaute seines 
Schreibens hatten diese ihn zu einem Landmann angenommen und zur 
Leistung des gebührenden Juramentes nach Preßburg berufen. 

Über diese für ihn und seine Nachkommen ehrende Auszeichnung 
fehlen uns leider alle sonstigen Daten. In unserem Archiv finden sich 
wohl Acta Diaetalia, aber nur aus späterer Zeit für die Grafen Johann 
Leopold und Ferdinand v.J. 1728 u. 1729, die Enkel des Georg 
Adam, von denen Ferdinand die Grafschaft Vukovar in Ungarn 
besaß. 

Georg Adam hatte keinen solchen Besitz. Die ihm zuteil gewor- 
dene Aufnahme in die Magnatentafel war also lediglich eine seiner Persön- 
lichkeit geltende Ehrung, die offenbar durch seine vielfältigen Missionen 
und die dadurch hergestellten befriedigenden Beziehungen zu den dor- 
tigen hervorragenden Persönlichkeiten hervorgerufen war. 

Es ist auch gewiß nicht zu kühn, anzunehmen, daß diese Aufnahme 
mit der bevorstehenden und am 16. Juni wirklich stattgehabten Königs- 
krönung Ferdinands IV. in Zusammenhang stand, für deren Einleitung 
er möglicherweise mit konfidentiellen Aufträgen versehen gewesen sein 
mag. Vielleicht auch später für jene Leopolds I., welche am 27. Juni 
1655 nach dem Tode des älteren Bruders des Kaisers stattfand. 

* * 

* 

1647. Am 27. November ist wieder eine »Abschickung u. Denominierung 

des Kuefstein zu dem hungarischen Wesen« verzeichnet. Er soll in 
allen Negotiis publicis, so an Ihro Maj. remittirt werden, sein Gutachten 
beischließen u. eine gute Experienz in dem hungar. Grenzwesen zu er- 
werben befliessen sein, sich um die hungar. Sachen innerhalb des ihm 



Archiv Greillenstein. 



319 

angegebenen Rahmens annehmen und sich auch nach Warasdin be- 
geben. Er berichtete dann am 15. April 1648 aus Graz über seine 1648. 
Kommission bei den Windischen Ständen und versicherte, er wolle in 
den ungarischen fürfallenden Kriegsnotdurften, soviel er es wird wissen, 
sich informieren, begehre aber, daß die Grenzer, welche etwas zu solli- 
zitieren haben, jedesmal an ihn remittiert werden, damit er die Beschaf- 
fenheit eines und des anderen rechtzeitig von ihnen vernehmen könne. 
Am 25. Juni bat er um seine Zurückberufung aus Warasdin. 1 ) 

Im folgenden Jahre war ihm eine Vermittlungsaktion zwischen dem 1649. 
Oberst Gf. Mansfeld und dem Domkapitel zu Raab aufgetragen. Die 
Instruktion aber erhielt er erst am 23. Januar 1650. Es wurde ihm genau 1650 
diskretes Benehmen gegen die Ungarn und sogar die Sitzordnung 
vorgeschrieben — die Deutschen rechts, die Ungarn links. Monte- 
cuccoli und R. Starhemberg waren ihm als Kommissäre beigegeben. 
Die Verhandlungen zogen sich so sehr in die Länge, daß er erst am 
20. Januar 1651 seine Relation erstatten konnte. 2 ) In der Zwischenzeit 1651. 
war er wieder in Wien gewesen u. hatte für den türkischen Botschafter 
zu sorgen, wie wir gesehen haben. Noch vor der Abreise Hassans 
mußte Georg Adam wieder nach Ungarn zur Auszahlung der Berg- 
städtischen Grenzvölker und sollte berichten, welche Grenzen gegen Ka- 
nischa besetzt zu halten seien, gleichzeitig aber unter Beiziehung 
Mansfelds die Streitigkeiten zwischen Forgach u. Miskai entscheiden, 
auch über die Neuhauser Fortifikation relationieren. 3 ) Erst i. J. 1652 1652. 
konnte endgültig über die Grenzvölker berichtet werden, während 
über die Angelegenheit Forgach und Mansfeld am 11. Juni beim 
Hof - Kriegsratspräsidenten Puechaimb Konferenz gehallen ward. 
Khuffstein spricht auch über Verhandlungen mit den Offizieren des 
Fürsten von der Moldau und die in Mähren angehaltenen Waren ihres 
Landes. 4 ) 

Im Herbst 1652 wurde Georg Adam aufs neue nach Oberungarn Nach Ober- 
und an die Kanisische Grenze mit einer kais. Resolution vom November Ungarn 
abgeordnet. Am 10. Novemb. erhielt er von der Cancelleria Hungarica 
die Credentionales an die Comitates superiores Hungariae sowie an 
den Palatin Wesselenyi und den Erzbischof. Schon im Dezember 
konnte er eine Relation einreichen und reiste im Februar 1653 zurück. 
Wesselenyi bezog sich auf die ihm mitgegebene Instruktion vom 
24. Januar und in Wien wartete man mit der Konferenz über seine 
Meldungen bis zu seinem vom Palatin signalisierten Eintreffen, welches 
um den 27. Februar erfolgte. Er hatte schon schriftlich von einem be- 
dauerlichen Ressentiment der oberungar. Stände geschrieben, »daß nit 
an einen jeden ein absonderliches Credentionale ausgefertigt worden 
wäre«, was jedoch früher nie geschehen war. Er meldete, welche Stände 
Sr. Maj. wohl oder übel affektioniert seien, dann ob sie mehr deutsche 
Völker annehmen würden, ferner über Truppenverlegungen und seine 
Verhandlungen mit Batthiany und Nadasdy. Er besorgte, daß sich 
die wenigsten der oberungar. Stände zur Einnehmung deutscher Hilfs- 
truppen herbeilassen möchten, sondern eher Husaren werben lassen 
würden. Die Geheimen Räte gaben ihr Gutachten am 19. März und 



l ) H. K. R. 1647, R. 22, u. 1648, R. 9, 73, 76. 107 u. E. 139 u. 527. 

'-) H. K. R. 1649, R. 124, 153. 154, u. 1650, E. 6 u. 14. u. 1651, E. 5. 

3 ) H. K. R. 1651, R. 75, 116, 143. 

4 ) H. K. R. 1652, E. 19, 102 u. R. 134. 



320 

Gf. Puechaimb als Vizepräsident des Hof Kriegsrates das seinige am 
9. April ab. 1 ) 

Wie man sieht, hat Georg Adam offenbar ein großes Vertrauen 
seines kaiserl. Herrn besessen, welcher ihn bei seinen vielfachen Mis- 
sionen an die Gewaltträger in Ungarn wohl auch mit manchen ge- 
heimen Verhandlungen betraut haben mag, über die begreiflicherweise 
nichts Schriftliches erhalten geblieben ist. Ein Beweis ist der am 
14. August 1656 an Gf. Schwarzenberg gerichtete Befehl, die ungari- 

1656. sehen und türkischen Sachen in Abwesenheit Sr. Maj. mit dem v. Kuef- 
stein unter der Hand zu beratschlagen. 2 ) 
An den Die letzte dem Georg Adam aufgetragene Mission war an den 

König von König Johann Casimir von Polen, des Kaisers Gegenschwager, ge- 

1655 richtet. Es handelte sich um eine Mediation in dessen Kriege mit dem 
jungen, tatendurstigen Karl Gustav von Schweden. Der vorsichtige 
Kaiser Ferdinand III., der seinen Staaten den kürzlich erst mühsam 
erlangten Frieden sichern wollte, konnte sich zu einem aktiven Ein- 
greifen trotz der durch die Zurückdrängung Polens auch den Österreich. 
Grenzen drohenden Gefahr nicht entschließen. Es wurde also noch ein 
letzter Versuch gemacht und zu diesem Behufe Pötting an Karl 
Gustav und Kuefstein an Johann Casimir abgeordnet. 3 ) Beide Mis- 
sionen versprachen wenig Erfolg. Doch gelangte Kuefstein zu einem 
Einverständnis, wie wir aus dessen Bericht v. 24. Dezember 1655, welcher 
dem Hof-Kriegsrat im Januar 1656 mitgeteilt wurde, entnehmen. 4 ) Darin 
finden sich Momente der Anbahnung, welche im kommenden Jahre zu dem 
Vertrage vom 1. Dezember 1656 führen sollten. Des historischen Interesses 
halber darf ein Auszug aus dem Berichte hier wiedergegeben werden. 
Nachdem sich Georg Adam in Abwesenheit des Reichsmarschalls 
beim Großkanzler angemeldet und ihm auf seine Frage, ob er auch 
Schreiben an den Senat habe, geantwortet hatte, daß er von des Kaisers 
Majestät als ein Ablegat bloß an den König gesendet sei, wurde er 
am 11. Dezb. von diesem empfangen, wobei — wie ihm angedeutet 
worden war — in deutscher Sprache geredet wurde. Der König ant- 
wortete auf das, was er ihm und der Königin vom Kaiser auszurichten 
hatte, »sie hetten sich zu erfreyen, das euer kays. M l . sie hetten be- 
suechen mögen lassen, bedanckhten sich freindtlichen wegen des tra- 
genten mitleiden, des iezigen unglickhseligen Standes, worinen sie sich 
samt dem khönigreich befinden«. . . . 

>Den i5 ten haben sie mich wider zu der audienz rufen lassen 
und die übrige von mir vorgetragene puneten dergestalt beantwortet: 
1. Nehmen sie die von eur kais. M 4 . fürgeschlagene mediation mit 
grösten danckh an, sich allem dem, so eur khays. M*. für billich und 
guet befinden würden, gänzlich unterwerfend, der gewissen Zuversicht 
lebend, eur kays. M 4 . würden fürnemblich als ein so eyfrig catholischer 
fürst das interesse der religion beobachten; sie zweifleten zwar, das die 
in Schweden khönigl. M*. sich zu einigen traetaten verstehen oder 
dieselbe ernstlich fürnehmen möchten, angesehen er vor disem die me- 
diation der cron Franckhreich ausgeschlagen, so wollen sie doch gleich- 



1 ) H. K. R. 1652, E. 311, 326, 405, R. 137, 138, 142; 1653, E. 36, 63, 88, 290, 
299» 3°5» 30^, 3°9 u - R - 1. 24, 27, 45. — Htk.A. 1652, R. 570. 

2 ) H. K. R. 1656, R. 329. 

3 ) A. F. Pribram, F. P. Freih. v. Lisola, S. 87. — St.A. Konferenzprotokolle v. 
14. Novb. 1655. 

*) St.-A. Polonica, Fasz. 34, Orig.-Bericht. — H. K. R. 1656, E. 35. 



321 

wohl ihr fridtliebendes gemüeth zu erweisen, alle billiche conditiones 
einzugehen ihnen nicht entgegen sein lassen. Sie stellten auch eur 
khay. M l . die zeit und das orth der khonftigen tractaten gänzlichen an- 
haimbs, da aber solche ausser des khönigreichs Poln und an statt 
Crakau zu Preßlau mochten fürgenomen werden, wer ihnen solches lieber 
zu vernehmen. 2. Khindten sie zwar euer kais. M l . nicht zuemuethen, 
ihrentwegen mit cron Schweden die neutralitet zu brechen, iedoch ver- 
hoften sie, in eur kais. M l . landen mehr alß an kheinem andern orth 
eine sichere Zuflucht zu haben. 3. Werden Sie nicht underlassen, ihre 
consilia und actiones, so lang sie in eur kais. M*. landen sich be- 
finden wurden, also anzustellen, das diesen nichts beschwerliches 
derenthalben zuestehen, noch cron Schweden billiche ursach einiger 
offension haben solte; sie khindten aber bey diesem punct widerumb 
unerindert nicht lassen, daß underschiedene Schwedische parteyen sich 
über die gränzen in die Schlesien zieheten, ganze tag und nacht in 
den dörfern und buschen stunden, bey den bäum khundtschaft ein- 
zieheten, ob, wann, wie oft und wie starckh sie auszureithen pflegten, 
dannenhero sie abermahlen bäthen, ob eur kais. M l . solche ungebihr 
durch dero generalitet bey denen Schwedischen comendanten ahnden 
und umb die abstellung dessen anhalten möchten lassen. 4. Bedanckhten 
sie sich freindtlich umb die treue fürsorg, so eur kais. M*. wegen 
besserer Versicherung ihre khöniglichen persohn erwisen, die weilen aber 
auß gewissen Ursachen die stadt Preßlau ihnen nicht tauglich were, 
wurde ihnen hergegen sehr angenehme sein, wann sie mit eur kais. 
M 4 . gueten erlaubnus oder auf die Neiß oder nacher Glaz sich begeben 
dörften, und zur Neiß ihnen die wohnung in der bischoflichen burckh 
erlaubet wurde. 5. Bäthen sie, ob eur kais. M*. geruheten, die cam- 
mergüeter in beyden fürstenthümern Oppeln und Rattibor von würck- 
licher einquartirung zu befreyen und die gnedigste verfigung gehöriger 
orthen ergehen zu lassen. Dieweilen auch beyde commendanten zu Op- 
peln und Khasel die schlißl zu denen schlossern alda praedentirten, und 
der leztere de facto mit gewaldt zu sich genommen, wann aber seine 
khönigl. M*. in bedeiten schlossern ihre aigene haubtleüthe hetten, 
derzeit auch bey gepflogen friden keine gefahr wehre, ersuchten sie 
freindtlichen, beyden commendanten ihren excess zu verweisen, und das 
die schlissel denen khönigl. haubtleüthen in handen gelassen werden, den 
gnedigsten befelch ergehen zu lassen. 

Bey dem herrn erzbischof zu Gniesno habe ich mich eur 
kais. M*. gnedigsten befelch gemäß angemeldet und neben überant- 
wortung des kais. schreiben meine weitere commission mündtlich ab- 
geleget; der bedanckhet sich underthenigst. . . . von dem iezigen khönig 
were keine succession zu hoffen nach dessen absterben; ob sich zwar 
der praedendenten vil finden wurden, so das khönigreich verlangten, 
hette doch niemandes eine billichere und sichere praetension, alß das 
hochlöbliche erzhauß Österreich; eur kais. M*. khondten aniezo die 
conditiones machen nach ihrem belieben und daß khönigreich ihnen 
mit einer geringen hilf obligirn und erretten helfen von einem feinde, 
der nach eroberung dieses khönigreichs die freindtschaft nicht lang be- 
obachten, sondern under einen falschen fürwand eur kais. M l . lande 
feindtlich anfallen wurde; es wehre sicherer, in einem frembden lande, 
auf andere Unkosten, alß in seinem aignen lande khrieg zu führen; daß 
ganze land wurde wider von Schweden ab- und auf eur kais. M e . 
seiten fallen. Welche und dergleichen discurs mir auch von Ihr M*. dem 

Kuefstein. III. 21 



322 

khönig selbst, dem großcanzler und dem päpstlichen nuntio sindt fürge- 
bracht worden, die ich allein in genere beandtwortet, man müesse billich 
erwarten, ob der könig in Schweden die von eur kais. M*. fürgeschla- 
gene mediation annehmen werde oder nicht, es wehre zu hoffen, der 
streit wurde per amicabilem compositionem, so wohl alß der friden in 
Teutschland gemachet, wider beygeleget werden khönen, in Überrest were 
ich nicht instruirt, die materiam zu berihren, ob eur kais. M l . in einen 
krieg sich einlassen sollten oder nicht, wolte aber nicht underlassen, solches 
zu meiner zuruckhkhunft Ew. kais. M*. allerunderthenigst fürzutragen. 

Von fremden ministris hat sich an dem khönigl. hofe niemand be- 
funden, alß der päpstliche nuntius, der zu meiner ankhunft mir seine 
carozen mit seinen leüthen, mich zu empfahen und einzubeglaiten, ent- 
gegen geschikhet, ich ihme besuchet, und er wider die visita restituirt. 
Die senatorn sindt hin und her in denen Städten vertheilet und werden 
allein zu Zeiten von dem könig berufen, massen auch der erzbischof von 
Gniesno und großcanzler, so sonsten zu der Neüß sich aufhalten, zu 
meiner ankhunft beruefen worden und alsobalden nach meiner gehabten 
audienz wider dahin verreiset sind.« 

Schließlich wird von Nachrichten aus Polen gesprochen, daß der 
Adel die Rückkehr des Königs wünscht und sich mit ihm konjugieren 
will, und Gerüchte wiedergegeben, daß dieser sich in die 13 der Krone 
Polen versetzte Städte zum Kronmarschall Lubomirsky begeben oder 
gar heimlich zum Kurfürsten von Brandenburg reiten wolle. 

Nachdem es aussichtslos war, den Kurfürsten von Brandenburg 
von den Schweden zu trennen, die ihm zu der Souveränität über das 
Herzogt. Preußen verhelfen sollten, jetzt aber Rakoczy II., von beiden 
herbeigerufen, anzurücken drohte und Mazarin alles gegen das be- 
drängte Polen in Bewegung setzte, drangen endlich die Ratschläge 
Isolas zu einer entschiedeneren Haltung durch und es kam zum Ver- 
trage v. 1. Dezb. 1656, durch welchen dem Polenkönige 4000 Mann kais. 
Truppen zugesagt, aber immer noch Friedensvermittlungen in Aussicht 
genommen wurden. ') 

Durch das bald darauf am 2. April 1657 eintretende Ableben 
Ferdinands III. und den Frieden von Weh lau v. ig. Septb. 1657 blieb 
die Episode ohne weitere Folgen für uns. 

Ein Diamantring, dessen die Witwe Georg Adams in ihrem 
Testamente erwähnt, war diesem vom Könige Joh. Kasimir als An- 
denken verehrt worden. 



5. Ständischer Die vielfachen dienstlichen Aufgaben verhinderten Georg Adam 

Verordneter, nicht, sich auch den ständischen Angelegenheiten zu widmen. Wir 
haben schon gesehen, daß er als Oberkommissär im Kriege fungierte und 
militärische Missionen der Stände auszuführen hatte, die mit dem kais. 
Dienste zusammentrafen. Sein Name erscheint in den Protokollen des 
Herrenstandes von 1635 bis 1642 bei den Votierungen zum öfteren, 
wenn auch zuweilen ohne Vornamen. Ausdrücklich mit diesem wird er 
genannt als Beistand bei der Präsentation zur Aufnahme der Freiherrn 
von Schmidt und de Bury 1652, Richthaus und Puecher 1655, 
und als Introduzierender für Freihn. v. Hegemüller 1656. 2 ) 

1 ) Pribram, 1. c, u. St.A., Konferenzprotokoll v. 7. August 1656. 

2 ) Archiv Greillenstein. Inventur der Schriften d. Herrer Standes v. 1645. Fol. 
*34. *35. 136. 204, 239, 245 u. 250. 



323 

Um diese Zeit war er an Stelle des Albrecht v. Zinzendorf 
zum Verordneten gewählt worden. Hans Helfreich von Jörger und 
Erasmus v. Starhemberg erhielten durch Dekret des Herrenstandes 
v. 18. Mai 1656 den Auftrag, ihn zu vermögen, auf die neue Instruk- 
tion zu dienen, wozu er sich bereit erklärte. Laut Konzept v. 6. Juni 
erinnerte ihn der Herrenstand, daß er zwar das Verordnetenamt unter 
Beibehaltung der Stadtobristlieutenantsstelle und des kais. Kammerherren- 
dienstes gegen Fertigung des gebräuchlichen Reverses und Ablegung 
der Eidespflicht ausüben, aber in den die Stadtguardia und ihn selbst 
konzernierenden Sachen den Beratschlagungen nicht beiwohnen könne. 
Am 11. Juli erging auch eine kais. Resolution, daß er ungehindert seiner 
Kriegsratsstelle das Verordnetenamt bedienen, aber in solcher Zeit den 
Konsultationen im Hofkriegsrate nicht beiwohnen möge. 1 ) Sein Original- 
revers ist v. 12. Juli 1656 datiert. 

Hans Freiherr von Lamberg hatte Beschwerde erhoben, weil er 
prätendierte, bei der Verordnetenwahl 2 Stimmen mehr erhalten zu haben. 
Es wurde daher am 20. Juni Gf. Julius Hardegg und Gf. Erasmus 
Starhemberg ersucht, seine Differenz mit dem Landmarschall wegen 
Kolligierung der Wahlzettel auszugleichen. Bald erledigte sich die Frage 
durch das unerwartete Ableben des Georg Adam am 21. Septemb. 1656 
u. Lamberg wurde im folgenden Jahre an seine Stelle gewählt. 2 ) 

Es ist namentlich in der damaligen Zeit, wo die Reisen schwieriger Erbhuldigung 
und zeitraubender waren als heute, gewiß nicht leicht gewesen, die in der Stände. 
Wien zu erfüllenden Verpflichtungen mit den vielfachen Abwesenheiten Oberstsilber- 
zu vereinen. Wenn man die zahlreichen Missionen Georg Adams in kamm erer- 
Betracht zieht, muß man staunen, daß er auch seine Wiener Agenden 
in so gewissenhafter Weise führen konnte. 

Am 5. Septb. 165 1 fand in Wien die Erbhuldigung der N. ö. Stände 
an König Ferdinand IV. statt, bei welcher Georg Adam das Oberst- 
erblandsilberkämmereramt in Vertretung seines Oheims Hans Ludwig 
als des Ältesten der Familie versah. Für diese amtliche Betätigung er- 
hielt er der Übung gemäß ein Präsent im Werte von 400 fl., welches die 
Hofkammer am 31. Juli beauftragt wurde »erzeugen zu lassen«. 3 ) 

Im J. 1655 fungierte er noch als Zeuge der Braut Eva Maria 
Fräulein Hagemillerin Freiin zu Albrechtsberg a. d. Pielach bei 
ihrer dortselbst am 12. September gefeierten Vermählung mit Franz 
Wilh. Freihn. von Walterskirchen. 4 ) 

Georg Adams umfangreiche Tätigkeit konnte weder in den 6. Reichs- 
höchsten Regionen, noch bei seinen Standesgenossen unbemerkt bleiben, grafenstand. 
Durch seine vielfachen Ämter als kais. Oberst, Kämmerer, Stadtguardia- 
Oberstlieutnant und Kommandant von Wien, Hofkriegsrat sowie ständi- 
scher Verordneter und Ausschuß hatte er Gelegenheit, sich vorteilhaft 
hervorzutun. Es war also nicht erstaunlich, daß schon Ferdinand II. 
daran dachte, den der jüngeren Linie in der Person des Hans Ludwig 
in Oberösterreich am 20. Februar 1634 gewährten Grafenstand auch auf 
Georg Adam und dessen ältere Linie auszudehnen. Tatsächlich er- 
hob der Kaiser unter dem 13. Februar 1637 das ganze Geschlecht 
der Freiherrn von Kuefstein in den Grafenstand. Allein zwei 
Tage darauf, am 15. Februar, wurde Ferdinand II. von seiner Krank- 

') H. K. R. 1656, R. 275. 

5 ) Arch. Greill. Inv. d. Herrenstandes v. 1645. Fol. 136. 

3 ) HfkA. 1652, R. 296. 

4 ) Otto Gf. Walterskirchen, Die Walterskirchen. II, 44 u. 417—421. 

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heit hin weggerafft, so daß die Ausfertigung des Gnadenbriefes nicht 
zur Ausführung kam. 1 ) Dies ist in dem an Georg Adam erteilten Ver- 
leihungsdekrete ausdrücklich erwähnt mit den Worten »Nachdem nun 
weilandt . . . Ferdinand der andre auf den 13. Febr. des verwichenen 
1637 Jahres das ganze Geschlecht der Herren von Kueffstein, Frei- 
herrn in den Grafenstand des hl. Rom. Reiches und Unser König- 
reiche etc. erhebt, die Ausfertigung aber des kais. Gnadenbriefes u. 
Diploma dazumal en wegen Ihr. Maj. bald hernach von dieser Welt ge- 
nommenen Abscheidens nicht zu Werk gesetzt werden können« etc. 2 ) 
Am 18. Februar 1637 wurde Hans Ludwig in Linz, der schon i. J. 1634 
den Grafenstand erhalten hatte, von der erfolgten Ausdehnung desselben 
auf die ältere Linie verständigt. 3 ) 

Am 12. April 1646 erfolgte allerdings eine neue Ausfertigung 4 ), 
aber, wie es scheint, nur des gleichfalls nicht zur Ausfertigung gelangt 
gewesenen Ernennungsdekretes v. 26. Februar 1634 für Hans Ludwig und 
dessen Deszendenz. Von diesem geschieht auch keine Erwähnung in dem 
späteren Bestätigungsdekrete v. 28. Febr. 1709, welches, wie wir sehen 
werden, alle früheren historisch aufzählt. 

Endlich erhielt Georg Adam das oben erwähnte Verleihungs- 
dekret ddto. Ebersdorf 7. Septemb. 1654, in welchem au