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Full text of "Tatians Diatessaron"

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Forschimgen 



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Gescilite des nentiistiieDtlicliea Kanoos 



nnd 



del altkirchlichen Literatur 



von 



lieodor Zahn, 

D. n. '^ esBor der Theologie in Brlangen. 



I. TheU: 

Tatian's Diatessaron. 



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erlaNgen. 



Verlag von Andreas Deichert. 

1881. 



Forschimgen 



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nnd 



der altkirchlichen Literatur 



von 



Theodor Zabn, 

D. n. o. Professor der Theologie in Erlangen. 



I. TheU: 

Tatian's Diatessaron. 







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ERLANGEN. 

Verlag von Andreas Deichert. 

1881. 



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Drack von Jnnge & Sohn in Erlangen* 









Vorr e d e. 



Ob es jemals luQglicb sein wird, von der Entstehung nnd 
Entwicklung des nentestamentlicbeD Kanons eine Darstellang 
zu gebeD; welche den Namen Geschicbte verdient, mag aacb 
dem Mathigsten zweifelhaft erscbeinen. Wer auf diesem Gebiete 
arbeitet, wird immer wieder versncbt sein zn klagen sowobl 
tiber die DUrftigkeit der Qaellen, ans welcben wir ansere Kennt- 
nis der kircblichen Entwicklnng vom Tode des Paulas bis za 
IrenSas sebSpfeo , als Uber die Stiirke der Vorartbeile, womit die 
Erforsebnng der Geschicbte des Kanons wegen der religi(5sen 
Bedentung seines Inbalts zu kitmpfen bat. Aber die Aufgabe 
bleibt eine der ersten, deren LQsung immer wieder in Angriff 
genommen werden muss. Ich wenigstens sebe nicbt ein^ wie 
die auf den Urspruog der einzelnen BUcber des neuen Testa- 
ments gericbtete Forscbung zu einem erfreulicberen Stande 
gebracbt werden soil, wenn ibr nicbt an einer grtlndlieben 
Gescbicbte des neutestamentlicben Kanons ein zweiter fester 
Sttitzpunkt neben dem Text der neutestamentlicben Bttcber ge- 
geben wird, und dadurcb zugleicb die Grenzen gezogen werden, 
innerhalb deren sie sicb mit ibren Hypotbesen zu balten bat. 
Die literariscbe Kritik der einzelnen neutestamentlicbei) BUcber 
ist seit langer Zeit ganz vorwiegend von Solcben betrieben 
worden, welcbe von den gescbicbtlicben YerbUltnissen, unter 
denen diese BUcber zu einer Sammlung von beiligem Gbarakter 
sicb zusammengefunden baben, nicbt nur keine lebendige An- 
scbauung besassen, sondern aucb gar nicbt das BedUrfnis ver- 
rietben, sicb eine solcbe, so gut es eben gebt, zu verscbaffen 
und zu dem Ende die allerbekanntesten Tbatsacben zu irgend 
welcber, sei es aucb nocb so verkebrten Gesammtvorstellung 
zusammenzufassen. Aber aucb die Erforscbung der Einzelbeiten, 
aus welcben wir das Dasein und das jeweilige Sosein des neu- 



— IV — 

testamentlicheD Kanons in den ftir seine Bildnngsgeschichte 
entscheidenden Epochen za erkennen oder za erschliessen haben, 
ist viel anvollstfindiger, als man einzugestehen pflegt. Ein Werk; 
welches in dieser Hinsicht einen merklichen Fortschritt herbei- 
ftlhren and zagleich ienem Mangel an znsammenfassendem Ver- 
stiindnis des llingst Bekannten abhelfen woUte, wtlrde letzteren 
Zweck sicherlich yerfeblen and den ersteren nnr in der an- 
fSrmlichen Gestalt zahlloser and endloser Excarse erfbllen k5n- 
nen. Daher hielt ich es fttr das Richtige, der Geschicbte des 
Kanons, deren Darstellang seit mebr als zebn Jabren das Haapt- 
ziel meiner Stadien ist, eine Reibe von Einzelantersacbangen 
ttber wicbtigere tbeils nocb gar niebt, tbeils nocb niebt gentigend 
erforsebte Materien voraaszascbicken. Diese Monograpbieo, von 
denen boffentlieb keine den Umfang dieser ersten erreicben 
wird, werden im scblimmsten Falle zeigen, dass nocb viel za 
tban ist. Je mebr Nenes sie bringen werden, am so erwUnscb- 
ter ist es, sie einzeln dem 5fPentlicben Urtbeil za anterstellett, 
ebe ibre Ergebnisse als Baasteine ftlv eine amfassende Gescbicbte 
des Eanons verwertbet werden. 

Wenn diese Untersacbangen aaf dem Titel zagleich als 
Forscbangen zar Gescbicbte der altkircblichen Literatar be- 
zeichnet sind, so entspricht dies niebt nar dem Inbalt dieser 
and einiger folgender Abtheilangen, worin Untersacbangen liber 
solcbe altkirchlicbe Scbriften dargeboten werden, welcbe an- 
mittelbare Zeagnisse fbr den Stand des Eanons zar Zeit ibrer 
Entstebang sind. Ich woUte zagleich im voraas am die £r- 
laabnis bitten, in dieser Folge selbstSndiger Scbriften einige 
kleinere altkirchlicbe Literatarstttcke za verQfifentlicben, welcbe 
mit der Gescbicbte des Eanons nar in losem Zasammenbang 
steben. 

Erlangen, den 1. Aagast 1881. 

Th. Zahn. 



Tatian's Diatessaron, 



I n li a 1 1 



Seite 

I. Die geschichtliche Bezengang des Diatessaron . . . 1—111 

n Der Text 112-219 

III. Der Ursprnng des Diatessaron 220-292 

IV. Nachbildangen in anderen Spracben 293—328 

Anhlmge: I. t!ber das Evangeliarium Hierosolymitanum . . 329—350 

11. t^ber die Lehre des Addai 350—382 

Stellenregister zum II. Abschnitt 383—386 



Berichtigungen. 

Seite 20 letzte Zeile lies yeysv^aS^ai, 
Seite 95 Zeile 9 1. „ware*' statt „waren''. 
Seite 112 Zeile 5 von unten 1. ,,Gantabrigiensis'*. 
Seite 312 Zeile 11 von unten ist „quod'* zu streichen u. „quos posnit'* 
statt „qao sposui*^ zu lesen. 



I. Die gesduchtHche Bezeugung des Diatessaron. 

Als dem Bischof Victor von Capaa^ wie er nns in der Vor- 
rede za seiner Aasgabe des neaen Testaments berichtet, znf&Ili- 
ger Weise ein ans den vier Evangelien znsammengestelltes Evan- 
gelienbach ohne Titel nnd Verfassernamen in die Hande fieP), 
war ihm das eine interessante, dnrchans nene Erscheinong. Das 
Wohlgefallen an der Eunst nnd Sorgfalt des Werks, wodnrch 
sich Victor bestimmen liesS; anstatt der vier Evangelien eine Ab- 
schrift dieser Eyangelienharmonie an die Spitze der in seinem 
Anftrag nnd nnter seiner Anfsicht anzufertigenden Abschrift des 
nenen Testaments zu stellen; reizte ihn auch zn „sorgfilltiger 
Forschong^ nach dem nnbekannten Verfasser der Evangelien- 
harmonie. Aber Alles, was der nicht ungelehrte nnd anch in 
der griechischen Eirchenliteratnr sebr bewanderte Bischof von 
Capua') fand; waren zwei Angaben des Ensebins von Citoarea: 
die knrze Beschreibang eines harmonistischen oder synoptischen 
Werks des Alexandriners Ammonius, welche Eusebins in seinem 
bertthmten Brief an Carpianus gegeben batte^ nnd die noch nn- 
bestimmtere Nachricht liber das sogenannte Diatessaron des 
Eetzers Tatianns in der Eirchengeschichte des Eusebins (IV, 29, 
6). Dnrch den klaren Wortlaut b&tten von jeher alle Versucbe 
ausgeschlossen bleiben soUeu; in Victor's Vorrede irgend welche 
von den beiden Aussagen des Eusebins nnabh^ngige Eunde ttber 
Tatianns oder Ammonias zu finden. Den Anlass zu solchem 



1) Codex Fuldensis ed. £• Ranke 1868 p. 1. 

2) Pitra, Spicil. Solesmense I ProII. p. L sq. und p. 266—277. Of. 
Jakobi, Deatfliche Ztschr. f. kircbl. Wise, und christl. Leben 1854 S. 245 ff. 
Ignatii et Polycarpi ep. mart, fragm. ed. Zahn p. XLVII sq. 

Zahn, Forschangen. I. ^ 



- 2 - 

Fehlgrifi gab selbst Mannern wie H. Grotius^), R. Simon*), 
J. Mill 3) die fehlerhafte Form, in welch er die Nachricht desEu- 
sebius ttber Tatian's Diatessaron in Victor's Vorrede wiederge- 
geben ist: Ex historia quogue eim comperi, quod TatianuSy vir 
eruditissimus et orator illim temporis clarus, unum ex quattuor 
compaginaverit evangelium, cuititulum diapente composuit, Es 
ist ziemlich gleicbgUltig; ob Victor ans dem griecbischen Ori- 
ginal, Oder aus Rufin's Uebersetzung*) der eusebianischen Kir- 
cbengescbichte sch5pftC; denn weder bier noch dort hat nach alien 
bekannt gewordenen Handscbriften jemals ^diapente^' {dia niv%e) 
gestanden. Anch die syriscbe Uebersetzung des Easebias ^) be- 
st^tigt die LA dia teacaQtav. Da nnn ausserdem die unmittel- 
bar daneben stehende Angabe des Easebias , dass Tatian seine 
Eyangelienharmonie aus den Evangelien, nach Rufin and Victor 
selbst noch bestimmter aus den vier Evangelien zasammenge- 
stellt babe, die FUnfzahl im Titel ausscbliesst, so darf man nicht 
einmal von einer irgend beacbtenswerthen Variante reden^ welche 
Victor im Text des Eusebias vorgefunden hStte • ) . Fand Victor 
dort dia nivte^ so war es sehr unverstandig von ihm, diesen 
handgreifiichen Fehler in sein Gitat hiniiberzanehmen and die 
denselben begleitenden Worte in der Art za yerschllrfen, dass 
der Fehler voUends fiir Jeden, der griechisch bis ftinf zithlen 
kann; in die Aagen springen masste. Wahrscheinlicher liegt bier 



1) H. Grotii Annotationes in evv. (Amsterd. 1641) p. 7. 

2) K. Simon, Hist. crit. du texte du N. Test; 1689 p. 74. 149. 

3) Nov. Test, studio et labore J. Millii. Oxon. 1707 p. 7. 

4) Hufin. h. e. IV, 29 ed. B. Rhenanus (Basil. 1527) p. 96 tibersetzt: 
Tatianus collationem quandam faciens evangeliorum nescio quotnodo 
composuit evangelium unum ex quatuor^ quod Diatessaron nominavit, 
quod etiam nunc hahetur a multis, Besonders der Zusatz des quatuor 
bei Hufin und Victor gegen den griechischen Text und der schon in der 
ersten Zeile von Victor's Vorrede gebrauchte Ausdruck unum ex quat- 
tuor evangelium conpositum macht es wahrscheinlicb, dass ihm Eufin vor- 
lag, womit ihm nattirlich nicht die griechische Sprachkenntniss abge- 
sprochen werden soil. 

5) Ftir diese leider noch immer nicht gedruckte, wahrscheinlich mit 
Rufin gleichzeitige in einer Hs. des 6. Jahrbunderts erhaltene Version 
kann ich mich auf das Zeugnis Lightfoot's (Contempor. Review 1877, 
May, p. 1143) berufen. 

6) So J. Chr. Zahn in Keil und Tzschimer's Analecten (1814) II, 
1, 199-205. 



/ 



- 3 - 

ein blosser lapsus calami^) sei es Victor's sei es des in seinem 
Auftrag arbeitenden Schreibers') vor. 

Dass sich Victor nach Ueberlegnngeii; welche er in seiner 
Vorrede knrz znsammenfasst, fttr Tatian nnd gegen Ammonias 
als Verfasser der von ibm entdeckten Eyangelienbarmonie ent- 
schied, wird spatter za wtlrdigen sein. Es ist bei der Bescbrfinkt- 
beit and AbbSngigkeit seines Wissens nm die Arbeiten seiner 
M^ner von geringer Bedentang. Sebr wicbtig dagegen ist, dass 
er ttberbaapt nar zwiscben diesen beiden MSnnern die Wabl 
za baben glaabte* Die Harmonic, nacb deren Verfasser er 
forscbte, war ein lateiniscbes Bacb ; denn die Meinang, dass erst 
Victor die griechiscb vorgefandene Harmonic ins Lateiniscbe 
tibersetzt and diese seine Uebersetzang seiner Ansgabe des N. 
Ts. einverleibt babc^), scbeitert scbon an dem Scbweigen Vic- 



1) Gf. Semisch, Tatiani Diatessaron (1856) p. 28. NicholsoD, The 
gospel according to the Hebrews (1879) p. 132. 

2) Dass sich Victor eines Solchen bedient hat, lehrt die Verschie- 
denheit der Schreiberhand, welche den Text von Anfang bis za Ende ge- 
schrieben bat, and der eigenhandigen Unterschriften und Beischriften 
Victor's of. Ranke, ProII. p. IX sqq. 465 sqq. und die Schrifttafeln. Die 
in Bezng auf einzelne Materien gebrauchten Ausdrticke Victor's (p. 3) 
notare curavimus, curavi describere (nicht descrUn^ notari) sagen 
hiertiber nichts. Entweder hat Victor selbst in dem Concept, welches 
er dem Schreiber zum Copiren gab, den Flfichtigkeitsfehler begangen, 
Oder der gedankenvoUe Abschreiber hat das Qaidproquo geschaffen, 
Oder wir haben es, wenn Victor die Vorrede dictirt hat, mit einem 
Sprech- oder H5rfehler za than. Andere Meinungen tlber einen 
spateren Ursprung des Fehlers (z. B. bei Lightfoot 1. I. p. 1143) 
Bind dadorch ausgeschlossen , dass wir im Codex Fuldensis die von Vic- 
tor selbst revidirte Urschrift besitzen, welche an dieser Stelle keinerlei 
Basur oder Correctar zeigt. Auch die Vermnthung des Casaabonns 
(Exercit XUI in Baronii ann. Genevae 1663 p. 211), dass diapanton 
statt diapente za schreiben sei, verdient keine Beachtaug mehr. 

3) So z. B. Mill 1. 1. p. 39; Anger, Synopsis p. XLVIII; S^misch 
p. 33. Das Richtige hat schon Schmeller, Ammonii Alex, qnae et Tatiani 
dicitur Harmonia Evv. 1841 p. VI. Ad voc. Schmeller bemerke ich, dass 
ich es nicht fUr Pflicht halte, alles Verkehrte, was tiber Tatian gesagt 
worden ist, aaf seinen Ungrnnd zartickzufUhren. Aber beispielsweise 
muss ich die Neuigkeiten anfUhren, welche der Herausgeber der dritten 
An£[. (1875) der neatest. Einl. des braven Bleek S. 274 f. im Ton des 
Besserwissens vorgebracht hat: 1) Die Hs., welche Victor fand, war 
nslt" (offenbar nicht i. J. 1875, denn eie existirt ja nicht mehr, sondem 
als Victor sie fand. Jeder fUhlt, wie wichtig das fiir die Geschichte der 

1* 



— 4 — 

tor's. Er koiante nicbt scbweigen von der mtlbseligen Arbeit, 
die es gekostet biltte, eine griecbiscbe EvaDgelienbarmonie von 
Bolcber Composition in der Art in eine lateiniscbe za verwandelD; 
dass die kleinsten bald aus diesem bald aus jenem Evangelisten 
gescb^pften SStze and Satztbeile, ans welcben das Original za- 
sammengesetzt war, znerst in den lateiniscben Evangelien naeb 
der Bearbeitnng des Hieronymns anfgesacbt and dann genaa 
nacb diesem lateiniscben Texte , zngleicb aber naeb dem Scbema 
der griechiscben Harmonie wieder zasammengesetzt warden. 
Eine Uebersetzang kSnnte man eine solcbe Arbeit kanm nennen. 
Ob Uberbaapt die von Victor lateiniscb vorgefandene Harmonie 
anf dem bescbriebenen Wege entstanden ist, wird im IV. Ab- 
scbnitt erSrtert werden. Dass aber Victor nor gibt, was er ge- 
fanden bat, dies aber mit fiaat and Haaren, ist aacb darnm 
zweifellos, weil die isagogiscben Materien, welcbe in Victor's 
Codex den einzelnen Btlcbern and so aacb der Harmonie voran- 
gescbickt sind, zam Tbeil mit denTexten selbst in Widerspracb 
steben, worUber glcicbfalls spater n&ber za bandein ist. Wenn 
nan Victor, ein Kenner der lateiniscben wie der griecbiscben Li- 
teratar, bei seiner Forscbang nacb dem Verfasser seiner lateini- 
scben Harmonie nicbts Anderes aafzatreiben wasste, als die ea- 
sebianiscben Nacbrichten Uber Tatian and Ammonias, so folgt 
erstlicb, dass ihm von einem lateiniscben Harmonisten, der mit 



Evangelienharmonie ist). 2) Diese alte Hs. (nicht etwa Victor) schloss 
an die EvaDgelienharmonie die tibrigen nentest. BUcher an. (Man be- 
denke, wie wichtig wieder ftir die Geschichte der Harmonie, ja dea 
ganzen Eanons» dass sie seit alten Zeiten Bestandtheil des lateiniscben 
Eanons war). 3) »Der deutsche Tatian findet sich in Schilter, Tbesaur. 
ant. teat. Tom. 11.** (Also wohl der ganze deutsche Tatian, und seit 1727 
scbeint er nocb nicht vollstSndig gedruckt zu sein). Unter den Berich- 
tigungen finde ich, dass Mangold die drei Jahfe vorher erschienene zu- 
verlassige Ausgabe von Sieyers noch entdeckt hat, welcbe im gleichen 
Jahr aucb Hilgenfeld (Einl. S. 78) noch ignorirt, obwohl Sievers seine 
Vorrede „ Jena, Mai 1872", Hilgenfeld die seinige „Jena, am Reformations- 
feste 1874** anterschrieben hat. Wenn Mangold aacb in den Berichtigangen 
noch von Schmeller schweigt, so gescbiebt das nicht etwa darnm, weil 
die von diesem gegebene erste vollstandige Aasgabe f,deB deutscben Ta- 
tian** ibre ^llbekannten Mangel hat. Wir erfahren vielmehr S. 274: 
4) nAus einem Codex Monacensis hat znerst Schmeller, Wien 1841, Vic- 
tors Harmonia evangelica heraasgegeben** (also nicht den ,, deutscben 
Tatian*' nacb der St. Galler Hs.? und der lat. Text bei Schmeller wSre 
wirklich neu aus einer Hs. gesch5pft?). Sapienti sat. 



— 5 — 

dem Alexandriner Ammonias und dem Assyrer Tatian hStte con- 
cnrriren k^nneo; nnd^ da es sich am ein lateinisches Bach ban- 
delt, vor diesem soforthStte bevorzagt werden mttssen, scblech- 
terdiags nichts bekaant war. Und es ergibt sicb welter, dass 
die lateiniscbe Eircbenliteratar; soweit sie ibm bekannt war, 
ibm keinerlei Nacbricbten ttber filtere EyaDgelienbarmonieD, ins- 
besondere liber die Werke des Ammonias and des Tatian darbot, 
welcbe er sonst nicbt anterlassen bStte neben die dtirftigen An- 
gaben des Easebias za stellen. 

Wir sind nocb heate in beiderlei Hmsicbt in Bezag aaf die 
Jabrbanderte vor Victor ganz in der gleicben Lage wie Victor, 
welcber im J. 541 den biscbfiflicben Stabl von Capaa bestieg 
and vor dem 21. April 546, an welcbem er die erste Iicsang des 
Codex Fald. vollendete ^), die Harmonic bat abscbreiben lassen. 
Evangelienbarmonien aber, wie die des Cod. Fald. and diejenige, 
deren Wiederberstellang Endzweck gegenwSrtiger Untersacbang 
ist, baben ibrer Natar nacb eine ganz andere PablicitUt, als die 
meisten tlbrigen Erzeagnisse kirchlicher Schriftstellerei. FUr den 
Gemeindegottesdienst bestimmt, nebmen sie Tbeil an dessen No- 
torietSt and Stabilitat. Daber will es etwas sagen, dass in der 
Literatar der abendlSndiscben Eircbe bis zam 6. Jahrbandert kein 
Oder so gat wie kein Zeagniss Uber das Vorbandensein irgend 
welcbes derartigen Werks vorliegt. Scbon in der Aa&Hblang 
der Ycrscbiedenen Bibelrecensionen in dem gleicbzeitig mit dem 
Codex Faldensis verfassten Lebrbacb des Cassiodorias^) wtlrde 
eine Notiz za erwarten sein, wenn damals in Theilen von Slid- 
italien der Fand Victor's oder eine andere Harmonie in Gebraacb 
gewesen wILre. Es ist nicbt obne Grand im Decretum Gelasii de 
recipiendis et non recipiendis libris Tatian's Diatessaron vermisst 
worden, wShrend der daraufhin gewagte Versach, es darcb Con- 
jectar hineinzabringen , offenbar misgltlckt ist^). Man sollte 



1) Cod. Fuld. p. 462 cf. Proll, p. VIII. Im Uebrigen auch Ughelli, 
Italia Sacra (ed. 2. Venet. 1720) torn. VI, 306: Victor Bischof geworden 
im Februar 541, f 2. April 554. 

2) Cassiod. instit. divin. lit. c. 12—14 cf. c. 7 (ed. Garetius II, 543. 
545 sq.). Geschrieben ist dasWerknach 543 cf. Franz, M. Aar. Cassio- 
dorias (1873) S. 47. 

1) Strauch (Amoenit. iuris caconici VI, 19, von mir nach Daniel, 
Tatian der Apologet S. 94 citirt) wollte in dem Satz des Decrets (Epist. 
Soman. Pontif. a S. Hilaro usque ad Felagium II ed. Thiel I, 463) 



- 6 - 

tienken, bei den hSafigen Aaslassnogen eines Angnstin, eines 
Hieronymas ttber die grosse Mannigfaltigkeit der lateiniscben 
Bibeln und dann wieder in einem Buch wie Augustin's De con- 
sensu evangeltstarum mtlsste irgend einmal eine Notiz dartiber 
vorkommeD; wenn irgendwo im Umkreis der lateiniscben Eircbe 
eine Evangelienharmonie in Gebraueb gewesen wUre. Ein Dicb- 
ter, wie luvencus in seiner Historia evangelica um d. J. 330 
mnsste ebenso wie Sp^tere, die Aebnlicbes versacbten ^) ; ans 
den kanoniscben Evangelien auf eigene Gefabr ein bistoriscbes 
Ganze sicb erst scbaffen^). Hieronymns in seinem Eapitel tiber 
Tatian (v* illustr. 29) bebt aus der unzSbligen Menge von Ban- 
Atn, die Tatian gescbrieben baben soil; nur den einen liber contra 
gentes so bervor, als ob dieser allein nocb za seiner Zeit existirte. 
Hieronymns selbst kannte damals sicherlicb keine andere Schrift 
Tatian's ^), und er bMlt es nicbt einmal fiir der Mtlbe wertb, ans 



JEvangeliaj quae falsavit Ludanus^ apocrypha \ evangelia, quae falsavit 
Hesychius^ apocrypha anstatt Lucianus lesen Tatianus, Aber schon der 
Umstand, dass Hesychius daneben steht, beweist, dass des Hieronymas 
epist. ad Damasum vor den Evangelien (Vallarsi X, 661) die Quelle des 
Qelasius, und dass Lucian von Antiochien wirklich gemeint ist. 

2) Cf. des Sedulius Vorrede zum Carmen paschale (Migne 19 col. 545). 

3) Das ist sicber, auch wenn die erste Praefatio bei Areval tiber die 
4 £vangeli8ten nicht von luvencus herrUhrt. Dass insbesondere kein Zu- 
sammeuhang zwischen luvencus und der Harmonie Victor's oder der von 
mir im IL Absohnitt reconstruirten besteht, zeigt die Ordnung schon des 
Anfangs. Bei luvencus ist es folgende: Lc. 1, 5—80. Mt. 1, 18—24. 
Lc. 2, 1—39. Mt. 2, 1—23. Lc. 2, 40—3, 17. Mt. 3, 13—9, 9. Jo. 1, 44— 
3, 21. 4, 3—54 etc. 

4) Wenn Hieronymus in der Vorrede zu dem friiher geschriebenen 
(cf. V. ill. 135) Commentar zum Titusbrief (0pp. ed. Vallarsi [Quartaus- 
gabe] VII, 1, 686) wissen will, dass Tatian einige paulinische Briefe 
verworfen, den Titusbrief aber unbedenklich fur paulinisch erklart babe, 
so ist erstere Angabe schon durch ihre Unbestimmtheit verdachtig. 
Schon vorher hatte Hieronymus von den Haretikern tiberhaupt, von de- 
nen Marcion und Basilides als Beispfele genannt waren, Solches gesagt, 
was genau nur auf Marcion passte. Es ist nur die bekannte Bhetorik 
des Hieronymus, welche es so erscheinen lasst, als ob Basilides und die 
Uebrigen, also auch Tatian, die Pastoralbriefe und den an die Hebraer 
verworfen, aus den Ubrigen Paulinen aber das ihnen Misfalh'ge ausge- 
merzt batten. In Bezug auf Tatian mochte eine Reminiscenz an £us. h. 
e. IV, 29, 6 mitwirken. Dass aber Tatian mit dem Titusbriefe eineAus- 
nahme gemacht habe, wird aus irgend einer griechischen Quelle stammen, 
worin Tatian's Auslegungen von Stellen dieses Briefes vorkamen, wie Gle- 



— 7 — 

Easebins, von dem er Ubrigens auch bier darchans abbUngig 
ist; dessen MittheilnDgen tiber Tatian's Diatessaron and des- 
selben Bearbeitang der paalinischen Briefe abzaschreiben. Wo 
er von Ammonius redet, ( v. ill. 55 ; ep. ad Dam. vor den Evv.), 
gibt er nnr die seitdem nicbt mehr ansgestorbene Misdentnng 
des Briefs an Garpianus zum besten^ wonacb Ammonias der 
eigentlicbe Urbeber der Sectionen und Canones des Easebins 
wSre; versebweigt aber, was Eusebins eben dort tiber das synop- 

mens Al. (strom. Ill §.81 ed. Potter p. 547; §. 82 p. 548) solche zn 
anderen Briefen anfbewahrt hat. Das Gleiche mtisste von dem eben- 
falls vor dem Biich de v. ill. geschriebenen Commentar zum Galater- 
brief (lib. Ill vol. VII, 1, 526) gelten, wenn dort wirklich von Tatian die 
Rede ware. Aber es sind nicht bloss, wie Daniel S. 264 angibt (Nie- 
meyer, De Docetis 1823, worauf sich Otto Tat. Oratio ad 6r. p. 167 zu 
gleichem Zweck beruft, ist mir %icbt zar Hand), die beiden von Martianay 
ausdrUcklich angefuhrten Hss. (ein CluniaceDsis und ein Begins), sondem 
alle Hss., die Vallarsi geseben bat, namlich drei von Vallarsi gut pradi- 
cirte rom. Hss. (vol. VII, 1, 367. 525 sq.) , welche Cassianus bieten. Nur 
dem Herkommen der frtiheren Drucke ist Martianay gefolgt, als er Ta- 
tianus drucken liess. Zu dieser tiblen Lage der Tradition fUr Tatianus 
kommt aber, dass nicht zuerklSren ware, wie mittelalterliche Abschreiber 
des Hieronymus auf den Namen Cassianus gerathen sollten, welchen kein la- 
teinischer Eetzerkatalog und tiberhaupt kein lat. Schriftsteller erwahnt. 
Sehr nahe dagegen lag es einem Abschreiber, welcher etwa de v. ill. 29 
Oder die Praef. epist. ad Titum oder den Commentar zu Amos (vol. 
VI, 247) gelesen hatte, aus einem Encratitarum vel acerrimus hae- 
restarches^ welcher Cassianus gebeissen baben sollte, Tatianus zn machen. 
Dass Hieronymus an jenen Stellen den Tatian als Stifter {qui condidit, 
princepsy patriarches) der Enkratiten bezeichnet, bier dagegen von einem 
eifrigen Parteihanpt derselben redet, durften Abschreiber noch leichter 
ignoriren, als moderne Gelehrte, welche ihrenFehler vertheidigen. End- 
lich wird eben das, was Hieronymus hier dem fraglichen Enkratiten- 
faaupt nachsagt (putativam carnem Christi introducens) voo Niemand sonst 
dem Tatian, wohl aber von Clemens Al. (strom. Ill §.91 Potter p. 552) 
in Worten, welche deutlich bei Hieronymus nachklingen, dem Cassianus 
Schuld gegeben. — Es bliebe also nur tibrig die kurze Erwahnung adv. 
Jovin. I, 3 vol. II, 1, 239, welche nichts bedeutet, und eine Stelle im 
Commentar zn Amos (vol. VI, 247), welcher erst a. 406 geschrieben ist 
(ZSckler, Hieronymus S, 292). An letzterer Stelle benutzt Hieronymus 
allerdings eine uns nicht erhaltene Quelle; aber eine Schrift TaXian's 
ist dies sicherlich nicht, sondem eher eine gegen die Enkratiten gerich- 
tete Streitschrift. Da Tatian deren patriarches sein soUte, wurde ihm 
zugeschrieben , was von der angeblich durch ihn gestifteten Secte gilt, 
nnter anderem hier von Hieronymus ein Judaismus, dem der geschicht- 
liche Tatian v&Uig fern stand. 



- 8 - 

tiscbe Werk des Ammonins gesagt hatte. Alles derartige lag 
den Interessen der lateinischen Ghristenheit gar zn fern^). 

Den Ammonias erwilhnt meines Wissens kein Lateiner vor 
Hieronymns. Von Tatian, dem SchUler oder Freund Jastin's des 
Mlbiiyrers nnd uachmaligen Ketzer, der eine Zeit lang in Rom 
gelebt and gelehrt hatte, batte man im Abendland einige selb- 
stSndige Ueberlieferang. Aber dass er eine Evangelienbarmonie 
verfasst babe, sebeint dort Niemand gewasst za baben. IrenSas, 
welcher zweimal namentlicb and wabrscbeinlicb anderw&rts obne 
ibn za nennen, gegen Tatian polemisirt^), bericbtet niebt nacb 
HSrensagen ttber ibn. Er scbdpft III, 23, 8 sicbtlicb aas einer 
ftir ons verlorenen Scbrift Tatian's; aber von seiner Evangelien- 
barmonie scbweigt er. Ebenso Tertallian, weleber den Tatian 
neben Mareion als Lebrer der perpettia abstinentia anfllbrt >) and 
dessen X6yoq nqbq ^EXXfipag allem Atiscbein nacb gelesen and in 
der ibm eigenen Weise manebes daraas sicb angeeignet bat. 
Dstss abendlSndisebe Hareseologen, welcbe Tatian's nar flttcbtig 
and seiner literariseben Tbiltigkeit gar niebt gedenken^), aaeb 
tlber das Diatessaron scbweigen, darf niebt betont werden. Be- 
merkenswertb ist aber docb, dass der Verfasser des Fragments 
bei Easebias b. e. V, 28, d. i. Hippolytas im kleinen Labyrintb, 
weleber den rdmiscben Artemoniten den Vorwarf maebt, die 
beiligen Scbriften dareb angebliebe Gorrectaren za veri^scben 
(I. 1. §• 13—19), sicb dnrcb keinerlei Wissen am eine damit ver- 



1) Die nnklare Aeasserang des Hieronymus liber den Evangelien- 
commentar des Theophilas (ep. 121 ad Alg. Vallarsi I, 866) glaube ich 
hier (ibergehen zu sollen. Ueber diesen Commentar hoffe ich in einem der 
nachsten BSndchen der jetzt begonnenen Sammlang za bandein. 

2) Iren. I, 28, 1 nacb Massuets Abth. (Harvey I, 220) ; III, 23, 1—8 
(der Name erst in §. 8 p. 130). Dass Tatian aach III, 2y 1 unter dem 
t7Ze, qui contra disputatf qui nihil salutare loqui potuit gemeint sei, 
versuchte ich Gott. gel. Anzz. 1873 S. 1554 sq. wabrscbeinlicb zu macben. 
Cf. A. Hamack in Ztschr. f. lutb. Tbeol. 1874 S. 464 Anm. 29. 

3) TertuU. de iean. 15. Ob die BerQbrangen Tertullian's mit Tatian 
aaf unmittelbarer Benutznng des Aelteren darch den Jtingeren beruben, 
wie mir sebeint, will ich niebt anbedingt bebauptet baben. Auf Vieles 
macben scbon Otto's Noten zu Tatian aufmerksam (Tat. c. 2 Note 3. 4. 
5; c. 5 N. 2; c. 6 N. 1; c. 11 N. 3; c. 15 N.8; c. 19 N. 12j c. 28 N, 1; 
c. 31 N. 5). 

4) Hippol. refat. VIII, 16; X, 18; Pseudotert. de baer. 20; Pbilast. 
48; August baer. 25; Praedestin. 25. 



- 9 - 

gleichbare ThStigkeit des Tatian darin gebindert Bieht, diesen 
nnter den kircblicben Scbriftstellern vor Bischof Victor mit anf- 
zufllbren, welcbe ftlr dio Gottbeit Ghristi zengen (§. 4). Jener 
Rbodon ans KleiDasien, welcber in Bom Tatian's Scbiller ge- 
wesen nnd in einer dem Eosebios vorliegenden Scbrift sowobl 
dies mitgetbeilt^ als aacb die Absicbt aosgesprocben bat, Tatian's 
Bncb der nQofi^giava in einer besonderen Scbrift zn widerlegen, 
ein Mann also, der fttr Tatian nnd insbesondere aneb f&r dessen 
Stellnng znr Bibel ein bedentendes Interesse gebabt bat, bat in 
jener Scbrift, wie es scheint, des Diatessaron nicht Erwabnnng 
getban; denn Ensebins wttrde dies nacb seiner constanten 6e- 
wobnbeit weder da, wo er von Bbodon's VerbSltniss zn Tatian, 
nocb da, wo er von Tatian's Diatessaron redet (lY, 29, 6; V, 
13, 1. 8), verscbwiegen baben. 

Die Erwagang dieser Thatsacben bat micb von jeber gegen 
die Vermntbung A. Hamack's ^) unznganglieb gemacbt, dass in 
dem gegen Ende des 2. Jabrbnnderts in oder bei Rom ge- 
scbriebenen mnratoriscben Kanon Tatian's Diatessaron neben Va- 
lentin's ^Evangelinm veritatis^ verurtbeilt sei, dass nfimlicb der 
sinnlose and nicbt in der nrsprtlnglicben Scbrift erster Hand 
nnverletzt erbaltene Name MUiadeis in Tatiani zn Sndem sei. 
Von einer besonderen grapbiscben Wabrscbeinlicbkeit kann dock 
kaum ernstlicb.geredet werden'). Da das dnrcb die Corrector 



1) Zeitschr. f. luth. Theol. 1874 S. 276-288; 445—464. In der- 
selben Ztschr. 1875 S. 461 ff. baute Leimbach daraaf weiter. M. y. 
Engelhardt, Justin d. Martyrer S. 346 redet, als ob es sicb um eine feste 
Tbatsache bandele. 

2 J Der Satz lautet Arsinoi autem seu Valenttni vel Mitiadeis nihil 
in totum rectpemus. An dem fraglichen Namen ist radirt und corrigirt, 
aber nacb dem Facsimile bei Tregelies, Canon Muratorianus (1867) und 
alien Bericbten, gerade nicbt an dem darcb Harnack in T verwandel- 
ten M. Dies siebt dem gleicb falls unverletzten drittep Bachstaben (Q 
wenig abnlicb. Der zweite Bacbst, jetzt i, miisste nacb Harnack a ge- 
wesen sein, nacb M. Hertz^ welcber 1847 ftir Bunsen collationirte, viel- 
mehr o. Das d soli liber einen andern Bacbst. gescbrieben sein, nacb 
Hertz ilber c, nacb Harnack iiber n. Das folgende e steht tiber einem 
urspr., darUber binaasragenden t, and das is ist ein etwas unter der 
Linie stebender Scbriftzug. Hertz' Urtbeil, dass die urspr. Scbrift sei 
motiace oder motiaces, gibt freilicb nocb keinen sinnvollen Text, aber 
das sinnvolle tatiani bleibt grapbiscb fernliegend. Wer daran festbalt, 
dass das Fragment auf griecbiscbem Original berubt, macht sicb weniger 
Serge um einen Unsinn , wie er jetzt dastebt , und yermutbet nicbt eio* 



- 10 - 

hergestellte Wort fllr uns sinnlos, die nrsprtingliche Schrift un- 
erkennbar, und somit auch die Motive der AenderuDg unbekannt 
siod, so muss man wobi daraaf verzichten; etwas Bestimmtes zq 
bebanpten, und darf am wenigsten bier einen auf alle Falle sebr 
mysteri^sen Hinweis auf ein Bneb finden, welebes in der abend- 
lilndiscben Literatur von Ireuaus an bis zu Victor bei alien An- 
lUssen, die sieb boten^ es zu erwSbnen, keine Spur zurttckge- 
lassen bat. Man bat eine solcbe im Gommentar des Ambrosius 
zum Lucasevangelium linden wollen, wo es nacb Mittbeilungen 
ttber die apokrypbischen Evangelien der Haretiker, welcbe 
ziemlicb wQrtlicb aus des Origenes Bemerkungen zum luka- 
niscben Prolog abgeschrieben sind, weiter beisst: Plerique etiam 
ex quatuor evangelii libris in unum ea, quae venenatis putaverunt 
adsertionibus convenientia , referserunt Ita ecclesia, quae unum 
evangelium habef, unum deum docet, illi autem, qui alium deum 
veteris testamenfi, alium navi adserunt, ex multis evangeliis 
non unum deum^ sed plures fecerunt ^). Die Rbetorik ist nicbt 
tibermlissig klar und erinnert an die bissigen Bemerkungen des 
Hieronymus ttber des Ambrosius Sehriftstellerei tiberhaupt und 
seinen Lueascommentar insbesondere. Gesetzt aber, es wILre 
bier Tatian gemeint, so ware man nacb alien bisberigen Er5r- 
terungen berecbtigt zu sagen, dass Ambrosius aucb an dieser 
Stelle seines aus Origenes, Eusebias, Didymus und aucb aus 



mal hinter jedem Wort, welches im lat. Text ein Name ist, einen wirk- 
lichen Namen Dass unter den amicis (Salomonis) 1. 70, welcbe die 
Weisheit Salomes geschrieben haben sollen, **7(ov begraben sei, wel- 
chem dies Buch im Abendland nicbt selten zugescbrieben wurde, halte 
ich fttr einen unwiderleglich glticklichen Einfall von Tregelles (p. 50—55 
of. meine Acta Jo. p. LIV). So kann auch umgekehrt aus irgend einem 
griechischen Appellativ ein Nomen proprium fabricirt worden sein. Es 
scheint mir auch kaum fraglich, dass das an sich sinnlose Arsinoi autem 
seu Vdlentini entstanden ist aus tov cf^ IdQaivoi'rov (geschrieben ligai- 
yoijTov) OvaltvrCvov, Der Uebersetzer las — r^Tov als rjftoi und tiber- 
setzte es durcb seu, 

1) Ambrosii opp. (ed. Venet. 1748) II, 729. Schon Valesius zu 
Eus. h. e. IV, 29; dann wieder J. A. Fabricius, Cod. pseud. N.Ti I, 
340. 348 (ed. 2) fanden hier eine Hinweisung auf Tatian. Auch Neuere 
wie z. B. Scrivener Introduction (ed. 2) p. 55 neigen mehr oder weniger 
stark dahin. Die Benedictiner bemerkten nacb einer Erinnerung an Mar- 
cion: De Manichaeorum autem in conspurcandis libris divinis audada 
hie aperte Ambrosius noster non secus ac Leo papa serm, 4 de epipK 
conguerunturn 



- 11 - 

Theopbilns von Antiocbien compilirten Commentars ^) irgend 
einem ans nnbekannten Griecben Dinge nachscbreibe , welcbe 
ibm ans eigener kircblicber Erfahrnng gSnzlicb unbekaDnt wareOi 
gerade so wie er vorber ans Origenes allerlei liber die Evan- 
gelien „der ZwQlf^, des Basilides, des Tbomas, des Mattbias 
abgescbrieben bat. Aber plerique ist docb sonderbar, wenn 
der eine Tatian gemeint witre. £s wird sicb nocb zeigen, dass 
es in der Zeit vor Ambrosius tiberbaupt nar eine einzige wirk- 
licbe Evangelienbarmonie gegeben bat. Woberdie Vielen? Und 
die UnterscbeiduDg des neatestamentlicben Gottes vom alttesta- 
mentlichen kann docb nicbts Cbarakteristiscbes f&r Tatian sein 
solien, von welcbem Ambrosias nnmdglicb mebr gewnsst baben 
kann, als Hieronymns and die Occidentalen vor ibm. Man wird 
eber an Marcion, an die dem Ambrosias n^berliegenden Hani- 
cb^er erinnert. Aber es kann aacb gar niebt der Nacbdrnck 
daranf liegen, dass die Kircbe vier Evangelien, die fraglicben 
HSretiker ein einziges, aas den vier zasammengestelltes ein- 
beitlicbes Evangeliam baben. Gerade von der Kircbe sagt Am- 
brosias ja sofort nacbdrticklicb , dass sie nar ein Evangelinm 
wie ein en Gott babe; and aacb vorber scbon bat er von dem 
kircblicben Evangeliam gesagt unum autem tantummodo in 
qtiattwr libros digestuniy and dann wieder ecclesia cum quattiar 
evangelii libros habeut . . . haereses cum multa habeant, unum 
non habent. Da dies von der Kircbe einerseits and von den 
H&retikern insgesammt andrerseits gilt, kann docb nnmSglicb 
das ein Verbrecben von Haretikern sein^ dass sie die Yielbeit 
der kanoniscbcn Evangelien za einer Einbeit zasammengefasst 
baben. Das in unum bat aacb keine Tonstelle. Der Nacbdrnck 
liegt vielmebr aasscbliesslicb daraaf, dass sie aas den kanoni- 
scbcn Evangelien das ibren Lebrmeinangen Zasagende ansge- 
wablt und zasammengestopft baben. Es bildet den Gegensatz 
Oder ein Seitenstuck za dem, was er vorber aas Anlass des 
lakaniscben noXXol inexslqritrav gesagt bat {Multi enim co- 
nafi, sed gratia del destituti sunt), also za den Versacben der 
H&retiker neae, andere Evangelien za scbreiben. Mancbe ba- 
ben es aacb so gemacbt, dass sie anter Verzicbt aaf solcbes 
Unternebmen selbstSndiger Evangelienfabrication sicb damit be- 



1) Cf. R. Simon, Hist. crit. des comment, du N. T, (1693) p. 206 
flqq. Mai, Nova P. Bibl IV, pars 1, p. 304 sqq. 



- 12 - 

gnUgten, das ihnen Gonvenirende aas den vier kircblichen Evan- 
gelien zasammenzustoppeln. Dass damit ein nenes Evangelien- 
buch Oder mebrere solcber Compilationen gemeint seien, ist naeb 
dem Zasammenbang mindesteos nnwabrsebeinlich. Das in unum 
wird naeb gutem Sprachgebrancb nentral gemeint sein {eig ep, 
inl to avT6)y nnd da es von referserunt getrennt ist, wird's 
niebt das Bucb gleiebsam als GefSss bezeicbnen, wobinein sie 
das Ansgesnebte gestopft baben. Vielmebr in ibren Eopf, in 
ibre Lebrscbriften baben sie alles das hineingestopft; was sie 
willktlrlicb aus den vier Evangelien znsammengetragen baben. 
Das Ergebnis der Durcbnmsterang der abendlSndiscben Kir- 
cbenliteratar der Jabrbnnderte vor Victor von Gapna ist also 
dies^ dass man im Abendland, wo Tatian einst eine niebt 
nnbedentende Wirksamkeit entfaltet batte, von ibm bald sebr 
wenig nnd von seinem Diatessaron gar nicbts wnsste. 

In der grieebiscb redenden Eirebe des Orients sind Tatian's 
Scbriften ISnger bekannt geblieben und tbeilweise in Ebren 
gebalten worden. Insbesondere sein Xdyog nQog TBXXfjvag wnrde 
wegen seiner gelebrten Nacbweisnngen ttber das b(5bere Alter 
der barbarischen Weisheit im Vergleicb zn der belleniscben 
mebrere Jabrbnnderte bindarch citirt nnd ansgescbrieben ^)* 
Clemens Alex., von dem man niebt obne Wabrscheinliebkeit 
vermntbet bat^), dass er in jtlngeren Jabren den Tatian znm 



1) Clem. Al. Strom. I, §. 101 p. 378 Potter; §. 102 p. 379 (= Eus. 
b. e. VI, 13, 7; andere Stellen, wo Clemens, ohne za citiren, Tatian 
ansbeatet, gibt der Index von Otto zu Tatian p. 202); Orig. c. Celsum 
I, 16 (Delarue I, 335 A); Eus. h. e. IV, 16, 7; 29, 7; Praep. evang. 
X, 11, 1^35 (der Name am Schluss § 35 p. 576, 16 ed. Dindorf). Die 
spateren Erwahnungen bei Joa. Malalas 1. X ed. Bonn. p. 242; Georgias 
Hamart. I*, 26 ed. Muralt p. 29 a. a. Byzantinern beraben Bcbwerlich 
noch auf eigener Anschauung. 

2) Semler, Hist. eccl. selecta cap. tom. I p. 42 schaltet hinter den 
Worten des Clemens etr. I. §. jl p. 322 Potter: 6 /Jihv r^g rcSv jiaav- 
qIo}v ein : Tatianus haud dubie, Ligbtfoot, Contemp. Review 1877 (May) 
p. 1133 findet es wenigstens sebr wabrscbeinlicb. Das ist es anch, wenn 
man erwSgt, dass Tatian or. 42 von sicb sagt yevvri^iXs fxhv (v ry reSv 
^AaavQltov ygf, femer dass es naeb dem Stand der Mission sgescbicbte nm 
150—180 tiberbaupt nocb niebt zu viele aus Assyrien gebtirtige Cbristen 
in der Welt gegeben bat (Hippol. refnt. VII, 31: MaQxitoviar^s rtg, ITgi- 
ntov lAaavQtog)y und weiter, dass es sich bier um einen innerbalb der 
Eirche stebenden hervorragenden Lebrer dieser Zeit nnd Herkunft ban- 
delt, und endlicb, dass Clemens eine in der sonstigen kircblicben Lite- 



- 13 - 

Lebrer gehabt habe, citirt seine Schrift neql %ov xatct top ata- 
T^qa xaTaQTifffAov (fitrom. Ill §. 81 p. 547 Potter) und pole- 
misirt gegen ibn in einem lUngeren Eapitel (strom. Ill, 79—90 
p. 546—552), um dann von ihm zn Julius Gassianns Uberzn- 
gehn ^), mit welchem er ibn ancb sonst zasammenstellt (strom. I 
§• 101 p. 378). Clemens fiibrt eine eigentbflmlicbe Aoslegnng 
Tatian's von Gen. 1, 3 an, welcbe ancb Origenes nocb nm- 
stfindlicb zn widerlegen ftlr ndtbig bMlt, weil er persdnlich Leate 
kennen gelernt bat, welcbe sicb dnrcb Tatian baben t^oscben 
lassen und seine gottlose Lebre angenommen baben (Orig. de 
orat 24, Delarue I, 237 sq.). Daneben stellt Clemens ein 
zweites sicbtlicb einem -ganz anderen Zusammenbang entlebntes 
Gitat aus Tatian (Eel. propb. 38. 39 p. 999). Aucb exegetiscbe 
Bemerkungen Tatian's tlber evangelische Stellen tbeilt Clemens 
mit^), und nirgendwo dentet er an, dass Tatian eui besonderes 



rator sonst nicht nachzuweisende Eenntnis von Scbriften und Lehren Ta- 
tian's hat. Daniel's (S. 46) Einwand, dass Clemens sonst (strom. Ill 
§. 81 p. 547) den Tatian einen Syrer, nicht einen Assyrer nenne, erledigt 
sich dadnrch, dass er ihn aucb hier nicht einen Assyrer, sondem einen 
aus dem Land der Assyrer stammenden Mann nennt, und dass die 
meisten Bewohner Assyriens Syrer waren. Wenn Daniel welter nrtheilte, 
dass Clemens „wohl den bertihmten Namen ebensognt wie den des 
Pantanus genannt haben wiirde", so tibersah er, dass Clemens dort 
keinen einzigen seiner gefeierten Lehrer, aucb den Pantanas nicht mit 
Namen nennt. Er nennt den Pantanus ttberhaupt in den uns erhaltenen 
Schriften nuc einmal (Eclogae prophet. § 56 Potter p. 1002 sq. cf, ansser- 
dem Euseb. h. e. V, 11, 2; VI, 13, 2), den Tatian mehrmals. 

1) Der Uebergang strom. Ill § 91 p. 552: roiovrois inix^i^^l Koi 
6 trjg Sox^aiots i^dgxtov *Iovkiog Kaaaiavog zeigt, dass bis dahin nicht 
ffdie Enkratiten", zu welchen ja Cassian vor alien gehSrte, sondem ein 
einzelner Lehrer dieser Richtung, nSmlich der im Verlauf des vorigen 
Eapitels zweimal (§ 81 p. 547; 82 p. 548) mit Namen genannte Tatian 
bestritten war. Noch einmal wirn §. 92 p. 543 auf die Uebereinstimmung 
des jetzt bestrittenen Cassian mit dem vorher bestrittenen Tatian hin- 
gewiesen. Die Polemik gegen Tatian beginnt aber nicht erst, wo sein 
Name zuerst vorkommt; denn die Worte Tatiavhv olfiai thv Zvqov ta 
rotavra roXfiav ioyfiaU(Biv (§ 81 p. 547) konnen nicht anders verstan- 
den werden, als so, dass sie sich riickwarts auf § 79 u. 80 bezieheni 
und in der That beginnt § 79 mit derselben paalinischen Stelle,. deren 
Auslegnng dorch Tatian in § 81 mitgetheilt wird. 

2) Sicher gehort dahin die Erinnerung an Mt. 6, 24. Lc. 16, 13 s 
Sval xvqCois , • SovXevHv § 81 p. 547, ziemlich sicher nach dem in der 
Torigen Anm. Gesagten aucb die Berufung des tI; auf Mt. 6, 19 (Lo. 12, 33) 



- 14 - 

Evangelium verfertigt oder gebrancht liabe^). Anch in Ale- 
xandrien scbeint sein Diatessaron anbekannt geblieben za sein. 
Unter den Griechen ist Easebius der Erste, von dam uns 
eine kurze Angabe ttber Tatian's Diatessaron erhalten ist 2). 
AIs Tbatsachen, die ihm feststehn und nicbt als mebr oder 
weniger zweifelbafte Traditionen berichtet er, 1) dass Tatian 
eine Art von Vereinigung nnd Sammlung der Evangelien ver- 
anstaltet babe, 2) dass Tatian dieses sein Werk to dia tecr- 
caqtov genannt babe, 3) dass dieses Bach bei Einigen noch 
zn seiner, des Eusebius, Zeit verbreitet oder in Gebrauch sei. 
Dagegen drtlckt er sicb ttber die Art und Anlage des Bacbs 
mindestens sehr nnbestimmt aus. Zwar hat J. B. Ligbtfoot 
durch 26 Stellen aus des Origenes Bttchern gegen Celsas, wo 
er die Redensart ovx olS" oncog fand, beweisen wollen, dass 
Easebius dadnrch nicbt Unkenntnis des Inhalts, sondern Oering- 
BchStzung der Anlage von Tatian's Werk ausdrttcke^). Aber 
es sind vor allem zwei Classen von Stellen in dieser dankens- 
werthen Sammlung zu unterscheiden. HUafig genug hat die 
RA dort bei Origenes wie sonst den Sinn „ich begreife nicbt, 
wie einer dazu kommt^^ „ich sehe nicbt ein, mit welchem 
Recht^. Das darin ausgesprochene Urtheil, dass das betreffende 



in § 86, and die mit ofxolms 6h xdxetvo xofil^ovai to ^r(t6v eingeleitete 
Berafung auf Lc. 20, 34. 35 in § 87. Cf. Olshaasen, die Echtheit der 
4 kanon. Evv. S. 337; Daniel S. 132; Otto, Tatian p. 166. I 

1) Ohne Grand wollte Fabric, cod. pseadepigr. Ill, 538 die Worte 
tog Tiv^g Twa/ /jteraTi^evTioy ra evayylXia Strom. IV § 41 p. 582 auf Ta- 
tian beziehen. — Auch ist noch za bemerken, dass Clemens von den 
Enkratiten and speciell yon Cassian weiss oder vermutbet, dass sie sicb 
des Egypterevangeliums bedienen (strom. Ill, § 63—66 p. 539—541; 
§ 91—93 p. 552 sq. cf. § 45 p. 532). 

2) Eus. h. e. IV, 29, 6: *0 fjikvToi ye nQorsQog aijjoSv (der Enkra- 
titen und Severianer) d^xriyos 6 Tariavog avydipHav nva xaX awaytoyijv 
ovx o?(f' oTKog TcSv evayyMatv awB-elg to Jea TsaaaQeov tovio ngoamvo- 
fjiacfeVf o xttl naqd xiaiv eiairt vvv (piQerai, Varianten sind mir nicbt 

bekannt s. oben S, 2. ! 

3) Contempor. Bew. 1877 (May) p. 1136. So batte scbon Binde- 
mann (Tbeol. Stud. u. Erit. 1842 S. 472) erklart. An Ligbtfoot scbliesst 
sicb E. Abbot) The autborsbip of tbe fourth gospel 1880 p. 52 an. — 
Hamack, Ztscbr. f. EG. IV S. 473 urtbeilt Sbnlicb unter Berufung auf 
den Spracbgebraucb des Eusebius, leider ohne Stellennacbweis. Die 
Darstellung bei Nicholson, Tbe gospel according to tbe Hebrews (1879) 
p« 126 ist nicbt klar genug, am bestritten werden zu kijnnen. 



- 15 - 

Verfabren ein nnbegreifliches und unverantwortliches sei, setzt 
Yoraas, dass das YerfahreD selbst genan genag bezeichnet sei, 
nm das Urtbeil als verdient erscbeinen zu lassen. Diesen Sinn 
bat die £A tlberall, wo Origenes durcb Citate aas des Celsus 
^wabrem Wort" oder darcb genaue Angabe seines parteiiscben 
Sebweigens oder seiner grundlosen, gesebichtlicb oder logiscb 
nnbaltbaren Verlaumdungen die Leser in den Stand gesetzt bat, 
zastimmend za sagen : ieb verstebe aucb nicbt, wie ein ebrlicber 
oder yerstHndiger Mann so etwas in die Welt sebreiben kann ^). 
Anderer Art sind die FHIle^), wo der Scbriftsteller dnrch odx 
old^ 07t(ag bekennt, dass er nicbt wisse and nicbt genan anza- 
geben vermSge, wie es sicb mit etwas verbalte, also „in einer 
nicbt nMber za bescbreibenden Weise." Das ovx oUa bat dann 
seine eigentlicbe Bedeatang sogat wie in den Yerbindangen ovx 
olda ei^) and ovx old' orto&ev^), and ortatg entblilt eine anbe- 
antwortete Frage nacb der Qualitat, nicbt ein Urtbeil ttber die- 
selbe. Za der ersten Classe von Stellen kann die ansrige nicbt 
geb5ren; denn Easebias bat sicb jeder n^beren Angabe tlber 
Inbalt, Plan and Metbode von Tatian's Diatessaron entbalten. 
SoUte also bier ovx old oncog beissen ^anbegreiflicber oder an- 
yerantwortlicber Weise", so wttrde Easebias nicbt die beson- 
dere Einricbtnng dieses Diatessaron als verkebrt oder sonderbar 
getadelt baben, sondern er b^tte es ttberbaapt als ein anbe- 
greiflicbes Unterfangen bezeicbnet, dass Jemand aas den Evan- 
gelien eine fortlaafende evangeliscbe Gescbicbte berzastellen ver- 
sacbte. Dass aber dies seine Meinang gewesen, wird Niemand 
wabrscbeinlicb finden. Hat docb Easebias ttber das Werk des 
Ammonias, welcbem sein Yerfasser oder Easebias den gleicben 
Namen to diet tecrmQcoi/ evayyihop gegeben bat, in seinem 
Brief an Carpianas sicb sebr anerkennend geaassert. Also sagt 
Easebias wirklicb, er wisse nicbt and k(3nne nicbt genaaer an- 



1) Orig. c. Cels. I, 14 (Delarae p, 332 A); c. 49 p. 365 D; c. 50 
p. 366 C; c. 58 p. 373 C; II, 44 p. 420 A; III, 35 p. 469 D; IV, 67 
p. 554 B; c. 86 p. 567 C; c. 98 p. 575 E; V, 8 p. 583 B; c. 58 
p. 622 C; VI, 65 p. 681 F; c. 81 p. 693 E; VII, 8 p. 699 D; c. 56 
p. 734 C ; VIII, 42 p. 772 C ; c. 45 p. 775 B ; c. 48 p. 776 E. 

2) Orig. c. Cels. I, 42 p. 358 B; II, 15 p. 401 Dj c. 48 p- 422 Dj 
49 p. 424 C; VIII, 59 p. 786 C. 

3) Orig* c. Cels. I, 16 p. 335 B. 

4) Eus. h. e. Ill, 36, 11. 



- 16 -- 

geben^ wie, nacb welcher Methode and mit welchem Erfolg 
Tatian die Evangelien za einem Ganzen verarbeitet babe, and 
aas dieser Unwissenheit erkl^rt sicb das anbestimmte avpa- 
q>eiav tiva. Easebias bat also Tatian's Diatessaron nicbt selbst 
gesebn ^). 

Aber wie erkl&rt sicb diese Unkenntnis eines fdr die alt- 
kircblicbe Literatar tlberbaapt and gerade aacb fttr barmo- 
nistisebe Fragen') so lebbaft interessirten Mannes? Dass Ta- 
tian za Easeb's Zeit fUr einen aasgemacbten Eetzer gait, mag 
etwas daza beigetragen baben, ibn gegen dessen Arbeiten gleicb- 
gtiltiger za macben. Aacb von einer angeblicben Bearbeitang 
der paaliniscben Briefe darcb Tatian weiss Easebius nur darch 
HSrensagen '). Nar den Uyoq nqb^ "EUfipag scbeint er aus 
eigener Lectttre za kennen^)* Aber indem er sagt; dieser 
scbeine das scbOnste and ntttzlicbste seiner Werke za sein^ 
spriebt er docb nicbts weniger als Veracbtang gegen die libri- 
gen aas. Die bistorisebe Gelebrsamkeit, welehe der Griecben- 
rede des Ketzers ein so danerndes Ansebn in der katboliseben 
Kircbe gesicbert bat, masste gerade ein Werk evangeliscber 
Oesebicbte von demselben Verfasser besonders beacbtenswertb 
erscbeinen lassen. Zadem weiss Easebias, dass dies Werk in 
gewissen Kreisen der Kircbe in Gebraacb ist. Also aacb vom 
Standpankt der Eritik des Kanons, aaf welcben Easebias so 
mancbmal sicb stellt, masste das Werk ftir ibn von bervorra- 
gendem Interesse sein. Waren es bilretiscbe Gemeinden ge- 
wesen, welcbe das Diatessaron za Easeb's Zeit gebraacbten, 
er wttrde nicbt nnterlassen baben, sie als solcbe za charakteri- 



1) So nrtheilten J. Ghr. Zahn a. a. 0. S. 171; Credner, Beitrage 
S. 441 ; Semisch a. a. 0. S. 4 ; Hilgenfeld, Einleitang S. 75 u. A. 

2) Das beweisen sein Brief an Garpianus nnd die dadurch eingelei- 
teten Ganones, Beine Quaestiones evangelicae ad Stephanum et Marinum 
(Mai, Nova P. Bibl. IV, 1, 217—303) und der Abschnitt tiber die Genea- 
logie Jesa Hist eccl. I, 7. 

3) H. e. IV, 29, 6: tov ^k anoaxoXov (paal roXfi^aaC tivag avrov 
fxeTCCfpQatfai (pojvcig tug Inidt^ogB-ovfiEvov avjcSv ttiv r^g (pQciaatog avtnrafiy, 

4) Im unmittelbaren Anschluss an die Worte in N. 3 heisst es 
xaraXiXoins dk ovrog noXv %i nXrjd^og avyygafi/jiaTtoy ^ Sv /jidXiara naqa 
noXXolg /jivrifxoveveTai dia^orjftog avrov Xoyog 6 nqog "MXXrivag ... og ^tf 
xal 6oxel t£v avyygafifxdtoDV dndvtoyv avrov xaXXiatog ts xtxl fo(psXifi(6' 
tarog vnaqx^'^y* Auch von Tatian's fiifiXtov nQOfiXrifianov weiss Easebias 
(h. e. V, 13, 8) sichtlich nor durch Bhodon. 



— 17 - 

siren. Von der severianischen Secte, welche er als Fortbildang 
der angeblich von Tatian gestifteten Enkratitensecte ansieht, 
berichtet er UDmittelbar vorher aasdrticklich, dass sie das A. 
Testament und die EvangeiieD; d. b. also die vier kanoniscben, 
anerkennen, die Briefe des Paulus dagegen and die Apostel- 
gescbicbte verwerfen^); and gerade im Gegensatz bierzn berich- 
tet er von Tatian's, ihres ersten Stifters, ganz anderer Stellnng 
sowohl za den Evangelien als zu den paaliniscben Briefen. Auch 
nach Epiphanias baben die Severianer neben gewissen Apokry- 
pben, wabrscbeinlich den leacianischen Apostelgeschicbten, ans- 
gewslhlter Theile der kanoniscben Scbriften sicb bedient'). Von 
den Enkratiten and dem za ibnen geborigen Gassian berichtet 
Clemens AL, dass sie das Egypterevangeliam gebraachten, ond 
Epiphanias (baer. 47, 1. 2 p. 400) , dass sie neben den apo* 
krypben Apostelgescbichten aach nocb audere Apokrypben and 
aasgew^blte Stttcke des A. Testaments gebraachen, and dann 
wieder, dass sie das A. and N. Testament gebraacben. Vom 
Gebraach des Diatessaron bei dieser Partei oder einem Zweig 
derselben verlaatet nicbts^)^ and Credner's Bebaaptang, dass 
Tatian bei ibnen das Diatessaron eingeflibrt and za tiberwiegen- 
dem Ansebn gebracbt babe (Beitr. S. 441. 444), scbwebt in der 
Laft Wenn also niebt die Secte , deren Stifter Tatian gewesen 
sein soil, sein Diatessaron in Gebraach batte, so wird Easebias 
katbolische Kreise im Aage baben. Nan kannte Easebias, wie 



1) H. e. IV, 29, 5: Xgd^vrat /jikv ovv oSroi v6/ji(p xat ngoq^rais xal 
ivayyeUotSf idC(og iQfArjVSvovreg rcSv Isquv ra vorifiaxa ygafpoiv' fiXtccftpri' 
/^ovvteg (f^ Ilavkov tov anoOToXov dS-STovaiv avrov rag intaroldg, /jtrfSk 
rag ngd^sig reSv dnoaroXtov xaiaSexofisvoi. Lammer's Emendation oder 
was es Bonst ist^ ^vayyMotg iSCoig verdient keine Beachtung. Mit alien 
griechischen Ess., uber welche Bericht vorliegt, las auch Bnfin Wltog (sed 
propria quadam interpretatione scripturarum sensum pervertunt). Cf. den 
von Eusebius abhangigen Bericht Theodoret's haer. fab. I, 21 (opp. ed. 
Schulze IV, 312 sq.)* Dass die Enkratiten ebenso wie die beiden Classen 
von Ebjoniten die paulinischen Briefe verwerfen, sagt scbon Orig. c. Gels. 
V, 65 (Delarue I, 628 C). Ganz unrichtig, auch abgesehen von einer 
fehlerhaften Ziffer, berichtet Uber Origenes Credner Gescb. d. Eanons S. 21. 

2) Epiph. haer. 45, 4 Petav. p. 389. Gf. meine Zasammenstellong in 
Acta lo. p. 195, 18—196, 10. 

3) Ueber Theodoret s. nachher. Wahrscheinlich stUtzte sich Fabri- 
cius, God. pseud. N. Ti I, 349 auf diesen, wenn er den Gebrauch des 
Diatessaron bei den Enkratiten fiir zweifellos erklarte. 

Zahn, Forschungen. I. 2 



— 18 - 

spSter genaner za erSrtern ist, einen syrischen Bericht liber 
Addai, den Apostel von Edessa^ worin zu lesen ist; dass in der 
edessenischen Eirebe von Anfang an ein Diatessaron als gottes- 
dienstlicbes Vorlesebucb eingefUbrt wan Aber auf diese Quelle 
kann des Ensebins Angabe nicbt zurlickgefUhrt werden. Zn 
schweigen davon, dass dort der Name Tatian's and die Ab- 
h^ngigkeit des Diatessaron von den kanonischen Evangelien 
nicht angegeben ist, so konnte Eusebius auf Grand dieser Scbrift; 
die er ftir aralt hielt, nicht sagen, dass Tatian's Diatessaron 
noeh zu seiner Zeit, im Anfang des vierten Jahrhanderts bei 
Manchen verbreitet sei. Nar auf den Wegen des kirchlichen 
Verkehrs mit den Zeitgenossen, welche das Diatessaron besassen, 
kann er zu dieser Eande gekommen sein. Aas denselben Krei- 
sen, wober ihm diese anzweifelhafte Thatsache zagekommen 
ist, wird Alias herstammen, was er tiber das Diatessaron meldet; 
aaf literariscbe Nachrichten , auf .Urtheile Slterer Kirchenlehrer 
tiber dies Werk beraft er sicb nicht. Dort also, wo man am 
Anfang des 4. Jahrhanderts das Diatessaron besass, gait es fbr 
ein Werk Tatian's and ftir eine Compilation aas „den Evan- 
gelien". Aber es bleibt die Frage nach der Dnwissenheit Eu- 
seb's tiber die Einrichtung and Beschaffenheit des Diatessaron. 
Els scheint mir schon hier am Ort za sein, eine Vermathang, 
die im weiteren Yerlaaf ihre aliseitige Begrlindang finden wird, 
vorlaafig aaszasprechen. Wenn die Ereise, aus welchen Eu- 
seb's Eande stammt^ der i^risch redenden Eirche angehdrten, 
and wenn das Diatessaron, welches man dem Syrer Tatian za- 
schrieb, ein syrisches Bach and wahrend mehrerer Jahrhanderte 
nar syrisch vorhanden gewesen ware, so w^re die rILamliche 
Entfernang, in welcher sich das Diatessaron von Alexandrien 
and Rom hielt ^ gross genag, am die Unkenntnis der Alexan- 
driner and der Occidentalen zu erkl^ren ; and die fremde Sprache 
h^tte eine Scheidewand gebildet, welche es auch den in Asien 
lebenden Griechen ferner rttckte und nHhere Eenntnisnahme 
wenigstens erschwerte. Alle Eenntnis des Syrischen dem Eu- 
sebius abzusprechen wage ich nicht Ein Dialect dieser Sprache 
wurde von einem grossen Theil der BevQlkerung PalHstina's 
damals gesprochen^). Es gab gemischte Gemeinden, wie die 



1) Zar Erklarung von Jud. 12, 6 bemerkt Theodoret (Quaest. 19 in 
Jud. Opp* ed. Schalze, I, 337): SancQ ytt^ ^Oaqorivol xal £ijQot xal 



- 19 - 

von Scythopolis , in welcher znr Zeit Diocletian's ein gewisser 
Procopiuff nach einander oder gleichzeitig die Aemter eines Lec- 
tors, eines Exorcisten nnd eines Dolmetschers versah. In letz- 
terer Eigenschaft hatte er dem syriscb redenden Tbeil der Ge- 
meinde das, was im Gottesdienst griechisch vorgetragen wnrde, 
in die Volksspracbe zn ttbersetzen ^). Solch' eines Dolmetscbers 



JEv(pQcm]atot xal UalaiajiVoX xaX 4»o(vtxeg ry 2vq(ov xQ^'^'"' ^^^^^9 
nolXr^v dk Ifimg 1^ StdlexTog i^^*' ^iatpogay, ovjfog 'EfiQaiot filv ^aav at 
dfoSeTUt (pvXal, €2xop Si riva tog iixog tSuafAaja^ &a7iBQ dfieXa xal aprri. 
Of Reland, Palaestina p. 756 (ed. Norimb. 1716 p. 561), wo nnter an- 
derem anch diese Stelle anvollstandig aogefiihrt wird. Der AnfzahltiDg 
Theodoret's liegt die damals bestehende Provinzialeintheilung za Grnnde 
cf. Marqaardt, R(5id. Staatsverw. I, 266 sq. Die beiden Syria , die beiden 
Pboenice, die beiden Palaestina fasst er jedesmal znsammen. Eapbratesia, 
doreb Diocletian eingerichtet (Marqnardt I, 267 A. 8), nmfasste seinen 
eigenen bisebSflichen Sprengel. 

1) In der syrischen Uebersetzung der eosebianischen Schrift tiber die 
Uartyrer Palastina^ (History of the martyrs of Palestine by Ensebius 
edit, by Cnreton p. 4, 8, engl. Uebers. p. 4, 2) wird fiber den Hartyrer 
Procopios erzahlt, was in der abgekUrzten griechiscben Gestalt, die der 
Eirchengescbicbte Enseb's einverleibt oder angehangt ist (ed. Heinichen 
p. 407) fehit, noch vollstandiger aber in der latelniscben Passio Pro- 
copii, welche Valesias in der ersten Note zn Easeb. mart. Pal. (ed. 
Mognnt. 1672 p. 172) mittheilte nnd in dem syrischen Martyrinm bei StEa. 
Assemani, Acta mart, orient et occid. (Komae 1748) II, 177 erhalten ist. 
Der ensebianische Text bet Cureton lantet wdrtlich: Seiner Herkanft 
nacb war er von Baisc]tian (= bebr. *)fi(U) m^ Scythopolis), and 
im Amt (rd^ig) der Kircbe diente erin drei Geschaften: erst- 
lich war er ein Vorleser gewesen, nnd im zweiten Amt tiber- 
setzte er die griechische Sprache in die aramSische, nnd 
endlich, was noch mehr ist als die erstgenannten (Aemter), 
war ergegen dieKraftedesBosen (angestellt), nnddieDamonen 
zitterten yor ihm. Es begab sich nun, dass er mit seinen Ge- 
nossen, den Confessoren, von Baischan nach der Stadt 
Casarea geschickt wnrde etc. In der Passio bei Valesins lantet der 
parallele Text: Igitur genere quidem Aelienaia^ conversatione autem vel 
habitatione Scythopolitanus erat, Ihi ecclesiae tria ministeria praebebat: 
unum in legendi officio, alterum in Syri interpretatione sermonis et 
tertium adversus daemones manus impositione consummans. Cumque ab 
Scyihopoli una cum sociis in Caesaream transmissus fuisset etc. Dass 
Procopios ans Aelia Capitolina (Jerusalem) stammte and in Scythopolis 
nnr angestellt war, sagt anch der syrische Bericht bei St. Ea. Assemani 
Acta m. or. et occ. II, 170. Im obigen syrischen Text des Ensebias 
Bind also einige Worte ansgefallen, was aber fiir jetzt gleichgtiltig ist. 
Die im wesentlicben richtige Aafifassong der Sache hat Valesias (\, 

2* 



- 20 - 

mag sich Ensebias bedient habeD^ wenn er eine griechische 
UebersetzaDg des im syrischen Original ihm zugekommeDen 
Briefwechsels zwischen Abgar und Jesus und einen Aaszug aus 
der damit verbundenen Erz^hlung lieferte^), oder wenn er aas 
dem in der Bibliotbek zu Gasarea liegenden Exemplar des ara- 
maischen Hebr^erevangeliums MittheilaDgen macbte^). Aber 
aach wenn er solcher Beihiilfe entratben konnte, was ich sehr 
bezweifle, bleibt unfraglicb, dass die syrische Sprache des Dia- 
tessaron seiner Verbreitung im Gebiet der griecbisch redenden 
Eirche sehr hinderlieb sein musste und das mangelhafte Wissen 
des Ensebius sowie das v5llige Nichtwissen der weiter westlich 
wohnenden Schriftsteller sehr viel erklarlieher maeht. 

Meine Hypothese bietet auch eine vergleichsweise einfache 
ErklSrung fttr die sonderbare Angabe des Epiphanius liber das 
Diatessaron '). Das Einzige, was er als sein bestimmtes Wissen 
bezeugt, ist, dass es ein Buch gebe, welches den Namen to dia 
TecraccQcop evayyiliov tr^t. Was weiter bei Eusebius als posi- 



1. in ea urhe lectorem atque exorcistam fuisse et sacras scripturas quae 
graeco sermone in ecclesia legebantur, plehi, quae graece nesciret^ verna- 
aula i, e, syra lingua interpretatum fuisse); nur hatte er die Unkennt- 
nis des Griechischen aaf einen Theil der Gemeinde einschranken sollen. 
Rein syrische Gemeinden bedurften im 4. Jahrhundert keines Methar- 
geman, sie hatten syrische Bibeln und syrisch redende Geistliche. Ganz 
abenthenerlich ist die auf Valesius weiter bauende Meinung des St. Eu. 
Assemani (II, 166), dass damals in Scythopolis und Palastina tiberhaupt 
das Syrische die allgemeine Volkssprache gewesen, und dass daher Eu- 
sebius sein Buch iiber die Martyrer Palastinas syrisch geschrieben haben 
mtisse. Ebenso unhaltbar ist auch Oureton's Einfall (p. 52), Procopius 
habe, da es eine syrische Bibel jedenfalls schon gegeben habe, „andere 
kirchliche Werke** aus dem Griechischen in's Syrische zu Ubersetzen ge- 
habt. Aber wie sollte dies die Aufgabe eines kirchlichen Amtes gewesen 
sein ? Schriftvorlesung, Liturgie und Predigt milssen in Scythopolis ganz 
Oder grosstentheils griechisch gewesen, dabei aber dem Bediirfniss eines 
Theils der Gemeinde, etwa der Landbewohner, durch regelmassige Dol- 
metschung in's Syrische genUgt worden sein. 

1) Ens. h. e. I, 13, 5. 10. 20. Dass er selbst der Uebersetzer sei, 
sagt er an keiner Stelle, auch an der ersten nicht. S. iibrigens den Excurs. 

2) Eusebius on the Theophania ed. S. Lee (1842) lib. IV, 12 (ohne 
Paginirung), in der engl. Uebers. (1843) p. 234; Mai, Nova P. Bibl. IV, 
1, 155. 

3) Epiph. haer. 46, 1 p. 391 Pet. Xiyerai ^k to (fta reaadQajv 
eUayyiXiov vn^ avrov yeyev^aS^if on^q xaxa ^EfiqaCovg rtvkg xaXovoi, 



— • 21 — 

tive Mittheilnng aaftritt, dass Tatian Verfasser dieses Bachs sei, 
wird bier Dur als Sage berichtet. Dass Tatian selbst es Diates- 
saron genannt, and dass er es aas den kanoniscben Evangelien 
zosammengestellt babe, wird gar niebt gesagt. Dagegen be- 
riebtet Epipbanius, obne ein eigenes Urtbeil beiznfUgen, dass 
Etiicbe dies Diatessaron HebrlLerevangeliam nennen. Epipbanins 
selbst nennt es niebt so ; und wo er von einem evayyiXiop xa^ 
"^Efiqalovg redet^); sagt er niebt, dass dasselbe aacb Diatessaron 
beisse; und deutet dareb niebts an^ dass es mit Tatian in irgend 
welebem Zasammenbang gestanden babe. Es konnte aacb selbst 
in einem so verworrenen Kopf wie Epipbanins niebt leicbt die 
Meinang entsteben, dass dasjenige Hebriiereyangeliam, welcbes 
er aus eigener Anscbaaang gekannt and excerpirt bat^ nUmlieb 
das Evangeliam der gnostisirenden Ebjoniten ein Werk Tatian's 
sei. Denn erstlicb glaabte er za wissen, dass scbon Gerintb 
and CarpokrateS; die docb vor Tatian za Grabe gegangen, dies 
Ebjonitenevangelinm gebrauebt baben^). Er fasst dasselbe fer- 
ner durcbaas niebt als Evangelienbarmonie aaf, sondern ledig- 
licb als einen verstttmmelten Mattbllas'). Das war zwar ein 
Irrtfaam; aber dieser Irrtbam macbte es ibm onmQglicb, za 



1) Epiph. haer. 30, 3 p. 127; §. 13 p. 137. Er unterBcheidet dies 
ivayyiliov xa&* 'EfigaCovg der Ebjoniten deutlich von dem mit besserem 
Hecht sogenannten Hebraerev. der Nazaraer, welches er aber nicht HebrSer- 
evangelium nennt (haer. 29, 9 p. 124), obwohl er beide als stammver- 
wandt mit Matthaus ansieht und den geschichtlichen Zusammenhang bei- 
der Parteien nicht verkennt. Das Evangelium der Nazaraer ist nacb 
ihm ein iibervollstandiges Matthausevangelium, das Ebjonitenevangelinm 
ein verstummeltes. Jenes ist in hebraischer Sprache and mit bebrai- 
schen Bnchstaben geschrieben, dieses wird von ihm griechiscb citirt ohne 
jede Andeutung davon, dass er iibersetze. Von jenem weiss er nicht ein- 
mal) ob es die Genealogien enthalte ; in Bezug auf dieses liefert er durch 
seine Mittheilangen den gentigenden Beweis seiner Eenntnis. Nur von 
diesem griechischen Evangelium der Ebjoniten berichtet er, dass die 
Partei es xaia ^EfigaCovs oder ifigaCxov nenne. Dies wird ihm daher auch 
in den Sinn gekommen sein, als er h5rte, dass gewisse Leute das Dia- 
tessaron auch xara ^E^Qaiovg nennen. Ob er damit das Rechte traf, ist 
eine andere Frage. — Die noch immer nicht ganz aufgeklarte Gescbichte 
des Hebraerevangeliums kann hier nicht welter untersucht werden. Ins- 
besondere muss ich fttr jetzt auch auf eioe Auseinandersetzung mit Ni- 
cholson (Gospel according to the Hebrews 1879) verzichten. 

2 J haer. 30, 14 p. 138 Pet. 

3) haer. 30, 3 p. 127; §. 13 p. 137; §. 14 p. 138. 



- 22 — 

denken^ dass dasselbe anch Diatessaron heissen k()nne. Es 
hsLtte eher to dice Scidexa evayyiliop heissen k5nnen, wie ja in 
deF That das oder ein HebrSerevangelium gelegentlich juxta 
duodecim apostolos genannt worden ist. Wenn Epiphanius gleich- 
wohl die zu seiner Zeit bei Einigen vorkommende Benennnng 
des Diatessaron als Hebr^erevangelinm nicht ausdrtieklich als 
Thorheit verurtheilt, so folgt, dass er keine Mittel besass, die 
jener Benennang zu Ornnde liegende Meinang zu ergrtinden 
Oder zu widerlegen. Diese Mittel wtlrden ihm aber nicht fehlen, 
nnd sein Urtheil wttrde er schwerlich zuriickhalten , wenn er 
das Diatessaron in Handen gehabt hStte. Er kannte also das 
Diatessaron ebensowenig aus eigener Anschauung ^) , wie das 
eigentliche Hebr^erevangelium, d. h. das aramSisch geschriebene 
Evangelium der Nazarlier (haer. 29, 9), welches wir hauptsHch- 
lich durch die Mittheilungen des Origenes, des Eusebius und 
des Hieronymus kennen. Wir sind also lediglich auf jene Un- 
bekannten angewiesen, welche das Diatessaron Hebr^erevange- 
lium nannten. H. Grotius^) verrauthete, und R. Simon erklarte 
es ftir den einzig denkbaren Sinn jener Benennung, dass Tatian 
neben den kanonischen Evangelien auch das Hebraerevangelium 
bei seiner Compilation verwerthet babe, was dann weiter durch 
den oben S. 2 widerlegten Irrthum gestUtzt wurde, dass das 
Diatessaron in alter Zeit auch Diapente genannt worden sei. 
Olshausen') schritt zu der unglaublichen Behauptung fort, von 
Tatianus werde ,,ausdrUcklich erzSihlt, er babe das svayyiliop 
xccd^ ""EpQalovg im Gebrauch gehabt (Epiph. 46, 1)." Fabricius, 
welcher ohne alles Recht den Epiphanius selbst ftlr die Meinung 
jener Unbekannten verantwortlich machte, wollte sich diesen Irr- 
thum daraus erklaren, dass im Diatessaron ebenso wie im He- 
br^erevangelium des Epiphanius die Genealogien gefehlt haben^). 



1) So artheilten die Meisten z. B. Credner Beitr. S. 443; Semisch 
S. 4; Lightfoot p. 1141. 

2) H. Grotius, Annot. in 1. evangel. Amsterd. 1641 p. 7. K. Simon, 
Hist. crit. du texts du N. T. (1689) p. 74. 149. J. Chr. Zahn, Keil und 
Tzschimer's Anal. If, 1, 207. Auch Nicholson, Gospel accord, to the 
Hebrews p. 131 verbindet diese Hypothese mit der gleich zu erwahnen- 
den s. unten Anm. 4. 

3) Die Echtheit der vier kanon. Ew. 1823 S. 83. 

4) Cod. pseudepigr. N. Ti I, 349*. 377*. Cf. Nicholson, Gospel 
accord, to the Hebrews p. 131 nach Westcott, Canon oftheN.Test. p. 319. 



- 23 - 

Credner^) enthielt sich jener Verwechselang der Unbekannten 
bei Epipfaanias mit diesem selbst, nahm aber die BenennuDg 
des Diatessaron als HebrEerevaDgeliam als bestimmten Ansdruck 
der IdentitUt beider Btlcher, behauptete ferner, eine BemerkuDg 
wie diese babe sieh nur aaf eigene Ansicht xxui Vergleiehnng 
beider EvaDgelieO; des sogenannten Diatessaron nnd des soge- 
naDnten Evangeliams der HebrSer grtinden kQnnen. Er stellte 
sodann dieses aaf eigene Yergleichang nnd Kenntnis gegrtin- 
dete Urtheil der Unbekannten tlber Urtheile wie die des En- 
sebins and des Theodoret and gelangte so za dem Scblass: „So 
kdnnen wir es denn als entschieden gewiss and aaf giltige Zeag- 
nisse gegrQndet ansebn: Tatian's Evangeliam war einerlei mit 
dem Evangeliam, dessen. sein Lehrer Justin sich bediente", nach- 
dem er vorher die angeblichen Beweise fttr die IdentitUt von 
Ev. Jnstin's and HebrSerev. in Erinnerang gebracht hatte. Das 
jeden gesanden geschichtlichen Sinn Beleidigende dieses Ver- 
fahrens lag nicht darin, dass bier eine Hypothese im Wider- 
spraeh mit den geschichtlichen Zeagnissen aafgestellt and dann 
aller besseren Belehrnng zam Trotz festgehalten warde, sondem 
darin, dass diese Hypothese von vomeherein mit demAnsprach 
aaftrat, bezeagte Geschichte za sein. Was allein der Benennung 
des Diatessaron von Seiten jener Unbekannten einigen Werth 
geben k5nnte, wenn es sich nachweisen liesse, nUmlich eigene 
Kenntnis derselben vom Diatessaron and vom Hebriierevange- 
Ham , das wird ohne weiteres aas jener Benennang gefolgert, 
am deren Werth and Sinn es sich doch erst handelt, als ob 
man nicht manchem Ding in der Welt schon einen falschen 
Namen gegeben and eben dadarch bewiesen hlitte^ dass man 
nichts von der Sache wa'sste. Wir wissen nicht einmal sicher, 
ob jene Ungenannten das Diatessaron mit dem Hebriierevan- 
geliam identificirt* haben. Da es mindestens zwei Evangelien- 
bticher gab^ welche Hebrlierevangeliam genannt worden sind, 
so kann die Meinang des artikellosen xava ^Efigalovg aach sein, 
dass das Diatessaron aach ein zar Classe der Hebraerevangelien 
gehdriges Bach sei. In jedem Fall haben wir es mit einem Irrthnm 
za than, welcher erklSrt sein will. Denn wie der erste za ans 
redende Zeage Eusebias, so haben alle sp&ter vorzaflihrenden 
Zeagen, welche ein^ dem Tatian zageschriebenes Diatessaron in 



1) Beitr. S. 444; Gesch. des Eanons ed. Volkmar S* 17 f. 



- 24 - 

Hfinden gehabt haben, direct oder indirect bezengt, dass das- 
selbe aus den vier kanoDiscben Evangelien compilirt war, nnd 
schon der Name Diatessaron bezeagt ja, dass es eine aus vier 
EvaDgelien zasammengestellte HarmoDie war. DagegcD ist das 
aramHische Evangeliam der Hebr^er nacb alien Nachrichten und 
Fragmenten keine solche Compilation, sondern ein nnr mit 
Matthias nahe verwandtes einheitlicbes Evangeliam. Eber liesse 
sich an das griechische Evangeliam der Ebjoniten denken^ von 
welcbem nns nar Epipbanias einige SStze aafbewahrt hat. Es 
braacbt nicbt alter za sein als das Diatessaron and sein angeb- 
licher Verfasser Tatian. Die Fragmente desselben entbalten 
Elemente aas verschiedenen kanonischen Evangelien Es war 
vielleicht eine Art Evangelienharmonie ; denn daraaf^ dass Epi- 
pbanias za sagen scbeint^), die Secte babe es anter anderem 
aacb xuTci Matd'oiov genannt, darf kein Gewicbt gelegt wer- 
den. Aber es bleibt die Unmoglichkeit, dass dies Bacb mit 
seinem entscbieden antikatbolischen Inhalt in katboliscben Ge- 
meinden lange Zeit in Gebraacb war^); and es bliebe nner- 
grttndlicb, waram man es so allgemein dem Tatian als Verfasser 
zagescbrieben bUtte, welcber von der katboliscben Kircbe aas- 
gegangen sein, von Valentin eine Aeonenlebre sicb angeeignet 
baben and der Stifter der enkratitischen Secte geworden sein 
sollte and dagegen mit jenen Ebjoniten von Niemand in eine 
geschicbtlicbe Verbindang gebracbt worden ist Haben also die 
Unbekannten bei Epipbanias das Diatessaron mit einem dieser 
beiden Hebraerevangelien identificirt^ so baben sie sicb grttnd- 



1) In haer. 30, 13 {iv r^ yovv nag* avrotg evayyelitp xara Mar- 
S-aZov ovofxat^ofJLkvf^^ ovx oXtfi ^h nXfjQeaTdrq)^ dkla revo&evfjisvfp xtxl rjxQCD' 
jriQiaOfJiivf^ — ifiga'Cxov ^k tow to xaXovtftVf IfitpiQ^jai xtX) ist das 
weDigstens nicht deutlicb gesagt. Die WortstelluDg verbietet es, naQ^ 
avTolg zu ovofia^ofiivt^ zu zieben. Als den Namen, welchen die Secte 
diesem Evangelium gibt, gibt er vielmebr ipgaXxov an, und § 3 xalovat 
^k avTo xara ^Epqaiovg. Es ist vielmebr Epipbanias selbst, welcber § 3 
und § 14 sagt , dass sie wie Cerintb das Mattbausevangelium gebraucben, 
namlicb jenes verstUmmelte, wofiir Epipbanias ibr von ibnen selbst nicbt 
so benanntes Evangeliam bait. Also beisst ovogia^ofjLkvf^ soviel wie sonst 
Xeyof^srtfi. Es ist ein ,,sogenanntes Mattbausevangelium''; es verdient 
den Namen, den ibm Epipbanias gibt, nacb seinem eigenen Urtbeii eigent- 
licb nicbt mebr. 

2) Fttr die Zeit des Eusebius s. oben S. 16 f; fur die syriscbe Kircbe 
des 3.| 4. und 5. Jabrbunderts folgt der Beweis weiter unten. 



- 25 - 

lich geirrt. Aber anch der Irrthnm will erklftrt sein. Die oben 
S. 22 f. erwUhnten Erklikrangsversache baben znr Voranssetznng, 
dass jene Unbekannten den Inhalt des Diatessaroo genaner 
kannten, wodnrch ibr Irrtbnm gerade nnbegreiflicfa wilrde. Wenn 
sie Stttcke darin fanden, welche ibDen anderweitig als Bestand- 
tfaeile des oder eines HebrSerevangelinms bekannt wareD, oder 
wenn sie StUcke darin vermissten, welche anch in einem He- 
brUerevangelinm feblten, so konnten sie daranfhin das Ganze 
doch ebensowenig Hebraerevangelinm nennen, als MattbSns-, 
Marcus- oder Lacasevangelinm ; denn anch mit diesen kanoni- 
schen Evangelien mass das Diatessaron solche Bertihrnngen 
gebabt baben. Nar bei ganz oberflUcblicher Konde vom Dia- 
tessaron konnte die Benennnng desselben als Hebraerevangelinm 
nnd vollends die Meinnng, dass sie identiscb seien, anfkommen. 
Ziemlicb erklllrlich wEre der Irrthnm^ wenn das Diatessaron 
ein syriscbes Bncb war. HQrte man von einem syriscben Evan- 
gelienbncb Namens Diatessaron, welches in manchen katholi- 
schen Gemeinden Syriens, z, B. in der DiOcese von Cyrrhus viel 
gebrancht wnrde, nnd h5rte man andererseits von einem in der 
gleichen Sprache oder einem nabverwandten Dialect gescbriebe- 
nen Evangelinm, welches die nar balb hllretischen NazarSer nm 
BerOa (Aleppo), also in nEchsterNabe von Cyrrhus, gebrauchten, 
so gehdrte nicht eben viel dazn, dass Fernerstebende beide 
Evangelienbilcber fUr verwandt bielten oder geradezu mit einan- 
der identificirten. 

Die einzige^) sonst noch auf dem Boden der griechiscb 



1) Dass Theodoret's Nachricht liber den Gebrauch des Diatessaron 
in der Didcese von Cyrrhus nicht hieher gehdrt, wird gezeigt werden. 
Von Theodoret abhangig ist die Angabe in Nicetae Chon. Thesaurus IV» 
18 (Migne ser. gr. torn. 139 col. 1283): Evangelium conscripsit, quod 
dia T€aaaQ<uv, hoc est ex quatuor evangelistia conflatum^ vulgo appellatuVy 
genedlogiis decisis (?ab8cisis?), won (1. nee non) caetertSy quaecunque 
dominum ex setnine Davidis secundum carnem processisse common- 
strant — In des Jo. Damascenus Auszug aus Epiphanius (de haer. 46. 
Migne 94 col. 705) wird Tatian nicht tibersehen , aber sein Diatessaron 
nicht erwahpt Bei Timotheus von Konstantiuopel (Cotelier, Honum. 
eccl. gr. Ill, 379) ist Tatian zu einem namenlosen Schtiler Justin's ge- 
worden, fiber das Diatessaron kein Wort Ebensowenig im Chron. 
pasch. I, 486 ed. Bonn.; bei Georgius Hamartolns III, 137 p. 342 ed. 
Muralt, Cedrenus I, 439; Glycas p. 227 ed. Bonn. Von Wichtigkeit ist 
auch, dass kein Verzeichnis der kanonischen und apokryphischen Schrif- 



- 26 -^ 

redenden Eirche nns begegnende Nachricht Uber Tatian's Dia- 
tessaroD ist der Hypothese, dass es ein syriscbes and daram 
den Griechen meist verscblossenes Bach war, eher gUnstig als 
hinderlich. Die EvangelienmiDUskel 72, znerst von Wetstein 
verglichen and beschrieben i) , spater Harleianus 5647, dem 
11. Jahrhundert zageschrieben , enthlLlt anter anderen Scholien 
ans Ghrysostomas, Basilius, Athanasius a. s. w., welche auf den 
Rand des Matthaustextes geschrieben sind, eins zu Mt. 27, 48, 
welches nach Burgon^), dem Einzigen, der nach Wetstein auf 

ten das Diatessaron erwahnt, wahrend doch z. B. das Hebraerevangelium 
in der Stichometrie des Nicephorus seine Stelle gefunden hat. 

1) Nov. Test. ed. J. J. Wetstein (1751) torn. I Proll. p. 53 sq. cf. 
p. 67. Ueber das Alter der Hs. s. Grieshach, Symb. cril. I p. CLXXXI; 
Tischend. ed. VII crit. maior, Proll. p. CC; Scrivener, Introd. to the Crit. 
of the N. T. ed. 2 p. 176. Nur Cramer, welcher in den Addenda hinter 
Oat. in evv. Mt. et Mr. p. 498 ein interessantes Scholion daraus mittheilt, 
gibt saec. X an. 

2) The last twelve verses of S. Marc. 1871 p. 314. Die von Wet- 
stein abhangigen spateren Herausgeber gaben falschlich an, dass dieses 
Scholion zu Mt. 27, 49 gehore. Allerdings haben dieHss., welche diese 
Interpolation aus Jo. 19, 34 in den Matthaustext aufgenommen baben, 
t< B C L U r und einige Minaskeln, dieselbe hinter Mt. 27, 49 eingefUgt. 
So steht auch das sogleich zu besprechende Scholion des cod. 238 bei 
Mt. 27, 49. Die abweichende Stellung in cod. 72 wird mit der Berufung 
auf Chrysostomus zusammenhangen. Daniel S 104 irrte, wenn er meinte 
die Worte aus Jo. 19, 34 stunden im Text von cod. 72. Er hat den 
Strich hinter nQotfxenai und vor rovro in der Anftihrung Wetstein's, 
wodurch dieser sich die Anftihrung der interpolirten Worte ersparen 
wollte, ubersehen oder misdeutet. — Ich babe nur die von Burgon re- 
producirten Satze des Scholion, welche allein von Wichtigkeit fiir uns 
sind, mitgetheilt. Die von Wetstein im unmittelbaren Anschluss hieran 
weiter mitgetheilten, also als Bestandtheil desselben Scholion dargebote- 
nen Satze: orav ovv o Mard-alos nqo TsXBvjrjg avjov iSipa^ofiEVov xrX. 
sind in der Evangelienminuskel 288 (cod. e bei Matthaei, Evv. Riga 1788 
p. 462) Bestandtheil eines dem Severus zugeschriebenen Scholion zu 
Mt. 27, 49. Da dort Anderes wie in cod. 72 vorangeht, so hat man 
kein Recht, das beiden Scholiasten Gemeinsame, oder gar das nur in 
cod. 72 erhaltene Sttick, welches filr nns von Bedeutung ist, dem Severus 
(bis 519 Bischof von Antiochien) zuzuschreiben. Auch das beiden Scho- 
liasten Gemeinsame {Srav ovv 6 Mard-alos — vnodi^atsd-ai to acSfia) 
kann nicht dem Severus angehoren; denn dieser hat den fraglichen 
Matthaustext als Interpolation aus Johannes erkannt und verurtheilt (As- 
semani, Bibl. Or. II, 81) ; jene Satze in codd 72 und 238 dagegen setzen 
die Echtheit des interpolirten Matthaustextes voraus und suchen den 
Evangelisten Matthaus wegen seiner ungenauen Berichterstattung zu recht- 



- 27 - 

Grand eigener AnschauaDg berichtet^ so lantet: <rq. ot$ eig to 
xa&^ Itnoqlav eifayyihov Jiadooqov (sic) xal Tariavov xal aXXmp 
diag>6Qmy ayifov natiQcav' tovto ngocrxeitai: 

(Pri. ilXXog de Xafimv Xoyx^iv evv^ev avrov v^v nlevQccp. 
xal i^^l&ev vdcoQ xal alfia: tovto Xiyei xal 6 XgvffocTTOiiog, 

Das von mir dtirch ci^. ersetzte Zeicheo bedeutet crfiiieiwcng 
Oder ai^fjbeicacrai , ein Notabene des Scholiasten. Wahrend es 
an der zweiten Stelle mtissig steht^ ist an der ersten der mit 
oTi beginnende Satz davon abbllngig zn denken, and dieser 
blingt nicht etwa von toSto Xiyei xal o XQVcroctoiiog Bb, so dass 
wir eine angeblicbe Nachricht des Chrysostomus fiber Diodor's 
nnd Tatian's Text vor uns hUtten. Von Chrysostomns sagt der 
Scholiast, nur^ dass er anch so lese^ also, hinter Mt. 27, 48 die 
Interpolation ans lo. 19, 34 anfgenommen babe. Der Scholiast 
Oder sein Qewlihrsmann hat Chrysost bom. 88 in Matth. (Mont- 
fancon VII, 825 c) gelesen , wo zu lesen ist : ivofiicray ^Xiav 
elva&f g>fi(rlVf top xaXoviiBvov, xal evd'icog inoTicav avtov 6^og» 
ereqog de ngotreXd'Cop Xoyxfl avTov ttjv nXevqav ijpoi^e (1. IW?€). 
Darnach scheint Chrysostomus wirklich hinter Mt. 27, 48 diese 
* Zuthat im Text gehabt zn baben. Aber es scheint doch nnr 
SO; denn er fahrt fort: tI yivovr av tovtmp naqavoykdTeqov, 
tI de d'fjquoditPreqov ; oi iaev iiixqi tocovtov tv^v eavTcSp (Jbavlav 
i^ireipay^ xal eig vexqov (Tcofjba Xomov vfiqCi^ovieg xtX. Also 
nicht eine Qnal fUr den noch Lebenden, sondern eine VerhOhnnng 
nnd Misbandlung des bereits zam Leichnam gewordenen Leibes 
Jesu soil der Lanzenstich sein, was er nicht war, wenn Chry- 
sostomns einen in der bezeichneten Weise interpolirten Matthias - 
text vor sich hatte und bier befolgte. Er berichtet vielmehr 
nach Johannes ; nach welchem der Lanzenstich dem Tode Jesn 
gefolgt ist; wie er gleich darauf mit namentlicher Anf&hrnng 
anch den Marcus heranzieht. Diese Angabe des Scholiasten 
ist also nicht, wie Burgon urtheilt, „vollkommen correct", son- 
dern ein auf oberflachlicher Beobachtung berubender Irrthum^). 



fertigen. Wir haben es also lediglich mit einem Scholiasten friihsteDS 
des 11. Jahrhunderts, vielleicht noch spaterer Zeit zu than. Denn nicht 
von diesen Scbolien zu Matthaus, sondern nur von den Varianten am 
Rand des Lucas sagt Wetstein, dass sie von gleicher Hand wie der Text 
selbst geschrieben seien. 

1) Denselben Fehler macbte Severus (Ass. B. Or. II, 82, wo jedocb 
der Wortlaut der den Chrysostomus betreffenden Angabe nicht mitge- 



- 28 - 

Mit der Angabe Uber. Tatian scfaeint es noch bedenklicher zn 
8tehD; schon daram, weil sie unverstSndlich ist. ;,Das der Ge- 
schichte folgende Eyangeliam^^ scheint allerdings Bezeichnang 
einer Evangelienharmonie sein zu soUen^). Als ihr Verfasser 
wUrde zanachst Diodor bezeicbnet, womit sicberlich der Lehrer 
des Chrysostomus und Bischof von Tarsus (f c. 390) gemeint 
ist. Aber dass er ein solches ^geschichtliches Evangeliam^ ver- 
fertigt habO; bezeugt niemand^). Ganz unvollziehbar ist aber 
die bier ausgesprocbene Yorstellang, dass dieses ;,geschichtliche 
Evangeliam" zngleich auch das Werk Tatian's and anderer beili- 
ger Yater gewesen sein soil Oder ware nar gemeint ^ dass 
Diodor wie Tatian und nocb manebe Andera ein und dasselbe 
Evangelienbueh gebraucbt haben? Dann Istge bier eine so 
dunkle Eunde Uber das von Tatian verfasste Diatessaron vor, 
dass wir auf jede Verwertbung desselben verzicbten mttssten. 
Aber es ist aucb die Tbatsacbe selbst, welcbe uns in so trtlber 
Form tlberliefert zu sein sebeint, dass niimlicb in irgend einer 
Evangelienbarmonie Job. 19, 34 in den MattblLustext binter 
Mt. 27, 48 Oder 49 eingeseboben gewesen sei, sebr unwabr- 
sebeinlicb. Ein Harmonist, welcher aus den vier Evangelien 
eine fortlaufende GescbicbtserzS,blung berstellen woUte, konnte 
am wenigsten auf den Einfall geratben, diesen einzelnen Spruch 
aus seinem deutlicben Zusammenbang bei Johannes beranszu- 
reissen und binter Mt. 27, 48 oder 49 einzuscbalten, anstatt die 
ganze Erzllblung des Jobannes von dem^ was nacb dem Sterben 
Jesu mit dem Gestorbenen gescbeben ist, an den synoptiscben 
oder jobanneiscben oder einen gemiscbten Beriebt fiber das 



theilt ist). Vielleicht ist also Severus der Gewahrsmann des Scholiasten 
und dadarch die in der letzten Anmerkung entwirrte Confusion mit ver- 
anlasst. 

1) Semler, Hermen. Vorbereitungen III, 19 (nach Semisch p. 25 von 
mir citirt) wollte xaxa riaaaga statt xa^* laroqCav lesen. Aber durch 
Schreiberversehn entsteht selten etwas zu gleicher Zeit Dunkles und doch 
Sinnvolles. Eher konnte man denken, dass in Jta^cSgov (sic) ein Jta ^' = 
(f m xeaoaQfov untergegangen ware. Es konnte auch {to ) xal Tanavov Glosse 
eines Schreibers sein, dem bei dem unbekannten historischen Evangelium 
des Diodor das bekannte Diatessaron des Tatian einfiel. Die Stellung 
des Namens ^Tatian** binter Diodor und nnter den heiligen Vatern ist 
hochst sonderbar. Aber Einfalle dieser Art sind zu woblfeii. 

2) Einen Commentar Diodor's sis ra cT evayyiXia erwahnt Snidas 
8. V. Ji66(oQog (ed« Bernhardy p. 1379). 



— 29 — 

Sterben Jesn anzuschliessen. So ist es wenigstens in dem von 
EphrSm commentirten Diatessaron and den mir bekannten Si- 
teren Evangelienbarmonien gemacht worden^). Das Einzige, 
was wir aus diesem Scholion mit einiger Wahrscheinlichkeit 
entnehmen k5nnen. ist^ dass Diodor jene im vierten Jabrbnndert 
scbon sebr verbreitete Interpolation binter Mt. 27, 48 oder 49 
gekannt and anerkannt bat. Der Rest ist eine dankle Knnde 
davon, dass Tatian ein die Oescbicbte Jesa zasammenbilngend 
darstellendes Evangelium verfasst^ oder aacb nar gebabt und 
gebraacht babe^). Es ist leider n5tbig, scbliesslicb nocb einige 
verwirrte Angaben auf ibren Grand zarUckzafUbren. Credner 
(Beitr. 450) meldet Uber das bisher besprocbene Scbolion Fol- 
gendes: „In der St. Gallener Handscbrift wird za Mt. 27, 49 
aas Tatian's Evangelienbarmonie folgender Zasatz erwahnt: 
alikog di kafidy . . . Eine abnlicbe Bewandniss bat es, wenn 
nacb dem Scbolion im cod. 72 za Lc. 7, 42 Tatian gelesen ba> 
ben soil: zlg avvrnv nXetov dydnfitrBv^. Unter der St. Galler 
Hs. kann nar der bertlbmte, von Rettig 1836 edirte griecbiscb- 
lateiniscbe Evangeliencodex gemeint sein {J = Nr. 48 der 
Stiftsbibl. zu St. Gallen), welcber p. 229 nicbts der Art entbat. 
Dieser Mytbas wie der andere liber ein Scbolion des^cod. 72 za 
Lc. 7, 42 stammt aas der befremdlicben Mittbeilang von Scbolz 
(Nov. T. I Proll. p. CXLIX): Tatianus Si/rm, sec. II, ed. Paris 
1742 fol. Citatur ad Matth. 27, 49 eim harmonia evangelica in 
codice St. Oallensi et in scholio codicis 72 atque ad Luc. 7, 42. 
Scbolz, ttber dessen Unzaverl^sigkeit das Urtbeil feststebt (s. 
Tiscbend. ed. VII Proll XCIX sq.; Scrivener, Introd. 419 sq.), 
batte weder den cod. St. Gallensis (^/) nocb den cod. 72 ge- 
sebn. Eine dankle Erinnerang daran, dass in einer St. Galler 
Hs. der lateiniscbe and der deatscbe Tatian stehe, bat ibm bier 
einen Streicb gespielt. Aber den Irrtbam, dass cod. 72 ein den 
Tatian betreflfendes Scbolion za Lc. 7, 42 entbalte, bat er nicbt 



1) S. n. Abschnitt meines Buchs §. 97 Note 11. Im cod. Fuld. 
p. J57, 3 steht Jo. 19, 34 in seinem ricbtigen Zusammenbang , weit ge- 
trennt von Mt. 27, 49 p. 156, 11. Ueber die Epitome des Ottom Lnsci- 
nias 8. den IV. Abschnitt. 

2) £s ist aaffallend , dass ein so grUndlicber Forscher wie Bargon 
anf dieses Scholion die Vermuthung bat g^Qnden m(5gen, dass viele 
falsche Lesarten der altesten griecbischen Hss. aas Tatian's Diatessaron 
eiogeschlichen seien (1. 1. p. 317). 



- 30 - 

ansgesprochen. Za „atqae ad Luc. 7, 42^ ist onr „citatar'^ zn 
erganzen. Zu Luc. 7, 42 citirt Scholz selbst (I, 243, Note x): 
j^vlya (nicht rlg^ wie Credner angibt) avtcSp nXetov fjydnfitTet^ 
(nicht dyd7tfi(T€v) Tatian.", ohne nahere Angabe seiner Quelle. 
Dass cod. 72 nicht die Quelle sei^ verstand sich yon selbst, da 
Keiner, der diese Hs. gesehn^ Solches daraus berichtet hat. 
Nach langem Suchen entdeckte ich die Quelle in einem kleinen 
Aufsatz meines guten Namensvetters (Eeil und Tzschirner's Ana- 
lecten III, 2, S. 9 ff.) ^Erlsiuterung einer bis jetzt unbekannten 
Yariante l>c. 7, 42. 43 aus Ultilas und Tatian^. Darin wird aus 
dem deutschen Text (ed. Sievers p. 261, 21) Vuedaran minnotd 
her mir? geschlossen, dass im lat. Original gestanden haben 
mflsse utrum plm dilexit? was dann weiter auf ein griechisches 
%iva statt %lg zurttckgehe. Verlorene Mtlhe, da die lat. Urschrift, 
der cod. Fuldensis ed. Ranke p. 124, 27: quis eum plm diliget 
bietet! Der bis in die neueste Zeit sich forterbende') Scholz'sche 
Fund dtlrfte hiermit begraben sein. Es darf aber nicht unbe- 
merkt bleiben , wie weit Uber die Nachlassigkeit eines Scholz 
Credner's Leistung hinausragt 2). 

In der katholischen Eirche griechischer Zunge ist Tatian's 
DiatessaroB nnr durch H5rensagen bekannt gewesen. Sie hat 
auch niemals eine andere Evangelienharroonie in Gebrauch ge- 
habt. Jener Hesychius, entweder der Presbyter und nachraalige 
Patriarch von Jerusalem (f 609), oder ein alterer jerusalemischer 
Presbyter des 5. Jabrb., welcher sich viel mit der Harmoni- 
sirung der evangelischen Berichte beschSftigt hat 3), sagt in 



1) Hilgenfeid, Einleitung S. 76; Abbot, The authorship of the f. 
gospel p. 54; Harnack, Zeitschr. f. KG. IV, 4, S. 474. Letzterer drUckt 
sich aber mit Recht sehr vorsichtig aus. 

2) Zu aUem Gesagten kommt nocb hinzu, dass Credner a. a. 0. das 
Evangeliarium Hierosol., woruber er eine schon nach Adler de verss. 
syr* p. 174 zu berichtigende ungenaue Mittheilung macbt, „die syrische 
Uebersetzung'' nennt. 

3) Cotelier, Eccl. Or. Monnm. Ill, 1 — 52 gab seine Zvvaymyri ano- 
gtcjv xaX iniXvaefuVj ixleyettfa iv InuOfi^ ix rrjg evayyelix^g <SvfJi(p(ovCas 
heraus. Cotelier hielt ftir den Verfasser den Hesychius des 5. Jabrhun- 
derts (s. seine erste Note p. 522), Cave den Patriarcben zur Zeit Gregorys 
des Grossen. Die sogleich zu citirende Rede (Combefis» Auctar. No- 
vum I, 743—774) kann nicht ftir ein BrucbstUck des grSsseren Werks 
gelten, woraus die von Cotelier berausgegebene Epitome ausgezogen ist. 
Es ist, wie namentlich der Scbluss zeigt, eine Predigt. Eher l&sst sich 



- 31 — 

einer gelehrten Predigt Uber die Auferstehnngsbericbte ^); die 
Evangelisten erganzten sich so wnnderbar schQn, ^dass EiDer 
das, was von einem jeden EvaDgelisten gescbrieben ist, nach 
der ZeitordnuDg zasammenstellen and daraus eine einzige Har- 
monie nnd ein einziges Gorpas der ganzen Gescbichte herstellen 
k5nnte, als ob ein Einziger das Ganze gescbrieben bStte, nnd 
niebt Viele.'' Es k5nnte das Einer than; gethan batte es Keiner, 
soweit die Kenntnis des Hesycbias reichte. Man wird an Am- 
monias erinnern, den ^bertibmten^ Verfasser einer Evangelien- 
barmonie, welcbe aacb den Namen Diatessaron ftlbrte. Dacbte 
ja aacb Victor von Gapaa an Ammonias ebensogat wie an Ta- 
tian, als er fbr seine lateiniscbe Evangelienbarmonie einen Ver- 
fasser sncbte. Aber es ist an der Zeit, mit dem.zaerst von 
Victor aasgesprocbenen Irrtham v511ig za brecben^ als ob Am- 
monins ein Werk verfasst babe, welcbes mit jener lateiniscben 
Harmonic and ttberbaapt mit irgend einer aas den Worten der 
Evangelisten zasammengestellten evangeliscben Gescbicbte nacb 
Anlage nnd Zweck sicb vergleichen Hesse, ein Werk, an welcbes 
Hesycbias sicb hUtte erinnern sollen. Die einzige Nacbricbt des 
Alterthnms Uber das Werk des Ammonias liegt in den Anfangs- 
worten des bertlhmten Briefs des Easebias an Garpianns, wel- 
cben Easebias als Prolog seiner Aasgabe der Evangelien vor- 
aasgescbickt bat. Die in mebr als einer Hinsicbt von der Nacb- 
welt misverstandenen and geradeza misbandelten Worte beissen 
anf dentsch^): „Der Alexandriner Ammonias bat zwar sicbtlicb 



das Fragment bei Gombefis I, 774 cf. Cramer Cat. 11, 389 als Grandlage 
der Qaaestio 46 in der Epitome bei Cotelier p. 36 ansehn. Die Rede ist 
aach dem Gregor von Nyssa und dem Severas von Antiochien zuge- 
schrieben worden, was dann zu unliebsamen Irmngen gefUhrt hat, welche 
erst Bargon 1. 1. p. 40. 41: 57 aufdeckte. 

1) Combefis, Auctar. nov. (1648) I, 766 D: ware ^vvaaS-al ttva 
xatd jTiv twv xaiQOJV tcc^cv rd nuQ^ ixdarov yByQufifikva tfvvd-kvja filav 
aQfjLovlav xal ?v ae5/^a ndatjg taroqiag iqyddaad-ai^ xad^dnsQ ivbg to nay 
yeyQa(f>6xog xal ov nolleSv, — Der Redner hatte, wie es scheint, neuer- 
dings die Einrichtung getroffen, dass in der Osternacht die Auferstehnngs- 
berichte aller vier Evangelisten zwar eintrachtig {uQ/io^Cwg) , wie er ur- 
theilt, aber doch getrennt and nach einander in der Eirche vorgelesen 
warden, was zwar eine allgemeine Biiligang fand, aber doch wegen der 
sich wiederholenden und zugleich widersprechenden Berichte von Man- 
chen verwirrend gefunden wnrde (p. 744 A. B). 

2) Der oftmals gedrackte Text laatet bei Tischendorf, N. T. ed. 



- 32 - 

mit Aafwand grosser Gelehrsamkeit and Sorgfalt das EvaD- 
gelium durch Vier uns hinterlassen, indem er dem Matthaus- 
evangelium die gleichlautenden Abschnitte der Ubrigen Evange- 
listen znr Seite stellte, was zur nnaasbleiblichen Folge batte^ 
dass der fortlaafende Zusammenhang der drei (Ubrigen Evan- 
gelien), was das Gewebe der Leetion anlangt, zerst5rt warde; 
damit da aber bei Bewahrang des ganzen Organismas and Za- 
sammenhangs aach der ttbrigen (Evangelien) die eigenthtlmlichen 
Stellen eines jeden Evangelisten wissen kannst, an weleben sie 
liber dieselben (Gegenst^nde) wahrheitsliebend za reden sich 
getrieben fUhlten, babe ich, angeregt darch die Arbeit des ge- 
nannten Mannes, nach einer andern Methode Verzeichnisse; 
zehn an der Zahl, fllr dieh aasgearbeitet, welcbe bier anten 
beigefUgt sind.^" Die an sich sehr einfache Beschreibang des 
Werks des Ammonias ist durch das seit Hieronymas herrschende 
Misverstlindnis der aaf die „Ganones^ and ^Perikopen" des Ea- 
sebias bezUglichen Aassagen verdankelt wordenC Die sogenannten 
^Sectionen des Ammonias^ sind ebenso wie die ;,Canones des 
Easebias^ das eigenste Werk des Letzteren ^), and die ease- 
bianische Bearbeitang der Evangelien ist ein von dem Werk 
des Ammonias vQllig verschiedenes Bach. Nar die ^Anregang^ 
{dq>0Q[Jbii) za seiner Arbeit hat Easebias darch Ammonias em- 
pfangen. Die Idee, die in verschiedenen Evangelien materiell 
identischen and formell ahnlich laatenden StUcke als Parallel- 
stellen za einander fttr das Aage erkennbar za machen, hat Ea- 



crit. VII, Proll. p. LXXIV: Idfifitoviog fjihv 6 UUl^avSgivg noXl^y (og 
eixog (piXonovCav xal (fTrov^rjy sioayrjoxtog to tfea rittaaQtov tj/iitv xara- 
kiXotnev evayyiXiov^ t^ xara Mard^atov rag 6fio(p(avovg ttov XotntSy 
€v ayyeXiartov neQixonag naqaS-^Cg^ tag i$ dyayxrjg avfifi^vai rov xtjg dxo" 
Xovd-lag elQfioy rtov rgitov ^ittcpd-aQrjvai offoy inl ttp hipei r^g dvayvaS- 
ttB(og' tva dk a&i^ofikvov xal rov Tav XotncSv ^i oXov aoifiarog re xal 
elQ/xov el^ivat Ijifots- tows' oixeCovg ixdtfjov kvayyeXvatov Tonovg^ Iv olg 
xatd rdjv avTtav rivix^'ri<fav <piXaXrj&(og einelv f ix rov jiovijf^aTog rov 
nqoeigrifiivov avSgog eiXijcpatg d<poQf4ag xad-^ Mqav fikd-odov xavovag 
^ixa tov dqtd-fihv Suxdga^d (foi tovg vnoTerayfiiyovg. 

1) Es ist Burgon's Verdienst, dies grUndlich und anwiderleglich dar- 
gethan zu haben (The last twelve verses of S. Marc. 1871 p. 126—131; 
295—312). Die deutschen Isagogiker vom J. 1S75, Hilgenfeld and Man- 
gold, wissen von diesen ausgezeichneten Forschangen noch gar nichts. 
Aucb von der Einrichtung des Ammonianischen Diatessaron hat B argon 
die richtige Einsicht, geht aber nicht naher daranf ein* 



— 33 — 

sebias von Ammonias entlehnt. Die ^Methode^ ist seine eigene; 
d. h. die anf einander berechneten Sectionen nnd Eanones sind 
seine Erfindnng. Anch der Sto£f ist ein anderer. Was Ammo- 
nias in seiner Weise flir MatthlLas getban hat, that Easebins in 
einer ganz anderen Weise an den vier Evangelien. Das Werk 
des Ammonias war wesentlich nnr eine Ansgabe des HatthSas- 
textes, welcber volIstSndig and in nnanterbrocbener Folge von 
ibm niedergeschrieben war. Neben diesem Matth&astext, also 
aaf breitem Bande oder in mehreren Golamnen neben dem 
eigentlichen Text, waren diejenigen Abschnitte — and nar 
diese — der anderen Evangelien beigescbrieben ^ ) , welche mit 
Stllcken des MatthHas wesentlich gleichlaaten. Ob diese Pa- 
rallelen aas den anderen Evangelien in extenso, oder nar die Ab- 
weichnngen mitgetheilt waren, wissen wir nicht, ist aber anch 
nicht nQthig za wissen, am za erkennen, dass das Werk des 
Ammonias weder mit der von Victor gefandenen, noch mit der 
von EphrSm dem Syrer commentirten Evangelienharmonie irgend 
welche Aehnlichkeit gehabt babe. Abgesehn davon, dass Am- 
monias den grOssten Theil des Johannesevangeliams and be- 
deatende Stttcke des Lacas anberttcksichtigt lassen masste, weil 
sie nicht mit StUcken des Matttiiias „homophon" waren, so hat 
er vor allem nicht aas den Worten verschiedener Evangelisten 
einen einheitlichen Text, eine evangelische Geschichte in Bibel- 
worten hergestellt, sondern eine Ansgabe des HatthHas veran- 
staltet, welche dessen Verwandtsehaft mit den tlbrigen Evan- 
gelien veranschaalichte. Das war keine Evangelienharmonie im 
gewQhnlichen Sinne des Worts, sondern eine Art von Synopsis. 
Dass diese tabellarische Darstellang eines Theils des evange- 
lischen Stoffs am Band des Matthias nicht gottesdienstlichen, 
sondern gelehrten Zwecken dienen wollte, and dass dieSynopse 
des Ammonias niemals als kirchliches Vorlesebach die kanoni- 
schen Evangelien vertreten haben kann, ist selbstverstHndlich. 
Gleichwohl scheint Ammonias seinem Bach den Titel to did 
TetTcraQcop eva^yiliop gegeben za haben. Eusebias drtickt sich 
wenigstens nicht so aos, als ob er selbst erst diesen Namen 



1) Das gewdhnliche MisverstSndnis spricht Valesius za Ens. h. e. 
IV, 29 recht naiv aas: Nam et Ammonius Alexandrinus evangelium Sid 
jiaaaQoty composuitf insertis in Matthaei evangelium reliquorum trium 
evangelistarum excerptis, Ja, wenn naqatiO-ivat inaerere hiessel 

Zahn, Forschongen I. 3 



- 34 - 

ihm gfibe. Da aber anch das dem Tatian zngeschriebene Werk 
diesen Titel fllhrte; so wird der eine Schriftsteller vom anderen 
den Titel entlehnt, also irgend welcbe Eenntnis, sei es aucb 
nnr des TitelS; vom Werk des Anderen gehabt haben. Das 
Wahrscheinliche ist^ dass Ammonias von dem Diatessaron^ Wel- 
ches dem Tatian zngeschrieben wurde, geh(5rt hatte and von 
ihm den beqaemen, aach ftir sein Werk passenden Titel ent- 
lehnt hat. Freilich wissen wir Uber anseren Ammonias and 
seine geschichtliche Stellang so gat wie nichts. Es beraht 
anf einer l&igst erkannten Y erwechselang , wenn Hieronymas 
(v. illastr. 55) and wahrscheinlich schon Easebias ^) diesen christ- 
iichen Schriftsteller mit dem heidnischen Pbilosophen Ammonias 
Saccas identificirt haben. Selbst dass er ein Alexandriner and 
dass er ein Zeitgenosse des Origenes war, ist angewiss; denn 
beides ergab sich fUr Easebias nothwendig ans der Verwechsel- 
ang mit dem Pbilosophen Ammonias. Unser Ammonias kann 
ebensogat der alexandrinische Presbyter and Mllrtyrer aas Dio- 
cletian's Zeit (Eas. b. e. VIII; 13, 7) oder irgend ein anderer 
TrSger dieses sehr gebrSachlichen egyptischen Namens sein. 
Nar die gelehrte Tendenz seiner Arbeit macht es wahrschein- 
lich, dass er eher jUnger, als Slter wie Origenes ist. SoUten 
nicht die hexaplarischen Arbeiten des Origenes dem Ammonias 
die Anregang za seiner Bearbeitang der Evangelien gegeben 
haben? 

Der einzige positive Ertrag dieser Er5rterang fiir onsere 
Frage ist der, dass ein, wie es scheint, dem 3. Jahrhandert an- 
geh5riger Gelehrter Namens Ammonias wahrscheinlich eine 
Eande von einem Ulteren Werk anter dem Titel Diatessaron 



1) Hist. eccl. Vly 19 s. den Literaturnachweis bei Heinichen, comm. 
in Eus. h. eccl. p. 272 sq. Dem christlichen Ammonias gehorten natUr- 
lich die Schriften an, darch welcbe Eusebius zu der verkehrten Polemik 
gegen Porphyrius verfUhrt wurde, so das Bach tuqI t^s Mtovaifog xal 
^Iritfov avfKftovtas (Eus. h. e. VI, 19, 10; Hieron. v. ill. 55). Diesen 
Ammonius und nicht den ihm gleicbfalls bekannten spatem Alexandriner 
Ammonias des 5. Jahrhunderts' (Migne. 89 col. 42. 236. 245 cf. Cramer, 
Gaten. II praef. p. IV sq.) scheint Anastasius Sinaita zu meinen, wenn 
er Papias and Clemens, PantSnus und Ammonius als die alten und ersten 
mit einander Ubereinstimmenden Exegeten nennt, welcbe das HexaSmeron 
allegoriscb gedeutet baben (Routb rel. s. I, 15 nacb P. Halloix, nur la- 
teinisch bei Migne 89 coU 860). Aber die Sache bedarf der Unter- 
suchung. 



- 35 - 

gehabt and darnacb wahrscheinlich seine Arbeit benannt hat, 
obwohl dieselbe grnndverscbieden war von dem Bild, das wir 
ans nacb alien vorbandenen Nacbricbten von dem Diatessaron 
Tatian's za macben baben. Genaaere Nacbricbten begegnen 
ans aber erst im Gebiet der syriscb redenden Eircbe. Aaf die- 
sen Boden stellt ans der Bericbt des Tbeodoret, welcber in den 
Jabren 423 (oder 420) bis 457 Biscbof von Cyrrbas ^) war and 
im J. 453 seine imvogAri alqetixfig xaxofiv&iag scbrieb '). Za 
den wenigen nicbt den SIteren HSreseologen nacberz&blten 
Stttcken dieses Bucbs geb5rt, was Tbeodoret am Bcblass des 
Kapitels tiber Tatian mittbeilt (I, 20; vol IV, 312): Ovvog xal 
TO dia %e(T(Taqmv xaXovfieyop (rvPTi&eixep evaj^j^iliop, %ag %e 
j^e^ealoyiag neQixoxpag xal %a alXa Sffa ix ffniQfiaTog Jafild 
xcerd caqxa jr^evPfifAivoy top xvqiop delxwtxtv. i%qfi(Tavto di 
TOVTdf ov ikopoi ol Tf^g ixelvov (rv[A[AOQiag, dXld xal ol ToTg 
dnoatoXixolg knoiksvoi ioj^fbacn, Tfip r^g avvd^xiig xaxovqyiap 
ovx fypfoxoTeg, dlX anXovtnsqop ^g (TvPTOfACp %tg fiifilltf XQ^~ 
(rdfiepoi. evQOP de xdydo nXelovg ^ diaxoalag filfiXovg %otav%ag 
ip zaig naq i^up ixxhjclaig tettfiffifjbipag, xal ndaag ffvpaya- 
yAp dn€d'i[Afip xal td tcop TeTTagcop evayyeXitnc^p dpteKT^ya- 
yop evayyilia. Hier ist za anterscbeiden zwiscben dem allge- 
meinen bistoriscben Bericbt and der ErzSblang von dem, was 
Tbeodoret in seiner eigenen Di(5cese gefanden and in Folge 
dessen getban bat. Letzteres dient als Beleg dafUr, dass er 
vorber nicbts Unwabres bebaaptet babe, wenn er sagte, dass 
aacb ortbodoxe Gemeinden das Bacb seiner ZweckmSssigkeit 
wegen arglos gebraucbt baben. Aas den Worten ,,aber aacb 
icb selbst fand mebr als 200 solcber BUcber in den Eircben 
anserer Gegend in Ebren gebalten^ folgt, dass die voranstebende 
Aassage sicb aaf weitere Ereise beziebt. Dann darf man aber 
aacb nicbt mebr die PrUterita ixQitrapzo, XQV^^I^^^^^ daraas 
erklfiren wollen, dass eben Tbeodoret diesem Braucb darcb Be- 
seitigang der mebr als 200 Exemplare des Diatessaron aas den 
Eircben seines Sprengels ein Ende gemacbt babe. Tbeodoret 
will vielmebr wissen, dass ebenso wie darcb ibn in der Diocese 
von Cyrrbas, darcb Andere in anderen Di5cesen das Diatessaron 



1) Die Sehreibweise ist schwankend Kvqog, Kvqqos syr. OITip. 

2) Die chronologischen Angaben nach Garnerii Dissert. II bei 
Schalze, Theod. opp. V, 398 sqq. and Schalze selbst I p. 8. 27. 48. 

3* 



- 36 - 

dnrch die kanonischen Evangelien verdrfingt worden sei. Das 
ist eine geschichtliche Tbatsache, deren Tragweite and Bichtig- 
keit weiterhin genngsam sich bestatigen wird. Obne Bedentung 
dagegen ist^ dass Tbeodoret zngleicb aacb von frtiberem Ge- 
braacb des Diatessaron bei der Partei des Tatian spricbt. Wenn 
es je eine solcbe Partei oder Secte gegeben blLtte^ so existirte 
sie za Theodoret's Zeit IsLngsi nicbt mebr. Selbst Epipbanius^ 
der an ibre ebemalige Existenz glaubt, mass bekennen, dass 
sie sammt ibrem Stifter verdaftet sei ^). Denkt man an die En- 
kratiten oder Hydroparastaten , welcbe Tbeodoret nocb enger 
wie die friiheren HiLreseoIogen mit Tatian, ibrem angeblicben 
Stifter zasammenfasst , so zeigte sicb scbon, dass sie in alien 
Zeiten, aas welcben ans Bericbte vorUegen, nicbt das Diates- 
saron gebraacbten (oben S. 17). Tbeodoret bericbtet aacb nicbt 
aas eigener Eande Uber Enkratiten seiner Zeit and seiner 6e- 
gend. Aacb von den Parteigenossen Tatian's sagt er, dass sie 
das Diatessaron in Gebraacb batten, also nicbt mebr baben. Er 
selbst bat keinen Antbeil daran, dass diese Secte da^ Diates- 
saron abgescbafift bat; denn abgesebn davon, dass es, wie ge- 
zeigt, anerlaabt ist, die Aassage fiber seine eigenen Erfabrangen 
and Massregeln aaf die vorber genannten tbeils katboliscben, 
tbeils bSLretiscben Ereise aaszadebnen, so bezeagt weder Tbeo- 
doret selbst 2), nocb irgend Jemand, dass es in der Gegend von 
Cyrrbas Enkratiten gab. Kleinasiatiscbe Provinzen werden als 
ibre Wobnsitze am Ende des 4. and Anfang des 5. Jabrban- 
derts genannt '). Was aber solite diese lllngst von der katbo- 



1) haer. 46, 2 p. 392: ^^tj dl xal olros xaraafiiaS-iU dlfiai UtiU xal 
TO Toi/rov SiSaaxaXslov, Gf« haer. 45, 4 p. 390. 

2) Theodoret hat sich viel Mtthe gegeben, die zahlreichen haretischen 
Gemeinden, welche er in seinem Sprengel vorfand, zur katholischen 
Eirche zuriickzufUhren. Er stiess gelegentlich auf hartnSckigen Wider- 
stand, SteinwUrfe u. drgl. Aber mit ganzen Gemeinden ist es ihm ge- 
lungen. In der ganzen Diocese ist zuletzt kein Unkraut mehr (ep. 113 
vol. IV, 1190). Aber es werden nur Marcioniten und Arianer resp. £a- 
nomianer genannt (Hist, relig. 21 vol. Ill, 1243. 1245; c. 22 p. 1253; 
ep. 81 vol. IV, 1141; ep. 113 vol. IV, 1190). 

3) Epiph. haer. 47, 1 p. 399 of. 46, 1 p. 391; 61, 2 p. 507; Mac. 
Magn. Ill, 43 ed. Blondel p. 151 (in Bezag aaf die Zeit des Macarias 
s. meine Abhandlung in Ztschr. f. EG. II, 3, S. 452 sqq. and Neumann, 
Script, gr. adv. Christ III, 22); Sozom. h. e. V, 11 (ed. Mogunt 1677 
p. 610 D). 



- 37 — 

lischen Eirche losgerissenen Secten veranlasst haben, das Dia- 
tessaron, welches sie znr Zeit des Easebius and des Epiphanius 
noch nicht gebrauchten, nachher einzuflihren and vor Tbeo- 
doret's Zeit wieder abzascbafien? Es scheint hiernach klar za 
sein^ dass Theodoret's Angabe tiber einen ehemaligen Gebraacb 
des Diatessaron bei der Partei Tatian's nur eine bistorische Ein- 
kleidang der selbstyerstSndlichen Voraussetzang ist, eine Secte 
Tatian's mUsse aach Tatian^s Evangeliam gebraacht haben. Die 
Bemerkang dient ihm nar dazn, die Thatsache, dass katholiscbe 
Gemeinden das Evangelium des Eetzers in Ehren hielten and 
im Gottesdienst gebraachten, in ihrer ganzen AbnormitILt er- 
scheinen za lassen. Ueber diese Thatsache aber gibt ans Theo- 
doret einen Bericht, an dessen Qenaaigkeit nicht za zweifein ist. 
Da es sich am Exemplare des Diatessaron handelt, welche 
Theodoret in den Eirchen seiner DiQcese in Ehren gehalten, 
aIs(^im gottesdienstlichen Gebraacb fand, so mag die Zahl der 
Gemeinden^ in welchen er das Diatessaron darch die kanoni- 
schen Evangelien verdrangte^ nicht viel geringer gewesen sein, 
als die Zahl der beseitigten Exemplare, also vielleicht ein Viertel 
der 800 Gemeinden , welche sein Sprengel amfasste ^). In den 
Ubrigen Gemeinden mttssen die kanonischen Evangelien schon 
eingeflihrt gewesen sein. Da aber in denjenigen Gemeinden^ 
welchen erst darch Theodoret das Diatessaron genommen warde, 
and in den katholischen Gemeinden aasserhalb seines Sprengels, 
yon denen er das Gleiche za wissen meint, die EinfQhrang der 
kanonischen Evangelien das SpSltere, der Gebraacb des Dia- 
tessaron das Frtlhere ist, so wird tlberhaupt da^ wo das Dia- 
tessaron za irgend einer Zeit in kirchlichem Gebraacb war, dies 
das arsprUngliche Evangelienbach gewesen sein, welches erst 
allmShlig, bier frUher, dort spater, theilweise erst am die Mitte 
des 5. Jahrhanderts darch die kanonischen Evangelien verdrangt 
warde. Jenes ist eine eigenthtlmliche Besonderheit gewisser 
Landschaften, welche den aniformirenden Tendenzen der katho- 
lischen Eirche ; welche von Gonstantin an aach die syrische 
Eirche zu fllhlen bekam, zaletzt hat weichen mttssen. Dass es 
dabei an Widerstand nicht gefehlt hat, versteht sich von selbst, 
wird aber aach darch die Analogic der noch angeschriebenen 



1) Epiflt 113 vol. IV, 1190. 



— 38 — 

Geschichte der syrischen Osterpraxis der nachconstantiniscben 
Zeit bestMtigt. 

Das Diatessaron gait als Werk Tatian's, den man also 
wahrscheinlich nicht als Ketzer kannte. Da sein Name sicher- 
lich nicht aaf dem Titel des Evangelienbuchs stand, was eine 
mit dem kirchlichen Zweck desselben unvertr^liche Geschmack- 
losigkeit gewesen wfire, so mass es eine dort anbestrittene^ mit 
dem Buch von altersher verbandene Tradition gewesen sein^ aaf 
Grand deren Theodoret dies ohne die geringste Unsicherheit 
aassprieht. Dass das Diatessaron aas vier Btlchern zasammen- 
gestellt war, sagte sein dort Ublieher Name. Dass diese vier 
Qaellenschriften dieselben vier Evangelien seien, welche in den 
tlbrigen Gemeinden der DiQcese gebraacht warden, and dass 
nichts merklich Fremdartiges oder gar HSretiscbes darin ent- 
halten sei, mass als selbstverstSndlich gegolten haben. Andern- 
falls wSre nicht za verstehen, wie die frUheren BischQfe yon 
Cyrrhas, daranter ein von Theodoret hochgefeierter Isidoras ^), 
bis ins 5. Jahrhandert hinein den Gebraach des als ketzerisch 
erkannten Diatessaron in so zahlreichen Gemeinden gedaldet 
batten. Arglos {anXovateQOp) wie der Gebraach war aach die 
Daldang desselben seitens der orthodoxen Oberhirten. Aach 
Theodoret setzt voraus, dass das Diatessaron aas den kanoni- 
schen Evangelien compilirt sei; sonst kQnnte er nicht sagen^ 
Tatian babe die Genealogien, nSmlich die des MatthMas and des 
Lacas, and AUes, was sonst die fleischliche Herkanft Jesa aas 
David's Geschlecht anzeige, weggeschnitten'). Dass das 
Bach seiner KUrze wegen beliebt war, enthUlt keinen Tadel and 
ist nichts fttr diese Evangelienharmonie Charakteristisches. Es 
versteht sich von jeder Harmonic, welche nicht zwei Tempel- 
reinigangen and zwei Bergpredigten and vier Palmsonntagsein- 
zUge erzfihlt, von selbst, dass sie im Yergleich mit dem katho- 
lischen „Evangeliam'', der Sammlang der vier kanonischen 
Evangelien, ein karzes Bach ist. HStte Theodoret bemerkt, 



1) Histor. relig. 3 vol. HI, 1143; hist. eccl. V, 4 vol. Ill, 1020; 
epist. 42. 47 vol. IV, 1101. 1107. 

2) Die Gedankenlosigkeit, vermoge deren z. B. Mangold (Bleek's 
Einl. in's N. T. 3. Aufi. S. 275) aus Theodoret das Gegentheil erscbliesst, 
genauer zu analysiren, scheint uberfitissig. Dem Verfasser von „Super- 
natural Religion** hat in dieser Hinsicht Nicholson, Gospel ace. to the 
Hebrews p. 128 sq. ausreichend geantwortet. 



- 39 — 

dass Apokryphes and positiv HSretisohes darin enthalten sei, 
80 wtirde er dies nieht angesagt lassen, denn er hat das In- 
teresse das bisher als heilige Schrift geehrte and gebranchte 
Bach als Machwerk eines Ketzers za brandmarken. Alizn ober- 
flSchlich darf man sich seine Untersachang aach nieht denken; 
denn es gait eine alte^ in zahlreichen Gemeinden festgewnrzelte 
litargisohe Sitte za beseitigen, and die Erfahrang aller Zeiten 
lehrt, dass das ein schwieriges Ding ist, wobei der Neaerer die 
krfiftigsten Argamente zasammensacht^ am den allezeit zilhen 
Widerstand der am Alten hUngenden Gemeinden za Uberwinden. 
Man darf daher als sicher annehmen, dass Tbeodoret darnm 
von h&retischen and apokryphischen Zathaten zam kanoniscben 
Evangelienstoff schweigt, well Solches im Diatessaron nieht 
leicht za finden oder Uberhaapt nieht vorhanden war. Es ist 
dagegen nach alien Analogien wahrseheinlich , dass er bei sei- 
nen Angaben ttber die Defecte des Diatessaron den Mand ein 
wenig vol! genommen hat, am sein radicales Verfahren als mQg- 
lichst gerechtfertigt erscheinen za lassen. 

Wichtig ist noch die Frage nach der Sprache des Baehs. 
Aber eine Frage, aaf welche die Antwort erst za sachen wSre^ 
kann diese nar heissen, weil man sie bisher nieht ernstlich aaf- 
geworfen hat ^), Man ist allgemein von der anbewiesenen Vor- 
aassetzang aasgegangen, dass Tbeodoret von einem griechiscben 
Bach rede '). Doch wohl nieht daram , weil er griechisch ge- 
schrieben bat? Ein griechiscbes Evangeliam wSre in den 
meisten oder alien Gemeinden der Umgegend von Cyrrhas ein 
anverstiindliches Bach gewesen'). In dem ganzen Gebiet (5st- 
lich von Antiocbien bis weit Uber den Tigris binaas war ja das 
Syrische die iyx^Q^og (pcoyfi. Antiocbien allerdings war eine 



1) Die beilaafigen Bemerkungen Harnack's a. a. 0. S. 494 sind durch 
Mittheilangen von mir veranlasst. 

2) Semisch z. B. schliesst (p. 5) aus Ephrams Gommentar zam Dia- 
tessaron, dass dies vor der Mitte des 4. Jahrh. in's Syrische Ubersetzt 
gewesen sein mtisse, and aus der Nachricht des Tbeodoret, dass bis zar 
Mitte des 5. Jahrh. das griechische Or^iginal noch stark verbreitet ge- 
wesen sei. — Auch J. Chr. Zahn (Keil's Anal. II, 1, 174) geht von 
dieser Voraussetzung aus. 

3) Garnerius (diss. I in 0pp. Theodoreti ed. Schulze V, 142) urtheilt 
ohne Riicksicht aaf das Diatessaron tiber die Gegend von Gyrrhus : 8yra 
fere lingua utehantur omnes; pauci vel in urbe graecas delidas noverant 



— 40 — 

X 

ganz Uberwiegend griechische Stadt. Soviel ich weiss, ist dort 
vor Theodoret and in den nSchsten Jahrhanderten nach ihm der 
Gottesdienst stets nar in griechischer Sprache gehalten worden; 
aber unmittelbar vor den Thoren der Stadt wurde syrisch ge- 
sprochen. Von der LandbevOlkerung, welche an gewissen Fest- 
tagen in der Stadt zar Eirche ging; eagt Ghrysostomas in einer 
Predigt ^) : Xaog xata [lep Tfjv ykcoTtap tiytHv iyfiXXayfiipog, 
xatcc de Tifp nicniv ^fuv ffvfjb^covcSp, Der Einsiedler Macedo- 
niaS; welcher in der zweiten H^lfte des 4. Jabrhunderts aaf ver- 
schiedenen H(3hen bei Antiochien lebte and 45 Jahre lang eine 
Gmbe zur Wohnang hatte, warde vom Volk Fovfiag genannt, 
was Theodoret richtig darch kaxnog tlbersetzt 2). Macedonias 
selbst redete die kaiserlichen Gommissare , welche ans Anlass 
des Umstarzes der Eaiserbilder in Antiochien i. J« 387 dorthin 
geschickt warden, syrisch an and konnte sich nar darch einen 
Dollmetscher mit ihnen verstandigen ^). Als Bischof Flavian, 
welcher ihn gegen seinen Willen in den geistlichen Stand ein- 
fdhren woUte, ihn in die Stadt gelockt hatte and am Altar 
weihte, verstand Macedonias die ganze Litargie nicht and 
masste erst darch Andere erfahren, was mit ihm geschehen 
sei (1. 1. 1207 sq.)- Die LandbevQlkerang hUtte des Griechi- 
schen nicht in dem Masse ankandig bleiben k5nnen, wenn nicht 
bei den StSdtern trotz ihres Stolzes aaf hellenische Abkanft^) 



1) Homil. 19 de statuis 0pp. ed. Montfaucon II, 189 B. Ausser von 
der xvQtaxfi Trjg imatoCo/nh^riQ wird das vom Tag der Makkabaer er- 
wahnt II, 651 B. Am Tag nach der stadtischen Feier des Martyrerfestes 
ging der Bischof auf die D5rfer, um dort dasselbe Fest zu feiem. Der 
ihn in der Stadt vertretende Chrysostomus sagt in Bezag auf die Baaem 
draussen: /u^ yccQ (aoi ttiv fiaQfia^ov avitSy (fitovrjv t^yg, dXXa Tr^v (ptXo^ 
aotpovaav Stdvoiav, 

2) Hist, relig. 13 vol. Ill, 1206 cf. Payne Smith, Thesaurus. s. v. 

3) Hist, relig. 13 vol. Ill, 1209 sq. Dieser Umstand wird in der 
Hist. eccl. V, 19 (al. 20) vol. HI, 1053 sq. und bei Chrysost. horn. 17 
(Montfaucon II, 172—174) nicht erwShnt. 

4) Sehr merkwurdig ist, was Eusebius (Quaest. ad Steph. bei Mai, 
N. P. Bibl. rv, 1, 270) oder wahrscheinlich vielmehr Africanus (Spitta, 
der Brief des Jul. Afr. an Aristides S. Ill) sagt: 6 ^k Aovxag to fikv 
yivog dno Trjs potofjbkvrig lAmiox^tag ^v, ii^ y Sri ol navreg XoyKorarot 
Tovg ^Itavag ngoyovovg avxovttt^ Es heisst hier ^loveg offenbar nur 
„Griechen** cf. Euseb. Chron. I, 171, 22 u. 30; es ist das syrisohe Jat^ 



- 41 — 

ein gewisses Mass von EenntDis des Syrischen sehr allgemeio 
verbreitet gewesen wSre. Der ans Persien stammende syrische 
M(5nch Aphraates — nicht za verwecbseln mit seinem etwas 
Mlteren, jetzt bertihmter gewordenen Namensvetter —, welcber 
siob am 360 in einer Vorstadt Antiocbiens niederliess, bielt dort^ 
nacbdem er erst ganz wenig griecbiscb gelernt batte, Vortrage, 
za welcben die vornebme Welt aas der Stadt binaasstrQmte '). 
Cbrysostomas appellirt aaf der Eanzel wiederbolt an die, welcbe 
syriscb versteben ^). Mit jenem des Griechiseben vOllig ankan- 
digen Macedonias bat die vornebme Familie des Tbeodoret vor 
and nacb dessen Gebnrt in regem Verkebr gestanden. Tbeo- 
doret bat als Enabe oft seine Ermabnangen geb(5rt, bat also 
von Eindesbeinen an syriscb verstanden '). Nar wer in einer 
Stadt anfgewacbsen war, wo die Ammen and EindermSdeben 
Syrerinnen waren, konnte wie Tbeodoret za R5m. 8, 15 bemer- 
ken, dass die kleinen Einder ibre Vilter in traalicber Rede oft 
dfifid nennen^). Griecbiscbe WSrterinnen lebrten die Einder 
nanna, vielleicbt aacb einmal anna oder gar a%%ay aber ge- 
wiss niebt dfifia sagen. Obne genUgende Eenntnis des Syri- 
seben bSltte Tbeodoret aacb nicbt zam Biscbof von Cyrrbas ge- 
taagt; denn was von der Umgebang der westlicber gelegenen 
Grossstadt bezeagt ist, gilt erst recbt von den D(5rfern am 
Cyrrbas. Man spracb dort syriscb and verstand nar aasnahms- 
weise griecbiscb. Ein aas dortiger Gegend gebUrtiger Abra- 
bam^ welcber zaerst eine Dorfgemeinde am Libanon gegrlindet 



ndjCj and den Gegensatz bildet im Satz vorher o MatB-alo^y Svgog dviJQ, 
Wenn Africanus oder Easebius noch hinzasetzt rektoyrig roy piov^ ri/v 
(pwvriv *EfiQatost so sollte natUrlich darch ZvQog dem Apostel nicht seine 
israelitische Abkunft abgesprochen warden. Es war nur der allgemei- 
nere Aasdrack far die Sprache der Nichtgriecben in Syrien, wie Euse- 
bios aacb sonst die Mattersprache der Apostel i) 2vq(ov q>ioviq nennt 
(Demonstr. evang. Ill, 4, 44 cf. 7, 10). Daza tritt an unsr^r Stelle triv 
^Q)>^y ^Epqalos als nsLhere Bezeichnung des von den Juden gesprochenen 
Dialects. S. oben S. 18 Anm. 1. 

1) Hist. rel. 8 vol. IV, 1176: rrjg iXXd^og (pmv^g fui&djv oUya arra 

2) Chrysost. horn. 7 in Matth. (Montf. VII, 105 A) : ZoQofidfisX ixX^S-tj 
Sid TO ixii (so. iv BafivXavi) anaq^vai, xal Scot t^y SvQtov taatSi 
yXmiav taaat to Xsyofisvov. Cf. bom. 4 in Genes. (Montf. IV, 26 B. C). 

3) Hist. rel. 13 p. 1215 cf. 1207. 1213 sq. 

4) 0pp. m, 86. 



- 42 — 

and verwaltet batte ^) and dann Biscbof von Carrb^e warde, 
verstand kein Wort griechisch, so dass die Prinzessinen in Con- 
stantinopelf wobin er einst anf Wunseb des Kaisers gereist ist, 
nur dnreb stumme Zeicben ibm ibre Verebrang bezengen konnten. 
Wenn's so mit einem Biscbof stand, der weit genug in der 
Welt berumgekommen war^ so kann man sicb vorstellen^ wie 
es mit der Eenntnis des Griecbiscben bei den Bauem nnd 
ihren Geistlicben in den Dorfem der Cyrrbestica aussab *), Ueber 
die spracblichen VerbSltnisse der StSdte ist Uberall scbwerer za 
urtbeilen. Aber Cyrrbas war niebt gross, war keine selencidisebe 
Stiftang nnd keine rQmisebe Colonie'). Und selbst von den 



1) Hist, relig. 17 p. 1224 wird wobl mit der von mir eingeschalteten 
Praposition gelesen werden mtissen: xctraXccf^fiecvsi [xata] lov Mfiavov 
xoSfiriv Ttva fiiy^atrjv. Von diesem Abraham heisst es p. 1228: ov^k 
inateiv tijg kXladog iniaidfisvov yX(6(faT}g, Dass ein Biscbof dortiger 
Gegend nicht griechisch sprechen konnte, gilt dem Theodoret als 
selbstverstandlich; dass er's auch nicht verstand, wird besonders be- 
merkt. 

2) Wo Theodoret von seiner DiScese spricht, ist sehr oft von Dor- 
fern die Rede, deren Vorsteher x^Q^Ttlaxonoi und zaglelch nQeafivuQot 
waren (epist. 113. 116. 117 vol. IV, 1192. 1198. 1199), vielleicht nie von 
einer Stadt. Ich wenigstens weiss nicht, ob „die Stadt Niara** (hist. rel. 24 
p. 1260 cf. Ptol. Geogr. V, 14) noch innerhalb der Diocese lag. DSrfer bei 
Cyrrhas heissen Tillima^ Targala, Bama, Kitta^ Nimuza^ Sisa L 1. 1253. 
54. 57. 59. 64. 65. Auch die Personnamen sind nicht ohne Interesse. 
Neben manchen griechisch-r(5mischen, woranter besonders haufig die auf — 
anus sind {Julianus i\\^\ Marianus, Ammianus 1151, 1267; Damianus 
1260) findet man zum Theil mehrfaoh vertreten: Ahraames, BaradatoSy 
Jdkobos^ Maisumas, Maranas, Maronas^ Maris, Marosas^ Sabhas, Ze- 
tinas. Manche fiihrten neben dem syrischen Namen einen griecbiscben. 
Ein nicht gerade der Gegend von Cyrrhas entnommenes Beispiel ist hist, 
rel. 2 p. 1119: 7oi/X#ayoV, ov Safi^av (richtiger Zdfiav) inixXip^ ol ini- 
X'ogi'Oi Tifioiyjeg tovofia^ov, Cf. p. 1147. Theodoret, der fiir Griechen 
Bchreibt, bemUht sich die syrischen Namen, wo es keine griecbiscben 
Nebennamen gab, durch eigene Uebersetzung za grstcisiren, so z. B. 
wenn er denselben Mann, welcher vielleicht Barjamm^ hiess (P. Smith, 
Thes. 588), zaerst BaXaaaiog, dann Aifivalog nennt. So tibersetzt er auch 
den Namen eines Berges zwischen Beroa und Antiochien durch KoQvtpy 
(Hist. rel. 4 p. 1150), wllhrend es von dem am Berg gelegenen Dorfe 
p. 1151 heisst: ry dl iyxfOQ£(p (poovy TeU^av avt^v ovofidCovaiv, 

3) Dem Grossstadter Theodoret erscheint Cyrrhas als ein erbarmliches 
Stadtchen epist. 138 vol. IV, 1231; dort wohnen za mQssen als eine Art 
von Verbannang ep. 80 p. 1137, was darch ep. 79 p. 1135 nicht aufge- 



- 43 - 

sprachlichen Verh&ltnisBen solcher Stildte jener Oegenden, von 
welchen das eine oder das andre gilt, scheint man sich vielfach 
eine nnrichtige Vorstellang zn machen, indem man sich daroh 
Mttnzen, Insohriften, Zeitrecbnnng a. drgl. imponiren litest^). 
In der Gegend von Cyrrhns hOrte man selten griechische Rede. 
Wenn Tbeodoret dort einmal griechisch angeredet wird, so er- 
klSrt er dies dadnrch^ dass der Mann ein Cilicier war '). Belbst 
in nEcbtlicher Vision sprechen die marcionitiscb gesinnten Dll- 
monen syriscb mit Tbeodoret (bist. rel. 21 p. 1243); and wenn 
ich recht verstebe^ spriebt er einmal seine besondere Freade 
darliber anS; dass er mit den Geistlicben von Ber(5a, an welche 
er griecbiscb schreibt, in dieser seiner Matterspracbe verkebren 
kann (epist 75; IV, 1124). Mit den Landgeistlicben seiner 
Di5cese mnsste er syriscb reden'). Dann ist aucb selbstver- 
stllndlicb, dass die beiligen Scbriften, die sie im Gottesdienst 
gebraacbten, syriscb gescbrieben waren, also aucb das in ban- 
derten von Exemplaren dort vorbandene Evangelienbacb ^). An 



boben wird. Vgl. fiberhanpt die Schilderung der Gegend ep. 42 p. 1100 sq. 
Doch war Cyrrhus zeitweise Standqaartier einer Legion Tacit, ann. 11, 57. 

1) Die Ladendiener und Baaern, unter deren Handen vor nocb nicht 
so sehr langer Zeit preussische Tbaler mit ganz lateinischer Inschrift 
bin and hergingen, spracben und verstanden aucb kein Latein. — Lehr- 
reich ist namentlicb die Erzablung Theodoret*s von der Entstebung und 
ersten Entwicklung eines Klosters nicht weit von Zeugma am Eupbrat, 
einer Stiftung des Seleucus Nicator und bedeutenden Yerkehrsstation, 
hist relig. 5 p. 1161 sqq. Der Stifter ist ein grieohiscber BUrger von 
Zeugma, Nam ens Publius, aus einer Rathsherrenfamilie, dem sicb anfangs 
nur ofwyXtoTTOi anschliessen, welche „in griechischer Sprache Gott preisen**. 
Als auch syriscb redende Anwobner um Aufnahme bitten, baut Publius 
ftir diese ein besonderes Haus. In der beiden El(5stem gemeinsamen Kirche 
singen Morgens and Abends die griechischen und die syrischen Mdncbe 
abwechselnd je inihrer Sprache ihre Horen (1163 sq.). Als nach dem 
Tode des Publius die syrische und die griechische Abtheilung je ibren 
besonderen Abt erhielt, wurde der Syrer zugleich Bischof der Umgegend 
(1164); denn das Syrische war die iyx^Q''Os (poyyij (1163). 

2) Hist. rel. 28 p. 1287. Der Amanus bildete die Sprachgrenze 
gegen Westen und Nordwesten. Diesen Cilicier fand er „die Evangelien**, 
also nicht das Diatessaron lesend. 

3) Z. B. hist. rel. 14 p. 1216: iyivero ng Mcciav/ias iv rolg ngb 
i^fiav ;f(>ovo*ff, 2vQog fikv t^v (piovrjv, iv dygoixCa Sk t€d-Qafifiivog , . r 
xfofifig iivog iye/eiQ^ad^ inifiiXeiav. 

4) Es ISge nabe genug, wtirde aber doch sehr weit fUhren eine Un- 
tersachung dartiber, was von den zahlreiohen Berufungen Theodoret's auf 



- 44 -« 

dem ersten Pnncte also, wo ans nicht eine anf HOrensagen ge- 
grtlDdete Knnde vom DiatessaroD, sondern dieses selbst als eine 
bedentsame ErseheiDnng des kirchlichen Lebens begegnet, be- 
stiltigt sicfa die VermathuDg, welche sich bereits mebrfach als 
hUlfreicb erwies. Dass dies syrisebe Diatessaron Uebersetzang 
eines griechiscben Originals gewesen sei, sagt Tbeodoret niebt, 
und ebensowenig irgend ein anderer Scbriftsteller, der das Bacb 
in der Hand gebabt bat. Dass es westlicb vom Bischofssitz 
Tbeodoret's verbreitet war, ist niebt bezeugt and iSsst sicb 
dnrcb nicbts wabrscbeinlicb macben. Cyrrbus mag die westlicbe 
Grenze seiner Verbreitung und der Ausgangspanct der dem 
Epipbanins, dem Eusebius und vielleicbt scbon dem Ammonias 
zugekommenen Kande sein. Die Spracbe, in der wir es an- 
treffen, weist ans vielmebr nacb Osten, and die Nacbriebt des 
Tbeodoret ttber den ebemaligen Oebraacb des Diatessaron in 
anderen katboliscben Ereisen aasserbalb seines Sprengels weist 
ans in die Zeit vor Tbeodoret. So gelangen wir za EpbrSm. 

Man wusste ISngst darcb Assemani's Ausztlge aas dem Evan- 
geliencommentar des Dionysias Bar-Salibi, dass in der alten 
syriseben Eircbe eine dem Tatian zagescbriebene Evangelien- 
barmonie unter dem Namen Diatessaron in Ansebn gestanden, 
and dass dieselbe von Epbrltm common tirt worden sei'). Dio- 
nysias besass diesen Commentar and benutzte ibn flir seinen 
eigenen catenenartig angelegten Commentar^), bemerkte aacb, 



den „Syrer** in seiDen alttest. Commentaren za halten sei. Darch Er5r- 
teroDgen wie die von Field, Origenis Hexapl. quae sapersunt torn. I 
PnolL LXXVII— LXXXII ist die Frage nicht erledigt. Es wird nicht 
einmal der Versuch gemacht, den Namen dieser angeblich griechischen 
Version 6 Zvqos zu erklaren. Auf richtigerer FShrte scheint sich Bar- 
denhewer, Polychronius S. 43 za befinden. 

1) Bibl. or. I, 57; II, 159. Das Nsthere weiter unten. Das Werk 
A clear and learned exposition of the history of our blessed Saviour 
Jesus Christ, taken out of above thirty Cheeky Syriack and other Orien- 
tal Authors by way of catena: by JDionysius Syrus^ who flourished 
illustriously in te tenth (?) and eleventh centuries^ and faithfully trans- 
lated by Dudley Loftus. 4®. Dublin 1695 (so nach Gareton, Four Gos- 
pels, Pref. p. VIII sq ) habe ich mir nicht verschafifen kdnnen. In Er- 
langen, Mtinchen, GSttingen existirt es nicht. 

2) Ausser an der einen Stelle der Vorrede zu Marcus, auf welche 
sich die Gitate in der vorigen Anm. (Bibl. or. I, 57; 11, 159) beziehen, 
sagt er an einer anderen Stelle derselben Vorrede (Bibl. or. I, 57 b med.) : 



— 45 — 

dass das von EphrSm commentirte Diatessaron mit den Wor- 
tenbegODoenbabe: „Im Anfang war das Wort.^ Aacbdass 
Epbrlim's Commentar in armeniscber Uebersetznng existire and 
im 2. Bande (S. 5—260) der 1836 in Venedig gedrnckten, nur 
armeniscb erbaltenen Werke EpbrlLm's verQffentliebt sei, war 
Uingst bekannt^). AIs icb aus Aniass des Aaftaacbens einer 
neaen Nacbricbt ttber die Verbreitnng des Diatessaron bei den 
Syrern das Verlangen ansspracb, liber den Inbalt dieses den 
meisten dafUr Interessirten der Spraebe wegen verseblossenen 
Bnebs Genaneres zu erfabren'j, war dies Verlangen scbon einige 
Monate vorber dareb den seitber verstorbenen 6. MQsinger er- 
ftlllt'). Eine von J. B. Ancber binterlassene lateiniscbe Ueber- 
setznng jenes armeniseben Textes bat M5singer der seinigen 
za Grande gelegt^ aber sowobl nacb der Hs., aas welcber der 
armenisebe Drack geflossen, als einer anderen, ebenso wie jene 
im li. Jabrb*gesebriebenenHs.revidirt and mit Anmerkungen aas- 
gestattet, worin uber Varianten der beiden Hss.; Uber zweidea- 
tige Texte and Uber abweiebende Anffassangen von Seiten 
Aneber's anscbeinend sorgfsUtig bericbtet wird. Die Absiebt^ 
Uber den von Epbram commentirten Evangelientext and dessen 
VerbUltnis zn den syriscben EvangelienUbersetznngen in einer 
besonderen Abbandlang sicb zn Uassern, bat MQsinger leider 
niebt mebr aasfUbren kQnnen. Es mag gewagt erscbeinen, dass 
Einer, der kein Wort armeniseh verstebt and im Syriscben sicb 
niebt zn den Pbiloiogen von Facb recbnen darf, Mdsinger's 
Ansgabe za bistoriseben and sogar za textkritiscben Zweeken 
anszabeaten anternimmt. Der Erfolg and das Urtbeil der Weni- 



Mar Ephranif auch er hat nach dem Diatessaron ('il'nOliaN'^l b^) das 
Evangelium erkldrt. Der Qaellenforscher Gredner, welcher dabei Hug 
corrigiren will (Beitr. 448), hat die beiden Citate in Bibl. or. I, 57 
nicht von einander unterscheiden konnen. Diesen Evangeliencommentar 
Ephram'B hat Dionysius selbstverstSndlich auch im Sinn, wenn er in der 
Vorrede za MatthSus unter den von ihm benatzten Gommentatoren aU 
ersten den Ephram nennt Bibl. or. II, 157. 

1) Lagarde, Gonstit. apost. 1862 p. VU. 

2) G(5ttinger Gel. Anz. 1877 S. 184. 

3) Evangelii concordantis expositio facta a S. Ephraemo, in Latinum 
translata a J. B. Aacher Mechitarista, caius versionem emendavit, anno- 
tationibos illustravit et edidit G. Moesinger. Venetiis, Libraria PP. Mechi- 
taristaram in Mon. S. Lazari 1876. 



- 46 - 

geD; die es besser machen kOnnten, mass dartiber entscheiden, 
ob es allzu klihn war. 

Was znnlU^hst die Echtheit.desCommentars betrifft, so wird 
die gate Mussere Bezeagung darch den inneren Charakter be- 
stStigt. Zam Zeugnis des Dionysius Bar-Salibi and der dem 
5. Jahrhandert zageschriebenen armenischen Uebersetzang^ 
welche den Gommentar als Werk des „heiligen EphrILm, des syri- 
schen Lectors (oder Lebrers)^ gibt^ kommt die Randbemerkang 
einer vielleicht noch dem 7. Jabrhundert angehorigen syriscben 
Evangelienbs. nach der heraklensischen Uebersetzang^) za 
Mattb. 2, 23: Aas einem anbekannten Bach (stammt das 
prophetische Gitat). Nach dem ehrwtirdigen Mar EphrSm 
aber ist es dies: „Es wird hervorgehn ein Sch5ssling 
aas der Warze) Isai's^; SchQssling namlich heisst 
aaf hebrSisch niii^i:} (!). So nach Adler p. 8L Das stammt 
aas anserem E vangeliencommentar , wo Ephram sagt^): Et 



1) Es ist Nr. XI (nicht IX) der in die Vaticana tiber^egangeneD 
Hss. des Jos. Sim. Assemani = Vatic, syr. 268. Cf. St. Eaod. Asse* 
mani's Mittheilang au Jos. White in dessen Evang. versio Philox. p. 641 ; 
Adler, N. Testament! versiones syr. p. 63 sqq.; Bernstein, d. Evang. des 
Johannes in harklensischer Uebers. Erit. Anm. S. 2. Die von jtingerer 
Hand hinzngeftigte Unterschrift eines Besitzers der Hs., welche im Ubri- 
gen grSssten Theils verwischt ist, soil nach Assemani (bet White p. 645) 
ganz deutlich die Zeitangabe a. Seleuc. 1170, also p. Chr. 858/859, nicht 
wie Assemani angibt 819 enthalten. Die syrisch mitgetheilten Worte 
kann Assemani nicht erfanden and das commode legi nicht erlogen ha- 
ben. Also ist Adler's Angabe (1. 1. p. 64), dass die beschadigte Unter- 
schrift aera carets jedenfalls unrichtig. Bernstein hat es unterlassen,^ iiber 
diese doch nicht ganz unwichtige Unterschrift sich za aussern. Er halt 
die Hs. nicht ftir alter, sondern eher fUr jtinger, als die a. 757 p. Chr. 
geschriebene florentiner Hs., die er vorher bespricht. Assemani, welcher 
sie, freiiich irrthiimlich , fiir die Urschrift des Thomas von Heraklea 
(a. 616) hielt, muss doch auch darch die Art der Schrift in dieser Mei- 
nung bestarkt worden sein. 

2) ed. Moesinger p. 36. Ich bezeichne diesen Gommentar hier and 
im II. Abschnitt Uberall darch E; die drei BSnde der syrischen Werke 
in der romischen Aasgabe (1737-1743) darch Ephr. I. II. Ill; die in 
Ephraemi Syri, Rabalae, Balaei alioromque opera selecta ed. J. Over- 
beck, Oxonii 1865 enthaltenen Werke Ephram's darch Ephr. ed. Overb. — 
Von den drei griechisch-Iateinischen Banden der rom. Aasgabe babe ich 
grandsatzlich keinerlei Gebraach gemacht. — Nach Assem. B. Or. I, 58 
and Ephr. opp. syr. I fol, 1 a der Vorrede soil in gedrackten and an- 
gedrackten (Vatic, gn 665) griechischen Catenen za den Evangelien 



— 47 — 

quoddiciU j^Nazaraenus vocabiiur^ , quianimirum virga hebraice 
Nazor sonat et propheta eum vocat filium Nazor (filium virgae) 
guoniam re vera virgae filius est, Im Gommentar za Jes. 11 
(Epbr. II, 40a), findet sich weder das sonderbar geschriebene 
bebrlLiscbe Wort, nocb eine Bezagnahme aaf Mt. 2, 23. — 
Nicbt in derselben Hs., aber wenigstens in drei anderen der 
Versio Heracl. liest man am Rand za Jo. 10, 8 notirt: Theudas, 
Judas der Oalilder und die iibtigen^)^ was, obwohl Ephr&m 
nicht genannt wird, aas £ (200: de Theuda et Juda dixit cf. 
p. 209. 210) abgescbrieben sein wird. E entbalt nicbts, was in 
spHtere oder in frtlbere Zeit als diejenige EpbrHm's weist. 
Von den Slteren bILretiscben Parteien werden in E nar Marcion 
and die Marcioniten, welcbe im 4. and 5. Jabrbundert in Syrien 
nocb eine weitverbreitete and kircblicb organisirte Partei bilde- 
ten, namentlicb angefiibrt^). Aasfiibrlicb and bfiafig wird anter 
Benatzang marcionitiscber Schriften gegen die doketiscbe Cbri- 
stologie, gegen die Unterscbeidang des deus justm and dem 
bontiSy gegen die Aaffassang Cbristi als peregrinm oder filitis 
dei peregrini (aacb alieni) polemisirt ganz wie in den anerkannt 
ecbten Scbriften Epbram's. Wenn in diesen sebr gewQhnlicb 
die drei: Marcion, Bardaizan and Mani zasammengestellt wer- 
den^), so Uberwiegt docb aacb dort Uberall die Polemik gegen 
Marcion^); and andererseits wird in E der Doketismas nicbt 



Manches ans Ephram sich finden. Von den mir zaganglichen hat nor 
die Catena in Matth. ed. Gorderias (Tolosae 1647) im Index auctoram 
den Ephram. Ich fand aber aach in diesem starken Bande nar p. 85 
eine einzige Bemerkang zor Taufgeschichte (EtpQifi, [sic] inl t6v *Iri- 
aovv ijkd-e TO nvEVfAa, tva ^e/^97, or» xal inl ndvras Toifg niaxovg (liXlu 
inttpoiricv xtX,) , welche nicht aus dem Gommentar zum Diatessaron 
stammt. Dieser ist wahrscheinlich nie ins Griechische Ubersetzt worden. 

1) Zwei Hs8. bei Adler p. 126 und bei White p. 494. 

2) E 122 sq. 135 Marcion; E 41. 128 sq. Marcionitae. Einige mar- 
cionitische Satze hat Harnack a. a. 0. S. 500 — 505 ezcerpirt and kurz 
er(5rteft. Ueber das schwierigste Stttok s. unten Abschn. II § 32 Note 1. 

3) So namentlicb in den Madrasche gegen die Haretiker Ephr. II, 
437—560, in der leider unvollstandigen Rede an Hypatias Ephr. ed. 
Overb. p. 59—73, aach in Garm. Nisib. XLVI, 8. Selten werden da- 
neben noch Valentin a. A. genannt Ephr. II, 485. Gf. Aphraat p. 51, 5—10. 

4) Sermo XV— L Ephr. II, 469—548 beschlLftigen sich fast nar mit 
dem Marcionitismos. Nicht selten werden dort aach marcionitische 
Schriften erwahnt II, 543 e; 548 c; 560 c. 



— 48 - 

nar der Marcioniten^ sondern der sectae haereticorutn ttberhaapt 
bestritten (E 232), and gelegentlich auch deuUich genng gegen 
Fataiismas and Manicbfiismas eine Bemerknng gerichtet^). Arias 
wird genannt (E 136), and gegen die Arianer wird polemisirt 
(E 216 sq.); besonders lebhaft aber gegen diejenigen, welcbe 
den hi. Geist dem Sobn nicht gleich sein lassen woUen^ die 
blasphematores spiritm sancti (E 43. 117. 225 sq.). Das mass 
nieht gerade gegen Macedonias gerichtet sein, sondern triffl; eben- 
sogat die spUteren Arianer, die Eanomianer and Aetianer. Es 
sind dieselben, welehe in den 80 Madrasebe liber den 
Glaaben gegen die Grtibler (oder Forscher, «"^iita) be- 
kSmpft werden^). Denselben Nam en gibt ibnen E 264, wo er 
yon der haeresis scrutatorum and deren zwar nicht blatiger, 
aber nicht minder gefiihrlicher Verfolgang der Orthodoxen redet. 
Wenn scbon jene Polemik gegen die Herabsetzang des Geistes 
in die Zeit am and nach 360 versetzt, so insbesondere dies 
Streiflicht aaf die Zeitgeschichte in die Zeit der Herrschaft des 
Arianismns anter Kaiser Valens (a. 364—378), woranter aach 
Edessa schwer za leiden hatte. Es hat aach etwas Bestechendes, 
wenn MQsinger (p. VIL 284) aas einer Stelle der den Schlass 
des Gommentars bildenden Betrachtangen and Gebete scbliesst, 
dass damals der orthodoxe Bischof Barses von Edessa verbannt 
gewesen sei'). In Edessa allerdings wird der Commentar ge- 



1) E 216: ne quia ilium . . . fato et horae suhjectum existimet. — 
E 167: Non dicimus, quod isti homines zizania sint . . • nee quod alii 
sanctum semen sint, 

2) Ephr. Ill, 1—150 cf. auch die 7 Reden p. 150—164, and die drei 
p. 164—168. Die Namen Aetianer, Arianer Ephr. II, 485 d; 488 c. Cf. 
auch die Vorrede zu Ephr. Ill p. XVIaqq. und P. Zingerle, Ausgew. 
Schriften des h. Ephr. I, 169 sqq. (Kempten 1870). 

3) E. 284: Et quia insidiis lupi in deserto derelicti sumus extra 
pacem haculi pii pastoris nostri, haec requies nostra reprehensa est per 
animos poenitentes, qui cam diiudicarunt. Haec non vera requies est etc. 
Unter dem lupus ist sicherlich nicht mit M(5singer Kaiser Valens zu ver- 
stehen, geschweige dass man mit Harnack S. 472 von „Erwahnung des 
Valens** reden dilrfte. Wenn der pius pastor der orthodoxe Bischof ist, 
so kann der Iwpus nur sein Widerpart, der arianische Bischof sein. Es 
ist der stehende Titel der den Gemeinden aufgedrangten arianischen 
BischSfe bei Theodoret, so auch in seinem Bericht tiber Barses und 
Edessa nach dessen Verbannung hist. eccl. IV, 15 Schulze vol. Ill, 975; 
Vales, lib. IV, 17 p. 169 d. Die verwerfiiohe Rohe aber, welcbe nach 



_ 49 - 

schrieben sein, wenn anders die jenen Meditationen schliesslich 
noch folgenden historisch^n Notizen arsprlinglich za dem Werk 
geh^rt haben. Denn dort heisst es E287: Thaddaem, unm ex 
Septtmginta TJrhae diebus Abgari^ qui huim loci praefectus erat, 
quern cum aegrotus esset sanavit Leider aber iSsst sich die Zeit 
der Verbannang des Barses nach der Insel Aradas and liber- 
haapt der Gang der Ereignisse in Edessa am jene Zeit nieht 
mehr oder noeh nicht genaa bestimmen. Nach der Gbronik von 
Edessa (Bibl Or. I, 396. 398) ist Barses a. 361 Bisehof ge- 
worden and a. 378 gestorben. Seine Verbannang wird nicht 
erw&hnt. Theodoret aber, der davon erzfihlt (IV, 14 ; Vales. 16)| 
gibt weder ihre Zeit an, noch bringt er sie in ein deatliches 
chronologisches VerhSltnis za der bei der pers5nlichen Anwesen- 
heit des Valens aasgebrochenen Verfolgang der Orthodoxen zn 
Edessa. Nar das ist klar, dass die letztere einige Zeit nach 
der Verbannang des Barses stattgefanden hat. Denn nicht 
Barses, sondem der Presbyter and nachmalige Bisehof Ealogias 
ist es, anter dessen Leitang sich die Orthodoxen versammeln 
(IV, 15; Vales. 18); and es ist nicht anders za verstehen, na- 
mentlich aach nach Rafin (II, 5) and Sozomenas (VI, 18), 
aber aach nach Theodoret (IV, 15 Vales. 17), als dass die Or- 
thodoxen sich schon seit einiger Zeit aasserhalb der Stadt za 
versammeln pflegten. Damach scheint es nicht gerechtfertigt 
za sein, wenn Bickell die Verbannang des Barses mit jener 
Verfolgang gleichzeitig setzt, and fQr beide Thatsachen das 
Datam der Chronik von Edessa (September a. 373)^) gelten 
l&sst ^). Dieses Datam bezieht sich aber nicht aaf jenen Ver- 



den folgenden SStzen in E 284 (cf. 285: recreaniur qui onus gloriosum 
portant, prae illis, qui quieti turpi se deduntf quia hos et propriae ani- 
mae canfundunt, illos vero et inimici laudant) jetzt glucklich beseitigt 
ist, ist der faale Friede vor dem offenen Ausbrnch des Eampfes, der 
Verbannang des Barses und der Separation der Orthodoxen von der 
arianisch gewordenen Eirche. Das in deserto relicti k^nnte eine Anspie- 
lang darauf sein, dass die Orthodoxen sich aasserhalb der Stadt aaf 
freiem Felde versammelten Theodor. hist. eccl. IV, 15 (Vales. 17); Ra- 
fin. hist. eccl. U (oder XI), 5; Sozom. VI, 18. 

1) Bibl. Or. I, 398: Im Monat Elul desselben Jahres (373 p. Chr.) 
zog das Volk aus der Kirche von Edessa in Folge der Verfolgung der 
Arianer, Allen Anhalts entbehrt die Angabe M5singei's p. VII, dass 
Barses a. 364 verbannt worden sei. 

2) Ephraemi S. Carmina Nisibena p. 22 of. p. 8 sq. 

Zahn, Forschongen I. A 



^ 50 - 

such des ValenS; die separirten Orthodoxen zur Wiedervereini- 
gung mit der arianiscben Eircbe za zwingen, sondern anf den 
Anfang der Separation, womit allerdings die Verbannang des 
Barses wabrscbeinlieb zasammenfiel. Ware dies Datum ricbtig, 
und ebenso das ebendort vorangebende Datum des Todes 
Epbrllm's (9. Juni 373), so kOnnten die Oebete und Medita- 
tionen am Scbluss des Evangeliencommentars nicbt mebr von 
Epbr^m berrtibren, da sie die erst drei Monate nacb EpbrSm's 
Tode erfolgte Separation und die Verbannung des Barses vorans- 
setzen. 1st aber das Datum von EpbrSm's Tode so sicber, 
wie es Bickell ansiebt^), so wird wabrscbeinlieb das Datum 
der Austreibung der Orthodoxen (resp* der Verbannung des 
Barses) unricbtig sein und sich ursprlinglicb auf die Verfolgung 
bei Gelegenbeit des Besucbs des Valens in Edessa bezieben ^). 
Diesem aber muss die Verbannung des Barses und die Separa- 
tion der Orthodoxen, wie gesagt, um einige Zeit, vielleicbt 
mehrere Jabre vorangebn. Doch wage ich nichts Bestimmtes 
zu bebaupten und muss mich vorlSufig damit begnligen, dass 
der Gommentar nebst seinen Anbangen zur Zeit des Valens 
(364—378); im letzten Jabrzent des Lebens EphrSm's in Edessa 
geschrieben ist. 

Ein werthvoUes Selbstzeugnis des Verfassers wtirde darin 
liegen, wenn er sich auf eine sicher dem Ephr^m angebdrige 
Scbrift als seine eigene beriefe. Aber die Stelle, worauf man 
sich hieftlr berufen bat'), taugt nicbt dazu, lebrt uns aber 
etwas Anderes von gr5sserer Wicbtigkeit. E 83 scbliesst eine 
immer weiter von seinem Text, der Perikope vom blutflttssigen 
Weibe, sich entfemende Abschweifung mit den Worten : At nunc 
nostrum esset, oratione nostra pro verbis prolatis gratias agere 



1) Ephr. Garm. Nisib. p. 9 cf. aasser der Ghronik von Edessa die 
karze syrische Vita Bibl. Or. I, 25, wo nar das Jahr 684 SeL, da es 
sich um den Monat Jani handelt, anrichtig auf 372 statt 373 p. Chr. re- 
dacirt wird. Das J. 684 Sel. aach in einer Hs. des 8. Jabrhunderts bei 
Wright Catal. 947 b. S. aber auch Lengerke , Comment, crit. de Ephr. 
S. (1828) p. 8. 

2) Nach den bei Clinton, Fasti Rom. I, p. 478—481 ; II, 171 zusam- 
mengestellten Materialien scheint dieser Besuch in der That am be- 
quemsten in d. J. 372 oder 373 gesetzt werden zu kSnnen. 

3) Hamack a. a. 0. S. 472. Worauf sich das „z. B.« vor „p. 8S** 
grtindet, finde ich nicht. 



- 51 - 

et silere, non ac si nos hunc sermonem composuissemm, sed ipsa 
haec verba propter suam cognationem alia excitarunt, tU simul 
cum ipsis ef finer eni ^). Sermo igitur a nobis instituttis de his 
verbis tractavit: „Quis tetigit me? Ego scio magnam virtutem 
a me eociisse^^. Mit diesem Gitat kehrt £ za dem seit p. 77 be- 
handelten and schon p. 78 w(5rtlich citirten Texte zarlick. Vor- 
her bringt er das Geftthl, allzu ausftlbrlich gewesen and allza- 
weit abgescbweift za sein, darch die Bemerkang zam Aasdrack : 
Jetzt wlire es eigentlich passend and an der Zeit^ den ange- 
w5hnlieh langen Vortrag ttber das blatfltissige Weib, welcher 
mit einer Lobpreisnng begonnen batte (p. 76), endlich mit einem 
Dankgebet za scfaliessen; d. b. „flQr die vorgetragenen Worte 
Dank za sagen and za sebweigen^. Da aber der Aasdrack so 
geratben war; als ob der Yortragende aaf den Vortrag als sein 
eigenes Werk woblgefSllig zarttckblieke, so verneint er dies 
aasdrtieklieh and entsebaldigt zagleicb die Absebweifang damit, 
dass die Sebriftworte selbst verwandte Gedanken in ibm erregt 
and deren anwillklirlicbes Hervorstr^men veranlasst faaben* 
Hieraas folgt aber mit Sieberbeit^ dass der Commentar mttnd- 
licbe VortrSge wiedergibt ^). Er antersebeidet sieb sebr wesent- 
lieh yon Epbrltm's syriseb erbaltenen Commentaren zam A« Testa- 
ment, von welcben der zar Genesis ganz and der za Exodas 
grdssten Theils nocfa in der arsprUnglichen Gestalt vorliegt. Im 
Vergleicb za E sind jene Commentare troeken and wissen- 
sebaftlieb gebaltene Scbolien, darcb Er5rterangen liber den Ur- 
sprang; Zweek and wesentlichen Inbalt des aaszaiegenden 
Baebs eingeleitet '). Es wird gelegentlicb tiber gr(5ssere Ab- 
scbnitte, welcbe keiner eingebenden Anslegang anterzogen wer- 
den soUeU; mit wenigen referirenden Worten oder aaeb ganz 
stillsebweigend binweggegangen ^) ; aber die Worte, welcbe aus- 
gelegt werden, werden jedesmal vorber in vollst^ndigem Texte 
mitgetbeilt; bSafig wird aacb der Inbalt eines ganzen nan Tor- 



1) Cf. die Schilderung seiner Vortragsweise in Gregorii Nyss. encom. 
Ephraemi im 1. Griech. Bd. der Werke Ephrsim's p. XI. 

2) MQsinger p. 83 N. 2 drtickt seine ricbtige Beobachtang nur etwas 
nndeatlich aus und scheint dadurch Harnack's Misverstandnis veranlasst 
BU haben. 

3) So zu Genesis Epbr. I, 1—5; za Exodus I, 194 sq.; za Nameri 
I, 250; za Jadicam I, 308; zu Job II, 1 sq., zu Jesaja II, 20 etc* 

4) Z. B. ttber Gen. 5 in Ephr. I, 48; tiber Gen. 15 in Ephr. I, 65. 

4* 



- 52 - 

zanehmenden Abschnitts vor dem Eintritt in die ErQrterang des 
Einzeinen mit wenigen Worten angezeigt ^). Homiletische, litar- 
gische Stttcke and selbstSndige dogmatische Erdrterangen sacht 
man in diesen Gommentaren vergeblicb. Ganz anders der Evan- 
geliencommentar. Ohne irgend welcbe einleitende Bemerknng 
ttber das Bacb, dessen ErklSrnng anternommen werden soil, 
beginnt E mit Beantwortnng der Frage nach dem Grand der 
Mensehwerdang Gottes. Die Aaslegang ist an vielen Stellen 
nach Form and Inbalt predigtartig ^3, darch Gebetsworte anter- 
brochen'), and sie sehiiesst mit erbaalichen Betracfatangen and 
Gebeten, welcbe mit dem beendigten GeschUft der Aaslegang in 
keinem inneren Zasammenbang stehn^). Die Art der Textbe- 
handlang setzt nothwendig voraas; dass der Aaslegang die Vor- 
lesang mehr oder weniger amfangreicher Perikopen yorange- 
gangen war. Ohne dass ein einziges Textwort angegeben wUrO; 
wird anmittelbar nach der ErzShlang von der Heilang des Blin- 
den bei Jericho gesagt: Qu<z8 autem intra templum oves ethoves 
vendebant, eae erant, guas sacer dotes ex sacrificits colligebant 
(E 181); and das ist alles, was tiber die Tempelreinigang gesagt 
wird. Daraaf wird eine karze Besprechang von Lc. 18, 9—14 
mit den Worten eingeleitet: BUus Pharisaei, qui orabat, omnia 



1) So z. B. beim UebergaDg za Gen. 3 in Ephr. I, 39. 

2) £ 66 sq.; 72 init; 93 (^Ideo verbum Ckristi in auditores, qui id 
capere possunt, quasi coagulum mittimus ^ quo separentur^ sed et uni- 
antur. , » . Caveamus autem y ne error subdole ad nos intret et arma 
nostra induat . . .) ; 140 {Sed tu, qui haec audis^ caveas, ne narrationem 
de spiritu hoc immundo et septem sociis eius plane et integre sequaris, 
woza MQsiDger ebenso wie za anderen Stellen sehr mit Unrecht bemerkt, 
dass das eine Interpolation sei); 264 sq. {Si dicis: nan dantur mani- 
festae persecuiionest respondeo etc.). 

3) E 76 med.; 233 (ein ISngeres Gebet an Christus); 249 {Crux 
mortis tuae fons vitae mortalitati nostrae facta est; quicunque ex tiw 
fonte biberunt etc.). 

4) Schon von £ 274 eztr. an hort alle Ezegese aaf. Dem Schlass 
£ 279—287 Z. 6, welcher mit Gebeten anfangt^ za Meditationen tibergeht 
and in historische Notizen aaslSaft, hat die eine Hs. (B) die Ueberschrift 
preces gegeben. Dieselbe Hs. hat £51 einen dem Zusammenhang vQllig 
angemessenen Abschnitt tiber die Apostel mit der Ueberschrift versehen: 
Ordo et solemnitas apostolorum domini, Ob einzelne Stiicke dieses Com- 
mentars za kirchlicher Vorlesang gekommen sind? Hieron. v. ill. 115: 
Ephrem , , , ad tantam venit claritudinem ^ ut post lectionem scriptu- 
rarum publice in quibusdam ecclesiis scripta eius recitarentur. 



- 63 - 

verba, quae dicehat, vera erant, sed glorians haec loquebatur. 
Hie autem peccata sua in humilitate propalavit. Wie ist dies 
Verfabren za begreifen nnd insbesondre das hie (denn so beisst 
es in den Hss.^ nicht puhlicanus) als Bezeichnnng des Z^Uners 
za verstehn, wenn nicht die beiden Gesehichten von der Tem- 
pelreinigang nnd vom Pbarisfter and ZOllner, welche im Dia- 
tessaron sinnreich zasammengestellt waren, vorher za GehOr 
gebracht waren? In der Anrafang Cbristi E 76 wird die ganze 
Gesehichte vom blatflflssigen Weibe schon voraasgesetzt, ehe 
ein einziges Element des Textes citirt ist. Ganz nnvorbereitet 
and in einer nar anter Voraassetzang vorangegangener Lection 
verstllndlichen Weise wird man E 140 mitten in die Gesehichte 
vom samaritischen Weibe hineinversetzt mit den Worten: Do* 
minm noster quasi venator ad puteum venit. Aguam petiit etc., 
Oder E152 in die Perikope Mr. 8, 22—26: Juxta gradum fidei 
caeco sanatio contigit etc. Damit h^ngt es zasammen and ist 
nar hieraas za erklSren; dass in der Aaslegang gr5sserer, in 
sich geschlossener Perikopen nicht selten gleich za Anfang 
Sttlcke ans der Mitte and aas dem Schlass derselben yerarbeitet 
and dann erst za den yorangehenden Stttcken fortgeschritten 
wird, and dass liberhaapt mit aasreichender Sicherheit Periko- 
pen anterschieden and ihrer Reihenfolge nach bestimmt werden 
k(5nnen; wShrend die Aaslegang innerhalb der Grenzen solcher 
Perikopen ^asserst regellos bin and her springt; so dass wir 
ohne Eenntnis anserer Eyangelien die Textanordnang des Dia- 
tessaron im Einzelnen nach diesem Gommentar gar nicht her- 
zastellen yerm(3chten. Der ganze yorher yorgelesene Abschnitt 
ist dem Aasleger and seinen H(3rern schon beim Beginn des 
Yortrags gegenwSrtig, and gerade das zaletzt geh(5rte Wort gibt 
dem Vortragenden manchmal den Anstoss za seiner erstenAas- 
lassang ^). Eine Sammlang yon Predigten ist dieser Gommentar 
daram doch darchaas nicht. Abgesehn dayon, dass EphrSm es 
in der kirchlichen Laafbahn nach der zayerlSssigeren Ueber- 
lieferang nicht weiter als bis zam Diaconas gebracht hat, also 
aach schwerlich je mit eigentlicher Gemeindepredigt betraat 
gewesen ist, so mtissten sich die Grenzen der einzelnen Reden 
erkennen lassen; es mttsste eine gewisse Einheit der Stimmang 
and des Gedankens innerhalb dieser Grenzen wahrzanehmen 



1) Gf. F. Weber, System der altsynagogalen Theologie p. XXII. 



- 54 — 

sein. Der Prediger ktonte nicht, wie es hier wiederholt ge- 
schieht, an dem ibm vorliegenden Text gelehrte Eritik tibeo; 
woYon sogleich gehandelt werden soil Noch vieles Andere in 
diesem Bach ist schlechthin anvertrHglich mit der Annahme, 
dass es eine Sammlang von Predigten, oder ein Excerpt daraas 
sei. Aber EphrUm ist anch theologischer Lehrer gewesen; er 
hat Schuler gehabt; welche darch ihn za Theologen; Schrift- 
stellern nnd Geistlichen herangebildet worden sind^); and, wie 
mangelhaft ansere Eenntnis der VerhSltnisse in Edessa sein 
mag; so wird doch soviet als sicher za betrachten sein; dass 
schon vor EpbrSm dort etwas wie eine theologische Lehranstalt 
existirt hat 2). VortrSge vor theologischen Schttlern werden 
wir vor ans haben, sei es im Concept des Lehrers, sei es in 
der Nachschrift eines Schtilers. Fttr kttnflige Geistliche passte 
die theologisch gehaltene Polemik gegen alte and neae HSre- 
tiker, die hier and dort vorkommende Vergleichang des der 
Aaslegang za Grande liegenden Textes mit anderen Texten; der 
isagogische Anhang, welchen als fremdartige Zathat aaszaschei- 
den kein aasreichender Grand besteht'); aber anch der nicht 



1) Vita Ephr. syriaca (0pp. Syr. Ill p. XXXIX); Sozom. h. eccl 
III, 16 (ed. Mogunt 1677 p. 525). 

2) Bibl. Or. Ill, pars 2, p. CMXXIV sqq.; Lengerke, de Ephr, arte 
hermen. p. 86—94; Kihn, die BedeatuDg der antioch. Schale S. 79 ff. 

3) Ich meine den Abschnitt Verba apostolorum (p. 285 extr.) — 
sanavit (p. 287 Z. 6). Sachlich wiirde aach das waiter Folgende iiber 
die Zerst()raDg Jernsalems und die jtidischeD Secten in eine seiche nach- 
tragliche ^historisch - kritische Einleitang** zar evangelischen Geschichte 
passen. Aber die im ganzen zuverlassigere der beiden Hss. (MOsinger's B) 
bat diese beiden Stticke durch die Beiscfariften eiusdem and eiusdeni de 
sectis gleicbzeitig dem Ephram zageschrieben und von dem Gommentar 
getrennt. S. jedoch anch oben S. 52 N. 4. — Am Schlnss der gewShn- 
lichen Angaben tiber den Ursprang der vier Evangelien (E 286) wird 
theilweise wiederholend gesagt: Matthaeus hebraice scripstt evangelium^ 
Marcus latine ab (!) Simone in urbe Boma, Lucas graece, Joannes 
(etiam graece) scripstt (Antiochiae), quia in vivis permansit usque ad 
tempus Traiani, Die eingeklammerten Worte fehlen in cod. A; aber 
aach der Text in B ist o£fenbar verderbt. Antiochiae passt nicht za 
Johannes. Nach alien syrischen Bibeln, welche Uberhaapt die Gebartsstatte 
des 4. Evangeliams nennen, ist dies Ephesus. Antiochien mass von der 
richtigen Stelle weggeriickt sein and za Lucas gefaSren; denn eine sehr 
alte, wahrscheinlich schon durch Africanus vertretene Tradition (s. oben 
S. 40N. 4), erklSrt den Lucas fUreinen Antiochener. Vergleichbar ist der 



- 55 - 

selten predigtartige Ton vertrSgt sich vollkommen damit. Der 
hermenentiscfae Standpanct ist derselbe wie in den syrisoh er- 
haltenen Commentaren. Er liegt in der Mitte zwischen dem- 
jenigen, fUr welchen die Alexandriner typisch geworden sind; 
nnd dem der Antiocbener i). Es wird genngsam allegorisirt; 
aber ein AUegorisiren , wodarch die Thatsacben der bibliscben 
Gescbicfate ancb nnr in antergeordneten Nebendingen za ange- 
scbicbtlicben Symbol^n gemaebt wtirden, wird verartbeilt '). 

Manebe aaffUllige.Uebereinstinimangen in Gedanken, Sacben 
nnd Ansdrttcken bestfttigen die epbrHmische Herkanft des Com- 
mentars. Das Verfabren Jesn bei der Heilang des Blindge- 
bomen wird mit der Tbfttigkeit Cfaristi bei der WeltscbQpfnng 
verglieben E 198. Cf. Ephr. II, 523 b: Wessen Sohn ist der, 
welcher den Lehm formte und die Blindheit djffnete und gab uns 
ein Symbol des Bildners, welcher den Adam geformt hatte? — 
E 194 wird beilUnfig gegen die Freebbeit derer polemisirt, 
welebe nnter den SQfanen Gottes Gen. 6 Engel verstehen ; ebenso 
Ephr. II, 455 sq.; 478 sq., was doch mebr bedentet, als dass 
er, wie schon MQsinger anmerkt; die Dentnng anf die Sethiten 
vortrSgt Ephr. I, 48; III, 564; Carm. Nisib. I, 4. — Der Berg 
Ararat, anf welchem die Arche landete, wird E 57 ohne wei- 



Sehreibfehler in einer Peschittahs. des 6. oder 7. Jahrhunderts (Wright, 
Catal. p. 47 a), wonach Lucas in Ephesus gescbrieben haben soil. Es 
hat hier ein SpSterer an dem Wort D1D&&^ radirt and nor das M unver- 
sehrt gelassen, am daraas fi^'^ssrcssfi^ oder wahrscheinlicher &^'^'n'i^D:3V&( za 
machen; denn Alexandrien wird durcfaweg von den Syrern als Ent- 
stehangsort des Lacasevangeliums angenommen. So in vielen Hss. der 
Peschitta, z. B. in einer des 6. oder 7. Jahrhunderts (Wright, Catal. 
p. 46 b), in einer nestorianischen Hs. bei Adler p. 21, in der arabisch- 
syrischen Hs., wortiber Gildemeister , De evangeliis in arabicum e Sim- 
plici syriaca translatis p. 4 bericfatet, auch in einer Hs. der herakl. Ver- 
sion bei White p. 647. Sonst hat diese Version ftir Lacas durchweg 
keine Ortsangabe, fUr MatthSus PalSstina, ftir Marcus Rom, ftir Johannes 
Ephesus (White p. 157. 260. 432. 642 sq. 646 sq. Adler p. 53 sq. 58. 
Wright p. 75. Nur bei White p..558 fehlt die Ortsangabe ftir Johannes). 
Dass Syrus Guretonianns solche Angaben in den Unterschriften tiber- 
haupt nicht gehabt hat, darf man aus der einzigen, die erhalten ist {Es 
ist heendigt doe Evangelium des Marcus) mit Sicherheit schliessen. 

1) Lengerke, de Ephraemi arte hermen. p. 120 8qq. R. Payne Smith 
im Dictionary of Christ. Biography II, 141 sq. 

2) E 183 sq. 184 extr. : Ergo in hac fico miraculum erat, non sym- 
holum. Cf. den Anfang der Auslegang des Sechstagewerks Ephr. I, 6. 



^ 56 — 

teres als mons Corduaeorum bezeichnet of. Ephr. 1, 152 a; 560 e. — 
Der Monat Nisan ^) wird als BlUteDmonat bezeichnet and als 
solcher mit Rticksicht sowobl anf die Empfftngnis Jesn als aaf 
sein Todesleiden symbolisch gedeutet E 17. 237 of. 257; cf. die 
symboliscben Dentangen in Carm. Nisib. VII, 3; XXXIX, 3. — 
Anf den 10. Nisan wird die EmpfUngnis, auf den 6. Jannar 
(arm. Chaioz) die Gebnrt Jesa gesetzt E 18; ebenso nach Dio- 
nysins Bar-Salibi EpbrSm in einem seiner 'Madrasche '). — Die 
benjaminitisebe Herknnft des Paulas wird betont E 34 cf. Ephr. 
I, 114 c; 288 e and hiermit wieder Carm. Nisib. XLII, 10. — 
Dass Petrns aaf seinen eigenen Wansch mit dem Eopf nach 
anten gekreazigt worden, liest man E. 231. 237 and Carm. 
Nisib. LIX, 2- 3. 

Wenn es noch eines weiteren Beweises fttr die Echtheit des 
Commentars bedttrfte, so wttrde von besondrer Wichtigkeit der- 
jenige sein, welcher darch Vergleichung der evangelischen Ci- 
tate in Ephrftm's syrischen Werken mit dem in E commentirten 
evangelischen Text za fHhren w^re. Aber diese Untersachang 
ist von vomeherein dadarch sehr erschwert, dass Ephrllm aasser 
dem Diatessaron, welches er commentirt hat, aach die kano- 
nischen Evangelien kannte. Die vier AassStzigen 2 Beg. 7; 3 
stellen allegorisch dar 4ie vier heiligen Evangelisten (^iXinM'D), 
wenn wir erwdgen, dass durch ihre Schriften bekannt umrde die 
Gnade unsres Erldsers und Lebendigmachers Jems Christus, 
und die Freiheit, welche der ganzen Welt durch seine Heilsver- 
anstaltung gegehen wurde (Ephr. I, 537 e). Der Cherabswagen 
des Ezechiel mit seinen vier Thieren wird ^aerst aaf die Eirche, 
dann aaf „das Evangeliam'^ gedeatet (Ephr. II, 166), aach 
sonst der Vierzahl der Evangelisten gedacht (Ephr. II, 295). 
Mit der Formel wie Lucas sagt wird Lc. 2, 52 citirt (Ephr. I, 
562 b). Der Anfang des vierten Evangeliams wird als Wort 
des Johannes citirt ^). Das Gleiche gil|; aber aach von E. Ab- 



1) Diesen syrischen Namen bat cod. B eiDmal E 18 bewahrt, an 
den flbrigen ebenso wie cod. A darch den armen. Namen Arek (Areoh, 
Areck, alle diese Sehreibweisen bei Moesinger) ersetzt. 

2) BibL Or. II, 163. Der Monat der Gebnrt heisst dort Canun IL 
Die citirte Rede ist meines Wissens nicht gedruckt. Jedenfalls aber ist 
nicht unser Xlommentar gemeint. 

3) Ephr. Ill, 62 a: Es gleicht das Berischith dem Berischith; es 
gleicht dem Moses auch Johannes, welche (beide) am Anfang threr 



- 57 - 

gesehn von dem Anhang, wo die vier Evangelisten in der Ord- 
nang des Origenes and der Peschitta anfgeztthlt nnd die ge- 
w5bnlichen Traditionen ttber sie mitgetheilt werden (s. oben 
S. 54 N. 3), wird zwar im Gommentar selbst nie ein einzelner Evan- 
gelist mit Namen genannt Aber E bernft sieh nicht selten and 
zwar in mannigfaltiger Form aaf einen anderen evangelischen 
Text als den von ihm commentirten. Das Diatessaron,* welches 
er commentirty nennt er niemals so, sondem gew5hnlich scrip- 
tura ^)y gelegentlicb aach evangelium (E 6 Z. 9). Aber schon 
darin, dass er nicbt selten den evangelista das Einzelne sagen 
ISsst'), spriebt sieb ein lebendiges Bewasstsein am die Ent- 
stebang des ibm vorliegenden ^Evangeliams'^ aas den Bticbem 
verscbiedener Evangelisten aas. Er bebaaptet sogar einmal, 
derselbe Evangelist babe Jo. 1, 5 and Mt. 4; 15 gescbrieben ^). 
Trotz des IrrtbamS; welcber dem, welcber eine Evangelienbar- 
monie obne Qaellennacbweis vor sieh batte, besonders wenig 
boob angereebnet werden darf; zeigt die Bemerkang, dass E za 
wissen meint, welcbe Bestandtbeile seiner Harmonie von diesem 
Oder jenem Evangelisten berrtibren. Das setzt aber eine aas- 
gedebnte BescbSftigang mit den kanoniscben Evangelien neben 
dem Diatessaron voraas. Ein andres MaP) macbt er za dem 
Text des Diatessaron: Ego scio, virtutem magnam a me exiisse 
die Bemerkang: Aliuis autem evangelista scribit: ,^virtus capiosa 
exibat ab eo et sanabat omnes^, Damit kann nar Lc. 6, 19 
(of. 5, 17) gemeint sein, ein Spracb, welcber wabrscbeinlicb gar 
nicbt im Diatessaron entbalten war ^). Es ist wieder ein Irr- 



Backer die Schriftgelehrten toiderlegen, welche hosartig auslegen. Jo- 
hannes al8 Verfasser des Prologs auch in den Fragmenten EphrSm's 
Monam. syr. ed. Moesinger H, 36 extr. 37, 1 u. 5. Nar als Evangelist 
wird er Epbr. I, 18 e citirt. 

1) Er gebrancht diesen Namen in Bezng aaf die gerade vorliegende 
Perikope p. 3 Z.24; p. 16 Z. 8; p. 23, 13; p. 37, 22; p. 61, 4; p. 80, 8; 
p. 90, 17; p. 96, 13; p. 107, 2; p. 184, 12; in Bezug auf andere Stellen 
des Diatessaron p. 185, 12 of. anten Abschn. II § 22 Note 1. In der 
Auslegang von § 2 (nach meiner Abtheilang in Abschn. II) sagt E 16, 
10 in Bezug auf § 4 Note 2: alio loco eadem scriptura dixit, 

2) p. 3 Z. 6; p. 5, 2; p. 6, 6 u. 20; p. 36, 12 a. 18; p. 57 Z. 3 
V. anten. 

3) p. 6 Z. 18. M5singer's Bemerkang: „Ipee^ non premendum est, 
ist doch allza einfach. 

4) £ 83 med. s. anten Abschn. II § 23 Note 7. 

5) Der Ort wUrde zwischen § 15 and 16 in Abschn. II sein. 



- 58 -. 

thnm, wenn E meint^ dieser Sprnch stamme von einem anderen 
Evangelisten, als der Sprach, welchen er commentirt (Lc. 8, 46). 
Im Gegensatz zu dem Diatessaron ist ihm der kanonische Lucas, 
dessen Text ihm in der Erinnernng liegt, ein andrer Evan- 
gelist i). Dass E 25 auf Grand des kanonischen Textes an 
dem des Diatessaron sachliche Kritik libt, wird anten Abscfan. II 
§ 3 Nofe 9 bewiesen. Femer stellt er p. 228 neben den Text 
des Diatessaron, welchen ich von hier an T nenne and nach 
der Bearbeitang and Eintbeilnng in Abschn. II citire, zweimal 
tbatsllchlich and einmal mit der Bezeichnnng lectio einen an- 
dem Text; welchen er als den deatlicheren, die orthodoxe Hei- 
nang sicherer aasdrtlckenden; bevorzagt and dann der Aaslegang 
za Grande legt (T § 89 N. 1. 2). Der Aasdrack lectio an sich 
bezeichnet nattirlich diesen Text keineswegs als den kanonischen 
im Gegensatz za demjenigen des Diatessaron ^), and ttberhaapt 
nicht als einen heiligen, sondem lediglich als einen verschie- 
denen, wie etwa sonst Kfifix Exemplar eine andere als die za- 
nUchst vorliegende Hs. oder vorgelegte LA bedeatet. Hier wie 
dort ergtozt sich alia (lectio); aliud (apographon). Wie soUte 
aach da, wo das Diatessaron als aaszalegender Text vorgelesen 
worden ist; lectio, Lemng ein aaszeichnender Name ftir den 
Text der getrennten Evangelien sein als desjenigen; welcher 
allein vorgelesen werden soli? and wie soUte dieser Name den 
getrennten Evangelien einen Vorzag vor dem Diatessaron ge- 
ben, welches wie gezeigt so oft als scriptura charakterisirt 



1) Es mag sein, dass der armen. Uebersetzer hier and anderwSrts 
evangeltsta geschrieben hat, wahrend im Original evanffelium stand. — 
Das Attribat copiosa za virtus^ welches meines Wissens weder in irgend 
einer syrischen (Pesch., Heracl., es fehlt Syn Gnret.)i noch griechischen 
Oder lateinischen Hs. sich findet, hat E onter Nachwirkang des dem Dia- 
tessaron eigenthtimlichen Znsatzes magna in Lc. 8, 46 in Lc. 6, 19 ein- 
getragen. 

2) So ineint Hartiack a. a. 0. S. 495. — Bei Ephr. II, 548 c liest 

man: Marcion, der in seinen Lectionen (Schriften '^JilS'^'np) den Beinen 
und Heiligen beschuldigt, Damit sind, wie sich aas dem Folgenden er- 
gibt, nicht einmal vom Standpanct des Gegners aas heilige Schriften 
gemeint. Uebrigens wird an ansrer Stelle im Original wohl nicht fi^S'^'np 
gestanden haben, was aach Perikope heissen kcJnnte (Michaelis-Castellas 
p. 824), sondern &^n*^'i]>, was aach in philologischem Sinn varia lectio 
heisst (Wiseman, horae syr. I, 155). 



- 59 - 

wird? WUre das Diatessaron in Edessa am 364-^373 nieht 
mehr hi. Schrift gewesen, bo wflrde EphrUm es sicherlich nicht 
mfindlich and schriftlich commentirt faaben. Der aosdrficklich 
als lectio citirte Text (Jo. 17, 5) ist abgesehn too gleichgtiltiger 
EttrzuDg gaDz der gewt^hnliehe , aneb dnrch Pesch., HeracK — 
Syr. Car. fehlt — vertretene. Die daneben stehende Anflihrang 
eines vom Diatessaron abweichenden Textes von Jo. 17, 1 
weicht von Pesch. and Heracl. nar darch die Zathat eines auch 
ab {damit auch dein Sohn dich verherrliche)^ welches aach in 
manchen griechiscben Hss. vorkommt. Im wesentlichen ebenso 
liegt die Sacbe tiberall, wo E obne aasdrttcklicbe Berafang aof 
eine andere lectio oder einen anderen Evangelisten einen von 
T abweichenden, oder in T gar nicht enthaltenen Text citirt ^). 
Aber die weitere Untersachang erfordert eine genanere Antwort 
aaf die Frage nach dem Evangelientext , welchen E neben T 
benatzt hat. 

Eigenthttmlicher Art sind die drei FftUe, wo E sich im Ge- 
gensatz za seinem T aaf einen Oraecm beraft (E 29. 53. 116). 
Man erinnert sich sofort der zahlreichen Stellen in den alttesta- 
mentlichen Commentaren Ephram's, wo er sich im Gegensatz 
za der von ihm commentirten syrischen Uebersetzang aaf den Jaa- 
ntij& beraft ') ; and wesentlich dieselben Fragen, za deren* ErOr- 
terang jene Stellen Anlass gegeben haben ') , kehren bier wie- 
der, so aach die^ ob EphrSm der griechiscben Sprache mSU^htig 
gewesen sei^). Die Tradition vemeint dies einstimmig, and 
diese Tradition hat alte Warzel. Darnach bedarfte Ephrftm 
eines Dollmetschers sowohl aaf seiner Reise za Basilias von 
C&area; als aaf seiner noch fabelhafteren Reise nach Egypten, 
weil er kein griechisch verstand and zwar nicht bloss griechisch 



1) Cf. z. B. T § 6 Note 5; § 17 N. 12; § 29 N. 9; § 40 N. 9; § 56 
N. 4. 

2) Z. B. Ephr. I, 480 b; IT, 263 c; 304 d. 

3) Gf. besonders Lengerke, Gommentatio crit. de Ephraemo S. S. in- 
terprete p. 19 sqq. 

4) Es ist nicht verstsindlich , wie Harnack S. 495 seine karze Er5r- 
terang der drei Falls in E mit dem Urtheil abschliessen mocbte, EphrSm 
sei also des Griecbischen kundig gewesen. Warnm sollen diese wenigen 
Flille mehr bedeaten als die viel zahlreicheren und wesentlich gleich- 
artigen in den syrischen Werken? nnd waram sollen die Erklarungen, 
welche man jenen hat angedeihen lassen, ungeprttft verworfen werden? 



- 60 - 

za reden/sondern anch za yerstehen ansser Stande war ^). Die 
Fabel von der wnnderbaren Mittheilung der FHhigkeit griechisch 
nnd aach koptisch za reden, ist doch der denkbar stiLrkste Be- 
weis fllr die Macbt der Ueberliefernng; dass er nnr seine Mat- 
terspracbe beberrscbte. Es IUge daher an sieh am nUehsten, 
nnter dem Graeens eine naeb dem grieebiseben Text gefertigte 
syriscbe Uebersetzang; also in nnsrem Fall eine syriscbe Evan- 
gelienttbersetzung za versteben, welebe im Gegensatz za einem 
anderen syriscben Evangelientext dafiir gait, selbstMndig aas 
dem Grieebiseben geflossen za sein and das grieebisehe Original 
getreaer wiederzageben , als das dem Commentar za Grande 
liegende Diatessaron. So eitirt Barbebraeas in seinen Sebolien 
za den Evangelien ') im Gegensatz za der von ihm commen- 
tirten Pesebitta anter dem Namen Jaundjd die dareb Tbomas 
von Heraklea revidirte Pbiloxeniana^ and zwar viel bSafiger so 
als anter dem Namen Charkldjd. Ebensogat k(5nnte Epbr&n, 
welcber, wie sogleicb noeb nSber za zeigen ist, die Pesebitta 
der Evangelien kennt, diese als Jaanaja eitirt baben^ sowobl im 
Gegensatz zam Diatessaron, als aaeb im Gegensatz za einer 
Mlteren Uebersetzang der getrennten Evangelien^ welebe weniger 
trea als die Pesebitta das grieebisehe Original wiedergegeben 
batte (Syras Gar.)* Andrerseits darf jene Tradition von EpbrSm's 
Unkenntnis des Grieebiseben aaeb nicht so gedankenlos liber- 
trieben werden, als ob er daram von einem grieebiseben Text 
gar keinen Gebraaeb h^tte maeben k(5nnen. Scbreiber dieses 



1) Vita Ephraemi syr. in Ephr. opp. syr. Ill, p. XXXIX; XLI; 
XLV; XLVII; Pseudoamphil. Vita Basil ebendort p. XXXIV— XXXVI. — 
AllerdiDgs sprechen Sozom. h. e. Ill, 16 and Theodoret h. e. IV, 29 
bachst^Cblich nur vom Mangel hellenischer Bildang, aber der Zosammen- 
hang bei beiden beweist zwingend, dass sie damit vor allem die Unfahig- 
keit meinen, griechisch zu schreiben und die grieebisehe Literatar im 
Original kennen za lernen. Das Zeugnis des von Assemani (Bibl. Or. 
I, 48 Anm.) citirten syrischen ^Schriftistellers*', woraaf Lengerke, de 
Ephr. arte hermen. p. 8 N. 16 Gewicht legt, hat freilich nichts za be- 
deaten, da es eine ziemlich wcjrtliche Uebersetzang von Theod. h. e. 
rv, 29 (erste HSIfte des Eapitels) ist. 

2) Gregorii Bar Ebhraya in evang. Jo. commentarius ed. B. Schwartz. 
Gott. 1878. Gregorii Abalfarag B. E. in evang. Matth. scholia ed. J. Spa- 
nath. Gott. 1879. Of. H. Bernstein, de Harklensi N. Ti translatione syr. 
(ed. 2) p. 12 sqq., wo aber mit Vorliebe solche Stellen aasgewlLhlt sind, 
worin diese Version von Barhebraeas nCharkl^l^^ genannt wird. 



— 61 - 

erlanbt sich die verschiedenen syrischen Evangelienfibersetzaiigeii 
bis auf die feiDeren Abweichangen des Aasdrncks nnter sich 
nnd mit dem grieehischen Text za vergleichen and daraaf weit- 
reichende Folgerungen za grlinden^ and er wfirde doch in die 
gr{3sste Verlegenbeit gerathen and eines DoUmetseherB gar sehr 
bedUrfti^ gewesen sein, wenn er in die Lage gekommen wUre, 
mit dem sel. EphrUm sich anterhalten oder eine Rede desselben 
anhQren za soUen; and ich bekenne, dass es mir aach mit 
mehreren noch lebenden Sprachen nicht viel besser geht, obwohl 
ich aas den darin geschriebenen Btichern Natzen ziehe. Aber 
man kann aaf die Annahme einer fthnlichen Lage Ephrfim's 
gegenttber griechischer Sprache and grieehischen Texten aach 
verzichten. Da es in Edessa nicht wenige Griechen gab; so 
existirten dort aach Exemplare des grieehischen neaen Testa- 
ments; and wenn Ephram anter seinen Schtilem einen hatte, 
der ;,griechisch verstand^, and welchen er deshalb als „Methar- 
geman^ aaf seinen Reisen mit sich flihrte ^), waram soil er sich 
bei diesem oder bei grieehischen Christen; mit denen er in Ver- 
kehr kam; nicht in diesem oder jenem interessanten Fall nach 
dem Originaltext einer evangelischen Stelle erkandigt and 
Solches mit seiner allezeit geschSftigen Feder an den Rand 
seines syrischen Diatessaron geschrieben haben. Es kdnnen 
aach schon lange vor Ephr&n fUr den gelehrten Privatgebraach 
bestimmte syrische Evangelienhss. existirt haben, deren Rand 
mit syrischen Scholien dieser Art (der Orieche, underes Exem- 
plar^ varia lectio) aasgestattet war. Dass es sich so oder Hhn- 
lich in der That verhalten hat, best&tigt der Thatbestand. 

E 29 (T § 4 Note 8) bemerkt za Lc. 2, 35: Sed Oraecus dare 
dicit: ^revelentw in multis cordibm cogitationes*', Deatlicher soil 
dieser Text sein, als der des Diatessaron, gerade so wie die lectio 
za Jo. 17; 5, welche er p. 228 citirt. Er hUtte besser gesagt^ der 
Grieche enthalte diese in T fehlenden Worte, welche den Sinn 
des Uebrigen deatlicher machten. Das Gitat entspricht genaa 
weder anserem grieehischen Text: Stkoq av anoxaXvtpd^toa^v ix 
\ix fehlt in cod. gr. D] uoUaSv naqdt&v diaXoyi(T(Aol, noch der 
Pesch. (dass offenbart werden die Gedanken der Herzen Vieler^). 

1) Vita syr. in Ephr. opp. syr. Ill, p. XXXIX. XLUI. 

2) Syr. Cur. fehlt. Heracl. {damit offenbart werde die NichtigTceit 
der Gedanken aus vielen Herzen) kommt BelbstveratSndlich nicht in Be- 
tracht 



- 6!i - 

Es ist demnacb nnter Graecus nicbt die sonst dem EphrSm be- 
kanDte syriscbe UebersetzuDg der getrennten Evaogelien ge- 
meint; Bondern es sebeint ein ziemlicb nngescbickter Versucb; 
das griecbisebe Original zu Qbersetzen ; bier vorzuliegen. Ans 
der Anfttbrung des Graecus E 116 (T § 29 Note 7) zu Mt. 11, 
25 (Lc. 10, 21) Ifisst sieb nicbts scbliessen, da die citirten 
Worte (= ndt€Q, mvq$€ %ov ovqavov nal %f^q y^^^ nicbt nur im 
griecbischen Original steben, sondern aucb in alien syriscben 
Uebersetzungen bei beiden Evangelisten treu wiedergegeben 
sind (Syr. Cur., Pescb., Heracl.), wSbrend T einfacber poiter 
caelestis gescbrieben batte. Wicbtig dagegen ist die dritte nocb 
vorbandene Anfttbrung E 53 (T § 12 Note 2): Oraecus scribit: 
,,recubuit et defecit vinutnf'. Diese Worte bezieben sicb natttr- 
licb nicbt auf die vorher angefttbrten Worte der Maria: vinum 
nan habent htc (Jo« 2, 3 extr. olyov ovx exovatv), sondern auf 
die bericbtenden Worte des Evangelisten (v. 2 u. 3 init.). Die 
Worte zu Anfang von y. 3, welcbe in fast alien griecbiscben 
Hss. ^) lauten xal vtneqvicavxoq olvov Uyei bat Pescb. davon 
abweicbend, aber ganz ebenso, wie E in seinem Graecus ge- 
lesen baben will, Ubersetzt: und es mangelte der Wdn und es 
spricht etc. Es k5nnte also E unter Graecus die Pescb. verstanden 
baben. Aber nicbt aus Pescb. und scbwerlicb aus irgendwelcber 
syriscber Evangelientibersetzung kann E das vorangebende re- 
ctdmit baben; denn Pescb. tibersetzt v. 2: Und auch er^ Jesus 
und seine Junger, umrde geladen zu dem Gastmahl. E, welcber 
von y. 2 nur das Wesentlicbe oder das seinem Graecus Eigen- 
tbfimlicbe anfttbrt, bat wirklicb einen griecbiscben Text vor sicb, 
liest aber ixXldni statt ixX^d-fi und verstebt das angeblicbe M- 
p€(X&at> (= amxXiv€(T&ai Mt. 8, 11; 14, 19) als ein „sicb zu 
Tiscbe legen oder setzen^. Daber recubuit Epbrftm bat also 
einige, freilicb recbt mangel hafte Eenntnis des griecbiscben 
Evangelientextes. Viel genauer kennt er eine syriscbe Ueber- 
setzung der kanoniscben Evv., und tiberall, wo er obne aus- 
drficklicbe Berufung auf den Graecus eine ttber sein Diatessaron 
bmausreicbende Eenntnis des Evangelienstoffs oder eines von 
dem Diatessaron abweicbenden Evangelientextes bekundet, ist 



1) Nor die erste Hand des Sin. hat llhnlioh wie mehrere Italahss. 
»al otvov oiSx stxov, on avvsteXia&ri 6 otvo£ tov ydfAov, ihaXiyei, Der 
Syr. Cor. fehlt. 



- 6S - 

diese sjrrische Evangelieotlbersetzimg als die Qaelle anzosehn. 
Diese Evangelienttbersetzang ist aber die Peschitta, d. h. sie 
steht nnsrer gedrackten Pescbitta durchweg viel nSher als der 
jedenfalls viel Itlteren Version, dem Syros Caretonianas. Das 
l&sst sieh deatlicber, als am £ vangelieDCommentar , an den sy- 
risch erbaltenen Werken zeigen, allerdings aach an diesen noch 
nnbeqnem genug. Davon za schweigen, dass die rOmiscben 
Heraasgeber ibr Urtbeil, diese syriscben Werke bedttrften eben- 
sowenig eines Index als eines Vindex, sebr bnehsUiblieh be- 
thStigt haben nnd J. Overbeck ibrem Beispiel gefolgt ist, so 
sind genanere Evangeliencitate in diesen Werken nicht allza 
zablreicb. Epfarlim wird sie sttmmtlich nicbt aus einem Evan- 
gelienbacb abgescbrieben, sondern ans dem GedSebtnis gescb(5pft 
baben. Sodann moss man annebmen, dass die in alien patristi- 
seben Gitaten ans den Evangelien, besonders den Synoptikem 
yorkommenden Textmiscbnngen bei Epbram nocb dadareh ge- 
steigert warden, dass er wenigstens zwei syrisebe Evangelien- 
texte, den des Diatessaron and den der getrennten Evangelien 
kannte^). Es kommen ferner fUr den gegenwartigen Zweek 
alle die Stellen in Abzag, wo EpbrUm mit Peseb., diese aber 
aach mit Syr. Gar. tibereinstimmt^). Von geringerem Belang 
sind endlich die Stellen, wo die Lttckenhaftigkeit von Syr. Gar. 
and die in jeder Hinsicbt mangelbafte Erbaltang von EphrSm's 
Diatessaron eine Vergleicbang mit diesen aasschliesst , and 
b^ebstens eine Uebereinstimmong von Epbr&m^s Gitaten mit 
Pesch. sieh heraasstellt. Weicht EphrUm in diesen Fmien von 
Pesch. ab, so bleibt man in Ungewissbeit, ob diese Abweiebang 
aaf Willkttr EpbrSm's, oder aaf AbbUngigkeit desselben von 
einem jener beiden Texte berabt. Nach Abw&gang dieser Um- 
stfinde blieben mir folgende beachtenswerthe Gitate tlbrig^). 



1) Ephr. ed. Overb. p. 114, 18—26 wird mit den Worten: Jems 
Wort des Herrn^ welches im JEvangeUum ist eine freie Combination aus 
Mt. 18, 12. 13 and Lc. 15, 4. 5 eingeftlhrt, von welcher ich keinen kri- 
tischen Gebrauoh za machen weiss. Es ist mir nicht einmal wahrschein- 
lich, dass das so im Diatessaron (II. Abschn. §. 47 oder 50) gestan- 
den hat. 

2) So wird z. B. Ephr. I, 443 b (cf. II, 201 c; 302b) Lc. 12, 32 
ganz nach Syr. Gar., aber eben damit aach nach Pesch. oitirt. 

3) Andere werden mehr finden and anders artheilen. — Ich be* 
zeichne den Syrus Caretorianus hier wie im Abschn. II darch Sc, die 
Peschitta, die ich flberall nach der Aosgabe von S. Lee (London 1816) 



- 64 - 

1. Mt. 3, 17 Ephr. I, 357 e: rY^MSK siai «a''an "^^a iDti. 
Ganz ebenso P and, soweit er erhalten ist, T § 9 N. 10 cf. § 43 
N. 4. Dagegen Sc Mt. 3, 17: rr^MS^ ^^"i '^i'^inn "^la nn n3« 
cf. So Mt 17, 5: rr^aat siai '^a'^mm ■'im ir» nan und Lc. 9, 35: 

2. Mt. 5, 44 b Ephn I, 463 f: V^b r'^^Ti r^'« '1^'^ ''^^ 
"ji^Db v^J'^'T' NT^rapa. Abgesehn von cibn, wofttr P und Sc by 
baben; stimmt dies Gitat bnchstablicb mit P. Dagegen Sc ganz 
verktlrzt: yidb y^ti^"^^ yb'^^ by nbat. T gibt einen ganz eigen- 
thtimlichen Text § 17 N. 20* 

3. Jo. 5, 22 Ephr. I, 446 b : Ki-^^ nte NbN y^i Nb «3Nb nsn 
«iab n^si^ In allem wesentlichen = P. Dagegen Sc (und T 
§ 40 N. 9): "^Sirbni Jiiab Nr^ sib^D Nb« "jiii Nb i»3«b 'n'^a «aN 

4. Mt. 5, 28 Ephr. II, 174 c: Ninw {^dff) mit P, ausge- 
lassen in Sc and T § 17 N. 11* 

5. Mt. 21, 38 Ephr. I, 511a nach P, nur -jb hinter iinw 
einschiebend. Sc und T § 65 N. 3 bieten beide einen gemiscbteu; 
aber unter sich verschiedenen Text. 

6. Mt. 11, 14 Ephr. II, 315 d buchstSblich nach P; da- 
gegen Sc T^iti nbap!Qb anstatt rirt^ ibap (P und Ephr.). In 
T fehlt der Spruch. 

7. Jo. 7, 38 Ephr. I, 524 d mit P : Niini) -TittNi k^-^k , da- 
gegen Sc (B()diger in Monatsber. der berl. Ak. aus d. J. 1872 
hinter p. 558, syr. Text S. 4) n^m 'n)a«i NaiD'^N. Der Spruch ist 
in T § 68 nicht erhalten. 

8. Mt, 1,20 b Ephr. I, 352 b Nwnp^ Nm-n 1!q tin ^b-^n^i in 
'^Sinn'^fi^. Abgesehn von dem durch die VerselbstlLndigung des 
Satzes veranlassten Wegfall des "I'^A, weicht P nur am Schluss 
unerheblich ab: Ntt5^npl nsi Ntni. Dagegen Sc: ib'^rw^ T^a nn 
Vt33 NttJ^ip^ i!i NtTTn p !13». In T § 3 N. 6 ist der Satz nicht 
erhalten. 

9. Lo. 19, 30. 311) abgekttrzt citirt Ephr. I, 108 sq.: 

Ny^ntt pttbi v*^^ '''^'3« . nrr wb^^yb v^n^^- Abgesehn von willkttr- 
lichen oder fehlerhaften Abweichungen dieses Gitats von Sc und 
P, wo diese tlbereinstimmen, geht Ephr. mit P in TOt^^ , wo Sc 



citire, durch P and, wie schon vorher, den Text des Diatessaron nach 
Absch. II durch T. 

1) Femer liegt Mr. 11, 2. 3, gar nicht in Betracht kommt Mt. 21, 2. 3. 



^ 66 - 

i-^OK ns, ferner Ephr. mit P p?3b, wo Sc si^iab (deriselbe ML 21, 3 
■{nn^Tab, die gleiche Auffassnng, Dur plaralisch; weil dort zwei 
Esel). — In T § 74 ist der Satz nicht erhalten. 

10. Lc, 10, 19 Ephr. ed. Overb. p. 95, 13 ganz mit P: 
y^'^'^ 'jin'^irn, wofttr Sc V^J'^i "jinsim. Dieser Onterschied ist in 
T § 29 N. 4 nicht zu erkennen. 

11. Lc. 12, 49 a Ephr Overb. p. 126, 8 ganz mit P: 
rr^riK Nini , wofttr Sc rr^n^ •r^a irr Kiia. Der Sprach fehlte in T 
wahrscheinlich ganz. 

12. Mt. 6, 33 Ephr. Overb. p. 104, 3 weder ganz mit P, 
noch ganz mit Sc, nSmlich a) liitette di Ephr. T^i th 19^, 
P T^i lyn, Sc ny:3 y^^ "jinaK. Da auf die verbindende Partikel, 
womit das Gitat in die eigene Rede eingeflochten ist, selbstver- 
stfindlich nichts ankommt, so ist die Uebereinstimmang mit P 
gegen Sc bier evident, b) Ephr. ii^Db isbinnw yrtr^ p y^rib^ Y*^T:\ 
Sc ydb iBonnns yrrb'D v>^^ P V^^ "jBDinn^a x^bn y>rib^\ Der 
Spmch ist in T § 18 nicht erhalten. 

13. Mt. 7, 8 (Lc. 11, 10) Ephr. Overb. p. 102, 14: th bi) 
rtb nnBn!Q t»p3i n3'^ni .TOtt^w Ny^i n^ni .m^ ^nw 'r^a. Zu An- 
fang P Tu^ b=), Sc -T^:* i» b=), T (§ 19 N. 7) p b=). Im zweiten 
Satz P and T M^nin, Sc t^^ni ^Tai. Im dritten Satz za Anfang 
P N3'^»bn, Sc "jtti, T nur r Am Schluss nnsntt Ephr. P Be, 

V^MB T. 

14. Lc. 9, 62 Ephr. Overb. p. 127, 17 wdrtlich mit Sc P, 
soweit diese tlbereinstimmen , am Schluss aber Ephr. nu)n fi^'itii 
N-'jattj^ «m:Dbttb, P NnbNi Nm:Db»b nu5nn, Sc Nm:Db!Qb ntt^n nin wnm 
^rrb^n. Ist in T § 22 nicht erhalten. 

15. Mt. 10, 25 b Ephr. Overb. 98, 4. Jesus soil zu den 
Juden gesagt haben: rr^K'T^n'^ «»:d iiatbya nip Nrr^m trnttb "jN 

»'^i^ V^P^ ^'^'^^ "^^^^^ PJ^ beiden letzten Worte sind eine freie 
Umgestaltung mit Rtlcksicht auf Act. 2, 13. Der Anfang bis 
nnntV^n lautet in P ebenso. Anstatt der dazwischen stehenden 
das Griechische nachbildenden Worte liest man in P ^tXi nn 
nn-^a •'sib. Es fehlen Sc und T. 

16. Lc. 1, 32 b. 33. Ephr. II, 142 b ohne die geringste Ab- 
weichung von P citirt. Es fehlt Sc, und von T ist der Text 
nur unvoUstHndig erhalten. 

17. Jo. 11, 50 Ephr. I, 475 c buchstfiblich nach P citirt bis 
auf ein tiberflttssiges n vor M739 ribs {Uop v6 €»3fog). Sc T 
fehlen. 

Zahiii Forschnn^en I. h 



-ee- 
ls. Lc. 1, 73—75 Ephr. 1, 438 d abgesehn von dcm durch 
die Einflechtang in die eigene Rede vernothwendigten Zasatz 
eines i^rihi^ (welchen OoU, Btatt er, geschworen hat) buehstMb- 
lieh nach P. Es fehlen Se T. 

In Nr* 1—11 liegt der Beweis dafUr, dass EphrSm nicht 
den SC; wobl dagegen die P genaa kennt Letzteres wird 
einigermassen anch dnrch die FfiUe best&tigt, wo er den Pe- 
sehittatext an mebr oder weniger charakteristischen Stellen 
wiedergibt, eine Vergleichang mit Sc and T aber nicht m5glich 
ist Nr. 16. 17. 18, s. auch H. Abschn. § 72 N. 20; § 80 N. 2; 
§ 93 N. 7. Dass Ephriim auch Sc, also nicht weniger als drei 
syrische Evangelientexte gekannt and aach dem von Sc gele- 
gentlich gefolgt sei, kann nicht darch jeden beliebigen Fall be- 
wiesen werden^ wo EphrSm mit Sc gegen P citirt^ denn Sc hat, 
wie schon die Nr. 3 and 4 zeigen, splLter aber voUstHndig be- 
wiesen werden soil, einen mit T nahe verwandten, in aafESl- 
ligsten Eigenthttmlichkeiten Ubereinstimmenden Text. Da nan 
EphrSm den T commentirt, also grttndlich gekannt hat, and 
andrerseits bewiesen ist^ dass er die kanonischen Evangelien 
ganz gew5hnlich nach P citirt, so sind seine mit Sc tiberein- 
stimmenden and von P abweichenden Gitate immer nar Beweise 
seiner Vertraatheit mit T and der innigen Verwandtschaft von 
T and Sc. Einen Fall, wo EphrILm mit Sc gegen P citirte and 
zagleich nachzuweisen wSre, dass dies nicht darch T vermittelt 
w^re^ habe ich nicht gefanden. AUerdings citirt er im Evan- 
geliencommentar Jo* 1, 17 (E 55, and die hier in Betracht kom- 
menden Worte gratia et Veritas per Jemm facta est aach E 7) 
wesentlich so wie sie in Sc and im Griechischen laaten^), 
wUhrend P amstellt: Wahrheit aber und Gnade ist durch Jesus Chr. 
geworden. Aber dies ist einer der F&Ue, Wo der Yerdacht aller- 
meist begriindet ist, dass der armenische Uebersetzer oder spS- 
tere Abschreiber ') sich eine leise Aenderang erlaabt haben, 
w&hrend Ephritm mit P geschrieben haben wird : Veritas et gratia. 
Die Nr. 2—5 zeigen, dass EphrUm in seinen Ubrigen Wer** 
ken ebenso wie im Evangeliencommentar den ihm wohlbekannten 
Text der Peschitta vielfach, bewasst oder anbewasst vor dem 



1) Den v^Uig abweichenden Text des Diatessaron s. T § 6 N. 5. 

2) Bin lehrreiches Beispiel gibt gleich das erste Wort in T. § 1 

N. 1. 



- 67 - 

Text des Diatessaron bevorzugte^). Aber es fehit anch in dev 
syrisch erhaltenen Werken nicht an Beweisen seiner Vertrant- 
heit mit T. £in charakteristisches Beispiel ist nnten zu T § 6 
N. 4 nacbgewiesen. Dass dort aacb So mit T libereinstimmti 
schwiicht die Beweiskraft nicht ab, da wie gesagt eine directe 
Abh&ngigkeit Epbrfim's yon Sc unerweislich and h^ebst an- 
wabrscheinlich ist. — Die eigentbtlmlicbe, sonst meines Wissens 
nicbt bezeagte Wortstellang virtute et spiritu anstatt spiritu et 
virttUe Lc. 1, 17 findet sich in Epbr. II, 315 d ebenso.wie in 
T § 2 N. 10. — In Jo. 1, 3 theilt Epbr. I, 18 d mit T § 1 
N. 6 and So gegen P den Satz fainter ovde ep ab and scbreibt 
mit Sc, also, da er von diesem sonst nicbt direct abbSngt, viel- 
mebr mit T !i:3 Dittb^D, wo P trr^Na b^D bat — Wie Epbr. 1, 37 f 
den Pescbittatext darcb den von T erlSatert, wo dieser letz- 
tere der scbSrfer bezeicbnende ist, wird za T § 88 N. 3 ge- 
zeigt. — Ist za T § 9 N. 9 mit Recbt die Erscbeinang des 
Licbts bei der Taafe im Jordan als Textbestandtbeil des Dia- 
tessaron bezeicbnet, so wird Epbr. II, 328 f bieraaf fassen, 
wenn er singt: Der Fluss, worin er getauft wurde, iourde van 
itmen mit Licht beUeidety der Leib (sc. der Maria), worin er 
wohnte, wurde van innen verherrlicht, and scbon karz yorber: 
Margenrathe in seinem Flusse, Olqnz in seinem Chrabe ; er straMie 
auf dent Oipfel des Berges^ er leuchtete auf im Mtdterleib. — 
Kacb Epbr. I, 524 d soil Jesas das Wort Jo. 7, 38 yor seinem 
Leiden gesprocben baben. Das kann keinen anderen Sinn ba- 
ben als ;,nicbt lange yor seinem Leiden^. Dies aber konnte 
man nicbt ftlglicb anmittelbar aas Jobannes beraaslesen. Aeasser- 
licb gemessen stand das Wort am Ende des ersten Drittels des 
Jobanneseyangeliams , aaf den Verlanf der Gescbicbte gesebn, 
ein yoUes Halbjabr yor dem Tode Jesa. Anders nacb dem Dia- 
tessaron, worin Jo. 7, 37 sqq. (T § 68) weit von Jo. 7, 2—36 
(§ 52) getrennt and, wie im III. Abscbnitt bewiesen werden 
wird, aaf das Tempelweibfest Jo. 10, 22 verlegt war. Nar der 
Inbalt von Jo. 10, 40 — 11, 57 trennte das Tempelweibfest, bei 
welcbem Jesas Jo. 7, 38 gesprocben baben sollte, von der Lei- 
denswocbe (§ 73—97). EpbrSm's Vorstellang vom Gang der 



1) Cf. aasser den oben S. 58 f., aach S. 59 Anm. 1 genannten FSlIen 
innerhalb des EvaDgeliencommentars die za T § 65 N. 4 ; § 100 N. 6 no- 
tirten Citate aus den syrischen Schrifteu. 

5* 



— 68 - 

ev^ngelischen Geschichte ist durcb das Diatessaron beherrscht 
Das zeigt sich Docb bedeutsamer Epbr. I, 562. Epbrslm be- 
recbnet bier, dass der Tag der Erankheit and GenesuDg des 
Hiskias (2 Beg. 20; 9—11) 32 Staoden gewSbrt babe, uUmlieh 
10 Standen, die scbon abgelaufen waren, als das Zeichen an 
der Sonnenuhr gescbab, 10 weitere Stunden fiir das Zorttck- 
gebn des Zeigers, nocbmals 10 Standen fttr das Wiedervor- 
rticken des Zeigers bis zu dem frtlberen Standort und endlicb 
nocb die 2 Stunden, welcbe an der 12stllndigen Tageszeit ge- 
feblt batten, als das Wander sieb zutrag. Also 10 + 10 + 10 
-f- 2 = 32 Standen. Das ist ibm aber ein Gleiebnis der 
30 Jahre, in welchen^ wie Lnicas sagt^ Christies wuchs an Weis- 
heit und Statur und Gnccde, and der 2 Jahre, in welchen Christm 
sich offenbarte und erkannt wurde durch WundertAaten und 
Zeichen und das Geheimnis unserer Erlosung durch seinen Tod 
vollbrachte. Diese als selbstverstandlieb and allbekannt aasge- 
sproebene Ansebaaung berabt aaf dem im III. Absebnitt nSber 
zu erlSutemden Sebema des Diatessaron. Zwiscben dem ersten 
Passa, bei welcbem Gbristus zum ersten Mai in Jerusalem auf- 
trat (Jo. 2, 13. 23—25) und dem dritten Passa, an welcbem er 
nacb T starb, verl&uft eine zweij^brige Qffentlicbe Lebrwirk- 
samkeit Jesu. Was vorangebt, ist nur die Taufe, die Ver- 
sucbung, die Sammlung der ersten JUnger, die Hocbzeit za 
Kana, kurz der Inbalt von Mt. 3, 13— 4, 11; Jo. 1, 29—2, 12, 
also nocb keine 6£fentlicbe Lebrtbatigkeit, welcbe T dann erst 
beginnen lltsst, zuerst in Jerusalem und JudSa, dann nacb der 
Verbaftung des THufers in Galilaa. Dem widerspricbt es na« 
ttlrlicb nicbt, wenn derselbe Epbr^m im Erangeliencommentar 
die drei Jabre Lc. 13, 7 auf das YerbUtnis Jesu zu Israel und 
speciell zu Jerusalem beziebt^). Im Gleiebnis ist die Besicbti- 
gung des Feigenbaums im dritten Jabre durcb zwei Jabre von 
der ersten Besicbtigung getrennt. Ebenso in der dadurcb ab- 
gebildeten Gescbicbte Jesu. Sein letzter Besucb Jerusalems, 



1) E 166: Trea anni tempus est^ quo eis ostendit se esse salva" 
tor em, . : E 167: Quod autem venit et per triennium fructus quaesivit^ 
fecit, ut scientiam coloni proharet, . . E 213 (beim letzten Besuch Jem- 
Qalems): yiQuoties volui vos congregare^? quod idem estacillud: „Ecce 
hi tres anni sunt, ex quo venio quaerens fructum ex hoc ficulnea et non 
invenio*". Cf. E 183 sq. 



- 69 - 

wo er wieder wie schon bei zwei frttheren je durch ein Jahr 
getrennten BesQchen vergeblich bei seinem Volk die Frncht der 
Busse gesucht bat, und docb nicbt als Richter, sondem fttr- 
bittend, Frieden anbietend aufgetreten ist; entspricht dem im 
Gleicbnis vergegenwitrtigten Besach im dritten Jahre (s. beson- 
ders E 213). Dieser dritte Passabesuch ^) schliesst das zweite 
Jahr seiner Offentlichen Bezeagnng an Israel; und erOfihet das 
dritte, d. b. die dnreb Jesns erwirkte, aacb naeb dem Tode 
Jesu noch fortdauemde Gnadenfrist, in weleher Israel sieh be- 
kehren konnte und kann. 

Ephr^m's Gommentar bezeugt naeb allem bisher Entwickelten, 
dass die Eirche von Edessa um 364 — 373 sicb in Bezng auf 
den evangelischen Theil des N. Testaments in einem gewissen 
Uebergangsstadinm befand. Die Evangelienharmonie, welche 
EphrUm mtindlich und schriftlich anslegte^ gait als scriptura. 
Sie muss noch im Gemeindegottesdienst gebrancht gewesen sein ; 
sonst wUrde sie weder so benannt, noch von EphrSm zur Grnnd- 
lage exegetischer Vortr^e gemacht worden sein. Daneben 
kannte mau; und lasen wenigstens Manner von der Bildangs- 
stufe EphrSm's die Peschitta der Evangelien, w&hrend man 
von den griechischen Evangelien nnr ganz sporadisch^ und in 
jeder Hinsicht mangelhafte Eenntnis besass. Dass die Peschitta 
in Edessa neben der Evangelienharmonie in kirchlichem, gottes- 
dienstlichem Gebrauch stand, l&sst sich nicht behaupten, und ist 
an sich sehr unwahrscheinlich. Ich wenigstens wtlsste mir von 
einem simultanen Gebrauch dieser beiden „Evangelien^ in einem 
und demselben Gemeindegottesdienst keine Vorstellung zu machen. 
Aber Manner wie Ephr^m wussten die Vorztige der in anderen 
kirchlichen Gebieten gebrauchten Peschitta vor der in der 
Eirche von Edessa ttblichen Harmonic zu schlitzen. Die grOssere 
VollstSndigkeit , die in die Augen fallende Congruenz mit der 
Gestalt „des Evangeliums'^ in der grossen katholischen Eirche 
griechischer ZungC; vielleicht auch schon die Beobachtung, dass 



1) Die Besuche des Laabhttttenfestes Jo. 7, 2 und des Tempelweih- 
festes Jo. 10, 22 massten nattirlich bei dieser Allegoric ausser Betracht 
bleiben, weil es sich um drei Besuche handelte, deren erster vom 
zweiten, und deren zweiter vom dritten durch je ein Jahr getrennt war, 
so dass Jesus sagen konnte: Siehe drei Jahre sind's jetzt, dass ich an 
Israel Frucht sucha und finde sie nicht. 



— 70 - 

sie selbst in den Einzelheiten der TextgeBtaltnng dem griechi- 
schen Original des viergestaltigen Evangeliams genaner ent- 
spreche, als die Harmonie, musste der Peschitta zur Em- 
pfehlang gereichen, and es konnte bei dem unter Anderen aueh 
in Ephrilm yerk()rperten Streben nach immer engerem Anschloss 
an die katholische Eircbe des Westens nicbt mehr lange wUhrejn, 
bis in Edessa aacb diese provincielle Besonderheit fiel nnd die 
Evangelienbarmonie dnrch die (Pesehitta der) 4 Evangelien 
verdrSngt warde. Dass dies in der That bald nacbher geschehen 
ist, bezengt nns die richtig verstandene Nacbriebt Theodoret's 
(oben S. 35 f.). Denn, dass die von EphrSm commentirte and die 
von Theodoret aas seiner Di5cese verbannte Evangelienbar- 
monie identiscb sind; kann jetzt scbwerlicb noeh einem ver- 
nlinftigen Zweifel unterliegen. Die bei Epbr&m selbst nieht 
ausgesprochene Ueberlieferung ; dass das Bach von Tatian 
stamme, baftet, wie spSter noeh genaner nachzaweisen ist, an 
der edessenischen Evangelienbarmonie ebensogat, wie an der in 
den Oemeinden von Gyrrbas verbreiteten. Der Titel Diatessaron, 
welcben EpbrUm keinen Anlass hatte ibr zn geben, warde der 
Evangelienbarmonie in Edessa schon lange vor EphrUm gegeben 
{s. nacbher). Das Diatessaron von Edessa war ein syrisches 
Bach wie dasjenige von Cyrrhus. Eine Beweisfbhrang fttr ersteres 
ist tiberfllissig. Uebrigens findet eine solcbe, wer sie vermissen 
solltC; in der einen Thatsache, dass EphrMm im Oegensatz zum 
Diatessaron den Graecas citirt. In die Aagen fallende b&re- 
tische Oder apokryphische Zathaten za dem kanonischen Evange- 
lienstoff waren in dem Diatessaron des Theodoret nicbt vorhan- 
den, ebensowenig in dem weiter unten (IL Abschnitt) nach 
Ephrfim's Gommentar and anderen Qaellen reconstrnirten Dia- 
tessaron von Edessa. Dagegen feblte in beiden Mancbes, vor 
allem die Genealogien. Nar die von Theodoret mit der Be- 
zeichnang dieses Grandmangels verbandene Behaaptang, dass 
im Diatessaron aacb alles Andere, was die fleischliche Abstam- 
mang Jesa von David zeige, fehle oder nach der Voraassetzang 
Theodorefs weggeschnitten sei, findet keine aasreichende Be- 
stfitigang. In T § 4 (s. dort N. 2) war za lesen, dass Joseph 
and Maria beide aas David's Gescblecht waren. Der Blinde von 
Jericho, die Knaben von Jerasalem rafen bier (T § 58 N. 3. 4 
§ 74 N. 8) Jesam laat als Davidssohn aas. Der Thron Davids 
wird der Thron des Vaters Jesa genannt T § 2 N. 17. Aber 



— 71 — 

waim bfttte Einer, der es sich zar Aafgabe setzt, ein Buch als 
ketzeriflch za brandmarken, wie Theodoret an jener Stelle 
(s. oben S. 39), alle ein gUnstigeres Urtheil nahelegenden Mo- 
mente in billiger Weise bertlcksicbtigt ? Es geschiebt dem 
Bischof von Cyrrbas alle Ehre, wenn ancb nur der eine oder an- 
dere Defect ansser der Abwesenbeit der Genealogien nachge- 
wiesen wird, welcber den Scbein erwecken konnte, als babe 
der aasgemacbte Eetzer Tatian dadarcb seinen biiretiscben An- 
sicbten Yorscbub leisten woUen. In derTbat scbeint es so, als 
babe der Verfasser des Diatessaron bier and da das Israeli- 
tiscbe GeprSge der evangeliscben Oescbicbte ein wenig yer- 
wisebt Der Wegfall des iv %^ ^laqa^X Lo. 2, 34 T § 4 N. 8, 
vielleicbt ancb des %ov "Iffqa^X Mt 10; 23 T § 24 N« 11 ist 
wobl niebt zaf&Ilig. Yermisste Tbeodoret gleieb zn Anfang der 
Gescbicbte aucb nur das eine, ibm aos Mt. 1, 20 erinnerliebe 
^I<a(r^g> viog Jafild^ welcbes an der betre£fenden Stelle in T 
§ 3 N. 5 gefeblt zn baben scbeint; so glanbte er sicb sicberlicb 
zu seinem Urtbeil yoUberecbtigt. Das vis JafiCd feblte ancb 
yielleicbt in Mt. 15, 22 T § 37 N. 2, nnd ziemlicb sicber feblte 
die Disputation liber die Dayidssobnscbaft des Messias Mt. 22, 
41—46 »). 

Die Grttnde, womit Gredner and die, welcbe ibm nacbge- 
sprocben baben, die IdentitUt des yon EpbrUm commentirten 
nnd des yon Tbeodoret yerketzerten Diatessaron bestritten ba- 
ben, waren yon Haas aos so scbwacb, dass sie wenigstens nacb 
YerOffentlicbang der Scbrift yon Semiscb in ibrer Nicbtigkeit 
bfitten allgemein erkannt werden mQssen. Die Becbtgl&abig- 
keit EpbrSm's soil es ibm anm5glicb gemacbt baben, jenes 
ketzeriscbe Diatessaron zn commentiren '), als ob die Biscb($fe 
yon Cyrrbas yor Tbeodoret nicbt ancb ortbodox gewesen wSren, 
Oder als ob die katboliscben Gemeinden innerbalb and ausser- 
halb des Gebiets yon Cyrrbas, welcbe jenes ^ketzeriscbe Eyan- 
geliam^ nacb Tbeodoret's Zeagnis in Gebraacb gebabt, nar dem 
Tbeodoret als Anbitnger der apostoliscben Dogmata erscbienen, 



i) Der natUrliohe Ort wSre hinter T § 67, wo die Perikope sicher 
nicht gestanden hat s. auch § 68 N. 1. 

2) Credner, Beitr. 447. cf. tiberhaupt dort S. 446—450; Gesch. des 
Kanons S. 19 ff. Des Fehlers hat sieh Credner (Beitr* S. 449) we- 
nigstens enthalteo, eioe Yerwechselung von Tatian's Diatessaron and dem 
Werk des Ammonios anzonehmen. 



- 72 - 

im Grnnde aber verkappte Enkratiten gewesen wSren. Die Ge- 
lehrsamkeit EphrMm's soil ihn ftlr eine T^iuscbuDg nnzagftDglich 
gemacht baben. Aber der Gelebrte findet Doch bente in der 
karzen Bescbreibang des Diatessaron bei Theodoret ebenso* 
wenig als in dem jetzt bekanot gewordenen Diatessaron des 
Epbrtoi irgend welcbe deutlicbe Spnren b&retischen Geistes. 
Ein ^spSteres Machwerk'' orthodoxen Cbarakters soUte ^das 
ketzeriscbe Evangeliam^ verdrSngt and, urn das leicbter za er- 
reicben, den Namen Diatessaron and die Tradition der tatia- 
neiseben Abkanft an sicb gerissen baben. Als ob irgend eine 
Wabrscbeinlichkeit dafUr sprUcbe, dass das von Epbram eom- 
mentirte, also in Edessa mebr oder weniger kanonisirte Dia- 
tessaron jttnger w^re, als dasjenige Diatessaron, von welcbem 
kein Scbriftsteller vor Eusebias nns eine Eunde gibt! Und als 
ob nicbt vielmebr der Bericht des Theodoret nns zeigte, in wie- 
viel spiltere Zeit binein sicb das ketzeriscbe Diatessaron in 
kircblicbem Gebrancb erbielt, am dann aber nicbt einem Wecbsel- 
balg, sondern, was den ZeitverbUltnissen allein entspracb, den 
Evangelien der katboliscben Eircbe za weicben. Wer die Be- 
denken dagegen, dass das Diatessaron der edessenischen Eircbe 
ein Werk des Eetzers Tatian sei, fUr antlberwindlicb b&lt, wird 
fortan nicbt zwiscben Gyrrbus and Edessa ; zwiscben Theodoret 
and EphrSm den Eeil eintreiben dtlrfen, sondern die Frage so 
za stellen haben, ob die Ueberlieferang, welcbe die anter dem 
Namen Diatessaron in der syriscben Eircbe des 4. and theil- 
weise nocb des 5. Jabrbanderts sebr verbreitete Evangelienbar- 
monie dem Tatian zaschreibt, Glaaben verdiene, oder nicbt. 
Ebe ich diese Frage za erledigen yersacbe, babe icb nocb erst 
die Verbreitung des Diatessaron in ibrem ganzen Umfang nacb- 
zaweisen. 

Ein etwa 25 Jabre Slterer Zeage fttr den kircblichen Ge- 
brancb des Diatessaron, als EphrSm, ist Aphraates (Farhad), 
„der persiscbe Weise", mit dem cbristlicb - kircblichen Namen 
Jakob, Bischof and Abt des St. MatthSasklosters Ostlicb von 
Mossal, welcber seine 22 alpbabetiscb geordneten Abbandlnngen 
tbeils i. J. 336/337, tbeils 343/344 geschrieben and eine 23. im Aa- 
gast des J. 345 binzagefllgt hat ^), Nachdem P. de Lagarde scbon 



1) The homilies of Aphraates, the Persian Sage, ed. by W. Wright 
Vol. I, The syriac text. London 1869. Cf.Sasse, Proll. in Aphraati^ Sap. 



— 73 - 

lange ror VerOffentlichiuig des syrischen Textes dieser Schriften 
auf die grosse BedeatuDg derselben fttr die neatestamentliehe 
Textkritik aafmerksam gemacht batte ^\ theilte ich die Beob- 
achtang mit, dass Aphraates die von Ephrilin Gommentirte Evan- 
gelienbarmonie als Eyangelinin Christi citire, nod sprach die 
Vermathang aus, dass die mitanter reeht aafl&Uigen evange- 
lisoben Citate des Apbraates wohl grOssten Tbeils anf jene 
Harmonie sich wlirden zurQckfbbren lassen '). Erst jetet komme 
ich daza, den damals nur angedeateten Beweis vollstitndig za 
ftlhren. 

Gleich in seiner ersten Abbandlang schreibt Aphraates: 
Und auch Wort und Bede des Herm ist Christus, wie geschrie- 
ben steht an der Spitze des Evangeliums unsres Lebendigmachers: 
j^Im Anfang war das Wort^, Und uber das Lickt bezeugt er 
femer daselbst: „Das lAcht leuchtete in der Finsiemis^ und die 
Finstemis hat es nicht ergriffen^ '). Diese Aasdracksweise setzt 



Persae serm. homil. Lipsiae 1879. Bickell, Aasgew. Schriften der syr. 
Kirchenvater Aphraates, Rabalas, Isaak, Kempten 1874, S. 9—16. 6re- 
gorii Barhebr. Chrou. eccl. ed. Abbeloos et Lamy I, 922 sq. II, 34. Yon 
der armenischen Uebersetzung (Jacob! Nisibeni sermones. Bomae 1756. 
Als Heraosgeber und Verfertiger der lat. Uebersetzung nennt sich ttber 
der Dedicationsepistel Nic. Antonellus) habe ich nur wenig Gebrauch 
machen kcjnnen, da ich das Armenische nicht verstehe, die lat Ueber- 
setzung Antonelli's aber sehr ungenan sein soil s. Sasse p. 31. Ich be^ 
zeichne Wright's Text durch A und Antonelli's lat Uebersetzung dnrch A'. 

1) Gesammelte Abhandlungen S. 2. 91. 92. 

2) Gdtt gel. Anzg. 1877 S. 184. Lightfoot (Gontemp. Rev. 1877, 
Hay, p. 1140) fand die Beobachtung wahrscheinlich cf. £. Abbot, The 
authorship of the fourth Gospel 1880 p. 53; Nestle (Theol. Literature. 
1879 col. 298) fand sie wichtig, Wellhausen (Bleek's EinL in's A. Test 
4. Aufl. S. 604) die Begriindung nicht ansreichend. Sasse ist vielleicht 
darum in seiner Ercirterung der neatest. Citate des Aphr. (1. 1. 36—39) 
zu keinem bemerkenswerthen Resultat gekommen, well ihm jene Beob- 
achtung entgangen ist. Lipsius dagegen scheint von ihrer Richtigkeit 
so vSUig tiberzeugt zn sein, dass er es fllr ttberflUssig halt, die Quelle 
seiner Weisheifc zu nennen (Die edessenische Abgarsage S. 51). 

3) A 13, 9—12. A^ p. 8 hat wie oftmals auch hier das Originelle 
verwischt: In principio evangelii domini nostri secundum Joannem^ und 
dann ibidem ipsemet Joannes testatus est Aber das ist blosse Willkflr 
des Herausgebers und lateinischen Uebersetzers Antonelli; die arme- 
nische Version selbst enthSlt, wie ich durch giitige Beihtilfe meines C!ol- 
legen v. Spiegel weiss, den Namen Johannes hier nicht Es heisst dort: 



- 74 - 

vorans, dass man in dem kirchlicben Ereise des Verfassers ent- 
weder nnr das mit diesen Worten beginnende vierte Evange- 
lium kannte und dies ebendesbalb als das eine Evangelinm 
Christi zn bezeichnen pflegte, oder dass in der dortigen Samm- 
Inng der vier Evangelien das johanneische die erste Stelle ein- 
nahm, oder endlicb, dass man eine Evangelienharmoiiie in 6e- 
braneh batte^ welcbe mit Jo. 1, 1 begann. Die erste ; an sich 
bOcbst nnwabrscbeinliche M5glichkeit wird dnrch die massen- 
haften Bezngnabmen auf die synoptiscben Sto£fe bei A ansge- 
scblossen; die zweite durcb die Thatsache, dass die syrische 
Kircbe nnsres Wissens niemals das Jobannesevangelinm an der 
Spitze des Evangelienkanons gelesen bat ^). So bleibt die dritte 
MQgliehkeit, welcbe scbon dadareh beinabe zur Gewissbeit er- 
hoben wird; dass eine mit Jo. 1, 1 beginnende Evangelienbar- 
monie wenige Jabrzebnte nacb Abfassung der Abbandlnngen 
des A von EpbrSm als ^Evangelium^ and y,bl. Scbrift'' com- 
mentirt worden ist. A bezeicbnet die Quelle seiner Eenntnis 
der Gescbicbte nnd Lebre Jesu in der Regel als „das Evan- 
gelinm Cbristi" ^) ; er citirt auf den 508 Qaartseiten seines 
mit bibliscben nnd aach evangeliscben Citaten and Anspielungen 
gespickten Werks niemals eine einzelne evangeliscbe Sebrift 



Wie auch geschrieben ist im Anfang des Evangeliums unsres Herm: 
Im Anfang war das Wort etc. 

1) Syras Caretonianas hat die Ordnung Matth. Marc. Jo. Luc, die 
Pescbitta und die Philox. - Heracl. nach alien erhaltenen Hss. die Ord- 
nung Matth. Mar. Luc. Jo. cf. Adier, Novi T* versa. Syr. 1789 p. 3 sqq. 
Wright, Catal. p. 40—75. Ganz vereinzelt nnr findet sich in griech. 
Hss. die Voranstellung des Johannes s. Scrivener, Introduction to the 
Criticism of the N. T. 2. ed. p. 68. 

2) A 385, 2 heisst es nach dem im IL Abschnitt § 98 (Note 2) mit- 
getheilten Citat aus der Auferstehungsgeschichte : Und die Engel dien- 
ten ihm, wie weiter ohen in seinem Evangelium (frniiDi b^b yjz) ge- 
sagt ist: Die Engel stiegen herah und dienten Jesu. s. unten Abschn. II 
§ 10 N. 12. A 2 enthSlt diese Abh. nicht. — A 276, 12: me er (nach 
dem Vorangehenden Christus) in seinem Evangelium sagt; es folgt 
Jo. 5, 22. — A 433, 16: Was uns der Herr in seinem Evangelium 
lehrtf dass Jeder nach seiner Arbeit seinen Ldhn empfdngt, — A 394, 7 
sagt ein Jude: Jesus, der euer Lehrer heisst, schreiht euch: „Wenn ihr 
Glauben habt wie ein Senfkorn'* etc. Auch A 487, 19 heisst es in Be- 
zug auf Worte Jesu von diesem selbst: Er hat uns geschrieben, — Oe- 
W^bnlich nennt A das Evangelium 2<n^nD, selten (z. B. 133, 15) 'jl'^b^i^nK. 



— 75 — 

in der Art^ dass man auf eine Mebrheit derartiger Schriften in 
Beinem Besitz sohliessen kOnnte; er gebrancht nie das Wort 
„ Evangelist" and bezeichnet yoUends nie einen Apostel oder 
aposiolischen Mann als Verfasser des oder eines Evangelinms, 
Wenn man bedenkt, welche grosse Bolle die Verscbiedenheiten 
der Darstellang der Leidensgescbiebte bei den Synoptikera 
einerseits and Johannes andrerseits sebon in den Osterstreitig- 
keiten des zweiten Jahrbanderts and dann wieder in alien Er- 
5rterangen dieser Frage bei den grieebiscben YStem des vierten 
Jabrbanderts and noeb spilterer Zeit gespielt baben^ so ist die 
in's Einzelne der bistoriseben Grandlagen der cbristlicben Oster- 
feier eingebende Abbandlang des Apbraates tlber das Passa 
(A 216—230) an sicb sebon ein Beweis dafUr^ dass jene wirk- 
lieben oder sebeinbaren Di£ferenzen der kanoniscben Evangelien 
fttr die ostsyriscbe Eircbe am 340 gar niebt existirten, d. b. 
aber aaeb; dass im Evangeliam derselben jene Differenzen aos- 
geglicben waren. Trotz der gelebrten and zam Tbeil polemi- 
seben Bebandlang der scbwierigen Frage ist bei A von ver- 
sebiedenen Beriebten^ die mit einander aaszagleicben w&ren, gar 
keine Bede. Die Beihenfolge der Ereignisse der Leidensge- 
sebiebte naeb Zeit and Stande wird einfacb aas „dem Evan- 
geliam" abgelesen. Dass z. B. Jesas das Abendmabl erst naeb 
dem Weggang des Jadas eingesetzt babe, wird niebt als wabr- 
scbeinlicb oder mQglich oder gewiss erwiesen, sondem als selbst- 
verstSndlieb dem Evangeliam nacherz^blt 0* D^ war niebt in 
den kanoniscben Evangelien; wohl aber in dem von EpbrSm 
commentirten Diatessaron za lesen'). Dass A (Apbraates) and 
E (EphrSm im Evangeliencommentar) ein and dasselbe Evan- 
geliam vor sicb batten, wird darcb eine FUlle von aaffallenden 
Uebereinstimmangen nicht nar in einzelnen Lesearten, sondem 
vor allem in gleicbartiger Miscbang von Bestandtbeilen der ein- 
zelnen Evangelien bestiitigt. Wenn ans E den Text seiner 
Harmonie vollst^ndig mitgetbeilt bStte, and wenn ans sein Com- 
mentar im syriscben Original erbalten w&tq, wtlrde die Beweis- 
fUbrang sebr vereinfacbt sein. Es ist femer niebt za ttbersebn, 



1) A 221, 18; 223, 3. Wie wenig das allgemeine Ansicht des kirch- 
liehen Alterthams war, zeigen Antonelli A^ 341 sqq., Wichelbaas, Com- 
mentar zor Leidensgeschichte S. 257. 

2) S. anten Abschn. II § 83 N. 4. 



- 76 - 



dass A darchweg frei nach dem G^dftchtnis citirt; so dass 
zwischen verschiedenen AnftlbruDgen derselben Stelle bei ibm 
selbst merklicbe Verschiedenheiten wabrzunebmen sind. End- 
licb versteht es sicb von selbst, dass bei einem Bach; welcbes, 
wie sicb zeigen wird^ zar Zeit A's und E^s nicbt mehr jang 
war, zwiscben dem Exemplar, welebes A benutzte, and dem- 
jenigen, welebes dem E bei seiner Exegese vorlag> erbebliche 
Textversebiedenbeiten besteben konnten und nacb aller Analogic 
wabrscbeinlicb bestanden baben. Trotzdem reicbt das Material 
zum Beweise aus. Bei der grundlegenden Bedeatnng dieses 
Beweises fUr alle weitere Untersuchang darf icb mieb nicbt mit 
Hinweisen aaf den Commentar zu den 100 §§ des IL Abschnitts 
begntigen, sondem muss anf die Gefabr einiger Wiederbolangen 
eine Anzabl entscbeidender Pankte bier in belleres Licbt setzen, 
als dort gescbeben konnte. 

Die Gescbicbte vom reicben JUngling; soweit sie sicb aus 
den BrachstUcken bei E 168—174 und der Reproduction bei 
A 392;, 4 sqq. wiederberstellen ISsst, lautet abgesebn von der 
bei A nicbt berticksicbtigten Erdrterung Uber die Anrede ^guter 
Meister^ folgendermassen ^) : 




E. 
Hagister bone, quid faciam, 
ut vivam? . . Scisne man- 
data? ... Si vis ad vitam 
aeternam intrare, observa man- 
data. . . Interrogavit domi- 
num de lege, . . Et dominus 
de olservationibus legis paulu- 
^r^^ remisit^) 



- ■♦- » ♦ \ 



m 



\ 



Hoc 







<• 



pM deest? 



Quid adbuc 
. • Amans 



A. 

Vnd auch jenem Reichen, der 
zum Herrn kam und ihm sagte: 
was soil icb tbun, dass icb das 
ewige Leben ererbe? sagte 
der Herr: bricb die Ehe nicbt 
und stiebl nicbt und ebre dei- 
nen Yater und deine Mutter 
und liebe deinen Mcbsten wie 
dicb selbst Es sagte ibm jener 
Mann: Dies (^eigtl. diese sc. 
Gebote) babe icb getban, seit- 
dem icb ein Enabe {war), Aber 
was entbebre icb? Da blickte 



1) Ich bemtihte mich, A genaa za tibersetzen. Carsiv lasse ich 
drucken, was nicht genaaes Gitat sein will, und setze ansserdem in 
Elammem, was von mir zar Verdeutlichung zugesetzt ist. 

2) E 169. Mosinger bemerkt dazu richtig: L e, non omnia mandata 
Ug%8 dominus enumeravit 



- 77 - 



earn intnltas est 

Alio adhnc tibi opus est. . . 
Si vis perfectus esse, vade^ 
vende omnia quae babes • . • 
'per crucem intrabunt in regnum 
caelorum. . . Porro eum con- 
tfistatutn et non ficle^ sed vere 
contristatum esse, ex eo patet, 
quia dominus vidit^ eum esse 
contristatum 



Sed cum tile 

abiissetf dixit dominm: Quam 
difficile est eis, qui in posses- 
sionibus confidant! • . 



ihn Jesas liebevoU an nnd sagte: 
Eins feblt dir; wenn da willst 
voUkommen sein, gehe hiui 
verkaafe AUes, was dir ist {du 
hast) and gib (es) den Armen^ 
and trage dein Krenz and gehe 
hinter mir (d. A. folge mir). 
Und jener Mann , als er {das) 
hdrtC; warde er sehr traarig 
and ging ergrimmt in sein 
Haas, weil er sehr reich an 
Besitztbtlmern war. Und Jesas 
sprach: Sehet, wie schwer ist 
es fttr diejenigen; die anf ihre 
Besitzthtlmer yertraaen , dass 
sie in das Himmelreich ein- 
gehen ! 

Indem ich mich f ttr den Nachweis der evangelischen Stellen 
and der Orte in E, aas welchen die einzelnen SUtze entlehnt 
sindy and das meiste Einzelne anf T § 53 berafe, behaapte ich, 
dass es Jedem; der die fliessende Darstellang in A liest and 
mit irgend einer modemen Synopsis vergleicht ^); von vome- 
herein wahrscheinlich sein mass, A sch5pfe aas einer Evan- 
gelienharmonie. Es ist doch nicht selbstverstfindlich, dass man 
die nar Mr. 10, 21 and Lc. 18, 22 erhaltenen Worte ey coi 
(oder (re) vateqet oder hti ev (To$ Xeinei als Antwort aaf die 
nar Mt. 19, 20 erhaltene Frage tl hi v(naq& folgen l&ist 
AUerdings haben einige jtingere griechische Hss* jene Frage 
aach Mr. 10, 20 in den Text genommen. Sie findet sich aach 
als Bandesart in mehreren Hss. der HeracL, aber wie es scheint 
nirgendwo in deren Text ^) , ebensowenig in P. Da Sc. fehlt, 
so wllre es m5glich, aber doch sehr anwahrscheinlich , dass A 
aas dieser sUtesten Evangelientlbersetzang diese Frage als ein 
Sttlck des Marcas geschQpft h&tte. Aber A gibt ja aaf alle 
Ffille einen aas Mt. and Mr. gemischten Text. Den Vordersatz : 



1) Ich habe be! Ausarbeitung gegenwartiger Scbrift mit stets sich 
erneaernder Dankbarkeit Anger's gelehrte Synopsis evangelioram Hat- 
thaei, Marci, Lacae. 1852. benatzt. 

2) White p. 596. Adler p. 104. 



- 78 - 

ivenn du voUkommen sein willst konnte er nar ans Ht. 19, 21 
DehmeD, den liebevoUen Blick Jesn irnr ans Mr. 10^ 21^). Und 
dies beides findet sieh in w()rtlicher Anf&brnng bei E als Text 
der Harmonie bezengt. Woher also anders als ans dieser soil 
A jene Combination der Frage aas Mt. mit der Antwort ans Mr. 
Oder Lc. haben? Wie kfimen femer zwei nicbt ans der gleicfaen 
Qnelle sch5pfende Syrer daza, anstatt des bei alien Synoptikem 
wesentlich identisehen Sprucbs fiber die Schwierigkeit des Ein- 
gehns in's Gottesreich fiir die Reiehen (Mt. 19, 23. Mr. 10, 23. 
Le. 18| 24) nnd des jedem GedSchtnis sieh nnanslOseblich ein- 
prfigenden Vergleichs vom Eameel und Nadel(5br (Mt. 19, 24. 
Mr. 10, 25. Lc. 18, 25) vielmehr nnr den das Verst&ndnis er- 
leichtemden, die ScbrofFheit des 'Gedankens mildemden Sprnch 
zn geben, welchen nnr Mr. 10, 24 gibt? Dazu kommt dann noch 
die gleiche von P nnd Heracl. v^llig abweichende nnd sehr freie 
Uebersetznng von Mr. 10, 21: o di ^Ifi(Tovg efifikiifjag adv^ 
^ydn§i(r€P aitov (s. das Nilbere § 53 N. 11). Diesem letzten 
Beweisgrnnd konnte man sicb wieder dadnrcb entziehen, dass 
man annShme, in dem verlorenen Marcns des Sc babe diese 
Uebersetznng gestanden. Aber die Citate des A stimmen keines- 
wegs dnrebweg mit dem Text von Sc, sie stimmen nicbt selten 
gegen alle syrische Evangelientlbersetznngen mit dem von E 
commentirten Text der Harmonie. 

Da A sicberlicb des Griechiscben nicbt mUchtig gewesen ist, 
so liegt ein starker Beweis ftlr die wesentliche Verschiedenheit 
seines „Evangeliums Christi" von den zn seiner Zeit existiren- 
den syriscben Versionen der kanonischen Evangelien, d. fa. von 
So nnd P, in solcben Citaten A's, welcbe eine eigenthOmliche, 
in jenen Versionen nicbt ansgesprochene, Anffassung des griechi- 
scben Originals darstellen. Mt. 5, 4 ttbersetzen Sc P das oti 
adtol naqaxXti&iicovTai dnrch 'Jl«'^an3 y\ynn d, h. da sie getrostet 
werden sollen^ dagegen heisst es A 41 , 11 in freier Beprodnction 
dieses Makarismns : 'j'lBttJDni y\l^V\ Nb'^iNb '?|b73i d. h. Und er ver- 
Mess den Tratiemden, dass man sie anflehen werde. Der Urheber 
des dem A vorliegenden Textes fasste also naqaxaXelp im Sinn 
von bitten nnd ttbersetzte damach das Passivnm. So gibt A 383, 
16 die Worte pvp di dde (oder vielmehr ode) naqaxaXshai 



1) Weniger Gewicht ist aaf die Forderang des Erenztragens zn legen; 
denn So hat dies aach Mt. 19, 21 in den Text genommen. 



- 79 - 

Lc. 16, 15 in der Form wieder: rt57a rr^^^a )'^ NWi"^ d. h. heute 
aber bittest du von ihm. Also anch hier ist naqaxaXeiy, obwoU 
ein anderes Verb wie Mt. 5, 4 gewUhlt ist, in dem an sich m5g* 
lichen, aber hier nnpassenden, von P (Sc fehlt) nicht acceptir- 
ten Sinne von bitten gefasst. Dem entspricht es anch, dass 
A 390, 4 v^p naqdxXf^cip aixAv (statt ificSp) Lc. 6, 24 Qber- 
setzt inrrni9:i ihre Bitte, ihren TVunsch, wofllr P (anch hier fehlt 
8c) euren Troist gibt. Man wird einsehn, dass hier freie Er- 
innernng des A an einen der alien syrischen Texte nichts er- 
klfirt. Es m5gen die Bertthmngen zwischen seinen Gitaten nnd 
Sc Oder P in vielen anderen Fallen noch so nnlengbar sein, ein 
einziges Vorkommnis wie die angeflihrten beweist, dass das von 
A benntzte Evangeliam ein von alien erhaltenen syrischen Ver- 
sionen nnabhSngiges VerhSltnis zam griechischen Original hatte, 
also weder Sc noch P war. Die leicht sich anfdr&igende Be- 
obachtnng, dass A's Citate eine gewisse Mittelstellong zwischen 
Sc nnd P einnehmen^ gilt anch von dem darch E bezengten Text 
der Harmonic nnd wird nnten im III. Abschnitt erOrtert werden; 
nnd dass in dieser Hinsicht vom evangelischen Text bei A nnd 
E das Gleiche gilt^ ist anch ein Beweis dafUr, dass das Evan- 
geliam beider identisch ist Hier aber gilt es nnr erst, nnab* 
hSngig von der Frage nach dem Ursprnng der Harmonie za 
constatiren, dass zwischen A nnd E Textttbereinstimmnngen von 
anflESlligster Natar bestehen, welche sich nicht dorch gleiche Ab- 
bUngigkeit A'^ nnd E's oder vielmehr T's von den kanonischen 
Evangelien der syrischen Eirche erklaren. 

A 307, 7 (A* 321) citirt Mt 15, 19 ebenso wie E 63 gegen 
alle syrisohe (Sc P Hcl), aber anch griechische Ueberliefemng: 
Im Herzm sind die bosen Gedanken (T § 36 N. 4). — A 28, 4 
citirt in wesentlicher Uebereinstimmung mit E 36 (s. T § 6 N. 5) 
Jo. 1, 17 gegen alle sonstige Tradition: Die Wahrheit des Ge- 
setzes ist durch Jesum geworden. — A 263, 1 nnd E 98 geben 
nach Mt 10, 37 (cf. Lc. 14, 26), der eine abktirzend, der an- 
dere voUstandiger als Anssprnch Jesa: Wer mich nicht mehr 
liebt, ah seine Seele u. s. w. (T § 24 N. 18)- — A 123, 4 gibt 
wie E 105 dem Satz Jo. 3, 34 b den Zosatz seinem Sohne (T 
§ 13 N. 3). - A 28, 3 nnd E 64 sq. citiren Mt 5, 17 in der 
stark verkttrzten Form ovx ^IS-op xazaXvcai top p6[iop ^ tovg 
fSQO^^tag, SXXa TtXtigSffai avtovg (T § 17 N. 5). — A 394, 10 
nnd E 204 setzen Mt 17, 20 ein a facie vestra, xo^^'D'i'p yt^ za 



- 80 - 

lietdfi^aerai zu nnd lassen nicht nur wie anch Sc P das ixetf 
sondern aach das ipvev&ep vorher weg (T § 44 Nr. 5). Atich 
da, wo merkliche Verschiedenbeiten des Textes zwischen A and 
£ bestehen, ist ibre von aller sonstigen Tradition abweicbende 
Uebereinstimmung mancbmal za erkennen. Ein sebr eigentbiim- 
licber Fall dieser Art ist T § 50 N. 8 ansfUbrlicb er5rtert ^). 
Fmie mebr oder weniger aaff&lliger TextUbereinstimmnng, welche 
darnm weniger beweisend sind, weil Sc fehlt, nnd daber m5g- 
licberweise in gemeinsamer Abblingigkeit des A and des T von 
Sc ibre Uebereinstimmang begrUndet sein k5nnte, sind nicbt 
selten. Dabin geb()rt z. B. das coram dec Lc. 1, 13 (T § 2 
N. 8. Cf. § 2 N. 10; § 4 N. 2). Mit P gegen Sc stimmen A 
and E aacb nicbt selten s. z. B. § 8 N. 3; § 34 N. 9; § 96 N. 6. 

Yon grQsserer Bedeatang als einzelne, sei es aacb nocb so 
beispiellose Lesarten, welcbe A and E gemein baben, sind die 
F£lle von gleicbmSssiger Miscbnng evangeliscber Stellen, deren 
einer scbon vorber dargelegt worden ist. Dass A wie E Lc. 17, 
3. 4 mit Mt. 18; 15 — 22 verscbmolzen gelesen bat, ist T § 50 
N. 7 a. 9 aosfttbrlicb bewiesen. So babe icb aacb dem Beweise 
in T § 61 N. 6 a. 7 nicbts binzazafttgen, wonacb in der gemein- 
samen Qaelle beider Lc. 17, 5 an Mt 21, 22 oder Mr. 11, 24 
angescblossen war. Beide baben, wenn nicbt AUes trtlgt, in 
ibrer Anferstebangsgescbicbte eine Engelverktlndigang , wie die 
Mt. 28, 6. Mr. 16, 6. Lc. 24, 5, als ein speciell an Maria 
Magdalena gericbtetes Wort gelesen (T § 98 N. 2), was nnr 
dnrcb eine ibnen vorliegende Verscbmelzang des jobanneiscben 
and des synoptiscben Bericbts sicb erkUlrt. Beide baben am 
Schlass ibres Evangeliams Sfitze aas Mt. 28, 16~-20 mit Sfitzen 
aas Mr. 16, 15 — 18 verbunden gelesen *). 

Da fttr eine Evangelienbarmonie vor allem die Reibenfolge 
der Erzilblangssttlcke cbarakteristiscb ist, so wSre es von be* 
Bonderem Wertb, irgend welcbe Spar der Anordnang von T in 



1) Aach auf T § 29 N. 9 darf verwiesen werden. — - Wenn in dem 
vorhin erSrterten Fall £ 63 Mt. 5, 4 consolahuntur gibt, so lehrt die 
gleiche, das Eigenthttmliche verwischende Uebersetzung des Gitats des A 
in A^ p. 41, dass armenische Uebersetzer sich solche leichte YerSn- 
derungen gestatteten. Um so b5her mlissen deshalb die trotzdem nach- 
weisbaren Uebereinstimmnngen der evangelischen Texte in E and A an- 
geschlagen werden. 

2) T § 100, besonders N. 2. Gf. aach noch § 19 N. 1. § 26 N. 6. 



- 8i --^ 

A nachweisen za k^Doen. Yielleicbt ist die Perlenschnar von 
Thaten nnd Worten Jesn, durch welche A p. 41—43 die Liebe 
Jesn in der Mannigfaltigkeit ibrer ErweisiiDgeD verberrlicben 
will, nicbt obne Interesse. Die Beihenfolge ist diese: 1) Berg- 
predigt^). 2) Als erstes Beispiel von Erankenbeilungen der 
Sobn des HanptmaDns von Eapernaum. 3) Stillang des Stnrms 
and Austreibnng der DUmonenlegion. 4) Heilung der Tocbter 
des Jairas and des blntfltissigen Weibes. 5) Heilang zweier 
Blinder. 6) Aassendang der Apostel mit dem Verbot za den 
Heiden and Samaritern za geben a. s. w. 7) Die grosse SUn- 
derin. 8) Die Kosten des Tbarmbaas (Lc. 14, 28 sq.). 9) £r 
bat die Dfimonen aas ans aasgetrieben and ans zar Wobnang 
der Gottbeit gemacht. 10) Oleichnisse vom SHemann and vom 
Scbatz im Acker. 11) Der vergeblicbe Versacb, Jesas vom Berge 
berabzastUrzen (Lc. 4, 29 sq.)- 12) Speisang der 5000. 13) Das 
kananHiscbe Weib. 14) Heilang eines Stottemden ^). 15) Hei- 
lang von Blinden', die ibn preisen. 16) YerklHrang anf dem 
Berge. 17) Heilang eines mondsUcbtigen Enaben. 18) „Werdet 
wie die Einder" and Warnang vor Yeracbtang der Eleinen, 
deren Engel Gottes Angesicbt scbaaen. 19) Der SSjUbrige 
Eranke. 20) Weltverlengnang lebrt er an dem Beicben, welcber 
aaf seinen Reicbtbam vertraate, ferner 21) darcb die Parabel 
vom reicben Mann and Lazaras. 22) Parabel v6n den Arbeitem 
im Weinberg. 

Yon dieser Beibe kOnnten Nr. 1 — 6 ein Excerpt aas Mt. 5 — 10 
mit einigen Erinnerangen an Lacas sein, aber mindestens eben- 
sogat aas T § 16-24. Hier findet sicb CT§ 19) die Miscbang 



1) Auf UDzweideutige Anspielangen an Mt. 5,3—16 und eine minder 
deutliche an Mt. 5, 38—48 (Lc. 6, 27—36) lasst A 44, 20 folgen: Und 
er hat uns zu Genossen des guten Mannes gemacht, der aus seinem 
Schatz Chutes hervorhringt, und hat uns getrennt von dem^ welcher Boses 
hervorhringt aus den Ueberschilssen seines Herzens (Lc. 6, 45). Daas 
das nicht eine momentane, erst darch den Schriftsteller geschaffene Yer- 
bindung von Stttcken der Bergpredigt nach Lc. mit der Bergpredigt nach 
Mt. ist, werden die Anfiihruogeii aus A in T § 19 N. 9. 10 beweisen. Er 
fand diese Combination wie tiberhaupt die gauze aus Mt. Lc. uud sogar 
Mr. zusammengestellte Bergpredigt, wie sie in seinem GedSchtnis lebt, 
bereits in T als Ganzes vor s. T § 16 — 19 mit alien Anmerkungen, be- 
Bonders § 17 N. 3; § 19 N. 1. 

2) A 42, 21 txp^tn rt5U3b tattJB. Also der fioyildlog Mr. 7, 32—37. 

Zahn, Forschimgen I. ^ 



— 82 - 

der Bergpredigt des Mt. mit derjeDigen des Lucas, welche schon 
vorhin (8. 81 Anm. 1) hervorgehoben wurde. Hier ist die Heiluog 
des AussStzigen, die als erstes HeiluDgswunder oach der Berg- 
predigt (Mt. 8, 1 — 4) sonst wohl am weoigsten leieht von A 
tibergangen worden wSre, ausgestossen. Ueber Nr. 5 s. T § 23 
N. 13. An die Aussendung der Apostel (Mt. lO = Nr. 6) die 
grosse SUnderin (Lc. 7, 36 — 50), und an diese eine Rede anzu- 
schliessen, worin Lc. 14, 28 sq. vorkan); darauf eine Bemerknng 
Uber Aastreibnng der nnreinen Geister aus dem Hause (Mt. 12^ 
43 f.) folgen zn lassen, das alles ist sachlich so fernliegend^ dass 
man nach einem ausserlichen Erklarungsgrund suchen mtlsste. 
Nun folgen aber in T auf § 24 (= Nr. 6) zunfichst 3 StUcke 
(§ 25—27), welche besonders wenig Anspruch auf eine Stelle in 
dieser excerpirenden Aufzablung des A erheben kdnnen, dann 
aber § 28. 29 (N. 12). 30 die drei den Nr. 7. 8. 9 entsprechenden 
Stticke. Dass Nr. 10 und 11 folgen, k5nnte wieder durch die 
Folge bei Mt. 12, 43 flf. -~ 13, 58 veranlasst sein. Aber Nr. 10. 11 
entsprechen auch den §§ 31. 32 in T, und nicht durch Mt., son- 
dem nur durch T konnte A veranlasst werden, von dem Besuch 
Nazareths einen Zug herauszuheben, den nur Lc. mittheilt (T 
§ 32 N. 7). Nr. 12. 13 folgen wiederum bald genug in Mt. 14 
u. 15, aber auch in T § 34. 37. Dass Nr. 14 (Mr. 7, 32—37) 
in T hinter § 37 stand, ist aus E's Gommentar nicht zu beweisen, 
wird aber durch Vergleichung mit einer anderen Harmonic, deren 
Abhangigkeit von T spater sich herausstellen wird, sehr wahr- 
scheinlich (s. T § 37 N. 5) Die unbestimmte Hinweisung auf 
Blindeinheilungen, welche Lobpreisungen hervorrufen (Nr. 15), 
nach der Heilung des Stummen kann aus rein rhetorischen Grttn- 
den erklUrt werden; sie konnte wegen der Stellung bald hinter 
der Geschichte vom kananaischen Weib auch auf Mt. 15, 31 
(s. T § 37 N. 5) bezogen werden. Wahrscheinlich aber ist dies 
fiir das Gedachtnis des A ein Anlass geworden, an Mr. 8, 22—26 
sich zu erinnern, und in der That finden sich die Nr. 15—18, 
wenn man Nr. 15 auf Mr. 8, 22—26 bezieht, in T § 41. 43. 
44. 50 ebensogut wieder wie bei Mr., nur durch Solches unter- 
brochen, was flir A hier unbrauchbar war. — Nr. 19 (Jo. 5) ist ein 
Rttckgriff auf T § 40, der aber weniger auffallig ist, als der im 
andern Fall anzunehmende 8eitensprung zum 4. Evangelium in 
einem Zusammenhang, in welchem sonst nur synoptische Stoffe 
verarbeitet sind. Wichtig ist wieder die letzte Gruppe Nr. 20 



- 83 — 

bis 22 = T § 53 — 55. Es ist zwar nicht ganz deutlich, wen 
A (Nr. 20) unter dem Reichen versteht, der aaf seineD Beich- 
thum vertraute, ob den reichen JUngling (Mt. 19, 16 — 24. Mr. 10, 
17—25. Lc. 18, 18-25), oder den Beiehen Lc. 12, 16—21. Auch 
Ersteres ist mdglich, denn erstens hat weder A 392, 5 noch 
E 168 sqq. jemals den reichen JUngling als Jttngling (Mt. 19, 20) 
bezeichnet; zweitens haben beide, also auch ihre gemeinsame 
Quelle T von den an diese Qescbichte angekntlpften Worten 
Jesn das bei Mr. 10, 24 allein erhaltene von der Unzulassigkeit 
des Yertrauens aaf denBeichtham vor den wesentlich gleich- 
bedeutenden AussprUchen Mt. 19, 23 sq. Mr. 10, 23. 25. Lc. 18, 
24 sq. bevorzugt (S. oben S. 78). Wahrscheinlicher ist jedoch, 
dass Lc. 12, 16 — 21 gemeint ist; denn wie hier A 43, 8 die 
fragliche Geschichte als tis'^sp b5^ biDnn^n N^-^ns^n ^rr^inn bezeich- 
net wird, fast bachstablich so A 381, 11 die dbrt unzweideatig 
reproducirte Parabel aus Lc. 12, 16— 21, and zwar geht sie auch 
dort derjenigen vom reichen Mann und Lazams voran. In E's 
Commentar ist Lc. 12; 16 — 21 nicht bertlcksichtigt; aber dass 
dies Stuck in T nahe bei der Geschichte vom armen Lazarus 
and der vom reichen JUngling stand, ist auch abgesehn von A 
wahrscheinlich (s. § 54 N. 1). Einen solchen Complex von 
Perikopen, welcher die Gefahren des Beichthums schilderte und 
diese in den Evangelien zerstreuten Geschichten unter dem 6e- 
sichtspunct der von Jesus geforderten Weltverleugnung zusammen- 
fasste, fand A in T § 53. 54 bereits vor. Und dass er dorther 
seinen 8toff entlehnt, wird bewiesen durch den Anschluss von 
Nr. 22 an 21. Ebenso folgt in T § 55 das Gleichnis von den 
Weinbergsarbeitern Mt. 20, 1 — 16 auf den armen Lazarus Lc. 16, 
19 — 3 1 in T § 54, eine Verbindung also von Stttcken, welche in 
den kanonischen Evangelien weit auseinander liegen und doch 
wahrlich nicht durch ein besondera enges Band ideeller Zu- 
sammengeh5rigkeit verknUpft sind. Woher anders also wird A 
diese Verbindung haben, als aus der Evangelienharmonie, in 
welcher sie nach E's Zeugnis vorlag? Nimmt man hinzu, dass 
gerade an einem StUck dieser Gruppe T § 53 die Identitat der 
Textgestaltung bei A und E bis ins Einzelne nacbgewiesen wer- 
den konnte (s. oben S. 76 ff.), so darf man es ruhig abwarten, ob 
Jemand den Unverstand haben wird, von Zufall zu reden. Dass 
das Evangelium, aus welchem A seine Kenntnis der Geschichte 
and Worte Jesu gesch5pft hat, und welches in seinem Eirchen- 

6* 



~ 84 - 

kreis die kanonischeo Evangelien regelmllssig vertrat, dasselbe 
war, welches E commentirt hat^ ist bewiesen. 

Es kQonte jedoch die Frage aafgeworfen werden, ob A neben 
der EvaDgelienharmonie auch von den kanonischen Evangelien 
einige Eenntnis gehabt habe. An ausdrUcklichen Zeagnissen 
dafQr, wie sie fllr EphrSm nicht nur in dessen syriscb erhalte- 
nen Werken, sondern gerade aach in seinem Gommentar tiber 
das Diatessaron vorliegen, fehlt es bei A darchaus. Die oben 
S. 74 beschriebene Aasdracksweise macbt eine solche Annahme 
nnwahrscheinlich. Sie wird als widerlegt gelten k5nnen, wenn 
die Bebauptang sieb beweisen lUsst; dass A nirgendwo selbst&n- 
dige Eenntnis eines Evangeliensttlcks bekundet, dessen Abwesen- 
heit von T bewiesen oder ancb nur wahrscheinlich gemacht wer- 
den k($nnte. Es sind doch nicht ganz anwesentliche Stticke der 
synoptischen Evangelien, von denen mit ziemlicher Sicherheit 
behanptet werdeii kann^ dass sie in T gefehlt haben* Es sind 
folgende: 1) Die Genealogien Jesu Mt. 1, 1—17. Lc. 3, 23—38 
(s. T § 3 N. 1). 2) Der Prolog Lc. 1, 1—4. 3) Die Heilnng 
des D^monischen in der Synagoge za Eapernaam Mr. 1, 23—28. 
Lc. 4, 33—37 '), und 4) der Schwiegermntter des Petras nebst 
nachfolgenden anderen Heilungen Mt. 8, 14—17. Mr. 1, 29—34. 
Lc. 4, 38-41. - 5) Lc. 11, 1—8 (s. T § 18 N. 3). — 6) Mt. 12, 
9-14 (Oder - 21). Mr. 3, 1-6. Lc. 6, 6—11. — 7) Lc. 13, 
10—17. — 8) Lc. 14, 1—10 2>. - 9) Mt. 15, 32—16, 12. Mr. 8, 
1—21. — 10) Die Disputation tiber den Davidssohn Mt. 22, 
41—46. Mr. 12, 35-37. Lc. 20, 41—44. - 11) Das Scherf- 
lein der Wittwe Mr. 12, 41-44. Lc. 21, 1— 4»). — Von den 



j) Die Abwesenheit dieses Stticks von T wu*d aach dadurch besta- 
tigt, dass es in der, wie sich spater zeigen wird, nahe verwandten aber 
voUstandigeren lat. Harmonie des Cod. FaldeDsis gleichfalls fehlt. Wenn 
E 113 Mr. 1, 24. Lc. 4, 34 beilaafig verwerthet, so zeigt er eben auch 
hier Eenntnis der kanonischen Evangelien neben T. 

2) T § 60 N. 2 wird gezeigt, dass kein Grand vorliegt, den 5fter vor- 
kommenden Spruch Lc. 14, 11 gerade auf diese Stelle zurilckzafiihren. 
Ueber Lc. 14, 7-10 s. T § 56 N. 6. 

3) Es ist hier abgesehn worden von solchen Stticken, welche durch 
naheverwandte Parallelen vertreten sind. Dazu wtirde z. B. auch Jo. 4, 
46—54 gehoren, wenn die Vermathang sich bewahren soUte, dass in T 
§ 20 (s. dort Note 1) Ztige aus dieser Erzahiang mit der haaptsSchlich 
nach Lc. 7, 1—10 gegebenen ErzShlang vom Hauptmann za Eapernaam 



— 85 — 

Sttlcken Nr.2— 11 finde icb aucb bei A keioe Spur. Han soUte 
denken, wcdd A 41 sqq. in seiner summarischen Uebersiebt 
neben den beiden Blinden aus Mt. 9, 27—31 nocb Platz ftlr an- 
dere Blindenbeilangen bat (s. oben 8. 82); so sei es fast nn- 
natllrlich; dass er neben der sebr aasflibrlicben Erwilbnang der 
Speisung der 5000 nicbt ein Wort fttr die der 4000 hat (Nr. 9). 
In einer langen Abbandlung tlber das Almosengeben A 377—393 
vermisst "man das Scherflein der Wittwe (Nr. 10); in der Ab- 
bandlung tlber den Sabbath A 231—244 konnten die Sabbath- 



verwoben waren. — UnverDtinftig wSre die Forderung, dass ich sammt- 
liche evangelische Citate A's in E nacfaweisen miisse, um za beweisen, 
dass A kein anderes Evangelium besessen habe, als die von E commen- 
tirte Harmonie. Denn E tibergeht ja integrirende Bestandtheile der Peri- 
kopen, die er erklSrt, and er kann nach der ganzen Art seines Verfahrens 
auch kleinere selbstSndige ErzShlungsstiicke und Redestiicke tibergangen 
haben. 1st im ttbrigen der Beweis ftir die darchgangige Abhangigkeit 
A's von T sicher geftihrt, so folgt vielmehr aus den AnfUhrungen solcher 
Stticke, die in E unberlicksichtigt geblieben sind, bei A, dass sie in T 
gestanden haben. Eommt dazu das an sich nichts beweisende Zeugnis 
der lat. Harmonie (s. vorher Anm. 1) , so kann auch der Ort in T oft 
nachgewiesen werden, auch wenn die Citate A's noch keinen bestimmten 
Fingerzeig in dieser Richtung geben. Es bleibt wenig Ubrig, was nicht 
mit Leichtigkeit und ziemlicher Sicherheit der Harmonie einverleibt wer- 
den konnte. Ueber Mr. 7, 32—37, worauf sich A 42, 21 bezieht, s. oben 
S. 82. Ueber Mt. 22, 1—14. Lc. 14, 16—24 s. § 66 N. 1. Ueber Lc. 12, 
16—21 und U. 16, 14 s. §. 54 N. 1. Ueber Lc. 19, 12—27 und Mt. 25, 
31—46 s. § 80 N. 1. Ein Citat aus Lc. 14, 12—14 A 388, 12—19 wagte 
ich auch nicht vermuthungsweise einer bestimmten Perikope zaznweisen. 
A gibt dort mit Sc t^ xexXrjxoTi avrov wieder durch NrT^^s^nfi^ &<l72'b, 
wahrend P w5rtlich tibersetzt. Im iibrigen erlaubt er sich Freiheiten, 

deren sich Sc P enthalten haben z. B. Kp-^nt D5^ statt Kp'«nT^. Da von 
Lc. 14, 1 — 10 weder in E noch in A etwas zu finden ist (s. Anm. 2), 
und da eine Verarbeitnng von Lc. 14, 16—24 in Tmindestens sehr zweifel- 
haft (s. § 66 N. 1 ), so ist in der That guter Rath thener. Die lat. Har- 
monie hat Lc. 14, 1—15 hinter Mt. 20, 1-16 (T § 55) gestellt (Fuld. 
p. 99, 33-100, 24). Es folgt dort (Fuld. 100, 25-101, 3) die Heilung 
der 10 Anssatzigen Lc. 17, 11— 19, dann erst die Bitte der ZebedaassQhne 
(= T § 56). Von Lc. 17, 11—19 verrath E zwischen seiner Erklarung 
von T § 55 und 56, nSmlich E 177 durchaus keine Kenntnis. Aber 
A 124, 10 schreibt: Elisa reinigte Naeman, den Aussdtzigen^ unser Er- 
loser aber reinigte zehn. Das ist aber auch Alles, was ich in A fand, 
ohne es in der Harmonie, soweit sie sich aus E und den Citaten A's 
wiederherstellen liess, unterbringen zn kOnnen. Einige Apokrypha werde n 
im HI. Abschnitt besprochen werden. 



- 86 - 

geschichten Nr. 6—8 leicht bertlhrt werden, in der Abhandlang 
ttber das Gebet A 60—78 Nr. 5. Bei aller Polemik gegen die 
JadeD, insbesoDdere auch in der gegen die Juden gerichteten 
Abhandlung ttber die Gottessohnschaft Christi A 332—344 von 
Mt. 22, 41- 46 (Nr.lO) keine Spur, und nicht einmal Ps. 110, 1 
irgendwo eitirt, geschweige denn nach dem Vorgang jener classi- 
seben Dentnng Jesu verwertbet zn finden, mass auffUIIig genannt 
werden. A kannte diese Stttcke nicht. Also war T, worin sie 
feblten, die einzige Quelle seiner Kenntnis der evangelischen 

StoflFe. 

Vielleicht wird man in der 23. Abhandlung ttber die geseg- 
nete Weinbeere ( Jes. 65 , 8) A 446 - 508 einen ausreichenden 
Beweis dafttr finden wollen, dass A die Genealogien aus Mt. 1, 
1—17. Lc. 3, 23—38, also auch diese Evangelien selbst gekannt 
babe. Es wUrde sich immer noch fragen, ob von dieser znletzt 
von alien, erst im August 345 geschriebenen , weitaus IsLngsten 
and gelebrtesten Abhandlung ein Scbluss auf die ttbrigen ge- 
stattet sei. Es ware sebr wohl denkbar, dass der Verfasser ftlr 
seinen diesmaligen Zweck, welcher chronologische und genealo- 
gische ErGrterungen erheischte, zu einer Uebersetzung der kano- 
nischen Evangelien gegriffen hatte. Es existirten deren damals 
bereits zwei, oder zwei Reeensionen der einen alten Uebersetzung, 
So und P; und nicht nur von ibrer Existenz im Bereich der 
syrisch redenden Eirche, sondern auch davon, dass darin Man- 
ches enthalten sei, was in dem gewQhnlichen Evangelienbucb 
seines Ereises fehlte, muss ein Mann von der Bildung und Stellung 
des Aphraates Eenntnis gehabt haben. Aber es ergibt sich, wenn 
icb recht sehe, aus der 23. Abhandlung nicht, dass er Sc oder 
P dabei benutzt babe. Allerdings liest man zweimal A 372. 374 
ganz dieselbe genealogiscbe Reihe von Salathiel bis zu Joseph, 
dem Mann der Maria , welche in Mt. 1, 12—16, und abgesebn 
von den beiden ersten Namen Salathiel und Zorobabel weder im 
A. Testament noch in einer anderen vom N. Testament unab- 
hlingigen Schrift zu finden ist; und es stimmt die syrische Um- 
schreibung der Namen des griecbischen Textes ziemlich buch- 
stablich mitP ttberein')- Oer eigentliche Zweck der Abhandlung 



1) A 472, 2. 3. 7; 474, 1 nach der eioen Hs. b-^Nnbia mit P Mt. 1, 
12, nach der andem b'^&<nbd<lZ) mit Sc. Nach beiden H8S. gibt A 472, 15 ; 
474, 1 pint mit P Mt. 1, 14, dagegen Sc pi^it. Dies sind zugleich die 



- 87 — 

ist nicbt, die Abstammung Jesa nachzaweisen ; abcr A zabit 
docb die ganze Beihe von Adam bis Jesus her A 473, 13 sqq. 
■ WeDD er nan die daran sich anscbliessende cbronologische 
Uebersicht mit den Worten beginnt: Gott schuf und erzeugte 
den Adam, also Gott als den Vater Adams vorstellt; so mass 
das an Lc. 3, 38 erinnern. Die Reihe and die Namensformen 
von Adam bis Abraham sind bei A 473, 13 sqq. of. 474, 6 sqq. 
wesentlich die der P Lc. 3, 34—38 (Sc fehlt), nar dass A be- 
harrlich (473, 15; 477, 15) *ni:)DD"iN statt n;25DSD-i« schreibt und 
den aus dem LXXtext von Gen. 11, 13 (1 Chron. 1, 24) stam- 
menden Kalvdii oder Kaivav Lc. 3, 36 in. fortlSsst^). In der 
Reihe von Abraham bis David stimmt A mit Mt. 1, 2 — 6 and 
nicht mit Lc. 3, 31 — 34 des griechischen Textes; denn er hat 
p. 465, 15; 473, 17 statt ^^dfielv tov ^Aqvel oder l^ga/i (rot; 
'^IcoQccfi) Lc. 3, 33 nur den l^gdfjb aus Mt. 1, 3, wie freilich P 
mit manchen Griechen und Lateinern auch Lc. 3, 33 gibt. Wenn 
A 465, 22; 473, 17 mit den besten griechischen Hss. in Lc. 3, 32 
den Sobn des Nachson, welcber bei Mt. 1, 4. 5 2al(jicov heisst, 
fi^btt) nennt'), so ist zu bemerken, dass Sc auch Mt. 1, 4. 5 
diese Form hat. Die E5nigsliste von David bis Jechonja A 466, 
20—471, 20; 473, 18—20; 482 sq. ist ttbefall die vollstandige 
der alttestamentlichen GeschichtsbUcher, nicht die um 4 Glie- 
der verkUrzte des kanonischen Mt. , auch der P. Die drei 
Mt. 1, 9 ausgestossenen Namen hat auch Sc hier ergHnzt, 
den vierten (Jojakim), der Mt. 1, 11 ausgestossen ist, nur A. 
Als wesentliche und unmittelbare Vorlage des A scheint schon 
nach Vorstehendem weder Sc noch P gelten zn k5nnen. Ein 
Mann von seiner vorwiegend verst^ndigen Richtung, welcher 
hier zum Tbeil mit grosser Umst^ndlichkeit die chronologischen 
und genealogischen Angaben des A. T's erdrtert, hStte dies 
alles nicht so ohne alle Reflexion auf die sehr verschiedenen 
Reihen bei Mt. und Lc. als selbstverstSndlich geschichtlich 



einzigen Varianten zwischen Sc and P in diesem Theil der Genealogie. 
Die Besprechang der Sache bei Careton, Four gospels in Syriac p. VII sq. 
ist recht nDgenUgend. 

1) Er fehlt auch im cod. Cantabrig. (D). 

2) So Lc. 3, 32 &< (erste Hand) und B, wUhrend die meisten Grie- 
chen, P, Heracl 2ak(x6v nach Matthaus; dagegen heisst der Vater des 
Eber Lc. 3, 35 wie bei den Griechen auch in P Heracl. Sola ; nur schreibt 
P nbtt), Heracl. «bNO. 



— 88 - 

geben k^nnen^ weno ibm Mt. und Lc. vorlagen. WShreod er 
die Bticher der KOnige (A 482, 7) und selbst den Galaterbrief 
(481, 1) zur Sttttze seiner chronologisch-genealogischen Auf- 
stellnngen anraft, feblen aach bier die Namen ^Evangelists 
;,Mt^, 7)Lc^* HsLtte er deren Biicber gelesen, wttrde er docb 
kaam statt der 75 (oder 74) Glieder von Adam bis Joseph, die 
Lc. gibt; und statt der 59 Glieder, welche sicb durch Addition 
der 19 Glieder von Adam bis Tharah zu den 40 Gliedern des 
Mt. ergeben, ganz zuversiehtlich 63 Glieder von Adam bis Jo- 
seph berechnen (A 473, 4. 12). A ist der Ueberzeugung, dass 
nicbt nur Joseph, sondern auch Maria aas David's Stamm gewesen 
sei, und er legt Gewicht darauf; aber die Versuchung, welche 
Anderen die Existenz zweier kanonischer Genealogieen Jesu 
geboten hat, eine derselben auf Maria zu deuten, hat jedenfalls 
ftir ihn noch nicht bestanden. Er sagt 472, 18: Vnd es ward 
Joseph genannt der Vater Jesu Christie und Jesus ward gehoren 
von der Jungfrau Maria von dem Samen des Hauses Davids 
vom heiligen Geist; wie geschrieben steht: ,^Joseph und Maria 
seine Verlobte war en beide vom Hause Davids.^ Und der 
Apostel bezeugf, dass Jesus Christus von Mana vom Samen des 
Hauses Davids im heiligen Oeist (geboren) wurde* Es ist also 
hier mit einer sehr ungenauen AnfUbrung von R5m. 1, 3. 4 ein 
scheinbar genaues apokryphes Evangeliencitat verbunden. Dass 
dasselbe aber nicht auf irgend welchen Misbrauch der kano- 
nischen Genealogieen Jesu von Seiten A's, und auch nicht auf 
eigenthUmliche Yerarbeitung seiner Genealogieen in T zurlick- 
geht, sondern auf eine auch durch E ^) bezeugte eigenthtlmliche 
Gestalt von Lc. 2, 4. 5, ist T § 4 N. 2 bewiesen. Die An- 
nahme einer directen Benutzung der kanonischen Genealogieen 
durch A findet hier keine BestStigung, und hat wie gezeigt 
gerade da, wo er Kenntnis der von Mt. und Lc. dargebotenen 
genealogiscben Materien bekundet , WahrscheinlichkeitsgrUnde 
gegen sicb. Daher wird die Annahme erlaubt sein, dass A 
jene Kenntnis aus einem genealogisch-chronologischen Werk 
Oder speciell aus einer Schrift tlber die Abstammung Jesu, 
worin Mt. und Lc. benlltzt waren, gesch5pft hat. Dionysius 



1) E 16. iSehr bemerkenswerth ist, dass dort gleichfalls sehr bald 
der Satz folgt: Et apostolus testatur: Bominus noster Jesus Christus ex 
Maria f actus est ex semine donius David. Es folgt waiter 2 Tim. 2, 8« 



— 89 — 

Bar-Salibi berichtet, dass iUtere syrische Schriftsteller sich anf 
eine Erkl^ung des Julias AfricaDus tlber die WeglassuDg der 
E^nigsnamen bei Mt. berafen babeD ^). Wenn man sicb der 
persQnliebeD Beziehangen des Africanas zam Hof von Edessa 
erinnert, und wenn man vergleicht^ wie bald nach ibrem Er- 
sebeinen Werke wie die ^Tbeopbanie" des Eosebins in's Sy- 
risebe tlbersetzt worden sind ^), so kann man es niebt nnwabr- 
scbeinlicb finden, dass die Cbronik des Afrieanas, oder ancb 
sein Brief an Aristides in syriscber Uebersetzung dem A vor- 
lagen. Auf Africanus k(5nnte zurllekgebn, was A tlber die Yer- 
sebwligemng der Stilmme Jnda and Levi zur Zeit Nacbson's 
and Eleasar's sagt ') ; and icb vermatbe, dass A von demselben 
die wenig fraebtbare and in Bezag aaf die Zablen niebt zaver- 
ISssig tiberlieferte Bereehnang der danielischen Jabrwocben em- 
pfangen bat^). Jedenfalls aber kann der Umstand, dass wir 
die Qaelle der an diesem einzigen Panct tlber die Grenze der 
Evangelienbarmonie hinaasgreifenden Kenntnis A's nicht genan 
and sicber nachweisen k5nnen, nicbts an dem Resaltat Sndem, 
dass das einzige Evangeliam, welcbes bei den syriscben Gbristen 
in der Umgegend des alten Ninive am 330 — 350 in kireblicbem 



1) Careton, Remains of a very antient rec. of the four gospels Pref. 
p. IX sq. gibt eine -englische Uebersetzung nach Hss. Die ftir uns in 
Betracht kommende Stelle ttber Africanus hat Assemani bibl. Or. II, 
160 sq. nicht mitgetheilt, wohl aber eine andere 11, 16t sq. , wo Dio- 
nysius griechisch nicht erhaltene Angaben des Africanas zur selben 
Materie aufbewahrt hat. Cf. noch Barhebr. schol. in Matth. ed. Spanuth 
p. 3, 5; Routh, rel. s. (ed. 2) II, 296. Was tiber Evangeliencommentare 
des Africanus bei den Syrern hier and da berichtet wird (Wright, Catal. 
p. 928; Assemani B. 0. II, 129; III, 1, 14), kann jetzt nicht untersucht 
werden. 

2) Ensebius, On the Theophania translated by S. Lee, Pref. p. XIY sq. 

3) A 465, 17 sqq. Der Text ist in beiden Hss. nicht der gleiche 
und wahrscheinlich in keiner ganz erhalten. Dennoch ist zu vergleichen 
Fr. Spitta, Der Brief des Jul. Africanus an Aristides S 108 f. cf 47 f. 
Auch Ephram (E 16 sq.) schreibt: Porro invenimus genera Judae et 
Levi invicem commixta esse per Aaronem^ qui sororem Naassonis, duds 
datnus Judae ^ in matrimonium sumpsit, et per Joiadam sacerdoteniy qui 
aiiam Jorami, principis domus Davidy uxorem duxit. Die levitische Ab- 
kunft der Maria, welche Africanus wahrscheinlich anerkannt hat (Spitta 
S. 44 ff.), haben A und E p. 15 sq. entschieden verworfen. 

4) A 368 sqq.; 473, 7; 483, 15 sqq., auch schon 36, 5 sqq. cf 
Bonth, rel. a. II, 297 sqq. Eus. eel. proph. ed. Gaisford p. 151—153. 



- 90 - 

Gebrauch war, eine syrische Evangelienharmonie, and zwar 
keine aDdre, als die von E commentirte, war. 

Diese Thatsacbe hat nach dem, was sicb aas Epbram und 
Tbeodoret ergab, kaum nocb etwas Befremdendes und wird 
vollends begreiflicb, wenn man siebt, dass die Eircbe von Edessa^ 
von welcber aas das Christentham sicb in jene ostwarts gele- 
genen Gebiete verbreitet bat, mindestens scbon 100 Jabre vor 
Apbraates anstatt der Evangelien eine Evangelienbarmonie in 
aasscbliesslicbem kircblicbem Gebraacb gebabt bat So boob 
binauf flibrt uns namlicb der legendarisebe Bericbt liber die 
Cbristiauisirang Edessa's anter dem Titel Lehre des Apostels 
Adduif welcber im syriscben Original zuerst brucbstUckweise 
von W. Cureton^), dann vollstandig durcb Tb. Pbillips*), in- 
zwiscben aber nacb einer alten armeniscben Version franzQsiscb ^) 
beraasgegeben wurde. Diese scbon von Eusebias benutzte and 
tbeilweise in Uebersetzang mitgetbeilte Sebrift ist demnacb spH- 
testens am d. J. 300 verfasst^ and zwar, wie mit ziemlicber 
Sicberbeit bebauptet werden darf, in Edessa. Es liegt in der 
Natur der Sacbe, dass kircblicbe Einricbtungen and Zastllnde, 
welcbe diese Legende in die Anfangszeit der edesseniscben 
Kircbe, angeblicb in die erste Zeit nacb der Himmelfabrt Jesu 
zarDckverlegt and dem Apostel Addai zuscbreibt, zur Zeit der 
Abfassang des Bericbts als aralte, nie anders gewesene mtissen 
gegolten baben; and dies wideram setzt voraas, dass sie in 
der Tbat dort seit anvordenklicben Zeiten so existirten, wie sie 
der Bericbt darstellt. Andrerseits mtissen die betreffenden Tbat- 
sacben, wo jede Andeatang von einer seitdem eingetretenen 



1) Ancient syriac docaments relative to the earliest establishment 
of Christianity in Edessa, discovered, edited, translated and annotated 
by the late W, Cureton. With a preface by W. Wright. London 1864. 
Ich citire den syr. Theii des Bachs als anc, doc. Ueber das Alter der 
Schrift s. den Excars. 

2) The doctrine of Addai, the apostle, now first edited in a com- 
plete form in the original syriac, with an english translation and notes. 
By G. Phillips. London 1876, Nach dem syrischen Theil dieser Aus- 
gabe citire ich die Legende als Add, 

3) Lettre d' Abgar on Histoire de la conversion des Edess6ens par 
Laboabnia, Scrivain contemporain des apdtres, traduite sar la version 
arm^nienne du v. si^cle. Venise, Impr. M^khithariste de Saint - Lazare. 
1868. 



— 91 — 

Ver^nderang fehlt, aach nocb zar Zeit der Abfassuog in Kraft 
gewesen sein. Es wird daber die Bebauptuog nicht za gewagt 
sein^ dass die Lehre des Addai in Bezag auf wesentliche Ein- 
ricbtnngen des kirchlicben and gottesdienstlichen Lebens, deren 
Drsprnng sie in die Urzeit der edessenischen Kirche verlegt, 
ein glanbwilrdiger Zeage ftlr die edesseniscben ZastKnde im 
ganzen Umfang des 3. Jabrbunderts ist Das gilt ancb von 
den den bibliseben Kanon betreffenden Nacbrfebten; welcbe ins- 
gesammt zn berticksicbtigen sind, wenn das Einzelne ricbtig 
gewtlrdigt werden soli. 

In seiner Abscbiedsrede an seinen Nachfolger Aggai and 
die ttbrigen Geistlicben sagt Addai (Add. 46, 8 — 17): Bas Ge- 
setz aber und die Propheten und das Evangelium , worin ihr an 
jedem Tage vor dem Volk leset^ und die Brief e des Paulus, welche 
uns Simon Kepha von der Stadt Rom schickte, und die Praxis 
der zwolf Apostel, welche uns Johannes, der 8ohn des Zebeddus, 
von Ephesus schickte: in diesen Schriften sollf ihr lesen in den 
Kirchen Christie und mit denselben sollt ihr wetter nichis an- 
deres lesen da es weiter nichts anderes gibt, worin die Wahrheit 
geschrieben ist, die ihr besitzet, aMSser diesen Schriften , die ihr 
festhaltet in dem Glauben, zu welchem ihr berufen seid. Die 
Bestandtbeile des A. Testaments bedarften keiner genaaeren 
AufzSbluDg *). Es genttgte bier wie sonst die vom N. Testa- 
nient ber gelaafig popalHre Doppelbezeicbnang, statt deren ge- 
legentlicb noefa anvoUstlindigere and angenaaere, oder aacb 
der amfassendere die alte Diatheke, vorkommen*). Gemeint ist 



t) Ebenso Add. 34, 16. Die arm. Uebersetzung p. 40 Z. 1 ange- 
schickt les lots (statt la lo^ et les prophetes, Ebendort p. 51 (= Add. 46) 
ist im tibrigen treu Ubersetzt, aber la Genese anstatt la lot — Add. 20, 15 
die alien Propheten^ 20, 17 die Propheten, 20, 23 die Biicher und die 
Propheten, und dem Ziisammenhang Dach sogar die heiligen Schriften, 
die ihr besitzt (44, 12 cf. Hd. 13 u* 15) sind lauter angenaue BeDennaDgen 
des A. Testaments. Phillips engi Uebersetzang p. 20 Note b (= Add. 
20, 23) will ohne Noth nach dem Armenier (p. 28 les livres des pro- 
phetes) den syr. Text emendiren. Es ist nicht ungeschickter geredet als 
in der „Lehre der Apostel" (anc. doc. 27, 10) : das A, Testament und 
die Propheten, 

2) Add. 35, 9; 36, 17: die alte Biatheke und die neue. Cf. anc. 
doc. 32, 11; 40, 24. Aphraates p. 441, 16: Jeder, der in den heiligen 
Schriften liest, in den fruheren und den spdteren, in den beiden Testa" 
menten u s. w. Zur Schreibweise OlpD'^'T cf Gal. 4, 24 Pesch. 



- 92 - 

der jtidische Eaoon ^ ) . Dagegen werden die Tbeile des N. Testa- 
ments mit so starkem, alles Andere aasscbliessenden Nachdrack 
aafgezMhlt, dass jeder Gedanke an kanonische AnerkennuDg 
irgend eines der katholiscben Briefe^) UDd der Apokalypse in 
der edessenischen Klrcbe des 3. Jabrbanderts aasgeseblossen ist. 
In diesem Panet zunlU^bst ist der edessenisebe Eanon des 3. Jabr- 
bnnderts identisch mit demjenigen der syriscben Cbristen des 
Perserreicbs am die Mitte des vierten. Denn ancb bei Apbra- 
ates suebt man vergeblieb nacb irgend welcber Spar der katbo- 
liscben Briefe oder der Apokalypse'). Es wird daber ancb 



1) Add. 34, 16; 43, 15 sqq. 

2) Wer in der Angabe, dass Petrus die Briefe des Paalus von Rom 
geschickt babe, eine Anspielang auf 2 Petr. 3, 15 sq. finden wo lite, also 
auf eine der alten syriscben Eirche wahrscheinlich ganz fremde Schrift, 
mlisste eine analoge ErklSrang aach ftir die angebliche Zusendung der 
Apostelgeschicbte bereit haben. S. vielmehr die folgende Anmerkang 
am Schluss. 

3) Sasse 1. 1. 40 halt mit Unrecht den Eanon des A flir identisch 
mit dem der Peschitta. Zu den Worten (A 69, 9) : Siehe es steht ge- 
schrieben ilber die, welche an Chrtstus glauben, diiss Christus in ihnen 
wohnt wird 1 Jo. 3, 24; 4, 15 ebenso vergeblieb wie Jo. 6, 56 citirt. 
Ebenso mttssig ist die Anftihrung von 1 Petr. 4, 18 neben Prov. 11» 31 
zu A 141, 11; denn A citirt den Salomo. Vollends anberechtigt citirte 
Antonelli (A^ 241 = A 141, 20) 1 Jo, 1 , 9 , woftir Wright mit Recht 
Prov. 28, 13 substituirt. An die Apokalypse erinnert bei A trotz reich- 
lichsten Anlasses gar nichts. Die Erwartang des Weltsabbaths nach den 
6 Jahrtaasenden des Weltlaufs (A 36, 17 sqq.) ist von der johanneischen 
Apokalypse unabhangig. Unsere weisen Lehrer sagen so. Das biblische 
Fundament ist Ps. 90, 4. Hebr. 4, 9. Aphraates ist nichts weniger als 
Ghiliast. — Der Eanon der Peschitta schliesst bekanntlich die Apoka- 
lypse and die vier Briefe II Petr. II. Ill Jof Jud. aus, aber die Briefe 
Jac. I Petr. I Jo. ein, unterscheidet sich also deutlich von demjenigen 
der Doctr. Add. und, wie es scheint, des A. Aber aach in Edessa und 
Umgegend ist es bald anders geworden. Ephram citirt die Apokalypse 
(0pp. syr. II, 332 0). Was man ans den griechischen Schriften unter 
Ephram's Namen flir die Antilegomena anftihrt (Lengerke, de Ephr. arte 
herm. p. 4 sq.) ist verdk'chtig. Sehr merkwUrdig sind die Angaben der 
sogen. „Lehre der Apostel", welche nicht ohne Zusammenhang mit der 
„Lehre des Addai", aber jedenfalls bedeutend spelter geschrieben ist. 
Nach einer Stelle (anc. doc. 27, 10: Es verfugten die Apostel, dass 
ausser dem A. Testament und den Propketen und dem Evangelium und 
den Thaten ihrer Siege nichts auf der Kanzel [prjfjia] der Kirche gelesen 
werden solle) k5nnte es scheinen, als ob aach die Briefe des Paalus aas- 
geseblossen bleiben sollen. Aber man liest bald darauf (p. 32, 3), dass 



- 93 - 

erlanbt sein anzanehmen , dass nnter den Briefen des Paaliu 
in Add. ebenso wie bei Apbraates ^) and £phrftm ') der He- 
brlterbrief inbegriffen ist. Unter der „ Praxis der zw5lf Apostel^ ') 



die ersten Nachfolger der Apostel in der Kirchenleitung bei ihrem Tode 
ihren Schttlem Alles Uberliefert haben, was sie von den Aposteln em- 
pfangen hatten, AlleSy was Jdkohus geschrieben hatte von Jerusalem und 
Simon aus der Stadt Eoni und Johannes von Ephesus und Marcus aus 
der grossen Alexandria und Andreas aus Fhrygien und Lucas aus Ma- 
^cedonien und Judas Thomas aus Indien: dass die Brief e des Apostels 
aufgenommen und gelesen werden in den Kirchen aller Orten, wie auch 
dass gelesen werden die Siege ihrer Thaten, welche Lucas geschrieben 
hat\ dass dadurch erkannt werden die Apostel und die Propheten und 
das alte Testament und das neue, dass eine Wahrheit gepredigt ist 
durch sie alle^ dass ein Geist geredet hat durch sie alle von dem einen 
Gott, den sie alle angebetet und dem sie alle vertraut haben,*^ Ich habe 

2<n*^b^T Mn'i:iK die Briefe des Apostels tibersetzt und nicht wie Cure- 
ton the epistles of an apostle ^ was doch ein ganz unglaublicher Aus- 
druck flir die Briefe aller m5glichen Apostel ware. Das plural. Suffix 
in I'lrr'^lslls^lD {ihrer Thaten) und die Fiction einer Correspondenz der 
verschiedensten Apostel und apostolischen Manner mit ihren Schttlern 
(s. Aehnliches Add. 17, 2 sqq. Clem. horn. I, 20; ep. Petri ad Jao. 3) 
gibt auch kein Recht durch TeztSnderung die Briefe der Apostel herein- 
zabringen. Briefe des Ma^us, Andreas , Lucas, Thomas hat's nie ge- 
geben. 

IJ A 20, 9; 37, 2; 159, 10; 242, 8; 244, 6; 390, 20; 416, 10; 417, 
18 wird der HebrSerbrief mit der flir Paulus gebrSuchlichen Formel ^der 
Apostel**, Oder „der selige Apostel sagt** citirt. Nach AnfUhrung mehrerer 
Aussagen des ^Lehrers der Heiden** z. B. 2 Cor. 5, 10; Phil. 2, 12 wird 
Hebr. 10, 31 als Wort desselben angeftthrt A 447, 10. Ebenso 141 , 17. 

2) Ephr. opp. syr. I, 460 B (der Apostel), Ephr. aliorum opera sel. 
ed. Overbeck p. 77, 23: tcie der selige Paulus sagt. Es folgt Hebr. 1, 14. 
Ebenso ausdriicklich p. 115, 8. 

3) «n'^b'© lOyini DODID Add. 46, 11. Ebenso A 226, 15, wo 
Act. 19, 2 sqq. citiri; wild, lerner Wright, Catal. p. 77 b. 79 b. 80 a. 
81 a. 82 a. 83 a. Ueber ein Misverstandnis des Ausdrucks s. Acta Joannis 
p. LXXni N. 2. Das Wort nQccSeig, gleichviel ob 00'D1t> oder O'^OD^D 
geschrieben, wird schon von A 1. 1. und von den Syrern Uberhaupt als 

Singular behandelt. Daneben findet sich auch der Name fi^fi'^blZ)'! ^IH'^ISIS^ID 
{die Thaten der Apostel) Add. 35, 10 cf. ano. doc. 27, 11 {die Thaten 
ihrer Siege); 32, 9 {^die Siege ihrer Thaten, welche Lucas schrieb). Ein- 
mal bei A 384, lb: die Predigt (^mtl^lD) der zwolf Apostel, Cf. A 447, 
15, wo Act. 14, 22 eingeleitet wird: und auch die seligen Apostel pre- 
digten. 



— 94 - 

ist selbstverstandlich die kanonische Apostelgescbichte za ver- 
Btehn. Unbestimmter ist an sicb der Name 'jT^b:»in« , da darunter 
ebensogut die Sammlang der vier kanoniscben Evangelien, als 
ein von Haas aus einbeitlicbes Buch evangeliscben Inbalts ver- 
standen werden kQnnte. Dass letzteres gemeint sei, ergibt sicb 
ganz beilaufig aas folgenden Worten der Legende *) : Viel Volks 
aber versammelte sick Tag fur Tag zum Gebet des (Gottes-) 
Dienstes und zum alien Testament und zum neuen, (D^mlicb) 
dem Diatessaron, und glaubten an die Auferstehung, Wenn 
Cureton das "i vor dem Wort Diatessaron darcb die Ueber- 
setzung aasdrtickt: the Old 'Testament and the New of the Di- 
tonron (= Diatessaron) und vollends misyerstSndlicb Phillips: 
The Old and the New Testament of the Diatessaron j so ist das 
nur scheinbar wortlich und jedenfalls dunkler als das Original. 
Diatessaron ist ja nicht Name einer das ganze neue Testament 
Oder gar die ganze Bibel umfassenden Becension oder gar eines 
Uebersetzers ^), sondern unter alien Umstsinden Name eines 
einzelnen Bucbs Es kann also nicht ein GenitivverbSltnis vor- 
liegen wie in unsrem Ausdruck die Bibel Luther's. Es muss 
vielmehr das ^ wie sonst auch in'i als syrischer Ersatz flir 
griechischen Artikel gelten. Es wttrde griecbisch heissen t^i^ 
itavvriv dia&iixriVy x6 diaTeaadqiav, Freilich ifit es aufMlig, 
dass bier der erstere Ausdruck so durch den letzteren n^ber 
bestimmt wird, als ob sie sich deckten; aber doch nicht son- 
derbarer, als wenn in volkstbttmlicher Bede der Prediger sagt: 
„h(5ret das Wort Gottes, das Evangelium^^ Der haupts^chlich 
in Betracht kommende und Uberhaupt wichtigste Tbeil des edes- 



.1) Add. 35, 15—17. Anstatt ll^ot:'^'!, wie Phillips aus der peters- 
barger Hs. drucken liess, gab Cureton anc. doc. 15, 24 nach seiner Ion- 
doner Bs. ')l"i51(:3'^'i (nicht, wie er in der Note p. 158 und in Folge dessen 
mebrere Spatere angegeben habcD, Ditornon, sondern Ditonron^ s. auch 
seine engl. Uebersetzung p. 15, 29); aber er errieth sofort das Eichtige; 
Die armen. Uebersetzung (p. 41) ils avaient regu quelques notions de 
Vancien et du nouveau testament, il croyaient a la tres-sainte Trinite^ 
a la resurrection etc. bedarf kaum der Erwahnung. 

2) Es ist der Ausdruck auch nicht zu erklaren nacb Analogie solcber 
Falle wie N^sin'l'i i^D^'^^Ta = ND^'^'i^a iS?3l!n'i, was der Englander und 
Franzose allerdings, aber nicht der Lateiner und der Deutsche durch ein 
Genitivverhaltnis wiedergeben konnen. Diese Falle sind dem unsrigen 
eben nicht analog, weil Neues Testament kein Gattungsbegriff ist wie 
Stadt^ Land^ Berg u. s. w. Vgl. vielmehr unten S. 9d Anm. 2* 



— 95 - 

senischen N. Testaments wabrend des 3. Jahrhnnderts war das 
JEJvangelium ^) oder, wie wir jetzt sagen kOnnen, das Diates- 
saron, Daraus erklart sich nicht nar der bisher er^rterte Aas- 
drnck; welcber dabin misverstanden werden konnte, als ob das 
N. Testament aus nichts anderem als dem Diatessaron bestSnde^ 
sondern aucb der amgekebrte Fall solcber Ausdrucksweisen, 
welcbe den Schein erwecken kOnnten, als ob „das Evangeliam'' 
eine keiner besonderen Erw^bnung werthe Nebensache im N. 
Testament wiiren. So wird z. B. Add. 35^ 9 sqq. von den 
jungen Geistlicben gesagt: Sie lasen im A. Testament und im 
Neuen und in den Thaten der Apostel, tdglich studierten sie 
darin „Neaes Testament" heisst nicht ^Evangelium'* oder 
^Diatessaron"^ aber weil man dies als HanptstUck yon selbst 
unter jenem weiteren BegriflF versteht, kann es am ersten noch 
in einer nachlSssigen Anfzablang dieser Art ttbergangen werden '). 
Dass nun das Diatessaron der edessenischen Eircbe des 
3. Jahrhnnderts dasselbe Bach ist^ welches am 340 in den weiter 
5stlich liegenden syrischen Kirchen die kanoniscben Evangelien 
vertrat, and welches wenige Jabrzebnte spater von EphrSm 
commentirt warde, wird keines Beweises bedtlrftig sein. Wie 
ware es aucb vorstellig zu machen, dass dasjenige Evangelien- 
bach, Oder genaaer, wie schon sein Titel za sagen berechtigt, 
diejenige Evangelienharmonie, welcbe wabrend des dritten Jahr- 
hnnderts in Edessa als „das Evangeliam" in aasschliesslichem 
kirchlichem Gebraach war, in dortigen Gegenden pl5tzlich darch 
eine andere zar Zeit des Aphraates ebenso alleinherrscbende 



1) Das spricht sich aucb in folgendem Satz der Lehre der Apostel 
(anc. doc. 27, 3) aus: Weiter verordneten die Apostel , dass als Schluss 
aller Schriften das Evangelium gelesen werde, als Siegel auf alle Schriften, 
und dass das Volk auf seinen Filssen stehend es anhoren solle^ weil es 
die Botschaft von der Erlosung aller Menschen ist. 

2) So auch an der letzten der S. 92 Anxn. 3 mitgetheilten Stelien der 
Lehre der Apostel (anc. doc. 32, 3 sqq.), wo neben dem A. Testament 
noch besonders die Propheten genannt werden, neben dem N. Testament 
aber nur „die Apostel**, d. h. nach dem Vorangehenden die paalinischen 
Briefe und die Apostelgeschichte besonders hervorgehoben werden, 
wahrend das Evangelium gar nicht erwahnt wird, welches doch in der- 
selben Schrift p. 27, 3 sqq. als wichtigstes StUck der Bibel charakterisirt 
ist, and p. 27, 11 mit der Apostelgeschichte zusammen dem „A. Testa- 
ment und den Propheten** als Ersatz fUr den Begriff „N. Testament** 
gegentibertritt. 



- 96 - 

Evangelienhannonie verdrSngt worden sei! Eine solche Um- 
w&lzuDg konnte sich nach alien Analogien — man denke an 
Itala und Hieronymas — nar im Lauf von Menschenaltern voll- 
Ziehen, and die Sparen der Uebergangszeit and der K&mpfe 
zwischen Altem and Neaem konnten zar Zeit des Aphraates 
noch nicht vQllig verwischt sein. Erst darch die beilHafige Be- 
ntltzang der Peschitta der Evangelien neben der alten Harmonie, 
wie sie zaerst bei EphrSm sich zeigte, entstebt eine Unsieher- 
heit; welche die Ultere Eirche von Edessa and der OsUieh an- 
grenzenden Gebiete nicht gekannt za haben scheint. Unter 
diesen UmstlLnden ist es leicht za tragen, dass die spSrlichen 
evangelischen Anspielangen in der „Lehre des Addai^ wenig 
Gelegenheit zar Vergleichang mit dem evangelischen Text des 
Aphraates and der Harmonic EphrHm's bieten. Doch ist die 
Benatzang des Marcasschlasses (T § 100 N. 2) and die LA. 
dixaliop statt arlaov Mt. 27, 52 (T § 97 N. 7) in anserer Le- 
gende, bei Aphraates and in Ephrltm's Commentar immerhin 
recht beachtenswerth. Und ein Beweis dafttr, dass der Ver- 
fasser der „Lehre des Addai'' Kenntnis von solchen evangeli- 
schen StUcken gehabt babe, welche in T fehlten, oder dass er 
die darin enthaltenen in andrer Form oder Ordnang gelesen 
babe, lllsst sich nicht ftlhren ^}. 



1) Die Naturereignisse bei der Ereuzigung, woran Add. 9, 1 ; 19, 11; 
21, 7; 25, 16 angespielt wird, werden Add. 27 so beschriebeu: Die 
KreatureUy welche erzitterten bei seiner Todtung und verwirrt wurden bei 
seinem Todesleiden^ die bezeugen, dcLSs er es ist^ der die Kreaturen schuf, 
Denn es geschdh nicht um eines Menschen willen, dass die Erde erbebte, 
. . . . die Sonne am Himmel (y. 1. am Ereaz) finster wurde^ . . . er- 
weckt tour den die Bechtschaffenen und Gerechten^ . . , zerrissen wurde 
der Vorhang des Tempels der Juden von einem Ende zum andem, son- 
dern durch den^ welcher ihnen gesagt hatte: .^Siehe, es wird euer Haus 
wiist gelassen'*. Dies letzte Citat aus Mt 23, 3d ist in A and E nicht 
erbalten, schliesst sich aber ohne alle Schwierigkeit am T § 77 an. Die 
Uebersetzung yon xaxaniraafjia Mt. 27, 51. Lc. 23, 35; Mr. 15, 38 darch 

K^'nn "^iDfi^ findet sich schon in Sc an der einzigen dort erhaltenen Stelle 
Lc. 23, 35, in P an alien drei Stellen. Die Sachen finden sich alle in 
T § 97. — Add. 19, 13 heisst es: Und die^ welche das Grab bewachte% 
sahen nicht ^ wie er aus dem Grabe hervorging, und Engel der Hohe 
wurden Prediger und Boten seiner Auferstehung, cf. T § 97 N. 15. — 
Ohne Ertrag ist die Vergleichung von Add. 8 etc. {Wie honnen wir 
irgend etwas annehmen, was nicht unser ist? Denn siehe, wir haben 
alles Urm-ige vertewen, tvie uns befohlen ward von unserem HerrUf dass 



- &7 - 

W&hrend EphrSm and Aphraates keinen Anlass gehabt 
Oder genommen habeD, ihr ^^EvaDgeliam^ genaaer za benennen, 
gibt ibm die Legende des 3. Jahrhnnderts gelegentlich den- 
selben Namen, welehen das Evangelienbach der Gemeinden von 
Cyrrhus im 5. Jahrhandert ftlbrte. Die Gewissheity dass es aicb 



wir seien ohne Beutel und ohne TascTien) mit T § 24 N. 4 ; ferner von 
Add. 30, 17 (der Staub meiner Fusse, davon una geaagt wardy doss wir 
ihn schuUeln uber die Stadty welche unsere Worte nicht aufnimmt), mit 
T § 24 N. 7 ; ferner von Add. 45, 1 (denn von hier geht ihr hinweg zu 
den Orten^ welche der Sohn hinging jedem zu hereiten^ welcher derselben 
wUrdig ist) oder Add. 45, 5 (Dieser iUnser Konig ist hingegangen^ doss 
er seinen Dienem gesegnete Wohnstdtten hereite^ wtyrin sie bleiben sollen) 
mit T § 85 N. 2—4; ferner von Add. 42, 17 (Es sei gross eure Sorge 
um die jungen Schafe , deren Engel das Angesicht ihres unsichtbaren 
Vaters sehn) mit T § 50 N. 5. — Za T § 84 wiirde geh(5ren das Wort 
Jesu Add, 20, 6: Siehe nunmehr toird verherrlicht toerden der Sohn des 
Menschen, und Gott, der in ihm (ist)^ verherrlicht ihn durch Kraftthaten 
und Wunder und durch seine HerrlichJceit zu seiner Bechten* Aach 
abgesehn von der Zuthat am Schluss ist der Text stark abweichend von 
P Jo. 13, 31. Sc. fehlt. — Zu T § 22 N. 2 gehSrt Add. 45, 16: Wie ein 
Ackersmann, der seine Hand an den Pflug legt, wenn er hinter sich 
blickt^ die Furchen vor ihm nicht gerade werden konnen, so auch ihr etc. 
Cf. hiezn meine Acta Joannis p. LXXIX. — Zu T § 19 N. 8 wiirde 
gehoren Add. p. 9, 16: Weil das Thor des Lebens klein ist und der 
Weg der Wahrheit eng ist, darum sind spdrlich die, welche an die 
Wdhrheit glauben. In der Vertheilung der Attribute fi<3'^S3p and xat'^bM 
atimmt dies Citat mit P Mt. 7, 14, wogegen Sc: Wie eng ist das Thor 
und klein der Weg! Aber von beiden abweichend wird oUyoi durch 
Nb'^b'l wiedergegeben. — Zu T § 80 gehort Add. 42, 1 sqq.: Vor dem 
Bichterstuhl Christi werdet ihr von ihm untersucht werden , wenn er die 
Bechnung macht mit den Hirten und den Oberen (? M3b2^ s. bei Castel- 
luB — Michaelis 650 fi^^bby), und wenn er sein Geld nimmt von den 
Kaufleuten sammt dem Zuwachs der Zinsen, Denn er ist ein KonigS" 
sohn und geht hin und empfdngt ein Konigreich und wird zurOckkehren 
und wird kommen und Auferstehung schaffen alien Menschen a. s. w. 
— Ausserdem flnde ich abgesehn von der Antwort Jesu auf Abgar's 
Brief nur noch zwei evangelische Apocrypha, welche aber wegen der 
diese ganze Legende beherrschenden Fiction, wonach der Held ein per- 
8(5nlicher Jnnger Jesu sein soil, keinen Anspruch darauf erheben, einem 
geschriebenen Evangelium entnommen zu sein. Add. p. 48, 12 (s. aber 
auch das Druckfehlerverzeichnis p. 52) sagt Addai: Ich mache nicht zur 
Luge an mir das Wort Christi , der mir sagte: ^Nehmet von Niemand 
etwas an^und erwerbet nichts in dieser WeW*. Ferner p. 41, 4: So be- 
.fahl uns der Herr, doss wir das, was wir mit Worten vor dem Volk 
predigen, mit der That ins Werk setzen vor Jedermann, 

Zftbn, Fonchungen I. 7 



~ 98 - 

hier wie dort am dasselbe Bach handelt; (s. oben S. 71 f.) wird 
dadnrch jedeDfalls gesteigert. Aber aach die Bonstigen Angaben 
des Theodoret liber jenes Bach finden sich in der syriBchen 
Tradition mit derjenigen Evangelienharmonie verbanden, welcbe 
EpbrSm commentirt hat, also mit derjenigen, deren aasschliess- 
liche Herrschaft in der Eirche von Edessa wShrend des dritten 
Jahrhanderts erwiesen ist. Ohne Bezagnahme aaf Ephrltm's 
Commentar findet man die wesentlichsten Gharakteristica des 
yon Theodoret aas dem kirchlichen Qebraach beseitigten Dia^ 
tessaron in einer Glosse des Bar-Ali^) wieder, welche doch 
nicht wohl anf Theodoret zarttckgehn kann. Sie laatet : Dias- 
tarsutiy [anderes] Exemplar: Diakutrun: Evangelium, welches 
[dcts] Diatessaron [ist] *), welches gemacht hat Titianos, gemischt 
[oder das gemischte]. Hieraaf arabisch: ein fur jeglichen Sinn 
[oder Sinn fur Sinn] [zarecht-] gonachtes Evangelium auf den 
Sinn der vier Evangelienapostel — Gottes Grtiss uber sie! — 
vereinigt. Es ist darin nicht die natiirliche und nicht die erha- 
bene*} Genealogie unseres JSerm Christus erwdhnt; und der- 
jenige, der es verfasst hat, ist aus diesem Grunde anathematisirt^ 
ndmlich Titianos, Der Verfasser hUtet sich za sagen, dass das 
Bach des Tatianas hSLretisch and darnm verartheilt sei. Aach 
so noch steht er mit seiner Bezeichnang Tatian's als Eetzer 
meines Wissens anter alien Sjrem allein. Das Jahrhanderte 
lang bestandene Ansehn seines Diatessaron gereichte dem Ver- 
fasser zam Schatz. Ohne jeden Makel wird er in der schon oben 
S. 44 bertihrten Mittbeilang des Jakob oder Dionysias Bar-Salibi*) 

1) Payne Smith, Tbesauras Syr. I, 869 (alierdings wohl nar naeh 
eIner Hs. Bodlei. Hant. XXV). Der erste Verfasser des Qlossars bltthte 
nach Assem. B. Or. Ill, 1, 257 am 885 p. Chr. 

2) Main verehrter Eieler College Q. Ho£fmann, welcher mich be! 
der Verwerthang dieser and anderer im Folgenden za bertthrender Stellen 
in dankenswerthester Weise anterstiitzt and aaf mehreres zaerst aafmerk- 
sam gemacht hat, bemerkt : „welche8*^ (d. h. *! yor 'jl'iDC^M'^l) ist Syriasmos 
nach dem Qriechischen to ivayyiUov to did jiaadQtov, -^ Das fi^ssbnn 
hinter Titianos wollte P. Smith 1278 activ fassen = commixtor^ aber 
aach gerne andem in M^C^briTS. 

3) Prof. Hoffmann Heat aUsantja, was oben ttbersetzt ist Die 
LesUDg al'Sumvya wiirde bedeaten die hirchlich-tradiHoneUe. 

4) Nach Bickell, Ck)nspect. rei liter. Syroram p. 42 starb er 1171 
p. Chr. Ebenso Nestle, Brevis lingaae Syr. gramm. (2. HSlfte) p. 28. 
Nach Assemani, Bibl. Or. II; 156 soil er nicht vor 1207 p. Chr. gestor- 
ben sein. 



-. 99 ^ 

gelassen. Sie lantet yollstSndig ^) : TaHanus, der Schuler JusUfffs 
des Philosophm und des Martyr ers^ wdklte aw am den vier 
Emngelien ^) und ndhte zusammm und machte ein Evangelium 
und*) nannte es Diatessaron, das heisst (das) der Oemischten, 
und diese Schrift erkldrte Mar Ephrdm. Der An/ang derseiben 
war aber: j^Im An/ang war das Wort^. Elias van Salamia^ 
welcher (aach) Aphthonius (heisst), machte ein Evangelium 
nach der Aehnlichkeit des Diatessaron, welches Ammonius gc' 
macht hat, weUhen Eusebius erwdhnt in der EinleUung vor den 
Kanones, welche er dem Evangelium gab. Elias aber suchte das 
Diatessaron, und /and es nicht, und darum machte er eins nach 
dessen Aehnlichkeit. Es tadelt aber Elias dies und das an den 
(eigentlich von den) Canones des Eusebius und beseitigt Fehler 
darin, und mit Beckt. Das Exemplar aher^ welches Elias ge^ 
maeht hat, findet sieh nicht hdufig. 

Dionysins redet von drei yerschiedeneii Evangelienharmo- 
nieiiy and es gehOrt viel dazn, seine klaren Worte nndeatlich 
sa macben. Er kennt das Werk des Elias allem Ansehein naeh 
ans eigener ABSchanang; denn er nrtheilt fiber dessen Yer- 
bessemngen der eosebianischen Canonesi nnd er theilt fiber die 
Veranlassnng dieser Arbeit Solches mit, was man kaom andera- 
woher, als aus einer Vorrede ibres Verfassers wissen kann. 
Er wttrde aneb nicbt sagen, dass das Bacb des Elias seiten sei, 
flondem dass er desselben nicbt babe babbaft werden kOnnen, 
wenn er es nicbt selbst gesebn batte. Dagegen kennt er das 
Werk des Ammonias nicbt aus eigener Anscbaaang ^). Er 
weiss Ton demselben nar ans dem Brief des Eosebios an Car- 



1) Yon Assem. B. Or. II, 159 sq. mitgetheilt and nicht eben genaa 
Hbersetzt Nor den Anfang and zwar in etwas abweichendem Text gibt 
er I, 57. 

2) So B. Or. II, 159. In B. Or. I, 57 (wohl nach einer andem Ha., 
dean Assemani kannte deren zwei aos eigener Anschanaog B. Or. n, 157) 
Evangelieten, 

3) So B. Or. II, 159, auch B. Or. I, 57. 

4) Semisch S. 7 schliesst das Gegentheil mit Unrecht aas Assem. 
n, 158; denn weon dieser nnter den Schriftstellem , welche Dionysins 
eitirt habe, nnter anderem Ammonii et Tatiani Diatessaron anfUhrt, so 
kann sieh das erstlich auf die Mittheilang fiber EphriCm's Commentar 
beriehen, nnd es scheint zweitens nnr eine einsige bald so bald so be* 
nannte Harmonie gemeint zn sein. Beides wird ziemlich gewiss dnrch eine 
Stelle II, 159. 

7* 



- 100 — 

pianns; sonst wilrde er dasselbe nicht lediglich dadorch charak- 
terisiren, dass es von Easebias erwahnt sei, and wttrde nicht 
verfebleD; dem vergeblichen Sachen des Elias nach diesem Bach 
seine Eenntnis desselben gegenUberznstellen. Wenn er bemerkt, 
dass Elias seine Arbeit nach dem Master des Ammonias ange- 
legt habc; so ist damit nar gesagt, dass Elias nach der von 
Easebias in jenem Prolog gegebenen Beschreibang der ammo- 
nianischen Harmonic einen fihnlichen Versach gemacht habc. 
Dass aber Elias nar aaf die Beschreibang des Easebias ange- 
wiesen war, ist anmittelbar aasgesprochen. Zar Zeit dieses 
Elias ^) wie za derjenigen des Dionysias batten also gelehrte 
Sjrer von Ammonias nar aas dem Brief des Easebias an Car- 
pianaS; welcher in jetzt vorhandenen Peschittahss. seit dem 
7. Jahrhandert sich findet ^), cine d ankle Eande. Eine Rolle in 
der syrischen Eirchenliteratar hat nar die an erster Stelle 
charakterisirte Harmonic gespielt. Dass Dionysias sic sclbst in 
Htoden gehabt habc, l^st sich freilich nicht streng bewcisen, 
da er sowohl die Anfangsworte des Diatcssaron als das Ver- 
h&ltnis desselben za den kanonischen Evangelien aas EphrSm's 
Commentar kennen mochte^ den er eben deshalb, weil er seine 
Qaelle war, citirt haben k5nnte. Aber wahrscheinlicher ist es, 
dass Dionysias, welcher betrachtliche Eenntnis der Ulteren syri- 
schen and griecbischen Eirchenliteratar zeigt^ die alte Harmonie 
noch selbst gesehn hat, da sclbst der zwei Jahrhanderte jUngere 
Ebedjesa sic noch so charakterisirt hat, dass man ihm kaam 
eigene Eenntnis des Diatcssaron absprechen kann. In der Vor- 
rede za seinem Nomokanon beschreibt dieser das pietStsvoUe Ver- 
fahren Tatian's bei Anfertigang des Diatcssaron aas den vier 
Evangelien als das Masterbild, welchem er in der Zasammen- 



1) Assem. Bibl. Or. erwahnt ibn meines Wissens sonst nicht. Wright 
c^tal. p. 830 sq. berichtet fiber eine Schrift desselben, worin anter An- 
deren Severus von Antiochien citirt wird. Elias ai^hrieb also frtihstens. 
im 6. Jahrhandert. Sein Wohnort ist doch wohl das Salamia, welphes 
auch Salaminias genannt wird (Forbiger, Handb. der alten Geogr. II, 
654 Note w). — Die durch Elias von Salamia verbesserten Ganones, nnd 
was davon untrennbar ist, Sectionen des Easebias werden eben diejeni- 
gen sein, welcbe von da an in den syrischen Bibeln tiblich waren. Ueber. 
doren Yerschiedenheit von der griecbischen Tradition s. Burgon 1. 1.. 
p. 306—310. 

2) Wright Gatal. p. 55. 1198. Adler p. 52. 55. 59. 



— 101 — 

0tellQDg der higher zerstrenten Ganones patrnm nacheifern wolle ^)« 
Seiner Hochachtung gegen dieses Diatessaron, oder vielmebr 
gegen die Tradition von seiner ehemaligen kircblieben Geltung 
giht Ebedjesa anch in seinem Schriftstellerkatalog noeh sehr 
dentlichen Ansdrnck, indem er es gleieb hinter den panlinisehen 
Briefen and vor den Schriften der Apostelschttler Dionysins 
Areop. and Clemens Rom. and den neatestamentlichen Apokrj- 
phen anftihrt'). Aber eben bier hegebt er einen Febler, mit 
dem er niebt allein stebt, indem er sebreibt: Und das Evan- 
gdiumy welches sammelte ein cUexandrinischer Mann Ammonius, 
welcher (anch) Tatianus (beisst), und nannte es Diatessaron. 
Undeatlicher spricht sieh dieselbe Confasion aas in einer Glosse 
des Bar-Bahlal; welcbe jedocb niebt dem arsprttnglieben Text 
dieses Lexicons angebdrt. In der, soweit bekannt, ftltesten in 
Earopa vorbandenen Hs. findet sicb nar Folgendes : Diatessaron, 



1) Mai, Script, yet. Dova coll. X, 191. Die lateinische Uebersetzung 
bei Mai p. 23 lautet: Praefatio Ebed Jesu: Tatianus quidam philoso- 
phtis cum Evangelistarum loquentium sensum sua intellectu cepisset^ et 
scopum scripUonis illorum divinae in mente sua fixisset , unum ex qua- 
tuar illis admirahile collegit evangelium, quod et 'diatessaron nominavitf 
in quo cum cautissime seriem rectam eorum^ quae a salvatore dicta ac 
gesta fuere^ servasset, ne unam quidem dictionem e suo addidit. Simi- 
liter et mihi vilissimo servorum Dei visum est etc. Hieraaf fassend er- 
USrte Credner Gesch. des Kanoos S. 21 es fttr ^darchaas anmSglich, 
daas sicb die Schilderung bei Theodoret und bei Ebedjesa aaf eine and 
dieselbe Schrift beziehen**. Aber es besteht ja schlechterdiDgs kein an- 
derer Unterschied zwischen beiden Relationen als ein Unterschied der 
Beartheilung. Dass Tatian den Worten der Evangelisten eigene Worte 
beigemischt habe, was Ebedjesu vemeint, behaaptet Theodoret niebt, 
and dass er manches weggelassen habe, wie Theodoret behaaptet, lengnet 
Ebedjesa nicht 

2) Assem. B. Or. Ill, 1, 12. Es ist zu beachten, dass dasselbe und, 
welches die einzelnen Biicher beider Testamente anter einander verbin- 
det, anch fiber die obengenannten Schriften c. Ill— V ausgedehnt wird. 
Erst das c. YI uber Africanus steht selb«t£indig da. Dadarcb sind jene 
Schriften and in erster Stelle Tatian*s Diatessaron als Anbange des 
N. T.'s nnd als mehr oder weniger heilige Schriften charakterisirt. 

3) Herrn Prof. 6. Hoffmann, auf den sich schon Ligbtfoot (Contemp. 
Bey. 1877, May, p. 1139) berufen konnte, verdanke ich anch hierttber 
nochmalige genaaere Aoskunft. Obiger Text ist aus einem Ms. Socin I, 
datirt t. J. 1214 p. Chr. iibersetzt. Ebenso, abgesehn von einer gleich- 
gOltigen kleinen Variante im arabischen Tbeil der Glosse das jUngere 
Ms. Socin It vom J. 1797 p. Chr. 



- 102 - 

das heisst collectives^) Evangelium aus den vier Evangelisten, 
daneben arabisch : Evangelium gesammeU aus den vier Mngem. 
Daza fbgen die yon Payne Smith benatzten zwei Hss. (Thes. 870) 
hinzn: Vnd dies ist in Alexandrien verfasst, welches geschrieben 
hat TUianos der Bischof. Es werden also in dieser jangen Olosse 
Attribute des Ammonins anf Tatian ttbertragen, wftbrend Ebed- 
jesa beide Namen derselben Person znschreibt. Es bedarf znr 
ErklXmng dieser Verwechselnng nnr der Erinnernng an die bei- 
den Thatsachen^ dass man einerseits eine syrische Evangelien- 
harmonie besass oder dnrch Sltere Beschreibungen kannte, welehe 
den Namen Diatessaron trng und yon der Tradition dem Tatian 
zngesebrieben wnrde, und dass man andrerseits ans dem Prolog 
des Easebios wasste^ ein gewisser Alexandriner Ammonias babe 
ein harmonistisehes Werk mit dem Titel Diatessaron yerfasst 
Wer so, wie es Elias yon Salamia that, die Besehreibnng des 
Easebios genaner in's Ange fasste^ konnte freilieh nicht daran 
denken, dass sie aaf das alte syrische Diatessaron passe , sah 
sich aber aach aasser Stande, einen syriscben Ammonias aaf- 
zatreiben. Um so yerzeihlicher war es, dass solchei denen der 
besondere Anlass fjphlte, welcher den Elias za aufmerksamerer 
Lesang des easebianisehen Prologs, za Naehforschangen nach 
dem Werk des Ammonias, and dann za selbstSndiger Arbeit 
trieb, in den Irrtham geriethen, das yon Easebias karz beschrie- 
bene Diatessaron des Ammonias sei ihr altes syrisches Diates- 
saron, and Ammonias sei ein zweiter Name des Tatianas. Selbst 
dieser Irrtham aber beweist, dass die Syrer nar ein Bach mit 
dem Titel Diatessaron wirklich kannten. Unyerzeihlich aber 
war die Art, in welcher Gregorias BarbebrSas (f 1286) in der 
Einleitang za seinen Scbolien fiber Hatthftas die Angabe des 
Dionysias Bar-Salibi reprodacierte ') : Eusebius aber van Caesarea, 
als er die Verderbnisse •) sah, welehe der Alexandriner Ammih 

1) IX:^:^ BO Mas. Socin I. II, Marsh. GXGVIII ; \x^ian Hunt. GLVII. 

2) ABsem. B. Or. I, 57 sq. praefatione in Matthaeum. Es ist wohl 
eine allgemeine EinleitaDg za den Evangelien gemeint, leider in Greg. 
Abolfarag in Matth. scholia ed. Spannth nicht mitabgedrackt. 

3) ^'dr\W heisst nicht Verstoase (Credner, BeitrSge I, 448). Cast.- 
Mich. bemerkt za SsniD dicitur de moribus, maribus et virginibus, Der 
Begriff setzt das Vorhandensein des Objects voraos. Also hat Ammonias 
nicht bei Anfertigang des Diatessaron Fehler gemacht, sondem das ihm 
yorliegende Diatessaron corrampirt, interpolirt oder sonst irgendwie 
minirt. 



- 103 — 

niu8 gemaeht hatte in dem Evangelium, welches [das] Diatessaran 
[isti ^), demjemgen der Gemischten, dessen Anfang ist: ^Im An- 
fang war das Wort^ — und Mar Ephrdm hat es ausgeUgt — hat 
er die vier Evangelien in der VoUstdndigheit des Kdrpers be- 
wahrt^ aber die Uebereimtimmung der Worte durch Kanones in 
Both angezeigt. Dass Barhebraeas, welcher aach sonst die Ca- 
tene des Dionysiiu aasgebentet hat^), mit einigen nngenaueii 
Reminiscenzen aas Eoseb's Brief an Carpianas Solehes verbiD- 
det, was er flfiehtig bei Dionysias gelesen hatte , beweist die 
aaffSllige Uebereinstimmnng der Saehen and des Wortlaats'). 
Die Erwfthnnog der Anfangsworte des Diatessaron, des Com- 
mentars Ephrftm's nnd des zweiten Namens ftlr uDiatessaron^ : 
^(ETangeliam) der Gemischten^ ist doch mebr, als zwei Schrift- 
steller in so wenigen Zeilen nnabhUngig von einander schreiben 
kSnnen. Ob Barhebraeas sonst der Qelehrtere oder, wie Credner 
(Beitr. 445) sagt, „der Qenanere^ ist, kann y(5Ilig aof sieh be- 
mhen. Als der Jlingere ist er der AbhUngige. Aber es ist 
aaeh klar, dass Barhebraeas den Dionysias ebenso liederlieh 
gelesen hat, als den Easebias. Er hat zwar nicht, wie man 
gemeiniglieh angibt, den Ammonias fttr den Verfasser des von 
Ephr&m commentirten Diatessaron gehalten, sondem gibt dem 
Ammonias Schald, dieses Diatessaron darch angesehiektes Yer- 
fahren mishandelt za haben. Dass Ammonias vielmehr der Ver- 
fasser eines anderen Diatessaron sei, als desjenigen, welehes 
Ephr&m commentirt hatte, hStte Barhebraeas an sieh ebensogat 
wie wir aas Dionysias heraaslesen kOnnen and mUssen; aber 
weil er nnr von einem bertihmten Diatessaron weiss, verwirrt 
sieh ihm der einfaehe Sinn seiner Yorlage. Anf dies eine Dia- 
tessaron masste sieh nan nach der Vorstellang des Barhebraeas 
die Th&tigkeit des Ammonias bezogen haben; da er aber nieht 
der Verfasser desselben sein kann, so mass er in fihnlicher 



1) S. oben S. 98 Anm. 2. Assemani Ubersetzt Diatessaron nuncu" 
patttm. 

2) Gf. z. B Soholia in Matth. ed. Spanath p. 3, 5. 9 mit Ajmoid. 
Bibl. Or. II, 160. 161. ^ 

3) So nrtheilt namentlich Lightfoot a. a. 0. p. 1139 N. 1; aber er 
legt ein flbermSsBiges Gewicht aaf das sogleich za besprechende Aeqai- 
valent des NameDS Diatessaron: ,,der Gemischten**, and er dehnt das 
Urtheil ohne Wabrscheinlichkeit auf alle Syrer nach der Zeit des Dio- 
nysias Bar-Salibi, inabesondre aaf Ebedjesu aos. 



— 104 — 

Weise, wie Easebins im VerhSltnis za den kanonischen Eyan- 
gelieiii Diaskenast des eiaen Diatessaron gewesen sein. Dass 
er seine Sache schlecht gemacht; konnte Barhebraens einiger- 
massen aas Enseb's Brief erschliessen ; and indem er dessen 
Andentongen ein wenig Ubertrieb, blieb das altehrwtirdige Dia^ 
tessaron selbst, welches ein EphrUm der Auslegung gewQrdigt 
nnd nar der nngeschickte Alexandriner veranstaltet hatte, von 
allem Tadel frei. Dass Eusebins sich anderwfirts fiber Tatian's 
Diatessaron ziemlich geringschfitzig aasgesprochen hatte, wird 
dem Barhebraens nicht nnbekannt gewesen sein. Aach dies war 
nan erklfirlich, wenn Easebias das Diatessaron in einer darcb 
Ammonias interpolirten oder doch arg vernnzierten Gestalt ge- 
sehn hatte. 

Wichtiger als die immerhin dispatable Deatang der Misver- 
stSndnisse des Barhebraens ist ein richtiges VerstHndnis der aach 
von ihm wiederholten Deatang des griechischen Titels „ Diates- 
saron" darch einen syrischen. Schon der Umstand, dass die- 
selbCi wenn aach vielleicht in verstiimmelter Form in der Glosse 
Bar-Ali's wiederkehrt, welche ihrem sonstigen Inbalt nach aaf 
einer von Dionysias anabh&ngigen Tradition beraht (s. oben 
S. 98)^ zeigty dass es sich am einen traditionellen zweiten Na- 
men des Diatessaron handelt. Die Worte des Dionysias (oben 

S. 99) Mtsbm*! n:n, welche Assemani nicht der Uebersetzong 
worth gebalten , sind nicht za Ubersetzen i. e. miscellanea ^), 
sondem i, e. mixtorum. Es ist ein von dem vorangehenden 
et^an^^^ion abhSngigerGenitiv; and es erg&nzt sich za mixtorum 
selbstversttodlicb evangeliorum oder evangelistarum. Ebenso 
verhUlt sich's mit dem (<t:bh72'i irr des Barhebraens. Evangelium 
der Gemischten will keine eigentliche Uebersetznng von dw 
teffffdqcov sein. Die Syrer^ die so manches Gompositam von 
tiffffaqeg in Gebraach batten '); werden doch wohl gewasst 
haben, dass die Vierzahl in diesem Wort stecke, sogat wie bei 
ans aach der Ungebildete weiss, dass zom Qaartett Vier ge- 
hOren. Es ist vielmehr ein zweiter and ganz passender Name 
fttr eine Evangelienbarmonie, welche darch Mischang and zwar 
oft sehr kanstvolle Mischang der Worte der vier Evangelisten 



1) Semisch p. 6 ; Lightfoot 1. 1. 1138. 

2) Payne Smith, Thes. Id57 sq. z. B. riT^aevayyilioy d. h. Codez 
der vier Evangelien (Wright, Catal. p. 48. 55. 61). 



— 105 - 

entstanden ist nnd ein einbeitlicbes Evangelinm darstellt „ETaQ^ 
gelinm der Gemischten^ kann aber nicbt etwa einen Gegensatz 
bildea sollen za Peschitta, der einfachen. Denn abgesebn von 
dem Bebr zweifelhaften Alter dieser Benennang der alten Bibel* 
tibersetzaDg ist Pesebitta Diebt Name einer Gestalt des Evan- 
geliamS; sondern der Byriscben Bibel ttberbanpt; and deren 
Eigentbtlmlicbkeit im Gegensatz za anderen Becensionen besteht 
doeb nicbt darin, dass sie die bibliscben Texte anvermiscbt^ 
andere Reeensionen aber sie vermiscbt darbieten. Es kann 
^ieb nar am den Gegensatz zweier Species im Genos Evange^ 
Hum bandeln. Das Gegentbeil von vermisckt ist getrennty ge- 

sondert ^). Nan gibt es aber wirklicb ein »ttSran <|rb:i^M, wel- 
ches im Gegensatz za einer anderen Evangelienrecension so 
genannt wird. In einem seiner Canones fttr Priester and Ordens- 
leate yerf&gt Biscbof Babbala von Edessa (412—435 Cbr.): Es 
sollen die Presbyter und Diakonen Sorge tragen, dass in alien 
Kirchen ein Evangelium der Getrennten (^Wdtzi i^b^iiiK) voT' 
handen set und gelesen werde^). Eine Glosse des Bar-Bablal 
laatet'): Bar -Abba d. i. Jesus Mess dieser Bar 'Abba. So aber 
steht geschrieben im „Evangelium der Oetrennten^ ; und das geht 
aueh daraus hervor^ dass Pilatm sagt : „ Und dem Jesus, welcher 
Christus heisst, was soil ich dem thun^ ? Folglich kiess Bar-Abba 
Jesus; aber der Evangelist wollte sdnen Namen nicht schreibenf 
damit er nicht in der Schrift des Namens unsers Herm geu^ik^ 
digt werde. Femer ist aas einem Evangeliencodex, welcben 
Jobannes von Mardin (f 1165) batte anfertigen lassen, eine 



1) Alies etwaige VerdieDSt der folgendeD ErSrterang gebtthrt Herra 
Prof. Ho£fmanD, wogegen alle etwa mit nntergelaufenen Fehler aaf meine 
Recbnang kommen. 

2) Ephr. aliorom op. sel. ed. Overbeck p. 220, 3 sq.* N5Ideke, Syr. 
Grammatik S. 214 tibersetzt die fraglichen Worte ohne Frage richtig nnd 
den gemeinten Gegensatz andeatend ein die Evangelien nicht verschmeh 
zendea Evangelienbuch, Falscb Bickell, Ausgew. Scbriften syr. Kirchenv. 
S. 274 eine Handschrift der evangelischen Perihopen. Scbon Ewald, 
Bibl. Jabrbb. IX (1857 a. 1858) S. 75 streifte das ricbtige VerstSndnis 
bei Oelegenheit einer Besprecbung der Ueberscbrift des Syros Gareto- 
niaonSy indem er vorscblug Evangelium der Verschiedenen oder der Ah' 
weichenden za tlbersetzen im Gegensatz zur Pesebitta, 

3). Payne ^niith, Thes. 579. Der eod. Hunt 157 bat das in dem 
Marsh. 198 feblende Ribboi iiber Mtt'nran. 



— 106 — 

i. J. 1496 in denselben eingetragene Verkaafsnrkimde aafbe- 
wahrt, worin eben dieser Codex fi^ttSeui pb^isiM genannt wird 
(Assem. B. Or. II , 230). Mag sich^s nnn mit dem einselnen 
Citat ans einem solchen Evangeliam bei Bar-Bahlal Terhalteiiy 
wie es will| soviel dOrfte anbestritten bleiben, dass der logisefa 
erforderlicfae Gegensatz znm ^EvaDgelinm der Gemiscbtea^ in 
diesem ^Evangeliam der Oetrennten'^ gefonden ist, nnd damit 
zngleicb die riehtige ErklSning des Titels des Syms Cnretonia- 
Dos: '^173 KtDnMn i^bMiK. Der Vorschlag Bernstein's, nach As- 
semani (II, 230) daranter Evangelium per anni eirculum dispih 
ritum, also ein in Perikopen, Parascben getbeiltes Evangeliam 
za verstebn, warde schon von Gareton (Pref. p. VI) dareh die 
Bemerkang erledigt, dass sein Codex nnr spSrUcbe Leetions- 
angaben von sebr jonger Hand entbalte. Indem Cureton den 
Ansfistll eines i vor '^n», vor welcbem ein kleines Loeh im Per- 
gament ist^), annabm, ttbersetzte er The distinct Oaspel of 
St. Matthew and fand darin irgend welche besondere Bewandtnis 
angedeatet; welcbe es mit diesem Evangeliam im Unterschied 
von den librigen baben sollte. Mebr Anklang fand die Er- 
klttrang; welche Gildemeister and Hermansen ') anabbfingig von 
einander aafstellten, wonacb &ti&*^&73 voraafgeschickte Apposition* 
za ''tiTa sein and diesen Apostel als den ^Aasgesonderten^ im 
Sinn von Bom. 1, 1 bezeichnen sollte. Aber fttr die MQglich- 
keit solcber Benennnng hat Gildemeister's Gelehrsamkeit doch 
nar das beizabringen gewasst, dass MatthSas in arabiscben Pro* 
logen „der ErwUhlte" . heisst Und eine Erklftrnng von in*^b2i:iK 
Mtt^Dn*! kann nicht ricbtig sein, die nar aaf einen einzigen der 
Ffille passen wttrde, in welchen diese Yerbindang vorkommt 



1) Das Loch ist nach dem Facsimile bei Land, Anecd. I, Tafel 6 
(of. Wright Catal. p. 74 Note; Gildemeister, de evang. arab. e simpHci 
syr. translatis p. Ill) erst nach VoUendang der Schrift entstanden. Ein 
Stiick des fi« ist zerstSrt and aosserdem nor etwa noch fttr einen Ponct 
Baam vorhanden. 

2) Gildemeister in Zeitschr. d. deatschen morgenl. Ges. XIII (1859) 
S. 472—475. Hermansen, Dispntatio de codice evv. syriaco a Coretono 
typis descripto. Havniae 1859 p* 30. Gebilligt warde diese Aoffassnng 
nnter Anderen von Rddiger, Monatsber. der Berl. Akad. aus d. J. 1872 
(1873) S. 558, wie es scheint aach von Wright, Catal. p. 74. Gilde- 
meister de evang. arab. p. 10—13 vertheidigt die sprachliohe M5glichkeit 
seiner Fassung gegen Ewald. 



- 107 — 

Lag ^das ETangeliam^i wie sich bei EphrSm gezeigt hat, 
in gewissen Oegenden eine Zeit laDg in einer swiefachen kirch- 
lieh anerkannten Form yor, in derjenigen des Diatessaron nnd 
in derjenigen der Tier kanoniscben Evangelien, so lag ea sebr 
nahe, diese zwei Qestalten „de8 Evangelinms^ darch zwei zn 
einander gegensfttzliche Namen za bezeiebnen. Ist nnn mehr- 
seitig ttberliefert^ dass man das Diatessaron „das Evangeliam 
der gemisebten^ (Evangelien oder Evangelisten) nannte, so 
folgt aaeh, dass der mebrfaeb yorkommende Ansdmek „Evan- 
gelinm der Oetrennten^ die abgesondert von einander gescbrie- 
benen vier Evangelien im Gegensatz zar Harmonie bezeiebnet 
Diese Erklftrang wird ancb darnm als die ricbtige gelten mtts- 
sen, weil sie anf alle nacbgewiesenen F&Ile za passen sebeint^), 
aaeb anf die Ueberscbrift des Syms Cnretonianns. Dass dort 
das Bibbai feblt, bat niebts anf sieb. Wir setzen es zu and 
fassen fi^tp^rai irb:ir&t als Uebersehrift nicht des Hattbaosevan- 
geliomS; sonderndes ganzen evayyiXiov teT(idfkOQg>op^). Daber 
wird dieser Aasdrack ancb nicbt wiederbolt in den fortlanfenden 
anf die einzelnen Evangelien bezttglicben Colamnentiteln oder 
am Soblnss des Harcasevangelinms ^). Der Name '^n»» vielleicbt 
dorob einen Panct Tom vorigen getrennt, ist allerdings eine 
etwas karze Benennnng des ersten Haapttbeils des ^Evange- 
linms der Getrennten^. Ein voUstfindigerer Aasdrack, wie er 
dann in den Colamnentiteln gebraacbtwird: '*n»n 1^^:131^^) wSre 

binter (^^'S&»n in*^b:i:3*iK nnnOthig amstSndlicb gewesen. Dieselbe 
Bedentang bat dann aber der fragliche Aasdrack aacb an der Stelle 
bei Assem. B. Or. II, 230. Es bandelt sicb am eine Abscbrift 



1) Die von Gildemeister Ztschr* XIII S. 473 aas zwei mir nicht za- 
gSDglichen Eatalogen (Assemani, Cat. BibU Vat n, 196; Rosen, CataL 
codd. syr. p. 38. 42. 48) aDgeftthrten Stellen sind formell zn yerscbieden, 
am hier in Betracht kommen za kcinnen. Es heisst da zweimal ^ESvan- 
gelium der auBgewahlten Lectionen**, einmal nEvangelium , welches aus- 
gewahlt ist aos den vier Evangelisten **, einmal nAasgewahltes Evangeliam 
des ganzen Jahres**. Wieder anders scheint es sich za verhalten, wenn 

der Psalter betitelt worden ist Ki&S&%3n 1*«nin (^nfi^ii&n Wright Cat 
p. 116 8. d. dortige Anm. 

2) Cf. Ewald, Bibl. Jahrbb. IX S. 75. 

3) Nor von diesem ist die Unterschrift erhalten. 

4) Daneben aach blesses "^DTsn s. Wright Catal. p. 74 a. 



— 108 — 

nicbt des Diatessaron, sondern der vier EvangelieQ ^). Die 
Glosse des Bar-Bahlal bereitet dadnrch Schwierigkeit, dasa fOr 
Mt 27, 16 der Text des Syras Car. fehlt UDd ans die Mittel 
feblen zn entscheiden, ob im Diatessaron (§ 93 N. 4) wie in 
einigen griecb. Minuskeln , maDchen Hss. zur Zeit des OrigeneSi 
im Evangel. Hieros. ^I'qaovv %6p BaQufifiSv statt %6y XeyoiMvoy 
BaQafifiSy stand ^). Aber nicbts bindert anzanebmen, dass der 
Name Jesas an dieser Stelle in T fehlte, in Sc dagegen stand. 
In P and Heracl. feblt der Zasatz ; wenn aber bei spSteren Syrem 
die Angabe, dass dieser Barabba Jesas gebeissen, mebrfach vor- 
kommt '), so wird docb wobl noch in anderen syriseben Evan'- 
gelientexten aasser dem Evangel. Hierosol. der Zasatz gestan- 
den baben, so dass Bar-Bablal, oder wer sonst der Urbeber 
dieser Xjlosse ist, sebr wobl diesen Zasatz als gew5bnlieben 
Text des MatthHas gekannt baben kann. Die Notiz kann femer 
ans einem sebr viel Slteren Bacb aasgescbrieben sein, and das 
mass ftir das Wabrscbeinlicbe gelten; denn wenn die Glosse dem 
Text des ;,Evangeliams der Getrennten^S worin "'Ifjtrovp stand, 
gegentlberstellt; dass der Evangelist selbst diesen Namen ver- 
scbwiegen babe, so bat er wenigstens in diesem einzelnen Fall 
den Text des ^Evangeliams der Gemischten^ als den zaverl&s- 
sigeren bevorzagt. Das ist aber im 10. Jabrbandert nicbt wobl 
denkbar. Aaf ein bOberes Alter der Notiz fUhrt aacb dieS; dass 
der Glossator, die Ricbtigkeit ansrer Erkl^rang des Aasdracks 
„Ev. der Getrennten'' voraosgesetzt, einen von dem officiellen 
Text der P wie von der Heracl. abweichenden Text obne wei- 
teres als den Text des Evangeliams anfbbrt^ wie er aasserhalb 



1) Eb soil eine der Eopien sein, aaf welche sich die Angabe be- 
zieht B. Or. II, 225: N72ND1 NnrTin N3rb:»51N Ryi'lN inlDI. Ich weias 
nicht, ob dieser befremdliche Ausdrack quatuor parva evangelia^ ftir 
welchen auch P. Smith Dur dies Beispiel hat, einen Gegensatz bildeo 
soil zam Diatessaron, welches zwar im Vergleich zu der Sammlang der 
vier Evangelien karz, aber im Vergleich za den einzelnen Evangelieo 
das grosse, Alles omfassende Evangelinm war. Dass die MSnche von 
St Gallen ein Evangeliariam (cod. St. Gallensis 53, Scherrer, Verzeichnis 
der Hss. der Stiftsbibl. St. Gallen S. 23) evangelium longuin nannten, ist 
wohl kein Beleg fUr diese Yermathang. 

2) S. Tischendorf z. St. Adler p. 148. 

3) Greg. Barhebr. scholia in Matth. ed. Spanath p. 63, 14 ; Salomon 
von Bassora bei Adler p. 173. 



- 109 — 

des Diatessaron lantet. Dies fUhrt nns ebenso wie die Ueber- 
sehrift des Syros Gar. in eine Zeit and Oegend, wo neben dem 
tetqaevayyiJUop noch das Diatessaron in Gebraneh and von 
Bedentong war^ ersteres aber nicht in der Recension der Pe* 
schitta gelesen and abgeschrieben wnrde. Der einmal aas dem 
Gegensatz znm Diatessaron entstandene and lange Zeit beden* 
tangSYoUe Name ^Evangeliam der Oetrennten^ mag sich bis in 
Zeiten fortgeschleppt haben^ ftlr welche er zwecklos geworden 
war. Er mag aas alten Hss. von spSlteren Schreibern abge- 
schrieben worden sein, welche den Sinn nicht mehr verstanden. 
Es mag der andere Gebraneh des Wortes u)i&>3, welcher in 
dem Aasdrack ;,aasgewShlte Lectionen^ oder ^Perikopen'' vor- 
liegt (oben S. 107 Anm. 1), verwirrend eingewirkt haben, so 
dass man jedes fQr den litargischen Gebraneh eingerichtete 
Evangelienbach so nannte. Den Uebergang za diesem Misver- 
stSndnis wtirde die Thatsache bilden, dass in der Zeit nach 
EphrSm nnd Tor Theodoret das Evangelium der Gemisckten 
tiberall aas dem gottesdicnstlichen Gebraneh beseitigt nnd das 
EvangeUum der Getrennten das allein berechtigte Evangelien- 
bnch ftir die kirchliche Vorlesnng geworden war. Aber solch' 
ein HisverstHndnis darf man nicht bei dem Schreiber des Syrns 
Car. annehmen. Dies ist keine fttr den litorgischen Gebraneh 
eingerichtete Evangelienhs. , and sie ist ziemlich am dieselbe 
Zeit geschrieben, wo in der DiQcese von Gyrrhns das Evange- 
Hum der Gemischten noch in handerten von Exemplaren im 
Gottesdienst gebraacht warde, am nan erst darch das Evange- 
Uum der Getrennten ersetzt za werden. Noch sicherer ist, dass 
der Eanon des Babbnla^ welcher 40 Jahre nach Ephrfim's Tod 
Bischof von Edessa wnrde , aas diesem Gegensatz za verstehen 
ist. Dass es tlberhanpt ein Evangelienbacb in jeder Kirche 
geben mttsse, war so selbstverstSndlich^ dass es nicht Gegen- 
stand einer kirchlichen Anordnnng sein konnte. Aber gnten 
Sinn hatte es, besonders einzascharfen^ dass ttberall Exemplare 
des Evangeliums der Getrennten and keines anderen bei der 
kirchlichen Lection zar Anwendnng kommen sollten« Es mass 
also damals im Sprengel von Edessa noch Gemeinden gegeben 



1) Um die Mitte des 5. Jahrhanderts nach Gareton, Pref. p. IV, in 
der zweiten HSlfte desselben nach Wright, Gat. p. 73. 



- 110 -. 

haben, von denen sich das nicht von selbst verstand, bei denen 
das DiatessaroQ noch vorhanden war and, sei es ans AnbSng- 
lichkeit an den alten Branch; sei es ans Mangel an Exemplaren 
nener Observanz, im Gottesdienst gebrancht wnrde« Wie voll- 
kommen dies zn dem dnrch Ephram bezengten Thatbestand nnd 
zn der historischen Mittheilnng des Theodoret passt, bedarf 
keiner Ansftthrnng. 

Im dritten Jahrhnndert war das Diatessaron in Edessa ein- 
ziges Evangelinm ; es behauptete sich in dem Qstlich davon ge- 
legenen Kirchengebiet, wahrscheinlich also anch in Edessa, bis 
gegen die Mitte des 4. Jahrhunderts in seiner AUeinherrschaft. 
Um 364 — ^373 finden wir daneben die Peschitta der vier Evan- 
gelicn von EphrSm bereits wohlgekannt nnd beinah bevorzngt. 
Ob sie in Edessa damals schon im Gottesdienst gebrancht wnrde, 
wissen wir nicht. Um 412—435 war das Diatessaron als kirch- 
liches Evangelienbnch in Edessa verpOnt, nnd anf allgemeine 
Einfbhrnng der getrennten Evangelien wnrde von oben her ge- 
dmngen. Um 450 verschwanden, wie es scheint, als die letzten 
NachzQgler jene mehr als 200 Exemplare des Diatessaron ans 
den Kirchen anch der abgelegenen DOrfer der Cyrrhestica. Die 
beiden grossen Parteien, in welche eben damals die syrische 
Kirche anseinanderfiel , nm fortan gespalten zn bleiben, waren 
einig in demjenigen Katholicismns, welcher sich in dem Jahr- 
hnndert zwischen dem Goncil von Nicila nnd dem Ansbmch 
der nestorianischen Streitigkeiten ansgebildet hatte. Von den 
Schwanknngen , welchen wUhrend jenes Jahrhnnderts der nen- 
testamentliche Kanon nnterlag, zengt anch die Geschichte des 
N* Testaments in der gespaltenen syrischen Kirche der folgen- 
den Jahrhnnderte. Aber diejenigen Bestandtheile des KanonS; 
welche wfihrend jener Periode in der katholischen Kirche des 
byzantinischen Reiches nnbeanstandet geblieben waren, bUdeten 
von da an den Elanon der entgegengesetzten Parteien der syri- 
schen Kirche. Vor ihrer Spaltnng hat sie diesen Kanon ange- 
nommen anstatt eines alteren, nnd hat in dieser wie in anderer 
Hinsicht in der Zeit von 350—450 ihre provincielle Eigenthttm- 
lichkeit der Einheit der katholischen Kirche geopfert Der 
Antiochener Theodoret nnd Babbnla, der Verfolger der an- 
tiochenischen Theologie, wirkten in dieser Hinsicht eintrSchtig 
znsammen. Sie setzten aber nnr fort nnd vollendeten an ihrem 
Theil; was w&hrend der Jahrzehnte vor Ansbmch des Streits 



-^ 111 - 

sieh angebahnt hatte. Das Diatessaron verschwand aiifl dem 
GottesdieDSt; aber vertilgt and vergessen war es damit noch 
nicht. Es erhielt sich auch das Ged&chtnis an den Mann, wel- 
cher einem grossen Theil der syrischen Eirche zaerst das Evan- 
gelinm geschenkt batte. Ob diese Tradition wahr ist, kann erst 
nntersncht werden, nachdem das Diatessaron, so gat es eben 
geht, wiederhergestellt ist Das versaehe ieh im folgenden 
Abschnitt. 



n. Der Text. 

Der Versach, aus den im vorigen Abschnitt nachgewiesenen 
Quellen den Text des Diatessaron soweit als mQglich wieder- 
herzustelleo ^ bat einen Anspruch anf besonders nachsicbtige 
Benrtbeilang der EnndigeD. Die Grandlage bildet Epbrllm's 
Commeotar ttber das Diatessaron. Aber sie ist nicht tiberall 
gleicb sicber^ da EpbrUm aucb mit der Pescbitta der vier Evan- 
gelien wobi vertraut ist. Daber bestebt in Bezug auf die ansser- 
balb des Zusammenbangs der jedesmal vorliegenden Perikope 
vorkommenden evangeliscben Citate in diesem Commentar nur 
mebr oder weniger Wabrsebeinlicbkeit f)ir ibre ZugebQrigkeit 
znm Diatessaron. leb babe sie uberall; wo ibre Aafnabme in 
den Text gerecbtfertigt sebien, ^^ [] gesetzt. Ebenso die aus 
der zweiten Quelle, den Abbandlangen des Apbraates, gescb5pften 
Citate. Diese babe icb, am Irrnngen za vermeiden, lieber in 
deutseber^ als in lateiniseber Uebersetzung aufgenommen. Ausser- 
dem lasse icb earsiv draeken; was bei EpbrUm oder Apbraates 
niebt als w(3rtliebes Citat, sondern in freier Reproduction oder 
blosser Anspielung vorliegt. Meine Zutbaten (Stellennacbweise 
u. drgl.) steben in ( ). In Vergleicbung griecbiseber und latei- 
niseber Evangelientexte babe icb mir BescbrSnkung auferlegt; 
den Syrus Curetonianus und die Pescbitta verglicb icb durcb- 
gebends^ mancbmal aucb die Pbiloxen. = Heracleensis. An 
den wicbtigeren Stellen babe icb den cod. Sin. (fi<) nacb der 
kleinen Quartausgabe Tiscbendorfs von 1863^ den Vatic. (B) 
jiacb der gleicbfQrmigen von 1867, den Contabrigiensis nacb 
Scrivener 1864, die Italabss. nacb Sabatier und Biancbini ver- 
glicben. Die Eircbenv^ter babe icb nie citirt, obne sie selbst 
nacbzuscblagen, im tlbrigen aber an Tiscbendorfs Editio VIII 
micb gebalten. 



- 113 — 

Die zam Tbeil schon im vorigen Abschnitt gebranchten 
AbkUrzuDgen sind folgende: 



HI = die durch Thomas von 
Heraklea revidirte Phi- 
loxeniana naeh der Aas- 
gabe von White. 1778. 

P = Peschitta naeh der Ans- 
gabe yon S* Lee. 1816. 

Se = Remains of a very aneient 
recension of the four gos- 
pels in Syriac ed. Gore- 
ton. 1858. 



A = The homilies of Aphraates 

ed. Wright. 1864. 
A^ = Jaeobi Nisibeni sermones 

ed. Antonellus. 1756. 
E = Evangelii cone, expositio 

facta a S. Ephraemo ed. 

MOsinger. 1876. 
Ephr. I— III = Ephraemi opera, 

syriace et latinC; torn. I 

—III. Romae 1737-1743. 
Zuweilen warde gebraacht: > = omisU, -f- = addidiU 

[Diatessaron d. h. Eyangeliam der Gemisehten.] 

§ 1. Jo. 1, 1-5. E 3—61). 

(1) In principio *) erat verbam •), et hoc *) verbum erat 
apnd deum^ et dens erat verbam. (2) Hoc erat in principio 
apad denm. (3) Omnia per ipsum ^) facta sunt, et sine ipso 
factum est nihiP). Qnodcanque factum est, (4) per ipsum ^) 
vita erat'), et vita erat lux hominum. (5) Et haec*) lux in 
tenebris lucebat ^^), et tenebrae eam non vicerunt ^i). 

J) Die gelegeDtlich augeftihrten SStze aos Jo 1, 11 (£5). 14 (E6: in 
alio loco). 17 (£ 7). 18 (£ 3) sIdcI nicht StUcke der hier aasgelegten 
Perikope, sondem ^ehSren zu § 6. — 2) In principio naeh cod. 2, 
MdsiDgers B, welcher nur in einem der 7 Falls wSrtlicher Anftthrnng die- 
ser Worte aos v. 1 reap. v. 2 a principio schreibt, was Mos. naeh cod. 1 
liberall in den Text nahm. Die Ursprttnglichkeit von in ergibt sich schon 
darans, dass cod. 1 anch sonst den in 2 erhaltenen ursprttnglichen Wortlaut 
in eine den Armeniem gelSofigere Form gebracht hat (z. B. E 18 Note 4 
cod. 2 Nisan^ \ArelG)\ das ist aber a principio; denn wie mir Pater L. 
Allshan am 13. Febr. 1881 schreibt, hat der armen. Bibeltext Jo. 1, 1 
in aasnahmslos alien Has. a principio (i sgghbane). Jeder Zweifel wird 
durch A 13, 10; 167, 7 ansgeschlossen , wo n"^tt)1!a steht. Diese von 
Jakob Edess. verworfene Schreibweise (Wiseman, horae syr. 239) findet 
sich aach in Sc* Ephr. bei Moes. monum. syr. U, 36 Z. 7 v. u.; 37, 1; 
aus Gen. 1, 1 in Ephr. Overb. 75, 20. 21 ; dagegen rr^tt^-^ia P Ephr. Ill, 
62a, M'tt^'^im HI. Abgesehn von der spater herrschenden Orthographic 
bezengt Dion. Bar-Salibi (Assem. B. Or. II, 159) denselben Text, wie A, 
fttr das von E commentirte Diatessaron. Wenn anch in der Auslegung 
E 3. 4 einige Male naeh beiden Hss. a principio vorkommt, oder wenn 
A 12 in einer Erklamng von Sach. 3, 9 von Ghristus sagt: weil er von 

Zahn, Forschimgen I. 3 



— 114 — 

Anfang heim Voter war^ so hat das ebensowenig anf sich, als wenn 
Tert. adv. Prax. 16 einmal a prtmordio sagt, oder wenn Semisch p. 4. 
6. 8 beharrlich ah initio ttbersetzt. — 3) verhum E A 13, 10 («nb7a 
= Sc P HI). Wenn A 167, 7 Nbp Stimme schreibt, und dies dann erst 
durch MnbTS Wort dentet, so ist das eine durch den Ansgangspunct der 
dortigen ErSrternng, namlich Jo. 5, 25 veranlasste willktirliche Abwei- 
chang. A hat die Reflexionen tiber den Gegensatz von verhum = ChristtM 
und vox = Johannes noch nicht angestellt, welcbe seit Ephram £ p. 3- 
38 sq. 49 auch bei den Syrern iiblich warden cf. Ign. et Polyc. ed. Zahn 
p. 339 a. 59. — 4) Das Fehlen von e^ E 5 ist wegen der Art der 
Anftthmng gleichgtiltig; hoc verhum = «nb7a IJiT Sc P. — 5) Ob 
na D'lTablD mit Sc Ephr. I, 18 e oder rtT^^a blD mit P, lasst sich nicht 
entscheiden. — 6) Diese Satzabtheilnng ist nnzweideutig in E 5 Sc 
(nichts. Was aher)^ wahrscheinlich aach Ephr. I, 18e and Tatian (or. 
ad 6r. 19 p. 88 Otto), da beide das Gitat nicht tiber ov6k ev hinaas- 
flihren. Dagegen zieht P wohl sicher das o yiyovev zam Vorigen. 
7) per ipsum = Jila Sc P, aber in Sc zu yiyovev gezogen. — 8) erat: 
so P, deotlicher noch HI ; est oder sunt ("jiafi^) Sc. — 9) et 7mec = iSiT 
Sc P cf. A 13, 11. — 10) lucehat = «1rt Irtin Sc A 13, 12 u. 13; 
130, 14; dagegen lucet 1Ji35a P HI. — 11) vicerunt^ so dreimal E 5. 6, 
auch in der Aaslegang berUcksichtigt {quaenam tenehrae contra illam 
lucem hominum pugnaverint) , fUhrt doch vielleicht aof keinen andern 
Text als rtlD'TlN Sc P A 13, 12 a. 14 = atlro . . xariXafiev, 

§ 2. Luc. 1, 5—79. E 6-20 1). 

(5) Fait^) in diebus Herodis regis Jadaeae sacerdos qai- 
dam^ et nomen Zacharias et uxor eius Elisabeth. (6) . . . im- 
macnlati erant in omni habitatione ') saa« . . . (10) bora 
qtca cultus divintcs peragebatur *) . . ♦ (11) in templum venit an- 
gelas ^). . Ad dextram altaris annunx^iatiLS est Johannes *) • • • 
(12) pulcherrimo radiantis angeli splendore Zachariam perterri- 
turn et perturbatum esse''). . • . (13) Exaudita est depreeatio 
taa ante deam '). . . (14) Et erit gaadiam et exsaltatio tibi. . . 
(15) . . Vinum et siceram non bibet*) . . . (17) . . . conver- 
iere corda patrnm in filios. . . Praeparabit domino popalam 
perfectum i<>). . (18) . . Quomodo fiet istud? ") . . (20—22) 
Ut auiem credere desiit, obmutuit etc, Eo quod haec visio in 
sanctuario ei contigit, popultcs certior f actus est etc. Zacharias 
videns, suis nutibus omnes credere etc. ^^). (24) Abscondit se 
Elisabeth . . quinqne menses ^'). (26) Mense sexto ^^). . . 
[(28) Salas tecam, ait, benedicta in mnlieribos ^').] • . [(30) Da 
hast Onade gefnnden vor Gott ^*)]. . . (32) Dabit ei dominns 
dens sedem David patris sui ^^). . « [(35) Spiritos veniet, et 
virtus excelsi obumbrabit; quia is, qui nascetur ex te, filius dei 



- 115 — 

vocabitur i>).] (36) Et Elisabeth; soror toa, concepit in senec- 
tute sna, et hie mensis sextas est illi ^®). (37) Et cum angelm 
earn docuisset, omnia deo esse facilia * . . tunc dixit Maria: si 
huic ita contigit, (38) eece sum aneilla domini, fiat mihi seeon- 
dam yerbam tuum^®). (39. 40) Et surgens abiit Maria ad Eli- 
sabeth^^), . . (41) Exsultavit prae gaudio Joannes • . . m utero 
matris^^), . . (42) Benedieta tn in mulieribus, et benedietns 
fruetus ventris tui^'). (43) Unde mihi hoe, quod venit mater 
domini mei ad me*^)? . . . (45) Beata sit^ quae credit, quia 
fiet impletio omnium verborum, quae facta sunt ei a domino ^^). 
. . (46) Magnificat anima mea dominum etc,^^). . « (48) Ex 
hoe beatam me dieent omnes generationes'^). . . (56) Post 
tres aatem menses in domnm saam reversa est. . . (63) Scrip- 
serunt digiti in tabula „Joannes^ *•). . . (73) Zacharias Abra- 
hamum patrem quidem suum reputabat propter fidem. . . (76) Et 
tU; puer, propheta altissimi vocaberiS; et ta ibis ante faeiem 
domini parare vias eius 2*) . . . (78 b) qao apparebit nobis sol 
oriens ex alto illuminare tenebras nostras ^^) . . . (79) qui se- 
debant in tenebris et in umbra mortis, dirigere pedes nostros in 
vias pacis"). 

1) Die Anslegnng setzt hier von Anfang an den ganzen Abschnitt 
vorans. Schon za v. 15 f. wird v. 76. 77 herangezogen E 7, zn v. 20 
—22 schon E 12 v. 63 ; an y. 73 wird schon E 13 angespielt. Die Ord- 
nnng dee Textes ist trotzdem die des Lucas; denn nach Auslegang von 
V. 26—56 geht E 20 zu v. 78 f. fort. Leider fehlt hier Sc. — 2) Eine 
Hs. von E hat sed fuit; bei der zweiten AnfUhrang E 7 fehlt fuit. Die 
genealogischen Angaben scheint (?) T beseitigt zu haben. Auch in der 
Besprechnng der Verwandtschaft Elisabeths mit Maria E 15 vermisst 
man eine Spur hiervon. — 3) So w(5rtlich E 7 in der einen u. E 14 in 
der andern Hs. s. aber MSsinger's Note 2 p. 7. — 4) E 8 cf. E 10: 
Jiora orationis^ in qua preces fiebanty vista ei obtigit, — 5) E 8, ahn- 
lich after. — 6) E 7 extr. — 7) Nachtraglich E 14. — 8) Dreimal 
w5rtlich E 8. 12. 14. Das in P fehlende coram deo bezeugt auch A 57, 9 
(A^ 60), vgl. dessen AnfUhrnng von Dan. 10, 12 A 57, 4. Sonst scheint 
die LA nicht vertreten zn sein. — 9) Dies u. v. 14 E 7. — 10) E 14, 
wo auch eodem videlicet mode quo Elias und iam nunc divereis opinio- 
nibua non sunt divisi patres a filiis et filii a patribus, Cf. noch E 37 
virtute et spiritu Eliae, Auch in Ephr. II, 315 d wird v. 17 bis xknva 
citirt nach P, nur «3rt statt yn und „Kraft** vor „6eist" gestellt. — 
11) Zweimal genau so E 8. 9 u. abnlich E 13 {quomodo potest ita fieri) 
als Wort des Zacharias, also dies nach dem der Maria v. 34 geandert, 
vielleicht nur durch GedsCchtnisfehler E's. — 12) Zerstreute Satze aus 
£ 9 10. — 13) Theils E 14, theils E 15. — 14) E 15 ftigt hinzu: nu- 

8* 



— 116 — 

merat enim evangelista tempiM, ex quo Elisabeth concepit — 15) E 49 

gelegentlich. Ganz ebenso A 180, 2: Kiria n^'^IS "^iDb Dbtt). Dies av- 
Xoyrifikvri (ohne av) iv yvyai^l ist Uberhaapt alte syrische Tradition 
(P; erst HI hat av). Aber die Abktirzung^ welche nur E und A haben, 
muss als Text von T gelten. — 16) Aas A 57, 11 als Wort Gabriels 
an Maria, abweichend von P (D'lp statt mb). — 17) Das E 15 feh- 
lende patris sui steht in der zweiten fbrmlichen AnfUhrung E 16 , wird 
also aach in T gestanden haben. Denn dass es bier thronum, dort «e- 
dem heisst, wo im Gr d^govov steht, kann ja den Verdacht nicht begriin- 
den, dass E hier auf einmal einen anderen als den ihm vorliegenden 
Text befolge. Ephr. II, 142 b wird v. 32 b a. 33 bachstablich nach P 
eitirt. — 18) Zweimal unvollstandig E 255 sq. Da erst das zweiteMal 
exceUi and nnr das erste Mai ohumhrdbity so kdnnen auch die Worte 
inl ak und aoC willktirlich von E ausgelassen sein; doch fehlt ersteres 
auch in P. Abgektirzt eitirt Ephr. I, 352 b der heilige Geist wird dich 
iiherschatten (i^^i fiir ps P). — 19; v. 36 a E 15, v. 36b E 18 ohne 
erkennbare Abweichung von P. — 20) v. 37 frei, v. 38 wOrtlich (= P) 
E 15. — 21) E 17 zweimal in tibrigens freier Nacheizahlang. — 22) £ 19 
in zwei verschiedenen Satzen. An den Text lehnt sich auch ut infans 
ante dominum suum laetabundus exsiliret, — 23) So E 19 ; henedicta es tu 
in mulieribus E 49. Fdr ventris tui (= Gr HI) hat P qui in ventre ttio 
(est). — 24) E 17. Da auch P gegen Gr HI kein xaC zu Anfang hat, 
wird der Wegfall desselben bei E nicht znfallig sein. — 25) E 17 voU- 
stSndig; E 18 beata quae credidit. Das omnium sonst bei den Syr. a. 
Gr. nicht bezeagt, cf. aber Gorbei. (Sabatier I, 262): perficientur omnia^ 
quae dicta sunt tibi a domino. — 26) E 18 als Wort Maria's. Das 
etc. geh(5rt E an. — 27) E. 17 voUstSndiger als E 18, wo dann sofort 
V. 56 in freier Wiedergabe folgt. — 28) E. 12. Die Anspielung an v. 73 
E 13 ; in Ephr. 1 , 438 d wird Lc 1 , 73—75 nach P eitirt. — 29) E 7 
hat in der ersten vollstandigeren Anftihrang vocaberis^ ibis ante domi- 
num, gleich nachher aber et ibis ante faciem eius. Daher obiger Text. 
P wie Gr ngonogsvari ydg, — 30) E 20. Sol oriens scheint auf Rech- 
nung des arm. Uebersetzers zu kommen, denn E (cf. auch E 30) dentet's 
vielmehr auf den Stern der Weisen. illuminare etc. fehlt in der einen Hs. 
— 31) E 20 in zwei Absatzen. Ephr. I, 357 e eitirt v. 78 b u. 79 a ab- 
gesehn von der Ankntipfung des Anfangs genau nach P ; nur er hat una 
besucht, wo P Futurnm hat. — Von v. 80 zeigt £ keine Spur. 

§ 3. Mattb. 1, 18—25. E 20— 26^). 

(18) Generatio Jesu Christ!^) sic erat. Qanm desponsata 
esset mater eias Maria JosephO; et anteqaam data esset viro ^), 
inventa est gravida a spirita sancto. (19) Joseph; qui yir jastns 
erat; nolait tradacere Mariam ^) . . * quamobrem ex iustitia co- 
gitavit; at tacite earn dimitteret. (20) Qaapropter^) apparait 
ei angelas et dixit ei: ne timeas accipere Mariam *). . . (22. 23) 
Quod si diibitas, Isaiam audi prophetam dicentem: Ecce virgo 



- 117 — 

concipiet^). . (25) In sanctitate habitabat cum ea, donee pe- 
perit primogeDitnm ^), (24b) et sumpsit earn*). 

1) Nnr zwei Zeilen trennen Mt. 1, 18 von Lo. 1, 79 £. 20. Dass 
Mt. 1, 1—17 in T ttbergegaDgeD war, ist somit sicher. — 2) So auch 
P, Dur Christi Sc. Dass £ 20 das ^i nicht ansdrttckt, welches in Sc P 
wie in Gr steht, hat nichts zu bedeuten. — 3) So E 20 gegen Sc {aU 
sie noch nicht einander nahegekommen waren) P (eJ^e ate sick vereinigt 
hatten). Bei der sonstigen Wortlichkeit des Citats muss dies als absicht- 
licber Euphemismns von T gelten. — 4) E 22, in entscheidenden Pancten 
mit Sc (Joseph aber, weil er ein gerechter Mann war^ wolUe Maria 
nicht hlossteUen) gegen P {Joseph aber, ihr Ehegatte^ war gerecht und 
wollte sie nichi blosstelhn) und theilweise gegen alle sonstige Tradition. 
Der von E u. Sc voransgesetzte griechische Text ist beinah oder ganz 
identisch: ^Itoa^tp (^k ^ E), avi^Q ^ixaiog av, ovx ^&€li Suyfiajlaat 
(t^v) MagiafA xal ivs&vfir^&ri Xa&ga dnoXvOai avrijv. Fttr ifiovX^&ri 
haben Sc P dasselbe "^^nnfi^, welches v. 20 ftir h^vfiiiHvxog steht; dem 
entspricbt aber E 22 extr. cogitaviU Erst HI bringt den Syrern den in 
Or vorhandenen Wechsel des Verbs. Dem tacite entspricht das n'^fi^b'^ii^a 
in Sc (cf. das Verb Act. 21, 40; 22, 2), wahrend das n'^^'^irOTa der P 
= clam^ Xd&Qa ist. Die Hauptsache ist, dass Sc and T es vermeiden 
wollen, dass Joseph vor der Geburt Jesn als eigentlicher Ehegatte Ma- 
ria's erscheine. — 5) Quapropter E22; da E23 wieder in abgektirzter 
Anftihmng propterea dixit ei angelus^ so scheint T den Participialsatz 
v. 20a hierdurch ersetzt za haben. accipere M. aus E 23 entspricht P 
(aonb), dagegen So la'iTab, wie ScP in v. 24. — E 22 u. 23 > "Itoatitp 
vlbs Jafii^f vielleicht nach T selbst, wShrend Sc es hat. — 6) Ob t^v 
yvyaixd aov (Gr P), wofttr Sc '?rn'T^!D?3 (ttjv if^prjarevf^hfriv aov cf. v. 18), 
von T getilgt, entsprechend der Tilgang des 6 dviiQ avTrjg v. 19 und der 
Aendernng in v. 18? Den Rest von v. 20 citirt Ephr. I, 352 b nach P, 
ganz abweichend von Sc. — 7) E 22. Da daneben auch Daniel citirt 
wird, hat -das Isaias (= Sc) nichts zn bedeuten. A 340, 14 zeigt in 
seiner Anfiihrang von Jes* 1, 14 zugleich Eenntnis von Mt. 1 , 23 in dem 
Zusatz ^d, h, Gott mit uns*^, — 8) E 25 dreimal voUstandig und ein- 
mal in zwei Stiicke getheilt; auch E 23 aancte habitabat cum ea 
and £ 26 in sanctitate hob, c. ea. Diese erste Halfte genau mit Sc 
Hrxn^ Vrfn 1»i? IT^N'^^Ti) gegen Gr P. Dagegen primogenitum weder 
ganz P (NIlDia tTiab filium suum primogenitum) noch vollends Sc 
{Wl^b filium). Ephr. in Monum. syr. II, 39, 5: ^Er ward durch seine 
Liebe ein Erstgeborener der Maria (Dativ), wahrend er ein Erstge- 
borener der Gottheit war. — 9) Dass dieser Satz in T hinter v. 25 
stand, ist zweifellos; deun £ 25 sagt nach vollstEndiger Anftthrung von 
V. 25 : Traepostere dicta sunt verba. Nam prius sumpsit eam et postea 
habitavit cum ea in sanctitate; sed it a legitur: ^habitavit cum ea in 
sanctitate et sumpsit eam**, Dass £ in alien Ubrlgen Fallen v. 25 ohne 
diesen Zusatz et sumpsit eam citirt, hatte Mdsinger (p. 25 n. 2) nicht 
dariiber zweifelhaft machen sollen, dass £ so in seinem Text (ita legitur) 
gelesen hat. Er hatte ja keinerlei Anlass auf diesen logisch voUig selb- 



- U8 — ' 

standigen Satz schon vorher einzagehn. Anch dass E hier v. 25 abge- 
kiirzt (ohne donee etc.) and UDgenaa (hahitavit in Bezag auf Stellung 
and Form) citirt, ist gleichgtiltig, da es ihm nar aaf die Unangemessen- 
heit der Anordnang der Sachen in seinem Text ankam. Obwobl sich £ 
hier nicht wie sonst aaf die ihm bekannten kauonischen Evangelien oder 
seinen Graecus beraft, sondern lediglich aos der Sache heraas Eritik 
tibt, so ist doch gewiss, dass er sich solches Urtheil nicht tiber die ihm 
vorliegende Scriptura erlanben wttrde, wenu er nicht wtisste, dass in 
einem anderen noch aathentiscberen Text die Satze anders gestellt seien. 
T aber zeigt hier dieselbe Tendenz wie v. 18. 19, vielleicht aach v. 20, 
Maria erst nach Gebart ihres Sohnes als Eheweib Josephs darzastellen. 
Er scheint aach hier noch das t^v ywatxa avrov darch ein avrijv er- 
setzt za haben. 

§ 4. Luc. 2, 1— 35a (—38?). E 26—29. 

(1) Dixit itaque nativitatem Christi in diebus Augusti 
fume. (2) Cur autem 'prima haec terrae descriptio tem- 
pore, quo natm est dominus, facta est ? (3) Describebaiur nnus- 
quisqae in civitate sua ^). • . (4. 5) Eadem scriptura dixit utrum- 
que^ Josephum et Mariam, esse ex domo David^), . . (II) Hodie 
natus est yobis salvator, qui est Christas domini ^). . . (14) Gloria 
in excelsis deo^ et pax in terra; et spes bonis {bona?) filiis ho- 
minam^). . • [(26) Aceepit Simeon praeeeptnm a spiritn sancto, 
se non gnstaturum mortem , donee videret dominnm Christum. 
(28) Et cum suscepisset dominum in ninas suas, dixit] ^): (29) 
Nunc dimittiS; domine, servum tuum secundum verbum tuum in 
pace. (30) Ecce viderunt oculi mei misericordiam tuam, (31) 
quam parasti ante omnes populos*). (33) Admirabatur enim, 
aiunt^ Maria et de nativitate et de conceptione eius ^) . . : (34) Ecce 
hie Stat in ruinam et in resurrectionem et in signum contradic- 
tionis. (35) Et animam tuam pertransibit gladius '). 

1) y. 1—3 werden so E 26^ aber in anderer Ordnung besprochen. — 
2) E 16. Dass es in T stand, besagt eadem scriptura, dass es aber 
nicht in der dort besprochenen Perikope Lc 1, 5—79 stand, and dass 
E dies nicht, wie Mds. p. 16 n. 3 annahm, darch Deutung yon Lc 1, 26 
(yielmehr 27) gewonnen hat, sagen die Worte alio loco eadem scrips 
tura etc. Nun citirt A^ 472, 20 s. oben S. 88 als Schriftwort : „ Joseph 
and Maria seine Verlobte waren beide yom Hause David's". DieUeber- 
einstimmung zwischen E a. A ist eyident. Da Lc 1, 27 nicht der Ort 
ist, so mass es Lc. 2, 4 f. sein, wohin aach die nor dort so za findende 
Apposition ry ifjtvriaxEVfiivr^ avttp bei A weist. Der Ursprung der Ab- 
weichung yom kanonischen Text wiirde vielleicht aus Sc noch deutlicher 
erhellen, welcher hier fehlt. Aber P genilgt, welche bachstablich so wie- 
derzngeben ist: „Weil er war vom Hause and Geschlechte Davids mit 



- 119 — 

Maria, seiner Verlobten, welche schwanger war, damit er daselbst anf- 
geschrieben werde". Also nicht das dnoyQdyfaa&ai wie nach Qr, son- 
dern die davidische Abkunft theilte Maria mit Joseph. Das mass aber 
wegen der Uebereinstimmung der Citate von E nnd A in T noeh scharfer 
ansgedriickt gewesen sein. £s wUrde der Text, wenn er iiberhaupt grie- 
ehisch so existirt hStte, etwa gelaatet haben: Stic 10 ilvai adtov re xal 
MaqUtfi Tfiv ifAVTiarsvfjthfiv avt(p i^ otxov ^afii^, tov dnoYqayjtaa^a^ 
ixiU — 3) E 27 in zwei Halften, die zweite nnr in der Form: nee 
dixit : qui Christus domini fieri debet, sed : qui Christus domini iam est. 
Dies domini statt dominus sonst nar noch im EvaDg. hieros. — 4) glo- 
ria — terra E 27 dreimal, E 63 einmal ; das zweimal fehlende deo steht 
an den andem Stellen, anch in der Anslegang. S'pes bonis filiis homi- 
num nnr einmal E 27 extr. (of. jedoch einige Zeilen vorher pax et re- 
canciliatio et iis, qui rei erant, apes et remissio) , weicht vielleicht nur 
darch Schreib- oder Uebersetznngsfehler {bonis statt bona) von P and 

A 180, 9 ; A 385, 5 (fi(^^&< "^^iib fi^lits fi^lliDl) ab. Aneh in den ersten 
beiden Satzen gebt E mit P. Daher werden die Citate A 180, 8 sq. 
{Friede im Himmel und JEhre auf der Erde und gute Hoffnung den 
Menschenkindem) und A 385, 5 (Ehre Gotte im Himmel und gute Hoff- 
nung den Menschenkindem) willkiirliche Modificationen sein, ebensowie 
Ephr. II, 279 c (Ehre Gotte in der Hohe und Friede auf der Erde den 
Menschenkindem). Gf. noch unten § 74 Note 6, woraaf E 27 schon bier 
Riicksicht nimmt. — 5) v. 26* 28 E 225 sq. eingeleitet mit testatur 
scriptura his verbis, Dort aach v. 29, der aber nicht in Elammern ge- 
setzt ist, well er aach E 28 im Zasammenhang der Erklarang dieser 
Perikope dreimal in verschiedener Abkiirzang citirt wird. Ans E 28 
nahm ich in pace statt in pacem E 226. — 6) v. 30. 31 E 28 miseri- 
cordiam tuam aach P. — 7) Unsichere Anspielang E 29. — 8) v. 34. 
35 a in drei angeschickt getheilten Absatzen E 28. Dass die eine arm. 
Hs. zweimal, aber wie man nach M5singer annehmen mass, nicht an 
dritter Stelle pertransibis gladium bietet, ist ein darch E's Aaslegang 
nicht begtinstigter Unsinn. In T kann nicht gestanden haben noXXmv iv 
T^ ^laQarjXy da E nar vorschlagt ad libitam za verstehen: vel intellige: 
in ruinam et resurrectionem populi et gentium, vel in ruinam iniustitiae 
et in resurrectionem iustitiae, Noch sicherer ist, dass T]> v. 35b; denn 
nach allerlei Erklarungsvorschlagen sagt E 29: sed Graecus dare didt: 
revelentur in multis cordibus cogitationes. Hatte der ihm vorliegende 
syrische Text eine andere Gestalt desselben Satzes enthalten, so wUrde 
das nicht verschwiegen sein. Der Satz fehlte also in T ganzlich. S. Ubri- 
gens oben S. 61. 

§ 5. Matth. % 1—23. E. 29-36. 

(1. 2) Magi cum signis mis sictd prophetae venerunt et de 
eitis nativUate testimonium perhibuerunt . . Stella ab oriente oc- 
ddentem versus cucurrit. . (3—7) Ad perturbandum Israel detts 
stellam coram magis abscondit^ ut ds Jerosolymam venientibus 



— 120 — 

scribae nativitatem dm explanarent, . . Sicuti unum oractdum 
prophetae Michaeae exquisierat (Herodes). . . Civitas eius Bethle- 
hem, ut Michaeas praedixerat, et tempus eius, sictU dixerunt 
magi *) . . . (8) Et ego veniam , adorabo eum ^) . . . (9. 10) 
Stella quae praeter ordinem naturae hominibus subiiciebatur et 
viam eis monstrabat^), . . (11) Et aperaerunt thesauros saos et 
obtulerant ei manera, anrum . . . et myrrham . . . et tbas^). 
(12) Et acceperant illi in visione praeceptam, ne redirent ad 
Herodem'). . . (15) Tanc impletum est verbam, quod dictum 
est per prophetam, qui ait: ex Egypto vocavi filiam meam^). 
(16) Et cnm Herodes videret, quod delusus esset a magis, iratns 
est valde et misit et perdidit omnes pueros'). . . (17) Imple- 
batnr yerbam^ quod dictam est per Jeremiam: vox clamata 
( Oder aadita ) est in Rama, Rachel plorabat filios snos, qnia non 
erant*). . . . [(19. 20) Und dein Joseph sagte der Engel in 
Egypten: stehe anf, trage das Kind and gehe in das Land 
Israels, weil gestorben sind diejenigen, welche die Seele des 
Kindes snchten wegznschaffen *)]. . . . (23) Nazoraenus voca- 
bitur 10). 

1) Bis dahin theils E 29, theils E 32. — 2) E 30, nochmals E 31 
mit et vor adorabo ^ was in So P nicht ausgedrilckt ist. — 8) E 31; 
ahnliches E 29 extr. — 4) E 31, am Ende darch exegetische Zuthaten 
nnterbrochen. — 5) E 29. Das weiterhin dreimal wiederholte in visione, 
per visionem = Sc (fi^"^tn!a), nicht P (Nttbtia xar ovag), Herodem 
nehme ich ans E 32 Z. 3, eum £ 29. — 6) E 36 eiDgeleitet durch cum 
dominus in terram Aegyptiorum intrasset et iterum exiisset, dicit evan- 
gelista. UngeDauer E 32: ex terra Aegyptiorum vocabo filium meum, 
Wortlich stimmt auch jenes weder mit Sc noch mit P. — 7) E 32, on- 
vollstandig auch E 34: cum vidieset, quod etc. In der passiven Fassnng 
ivmaix^ stimmt E mit Gr P gegen Sc. — 8) Theils E 32, theils E 33, 
an beiden Stellen in abgebrochener Rede. Der Ansfall von totc und die 
anderen Defecte sind daher nicht zu pressen. — verbum = NnblD Sc, wo- 
gegen P DITa. dictum est per etc. mit Gr P gegen Sc {quod dixit), 
Jeremiam ohne dicentem mit Sc gegen Gr P. Bachel plorabat eher Gr P, 
als Sc (vox Eachelis plorantis), — 9) Aus A 405, 16 aufgenommen, 
zumal E 32 Z. 3 f. nur eine dtirftige Anspielung sich findet. FurnaQa- 
Xafii (li'i Sc P) gibt A biptt). — A > xal T17V fifjriQa avrov gegen 
Sc P Gr. — A bt:!0 mit Sc statt ydg Gr P. — A am Schluss mit Sc 
Viyi^h gegen P Gr. Cf. v. 13. Curet. pref. p. XIII vergleicht 1 Reg. 19, 10 
Xap€lv avjijv, wo aber P *^U5D3 iDttb y^'3L NJir — 10) E 36 zweimal, 
zuletztmit der Einleitung: Bed evangelista, quod in Nazareth nutritus est^ 
huic simile esse videns dixit etc. 



— 121 — 

§ 6. Jo. 1, 6—28. E 36—39 0. 

(7) Vox lucem annuncians^), . . (11) Ad suos venit etsui 
[enm] non receperunt '). . . (14) Et verbam caro factum est et 
habitavit in nobis ^). . . (17) Per Moysen lex (data) est, sed 
Veritas eias per Jesnm facta est ^). [(18) Deum nemo nnquam 
potnit videre, sed UnigenitnS; qui est ex (in) sinu patris (sai), 
ipse nobis de eo annnnciavit*)]. . . (19) Miserunt Jndaei ad 
Joannem et dicant ei: tn qnis es? (20) lUe confessns est di- 
cens: non sum Christas. (21) Dicant ei: Elias es tu? Dicit: 
non^). Propheta es tu? Et respondit: non. . . (23) Dixit: 
nan sum Christus . . . sed vox^). . . (24) Pharisaei Joannem 
interrogaverunt. ... (25) Qui miserunt ad dominum et interro- 
garunt: qua ex potestate tu hoc fads? iidem miser ant ad Joan- 
nem . . Tu guts es, gui hoc facts? ^) 

1} Die erste Perikope, deren AbgrenzuDg schwieriger ist P15tzlich 
£ 36 mod. springt der Ansleger von Mt. 2, 23 zu einer Gegeniiberstel- 
lung von Johannes und Jeans Uber ; aber abgeaehn von einer sehr kiinst- 
lich herbeigefiihrten Anftthrung von Mt. 3, 10 £ 39 extr. folgt nicht 
etwa die synoptische Darstellnng vom Taufer (Mt. 3), sondem als Aus- 
legnngsobjecte werden in ziemlich wilden Sprlingen vorgefQhrt p. 36 
Jo. 1, 17, p. 37 V. 14 u. 19-21, p. 38 Anspielung an v. 24. 25, bei- 
ISafig anch an v. 7, endlich p. 39 wieder Gegentiberstellung von Jo- 
hannes und Jesus. Andere SStze zwischen Jo 1, 7 und v. 19 waren 
schon in der Anslegnng von § 1 Jo. 1, 1—5 beilaufig vorgekommen, 
aber einmal £ 16 wird Jo 1, 14 mit der ausdrlicklichen Bemerknng citirt 
alio loco. Das bildet nicht den Gegensatz zu den dort vorangehenden 
Worten aus Lc 1, 5; denn diese letzteren sind sichtlich dnrch blosses 
Versehen (s. Mds. p. 6 n. 3) einige Zeilen zu fHih citirt, sondem einen 
Gegensatz zu der dort noch sich fortsetzenden Exposition tiber Jo 1, 1—5. 
Also nicht im Zusammenhang mit dieser Perikope, sondern in einer an- 
dem, also in derjenigen, welche Jo. 1, 14. 17 etc. enthlClt, d. h. hier in 
§ 6 hat £ alles dies gelesen. — 2) E 38. Im Zusammenhang der £r- 
klarung der Selbstbezeichnung des Johannes als f)0x v. 23 scheint er auf 
v. 7 zurtickzugreifen. — 3) £ 5 ^ eum, aus A 13, 18 aufgenommen, 
wo V. 11 wQrtllch so wie Sc P citirt ist. Von v. 12. 13 hat weder E noch 
A eine Spur. In Ephr. I, 470a wSrtliche Anspielung an v. 12. — 4) So 
£ 37, wo auf das in nobis Gewicht gelegt wird ; £ 6 Hoc verhum . . . 
in vohis. Mit £ 37 auch A 120, 4; 167, 8; So. Diese drei syrischen 
Texte und auch die ungenaue Anffihrung Ephr. Monum. II, 38, Z. 20 
weichen von P ab durch Nn:iB = (fccQ^ statt NIDi P, sodann durch die 
feminine Form der Verba, wilhrend P in ROcksicht auf die personliche Be- 
deutung von 6 Xoyos zu dem fem. Subject fi^nb73 'masc. Pradicate setzt. — 
5) Za Gmnde lege ich £ 36, wo v. 17 im Zusammenhang der vorlie- 
genden Perikope und nicht beilaufig und gedachtnismasig citirt wird wie 



- 122 - 

E 7 UDd 55, obwohl das Gitat E 86 abgebrochen und in Nebensachen 
schwerlich bochstablich ist: per Moysen est lex , , . sed Veritas eius per 
Jesum dominum nostrum. Dass dies im wesentlicheD der Text von T ist, 
beweist A 28, 4 sq. Nin yw^ T^i ND1!Q5^ nillO'l i'^niD ain, was A^ 28 
richti^ ilbersetzt: JEt iterum scriptum est: Veritas legis per Jesum facta est, 
Dieselbe LA setzt die Bezeichnung Jesa als Venis oder Verum legis 
E 40 Z. 3 (s. daza Moes.) voraus. Dagegen citirt E 55 : Lex per Moysen 
data est , gratia et Veritas per Jesum facta est , dasselbe vod gratia an 
auch E 7, also im wesentlichen mit Gr Sc {et gratia) HI {gratia autem, 
letzteres mit Asteriscns) , wahrend P nmstellt {veritas autem et gratia). 
Auch in den beiden nicht aus T, sondern einer Evangelieniibersetzang 
wie Sc stammendeu Gitaten bleibt E dem durch E 36 A 28, 5 bezeugten 
T darin trea, dass er Jesum ohne Christum gibt. So auch fi< (erste 
Hand). — 6) Nar E 3 vorlaufig citirt, eiugeleitet darch ein dixit, das 
man aaf Jesus beziehen kdnnte, aber wohl besser wie so oft durch 
scriptura, evangelista erganzt. Ob dies dnrchweg (auch das in vor sinu 
der Text von T ist, folgt noch nicht sicher aus der starken Abweichung 
von Sc {Gott hat von jeher Niemand gesehn; der eingeborene Sohn^ der 
aus dem Schooss seines Vaters [ist] , der hat uns verkUndigt) und von 
P {Gott hat von jeher Niemand gesehn; der eingeborene Gotty welcher im 
Schooss seines Vaters ist, der hat verkUndigt), Nur das unigenitus ohne 
filius Oder deus bestatigt A 105, 3 (A^ 212) durch die Anspielung: 
Alle Einsiedler erfreut der Eingeborene, welcher aus dem Schooss seines 
Vaters ist. Das aus dem Schooss mit Sc gegen P Gr. Aber gerade 
dies muss auch in E der ursprilngliche, durch den arm. Uebersetzer erst 
verwischte Text sein; denn wie E in diesem Zusammenhang ebensosehr 
die Erzengung des Sohnes aus dem Vater wie seine reine Gottheit im 
Prolog bezeugt findet, und zu dem Ende v. 18 citirt, so gestaltet er das 
Citat auch einmal so: genitus est ex sinu patris sui. — 7) v. 19—21 bis 
dahin E 37, aber aus E 38 (non sum Christus et non Elias et non pro- 
pheta) ergibt sich auch Sicherheit fUr v. 21b. Ganz so wie Sc, wo 
librigens Frage und Antwort in Bezug auf Elias fehlen, hat E v. 20 ver- 
einfacht, nSmlich statt xal ovx iJQvijaato xal wf^oXoyrjaev (Gr P) ein 
blosses xal eJmv (Sc) oder X^ymv (E). — 8) Nur in dieser Form ange- 
deutet £ 38, aber ausfQhrlich verwerthet E 38 sq. 49, auch schon E 3 sq. 
In Ephr. H, 85 f. als Wort des Taufers, am Schluss n^S) (statt l^pn Sc, 
nttJN P) und N-^lttb (so auch Sc, ft^'^lTa'i P). — 9) E 32 extr. 38 med. 
Darnach ist an der Ausdehuung des § 6 bis v. 28 oder 27 kaum zu 
zweifeln. Uebrigens hat E oder T seine Pharisder nicht aus Sc, wo es 
V. 24 heisst: Und sie sandten und sprachen zu ihm etc. — 

§ 7. Luc. 2, 41—52. E. 40. 

(48) Ego et pater tuns dolentes et moerentes ^) ibamas et 
quaerebamus te. . (49) In domo patris mei ^) oportet me esse. . 
[(51) Omnia conservabat in corde sac ')]. 

1) So doppelt ausgedrUckt auch in Sc, cod. gr. D (o^vvtofj,evoi xat 
IvnovfAEvoi) Vereell. und anderen Italahss. (Sabatier III, 272). — Iba- 



- 123 — 

mu8 et sonst nicht bezengt — 2) mit P ("^inK) gegen Sc (M^M). — 
3) E 52 mit scriptura didt eingeleitet, wird sich nicht aaf Lc 2, 19, son- 
dern Lc 2» 51 beziehcD, wo es aoch in 6r nicht am Zengnis fUr die LA 
ohne ^Tjfjutja feblt. — Epbr. I, 562 b spricht von den 30 Jahren, in wel- 
chen, wie Lucas sagt, Christus wucha an Weisheit und Statur und Gnade 
cf. Lc 2, 52; 3, 23. S. oben S. 68. 

§ 8. Matth. 3, 1—12. (Luc. 3, 7 sqq.) E 40. 

[(Mt 2) Wie Johannes sprach: Thmt Busse von euren SUn- 
den ^)j. . . (4) Et veste ex pilis cameli indatos erat loannes ^). 
. . (Lc. 3, 8 Mt. 9) [Uod seid oicht aufgeblasen nnd sprechet: 
Znm Vater haben wir Abraham^ denn etc. ')] Ex lapidibas istis 
dens potest snscitare filios Abrahami. [(Mt 10. Lc 9) Ecce 
secaris pervenit usque ad radicem arboris ^).] (Lc 16. Mt 11. 
Mr \, 7. Jo 1, 27) Ego non sum dignus solvere corrigiam cal- 
ceamentomm eius^). 

1) A 226, 10: von euren Sunden sonst unbezeugt. — 2) E 40 cf. 
E 101 vestitus erat veste e pilis camelorum (Dieser Plaral auch Sc P) ; 
im iibrigen geht E mit Sc {Er dber^ Johannes^ war gekleidet mit einem 
Kleid vomHaar derKameele) gegen P {Er aher^ Johannes, es war sein 
Kleid vom H. d. K.). -> 3) A 331, 6 als Wort des Johannes den gan- 
zen Vers, A 63, 16 nnr die zweite oben ans E 40 gegebene HSIfte, in 
Wortstellung beidemale genan mit E and mit P Lc 3, 8, wahrend Sc aach 
Lc 3, 8 wie Sc P Mt 3, 9 stellt: es Tcann Gott aus diesen Steinen etc. 
Statt Abrahami hat auch A 63 und 33 1 mit Sc P Gr Abrahamo, Wahr- 
scheinlich also kommt derGenidv aufRechnang des armen. Uebersetzers. 
-- Das Citat aus Jes. 40, 4. 5 bei A 330, 17—331, 2 durcb Lc 3, 5. 6 
vermittelt za denken (Basse 1. 1. p. 37), besteht doch wohl kein Grand. 
— 4) E 39 extr. vorlaafig. — 5) So E 41 ; ahnlich E 99 . . ut solvam 
carrigias . . E \42 ut portet corrigias calc, eius. Letzteres eine unge- 
schickte Mischung von Mt 3, 11 (fiaaratrcki) and einer der Parallelstellen. 
Uebrigens lasst sich zwischen den 4 Stellen nicht wShlen, da Sc P die 
Unterschiede von Ixavog and a^iog^ von ra vnoSrifiara and to i^no^rifut 
verwischt haben. 

§ 9. Matth. 3, 13—17. Luc 3, 21. 23; Jo 1, 29 sqq. 

E 40 med.— 42 extr. *). 

(Lc 3, 23. Mt 3, 13) Et ipse Jesus erat annorum quasi 
triginta, qundo venit, ut baptismum a Joanne acciperet^). . • 
(Jo 1, 29) Joannes' de fonte Jordanis fluvii salvatorem nostrum 
tnonstravit: Ecce hie est agnus dei; hie est, qui venit tollere 
peccata mundi '). [(Jo 1, 30). . Vir veniet post me qui prior 
utique est^). . . (Mt 3; 14) Ego opus habeo ut a te bap- 
tizer^). • .] (Mt 3, 15) Permitte nuDC, ut omnem iustitiam im- 



- 124 — 

pleamas*). • . (Lc 3, 21) Cmn illo die multi baptizarmtur, 
(Lc 3, 22. Mt 3, 16 cf Jo 1, 32) spiritus super unum descendit et 
quievit '). • . qui descendit in similitudine columbae ®). . (?) Lumen 
super aquam exortum^) et vox de caelo delapsa, . . (Mt 3, 17) 
Hie est filiuB mens dileetus ete. ^^). [(Jo 1^ 32) Testator enim 
Joannes baptista : Ego vidi spiritum in similitudine corporis eolum- 
bae, quae descendit et requievit in eo '*). • . (Jo 1, 33) Ego 
nesciebam earn; ... qui me misit, ad me dixit . . .] 

1) Die erste Perikope von etwas ktinstlicherer ZaBammensetzaDg. 
Dass mit dem zu Grunde gelegten Bericht des Mt Worte aus Lc 3, 23 
verwebt Bind, ist be! der Art der Einftihrang der letztern unzweifelbaft, 
ziemlich gewiss aach, dass Lc 3, 21 Bestandtheil dieser Taufgeschichte 
war, aber erst nacb Lc 3, 23 stand. Aber auch Jo 1, 29 stand darin, 
denn durcb eine nor durch dies Ziel bestimmte Gedankenreibe kommt 
E 40 sq. zu diesem w(5rtlicben Citat Es wird E 43 voraasgesetzt, dass 
dies Wort vor der Taufe und zwar karz vor derselben gesprochen sei. Nacb- 
dem der Tenfel es gebort, wartet er nocb ab, bis Jesus getauft ist, um 
ibn dann zu versucben. T muss also trotz des rjf inavQiov Jo 1, 29, 
welches ibn bKtte ndthigen konnen, dies an § 6 nnmittelbar anznschlies- 
sen, das bier berichtete Eommen Jesu als das zur Taufe aufgefasst baben. 
Dass das offentlicbe Zengnis des Johannes Uber Jesus, also Jo 1, 29 ff. der 
Versuchung voranging und mit der Taufe eng verbunden war, zeigt siob 
ancbE50. Auch nacb E99 muss Jo 1, 29 ebenso wie Mt 3, 11 (s. § 8) 
dem Zeugnis des auf Jesum berabkommenden Geistes und der Himmels- 
stimme vorangegangen sein. Fraglicb kann nur sein, ob auch Jo 1,30— 
34 hier untergebracbt und wie sie vertheilt waren. Im allgemeinen darf 
ich mich, obne der spateren Untersucbung vorzugreifen , ftir obige Zu- 
sammenstellung auf die analoge im Cod. Fuldensis ed. Ranke p. 40 
c. XIV berufen. — 2) E 41. Die 30 Jabre auch E 42 extr. cf. Epbr. 
I, 562b. n, 165d (da auch mit Bezug auf die Taufe). Monum. n, 38,2. 
Das aQxofjievog > auch P. — 3) So E 41; ecce venit agnus dei et is 
est etc. E 43 cf E 99 ; ecce agnus dei qui etc. E 208. Die Umscbreibung 
von aiQCDv durch qui venit tollere .scbeint absicbtlicbes Interpretament 
von T zu sein. Sc P baben es nicbt. Das in drei AnfUbrungen ausge- 
drttckte Demonstrativ vor qui tollit entspricht der P (in, wofUr Sc ^rr, also 
ein wiederboltes ecce). — 4) E 192: vir weist auf Jo 1, 30 (ScPN^a:i), 
nicht auf Jo 1, ^5, wo dies Sc P ^, auch die Wortstellung eine andre 
ist ~ 5) E 104, wesentlich ebenso E 99. — 6) E 41 einmal voUstandig, 
dann nocbmals permitte nunc, und E 42 impleamus omnem iustitiam, 
aber auch nocb einmal vollstandig E 42 sine modo, ut etc. Diese also 
constante Abktirzung sonst nicbt bezeugt. — 7) E 42. Das quievit, wel- 
ches kurz vorber schon einmal vorkommt, brancht nicht auf Jo 1, 32 
zurtickgefUbrt zu werden, da Sc dasselbe n'^lpl, womit Sc P Jo 1, 32 
xal ^fieiyey tibersetzen, auch Mt 3, 16 ftlr i^x^fievov oder xal Iqx* bietet. 
S. auch Tischendorf zu Mr 1, 10 and das Hebraerev. (Hieron. ad Jes. 11, 2 
ed. 2. Vail. vol. IV, 156) descendit fans omnis spiritus sancti et requievit 



— 125 — 

super eum. — A 124, 2: Es sah Johannes denJSimtnel geoffnet und den 
Geist, welcher herahstieg und sich niederliess (n^ld) auf unsern JErloser, 
— Vgl riicksichtlich der Zasammenstellang auch das Ebjonitenevaogeliam 
Epiph. haer. 30, 13: tov laov fiannad^ivvog ^Id-s xal ^Iriaodg xal ifian- 
rtaS'ri vno rov ^lejavvov. — 8) E 99. Aber in dem gleich folgeoden 
Gitat au8 Jo 1, 32 zeigt sich Einfluss yod Lc 3, 22 aafunix^i Mu. — 
9) Dies wird ebenso wie das tiber die Himmelsstimme E 43 ganz bei- 
laafig als bekanntes Element der Geachichte behandelt , moss also in T 
gestanden haben. Ephr. II, 329 F. s. oben S. 67. Gf. Jastin. dial. c. 
Tryph. 88 (ed. 3 Otto p. 320) xaTil^orroq tov "Irjaov inl to v^/oq xal 
nvQ dvri<pd^ iv rtp ^loQ&dvrf, Das Ebjonitenev. Epipb. haer. 30, 13. 
xal ev&ifg negtila/Axpe rov lonov <p6jg fxiya. In der Praedic. Pauli (oder 
Petri) bei Psendocypr. de rebaptismate c. 17 (ed. Hartel, App. p. 90) soil 
onter anderem gesagt sein: cum baptizaretur^ ignem super aguam esse 
visum, Aacb in dem einem Patriarchen Severus von Alezandrien znge- 
schriebenen, wahrscheinlich von dem beriihmten Severas von Antiochien 
griecbisch geschriebenen and durch Paal von Telia ins Syriache iiber- 
setzten (Wright, Gatal. p. 228. 229) Ordo haptismatum finden sich wohl 
Anspielungen an diesen apokryphen Zug z. B. BibL Maxima XII, 729 F: 
Absque igne et absque lignis calefactae erant aquae, quando venit JUius 
dei, ut baptizaretur in medio Jordanis. — 10) So (auch das etc.) E 99, 
stimmt mit P Mt 3, 17; ebenso, nur vollstSndiger Ephr. I, 357 e, wiihrend 
So Mt S, 17 tibersetzt : Du bist mein Sohn und mein Geliebter, an wekhem 
ich Wbhlgefallen gehabt habe, Gf. unten § 43 Note 4 and oben S. 64. — 
11) E 128. Das Folgende theils £ 151, theils E 155. 

§ 10. Matth. 4, 1—11. (Luc. 4, 1-13. Mr. 1, 12. 13) E 42-49. 

(Mt 1. Mr 12) Statim spiritus saQctas ednxit earn in deser- 
tnm, at tentaretur a diabolo ^). (Mt 2) Et postqaam qnadraginta 
dies ieinnavit, esuriit '). . . (Mt 3) Si filing es del; die lapidi- 
bos istiS; at panis iiant in hoc momento ^). . . (Mt 4) Non pane 
solum viyit homo, sed omni verbo, quod procedit ex ore dei ^). . « 
(Mt 5) Eduxit et statuit eum super angulum templi ^). « . (Mt 6) 
Proice te deorsum in terram, quia scriptum est: quod custodient 
te, ne unquam offendat ad lapidem pes tuns*). (Mt 8) Iterum 
sumpsit eum et duxit in montem quendam excelsum valde et 
dicit ei: mea sunt regna omnia ^). . (Lc 6) Mihi datum est . . . 
potestatem habeo super haec omnia '). . . (Mt 9) Cades in faciem 
taam et me pronus adorabis. . . Regna et gloriam eorum tibi 
dabo •). . . (Mt 10) Retro vade;, Satana i«). (Lc 13) Discessit 
ab eo ad aliquod tempus ^^). (Mt 11) Veneront angeli et mini- 
strabant ei (Jesu) ^^). 

1) £ 42, wesentlich ebenso E 43, aber ohne statim , was nur ans 
Mr ly 12 herzaleiten. Daher auch die active Fassung. Ob sanctus in 



-- 126 — 

beiden Citaten aas Lc 4, 1 , ist ungewiss, da es Sc aach Mt 4, 1 hat Statt 
didbolus (P ^:^^pb^^) in der AusIeguDg mebnnals Satanas and so aach 
im Text aas Mt 4, 10 (da aach P Sc, welcher letztere schon Mt 4, 1 N^S^D, 
aber Mt 4, 5 a. 9 das andere Wort). — 2) £ 44 aach Mt 4, 2 Sc und 
nach 40 Tagen [> und 40 Nachten], die er fastete, hungerte er) gegen 
P (und er ffuteU 40 Tage und 40 Ndchte und hungerte), — 3) So voU- 
Btandig E 46, aasserdem £ 44. 45 eztr. 47 von die an and jedesmal ohne 
das sonst anbezeagte in hoc momento, — 4) E 46. Quod procedit etc. 
hat aach P nar in Mt, nicht in Lc, wofUr Sc fehlt. dei mit P gegen 
Sc {domini). — 5) E 44 deatlich als zweite Versachang bezeichnet, also 
nach der Ordnung des Mt, welche aacb in Ephr. Carm. Nisib. 35, 4 befolgt 
ist. Wenn £ 47 in karzer Recapitulation die Ordnaug des Lc gibt, so 
beweist das nar wieder, dass er aasser T aach Mt Mr Lc Jo kennt. Eduxit 
(eum) entspricht dem Tll^'^ Sc P ftir nagalafjifidvei. Ob angulus = 
NS^p Sc, Oder = N&^:3 P sein soil, mag auf sich berahen. — 6) E 44. 
Proice entspricht , wenn hier Mt 4, 6 and nicht Lc 4, 9 za Grande liegt, 
dem ^73^N Sc HI, nicht dem "^1^ P. Jeoes hat P nar Lc 4, 9. Wenn 
daher E 47 mitte gibt, so hat er wiederam bei spaterer freierer An- 
fUhrang sein GedSchtnis darch die ihm bekannte P bestimmen lassen, 
wShrend er den eigentlichen Text nach T = Sc gibt. In Carm. Nis. 
35, 22 (syr. Text p. 60 Z. 285 sq.) gibt Ephr. das ivtsv&sv aas Lc4, 9 
wieder, cf. aber aach HI Randbemerk. za Mt 4, 6. Das in terram £ 44. 47 
scbeint sonst anbezeagt. Custodient te of. Lc 4, 10 rot; ^ta(pvXd^at as^ 
was aach Sc F in Mt 4, 6 nicht haben. — 7) £ 45. Sumpsit eum et duosit 
sieht aas wie eine Combination von naQala/Afidrn avtov mit seiner ange- 
naaen syrischen Uebersetzang; ^^ri'n Sc P. Statt mea sunt etc. steht 
£ 49 meum est regnum. Die Abweichang von jedem kanonischen Text 
erinnert an Clem, homil. VIII, 21: naaai at tov vvv xoOfiov pacfileZai 
vnoxsivrai ifioL — 8) £ 45 ans Vorige angeschlossen darch verba quae 
suhiungit, dann porro dicit: potestatem etc. — 9) Theils £ 45, theils 
E 47. — 10) E 49 retro vade ist aach Mt 16, 23 (§ 42 N. 6) abgekiirzter 
Aasdrack fttr vnaye Sniaio [xov, also T mit Sc, wShrend P ]> onlato (aov, — 
11) £49. Uebrigens hat Sc aach Mt 4, 11 das cixQi xaiqov eingetragen. 
— 12) £ 59. Dies citirt A 385, 3: ri^s stiegen herab die Engel und 
dienten Jesu^* Das nnn!3 descenderunt wird eine zafSllige Reminiscenz 
an das gleich daraaf A 385, 10 citirte Jo 1, 52 sein. Das 91^*^1? dagegen 
wird wahrscheinlich aaf T zariickgehn; in Sc findet es sich dem iib P 
(ei £, avT^ Gr), welches A ^, zagesetzt. 

§ 11. Jo. 1, 35—52. E 49-50. 

(35 — 37) Cum J ait scriptura, alii discipuli eum (sc, Joan- 
nem) avdissent de domino loquentem et hunc vidissent, relicto 
sine tristitia Joanne, secuti sunt eum^). . . (42) Invenimas Chri- 
stum*). . . (46) Audivit Nathanael eum ex Nazareth esse, (47) 
quare interrogavit^): Ex Nazareth fierine potest, at aliqaid boni 
exeat? (48). . . Ecce verus scriba Israelita, in quo dolus non 



- 127 — 

est*), .. (50) Confessuaest: hie est Christus, [f51) Ad Nathanael 
dixerat: Si credis, maiora qnoque qaam haec videbis *)]. [(52) Ihr 
werdet sehen die Himmel ge^ffnet und die Engel Gottes herab- 
Bteigend uod hioaafsteigend zu dem Sohn des Menschen*)]. 

1) £ 99. Dies Referat gehdrt der Erklau-ang von Mt 11, 2 ff. ao; 
daher der Gegeosatz alii discipuli im UnterBcbied von denen, welche der 
gefangene Taafer scbickte. Gemeint ist dieselbe Thatsache im Eingang 
der Erklarnng der biesigen Perikope E 49 mit den etwas misverstand- 
lichen Worten: Quia disdpuU Joannis hoc magistri sui colloquium 
cum domino audierantf reliquerunt eum et secuti sunt dominum. — 
2) E 50. Aacb Sc P haben das o ianv fjted-egiHTjyevofiivov 6 Xgiatog 
nicbt ansgedriickt ; erst HI macbt das Unmdglicbe m($glicb. — 3) So- 
weit E 50 mit folgender freier Paraphrase der Worte Natbanaels, knrz 
vorher deren Wortlant, wie er oben lantet. — 4) E 50. Scrtba wird 
aacb in der Aoslegang festgehalten. Leider febit Sc, and ich wage 
nicbt, diesen Text darch Annabme eines Scbreibfefalers aus P (n*^K'n*»^tD 
b'^^O'^ *na) Oder als doppelten Uebersetzangsversucb des Armeniers (fitT'niO 
heisst aacb Secretdr) za erklaren. -— 5) E 185. Ob eine dankle Er- 
innemng an Jo 11, 40 die Umgestaltang veranlasst hat? •— 6) A 385, 9. 
Die andere Hs. des Aphraates hat die gewohnliche Stellong hinaufstei- 
gend u. herabsteigend, 

§ 12. Jo. 2, 1—11. E 52-57. 

(1) Factae sunt nuptiae in Cana Galilaeomm. (2) Et cnm 
dominns eo veniret, (3) dicitad earn mater: vinum dod habent 
hic^). (4) Dicit ei Jeans: qnid est mihi et tibi, mnlier? non 
mihi tempns advenit'). (5) Dixit ea servis: qaodcnmqne dixerit 
vobis, facdte'). (6) Blae hydriae qttasi fontes erant, quipurifica- 
tionem Jtidaeorum praestabant et aignificabant ^). . • (10) Omois 
bomo bonum vinam prias apponit, deinde leve'). 

1) So nnnnterbrochen lanft der Text fort E52. Aber irgend welche 
Sicberheit gewShrt das nicht dagegen, dass E hier wie manchmal den 
vorher vorgelesenen Text abkiirzend referirt hat. BeilSafig sagt er in 
der Aaslegnng E 55: Invitatus est a recumhentihus nnd gleich daraaf 
ipse cum disdpulis invitatus erat. Das wird gleichfalls in T gestanden 
haben; denn der griechische Text, den E 53 citirt (Graecus scribit: „re- 
cubuit et defecit vinum^) hat statt ixlijd^i v. 2 vielmehr ixUd^ gehabt 
Oder ist von E so gelesen worden s. oben S. 62. Daher also kann E 
sein iwoitatus est oder erat nicht haben. Das et vinum defecit (v. 8 init.). 
welches E's Graecas ihm hot, ist zagleich der Text der P = xal vars- 
Q^aavTog ofvov. Dieser Graecus bestatigt also den gew5hnlichen grie- 
chiscben Text gegen N (xal olvov ovx elxov, ort awmlia&ri 6 olvog 
Tov ydfAov), Ob aacb in T davon etwas stand, kann man aus dem 
zweimaligen vinum defecisse (E. 52 Z. 7 a. letzte Zeile) nicht sicher 
achliessen; es kann schon aus dem gleich daranf citirten Graecus ge- 



— 128 — 

flossen seiD. — Vinutn non hdbent hie kehrt aach £ 53 zweimal wie- 
der, einmal mit fili davor. Abgesehn hiervon and dem dreimaligen hie 
ist das wieder der gew5hDliche griech. Text, den auch P in der gewohn- 
lichen Umschreibung (TFet'n ist ihnen nicht) wiedergibt: olvov ovx 
^xovaiv. —- 2) So E 52 in nnmittelbarem Anschluss an y. 3 voUstan- 
dig, dann noch zweimal E 52 und einmal 53 non tnihi tempus advenit 
(nach Moes. w5rtlicher superventt), £ 54 tempus meum, — 3) So E 53 
einmal , dann dixit ad tninistros etc. , £. 52 quodcunque dix^ v. filius 
metis, facite. — 4) £ 54 extr., vorher schon in lapideis illis hydriis 
and sex hydrias. — 5) E 55- Auch in der Aaslegung noch zweimal 
leve. — Aaffallend ist, dass in der langen Erorterang uber die Bedea- 
tang des Wanders £ 55—57 keine Spar von v. 11. — Noch ist naoh- 
zatragen, dass E 56 der architriclinus vorkommt, and dass er das ry 
'^fJisQtS ^9 ''Q^'^V ^* ^ gelesen und von v. 29 an, als dem Tage nach der 
Versuchang berechnet hat: Triumph(xtorem ex certamine redeuntem nup- 
ticte deliciis suis tertia die exceperunt. 

§. 13. Jo. 3, 22-4, 3. Mr. I, 14—16. Mt. 4, 12—17. E 57. 58. 

Der springende Gharakter des Commentars macht die Wiederherstellang 
der Ordnnng fast anm5glich. Sicher ist, dass Mr 1, 15 and Jo 3, 22. 4, 2 
dieser Perikope angeborten. Letzteres wird aach dadurch bestatigt, dass in 
§ 38, wo Jo 4 erklart wird, aaf 4, 1—- 3 keine Rticksicht genommen ist. £s 
darf aach hier schon verglichen werden, dass im cod. Fuldensis p. 44 Jo 3, 
22—4, 3 und erst p. 80 Jo 4, 4 £f. steht.. Wenn nun E 52 von der Hochzeit 
zu Cana gesagt wird : turn initium evangelii eius fuit (cf. 57 Z. 3 — 6), so 
scheint sich der Anfang der galilaischen Predigt and speciell Mr 1, 15 
anmittelbar an Jo 2, 1 — 11 angeschlossen zu haben, and hieher auch das 
Citat aus Mt 4, 14 sq. E 6 za geh(iren, and dann erst Jo 3, 22—4, 3 
gefolgt zu sein. Aber es ist schwer denkbar, dass T trotz der deatlichen 
Angaben in Mt 4, 12. Mr 1, 14. Jo 3, 24 die grosse galilaische Wirksam- 
keit vor die Verhaftung des Taufers gestellt habe oder dass er die feier- 
licbe Schilderung von dem Anfange der galilaischen Wirksamkeit Jesu 
von der Schilderung dieser selbst durch das Intermezzo einer judaischen 
Wirksamkeit (Jo 3, 22 — 4, 3) getrennt haben soUte; und voUends an- 
moglich ist, dass er die Erzahlung Jo 3, 22— 4^ 3, worin Johannes sich in 
freier Thatigkeit zeigt , nach dem Bericht von der Verhaftung des TSu- 
fers gestellt haben sollte. Es muss sich also umgekehrt verhalten. Dann 
fSlIt die Verhaftung zwischen Jo 3, 36 oder 4, 2 and Mr 1, 14, und 
wahrscheinlich stammt die Glosse der HI zu Jo 3, 36 : Und darnach ward 
Johannes iiberantwortet (White I, 448; Adler verss. syr. 124) aus der 
alten Harmonic. Ich wage demnach folgende Zusammenstellung, worliber 
im III. Abschnitt noch mehr zu sagen ist. 

(Jo 3, 22. i, 2). . Discipali eius baptizabant ^). . . . [(Jo 3, 30) 
Ilium oportet crescere, me autem minui')]. [(Jo 3, 34,35) Nicht 
nach dem Mass gab den Geist der Vater seinem Sohne^ sondern 
er liebte ihn und ttbergab AUes in seine HSnde^)]. . . [(Mt i, 



— 129 — 

14-- 16) In alio loco evangelii audire possumus, quo repetitur 
dictum prophefae: Terra Zabalon et Nephthali, via maris et 
transitus Jordanis flavii^ Galilaea gontiam, populus qui sedebat 
in tenebriS; lucem vidit magnam ^j]. • . (Mr 1, 15) Impleta sunt 
tempora *). 

i) E 58. Hierauf bezieht sich A 226, 8: So lange er mit seinen 
Jungem verkehrte {(SiitQipEv = Sc P Jo 3, 22) , tauften sit mit jener 
Taufe des Priestergesetzes , mit einer Taufe wie die^ davon Johannes 
sagte: Thut Busse von euren Silnden, — 2) £ 105, aach schon E 30: 
eum oportet crescere et me minui, — 3) 123, 3 als Wort des TSafers; 
schon A 123, 1—2 ziemlich wQrtlich in freier Wiedergabe Christus hatte 
den Geist nicht nach dem Mass empfangen, sondem sein Vater Uehte 
ihn und ubergdb ihm Alles in' seine JSdnde und setzte ihn zum Gebieter 
uber seinen ganzen Schatz. Auch A 124, 1 noch eine Anspielnng an 
das ovx ix fxkxQov, Daza kommt noch E 105 non enim dat in mensura 
filio suo, Sicher ist wohl, dass T v. 34 nicht 6 S'sog las, and dass in 
Folge dessen 6 natijg v. 35 zum vorigen als Subject gezogen wnrde, 
was aach wohl die Meinang des griech. Vaticanus war, als er to 
nvevf^tt wegliess. Aber die Uebereinstimmang von A 123, 3 and £ 105 
macht es aach wahrscheinlich, dass T dem v. 34 b zu einem Dativobject 
verholfen, also, wenn griechisch, etwa so geschrieben hat: ot^ yag ix 
ftijQov &lS(oatv TO nviij/aa 6 nar^Q t^ i//^ avxov all* dyan^ (oder 
i^yanrjtrev) avtov xtX. Ob Sc ahnlich, liisst sich nicht erkennen, da nar 
einzelne Worte and Bachstaben erhalten sind, darunter wie bei A 123, 
1 u. 3 Nnb'^lsa gegen P (Nb'^rDi) und wie A 123, 2 u. 4 UXX^ gegen P 
(^tiTS). — 4) E 6 in der Ausleg. von Jo 1, 5, daher alio loco. Anspielung 
davon auch E 50. Der letzte Satz wird citirt £ 51 (ambuldbat statt 
sedelat). Gf. auch Ephr. II, 36 a. Mit So gegen P hat E 6 den Zusatz 
fluvii^ und sedebat statt sedet, — 5) £ 57. Der Plural, welcher in der 
Auslegung ausgebeutet wird, gegen P HI (Sc ^) und die meisten Grie- 
chen, aber mit cod. gr. D u. Itala (Sabatier III, 189; Bianohini £v. 
QuadrupL II, 312 sq. Vercell. Veron. Corbel. 2). Die Worte E 57 extr. 
quia postea, ut ait evangelista^ regnum caelorum evangelizabitur 
m5gen sich auf Lo 16, 16 beziehen, indem postea soviel ist als post 
Joannem traditum^ sie setzen aber voraus, dass hier Mr 1, 14 oder bes- 
ser Mt 4, 17 stJand. 

§ 14. Lc. 5, 1—11; 17—39. Mr. 2, 1—22. E 58 extr.— 61 0* 

. . . (Lc 5, 2) daae naves . . . (Lc 5, 5) Tota nocte labo- 
ravimas . . . (Lc 5, 7) lonuerant sociis sais^J. • . (Mr 2y 4. 
Lc 5, 19) Ab ipso aegroto /idem non postulavit, quia aedificio 
destructo similis et sui ipsitis haud conscius erat^). (Mr 2, 5. 
Lc 5, 20) Vidit domioas fidem eoram; dicit ei: dimissa sant 
tibi peccata tua*). . . (Mr 2, 10. Lc 5, 24) Et sanavit visibilem 
eius camem . . . (Mr 2, 14 sq. Lc 5, 27 sq) Elegit Jacobum 

Zahn, ForBchongen I. Q 



— 130 - 

publicanumy ut animus adderetur sodis eim Christum sequendi, 
Vidit peccatores et eos invitavit et secum accmnbere fecit ^). . . 
(Lc 5, 30—32) Marmnrant et dicnnt Pharisaei et scribae: cum 
pablicanis et peccatoribus editis et bibitis. Qnibas dixit domi- 
Dus : DOD est opus medico sanis, sed aegrotig, et non veni vocare 
iustos, sed peccatores [znr Basse] •). . . (Mr 2, 19. Lc 5, 34). 
Non possunt socii sponsi ieianare^ dam sponsas cam eis est^j. 
[(Mr 21. 22. Lc 36. 37) Alt gewordene Sdcke ertragen die Kraft 
des Weines nicht, und ein neuer FlickeUy wenn er avf ein alt 
gew or denes Kleid geworfen wird, zerreisst es^)]. 

1) Der Gang der Aasleg. erweckt deo Schein, als ob die Berufung 
des ZoUnerB der Berufung der Fischer vorangegaDgen ware, dann der 
Gicbtbriichige und hierauf erst das Gastmahl mit den Zollnern gefolgt 
ware. Letzteres ist gewiss durch die Einfiihrung von Lc 5, 30 rursus 
quod post haec dicit scnptura, murmur ant E 61 d. h. nach Heilung des 
Gichtbriichigen. Daran wtirde nicbts ge^dert, wenn man and zwar 
niebt ohne Grund vermuthete, dass im Original stand rursus post haec^ 
ut dicit scriptura, murmurant; denn dies rursus hezUge sich auf Lc5|21. 
Mr 2, 6. Aber es ist aucb schwer denkbar, dass T gegen alle Evan- 
gelisten den ZQUoer den Fiscbern voraDgestellt and ebenso unveranlasst 
die Berufung des Z511ners von dem bei alien Evv« daran angeschtossenen 
Mahl getrennt baben sollte. Der Fall im cod. Fuld. p. 43, 36 sqq. 60, 
10 sqq. ist anders veranlasst Ueberdies spricht E schon p. 58 sq. von 
dem Essen mit den Zollnern, wortiber Pharisaer und Scbriftgelehrte sich 
Srgern. Daher obige Anordnung, fiir welcbe Mr den Faden bot; aucb 
Lc hatte nur den Aussatzigen eingeschoben, welcher § 36 untergebracbt 
ist. Von Mt zeigt sich in § 14 keine Spur. Die in Note 5 aogemerkte 
Verwechselung wSre angesichts Mt 9, 9 unmoglicb gewesen. — 2) E 59, 
lauter dem Lc eigenthamliche Ziige. — 3) £ 59 zur Ausleguug des 
oben folgenden, dort voranstebenden Citats. ~ 4) So zweimal E 59. 
60; einmal E 60 dimissa sint; einmal E 61 dimittuntur. Das folgende 
Referat E 60. — 5) E 58. Die sonderbare Verwechselung der Namen 
Levi und Jacobus war nur durch Mr 2, 14 erm5glicht, wo jener als 
Sohn des AlphSus bezeichnet war. Dass aber der Name Jakobus in T 
stand, ist nicht zu bezweifeln, da die so manchmal mit T Ubereinstim- 
menden Zeugen (cod. gr. D, die Italahss. a b o e, anch andere griech. 
Zeugen z. B. bei Victor. Antioch. ed. Matthaei I, 34) in der That Mr 2, 
14 *Tdxo)fiov tov Tov jiXipaiov geben, aber eben nur hier, nicht Lc 5, 27. 
Um so sicherer ist die Benutzung des Marcus durch T an dieser Stelle. 
Wenn dagegen im Anhang E 287 unter den Aposteln und Apostelschtt- 
lern ein Levi, verschieden von Matthaeus (E 286) aufgezahit wird, so 
zeigt sich wieder Kenntnis der kanonischen Evangelien neben T. Die 
Unterscheidung von Levi und Matthaeus ist tibrigens nralt (Heracleon 
bei Clem, strom. IV § 73 p. 595 Potter). — 6) E 61. Das nur bei Lc 
echte ilg fi€T<xvotav (Gr P Ephr. I, 490 a) kann trotz obigen Citats in 



— 131 — 

T gestanden haben. Es ist fUr T bezeugt durch A 142, 8 (wo Anto*. 
nelli nod Wright nicht Mr 2, 17 batten citiren sollen); A 150, 13. 151, 1 
(wo beide Herausg* nnrichtig Mt 9, 13 citiren); A 455, 16. — 7) £61. 
8) A 302, 2. 

§ 15. Mt. 12, 1—8- Mr. 2, 23-28. Luc. 6, 1—5. E 61 sq. 

(Mt. 12, 1. Luc. 6, 1.) . • GoepernDt spicas evellere et 
fricare et edere ^). . . (Mt 2. Mr 2, 24) Ecce discipuli tui ope- 
rantur die sabbati, quod facere non licet '). • . (Mt 3. 4) Nun- 
quam legistis, quid fecit David, quomodo edit panes oblationis, 
qnos comedere ei et eis qui cum ipso erant non licebat ') ? 
(Mt 5) Sacerdotes eorum intra templum solvunt sabbatnm et 
sine peccato sunt ^). . . (Mr 2, 27) Sabbatnm propter hominem 
factum est'), . . (Mr 28. Mt 8. Lc 5) Quare dominus est sab- 
bati filius hominis. 

1) £ 61. Das au8 Lc 6; 1 in den Text des Mt anfgenommene tfm- 
XovTsg raig x^Q^^v bat auch sebon Sc Mt 12, 1, ebenso cod. Colbert. 
(Sabatier III, 68). — 2) £ 61. Das die sabbati (> Sc Mt 12, 2) steht 
in P wie in Gr bei Mr vor, bei Mt nach o ovx iS» (noutif). Also bat 
T Mr mitberttcksicbtigt. — 3) Aus £ 148, doch nicht in Elammem, 
weil £ 62 ein entsprechendes Referat g^bt. — 4) £. 62. eorum kann 
nicht dem Text angehdren, da die Pharisaer angeredet sind. Ftir peccato 
hat Sc peccatiSf P culpa, — 5) £ 62. Gleich daranf in freier £r6rterung 
quare homo, qui eum dedit^ dominus eius est. Ich substituire das ge- 
naae Citat £ 148 und nehme aus £ 62 nnr quare = wan Mr 2, 28. 
Das sinnlose homo £ 62 ist Verwechselung von bamdschd Mr 2, 27 und 
breh cf ndschd Mr 2, 28. 

§ 16. Mt. 5, 1—12. Lc. 6, 20—24 (26). E 62—64. 

(Lc 20) Et elevavit Jesus oculos suos in eos et coepit di- 
cere: (Mt 3) Beati pauperes in spiritu suO; [denn ihrer ist das 
Himmelreich >).] (Mt 5) Beati mites [denn sie werden das 
Land des Lebens erben 2).] (Mt 4) Beati qui flent [lugent], 
quoniam ipsi consolabuntur [angefleht werden ')]. (Mt 6) Beati 
qui esurinnt et sitiunt iustitiam, . . [Sattigung in seinem Beich^).] 
[(Mt 7) Er hat den Barmherzigen verheissen^ dass sie Erbarmung 
erfahren werden ^).] (Mt 8) Beati qui mundo sunt corde, quia 
ipsi deum videbunt*). [(Lc 21b) Und die Weinenden hat er 
erfreut durch seine Verheissung ').] (Mt 9) Beati pacifici, quia 
filii dei vocabuntur ^). (Mt 10) Beati qui persecutionem pa- 
tientnr propter iustitiam . . \dass sie eingehn werden ins Him- 
melreich^). (Mt. 11) Und denen, tvelche urn seines Namens 
mllen ver/olgt werden, verkUndigt er Seligkeit und Buhe in sei- 

9* 



— 132 — 

nem Reich] (Mt 12) Vos gaadete et exsultate, qaia merces. 
vestra nrnlta est in caelo; (Lc 23) et in ilia die gaudebitis ^®) 
(Lc 24) Vae vobis divites^ [denn ihr habt eure Bitte (Wansch) 
empfaDgen ").] 

1) £ 62. Das in spiritu suo auch £ 64 betont. So aach A 41, 9. 
390, i. 437, 14; ScMt 5, 3 (intimil, P dagegen m^ia). Die deutschen 
Worte aas A 390, 1. 437, 15. — 2) £ 62. A 41, 10. An dieaer Stelle 
gibt A eine freie UmBchreibuog der Makarismen, so dass weder der 
Wortlaat, noch die Beihenfolge sicher za erkennen; docb bestatigt er 
die bei £ 62 durch den directen Anschlass von Mt 5 an Mt 3 (addit: 
heati mites) bezeagte Ordnnng, indem er die Seligpreisung der Trauem- 
den auf die der Sanftmiitigen folgen l^st. £benso Sc, wogegen P die 
des griech. textns rec. hat. A 175, 7: denn er sagt in der Schrift: die 
Sanftmiithigen erben die Erde und wohnen auf ihr in Ewigkeit. — 
3) £63 flent scheint eine Mischung mit Lc 21 za sein, s. Note 7; lugent 
gebe ich nach A 41, 11: Er verhiess den Trauemden (fc^b'^^Nb wie ScP 
Mt 4), dass man sie anflehen wird ("p&^^sn^ lltlb'n). Bikell hat die 
£igenthtimlichkeit verwisebt (Ausgew. Schriften der syr. KirchenvSter 
S. 41), ebenso A^ 41. £& ist nicht Variante einer syr. Uebersetzang — 
Sc P haben getrostet werden — sondern eine andere Uebersetzang yon 
TruQaxXrjd^i^aovTai man wird sie bitten s. Note U a. § 54 Note 7. Das 
wird der Text von T sein, welcben der armenische Uebersetzer £ 63 
darch den gewobnlichen ersetzt haben mag. — 4) £ 63 Beatus etc. 
Den Plaral gebe ich nach A 41^ 12 = Sc P. Der Singalar mitten nnter 
Pluralen £ 63 scheint durch Attraction der dort folgenden Psalmstelle 
veranlasst. — 5) A 41, 13 vor Mt 8 reproducirt. — 6) £ 63. A 41, 
13 sq.: denjenigen, die rein sind in ihrem Herzen (= Sc P) sagte er, 
dass sie Gott sehen werden. cf. A 103, 10. — 7) A 41, 13 nach den 
Hnngernden, also wobl aas Lc 21. Bei £ fehit es; aber wenn er in 
Mt 3 flent eingetragen hat, so wird das eine Combination der beiden in 
T enthaltenen ahnlichen Makarismen (Mt 3. Lc. 2ib) sein. Daflir spricht 
anch die sonst nnerklarliche Stellang von Mt 4 hinter Mt 8 in £ 63. £r 
hat Mt 4 znnSchst Ubergangen, dann aber als sein Text ihm Lc 21b 
darbot, dies mit Mt 4 combinirt. — 8) £ 63. A 275, 12. 304, 19, un- 
genauer 41, 9: dass sie ihm Bruder sein werden und Sohne Gottes wer- 
den. Das in den beiden wSrtlichen Citaten stehende ll^!i (heilt A mit 
Sc, [> P. Aas £ wird sich nichts schliessen lassen. — 9) £ 63. A 41, 
15, wo die folgende freie Reprodaction von Mt 11 oder Lc 22 sich so- 
fort anschliesst Gerechtigkeit ist bei A wie Sc Nmp'^'lSJ:, in P Nm3K5. — 
10) £ 64. Ob et vor in ilia dem Text angehort oder zwei Citate ver- 
binden soil, ist angewiss. Uebrigens hat aach Sc in ilia die in Mt. 12 
aufgenommen. — 11) £ 64. A 390, 3, wo aach das nX^v (Dna P, es 
fehlt Sc) nicht aasgedrilckt. Dass der Satz mit divites nicht schloss, 
sagt £ 64 aasdrilcklich, theilt aber die Worte nicht mit. A fibersetzt 
T^y naQttxXriaiv vfifav ']i5mya entsprechend der obigen Uebersetzang von 
TtuQaxkri^ijaovTai (Note 3), P hat aach hier das Gewohnliche 'jlSN'^na. 



— 133 - 

§ 17. Mt 5, 13-48. (Lc. 6, 27 sqq. 8, 16; 11, 33; 16; 17.) 

E 64—71. 
(Mt 13) Sal estis vos terrae ^) . . [denn wenn das Salz dnmm 
wird, so verwest und verdirbt sofort die Welt]. (Mt 14) Vos 
estis lax mundi^). [(Mt 15. Lc 8, 16. Lc 11, 33) Niemand zttn- 
det eine Leuchte an and stelit sie unter den Scheffel oder nnter 
das Bett, oder stelit sie an einen verborgenen Ort; sondern er 
stelit sie oben auf den Leuchter^ damit Jedermann das Licht 
der Leuchte sehe^)]. [(Mt 16) Laceat lax vestra coram homi- 
nibas, at yideant opera vestra bona et glorificent patrem vestrum, 
qai in caelis est^)]. (Mt 17) Ego non veni, solvere legem ant 
[et] prophetas, sed implere [ea] ^). (Mt 18. Lc 16, 17) Facilias 
est transire caelam et terram^ quam a lege anam apidem 
perire*). (Mt 19) Omnis qai solverit anam ex mandatis^). . • 
(Mt 20) Nisi abandantior inveniatar iastitia vestra qaam scri- 
baram et Pbarisaeoram , non potestis intrare in regnam cae- 
lorum'). (Mt21. 22) Hoc aadistis, qaod dictam est: ne occidas; 
qui enim occidit, reas est iadicii. Sed ego dico vobis : qai dicit 
fratri sao „fatue" (vilis) aut „stalte" »). . . (Mt 23.' 24) Si obla- 
taras as manas taam saper altare [and da gedenkst^ dass da 
gegen deinen Brader hast irgend einen Zorn], relinqae manas 
taam [vor dem Altar] et vade, reconciliare [mit deinem Brader, 
and dann komm, opfere deine Oabe^®)]. . . (Mt 27. 28) Aa- 
distis, qaia dictam est: non adalterabis; sed ego dico vobis: 
qaicanqae aspicit et concapiscit, adalterat ^^). [(Mt. 29) Wenn 
dein Aage dich ^rgert, so reisse aas, wirf es von dir. . J')] 
Si manas taa vel pes taas scandalizet te. • . [(Mt 34 — 37) Bei 
each selbst (v. 1. ihr selbst) sollt ihr nicht sohwQren^'). . • 
Da sollst nicht schwQren beim Himmel, denn er ist ein Thron 
Gottes, • . . and nicht bei der Erde sollst da schw^^ren, denn 
sie ist ein Schemel anter seinen Ftissen . . . und auch nicht 
bei Jerusalem sollst du schw()ren; weil sie die Burg eines grossen 
K(5nigs ist • • . und auch nicht bei deinem Haupt, weil du an 
demselben nicht ein einziges Stttck von einem Haar schwarz 
oder weiss macben kannst . . ., sondern es soil eure Bede sein 
Ja, ja'' und „nein, nein'^, und er sagte: was mehr als dies ist, ist 
vom BQsen^i)]. (Mt38) Audistis, quod dictum est: oculum pro 
oculo [et dentem pro dente '^)]. (Mt 39. Lc 6, 29) Sed ego 
dico vobis, omnino non resistere malo '^). . Qui percutit ma- 
xillam tuam, porrige ei et alteram partem ^^). . . [(Mt41) Und 



- 134 — 

wer dich zwingt, class da eine Meile mit ihm gehest, gebe mit 
ihm zwei andere. (Mt 40) Und wer nehmen will deinen Leib- 
rock, gib ihm anch deinen ManteH')]. [(Lo 6, 30b) Wenn 
einer das Deine wegnimmt, fordere es nicht'^)]. [(Mt 44. 
Lc 6; 27) Liebet eure Feinde, und segnet den, der each flncht, 
und betet ttber die, welche each belftstigen *^). (Mt 46 sq. 
Lc 32) Wenn ibr liebt den, der each liebt, was ist eaerDank? 
Denn wenn da liebst den, der dich liebt; so thuen anch die 
Heiden also; den, der sie liebt, den lieben sie. (Lc 33) Und 
wenn ihr Gates that dem, der gegen each that, was schQn ist, 
was ist eaer Dank? denn siehe aach die ZQllner and SUnder 
thaen also. (Lc 35 sq. Mt. 45. 48) Aber ihr, weil ihr S5hne 
Gottes, der im Himmel ist, genannt werdet, sollt ihm gleichen, 
der sich erbarmt ttber die, welche den Dank verweigem **)]. 

1) E 64; darch den Zasammenhang ist die VoraDstellang von v. 14 
vor y. 13 veranlasst. Das Folgende aus A 457, 7. Die Varianten von 
A So P sind unerheblich. — 2) E 64. A 13, letzte Z. — 3) A 14, 7. 
Bis Scheffel bachstablich mit Sc Lc 11, 33, aber auch Mt 5, 15, wo P 
genaner nach Gr. Aber tov fio&iov ist bei A P Nn&^D, in Sc so nar 
Lc 11, 33, dagegen Mtl5 tK'^^yn. — Oder unter das Bett Lc 8, 16ScP, 
Oder Mr. 4, 21 P. — oder . . . verhorgenen Ort genau mit Sc Lo 11, 33 
(aber auch Lc 8, 16, wo P » a^'^isit^ NnnN^, dagegen P N'^DS^. Auch 
das er stelU sie nach sondem hat A nur mit Sc Mt 15. Lc 11, 33, ^P* 
— damit Jedermann etc. der Satzform nach Lc 8, 16 oder 11, 33, ttbri- 
gens abweichend von Gr Sc P. — 4) E. 219. A 14, 1. Letzterer mit 
P (Nnt2 = xaXa) gegen Sc (N^*^&^). Auf welcher Seite faierin E steht, 
ist nicbt zu entscbeiden; im tibrigen wortliche Uebereinstimmung dieser 
vier Teste. — 5) E 64 sq. A 28, 3 fast wQrtlich ebenso, nSmlich gegen 
Sc P Gr statt /u^ vofAiarire, ort ^Id^ov xaraXvaat tov vofiov rj rove nqo- 
(floras, ovx fjkS-ov xaraXvaat dkka nlriQcSaai abgektirzt ovx ^k&ov xara- 
Xvaai rov vofiov rj rovg ngoffnqtag^ aXXa nXriqaaai avtovs, Cf. Clem, 
hom. III, 51 otJx ^X&ov xaraXvaat rov vofiov' (weiter nichts); Gonstit. 
apost. VI, 19 ed. Lagarde p. 181, 3 ov yag riX^ov^ W^^i xaraXvaat roy 
vofioVf dXXd nXrjQcSaat, Gf. iibrigens auch § 24 N. 16. — aut E mit P, 
et A Sc wird das Urspriingliche in T sein. — ea fehlt bier in E, findet 
sich aber E 170 (^neni adimplere ea) wie in A Sc (p^N). — 6) E 65. Dass 
dies ein Gitat aus der Bergpredigt sein will, zeigt der Anschluss von 
Mt 5, 19. Es ist aber Lc 16, 17 P Gr. Nun citirt aber A 30, 3 Mt 5, 
18 : ein Buchstahe Jud vom Gesetz und den Propheten wird nicht ver- 
gehen, his Alles geschieht, und A 30, 20 : Nicht wird vergehen ein Buck- 
stale Jud vom Gesetz (^01735, vorher KD'^IIN) und von den Propheten. 
Die Gombination von ^r (Mt 5, 18) und Nmnfi^ (Lc 16, 17 P = «- 
Qtt la) findet sich ancb in Sc Mt 5, 18 und zwar neben ^ f^la x^gala, 
Ob und wie nun in T mit Mt 5, 18 die Lncasparallele verbunden war, 



— 135 - 

iBt noch nicbt za sagen. Es bleibt die M5glichkeit, dass A bier den 
Text von T mebr oder weniger genan bewabrt, E aber yermSge seiner 
EenntniB der kanon. Evv. Lcl6, 17 aabstitnirt bat — 7) E65 mit dem 
Zosatz scilicet novi testamenti, — 8) E 65 ,, noch einmal ebendort balb, 
nnd £ 66 volUtSndig, obne Variante. — 9) £ 66 bis fatue. Aos £ 68 
(qui dicit fratri sua: vilis aut stulte) folgt docb wohl, dass in T anch 
f^ngi wiedergegeben war. — 10) Das nnvolIstSndige Gitat £ 65 babe 
icb ans A 37, 6 sqq. n. A 72, 5 sqq. ergsinzt. oblatuma es = op/em 
mllst A 37, apfern wirst A 72 (lipn, dagegen So P n3» aipa), auch 
abweicbend in der Conjunction {wenn) sowohl von So als P. — muniM tuum 
£ So P, nnr tnunus A 37 u. 72. -- super altare £ P, «or dem Altar 
So, [> A 37 n. 72. — gedenkst A das gleicbe Verb wie So (anders P) nnd 
beidemale > A daselhst (6r So P). — du gegen deinen Bruder hast 
A 37 a. 72, gegen dich dein Bruder hat So P. — irgend einen Zom 
&nu ND^K A 37 n. 72, Mn^M Q^TS P, Wm an der Spitze des Nebensatzes 
n. fi^rOM am Schlnss So. — vor dem Altar A. 37 n. 72, daselbst vor 
dem A. So P, ]> £. — vade E A 37 u. 72, vade prius So P. — opfere 
A 37 n. 72 P, und opfere Sc. — 11) £ 66. Der Ansfall des Objects 
za aspicit ist sonst nicht bezeugt. — et eoncttpiscit: so anch Sc, aber 
+ caw, dagegen P n. Ephr. II, 174 o mit 6r so dass er sie begehrt* — 
aduUerat: das Object hierzn feblt anch bei Jnstin. apol. I, 15 (Ottoed. 3 
p. 46) Athenag. leg. 82 (Otto p. 166); aber ^Sti ifiolx^vae ty xagSlq 
nuQa ttp d^itp Just., ^Sri fi€fio(x€vxiy iv ry xaqdCtf avroU Athen. — ^Stj 
fehlt auch in Sc gegen P Ephr. II, 174 c. — 12) A 262, 11; er f^hrt 
dann frei fort oder deine Hand oder dein Fuss, So P: d, rechtes Auge 
und und wirf etc. Auch E 67 (zweimal) zeigt beilSnfig Eenntnis von 
Mt 5, 29 sogar dexter ocultts^ so auch manus dextra. Aber der Text, 
den £ 66 vor der Auslegung gibt, scheint der von T zu sein, znmal er 
in Weglassung des 6s^i6g^ dehd und in der Zuftigung von novg mit A 
gegen Gr So P stimmt. Es muss demnach T Mt 5, 29. 30 nach Mt 18, 
8. 9 nmgestaltet haben. Dass auch A die Bergpredigt citiren will, zeigt 
die Ordnung Auge^ Hand, (Fuss), Andrerseits wird £ 67 sein Sehos, 
di^ia aus Erinnerung an den kanon. Text gesch5pft haben. — 13) A 505, 
3 als Wort Jesu, ebenso Sc. Das hier vor ^l^STSl^p ausgefallene ^ fehlt 
auch in einer Hs. des A. Das heisst aber ihr selbst und ist wahrschein- 
lich in A auch das Ursprtingliche. Nach Gr (oAcd;) gibt P ^0. Die 
Worte in A 499, 5 {Ueberdies befahl unser Lebendigmacher : du sollst 
nicht schworen einen Lilgeneid, und toer [einen] schwort, wird im Ge- 
richt schuldig sein} sind so frei gestaltet, dass sie ohne BestStigung in 
£ nicht als Text von Mt5, 33 gelten konnen. — 14) A 499, 11—500, 13 
mit erlSuternden Zwischenbemerkungen, in manchen Eleinigkeiten genauer 
mit Sc als P, besonders nach den von Wright in den Text genommenen 
Lesarten. Statt Tt'DI'D (seine Burg, Stadt^ Uebersetzung von noUe z. B. 
Lc 23, 51 Sc) hat der eine cod. von A nnr^» wie Sc P an unsrer 
Stelle. — 15) £ 69. Das dens pro dente nur vorlSufig.E65. — 16) £69. 
omnino sonst unbezeugt — 17) £ 65 zweimal, £ 69 zweimal, £ 70 
ohne jede Variante, dagegen £ 133 si quis te percusserit in maxillamy 



- 136 - 

praehe ei et alteram, — Auch A 180, 11 oitirt in VerbioduDg mit Mt5, 
40 diesen Satz ohne ^s^idy. Wenn dies ein Zeichen der Einwirkang von 
Lc 6, 29 auf den Text von T ist, so ist urn so auffalliger, dass es auch 
Sc Mt 5, 39 >• Ob hier in Sc auch das n^p (statt N5S5N P) stand, 
welches A 180, 11 und P Lc 6, 29 steht, ist nicht zu sagen, da das 
Verb in Sc dnrch Schreibfehler ausgefallen ist Das fUofmalige partem 
in E kann ich sonst nicht belegen. Ephr. carm. Nis. 39, 10 (syr. p. 72, 
124) Wer dich auf deine Backe schldgt, dem reiche CjpnN) die andere 
Backe. — 18) A 180, 11 sq. im Anschluss an Mt 39. Die Umstellung 
von 41 und 40 mag nur GedSchtnisfehler sein. — Die Uebersetzung von 
oaxig as dyyagevasi sieht aus wie eine Combination der P (^n^73'7 fo 
•jj^, wer dich nothigt, dasselbe Verb Mt 27, 32. Mr 15, 21) und Sc 
(Jl^y btNm 'Tjb ^ttft^^i ^%, w&r dir sagt, dass du mit ihm gehest), — 
lilXiov %v in P W ^^72, in A So nur Nb''73. — Svo Gr P, zwei andere 
A Sc. — Mt 40 abgekUrzt ohne genaueren Anschluss an Sc oder P. — 
19) A 370, 11. Sc fehlt, P genau mit Or. — Die Stelle des Satzes in T 
wird durch partielle Uebereinstimmung von Mt 42 und Lc 6, 30 ange- 
zeigt. — 20) A 34 extr. , woran sich dann die Citato bis zum Schluss 
des § in gleicher Ordnung wie oben anreihen, euch beldstigen ']'>n^£3n72 
•jl^Dn (nach andrer Hs. "jl^b ')'^i*iap73) soil wohl rdSv kntiqea^ovrtav vfidg 
sein. Weder Sc Mt 5, 44, noch P Mt 5, 44. Lc 6, 27 haben eins dieser 
Verben. — Ephr. I, 463 f citirt Mt 5, 44 b genau nach P gegen Sc. — 
21) Eine ungenaue Anspielung an Lc 6, 36 findet sich A 103, 11: Lasst 
uns harmherzig sein , wie geschrieben steht , damit sich Gott uber uns 
erbarme. 

§ 18. Mt. 6. E 71 sq. 

[(Mt 6, 6) Gebe in die Kammer and bete zu deinem Vater 
im VerborgeneQ, and der Vater, der das Verborgene sieht, wird 
dir's vergelten '). . . (8) Euer Vater weisS; ehe ihr es erbittet, 
was euch noth that*)]. [(9) Pater noster, qui es in caelis ')]. 
[tl2) Vergib uns unsere Schulden, und auch wir werden ver- 
geben unseren Schuldigern ^). . . (15) Wenn ihr den Mensehen 
ihre Vergehen nicht vergebt, die sich an euch vergehen, wird 
auch euch der Vater nicht vergeben ^)]. (Mt. 17. 18) Sed tu 
cum ieiunas, lava faciem tuam et ungue caput tuum, ne appareas 
hominibus ieiunans . . . Pater tuuS; qui videt in abscondito, 
retribuet tibi palam ^). [(19. 20) Sammelt euch nicht Schiitze 
(Oder einer^ Schatz) auf der Erde, wo die Diebe graben und 
stehlen, und wo die Motte fliegt und verdirbt, sondern sammelt 
euch Schktze im Himmel; (Lc 12, 33) einen Schatz, der nicht 
ausgeht, (Mt 20b) wo nicht die Motte verdirbt und nicht die 
Diebe stehlen^)]. (Mt 21. Lc 12, 34) Ubi thesauri vestri sunt, 
ibi erunt et corda vestra^). • . (Mt 23b) Si lumen, quod in te 



- 137 — • 

est, tenebrae sunt ®). • . . [(Mt 24. Lc 16, 13) Der Mensch kann 
nicht zwei Herren dienen *®)]. 

1) A 67 sq. Vorher geht ein ganz aDgeoaaes Citat: Betet im Ver-^ 
borgenen zu dem Verhorgenen ; er siehtAUes, Nachher A 68, 2 vervoU- 
standigt er obiges Citat: Bete zu deinem Voter im Verhorgenen^ indem 
die Thur verschlossen ist, A mit Sc die Kammer^ P deine K,; A mit 
So im Verhorgenen^ P der im Verhorgenen (ist) cf. cod. gr. D (ngoittV' 
(ai jtp natgl aov iv t^ XQvmtfi') Clem. horn. Ill, 55 (^ivrtp xqvnt^ evxecfd^e), 
A Sc "^ iv T^ (pav€Q(p (Gr rec. P). Statt das Verhorgene sieht (cf. 
Clem. hom. Ill, 55: 6 pXkntay ra xQvnxd) bat die andre Hs. wie Sc 
P Gr im oder irts Verhorgene. — 2) A 68, 16 c« erhittet, Sc P Gr ihn 
hittet. — 8) E 271 k5nnte auch aas Lc 11, 2 seiD, da Sc dort ebenso 
wie Mt 6, 9 lantet. Aber von Lc 11, 1—8 zeigt E ebensowenig wie A 
eine Spar. — 4) A 37, 5 u. 9; 71, 16. An der dritten Stelle hat nar 
eine Hs. (bei Wright am Rande) so, die andre da auch wir, Sc P wie 
auch toir. — werden vergehen A 37 u, 71 Sc, hahen vergehen P, — 
5) A 35, 11 mitSc ra naQanroifiaja avroiVf ^P, aher A '^ ra naganr, 
vfitSy gegen Sc P. — An Mt 5, 16 spieH A 51, 1 an. — 6) E 71 pater 
tuus mit P, pater Sc. — palam: ^ Sc P. Ob nur Zathat des armeo. 
Uebersetzers 8. N. 1. — 7) A 380, 14. Schdtze zweimal mit P, aber die 
LA am Rand obne Ribbai stimmt mit Sc; dies scheint in A dasRichtige, 
da er gleich nachher unzweideatigen Singular hat. — Die Voranstellang 
der Diebe vor die Motte sonst unbezeugt. — Die Motte fliegt (eigentl. 
fdllt) und verdirht v. 11 and die entsprechende LA in v. 20 genau mit 
Sc gegen alle sonstige Zeagen. — Der Zasatz aus Lc 12, 33 b ist ganz 
in der Art von T. — 8) E 72. Das beilaaiige Citat £ 170 : uhi thesau- 
rus tuuB estf ihi est et cor tuum hat wenig Bedeutung, aber aach auf 
obigen Plural ist bei Uebersetzungen aus dem Syr. in Fallen wie dieser 
gar nichts zu geben. Das bei A 389, 18 sich fortsetzende Citat hat: 
Und wo euer Schatz sein wird, da wird sein auch euer Herz, Abgesehn 
von und statt denn and etwas veranderter Stellang mit Sc gegen P, wo 
M^*'K statt "nriK and zweimal Prasens statt Faturam. — 9) E 72 so abge- 
brochen. — 10) A 181, 10 nicht als Schriftwort citirt, daher kleine Ab- 
weichangen in Stellang und Wortform (NlZ^^'n^, Sc P id^N) ohne Be- 
deutnng, aber wesentlich mit Sc gegen P. — Ueber Mt. 6, 33 s. oben 
S. 65; Mt 6, 34, wo Sc P ttbereinstimmen , citirt Ephr. II, 81b ziemlich 
genau ebenso. 

§ 19. Mt. 7. Mr. 4, 24 sq. (Lc. 6, 37-49). E 72. 73. 

(Mt 7, 1. 2. Lc 6, 37. 38) Nolite iudicare, ne iadicemini; 
[deon mit dem Gericht, womit ihr richtet, werdet ihr gerichtet 
werden]. Dimittite, et dimittetur vobis. Nolite punire ^). . . . 
[Lasst Ids und ihr werdet losgelassen werden. Gebet and es 
wird each gegeben werden. (Mr 4, 24. Lc 8, 18) Sehet zu, was 
ihr h(Jret2)] . . . et addetur ei^). (Mr 4; 25. Lc 8, 18) Qui 



. — 138 — 

habety dabitnr ei, et qai non babet^ etiam quod putat se habere, 
aufereDt ab eo *). . . (Mt 7, 6) Nolite dare sancta eanibus *). . . 
[(Mt 7, 7. Lc 11; 9) Za jeder Zeit bittet and nehmet, and wenn 
ihr sacht, werdet ihr finden*). • . (Mt 7, 8. Lc 10, 10) Jeder 
der bittet, empfaDgt, and wer sncht, findet, and wer anklopft, 
dem eflFnet man '^3], [(Mt 7, 14) . . Porta angusta est®) . .] 
[(Mt 7, 16-18. Lc 6, 43—45. Mt 12, 34. 35) Man sammeltnicht 
von den Domen Tranben and nicht Feigen von den Disteln^); 
denn der gate Baam gibt gate Frttchte, and der schlechte 
Baam gibt schlechte Frttchte. Nicht kann der gate Baam 
schlechte Frttchte geben, and nicht kann der schlechte Baam 
gate Frttchte geben; denn an seinen Frttchten wird der Baam 
erkannt *®). Der gate Mann aas den gaten Schatzen, die in 
seinem Herzen sind, holt hervor and redet Gates, and der b(5se 
Mann aas den b(5sen Sch^tzen, die in seinem Herzen sind, holt 
hervor and redet BQses, denn aas den Ueberschttssen des Her- 
zens reden die Lippen ^^)]. [(Mt 7, 24—27) Freie aber deutliche 
Anspielungen A 7, A 103, A 302], 

l).Die lat. Satze bis dahin in dieser Ordnang E 72; die deutsohe 
EioschaUung (Mt 2) aus A 252, 12. Wenn dort gleich daraaf 252, 13 
derselbe Satz noch einmal mit den oben in den Text gesetzten Worten 
aas Mr 4, 24. Lc 8, 18 aU Einleitung wiederholt wird, so folgt nicht, 
dass die Satze so in seinem ^Evangelium*' geordnet waren; es wSre dann 
vielmehr die anmittelbar davor stebende Anfiibrung derselben Worte ohne 
jene Einleitung aas Mr 4, 24 unbegreifliob. Es folgt aacb nicbt, dass 
diese Worte dicht hinter einander zweimal in T standen; denn wober 
sollte der Harmonist auf die Wiederholung gekommen sein, da sie nar 
einmal Mt 7, 2 und nicbt Mr 4, 24 und vollends nicht Lc 8, 18 in seinen 
Vorlagen zu lesen waren? Es folgt nur and zwar unweigerlich , dass in 
dem „Evangelium^ des A das filinere tl dxovsTe in nachster Nahe bei 
Mt 7, 2 stand, so dass A mitRecbt sagen konnte, Jesus babe nicht nur 
Mt 7, 2 gesprochen, sondern dieses Wort aucb nooh durcb die besondre 
Mahnnng Mr 4, 24 eingescbSrft. — dimittite etc. ist nicbt das anoXvers 
xal anoXvd^aiad-i Lc 6, 37, denn A 35, 9 citirt in einem Zuge: vergehet 
und es wird euch vergeben werdeUj und Ictsset los und ihr werdet losge- 
lassen werden^ und gebet und es wird euch gegeben werden. Der erste 
Satz, welcber A 40, 7 im Anschluss an Lc 5, 35 citirt wird, entspricbt 
ebenso wie das dimittite etc. des E einem atpUre xal acped^^aijai vfuv. 
Dass dies ausser und neben dem dnolvsre xtL in T gestanden hat, be- 
zeugt nicht nur A; es ergibt sich auch aus der Stellung, welche ihm 
E anweist, gleich nach ^^ xqivsts und vor firi xaia^ixaC^re , was E 
durcb nolite punire frei wiedergiebt. Die LA ist aber uralt. Polyc. ad 
Philipp. 2, 3 (s. meine Anm. dazu) schliesst gleichfalls an fiij xqIvsts 
xrX, an d^Uu xtL Lelder fehlt Sc fur Lc 6, 37. P hat den gewohn- 



— 139 — 

lichen Text. — 2) A 35, 10. 252, 13 8. vorige Note. -^ 3) Dass dies in 
diesem Zasammenhang gestanden, ergibt aich ana der Art, wie ea £73 
in der Besprechung der £ 72 ftjrmlioh citirten SStze Qui hdbet etc. ver- 
werthet (addetur e» . . . nobis additur . . addet nobis ad id quod acce' 
pimus). Allerdings findet sich dies in Sc aach Lc 8, 18 eingesohaltet 
hinter Sod-ri<fiTai aur^, aber wenn es £ dorther hStte, wilrde es ancb in 
dem fSrmlichen Citat £ 72 stehen. — 4) W5rtlich nor Lc 8, 18, aber die 
Briicke vom Zasammenhang der Bergpredigt zn Lc 8, 18 bildet in T das 
vorher aus Mr 4, 24 Gegebene. Nor Marcos, nicht Lncas hatte den 
Spmch (Mr 4, 25. Lc 8, 18) in Verbindnng mit SStzen gegeben, welche 
nach Mt 7, 2 der Bergpredigt angehdrten. — 5) £ 73. Gleich nachher 
etsi canes sancta non devorent et porci margaritis non ahutaniur etc. — 
6) A 485, 3. Der £ingang erinnert an Lc 18, 1 , wo ftir ndvtoji So P 
das gleiche Wort wie A hier. — 7) A 443, 3 am Schluss (gegen £phr. 
Overbeck p. 102, 10 s. oben S. 65 Sc P Gr) dem offnen sie. — 8) £ 263. 
Anch A 103, 6 cine Anspielong an den kleinen und engen Weg, — 
9) Soweit A 303, 5, von da bis zam Schluss der Klammer A 303, 
6—10 a. A 186, 18—187, 4. — Man sammelt nicht mit Sc Mt 7, 16 
gegen P Gr (f^rjn (SvMyovai;), Cf aber Lc 6, 44, woher der iibrigens 
nach Mt gegebene Satz in T seine Form hat. — und nicht Feigen von 
den Disteln in Stellang and Ansdrack (fi^^n^n A Sc, MriQ'nlp P) ganz 
Sc, wo nar und auch nicht steht. — giht . . geben^ dagegen Sc P 
macht . . . machen. — 10) Denn an s. Fr. etc. A 186 Lc 6, 44 a, nicht 
Mt 7, 20. Hiermit wird der Uebergang von Mt za Lc gemacht and nar 
das schon dagewesene ausgelassen. — 11) A 186 sq. 303, 8 sehr gleich- 
massig citirt ; nur ist A 186 vorangeschickt so (var. 1. so auch) and A 303 
das Wort nUeberschtisse** neQiaaevfia schon vorher anstatt hose Schdtze 
gebraacht and amSchlass desCitats A 303, 11: me unser Erloser hhrte 
und sprach. — holt hervor und redet (2mal) ist Combination von ngo- 
fidXX€i Mt 12, 35 (Sc P T^tHZ, ebenso A 187, 1. 2; 303, 9. 10) oder n^o- 
(fiQei Lc 6, 45a (P dasselbe Wort, Sc fehlt) mit laUZ Lc 6, 45 extr. — 
Die Plnrale Schdtze {'^riaavgog), UeberschOsse (neQtoitevfut), Lippen {arofia) 
hat A mit Sc P an beiden Stellen gemein. £r8t HI hat die Sparen alter- 
thiimlicher Freiheit getilgt bis aaf den Plural neQKraevfutra, das wenig- 
stens Mt 12, 34 auch dort stehen blieb. — In Bezug aaf A 41, 20 sqq. 
s. oben S. 81 Anm. 1. 

§ 20. Lc. 7, 1-10. Mt 8, 5-13. E 74. 

(Lc 7, 3 sqq. Mt 8, 5 sqq.) Yenit ille cum senioribos popali 
et rogavit earn, at non dedigDaretnr venire et salvare servum 
sanm. Et cum annaisset, at iret, dixit ad earn: (Lc 6b a. 7. 
Mt 8 b) Domine, noli vexari^ sed tantam die verbo, et sanabitar 
[der Enabe 0]. . . (Lc 9. Mt. 10) Et cam hoc andisset, admi- 
ratns est') et dixit: Non in aliqao in Israel tantam fidem in- 
veni >).».. (Mt 12) At Judaei • . . ibunt in tenebras exterio- 
res*). . . . [(Mt 13) Und nach seinem Glauben geschah ihm^)]. 



— 140 — 

1) Das Laiein. so ohne (Jnterbrechuog £ 74. Der dentsche Zasatz 
ans A 20 extr., wo es heisst: Und auch aU der Diener des Konigs ihm 
nahUf ward der Knabe gesund, aU er zu dem Herm sprach : sprich mit 
einem Wart, so wird der Kndbe geheUi werden, — A 42, 1 nennt den 
Geheilten den 8ohn des Centurio. Ob auch in T schon so wie allem An- 
schein naoh von A Jo 4, 46 sqq. (fiaoilixos) mit der synoptischen Er- 
zihlnng combinirt war, ISsst sich nicht bestimmt sagen. Schon die Ver- 
einignng von Mt nnd Lc ist genog Beweis hannonistischer Knnst. Doch 
ist zn bemerken, dass Jo 4, 46— 5 i in T fehlt, also vielleicht mit nnsrer 
ErzMhlnng flir idendsch gebalten worde. — 2) A 20 extr. in freier Wie- 
dergabe + uber seinen Glauben, — 3) £ 74 wesentlioh mit So (ahnlich 
die Randnote des HI zu Mt 8, 10) Vatic, n. a. gegen P. — 4) £ 74, will 
kein Citat sein, bezengt aber Mt S, 10. 11, nicht Lc 13, 28. 29. — 
5) A 20 extr. 

§ 21. Lc. 7, 11-17. E 74. 

Filiua virginis filio viduae obviam venitj lacrymisque viduae 
qtum spongia et morti fiUi dm vitafuit^) etc. [Denn alserden 
Sohn der Wittwe lebendig machte, rief er ihn zweimal, indent er 
zu ihm sprach: (Lc 14) JtiDgling, Jlingling, steb anf! Und er 
ward lebendig und stand aw/^)]. 

1) E 74, wo ausserdem nar noch ein rhetorischer Satz, kein Citat. 
Der Anschluss an § 20 ist im Commentar zweifellos. T folgt dem Lc. — 
2) A 165, 16. Das doppelte veavlaxe ist meines Wissens als syrischer 
Text sonst nicht bezengt (Sc fehlt), wohl aber dorch cod. gr. D nnd die 
Italahss. Vercell. Corbei., also gewiss aus T. 

§ 22. Mt 8, 18-34. Lc9, 57-62; 8, 23-39; Mr 4, 36—5, 20. 

E 74-76. 

(Lc 9, 57. 58. Mt 8, 19. 20) Veniam et sequar te . P^op- 
terea re^onsum accepit: Valpibns sant babitacula sua, et filio 
bominis non est locus, ubi ponat caput suum^). [(Lc. 59. 60. 
Mt 21. 22) Ich werde hingebn, begraben meinen Vater und zu 
dir kommen. Und es sprach zu ihm derHerr: Lass dieTodten 
ibre Todten begraben, du aber gebe bin^ verktindige das E^nig- 
reich Gottes «)]. (Mt 24, 26. Mr. 4, 38. 39. Lc 8, 23. 24) Qui 
dormivit^ is et surrexit et sopivit mare . • . Increpavit ventum et 
cessavit . . . (Mt 28. Mr 5, 1. Lc 26) Gergeseni . . . (Mr 9. 
Lc 30) legio»). . . (Mt 29. Mr 10. 12. Lc 31. 32) Et daemones 
coeperunt precari, ne cos ex hoc loco expelleret, eosque ante 
tempus in gehennam mitteret^). . . . (Mt 32. Mr 13. Lc 33) 
Et cum intrassent in porcos, statim 8u£focarunt eos [in mari] ^). . • 
(Mr 19. Lo 38. 39) Viram ilium dimisit dicens : vade, praedica '). 



— 141 — 

1) £ 74. A 118, 9: Wahrend seine Wohnung in der Hohe war^ 
hatte er nicht eitien Ort, CnnM wie Sc, fi^D'^fi^ P Mt 20. Lc 58) wo er sein 
Haupt stutzte. — 2) A 168, 12. Die AbkUrzang za Anfang bedeatet 
Dichts. — und (ioh werde) eu dir kommen nur A, und ich werde kammen 
Sc Mt 21. Lc 59, > P. Im tibrigen stimmen A Sc P genaa. — 3) Zer- 
streate Stticke aas £ 74. 75. Cf. A 42, 3 eine karze AnspieluDg. £ gibt 
Gergeseni, dagegen Sc P Lc 8, 26, P aach Mt 8, 28* Mr 5, 1 Gadareni, — 
4) Die MischuDg ana Mt 8, 29 (^ngo xaiQov) Mr 5, 10 (lf« t^s X^Q^^) 
Lc 8, 31 {dg rriv afiv(S(Sov Nin^lb Sc wie £ 75, Nttinrt P) i«t sicher 
wSrtlich von £ wiedergegeben. Fraglich ist, ob aas T aach £ 235 ge- 
acbSpft ist: Virtutes tenebrarum magna voce clamarunt et dixerunt: tu 
es filitM deij eumgue orarunt, ne eas in gehennam mitteret, — 5) Wenn 
£ 75 des Meeres nicht gedacht wird, bo kQnnte man £ 185: dominum 
eo8 in mare misisae acriptura non dixit so verstehen, als ob £ diesen 
kanoniscben Bericht nur auB anderen Auslegungen kennte, die er bestreitet. 
Aber £ 186 liest man: porcos in mart suffocavit Cf. £phr. II, 525 f. 
535 e. Garm. Nisib. 35, 2. 3 ; 39, 14. Also ist £ 185 nar darauf Oe- 
wicht gelegt, dass Jesus die DSmonen nicht doroh directen Befehl in's 
Wasser geworfen cf. M(Js. 185 n. 3. — 6) £ 76. Dort aach noch eine 
Anspielang an Lc 8, 37. 

§ 23. Mr 5, 21-43. Lc. 8, 40-56. Mt. 9, 16-36. E 76-90. 

[(Mr 5, 22. Lc 8, 41) Als der Synagogenvorsteher ihn bat 
wegen seiner Tockter . . ^)]. . (Mr 25. 26. Lc 43. Mt 20) Fluxum 
sanguinis^ qui duodecim per annas currebat . . . Per mtdtos annas, 
quibus mulier medids utebatur, expensa eius multa dissipata 
smut . , .et ab omnibm medicis malesiiis affecta erat *). (Mt 20 b. 
Lc 44. Mr 27. 33) Timens et tremens a tergo eias fimbriam 
vestimenti eias tetigit^). (Mr 29) £t cognovit in se ipsa, qaod 
sacata asset a craciatibus snis ^). . . (Mr 30) Qais tetigit vesti- 
menta mea?*) . . (Lc 45) CumSiman diceret: Tarbae hominam 
te circamdant et premant, et ta dicis: qais aecessit ad me?') . . 
(Lc 46) Qais me tetigit? Ego scio virtatem magnam a me 
exiisse^). (Lc47) Cam yidisset; hoc qaoqae ei abseonditom non 
esse*). . (Mr 34. Lc 48) Vade in pace, fides taa te salvam 
fecit*}. . . (Lc 50. Mr 36) [Tantam] firmiter crede, et vivet filia 
taa^*). . . [(Lc 52. Mr 39. Mt 24) Das MSdchen ist nicht ge- 
storben, sondem schlSft^^). . . . (Mr 41. Lc 54). Er rief m 
zweimal und sprach zu ihr: MsLdcben, Mftdcben, stehe anf. 
(Lc55a) Und es kebrte ihr Geist zarlick, and sie stand anf^')]. 
(Lc 55b, Mr 43b) Et praecepit; at ei darent aliqaid ad man- 
daeandam ^>) . 

1) A 20 extr. Ebenso bezeichnet er den Jairas A 42, 4; 165 extr. 
A 169) 2. — E 88 (s. MSsinger's Note 6) summus eacerdos Schreib- oder 



— 142 — 

Lesefehler. — 2) E 85. 88 eq. 79. — 3) So, mit scriptura dixit emge- 
leitet and mit besonderer Betonung des timens et tremens, was aus Mr 33 
▼orweggenommen ist, E 90. Auch E 80. 81. 88 fimbriam vestimenti 
eitM. — 4) E 84. in se ipsa, dagegen P = Gr an ihrem Leihe, Sc. 
fehlt. — 5) E 78, ebenso E 81 (vestes meas). Das ktirzere quis me teti- 
git E 80 mag ans Mr 31, oder Lc 45 stammen, oder willktirliche Verein- 
fachnng. — 6) E 77 Simon, Sc Kepha, P Simon Kepha, — 7) E 83, nioht 
gaDz so vollstandig E 81. Das ^ipato (xov tig dieser Stelle scheint E 
aach als Frage gefasst za haben. So P haben 1Z)3M = ng =: aliquis, 
Beide ^ das zweimal von E gebotene magnam, Ueber das Citat ans 
Lc 6, 19 E 83 s. oben S. 57. — 8) E 80. hoc quoque mit Sc, > P. — 
9) Diese Ordnnng ist durch E 80 extr. ausdriicklieh bezeugt. — 10) So 
E 89, ohn& firmiter E 88, beidemale ohne tantum, das ich ans A 21, 1 
erganze. Die A 21, 1 ebenso wie ScLc50, nicht aber in P, vorliegende 
(Construction credendo crede hat E 89 ebenso wie A^ 16 (fidenter crede) 
dnrch ein Adverb ausgedriickt. — 11) A 169, 3. Das Mddchen mit Sc, 
^ P Lc 52. Ebenso A mit Sc (Lc) dormiendo dormit, nur dormit P. — 
sondem A mit Gr, > Sc P. Aber Mt 9, 24. Mr 5, 39 hat P (So fehlt) 
sowohl Mddchen, als sondem, -^ 12) A 65 extr. Das doppelte talitha 
oder TO xoQciatov (Mr 5, 41) oder i^ nalg (Lc 8, 54) fast unbezeugt; 
denn nur der lat. Palatino-Vindob. hat Mr 5, 41 puella, puella cf. § 21 
Note 2. — 13) E 90. Dass von Mt 9, 27—31 hier keine Spur sich zeigt, 
ist kein Beweis, dass dies Stttck in T fehlte. A 42, 4 hat es hier ge- 
lesen s. oben S. 81 f. 

§ 24. Mt. 10. Lc. 9, 1-6; 10, 3—12 u. 16. Mr 6, 7-13. 

E 90-98. 

(Mr 6; 7 cf. Lc 10; 1) Misit eos bines iaxta similitadinem 
suam^). . . (Mt 10; 5) In viam gentium ne abieritis . . ad Sa- 
maritanos et gentiles ne abieritis . . . (Mt 6) ad oves perditas 
domus IsraeP). . . (Mt 8) Gratis accepistis, gratis date'). 
(Mt 9. 10. Mr 8. 9) Nolite possidere aoram . . . et argentum 
ab eis prohibuit . . . Virgam • . non bacalam . . Non dixit cali- 
gas J sed sandalia^). (Lc 10, 5) In qaamcamqne domam intra- 
veritiS; primam salntate domam *) [oder primam dicite : pax buic 
domni]. [(Lc 10; 6) Si ibi est filias pacis . . .; secns ad yds 
revertetur •)]. . . (Mt 14) Discutite pulverem pedum vestrorum^). . . 
(Mt 15, Lc. 10; 12) Tolerabilius erit terrae Sodomoriim'). . * 
(Mt 16. Lc 10, 3) Itaque ego mitto vos sicut eves in medio 
luporum. Elstote ergo innocentes ut columbae et prndentes ut 
serpentes. (Mt 17) Cavete ab hominibus »). [(Mt. 18—22. Mr 13, 11. 
Lc 12, 11. 12. Lc 21, 15) Wenn sie euch bringen vordie Herr- 
sebaften und vor die Gewalthaber und vor die E^nige, welcbe 
die Welt beherrschen, so sorget nicht vor der Zeit; was ihr 



— 143 — 

reden werdet; and wie ihr each yertbeidigen werdet. Und ich 
will eucb geben Hand nnd Weisbeit, dass euro Feinde each 
nicht besiegen werden. Denn ibr seid es nicbt, die da reden, 
Bondern der beilige Geist eares Vaters ist es, der in (darcb) 
each redet ^®)]. (Mt 23. Lc 10, 10) In qaam civitatem intraveri- 
tig et non sasceperint vos, fagite inde in aliam civitatem, et si 
ab hac perseqaentar vos, fagite denao in aliam civitatem. Amen, 
dico vobis, non poteritis consammare has arbes, donee venero 
ad vos ^^). . . (Mt 27) Qaae vobis dico in tenebris, dicite in 
lamina; qaod aare aaditis, praedicate sapra tecta^'). (Mt 28) 
Ne timaeritis eos qai occidant corpas [animam aatem occidere 
non possant ^>)]. . . (Mt 29) Dao passeres asse veneant, et anas 
ex eis non cadit in terram sine patre vestro ^^). . . (Mt 33) Con- 
fitebor earn coram patre. . . (Mt 33) Qai menegat, et ego eam 
negabo^*). . . (Mt 34) Nolite patare, qaod veni mittere pacem 
in terra . . . gladiam^®). (Mt 35) Veni separare hominem a 
patre etc. ^^). . . (Mt 37 cf. Lc 14; 26) Qai me non amat plos qaam 
animam saam etc. [= Wer micb nicht mebr liebt, als seinen Vater 
and seine Motter, and nicht mebr als seine Seele (oder sich 
selbst), kann mein Jlinger nicht sein^*)]. (Mt 39 cf. 16, 25. 
Mr 8, 35. Lc 9, 24) Qai valt invenire animam saam, perdet 
eam ... qai perdit animam saam propter me, inveniet eam ^'). 
(Mt 40) Qai vos spemit, me spernit^). « 

1) E 90. iuxta aimil. s, gehSrt nach den Has. von E and der folgen- 
den Aaslegung znm Bibeltext cf. § 29 N. 2. Wie T in diese Instractions- 
rede an die 12 Apostel Manches aas der Instraction an die 70 JOnger 
Lc 10 aafgenommen hat, indem er dort gar keineRede geben woUte, so 
hat er aach von dort, wo das bines (ara Svo) wiederkehrt, das er aus 
Mr 6, 7 {Svo 6vo, so aber Sc auch Lc lOj 1) aafbahm, diese Zuthat. 
Sie moss etwas wie eine Uebersetzong von nqo nqoafonov avtov sein, 
woftir Sc "^msfi^ Dnp, P rr&l^lD Dnp. Keine dieser Uebersetzangen 
konnte E so misverstehen — denn ibm and nicht ^ dem armen. Ueber- 
setzer fiele es zur Last — , also muss in T noch ein anderer Ausdruck 
gestanden haben. — 2) E 91. 95. Eine Anspielang an Mt 10, 5 A 42, 8. 
— Mt 10, 6 citirt Ephr. II, 279 b ungenau. — 3) E 91, auch A 199, 20. 
456, i5genaa; eine Anspielang A 6, 3 unisonst gegehen und umaonst gS" 
nommen. Scfehlt — 4) £91. That sehr ktthn den formellen Widerspruch 
zwischen Mt 10, 10 /Jiridk qd^Sov [al. ^dfiSovs] oder Lc 9, 3 fiiire ^tlfi^oy 
nnd Mr 6, 8 ct firi Qafi^ov fiovov, and ebenso zwischen Mt 10, 10 firi^k 
vno^ij/iara and Mr 6, 9 vnoSe^ifiiyovg aavSdUa ausgeglichen. Im letz- 
teren Fall bot die Verschiedenheit der griech. WSrter, die aach in P 
wiedergegeben ist (Sc fehlt), den Anhalt. Eine ebensolche Diflferenz des 
Ausdrucks setzt aber aach die Behandlung des anderen Falls durch £ 



— 144 — 

voraos. Dass nach Mos. p. 91 Note 2 die armen. Bibel einen solchen 
Unterschied zwischen virga and bacultis macht, bilft nicht, da es sicb urn 
den syr. Ck>mmentar Epbrams zu seinem syr. T bandelt P bat bei alien 
drei Evv. und So Lc 6, 3 Mr3!3lD. Aber Mr 6, 8 kann So (fehlt) und 
muBB T ein anderes Wort gebabt baben, and vielleicht ist die Differenz 
in der arm. Bibel ein Rest des alten syr. Einflosses. — 5) So E 92, 
die folgende Varianie ana E 63. Da das syr. Friede wunschen = salutare 
beisst, ist die Verscbiedenbeit nor scbeinbar. — So Lc 10, 5 und dem- 
jenigen ersten Hause, in welches ihr eintretet, saget: Friede in diesem 
Hause. Also otxiav nQtittiv (statt ngtorov) elaiQXfiod'i of. cod Colbert. 
(Sabatier III, 309), wo aber daneben docb nocb pritnum dicite. — 6) So 
irersttimmelt E 105 ausser Zusammenbang. — 7) E 93. Da So mit codd. 
gr. D U und Corbei. aucb Lc 9, 5 rcui/ nod^v vfuiv obne dno bezeugt, 
80 kann aucb dies die Quelle ftir T gewesen sein. — 8) E 94. Die kurze 
Fassung mebr fUr Lc als Me. — 9) E 91. 94. — 10) Dies alles A 415, 
3 sqq. obne Unterbrecbung. Da die genannten Stellen der letzten escba- 
tologiscben Reden benutzt sind, konnte es fraglich sein, ob dies alles 
bieber gehdrt. Aber erstlicb hat A unmittelbar vorber 415| 1 als Schrift- 
wort Mt 24, 9 citirt, das grosse folgende Citat aber getrennt durch und 
iffiederum lehrte er una. Also in anderem Zusammenbang bot ibm dies 
T. Sodann weist der Scbluss deutlicb auf Mt 10, 20 to nvevfia tov 
nargog vfidjy to XaXovv iv vfilv. — 11) £ 94 med. Gleicb darauf ^' exista 
regione vos eiicient, fugite in dliam cf. nocb £ 95 med., da aucb die 
Fortsetzung amen dico etc. Der Anfang obigen Citats scheint aus 
Lc 10, 10, ist vielleicbt nur gedacbtnismassige Mischung mit vorber Dage- 
wesenem. Im tibrigen bat £ d. b. T den ausfUbrlicberen Text von codd. 
gr. D L Itala gegen P Mt 10, 23. Docb ist das Feblen jeder Spur von 
TotT 'laqariX auch im Commentar auffallig. — 12) E 96. A 13, 18: Was 
ich euch sage in Finstemis j saget ihr das im Hellen (wie P, wo nur 
das letzte Wort Ribbui bat). Die weiteren Worte unter den Volkem 
ndmlich, welche euer Licht erUuchten wirdf weil diese das Licht Christi 
annehmen, welcher das Licht der Volker ist gaben Antonelli wabrscbein- 
licb wegen Ausfalls des scilicet Anlass, ein apokrypbes Citat zu ver- 
mutben (A^ 9 Anm. 1). Eine Anspielung an Mt 10, 26 oder Lc 8, 17 
Oder Lc 12, 2 liegt nocb in A 443, 12 vor: Nichts ist verborgen, das 
nicht jedem Menschen mrd enthiillt werden, — 13) E 96* 230. Die Fort- 
setzung in [ ] aus £ 231. — 14) E 97. Ebenda non dixit sine deo^ sed 
sine patre vestro, — 15) £ 97 von dem zweiten Satz nor negabo eum, 
aber vollstSndiger £ 228 sq. — 16) E 97. In Sc Mt 10, 34 (mit 10, 32 
beginnt dessen MattbSnstezt wieder) Ich bin nicht gekommen etc., also 
T gegen Sc mit P Gr. Lc 12, 51, wo aucb Sc ^oxiZre wiedergibt, kann 
nicbt in Betracbt kommen. Cf. oben § 17 Note 5. — A 42, 9 sagt in 
seiner kurzen Erinnernng an die Instructionsrede (s. oben S. 81): Und 
er warf Trennung auf die Erde wegen seines grossen Friedens, eine 
Stelle, deren Uebersetzung bei Bickell S. 49 f. mir unverstSndlicb ist. — 

17) £ 97. Das etc. gebort dem Text E's an. Ebenso im Folgenden. ^ 

18) £ 98. A 263, 1. Das nicbt nur am Scbluss^ sondern wie so oft aucb 



- 145 - 

in der Mitte gekUrzte Citat E*8 ist offenbar identisch mit dem des A, be! 
welchem die Aniehnnng an Lc 14, 26 erst ganz offenbar wird, woraaf be! 
£ nnr das ammam suam hinweist. Die durcbgreifende Abweichang die- 
aer Teztformation von aller griech. and syr. Ueberlieferang, aucfi Sc, 
ist also ein Werk von T. Zu der Milderung des kanoniscben Sprachs 
gab aber Mt 10, 37, ohne dessen Kenntnis T den Spruch ttberhaupt nicbt 
in diese Rede hStte bringen kdnnen, den Anstoss. Da war nur ein Mehr- 
lieben der Verwandten verboten. Wenn E 118 aasserhalb des Zosam- 
menbangs unsrer Perikope and wie es scheint in gescblossenem Zasam- 
menbang mit einer andern (§ 29 extr.) Lc 14, 26 sqq. citirt, so spricbt 
das nicbt dagegen, dass scbon bier dieselbe Stelle einen Einfiass aaf die 
Textgestaltnng getibt bat. — 19) E 98 in zweiHIUften. — 20) £ 91. 94 
weit getrennt. 

§ 25- Lc. 10, 38—42. E 98. 

(39) Venit Maria et sedit ad pedes Jesa i). . . (40) Martha 
coram eo in servitio stabat. . Non est tibi cura de me ^) ; die 
sorori meae, at me adiuvet. . (42) BoDam partem solam elegit, 
nt in aeternnm ab ea non auferatar'). 

1) Jesu mit cod. gr. Alex, und den moisten jtingeren Zeugen, lov 
xvqtov Sc P fi< B etc. — 2) de me mit Sc, > P Gr. — 3) Frei reprodn- 
cirt, die Abweicbungen von Gr ohne alle sonstige Bezeugang. — A hat 
von dieser Perikope nicbts. 

§ 26. Mt 11, 2-13 (?) Lc. 7, 18-35. E 99-107. 

(Mt 2. Lc 19) Misit Joannes discipulos ad eum . . . (Mt 3. 
Lc 19. 20) To es qui Venturas es, an aliam exspectamus?^). . . 
(Mt 4—6. Lc 22. 23) Et dicit ad eos Jesas: Ite et narrate 
Joanni non quod atuiistis, sed qnod vidistis : eece caeci vident et 
daadi ambulant et leprosi mundantur et surdi andinnt . . . mor- 
tiu surgunt. Beatus erit, qui non fuerit scandalizatns in' me ^ j. 
(Lc 24 — 26. Mt 7—9) Sed postquam discipuli Joannis abierant, 
dicitur: coepit dicere ad populum de Joanne. Quid existis videre 
in deserto? arundinem vento agitatam? aut bominem in vestiiu 
moUi, ornatum? Tales in palatiis regum versantur . . Propbeta 
est, immo plus quam propbeta '). . . (Lc 27. Mt 10) Ecce mitto 
angelnm meum ante me^). (Mt 11. Lc 28) Amen, dico vobis, 
quod nullus maior est Joanne inter natos mulierum ; sed qui mini- 
mus est in regno caelorum, maior est eo ^). . . (Lc 16, 16. Mt 11, 13) 
Lex et propbetae usque ad Joannem *). . [Alles Gesetz und die 
Propbeten baben bis zu Johannes dem Tftufer geweissagt]. 

1) £ 99. Auch £ 101 wieder eocspectamtAs ^ ebenso Sc P in Mt 3. 
Lc 20 (bieftir feblt Sc) ; erst HI hat einen Conjui ctiv durch fi^DD!} ausge- 

Zfthn, Forschongen 1. 4Q 



— 146 — 

driickt. — 2) E 100 in Absatzen. In T kann weder axovere xtci (Mt), 
noch xai i^xovaare (Lc) gestanden haben, was doch Sc (Mt das, wets 
ihr sehetj und das, was ihr horety Wortotellung naoh Lc) P 6r etc. haben. 
Nur cod. gr. X (Monac. bibl. univ. I, 26) ]> xal i^xovaau Lc 7, 22. — 
£ scheint xal nrtuxol ivayyeUCovtai ausgelassen za haben; denn er 
schreibt in fine quasi sigillum omnium hoe dixit : mortui surgunt . . 
disce quod sequitur: beaius etc. Aber er hat nur den Text von Sc, wo 
Mt 5 die lezten SStze so gestellt sind: und den Armen wird gepredigt 
und Todte stehen auf. — 3) E 100 mehrLcalsMt, wegen der Einleitang. 
Aach P Lc 24 fiaO-ritav statt dyyilvtv. — quam propheta E mit P 6r, 
quam prophetae So, aber aach A 123, 11. Der Singular wird also dem 
arm. Uebersetzer angehdren. Andrerseits kann fie((tov statt n€Qiaa6teQov 
bei A 123, 11 Willkiir oder Erinnerang an Mt 11. Lc 28 sein. — 4) £ 102 
ohne ego, also wohl Lc, nicht Mt. — 5) £ 107 der erste Satz vollstan- 
diger als E 104 u. 105. Der zweite Satz zweimal E 104, ein Stack E 105. 
Dass E ngotpiJTfis Lc 28 nicht gelesen, oder dass in T Mt 11 stand, zeigt 
noch deutlicher der Commentar. — 6) £ 104. Da von dem sonstigen In- 
halt von Lc 16, 16 bei £ keine Spur, so bleibts fraglich, ob und wieweit 
tiberhaupt Lc 16, 16 mit Mt 11, 13 verschmolzen war. Das folgende 
Gitat ans A 28, 2 ist abgesehn von der Umstellung von Gesetz and 
Propheten and dem Zusatz rov fianrntrov r= Mt 11, 13. Das Rsithsel, 
wie A dies als Schriftwdrt bezeichnen and anmittelbar darnach Mt 5, 17 
mit den Worten einleiten kann: und der Herr sagt, als ob jenes nicht 
aach ein Wort Jesu wSre, I5st sich darch Vergleichang von cod. Fald. 
p. 65, 16 sqq., wo Mt 11, 12 sqq. an Lc 7, 29. 30 angeschlossen sind, 
also wie Worte des referirenden Evangelisten erscheinen. Wenn das 
weiterhin nicht festgehalten , sondern aach solches gegeben wird, was 
anzweideutig als Wort Jesa sich za erkennen gibt, so mag das ein Un- 
geschick des lat Harmonisten, oder aach Ts selbst sein. — Was in 
£ 107—111 folgt, ist nicht Aaslegang einer bestimmten Perikope, son- 
dern ein an das minimus and maior in dieser Perikope sich anschlies- 
sender Excars. 

§ 27. Mt. 12, 22—37. (Lc. 11, 14—23). Mr. 3, 20—30. 

E 111-^113. 

(Mt 22) Addaxerant ad earn viram quendam daemoniacam, 
sardam et matum et caecam ^) . . Sanavit earn et dedit ei 
aaditam loqaelam et yisam'). . . (Mr 22. 30) Ille immundns est 
in 60^). . [CMt 24) Hie per Belzebab; principem daemonam 
elicit daemones]. . . [(Mt 29. Mr 27) Nemo potest intrare in 
domam fortis et depraedari tbesaaram eias, nisi prius fortem 
ligaverit, et tanc tbesaaram eias depraedabitar^)]. . . (Mt 32. 
Mr 29. Lc 12, 10) Qui dicit verbam de filio hominis, remittetar 
ei; qai vero id dicit de spirita sancto, non ei remittetar neqae 
in hoc mando neqae in illo . . erit reus peccatoram in aeter- 



- 147 - 

Hum*). [(Ht 36) Von jedem mttssigen Wort, welches die Men- 
scben reden, warden sie Rechenscbaft geben am Tag des Ge- 
ricbts. (Mt 37) Nacb deinen Worten wirst da gerecbtfertigt wer- 
den; and nacb deinen Worten wirst da verdammt werden^j]. 

1) £ 113. Die active FasBuog mit cod. gr. B, aber anch Sc P 
HI. — eurdum-caecum E, blind und stumm Sc 6r, welcher atumm und 
blind war P, aber Veron. caecua et mutus et surdus, Corbel. 2 caecua^ 
surd%M et mutuSf ebenso Clarom., our et yor aardus (Sabatier III, 70; 
BiaocbiDi 1,89 and 88 Rand). — 2) E 113 cf. Sc {und enheilte ihn und 
ea redete jener Stumtne und aah und horte), Der Wegfall von rov 
xtoipov (nur dies codd. gr. fi< B D) oder rbv TV(pl6v xal x(0(p6v (G E etc., 
amgekebrtP) findet sich aucb bei fast alien Lateinern. — 3) E113. Das 
Folgende aus E 160. Ersteres vielleicbt eine darcb Mr 22 (ore BisXCifiovl 
^X^i) yeranlasste Vorwegnahme aas Mr 30 (nvivfia dxd^oQTov Ijifct). — 
4) E 44. Die Satzform mehr Mr, der Inbalt mehr Mt - 5) E 112. Das 
£ 111 extr. und wenig anders {reua et damnatua erit) £112 ofifenbar 
nacb Mr 29 gegebene erit reua etc. wird als eine „explicatio" zom Vorigen 
eingeftthrt, obwohl dies vollstSndig erst nacbber £ 112 citirt wird. — 
6) A 447, 5—7 nacb der einen Hs. am Bande {tmi^DC) ganz mit P, 
nacb der LA im Text mit Sc (M73:inD) aber obne das dortige rT'^b3^ vor 
diesem Wort Aaffallend ist jedoch, dass Mt 36 and 37 von A darcb 
ein wiederum iat geachriehen getrennt sind. 

§ 28. Lc. 7, 36-50. E 113-115 >)• 

. • . (39) Hie si propheta esset, qaomodo neseiret; in qaa 
Vivendi ratione ista malier versetar, qaia nempe peccatrix est'). . « 
(41) Dao debitores erant ani domino creditori, anas debebat 
qaingentos denarios et alter qainqaaginta. . . . (44) Dixit ad 
Simonem Pbarisaeam : intravi domnm taam et aqaam non dedisti 
pedibas meis. . . (45) Oscalam anam salatationis ta mibi non 
dedisti, ilia vero ex qao intravit, non cessavit oscnlari pedes 
meos. . . (47) et ideo ei dimissa sant peccata saa malta, qaia 
iS; cni param dimittar, param diligit 

1) Schon £ 84 sq. ist diese ErzSblang aosfUhrlicb benutzt Die 
poetiscbe Rede in £pbr. m, 387 sqq. gewabrt keine Ausbeute fUr den 
Text Die griechische in Ephr. opp. grace. II, 297 sqq. ist wohl sicher 
unecbt In carm. Nisib. 60, 1—10 ist aufflUlig, dass die Stlnderin ihre 
Haare abgescbnitten haben soli. Ueber eine angebliche LA Tatians za v. 42, 
welcbe in £ nicht wiedergegeben ist, s. oben S. 29 f. In A 42, 10 liest 
man nor: Er erlieaa viele Schulden dem aundigen Weibe wegen aeiner 
Liebe. — 2) £. 113. Er ]>> ^ng anurai adrov cf. dagegen Sc P (und 
toelchea ihr Geri^ht, daaa aie eine SUnderin [ein aundigea Weib Sc] iat^ 
jene, die ihm gendht iat). Aacb f!ir alle weiteren Abweichangen beson- 
ders in v. 47 bieten Sc P keine Analogieen. Nor noch das domino ere- 

10* 



^ 148 — 

ditari v. 41 ist als allzubachstSbliche Uebersetznng des altgemeinen 8yr. 
Textes (So P) zu bezeichnen. 

§ 29. Lc. 10, 1. (2) 17—22. Mt. 11, 25—30. Mr. 14, 26 sqq. 

E 115—117. 

[(Lc 10, 1) Septuaginta duos elegit^)]. Misit eos binos ad 
similitadinem saain ').... (Lc 18) Videbam ego Satanam, qaod 
d^cidit quasi fuimen decaelo'). (Lcl9) Ecce dedi vobis potes* 
tatem calcandi serpentes et scorpiones et omnem virtatem ini- 
mici^). . [(Lc 20) Nolite gaudere, qaod daemones vobis subii- 
ciantar; . . gaadete, quod nomina vestra scripta sunt in caelo^)]. 
[(Mt 11, 25. Lc 21) In illo tempore et in iilo momento exsnl- 
tavit Jesus in spirita sao'). . . Gratias ago tibi, pater caelestis^ 
quia abscondisti baec a sapientibus et a pradentibns et revelasti 
parvulis ^). (Mt 27. Lc 22) [AUes ist mir vom Vater tibergeben]. 
Nemo novit patrem, nisi filius, et nemo novit filiam nisi pater"). 
(Mt 28) Venite ad me, qui laboratis (et onerati estis) et qui 
habetis graves afflictiones, et ego reficiam vos *). [(Mt 29) Dis- 
cite a me, quia mitis sam et hnmilis corde, et invenietis reqaiem 
animabns vestris ^^)\. [(30) Hebt auf mein Jocb anf each, denn 
mein Jocb ist leicbt and lieblicb ^')]. . . (Lc 14, 26. 28) Qai 
non odit animam saam, non potest mens esse discipulas. . . Qais 
est ex vobis, qai volens tarrim aedificare non prias sedet et 
compatat samptas eias etc. ^^). 

1) £ 160. septuaginta duos mit Sc, doctr. Addaei ed. Phillips p. 5 
(^einer der 72 Apostel) , doctr. apost. Curat, anc. docum. p. 34 , Glem. 
recogD. I, 40 ed. Gersdorf p. 24; dial. c. Marc. (Orig. ed. Delaruel, 806) ; 
codd. Gr. B D Itala (die meisten Has.) Valg. , septuaginta P HI codd. 
gr. fi< A C etc. Das septuaginta £ 287 (im Anbang) mag auf Rechnung 
des armen. Uebersetzers kommen. ~ 2) £ 115 s. oben § 24 Note 1, 
hier wie dort als Text der Auslegong zu Grunde gelegt Der zur £r- 
klSrung auch hier verwendete Spruch Mt 10, 8 kann hier nicht noeh 
einmal in T gestanden haben. — 3) Dass zwischen Lc 10, 1 u. 18 keine 
langere Rede gestanden, zeigt schon der rasche Uebergang £ 115: qui 
quasi de caelo cecidit etc. noch dentlicher £ 116: postquam homines 
viles uncti sunt et legationem se mittentis acceperunt et cum signis inso- 
litis ad tollendos morbos et dolores et alia tristia mala emissi sunt^ 
siibiungitur , Satanam a prindpatu suo subito cecidisse ut fuimen de 
nube, — 4) £ 116. Dasselbe abgekttrzt A 131, 3: Siehe ich gebe euch VoU- 
machtf dass ihr niedertretet die Macht des Feindes (A^ p. 230 virtutes 
inimid). A 104 extr. frei verwendet: Lasst uns empfangen von dem 
Herm Vollmacht, dass wir niedertreten Schlangen und Scorpionen. Keine 
Abweichung von Sc P ausser der bei so freier Anftihrung gleichgiltigen 



— 149 — 

liTDi^in A 134, 4 cf. 104 letzte Z. statt y^'^'^ ]nnn 8c, y'^^'i iiiT^nrt 
P UDd Ephr. ed. Overbeck p. 95, 13. — 5) E 206. — 6) £ 216 boU 
wSrtlicbes Citat boid. E will dadurch beweisen, dass tempus und mamen' 
turn wesentlich gleichbedeutend sei. Also hatte T Mt 25 iy ixilv^ rtf 
xaiQip and Lc 21 iv avry r^ Sqi^ so zasammeDgestellt. — 7) £ 116 aq. 
Hinter ccuilestis ist eingeschaltet: inGr<ieco dixit: gratias ago tibiy deus 
pater, domine caeli et terrae. So heiast's aber nicbt nor in Or, sondern 
anch in Sc P bei beiden Evangelisten. Die demnach sicbere Verein- 
facbang des Textea in T ISsst sicb Bonst bo nicbt nacbweisen. Ob an 
Mt 26. Lc 21b eine Anspielang £ 117: Voluit et cognittis est deus ex 
sua voluntate. — 8) Die dentacben Worte aus A 123, 5; 200, 3 nur 
Boweit, w5rtlich mit Sc P an beiden Stellen. Daa Lateiniache £117 
einmal balb, dann ganz, and ebenso £ 216. LetatereB Cirat darum wich- 
tig, well es £ 117 so scbeinen- k5nnte , als ob nur ndie LSaterer des hi. 
Geistefl" den Sprach bo citirten. Es ist vielmehr der Text von T, wo- 
gegen Sc P HI mit fast alien erhaltenen griecb. and lat. Hbb. die SStse 
umkehren. Mit T stimmen Joatin. apol. 63 (zweimal ed. Otto p. 172 D« 
174 B); dial. o. Tryph. 100 p. 365 D; die Markosier bei Iren. I, 20, 3 
(Hanrey I, 180 griech. and lat.), dieselben wabrscheinlich aach Iren. 
IVi 6, 1 (Harv. II, 158: Hi autem, qui peritiores apostolis volunt esse^ 
sicdescribunt: nemo cognovit patrem, nisifilius, nee filiumetc,). Dieselbe 
Ordnang acheint IrenSus Belbst II, 6, 1 (Harv. II, 263) ; IV, 6, 3 (Harv. 
II, 159 bat bier gegen die Hbb. der lateiniacben Version and das syrische 
Fragment XV p. 443 den Text geltndert) sich anzueignen trotz seinea 
nacbdrttcklichen Protestes gegen diese hSretische Aenderang in IV, 6, 1 
(Harvey II, 158) and der entsprechenden Anflibrang des textas receptas 
in IV, 6, 1 (p. 158) and IV, 6, 7 (p. 161 sq.). Ea ist also wohl anza- 
nehmen, dass er n, 6, 1 and IV, 6, 3 — an der ersteren Stelle ist's obne- 
hin daa WahrBcbeinliohere — ex concessis argamentirt, den Text der 
Gegner za Grande legt. Die von Iren. gertigte Umstellang mass sicb 
aoch bei andem HSretikem gefanden baben, so bei den Marcioniten 
(Dial. c. Marc I Delarae I, 817 D; Tert. adv. Marc. IV, 25 Oehler II, 227 
oben), in Clem. bom. XVII, 4; XVIII, 4 a. 13 (zweimal) and 20 (also 
ftlnfmal); vielleicbt aacb bei Tertallian selbst (adv. Marc 11,27: commune 
testabitur evangelium, dicente Christo : Nemo cognovit patrem nisi filius, 
nicbt weiter citirt), bei Eusebias, Epiphanias a. A., aoch in cod. Lat. 
VeronenaiB and cod. gr. U in Lc 10, 22. Gf. die Zasammenstellong bei 
£. Abbot, the aatborsbip of the foarth gospel. 1880 p. 94 sq., wo nur 
die Angaben Uber Irenaas and Tertallian nicht ganz deutlich Bind. — 
9) £ 117. A 319, 7: Kommet zu mir (ihr) MUden und mit Lasten Be- 
ladenen und ieh tuill euch erquicken. Daflir bat A^ p. 355: venite ad 
me, qui laboratis et fatigati estis et qui hahetis onera gravia, et ego 
reficiam vos, Hier scheint A^ die richtige LA bewsihrt zu baben, denn 
aach nach dem syr. Text A 319, 6 sq soil Jesas dies gesagt baben, als 
er sah, dass sie (die Forderangen des Gesetzes) schwer seien, Man ver- 
miflst also in dem Text, der dies beweisen soil, dsLB Wort schwerf welches 
A^ wie £ 117, and znm Beweise, dass dies nicht eineZuthat der beiden 



- 150 — 

armen. Uebersetzer desEphrISm and des Aphraates ist, auch Sc bewahrt 
hat. Anders ist's mit der nur be! den beiden Armeniern erhaltenen 
dreifachen, statt zweifachen Charakteristik der Geladenen. Es hat dies 
erstlioh A 319 and Sc gegen sich; ferner gibt E 117 eine doppelte Ueber- 
setzung von n€<poQria/divoi^ A? 335 dagegen eine doppelte von xomeSmg. 
Dazu cf. Sasse, Prolegg. in Aphraatis serm. p. 28: solet enim verbum 
archetypi simplex duohus verbis synonymis reddere von dem armen. Ueber- 
setzer des Aphr. — Als Text von T ist aber die Weglassung von nartH 
duroh E 117, A 319, A^ 335 um so sieherer bezeagt, als Sc P mit Gr 
dies haben. Wenn also £ 127 ansserhalb des Zusammenhangs citirt: 
venite ad me omnes defatigati, so ist das wieder aus dem kanonlschen 
Mt genommen. — 10) E 63. In der Anslegung der hiesigen Perikope 
ganz iibergangen, ebenso >> A 319, wo sich an Mt 28 sofort 30 an- 
schliesst. — 11) A 319, 8. In A^ 335 ist der gew3hnliche Text iugum 
enim meum suave est et onus leve wie auch Sc P. — 12) E 118. Dass 
das hier im nnmittelbaren Anschluss an diese Perikope gestanden, kann 
nach der Art der Anknttpfung nicht zweifelhaft sein. Vielleicht stand 
aach Lc 14, 25 da, worauf E 117 ext. {multi ad eum cucurrerunt) eine 
Anspielung sein k(5nnte. Das zam Text E's gehQrige etc, mag sieh bis 
Lc 14, 30 Oder 33 erstrecken. Cf. cod. Fald. 67, 4—20, auch oben 
§ 24 Note 18. Eine Anspielung an Lc 14, 28 sq. bei A 42, 12 wurde 
oben S. 81 f. bemerkt. An Lc 14, 31. 32 erinnert A 302, 15. — 

§ 30. Mt. 12, 38-45. Lq. 11, 29-32. 24-28. Mt. 12, 46-54. 

Lc. 8, 19-21. E 118-123. 

. . (Mt 38) Obcaecati homines dixerunt: Volamas a te sig- 
num videre ^). (Mt 39. Lc 11, 29) Generatio haec generatio 
mala est et adultera. SigDum qnaerit, et non dabitur ei signum 
nisi signam Jonae propbetae; (Mt 40) qaia sicnt Jonas fait in 
ventre piscis tres dies et tres noctes, ita oportet filiam bominis 
intrare in cor terrae tres dies et tres noctes^). . . (Lc 11, 31) 
Jonas post egressum Ninivitis signum malorum fuit *). (Mt 41. 
Lc 32) Viri Ninivitae. . . (Mt 42. Lc 31) Et regina austri iudi- 
cabit earn*). . . (Mt 43. Lc 11, 24) Sed ille impurus si exierit 
de bomine, transivit per loca arida . . ut inveniret requiem, sed 
non invenit ^). (Mt 44) Revertar in domum meam priorem cam 
septem sociis meis. (Mt 45. Lc 26) Yadit ille immandas, samit 
alios septem socios saos, qai sant ipso neqaiores, et veniant et 
habitant in eo, et erant bominis istias novissima peiora qaam 
priora. Ita erit et generation! haic*). . . (Lc 11, 27) Beatas 
(erit) venter, qai te portavit ^). . . (Lc 11, 28) Beati qai aadiant 
verbam dei et castodiant illad. . . (Lc 8, 20. Mt 12, 47. Mr 3, 32) 
Ecce mater taa et fratres tai qaaerant te. . . 



— 151 — 

1) £ 118. So nur Mt 12, 38, wie iiberhaupt hier Mt zn Grande 
liegt. -— 2) £ 118, Btiickweise auch £ 119, wo statt oportet . . intrare 
in cor terrae zweimal erit . . in carde terrae, so aach £ 230. Jenes 
wird also willktirliche Umgestaltung sein. Auch A 122 extr. oitirt Mt 12, 
40 einfach mrd sein. Der Znsatz Sohn des Mithai (sic) za Jonan (sic) 
wird des A eigene Zuthat sein, urn einen Gegensatz zum Sohn des 
Menschen za haben. — Die Combination von Lc 11, 29 ij ytv€a avrti 
noniQd i<niv and Mt 12, 39 yiveit novtiQa xal fioixaXlg atifuZov iin^riftil 
ist schon darch So angebahnt, der in Mt 12, 39 das avrti aas Lo 11, 29 
aafnahm gegen PGr. — 3) £119 diese and andere Bezugnahmen aaf 
die Predigt des Jonas. £ben dort das Fragment von Mt 41. Lc 32. — 
4) £ 120 cf. £phr. I, 465 a. — 5) £ 120 zweimal (einmal immundus) 
das erste Sttick, das Uebrige in freier, darch exegetisobe Bemerkangen 
anterbrochener Wiedergabe £ 121. — 6) Von revertar — generationi 
huic in banter Ordnung £ 120—122, einzelne StUcke mehrmals. RSthsel- 
haft ist mir geblieben, wie die Worte sol ocddit £ 122 als ein Textbe- 
standtheil behandelt za sein scheinen, da dock Mr 1, 32. Lc 4, 40 dem 
Zasammenhang ganz fern liegen. — 7) £ 1 22 a. 123. Der Context des 
Lc ist also iiber die mit Mt parallelen SiCtze hinaas aafgenommen. Aber 
hiermit wieder muss die sachverwandte £rzahlang aus Lc 8, 19 — 21 ver- 
banden gewesen sein, wodurch zngleich der Faden des Mt (12, 46—54) 
wieder aafgenommen warde, welcher dann aach in § 31 festgehalten 
wird. £s ist also nicht nnr die £rinnerang an einen verwandten Aus- 
spruch Jesa (Lc 8, 21 = Lc 11, 28), wodarch sich £ 122 sq. in seiner 
antimarcionitischen Polemik leiten ISsst. Dagegen spricht aach die Form 
der £lnfahrang von Lc 8, 20 (Mt 12, 47. Mr 3, 32). Vgl. mit der gan- 
zen Perikope cod. Fald. p. 61, 3-35. 

§ 31. Lc. 8, 1—14. Mt. 13, 1—53. Mr. 4, 1—34. E 123 extr. 

— 1281). 

. . . (Lc 8. 2. 3) Maria Magdalena, ex qua septem daemones 
eiecerat, et Joanna uxor Cusae, tribani Herodis, et Susanna etc. 
(Lc 8^ 5 sqq. Mt 13, 3 sqq. Mr 4, 3 sqq.) Ecce exiit, qai semi- 
navit, seminare semen; aliud cecidit (prope viam et alind cecidit) 
in petroea, et aliad cecidit inter spinas^ et alind cecidit in terram 
bonam '). . . (Mt 9. Mr 9. Lc 8) Qui habet anres audiendi, au- 
diat 3). . (Mt 19. Mr 15. Lc 12) Malum (i. e. diabolum) autem volu- 
cribus cotnparavitj quia semen rapuit ^). (Mt 20. Mr 16. Lc 13) Et 
id, ait, quod super petrosa est, . . illi sunt, qui a doctrina eius re- 
cesserunt. . . (Mt 22. Mr 18. Lc 14) Terra autem spinis consita. 
• . Dives quidam . . tristis inventus est propter suas divitias, qime 
illae spinae erant eum suffocantes. (Mt23. Mr 20. Lc 15) Terra 
autem bona et opima^) animae sunt, quae veritatem operantur 
. . trigesimus vero et sexagesimus et centesimus fructus . . . 



- 152 — 

(Mr 4, 28. 29) Ipse nescit; quod terra ex se ipsa fert frac- 
tum *). . . (Mt 27) Domine^ noDDe ta semen sementis sancti se- 
miDasti in agro tao; nnde ergo zizania^)? (Mt 28) Et respon- 
ditf hoc esse opm inimici, non autem suum. . . . (Mt 29* 30) 
Unkraut war gesdt auf dem Acker, und der Herr der Saat ge- 
stattete seinen Knechten nicM, dctss sie das Unkratd aus dem 
Waizen atisrissen bis zur Zeit der Emdte. . . (Mt 31. 32; Mr 4, 
30—32. Le 13, 18. 19) Bursas simile est regnnm grano sinapis, 
qaod est minimum omnium sementum, et si germinavit, crescit 
et fit arbor et fit mains omnibus oleribus, et veniunt volucres 
caeli et habitant in ramis eius"). . . (Mt 33. Lc 13, 20. 21) 
Iterum comparavit regnum eaelorum fermento, quod immiseetur 
farinae *). . . [(Mt 37. 38) Qui seminavit semen frumenti sancti. 
ipse est filius hominis^ et semen bonorum filii sunt regni ^®)]. . 
[fMt 44) Und er (sc. der Same) ist verborgen im Innem der 
Welt wie ein Schatz, der im Acker verborgen ist ")]... (Mt 47 sqq.) 
Burstis dicit: Simile est sagenae missae in mare et ex omni 
genere colligenti. . . Et ad sagenam accedunt, ut bonum ad 
bonum coUigant et malum foras proiciant"). 

1) Das8 dies in nSchster Nahe von § 30 Mt 12, 45. Lc 8, 26 stand, 
zeigt die AnkntipfaDg hieran in £ 120: in eodem enim loco evangelista 
dicit, mulieres ad eum venisse, quae a suis doloribus et ab illis immun- 
dis spiritibus sanatae sunt Das wird nicht so za pressen sein, dass 
obige SStze in § 30 vor Lc 11, 27 za stellen waren. Ein sachlicher 
Grand von ansreichender Kraft za einer solchen Ordnung in T wSre 
kaum za finden. Die dorch die Evangelien dargebotene Ordnang, wo- 
nach einerseits Lc 11, 27 28; Mt 12, 46 sqq. init der Rede vom Jonas- 
zeichen zusammengeh3ren, and andrerseits Lc 8, 1—4 die Einleitang za 
den Parabelreden bildet, wird aach die von T gewesen sein. — 2) E 124. 
Die Worte in Klammem sind in dem formlichen Gitat zafsLllig wegge- 
lassen ; denn gleich darauf spricht E von den vier Bodenarten and bringt 
aach die Worte quod cecidit prope viam. — 3) E 123 der ganzen Peri- 
kope vorangestellt. An Mr 4, 23 ist jedoch nicht za denken; denn dies 
Oder seine ParaUele Lc 8, 18 mit ihren Fortsetzangen sind von T der 
Bergpredigt einverleibt worden s. § 19 Note 2. Damit wird es aach za- 
sammenhSngen, dass E hier keine Spar von Mt 13, 10—17. Mr 4, 10—12. 
24. 25 zeigt. Das Wort Mt 13, 12. Mr 4, 25. Lc 8, 18 war zum Be- 
standtheil der Bergpredigt gemacht; daher blieb aach seine Umgebang 
hier fort cf. cod. Fuld. p. 70, 10—14. — 4) Diese and die folgenden 
freien Reprbdactionen E 125. — 5) E 125 extr., dann wieder E 126. 
Und dass dies Text von T war, zeigt E 124 et una ilia ultima 
(sc. pars terrae) in bonam et in pinguem distincta est. Diese Er- 
weiternng stammt aas Lc 8, 8» wo Sc gutes und Fruchte tragendes, 
P mit cod. gr. D Itala einfacher gutes und sckones, — A 42 > 13: 



- 153 — 

Er sdete in una den gtUen Samen, xlamit er Frilchte trage, eins mit 100 
und mit 60 und mit 30. Ferner A 23, 7: Gleiche jmem hebauten Lande^ 
worauf der gute Same fiel und hrachte hervor Friichte, eins mit 100 
und mit 60 und mit 30. Diese Form geht aaf Mr 20 zurOck. — 6) E t26. 
Icb babe fainter nescit starker ioterpungirt, als Mdsinger. — 7) £ 126 sq. 
Die UmschreibuDg von xalov an^Q/da^ welcbe auch za Mt 37 wieder- 
kehrt, kann icb sonst nicbt belegen. In A 152, 5 finden siob nar die 
oben im Text folgenden Satze. — 8) £ 127 in drei AbsStzen. — 9) £128 
will kein w&'rtliohes Citat setn. — 10) £ 174 in ganz fremdem ZoaaDQ- 
menbang s. aber Note 7. — 11) A 42, 14. - 12) E 128. A 152, 7: 
Au8 dem Netz, welches im Meer ausgehreitet ist, werden die Fische nuM 
eher ausgewahU^ bis es nach oben hinaufsteigt. 

§ 32. Jo, 4, 44. 45. Lc. 4, 15 (14?) — 30. Mt. 13, 53—58. 

Mr. 6, 1—6. E, 128-131 »). 

. . (Mt 13, 54. Lc 4, 15. Mr 6, 1) Ideo venit in civitatem 
suam et docait eos in synagogis eorum ^). . . (Jo 4, 45) Sas- 
cepernnt eum Qalilaei. Quia i^iderurU, quod in medio eorum 
fecit^ nemo aliquid contra eum facere ausus est^). (Lc 4, 16. 
Mr 6, 2) Post haec, ait, intravit inxta morem suam in syna- 
gogas eoram die sabbati ^). . . (IjC 23) Medice, cara te ipsnm*). . 
(Lc 24 cf. Jo 4, 44) Non est propbeta acceptus in patria (sua)*). . . 
(Lc25 — 27) Multae vidaae erant . .in domo Israel . . (Lc28) 
Ira impleti sunt . . . et assampserant eum et foras daxe;*unt 
ad praecipitium montis. . . Cum libertas mm vellet detrudere, 
aer se submittens alis mis eum smcepit ^). . . (Mr 6, 5 cf. Mt 13, 
58) Non in Nazareth sed in domo Israel virtutem aliquam fa- 
cere non poterat*). 

1) Die Zasammenstellung der Perikope ist bier aacb dadarcb er- 
sebwert, daas der rubige Fortscbritt der ErklSrang dnrcb ziemlicb leb- 
bafte Polemik gegen die Marcioniten gestdrt ist. Mosinger, dem aacb 
Hamack S. 502 fotgt, bat sich, wenn icb recbt sebe, geirrt, wenn er an- 
nabm, der g[anze Passos £ 129 Et quaenam erat consueiudo — ad iram 
eos exdtavit sei ein marcionitiscbes Fragment. Erstlicb stebt bier kein 
Marcion didt oder drgl. wie £ 122 und anderwarts. Das in Lc 4, 16 
£ 129 oben eingescbaltete ait ist nur das bei £ unendlich oft gebraachte 
q>tiaiv, dessen Subject das Evangelium oder der Evangelist ist. Auf das 
plnralische Marcionistae wird sich's nicbt bezieben. Es ist £, welcber 
den Marcioniten, deren Cbristus pl5tzlicb vom Himmel ber in der Syna- 
goge za Kapemanm (Lc 4, 31) and dann in Nazaretb (Lc 4, 16) auf- 
trat, die Frage vorbSlt, wie man da von einer Gewohnheit des Synago- 
genbesucbs babe reden kOnnen, da Jesns ja eben erst (vom Himmel ber) 
nach Galilaa gekommen sei. Soil diese Polemik vemtinftig sein, so mass 
£ wissen oder voraussetzen , dass im Ev. Marcion's Lc 4, 16 xara to 



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ei(a&os ttVTi^ stand. Das Gegentfaeil ISsst sich aber aacfa aas Tert. 
Marc. IV, 8 nicht beweisen. Feraer hSlt E den Marcioniten auf Grund 
ifares Evangeliums (cf. Tert. Marc. IV, 7 de caelo statim ad synagogam) 
Oder im Anschluss an seinen Text (Mr 6, 2 iJQSato SiddaxHv iv r jf aw- 
aytoyy) vor: nee coeperat docere extra synagogam^ sed insynagoga, and 
folgert daraas, dass Jesus allerdings, wie es sich nach dem Synagogal- 
gottesdienst von selbst versteht, fiber den Gott der Juden gepredigt habe. 
Wenn nun in Marcion's Ev. mit Uebergehung der Bezugnahmen auf Alt- 
testamentliches (Lo 4, 17-19; 25—27) und der Bezugnahme auf die 
TittTQls Jesn Lc 4, 24 nur das eine Sprichwort Lc 4, 23 stehe und daran 
unmittelbar Lc 4, 28—30 sich anschliesse, so sei der Zom der Naza- 
rethaner ganz unerklSrlich. Andrerseits sei es aber auch unberecbtigt 
anzunehmen, dass Jesus durch (anst(Jssige) Aussagen tiber den SchQpfer- 
gott ihren Zom erregt babe ; denn davon mflsste hier und sonst im Evan- 
gelium etwas gesagt sein. Gf. Tert. Marc. IV, 7: non quoniam adversus 
legem et prophetas docehat — Cum ergo nihil tale scriptura significet . . 
facilius ostendit secundum creatorem docuisse ilium, quia non negavit, 
quam adversus creatorem^ quia non significavit — c 8 : -^ tamen apud 
Nazareth quoque nihil novi notatur praedicasse, dum alio merito uniw 
proverhii eiectus refertur, — E 130 erklart sich den Zom der Naza- 
rethaner vor allem aus den bei Marcion fehlenden Satzen Lc 4, 24—27, 
und er bestlitigt hier den Text des marcionit. Evangeliums, wie ihn 
A. Hahn bei Thilo, cod. apocr. 404 sq. reconstruirt hat, ausgenommen 
das xattt to iitod-og avrt^ Lc 4, 16, das nicht gefehlt hat. — Es ist 
ebenso undenkbar, dass Marcion oder Marcioniten, als dassEphrSm, wie 
es nach £ 129 scheint, einmal Bethsaida statt Nazareth gelesen haben 
sollten. Es muss der armen. Uebersetzer ein 2<niDl3!D n*^!! (Lc 22, 66 
Sc P, Lc 7, 5 P) = cfwaymy^ mit K'T'^ n'^li verwechselt haben. Noch 
einfacher wttrde sich der Irrthum erklSren, wenn EphrSm in freier Wie- 
dergabe des Textes die Synagoge fi^nii^ T\'^'n. genannt hStte, wie die 
Chronik von Edessa (Assem. B. Or. I, 401) von einer 8ynagoge zu 
Edessa, welche Bischof Rabbula zu einer Stephanskirche umbante, sagt: 

N'^mii'^n Nnnia n-n anpnb 173 Nirt •^mn'^N^. — 2) E 128. Das zum 
Text geh5rige ideo weist vielleicht darauf bin, dass Jo 4, 44 voranging. 
Dass Jo 4, 45 diesem Znsammenhang angehSrte, kann nach E 130 nicht 
zweifelhaft sein. Also muss T das Eommen in die narqig mit der dort 
berichteten Reise nach GalilSa combinirt oder vielmehr durch dorther 
entlehnte Worte eingeleitet haben. Damit hSngt es zusammen, dass 
£ 130. 128 beharrlich und mit polemischem Nachdruck behanptet, unter 
der naxQCg sei nicht Nazareth, sondern das gauze Land und Volk der 
Juden zu verstehen. Das war nach Mt 13, 54. Mr 6, 1. Lc 4, 16 un- 
mdglich. Es war freilich auch unmQglich, wenn T (geschmacklos genug) 
mitten in die Schilderung der galilSischen Wirksamkeit den Bericht tiber 
die Reise von Samaria nach GalilSa ^eingeschoben hICtte; denn dann 
wiire Galilaa und nicht das ganze Land Israels die natQCg gewesen. 
Also wird T nur Jo. 4, 44 der ErzShlung vom Besuch Nazareths voran- 
gestellt und durch ideo mit einem aus Mt 13, 54. Mr 6, 1. Lc 4, 15 zu- 



- 155 — 

sammengesachten Satz verbanden haben. Das war dann ein allgemeiner, 
im Sinn Va wahrscheinlich auf die ganze galil. Wirkaamkeit Jesu be- 
ztiglicher Satz, worauf dann der Besuch Nazaretbs aU ein besonders be- 
zeicbnendes Beispiel folgte. Aber E's Auffassung war aaf Grand von 
T'8 Text mSglicb. — 3) E 130. Auch die cursiv gedrackten Worte 
werden auf Jo 4, 45 zuriiokgebn. Dankel in jeder Hinsicht sind die bei 
E folgenden Worte: quoniam haec prima aanatio erat etc. Sie kdnnen 
sich nicht auf Jo 4, 46—54 bezieben (s. § 20 N. 1), auch wenn eine 
Spur von dieser Erzahlung bier sioh fSnde; denn wieviele galilSiscbe 
Heilnngswunder waren seit § 20 scbon bericbtet! — 4) E 129« Der un- 
passende Plural synagogas, welcber sich ebenso unpassend in So P 
Mt 13, 54 findet, ist bier mecbaniscbe Wiederbolung aus dem ersten Satz 
der Perikope = Lc 4, 15. ~ 5} E 129 als marcionitiscber Text, E 130 
als Text von T ebenso. — 6) E 129, etwas anders gestellt and mit sua 
E 130. Der ganz nacb Lc 4, 24 gegebene Spruch schliesst die Annahme 
(Note 2) nicbt aus, dass vorber Jo 4, 44 stand. — 7) Alles aus E 130. 
Dazu noch E 212 nee Nazaraei, cum de monte eum praecipitarent, vita 
earn privaverunt Cf. A 42, 15 : Und er zeigte die Kraft seiner Majestat^ 
als er von der Hohe zur Tiefe herahgesturzt wurde und nicht verletzt 
wurde, S. noch carm. Nisib. 35, 16. — 8) E 130 extr. nacb Mr 6, 5, 
aber auch Mt 13, 58 scbeint beriicksichtigt zu sein. E 130 vorber: 
propter eorum incredulitatem eos sanare non potuit, 

§ 33. Mt. 14, 1—12. Mr. 6, 14—29. E 131 sq. 

(Mt 6 sq. Mr 21—23) Et dicunt saltarUe filia Herodiadis 
Herodem et Herodtadem insidias excogitasse , vt ilia (1. ille) 
iuraret et ille (1. ilia) postularet. (Mt 8. Mr 24 sq.) Jube af- 
ferri capat Joannis baptistae. . . (Mt 11. Mr 28) Ecce captU, 
quod sicut lucema super discum positum erat^). . 

1) Auch an Mt 14, 3. 4. Mr 6, 17. 18 findet sich in der sehr kurzen 
Besprechung eine Anspielung E 132 adulterium arguit homicidarum, 

§ 34. Jo. 6, 1-21. Mt. 14, 13—33. Mr. 6, 30—53. Lc. 9, 

10-17. E 132—136 >). 

. . . (Jo 6, 4) In tempore enim festi azymorum fecit do- 
minus signum in panibm 2). . . [(Mt 14, 15—21) Und er sat- 
tigte die Hungrigen, die ermudet waren y von funf Broden und 
ztvei Fischen 5000 Manner ohne die Kinder und die Weiber, 
und zeigte die Ghrbsse seiner Herrlichkeif], (Jo 12) Colligite 
fragments coenae, ne quid ex eis pereat'j. . . (Jo 13. Mt 20. 
Mr 43. Lc 17) duodedm cophinorum fragmentis*). . . (Jo 14) 
Vere hie est prophets, de qao dictam est, earn venturam esse 
in mandam *). . . (Jo 15—17. Mt 22 sq. Mr 45 sq.) Et cum 
ad vesperam esset dies, surrexerunt discipuli et ascenderunt na- 



- 156 — 

veniy lit iretU in Caphamaum, Dominm autem ascendU in man" 
tern, ut solus oraref). . . (Mt 24—26. Mr 47—49. Jo 18 sq.) 
Cum igitur in 7iavi seder ent et vento in ea agitarentur, et mare 
contra eos commotum insurgeret, venit dominies eisque apparuit; 
ipsi autem opinabantur spectrum esse, quod eis apparuit ''), . . 
(Jo 20. Mt 27. Mr 50) Ego sum, nolite timere »). . . (Mt 28-31) 
Simon autem . . . respondit et dixit. . . . Et cum descenderet, 
ut in mari ambularet et coepisset mergi^ Christum non negavit; 
nam Christus ei non dixit „sinefide", sed „modicae fidei"^). . . 
(Mt 32. Mr 51) Gam yenisset domioas et com Petro navem 
ascendisset , ventas cessavit et qaievit. . . (Mt 33) YenieDtes 
accesserant ad dominam et coepemnt earn adorare et dicere: 
vere filins dei es tn ^®). 

1) Die znmal im Anfang ausflihrlicfae bomiletische Behandlung lasst 
es nor zu wenigen fcJrmlichen Gitaten kommen, unci es bleibt mehrmals 
zweifelhafb, was wSrtlicfae Anflifarung sein soil. — 2) E 135 in. Das 
Folgende aus A 42, 17—19. Gf. aach A 124, 8: ^« sdHiffte unser Er- 
loser von wenig Brad 5000 Manner ohne die Kinder und die Wether, 
— 3) E 134. Den Zusatz von So in Jo 6, 12 (^72:»b = its to nnvuXis 
So PLC 13, 11) hat E nicht. — 4) E 133. — 5) E 134. Sc P gehen ganz 
mit Or. — 6) E 134. VIelleicht ist diese Teztinischang {[lovog ^us Jo 15, 
sU KttffttQvaovfA Jo 17, im Ubrlgen mehr Mt Mr) T's Werk. — 7) E134. 
Von dieser Gompilation gilt dasselbe wie von der vorigen. — in navi 
sederent mag zuriickgebn aaf Sc Jo 16 sq.: Ale es aber Abend wurde, 
ging er und seine JUnger zum Meer hinab, und sie sassen (oder setzten 
sick) im Schiff und fuhren uber das Meer von Kaphamaum, — 8) E 135. 
Da ^agaeZ-ii fehlte, wird Jo 20 zu Grunde liegen, wo allerdings Sc aucb 
das /uiy q>ofiit&i >. — 9) E 135 sq. A 21, 10: Als der Herr auf den 
Wogen des Meeres ging, wandeUe auch Simon durch seinen Glauben 
mit ihm; und ah er uber seinen Glauben zweifelte und anfing zu sin- 
ken, nannte ihn der Herr „Kleingldubiger'^, Dies Nn'i:72''n ^lyi aucb 
in P, dagegen Sc Nmra'^n l^on, HStte E letzteres in T gQfunden, 
bStte er kaum so bestimmt oXiyomau gegentiber von aniare betonen 
k^nnen. Auffallend ist, dass Petrus in dieser Erzlihlung nach P Kepha 
(=r mrgog Gr), nach A E (dieser daneben auch Petrus) Simon ^ nach 
Sc Simon Kepha heisst. — 10) E 136. Diese letzten SStze scheinen 
wortliche Gitate zu sein. 

§ 35. Jo 6, 22 (Oder 24) —71. E 136 sq. 

. . (Jo 30) Qaod signam facia, at videamus et credamns 
in te^). . (31) Patres nostri manduearaDt Manna in desertO; at 
et Bcriptam est: „panem eaeli dedit eis mandncandnm^ '). . . 
(32) Moysi non perfectum Manna datum est^). . [(38) Non veni 
facere volantatem meam, sed volantatem eias, qui misit me*)]. 



- 157 — 

. . • (^) Nemo potest ad me venire , nisi pater, qni misit me, 
trahet enm ad ipsam ^). . . (50) Hie est panis, qai descendit de 
caelo. Si qnis ex eo mandacabit, nnm et morietar*)? (51) Omnis 
qai mandacat ex hoc pane, vivet in aetemom ^). . . [(53) Nisi 
mandacaveritis carnem eitis et biberitis sangninem, non est vobis 
vita®). . . (55) Caro mea cibus*). . . (60) Durum est verbum 
tuum ; quis potest id audire ^® j ? . . . (67) Et cum iraii murmura- 
rent J ad duodeeim dixit: num et vos vultis abire? (68) Et 
respondit ei Simon: nos credidimus et cognovimus '^). . . (70) 
Dixit: anus ex vobis diabolus est, nomen Judae adhuc celans ^^)]. 

i) in te: BO aucb Sc P HI, aoi Gr. — 2) Weder et hinter ut, nocb 
caeli statt ex caelo findet sich in Sc P HI. — 3) E 137 darf wohl als 
Anspielnng gelten. — 4) G 234. Auf Jo 5, 30 wird das nicht zoriick- 
gehn. — 5) E 137. Statt ad ipsum hat die andere Hs. ad me, beides 
ohne BestSdgUDg in Sc P HI. — 6) num et morietur? ist vor der LA 
der andem Hb. non morietur in bevorzngen. Jene geht vielleicfat auf 
Sc zurtick, wo die Negation ausgefallen, dafaer dann Frageform erfor- 
derlieh schien. — - 7) eo? hoc pane mit Sc P HI and den meisten 6r 
gegen fit and mancfae Lateiner. — 8) E 58 cf E 245: si quis carnem 
meam non sumpserit, vitam non habet — 9) E 37. — 10) E 125. 
tuum sonst unbezeagt. — 11) £ 58 im Anschluss an das Citat ans 
Jo 6, 53. - 12) E 206. 

§ 36. Mt. 15, 1-20. Mr. 7, 1—23. E 137 sq. 

. . . (Mt 44 sq. Mr 10 sq.) Dens dixit: bonora patrem tuum 
et matrem tuam, (et) qui maledicit patri suo aut matri suae, 
morte moriatur, et qui blasphemat deum, erucifigatur. Et vos 
dicitis unieuique patrum vestrornm et matrumvestrarum: agedum, 
munus est quodcunque a me, utilitatem eapies^). [(Mtll) Nieht 
das, was in den Menschen eingeht, verunreinigt ihn, sondern 
das, was aus dem Munde herausgeht, das verunreinigt ibn ')]. . . 
(Mt 13) Omnis plantatio, quam non plantavit pater mens cae- 
lestis, radicitus evelletur »). [(Mt 17—20. Mr 18—23) Im Herzen 
sind die b(5sen Gedanken^ und diese b(5sen Qedanken die im 
Herzen sind, die verunreinigen den Menschen , und nicbt die 
Speisen, weil die Speisen in den Baucb gehen und von dort in 
den Abtritt hinausgeworfen werden^)]. 

1) E 137. 138 80 aaseinander gerissen, dass et vos dicitis sich un- 
mittelbar an matrem tuam anschliesst, nachdem das Dazwischenliegende 
vorher selbst^ndig citirt war. Das et vor qui maledicit habe ich ergiinzt. 
Der apokryphe Zosatz et qui blasphemat etc muss von E vorgefunden 
sein, da er eben zu dieser Parallelisirung der Pietat gegen die Eltern 



— 158 - 

and gegenGott seine exeget. Bemerknng macfat. — dicitis unicuique etc. 
Diese starke Abweichung wesentiich aach in Sc: Ihr aher sprecht, etn 
Jeder zu seinem Voter und zu seiner Mutter, — agedutn sonst uubezeugt. — 
munus — copies : dagegen Sc mein Opfer, du sollst von mir Nutzen 
jMben'j P mein Opfer ist das, wodurch du van mir Nutzen haben wirst, 

— 2) A 46^ 7; 306, 11. An letzterer Stelle: aus dem Menschen statt 
atM dem Munde; dagegen die Wortstellung genauer als A 46. — 3) £ 138. 

— 4) A 307, 7 al8 Wort Jesa an die Pharisaer. Vgi. mit dem von aller 
Tradition (anch von Sc) abweichenden Eingang = Mt 19. Mr 21 das 
beilSafige Gitat E 63: in corde, ait, omnes cogitationes malitiae sunt, 
A^ 321 bat wenigstens einmal diese LA Ps trea wiedergegeben : incorde 
fiunt cogitationes malitiae, et mala ilia quae exeunt ex corde etc. 

§ 37. Mt. 15, 21-28. Mr. 7, 24—30. E ^138 sq. 

. . (Mr 26) Syrophoenissa *). . (Mt 22. sq.) Malier clamavit 
et secQta est earn, dieens: miserere mei. Ipse antem nallam 
responsum ei dedit'). . (Mt26. Mr 27) Non est boDaniy snmere 
panem filiornm et proiicere eanibas'). . . (Mt 27. Mr 28) Sane, 
domine, et eanes de micis mensae domini sai edant ^). . . (Mt 28) 
Dieo tibi, malier, magna est fides tua*). 

1) E 18, aucb schon E 131 mebrmals. Daneben weist wjiXavavala 
Mt 22 die AasfUhrung tiber Chananaei and Israel E 139. So nennt sie 
aach A 42, 20. — 2) E 138. Der Aasfall des uvqh^ vlk JafilS gegen 
alle sonstige Ueberlieferang ist wenigstens za bemerken s. oben S. 71.— 
et secuta est eum scbeint aas Mt 23 eingeflossen za sein, wo Sc . . 
sie schreit und kommt hinter uns, gew5hnliche Uebersetzang von xal 
dxolov^il rifuv, P genaa nach 6r. — 3) E 139. Eine freie Anspielang 
daran A 149, 13. — 4) E 138. 139 in zwei StUcken and amgekehrter 
Ordnang. Der Singular domini sui sonst anbezeagt. Den Zusatz von 
Sc P Evangel, hierosol.: und leben scbeint E nichi in T gefunden zo 
haben. — 5) E 139. dico tibi sonst anbezeagt. — Die Grenze der Peri- 
kope ISsst sich am so weniger bestimmen, ala E 139 sq. eine ganze 
Seite lang sich Uber die Eananiier za Josua's and za Jesa Zeit ergiesst 
and dann pl5tzlich bei Jo 4, 6 steht. Es ist mSglich, dass der Text 
aach Mt 15, 29—31 oder Mr 31— 37 omfasste. Letzteres wird darch cod. 
Fald. 79, 16—80, 4 zwar nicht bewiesen, aber im Zusammenhalt mit dem 
oben S. 82 aas Aphraates Bemerkten wahrscheinlich gemacht. 

§ 38. Jo. 4, 4—42. E 140—143. 

. . (6) Dominm noster quasi venator ad ptUeum venit '). . . 
(8) Disdpulos a se dimoverat, ne ipsius praedam depellerent ^). 
(7) Da mihi bibere aqaam'). (9) Dicit ei malier: ecee ta Ja- 
daens es^). (10) Dieit ei: si seires earn, qai dixit tibi: da mihi 
de aqaa ista ad bibeodam, ta petiisses ab eo^). . . (11) Dicit 



- 159 — 

ad earn mnlier: tibi non est si tola, et patens profaodas est. • . 
(?)Dic]t ei: mea aqna e caelo descendit. (14) Qui bibit ex hae 
aqaa^ qaam ego ei dabo, non sitiet in aeternam. (15) Dicit ad 
earn mnlier: doinine, da mihi ex ista aqna, ne sitiam nee alia 
vice ad bnnc pntenm veniam, nt ex eo aqnam hanriam. (16) Dieit 
ei: vade, voca ad me virnm tnnm*). . . (18) Qninqne vires 
eommntasti, et qnem nnne habes, non est vir tnns. (19) Dixit 
ei mnlier : domine, mihi yidetnr te esse prophetam ''). (20) Patres 
nostri in hoe monte adoravernnt. . Vos dicitis : in Jernsalem tan- 
tnm est locns adorationis *). . (21. 23) Respondit ei: profecto, 
dieo tibi, nee in hoe monte, nee in Jernsalem adorabnnt, sed 
veri adoratores adorabnnt patrem in spiritn et veritate *). (25) 
Dieit mnlier: ecce Cbristos venit, et si venerit, omnia nobis 
dabit. (26) Dicit ei: ego sum, qni loqnor tecum ^®). . . (27) 
Admirati sunt, quod cnm muliere loqnebatnr '')• • [(36) Der 
SSende and der Erndtende werden sicb znsammen frenen ^^)]. . . 
(42) Propterea mnlieri dixernnt: non postmodnm propter verba 
tna credimns in enm, sed quia audivimns nos doctrinam eins et 
vidimus opera eius, quia deus est, et cognovimus, eum profecto 
esse Christum verum^'). 

1) E 140. Das Sitzen am Bmnnen auch carm. Nis. 35, 16. Die 
SStze Jo 4, 1—3 gehb'ren zu § 13. S. die dortige Vorbemerkung. — 
2) £ 140 stellt diese Wiedergabe von v. 8 in so engen Zasammenhang 
mit seiner Wiedergabe von v. 6, and citirt nacfaher v. 7 u. 9 so ohne 
alie Andeutung einer Unterbrechang, dass man behaapten darf , in T 
stand V. 8 vor v. 7. Das wird bestStigt durch So, wo auch v. 9 un- 
mittelbar auf v. 7 und v. 8 in v. 6 zwischen inl rj miyy and S^a ijv 
tis Ixri} eingescfaoben ist, and zwar so, dass die Zettangabe nar mit einer 
WiederaafiDahme des durch die Parenthese abgebrochenen Satzes ver- 
bnnden ist: Und als Jesus sass, war es etwa 6 Uhr; und es ham ein 
Weib etc. — 3) E 140 einmal nur soweit, dann mit v. 9 verbunden s. 
vorige Note. — aquatn mit Sc P gegen 6r HL — 4) £ 140 in wesent- 
licher Uebereinstimmung mit Sc {8iehe ein Jude hist du. Wie bittest du 
mich um Wasser zum Trinken?) and cod. gr. D (av i'ovdaiog tav nmg 
naff ifjiov mtv amig yvvaixog aufJMQmSvg') cf. Vercell. Veron. Ck>rbei. 
Da VercelL Veron. und D, auch fit (erste Hand) die Worte ov yaq 
avyx^avtat *IovSaioi. Zafun^lraig nicht haben, Sc dagegen wohi, so bleibt 
es zweifelhaft, ob sie in T standen. Das Schweigen des jedenfalls ab- 
kUrzenden £ beweist nicbts. — 5) 8i scires schon E 140, sodannE 141 
sosammenbangend bis e caelo descendit Die Auslassungen (v. 10 r^y 
dmQikv Tov d-eov . . . xal UStoxiv av aoi vSm^ (cuiy, v. 11 ndS-ev ?/£«; 
TV vdtoQ tl ffiv, V. 12. 13 ganz) sind sonst nicht bezeagt and wohl 
gleicbgfiltige AbkUrzungen des Commentators. Aber der apokryphe Schlnsa 



- 160 - 

muss in T i^Btanden haben. Gerade an ihn hSngt sicfa die exegetische 
Bemerkung: doctrina nempe est rerum sublirhium, pottis caelestiSj ex quo 
qui bibunt, amplius non sitiunt — 6) E 141. Das ad me = "^b in Sc. — 

7) E 141 V. 18. 19 zasammenhangend. cammutasti sonst nioht bezeugt. — 

8) Bis adoraverunt E 142 extr., das Uebrige E 143 in., dort aber daran 
angescfalossen et patres nostri etc. — 9) Am voUstSndigsten E 143, wo 
aber statt in spiritu et veritate, was schon E 141 als Text gegeben ist, 
steht per apiritutn sanctum in veritaie. Ein Stilck aach noch E 142 extr. 

— 10) E 141 ▼. 25. 26 ohne Unterbrechang. Ecce und dabit kann ich 
sonst nicht nachweisen. — 11) E 140 vorweggenommen ^ 12) A453, 11 
ganz mit Sc P. — 13) E 142. Die meisten Abweichungen werden aaf 
E's Rechnung zu setzen sein; doch ist es auffKUig, dass der Ck>mmentar 
schon vorher von Wanderthaten spricht, die Jesus in Samaria verrichtet 
baben soil. — Ungewiss oder yielmehr sehr unwahrscheinlioh ist, dass 
auch noob y. 43 in T gestanden babe (s. § 32 Note 2). 

§ 39. Mt. 8, 2—4. Mr. 1, 40—45. Lc. 5, 12—14. E 143-145. 

(Mt 2) Si vis, domine; potes me sanare (mandare) >). (Mt 3) 
Et extendit maDQm. . . (Mt 4. Mr 44. Lc 14) Ne cai dicas. . . 
Vade, ostende te ipsum sacerdotibus et offer manas pro pari- 
ficatione taa, sicat praecepit vobis Moyses, propter testimoniam 
eoram '). 

1) E 143 domine, E 144 einmal vor si vis, dreimal ^ £ 144. 145. — 
sanare E 143, mundare E 144. 145 — 2) Ne cui dicas E 144. — vade 

— ipsum E 143, mit folgendem sacerdotibus E 144 (od sacerdotes E 145 
zweimal, diesen Plural auch Sc P in Mt, P in Mr Lc). — et offer — tua 
E 144, dafUr ebendort einmal et legem imple^ quam spemis, — Das 
propter test e. £ 145 in tibrigens abgekttrztem Gitat. 

§ 40. Jo. 5. E 145—152. 

(5 — 7) Fait ibi vir quidam, cai trigiota octo anni erant 
infirmitatis snae. Dicit ad earn dominas: vis, at sanos fias? 
Dicit ad earn infirmas: adiator non est mihi, ot si moventar 
aqnae, me demittat, et dam ego tardas me moveo, iam alias 
ante me descendit ^). (8) Surge, toUe grabbatum tnam et vade 
in domnm taam'). . . (11) Is qai me sanavit, dixit mihi: sarge; 
toUe lectam taam et vade'j. (12) Dicont ei: qais dixit tibi: 
telle lectam tnam? (13) Dixit: nescio^); quia Jesus, cam mol- 
titadinem popali videret, declinavit ab illo loco. (14) Et post 
aliqood tempas vidit earn et dixit ei: en sanus factas es, exinde 
noli peccare, ne alio qaodam tibi opas sit'). (15) Et tunc homo 
abiit et Jadaeis narravit: qaod Jesas erat ille, qai me sanavit*). . . 
(17) Pater mens usque hodie opus operatur; ideo et ego 



- 161 — 

operor^). (18) Jadaei itaqae propterea perseqaebaotar 8aka- 
toreni; qaia non solam die sabbati sanabat, sed etiam qaia patrem 
saum dicebat deam, et se jpsam deo aeqaalem faciebat*). . . . 
(22) Pater nemiDem iadieat, sed omne iadieiam in manas filii 
sui dedit (dabit) •). . . [(25 of. 28. 29) Es kommt die Stande, 
aaeh jetzt ist sie, da aach die Todten werden hdren die Stimme 
des Menschensohnes and werden leben nnd werden hervorgehn 
ans ihren Gr^bern ^®).] (26) Sieat pater vitam habet in semet- 
ipso, ita et filio dedit ^^J, (27) Dedit ei potestatem, at iadieiam 
faciat filias hominis^^). . . (34) Necab hominibas samo aliqaod 
testimoniam ^^). • • (35) Hie est lacema; qaae laeebat. . . . 
(36) quia habeo testimoniam qaod mains est qnam Joannis . .; 
ipsa opera, qaae facio, de me testantar^^). . . [(43) Si alias 
veniet in nomine sao, baie eredetis *')]. . « (45) Moyses ipse 
est accasator vester. . . (46) Moyses de me scripsif ). 

1) E 145 bis demittat; E 146 non est mihi — descendit — E wesent- 
llch mit Gr tQiaxovra xal oxrcn llrri l/oiv iy r^ da^EVilq adrov^ dagegen 
A 43, 5 and Sc: welcher 38 Jahre krank war, P welcher 38 Jahre in 
seiner Erankheit war. — infirmus mit P Gr, ]> Sc. — adiutor zweimal 
E 145. 146, dagegen E 147 dixerat enim: non habeo aliquem, — Das an 
alien drei Stellen fehlende xvQte steht in Sc, val xvqu in P. — Die Inter- 
polation V. 3 b, 4, welcfae P gegen die altesten gr. codd. and gegen Sc 
anfgenommen hat, scheint E nicht za kennen. Die mir rathselhaften 
Worte E 146 : si enim credunt (Jadaei) per aquam Siloe angelum sanasse 
infirmum, quanto magis credant oportet, angelorum dominum per baptis- 
mum ab omni macula purificare kdnnen sich docfa wohl nicht auf diese 
Heilang beziehen, aach nicht auf die in Jo 9, welche E 148 mit der 
hiesigen vergleicht. Von diesem 38jShrigen sagt E 146 opinabatur so- 
lam aquam ipsum iuvare, was nicht einen Gegensatz za dem das Wasser 
bewegenden Engel, sondern za dem durch*s Wort heilenden Jesas bildet. 

— 2) E 146 dreimal, and zwar zweimal sta in pedibus statt surge, nar 
einmal -f in domum tuam, ahnlich Sc wandele und gehe in dein Haus. 

— 3) E 147. Daraaf abgektirzt dicunt ei: quis est iste, was vorher 
E 147 laatet quis praecepit tibi, toller e lectum tuum super te, Shnlich 
E 146 ohne tuum nnd mit dem Zasatz die sabbati. Die abgektirzte 
Wiedergabe in directer Bede ans E 147 habe ich aus der ersten, gleich- 
falls directen Anfahrang E 146 erganzt. — 4) E 147. Ob diese sonst 
nnbezeagte LA (oux oJia statt ovx y^et) aus Erinnernng an Jo 9, 12 
Oder durch Fehler des armen. Uebersetzers entstanden ist? — 5) E 147. 
Das sonst unbezeugte ne alio quodam tibi opus sit wird als Text T's 
vorausgesetzt aach in der angeschlossenen Erlauterung dixerat enim: non 
habeo aliquem. Der Text von Sc {dass dir nichts zustosse was schlim- 
mer ist als das Fruher€) and P {dass dir nicht geschehe etwas, was etc.) 
koimte weder von E so misverstanden, noeh yon einem noch alteren syr. 

Zfthn, Forschungen I. j[]^ 



— 162 — 

Scfareiber so entstellt werden. Es muss eine griech. Yariante tvcc (i^ 
XQ^^ot <foi Tivog (statt x^'Q*^'^ ^^^ ^0 y^vvj^i' zu Grande liegen. — 
6) £ 147. me. statt avroV mit Sc, cod. gr. D und einigen anderen gr. nnd 
lat. Zeugen gegen P und die meisten Griechen. — 7) E 147, gleich 
daranf ohne usque hodie and ohne ideo, aber beides wieder E 148, wo 
dagegen opus ^. Es liegt Sc za Grande: mein Vater wirkt his jetzt 
Werke, darum auch ich wirhe, Dagegen P mit Gr. — 8) E 147. Das 
auch E 148 in gleicher Verbindang wiederkebrende persequebantur mag 
freie EriDnerung an v. 16 sein. Eben daher die sahbati sanabat statt 
^Xv€v TO acc^fiaToy, Vielleicht batte aach T so zusammengezogen. — 
patrem suum cf. Gr, dagegen So: sondern weil er Gott (deam) y,meinen 
Vater*^ genannt hatte, P sondei*n auch weil er von Gott gesagt hatte, 
doss er sein Vater seL — 9) E 151. A 123, 6; 276, 12: Ber Vater 
wird Niemand richten, sondern das game Gericht seinem Sohne geben. 
An der zweiten Stelle hat eine Hs* dem Sohne, aber A^ 429 bestatigt 
ebenso wie A^ 222 die andre LA, welche somit ftir A 123, 6 die allein 
and ftir A 276, 12 die besser bezeugte ist. A stimmt darnach genaa 
mit Sc ; dagegen P wesentlich mit Gr : denn der Vater richtete (NlSl . . . 
•jK^) Niemand f sondern das game Gericht hat er dem Sohn gegeben. 
Ebenso Ephr. I, 446 b and im Evangeliencommentar selbst p. 213 in 
beilaafiger Anftihrang, nur statt "jN*! . , Kin einfach i^*!. — Wenn E 151 
im Tempas mit P Gr gegen A Sc zu stimmen scheint, so wird das dem 
armen. Uebersetzer zuzuschreiben sein; aach der des Aphraates hat sich 
A^ 222. 429 diese Abweichung von seinem syr. Original eriaabt. Da- 
gegen ist das suo (sui) des T darch alle Hande unversebrt hindarch- 
gegangen. — 10) A 156, 7, wesentlich so A 167, 5, wo nar > auch 
jetzt ist sie and und werden lebendig werden. Das auth vor die Todten 
mit Sc gegen P Gr. — des Menschensohnes mit codd. gr. E S 77, der 
Randlesart von HI, aach Evang. hieros. , gegen Sc P and die meisten 
Griechen. — 11) E 149. Wenn E 150 erst eigens gesagt wird ita etiam 
de filio intellige, ut de patre, quod nempe vitam habet in persona sua, 
and dann dieses dedit neben das folgende dedit potestatem als Ans- 
legangsobject gestellt wird, so kann in T das C<^^v ex^iv iv iavrtll nicht 
wohl gestanden haben. — 12) E 150. Diese aaffallende LA setztjeden- 
falls die in Sc vorliegende Verbindang von vtog dv&Qi6nov iarCv mit 
dem Vorigen voraas, wahrend P dass er aber ein Menschensohn ist, 
darUber wundert euch nicht. — 13) E 151, hieran sofort darch quia 
angeschlossen v. 36 a; aber schon vorher der Satz aas v. 35, aaf wel- 
chen sich schon E 39. 49 bezieht. — 14) Der erste Satz E 151 (s. 
vorige Note), der zweite E 152. — 15) E 210 extr. — 16) E 151 and 
152 zweimal diese Satze aas v. 45 a. 46. 

§ 41. Mr. 8, 22—26. E 152 sq. 

Juxta gradum fidei caeco sanatio contigit, . . Modicum ere- 
denti dedit modicum visum, . . Perficiebatur fides eius intus et 
perficiebatur visus eius forts, (25 b) Vidit omnia aperte. 



— 163 — 

§42. Mr. 8,27-9,1. Mt. 16, 13-28. Lc. 9, 18-27. 

E 153-155. 

(Mt 13 sq. Mr 27 sq. Lc 18 sq.) Qaid de me dicant bomi- 
Des ') ? Respondent ei : nonnnlli dicant, quod sit Elias, alii quod 
sit Jeremias, [alii anas ex prophetis] ^). Vos aatem, qaid dicitis 
de me, qaod sim? Simon, capiU et princeps^ locates est: ta es 
Christas, filias dei yivi. (Mt 17) Et respondit : beatas es, Simon. 
. . (Mt 18) Ta es petra . . . et portae inferi te non vincent'). 
. . (Mt 20) Nemini dicatis de me, qaod sam Cbristas^). . • 
(Mt 16, 21 cf. 20, 18; Mr 8, 31 cf. 10, 33; Lc 9, 22 cf. 18, 31) 
Ecce ascendimas Hierosolymam, et implentar otnnia, qaae scripta 
sant de me, qaia oportet filiam bominis in cracem agi et 
mori etc.^). . • (Mt 22 sq.) Absit a te, domine, at boo facias. 
Respondit ei: vade retro, satana, qaia scandalam es mibi; qaia 
non cogitas qaae dei sant, sed qaae bominis (bominam) *)• . . 
(Mt 28. Mr 9, 1. Lc 8, 27) Erant qaidam, qai nanc mibi assi- 
stant, non gastabant mortem^), [donee yidebant regnam dei J. 

1) E 153. Die TextmiscbuDg ans Mt and Mr oder Lc (jik • . . tov 
vlov tov dv&QtoTTov) haben mit den meisten, griechischen Hss., daranter 
aach D und X, auch Sc P in Mt 16, 13. Dagegen E 156 extr.: quid 
dicunt de me homines quod sim nach Mr oder Lc. — 2) E 153 cf. 156 sq. 
An beiden Stellen fehlt Joannes baptista, aber nnr durch willkflrliche 
Abktirzang E's, denn sofort nacb der ersten Anftthrung E 153 heisst es: 
nannulH compararunt eum Eliae . . ., alii Jeremiae . . ., alii Joanni 
propter haptismum eius ei miracula nativitatis eius, Hamack, Ztschr. 
fUr KG. IV, 484 irrt sich. — 3) Die Fragmente aus Mt 15-18 E 153 and 
154. Willktirlich will Hamack a. a. 0. die Worte tu es petra hinter te 
non Vincent stellen, weil sie erst E 154 nachgebracht werden. Aber das 
geschiebt ja in diesem Gommentar hunderte von Malen. Die Stellang 
wSre logiscb and rhetorisch sinnlos, da zuerst die Festigkeit des Petrus, 
dann die daher kommende Uniiberwindlichkeit desselben gegeniiber den 
h511iscben Angriffen ausgesagt werden musste, wie in Mt der Fall ist. 
Die Worte caput et princeps wird M(5s. mit Recbt schon durch den Druck 
als freie ZuthatE*s bezeichnet haben. Das Gitat ist abktirzend and freL 
Daher auch unerlaubt zu behaapten, die game Phrase (!) vom Kirchen-- 
hau habe in T nicht gestanden. Unmittelbar daranf nimmt ja E aaf den 
von Jesas aufgefUhrten Bau Riicksicht : i. e, quod non destruetur fides. 
Quod enim dominus aedificat, quis potest destruere, • . Voluit Assyrius 
destruere templum, quod dominus aedificaverat etc. . . DominiM cum 
ecclesiam suam aedificaret, aedificavit turrim , cuius fundamenta (z. B. 
Petrus) omnia f quae erant superaedificanda, portare possent etc. Es ist 
nnverstSndlicb , wie Hamack behaupten mag, E beweise darch die Art 
dieser Er5rterangen , dass er in seinem Text daftir keinen Anhaltspunkt 
hatte. Aber er kntipft dies alles ja direct an sein abgektirztes Gitat an. 



- 164 — 

Der H5rer hatte den vollstandigen Text vorfaer vorlesen hSren (s. oben 
S. 52 f.)) und Dur nnter dieser Voraussetznog konnte er den Ausleger ver- 
steben. Sonst batte E wie sonst sicb aaf alia scriptura oder lectio oder 
Crraecus berufen nnd die in T feblenden Worte citiren mttsseny worin 
von Petrus als Fundament des Kircbenbanes die Rede war. Auch 
A 1*43 sq. (8. unten §91 N. 2 cf. p. 461, 1 Simon Kepha, das Fundament 
der Kirche) kennt die beanstandeten Worte; und ein Grand, wamm T, 
welcber sie in seiner syriscben Vorlage gefunden bat (sc. in Sc), aie ge- 
tilgt oder. weggelassen baben sollte, ist, wie Hamack S. 485 sebr ricbtig 
bemerkt, nnfindbar. — 4) E 154. Diese directe Redeform sonst nicbt 
bezeugt — 5) E 154. Nicbt eine willktirlicbe Verwandlang der oratio 
obliqaa (Mt Mr, unentscbieden Lc), sondern Ersatz far die darcb den 
Context der Perikope gebotenen Stellen aas den oben angegebenen ver- 
wandten spateren Stellen. Nar das quia oportet filium hominis erinnert 
an die biesige Stelle Mr 8, 31. Lo 9, 22. ~ Schon £ 65 beilSafig ecee 
ascendimus Hierosolymam et implebuntur (so bier) quaecunque scripta 
sunt de me. Gf. § 57. — 6) E 155. Das bier feblende quia scandalum 
es mihi aas E 154 ergKnzt. Es fehlt wieder E 229, wo aasserdem a me 
binter retro (= oniata (lov 6r Sc P) and hominum fUr hominis, — 
7) E 155. Ein et in Elammem vor gustahunt wird Moe8.*8 Zathat sein. — 
donee etc. E 222. 

§ 43. Mt. 17, 1—13. Mr. 9, 2—13. Lc. 9, 28-36; 13, 31-33. 

E 155—160. 

(Mt 1. Mr 2) ^ quod post sex dies eos assumpsit et in mon- 
tern duxit^). . . (Lc 29. Mt 2) Ante mortis suae tempus, quo 
species faciei eius immutata est '). . . (Mt 3 sq. Lc 30—33) Cum 
Moyses et Elias apparuissent , dixit Simon: Si vis, domine, 
faciamus hie tria tabernacala '). (Mr 6. Lc 33 extr.) Nesciebat, 
quod diceret. . . (Mt 5. Mr 7. Lc 35) Hie est filias meus dilee- 
tas; ipsam aadite et vivetis^). . « (Mt 9. Mr 1) Et dam des- 
cendebant de monte , praeceptam dedit eis et dixit : cavete , ne 
eai dicatis yisionem bane, quam vidistis, donee filias hominis a 
mortais sarrexerit ^). • . (Lc 13, 33) Non oportet prophetam 
perire extra Hierosolymam*). 

1) E 159 in. Dass Jakobas (welcber von E mit seinem beriihmteren 
Namensvetter verwecbselt wird), Jobannes and Petrus dabei waren, sagen 
die Worte E 155 tres testes ex ipsis praeconihus^ qui sunt columnae cf. 
Gal. 2, 9. Hierin anffallend Sbnlich A 460 sq. Icb seize die ganze Er- 
5rterang, aaf welcho aacb spater wieder zariickzakommen ist, in m6g- 
licbst genauer Uebersetzang ber : Und er zeigte auch seinen Aposteln vor 
der Zeity als sie ihn fragten urn das Zeichen seines Kommens, indem er 
zu seinen drei Jungern sprach, zu Simon und Jakohus und Johannes^ 
zu Simon Kepha, dem Fundament der Kirche und zu Jakohus und 
Johannes, den festen Sdulen der Kirche; und er zeigte diesen drei treuen 



— 165 - 

Zeugen das Zeichtn seines Kommens, da er in seinem Auasehn verwan- 
deli wurde in der Aehnlichkeit seines Kommens (d. h. als Typus seiner 
Panisie), als Moses und Elias bei ihm waren, Und er versicherte die 
Todten^ dass (der Tod ihn? oder sie?) eu schlagen imBegriff stehe (?), 
wie den Moses^ der (ibm) ersckienen war; und es warden mit Zuver- 
sicht erfuUt die Lebenden^ welche ubrig sind hei (oder amLehen bleiben 
bis zu) seiner Wiederkunft , dass sie werden entrOckt werden zu. seiner 
Begegnung nach der Aehnlichkeit des Elias ^ welcher den Tod nicht ge- 

schmeckt hat und ihm erschienen war. In A 461, 5 ^''n^^T ^rT'Tab lilibi 
(var. ]. + il^Wi) ixmch muss wohl etwas ausgefallen und aach das Erhal- 
tene verdetbt sein. ~ Bine kurze Anspielong an die VerkliCning steht 
noch A 42 extr« — 2) £ 156 in. — 3) £ 156 cf. 155 dicit Christum, 
Moysen et Eliam tribus tdbemaculis drcumdari, — 4) £ 156 bis di- 
lectus, dazQ + £ 157 zweimal ipsum audite; dies letztere noch einmal 
£ 157 mIt et vivetis. Dies wird als Teztbestandtheil besprochen, ist 
aonst unbezengt. — £ ttberall filius meus dilectus mit 6r P gegen Sc 
Mt 17, 5. Lc 9, 35 mein Sohn und mein Geliebter. — 5) E 157 bis vi- 
distis. Von cavete — surrexit E 154 (bier ^ hanc), AbgekUrzt ne- 
mini dicatis, donee • . • resurgat £ 158. — 6) E 159 sq., ebenso wie- 
der £ 212. Die Art der Einftihrang und Behandlung £159 macht es 
nnzweifelhaft, dass T zwischen Mt 17, 9 (oder 13) und 17, 14 diese Ln- 
casstelle, also sicherlich den ganzen Passus Lc 18, 31—33 eingeschaltet 
hat. Gf. cod. Fnld. p. 85, 6—12. 

§ 44. Mt. 17, 14^21. Mr. 9, 14—29. Lc. 9, 37—43. E 160 sq. 

• 

. . (Mt 16) Pater pueri ipsitts discipulos reprehenderat di- 

cens: Don potuerant earn sanare^). . . (Mt 17. Mr 19. Lc 41) 

O generatio mala, perversa et incredula, quamdin apnd yds 

ero '). . . (Mr 23) Credent! sunt omnia possibilia. . . (Mr 25) 

Tibi dice immande, sarde et mate . . exi, discede ab ipso, et 

ne amplius ingredere in earn'). . . (Mt 19. Mr 28) Gar non 

potaimas sanare? . . (Mt 20) Propter incredulitatem vestram^). 

[Si babneritis fidem at granam sinapis, dixeritis huic monti: 

transfertor, et transferctur a facie vestra^)]. . . [Es ist nichts, 

was ihr nicht than kdnnt*)]. 

1> E 160. — 2) E 160 in zwei Stticken. — mala scheint aus 
Mt 12, 39 zu sein, findet sich jedoch vereinzelt auch Ht 17, 17 in griech. 
Hs8. s« Tisehendorf. — E 203 ist wohl freie Combination mit Jo 8, 25 : 
quamdiu. vobiseum ero et vobiscum loguar? — 3) E 160. 161 in zwei 
Stiicken, gleich daraof einmal amplius non poteris illuc redire. — 
4) E 160 Frage and Antwort dnrch Anderes getrennt. T hezeugt 
dmariav mit P Hi, codd. gr. CD etc., Itala , Vulg. gegen Sc fi^ B (^oXi- 
yonunlav). — 5) E 189. Das a facie vestra aus der zweiten An- 
f&hnmg E 204. — A 394, 8: Wenn in euch sein wird Glaube^ wie ein 
Senfkom^ so werdet ihr sprechen zu diesem Berge: geN weg^ und er 



- 166 - 

wird weggehn von euch. Also hat A mit E gegen Sc P Gr diesen Zu- 
satB to. /^irafiijaiTat , und mit E gegen dieselben Zeagen ^ tlvd-ev (iy- 
rev^ev). Das ixel > auch Sc P Va]g« (amiat u. fald.)* A 394, 10 
schliesBt daran eine EriDneruDg an Mt 21, 21, woriiber ebenso wie fiber 
A 21, 13 s. zu § 61 Note 5 a. 6. - 6) A 21, 9 schliesst diese Worte 
(= Mt 17, 20 xal ovSkv ddwarijan v/^Zv) an den vielmehr anMt 21, 21 
Mr 11, 23 erinnemden Vordersatz: wenn ikr glauht und nicht zweifelL 

§ 45. Mt. 17, 14—27. E 161 sq. 

(24) Venerant enimj ut praetextum invenirent mm accu- 

sancU. . . (25) Praeveniens Simoni dixit: Reges terrae a quo 

samant tributa, a filiis, an ab alicDis?^). . (27) Ut eis scan- 

dalum non des'), vade ad mare et mitte ibi rete. . . [Ne tri- 

butum quidem pro sua parte solvere potuit, dimidium scilicet 

stateris^)], 

1) E 161. tnbuta^ dagegen ScP Steuer und Kopf geld. — filiiSy ScP 
4- suie, — 2) dea sonst unbezeugt, scandalum demus auch Sc P. — 
3) E 51 von Petras gesagt. 

§ 46. Mt. 19, 1 (3) -15. Mr. 10, 1-16. E 162. 
(Mt 3 sqq. Mr 2 sq.) Venerant et accesserunt, at earn in- 
terrogarent: licetne alicai diroittere axorem saam? Bespondit eis 
et dixit: non licet. (Mr 4. Mt 7) Dicant ei: Moyses permisit 
nobis; car ergo non licet? (Mr 5 sq. Mt 8) Moyses, aity propter 
doritiam cordis vestri permisit vobis, sed ab initio creationis hoc 
non fait^). . . [(Mt 11) Nicht jeder Mensch ist aasreichend 
dafttr, sondern derjenige, dem es gegeben ist*). . . (13 — 15) 
Unser Erloser segnete die Kinder^]. 

1) Dies alles ohne Unterbrechung E 162. Die starken Abweichangen 
sind sonst nicht nachzuweisen. — 2) A 355, 12 als Wort Jesu, im Vor- 
dersatz mit Sc (wenig abweichend aach P), nnr ^ A das in Sc P zum 
Pronomen rtb hinzutretende N^n Nnb?3b = rbv Xoyov tovroy, Cf. aber 
aach Just apol. I, 15 ed. Otto p. 46: nX^v ov ndyng tovro x^Qovtftv, 
Im 2. Satz A bnchstablich mit P, wogegen Sc sondern diejenigenj denen 
es von GoU gegeben ist. — 3) A 124, 11. 

§ 47. Lc. 15, 1—10. E 162 sq. 

(3 — 6. 8 sq.) Decern drachmae et centum oves ^). ♦ • [(7) Es 
wird Freade sein im Himmel fiber einen Sflnder, der Basse 
that, mehr als (Uber) 99 Gerechte, die nicht bedUrftig sind in 
Bezag aaf die Basse ^). (8) Welches ist das Weib, welches 
zehn Drachmen hat and verliert eine von ihnen, and nicht ein 
Licht anztlndet and das Haas fegt and sacht ihre Drabhme, 



— 167 - 

welche sie verloren bat ') ? . . (10) Vnd es ist Freude den 

Engeln des Himmels, wenn ein Sunder sich von seiner Sunde 

behehrt^y]. 

1) E 162 wie ein Titel, ohne Satzgefiige. — 2) A 142, 8—10 mehr 
dls (uber nicht wieder ausgedriickt) p 'T^n'^mit Sc, b^ IN P; amSchluss 

A Nmn'^n by v^^^' ^^^^^ ^^ ^ Nmi'^n iinb N"^3>in7a. — In E 163 

frei: Cur autem gaudium est de peccatorihus , qui poenitentiam agunt, 
magis quam de iustis^ qui non peccarunt? — 3) A 14, 14—16 NTati (fegt) 
mit P, iH^^^'D So. — 4) A 50, 19 anter anderen Anspielungen an v. 4 sqq. 
Mt. 18, 12 sqq. 

§ 48. Lc. 15, 11—32. 

Sequitur alia parabola de duobtcs filiis fratribm. . . (14) Et 
cam dissipasset filius ianior bona saa ^). . • [(20—24) Sehet den 
Sohn, welcher seine Gilter verschleudert hatte. Und als er urn- 
kehrte zu seinem Vater, freute er sich uber ihn und nahm ihn 
auf und schlachtete ihm einen Mastochsen. Und es freute sich 
sein Vater seiner Busse und rief auch seine Freunde, dass sie 
sich mit ihm freiden. Und es umarmte ihn sein Vater und 
kusste ihn und sprach: Dieser mein Sohn war todt and ward 
lebendig and war verloren and ward gefanden. Und es schalt 
ihn sein Vater nicht Uber seine Giiter, die er verschwendet 
hatte ')]. • . (32) Gaadere, aitj oportebat^ qaia frater tans mor- 
taas erat et vivit'). 

1) E 163, welter nichts von dieser Parabel, aosser dem Satz in 
Note 9. — 2) A 142, 1 sqq. In v. 23 u* 27 hat P wie A N^in (^moV- 
Xog)^ dagegen Sc 2<b:i9 nach dem von Rddiger (Monatsber. der Berliner 
Akad. 1873 [aus d. J. 1872] hinter p. 558) herausgeg. Fragment. — 
Einige Erinnerungen an diese Parabel hat A 382, 1 sqq. mit derjenigen 
von Lazarus vermischt: Er hegehrte seinen Bauch zu fullen (Lc 15, 16) 
mit dem was von der Tafel jenes Beichen fiel (Lc 16, 21); and es heisst 
dass Niemand ihm es gab (Lc 15, 16) etc. — 3) E 163 schon in der 
Aaslegung der vorigen Parabeln. Hinter vivit werden die Worte et ad 
vitam revocatus est als Verdoppelang des armen. Uebersetzers gelten 
diirfen s. § 29 Note 9. An diesen Spruch oder an v. 24 spielt auch 
Ephr. I, 562 d an. 

§ 49. Lc. 16, 1—12. E 163. 

Alia profertur parabola de villico, quern servi apud domi- 
num accusarunt^). . . [(9) Macht each Freande von diesem 
Mammon der Ungerechtigkeit, damit, wenn er aasgeht, sie each 
aafnehmen in ihre Htitten der Ewigkeit')]. 

1) In dieser freien Form wird die ganze Parabel E 163 kurz repro- 
dacirt — 2) A 388, 20 wQrtlich mit Sc (nach Kodiger a. a. 0.)i aber 



— 168 - 

auoh P. — E 156 beilaufig und abkttrzend , aber aach tdbemacula stM 
aetema mit wenigen griech. a. lat. Zeugen. Nur eine Anspielang an 
V. 9 nnd zugleich an y. 12 gibt E 163: emite vobis, ait, o filii Adami, 
per haec transitoria^ quae non sunt vestra, id quod vestrum est, quod 
nou transit Mdsinger'a ignoro zu dieser Paraphrase war unndthig, and 
Harnack's Vermathung (S. 485 f.)» dass bier das bertthmte Apokryphon 
ytviod-e Soxifioi TQuneCtrai geatanden babe, ist mir nnverst^dtich. 6e- 
hort's denn zum Geschiift des Banqaiers, sicfa HSnser zu kanfen (so nach 
E'8 Paraphrase), oder Wobnungen zu bestellen (nach dem evangeliscben 
Text)? — Ueber Lc 16, 13, das scbwerlicb hier in T stand, s« oben 
§ 18 Note 10. 

§ 50. Mt.l8, 1—35. Lc.17, 1-4. Mr. 9, 33-50 (?). E 165. 

Die Zusammensetzung dieser Perikope ist nicht mit Sicherheit an- 
zugeben. £ bespricht zuerst Mt 18, 21 sq. (Lc 17, 4), dann Mt 18, 20 
und citirt zum Schluss, unmittelbar vor dem Uebergang zu ganz fern- 
liegenden Materien (Lo»13, 1—5), noch Mt 18, 10. Das kann nicht die 
Beihenfolge in T gewesen sein. Auch Lucas, welcher den Anschluss 
dieser Perikope an § 49 veranlasst hat — denn was in Lc 16, 18—31 
dazwischenliegt, hat T, soweit es nicht schon beilaufig bertihrt war, aus 
beweglichen Grilnden anderswohin gestellt s. § 54 -^ auch Lucas gibt 
vor 17, 3. 4 in V. 1 sq. Satze, die in Mt 18, 6 sq. ihre Parallele haben, 
kann also nicht eine Umkehrung der beiden Halften von Mt 18 veran- 
lasst haben. Da auch die Vergleichung von cod. Fuld. p. 88, 23—89, 21 ; 
91, 9—92, 17 nur zu unsicheren Vermuthungen Stoff bietet, so begn&ge 
ich ouch, die in £ und A vorhandenen Gitate aus Mt 18 nebst ihren 
Parallelen znsammenzustellen, soweit sie nicht schon an frUheren Stellen 
von T verarbeitet waren. 

[(Mt 18, 1) QniS; putaS; maior erit in regno caelorom ? ^)] 
[(3) Wenn ihr nicht amkehrt and werdet wie diese Einderi 
werdet ihr nicht in das Himmelrcich eingehn ^]. [(4) Qai se 
ipsam hnmiliavit '). .] . . [(7 ?) Das Gute ist im Begriff zu ge- 
schehen (oder muss geschehen) and Heil dem, darch welchen 
es geschieht; and das BSse ist im Begriff za geschehen, aber 
wehe dem, darch welchen es geschieht^)]. • . [(10) Verachtet 
nicht einen von diesen Kleinen, die an mich glaaben, denn] 
angeli eornm in caelis vident faciem patris mei ^). . . [(14) Denn 
es ist jiicht der Wille des Yaters im Himmel , dass Einer von 
diesen Kleinen verloren gehe, die gesiindigt haben und der Busse 
bedUrfen •). (15) Wenn dein Brader an dir sttndigt, weise ihn 
zurecht zwischen dir and ihm; (Lc 17, 3) and vfrenn er sich 
bekehrt, vergib ihm. (Mt 16) Und vfrenn er dich nicht h5rt, so 
fbhre Einen oder Zwei herbei, damit vor zwei oder drei Zeugen 
jedes Wort stehe. (Mt 17) Und wenn.er die nicht hOrt,. sage 



— 169 - 

68 der Gemeinde; nnd wenn er die Gemeinde nicbt hM, so 
gelte er dir wie ein Heide und wie ein ZOlIner "^J]. . . (20) Ubi 
nnas est^ ibi et ego sum; et ubi dao . . . sunt^ ibi et ego ero *J. 
[Wo zwei UDd drei in meinem Namen versammelt sind, da bin 
ich UDter ihneD]. . • [(Le 17, 4) Und wenn er aaeh siebenmal 
an dir silndigt an einem Tage, so vergib ibm. (Mt 21) Und als 
ffimon Eepfaa dies Wort hMe, sagte er zn dem flerrn :] Qaoties, 
si in me peccat frater meas^ dimittam ei? Usque ad septies, 
satisne est? (Mt 22) Dicit ei [der flerr: Nieht siebenmal nur, 
sondem] usque septuagies septies septies *). [(Mt 23 — 35) Femer 
zeigte una der Herr das Beispiel jenes Marines, der anfing^ Bech- 
nung zu fordem von seinen Knechten, Und als sein Kneckt vor 
ihn ham, der ihm lOfiOO Talente schuldete, und als sein Herr 
ihn drdngte^ doss er ihm gebe, was er ihm schuldig war, und 
als er seinem Herm seine Schuld nicht erstatten konnte, da be* 
fahl sein Herr und Hess ihn los und Alles, was er schuldig war, 
erliess er ihm. Jener Knecht aber in seiner Bosheit gedachte 
nicht des Erlasses seines Herrn, wie gross gegen ihn der Erlass 
war. Und als er hinausging, fand er einen seiner Mitknechte, 
welcher ihm 100 Denare schuldete, und er pachte ihn und unlrgte 
ihn und sprach zu ihm: Gib mir, was du mir schuldest Und 
er nahm die Bitte seines MUknechts nicht an, der ihn bat, son- 
dem ging hin und schloss ihn ins Gefdngnis ein. Und weil er, 
dem viel erlassen war, seinem Mithnecht das Wenige nicht er- 
liess, ward er den Gerichtsdienem ilberliefert, dass sie ihn zuch- 
tigten, bis er gab, was er schuldig war. Und er sagte ihnen: 
So wkd eucb thun mein Yater im flimmel, wenn ibr niebt ver- 
gebt ein Jeder seinem Bruder ^^)]. 

1) E 107 ate Frage der Jttnger. — 2) A 221, 13: diese Kinder, 
dagegen eins von diesen Kindem Sc, die Kinder P. — A 43, 1 sq. Er 
gab una ein Vorbild und Gleichnis, dass mr werden gleich den Kindem 
und in das Himmelreich eingehn, — 3) £ lOS ate Antwort Jesa aaf 
die Frage in v. 1 mit Uebergehung von v. 2. 3. — 4) A 79, 6 einge- 
leitet dnrch: denn so ist geschrieben. Antonelli's Anmerkang A^ 80 
hilft zu niohU. Im AnfaDg heisst es dort abweichend: Verba parata 
sunt fieri bona et beatus erit etc. Da wird verba MisverstSndnis eines 
8U nam Ha scriptum est gehSrigen Wortes sein. — 5) A 127, 11. 
£ 1B5. Die Aoalassungen in £ (cfta nctvrog . . tov iv o^Qavotg) sind 
gleicbgfiltige KUnungen E'a; denn A 43, 3 heisst es: Und er sprach 
und hhrte uber die Kleinen^ dass Niemand sie verachtCy da ihre Engel 
zu aller Zeit den Voter, der im Himmel (ist), sehn, und A 127, 12 nach 
den im Text gegebenen Worten: ihre Engel im Himmel sehen zu aller 



— 170 — 

Zeit das Angesicht meines Vctters. Aus den drei Citaten bei £ and A 
zusammen ergibt sich der gewShnliche Text. Noch ist zu bemerken, 
dass A 127, 12 den Zusatz tcSv matsvoyjiov sig ifik mit Sc, cod. gr. D 
und mehreren Italazeugen theilt, gegen P HI und die meisten Griechen. — 
6) A 150 extr. in freier Wiedergabe und in Verbindung mit Satzen aus 
§ 47 Note 4. £s wird Mt 18, 12. 13 schwerlich hier in T gestanden 
haben, da der Inhalt dort § 47 gegeben war. — 7) A 298, 4—9. In 
Mt 15 haben So P das hier fehlende allein. Von der Textmischung mit 
Lc 17, 3 finde ich sonst nirgends eine Spur. £s ist eben T (of. cod, 
Fuld. p. 91, 9—12), welchem A folgt. Auch A 35, 13 wird Lc 17, 3 
abgekiirzt citirt: Wenn dein Bi-uder an dir sundigt, vergtb ihm^ woran 
sich dann gleich Lc 17, 4 u. s. w. anschh'esst. S. unten Note 9. — In 
Mt 16 hat Sc fuhre mit dir wiederum einen oder zwei^ damit auf dem 
Munde zweier oder dreier Zeugen etc. So auch P abgesebn von dem 
tiberschiissigen !2in. Das 1^1, welches in Sc P sehr haufig fUr naQa- 
Xafdpdveiv steht (s. § 3 Note 5; § 10 Note 5), braucht demnach nicfat 
so sklavisch tibersetzt zu werden wie oben im Text. — 8) So als Wort 
Jesn und Bestandtheil dieser Perikope £ 165. Zar Rechtfertigung der 
Andeutung einer znfailigen Liicke durch die Puncte hinter dtw and zur 
£rklSrnng der apokryphen (Jmgestaltung bei £ dient Folgendes aus 
A 69, 4: Er sagt ndmlich: „Wo zwei und drei in meinem Namen ver- 
sammelt sind, da bin ich unter ihnen,'^ Und wie verstehst du dies Wort, 
mein lAeber, welches unser Lehendigmacher da sagt: ^Wo zwei und 
drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich unter ihnen^ 9 Und 
wenn du allein hist, ist dann Christus nicht mit dir? Und siehe, es ist 
geschrieben iiber die, welche an Christus glauben^ dass in ihnen Christus 
wohnt Und hier lehrt er, dass, solange zwei oder drei da sind, dann 
Christus mit ihnen ist Und ich lehre dich, dass es Orte gibt, wo statt 
zwei und drei mehr als tausend im Namen Christi versammelt sind, und 
Christus ist nicht mit ihnen^ und es gibt einen Menschen^ der allein ist, 
und Christus ist mit ihm. Aber dieses Wort, das unser Lebendigmacher 
sprach, ist schon und gut fur die, welche es verstehen; denn er sagt: 
„ Wo zwei und drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich unter 
ihnen.*^ Wenn ein Mensch sich selbst (eigentl. seine Seele) sammelt im 
Namen Christi, so wohnt Christus in ihm, und Gott wohnt in Christus, 
Also ist jener Mensch einer von dreien, er selbst und Christus, der in 
ihm wohnt, und Gott, der in Christus ist. Noch einmal am Schluss der 
ganzen £rorterung A 71, 7 der Ausspruch Jesu w(5rtlich. £s ergibt 
sich hieraus mit gleicher Sicherheit, dass A den apokryphen Satz, den 
wir bei £ finden, nicht in seinem Text hatte, und dass A auf dem Wege 
einer geistreichen Interpretation denselben Gedanken erreicht, welchen 
£ als ein Trostwort Jesu an die £insamen in seinem Text gefunden hat. 
Die auch bei A vielleicht nicht originelle Interpretation wird zuerst Glosse 
und dann Text von T geworden sein. — 9) Die Verse Lc 17, 4. Mt 18, 
21. 22 schliesst A 35, 14 in ununterbrochener Folge an die abgekiirzte 
Anftihrung von Lc 17, 3 (Mt 18, 15) an s. Note 7. £ben diese auf den 
ersten Blick fremdartige £in8chiebung von Lc 17, 4 vor die Frage des 



— 171 — 

Petrus Mt 18, 21 hat aber auch £ vorgefanden, deno seine ganze fol- 
gende ErklaroDg fasst darauf, dass die Frage des Petroa aaf ein sie- 
benmaliges Vergeben an einem Tage lautete (E 164 sed unum tantum 
diem Petnts irae concedit etc. cf. M(5s. zu d. St.). Da nan dies nicht in 
der Frage des Petrus nach £'s eigenem Gitat wie nach Mt 21 steht, so 
muss in T dieser Frage das Wort Jesu aus Lc 17, 4 vorangegangen sein. 
Diese Combination findet sich aber ausser in dem von E n. A benatzten 
T ahnlich auch im aram. Hebraerevangelium (Hieron. adv. Pelag. Ill, 2 
ed. Vallarsi [Quartausgabe] U, 783: ^In eodem volumine: Si peccaveritt 
inquit, f rater tuus in verbo et satis tibi fecerit, septies in die suseipe 
eum. Dixit illi Simon disdpulus eius: Septies in die? Bespondit dO' 
minus et dixit ei: Etiam ego dico tibiy usque septuagies septies*). Yon 
dem daran angeschlossenen Satz Etenim in prophetis quoque^ postquam 
uncti sunt spiritu sancto, inventus est sermo peccati, welcher auch grie- 
chisoh bezeugt ist (Tischendorf, Notitia cod. Sin. p. 58), findet sich bei 
£ u. A keine Spur. — Die Abkiiraung von Lc. 17, 4 in A wird theil- 
weise erklart durch den unmittelbaren Anschluss an Lc 17, 3 (Mt 18, 15), 
and hat gar nichts zu bedeuten; denn A 298, 12 liegt eine Textmischung 
aus Lc 17, 4 u. Mt 18, 22 vor, welche einen vollstandigeren Text von 
Lc 17, 4 voraussetzt: Wenn bis zu 70mal 7mal der SUnder an dir sun- 
digt, so vergib ihm an einem Tage. — Im Einzelnen ist noch Folgendes 
zu bemerken: £ A stimmen in der Frage des Petrus Mt 18, 21 bis septies 
mit Sc P iiberein gegen Hebrev., nur ]^ A usque vor septies y nnd EA 
^ xvgis, — satisne est hat nur E, mag Zuthat des Commentators sein, 
ebenso wie er willkilrlich in Mt22 den Verneinungssatz ausgelassen hat, 
vgl. jedoch HebrSerevg. — der Herr nur A (cf. Hebraerevgl.) : Jesus 
P Gr, ^ Sc E. — nicht sieben nur A: nicht sieben Sc, nicht sage ich 
dir bis zu sieben P Gr, ]> E. — usque septuagies septies septies E ohne 
wesentliche Varianten. usque = bs^ A Sc cf. Carm. Nisib. 39, 13 (syr. 
Text p. 72, 158), VOT^:^ P, septuagies = y:f'y^ Sc, wozu A P + 'j-'SSt. — 
10) A 37, 13 — 38, 5. In E findet sich nichts davon; aber da Mtl8, 21. 
22 von £ besprochen sind, ist auch nicht zu bezweifeln, dass die fol- 
gendeParabel in sein em T stand. Freie Anspielung daran Ephr. I, 526 e. 

§ 51. Lc. 13, 1-9. E 165 sq. 

(1) Et factum est, ut venientes ei narrarent de Galilaeis, 
qnorQin sangainem Pilatus miscait earn sacrificiis coram ^). . . 
(6 6q.) Homo qaidam plaataverat in vinea sua ficnm et dicit 
ad colonam : [Ecce] hi tres anni sunt, quod [ex quoj venio quae- 
rere [quaerens] fructas [fructam] ex hae ficnlDea^ [et non io- 
venio')]; succide earn. . (8) Respondit colonas et dixit ei: di- 
mitte earn et hoc anno^). 

1) E 165. Der Relativsatz wird noch zweimal ohne Relativ wieder- 
holt. Weiter nichts von diesem Abschnitt, wohl aber die apokryphe 
Nachricbt, dass dies am Geburtstag des Eterodes und Todestag des Tan- 
fers geschehen sei, wobei es zu einem blutigen Eampf zwischen den 



- 172 — 

Trnppen des Pilatus, welcher deo Johannes racben woUte, nnd den Lenten 
des Herodes kam, in Folge dessen die Feindschaft zwischen Pilatns nnd 
Herodes bestand, die erst am Tag des Gerichts iiber Jeans aufbdrte. — 
2) £ 166. Die Variaoten nnd VervoUstfindigungen in [ ] ans £ 213. 
Der Plural Fruchte auch in So P. Ueber die Deutung der drei Jahre 
B. oben S. 68 f . — 3) £ 166. 

§ 52. Jo. 7, 1 (2?) -31 (?36?). E 167 Bq.^). 

. . (4) Dicant ad earn: nemo est, qui clam aliqaid ope- 
rator etc.^) . . (5) Non enim fratres eius crediderunt in eum'J. 
. . (8) Non ascendo in hoc festo *). . . (19) Cur quaeritis me 
oecidere, (8, 40) hominem qui veritatem dico *) ? . . [(20) Quia 
te vult occidere*)?]. . . [(26) Forsitan seniores nostri cogna- 
verant, quod hie varus sit Christus et non ceterC). . . (27) Si 
Christus veniet, nemo scit, unde sit®).]. . [(28) Sed ego, ait, 
non a me ipso veni*)]. 

1) Ans £ 167 sq. ergibt sich jedenfalls, dass Stficke aus der ersten 
HSlfte von Jo 7 auf S 51 folgten, and aus £ 196, dass Stttcke aus 
der zweiten HSlfte von Jo 7 weit davon getrennt mit Jo 8—10 ver- 
bnnden standen s. § 68. Die Theilung konnte hinter Jo 7, 36 ge- 
macht sein, oder auch, da Jo 7, 32 mit 7, 45 ff. innig zusammen- 
hSngt, hinter Jo 7, 31. So ist's im cod. Fuld. p. 94, 15—95, 30, wo 
die zweite HSIfte des Kapitels gleichfalls an viel spaterer Stelle folgt 
p. 113, 4—36. Dtirfte man dies ohne weiteres auf T znrttckfUhren , so 
umfasste die hiesige Perikope Jo 7, 2—31. — 2) £ 167. Das etc. ist 
von £ selbst angewandt. £8 braucht nicht auf T zuriickgefiihrt zu wer- 
den, dass £ v. 5 vor v. 4 stellt und daher zu letzterem das redende 
Subject nicbt genauer bezeichnet. — 3) non £: ov^i Gr So P, ausser- 
dem hat So denn bis dahin cf. cod gr. D rote am Schluss des Satzes, 
Itala tunc verschieden gestellt. — in eum £ mit Gr Sc, + in Jesum P. — 
4) £ 167 betont, dass es nicht heisse ad hoc festum^ sondern in hoc festo. 
Was ein £piphanius (haer. 51, 25) bei dem gew5hnlichen Text elg rtjv 
ioQxiiv TavtJiv glaubte durch Interpretation eintragen zu kSnnen: dva- 
fiaCvm sc. bU tov axavQoy (daneben £piph. auch ^ig to Uqov)^ das grUn- 
dete £ auf den sonst nnbezeugten Text des T. Dagegen hat Sc ^zom 
Fest** (aber vorher; Gehet ihr hinauf zu diesem Fest mit P HI und 
manchen Griechen), P jetzt zu diesem Fest, HI dieselben Worte, nor in 
der Stellung der verbreiteten griech. LA ovnto dvafi. genauer ang&- 
passt. — 5) £ 167 bis occidere, gleich darauf £ 168 dasselbe mit in- 
terficere und dem Zusatz aus Jo 8, 40, als ob das im hiesigen Text 
stttnde. £s ist jedenfalls zu vergleichen, dass auch cod. Fuld. p. 95, 26 
in Jo 7 einen Satz aus Jo 8 eingeschaltet bat. S. ubrigens § 69 Note 7. 
— 6) £ 196 beilSufig in der Erklarung von Jo 8, 40, braucht aber 
nicht in dessen Nitbe gestai^den zu haben. — 7) £ 210. Der dureh den 



— 173 — 

Zasammenhaog veranlassteZusatz et non ceteri, soil nach Moesinger w5rtlich 
lauten quam omnes nnd bezieht sich anf die kurz vorher citirte Stelle 
Jo 10, 8. — 8) E 210. — 9) £ 173, kdonte sich aach anf Jo 8, 42 
beziehen. — Aus den ungenauea Bezagnahmen auf Jo 7, 11 and 15 in 
Epbr. I, 353 c. II, 40 a ist nichts zn gewinnen. 

§ 53. Mt. 19, 16—24. Mr. 10, 17—25. Lc. 18, 18-25. 

E 168-174. 

(Mr 17. Lc 18) Magister bone, qaid faeiam, at vivam^)?.. 
(Mr 18. Lc 19) Gnr vocas me bonum')? Nemo bonus, nisi 
tantam anns [deusj pater, qni in caelis [est] '). . . (Mr 19 a. 
Lc 20 a) Scisne mandata*)? . . (Mt 17 b) Si vis ad vitam in- 
trare, ' observa mandata^). (Mt 18 a) Interrogavit dominum de 
lege •). . [(Mt 18 b. 19. Mr 19 a. Lc20b) Der Herr sagte ihm^): 
Brich die Ehe nicht and stiehl nicbt and ebre deinen Vater and 
deine Matter, and liebe deinen N&chsten wie dich selbst*). 
(Mt 20. Mr 20. Lc 21) Es sagte ihm jener Mann: Dies (diese 
sc. Gebote) babe ich getban, siebe von Jagend aaf*); was febit 
mir>«)? (Mr 21. Lc 22) Da blickte ibn Jesas liebend an") 
nnd sagte ibm: Eins febIt dir^^). (Mt 21) Wenn da willstvoU- 
kommen sein, gehe bin nnd verkaafe Alles, was dir geb(5rt, nnd 
gib's den Armen nnd (Mr 21) trage deinKreaz nnd folgemir^'). 
(Mt 22. Mr 22. Lc 23) Und jener Mann, als er (das) bdrte, 
ward sebr >^) traurig and ging ergrimmt nacb Haase, weil er 
sebr reicb an Besitztbttmern war. (Mr 24. cf. 23. Mt 23. Lc 24) Und 
Jesas spracb : Wie scbwer ist es denjenigen , welcbe anf ibre 
Besitztbttmer vertraaen, dass sie in das Himmelreich eingebn ^^) !] 

1) E 172 n. 168, also weit getrennt, aber beides al8 Stiicke des dem 
Ansleger vorliegenden Textes and in dieser Ordnang. Die Frage des 
Jfhigllng8 ahnlich im aram. Hebraerev. (In der alten lat. Uebersetzung 
von Origenes in Matth. Delarue III, 671): Magister^ quid bonum faciens 
vivam? Aber wShrend dies auf Mt 19, 16 t£ aya&ov Tionjato zurttck- 
geht, folgt T dem Text von Mr Lc im Anfang der Frage, wie in der 
vorausgeschickten Anrede. Das ut vivam mag willktirliche oder un- 
willkttrliche Aenderang von E sein, etwa in Erinnerang an Lc 10, 28, 
was sich E 171 (%oc fades et vives) geradezu als Textbestandtheil ein- 
scbiebt, wahrend doch E 168 die bier allein bezeugte Form des betref- 
fenden Aasspruchs steht. Bei A 392, 4 beginnt ein aosfahrliches Referat 
liber diese Erzahlang: Und auch jenem Beichen^ der zum Herm ham 
und ihm sagte: was soil ich thun, dass ich das etoige Leben ererbe? 
sagte der Herr etc. Ob E 171 seine Bezeichnung des Reichen als Phari- 
saers aos T oder aus sonstiger Tradition (Sc Lc 18, 18) hat, lasst sich 
Bchwerlich entscheiden. — 2) E 168, ebenso 123; aach E 173 und 



— 174 — 

zweimal 174 , nur quid statt cur. Dass A 392 diese in seioem Znsam- 
menhang gleicbgiiltige ZarechtweisQDg weglSsst, bedentei nichts. Die 
Compilation in Sc Lc 18, 19 cfMt 19, 17: Warum nennst du tnich gut, 
und warum fragst du mich toegen des Outen? hat T nicht anerkannt — 
3) Yon den sehr zahlreichen nnd mannigfaltig abgekUrzten AnfQhrungen 
in E 168—173 (cf 123) lege ich die E 169 Z. 12 za Grande. Das dort 
fehlende deus wird vorher nicht nur citirt, sondern auch betont: ^deus*^ 
dixit , , , et ^pater^ addidit Das pater qui in caelis est auch E 173, 
• . nisi tantum unus qui est in caelis E 170. Obiger Text 'Fs diirfto 
demnach sicher sein. Anstatt o &€6s (in Mt mit mdireren Lateinern 
auch Se, in Mr and Lc [K B nar d-sog] allgemein) haben 6 nariJQ fiov 
6 iy Tolg ovgaroTg Jastin. dial. 101 (Otto p. 360), die Naassener bei Hippol 
philos. V, 7, ohne fiov dasselbe Clem, homil. 18, 1 a. 3, ohne (noij 6 
die Marcosier bei Iren. I, 20, 2 (Harvey I, 178). Die Combination beider 
LAen in T hat ihre Analogie bei Marcion (Epiphan. haer. schol. 50 
p. 339 Petav. ^slg iativ dyaS-og 6 ^£0^". nQoaid-tto ixetvog „6 nariJQ'^J 
Cf. ibid. p. 315. Im dial. c. Marc. 1 Delarne I, 804 B citirt derMardonit 
it fArj sig 6 nar^Q, lib. II Delarae I, 832 A der Orlhodoze £^ fi^ €ig 6 
^eof), femer bei Ptolem. ad Floram (Epiph. haer. 33, 7: ^va yag fiovov 
ilvai dyaS-ov d-ebv rov iavrov naikQa 6 (rairr^(> '^[ilv dniifrivajo)^ gelegent- 
lich aach bei Origenes (exhort, ad martyr. 7 Delarae I, 279 A. B: c^ 
fifi itg ^iog o naxriQ), and insofern aach bei Justin, als dieser aasser 
obgenannter LA aach die mit 6 &€6g za kennen scheint (apol. I, 16 ed. 
Otto p. 52). — 4) E 171. Diese zarFrage gemachten Worte soUen, wie 
es scheint, anmittelbar aaf das non est bonus nisi unus gefolgt sein. So 
aachSc, welcher Lc 18, 20 nach der in Note 2 mitgetheilten Textmischang 
folgen ISsst: Die Oebote aber kennst du (kann ebensogat Frage sein). 
Wenn du ins Leben eingehen willstf todte nicht etc. Aach Marcion hat 
nach Tertall. Marc. IY, 36 das rag ivroXag oUag als Frage gefasst. — 

5) £ 168. Also abweichend von So Lc 18, 20, genaa nach Mt. — 

6) £ 169. T mass also aas Mt 18 il^^£^ avr^« notag; aufgenommen haben. 
Die Stellung kann nicht zweifelhafit sein. Dass die Aafzahlang der 6e- 
bote nicht fehlte, versteht sieh darnach von selbst, wird aber aach be- 
zeagt darchEl69: etdominus de observationibtis legis paululum remisit, 
was JAQb, richtig aaf eine anvollstandige AafzShlang der Gebote deutet 
Dazn kommt das Zeagnis von A 392, woher ich alles Folgende nehme, 
die spSrlichen, aber entscheidend wichtigen Parallelen ans E in den Noten 
beifUgend. — 7) A 392, 6 anmittelbare Fortsetzang des Note 1 extr. 
mitgetheilten Citats. — 8) Das letzte Gebot (auch nach Sc) nar aas 
Mt 19, im ttbrigen kSnnte die aaf alle Falle gekiirzte Aafzahlang (]^ ou 
(foviiSaBig, ot^ yjtv^o/jLUQTVQijaaig [Mt], fi^ dnoateQijatig [Mr]) ebensogat 
aas Mr oder Lc sein. A 498, 16 sqq. werden diese Gebote, aber nicht 
als Wort Jesa in der Ordnung vor Mt 19, 18 sq. aafgezahlt, aber statt 
des dyani^aHg xov nkijaCov aov tog atavtov heisst es zum Schlnss: Und 
was dir verhasst ist, thue deinem Genossen nicht. — 9) Davon gibt 
E 171 extr. nar hoc feci. Also scheint nach A and E das bei Mt and 
Lc nach den griech. codd. in der Stellang schwankende ndvra (in Sc 



- 175 — 

P hinter ravta) in T tiberhaupt nfcht gestanden zn haben. Dagegen be^ 
weist nichts die beilaufige Anftihrung E 125 : haee omnia feci a iuven- 
tute mea, Im Hebraerev. (Orig. Delarue III, 671) lautet die Antwort 
nur feci, — Jener Mann A : jener Jiingling Sc P Mt 20. — sieh'e A mit 
So (Mt Lc) gegen alle sonstige Zeagen. — ix veorrijog fiov gibt Sc 80- 
wohl in Mt, wo es nnecbt ist, als in Lc. Dass er f^ov nicht gelesen 
habe, wie Tischend. angibt, ist unrichtig. Er iibersetzt ebenso wie A 
^aeitdem ich ein Knabe*'^ dagegen P wSrtlich ^von meiner Jugend'*, — 
10) So A 392. £ 169 Quid adhuc (dies ht auch Sc Mt 20) tnihi deest? 
Diese nur bei Mt echte Frage fiodet sich wie bei Griechen und Lateinern 
Mrv.20 als Randlesart aach in HI s. Wbite I, 596. Adlerl04. — 11) Nur 
aus Mr 21. Mit A auch £ 171 amans eum intuitus est, E 172 einmal 
mit autem, einmal mit et, E 173 in amore eum intuitus est Dagegen P 
wortlich nach 6r Jesus aher sah ihn an und liebte ihn. — HI Jesus 
aber, da er ihn ansah, liebte ihn, — 12) Dies aus Mr Lc Genommene 
als Antwort auf die Frage ausMt auch E 170 zweimal aliud (alio) adhuc 
tibi opus est, ebenso E 171, wonach es dem liebevollen Blick gefolgt 
ist. Dies aliud weder durch A Sc noch sonst bezeug^. adhuc = irt 
Lc 22 (auch Sc) > A hier wie in der Frage (Note 10). — 13) E 170 
gibt davon nur eine Paraphrase vade, terrestres divitias in caelo depone, 
et sic in eis fiduciam habebis, quia tibi reservatae sunt, Aber E 125 
zeigt ebenso wie A vorwiegende Benutznng von Mt 2 1 : si vis perfectus 
esse^ vade, vende omnia quae habes, Andrerseits zeigt er ebenso wie A 
Benutzung des nur bei Mr echten agag tbv axavQov: E 170 quia per crucem 
intrabunt . . E 171 crucem portantium, Allerdiogs hat auch Sc inMt2t 
interpolirt und nimm dein Kreuz und folge mir, — 14) A '^:iD = negl 
{Xvnos) Lc 23, ^ Sc P, wird also um so sicherer als Text von T gelten 
miUsen. Auch das folgende vj'^l^p 13 fiir Xvnovfdevog Mt 22. Mr 22 weicht 
von Sc P ab. — 15) Diese kurze Fassung bezeugt auch E, der von den 
Satzen Mt 23. 24. Mr 23—25. Lc 24. 25 auch nur Mr 24 gibt (E 170): 
Sed cum ille abiisset, dixit dominus: quam difficile est eis, qui in pos' 
sessiontbus confidunt, . Nur eine Berticksichtigung der Einleitung von 
Lc24 zeigt sich noch E 172: quia dominus vidit eum esse contristatum, 
— Auf diese Geschichte beziehen sich wahrscheinlich nicht die Worte 
A 43, 7 sqq.: Und er .offenbarte uns^ dass der, welcher die Welt liebt, 
Gott nicht wohlgef alien kann, an dem Beispiel des Beichenj der auf seinen 
Besitz vertraute. S. oben S. 83. 76 ff. 

§ 54. Lc. 16, 19-31. E 174 sq. cf. 173. 

(19) Ille quoque dives est^ qui indnebatar purpura^). [(19 — 
21) Und wiederum zeigte er ein under es Beispiel an dem Reichen^ 
der in seinen GUfern schwelgte, und seinEnde war in derHolle, 
und dem Armen, der an seiner ThUre hingeworfen war und be- 
gehrte und seufzte (darnach) , dass er seinen Bauch fUlle mit 
dem, was von dem Tisch jenes Reichen fiel^ und er sagie^ dass 
kein Mensch es ihm gab. Und er sagt hier^ dass die Hunde 



— 176 — 

katnen und seine Wunden leckten^). . • (22) Es geschahi nnd 
es starb jener Reiche nnd ward begraben nnd in die Qnal ge- 
worfen. Und ancb jener Arme starb nnd es trugen ihn die 
Engel in den Schooss Abrahams ^). (23) Und es erhob jener 
Beiebe seine Angen ans der HOlle and aus der Qnal and sab 
den Abrabam and den Lazarns in seinem Scbooss ^). (24) Und 
er rief mit lanter Stimme: mein Vater Abraham , erbarme dieb 
fiber mieb nnd sende Lazarns , dass er komme , mir helfe and 
meine Zange anfeacbte von der Glntb; denn ich bin sehr ge- 
qn&lt^). (25) Es sagte ibm Abrabam: mein Sobn^ gedenke^ 
dass da deine Gilter in deinem Leben empfangen bast, and 
Lazarns bat seine Uebel empfangen ^). Rente aber bittest da 
ihn , and er hilft dir nicht '^). (26) Denn eine grosse Klnft ist 
zwisehen nns and each; and man kann (sie k(5nnen) von ench 
nicht zn ans kommen nnd ancb nicht von nns za each. (27) Er 
sprach za ibm : Waram soli ich, mein Vater, nicht von dir bitten, 
dass da zam Haas meines Vaters schickest — (28) denn ich 
babe fUnf Brilder — dass er bingebe nnd ihnen bezenge, nnd 
sie nicht sUndigen nnd ancb kommen in diese Qnal. (29) Und 
es sagte ibm Abrabam : sie haben den Moses nnd die Propheteu; 
m($gen sie von denen hOren. (30) Er sagte ibm: nein, mein 
Vater Abraham, sondem es soil einer hingehn von den Todten 
zn ihnen, nnd sie werden Basse than. (31) Es sagte ibm Abra- 
ham: wenn sie den Moses and die Propbeten nicht h()ren, wer- 
den sie ancb nicht, wenn einer von den Todten za ihnen kommty 
an ihn glanben^)]. 

1) £ 173. Diese and einige andere Beziehungen aaf diese Perikope 
bringt E schon yor Abschluss der Auslegang von § 53. Dass in T § 54 
hinter § 53 folgte, kann nach E 174 sq. nicht zweifelhaft sein; weniger 
gewiss Ist, ob unmittelbar. Die Etirze der Bebandlung von § 54 in 
E 74 sq. wttrde die Annahme gestatten, dass T hier, wo er, offenbar 
darch die Sachverwandtschaft veranlasst, § 54 auf § 53 hat folgen las- 
sen, auch noch andere Reden Jesu iiber den Reichthum untergebracht 
hat z. B. Lc 12, 16 (oder 13)— 21, was A 43, 8; 381, 11 (s. oben S. 83) 
vor dem reichen Mann and Lazarus citirt, und Fuld. p. 96, 1—12 vor 
dem reichen Jttngling, also vor T § 53 gibt. Die Reprodaction bei 
A 381, 11 sqq lautet: Femer sprach er in einem anderen Gleichnis von 
einem Reichen^ der auf seinen Besitz vertraute. AU er von seinem Lande 
vieU Einkunfte gesammelt hatte und zu seiner Seele sprach: ^Siehe 
doch, viele CHiter sind fUr dich gesammelt fur viele Jahre; meine SeeUy 
ruhe dich aus und iss und schwelge'^^ da sagte ihm Gott: ^Herzloser 
(Nib Kb"!, wir wttrden sagen: Kopfloser)^ siehe^ in dieser Nacht fordem 



— 177 — 

sie deine Seele von dir. Das, was du hereitet hast, wem mrd ea wet' 
den*^? Und damach sagte er: ^/S^o ist der, welcher Schatze sammelt und 
nicht in GoU retch isf^. Die aaffalligste Abweichang von Sc P besteht in 
der Uebersetzang von a<pQO)y, wofttr Sc P Nrs^l ^"^Dn. — Es ist ferner 
sehr wohl mdglich, dass Lc 16, 14, was A 133, 16 citirt, als Einleitung 
an der Spitze der Perikope Lc 16, 19—31 stand. Es heisst dort: Wer 
seinen Bruder verspoUet und verhohnt^ an dem erfuUt sich das Wort, 
das im Evangelium geschrieben ist, als der Herr den Sinn von den 
Geizigen und den Pharisdern (A^ 232 besser sensum avaritiae a Phari- 
saeis) wegnehmen wollte. Denn es steht geschrieben : „ Weil sie geldliebend 
waren, verhohnten sie i^n". Ganz ebenso P; es fehlt Sc. Das Frag- 
ment be! Rodiger endigt Lc 16, 12. — 2) A 381, 18—382, 3. Ueber 
die Mischang mit Lc 15, 16 s. oben § 48 Note 2. Es scheint durch das 
•j^an ^MNT A 382, 3 vor der w(5rtlichen Wiedergabe von ot xvvig i^xo- 
fieyoi InklHxov ra ilxri avtov angedeutet, dass A sich der Entlehnnng 
des vorangehenden Worts aus einem anderen Zasammenhaog bewnsst 
ist. Es folgt zanachst eine allegorische Deatang derParabel (derBeiche- 
Israel, Lazaros-Christas , die Hunde-Heiden) , dann A 383, 7 das lange 
ziemlich wdrtliche Citat aas Lc 22—31 mit der Einleitang: und er sagt 
am Ende des Worts (der Geschichte). — A 43, 9 wird die Perikope 
mit den Worten reproducirt: jener Mann, der in seinen GUtern schwelgte 
und sein Untergang war im Scheol; und er bat um Wasser mit der 
Spitze seines kleinen Fingers, undNiemand gab's ihm. — 3) Nar angeli 
tulerunt eum in sinum Abrahami E 173 extr. cf 175 in. Es fehlt ftir 
diese Perikope Sc. Der Znsatz hinter hd(pri ISsst sich nicht aas der 
LA erster Hand in fi^ {xal hatfti iv rtp ^di^, inaQag xrA.) erklaren, wel- 
cher die meisten Lateiner folgen; denn T hat ausserdem dooh v. 23 
ip jifi $&ff Oder ix tov ^Sov, wie der cod. lat Verc. {sepultus est aput 
inferos, et de inferno) and das Evangel, hieros. {^sepult%AS est et ceddit 
in infernum. Et cum esset in inferno etc.) , welches aber nachher das 
vnaQx^y ^y pacfdvoig Ubergeht, was T gleichfalls bewahrt hat. Es scheint 
demnach eine alte, in fi^ and Evangel hieros. in verschiedener Weise ver- 
stiimmelte, im Verc. besser erhaltene LA durch T vertreten za sein, etwa 
xal hd(pri iv r<p ^^y. xal iv ttp ^^y indgag rovg o(p$'aXfiovs avtov, 
vnaQx^v iv paadvoig, — 4j Gf. E 175 at cur solum Abrahamum, non 
autem ceteros iustos vidit, et Lazarum in sinu eius? — 5) Es scheint 
za Grande za liegen: xarayjv^ri t^v ykaaadv (aov ix rrjg (pkoybg ravrtjg, 
oTi Xlav oSvvoifiai, — 6) Pies aach E 175 memento, fili mi, quod acce^ 
pisti bona tua in vita tua, et Lazarus cruciatus suos, Aach P mala 
sua. — 7) Das ist nicht blosse Willkttr A's. Es liegt vielmehr als Text 
zu Grande vvv ^k o&€ naQaxaUliai , and letzteres Verb ist in T hier 
ebenso tibersetzt gewesen wie in Mt 5, 4 S. Note 3 za § 16. — Aas- 
nahmsweise lohnt es sich eine griechische Rede Ephram's za vergleichen 
(Ephr. opp. graeca II, 163 f) , wo aach vvv ih oSb (statt &Sb) za lesen 
ist. — 8) Cf. E 175 Si Moysen et prophetas non audiunt etc. — an ihn 
glauben erinnert an majBvaovaiv cod. gr. D Itala, noch mehr an das 
credent ei Iren. IV, 2, 3 (Harvey II, 148), ebenso aber aach P ihm glauben. 

Zahn, Forschongen I. \0 



— 178 — 

§ 55. Mt. 20, 1-16- E 175-177. 

(1 — 5) De mercenariis^ quos conduxerat dominus vineaehora 
tertia et sexta et nona^). . • (6) Car tota die ad vesperam us- 
que otiosi statis^)? (7) Dixerunt ei: nemo venit et nos con- 
duxit'). . . (15) An non habeo potestatem in domo mea 
faciendi quae volo^j? . . Si ego liberalis sum, oculns vester cur 
mains est*)? (Si oculus tuus mains est . .) [(16a) Et in para- 
bola vineae: novissimi, ait, erunt primi*').] [(16b) Viele sind 
bernfen nnd Wenige auserwUblt '^)]. 

1) Wie eine Ueberschrift E 175 im unmittelbaren Anschluss an den 
letzten Vera von § 54. Hier also hat Mt 19, 27—30. Mr 10, 28-31. 
Lo 18, 28—30 schwerlich in T gestanden; hinter § 53 zeigt sich auch 
keine Spur davon; und ob dieses Stiick Uberhaupt in T stand, ist zwei- 
felhaft. Die Anspielung an Mt 19, 28 in E 179 (dedit duodecim aposto- 
lis) and das Citat in A 432, 7 gehen nach E 223 wahrscheinlich aaf 
Lc 22, 30 zortick s. § 84. Die gelegentlichen Bezugnahmen aaf Mt 19, 27 
in E 67 (Simon autem . . ecce, ait, nos reliquimus omnia) and E 178 
{Quid ergo erit nobis?) kSnnen aus Eenntnis der kanonischen Texte ge- 
flossen sein. — 21 E 176. — 3) So E 176; nemo nos conduxit mer- 
cede E 177. — Ungenaue Anspielungen an v. 12 a. a. aach A 105, 4—6. 
An V. 10 erinnert A 145 extr.: Wer seine Arbeit im Weinberg gering 
gemacht hat, bekommt den Lohn und senkt sein Haupt und Jcann nicht 
mehr verlangen s. auch A 434, 1—5. — 4) E 177 an mit P HI: ]> Sc. 
Auch die Griechen variiren. -~ in domo mea, dagegen Sc P HI Gr in 
dem Meinigen. — 5) E 176 Die in Klammern beigefUgte Anftihrang 
E 177 macht es zweifelbaft, ob erstere w5rtlich sein will. — 6) Ganz 
beilaufig E 108. — 7) A 142, 12, konnte an sich ebensogut aus Mt 22, 14 
sein, als aus Mt 20, 16, wo es Sc P HI gegen die altesten griech. codd. 
gleichfalls haben. 

§ 56. Mt. 20, 20-28. Mr. 10, 35—45. E 177—179. 

(Mr 35) Jacobus et Joannes . . . dixerunt^): volumus, ut, 
quidquid petierimus nos, facias nobis. (Mr 36) Bespondit eis: 
faciam vobis^). . . (Mr 37. Mt 21) Da nobis potestatem, ut 
sedeat unns a dextris tuis et alter a sinistris ^). . . (Mt 22. 
Mr 38) Dixit ad eos dominm: Potestis bibere calicem, quemego 
bibiturus sum *)?..( Mt 23. Mr 40) Ostendit se potestatem non 
habere^), [(Mt 24. 26. Mr 41. 43 cf. Le 22, 26) Cum autem 
ceteri apostoli illis irascerentur y rem omnibus explicavit dicens: 
qui vult maior esse vestrum, sit vester servus®)J. 

1) E 177 als Einleitung yon Mr 37, wahrend Mr 35 erst £ 178 nach- 
getragen wird. Es liegt za Anfang durchaus Mr zu Grande. Salamo 
wird weder hier noch E 108 sq. genannt. — 2) E 178. Er las also mit 



— 179 — 

cod. gr. D nnr nonjam vfilv (ohne rl 9-iUti fu)\ Shnlich ]]> Vercell* 
Yeron. Vindob. d^iXttk fie, eioige Griechen and Lat. ^ nur fii. Leider 
fehlt Sc. Grammatisch selbstandig steht das non^ata ifAlv aach in P, 
denn es ist zu tibersetzen: Was wollt ihr? ich werde (es) euch thun. 
Erst HI schreibt nsyN*i fdr nn^N. — 3) E 177 sq. Dagegen E 178 extr. 
da nobis ^ ut sedeamus ad dextram tuam et ad sinistram tuam. Beide- 
male fehlt das iv r^ fiaadiCq aov (Mt) oder iv ry 66^ij aov (Mr) , was 
beides Sc Mt 21 znsammenfasst. — 4) E 179. Nar nm ein vos hinter 
potestis vermehrt, sonst ebenso E 108; ohne vos, aber mit num an der 
Spitze E 229, nirgends etwas von der Taufe, welche aus Mr 38 vielfach 
in Mt 22. 23 eingeschlichen ist (aach in P, aber nicht Sc). Aus E 228 
ergibt sich aach ein positiver fieweis daftir, dass T in diesem Znsammen- 
hang nichts yon Taufe hatte; denn dort folgt aaf jenes Gitat: et alio 
loco : haptismus instat mihi, ut haptieer (Lc 12, 50) was in T ttberhaapt 
nicht nacbzaweisen ist. — 5) E 179 cf. E 109: prae se ferens, se non 
habere potestatem in Bezag aaf dieselbe Geschichte. — 6) E 109. ^oviXog 
statt SiKTtovog^ (so aach So Mt 26) wird aas Mt 27. Mr 44 eingeflossen 
sein. — Ob Mt 28. Mr 45 in T stand, lasst sich, da E and A schweigen, 
nicht entscheiden. Ephr. I, 440 e citirt es w(5rtlich nach P. Von der 
grossen daran angeschlossenen, zam Theil apokryphischen Interpolation 
in Sc, cod, gr. D, bei manchen Lateinern (s. die nQthigen Nachweisangen 
in Careton's Preface za Sc p. 35—38) zeigt sich in E a. A keine Spur, aach 
nicht von Lc 14, 7—10, woraas die Interpolation grdssten Theils ge- 
schdpft ist. — Sehr fraglich ist aach, ob etwas, oder doch was von Mt 20, 
17—19. Mr 10, 32—34. (Lc 18, 31-34) dieser Perikope voranging. Die 
Hauptsache war schon in § 42 (Note 5) vorweggenommen ; and die in 
der Erklarang von § 56 vorkommenden Worte E 178 Bixerat enim eis: 
ecce imus nos Hierosolymanif et tenebunt et in crucem agent eum sagen 
nichts dariiber, wie lange vorher Jesas Solches gesagt hatte. 

§ 57. Lc. 19, 1-10. E 180 1). 

. . (5) ^^ dixit ei dominm: Festina, descende istinc, 
Zachaee . . . quia ad te divermrus sum^). . . (8) Ecce domine, 
dimidium omninm bonoram meorum dabo panperibus, et omnia 
qaae anqaam iniuste ab aliquo accepi, reddam haec qaadrn- 
plnm'). [(9) Und es sagte ihm der Herr:] Hodie facta est 
salas haic domni (in diesem Hause)^) qaia et iste ntique est 
filias Abrahae^). 

1) Die auffallende Voranstellang von § 57 vor § 58 gegen die Ord- 
nang bei Lc erklart sich daraas, dass T dem Zeagnis von Mt 20, 29. 
Mr 10, 46, wonach die Blindenheilang beim Aaszug aas Jericho statt- 
fand, gegen Lc 18, 35 Glaaben schenkte. — 2) E 180. Das quia etc. 
ebenda nach einer zweiten angenaaeren AnfQhrang, wo statt istinc steht 
de hac ficulnea, beides sonst anbezeagt. — 3) Von omnia an schon 
einmal vor dem vollstandigen Gitat. Ob das Fataram aaf willkiirlicher 
Deatang des Praesens (dies aach A 392, 2 sowie Sc P) von Seitens E's 

12* 



- 180 — 

Oder seines annen. Uebersetzers beraht, wird nicht za entscheiden sein. 
Uebrigens stimmt E mit A Sc (alles, was ich geraubt hale [ntbii = 
ttnoareQSlv 1 Cor 6, 8; 7, 5, aS^STeZv 1 Cor 1, 19; Mr 6, 26 P] erstatte 
ich eins durch vier) in der Hauptsache gegen P (und jedermann das 
was ich geraubt [n^b^ nach Schaaf u. A. nnr be! Lee finde ich dasselbe 
Verb wie in A Sc] eins durch vier erstatte ich). — 4) Soweit auch 
A 392, wo aber ebenso wie in Sc in diesem Hause, dagegen P diesem 
Hause, Ersteres wird der Text von T sein (= codd. gr. Alex. u. D) 
welchen E*s arm. Uebersetzer verwischte. — 5) E 180 vom Vorigen ge- 
trennt. quia et iste mit P 6r, dagegen Sc und auch dieser. 

§ 58. Mr. 10, 46-52. Lc. 18, 35—43. E 180 sq. »). 

(Mr 46) Caecm quidam sedebat secus viam in transitu via- 
rum, et nomen eius erat BartimaeuSy fiUus Timaei. (Lc 36 sq.) 
Quando caecm interrogaverat: quia est hie*)? dixerunt: Jesus 
Nazarenas. . (Lc 38. Mr 47) Coepit clamare et dicere: Jesa, 
fili David, miserere mei')! (Lc 39. Mr i8). Increpabant et im- 
pediebant hunc caecum, ne veniret ad Jesum; ideo magis clama- 
bat: Fili David, miserere mei^)« . . (Mr 60) Et abiecto pallio 
venit ad earn ^). . . (Lc 42) Bespice, fides tua te salvnm fecit®). 

1) Yon Mt zeigt sich hier gar keine Spur. Die meist sehr frei re- 
ferirten Satze stehen in buntester Ordnung. — 2) Ganz so Sc P fi^^ti i^^, 
erst HI mit Gr N^ri IT^rTiN N353. — 3) Mit dieser Einleitung aas Mr 
(^^Q^cera xQaCstv xal UyHv) £ 180 extr., dann 181 ohne dieselbe, sonst 
ebenso. — 4) E 181 getheilt hinter clamabat; doch ist durch die Um- 
gebung deutlich, dass der diesmalige Hilferaf ohne Jesu hieber nnd nicht 
za Lc 38. :J)Ir 47 gehort. ~ 5«) Dies ist E 181 mit dem Anfang der 
Geschichte Mr 46 unmittelbar verbunden, was doch schwerlich etwas be- 
4!0utet. — 6) resj^ce = dvafiUxpov, Dagegen Sc P nur siehe. 

§ 59. Jo. 2, 14—22. (Mt. 21, 12 sq. Mr. 11, 15—17. Lc. 19, 

45 sq.) E 181. 

... (Jo 2, 14) Quas autem intra templnm oves et boves 
vendebant eae erant, quas sacer dotes ex sacrificiis colUgebant *). . . 
(Jo 18 of. Mt 21, 23) Quoniam signum ab eo petebant^). . . 
(Jo 19) Destrnite templam hoc, et tertia die sascitabo illad. 
(20) Ei responderunt : Qaadraginta sex annis aedificatam est 
templum hoc, et tu tertia die suscitabis illud ^) ? [(21. 22) Und 
es verstanden seine Jilnger^ dass er von seinem Leibe sprach, 
dass er ihn, nachdem sie ihn gebrochen, aufrichten werde in 
drei Tagen^)]. 

1) Nar dieser Satz steht E 181 zwischen S 58 a. 60, aber so vollig 
ohne Zusammenhang mit den vorangehenden und folgenden, unfraglich 



— 181 - 

auf die Perikopen § 58 n. 60 beztiglichen ErSrteruogen, dass aach nioht 
zn bezweifeln ist, hier habe in T die TempelreinignDgsgeschichte ge- 
standen. Nachdem T nach den Synoptikern bis zn dem dort einzigen 
und letzten Besuch Jernsalems gekommen war, erkannte er in der dort 
folgenden Darstellung (Mt 21 sqq. Mr 11 sqq. Lc 19 sqq.) eine Zasam- 
menfassang jernsalemiscber Ereignisse, welche nach Johannes verschie- 
denen Besuchen and Zeiten angeh(5rten. Da nun nach Job. der feier- 
liche Einzug mit dem Hosiannaraf die Leidenswoche einleitete, so ttber- 
ging er diesen zanachst als eine Geschichte, welche die Synoptiker 
nngenau mit frttheren Ereignissen zasammengestellt hStten; und da er 
ebensowenig zwei Tempelreinigungen als zwei Palmsonntagseinztige haben 
woUte, Johannes aber die Tempelreinigung auf ein frtiheres Fest verlegt 
hatte, so verband er mit Mt 21, 12 sq. Mr 11, 15 sqq. Lc 19, 45 sq. 
die parallele Darstellung des Johannes und was damit geschichtlich zu- 
sammenhing (§ 61), oder durch sachliche Angemessenheit dazu einlud, 
es hieher zu stellen. — Die Stellung oves et boves mit fi^ (erste Hand) 
und mehreren Italazeugen gegen P, kann aber auch aus v. 15 sein, wo 
allgemein so gestellt ist. — 2) E 187 in der Auslegong von Jo 3, 1—21, 
was wiederum beweist, dass §59 vor § 61 stand. — 3) E 182. A 224, 12: 
Femer sagt er zu den Juden: diesen Tempel, den ihr sehet^ wenn ihr 
ihn dbbrechen werdetf werde ich in drei Tagen aufrickten. Es fehlt So 
far Jo 2. P tibersetzt kvaars durch TninD, A durch '^lT«3TT©n, was ab- 
gesehn von der durch die veranderte Satzform veranlassten Yerbalform 
dem 6r genauer entspricht, also nicht von A herrtthren kann, sondem 
in T stand. — 4) A 224, 14 unmittelbar an das Gitat in Note 3 an- 
geschlossen. Wann die Jtinger diese Einsicht gewannen , sagt^ A^\cfa^ 
Bickell's Uebersetzung S. 112: da erkannten seine Mnger efj^^-^twa!- 
genau und irrefuhrend* C^ f.^^ 

§ 60. Lc. 18, 9-14. E 181 sq. ^^^tjp 

(10—13) Illiua Pharisaei, qui orabat, omnia verba^ 
cebat, vera erant^ sed glonans haec loquebatur. Hie autem pec- 
cata stM in humilitate propalavit. . . (14 a) Qui peccata sua 
confitebatur^ deo magis placuit quam ille^ qui iustitiam mam 
confitebatur^), . . [(14b) Jeder, der sicb erhOht, wird er- 
niedrigt v^erden; and Jeder, der sich emiedrigt, wird erbObt 
warden ^)]. 

1) So zusammenhangend E 181. Das hie autem, statt dessen Moes. 
der Deutlichkeit halber publicanus autem in den Text genommen hat, 
beweist, dass Lesung (Vorlesung) der Perikope vorausgehend zu denken 
ist. Der Anschluss an § 59 wird sofort deutlich, wenn man annimmt, 
dass dort statt Jo 2, 16 oder mit demselben combinirt Mt21, 13. Mr 11, 
17. Lc 19, 46 {olxog ngoaivx^g) stand. Cf. Fuld. p. 104, 16—20; 105, 
10—22. Das Eecht, hier zerstreute Lehrreden Jesu einzuschalten, boten 
Stellen wie Lc 19, 47. 20, 1. Mt 21, 23. — 2) A 80, 1. 189, 10. Auch 



— 182 — 

E 41: Ofnnis qui se humiliat, exaUdbitwr. DieserSprach wird nicht auf 
Le 14, 11 znrlickzafdhren sein, da Lc 14, 7—11 Gberhanpt in T nicht 
nachzaweisen ist. Eher wSre an Mt 23, 12 zn denken (s. § 77); aber 
es ist nicht zu libersehn, dass das zweimalige omnis gui an beiden Stellen 
des A und das einmalige bei £ nor Lc 14, 11 und Lc 18, 14 in Sc sein 
Aequivalent hat, wogegen Sc Mt 23 » 12 nur ein einmaliges, Ubrigens 
durch 6r P m nicht bestatigtes U)2» b^ gibt. 

§ 61. Mt. 21, 18—22. Mn 11, 12—14; 19-24- Lc. 17, 5. 6. 

E 182—187. 

(Mt 18. 19. Mr 12—14) Exarivit et festinanter venit ad 
ficum *) . . . tempore fmctibtis inconvenienti ^) • • . Maledixit 
ficulneae et arefacta est ^). (Mt 20) Admirati snnt discipnii eias, 
quomodo tarn sabito arefacta sit^). (Mr 19—21) Qnando re- 
versi sunt, dicunt ei: ecce ficnlnea, cai maledixisti , quomodo 
arefacta est subito^)? (Mt 21) Dicit ad eos: et vos si ba- 
bueritis fidem et non dabitaveritis (Mr 23) in corde vestro, di- 
cetis (si dixeritis) haic monti: (vade, mittere in mare) et trans- 
feretur (fiet). [(Mt 22. Mr 24) Quodcunque in orationibus vestris 
in fide petieritis a deo, dabo vobis. Quod cum ante oculos eorum 
positum esset (Lc 17, 5), dixerunt ad eum: Adange nobis fidem*)]. 
[Und er sagte ihnen: ihr soUt nicht zweifeln nnd in der Welt 
versinken ^)1. 

1) E 183, aach E 186 esuriit et festinans venit ad illam ficum. Fiir 
dies demnach in T Yorhandene eilig finde ich sonst keinen Beleg. — 
2) So £ 184, ahnlich schon zweimal £ 183. — 3) So E 183, also ist 
die Sache nach Mt dargestellt s. aach den folgenden Satz, womit dann 
nicht eben gliicklich der abweichende Bericht des Mr verbunden wird 
cf. E 184: in conspectu eorum arbor em ficum arefedt, — Das male- 
dixit ficulneae^ welches schon E 182 so lautet und in dieser Form der 
laDgen Erdrternng za Grunde liegt, halte ich fiir Textbestandtheil. — 
4) E 186. — 5) E 184. Da auch das Folgende bis trans feretur unun- 
terbrochen fortlaufend. DerSchluss dicetis-transferetur scheint angeoau 
citirt, da E 185 zweimal in verschiedenen ADfuhruDgen steht si dixeritis^ 
zweimal mittere ^V^ mare, einmal vade, was ebenso wie transferetur aus 
Erinnerung an Mt 17, 20 einfloss (s. § 44 Note 5), und einmal fiet. — 
A 394, 10 stellt neben Mt 17, 20 als ein zweites ahnliches Wort: und 
auch ^er werde aufgehohen und falle ins Meer'^^ und es wird euch er- 
hdrt (varia 1. erfillU) werden. — 6) E 189 hinter dem Citat aus Mt 17, 20, 
aber durch et rursus davon getrennt. Die von Mt 21, 22 zu Lc 17, 5 
ttberleitenden Worte E's lassen keinen Zweifel dartiber, dass sie so in T 
verbunden waren. Das wird bestStigt abgesehn von Fuld. p. 107, 26—31 
durch A 21, 13: Und als den Herrn seine Junger baten, baten sie ihn 
um nichts Anderes , sondern sprachen (als dass sie sprachen) : Mehre 



- 183 — 

una den Glauben, Er sagte (d. h. hier hatte geaagt) ihnen: Wenn 
Glauhe in euch isty toird auch der Berg von var euch versetzt werden, — 
7) A 21, 17 unmittelbar an die am Schlass voriger Note mitgetheilte 
Stelle angeschlossen. Da offenbar das yorige, einer Copula entbehrende 
llSnb 173K nicht die Antwort auf die Bitte der Jiinger sein kann, soo- 
dern ein Rttckgriff auf das die Jiinger zu ihrer Bitte veranlassende Wort 
Jesn sein will (s. E oben im Text), so gibt A dies apokryphe Wort, 
das ich ebensowenig wie Antonelli, Wright, Bickell sonst nachweisen 
kann, als Antwort Jesu auf die Bitte in Lc 17, 5. — Noch ist zu be- 
merken, dass das Citat A 487, 20: Ea ist nichtSf worum ihr Gott bitten 
werdet in eurem Gehet, das er euch nicht geben wird am ersten noch mit 
Mt 21, 22 stimmt , also zu dieser Perikope gehcJrt Gar zu fern liegt 
Jo 11, 22 (von Wright daneben genannt) oder Jo 14, 13. Eine dunkle 
Erionerung an letztere Stelle scheint im obigen Text E's das dabo statt 
ddbit, oder vielmehr accipietis (Mt) oder continget vobis (Mr) veranlasst 
zu haben. 

§ 62. Jo. 3, 1-21 (15?) E 187-190. 

. . (4) JSTum uUo mode fieri potest, nt homo senex denao 
in ateram matris suae intret et denno in Incem edatar?^). . 
(5) Nisi quia natus faerit ex aqua et Bpirita, non potest introire 
in regnnm dei'). (6) Qui natas est ex came, caro est, et qui 
natus est ex spiritu, spiritus est^). . . (8) Spiritnm nescitis, 
ande venit, ant quo vadit^). . . (10) Tu es magister in Israel, 
et haec ignoras?^). . (12) Si terrena dixi vobis et non creditis, 
si de caelo (caelestia) dieam vobis, quomodo credetis ®)? (13) Et 
nemo ascendit in caelum, nisi qui descendit de caelo, filius bo- 
minis^), [er, der im Himmel war]. (14) Et sicut Moyses ex- 
altavit serpentem in deserto, ita exaltari oportet filium hominis *). 
. . [(16) Ita, ait, dilexit deus mundum, ut et filium suum nni- 
genitum etc. ®)]. 

1) E 189. Diese Zusammenziehung in eine Frage sonst wohl nicht 
bezeugt Sc beginnt erst mit 5 extr. -^ 2) E 189. dei auch Sc P HI 
statt des wahrscheinlich echten reuv ovgariSv, — 3) E 189. Die mascu- 
line Form sonst nicht zu belegen. Die ZusStze von So (und den Slteren 
Lateinem s. Tischend.) weil es vom Fleisch geboren ist und weil Gott 
Geist ist und es von Gott geboren ist scheint T nicht aufgenommen zu 
haben. -- 4) E 189. — 5) E 188: in Israel, Sc P He Gr rov 'laqai^X. 
— 6) So E 188 extr. Das caelestia aus dem Citat E 187, wo ausserdem 
itaque zu Anfang und credidistis statt creditis. A 173, 17 citirt: denn 
wenn ich uber das, was auf Erden ist^ euch sagte und ihr nicht glaubt, 
wie werdet ihr, wenn ich euch Uber das, was im Himmel ist, sage, glau- 
ben. Ebenso Sc und riicksichtlich des vorauszusetzenden griech. Textes 
auch P, diese beiden aber ]]> denn und -{- mir am Schluss. Letzteres 
hat erst HI getilgt. — 7) Soweit E 187, einmal zusammenhSngend, aber 



— 184 — 

ohne et, dann in zwei Stiicken mit et, aber ohne fiUus Tiominis, Noch 
einmal yolIstSnclig E 189 (nnr de eo statt de caelo)^ aber iiberall fehit 
o cSi^ iv Till ovqav^, Aber A 173, 12 hat dies in gleicherForm wieSc: 
er, welcher im Himmel war, dagegen PHI: er, welcher im Himmel 
ist. — 8) E 189, auch E 230, wo exaltahitur statt exaltari oportet. Of. 
A 224, 7: Jenen erhdhte Moses eine Schlange von Erz, damit Jeder, der 
sie seM, vom Bisa der Schlange genese, und (fur) una erhohte Jesus sich 
selbstf damit toir^ indem wir auf ihn hlicken, von dem Bias der Schlange^ 
welche Satan iat, errettet wUrden. — 9) E 258 so abgekiirzt. Ob die 
Perikope sich ilber v. 15 und bis v. 21 erstreckte, ist ungewiss, aber 
wahrscheinlich. Das weiter Folgende s. in § 13. 

§ 63. Lc. 18, 1-8. E 190. 

[(1) Wie geschrieben ist, doss der Herr sagt: Betet, und as 
verdriesse euch nicht ^).] (2—8) In iudice hoc peccatore gtianta 
erat iniquitas et malitia* . . In sua iniguitate noluit viduae ius 
dicere. . ♦ Ausus est a timore dei deficere . . homines revereri 
aspemabatur. . . Sed utrumque orationis instantia superavit. . . 
Quanto magis nos exaudiemur, si perseverantes misericordiae et 
imtitiae vim inferamus^). 

1) A 75, 10. Die letzten Worte abgesehn von ytio statt 'jirrb ebenso 
in P lfxnr\ NbT, in Sc dagegien N5N7a mn Nbl. — 2) Dies alles der 
Reihe nach aas E 190. Ein wdrtliches Citat fehlt. Der Perikope diese 
Stelle anzaweisen, war T ebenso berechtigt wie bei § 60. Cf. Fald. 
p. 107, 34 angeschlossen an § 61. 

§ 64. Mt. 21, 23—32. Mr. 11, 27—33. Lc. 20, 1—8. E 191. 

(Lc 1 sq. Mt 23. Mr 27 sq.) Venerant et dixerant ei: qua 

potestate ta hoc facis? qtu>d dicunt ad eum, donee popcdam 

doceret eique praedicaret ^). (Mt 24—26. Mr 29—32. Lc 3—6) 

Vicissim potius eos interrogavit: baptismas Joannis nnde erat? 

ex caelo erat, an ex hominibos? Illi secam perpendere coe- 

perant et dioere: si dicimas, quod ex caelo est, dicet nobis: cur 

ei non credidistis? si vero dicimus „ex hominibus^, timemus po- 

pulum istum^). . . (Mt 28— 31a) Quid vobis videtur? Homini 

cuidam erant duo filii. . Sane, ait, domine. . . Quis ex his fecit 

voluntatem patris sui? Et illi iuste decernentes dixerunt: se- 

cundus'). . . (Mt31b) Ideo publicani et fornicatores praecedent 

vos in regnum caelorum ^). (Mt 32) Yenit ad vos Joannes in 

via iustitiae ^). 

1) E 191. Letzteres offenbar aas Lc 1, das Uebrige gerade nicht ans 
Lc2. — 2) E191 am genauesten mitMt. — 3) E 191. Aus demSchlass- 
satz folgt, dass T die durch cod. gr. B, Evang. hierosol., Arm., Copt a. A. 



- 185 — 

(vielleicht aach Hippol. ed. Lagarde 138, 16 8. die dortige krit. Note) 
vertretene Umstellung der beiden Antworten in y. 29 a. 30 in seinen 
Text aafgenommen hat. Aasgeschlossen iBt, dass er wie cod. gr. D and 
die meisten Lateiner trotz der gewdhnlichen Ordnxmg der Antworten and 
Handlangen in v. 29 u. 30 dann doch v. 31 in der Antwort der Hohen- 
priester 6 ^evjc^og oder o taxatog oder o varegog gescbrieben baben sollte ; 
denn dann konnte E niebt sagen, jene baben gerecbt genrtbeilt, man 
miiBSte ibn denn der wabnwitzigen Erklarang des Hilarius (s. bei Tiscbend. 
p. 136) oder deijenigen von Tregelles (s. darllber Scrivener, Introd. 
p. 503) fttr fahig halten. Vor allem konnte E so etwas nicbt stiilschwei- 
gend voranssetzen. Femer zeigen die Worte E's, welcbe an das sanCf 
domine sich anschliessen: Ule eum vocaverat filium, hie autem eirespon- 
dit ^dcmine**, dass in T das iytb xijQie v. 30 die nnmitteibare Antwort 
anf das rixvov^ vnayi tctX. v. 28 war. Endlicb zeigen die die ganze 
ErSrterang abscbliessenden Worte : Non dixit: uter videtur vdbis dixisae 
„ego vado**, sed quia fecit voluntatem patris sui?, dass nach E's Ortbeil 
derjenige, welcber sich bereit erklart bat, den Befehi des Vaters za er- 
fUllen, d. h. der im text. rec. und in D zu zweit Gestellte kein Lob ver- 
dient und erhalten bat. Alsp stand in T wirklicb an zweiter Stelle der, 
welcber sich geweigert and dann doch den Wiilen des Vaters getban 
batte. Diese drei Thatsacben , ^ welcbe gegen die Uebereinstimmang von 
T mit D, und ftir seine Uebereinstimmang mit Vatic, entscbeiden, scbliessen 
aucb den Verdacbt aas, dass erst der armen. Uebersetzer E*8 aus seiner 
armen. Bibel das secundus statt eines in E ursprttnglicben primus ge- 
setzt babe. Eine Unklarbeit entstebt nnr dadurcb, dass E unmittelbar 
binter dem vorbin mitgetheilten respondit ^domine'* nocb bemerkt: non 
vocavit eum patrem et nihilo secius verhum eius perfecit Gilt das von 
dem, welcber sane domine gesagt hat, so mtisste der ^Ja"* Sagende zu- 
gleicb der Tbater des vaterlicben Willens sein, was aller Textiiberlie- 
fernng, jeder denkbaren Aaffassung den ausdrtlcklicbsten Erklarungen 
E's und der, wie bewiesen ist, in T vorhandenen Ordnung widerspricbt. 
Es muss also bier der Text E's verderbt sein. Es muss etwa gelautet 
baben: Alter vero non vocavit eum patrem neque dominum^ et nihilo 
secius verhum eius perfecit — T weicbt bier von Sc P HI wie von den 
meisten Griechen ab; doch ist zu bemerken, dass er v. 30 mit Sc {yiK) 
val statt iyci durch sane wiedergibt. — Uebrigens wird die nun aucb 
durcb T sicber bezeugte LA des Vatic, die ursprttnglicbe sein, welcbe 
leicbt mit Rticksicbt auf v. 32 ganz oder balb geanderfc wurde, aucb 
wobl scbon frtib zur Tilgung der ganzen Antwort der Pbarisaer Anlass 
gab s. Tiscbend. p. 137 sq. Lacbmann (vol. II p. 5 sq.), welcber letztere 
dabei seinem gemiscbten Text (vol. I, 125 sq.) das Wort redet. — 
4) E 191 extr. Weder das masc. fornicatores, nocb das fut. praecedent, 
nocb caelorum statt dei finden in Sc P eine Stiitze. Aber praecedent 
baben Veron. Corbei. I u. II Fuld. p. 108, 33 u. Amiat. — 5) E 192. 

§ 65. Mt. 21, 33-46. Mr. 12, 1—12. Lc. 20, 9-19. E.192 sq. 

(Mt 33) Alia parabola: Yir quidam paterfamilias plantavit 

sibi yineam ^) . . et sepe mnnivit earn . . et torcalar praepa- 



— 186 - 
ravit in ea . . et aedificavit in ea tnrrim. . (Mt 34) Et misit 

I 

servos suos, ut ei fructus oflFerrent. . (Mr 2 — 5. Lc 10—12) At- 
tamen nee primi nee medii nee postremi fructum a eolonis acce- 
perunt^). (Mt 37) Post hacc misit filium suum . . (Mt 38. 
Mr 7. Lc 14) Bed cum vidissent filium venisse, dixerunt: hie 
heres est huias vineae, venite, occidamas eam, et tunc nostra 
erit hereditas vineae*). . . (Mt 39) Filium quidem oceiderunt. . 
(Mt 40) Quid merentur isti coloni? . . (Mt 41) Malos per mala 
perdet etc.*). (Mt 42) Nunquam legistis: lapis, quem reproba- 
verunt aedificantes, ipse factus est caput anguli? . . [(Mt 43) Es 
wird von eucb genommen werden das Reich Gottes und einem 
Volk gegeben werden, welches Frttchte trSgt «)]. (Mt 44. Lc 18) 
Quicunque in eum offendit, confringetur, et super quem cadet, 
conteret et consumet eum®). 

1 ) E 192. Dfese Fassang erscheint vorbereitet darch Sc (^Ein Mann^ 
ein Herr des Hauses^ war vorhanden^ pflanzte einen Weinberg. Da- 
gegen P: Ein Mann war vorhanden, ein Herr des HauseSf und er 
pflanzte e. W,) — 2) Diese DreitheilaDg war nicht aus Mt za gewioDen. 
— 3) Scbon Sc zeigt in Mt 38 eiDe Miscbtmg mit Mr Lc: kommt, lasst 
uns ihn todten, und das Erhe wird unser sein (oder werden)., dagegen 
P und Ephr. I, 511a wie Gr. Sonderbar wird E 265 ale ein Wort aus 
dieser Parabel citirt: Coloni heredem vineae cognoverunt, und Gewicht 
daraaf gelegt, dass sie ibn schon von feme erkannten. Dann muss der 
Arm. oben angeschickt tibersetzt baben cum vidissent filium venisse. — 
4) malos per mala steht jedenfalls dem Gr xaxovg xaxag nliher als So P 
Ephr. I, 506 d, welcbe xaxtSg xaxcSg voraassetzen. — 5) A 484, 1. In 
E 192 nar der Inhalt angegeben: hereditas translata et data est gen- 
tibus. — 6) E 193. conteret et consumet wird eine der scbon mehrfach 
nachgewiesenen Verdoppelangen des ar?). Uebersetzers sein. Dem Xix- 
fi^aet avtov entspricht in Sc (Mt 44. Lc 18) und in einem Uberhaapt 
ziemlich genau mit Sc Mt 44 ubereinstimmenden Citat be! A 11, 9 
"nT'pnilJn, dagegen in P (Mt Lc) ''m'^^nn. Ob T den Spruch, welchen 
Tischend. mit cod. gr. D, lat. Veron. ( Verc. ?) Corbei. I u. II, Vindob. (e) 
in Mt streicht, in Mt yorgefunden oder nur aas Lc aufgenommen, lasst 
sich nicht entscheiden, solange T's Abbangigkeit von Sc nicht er- 
wiesen ist. ^ 

§ 66. Mt. 22, 15—33. Mr. 12, 13—27. Lc. 20, 20-40. E 193 sq. ») 

(Mt 16. 17. Mr 13. 14. Lc 21. 22) Miserunt ad eum discipulos 
suos, dentne tributum*). . . (Mt 21. Mr 17. Lc 25) Date Cae- 
sari quod est Caesaris, sed deo quod debetis, date ei'). . . 
(Mt 23. Mr 18. Lc 27) Venerunt Sadducaei et dicunt ei: non 
est resurrectio mortuorum*): (Mt 24. Mr 19. Lc 28) Moyses 



— 187 — 

patriarcha nobis mandatnm dedit: si qnis carens liberis moria- 
tur, frater eius nxorem eius ducat*). (Mt 25 — 27. Mr 20—22. 
Lc 29 — 32) Itaqae nxor qaaedam fait septem viris. (Mt 28. 
Mr 23. Lc 33) In resnrrectione ergo mortuoram, cni ex his 
erit *) ? [(Mt 29. Mr 24) Da sagte ihnen der Herr : sehr irrt ihr 
nnd wisst nicht die Schriften nnd nicht die Kraft Oottes ^)] ; 
(Lc 34) quia filii adulti hnias mundi nxores ducnnt etc,^). 
(Lc 35 sq. Mt 30 Mr 25) Qui vero illo mnndo digni facti snnt*) 
[and jener Todtenaaferstehnng, nehmen (d. h. bet denen heirathen) 
nicht die Weiber, and es bekommen anch die M&nner keine Wei- 
ber^^), weil sie nicht sterben k($nnen, weil sie wie die Engel 
Gottes (im Himmel) and S5hne Oottes (and S5hne der Aafer- 
stehang) sind^^). . . Gott ist nicht (ein GoU) der Todten, denn 
alle sind ihm lebendig ^^)j. 

1) Da £ an dieserStelle nichts yoq Mt 22, 1—14 merken ISsst and 
aach sonst nirgends an diese Perikope oder ihre Parallele Lc 14, 16—24 
anspielt — denn die Anftihrung von Mt 20, 16 = Mt 22, 14 beweisst 
nichts 8. § 55 Note 7 — , so scheint es, dass T dem Mr folgend hier 
diese Parabel ilbergangen hat, welche doch aach Fald. p. 109 an dieser 
Stelle folgen ISsst. Dass sie ganz gefehlt haben sollte, ist an sich nicht 
wahrscheinlich. Daza kommt, dass A 103, 8; 152, 11 {Viele sind es^ 
die zum Gasttnahl geladen sind, dber denjenigen, welcher keine Kleider 
hat, voirft der Kerr in die Finstemis hinaus) offenbar Eenntnis der- 
selben bekondet. Zweifelhafter ist, ob A 146, 7 sqq. eine Anspielang an 
Lc 14, 18 sqq. Mt 22, 5 vorliegt. — 2) £ 193. Der £ingang nach Mt, 
die abgektirzte Frage nach Mr 14: ^tSfiev ^ (uri ^dl/iev; — 3) Aaf den 
Aasfall des ovv aos Mt oder roiyvv ans Lc (beides ^ aach So D a. a.) 
ist nichts za geben, da £ das Vorangehende nicht citirt hat and dber- 
dies bei Mr sicher kein ovv stand. — 4) £ 193 e< dicunt ei mit Sc P 
Mt 23 (beide nicht Lc 27) setzt die LA der Slteren gr. codd. Ikyovtig 
ohne ol voraas. — 5) Patriarcha soil nach Moes. and Aacher in den 
Hss. stehn. Moes. ersetzt es darch praeceptor, was dann 6 SiSdaxalog 
statt Si^aaxttke voraussetzen wtlrde; ist doch anwahrscheiniich, obgleich 
E das StSaaxaXe, wie so manchmal, nicht aasdrtickt. — 6) £ 194 an- 
mittelbar an den vorigen abgektirzten Satz angeschlossen. Aach hier 
scheint T gekUrzt zu haben. A 167, 10 leitet seine ansflihrliche Mit- 
theilung so ein: Ferner iiherfiihrte der Herr die Sadducder von der 
Todtenauferstehung, als sie ihm das Wort von einem Weibe, welches 
sieben Mdnnern (zu Theil) geworden war, hrachten (s. aber var. 1. 
am Rande) und ihm sagtem Siehe, ein Weih war sie ihrer aller. In der 
Todtenauferstehung, welchem von ihnen wird sie werden? £s wird also 
der Satz ndvreg yuQ iaxov avj^v, welcher so oder ahnlich laatend bei 
Mt Mr Lc hinter der Frage steht, vor derselben gestanden and mit der 
abgektirzten Fassung von Mt 25—27. Mr 20—22. Lc 29—32 verbanden 
Oder yerschmolzen gewesen sein. Auch bei £ folgt dieser Satz der Frage 



- 188 — 

nicht — ergo E So (Mt; > in Lc) P (Mt Lc); > A. — c«t E A 8c 
P (Mt): cuius Sc P (Lc). — 7) A 167, 14. E 194 in einem offenbar ge- 
kUrzten Citat (am Schluss eic,^ hat nar 'oalde erratis. Das valde ('^:iD) 
hat aach Sc Mt 29; es stammt aber aas Mr 27. — und Tcennt nicht A 
mit Sc (Mt 29), aber var. I. da ihr nicht kennt mit P. — 8) So E 194 an 
erratis angeschlossen, ^ A 167, 15. Aber das denn^ womit er den foi- 
genden Satz aus Lc 35 anschliesst, wird ursprQnglich hieher geh5ren. — 
adulti ist ein sonst anbezeugter Unsinn, entstanden ans einem Schreib- 
oder Lesefehler M?3'>b3^ {iuvenes) anstatt oder neben v^izbyx — Das 
y€yvc5a& xal yeyytSyrai oder umgekehrt in Sc (cf. White p. 400. Adler 
p. 121-4- in einem alten Exemplar) D and manchen Lateinern scheint T 
nicht aufgenommen za haben — 9) E 194, woran er sofort, sicherlich 
abktirzend, nar noch anschliesst hi ut angeli sunt Dagegen setzt A 167, 16 
{denn diejenigen^ welche jener Welt wurdig sind) und ebenso A 429, 6 
(Anfang: diejenigen, welche jener Welt w, s, , ,) das Citat so fort wie 
oben im Text folgt. An beiden Stellen ^ A mit P und den meisten 
Lat. rvxilv gegen Sc (lb^p73b cf. HI nntt5t:b mit tvx^lv am Rande). — 
10) und jener Auferstehung, die von den Todten (ist) A 167 a. 429 mit 
Sc, jener > P, jener nach Auferstehung HI. — Die nngeschickte Deber- 
setznng von ovts yafxovaiv ovu yafiC^ovxav {Jxyafii^ovrai ^ yafitaxovtai) 

gibt A an beiden Stellen. A 167, 17 hat die eine Hs. MtDii I'^no^ kS^^i Mb 

mit Sc (Mt Lc) die andere > N^na mit P (Mt Lc), A 429, 7 ']'^nD5 NlD'i Kb. 
Gemeint ist wohl tiberall, was A^ p. 265 schreibt : negue nuhent mulieres, 
neque viri ducent uxores. — 11) weil . . nicht fc<b . . b73t3 A 167 und 
429, auch nicht Sc, denn (^''A) auch nicht P. — weil sie wie dieEngel 
Gottes sind und Sohne der Auferstehung A 167, sondem wie die Engel 
sind sie, die im Himmel ( var. 1. Gottes) und Sohne Gottes A 429. Diese 
Varianten vertheilen sich nicht auf die verschiedenen Evv., denn zuerst 
ist das ayyiXot jov d-tov aus Mt 30 mit i^g dvaardasots vloC aus Lc 36 
verbunden, das zweite Mai wahrscheinlich ^g ayyeloi ol iv roZg ovqavolg 
aus Mr 25 mit vloC dai tov d-eov aus Lc 36. Ich habe oben versucht 
einen alles dies umfassenden Text zu geben. — 12) So vollstandig 
A 167, 19—168, 3. Von Gott ist nicht bis zum Schluss auch A 420 extr. 
ebenso, nur dass das und siehe (Mtil so auch Sc, nach anderer Hs. in 
A 168, 2 Nrri) hier nicht steht, und n bt:73 statt T^^i (letzteres Sc). Die 
abgesehn von diesen Kleinigkeiten ganz gleichmassige Anftihrung und 
der zweimalige Wegfall von dlla ^lovjiav spricht flir die treue Bewahrung 
des Textes von T durch A. 

§ 67. Mt. 22, 34—40. Mr. 28—34. (Lc. 10, 25—28) Lc- 10, 

29—37. E 194 sq. 
. . (Mt 36. Mr 28 cf. Mt 38) Qaod mandatam primnm et 
magnum est in lege »)? (Mt 37. Mr 29. Lc 10, 27) Respondit 
ei : ut diligas dominum tnnm et proximnm tnum nt te ipsnm ^). . . 
[(Mt 40) In diesen zwei Oeboten h&ngt das Oesetz and die 
Propheten 'j]. . . (Lc 10, 29) llle interrogaverat: quis est pro- 



— 189 — 

ximns mens^)? . . (30) a Jerusalem in Jericho. • (31 sqq.) 
Per Samaritanum sacerdotes et Levitas vituperavit. . . (36) Quis 
ex istis videtor tibi proximas faisse vnlnerato^)? (37) Dixit ei: 
qui fecit misericordiam. Dixit ad eum: et ta fac similiter*). 

1) E 194. Aach So, nar umgekehrt, gross und ein erstes, Diese 
Stellang haben So P M B D etc. aach Mt 38. Die Zasammenstellung an 
hiesiger Stelle in T Sc wird Combination aus Mt 36 {fuyaXri) and Mr 28 
(nQtjTTj) sein. — 2) E 194. A 24, 5 nach den oben im Text folgenden 
Worten: wenn ein Mensch den Herrn seinen GoU Uebt von seiner gan^ 
zen Seele und von seiner ganzen Kraft und von seinem ganzen Ver- 
mogen , und wenn einer femer Uebt seinen Ndchsten wie sich selbst. — 
3) A 24, 4 als Wort Jesa , darauf erst folgt das in Note 2 Uebersetzte. 
Eine ADspielnng an Mt 40 aach A 30, 2. Beidemale A mit Sc P 
Ephr. I, 221 e, aber aach fc< erster Hand, > oXog, — 4) E 195. — 

5) E 195 extr. Diese Abkttrzang {vulnerato) wiederholt vorher. — 

6) E 195 in zwei Stiicken. Der Zasatz zam ersten Satz: et ecce Sama- 
ritanus erat iste aus Lc 17, 16 soil wohl nicht zam hiesigen Text ge- 
hSren. 

§68. Jo. 7, 32 (Oder 37)— 44 (Oder 52)- E 196^). 

(37) Dominns clamavit et dixit: si qais vestram sitit, veniat 
ad me et bibat^). « . [(42) quia dicebatur: ex vico Bethlehem 
nascitnras est Ghristns')]. 

1) Der einzige aas dieser Perikope hier als Aaslegangsobject vor- 
getragene Aassprach Jo 37 beweist, dass bier die zweite Halfte von Jo 7 
folgte. Ueber die Unsicberheit der Anfangsgrenze s. § 52 Note 1. Aach 
Paid. 113, 3—36 iasst aaf den barmherzigen Samariter Jo 7, 32-52 fol- 
gen nnd schiebt nar*Lc 19, 47. 48 vorher ein (p. 112, 36—113, 3). 
T hat die Ereignisse von Jo 7, 37 — 10, 21, welche aaf ein Laabhtitten- 
fest fallen, dorch seine Anordnang aaf das Passafest verlegt, za welchem 
Alles von § 59 an geh5rte. Ob die Uebersetzung von Jo 7, 37 in Sc 
(fc^'ry'ry'l Ni^ NTaT^i) welche auch bedeaten kann an einem grossen Fest- 
tag (nicht so P, sondem an dem grossen Tage aber, welcher ist der 
Utzte des Festes)^ einen Vorwand daza gab? — 2) E 196. A 64, 14: 
Und er schrie und sprach mit seiner lieblichen Stimme: Jeder, der dur^ 
stet, komme zu mir und trinke. Das Wort Jesa genaa ebenso A 455 
letzte Zeile. — Sc (bricht in diesem Vers bei Gareton ab, Fortsetzang bei 
Rddiger a. a. 0.): Wer dUrstet etc. P mit Gr: Wenn einer durstet etc. 
Damit wiirde E, also T stimmen, wenn nicht der armen. Uebersetzer E's, 
ebenso wie derjenige A's (A^ p. 69 = A 64, 15) ein syrisches Jeder, 
welcher in ein si quis verwandelt hat. —, Jo 7, 38 citirt Ephr. I, 524 d 
genaa nach P {une die Schriften sag en ^ wogegen Sc wie die Schrift 
aagt). — 3) E 210. 



- 190 — 

§ 69. Jo. 8, 12—59. E 196 ^). 

[(12) Ich bin das Licht der Welt «)]. . . [(13) Tu venis et 
testificaris de te ipso ; testimoninm tnum non est verum ')]. . . 
[(39) Multi, ait, ibi crediderunt in earn*)]. . . (33) De nomine 
Abrahae gloriabantur^). . . (39) Si filii estis Abrahae, opera 
Abrahae facite*). . . (40) Carquaeritis me occidere? Abraham 
id non fecit '^). . . (44) Vos estis filii Satanae, qai ab initio 
homicida erat*). . . [(46) Quis ex vobis arguit me de peceato?*)] 
. . (48) Samaritanus es tu ^^). . . (56) Abraham desideravit 
yidere diem meum, vidit et gavisas esf ). . . (57) Qninqaaginta 
annos non habes, et Abraham vidisti'^)? (58) Respondit eis: 
anteqaam Abraham erat (fieret), ego iam fai (ego sum) ^'). 

1) Dass T ebensowenig wie Sc (belRodiger a. a. 0.)» der ursprting- 
liche Text der P and der HI (AssemaDi B. Or. n, 52. 53 ; White 479. 
559. 628. Adler 19. 33. 55. 57. Wright Catal. p. 42 sq. Scrivener, Introd. 
p. 533) die Perikope Jo 7, 53 — 8, 11 enthielt, darf aus dem v511igen 
Schweigen E's tiber dies interessante Sttick mit Sicherheit geschlossen 
warden. Auch Fuld., welcher es in aDderem Znsammenhang hat p. 106, 
31—107, 13, geht von Jo 7, 52 p. 113, 36 nach EiDSchiebang des in 
T tiberhanpt nicht vorhandenen Abschnitts Mt 22, 41—46 sofort zu 
Jo 8, 12 tiber p. 114, 10. — 2) A 14, 6 ; 330, 10. — 3) E 86. Weder Sc noch 
Phabent^em^ et. — 4) E 200, kann auch anf Jo 11, 45; t, 31 gehn. ibi 
ist durch den ZusammenhaDg veranlasst = in Judaea, — 5) E 196. — 
6) E 196, noch einmal mit etiam vor (^era E 197. Sc fehlt wieder. 
P setzt wohl ^xe nnd inoieZTs voraus. — 7) E 196, dann noch einmal 
Abraham hoc non fecit Der Aasfail von av^ganoy os xtX, — nuQa 
jov d-eov ist vielleicht nicht zufallig s. § 52 Note 5. Wie dieses Sttick 
in Jo 7 gerathen ist, so ist die sonst hier nnbezeugte Form der Frage 
darch Assimilirang an Jo 7, 19 entstandcD. — 8) E 196. Noch freier 
citirt A 331, 9: Sohne Kain's seid ihr und nicht Sohne Abrahams, 
Ephr. I, 560 f. citirt die erste, Ephr. I, 311a die zweite Halfte des Ver- 
ses nach P. — 9) E 152, auch E 242, da aber arguet, was sonst nicht 
zn belegen. — 10) E 197. — 11) E 197, bis meum ebenso E 155. 
desideravit auch P. — 12) E 197. Die LA des Ghrysostomus reaaaQa- 
xovra ist ftir die syr. Bibel nicht bezeugt. — 13) E 197, in zweiter 
Anftihrung ebenda die Yarianten in Klammern. An der zweiten Stelle 
steht daneben, ungeschickt durch et verbunden, eine zweite, den syr. 
Wortlaut noch genauer wiedergebende armen. Uebersetzung cum Abraham 
nondum (Nb^5>) esset, ego eram. Nur sum entspricht P, wie Gr, 

§ 70. Jo. 9. E 197-200. 

(1) Obvinm se fecit caeco ex ntero matrisM* (2) Et in- 
terrog^avernnt eum diseipnli: enius est peccatam? . . (3) Et 
respondit eis: nee hnins nee cognatornm eins, sed ut revelentur 



- 191 — 

in isto opera dei. (4) Et me oportet operari opera patris mei, 
qui misit me , qnamdiu dies est ^). . . Veniet nox et filius exal- 
tabitur. . . (6) Et cum haec dixisset, spait in terram et fecit 
latam ex sputo suo. . . (7) Vade, lava faciem tuam*). . . (16) 
Lutunif inquiuntf fecit hoc sabbato^). . . [(22) Mandatum dederunt 
extra synagogam eum faciendi ^)]. (39) Qui vident, caeci fient*). 

1) E 197, nar in etwas anderer Wortstellung und mit Nachdrack 
se ipsum ohvium fecit E 208 ohne Stiitze in sonstiger Tradition. Sc fehlt 
fUr Jo 8, 19 bis zaEnde des Evangeliums. — 2) Soweit nnnnterbrochen 
E 197 sq. Die angescblossenen Worte i. e, quamdiu apud vos sum er- 
innern an v. 5. Die folgenden Satze wollen nar im Anfang Gitat 8ein« 
Za V. 3 cf. auch E 200 ziemiich genau ebenso. — 3) E 199. faciem 
tuam aucb in der sahid. and memphit. Uebersetzung. Der Name SUoe 
zweimal in der Anslegang E 198. — 4) Zweimal buchstablich gleich 
E 199, doch wohl ohne Absicht w5rtlicher Anftihrang. — 5) E 202 als 
Schriftwort citirt. — 6) E 199. 

§ 71. Jo. 10. E 200. 

. . (8) Omnes qui ante me venernnt, fares erant et latro- 
nes'). . . [(9) Ich bin die Thttr der Heerde, and Jeder der 
dnrch mich eingeht, wird leben and wird eingehn and aasgehn 
nnd wird Weide finden')]. . . [(11) Pastor bonus dat animam 
suam pro grege suo^)]. [(12) Derjenige Miethling^ dem die 
Heerde niebt eigen ist, wenn er sieht, dass der Wolf kommt, 
verlitest die Heerde und flieht ^). . . (16) Ich babe andere Schafe, 
und auch sie muss ich hieber fahreu; und es wird die ganze 
Heerde eine werden und ein Hirt. (17) Und mein Vater liebt 
mich darum^ dass ich meine Seele fUr die Heerde gebe^)]. 
(18) Potestatem habeo super animam meam, ponendi cam et 
recipiendi earn •). . . [(30) Ich und der Vater wir sind eins ^)]. . . 
[(32) Propter quod bonorum operum meorum me lapidatis?'). . . 
(38) Si mibi non creditiS; saltern operibus credatis®). . . Ego 
in patre et pater in me ^®)]. 

1) E 200 steht nar dieser Satz aas Jo 10, aber als selbstandiges 
Erklarangsobject. In T mass das ganze Rap. gestanden haben. Von 
§ 68 an folgt er dem Job. bis c. 12, 37. Aach aaf 10, 31 a. 39 nimmt 
E 200 zar Erklarang ,Yon Jo 11, 8 als aaf ein vorher vorgekommenes 
Stiick Riicksicht: ad lapidatores vado. — Za v. 8 cf. E210: fures sunt^ 
ait, et latrones, quoniam non palam se monstrarunt und E 209: quos 
Christus latrones vocavit , quoniam praevenerunt ad furandum, Aach 
hierdarch ist gegen P and die krit Note der HI, Itala, m (erste Hand) 
£ F 6 etc. das tiqo Ifiov bezeagt mit B Al D Valent. (Hippol. philos. 
VI, 35) a. a« — 2) A 195 , 8. Daneben ist das freiere Citat A 63, 4 



- 192 — 

(Ich bin die Thur des LebenSj da ein Jeder, der durch mich eingehn 
wirdf ewig leben toird) ohne Bedeatnng. Nar sieht man aach daransy wie 
die Sltesten Bezugnahmen anf dies johanneische Wort in ihren Abweich- 
nngen zn wiirdigen Bind. Uebrigens ist der Zasatz reSv nqo^xiov in 
A 195, 8 ans Jo 10, 7 gefiossen. — 3) E 174. Ganz ebenso A 195, 4. 
Wenn £ 174 gleich daranf einmal mit pro ambtM suis citirt, so ist zn 
bemerken, dass P dasselbe »^y, womit sic v. 16 notfivn tibersetzt (wo- 
neben M^^y nQofiara)^ sonst in diesem Eap. dorchweg f!ir ngofiata ge- 
braucht. — 4) A 225, 1. Der angeschickte Anfang sonst nicht so be- 
zengt. — 5) A 195, 5. Abgesehn von den Auslassnngen weicht A von 
P ab dorch den Znsatz hieher (VOb) nnd darch Uebersetzang von rld^/ii 
durch yrf^ statt DND, so auch v. 11. — 6) E 242. — 7) A 10, 4; 70, 1; 
120, 15. ~ E 271 gibt den Satz et unum sumus mit einem Stttck aos 
t, 38 verbunden s. Note 10. — 8) E 242, nahe bei dem Gitat aus v. 18. — 
9) £ 191. — 10) E 271. A 70, 1. Es k()nnte auch aus Jo 14, 11 sein; 
aber die Fortsetzung in E 271 et unum sumus aus Jo 10, 30 (s. Note 7), 
und der Umstand, dass auch A 70, 1 diesen Spruch in selbstandiger 
Form sofiort folgen ISsst, spricht flir die Herkunft aus Jo 10. 

§ 72. Jo. 11. E 200—205. 

(1) Et ibi erat aegrotus qaidam, Lazarus nomen erat ei. . • 
(3) Et miserant sorores eius ad dominnm dicentes : domine, ecce, 
quern amas, aegrotus in lecto decumbit^). . . (4) Hie morbus 
non est ad mortem , sed propter gloriam dei, ut glorificetur in 
eo filius dei'). . . (6) Mansit in illo loco^ ubi erat, per duos 
dies, donee Lazarus tnoreretur^). (7) Dixitque ad discipulos: 
venite, eamus in Judaeam^). (8) Respondent ei : Judaei te quae- 
rant occidere, et tu iterum illuc abis ^j. . . (9) Nonne duodecim 
horae sunt diei? Si quis in luce ambulat, non offendit, quia 
videt lumen*). . . [(11) Lazarus, unserFreund, liegt darnieder; 
aber ich werde hingehn, dass ich ihn aufwecke ^)]. . . (14) Laza- 
rus , amicus noster, mortuus est, (15) et ego gaudeo propter 
vos^). . . (16) VenitC; eamus, ut et nos cum eo moriamur*). . . 
(21. cf 32) Domine, si hie fuisses, frater noster non esset mor- 
tuus ^^). . . [(23. cf 40) Es sagte der Herr zu Martha: wenn 
du glaubst, wird auferstehn deinBruder ^^)].. . (25) Ego utiqne 
sum resurrectio et vita; omnis qui credit in me^ etiam si mor- 
tuus faerit, vivus est ille. (26) Patet^ quod qui viyus est et 
credit in me^ non morietar in aetemum^^). . . [(27) Es sagte 
ihm Martha: Ja, Herr^ ich glaube *3)]. . . (33) Turbatus est. • 
(34) Ubi posuistis eum? . . (35) Lacrimatus est dominus ^^). • • 
(37) Is qui oculos caeci aperuit^ nonne potuit facere^ at iste 
non moreretur?**) . . (39) Accedite et auferte lapidem. .. Jam 



- 193 - 

foetet . . . qaatridnanus^*). . . [(42) Gratias ago tibi, qnod 
andisti me et aadis me, Bed propter tQrbas istas facio (dico hoc), 
at credant, quod tn me misisti ^'^ )]. . . [(43) Er betete and rief 
mit erhobener Stimme and sprach: Lazaras komme heraasf 
(44) Und er ward lebendig and ging bervor aas seinem Orabe^*)]. 
• • Solvite earn ^* J. . . (48) Et si permittimns, omnes credent 
in earn, et venient postmodam Romani et toUent gentem nostram, 
legem et locam istnm'^). 

1) Soweit anttoterbrochen E 200. T wird v. 2 weggelassen haben, 
da Maria und Martha aas § 25 bekannt waren. — 2) £ 200 in eo^ = 
Itala (tn illo, in ipso^ per ipsunif per eum), aach Amiat. ursprtiDglich 
per eum^ corrigirt per earn 8. cod. Amiat. ed. Tischend. praef. p. XXX IV. 

— P um seinetwUlen ist zweidentig, da M^^^iD {Krankheit) mascalin; 
68 Bcheint dC ovt^v oder (f«' avtov zn Grande zu liegen. — 3) E 203. 

— 4) E 200, als ob anmittelbar hinter y. 4. Der Pleonasmos venite 
(in) aoch in P, in:^ HI, wo dagegen da8 folgende bTM3 obelisirt ist, 
wahrscheinlich Verwechseiang. — naXiy ^ E, also wohl T, mit K (erste 
Hand) a. a. gegen P HI and fast aile 6r. and Lat. — 5) E 200. 
qiMerunty P HI 6r quaerebant — 6) E 200. Die Frage noch einmal 
ebenso E 201. — in luce E, am Tage P HI 6r, nur cod. gr. X (Mona- 
censis s. oben § 26 Note 2) iv rta (panst. — 7) A 169, 5. — 8) E 201. 
Das amicus noster v. 14 (aas v. 11) aasserdem nor noch in cod. gr. D. 

— 9) £ 201. Hier hat P den Pleonasmus nicht (HI wie v. 7 a. 15 s. 
vorher Note 4), and aach in der Stellung des xal i^futs vor tva gehen 
P HI mit Gr. — 10) E 202 der Vordersatz, E 205 der Nachsatz, vor- 
her aber si fuisses hie. Mit Rticksicht aaf v. 21 a. 32 wird der Satz 
beidemale als Aassprach der beiden Schwestem citirt. — 11) A 21, 3. 
Es folgt gleich als Antwort v. 27 s. Note 13. — 12) £ 202. Das von 
V. 25 za 26 Uberleitende patet quod ^riXovort k(jnnte zam Text geh($ren. 

— 13) A 21, 3 sq. Es folgt sofort und er erweckte ihn nach 4 Tagen, 

— 14) Die drei Fragmente zerstreat £ 203. Statt des letzten hier and 
£ 201 mehrmals flevit Ob T das xai hatte (so P und es kamen die 
Thranen Jesu, » D); lasst sich nicht entscheiden. — 15) Dieses voll- 
atlbidige Citat erst £ 244. Hier 202: nonne hie aperuit oculos caeci? 
£ 203: nonne poterat iste ita facere, ut hie nan moreretur, — 16) Aas 
£ 202. 204 zosammengelesene Fragmente. — 17) So voUstandig erst E 234. 
Nar propter populum dico hoc ut credant schon E 99. Daher die Paren- 
these. Im Zasammenhang der Auslegang nichts davon. — 18) A 165 extr. 
Nach dem Yorangehenden sollte man erwarten, dass A ein zweimaliges 
Lazarus gelesen and geschrieben hatte s. oben § 21 Note 2; § 23 Note 12 
of. Tischend. za Jo 11, 43. — E 203 spricht wohl von der donnerglei- 
chen Stimme, wodarch Jesas ihn erweckt, citirt ab nicht — 19) E 204. 

— 20) £ 204. Noch einmal sehr frei E 205. Das fremdartige legem dOrfte 
einer Erinnerang an Act 6, 13. 14 seinen Ursprung verdanken. — Von 
dem weiteren Inhalt von Jo 11 findet sich Ephr. I, 475 o ein Citat aas 
Jo 11, 50 nach P; Ephr. I, 534a eine Anspielang an Jo 11, 52. 

Zahn, Forschiingeii I. j[J} 



— 194 — 

§ 73. Jo. 12, 1-11. Mt 26, 6-13. Mr. H 3—9. E 205-207. 

. . (Mt 6. Mr 3) Cum humana Christi natura in domo Si- 
moois (leprosi) recumberet^). . . (Jo 1. 2. Mt 7. Mr 3) Cum e 
fiepulcro eum (sc. Lazarum) vocasset et cum eo mensae accum- 
heretj ipse sepultus est per symbolum olei^ quod Maria in caput 
eius effudit^). . . (Mr. 5. Jo 4. 5) Potnit vennrndari nngiieDtaiii 
ifltnd trecentis deoariis et dari paaperibns. Hoc dixit Judas^), . 
(Jo 6) Nee cura pauperum eum incitavit; . . far erat; . . tarn- 
quam oeconomum et sacculi portatorem pecuniae dispensandae 
prae/ecerat *). . . (Jo 7. Mt 12. Mr 8) Se ipsum in symbolica 
unctione sepelivit*). [In diem, ait, sepaltnrae meae hoc conser- 
vabit]. . . (Jo 10) Et consiliam ceperant princioes sacerdotam, 
at et Lazaram oceiderent. 

1) £ 205 ohne leprosi^ aber knrz woTher Simon leprosus. — 2) E 203. 
— 3) £ 205- Dasfl Jadas es sagt, aach schon £204. Wenn Aoc dixit Judas 
zam Text geb5rte, koDDte T in dieser Form an den nngenaaeren syoopt. 
Bericht die speciellere Angabe des Jo angeschlossen haben. — 4) Diese 
Fragmente aoa £ 204. 206. Aach schon £ 159: cur et oeconomum et 
saeeuU (1. sacculi) portatorem eum fecit? — 5) £ 204 cf. die Textworte 
yor Note 2. Beides geht aiif die synopt. Darstellnng zartick, welcher die 
LA ttTiJQriicev Jo 7 deo dortigen Bericht assimiliren sollte. Das Gitat 
in Elammern aas £ 40 setzt die LA tva . . rtigrjaTi avto Jo 7 voraas^ 
welche mit fi< B D £vaDg. hieros. etc. anch HI am Rande gibt. Die 
syr. Form dieser besseren LA kann aach so verstanden werden : da sie es 
auf den Tag meines Begrahnisses aufbetoahren wtrd. Daher die Form 
in £ 40. Da nan E dies nicht ans P schopfen konnte, wo rtnJQtixev ans- 
gedriickt ist, so muss er es aus T haben. Dieser hat also mit Mt 12 
Oder Mr 8 auch Jo 7 verbanden. 

§ 74. Jo. 12, 12—19. Mt. 21, 1—11. 14—16. Mr. 11, 1-10. 

Lc. 19, 29—44. E 207 sq. i). 

. . . (Mt 2 Mr 2. Lc 30) Solvite asellum et addacite ad 
me*). . . (Lc 41 sq.) Cumque Hierosolymam veniretj videns eam 
coepit flere snper eam 3) [et dixit ei:] Si cognovisses ta saltern 
huDC diem pacis tnae, sed abscondita est pax a facie tna^). . . 
(Lc 43 sq.) Flevit etiam propter ruinam futuram civiiatis^). . . 
[Es wird nicbt gelassen werden in ihr Stein aaf Stein, weil sie 
nicht erkannt hat den Tag ihrer GrOsse*)]. . . (Mt 10) Tur- 
bata et axniata est (sc. Hierosolyma) illo die, quo in eam intra- 
vit'f). . . (Mt 15 cf. Mt 9. Mr 9 sq. Lc 38. Jo 13) Clamabant 
pneri et dicebant: Benedictio filio David ^). [Benedictio in ex- 
celsisi Pax in caelis et gloria in terra!] Principes antem sacer- 



— 195 — 

dotam et scribae irati (Mt 16) dixernDt: Non aadis, quod isti 
dicunt*)? (Lc 39) Cum scribae clamor es puerorum audissent et 
aegre ferentes ei dixissent: increpa homines, at omDino taceant, 
(Lc 40) respondil: si isti tacebunt, tamen lapides clamabant^®). 

1) T gelangt an der Hand des Jo jetzt zu der vor § 59 iibergan- 
genen Palmsonntagsgeschicbte, legt aber die Synoptiker za Grande. 
Vielleicht hStte aas £ 210 das Gaude, filia SioUy ecce enim rex venit ad 
te in diese Perikope gesetzt warden kSnnen; aber Anhalt za einer Ver- 
mathnng ist nicht za entdecken. — 2) £ 207. aolmte asellum etc.: So 
bat Mt 2 loset, bringt dieselben (^I^M) mir; P Mt 2: loset, hringt mir; 
Mr 2 and Lc 30: loset, hringt ikn, so auch Sc Lc 30 (fOr Mr fehlt Sc) 
and £phr. I, 108 f. — 3) So £ 207 sofort nach dem ersten Gitat cf. 
£ 184: ecce de domino urhem Jerusalem ingrediente scriptum est: vidit 
dominus earn et flevit super earn et dixit ei. . . Daher die Worte in 
Klammern. ^ 4) So £ 207. Abgekttrzt £ 184 hinter dixit ei: utinam 
cognosceres tu hanc diem tuam, Vielleicht ist dies doch nar eine ge- 
dachtnismassige Mischung mit Lc v. 44b, was £ nicht citirt. Sc: Wenn 
auch an diesem Tage du erkenntest aber iyi) deinen Frieden, P: Wenn 
du doch erkenntest dasjenige (plar.), was deines Friedens isty wenn atAch 
an diesem deinem Tage. — sed dbscondita est etc. £benso Sc: aher 
der Friede ist verhorgen vor deinen Augen. Gf. aach das markosische 
Gitat bei Iren. I, 20, 2 (Harvey I, 179) ixgvfiri Si aov dbscondita autem 
sunt a te. Das vvv Si fehlt aach in mebreren Italahss. Verceli. Vindob. 
Bhedig. — 5) £ 207, woran sich die Anfiibrang von Lc 23, 28 an- 
schliesst. — 6) A 412, 16 eingeleitet darch: und Jesus sprach Ober 
Jerusalem. — rtm^^'i V<12V ganz nach Sc (''ismi^n N73T'), dagegen P 
*;D5*iyiO'i fi<3iT wie meines Wissens alle Griechen und Yersionen. — 
7) £ 208. — 8) Soweit £ 207, woran dann sofort principes autem etc. 
anschliesst. Aber schon in der Aaslegung des £ngelloblied8 (§ 4) £ 27 
heisst es dicebant et parvuli : pax in caelis et gloria in terra. Schon 
vorher: cum terriQolae ad superos susciperentur^ gloriam in terra clami- 
tarunt et pacem in caelo , and nochmals parvuli pacem in caelis ante 
eum pronunciarunt dicentes: benedictio in excelsis. Alles dies im Gegen- 
satz za dem amgekehrten Raf der £ngel. Aaf diesen Stellen bernht 
die Parenthese im Text. Jedenfalls liegt hier eine Mischung aus Mt 15, 
wo allein die Kinder vorkommen, mit Mt 9. Mr 8. 9, besonders aber 
Lc 38 vor. Letztere Gombination wiederholt sich gleich darauf, wo 
Lc 39. 40 auf dasselbe Factum wie Mt 15. 16 bezogen wird. Da diese 
Gombination sich an zwei so weit entfernten Stellen des Gommentars 
wiederholt, kann sie nicht wohl auf ungenauer £rinnerang £*s berufen, 
Bondem muss in T vorgelegen haben. Aus A 124, 12 {Unseren Erloser 
priesen die Khaben durch Hosianna^s, so Plural) lasst sich weiter nichts 
gewinnen. — Im £inzelDen ist zu bemerkeo: benedictio in Verbindang 
sowohl mit filio David^ als mit in excelsis ist ein auffallender £rsatz fOr 
loaawdj an das idXoyijfiivog erinnernd, welches Mt 9. Mr 9. 10. Jo 13 
daneben steht and Lc'38 dasselbe mitvertritt. — iv oiSqav^ eigijvri aus 

13* 



- 196 - 

Lc 38; ebendort liest aber die griech. Minuskel 235 S6^a inl trjg y^g^ 
erne andere (Scriv.'s d) Jdla inl y^g ataitt iv vxjjiajoig. Da So PHI den 
gewShnlichen Text haben, ist am so sicherer, dass E 27 T's echteo Text 
bewahrt bat. — 9) E 207. — 10) E 208. Die Beziehnng dieses 
Worts auf die schreieDden Kinder statt Junger wird aucii in der folgen- 
denErklarang festgehalten ; das erleichterte obiger Text ^'ncrepa homines; 
hierin und in dem folgenden Zasatz ist wesentlich ideotisch So: schilt 
sie, dass sie nickt schreien. Auch mehrere Italahss. haben illos statt 
discipulos tuos. 

§ 75. Jo. 12, 20-37. E 208 sq. 

. . [(28) Ich habe verherrlicht, und ich verherrliche ')]... 
(31) Nanc iudicium est mandi^ Dunc et priDceps buias mandi 
eiicitur foras*). . . (34) Nos audivimus in lege, quod Cbristas 
in aeternum vivit; tu autem dicis: filium hominis oportet ele- 
vari'). . . [(35) Wandelt, solange das Licht bei euch ist, ebe 
die Finsternis euch ergreift. . . (36) Glaubet an das Liebt, dass 
ihr Kinder des Lichtes werdet^)J. . . 

1) A 410, 16 als WortJesa citirt. Vielleicht spielte eine Erinnernng 
an Jo 17, 4 herein. — 2) E 208. — . 3) E 209 in zwei Stticken. Da- 
gegen P: dass Christus ewig bleibt; wie sagst du, dass es bevorsteht^ 
dass der Sohn des Menscken erhoht werde? — 4) So als Worte Jesu 
an seine Jtinger A 14, 4 sq. durch ein und wiederum sagte er ihnen 
getrennt. Ungenaner dasselbe A 330, 11: OlaubeU solange ihr das Licht 
habtf ehe euch die Finsternis ergreift; und wiederum sagt er: Wandelt 
(var. 1. glaubet) im Licht ^ dass ihr Kinder des Lichts genannt werdet, 

§. 76. Lc. 17, 20-25 (?) E 209-211. 

(20) Ideo dominus eos confudit, quia non in abscondito, sed 
observationibus quaerebant eum . . . Bit tempora observabant 
et aetateSy quibm Christum oriturum putabant ^). (21) Ecce reg- 
num dei in corde vestro est 2). . . j[23. 24 cf. Mr 13, 31. Mt24, 
23. 26. 27) Si dixerint vobis: ecce hie est, nolite credere. Sicut 
fulgnr, quod resplendet. . . Nolite ergo exire ad quaerendum 
eum, nee ipsi capiamini^). . . (?) Mandabit domum regni sai 
ab oinni scandalo ^). 

1) £ 209 cf. Moes.'s Note 9. — 2) E 209. ecce und est habe ich 
aus der Anfttbrung E 211 anfgenommen, wo dagegen dei ^ und vor in 
corde vestro noch intra steht. Sc (bei Rodiger S. 4) gibt iviog vfmv 
einfach durch iiDrr^i^, P -jilDSTS i;b, HI -jilDinn. Das est drticken P 
HI in verschiedener Weise, Sc gar nicbt besonders aus. — 3) Dass 
Fuld. 126, 1—7 diese Perikope, welche ei* ganz ebenso wie T zwischen 
§ 75 u. 77 stellt, aus Lc 17, 20. 21 u. 21, 37. 38 zusammensetzt, kann 
es, wenn die unten Abschn. IV vorgelegte Untersachung zutrefifend ist, 



- 197 — 

allenfalls wahrscheinlich machen, dass Lc 21, 37. 38 hier stand, kann es 
aber dorchaos nicht zweifelhaft macben, dass die im Text folgenden 
SStze Lc 17, 23. 24 aus E 211 bier in T folgten, znmal Lc 17, 23—27 
in Fald. ganz feblen und nur Lc 17, 22 in die grQssere escbatologische 
Rede dort verarbeitet ist Fuld. 129, 22. Cf. tibrigens § 79. — 4) E 211 
eingeleitet durch guod autem dicit als Wort Jesu; die dritte Person 
spricht nlcbt dagegen, da Jesus sich in diesem Zasammenhang nnd alien 
ahnlicben als den Menschensobn bezeicbnet and darchweg in dritter Per- 
son von sich redet. Da der Inhalt des Satzes vor seiner AnfUhrnng 
scbon parapbrasirt und nach derselben exegesirt wird, so ist nicbt zu 
bezweifeln, dass er bier in T stand. An Mt 13, 41 ist abgesebn von 
der grossen Verscbiedenbeit des Wortlants nicbt zu denken, da das 
Gleicbnis vomUnkraut (§31 Note 7) dort scbwerlicb obne seine Dentung 
gestanden baben wird. Obiger Satz bleibt vorlaufig ein dnoxQvtpov in 
jedem Sinne des Worts 

§ 77. Mt. 23. Lc. 11, 39-52. Mr. 12, 38 sq. E 211—2131). 

[(Lc 11, 43. Mt 23, 6. 7 cf. Mr 12, 39. Lc 20, 46) Wehe 
encb, die ihr liebt die Sitze in den Synagogen and das Liegen 
(etgentl. die Lager) bei den MahlzeitcD, and es liebt, dass die 
Menschen encb nennen „Rabbi, Rabbi" 2). . . (Mt 9) Ein Vater 
werde uns nicht genannt auf der Erde, damit wir Sohne seien 
des Vaters im Himmel «)]. . , (Mt 12 s. § 60 N. 2). . . (Lc 11, 52. 
Mtl3) Vae yobis legisperitis, qui absconditis (abscondistis) cla- 
ves . . cognitionis eius. Per hanc portam vitae scribae et Pha- 
risaei intrare noluerunt^). [(Mt 15) Ihr umgehet das Meer und 
das FestlaDd, dass ibr einen Proselyten macbt, and wenn er 
es geworden, macbt ihr ihn za eioemKind derHQlle^). . . (Mt25. 
Lc 39) Bliode PharisSler, waram reinigt ibr das Aeassere des 
Bechers and der Schlissel, and von innen ist sie (er) vol! Un- 
recht and Raab«). . . (Mt 27. Lc It, 44:) Und ihr gleicht den 
GrUbem, welche von aassen getttncht sind and schQn erscheinen 
nnd von innen voUer Todtengebeine and aller Unreinigkeit 
sind^)]. . . (Mt 35. Lc 11, 50 sq.) Veniet omnis sanguis iasto- 
rnm . . a sangaine Abel iasti asqae ad sangainem Zachariae . • 
inter templam et inter altare^). . . (Mt 37. Lc 13, 34) Qaoties 
volai vos congregare •) ? 

1) Die lat. SStze dieses §, welcbe sich bei E an § 76 unmittelbar 
anschliessen , miissen zum Beweis dafiir genOgen, dass die aus A ent- 
nommenen Satze hieber gebe5ren. Cf. Fuld. 126, 8-128,22. — 2) A 269, 
2 sq. eingeleitet durcb die Worte: Keiner gedenkt der Worte des Er- 
losers, da er den Schriftgelehrten und Pharisdem das Wehe gab und 
ihnen sagte, — Dass das zweimalige ttqioto {^-xXiatag und -xad-sSQlag) 



— 198 — 

nicht aosgedriickt ist, weiss ich weder za belegen noch zu erklaren. Der 
sooderbare Text von Sc Mt 6 das erste Lager (eigtl. das Haupt der 
Lager) und die OastmdhUr und die ersten Sitze in den Synagogen biift 
nichts. Nar ist der Plural bei A hiernach nicht mehr Beweis, dass Dicht 
Mt za Grimde liege; docb waist seine Stellang der Worte aaf Mr Lc 
Doppeltes ^afifit Mt 7 theilt A mit Sc HI cod. gr. D, Just. dial. c. 112 
(Otto p. 400) a. a. gegen P K B etc. — 3) A 105, 11. Statt M'lps fin- 
det sich var. 1. K^ps obne alle sonstige Bezengung. A^ hat bier Vieles 
ausgelassen. — 4) E 211, in einem zweiten abgekUrzten Citat dbscon- 
distis. Dies genau = Sc Lc 11, 52 lin"'^U, ebenso D and die meisten 
Italahss. (bei denen das gleicbe Schwanken in Bezag aaf das Tempas), 
aber auch Arm. ; P dagegen mit den meisten Gr ]inbp^. — claves aach 
Sc P cf. Just. dial. c. 17 extr. (Otto 64) on tag xXetg I^x^ts, — Uebri- 
gens hat E mit HI tots vofuxoZg, Sc P Justin. 1. 1.: Schriftgelehrte, — 
5) A 271, 16. neQidyste y'lin, dagegen Sc P HI T>:Dn:Dn?3. — 6) A 307, 2. 
Sc hat (wie A bier) Mt 25 statt naQoxjji^og tiCDj'^p, P t^ni^T, in Bezng 
aaf HI 8. die Anmerkung von White p. 582 sq. — 7) A 307, 4 in unmit- 
telbarem Anschluss an v. 25. — 8) E 211 und 213 in den angegebenen 
Absiitzen citirt. — 9) E 113. Die Sache in Garm. Nisib. 29, 4 obne 
genauen Text. Ueber Mt 23) 38 in der Lehre des Addai p. 27 s. oben 
S. 96 N. 1. 

§ 78. Jo. 12, 37 (?) —50. E 213. 

. . . (47) Si quia aadierit verba mea et ea non observaverit, 
ego noD Dovi (iadico)^) eum. . • Non veni in banc mandnm, at 
iadicem mandam, sed at salvem mandam. (48) Qai non sasci- 
pit verba mea, verbam, qaod locatas sam, earn iadicat. . . 
[(49) Is, qui misit me, ipse dedit mihi mandatam, qaid loqaar, 
et quid dicam*)]. 

1) Letzteres ist statt des Ersteren zu setzen, da nach Aucher und 
Moes. die betreffenden armen. Worte einander sebr ahnlich sind. — 
2) Aus E 173. Sonst ist nar zu bemerken, dass A nichts aus dieser 
Perikope citirt 

§ 79. Mt. 24. Mr. 13. Lc. 21, 5-36; 17, 31—37; 12, 42-48. 

E 213—218. 

[(Mt 24, 1 sq. Mr 13, 1 sq. Lc 21, 5 sq.) Et cum ei oma- 
mentum templi monstrarent, dixit: venient dies, quando destrtietur 
et templum subvertetur *)]••• (Mt 3. Mr 4. Lc 7) Ble de mo- 
mento eum interrogaverant^). . [(Lc 9. Mr 7. Mt 6) Es mass 
dies {diese sc, Dinge) geschehn^). . . (Lc 10 sq. Mt 7. Mr 8) 
Es wird sich erheben Volk gegen Volk and ESnigreich gegen 
EQnigreich, and es werden sein HangersnQthe and Festilenzen 
and Schrecken vom Himmel ^). . (Lc 16 sq. Mr 12 sq. Mt 9) 



- 199 - 

Es werden each ttbergeben eure VSter and eore Briider and 
enre Verwandten; and es wird each hassen Jedermann am 
meines Namens willen^)]. . . (Mt 15. Mr 14) Qaando videbitis 
signam terroris desolationis eias, qaae dicta est a Daniele pro- 
pbeta •). . . (Mt 17. Mr 15. Lc 17, 31) Qai saper tecta stat etc, . . 
(Mt 19. Mr 16. Lc 21, 23 sq.) Vac praegnantibas etc, . . Erit 
angor popalo isti ^), [and sie werden fallen darch den Mand des 
Schwertes]. (Mt 20. Mr 18) Orate (et petite), ne sit faga vestra 
in hieme, nee in die sabbati^). . . (Lc 21, 36) Orate, at digni 
sitis eximi ab his omnibas^ qaae ventara sant*). . . (Mr 20. Mt 21) 
Et si deas non abbreviasset dies illos, non salvaretar omnis 
caro . . . propter electos>«). . [(Mt 32. Mr 28. Lc 21, 29 sq.) 
A fico discite parabolam, qaia qaando rami teneri fiant et foliam 
prodit et germinat, scitis, qaod prope est aestas'^)]. . . [(Mt35. 
Mr 31. Lc 33) Himmel and Erde werden vergeben, and meine 
Worte werden nicht vergehen ")]. (Mr 32. Mt36) Iliad momen- 
tam (diem illam) nemo scit, nee angeli, nee filias ^'). . . (Mr 33) 
Vigilate et orate, qaia nescitis tempas ete. ^*). . . (Mt 40) Dao 
erant in agro. . (Lc 17, 34) in ano lecto'*). . (Lc 35. Mt 41) 
Molinam appellavit mundum^*). . . (Lc 17, 37. Mt28) aquilas,. 
cadaver. . (Mt 45. Lc 12, 42) Qais erit procarator servas fide- 
lis, beneficas et sapiens^')? ... (Mt 51. Lc 12, 46) Si non 
erit fidelis in eis, quae ei commissa sunt, eam abscindet mediam 
( et separabit eum ) et partem eias ponet cam hypocritis et infide- 
libas; et ibi erit ei fletas ocaloram et stridor dentiam^*). 

1) £ 182 sq. ganz beilaufig. — 2) £ 217. Aehnliches schoD £ 215. 
Aus der oben $ 43 Note 1 mitgetheilten Stelle A 460 sq., worin eine 
Vermischang der £rioneruog ao Mt 1 7, 10 and an die hiesige Stelle vor- 
liegt, ergibt sich, dass in T auch die Namen der Jttnger nach Mr 13, 3 
standen, obwohl Andreas von A wegen jener Vermischang weggelassen 
wurde. — 3) A 417 extr. als Wort Jesu, wie Sc P Lc 9, nur dass diese 
yuQ und 7tq(Stov ansdrucken. — 4) A 133, 9. an ovquvov so mit (pofiriTQa 
(Oder <p6poi) verbunden auch in Sc D Itala u. a. gegen P HI Evang. 
hieros. und die meisten Griechen. — 5) A 415, 1. Ein 415, 3 folgendes 
neues Citat s. in § 24 Note 10. — 6) £ 213 in zwei AbsStzen, die 
Worte signum desolationis eius zweimal. — 7) Diese drei Satze £ 214. 
Der letzte mit der im Text folgenden Fortsetzang A 410 extr.: es wird 
kommen Zom iiber dieses Volk . . . Sc: und es wird sein grosse Noth 
auf der Erde und gewaltiger (dies Wort > P, sonst ebenso) Zom Uber 
dieses Volk, E's angor entstand durch Zusammenziehnng dieser beiden 
satze, es ist = aviiyxti, N:b5tifi< (Sc P). — 8) £ 214. et peUte wird 
wieder eins jener Duplicate des armen. Uebersetzers sein. A 36 letzte Z. 



- 200 — 

u. 37, 1 citirt: hetet, doss eure Flucht nicM set im Winter und am Sahbatk, 
ganz ebenso, nar ohne hetet auch A 244, 5. — 9) E 215. — 10) E 215. 
Das propter electos in der gleich folgeoden Aasiegung. — 11) £ 186 sq. 
— 12) A 266, 9. Dabin wird aach das kttrzere Citat A 438, 1 gehoren : 
Himmel und Erde werden vergehen als Wort Jesu. — 13) E 215 ilhtd 
momentum, E 216 diem ilium. Dazwiscben wird diese Synonymik er- 
Qrtert. Also wird beides im Text gestanden haben s. § 29 Note 6. — 
14) E 216. Dass dies der biesigen Perikope angeborte, bestatigt die 
AasIegUDg des vigilate E 217. — 15) E 217 wie Stttcke eines Satzes. 
Die Reibenfolge zeigt, dass das erste nicbt aus dem in den altesten 
griecb Hss. feblenden, aber in Sc P HI D Itala erbaltenen Spracb Lc 17, 
36, sondern aus Mt 40 genommen ist. Im andem Fall wttrde das Bett 
Yor dem Acker stebn. — 16) E 218. Eben dort die folgenden einzelnen 
W5rter. — 17) E 218. Der Text erkllirt sicb wesentlicb als Compila- 
tion aas Mt a. Lc. : matog und (pQovifiog aus Mt a. Lc, Sovlog Mt, 
oixovofioc Lc, 6 dya&og = beneficus aucb aas Lc nacb cod. gr. D, 
et bonus die Italabss. Colb. a. Palat. — Vindob., ebenso Sc, diese alle 
binter (pQovifiog^ nur Iren. IV, 26, 5 (Harvey II, 238) aucb in der 
Stellung genauer mit E (also wobl aucb T): fidelis actor^ bonus et sa- 
piens, — 18) E 218. Das et separabit eum ist slcherlicb wieder eine 
Verdoppelung des arm. Uebersetzers. Im tlbrigen ist die Teztmiscbung 
aus Mt Lc dentlicb. Cf, Fuld. 132, 35. Die Verbindung von hypocritis 
und infidelibus lag aber ebenso nabe wie die gelegentlicbe Vertauscbung 
8. Tiscbend. zu Lc. 12, 46. 

§ 80. Mt. 25. Lc. 19, 12—275 12, 35 sqq. E 218 sq. ^) 

. . (Mt 2) Qainque ex eis erant fatuae et qninqne pra- 
dentes*). . . . (Mt 16. 20) Qui qninqae talenta acceperat . . . 
(Mt 18) abscondit illud ^), . [(Mt 21) Und wenn du vor deinen 
Herm kotnmen wirst, mrd er dich nennen einen guten und tuchr 
tigen und treuen Knecht, welcher wegen seiner Treue, die gross 
war, in das Reich seines Herm eingeht^)], . . (Mt 24. 26 sq.) 
Ilium notavit, qni annm talentum acceperat. . . (Mt 28) Aaferte 
ab illo talentum &). . . [(Mt 29) Qui habet, dabitar ei et abnn- 
dabit; et qui non babet^ et id quod rapuit (!), auferentab eo')]. 
. . . (Lc 12, 35) Sint Inmbi yestri praecincti et lucernae vestrae 
accensae ^). . . 

[(Lc 19, 12) Ein Mann von hober Herknnft ging bin, dass 
er das E5nigreicb empfange and zurfickkehre, (dass) er fiber 
sie E6nig set. . . (Lc 19, 14) Und sie sandten Boten hinter ibm 
her und sagten : es soil dieser nicbt liber uns R5nig sein ')• . . 
Der, dessen Mine und Talent 10 Mirien erworben hatte, empfing 
das vollkommene Leben, da nichts mangett, und der, dessen Mine 



-- 201 - 

und Talent 5 Minen erworben hattCj empfing die Hdlfte von 10. 
Einer erhielt Macht iiber 10 Minen, Finer iiber filnf^*). . . 
(Lc 19, 27) Dann werden geschlachtet vor ihm seine Feinde*)]. 
[(Mt 25, 32 sqq.) Und unser Herr Jestts^ da er die Lehre 
vom Gericht des letzten Tages verkundigtej da er sonderte und 
stellte zur Reckten und zur Linken, da stattete er den OtUen 
seinen Dank ab ^®) . . . denn er sagte (34) denen zu seiner 
Recbten^^): kommt, Oesegnete meines Vaters, ererbet das 
Reieb, welcbes eucb bestimmt ist von Anfang; (35 a) denn icb 
bin bungrig gewesen^ und ibr babt mir zu essen gegeben; nnd 
icb bin durstig gewesen ^'), und ibr babt micb getrs&nkt. (36a) 
Und icb bin nackend gewesen, und ibr babt micb bekleidet >'). 
(35b) Und icb bin ein Fremdiing gewesen, nnd ibr babt micb 
versammelt. (36 b) Und icb bin krank gewesen ^ nnd ibr babt 
micb besucbt; und unter den Oefangenen bin icb gewesen, 
und ibr seid zu mir gekommen. . (37 — 39) Da fassten diese Oe- 
rechten nicht die Bedeutung des Wortes des Herm. Sie antworteten 
und sagten ibm : Wann baben wir dicb gesebn, Herr, in solcber 
Dtirftigkeit und baben dir also getban? (40) Dann sagt er 
ibnen: Was ibr getban babt einem von diesen meinen geringen 
Brttdern, das babt ibr mir getban ^^). (41) Und er wird sicb 
wenden zu denen, die zu seiner Linken, nnd wird ibnen sagen : 
Gebet weg von mir, Verflncbte, zu jenem Feuer^ das dem B5sen 
und seinen Engein bestimmt ist ^^j, weil ibr mir dies nicbt ge- 
tban babt. (44) Da antworteten aucb die von der Linken und 
sagten ibm: Wann baben wir dicb, Herr, in einer dieser (La^en) 
gesebn und baben dir nicbt gedient? (45) Er sagt ibnen: Das, 
was ibr diesen DUrftigen nicbt getban babt, babt ibr aucb mir 
nicbt getban. (46) Und die Gerecbten, welcbe Cbristo in den 
Dllrftigen gedient baben, gingen bin zum ewigen Leben, und 
die B5sen gingen bin zu Feuer und FinsterniS; weil sie Cbristo 
in den Dllrftigen nicbt woblgetban baben]. 

1) Mit v511iger Sicherheit lassen sicb nur die lat. Satze aus E mit 
ihrer nnentbebrlichsten Umgebaog, also Mt 25, 1—12; 14—30; Lcl2, 35 
Oder 35—38 filr diese Perikope in Anspruch nehmen. Aber wenn es an 
sicb schon nicht wahrscheinlich ist, dass T das grossartige Schlussbild 
des Weltgericbts Mt 25, 31—46 sich sollte baben entgeben lassen, und 
wenn nach obigen Ausftibrangen S. 73- 90 Apbraates iiberall als Zeage flir 
T geiten darf, so kann aucb nicbt fraglicb sein, dass dessen reicbe Mit- 
tbeilangen aus diesem Abscbnitt, welcbe durcb einige spSrlicbe und ge- 
legentliche Satze in £ bestatigt werden (s. Note 11. 15) eben bier ibren 



— 202 — 

ursprtingHchen Platz in T gehabt haben mUssen. Zweifelhafter mag es 
scheineo, ob Lc. 19, 12—27 hier gestanden habe. Aber erstlich gilt 
auch hier der vorige WahrscheiDlichkeitsbeweis weseDtlich ebenso. 
Ferner gibt E in seinen Anfuhrungen aus der parallelen Parabel Mt 25, 
14—30 nicht die geringste Anspieluog an Lc 19, 12—27. Das wttrde 
der sonstigen Gewohnbeit T's, der das Pickantere aus den Parallelstellen 
stets zn finden und zu verarbeiten weiss, v(51lig widersprechen , wenn er 
nicht ausser Mt 25, 14—30 auch Lc 19, 12—27 in sein Werk aufgenom- 
men hatte. Drittens hat der cod. Fuld., welcher durch die gleiche Verbindung 
des fernabliegenden StUcks Lc 12, 35—38 mit Mt 25, 14-30, die durch 
E UDzweifelhaft bezeugt ist, gerade hier seine nahe Verwandtschaft mit 
T beweist, darauf doch noch die Parabel Lc 19, 12—27 folgen lassen 
(Fuld. 133, 20-134,16; 134, 17—25; 134, 26—135, 14). Endlich kommt 
das Zeugnis der „Lehre des Add^i** p. 42 Cs. oben S. 97 f. Anm. 1) 
bestatigend hinzu. — 2) E 218. Ein sonstiges Textstiick dieser Parabel 
finde ich in E nicht, wohl aber in A 152, 12: Bie Klugen (femin.) und 
die Thorichten stehen zusammen da; aber der Herr des Brautgemachs 
weiss f wen er hineinfuhrU S. auch A 103, 4 sqq.; 302, 10. — Ephr. I, 
493d citirt v. 6 buchstSblich mit P. — 3) E 218. Das talenta sua in 
Bezug auf den, der nur ein Talent bekommen, vor diesen Citaten wird 
ein Fehler des Uebersetzers sein; es widerspricht dem illud und aller 
TextUberlieferung. — 4) A 23, 9. und tUchtigen N'T^lliSl s. Payne Smith 
unter 'Wd u. ^"•tis^d. Es enthalt als Gegensatz zu axgelov v. 30 eine 
Erinnerung an dieses. Of. A 103, 8: Lasst uns wuchem mit dem Geld, 
das wir empfangen haben y damit wir tiichtige Knechte genannt werden. 

— 5) E 219. 218. — 6) E 192. rapuit ist nicht Schreib fehler, sondern 
dem Zweck des Citats angemessen. Es wird hieher zu ziehen sein, die 
Parallelstellen s. § 19 Note 4. — 7) E 219, der erste Satz auch E 218. 

— 8) A 10, 12 ohne Unterbrechung. Ueber die ZugehSrigkeit zu dieser 
Perikope s. Note 1. A ;> nn und Np^'tTi N^DNb (beides in Sc P). In 
der Construction dass er das Konigreich empfange etc. geht A mit P 
gegen Sc (Infinitive). Der Zusatz dass (^ eine Hs) er Uber sie etc. 
und das einfache sie statt die Sohne seiner Stadt (Sc P) erklart sich 
aus dem, was bei A vorangeht. und sagten AP, ihm -|- Sc. — 8a) A 433 
extr. — 9) A 171 extr. Es geht voran: dann sendet er sie (die Gott- 
losen) in die Qual und diejenigen, welche Boten hinter dem Konig her 
gesandt haben und gesagt haben: nicht sei dieser Konig Uber uns, bis 
er das Konigreich empfangen hat und zuruckgehehrt ist. — 10) A 380, 
12 sqq. Dies und nach einer frei paraphrasirenden Stella alles Folgeode. 

— Nit^b Nmi^'L: bip ganz ebenso A 171, 14 in einer freieren Anspie- 
lung an diese Stelle. Im Text von T wird der Ausdruck schwerlich gestanden 
haben. — 11) E 88 nur die Worte tunc dicit rex eis, qui a dextris sunt, — 
12) rr^irr xnit A hier, ebenso auch A 74 extr., rr^JiiS P, derselbe Un- 
terscbied gleich nachher ich bin nackend gewesen. — 13) P bedeckt. 
Nachher ^kvog A 380, 18 u. P N^'SDSN, A 74 extr. N-i^Dls. — 14) P mit 
Gr : wie ihr gethan habt einem von diesen meinen Meinen Briidem, habt 
ihr mir gethan. Uebrigens hat eine Hs. von A N'm^T flir fc^p^p^, welches 



- 203 — 

oben wiedergegeben. — EOrzer A 389, 5: Was ihr diesen gethan haht, 
haht ihr mir gethan, — 15) Cf. E 75: discedite in ignem aeternunif qui 
paratus est satanae et angelis eius. Die eine Hs. von A ^ ebenso von 
tnir, dieselbe offenbar fehlerhaft den Bosen. 

§ 81. Jo. 13, 1—15. E 2190 

. . . |(4 sq.) Als UDser ErlQser Wasser nabm und es in 
ein Waschbecken ^) schlittete and ein Tacb nabm , glirtete er 
es urn seine Hllften and fing an den Jlingern die FUsse za 
wascben. (6) Und als er ') za Simon Kepba kam, sagte er 
ihm*): Da, Herr, wfiscbest mir meine Flisse? (8) In Ewigkeit 
wUschest da mir nicbt meine FUsse. Es sagte ibm Jesus, wenn 
icb dieb nicbt wascbe, bast da keinen Antbeil mit mir. (9) Es 
sagte ibm Simon: Dann^) Herr, soUst da mir nicbt nar meine 
Fttsse wascben '), sondern aucb meine HSnde, aucb mjein Haupt. 
(10) Es sagte ibm Jesus : Wer gebadet ist, der bat nicbt n5tbig 
ausser die Flisse sicb wascben zu lassen. . . (12) Und als er 
die Flisse seiner JUnger gewascben batte, nabm er seine Klei- 
der und legte sicb bin^) und sagte ibnen: . . (13) Siebe, ibr 
nennt micb „unser Meister" und „unser Herr" *), und icb bin es. 
(14) Wenn also icb, euer Meister und euer Herr, eure FUsse 
eucb gewascben babe, wie mflsst dann ibr*) Einer des An- 
deren Fusse wascben? (15) Dies babe icb als Vorbild eucb 
gezeigt^®), dass, wie icb gethan babe "), so ihr tbuet^*)]. 

1) Dass dies den eschatologiscben Reden gefolgt set, ergibt sicb 
mit Sicherheit aus der jedes Gitats entbehrendeD £r5rterang E 219. 
£beD80 hieraus und aus dem folgenden § 82, aucb aas E 105, dass Ju- 
das bei der Fusswaschung zugegen war. Noch ist anzufuhren E 206: 
Cum eis pedes lavarety non fecit initium a Simone, principe discipu- 
lorum. Wieviel von Mt 26, 1—5. 14—20 oder den Parallelen der Fuss- 
waschung vorangestellt war, lasst sicb nicbt sagen. Vielleicht geh5rt 
hierhin Lc 22, 15 E 230: Desiderio desideravi comedere hoc pascha vo- 
biscum, antequam patiar. Der Spruch fehlt in Fuld. — Der ganze obige 
Text nach A 226. 227. — 2) «n:4'^\I5T Nrpbri A, Nn:i^?3ri P HI. — 
3) Als er aber P, erst H! mit Gr er ham also. 4) sagte ihm Simon P, 
sagte jener ihm HI. Von v. 6 geht A ohne Unterbrechung zu v. 8. — 
5> ^^12 aucb P, > HI Gr. - 6) :i'^TZ3n A, :i-'tt;N P, > HI Gr — 
7) > ndliv aucb P. — 8) So aucb P, die aber weiter mit Gr und 
schon sagt ihr^ denn ich bin es, — 9) ^^"^^'2 intin inniNT "jlDb Nbn A, 
■jWTDm innsK y'2^n P. — 10) inDn^'in A, iiDb niarr^ P, diese hat aucb 
n'':^ mit Gr. — 11) A ^ vfiTy gegen P Gr. — 12) Vielleicht ware 
aus E 223 hier = Jo 13, 16: non est maior discipulus magistro einza- 
schalten, da Lc 6, 40 dem Zasammenhang ferner liegt. — Eine freie 



— 204 - 

Umgestaltang von Jo 13, 10 gibt E 58 als Wort Jesu: qui haptizaU 
sunt, non deest eia quicqtmm, 

§ 82. Mt. 26, 21-25. Mr. 14, 18-21. Lc. 22, 21—23. Jo. 13, 

21-30. E 219-21. 

(Mr 18. Mt 21 cf. Jo 18) Unus ex vobis, qui panem me- 
cnm edit, iste est, qui me tradet ^) ; (Lc 21) et ecce manus tra- 
ditoris mei mecum iu mensa extensa est; (Mt 26. Mr 24) et 
filius hominis vadit, ut de eo seriptum est^). . . Melius el erat, 
si uatus non fuisset. . . (Jo 22—26) Caritas arcanum publicavit 
et timori revelavit, quia dum caritas in sinu domini secura ia- 
cebat^ timor ei saepius annuit^). . . Ideo intinadt panem, ne cum 
pane eiiam testamentum daret; lavavit prius panem et tunc ilium 
ei dedit. . . . (Jo 30) Daminus Judam per aquam a discipulis 
separavit, cum panem aqua intinctum ei daret ^ quia non erat 
dignus illo pane, qui una cum vino duodecim aposiolis da- 
batur^), 

1) E 219 cf. E 159: unus ex vobis me traditurus est, — 2) filius 
— seriptum est auch E 230 ebenso wie £ 219 eztr. — 3) E 220 sq. 
Mit dieser rbetorischen Umscbreibnng, welche nar den jobanneiscben 
Text obne Einfluss der synopt. Parallelen erkennen lasst, cf. den Text 
selbst im Fald. p. 138, 11—24. — 4) E 221. Das Hinausgebn des Ju- 
das ging also der Abendmablsstiftung voran. Ebenso A 221, 18: Nach- 
dem Judas von ihnen hinausgegangen wary nahm er das Brod etc. Gf. 
A 223, 3. Dass der Weggang des Judas mit folgender Abendmabls- 
stiftung andrerseits der Fusswascbung bald gefolgt sei, ergibt sicb wie 
ana obigen Worten E's auch aus A 227, 12, wo es nacb dem Scblnss 
des Testes in § 81 beisst: Und nachdem er ihre Fusse gewaschen und 
sich hingelegt Tiatte, da gab er ihnen seinen Letb und sein Blut. Dass 
E trotz des Weggangs des Judas von 12 Aposteln redet, und nicbt wie 
A 223, 4 von elfen, ist natiirlich barmlos. Cf. 1 Cor. 15, 5 nebst Varianten. 

§ 83. Mt. 26, 26—29. Mr. 14, 22—25. Lc. 22, 18—20. 

E 221 sq. 1) 

[(Lc 19. Mt 26. Mr 22) Er nahm *) das Brot und segnete ») 
und gab seinen Jtingern und spracb zu ihnen: dies ist mein 
Leib; nehmet, esset yon ihm ihr alle'). (Lc 20. 1 Cor. 11, 25. 
Mt 27. Mr 23) Und auch ttber den Wein segnete^) er so und 
sprach zu ihnen: dies ist mein Blut des neuen Testamentes, das 
fllr Viele vergossen wird zur Vergebung der Sttnden. So nSm- 
lich sollt ihr thun zu meinem GedSchtnis, wenn ihr eucb ver- 
sammelt*).] . . (Mt 29. Mr 25 Lc 18) Et dixit: in posterum 
non bibam ex hoc genimine vitis usque ad regnum patrismei'). 



- 205 - 

1) Dass dieses Stiick jetzt folgte, ergibt sich schon ana § 82 s. dort 
Note 4, aber auch aus dem Fortschritt des immer flttchtiger aasgear- 
beiteteo CommeDtars E221 sq. Den Text gebe ich, soweit es geht, aas 
A 221, 18-23. — 2) a05 mit So P Lc 19, b^ttJ P Mt26. Der Ausfall 
des be! keinem Ev., aach nicht in So P fehlenden Hxltcae in A wird za- 
fallig sein. E 222 hat benedixit et f regit, auch scbon 221 : corpus suum 
/regit - 3) '^j'nra, so P Mt 26, ''mNT Sc P Lc 19. - 3) Nirgends so 
bezengt: der Schlass eine Nachbildung von Mt27 cf. Mr 23. -— 4) Ebenso 
wie vorher, '^'ilMl P Mt 27. Die Satzform nach Lc 20 P: und ebenso 
auch fiber den Becker , nachdem sie gespeist hatten, sprach er etc. — 
Sc ^ Lc 20 und stellt v. 19 vor 17. 18, so dass diese letzteren SStze 
an die Stelle der Einsetzung des Abendmablskelchs treten, wesentlich 
ebenso Veron Palat. — Vindob., wahrend cod. gr. D u. codd. lat. Verc. 
Vind. Bhed. Corbei. II nur v. 20 aasgestossen haben. — 5) Offenbar aus 
1 Cor. 11, 25, wo P natttrlich genauer mit Gr: und so sollt ihr thun, so 
oft ihr trinket, zu meinem Geddchtnis. Vielleicht hatte T noch mehr 
aus 1 Cor. 11 genommen. E 230 sagt beilaufig: Vespere^ qua nocte se 
ipse tradidit, corpus suum apostolis suis distribuit et sanguinem suum 
discipulis suis dispensavit, et mandatum eis dedit, ut hoc in memoriam 
istius paissionis facerent. — 6) E 222. 

§ 84. Lc. 22, 29—34. Jo. 13, 33-38. E 222. 

. . [(Lc30 cf. Mt 19, 28j Ihr werdet sitzen auf 12Throneii 
und richten die 12 Geschlochter des Haases Israel^)]. . . (Lc 31. 
3'i) Ecce^ Satanas accepit permissiouem cribrandi vos at triti- 
cum, et ego oravi patrem pro te, ne deficiat fides tua'). . . . 
[(Jo 13, 34) Ein neaes Gebot gebe icb each, dass ihr each 
einander liebet')]. 

1) A 432, 8 so wie Sc Lc 22, 30, nur hat A -jiStD wie Sc Mt 19, 

28, bier dagegen Sc MuSu). Dass der Spruch, auf dessen Gestalt in 
Lc 22, 30 schon in Sc die Parallele Mt 19, 28 eingewirkt hat, hieher 
gehSrt, folgt erstlich aus dem Mangel jeder Beziehung auf den ganzen 
Abschnitt Mt 19, 27—30 in § 54 (s. § 55 Note 1), und zweitens daraus, 
dass E 223 dixit enim, illos esse iudicaturos das Vorkommen des Spruchs 
in diesem Zusammenhang voraussetzt. Auffallig ist, dass E 223 daran 
denselben Spruch Ezech. 23, 45, wie A 43'2, 9 anschliesst. Cf. noch 
E 179: cur dedit duodecim apostolis? sc. das Recht, ihm zur Seite zu 
thronen. Aus Epbr. II, 295 b ist nichts zu gewinnen. — 2) E 222. Die 
Abweichung accepit pertnissionem sonst unbezeugt ~ 3) A 34, 19. 
Dass es hieher geh(5rt, ist wegen des Parallelismus von Jo 13, 36—38 
mit Lc 22, 31—34 und wegen des Anscblusses von Jo 14 wahrschein- 
lich. Auch £ 224 hat mandatum aliquod novum do vobis bei ErklSrnng 
Ton Jo 15, 12. 

§ 85. Jo. 14. E 222 sq. ») 
[(23) Viele Orte sind im Hanse meines Vaters '). . . Einen 
Ort, gebe ich bin, each zq bereiten'); and komme dann and 



— 206 — 

werde each hinf&hren, class wo ich bin, aneh ihr seid.^)] . . 
(8) Ostende Dobis patreniy et snfficit Dobis. Philippus petiit^ 
ut^) ... (9) Non cogDovistis me*). . . [(iO) Pater mens, qui 
est in me, ipse operatnr haec opera ^)]. . . (1i) Qui credit in 
me, opera quae ego faeio, et ipse faciet*). . . [(20) Ibr {seii) 
in mir and ich in encb*). . . (23 cf. 21) Wer in meinen 6e- 
boten wandelt and meine Liebe bewahrt, zn dem kommen wir 
nnd macben Wohnang bei ihm^®). . . (27) Meinen Frieden 
lasse icb each. ^^)] . . . (30) Inimicm . . . apnd me non in- 
venit qaidqaam snnm >^). 

1) Der Aoschlnss von Jo 14 ist dorch die folgenden Satze aus E 

verblirgt Cf. Fald. 139, 28. — 2) A 436 fin. n. 437, 1. NmnrN das- 

selbe Wort wie v. 2b ftir ronog, dagegen Ephr. I, 463 d and P kdim 
= fwval. — 3) A 460, 17. Ort an der Spitze dea Satzes, in P am 
Schloss. — 4) A 460, eztr. in Fortsetzung des dort begonnenen Clitats, 
ausserdem der letzte Satz wo ich bin etc. noch A 119, 12; 197 letzte Z. 
(wo Wright ohne Grund Jo 12, 26 citirt); 486, 11, iiberall gleichlaatend 
bis auf ein nur p. 197 vor C]fi< eiogefQgtes \ welches aach P hat. Ftir 
onov Bifjil iyto A allemal Nrfi^T ^.nN, P TT^fi^ NrNI NtD-^fi^. — 5) E 222. 

— 6) E 222. Aach in der Auslegnng wird der Plural festgehalten. Es 
ist die bei Griechen and Syrern (P HI *^3n!^'i*^) sonst nicht bezeugte LA 
der Lateiner Itala, Vulg. (Amiat. Fald. 140, 6) Tertall. Prax. 24. — 
7) E 173. — 8) E 223. Die Ausleg. zeigt, dass E aach xal fielCova 
rovT(oy noiTiffet gelesen hat. — 9) A 8, 1; 70, 2; 120, 14; 484, 4; 
486, 7. — 10) A 130, 10. — 11) A 410, 6 — 12) E 223. Die darauf 
folgenden Worte et ego vici mundum aus Jo 16, 33 branchen nicht hier 
gestanden zu haben. Das et verkntipft zwei Gitate. E 263: et in me, 
ait, nihil suum invenit. P und in mir hat er nichtSj HI im Text fttgt 
ein Nbl vor p?3 hinzu, am Rand aber n^Xu)2 = ivqCoxh, T*s Text fin- 
det sich ganz iu Epiph. haer. 66, 67. Petav. p. 680: xal iv igiol ovikv r^v 
avtov ivqCaxH, dem Zusammenhaog nach aus einer manichaischen Schrift 
genommen. Gf. Grig horn. 13, 3 in Exod. (Delarue 11, 176) : quaerit^ si 
quid de suis actihus inveniat in nobis. — Der Schlusssatz Jo 14, 31 
kann in T nicht wohl hier gestanden haben s. § 86 Note 2. 

§ 86. Lc. 22, 35-38. E 223 sq. 

• . (Lc 36) Qai non babet gladium sunm >), emat sibi gla- 
diam. . . (38) Safficiunt duo^). . 

1) gladium suum nur E, ein Schwert Sc P, aach dies ^ HI. 6r. 

— 2) duo aus dem nicht mitgetheilten Wort der Junger passend von £ 
zagesetzt. Sc fUgt hinzu : steht auf und lasst uns hingehn aus Mt 26, 46. 
Mr 14, 42. Bei dem innigen Zusammenhang von Sc und T ist es schon 
darum wahrsoheinlich, dass T hier entweder dasselbe, oder wahrschein- 
licher den geschichtlioh allein passenden and beinahe gleichlautenden 



- 207 — 

Satz Jo 14, 31 hatte. Die Unterbrechnng des Zasammenhangs von Jo 14 
nnd 15 durch § 86 d. h. darch das letzte synoptische StUck aus der 
Geschicbte des letzten Mahles macht es Uberdies gewiss, dass T das 
iyelgea&e aytofiev ivrsv^sy Jo 14^ 31 mit Mt 26, 30. Mr 14, 26. Lc22, 39 
zusammenfalleDd gedacht hat. Cf. Fuld. p. 141, 9—24. 

§ 87. Jo. 15. E 224 sq. 

[(2) Den Weinstock, der gate Frttchte bringt, reinigt sein 
Hbit UDd f&brt fort ihn za bearbeiten ')]... [(3) Yos mnndi 
estis propter verbom meam, quod locntns sum vobis^)]. . . 
(12) Hoc est praeceptum (mandatnm) menm: diligite inyicem, 
sicut dilexi vos^). (13) Maiorem hac caritatem nemo habere 
potest, qaam si qais poDit animam suam pro amicis sais^). . • 
[(15) Maine Freuude babe ich euch genannt, weil ich alles, was 
ich von meinem Vater gehOrt, euch gesagt habe*)]. . . [(18) 
Scitote, quod et me prius quam vos oderunt')]. . . [(19) Wenn 
ihr von der Welt wSret, wtirde die Welt das ihre lieben^). . , 
(20) Wenn sie mein Wort geh5rt und bewahrt haben, werden 
sie aucb das eure bewabren; und wenn sie mich verfolgt baben, 
werden sie auch euch verfolgen •)]. . . [(25) Ut scriptum est 
in lege eorum: quod odio habuerunt me sine causa*)]. 

1) A 303, 2. -^ 2) E 58. P wegen des Wortes, das ich mit euch 
geredet hdbe, — 3) £ 224 sq. in mehreren theilweise wiederbolten Ab- 
aatzen. A 12, 13; 256, 9: das ist mein Gehot, doss ihr einander liebt 
(unvollstandiger A 270, 9; 297, 3) tiberall ilttn^n, P HI iinnn. — 
4) E 225. — 5) A 389, 8. Nar bis genannt auch A 12, 14; 344, 9. 
Ganz so P (abgesebn von dem bei A fehlenden anknUpfenden if). Auch 
Ephr. I, 466 c ebenso die zweite Halfte, nar DITS b'D statt b'D (A P). In 
£ 225 nur die Bemerkung: amor eius ex eo cernitur, quod amicos nos 
vocavit — 6) E 106. — 7) A 484, 12. — 8) A 484, 9. Hier schliessf 
sich an die Worte euch verfolgen mit einem iviederum sagt er uns ein 
Citat aus Jo 17, 16 an, darauf das vorhin mitgetheilte Sttick aus Jo 15, 19. 
— A 414, 20 ist durch Erinnerung an Jo 15, 19. 20; 17, 16 folgendes 
Citat entstanden: Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie euch auch 
verfolgen; und darum ndmlich verfolgen sie euch, weil ihr nicht aus 
der Welt waret {^t€ cf. cod. gr. D Jo 15, 19 wo aber das ovx fehit), 
fvie ich nicht von ihr bin (oder geworden bin). — 9) E 209. 

§ 88. Jo. 16. E 225—227. 

. . (7) Bonum est vobis, ut discedam; si enim ego non 
abiero, paraclitus ad vos non veniet, et (cf. v. 13) omnis Veritas 
vobis non innotescet^). . Ecce mitto ego ad vos paraclitum ^). . . 
[(11) De iudicio autem, quia princeps mundi buius damnatna 



-^ 208 — 

est')]. . . [(15) Quaecanqne habet pater meus, mea sunt*). . . 
(28) Et ego a patre veDi^). . . (32) Nod ego solus sum, quia 
pater meus meeum est*). . (33) Ego vici mundum "^J]. 

1 ) E 225 ohne Unterbrechang bis dabin. — 2) Dies schoD vor dem 
vorigen Citat mit dem Zusatz quia dicit: alium paraclitum mitto ad vos. 
Wahrscheinlich hat im syr. OrigiDal dixerat gestanden, nnd das Ganze 
ist eine aDgeoaae Berafung auf Jo 14, 16. — 8) £ 227. damnatus est, 
dagegen P iudicatus est. Sehr bezeichnend erklSrt Ephr. I, 37 f den im 
wesentlichen nach P citirten Spruch oder vielmehr speciell das iTt i*«n 
darch die Bemerkung in i"»n73 y^llTi das heisst er ist verdammt. Den 
ezplicativeren Text der Evangelienharmonie stellt er neben den der P. 
Zagleich baben wir bier einen starken Beweis fUr die Trene der armen. 
Uebersetzung von E. — 4) E 179, daneben stellte er Jo 17, 10. — 
5) E 3. — 6) E 271. Jo 8, 16 liegt ferner. — 7) E 223 s. § 85 Note 12. 
Aucb A 134, 3 und Epbr. ed. Overbeck p. 95, 5 citiren diese Worte 
ftlr sich, ohne Abweicbang von P. 

§ 89. Jo. 17. E 227 sq. 

. . (1) Venit et adest bora: elarifiea filium tuum, et filius 
tuus clarifieabit te^j. . . (5) Da mibi gloriam a te ex ea, quam 
dedisti mibi, antequam mundus faetus esset^). . . [(10) Quae 
ego habeo, patris mei sunt 3). . . (11) Et ego venio ad te*)]. . 
[(16) Nicht seid ihr (^geworden) von der Welt^ wie ich nicht von 
ihr (geworden) bin^)]. 

1) E 228. Aus anderer Quelle (s. folgende Note) citirt E gleicb 
darauf : glorifica filium tuum^ ut et filius tuus te glarificet, Letzteres ist 
= P HI (nur dass in diesen beiden mit den besten griech. Hss. das xai 
fehlt). Ersteres wird also Text von T sein — 2) So E 227. Dann 
E 228 in der Auslegaog, welche diese eigenthOmliche Textgestalt nicht 
berttcksichtigt : da mihi^ nimirum id quod habuit ante creaturam cum 
patre et apud patreniy quoniam et lectio sic habet et aperte didt: glori- 
fica me ea gloria, quam habui coram te, antequam mundus fieret. Statt 
lectio^ was Aacber offenbar richtig von einem andereu Text als dem vor- 
ber vorgelegten versteht, hStte Moes. nicht scriptura in den Text nehmen 
sollen. Der dem Commentator vorliegende Text sagt das, was E darin 
findet, nicht deutlich genag; darum setzt er nachtra'glich den der P her, 
und zwar genaa, nar mit Weglassung des ix^ni zu Anfang und der 
Worte '!jnib ''^fi^. Auf diese kam es aber aucb nicht an, sondern darauf, 
dass diese andere lectio die fraglicbe Herrlicbkeit als eine ewig dem 
Sohne eigene bezeichnete, wahrend der obige Text aucb die vorweltliche 
Herrlicbkeit als eine Gabe des Vaters an den Sobn darstellte. Es muss 
aucb, wenn Aucher und Moes. nicht sehr sonderbar verfahren sind, in 
der spateren Anf&hrung sowobl von v. 5 als von v. 1 (s. Note 1) 
ein anderes armen. Wort ftir So^disiv stehn, also auch wobl im syrischen 
Text gestanden haben. — 3) E 179 s. § 88 Note 4. - 4) E 271. Er 



— 209 - 

fHgt hiDZU non autem „mi deua**. Er zieht ndT€Q {ayu) also zam vori- 
gen. — 5) A 484, 11 s. § 87 Note 7. Das iin'^irr (entsprechend dem 
nrr der P, anders A 414 extr. 'jltD'^n'^N . . Nin) und das mn soil doch 
wohl nicht ysyovars {iyiv€(r&s) und yiyova sondern einfach iar^ und 
etfil bedeuten. — Sehr freie Anspielungen an Jo 17, 6. 9. 11 — 13; 18,9 
aber auch an Hebr. 2, 13; Jes. 8, 18 liegen noch in A 167, 1 sqq. vor: 
Und 68 kehrte zuruck das Wort zu dem der es gesandt hai^ und nicht 
vergehltch geschah sein Hingang, sondern also sprach er vor dem^ der 
ihn gesandt hat: Siehe ich und die Kinder, diemir der Herr gegeben hat. 

§ 90. Mt. 26, 36—57. Mr. 14, 32-53. Lc. 22, 40—54. 

Jo. 18, 1—13. E 228-237. 

. . (Mt 38. Mr 34) Tristis est anima mea i). . . (Mt 39) 
Pater, si fieri potest, transeat a me calix iste*). . (Lc 42) Non 
mea voluntas fiat, sed tua'). . . (Mr 41. Mr 38. Lc 46) ^t dixit 
ad discipulos: Vigilate et orate, ne intretis in tentationem. Spiritas, 
ait^ hie promptns (et paratus) est, sed caro baec infirma^). . . 
(Lc 44) Et factus est sudor eius nt guttae sanguinis^). . . 
(Mt 45. Mr 41) Dormite deinceps et requiescite ®). . . (Lc 48) 
Judas, num osculando venis tradere filium hominis? (Mt 50) 
Agedum, ad quid venisti, amice ^)? ... (Jo 18, 4) Domintis 
dixit eis: Quern quaeritis? (Jo 5) Dicunt ei: Jesum Nazarenum. 
Dixit eis Jesus : ego sum: (Jo 6 sq.) Dum adhuc Judas cum eis 
stabat, retro abierunt et prostrati sunt in terram*). . . (Jo 9) 
Quoscumque mihi dedit, non perdam ex eis qnemquam*). . . 
(Jo 10) Simon aurem unius ex iis absddit^^), . . (Jo 11. Mt 52) 
Converte gladium tuum denuo in locum suum^^). . . [(Mt 53) 
Er sagte zu Stmon^ seinem JUnger: Meinst du etwa, dass, wenn 
ich erbitte von meinem Vater ein Heer von Engeln des Himmels, 
er mir (es) nicht gebe ^^)], . . (Lc 51) Sanavit aurem ocdsoris "). * . 
(Jo 12) Ligaverunt eum et deduxerunt '*). 

1) £ 228. Ftir die Anordnung der ganzen Perikope ist trotz einiger 
Abweichnngen die Vergleichung von Fuld. 146, 5 — 148, 18 lehrreich. — 

2) E 229 dreimal und E 231 einmal gleichlautend ohne pater, einmal 
£ 229 pater, transeat a me calix iste. Auch A 459, 1 citirt: Mein Vater, 
wenn es moglich ist etc. wie oben. Die Herkunft ist dadurch ungewiss, 
dass So ganz abweiohend von 6r, theilweise auch von P Lc 22, 42 a 
ebenso wiedergibt, wie A 459, 1 citirt, d. h. wesentlich so wie Mt 39. — 

3) £ 234 zweimal so, nur das zweite M&l zu tua + voluntas. Vorher 
£ 234 in. non sicut mea voluntas, sed sicut tua; £ 233: non, pater, sed 
voluntas tua fiat (s. Moes.'s Note 1); E 232: fiat voluntas tua. Letzteres 
k(5nnte auch auf Mt42 zuriickgehn. •— 4) £ 231. e^ paratus wird wieder 
armen. Verdoppelung sein. — A 487, 19: Betet^ dass ihr nicht hinein- 
kommt in Versuchung, kann Abkiirzung des obigen Testes sein. Es kann 

Zahn, Forschnngen I. ^^ 



— 210 — 

aber anch ausser Mt 41 = Lc 46 noch Lc 40 vorher in T gestanden 
haben (cf. Fald. 146, 11 u. 27); Sc tibersetzt anch Lc 40: hetetf doss 
ihr nicht hineinkotnmt in (n*^ib, dagegen P wie A 487, 19 und Sc selbst 
Lc 46 : b) Verstichung (cf. cod. gr. D fi^ iia^lS'rjjs statt /xtj eiaeld-du), — 

5) E 235. Dor Wegfall des xarafiaCvovrog (oder xarafiaivovrsg) inl t^v 
yijv war am so natttrlicher, weDn T wie P dies mit den Worten wieder- 
gegeben hatte : und er fiel zur Erde, was, da Nns^Ti {l^Qois) gew9hnlich 
als femin. behandelt wird, auf Jesas geht. Sc und sie fiel zur Erde, — 

6) E 235. — 7) £ 235, nur durch kleine Zwischenbemerkung vom 
Vorigen getrennt — 8) So anunterbrochen von dicunt ei an E 236. 
Dum — stdbat war eine fQr den Harmonisten fast nothwendige Aen- 
derung, daJadas schon vorher genannt war. — 9) E 234 sehr beilaufig, 
daher von zweifelhafter Zugehorigkeit za dieser Perikope. Cf. auch 
Jo 17, 12. — 10) E 236. — 11) E 236 und ganz gleichlautend schon 
E 232, .dagegen E 186: mitte gladium tuum in locum suum, — 12) A 385, 7. 
Den Namen des Simon za diesem Sprach des Mt, wo er nicht genannt 
ist, bot dem A sein Text, namlich T. Das Fragwort K^bn z. B. Mt 12, 23 
P nnd Sc = /xi^n setzt vielleicht ein /iri doxsTg statt ^ ioxelg voraas. 
P HI haben ij!< wie Gr. — Hier ist der Verlast des Testes von Sc sehr 
za bedauern. — 13) E 232. Die Sache mehrfach E 236 sq. — 14) E 237. 
Nar aaf Jo 18, 12. 13, nicht auf Mt 27, 2; Mr 15, 1 kann sich dies dem 
Zasammenhang hach beziehen. 

§ 91. Mt. 26, 58. 69—75. Mr. 14, 54. 66—72. Lc. 22, 54-62. 

Jo. 18, 15-18. 25—27. E 237. 

Node negavit Simon. . . Ad prunas negavit^), • . Simony 
cui una ancilla timorem incmserat, . . [Und auch Simon ^ das 
Haupt der Junger, da er leugnete: Christm habe ich nicht ge- 
sehn, und fluchte und schwor: ich kenne ihn nicht; und als Bene 
ilber ihn kam^ und er mehrte die Thrdnen seines Weinens^ nahm 
ihn der Herr an und machte ihn zum Fundament und nannte 
ihn den Felsen des Baues der Kirche^)]. 

1) Diese Satze und ihre CJmgebung E 237, aasser dem folgenden 
aas E 231 (cf. E 51) die einzigen aaf diese Geschichte bezUglichen in 
E, machen es wahrscheinlich, dass T hier alles aaf die Verleugnung des 
Petras Beziigliche zasammengestellt hatte. — 2) A 143 extr. Ich habe 
den Text Wright's tibersetzt. Die Randlesart heisst und als er seine 
Siinden mit den Thrdnen seines Weinens dbwusch. Alle diese zum 
Theil historisch sehr unrichtigen Anspielungen befahigen uns za keinem 
sicheren Schluss auf die Textgestait ansrer Perikope. s. § 42 Note 3. 

§ 92. Mt. 26, 59-68. Mr. 14, 55-65. (Lc. 22, 63—71. 

Jo. 18, 19—24.) E 237 sq. *). 

. . Illi contra eum tumuUum et turbam testium auxerunt, 
Dominus locutus est, quia eum interrogarant . . (Mt 64 sq. 



- 211 — 

Mr 62 sq. cf. Lc 67) Amodo videbitis vos filiam hominis, quod 
venit in nubibus Incidis com angelis caelornm. Tunc sammns 
sacerdos mantes ad oras vestimenti misit et laceravit stolam 
suam *). 

1) Bei der zanebmenden Dttrftigkeit des Commentars lasst sich immer 
weniger sicher Inhalt, Umfang nnd Herkunft der Perikopen bestimmen. 

— 2) Aaf dies einzlge Gitat E 237 scbeint Mt 16, 27. Mr 8, 38. Lc 9,26 
einigen Einfluss getibt zu haben (cum angelis caelorum). 

§. 93. Jo. 18, 28-19, 16. Mt. 27, 1 sq.; 11-31. Mr. 15, 1—20. 

Lc. 23, 1—5. 13-25. E 238 sq. 

(Jo 28. Mt 2. Mr 1. Lc 1) Et sampsernnt et duxerunt eum 
ad portam et dedernnt in manus Pilati, et ipsi non intrarant in 
interiora in aulam^ ne contaminarentar, at prias ederent agnnm 
in sanctitate 0* • • (Lc 2) Hie prohibet tribata dareCaesari^). . . 
(Mt 12—14. Mr 4 sq. Jo 19, 9) Tacuit ante Pilatum^). . . 
(Mt 15-21. Mr 6—11. Lc 18 sq. Jo 18, 39 sq.) Eoque repu- 
diato Barabbam homicidam sibi postularunt^). . . [(Jo 19, 14) 
Us wurde ilber ihn Gericht gehalten bis zur 6. Stunde^ und urn 
die Zeit der 6. Stunde verurtheilten sie ihn^)], , . (Jo 19, 15. 
Lc 18) ToUe a nobis istum, tolle a nobis ®), ad Pilatum clama- 
bant. Hie autem secunda et tertia vice replicans propheta regni 
domini fiebat dicens: Num ego regem vestrum in crucem agam? 
. . . Judaei confessi sunt, regem suum esse Caesarem'^)* . . 
(Mt 28—31. Mr 17—20. Jo 19, 2. 4) Vestimentum purpureum 
domino indnernnt. . . Corona ex spinis. . . Et spnerant in faciem 
eins. . . Dedernnt arundinem in mann eins. . . Cumque eum 
iterum denvdarent^). . . 

1) £ 238. Fiir portam^ wie es im armen. Text beisst, bat Moss, tri' 
bunal in den Text gesetzt. P Jo 18, 28 zweimal 'j'^'msi^^Bb , wenig an- 
ders gescbrieben dasselbe HI. Hatte T neben einmaligem nqatTfoqiov noch 
ein anderes Wort, so wird's ovAif gewesen sein cf. Mr 15, 16 {fom tijg 
avlfjg, o iari nQuiTcoQiov. P Nn'm i:*b, woraus fit^nn lab leicbt genug 
entstand). — ut priu^ etc. sebr abweichend von P (^dass sie nicht ver- 
unreinigt warden^ wdhrend sie das Fassa dssen). — 2) E 239. — 
3) E 238 ausfiibrlicb commentirt. A 222, 8 verallgemeinert es unrichtig. 

— 4) E 239. Dariiber, ob T den Barabbas auch Jesus genannt bat, lasst 
sicb ans £ nicbt entscheiden s. oben S. 108. Aucb bei A finde ich 
nicbts. — 5) A 222, 6. Von dieser 6. Stunde ist aucb weiterbin in 
dieser Abhandlnng A's Uber das Passa viel die Rede. Die Absicht, iiber 
die von A voransgesetzte Osterprazis in einem Ezcnrs zu bandeln, babe 
icb aufgegeben, weil die Untersachnng auf sebr Vieles ausgedehnt werden 
miisste, was mit der vorliegenden Aufgabe in gar keinem Zusammenhang 

14* 



— 212 — 

steht. Die von Bickell in der Uebersetzang and in den Anmerkangen 
ansgedrtickte Auffassang halte ich ftir unzatreffend. — 6) Ein Einflass 
von Lc 23, 18 neben Jo 19, 15 ist vielleicht am des tovtov willen and 
wegen der Abwesenheit eines atavQmaov avrov nicbl anzanebmen nothig. 
Es ware scbon anders, wenn die LA des cod. gr. D Lc 23, 18 aigs tov- 
tov, atqai tovtov auch bei den Syrern bezengt ware. Aber hier geben 
Sc P HI mit den meisten gr. Hss. nur ein einfaches nimm diesen hinweg. 
— 7) Dies bringt E 243 erst sebr nachtraglich. Nach A 10, 12 sollen 
die Juden vor Pilatas gesagt haben: Nicht soil dieser uber uns Konig 
sein^ was offenbar dem gleich daraaf A 10, 15 citirten Aassprach Lc 19, 14 
conformirt ist. Ephr. 349 a : Wir hahen keinen Konig ausser dem Kaiser 
genau nach P; aach Ephr. I, 469 f, wo nar das ^M hinter ^bM fehlt and 
'HD'^p so plene geschrieben ist. — 8) Diese abgerissenen StUcke sammt- 
lich E 239. — Von der Begegnang Jesu mitHerodes Lc 23, 6—12 zeigt 
sich hier bei E keine Spar. Die gelegentliche Bezagnahme £ 165 be- 
weist nichts ftir T. Aach in A finde ich nichts davon. 

§ 94. Mt 27, 3—10. E 239 sq. 

(Mt 3) Cam Judas yideret, dominam esse condemnatum; 
actus dolore abiit et retulit triginta argenteos ad sacerdotes 
(4) et ait: peccavi, quia sanguinem iustum tradidi. Dicunt ei: 
non est nobis cura^ tu nosti. (5) Et proiecit argentum in tern- 
plum et abiit. et se suspendit et mortuus est^). . . (Act 1, 18) 
Utque laqueus abscissus est, cecidit et crepuit medius. . . Quod 
autem diffusus est venter eins '). . . (Mt6) Non est fas recipere 
argentum hoc in aerarium. . . (Mt 7) Et quod eo emerunt 
sepulturae locum. . . Agrum illo argento emerunt^). 

1) Soweit unanterbrochen E 239 sq. Aaf iustum statt innocentem 
ist nichts za geben, da aach die armen. Bibel so schreibt. Doch ist die 
LA alt genug, am aach in T gestanden haben za konnen« — tu nosti 
mit P, wShrend HI mit Gr du wirst sehen, — 2) Oass aach diese 
Satze der Perikope angehSrten, scheint mir besonders die EinfUhrang 
and Art der Besprechang des zweiten E 240 za beweisen, welchem der 
erste dann folgt. Ob T selbst darch Worte wie die obigen utque laqueus 
abscissus est den Bericht der AG an den des Mt angeleimt hat, wage 
ich nicht ^a entscheiden. E kennt auch eine apokryphe Tradition, ver- 
schieden von der bekannten bei Papias and offenbar nicht aus T ge- 
schSpft. Er fahrt namlich fort: Alii dicunt, {Judam, erganzt von Moes.) 
j^ortam clausisse et interius obserrasse, et donee putresceret et totus 
venter eius esset diffusus, nemo portam domus aperuit, ut interior a 
videret — 3) E 240. 241. Dass in T auch Mt 9 sq. stand, folgt aos 
der zweimaligen Behauptung E's, die Hohenpriester batten die Erftil- 
lang der biblischen Weissagung {ilium scripturae locum) verhindem 
wollen. 



— 213 — 

§ 95. Lc. 23, 26-32. Mt. 27, 32. Mr. 15, 21. Jo. 19, 17. 

E 241 sq. 

(Jo 19, 17) £t cam ipse sastulisset lignnm cracis snae et 
exisset, (Mt 32. Lc 26) invenerant et apprehendernnt illi virnm 
quendam GyreDensem et posuerant super earn lignum crucis ^). 
. . . [(Lc 28) Flete super yos ipsas, (29) quia venient dies, 
(30) ut dicaut montibus: operite nos etc.^)]. . (Lc 31) Si in 
ligno yiridi hoc faciunt . . . lignum aridum^). 

1) £ 241. Der Anfang kann nur aus Jo 19i 17 genommen sein, wo 
ijpse einigermassen dem kavt^ (k L) oder avj^ (B X), aihi (Itala) Evang. 
hieros. eDtspricht, was P HI ^. Weiter invenerunt aas Mt, apprehen- 
derunt and posuerunt super aas Lc. — 2) E 207. — 3) E 241. 

§ 96. Lc. 23, 32—42. Mt. 27, 33—44. Mr. 15, 22—32 sq. 

Jo. 19, 18-24. E 243-245. 

(Lc 33. Mt 38. Mr 27. Jo 18) Cum eum in crucem egerunt, 
crucifixerunt cum eo et duo malefactores, (Mr 28) ut perficeretur 
quod dictum est: „cum iniquis reputatus est^). . . (Lc~34a) 
Pater, dimitte eis, quia nesciunt, quod faciunt'). . . (Mt 37. 
Mr 26. Lc 35. Jo 19 — 22) Incircumcisi scripserunt: „hic est 
Christus, rex Judaeorum^ '). . . (Lc 39) Unus dixit: Nonne tu 
es Christus ille? salva te ipsum et nos tecum ^). . . (Lc 42) 
Memento mei, domine, in regno tuo^). . . (Lc43) Hodie mecum 
eris in horto yolnptatis '). . . (Mt 34 cf. Mr 23) Et dedernnt ei 
bibere acetum et feP). . . [und er kost^te und woUte nicht 
trinken]. . . (Jo 23 sq. Mt 35. Mr 24. Lc 34 b) Vestimentum 
eius diyisum est in quatuor partes. . . Tunica eius non est 
scissa *). . . (Mt 41 sq. Mr 31 sq. Lc 35) Alios salyos fecit, se 
ipsum non potest salyum facere*). . . [Descende, descende, ut 

yideamus et credamus in te ^^). 

1) E 242 soweit UDanterbrochen. Es ist also klar, dass nicht E den 
Spruch Lc 22, 37 mit der Kreazlgangsgeschlchte verbunden hat, sondem 
dass T mit P HI gegen die alteren griech. Hss. M A B C (erste Hand) 
D and X das Vorhandensein von Mr 15, 28 bezeugt. — 2) E 256. Das 
dort fehlende pater ist aas einem sonst anvollstandigen Gitat E 117 er- 
gSnzt. K!3M aach P and Ephr. II, 233 b, *^nM So. Dass der Sproch 
hieher geh5rt, ist daram wahrscheinlich, weil T in derAnordnnng dieser 
Perikope vorwiegend Lc gefolgt ist, and ein spaterer Ort fUr dies nor 
bel Lc vorhandene Wort darch nicbts veranlasst sein konnte. — 3) E 243 
mitten in der ErklKrang der Geschicbte der zwei SchiCcher. Die Ordnung 
also wohl nach Lc, die Form am meisten nach Mt (nar Christus statt 
*lTiaovg)f das Subject incircumcisi der Sache nach aus Jo. — 4) E 242 
(s. Moes.'B Note 5) bis Christus, vollstSndig E 243. Die Frageform be- 



— 214 - 

rnht auf Sc (Ktr^ttSTS n'^m Nb) = ovxl N B etc., dagegen P und die 
meisten Griechen wenn. Die tibrigen Abweichnngen kann ich nicht be- 
legen. ~ 5) £ 244 so, E 243 obne domine^ was aach Sc P HI gegen 
M B G (erste Hand) D Evang. hieros. n. a. bezengen. £ beidemale, 
also sicherlich aach T ^ otav H^e mit D Q (aas dem 5. saec.) Ghry- 
sost n. a. gegen Sc P Hi. and die meisten Griechen. Aber D kann 
nicht als Zenge flir T's LA gelten, da er statt iv rjf fiaciUltf aov schreibt 
£v T7I fifuqa nig sXsvascjg aov, — 6) E 244. 245 dreimal ohne hodie 
citirt, aber in der Auslegung gerade dies betont and za diesem Satz 
gezogen, wie die meisten Griechen (besonders eifrig polemisirt gegen die 
Interpanction hinter aij/^egov Macar. Magn. HI, 14 ed. Blondel p. 91), 
aach P (d<is8 du heute etc ), HI, cod. gr. D (welcher S^dgaei vor cr^- 
fjiegov einschiebt) and vor alien A 266, 3 : Wahrlich ich sage dir, doss 
du heute mit mir im Garten Eden sein wirst; abgekUrzt A 437 extr.: 
mit mir wirst du im Garten Eden sein. In dieser Uebersetzang von h 
Ttp nagadeiatp stimmen A (zweimal) , E (dreimal) , also ohne Frage T 
mit Sc, wShrend P HI KC^I^nD behalten haben. Dagegen hat Sc gegen 
alle diese Syrer die Satzabtheilang: Wahrlich ich sage dir heute, dass 
du mit mir im Paradiese sein wirst, — 7) E 245. In der Ordnang folge 
ich dem Gommentar. Das Folgende aas A 223, 18. Der ganze Satz 
laatet: Unser Erloser wies jenen Trank der Bitterkeit zuruck und nahm 
die ganze Bitterkeit der Heiden hinweg, als er ihn kostete und nicht 
trinken wollte, — 8) E 245. — 9) E 249 sq. zweimal vollstSndig. Aas 
dem Ort der Besprechang lasst sich nichts fiber die Stellang des Satzes 
schliessen, aach nicht aas der beilaufigen Erinnerang an die Sache in 
E 242 letzte Z., dass dies den Lasterangen des SchSchers vorangegangen 
sei. Wenn im Ubrigen meine Anordnung rich tig ist, so warde T an der 
Hand aller drei Synoptiker jetzt and nicht friiher, aber aach nicht spater 
hieraaf gefuhrt. — 10) E 1 16, also weit ab von der Leidensgeschichte. 

§ 97. Jo. 19, 25-42. Mt.27, 45-66. Mr. 15, 33-47. Lc. 23, 

44-56. E 245— 266. 

(Jo 25 sqq.) Cum Maria usqtte ad crucem eum secuta esset, 
ex ilia die earn Joanni trudidit dicens: Mailer, ecce filias taas; 
et iuveni: ecce mater taa^). . . (Lc 44 sq.) Sol oculos illumi- 
nans obtenehatm est, . . Tres horas sol obtenebratus est^), 
[Von der secbsten Stunde bis znr neanten ward eine Finsternis]. 
. . . (Mt 46. Mr 34) Deas, Dens mens (Eli, Eli), quare dereli- 
qnisti me 3)? . , . (Mr 36. Mt 49) Videamns, si Elias venit, at 
earn faciat descendere*). . . (Lc 46 cf. Mt 50 Mr 37) Pater, 
in manns taas commendo spiritnm meam '^)< . . (Mt 51—53. 
Mr 38. Lc 45) Spiritm . . velamen^ templi omamentum, appre- 
hendit et scidit^) . . . Petris praecepit et fissae sunt, et morti 
mandavit et iustos non impedivit, ad vocem illius ex se- 
pidcris exire ^). . . Muiti iusti ad vocem domini ex inferis ve- 



i 



- 215 — 

nerunt, pro uno multi ascenderunt. • . (Lc 48 cf. 47. Mt 54. 
Mr 39) Vox altera vae facta est in ore eorum et cotnplosio ma- 
nuum in pectore eorum. . . Vae fait, vae fait nobis; filins dei 
erat hie ^). . . (Le 49) Stabant a longe eognati Jesn *). . . 
[(Jo 32. 33) Ala sie die Beine derjenigen, die mit ihm gehreu- 
zigt waren, zerbrachen und die seinigen nicht zerbrachen *•)]. . . 
(Jo 34) Et anas ex militibns percassit earn lancea. . . Fons ex 
latere eim egrediens manifesie monstravit sanguinem, cuius cul- 
pam in se Judaei contulerant^ sed et aquae exierunt^^). , • 
[(Jo 36) Und er sagt: Es ward das Wort erfttllt, das geschrie- 
ben ist: ein Enochen soli nieht an ibm zerbroehen werden ^^)]. 
. . (Lc 50 sq.) Joseph . . iustus erat, quia calumniatoribus in 
consilio et operibus eorum non consenserat^^'). . . (Mt60. Mr 46) 
Lapis posttus est ad ostium sepulcri ^*). . . (Mt 64) Bestelle 
(Leute), die das Grab bewachen"). ♦ . (Mt 66) Obsignarunt 
septdcrum eius ^•). 

1) Dass dies hier folgte, zeigt die sehr karze BertihraDg der Sache 
E 245. Obige Worte aas E 54, Brachstiicke finden sich aach E 270. 
134. — 2) E 245 u. 256. T bestatigt mit Sc P die LA der codd. gr. 
A D Q R X etc. xal iaxoT^a&ij (D iaxoi, ^h) 6 rjUog gegen k B a. a. 
{joh rjXCov ixXtnovrog oder ixXe^novrog), — Ephr. II, 309 f: wahrend 
eine ETcUpsis der Sonne war, — Die im Text folgenden deatschen 
Worte folgen in A 222, 10 aaf die an Jo 19, 14 sich anschliessende 
Bemerkang Uber die Vemrtbeilang am die 6. Stande (§ 93 Note 5). 
Ebenso A 223, 5 sqq. Es hat also T ganz harmlos die 6. Stande bei 
Jo mit der 6. Stande bei den Synoptikern identificirt. — 3) E247 zwei- 
mal, an der zweiten Stelle Eli, Eli, Ob in T neben einem syrischen 
*^nbfi^ nocb diese andere Form stand wie in Hi Mt 46. Mr 34? P bat 
an beiden Stellen nar b'^fi^ b'^fi^. So feblt. Ueber die Stellang des Satzes 
s. die Noten 5. 6. 8. — 4) E 247, daneben noch einmal in gleichgttl- 
tiger Variation. — 5) E 254 obne pater, Aber E 247 wird aasfUhrlich 
er($rtert, dass nach jenem ersten, spottisch aaf Elias gedeateten Raf, 
Jesas einen zweiten gethan babe, welcber eine Wirkang aaf die Todten- 
welt getibt habe, and in welcbem er Gott als seinen Vater angerafen 
babe: Attamen, cum ad patrem suum clamasset, cur mortui pro patre 
8U0 ei responderunt etc.? Zagleicb soil dieser Raf aaf die lebenden Za- 
scbaaer eine erscbiltternde Wirkung geflbt baben s. Note 8. ~ A 222, 11 
sagt nach den in Note 2 citirten Worten: Und er ubergab seinen Geist 
seinem Vater um die neunte Stunde und war bei den Todten in der 
Nachtf da der 15, (Nisan) anhricht^ wahrend der Nacht des Sahhaihs 
und seines ganzen Tags und der drei Stunden am Freitag, Die kfinst- 
licbe Berechnang der drei Tage and Nsicbte, wSbrend welcber Jesas 
im Tode gewesen sein soil, folgt erst. Aach A bat Lc 23, 46 als 
letzt^s Wort Jesa, and ftir dieses aus dem Zusammenhang des Lacas die 



- 216 — 

Zeitbestimmung. — 6) E 257. Schon £ 254, dann aasftihrlioh £ 256— 
258 hiertiber. Der Geist, welchen Jesas in die HSnde seines Vaters 
iibergeben, ist zugleich der Geist des Prophetenthums, Priesterthums nnd 
K5nigtbams, der bisher im Tempel gewohnt bat, nnn aber von Israel 
entweiebt und bei seinem Aasfabren den Vorhang aafbebt and zerreissi 
Er ist der Wind, der dies, pbysikaliscb betracbtet, bewirkt (E 268 ven- 
tu8 scidit velum). Also stand in T dies wie in Mt u. Mr nacb dem 
letzten lauten Raf Jesa , nicbt wie bei Lc vor demselben. ^ 7) E 250 
of. 257. 268. Der folgende Satz des Textes aos E 158. Diese Wirknng 
des Todes Jesu wird mannigfacb dargestellt in Carm. Nisib. 36 — 39. 
AuffSUig ist, dass dort (carm. 39, A, syr. Text p. 70 Z. 51 : siehe es wur- 
den lebendig die Gerechten und gingen hervor) ebenso wie im obigen 
Text zweimal iusti statt des kanonischen sancti stebt. Damit ist zaver- 
gleicben, was A 422, 4 in einer an die apokrypbischen Darstellungen 
der HSllenfabrt erinnernden Scbilderung sagt : Ah der Tod in Yerwirrung 
(also) schriBf da er sah, dass die Finsternis anfing fur ihn verttlgt zu 
werden^ und dass (Etliche) von den Gerechten, welche schliefen, auf- 
standen, um mit ihm (sc. Jesas) hinaufzusteigen etc. Ferner beisst es 
in einer Scbilderang der Wirkang des Todes Jesa auf die verscbiedenen 
Gebiete der SchQpfang in der „Lebre des Addai** (ed. Pbillips p. 27 des 
syr. Textes) : Und es geschdh nicht durch ein Menschenkind y dass die 
Eechtschaffenen und Gerechten (fi<p'^*iT1 K^&<!3) auferweckt wurden 
(l^an^nN cf. Scbaaf , Lex. p. 339), sondem durch den, der von Anfang 
an die Gewalt des Todes verlieh. Im griecb. Descensas ad inferos (Ew. 
apocr. ed. 2. Tiscbendorfs p. 380 sqq.) stebt nar einmal dixatoi>^ fflnf- 
mal ayioi. Noch eine andere Berlibrang zwiscben E158 (sro una muUi 
ascenderunt) mit einer Stelle der „Lehre des Addai^ (ed. Pbillips p. 8. 
Caret, anc. doc. p. 6) ist za beacbten, wo es beisst: Er machte Todte 
lebendig durch seine Todtung; und er stieg hinah allein und stieg hinauf 
mit Vielen zu seinem gepriesenen Vater. Ferner (Pbillips p. 19): Und 
als er ins Chrah gegangen war, stand er auf und ging hervor aus dem 
Grrabe mit Vielen. Cf. meinen Ignatias v. Ant. S. 123. — 8) Das letzte 
anscbeinend w(5rtlicbe Citat schon E 245 and zwar so eingefiigt, als ob 
das der Verdankelung der Sonne gleicb gefolgt ware. Aber ans den im 
Text vorangehenden Worten aus E 248 ergibt sicb, dass erst nacb dem 
letzten laaten Raf Lc 46 dies vae, von Scblagen an die Brast begleitet, 
gerafen sei. Die Meinang von E 245 ist nar, dass erst nacb der Ver- 
finsterang des ausseren Licbts allmahlig eine innere Erleucbtang der 
Ereazigenden angefangen babe einzutreten, welcbe dann zuletzt in dem 
reaigen vae zam Aasdrack kam. — Die apokrypbe Gestalt des Verses 
ist wesentlicb ebenso in Sc zu finden (Lc 48): Und alle diejenigen 
welche daselbst Uebermuth getrieben hatten und sahen das, was geschah, 
schlugen an ihre Brust und sprachen: Wehe uns, was ist uns wider- 
fahren? Wehe uns {in Folge) von unsren SUnden. Careton iibersetzt 
l'^'liniZ)&< (Castellas - Micb. 901 fastuose se gerere) falscb were assembled 
(p. 85), ferner falscb (cf. Pref. p. LXII) 'jiii ^^12 what is this? daneben 
zar Aaswahl what is become of us? Tiscbendorf z. d. Stelle quae facta 
sunt? Alles angenaa. Es ist namlich, wie micb Prof. Hoffmann anter 



- 217 - 

BernfaDg auf Agrell, Sappl. syntaxeos syr. ed. Kosegarten p. 236 and 
andere von ihm selbst beobachtete Falle belehrt, y)'n = ^b fi^lti accidit 
nobis, Es bleibt eine nahe Verwandtecbaft zwischen T and Sc. Mit 
diesen Byriscben Texten bertibrt sicb aber ancb sehr nabe der lateiniscbe 
im S. Germanensis I (Sabatier III, 372): revertebantur dicentes: vae 
vohis (1. nobis) quae facta sunt hodie propter peccata nostra: appropin- 
guavit enim desolafio Jerusalem, Wabrscbeinlich ging die Ueberein- 
stimmang nocb weiter. E 246 sagt namlicb von den reumtitbig klagen- 
den Juden : Cum autem eis sol naturalis defecisset, tunc per istas tenehras 
eis lucidum fiehatj excidium urbis suae advenisse, Venerunt, ait^ iU' 
dicia dirutionis Hierosolymorum. M3s.'b Vergleicbung von Dan. 9, 2 and 
26 bilft nicbts, wogegen die Aebnlicbkeit mit dem S. Germ, in die An- 
gen springt. Vielleicht ist aiunt statt ait za lesen. — 9) E 258, wo 
es weiter heisst: ut impleretur quod dictum est: Cognati mei et proximi 
tnei longe fuerunt a me (Ps. 38, 12), was docb scbwerlicb znm Text 
gebort. — Jesu statt eius oder ei ist tiberbaapt altere syr. LA. (Sc P). 

— 10) A 225, 13. Aucb E 259: as eus nan est fractum in eo, — 
11) E 259. Aus diesen Worten und der Stellang im Gang des Gommen- 
tars ist deatlicb, dass dies dem Tode Jesu folgte and ziemlich weit von 
Mt 27, 49 entfemt stand. T bat den Lanzensticb also wobl nicht dort 
mit codd. gr. K B C etc., sondern wie P HI codd. gr. A D E etc. nar 
bei Jo gelesen. S. oben S.26 ff. — 12) A 225, 15 cf. E 259 in Note 11. 

— 13 u. 14) E 266. — 15) A 411, 18. Ebenso P. - 16) E 266. 

§ 98. Jo. 20. Mt. 28, 1—15. Lc. 24, 1-43. E 267-271. 

(Jo 1. 2) Maria prima mane ivit ad sepulcrum, cum do- 
minus iam resurrexisset f et nemo horam resurrectionis eius no- 
verat, sed Maria id diodt discipulis^). [Maria sagte: Sie haben 
den Herm weggetragen, and ich weiss nicbt, wohin sie ihn 
gebracht baben. (Mt 6. Mr 6. Lc 5) Und jene Engel sagten 
der Maria: Er ist aaferstanden and bingegangen zn dem, der 
ihn gesandt hat*)]. . . (Lc 24, 12. Jo 5 — 7) Vestimentum, quo 
in sepulcro involutus eraty ibi reliquit ^). . . (Mt 12 sq.) Illi data 
pecania eis persuasernnt, at dicerent: discipali nobis somno 
sopitis earn farati sant^). . . (Jo 15) [Gredidit earn esse hor- 
talanam ^)]. . . Si ta sastalisti earn *). . . (Jo 17) Noli me tan- 
gere; qaia nondam ascendi ad patrem meam. Vade, die fra- 
tribas meis: ascendo ad patrem menm et ad patrem vestram ^). 
• . (Lc 13 — 43) Cleophae et socio eius benediocit et cum discipulis 
manducavit ^). . . [(Jo 22) in quos spiritum suum insufftavit^)]. 
. . (Jo 24 — 29) Ecce et Thomas dubitavit et tetigit eum . . . 
ITiomae latrn suum ostendit *®). 

1) E 267. Er nennt sie nicbt Magdalena and verwecbselt sie E 269 
and 270 wie schon E 29 a. 54 mit der Mutter Jesa. Trotzdem wird der 



- 218 — 

Zuname Magddlena schwerUch ganz in T gefehlt haben. Of- A 229, 8: 
Und in der Nacht^ mit welcher anhricht der Sonntag, welches der Tag 
des 16. (Nisan) ist^ stand er auf und erschien der Maria Magdalena 
und den Zweien seiner Jitnger, als sie auf dem Wege gingen. — 2) A 384 
letzte Z. u. 385, 1 sq. Es ist also hier yon Maria Aehnliches gefiagt, 
wie bei den Synoptikern von den Franen ohne Unterscbied. Vielleicht 
war dies aber an Jo 20* 13, nicht an Jo 20, 2 angehangt. Nach der 
LA der andern Hs. am Rand bei Wright {und die Engel dienen ihm^ 
statt dienten ihm s. oben § 10 Note 12) wiirden aach diese Worte noch 
zur Engelrede gehoren, was entschieden nicht die Meinung A's ist. Auch 
E 269 (quia Maria duhitavit, quando audierat, eum surrexisse) setzt 
eine solche Meldung an Maria voraus, wie sie A ohne Sttitze in den 
kanon. £vv. den Engeln in den Mnnd legt. Beide also (E A) fandeo 
dies in T. — 3) Den von cod. gr. D and Itala aasgestossenen Vers 
Lc 24, 12 babe ich als Grundlage dieses Satzes vorangestellt; denn 
gerade bier bietet Sc einen Singular: Und er buckte sick und sah das 
Kleid allein und ging zu sich. Dagegen P hier u. Jo 20, 5 — 7 conse- 
quent und unzweideutig Plurale. — 4) E 267. — 5) E 29. — 6) E 269. 
7) In mehreren theilweise mehrfaoh wiederholten Stticken E 268—271. 
Dreimal E 270 sq. vado fllr ascendo, ebenda zweimal ^ et vor ad deum, 
einmal auch die drei entbehrlichen ad. Der vollstandigste Text E 270, 
Z. 5—9. — 8) E 270. Dies auch von A 229 angedeutet s. Note 1. — 
9) E 105. — 10) E 269 extr. Der zweite Satz E 270 of. E 261 letzte Z. 

§ 99. Jo. 21. E 271 sq. 

[(7 — 11) Node negavit Simon^ die autem confessus est. Ad 
prunas negavit^ ad prunas confessus est, TJbi negavit ^ terra 
testis erat; uU confessus est mare et terra^)']. . . [(15—17) Cum 
magister ad eum diceret: amas me? *). . .] [Er sagte dem Si- 
mon Kepha: weide meine Heerde and meine L^mmer and meine 
Schafe*)]. . . (19) Simoni dictum est: sequere me, quibus verbis 
dominus ei mortem praedixit, . . (20) Ille conversas est et con- 
spexit et vidit discipalum illam^ (21) et dicitei: et hie, domine, 
quid? (22) Dixit ei: si volo . . . quid hoc tibi curae est*)? 

1) E 237. — 2) E 101. Vorher schon Anspielung auf das drei- 
fache Bekenntnis des Petrus und die dreifache Uebertragung des Hirten- 
amts, nachher vom Martyrium des Petrus. — - 3) A 195, 15 sqq. Es 
folgt noch: und Simon weidete und vollendete seine Zeit. — 4) Dies 
alles E 271 ohne Unterbrechung ; nur das si volo babe ich aus E 272 
Z. 2 aufgenommen. 

§ 100. Mt. 28, 16—20. Mr. 16, 15—19. Lo. ?4, M— 53. 

E 272-274. 
(Mt 16) Consolationem . . dedit nobis per resurrectionem 
suam, et cum discipulos suos in Capharnaum^ urbe consolationis, 
congregasset^). [(Mr 15. Mt 19) Ite in universam terram et bap- 



- 219 — 

tizate eos in nomine patris et filii et spiritas sancti ')]. [(Mr 16) 
Und als der Herr seinen Aposteln das Geheimnis der Taufe gab, 
sprach er so zu ihnen: Wer glaubt und getauft wird, wird le- 
ben; und wer nicht glaubt, wird gerichtet^), . . (Mr 17. 18) 
Und ferner sprach er so : Dies wird als Zeichen denen werden, 
welehe glauben, dass sie in neuen Zungen reden werden und 
Dlimonen austreiben und ibre H^nde auf Eranke legen werden, 
und sie gesund werden*). . . (Mt 20) Mit euch bin ich bis zur 
VoUendung der Welt»)J. . . (Lc 24, 49. Act 1, 4) Bed vos per- 
manebitis in Jerusalem, donee accipietis promissionem patris 
mei •). . . (Mr 19) Elevatus est^ et pater ad dextram suam eum 
Jecit sedere''). 

1) E 272. Ich wUsste nicht, was Kaphamaum hier anders sein 
sollte, als eine Specialisirung von Galilda (Mt 28, 16 of. v. 7. Mr 16, 7). 
Apokryphisches scheint diese Perikope noch mehr enthalten zu haben. — 
2) E 226. Das in universam terram weist auf Mr. Gf. doctr. Add. ed. 
Phillips p. 8 extr. Und dass wir Kreuze tragend auf unseren Schultem 
sein Evangelium in der ganzen Creatur predigen, ist uns hefohlen. . . 
Ferner p. 20: Denn so ist uns von ij^m hefohlen , dass toir taufen und 
dbsolviren diejenigen, welehe glauben an den Namen des Vaters und des 
Sohnes und 4es heiligen Geistes. Da der nnechte Marcasschlass aach 
in So darcb die Verse 17—20 vertreten ist, kann eine Benutzang des- 
selben in T keinem Bedenken unterliegen. Das Gitat in E 226 scheint 
aber wie so oft abgektlrzt. A 12, 7 liest man, was an sich aaf Mt. 28, 19 
allein zuriickgehn konnte: Als er seine Apostel aussandte, sagteer ihnen: 
Gehet hinaus, macht zu Jiingern alle Volker, und sie werden an mich 
glauhen. An die Form dieses letzteu Satzes erinnert und wtirde zu 
Mt28, 20 a geh(5ren, was E 106 steht: Facient hoc et ohservahunt omnia^ 
quae praecepi vohis. — 3) A 21, 6. Die Einleitang beweist, dass 
A Mr 16, 16 in Verbindung mit der Einsetzung der Taufe, also mit 
Mt 28, 19 gelesen hat. — 4) A 21 extr. in vielem abweichend von Sc, 
welcher anfangt mit den Worten : die an mich glauhen. Ich weiss nicht, 
ob in diesem Zusammenhang aach von Heilung durch Oel (cf. Mr 6, 13) 
die Hede war, und ob sich darauf die rathselhafte Er5rterang E 272 be- 
zieht, welehe beginnt: JDominus oleum (var. 1. unctionem), symholum 
nominis sui discipulis suis dedit etc. Aach Isaak Antioch. (tibersetzt 
von Bickell S. 152. 153 spricht wiederholt vom Oel der Apostel), — 

5) A 484, 3. Ebenso in der Wortstellang and AbkUrzung A 120, 7, nur 
statt N73b5?"i MTabnttJb (so aach P) heisst es A 120: ^12^^ dbttJi. — 

6) E 274. Die vorangehenden Erinnerungen an die Pfingstgeschichte 
E 273 haben schwerlich noch in T ihren Grand. Ephr. I, 505 e citirtLo 
24, 49 {ihr aher etc.) bachstablich nach P. — 7) E 273. Wenn einmal 
die Benutzung von Mr 16, 9 sqq. darch T feststeht, wird man aach hierin 
eine Reminiscenz erkebnen mUssen. Gf. aach Fald. p. 165, 3 and ftir 
die ganze Perikope Fald. p. 164, 14—165, 9. 



in. Der Urspnmg des Diatessaron. 

Ebe ich es nnternebme^ das im vorigen Abscbnitt nach 
MQglicbkeit wiederbergestellte DiatessaroD mit der im ersten 
Abscbnitt antersacbten Ueberlieferung Uber dessen Ursprnng zn 
vergleicbeDy gilt es die Beziebungen des gewoDnenen Textes zn 
den Qaellen, ans welcben er geflossen ist, nocb umfassender 
and zasammenbilDgeDder; als es in den Anmerkungen zamText 
gescbeben konnte und zum Zweck der sicberen Herstellung des 
Textes dort gescbeben masste, za antersacben and von der Art 
des Werks ein Bild zn geben, wie es niebt Jeder anmittelbar 
aas den Fragmenten gewinnen wird. Erst wenn bierdarcb der 
ganze Gegenstand, welcber mit der Ueberliefernng Uber densel- 
ben verglicben werden soil; ebenso deutlicb vor Augen gestellt 
ist, wie jene Ueberlieferung, kann die Vergleicbung beider zu 
einem sicberen Ergebnis fUbren. 

W&brend es im allgemeinen aaf der Hand liegt, dass das 
Diatessaron eine aas den vier Evangelien der katboliscben Kircbe 
zasammengestellte Gescbicbte Jesa ist, b&ngt die niibere Be- 
stimmang der Gestalt, in welcber der Urbeber des Diatessaron 
die Evangelien vorfand and seinem Werk za Grande legte, von 
der ricbtigen Aaffassang sebr vieler Einzelbeiten and aaf den 
ersten Blick ziemlicb verwickelter VerbHItnisse ab. Ein syriscbes 
Evangelienbacb , welcbes am 360— -370 von Epbram commentirt 
wurde, mass man vor allem aaf sein Verbaltnis za den syriscben 
Uebersetzangen der Evangelien ansebn. Zwar ist die i. J. 508 
darcb den Landbiscbof Polykarp angefertigte and darcb Pbilo- 
xenas (Xenaja) von Hierapolis (Mabag) beraasgegebene Ueber- 
setzang and deren Neabearbeitang darcb Tbomas von Heraklea 
vom J. 616 darcb die Cbronologie von anmittelbarer Vergleicbang 
aasgescblossen; and nur die beiden ^Iteren Gestalten der syri- 



— 221 - 

schen EyangelieDttbersetzung, die dem EphrSm bekannte Peschitta 
and der eine noch frllbere Stafe darstellende Syrus GnretODianus 
k5nnen in einem VerhiLltnis director Verwandtschaft mit dem 
syrischen Diatessaron stebn. Aber es ist eine anfragliche Tbat- 
sache, dass nicht nnr die Pescbitta der Evangelien aaf der 
mteren, darcbCareton bekannt gewordeDenEvaDgelienUbersetzang, 
and niebt nnr die berakleensiscbe Version anf der Pbiloxeniana 
berabt, sondern aucb zwiscben dem Ulteren Paar (So P) und 
dem jUngeren (Pbilox. Heracl.) ein bewasster Zasammenbang 
besteht ^). Es ziebt sieb ein nie v&llig abgerissener Faden der 
Tradition darcb die vier Gestalten der sjriscben Evangelien- 
ttbersetzung bindurcb. An die jedesmal altere Stufe scbliesst 
sicb die jttngere an. Das BedUrfnis des immer engeren An- 
scblasses an das griecbiscbe Original nnd zwar an die zar Zeit 
im Ruf der grdssten Correetbeit stebende Gestalt des grieebiscben 
Textes fUbrte im Laufe von fttnf Jabrbunderten von der filtesten, 
volksthttmlicb originellen, nacb Stoff and Form Uberans freien 
Uebersetznng (Sc) zu der sklaviscb an den spiLteren alexandri- 
niscben Text gebundenen, gescbmacklos gelehrten vierten Ueber- 
setzang (HI). Wie sollte dann das syriscbe Diatessaron, wel- 
cbes vom dritten bis ins fllnfte Jabrbandert binein in grossen 
Tbeilen der syriseben Eircbe tbeils die Stelle der vier Evan- 
gelien vertreten^ tbeils mit denselben am die Herrsebaft gek&mpft 
bat, ganz aasserbalb dieser Entwieklang gestanden baben? Es 
braaebt nicbt ein Glied in jener Eette za sein; es kann ein 
Kebenscb(5s8ling sein; es kann aaeh Ulter als die bis dabin be- 
kannte Ulteste Gestalt der EvangelienUbersetzang sein. Denn 
die tlblicben cbronologiscben Angaben Uber die beiden lilteren 
Versionen (Sc P) sind sebr arbitrfirer Natar. Flir P *) baben 
wir kein lilteres Datum , als Epbr^m's Bekanntscbaft mit der- 
selben. Sie kann sebr wobl erst im 4. Jabrbandert entstanden 
sein. Ans d^m inneren Gbarakter des Sc im Verb^ltnis za P 
ergibt sicb nur, dass Sc Ulter als P ist; aber daraas, dass bis- 
ber anter den zablreicben aralten syriseben Hss., welcbe in 
onsrer Zeit an's Licbt gekommen sind, nar eine einzige frag- 



1) Dass ich von dem EvaDgeliariam HierosolymitaDum und dem^ 
was damit zusammenhaDgt , hier vollig absehe, wird in einem kleinen 
Excurs gerechtfertigt werden. 

2) Es bedarf wohl kaum der Bemerkung, dass ich hier tiberall unter 
P die Peschitta nar der Evangelien verstehe. 



- 222 — 

mentarische Abschrift des Sc aas dem 5. Jahrhundert gefxindeD, 
and dass keine einzige Nachricht des Alterthnms Uber diese Vor- 
stufe der P aaf nns gekommen ist, darf man nicht obne weiteres 
scbliessen, dass Sc ins graaeste Altertham binaafreicbt. Es 
kann aacb ein Zengnis daflir sein, dass Sc ein sebr bescbrlUik- 
tes Herrscbaftsgebiet gebabt bat. Das Diatessaron mag ibm im 
Wege gestanden baben; and daraus, dass Epbr&m mit seiner 
Eenntnis des Evangelieninbalts zwiscben dem Diatessaron and 
der Pescbitta in der Mitte stebt and den Uebergang der edes- 
seniscben Kircbe von jenem za dieser darstellt^ folgt nicbt an- 
mittelbar^ dass Sc viel Ulter als das Diatessaron ist, and folgt 
liberbaapt nicbt, dass Sc vor der Einftlbrang des Diatessaron 
in demselben Kircbengebiete, worin wir dieses antreffen, verbrei- 
tet gewesen, and dnrcb das Diatessaron aas demselben verdrangt 
worden sei. Die Tradition (oben S. 94) l^st das Diatessaron 
das nrsprtinglicbe Evangeliam der edesseniscben Eircbe sein. 
Unm(3glicb ist es an sicb nicbt — and es gilt bei einer so wicb- 
tigen Frage die verscbiedensten M5glicbkeiten ins Aage za 
fassen — , dass das Diatessaron das ^Iteste syriscbe Evangeliam 
Uberbaapt war. Seine Entstebang ware dann in einer zwie- 
facben Weise denkban Eb kOnnte das syriscbe Diatessaron 
Uebersetzang einer griecbiscben Evangelienbarmonie sein; es 
kOnnte aber aacb eine aas den vier griecbiscben Evangelien 
zasammengestellte and in syriseber Spracbe niedergescbriebene 
Evangelienbarmonie sein. Ftlr beide M5glicbkeiten zeigt nns 
ansere eigene Literatnr im 9. Jabrbandert die treffendsten Bei- 
spiele. Otfrid von Weissenbarg scbaf sein Mnkiscbes Evan- 
gelienbacb aas der lateiniscben Valgata der vier Evangelien. 
Scbon 30 Oder 40 Jabre vorber batte ein Unbekannter za Fnlda 
die von Victor von Kapaa entdeckte Evangelienbarmonie ins 
Deatscbe Ubersetzt. Diese prosaiscbe and jene poetiscbe Evan- 
gelienbarmonie waren die ersten Blicber; darcb welcbe Deaiscb- 
land das Evangeliam in eigener Spracbe kennen lernte. Aaf 
dem einen oder dem anderen Weg konnte Tatian seinem Volk 
das Evangeliam zaerst gescbenkt baben. Aacb der Umstand, 
dasS; wie sicb zeigen wird, eine nabe Verwandtscbaft zwiscben 
T and Sc bestebt, entscbeidet nicbt dagegen, dass T das Ulteste 
Evangeliam der Syrer war ; denn der erste syriscbe Debersetzer 
der getrennten and voUstSndigen Evangelien (Sc) k5nnte sicb 
an das bisber in seiner Heimatkircbe alleinberrscbende „Evan- 



- 223 — 

geliam der. Gemiscbten^ (T) nach M(5glicbkeit aDgescblossen 
haben, wenn er aacb selbstversUiDdlicb daneben die griecbischen 
Evangelien, welche er znerst der syriscben Kircbe sebenken 
wollte, vor sicb gebabt baben mllsste. Nar mtisste man dann 
annebmeD; dass So niebt in die Edessa oder weiter (58tlicb 
davon entstanden and in den kircblicben Gebraacb eingeflibrt 
gewesen wlire; denn in diesem Falle wtirde So das Diatessaron 
verdrSngt baben. Es bat sicb aber gezeigt^ dass in Edessa 
vielmebr P obne Zwiscbeneintritt von So an die Stelie von T ge- 
treten ist. Dasselbe darf man dreist aacb fUr den kircblicben 
Kreis des Apbraates bebaupten; denn w&re dort erst nacb den 
Zeiten des Apbraates an Stelie des Diatessaron Sc and in einer 
nocb spSteren Zeit P getreten, so wtirde das v5llige Scbweigen 
der Tradition tiber Sc nicbt begreiflicb sein. Also westlich vom 
Enpbrat mtisste in diesem Fall Sc and aacb P entstanden sein. 
WSbrend Edessa and die ()stlicberen Tbeile der sjriscben Kircbe 
sicb bis tiber die Mitte des 4. Jabrbnnderts binaas mit dem 
Diatessaron begntigten, wUre in Westsyrien^ wo, wie wir darcb 
Tbeodoret erfabren, das Diatessaron gleicbfalls verbreitet war, 
im Anscblass an dasselbe and anter der anregenden Einwirknng 
der benacbbarten griecbiscben Kircbe von Antiocbien die erste 
Uebersetzang der vollstHndigen Evangelien entstanden. Ebe 
dieselbe zar Herrscbaft in der syriscb redenden Kircbe gekom- 
men, witre sie eben dort, wo sie entstanden war, in Westsyrien 
aaf s neae amgearbeitet and zar P fortgebildet worden, and erst 
in dieser verbesserten Gestalt bUtte sie dann am die Mitte des 
4. Jabrbnnderts nacb Edessa and weiterbin sicb verbreitet and 
innerbalb eines Jabrbnnderts das Diatessaron tiberall verdr^ngt. 
Aber wesentlicbe Elemente dieser Hypotbese bleiben bestebn, 
aacb wenn man das VerbSltniss von Sc nnd T nmkebrt Es 
kann aacb die Evangelienbarmonie eine Zasammenstellang ans 
den bereits in Sc syriscb existirenden Evangelien sein. Dem 
widersprllcbe die Tradition nicbt, aacb wenn man sie als bncb- 
st&blicb wabr gelten ISsst; denn sie bezeagt nar, dass in 
Edessa T das nrsprtinglicbe Evangeliam gewesen ist. Damit 
vertrtige es sicb sebr wobl, dass in anderen Tbeilen Syriens, 
nUmlicb westlich vom Enpbrat, scbon vor der Existenz einer 
edesseniscben Kircbe eine Uebersetzang der voUstandigen Evan- 
gelien, nfimlicb Sc existirt blitte, woraas dann T, das Evangeliam 
der jangen Kircbe von Edessa and der weiter Qstlicb liegenden 



- 224 — 

Oebiete, entstanden wfire. Das Uber die Entstehang ton P vorhin 
Bemerkte gilt aach unter dieser Voranssetzang. Da die ostsyrische 
Eircbe an die Stelle des Diatessaron, welches mindestens linger 
als ein Jahrhandert dort geberrscht batte, unmittelbar P bat 
treten lassen, and da ein kircblicber Gebraucb des So in diesem 
Gebiet gescbicbtlicb sognt wie nndenkbar ist, so muss die Um- 
arbeitnng des So znr P aaf alle FiLIle westlicb vom Eupbrat 
gesebehen sein. Da ferner, wie sicb zeigen wird, T ein nnmit- 
telbares, nicbt dureb So nnd Uberbaupt dareb keine bekannte 
syrisebe EvangelienUbersetzong vermitteltes VerbsQtnis znm grie- 
cbiscben Original bat, so wUre anzanebmen, dass ein Syrer, 
welcber beider Spracben mUcbtig war, neben der Ultesten syri- 
seben Evangelienllbersetzang die griecbiscben Evangelien bei 
Anfertignng der Evangelienbarmonie zu Ratbe zog. Aasgeschlos- 
sen ist aacb die M(3glicbkeit nicbt — denn Analogien daza 
werden im IV. Abscbnitt vorgefttbrt werden — , dass der Ver- 
fasser des syriscben Diatessaron ein inbaltlicb damit identiscbes 
Oder nabeverwandtes griecbiscbes Bucb, ein griecbiscbes Diates- 
saron^ seiner Arbeit zn Grande legte and dies in der Art ins 
Syrisebe Ubertrag, dass er sicb nacb Mdglicbkeit an die bereits 
vorbandene syrisebe EvangelienUbersetzang (Sc) anscbloss. End- 
licb ist aber nicbt zn vergessen, dass wir weder von T nocb 
von So die Urscbrift besitzen. Wenn scbon zwiscben dem Exem- 
plar, welcbes dem Apbraates, and demjenigen, welcbes dem 
EpbrSm vorlag, der Natar der Sacbe nacb nennenswertbe Ver- 
scbiedenbeiten bestanden baben k($nnen and, wie es scbeint, 
wirklicb bestanden baben, so ist am so weniger jede Einzelbeit 
and Kleinigkeit, welcbe nar einmal darcb E oder A als Text 
von T bezeagt ist, mit voller Sicberbeit aaf T selbst zartlckza- 
fiibren. In den Jabrbanderten, wHbrend welcber das Diatessaron 
in kircblicbem Gebraacb stand, wird der Text desselben eben- 
sogat wie irgend ein andrer beiliger oder profaner Text seine 
Gescbicbte gebabt baben. Zamal als man, wie wir's bei Epbr^m 
fanden, neben T aacb P and in bescbrHnktem Masse sogar den 
griecbiscben Text der Evangelien kannte and za Ratbe zog, 
waren irgendwelcbe Einfliisse von diesen Seiten kaam za ver- 
meiden. Aber aacb die einzige Hs.^ in welcber ans Sc irag- 
mentariscb erbalten ist, ist darcb mindestens zwei, vielleicbt 
darcb drei Jabrbanderte von der ersten Abfassang dieser Ueber- 
setzang getrennt. Za den Factoren, welcbe in dieser Zeit aaf 



- 225 - 

die Entwicklnng des Textes von Sc eingewirkt baben, kann 
sebr wohl T gebQren. DrUckt docb schon die Ueberscbrift von 
Sc in der Hs. des 5. Jahrhnnderts einen Gegensatz znm Diates- 
saron aas, welcbes also in den Ereisen nocb gekannt war, wo 
So bandscbriftlicb fortgepflanzt warde. Herttber and binllber 
k5nnen Einwirkangen stattgefunden baben and Textmiscbangen 
bewirkt worden sein, welcbe das genetisebe Verbllltnis verdun- 
keln. Alle diese MOglicbkeiten mass man gegenwSrtig baben, 
wenn man zwiscben den beiden Haaptbypotbesen, weleben sie 
sieb anterordnen, eine siebere Wabl treffen will. 

Icb lasse nan eine Uebersipbt liber die bemerkenswertberen 
Stellen folgen, aas weleben aaf den Ursprang von T za scblies- 
sen ist. 

I. Stellen wo T in materieller and formeller Hinsicbt mit 
Sc gegen P and alle oder sogat wie alle sonstige Ueberlieferang 
vQlIig oder beinab libereinstimmt ^). Icb folge der Ordnang von 
T and mass in Bezag aaf das meiste Einzelne aaf die ange- 
f&brten Noten micb bezieben. 

1) Jo 1, 5 (§ 1 N. 10) fi<lM ^nD73 {lucehat) statt ^nD73 {tpaCvsC), — 
2) Mt 1, 19 (§ 3 N. 4) N^n:» (ayij(>) statt nb^n (o dvrjq avtijg) and nicht 
als Apposition za ^laatifp, sondera za Sixaiog gezogen. — 3) Mt 1, 25 
(§3 N. 8) in sanctitate hdbitabat cum ea statt ovx lyCvfocxEv avTijv, — 
4) Mt 2, 20 (§ 5 N. 9) avaigeZv {tivEkeZv oder ein atmliches Verb = 
T^iyT^b) hinter irjftovvTEg eiDgeschaltet. -— 5) Jo 1 , 18 (§6 N. 6) 
■»mn«1 nmy 172"! [Sc «^n NT^rr^] N'^T^n% unigenitus (so E A, dagegen 
Sc hieza noch filius) qui e sinu patris sui est, dagegen P 2<nbfi^ fi^'^^'^tl'^ 
•^Sllifi^l Kiiy^ '^tnn'^fi^^ nJl, unigenitus deus, ille qui in sinu patris est 
Die lat Uebersetzung drtickt die Abweichang nar anvollstandig ans. — 
6) Jo 1, 20 (§ 6 N. 7j (ofAoXoynCBv xal dmv oder (ofiokoyriaBv liyoDv 
statt iof4ol6yria€V xal ovx iJQVTJaaro xal tof4ol6yria€V, — 7) Mt 4, 2 
(§ 10 N. 2) "^xal Tsaaaqdxovta vvxtag oder x, vvxtag teaa. Den Weg- 
fall des vateQoy theilen T Sc mit P. — 8) Mt 5, 3 (§ 16 N. 1) piim^l 
(«n spiritu suo) statt m^i (in spiritu), — 9) Mt 5, 28 (§ 17 N. 11) 



1) Es ist im Einzelnen fraglich, ob eine Stelle unter diese oder die 
dritte Glasse gehSrt, da der Unterschied von materiell and formell, 
wo es sicb am Uebersetzungen handelt, theiis fliessend theils zweifelbaft 
ist. Gleich beim ersten Fall Jo 1, 5 kann man schwanken, ob diejenigen, 
welcbe lucebat schrieben, sich der materiellen Abweichung vom Original 
(paivei ganz bewusst waren, oder ob sie gar in Gr ein Imperfectam vor- 
fanden. In Bezug auf Stellen wie Jo 1, 3 kann man schwanken, ob der 
Unterschied der Satzabtheilang ein materieller oder formeller heissen soil. 
Ich stellte Jo 1, 5 anter die erste, Jo 1, 3 unter die zweite Classe. 

Zfthn, Forsehangen f. j^Q 



- 226 - 

quicunque (Mpidt (Sc + mulierem) et caneupiscit (Sc -+- earn) , adul- 
terat (Sc adulteravit earn in corde suo). Dagegen P quicunque aspicit 
mulierem , ut concupiscat earn, jam adulteravit earn in corde sua. Die 
Defecte in T mogen theilweise auf Rechnang des in Beinen Referaten 
vielfach abklirzenden E kommen; von den Objecten zu aspicit und con- 
cupiscit ist's sogar wabrscheinlich (in Bezag anf das Object za adulte- 
rat 8. § 17 N. 11); aber entscbeidend bleibt die gleichmassige Umfor- 
mang des finalen Infinitivsatzes nQos to imd-v/xijaai avtijg oder avn^v 
and der Wegfall des ^<fi7, beides nicht nur gegen P, sondern gegen alle 
Deberlieferung. — 10) Mt 5, 34 (§ 17 N. 13) I153«n Nb -piT^lDp = Ihr 
selbst sollt nicht schworen nach einer Hs. von A ganz wie Sc, nach der 
anderen, wo ein ^ yorgesetzt ist: Bei euch selbst sollt ihr nicht schwo- 
ren. Dagegen P 'tjD ]173Nn fi<b = f^V ofiyv^re oktog, — 11) Mt 5, 41 
(§ 17 N. 18) f^Uiov . . . alia 6vo, dagegen P nn Nb*^): und y^'^n, fAlUov 
%v , • &V0. Den Zusatz alia oder hi alia za <fi/o baben aach cod. gr. 
D and viele Lateiner, aber nicht den Wegfall des €v. — 12) Mt 6, 6 
(§ 18 N. 1) haben T Sc Nwinb to tafiiuov, P 'jjiinb to tafxielov aov 
T (A 68, 2 in freier Anftihrang) Sc N5>^n r^y ^vgav, P Tjy'nn ttjv 
d^Qav aov, T Sc fi^'^GSi "^Jli^b Nbit, TtQoaiv^ai ttp nojQi aov iv t^ 
xQvnrtp^ so auch cod. gr. D; P setzt vor dem letzten Wort ^ ein, also 
T^ iv T^ xQV7iT(p. T Sc mit codd. gr. fi< B D a. a. > ^y r^ (paytQtp^ 
was P mit den jtingeren griecbischen Hss. and Itala zusetzt. Ob T 
o pikntov iv tip xQvnrtp oder ra XQvntd batte, lasst sich nicht mebr ent- 
scheiden OQd ist bier gleichgtiltig, da Sc P in ersterer LA ttbereinstim- 
men. — 13) Mt 6, 12 (§ 18 N. 4) pli^i (= tt(f>i}aof4€v) , P 'jpS'O 
(= dtprixafiev). — 14) Mt 6, 19. 20 (§ 18 N. 7 s. dort die Uebersetzang) 
T Sc stimmen gegen P und alle audere Ueberlieferung tiberein a) darin, 
dass sie xal fiQaaig (P &<b:3M1) in v. 19 und ovt€ figcSais in v. 20 nicht 
ausdrticken, b) dass sie in v. 19, aber nicht in y. 20 dipavC^u (P plar. 
I'^biriTS) pleonastisch und frei umscbreiben durch ban^si . . bD5, in v. 20 
einfach b^tl72, c) darin, dass sie onov y. 19 zweimal, v. 20einmal durch 
^ "infit wiedergeben, das vierte Mai es ganz weglassen, wogegen P nur 
das ersteMal ^ infi^ und dann dreimal ^ 2<:3'^fi<. Die kleinenAbweichan- 
gen, dass T (in diesem Fall Aphraates) v. 19 die Diebe yor die Motte 
yoranzustellen und dtoqvaaovaw ovii wegzulassen scheint, darf man 
unbedenklich auf Rechnung des frei citirenden Schriftstellers setzen. — 

15) Mt 7, 16 (§ 19 N. 9) (Sc fi<bDfi^) «bi Niby Nib V^ ^rapb (Sc + y^:)) Nb 
N^^Sn p NiND, dagegen P Nita'mp V^ "Ji^ ^'^^^ ^^^1^ P V^apb fi^^b 
i<bfi^n. Also abgesehn von der grossen Verschiedenbeit in Wortstellung 
und Ausdruck setzen Sc T ov avlliyovaiv ^ P fjn^ti avllkyovaiv yoraus. 
— 16) Lc 8, 50 (§ 23 N. 10) bat T (nach A wie E firmiter, fidenter 
crede) mit Sc ')?a'^n I573'^n?3, P nur p'^n (nlauve oder niaisvaov). 
Ebenso gleich nachher § 23 N 11 in Lc 8, 52 dormiendo dormit fUr 
einfaches xad^eddei in Gr und P. Die Falle gehdren jedoch yielleicht 
besser unter Gruppe HI. — 17) Mt 11, 5 (§ 26 N 2) hat T, obwohl E 
die Worte xal ntaxol ivayyeUiovrat nicht angeftihrt hat, ohne Zweifel 
ebenso wie Sc das xal vbxqoI iyei^ovtai am Schluss der ganzen Aufzahlung, 



— 227 - 

also hioter ivayyeUCovrai gehabt. — 18) Mt 15, 5 a (§ 36 N. 1) Bind 
die von P treu wiedergegebenen Worte oe ay ilnrn rtp nargl ^ t^ f^^fQ^ von 
T wie Sc durch Mis ver stand und grundfalsche Uebersetzang zur voran- 
gehenden Einleitung der Worte der Schriftgelehrten {i^f^eig Sh liyere) 
gezogen, so dass die Bede erst mit ^cSqov beginnt. Bei solcber Ueber- 
einstimmnng kommt die Abweicbung zwischen T {Et vos dicitis unicui- 
que patrum vestrorum et matrum vestrarum) und Sc (lateinisch wSrtlich 
Vos autem dicitis unusquisque patri suo et matri suae) kanm in Be- 
tracht. Sie kommt vielleicht ganz anf Hechnong des armen. Uebersetzers. 
In dem schwierigen folgenden Satz daqov^ o idv l^ ifiov tu(p€lridjg wei- 
cben T nnd Sc von einander, beide aber aucb von P ab (s. die Ueber- 
setzungen § 36 N. 1). Sc, der hier kanm verstSndlich and wahrschein- 
lich Itickenbaft tiberliefert ist, iasst o idv ganz antibersetzt, T dagegen 
fasst es mit i^ Ifiov znsammen als Bezeichnung alles dessen, was der 
Bedende zam Opfer bringt {was immer von mir kommt^ von mir gegehen 
ivirdf soil ein Opfer sein). Beide aber fassen tocpeXrid^s (fi^Stinn ohne 
das verbindende ^ in P) als Wunscbsatz oder selbstandige futurische Aus- 
sage. — 19) Jo 4, 9 (§ 3d N. 2) scbliesst sicb in T wie in Sc unmittel- 
bar an 4, 7 an; nnd da bei E auch auf v. 8 Bezug genommen wird,'SO 
ist nicbt zu bezweifeln, dass T ebenso oder ahnlicb wie Sc den v. 8 in v. 6 
eingeschaltet hatte. — 20) Jo 5, 17 (§ 40 N. 7) ideo, NDn bt2!Q vor xaya 
igyaCofiai, — 21) Jo 5, 22 (§ 40 N. 9 auch oben S. 64). Der zweimal 
syrisch und einmal armeniscb-lateiniscb vorliegende Text von T stimmt mit 
•Sc in folgenden Pnncten gegen alle anderen Zeugen iiberein: a) xgiveZ 
(Or nach gewohnlicher Auffassnng, aber auch Ephram, wo er nicht von 
T abhangt, deutlich xQ^vei, P J^xgiviv), b) doiasi (6r P Si^toxEv, tiber 
das dedit statt dahit in E s. zu § 40 N. 9) c) avTOv hinter r^ vt^, — 
22) Mt 19, 20 (Mr 10, 20; Lc 18, 21 T § 53 N. 9) siehe seitdem ich ein 
Knahe, also ein sonst nicht bezeugtes i&ov und eine von P nicht beibe- 
haltene Uebersetzung von ix yeotriTog (jlov, — 23) Lc 19, 8b (8 57, N. 3 
wo tiber Einzelnes genug gesagt ist) riTb:;^ b!3l Sc T (nSmlich A und 
wesentlich ebenso E), also griechisch etwa xal on civ (oder oaa) iavxo- 
ffdvtfiaa, dagegen P (v. 1. r\ibyi) nnb^n d^72 ^Alsbl, also nach andrer 
Bichtung von Gr abweichend. Aehnlich soil Copt, tibersetzen denjenigen, 
welchen ich etwas gerauht hahe, — 24) Lc 19, 42b (§ 74 N. 4) KbM 

''iD'^iy 1?3 nb '»D5nfi< ta^'nb^ entspricht genau dem lat.-armen. Text E's; 
statt vDv ^k ixQvfiiif was P getreulich tibersetzt, ist hier vorausgesetzt 
dW ^ tiQTivfi xtL — 25) Lc 19, 44 extr. (§ 74 N. 6). Abgesehn von 
der durch die Freiheit der AnftihruDg (A 412) erklarten Umwandlung der 
zweiten Person in die dritte stimmt der syrische Text von T mit Sc genau 
(Tag deiner Grosse) gegen die sonstige, auch durch P genau wieder- 
gegebene Tradition (Zeit deiner Heimsuchung) , — 26) Lc 19, 39 b 
(§ 74 N. 10) ist T (increpa homines, ut omnino taceant) wesentlich 
identisch mit Sc (increpa illos, ne clament), wfihrend P genau den griech. 
Text {knirCfiriaov tots f^ccd^aZg aov) wiedergibt. Das illos fur discipu- 
los iuos findet sich auch in Italahss., aber der hinzugefUgte Finalsatz 
ist nur T nnd Sc gemeinsam. — 27) Lc 11, 52 (Mt 23, 13 § 77 N. 4). 

15* 



- 228 - 

T's ahscondistis (oder ahcanditis) claves cognitionis stimmt zwar in der 
Wahi des Verbs mit einigen abendlKndiscben Zeagen (D iieQvxifaTs) and 
im Plaral des Objekts mit P nnd mit Jnstinus Martyr, aber beides za- 

sammen findet sich nur nooh in Sc Nns^^'^^n NT^bpfi^ ^irr^lDt:, wahrend 
P das griecbiscbe IJQaTi genaa tibersetzt hat. — 28) Oeber die wesent- 
liche Uebereinstimmung in apokrypbiscber Ansschmtickung von Lc 23, 
48 ist zn § 97 N. 8 das N5tbige bemerkt. 

II. Stellen, wo T mit Sc, aber aach mit bedentenden abend- 
mndischen Zeagen gegen P tibereinstimmt. 

1) Jo 1, 3 (§ 1 N. 6) hat T mit Sc (der es wie die Italahss. a b 
dnrch Einschiebang eines dh zwischen o und yfyov€v nur noch scharfer 
ausdrtickt), aber aach mit vielen griech. Hss. (z. B. der Interpnnction 
in D) und Vatern den Satz hinter ov^k iy geschlossen. ~ 2) Lc 2, 48 
(§ 7 N. dolentes et moerentes) T mit D nnd vielen Lateinem, aber auch 
Sc (N«'^i^D ND'iiDii «npy:a), doppelten Ausdruck, wo P mit den meisten 
Griechen einen einfachen hat. — 3) Mt 4, 10 (§ 10 N. 10) oniao) fiov 
mit codd. gr. D E L etc , den meisten Lateinem (Hieron. plerique pu- 
tant), aber auch schon Just. dial. 103 p. 372 Otto. — 4) Mt 5, 5 des 
textus rec. vor Mt 5, 4 (§ 16 N. 2) mit D, Clem. AL, Orig. und den 
meisten Lateinem. — 5) Mt 5, 39 (§ 17 N 17) > Ss^idy mit D, multa 
latina exemplaria bei Augustin. In Mt 5, 29. 30 dagegen steht T mit 
der gleiohen Auslassung ganz allein, auch gegen Sc. — 5 a) Mt 6, 21 
(Lc 12, 34 § 18 N. 8) haben T Sc das von alien Griechen bezeugte 
iatat genau faturisch wiedergegeben , P dagegen sich so ausgedrttckt, 
dass man nur Prasens suppliren kann (^lls^b t|K1 Itl pn, dagegen 
Lc 12, 34, wo einige Griechen iariv schreiben, hat P Futurum). Mit Sc 
allein steht T, wenn er auch im Vordersatz Snov yaQ iarai statt iatCt^ 
ttbersetzt hat. — 6) Mt 8, 10 (Lc 7, 9 § 20 N. 3) bestatigen T inon 
in aliquo in Israel tantam fidem inveni) Sc (auch nicht in einem Men^ 
schen des Hauses Israel fand ich einen solchen Glauben) die LA von 
B {nttQ* ov^Bvl toaavxTiv nidxiv iv rtp ^lagaril ivQov) mancher Lateiner 
u. a. Dagegen tibersetzt P den gew5hnlichen griech. Text {ovdk iy xfp 
*la, toa, n. evQOv). — 7) Jo 4, 9 (§ 38 N. 4) stimmt T, soweit sein 
Text erhalten ist (ecce tu Judaeus es), buchstablich mit Sc. Daher muss 
auch die Fortsetzung in T wesentlich so wie in Sc gelantet, und vor 
allem das ntSs hinter aif ^lovdatoq d (oder vielmehr coy) gestanden 
haben. So aber auch D und manche Lateiner. — 8) Jo 5, 15 (§ 40 
N. 6) directe Rede (^ul statt kv%6v) mit D, mehreren Minuskeln, eioigen 
Italahss. und der armen. Bibel. — 9) Mt 18, 10 (§ 50 N. 10) haben 
T Sc mit D und manchen Lateinem t^v maTEvovTOiv its ifii hinter tov- 
t(ov Toiv fAixqwv, — 10) Lc 19, 9 (§57 N. 4) hat T (ziemlich sicher) 
mit Sc, aber auch mit codd. gr. AD ^v vor r^ ofir^ tovttp, — 11) Mt 23, 
7 (§ 77 N. 2) doppeltes ^a^fil mit D r und einigen andem jtingern Un- 
cialen, aber auch schon Justinus und bei den Syrem wieder HI, gegen 
P K B Itala. — 12) Lc 21, 11 (§ 79 N. 4) ipofintqa (oder q>oPn^qd «) 
an ovgavov vor xal atj/jieia mit D Ilala. — 13) Lc 12, 32 o dya&og 



- 229 — 

mit D nnd einigen Italahss., besonders aber IrenSas 8. za § 79 N. 17. — 
14) Lc 23, 39 (§ 96 N. 4) bestStigen T So den Text von fi^ G (erster 
Hand), B L (diese beiden ]]> Uymv)^ mehreren Italahss. X^ytoy ovxl <rt 
e2 xtI. statt el <fv c7 xtX, wie P HI mit den meisten Griechen haben, 
wKhrend D die Lasterrede ganz ausgelassen hat. 

III. StellcD; wo T mit Be gegen P in der Form der Ueber- 
setznng ttbereinstimmt, sind zahlreicb, znm Theil scbon nnter I 
mitverzeicbnet. Nar einige Beispiele nocb: 

1) Mt 1, 19 (§ 3 N. 4) Xd^ga So T tacite, P clam. — 2) Mt 1, 12 
xoT ovttQ Sc T in visione (oder per visionem), Pin somnio. — 3) Mt2, 

17 TO ^fj&hv SUi ^UqifjLiov rov ngoifi^xov Xiyovtos T wenigstens theil- 
weise mit Sc, theilweise mit P: verhum quod (T Sc, id quod P) dictum 
est per Jeremiam (T, ebenso P dieser aber + prophetam dicentem, 
8c dixit Jeremias propheta ohne dicens wie T). — 4) Jo 1, 14 (§ 6 
Iff. 4) xal 6 Xoyog adgS iyivero Sc T et verhum corpus factum est 
Criin fi^^i^iD 6^nb721), P nicht nar ein genaaeres Aeqnivalent fQr adq^, 
sondern anch absichtlich nngrammatisch fi^in fi^^D^ fi^nbTsn, za verglei- 
chen mit dem primogenitus (I) verhum Iren. V, 36 extr. (Harvey II, 429). 
— 5) Mt 3, 4 (§ 8 N. 2) ilx^^ ^^ %vSv[jm uvtov dno tqi^x^v xafi^Xov 
Sc T vestitus erat veste e pilo (T pilis) camelorum, P vestis eius erat e 
pilo camelorum, Im Plaral des letzten Worts (ftreilich nar darch Ribbai 
kenntlich gemacht) stimmen diese alten Syrer tlberein, erst HI hat Sin- 
galar; ob aber T mit Sc rg^x^s darch Ki^lii oder mit P darch Kl^D 
iibersetzt hat, lasst sich nicht mehr entscheiden. — 6) Jo 3, 35 (§ 13 
N. 3 8. dort noch Anderes) dyand Sc T dni, P nn^a. — 7) Mt 4, 15 
(§ 13 N. 4) Tov ^logSdvov Sc T Jordanis fluvii, F Jordanis. — 8) Mt4, 
16 (§ 13 N. 4) o xa^i^fuvog Sc T qui sedehat, P qui sedet — 9) Mt 5, 

18 (§ 17 N. 6) iiOTa %y Sc T una litera («mnN) Jud, P unum Jud, — 
10) Mt 6, 24 (§ 18 N. 10) SvaX xvqloig ^ovXsveiv Sc T 'j'^in nbc 

•jTht: (yr\^n A 181, 10), P rhfnb i^^iz y^rh. — 11) Mt 11, 28*xal 7r«- 
(poQxiafAivoi Sc T et qui portant onera gravia , P et qui portant onera. 
12) Lc 8, 31 (§ 22 N. 4) eig r^v afivaaov Sc T in gehennam N5n:nb, 
P N73innb. — 13) Jo 3, 13 (§ 62 N. 7) 6 toy iv t^ ovgartp Sc T qui 
in caelis erat, P qui in caelis est — 14) Lc 23, 43 (§ 96 N. 6) Iv t^ 
TtaQaiiCatp Sc T in horto Eden, P in paradiso. 

IV. Stellen, wo T mit P gegen 8c in materieller oder for- 
meller Hinsicht mehr oder weniger genau tlbereinstimmt: 

1) Jo 1, 4 (§ 1 N. 8) iy avrtp fwiy 17 v T P mit codd. Gr. A B C etc., 
ip avTtp Cofv itfriv Sc mit K D Itala. — 2) Mt 1, 18 (§ 3 N. 2) xotT 
^k *Iriaov XQiajov T P mit fast alien Griechen, rov ^k XQunov Sc mit 
Itala IrenSas a. A. — 3) Mt 2, 16 (§ 5 N. 7) ivBnatx^ vno rcSv fid- 
y(ov T P wdrtlich mit Gr, illuserunt ipsi illi magi Sc. — 4) Jo 1,, 24 (§ 6 
N. 9) T mit P wesentlich = Gr, dagegen Sc et miserant (sc. quosdam) 
et dixerunt ei, so dass ix j£v 4»aQiaaCiov ganz verschwanden ist — 



- 230 - 

5) Lc 2, 49 (§ 7 N. 2) rov nargog fiov T P Gr, tov nurgog Sc. — 

6) Jo 1, 29 (§ 9 N. 3) d atgiov T (hie est qui venit toUere oder et is 
est qui tollit) wesentlich so wie P (ille qui toUit)^ dagegen Sc eece is, 
qui tollit. — 7) Mt 3, 17 T mit P Gr, ganz abweichend Sc s. obeii 
§ 7 N. 10. — 8) Mt 4, 4 (§ 10 N. 4) ^iov T P Gr., domini Sc. — 
9) Mt 5, 41 dyyagivaii. Die MittelstelluDg zwischen Sc and P, welche 
T einnimmt, ist § 17 N. 18 nachgewiesen. — 10) Mt 10, 34 (§ 24 N. 16) 
fiTJ vofiiarir€ oTi r^Xd-ov TP genaa mit Gr, dagegen Sc non veni, — 

11) Jo 6, 12 (§ 34 N. 3) tva fii^ ri anoXtijai iibersetzt P ohne jedeZa- 
that, T ne quid ex eis pereat (= tya /x^ n anolrftai i^ avxmv D and 
einige Italahss.), Sc ut prorsus nihil (ne amnino g^id) pereat, — 

12) Mt 14, 31 (§ 34 N. 9) oXiyomaxB klein am Glauben T P, des Glau- 
bens ermangelnd Sc. — 13) Mt 17, 20 tibersetzen T P deatlich dniatlav 
mit codd. gr. G D E etc. Itala, dagegen Sc ebenso deatlich oXtyomttxittv 
(•jismstt'^n minyt) mit t^ B and wenigen anderen Zeagen. — Vgl. 
ansserdem noch § 46 N. 2; 47 N. 3; 62 N. 3; 63 N. 1; 66 N. 9; 80 
N. 8; 96 N.'6. 

V. Stelleo; wo T einen von den beiden alten syriscben 
Evangelientlbersetzangen nnabbilDgigen Text gibt^). Ein * be- 
zeichnet diejenigen Stellen, wo der zu Grande liegende grie- 
ehische Text sonst nicht oder so gat wie nicht bezeagt ist. Mit 
It. bezeicbne ich bier jede LA, welcbe mebrere Hss. der soge- 
nannten Itala fdr sieb bat^ indem icb ftlr das Einzelne aaf die 
Noten des II. Abscbnitts verweise. 

1) Jo 1, 5 (§ 1 N. 10) vicerunt (vicit) fdr xariXafiSy nar eine ori- 
gtnelle, die den Exegeten bekannte Zweidentigkeit des Grnndtextes be- 
seitigende Uebersetznng. — 2) * Lc 1, 28 (§ 2 N. 15) Salus tecutiii 
(oder pax ttbi)^ benedicta in mulieribus ohne o xvgiog fjierd aov, — 
3) * Lc 1, 45 (§ 2 N. 25) impletio omnium verborum etc. cf. Gorbei. 
Ftir Nr. 2 a. 3 fehlt Sc. >- 4) * Mt 1, 18 (§ 3 N. 3) antequam data 
esset viro = ngXv ^ avvBX^^lv avrovg, — 5) ♦ Mt 1, 20 (§ 3 N 5) qua- 
propter wahrscheinlich anstatt Tavxa Sk aiSrov ivd-vfiriHyrog iSov, — 
Wahrscheinlich in demselben Vers ^ ^Itoatftp vlbg JavitS, — 6) * Mt 1, 
24b (§ 3 N. 9) xal TragiXafie t^v yvvalxa avtov (oder vielmehr avrriv) 
hinter v. 25 gestellt. — 7) * Lc 2, 11 Xgiarog xvglov (statt X^. xvgtog) 
mit Ev. hlerofl. — 8) * Lc 2, 34 (§ 4 N. 8) ist ansgestossen noXXay 
iv Ttp ^lagaiil and in v. 35 onfog — SiaXoyiOfAoi. Ftir Nr. 7 u. 8 fehlt 



1) Ausgeschlossen mtissen hier eigentlich die Stellen bleiben, wo 
Sc fehlt, weil in diesen FSllen T von Sc abhSngen and die OriginalitSt 
von T aaf einem blossen Schein berahen kann z. B. $ 2 N. 8; N 16; doch 
glaabte ich Aosnahmen machen za sollen, wo alle Wahrscheinlichkeit 
dagegen ist, dass Sc den gleichen Text wie T gehabt babe. Es ist dann 
aber jedesmal bemerkt, dass Sc defect ist. 



- 231 - 

Sc. — 9) * Jo 1, 17 (§ 6 N. 5) sed Veritas eius (sc. des Gesetses) per 
Jesum facta est statt ^ X^9^^ ^^^ V a^^^mt ^ta 'Itiaov iyivito, — 
10) Jo 1, 18 (§ 6 N. 6) fMvoyivijg Oder o fiovoyev^s ohne Zusatz (vlos 
Oder ^€vg) s. oben S. 225 Nr. 5. — 11) * Mt. 3. 15 (§ 9 N. 6) wahr- 
Bcheinlich a(p€g agvi nlrigwaai rjfiag naaav Sixaioavy^v, — 12) Jo 3, 
34 b. 35 (§ 13 N. 3) ov yag ix fihgov tSwxBv (oder Std^atv) to nvivfia 
6 nmfig T<p vlip, all* TfyaTttjaiy avrov xaX navru fSu*€V iv ry x^*9^ 
avxov, — 13) Mr 1, 15 (§ 13 N. 5) ninXriQ(avTai ol xaiQot mit D It. — 
14) Mr 2, 14 (§ 14 N. 5) ^Idxmfiov (statt uievelv) roi^ tov jiltpalov mit 
D It. — 15) Mt 5, 4 (§ 16 N. 3) naQaxlrj&ijaovjai in's Syrische dber- 
setzt sie werden geheten werden^ man wird ste anflehen; dem entspre- 
chend Lc 6, 24 (§ 16 N. 11) r^v naqaxluaiv v/mSv cure BitU^ euren 
Wunsch and Lc 16, 25 (§ 54 N. 7) naQaxaUlrai er wird geheten (bei 
A p. 383, 16 in freier Reproduction du hittest von ihtn). — 16) * Mt 5, 
17 (§ 17 N. 5) stark abgekttrzt and aosgestossen fi^ vofilatire ori^ld-oy 
cf. Clem. hom. Const, ap. •- 17) * Mt 6, 6 (§ 18 N. 1) o fiXiniov ra 
xgvntd (statt h t^ xgvTmp) cf. Clem. hom. — 18) * In Mt 7, 1. 2 
Oder Lc 6, 37 (§ 19 N. 1) war ein dtpUxs xal dipi^aetm vfuv einge- 
Bchaltet cf. Polycarp. — 19) Lc 7, 14 (§ 21 N. 2) viavCaxi veavlaxe mit 
D It £s fehlt Sc. — 20) * Lc 8, 46 (§ 23 N. 7) (Mydlnv bei dvva- 
fjiiv. — 21) * Lc 8, 54 Oder Mr 5, 41 (§ 23 N. 12) zweimal statt ein- 
mal ^ naZg oder to xoqdaioy oder talitha mit einer einzigen Italahs. — 
22) * Lc 10, 1 (§ 24 N. 1) tuxta similitudinem suam statt ngo ngoOio- 
Ttov adrov. - 23) * Mt 10, 37 cf. Lc 14, 26 (§ 24 N. 18) Qui me nan 
magis amat quam patrem suum et matrem stMm neqv^ eUam magis 
quam animam suam^ discipulus meus esse nequit, — 24) * Lo 7, 21 
cf. Mt 11, 4 (§ 26 N. 2) ist xal i^xovaare ausgestossen mit cod. gr. X. 
— 25) • Mt 12, 22 surdum et mutum et caecum cf. It. — 26) * Mt 11, 
25. Lc 10, 21 (§ 29 9. 7) pater caelestis anstatt ndrBQ xvqu tov ovqu- 
vov xal xrjg yrjg^ wie aach EphrSm in seinem Graecas las. — 27) Mt 11, 
27 Lc 11, 22 (§ 29 N. 8) Umstellang der beiden SatzhSlften mit vielen 
Griechen des zweiten Jahrhanderts gegen alle syrisohen Versionen. — 
28) • Mt 13, 23. Mr 4, 20. Lc 8, 14 (§ 31 N. 5) fttr ttiv xal^v yfiv 
terram honam et opimam (pinguem), — 29) * Zu Mt 15, 4 (§ 36 N. 1) 
ist sngesetzt et qui blasphemat deum^ crudfigatur, — 30) * Mt 15, 19. 
Mr 7, 21 (§36 N. 4) anstatt ix rrjg xaqSlag iSigxovrai in corde sunt — 
31) * Mt 15, 27 (§ 37 N. 4) rov xvglov statt rmv xvgitov, aasserdem 
mit den Occidentalen der syrische Zusatz et vivunt getilgt. — 32) * Zwi- 
scben Jo 4, 13 u. 14 (§38 N. 5) wahrscheinlich eingeschaltet: meaaqua 
e caelo descendit. — 33) * Jo 5, 14 (§ 40 N. 5) tya fiti XQ^^'^ ^^^ nvog 
yivrftai statt tva /a^ x^^Q^^ ^^^ '"' y^^^^a*. — 34) * Jo 5, 26 (§ 40 
N. 11) iotriv tx^iv iv iavTtp wahrscheinlich ausgestossen. — 35) Jo 5, 27 
(§ 40 N. 12) Dedit ei potestatem ut iudicium faciat filius hominis setzt 
▼ielleicht keinen anderen griechischen Text voraus, da on vlhg dv^geinov 
iaxlv als ein log vl6g oder (og vttp avd-gtonov aufgefasst werden konnte. 
Aber die Abweichung von den syrischen Versionen bleibt evident. — 
36) • Mt 17, 27 (§ 45 N. 2) axaySakCarjg oder axav^aXi(ffg statt axav- 



— 232 — 

SallaaiMv Oder axavSaXKtofABv. — 37) * Mt 19, 11 (§46 N. 2) rovro 
statt xhv loyov rovrov cf. Justin. — 38) Lc 16, 22. 23 (§ 54 N. 3) 
ieal hdcpri iv rtp ^(Tf/. xal iv r^ ^^y indqag roi/g 6(pd-aXfiovg avrov, 
vnttQXf»>v ^y fiaaavoig xtL cf. fi^ Ev. hieros. It. — 39) Mt 10, 36 (§ 56 
N.2) noiriao) vfilv (ohne xl S^kltti fie) mit D cf. It. — 40) * Mt21, 19 
cf Mr 11, 38 (§ 61 N. 1) fesHnanter venit statt ^k&ev. — 41) Mt 21, 
29. BO (§ 64 N. 3) die Umstellang mit cod. gr. B (cf die gemischte LA 
von D It.) gegen die meisten Griechen and alle Syrer. — 42) Mt 21, 41 
(§ 65 N. 4) malos per mala fiir xaxovg xaxeSg gegen alle syrische Tra- 
dition. — 43) * Jo 9, 1 (§ 70 N. 1) wahrscheinlich vni^vrtiaiv dv^gtuntp 
TV(pXip statt iUiv dvd-Qmnov Tv(pl6v, Ffir diese und die 4 folgenden 
FSlle fehlt Sc. — 44) ♦ Jo 9, 7 (§ 70 N. 3) to ngotfcDTtov aov hinter 
vixpai, Ansser den egyptischen Versionen, welche ebenso, ist za ver- 
gleichen der lat. Palatino- Vindob. , welcher lava oculos tuos hat. — 
45) Jo 10, 8 (§ 71 N. 1) TiQo if^ov mit codd. gr. B D etc., aber anch 
HI, gegen P N E etc. It. — 46) ♦ Jo 11, 9 (§ 72 N. 6) iv r# qxuri 
statt iv T^ rjfiiQff nur mit cod. gr. X. — 47) Jo 11, 14 (§ 72 N. 8) 
o (piXog rilicSv hinter /Id^aqog mit D allein. — 48) * Lc 19, 42 (§ 74 
N. 4) las T etwa so si iyvug xaiyi ttjv r^fikgav aov Tavrrjv oder r^y 
iqfikgav ravTfiv rijg eiQ^vrjg aov. Ueber das Weitere s. oben S. 227 Nr. 23. 
— 49) * Lc 19, 38 (§ 74 N. 8) (Tola inl t^? yrjg statt ^6^a iv v^ftiaxoig 
mit 2 griech. Minuskeln. — 50) Lc 17, 21 (§ 76 N. 2) in corde vestro 
= ivTog vfitovy eine verdeutlichende Uebersetzang. — 51) * Jo 14, 9 
(§ 85 N. 6) iyvoixuTE statt iyvtaxag mit It. Es feblt aber Sc. — 52) * Jo 14, 30 
(§ 85 N. 12) ovSlv TcSv avTov Bvqiaxu statt ovikv ^x^t oder ov^kv 
l;if€* evgelv oder evQi^aei ovSkv* — 

Zweierlei ergibt sich mit gleicher Sicherheit aas vorstehen- 
den Yerzeichnissen: erstens, dass das syrische Diatessaron in 
einem innigen Verwandtschaftsverb^tDis za Sc steht^ and zwei- 
tens, dass der Yerfasser oder Redactor dieses syrischen Diates- 
saron eine von alien syrischen Evangelienllbersetzangen unab- 
hUngige Eenntnis des griechischen Evangelientextes besass. Das 
Letztere ist darch die 52 Beispiele der Y. Classe so anmittelbar 
bewiesen; dass jedes weitere Wort Verschwendang wUre. Das 
Erstere wllrde schon darch die Beispiele der III. Classe sebr 
wahrscbeinlich gemacbt sein'); es wird bewiesen darcb jedes 



1) Daza kommen wahrscheinlich noch manche Falle, wo T von P 
abweicht, Sc aber defect ist, and es geh5ren hieher alle die Falle, wo 
T mit Sc and P zagleich oder mit P allein, wo Sc fehlt, in mehr oder 
weniger freier and origineller Wiedergabe des griechischen Originals 
tibereinstimmt z. B. S 4 N. 4 a. 6; § 9 N. 2; § 58 N. 2. Denn an eiqe 
Abhangigkeit des T von P ist ja nicht za denken. Die FSlle von Ueber- 
einstimmang zwischen T and P gegen Sc in der IV. Classe sind immer 
zogleich AonSherangen an das griechische Original, welches dem T, wie 



— 233 - 

beliebige halbe Dntzend der Beispiele der L Classe. Bestebt 
aber ein AbbUDgigkeitsverb^ItDis zwiscben T and Sc, so ist es 
aacb nnerlanbt, die in der II. Classe zasammengesteUten Bei- 
spiele des Zasammentreffens von T nnd So in znm Tbeil anf- 
fUlligen and seltenen LAen darcb Zafall za erkUlren. Es bleibt 
nar die Wabl zwiscben den beiden oben S. 222ff. im voraas anf- 
gestellten Hypotbesen: entweder der Verfasser des syriscben 
Diatessaron bat die illteste ans bekannte syriscbe Evangelien- 
tlbersetzang scbon vorgefanden and sicb in der Wabl der LAen 
nnd des syriscben Aasdrncks in ansgedebntem Masse an die- 
selbe angescblossen , oder das syriscbe Diatessaron ist illter als 
Sc^ and dieser erste syriscbe Uebersetzer der vollstilndigen Evan- 
gelien bat sicb nacb M^glicbkeit an das Diatessaron angelebnt. 
Dass das Eine wie das Andere mit den dtlrftigen gescbicbtlicben 
Kacbrichten sicb vertrage^ wnrde scbon gezeigt; and aacb das 
ist in beiden F&Uen gleicb sebr begreiflicb, dass der SpHtere trotz 
selbstHndiger Eenntnis des griecbiscben Evangelientextes an die 
bereitd vorbandene Gestalt des syriscben Evangeliams, mag dies 
eine Evangelienbarmonie oder eine Uebersetznng der vollstSn- 
digen Evangelien gewesen sein, geflissentlicb ankntlpfte; dennin 
fiolcbentiefindaskircblicheandbesondersin das gottesdienstlicbe 
Leben eingreifenden Dingen ist nar die Unvernanft radical. 
Aber bei genaaerer Yergegenwlirtigang beider MQglicbkeiten ist 
docb die Annabme einer Abb^ngigkeit des Sc von T ebenso 
nnbaltbar, wie die einer Abbilngigkeit des T von Sc anvermeid- 
licb. Es ist keine ZafSlligkeit, dass es ersterer Annabme analler 
gescbicbtlicber Analogic feblt, d. b. dass niemals aaf Grand 
einer Evangelienbarmonie eine vollstandige Evangelientlbersetz- 
ang entstanden ist. Es liegt in der Natnr der Sacbe. Wer 
sicb anscbickt die vollsttodigen Evangelien ans einer fremden 
Spracbe in die eigene za tlbersetzen, kann von einer bereits in 
dieser Spracbe vorliegenden Evangelienbarmonie^ znmal einer 
so ktlnstlicb and kanstvoU componirten , wie T ist , wenig 6e- 
braacb macben. Die Erleicbterang, welcbe die Benatzang einer 



oben gezeigt, ohne Frage bekannt war. Sollte irgend ein auffalliger 
Ansdrack bei T uDd P sich fiDden, welcher sicb nicht bequem genag 
aos gleicber Abhangigkeit beider Syrer vom griecbiscben Original er- 
klSren liesse (s. etwa § 17 N. 18), so wUrde P als von T abhSngig za 
denken sein. 



— 234 - 

solchen gewfihren m5chte, wird weit Uberwogen dnrch die mUh- 
selige Arbeit, die disiecta membra der als Ganzes vorliegenden 
and als Ganzes za ttbersetzenden EvaDgelien in der Harmonie 
anfzusachen, and zwar immer anf die Gefahr bin, das Gesnchte 
tlberbaapt nicht za find en, da die Harmonie immer nar Theile 
des Evangelientextes entbillt. Ein syriscber Uebersetzer der 
volIstSodigen Evangelien, welcber sieb an das Diatessaron als 
eine Vorarbeit anscbliessen woUte, blltte z. B. bei der Ueber- 
setzang von Mt 21 nacb einander § 74. 61. 64. 65 des Diates- 
saron aafsacben mtlssen, and er blltte dort fast nirgends eine 
einfaebe Uebersetzang des ibm als Object seiner eigentlieben 
Arbeit vorliegenden Textes, sondern tlberall nar einzelne SUtze 
seines Kapitels mit SUtzen ans anderen Evangelien in znm Theil 
wanderlicbster Verqaickang gefnnden. Und was bei MattbUns 
and Johannes nar in einzelnen Theilen ansflibrbar gewesen 
wUre^), wUre bei Marcas and Lacas fast ttberall eine vOUige 
UnmQglichkeit gewesen, wie Jeder einsebn wird, der nacb meinem 
Index am Scblass des Bacbs die einzelnen Stiicke dieser Evan- 
gelien aafsacht and bedenkt, dass das alte Diatessaron keinen 
solchen Index batte. Die Verwandtschaft zwischen T and So 
mtisste also lediglich daraas erklfirt werden, dass dem Ueb^- 
setzer der voUstSndigen Evangelien der Wortlaat des bis- 
herigen Evangeliams seiner Kirche, des Diatessaron, im Ge- 
dficbtnis gelegen and ibn bei seiner Uebersetzangsarbeit be- 
wasst Oder anbewasst zar Wahl dieses oder jenes syrischen 
Aasdracks bestimmt blltte. Aber das reicbt nicht aas, den 
nachgewiesenen Thatbestand za erklllren. Es wilre nament- 
licb nicht za begreifen, wie So, welcber aaf Schritt and Tritt 
bei der Vergleiehang seines griechiscben Originals mit dem syri- 
schen Diatessaron wabrnehmen masste, wie frei dessen Verfasser 
mit dem Evangelientext geschaltet batte, doch eine Menge die- 
sem eigenthttmlicher LAen gegen seinen Originaltext anfgenom- 
men hUtte. 

Man wird sich aach nicht aaf solche LAen in Sc, wo lUin- 
liche Textmischangen wie in T vorliegen, znm Beweise daflir 
berafen k5nnen, dass Sc nnter dem Einfluss einer Evangelien- 
harmonie entstanden sei. Aber in welcber alten BibelUber- 



1) Er hKtte z. B. Jo 7, 32 — 11, 57 in T § 68—72 und Jo 13, 
33— c. 17 in T § 84 -89 in nnterbrochener Folge gefunden. 



- 235 — 

setzoDg f&iden sich solche so za sagen harmonistische LAen 
nicbt? AlIerdiDgs finden sich hier anch solcbe, welche dann in 
T wiederkehren z. B. § 15 N. 1, aber dort ist aach der analoge 
Fall einer lat. Hs. danebengestellt, oder § 67 N. 1, aber die 
Harmonisirnng ist nicbt ganz die gleiebe. In einigen Fftllen von 
Textmiscbang ist die Uebereinstimmnng zwiscben Se ttnd T 
genau z. B. § 10 N. 11 ; § 66 N. 7, in andern z. B. § 30 N. 2 
sieht der barmonistiscbe Text von So wie ein erster scbtlcbter- 
ner Versneb aas^ welcben T ktlbn darcbftlhrt. Und wanim soil 
T, wenn er So vor sicb batte, nicbt ancb gerade solcbe barmo- 
nistiscbe LAen aas Sc aofgenommen and den darin entbaltenen 
Winken bei seiner barmonistiscben Arbeit gefolgt sein? Ent- 
scheidend gegen die Hypotbese einer Abbilngigkeit des Sc 
von T ist aber ancb scbon der eine Umstand, dass , der 
Text von T eine Mittelstellnng zwiscben Sc and P ein- 
nimmt^ wie die Beispiele der IV. Classe im Yergleicb mit 
denen der Classen I— III veranscbaalicben. Die abentbeaerlicbe 
Vorstellang, dass T aasser einem griecbiscben Original zwei 
syriscbe Uebersetzangen der vollst&idigen Evangelien, nEmlicb 
Sc and P benatzt baben soUte and daraas jene Mittelstellnng 
za erklSren w&re, warde scbon abgewiesen. Die AnnHbernngen 
von T an P, welcbe Abweicbangen von Sc darstellen, sind za- 
gleicb Ann&berangen an den oder an einen bestimmten griecbi- 
scben Text. Das gilt aber ancb fast voo alien F&llen der 
V. Classe. Diese Abweicbangen von Sc bezeicbnen also eine 
Stafe aaf dem Wege der in den Grandztlgen gescbicbtlicb klaren 
Entwicklang des evangeliscben Textes bei den Syrern. In dem 
Fortscbritt des immer engeren Anscblasses an den griecbiscben 
Text, welcben wir in der Aafeinanderfolge von Sc, Pescbitta, 
Pbiloxeniana, Heracleensis wabrnebmen, nimmt T die zweite 
Stelle, die zwiscben Sc and Pescbitta ein. Wie soUte das nicbt 
ancb seine gescbicbtlicbe Stellang sein? Oder wie wSre es za 
erklSren, dass ein aaf den Scbnltem von T stebender Sc Ab- 
weicbangen vom griecbiscben Original sicb erlaabt bStte, welcbe 
scbon T vermieden and dann die Pescbitta wieder beseitigt 
batte? 

Also verbillt es sicb amgekebrt. Das syriscbe Diatessaron 
ist anter starker Benatzang der lUtesten syriscben Uebersetzang 
der voUstHndigen Evangelien entstanden. Daneben aber bat der 
Verfasser von seiner Kenntnis des griecbiscben Evangelientextes 



- 236 - 

reichsten and freiesten Gebrancb gemacbt. Es fragt sicb nor, 
ob dieser griecbiscbe Text eine Abscbrift der vier EvangelieD, 
Oder ob er eine Evangelienbarmonie , ein griecbisebes Diates- 
saron, war. Man mtlsste in letzterem Fall jedenfalls daraof 
verzicbten, die weitere Frage za beantworten, ob das syriscbe 
Diatessaron als eine eigentlicbe, nur nnter partieller Benntz- 
nng des So angefertigte Uebersetznng eines grieebiscben Dia- 
tessaron^ Oder als eine nene barmonistiscbe Bearbeitang des 
Evangelienstoffs in syriscber Spracbe za denken wUre, ftlr 
welehe das grieebiscbe Diatessaron vielleicbt nar tbeilweise das 
Modell and jedenfalls nar tbeilweise den Text geliefert b&tte. 
Das mtlsste anentscbieden bleiben, solange jenes griecbiscbe 
Diatessaron nicbt wiedergefanden wlire. Aber was kOnnte ans 
tlberbaapt za der Annabme bestimmen, dass es jemals ein sol- 
cbes griecbisebes Diatessaron gegeben babe? Es feblt jede 
positive Nacbricbt dieses Inbalts '). AUe von eigener Kenntnis 
zeagenden Nacbricbten tlber das Diatessaron bezieben sicb anf 
anser syriscbes Bacb. Das Gleicbe gilt aller Wabrscbeinlicbkeit 
nacb von den anf HQrensagen berabenden Mittbeilangen des 
Easebias and des Epiphanias. Das Scbweigen der tlbrigen 
Griecben and Lateiner fiber Tatian's Diatessaron, die ananfecbt- 
bare Thatsacbe, dass weder in der grieebiscben nocb in der 
lateiniscben Eircbe der ersten 5 Jabrbanderte irgend welcbe 
Evangelienbarmonie anstatt der kanoniscben Evangelicn oder 
neben denselben in Gebrancb gewesen ist: das alles macbt die jeder 
Sttltze in der Ueberlieferang ermangelnde, darcb innere GrUnde 
nicbt za erbMrtende Annabme , dass das syriscbe Diatessaron 
Uebersetznng oder freie Bearbeitang eines grieebiscben Diates- 
saron sei, so anwabrscbeinlicb wie mOglicb. Man bat vermntbet; 
dass die evangeliscben Gitate in den apostoliscben Constitationen 
ans einer Evangelienbarmonie oder geradeza aas Tatian's Dia- 
tessaron gescbQpft seien^). Aber abgesebn davon, dass es bei 
einem aas so verscbiedenen Qaellen zasammengeflossenen and 
darcb so verscbiedene bearbeitende HUnde bindarcbgegangenen 
Werke wie ansere grieebiscben apostoliscben Constitationen sind, 
ein sebr ansicberes Unternebmen ist^ die Qaelle s&mmtlicher 



1) Vgl. ftir diese and die folgenden Bemerkongen oben S. 18—44. 

2) Wetstein Nov. Test. (1751) Proll p. 66 oben. Lagarde, Constit. 
apost. praef. p. YII. 



- 237 - 

darin entbaltener Evangeliencitate nacbweisen za woUen, so er- 
gibt die Vergleichang durchaas keine nlihere Verwandtschaft 
zwischen T nnd den meist sehr angenauen EvangelieDcitaten 
der ConstitntioDeD ^). Ebenso verhfilt sich's mit den Citaten in 
den Pseadoclementinen ^). Es sind in den Noten des zweiten 
Abscbnitts einige Parallelen aas den Homilien des Clemens an- 
gefUbrt, aber viel bHafiger als mit diesen bertlbrt sicb T mit 
dem eod. Cantrabrigiensis nnd der Itala. Wenn es sicb anders 
verbielte, wenn irgcndwo eine nar bei T zu findende^ also wabr- 
scbeinlich von ibm gescbaffene LA oder Textmisebang ii^ dieser 
Literatar za fioden wEre '), so wUrde aucb darans nocb niebt fol- 
gen^ dass T arsprlinglicb grieebiscb abgefasst war^ oder aacb nar 



1) Ich fand bei allem Sachen nar zwei Falle einer DeDneDswerthen 
AoDaherang: a) Es kooDte oach const, ap. II, 36 ed. Lagarde p. 64, 3 
allenfalls vermathet werden, dass der Verfasser in Mt 6, 20 (uod 19) das 
T § 18 N. 7 ausgestossene ovje figcSatg in seinem Text aach nicht ge- 
fanden hatte. Aber wer m5chte bei der Freiheit der Anspielang diesen 
Schlass wagen? b) In const, ap. YI, 19 p. 181, 3 liegt eine ahnliche, 
aber aach nnr ahnliche Abkiirzang von Mt 5, 17 vor wie in T § 17 
N. 5 (s. dort). Aber was lag bei der schwerfalligen Umstandlicbkeit des 
kanonischen Textes naher? — An zahlreichen Stellen dagegen wo T 
eine mehr oder weniger eigentbtimliche Textgestalt geschaffen oder ge- 
fanden hat, haben die const, ap. das Gew5hnliche. Cf. z. B. Lc 2, 14 in 
T § 4 N. 4 mit const. VII, 47 p. 229, 10; oder Mt 5, 34 in T § 17 
N.13 (Tilgung des oXtog) mit const. VI, 23 p. 187, 7; VII, 3 p. 200, .12; 
Oder Mt 5, 27. 28 in T § 17 N. 11 mit const. I, 1 p. 2, 12; oder 
Mt 10, 37 (Lc 14, 26) in T S 24 N. 18 mit const. V, 4 p 127, 14; oder 
Lc 19, 44 in T § 74 N. 6 mit const. V, 15 p. 145, 19 (^imaxon^g); oder 
Jo 11, 48 in T § 72 N. 20 mit const. VI, 25 p. 188, 12; oder Jo 1, 29 
in T § 9 N. 3 mit const VII, 47 u. 48 p. 229, 17 u. 25. Die Perikope 
Jo 7, 53—8, 11, welche in T (s. za § 69 N. 1) sicher gefehlt hat, wird 
in const. II, 24 p. 49, 7—11 benatzt. 

2) Aach ftir diese nimmt Lagarde, Clementina, Yorrede S. 7 als 
Qaelle eine Evangelienharmonie an. Ich bestreite das nicht in jedem 
Sinne. Soweit es richtig ist, lasst sich's nar darch eine Untersachang 
der jadenchristlichen Evangelien tiberhaapt zeigen. Mit anserem T 
haben diese Gitate nichts za schaffen. 

3) Ich babe vergebiich gesacht. Parallelen wie die za T § 17 N. 8; 
§ 18 N. 1 ; § 29 N. 8 citirten sind nicht von dieser Art. Dagegen fehlt's nicht 
an Beweisen dafUr, dass Clem. hom. aas anderer Qaelle gesch^pft hat. 
£s konnte z. B. aas T § 16 N. 1 (= Mt 5, 3) kein Measch heraaslesen 
o ^iSacxaXog rjficSy nKfrovg Tt^vtjrag kfiaxaQia^v Clem. hom. XV, 10 ed* 
Lagarde p. 150, 5. 



- 238 ^ 

wfihrend der ersten 5 Jahrhanderte griechisch existirt habe; 
denn nnter den yerschiedenen Litera,tQr8cbichten , welcbe in 
den nns erbaltenen Gestalten des Clemensromans verarbeitet 
sind, baben sicb wabrsebeinlicb aacb syriscbe Scbriften befan- 
den. Diese k(5nnten also vom syriscben Diatessaron abb&ngen. 
Aber es ist ancb nicbt der Scbein eines Beweises daftir berza- 
Btellen. 

Es darf biernacb als bewiesen angesebn werden, dass das 
dem Tatian zageschriebene Diatessaron von Hans ans ein syri- 
scbes Bncb war. Vieler kUnstlicber Vorstellangen sind wir 
dadnrcb entledigt. Ein des Griecbiscbcn kundiger Syrer bat 
das Diatessaron mit den einfacbsten Mitteln bergestellt. Er 
legte die vorhandene syriscbe Uebersetzang der Evangelien, 
sieberlicb die einzige, die es damals gab, za Grande, verglieb 
sie aber dnrcbweg mit einem Exemplar der grieebiscben Evan- 
gelien^ dessen Text er vielfacb bevorzngte and aaf eigene Hand 
tlbersetzte. Es kann keinem Zweifel anterliegen, and der Er- 
folg bat es best&tigt; dass er mit seiner Arbeit dem Gemeinde- 
gottesdienst dienen woUte. Anstatt der vier BUcber mit ibrer 
leiebt verwirrenden Mannigfaltigkeit sollte ein einbeitliebes, alles 
Wesentliebe der Gescbiebte and Lebre Jesa entbaltendes and 
aas den aatbentischen Darstellangen der Evangelisten zasammen- 
gesetztes Bacb fortan der Erbaaang der Gemeinde za Grande 
liegen^ ein neaes Evangeliam and docb nar eine beqaemere 
Form des alten and ewigen Evangeliams. Wie feme es ihm 
lag, liber die Qnellen, aas denen er scb5pfte, ein abscb&tziges 
Urtbeil za filllen oder sie in jeder Hinsicbt aas ibrer aactori- 
tativen Stellang and aas dem Ged^cbtnis der Eircbe za ver- 
drEngen^ siebt man daran^ dass er seinem Werk einen Titel 
gab; welcber gleicb an der Scbwelle dessen Abbilngigkeit von 
den Evangelien der katboliscben Eircbe bezeagte. Denn dass 
der Name Diatessaron, welcber dem Bacb von seiner ersten Er- 
wS.bnang in der Literatar an anbaftet, wirklicb, wie schon Easebias 
bezeagt, vom Verfasser desBacbs berrlibrt, wird beateNiemand 
mebr in Abrede stellen. Er ist so originell wie die ganze Idee 
des Baebs. Da die syriscbe Uebersetzang der vier EvangelieO; 
welcbe ibm vorlag; den grieebiscben Namen EvayyiXiov als 
Gesammttitel fUbrte^); so drtlckte er das Untersebeidende der 

1) S. oben S. 107; iiber den Gebrauch des Worts in der Doctrina 
Addaei oben S. 91 if. 



- 239 - 

nenen Form des Eyangeliams gleichfalls in griechiscber Sprache 
ana and zwar wabrscheinlich so^ dass er za dem bisherigen 
•)rb:j3nN (evayyiXiop) ein in'nOto'^'Ti (to did xeaadq&iv) binza- 
fligte. Ob jedes Kind oder ancb jeder Landgeistlicbe den Wort- 
sinn sofort ganz ricbtig auffasste^ konnte ibm ebenso gleicbgUl- 
tig sein, als es nns ist^ ob alle Gemeindeglieder von Worten 
wie Eatecbismns, Kapitel, VerS; Perikope a. s. w. ein etymolo- 
giscb ricbtiges Verstandnis baben. Genng, dass alle balbwegs 
Gebildeten die Yierzabl beransbOrten (s» oben S. 104), and dass 
er seinem Gedanken einen bezeicbnenden Aasdrack gegeben 
batte. Es beisst did T€<r<rdQtov nicbt „der aos vier TQnen ge- 
bildete Accord^ and bat mit dem modernen masikaliscben Be- 
griff der Harmonie gar nicbts za scbaffen; scbon daram nicbt, 
weil die antike Masik die Mebrstimmigkeit des Gesangs gar 
niebt and die Mebrstimmigkeit der Instromentalmosik b^ebstens 
in ibren Anfaogen kannte^). Einen masikaliscben Sinn wird 
der Aasdrack gleicbwobl baben; denn erstlicb ist did xsGadqtnv 
ein masikaliscber Eanstaasdrack, and zweitens will sicb, wenn 
man biervon absiebt, kein ertrllglicber Sinn ergeben^). Es be- 
deatet did tetradgmp entweder die „darcb vier'^ T3ne bindarcb- 
gebende Scala oder, davon abgeleitet, das Interyall, welcbes 
wir Qaarte nennen. Letzteres gibt in der Anwendang aaf anser 
Bacb keinen Sinn, wobl aber Ersteres. Einer darcb nar vier 
aaf einander iolgende T5ne sicb bin and ber bewegenden Melo- 
dic, Oder aacb einem Instrament mit vier Saiten, welcbe der 
Spieler nacb einander and in wobllaatender Abwecbselang er- 
klingen lilsst, gleicbt dies Evangeliam. Nar bat bier der Ver- 



1) Aach Westphal (HarmoDik and Melop3ie der Griechen. 1863. 
Gescbichte der alten and mittelalterlichen Masik. 1864) hat doch nar sehr 
bescheidene Anfange der Mehrstimmigkeit bei den Alten nachweisen 
k5nnen. Cf. die griindlichen ErSrterangen von E. Krilger in den G5tt. 
Gel. Anz. 1865 S. 1241—62, besonders S. 1251 f. 

2) Nicholson, the Gospel accord, to the Hebr. p. 16 will nacb Ana- 
logic biblischer Wendangen wie to ^tid'kv vno rov xvgiov Sia tov ngo- 
(fy^Tov verstehen the Gospel as published through the mouths of Four. 
Aber das ware nichts Charakteristisches fUr dies Evangeliam im Gegen- 
salz za den vier getrennten Evangelien, and ein andrer Gegensatz ist 
doch kaam denkbar. Za Urhebern gerade dieser besondem Gestalt, 
welche er erst dem Evangeliam gegeben, konnte der Verfasser anmdglich 
die vier Evangelisten machen. 



— 240 — 

fertiger des Instraments dem aasttbenden Etinstler alle Mtlhe im 
voraas abgenommen. Der Vorleser, der aas diesem Bach vor- 
liest, brancbt kein Ktinstler za sein, welcher die vier Saiten zq 
spielen versteht, sondern obne eigenes Verdienst l^sst er die 
vier Stimmen der Evangelisten nach einander^ bald in rascberem, 
bald in langsamerem Wecbsel erklingen, so oft er vorliest; and 
der Eindruck; welehen der H()rer empf^ngt^ ist der einer wobl- 
laatenden Melodie, der alle das Obr beleidigenden Dissonanzeo 
vermeidenden Tonfolge d. h. der aqijbovla im antiken Sinne. 

Aber a potiori fit denominatio. Aas dem Namen folgt niclit, 
dass in das Diatessaron keine Worte oder S^tze aafgenommen 
worden seien, welche der Verfasser nicht entweder in seinem 
griecbischen oder in seinem syrischen Exemplar der vier Evan- 
gelien gefanden b&tte. Das bedarf der Erorternng; denn die 
ihm vorliegende syrische Evangelientlbersetzang ist ans nnr aa- 
voUstandig erbalten^ and die griecbischen Evangelientexte des 
zweiten Jabrhanderts , aaf dessen Aasgang wir darcb die Tra- 
dition liber das Diatessaron bingewiesen sind, waren aasseror- 
dentlich mannigfaltig nicht bloss in Bezag aaf Wdrter and Sil- 
ben, sondern anch in Bezag aaf ganze Aasspriiche and einzelne 
Erzllhlangssttlcke. Wir kdnnen daher nicht mit Sicherheit be- 
baapten, dies oder jenes dem spUteron kanonischen Text feh- 
lende Stiick babe aach in dem von T benntzten griecbischen 
Exemplar oder, soweit Sc verloren gegangen ist, in diesem ge- 
fehlt. In Sc fand T betrHchtliche Sttlcke, welche nnsere hea- 
tige Kritik als apokryphe Zathaten vom echten Text der Evan- 
gelien aasscheidet. Theilweise bat er sie sich angeeignet^ so 
Mr 16, 9—20 oder Stttcke davon (§ 100 N. 1. 3. i. 7), so den 
Zasatz za Lc 23, 48 (§ 97 N. 8). Theilweise hat T sie ver- 
worfen oder wenigstens anbenatzt gelassen, wie die aach in der 
abendlUndischen Eirche frtlh and weit verbreiteten Zasiltze za 
Mt 20, 28 (§ 56). Es ist daher an sich m5glich, dass alle die- 
jenigen Elemente des Diatessaron, welche wir in den erhaltenen 
Hss. and Yersionen der Evangelien nicht nachweisen kQnnen, 
in dem griecbischen Exemplar, das T benatzte, oder soweit Sc 
verloren ist, in diesem geschrieben standen. Aber nothwendig 
ist das nicht and aach nicht wahrscheinlicb. T hat sich darch 
den selbstgew^hlten Titel seines Bachs nicht abhalten lassen, 
die Grenzen seiner vier Evangelien mehrfacb za Uberschreiten. 
Er hat Act. 1, 18 in die Erzahlang des Mattbaeas vom Ende 



- 241 - 

des Judas eingescfaaltet (§ 94 N. 2), and er bat wabnicheinlich 
Act 1, 4 aaf den Sprach ans Lc 24, 49 nmgestaltend einwir- 
ken lassen (§ 100 N. 6). Es wird aach kaam bestritten wer- 
den, dass T in seinen Bericbt von der Stiftung des Abendmabls 
etwas ans 1 Cor 11 bat einfliessen lassen (§ 83 N. 5). Dar- 
nacb ist es mOglicb, dass er ancb Anderes, was er weder in 
seiner syriscben, nocb in seiner griecbischen Evangelienband- 
sebrift las, was ibm aber'^ glanbwtlrdig oder wicbtig scbien, in 
sein Werk aninabm. Das Urtbeil des Ebedjesn, dass Tatian 
kein einziges eigenes Wort zn den von ibm verarbeiteten Evan- 
gelien binzngetban babe (oben S. 101 N. 1), mag bacbstHblicb ge- 
nommen beinab wabr sein. Erfonden mag er nicbts baben, aber 
bertlbergenommen ans anderen Qaellen als den vier kanoniscben 
Evangelien bat er docb Einiges. Ein sebr entwickeltes Be- 
wosstsein vom Unterscbied des Kanoniscben and des Nicbtka- 
noniscben dtlrfen wir ibm obnebin nicbt znscbreiben; die nach- 
her nocb n&ber za erOrternde Bebandlnng der vorgefandenen 
Texte zengt von einem in dieser Hinsicht nocb sebr nngeban- 
denen GefUbl. Also kann mancbes vom Standpanct der benti- 
gen Textkritik apokrypb erscbeinende Element des Diatessaron 
wirklicb ans einer ancb damals darcbans nicbt kanoniscben 
Quelle geflossen sein. Es ist docb Einiges. T § 9 N.* 9 liegt 
der Wortlaut nicbt vor, aber die Tbatsacbe stebt fest, dass dort 
die durcb Justin und durcb alte Apokrypben bezeugte Sage von 
einer Lichterscbeinung im Jordan bei der Taufe Jesu aufge- 
nommen war. SoUte sie T in seinem griecbiscben Evangelium 
gefunden baben? In Sc feblt sie, aber aucb in alien anderen 
Versionen und Hss. Sie widerspracb in keiner Weise dem kircb- 
licben Bewusstsein. Wie soUte sie aus alien indirect ins zweite 
Jabrbundert binaufreicbenden Documenten verscbwunden sein, 
wenn sie zur Zeit Ts in griecbiscben Hss. des Mattb&us oder 
Lucas zu lesen war? — Der apokrypbe, sonst gar nicbt be- 
zeugte Zusatz zu Mt 15, 4 et qui blasphemat deum, crucifigatur 
§ 36 N. 1 siebt nicbt damacb aus, als ob eine im Stillen ge- 
sebSftige kircblicbe Eritik ibn nacbtrHglicb mit ausnabmslosem 
Erfolg exstirpirt babe. Ebensowenig das Wort mea aqua e 
caelo descendit § 38 N. 5 ^). Eine barmlose Erweiterung des 



1) Zweifelhafter ist, ob aach Jo. 4/42 apokryphisch erweitert war 
8. § 38 N. 13. 

Zahn, Forachangen I. \Q 



- 242 — 

kanoniscben Textes war es, wenn dem Satz Mt 18; 7 dmyxii 
yaQ iatip il&etp attdvdala ntxX. ein SeiteDsttlck, etwa avdyitii 
yctq iaziv iX&eiv dyad-a, xal fiaxaQcog ixetvog, di ov kqx^^'' 
vorangestellt wnrde § 50 N. 4. Unbedentende Zutbaten dieser 
Art scbeinen in der letzten ans den Scblassabscbnitten der drei 
synoptiscben Evangelien componirten Perikope § 100 N. 1. 2. 4 
angebracbt za sein. In dem Zosammenbang von Mt21, 21. 22*, 
Mr 11, 23. 24. Lc 17, 5 § 61 N. 7 stand das Wort Jesu: Ihr 
sollt nicht zweifeln und in der Welt versinken. Im Zasammen- 
hang von Lc 17, 20—25 stand als Wort Jesu: Mundabit (sc. 
filias bominis) domum regni mi ah omni scandalo § 76 N. 4. 
Nicbt alles Apokrjpbe, was uns in EpbrHm's Gommentar vor- 
kommt, darf ohne weiteres anf T zurUckgeftibrt werden. Gele- 
gentlich beraft sicb E ansdrtleklicb anf Traditionen ans anderer 
Quelle ^). In einem anderen Fall § 50 N. 8 war tiacbzuweisen, 
dass eine apokrypbe Zutbat zu Mt 18, 20 (Ubi unm est, ibi et 
ego sum), welcbe E im Text vorfand, bei Apbraates gleicbsam 
erst in der Entstebung begriffen war. So bleibt Einiges vor- 
I&ufig ungewiss. E 50 wird als Wort Jesu an die Jttnger be- 
ricbtet: Elegi vos, antequam terra fieret. Das sieht aus, wie 
eine nnter Einfluss von Gedanken wie Epbes \, 4 entstandene 
Umgestaltung^ von Jo 15, 16 n. 19, und ist docb etwas Neues. 
Es kann ein blosser Gedllcbtnisfebler sein, wenn E 230 angibt, 
dass Jesus das Wort aus Mt 11, 23 in Jerusalem gesprochen 
babe. Es ist in T tlberbanpt nicbt nacbzuweisen. Aber andrer- 
seits ist zu erwILgen^ dass T aucb den Ort der einen oder an- 
dern Begebenbeit anders oder genauer als in den Evangelien 



1) E 240 8. § 94 N. 2 tiber das Ende des Judas. — Ueber JohaDnes 
den Taafer wird Apokryphes berichtet E 36. 50. 165 (Pilatus und Hero- 
des), Uber seinen Vater Zacbarias £ 23. — Die Tempelzinne , von wel- 
cher Jesus sicb bei der Versucbung berabsttirzen sollte, stebt noch da, 
wabrend der Tempel im Ubrigen laogst zerstdrt ist E 44. — Ueber Maria, 
Jesu Mutter, welcbe bebarrlicb mit Maria Magdalena verwecbselt wird 
E 29. 54. 269 sq. , wird £ 23. 29 aus apokrypben Quellen bericbtet. — 
Aposteltraditionen: Die Ereuzigung des Petrus £ 231. 237 of. oarm. 
Nisib. 59, 2 sq., die Virginitat des Jobannes E 134, sein Leben bis za 
Trajan E 286. Dort E 286 sq. nocb Allerlei s. oben S. 54 N. 3- — Als ein 
apostolisches oder genaaer pauliniscbes Wort wird £ 97 citirt: Qui mm 
receperuntf pcLx super eos. MosiDger vergleicbt Gal 6, 16, was docb 
nicbt geniigt. — - S. aacb Anm. 2 auf folg. Seite. 



— 243 — 

angegeben bat^). Hiermit dtlrfte aber anch AUes anfgezShlt 
seiO) was mit einigem Schein des Recbtes als apokrypbe Bei- 
miscbang in T angesehn werden kann ^). Im Vergleicb zu der 
Masse des ttbrigen Inbalts ist's verscbwindeDd wenig and daber 
niobt za yerwandern, wenn einem Theodoret oder einem Ebed- 
jesa diese kleinen Zntbaten nicbt bemerklicb geworden sind. 
T aber war vollberecbtigt, sein EvaDgeliam im Titel als eine 
Verarbeitnng der vier Evangelien der katboliscben Eirebe za 
bezeicbnen. 

Was er in diesen Evangelien gescbrieben fand, kQnnen wir^ 
wie bemerkt, nicbt ttberall bis anfs Wort feststellen. Aber mit 
Bestimmtbeit ist zu bebanpten: er fand in seinem syrischen 
Exemplar alles daS; was nns von Sc erbalten ist^ and er fand 
in seinem griecbiscben Exemplar alles das^ was mit den Mitteln 
nnserer Textkritik als der eiserne Bestand^ als der durch alle 
Ver&ndernngen nnbertlbrt gelassene Inbalt der Evangelien za 
erkennen ist. Und vor allem ist es nnerlaabt^ darans, dass ge- 
wisse Sttlcke in T feblen, den Verdacbt za scbOpfen, dass sie 
auch in seinem griecbiscben oder syriscben Exemplar der Evan- 
gelien gefeblt baben m5gen. In einem Werk, wie das seinige 
war^ mnssten mancbe Worte der kanoniscben Evangelien feblen, 
wenn es nicbt nnendlicb viele Wiederbolungen derselben Sacben 
in verscbiedener Form entbalten soUte; and in einem solcben 
Werk konnten mancbe Sttlcke unbescbadet seines Zwecks feblen. 
Es feblten in der Tbat in T Sttlcke, welcbe in der einen ibm 
vorliegenden Qaelle, in Sc, von nns gelesen werden. So die 
Genealogie Mt 1, 1 — 17. Icb wtlrde es nicbt nOtbig finden, 
dem nocb Weiteres binzaznftlgen , wenn nicbt nocb karz vor 
VoUendnng meiner Arbeit A. Harnack die Uberrascbende Ver- 
mutbang anfgestellt bfitte, dass T, als welcben er sicb Tatian 
den Apologeten am die Mitte des zweiten Jabrhunderts denkt, 
Stticke wie Mt 16; 18 b. 19 and Mt 18, 15—18 in seinem Mat- 



1) S. za § 100 N. 1, and in Bezag auf § 39, dessen Inhalt nach Ja- 
daa verlegt war, s. waiter unten die Uebersicht fiber die Anordnang der 
evaogelischen Gescbichte in T. 

2) Ueber ein aDgebliches Apokrypbon s. § 49 N. 2, fiber ein an- 
deres bei Aphraates p. 13 s. § 24 N. 12. — Ein Spracb, welcher bei 
A 461 (letzte Zeile) and ebenso £ 280 vorkommt: Mundua per gratiam 
aedifieabitur stammt nicht aus T; denn A fiihrt es als Wort des Pro- 
pheten, E als Wort Gottes an. 

16* 



— 244 - 

thfias noch nicht gefuDden babe. Oder es wird vielmebr ftir 
erlaubt erklfirt, aus der angeblicben Abwesenbeit dieser Stttcke 
von T ^den Schluss za zieben, dass jene beiden Abschnitte 
aach noch am die Mitte des zweiten Jabrhanderts im MatthlLns 
nicht zn lesen waren" ^). Man „darf^ eben heate Vieles. Man 
darf aach noch einen Schritt weiter thun and sich voUends anf 
den erhabenen Standpankt A. Bitschrs stellen, welcher aas der 
Noth gewisser Leute, von welcher Tertallian schon treffend ge- 
redet bat^), eine Tagend macht, aber aach daraaf verzichtet, 
die Umgestaltangen des evangelischen Textes, welcbe er pas- 
send findet, den armen Lenten plaasibel zn machen, ^welche 
die Textttberliefernng des 4. (sage and schreibe : vierten) Jabr- 
handerts als anbedingt verbindlicb fttr sich ansebn^ '). Und 
wirklich bekommt Ritscbl von Hamack S. 477 zam Trost, wenn 
er dessen bedarf, za h5ren, dass im Diatessaron die von Ritscbl 
nach eigenem Geschmack nmgestellten Slltze Jo 1, 6 — 18 ^^viel- 
leicht^ anders gestellt waren, als in anserem Evangeliam. „MQg- 
licherweise hat aach etwas gefehlt, doch ist das nicht sicber." 
Aber sicber ist, wie oben § 42 N. 3 gezeigt warde^ dass T das 
Wort Jesn vom Baa der Eirche aaf dem Felsen Petrns in sein 
Diatessaron aafgenommen bat, wie er es in seiner syriscben 
Evangelientlbersetzang bereits vorfand. Aber man mass aach 
sebr irrige Vorstellnngen von den Schicksalen der nentestament- 
lichen Schriften im zweiten and dritten Jabrhnndert begen^ 
wenn man es fUr m5glich hSlt, dass Stttcke wie Mt 16^ 18 b. 
19 Oder Mt 1, 1—17 in der von T benntzten griechischen Evan- 
gelienhs. noch gefehlt baben. Wie wfiren dann solche Stttcke; 
die am 150 in den Evangelien noch nicht za lesen waren, oder, 
am die Ansicht etwas massvoller and glanblicber darzastellen, 
als ibr Urbeber selbst es gethan, Stttcke, die am 150 nnr erst 
in einigen Evangelienhss. vorbanden waren, in den meisten an- 
deren aber noch fehlten, in alle heate direct oder indirect za 
nns redenden Urkanden bineingerathen , in die ;,Itala^; welcbe 
zn Tertallian's Zeit nicht mehr nea^ also doch spfitestens am 
170 entstanden war, in die illteste syrische Version; welcbe er- 



1) Ztsohr. f. KG. IV S. 485. 

2) Tertall. de praescr. haer. 38: Quibas fait propositam aliter do- 
cendi, eos necessitas coegit aliter disponendi instramenta doctrinae. 

3) So Ritschl in Theol. Stud. u. Krit. 1875 S. 577. 



- 245 — 

wiesenermassen vor T existirte^ in die griechischen Hss. eines 
Clemens von AlexaDdrien, eines Irenes von Lugdnnam, in alle 
die Hss., tiber deren Abweiebnngen Origenes so manchmal redet, 
and in die sSmmtlichen Archetype aller Familien der noch heate 
vorhandenen griecbiscben Hss. Es wilre doch nnr denkbar, 
wenn zwischen 160—180 ein gebeimes Generalconcil stattge- 
fanden hfitte^ welcbes nicht nnr ein fttr die katboliscbe Kirche 
gtUtiges Verzeichnis der kanoniscben Blicber, sondem ancb — 
vermntblich darcb eine eigens biefUr eingesetzte Commission — 
einen fortan allein gtUtigen evangeliseben Text festgestellt and 
in diesen einige jtingst fabricirte oder erst in der Commission 
vorgescblagene Interpolationen eingetragen and die Vertilgang 
sfimmtlicber bis dabin vorbandener Bvangelienbss. anbefoblen 
hfitte. Aber damit nocb nicht genag, masste aach in die be- 
reits vorhandenen Evangelientlbersetzangen, die lateinische and 
die syrische, der nanmebr kanonische, interpolirte Text anstatt 
des arsprttnglichen eingeftibrt werden. E& mossten also wobl 
Provincialsynoden am Eapbrat and in Carthago das Werk der 
katbolischen Bibelrevision fortsetzen and aach den Lateinern 
and den Syrern einen kanoniscben Text nach dem Master des 
jtlngst hergestellten griecbiscben Textes schaffen and die Be- 
seitigang der ersten Gestalt der lateinischen and der syrischen 
Evangelienlibersetzang bewirken. Dies alles mtlsste im Laaf 
weniger Jabre geschehen and am 180 in alien Tbeilen der 
Kirche siegreich darchgeftlhrt worden sein. Die Genealogien 
z. B.^ welche T nicht aafnabm, galten den alten Lebrern, aaf 
welche sich Clemens berafl, bereits als so integrirende Bestand- 
tbeile der Evangelien^ dass sie die Evangelien damach in die 
zwei Classen der Evangelien mit and ohne Genealogien ein- 
tbeilten ^). IrenSas bespricht sie ^) ; and in Sc liegt die des Mat- 
thias bereits in einer zweifellos erweiterten Gestalt vor. Wenn 
femer solcbe Sttlcke ^noch am die Mitte des zweiten Jabrhan- 
derts im Matthllas nicht za lesen waren^, also erst am 160 bis 
180 in denselben eingedrangen sind, so ist IrenHas, der damals 
ein gestandener Mann, ein Diener der Kirche, and mit den zeit- 
genOssiscben Verbliltnissen wie mit der nSchsten Vergangenheit 
der Kircben von Kleinasien bis Lagdanam genaa bekannt war, 



1) Eus h. e. VI, 14, 5. 

2) Iren. IH, 21, 9 (Harvey vol. H, 119); III, 22, 3 (H. II, 123). 



— 246 - 

ein frecher Betrttger and gemeiner Heachler gewesen, indem er 
die nnter seinen Aagen kOrzlich erst redigirten, am wesentliche 
StUcke vennehrten, durch List oder Gewalt in die Gemeinden 
eingeftihrten Evangelien als das Fandament and die TragsStale 
des kirchlichen Glaabens preist^ oder im Gegensatz za den Ver- 
stiimmelangen Marcion's and den Zathaten der Valentinianer 
and alien Schriftverbesserangen der e^nenddtores apostolorum als 
die allein festen and wabren Evangelien, als die von den Aposteln 
selbst and ihren Gehtilfen der Eirche ubergebenen Urkanden 
ibrer Predigt; oder wenn er der Eircbe von der Apostel Tagen 
bis za seiner Gegenwart die traglose Aafbewabrang der beili- 
gen Sebriften, die Yermeidang alles Daza- and Davontbans, die 
lectio sine fcUsatione nacbrtthmt^). Aber gesetzt, man k5nnte 
sich alle diese Ungebeaerliebkeiten gef alien lassen, welcbe von 
der Vorstellang der Herstellang eines kanoniscben Evangelien- 
textes bald naeb der Mitte des zweiten Jabrbanderts antrennbar 
sind, wie gedenkt man sicb denn das za erklSren, dass von 
jenen fingirten kircblicben Massnabmen grosse, am niebt za sa- 
gen alle Tbeile des evangeliscben Textes naebweislicb gar nicht 
berlibrt worden sind ? n&nlicb alle die Stellen , an welcben die 
mtesten Textzeagen materiell Verscbiedenes bieten. 1st bei der 
;yEanonisirang^ des Evangelientextes Jo 5, 4 aasgescbieden 
worden, wie kommt es, dass die lateiniscbe Bibel and die grie- 
cbisehen Hss. vom cod. Al. an^ welcbe docb Mt 16, 18. 19 von 
der katboliscben Redaction sicb baben aafdrSngen lassen, diesen 
Vers bebielten, oder, wenn die katboliscbe Redaction ibn ver- 
worfen bat, wie kommt es, dass Sc fi< B G D, welcbe sonst 
darcbweg den katboliscben Text baben^ diesen Vers ablebnten? 
Und dieselbe Doppelfrage kebrt bei dem Anbang Mr 16, 9—20, 



1) Es ist hier nicht der Ort, aaf eine genauere Besprechnng der be- 
riihmten Stellen einzagehn: III, 1, 1; 11, 6—9; besonders aber IV, 33,8. 
Aber ich kann mich nicht enthalten, die goldenen Worte des Biscbofs 
von Durham (GoDtemp. Rev. 1875, May, p. 866) zu wiederholen: Any 
one who will take the pains to read Irenaeus through carefully ^ endea- 
vouring to enter into his historical position in all its bearings , striving 
to realize what he and his contemporaries actually thought about the 
writings of the N» T. and what grounds they had for thinking it, and, 
above all, resisting the temptation to read in modern theories between 
the lines ^ mil be in a more favourable position for judging rightly of 
the early history of the Canon than if he had studied all the monographs 
which have issued from the German press during the last half century. 



- 247 — 

dessen weite Verbreitang wShrend des 2. Jahrhunderts zweifel- 
los ist, and bei vielen anderen Stellen wieder. Die grosse and 
im ganzen Bereich der Eirche nachweisbare Verwilderong des 
Evangelientextes in der Zeit vor Origenes beweist, dass die 
Fortpflanzang and Gestaltang dieses Textes im Laaf des zwei- 
ten Jahrhunderts nicht einer die katholische Kirehe umfassen- 
den einheitlichen Aafsicht unterstellt gewesen ist; and die trotz 
der Bemtthangen einzelner Gelehrter in den folgenden Jahrhan- 
derten fortbestehende grosse Mannigfaltigkeit der in der katho- 
lisehen Kirehe gebrauchten Evangelienhss. in Bezng aaf die 
Zageh5rigkeit ganzer Perikopen and die Wortgestalt vieler ein^ 
zelner Sprtlehe beweist^ dass vom dritten bis ftinften Jahrhandert 
ebensowenig als im zweiten die Herstellang and Kanonisirang 
einer bestimmten Textreeension ftlr die katholisehe Eirche oder 
anch nar fQr grosse Theile derselben stattgefnnden hat. Was 
in den griechiscben Hss. , in der Itala, and in Sc ganz oder 
wesentlich gleichlaatend enthalten ist, ist vor der Abzweigang 
jener Sltesten Uebersetzangen das Oberall herrschende gewesen, 
hat also spatestens am 150—160 in alien oder fast alien Hss. 
des Originaltextes gestanden. Diese Hss. waren damals schon 
reeht grtindlieh von einander verschieden, wie die Yergleichang 
der genannten Zeagen beweist. Daraas folgt zan&chst, dass 
zwischen den Aatographen der Bvangelisten einerseits and den- 
jenigen Hss., welche spatestens am 160—170 der Syrer im 
Osten, der Lateiner im Westen and ihre griechiscben Zeitge- 
nossen in HSnden batten, andrerseits eine Jahrzehnte aasfttl- 
lende Geschichte der Verbreitang, Verbesserang and Verschlech- 
terang des Evangelientextes verlaufen ist, and dass vom Stand- 
panct der Textgeschicbte aas Meinangen liber die Entstebang 
des Johannesevangeliams, wie sie Baar aasgesprochen hat, ein- 
fach al£i Wahnsinn erscheinen mttssen. Aber es folgt aach 
weiter, dass das, was trotz aller vor 150—160 dem Evangelien- 
text widerfahrenen , hier so and dort anders gearteten Ver&n- 
derangen in alien Exemplaren des Originals and der Versionen 
identisch geblieben ist, schon am An fang des zweiten Jahrhan- 
derts tiberall gelesen warde. Nar in Bezag aaf das, woven der 
eine oder der andere der zahlreichen Zeagen ans, wie die 
Schriftsteller des zweiten Jahrhanderts and die alten Uebersetz- 
angen, soweit wir ihre Urgestalt feststellen k()nnen, direct oder, 
wie die Sp^teren, indirect bezeagen, dass es im zweiten Jahr- 



- 248 — 

handert nicht llberall in den griechischen EvaDgelien stand, 
entstebt die Frage, ob es etwa erst nm dieMitte oder nach der 
Mitte des zweiten Jahrbnnderts wenn niebt entstanden, so doch 
erst welter verbreitet worden sei ^). Ein solcber Zeage ist aber 
T nicht; denn erstens benatzte er bereits die syrische Evan- 
gelientlbersetzung, welche ansser manchem Ueberschass ancb alles 
das entbillt, was nacb der Textgeschicbte gemeinsamer Inhalt 
aller Evangelienbandscbriften im zweiten Jahrhnndert war, and 
zweitens hatte der Verfasser des Diatessaron keine Yerpfliehtang 
llbernommen, Alles, was er in den vier EvaDgelien fand, in sein 
Compendium der evangelischen Geschichte aufzanebmen. 

Sein Verhalten zn dem Text seines griechischen Exemplars 
kann nnr analog dem offen daliegenden Verhalten zn seinem 
syrischen Exemplar gedacfat werden. Er wShlte zwischen den 
in beiden Qaellen vorhandenen Texten, wo sie von einander 
abweichen. Beide Texte waren aber nahe verwandt. Das Yer- 
hfiltnis lilsst sich kurz ansdrticken. Wenn Sc mit cod. gr. D 
und den ^Itesten Italahss. nsLher verwandt ist '), als mit fi( B etc., 
so gilt das Gleiche vielleicht noch in gesteigertem Masse von 
dem griechischen Text, welchen T neben Sc nnd nicht selten 
gegen Sc besetzte. Um dies einigermassen libersicbtlich zn 
zeigen, ist in obigen Yerzeichnissen S. 225 ff. knrz wieder ange- 
geben, mit welchen Textzeugen T in den merkwiirdigeren FiLllen 
libereinstimmt. Zu einerZShlnng derFalle^ zn einer fQrmlichen 
Statistik, wie man sie liebt, ist das Material nicht sicher und 
gleichm^ssig genug uberliefert. Es genttgt das dentlich Yor- 
liegende zur Begrlindang der Behanptang, dass der von T be- 
nntzte griechische Text ebenso wie der in Sc libersetzte nnd der 
jener abendlSndischen Zengen nicht das Ergebnis gelehrter text- 
kritiseher Arbeit ist, wie sie seit Origenes begann, sondern das 
naturwtichsige Prodnct der sich selbst tiberlassenen Tradition, 
nicht ohne Wunderlichkeiten — man denke an die FlUle Jo 1, 17 



1) Um MisverBtSndnis zu vermeideD, bemerke ich ausdrticklich, dass 
ich nicht gesonnen bin aller Conjektaralkritik im N. T. ThUr and Tbor 
zu versohliessen. Auoh in dem darch alle Hss. and Yersionen bezeugten, 
also die gemeinsame Warzel dieses weitverzweigten Stammes bildenden 
Texte k()nnen Fehler stecken and stecken wahrscheinlich einlge. Aber 
nar vor jeder weiteren Yerbreitang der einzelnen Scbriften, in den ersten 
Jahren nach ibrer Entstehang kOnnen solche Fehler entstanden sein. 

2) Gf. Hermansen, Dispatatio de cod. ew. syr. p. 21 sq. 



- 249 — 

§ 6 N. 5; Jo 5; 14 § 40 N. 5 —y aber im ganzen von sehr 
alterthtimlichem GeprSge. Es ist anch nicht za Obersehn, dasg 
manches Sonderbare ebensoweDig anf Rechnang der griechiscben 
als der syrischen Yorlage Tb kommt, soDdern ein von diesem 
selbst geschaffener Aasdrack einer originellen Anffassnng des 
gewQbnlicheii griecbischen- Textes ist s. oben S. 231 Nr. 15. 
Den originellen Geist des Verfassers erkennt man aber vor allem 
an der geschiehtlichen AnordnaDg, welche er dem Evangelien- 
stoff gegeben hat. 

Ganz leicht ist es nieht, das chronologisehe Schema dieser 
evangelischen Geschicbte wiederberznstellen; denn E's Gommen- 
tar hat die kleinen historischen and geograpbischen Notizeni auf 
welche jedes Harmonisten Aagenmerk ganz besonders gerichtet 
sein mass, meist anberlicksichtigt gelassen, and femer hat sich 
T jedenfalls sehr kttbne Zasammenstellangen and Umstellangen 
erlaabt. Aaeh aas der oben S. 113—219 gegebenen Reeon- 
strnetion lassen sich die leitenden Ideen nicht einfach ab- 
lesen. Schon in der Jagendgeschicbte and zwar vor der Ge- 
sehichte vom zwOlQShrigen Jesas (§ 7) hat T im Anschluss an 
Jo 1, 6 — 18 aach die dort folgende Geschicbte von der Sendang der 
Jnden an Johannes antergebracht (§6), schwerlich in derabsar- 
den Absicht, die Leser glauben za machen, dass dies geschehen 
sei, ehe Jesas 12 Jabre, also der Tliafer 12 Jabr and 9Monate 
alt war. Er hat nar an der Hand des Jobannesevaageliams sofort 
historisch belegen wollen, dass Johannes nicht das Licht gewesen 
and sich aach nicht dafttr aasgegeben babe^ sondem ein selbstloser 
Zeage des Lichts. Daher dieser Vorgriff. Dann erst folgt die 
erste Geschicbte, in welcher man dies Licht aas der selbst&ndig 
handelnden and redeaden Person des jangen Jesas zam ersten 
Mai hervorleachten sieht. Aaf die Taafe des Dreissigjfthrigen, 
die Versachang, den Anschlass der ersten Jttnger (§9 — 11) iSsst 
T nach Jo 1, 44 — 2, 1 die mit der Hochzeit za Eana endende 
Reise von Jadlia nach Galillia folgen (§ 11. 12), anterscheidet 
diese aber deatlich als eine frtthere von derjenigen, welche nach 
Mt i, 12. Mr i, 14. Lc 4, 14 der Versachang, aber aach der 
Verbaftang des Tliafers anmittelbar gefolgt za sein schien. Dean 
nar das Hochzeitswander verlegt er in diesen ersten galiUiscben 
Aafenthalt Jesa aach der Taafe and trennt diesen galililischen 
Aafenthalt von der grossen galililischen Wirksamkeit, deren 
Beginn Mt 4; 12 — 17. Mr 1, 14. 15 deatlich markirt^ aber schein- 



- 250 — 

bar enge an die Versaehangsgescbicfate angescblossen ist, darch 
den jobanneiscben Bericbt von einer Wirksamkeit Jesn in JadMa 
and der allm&bligen Abnabme der Wirksamkeit des TSufers 
(§ 13). Er opfert also bier den Schein der synoptiseben Dar- 
stellang dem Beriebt des Jobannes, weil er sicb sagt^ dass die 
Jo 3, 22—4^ 3 bericbteten Tbatsacben, welcbe die Freibeit des 
TSafers voranssetzen , der Verbaftang des TiLufers^ also anch 
der dnreb die Eunde von dieser Verbaftang veranlassten Reise 
Jesa von JadSa nacb Galillia vorangegangen sein mUssen, dass 
also aacb die Reise nacb Galillla Jo 1^ 44—2, 1, welcbe der 
jadfiiscben Wirksamkeit Jesa neben dem in Freibeit wirkenden 
Tfinfer voranging, nicbt mit derjenigen Reise nacb GalilSa, 
welcbe der Verbaftang des T&afers gefolgt sein sollte (Mt 4, 12), 
identiscb sein k5nne, sondern derselben am ein BetrScbtlicbes 
vorangegangen sein mtlsse. Ts cbronologiscbes Scbema ist bier 
nar dadarch fttr die oberflUcblicbe Betracbtang verdankelt, dass 
E die Worte nicbt commentirt bat, in welcben T von der Reise 
bericbtet bat, welcbe Jesam von Kana in Galiliia nacb dem 
jadfiiscben Scbaaplatz seiner nacbfolgenden Wirksamkeit (Jo 3, 
22 sqq.) gefttbrt bat. Den Inbalt von Jo 2, 14—22; 3, 1—21 
bat T ganz wo anders ant^rgebracbt (§ 59. 62). Aber da in 
einer gescbicbtlicb sein woUenden Darstellang Jo 3, 22 — 4, 3 
sicb nicbt an Jo 2, 11 angescblossen baben kann, obne dass 
gesagt war; Jesas sei von GalilSa nacb JadSa zartickgekehrt, 
so mass zwiscben § 12 and § 13 etwas gestanden baben wie 
das, was T wie wir in Jo 2, 13 las. Waram sollte er dann 
etwas Anderes gescbrieben baben, als was er vorfand? Man 
k(3nnte sagen, die Worte Jo 3, 22 b&tten genOgt, die VerSn- 
derang des Scbanplatzes aaszadrttcken. Aber waram sollte T, 
welcber in dieser Partie wie gezeigt dem vierten Evangelisten 
in der Grappirang der Massen als Fttbrer folgt, den deatlicberen 
Ansdrack, welcben ibm dieser in 2, 13 darbot, verscbm&bt, and 
aaf den Pragmatismas, der dadarcb bergestellt warde, verzichtet 
baben? Und waram eine Wirksamkeit in Jad^a, obne dass 
Jerasalem bertlbrt wUrde? Es mass daber als das alleinNatllr 
licbe erscbeinen, dass aaf Jo 2, 1 — 11 oder 12 sofort Jo 2, 14. 
23-25 and dann 3, 22 — 4, 3 folgte. Wir baben ein erstes 
Passa, welcbes Jesas in Jerasalem feierte, von welebem aber 
aas Grttnden, die spater darcbsicbtig werden, die Tempelreinig- 
ang and das GesprScb mit Nikodemas getrennt war. Dem Fest- 



j 



- 251 — 

besnch folgt die Taaf- and Predigtthfitigkeit in der jadSisehen 
Landschaft (Jo 3, 22—4, 2), dann eine Reise nach Galilfta, 
(Jo 4, 3), welebe mit derjenigeD in Mt 4, 12 identificirt wird. 
Das Wort des TSufers Jo 3, 30 ist eine Weissagang aaf das 
nahe Ende seiner Wirksamkeit; sie ist bereits in ErfttUnng ge- 
gangen, als Jesus nach Galilfia reist, am nan dort seine grosse 
Wirksamkeit za er5ffnen. Einen cbronologiscb bestimmten Ein- 
schnitt in derselben bildet das zweite Passa, in dessen Nfifae die 
Speisang der 5000 iSllt (Jo 6; 4 T § 34). T hat offenbar an- 
genommen, dass Johannes diese Geschicbte hinter Solches ge- 
stellt babe, was in der Wirklichkeit spfiter gescbeben sei; ancb 
mag's ibm nicht eingeleacbtet haben^ dass anf eine erste Offent- 
liche Wirksamkeit in Jerasalem and JadHa eine solche in Sama- 
ria, statt in GalilUa gefolgt sein sollte. Karz, er lilsst Jesas 
seine Reise von JadHa nach Galilfla (Mt 4, 12. Jo 4, 3) ent- 
weder liberbaapt nicht durch Samarien machen (Jo 4, 4) oder 
wenigstens diesmal in Samarien sich nicht aafhalten. Er stellt 
Jo* 6 (§ 34) vor Jo 4, 4 «. (§ 38) and Jo 5 (§ 40). Aber 
ganz bald Ifisst er doch diese beiden Stiicke aaf Jo 6 folgen 
and schiebt zwischen die zweitHgige Wirksamkeit in Samarien 
and den Besnch Jerasalems in Jo 5 nar die Heilang des 
Aossiltzigen (§ 39). Wie ein verlomer Posten stebt sie da, and 
ein gescbicbtlicbes Bild scheint sich nicht za ergeben. Jo 4, 4 ff. 
wird doch von einer Reise von Judila nach GalilSa bericbtet. 
Wie soil aber eine solche aaf die Erz&blungen in § 14—37 gefolgt 
sein, welche ansser § 25 sSmmtlich GaliliLa and nicht Jndfia zam 
Schaaplatz baben? Und ferner, wie sonderbar, dass ans demgali- 
Ifiischen Anfenthalt, welcher zwischen der Reise darch Samarien 
nacb GalilUa (Jo 4, 4 --43) and einem Festbesnch in Jerasa- 
lem (Jo 5, 1) za liegen kfime, nichts weiter gemeldet wttrde, 
als die Heilang des AassStzigen? Die Sache liegt ganz anders 
ftir den vierten Evangelisten, welcher bis dahin ttberhanpt noch 
nicht von einer zosammenhiingenden galilfiischen Wirksamkeit 
Jesa geredet hatte. T dagegen hatte dies bereits in voUstem 
Masse gethan. Es mass ferner die sonderbare Isolirang der 
Heilang des Aasslltzigen erkllirt werden. Waram wird sie zwi- 
schen Jo 4 and Jo 5 gestellt anstatt der ErzShlang in Jo 4, 46—54, 
welche T bier aasstiess, and wabrscheinlich gar nicht aafgenom- 
men hat? Die Sache wird darchsichtig, so wie man beachtet, 
dass T ans Jo 4 nichts in § 38 anfgenommen bat, was den 



-. 252 — 

AnfeDthalt in Samarien als Bestandtheil einer Reise von JndlUk 
nacb Samaria erscheinen liess. Jo 4, 1 — 3 war schon vorber 
§ 13 untergebracht ; von Jo 4, 43—46 batte T nur v* 44 in 
§ 32 (N. 2) verwertbet. Jo 4, 46 b— 54 fehlte in T ganz. 
Ob Jo 4, 43 irgendwo gestanden bat, ist ganz zweifelbaft. Mit 
Jo 4, 4 — 42 war es gewiss nicbt verbnnden ^). Stand nun also 
zwiscben einer aasfUbrlicben Scbildernng einer galilfiiscben Wirk- 
samkeit (§ 14—37) and dem Bericbt von einem Festbesncb in 
Jernsalem (§ 40) der Bericbt ttber einen zweitSgigen Anfent- 
balt in Samarien (Jo. 4, 4—42 § 38) , so ist dies anzweidentig 
das Stuck einer Reise von GalilSa nacb JadHa, nmgekebrt wie 
bei Jobannes. Das Verfabren ist kObn; aber kein Wort von 
Jo 4, 4—42 braacbte gellndert za werden. Nnr ein kurzer 
Satz vor Jo. 4, 4 mnsste den Aafbmcb von Galillla aassagen. 
Wenn er ibn nicbt frei scbaffen woUte, so konnte er ibn aus 
Lc 9, 51 Oder 17, 11 bilden. Dnrcb dies Verfabren war nun 
die Heilung des Aussfitzigen (§ 39) ibrem galil&iscben Boden 
entrttckt nnd nacb Jndlia verpflanzt. Aber das konnte alsge- 
scbicbtlicber Gewinn erscbeinen; denn Mt 8, 4. Mr 1, 44. 
Lc 5, 14 scbeint die Nftbe des Tempels nnd des priesterlicben 
Opfercultas voraasgesetzt za sein. Ts Verfabren ist wiederam 
kttbni zeugt aber docb von Geist and feiner bistoriscber Be- 
obacbtang. 

Ist die gescbicbtlicbe Aniage des Bucbs an diesem Pancte 
ricbtig wiedererkannt, so kann's aacb nicbt mebr zweifelbaft 
sein, was fiir ein Fest T in Jo 5, 1 § 40 fand. Die Speisang 
der 5000 (§ 34) gescbab karz vor dem Passa; die daran sicb 
anscbliessende Rede Jo 6, 26 ff. fiel aaf den folgenden Tag 
(§ 35). Einige Zeit weilte Jesus darnacb nocb in GalilSa'). 
Darauf grtindete T das Becbt, bier nocb zwei galilSiscbe StOcke 
(§ 36. 37) unterzabringen. Es folgte die Reise darcb Samarien 
(§38) nacb Jud^a (§ 39) zum Fest nacb Jerusalem (§40). Es 
konnte nur das Passa') sein, dessen Nilbe in § 34 bemerkt 
worden war. Es ist das zweite Passa nacb der Taufe Jesu. 



1) S. § 38 N. 13; §. 32 N. 2. 

2) Jo 7, 1. DasB dies von Jo. 7, 2 flf. getrennt war, ist nach § 52 
N. 1 wahrscheinlich. 

3) Of. Iren. II, 22, 3 (Harvey vol. I, 328): Et primmn quidem, ui 
fecit vinum ex aqua in Cana Oalilaeae^ ascendit in diem festum paschae 
, , . Et post haec iterum secunda vice ascendit in diem festum paschae 



- 253 - 

Hieraaf werden wir wieder nacb GalilSa, nach CftBarea 
Philippi (§ 42), Kapernaam (§ 45) nnd, wenn in § 46 Mt 19, 1 
Aufnafame gefanden bat, nach Perlia gefttbrt. Jedenfalls setzt 
§ 52, wo Jo ly 4. 5. 8 im Wortlaat erhalten sind, voraas, dass 
Jesus sicb bis dabin aosserbalb Jadlias aafgebalten bat. Es 
folgt § 52 der Besncb des LaabbOttenfestes; aber fthnlicb wie 
beim ersten Passa verktirzt T den jobanneiscben Bericbt darttber, 
bescbrSnkt sicb aaf Jo 7, 2 — 36 (oder 31)^ urn den Best erst 
an sp&terer Stelle zn verwertben. Man gewinnt die Vorstellnng 
eines karzen Festbesncbs wie beim ersten and zweiten Passa 
(§ 13. § 40). Es folgen in § 53 - 58 einige ansserjerasalemisebe 
Sttlcke. Wenn das in § 53—56 den uns daraas erbaltenen Textbe- 
standtbeilen nicbt nnmittelbar za entnebmen ist^ so ergibt sicb's 
dentlicb ans § 57. 58, 59, wo eine ttber Jeriebo nacb Jerusalem 
ftlbrende Beise dargestellt ist; and es wftre nicbt za begreifen, 
war am die Scene in § 56, welcbe nacb Mt 20, 20 of. 17. Mr 10, 
35 cf. 32 in eine Beise Jerasalem fallt, von T aas diesem Za- 
sammenbang beraasgerissen sein soUte. Der dieser Beise fol- 
gende Aufentbalt in Jerasalem kommt in § 59—70 (oder 71) 
znr Darstellang. T combinirt bier aafs freieste synoptiscbe and 
jobanneiscbe Stoffe. Man k5nnte erwarten, dass er den Synop- 
tikern, nacb welcben er bis dabin die Beise nacb Jerasalem ge- 
schildert bat, welcbe dort die letzte ist, and aas deren Sebil- 
derang des nan folgenden jerusalemiscben Aafentbalts er § 61. 
64-67 aufnimmt, tlberbaapt folgen and namentlicb diesen jera- 
salemiscben Aafentbalt mit der Einzngsgeschicbte beginnen las- 
sen werde. Aber er Obergebt sie, am sie viel spilter § 74 
folgen za lassen. Es ist ibm znviel jobanneiscber and insbe- 
sondere jerasalemiscber Stoff Obriggeblieben, der nicbt Ober- 
gangen werden soUte, der aber docb anmOglicb dem letzten 
jerasalemiscben Aafentbalt zagewiesen werden konnte. T batte 



in Hierusalenif quando paralt^icum, qui iuxta natatoriam iacebat 
XXXVIII annoSj curavit . . . Deinde cum Lazarum suscitasset ex mor- 
tuis . • . seeedit in Ephrem dmtatem, et inde ante sex dies ptMchae 
veniens in Bethaniam scribitur (Jo 12 , 1), et de Bethania (iscendens in 
Hierosolymam et manducans pascha et sequenti die ptissus. Quoniam 
autem tria haec paschae tempora non sunt unus annus , manis quilibet 
confitebitur. Das ist yollkommen das Schema T's. Nur bleibt undeatlich, 
wie sich Irenaeas mit Jo 6, 4, das er 1. 1. p. 329 onterdrQckt, abge- 
fonden hat T hatte kUhnen Rath gewasst 



- 254 - 

ihn aach nicht ans Unachtsamkeit bisher tLbergangen; so dass 
er ihii nnn sogot, wie es eben giog^ unterbringen musste. Er 
batte vielmehr mit angeofSIliger Absichtlicbkeit Solcbes^ was bei 
Johannes beisammenstand (Jo 2, 13 — 4, 3; Jo 7, 1 — 10, 21), 
auseinandergerissen and nur stttckweise frttber verwendet. Er 
batte also schon bei § 13 nnd § 52 im Sinn, die dort ansge- 
stossenen Sttleke des Berichts ttber das erste Passa und tiber 
das Lanbbttttenfest einer sp^teren Epoche zazaweisen. Dazn 
bewog ibn im ersten Fall offenbar die Meinnng, dass in Jo 2, 
14 — 22 nothwendig derselbe Yorgang gescbildert sei, welcher 
naeh Mt 21, 12 sqq. Mr 11, 15 sqq. Lc 19, 45 sq. einer viel 
sp&teren Zeit angehOrte. In der Erzablung von der Tempel- 
reinigung § 59 folgt T materiell fast aasschliesslich dem Johan- 
nes, aber in Bezng aaf die gesehicbtliche Stellnng schliesst er 
sich eber noch an die Synoptiker an. Er urtheilte also, Johannes 
babe diese Erzlihlnng angesehicbtlicber Weise dem ersten Passa- 
besQch zugewiesen. Das Wort Jo 2, 19 schien viel besser in 
die Nllhe des Todes Jesa als in den Anfang seiner dffentlichen 
Bezengnng za passen. Man mag anderer Meinnng sein; aber 
wer wird jenes harmonistische nnd dieses historisefae Urtheil 
nnvernttnftig nennen mQgen ? Weniger leicht will es einlenchten, 
warnm er die Gmppe Jo 7, 37—10, 21 ans ihrem bei Johannes 
dentlicben Zusammenhang heransgerissen nnd mit Tbatsachen 
verbnnden bat, welche zwar nicht naeh seiner eigenen Dar- 
stellnng, aber naeh den Synoptikern dem letzten Anfenthalt Jesn 
in Jemsalem angehQrten. Vielleicht waren es wieder die be- 
stimmten Hinweisnngen auf den Tod Jesu (Jo 8, 21—29; 8, 37. 
40. 44; 9, 4 sq.; 10, 11—18), die Angabe ttber Mordversnche 
der Jnden und obrigkeitliche Massnahmen gegen Jesus (7, 45—52; 
8, 59; 9, 22), was ihn bewog, diese Stttcke so spilt wie m(3glich 
anzusetzen. Lag dem Harmonisten, was ich jetzt als bewiesen 
ansehen darf, So vor, so war, wie § 68 N. 1 gezeigt wurde, die 
Mdglichkeit vorbanden, Jo 7, 37 so zn verstehen, als ob das 
Fest, auf welches Jo 7, 37—10, 21 fiel, nicht mehr das Lanb- 
bttttenfest von Jo 7, 2, sondern ein spSteres sei. Hatte sicb T 
bierdurch von der wenigstens im griechischen Text unzweideu- 
tigen geschicfatlichen Ordnung des Johannes emancipirt und diese 
Ereignisse des Laubhttttenfestes mit solchen Ereignissen ver- 
knttpft, welche naeh den Synoptikern dem dort einzigen und 
Bomit anscheinend letzten Aufenthalt in Jerusalem und dem 



- 255 — 

letzten von Jesus gefeierten Passa angehOrten, so konnte er doch 
andrerseits eben diese cbronologischen Data nicht ftlr sich mass- 
gebend sein lassen ; denn aaf Jo 7, 37 — 10^ 21 folgten minde- 
stens Doch zwei AbweseDbeiteD Jesn vod Jerasalem nnd dessen 
nachster Umgebang, der Aufentbalt io Perila vor and der Aaf- 
entbalt in Epbraim nach der Aaferweckung des Lazarus (Jo 10^ 
40—42; 11, 54 — 57). Sollten diese Gescbicbten, also vor allem 
die Auferweckang des Lazarus aufgenommen werdeo^ so blieb 
niohts ttbrig^ als den ZusammenbaDg des synoptiscben Bericbts 
(Mt 21 — 28) zu zerreisseu. Wie den Synoptikern zu lieb die 
Tempelreinigung aus ibrer Stellung bei Jobannes berausgerissen 
wurde, so wurde nun dem Jobannes zu lieb Mt 21, 12—22, 40 
(§ 59—67) von der Passionsgescbichte (§73—97) getrennt, and 
in diese Lticke jene wicbtigen jobanneischen Stttcke (Jo 7, 37 — 
11,57 §68 — 72) eingescboben. Damit war der Leidensgescbicbte 
eine Folie gegeben, welcbe Niemand entbebren mag, der wie 
T an die Gescbicbtlicbkeit von Jo 11 glaubt Aus RQcksicht auf 
das gescbicbtlicb Angemessene, aber zugleieb im Interesse einer 
gewissen Ausgleicbung zwiseben den Synoptikern und Jobannes, 
musste die Einzugsgesebicbte aus ibrem Zusammenbang mit der 
Tempelreinigung gel5st werden, oder sie war vielmehr aus die- 
ser Yerbindung berausgenommen , indem der Tempelreinigung 
eine frtlbere Stelle angewiesen war. Als Einleitung der Pas- 
sionswoebe war die Gescbicbte des Palmsonntags unentbebrlieb, 
und T widersetzte sicb bier den Synoptikern nicbt; indem er 
dem Jobannes als dem eigentlieben Fttbrer folgte. 

Aber welches Fest war es nun, aus dessen Anlass Jesus 
zum letzten Mai vor dem Todespassa Jerusalem besucbt und 
die Ereignisse in § 59—70 (oder 71) sicb zugetragen baben 
sollten? So muss man fragen; denn nacb der Analogic aller 
bisberigen Reisen nacb Jerusalem wird es aucb diesmal wieder 
ein in Jerusalem zu feierndes Fest gewesen sein, was Jesus 
dorthin filbrte. Ferner las T in Jo 7; 37 von einem grossen 
Festtag, und dass er diese Stelle beacbtet, also wobl aucb in 
sein Werk aufgenommen bat, zeigte sicb bereits. Es fragt sicb 
nur, welcbes Fest er darunter verstand. Ausgescblossen ist 
selbstverstSndlicb das erste Passa (Jo 2, 13) bald nacb der 
Taufe und das letzte, an welcbem Jesus stirbt, nacbdem er in- 
zwiscben Jerusalem und dessen n&cbste Umgebung nocb zwei- 
mal verlassen bat (Jo 10, 40—42; 11, 54—57). Das zweite 



- 256 - 

Passa, welches er in Jo 5, 1 (= Jo 6, 4) fand (§ 40), kann es 
aacb nicht sein; denn seitdem war Jesus wieder nach GalilSa 
gekommen (§ 41—51) and hatte hieranf von GalilUa aos Jera- 
salem zam LaubhlitteDfest besacht (§ 52). Dies letztere Fest 
kann anch nicht gemeint sein, denn eben von diesem (Jo 7, 
2—36) hatte T ja die Stttcke Jo 7, 37—10, 21 losgerissen und 
baUe aasserjernsalemiscbe Stttcke (§ 53—58) zwischen das Lanb- 
httttenfest and das jetzt fragliche Fest zwischeneingeschoben. 
Es ist also ein aaf das Laubbttttenfest folgendes Fest. Nicht 
ein Passa, nMmlich ein drittes, von welchem dann das Todes- 
passa als viertes zn anterscheiden wUre ; denn es ISge dann ein 
ganzes Jahr zwischen § 71 (erste H&lfte bis Jo 10, 21) and 
§ 73. Dies Jahr zwischen einem dritten and vierten Passa 
wilre nar darch die Ereignisse in Jo 10; 22—11, 57 aasgefllllt. 
Jedem wird die AbsarditUt einleachten. Das Todespassa ist 
also das dritte, nicht das vierte nach der Taafe Jesa, and das 
fragliche Fest, aaf welches die Thatsachen in § 59—71 verlegt 
sind, liegt zwischen dem Laabhttttenfest and dem daraaf folgen- 
den Passa als dem dritten and letzten der evangelischen Ge- 
schichte. Es fSllt in den letzten Winter des Lebens Jesa. Es 
kann nar das in die Mitte zwischen Laabhtttten and Passa fal- 
lende Tempelweihfest sein. Und war das nicht mit dttrren Wor- 
ten Jo 10, 22 za lesen, in einem Stttck, welches T § 71 in 
seinem johanneischen Zasammenhang gelassen hatte? Da war 
nicht gesagt, dass Jesas nach der Rede vom gaten Hirten Jeru- 
salem verlassen babe and zum Tempelweihfest wieder dahin 
zurttckgekehrt sei. So lag es nicht gerade feme, der Angabe in 
Jo 10, 22 rttckwirkende Kraft zu geben, also alles von Jo 7, 37 
an ErzShlte und alles von T hiermit Verbundene als am Tem- 
pelweihfest geschehen vorzustellen. Diese Auffassung von Jo 10,22 
war freilich ein Misverstlindnis, aber ich kann es nicht merklich 
schlimmer finden, als wenn Neuere so vielfach aus derselben 
Stelle geschlossen haben, Jesus babe zwischen Laubhtttt^ und 
Tempelweih Jerusalem gar nicht verlassen. Fttr T, welcher 
schon Jo 7, 37 unter dem Einfluss des So verstanden hatte, 
wurde vielleicht durch dieselbe Evangelienttbersetzung auch dies 
neue MisverstHndnis nahegelegt; denn das fi^i^r der P, welches 
gewiss auch in dem hier defecten Sc gestanden hat, konnte 
ebensogut als ein ^p^ wie als ein iyivevo aufgefasst werden. 
Und sogut, wie Jo 5, 9 erst nachtrfiglich, wo es vonBedeutung 



— 257 — 

warde, der schon von 5, 5 an vorgestellte Tag als Sabbath 
bezeichnet war (cf, 9, 14), konnte auch das Jo 7, 37 (§ 68) noch 
namenlose Fest so nachtrSglich nnd gelegentlich Jo 10, 22 
(§ 71) seinen bestimmten Namen erhalten. Es ist aber auch die 
MQglickeit nicht aasgeschlossen, dass T diesen Namen nnd den 
Satz Jo 10, 22, worm er ibn fand, an die Spitze aller von ihm 
aof dies Fest verlegten Ereignisse, also an die Spitze von § 59 
gestellt bat Es wSre das weniger gewaltsam gewesen^ als sein 
oben nachgewiesenes Verfahren mit Jo 2, 13. Mag dem sein, 
wie ihm woUe, daran, dass die chronologische Anordnang in 
T 80 war, wie sie vorbin entwickelt warde, wird man, soviel 
ieh sebe, nicht zweifeln k5nnen. Wie treffend war nan auch 
der innere Zusammenbang , welcher sich darch diese tossere 
Anordnang beraasstellte ! Jesas er5ffiiet das Fest der Tempel- 
weihe mit der Tempelreinigang (§ 59). Das war eine Reinigang 
der heiligen StStte sogat wie die, za deren GedSebtnis die Jaden 
ibre Chanakkah feierten. Und der Yernrtbeilang des onbeiligen 
Wesens darch die That folgte in der ErzHblang vom ZQllner 
and PharisSer (§ 60) die Lehre vom wahren Gebraach des 
Heiligtbams. Es soil ein Bethaas sein, wo der demtithige Sttn- 
der Gnade findet, and nicht der selbstgerecbte PharisSer. Und 
der Besach des Tempelweibfestes endigt damit, dass die Jaden 
im Tempel Jesas als GotteslSsterer za steinigen sich anschicken 

(§ 71). 

Hiermit ist das chronologische Schema der evangeliscben 
Geschichte nach T wiederhergestellt. Es durfte nUtzlicb sein, 
es in karzer Uebersicht zar Anschaaang za bringen. 

I. Der ewige Logos, Menschwerdang and Eindheit Jesa § 1 — 7. 

Unter Herodes d. Gr. (Lc 1, 5) and Kaiser Aagastas (Lc 2, 1) 
Gebart Johannis des TSafers and Jesa. 

Der 12j&brige Jesas im Tempel (Lc 2, 42). 

II. Das Hervortreten aos der Verborgenheit § 8—12. 

Etwa 30 Jabr alt (Lc 3, 23) wird Jesus getaaft. 

Vierzigtiigige Versachang (Mt 4, 1 sqq.). 

Anscblass der ersten JUnger an Jesas in Folge des Zeag- 
nisses des TSafers (Jo 1, 35—52). 

Beise vom Jordan nach GalilSa; Hochzeit za Eana; Ueber- 
aiedlong nach Kapemaam (Jo 1, 44; 2, 1—12). 

Zahn, FonchuDSpen I. j[7 



m. Der Anfang Offentlicber Wirksamkeit § 13. 

Reise nach JemBalem. Erstes PasBa (Jo 2, 13. 
23-25). 

Fredigt nnd TanfthStigkeit Jesa in Jadlta nebeo Johannes 
d. T.; Verhaftnng dee TKafers; RQckkefar Jesu nach GalilMa; 
Beginn der grossen galilaiaehen Wirksamkeit (Jo 3, 22—4, 3. 
Mt 4, 12—17. Mr 1, 14. 15). 

IV. Jesns in Galilfia§ 14-37. 

BerafoDg dee Petrsa and der anderen Fischer zn Aposteln 
(Lo 5, 1— Hi Mt i, 18-22; Mr 1, 16-20). 

Bemfong des ZOllners Levi etc. (Mr 2, 1— 22j Lc 5, 17—39). 

Das Aehrenranfea (Mr 2, 23—28 etc). 

Bergpredigt (Mt 5—7). 

HaaptmaQD von Eapemaam (Lc 7, 1—10; Ht 8, 5-13). 

jQngling zu Nain (Lo 7, 11—17). 
\ Ueberfahrt ins Gergeseneriand (Mt 8, 18-34 etc.). 
? Des Jairas Tocbter, das blntflUssige Weib (Mt 9, 18-31 etc.). 

Aasseodnng der 12 Apoetel (Mt 10). 

Maria and Martha (Lo 10, 38^). 

Frage des TSafers (Mt 11, 2—13). 

DfimODenanstreibang dnrch Beelzebnb (Mt 12, 22 — 37). 

Grosse Silnderin (Lc 7, 36—50). 

Auesendong der 70 JUnger etc. (Lc 10, 1. 17—22. Lo 14, 
26 sqq.). 

Zeichenforderang; Mntter and Brttder wollen Jeans aehn 
(Mt 12, 38-45 etc.). 

ParabelredCD (Mt 13, 1—53 etc.). 

Jesas in Nazareth (Lc 4, 15—30 etc.). 

Tod des TSufers (Mt 14, 1—12). 

Speisang der 5000 nicht lange ror dem Passa; Wau- 
deln anf dem Heere; Rede vom Brod des Lebens n. b. w. 
(Mt 14, 13—33; Jo 6, 1—71 oder -7, 1). 

Rede von wahrer nnd nnwabrer Reinigkeit (Mt 15, 1-20). 

Eanan&isebea Weib (Mt 15, 21—28). 

v. Reisfi dnreh Samarien [nach JeraBalem] (Jo 4, 4-42). 

Heilang des Aassfitzigen [in Jndfia] (Mt 8, 2—4 etc.). 
Heilnng des SSjSbrigen Eranken in Jernsalem. Zweites 
Passa (Jo 5). 



- 259 - 

YI. Anfenthalt in Galil£a § 41—51 

HeiluDg des Blinden (Mr 8, 22—26). 

Bekenntnis des Petrns bei CMsarea; VerklSrang anf dem 
Berge u. s. w. (Mt 16, 13-17, 21), 

Tempelsteuer (Mt 17, 24—27). 

Ueber Ehescheidnng ; SegnuDg der Kinder (Mt 19, 1 oder 
3-15). 

Verlorne Drachme, Schaf, Sohn; nngerechter Hansbalter 
(Lc 15, 1-16, 12). 

Rangstreit der Jlinger. Vom Aergemis and von der Ver- 
85hnlichkeit (Mt 18). 

Die getQdteten GalilSer; der Feigenbanm (Le 13, 1—9). 

VII. Besneb Jera8alem8zamLaabhttttenfe8t(Jo7, 2 — 36). 

VIII. Rei8enacb(Perltaoder)Galil&aand zarlick §53— 58. 

Der reicbe Jlingling (Mt 19, 16—24). 

Der reicbe Mann and Lazaras and Anderes ttber den Beieb- 
tbam (Lc 16, 19—31 8. § 54 N 1). 

Die Arbeiter im Weinberg; die Bitte der ZebedSa88Qbne 
(Mt 20, 1—28). 

Jesas in Jericbo; Zaccbltas; BartimSas (Lc 19 ^ 1—10; 
18, 35—42; Mr 10, 46-52). 

IX. Je8as in Jerasalem am Tempelweibfest (§59—71). 

Tempelreinigang (Jo 2, 14—22). 
ZOllner and Pbaris&er (Lc 18, 9-14). 
Verflacbang des Feigenbaams (Mt 21, 18—22 etc.). 
Gesprficb mit Nikodemas (Jo 3, 1—21). 
Vom angerecbten Bicbter (Lc 18, 1—8). 
Streitreden mit Oberpriestem , Pbarisfiem and SaddacSem 
(Mt 21, 23—22, 40). 

Die Erz&blangen and Beden aas Jo 7, 37—10, 39. 

X. Jesas an der TaafstStte desT&afers inPerSa(Jo 10,40-42). 
Aaferweckang desLazaros a. 8. w. (Jo 11). Salbang inBetba- 

nien 6 Tage vor dem dritten Pa88a (Jo 12, 1-11). 

XI. Einzag am Palmsonntag; Griecben wollen Jesas sebn 
(Jo 12, 12-37; Mt 21, 1—11 etc.). 

Wann and wie das Beicb Gottes kommt (Lc 17, 20—25). 
Strafrede tlber die Pbarisfier and Jerasalero (Mt 23). 

17* 



- 260 - 

Abschied Jesu vom Tempel (Jo 12, 37—50). 

Eschatologische Reden (Mt 24. 25 )• 

Fasswasohnng , BezeichnaDg des VerrStherS; Fortgang des 
Judas (Jo 13; 1—80; Mt 26, 21-25 etc.). 

AbendmahlsstiftaDg (Mt 26, 26—29 etc.). 

Das Sitzen aaf 12 StUhlen; Wamong des Petrns (Lc 22, 
29—34. Jo 13, 31 Oder 33-38). 

Letzte Reden Jesu an die Jttnger nnd Gebet ftlr sie (Jo 14—17, 
unterbrochen durch Lc 22, 35—38 § 86). 

XII. Passion, Anferstehnngnnd Himmelfahrt §90— 100. 

Gebetskampf und Verhaftung (Mt 26, 36—57. Jo 18, 1— 
13 etc.). Verleugnung des Petrus (§ 91). 

VerhOr vor dem Synedrium (§ 92). VerhOr vorPilatus und 
Verspottung (§ 93). Ende des Judas (Mt 27, 3—10; Act 1, 18). 

Gang nach Golgatha (§ 95). Kreuzigung und Tod (§. 96. 97). 

Auferstehung und Erscheinungen des Auferstandenen am 
1. und 8. Tage (§ 98). 

Erscheinung am See Genezareth (§ 99. Jo 21). Erschein- 
ung auf dem Berge in GalilSa (Mt 28, 16) ; Missions- und Tauf- 
befehl (Mr 16, 15-18; Mt 28, 19 sq.). 

Befehl, in Jerusalem die Ausgiessung des Geistes zu erwar- 
ten, und Himmelfahrt (Lc 24, 49—53. Act 1, 4 sqq. Mr 16, 19). 

Dieser erste Versuch, auf Grund der kanonischen Eyangelien 
eine einheitliche Geschichte Jesu herzustellen, ttbertrifft die mei- 
sten, welche ihm bis heute gefolgt sind, an KUhnheit und Geist. 
Der Verfasser steht im voUen Glauben an die wesentliche Ge- 
schichtlichkeit des gesammten Inhalts der yier Eyangelien, und 
er hat die Schwierigkeiten , welche dieser Standpunct jedem 
derartigen Unternehmen bereitet, wohl empfnnden. Aber ge- 
drtickt haben sie ibn nicht, weil er keine aberglliubische Stell- 
ung zu seinen Quellen einnimmt. Dadurch ist er vor vielen 
Thorheiten bewahrt geblieben, welche die Harmonistik spsiterer 
Zeit zum GespQtt gemacht haben. Es kommt ihm nicht in den 
Sinn, aus den Verschiedenheiten zweier oder dreier Berichte in 
der Darstellung oder VerknUpfung eines und desselben Vor- 
gangs auf eine Mehrfachheit der Thatsache zu schliessen. Wo 
es sich um ft5rmlichen Widerspruch handelt, entscheidet er sich 
fbr den einen Evangelisten gegen den andern, und scheint von 



— 261 — 

keinem BangUDterschied iD Bezug anf Olanbwttrdigkeit nnter 
den yier Berichterstattern zu wissen. Er gibt z. B. dem Mar- 
eas den Yorzng sowohl yor Matthaas, welcher yon zwei Blinden 
yon Jericho berichtet, als yor Lacas, welcher die Heilnng des 
einen Blinden yor den Einzng in Jericho stellt (§ 57- 58). Er 
hat seine Schema yom Gang der 5fientlichen Wirksamkeit Jean, 
wie gezeigt vp^nrde nnd eigentlich selbstyerstSndlich ist; sowie 
Jemand den Versnch einer Verarbeitnng alter yier Eyangelien 
macht, hanptsSchlich aus Johannes gewonnen. Zwischen dem 
ersten and dritten Passa nach der Taafe Jesu yerlSuft eine zwei- 
j&hrige Wirksamkeit^). Sowohl den Anfangspanct, als anch 
das die Grenzscheide der beiden Jahre bildende Passa nnd die 
das zweite Jahr in drei nngleiche Abschnitte theilenden Feste 
der Lanbhtitten and der Tempelweihe and die anf diese Feste 
fallenden Besache Jerasalems: also mit einem Wort das ganze 
chronologische Fachwerk hat er aas Johannes. Aber dem 
Johannes wie den Synoptikern gegentlber geht er yon der Vor- 
aossetzang aas, dass jeder Evangelist sei es aas Unkenntnis des 
geschichtlichen Sachyerhalts , sei es in RUcksicht anf sachliche 
Verwandtschaft and lehrhafte Zweckm&^sigkeit yielfach eine 
andere Anordnang als die der zeitlichen Abfolge der Ereignisse 
gewahlt habe. Das ist freilich selbstyerst&ndlich fUr Jeden, wel- 
cher die genannten allgemeinen Voraassetzangen des Verfassers 
theilt. Aber es ttberrascht doch die EUhnheit, mit welcher hier 
anf Grand dieser Einsicht in die Freiheit der Composition der 
Eyangelien die eyangelische Geschichte constrairt wird. Es steckt 
in diesem EUtrmonisten selbst noch ein gat Theil yon der Frei- 
heit, welche er den Eyangelisten beimisst. Die wichtigsten Bei- 
spiele warden schon bei der Reconstraction der chronologischen 
Anlage namhaft gemacht. Sehr erwUnscht wSre es, genaa za 
wissen; wie T sich in der schwierigen Frage nach dem chrono- 
logischen VerhUltnis der Leidensgeschichte za den Tagen and 
Zeiten des damaligen Passafestes entschieden hat. Die gegen 
Ende immer mehr zanehmende Dttrftigkeit yon E's Commentar 
erschwert das aber aasserordentlich* Das Mahl, bei welchem 
nach Johannes die Fasswaschang stattgefanden, ist in T zagleich 
dasjenige, bei welchem nach den Synoptikern das Abendmahl 
eingesetzt warde (§ 81—83). Ein bachstSblich citirtes Textwort, 



1) S. oben S. 68 f. 



— 262 — 

worin dies Mahl als Passamahl bezeichnet wUrC; habe ich nicht 
gefunden^). Aber die AbhandlaDg des Aphraates fiber das 
Passa 2) beweisti dass Jesas nach T das Passamahl znr gesetz- 
lichen Zeit mit seinen Jtingern gehalten and bei dieser Gelegen- 
heit die Fasswaschang nnd die Abendmahlsstiftang vollzogen 
hat Aber wie T dies mit Jo 18; 28 vertr^lich gefanden oder 
yertrSglich gemaebt hat, ULsst sich nicbt mehr erkennen (§ 93 
N. 1). Aphraates llisst sich nicht darauf ein, und EphrSm, wel- 
cher bereits anter dem Einfiuss der katholischen Passafeier nnd 
der kanonischen Evangelien steht, ist kein einfacher Interpret 
des Diatessaron mehr. Es ist noch besonders beachtenswertb, 
dass T nicht selten nach sachlicher Verwandtschaft Grappen 
von Perikopen znsammenstellt, zamal aas solchen Stiicken, welcbe 
er in keinem festen historischen Gefttge vorfand. Die Berufangen 
der Apostel will er beisammenstehn haben (§ 14); ehe er Jesas 
als den in Begleitang seiner Apostel in Galil^a nmherwandern- 
den Prediger schildert. Es kann nicht Zufall sein, dass aaf die 
antipharisaische Eede Uber Eein and Unrein '(§ 36) nicht nar 
wie bei MatthSas die Geschichte von der heidnischen Eana- 
an&erin folgt (§ 37); sondern aach weiter die von dem sama- 
ritischen Weibe (§ 38); von welchem der Jade Jesas anbedenklich 
einen Trank Wassers sich aasbittet; and dem er ebenso anbe- 
denklich das Wort des Heils darbietet; and endlich die vom 
Aasslltzigen , dessen Unreinheit Jesas nicht abhillt; ihn darch 
Bertlhrang za heilen (§ 39). Die Reden Uber den Reichtham 
and die Lohnsacht (§ 53— 56) bilden eine aas Lacas and Mat- 
thUas sinnreich componirte Grappe, and der ZQllner, welcher 
alle Versttndigangen an Geld and Gat yierfach erstattet oder za 



1) S. § 81 N. 1. In E wird im Verlauf der allerdings ganz fltich- 
tigen AusleguDg p. 219—222 das Wort Pascha nicht gebraucht. Nach 
E 238 scheint aus Jo 18, 28 gescblossen werden zu sollen, dass am 
Tage des Todes Jesu das gesetzliche Passamahl noch bevorstand: quid 
ergo necesse erat, ut quo die agnus vestrae (lies nostrae) salvationis 
immolabatur, nostrae (lies i^e^^rae) quoque salvationis agnus mactaretur? 

2) Cf. z. B. A 221, 16: Denn es ass unser Erloser das Pass in 
der gesetzmassigen Nacht des Vierzehnten, Die hier and in der ganzen 
Abhandlang za Tage tretende Ansicht, dass der Abend des 13. Nisan, 
d. h. „die Nacht des Vierzehnten** and nicht der Abend des 14. Nisan 
die vom Gesetz vorgeschriebene and von Jesas beobachtete Zeit des Passa- 
mabls sei, bertthrt die gegenwartige Frage nicht 



— 263 — 

erstatten gelobt (§ 57) bildet den denkbar passendsten Ab- 
scblass derselben. Die geistreiche Einftlgang der Lehrgeschichte 
vom ZQlIner und PharisSer (§60) warde schon S.257 bemerkt. 
AndereS; wie die StelluDg von § 62. 63 ist weniger eioleachtend. 
Einen Unterschied zwischen den Eyangelisten findet man inso- 
fern gemacht, als der Text des Johannes beinah vollstandig, 
Yielleicht mit der einzigen Aasnahme von 4, 46b — 54 Anfhahme 
gefonden hat, demnfichst Matthaas, viel nnvoIIstSndiger Lneas 
and Marcas. Aneh sind die den beiden Letzteren entnommenen 
eigenthUmlichen Sttlcke mit viel weniger RUcksicht anf ihren 
nrsprlingliehen Zasammenhang verwerthet worden^ wie das alles 
am beqaemsten aas meinem Stellenverzeichnis am Schlnss des 
Bachs zn ersehen ist. Die Apostelschtller stehen hinter den 
Apostein znrtick, wie in denjenigen abendl&ndisehen Zeugen, 
mit welchen der Text vonT die grCsste Verwandtschaft zeigt^). 
Eine besondere, vom Gemeinglaaben der alten Kirche ab- 
weiehende Lehransieht spricht sich in T nicht aas. Das Urtheil 
der ostsyrisehen Eirehe ist nicht anders als billig; and dasjenige 
Theodoret's sehr verkehrt za nennen. Hllretischer Geist kOnnte 
sich zeigen in der Einfiechtung apokrypher and der Sonderan- 
sicht des Compilators gUnstiger Zasatze, oder in der Aasmerzang 
kleiner oder grosser Stticke, welche der h^retischen Aaffassang 
nnbeqaem waren^ oder endlich in einer Umformang der evan* 
gelischen Texte, wodnrch diese eine der widerkirchlichen An- 
sicht gtinstigere Gestalt erhielten. Was die aasserkanonischen 
Elemente aniangt, deren Umfang za dem der kanonischen Ele- 
mente im Verh&ltnis von eins za taasend gestanden haben mag 
(s. oben S. 241 f.), so wird Jeder ihre UnverfSnglichkeit von 
selbst erkennen. Aber mit den Aaslassangen ist es nicht an- 
ders '). Er hat etiiche Male das israelitische Geprage der evan- 
gelischen Geschichte darch Entfernang einiger Worte verwischt. 
Der bemerkenswertheste Fall ist die sicher nachgewiesene Aas- 
stossang des noXlcSp ev t^ ""IcqaiiX in Lc 2, 34. Aber es ist 
nichts Antikatholisches, Jesus Uberall lieber als amtiiq tov xoa- 
fkov wie als den verheissenen Erloser and — nicht za ver- 



1) Namlich in cod. gr. D und mehreren Italahss.: Mt. Jo. Lc. Mr. 
(s. hierttber Einiges bei Scrivener, Cod. Cantabrig. p. XXX). In So ist 
die Ordnung Mt. Mr. Jo. Lc. 

2) Oben S. 70 f. 243. 



— 264 — 

gessen — Richter Israels dargestellt zn sehn. Die thats&ehliche 
nnd grundsStzliche GebandeDheit der Wirksamkeit Jesa an 
Israel wird dabei in keiner Weise verdeckt. Die hieftir be- 
zeichnende Geschichte Mt 15, 21—28 fehlt nicht (§ 37); nnd 
dass das Wort Mt 15, 24 in den fragmentarischen Citaten E's 
nicht erhalten ist, hat schlechthin nichts za bedenten, da das 
yiel hSrtere, jttdisch particalaristiscbere Wort Mt 15, 26 nnd 
die den Vorrang Israels nnbedingt anerkennende Antwort des 
Weibes nns erhalten sind. Und diese Worte konnte, da anch 
in T das Weib als Heidin bezeichnet war, Niemand anders ver- 
stehen, als sie E verstanden hat. Znm Ueberflass stehen die 
mit Mt 15; 24 sachlich gieichbedentenden Worte Mt 10, 6 nnd 
das y^rbot an die Apostel, za Heiden nnd Samaritern zn gehn, 
in § 24 K 2. T llisst anch den echten Israeliten in Jo 1, 48 
gelten (§ 11 N. 4) nnd Moses als den Mittler einer gOttlichen 
Offenbarnng (§ 6 K 5). Er lasst anch die Stellen stehen, wo 
die Evangelisten den Nachweis der ErfUIIuDg alttestamentlicher 
Weissagungen ftihren^), nnd wo Jesns sich voU nnd ganz znr 
alttestamentlichen Offenbarung bekennt^). Yon einer jnden- 
feindlichen Verkennnng der in Israel liegenden Warzeln des 
Christenthnms ist also nichts zn spUren. Aber die Genealogien 
Jesn hat er beseitigt, nnd Theodoret erblickte darin ein nntrUg- 
liches Zeichen hSretischer Ansicht und Absicht. Aber ein bor- 
nirteres Urtheil als dieses ist anch schwer za denken. Was ist 
denn an diesen Genealogien des MatthSas and des Lacas das 
Katholische, dessen Beseitigang nar ein Ketzer ttber's Herz 
bringen k5nnte? Es sind bekanntlich beides Genealogien Jo- 
seph's and Genealogien Jesa nar insofern, als Jesus Joseph's 
Sohn ist So hafs anch die Eirche verstanden, solange sie 
Uberhaupt in solchen Dingen bei Verstand blieb. Aber einen 
bequemen Ausdruck ihres Glaubens hat sie sehr bald nicht darin 
gefunden. Entweder besagen diese Genealogien, Jesus sei der 
legitime Erbe der dem Hause David's gegebenen Verheissung, 
well er, rechtlich und geschichtlich betrachtet, als Sohn Joseph's 
und damit David's geboren wurde, oder sie besagen, dass Jesus 
der leibliche Sohn Joseph's gewesen ist. Ersteres ist die Mei- 



1) § 3 N. 7; § 5 N. 1. 6. 8. 10; § 13 N. 4. cf. § 2 N. 29; § 10 
N. 3. 6. 

2) § 17 N. 5-7; § 36 N. 1; § 40 N. 16;. § 46 N. 1; § 54 N. 8. 



- 265 - 

nnng der Evaogelisten, welche neben diese Genealogien die 
wanderbare Erzengang Jesu aas der Jungfran Maria stellen; 
Letzteres war die Meinnng verscbiedener hSretischer Parteien 
von mtester Zeit an. Beides entspracb aber nicbt der vom An- 
fang des zweiten Jahrbanderts an sicb verbreitenden nnd be- 
festigenden katholischen Ansicht. Wenn etwas ein „beiden- 
ebristlicbes Misverstlindnis'' zn heissen verdient, so ist es die in 
der Yorhandenen Literatar zaerst darch das Protevangelinm des 
Jakobns nnd dann dnrch Justin vertretene Meinnng; dass Maria 
eine Davididin sei, nnd dass sie es sein mtisse, damit Jesus ein 
Davidssobn heissen k^nne ^). Diese in Bezag anf die Bohheit 
der Voraossetzungen mit jener hSretisohen Ansiebt anf gleieher 
Linie stehende Fiction wnrde im zweiten Jahrhnndert die berr- 
schende ^), die katbolische, and ftihrte spllter conseqnenter Weise 
zn den unglticklichen Versnchen, in den Evangelien eine Ge- 
nealogie der Davididin Maria zn sncben and za finden. T tbeilt 
diese Ansiebt. Mag er den prSgnanten Aasdruck daftir, ;,Jo- 
sepb and Maria^ seine Verlobte, waren beide aas dem EUtase 
David's^; welcber § 4 N. 2 nacbgewiesen and erkl£rt ist, be- 
reits in seiner syriscben Evangelientibersetzang vorgefnnden 
haben, welcbe bier defect ist; oder mag er ibn geschaffen ba- 
ben: es ist der Aasdrack seiner eigensten Ueberzengang. Im 
anderen Fall wUrde er bier, wenn irgendwO; seinem griecbiscben 
Text den Vorzng vor dem syriscben gegeben baben. HEngt 
aber die davidiscbe Abknnft Jesn an der davidiscben Abkanft 
der Maria, welche eben am jener willen fingirt warde, so baben 
die kanoniscben Genealogien keine Bedentang mehr fttr den 
Glanben; sie sind eine AntiqaitUt, die man steben, aber anch 
sognt wie nnberticksicbtigt I&sst '). Also nicbt eine antikatbo- 



1) Just. dial. 43 (ed. 3. Otto p. 142); c. 45 p. 150; c. 100 p. 356; 
c. 120 p. 428 ; Protev. Jacobi c. 10 (Ev. apocr. ed. 2. Tischendorf p. 20). 
Dass dies Buch von einem Heidenchristen verfasst ist, wird nicht zum 
wenigsten durch den gegentheiligen Anspruch des Verfassers (c. 25) an- 
gezeigt. Sehr mit Unrecht fiihrt Wieseler, Beitrage znr Wtirdigung der 
Evv. S, 144 auch den Ignatias als Vertreter dieser Ansicht an. S. da- 
gegen meine Bemerkungen zu Ign. ad Eph. 18, 2; TraU. 9, 1 in meiner 
AuBgabe p. 23. 51. 

2) Iren. HI, 21, 5 (Harvey II, li7sqq.); Tertull. adv. Marc. Ill, 17. 
20 and 5fter. 

3) Hdchst charakteristisch ist die Art, wie Iren. Ill, 21, 9 (Harv. Ily 



— 266 - 

lische, sondern eine hyperkatholiscbe That war es, dass T die 
beiden fttr seine Anscbauang bedeatnngslos gewordenen Genea- 
logien beseitigte. Aber nicht bloss bedeatungslos waren sie, 
sondern sie konnten aacb in einem von T perhorrescirten Sinne 
misbrancht werden. Sie waren ja daza gebrancht worden, die 
blosse Josephsohnschaft Jesa za beweisen ^). So lag's im ka- 
tholiscben Interesse, sie za beseitigen. Dass der Harmonist 
dadarch zagleich einer nnbeqaemen harmonistischen Anfgabe 
liberhoben warde, mag als Nebengrund mitgewirkt haben^). 
Das Entscheidende war aber seine Gleichgttltigkeit gegen die 
Davidssohnschaft Joseph's, welche diese Genealogien darstellten. 
Er leagnete die Tbatsache, dass Joseph ein Davidide gewesen 
sei, ebensowenig wie irgend ein anderes Element der evange- 
lischen Darstellangen ; er beseitigte sie daher aaob da Dicht, 
wo sie flir das Verst^ndnis der Geschichte von Bedeatang war 
(Lc 2, 4 of. § 4 N. 2) ; wohl aber da, wo der Schein entsteben 
konnte, als ob die Davidssohnschaft Jesa davon abhfinge. Das 
war aber ansser in den Genealogien namentlich aach Mt 1, 20 
der Fall. Daher die Tilgnng an dieser Stelle (§ 3 N. 5). Es 
wird nan aach keiner weiteren ErQrterang bedtirfen, dass T die 
Davidssohnschaft Jesa ganz anbedenklich and wiederholt be- 
zeagt (oben S. 70). Wie sehr sie ihm am Herzen liegt, bat 
er eben dadarch bewiesen, dass er die bei seinen katholiscben 
Zeitgenossen Ublich gewordene BegrUndang derselben dareb die 
davidische Abkanft der Maria in seinen evangelischen Text aaf- 
genommen, and dagegen die der katholiscben Ansicht incon- 
graente and hSretischem Misverstand aasgesetzte Begrttndang 



119) die Genealogie bei Matthaeus verwerthet, nSmlich oicht etwa, am 
die davidische Abkunft und das Erbrecht Jesa zu beweisen, sondern um 
daran za zeigen, dass letzteres Jesu vc>llig abgehn wiirde, wenn er ein 
Sobn Joseph's watre. Darnach beurtheile man das Verhalten Justin's zu 
den Genealogien, aber auch die noch immer nicht v5Ilig verschwundene 
Meinung, dass Justin noch nicht die kanonischen Genealogien gekannt 
habe. Diese Genealogien Joseph's soUen also wohl fabricirt und wahr- 
acheinlich bei jener angeblicben Feststellung des katholischen Evangelien- 
textes interpolirt word«n sein zu einer Zeit, als die Meinung, dass die 
davidische Abkunft Jesu durch diejenige der Maria vermittelt sei, bereits 
die katboliscbe war! 

1) Epiphan. haer. 30, 14 Petav. p. 138; haer. 51, 6 p. 427. 

2) Of. Nicholson^ Gospel ace, to the Hebr. p. 128. 



— 267 - 

derselben, welche die kanonischen Evangelien darboteD^ andge- 
merzt l^at. In derselben katholischen Bichtaog and im Gegen- 
satz zu derselben niedrigen Ghristologie liegt anch alles Andere, 
was die Gestalt der Oeburtsgesehtcbte in T anszeiehnet ^). 
Schon Se war ibm darin vorangegangen '), indem er Mt i, 19 
das o dy^Q avTiig dureh Tilgang von 6 nod adr^g and Verbindang 
von ap'^Q mit dUaioq am seinen arsprtinglichen Sinn gebracht 
batte, ferner dadareh^ dass Sc in Mt 1, 20 %iiv yvvaUa cov 
dareb t^v i[APfi<xr€V[iipfip cov ersetzt^ nnd endlieb in Mt 1, 25 
einfacher and dentlicber als der griecbisebe Text dareb mncte 
habitabat cum ea die JangfrSaliebkeit Maria's bis zar Gebart 
Jesa gewabrt batte. Wlibrend der Text von Mt 1, 20 in T 
yielleicbt nicbt vollstllndig erbalten ist, bat er sicb die erste and 
dritte der angegebenen Verbesserangen des kanoniseben Textes 
nnzweifelbaft angeeignet Aber er bat aacb in derselben ka- 
tboliscben Tendenz weiter gearbeitet. Dareb die Umstellnng 
yon Mt 1, 24 b binter v. 25 ist so sebarf wie mQglicb aasge- 
drUekt; dass Maria erst naeb der Gebart Jesa Josepb's Ebeweib 
geworden sei. Der Evangelist batte die gerade entgegengesetzte 
Tendenz dareb seine Darstellangsweise bezeagt. Gerade als 
legitimes Ebeweib Josepb's masste Maria ibren Sobn gebSren, 
damit dieser als Josepb^s and damit als David's Sobn anter sein 
Volk treten konnte. Es ist kein Unterscbied des Glaabens in 
Bezag aaf das Wesen der Person Jesa, weleber diesen naeb- 
geborenen Evangelisten von den nrsprlinglieben trennt, aber ein 
nnverkennbarer Unterscbied der Vorstellang von den diesem 
Glaaben anerl&islicben bistoriscben Voraassetzangen. 

Der Verfasser des Diatessaron stebt also aaf dem Boden 
der katboliscben Glaabensregel and bewegt sicb in den Yor- 
stellangsformen , welcbe sicb am die Mitte des zweiten Jabr- 
bnnderts zam Tbeil im Gegensatz zar Lebre von' Jesas als tpi- 



1) S. die sammtlichen Noten zu § 3. Am wenigsten bedentsam ist 
die AenderuDg von Mt 1, 18 (N. 3). Sie charakterisirt aber doch das 
Verfahren T's in dieser Perikope als ein sehr bewusstes. 

2) Cf. H. Ewald BibL Jahrbb. Bd. IX S. 80. Hermansen 1. 1. 14 sq. 
— In Lc. 2, 48 hat Sc aus gleicher Riicksicht o nar^Q aov xdyei aus- 
gestossen oder durch ein einfaches nWir^ ersetzt. Das wird der Ueber- 
setzer aber schon in seinem griechischen Original vorgefnnden haben 
(8. die Varianten be! Tischendorf), and hier ist T § 7 N. 1 dem Sq 
nicht gefolgt* 



— 268 - 

log ap&Qtonog ausgebildet hatten. Er zeigt sich bei aller PietSt 
gegen die Eyangelien der allgemeinen Kirche als einen Mann 
von ktihnem Geist and bekundet im Einzelnen eine sehr origi- 
nelle, geistreiche Auffassung. Er yerfttgt mit gleicher Sicher- 
heit ttber die syrische Sprache^ in welcher er sein Werk nie- 
dersehreibt, nnd Uber die griechische, worin er die Evangelien 
ebenso; wie in der syrischen Uebersetznng liest. Sein grieebi- 
seher Evangelientext ist ebenso wie derjenige, welcber der von 
ihm benatzten syriscben Evangelienttbersetzung za Grande ge- 
legen hatte, ein so wildgewaehsener, wie ihn nach alien Zeag- 
nissen im zweiten Jahrhnndert die meisten Hss. darboten. SpS* 
testens im Anfang des dritten Jahrbnnderts ist sein Werk in 
Edessa als gottesdienstliehes Evangelienbucb eingefttbrt worden. 
Wer ist der Mann? Die ricbtig verstandene Tradition sagt von 
jeber and bis in die spSteste Zeit hinein einstimmig: Tatian der 
Syrer^ der ScbUler Justin's des MSrtyrers. Es lobnt sicb doeh 
wobl, diese einzige Ueberlieferang mit dem Ergebnis der in- 
neren Kritik za vergleieben. Za dem Ende muss aber das We- 
nige, was wir ttber Tatian wissen k(5nnen; festgestellt werden* 

Es ist sebon niebt ttber alien Zweifel erbaben^ was Tatian 
selber sagen will, wenn er das Land der Assyrer als seine Hei- 
mat bezeicbnet ^). Aber es kann das Riebtige doeb niebt ver- 
feblt werden, wenn man im Auge bebmt^ dass Tatian bier niebt 
seine NationalitUt, sondern sein Geburtsland angibt^ and wenn man 
von der Voraassetzang aasgebt, er werde sicb so aasgedrttekt 
baben, wie es einerseits ihm als Orientalen natttrlicb, and andrer- 
seits seinen grieebiscb-r^miscbenZeitgenossen obne weiteres ver- 
stSndlich war. Es mass aus diesen Grttnden abgesebn werden 
von jener mebr oder weniger affectirten^ altertbUmelnden Aas- 
dracksweise mancber Griecben des zweiten and dritten Jabr- 
bandertSy welcbe alle Syrer, aucb die westlicb vom Eapbrat 
Wohnenden, ld(t(Fvqioi nannten^). Dieselben Scbriftsteller 



1) Or. ad Gr. 42 : Tavra vfiTv, (o av^gsg "EXlrivsg, 6 xara pagfidgovg 
(pvXoao(p€Sv Tariaros awita^af ysvvtid^elg ixkv iv ty tc5v liatfvQiajv X^Q^ 
xtX, Cf. liber Clemeos Strom. I § 11 oben S. 12 Anm. 2. 

2) So nennt der Verfasser der Schrift de Bea Syria ^ wenn nicht 
Lucian aus Samosata am Euphrat, dann Pseudolucian , sich selbst einen 
uicfcvQiog (c. 1) und die Bewohner Syriens and Mesopotamiens ohne Un- 
terschied Haavgtoi (c. 2. 17. 23. 25. 56. 59), nie 2vqot, So aach La- 
clan Macrob. c. 4, wo sonst Svqov daneben genannt sein wUrden. Philostr. 



— 269 — 

nennen doch die rSmische Provinz westlich vom Enphrat nie- 
mals ld(T(TVQla. Das Oegentheil wSre aacb zu sonderbar, seit- 
dem unter Trajan neben der rSmischen Provinz Syria, die Itogst 
80 gebeissen hatte, die r^mischen Provinzen Assyria, Mesopo- 
tamia^ Armenia eingerichtet waren ^), wie denn in der That 
eine solcbe Ungenauigkeit der geograpbiscben Bezeicbnnng bei 
Prosaikem gar niebt, bei Dicbtem „kaam^ nacbgewiesen wer- 
den kann^). Tatian's Zeitgenosse Ptolemaeus verstebt nnter 
Idacvqla die darcb den Tigris im Westen^ darcb Medien im 
Osten begrenzten Landscbaften in der ganzen Ansdebnung von 
den armeniseben Gebirgen bis nacb Ctesipbon'). Anders ist's 
ancb nicbt bei dem Slteren Strabo. Er kennt wobl den wei- 
teren Gebrancb yon Idctcvqioi , wie von 2vqoi^')'^ aber nnter 
2vqCa verstebt er selbst das Land westlicb vom Eupbrat, da- 
gegen nnter IdTovqla, was ja nur die syriscbe Form (linfi<) ftlr 
Idcavqla ist, die 5stlicb an den Tigris anstossenden Gebiete nm 
Ninive^ Adiabene n. s. w. So verstanden das Wort Athur eben 
die, von denen er es gebOrt batte. Die Legende von Addai 



Apolh Tyan. I, 16 nennt die Antiochener so. Andere Beispiele gibt N51- 
deke im Hermes V, 462 sqq. Daneben kennt Lacian aacb das ricbtigere 
2vQos Histor. conscr. 24. 28; Tragod. v. 265; Philops. 16 von Jesus mit 
dem Zosatz 6 ix Jlakaiorlvrig, Wie wenig man aber jede solcbe ethno- 
graphische Bezeichnung in geograpbischem Sinn versteben darf, sieht 
man z. B. daran, dass Bardaiz^n, dessen Name schon ein edesseniscber 
Heimatbscbein ist, von Hippolytns (Refnt. VII, 31) ein Armenier, von 
Africanus (Cesti 29 in Yet Mathem. opp. Paris 1693 p. 300) ein Far- 
ther, von Propbyrins de abstin. IV, 17 ein Babylonier, von llieodoret 
(baer. fab. I, 22 vol. IV, 313) ein Syrer genannt wurd. 
i) Gf. Marquardt, R($m. Staatsverwaltnng I, 279. 

2) Of. Noldeke, a. a. 0. S. 464 oben; 465. — Luc. de dea Syria 
c. 13 und 15 verstebt trotz der S. 268 Anm. 2 bemerkten Ausdrucksweise 
unter Svqta die rSmiscbe Provinz dieses Namens im Gegensatz zu dem 
Gebiet jenseits des Euphrat. Anders wird's denn auch c. 1. 28. 39 nicbt 
gemeint sein. S. auch de morte Peregrin! c. 14, also auch c. 4; hist, 
conscr. 30, wo MiaoTtora/ila daneben stebt. 

3) Ptolem. Geogr. VI, 1 ed. Wilberg et Grasbof p. 387 sq. Verstebt 
er unter MaQdri p. 388, 16 den gewohnlich Mar din genannten Ort nord- 
westlich von Nisibis, so hat er sich eben iiber die Lage desselben ge- 
tanscht, indem er es unter den in seinem Assyrien, 5stlich vom Tigris 
liegenden Stadten zuerst nennt. 

4) Strabo XVI, 1, 1 u. 2 ed. Mliller et Dlibner p. 627. Dort auch 
die Aufzlihlung der Tbeile von lirovQia^ nlunlich iv yneQ ^ Nlvos xal 



— 270 — 

versteht nnter dem „Land der Assyrer^ ^) das Sstlich an das 
Flirstentham Edessa and den r^mischen Machtbereich anstossendC; 
yon den Parthern beberrscbte Gebiet. Dort, Qstiicb vom Tigris 
lag also Tatian's Heimat. Dem wird nicbt widersprocben, son- 
dern es wird nnr nacb einer anderen Seite nftber bestimmt, 
wenn Clemens Al. ') und Epipbanius ibn einen Syrer nennen. 
Das bezeicbnet wie in alien libnlieben Fallen die zunScbst in 
der Spracbe zam Ausdraok kommende NationaliUlt ^). Mir we- 
nigstens ist es vQllig nnbekannt, dass man nm jene Zeit die in 
Byrien geborenen oder wobnenden Griecben oder ROmer „ Syrer ^ 
genannt b&tte. Bei einiger Aufmerksamkeit ttberzeugt man sicb 
ancb leicbt davon^ dass die „Rede an die Griecben" kein Grieebe 
gescbrieben baben kann. Tatian stellt sicb nicbt nnr mit einer 
Energie, wie kein Anderer vor ibm oder nacb ibm^) als einen 



ti uinoXXfaviaxig xaX ^EXvfjialoi xal HaQaitaxai xal tj negl to Zdy- 
Qoy oQog XaXtuvlrig xal ra tuqI t^v Nlvov ne^la, /foXofitivij t£ xal 
KaXxrjVti xal Xa[fiyfj xal Miafiijvri, Das folgende xal ra trig Meao- 
noxafjiCag td^vri xrX, gehSrt nattirlich nicht mehr in diesen Belativsatz, 
welcher von ^g iv fikqu xal 17 ^irovgta iarlv abhangt, sondern in diesen 
letzteren. Ebenso wird die Lage von Idjovgia § 3 p. 628 beschrieben; 
iiber Adiabere (§ 19. 20 p. 634) scheint Strabo einige genauere Ennde 
zn besitzen. Der gew5hnliebe Gebrauch von Zvqta findet sich von c. 1, 
27 an (p. 636 sqq.) ohne alles Schwanken. 

1) Doctrine of Addai ed. Phillips p. 37, 7 a. 10. — Ephram nennt 
mehrmals das persische Reich Athur s. Bickell zu Cann. Nis. YI , 7 
p. 86. 

2) Clem. Strom. Ill § 81 Potter p. 547: Taxtavov olfiat tbv 2vqov 
ta xoiavxa xoXfjiav doyfiaxlisiv. Epiph. haer. 46, 1 (Uber Tatian): xal 
ffV fxhv 2vQog to yivog, tog ij Big rifi&g iX&ovaa yvtaaig ns^dx^t, Theod. 
haer. fab. I, 20: Tariarbg 6 2vQog, 

3) Cf. z. B. Theod. haer. fab. I, 22: BagSfiffdvrjg ^h 6 Svqog, H 
*E^iacrjg oqfmfuvog . . . noXXa dk xal rjf 2vQfiiV avvkyqaypt yXiixxy, 
cf. Ens. h. e. IV, 30. Erst sein Sohn Harmonius soil nach Theodoret 
anch das Griechische gelernt haben (anders Epiph. haer. 56, 1). Also 
nicht nach seiner Heimat, die daneben viel deutlicher bezeichnet ist, und 
die Theodoret nicht Syrien nennen wUrde (s. oben S. 18 N. 1), sondern nach 
seiner Muttersprache nennt ihn Theodoret einen Syrer. Ebenso in dem- 
selben Kapitel ^EipqalgA 6 Svqog, Cf. Hieron. v. ill. 33. 115. — Den 
ersten antiochenischen Bischof mit syrischem Namen Zefivog nennt Greg. 
Barhebr. Chron. eccl. ed. Abbeloos et Lamy I, 51 mit Riicksicht hieranf 
and im Unterschied von seinen griechischen VorgSngern und Nachfolgem 
einen ayrischen Mann, 

4) Bei Justin, ap. I, 5 (Otto ed. 3 p. 20); c. 7 p. 24; c. 46 p. 128 



— 271 — 

AnhilDger der ;,barbarischen Philosophies, als einen Verehrer 
der jUdischen and somit „barbarischen Schriften'' and alle 
Christen als Unterthanen der „barbarischen Gesetzgebung^ dar ^), 
sondem stellt sich auch von Anfang 'an als einen der „Bar- 
baren^ den Hellenen gegenttber und zwar in solchen Zusam- 
menhSngen, wo es sich recht eigens nm die Sprache and die 
darin zam Aasdrack gelangende Nationalitllt handelt'). Die 



zeigt sich nur erst der Anfang dieser Betrachtungsweise. Ebeoso weit 
hinter Tatian bleibt auch noch Clemens znriick (strom. II § 5 p. 430 
Potter: tj filv ovv pdcgfiagog (ptloaotplay riv /jied-inofuv i^f^atg. cf. Strom. VI 
§ 123. § 130). 

1) Or. 35 (p. 138 t^g xa&* rjixng fiagPagov (piXoaoq)iag dimnoir^tsd- 
fiTIv • . . Tatiavog vnkQ Toitg "Ellrjvagf vnhg to cinHQOv re5v (ptloaoqifi' 
advray nXrj&og xaivotofA^l ja fiagfiaQCJV doyfjuxra); c. 42 (p. 162 6 xma 
pagPttQOvg q>iloao(p^v Tariavog) ; c. 1 (p. 2 f^ridh g>&oyijafiT€ tolg tovtiov 
[so Twy fiaQfiaQtav] doyfiaaiv^ ; c. 12 (p. 56 fe^ dvaitonad'TJfftju naqa 
Tolg pagfittQiX^ vofxod-eaif;^ naQaxoXovd-ovai naidivea&at) ; c. 29 (p. 114 
negivoovvTi di fxoi, rd anovSala avrifiri yQufpalg tksiv ivrvxetv fiagfiagi^ 
xaZg); c. 31 (p. 118 Moses ist ndarig fiagfidgov aotpCag dgxw^s)' Der 
nttiSiCa roSv 'EXXijvtov steht rd nag* rlfitv^ den "EXXrivig stehen die Ein- 
heimischen (rovg olxoi c. 31 p. 118 cf. c. 30 p. 116) gegenttber. Unter 
'EXXrivEg aber versteht Tatian in dieser ganzen Schrift nicht die Heiden 
tiberhaupt, auch nicht die civilisirten Heiden, sondem die Griechen, auch 
im Gegensatz zu den RSmem s. z. B. c. 35 p. 138 Z. 1 u. 6. 

2) Or. c. 1 p. 6: xttjafidXXiXi roiyagovv tovtov toy rvqtov fxt^Sk 
ngopdXXiad-e ^rjfidtBov edng^nsiav . • • vvv ^k fxovoig ^fiiv dnonifirixs 
[jtriSk iv lalg ofiiXiatg ofxoqxovelv , • . dnogw jlva fiB 6ii xaXtlv "EXXr^vtu 
xal ydg to dxontaTajov ndvitav idg fjirj avyyiVitg HfitSv igfitiveCag mi^ 
fZiljxajBf pagfiagtxalg re tpwvcclg Itf^* ore xajaxgfofiBvot avfifpvgrt^v vfjieSv 
nBTfoir^xajB Ttiv SidXsxxov. c. 26 p. 104: navaaa^B Xoyovg dXXotglovg 
^Qitt/4,pivovTcg xal Saneg 6 xoXowg ovx iSCoig knixotSfxovfXivot nregoTg. 
ixdtnri noXig idv dfpiXrjTai r^v ISCav avTrjg dtp v/mjv Xi^tv, i^adwart^^ 
aovatv vfilv rd aotpiafiara. Das Wort Xi^ig macht den Sinn von Xoyovg 
dXXorgiovg zweifeRos. Cf. femer c. 30 p. 116 ; auch die Verspottang des 
Strebens nach attischer Aussprache c. 26 p. 108. Selbst der Elang der 
Sprache ist ihm widerwSrtig c. 1 p. 8 N. 24. — Den Sassersten Gegen- 
satz zu Tatian in dieser Hinsicbt bezeiehnet der Jade Philo, welcher sich 
aach riicksichtlich der Sprache zn den Griechen zahlt and den HebrSem 
entgegensetzt cf. Siegfried, Philo von Alex. S. 131. — Es kdnnte aaf- 
fallen, dass ein Syrer, dessen heimische Sprache von griechischen Fremd- 
w5rtem wimmelte, so wie Tatian den Griechen vorwerfen mochte, ihre 
Sprache sei ans alien mSglichen, theilweise v(511ig stammverschiedenen 
Sprachen znsammengestoppelt. Aber man muss sich erinnem, wie es 
mit der Sprachvergleichung und Etymologie im Alterthum tiberhaupt 



— 272 - 

griechische Sprache, fiber die er kanm weniger als ttber grie- 
chische Philosophie and Mythologie spottet, kann niebt seine 
Mntterspraebe sein, denn Niemand hasst sein eigenes Fieiscb; 
nnd in seiner Verhdhnnng alles Hellenentbnms kommt ein Stttck 
nnttberwondenen Racenhasses zu nnverkennbarem Ansdrnck. Es 
bestHtigt sieb also, was er am Scblass der Scbrift tbeils sagt, 
tbeils sagen will; dass er nicbt nnter dem temperirenden Ein- 
flnss der griecbiscb - rQmiscben Gnltnr; sondern aasserbalb des 
R(5merreicb8 geboren and aufgewacbsen ist. Stimmt demnacb 
das Zeagnis seiner eigenen Scbrift; dasS' sie von einem Barbaren 
gescbrieben sei, mit der positiven Nacbriebt seines jlingeren 
Zeitgenossen ; vielleicbt ancb ScbUlers Clemens , dass er ein 
Syrer gewesen , vollkommen tlberein , so ist es eine willkUrlicbe 
Fordening; dass in dieser an die literariscb gebildete belleniscbe 
Welt gericbteten Scbrift Zengnisse fttr seine Kenntnis des Syri- 
scben nacbgewiesen werden. 

Tatian mass wenigstens ein angebender Mann gewesen 
sein; ebe er seine Heimat verliess, am auf aasgedebnten Reisen, 
die ibn zaletzt nacb Bom fttbrten ^); belleniscbe Bildang sicb 
anzaeignen« Denn nar aaf die vorangebende Lebensperiode 
scbeint sicb ein Tbeil der Aassagen bezieben za kSnnen, worin 
er bescbreibt, welcbe Bestrebangen er jetzt vdllig abgetban bat'). 



stand, wie lastig ein Philo, dem docb nicht alle hebrSische Sprachkenntnis 
abgug, hebrSische W5rter aaf griechische Etyma zarttckftthrte (Siegfried 
a. a. 0. 132. 196). Umgekehrt wird Tatian alle im Griechischen and 
Syrischen identischen W5rter als Eigentham seiner Nation in Anspruch 
genommen haben, also nicht nur /jtva, akipa^ p^&a xrA., sondern aach 
vofiog^ Bvayykliov^ P^fjiiCy Inlaxonog^ yaQf <f^, fjiiv, vielleicht anch dlXa 
(= N^fe^), xrjQvaanv (= fl^) a. dgl. Dann war anch in sprachlicher 
Hinsicht die Verachtung berechtigt, womit der Barbar den Hellenen zvl- 
raft: navaaad'i rag fiifiijaetg svQiaetg anoxaXovmg c. 1 p. 4. 

1) Or. c. 29 p. 112; c. 35 p. 136 sq.: taxaxov dk rjf 'Ptufiaiatv iv- 
6iaxQl%pag noXit* 

2) c. 11 p. 48 sq. paaiXivftv od S-iktOf nXovrelv ov fiovlofjuxt, rtiv 
(ft^ttTrjyiay naQ^rrjiLiat, noQVilav (Aifilarixa^ yavriXXsad'ai ^la t^v aT^Xtitt- 
tiav ovx intTrj^€v(o^ arstpavovg t^HV ovx dycDyiiofjiai, 6o^ofA(xvlag anr^X- 
Xayfxuif d^ttvarov xaracpQovoS xtA. Schon Daniel S. 16 betastete diese 
SStze, legte aber den Finger auf nXovretv ov fioijXofjiaif wlihrend gerade 
dies Jeder sagen kann, der es nicht aafs Reichwerden anlegt. Das gilt 
mehr oder weniger von alien priisentischen nnd Uberdies negativen Aas- 
sagen dieser Stelle* Den positiven perfectischen Aassagen dagegen 
Bcheinen Erlebnisse zu Grande liegen zu mttssen, Vgl. das nagyTfjcdfifiv 



— 273 — 

• 

Wenn ich insbesondere die Worte v^y (Ttqatiiytap naQ^tiuMxi 
richtig verstehe, so )nass er doch irgendwann and irgendwie 
darch Geburt nnd sociale Stellang in der Lage gewesen sein, 
ein h^beres militltriscbes oder politisches Amt zam Ziel seines 
Ehrgeizes zn wShleo. Im riSmiscben Reicb aber konnte ein' urn- 
herreisender, pbilosopbiscben and rbetorischen Stndien oblie- 
gender Asiat docb niebt daran denken^ die Prittar {atqatfiyia) 
Oder ein fibnlicbes Amt za erlangen oder aaszascblagen. Soil 
das also niebt eine sebr boble Bedensart sein, so wird ibm in 
seiner Heimat, etwa im Ftirstentbum Adiabene, eine solcbe 
Lanfbabn offen gestanden baben. Er yerzicbtete darauf and 
liess sicb darcb den Drang nacb weiterer Bildang in die Fremde 
fttbren. Aacb aaf diesem neaen Oebiet bat er sicb eine Zeit 
lang bewegt, ebe er ftir den Cbristenglaaben gewonnen warde. 
Denn als Einer, der in belleniscber Weisbeit bereits sebr ange- 
sebn war, will er derselben abgesagt baben^). Er erwartet^ 



c. 22 p. 96 eztr. Neben das ehrgeizige Streben nach hohen Aemtem 
Btellt er die Versachung zar Unzucht, die dem JUogling nicht erspart 
geblieben ist. Er hat dann Reisen und auch Seefahrten anternommen ; 
aber was ihn za seinem Wanderleben bestimmt, ist nicht and war von 
Anfang an nicht die unersattliche Habgier des Kaaffahrers. 

1) c. 1 p. 6: dnixa^dfAS&a tJ nag* vfjilv aotpCtit, xav il ndvv CBgAVog 
tig riv iv avry. — Die schon von Hieronymns (v. ill. 29) vorgetragene 
Meinang, dass er Lehrer der Rhetorik gewesen, bat ausserst wenig Wahr- 
scheinlichkeit. Auch den Heiden Tatian kann man sich nach seinen 
Schilderangen nar als einen mit voUem Ernst auf die Sachen, aaf die 
ethiBchen nnd religiSsen Fragen gericbteten Mann denken. Eine solcbe 
Veracbtung der grammatischen and rhetorischen Kttnste in Verbindung 
mit solcher Vemachlassigang der schriftstelleriscben Form, wie sie nns 
bier begegnet, kann kaum aas dem Ueberdrass dessen, der seine Zeit 
damit verdorben hat, erklart werden. Die Eanst hasst oder verleugnet 
doch thatsHchlich Keiner, der sie kannte. Was man an seiner Rede so- 
phistisch nennen konnte, ist Leidenschaft; was man im besseren Sinne 
rednerisch darin finden mag, ist Naturkraft. Die aoq)la, von welcher er 
sich nach c. 1 p. 6 abgewandt hat, nmfasst, wie die gleich folgende Aas- 
ftihrung zeigt, Rhetorik, Poesie and Philosophie. Sowenig aotpiari^gf wie 
er c. 35 p. 138 wahrscheinlich den Solon nennt, oder aotpitnaC c. 40 
p. 152, Oder aoipiaxi^g bei Lacian. de m. Peregr. 13; Philops. 16 (nam- 
Uch Jesns) Lehrer der Rhetorik bezeichnen soil, sowenig macht sich 
Tatian za einem solchen darch die Worte tovxo filv aofpiarsvaag la 
vfUxiqaf tovxo dh ti^vaig xal inivoCatg iyxvQ^aag nolXaZg (c. 35 p. 136)* 
Der erstere Ausdruck klingt doch in c. 42 (p. 162 naiSsv&elg ^k nQcS- 
toy fikv ta v/jiixiQa, d€vx€Qov ^k axiya vvv xtjqvxxbiv InayyilXofAai) za 
Zahn, Forsdmngen I. j^3 



— 274 — 

dass in den Uterarischen Kreisen^ denen er als Heide angehSrt 
hat^ sein christliches Bekenntnis, welches in dieser Schrift zam 
ersten Mai an die literarische Oeffentlichkeit trat^ Aufsehn er- 
regen werde (c. 35 p. 138). Schon darum muss seine hier 
erw&hnte filtere Schrift neql l^foatp ^) noch vom Heiden Tatian 
geschrieben sein. Die ganze „Rede an die Griechen" trSgt von 
Anfang bis za Ende so unverkennbar das Geprfige eines per- 
s5nlichen Absagebriefs des frliheren heidnischen Literaten an 
die hellenische Bildnngswelt ^), dass man mit ziemlicher Sicher- 
heit behanpten darf , es sei die erste von Tatian als Christen 
verfasste Schrift and daher anch wahrscheinlich nicht lange 
nach seiner Bekehmng geschrieben. In Bezag aaf die Abfas- 
snngszeit der Griechenrede and somit aach die ange&hre Zeit 
der Bekehrang Tatian's hat wie in so manchen anderen Fallen 
die irreftlhrende Bericbterstattang des Easebias bis heate noch 
nicht vOllig der Erkenntnis oder Anerkennang des arkandlich 
Bezengten Platz machen wollen. Tatian's eigene hier in Be- 
tracht kommenden Worte') heissen: „Grescens, welcher in der 



deatlich nach, als dass etwas wesentlich Anderes an beiden Stellen ge- 
meint sein kSnnte. Andrerseits wSre es aach anberechtigt mit Biicksicht 
aaf c, 25 (o xar *En(xovQov aofpiatedav) nar an philosophische Biidang 
za denken. Die ganze, wie gesagt, dreitheilige ao(pla der Hellenen ist 
ihm Sophistiky die BeschSfitigang mit derseiben ein aoqiiajivuv^ ihre 
Jttnger wie Lehrer aotpiatai, 

1) 0. 15 p. 168, wahrscheinlich aach c. 16 p. 72 cf. Daniel S. 112. 
114. Aas dem an ersterer Stelle Folgenden ersieht man, dass in jener 
Schrift allgemeine anthropologische and natarphilosophische Lehren aus- 
gesprochen waren, za welchen sich Tatian aach jetzt noch bekennt 
Dagegen die christliche Lehre von der Gottebenbildlichkeit des Menschen 
mass er jetzt zom ersten Mai entwickeln* 

2} Ausser c. 42 p. 162 ist besonders za beachten der Hinweis aaf 
anscheinend wohlwoUende Wamangen vor offentlichem Hervortreten (c 27 
p. 110 of. Daniel S. 46) and die bestandig wiederkehrenden Erklarnngen 
nich habe mich losgesagt" a. drgl. c. 1 p. 6 dniTa^afuS'a, c. 9 p. 42 
nagtiT^fii&a, c. 26 p. 108 xataUXoCna(iev^ 0. 28 p. 112 xatiyvtov^ c. 35 
p. 138 ;ifa^^€ty iin<oy^ aber aach die Prasentia c. 22 p. 98 ov ^ilto • . 
ov fiovlofjiai, o« 27 p. 108 atgovfi^vtp^ c. 30 p. 114 fiovlo/jiai . . dno- 
^vaaad-ai. 

3) c. 19 p. 84. Ich tibersetze ganz nach dem Text bei Otto. Die 
alte Emendation tos statt ove ist anentbehrlich. Der Versachang nach 
Eas. h. e. IV, 16, 9 statt avjov i^e^Ui tov S^dvajov za lesen avtog li, 
T. d; kann man widerstehen. Das xataifqovilv avfifiovUv(av des Ease* 



- 275 — 

grossen Stadf sich eingenistet, ttbertraf AUe in der Pfiderastie 
and war der Geldgier v5llig ergeben. Dieser Todesverttchter 
flirchtete aber gerade den Tod so sebr^ dass er Veranstaltangen 
traf, den Jastin wie aach mich in den Tod als ein Uebel zn 
sttirzen^ weil er (sc. Jastin) in seiner Verktindigang der Wabr- 
heit die Philosopben als SchwStzer nnd BetrUger entlarvte. 
Denn welche anderen Philosopben als eneb allein (sc. die Cy- 
niker) pflegt er za verfolgen?^ Wenn Easebias *) bei Anftthrang 
dieser Worte mit Ausnabme des letzten Satzes in denselben ein 
geschicbtliches Zeugnis dafUr erblickt, dass Jastin seiner Ahnang 
Oder vielmehr Vorhersagang {nQ6QQii(T$g) gem&is darcb die 
Machinationen des Crescens den MiLrtyrertod erlitten babe, and 
wenn er in seinem Gitat anstatt ^lovctipop xa&dneQ xai ifie dg 
xaxif Tif d'avaTdp neqifiaXeiv schreibt ^lovffTtPOP xaS'dneq f»e- 
yoiXff xaxig Tip d^avaTif neQtfiaXeiy, so ist ISngst erkannt, dass 
diese Textanderang , mag sie nan von Easebias schon vorge- 
fiinden') oder, was weitaas wahrscbeinlicher ist; erst vorge- 
nommen sein'), in einem sehr verdSchtigen Zosammenbang mit 
dem steht, was er darcb diese Stelle beweisen wilL Er hat wie 
an anderen Stellen den Lesem das ihm erwtinschte Yerstlindnis 
in anstatthafter Weise erleichtert Aber aach seinem willkttr- 
lich zarechtgemachten Text steht Easebias als ein schlecbter 
Ausleger gegentiber; denn aach so noch batte Tatian nar von 
AnschlSgen des Crescens gegen das Leben Jastin's geredet. 
Der kritische Leser mass aach diesen verderbten Text noch so 
verstehen^ dass es dem Crescens nicht damit gelangen seL 
Waram wttre sonst nar von Bemtihangen and nicht von Erfolgen 
die Rede? VoUends aasgeschlossen wird das VerstSndnis des 
Easebias darch den echten Text; denn in diesem sind die Ma- 
';^inationen des Crescens gegen Jastin ganz aaf gleiche Linie 
mit denjenigen gegen Tatian^ den noch Lebenden and eben dies 



bias ist eine langweilige VerdentliehaDg des pragnanten xataipQov^v des 
Tatian. 

1) Eu8. h. e. IV, 16, 8, 9. Vorher § 2—6 das Citat aas Just. 
apol. II, 3 ed. 3 Otto p. 202. 204. 

2) So Semiscfa, Jastin d. Martyrer I, 53. 

3) So Daniel S. 41, der aber za leichten Fusses driiber hiDgeht. 
SchSrfer Volkmar Theol. Jahrbb. 1855 S. 425; Dembowski, die Quellen 
der christL Apologetik I, 60 (Anm.)* 

18* 



— 276 - 

BerichteDden^ gestellt ^). Es ist dem Crescens nicht nnr zn der 
Zeit, tiber welche Tatian bier bericbtet, nicbt gelangen^ den 
Justin aos der Welt za sebaffen ; dieser lebt sogar nocb, wSbrend 
Tatian dies sebreibt. Das ergibt sicb obne weiteres ans dem 
letzten vorbin Ubersetzten Satze, welcben Ensebius ans dem 
gleicben Grnnde wie das xa&aneq xai ifjbi ausgelassen hat. 
Darnacb ist es eine der Gegenwart des Scbreibenden angebQrige 
Gepflogenbeit Jastin'S; nnr solcbe Pbilosopben wie Crescens an- 
zugreifen. Die prUsentisebe Form der Anssage^) kann ja in 
diesem Fall nicbt ans der RUcksicbt auf die in den binterlas- 
senen Scbriften Justin's fortdaaernde Gegenwart seiner Polemik 
erklSrt werden; denn es bandelt sicb nacb den vorangebenden 
Worteu am die durcb seine Predigttb&tigkeit veranlassten per- 
s5nlicben ElLmpfe Justin's mit Crescens. 

Dass Tatian's Griecbenrede vor Justin's Tod gescbrieben 
ist, ergibt sicb von nocb mebr als einer anderen Seite. Tatian 
soil ') eine Zeit lang der Horer oder ScbUler Justin's gewesen 
sein und wHbrend der Zeit dieser Lebensgemeinscbaft nicbts 
Unrecbtes vorgebracbt, dagegen nacb dem Tode desselben, man 
scbeint versteben zu solleu; bald darnacb angefangen baben, 
ketzeriscbe Ideen vorzutragen, und von der Kircbe abgefallen 
sein. Nun entbUlt aber die Griecbenrede zwar mancbes Son- 
derbarC; Extreme ; von der gemeingUltigen kircblicben Tbeorie 
und Praxis Abweicbende ^), aber von den dem Tatian von Ire- 



1) Mir wenigstens ist nicht verstandlich, wie noch Volkmar a. a. 0. 
S. 424 zwischen den Zeilen des echten Tatiantextes lesen mochte: nhin- 
sichtlich des Justin ist es ibm aber auch gelungen**. 

2) Tivag ^h av xai ^tdi^ai tcjv (ptXoa6(p(ov €i fiTf fiovovs fifties €tto- 
^iv, nicht €tcS&€i, Die Uebersetzung bei Otto insectari solebat statt soUt 
und die damit tibereinstimmenden Paraphrasen bei Daniel S. 42 {hat tr; 
so angegriffen) and Volkmar S. 424 kann man nur mit Bedanern tiber 
die Zabigkeit der durch Eusebius auf die Bahn gebrachten Misdeutungen 
anftihren. Cf. auch Credner, Beitr. S. 438: Gewtss ist es, die Bede Ta^ 
tian's cm die Griechen ist erst nach Justin* s Tode geschriehen, wortiber 
schon Daniel S. 51 sicb mit Recht beschwerte. Es frent mich, nachdem 
alles dies niedergeschrieben war, die Erkenntnis, dass das Gegentheil 
richtig sei, bei Harnack S. 493 bestimmt ausgesprochen za finden. 

3) Iren. 1,28, 1 (wiederholt von Eus. h. e. IV, 29); Hippol. ref. VIII, 
16 u. Pseadotert. de haer. 20 nennen ihn nSchttler** Justin's,' der letztere 
wiederholt auch post hunc (d. h. nach Justin's Tod) diversa sentire 
coepit. Deutlicher dasselbe Epiph. haer. 46, 1 ; Theodor. haer. fab. I, 20. 

4) Es wird z. B. keiner noch so wohlwoUenden Auslegung gelingen, die 



- 277 — 

nSus und den Spfiteren nacbgesagten Irrlehren kann man 
hOchstens Eeime entdecken. Jedenfalls bekennt sich der Ver- 
fasser za dem Glauben, den er von der Kirche empfaogen hat 
and mit den alten Weibern der Gemeinde ^) -theilt ; nnd es ist 
nicht zaiSUig, dass auch dio; welchen Tatian's Ketzerei bekannt 
and verhasst war, diese seine Scbrift stets in Ehren genannt 
haben. Ist nun dies Buch sehr bald nach seiner Bekebrung 
geschrieben, so wUrde fQr die Zeit der Gemeinschaft mit Jastin 
and fUr die ganze orthodoxe Lebensperiode Tatian's kein Baum 
bleiben, wenn das Bach nach dem Tode Justin's geschrieben 
wttre. Nan kOnnen wir freilich noch immer, soviel ich sehe, 
die Zeit von Jastin's Tod nicht anders bestimmen, als dass er 
in eines der Jahre 163—167 f^Ut, innerhalb deren nach den 
Untersachangen von Borghesi die StadtprHfectar des im Mar- 
tyrium Jastini and bei Epiph. haer, 46, 1 genannten Janias 
Rasticas anterzubringen ist'). Also vor einem noch zn ermit- 



Thatsache wegznscfaaffeo , dass Tatian das Schlachten von Thieren „am 
der Fleischfresserei willen** schon durch diesen Aasdruck and durch die 
Zasammenstellang mit dem geistigen Eannibalismus der Gladiatorenspiele 
verartheilt, c. 23 p. 100, and dass er die Anwendang von Medicamenten 
nar angeme and tiberdies nar den Heiden gestattet c. 20 p. 88. 

1) Hiefar of. c. 33 p. 128. 130, im ilbrigen Dembowski a. a. 0. 19. 

2) Ich habe den Stand der Frage in der Tfaeol. Literatorz. 1876 
col. 443—446 angegeben. Bin Artikel von Hort, den ich von englischen 
Gelehrten mit Achtung citirt finde, ist mir nicht zagSoglich. Das der 
Chronologic Jastin's gewidmete Eapitel in M. v. Engelhardt's Cbristen- 
tam Jastin's S. 71—80 ist keine Zierde des Bachs. Das Einfachste wie 
z. B. das Verhaltnis der sogen. zweiten Apologie zar ersten bleibt an- 
entschieden. Ueber den Tod Jastin's, dessen Zeit a. a. 0. gar nicht er- 
5rtert wird, soil nach demselben Ver fasser in Herzog's RE. VII, 318 
anser sicheres Wissen sich darauf beschranken, dass er anter Marc Aarel 
erfolgt sei ! Aber sind denn wirklicb die Untersachangen Borghesi's Qber 
die StadtprSfectaren des Salvias Jalianas, des Janias Rasticas and des 
Sergias Paallas ganz resaltatlos gewesen? Und wenn sie essind, warnm 
soil dann Jastin nicht anter Antoninas Pias gestorben sein? Wenn aber 
Marc Aarel bevorzagt wird, so fragt man doch wieder, ob man denn in 
jedem beliebigen Regierangsjahr desselben sagen konnte: vndxovaov rotg 
fiaailivoiv (Mart. Just c. 2 ed. 3 Otto p 268) ? Ein Meister wie Bor- 
ghesi wird nicht einmal der Erwabnang ftir werth gehalten, and dagegen 
begegnet man ein Uber das andre Mai dem Namen Aabe trotz der von 
M. V. Engelbardt gelesenen Nacbweisangen in der Theol. Literatorz. 1876 
col. 441—446, and zwar nicht bloss anter den glUcklichen Besitzern so- 



- 278 - 

telnden Jahre, welches zwischen 163 und 167 fSllt, ist die Grie- 
chenrede gescbrieben. Es ist kanm eine NUberbestimmang 
dieses Terminus ad quern, wenn man sagt: vor d. J. 165, dem 
Todesjabr des bertihmten und berticbtigten Peregrinus-Proteus ^). 
Das wird allerdings kaum bezweifelt werden k^nnen, da^s die 
Griechenrede vor diesem auffallenden Ereignis gescbrieben ist; 
denn nacb demselben und zumal wenige Jabre nacb demselben 
konnte man von Peregrinus kaum reden, ohne seiner Selbstver- 
brennung zu gedenken ^). Tatian spricbt aber nur von dem 
cyniscben Lebenswandel des Mannes, wo er ibn erwSbnt (c. 25 
p. 102); und wo er von der angeblicben Todesveracbtung der 
Cyniker spricbt'), ftibrt er einen Gegenbeweis aus dem Ver- 
balten des Grescens und nennt als Beispiel wirklicber, aber auf 
Eitelkeit und Ebrgeiz berubender Todesveracbtung'' der Pbilo- 
sopben nur den Anaxarcb, den Zeitgenossen Alexander's d. Gr. 
Ein stSrkeres Argummtum e silentio wird kanm gefordert wer- 
den. Wir mttssen aber nocb binter d. J. 165 zurtickgebn ; denn 
Tatian spricbt zweimal von „dem K5nig^ im Singular, also von 
einem allein regierenden Eaiser^). Dann kann die Rede nicbt 



genannter nAosichten", sondern aach als einer Autoritat fiir Inschriften 
u. drgl. Selbst der Irrtham, dass „cos. Ill'' im Titel des Antoninus Pius 
heisse „wahrend seines dritten Consulats", and der weitere Irrtham, dass 
dieses dritte Consulat ins J. 145 falle, wird trotz meiner bescheidenen 
BerichtigUDg (col. 445) bier wiederholt. Anf die Weise muss allerdings 
unser chronologisches Wissen urn die alte Eirche sich rasch vermindem. 

1) Zum 5. Jahr des Marc Aurel (ann. Abr. 2181) notirt Eusebius 
in der Chronik die Selbstverbrenoung des Peregrinus (ed. Schoene p. 170. 
171); also, da bei Gelegenheit der olympischen Spiele, im Jul! 165 ist 
dies geschehen (Clinton, Fasti Rom. I, 155). Dass dies im tibrigen ganz 
gleich bezeichnete Jahr bei Enseb. armen. falschlich als ein zweites and 
nur bei Hieron. richtig als ein erstes Olympiadenjahr charakterisirt ist, 
hat hier sowenig wie soust etwas zu bedeuten. 

2) Ich darf mich anf m. Ignatius v. Ant. S. 517—533 berufen. Die 
VermuthuDg S. 520 Aum. 3 war nur zu bescheiden vorgetragen. 

3) c. 19 p. 84. 86. Es ist vielleicht tiberfltissig davor zu wamen, 
dass man in den auf die Erwahnung des Anaxarch folgenden Worten 
xa&dnsQ iv navriyvQU S-eatQoxonovfjL^vovg tviOtiv ISilv tovg ovx iM- 
Tag xov ^iov ja nicht eine Anspielung auf das Eode des Peregrinus suche. 

4) 0. 4 p. 18: nQoaidrxBi (pogovg reXitv 6 paaiXevg, Sicherer ist 
0. 19 p. 84: naga xov *Ptofial<ov paailimg, Daneben kommen die Plnrale 
c. 3 p. 16; 0. 10 p. 46 dem Zusammenhaug dieser Stellen nach nicht in 
Betracht. Es ISsst sich auch nicht vergleichen, dass im Mart. Just, nebea 



— 279 — 

wohl wShrend der Doppelregierang des Marcos Aarelins and 
des Lucius Verns (Msirz 161— Janaar 169) geschrieben sein, 
also, da die Zeit nach 169 bar cits ausgeschlossen ist^ nar vor 
dem Mttrz 161, noch anter Antoninus Pins. Auf dessen Regier- 
nngszeit passt es doch ancb mindestens ebensognt als anf 
die des Marcos Aurelins, was Tatian tiber die bohen Jahresge- 
halte sagt, welche sicb die Philosophen vom Kaiser zahien 
lassen '). Einen Terfninm a quo yon Shnlicber Bestimmt- 
heit weiss icb nicht zu finden. Was Justin in der kleineren 
Apologie liber Crescens sagt'), setzt voraus, dass Crescens 
seine feindselige Gesinnung gegen ihn bereits durch irgendwelche 
Versucbe bethStigt bat, und mebr hat ancb Tatian nocb nicbt 
zu bericbten. Deshalb kOnnte Tatian's Griecbenrede ziemlich 
gleichzeitig'mit Justin's Apologien gescbrieben sein, also etwa 
am 150'). Es wtirden dann die Nachstellungen, welche Cres- 



dem Plural (c. 2 vndxovaov roTg paatUvaw)^ welcher sich nor ans Biick- 
sicht anf die Doppelregierang erklSrt, aach der Singular vorkommt (c. 5 
T^ Tov avToxQaroQos nQoordyfjiati), Das wird sich anf ein einzelnes 
wiUirend der langen Abwesenheit des Lacias Vems erlassenes Edict des 
M. Aurelius beziehen cf. Otto ed. 3 p. 278. Aehnlich ist die Aosdrucks- 
weise in den echten Acten des Carpus, des Papylus und der Agathonike, 
welche wie Eusebius (h. e. IV, 15 extr.) richtig erkannte, der Zeit des 
Marcus Aurelius angehSren. Sie soUen in einem der folgenden Theile 
dieser Forschungen abgedruckt werden. Da liest man ra nqoardyiAata 
%£v Avyovartov und pXaaipriiiCav tcSv S-idiv xal rtav SefiaOTav, aber anch 
ixilevciv 6 avToxQajfOQ. Gf. anch trotz Aube's oberflachlicher Eritik 
die Acten der Felicitas (Ruinart ed. 2 p. 25 sqq. und dazu Borghesi, 
Oenvres VIII, 548 sq. de Rossi, Bulletino 1863 p. 19). Mit Tatian's Ans- 
drucksweise lassen sich auch solche Falle kanm vergleichen, wie der 
im C. L Or. 3410 {dg tovKataaqog cy^^crxov}/ wortiber Waddington (Pastes 
des pro V. As. p. 221 des Sonderabdrncks) nach Mommsen's Belehrung ge- 
wiss richtig urtheilt, dass anch zur Zeit einer Doppelregierung „der kai- 
serliche Fiscus" so genannt werden konnte. 

1) Capitol. Anton. Pins c. 11: Bhetoribus et philosophis per omnes 
provincias et honores et salaria detulit. Von Marc. Aurel sagt Gapito- 
lin in dessen Vita o. 23 vielmehr: Fama fuit sane, quod stib phiUh 
saphorum specie quidam rempublicam vexarent et privatos; quod ille 
purgaverit 

2) Apol. II, 3 nach der Anordnnng bei Otto ed. 3 p. 203. 204, 

3) Dass die sogen. 2- Apologie ein vor Ueberreichung o/der Ver- 
offentlichung der griisseren Apologie geschriebener Nachtrag zu derselben 
sei, steht fest; ferner dass die Stadtprafectur des Urbicus, welcher zur 
Zeit dieser Apologie dies Amt bekleidete, zwischen die Jahre 144 und 



— 280 - 

cens gegen Tatian den bereits Bekehrten^ also karz yor Ab- 
fassuDg der GriecfacDrede richtete, mit denjenigen, deren Ziel 
Jastin war, zeitlich zusammenfallen , was sehr natttrlich wSre. 
Aber es ist aach m(5glich, dass sie zeitlicb auseinanderfalleD; 
nnd die Griechenrede erst zwischen 150 and 161 geschrieben 
ist. Dass sie in Rom gescbrieben warde, wird immer das Wabr- 
scbeinlicbe bleiben; denn dort ist Tatian obne Zweifel in die 
Kircbe eingetreten '); dort hat er die Feindscbaft des Creseens 
erfabren (e. 19), was beides, wie gesagt, nar urn einen kleinen 
Zeitranm der Abfassung der Scbrift voraogegangen ist. Diese 
relative Zeitbestimmnng gilt aacb ftlr den Anfang seines Ver- 
kebrs mit Jastin, der aller Wahrscbeinlicbkeit nacb gleicbfalls 
nacb Bom za verlegen ist. Und nocb Ittngere Jahre naebher, 
jedenfalls noeb nacb Jastin's Tode, finden wir Tatian in Bom. 
Wenn der Kleinasiat Bhodon, ein Zeitgenosse des Clemens Alex, 
and des Narcissas von Jerasalem, in Bom Tatian's SebUler ge- 
wesen za sein bekennt (Eas. b. e. V, 13, 1. 8), so ist es min- 
destens annatUrlicb anzanebmen, dass dies VerblLltnis der Zeit 
gleicb nacb Abfassang der Griecbenrede, also aacb gleicb nacb 
der Bekebrang des Tatian angebSre '). Von einer Begegnang 



y 



160 fa'llt ; endlich dass Marc Anrel bereits die tribanicia potestas besass, 
welche ihm a. 147 verliehen warde. Diesem Jahr sich naher za halten, 
als dem aussersten Terminus ad quern 160, bleibt aus manchen Griln- 
den geratbeo. 

1) Das liegt in der Anordnnng der ErzShlnng c. 29 p. 112. 114; 
c. 35 p. 136. 138. Die objective Art, in welcher er bier and c. 19 p. 84 
von Bom redet, nSthigt nicht, an einen ausserrSmiscben Abfassungsort 
zu denken; denn die Griechenrede ist kein Brief. Man kSnnte ebensognt 
aus Clem* strom. I § 11 (ucrrar^ ^k niqnvx^v • . . dvinavaafitiv iv 
Aiyvnrfp d^qaaag XeXrid-ora) scbliessen, die Stromateis aeien ausserbalb 
Egyptens gescbrieben. Dies ancb gegen Gaspari, Quellen zur Gesch. des 
Taufsymbols III, 370. 

2) Was Rhodon tiber sein Znsammentreffen mit dem bereits er- 
grauten Apelles , dem Schttler Marcion's , berichtet (Eus. V, 13) , wird 
wahrscbeinlicber in die Zeit von 170—180, als in die von 160—170 
fallen cf. Harnack, De Apellis gnosi monarcb. p. 17. Yon da ISsst sich 
aber nicht obne weiteres schliessen auf die Zeit, wo Rhodon die Vor- 
trage Tatian's h5rte; denn wir wissen nicht, wie lange Rhodon in Rom 
gelebt, nnd ob er nicht ftir immer dort geblieben ; er ist nur als gebomer 
Kleinasiat, nicht als Schriftsteller der kleinasiatischen Eirche charakteri- 
sirt. Es kann also ein Zeitraum von 1—30 Jahren zwischen Rhodon's 
Verkehr mit Tatian and mit Apelles liegen. 



- 281 — 

Bhodon's mit Justin ; welche dann sicberlich anch stattgefanden 
hStte^ wtirde Bhodon selbst und dann aach Eascbias nicbt ge*- 
scbwiegen baben* Die Annabme eines ISngeren, Uber den Tod 
Justin's binaus ausgedebnten r5miscben Aufentbalt's Tatian's drSngt 
sicb nocb yon einer andern Seite auf. Irenttus bat sebon urn 
185 Scbriften gelesen^)^ welcbe Tatian als Eetzer, also nacb 
dem Zeugnis desselben IrenSus nacb Justin's Tod gescbrieben 
batte. HUtte sie Tatian erst nacb seiner BUckkebr in den Orient 
gescbrieben^ so wSre es auffallend, dass sie sicb scbon bis zn 
Irenaus bin verbreitet bStten, und dass Uberbaupt bei IrenSus 
eine genauere Eenntnis mebrfacber Irrlebren Tatian's sicb findet. 
Wabrscbeinlicb ist dann aucb das Bucb der nQofiltKiaTa, wel- 
cbes Bbodon zu widerlegen beabsicbtigte ; welcbes also sicber- 
licb der beterodoxen Lebensperiode Tatian's angeb5rt, nocb in 
Bom entstanden. Dass er Bom verlassen babe und in den 
Orient zurtlckgekebrt sei, meldet uns nur Epipbanius '). Eine 
m^btige UnterstUtzung wUrde dessen Angabe finden, wenn die 
oben S. 12 Anm. 2 empfoblene Vermutbung Semler's sicber wSre, 
dass Tatian einer der Lebrer des Clemens gewesen sei; denn 
im Orient, also^ vom alexandriniscben Standort des Clemens aus, 
irgendwo in Asien bat dieser sowobl jenen Mann assyriscber 
Herkunft, als den paltistinensiscben Hebraer kennen gelernt und 
zum Lebrer gebabt. Aber aucb abgesebn biervon ist die Tbat- 
sacbe nicbt zu beanstanden. Die lange vor Epipbanius be- 
stebende und bis in die spSteste Zeit unangefocbten fortdauernde 
Tradition der syriscben Kircbe^ dass Tatian der Verfasser ibres 
syrischen Diatessaron sei, konnte gar nicbt entsteben, wenn 
dieser nicbt nacb seiner Bekebrung zum Cbristenglauben ^ also 



1) S. oben S. 8. Ueber die mittlere Zeit des Werks des IrenSas 
B, m. Artikel in Herzog's RE. VII, 131 sq. 

2) Haer. 46, 1. Nachdem er Uber die Lebensgemeinschaft Tatian's 
mit Jastin, tiber den Martyrertod dieses und iiber den Abfall Tatian's 
nach dem Tode Justin's die lilteren Nachrichten wiederholt hat, fabrt er 
fort: xal r^v {ikv Zvgog to yivog, (6s »/ €is rifiag iX&ovaa yveSoig negtexih 
T* Sh avTov SiSaaxaXslov nQosffTTJcfaro an dgx^g /dhv iv rjf //^<f;/ r£v 
TiotaficSv tog tieqI to StoSkyMTov %Tog IdvtODvCvov rov Evasfiovg KaCaagog 
IntxXrid-eVTog. anb 'P(6fji7ig yccQ fiita xriv rov aylov *IovatCvQV TeXeCcoOiV 
SieX&oiv inl Ttt Tr^g dvaroX^g fJtkqri xal ixelae ^tarQifitov, xaxy SiavoCff 
n€Qi7rsaiov alwvag rivag xara rovg /ivd^ovg OvaXsvrivov xal aQX^Sfirag xal 
ngofiolag avrog iiarjy^aato. 



- 282 — 

Dach seinem r^^miscben Aafenthalt eine Zeit lang unter den 
syrischen Gfaristen gelebt hatte. Er kann doch nicht in Rom, 
nnd aach nicht im griechischen Orient dies syrische Bach verfasst 
haben. Nach Mesopotamien soil er sich nach Epiphanins begeben 
haben. Wir dUrfen statt dessen ohne weiteres sagen^ nach 
Edessa ; denn dies war der einzige Panct in dortigen Gegenden, 
wo damals das Ghristentham einzndringen nnd sich festznsetzen 
begonnen hatte ^). Indem ich sage ^damals"^ setze ich freilich 
schon yorans, was erst gezeigt werden mnss, dass Tatian am 
170—180 nach Edessa gekommen ist. Epiphanins gibt vielmehr 
das 12. Jahr des Antoninas Pias (Jali 149—150) an. Die Zahl 
ist eine so bestimmtC; dass sie nicht blosse Erfindang des Epi- 
phanins sein kann. Andrerseits ist die Angabe so^ wie sie laa- 
tet, verwerflich nach dem, was vorhin tiber den rOmischen Aaf- 
enthalt Tatian's festgestellt warde. Mindestens einige Jahre naeb 
Jostin's Tod; also mindestens bis gegen 170 mass Tatian in 
Bom geblieben sein. Nan ist aber in der Chronik des Easebias ') 
zam 12. Jahr zwar nicht des Antoninas Pias^ aber des Marcas 
Aarelias das Eetzerthnm des Tatian notirt. Dass zwischen die- 
sem 12. Jahr des M. Aarelias and jenem 12. J. des A. Pins ein 
Znsammenhang besteht, kann doch kanm fraglich sein. Eben- 
sowenig aber anch nach dem Gesagten^ dass der Kaisemame 



1) S. den Ezcars n am Schlnss dieses Bachs. Eine Geschichte der 
KircheDgriindang in Edessa wird auch dort noch nicht gegeben. Aber 
soviel steht fest, dass in Edessa nicht spSter als am 170—180 das 
Ghristentham Eingang gefunden hat, and dass es sehr viel spater in den 
angrenzenden Gebieten Warzel geschlagen hat. Der erste Bischof von 
Nisibis ist Jakobas, der Zeitgenosse Constantin's d. Gr., der Lehrer 
Ephram*s. Das erhellt anwidersprechlich aus Ephr. Carm. Nisib. XIII, 
1—19 J XIV, 1-6. 15—26; XVI, 14-22; XVII, 1; XIX, 15 sq.; XX, 2; 
XXI, 20. In Garrhae war noch za Ephram's Zeiten das Heidentham 
uberaas machtfg Garm. Nis. XXXI sqq. z. B. XXXIV, 5. 

2) Nur in der Bearbeitang des Hieronymus ist za ann. Abr. 2188. 
M. Aar. 12 (Schoene p. 178) notirt: Tatianus haereticus agnoacitur, a 
quo Enkratitae, Dass dies in der armen. Uebersetzung and in der 
S3Tischen Epitome (Schoene p. 216) fehit, hat nichts za bedeaten; denn 
erstlich kann die Passachronik (ed. Bonn. I, 486) ihre za demselben 
12. J. des Marc Aarel gesetzte gleiche, durch Excerpte aos Eas. h. e. 
IV, 29 erweiterte Angabe doch nar aos Euseb's Ghronik haben, and 
zweitens ist der Grand der Aaslassang be! den orientalischen Ueber- 
setzem and Bearbeitern durchsichtig. Im Orient, genaaer in der syri- 
ecben Kircbe gait Tatian nicht als Ketzer. 



— 283 - 

bei Epiphanios falsch, also bei Eusebius richtig angegeben ist. 
Gerade die Kaiser von Antonius Pius an^ welcbe nach einaDder 
alle aucb den Namen Antoninus ftibrten, sind bekanntlich beson- 
ders hSufig verwecbselt worden. Die Fehler des Epiphanins 
in Bezag auf die Saccession der r^mischen Eaiser wieder ein- 
mal anfzQzShlen, ist tiberflUssig. Und dass er gerade in diesem 
Fall sich irrt, ergibt sich abgesehn von der gr(5sseren Glaab- 
wtirdigkeit des Easebias und der Gewissheit eines spSteren Auf- 
enthalts Tatian's in Bom, auch daraus^ dass Epiphanius den 
Tod Justin's unmittelbar vorber auf alle FlLlle unrichtig unter 
Hadrian gesetzt bat. Wir dUrfen demnach das 12. Jahr des 
Marc Aurel (Mttrz 172—173) aus Eusebius statt der unm^glicben 
Angabe des Epipbanius substituiren. Epiphanius schSpft nicht 
aus Eusebius, sonst wUrde er nicbt einen anderen Kaiser nennen, 
aber auch nicht ein anderes Factum auf dessen 12. Jahr an- 
setzen. Es ist also cine Tradition von breiterer Basis, aus wel- 
cher Eusebius und Epiphanius ihr 12. J. haben. Es kann sich 
nur fragen^ zu welcher Thatsache das Datum passt, ob zum 
Ketzerwerden Tatian's, wie Eusebius angibt, oder zur Nieder- 
lassung Tatian's in Mesopotamien. Offenbar besser zu der letz- 
teren, weiFs eine UusserC; chronologisch genau bestimmbare 
Thatsache ist, was von der ersteren, zumal bei der Unbestimmt- 
heit des hMretischen Charakters Tatian's nicht gilt. Dazu kommt, 
dass das Hervortreten Tatian's mit hILretischen Lehren nach 
Irenlius dem Tode Justin's unmittelbar gefolgt zu sein scheint. 
HiefUr also wlire das J. 172 — 173 ein unbequem spStes Datum. 
Es darf demnach als eine sebr alte und weder durch Eusebius 
noch Epiphanius ganz rein Uberlieferte Nachricht genommen 
werden^ dass Tatian im Jahre 172 — 173 von Rom nach dem 
Orient^ oder genauer nach Mesopotamien sich begeben babe. 
Das ist das letzte Uberlieferte Datum Uber Tatian. Jedenfalls 
vor 161; vielleicht schon um 150 trat Tatian in Rom zum Chri- 
Btenglauben tiber, verkehrte dort mit Justin und schrieb bald 
nach seiner Bekehrung die Griechenrede, nachdem er vorber 
als Heide eine Reihe von Jahren hindurch an verschiedenen 
Orten des r($mischen Reichs sich aufgehalteu; mit der griechi- 
schen Literatur in betrScbtlichen Umfang sich vertraut gemacht 
und auch als Schriftsteller in den Kreisen der griechisch Gebil- 
deten bekannt geworden war. Einige Jahre verstrichen nach 
seiner Bekehrung, ehe er seine Sonderansichten durch Schrifteu 



- 284 — 

bekannt gab und in den Gernch der Eetzerei kam. Es war 
gescheben, als er i. J. 172—173 von Bom nach Syrien sicb be- 
gab. Nebmen wir zar Veranscbaalicbung statt der niebt genaa 
bestimmbaren Daten mittlere Zahlen, so ergibt sicb folgendes 
Gerippe seines Lebensganges : Geboren c. 110 in Assyrien; Wan- 
dernngen darch die griecbiscb-r5miscbe Welt bis Bom, Aneig- 
nnng der griecbiscben Bildung, beidnisebe Scbriftstellerei 135— 
155; Bekebrnng zam Gbristentbam , erste Bekanntscbaft mit 
Justin^ Anfeindnng dureb Crescens^ Abfassang der Griecbenrede, 
alles in Bom c. 155; angesebene Stellung als kireblicber Ge- 
lehrter in Bom bis zam Tode Justin's c. 165 ; bSretiscbe Sebrift- 
stellerei (jtqo^Xviikata y neql tov xata top (TooTfjqa xaTaQUC- 
(lov xtX,) in Bom bis 172 oder 173. Er wSre damach als ein 
angebender Secbziger naeb Mesopotamien gekommen^ und es 
k^^nnte ibm noeb mebr als ein Jabrzebnt ^) geblieben sein ffir 
das Werk^ welebes seinen Namen der syrischen Eircbe tbeaer 
gemacbt bat 

Aber er war ein Eetzer. Allerdings bebandelt ibn sebon 
Irenaas am 185 nnbedenklieb als solcben ; aber er cbarakterisirt 
ibn weder als Sectenbaupt^ noeb als AnbSnger einer anderen 
sectenartigen Partei '). RUcksicbtlieb der asketiscben Seite sei- 



1) Chronologische Aufstellungen wie die von Harnack S. 494: f,¥ViT 
das Diatessaron bleibt die Zeit c. 155 bis hSchstens 175 offen", kann 
kein Nachdenkender gelteo lassen, aach wenn er mit Harnack „die mitt- 
lere Zeit des Pius"* (138—161), also 149 oder 150 als Abfassungszeit 
far die Griechenrede annimmt. Gewiss ist dieser Ansatz ja durchaus 
nicht. Aber gesetzt, er ware es, warum soil Tatian alter als 40 J. g^- 
wesen sein, als er sie schrieb, und warum soil er hcJehstens noch bis za 
seinem 65. J. geschriftstellert haben? Die literarische Laafbahn eioes 
Oothe, eines L. Ranke kennt und bewundert Jeder. Aber es kostet 
auch nicht grosse Muhe, eine ganze Keihe von minder beruhmten Bei- 
spielen 50jabriger literarischer Arbeit in unsrem Jahrhundert nachzu- 
weisen. Und haben denn die Christen der alten Zeit, die Johannes, 
Polykarpus — Potbinus, Narcissus — Epiphanius, Hosius ihre Lebens- 
kraft rascher verbraucht, als wir? Tatian kann seine Griechenrede 150 
und kann sein Diatessaron 185 geschrieben haben, obne dass irgend 
etwas Auffallendes gescheben ist Ja darnm allein diirften wir eine Nach- 
richt nicht ftir unglaublich erklaren, welche uns sagte, dass er es nach 
190 geschrieben habe 

2) Iren. 28, 1 (=Eus. IV, 29): f^ern ^h ryv ixeCyov (sc. Yovcri/yoi/) 
fiaQxvqlav dnoarag rrjg IxxXr^alag oi^fxati SiSaOxdXov inaQ&slg xal TV(p(a~ 
d'ilg (og ^ia(piQQ)y Ttav XomuVf Wlov xagaxTrfQCC 6ida<sxalaiov awiC- 



- 285 - 

ner Lehre stellt er ihn mit Saturnin and Marcion nnd den von 
diesen aasgegangenen sogenannten ^j^xqaretg zasammen, rtlck- 
sichtlich der Aeonenlebre vergleicbt er ibn mit Valentin and 
stellt ihn Uberhaapt als eine ^Zasammenfassang aller HSretiker'' 
dar (III, 23; 8). Die einzige Lehre, worin er nach den beiden 
Stellen des IrenSas originell sein and Naehfolger gehabt haben 
soil, die Lehre von der Unseligkeit Adam's ist aach nicht ge- 
eignet, eine Secte za sammeln. AUerdings soUen die scbon 
fraher vorhandenen ^j^qaTetg diese Lehre von ibm sich ange* 
eignet haben; aber nar diese, nicht sein eigenthttmlicbes, eklek- 
tisches Lehrsystem Uberhaapt. Andrerseits ist aach Tatian 
ebensowenig mit jenen ''Eyitqanatq als mit den Valentinianem 
in einen Sasseren geschichtlichen Zasammenhang gebracht. Cle- 
mens AL anterscheidet ihn deatlich von den Haretikem, mit 
welchen er ihn zasammenstellt and scheint von einer Partei des 
Tatian nichto za wissen^). Aach Origenes spricht doch mehr 
so von ibm, als ob einige der verkehrten Schriftaaslegangen and 
Lehren, welche er als Schriftsteller verbreitet babe, von Einzel- 
nen angeeignet worden seien and zwar von Solchen, die noch 



njtfaro, aidivas riyag dogdiovg ofioltog Tolg dno Ovalevtivov fivB-olo- 
y^aag, toy ydfiov re (p&oQav xal nogveiav naganXriaCiag Magxlavi xal 
2aroQvtv(^ dvayoQSvaag , ry ^h tod IdSdfj. (Tcuti;^/^ naq* iavrov aitioXo- 
ylav {avTiloyiavl) noirjaafievog, Schon die Verbindung mit x^Q^^'^VQ 
macht es unwahrscheinlich, dass SiSaaxaXalov bier ^Schale** im Sinn des 
Institutfl Oder der organisirten JtiDgerschaft bedeute. £s ist nicht gegen 
den Sprachgebraach and aach dem Zasammenhang mit dem Folgenden 
weitaas angemessener , wenn der alte Uebersetzer des Irenaos sagt pro- 
prium characterem doctrinae, oder Rafin als Uebersetzer des Easebias 
proprium • . • docendi . . stilum, 

1) S. die Citate oben S. 13. Clemens sagt strom. Ill, § 92 p. 553 
Potter doch wohl nicht wie Semisch, Tat. Diatessaron p. 22 verstand, 
dass Tatian aas Valentin's Schule hervorgegangen. Nach Anftihrang 
eines Worts von Cassian schreibt Clemens: ra TtaQanlriata rtp Tanav^ 
xara tovto ioy/iarlCcjv, 6 J' (ocff) ix r^g OvUvrtvov f^6(poCtfi&€ oxokijg* 
^id TOVTO TO I 6 Kaaaiavog (prjai xtI. Bezieht man den mittleren Satz aiif 
Tatian, so wird der dritte sinnlos. Daram weil Tatian aas der valen- 
tinianischen Schale hervorgegangen, kann doch Cassian nicht dies and 
das gesagt haben. Vielmehr im Gegensatz za Tatian, der eine Sonder- 
stellang einnimmt, wenn er aach mit Caissian in dem einen Panct, det 
Verwerfang der Ehe, tibereinstimmt, heisst es von Cassian: Dieser 
ging aas der val. Schale hervor. Daher and nicht etwa, weil er ein 
Schiller Tatian's wSre, sagt Cassian Folgendes. 



- 286 - 

in der Kirche stefaen^ and welche Origenes gelegentlicli belebren 
m^^chte ^). ;,Da8 Bach der Probleme^ darch welche (d. h. darch 
deren Aufstellang) Tatian die Undeatlichkeit und Yerborgenheit 
der g()ttlicheQ Scbriften darzathun sich anheisehig gemacht 
hatte'', woUte sein ehemaliger Schtiler Bhodon in einer beson- 
deren Schrift widerlegen, worin die L^sung der von Tatian aaf- 
gestellten Probleme gegeben werden sollte. Dass dieses Bach 
der Probleme nicbt mehr dem anfSnglichen Standpanct Tatian's ^) 
and noch weniger dem Bewasstsein der Kirche entsprach, nn- 
terliegt wohl keinem Zweifel. Aber was Easebias Uber Bbodon's 
Absicht mittheilt; laatet doch nar so^ als handle es sich am 
Widerlegang der gewagten and anerbaalichen Ansichten eines 
nicht eben orthodoxen Schriftstellers. Und wenn Rhodon nnr 
eben nicht leagnet; sondern wahrscheinlich mit Entschaldigangen 
bekannt hat ^), dass er ein Schtiler dieses heterodoxen Mannes g^- 
wesen, so will aaf der anderen Seite nicht vergessen sein, dass 
der wenig jUngere orthodoxe Burner in Ens. V, 28; 4 den Tatian 
nnbedenklich neben Jastin, Miltiades and Clemens AL als Zen- 
gen des Kirchenglaabens yon der Gottheit Christi anftihrt. Dann 
kann er aach in Bom nicht als Haapt einer Sasserlich von der 
Kirche getrennten Schale oder gar Secte gegolten haben. Als 
Heterodoxer, aber v511ig isolirt von alien anderen hSretischen 
Parteien and ohne jede Andeatang von der Existenz einer von 
ihm abstammenden Secte steht er bei Hippolyt and Pseadoter- 
tallian da ^). Erst Easebias macht ihn zam aqxiirog t&v ^Ej^xqa- 
nT(Si/^). Aber die einzige Grandlage der bekannten Formel, 
womit Easebias dies einleitet (^Xo^og ex^i), legt er selbst bloss, 
indem er die bereits mitgetheilte Stelle des IrenSas abschreibt. 



1) De orat. 24 extr. Delarne I, 238c schliesst er die Widerlegong 
von Tatian's Auffassong von Gen, 1, 3 als Gebetswunsch: dvayxalag Si 
fxoi iSoSeVf iv rats nQofttaxrixals (fOivaZg eiQUfAivug iiJXV^t vnofjifi<t9-rjva& 
ttSy naQixdox^v avxov (sc. Tatian's) Sm rovg i^narri/jiivovs xal naga' 
SiSufihovs t^v daefirj StSaaxaliav avrov, fov xal i^fAils noti mntiqci' 

2) Schon Daniel S. 114 wies aaf die sehr andere Gharakteristik der 
hi. Schrift in orat. c. 29 p. 114 hin. 

3) Eas. h. e. V, 13^ 8: fjtifutO^tsva&ai, inl ^Ptofirig Tariayf^ kavtov 
oiAoXoyit, 

4) Hippol. refut. VIII, 16; X, 18. Pseudotert. haer. 20. 

5) H* eccl. IV, 28 extr. 29. Ueber die Angabe in der Ghronik s. 
oben S. 282 Anm. 2. 



— 287 — 

Diese aber sagt^ wie schon gezeigt wurde^ weder dass Tatian 
die enkratitiscbe Secte^) gestiftet, noch dass er sich ihr aDge- 
schlossen babe. Soweit man tiberbaapt von einer solcben Secte 
reden kann, nnd der Name nicbt ongenau fiir die yon den ver- 
schiedensten baretiscben Parteien ansgegangenen asketischen 
Ricbtungen gebrancbt wird, ist sie nacb der Mitte des zweiten 
Jabrbnnderts in Eleinasien aafgekommen and bat sicb unter 
versebiedenen Denominationen dort bis zum 5. Jabrbnndert er- 
balten. MasanuS; ein Zeitgenosse nnd, wie es scbeint^ aacb ein 
Landsmann des Claudius Apolinarius und des Meiito^ soil sie 
gleicb bei ibrem ersten Auftaueben bestritten baben^). . Hinter 
die kleinasiatiscben Parteien der Quartodecimaner und Monta- 
nisten stellt sie Hippolytus (Befut VllI, 20), vor die Montanisten 
and Quartodecimaner Epipbanius (baer. 47). Als ibren Wobn- 
sitz nennt Epipbanius zunUcbst Pisidien und Pbrygien, dann 
nocb Isaurien, Pampbylien und Cilicien^ scbliesslicb als Orte, 
wobin sie aucb gelangt sein soUen, Bom und Antiocbien '). Ab- 
gesebn yon diesen beiden GrossstSdten gibt Makarius von Mag- 
nesia um 400 ziemlicb die gleicben Landscbaften als das Aus- 
breitungsgebiet der Enkratiten, Apotaktiker und Eremiten an ^). 
Die Apotaktiker^ welcbe Epipbanius aucb mit den Enkratiten in 
Yerbindung setzt, lasst dieser gleicbfalls in Pbrygien, Gilicien 
and Pampbylien bausen (baer. 61, 2). So werden aucb die 
Severianer, welcbe zuerst Eusebius als die Fortsetzung der an- 
fSnglicb durcb Tatian gegrUndeten enkratitiscben Secte bezeicb- 
net (b. e. IV, 29); in Kleinasien zu sucben sem. Aber keine 
Sltere Nacbricbt iSsst den Tatian nacb E^leinasien kommen ; und 



1) AUerdings wird Irenaens unter ol xalovfuvoi ^Eyxgautg I, 28, 1 
dieselbe Leute meinen, von welchen Hippol. ref. Yin, 20 sagt, dass sie 
sich selbst ^EyxgaTtrai nennen, und die auch schon bei Clemens regel- 
massig so heissen paed. U § 33 p. 186 Potter; strom. I § 71 p. 359; 
Vn § 107 p. 900. 

2) Eus. h. e. IV, 28 cf. 21. 

3) Nur die Gegend von Rom, Italien, kann in diesem Zosammenhang 
(baer. 47, 1) to roiv 'Pafiaiiov fiigog bedeuten. Sehr sonderbar ist auch 
das folgende dXXa xal inl t^s rcSv IdvTiox^fov rrjs Svqlag^ ov ndvTfj SL 
Man siehty wie schwach es mit ihrer Ausbreitung um Antiocbien steht ~ 
Phil. haer. 72 nennt als Hauptsitz der Aeriani . . qui et EncnUitae di' 
euntur Pampbylien. Sozomenus h. e. Y, 11 erzahlt von einem Enkra- 
titen in Galatien. 

4) Mac. Magn. Ill, 43 ed. Blondel p. 151. S. oben S. 36 N. 3. 



- 288 - 

es ist scherzhaft za seben, wie Epiphanius^ welcher an den 
faistorischen Zusammenhang aller dieser Parteien mit Tatian 
glaabt^), nun aach einen geographischen herzustellen sich an* 
Btrengt. In den Orient znrUckgekebrt soil Tatian seine Haresien 
erst aosgebeckt and in Mesopotamien seine Scbale gegrtindet 
baben, welcbe freilicb dort nicbt mebr existirt (46, 2). Aber 
haaptsScblicb soil seine Lebre von Antiocbien aus sieb ver- 
breitet baben, nacb Gilicien gedrangen nnd in Pisidien er- 
starkt sein. Dass Tatian selbst in Antiocbien gewirkt babe, 
wagt er nicbt anszusprecben ; er verrSth aacb deatlich ge- 
nag^ dass es mit der enkratitiscben Lebre in Antiocbien sebr 
scbwach bestellt ist (s. S. 287 Anm. 3). Aber weil Antio- 
cbien das geograpbiscbe Mittelglied ist zwiscben Mesopotamien^ 
wo Tatian nacb seiner BUckkebr in den Orient gewirkt bat, and 
dem inneren Kleinasien, wo die enkratitiscben Parteien sitzen, 
nnd weil zwiscben Tatian and diesen Parteien ein bistoriscber 
Zasammenbang besteben soil, so muss Antiocbien ein Gentral- 
panct der Aasbreitang dieser Lebren gewesen sein. £s dUrfte 
biemacb klar sein, dass alle diese mit Easebias beginnenden 
and den filteren Nacbricbten widersprecbenden bSreseologiscben 
Constractionen des gescbicbtlicben Inbalts entbebren^). Tatian 
bat nie einer Secte angebOrt and nie eine Secte gestiftet, am 
allerwenigsten in Mesopotamien. Denn die syriscbe Tradition 
kennt ibn gar nicbt als Ketzer, sondern nor als den ScbQler 
Jastin's des M&rtyrers and als Verfasser ibres Evangelienbucbs. 
Marcion, Bardesanes, Mani, zuweilen aacb Valentin werden von 
den syriscben Kircbenlebrern des vierten Jabrbanderts bestritten; 
von einer Scbale oder Gemeinde Tatian's weiss man nicbts. Dann 
mass also die TbStigkeil; welcbe Tatian nacb 172 in Mesopota- 
mien entfaltet bat, eine sebr andersartige gewesen sein, als 
die, welcbe ibm Epipbanias anter dem Drack einer geflilscbten 
griecbiscben Ueberlieferang zuscbreibt. 

Nacbdem Tatian wMbrend der Jabre^ die dem Tode Jastin's 
folgten, (c. 165 — 172) durcb seine Scbriften and wobl auch 
dnrcb mtlndlicbe Vortrlige in den Buf der Irrlebre gekommen 
war, wird ibm Bom and das Abendland verleidet gewesen sein. 

1) Nach baer. 46, 1 in. soil Tatian der Erbe der Severianer, nach 
46, 1 extr. and 47, 1 die Enkratiten die Erben des Tatian sein. Noch 
verworrener ist der KnSuel in baer. 61, 1. 

2) Cf. die Bemerkangen oben S. 7 Anm. 



- 289 — 

Einem so schroffen Gharakter and so leidenschaftlichen GemUt, 
wie sie ibni; nach der Griechenrede za artheilen, eigen gewesen 
sind, masste es schwerer als Anderen werden^ sich in Bezag 
aaf seine Bechtgl&abigkeit verdachtigt za sehn^ aber aacb seine 
Verirrang einzagestebn. £r wollte der Kirebe angebQren and 
dienen, aber in f'reibeit. Es* zog ibn za den Barbaren des 
Ostens; wo es nocb keine darcb Generationen von BiscbQfen ge- 
pflegte conventionelle Ortbodoxie gab, wobl aber eine im Werden 
begriffene jange Kirebe, welcbe eingeborener Arbeiter bedarfte^ 
eine Nationalkircbe , wie es nocb keine gab, einen syriscben 
Staat, wo zam ersten Mai Fttrst and Yolk dem Evangeliam za- 
fielen. Das war die scb&nste Becbtfertigang des Stolzes, mit 
welchem der Barbar Tatian gleicb naeb seiner Bekehrang der 
verrotteten griecbisch rQmiseben Welt Basse predigte. Wie sollte 
ibn das niebt angezogen, and er niebt den Beiz der Aassicbt 
empfanden haben^ aaf diesem neaen, ibm von Natar verwandte- 
ren, seiner Heimat benacbbarten Boden eine neae Wirksamkeit 
za beginnen? Niebts ist aacb anwabrscbeinlicber^ als dass er 
dort es fttr seine Aafgabe gebalten baben sollte, seine Sender- 
lebren za verbreiten and eine Secte za stiften, wo es gait eine 
Volkskircbe in ibrer ersten Entwicklang za f5rdem. Das b5here 
Alter, die schmerzlichen Erfabrangen, die er in Bom gemacbt, 
die neaen Aafgaben, welcbe die primitiven Yerbllltnisse der Kirebe 
in Mesopotamien ibm stellten : das alles macbt es docb wobl be- 
greiflicb, dass er bier vorsicbtiger als in Bom aaftrat, dass er niebt 
fortfabr, mit Kritik der bibliscben Scbriften ^) and der kircblicben 
Sitte sich za befassen, sondern sich an der positiven Arbeit be- 
theiligte, das Evangeliam seinem syriscben Yolk nahezabringen« 
Es gab westlich vom Eaphrat l&igst eine syrische KircbC; and es 
gab aacb bereits ein syrisches Evangeliam. Aber es entspricht dem 
Geiste Tatian's, dass ibm dies viergestaltige Evangeliam fttr die 
volksthttmliche Belebrang and Erbaaang niebt ganz geeignet 
erschien. Es konnte solche nqofiX^iMXTu hervorrafen wie die, 
deren Hervorkehrang man ibm in B.om ttbelgenommen hatte. Es 
konnte keine einheitliche klare Yorstellang vom Gang der evan- 
gelischen Geschicbte sich bilden and zam Gemeingat werden« 



1) Die &€Zai ygatpalj deren Rathselhaftigkeit^ er darch sein pifiXiov 
ngoflrifidTtov darstellen wollte (Eas. h. e. Y, 13, 8), werden hauptsach- 
lich, wenn nicht ausschliesslich die alttestamentlichen gewesen sein. 

Zahn, Forschongen I. j[() 



- 290 - 

Ja, man konnte diesen vier Evangelien entgegenhalten , was er 
den Griechen aufrfickte ^) : Ila^ olq dffvvdqTfiTog iativ ^ t&v 
Xq6vtav dvayqcLfpfi , naqa xovvoiq ovde %d triq Ifftoqlaq aXfi- 
&eveiv dvvatov. Wie aber konnte diesen UebelstHnden besser 
abgeholfen werden als dnrcb Abfassung nnd kircblicbe Einftibrnng 
des Diatessaron? In diesem Bucb hat sich nicbts bUretisches 
entdecken lassen (oben S. 263 ff.) ; aber in diesem Bueb konnte 
Tatian aaeb am allerwenigsten versncht sein, seine Sonderan- 
siebten anzabringen. Es gait das Evangelium der Earehe, von 
welcher sich Tatian nie getrennt, und welcher zn dienen er nie 
aufgeb(3rt hat, in eine nene, praktisch wirksamere Form za 
bringen. Der Gedanke war ktlhn; aber Tatian war es auch. 
Die von historischem Bliek zengende Aniage des Ganzen, ^ie 
nicht selten geistreiche Composition im Einzelnen sind Tatian's 
vollkommen wUrdig. Die gleichzeitige Benutzang der llltesten 
syrischen Evangelientlbersetzang nnd einer grieehiscben Evan- 
gelienhandschrift entspricht seinen LebensverhHItnissen. Die Be- 
schaffenheit der grieehiscben Handschrift, welche der Verfasser 
des Diatessaron benntzte, passt in keine andre Zeit besser als 
in diejenige Tatian's; ihre innige Verwandtscbaft mit der Itala 
ist besonders begreiflich, wenn Tatian dies Exemplar a. 172 ans 
Rom mitbrachte ^). Wenn nach der Lehre des Addai schon in 
der allerersten Zeit der edessenischen Kirche das Diatessaron 



1) Or, c. 31 p. 126. 

2) Es kann dasselbe Exemplar sein, braacht's aber nicht za seio, 
aas welchem Tatian schon bei Abfassung seiner Griechenrede seine 
Eenntnis des evangeh'scben Textes scb(5pfte oder geschSpft batte. Die 
wenigen und meist ungenauen Bezugnahmen auf die Evangelien in der 
Griechenrede geben keinen Beweis fiir oder wider. G. 19 p. 88 citirt 
Tatian Jo 1, 3 navra vii avtov xal ;^ai^lc uvrov yiyovBV ovSh %v^ scheint 
also ebenso wie T § 1 N. 6 den Satz mit tv geschlossen zu baben. 
Wenn T § 6 N. 6 in Jo 1» 18 ^x rot/ xolnov rov nargos vorauszusetzen 
scheint, so passt das dazu, dass er Or. c. 5 in seiner freien Reproduction 
einiger Ideen des johanneischen Prologs auch zu der Formel kommt 
loyos iv dgxv yewrjS-elg p. 26. Aber beides fand T auch in Sc. Die 
allegorische Verwendung von Jo 1, 5. Or. c. 13 p. 60 and die wortliohe 
AnAihrung von Jo 4, 24 (c. 4 p. 18: nviVfAa 6 d-eos) geben keinen An- 
lass zu textkritischer Vergleicbung. Die Anspielungen an Lc 10, 18 in 
Or. c. 20 p. 88 of. c. 7 p. 40, an Lc 6, 25 Or. c. 32 p. 126, vielleicht 
auch an Mt 13, 44 an der sehr schwierigen Stelle Or. c. 30 p. 116 
(cf. Iren. IV, 26, 1 Harvey II, 235) helfen bier ebensowenig, wie die 
Citate bei Glemens s. oben S« 13 N. 2. 



- 291 - 

dort als EyaDgelium gedient hat; so ist das eben die Zeit, in 
welcher Tatian das Diatessaron verfasst haben mass, wenn er 
liberhaapt ein solches verfasst hat. Aber es wSre abgeschmackt; 
dies jetzt noch za beanstanden. 

Wohl aber m5ehte man fragen, ob Tatian seine Arbeit aaf 
den evangelischen Theil des N. Ts. besehrHnkt hat. Die bei 
Easebias dicht neben der Nachricht vom Diatessaron stehende 
Angabe fiber eine Bearbeitang der paulinisehen Briefe dareh 
Tatian (s. oben S. 16 N. 3) gibt za denken. Sollte er eine 
sehon vorhandene syrische Uebersetzang derselben nea redigirt, 
Oder gar dieselben znerst libersetzt haben ? Me%aq>qa(Tai, das von 
Easebias hier gebraachte Wort, heisst aach tibersetzen. Sollte 
Easebias eine von Osten ihm zagekommene Eande so misver- 
standen haben, dass er aas einer Uebersetzang eine stilistische 
Bearbeitang maehte? ich halte das nieht flir wahrseheinlich. 
Vor allem wird es erforderlieh sein, dass die aaf die paalinisehen 
Briefe beztlglichen exegetischen Schriften Ephr&n's, welehe ar- 
meniseh gedrackt sind, ebenso oder noch besser, wie dareh 
M($singer der Evangelieneommentar, den des Armenisehen Un- 
kandigen zag^oglieh gemacht werden ^). Za meiner diesmaligen 
Aafgabe geh6rt die Beantwortang der angeregten Fragen nicht. 
Nar in einer Geschichte der ,,Primord]a ecclesiae Edessenae^, 
die doch bald einmal ein Orientalist mit theologischem Interesse 
Oder ein Theolog von aasreiehender Spraehkenntnis schreiben 
mass, wtirde aach die Frage frachtbar behandelt werden k($n- 
nen, ob die heterodoxen Ideen Tatian's, welehe dareh den Gang 
seines Lebens and die neaen YerhSltnisse. der mesopotamischen 
Eirche zeitweilig zartickgedrangt warden, naehher and neben- 
her doch wieder sieh geltend gemacht haben, ob nieht, karz 
gesagt, zwischen ihm and Bardesanes ein geschichtlicher Za- 
sammenhang besteht. 

Nar daraaf sei noch zam Schlass hingewiesen, dass, wenn 
die diesmal gewonnenen Ergebnisse in der Haaptsache die Probe 
bestehen, damit endlich ein fester chronologiseher Halt ftir die 
Geschichte der Evangelientlbersetzang in der syrischen Eirche 
gewonnen ist. Hat Tatian bald nach 172 sein Diatessaron in 
Mesopotamien geschrieben, so ist die von ihm bereits benatzte 
Uebersetzang der voUstHndigen Evangelien, der Syras Care- 



1) Of. Lagarde, Const, apost. p. VII. 

19 



— 292 — 

tonianns wirklich, wie man bis dahin ohne haltbare BegrttDdnng 
mancbmal annahm ^) , spatestens am 150 entstanden , and zwar 
nicbt in Edessa, wo es damals noch keine Eirche gab, and 
nocb weniger dstlicb davon, sondern westlicb vom Eapbrat Erst 
nacbdem diese filteste Uebersetzung vielleicbt nocb im dritten, 
vielleicbt aacb erst am Anfang des vierten Jabrbunderts die- 
jenige Bearbeitang erfabren batte, deren Ergebnis die Peschitta 
der Evangelien ist^ kam sie in dieser, nacb einem griechischen 
Text revidirten Gestalt nacb Edessa ; denn nicbt der Syras Care- 
tonianns, sondern die Pescbitta bat das Diatessaron in Edessa 
and 5stlicb vom Tigris von der Mitte des vierten Jabrhanderts 
an allm&blig verdr&ngt. 



1) Z. B. Ghr. Hdrmansen, Dispat. de cod. evv. syr. a Garetono 
typis descr. p. 24 sq. 



17. Nachbildimgen in anderen Sprachen. 

Selbst wenn ein positiver Gewinn ftlr ansere Eenntnis von 
Tatian's Diatessaron nicht dabei herausk&me, wUre es unum- 
glbiglich, die jtlngeren Eyangelienharmonien , welcbe mit der- 
jenigen des Tatian in einen Zosammenhang gebracbt worden 
sind; darauf anzusebn, ob ein solcber in Wirklichkeit bestanden 
bat. Wenn dem so w&re, so wtirde sicb's weiter fragen, ob die 
bis dabin gewonnenen Ergebnisse, insbesondere anch die Origi- 
nalitUt der syrisehen Sprachfonn, in weleher allein wir das Dia- 
tessaron selbst angetroffen baben, noch so anbedingt anfreebt 
erhalten werden dtlrfen. Die syrisehe Eircbe besass und kannte 
bis zu Ebedjesu bin keine andere Evangelienbarmonie, als das 
Diatessaron Tatian's^). Die barmonistisehe Bearbeitnng der 
Evangelien darcb Elias von Salamia, welcbe frtlbstens im 6. Jahr- 
hnndert entstanden und im 12. Jabrhandert scbon sehr selten 
war; wollte kein Seiten- oder Gegensttlck zu diesem alten Dia- 
tessaron sein, sondern eine Naebbildung des nur aus der kurzen 
Besebreibung des Easebius den Syrem wie ans bekannten Dia- 
tessaron des Ammonias. Selbst wenn die Naehbildang gelangen 
w^O; wtirde die Arbeit des Elias aller Aehnlichkeit mit Ta- 
tian's Werk ermangelt baben. Wahrscheinlich bat aber Elias 
die Bescbreibang des Easebius in abnlicher Weise misyerstan- 
den wie Hieronymus; denn er hat sieb in seinem Werk die 
Verbessernng der eusebianiseben Ganones angelegen sein lassen; 
er sebeint also auch einen innigeren Zusammenhang zwiseben 
den eusebianiseben Sectionen und den die Benutzung derselben 
ermOglichenden Tabellen einerseits und dem Diatessaron des 



1) Ich recapitulire hier das oben S. 98 ff. Entwickelte. 



— 294 — 

Ammonias andrerseits angenommen za haben, als in Wirklich- 
keit bestanden hat. Um so weniger kQnnte die Arbeit des Elias 
von Salamia mit derjenigen Tatian's verglichen werden. Anf 
Grand der berakleensischen Version, also frUhstens im 7. Jahr- 
handert ist eine syrische Harmonie der Passionsgeschichte an- 
gefertigt worden, and findet sich in mancben Hss. der berakl. 
Version binter den Evangelien ^). Scbon desbalb kann dies 
Sttiek einer Evangelienbarmonie kaam in irgend einem nUberen 
Zasammenbang mit dem alten Diatessaron stebn. 

Dagegen b&ngt mit dem alten syriseben Diatessaron an- 
verkennbar eine arabisebe Evangelienbarmonie zasammen, welcbe 
in dem cod. Vatic, arab. Nr. XIV erbalten ist, aber nocb immer 
der genaaeren Untersacbang barrt. Icb war nicbt in der Lage, 
eine solcbe anzastellen oder anstellen za lassen, balte es aber 
ftir nfitzlicb, die vorbandene Eande darcb voUstilndige Mittbei- 
lang der Vergessenbeit za entreissen, der sie anbeimzafallen 
drobt'). Unter den arabiscben Hss., welcbe Jos. Sim. Asse- 
mani der Vaticana zafUbrte^ nennt er Bibl. Or. I; 619 (nicbt 
p. 576, wie er* selbst Bibl. Or. Ill, 1, 13 citirt) als die erste: 
Tatiani Diatessaron seu Quatuor evangelia in unum redacta etc. 
Nacb dem Eatalog des Stepb. Eaod. Assemani') and nacb 
Akerblad, von welcbem Job. Gbr. Zabn darcb Vermittlang 
S. de Sacy's n^bere Eande fiber die Hs. erbielt^), bat sie in 
der Vaticana die Bezeicbnang arab. XIV. Die Assemani be- 
zeicbnen den Codex als bombydnm, Akerblad genaaer : bombt/dnus 
praeter VIII folia priora, qtme chartacea sunt et quidem more 
orientis levigata. Er entblUt 123 Bl&tter. Nacb St. Ea. Asse- 



1) Adler, Versa, syr. p. 63 sq.; White, Philox. p. 645. Sie findet 
sich aach in der Hs., durch welche die syr. Uebersetzung der Briefe des 
Clemens bekannt geworden ist s. Lightfoot, S. Clement of Rome. Ap- 
pendix (1877) p. 233. 

2) Semisch p. 10 berichtet sebr anvollstlindig and theilweise nn- 
richtig. 

3) Bel Mai, Script, vet. n. coll. tom. IV, pars 2 p. 14 of. Proll. 
p. VI sqq. 

4) Eeil a. Tzschimer's Analecten (1814) Bd. IT, 1 St. S. 186 f. 
Schon vorher hatte Zahn auf anderen Wegen eine Abschrift des An- 
fangs und durch Rosenmiiller eine lat. Uebersetzung dieser arab. Eopie 
erbalten. Assemani, also wohl der Jiingste dieses Namens (Herzog's 
Realencykl. I, 719, 2. Anfl.) soil die Abschrift gemacht haben. 



- 295 - 

mani geh(5rt er dem 12. Jahrb., nach Akerblad dem 13. oder 
14. Jahrh. an. Bei jenem heisst es : dimidia fere pars tineis et 
madore consumta, bei Akerblad: codex sat bene descriptus et in- 
tegerrimvs, nisi quod in principio folia aliquot lacera ah iwr 
perito bibliopega frvjstulis chartae agglutinatis sunt deturpata. 
Am Ende des fol. 123 steht die arabiscbe Unterscbrift; welcbe 
nach St. En. ABsemani's UebersetzaDg laatet: Explicit aimlio 
dei sacrosanctum evangelium, qtu)d ex quatuor evangeliis collegit 
Tatianus, quodque diatessaron vtUgo dicitur. Et lavs deo. Eine 
entsprechende Ueberschrift ist nicht vorhanden ^). Der Anfang 
des Bachs nach der tlblichen Anrafang der Dreieinigkeit liegt 
in doppelter, nach den beiden genannten Abschriften unabblUigig 
von einander angefertigter Uebersetzang yor, derjenigen Rosen- 
mtiller's and derjenigen Akerblad's. Ich reprodacire die erstere, 
bemerke aber alle irgend wichtigeren Abweicbnngen derjenigen 
Akerblad's. Die cursiv gedrackten Worte sind im Arabiscben 
roth gescbrieben. 

E Marco. Initium Evangelii eius et dixit ^): Initiam evan- 
gelii Jesn Messiae, filii dei ^). 

Johannes. Initium evangelii eim^). In principio erat ver- 
bum, et verbam erat apnd denm, et deus erat<^) verbam. Hoc 
erat in principio apnd deam. Omne per manam eius erat, et 
absque eo et (?) non existens nnam erat*). In eo erat vita, 
et vita erat^) lax hominam; et lax lacet in caligine, et caligo 
non asseqaitar earn (?) ^). 

Lucas. Erat in diebos Herodis regis sacerdos, nomen eias 
Zacbaria, e famalitio familiae Abia, et uxor eias e filiabas 
Hardn, nomen eias Elischaba, et erant ambo simul pii eoram 



1) Am inneren Rand des ersten Blattes zu Anfang steht nur die 
falsche Beischrift: Quatuor evangelia integra, Matthaei et Marci et Lu- 
cae et Johannis. 

2) Akerblad gibt nur Marc.; ziemlich sonderbar Assemani (Mail. 1.): 
Exordium primum evangelii ex Marco. Dixit, 

3) Filii dei fehlt bei Assem. 

4) Ak. nur Joan., Assem. Johannes. Dieser h3rt hinter dem ersten 
verimm auf. 

5) Ak. deue ipse est. 

6) Ak. omnia per ipsum facta sunt, et sine eo nihil existens faC' 
turn est. 

7) Ak. est. 

8) Ak. in tenebriB, et tenebrae non comprehenderunt earn. 



- 296 — 

deo et incedebant in omnibus mandatis eins et in iustificationi- 
bns dei sine reprehensione. Et non erat eis filing; quia Eli- 
scbaba erat sterilis et erant ambo simul aetate pro vectiores. Et 
interea, dam ille sacerdotio fnngebatnr in ordine famnlitii sni 
coram deo inxta consnetadinem aacerdotii ^); pertigit ad earn 
TO adolere suffitum, et ingressns est templum domini, et omnis 
universitas popnli orabat foris in tempore snffitns. Et apparoit 

Zachariae angelns domini, stans a dextra altaris suf 

appellavit enm et cecidit super eum timer .... preeatio tna 
audita est, et uxor tua. . . 

Soweit RosenmtUler's Uebersetzung. Die Lttcken am Scbluss 
rQbren von den oben bemerkten Verletzungen des ersten (wie 
der folgenden) Blattes ber. Sonst ist noch zu bemerken, dass 
am &U8seren Rand, wabrscbeinlieh beim Namen Lticas mit etwas 
kleinerer Scbrift stebt, was Rosenmfiller so fibersetzt'): Initium 
evangelii annunciationis Lucae. Propterea quod multi conati 
sunt ordinare narrationes rerum, quae perfectae sunt inter nos, 
pro eo quod testatum reliquemnt ad nos illi, qui inde ab initio 
viderunt et erant ministri verbi, visum est mihi quoque, qui in- 
quisivi in omnem rem dih'gentia, ut seriberem, o eximie Tbeo- 
phile, ut cognoscas veritatem verborum^ de qnibus monitus es. 

Dass diese in der Hs. als Diatessaron und als Tatian's 
Werk bezeichnete Harmonie mit dem syriscben Diatessaron, 
welcbes sich als das Werk Tatian's bewSbrt bat, in einem inni- 
gen Zusammenhang steht, ist selbst aus diesen dtlrftigen Mit- 
tbeilungen ersichtlicb. Seben wir von den rotb gescbriebenen 
Quellennachweisen ab, welche selbstverstllndlicb gelebrte Zuthat 
des Scbreibers oder eines seiner VorgHnger sind, so ist es aller- 
dings eine bemerkenswertbe Abweichung von T, dass bier Mr 1, 1 
dem ersten Sttlck des jobanneiscben Prologs vorangescbrieben 
ist. Davon wfirde EpbrlUn nicht gesehwiegen baben, wenn's in 
seinem T gestanden b&tte; auch die splitere syrische Tradition 
sagt von keinem anderen Anfang als Jo i, 1. Der Vorscbub 



1) Ak. Et dum ipse sacerdotio fungeretur in gradu ministerii sui 
ante deum secundum consuetudinem sacerdotii. Hier bricht Ak.'8 Ueber- 
setzung ab. 

2) Auch von diesem Stiick, doch nur bis visum est lie'gt ausserdem 
noch Akerblad's (Jebers. vor, welcher auch hier sichtlich etwas weniger 
peinlich um Genauigkeit bemttht war. 



- 297 - 

setzt die geschmackloseste Anslegimg von Mr 1, 1 voranS; wo- 
nach dies eine den Anfang des Baebs selbst bezeicbnende Scbrei* 
bernotiz^ ein Incipit evangelium Jem Christi sein soil. Die 
M(5glicbkeit dieser Anffassung voransgesetzt — sie bat ja nocb 
bente sebr angesehene Vertreter — , war es ziemlicb nabelie- 
gend, in dieser Form, in Worten der bl. Scbrift selbst das za 
geben, was sonst der Willkfir des Scbreibers tlberlassen bleiben 
mocbte. Daza kommt^ dass die Anfangsworte der Evangelien 
sicb im ganzen Altertbum von der Zeit des moratoriscben Frag- 
mentisten und des IrenSns an besondrer Beacbtnng zu erfrenen 
gebabt baben. Ein Spliterer ^) bat daram ancb den Anfang des 
Lneas nicbt vermissen wollen. Das sind also begreifliebe Er- 
weitemngen, nacb deren Beseitigung wir das alte syriscbe Dia- 
tessaron wieder baben. Man mag es fast unvermeidlicb finden, 
dass Harmonisten^ welcbe die kanoniscben Evangelien verar- 
beiten wollten, Jo 1, 1 sqq. an die Spitze stellten. Aber An- 
dere baben es docb vorgezogen, Lnc 1, 1 — 4 vorauszuscbicken*). 
Von entscbeidender Bedentnng ist aber^ dass anf Jo 1, 1 — 5 
nnd nicbt anf Jo 1, 1—18 der Anfang der lakaniscben ErzHb- 
lung folgt. Wie im syrii^cben Diatessaron ist ancb bier der 
jobanneisebe Prolog entzweigescbnitten. Zu welcb' unnattlrlicber 
Verbindung der zweiten Halfte des Prologs diese Trennung in 
T gefllbrt bat, wurde oben S. 249 gezeigt. Eine vollstfindige 
Ver5ffentlicbung des arabiscben Diatessaron, welcbe dringend 
zu wtlnscben ist, wtlrde erst in den Stand setzen, das VerbSltnis 
desselben zu dem syriscben genau festzustellen und ftlr den 
Originaltext daraus Gewinn zu zieben. Wllbrend RosenmUller 
urtbeilte, der Text des arabiscben Diatessaron verbalte sicb zu 
dem r5miscben Araber (1590) und dem des Erpenins (1616) 
„wie eine verscbiedene Recension desselben Textes'S bemerkt 
Akerblad: Quod ad ver^ionem arabicam attinet, illam e st/riaco 
aliquo exemplari factam fuisse nullm dubito; omnia enim in 
hac versione Syriasmum redolent, imo et titvli capitum sive seC' 



1) Ich weiss nicht, ob die Hand des Glossators jtinger ist als die 
des Scbreibers der ganzen Hs. Aber jiinger als der Redactor dieser 
Harmonie ist der Glossator ohne Frage, da seine Zuthat sonst im Text 
steben wiirde. 

2) Z. B. Cod. Fuld. ed. Ranke p. 29, oder am ein modernes Bei- 
spiel zu nennen, Jos. White, der Herausgeber der Philoxeniana , in sei- 
nem ^Diatessaron", welches mir in der Editio nona, Oxon. 1856 vorliegt. 



~ 298 - 

tionum Syrum haminem arguunt. Jedenfalls ist es keine wl5rt- 
liche Uebersetzang des syrischen Diatessaron. Jo 1, 3 ist das 
o yiyovev weder wie in T (und Sc) zum Vorigen, noch wie in 
P zam Folgenden gezogen, sondern ganz fortgelassen. Jo 1, 4 
ist fpalvei mit P durch das PrUsens wiedergegeben, wHbrend T 
(Sc. Aphraates) lucebat hat. Es scheint demnach der Araber 
das syrische Diatessaron in der Art nachgebildet za haben, dass 
er die Anlage desselben befolgte, bier and da, wie gleich in 
der Ueberschrifty Zatbaten and Aendernngen sich erlaabte, den 
Text aber niebt nea Ubersetzte, sondern eine bereits vorhandene 
arabisebe Uebersetzang der Evangelien tbeilweise oder aas- 
schliesslich daza benatzte^ om anf beqaemerem Wege, als es 
darch selbstHndige Uebersetzang za erreichen gewesen wSre, 
eine inhaltlich dem syriscben Diatessaron entsprecbende Evan- 
gelienharmonie za erhalten. Unbeqaem war freilich aach das, 
die einzelnen Elemente von T in den kanonischen Evangelien 
aufzasaehen. Aber dass dies geschehen ist; zeigen die roth 
geschriebenen Angaben im arabischen Text; and wo die Com- 
position von T eine kiinstlichere , mosaikartige war, mag der 
arabisebe Uebersetzer oder Bearbeiter aaf die Wiedergabe alter 
and jeder Peinheit verzichtet haben. 

Wie mangelhaft die bisherige Eenntnis dieses arabischen 
Diatessaron ist, ntltzlich ist sie aach so schon. Mag diese Be- 
arbeitang des syrischen Diatessaron jtlnger oder ^Iter sein als 
die aas der Peschitta angefertigte arabisebe Uebersetzang der 
Evangelien, welche Gildemeister antersacht and der Zeit zwiscben 
750 and 850 zagewiesen hat^), jedenfalls ist sie ein neaes 
Zeagnis daf&r, dass noch in recht sp^ter Zeit das alte syrische 
Diatessaron in gewissen Gegenden in hohem Ansehn st^tnd. 
Syrische Christen, die anter arabischer Herrschaft ibre Matter- 
sprache verlemt batten, woUten, so scheint es, das alte Evan- 
gelienbach von Edessa doch nicht entbehren and bewahrten 
aach den Namen seines Verfassers in dankbarem GedlLcbtnis. 

Ein Bach ohne Titel and Verfassernamen war die latei- 
nische Evangelienharmonie , welche Victor von Gapaa am 545 
in die H^nde fiel. Das anter seiner Aafsicht geschriebene 
Exemplar des N. Ts , in welches er eine Abschrift dieser Har- 
monic aafnahm, kam nach Falda. Dort warde wahrscheinlich 



1) De evangeliis in Arabicam e Simplici Syriaca translatis p. 35- 



- 299 — 

aas der Urschrift selbst am 820—830 die deutsche Uebersetzang 
derselben angefertigt, welcbe man dendeatscbenTatiannennt^). 
WShrend die deutsche UebersetzaDg, welcbe sofort nacb ibrer 
Entstehnng vom Dichter des Heliand benatzt wardC; jetzt nnr 
nocb in einer einzigen, daneben den lateiniscben Text entbal- 
tenden Hs. ^) erhalten ist, warde der lateiniscbe Text oftmals 
abgescbrieben. Im 12. Jabrhundert wnrde die lateiniscbe Har- 
monie dnrcb Zacbarias von Cbrysopolis ') und ansserdem nocb 
von einem Petrus Cantor Parisiensis, dessen Werk nicbt ge- 
drackt worden ist^), ansfUbrlicb commentirt. Die Harmonic 
selbst wnrde zaerst als Werk des Ammonins gedrnckt ^), aber 
unter dem Namen des Tatian in die Sllteren Bibliotbecae Patram 
anfgenommen *). Erst die lyoner Bibliotbek scbloss sicb dem 
Urtbeil des Baronins^) an, indem sie die Harmonic Victor's 
wieder dem Ammonins und dagegen eine andere, worttber nacb- 
ber zu bandeln ist, dem Tatian zuscbrieb^). Wir baben es mit 
einem Bucb von bedeutender Wirkung zu tbnn, und sind docb 
in der glUcklicben Lage, wo es sicb um seinen Ursprung ban- 
delt, von alien Scbicksalen absebn zu kOnnen^ welcbe es seit 
dem 6. Jabrbundert durcbgemacbt bat; denn wir besitzen Vic- 
tor's Urscbrift in der sorgfSLltigen Ausgabe E. Ranke's. Dass 
Victor, wenn es sicb nur um die Wabl zwischen Anifmonius und 
Tatianus bandeltC; mit Becbt dem letzteren den Vorzug gab, 



1) S. die karze Zusammenfassung der bezttglichen Forscbungen bei 
E. Sievers, Tatian, lat. a. altdeutsch, 1872, Einl. S. 6 f. 

2) St. Galler Stiftsbibl. Nr. 56 aus der zweiten Halfte des 9. Jahr- 
banderts. 

3) Was unter Ghrysopolis za verstehen, und was dieser Zacbarias ge- 
wesen sei, mag auf sicb beruhen cf. Gave, Hist. liter. Ed. Gen. 1720 p. 588. 
Anderes fand icb bei Micb. Denis, Codd. mss. tbeol. bibl. Palat. Vin- 
dob. I, 285. 

4) Cf. Scbmeller, Ammonii Harm. Evv. p. VI. VHI. Der Commentar 
des Zacbarias stebt in der Bibl. Maxima (Lugd. 1677) XIX, 732—957. 

5) Die erste Aasgabe (Mainz 1523 [? 1524]) babe icb nicbt gesebn. 
Cf. Daniel S. 109. 

6) So in den Monam. Patr. ortbodoxogr. Basil. 1569 p. 659 sqq. und 
in den verscbiedenen pariber Ausgaben der Bibl. Patrum, in der mir vor- 
liegenden von f654 torn. VII, p. 6—73. 

7) Baronii ann. ad a. 174 (ed. Antverp. 1617 torn. II, 188 sqq.), 

8) Bibliotb. Maxima Lugd. 1677 entbalt torn. II, pars 2 p. 203—212 
die durcb 0. Loscinias 1523 beransgegebene Harmonie als Tatian's Werk, 
und torn. Ill, 265—299 diejenige Victor's als Werk des Ammonius. 



- 300 - 

bedarf nacb dem , was oben S. 31 ff. tiber das Werk des Am- 
monias gesagt worden ist, keiner weiteren Begrtindang. Aber 
ancb mit Tatian's Diatessaron scheint die lateinische Harmonie 
Victor's vor alter Untersnchung nicht stammverwandt sein zq 
kOnnen; denn es fehlt das, wie es scheint, unerlfissliche Mittel- 
glied zwischen diesem lateinischen and jenem syrischen Bach, 
nftmlicb ein griechisches Diatessaron, sei dies nan das Original 
sowohl der syrischen als der lateinischen Harmonie, sei es eine 
Uebersetzong der syrischen. Daza kommt, dass gleich za An- 
fang beider Harmonien die aafOUIigsten Verschiedenheiten sich 
heraasstellen. Die Harmonie des cod. Faldensis, welche ich von 
bier an F nenne, schickt dem johanneischen Prolog, womit T 
beginnt, den Prolog des Lacas voran F 29, 1—7, and enthlUt 
eine Bearbeitang der kanonischen Genealogien F 82, 33—33, 33, 
deren Mangel ftir T so charakteristisch ist. Femer lehrt die 
oberfllichlichste Darchsicht, dass noch eine ganze Reihe anderer 
Perikopen, deren Abwesenheit von T feststeht, in F vorhanden 
ist. Es war daher berechtigt, dass man seit langem die An- 
nahme Victor's, er babe Tatian's Diatessaron gefonden, verwarf. 
Tritt man aber in eine nfthere Vergleichang des nan wiederge- 
fandenen Diatessaron mit der lateinischen Harmonie ein, so er- 
kennt man bald eine so innige Verwandtschaft, dass man F nor 
als Nachbildang von T betrachten kann. 

Die gleich za Anfang in die Aagen springende Differenz 
kann schon nacb dem, was fiber den arabischen Tatian zn be- 
richten war, nicht sebr ins Gewicht fallen. Aber es bietet in 
diesem Fall F selbst noch die Mittel, den arsprtlnglichen Be- 
stand der lateinischen Harmonie wiederzaerkennen. Das anter 
dem Titel Praefatio dem evangeliscben Text vorangeschickte 
Verzeichnis der Kapitel, in welche die Harmonie getheilt ist, 
kann nicht ein Werk Victors sein; denn die ZShlang and In- 
baltsangabe stimmt vielfach nicht mit der Eapitelz^blang im 
Text ttberein ^). Der erste Titel des Index p. 21 laatet: L In 



1) Cf. Ranke Proll. p. XXI sq. Die isagogischen Materien im cod. 
Fald. setzen iiberall eine andere, Sltere Gestalt des neatest. Textes vor- 
ans, als die, welche er selbst darbietet- Um das Anffalligere za nennen, 
so ergibt sich aas dem Argamentam vor dem Colo^serbrief p. 284, 12: 
Colossenses et hit stent laodicienses sunt asiani etc., dass in der Samm- 
lang der paolinischen Briefe, za welcher diese Prologe ursprtinglioh ge- 



— 301 — 

» 

prmcipio verbum. deus apud deum, per quern facta sunt omnia. 
Das bezieht sicb nar anf die zweite HSUfte des ersten Eapitels 
p. 29, 8—12, namlich Jo 1, 1—5. Die erste Halfte Lc 1, 1-4 
ist nicbt beriicksichtigt, nnd docb werden sonst in diesem Index 
gerade die Anfangsworte der Eapitel des Textes ganz vorwie- 
gend berticksicbtigt ^). Es ist demnach klar, dass der Index 
zar Harmonie angefertigt worden ist, ebe Lc 1, 1 — 4 an deren 
Spitze stand. Sie begann arsprtinglich mit Jo 1, 1—5, ebenso 
wie T. Der Index bietet weiter F. de generatianem (sic) vel 
nativitate Christi. Der Text gibt als 5. Kapitel p. 32, 33—34, 
26 folgende Stticke Mt 1, 1—16; Lc 3, 34-38; Mt 1, 17—25; 
Lc 2, 1 — 7. Da generatio im Index mit nativitas synonym ge- 
braacht ist and ttberhaupt nicbt Genealogie bedeatet, so bezieht 
sicb der Titel des Index wieder nar aaf die zweite HMlfte des 
entsprecbenden Textcapitels. Der Text, za welcbem der Index 
angefertigt worden ist; entbielt die Genealogie Mt 1, 1—16; 
Lc 3, 34—38; Mt 1, 17 nicbt. Es ist also wiedernm darcb die 
Ansscbeidang einer arkandlicb nacbweisbaren Interpolation die 
Uebereinstimmang der arsprtinglichen Oestalt von F mit T er- 
wiesen. Der ganze erste Haoptabscbnitt beider Harmonien 
(T § 1—5 = F p. 29, 1—37, 26) ist aber nacb Beseltigang der 
beiden Interpolationen vollig identiscb'). Nicbt ein einziger 

hdrten, der apokryphe Laodicenerbrief dam an die Colosser voranging, 
wShrend er im Fuldensis mit falsohem Argumentom hinter dem Colosser- 
brief steht p. 291. So erkennt man aas dem Mangel jedes Argumentam 
yor dem Hebraerbrief p. 311 sq., dass die Hs. der paalinischen Briefe, 
ans welcher diese Argamente genommen sind, den HebrSerbrief nicht 
enthlelt. 

1) Cf. im Index JX de sacerdotium z(ichanae mit c. 2 des Textes 
p. 29, 13—30, 22 = Lc 1, 5-25, ferner die lltel zu c. IV. Vn. XV. 
CXXVn (= CXXVm des Textes) and die folgenden. — Ich wiederbole 
in Bezag aaf diese M aterien das Selbstverstandliche, dass die Abschriften 
des cod. Fuldensis and die Dracke des lat and deutschen Textes bier 
v511ig aasser Betracbt bleiben miissen, wo es sich am das von Victor 
Gefandene and Gegebene handelt. Dass z. B. bei Sohmeller p. 1 nnd 
Sievers p. 67 der Text der Harmonie die Ueberschrift Frologus bat, and 
das erste Kapitel mit Jo 1, 1 beginnt, ist ganz gleichgttltig. Die Ur- 
schrift (Banke p. 29. 468) hat gar keine Ueberschrift and lasst das 
zweite cap. mit Lc 1, 5 beginnen, so dass das erste Rap. des Textes 
Lc 1, 1—4. Jo 1, 1—5 amfasst 

2) Es finden sich noch andere Differenzen zwischen Index and Text, 
Welche theilweise ein Corrector za beseitigen bemtiht war (Rankep.XXIsq.)* 



- 302 - 

Satz steht in F, dessen Abwesenheit von T bewiesen werden 
kOnnte. Die Reihenfolge der Perikopen ist genaa die gleicbe: 



Im Index ist das 21. Eapitel des Textes p. 44, 3—31 tibergangeD, so 
dass nan c. 21 des Index = c. 22 des Textes und so fort bis c. 101 des 
Index ( Ubi jhesua imposuit manum infantihus et pharisaei murmurant 
de jhesu quod sic recipit peccatores) = c. 102 des Textes p. 92, 6—16. 
Das kann blosse Nacblassigkeit des Verfertigers des Index sein. £ine 
solche liegt an einer anderen Stelle offen zu Tage, indem die p. 24 an rich- 
tiger Stelle gegebenen Titel zu c. 95 (= 96 des Textes) und 96 (= 97 des 
Textes) nachber p. 25 als c. 105 and 106 wiederkebren, wabrend die 
dort za erwartenden Titel von c. 106 and 107 des Textes fehlen. Das 
ist ein mecfaaniscbes Verseben, vielleicbt erst von Victor's Schreiber. Es 
ist aach an den drei Zeilen, welcbe die Wiederholang der beiden Titel 
enthalten, radirt and obelisirt worden (Ranke p. 467). Anders scbeint 
sicb's mit der 8teigerang der Differenz der Zablen im Index and im 
Text za verbalten, welcbe binter c. 101 (= 102 des Textes) eintritt. 
Der Index iibergebt c. 103 des Textes, welcbes bei ibm 102 sein mtisste. 
In Folge dessen ist c. 102 des Ind. = 104 des Textes, c. 103 des Ind. 
= 105 des Textes, und erst als c. 104 bringt der Index den Titel za 
c. 103 des Textes. Dadurch ist die Di£ferenz wieder auf eins faerabge- 
setzt, wie sie zwiscben c. 21 (= 22) und 101 (= 102) bestanden batte. 
Jene mecbaniscb veranlasste Wiederbolung zweier Titel und Ausstossung 
der ricbtigen Titel 105 (= 106), 106 (= 107) Sndert nicbts an der 
Differenz. Sie bestebt fort bis c. 155 des Index = 156 des Textes. Hier 
wird sie dadurcb beseitigt, dass die im Index als c. 156 und 157 durch 
besondere Titel unterscbiedenen Kapitel im Text als ein Eapitel (c. 157 
p. 138, 30—139, 27) zusammengefasst sind, so dass von da an die 
Eapitelzablung bis znm Scbluss identiscb ist. Es ist moglicb, dass diese 
Wiederausgleicbung der Differenz absicbtlicb von dem Scbreiber Victor's 
bewirkt worden ist, und dass der erste Ursprung der Differenzen, die 
Auslassung von c. 21 im Index ein mecbanisches Verseben desselben 
Oder eines VorgSngers ist, wie das von der Wiederbolung der Titel 95 
t= 96) und 96 (= 97) unter c. 105 und c. 106 obne Frage gilt. Aber 
unmSglicb ist's docb aucb nicbt, dass die Umstellung von c. 104 im In- 
dex (= 103 des Textes), welcbes zwiscben o. 101 (= 102) und 102 
(t= 104) steben miisste, ebenso mecbaniscb entstanden ist. Der Scbreiber, 
welcber sein Versebn wabrend des Scbreibens der folgenden Titel be- 
merkte, bat es allerdings sebr zweckwidrig dadurcb wieder gut gemacbt, 
dass er den ausgefallenen Titel einige Zeilen spater an verkebrter Stelle 
einschob. Dass die Ordnnng des Index bier eine so oder abnlicb ent- 
standene, und die des Textes dagegen die ursprtinglicbe ist, ergibt sicb 
aus der Vergleicbung mit T; denn aucb bier stebt Lc 13, 1— 9 (T § 51) 
ebenso, wie im Text des F p. 93, 17—34, wo sicb nur noch Lc 13, 
10—17 anscbliesst, was in T ganz gefeblt zu baben scbeint, vor Jo 7, 
2— 31i und nicbt wie im Index von F binter Jo 7, 2—31. ' 



- 303 - 

Jo 1; 1-5; Lc 1, 5-80; Mt 1, 18—25; Lc 2, 1-39 (T 35? 
38? 39?); Mt 2, 1-23. 

Ist hiemit bewiesen^ dass die lateinische Harmonie in der 
Zwischenzeit zwiechen ihrer Entstehung nod ihrer Aaffindang 
dnrch Victor an einzelnen Stellen Ver^nderungen erfahren hat, 
dnrch welche sie dem T anSlhnlicher geworden iet, als sie ur- 
spiilnglich war ^), so liegt es nahe anzunehmen, dass aach noch 
andere Versohiedenheiten zwischen F und T auf diesem Wege 
einer nachtraglichen Interpolation der bereits lateinisch existi- 
renden HarmoDie entstanden sind. Es ist aber aneb m5glicb, 
dass schon der Erste, welcber diese lat. Harmonie entworfen 
bat; wenn ibm ein fremdspracbiges Original vorlag, dessen An- 
ordnnng nnr im allgemeinen befolgt, im einzelnen aber geSndert, 
erweitert oder verktlrzt babe. Jedenfalls lobnt sich's, den Inbalt 
beider BUeher vollstllndiger mit einander zu vergleichen. 

T § 6 — 8 finden sieh in F nicht in dieser Reihenfolge wie- 
der, F p. 37, 27-38, 12 schliesst Lc 2, 40-52 (T § 7) un- 
mittelbar an Mt 2, 23 an und vermeidet durch Auslassang von 
T § 6 die oben S. 249 besprocbene Geschichtswidrigkeit. Der 
Inbalt von T § 6 ist tbeils F 38, 27—39, 9, tbeils F 39, 34- 
40, 19 mit der Scbildernng der Wirksamkeit des TSafers (T § 8) 
verbnnden. T § 9—11 folgen in F 40, 20—42, 19. Hier ist 
ancb das Einzelne aaffallend Shnlich. In der Taafgeschichte 
(T § 9) hat ancb F 40, 22 die Altersangabe Lc 3, 23 anfge- 
nommen , welche beim Evangelisten nacb der Taufe angebracht 
ist. Es ist aach bier in die wesentlich nacb Matthias gegebene 
Darstellung Lc 3, 21 F 40, 28 and Jo 1, 32 flf. aufgenommen. 
Dagegen ist Jo 1, 29 hier nicht antergebracht, sondern daftlr 
Jo 1, 36 F 41, 27 = T § 11 so erweitert, dass Jo 1, 29 da- 
darch entbebrlich warde^j. Die AbhSngigkeit des Einen vom 



1) Daran, dass Victor lediglich hat abscbreiben lassen, dass also 
die VeranderuDgen schon yon ihm vorgefunden warden, muss bei dem 
Mangel jeder gegentheiligen Andeatang in Victor's Vorrede festgehalten 
werden. 

2) F 41, 27, wo nach den vorangehenden Satzen Jo 1, 35. 36 a nar 
Jo 1, 36 b gemeint sein kann, nicht Jo 1, 29, heisst es: Ecce agnus dei; 
ecce qui toilet peccatum mundi. So z. B. aach God. Aareas ed. Bels- 
beim p. 303, nar tollit, — Wenn Tischendorf ed. VIII p. 752 anter den 
Zeagen fQr diesen erweiterten Text neben fu (= Faldensis) aach Ammon 
ap Vict Cap teste Gh anfUhrte, so ttbersah er, dass Griesbach (ed. 3 



— 304 — 

Andern ist in der Yersachangsgeschichte mitH^den za greifen. 
Anch F 41, 22 ist vor Mt 4, lib {et ecce angeli accesserunt t\Xi.) 
aas Lc 4, 13 usgue ad tempus anfgenoinmeii cf. T § 10 N. 11. 
Aber an dieser Perikope ist aacb zu sehen, dass F nicbt eine 
Uebersetznng oder eine alles Einzelne nachbildende Wieder- 
holnng von T ist Das statim and die active Fassnng des ersten 
Satzes T § 10 N. 1 aas Mr i, 12, das sanctus hinter spiritm 
in demselben Satze^ die Anslassang der 40 NUcbte (N* 2), die 
Verwendong yon Le 4, 6 (N. 8); die Aafhabme des onltra (aov 
(N. 10): das alles findet sicb in F nicbt, and amgekebrt ist 
wenigstens keine Spar davon crbalten, dass in T aacb aas 
Mr 1, 13 eratque cum besHis wie in F41^23 aafgenommen war. 
F gibt abgesebn von den ktlnstlicb aas den drei Synoptikem 
componirten Scblassfttzen p. 41, 21 — 24 einfacb den Text von 
Mt 4, 1 — 10 nacb der Valgata. — Die Beibe der Perikopen 
T § 12—19 ist in T zersprengt and damit die ganze Anordnang 
der evangeliscben Geschicbte yerlindert. Aaf Jo i, 52 folgt 
F 42, 19 aacb eine Beise nacb Galilaa, aber nicbt wie T § 12 
die nacb Cana f&brende, sondem nacb Lc 4c, 14 ff. die nacb 
Nazaretb fbbrende (== T § 32). Dagegen ist die Hocbzeit za 
Cana (T § 12) F 55, 19 binter die Aassendang der ZwOlf ge- 
stellt and, obne dass aacb nar gesagt wlire, dass die Jttnger 
wieder zarttckgekebrt seien, wird fortgefabren : Et die tertio 
nuptiae factae sunt etc. Diese Zeitangabe entbebrt jeder Unter- 
lage, and das Erscbeinen der Jttnger aaf der Hocbzeit ist za- 
sammenbangswidrig. Die Angabe, dass dies das erste Wander 
Jesa gewesen F 55, 35^ ist nacb F 43^ 12 sqq. 45^ 8 sqq.^ nacb 
den Wandertbaten sogar der Apostel F 55^ 17 sq. anpassend. 
Nocb sonderbarer ist, dass es nan gleicb nacb der Hocbzeit 
weiter beisst F 56, 1: Cum autem descendisset de monte (Mt 8, 1). 
Yon welcbem Berge? Das kann nicbt originale ScbOpfang eines 
Harmonisten sein^ sondem nar darcb gewaltsame Aenderang 
einer vorliegenden Ordnang kann Einer, obne die Folgen all- 
seitig za bedenken, diese Unordnang bergestellt baben. Dass 
aber das Object der gewaltsamen Operation T war, ist an man- 
cben Umstfinden za erkennen. Das aas seinem Zasammenbang 



von 1827 p. 499) unter diesem Ammonias nichts anderes als die im 
cod. Fold, enthaltene Evangelienharmonie des Ammonias oder Tatiana8 
verstand. 



- 305 - 

nach beiden Seiten hin heransgerissene Sttick Jo 3, 22—4, 3 
folgt F 44, 3—32 ebenso wie T § 13 aaf einen ersten, der 
Tanfe Jesa folgenden galiliUschen Aufenthalt. Die daraaf fol- 
gende Btlckkehr nach Galillla (Jo 4^ 3) ist ebenso wie T § 13 
mit derjenigen in Mt 4, 12, anch mit dem Citat ans Mt 4, 14 sqq. 
yerbanden F 44, 32—45, 4. Nar Mr 4, 15 ist niebt bier, son- 
dem schon F 42, 35 angebraebt, was aber nothwendige Folge 
der grossen Haaptfinderang war. WShrend T den ersten gali- 
ISischen Aafentbalt nach der Tanfe als eine knrze, nar dnrch das 
vereinzelte Hochzeitswander onterbrochene Zeit privater Znrtick- 
gezogenheit anfgefasst hatte, solite nacb F gleich damals Jesus 
in den Synagogen lant nnd regelmSssig gepredigt haben. Dann 
konnte er nar bei dieser Gelegenheit, nicht erst bei seiner zwei- 
ten Ankanft in Galil&a gesagt haben: „die Zeiten sind erfUilt^. 
In der Bergpredigt legt F wie T Mt 5— 7 za Grande, verwebt 
aber gleich za Anfang F 45, 27 (T § 16 N. 1) Lc 6, 20 mit Mt, 
iSsst aaf Mt 5, 3—12 zanftchst Lc 6, 24— 27 a, dann erst Mt 5, 
13 sqq. folgen cf. T § 16 N. 10. 11. Dagegen sind aach hier 
wieder die feineren Eigenthttmlichkeiten des Textes von T in 
F nicht wiederznerkennen ^). Das suo Mt 5, 3 , die Anfnahme 
yon Lc 6, 23 a in Mt 5, 12, woniitT den Uebergang zaLc6,24 
macht, den Aasfali des dextra in Mt 5, 39 (T § 17 N. 17) 
sucht man in F vergeblich. Es findet sich zwar F 50, 32—36 
ebenso wie in T § 19 N. 1. 2 eine Mischang aas Mt 7, 1. 
Lc 6, 37 sq., aber keine der dort erQrterten Sonderbarkeiten. — 
DieBeihe in T § 20—22 kehrt in F 56, 12—59, 5 wieder. Die 
gleichmSssige Einschiebang von Lc 7, 11—17 (T § 21 = F 
56, 32 sqq.) in einen tlbrigens nach Mt hergestellten Zasam- 
menbang kann man docb kaam zafttllig nennen^). Daneben 
zeigt sich die vollste UnabbSngigkeit. Die Aasstossang von Mt 8, 
1—4 zwischen T § 19 and 20 misfiel dem F. Wie angeschickt 
er es nan eingefbgt hat p. 56, 1, warde schon bemerkt. Ebenso 
wird derGichtbrtlchige, den man zwischen T §22 and § 23 yermisst, 

1) Die gleicbe Ordnnng der SStze Mt 5, 4. 5 ist kein Zeichen der 
Abfaaogigkeit F's von T, da diese Stellaog die der Vulgata and ttber- 
haapt der meisten Lateiner ist 

2) Dem T lag diese Ordnung nMher, weil er die Gescbichte vom 
Gentario wesentlich nach Lc 7 , 1-10 gegeben hatte. F 56 , 12--28 
dagegen gibt bis aaf einen Schlasssatz ganz den MatthlCastext, wttrde 
also darch seine Vorlage, wenn dies die kanonischen Evv. waren, gar 
niebt aaf die Fortsetzang in Lc 1, 11 sqq. gefiihrt worden sein. 

Zahii| Forschnngen I. 20 



- 306 - 

wShrend er § 14 steht; an seine natlirliche Stelle gesetzt F 59, 
6—27. Anch der E5nigische ans Jo 4, 46 sqq. soil neben dem 
Centurio nicht fehlen F 59, 27 of. dagegen T § 20 N. 1. Auch 
yon Aehnlichkeit der Texte im Einzelnen kann nicht die Rede 
aein. Und doch, wie auffallend, dass F 52, 30—55, 18 ebenso 
wie in T § 24 in die Instrnctionsrede f)ir die Zw5lf Elemente 
der Instrnctionsrede ftlr die Siebzig aufgenommen sind, nnd 
dass in Folge dessen F 66, 14 sqq. ebenso wie T § 29 bei der 
Erz&hlung von der Anssendung der Siebzig nur wenige Frag- 
mente der dazu gehOrigen Rede sicb finden; and dass der ledig- 
licb darch geistreicbe Combination erklitrliche Anschluss von 
Lc 14, 26 sqq. an Mt 11, 28—30 in T § 29 N. 12 auch in 
F 67; 4 zu finden ist. Der Text im Einzelnen ist vOllig ab- 
weichend. Es ist eben nur die Disposition von T, welche 
in F theils nachgebildet, theils umgestaltet wiederzufinden ist. — 
Man vergleiche die Reihe T § 31—58 mit F 68, 30 - 102, 36. 
Von T § 31—37 war die Ordnung im wesentlichen durch Mt 13, 
1 — 15, 28 an die Hand gegeben. Es mag auch nicht wunder- 
bar sein, dass zwei Harmonisten in die Parabelreihe des Mt 
die dem Mr 4, 26-29 eigenthttmliche Parabel an derselben 
Btelle (T § 31 N, 6. F 71; 4—8) eingeschaltet haben, dass beide 
fttr die Bpeisung der 5000 auch Jo 6 benutzt haben (T § 34. 
F74), und dadurch wieder veranlasst wurden, an die Rtlckkehr 
nach Kapernaum Jo 6, 22—71 (T § 35. F 75, 11-77, 32) an- 
zuschliessen ; und dann erst zu Mt zurttckzukehren. Aber alle 
Wahrscheinlichkeit unabhSngig von einander wirkender Motive 
hQrt auf ; wenn beide auf das kananaische Weib das samariti- 
sche folgen lassen (T § 38. F 80, 5—82, 2), und zwar beide 
nicht mit Jo 4, 1—3, was beide frtther verwerthet haben (T 
§ 13. F 44, 27), sondern mit Jo 4, 4 die Erzahlung beginnen. 
Auch in F ist diese Reise durch Samarien gegen den zweifel- 
losen Sinn der johanneischen Darstellung eine Reise von GalilUa 
nach Jerusalem und zwar zu dem Fest Jo 5, 1. Nur der Aus- 
s&tzigC; welchen T § 39 zwischeneingeschoben hatte, ist ausge- 
stossen. Die ktlhne Idee des Originals (js, oben S. 251 f.) ist nur 
eben nicht voUst^ndig befolgt worden von einem Mann, dem 
alle Ffihigkeit eigener harmonistischer Conception abgesprochen 
werden muss. Es folgen weiterhin UmstellungeU; Erweiterungen 
u. drgl Aber was k(5nnte zwei Harmonisten veranlasst habeu; auf 
die Geschichte von der Verklfirung das Sttick Lc 13, 31—33 folgen 



- 307 - 

za lassen (T § 43 N. 6. F 87, 6—12) und dann erst die bei alien 
Synoptikern unmittelbar an jene angesehlossene ErzUhlnng (T 
§ 44 F 87, 12-88, 9)? Die recht aufailigen Umstellungen in 
T sind zum Theil von F wieder rttckgilngig gemacht worden. 
Mt 19 T 46 steht hier F 92, 18 sqq. wieder hinter Mt 18 F 88, 
23 sqq. 89, 17 sqq. 91, 10 sqq. = T § 50. Aber daneben wie- 
der merkwtlrdigste Uebereinstimmangen. Die alles hi^torischen 
Zosammenhangs ermangelnden Stttcke Le 15, 1—32 nod Le 13, 
1—9 (T § 47. 48. 51) sind auch in F 89, 21—91, 8 und 93, 
17—24 Yor and hinter Sttlcken von Mt 18 nnd 19 nntergebracht. 
Nnr dnrch ein in T ttberhanpt nicht nachweisbares Sttlck (F 93, 
35—94, 14) getrennt, folgt anch hier auf Lc 13, 1—9 ein Sttlck 
des Beriehts vom Laubhttttenfest and zwar dasselbe Fragment 
Jo 7, 2—31 F 94, 15-95, 30 wie in T § 52, daraaf der reiche 
Jttngling T § 53 = F 95, 31—97, 18, der Reiche and Uzaras 
T § 54 = F 97, 19—98, 8, darauf nach Einschiebang des an- 
gerechten Haashalters F 98, 9—34, welcher in T § 49 voraus- 
geschoben war, and einigen kleineren Zathaten die Arbeiter im 
Weinberg F 99, 7 sqq. T § 55. Das vor allem Entsoheidende 
dieses Parallelismas liegt in der Stellang von Jo 7, 2—31, wo- 
mit die ZerstOrnng des johanneischen Beriehts ttber das Lanb- 
htlttenfest gegeben ist (s. oben S. 253 f.). Aach in F ist der In- 
halt von Jo 7, 32-10, 42 F 113, 4—36; 114, 10—120, 42 = 
T § 68—71 demjenigen jerasalemischen Aafenthalt Jesa zage- 
wiesen, welcher nach den Synoptikern der letzte ist, and hieran 
Jo 11 angeschlossen F 120, 43—123, 11 = T § 72. Aach F 
105, 27 — 106, 30 hat demselben jerasalemischen Aafenthalt in 
gleich gewaltsamer Weise wie T § 62 Jo 3, 1—21 zagewiesen. 
Er hat aach den sinnigen Gedanken, wonach Lc 18, 9—14 eine 
Illastration zar Tempelreinigang sein soil, darch die Stellang 
dieser Perikope angedeatet F 105, lO-r-22 cf. T § 60 and oben 
S. 257. Aber er hat ihm doch wieder die Spitze abgebrochen, 
indem er das Fest, bei welchem sich das zagetragen haben soil, 
nicht ein Tempelweihfest sein Ifisst, sondern ein Passa F 100, 25, 
and zwar dasselbe Passa, an welchem Jesas nach alien Evan- 
gelisten gestorben ist; denn er konnte es nicht liber's Herz brin- 
gen, die Geschichte des Einzags am Palmsonntag von der Tem- 
pelreinigang za trennen (F 103, 1 sqq), wie es T mit ktthner 
Eanst gethan hatte. Nan kommt das winterliche EnkSnienfest 
F 119, 29 mitten in die Passazeit hineingeschneit, and ohne 

20* 



- 308 — 

Sang and Elang hftlt Jesus nan seinen Einzng in Jernsa- 
lem Yor dem Leiden F 125; 4. £s ist eben darcb Corrigiren 
and Interpoliren aus einem geistvollen Kunstwerk ein elen- 
des Machwerk geworden. Wer jenes kennt , findet's trotzdem 
in diesem wieder. 

Es wttrde die anvermeidiiche UmstHndlichkeit der Er6r- 
terang in keinem VerhSltnis zum Gewinn stehen, wenn ich alle 
Uebereinstimmnngen and alle Abweichnngen nach weisen and in ibre 
Gonseqaenzen verfolgen woUte. Das Gesagte, was icb aus einer 
doppelt so aasfUbrlicben Ausarbeitung excerpirt babe, wird auch 
dem, der sieh nicbt auf eine tiefer eindringende Untersucbang 
einlassen mag, zum Beweise daftir gentlgen, dass F in alien 
Tbeilen auf T berubt and durcb eine im Einzelnen begreiflicbe, 
bier und da sogar lobenswertbe , im Grossen and Ganzen aber 
planlose and ungescbickte Umarbeitnng aus T.entstanden ist. In 
textkritiscber Hinsicbt ist aus F ftlr T sogut wie nicbts zu ge- 
winnen;.denn es sind die lateiniscben Evangelien in der Bear- 
beitung des GUeronymas^ woraus F die Worte gescbQpft. In 
barmonistiseber Hinsiebt ist die Aniage von T im Grossen und 
Ganzen zum Gitlek so deutlicb Uberliefert , dass man auf die 
tlberall ansiebere Bezeugung durcb F verzicbten kann. Im Ein- 
zelnen dagegen bietet die Harmonisirung in F bQcbst bedeut- 
same BestHtigungen fUr das, was bei der Reconstruction von T 
zum Tbeil auf Vermutbungen von zweifelbafter Sicberbeit ge- 
grttndet werden musste. Und selbst, wo icb keinen Grund zum 
Zweifel an der Sicberbeit meines Yerfabrens erkannte^ war die 
directe oder indirecte BestHtigung durcb F willkommen. Dass 
z. B. in T § 14 die Berufung des Z5llners neben die Berufung 
der Fischer gestellt sei, war nicbt zweifelbaft, aber docb sebr 
auff&llig^ zumal T den Z5llner nicbt Mattbaus, sondern Jakobus 
genannt batte. Gemeint war docb einApostel. Jakobus Alpblii 
Sobn war dem Levi Alpbiii Sobn substituirt^ so dass der Ge- 
sicbtspunct sacblicber ZusammengebOrigkeit unverkennbar ist. 
Aber es ist docb wilikommeU; dass aucb in F 43; 36—44, 2 die 
Berufung des Zdllnerapostels auf die Berufung der Fiscberapostel 
folgt. Der ZQllner beisst bier MattbaeuS; und ausserdem wird 
an ganz andrer Stelie F 60, 10 sqq. zwar nicbt die Berufung 
des Levi^ aber docb das GastmabI in seinein Hause bericbtet. — 
Dass Jo 7; 53-8, 11 in T feblte, ist sicber (T § 69 N. 1). 
Aber die wunderlicbe Stelle, welcbe F dieser Perikope gibt. 



— 309 — 

nSmlich hinter dem GesprSch mit Nikodemns^), ist eine Be- 
stStigaog dafiir, dass F dieselbe nicht io seiner Vorlage fand, 
sondern aaf eigene Gefahr irgendwo aDterzabringen versuchte. 
Dass F da, wo man nach dem Uebergewicht der Zengen, welche 
Jo 7; 53 — 8; 11 ttberhanpt enthalten, dies Stuck erwarten soUte, 
zwiscben Jo 7, 52 und Jo 8, 12 ein ganz anderes Sttlck einge- 
schoben hat, nSmlich die Disputation tiber die Davidssohnschaft 
des Christus Mt 22, 41—46 F 114, 1—9, welche in T jedcnfalls 
bier zwiscben § 68 and 69 nicht stand, ist eine BestHtigang 
dafttr, dass dies StUck anch zwiscben T § 67 und 68, also ttber- 
hanpt in T nicht zu finden war. Denn hStte F es bier, wo man 
es nach dem Zusammenhang bei Mt und Mr erwarten soUte, 
in T Yorgefunden, so wSre unbegreiflich , wie er es trotz aller 
dieser Zengen (Mt, Mr, T) zmschen zwei johanneiscbe Stttcke 
gestellt hStte, welche in T durch nichts und in der lat. Vul- 
gata durch die Perikope von der Ehebrecherin getrennt waren. 
Man sieht, der Bearbeiter bat einige Stttcke, die er in T ver- 
misste, ohne viel Ueberlegung bier oder dort eingeschaltet. — 
Es war mir nicht zweifelhaft, dass T (§ 85 N. 12; § 86 N. 2) 
die Worte iyelQatr^e, aymfiev ivxev&sv Jo 14, 31b von dem 
Torangebenden Eapitel durch Lc 22, 35 — 38 getrennt und an die 
Spitze von Jo 15 gestellt hatte. Aber wie willkommen ist doch 
die bucbst&bliche Best^tigung in F 141, 9. 22! — Wichtig ist 
die Vergleichung auch fttr den Schluss beider Evangelienhar- 
monien. Das Ergebnis zum Theil yerwickelter ErwMgnngen 
(T § 100) findet ungesucht in allem Wesentlichen die beruhigende 
Bestfitigung in F 164, 14-^165, 8. 

F ist keine Uebersetzung von T und ttberhaupt keine eigent- 
liche Uebersetzung eines fremdspracbigen Works ; denn der 
Wortlaut im Einzelnen, die ganze Gestalt des evangelischen 
Textes ist dem lateinischen N. T. nach der Bearbeitung des 
Hieronymus entlehnt. Andrerseits ist F in materieller, insbe- 
sondre harmonistischer Hinsicht ein durchaus secundSres Werk; 



1) F 106| 31—107, 13. Da die ganze Umgebang StUcke aas dem 
bei den Synoptikern letzten Aafentbalt Jesa in Jerusalem enthalt und 
anter anderem auch Lc 21, 1—4 vorangegangeo ist (F 105, 1—10), so 
kSnnte man auf den Gedauken kommen , F folge einer Hs. , welche wie 
die griech. Minuskeln 13. 69. 124. 346 (cf. Ferrar, A Collation of four imp. 
ms8. of the gospels ed. Abbott, 1877, p. 284) die Perikope von der 
Ehebrecherin hinter Lc 21, 37 gestellt hatte. 



— 310 — 

die .nrsprOngliche Gestalt^ aas welcher die lateinisehe Harmonie 
erwachsen ist^ findet sich in dem syrischen Diatessaron; and es 
ist nicht bloss die Abgrenznng and Aneinanderreibang der Peri- 
kopen, deren arsprtingliehen Gntwarf man in T; deren Umge- 
staltang, Erweiterang, Verschlechterang man in F findet, son- 
dern innerhalb einzelner Perikopen ist selbst die feinere Mosaik- 
arbeit des Originals wenn aach anvoUkommen in F wiederzaer- 
kennen. Es fragt sieb nar nocb, wie dieser Thatbestand 
genetisch za erkl&ren sei. Nicht anwichtig ist dafttr die Entsteh- 
angszeit des F. Sie f&llt zwischen 383, in welebem Jahre Hiero- 
nymos seine Revision der EvangelienUbersetzang aasftihrte, and 
546; in welebem Jabre Victor Ton Gapaa die Evangelienfaarmonie 
hat abschreiben lassen. Yon beiden Sassersten Terminen hat 
man sich aber einigermassen fernzuhalten. Bedenkt man, wie 
langsam der hieronymianische Text aach in Italien allgemeine 
Anerkennang fand, so ist es wahrscheinlicher , dass er am 500, 
als dass er am 400 so, wie bier geschehen, von einem Harmo- 
nisten verarbeitet warde. Andrerseits hatte das Werk schon 
eine Gescbichte, ehe es Victor in die HSnde bekam. Die Diffe- 
renzen zwischen Index and Text (s. oben S. 300 ff.) beweisen, dass 
der Text in der Zwischenzeit zwischen Entstehang der Harmo- 
nie and Anfertigang derjenigen Handschrift, welche Victor fand 
and abschreiben liess, einige wenn nicht zahlreiche and darch- 
greifende, so doch bedeatsame Aenderangen erfabren hatte. Frtther 
als am 500 braacht die lateinisehe Harmonie daram doch nicht 
entstanden za sein. Eine grQssere Verbreitang hatte sie bis za 
Victor's Zeit nicht gefanden. 

Aber ist es denn denkbar, dass am 500 aaf Grand des 
syrischen Diatessaron die lateinisehe Harmonie in der Weise, 
welche das thatsHchlicbe VerhSltnis beider Btlcher voraassetzt, 
entstanden sei? Es scheint natttrlicher als Mittelglied zwischen 
dem syrischen and dem lateinischen Bach ein griechisches an- 
znnehmen. Aas dem Syrischen in^s Griechische ist spStestens 
vom Anfang des vierten Jahrhanderts an Ubersetzt worden ^). 
Es k(5nnte im wesentlichen das Gleiche zweimal geschehen sein : 
eine Umsetzang, am nicht za sagen Uebersetzang, des syrischen 
Diatessaron in ein griechisches, and dann wieder des griechi- 



1) Eas. h. e. I, 13; IV, 30; Sozom. h. e. Ill, 16 ed. Mogant. p. 525 ; 
Hieron. v. ill. 115. 



— 311 - 

schen in ein lateinisches. Denn daran, dass dies lediglich hypo- 
thetische griechische Diatessaron das Original, die gemeinsame 
Wnrzel der syrischen and der lateinischen Harmonie sei^ ist 
nach den vorangegangenen Untersuchnngen nicht mehr zn denken. 
Aber es gibt auch keine aasreicbenden Grttnde za der Annabme, 
dass die Vorlage des lateinischen Harmonisten eine griechische 
gewesen sei. Zar Zeit Victor's von Capua hat der Africaner 
Janilius , welcher am 545—552 Quaestor sacri palatii za Con- 
stantinopel war, von dort aus dem Bischof Primasias vonHadra- 
met ein von ihm bearbeitetes lateinisches Compendium der bibli- 
schen Einleitung, die Instituta regtUaria divinae legis ttbersandt; 
welches nichts anderes als die freie Bearbeitung eines Collegien- 
hefts des syrischen Nestorianers Paulus, eines ZOglings und 
Lehrers der Schule von Nisibis war^)* Die Yortrlige, welche dieser 
Paulus vielleicht schon i. J. 533 oder erst um 544 bei Gelegen- 
heit einer Ifingeren Anwesenheit in Constantinopel bielt, sind 
obne Frage in griechischer Sprache gehalten und von den Za- 
horern griechisch nachgeschrieben wordeu; so z. B. Vorlesungen 
ttber den RQmerbrief; welche Junilius selbst nachgeschrieben 
hatte, so auch diejenigen Uber die biblische Isagogik, welche 
Junilius ; wie es scheint, nach Heften Anderer lateinisch bear- 
beitet^ in Katechismusform gebracht) in zwei Bticher eingetheilt 
und mit wenigen eigenen Zuthaten ausgestattet hat. Dass eine 
fbrmliche griechische A usgabe dieser isagogischen Vortrfige dem 
Junilius als Vorlage ftlr seine lateiniscbe Bearbeitung gedient 
habC; ist nach Analogic dessen, was er fiber die Auslegung des 
BOmerbriefs sagt, nicht wahrscheinlich '). Jedenfalls ist es ein 
syrisch concipirtes Compendium; aus welchem durch das Medium 



1) QL die grtindlichen Untersachangen vod H. EihO) Theodor von 
Mopsuestia und Junilias Africanas. 1880. 

2) Praef. p. 469, 3 der Ausg. von Kihn im Anhang der genannten 
Schrift: nam et beati Fault ad Bomanos epistolam audivi suhtiliuSf ut 
arhitroTf exponentem, quam ego ex eius ore ne memoria laheretur except. 
Die Vortrage Uber Isagogik scheint Junilius nicbt selbst geh(irt zu haben ; 
denn er sagt p. 468, 4 sqq., nachdem er von seiner Begegnung mit Pau- 
lus und von den theologischen Vorlesungen an der Schule zu Nisibis ge- 
sprochen hat: Tunc diu quaesitus^ si quid ex eius dictis haherem^ dixi, 
quod legissem regulas quasdam^ quibus ille discipulorum animos divi- 
narum scripturarum superficie instructos , priusquam expositionis pro- 
funda patefacerety solebat imbuere. Kihn S. 267. 289. 290 driickt sich 
nicbt ganz deutlich und gleicbmassig aus. 



— 312 — 

mUndlichen Vortrags in griechischer Sprache das ins Abendland 
wandernde lateinische Bach entstanden ist. Und nieht erst in 
Folge des Dreicapitelstreits fing das lateinische Abendland an, 
sich flir die theologische Weisheit des syrischen Ostens zn in- 
teressiren. Schon etwa 10 Jahre Tor Aasbrnch desselben plante 
Cassiodorins mit dem r5mischen Bischof Agapetas (f 536) die 
Grttndnng einer theologischen Schnle zn Rom nach dem Master 
der Scholen von Nisibis and Alexandria^). Noch wichtiger ist 
die Stellnng des Gennadias Ton Massilia zar syrischen Literatar. 
Im ersten Kapitel seiner am d. J. 495^) geschriebenen Naeh- 
trfige za des Hieronymas Bach liber die bertlhmten Mtoner be- 
richtet er aasftihrlich liber die Themata der einzelnen Abhand- 
langen des syrischen Persers Aphraates^ welchen schon er mit 
Jakobas Ton Nisibis verwechselte '). Aasdrlicklich bemerkt er 
dabei, dass dessen Werke noch nicht aas dem Syrischen in eine 
andere Sprache tlbersetzt seien and entschaldigt eben daroit die 
Aaslassang dieses and anderer syrischer Schriftsteller dorch 
HieronymaS; welcher nach seinem eigenen Zeagnis die Schriften 
der wenigen Syrer, die er in seinen Ratalog aafgenommen^ nar 
aas griechischen Uebersetzangen gekannt habe. Aach tiber eine 
syrische Ghronik des angeblichen Jakobas von Nisibis, fiber 
Schriften zweier Schliler EphrSm's (c. 3. 75) and des Isaak von 



1) Gassiod. inst div. lit. praef. (ed. Garetins torn, n, 537). Of. 
Franz, Gassiodorius S. 24. 

2) Eine genaae Zeitbestimmang ist wegen der theilweise wider- 
sprechenden Angaben and wahrscheinlich spateren ZusStze schwierigi 
aber auch fUr jetzt gleicbgUltig. Gf. Herzog's RE. 2. A. Bd.V, 61; Smith 
and Wace, Dictionary of Ghristian Biogr. II, 631. 

Sy Gennadius, v. ill. 1 Ced. Herding p. 70| 10): JBunc virum heatus 
JSieronymua in libro /(^oj/ixoJy velut magnarum virtutiim hominem no- 
minanSf in catalogo acriptarum cur non posuerit^ facile exctMabitur, si 
conHderemua quod ipsos tree vel guaiuor Syros^ quo sposui, et interpretatos 
in graecutn legisse testatur (cf. Hieron. vir. ill. 33. 72. 115). Unde 
constat eum illo tempore ignorasse Syrorum linguam vel litteraSf et ideo 
hunc^ qui necdum in aliam linguam versus est (nicht ^erat*'), nescisse 
scriptorem, — Aach de eccl. dogm. 15 (Oehler, Gorp. haeres. I, 339) 
scheint Gennadias diesen Jacobus = Aphraates im Sinn za haben cf. 
Jacob! Nis. sermones ed. Antonellas praef. p. V. Die Lehre von einer 
anima animalis neben einer anima spiritalis hat Gennadias vielleicht in 
Stellen wie Aphr. ed. Wright p. 125 sqq., ed. Antonellas p. 123 sqq. 
gefunden. Anst^issig war seine Psychologic ja aach dem Heidenbischof 
Georgius. Sasse, Proll. in Aphr. p. 19 entscheidet sich nicht. 



— 313 - 

Antiochien ^) berichtet Gennadins so, dass man annehmen mass, er 
babe sie selbst im Original gesehn oder sich ^on einem der 
syriscben Sprache Kandigen aus denselben voiiibersetzen lassen'). 
Es werden nicht vieleSyrer insAbendland gekommen sein, wie 
jener Isaak von Amid^ welcher am 404 nach Rom kam, am das 
Capitol za sehn^), oder die von den syriscben BiscbOfen i. J* 
495 nacb Bom gescbiekten M(5ncbe^). Aber im Morgenland waren 
sie Uberall anzatre£Fen. Syriscbe MQnebe liessen sieb in Egyp- 
ten, am Sinai^ in PalSistina and selbst in Constantinopel nieder. 
Und wie mancber Lateiner ist seit den Tagen des Hieronymas 
za Iftngerem oder klirzerem Aafentbalt an einen dieser Orte ge- 
kommen, wo er sicb mit Syrern berttbren masste, welcbe die 
Bibel in ibrer eigenen Spraebe lasen and daneben des Griecbi- 
scben soweit mScbtig waren , dass sie mit einem gebildeten 
Occidentalen beqaem Terkebren konnten. Also aacb anwabr- 
scheinlicb ist das Ergebnis der letzten Untersacbang niebt, dass 
im 5. oder im Anfang des 6. Jabrbanderts ein Lateiner aaf 
Grand von Tatian's syriscbem Diatessaron and der darcb Hiero- 
nymas revidirten lateiniscben Evangelientlbersetzang die Evan- 
gelienbarmonie aasgearbeitet bat, welcbe darcb Victor aas der 
Verborgenheit bervorgezogen warde. 

Vielleicht hat ein Griecbe za einer Zeit, welcbe kaam ge- 
naaer sicb wird bestimmen lassen, Aebnlicbes anternommen. 
Icb meine jenen scbon mebrfacb erwSbnten karzen Abriss.der 
evangeliscben Gescbicbte, welcben Ottmar Nacbtigall oder, wie 
sicb der Humanist nannte, Lascinius 1523 beraasgab and dem 
Biscbof von Aagsbarg, Cbristopb von Stadion widmete^). Es 



1) 0. 67: Isaac t presbyter Antiochertae ecdesiae scripsit Syro ser- 
mone longo tempore et tnulta. Den anderen Isaak c. 26 wage ich nicht 
mit aafzuzahlen. In Bezag auf die noch schwebende Frage wegen der 
verschiedenen Syrer dieses Namens cf. in Kttrze Nestle in Herzog's BE. 
2. A. Bd. VII, 162. 

2) Han vergleiche, wie er anderwSrts bemerkt quae necdum legi 
c. 72, oder multa adverstis ecdesiae inimicos Syro sermone construere 
dicitur c. 83. 

3) Wright, Catal. p. 603. 

4) Epist. Pontif. Bom. ed. Thiel I, 473. 

5) Evangelicae historiae ex quatuor evangelistts perpetuo tenore 
continuata narratio, ex Ammonii Alexandrini fragmenOs quibitsdam^ 
e Graeco per Ottomarum Lusctnium versa ^ qua et tedio sacrae lectionis 
studiosorum succurritur, et or dine pulcherrimo mire iuvatur memoria. 



— 314 — 

ist weder aas dem Titel, noch ans der Vorrede des Btichleins 
mit vOlliger Sicberheit zu erseben, was daran das eigene 
Werk des Heraosgebers ^ and was der yon ibm entdeckte nnd 
znm ersten Mai ans Licht gezogene Scbatz ist. Man bat das 
Ganze fttr eine Mystifieation batten wollen. Aber der Inbalt ist 
docb za barmlos. Der Heransgeber ^) war ein sebr vielseitiger 
Gelebrter, ein yielgewanderter Mann und niebt obne bedenkliche 
Sebwankungen in seiner Parteistelinng, dabei rileksiehtslos in 
der Polemik. Melanebthon nrtbeilt in einem Disticbon tiber ibn, 
der Name „6eyer^^ sei passender fllr ibn, als ,,NaehtigaIP. 
Aber fbr eincn Betrtlger bat ibn meines Wissen Niemand ge- 
balten. In Bezag anf die dareb die reformatorisehe Bewegang 
bervorgerufenen Gegens&tze nabm er damals eine noeb zawar- 
tende Stellang ein. Er nrtbeilt: Iliacos intra muros peccatur et 
extra; gegen „die Pbilosopben'^ ist er eingenommen ; keinen 
anderen Namen als Christiani soUten die fUbren, welcbe es sind. 
Das Evangelinm allein kann belfen; so will aneb er an seinem 
Tbeil den unrnbigen Zeitgenossen das Evangeliam in kurzer, 
tlbersiebtlicber Form darbieten. Aneb der Biscbof ^ in dessen 
allemSebster NSbe, am Benedietinerkloster St. Ulrich zn Augs- 
burg, Nacbtigall seit knrzer Zeit als Lesemeister and Professor 
des Griecbiseben tbMtig war, ist weder naeb Seiten der Bildang 
noeb des Cbarakters der Mann gewesen, dem man mit einem so 
windigen nnd sogar zweeklosen Betrng bUtte kommen dUrfen, 
wie er bier vorlllge, wenn alles, was der Heransgeber fiber eine 



Crregarii episcopi Nazanzeni miracula secundum Matthaeum^ carmine 
GraecOf cum translatione latina. Paraholae, enigmata, Miracula secun- 
dum Johannem, Secundum Lucam, Secundum Mar cum, Paraholae quatuor 
Evangelistarum. Auf dem letzten Blatt des Bacbs: Augustae Vindelicorum, 
per Simpertum Bilff, Expensis Do, Sigis. Grim, Men. Nouembri. An, 
M. D. XXIII, Das Bach ging anter dem Namen Tatian's in die Samm- 
lungen liber, so z.B. Monum. Patr. orthodoxogr. Basil. 1569 p. 747 sqq. 
Bibl. Pair. Paris 1654 tom. VII, 74—90. Ueber die Aenderang des 
Titels in der Bibl. Maxima s. oben S. 299 Anm. 8. 

1) Of. seine Gharakteristik in Fr. Roth, Augsburg's Reformationsge- 
schichte von 1517—1527, Mtinchen 1881 S. 100-104. 121. Die sorgfal- 
tigste Zusammenstellung der Nachrichten tiber ihn soil Th. Strobel^ Mis- 
cellaneen liter. Inhalts, 4. Sammlung .1781 S. 4—60 geben. Zu beachten 
ist, dass Luscinius Paris, Italien und selbst Asien gesehn hat. Wo die 
Hs. , welche er lange vor 1523 gesehen haben will {in cuius fragmenta 
jam pridem inddimus^^ zu suchen sei, ist demnach sehr.ungewiss. 



— 315 — 

von ihm aufgefoDdene grieehische Quelle anter dem Namen des 
Ammonias sagt, erlogen wUre. Ehe man den Ottomar Nachtigall 
des Betrngs zeihen darf, mass man jedenfalls seinen Worten 
mehr Gereehtigkeit widerfahren lassen, als geschehen ist^). 
Grieehische Fragmente will er gefanden and in's Lateinische 
tlbersetzt haben. Was er gibt; sind aber nicht Fragmente, son» 
dem ein Ittckenloses Ganze. Sehr firei mass er also damit Ter- 
fahren sein. Er hat noeh Anderes daza gethan, als dass er die 
im Original befindlichen griechiscben Eapitelangaben mit den 
gewQhnlichen lateinisehen vertaascht bat, was er aasdrttcklieb 
bezeagt. Ehe er der ammonianischen Fragmente gedenkt, spricht 
er yon dem Inhalt seines Baches darchaas als von einer eigenen 
Arbeit, deren Etlhnheit er darch den Vorgang des Diehters 
Javencas, des Aagustinischen Works de consensa evangelistaram 
and der eosebianischen Canones entschaldigt. Nar yiel enger 
als an diese YorgSnger hat er sich an die TorlSngst von ihm 
gefnndenen and von ihm ins Lateinische tibersetzten Fragmente 
angeschlossen. WSre die Existenz dieser Fragmente von ihm 
fingirt, so wtirde er doch wohl nicht seinen eigenen Zweifel an 
der ZaverlSssigkeit des im griechiscben Original vorgefundenen 



1) Die wicbtfgste Stelle der Vorrede lautet w^rtlich: Atqui opero- 
sum est ac fastidii plenum, singulos quatuor Evangelistas, homini potts- 
simum, cut non vacat prae negotiis, ad plenum excutere. Qua in re 
visiM sum mihi aperae pretium facturus, si ex quatuor^ simpUcem unam 
atque earn perpetuam narrationem contexerem^ turn quod labor iste tedio 
lectoris succurreret, turn quod memoriam mirum in modum iuvaret, quae 
nulla re magis capitur quam ordine, Videas enim in evangelica lectione 
nonnulla esse hiulca^ quaedam praepostera, et intempestiva item non 
pauca. Sed hie inclamitahit quispiam nostram opellam. Ohe tu qui 
manus admoliris rei sacrae, atque invertis omnia. Num tuam malis 
quam Evangelistarum legi editionem? Primum respondeo, non meum 
hoc esse exemplum, Juvencus heroicis versihus iam dudum cecinit aliis 
verbis Evangelium^ quam nostra habeat vulgata editio , etiamsi nusquam 
dissideat sententia. Et docet sacer Augustinus qua ratione una narratio 
omnium quatuor complecti possit dicta , Eusebius in ea re pulchram 
navavit operam. Nee minorem Ammonius alexandrinus , in cuius frag- 
menta iam pridem inddimus, modo fallax non sit titulus. Quem quidem 
e Grraeco vertimus per otium et capitum ad eum modum quo partiuntur 
Crraeci, numerum^ in nostram latinorum seriem redegi, quae res magno 
mihi constitit. Verum utcumque res cesserint, vel eo mihi nomine blan- 
dior, quod in iuvandis Evangelids Uteris non prorsus fuerim asymbolus, 
aliosque tedio, etiam meo incommodo levarim. 



- 316 — 

Titels anssprechen. Der Titel des gednickten Bachs ist dem- 
nach allerdiogs Ubertreibend ,- vorsichtiger laatet die Unterschrift 
desTextes: Finis perpetiuze narrationis evangelicae. Ex Ammonio 
Alexandrino^ per OUomarum Lusdnium. So kann eine ziemlich 
freie UmarbeitaDg beissen. Dass eine solche vorliegt, zeigt die 
elegante Stilisirung and solche Stelleo, wie die in drei Sprachen 
gegebene Erenzesinschrift (Bogen F III). Lascinias hat seine 
Leser gewiss nieht glanben machen woUen, dass in der Ton ihm 
gefnndenen griechischen Hs. aach die sehr incorrecten bebrfiiscben 
Worte gestanden haben ta-^nirr^ (!) ibw (!) '^'iTsn (!) yttJiirT^ und aOf 
der folgenden Seite '^5n:iTy rtwb -^bK <bts(. Es ist freilich ein grosser 
Uebelstand, dass wir, solange das griechische Original nicht wie- 
der gefanden ist, nicht genan angeben kQnnen, wieweit die Be- 
arbeitang desselben darch Lascinias aach die Aaswahl and 
Ordnnng der Materien bertihrt hat Aber an der Existenz einer 
griechischen Vorlage za zweifeln, besteht kein Grand. Die 
stilistische Form ist sicherlich ganz das Werk des Lascinias. 
8ie ist im ganzen rhetorisch and elegant, aber darin sehr an- 
gleich, dass Anfangs das Ganze nar ein mageres Argamentam 
werden za woUen scheint ^) ; im weiteren Yerlaaf dagegen die 
Inhaltsangabe theilweise za zehnmal grQsserer Aasftthrlicbkeit 
anschwillt and streckenweise die Gestalt einer karzen ErzUhlang 
der evangelischen Geschichte annimmt. Ich vermathe, dass 
diese Ungleichm^ssigkeit der Behandlang in der Beschaffenheit 
des Yorgefandenen griechischen Textes begrtlndet war. 

Um nan eine Vergleichnng der Anlage dieser Epitome mit 
anderen Evangelienharmonien za ermOglichen, gebe ich eine 
AafzShlang der Stttcke, aas welchen sie zasammengesetzt ist. 
Da die von Lascinias nach seinem griechischen Original in den 
Text gesetzten, aber nach der noch jetzt tiblichen Gapiteltheilang 
des Hago a S. Garo amge&iderten Stellenangaben aas den Evan- 
gelien sehr angleich vertheilt sind, manchmal hinter einem ein- 
zigen, einem Bibelvers entsprechenden Satz, dann wieder nach 
seitenlangen Erzllhlangen angebracht, zam Theil aach recht 
fehlerhaft sind^ so sehe ich von dieser Abtheilang ebenso wie 



-1) Der Anfang z. B. laatet so: In principio erat verbumf per quod 
condita sunt omniay in fine tandem temporum caro factum Joan, I. Idque 
novo nascendi modo^ ex virgine Maria , Joseph quidem nuptui tradita. 
Mat, J. Sed Gdbrielis paranymphi caelestis nuncio gravida. Luc€ie L 



— 317 — 

von den 20 am Band angegebenen Ziffern ab and notire in den 
Anmerkangen von jenen Angaben nnr das inhaltlich Bedentsame. 
Dagegen bezeiebne ich den Inhalt naeh den Stellen der Evan- 
gelien, deren Benutzung Ans der Inhaltsangabe erhellt 



[I. Vorgeschichte.] 



1. Jo 1, 1 — 14 (oder noch 
mehr). 

2. Mt 1, 18. Lc 1, 26—38 0- 
3; Mt 1, J9— 25. 

4. Lc 2, 1—14 (Oder 20). 

5. Lc 2, 2L Mt 2, 1—122). 

6. Lc 2, 22-38. 

7. Mt 2, 13—23 (darin einge- 
schaltet Lc 2, 39 u. 40) «). 

8. Lc 2, 41—52. 

9. Mt 3, 1 — 12. Mr 1, 4-8. 
Lc 3, 2—17. Jo i, 19—28. 



10. Lc 3, 23 (Jesus, dreissig 
Jahr alt). Mt 3, 13—17. 

11. Mt 4, 1—12 «). 

12. Jo 1, 29-45 (wahrschein- 
lich -52). 

13. Jo 2, 1—11 u. 14— 16»). 

14. Lc 5, 1—11 •). 

15. Jo 3, 22—36. 

16. Mtl4,3— 11. Mr 6, 14-29. 
Lc 3, 19 sq.^). 

17. Mt 4, 12-17. 



1) Dass von Mt i, 18 wenigstens ein Stttck dastand und zwar vor 
Lc 1, 26 sqq., wird wegen der in der vorigen Anmerkung abgedrackten 
Anordnung und Stellenangabe ziemlich sicher sein. 

2) Lc 2, 21 ist wohl nur in Folge des freien Satzegefliges naeh der 
ersten Nennung der Magier angebracbt. Der Beschneidang am 8. Tage 
soil die Ankunft der Magier bald, namlich am 15. Tage (naoh der Ge- 
bart) gefolgt sein. 

3) Von Nazareth aus, wohin er sich in Folge der Nachstellangen des 
Herodes naeh der Darstellung im Tempel zartickgezogen, flttchtet Joseph 
naeh Egypten. £s ist also Lc 2, 39 eigenthlimlich mit Mt 2, 13—16 ver- 
quickt. Ebenso Lc 2, 40, wenn dies Wachsen und Erstarken Jesa sich 
aaf einen 7jahrigen Aafenthalt in Egypten beziehen solL 

4) Es werden zwar auch Mar* L iMcae IHI citirt, aber das 
einzige Gharakteristische post quadraginta dierum inediam passt nur 
anf Mt. 

5) Die zweite Halfte durch die Worte simulque eiectis e templo mer^ 
catOTtbus an das Hochzeitswunder angeschlossen ohne Andeutung von 
V. 12. 13. 

6) Es werden keine Parallelen citirt. 

7) Citirt wird nur MtXIV. Mr VI, Aber wahrscheinlich liegt nur 
Lc zu Grunde. 



- 318 — 



II. Annus primns dominicae praedicationis. 



18. Lc 4, 14 b— 21'). 

19. Lc 6, 12—49. Mt 5—7. 
Mr 3, 13—19 »). 

20. Mt 8, 1—4. Mr 1, 40-44. 
Lc 5, 12—14. 

21. Mt 8, 5-13. Lc 7, 1— 10 
(Jo 4. 46—54) »). 

22. Mr 1, 23—28. Lc 4, 32—37. 

23. Lc 7, 11—17. 

24. Mt 4, 23—25. Mr 1, 7—12. 
Lc 4, 40 sq. Jo 6, 2*). 

25. Lc 7, 36-50. 

26. Mt8,18— 22. Lc 9, 57-62. 

27. Mt 8, 23—34. Mr 4, 36— 
5, 19. Lc 8, 22—39. 

28. Mt 9, 1—8. Mr 2, 1—12. 
Lc 5, 17—26. 

29. Mt 9, 9. Mr 2, 13. 14. Lc 5, 
27. 28»). 



30. Jo 4,1 (Oder 3) -42 (od. 45). 

31. Jo 4, 46—54. 

32. Mt 9. 10—17. Mr 2, 15-22. 
Le 5, 29-39 •). 

33. Mt 12, 38—45. Lc 11, 24— 
26. 29—32. 

34. Lc 11, 27. 28^). 

35. Mt 12, 46—50. Mr 3, 31— 
35. Lc 8, 19—21. 

36. Mt 9, 18—26. Mr 5, 22—43. 
Lc 8, 41— 56«). 

37. Mt 9, 27—34; 12, 22-24. 
Lc 11, 14 8q.»). 

38. Mt 12, 25—37. Mr 3, 23— 
30. Lc 11, 17—23. 

39. Lc 10, 38—42. 

40. Lc 10, 1—20. 

41. Lc 10, 21 sq. Mt 11, 25— 
27 (Oder 30). 



1) Citirt wird dazu Lc IIIL WShrend aaf t. 14 b deatlioh Bezag 
genommen wird, wird Nazareth faier nicht erwShnt. S. Nr. 45. 

2) Die Composition ist nicht ganz deatlich, jedenfalls aber kiihn. 
Die ErwShlaAg der ZwSIf, wozn Mt X. Mr III. Lc VI citirt werden, 
scheint nicht auf dem Berge geschehn sein za sollen; dann aber auf dem 
Berge. die Seligpreisungen and die Ausriiatang der Jtinger mit Heilkraft 
(Mr 3, 15); endlich in der Ebene Bede ans Volk, wozn nor Lc VI 
citirt wird. 

3) Jo IV wird ausdrttcklich neben Mt und Lo citirt S. aber auch 
nnten Nr. 31. 

4) Jo VI wird von Lnscinias selbat neben den Anderen citirt. 

5) Erst spater Nr. 32 das Gastmahl, hier aber der wnnderliche Satz : 
Et pauculos post dies Judaeam repetit, atgue in teloneo cottspectum 
Matthaeum publicanum, vocat ad apostolici tnuneris functionem. 

6) Der ZSliner heisat nar Levi, aber alle drei Synoptiker werden 
citirt 

7) So als selbstandiges Sttiok, obwohl auoh zn Nr. 33 schon Lc XI 
neben Mt XII citirt war. 

8) Sonderbarer Weise keine Silbe fiber das blatflttssige Weib. 

9) Die beiden FSIle in Mt 9, 32 und Mt 12, 22 sind als identisch 
behandelt Mr wird nicht dazu citirt, wohl aber zur ersten Hiilfte von 
Nr. Sa 



- 319 - 



42. Mt 12, 1-14. Mr 2, 23— 
3, 6. Lc 6, 1-11. 



43. Lc 6, 12. Mt 12, 15 »). 

44. Mt 13, 1-52*). 



in. Dominicae praedicationis annas secnndas. 



45. Mt 13, 53-58. Mr 6, 1-5. 


55. 


Jo 6, 1. Mt 15, 32—39. 


Lc 4, 22-30 »). 




Mr 8, 1-9 T). 


46. Mt 14, 1. 2. Mr 6, 14 16. 


56. 


Mt 16, 1—12. Mr 8, 10—21. 


Lc 9, 7-9*). 




Lc 12, 1. Mt 7, 15 •) 


47. Mt 14, 13-21. Mr 6, 32 


57. 


Mt 16, 13—28. Mr 8, 27- 


44. Lc 9, 11 — 17. Jo 6, 




9, 1. Lc 9. 18 27. 


5-15 »). 


58. 


Mt 17, 1—9 (Oder 13). 


48. Mt 14, 22-36. Mr 6, 45 




Mr 9, 2-10 (Oder 13). 


56. Jo 6, 16 21. 




Lc 9, 28—36. 


49. Jo 6, 22 71. 


59. 


Mt 17, 14-21. Mr 9, 14— 


50. Lc 11, 37 ^ 48. Mt 15, 1 




29. Lc 9, 37 43. 


20. Mr 7, 1—23. 


60. 


Mt 17, 24-27. 


51. Mt 15,21 28. Mr 7, 24 30. 


61. 


Mt 18, 1-5. Mr 9, 33-37. 


52. Mt 15, 29—31. 




Lc 9, 46-^8. 


53. Mr 7, 31-37. 


62. 


Lc 15, 1 32. (Mt 18, 12 


54. Jo 5 «). 




14) •). 




-^v 



<t' i !" 






1) Mehr ist nicht zu erkennen. Citirt werden Mt XL Lc VL, 

2) Es werden zwar in diesem Zusammenhang auch Mr LV, Lc VIII, 
XIII citirt, aber nichts Gharakteristiscfaes gegeben, dagegen 
dig, anch in der Ordnung. /^Vt 

3) S. oben Nr. 18. />- **^ 

4) Das Uebrige s. Nr. 16. 

5) Ueber Jo 6, 2 a. Nr. 24. 

6) Das namenlose Fest gilt als Pentecoste. 

7) Obwohl nnr Mt und Mr citirt werden, so zeigt doch der Anfang 
des Referats Aliquanto post, transmisso man Galileae, dass Jo 6, 1 und 
iiberfaaupt der Anschlass des Speisungswanders in Jo 6 an Jo 5 den An- 
lass gab, auf Jo 5 anch in dieser Harmonie ein Speisungswunder folgen 
zn lassen, aber nicht die Speisang der 5000, die schon in Nr. 48 dage- 
wesen war, sondern die der 4000. 

8) AUe diese Eapitel werden citirt. Schwerlich hat aus Mt 7 noch 
mehr als v. 15 dagestanden, auf welchen die Worte qtwd multos (sic) 
sensim lupum mentientes ovilla huiusinodi cmrumperent, 

9) Citirt wird nnr Lc XV und dessen Inhalt yollstandig angegeben. 
Aber die MatthSusparallele gab den Anlass zur Einschaltung, wie auch 
die einleitenden Worte zeigen: Denique qualiter deus erga huiusinodi 
esset affectuSf parabola ostenditur ovis centesimae etc. Von Mt 18, 6—1 1 
zeigt sich hier keine Spur. 



— 320 — 



63. Mt 18, 15—35. Lc 17, 3. 
4»). 

64. Mt 19, 1-15. Mr 10, 1—16. 
Lc 18, 15—17. 

65. Jo 7, 1. Lc 13, 1—9 *). 

66. Lc 13, 10—17 n. 31—35. 

67. Jo 7, 2—29 (Oder 31 8. 
Nr. 108). 

68. Lc 12, 13—21. 



69. Jo 8, 31 (oder schon von 
V. 12?) —59. 

70. Jo 9, 1-41. 

71. Mt 19, 16—30. Mr 10, 17 
—31. Lc 18, 18—30. 

72. Lc 16, 14—31. 

73. Lc 16, 1—13. 

74. Mt 20, 1—16. 
I 75. U 14, 1—14. 



IV. Tertins annas dominicae praedicationis. 



76. Jo 10, 22—39. 

77. Jo 10, 40—11, 53. 

78. Jo 10, 54—57 (?) ») 

79. Lc 17, 11—19. 

80. Lc 9, 51—56. 

81. Lc 18, 31—34. Mt 20, 17 
—19. Mr 10, 32—34. 

82. Mt 20, 20-28. Mr 10, 35 
—45. Lc 22, 24—26 *). 

83. Lc 19, 1—10. 



84. Mt 20, 29-34. Mr 10, 46 
—52. Lc 18, 35-43 •). 

85. Jo 12, 1—8. Mt 26, 6 — 
13. Mr 14, 3—9 •). 

86. Mt 21, 1—9. Mr 11, 1— 
10. Lc 19, 29—38. Jo 12, 
12-15 (?). 

87. Lc 19, 41—44 ^). 

88. Mt 21, 10. 11 •). 

89. Mt 21, 12 u. 13. Mr 11, 



i) Le XVII wird ansdrttcklioh dtirt 

2) Jo YH wird zu dem ttberleitenden Satz citirt: Rwrsua deinde 
nlinguens Judaeam, quia in pemiciem illius Judaei conspiraverant, 
OaUlaeam petiit. Es war Mt 19, 1 als Reise bis in JudSa hinein aaf- 
gefasst Das sich anschliessende Stiick Lc 13, 1—9 spielte aber in 
GalilMa. Daher wurde aus Jo 7, 1 eine Reise nach Galilaa gemacht 

3) Zu dem Satz: Cesait furori domimts, Efrem profecttu, quae urbs 
non longe a vasta solitudine aberat, ubi in tuto manait cum diseipuUs 
wird citirt Jo XI. Mt XU. Mr III (sic). 

4) Anch letzteres wird citirt. 

5) Wie in der gescbichtlichen Anordnnng (beim Ansgang aus Je- 
richo, wie bei Mt n. Mc), so folgt er anch in der Mebrzabl der Blinden 
dem Mt 

6) Die Stelle nach Jo, aus dem alles Wesentliche, nur nicht der 
Name des Jndas anfgenommen ut. Dagegen aus Mt and Hr der Simon le- 
prosua. 

7) Beflevit illius eladem omnium miserrimam, guam a Bomanis 
prineipibus Tito et Vespaaiano esset aeceptura. 

8) Mebr ist nicht zu erkennen. Wenn auch Jo Xn citirt wird, so 
ist vielleicht an Jo 12, 17—19 zu denken. 



- 321 



15-17. Le 19, 45 nnd 
46'). 

90. Mt 21, 14 «). 

91. Jo 2, 18—22. 

92. Mr 12, 41-44. Lo 21, 1—4. 

93. Lo 18, 9—14. 

94. Mt 21, 17. Mr 11, 11 »). 

95. Jo 3, 1—21. 

96. Mr 11, 12—14 (Mt21, 18 sq.) 

97. Jo 8, 2-11 *). 

98. Jo 12, 20-36 (oder nnr 
-28). 

99. Mr 11, 19-26. Mt 21, 20 
—22 »). 

100. Lc 18, 1—8. 



101. Mt 21, 23-27. Mr 11, 27 
—33. Lc 20, 1—8. 

102. Mt 21, 28-32«). 

103. Mt 21, 33-46. Mr 12, 1 
-12. Lc 20, 9-19. 

104. Mt 22, 1—14. Lc 14, 16 
—24^). 

105. Mt 22, 15—22. Mr 12, 13 
-17. Lc 20, 20-26. 

106. Mt 22, 23-33. Mr 12, 18 
—27. Lc 20,27—40. 

107. Mt 22, 34-40. Mr 12, 28 
-34. Le 10, 25-37 •). 

108. Jo 7, 32—44 (oder bis 
52)»). 



1) Es wird hier ans schaldiger Rlicksicht auf Nr. 13 Jo 2 nicht 
citirt, aber dass das gegen die urflpriinglicfae Idee der Harmonie ist, zei- 
gen einmal die nar aus Jo 2, 15 stammenden Worte flagello ex funibus 
ad earn rem parato , und zweitens der sofortige Anschluss von Jo 2, 18 
in Nr. 91. 

2) So als besonderes Stuck mit eigenem Gitat. Von v. 15. 16 ist 
nichts zu sefan. 

3) Damach scheint die Tempelreinigung auf den Einzugstag selbst 
zn fallen. In der folgenden Nacht, die Jesus in Bethanien zubringt, be- 
sncht ihn dort Nicodemns. 

4) Es wird Jo VIII citirt. Durch den Anschluss an Nr. 96 fiel Jo S, 1 
nnd von v. 2 jedenfalls das Wort oqB-qov weg. 

5) Mr XI wird zunachst fUr einen mit Mr 11, 19 identischen Satz 
citirt, dann fUr die Betrachtung des in Folge des vortagigen Fluchs 
(Nr. 96) verdorrten Baums und die damit verkntipfte Verheissung Mt XXI 
Mr XI; dann noch preces parum efficaces esse praedicans quae fide ca- 
reant Mt XXL 

6) Die auf v. 28— 31a bezilglichen Worte sind parabola de dtiobus 
filiis y quorum uterque iussus a parente vineam colere , qui operam esset 
pollicitus, cessatOT fuit^ qui illam negavity resipiscens tandem, praestitit, 

7) Anch Lc wird citirt nnd benutzt. 

8) Citirt wird nur Lc X; aber die EinfUgung in diesen Zusammen- 
hang und das Object der Frage: de magno mandato ist doch nur durch 
die Parallelen veranlasst 

9) Der Anfang ist garantirt durch die Worte: Missi sunt protinus 
ah aemulis ministri, qui captum afferrent. Citirt wird Jo VII. 

Zahn, Forschnngen I. 21 



— 322 — 



109. Mt 22, 41—46. Mr 12, 
35 — 37. (Lc 20, 41— 
44)'). 

110. Mt 23, 1—39. Mr 12, 38 
-40»). 

111. Mt 24, 1—33 (Oder -35). 
Mr 13, 1—29 (Oder -31). 
Lc 21, 5-31 (Oder -33). 

112. Lc 21, 34-36. 

113. Mt 24, 36 »). 

114. Lc 17, 24*). 

115. Mt 24, 37-51. 

116. Mt 25, 1—46. 

117. Mt 26, 1 — 5; 14 — 16. 
Mr 14, 1. 2. 10. 11. Lc 22, 
1-6 »). 

118. Mt 26, 17-20. Mr 14, 12 
-17. U 22, 7-14. 

119. Jo 13, 1—26 (Oder -30). 
Mt 26, 21—25"). 

120. Mt 26, 26—29. Mr 14, 22 



—25. Lc 22, 19 sq. 31- 
-34. Jo 13, 36—38'). 

121. Jo 13, 34 (Oder 31—) 35. 

122. Jo 14, 1—31 (Oder nnr 
—27?). 

123. Jo 15, 1—25 (Oder— 27). 

124. Jo 16, 1 (Oder 15, 26) 
—33. 

125. Jo 17, 1-26. 

126. Mt 26, 30. 36. Mr 14, 26. 
32.Lc22,39.Jol8,1.2«). 

■127. Mt 26, 37—46. Mr 14, 33 
—42. Le 22, 40 - 46. 

128. Mt 26, 47-56. Mr 14, 43 
—50 (Oder — 52). Lc 22, 
47—53. Jo 18, 3—11. 

129. Jo 18, 12. 13 (ob - 16?). 
19-23. 

130. Jo 18, 24. Mt 26, 57. 59 
-68. Mr 14, 53. 55.-65. 
Lc 22, 54. 63—71. 



1) Lo wird nicbt citirt 

2) Eb wird noch Lc XI citirt. Gemeint ist damit Lc 11, 39—52. 
S. aber sclion Nr. 50. 

3) Mr wird nicht daneben citirt, aucb in der Relation nicbt berlick- 
sichtigt 

4) Eeine Parallele wird citirt. War Mt 24, 27 scbon in Nr. ill nn- 
tergebracht? Ebenao wird za Nr. 115 nor Mt XXIV citirt, and zn 
Nr. 116 nur Mt XXV. 

5) Die einleitenden Worte Ctxeterutn profecto post hunc sermonem 
in Bethaniam domino, ubi consentaneum est ilium sequentem egisse diem 
etc. mfigen sicb an Lc. 21, 37 anlehnen, sind im iibrigen aber Reaultat 
der Berecbnnng nacb Mt. 26, 2. Mr 14, 1. Sonderbarer Weise soil Judas 
mit decern argentei zufrieden gewesen sein. 

6) Mr a. Lc werden nicbt citirt. 

7) Jo XIII wird ausdrUcklich aacb citirt, and mit Jo and Lc wird 
die Wamung des Petros nocb in die Zeit des Beisammensitzens verlegt 

8) Die Nr. 126—181 sind als ein Ganzes zosammengefasst and mit 
den Citaten Mt XXYL Mr XIV. Lc XXII. Jo XVIII geschlossen. Ebenso 
Nr. 132—154. Die von mir vorgenommene Theilang ist nothwendig zar 
Veranschaalichnng der Composition. 



323 — 



131. Jo 18, 17. 18. 25 — 27. 
Mt 26, 69-75. Mr 14, 66 
—72. Lc22, 55-621). 

132. Jo 18, 28. Mt 27, 2. Mr 15, 
1. Lc 23, 1. 

133. Mt 27, 3-10. 

134. Jo 18, 29—38. 

135. Lc 23, 4—16. 

136. Jo 18, 39. 40. Lc 23, 17 
—23. Mt 27, 15 — 18. 20 
—23. Mr 15, 6—14. 

137. Jo 19, 1-6. (Mt 27, 27 
—30. Mr 15, 16-19). 

138. Mt 27, 19. 

139. Jo 19, 12— 16a. Mt 27, 24. 

25. (Mr 15, 15? Lc 23, 
24. 25?). 

140. Jo 19, 16b. 17a. Mt 27, 31. 
32. Mr 15, 20. 21. Lc 23, 

26. 32»). 

141. Lc 23, 27-31 »). 

142. Jo 19, 17b. 18. Mt 27, 33. 
38. Mr 15, 22. 27. Lc 23, 
33. 

143. Lc 23, 34a. 



144. Lc 23, 39-43. 

145. Jo 19, 19—22. (Mt 27, 37. 
Mr 15, 26. Lc 23, 38)*). 

146. Jo 19, 23. 24. (Mt 27, 35. 
Mr 15, 24. Lc 23, 34b). 

147. Jo 19, 25—27. 

148. Mt 27, 46. Mr 15, 34. 

149. Jo 19, 28-30. Lc. 23, 46 
(Mt 27, 50. Mr 15, 37). 

150. Lc 23, 44. 45a. (Mt 27, 
45. Mr 15, 33) »). 

151. Mt 27, 51—53. Mr 15, 38. 
Lc 23, 45 b. 

152. Lc 23, 47. 48. Mt 27, 54. 
Mr 15, 39«). 

153. Jo 19, 31—37 (Oder nnr 
—34?). 

154. Jo 19, 38— 42 T). Mt 27, 
57—61. Mr 15, 42—47. 
Lc 23, 50—55. 

155. Mt 27, 62—66 •). 

156. Mt 28, 2—4. 11—15. 

157. Lc 23, 56; 24, 1. Mr 16, 
1. 2. (Mt 28, 1) •). 

158. Mt 28, 5— 7 (oder— 9). 



1) Alles die Verlengnung des Petrus Betreffende ist zosammengefasst 

2) Zu beachten sind die Worte: crueem ipse sibi geatare cogitur 
(Jo 19, 17), sed et Simonem qitendam Cyrenensem adigunt etc. (Synopt.) 

3) Aach die galilSischen Franen der Bekanntschaft Jean weinen mit 
den Weibem von Jerusalem. 

4) Wesentlich nach Jo. Die Inaohrift ist in drei Spraohen mitgetheilt 
s. oben S. 316. 

b) Aach dies wie die folgenden prodigia soil dem Tode gefolgt sein. 

6) Die bemerkenswertbe Relation laatet: Quae res centurioni, qui 
turn Oder at, dlUsque complurimis fidem de Christo faciebant; pulsis enitn 
pectoribus domum redeuntes, vere hunc esse dei filium fatebantur, 

7) Aach Nicodemns wird erwShnt. 

8) Von hier an sind wieder die Quellennachweise zu jedem kleinen 
Sttlck gegeben. 

9) Fiilscblicb wird nor Lo XXTTT citirt 

21* 



- 324 — 



Mr 16, 3—7. Lc 24, 2 
—8. 

159. Lc 24, 9—11 1). 

160. Jo 20, 3—10. Lc 24, 12«). 

161. Jo 20, 11—18. 

162. Lc 24, 13—47 »). 

163. Jo 20, 20—23. 



164. Jo 20, 24—29. 

165. Jo 21, 1—19 (ob bis 23?). 

166. Mt 28, 16— 20a. 

167. Mr 16, 17. 18. 

168. Mt 28,. 20b. 

169. Mr 16, 19. 20. 



Dieser Abriss der eyangelischen Geschichte ist kein Ana- 
zag aas dem alten Diatessaron, and er ist anch nicht wie die 
lateinische Evangelienharmonie durch planlose EintragUDgen and 
Umstellangen aas dem Diatessaron erwachsen. Schon die Ein- 
theilong der ganzen Haaptmasse der evangelischen Geschichte 
in drei Jahre 5ffentlicher Wirksamkeit zeagt, wenn anders Las- 
cinios sie nicht hinzagethan hat, von planvoUem Verfahren des 
Verfassers. Aach die erfandenen, aber gewiss von Lascinias 
schon vorgefandenen Zeitangaben za Nr. 5 and 7 beweisen, 
dass von Anfang an die Reflexion aaf die historische Anordnang 
des ganzen Stoffes gerichtet war. Die Anordnang ist aber eine 
yon derjenigen Tatian's stark abweichende. Der wichtigste Un- 
terschied ist schon bertlhrt worden. Tatian liess aaf die bis 
zar Hochzeit za Eana sich erstreckende Vorgeschichte eine 
zweijUhrige, mit dem Passa Jo 2, 13 beginnende and mit dem 
Todespassa abschliessende Offentliche Wirksamkeit folgen. Hier 
ist die Vorgeschichte noch viel weiter aasgedehnt; sogar die 
Hinrichtang des THafers ist noch in dieselbe aafgenommen 
(Nr. 16); die daraaf folgende Schilderang der Wirksamkeit 
Jesa ist aber aosdrtlcklich in drei Jahrgftnge zerlegt. Trotzdem 
findet sich eine Menge derartiger Bertlhrangen zwischen dem 
Diatessaron and dieser Epitome, dass man an einem Zasammen- 
hang kaam zweifeln kann. Man mag es sehr naheliegend and 
nichts beweisend finden, dass beide Btlcher mit Jo. 1, 1 sqq. 
beginnen, beide nichts von den Geneaiogien enthalten, and beide 
mit einem Abschnitt schliessen, welcher hinter Jo. 21 eine Com- 
pilation aas Mt.28, 16—20 and Mr. 16, 15 (oderl7)— 20 (oder 
19) bringt. Doch ist in Bezag aaf den zweitgenannten Panct 



1 ) FSlschlich wird Mt XXIIII (sic) and n|ir dies citirt. 

2) Da Lc XXIV aufidrtickllch neben Jo XX citirt wird, so ist der 
zweifelhafte Vers Lc 24,12 vorausgesetzt. 

3) Soweit deutlich, schwerlich auch v. 48. 49. 



- 325 - 

za bemerken, dass fUr einen prosaischen Epitomator nicht so 
wie flir den Dichter Javencns der Grand der Anslassang der 
Genealogien auf der Hand liegt. Otfrid hat liber Mt 1, 1—17 
sogar zn dicbten gewagt (lib. I. 3). Aber wir finden anch 
Uebereinstimnmngen mit solchen mehr oder weniger gewalt- 
samen Absondernngen and Verbindangen des Diatessaron^ welche 
nar in der einheitlichen Composition dieser originale^ Evange- 
lienharmonie ihre ErklHrang and bis za einem gewissen Grade 
aneh ihre Bechtfertigang finden. loh gehe, am dies za zeigen, 
vom dritten Lehrjahr der Epitome aas. Es beginnt schwer be- 
greiflicher Weise mit Jo 10, 22, also mit dem letzten Tempel- 
weihfest, das Jesas erlebt hat, so dass das dritte Jahr nar 
3^2 Monat nmfasst. Der Verfasser, welcher wahrscheinlieh nicht 
gewasst hat, in welchen Monat das jtldiscbe Tempelweihfest 
falle, hat gewiss nicht mit Absicht diese Thorheit begangen. 
Aber er schiebt aach zwischen den Fortgang Jesa vom Tem- 
pelweihfest Jo 10, 39 and das letzte Passa aasser den johan- 
neischen Sttlcken, welche selbstverstKndlich dahingeh(5ren (Nr. 77. 
78 = T § 72), eine Reihe synoptischer Abschnitte (Nr. 79—84), 
welche T theils gar nicht enthielt (Nr. 79—81), theils dem 
Tempelweihfest voraasgeschickt hatte (Nr. 82— 84 = T § 56 
—58). Dadarch war der Schein eines lUngeren Zwischenraams 
zwischen Tempelweih and letztem Passa hergestellt. Die ganze 
oben S. 255 ff. dargelegte Idee, darch welche T in der Zasam- 
menstellang der Ereignisse des Tempelweihfestes sich hatte 
leiten lassen, ist aafgegeben. Die grossen dem nach den Syn- 
optikern letzten jerasalemischen Aafenthalt zageb^rigen Stttcke, 
welche T ktihnlich dem Tempelweihfest zagewiesen hatte, ins- 
besondre Mt. 21, 18-22, 40 (T § 61. 64-67) sind hier wieder 
dem letzten Passa zagewiesen. Aber in die Darstellang des 
letzten Passas sind Stttcke and Gomplexe von Stttcken aafge- 
nommen, deren Stellang in der Epitome nicht darch selbstSn- 
dige Verarbeitang der Evangelien, sondern nar darch Umar- 
beitang des Diatessaron erkl^rt werden kann. Das GesprSch 
mit Nicodemas Jo 3, 1 — 21 ist in die letzten Lebenstage Jesa 
verlegt, in eine der Nachte, die er in Bethanien zabrachte, in 
anmittelbarste Mhe der Verflachang des Feigenbaams (Nr. 95 
cf. T § 62). Wie kommen zwei Harmonisten nnabhUngig von 
einander aaf solche Anseinanderreissang des bei Johannes (2, 13 
— 3, 21) in deatlichem and ganz anderem geschichtlichem Za- 



- 326 - 

sammenhang dargebotenen Stoffes and aaf solche Verbindang 
dee beransgerissenen Stocks mit synoptischen Stticken spaterer 
Zeit? Dieselbe Frage wiederholt sicb bei Jo 7, 32—44 (oder 
52) Nr. 108 = T § 68. Das Dach Johannes bistoriscb eng 
damit verbondene Sttlck Jo 7, 2—31 steht weit davon getrennt 
Nr. 67, auch Jo 8, 12—9, 41 waren dort dem Laubhttttenfest 
des zweiten Lebrjabrs zagewiesen Nr. 69. 70. Aach die loka- 
Discben StOcke, welche T dem Tempelweibfest zugewiesen und 
mit solchen Stticken verbnnden hatte, welcbe nach den Synop- 
tikem dem letzten Passa angeh(5rten, finden wir in der Epitome 
der Darstellang des letzten Passa einverleibt, den nngerechten 
Richter Lc 18, 1—8 in Nr. 100 = T § 63, den ZMlner und 
Pharisfier Lc 18, 9—14 in Nr. 93 = T § 60, und zwar bieten 
beide Harmonien diese Perikopen, wie die angegebenen Zablen 
zeigen, in nmgekehrter Folge und doch nabe beisammen, und 
beide stellen diese Sttlcke in nftcbste N&he sowobl mit Niko- 
demus (Nr. 95 = T § 62) als mit dem yerflucbten Feigenbaum 
(Nr. 96. 99 = T § 61). Auch Lc 10, 25—37 findet man hier 
in Nr. 107 = T § 67 untergebracbt. Icb denke nicht, dass 
biernacb Jemand yersuchen wird, die Unabhilngigkeit der augs- 
burger Epitome yom alten Diatessaron zu behaupten. Damit 
ist dann aber auch bewiesen, dass Luscinius, der yon Tatian's 
Diatessaron nichts gesebn bat, wirklich eine griechische Hand- 
schrift gefunden batte, welche einen auf dem Diatessaron be- 
ruhenden Abriss der eyangelischen Geschichte enthielt. Aucb 
die scbon bemerkten IdentitUten am Anfang und Schluss beider 
Harmonien fallen jetzt ins Gewicbt. Aber auch die Textcon- 
figuration im Einzelnen verdient Beachtung. Die Anmerkung 
zu Nr. 102 beweist, dass der griechische Epitomator ganz so 
wie Tatian nach Ephram's Commentar (T § 64 s. oben S. 184 f.) 
in Mt 21, 29. 30 zuerst den yersprechenden und dann ungebor- 
samen, darauf erst den sicb weigernden, aber nachber gehor- 
samen Sohn redend eingefllhrt hat. Hier Nr. 152 wird aucb 
wie in T § 97 N. 8 den nach Lc 23, 48 an ibre Brust schla- 
genden und nach Jerusalem zurttckkehrenden Volksmengen das 
Bekenntnis des Genturio aus Mt 27, 54 in den Mund gelegt, 
was doch weder aus Matthaeus, noch aus Lucas unmittelbar 
berauszulesen war. Der textkritisch unsicbere Spruch Lc 24, 12 
findet sich hier Nr. 160 und in T § 98 N. 3. Zu den radicalen 
Aenderungen, welche die ursprttngliche Anordnung durch diesen 



— 327 — 

Epitomator erfahren hat, gehQrt anch die, dass er eine doppelte 
Tempeireinigang hat, die aas Jo 2, 14 sqq. in Nr. 13; die syn- 
optische in Nr. 89. Aber die za letzterer Stelle gemachte Be- 
merkaDg enthUt aach den voUstHndigen Beweis daftlr, dass der 
griechiscbe Epitomator nicht etwa an der ersten Stelle das Jo- 
hannesevangelium and an der zweiten die Synoptiker vor sieb 
gehabt bat, sondern beidemale; ganz sicher wenigstens an 
zweiter Stelle den gemiscbten, aber baaptsilcblicb aas Johannes 
gesebQpften Text des Diatessaron § 59 zar Vorlage gehabt bat. 

Weiterer Beweise flir die Abbtogigkeit der darcb Lascinias 
in lateinischer Bearbeitang verQffentlicbten karzen Evangelien- 
barmonie von dem viel aasftthrlicheren Diatessaron bedarf es 
niebt. Es bat aach kein bQberes Interesse^ die Umgestaltang 
mit der Originalgestalt allseitig za vergleicben. Die voran- 
stebende Uebersicht der aagsbarger Harmonie einerseits and 
das Stellenverzeicbnis znm Diatessaron am Scblass meines Bacbs 
andrerseits wird Jedem, der damach Verlangen trilgt, die Ver- 
gleichang leicbt macben. Ebenso darf ich es dem wohlwoUen- 
den Leser tlberlassen, sich ein Urtbeil tlber den bistoriseben 
Geist Oder den barmonistischen Werth dieser Epitome za bilden. 
Es ist darin etwas mehr wache Reflexion als in der lateiniseben 
Umarbeitang des Diatessaron , welche Victor von Capaa fand, 
wabrzanebmen ; aber viel gltieklicher finde ich das Besaltat nicht. 
Das von bewasstester Ueberlegang zeagende Verfahren, wodarch 
in der Epitome des Lascinias alles aaf den Ttofer BezttglicbC; 
aacb dessen Tod (Nr. 16); dem eigentlicben Beginn der Qffent- 
licben Wirksamkeit Jesa, den drei Jabren der ;,dominica praedi- 
catio^ voraasgescbickt ist; bat zar Folge, dass nan fttr ein so 
wicbtiges Sttick wie die Sendang des gefangenen Tfiafers an 
Jesas kein passender Platz mehr za finden war. Ein planloser 
Bearbeiter, wie jener Lateiner; dessen Werk darcb Victor be- 
rttbmt geworden ist; wtlrde sich dadarcb nicht baben abbalten 
lassen; diese Gescbicbte an anpassendem Ort anzabringen. Der 
planvoll verfabrende Oriecbe war genQthigt; sie gtozlich za an- 
terdrllcken. An dieser wie an vielen anderen Stellen straft sich 
die Absicht; es besser macben za wollen, welche nicht von dem 
Math begleitet ist; von Grand aas nea za arbeiten. 

Dass die Harmonie des Lascinias in keinerlei Zasammen- 
bang mit derjenigen Victor's stebt; dass vielmebr die vorban- 
denen Aebnlicbkeiten aas der gleicben AbbSngigkeit von Ta- 



- 328 - 

tian's DiatessaroD za erklftren sind, ist aach keines Beweises 
bedtlrftig. Es ist also von einem Griechen anbekannter Zeit 
Aehnliches versacht worden wie von jenem Lateiner nm 500. 
Ob sich jener Grieche mit einem knrzen Abriss des Ganzen, wie es 
ans im lateinisehen Bttehlein des Luscinias dargeboten ist, be- 
gnttgt bat; Oder ob der Fund des Laseinins Excerpt aus einer 
voUstSndigeren griechischen Bearbeitnng ist^ weiss ich nicht za 
sagen. Soviet ist klar^ dass diese griechische Bearbeitnng nocb 
weniger als die lateiniscbe eine Uebersetznng von Tatian's Dia- 
tessaron heissen kann, nnd ebensowenig wie diese die Existenz 
einer griecbischen Ansgabe von Tatian's syrischem Diatessaron 
voranssetzt. Wir erfahren nnr, dass dies Werk von 170--180 
zn einer Zeit^ als es bereits aas dem ($ffentlichen gottesdienst- 
lichen Gebranch der syrischen Eircbe verdrllngt war oder doch 
verdrtogt wurde, bei arabischen, lateinisehen , griechischen 
Christen eine theilnehmende, znr Aneignang reizende Anfmerk- 
samkeit erregte. Der Einzige aber, der in der Zeit vor der 
Reformation den Gedanken selbstHndig erfasst nnd ansgeftthrt 
hat, ans dem Wortlaut der vier Evangelien der Eircbe eine ein- 
heitliche evangeliscbe Geschicbte herzustellen, ist Tatian der 
Syrer. 



Auliange. 

I. Ueber das Eyangeliarium Hierosolymitanam. 

Es bedarf der Rechtfertignng, dass oben S. 221 ff. die Stelle, 
welche das DiatessaroD in der Oescbiehte der syrischen Evan- 
gelientibersetzangen einnimmt, ohne jede Rtlcksicht auf die syro- 
pal&tinensische Uebersetznng bestimmt worden ist, and dass 
aach im Commentar zam Text des Diatessaron nur an ganz 
wenigen Stellen die LAen des Evangeliariam Hierosolymitanam 
angemerkt warden. 1st freilich bewiesen, dass Tatian bei Ab- 
fassang seines Diatessaron aasser dem griechischen Original den 
Syras Garetonianas za Grande gelegt, and in der Sprache dieser 
Version^ in der Spraehe von Edessa seine Evangelienbarmonie 
niedergescbrieben bat, so kann man niebt gleichzeitig annehmen^ 
dass Tatian eine in einem stark abweiehenden Dialect gescbrie- 
bene Evangelientibersetzang benatzt babe, selbst wenn es fest- 
sttlnde, dass das Evangeliariam Hier. eine voUst&idige Evan- 
gelientibersetzang dieses Dialects voraassetze, and wenn Jemand 
den Matb hlltte, diese Evangelientibersetzang in die Zeit von 
170 binaafzarticken. Von vorneberein aasgeschlossen ist aacb die 
andre MQglichkeit, dass das Ev. Hier. oder die demselben za 
Grande liegende Evangelientibersetzang in irgend welcher Ab- 
bUngigkeit vom Diatessaron stehe; denn nacb allgemeinem and 
zweifellosem Urtheil ist diese palastinensische Uebersetznng 
direct aas einem griecbischen Text geflossen^ das Diatessaron 
aber existirte von Haas aas nar in syrischer Sprache, and 
es entbielt viele Sttlcke gar nicht, welcbe im Ev. Hier. vorban- 
den sind^). Hs bat scblechthin nichts za bedeaten, dass das 






1) Z. B. Mt 1, 1—17 Evangeliariam Hierosolymitanum (e codice 
Vaticano Palaestino edidit Gomes Fr. Miniscalchi Erizzo. torn. I. II. 



- 330 — 

Ev. Hier. ebenso wie das Diatessaron mit Jo 1^ 1 beginnt; denn 
mit Jo 1, 1—17 als Lection fttr den Ostersonntag beginnen alle 
griechischen Evangeliarien ^ ) , und diesen gleicht das Ev. Hier. 
nicht nnr hier, sondern in seinem ganzen Perikopensystem wie 
ein Ei dem andern'). Einzelne aaffUlligere LAen, welche das 
Ev. Hier. mit Tatan gemein bat >) , beweisen niebts , da ihoen 
mindestens die zwanzigfache Zahl von Abweichnngen starkster 
Art gegenttbersteht. Die griecbiscben Texte, welebe beide vor- 
aussetzen, sind grandverscbieden, und die syriscbe Uebersetzung, 
welebe Tatian neben dem griecbiscben Original durcbweg be- 
rtlcksicbtigte und vielfacb benutzte, stebt spracblicb und ge- 
scbichtlicb in keinerlei Zusammenbang mit der syro-pal^tinen- 
siscben Uebersetzung. Ueber den Ursprung des letzteren mOge 
mir gestattet sein einige wenn aucb unvollstandige Bemerknn- 
gep bier anzufUgen. 

Der cod. VaticanuS; aus welcbem Miniscalcbi das sogenannte 
Evangeiiarium Hier. herausgegeben bat, ist nacb den vom Scbrei- 
ber der ganzen Hs. darin angebracbten Beiscbriften a. 1030 

Veronae 1861. 1864) I, 481; U 1, 1 — 4 p. 547; Jo 7, 53 — 8, 11 
p. 109. 459. 

1) Scrivener, Introd. to the Criticism of theN. T. 1874 p. 75; Scholz 
Nov. Test. 1830—36, vol. I, 455. 

2) Gf. Scrivener 1. 1. 292 und die vorhin genannten Verzeichnisse. 
Dass aach die modernen Melkiten dasselbe System haben, weiss ich nur 
darch Miniscalchi, Proll. p. XXXVIII. 

3) Lc 2, 11 T § 4 Nr. 3 = Hieros. p. 487; Lc 16, 22 sq. T § 54 N. 3 
= Hieros. p. 185; Mt 21, 29. 30 T § 64 N. 3 = Hieros. p. 277. Es ist 
nach alle dem, was oben S« 113 f. zu Jo 1, 1 dargelegt wurde, eine 
ziemlich gleicbgilltige Zafalligkeit , dass im Ev. Hier. ebenso wie in der 
einen armenischen Hs. von Ephram's Gommentar und in der arm. Bibel 
iy dqxi Jo 1, 1. 2 durch a prtncipio (©''1 )12) wiedergegeben ist. Trotz- 
dem wUrde es dort und nicht erst hier angemerkt worden sein, wenn 
ich zur Zeit der Ausarbeitung and des Dracks jenes Abschnitts die vero- 
neser Edition schon zor Hand gehabt hatte. Dagegen wMre S. 158 za 
Mt 15, 27 das Gitat aus Ev. Hier. p. 579 besser weggeblieben , denn 
diese letzte Perikope hat der Schreiber des Ev. Hier. einfach der Peschitta 
entlehnt cf. Miniscalchi tom II Proll. p. XLVII. — Schliesslich sei der 
Guriositat halber hier noch bemerkt, dass der griech. Evangeliencod. X 
(saec. IX), dessen Zusammenbang mit den Evangeliarien noch einer ge- 
naueren Untersuchung zu bedttrfen scheint (cf. Scrivener p. 531 N. 2; 
p. 68. 136), an folgenden Stellen in mehr oder weniger auffalliger Weiae 
den Text des Diatessaron bestStigt: § 26 N. 2 oben S. 146; § 42 N. 1 
S. 163; 8 72 N. 6 S. 193; § 95 N. 1 S. 213; § 97 N. 2 S. 215. 



- 331 — 

p. Ghr. (1341 Seleac.) von einem Presbyter Elias im Eloster 
eines Abtes Moses in einer Stadt Antiochia geschrieben and 
sp&ter sammt anderen Bttchern einem (Hans oder Eloster des) 
beiligen Elias, ^gew5bnlich genannt Eaukab", welches der Pres- 
byter Elias gebant batte nod als Abt leitete, gescbenkt worden ^). 
Wenn sicb dieser Elias einmal '^ii^y'bfit nennt und an einer an- 
deren Stelle von dem "ii^^ ^riM die Rede ist, welcher dem von 
Elias gestifteten Eliaskloster Aecker a. drgl. gescbenkt bat, so 
ist es mindestens sebr zweifelbaft, obAbnd eine Ortscbaft ist'), 
welcbe dann in nSchster NSbe des Eliasklosters za sncben, und 
zu dessen geograpbiscber Bestimmang za verwertben wSre. Es 
kann ancb den Stamm, das Gescblecbt bezeicbnen, welcbem 
Elias entsprossen ist. An der Elosterstiftnng des Abudiden Elias 
bat sicb seine Sippe, „die Famile Abad^ dnrcb weitere Scbenk- 
nngen betbeiligt. Unsicberheit bestebt aber ancb nocb tlber die 
beiden Namen, welcbe jedenfalls Orte bedenten and die Gegend 
bezeicbnen, wo dieses Perikopenbucb entstand and in Gebraucb 
war. „Die Stadt Antiocbien^ wird das einemal n^berbestimmt 
darcb Dip^N rr^rrNi, was Adler ttbersetzt : e regime terrae sanctae, 
Miniscalcbi: in partibtis Jerusalem, Lsjid: ditionis (urbis) Sanctae. 
Dabei ist voraasgesetzt^ dass in Dip^fi< ein Scbreibfebler steckt^ 
and nur fraglicb gelassen, ob der bekannte arabische Name von 
Jerasalem El-Kuds, in dessen nUchster Niibe dann dies An- 
tiocbien za sucben wiLre, oder ob nur das „beilige Land", PalH- 
stina gemeint sei. Das letztere muss fllr das wabrscbeinlicbere 
gelten ; denn erstens gibt es bei Jerusalem kein Antiocbia ') ; und 



1) Die karschttnifichen Beischriften finden sich vol. I, 575. 579 und 
(die jetzt abhanden gekommene dritte nacfa AssemaDi) vol. II p. VII. 
Cf. Adler, Verss. syr. p. 139 sq. Land, Anecdota syr. IV, 225 sqq. 

2) So z. B. Land p. 227 sq. ; Noldeke, Liter. Centralbl. 1876 col. 147. 
Dagegen ttbersetzt Miniscalchi I, 580 11^^ brrfit yn a familia Abbu4. 
Es ist doch ohne Frage sachlich wahrscheinlicher , dass die Verwandten 
des Elosterstifters, als dass die ganze Bttrgerschaft seines Geburtsortes 
das Eloster in der angegebenen Weise dotirt baben. 

3) N51deke (Lit: 'Centralbl. 1876 col. 148) wollte statt n''^£33fi< lesen 
rr'^^UM and ein Attaibije nSrdlicb von Jerusalem bei Betbel verstehen. 
Per letztere Name ist in PalSstina recbt haufig. £r kommt z. B. im Ost- 
jordanland vor, sudlich von Um-Eeis (Gadara), auch in der Nabe von 
Baischan (Scythopolis) ; and an dies letztere zu denken lage darum be- 
sonders nafae, weil dicht dabei ein Eaakab liegt s. nachher. Aber die 
Emendation N&ldeke's erscbeint bedenklicfa. Es mttsste Elias den Namen 



— 332 — 

zweitens weist nns die Nftherbestimmang des fraglichen Antio- 
cbia in der anderen karschanischen Beischrift (Miniscalchi torn. II 
p. VII) dnrch ^'ly bN = Arabum (der Grieche wtlrde sagen T^q 
l4Qafilag), ins Ostjordanland. Dann kann aber nichts anderes 
gemeint sein, als Antiochia am Ghrysoroas , das alte Gerasa ^). 
Es liegt noch im „hl. Lande^ and andrerseits nicht nar von 
jeber an der Grenze der rQmischen Provinz Arabia, sondem 
wahrscheinlich seit Diocletian anch in Arabien'), and konnte 
daher sebr gat einerseits als das arabiscbe Antiochien im Un- 
terschied von anderen St&dten dieses Namens, aber andrerseits 
aach als eine Stadt im bl. Lande bezeichnet werden. In jenen 
Gegenden wird dann aacb das von Elias aas Antiochien (Gerasa) 



des Orts, an welchem er das Bach geschrieben und langere Zeit gelebt 
hatte, beide Male eigenhSndig sehr falsch geschrieben haben. Dass er 
das eine Mai ein ^ ausliess (ti'^lDt:^ : Miniscalchi II p. VII) ist doch keine 
Analogie, da diese Schreibweise in nachlassiger Aussprache begriindet 
eein kann, and ilberdies fttr diese Stelle die Urscbrift nicht mehr ezistirt. 

1) So nach der zaerst von Th. Mommsen (Berichte der ssichs. Ges. 
d. Wiss. Bd. II [1850] S. 223) genaaer er(5rterten Inschrift aas der Zeit 
Trajan's, worin es heisst: {avti) OXZSIN TSIN E[yt) a XPYSOPOA 
TON n {got) EPON {yi) PASHNSIN H BOY AH KAI O JH (fios). 
Die Deatang anf Gerasa scheint anerkannt za sein (Marqaardt, Rom. 
Staatsverwaltang I, 238; Menke, Bibelatlas Bl. V; leider konnte ich 
Waddington, Inscr. 1772 nicht vergleichen). Es wird die fiinfte der von 
Stephanas Byz. aafgezahlten StSdte dieses Namens sein fed. Meineke 

p. 99 : fiiTa^v Koikfjs 2vQLag xai uiqafiCag^ 2€fiiQ«(JLidog) ; and wahrschein- 
lich beraht es aaf einer Verwechselang, ahnlich der in den Varianten von 
Mt 8, 28 {radaqrivfov ^ reQaofrjvtuv, reQy€(fr)y(ov) , wenn Stephanas s. v. 
rd^aga von diesem, statt von Fiqaaa^ sagt: rjxig xal uiyTi6x€ia xal 
ZeXevxeta ixX^&ti, Gf. Land 1. 1. p. 229. Dass Gerasa eine macedoni- 
sche Kolonie war, ist aach sonst tiberliefert cf. Droysen, Gesch. des 
Hellenismas II, 599. Unter Chrysoroas kann wohl nar der kleine, Ge- 
rasa darchstr($mende Bach (jetzt Kerwan) gemeint sein, ein Nebenflttsschen 
des Jabbok (jetzt Zerka). Solche neageschaffene griechische Namen ftir 
anbedeatende geographische Dinge braachen nicht allza stabil gedacht 
zu werden. £s ist daher vielleicht erlaabt, das Antiochia an der Eal- 
lirrhoe, welches aaf Mttnzen aas der Zeit des Antiochas Epiphanes be- 
zeagt ist and in dieser Gegend gelegen haben soil (Droysen n, 698)) 
mit Antiochien am Chrysoroas za identificiren. Oonfas ist jedenfalls die 
Angabe bei Steph. Byz. p. 100, wenn er als achtes Antiochien nennt 
^ inl Tfjg KalliQQorig Xlfivrig. 

2) S. die Nachweisangen bei Marqaardt, R5m. Staatsverw. I, 277. 
AachEaseb. Onomast. (Onomast. Sacra ed.Lagarde p. 242, 70): ^ regaauf 

nolig iniffrifiog Ttjg iMgafiiag, 



- 333 - 

gegrtindete Eliaskloster za sacben sein. Um den zweiten Namen 
desselbeD, Kaukab, scbeint sicb bis jetzt Niemand bemtlbt za 
baben. Wenn das jDngst gestiftete Eloster in den beiden biefttr 
in Betracbt kommenden Beiscbriften zunUcbst (das Haas des) 
^beiligen Herrn Elias^^ genannt and beide Male daza bemerkt 
wird; dass es bekannt sei anter dem Namen, oder gemeiniglicb 
genannt werde „Eloster Kaakab^S ^o ist offenbar ersteres der 
officielle kircbliche Name, welcben der Stifter selbst seinem 
Eloster gegeben bat, letzteres der volkstbtlmlicbe Name. Diese 
volkstbtlmlicbe Benennnng eines eben erst gestifteten Elosters 
neben dem officiellen erklUrt sicb aber nar, wenn man einen 
mteren Namen des Orts, wo es erbant war, aaf das neae Eloster 
tlbertragen hatte. Nan gibt es innerhalb des irgendwie in Be- 
tracbt kommenden Gebiets beate ziemlicb viele Orte dieses 
Namens. Es gibt 1) ein Dorf Eaakaba nahe bei Hasbeija am 
Libanon ^), 2) ein anderes 2 — 3 Standen stldwestlich von Damas- 
cas, wo nacb mittelalterliober Tradition die Bekehrang des Paalas 
stattgefanden baben solP), 3) ein Eaakab el Hawa nahe bei 
Beiscban (Scytbopolis) , das Belvoir der Ereazfabrer, bis zam 
J. 1188 in cbristlichem Besitz '), 4) ein Dorf etwa in der Mitte 
zwiscben Akka and Nazareth ^). Das letztgenannte kQnnte Afri- 
canas im Sinne gehabt baben , wenn' er sagt , dass die Nach- 
kommen der Familie Jesa sich von Nazareth and Eokaba aas 
tlber andere Lsinder verbreitet baben ^). Aber es ist aach m5g- 
lich, dass er jenes Eokaba gemeint bat, welches im 4. Jabr- 
handert als Stammsitz des hUretischen Jadenohristenthams gait ®), 



1) Ritter, Erdkande XV, 189; Robinson, Neuere bibl. Forschungen 
in PalSstina (1857) S. 504; noch n()rdlicher Eaukaba Aba- Arabeh (Robin- 
son a. a. 0. S. 559). 

2) Ritter XV, 165. 901 ; Badecker-Socin, Palastina und Syrien (1875) 
S. 499. 

3) Ritter XV, 403 sq. cf. S. 400. 714; Robinson a. a. 0. S. 445; 
Badecker-Socin S. 353. 

4) Robinson a. a. 0. S. 135. 

5) Epist. ad Arist. bei Eas. h. e. I, 7, 14: dno te NaCdgiov xal 
Kio^nfid^ xtufidiv ^lovSa'Cxtov. 

^) Epiph. baer. 30, 2 : Iv Kaxafiy nvi xoj/uti inl td f^^grj trjg Kagvatfji^ 
uiQvkfji xal Idaiaqfod- iy ry Baaavixtdi x^Q^ (^^ Astaroth dasselbe ist 
wie Kagyatfi , SO ist IdqvkfA als Dittographie za streichen und irjg xal 
ui(fTaQt6& zu schreiben. Aehnlich schon Reland p. 727 s. v. Cochaba). 
Epiph. haer. 30, 18: dno , . Kmxdptov rrjg iv r^ BaaavlnSi^ x^Q^ InkxHva 



- 334 — 

and welcher schwerlich mit einem d^ genannten vier hentigen 
D($rfer desselbeD Namens identisch ist. Es lag nach dreimaliger 
Angabe des Epiphanins in Basanitis (= BataDlia). Damit steht 
es nicht im Widersprach, wenn er anderwllrts es nach Arabien 
yerlegt; denn za seiner Zeit geh6rte BatanHa zar Provinz Arabien. 
Epiphanins scheint die Lage ziemlich genan zn kennen, da er 
an zwei anderen Stellen genanere Angaben macht, welcfae von 
einander formell verschieden sind and doch weder mit einander, 
noch mit den allgemeineren Bezeiehnangen der Landschaft in 
Widersprach stehn. Wenn dies Eokaba in der Gegend von 
Earnaim-Astaroth liegen soil, and dann wieder jenseits Adraa 
(= Edrei), so liegen zanHchst diese Orte wirklich in BatanSa, 
wie Epiphanins an beiden Stellen bemerkt, nnd sie lagen jeden- 
falls nahe genng bei einander, am die Lage eines dritten Orts 
einigermassen damaeh bestimmen za kOnnen. Mag's zwei Asta- 
roth gegeben haben^ so lagen sie doch beide nar 9 r(5m. Meilen 
aas einander, and das eine 6 r6m. Meilen von Adraa ^). Die 
Lage des jndenchristlichen Dorfs ist damit freilich noch nicht 
genan bestimmt, zamal wir nicht wissen, von welchem Standort 
aas Epiphanins das Jenseits Adraa" verstanden haben woUte*). 
Nar das ist sicher, dass keins der vier genannten hentigen DGr- 
fer Eankab damit gemeint sein kann, insbesondere anch nicht 
das dicht bei Damascns gelegene. Entscheidend dagegen ist 
namentlich die bestimmte Unterscheidnng desjenigen Eokab 
(Choba), welches bei Damascns liegt, von demjenigen, welches 
der Sitz der Ebjoniten ist, also dem Eokaba des Epiphanins, 
im Onomasticon des Easebias^). Die verstummelte Schreibang 



Id^QaiSy. — haer. 40, 1 : iv t^ Idgafiitji iv Kwxdfiri (cf. haer, 30, 2 : ne^l 
rrjg Tonod-ealag Koixafimv xal r^g Idgafiiag), — haer. 29, 7: iv xjf Baaa- 
vCtidi Tjf Uyofiivy Kfoxdfirji, Xtoxdpy Sk ift^aitfjl leyofiivn (Hinter Baaa- 
vCxidi wird kv ausgefallen sein). 

1) Bus. Onomast. (Lagarde Onom. sacra) p. 209, 61—63; 213, 35— 
39; 268, 98—269, 2- Die Bearbeitung des Hieronymas ebenda p. 84. 
86. 108. 

2) Lipsins, Quellenkritik des Epiphanius S. 132 erlaubt sich das 
inixeiva Id^gacSv za paraphrasiren : und das game Gebiet bis uber Adra 
in Arabien hinaus. 

3) Onomast. sacra p. 301, 33: Xai/9a, ^ itftiv iv aQiatEq^ Jai^aaxov. 
tan dl xal Xatfid xoifitj iv rolg avrolg fii^eaiv, iv ^ €ialv ^Efigatoi ot eig 
Xqiotov 7ii(fuv(farTeg*JEfit(ovatoi xalovfievoi, Aach Hieronymas, der nichts 



— 335 - 

des Namens and die sehr nnbestimmte Angabe seiner Lage mag 
einBeweisdaflirsein, dassEasebins weniger genan davon nnterrich- 
tet war, als Epiphanius. Aber soviet muss er naeh dieser Stelle 
von dem Wohnsi(% der Ebjoniten gewasst haben, dass derselbe 
von einem gleichnamigen Ort bei Damascus za nnterscheiden 
sei and nicht in anmittelbarer Mhe von Damascas liege. Die 
genaaeren Angaben des Epiphanias werden darch die anbe- 
stimmten des Ensebias nar bestHtigt. Sollte nan nicht dies 
Kokaba in BatanHa, nicht allzaweit von Adraa, der Ort sein, 
wo jener Elias aas Gerasa das Eliaskloster erbaate? Es ist 
aaffallend, dass der Sprachgebraach der jadenchristlichen 6e- 
meinden in einem cfaarakteristischen Panct aach der des Ev. 
Hieros. ist. - Unmittelbar nach genaaer Bezeichnang der Lage 
von Kokaba bemerkt Epiphanias (haer. 30, 18) von den dort 
wohnenden Ebjoniten: (rvpaYcaytiy di oixoi, xaXovcr^ %iiy.kav%mv 
ixxXfi<Tiap , xal ovx^ ixxlfjtTlay. So wird aach im Ev. Hier. 
ixxXfjcla darch fi^nu)*^:?^ d. h. Synagoge ttbersetzt^). Das Bach 
finden wir im Gebraach katholischer Christen OstpaliUitinas ; aber 
dadarch ist nicht ein Zasammenhang ihrer kirchlichen Sprache 
mit derjenigen der ebendort im 4. Jahrhandert ansassigen jaden- 
christlichen Gemeinden aasgeschlossen, welche lange vor der Zeit 
der Grttndang des Eliasklosters in Eaakab in die katholische 
Eirche sich aafgelost haben mlissen. 

Aaf dem heatigen Boden Pallistina's dieses Kokaba sicher 
nachzaweisen vermag ich noch nicht. Es ist das Sachen von 
vomeherein dadarch erschwert, dass wir nicht wissen, welcher 
der beiden Namen, die der Ort am 1030 flihrte, ob der damals 
alte Name Kokaba^ oder der neae Mar Elia, in der Folgezeit 



Wesentliches hinzageftigt, las schon bei Easebias Xo>^d, nar dass er den 
Namen an zweiter Stelle Chobaa schreibt L 1. p. 112, 9—13. Und Ease- 
bias selbst moss jene verstttmmelte Form des Namens (Xtofid statt Xeug^o^o, 
was Epiph. 29, 7 als hebraische, jUdische Aassprache bezeichnet) gehSrt 
and za schreiben beabsichtigt haben, da er es ad voc. n!iin Gen. 14, 15 
bespricht. 

1) Mt 16, 18; 18, 17 Ev. Hier. p. 111. 553. Cf. Land, Anecd. IV, 217. 
Aaf jiidischen, also jadeDchristlichen Ursprang weist aach die Ueber- 
setzang von l^ij darch y^'^'n, tC^^i^'o Mt 10, 6; 10, 18 p. 447. 559; 
fi^'^S'^Ta t^lsn Mt 6, 47 p. 115. Ebenso in den von Land heraasgegebenen 
Psalmfragmenten cf. Nestle, Theol. Literatarzeitang 1876 col. 671. Bei 
den Jaden heissen so die Eetzer, insbesondre die Christen. 



- 336 — 

herrschend geworden ist. Nimmt man letzteres an, so ist viel- 
leicht erlaubt an die Rainen eines griechischen Elosters nnd 
Dorfes Deir Mar Elia einige Stonden nordwestlich von Gerasa, 
in der Richtang nach Gadara, za denken *). *Der weitschichti- 
gere Gebraach von Basanitis (Batannea) bei Eusebins^) wfirde 
es erklSren, dass Epiphanias diese in der Dekapolis liegende 
Gegend za Basanitis rechnete. Vielleicht hatte er anch nor 
sagen hSren, Kokaba liege in Basanitis, and die naheren Orts- 
bestimmangen (Jenseits Adraa and in der Gegend von Ear- 
naim-Astaroth^) sind willkttrliche Zathaten des Epiphanias. Natttr- 
licher wlire es sonst immerhin gewesen, die Lage von Kokaba oder 
Mar Elia nach Gerasa oder Pella, als nach Adraa za bestim- 
men. Sicher ist nar, dass das jadenchristliche Dorf Kokaba 
Qstlich vom Jordan lag, and wahrscheinlich , dass es identisch 
war mit dem Ort, an welchem im 11. Jahrhandert ein Elias^ 
kloster gestiftet warde. 

Dann liegt es aber aach nahe anzanehmen, dass das Ev. 
Hier. in denselben Gegenden entstanden ist, wo wir es im 
11. Jahrhandert verbreitet finden. Jedenfalls kann^es nicht in 
denjenigen Theilen Palastina's entstanden sein, in welchen frtthe 
das Griechische die vorherrschende oder aasschliessliche Kirchen- 
sprache geworden war, wie in Jerasalem seit Hadrian's Zeit oder 
in Casarea, ttberhaapt schwerlich westlich vom Jordan '), sondem 
nar da, wo Christen aramSischer Zange in compacten Massen 
beisammen sassen, d. h. 5stlich vom Jordan^). Freilich hllngt 
die Frage nach dem Ort der Entstehang von der Frage nach 



1) Ritter, Erdk. XV, 1117 cf. S. 1029. 1055. 1105. Sind das die- 
selben Ruinen, welche v. d. Velde (Reise in Syrien and Pal. ubersetzt 
von K. G6bel II, 397) nur „ed-Deir« nennen hSrte? 

2) Onom. sacra p. 216, 10 sqq. ; 232, 37 ; 242, 68—78. 

3) Scythopolis war eine gemischte Gemeinde s. oben S. 19. Wenn 
der dort erwahnte kirchlich angestellte Dollmetscher ein geborener Jeru- 
salemer war, so zeigen doch die Eatechesen des Cyrill und Alles, was 
uns Uber die seit Hadrian heidenchristliche Kirche zu Jerusalem (Eos. 
h. e. IV, 6; V, 12; Epiph. haer. 66, 20) tiberliefert ist, dass die dortige 
Gemeinde eine griechisch redende war. 

4) Epiphanias verlegt nicht nar die Wohnsitze der haretischen Jaden- 
christen consequent in die Ostjordangebiete von Paneas bis Nabataa 
(haer. 30> 18 and die iibrigen Stellen oben S. 333 Anm. 6), sondem 
bringt dies aach mit der Auswanderang der jerusalemiscben Christen 
nach Pella in Zusammenhang (haer. 29, 7; 30, 2). 



- 337 — 

der Zeit znsammeiiy nnd fiir diese wieder hllngt AUes an der 
Frage, ob das Ev. Hier. Uebersetzang eines griechischen Evan- 
geliariams gleichen Inhalts ist^)^ oder ob es aas einer voUstSn- 
digen Evangelienttbersetznng oder gar Bibelttbersetzang dieses 
Dialects etwa nach dem Muster der griechischen Evangeliarien 
zosammengestellt ist. In ersterem Fall wttrde diese Uebersetzang 
kanm vor dem 7. Jahrhnndert entstanden sein. Denn, wenn 
anch die Grundzttge des hier angewandten Perikopensystems 
sehon znr Zeit des Chrysostomas feststanden, so weist doch das 
junge Alter der erhaltenen griechischen Evangeliarien 2) daranf 
huiy dass es im 6. Jahrhnndert noch nicht ttblich war, solche 
Lectionarien zn schreiben nnd ans ihnen statt ans Bibelhand- 
schriften mit litnrgischen Angaben die Perikopen vorzdesen. 
Und doch mttsste dies schon ganz vorwiegende Sitte gewesen 
sein, wenn man ein griechisches Evangeliariam nnd nicht die 
Evangelien selbst ins AramSische flbersetzt hUtte. Eine ge- 
nanere Zeitbestimmnng wttrde der dritte Theil des Evangeliariums 
(p. 427 sqq.), welcher die Lectionen fttr die nnbeweglichen Feier- 
tage nnd somit einen Heiligenkalender enthSlt, nicht erm6glichen. 
Es ist in solchen Synaxarien oder Menologien zn nnterscheideni 
was constitutive Elemente, and was m5glicher Weise im Lanf 
der Entwicklnng des Heiligencaltas hinzngekommene Znthaten 
sind. Der ersteren Classe k6nnen mit Sicherheit nnr diejenigen 
Heiligen zagewiesen werden, za deren Gedlichtnistag eine ihnen 
speciell zngedachte Lection mitgetheilt ist. Blosse Namen von 
Heiligen, welche aaf ohnedies besetzte Tage geschrieben sind^), 
oder solchC; deren Lectionen man an anderen Stellen des Evan- 
geliariams aafzasachen angewiesen wird, k5nnen zn jeder belie- 
bigen spliteren Zeit, wShrend welcher das Bach in Gebranch 
war, eingetragen worden sein. Ans Namen wie Nicephorus, 
Patriarcha ConstantinopoUtanm p. 543 kann man nnr schliessen, 
dass die einzige vorhandene Hs. nnseres Evangeliarinms frtthstens 



1) Dies war nach Scrivener 1. 1. p. 291 das Urtheil von Tregelles. 

2) Die altesten, fragmentarisch erhaltenen , Ev. Barberin. 16 and 
Venet Nan. 171 schreibt Tischendorf dem saeo. VII zu; die altesten 
vollstandiger erhaltenen gehoren dem saec. IX an s. Tischend. ProlL zar 
Editlo VII p. GGXV sqq. Scrivener, Introd. p. 250 sqq. 

3) Z. B. Basilius zum 1. Janaar, wShrend die Lection nor dem vor- 
her angemerkten Gedachtnis der Beschneidong Jesa gilt p. 495. 

Z ah III Forscbnngen I. j^O 



- 338 - 

im 9. Jahrhondert geschrieben ist, was . wir freilieh aas den 
Beischriften ihres Schreibers viel sicherer wissen. Unter den- 
jenigen HeiligeOi welche ihre besondereD; in extenso mitgetheil- 
ten Lectionen haben, welche also in dem griechischen Evange- 
liarinm schon gestanden haben mttssen, als es ttbersetzt warde, 
wenn wir es ttberhaapt mit Uebersetznng eines Solchen za thnn 
haben, dttrfte keiner jttnger sein, als Simeon der SUnlenheilige ^), 
welcher den Beigen erQISfnet; oder Johannes Ealybita^). Dieser- 
halb kQnnte das Evangeliariam noeh am Ende des 5. Jahrhnnderts 
entstanden sein>). Aber wahrscheinlich , wie gesagt, wUrde es 
nicht vor dem 7. Jahrhandert ttbersetzt worden sein. 

BesSssen wir nar den von Minisealchi herausgegebenen Text, 
so wtlrden manche beachtenswerthe Griinde daftlr sprechen, dass 
es niemals eine Evangelienttbersetznng dieses Dialects gegeben 
habe, and dass dieser Text nicht vor dem 7. Jahrhandert dnrch 
Uebersetzang eines griechischen Evangeliariams entstanden sei. 
Erstens darf als ziemlich sicher gelten; dass es zar Zeit des 
Abtes Elias (a. 1030) in dessen Umgebang and Kenntnis keine 
voUst&idige Evangelienttbersetznng in dieser Eirchensprache gab. 
Denn die letzte, nachtrHglich angehSngtC; aber noch von Elias 
selbst geschriebene, weil seiner letzten Unterschrift vorangehende 



1) p. 427. Dass dieser gemeint sei, macht die Vergleichang der 
griechischen Menologien zweifelios cf. Scholz p. 474; Scrivener p. 81. 

2) p. 515 cf. Scholz I, 483, wo ausserdem zu demselbenTag (15. De- 
cember) Paul von Theben and ein gewisser Pansophios angemerkt sind. 
Ueber die Zeit des Job. Ealybita, 2. Halfte des 5. Jahrh. s. Acta SS. 
Jan. torn I, 1030. — Die geschichtlich bemerkenswertheren Heiligen- 
namen, welche im Ev. Hier. mit ausgeschriebenen Lectionen bedacht sind, 
mochten ausserdem noch sein: Anthimos p. 429 zam 3. Sept.; Babylas 
p. 431 zum 4. Sept.; Gregorius Armenus p. 455 zam 30. Sept.; Hilarion 
p. 463 zum 21. Oct.; Ephram p. 519 zum 25. Januar. 

3) Nicht frtlber, auch abgesebn von den genannten Heiligen (s. vorige 
Anm.). Wllhrend z. B. zur Zeit des Ghrysostomus und nach dem syriscben 
Ealender, welchen wir in einer Hs. vom J. 411/412 besitzen, das Gedachtnis 
des Ignatius von Antiochien damals im Orient am 17. October gefeiert wnrde 
(cf. meine Bemerkungen Patr. apost II, 343. 358. 381), ist er in Ev. 
Hier. p. 477 wie in alien spSteren griechischen Menologien znin 20. De- 
cember notirt und mit der bei den Griechen tiblichen Lection Mr 9, 32— 
40 versehen, und ausserdem zum 29. Januar mit Rtickweisung auf den 
20. December p. 519 (cf. Scholz 483, Translation oder eigentlich BQck- 
transport der Reliquien des Ignatius von Rom nach Antiochien). — Son- 
derbarer Weise fehlt im Ev« Hier. der Name des Polykarp. 



- 339 - 

Perikope Mt 15, 21—28 ist w5rtlich aas der Peschitta abge- 
schrieben i). Auch in Lc 8, 5—15 p. 181, 183 scheint dnreh 
Vergleichnng der Peschitta der Text alterirt and der Sprach- 
charakter verwischt za sein. Die Abweichnngen dieses Textes 
von dem in einem londoner Fragment erhaltenen Paralleltext 
sind grossen Theils Annliherungen an die Peschitta^). Wenn 
die syrischen Christen von OstpalSstina im 11. Jahrhnndert zar 
Ergllnzang oder Vergleichnng ihres Evangeliariums einen einiger- 
massen gleichsprachigen Evangelientext heranziehen wollten, 
griffen sie zar Peschitta. Wie wSre das za erklSren^ wenn es in 
diesen Ereisen eine voUstlindige Evangelienttbersetzang in ihrer 
eigenen Sprache, in der Sprache ihrer Lectionarien gab')? — 
B'emer erregen die Differenzen der doppelt oder dreifaoh im 
Ev. Hier. vorhandenen Texte den Schein, als ob wir nar die 
Uebersetzang eines griech. Evangeliariams vor ans haben. 
Denn wer zaerst aas einem voUstandigen Evangeliencodex ein 
Evangeliariam in der Sprache des ihm vorliegenden Co- 
dex zasammensteMte , masste jeden Abschnitt, den er aafiiahm, 



1) p. 577 cf. ProU. vol. II p. XLVII. Schon die beiden vorangehen- 
den Perikopen sind Nachtrage p. 575 sq.; denn das aolenne Explicit dee 
Schreibers Ellas geht ihnen voran. Es fehlt ihnen der genaue Nachweis 
ihrer Stellnng im Ealender. Es sind aber Nachtrage zum dritten Theil 
des Evangeliariams, es sind Lectionen ftir Heiligentage, and sie sind in 
der Sprache des ganzen Buchs geschrieben, haben mit der Peschitta 
nichts za schaffen. Elias wird sie also aus einem vollstSndigeren Exem- 
plar des Evangeliariams nacbgetragen haben. Die aas der Peschitta ge- 
nommene letzte Perikope dagegen tragt die Ueberscbrift Dominica XI 
ex Matthaeo, In der Zahl wird ein Fehler stecken; denn sowohl zum 
11. Sonntag nach Pfingsten, als zum 11. Sonntag ^des neuen Jahres" hat 
das Ev. Hier. p. 149. 205 dieselben Lectionen wie die griechischen Evan- 
geliarien; dagegen ist die p. 577 nachgetragene Perikope bei den Grie- 
chen das Evangeliam zum 17. Sonntag „des neuen Jabres** und gebt dem 
Evangelium vom verlornen Sobn (Sonntag vor den Fasten) voran, wel- 
ches im Ev. Hier. p. 223 auf jenen 17. Sonntag gelegt ist. Da steckt 
also der Fehler, welcher durcb den Nacbtrag wieder gutgemacbt wer- 
den sollte. Die Entstehung des Fehlers siebt man leichter bei Scholz 
p. 470, als bei Scrivener p. 79* 

2) Land, Anecd. IV, 151 sq. 

3) Dass die Palastinenser sich des bedeutenden dialectischen Unter- 
scbieds zwiscben ihrer Sprache and derjenigen von Edessa bewusst waren, 
versteht sich von selbst, ist aber auch ausdriicklich bezeugt (Wright 
Catal. p. 379; Und IV, 231). 

22* 



— 340 — 

aas diesem Codex abschreiben, nnd wenn er ganze Perikopen 
Oder Sttteke von solehen an mehreren Stellen seines Evangelia- 
riams niederzQschreiben hatte, diese an den verschiedenen Stel- 
len in gleichlaatendem Text bieten. Abweiehangen , wie sie 
jedem Sehreiber anabsichtlich aas der Feder fliessen, kQnnen 
schon dnreh den ersten Redactor des Evangeliarinms and darch 
jeden nachfolgenden Abschreiber in solche Dabletten hineinge- 
rathen sein. Aber jede Yerschiedenheit zwischen solcben Dab- 
letten, welche sich als ein doppelter Uebersetzangsversach des 
griechischen Originals erweist; scheint aach za beweisen, dass 
dies Evangeliariam nicht aas einer vorliegenden Uebersetznng 
der voIIstiLndigen Evangelien geflossen ist, sondern dass der 
Uebersetzer ein griechisches Evangeliariam vor sich hatte and die 
darin wiederholt vorkommenden Texte das eine Mai so, das andre 
Mai anders za libersetzen fttr gat fand. 

Jo 8, 1 findet sich im Ev. Hier. p. 109 gegen Ende einer 
Perikope; welche Jo 7^ 37-8, 2 amfasst; deiselbe Satz steht 
p. 459 an der Spitze der Lection (Jo 8, 1—11) aaf den Tag 
der Pelagia. Abgesehn von der am Anfang der Lectionen ttbli- 
chen Formel (NOi^r^p sirr^m), welche in der Begel aaf die syn- 
taktische Form des so Eingeleiteten gar keinen Einflass ttbt, 
laaten nan aber die inhaltlich identischen Worte an beiden Stel- 
len sehr verschieden, nSmlich p. 109: Nlit^b tib btN ''n DiD*^ N'na 
Krinn, dagegen p. 459: Krr^tn Nmr: Nbt^ didt^ i<nN. Nar einTheil 
dieser Abweichangen ist orthographischer Art — L&igere zwei- 
mal vorkommende Sttteke sind an beiden Stellen wesentlich 
gleichlaatend. Es braacht aber aach nicht aafzafallen, dass der 
Uebersetzer sich erinnerte, eine Perikope schon einmal ttber- 
setzt za haben and sich nicht zam zweiten Mai die Mtthe einer 
ganz neaen Uebersetzang machen wollte« Aach in solehen 
parallelen Abschnitten finden sich bedeatende Abweichangen, 
die nar als doppelte Uebersetzangsversache angesehn werden 
k5nnen« Jo 12, 18—47 liest man in zwei aafeinander folgenden 
Perikopen p. 85 sq., and Jo 12, 17—50 ananterbrochen p. 305 sq. 
Es mag zar Noth als eine momentane Laane des Redactors oder 
eines spHteren Schreibers gelten, dass in v. 18. 30. 38. 39 in 
der ersten Perikope p. 85. 87. 89 beharrlich bb:»b, bb'^ab steht, 
wShrend die zweite Perikope p, 305. 307. 309 an denselben vier 
Stellen b'^'inb hat. Aber man findet aach 6 vUg tov av^qdnov 
Jo 12, 34 p. 87 zweimal darch N^inan rrnn, p. 309 zweimal darch 



- 341 — 

&(U)3'i^i m^ iibersetzt. Was soUte da in der Evangelientlber- 
setzQDg gestanden haben, wenn der Redactor beide Male aas 
derselben abschrieb? Noch aaffSlliger ist die doppelte Ueber- 
setznng von Tocravza de avTOv (Tfuketa nenoirinoToq in Jo 12; 37, 
nSmlich p. 89: ^ay Nin t^-^n^ y^\r\ bw, dagegen p. 309: D'^wni 
^^y fi^in lid, was nicht nar eine andre Uebersetzang ist, sondem 
anch einen anderen griechischen Text voraassetzt;, niimlich 
ToiavTa ^) statt nocavna aiifieia. — In Jo 12, 41 ist nicht nar 
elnep verschieden Iibersetzt (p. 89 *i»«, p. 309 b'^bia), sondem 
auch das eine Mai negl avToH wiedergegeben (p. 89 Ji^ittn by), 
das andre Mai neqVlncrov (p. 309 ^'^o'^ N'nTan tiatai bi!>), wlihrend 
an beiden Stellen dol^av tov &€ov statt do^ap avTov ansge- 
drttckt ist. Es ist nicht nGthig darnm anznnehmen, dass der 
Uebersetzer zwei verschiedene griechische Vorlagen (Evangelia- 
rien oder vollstltndige Evangelien) vor sich gehabt habe, sondem 
auch die zweite Variante in Jo 12, 41 erklSrt sich vOlIig aus 
einem doppelten Uebersetzungsversnch. Die wOrtliche Ueber- 
setzang p. 89 erschien dem Uebersetzer, als er das zweite Mai 
an dieselbe Stelle kam, p. 309 einen nnertraglichen Sinn zu er- 
geben. Er gab deshalb statt de eo, was nach dem, was bei 
ihm vorangeht, nar heissen konnte ,, liber Gott^, de domino Jem, 
was offenbar die Meinang des Evangelisten war^). 

Wenn nan Land , ohne sich aaf einen genaneren Nachweis 
einzalassen, versichert, dass darch die von ihm aas londoner 



1) Cf. Jo 9, 16 p. 73: N-^nN T^bn D5:»T iny, loiavxa arjfi€Za nouZv. 
Gf. Mt 9, 8 p. 185. Es mag an anserer Stelle p. 309 t<'^nt< dorch Schrei- 
berversehen aasgefallen sein, aber es bleibt joiavra (so auch cod. gr. F 
[saec. IX]) ftir joaavia^ was p. 89 wiedergegeben ist. £s handelt sich 
also nicht, wie etwa Jo 1, 34 p- 5 and p. 507 am eine Variante, welcbe 
im Lauf der Fortpflanzang eines syrischen Textes entstanden sein kSnnte, 
sondem urn eine griechische Variante, welche der Uebersetzer an zwei 
verschiedenen Stellen seiner Vorlage, eines griech. Evangeliariams vorfand. 

2) Aehnlicher Ait ist die Variation in Mt 22, 15 p. 155 contra Jt- 
sunif p. 285 contra eutn. Besonders am Anfang von Perikopen werden 
SStze, welche anderwKrts, wo sie im Zasammenhang einer Perikope dem 
griechischen Text entsprechend iibersetzt sind, durch solche Zathaten 
selbstlCndig und verstlSndlich gemacht. Ebenso, wo das eine Mai ein Text 
voUstandig, das andre Mai excerpirend mitgetheilt ist z. B. Mt 10, 5 
p. 469 and 555. Doch scheint an der ersteren Stelle, welche ich mit 
Httlfe der lat. Uebersetzung and des Glossars (p. 8) yon Miniscalchi nicht 
verstehe, zagleich ein andrer Uebersetzangsversach vorzaliegen. 



— 342 — 

nnd petersbnrger Blttttern pnblicirten syro-palfistinensischen 
Fragmente die Existenz einer vollst&ndigen Evangelientlber- 
setzang dieses Dialects erwiesen sei (p. 179); so ist zanlicbst 
za bemerken, dass der Inhalt des Fol. 14 im cod. Mas. Brit 
Addit. 14450 1) im Ev. Hier. p. 331. 333 als Bestandtheil einer 
lUngeren Perikope ohne jede Abtheilnng oder litorgisehe Bei- 
schrift za lesen ist. Woraaf beraht dann der Scheia, dass dies 
Fragment, welches keine Perikopenabtheilang zeigt; ans einem 
YoUstSndigen Evangelientext stamme, wie Land wiederholt ver- 
sichert*)? Nicht wesentlich anders steht es mit den amfang- 
reieheren evangelischen Fragmenten, welche Land aas dem cod. 
Add. 14664 (Mas. Brit.) ver(5ffentlicbt hat*). Es sind gleich- 
falls Fragmente eines Evangeliariams and zwar eines wesentlich 
ebensolchen wie das Hier. Dass hier and da eine Lection in 
den Fragmenten vorne oder hinten am einige S&tze iSnger oder 
kllrzer ist, beweist nichts gegen die Abkanfik aas einer and der- 
selben in der Urschrift nicht mehr vorbandenen Uebersetzang 
eines griech. Evangeliariams. Es finden sich ebensolche Ab- 
weichangen zwischen den griechischen Evangeliarien an zahl- 
losen Stellen. Bedenklicher ist schon, dass in den londoner 
Fragmenten Lectionen za bestimmten Tagen vorhanden sind, 
welche im Hier. nicht nar fehlen, sondern darch andere Lec- 
tionen ersetzt smd. So hat Land p. 120 im anmittelbaren An- 
schlass an die letzten SUze von Mt 13 zam Johannistag Mt 14, 
1 ff. (anvoUstSndig) , wiihrend das Hier. p. 571 za demselben 
Tag die Parallelstelle Mr 6, 14—30 bietet. So mag aach der 
bei Land p. 119 anvoIlstlLndig erhaltene Schlass von Mt 13 aof 
denselben Tag des Jakobas, des Braders Jesa, fallen, aaf wel- 
chen im Hier. p. 493 die Parallele Mr 6, 1 — 5 gesetzt ist. Aber 
solche Abweichangen kOnnten immerhin noch daraas erklilrt 



1) Land gibt Anecd. IV im syr. Theil p. 134—136 den Text, eine 
Schriftprobe in demselben Band Tafel VI ; cf. Wright, Gatal. Tafel XVIII. 
Nach Wright p. 55 ist die Schrift „vielleicht nicbt viel jlinger'* als 
saec. VII. 

2) Im lat Theil p. 184, bestimmter p. 194: exempli continai speciem 
prae se fert. 

3) Im syr. Theil p. 114—120; 121-126; 129—131; (unsicher 
p. 132 8q.); 138 sq.; 146—152; 153 sq.; 157; 160-164. Cf. im lat 
Theil p. 181 sqq. 203 sq. Die Hs. ist geschrieben saec. X oder XI 
(Wright, Cat. p. 203). 



- 343 — 

werdeoy dass man die arsprttngliche Uebersetzang des Evange- 
liarinms spSter nach anderen griechischen Evangeliarien revi- 
dirte nnd einzelne Lectionen daraas frisch tlbersetzte and an 
die Stelle der alteo setzte. Was solche Annahmen besonders 
nahelegt, ist aach der Umstand, dass ebenso wie die bisher be- 
sprochenen Stilcke anch die alttestamentlichen Fragmente nicht 
Beste von Bibelhandschriften, sondern von Lectionarien sind >). 
Es bleiben Obrig die ans arg zerrissenen petersbnrger BlSttem 
entnommenen Evangelienfragmente, ttber welche es sehr schwer 
ist nach den Angaben Land's nnd nach der Art, wie er die 
Texte ans den Fetzen znsammengestellt bat *), eine klare Ueber- 
sicbt zn gewinnen. Der lUtere Codex, welchem Land den 
grQsseren Theil der petersbnrger Blotter znweist, hat zwar anch 
mit einem Lectionarinm in einein Znsammenhang gestanden. 
Land hat richtig erkannt, dass die darin enthaltenen Angaben 
von Lectionen nnd Eephalaia nicht anf ein vollstSndiges Evan- 
gelienexemplar sich beziehen k6nnen '). Aber der Codex selbst 
ist kein Evangeliariani; sondern ein Evangeliencodex. Der nicht 
nnverletzt erhaltene and am Schlass abgebrochene Abschnitt 
Lc 1; i — 15 trIKgt die Ueberschrift : ^Evangelinm des Lacas^^). 

1) Ueber die londoner Psalmfragmente (syr. Theil p. 103—110) 8. 
den lat, Theil p. 190—192; liber die Kirchenhymnen (syr. Theil p. Ill 
—113) p. 192—194. In den petersborger Fragmenten aus dem A. T. 
steht z. B. auf einem einzigen Blatt Jes. 40, 9 sq. Prov. 9, 1 sq. (syr. 
Th. p. 167, lat. Th. p. 188. 189: Fol. 41. 60). Also geh5ren aach diese 
nicht einer Bibelhs. an. 

2) Er hat nSmlioh diese ebenso wie die londoner nach der Reihen- 
folge in den Evangelien abdracken lassen. Damit sind za vrgl. die 
Uebersicbten p. 186—189. 194—197 (lat. Theil). 

3) Lat. Theil p. 204. Aaf p. 143 syr. Th. (cf. p. 128) steht un- 
mittelbar hinter Mr. 16, 1, also vor 16, 2, welcher Vers aber sammt dem 
grSssten Theil von V. 3 ausgef alien ist: Lection 28 „Auferstehung des 
Herm'*. Im Ev. Ilier. p. 407 umfasst das zweite Evangelium resurrec- 
tionis Mr 16, 2—8, bei den Griechen dagegen Mr 16, 1—8 (Scrivener 
p. 79; Scholz p. 473). Da scheint doch ein Znsammenhang zu bestehn; 
nnd wenn hier (Petersb. fol. 40) mit Mr 16, 2 ohne andere Unterbrechung 
als jene Lectionsangabe der im Evangelium selbst vorangehende Text 
sich fortsetzt, so k^nnte dies aus Ev. Hier. p. 31. 33 abgeschrieben sein^ 
wo die Perikope Mr 15, 43—16, 8 steht, and die Lectionsangabe im Pe- 
tersb. Fol. 40 kSnnte nar darum angebracht sein, weil an einer andem 
Stelle des Evangeliariums, nKmlich unter den sogenannten evayyilia 
dvaardaifjut aaf die zweite HSIfte dieser Perikope hingewiesen war. 

4) Syr. Th. p. 144: Dplb "^112^ STilon. Es wSre ja an sich denk- 



- 344 - 

Also beginnt an dieser BteUe die Abschrift dieses EvaDgeliamSy 
nicht eines Stticks eines Evangeliariams. Dass in diesen Frag- 
menten manche Stttcke, besonders ans Marcns enthalten sind^ 
welche im Ev. Hier. nicht zn finden sind, ist an sich kein Be- 
weis dafttr, dass wir Stticke eines vollstftndigen Evangeliencodex 
Yor nns haben ; denn das Hier. ist ja in mehr als einer Hinsicht 
nnvollstftndig. Es gibt fllr den grOssten Theil des Kirchenjahrs 
nnr die Sabbath - and Sonntagslectioneni nicht die der Wochen- 
tage, and es wird in der Hs. selbst mehrmals daraaf hinge- 
wiesen (p. 171. 227). Und gerade auf die Wochentage sind 
nach dem wesentlich identischen System der griecbischen Evan- 
geliarien besonders viele Lectionen aas Marcas gelegt. Die 
Urschrift des palSstinensischen Evangeliariams kann sie alle 
enthalten haben. Abwesenheit der in den Fragmenten erhal- 
tenen Btttcke vom Ev. Hier. beweist nichts. Aber vOllig be- 
weisend fllr die Herkanft der Slteren petersbarger Blotter ^) aas 
einem vollstftndigen Evangeliencodex ist der Umstand, dass aaf 
keinem einzigen Blatt Stticke aas mehreren Evangelien stehen. 
Das w&re bei der grossen Zahl der Blotter anbegreiflich , wenn 
sie aas einem Evangeliarinm heraasgerissen w&ren. Also sind 
diese BUitter Brachstttcke einer Hs., welche den fortlaafenden 
Text der Evangelien enthielt, and zwar aller vier. Es sind 
Brachstttcke aas Mt 24, 11—27, 17; aas Mr 10, 45—16, 8; aas 
Lc 1, 1—19, 15; aas Jo 6, 31—42 *). Und diese Blatter er- 



bar, dasB diesen Worten, womit das Fol. 33 beginnt, ein *\n and eine 
Lectionsangabe vorangegangen ware (cf. die londoner Fragmente p. 147, 
14; 153, 22; 154, 18). Aber der ft5rmliche Titel vor dem Namen Lucas 
bestStigt den nSohsten Eindrack, welchen die Stellang dieser Worte 
gerade vor Lc 1, 1 macht. Im Ev. Hier. p. 547 steht Lc 1, 1—80 als 
Perikope des Johannistags (24. Jani). 

1) Dasselbe scheint za gelten von den evangelischen Fragmenten 
auf den jttngeren Blattern in Petersburg, abgedrnckt im syr. Th. p. 120, 
26-121, 3; 127, 23; 140, 1-23; 142, 9-12; 152, 20-153, 5; 214, 14 
—16; 217, 18 sq. Darin findet sich keine Spur einer Perikopentheilung. 
Es steht z. B. auf zwei urspriinglich zusammengehSrigen Stticken eines 
Blattes (Fol. 2 u. 113) Mr 7, 36—8, 14 nnunterbrochen , wabrend im 

^v. Hier. p. 253. 255 Mr 7, 24—37 steht, und dagegen 8, 1—14 gimzlich 
fehlt. Dass p. 217 an Mt 26, 56 noch Mr. 14, 51 angeschlossen ist, 
weiss ich zwar nicht durch Evangelienbss. zu belegen, war aber doch 
eine naheliegende Textmischang. 

2) Abgedruckt bei Land syr. Theil p. 127, 14-129, 13; 133, 19- 



- 345 — 

klltrt Land aas palSographischen GrUnden fttr das Aelteste, was 
bisher an Reliqnien des syro-palSstinensischen Dialects ans Licht 
getreten ist ^). Die IdentitSt der Uebersetzang in diesen Frag- 
menten and im Ev. Hier. anterliegt keinem Zweifel. Also beraht 
letzteres aaf einer yoUstSndigen Uebersetznng der Evangelien, 
and alle die Beobachtangen; welche vorhin S. 338 flf. das entge- 
gengesetzte Urtheil nahezalegen schienen, mttssen anders ge- 
deatet werden. Wenn zar Zeit des Abtes Elias am 1030 die 
vollstSndige Evangelienttbersetzang anbekannt gewesen ist, so 
folgt nar, dass sie sehr viel Slter war, and man sich iSngst 
daran gewQhnt hatte, nar darch Vermittlang von Lectionarien 
die biblischen Texte fortzapflanzen and kennen za lemen. Die 
doppelten Uebersetzangsversache massen von dem Manne her- 
rtthren^ welcher bei Anfertigang eines syro-palSstinensischen 
Evangeliariams aas der einheimischen Evangelienttbersetzang 
ein griechisches Evangeliariam , wie es in den benachbarten 
griechischen Gemeinden (etwa in Jerusalem) gebraucht warde, 
seiner Arbeit za Grande legte and sich nicht damit begnttgte, 
das Perikopensystem dieser griechischen Vorlage za ttbertragen, 
sondem aacb in den Text derselben hineinblickte and seinen 
einheimischen Text damit verglich, in einzelnen Fallen darnach 
corrigirte. 

Wann die Evangelienttbersetzang entstanden sei, wird so 
bald noch nicht bestimmt werden k5nnen. Von Wichtigkeit 
dttrfte daftlr vor allem die ErzShlang des Epiphanias sein, 
welche aaf selbstgeh5rten mttndlichen Mittheilangen des Prose- 
lyten Joseph von Tiberias beraht^). Der Aafenthalt des Epi- 
phanias in dem Haase dieses damals in Scythopolis wohnenden 
Jadenchristen fILllt zasammen mit dem dortigen Aafenthalt des 
Easebias von Vercelli, also in d. J. 356 oder eins der nSchst- 
folgenden. Aber die Thatsachen, welche Epiphanias damals 
von ihm sich erzlihlen liess, fallen noch in die Regierangszeit 
Constantin's des Grossen. Unter den Einwirkangen, welche da- 



134, 5; 137, 20-138, 11; 141, 21—142, 6; 142, 16-146, 2; 155, 18- 
156, 12; 157, 27-159, 26; 160, 17; 214, 10-214, 12; 215, 5 sq. 11 sq.; 
217, 7-15; 217, 24-222, 5. 

1) Lat Th. p. 231 sq. und Tafel IV. 

2) Haer. 30, 3—12 p. 127-136 Pet Die fttr jetzt wichtigsten Stellen 
Bind § 3 extr. p. 128; § 5 med. p. 129; §• 6 p. 130; § 10 extr. p. 134; 
§ 12 extr. p. 137. 



- 346 - 

mats die BekehruDg dieses hochstehenden Jaden Joseph znm 
Cbristenglaaben herbeiftthrten; nimmt die zweite Stelle ein die 
Lectflre einer ^hebrliischen^ Uebersetzang des EvaDgelinms des 
Johannes and der Apostelgeschichte; welche er nach dena Tode 
des jtldischen Patriarehen EUel, der als heimlicher Christ ge- 
storben sein soil, in einer (von diesem?) versiegelten Sehatz- 
kammer gefanden hatte. Epiphanins kommt anf die Geschiehte 
ans Anlass der Frage nach dem HebrHerevangelinm nnd dem 
VerhSltnis desselben za dem hebrSischen Original des Matth&os- 
evangeliams. Verd&chtig ist nor, dass er an einer, aber nnr an 
einer der in Betracht kommenden Stellen bemerkt, Joseph babe 
ansser Johannes nnd Apostelgeschichte anch das hebrliische 
Matthftasevangelinm gefanden and 'gelesen^). Im ttbrigen ist 
die Thatsacbe nnanfechtbar , and die Bezeichnnng der Sprache 
jener Uebersetznngen als efigatg (dMextog^ wSre kein Hin- 
derniS; hierin Stttcke derselben Uebersetzang des N. Testa- 
ments 2) za erkennen, ans welcher das Ev. Hier. and die damit 
stammverwandten Fragmente herrObren. Aber sehr anffallend 
ist, dass dem in PalSstina als Jade geborenen and lange an- 
sftssig gewesenen Epiphanins die Existenz jener Uebersetzangen 
zweier neatestamentlicher BOcher nnr aas der ErzUilang des 
Joseph bekannt ist (s. besonders § 3 extr.). Von irgend wel- 
chem Gebraach derselben in christlichen Gemeinden PalSstinas 
weiss er oflfenbar nichts. Freilich folgt daraas nicht mit Sicher- 
heit, dass nicht doch Thatsacbe ist; was Epiphanins nicht weiss. 
Diese Uebersetzangen kOnnen ja nicht von christnsfeindlichen 
Jaden angefertigt worden sein. Sind sie aber von jtldischen oder 
doch nichtgriechischen Christen Pal&stinas abgefasst worden, so 
werden sie doch wohl anch von solchen gelesen and znm Zweck 
solcher Verwendnng gemacht worden sein. Nar in den katho- 
lischen Gemeinden PalSstinas and in denjenigen Theilen des 
Landes, welche Epiphanins ans eigener vieljILbriger Anschaaang 
kannte, also westlich vom Jordan, kann man die Verfasser and 
Leser dieser Uebersetzangen nicht sachen. HStten die Christen 
von Scythopolis am d. J. 300 Uebersetzangen der biblischen 



1) C. 6 extr.: oiJ fxriv alXa xai to xaxa MaT&atov ipQotixov fpvrov 
(oder naoh cod. Ven. (pvasi ov). 

2) Anch von der Apostelgeschichte ist ein petersburger Fragment 
vorbandeo bei liand syr. Th. p. 168. 



- 347 — 

Bllcher in der aram^Lischen , jttdisch-syrisehen Volkssprache be- 
sessen, 8o wllrden sie sich nicht mit mttndlicher Dolmetschang 
der griechischen Bibel in den gemischten Gemeinden abgemtlbt 
haben (s. oben S. 19 f.)* Also (5stlich vom Jordan, nnd zwar in 
den von der katholischen Eircbe zar Zeit des Epiphanius noch 
separirt lebenden jadenchristlichen ^ ebjonitiscben Gemeinden 
werden diese Uebersetznngen entstanden and gelesen worden 
sein. Von ihnen baben sie die Jaden von Tiberias bekommen ^). 
Ueber diese Gemeinden ist Epipbanias sebr angenttgend be- 
richtet; daher ist es gar nicht anffallend; dass er vor der Be- 
gegnnng mit jenem Joseph nie von jenen Uebersetznngen geh5rt 
hatte, and dass er aach zar Zeit seiner Bericbterstattang darttber 
am d. J. 375 vom Ursprang and der Verbreitang derselben 
nichts za sagen wnsste. In den ebjonitischen Ereisen mttssen 
lange vor Epipbanias die meisten nentestamentlichen Bttcher 
bekannt gewesen sein. Die griecbische Literatar, welche ans 
diesen Ereisen hervorgegangen ist, setzt Eenntnis so ziemlich 
des ganzen N. Testaments voraas, insbesondre aach des johan- 
neischen Evangeliams and der Apostelgeschicbte. Die ans in 
den clementinischen Homilien and Recognitionen erhaltenen Ge- 
staltnngen der denselben za Grande liegenden Schrift oder Schriften 
mOgen viel jtlnger sein, als man gew5hnlich annimmt. Aber es 
ist nicht wahrscheinlich, dass erst in diesen letzten Bearbeitangen 
die genannten nentestamentlichen Schriften benatzt worden sind. 
SpHtestens seitdem das hUretische Jadenchristentbam aggressiv 
gegen Paalas vorging and aaf literarischem Wege in den ka- 
tholischen Eirchenkreisen Propaganda za machen anlSng, mass 
es sich am die hi. Schriften der Eatholiken bekllmmert haben. 
Und es geschah das nicht allein in polemiscbem Interesse ; denn 
dasjenige jadenchristliche Evangeliam, welches Epipbanias ge- 
sehen and ans bekannt gemacht hat, ist schon nicht mehr eine 
blosse Bearbeitnng des Matthias, sondern ist stark beeinflasst 
darch die llbrigen kanonischen Evangelien (s. oben S. 24. 21). Es 
war ein griecbisches Bach, wie die Homilien and die von Rafin 



1) £b ist bezeichnend, dass Eusebins das HebrSerevangeliam „da8 
Evangelium, welches bei den Jaden ist**, nennt (Theoph. IV, 12. cf. die 
engl. Uebersetzung von S. Lee p. 234), and dass es in einem Evange- 
liencodex des 9. Jahrhunderts viermal to iovSatxov helsst (Tiscbendorf 
Not Cod. Sin. p. 58). Es war nicht bloss bei den Jndenchristen , son- 
dern aach bei den unglaubigen Juden einigermassen verbreitet. 



— 348 - 

fibersetzten dpayp(HiQi<r[Aoi griechische Btlcher sind. Aber der 
Grandstock der jndenchristlicheD Gemeinden war ein jlidischer^ 
9a88 im Ostjordanland nnd in einzelnen Eolonien bis nach Beroa 
(Aleppo) binanf, and die vorberrschende Spracbe derselben 
mnss der von den Jaden jener Gegenden gesprocbene ara- 
miiische Dialect gewesen sein. Somit ist es gescbicbtlicb voU- 
kommen begreiflicb, dass man in diesen Kreisen eine aram&ische 
(jQdisch - syrische) Uebersetzang mehrerer nentestamentlicher 
Bllcher anfertigte nnd las. Mochten einzelne jadenehristlicbe 
Gemeinden y wie die NazarSer bei Aleppo, welche Hieronymns 
kennen lemte, mit zHber Treae an ibrem arsprttnglichen Charakter, 
an ibrem einzigen aramSiscben Evangelinm festbalten^ aber aacb 
anf jede polemiscbe nnd propagandistische Beeinflnssnng des 
katboliscben Cbristentbnms verzicbten; es gab seit dem zweiten 
Jabrbundert nnter diesen Jadencbristen anch eine andere Partei, 
welcbe ttber die Grenzen einer Secte binansstrebte nnd anch 
der bl. Literatnr der katboliscben Eircbe sicb bemftcbtigtC; tbeils 
am sicb selbst dadarcb za bereichern; tbeils am sie zam Angri£f 
anf das katboliscbe Cbristentbam za benntzen. Wenn nan He- 
gesippns, den Ensebins docb wobl mit Becbt fUr einen gebo- 
renen Jaden gebalten bat, in seinen zar Zeit des rOmiscben 
Biscbofs Elentberas (175—189) gescbriebenen Denkwtlrdigkeiten 
aasser dem HebrHerevangeliam aacb das ^syriscbe^ (Evange- 
linm) angefttbrt bat ^) , so liegt docb nicbts nUber , als an eine 
palSstinensiscbe Evangelienttbersetznng za denken, wie dieje- 
nige, welcbe wir am 330 in den HUnden der Jaden za Tiberias 
finden. Die Bezeicbnnng der Spracbe darch ^syriseb^ in der 
Relation des Ensebias stebt dem keineswegs im Wege; denn 
Easebias nennt aacb sonst diese Spracbe so (s. oben S. 40 Anm. 4). 
Und dem Hegesippns , welcber sicb darcb seine Mittbeilnng je- 
rasalemisober Traditionen als geborenen Palfistinenser zn cba- 
rakterisiren scbeint, lag eine solcbe Uebersetzang, wenn sie 
damals schon existirte, jedenfalls viel nitber, als der damak 
gleicbfalls scbon existirende Syras Garetonianns* 

1st nan mit Recbt das Ostjordanland nnd gerade anch die 



1) Eufl. h, e. IV, 22, 7: ?jc t« tow xa&* 'Efigalovg evayyeliov xal tov 
2vQiaxov xal i^icjg ix j^g *EfiQat^og Siakkxrov xiva Tld^aiv^ ifiq>alv(ov 
i^ ^EfigaCoyy iavtov neniatevxhai, xal alXa <f^ foaav i^ ^lovSa'ixijg dyQU" 
(pov naqaSoasfog fivfifiav€vit. 



- 349 - 

Gegend; in welcher wahrend des vierten Jahrhunderts die da- 
mals noch separirten ebjonitischen Gemeinden sassen, als Hei- 
mat der im Ev. Hier. theilweise erhaltenen syro-palilstinensi- 
sehen EvangelienfibersetzuDg erkannt worden, und zeigen sich 
in dieser Uebersetzang Spuren jfidischer und judeDchristlicher 
Bedeweise, so ist die Annahme kaum zn umgehen, dass diese 
Uebersetzung mit derjenigen Uebersetznng eines oder mehrerer 
Evangelien zusammenhlinge und theilweise geradeza identisch 
sei, welche sehon vor 330 (Joseph von Tiberias)) vielleicht vor 
180 (Hegesippus), in den jadenchristlichen Gemeinden derselben 
Gegenden entstanden and verbreitet war. leh sage; theilweise; 
denn das ist sehr nnwahrseheinlieh, dass jene Judenchristen, 
bei denen ein aram^isches Hebraerevangeliam in Gebrauch war^ 
ansserdem noch eine aramHisehe Uebersetzung des griechischen 
MatthSus angefertigt haben soUten, wie sie das Ev. Hier. und 
die dazu geh5rigen Fragmente darstellen ^). Man wird nur 
ttbersetzt haben, was man nieht von Haus aus besass^ so das 
Johannesevangelium und die Apostelgeschiehte, aber wahrschein- 
lieh auch die Evangelien des Marcus und des Lucas. Dann 
muss man freilich annehmen, dass die katholischen Gemeinden, 
welche nach der Zeit des Epiphanius sich diese Uebersetzungen 
aneigneten und wahrscheinlich auch die judencbristlicben HSuf- 
lein in sich aufnahmen, nachtrliglich das Fehlende erglinzteny 
also vor allem eine entsprechende Uebersetzung des MatthSus 
sich verschafften; denn das mit apokryphen Zuthaten versetzte 
Hebrsierevangelium konnte kein Ersatz daflir sein. Es wfirde 
ttber die schicklichen Grenzen dieses Anhangs hinausgehU; wenn 
leh den Versueh machen woUte^ die ktthnen VermuthungeU; die 
ich auszusprechen wagte, noch genauer zu bewShren. leh 
glaubC; dass sich auch mit Btlcksicht auf den Sprachschatz er- 
hebliche Verschiedenheiten z. B. zwischen den Stlicken aus Jo- 
hannes; welcher schon im zweiten Jahrhundert tibersetzt wurde, 
und den Stttcken aus MatthHuS; der erst nach dem ^viertep Jahr- 
hundert tibersetzt worden sein wird^ sich nachweisen lassen. 
Einzelne Lesarten^ welche sonst nur in jtlngeren Textzeugen 



1) Die abentheaerliche Meinaog Miniscalchi's, dass die MatthSasperi- 
kopen dem aramaischen Original des Matthaus entnommen seien (Proll. 
p. XLV), bedarf keiner Widerlegang. Sonst wfirde schon die Form des 
Namens DID*^ C^riaovg) dazu ausreichen. 



- 350 - 

Yorhanden sindy k($nnen nicht beweisen, dass nnsere Ueber- 
setzung in alien ihren Theilen erst im 5. oder 6. Jahrhandert 
entstanden sei; denn derjenige, welcher in noch spSterer Zeit 
ans dieser Uebersetzung das Evangeliarium herstellte, hat da- 
bei, wie schon S. 345 gezeigt wnrde, den Text eines griechi- 
schen Evangeliarinms zn Rath gezogen. Wenn im Ev. Hier. 
(p. 459 cf. 109) die unechte Perikope Jo 7, 53—8, 11 als jo- 
hanneisch dargeboten wird, so kommt dies, wie alle Qaellen- 
nachweise, auf Rechnung des Redactors des Evangeliarinms. 
Die Erzfihlnng selbst ist nralt nnd stand wahrscheinlieh im He- 
brSerevangelium ^). Es wMre daher sehr wohl mdglich, dass 
sie schon vor der Anfertigung des Ev. Hier. in einer der von 
Jadenchristen vor Epiphanius- nnd selbst vor Hegesippns ange- 
fertigten Uebersetzangen einzelner kanonischer Evangelien stand. 
Sie kann aber auch ebenso wie die Doxologie des Yaternnsers 
(p. 233) erst darch den Redactor des Evangeliarinms herein- 
gebracht sein '). 



II. Ueber ..die Lehre des Addai^^ 



55 



Seitdem die syrische Legende ttber die Bekehrnng des 
EOnigs Abgar Ukama von Edessa nnd die Grttndnng der edes- 
senischen Eirche im Original zaerst (1864) anvollst^dig darch 
Careton, dann voUstandig darch 6. Phillips (1876) heransge- 
geben warde '), sind drei verschiedene Ansichten liber Ursprnng 
nnd Worth derselben mehr oder weniger zuversichtlich ansge- 
sprochen and mehr oder weniger ansfUhrlich begrtindet worden. 
Careton, Phillips, Bickell^) a. A. nehmen die Schrift im we- 
sentlichen als das, woftir sie sich gibt, als einen von Labnbna, 
dem Historiographen jenes Abgar Ukama, einem Zeitgenossen 
Jesa and der hier berichteten Ereignisse ^) aafgezeichneten and 



1) Eos. h. e. Ill, 39, 16. 

2) FUr beide Stiicke ist keine Controle darch die petersburger oder 
auch londoner Fragmeote m(5glich. 

3) Die vollstandigen Titel 8. oben S. 90 Anm. 1 a. 2. Ich citire 
auch im folgendeo als Add. den syr» Theil der Aasgabe von Phillips. 

4) Conspectas rei lit. Syr. p. 15 sq. ; Zeitschrift f. kathol. Theologie 
1877, S. 296—304. 

5} Derselbe Labubna, welcher Add. p. 51 sq. als Verfasser des Be- 



- 351 — 

im Arehiv za Edessa niedergelegten Bericht. Diese Ansicht 
konnte nnr ausgesprochen werden, indem man zagleich annahm^ 
dass der auf uns gekommene syrische Text durch zahlreiche 
Interpolationen entstellt sei. In Bezag auf diese Interpolationen, 
wozu namentlich die Geschicbte der Krenzauffindang durch Pro- 
tonice gehOren soil, neigt Phillips zu der Meinung, dass sie sSmmt- 
lieh in das Schriftstliek gekommen seien^ ehe Eusebius dasselbe 
excerpirte, eine Meinung^ welche Bickell in Bezug auf die Kreuz- 
findung unbegreifiich findet ^). Eine zweite Ansicht versuchte ich 
bald nach Erscheinen des vollstlindigen syrischen Textes in dem 
engen Rahmen einer Recension ^) zu begrlinden. Damach wSre 
die syrische „Lehre des Addai'^ zwar von Anfang bis zu Ende 
eine Dichtung^ aber eine sehr alte^ nlLmlich noch im 3. Jahr- 
hundert in Edessa entstandene und darum auch geschichtlich 
werthvolle; wir batten abgesehn von solchen AenderungeUy wie 
sie alle Schriften besonders dieser Gattung im Lauf der Jabr- 
hunderte erlitten haben^ dieselbe Schrift in Hilnden^ aus welcher 
Eusebius seine Mittheilungen tifier Abgar und Thaddltus (= Addai) 
geschOpft hat. Eine dritte Ansicht hat neuerdings R. Lipsius vorge- 
tragen'). Die syrische Schrift^ welche dem Eusebius vorlag, soil 
nichts Wesentliches enthalten haben ausser dem, was Eusebius mit- 
theilt, dagegen soil unsere ^Lehre des Addai^ auf Grund jener 
Slteren Schrift erst nach 360 entstanden sein (S. 51). Es ist 



richts genaont ist, erscheint p. 18 med. nnter deo hervorragenden Per- 
sonen in der Umgebaog Abgar's. Ebenso deatlfch ist der Ansprnch des 
Bnchs, wenn derselbe Archiyarias (Tabularias und Scharir) Hannan, 
welcher im J. 343 (y. 1.^340) Seleuc, also 28/29 oder 31/32 p. Ghr. im 
Auftrag seines EOnigs zweimal nach Palastina reist, die Schrift Lar- 
babna's mit seinem Zeagnis yersehen und im Archiy des E^nigs nieder- 
gelegt haben soil. 

1) A. a. 0. S. 300 Anm. 1. 

2) GSttinger Gel. Anz. 1877 S. 161-184. Auch NQldeke (Liter. Cen- 
tralbl. 1876 S. 937 ff.) und Nestle (Theol. Literatarz. 1876 S. 643 £) 
zeigten sich in Bezag anf die grQssere Masse der Schrift einer ahnlichen 
Au£fassung geneigt. Vollig zagestimmt hat meiner damaligen Darlegang 
J. B. Lightfoot (Contemporary Review 1877, May, p. 1137); sehr wahr- 
scheinlich fand sie A. Harnack (Ztschr. f. EG. II S. 93) ; and P. Gas- 
pari theilt mir so eben mit, dass er in einem bisher nicht gedrackten, 
in der Akademie zu Ghristlania gehaltenen Vortrag ganz zu dem glei- 
chen Resultat mit mir gelangt sei. 

3) Die edessenische Abgar -Sage. 1880. 



- 352 - 

nicht die Absicht, diese nenste and ansftthrlicbste Abhandlcmg 
fiber den Oegenstand bier zn recensiren; aber die Thatsachen, 
nm deren Benrtheilnng es sich handelt; mttssen noch einmal 
karz dargelegt werden, damit es nicht seheine^ als ob ich die 
Bttcksichtslosigkeiten des jenenser Kritikers darch ebensolche 
erwidert babe, indem ich oben S. 90 das vor Jahren aasge- 
sprochene Urtheil im wesentlichen als richtig voraosgesetzt babe. 
Den chronologiscb sicberen Ansgangspunkt der literarbisto- 
rischen Kritik der Addailegende bilden die Mittheilangen des 
Eosebias (b. e. I, 13)« Nacbdem derselbe im Anschloss an 
Nachricbten tlber Mebrere von den 70 Jtlngem Jesa ancb den 
Thaddttas als solcben bezeichnet and die sofortige Mittbeilang 
einer ihm zagekommenen Erzttblang tlber denselben versprocben 
bat (I, 12; 3); gibt er diese in aller Ktlrze (c. 13, 1—4); wie 
es scheint noch ohne die Absicbt, die actenm&ssige Darstellang 
folgen za lassen, welche dann doch folgt. Den Uebergang daza 
macbt er mit den Sfitzen: ;,Man hat (exeig) hiervon ancb ein 
schriftliehes ZengniS; welches aus den in der damals von KQnigen 
beberrschten Stadt Edessa vorhandenen Arehiven {yQafAfiatotpv' 
Xaneiwv) genommen ist. Unter den dortigen Offentlichen Ur- 
kanden, welche die alten (Oescbichten) and die den Abgar be- 
treffenden Ereignisse enthalten, ist ancb dies, was von jener 
Zeit an bis znr Gegenwart erhalten ist, gefanden worden^. So- 
weit btttte Easebias schreiben kOnnen, aach wenn er die angeb- 
licb im edessenischen Archiv vorhandene Schrift niemals gesehn, 
sondern nar ihren Inbalt and zagleich ihren Anfbewahrangsort 
darch Vermittlang eines filteren griechischen Historikers z. B. 
des Africanns^) kennen gelemt hStte. Aber, wo er zam zwei- 
ten Mai anf die hiesigen Mittheilangen in ibrer Gesammtheit 



1) Dies hat zuletzt noch wieder Bickell a. a. 0. S. 299 Anm. 1 als 
etwas Mdgliches oder gar Wahrscheinliches behandelt. — Dass Africanos 
die Legende von Abgar Ukama gekannt habe, kann man natiirlioh nicbt 
daraus schKessen, dass er seinen Zeitgenossen Abgar, den G(5nner des 
Bardesanes tov nQoiriv lifiyaQov ofiniwfioy genannt haben soil (Routh, 
rel. s. II, 307); denn erstlich wissen wir nicht, ob dies nicht eine Za- 
that des Syncellus ist, weloher dies aus der Ghronik des Africaniis in indi- 
reoter Rede anftthrt, nnd zweitens wiissten wir, wenn es wSrtlich bei 
Africanos gestanden hStte, nicht, welchen frtiheren Abgar Africaniis 
meinte. Easebias hat aas der Ghronik des Africanas nor die Worte: 
Edeseae regnavit Abgarius vir eximius (ed. SchiJne II, 178). 



- 353 - 

zorflekblickt; bebauptet er, ans der dort, inEdessa; befindlichen 
Schrift geschopft zu haben ^). Wie er in den Besitz dieser Scbrift 
gekommen sei^ sagt er weder hier noch sonst; nnr mass man 
ans dem dreimaligen anpersQnUchen Ausdruck^j in den bisher 
in Betracbt gezogenen Sfitzen schliessen^ dass Eusebios nicht 
selbst nacb Edessa gereist ist und aos dem dortigen Archiv die 
Scbrift entnommen hat Ein so interessantes Factum wie dies 
wflrde Easebins nicht anter den Scheffel gestellt haben ; aber er 
schliesst es geradeza aas^ indem er eben da^ wo er zaerstsagt^ 
dass die fragliche schriftliche Urknnde aus den Archiven zn 
Edessa g^nommen sei, bemerkt; dass Edessa damals von K5ni- 
gen beherrscht gewesen sei. In dieser Verbindangy and an 
dieser Stelle^ nachdem er lUngst vom E(5nig Abgar geredet hatte, 
kann das doch nicht beissen: ^damals^ als die Geschichte mit 
Abgar and Addai sich zatrag^; sondern nar : ^damals, als man die 
schriftliche Urkande dartiber dem Archiv entnahm, im Archiv 
fand^. Dann hat also Easebias eine Scbrift in die Hand be- 
kommen, woraas zu ersehen war, dass sie noch zar Zeit des 
edessenischen Fttrstenthams geschrieben and dem ftirstlichen 
Archiv') entnommen, also vorher in demselben niedergelegt 
worden sei. Es wird sich sogleich zeigen^ wie bachstHblich 
wahr das ist Wenn man versichert^ Easebias babe „nach dem 
Wortlaat seiner Qaellenangabe . . . direct aus dem edesseni- 
schen Archive gesch5pft and das dort vorgeftmdene Docament 
selbst aus dem Syrischen ins Griechische Hbersetzt^ (Lipsias S. 14) 
so hat das nar zam Theil eine Sttltze an den weiteren Worten 
des Easebias: Oidev ds olov xal avt&v inaxovtrai tcop inKT- 
Tolfop and %&v dqxeiwv ^(iip dpaXi^tpd'eKrcov nal xovde aixotq 



1) H. e. II, ly 6: (OS dnh trig svQid-siatjg avroS-i yqa(pfjg [aixq^ 
nqoad'Bv i^Tjldaa/iev. — Gleich darauf gebraacht er den unbestimmteren 
Ausdnick: xal lotvja fihv ag iS d^x^^^^ lajoqlag siQija&o). 

2) I, 13, 5: ItitpS-elaay . . ivgtitai, 11, 6: ivgeS-aCarig, Also ninan 
hat**, nicht „ich habe" die fragliche Scbrift dort gefanden. 

3) Dorch den fiinweis aaf die damalige ESnigsherrschaft in Edessa 
ist voUends ausgeschlossen die ganz barmlos eingeftihrte Phantasie von 
Lipsias (S. 13), wonach Easebias seinen Bericht ,,aus den officiellen 
Archiven der edessenischen Eirche geschopft^ haben solL Es soil ja 
die Geschichte vielmehr anter den driiAiaiot ;^a^Taf gefanden sein, worin 
anter anderen alten Geschichten (ja naXaid) anch das den Abgar Be- 
treffende enthalten sei* Solche^ Sijfioaioi x^Q'^^'' liegen aber nicht in 
der Sakristei der Eirche, sondern im Staatsarchiv. 

Zahn, Forachongeii I. 23 



- 354 - 

^^f^acTiv i» tfig Svqfov g^tap^g iiecafiX^d'eifT&v toy tQonov. Ver- 
steht man hier anter ta aqxeta den Raam, in welchem die 
dfifboffioi xaqtai aufbewahrt werden. Archive in dem nocb jetzt 
gewOhnlichen Sinn des Worts, also eben daS; was Eusebins knrz 
vorher yQaiiiiaTogfvXaxsTa genannt hat, so mfisste man ihn aller- 
dings so verstehen, dass er nach Edessa gereist sei and aas dem 
dortigen Staatsarchiv die beiden folgenden Briefe hervorgeholt 
habe. HQchstens k($nnte man zageben^ dass er, um gleichgtU- 
tige Umst&idlicbkeit za vermeiden, sich selbst zngeschrieben 
babe, was in Wirkliehkeit ein Anderer in seinem Auftrag ge- 
than hStte. Aber erstlicb wttrden dann die anderen, vorher 
gedeuteten Anssagen entweder unverstSndlich werden, oder mit 
der biesigen in Widersprncb stehen. Sodann wUre anverstand- 
licb, wie Eusebins von diesen Briefen, als ob sie selbst&idige 
Actenstticke wUren, sagen mochte, diese babe er den Arcbiven 
entnommen. Er hat sie ja vielmehr^ wie Alles, was er ttber 
Abgar und ThaddlLus mittheilt^ einer zasammenhUngenden Schrift^ 
einer in Edessa anfgefnndenen yQaq>^ (h. e. II, 1, 6)| einer ge- 
sebriebenen ^ErzHblnng der Alten" (11^ 1, 8) entlehnt, einer 
syriscben Sebrifty in weleher die Briefe im Zusammenhang einer 
historischen Darstellung vorkamen^). Also ist hier and t&v 
aQxelcop nicht gleich dem vorher gebrauehten ix xAv yQaiiiia- 
rotpvlaxeCoop , sondem gleich dem sp&ter gebraacbten a/ro r^; 
eiqe&elfffig avxo&i TQ^V^^' ^^^ aqxetcc nicht nor das obrig- 
keitliche Gebilude bedentet, in welchem Urkunden aufbewahrt 
werden, sondem auch diese Urkunden selbst, soUte man doch 
nicht leugnen 2). Wenn Josephus sagt, dass Menander z& Tvqlioy 
dgxeicc aus der ph(5nicischen in die grieehische Sprache tiber- 
setzt babe '), so ist doch wohl klar, dass er unter dqxeia nicht 
das Gebfiude, die Zimmer und SchrSnke versteht, in welchen 

1) I) 13| 10: ta^jttig Sk talg imatoXalg %%i xal tavxa aw^Ttio t^ 

2) Vgl. meinen Ignatius v. Antiochien S. 376 f. und die Anmerkang 
in Patr. apost II, 78 sq. 

3) Jos. antiq. VIU, 5, 3 of. IX, 14, 2 (zweimal, an der zweiten 
Stelle ebenso unzweidentig wie VIII, &, 3). Vgl. J. G. MUUer, des FL 
Josephus Schrift gegen Apion S. 152: n^QX^*^^ ^^^^ obrigkeitliche BUcher, 
Archive" u. s. w. Dies zu c. Ap. I, 20, 2: iv tols aQx^loig rmv ^oivtxatv 
aiSfitfmvtt tols lino Br^qtoaoov Uyofiivotg dvayiyQanTai^ Damit will Jo- 
sephus seine Leser doch nicht giauben machen, dass es zu seiner Zeit 
ein phSnicisches Archiv gebe. 



- 355 ^ 

die E(5nige von Tyras ihre Urkanden aufbewahrt haben^ sondern 
die im Staatsarchiv niedergelegten historischen Anfzeichnangen 
nnd Urkanden. So muss das Wort bier von Ensebins gemeint 
sein, wenn er niebt innerbalb weniger Zeilen sicb selbst wider- 
spreeben soil. Zu den archivaliscben Urkanden von Edessa ge- 
bQrte allerdings nacb seinen vorangebenden Bemerkangen die yqatp^ 
and IffToqla, ans welcber er anter anderem die scbon vorber 
erw&bnten Briefe nan in w5rtlicber Uebersetzang mittbeilt. Und das 
folgt allerdings aas diesen Worten, wenn man den Easebias nicbt 
einer sebr dreisten Lfige zeiben will; dass ibm jene gesebiebt- 
licbe Urkande im syriseben Original vorlag, and dass dieselbe 
zam Zweck der Mittbeilang in seiner Eirebengesebiebte von ibm 
ins Griecbiscbe tfbersetzt worden ist. Ersteres bestiltigt ernoeb- 
mals in den scbon angefUbrten Worten (I, 13, 10), womit er 
den Uebergang von den Briefen zar ErzHblang maebt, das Andere 
darcb den Scblass der ganzen Mittbeilang (§ 20): ^EnQax^fj de 
Tavta T€(T(TaQaxo(TTtf xal ZQiaxoffioct^ svei, a xai odx sig 
axQijtTTov nQog ki^ip ix r^g 2vq(op fkerafiXfj^ipTa ^cov^g iv- 
TaH&d [loi xaTcc xaiQOP xeCo'd'Co ^). 

Aber Easebias bat nicbt die ganze ibm vorliegende syriscbe 
Scbrift tibersetzt and mitgetbeilt '). Er sagt ja deatlicb genag^ 
dass er aas der Urkande die beiden Briefe beraasnebme and 
w5rtlicb ttbersetze. Und wenn er in den Scblassworten (§ 20) 
versicbert; dass die von ibm mitgetheilten Tbatsacben, also die 
ganze latoqla ^) mit Einscblass der Briefe^ in w($rtlicber Ueber- 
setzang^) von ibm an dieserStelle aafgenommen seien, so liegt 



1) Nor bleibt es namentlich angesichts dieser beiden letzteren Stellen 
mSglicb, dass er sicb dabei eioes spracbkundigen Gebiilfen bedient bat, 
dessen er ebensowenig zu gedenken braacbte, wie der Briefschreiber des 
Secretars, dem er dictirt* S. oben S. 19 f. 

2) Lipsius, der dies wiederbolt behaaptet S. 1. 14. 25, and welcber S. 17 
fiir den aDdern Fall von tendenziSser Versttimmelaog von Docameoten 
spricbt, widerspricbt sicb selbst, wenn er S. 22. 23 zagibt, dass Easebias 
den Eingang der edessenischen Acten nicbt wortlicb mittheile. 

8) So beisst es I, 12, B and in der von Easebias selbst berriibrenden 
Ueberscbrift des c. 13. 

4) Das seltenere tiqos lihv kann keinen anderen Sinn baben als 
das gewSbnlicbere xaxa Ik^iv (s. Heinichen's Ind. IV s. v. avroXi^C)^ 
Es beziebt sicb aber grammatisch und logiscb nnr anf die Uebersetzung, 
nicbt auf den Umfang der Mittbeilung und das quantitative VerhSItnis 
derselben zu seiner Vorlage. 

23* 



-1356 - 

darin darchaas nicht, dass er alle Thatsacheni welche die Ur- 
kande enthielt, tibereetzt and aafgenommen babe. In Bezag 
anf den Anfang der Urkonde wird zagestanden^ dass Eosebins 
denselben nar in freiem Excerpt gebe; and es ist in der That 
selbstverstandlich, dass in einer Schrift, in welcher anf die Briefe 
Abgar's and Jesa eine aasf&hrliche ErzUhlang folgtei der Brief 
Abgar's nicht obne jede historische Einleitang an der Spitze 
stehen and die Antwort Jesa nicht obne jede liberleitende Be- 
merkang daraaf folgen konnte. Hat also Easebias zagestandener 
Massen and nach dem Wortlaat seiner Einfttbrang des Briefs 
Abgar's aas der syrischen UrkandCy die ibm vorlag, nar Ein- 
zelnes excerpirt, so ist es yolikoninienste Willklir za behaapten^ 
was Easebias nicht mittheile, babe aach nicht in seiner Vorlage 
gestanden. 

Nan haben wir eine syrische Schrift, welche alles das^ was 
Easebias gibt/ enthftit and zwar grossen Theils in wOrtlicher 
Uebereinstimmang mit deni; was Easebias in director Redeform 
and als wOrtliche Uebersetzang mittheilt. Es ist femer ebenso 
zweifellos and allgemein anerkannt^ dass die ;,Lehre des Addai" 
eine syrische Originalschrift ist, als dass Easebios aas einem 
syrischen Original tibersetzt hat. Endlich ist die ^Lehre des 
Addai^ spStestens am Anfang des 5. Jahrhanderts vorhanden 
gewesen; die drei syrischen Hss., in welchen sie brachstttck- 
weise oder voUstlLndig erhalten ist; gehOren dem 5. oder 6. Jahr- 
handert an ^), and die armenische Uebersetzang, welche schon 
Moses Yon Khorene (am 470) benatzte, soli am Anfang des 
5. Jahrhanderts angefertigt sein ^). Damach besteht das Vorar- 
theil za Kecht; dass wir die von Easebias benatzte Schrift vor 
ans haben. Nicht dies, sondern das Gegentheil; das oben an- 
gegebene Urtheil von Lipsias mttsste bewiesen werden, and 
wttrde erst dann als bewiesen gelten kQnnen, wenn erstens ge- 
zeigt wUrCi dass die Abweichangen der syrischen Schrift von 
den parallelen Stticken bei Easebias nar als Folge systematic 
scher Interpolation oder Ueberarbeitnng za erklltren seien; and 
zweitens dass das Schweigen des Easebias ttber Solches, was 
in Add. enthalten ist, dem aasgesprochenen Zweck oder dem 
Gharakter dieses Schriftstellers widersprechC; and drittens, dass 



1) Wright, Catal. p. 1082. 1083; Philipps p. III. 

2) Alishan in der Vorrede; Langlois, Collection des historiens de 
rArm^nie I, 316. 



- 357 - 

die darch Eusebins nicht bezengten Stticke ans inneren Ortlnden 
der nachensebianischen Zeit zagewiesen werden mttssen. Man 
verzeihe diese Trivialitfiten, deren Betonang Lipsius nothwendig 
macht, welcber nicht einmal eine reinliche Fragestellang fertig- 
gebracht nnd an alien entscheidenden Paneten anstatt eines 
wirklichen Beweises fUr seine These mit jenen unfeinen Redens- 
arten nm sich geworfen hat, deren Hfinfung tiberall ein Beweis fttr 
die Gmndlosigkeit der so eingeleiteten Urtheile ist ^). 

Bei der Vergleichnng der parallelen Texte in Ens. and Add. 
mass man sich gegenwSrtig halten^ dass die beiderlei Texte ans 
nicht in der arsprlinglichen Oestalt vorliegen. Der Text der 
ensebianischen Eirchengeschichte wird tiberhanpt nicht za einem 
ertrMglichen Znstand kommen, bis die syrische Uebersetzang 
derselben, welche etwa ebenso alt ist wie die lateinische des 
Rafinas, gedrackt vorliegt^ and die Uebereinstimmang dieser 
beiden anabhSngigen Sltesten Zeagen trotz ihrer Ungenaaigkeit 
im Einzelnen zam Kriteriam der jangen griechischen Hss. ge- 
macht ist. Andrerseits ist nicht za fibersehn, dass die syrische 
Schrift mdglieher Weise zwei Jahrhanderte Slter ist^ als die er- 
haltenen Hss. derselben , and dass legendarische Texte stets 
mehr als andere anter der Willkttr der Schreiber za leiden ge- 
habt haben. Dies voraasgesetzt, mass man artheilen, dass 
Easebias eine ganz ordentliche Uebersetzang zanSchst der Briefe 
gibt. Sieht man vorlltafig von den Ueberschriften ab, welche 
Easebias ^) den beiden Briefen gegeben hat , so verschwindet 
eine ganze Menge von Varianten bei nMherer Untersachang. 
Aach Eas. hat (§ 6) nach Syr. and Rafin (JJchaniae al. Urba- 
niae filius) '!APyaQog Ovxayba an die Spitze des Briefes gestellt, 
wie Add.; aber das folgende Tondgx^g, oder wie die meisten 
griech. Hss. gegen Syr. Raf. geben TondcQXfig "^ditxatig, fehlt in 
Add., aach nach der armenischen Version '). SoUte die Tilgang 



1) S. 17: „Es ist wohl ohoe Weiteres klar«; S. 22 Z. 3 ^offenbar"; 
S. 26 „aageoscheinIich'*; S. 30 „Iiegt aaf der Hand**; S. 31 Z. 2 »ohne 

* Weiteres klar** a. s. w. 

2) Dass sie von ihm selbst herrtihren, zeigt die Uebereinstimmang 
von Eas. Graec. (ed. Heinicben), Syr. (bei Gureton anc. doc. p. 2 des 
syr. Theils) and Rufin, den ich nach der baseler Ausg. von 1528 
citiren mass. 

3) Alishan p. 13 ; Emine bei Langlois I, 318. Da die beiden Ueber- 
setzer des armenischen Textes aas derselben pariser Hs. schSpfen, so hat 



- 358 -- 

dieses Titels^) tendenziOse Aendernng eines Interpolators sein? 
Wenn Add. fortffihrt: Jem dem guten Arzt^), Ens. aber ^t^ffov 
aMtfiQi^) aya^ifj SO ist selbst Lipsins (S. 16) geneigt, ersteres 
fllr das Ursprtingliche zn halten. Wamm soil aber die Schrift, 
welche das Ursprttngliche bewahrt hat^ die jtingere sein ? Wenn 
Add. vor dem Grass (tab©) noch ein xiqie ('^'ntt) gibt*), so 
kann man es dem Ens. nicht tibelnehmen, dass er es strich; 
denn es passte nicht zn der griecbischen Constrnction {xalqeiv). 
Ens. ist nnsebnldig daran, wenn die Worte von Add. vim deinen 
Heilungm, dass du nicht dutch Arzneien und Krduter heilst^ 
sandem durch dein Wort allein Blinde sehend machst n. s. w. 
in nnserem Text seiner Eirchengescbichte nnsch5n zerrissen sind. 
Die mit Add. tibereinstimmende nnd doch selbstverstSndlich 
davon nnabhSngige Uebersetznng des Bafin et quod verbo tarir 
turn caecos fads videre beweist, dass nicht Ens.^ sondem ein 
allerdings sehr alter*) Abschreiber ans einem nal iti dia Xayov 
Ikovov das jetzige Aq yitq Xoyoq geschaffen hat. Im weiteren 
Ferlanf dieses ersten Briefs sind es ansserdem namentlich einige 
Ueberschtissey wodarch sich Add. von Eos. nnterscheidet, ohne dass 
man anf textkritischem Wege eine Uebereinstimmnng herstellen 
kOnnte. Von den letzten S&tzen des Briefs gebe ich eine Ueber- 
setznng der sjrischen Legende nnd schliesse diejenigen Worte, 
welchen in der Uebersetznng des Ensebins nichts entspricht, in 
Klammem: Darum schrieb ich dir und^) bat dich, dass du zu 



die Vergleichang der von efnander unabhSngigen Uebersetzungen (1867 
and 1868 erschienen) nur den Werth eines Beweises fOr die Genaaigkeit 
bolder. 

1) Ephraem. (Evang. cone, expos, ed. Moesinger p. 287: huius loci 
praefectus) scheint ihn zn kennen. 

2) Im Armen. grossen Arzt 

3) So nach Gr. Syr. Rnf. Griechische Texte, welche laTQt^ bieien, 
sind nicht aos Eos. geflossen, kronen es daher nicht zweifelbaft macben, 
dass Eos. diese triviale Uebersetznng vorgezogen hat. 

4) Der Arm. hat es als selbstSndige Anrede zom ersten Satz des 
Briefs selbst gezogen. 

5) So las nSmlich auch schon der syr. Uebersetzer desEus. (Cureton 
p. 2) and Moses von Ehorene (Langlois II, 96), welcher die Eirchenge- 
scbichte des Eusebius in einer wabrscheinlich aus dem Syrischen geflos- 
senen armeniscben Version las and in diesem Zasammenhang mehr als 
die ibm gleichfalls bekannte nLehre des Addai** befolgte. 

6) Im Syr. ist und nicht ausgedrttckt 



- 359 - 

mir hommest, [da ich dich anbete/] und ein gewisses TJebd, das 
ich habe, heilesty [toie ich an dich glaube]. Auch dies hahe ich 
gehdrt, doss die Juden wider dich murren und [dich verfolgen 
und sogar dich zu kreuzigen trachten und] darauf sehen, dich 
zu schddigen. Eine kleine Stadt besitze ich und eine sch6ne, und 
sie genugt uns beiden, [in Irieden darin zu wohnen], Sollte das 
Pins in Add. erst nach Eas. in den Text gekommen sein^ so 
mtisste man zngeben, dass die Erweiterangen ebenso harmlos 
als angemessen seien. Ebenso begreifiich wftre aber aacb der 
amgekehrte Fall, dass Ens.; welcher sich wohl fttr die W5rt- 
lichkeit seiner Uebersetzang^ aber nicht fttr die Vollstandigkeit 
seiner Mittheilung verbllrgt bat^ die entbehrlichen Worte der 
Ettrze halber wegliess/ Es wttre erfrenlicb, wenn der Vater der 
Kirchengescbiehte niehts Scblimmeres anf dem Gewissen bStte. 
Um zn sebweigen von dem Biographen Gonstantin's nnd yon 
dem Bischof; der seine Gemeinde in nnredliebster Weise liber 
den Sinn des nicSnisehen Bekenntnisses belehrte^), so ist un- 
leogbar, dass er in der Eircbengeschichte mehr als einmal ten- 
denziSs gef&lschte Gitate gibt'). Kleine Znsiltze; Anslassnngen, 
Wortyertaoschnngen I welche das von ihm beabsiehtigte Ver- 
stfindnis dem Leser erleichtern; oder den beabsichtigten Eindrack 
verstfirken k5nnen, erlanbt er sieb mehrfach. Das will bedacbt 
sein bei der Beortbeilnng der einzigen nennenswerthen Differenz 
zwischen Eos. nnd Add. in der Antwort Jesn an Abgar. Deren 
Scblnss lautet n&mUcb , wenn ich das bei Ensebios Fehlende in 
Elammem seize: Ich gehe hinauf zu [meinem Vater], der mich 
gesandt hat. Und wenn ich [zu ihm] hinauf gegangm bin, sende 
ich dir einen von meinen Jungem, welcher das Vebel, das du 
hast, heilen ') und alle, die bei dir sind, zum ewigen Leben be- 
kehren wird. [Und deine Stadt wird gesegnet sein, und ein 
Feind wird femer nicht mehr uber sie Gewalt bekommen in 
Ewigkeit]. Dieser Segen liber Edessa mnsste dem Historiker 



1) Gf. meinen Marcellas von Ancyra S. 17 f. 

2) Z. B. IV, 16, 9 B. oben S. 275; II, 10, 6 trotz des avroTs yqafA- 
fiaaiy &Sk nats § 2. Diese Zusammenstellnng widersprechender Besdm- 
muDgen {buchstablich — etwa folgendermassen) ist charakteristisoh ftir 
den MaoD. Und dort handelt es sich nicht am eine CJebersetzang , son- 
dem am ein einfaches Gitat aus einer griechischen Schrift, die Jeder 
vergleichen konnte. 

3) Doppelt aosgedrtickt tabn^n MDM^. 



— 360 - 

bedenklich sein; denn wenn es aach bei dem Untergang des 
Fllrstenthams von Edessa i. J. 216 nicht za einer Eroberong der 
Btadt kam^ so schien doeh die Verheissang nach einfachster 
Deutung die politische Unabb^ngigkeit miteinzuscbliesseD. An 
eine so bestimmte Weissagang ttber eine einzelne Stadt mochte 
der Localpatriotismns.glaaben. Eusebias konnte sicb ancb im 
Gedanken an die ungewisse Zaknnft yersncht flihlen, den klei- 
nen Satz fortzulassen. Vor der Zeit, in welehe Lipsias die Ent- 
stebung anserer „Lehre des Addai" setzt^ ist seine Existenz mit 
Sicherbeit nacbzaweisen. Epbr^m, der sieb aueb sonst mit der 
Abgarlegende vertraut zeigt ^), bat gerade ancb diese Segnnng 
Edessa's dareb Gbristus gekannt. In einem Gedicbt, von wel- 
cbem in seiner syriscben Vita ein Fragment erbalten ist, sagt 
er nnter anderem'): Edessa ist voll von Segnungen . • • Christus 
wird segnen ihre Bewohner. Edessa, mit Herrlichkeit geziert, 
durch den Namen Jesu verherrlicht, und mederum durch seinen 
Boten nerherrlicht, durch Addai, den seligen Apostel, eine Stadt, 
die an Bervhmtheit gleicht dem himmlischen Jermalem, o Edessa, 
wie soil ich sagen und predigen von deinen erhabenen Schon- 
heiten n. s. w. Hier ist zanUcbst deutlicb eine der Sendang 
Addai's vorangebende Verberrlicbang Edessa's dnrcb Cbristas 
ansgedrliekt, and das ist nacb dem, was vorangebt^ eine Seg- 
nnng nnd Verbeissnng, anf deren fernere Erflillnng nocb immer 
za reebnen ist. In dieser Beziebang nndeatlicber ist die in an- 
derer Hinsicbt wieder deatlicbere Bezagnabme aaf die fraglicbe 
Segnnng im Testament Epbrilm's'): Gesegnet ist die Stadt, 
davin ihr tvohnet, Edessa, die Mutter der Weisen, die von dem 
lebendigen Munde des Sohnes gesegnet ward durch seinen JUnger. 
Dieser Segen wohne in ihr, bis der Heilige offenha/r werden wird.' 
Da bier yon einer dureb den Jttnger Jesa^ also dareb Addai 



1) Die Stelle im Anhaog des EyangelieDcommentars (Moes. p. 287) 
ist schon oben S. 49 mitgetheilt; tiber die wSrtliche Anspielung an eine 
poetisch gehaltene Stelle Moes. p. 158 s. oben S. 216* 

2) 0pp. syr. torn. Ill p. LVII. Die lat. Uebersetzong daselbst ist 
unglanblich frei. 

3) 0pp. graeca torn. II, 399. Auch Assem. BibL Or. I, 141 and in 
Epbr. opp. sel. ed. Oyerbeck p. 141. In dieser letzteren Ausgabe nach 
anderer Hs. findet sich nor die eine Variante: darin du wohnest Der 
griechische Text in Ephr. opp. gr. II, 235 sq. mass aasser Betraoht 
bleiben. 



- 361 — 

vermittelten nnd doch ans dem Maude des nooh anf Erden 
lebenden Jesns herrllhrenden Segnnng gesagt ist^ so kann 
Ephrfim nicht unmittelbar den Sehlnsssatz des Briefs Jesa im 
Sinne haben^ sondern die spStere Stelle (Add. p. 28), wo Addai 
sagt: Es soil keiner von euch zweifeln in seinem Sinn, me die 
Verheissung seines Segens, die er euch schickte, an euch in Et' 
fiUlung gehen werde: n^elig seid ihr, die ihr an mich glaubt, 
wahrend ihr mich nichl gesehn halt; und well ihr so an mich 
geglaubt halt, so wird die Stadt, darin ihr wohnt, gesegnet sein, 
und ein Feind soil nicht Hber sie Oewalt bekommen in Ewigheit.^ 
Hier ist zanSchst zn constatiren, dass EpbrSm anf ein Sttlck 
von Add. Bezag nimmt; welehes Eusebins nicht aafbewahrt hat, 
nnd zwar w($rtlich genaa. Selbst das Wort fllr „Stadt^ (K^"^^) 
nicht Nnr'itt) ist dasselbe bei EphrSm nnd in Add., nnd weist, 
da es znn&chst die befestigte Stadt oder Bnrg bedentet, an sich 
schon anf den Gegensatz feindlicher Angriffe. Aber ebenso nn- 
widersprechlich ist anch, dass diese Worte des Addai ein Citat 
ans der in derselben Sohrift p. 4 mitgetheilten Botschaft Jesn 
an den K($nig von Edessa, nilmlich eine Wiedergabe ihres An- 
fangs nnd ihres Schlnsses sind. Bei dieser Sachlage kann es 
nnr erheitemd wirken^ wenn man bei Lipsins S. 18 f. liest, 
dass die Stelle in Ephr&m's Testament nns einen Einblick in 
die allm&hliche Weiterbildung der Sage er($fifhen nnd eine Zwi- 
schenstafe zwischen der darch Ens. nnd der dnrch Add. be- 
zeogten Gestalt des Briefs Jesn darstellen soil. Ja, die ,,Lehre 
des Addai^ selbst soil noch ftir diese Mittelstnfe Zengnis ab- 
legen, weil sie an der spsLteren Stelle anf die sftmmtlichen 
Edessener bezieht, was Jesns selbst an der frOheren Stelle nnr 
dem E5nig gesagt hatte. Aber sie enthUlt ja an derselben 
Stelle, wo sie sich diese Freiheit der Reprodnction herausnimmt, 
eine beinah w5rtliche WiederholnDg des Satzes von der Unein- 
nehmbarkeit der Stadt, des Satzes also, dessen Abwesenheit 
das Gharakteristische der angeblichen Zwiscbenstafe im Unter- 
schied von der voUen Ansbildnng in nnserer ^Lehre des Addai^ 
sein soil. Und wie nnglanblich w^e das Gemisch von Ktthn- 
heit nnd Feigheit des Interpolators, welcher seinen Apostel 
Addai anf eine ganz specielle Verheissnng sich bemfen liess, 
wdche Jesns ttber Edessa ansgesprochen nnd den Edessenem 
geschickt haben soUte^ nnd doch noch nicht gewagt hStte, in 
die Botschaft Jesn selbst, anf welche er sich an der spSteren 



- 362 - 

Stelle zorttckbeziehty die Verheissnng anfznnehmen! Aehnliohen 
Werthes ist die Berafnng auf den in einer wiener Hs. erhal- 
tenen griechischen Text des Briefs Jesn, wo za den Anfangs- 
worten [uxxaQiog el zagesetzt ist: Avyane xai ^ noXig aov ^ti^ 
xaXaixm ^detrca. Aber dieselbe mener Hs. enthftlt ja am 
Schlass die Yerheissung der Uneinnehmbarkeit der Stadt (Lip- 
sins S. 20). Wie kann dann jener Zosatz za Anfang ein Zengnis 
fbr die Existenz einer Uebergangsstafe sein, aaf welcher schon 
die Neigang vorbanden war, aaf die Stadt anzawenden, was 
nrsprttnglieb dem K5nig allein gait; aber noeb der Hntb feblte, 
daraas eine (ttrmliche Segnnng and Verbeissnng Jesn liber 
Edessa zn machen ! Und aach mit jenem Zasatz enthSlt ja der 
Brief) solange ibm der angeblieb erst spSter binzagediebtete 
Behlasssatz nocb fehlte^ das noeb niehti was Ephrttm an den 
beiden angeftthrten SteUen voraassetzt, eine bis zn seiner Zeit 
nocb gttltige Verbeissnng nnd Segnnng flir Edessa ans dem 
Munde Jesn. Es steht also fest; dass Epbr&n, sp&testens 
50 Jahre nacb Abfassnng der Kircbengeschiebte des EasebiaSi 
die von Ensebias ttbergangene Rede des Addai vor dem Yolk 
von Edessa (Add. p. 19 — ^31) gelesen bat, nnd darin die Stelle 
(p. 28); welcbe den von Ensebins fortgelassenen Scblnsssatz des 
Briefs Jesn voranssetzt Und Epbrilm bat an die Gescbiehtlich- 
keit dieser Schrift geglanbt Dann kann sie nicht nm 360—390 
in den ^Ereisen EphrSm's^ entstanden sein (Lipsins S. 51) oder 
vielmehr dnrch Interpolation ibre gegenwSrtige Gestalt erbalten 
baben. 

In dem StIIck des geschicbtlichen Tbeils der Legende, von 
welcbem Eusebius (§ 10—19) eine Uebersetznng gibt, ist das 
YerhSltnis zwischen Add. nnd Ens. dnrcbweg das gleiche, wie 
in den Briefen, nnd es ist fbr diesmal entbebrlich) die Dif- 
ferenzen tbeils anf textkritisebem Weg zn beseitigen ; tbeils aos 
den Absiebten des Ens. zn erkl&ren. Yiel wichtiger ist es za 
bestimmen^ welcbe Eenntnis der tbeils knrz von ibm angeden- 
teten; tbeils ganz ttbergangenen Tbeile der Legende Eos. an 
den Tag legt 

Add. beginnt mit der Zeitbestimmnng : Im 343. Jahre der 
Herrschqft der Oriechen n. s. w., in der armen. Yersion ftber 
im 340. Jahr n. s. w. Da ersteres der sp&ter berrscbeiden 
Chronologic der evangeliscben Oescbicbte entspricbti so bat der 
arm. Text das Ursprttnglicbe bewahrt. Dies Ursprttnglicbe ist, 



- 363 - 

wie Lipsias S. 24 sehr riohtig bemerkt; in der arm. Ueber- 
setzang „stehen geblieben^* Es stand also von jeher darin and 
war Yom Uebersetzer nm 400 in dem syrischen Original von 
Add. noch vorgefonden. Wenn also in der dem 6. Jahrhnndert 
angehdrigen petersburger Hs., aaf welcher allein dieser Theil 
des syrischen Dracks bernbt^ die Zahl 343 steht, so ist das eine 
vergleichsweise modeme TeztSnderong im Interesse der Ac- 
commodation an die spftter herrschende Ghronologie. Es kann 
nns nicht wnndem^ dass Eos. § 20 anch die arsprlingliche 
LA: diO bewahrt hat; aber unbegreiflich ist^ wie Lipsias (S.23f.) 
hierin einen Beweis der nacheasebianischen Abfassangszeit von 
Add. findet. Dann wilre ja dies Ursprllngliche nicht in der 
arm. Version ^stehen geblieben^^ sondern der arm. Uebersetzer 
hStte den ins Modeme verilnderten syrischen Text; der ihm vor- 
lag; wieder ins An tike zarttckverilndert , was doch schwerlich 
Jemand glaaben wird. Ens. bringt die Zeitbestimmang am 
Schlass seiner ganzen Mittheilang; aber die Meinang, dass eben 
sie den Schlass der ihm vorliegenden syrischen Scbrift gebildet 
babe (Lips. S. 26), ist schon daram haltlos; well sie bei Eas. 
Bestandtheil des oben S. 355 mitgetheilten Satzes ist, worin 
Ens. selbst redet, and liber seine Uebersetzang and ganze Mit- 
theilang reflectirt. Es besteht also nicht der Schein eines Gran- 
des dagegeU; dass Eas. diese Zeitangabe in seinem Original 
ebenso wie wir an der Spitze des Ganzen gelesen hat. — Femer 
mass Eas. im Eingang der Legende and in der Umgebang des 
Briefs Abgar's and der Antwort Jesa gelesen haben, dass 
Hannan (Ananias) diese Correspondenz vermittelt babe; denn 
woher sonst soUte er die betreffenden Angaben in den Ueber- 
schriften beider Briefe haben? Dieser Hannan mass aber aach 
in der Vorlage des Eas. eine bedeatende RoUe gespielt haben; 
denn wer wird in den Ueberschriften von Briefen eines K(5nigs 
and des Sohnes Gottes den blossen BrieftrSger ttberhaapt nennen 
and aach schon vorher in dem karzen Beferat tlber den ganzen 
hochwichtigen Hergang den BrieftrSger erwUhnen ? ^) Mit dieser 
dreimaligen ErwUhnang and zweimaligen Nennang des Hannan 
steht es eben in Widersprach, dass er, wie Eas. angibt, ein 
blosser im(TtoXfiq)6Qog oder taxvdqdfkog gewesen sein soil. 
Letzteres Wort ttbersetzt der syr. Uebersetzer des Eas. richtig 



a 

1) §2: nkfA^ag dC iniinokfjipoQoVf was Lipsius S. 22 tibersehen hat. 



- 364 ~ 

daroh fi^nb^ta, taheUariua, ein Wort, welches EphrSm ^) als eine 
Benenntmg fUrstlicher Gonriere erklftrt. Aber anch Gouriere, 
die nichts weiter als dies sind, sind in der Geschichte wie im 
Roman namenlos. Die Geschmacklosigkeit der easebianischen 
Darstellong an diesem Panct erklllrt sich sehr einfaoh, wenn 
man siebt, dass Hannan in Add. acbtmal als fi^'nbn^ra d. i. tc^m- 
larim, also als Archivar des KOnigs and an zweien dieser Stellen 
ansserdem noch als "n^^^iiD, Oeheimschreiber, bezeicbnet ist*). 
Das Uebersehn des einen syrisohen Bnchstabens hat den hohen 
Beamten in einen Brieftrfiger yerwandelt Anch die letzte Stelle, 
wo er erwShnt wird (Add. p. 53, S), hat Ens. gelesen. Denn 
wenn er, wie gezeigt wnrde, ans seiner syrisohen Vorlage 
heransgelesen hat, dass diese Schrift nooh zor Zeit des Be- 
standes des edessenischen EOnigshaases gescbrieben nnd im 
kOniglicben Archiv von Edessa niedergelegt worden sei nnd von 
da ans sich literarisch verbreitet habe^ so ist das alles noch 
hente am Schlnss der Schrift des Breiteren zn lesen. Der Ver- 
fasser der Schlasss^tze spricht von einer noch bestehenden 6e- 
wohnbeit des noch bestehenden EOnigreichs Abgar's, dass alle 
kOniglichen Befehle and Alles, was vor dem K(5nig geredet wird, 
nnter den kOniglichen Urknnden nnd Eaafcontracten niedergelegt 
werde, nnd dass demgem&is anch Hannan, der k5nigliche Ar- 
chivar, mit der vorstehenden von Anfang bis zn Ende dnrch 
Lababna, den kQniglichen Schreiber, abgefassten Geschichte 
Addai's verfabren sei. Es ist demnach ebenso gewiss, dass 
Ens. den Schlnss von Add. vor Angen gehabt hat, als dass er 
im Anfang seiner Vorlage eben das gelesen hat, was wir dort 
in Add. lesen. 

Es soil eine splltere Umgestaltnng sein, dass nach Add. die 
Antwort Jesa aaf Abgar's Brief eine mttndliche ist, nach Eas. 
eine schriftliche, and die Schea, aaf Jesas selbst Geschriebenes 
zorUckzaftthren, soil das Motiy der Umgestaltnng sein, nnd zwar 
soUen die GrUnde der Abneignng gegen Briefe Ghristi dogma- 
tische sein (S. 7. 23). Da wUre es nnn vorab interessant, das 
Dogma kennen za lemen, welches solche Abneignng erzengt 



1) 0pp. Syr. I, 415 c za 2 Sam. 15, 1| wo es als Uebersetzang von 
to'^ir'n dient. 

2) Add. p. 1, 13; 12, 11 u. letzte Z.; p. 3, 11; 4, 10; 5, 5 n. 21; 
53, 3. 



- 365 - 

haben kdnnte. Easebins kennt es nicht^ denn er spricht von 
einem Brief Ghristi. In der Stelle des Aagastin, welcbe Lipsius 
8. 6 daftir anflihrt; wird Niemand sonst eine dogmatische Be- 
flexion erkennen; denn Angustin argnmentirt dort gegen die 
Echtheit angeblicber Schriften Jesa bei den Manieh&em ledig- 
lich auf Grand der geschicbtlichen Thatsache, dass sie in der 
Kircbe yon Anfang an nieht gelesen worden nod verbreitet ge- 
wesen sind. Die spilteren Byzantiner wissen aacb nicht8 von 
dem Dogma, dass Ghristus keine Briefe gescbrieben baben 
dttrfe; denn sie betonen gerade, dass es der eigenhftndige Brief 
Ghristi an Abgar sei, welchen man von Edessa nach Konstan- 
tinopel brachte ^) ; and im Mittelalter sind sogar Briefe Gbristi 
vom Himmel herontergefallen *). In welcher Zeit das vermeint- 
licbe Dogma gegolten haben soli, ist anerfindlich. Aber die 
Noth ist doch aacb niebt so gross^ dass man es erfinden mtisste. 
Allerdings bat Jesas nacb Add. p. 4 nar mUndlich dem Hannan 
mitgetbeilt, was er seinem Fllrsten antworten soil; aber doch in 
directer Rede and Anrede an Abgar, and Hannan bat diese 
Worte Jesa sofort za Papier gebracbt and damach dem E5nig 
yorgetragen (p« 5). In scbriftlicber Form ist die Antwort Jesa 
aaf Abgar's Brief nach Edessa gekommen. Was ist das we- 
sentlicb anderes als ein Brief Jesa an Abgar? Aber aacb Ea- 
sebias drttckt sehr deatlioh aas, dass es mit der Antwort Jesa 
eine besondere Bewandtnis gehabt hat Die Ueberscbrift yon 
Abgar's Brief laatet: Abschrift eines Briefs, der vom Toparchen 
Ahgar an Jesus geschrieben und ihm dwrch den Courier Ananias 
nach Jerusalem geschickt tvurde; dagegen die Ueberscbrift der 
Antwort: Das von Jesus durch den Courier Ananias dem To* 
parchen Abgar zur Antwort Oeschriebene. Es gehQrt yiel daza, 
nachdem man an diesen bandgreiflicben Unterschied erinnert 
worden ist'), ibn za ignoriren. Aacb nacb Eas. hat nicht 
Jesas, sondem Hannan die Antwort Jesa za Papier gebracbt. 
Der Leser konnte, ohne das Original za sehen, nicht genaa 
wissen, wie es dabei zagegangen war. Aber daraaf kam 
aacb nichts an. Qenag, dass wir jetzt sehn, wie Eas. aaf 
seinen etwas sonderbaren Aasdrack gekommen ist. Dass er in 



1) Gedrenns ed. bono. II, 500 sq. 

2) Gf. meine Gesch. des Sonnta^ S. 55. 

3) Of. G6tt. gel. Anz. 1877 S. 171. 



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der knrzen einleitenden Erzfihlang karzweg von einem Brief 
Jesa redet ^) , wird ihm darnach kein Verst&ndiger hoch an- 
rechnen. 

Die einzigen materiellen Differenzen zwischen Ens. nnd 
Add., welche sonst noch Ubrig bleiben, sind, dass Ens. den 
Addai {"^^ Gaddalog nennt, and dass er ibn einen der 70, 
statt wie Add. der 72 JUnger nennt'). In Bezag auf Letzteres 
genllgt wobl der Hinweis anf die obigen Bemerknngen S. 148 
N. 1. Jeder alte Uebersetzer gestattete sieb, bibliscbe Materien 
nach seinem biblischen Text zn modificiren. Die Sabstitntion 
yon ^ThaddSns^ fttr ^ Addai'' aber war ein Unverstand, da die 
beiden Namen etymologiscb gar nichts mit einander zu schaffen 
haben. Es sollte den fremdartigen Namen den grieehiseben 
Lesem mnndgereehter machen and an's neae Testament erinnem. 
Die Armenier baben's gebllsst'). 

Hat somit die Vergleiehang von Ens. nnd Add. zn keinem 
anderen Ergebnis geftthrt, als dass Add. tiberall das Original 
isty ans welchem Eas. excerpirend Ubersetzt hat, and ist an- 
dererseits bewiesen, dass Ens. nnr aasgew^hlte Stttcke Ubersetzt 
hat, so k($nnte die Hypothese von einer darebgreifenden Urn- 
arbeitnng der voreasebianiscben Legende am Ansgang des 
4. Jabrhnnderts nnr dadnrch ttber Wasser gehalten werden, dass 
man von Allem, was bei Ens. keine Spar zarUckgelassen hat, 
bewiese, dass es vor Ens. nicht babe geschrieben werden k5nnen, 
Oder dass in Add. Widersprfiche vorliegen, welehe nnr nnter 
Voranssetzang von Eingriffen eines Interpolators zn erkliiren 
wUren. Ein interessantes nnd folgenreiches Stttck von Add., 
welches Ens. nnberttcksichtigt liess^ ist die knrze Erzlihlnng, dass 
Hannan, der nicht nnr Archivar, sondem anch Maler K5nig Ab- 
gar's war, vor seinem Abschied yon Jesns ein Portrait desselben 
angefertigt babe, welches Abgar mit Freaden anfnahm and in 
seinem Palast anfstellte. Dass dies die einfachste Gestalt der 
Sage von dem bertthmten Christasbild zn Edessa sei, kann anch 
Lipsias nicht bestreiten. Dass aber Ens. von diesem Bilde noch 
nichts wisse (Lips. S. 52. 61), ist nnr wieder eine jener Be- 



1) § 3: iniatolrls cf ovv avtov 16 tag xarafiol, Cf. §5: toSv intfftO' 
ktSv, § 10: tavTuig rats intarokatg. 

2) c. 12, 3 cf. § 2 and c. 13, 4. Dagegen Add. p. 5. 

3) Cf. 65tt. Geh Anz. 1877 S. 162 f. 



- 367 - 

baaptangeiii wodarch man sich den Beweis erspart. Das Fac- 
tum ist in Add. selbst ohne alle weiteren Folgen. Warnm sollte 
Eos. anter das Wenige, was er excerpirt hat, gerade diese Zeilen 
aufnehmen, znmal gerade ihr Inhalt ihm widerwfirtig sein mnsste? 
Ala Gonstantiai die Schwester Constantin's des Grossen, ihn am 
ein Bild Ghristi gebeten batte, fand er den Matb, der boben 
Dame ansfttbrlicb darznlegen ■), dass das Verlangen verkebrt, 
nnd dass jeder Versneb, sei es den erbQbten^ sei es den noch 
im Fleiscbe lebenden Gbristns bildlicb darzastellen, GOtzendienst 
sei. Zwei angeblicbe Bilder des Paulas mid des Heilands, 
welcbe ibm einst ein altes Weib gebraebt^ blLlt er ftlr Bilder 
yon Fbilosopben and bat sie confiscirt, um Aergemis za ver- 
bttten and jeden Scbein des GQtzendienstes za meiden. Von 
jenem ebemen Standbild za PaneaS; dessen Deatang als eines 
von dem blatfltlssigen Weib zam Dank fUr ibre Heilang Jesa 
erricbteten Denkmals Easebias nicbt za bestreiten wagt, spriebt 
er nar entscbaldigend; indem er daran erinnert, dass es den im 
Heidentbam Grossgewordenen, welcbe von Jesas Wobltbaten 
empfangen, natttrlicb gewesen sei, in dieser Art ibre Verebrang 
za bezeagen*). Wiite er aber die Stelle Uber das Bild von 
Edessa aas Add. aafgenommen^ so biitte er eben dem, was er 
als Ueberbleibsel des Heidentbams verabscbeate oder entscbnl- 
digtC; den grOssten Vorscbab geleistet. Jesas selbst bstte es 
ja zagelassen, dass man ibn portrHtire. Wenn also irgendwo, 
so wtirde bier der Grand ftir das Scbweigen des Easebias auf 
der Hand liegeni wenn es dafttr tiberbaapt eines besonderen 



1) EpiBt ad Constantiam bei Pitra, SpicU. Solesm. I, 383—386. 

2) H. e. VII, 18. Als Easebias dies schrieb, stand das Bild nicbt 
mebr da, existirte tiberbaapt nicbt mehr. Nur so erklSrt sich das ileyor 
§ 1 a. 3 anstatt (patrCv, Er wird also aach die Thatsache kennen, welcbe 
Asterios von Amasea (Phot. bibl. cod. 271 p. 505 Bekker) bezengt. Es 
ist daher aach nicbt za beanstanden, dass die grSsstentheils w5rtlicb mit 
der Eirchengeschicbte libereinstimmende Relation bei Mai, Nova P. Bibl. IV, 
1, 169 wirklich von Easebias herrtthrt. Er hat sich aach sonst manch- 
mal abgeschrieben. Bier aber schreibt er zam Schlass: rovrov rov av- 
Sqiavta €ix6va rov ^Itjaov (pignv Hiyov {dicebant, nicbt dix%)y Sv MaU- 
fitrog rrjg iavtov dvaaspelag nag^qyov inotijaaTo, xal ravra filv tavtrf 
in\ dk TO k^rig rov koyov nQottofuv. Dem widerspricht es nattirlich nicht, 
wenn er in der K G. sagt: MfUive dh xal €tg fifjuig^ i&g xaX o%pBi naQaXu' 
fliiv ini^rifji^aavTag avrovg rfj noXii, Diese Beise hat Easebias vor d. J, 
311 gemacht 



— 368 — 

Grandes bedtlrfte. Dass aber schon lange vor Easebias so etwas 
tiber eine Abbildang Jesu erzShlt werden konnte, wie in Add.; 
wird Niemand bestreiten woUen. Es setzt nar voraaS; dass man 
in Edessa ein ftlr alt geltendes Bild Jesu besass. Wenn Ale- 
xander SeyernS; halb ein Syrer, in seinem Lararinm za Bom 
eine BildsSale Ghristi stehen hatte, so kann dock erst reeht der 
erste cbristlicbe E^nig von Edessa am Ansgang des 2weiten 
Jahrhnnderts ein Jesam darstellendes GemlQde besessen haben. 
Und wenn es ibm etwa von auswILrts zngekommen war, so kann 
es schon ihm als ein nraltes Original ans der Zeit Jesu selber 
angeboten worden sein. Hatten doch schon frtther die Earpo- 
kratianer Bilder Ghristi, welche von Pilatus soUten angefertigt 
sein ^). Ich wage sogar za vermntben, dass Easebias in Erin- 
nernng an diesen von ihm tibergangenen Passas der Legende 
sein Eapitel liber das Standbild von Paneas geschrieben hat; 
ja dass die Dentang desselben aaf ChristaSi die er vorfand; 
nicht ohne Einflass von Seiten der schon vor Ens. bei den sy- 
risch redenden Christen in Paliistina verbreiteten „Lehre des 
Addai^ entstanden ist. Was das Erste betrifft^ so ist es'doch 
sehr anffallend, dass Ens. das blatfllissige Weib; welches nach 
den Evangelien nnr als Jlidin za denken ist^ ohne weiteres za 
den Heiden rechnet^). Wenn sich dies daraas erkllLren soUte, 
dass schon die dem Eas. zagekommene Sage von Paneas das 
blatfllissige Weib mit Beronike, der Tochter des kananSischen 
Weibes^ verwechselt, oder vielmehr identificirt hatte ^), so bleibt 
doch sonderbar, dass Eas. sofort in der Mehrzahl von solcben 
ehemaligen Heiden sagt, die von Jesas Wohlthaten erfahren, 
all^o geheilt worden sind, and dann in solcher Weise Jesam bei 
sich, d. h. an oder in ihrem Haase geehrt haben. Allerdings 
geht er in diesem Satze za gemalten Bildem des Petras , des 
Paalas and Ghristi fiber; die er selbst gesehen babe (latoQ^- 
(Tafiep). Aber das Entscheidende sagt er schon vorher. Sollte 



1) Iran. I, 25 extr. Hippol. refut. VII, 32. 

2) Dies fiel schon im Bilderstreit dem Nicephorus (bei Pitra, Spicil. 
Solesm. I, 494) aaf. 

3) Gf. Acta Pil. (Tischend. eyy. apocr. ed. 2 p. 239. 356), wo das 
dno fuixQo&iv xgdCovaa gar nicht zum blntfltissigen, sondern nor zam 
kananaischen Weib passt (Mt. 15, 22. 23), obwohl die altera Saga diase 
letztere Jasta and vielmehr ihra von Jesas geheilte Tochter Beronike 
nannte (Clem. hom. I, 73; IV, 1. 4. 6). 



•- 369 — 

ihm dabei nicht vorschweben, das8 der von seinem laDgjUhrigen 
Leiden nacb dem Wort Jesa von Addai geheilte Abgar das Bild 
Jesa in seinem Palast aafgestellt babe, wie Beronike das Bild 
am Portal ibres Hanldes? — Wicbtiger als diese Ideenassocia- 
tion im Kopf des Bnsebias wSre eS; den gescbicbtlicben Znsam- 
menbang zwiscben der Abgarlegende and der in Paneas ein- 
beimiscben Sage darebscbanen zu kQnnen. Es ist jedenfalls 
nicbt 80, wie es bei Lipsias (S. 62 ff.) den Ansebein bat, als 
ob erst die lateinisebe Veronicalegende eine Verscbmelzung der 
beiden Sagen darstellte. Ganz nnabbllngig von jener abendlSn- 
discben Sagenbildnng bericbtet Makarins von Magnesia^) am 
d. J. 400; Berenike, die Herrin eines berUbmten Platzes, nSm- 
licb Fttrstin der grossen Stadt Edessa, sei das dareb Jesos ge- 
beilte blatflttssige Weib and sei dareb ibre Heilang niebt nar in 
ganz Mesopotamien y sondern in der ganzen Welt bertibmt ge- 
worden; denn sie babe dieses ibr Erlebnis durcb ein scb^nes, 
die Tbatsacbe lebendig yergegenwSrtigendes Erzbild der Welt 
ttberliefert Andrerseits soil naeb Add. p. 21 extr. der Apostel 
Addai geblirtig sein „aas Paneas, wo der Jordan entspringt". 
Und zwar wird diese Notiz ganz beilaafig von Addai selbst in 
einer Rede angebracbt, nicht vom Beriebterstatter bei der ersten 
EinfUbrang des Addai in der ErzS.blang. Es wird aneb weiter 
nicbts daraas gemacbt. Es mass, weil es ganz tendenzlos ist, 
fiir eine glaabwiirdige Tradition Uber den ersten oder einen der 
ersten Verklindiger des Cbristenglaubens in Edessa gelten. Mag 
in Paneas selbst eine Tradition dartiber sicb erbalten baben, 
Oder niebt, jedenfalls masste dieser Umstand das Baeb von 
Addai den syriseben Cbristen im Norden PalSstinas besonders 
interessant macben. Die ErzSblang von dem Portrait Jesa in 
Edessa masste das Verlangen nacb Aebnlicbem erregen. Es 
warde befriedigt dareb die cbristlicbe Umdeatang des Erzbildes 
za Paneas, welches wabrscheinlich arsprUnglich ein dem Aes- 
kalap, dem &€dg (tooz^q, erricbtetes Votivbild war. Es war 
wirklicb eine Heidin, die das Bild erricbtet batte; so masste 
das blatfllissige Weib, dessen Heilang sicbtlich darin dargestellt 
war, zar Heidin gemacbt werden, and Beronike, die von Jesas 
geheilte Tocbter der KananSerin, verscbmolz leicbt mit dem 
blatfltlssigen Weibe. Damit war aber der Sage die Moglicbkeit 



1) Mac. Magn. Apocrit. ed. Blondel p. 1 =Pitra, Spicileg. I, 332 sq. 

Zahn, Forscbungen I. 24 



— 370 — 

gegeben, an den Ffiden, welche von Paneas nach Edessa gingen, 
weiter za spi^noi. Das kostbare Bild mnsste von einer vor- 
nehmen Dame gestiftet seini and zwar zar Zeit Jesa. Ans der 
„Lebre des Addai'^ wnsste man, dasa am FUrstenbof von Edessa 
scbon damals der Glanbe an den Wanderarzt Jesas Aafnahme 
gefanden. Ans den Evangelien wosste man, dass anch ans 
Syrien Htllfesachende zn Jesns gekomoien waren. So wnrde 
Beronike zar Fttrstin von Edessa, and die ebristliehe Umdeatong 
des Bildes von Paneas ist eine Naehwirkong oder Nachbildang 
der Erz^hlang vom Ghristasbild in Add. Dann mtlsste dies 
Bach scbon einige Zeit vor der Beseitigang des Erzbildes von 
Paneas darcb Maximinas, scbon am Ende des dritten Jabrbon- 
derts in Pal&tina gelesen worden sein. Aber warum nicbt?') 
Das aaff^Iigste Stttck des Bacbs (p. 10—17) ist die Er- 
z&blang des Addai von der AafSndang des wabren Krenzes 
Cbristi darcb Protonike ^), die Gemablin des r^miscfaen Vice- 
kaisers Claadias, das Seitensttick za der griecbiscben Sage von 
der Ereazfindang darcb Helena. Es ist eine Episode, die man 
beraasnebmen kann, obne dass eine Fage bemerklicb wUrde. 
Man kQnnte sie fiir eine Interpolation balten^ welcbe erst lange 
nacb Eas. bineingekommen wlire^ obne dass man daram aaf den 
voreasebianiscben Ursprong and die Einbeit des Bacbs im tlbri- 
gen za verzicbten braacbte. Und man mtlsste so artbeilen, 
wenn sicb deatlicb beraasstellte ; dass die Sage von Protonike 
eine Nacbbildang der Helenasage ware, oder wenn ans anderen 
Grtlnden feststttnde, dass so etwas tiberbaapt erst nacb Con- 
stantin's d. 6r. Zeit babe gedicbtet werden kQnnen. Ftir Ersteres 
bat Lipsias in seiner aasftthrlicben Untersacbang nicbts . Ein* 
leacbtendes vorgebracbt. Die Protonikesage lesen wir in einer 
Scbrift; deren Anfang, Mitte and Ende Eas. gelesen bat, die 
Helenasage dagegen, aacb in der einfacbsten Gestalt, begegnet 



1) Die AnklSnge an Add. p. 8 a. 1^. bei CyFill. catech. XIV, 18 
(Toatt^e p. 214B) and- nachGelas. Gyzik. hist. cone. Nio. n, 23 (Mansill, 
876 o) schon bei Makarius von Jerasalem, dem Vorg%iger CyriU*8. blei- 
ben beachtenswerthe Zeagnisse fiir das Interesse der Palastinenser an 
dem Bach, wenn anch mSglicherweise jene AnklSnge nur darch das Ex- 
cerpt des Eas. vermittelt sind. S. meinen Ignatius v. Ant. S. 123. 

2) Daneben anch Partunike and Patronike. Mein bescheidener Vor- 
schlag, Petronike za lesen, wird von Nestle (G5tt gel. Anz. 1880 S. 1529) 
gUnstiger beartheilt, als von Lipsias S. 92. 



- 371 - 

nns erst bei Ambrosias ^) in einer nach dem Tode des Theo- 
dosios (395) gehaltenen Bede^ dann sofort bei Bafin, Salpicios 
Severus and den Griechen der nSchsten Folgezeit. Aber wo 
ans diese Sage in zasammenbSngender Erz^hlnng entgegentritt; 
in den Acten des Gyriacns zeigen sich aach die Spnren davon, 
dass die Dichtnng ursprfinglicb in einer frliberen Zeit spielte, 
and zwar in derselben Zeit, welcber die Protonikesage die 
Erenzfindnng zaweist. 

Helena zieht mit grosser Heeresmacht nach Jerusalem, als 
ob die Jnden noch die Herren der Stadt wUren^). Jndas- 
GyriaenS; der Entdec^er des Kreazes, ist ein Bruder des Proto- 
martys Stephanas. Eurz^ die eigentliche Dichtnng spielt in der 
Zeit der Apostel, trotz Helena and Gonstantin. Wie ist aber 
deren Zarttckversetzang in jene Yorzeit denkbar, wenn es nicht 
ein arsprttnglicb in jener Slteren Periode ans&ssiger Sagenstoff 
war, den man nachtrHglich aaf die jangen Heiligen des 4. Jahr- 
hnnderts Ubertrag, d. h. also^ wenn nicht die Helenalegende eine 
Travestie der Legende von Protonike ist? Die Syrer; welche 
schon im 5. Jahrhandert die Acten des Gyriacns kennen lernten 
(Lipsins S. 85) and wahrscheinlich erst darch sie mit der Hele- 
nenlegende bekannt warden, woUten das Alte nicht gegen das 
Nene aafgeben and schweissten beides zusammen'). Sie massten 
za dem Ende die Helenasage in eine spHtere Zeit herabrUcken. 
Das yon Protonike gefandene Ereaz masste zu Trajan's Zeit 
wieder anter die Erde gekommen sein; damit Helena es zam 
zweiten Mai finden k($nne. Jadas-Gyriacas warde aas einem 



1) Wenn man namlich von dem wahrscheinlich anechten Brief des 
Gyrillns von Jerusalem an Gonstantias absieht, worin wenigstens schon 
yon AnfUndang des Ejreuzes zar Zeit Gonstantin's die Rede ist. 

2) Die BoUandisten (A. SS. Mai tom. I, 448) fragen ganz richtig: 
Quid opus erat exercitu etc.? Es ist eben ein Widersprnch gegen die 
daneben stehende Angabe der Acten (p. 446), dass Jerusalem verodet 
and keine 3000 Jaden in der Stadt und Umgegend an&atreiben gewesen 
sein soUen. 

3) Einen solchen Text gibt Nestle in der Ghrestomathie (Brevis ling, 
syr. gramm. etc. 1881 p. 61—78). Aach Gyrill von Alezandrien scheint 
schon von mehreren Erenzfindangen zu verschiedenen Zeiten zn wissen. 
Gomm. in Xn Proph. ed. Posey vol. II, 540 zaZach. 14, 20: (paal yag, 
ort tivQffrai filv xara xaiQoiig to tov atavQov ^vlov, i[jmEnaQ(Ji4vovg Hi 
Toifs iiXovc l/oy. £v ttva Xafiatv 6 evaifi^s Ktoyatavrlvos inl x^Xivov 

24* 



— 372 - 

Brader za einem Neflfen des Stephanas gemacht, am ihn aas der 
ersten cbristlicben Zeit wegzabringen ; and der Bischof von Jera- 
salem, anter welchem Helena das Kreaz wiederfindet, ist nan 
derjenige Jadas, weleher nach der Liste des Easebias der 15., 
ein Zeitgenosse Hadrian^s ist. Trotz der gelebrten Benatzang 
des Easebias blieben die angebeaerliebsten Anaebronismen steben; 
aber dass man Helena niebt ibrer wirklicben Zeit wiedergab; 
kam nar daber, dass man die Sage bILtte zerstOren mttssen, wenn 
man sie in die Zeit Constantin's bILtte libertragen woUen. Sie 
spielt von Haas aas niebt in dieser, sondem in der arcbristlieben 
Zeit. Die Namen Helena and Constantin sind ibr spHter aaf- 
gedr&igt worden. Aacb die Cbronologie der Literatar scbliesst 
die M^glicbkeit aaS; dass die Protonikesage eine Nacbbildang 
der Helenasage w^e. Wenn am 360 — 390 Add. entstanden 
(Lipsias S. 51) oder aaeb nar diese Episode von einem Inter- 
pelator bineingebracbt vrUxe^ so mtisste die Sage von Protonike 
doeb sebon etwas friiber entstanden sein, also docb wobl spS- 
testens am 360; mindestens 35 Jabre vor dem ersten Aaftreten 
der Helenasage in der Literatar. Pl^tzlieb taacbt diese letztere 
aaf and verbreitet and entwiekelt sieb mit aasserordentlieber 
Scbnelligkeit. Es liegen kaam 50 Jabre zwiscben der ersten 
bestimmteren Andeatang bei Ambrosias and der Bezeagang der 
aasgebildetsten Gestalt der Sage in den Aeten dea Gyriacas, 
wie sie sebon Sozomenas (b. e. II, 1) kennt. Das allerandenk- 
barste aber ist; dass beide Sagen^ wie Lipsias annimmt, so ziem- 
lieb in denselben Gegenden and in derselben Zeit entstanden 
and dennocb die Protonikesage eine Tocbter der Helenasage sein 
sollte. 

Die Annabme des amgekebrten Verbfiltnisses bietet keine 
Scbwierigkeiten. Ob die Sage von Protonike gerade in Edessa 
Oder etwa in Jerasalem sicb gebildet bat, mag aaf sieb beraben. 
Jedenfalls setzt ibre Entstebang voraas, dass man in Jerasalem 
das Kreaz Gbristi za besitzen meinte and verebrte, aber niebt 
notbwendig ^) , dass es Uber Golgotba and dem Grab kircbliebe 



1) Add. p. 15: Und sie (Protonike) befahl^ dass ein grosses und 
stattliches Gebdude erbaut werde uber Golgotha^ wo er gekreuzigt worden 
war^ und uber dem Grabe^ worein er gelegt worden war, damit diese Orte 
geehrt wiirden und daselbst sei ein Haus der Gebetsversamtnlung und 
eine Synagoge des Gottesdienstes, Etwas kttrzer der Text bei Nestle 
a. a. 0. S. 65. 



- 373 - 

Baalicbkeiten gab. Diejenigen, welche nnter Kaiser Glandins 
dort sollten errichtet sein, konnte man als darcb die Zerst($raDg 
Jernsalems i. J. 70 vernicbtet denken. DerGedanke aber, dass 
diese StUtten so aasgezeicbnet warden sollten, kann Slter sein 
als seine Ansftlbrang; er kann ansgesprocben worden sein and 
kann die Pbantasie der Pilger, welebe sebon am Anfang des 
dritten Jabrhonderts in betrMcbtlieber Zabl die beiligen StStten 
aafsncbten, besebSftigt baben, als nocb die Tempel des Zens- 
Serapis nnd der Apbrodite-^Astarte dort standen ^). Was man 
bier noeb nicbt ausftibren konnte, batte man lILngst anderwSrts 
getban. Die HinriebtongsstStten des Petrns and des Paalus in 
Rom mttssen sebon am 210 baalieb aasgezeiebnet gewesen sein^). 
Waram soUte man nicbt dicbten, was man gerne gesebn bILtte 
and, sobald es anging; dann wirklieb ins Werk setzte? Die 
Nicbtexistenz der aaf Protonike's Befebl erbaaten Kirebe masste 
man verscbmerzen, aber das Kreaz konnte man glaaben gerettet 
za baben^ sogat wie den Biscbofsstahl des Jakobas'). Wenn 
i. J. 347 Cyrill von Jerasalem sagen konnte^), dass die ganze 
Welt bereits von StUcken des bis za seiner Zeit erbaltenen 
Kreazes erfUllt sei, so mass man seit langem im Besitz desselben 
za sein geglaabt baben. Er bUtte sieb dateb diese Worte vor 
seinen Zab5rem iSeberlieb gemacbt, wenn diese za wissen ge- 
glaabt batten, dass dies Ereaz erst vor 20 Jabren bei der Fan- 
damentirang der Baaten Constantin's gefanden worden sei. Er 
b&tte dann vielmebr von der Gnade and dem Wander der im 
friscben GedScbtnis stebenden Entdeckang in solcbem rhetori- 
scbem Zasammenbang reden mtissen; and gerade dann, wenn 
i. J. 326 das Erefhs erst ans Liebt gekommen wSre, wUrde das 
Sebweigen des Easebias im Leben Gonstantin's Uber diesen Panct 
anbegreiflicb werden. Das vermeintlicbe Kreaz Gbristi in Jera- 



1) Gf. meinen Vortr. tiber Weltverkehr and Eirche S. 36 f. 49 f. and 
in andrer Hinsicht Unger, die Bauten Gonstantin's am b. Grabe (1863) 
S. 16—23. Fttr das Wallfahren nach Jerasalem aas weiter Ferae ist aach 
die Sage von Protonike ein alter Beleg Add. p. 10 sq. 

2) Eos. h. e. II, 25, 5-7. 

3) Eas. h. e. VII, 19. Nach Ephr. ed. Moes. p. 44 stand vom zer- 
storten Tempel der Theil, wohin der Versacher Jesam gestellt batte. 

4) Gyrill. Gatech. IV, 10 ed. Touttee p. 57; X, 19 p. 146. Die 
zweite Stelle hStte Lipsias S. 72 nur vollstandig nachlesen soUen, am 
seine ansicheren Bemerkangen iiberfltissig za finden. 



- 374 - 

salem ist also Slter als die Baaten Gonstantin's. Dieserhalb kanii 
also aach die Protonikesage vorensebianisch sein. Die Ankntipf- 
UDg derselben an die konstantinischen Baaten and die damit 
gleichzeitige Yertaosehang von Protonike and Helena konnte 
erst erfolgen, seitdem die Ereignisse am d. J. 326 aaeh bereits 
alt geworden waren, and wir haben keinen Sasseren Grand za 
der Annahmei dass es vor Ablanf der nftchsten 60 Jahre aneh 
nnr za der einfacbsten Gestalt dieser Neabildang gekommen sei; 
welche i. J. 395 Ambrosias bezeagt. Palfistina^ wohin damals 
wonderglfinbige Pilger aos alien LiLndern kamen, wird der Ort 
gewesen sein, wo die Umgestaltang der Sage sieh Tollzog, and 
von wo sie sich rasch verbreitete. Dort las man das edesseni- 
sche Baeh, worin von der Eaiserin Protonike erzfihlt war; dort 
war aber aoch das OediLchthis an die and&chtige Wallfahrt der 
Eaiserin Helena lebendig. : Dass man aaf sie die Aaffindang 
von Golgotha and den Baa der dortigen Kirehe oder Kirehen 
libertrag >), welebe geschichtlicher Weise dem Kaiser Constantin 
zakommen, erklSrt sich nor daraas, dass man liingst von einer 
Eaiserin wesentHch das Gleiehe hatte erzfihlen hOren. Eine 
BrUcke zwiscben der edessenischen Legende ond der Eaiserin 
Helena bildete aber, wie man aas den Mittheilangen von Lip- 
sias mit Sieherheit erkennt, jene FUrstin Helena von Adiabene 
aas der Zeit des Eaisers Claadios, deren Maasoleam in Jera- 
salem za den Sehenswttrdigkeiten gebOrte. Die frommen Fiir- 
stinnen gleichen Namens, welche beide nach Jerasalem gewall- 
fahrtet waren, and beide in and bei Jerasalem darch Baaten 
sich verewigt batten, mnssten in der Vorstellang des Volks mit 
einander verschmelzen. Die Eaiserin siegte fticht fiber dieFttr- 
stin; nar masste sie von dieser die wesentlichsten ZUge anneh- 
men. Eaiserin Helena warde wie jene eine Proselytin des Jnden- 
thamS; eine geborene Mesopotamierin ^) ^ eine Zeitgenossin der 
Apostel. Dann lag es liberaas nahe, sie an die Stelle der r(3mi- 
schen Eaiserin eben dieser Zeit za setzen and die Sltere Legende 
von Protonike aaf sie za ttbertragen. 

Wem diese Aasftthrang nicht einleachtet^ dem bleibt es anbe- 



1) Bufin. h. e. X, 7 ed. Basil, p. 223; Salpic. Sev. chron. II, 33; 
Socrat. h. e. I, 17. 

2) Cf. Acta SS. Augast. torn. Ill, 551 sq.; Borkhardt, die Zeit Con- 
stantins, 2. Aafl. S. 310. 



- 375 - 

nommen, die ErzShlnng von Protonike als Episode aus Add. ans- 
znscbeiden. Ein Recht, im ttbrfgen die IdentitSt des von Ens. 
gelesenen and des nns vorliegenden Bachs za verneinen, er- 
wiicfast darans ntcht. Wenn Lipsins S. 30 seinen Inhalt bant- 
Bcbeckig findet; 80 werden Andere dein Urtheile Ndldecke's za- 
stimmen, dass abgesebn vod jener Episode die Gesehichte aus 
eihem Gnss sei^). Einen ganz eigenthttmlicben Beweis fttr die 
AbfassuDg von Add. am Ende des 4. Jahrbanderts entnimmt 
Lipsias (S. 41 fi.) dem VerhSltnis der Acten des Scharbil and 
des Barsamja zn Add. Das Verb&ltnis ist aber dieses, dass in 
diesen Acten') die Liste der ersten BisebSfe von Edessa, wie 
sie in Add. vorliegt, ( Addai , Aggai , Paint) weitergeftlhrt wird 
zn Abschelamai welcher Add. p. 40 of. 35. 52 als ein von Addai 
geweibter Diakon Torkommt, and zn Barsamja, welcher eben 
dort p. 35 als ein Scbttler Addai's obne amtlicben Gharakter 
genannt wird. Aasserdem erinhert dieser Biscbof Barsamja ans 
der Zeit Trajan's noch an einer Stelle an Paint/ Addai nnd 
Abgar^ nnd werden in seiner Umgebnng die Manner Bar-Kalba, 
Avida, Labbn; Cbapsai erwUbnt, deren Namen sicb ancb in der 
viel gr^sseren Zahl von Personnamen in Add. finden. Wenn 
daranfbin Add. ans der gleicben Zeit and ^Scbmiede'^ wie diese 
Acten stammen soil; so wird man nScbstens ans dem analogen 
VerbSltnis, welcbes zwischen AeneYs and Ilias bestebt, beweisen, 
dass Virgil nnd Homer Zeitgenossen waren. Dagegen geb($rt 
nnr ein bescheidenes Mass von historiscbem Gescbmack dazn, 
nm sofort zn erkennen, dass mindestens ein Jabrbandert, nnd 
zwar ein fUr die Eircbe verbtognisvolles, zwiscben der sch5nen 
Legende von Addai nnd diesen elenden, nacb der bekannten 
Scbablone fabricirten Acten des Scbarbil nnd des Barsamja liegen 
mnss. In Add. findet sicb kein einziger Anacbronismns in dem 
Sinne, dass man darans aaf eine Abfassnng nacb d; J. 300 
schliessen k($nnte'); jene Acten wimmeln davon, wie Lipsias 



1) Liter. Cehtralbl. 1876 col. 937. 

2) CuretOQ anc. doc. syr. Theil p. 43. 61 sq. 71 sq. 

3) Yom Standpanct einer AbfassnDg am 260— 300 kann das kem 
AnachroDismns heissen, wenn einmal Edessa zam r5mischen Oebiet ge- 
rechnet wird, withrend es aaf derselben Seite aach wieder aasdrtickiich 
davon aosgeschlossen wird (Add. p. 37/ Z. 3 a. 20). Zar Zeit der Ab- 
fassnng von Add. war es ISngst so, Wie <ler erstere Ausdrack es dar- 
stellt, nnd der Aosdruck waram-iso natUrlichieir, da dbrt vom Standpanct 



- 376 — 

mit leichter Mtthe nachweisen konnte. Sie lehren ancb eine 
Theologie, welche man in Add. vergeblicb sucht. Es sind For- 
meln des nicSnischen Bekenntnisses, welche man da (Cur. p. 43) 
liest: Denn er, welcher Fleisch anzog^ ist Gott und Sohn des 
Wesens seines Vaters und Sohn derNattir seines Erzeugers. Der 
letztere Aasdrack ist gewQlinlicbe Uebersetznng ftir ofioovtr&og t^ 
YevvfiaavTi avtov *), der voranstebende gibt das ix %f(q ovtrlag 
Tod TtaTQog wieder. Add. ist reieb an lebrbaftem Inbalt; es 
finden sicb starke Ansdrlieke fttr die Ewigkeit and Gottheit 
Gbristi, gerade stark genng, am den Eas. in seiner Uebersetzang 
znr Tilgun^ einiger Worte zu veranlassen *). Aber vergeblich 
sacbt man nacb einer solcben an den arianiscben Streit and 
dessen Ergebnisse erinnemden Redewendnng. Was das bedeatet; 
wird Jedem klar sein, der beaebtet, dass selbst ein Apbraates 
am 340, welcber niemals des arianiscben Streits gedenkt and in 
der Passafrage von den nicSniscben BescblUssen sicb anabb^ingig 
erbalten bat, das nicslniscbe ^dg ix qxoTog nicbt vermeidet'). 
VoUends in den Ereisen EpbrlLm's and seiner ScbtQer, wo die 
grosse Synode, Gonstantin and AUes^ was damit zasammenbing; 
gepriesen zawerdenpflegte*), konnte eine Scbrift von so reicbem 
Lebrgebalt nicbt entsteben oder aacb darcb eingreifende Bear- 
beitang eine neae Gestalt gewinnen, obne dass dabei das Be- 
kenntnis, am das man in Edessa damals so eifrig kHmpfte, irgend 
einen Einflass Ubte. Vor der Zeit Epbrslm's mass Add. aacb 
scbon wegen des darin bezeagten neatestamentlicben Kanons ge- 
scbrieben sein. Es ist weder derjenige der Pescbitta, nocb lasst 
er Raam fUr die grosse Freibeit, deren sicb EpbrSm bediente ^), 



der aus Assyrien herliberkommeDden FremdliDge geredet ist. Die moch- 
ten schon unter Trajan Edessa als Bestandtheil des Romerreichs ansehn. 

1) Ni'^lD 1:3 8. Payne Smith col. 589. — Moesinger (Acta mart.Edes- 
sen. p. 78 Note 14) streift das Richtige, scheint aber nicht den Math 
gehabt zu haben, diese ftir seine Ansicht vqu der Echtheit dicser Acten 
verhangnisvolle Thatsache sicb klar zu machen. 

2) Den Worten bei Eus. I, 13, 15 av«Aijy5-7j nqog rov nariga avrov 
entspricht Add. p. 6 sq. er ward erhoht zu seinem Vater und thront 
mit ihm in Herrlichkeit, er, der in ihm war von Ewigkeit. Ebenso lasst 
Eus. § 19 die Worte weg: mit welchem er war von Ewigkeit in einer 
erhabenen Gottheit Add. p. 8. Cf. p. 19 sq. 

3) Aphraat. horn. 17 ed. Wright p. 333, 2. 

4) Ephr. opp. syr. II, 488; Carm Nisib. XXI, 20 etc, 

5) Oben S. 56 ff. S. 92 N. 3; S. 242 N. 1. 



- 377 - 

and gerade dies war ein Punct, an welchem ein Bearbeiter am 
die Mitte^ geschweige denn am Ende des 4. Jahrhanderts, nicbt 
voriibergebn konnte. 

WHbrend icb in Bezug aaf die Episode von der Ereozaaf- 
findang das Bedtlrfnis fttble, darch das Urtbeil der Berafenen 
in meiner Ansicbt bestlLrliLt oder eines Besseren belebrt za wer- 
den; darf icb wobl als erwiesen betracbten, dass im ttbrigen die 
^Lebre des Addai'^ in ibrem ganzen Umfang sebon dem Ens. 
bekannt war, and dass sie naeb der Mitte des vierten Jabrbnn- 
derts gar niebt entstanden sein kann. Als Ens. dies in Edessa 
gesebriebene Bacb in die Hand bekaro, wird die Tinte, womit 
es gescbrieben war, trocken gewesen sein; and wenn die Ver- 
matbangen Uber den Einflass desselben aaf die Tradition von 
Paneas etwas taagen , mtisste es spStestens am 300 in PalSstina 
gelesen worden sein. Andrerseits kann das Bacb, wie es ans 
vorliegt, wenigstens nicbt vor 250 gescbrieben sein. Denn nacb 
Add. p. 52 soli Palat, ein persdnlicber Scbttler des Apostels 
Addai, welcber gleicb nacb der Himmelfabrt Ghristi in Edessa 
predigte, von dem Antiocbeniscben Biscbof Serapion ^) zam Bi- 
scbof von Edessa geweibt worden sein, and Serapion vom rQmi- 
scben Biscbof Zepbyrin. Diese cbronologiscbe Ungebeaerlicb- 
keit konnte man in Edessa erst binscbreiben and gedaldig bin- 
nebmen, wenn die Zeit 8erapion's bereits weit zartlcklag. Wir 
gewinnen demnacb als Abfassangszeit 250 — 300; wabrscbeinlicber 
wird einerseits die Entstebang der ganzen Dicbtang and andrer- 
seits ibre Yerbreitang in PalSstina, wenn wir 270 and 290 als 
Termini annebmen. Der Versacb, die Angabe tiber Serapion 
and Alles, was ans Uber die angeblicbe Abfassangszeit binaas- 
fttbrt, als Interpolation aaszascbeiden , am die Ecbtbeit des 
Uebrigen za retten, ist andarcbfiibrbar. Es mUsste aasser der 
Stelle Uber die Ordination Paint's wegfallen , was Uber das Dia- 
tessaron and den neatestamentlicben Eanon gesagt ist (Add. 
p. 35. 46 s. oben S. 91 flf.), die Angabe Uber Sabinas, den Sobn 
des Eastorgias, den kaiserlichen Epitropos von Syrien, Mesopo- 
tamien and PallLstina, Uber den Proconsal Albinas, Uber Claa- 
dias als Vicekaiser des Tiberias, Uber den spaniscben Krieg des 



1) Nach Harnack, die Zeit des Ignatius S. 62, frUhstens von 189, 
vielleicht erst von 192—209 Bischof. Noch spater (198 oder 199 - 217) 
fallt der Pontificat des Zephyrinus. 



tlberins ^) , and Dicht nor die Episode von der KrenzfinddDg, 
welche auch Bickell preisgibt, sondem ebenso aach die Corre- 
spondenz Abgar's mit Tiberias (p. 38 sq.) and nocb vieles 
Andere. ' 

Eine Dichtang ist das Bach von Anfang bis zn Ende, aber 
eine sehr alte, etwa ein Jabrhandert nach der ersten EinfUhrang 
des Christenthams in Edessa eben dort entstandene ^). Dann 
mtissen echte Traditionen darin verarbeitet sein. Es besteht za- 
nftchst kein Grand za bezweifeln^ dass Palat ein Zeitgenosse 
Serapion's, also am d. J. 200 Bischof von Edessa war. Noch 

r ■ 

zar Zeit Ephrfim's warden die Katholiken von den HILretikem 
„Palatianer^ genannt'). Wie Lipsias (S. 9) daraas scfaliessen 



1) loh wiederhole nicht das in den 65tt geL Anz. 1877 S. 177 sqq. 
Gesagte. VgL Lipsias S. 32 f. — Dass das Beth-Gubrin in Palasdna 
den Namen Eleatheropolfs, welchen es hier (Add. p. i) fUhrt, erst nnter 
Septimius Severus erhalten hat, zeigte Nestle in der Ztschr. f. Eircheng. 
in, 194 f. Wenn aber Add. daneben doch noch den alten aramaischen 
Namen setzt, so ist das andrerseits wieder ein Zeichen hohen Alterthums. 
Eusebios, welcher im Onanasticon 43mal Eleatheropolis erwahnt (s. den 
Index za Lagarde, Onom. sacra p. 107), scheint es nur anter diesem 
Namen zu kennen. Ebenso Epiphanios (haer. 40> 1), der in der NShe 
geboren war. In den iibrigens werthlosen Acten des „Apostels Ananias** 
(aas Act. 9 , 10) wird die Residenz des PrSses des Orients, Namens 
Lacianos, so angegeben: iv Bri&ayavQy r^g *ElsvS'€Qo7i6l€(og (Acta »SS. 
Jan. n, 614, wo aach schon aaf das BauoyapQci l-fiQil, -figi] Ptolem. 
V, 15 hingewiesen ist). Im cod. Par. 1468 fol. 83 r. las ich iy Bi^apti 
(sic) fjLiqsaiv *EX€vd'€Qon6X€iog, 

2) Dass die Sage noch Slter ist, als ihre schriftliche Aa£zeichnnng, 
ist selbstverstandlich ; aber ganz nnannehmbar ist die Meinnng (Lipsias 
S. 11) , dass „die Legende** anter dem ersten christlichen K'dnig von 
Edessa entstanden sei. Der erste Anfang der Legende ist die uiachro- 
nistische Zarlickversetzang dieses E5nigs in die Zeit Jesa. Das konnte 
man aber doch nicht dichten, wShrend dieser E6nig lebte, am Ende des 
2. Jahrhanderts. 

3) Nach einer Stelle in EphrSm's zweitem „Sermo contra haeret", 
welche in Ephr. opp. syr. U, 440 nicht erhalten ist, aber von Jakob von 
Edessa in einem Brief an Johannes Stylita erlaatert worden ist. Nach 
ErklSrang anderer, aach im gedrackten Text jenes Sermo erhaltener alter 
Namen sagt Jakob: JenerPalut aber, von welckem derLehrer sagt, dass 
nach seinem Namen uns die Hdretiker nennen, war kein H&retiker und 
auch keinHaupt einer Hdresis^ sondem ein glduMger und heUiger Mann, 
und einer von denen, welche aufgezahU werden in der Succession der 
Bischof e von Edessa, die auf dem Thron des Apostels Addai (gesessen 
haben). S. Wright, Gatal. p. 600. 



- 379 - 

nioofate^ dass Paint in der Erionernbg der edessenisGhen Christen 
als ihr erster Bischof fortlebte^ ist anverstSndlich. Wann bStten 
denn die H&'etiker den Eatholiken den Rahm gelassen, die Tra- 
dition der betre£fenden Eirche von ihrem ersten Anfang an fttr 
sich za haben? Ging doch stets ihr Streben dahin, die katho- 
liscbe Lehre als eine spHter eingedrungene Entartnng darzn- 
stellen^). Der Name ^Palatianer^ kann den Eatholiken nur 
damm angeliSngt worden sein, weil znr Zeit des Bisehof s Paint 
<liejenigen HSretiker^ welche den Namen znerst anfgebraebt 
haben, in bestimmten Gegensatz zn der vom Bisehof geleiteten 
Eirehe traten nnd von derselben sich separirten. Es war die 
Antwort der separirten Hiiretiker daraaf , dass sie von katholi- 
sober Seite nach ihren Parteihiiaptern genannt wnrden '). Dabei 
wird haaptsSchlich, wenn nicht ausschliesslieh an die Marcioniten 
zn denken sein. Zwar werden in jenen Madrasche des Ephr^m 
regelmSssig mit ihnen die Bardesaniten and die ManichSer zn- 
sammengestellt An die Letzteren ist jedoch schon ibres spHten 
Ursprnngs wegen hier nicht zn denken. Bardesan aber and 
seine gleichzeitigen AnhSnger haben sich schwerlich aasserlich 
von der Eirche getrennt, was doch die nothwendige Voraos- 
setzang jener Bezeichnang der Eatholiken mit dem Namen 
pPalatianer^ ist. Es bleiben also als Urheber dieses Namens 
die Marcioniten ttbrig. Dass diese zar Zeit des Serapion, am 200, 
in Edessa aas der Eirche aasschieden, ist sehr wahrscheinlich. 
Frtiher als in den letzten Jahrzehnten des 2. Jahrhnnderts kann 
Marcion's Lehre in diesem entfernten Gebiet nicht wohl festen 
Fass gefasst haben; aber aach nicht splLter. Hat der i. J. 154 
geborene^) Bardesan in der ersten Zeit nach seiner Bekehrang 



1) Gf. z. B. die Behaaptang der r^mischen Monarchianer Eos. h. e. 
V, 28, 3. 

2) Es ist za vgl., dass Hippolyt and seine Anhanger nach Eintritt 
des Schisma in der romischen Eirche die AnhSnger des Bischofs Eal- 
listas Kalliariavoi nannten Hipp. ref. IX, 12 extr. 

3) Nach Chron. Ed. bei Assem. B. Or. I, 389 am 11. Thammaz 
(Jali) a. Sel. 465 = a. Cbr. 154, da es sich am den Jali handelt, nicht 
153 Oder gar 155. Hiermit stimmt die aas einer andern Qaelle geflos- 
sene Angabe des Greg. Barhebr. (Chron. eccl. ed. Abbeloos et Lamy 
I, 47), dass er 68 Jabr alt a. Sel. 533 (= 1. September 221 bis dahin 
222 p. Ohr.) gestorben sei, v(511ig and anabbSngig tiberein. Seine Bltithe 
setzt Barhebr. p. 45 in die Zeit des Asklepiades von Antiochien, des 



- 380 — 

in Edessa den Glanben der Eirche vorgetragen and gegen die 
H&retiker vertbeidigt, and hat er sich erst sp&ter von valenli- 
nianischen und marcionitischen Lehren anstecken lassen^), so 
mag Letzteres erst am d. J. 200 geschehen sein. Aber sp&testens 
am 180 — 190 mass dann die marcionitische Lehre nach Edessa 
gedrangen sein, wenn sie Bardesan schon vorher bestritten haben 
soil. Aelter aber als das Eindringen dieser and anderer hiire- 
tiseher Lehren in die Kirehe von Edessa mass diese selbst 
sein. Denn wo hUtten diese Schalen jemals Heidenmission ge- 
trieben? Sie haben sich stets and Uberall nar vom Fett der 
bestehenden Eircben gen&hrt. Man darf daher mit Sicherheit 
behaapten, dass spStestens am 170 die Eirche von Edessa ent- 
standen ist. Dem entspricht es, dass sie sich an dem Osterstreit 
zwischen Victor von Rom (a. 189—199) and den Eleinasiaten 
mit einem Sendschreiben betheiligt hat Die Gemeinden in Os- 
rhoene and in den dortigen Stiidten soUen es nach Easebias 
abgeschickt haben '). Den Wortftihrer nennt er nicht Es wird 



Nachfolgers des Serapion. Der im ,3ach der Gesetze der Lander" fin- 
girte Dialog zwischen Bardesan und seinen Scbiilern will bald nach 
a. 200 gehalten sein. 

1) Epiph. haer. 56, 1 sq.; Barhebr. Ghron. eccl. I p. 47. Die Dar- 
stelluog bei Ens. h. e. IV, 30 etebt doch kaum in unversohnlicfaem Wider- 
sprach mit jenen. (Jebrigens cf. Hippol. ref. VII, 3 : MaQxiioyiaTrjg ng 
IlQkntov WaavQtoSf ngog Bagdriaiavriv thv ^AQfAiviov kyyqaffmg noi^actg 
l^yovg n€Ql rrjg alQicdtog. 

2) H. e. V, 23, 3. Aas dem vorangehenden Satz tiber Irenaus and 
die galliscben Gemeinden, deren Biscbof IrenSus war, ergSnzt sich naqoi- 
xi(Sy za jtSv xard Ttjv *OagofivriP xal ritg ixelae nokng, Eb hat wahr- 
scheinlich im Umkreis von Edessa ebenso wie in demjenigen von Lngda- 
num nnr einen einzigen Biscbof gegeben. Add. bericbtet wohl von Aas- 
breitang des Gbristentbums in der Umgegend von Edessa, aber nur 
Diakonen and Presbyter weiht Addai daselbst p. 40. Etwas Anderes 
wird aach nicht gemeint sein, wenn p. 48 sq. erzablt wird, Aggai babe 
nach dem Tode des Addai „in der ganzen Gegend zwischen den Fliissen" 
nPriester and FUhrer gemacbt'S Allerdings wird Add. p. 11, 3; 49, 20 cf. 
17, 2 der Biscbof als „Ftihrer und Anfseher'' bezeichnet; aber der Aus- 
druck ist doch nur abnlicb. WSren Bischofsordinationen gemeint, so 
ware nicht begreiflich, dass Palut sich in Antiochien die Ordination holen 
musste, weil Aggai durch plotzlicben Tod daran gehindert wurde, ibn za 
seinem Nachfolger zu weiben (p. 52). Nach unserer Legende gab es in 
Mesopotamien keine Bisch()fe, die ibn batten weiben kSnnen. Im 4. Jabr- 
bundert waren Nisibis und Gharran Bischofssitze. Allerdings war Jakob 



- 381 - 

der Bischof Paint gewesen sein. Solch' ein Eingreifen in einen 
kirchlichen Streit, dessen eigentlicher Scbanplatz von Edessa 
weit ablag; setzt voraus, dass die Kirche von Edessa schon seit 
einigen Jahrzehnten sicb consolidirt hatte nnd anch in der Feme 
einiges Ansehn genoss. 

In der Chronik von Edessa ist nns ein ansfUhrlichery einer 
mit dem Ereignis gleichzeitigen Urknnde entnommener Berieht 
ttber eine Ueberschwemmnng von Edessa im November 201 p. Ghr. 
erhalten, worin man nnter anderen Angaben ttber die dadnrch 
angerichteten Verwttstungen liest: und sie (die Fluthen) beschd- 
digten auch den Tempel der Gemeinde der Christen ^). So konnte 
nur ein Heide schreiben. Um so sicberer ist, dass die cbrist- 
licbe Eirehe damals eines der hervorragendsten Gebilade der 
Stadty nnd die Christengemeinde eine vollkommeu anerkannte 
nnd gednldete Corporation war. Anch darans ergibt sicb, dass 
das Gbristentbnm niebt eben erst dort Eingang gefunden batte. 

Nach alle dem ist es anch niebt zn beanstanden^ dass Paint 
erst der dritte Biscbof von Edessa war. Das Wenige, was von 
seinem Vorg^ger Aggai bericbtet wird, bat bistoriscben Klang. 
Aggai ist vor seiner Ordination Hofgoldscbmied gewesen ^). Einige 
Jabre nacb dem Tode des frommen Eonigs Abgar fordert einer 
seiner abtrtlnnigen S5bne vom Biscbof Aggai; dass dieser ibm 
ein goldenes Diadem ^) anfertige, wie er solcbe seinen Vorfabren 
gemacbt batte. Da Aggai seinen Kircbendienst niebt verabsSn- 
men will, l&ist der erztirnte Ftlrst ibm, wHbrend er in der Eircbe, 
mit Scbriftanslegnng bescbSftigt, sitzt, die Beine zerscblagen. 
In Folge dieser Missbandlung stirbt Aggai bald daranf nnd wird; 
seinen letzten Anweisnngen entsprecbend , in der Eircbe binter 



von Nisibis, der Zeitgenosse Gonstantin's d. Gr., der erste dortige Biscbof, 
wie sich mit Sicherheit aus Ephr. carm. Nisib. XIV, 3. 15—24; XXI, 20 cf. 
XVI, 4—20; XVII, 1. 11; XIX, 15 sq. ergibt; aber einBeweis gegen die 
Abfassang yod Add. am Ende des 4. Jahrbunderts liegt doch darin, dass 
an den angegebenen Stellen kein Versuch gemacbt wird, die Grtindang 
der benacbbarten Bischofssitze auf Addai oder Aggai zurtickzufiihren. 

1) Assem. B. Or. I, 391. Die Zeitangabe p. 390; die Beglaubignng 
der Urkande p. 393. Dionysias vonTelmacbar ed. TuUberg p. 162, 11 sq. 

2) Add. p. 35: Er machte die Ketten (?) und Diademe des Konigs, 
Of. Phillips, engl. Theil p. 33 N. 6. 

3) So im Singular Gareton anc. doc. p. 22, 22; dagegen Plural 
Phillips p. 51, 18. 



- 382 — 

der mitfleren Thtir, zwfochen den SitzplStzen der Manner and 
der Frauen bestattet. Das klingt sehr prosaiseh. Man wird zar 
Zeit der Dichtong das Grab des Aggai an der so genan be- 
seichneten Stelle noch gezeigt haben. Warnm soil er nicht gelebt 
haben? Aber auch Addai wird eine gesohichtliche Person sein. 
Anf die UnverfSnglicbkeit der Angabe tlber seine Heimat Paneas 
wnrde schon hingewiesen (S. 369). Eine geschicbtslose Dichtang, 
welehe yon der Idee geleitet wnrde , die Griindang der edesse- 
nischen Eirche anf einen pers(5nlichen Jttnger Jesn zarliekza- 
fttbren, wttrde mil Nothwendigkeit dazn gedrftngt worden sein^ 
dem Apostel Von Edessa einen im N. Testament anfbewahrten 
Namen eines Jtlngers Jesn zn geben. „Addai^ ist kein soleher 
nnd bat namentlich nichts za schaffen mit dem Namen ^Thad- 
dai^^ welchen Easebias in der Uebersetznng snbstitairte , obne 
dock diesen Thaddai, welcher anch bei ibm einer der 70 Jtlnger 
isty mit dem Apostel Thaddai oder Lebbai oder Jndas Jakobi') 
zn verweebseln. 

Ist aber die Reibe: Addai, Aggai, Paint gesebiehtlieh , nnd 
ist Paint nm d. J. 200 Bischof von Edessa gewesen, so ergibt 
sieh wiedemm, dass die Grttndnng der Eirehe von Edejssa sp&te- 
stens nm 170 anznsetzen ist. Eine Geschichte ihrer AnfUnge 
kann bier nieht gegeben werden, sehon damm nicht, weil za 
dem Ende die politiscbe Geschichte von Edessa and besonders 
die Chronologic der betreffenden Periode noch ganz anders, als 
bisher geschehen ist'), nntersncht sein mtlsste. 



O Mt 10, 3; Mr 3, 18; Lc 6, 16; Act 1, 14, 

2) Of. ausser Bayer's Historia Osrhoena besonders Wichelhans, de 
N. Test. vers. syr. (1850) p. 92 sqq.; A. v. Gatschxnid, Bhein. Mus. 
Bd. XIX (1864) S. 170 £f. 381 f. W. Wright im Diction, of Christ. Biogr. 
I, 5^7. Eine das jetzt vorhandene Material erschlSpfende Behandlang 
fehlt darchans, and ich moss, soweit ich bisber nntersttcht habe, dem vor- 
llCafig i^ignirenden Urtheil von Hort in seiaem trefflichen Artikel fiber 
Bardaisan (Diet of Ghr. Biogr. I, 250) zostimmen. 




.1 



Stellenregister zuzu II. A1)sclmitt. 



Mt § 

I, 18-25. -3 

n, 1-23. 5 

in, 1-12. 8 

in, 13-17. 9 

IV, 1—11. 10 

IV, 12-17. 13 

V, 1-12. 16 

V. 13-48. 17 

VI. 18 

VII. 19 
Vm, 2-t4. 39 
Vra, 5—13. 20 
Vm, 18—34. 22 
(IX, 1-17). 14 

IX, 18-31 (-26) 23 

X, 24 

XI, 1—13. 26 

XI, 25-30. 29 

XII, 1-8. 15 
XII, 22-T.37. . 27 
Xn, 38-45. 30 
Xm, 1-53. 31 
Xm, 54.-58. 32 
XIV, 1-12. . ^ 33 

XIV, 13-^3&^ ' ■';':. 34 

XV, 1-20. i,'^'' ^^ : 36 

XV, 2i-2a? <-34;). ' ; 37 

XVI, 13^28; r ^ 42 
XVn, 1— 13. ^ /' ' 43 
XVn, 14rr-21. ^^ "' 44 

XVII, 24-Tr27. 45 



Mt 

xvm. 

XIX, 1-15 

XIX, 16-24. 

XX, 1-16. 

XX, 20—28. 

XXI, 1—11. 
(XX, 12. 13). 
XXI, 14—16. 
XXI, 18-22. 
XXI, 23-32. 

XXI, 43-46. 
(XXII, 1—14). 

XXII, 15—33 
XXn, 34—40. 

xxm. 

XXIV. 
XXV. 

(XXVI, 1-5). 
XXVI, 6—13. 
(XXVI, 14—20). 
XXVI, 21—25. 
XXVI, 26—29. 
XXVI, 36-57. 
XXVI, 58. 
XXVI, 59-68. 

XXVI, 69-75. 

xxvn, 1. 2. 

XXVII, 3-10. 

xxvn, 11-31. 
xxvn, 32. 

xxvn, 33-44. 



50 ; 

46 

53 

55 

56 

74 

59 

74 

61 

64 

65 

66 N. 1 

66 

67 

77 

79 

80 

81 N. 1 

73 

81 N. 1 

82 

83 

90 

91 

92 

91 

93 

94 

93 

95 

96 



— 384 - 



Mt 

XXVII, 45-66. 
XXVm, 1-15. 

XXVIII, 16-20. 

Mr 

(I, 12. 13). 
1, 14-16. 

I. 40—45. 

II, 1—22. 

II, 23-28. 

III, 20—30. 

IV, 1-20; 26-32 
IV, 24. 25. 

IV, 36 — V, 20. 

V, 21—43. 

VI, 1-6. 
VI, 7-13. 
VI, 14-29. 

VI, 30-53. 

VII, 1-23. 

VII, 24-30. 
(VII, 32-37). 

VIII, 22-26. 
Vm, 27 — IX, 1. 

IX, 2—13. 
IX, 14-29. 

IX, 33-50 (?). 

X, 1—16. 
X, 17-25. 
X, 35-45. 

X, 46-52. 

XI, 1-10. 
XI, 12-14. 
(XI, 15-17). 
XI, 19—24. 

XI, 27-33. 

XII, 1-12. 
XII, 13-27. 
XII, 28-34. 
XII, 38 sq. 
XIII. 

XIV, 3-9. 
XIV, 18-21. 
XIV, 22-25. 



§ 
97 

98 

100 

§ 

10 

13 

39 

14 

15 

27 

31 

19 

22 

23 

32 

24 

33 

34 

36 

37 

37 N. 5 

41 

42 

43 

44 

50 

46 

53 

56 

58 

74 

61 

59 

61 

64 . 

65 

66 

66 

77 

79 

73 

82 

83 



Mr 
XIV, 32-53. 
XIV, 54. 
XIV, 55—65. 

XIV, 66—72. 

XV, 1-20. 
XV, 21. 
XV, 22-32. 

XV, 33-47. 

XVI, 15-19. 

Lc 

I, 5-79 (-80). 

II, 1-35 (—40). 

II, 41-52. 
(Ill, 7 Bqq..) 

III, 21. 23 
(IV, 1-13). 

IV, 15-30. 

V, l-ll. 
V, 12-14. 

V, 17-39. 

VI, 1-5. 

VI, 20-24 (-26). 
(VI, 27 sqq.). 
(VI, 37-49). 

VII, 1-10. 
VII, 11-17. 
VII, 18-35. 
VII, 36-50. 
vm, 1-14. 

vm, 16. 

(VIII, 17). 
vm, 23-39. 
vm, 40-56. 
IX, 1-6. 
IX, 10-17. 
IX, 18—27. 
IX, 28—36. 
IX, 37-43. 

IX, 57-62. 

X, 1. 

X, 3—12. 16. 

X, 17-22. 

X, 29 (25?) -37. 



90 
91 
92 
91 
93 
95 
96 
97 
100 



4 

7 

8 

9 
10 
32 
14 
39 
14 
15 
16 
17 
19 
20 
21 
26 
28 
31 
17 

24 (N. 12) 
22 
23 
24 
34 
42 
43 
44 
22 
29 
24 

29 ^ 
67 



- 386 - 



Lc. 

X, 38-^42. 
(XI, 9. 10). 
(XT, 14-23). 

XI, 24-r32. 
(XI, 33). 

XI, 39-62. 

(xn, 2). 

(XII, 11. 12). 

XII, 16-21. 
XII, 35 sqq. 
(Xn, 42-48). 
Xm, 1-9. 
Xm, 31—33. 
(XIV, 11). 



25 
19 
27 

30 

17 

77 

24 N. 12 

24 N. 10 

54 N 1 

80 

79 

51 

43 

60 N. 2 



(XIV, 12—14) 8. oben S. 85 Anna. 
(XIV, 16-24). 66 N. 1 



(XIV, 25—30). 

XV, 1-10. 

XV, 11-32. 

XVI, 1—12. 
(XVI, 13). 
(XVI, 14). 
(XVI, 17). 
XVI, 19-31. 



XVII, 1-4. 
XVII, 5. 6. 
(XVn, 11-19). 
XVn, 20-25 (?) 

XVII, 31-37. 
XVia, 1-8. 
XVin, 9-14. 
XVra, 18-25. 

XVIII, 35-43. 

XIX, 1—10. 
XIX, 12—27. 
XIX, 29-44. 

XIX, 45. 46. 

XX, 1—8. 
XX, 9-19. 

XX, 20-40. 
(XX, 46). 

XXI, 5—36. 



29 N. 12 
(of. 24 N. 18) 
47 
48 
49 

18 N. 10 
54 N. 1 
17 
54 
(cf. § 50 Vorbem.) 
50 

61 (N. 6. 7) 
85 Anm. 
76 
79 
63 
60 
53 
58 
57 
80 
74 
59 
64 
65 
66 
77 
79 



Lo. 
(XXII, 15?) 
XXII, 18^20. 
XXII, 21—23. 
XXII, 29—34. 
XXII, aar-38. 

XXII, 40-54a. 
XXn, 54b— 62. 
(XXn, 63-71). 

XXIII, 1—5. 13—25. 

XXIII, 26-81. 
XXni, 32—43. 
XXm, 44—56. 

XXIV, 1-43, 
XXIV, 44—53. 



Jo. 

I, 1—5. 
I, 6—28. 
I, 29 sqq. 

I, 35—52. 

II, 1—11 (12). 
n, 14-22 

III, 1—21 (-15). 
in, 22—4, 3. 

IV, 4-42. 
IV, 44. 45. 
V. 

VI, 1-21. 

VI, 22-71. 

VII, 1 (2)-31(- 
Vn, 32 (37)- 44 (- 
Vm, 12-59, 

IX. 

X. 

XI. 

xn, 1—11. 

XII, 12—19. 
xn, 20-36. 
xn, 37 (?) —50. 

xm, 1-15. 

Xin, 21—30. 
xm, 33—38. 
XIV. 
XV. 



81(N.l) 
83 
82 
84 
86 
90 
91 
92 
93 
95 
96 
97 
98 
100 



1 
6 
9 
11 
12 
59 
62 
13 
38 
32 
40 
34 
35 
36). 52 
-52). 68 
69 
70 
71 
72 
73 
74 
75 
78 
81 
82 
84 
85 
87 



XVL 

XVII. 

xvm. 1-13. 

XVIII, 15—18. 
(XVIU, 19—24). 
XVIII, 25-27. 



xvm, 28-XIX, 16. 

XIX, 17. 

XIX, 18-24. 

XIX, 25—42. 

XX. 

XXL 



Im gleiohen Vdrlage iat ferner ersohienen: 

Acta Joannis 



nnter 

Benat2suns von C. v. Ti-chendorf's Nachlass 

bearbeitet 

VOD 

Theodor Zahn. 

gr, 8. 1880. (CLXXII u. 264 S.) tO Mk. 



Friedrich der Weise 

and die 

Anfange der Eeformation. 

Eine 

kircheDbistorische Skizze mit archivaliscbeD Beilagen 

von 

D. Theodor Kolde, 

ord. Professor der Kirchengeschichte zu Erlangen. 

gr. 8. 1881. (75 S.) 1 Mk 50 Pf. 



Octairius. 

Ein Dialog 
des 

M. Minucius Fel i x. 

Text and Uebersetzang mit kritischen Anmerkungen 

von 
Bernhard Dombart. 

Zweite Ansgabe. 

8. 1881. (XVI a. 142 8.) 2 Mk. 40 Pf. 



De 

Hegesippo, qui dicitnr, Joseph! Interprete. 

Soripsit 

Friedericns Yogel, 

Dr. phil. 

gr. 8. 1881. (62 S.) 1 Mk. 50 Pf. 



I*