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'^^Bra^ 



BIBLIOTHM 



DES 



LITTERARISGHEN VEREINS 



IN STUTTGART. 



Lvn. 



STUTTGART. 

«RDRUCKT AUF ROSTKN DBS UTIERARISCBRN VERKnS. 

1861. 



1 



.YTVojt. 




'"^^ÖRA^i^' 



XS1.ATI0NEN 



VON 



VON WYLE 



■^f;K(;KBEN 



VON KELLER. 



: TTGAKT. 

.\ l'l:s LirTKRAllISCUEN VEREINS 

' --< msSKS VOM KKBRUAR 1800- 

iSlil. 



PROTECTOR 

DES LITTERARISCHEN VEREINS IN STUTTGART: 

SEINE MAJESTÄT DER KÖNIG. 






VERWALTUNG : 

Präsident: 
Dt A. V. Keller, ordentlicher J)rofeS8or an der k. Universität in Tübingen. 

Kassier: 
Dr Zech, ordentlicher professor an der k. Universität in Tübingen. 

Fues, sortimentsbuchhändler in Tübingen. 



GESELLSCHAFTSAUSSCHUSS : 

Dr Böhmer, Stadtbibliothekar ia t^Üuikfurt a. M. 
G. freiherr v. Cotta, k. bayerischer kämmerer in Stuttgart. 
Dr K. V. Gerber, kanzler der k. Universität in Tübingen. 
Hofrath dr Grimm, mitglied der k. akademie in Berlin. 
Dr G. V. Karajan, vicepräsident der k. akademie in Wien. 
Dr E. V. Kau s 1er, vicedirector des k. geheimen haus- und Staats- 
archivs in Stuttgart. 
Dr Klüpfel, bibliothekar an der k. Universität in Tübingen. 
Dr 0. V. Klumpp, director der k. privatbibliothek in Stuttgart 
Dr Maurer, ordentlicher professor an der k. Universität in München. 
Dr Menzel in Stuttgart. 

Dr Pauli, ordentlicher professor an der k. Universität in Tübingen. 
Dr Wackernagel, ordentlicher professor an der Universität in Basel. 



TRANSLATIONEN 



VON 



NICLAS VON WYLE 



HERAUSGEGEBEN 



DURCH 



ADELBEßT VON KELLER. 



STUTTGART. 

GEDRUCKT AUF KOSTEN DES LITTEBAR18CHEN VEREINS 

KAOa BESOHLOgS DES ADSS0BD88B8 VOM fEBRCAR 1860- 

1861. 



i-77 

V.57 



DBÜOK TOV ■. lAVFF I« t6bIV«XV. 



TRANSZLATZIOS 

ODER TÜTSCHÜXGEX DES HOCHGEACHTEX NICOLAI 
VON WYLE: DEX ZYTEX STATSCHEIBEB DEB sTAl 
ESSELINGEN: ETUCHEK BÜCHER EXEE slLCÜ KXiü 
FLORENTINI: FELICIS HElfEBLTV: DOCIOßli MIT 
SAMPT ANDERN SCHRYTfTEX: DEBX XVOJ. XACflEDf-* 
ANDER ÜNDERS CHYDE XUCHEX MIT IREX HGCKES 
UND TITELN BEGBÜTEN SINT. 



H. T. Wjl*. 



I. 

[l^] Item in der ersten translatze dises büches von Eu- 
riolo vnd lucrecia wirt funden ain grosser fremder handel 
ainer bfilschaflft vnd darjnne alle aigenschaft der liebe vnd 
was die gebürt/ besunder daz darinne allwegen entlich mer 
'^ bitterkait dann süsse vnd mer laides dann fröiden funden werd 
vnd darumb die syg zefliechen vnd zemyden. 

IL 

Item in der andern translatze von gwiscardo vnd SigifiJP 
munda / wirt funden ain laidsamer truriger vsgange ainer bül- 
schaft vnd grosser liebe zwtischen disen zwayen menschen des 
10 der vatter Tancredus ain vrsachh was daz er die selben sigis- 
mundam sin tochter zelang verhielt vnd nit usgeben wolt in 
elicher verhyrung. 

III. 

Item in der dritten translatze wirt funden ain getrüwer 
nutzlicher rate wie ein mensch der vf der bülschaft in vnor- 
15 denlicher lieb gebunden vnd gefangen ist sich jlero mug ledi- 
gen vnd die band siner gefencknüsz brechen Mit mancherlay 
Warnungen leeren vnd vnderwysungen hier zi\ dienende. 

IV. 

Item in der vierden / Als dem rychsten vnd mechtigosten 
. der cristenhait burger Cosmo de medicis zu florentz die statt 
20 verbotten^wart vnd er sins rätz vnd gewaltes da selbs ent- 
setzet etc. wirt funden ain costlicher tröste von poggio flo- 
rentino dem selben poggio gegeben s^ Vnd daz er das ains 
vesten gemütz tragen soll/ dann was daz gelück geby' mug 
es euch nemen etc. 

1* 



V. 

Item in der fänften translatze wirt fanden ob ain wirt 
gest ladende, danck sagen soll sinen gesten daz sy komen 
syen oder billicher die gest dem wirte daz sy geladt vnd von 
Im wol gespyset syen. 

VI. 

* [2] Item in der sechsten translatze wirt fanden, ob aim 

alten mane gebarlich syg jm ain elichs wyb zenemen vnd ob 
weger ain jungfröwen oder ain witwen oder ain altes wybe / 
vnd welches er diser dryen ains tüg/ was jm dann hierjnne 
begegnen werd/ vnd wie sich er darjnne gebürlich halten söl 

10 mit vil andern leeren. 

vn. 

* Item in der siebenden translatze findet man Als der grosz 
alexander die statt athenas belegert hatt vnd jm begert xxiiij. 
der eltsten vsz dem athenischen rät/ hin vs zegeben etc. was 
da von den sehen athenischen gerätschlaget vnd alexandro 
1» wyslich geantwort wart vnd darch ire wyshait sin zorn ge- 
stillet vnd erleschet. 

vin. 

Item in der achten translatze wirt fanden wie sanct bem- 

hart sinem brüder raymundo ritter vf des bitte vnderwysung 

geben hat wie er sin huse vnd sin husgesind wyb kinder 

w dienstknecht vnd mägt regieren erkennen vnd halten soll mit 

vil andern anhengen hashablicher dingen gut zewissen etc. 

IX. 

Item in der nünden translatze findet man von den loU- 
harten vnd beguden vnd wem daz hailig armüsen zegeben syg 
vnd wem niU vnd ob die priester daz armüsen nemen oder 
«5 Iren ritterlichen solde / vnd waz sy irer pfründen halb zetünd 
pflichtig syen/ vnd besunder ob cristas daz armüsen geno- 
men hab oder nit vnd vil vnd mancherlay ander dingen des- 
halb Ingezogen daz zewissen gut ist. 



X. 

Item in der zechenden translatze an den durlüchtigen 
hertzog Sigmunden von österrych gestellet etc. wirt funden 
ain rate zu lernung der gescbriften vnd was nutzes vnd frucht 
hiervon entsteen mugen vnd besunder fürsten vnd herren so 
* laq^ vnd lütte regieren sollen/ vnd des gelychen [2^] den 
landen selsb vad Iren vndertänen. 

XI. 

Item in der ailften translatze findet man wie vnd war- 

umb zu zyten des consilis zu Costentz Maister Jeronimus ain 

Jünger maisters bansen bussen verbrennt wart als ain ketzer 

10 des geloubens vnd was schöner rede Er tett vnd wie keck vnd 

vest er belaib bisz in sin ende. 

xn. 

Item in der zwölfiften translatze wird funden wie Enee 
siluio trömet/ daz er in das ryche der küngen fröw gelück 
komen wer vnd wie er da seche vnd erkante den stände vnd 
15 daz wesen der gantzen weite vnd was dise küngin mit Im 
vnd was er mit ir hinwiderumb redte des gelückes halb vnd 
wer wie vnd durch was man diser küngin das gelücke aller 
beldest möcht erwerben etc. 

xm. 

Item in der drizechenden translatze von dem guldin esel 
»0 Lutziani / wie ain mensch vf der bülerye durch zouberye ver- 
kert wart in ainen Esel / vnd der selb noch dann in jm behielt 
menschlich vernunfte/ vnd ain gantz vmbgend Järe ain esel 
belaib/ vnd was lydens vnd vngemachs Im in der zyt wider- 
fftr vnd doch zületscht nach vsgange des Järes widerumb zu 
s5 aim menschen wart. 

xiin. 

Item in der vierzechenden vindet man ain ziere kostliche 
red vnd wider rede von dem adel was der syg vnd woher er 
kom Mit anzaigung mancherlay exempeln vnd historien alter 



6 

dingen die fremd vnd lustlich sint ze hören vnd gut ze 
wissen. 

XV. 

[3] Item in der fünfzechenden translatze werden fanden 
zwen loblich tröste des hochgelerten mans francisci petrarcha 

* Des ersten ainem der mit vnschulde siner eeren von dem pf|el 
geschuldi^et vnd angelogen wirt i Vnd wie in vergangen zyten 
«Jülich.*? rien frömsten vnd redlichosten mannen aller niaist be- 
get^et syg vnrl ir wenig des yemer mugen vertragen sin etc. 
Vnd in dem andern ain tröste ainem dem sin elich husfröwe 

» geirtorben ist. 

XVL 

Item in der sechszechenden schrifte vnd die kain trans- 
hWt ist wirt fiinden lobe der fröwen wie die ye walten her 
Ire matt bitT jnne Vbertreffen haben in der haidenschaft vnd 
m der Jfdiscfabait der alten ee vnd noch hütt by tage vnder 
li^n vnd mannen diser zyten. 

XVI I. 

Ueui in der sibenzechenden translatze wirt fanden ain 

<xMlie)ie vnd zierliche red von poggio florentino getan vor 

^Usm gantzen colleye der Cardinälen zu zyten als babst nico- 

]w^M> ttk r6iöe wart erwellet zu babste i Vnd darinne ouch wes 

^ die für»^ö vnd grossen herren anzemanen sint. 

xvm. 

i)tein in der acbtzebenden vnd letsten Schriften die oach 
Ima trtnslütze ist werden fanden ettlich leeren vnd vjaderwy- 
aui^eu v<^ö Überschriften wie man die gebürlich tftn söl vnd 
wig. WMJh wie etlich gewonhaiten hierInne syen die billicher 
flüszbruhe danne gewonhait genennet warden vnd billicher 
vermitten dann geöbet etc. 



[3b] JjEm edeln hochgelerten vnd strengen herrn Jergen von 
absperg ritter vnd doctor der rechten minem lieben herren 
günner fründ vnd gebieter Enbütt jch nicläs von wyle, des 
hochgebornen herren herrn Virichs gi'auen zu wirtemberg vnd 

5 zu Mümpelgarte etc., mines gnedigosten herren minster cantzler 
vil hails. du hast (fttrtreffender vnd wytverrttmpter mane) vor 
langem/ als du des yetz genanten mines gnedigosten herren 
lanthofmaister gewesen bist/ min translatze vnd tütschung 
boecy de consolacione Philosophie zft meren malen gelopt vnd 

to mir geraten ? die gedruckt, vsz ze^een lassen Vnd als jch das 
dozemäl nit tän mocht, vrsachen halb, daz das letscht buche 
nit gantz zu end gebrächt was/ rietest du/ daz jch doch 
dann etlich ander miner translatzen vnü Schriften/ die jch 
in vergangen zyten vß schwerem vnd zierlichem latine nit äne 

15 arbeit zu tütsch gebracht hett/ wölt lassen trucken vnd 
vsgeen/ vmb daz die menschen, vil klftger dingen dar Inne 
begriffen/ vnd so zewissen gut sint ouch antailhäftig werden 
möchten, vnd ir gemüt zu zyten darmit in kurtzwyle ergetzen. 
wie wol jch nu waisz dero vil sin / die dise min translaciones 
^90 schelten vnd mich schumpfieren werden vnd sagen/ daz die 
an vil enden wol verstentlicher möchten worden gesetzet sin, 
dann von mir beschechen syg noch dann dinem rate vnd gut 
beduncken nach (die ich acht sin oraculum appolinis) so wil 
ich sölich min translaciones yetz lüssen vszgeen/ bis vf boecium 

s5 den jch noch etlicher vrsachen halb wil verhalten, vnd gestee 
disen maistern minen schumpfierern jrer schuldigung nechst 
gemelt danne war ist, daz jch in der ersten translatze von 
Euriolo an den anfange in der andern epistel von Enea siluio 
an marianum sozimum gestellet/ dise latinischen wort (Sed 

80 inuenies ali[4]quo8 senes amantes, amatum nullum) Also hab 



getüt'schet vnd traDsferyeffet/ du findest alber etlich alt Heb- 
habend mane/ aber liebgehapten kainen. Welche wort Ich 
wol verstentlicher hett mugen setzen also, du findest aber 
etlich alt mane die fröwen liebhabent/ Aber kainen alten 
findst du, der von fröwen werd lieb gehept. jch waiß ouch 
daz mir so wyt vßlouffe hier Inne erloupt gewesen wer nach 
dem vnd oracius flaccus in siner alten poetrye (als du wa&st) 
schribet/ daz ain getrüwer tohnetsch vnd transferyerer if int 
sorgfeltig sin sölly ain yedes wort gegen aim andern wort 
zeverglyehen , sunder syge gnüg/ daz zt zyten ain gantzer 
sine gegen aim andern sine verglychet werd. als ich dann 
ouch oft vnd vil in disen nächfolgenden translatzen an andern 
orten getan han vnd etwenne genötiget tun mftst/ von ge- 
bruch wegen tütscher Worten gegen den latinischen i dero 
der grösser foUe ist, in dem latine (als wir dann oft mit ain- 
andem von sölichen Worten, etas senium senectus. vnd mens 
animus. felix beatus. vnd der gelychen hunderterlay geredt 
haut, daran vns gebruchh ist aigenlicher tütscher worten ynd 
darumbe man die vmbreden muß. daz Ich aber kom da hin 
ich wolt, vnd verstanden werd, wammb ich dise translaciones 
vf das genewest demlatin nach gesetzet hab:^ vnd nit geachtete 
ob dem schlechten gemainen vnd vnemieten man das vnner- 
stentlich sin werd oder nit. das ist dammb. Ich waisz du 
hast gelesen daz leonardus aretinus der gröst vnd beste redner 
vnd dichter, so zft vnsem zyten gelept hat in ainem tractit 
de stndys literamm, schribet der hochgebornen vnd wolgeler- 
ten fürstin baptiste de malaleste, die dann zu diser knnst 
wolredens vnd dichtens (die wir nennent oratoriam) entzündet 
waz/ daz sy nit durch ützit beider vnd bas zfi sölicher be- ' 
gerter kunste komen noch die [4^] erfolgen möchte danne 
daz sy oft vnd vil lese in geschriften guter vnd zierlicher 
gedichten vnd sich darinne emsenklich übte/ vnd lesung 
grober vnd vnzierlicher gedichten vermitte vnd die fluch als 
ain dinge hieran aller grösten schaden geberende, disen rate 
hat ouch geben der hochgelert poet Eneas siluius dem dur- 
lüchtigen fürsten vnd herren hertzog Sigmunden von österrych 
zu zyten siner Jünglikait in ainer epistel die in disen minen 
n&chfolgenden translacionen ouch funden wirt Vnd sagent 



9 

dise bed. daz durch sölich emsig lesung guter vnd zierlicher 
gedichten i dem lesenden menschen, haimlich vnd verborgenlich 
nach vnd nach wachse, ain naigung geschicklichkait vnd arte/ 
daz der selb mensch ouch vf sölich form werd vnd müsz arten 

5 zereden zeschriben vnd zedichten. furo hört ich ains mäls als 
ich zft nüremberg rätschryber was / von dem hochgelerten wyt 
verrümpten redner hem gregorien haimburg beder rechten doc- 
tori den du allain/ an kunst wyshait vnd gesprechnüsz yetz 
tust verglychen von vns ersetzen (got syg jm barmhertzig) daz 

10 er sagt i daz ain yetklich tütsch, daz usz gAtem zierlichen vnd 
wol gesatzten latine gezogen vnd recht vnd wol getranferyeret 
wer / ouch gut zierlich tütsche vnd lobes wirdig, haissen vnd 
sin müste, vnd nit wol verbessert werden möcht dem allem 
nach / do mir vor zyten vil wol geschickter Jüngling, erberer 

15 vnd fromer Ititen kinder ouch etlich baccalary von manchen 
enden her zu tische in min cost wurden verdinget/ die in 
obgemelter kunste schribens vnd dichtens ze Instituwieren ze- 
leren vnd zevnderwysen/ fielent mir zu/ diser dryer höchst- 
gelerter mannen rät vnd lere/ die mich bewagten/ daz jch ye 

«0 versuchen wollt/ etlich costlich zierlich vnd verrümpte latinisch 
gedichte von den geiertesten mannen [5] vnser zyten in diser 
kunste/ gemachet in tütseh zebringen vnd aller maiste die/ 
so disen minen jungern lustig vnd kurtzwylig wurden zelesen/ 
vmb des willen daz vsz dero emsiger lesung in Inen die art 

85 wuchs dar von obgemelt ist. als bald jch aber aine oder zwo 
translaciones volbrächt/ vnd die an den tag kament/ ward ich 
von etlichen fürsten fürstin herren vnd fröwen gebetten wyter 
etliche andere ding zetranferyeren/ welich bitte mir wären ain 
gebotte vmb nichte zeuerachten. Diser beder vrsachen halb/ 

»0 minen jungern zu gut/ vnd das ich disen herren vnd fröwen 
jrs wUlens ouch lebte, vnd also (wie daz sprüchwort ist) mit 
ainem ainigen zu gelte, zwo töchtem hin geben vnd usstüren 
möcht / hab ich sölicher translacionen etwa vil gemachet / dero . 
ich dann als vil her nach folgent yetz läsz vsgeen dinem rate 

35 nach obgemelt/ Nu hab ich vor etlichen Jaren die colores 
rethoricales ains tails getransferyeret vnd Jn ain verstentlich 
tütsche gebrächt / vnd wird yetz von vilen gebetten / darjnne 
ze volfaren die vsz zemachen vnd gedruckt hin nach zegeen 



10 

lassen/ so sint ander gelert die mir daz wider rätent/ sa- 
gende / daz yemer schad were / daz mancher vngelerter grober 
laye i dise loblichen kunst von marco tulio Cicerone vnd an- 
dern so kostlich gesetzt, erfolgen vnd vnderricht werden sölt 

5 äne arbeit/ die doch vil der gelerten nit anders danne mit 
arbait vnd grossem flysse haben erfolget vnd zu dero verstent- 
nisz vnd brühe komen sint / deshalb lieber herre vnd gebieter 
Ich hierInn hitthabe vnd nit waisz was mir zetün gebürret, 
danne daz Ich das diner hohen vemunft haim setz vnd gib/ 

10 Und was du ainiger hierInne ratest vnd vrtailest/ dem wil 
ich leben vnd folg tun vnd niemant anderm. wo du ouch daz 
rietest so wurd jch die exempel aller farwen vnd colorn ains 
tails wysen [5^] vnd laiten vf dise nachfolgenden translaciones. 
In welcher vnd an welchem blatte man die finden wurd. des- 
to halb aber not gewesen ist / mich in disen translatzen by dem 
latin (so nechst ich mocht) beliben sin, vmb daz nützit der 
latinischen subtilitet durch grobe tütschung wurd gelöschett, 
vnd wil hiermit mich gegen disen grossen maistern minen 
schumpfierern gnügsam verantwort han. dwyle ich aber diner 

to wyshait allJain haim geben hab zeurtailen ob ich die colores 
rethoricales soll lassen ersitzen oder zu ende bringen/ so kum 
ich widerumb vf den vorgenanten doctorem gregorium hain- 
burg/ der zu minen zyten zu nürenberg von aim erbern rät 
daselbs minen lieben herren besoldet was / vnd uf ain mal zu 

25 mir redt/ daz er in der latinischen rethorick wenig ützit fand 
zu zierung vnd hofflichkait loblichs gedichtes dienende/ daz 
nit in dem tütsche ouch statt haben vnd zu zierung sölicher 
tütscher gedichten als wol gebrucht werden möcht als in dem 
latine etc. daz ich nach emsiger erfarung diser dingen sidher 

80 getan/ yetz gantz geloub vnd dir des ain mustre schick nit 
wyter danne an den gemainen figuren die wir nennen gramati- 
cales dann warumb solt ich nit wol vnd recht reden oder 
schriben? die stat costentz das hochzyt ostern der manot 
maye? daz jm latin haissent apposiciones vnd warumbe nit 

86 wol? jch armer schryb so du rycher räwest? daz jm latine 
sint euocaciones. warumb nit recht? Ich vnd du louffen du 
vnd der schribent die da haissen concepciones numeri vnd 
personarum. so ferro man zwüschen . disen worten schriben 



11 

vnd schribent louffen vnd louflfent vnderschaid haben wölt in 
personis als etlich tünt. Item warumb nit? Ich niclas yon 
wyle vnd Ich Cristina sin elich huszfröwe Bed burger zu 
Nüremberg etc. für burger vnd burgerin. Und Jerg rat vnd 

'^ dorothea von [6] wyle sint liebhaber gotes etc. für liebhaber 
vnd liebhbearin daz da sin concepciones generis. warumb nit 
wol vnd zierlich ? Ich schryb wie du. du redest wie Ich oder 
der. die zu latin genennet werden zeumates oder zeume Vnd 
warumb nit zierlich vnd recht? dise louflfent. der bald vnd 

10 der gemachh. vnd dise schribent. der wolY vnd der vbel. die 
da haissent prolempses. Item warumb solt nit wol vnd recht 
geredt oder geschriben sin. bescbeche aber daz wir bede oder 
vnser ains todes abgienge etc. oder bescheche daz vnser ains 
oder wir bede todes abgiengent. oder bescheche, daz vnser 

LS ains todes abgieng oder wir bede etc. vsz der Satzung pri- 
sciani de verbi propinquioris conformacione also vnd dem ge- 
lych mugen die colores rethoricales vnd die transumciones 
gar nach alle in tütschen gedichten wie in dem latine gebrucht 
werden/ als du selbs daz bas waist danne jch dir dar von 

20 schriben könn oder mug. aber ir grossen patrone tünt üch 
nützit annemen noch beladen / so klainer dingen sunder allain 
grösser / also daz not wer (wie tulius schreibt) daz ainer ze- 
uor ainen menschen ertötet hett der sich üwer hilf wölt ge- 
bruchen. Aber anders waisz ich sin an dir, gegenm mir?^ 

25 des hertze du in trüwen erkennest, vnd der du waist daz 
nützit ain wärer fründe sinem fründe getan mag gutes/ :daz 
er jm nit schuldig syg/ vnd darumb, so wil ich des warten 
diner vrteil/ darinne du dich nit abfüren lassen wollest dises 
min langes schriben, dar usz du mich nach diner wyshait 

jo merckest (waisz ich) vf wedern taile ich genaigter wer. aber ich 
wil noch danne lieber wenig geltes mangeln/ danne tun/ 
daz von dir vnd andern hochgelerten sölt werden gescholten, 
jch wirt euch noch dann nützit dester minder min translatze 
boecy de consolacione gedruckt lassen usgeen. wie wol mir 

« dar[6b]zä schaden komen wirt/ daz nechst by vier Jären ain 
andere translatze desselben boecij ouch gedruckt usgangen 
vnd Jn werdem kouflfe vertriben worden ist/ Vnd haben diser 
koffern vil gewandt sölich translatze syge min gewesen/ nach 



12 

dem vnd vor gesagt worden was, Das die In miner schnitten 
leg vnd bald vsgeen sölte/ das Ist aber mir darg^en zu 
tröste/ daz sölicher koffern wenig sint, die da sagent daz sy 
dise translatze mercken oder versten mugen etc. Ich beb 

i aber dich edeln hochgelerten vnd wytverrümpten ritter zelang 
yf, mit disem minem langen schriben/ Vnd ja wol zelangem/ 
dan so oft Ich die federn in min bände nim/ dir ützit ze- 
schriben/ so waisz Ich kain rechte form me schribens noch 
rechte m&sz vf hörrens / Als jch doch yetz hie (gebruchh 

10 halb der zyt) stumpf vf hören müsz vnd wil/ Mit flysz bit- 
tende, daz du mir sölich vorgemelte vrtail vnd din gut be- 
doncken hierInne/ fürderlich vnd so Erst gesin mug schicken 
wollest, vnd mich gegen minen schunpfierern wo du die hören 
wurdest/ usz obgemelten vrsachen getrülich verantworten/ 

n so ferre dich beduncken werd/ das du sölichs vsz wärhait 
billich vnd wol tun mugest/ wil Ich das vbrig so Ich noch 
wyter dir geschriben haben wolt/ In der fadem stecken las- 
sen/ der hoffung, daz gelück schier fügen werd/ daz wir 
persönlich zesamen komen vnd sölichs vnd anders muntlich 

M» Ytö gericbtem« mugen Geben zu stutgarten vf dem fünften tage 
de» aberellen Anno domini. M. cccc. Ixxviij. 



18 



[8] l/Er durlüchtigen hochgelopten fürstin vn fröwen 
fröw Mechilten geborner pfaltzgrefin by ryne vnd ertzhertzogin 
zu österrych etc. witwen, miner gnedigosten fröwen Enbüt ich 
nicläs von wyle der zyt Statschryber zu Esselingen Min willig 

5 gehorsam vnd vndertenig dienste zeuor. 

Zft zyten des consilij zu basel (gnedigoste fröw) Als kai- 
ser Sigmund do ze mal In küngklicher wirde gen röme zoch / 
vmb kaiserliche krönung daselbs ze erholen/ begab sich vf 
dem wege, daz Eugenius zu den selben zyten babste, etwas 

vnwillens gegen Im enpfangen hatt i deshalb dann der selb si- 
gismundus etlich manot zu Senis still lag/ vnd durch la- 
dungsbriefe (die er von demselben concili vber den benanten 
Eugenium erlanget) so vil schuf/ daz der selb babst zu lest 
sinen vnwillen gegen Im abstellende, Inn wol enpfieng, bas hielt, 

5 vnd aller beste von jm gekrönet komen lies. . In dem begab 
sich zwüschen hem Caspern schlicken kaiserlichem cantzler, 
vnd ainer Edeln burgerin daselbs zu Senis, ain wundersame 
bülschaft/ die dar nach vber etliche Järe der hochgelert poeta 
Eneas siluius do zemäl kaiserlicher secretari vnd yetz zu di- 

!o ser zyte vnser bäbste pius genant, In zierlichem latine tett 
beschriben. doch mit verkerung der namen sölicher personen 
die inn das argument gezogen werden/ vmb daz die nit kämen 
In bekennung der menschen die das lesen wurden . . Dieselben 
latinschen beschrybung Ich yetz zt etlicher müssiger zyte (dero 

»5 mir doch wenig verliehen wirt) in dises tütsche hab gebrächt 
vnd transferyeret. vnd [8*»] zwyfeln nit danne das vil verkerer, 
sölich min wercke, als ain ding mer arges dann gutes lerende, 
schelten werden, vnd mich schunpfieren, als ainen man, der in 
sölichem alter vnd wesen sins Standes, des billicher hett ge- 

)o fyrret/ besunder wyle doch das eins gelertern mans dann ich 



u 

bin, bedörft hett. denen ich des letsten gestee (doch daz sy 
das wo ich geirret hett wöUent bessern) vnd vf das erste 
sag. daz ich bekenn disz btichlin gutes vnd arges in jm be- 
gryflfen. Es gibt aber samenthaft in ainen knöpf gefasset ze- 

5 uerstee. in yetlicher bülscher liebe allwegen entlich mer bitter- 
kalt vnd laides funden werden dann süssikait mütes oder 
fröiden vnd deshalb sölich liebe, billich sin zefliechen. — Dann 
sötten wir darvmb ain ding nit schriben noch lesen vmb das 
darvnder arges vnd böses wer vermischet / so müsten wir euch 

10 die hailigen geschrift vngelesen rümen lassen darinne geschri- 
ben stett die falschait dalade In samson, die bülschaft dauids 
in bersabe, vnd des selben morde In vriam Jtem die getät loths 
mit sinen töchtern vnd die sünd der sodamiten. Ich wil ge- 
schwigen (durch kürtzrung willen) der brüderlichen todschlegen 

15 von chaim vnd salomon begangen vnd vil anderer lasterlicher 
Sachen. Es ist aber kain kunst so gut, daz sy nit durch ver- 
kerung der miszbruchenden In böse übung mug gezogen wer- 
den Welche aber menschen sich disz büchlich gebruchen wollen 
nach Sitte der binen die von blümen das beste Inen tügig vnd 

ao bekomlich zu Irem wercke samelnt vnd hinweg tragent, vnd 
das arg fürgende still ligen lassen, den selben hoff ich das nit 
minder komen zu gutem nütze danne zu ergetzlichkait Irs 
gemütes. Zum andern aber mich antreffende, sag ich/ daz 
wir finden den vordem [9] Cathonem schriftlich hinder Im 

2» Verlässen han / daz sich lobwirdigen mannen nit allein gebürr 
vernunfft zegebruchen In arbait Ir fürgenomnen wercken, sun- 
der ouch in rüw vnd müsse. Darvmb so in sölichen hochge- 
achten mannen gelopt wirt, vsz arbait, zemachen müsse/ vnd 
vsz müsz arbait/ so main ich ouch in mindern menschen vn- 

30 billich gescholten werden, ob die selben sölicher tugend näch- 
folgende / Ir müsse gebent zu übung irer vernuiifte, Inen selbs 
vsz rüwe erber vnd ergetzlich arbait machende, dar vmbe ich 
mir ouch nit schantlich sin erkennen mag, ob mir etwenne In 
minem ampt wenig rüw vnd müsse durchschickung des ge- 

85 lückes geben wirt/ daz Ich dann sölich zyte vertryb mit trans- 
feryerung sölicher dingen die den lesenden künftenklich etwas 
kurczwyle geberen mugen. Wyle doch gut vnd garnäch Im 
leben notdurftig ist, vnd das die alten allwegen hant gelobet, 



15 

daz wir vnser gemüt mit sargen arbait vnd müdi belestiget^ 
etwenne hier von berüflfent vnd mit schimpflichen kurtzwyligen 
dingen zu fröiden ziechent vnd bringent. Des halb ich ye 
acht, mir lablicher sin/ Mich disz obgemeldet wercke also 

5 volbrächt han, dann daz Ich mein müssig zyte geben hett fu- 
1er trägkait, oder die nach sitt etlicher menschen hett verzert 
mit spilen trincken oder vnnützem geschwatze vf den gassen 
vnder vmstenden lüten/ dar von doch künftenklich niemant 
ützit zä kurtzwyle oder nutze möcht entspriessen . . Aber 

10 wes entschuldigen Ich mich In so langen worten vnnütze/ 
dann hat der hochgelert man Eneas siluius obgenant, dises 
ding zu latin getörren machen vnd beschriben j^ der sidher 
bäbst worden ist;' Warvmbe [9b] solt dan» ich das nit ge- 
törren tütschen vnd transferyeren, der doch zu kainem höchem 

15 Stande (dann ich yetz han) hoff zekomen. — Wyle ich aber 
dise translatze nach dem latine so gnäwist ich mocht, vnd so 
ferre sich ouch geptirt, gemachet hab/ So ist nott wer disz 
büchlin recht schriben lesen oder versteen wil i das der acht 
hab vnd merck vf die virgel puncten vnd vnderschaide die 

20 also hierInne gesetzet werden etc. , / . ? ( ). danne das klain 
erst strichlin, betütt ain schlechte sundrung ains Wortes oder 
ainer oratz von der andern äne volkomenhait ainches gantzen 
sines. Aber die virgel also stende/ gibt zemercken ainen vn- 
derschaide zwüschen den geschritten vor vnd nach gende, 

t5 also doch, daz die vorder geschrift dennocht ouch nit ainchen 
volkomen sine hat / danne daz zu des volkomenhait etwas mer 
hemäch folgen müs. Aber der punckt also stende. gibt zeer- 
kennen daz daselbs ain volkomner sine beschlossen wirt. So 
betüttet diser punckt also gesetz? daz die geschrift dar vor 

30 stende In frag wyse zemercken ist. Wo aber ain geschrift 
mit zwyen krummen strichlin ingezogen wirt als hie (Jhesus 
cristus) so wirt die gehaissen parentesis nach dem latine oder 
interposicio. vnd ist ain zaichen daz das so her nach folget 
dienet vnd gelesen werden mag vf das, so vor der ingezogen 

85 schrifte geschriben steet/ glycher wyse, als ob dieseb inge- 
zogen schritte nienert alda geschriben stund Also habe ich 
mich dises punctirens hier jnne gebrucht wiewol etlich für di- 
sen schlechten puncten der also steet. setzent peryodum also 



1» 



( 



yjki 



gefigariert; Ich 
büchlin also g« 
daz üwer h 

durch In dis« 

ft klain betrübent) 
sorgen ziechent 'h 
denklicher Yon mir jftt 
w&rlicher flüsset Tnd gi 
üweren fürstlichen g i 

10 gantz ergeben. 6eb< zu 
tag Este Michi des Jares 



t Als 
[10] 

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* ( Swen/ Tmb 

zä ] 3 1 TDd Ir hie 

[ (die teil (waisz ich) nit 

tr gemüte Ton schweren 

üwer genid, so yfl gene- 

Ochen wölly als yfl das 

ainem willen Ynd gemfit, 

ge&llen In Tndertoii^uut 

en Tf Mintag nich dem snn- 

1 zalt von Cristos gebOrt 



tusent vierhundert vnd jm zwey ^ sechtzigosten Jare etc. 



17 



[lO^] i/Em hochgeachten vnd wolgebornen ritter hern 
Casparn schlicken herren der nüwenburg, kaiserlichem cantzler 
vnd houptman zu Egre vnd zu den einbogen/ sinem besun- 
dern herren/ Enbütt eneas siluius poet vnd kaiserlicher se- 

6 cretari vil hails. — Marianus Sozimus Min l^qtzman von Senis 
-bürtig, ain man so gütig vnd so grosser kunst, daz Ich zwy- 
feln, ob Ich sins gelychen ye gesechen hab i hat mich disz tage 
her gebetten/ daz Ich Im beschrib zwey liebhabende menschen 
Vnd sagt, daz nit Irte, ob ich die wärhait fürnem/ oder 

Lo nach sitt der poeten die ding erdechte. Dann Er waisz sich 
selbs ainen man sin. Vnd du wirst wunder haben, so ich dir 
disen menschen vsleg . . Die nature hat an Im nützit ver- 
gessen In allen Sachen, dann allain an der gestalt sins lybes. 
Wan er ist ain menschlin, vnd solt von minem geschlechte ge- 

15 born sin, Die da klain genennet werden. Er ist gesprech vnd 
beder rechten gaistlichs vnd werltlichs vber vs wolgelert 
Er waisz all historien Vnd ist der poetrye getryben, bede la- 
tinisch vnd welsch gedieht machende. Der natürlichen kunst 
ist er so wissend als plato. Vnd der kunst des messens als 

20 boecius. Vnd In der kunst der rechnung gelychet er sich 
macrobio. Kain saittenspil Ist Im vnbekant. Vnd den buw 
des ackerwercks, waisz er als virgilius. Vnd In wyshait welt- 
licher Sachen, ist Im nützit verborgen. Zu zyten siner Jugend 
was er anderer Sitellus ain maister fechtens vnd schirmens, 

25 vnd [11] mocht mit louflFen ringen springen noch mit ander 
geradikait von niemant werden vberwunden. Es ist vnder 
wylen daz die klainen ding kostlicher sint dann die grossen, 
als das bewyset das edel gestain. Und wer nit vnbillich von 
disem man zereeden, Das Stacius schribt von thideo. Grösser 

80 tagend rychsnent In klainem lybe. Vnd betten die gött Im 

N. V. Wyle. 1 



18 

gegeben gebürlicher gestalt vnd vntödemlichkait / so were er 
mit Inen euch ain got gewesen. Aber niemant töddemlicher 
hat noch alle ding erfolgt vnd vberkomen. Ich hab aber nie 
ainchen menschen gesechen dem minder danne disem hab ge- 

* brochen. Vnd das doch wenig vberkoment vnd lernen mugen/ 
So malet er glych als anderer appelles. vnd ist ouch nützit 
schöners noch vnstrafbarers danne die buchet siner hantge- 
schrifte. Er howet gestain als praxiteles Vnd ist der kunst 
der artznie ouch nit vnwissend. Vnd Ich tun hier zu die kunst 

10 der tugenden die den menschen recht fürent vnd regierent . . 
Ich han by minen tagen vil erkennet ^er geschrift hochgelert, 
vnd die noch dann nützit weltlicher wyshait hatten/ Ouch 
weder gemainen nutze der landen oder stetten noch Irs aigen 
huses wisten zf regieren . . Paglarensis hatt wunder vnd 

15 schuldiget sinen mayer ainer düpstale, da der jm gesagt hatt / 
daz aines schwins müter geborn hett ailf Junger ferlin vnd 
ain Eslin nit mer danne ainen esel . . Gomicius von mailand, 
Maint sich selbs schwanger sin vnd forcht lang zyt die geburt / 
vmb daz sin husfröwe ains mäls vf Im gelegen was. Vnd sint 

«0 doch dise zwen man, für gröste lichter der kunst gehalten 
worden. Ane das so findest du In andern hoflfart vnd [11^] 
gytikait. Aber diser ist milt, vnd sin huse zu aller zyt foU 
erber gesten. Er ist niemant widerwertig, beschirmpt die Wai- 
sen, tröst die krancken, hilft den armen, behütet die witwen, 

» vnd kainen menschen der sin bedarf ist er versagt. Sin an- 
gesiebt ist glych als socratis allwegen ainer gestalt. In wider- 
wertigen Sachen erzögt er ain starckes gemüt vnd tut sich In 
gelücke nützit vberheben. Alle geschide listigkait vnd bösz 
fündigkait ist Im bekant, nit vmb daz er die tryb vnd übe/ 

80 Sunder daz er sich dar vor wissz zehüten. Sinen mit burgern 
ist er lieb, den fremden holtselig, niemant hessig schwer noch 
laidsam . . Wie aber oder war vmb ain mensch so groser 
tugend. Von mir erfordere oder beger, so ains lychtfertigen 
dinges, waisz ich nit. Aber das waisz ich/ daz mir nit ge- 

85 bürlich ist Im ützit zeuersagen. Danne Ich Inn zu zyten do 
ich zu Senis was/ für mengklichen sunder lieb hatt. Söliche 
liebe nit gemindert ist/ sunder allein durch ferre des wegs 
geschaiden . . Der selb ouch vnder andern gauben der natura 



19 

damitte er begaubet ist, sunder fürpüntlich mit der tugend 
erschynet/ daz er niemantz liebe gegen Im vnfruchtbar sin las- 
set . . Disz mans bitte maint Ich nit sin zeuerachten, vnd 
han beschriben ain geschichte zwayer liebhabenden menschen, 

ö vnd hierInne nützit erdächt/ sunder ist disz ding zu Senis 
beschechen, zu zyten do kaiser Sigmund alda lag/ vnd du 
ouch daselbs gegenwurtig werd vnd du dich (ist wäre daz ich 
mit disen minen oren gehört han) In liebe ouch ser arbaitest. 
Es ist ain statt der minne vnd die so dich bekennet hant, 

10 sagent daz du Innerlichen vast[12] alda in liebe brunnest vnd 
niemant ain grösser haue wer dann du. darvmb sy mainent 
nützit da selbs gehandelt sin treffenlichs in bülschaft vnd liebe 
dir vnwissend. vmb das so bitt ich, du wollest dise nächfol- 
gend histori lesen vnd besechen/ ob ich die wärhait beschri- 

15 ben hab. Vnd schem dich nit zebedencken, ob dir etwenne 
des gelychen widerfaren wer/ dann du bist gewesen ain 
mensche vnd wer nie empfunden hat des füres der liebe, der 
müs sin ain staine oder ain vnuernünftig tiere. Wyle doch 
der fürin flamm der liebe ouch (als der poet schribt) durch- 

10 gangen hat das marg der götten. Vale. 

ENeas Siluius kaiserlicher secretari sagt vil hails ma- 
riano sozimo beder rechten lerer vnd vszleger sinem mitburger. 
Du bittest mich ains dings, das sich nit gebürt Minem alter 
vnd ouch dem dinen ist vngezem vnd widerwertig. dann was 

J5 ist/ das mir yetz gar näche viertzig jerigen man gebürr von 
bülschaft zeschryben ? oder dir fünftzigjerigen man darvon ze- 
hören ? Disz ist ain dinge daz da erfröwet junge gemüt vnd 
erfordert hertzen Junger Jären : Aber alt lüt sint als tügig vf- 
loser der bülschaft als die Jungen sint der wyszhait; vnd ist 

50 ouch nützit vngestalters dann ain alter das der minne begert äne 
craft vnd machte, aber doch so findst du etlich alt liebhabend 
mane / aber lieb gehapten kainen. Danne das alter ist in der 
ee vnd vsserthalbe Jungen fröwen hessig vnd verschmecht vnd 
tut kain fröw ainchen man liebhaben, danne den sy sieht we- 

J5 sen In blüyendem muglichen alter. Ob du aber anders ützit 
hörst, so ligt betrugnüsz darvnder verborgen. Ich bekenn 
bülsche geschrift nit zu gehören mir [12^] hören mir/ der 

2* 



20 

yetz mittentagen vbergangen han vnd gefurt wirt zu der ves- 
per. Aber nit minder ist dir vngebürlich sölich geschrift 
zebitten vnd zefordem dann mir zeschriben. Ich sol dir aber 
zu willen werden/ du lüg was du bittest. Dann als vil ain 
ft mensch der Jaren elter ist/ so vil ist billicher jm sich der 
Satzung vnd würckung wärer früntschaft zegebruchen. Dar- 
vmbe ob din gerechtikait nit furcht sölich Satzung vnd regel 
der früntschaft mit dinem gebieten zeübertretten / so furcht 
min torhait nit, die, mit gehorsamkait zezerbrechen. #Wyle 

10 diner gütgetäten so vil In mir sint, daz Ich diner bitte kaine 
versagen mag, ob joch wol darvnder etwas schantlichs wer 
vermischet. Dar vmb so wil Ich gohorsam sin diner bitte yetz 
wol zechen mäln an mich beschehen vnd furo dir nit me ver- 
sagen das, des du mit so vil ernsts hast begeret. Aber nit 

1* als du bittest wil Ich ützit erdencken oder mich der poeten 
Sitten vnd gedichtes gebruchen/ wyle ich wol das so war ist 
sagen mag. Dann wer ist so ain schalck der liegen wölt so 
er sich mit der wärhait möcht behelfen. Du bist oft ain bü- 
1er gewesen vnd mangelst noch nit gantz des füres Dann du 

w wilt daz Ich dir beschrib vnd machh ain histori zwayer lieb- 
habenden menschen das an dir ain boszhait ist die dich nit 
lasset alten. Ich wirt zu willen diner begirde vnd tun rüdiger 
vnd vnrüwiger machen die grewe diner alten krancken an- 
fechtigung der minne. dann was ist In dem gantzen vmbkraisz 

» der weite gemainers dann die liebe der minne. Welche statt? 
welchs stettlin? welcher marckt? Welchs doif oder huse? 
mangelt exempeln? Wer ist drissiger Jären alt, der von liebe 
wegen nie [13] ainch grosz sachh hab begangen. Ich machh 
ain rechnung by mir selbs, den liebe In tusent sorge vnd 

»0 angst gefüret hat. Ich danck aber hier vmb got, daz ich zu 
tusent malen grossen vfsetzen wider mich zu gericht, bin ich 
endrunnen, seliger dann mars den vulcanus ain got des füres 
fand ligen by Venus der göttin vnd den mit ainem ysnin bände 
angestricket hin färt vnd Inn den andern götten erzöget ze- 

w uerspotten Aber Ich wil lieber sagen vnd melden von ander 
lüten liebe dann von miner/ Vmb daz Ich nit (So ich ains 
alten füres äschen vftrechen wölt) In mir find ainen gnaiste 
noch glüynde vnd lebend . . Ich wil aber sagen ain wunder- 



21 

sam liebe vnd garnäch vngelouplich / darinne zway lieUia- 
bende menschen gegen ainander wären entzündet ynd wil mich 
nit gebrachen alter exempel sonder vszlegen brfinnend &(iel 
vnser zyten. Vnd du wirst ouch nit troysche noch babüonische 

5 sunder vnser statt senis liebe vnd büschaft hören i wiewol 'die 
ain person vsser den selben liebhabenden menschen fremd vnd 
vnder dem himel artheo gebom was. Aber man mag villicht 
etwas nutzes hier von züchen vnd nemen. Dann wyle die 
fröw die In disz argument gezogen wirt (Vmb daz sy Im 

bülen verlor) mit wainen Ir trurig bekumbert sele sterbend 
vfgab/ Vnd der ander darnach niemcr mer rechter fröiden 
mittailhaftig wart/ So ist disz ding ain wamung Jungen lü- 
ten. Vnd darvmbe so hörent vnd merckent vf die Jungen 
fröwen vnd so sy diser sache vnder richtet syen/ so wöllent 

,5 sy fürsechen vnd sich hüten/ daz sy nit nach liebe der Jun- 
gen sich gangen verderben. Dann dise histori lert vnd vnder- 
[13^]wyset/ daz die jungen sich nit verßchent noch vnder- 
windent der ritterschaft der liebe, die da allwegen entlich mer 
gallen hat dann honges/ sunder daz sy die gailikait zu m^ 

10 schlachent/ die da die menschen beroubet Irer vemuAfte/ vnd 
daz sy anhangent der lere guter tugend, die da allein gewon 
ist zeseligen jren besitzer. Wie vil aber lasters jn liebe der 
bülschaft verborgen lig ob ymant das sust nit wiste, der mag 
des hier von wissent werden. Vale Bis gesund vnd diser hi- 

15 stori (dero du mich, zeschriben nöttigest) wollest sin ain ge- 
flissner vfloser vnd mercker etc. 

WAs grösser eeren angelegt vnd erbotten worden syen 
kaiser Sigmunden, da er des ersten zu senis Inrait (dannen du 

K) vnd ich bürtig sint) ist yetz allenthalben kuntpar/ vnd offen 
Im was gebuwen vnd zftgericht ain palaste by sant martan 
kirchlin vf der Strasse die da fort vnd geet zu der port gen 
cophorum. Vnd als dem selben die eere gaistlicher Ordnung vnd 
hailigkait volbracht was, vnd er da selbs hinkam / hatt er Im 

J6 engegen gän vier fröwen all vermechelt vnd von adel, gestalt, 
iugend vnd geziert garnäch gelych. Niemant tett die für tö- 
demlich sunder für göttin achten vnd schetzen / vnd weren Ir 
allain dryg gewesen, so möchte man vermaint haben sy ge- 



Wesen sin, die fröwen die man sagt paridem durch rüw vnd 
schl&ffe gesechen han. Sigismundus aber, wie wol er alt was 
der Jaren. So was er doch schnell vnd behend In lyplichen 
begirden vnd hatt zemal grosz ergetzlichkait In gespreche vnd 

5 anredung hüpscher redlicher vnd [14] künnender fröwen/ vnd 
fröwte sich in allen wyplichen schimpfen vnd was Im euch 
nützit süssers noch kurtzwyligers danne angesicht minnenk- 
licher fröwen. Darvmb als er dise dryg fröwen ersach i sprang 
er von dem pferd vnd ward In dero hend enpfangen. Vnd 

kart sich vmb gegen sinen mitkomeüden dienern vnd sprach. 
Hand Ir ye der gelych fröwen gesechen? Ich zwyfeln ob es 
sient menschlich angesicht, oder engelsch. für wäre sy sint 
himelsch. Dise fröwen naigten Ire ougen gegen die erde/ 
Vnd als vil sy schamiger wurden/ als vil wurden sy schöner 

Iß vnd hüpscher gesechen. Danne von röte zwüschen Iren wenglm 
usgespraitet / gabent sy sölich farwen, als gibt das Indisch 
helflfenbain gerötet In dem blüt des ostrums. Oder als gebent 
die wyssen gilgen vermischet mit purpurfarwen rosen. Aber 
doch vnder denen lucht für die andern mit sunderm schyne 

ro Lucrecia-ain Jünglingin vnder zwaintzig Jären, geborn von 
dem geschlechte der Camillorum vud vermechelt dem vber 
rychen mane Menelao/ der vnwirdig was, daz Im ain sölich 
gezierd haimant in sinem huse dienen sölt. Aber wol wirdig 
den sin husfröwe betrug vnd machte (als man spricht) zä ai- 

ift ncm gchürnten hirssen . . Derselben lidmässe an gerede vnd 
lenge die andern fröwen vbertraf. Ir här was dick vnd lange 
vnd von farwe glych dem golde/ das sy nit nach sitte der 
jungfröwcn binden ab fliegen lies, sunder mit gold vnd edelm 
gcHtaine zierlich hatt geflochten vnd vf gebunden. Ir stirn was 

¥f hoch vnd gcbürlicher wyte, mit kainer runtzel entschöpfet, 
Ir ougbräwen in böglin wyse gestellet/ wären mit wenig vnd 
nit dickem schwartzem [14^] häre in rechter wyte von ain an- 
dcni gcschaiden. Ire ögen mit sölichem schyne luchtend, daz 
ys gelych wie die sunn, die gesiebten der anschöwenden men- 

M sehen täten letzen vnd bekrencken. Mit welichen ougen sy 
ouch wän sy wolt mocht töten, vnd dieselben toten (so sy ge- 
lust) wider vmb bringen zu dem leben. Ir nase nach faden- 
richte gesetzet, tett die rosenfarwen wenglin mit glycher men- 



23 

sure vnd mässe vnderschaiden. Nützit was lieplichers noch 
der gesicht lustlichers wan dise wenglin. dann als oft die fröwe 
lachet/ so oft wurden darinne klaine grüblin zu beden syten 
gefellet. Niemant sach die , der sy nit von hertzen Inner- 

5 liehen begerte zeküssen. Ir mundt was zimlicher klaine vnd 
röter korallen farwe vf das allerlustsamlichest geschicket darin 
zebyssen. Ir zene klain vnd In glycher Ordnung gesetzet als 
von cristallen gemachet, da durch Ir bewegbar zung löffende/ 
nit allein lieplich rede, sunder ouch gesprech gelyche aller 

süssistem gesange lies hören vnd lütten. Was sol ich sagen 
von der gestalt Irs kins vnd von der wysse Irer kelen vnd 
halses? Nützit was an Irem lybe vnloblichs. Ir vsswendig 
forme vnd gestalt, gab zemercken geschicklichkait Innwendiger 
form vnd vernunfte. vnd tet niemant die sechen, der nit hie 

5 durch ainen yeden man wurd vynden vnd hassen. Vber das 
so wären In Irem mund vil hoflicher schimpfrede guter 
schwencken vnd was Ir sagen vnd gesprech, wie man saget 
gehept han Corneliam ain müter der gracken, oder die tochter 
ortesy. vnd was ouch nützit süssers noch lieplichers zehören, 

}o danne Ir messig wolgesatzten worte. Ir [15] erberkait erzögt 
sy nit (als vil fröwen tünt) mit ernsthaftigem angesichte, sun- 
der mit frölichem antlit lies sy. erschynen Ir tugend rych mes- 
sigkait, nit zevil blug noch fürchtende, noch zevil gehertz vnd 
türstig. Sunder mit mitelmessiger forcht vnd schäme, trüg sy 

}5 In wyplichem hertzen ain mänlichs gemüte. Ir klaider wären 
manigfaltig vnd was alda kain mangel noch bruchhe weder an 
heftein an schlössen gürtein bryseln noch an anderm. Die 
zierungen des houptes wären ouch wunderbar mit vil gemechts 
vnd züsamenfügung goldes vnd edels gestaines Inn dem crantze 

w vnd an den fingern gesechen. Vnd Ich mag niemer gelouben 
Helenam hüpscher gewesen sin zu zyten do Menelaus lud zu 
gaste paridem In sin huse / noch gezierter erschinnen sin an- 
dromachen do sy in der hailigen ee.hectori des ersten wart 
vermechelt. Vnder den obgemelten fröwen was ouch Katherina 

J5 petrusy die fber wenig tage dar nach gestorben ist vnd den 
kaiser hatt by Irer lyhe vnd begrebnüsz. der ouch jren sune 
vor dem grabe mit ritterschaft begaubet/ Wie wol er den- 
nocht ain Junges kind was. Diser katherinam wundersam ge- 



zierd vnd schöne der gestalt alda ouch erschinnen doch mindar 
dann lucrecie. Alle red was von lacrecia die sähen die be- 
schöwten die lopten der kaiser und die andern alle. Wahin 
sich die kart, da hin folgten jr nach die engen aller vmbsteDden 
menschen. Vnd glycher wyse (als man sagt) daz orpheus mit 
dem getöne siner harpfen, mit Im hinznge wald stain vnd fei- 
San, also fbrt die ouch mit Ir gesicht die menschen wo hin sy 
wolte. Aber doch so ward Ir ainer vnder Inen [15^] allen 
me dann gelych oder gebürlich was mit gesicht In sy gefüret, 
nämlich euriolus ain francke, den weder gestalt noch rychtum 
machten vngeschickt zu liebe. Er was ains alters von zwayen 
vnd dryssig Jären, nit vast langes lybes, aber ainer frölichen 
vnd gütigen gestalt mit lieplichen lüchbaren ougen stetz zu 
gnäde vnd gütiger tugend gericht vnd vermercket/ nit äne der 
anderen siner gelidern lidmäsz vnd rechte geschiklichkait, nach 
loblicher gaub der nature. Die andern hoflüte wären langes 
vmbziechens halb vnd von ferre wegen des wegs alle worden 
blossz an gelt vnd golde. Aber diser euriolus dwyle. Er 
haimant rych was vnd Im ouch von früntschaft wegen des 
kaisers stetz grosz vnd vil geschenckt wart/ do erschain er 
von tag zu tage der menschen angesicht kostlicher vnd ge- 
zierter, ain lange zale siner dienern nach Im fürende, Etwenne 
angetan vnd beklaidet, mit klaidern geschlagens goldes, denne 
gemusierter guldiner tücher, denne samantz vnd cremesins ge- 
rötet in dem blüt des schlangen tyri vnd des gelychen ander 
costlicher vnd wercklicher tücher gespunnen vnd geweben In 
den aller vssersten vnd wytesten der werlt landen., Ouch furo 
so wären jm söliche pfert als man sagt in ainer fabel, gewe- 
sen sin die pfert menonis gen troy kommende; nützit waz jm 
gebruchs zu erweckung der senften süssen hitze vnd der gros- 
sen Graft des gemütes, die wir nennent die liebe/ dann allain 
müsse, darvmb gesigt In Im iugend mütwil vnd gailikait Ouch 
das frölich gut des gelückes, da mit die selb liebe wirt gefüret, 
Also daz Euriolus furo sin selbs nit mer mechtig waz Vnd 
lucreciam ansechende, die Inbrünstenklich anhüb lieb zehaben 
vnd nützit maint sich gesechen han Er seche dann [16] die, 
dero gestalt er stetz anhangt vnd die er trüg in sinem 
hertzen. Er hatt ouch die mit lieb vergebens vnd äne wider- 



2S 

geltung der liebe. Es ist ain wundersam ding zesagen. Es 
wären alda vil Junger mannen hüpscher fürpüntlicher gestal- 
ten/ Aber allain disen tett lucrecia. Ir selbs erwellen. So 
wären ouch da selbs vil fröwen wolgestalter formen vnd lyben / 

5 Aber allain dise tet jm euriolus erkiesen Doch so wist noch 
erkant desselben tags Ir entweders, nämlich weder lucrecia 
den flammen euriols. noch hin widerumb euriol gegen jm den 
flammen lucrecie/ sunder so maint ir yedes sich selbs vmb 
sust liebhaben, als aber die gaistlich eererbietung des kaisers 

Lo houpte zu gericht, ain ende gehept hatt, vnd lucrecia haim 
kam/ ist ir gemüt gantz gefürt in euriolum vnd euriols ge- 
müt in lucreciam. wer wil nu wundern die fabel vnd rede die 
da ist von tisbe vnd piramo/ zwtischen denen doch des er- 
sten nächpurschaft tett machen bekantnüsz vnd die ersten 

15 staffeln Irer liebe dann dwyle Ire hüser anainander gelegen 
wären, do wachs durch zyt ir liebe, aber dise hatten vor ain- 
ander nie gesechen, noch durch lümden noch von hörsagen 
einander ye erkennet vnd waz diser ain francke vnd die ain 
weichin, so wären sy ouch sament nie zu rede komen, sunder 

so so ist disz ding allain mit ougen gehandelt worden, das ir 
yedes dem andern ist worden gefeilig. Als a\)er lucrecia also 
verwundt gewesen ist mit swerer sorge vnd mit blindem füre 
gefangen/ vergas sy sich selbs vermechelt sin vnd hasset iren 
mane. vnd ij-e vninden der liebes fftrende, trüg sy das angesicht 

25 euriols jngedenk vnd haftende in der brüst irs hertzen, gantz 
kain rüw iren gelidern lässende, vnd redt mit ir selbs also 
vnd sprach, jch waisz nit waz Ir ret, daz jch minen man nit 
mer liebhaben mag, mich hilffet [16^] nützit mer sin früntlich 
halsen vnd vmbfächen / nützit fröwet mich sin küssen / so ge- 

)o beren mir sine wort verdriessen. Zu aller zyt ist vor minen 
ougen die bildung vnd gestalt dises frömden mraschen der 
hüt dem kaiser aller nechist gewesen ist. Aber schlach vs du 
vnselige die enpfangnen flammen vsz dinem kuschen hertzen. 
Ja möcht jch. so wer ich nit siech vnd krancke als jch bin. 

>5 Nüwe craft vnd macht tünt mich ziehen jn ain ander leben. 
Ain anders ratet lyplich anfechtung ain anders ratet min ge- 
müt vnd vernunfte. Ich waisz welches das besser ist, aber 
dem böser folg jch. fürpündige edle vnd hochgelopte bur- 



gerio. was ist dir mit ainem frömden gaste ze tftn/ wqs bren- 
nest dich In vszwendiger liebe i wes begerest du ainer schlaf- 
kamer ain fremden landest jst dir din man mis2fellig, so mag 
disz ertrich dir euch geben ainen andern den du lieb habest. 

5 Aber we mir, desselben ist nit ain sölich angesicht als des. 
wer ist den nit bewege, des form, alter, geburt, vnd tugend? 
zwar min hertz beweget er. vnd er tue mir dann hilflF so ver- 
zwyfel ich. Got schicks zumbesten. Aber pfydich. Solt ich 
miner kuschen ee bruchig werden? vnd gegen ainem fremden 

10 (Ich waisz nit wem ich getruw) der so er mich gehept hett 
nach sinem willen) darnach hin weg schiede vnd ainer andern 
fröwen man were vnd mich verliesse. Aber dem sieht er nit 
gelych. disz gibt er nit zeversteen der adel sins gemütes noch 
die form siner gütigen gestalte, daz ich soll fürchten geuerd 

15 oder vntrüw der liebe, vnd er wirt mir vor geben vnd ver- 
haissen sin trüwe. wes furcht ich dann daz, das sicher ist? 
verfahe ich mich disz dinges vnd schlahe zu rugk alle forchte 
dann ich bin so hüpsch, daz er nit minder haben wil mich 
dann ich Inn. Ewenklich wirt er sich mir geben/ [17] vio er 

20 ainist jn min früntschaft vnd küsse zu gelassen wirt wie vil sü 
we vmb gand mich allenthalben wa hin jch kere? wie vil pu- 
ren wachent stetz vor minen turen? wäge jchs vnd geh hilflF 
der liebe. Aint weders wirt er by mir belyben hie/ oder so 
er hinweg zücht mich nemen mit Im. Darvmbe verlasse Ich 

S5 min müter minen man vnd min haimant. Min müter ist zu 
aller zyt ernsthaftig wunderlich vnd widerwertig minen fröi- 
den. Ich wil lieber mangeln mins mans dann den haben, alda 
ist ains yeden menschen haimant, da jnn gelust zeleben. 
Aber minen lümden wirt jch verlieren. Was wil ich der men- 

90 sehen rede, die ich nit hör. der mensch getar niemer ützit 
fürnemen noch wägen der sich zevil flisset ze leben nach gutem 
lümden. Vil ander fröwen haben disz ding ouch getan. He- 
lena wolt werden gefangen vnd paris fürt die mit hinweg mit 
jm wider jren willen. Was sol jch melden adrianam oder me- 
to deam? Niemant straflfet den Irrenden der mit vil Irret, disz 
redt mit Ir selbs lucrecia. vnd was ouch euriolus nit minder 
gegen Ir spysen vnd füren das füre siner Inbrünstigen liebe 
In sinem hertzen. Lucrecia hatt ain huse zwüschent des kai- 



27 

sers hofe vnd Euriols herberg gelegen. Also daz euriol nit 
zu hofe komen mocht Er sech lucreciam in hohen fenstern 
daran sy sich Im tet erzögen. Aber allwegen, errötet die, als 
oft sy euriolum sechen wart, welches ding zu letscht den kai- 

5 ser wissend macht diser liebe, dann als der nach siner gewon- 
hait yetz hin dann her spacirende oft da selbs fürrait/ ver- 
marckt er die fröwen verendert werden vsz zükunft Euriolus 
der Im stetz anhieng wie macenates vor zyten octauiano. Vnd 
vf ain male kart sich der kaiser gegen Im vnd sprach Euriole 

.0 tust du also hie den mannen Ire wiber [17^] entrichten/ die 
fröw hat dich lieb, vnd ainist glycherwyse als ob er den lieb- 
habenden vindete , do man zu dem huse lucrecie komen ist, 
bedackt der kaiser mit sinem hüte Euriolo sine ougen vnd 
sprach du gesichst hütt nit talacht das du lieb hast Ich wil 

5 mich des an diner statt gebruchen. Darzü euriolus antwort. 
Was zaichens ist das kaiser? nützit ist mir mit ir zehandeln. 
Aber disz ist vnsicher also zetünd, danne du hier mit die 
vmbstenden lüte argwänen machen möchtest, es was. euriolo 
ain apfelgräwes pferd ains starcken vfrüstigen halses mit 

10 dickem kambe vf die rechten syten geworflfen vnd ains klainen 
houptes sich wol zömende. vnd daz dawincket mit den oren 
welchs pferd ouch hüpsch vnd sichtbar machten ain kurtzer 
buche ain faisser rugk vnd ain kecke brüst / das so man .tru- 
metet nit kond an ainer statt stille steen, sunder den gesamp- 

ib noten zöme vnder sinen naslöchern stetz küwende tett be- 
wegen, vnd mit vestem hörne sines füsses mit lutem gedön 
hülen das ertrich. disem pferd euriolus sich gelychet so oft 
er lucreciam sechen ward, weliche lucrecia ouch (ob sy wol 
so sy allain was ir fürsatzt ir selbs den weg der liebe zebe- 

M) schliessen) noch dann so sy euriolum ersach, kain mässe we- 
der ir selbs noch dem flammen irer liebe wist zegeben/ sun- 
der wie ain truckner türrer acker durch zu gelassen füre wirt 
verbrennet vnd der selb so die haissen trucken winde den durch 
bläsent höcher vnd wyter wirt brinnen/ also wart die vnselig 

>5 lucrecia entzündet. Es ist war als die wysen bedunckt das 
küschhait allein wonet In demütigen hütten vnd das allain 
arniüt behept wirt In rechter begirde, die sich In klainem ge- 
hüse last benügen. Dann küschhait waisz nit die kostlichkait 



28 

rycher [18] hüsern. vnd ain yetklicher der erfröwet Ist In 
gelückseligem gute, der tut nächhengen sinem lyplichen be- 
girden, begert vngewons vnd erwellet Im lustlich gehüse vnd 
costlich gezierung siner götten. also daz allwegen vnküschhait 

ö ain wegefert ist seliges gelückes. Als aber lucrecia oft vnd 
vil Euriolum sach vnd Ir In brünstig liebe nit mocht maistern / 
gedächt sy lang In Ir selbs, wem sy sich wölt vT tun oflFnen 
vnd vertrüwen. Danne wer haimlich vnd verschwigenlich brin- 
net, der wirt so vil dester mer Innerlich gepinget do was vn- 

der irs mans knechten sosias ain tütscher, der Jären alt vnd 
sinem heren getrüw dem er lang frylich vnd wol hatt gedienet, 
zu dem gieng die liebhaberin/ mer der geburt als aim tüt- 
schen danne jm als aim menschen vertrüwende. Vnd als der 
kaiser mit grosser schare siner edeln durch die stat gieng 

5 vnd yetz gar nach das hus lucrecie hatt fürgangen vnd lucre- 
cia erkant euriolum da sin/ sprach sy, belyb hie sosia jch 
wil dich enklain bruchen. Siehe vndersich hinabe vom fen- 
ster. wo findt mann vnder allen fölkern der gelychen lüte 
Sy haben nach alle kruses häre vnd sint mit vfgerechten 

achseln grades lybes, beschöw die kaiserlichen gelgeferwten 
locke. 0. was loblicher angesichten Sy haben all milchfärw 
helse. wa hin sy sich kerent was starker brüsten? das ist ain 
ander geschlecht der menschen dann vnser ertrich tu geberen. 
Es ist ain säme der götten oder ain geschlecht gesant von 

5 himel. 0. daz das glück vsser disen mir ainen man geben 
hett. wo nit mine ougen des zügen weren, so hett ich dir 
das sagenden niemer mugen gelouben wiewol sust ain gemainer 
lümde ist, die tütschen alle ander fölcker vber treffen. Ich 
geloub das[18^]selb lande vnder würffig sin dem wind borree 

K> vnd daz sy vsz grosser kelte söliche wysse vberkoment. aber 
bekennest du ir etlich? als wol als mich selbs sprach sosias. 
Aber warvmb fragst du ? das wil ich dir sagen sprach lucrecia. 
dann jch waisz das es von dir nit offen wirt/ Dise hoffung 
gibt mir din fromkait. Vsser denen die by dem kaiser sint, 

ö ist niemant mir gefeiliger dann Euriolus. In den selben ist 
bewegt min gemüt. Ich waisz nit mit was flammen ich wirt 
gebrennet. Ich mag sin nit vergessen noch mir sinthalb ge- 
ben fried noch rüwe, ich geh mich dann Im zeerkennen. gang 



29 

hin sosia (bitt ich) zu jm vnd sag daz ich jnn lieb hab. nützit 
mer noch wyters wil ich von dir. vnd du wirdest ouch dise 
botschaft nit vmb sust tun, sunder wil ich dich des wol belönen. 
was hörr ich? sprach sosias solt ich disz vbel fröw tun oder 

5 gedencken? solt ich minen herren verraten vnd yetz alt an- 
heben zetriegen das Ich Jung hab geflochen vnd vermitten. 
E. vnd lieber wollest du edle geburt vsz der schare diser 
statt/ schlachen die schedlichen bösen flammen vsser dem ku- 
schen hertzen diner brüste vnd nit nächhengen scharpfer an- 

10 fechtigung diner liebe, lesche das füre, danne dem ist nit schwär 
vszzetriben die liebe, der den ersten anstürmen wider steet 
wer aber daz süsz vbel mit lustigem nächhengen füret/ der 
gibt sich selbs in aigenschaft ains herten vngestümen herren 
vnd mag furo nit mer (so er gern wölt) sich sölicher aigen- 

15 Schaft entschlagen, wie ob din elicher man des Innen wurd? 
we mit was straffe er dich wurd kestigen vnd pingen? kain 
grosse liebe ist , die lang mug belyben verschwigen. Schwig 
sprach lucrecia. Hier Inne ist kain statt der forchte. wer nit 
furcht zesterben der furcht nützit. das geltick gebe [19] disen 

w dingen ain end vnd vsgange wie es wöll/ so wil ichs lyden 
vnd tragen. Was redst du arme ? sprach sosias / du enteerest 
vnd verlümdest din huse, vnd wirst allain sin ain eebrecherin 
dines geschlechtes, du mainst aber es werd sin ain sichers 
dinge. Nain es. dann tusent ougen werdent dich vmbgeben 

«5 din aigen müter lasset disz laster nit verborgen belyben. nit 
din man. nit dine gesipten, nit din mägt noch knecht werden 
schwygen. das fihe wirt reden vnd die hund vnd türen vnd 
die stainin sülen . werdent dich schuldigen vnd verklagen. 
Aber syg joch daz du disz alles, In gehaim mugest volbringen/ 

80 so magst du doch disz, dem der alle ding sieht nit verbergen, 
was ist die gegenwürtig pene vnd der schrecke diner gewissne? 
vnd din gemüt voll der schulden sich selbs fürchtende ? Trüw 
ist versait grossen Sünden, darvmb geschwaig vnd gestille die 
flammen der herten liebe, vnd trybe vs mit küschem gemüt 

w daz schützlich vbel, vnd furcht nüw eebruch zeuermischen ded 
schläfkamer dines gemacheis. Ich waisz sprach lucrecia daz 
es recht vnd wol getan wer, das du sagst vnd ratest. Aber 
vngestümikait der liebe zwinget mich nach zefolgen dem bösern 



Min Vernunft merckt vnd waisz was grossen tiefifen fals mir 
nähet, vnd fall gesechend vnd wissend. Mich vberwindt vn- 
gestümikait vnd heerschet liebe gewaltenklich jn allem minem 
gemüte vnd steet mir nächzefolgen was der gewalt der liebe 
a gehütet. Ich hab vil vnd vil hier wider gerungen vnd gestrit- 
ten vnd doch vmb sust. Trag hin die botschafft ist daz du 
dich min erbarmest. Sosias ersüftzet vber dise wort vnd 
sprach, durch disz min gräwes häre mines alters, vnd durch 
disz min brüste yetz müd von sorgen vnd durch min trüwen 

10 dienste, die Ich dinem vater [19^] hab getan/ beger ich bitt^ 
lieh/ brichh ab vnd lesche sölich vngestümikait vnd hilf dir 
selbs. Es ist ain michel taile der gesunthait wollen gesund 
werden. Vf das lucrecia redt. Es hat noch nit alle schäm 
verlassen min vernunfte. Ich wird dir zu willen sosia/ vnd 

16 die liebe die mich nit wil sin ain regirerin, vberwind ich. vnd 
ist disz dings ain ainige flucht, daz ich das mit sterben tu 
fürkomen. Vnd als sosias von disen worten erschrack, redt 
er. fröw tu i^essigen den frefel dins vngezömpten gemütes. 
zwing vnd züch In din anfechtung, dann das leben ist edel 

so das du vermainst wirdig sin des todes. Min vrtail ist gesetzt 
sprach lucrecia zesterben. Ain elich husfröw tett an Irem 
halse rechen, begangen sünd mit dem Schwerte Aber Ich wil 
geburlicher disz Sachen fürkomen vnd suchen mich selbs mit 
gifte zeertöten. Es gebürt sich mit stricken mit messern mit 

«6 fallen mit gifte küschhait zebehalten. Diser ains wil ich für- 
nemen and volbringen Ich lyds nit sprach sosias, Darvf lu- 
crecia sagt, Ist daz Im yemant fürnimpt zesterben/ der mag 
des nit werden verhütet. Dann porcia ain tochter catonis 
Als brutus Ir man gestarb, vnd man ir das messer genam, 

90 das sy ir selbs zu dem tode hatt behalten / tranck vs brinnend 
kolen Ist. sprach sosias daz so frefel vngestümikait an ligt di- 
nem gemüte / So ist zeräten ee dinem leben dann dinem lüm- 
den. Dann der lümde oft trugenlich ist vnd der dem bösen 
oft besser vnd dem guten böser geben wirt. Darumb ver- 

S6 Suchen wir disen euriolum vnd geben hilff der liebe. Dise 
arbait wirt min sin. Vnd ich werd dann betrogen so wil Ich 
dir disz ding geben vsgericht. Mit disen worten tetter das 
gemüt vor entzündet erst wyter [20] enbrennen vnd gab hoff- 



81 

ung den zwyfelhaftigen gedencken. Aber er was nit jn willen 
zetün das, so er geredt hatt/ sunder sucht er mit Verzuge 
zevfenthalten das wyplich gemüte vnd hier mit die vnge- 
stümikait zemindern. Als dann oft beschicht daz die zyt er- 

5 leschet die flammen vnd hinnimpt die kranckhait. Vnd maint 
sosias mit falscher fröid die fröwen also zefüren als lang bis 
der kaiser hinweg ritt, oder aber Ir gemüt jn bessers wurd 
verkeret. Vnd tett das därvmb, wo er der fröwen das abge- 
schlagen hett/ daz dann nit ain ander botte gesuchet wurd, 

oder die fröw mit jren henden an jr selbs etwas arges wurckte 
Darvmb er ofte sich gelychsnet zu euriolo zegeen vnd wider vmb 
von jm zekomen. vnd sagt dann wie sich der sere fröwte sö- 
licher der fröwen liebe vnd suchte bekomlich steet vnd zyte 
wie sy möchten komen sament zu rede. Etwenne sagt er, 

5 sich gebürlich nit zu jm komen mugen. Etwenne tett er flysz 
damit er vsz der statt gesandt wurd. vnd verzoch jr die fröid 
vf sin widerkunft. Also vnd sölicher mässe, fftret er etwe 
manchen tage das kranck gemüte diser fröwen. vnd vmb das 

^ er nit gantz luge redt er zu letscht ainist euriolum vnd sprach. 

w) 0. wistest du. wie lieb du hie gehabt bist. Vnd do der fragt 
was das were.*' sagt er Im nit wyter. Aber euriolus mit dem 
bogen der minne gestroffen, gab kain rüwe sinen gelidem/ 
sunder so tett das haimlich füre berouben sin geäder vnd das 
marck sins gebaines gantz durch dringen, doch so bekant er 

25 sosiam nit. vnd maint ouch nit den gesandt sin von lucrecia. 
Als wir dann all minder hoffens haben in grosser begirung 
der minne. diser euriolus als der sich sach in liebe brinnen/ 
wundert er sin selbs wyszhait, vnd sich oft straffende, redt er 
in jm selbs also. [20**] Euriole was der gewalt ist der liebe, 

50 das waist du woW langes wainen kurtzes lachen / wenig fröid/ 
vnd vil forchte vnd wer lieb hat der stirbt allwegen vnd ge- 
lyt doch niemer tode. Wes hangest dann du aber an, disen 
lügin? Als aber der sach sich selbs vnnütz vnd vmb sust hier 
wider geflissen sin. Redt er zu letst. Ich armer tun vmb sust 

36 disen dingen widerstreben. Ist mir nit gebürlich daz sich ge- 
purt Julio, das sich gepurt alexandro vnd sich gepurt hanibali? 
was sag ich aber von disen ritterlichen vnd fechtbaren mannen? 
Sech ich an, die poeten. Virgilius an ainem saile vfgezogen 



82 

hieng lang an mitten ains turns, do er sich hoft in ainer fröwen 
früntschaft zekomen / Es möcht aber etlicher den poeten ent 
schuldigen als ainen menschen ains verlässnen lebens. Aber 
was sollen wir sagen von den natürlichen maistem die da 

5 sint lerer guter sitten vnd vnderwyser der kunst rechts lebens. 
Vf aristotilem staig ain fröwe als vf ain rosse, vnd tett den 
zömen ryten vnd sporen. Gelycher gewalt ist den götten vnd 
den kaisern vnd ist nit war der gemain sprach des pufels, 
daz sy nit wol züsamen gehören noch in aim stüle wonen mu- 

10 gen, dann die maiestat syge zä grosz. wer ist ain grösser bü- 
1er gewesen dann vnser kaiser? wie oft hat sich der geübt in 
liebe? Man sagt von hercule der da gewesen ist der aller 
sterckest vnd gebom von geschlecht der götten i daz der durch 
liebe willen sin harnüsch vnd geschütze, ouch das waidwerck 

15 der löwen hin laite, ain kunckel neme, edel gestain an sine 
finger stiesse, här flechte, vnd mit der band die vor gepflegen 
hatt ainen kolben zetragen, mit schneller spinnel fädem lernte 
spinnen, dise anfechtung ist natürlich, das geschlecht des ge- 
fügeis empfint disz füres. dann ain schwartze turtur wirt [21] 

«0 liebgehept von ainen grünen fogel vnd oft werden wysz tuben 
zügefüget vnd jn lieb vermischet andern von mancherly farwen. 
Ist anders daz jch der Worten recht bin In gedenck die sapho 
schribt zu pharronem siculum. was sol Ich sagen von den vier- 
füssigen tieren? der stier bewegt stryt vmb die minne sins 

85 glychen. Die zagen fürchtenden hirssen begeren kampfs vnd 
geben mit Iren lügenden stimmen zaichen Irer enpfangnen be- 
girden der minne. Die ruchen tigertiere werdent hier Inne 
gebrennet. Der höwend eher scherpft sin zene vnd die wilden 
löwen zerryssent Ire rugken. wenn liebe übt Ir craft so wer- 
den entzündt die vnuemünftigen fiche vnd die wunder des 

80 meres. Nützit ist usgeschlossen noch sicher. Nützit ist der 
liebe versagt. Aller hassz stirbt so liebe das gebüt. Sy er- 
weket die vngestümen flammen der Jungen vnd berüflfet den 
müden alten herwider jr erloschen hitze vnd trift vnd wundet 
ouch mit vnerkantlichem füre die hertzen der Jungfröwen. 

«5 dar vmb was widerstrebe jch dann der Satzung der nature? 
liebe vberwindet alle ding. Dar vmb wychen wir der liebe. 
Als nu disz also gevestnet vnd beschlossen worden ist. suchet 



3ä 

er ain kuplerin, dero Er brief geb vnd enpfelch, die der ver- 
mechelten fröwen lucrecie zebringen. Im was aber ain getrü- 
wer knecht vnd mit ryter nämlich nisus diser dingen ain ge- 
schider maister, der belüd sich disz ampts vnd dinget ain 
5 fröwen dero die brief vfgeben vnd enpfolhen wurden vf dise 
mainung als hernach folgt geschriben etc. 

[21b] Ich enbutt dir gern lucrecia in geschrift minen grüsz 
vnd vil hails/ wo mir aincher volle wer des hails. aber alles 

haue vnd aller trost mines lebens hanget gantz an dir. Ich 
hab me lieb dich dann mich, vnd main euch, das füre mines 
verserten hertzen dir nit sin verborgen, dann inin angesicht 
mag dir des gewesen sin ain zaiger oft nasz von trechern vnd 
mine süftzen die ich dick gelassen hab so du das hast ge- 

L5 Sechen. Lyd senftmütenklich (bitt ich) ob ich mich gegen dir 
vftün. mich hat gefangen din geziert, vnd die edel loblich 
gnäd vnd gütikait diner schöne (damit du mengklichen vbertrifst) 
halt vnd behept mich dir verbunden, waz liebe gewesen syg 
hab ich vor nit gewisset, du hast mich dem gewalt der liebe 

w vnderworfFen. Ich hab lang hier wider gestritten (bekenn ich) 
damit ich ainem frefeln vngestümen herren fluch vnd dem 
möcht endrünnen. aber die schöne diner gestalt hat vberwun- 
den sölich min flysse vnd arbait. Mich haben vberwunden 
din schyn vnd geleste diner ougen mit denen du mechtiger 

» bist dann die sunne. Ich bin din gefangen vnd min selbs 
furo nit mer mechtig. du hast mir hingenomen vnd enpfürt 
den brühe des schläffens vnd der spyse. dich hab ich lieb tag 
vnd nacht, din beger ich. dir rüff ich. din wart ich. von dir 
gedenck ich. dich hoff ich. von dir ergetz ich mich, din ist 

M) min gemüt. by dir bin ich gantz. du magst allain mich im 
leben behalten vnd allain ertötten. erwelle dir dero ains. vnd 
was dir zu willen syg, schryb mir. vnd bis gegen mir nit her- 
ter mit Worten dann du gewesen bist mit ougen, da mit du 
mich hast gebunden, jch bitt nit grosses, allain beger ich den 

» vollen mit dir zereden. das wöUent allain disz min Schriften, 
daz ich offenbar vor dir wyter mug reden das , so ich yetz 
schrib [22] gibst du mir das, so leb ich, vnd leb selig versagst 
da es aber so erleschet min hertz ,. das lieber hat dich dann 

N. V. Wyle. ^ 



84 

mich/ aber ich enpfilch mich dirvnd diner trttw got pfl^ 
din. ja din min hertzigs gemüt vnd ainiger tröste vnd hilff 
mines lebens . . Als nu die bübin disen briefe mit euriols 
edelm gestain versigelt enpfangen hatt/ lüfF sy schnell lucreciam 

5 suchende, vnd als sy die allain fand/ redt sy zu ir. disen 
santbriefe schickt dir der aller edelst vnd mechtigost liebhaber 
der an dem kaiserlichen hofe sin mag vnd bittet dich mit 
grosser bitte daz du dich sin er^)armest Dise fröw was in 
büberye mengklichen bekant vnd vermerckt vnd was das lu- 

crecie ouch nit verborgen, darvmb lucrecia laid trüg, ain sö- 
liche verlümdete fröwen zu ir gesant sin vnd wachs mit Wor- 
ten an sy vnd sprach sag an du lasterliche, was gedürstikait 
hat dich gefüret in dises huse ? was vnsinikait hat dir geraten 
ze komen in min gegen würtikait? solt du in edler fröwen hü- 

6 ser geen vnd versuchen mechtig fröwen, vnd dich vndersteen 
zezerbrechen elich fachein vnd bände? Ich beheb mich kumme 
daz jch dir nit fall in din häre. Solt du mir geben briefe ? 
solt du mich ansechen vnd mit mir reden? wo ich nit mer 
bedechte was mir zetün gebürlich wer, dann was sträffehs 

w dir zügehorte/ so wölt ich hüt tun, daz du kainen bülbrief ye- 
mer me getrügest, machh dich bald hin weg, du vergifte vnd 
trag hin dinen briefe. Aber gib joch her mir den briefe, daz 
ich den ee zerrisz vnd verbrenne in dem füre, vnd nam dar- 
mit das papir vnd zerraisz das in manigfaltig stückli. Vnd 

» als sy oft mit jren füssen dar vf getrat ouch die verspuwt/ 
warf sy die In die äschen des füres vnd sprach. Ach daz Ich 
sölich sträflF an dir begeen sölt, die wirdiger werest des füres 
dann wines. Aber gang bald hinweg [22^] daz dich min man 
nit ergryff vnd die räche so ich dir nachgelassen han, erst an 

w dir volbring. vnd hüt dich wol, daz du nit mer komest für 
mine ougen. Disz fröwlin hett Ir wirsz geförcht. Aber sy 
bekant die sitten sölicher fröwen. vnd redt In Ir selbs. Nu 
wil du allermaist, dwyle dich erzaigest nit wollen, vnd sprach 
daruf Vergib mir fröw Ich wand recht tun vnd dir komen 

•6 sollen zu gefallen, wyle es aber anders ist/ so tu ablassen 
miner torhait. Wilt du daz ich nit mer kom Ich wirt dir zu 
gefallen, du lüg was liebhabers du verachtest vnd ver- 
gehmachest, vnd schied also mit disen worten von Ir ange- 



35 

sieht, vnd als sy euriolum fand, sprach sy enpföche müt seliger 
liebhaber , die fröw hat mer lib dich , danne sy werd lieb ge- 
habt von dir. Aber yetz was ir nit müsse zeschriben. ich 
fand sy trurig, als bald ich aber dich nampt vnd ir gaub di- 

5 nen brief machet sy ain frölich angesicht. vnd tett das pa- 
pyre zu tusent malen küssen, hab nit zwyfels sy wirt dir 
bald antwort geben, vnd schied das alt wybe hier mit abe 
vnd hüt sich daz man sy furo nit mer funde, umb das sy 
nit umb wort straiche tragen wurd. lucrecia aber, do daz alt 

10 wyb hinwegkomen was, sucht die stücklin des santbriefs vnd 
legt vnd satzt züsamen die zerrissnen worte. Vnd do sy dar 
vs aincn leslichen briefe gemachet vnd den zu tusent malen 
gelesen hatty tett sy den noch dicker zu tusent malen küssen 
vnd zületscht winden in ain sydin tüchlin vnd legen vnder ir 

15 kostliche klainat/ yetz das wort dann disz wort wider vmb 
suchend lesent vnd erwegende, da mit sy von stund zä stunde 
Ir liebe tett zünemen wachsen vnd meren. vnd nam ir für 
euriolo zeschriben vnd sandt Im ainen brieflfe vff nach ge- 
schriben form gestellet. 

20 [23] Sxell ab euriole zehoffen das, das sich nit gebürt 

zeerfolgen. vertrag mit hotten vnd briefen mich zebeküm- 
bern. vnd geloub mich nit sin vsz der schare der fröwen die 
sich verkouffent. jch bin nit die als du mainst, oder dero du 
schicken sollest ain verlümdte fröwen. Such ain andere ze 

«5 bülen. mir sol kain liebe dann die from erber vnd kusch ist 
nächfolgen, mit andern würck vnd tu als dich gelust. von mir 
beger nützit freueis oder vngebürlichs got pfleg din in gesunt- 
hait . . Diser santbrief wiewol er euriolum herter vnd scherp- 
fer sin bedücht, danne er nach sage des alten wybs gehoflfet 

80 hettj^ gab noch dann vrsache ander briefe wider vnd für ze- 
senden. Euriolus zwyfelt ouch nit zeuertruwen dem hotten 
dem lucrecia hatt vertruwet. er was aber angsthaftig vmb daz 
er sich der welschen spräche nit gnügsamklich verstünde 
darvmb fleisz er sich mit, jnbrünstiger begird die zelernen 

«5 vnd wan aber liebe jnn des emsig machet/ wart er in kurtzer 
zyt dero so fertig, daz er selbs allein brief dichtet, dar zu er 
vor von andern hilff müst entlechnen. dar vmb so antwort er 



86 
lucrecie vf sölich mainung. 

8y sölt jm nit zu argem vermerken ., daz er zu Ir ain 
verlümdte fröwen geschicket hett/ wyle jm frömden man sö- 
lichs vnwissend gewesen wer, vn4 er ouch kain ander bot- 

6 Schaft hett haben mugen/ vnd daz grosse liebe gewesen wer 
ain vrsach diser schikung, die nützit vnerbers suchte oder 
begerte. vnd er geloubte sy wesen ain fromme schainge vnd 
aller küschiste fröwen, vnd deshalb dester grösser liebe wirdig. 
danne er ain vnuernünftige fröwen güdig vnd vnbehüt jrer 

10 eeren/ nit allain nit möcht lieb haben sunder ouch die zu 
aller zyt gröszlich tett [23^] vinden vnd hassen, vnd wenne 
küschhait von ainer fröwen wurd verloren, so were furo nützit 
mer an Ir zeloben. Vnd daz hüpsche der gestalt ain lustsam 
gut wer, aber doch vnwirig blöd vnd hinfallend, vnd wo dero 

15 nit zucht vnd schäm bywonten, daz dann sölich hüpsche kaines 
lones wert ze achten wer. wyle aber sy die zucht der eeren 
vnd fromkait zu gefüget hett der schöne jrer gestalt, vnd er 
sy wiste sin mit den beden gauben fürpüntlich begaubet. Vnd 
deshalb als ain göttin lobsam erschynen !^ So hette Er sy 

so lieb gewunnen vnd tete sy eeren , nützit schantlichs von Ir 
begerende oder ützit wunschende, daz jren lümden in dhain 
weg sölt oder möcht verletzen Sunder sich allain begeren daz 
er mit ir reden vnd sin gemüt ir offnen möcht das sust mit 
geschrift nit völlklich wer zebeschechen Vnd schickt Ir mit 

s5 disem brief etlich schenckin vnd gauben nit allain von materi 
sunder ouch von arbait costlich ertig vnd loblich gemachet, 
darvf lucrecia schribende also antwort. 

Ich hab enpfangen dinen briefej^ vnd clag furo nit me 
von der bübin. Aber das du mich liebhast, das acht Ich nit 

so grosz, dann du nit der erste bist. So bist ouch nit allain 
den min gestalt hat betrogen, vil ander haben mich lieb ge- 
hept vnd noch liebhaben. Aber wie der selben arbait vmb sust 
gewesen ist, also ist ouch die din. Mit dir wort haben mag 
ich nit, so wil ichs ouch nit. Du magst mich ainig nit finden 

85 du werdest dann ain schwalb. Hoch sint die hüser vnd die 
türen vnd Zugänge mit hüte beschlossen, dine gauben han Ich 



37 

enpfengen, dann mich ergetzet vnd fröwet Ir künstlich arbait. 
Aber vmb daz des dinen nützit vmb sust by mir syg, vnd daz 
ouch sölichs nit by mir [24] vermerckt werd, als ain pfand 
der liebe/ So schick Ich dir dar für ainen ringe, das der by 
5 dir syg als ain bezalung vnd lone sölicher verkoufter klainat. 
dann der edel staine in dem ring, ist nit minder costlich, dann 
syen dine gauben mit ir yetz zu gesandt. Got pfleg din vf das 
schraib euriolus also, hin wider. 

Zu grossen fröiden ist mir gewesen lucrecia din santbriefe, 

10 der da ain ende machet der clage von der bübin. aber mich 
betrübt daz du min liebe gegen dir so klain achtest, dann ob 
wol vil dich lieb habent / so ist doch ir kaines füre zeglychen 
dem minen. aber du geloubst das nit/ dann ich mag mit dir 
zerede nit komen/ wurd mir aber das vergöndti' du tetest 

15 mich nit also verachten vnd verschmächen. o. wölt got das ich 
möcht werden ain schwalb aber lieber wölt ich sin ain floch 
vmb daz du mir nit möchtest beschliessen dine fenster. jch 
hab nit laid daz du nit magst, sunder daz du nit wilt dann 
was such ich anders dann den willen, ach min lucrecia was 

20 sprichst du dich nit wollen/ wöltest du nit (so du möchtest) 
mit dir reden lassen, mich/ der da bin gantz din. vnd nützit 
tners beger dann zetün vnd zegefaren nach dinen sitten vnd 
nach dinem liebsten willen, vnd ob du mich Messest geen in 
ain füre / ich volbrechts vnd wer dir gehorsam vor vnd ee du 

86 das möchtest gebieten, läsz fallen (bitt ich) das vorgemelt 
wort/ Wirt nit geben die macht, so syge doch da der wille. 
vnd tu mich nit beschweren mit Worten/ dwyle du mir doch 
das leben gibst mit ougen. Ist dir nit zugefallen mich zebe- 
geren mit dir zereden vmb das es nit ist zeerwerben/ so 

80 folg ich des vnd wirt zu willen dir. Aber verender dise din 
vrtail als du sprichst min arbait gegen dir vnnütz [24t)] sin. 
Stell ab sölich hertikait vnd wüterye vnd bis gütiger dinem 
liebhaber/ dann beharrest du also zereden öo wirst du man- 
schlechtig vnd tötest mich mit Worten ee, dann aincher ander 

«6 mit aim swerte. Nützit ist da mitte du dich des (so ich bit) 
mugest entschlahen dann niemant mag dir das verbieten, 
sprich daz du mich lieb habest so bin ich selig, wie vnd in 



88 

welcher mässe aber mine gauben by dir sint/ ist mir zftge- 
fallen:' dann die machent dich etwenne miner liebe Ingedenck. 
aber sy sint gewesen klain. vnd sint noch klainer die ich dir 
yetz schick, doch so wollest nit verschmächen das, daz ich 

» din trüwer liebhaber dir schick vnd gibe. jch bin t^lichs 
kostlicher klainat vsz miner haimant warten' so die koment 
wil ich sy dir schicken, din ring kumpt niemer mer ab minem 
fingern vnd Ich wil den an diner statt nasz machen mit em- 
sigem küssen. Got pfleg din du min fröid vnd wollust Gib 

10 mir kurtzwyle die du vermagst . . Vnd als nu sölicher mäsz 
oft vnd vil wider vnd fürgeschriben wart Schraib zu letscht 
lucrecia ainen sölichen santbriefe. 

Ich wollt gern euriole dir zu willen werden vnd dich (als 
du bittest) mitthailhaftig machen miner liebe/ dann des Wer 

15 wol wirdig din adel So hieschen ouch das wol dine sitten, 
daz du nit vmb sust lieb bettest, ich wil geswygen wie wol 
mir gefeit din gestalt vnd din angesicht voll aller gütigen ta- 
gend Aber mir ist nit zu nutze daz ich liebhab. jch erkenne 
mich selbs. ist daz ich anheb lieb zehaben / so halt ich weder 

90 mäsz noch regel. du magst hie nit lang sin/ so möcht ich 
din (wenn ich in das spil kern) nit mangeln noch enberen. du 
wöltest mich mit dir nit hin weg füren i so wölt ich nit bely- 
ben Mich tünt warnen manigfaltig exempel der fröwen die 
von [25] fremden liebhabern sint worden verlassen vnd be- 

25 trogen, daz ich nit nächfolge diner liebe, yason betroug me- 
deam durch dero rät vnd hilff er den wachenden dracken 
ertott vnd von dannen, brächt den guldin schepper. Theseus 
was zegeben zu ainer spyse dem grüsenlichen tiere minothauro. 
do aber der sich räts gebrucht, adriane/ ward er des erlöset 

80 noch dann verlies er die in dem eilend ainer jnsel. was tett 
die vnselig dido ? die den flüchtigen eneam enpfieng vnd nam 
in ir huse/ was nit ir sölich fremde liebe ain vrsach des to- 
des? jch waisz wie sorgfeltig ist vsz wendig fremde liebe zu 
zelässen/ vnd darumb gib ich mich nit in so vil sorg vnd 

85 angste. ir mane sint ains vestern gemütes vnd mugen diso 
vngestümen anfechtung bas gestillen dann wir fröwen. Ain 
fröwe wenne die in liebe angehept zewüten / so mag sy allain 



89 

das end sölicher liebe mit tode erfolgen, danne fröwen nit 
allain lieb habent, sunder sint s; in liebe vnsinnenklichen 
wüten/ vnd es syge dann daz sy rechte bezalung vnd wider- 
geltung haben irer liebe/ so ist nützit vngestümers dann ain 

6 liebhabende fröwe wir achten weder red lümden noch das le- 
ben/ allain ist vnser rüw vnd artznie wenn vns wirt der volle 
des liebgehapten menschen, dann als vil wir hier an mar 
mangels haben, als vil sint wir mer vnd mer hageren, vnd 
fürchten kain vbel, So nun gnüg beschicht vnsem lyplichen 

10 begirden. Darvmb so ist mir vermechelten edeln vnd rychen 
fröwen geraten/ daz ich mir beschliesz den weg der Üebe/ 
vnd besunder gegen dir, der nit hie belyplich sin magst / vmb 
daz ich nit geifennet werd rodopeia philUs oder andere sapho. 
Darumb so wil ich dich yetz sin gebetten daz du filrohin nit 

15 mer begerest miner liebe/ vnd die dinen ouch nach vnd nach 
in ziehest vnd löschest / wyle [25^] das den mannen vast lych- 
ter ist danne den fröwen. Wan hast du mich lieb (als da 
sprichst) so solt du an mir nit suchen noch des begeren das 
mir zum tode raichen wurd. für dine gaube schick jch dir 

80 hier by ain guldin Grütze mit berlin gezieret, vnd wie wol das 
klain ist, so mangelt es doch nit kostlichkait. Got pflege din 
euriol . . Als der disen brief enpfieng. schwaig er nit, Sun- 
der als er mit nüwer geschrift was entzündet, nam er ain fe- 
dern vnd dichtet ainen santbriefe vf solich form lutende. 

s5 Got grüsze dich min ainig gemüte Increcia. die mich 

tust machen selig mit dinen briefen ob du joch wol etwas 
gallen darvnder hast vermischet jch hoff aber wenne ich werd 
verhöret/ du stellest das abe, vnd geloubest minen Worten« 
In min band ist komen din santbrief beschlossen vnd mit di- 
so nem edeln staine versigelt, den hab ich oft gelesen vnd öfter 
geküsset. Aber er ratet anders dann din gemttt gewesen sin 
werd vermercket. du bittest mich daz ich vfhöre dich lieb ze- 
haben/ danne dir nit gebürr nächzefolgen die flammen fremder 
liebe/ vnd legst des exempel etlicher fröwen die betrogen 
85 worden sint/ vnd schribst das so schon so hoflich vnd so 
zierlich/ daz ich hie durch mer wundem vnd liebhaben mfts 
din yemunfte, dann daz Ich dero soll oder mög In dhain weg 



40 

vergessen, dann wer ist der? der dann vfhör lieb zehaben/ 
wenne er vermerckt sinen bülen vernünftiger vnd wyser sin, 
danne er vennaint hett? wöltest du min liebe haben gemindert/ 
so sollest nit din kunst vnd lere also han erzöget, danne das 

5 ist nit ain angezüntes füre erleschen/ sunder usz ainem klai- 
ner genaiste ain allergröstes füre enbläsen. do ich din geschrift 
las / ward [26] Ich mer vnd mer entzündet, do ich sach diner 
lobrychen gestalt vnd erberkait sölich kunst vnd wyszhait sin 
zu gefüget. Darvmb so sint es vnnütze wort da mit du bittest, 

10 daz ich vfhör dich liebzehaben. Bit das alle berg zu talem 
komen in ain ebne vnd alle bächh vnd wasser übersieh flissent 
in Ire vrspringUch brunnen. Als wol mag ich dich nit lieb- 
haben als wol die sunne verlassen mag Iren vmb louff. Ist das 
das sitisch gebirg mangeln mag des schnewes vnd das mere 

15 der viseschen vnd die weld der tieren, so mag euch Euriol 
din vergessen Es ist nit klain vnd lycht den mannen (als du 
mainst lucrecia) die flammen der liebe zeleschen, dann das, 
daz du vnserm geschlecht zu gibst, das gebeut vil dem üwem. 
Aber ich wil yetz nit ingeen disen kämpf vnd stryte/ sunder 

20 müs ich antworten zu dem das du wider mich geredt hast 
Du schribst daz du darumb gegen mir in liebe nit wollest 
komen, dann fremder mannen liebe manig fröwen hab be- 
trogen vnd legst des exempel aber des gelychen möcht ich 
ouch vil man nennen die von fröwen vngebürlich sint verlassen. 

25 Crisis betroug (als du waist) troilum ainen sune priami. helena 
gab hin vnd verriet deiphebum. Circo verkart Ire liebhaber 
durch ir kunst in schwyn vnd in ander gestalt wilder tieren. 
Es ist aber vnrecht vsz gewonhait etlicher (dero wenig sint) 
zeschetzen vnd zerichten ain gantze commune vnd gemainde 

30 des folckes. dann beharren wir vf dem, daz du von zwayer 
oder dryer oder joch von zechner mannen wegen all ander 
mannen schuldigen wilt vnd die schüchen / so gebürt mir ouch 
von so vil fröwen wegen all ander fröwen zehassen. Aber 
nemen wir ee vnd billicher ander exempel der liebe/ Als 

35 gewesen ist die liebe anthony [26^] anthony vnd cleopatre vnd 
vil ander, die die kürtze disz santbriefs nit verhengt zesagen. 
hast du gelesen ouidium so hast du funden daz nach der zer- 
störten troy vil der anthinochen vf ir widerfart behept sindt 



41 

durch fremder fröwen liebe vnd niemer me komen jn jr hai- 
mant/ sunder anhängten Iren liebhaberin vnd ee mangeln 
wolten vnd verlassen Ir landt Ir gut euch Ir fründ vnd an- 
ders (die doch ainem yeden aller süssest vnd gefelligost sint in 

3 siner haimant) danne daz sy verlassen wölten Ire bülen. Disz 
wollest du (bit jch min lucrecia) bedencken, vnd nit die ding 
die da vnser liebe syen widerwertig vnd das wenig getan hant. 
Ich folg dir nach vnd bin des gemütes daz ich ewenklich lieb 
hab dich, vnd syg ouch ewig din. du solt mich euch nit nen- 

nen fremd/ wyle ich w&rlicher hie ain burger bin, danne der 
so hie geborn ist. danne den selben machet zeburger schikung 
des gelückfals, mich aber frye erwelung. vnd mir wirt niemer 
sin kain ander haimant danne alda da du bist, vnd wie wol 
villicht beschehen möcht mich etwenn von hinnan schaiden, 

5 so wirt doch schnell sin min widerkunft. So wirt ich ouch nit 
mer in tütsche land komen, dann min dinge zu zerichten daz 
jch by dir belyb als lang jch mug. Man findt lichtenklich ain 
vrsach by dir zebelyben. Es sint vil des kaisers gescheft in 
disen landen zehandeln , da jch acht daz mir die werden en- 

80 pfolhen. yetz wird jch gesant jn botschaft. dann übe jch disz 
dann das. der kaiser müsz haben ainen vicarien in welschen 
landen/ dises ampte wil ich mir selbs erwerben, darumb habe 
nit zwyfels min lucrecia min woUust min hertz mm hoffung 
ist daz ich leben mag an hertz, so mag jch öch dich verlassen. 

25 ä wolan. erbarm dich doch zu letscht dines liebhabers, der 
von du- waichet als der schnee von der sunnen [27] betracht 
min arbait ! vnd setze zületscht ain mässe miner materye. wes 
pingest du mich so lang? Ich wundern mich selbs wie jch 
so vü pine hab mugen lyden, vnd so vil necht vngeschläffen 

so belyben vnd mit so vil vastens vngeessen beharren. Siehe 
wie mager vnd blaich ich syg. es ist ain klain ding das noch 
die sele vnd minen lybe züsamen hept. hett ich dir dine vatter 
vnd müter oder dine kind ertötet/ so bettest du doch nit 
mögen grösser straffe vnd pingung dann dise an mir mugen 

36 volbringen. Strafst du mich also dar vmb daz ich dich lieb- 
haby was tettest dann dem der dir böses oder schaden zu- 
f&gte? ach min lucrecia min fröw min haue vnd züflücht, en- 
pfäche mich in gnäde. schrib mir doch zu letscht daz ich dir 



42 

lieb syg. nützit grössers beger ich lasz mir gezimmen w&rlich 
zereden daz ich lucrecie diener ,syg. dwyle doch kting vnd 
kaiser liebhaben Ire diener so sy die trüw sin erkennen vnd 
die gött ouch nit verschmächent lieb zehaben die, so sy wi- 

6 derumb liebhabent. got pfleg din min hoffung vnd min forcht 
vnd min turn der jnnwendig gebrochen ist vnd vszwendig 
schynt vest vnd nit zegewinnen vnd der doch (so sich ain 
wider dar an stiesz) schnelle wurd zerfaUen . . Lucrecia ist 
durch dise euriols wort vberwunden worden, danne nach dem 

10 sy gefliszenhait des liebhabenden aigenlich erkant. da öffnet 
ouch sy gegen Im Ir liebe, die sy lang verborgen getragen 
vnd dem nit gelych getan hatt, vnd tett sich vf mit sölichen 
schrifften. 

Ich mag dir nit mer versagen noch widerwertig sin eu- 

15 riole, noch dich furo mer miner liebe vszschlachen. Du hast 
gesigen vnd ich bin yetz din. Ach mich arme, daz ich dine 
brief ye hab [27^] enpfangen. jch bin zu vil sorgen nu mer 
vnderwürffig Es syg dann daz din trüw vnd wyshait mir tüg 
helfen, lüg daz du haltest daz du mir geschriben hast, jch 

20 kum yetz in din liebe / ist daz du mich verlassest, so bist du 
ain wütrych vnd verreter vnd ain aller böster aller menschen. 
Es ist lycht ain fröwen zebetriegen, Aber als vil es lychter 
ist, als vil ist es schantlicher dem betrieger. Disz ding ist 
noch gantz vnd vnuerhönt, mainst du mich zeverlässen so 

«5 sags vor vnd ee die liebe mer werd brmnen vnd tu, daz wir 
nit anfahent das, daz vns darnach angehept gerüwen werd. 
In allen dingen ist anzesechen das ende. Ich als ain fröw 
verstee wenig. Du bist aber ain man vnd müst für dich vnd 
mich tragen die sorge. Ich gib mich yetz dir vnd folg näöh 

80 diner trüw, Vnd heb ouch nit an din zesin. Dann daz ich 
ewenklich din syg. Got pfleg din min hilff vnd fürer mins 
lebens etc. Darnach sint vil santbriefe wider vnd für gesant 
worden. Vnd schraib Euriol nit so brinnend. Lucrecia tett 
Im so brinnend antworten. Vnd was irer beder yetz ain ge- 

w lyche begird, wie sy züsamen komen möchten. Aber das was 
schwer vnd gar nach vngelouf)lich zegeschechen / wyle aller 
menschen ougen vff sy acht hatten. Vnd ouch lucrecia niemer 



4S 

allain vsgieng, noch guter hüte zA aincher zyte mangelt Dann 
argus tett nit so geflyssen verhüten den ochsen Junonis, Als 
menelaus hiesz verhüten sin lucreciam. Disz laster hat gar 
wyt alle walchen vmb fangen / daz ir yetlicher sin husfröwen 

5 wie ainen schätze beschlüsset, Vnd doch nach minem beduncken 
vmb sust Vnd an nütze. Dann die fröwen sint gar nach alle 
des sins, daz sy aller liebst des begeren das Inen aller maist 
[28] Wirt versait vnd verbotten. die selben wo du wilt da 
wollen sy nit, vnd wo du nit wilt da wöllent aber sy/ vnd 

Lo begerent des vngebetten. wo ouch dise fröwen haben jren fryen 
willen, so tünt synun dester minder des argen. Es ist ouch 
so lycht ain fröwen wider Iren willen zeuerhüten, Als in haisz- 
stechender sannen ain gemain hert vnd schare der schauffen 
by ainandern zebeheben. vnd es syg dann daz ain fröw von Ir 

15 selbs aigens willens recht tüge vnd kusch belyben wolle/ so ist 
Ir eeman vmb sust geflissen sy mit beschlusz ze uerhüten. Aber 
er geb ir joch verhüter wie vil er wolle/ Sag bitt ich wer 
verhütt die selben verhüter, daz sy nit sicher mit den selben 
anheb? Ain fröw ist ain vngezämptes tiere/ mit kainen zO- 

H) men zebeheben. Lucrecia fiatt ainen brüder was ain basthart, 
dem sy vor Ire brief euriolo zebringen hatt enpfolhen/ vnd 
Inn sölicher liebe mit wissend gemachet darumb so ward der 
selb bestellet, daz er euriolum haimlich In siner herberg an- 
kem. diser basthart wonet by siner stiefinüter, die da ain ee- 

fö liehe müter lucrecie was/ vnd die lucrecia oft sucht vnd noch 
öfter von Ir haimant ward gesüchet vnd besechen, dann ouch 
Ire hüser beder syt nit wyt von ainandern gelegen wären. 
Dar vmb so was Inen ain sölicher anschlage. So euriol in 
ainer kamer verschlossen leg vnd die müter zu der kirchen 

jo gangen wer/ daz dann lucrecia komen sölt als ir müter 
suchende vnd so sy die nit fund/ daz sy dann Irer zükunft 
alda wartete vnd dar zwüschen wer by euriol. des wart fürge- 
nomen vnd gesetzt ain zile zwayer tagen/ da dise zwen tage 
den liebhabenden menschen ains gantzen jares lang gesechen 

» worden sint. Als dann ist/ das die stunden allwegen den 
wolhoffenden lang sint [28^] vnd den fürchtenden des bösen 
kurcz. Aber das gelück was nit lachen den begirden der selben 
liebhabenden menschen/ dan die müter vermarckt sölich vf- 



44 

secz. vnd als es zu dem tage kam/ gieng sy vsser irem huse 
vnd beschlos daz vor irem stiefsunen, der das bald euriolo 
brächt ain trurig botschaft. Welcher euriol des nit minder 
dann lucrecia ward belaidet. Als aber lucrecia vermarckt ir 
6 vfsetz vnd anschlege enteckt sin Spragh sy es hat sich nit 
gelücket disen wege, darumb gangen wir ainen andern, dan 
min müter niemer mächtig sin mag zehindern vnd zefttrkomen 
mine lyplich begirde. Es was ainer pandalus genant irs mans 
Schwager Dem lucrecia geöffnet hatt ir haimlichkait diser din- 

10 gen. dan ir fttrin gemüt nit rüwen mocht dar vmb enbpt sy 
euriolo das er den selben anredte danne er verswigen vnd trüw 
war, vnd wol zaigen möcht ainen wäge wie sy zu samen kö- 
rnen möchten. Aber euriolum bedücht nit sicher sin/ sich in 
vertruwen ze geben dem den er allwegen sach anhangen mene- 

15 lao, vnd forcht betrugnusz dar vnder verborgen ligen. In dem 
vnd sy sich also beder syt bedächten / ist euriolo enpfolhen 
worden gen rome zeryten vnd mit dem babst zereden von we- 
gen der kayserlichen krönung. welches ding euriolo vnd sinem 
bülen kam zu grosser belaidung Aber sich gehurt des. kaisers 

«0 gebot willenklick zetragen. vnd zevolenden. Darumb rait man 
vnd wäret das vsz belyben zwen monat In der zyt belaib lu- 
crecia haimant in irem huse. beschlos ire fenster. legt an 
trurige klaider. gieng nienert vs. yedermann hat des wunder 
vnd mocht niemant des vrsach erkennen, die stat senis wart 

89 gesechen als ain wituw vnd glycher wyse als die sunn er- 
löschen wer bedücht yederman sich selbs die [29] zyt wonen 
in ainer vinstre. das husgesind, daz sy oft sach an aim bette 
ligen vnd kainist frölich/ vermarckt vnd gab das zu Irs lybs 
kranckhait, vnd suchet des (als vil es mocht) artznye zebringen. 

30 Aber sy erlachet nie vnd gieng euch kainist vsser ir schlauf- 
kamer als lang bis sy hört vnd marckt euriolum widerkomen 
vnd den kaiser jm engegen geritten sin. alda gelycher wyse 
als ob sy kranck vsser aim schlauf erwecket wer / legt sy hin 
ir laidsame klaider vnd angetan mit vorigen gezierden schlos 

85 sy vf die venster des komenden in fröiden wartende, vnd als 
der kaiser die ersach. sprach er. Euriole nu mer ist es kain 
verborgen dinge dann in dinem abwesen hat niemant lucreciam 
Sechen mugen. Aber wyle du yetz wider komen bist/ so 



Sechen wir widerumb die morgeDröte/ Was mäsz mag bywonen 
rechter liebe? kaine. dann niemant die, noch den hustet mag 
bedecken noch verbergen, darzü euriolus redt, du schimpfest 
kaiser (als du gewon bist) mit mir/ vnd wild mich füren in 

5 gelechter, daz darvon du redst waisz ich nit / der bracht diner 
mitrytern vnd der pferten wichein haben villicht die erwecket 
vnd do er daz also geredt do blickt er haimlich vnd verstolenlich 
lucreciam an vnd warf ougen in ougen. das was n&ch siner 
widerkunft jr beder erste trostung vnd ergetzung. vber wenig 

.0 tag darnach als nisus ain truwer diener euriols angstig vnd 
geflissen was in diser sache hilf zet&n fand er ain tafern bind er 
menelaus huse gelegen die binden zu, ain gesiebt hatt in die 
camer lucrecie. darumbe machet er jm zu fründe den win- 
schencken der selben tafern/ vnd als er die gelegenhait da selbs 

15 aigenlich besach/ fftrt er dahin euriolum vnd sprach, vsser 
disem venster magst du anreden lucreciam. es was zwüschen be- 
den hüsern ain enges gesslin dar jn die prlueten vnd haimlichen 
gemahe [29i»] gelaitet waren i vnd da hin wöder. mensch noch 
sunne selten ye mer komen mochten, da selb tätt vnderschaiden 

20 das venster lucrecie dryer einbogen ferr von der taferne. Alda 
sas der liebhaber lang wartende, ob aincher des gelückes fale 
lucreciam wölt erzögen/ des er auch nit betrogen wart dan 
zu letste kam da selbs hin lucrecia. vnd als die hin vnd her 
sach. Redt euriolus. was tust du regiererin mins lebens ? 

25 wo hin kerst du dine äugen? du du min hercze. Ich bin hie 
mich mich siehe, hie bin ich? Bist du aber hie? sprach lu- 
crecia. du min euriole. bist du hie? vnd mag ich yetz mit 
dir reden? 0. wölt got das ich dich euch möcht vmbfahen. 
das wil ich bald (sprach euriolus) zu wegen brächt han vnd 

so ain laiter hie an lainen. du schlüsz vf din schläfkamer/ wir 
haben vil zelang die fröid vnser liebe verzogen Dar vor hüte 
antwort lucrecia min euriole / ist das du mich jn sälikait vnd 
by eeren wüt belyben. es ist hie zu der rechten band ain 
fenster vnd ain aller böster nachgebur So ist ouch dem win- 

86 schencken nit ze getruwen der vmb wenig geltes willen dich 
vnd mich tätt geben in den tode Aber dise gesiebt sprach 
euriolus ist mir auch zum tode es wer dann daz ich dich ouch 
möcht halsen vnd mit minen armen vmbf&lieii nW. ^"sA ^s^%^ 



46 

wort haben sich an der statt begeben vnd sint ir ouch^ durch 
ein rore etlich gaiiben geben worden Aber euriolus was jn 
sölichen gauben nit milter dan lucrecia. Sosias vermarckt jr 
beder fümemen vnd redt in im selbs. vmb sust tust du wider- 

s stand dem willen vnd fürsatze diser liebhabenden menschen 
es syg dann daz ich disz ding mit list vnd geschidekait für 
kom vnd fürsäch, so wirt min fröw dar vmb sterben vnd min 
herr komen zu rftf vnd geschraye ains vnerlichen lümdens. 
vsser disen zwain bösen dingen, ist bösser vnd weger daz ain 

10 ab zestellen Min fröw hab lieb, es schaft nützit wanne [30] 
es nun haimlich beschicht. Sy ist von liebe blind vnd be- 
kennet nit gnüg was sy tftt oder handelt. Mag nit behüt 
werden ir küschhait i so ist gnüg zefürkomen den rufe vnd 
daz geschreye da mit ir geschlecht nit in vneeren werd ver- 

15 lümdet noch deshalb todschlage begangen, darumb gange ich 
hinzu vnd taile mit min hiMfe. jch han vor disen dingen wider 
standen als vil jch mocht umb des willen daz kain übel vol- 
brächt wurd. So aber das nit hat wollen verfahen / so gebürt 
sich mir numer zeachten , was übels vnd args beschech / daz 

w das jngehaim belyb verborgen, dann es ist nit vil vnderschaids, 
sölichs nit zetün oder zetün, so es nun niemant waisz noch 
vemimpt dann vnküschhait ain gemain sünd ist. vnd ist euch 
kain [mensch der diser kranckheit nie hab enpfunden sunder 
wirt der für küscher gehalten/ wer das sichrer vnd verhüter 

«5 in gehaime handelt, do er das also geredt/ sieht er lucreciam 
geen vsser ir schlaufkamer, zu der er gieng vnd sprach wie 
ist jm daz du mich diner liebe nützit wissen last, euriolus 
ist dir nützit dester minder lieb/ wiewol du mir sölich liebe 
verbirgest lüg wem du vertruwest. der erst Staffel rechter 

»0 wyshait ist, nit liebhaben. Vnd der ander daz du also lieb 
habest das es nit werd offen. Du magst daz allain äne hilff 
etlicher mit wissender menschen nit volbringen. Was getru^ 
wens vnd geloubens aber du zu mir haben mugest/ hast du 
yetz lang zyt her wol erlernet, wilt du mir ützit enpfelhen, 

w das gebüt/ so ist mir oberste sorg/ daz sölich liebe nit werd 
entecket vnd du nit straffe lydest, noch din man aller meur 
sehen nächrede tragen müsz. Darzü lucrecia antwort. Es ist 
also wie du sagst sosia vnd ich hab zu dir grosses vertruwen. 



47 

aber du bist (Ich waisz nit wie) bisher allwegen sümig gewesen 
vnd widerwertig minen begirden. dwyle du dich aber yetz selbs 
aigens [30^] willens erbüttest i so wil ich mich gebruchen diner 
diensten vnd furcht ouch nit yod dir betrogen zewerden. da 

5 waist wie seer vnd grosz ich brinn. ich mag den flammen lang 
nit lyden. hilff mir daz wir by ainander sin mugen. euriolus 
ist kranck von liebe vnd jch stirb, es ist nützit schädlichers 
danne zewiderstreben vnsern lyblichen begirden. wo wir ainist 
zusammen kämen , so wurden wir massiger liebhaben vnd be- 

10 lib vnser liebe dester ee bedecket, darumb gang hin vnd sag 
euriolo ainen ainigen wege da mit er zu mir komen mug. jst 
daz er vber vier tage so die geburen vns kom bringent sich 
antüg vDd verwandle in ain gestalt ains karchers vnd sich 
bedeck mit ainen sacke vnd das körn ain laitem vftrag in 

15 die komsthütte/ so waist du min schl&fkamer gegen der 
laitern die ersten türe haben alda wil ich sin desselben 
tags Wartens' vnd so es zyt wirt allain jn der kamer sin/ 
vnd so ej ouch allain daselbs syg, so klopfe an die türe 
vnd gang zA mir. sosia (wie wol disz ain swär grosz sach 

Äo was) forch noch giössers vbels vnd belüd sich diser enpfel- 
chnüs^. vnd als er eurioltim fand, sagt er jm disz alles orden- 
lich wie es jm was enpfolhen. Das euriolus alles lichte schätz 
vnd frölich vnd gern vmbfieng zevolbringen. Vnd berait vnd- 
richt sich hier zu vnd clagt nützit anders dann zelanges baiten. 

25 0. verstentliche brüst des liebhabenden menschen. o. blinde 
bekanutnüsz. o. türstigs gemüte vnd vnerschrockens hertze. 
waz ist so grosz daz dich nit bedunckt klain ? was so schwär 
vnd krumb/ daz du nit schetzest lycht vnd schlecht? was so 
beschlossen daz dir nit syg offen? Du tust alle sorgueltikait 

80 verachten. Du mainst nützit sin zeswere. Vmb sust ist an 
dir alles verhüten dines eemans. Kain Satzung rechts lebens 
noch kain forchte tünt dich beheben. Kainer schäm bist du 
[31] gebunden, alle arbait ist dir ain schimpfe vnd kurtzwil 
dich jrret nützit allenthalben, o. liebe, o. zämerin vnd zwinge- 

85 rin aller dingen, du tust ainen aller fürpüntlichosten dem 
kaiser allerliebsten von gute den rychsten, der zyt den emie- 
testen, der geschrift wolgelerten vnd mit wyszhait den verrümp- 
tisten man/ dar zubringen/ daz er voii Im^ Noxi^ ^\si €\^^ 



48 

purpur klaide vnd an sich lait ainen sacke ynd sin antlit be- 
deckt vnd verweihet mit trugenlichen fröwen vnd daz vsser 
ainem hern wirt ain knecht vnd daz der so gefüret vnd erzo- 
gen ist in allen woUusten sine achseln tut fügen vnd schid^en 

ö zft sweren burdin vnd sich selbs umb lones willen gibt für 
ainen offen secktrager ze erkennen, o. wundersäms dinge vnd 
gar nach vngelouplichs daz man sechen sol ainen man (sust in 
rätgebung aller treffenlichost) vnder den scharen der secktrager 
vnd gemainschaft haben mit den karchern. wer wil grösser 

10 verkerung suchen? das ist das so ouidius in dem buch metha- 
morphoseos wil / da er schribt vsz menschen werden vn^emünftige 
tiere stain oder krüter. das hat ouch gemaint der fürnemest 
poet maro, da er geschriben hat daz circe etliche jre bülen 
hab verkert in gestalten vnd formen vnuernünftiger tieren. Vnd 

15 es ist ouch also, daz vsser dem flammen der liebe des men- 
schen gemüt also wirt geendert/ daz wenig vnderschaids ist/ 
zwüschen dem §elben gemüt vnd ainem vnuernünftigen tiere. Als 
aber dar nach, die morgenröte erschain, vnd der schlaofkamer 
Euriols brächt den begerten tag vnd die sunn zu disen din- 

w gen gab Iren schyne / erkiket sy den baiten den euriolum, der 
sich selbs selig vnd geluckhaftig sin vermaint da er vermischet 
was schnöden knechten vnd sach vnd marckt daz Inn niemant 
was bekennen. Darvmbe volfür er vnd lud sich mit körn vnd 
gieng In lucrecie [31^] huse. vnd als er sich des korns vf 

» der schütte hatt entladen / was er under den abstygenden der 
aller letste. vnd al& er des vor vhderrichtet was, klopft er an 
die türe der vermechelten kamer, die gegen dem mittel der 
laiter gesechen wart/ vnd ylt bald hin jn. vnd als er die tür 
beschlos fand er lacreciam allain sitzen ob sydiner arbait. vnd 

80 do er necher hinzu gieng sprach er. got grüsze dich hertz 
blüt mlns. got grüsze dich ainige hilff vnd hoffung alles mines 
lebens. hab ich dich yetz ainig funden ? mag jch dich yetz in 
mengklichs abwesen (des jch allwegen begert hab) vmbfahen 
vnd halsen? yetz ist kain wand, kain ferre noch wyte zft 

M jrrung minem küssen, lucrecia wie wol die disen anschlag 
hatt gemachet/ noch dann erschrack sy des ersten Zugangs 
vnd maint sich selbs nit euriolum sunder ainen gaiste sechen 
(als ain £röw die nit gemaint hett ainen sölichen treffenlichea 



49 

man sich sölicher grossen sorgueltikait vnderwunden han. Als 
aber sy zwüschen halsen ynd küssen iren euriolum recht er- 
kant. redt sy du min armes mänlin. bist du nit? bist du nit 
hie min aller liebster euriole? vnd mit röte gegossen durch Ire 

5 wenglin vmb fieng sy den menschen vester vnd kust jnn en 
mitten an sine Stirnen vnd bald widerumb sölich red meldende/ 
sprach sy. we was grosser sorgen bist du jngegangen? was 
sol man wyter sagen? yetz waisz jch, daz ich dir die aller 
liebst bin yetz hab ich dich versucht vnd w&rlich diner lieb 

10 gegen mir enpfunden. aber niemer solt du mich gegen dir 
anders finden, die gött wollen dise geschieht zum besten fügen 
vnd vnser* liebe geben ainen gelücklichen winde, dann die wyle 
diser gaist regiert mine gelider, so wirt niemer kain mensch 
tae du, gewaltig lucrecie ouch nit min eeman. der mir wider 

15 minen willen gegeben ist vnd In den min [32] gemüt nie hat 
vergünstet. Aber wol an min woUust min fröid vnd kurtzwyle. 
wirf von dir dinen sacke vnd tu dich mir (als du bist) erzögen, 
züch ab die gestalt ains karchers. lasz fallen dise sailer. vnd 
verheng daz ich sech minen euriolum. vnd als der nu den vn- 

20 lust der klaidern abgezogen hatt/ Schain er darnach von 
sament cremesin vnd golde glych ainem fürsten. vnd ylt dar 
vf schnell zegeen in das ampt vnd in würckung der liebe. 4o 
kam sosias an die türe klopfend, vnd sprach hütent vch ir lieb- 
habenden menschen. Ich waisz nit was menelaus sucht er 

85 kumpt dort her yllend. verkaltent vnd verbergent üwer diep- 
stal vnd betriegent den mane mit üwem listen. Nützit ist des 
ir f ch mugen getrösten hervs zekomen. Da sprach lucrecia 
es ist ain haimlich behaltnüsz euriole vnder disem bette, da- 
selbs sint costliche klainat. du waist was jch dir vor geschriben 

80 han were daz min man (so du by mir wärest) komen wurd/ 
Gang herjn, da wirst du sicher sin an der vinstre. aber htit 
dich daz du dich nit bewegest rüsplest noch hustest, euriolus 
was zwyfelhaftig was er tun wölt/ aber dochgieng er jn, der 
fröwen gebott. vnd als sy die ttiren vfgetett/ gieng sy wider 

s5 zu jrem wercke der syden. zu band wären hie menelaus vnd 
mit jm ainer genant bertus, etlich brief zu der statt gemainem 
nutz suchende, vnd als sölich brief zu in kainen schrynen 
truchen noch kisten funden wurden s' sagt meüelaxsÄ ^i ^^sJ^ 

N V. Wyle. ^ 



42 

lieb syg. nützit grössers beger ich lasz mir gezimmen wärlich 
zereden daz ich lucrecie diener ,syg. dwyle doch küng vnd 
kaiser liebhaben Ire diener so sy die trüw sin erkennen vnd 
die gött oach nit verschmächent lieb zehaben die, so sy wi- 

fi derumb liebhabent. got pfleg din min hoffung vnd min forcht 
vnd min turn der jnnwendig gebrochen ist ynd vszwendig 
schynt vest vnd nit zegewinnen vnd der doch (so sich ain 
wider dar an stiesz) schnelle wurd zerfallen . . Lucrecia ist 
durch dise euriols wort vberwunden worden, danne n&ch dem 

10 sy gefliszenhait des liebhabenden aigenlich erkant. da ofhet 
ouch sy gegen Im Ir liebe, die sy lang verborgen getragen 
vnd dem nit gelych getan hatt, vnd tett sich vf mit söUchen 
schrifiten. 

Ich mag dir nit mer versagen noch widerwertig sin eu- 

15 hole, noch dich furo mer miner liebe vszschlachen. Du hftst 
gesigen vnd ich bin yetz din. Ach mich arme, daz ich dine 
brief ye hab [27^] enpfangen. jch bin zft vil sorgen nu mer 
vnderwürffig Es syg dann daz din trüw vnd wyshait mir tüg 
helfen, lüg daz du haltest daz du mir geschriben hast, jch 

so kum yetz in din liebe / ist daz du mich verlassest, so bist du 
ain wütrych vnd verreter vnd ain aller böster aller menschen. 
Es ist lycht ain fröwen zebetriegen, Aber als vil es lychter 
ist, als vil ist es schantlicher dem betrieger. Disz ding ist 
noch gantz vnd vnuerhönt, mainst du mich zeverlässen so 

M sags vor vnd ee die liebe mer werd brinnen vnd tu, daz wir 
nit anfahent das, daz vns darnach angehept gerüwen werd. 
In allen dingen ist anzesechen das ende. Ich als ain fröw 
verstee wenig. Du bist aber ain man vnd müst für dich vnd 
mich tragen die sorge. Ich gib mich yetz dir vnd folg nach 

80 diner trüw, Vnd heb ouch nit an din zesin, Dann daz ich 
ewenklich din syg. Got pfleg din min hilff vnd fürer mins 
lebens etc. Darnach sint vil santbriefe wider vnd für gesant 
worden. Vnd schraib Euriol nit so brinnend. Lucrecia tett 
Im so brinnend antworten. Vnd was irer beder yetz a;n ge- 

85 lyche begird, wie sy züsamen komen möchten. Aber das was 
schwer vnd gar nach vngeloui)lich zegeschechen / wyle aller 
menschen ougen vff sy acht hatten. Vnd ouch lucrecia niemer 



43 

allain YSgieng, noch gftter hüte zu aincher zyte mangelt Dann 
argns tett nit so geflyssen verhüten den ochsen Jononis, Als 
menelaos hiesz verhüten sin lucreciam. Disz laster hat gar 
wyt alle walchen vmb fangen/ daz ir yeüicher sin husfröwen 

5 wie ainen schätze beschlüsset, Vnd doch nach minem beduncken 
vmb sust Vnd an nütze. Dann die fröwen sint gar nach alle 
des sins, daz sy aller liebst des beeren das Inen aller maist 
[28] Wirt versait vnd verbotten. die selben wo da wilt da 
wollen sy nit, vnd wo du nit wilt da wöllent aber sy/ vnd 

Lo begerent des vngebetten. wo euch dise fröwen haben jren fryen 
willen, so tünt sy nun dester minder des argen. Es ist euch 
so lycht ain fröwen wider Iren willen zeuerhüten, Als in haisz* 
stechender sunnen ain gemain hert vnd schare der schauffen 
by ainandern zebeheben. vnd es syg dann daz ain fröw von Lr 

L5 selbs aigens willens recht tüge vnd kusch belyben wolle/ so ist 
Ir eeman vmb sust geflissen sy mit beschlusz ze uerhüten. Aber 
er geb ir joch verhüter wie vil er wolle/ Sag bitt ich wer 
verhütt die selben verhüter, daz sy nit sicher mit den selben 
anheb? Ain fröw ist ain vngezämptes tiere/ mit kainen zö- 

»0 men zebeheben. Lucrecia fiatt ainen brüder was ain basthart, 
dem sy vor Ire brief euriolo zebringen hatt enpfolhen/ vnd 
Inn sölicher liebe mit wissend gemachet darumb so ward der 
selb bestellet, daz er euriolum haimlich In siner herberg an- 
kem. diser basthart wonet by siner stiefinüter, die da ain ee- 

86 liehe müter lucrecie was / vnd die lucrecia oft sucht vnd noch 
öfter von Ir haimant ward gesüchet vnd besechen, dann ouch 
Ire hüser beder syt nit wyt von ainandern gelegen wären. 
Dar vmb so was Inen ain sölicher anschlage. So euriol in 
ainer kamer verschlossen leg vnd die müter zu der kirchen 

50 gangen wer/ daz dann lucrecia komen sölt als ir müter 
suchende vnd so sy die nit fund/ daz sy dann Irer zükunft 
alda wartete vnd dar zwüschen wer by euriol. des wart fürge- 
nomen vnd gesetzt ain zile zwayer tagen/ da dise zwen tage 
den liebhabenden menschen ains gantzen jares lang gesechen 

35 worden sint. Als dann ist/ das die stunden allwegen d^ 
wolhoflfenden lang sint [28^] vnd den fürchtenden des bösen 
kurcz. Aber das gelück was nit lachen den begirden der selben 
liebhabenden menschen/ dan die müter vermarckt sölich vf- 



44 

secz. vnd als es zA dem tage kam/ gieng sy ysser irem hnse 
vnd bescUos daz vor irem stiefsunen, der das bald euriolo 
brächt ain trurig botschaft. Welcher euriol des nit minder 
dann lucrecia ward belaidet. Als aber lacrecia yermarekt ir 

5 yfsetz ynd anschlege enteckt sin Sprach sy es hat sich nit 
gelücket disen wege, darumb gangen wir ainen andern, dan 
min müter niemer mächtig sin mag zehindem vnd zefbrkomen 
mine lyplich begirde. Es was ainer pandalas genant irs mans 
Schwager Dem lucrecia geo£Fhet hatt ir haimlichkait diser din- 

10 gen. dan ir fQrin gemüt nit rüwen mocht dar vmb enbot sy 
euriolo das er den selben anredte danne er verswigen vnd trüw 
war, vnd wol zaigen möcht ainen wäge wie sy zu samen ko- 
mcn möchten. Aber euriolum bedücht nit sicher sin/ sich in 
vertruwen ze geben dem den er allwegen sach anhangen mene- 

15 lao, vnd forcht betrugnusz dar vnder verborgen ligen. In dem 
vnd sy sich also beder syt bedächten/ ist euriolo enpfolhen 
worden gen rome zeryten vnd mit dem babst zereden von we> 
gen der kayserlichen krönung. welches ding euriolo vnd sinem 
bülen kam zu grosser belaidung Aber sich geburt des. kaisers 

so gebot willenklick zetragen. vnd zevolenden. Darumb rait man 
vnd wäret das vsz belyben zwen monat In der zyt belaib la- 
crecia haimant in irem huse. beschlos ire fenster. legt an 
trurige klaider. gieng nienert vs. yedermann hat des wander 
vnd mocht niemant des vrsach erkennen, die stat senis wart 

»d gesechen als ain wituw vnd glycher wyse als die sann er- 
löschen wer bedücht yederman sich selbs die [29] zyt wonen 
in ainer vinstre. das husgesind, daz sy oft sach an aim bette 
ligen vnd kainist frölich/ vermarckt vnd gab das zA Irs lybs 
kranckhait, vnd sAchet des (als vil es mocht) artznye zebringen. 

80 Aber sy erlachet nie vnd gieng ouch kainist vsser ir schlauf- 
kamer als lang bis sy hört vnd marckt euriolum widerkomen 
vnd den kaiser jm engegen geritten sin. alda gelycher wyse 
als ob sy kranck vsser aim schlauf erwecket wer/ legt sy hin 
ir laidsame klaider vnd angetan mit vorigen gezierden schlos 

85 sy vf die venster des komenden in fröiden wartende, vnd als 
der kaiser die ersach. sprach er. Euriole nu mer ist es kain 
verborgen dinge dann in dinem abwesen hat niemant lucreciam 
Sechen mugen. Aber wyle du yetz wider komen bist/ so 



Sechen wir widerumb die morgenröte/ Was mäsz mag bjrwonen 
rechter liebe? kaine. dann niemant die, noch den hustet mag 
bedecken noch verbergen, darzü euriolus redt, du schimpfest 
kaiser (als du gewon bist) mit mir/ vnd wild mich füren in 

6 gelechter, daz darvon du redst waisz ich nit/ der bracht diner 
mitrytern vnd der pferten wichein haben villicht die erwecket, 
vnd do er daz also geredt do blickt er haimlich vnd verstolenlich 
lucreciam an vnd warf ougen in ougen. das was nach smer 
widerkunfl jr beder erste trostung vnd ergetzung. vber wenig 

tag darnach als nisus ain truwer diener euriols angstig vnd 
geflissen was in diser sache hilf zetün fand er ain tafern bind er 
menelaus huse gelegen die binden zu, ain gesiebt hatt in die 
camer lucrecie. darumbe machet er jm zu fründe den win- 
schencken der selben tafern i vnd als er die gelegenhait da selbs 

16 aigenlich besach/ fürt er dahin euriolum vnd sprach, vsser 
disem venster magst du anreden lucreciam. es was zwüschen be- 
den hüsern ain enges gesslin dar jn die priueten vnd haimlichen 
gemahe [29^] gelaitet waren / vnd da hin wöder. mensch noch 
sunne selten ye mer komen mochten, da selb tätt vnderschaiden 

io das venster lucrecie dryer einbogen ferr von der taferne. Alda 
sas der liebhaber lang wartende, ob aincher des gelückes fale 
lucreciam wölt erzögen/ des er auch nit betrogen wart dan 
zu letste kam da selbs hin lucrecia. vnd als die hin vnd her 
sach. Redt euriolus. was tust du regiererin mins lebens ? 

i5 wo hin kerst du dine äugen ? du du min hercze. Ich bin hie 
mich mich siehe, hie bin ich? Bist du aber hie? sprach lu- 
crecia. du min euriole. bist du hie? vnd mag ich yetz mit 
dir reden? 0. wölt got das ich dich euch möcht vmbfahen. 
das wil ich bald (sprach euriolus) zu wegen brächt han vnd 

80 ain laiter hie an lainen. du schlüsz vf din schläfkamer/ wir 
haben vil zelang die fröid vnser liebe verzogen Dar vor hüte 
antwort lucrecia min euriole / ist das du mich jn sälikait vnd 
by eeren wilt belyben. es ist hie zu der rechten band ain 
fenster vnd ain aller böster nachgebur So ist ouch dem win- 

86 schencken nit ze getruwen der vmb wenig geltes willen dich 
vnd mich tätt geben in den tode Aber dise gesiebt sprach 
euriolus ist mir auch zum tode es wer dann daz ich dich ouch 
möcht halsen vnd mit minen armen vmbfahen vil vnd lange 



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wort haben sich an der statt begeben vnd sint ir ouch- durch 
ain rore etlich ganben geben worden Aber euriolns was jn 
sölichen gauben nit milter dan lucrecia. Sosias vermarckt jr 
beder fümemen vnd redt in im selbs. ymb sust tust du wider- 

^ stand dem willen vnd fürsatze diser liebhabenden menschen 
es syg dann daz ich disz ding mit list vnd geschidekait fQr 
kom vnd fürsäch, so wirt min fröw dar ymb sterben vnd min 
herr komen zu rOf vnd geschraye ains vnerlichen lümdens. 
Ysser disen zwain bösen dingen, ist bösser vnd weger daz ain 

ab zestellen Min firöw hab lieb, es schaft nützit wanne [30] 
es nun haimlich beschicht Sy ist von liebe blind vnd be- 
kennet nit gnüg was sy tut oder handelt. Mag nit behüt 
werden ir küschhait/ so ist gnüg zefürkomen den rufe vnd 
daz geschreye da mit ir geschlecht nit in vneeren werd ver- 

^ lOmdet noch deshalb todschlage begangen, darumb gange ich 
hinzu vnd taile mit min hilflFe. jch han vor disen dingen wider 
standen als vil jch mocht umb des willen daz kain übel vol- 
brächt wurd. So aber das nit hat wollen verfahen / so gebürt 
sich mir numer zeachten, was Übels vnd args beschech/ daz 

das jngehaim belyb verborgen, dann es ist nit vil vnderschaids, 
sölichs nit zetün oder zetün, so es nun niemant waisz noch 
vemimpt. dann vnküschhait ain gemain sünd ist. vnd ist ouch 
kain [mensch der diser kranckheit nie hab enpfunden sunder 
wirt der für küscher gehalten/ wer das sichrer vnd verhüter 

5 in gehaime handelt, do er das also geredt / sieht er lucreciam 
geen vsser ir schlaufkamer , zu der er gieng vnd sprach wie 
ist jm daz du mich diner liebe nützit wissen last, euriolus 
ist dir nützit dester minder lieb/ wie wol du mir sölich liebe 
verbirgest. lüg wem du vertruwest. der erst Staffel rechter 

wyshait ist, nit liebhaben. Vnd der ander daz du also lieb 
habest das es nit werd offen. Du magst daz allain äne hilff 
etlicher mit wissender menschen nit volbringen. Was getru- 
wens vnd geloubens aber du zu mir haben mugest/ hast du 
yetz lang zyt her wol erlernet, wilt du mir ützit enpfelhen, 

5 das gebüt/ so ist mir oberste sorg/ daz sölich liebe nit werd 
entecket vnd du nit straffe lydest, noch din man aller menr 
sehen nächrede tragen müsz. Darzü lucrecia antwort. Es ist 
also wie du sagst sosia vnd ich hab zu dir grosses vertruwen. 



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aber du bist (Ich waisz nit wie) bisher allwegen sümig gewesen 
vnd widerwertig minen begirden. dwyle du dich aber yetz selbs 
aigens [30^] willens erbüttest / so wil ich mich gebruchen diner 
diensten vnd furcht ouch nit von dir betrogen zewerden. du 

5 waist wie seer vnd grosz ich brinn. ich mag den flammen lang 
nit lyden. hilff mir daz wir by ainander sin mugen. euriolus 
ist kranck von liebe vnd jch stirb, es ist nützit schädlichers 
danne zewiderstreben vnsern lyblichen begirden. wo wir ainist 
zusammen kämen, so wurden wir massiger liebhaben vnd be- 

IIb vnser liebe dester ee bedecket, darumb gang hin vnd sag 
euriolo ainen ainigen wege da mit er zu mir komen mug. jst 
daz er vber vier tage so die geburen vns kom bringent sich 
antüg vnd verwandle in ain gestalt ains karchers vnd sich 
bedeck mit ainen sacke vnd das kern ain laitem vftrag in 

L6 die komsthütte/ so waist du min schläfkamer gegen der 
laitern die ersten türe haben alda wil ich sin desselben 
tags warten/ vnd so es zyt wirt allain jn der kamer sin/ 
vnd so er ouch allain daselbs syg, so klopfe an die türe 
vnd gang zu mir. sosia (wie wol disz ain swär grosz sach 

80 was) forch noch giössers vbels vnd belüd sich diser enpfel- 
chnüsz. vnd als er euriolum fand, sagt er jm disz alles orden- 
lich wie es jm was enpfolhen. Das euriolus aUes lichte schätz 
vnd frölich vnd gern vmbfieng zevolbringen. Vnd berait vnd- 
richt sich hier zu vnd clagt nützit anders dann zelanges baiten. 

25 0. verstentliche brüst des liebhabenden menschen. o. blinde 
bekanutnüsz. o. türstigs gemüte vnd vnerschrockens hertze. 
waz ist so grosz daz dich nit bedunckt klain ? was so schwär 
vnd krumb/ daz du nit schetzest lycht vnd schlecht? was so 
beschlossen daz dir nit syg offen? Du tust alle sorgueltikait 

so verachten. Du mainst nützit sin zeswere. Vmb sust ist an 
dir alles verhüten dines eemans. Eain Satzung rechts lebens 
noch kain forchte tünt dich beheben. Kainer schäm bist du 
[31] gebunden, alle arbait ist dir ain schimpfe vnd kurtzwil. 
dich jrret nützit allenthalben, o. liebe, o. zämerin vnd zwinge- 

Bs rin aller dingen, du tust ainen aller fürpüntlichosten dem 
kaiser allerliebsten von gute den rychsten, der zyt den emie- 
testen, der geschrift wolgelerten vnd mit wyszhait den verrümp- 
tisten man/ dar zubringen/ daz er von Ime wirft sin sidin 



48 

purpur klaide vnd an sich lait ainen sacke vnd sin antlit be- 
deckt vnd verweihet mit trugenlichen fröwen vnd daz vsser 
ainem hern wirt ain knecht vnd daz der so gefÜret vnd erzo- 
gen ist in allen wollusten sine achseln tut fügen vnd schidcen 

5 zu sweren burdin vnd sich selbs umb lones willen gibt für 
ainen offen secktrager ze erkennen, o. wundersams dinge vnd 
gar nach vngelouplichs daz man sechen sol ainen man (sust in 
rätgebung aller treffenlichost) vnder den scharen der secktrager 
vnd gemainschaft haben mit den karchern. wer wil grösser 

10 verkerung suchen ? das ist das so ouidius in dem bAch metha- 
morphoseos wil / da er schribt vsz menschen werden vn^emünftige 
tiere stain oder krüter. das hat ouch gemaint der farnemest 
poet maro, da er geschriben hat daz circe etliche jre bftlen 
hab verkert in gestalten vnd formen vnuernünftiger tieren. Vnd 

15 es ist ouch also, daz vsser dem flammen der liebe des men- 
schen gemüt also wirt geendert/ daz wenig vnderschaids ist/ 
zwüschen dem gelben gemüt vnd ainem vnuernünftigen tiere. Als 
aber dar nach, die morgenröte erschain, vnd der schlaofkämer 
Euriols brächt den begerten tag vnd die sunn zu disen din- 

so gen gab Iren schyne i erkiket sy den baiten den euriolum, der 
sich selbs selig vnd geluckhaftig sin vermaint da er vermischet 
was schnöden knechten vnd sach vnd marckt daz Inn niemant 
was bekennen. Darvmbe volfür er vnd lud sich mit körn vnd 
gieng In lucrecie [31^] huse. vnd als er sich des korns vf 

«5 der schütte hatt entladen i was er under den abstygenden der 
aller letste. vnd als er des vor vnderrichtet was, klopft er an 
die türe der vermechelten kamer, die gegen dem mittel der 
laiter gesechen wart / vnd ylt bald hin jn. vnd als er die tür 
beschlos fand er lucreciam allain sitzen ob sydiner arbait. vnd 

80 do er necher hinzu gieng sprach er. got grüsze dich hertz 
blüt mins. got grüsze dich ainige hilff vnd hoffung alles mines 
lebens. hab ich dich yetz ainig fanden ? mag jch dich yetz in 
mengklichs abwesen (des jch allwegen begert hab) vmbfahen 
vnd halsen? yetz ist kain wand, kain ferre noch wyte zu 

85 jrrung minem küssen, lucrecia wie wol die disen anschlag 
hatt gemachet/ noch dann erschrack sy des ersten Zugangs 
vnd maint sich selbs nit euriolum sunder ainen gaiste sechen 
(als ain fröw die nit gemaint hett ainen sölichen treffenlichea 



49 

mm skli saldier gro^m soifseltilail Tndorvarin Imol Ak 
Mbet sf zwtsdMn lukai xnA kfese» im enmfaoi i^dit «r- 
kant redt sy da min armes miBlnL htsi du ml? IksI du ml 
hie min aUer liebster «irkrie? Tnd mit rote gegossen dnrdi Ire 

5 wenglin vmb fiei^ st d^n menscboi vestor Tnd knsl jnn en 
mitten an sine stimen Tnd bald widmimb säidi red mddende^f 
sprach st. we was grosser soi^m bist da jngegangon? was 
sol man wirto' sagen? jeU waisz jch^ dai idi dir die aUer 
liebst bin yetx hab idi didi Tersddit Tnd wiriidi dina* lieb 

10 gegen mir enpfonden. aber niem^ solt da midi geg» dir 
anders finden, die gott wollen dise gesdiidit zam bestn fügn 
vnd Ynser*liebe geben ainen gdüi^lidioii winde, dann die wyle 
diser gaist r^ert mine geUder, so wirt ni^aMr kain mensdi 
äne da, gewaltig lacrecie oadi nit min eeman. der mir widor 

L5 minen willen gegeben ist Tnd In den min [32] gemot nie hit 
vergünstet Aber wol an min woUast min fröid Tnd kartzwrk. 
wirf von dir dinen sadce Tnd tA dich mir (als da bist) erzogoi. 
züch ab die gestalt ains karchers. lasz follen dise ^uler. Tnd 
verhcDg daz ich sech minen eariolam. Tnd als der na den tu- 

20 lust der klaidem abgezogen hatt/ Schain er darnach Ton 
sament cremesin Tnd golde glydi ainem forsten. Tnd ylt dar 
Tf schnell zegeen in das ampt Tnd in wOrckang der liebe. 4o 
kam sosias an die töre klopfend. Tnd sprach hütent f ch ir lieb- 
habenden menschen. Ich waisz nit was menelaos sucht er 

fö kumpt dort her yllend. Terkaltent Tnd Terbergent üwer diep- 
stal Tnd betriegent den mane mit fiwem listen. Nützit ist des 
ir fch mugen getrösten herTs zekomen. Da sprach lucrecia 
es ist ain haimlich behaltnüsz eariole Tnder disem bette, da- 
selbs sint costliche klainat du waist was jch dir Tor geschriben 

\o han were daz min man (so du by mir wärest) komen wurdif 
Gang herjn, da wirst du sicher sin an der Tinstre. aber hüt 
dich daz du dich nit bewegest rüsplest noch hustest, euriolus 
was zwyfelhaftig was er tun wölt / aber doch gieng er jn, der 
fröwen gebott. vnd als sy die türen vfgetett/ gieng sy wider 

15 zu jrem wereke der syden. zu band wären hie menelaus vnd 
mit jm ainer genant bertus, etlich brief zu der statt gemainem 
nutz suchende, vnd als sölich brief zu in kainen schrynen 
truchen noch kisten funden wurden/ sagt menelaus Sy sint 

N V. Wyle. 4 



BO 

villicht lucrecia. jn vnser haimlichem behaltnfisz ynder dem 
bette. Darvmb bring her ain liechte, daselbs jnne ist ze suchen. 
Euriolus erschrack des vnd ward kranck vnd entsetzet aller 
siner kreften vnd hüb yetz an lucreciam zehassen vnd redt In 

s Im selbs vnd sprach. We mir toren vnd rarren. wer hit 
mich gezwungen her zekomen [32^] anders dann min iychtikait? 
nu bin ich ergriffen, nu kum jch vmb min eere. Nu verlfir 
Ich des kaisers gnäde. Aber was clag ich des kaisers gnäde? 
wölt got daz mir das leben vorgestünde, wer wölt oder möcht 

10 mich lebend hier von erlösen ? es ist gewisz zesterben. o mich 
vppigen vnd aller grösten narren aller narren, in dises jamer 
bin ich selbs willig gefallen, was sint die fröiden diser liebe? 
die so hoch vnd türe gekouft werden, disz ist ain kurtze Wol- 
lust, vnd ain aller lengstes schmertzen. o belUden wir vns des 

15 von wegen des himelrychs. zewundern ist der menschen vn- 
wissenhait. wir wollen nit lyden kurtze arbait vmb lengste 
fröid. Aber von liebe wegen/ dero fröid ainem rouch ze glychen 
ist/ machen wir uns selbs vnderwürfig tusentfaltigen sorgen 
vnd angsten. Nim war mich selbs, yetz wirt ich sin ain ex- 

20 empel ain fabel vnd rufe aller menschen, vnd waisz nit was 
ends vnd vsgangs mir bescheret wirt. Ist aber daz der göten 
hilflf mich hier von erlöset/ kain liebe tut mich yemer mer 
widerumb also instricken vnd fähen. o got erlöse mich vertrag 
miner Jugend vnd tu mir nit messen min vnwissenhait sünder 

«5 friste min leben daz ich bycht vnd büsz würck miner Sünden, 
lucrecia hat mich nit lieb gehept, sunder als ainen hirssen In 
ainem netze wollen fähen. Nim war es ist komen min tage, 
niemant mag mir gehelffen dann allain du min got. Ich hab 
oft gehört von betrugnüsz der wyben / vnd doch mich hie vor 

30 nit können hüten, kum ich aber yetz hier von, so betrügt mich 
niemer mer aincher fröwen geuerd noch liste. Aber lucreda 
was nit minder mit kumberlichem angste beladen / die nit allain 
hailes halb Ir selbs, sunder ouch von wegen Irs liebhabers 
euriols stund In grossen nöten. Aber als in grossen sorgfel- 

35 tigen [33] Sachen die gech vnd schnell züfallent / der fröwen 
Vernunft behender ist danne der mannen / do erdächt vnd fand 
lucrecia ain hilff vnd artznie vnd sprach, lieber man. Es ist 
ain ledlin da ob dem venster/ bin ich jngedenck dich etlich 



51 

brief vor zyten daselbs han behalten. Lügen wir ob sy alda 
yenert ligen beschlossen, vnd lüf hier mit bald hin zu glycher 
wyse als ob sy daz ledlin vfschlissen wölt, vnd stiesz das haim- 
lich vber ab an die gassen recht als ob es von geschieht wider 

5 iren willen wer beschehen. vnd sprach, owe min lieber man. loufif 
daz wir nit. Schadens enpfähen. das ledlin ist zum venster 
vszgefallen. He bald, daz wir vnser klainat vnd briefe nit ver- 
lieren louffent louffent bed vnd yllend bald, wes stand ir? ich 
wils die wile in minen ougen haben, daz niemant darvon ützit 

10 Stelen mug. . sich vnd merck mariane die türstikait vnd ge- 
schide der fröwen vnd geloub jnen. niemant ist zu sin selbs 
behütnüsz so wol geögt / daz er durch fröwen nit mug werden 
betrogen, vnd der allain ist nit betrogen worden , den sin 
gemachel, nie hat versucht noch vnderstanden zebetriegen 

15 darumb derselb mer selig ist von gelück dann von aigner 
vernunfte. Aber raenelaus vnd mit jm bertus wurden vsz diser 
geschieht bewegt vnd lüffent bald hin ab in die gassen. das 
huse was aber höher danne nach sitt der welschen büwen die 
hüser gewonlich syen i deshalb vil Staffel wären hin abzekomen i 

80 dar von euriolo zyt vnd wyle geben worden ist, sin statt ze- 
endem/ der durch vnderwysung lucrecie in ain nüwe behalt- 
nüsz sich tett verbergen. Als aber die sölich brief vnd klainat 
vfgelesen hatten, vnd doch alda nit funden die Schriften dero 
man notdürftig gewesen wer/ giengen sy zu der behaltnüsz 

»5 darjnne euriolus vor gelegen was. vnd als sy daselbs gefunden 
hatten/ wes [33b] sy begerten/ gen&detent sy lucrecie vnd 
giengent hinwege. als aber lucrecia der türe den rigel fürge- 
stössen hatt, redt sy. gang herfür min euriol. gang herfür min 
hertzigs gemüt. kum her du höchster aller miner fröiden. 

w kum herfür du vfwale miner woUusten du hungwabe aller kürtz- 
wilung. kum du min süsse, nichte zegelychen. yetz sint sicher 
alle ding, yetz ist vnserm reden offen ain fryes felde. yetz ist 
vnserm vmbfähen ain sicher statt, das gelücke wolt vnsern 
begirden widerwertig gewesen sin. aber die gött sechent vnser 

J5 liebe vnd haben nit wollen sölich truw liebhaber verlassen, 
kum yetz in mine arm. nützit ist das du furo bedörfest fürch- 
ten.- du min gilge vnd vfgehufter huffe der rosen. wes steest du? 
hie bin jch din lucrecia. wes bedenckst dich ? halse vnd umb- 

4* 



52 

fähe din luereciam. Euriolus entledigot sich doch zületscht 
kum diser forcht vnd gieng herför, die fröwen ymbfachende 
vnd sprach. Ainch sölich grosz forcht vnd schrecken ist mir 
nie me begegnet, aber du bist wirdig von dero wegen sölichs 

5 gelitten werd. Es wer ouch nit billich daz yemant sölich süsz 
küssen vnd halsen vmb sust zA steen sollen. Vnd daz Ich der 
wärhait vergech / so hab ich noch nit so ain kostlichs grosses 
gute gnüg türe gekouflfet. dann wenne ich nach dem tode wider 
vmb lebend werden vnd mich din gebruchen möcht/ so wölt 

10 ich zu tusent malen sterben, so ferre ich hier mit din liebe 
vnd Mntlich halsen möcht erkouffen. o min gelück. o min 
seligkait. weder sich ich ain gespenst oder ist es an jm selbs ? 
weder hab ich dich, oder wirt ich betrogen jm tröme? aber 
zwar du bists. zwar ich hab dich, lucrecia was beklaidet mit 

15 ainem tünnen hemde, das äne runtzel vnd felde anlag dem 
lybe vnd nit long weder die brüst, den hindern noch die schäme, 
sunder yetliche gelider wie die an Inen selbs wären gab war- 
lich zeerkennen. [34] Der schyn ihrer köle was schnee wysz. 
das liecht jrer ougen glych dem glast der sunnen. Ir angesicht 

20 jfrölich. Ir antlit mutig. Ir bäcklin als gilgen mit purperfarwen 
rosen vermischet, das gelächter jn irem munde süsz lieplich 
vnd massig. Ir brüst guter wite/ tätt zu beder syt brtistlin 
wol öpfel gross erheben, die ouch den angryflfern begirlichen 
lust erwackten Euriolus mocht nit lenger sin anfachtung be- 

«5 heben noch verhalten/ sunder aller vorigen forcht vergessende 
warf er von jm mässikait, vnd graif an die fröwen vnd sprach 
yetz näment wir sament die frucht der liebe, vnd vnderstünd sich 
dar by diso wort zekreftigen mit den werken, die fröw wider- 
stund jm vnd sprach, das sich ir geburte sorg vnd behütnusz ze 

30 haben jrer eeren vnd lümdens vnd daz jr liebe nützit anders be- 
gerte dann früntlich reden vnd küssen, dar zu Euriolus schmollet 
vnd redt. Aintweders so ist wissenlich mich här komen sin, oder 
vnwissenlich. Ist es wissenlich so so ist niemant der daz übrig 
argwäne vnd nit für gewisz haben wöll. vnd ist torlich äne werck 

35 bösen lümden jn zegeen. Ist es aber vnwissenlich, so tut disz ouch 
niemant wissen noch vernäraen. Disz ist ain pfand der liebe, vnd 
ich wölt ee sterben ee jch daz wölt mangeln. Auch sprach lucre- 
cia es ist Sünde, es ist sünd sprach euriolus sich des guten nit 



53 

gebruchen so man daz wol tän mag. Sölt ich sölicb bequem- 
lich zyt vnd statt die mir yetz geben sint vnd die ich gesucht 
vnd dero so lang begert han, verlieren vnd mich dero, nit 
gebruchen? Vnd hüb vf der fröwen klaider vnd tat die wider- 

5 stritende fröwen (die doch nit weit gesigen) äne arbait über- 
winden Dise minne gebar jnen nit satung als amoni die minn 
thamar/ sunder tätt grossem durst der liebe jn inen beden 
er wecken. Aber euriolus was Ingedenck der sorgenn vnnd des 
Schreckens jm zu gestanden. Dar vmb [34^] vmb do der diser 

10 spyse enwenig gnüg genomen hatte/ schied er abe wider lu- 
crecie willen. Also daz niemant ützit böses oder anders ge- 
argwänet hat dann daz er ainer vsser den komträgern geweseq/^ 
wer. vnd als euriolus vf der Strasse haim gieng, wundert er 
sich selbs, vnd redt in jm. o. daz mir yetz der kaiser bekem 

lö vnd mich wurd erkennen was argwäns wurd jm diser habit 
vnd sölich endrung diser klaider machen? wie wurd er min 
spotten? Ich wurd yederman zu ainer fabel vnd jm zu schimpf 
vnd spotte. Er horte niemer vf alz lang bis er wiste, was jm 
disz geburen klaid wölte. Aber ich sagte vnd erdächte mich 

w> by ainer andern fröwen gewesen sin, nit by diser. danne er 
die selbs euch lieb hat. darumb mir nit zu nutze wer jm min 
liebe zeoffnen vnd die zeverrauten, die mich enpfangen vnd by 
leben hat behalten, do er also mit jm selbs redt. So sieht er 
nysum achatem vnd palmurum sine diener , die er fürgieng 

» vnd von jnen vor nit bekennet worden ist, ee er haim in sin 
herberg kam. da selbs als er sich vs gezogen hatt, vnd sine 
klaider widerumb an gelegt/ ofnet er diser dingen geschieht 
vnd handel. vnd do er jngedencklichen sagt was forcht vnd 
was fröid jnfallende sich begeben hatten / ward er glych yetz 

30 ainem fürchtenden dann ain fröhlichen, aber vnder den forcht- 
samen dingen redt er. we mir toren Mins houptes hab ich 
vertruwt ainer fröwen, das hat mich min vater nit vnderwisen 
do er mich lert, daz Ich mich an kainer fröwen trüw sölt ver- 
lassen, vnd da er sprach ain fröwen sin ain tiere vngezämpt, 

» wild, vntrüw, beweglich vnstett, grim vnd grülich vnd tusent- 
faltiger zufallen Irs gemütes vnderworflfen. jch hab vätterlicher 
vnderwissung vergessen gehept vnd min leben gegeben vnd 
vertruwet ainer fröwen. wie were jm gewesen ? ob mich yemant 



62 

wirdig bist, danne ich des dinen. nu waz ich wöll (wyle dises 
ding zwüschen frfindeB ist) wil ich dir mit kurtzen Worten 
Tsl^en . . Da waist wie schneel vnd genaigt ist, menschlich 
geschlecht in die liebe der minne. vnd es syg dannain werck 

5 der tagend, oder ain werck des lasters/ so ist doch disz ly- 
den ain gemain dinge vnd ist kain hertz (wo es anders flai- 
schin ist) daz nit etwenn der Uebe anfechtnng hab enpfandea 
Du waist daz diser siechtang, nit den aller hailigosten daaid, 
nit den aller wysosten salamon noch nit den allerstercksten 

10 samson bat lassen sicher hinkomen. äne das so ist disz ain 
aigenschaft vnd nature des entzünten hertzen in wärer jnbrün- 
stiger liebe/ als vil der lieUiabend mensch, mer geirret wirt 
an siner liebe, als vil wirt er darjnne mer brinnen vnd wirt 
diser Siechtum mit kainem ding 6as gearznet noch gehailet/ 

15 dann mit dem vollen des liebgehapten menschen, es sint ge- 
wesen vil man vnd fröwen (das bede zu vnser vnd vnser alt for- 
dern zyten noch in dechtnüsz ist) denen verbotten vnd irrung irer 
liebe, gewesen ist/ ain vrsach ains aller hertsten todes. hin wider 
vmb so haben wir vil erkennet, die nach zügelässner liplicher 

so erkennung [40^] vnd nach frttntlichem halsen/ nach vnd n&dt 
jr inbrünstig wüten der liebe verliessent Vnd ist nützit ge- 
r&tners, dann so die liebe dem marge Inwendigs gebains an- 
hanget/ daz man dann sölicher vngestümikait entwyche vnd 
dero verheng iren gange, dann wer wides vngestümikait des 

s6 Windes faret vnd schiffet, der müs oft Schiffbruchs note lyden. 
aber wer entwychet den wellen der kumpt hin vnd tut die 
vngestümikait vberwinden/ disz hab ich dir hier vmb gesagt, 
daz ich wil dich min liebe wissen vnd was du vmb minen 
willen tun werdest vnd volbringen/ was dir ouch nutzes hier 

80 von entsteen werd, wil ich dir ouch nit verhalten, dann ich 
dich yetz schetz sin ainen andern taile mines hertzen. ich bin 
hold worden lucrecie vnd hab die jnnerlichen lieb, vnd ist das 
(min lieber pandale) nit beschechen miner schuld halb, sunder 
durch Schickung des gelückes in des band vnd gewalt steet 

86 die gantz weit, die wir dann eerent. Mir sint nit bekannt 
gewesen üwer wyse vnd sitten noch die gewonhait üwer statt. 
Ich wand üwer fröwen in dem hertzen tragen, das sy mit ou- 
gen geben zeerkennen. aber die selben üwer fröwen lüdernt vnd 



55 

lenüarwen leftzen byssen? wenn sol ich me diner bewegbaren 
Zungen in minen monide enpfinden? Sol ich kämest me dine 
brüstlin handeln? £s ist/klain achates daz da an diser fröwen 
hast gesechen, als vil sy necher ist, als yü ist sy hüpscher. 

5 wölt got daz du by mir gewesen werest. Gandele des küngs lidie 
elich husfröwe ist nit so büpsch gewesen als die ist. Ich hab 
nit wunder daz der selb küng sinen gemachel nackent wolt ge- 
zögt haben sinen gesellen vmb daz er dester volkomner fröid 
enpfienge. dann ich tete des gelychen ouch wo ich möcht vnd 

10 liesse dich lucreciam nackent sechen. dann ich sust nit kan 
noch mag dir gnüg gesagen wie grosz vnd vil ir hüpsche syg. 
So magst du ouch nit gnüg merchen wie volkomen min 
fröid syg gewesen. Aber fröwe dich mit mir, daz min fröid 
vnd Wollust grösser gewesen ist, danne mit woiiien vsgelait 

15 werden mug. Also redt euriolus mit achate sinem diener. Nit 

. minder ouch redt lucrecia mit ir selbs. doch so was ir fröid 
so vil minder als vil sy verschwigner sin müst vnd niemant 
mocht vertruwen, dem sy disz sagte, dann sy vor schäme die 
ding ouch nit gar sagen torst. . In dem begab sich daz bac- 

80 carus ain banonischer raisiger von edelm geschlecht gebom 
anhftb lucreciam heb zehaben. vnd wyle er hüpsch was, da 
maint er ouch von ir widervmb liebgehapt [36] werden vnd 
allain der fröwen schäm hier an wider steen. Aber die (als 
dann ain gewonhait ist vnsem fröwen) tett alle man mit güti- 

25 gern angesicht lieplich ansechen. Es ist ain kunst (oder war- 
lieber zesagen) ain betrugnüsz. vmb das wäre liebe nit werd 
geöffnet, baccarus was von wegen grosser liebe beroubet siner 
sinnen.'' vnd mocht kainen trost enpfachen, er hette dann das 
gemüt lucrecie erfaren. die fröwen zu senis sint gewon das 

» kirchlin der hochgelopten Jungfröwen marie betlahem genant 
zum ersten stain gelegen oft zesüchen. daselbs hin gieng lu- 
crecia mit zwain jungfröwen vnd ainem alten wybe. baccarus 
folgt ir nach in siner band ainen violblümen mit vergülten 
blettem tragende jn des Stile er ainen bülbriefe vf megten 

»6 pei-ment geschriben hatt verborgen. Vnd du solt des nit wun- 
der han/ dann cicero schribet das gantz gedieht jlliadam so 
subtilklich jm erzögt sin daz das jn ainer nuszschalen wurd 
beschlossen, bacarus bod den viel lucrecie vnd tett sich ir 



56 

flyssig enpfelhen. Lucrecia wolt aber des nit enpfachen. Dar- 
vif bacarus sy mit grosser bitte bat den von jm zenemea 
darzA daz alt wyb redt / Nim hin fröw den gebnen blümen. 
wes furchst du dir da kain forcht ist? es ist klain damit du 

A disen ritter magst machen benügig. lucrecia volgt dem alten 
wybeschen rate vnd enpfieng den voll, vnd als die enklain 
fürbas giengen gab sy den viol der ainen jungfröwen, vnd nit 
lang darnach, sind jnen vf dem wege bekomen zwen Studenten, 
die nit mit grosser bitte die jungfröwen erbaten daz sy jnen 

10 gab den blümen. die selben den Stile vfbrachent vnd den bül- 
briefe fundent. Dises folck der Studenten was vor vast lieb 
vnd enpfengklich vnsern fröwen/ Als bald aber des kaisers 
hofe gen senis kam / da hüb das selb folck an zesin verspotet 
verschmecht [36^] vnd verhasset, danne den selben fröwen ge- 

15 felliger vnd zu grössrer kürtzwyle was das gerüsch des har- 
nüschs, danne die hoflichkait der geschrift. hier von grosser 
nyde vnd merklich zwitrechtikait entstanden ist. die langen 
mentell vnd grossen kappen suchten allwege da durch sy 
schadten den raisigen kurtzen klaidern. darumb als der list 

20 vnd die behendikait des viols offen ward/ geet man bald zu 
menelaus vnd bit den daz er den brief les. der darnach trurig 
haim gieng vnd sin hosfröwen straffende, das gantz huse mit 
geschray tett erfüllen, die husfröw lougnet sich des schuld haben 
vnd erzalt die ergangnen ding vnd legt daz alt wyb des zu 

25 gezügnüsz. man geet zum kaiser alda beschicht ain clage. 
(saccarus wirt beruft, der selb vergicht des handeis vnd gnid 
begerende / vestnet er mit sinem aide, daz er furo hin niemer 
mer lucreciam in bülschaft wöU suchen anreden oder bekum- 
bern. Aber yedoch wist er den obersten gote Jupiter nit er- 

30 zürnt werden sunder mer lachen vmb mainaide der liebhaben- 
den menschen. Vnd als er vil mer verbotten was als vil flyssiger 
vnd mer hangt er nach dem vnfruchtbaren flammen der liebe. 
Es kam der winter der die warmen wind vsschlissende, allain 
den kalten boream vnd nortwinde zu liesz. vom himel vallet 

«5 schnee. Die gantz statt wird vnd kumpt des züschimpfe vnd 
fröiden. die fröwen werffent den schnee an die gassen vnd 
hin widerumb die Jüngling den schnee in die fenster. hievon 
baccarus jm ain vrsach vnd geschicklichkait nemende, ainen 



57 

andern bülbrief jn wachs beschlos vnd das selb dar nach mit 
Schnee vmbgeben oflfenlich jn das venster lucrecie tett werflfem 
wer wil nit sagen vnd bekennen alle ding vnder des gelückes 
gunst vnd vngunste geregiert werden? wer ist der? der nit 
5 desselben gelücks seligen züfale tu begeren [37] Es ist nutzer 
des gunst zebehaben dann daz ich ain brief veneris enpfelhen 
tett marti. es sprechen etlich, daz das gelücke nützit vermug 
in den wysen, des gestee jch jnen in den wysen die sich allain 
fröwent jrer tugend vnd die arm vnd kranck vnd weltlicher 
10 eeren verschalten, noch dann sich selbs geloubent besitzen 
ain seligs leben, dero ich noch kainen ye gesechen han noch 
ainchen ye schetz gewesen sin. das gemain leben der menschen 
bedarf des gelückes gunste. dann dasselb welich es wil. tut 
erheben vnd welich es wil trucken vf die erden, wer hat bac- 
15 caro in disen dingen geschadt dann daz gelücke? were das 
nit gewesen ains wysen rätes. In ainer schneeballen beschlos- 
sen han ainen bülbriefe vnd den durch hilff des schnees an 
ain begerte statt zebringen? nu möcht etlicher sprechen, daz 
das wol sicherer hett mugen beschechen sin. ich sag aber 
10 hier zu. wo das gelück in diser sach hehuffen hett i So were 
bacarus hie durch für sicher vnd wyse geschetzt vnd gehalten 
worden, aber daz widerstrebend gelücke tett die schneeballen 
vsser den henden lucrecie enpfallen, füren zu aim füre vnd 
den briefe (als der schnee von hitz wegen zerschmoltzen was) 
» zaigen vnd offnen. Welchen briefe do etliche alte wyber die 
sich alda waimpten vnd ouch menelaus (der ouch zu gegen 
was) läsenty dadurch sich nüw krieg erhüben, die selben 
krieg baccarus mi mit verantworten sunder mit flucht tett 
vermyden. dise liebe baccari kam euriolo zu nutze, dann do 
w menelaus vf die weg vnd übung desselben baccari geflissen 
was acht zehaben/ gab er hie durch statt euriols vfsetzen. 
Vnd sint bede war (als man redt) daz nit lichtenlich zebehü- 
ten ist/ was von vil wirt lieb gehapt oder daz vil wirt ange- 
fochten, dise liebhabende menschen euriol vnd lucrecia, baite- 
5 tent nach irem ersten brutlpuf [37b] der andern hochzty 
byzeligen. es was ain gesslin zwüschen lucrecie vnd irs näch- 
puren huse vast enge, da durch (wenne man sich mit den 
füssen in bed wende speren tett) lichtenklich mit stygen in 



58 

ain yenster lacrecie was zekomen. aber dahin zestygen gebart 
sich allain nachtes. Menelao was zeryten in ain gowe Tnd 
daselbs fber nacht ysz zebelyben. dises tags wart von den 
liebhabenden als komm erbaitet als die tag der satumälen man 

5 rait hin. Euriolus macht sich in verenderten blaidem bald 
in das gesziin. daselbs hatt menelaus ainen stale, darjnne ea- 
riol durch vnderwysung sosie gegangen ist, vnd baitet alda 
der nachte vnder dem höw verborgen ligende. do kam dromo 
ain ander knecht menelai' der den rossen zA gegeben was vnd 

10 wolt füllen die krüpfen vnd nam höw mit ainer gabel von eu- 
riols syten, vnd hette euch noch mer genomen vnd mit der 
gabel euriolum getroffen, wo das durch sosiam nit wer worden 
fürkomen. der selb sosia (als er dise sorgfeltikait vermarckt) 
lüf bald hin zä. vnd sprach, gibe her lieber brüder mir dises 

15 werck zevolbringen. jch wil geben den rossen daz fftter. da 
lüg dar zwüschen daz vns das nacht essen syg züberait vns 
gebürt ainen guten müt zehaben wile vnser herre vsz ist/ 
vns ist bas by der fröwen dann by jm, die ist frölich vnd milt. 
aber diser zornig vil geschrayes gytig vnd ernsthaftig. zu kainer 

so zyt vns wol ist/ so er hie ist. merckst du nit wie gar mit 
klainem vnd kargem mese er vnser buche ychet vnd fftret, der. 
da allwegen selbs hunger lydt vmb daz er vns mit hunger pinge 
vnd verderbe, vnd der nit verhengt die schimlichen stuk des 
kirninbrots geessen werden, vnd die klainen vischlin mit zwibel 

25 in ain brü gemachet ainen gantzen monat behalt vnd vmb 
Zucht. Ouch die hürling vnd gesaltzen äle ains nacht essens, 
ersparet/ [38] vnd behaltet in ain ander nacht male, vnd die 
fadem des louches zellet vnd zaichnet vmb daz wir die nit 
berürent. Vnselig ist der, der durch sölich kestigung suchet 

30 rychtum. dann was ist torechters. dann arm zeleben vmb daz 
du rych sterbest?^ wie gar vil besser ist min fröwe, die nit 
benügig ist vns zefftren mit kalbflaisch vnd Jungen kitzin, 
sunder ouch vns gibt hennen vnd kranat fogel vnd den foUen 
des besten wines. dromo acht daz vns ain faissz kuche syg vnd 

36 daz wir woUebent. das, sprach dromo) wil ich tun vnd orden- 
lich fürsechen vnd lieber den tische strigeln dann die rose. 
Ich hab minen herren htit in das göw gefürt (das es jm joch 
niemer gelücke) nie kain wort redt er mit mii-, dann spät zu 



59 

vesper zyt do er mich haim zu den rossen schickt, hies er mich 
miner fröwen sagen, daz er diser nacht nit komen wölt sosia 
ich lob dich, daz du doch zu letscht, hast angehept ze hassen 
die wys vnd Sitten mines herren. jch wer langest von jm ko- 

5 men vnd hett ander dienst gesucht, wo nit min fröwe mich 
mit iren morgensüpplin hett behalten, o. gefiele es dir daz 
wir disz nacht nützit schlieffent sunder trunckent essent vnd 
vertetten bis es tag wurd. Min herre gewunn ains gantzen 
manotz nit so viW als vil wir ainer nacht wölten verzerren. 

10 Euriolus hört das gern (ob er wol vor wist die Sitten der 
knechten) vnd zwyfelt nit, dann daz jm desglychen dahaimant 
in sinem abwesen von sinen knechten euch beschech. Als aber 
dromo hinweg kam/ stund Euriolus vf vnd sprach 0. sosia 
wie Wirt Ich so ain selig gut nacht haben, durch din hilfi 

15 vnd gftt getät/ der mich hast gefürt vnd daz Ich nit funden 
wurd so fromklich versorget vnd behütet. Du bist ain guter 
man. Vnd ich hab dich billich lieb/ vnd wil dir ouch, des 
niemer, vndanckbar [38**] funden wereen. Die verzilet stund 
was komen. Darumb wie wol Euriolus In zwayen grossen 

so sorgen gewesen was/ noch dann staig er die muren frölich vf. 
Vnd durch vf getanes venster, fand er Lucreciam by der für- 
statt allaine sitzen. Vnd mit beraiter gäter spyse sin daselbs 
wartendt Vnd als die Iren liebhaber erkant/ stund sy vf 
vnd tett den am mitten vmbfähen. da beschachen früntliche 

s5 wort. Man gab küsz vnd gieng in die minne mit vfgeregten 
segeln, vnd die vnderlybung sölicher schiflfung ward gelifett 
mit essen vnd mit trincken. aber nim war. wie kurtz sint die 
Wollüsten vnd wie lang die angstbarkait. Euriolus hatt kumm 
ain fröliche stund gehabt da kam sosia, die widerkunft Menelai 

80 verkündende vnd betrübt alle fröid. Euriolus erschrack vnd 
flaisz sich wie er mit flucht möcht endrinnen. Lucrecia aber 
als die den tische verbarg/ gieng sy irem mane menelao en- 
gegen vnd grüst den wider komenden vnd sprach 0. min 
lieber man wie bist du so wol vnd recht komen. Dann ich 

35 forcht du werest gefangen, aber was tftst du so lang in dem 
göw? lüg daz mir nit etwas vor syg. warumb belybst du nit 
faie haimant? wes flyssest dich mich zebetrtiben mit dinem 
abwesen? allwegen wenne du vsz bist, so furcht ich daz du 



60 

ain andere liehabest (alsdann t&nt die vngetrüwen man Iren 
husfröwen) darumb wilt du mich sölicher forchten entledigen, 
so schiäff niemer vsz. dann ane dich ist mir kain nacht zu 
fröiden. aber issz hie zenacht, dar nach gangen wir schlauffen. 

s disz was in dem sale, darinne das husgesind pflag zeessen. 
alda flaisz sich lucrecia den man zebeheben als lang bis eu-^ 
riolas die wyle haben möcht hinwege zekomen. dann jm euch 
etlicher zyt vnd wyl hier zA [39] nottüftig was. menelaus hat 
aber da vssen in dem göw zenacht geessen vnd ylt in die 

) schläfkamer zegeen. darzA lucrecia redt, jch merck da hast 
mich wenig lieb, warumh hast du nit liber hie haimant by 
mir das nachtmäle genomen? Darumb daz du vsz gewesen 
bist hab ich hüt disz tags nützit geessen noch getruncken. 
es kämen aber die mayer von vosalia, die etwas (ich waisz 

5 nit was wins) gebrächt haben, doch sagten sy es were vast 
gAter trebianer. ich mocht aber von laides wegen den nit ver- 
sAchen. Nu aber wyle du komen bist / so gangen wir (ob es 
dir gefall) jn den kerr hin in / vnd versAchent den wine , ob 
er als süsz syg als sy gesagt hant. Vnd als sy das geredt. 

Nam sy ain latemen in die gerechten band vüd jren mane mit 
Ir lincken band vnd gieng in die jnnersten taile des kelrs, 
vnd versAcht vnd tranck so lang, dann vsz disem vasse dann 
vsz dem vasse, bis sy maint euriolum hin weg komen sin. 
Und gieng also zAletscht mit jrem man zA vnwilliger elicher 

5 beschlauffung. Euriolus kam vmb mit nacht haim. des andern 
tags (ob es sich also von wegen der kamer geburt oder ob 
es von argwäne beschach) verschoppet vnd vermachet mene- 
laus das venster. Ich geloubt (als dann vnser burger behend 
sint in vermerkung sölicher dingen vnd voll argwäns) daz 

menelaus gemerckt hett die bequemlichkait desselbens ven- 
sters, vnd daz er hie durch siner husfröwen etwas mindern 
wölt geschicklichkait zA disen sachen. dann ob jm wol nützit 
aigenlichs wissend waz/ so was jm doch nit verborgen sin 
husfröwen in bAlschaft oft vnd vil angeredt, vnd versAcht wor- 
den sin. Und bekant dar by die vnstetikait wyplichs gemütes, 
des so manifaltig willen sint, als vil der bletern vf den bömen. 
dann wyplichs geschlecht [39**] allwegen girig ist der nüwekait 
vnd selten lieb hat den man des ir ist gantzer volle. Darumb 



61 

folgt er nach dem gemainen weg der emannen die da mainent 
vngelück mit guter hüte zefürkomeny Hie durch ist euriolo 
vnd lucrecie genomen vnd entwert worden di nacht irs zü- 
samenkomens vnd daz sy ouch nit mer haben mugen brief 

5 ainandem wie vor geben noch schicken dann die amptlüt der 
statt, den winschencken hinder lucrecie hus gesessen durch 
rate menelai ouch getriben hatten vsser der tafeme/ dar vs 
dann euriolus gewon was lucreciam anzereden vnd ir durch 
rore gauben zeschicken. Allain was jnen vor banden gesiebt 

der ougen. da mit sy sich mit wincken vnd zaichen gebung 
möchten getrosten, wie wol sy sich noch dann desselben vsser- 
sten staffeis der gesiebte nit gnüg mit fäge konden gebruchen. 
Es was ir yetwederm grosser schmertz vnd pingung glych 
dem tode. dann sy ir liebe nit mochten vergessen noch darjnne 

16 ouch nit beharren, vnd do also euriolus angstig was vnd in 
jm gedächt was räts vnd trostes er hierjnne enpfachen möcht/ 
fiel jm jnn sine die angebung lucrecie Als sy jm geschriben 
hatt von pandalo menelaus swester sune / vnd folget nach dem 
wysen emieten artzat. die ain sölich gewonhait haben in gros- 

10 sen siechtungen/ daz sy ain zwyfelhaftig artznie dem krancken 
gebent/ vnd lieber wöllent erfaren würckung sölicher artznie 
durch wagung des lebens/ danne den siechen an artznie ver- 
lassen. Vnd nam jm für pandälum an zereden vnd die artznie 
vnd hilf zenemen, die er vor hatt vsgeschlagen vnd verachtet. 

16 vnd als er nu den besandt vnd in das aller jnnerst gemahe 
berüflfet hatt/ Sprach er sitz nider fründt. Ich will dir sagen 
vnd zeerkennen geben ain vast grosse sachh die da bedarf 
der dingen [40] die Ich waisz in dir sin, daz ist trüw, flysz 
vnd geschwigklichkait. jch hab in willen gehabt dir disz vor 

so langer zyt zesagen / du werd mir aber do zemäl dennocht nit 
gar bekant Aber yetz bekenn ich dich, vnd dwyle du from 
vnd trüw bist so hab ich dich lieb, vnd bin flyssig dich mir 
in liebe zebehalten. vnd wiste ich sust das nit anders von dir, 
BD ist gnüg daz alle din mit burger dich lobent. So haben 

u euch mine diener mit denen du in früntschaft komen bist 
mich des aigenlich vnderrichtet. von den selben ich ouch ver- 
mexekt han dich mines günstigen willens begeren/ des ich 
dich yetz mittailhaftig machen wil. danne du nit minder des 



62 

wirdig bist, danne ich des dinen. nu waz ich wöll (wyle i 
ding zwüschen fründen ist) wil ich dir mit kurtzen wc 
vslegen . . Du waist wie schneel vnd genaigt ist, menscl 
geschlecht in die liebe der minne. vnd es syg dann ain w 

5 der tugend, oder ain werck des lasters/ so ist doch disi 
den ain gemain dinge vnd ist kain hertz (wo es anders 
schin ist) daz nit etwenn der liebe anfechtnng hab enpfiii 
Du waist daz diser siechtung, nit den aller hailigosten d 
nit den aller wysosten salamon noch nit den allerstercl 

10 samson hat lassen sicher hinkomen. äne das so ist diss 
aigenschaft vnd nature des entztinten hertzen in wärer jnl 
stiger liebe/ als vil der liebhabend mensch, mer geirret 
an siner liebe, als vil wirt er darjnne mer brinnen vnd 
diser Siechtum mit kainem ding Bas gearznet noch geha 

15 dann mit dem vollen des liebgehapten menschen, es sini 
wesen vil man vnd fröwen (das bede zu vnser vnd vnser alt 
dern zyten noch in dechtnüsz ist) denen verbotten vnd irrung 
liebe, gewesen ist/ ain vrsach ains aller hertsten todes. hin ^ 
vmb so haben wir vil erkennet, die nach zügelässner lipli 

20 erkennung [40*»] vnd nich frtlntlichem halsen / nach vnd : 
jr inbrünstig wüten der liebe verliessent. Vnd ist nützit 
rätners, dann so die liebe dem marge Inwendigs gebaim 
hanget/ daz man dann sölicher vngestümikait entwyche 
dero verheng iren gange, dann wer wides vngestümikail 

«6 Windes faret vnd schiffet, der müs oft Schiffbruchs note 1; 
aber wer entwychet den wellen der kumpt hin vnd tut 
vngestümikait vberwinden/ disz hab ich dir hier vmb ge 
daz ich wil dich min liebe wissen vnd was du vmb n 
willen tun werdest vnd volbringen/ was dir ouch nutzes 

80 von entsteen werd, wil ich dir ouch nit verhalten, dann 
dich yetz schetz sin ainen andern taile mines hertzen. ic 
hold worden lucrecie vnd hab die jnnerlichen lieb, vnd isl 
(min lieber pandale) nit beschechen miner schuld halb, su 
durch Schickung des gelückes in des band vnd gewalt 

35 die gantz weit, die wir dann eerent. Mir sint nit bei 
gewesen üwer wyse vnd sitten noch die gewonhait üwer i 
Ich wand üwer fröwen in dem hertzen tragen, das sy mit 
gen geben zeerkennen. aber die selben üwer fröwen lüdernt 



71 

were mir so gar vil begirlicher gewesen zesterben In Irer 
schöse dann sy In der minen also hin schaiden. Grosse liebe 
vber wand den man daz er die sorg aigens hails zu rugk 
schlachendö belaib by der fröwen. Vnd hüb höcher vf den 
5 yngesprechen stummen lybe vnd kuste den von Im gantz nasz 
gemachet mit sinen trechen vnd sprach wee lucrecia. Wo bist 
du in diser gantzen werlte? wo sint dine oren? Warumb gibst 
du mir nit antwort? warumb hörest du mich nit? Tu vf dine 
ougen (bitt Ich) vnd sich mich an. Lachh mir als du gewon 

10 bist. Ich bin hie din Euriol. Dich vmbfachet din euriol 
hertzblAt mins. Warumb küssest du nit mich hin widerumb? 
Mich wundert ob du tod syest oder ob du schläffest / wo sAch 
Ich dich / woltest du sterben. Warvmb hast du mich dann 
nit vor gewarnet. Daz ich mich mit dir ertote. Es syge 

15 dann daz du mich hörest (nim war) so sol yetz ain schwert 
vf tun min syten, vnd dir vnd mir sin ain gelycher vsgange 
des todes. Ach min leben min süsse, min kurtzwyle min Wol- 
lust, ainige hoffung vnd gantze rüwe/ sol ich dich lucrecia 
also verlieren? ä tu vf dine ougen vnd heb vf din houpte. 

20 Ich siehe [46^] doch daz du nit gantz tod bist, danne du noch 
warm bist vnd züchest den äten. Warvmb redst du mir dann 
nit? Enpfächst du mich also vnd berufst du mich zu sölichen 
fröiden vnd gibst du mir ain sölich nachte? Stand vf (bitt 
ich) min rüwe vnd siehe din Euriolum. Ich bin hie din eu- 

25 riol. Vnd do er also redt, äos ain grosser bache der trecher 
vf der fröwen Stirnen vnd schlaufäder / dadurch sy als durch 
röswasser erkiket/ glycher wyse als vsser aim schweren tröme 
vfstünd vnd Iren liebhaber ansechende sprach. Wee mir eu- 
riole. wo bin ich gewesen? Warumb hast du mich nit lieber 

80 lassen sterben? jch were doch seligklich gestorben In' dinen 
henden. Wölt got daz Ich also sturb vor vnd ee. du von 
diser statt schiedest. Vnd do sy also mit ainander geredten, 
giengent sy sament In die schlauf kämer , da sy ain söhch 
nachte hatten, als wir geloubent gewesen sin zwüschent zwayen 

35 liebhabenden menschen, zu den zyten do paris In hochen schif- 
fen die geroubten Helenam hinfürt. Die nacht was euch so 
süsz, daz sy bede abred wären, so ain gutes leben zwüschen 
dem gotte mars vnd der göttin venus gewesen sin. Du bist 



62 

wirdig bist, danne ich des dinen. nu waz ich wöll (wyle dises 
ding zwüschen fründen ist) wil ich dir mit kurtzen Worten 
Yslegen . . Du waist wie schneel vnd genaigt ist, menschlich 
geschlecht in die liebe der minne. vnd es syg dann ain werck 

5 der tagend, oder ain werck des lästerst so ist doch disz ly- 
den ain gemain dinge vnd ist kain hertz (wo es anders flai- 
schin ist) daz nit etwenn der liebe anfechtnng hab enpfunden. 
Du waist daz diser siechtung, nit den aller hailigosten dauid, 
nit den aller wysosten salamon noch nit den allerstercksten 

10 samson bat lassen sicher hinkomen. äne das so ist disz ain 
aigenschaft vnd nature des entzünten hertzen in wärer jnbrün- 
stiger liebe/ als vil der liebhabend mensch, mer geirret wirt 
an siner liebe, als vil wirt er darjnne mer brinnen vnd wirt 
diser Siechtum mit kainem ding 6as gearznet noch gehailet/ 

15 dann mit dem vollen des liebgehapten menschen, es sint ge- 
wesen vil man vnd fröwen (das bede zu vnser vnd vnser alt for- 
dern zyten noch in dechtnüsz ist) denen verbotten vnd irrung irer 
liebe, gewesen ist/ ain vrsach ains aller hertsten todes. hin wider 
vmb so haben wir vil erkennet, die nach zügelässner liplicher 

80 erkennung [40^] vnd nach früntlichem halsen / nach vnd n&dt 
jr inbrünstig wüten der liebe verliessent. Vnd ist nützit ge- 
rätners, dann so die liebe dem marge Inwendigs gebains an- 
hanget/ daz man dann sölicher vngestümikait entwyche vnd 
dero verheng iren gange, dann wer wides vngestümikait des 

«6 Windes faret vnd schiffet, der müs oft Schiffbruchs note lyden. 
aber wer entwychet den wellen der kumpt hin vnd tut die 
vngestümikait vberwinden/ disz hab ich dii* hier vmb gesagt, 
daz ich wil dich min liebe wissen vnd was du vmb minen 
willen tun werdest vnd volbringen / was dir ouch nutzes hier 

80 von entsteen werd, wil ich dir ouch nit verhalten, dann ich 
dich yetz schetz sin ainen andern taile mines hertzen. ich bin 
hold worden lucrecie vnd hab die jnnerlichen lieb, vnd ist das 
(min lieber pandale) nit beschechen miner schuld halb, sunder 
durch Schickung des gelückes in des band vnd gewalt steet 

35 die gantz weit, die wir dann eerent. Mir sint nit bekannt 
gewesen üwer wyse vnd sitten noch die gewonhait üwer statt. 
Ich wand üwer fröwen in dem hertzen tragen, das sy mit ou- 
gen geben zeerkennen. aber die selben üwer fröwen lüdernt vnd 



63 

raitzent die menschen vnd habend doch die nfltrit lieb, da 
durch ich betrogen worden bin. dann ich maint mich lieb g^ 
hapt sin lucrecie, do sy mich ansach lieplich mit wolgefelligen 
oogen. vnd hftb an sy widemmb liebzehaben tI vnd mainet sic^ 
5 nit gebfirren, das ain sölich wirdig hflpsche fröwe lieb haben 
solt ine wider geltong der liebe, zft den selben zyten hab jch 
weder dich noch din geschlecht bekennet/ vnd hatt lieb, mai- 
nende lieb gehapt sin. dann wer ist so stainin oder so ysnin 
der liebgehapt nit widemmb oach lieb hab? aber nich m&ls 
10 ynd ich sölich betrognüsz erkant vnd ich mich mit geuerden 
marckt verspottet sin/ daz dann min lieb nit vmb sost vnd 
ynfraditbar [41] wer/ so hab jch mich geflissen mit allen 
minen künsten/ die selben fröwen jn liebe gegen mir zeent- 
zünden ymb des willen daz glychs vmb glychs geben ward. 
15 dann jn liebe brinnen das was ain schäm vnd kumber des 
gemütes die mich tag ynd nacht wundervast bekranckten ynd 
ich was jnwendig so yast verirret/ daz ich kainen weg vsz 
mir selbs hin vs wist zekomen. darvmb ist beschechen do ich 
also disz ding mit flyssiger Übung beharret / daz vnser beder 
so liebe gegen ainander glych worden ist Sy ist entzündt Ich 
brinn. wir sterbend bede vnd sechent nit aincherlay artznie 
vnser leben ze erlengem, es syge dann daz du n&n gut behüt 
vnd brüder vns komest zu hilffe. der wachend dracke behftt 
nit so wol des guldin scheppers, noch cerberus den Zugänge 
25 sines gartens. als wol die ingeschlossen ist vnd behütet, jch 
hab erkennt üwer geschlechte, vnd waisz daz ir edel sint vnd 
vsser den vordersten diser statt, rych mechtig vnd lieb gehapt 
wölt got daz ich diso fröwen nie hett erkennet, aber wer ist 
der, der widersteen mug des gelückes Schickung? jch hab mir 
«> die nit erwellet sunder hit des gelückes fale mir die gegeben 
lieb ze haben, vnd hat disz ding ain sölich gestalt vnser liebe 
ist noch in gehaim vnd verborgen, vnd es syge dann daz die 
selb liebe wol geregieret werd/ so gebirt sy (wo die gött das 
nit fürkoment) ain grosses übel, ich möcht villich mir selbs 
35 abbrechen ob ich von hinnan ritt / wie wol mir daz allerschwe- 
rest wer, noch dann tett ich das von üwers geschlechtes we- 
gen, wenne ich erkannte üch das zu nutze komen. jch erkenn 
aber die inbi-ünstig vngestümikait lucrecie. aint weders sy lüff 



64 

mir nach, oder sy genött zebelyben, tett sich selbs ertötten, 
das zu ewiger schände sin wurd üwerm huse. darumb daz ich 
dich beruft hab ist üwer Sachen halb, daz wir [41*»] begegnent 
disem vbeL vnd ist kain anderwege/ dann daz du dich vns 
5 gebest zu ainem fürman vnser liebe, vnd achtest daz vnser 
verborgen füre nit werd geöffnet, jch enpfilch, gib, vnd verhaisz 
mich dir. wird zu dienste vnd willen der vngestümikait vnser 
liebe, daz nit (so man vns widerstreb) vnser liebe mer vnd 
grösser werd entzündet, schaff daz wir ainist mugen zu samen 
10 komen. wenn daz beschicht / so wirt schnell gedemütiget vnser 
brunst vnd littenlicher gemachet vnser liebe, du waist die 
geng in das huse. du waist wenn der man vsz ist. du waist 
wie du mich magst hin in füren, vf des mans brüder müs 
man acht haben/ der da ist zu disen dingen ain aller gröste 
15 Irrtung. danne der halt lucreciam an sins brüders statt vnd 
verhütet die mit grossem flysze. vnd merckt eben vff alle Ir 
geberde, wort stifftzen rüspeln husten vnd lachen, derselb ist 
nach minem beduncken zelaichen vnd zebetriegen, das aber 
äne dich nit beschechen mag. Darvmb so bis anhaimsch, vnd 
20 so der man vsz syg/ so vnderwyse mich wartenden vnd stell 
abe den brüder, daz er nit syg ain angehefter hüter lucrecie, 
oder daz er nit ir ander hüter zu schybe, sunder dir getrüw 
vnd dir villicht (das got wöll) sölich ampt enpfelhe. beladest 
du dich dann des vnd mir hilffest als ich hoff/ so ist alles 
«5 ding richtig vnd in sicherhait gesetzt, dann du magst mich 
haimlich (so die andern schläfent) jnlässen vnd vnser wüten- 
den liebe miltern. wie vil nutzbarkait hier von entstee / main 
ich dich nach diner wyshait wol schinbarlich mercken vnd er- 
kennen, dann des ersten so behaltest du die eere dines ge- 
30 schlechtes. Du bedeckest vnd behaltest in gehaim die liebe, 
die nit äne üwer schände möcht werden offen, din geschwygen 
behepst du bim leben vnd behütest menelao sin wibe. Dem 
selben menelao nit so vil [42] zu schaden komen mag ain 
nachte die mir gegöndt wirt vnd so niemant das waisz als 
36 sölt er die mit wissen des folckes verlieren so sy mir nich- 
lüff. ain fröw die vermechelt was ainem römschen sonatori/ 
lüf hin vnd folget nach pyaludum zu pharone vnd an den 
nylum vnd in die lobwirdigen statt lagi. wie wer jm ob lucrecia 



65 

ir f&rsatzte nächzefolgen mir, der da haimant bin edel rych 
vnd mechtig? was schand? was lasters? üwers geschlechtes? 
was gespöts des folkes? was red vnd böses Itimdens? nit al- 
lain üwer, sunder ouch der gantzen statt, hier von entsteen 

5 wurd? nu möcht ainer sprechen/ daz besser wer, die fröwen 
vor vnd ee mit wäflFen zeertöten oder ir mit gifte ze verge- 
ben/ dann daz sy ainchs sölichs tun sölt. aber wee dem der 
sich mit menschlichem blüt vermäsget, vnd mit grösser Sünde 
ain minder sünde tAt fürkomen. Böse ding sint nit ze meren 

10 sonder zemindem. so sint wir ouch nit hie vsser zwayen gu- 
ten dingen das besser zeerwellen, oder vsser aim bösen vnd 
vsser aim guten das, daz gut syg zeerkiesen/ sunder so sint 
wir hie vsser zwain bösen zenemen das, das minder Schadens 
mug geberen. Allwege sint hier jnn voll der sorgfeltigkait. 

15 aber diser wege wenne Ich dir den erzog, hat sölicher sorgen 
am minsten / da durch du nit allain dinem blute vnd geschlechte 
zu rate, sunder ouch mir zu nutze kumpst, der nach gantz 
vnsinnig bin / so ich sich vnd merck von minen wegen lucre- 
ciam werden gepinget, dero ich lieber sin wölt zu hasz dann 

20 dich also bitten, aber dise ding sint hier zu vnd so wyt kö- 
nnen, Es syg dann daz das schiff mit dinen künsten mit diner 
sorg mit diner vemunft vnd mit diner geflissenhait werd ge- 
regieret/ so ist kain hoffung aincherlay hailes. darumb so hilf 
vnd tu sy vnd mich vnd din geschlecht vor vneeren behüten. 

s5 [42^] vnd wollest nit mainen noch gelouben daz ich dir des 
vndanckbar sin werd. danne du waist wie grosz ich by dem 
kaiser geacht bin. wes du begerest das wil ich dir schaffen 
VBgericht vnd erworben, vnd vor allen dingen so verhaisz ich 
dir vnd gib dir des min trüw, daz du ain Gomes palatin ge- 

30 machet werden solt/ vnd alle dine nächkomen mit sölichem 
titel werden begaubet erfröwet vnd erhebet, jch enpfilch dir 
lucreciam, ouch mich vnd vnser liebe vnd darzü vnser eere 
vnd lümden vnd das lob vnd die gezierd dines geschlechtes, 
vnd gibe das alles in din trüw. du bist des gewaltig vnd mechtig 

» vnd ist alles in dir gesetzt, lüg was du würckest vnd tügest 
danne da magst das behalten vnd verderben. . als pandalus disz 
gehört schmollet Erenwenig. vnd vber ain klain wyle dar 
nich/ Bedt er. Ich hab dise ding (euriole) langest gemercket 

H. ▼. Wyle. 5 



64 

mir nach, oder sy genött zebelyben, tett sich selbs ertötten, 
das zu ewiger schände sin wurd üwerm huse. darumb daz ich 
dich beruft hab ist üwer Sachen halb, daz wir [41*»] begegnent 
disem vbeL vnd ist kain anderwege/ dann daz du dich vns 
5 gebest zu ainem f&rman vnser liebe, vnd achtest daz vnser 
verborgen füre nit werd geöffnet, jch enpfilch, gib, vnd verhaisz 
mich dir. wird zu dienste vnd willen der vngestümikait vnser 
liebe, daz nit (so man vns widerstreb) vnser liebe mer vnd 
grösser werd entzündet, schaff daz wir ainist mugen zu samen 
10 komen. wenn daz beschicht / so wirt schnell gedemütiget vnser 
brunst vnd littenlicher gemachet vnser liebe, du waist die 
geng in das huse. du waist wenn der man vsz ist. du waist 
wie du mich magst hin in füren, vf des mans brüder müs 
man acht haben/ der da ist zu disen dingen ain aller gröste 
15 Irrtung. danne der halt lucreciam an sins brüders statt vnd 
verhütet die mit grossem flysze. vnd merckt eben vff alle Ir 
geberde, wort süfftzen rüspeln husten vnd lachen, derselb ist 
nach minem beduncken zelaichen vnd zebetriegen, das aber 
äne dich nit beschechen mag. Darvmb so bis anhaimsch, vnd 
20 so der man vsz syg/ so vnderwyse mich wartenden vnd stell 
abe den brüder, daz er nit syg ain angehefter hüter lucrecie, 
oder daz er nit ir ander hüter zu schybe, sunder dir getrüw 
vnd dir villicht (das got wöll) sölich ampt enpfelhe. beladest 
du dich dann des vnd mir hilffest als ich hoff/ so ist alles 
«5 ding richtig vnd in sicherhait gesetzt, dann du magst mich 
haimlich (so die andern schläfent) jnlässen vnd vnser wüten- 
den liebe miltern. wie vil nutzbarkait hier von entstee / main 
ich dich nach diner wyshait wol schinbarlich mercken vnd er- 
kennen, dann des ersten so behaltest du die eere dines ge- 
30 schlechtes. Du bedeckest vnd behaltest in gehaim die liebe, 
die nit äne üwer schände möcht werden offen, din geschwygen 
behepst du bim leben vnd behütest menelao sin wibe. Dem 
selben menelao nit so vil [42] zu schaden komen mag ain 
nachte die mir gegöndt wirt vnd so niemant das waisz als 
35 sölt er die mit wissen des folckes verlieren so sy mir näch- 
lüff. ain fröw die vermechelt was ainem römschen sonatöri/ 
lüf hin vnd folget nach pyaludum zu pharone vnd an den 
nylum vnd in die lobwirdigen statt lagi. wie wer jm ob lucrecia 



65 

ir fttrsatzte nächzefolgen mir, der da haimant bin edel rych 
vnd mechtig? was schand? was lasters? üwers geschlechtes? 
was gespöts des folkes? was red vnd böses lümdens? nit al- 
lain üwer, sunder oueh der gantzen statt, hier von entsteen 

5 wurd? nu möcht ainer sprechen/ daz besser wer, die fröwen 
vor vnd ee mit wäflfen zeertöten oder ir mit gifte ze verge- 
ben/ dann daz sy ainchs sölichs tAn sölt. aber wee dem der 
sich mit menschlichem blüt vermäsget, vnd mit grösser sünde 
ain minder sünde tut fürkomen. Böse ding sint nit ze meren 

10 sunder zemindern. so sint wir ouch nit hie vsser zwayen gu- 
ten dingen das besser zeerwellen, oder vsser aim bösen vnd 
Ysser aim guten ^as, daz gut syg zeerkiesen/ sunder so sint 
wir hie vsser zwain bösen zenemen das, das minder Schadens 
mug geberen. Allwege sint hier jnn voll der sorgfeltigkait. 

15 aber diser wege wenne Ich dir den erzog, hat sölicher sorgen 
am minsten / da durch du nit allain dinem blute vnd geschlechte 
zu rate, sunder ouch mir zu nutze kumpst, der nach gantz 
vnsinnig bin / so ich sich vnd merck von minen wegen lucre- 
ciam werden gepinget, dero ich lieber sin wölt zu hasz dann 

20 dich also bitten, aber dise ding sint hier zu vnd so wyt kö- 
rnen, Es syg dann daz das schiff mit dinen künsten mit diner 
sorg mit diner vemunft vnd mit diner geflissenhait werd ge- 
regieret/ so ist kain hoffung aincherlay hailes. darumb so hilf 
vnd tu sy vnd mich vnd din geschlecht vor vneeren behüten. 

«5 [42**] vnd wollest nit mainen noch gelouben daz ich dir des 
vndanckbar sin werd. danne du waist wie grosz ich by dem 
kaiser geacht bin. wes du begerest das wil ich dir schaffen 
vsgericht vnd erworben, vnd vor allen dingen so verhaisz ich 
dir vnd gib dir des min trüw, daz du ain Comes palatin ge- 

30 machet werden soltV vnd alle dine nächkomen mit sölichem 
titel werden begaubet erfröwet vnd erhebet, jch enpfilch dir 
lucreciam, ouch mich vnd vnser liebe vnd darzü vnser eere 
vnd lümden vnd das lob vnd die gezierd dines geschlechtes, 
vnd gibe das alles in din trüw. du ^ist des gewaltig vnd mechtig 

86 vnd ist alles in dir gesetzt, lüg was du würckest vnd tügest 
danne du magst das behalten vnd verderben. . als pandalus disz 
gehört schmollet Erenwenig. vnd vber ain klain wyle dar 
n&ch/ Redt er. Ich hab dise ding (euriole) langest gemercket 

N. V. Wyle. 6 



66 

vnd verstanden, vnd wölt got daz sy nit beschechen weren. 
daz ding ist aber (als du selbs bekennt hast) hier zA komen i 
daz die notdurft haischet mich das zet&n vnd zevolbringen 
daz du begerest. Es syge dann daz ich vnser geschlecht wöll 
5 werden gescholten vnd grosz schand vnd laster begere zeer- 
wachsen dise fröw (als du ouch geredt hast) brinnet in liebe, 
vnd ist jr selbs vnmechtig. vnd ich kom ir dann zehilff so 
ertött sy sich mit ainem messer oder mit fallen oder springen 
vsser aim venster. dann ir ist nit me ainch acht weder Irer 

10 eeren noch irs lebens. Sy hat mir Ir liebe geöffnet. Ich han 
widerstand getan sy gestraffet vnd mich geflissen zeverhüten 
vnsem lümden. Vnd doch nützit geschaffet. Dann alle ding 
bis an dich schetzet sy klain vnd nützit i besunder allain dich 
acht sy grosz Du bist zu aller zyt in Irem gemüt. din begert 

15 sy. nach dir belanget sy. din allain gedenckt sy. oft hat sy 
mir [43] gerüft vnd gesprochen Euriole los (bitt ich) also ist 
die fröw durch liebe verwandelt/ daz sy nit die ist, die sy 
vor gewesen ist. Ach wyplich gütikait ach grosser schmertze. 
jst diser gantzen statt ist vor kain fröw küscher noch wyser 

«> gewesen dann lucrecia. Es ist ain wundersam ding, daz die 
natur so vil rechts vnd gewaltz geben hat der liebe in mensch- 
lichs gemüte. Es gebürt sich aber zehelffen sölicher kranck- 
bait. Vnd ist ouch des kain ander artznie, danne die so du 
gezögt hast. Ich wil mich disz wercks verfähen'vnd so es 

^ zyt wirdt dich vnderrichten. Vnd Ich such des nit gnäd noch 
danck von dir Danne es ist ainem fromen guten man nit ge- 
bürlich gnäd vnd danck zebegeren Sachen halb da er nützit 
verdient/ dann ich wil das des du begerst tun vnd volbringen 
vmb daz ich vermyd vneerlichen lümden vnsers geschlechtes/ 

^ ist daz dir das kumpt zu nutze/ darvmb bin ich dir nit vil 
liebzehaben. Darvf euriolus redt. Dem syg dann wie Im wöll 
So hab ich dir des dancke vnd wil achten daz du (als Ich 
gesagt han) zu ainem comitpalatin werdest gemachet vnd er- 
hebet. Du wollest sölich wirdigkait nit verachten noch ver- 

^ schmähen. Ich verschmähe die nit sprach Pandalus. Ich wil 
aber nit, daz die hiervon entstanden syg/ Ist daz mir etwas 
entsteen vnd komen sol/ das kom frylich. Ich wil hier jnne 
nOtzit bedingts haben, dann möcht beschechen sin daz durch 



67 

min hilff vnd dir vnwissend, du zu Lucrecia komen werest/ 
Ich wölte dasselb lieber dann also mit dinem wissen getan 
haben. Aber aldey got dehütt dich. Got behütt dich wol 
antwort Euriolus. Vnd dwyle du mir guten tröste geben hast/ 

ö so tu, erdenck, such, find vnd volbring [43^] daz wir züsamen 
komen. ä loblich sprach Pandalus wil Ich das volbringen. Vnd 
schied dar mit frölich abe / Ains tails darvmbe / daz er ains 
sölichen treffenlichen mans gnäd funden hatt/ Zum andern 
darymb daz Er sich yetz hoffet sin ainen comit polatinum, 

10 wecher wirdigkait er so vil giriger was, als vil er sich minder 
erzougt dero zebegeren. Dann es sint ettlich lüte glych als 
die fröwen/ die (so sy sich sagen aller maist ains dings uit 
wollen / desselben dings aller maist begeren. . Diser pandalus 
h&t mit würckung vnd belönung ainer btiberye vnd riffianätz 

15 erfolgt vnd vberkomen ainen adel ains palatinäts. vnd sine 
nächkomen werden des erzögen brief vnd sigel irs adels . . 
lieber mariane in dem adel sint vil Staffel. Vnd für war 
wenne du aines yeden vrsprung suchest, so findst du nach 
mmem beduncken, kainen adel oder aber wenig, die nit ainen 

» sflntlichen lasterlichen anfang vnd vrsprunge gehept haben. 
danne dwyle wir sechen daz. die. Edel gehaissen vnd genennet 
werden, die da in grossen richtungen ir leben fftren vnd her- 
bricht haben, vnd aber rychtum selten ain mit gesell ist der 
tilgend/ Wer ist dann? der nit seche den vrsprung des adels 

t6 haben ainen vnadelichen gründe. Etlich hat rych gemachet 
wftcher Etlich roube/ Etlich verräterye. der ist rych worden 
mit giftUcher Vergebung. Der mit glychsnen vnd liebkoserye. 
Dem gebirt eebrechung lön zytliches gutes dem ist zu nutze 
sin li^en. Etlich machent gewin vsser Iren elichen husfröwen, 

»0 etlich vsser Iren töchtern Ir vil hilft erschlachung der men- 
schen. Seltzen ist der, der rechtlich vnd an sünde grossen 
rychtum hab gesampnet. Niemant machet ain grosse bürde 
dann [44] dann der da mäyet vnd abschnydt alle krüter. Die 
menschen samelnt vil zytliches güttes vnd frägent nit waher 

86 das kom sunder nun das vil kom. Mengklichem gefalt der 
sprach, waher du das habest, fragt niemant/ sunder so müs 
iBan haben vnd wenne also kisten vnd tröge voll sint So be- 
gert man dann des adels , der also erfolget nützit anders ist, 

5* 



80 

gefellig sin/ daz ich mich dann hienäch in giösserm/ grösser, 
arbait gebruchte/ zu kurtzwyl lust vnd gefallen üwern fürst- 
lichen gnaden darjn jch mich tun vndertenig enpfelhen etc. 

* AAncredus was ain fürst von salern, gütig vnd ainer 

senftmütigen nature. Wo er allain in dem alter sine hend nit 
vermässiget hett mit blüt vergiessen zwayer liebhabenden men- 
schen. Der selb hatt all sin lebtage kain kind ye gehept/ 
dann ain ainige tochter, da Im ouch vast besser gewesen wer, 

10 daz er dero nit gehept hett. Vnd als die selb tochter ain 
ainig kind was/ also hett er ouch. sy ainig lieb, gegen Ir so 
Innerlichen in vätterlicher liebe entzündet / Wie wol vil Ir zu 
der ee begerten, ye doch wyle er die vngern von Im schaiden 
lies/ tett Er sy vber die gebürlichen järe by jm haimant be- 
heben, doch zA letscht als die des hertzogen sune von Cam- 

15 pania vermechelt ward, ist sy darnach bald als der selb ir man 
gestarb widerumb haim zu Irem vatter komen. Dise was die 
gemaitescht non lybe vnd die schönst von angesicht vnd voll 
aller natürlicher hüpschkait vnd besunder ouch von Vernunft 
grösser dann villicht fröwen gebürlich ist. Als die nu also by 

«0 Irem gütigem vatter wonet, glych ainer grossen fröwen mit 
vil Wollüsten vmbgeben/ gedaucht sy ains mäls in Irem ge- 
müt/ wie gar wenig oder nützit ir vatter geflissen wer, sy 
anderwerb zeuermecheln / Vnd ir zu schäme sin wurd ? sölichs 
von Ime [52^] ze begeren. vnd satzt jr für, wo das mit füge 

95 gesin möcht das sy dann ir haimlich ainen bülen ains adel- 
lichen gemütz suchen wölt. Nu was irs vatters huse voll edler 
vnd vnedler In mässen dann an der grossen fürsten höfen ge- 
won ist. Vnd als sy dero aller Sitten leben vnd gestalt aigen- 
lich erspecht vermarckt vnd erwäg/ do warf sy zu letst Ir 

80 gemüt vf ainen Jüngling mit namen gwiscardum von niderm 
geschlecht geborn. Aber von loblichen sitten irber all ander 
wol edel. Den selben sy emsenklich ansechend von tag zu tag 
mer vnd mer bewarende, Inbrünstenklichen anhüb Heb zehaben. 
Als aber der von vemunft nit trege, der fröwen gemüt ver- 

86 marckt/ ward er In dero liebe so entzündet/ daz er all ander 
Bachen zu rukg schlachende, nützit anders tett Dann tag vnd 
nacht allain nach jr gedencken. In dem nu vnd sölich ir liebe 



81 

beder sytt gegen Einander erwachsen was, vnd die fröw, nützit 

^ mers begert, dann wie sy züsamen kämen vnd doch niemant 
anders ir gemüt In disen Sachen offnen wolt, Do erdächt sy 
zu letst ainen sölichen wege, Vnd schraib dem Jüngling 
5 vnd vnderrichtet den in geschrift was sy von jm beschechen 
wöIt vnd verschlos die geschrift in ainen liederlichen vnd 
achtbaren stecken von rore, vnd gab dasselb rore schimpflich 
dem Jungling sprechende/ daz er das geben sölt siner dienst 
magt zu ainem stecken das füre zeschüren. als bald aber 

10 gwiscardus das rore genam gedächt er wol jm das nit äne 
sach gegeben sin vnd tett haimant das rore vf vnd fand die 
geschrift. vnd do er die gelas, gantz vnderrichtet waz die 
fröw wolt von jm beschechen / ward er mit vngebürlicher fröide 
durch gössen vnd hüb schnell an flysz [53] zetün, da mit er 

15 zur Ir in massen sy jnn vnderricht hatt komen möcht. Nu 
was by des fürsten huse ain alte dol oder hüle vnd dar ob 
ain loch, das durch den berge gehöwen der hüle licht gab. 
Vnd wann aber zu langer zyt sich niemant derselben dolen 
vnd hülin hatt gebruchet/ was die voll dornen vnd gestüdes 

20 gewachsen. Vsser der selben hülin was ain haimlicher Zugang 
zu der schlafkamer darjnne die fröw zu den selben zyten ir 
wonung hatt. wie wol die türe mit grossen starcken tiln ver- 
machet vnd verrigelt was. Vnd dwyle aber dise hüle gantz 
in vnübung stund/ do hatt niemant mer des zügans gedecht- 

25 nüsz Aber liebe dero ougen nützit ist verborgen, fört den 
selben zägang widerumb in das gemüt der liebhabenden frö- 
wann/ die da mit Irem aigen wysen rate/ vmb daz sie nie- 
met diser dingen mitwissend machte/ durch sich selbs die 
kunst fand, wie wol das langsam vnd mit grossem flysz zü- 

so gieng, wie man die türe vfbringen möcht. vnd gieng dar nach 
selbs allain in die hülin vnd besach das loch den tag jnfürend, 
da durch gwiscardus zu ir komen solt. vnd nam alda die men- 
sure vnd höche/ damit er durch gemachte instrument hinab 
komen möcht. darumb als gwiscardus des alles durch der 

86 fröwen brief vnderrichtet was/ machet er zu diser dingen 
volbringung schnell ain saile mit knöpfen vnd halftern damit 
er vf vnd ab komen möcht. Vnd in leder angetan vnd be- 
klaidet daz er dester sicherer vor den törnen wer, gieng er 

N. V. Wyle. ^ 



70 

vnd belybens vnd fluchet haiinlich euriolo [45^] daz er Inn 
so lang yf hielt yngeschlauffen. Sy sint aber dar nach nit lang 
beliben/ da lucrecia durch ain schrunde gesechen ward en 
wenig liechtes In Ir band tragende. Gegen dero euriolus gieng, 

5 vnd sprach. Got grüsz dich min hertzigs gemüt lucrecia. 
Aber sy erschrack vnd wolt des ersten geflochen sin. dar nach 
bedaucht sy sich vnd sprach wer bist du? Din Euriolus bin 
Ich sprach euriolus. Tü.vf min kurtzwyl vnd woUuste. Ich 
hab din yetz dise halbe nacht gewartet, lucrecia bekannt die 

10 stimm, aber doch wyle sy forcht begtrügnisz sölicher stimme 
da hat sy nit getörren vf tun vor vnd ee. sy ain haimlich 
wärzaichen vor jm verstünde. Dar nach tett sy mit grosser 
arbait die schlosz von dannen. aber wyle vil ysnin rigel 
die türen verhübent, die wyplich hend nit mochten er- 

15 heben , do mocht sy die türe allain ains halben schüchs 
wyte vf bringen. Das sol nit Irren sprach euriolus. 
Vnd sinen lyb vsziechende, schaib er die rechten syten 
vor vnd trang sich zu ir In das huse vnd tett die frö- 
wen enmitten vmb fähen. Achates belaib hie vssen vff der 

«0 wacht vnd hüte Euriolum zeverwaren. Aber lucrecia (es be- 
schech dann von forcht oder von fröiden) hüb an zwüschen 
euriols armen änmechtig ze werden vnd zeerblaichen vnd mit 
verlierung Irer rede vnd mit beschlossen ougen, tward sy In 
allweg aim toten menschen gelyche. dann allain daz die hitz 

«5 vnd die pulsz an Ir belibent Euriolus erschrack. vnd wist 
vsz sölicher schneller geschieht nit was er tun oder lassen 
solte vnd gedächt In Im selbs. Geest du hinweg so bist du 
schuldig Irs todes, vmb daz du ain fröwen In sölichen nöten 
verlassen hast. Belyb Ich aber/ So wirt komen agamenon 

80 oder ain anderer des husgesindes [46] vnd wirt Ich darvmb 
sterben. Ach wee du vnselige liebe. Wie hast du so gar vil 
me der gallen danne des honges ? Nu ist doch nützit rässers 
noch biterers danne du bist. Wie vil vnd manchen sorgen 
vnd angsten hast du mich bis vndergeworflfen ? Wie vil vnd 

35 manchen töden hast du min houpt verhaissen ? yetz so kumpt 
vnd belypt vor banden daz du dise fröwen In minen armen 
ertötest. Warvmb hast du nit lieber mich getött? Warvmb 
bist du mich nit fürgeworffen den löwen? wee wee. Wie 



71 

were mir so gar vil begirlicher gewesen zesterben In Irer 
sehöse dann sy In der minen also hin schaiden. Grosse liebe 
fber wand den man daz er die sorg aigens hails zu rogk 
schlachende belaib by der fröwen. Vnd hüb höcher vf den 
5 vngesprechen stummen lybe vnd kuste den von Im gantz nasz 
gemachet mit sinen trechen vnd sprach wee lucrecia. Wo bist 
du in diser gantzen werlte? wo sint dine oren? Warumb gibst 
du mir nit antwort? warumb hörest du mich nit? Tu vf dine 
ougen (bitt Ich) vnd sich mich an. Lachh mir als du gewon 

10 bist. Ich bin hie din Euriol. Dich vmbfachet din euriol 
hertzblüt mins. Warumb küssest du nit mich hin widerumb? 
Mich wundert ob du tod syest oder ob du schläifest / wo such 
Ich dich/ woltest du sterben. Warvmb hast du mich dann 
nit vor gewarnet. Daz ich mich mit dir ertote. Es syge 

15 dann daz du mich hörest (nim war) so sol yetz ain schwort 
vf tun min syten, vnd dir vnd mir sin ain gelycher vsgange 
des todes. Ach min leben min süsse, min kurtzwyle min Wol- 
lust, ainige hoflFung vnd gantze rüwe/ sol ich dich lucrecia 
also verlieren? ä tu vf dine ougen vnd heb vf din houpte. 

20 Ich siehe [46^] doch daz du nit gantz tod bist, danne du noch 
wann bist vnd züchest den äten. Warvmb redst du mir dann 
nit? Enpfächst du mich also vnd berufst du mich zu sölichen 
fröiden vnd gibst du mir ain sölich nachte? Stand vf (bitt 
ich) min rüwe vnd siehe din Euriolum. Ich bin hie din eu- 

25 riol. Vnd do er also redt, flos ain grosser bache der trecher 
vf der fröwen Stirnen vnd schlaufäder / dadurch sy als durch 
röswasser erkiket/ glycher wyse als vsser aim schweren tröme 
vfstünd vnd Iren liebhaber ansechende sprach. Wee mir eu- 
riole. wo bin ich gewesen? Warumb hast du mich nit lieber 

30 lassen sterben? jch were doch seligklich gestorben In' dinen 
henden. Wölt got daz Ich also sturb vor vnd ee. du von 
diser statt schiedest. Vnd do sy also mit ainander geredten, 
giengent sy sament In die scblauf kamer , da sy ain sölich 
nachte hatten, als wir geloubent gewesen sin zwüschent zwayen 

35 liebhabenden menschen, zu den zyten do paris In hochen schif- 
fen die geroubten Helenam hinfürt. Die nacht was ouch so 
süsz, daz sy bede abred wären, so ain gutes leben zwüschen 
dem gotte mars vnd der göttin venus gewesen sin. Du bist 



72 

min ganimedes, du bist min yppolitus vnd bist min dyomedes 
sprach lucrecia. Du bist min pollixena sagst Euriolus vnd 
bist min emilia vnd venus. Vnd kust yetz den mund dann 
die begklin danne die ougen vnd hüb vnderwylen vf die decke 

5 vnd beschöwet die haimlichhait die er vor nit hatt gesechen. 
Vnd sprach. Ich find mer dann Ich gemaint bett, das ist 
dyanam. Wie antheon die sache weschen ob ainem brunnen. 
Was ist wyssers hüpschers vnd lustlicbers danne dise. Yetz 
ist erlöset vnd bezalt alle [47] min sorg vnd angste. Vnd 

10 was ist? daz durch dinen willen nit sölt werden gelitten. O. 
schöner zierlicher lybe. 0. handelbare brüstli. Gryff Ich vch ? 
Hab Ich üch nit? Sint ir nit komen in mine hend? 0. sin- 
wile gelider. 0. wol geschmacker lybe. hab ich üch nit yetz 
in besesse? yetz were lycht zesterben, so diese fröid so nüw 

15 frisch vnd grosz ist vnd kain ander vngemach die belaidet. 
hertz blüt mins. Hab ich dich oder trömpt es mir/ weder 
ist dise woUust an ir selbs war? oder tun ich miner sinnen 
entsetzet, das also schetzen vnd wannen? Aber für war ich 
schlauff nit. disz ist ain wärs dinge, o. süssen küsse, o. liep- 

80 lichs halsen, o. hungsüssen bisse. Niemant lebt gelücklicher 
dann ich noch niemant seliger. Aber wee. was kurtzer vnd 
schnellerstunden. Du iiessige nacht, warumb fluchst du also? 
belyb vsz appollo ain got der sunnen. belyb lang vnder dem 
ertrich in der vinstre War vmb setzest du als dald die pfert 

25 rosz in den wagen? verheng daz sy noch mer grasses essent 
Gib mir ain nacht als du geben hast alcomene. du morgenröte 
warumb verlast so bald vnd schnell die schläffkamer dines 
titanis? werest du dem als günstig als mir lucrecia Er Hesse 
dich nit so frü vf steen. mich hat nie kain nacht kurtzer be- 

30 dücht dann dise. wie wol ich in britania vnd tennmarch ge- 
wesen bin. also redt euriolus. nit minder redt lucrecia. vnd 
gieng nit für aincher küsse noch ainch worte vmb sust oder 
vnuergolten. yetz facht er dann facht sy. Vnd lägen ouch 
nach volbrächter minne nit müde noch stille Sunder glycher 

35 wyse als antheus vsser dem ertrich stercker vferstünd also 
wurden ouch die nach volbrächtem stryte frölicher vnd stercker. 
Do aber die [47^] nacht vergieng vnd die morgenröte Ir häre 
vsz dem oceanischen mere hatt vfgehept / ist man abgeschaiden 



85 

yetz tod wer oder aber gewissz sterben müst/ vnd hierumb 
so vnderstftnd [55^] sy sich nit weder genäd zebegeren noch 
des vatters zorn zemiltern. Sunder mit starckem vnd vnüber- 
wundnem gemüt das leben verachtende, redt sy vf sölich form / 

5 Tancrede Ich wil nützit weder lougnen noch bitten, dwyle das 
ain nütz sin mag. Vnd Ich nit wil, daz das ander nütz syg. 
Darvmb so han ich mir fürgenomen In diser dingen kainen 
dinen willen zegütigen oder din senftmütikait mir genaigter 
zemachen/ Sunder der geschieht luter zevergechen vnd mit 

10 treffenlichen wären vrsachen minen lümden des ersten ze- 
schirmen vnd dar nach In glycher groszmütikait mit Worten 
erzögen, disz geschichten nit so grosz zevnbillichten / Sunder 
in Vernunft wol zegütigen sin. Darvmb so vergich vnd bekenn 
ich mich gwiscardum lieb gehept haben. Vnd wil euch als 

15 lang mir disz leben ist (das noch kurtz sin wirdt) den lieb 
zehaben niemer vfhören. Vnd ist ouch daz nach dem tode 
ützit der sinnen vberbelypt/ so wil ich jnn als dann ouch lieb 
haben, aber in sin liebe hat mich nit so vil genött vnd ge- 
triben wyplich begirlichkait/ als vil din smuseli. dann du 

20 söltest fürwär Tancrede, billich gedächt haben, dwyle du von 
flaische geborn bist/ dich ouch ain tochter von flaische ge- 
born haben vnd nit ain stainin noch ain ysnin. du söltest 
ouch bedächt han. wie wol du alt bist wie frefel vnd vnge- 
stüm in der Jugend ist, die anfechtung Inbrünstiger nature. 

85 Vnd wiewol du zu muglichen Jären den meren taile dins 
lebens In ritterschaft verschlissen hast / so söltest docht nützit 
dester minder betrachtet han wie grosz vnd vil, nit allain in 
Jungen, sunder ouch In alten menschen vermugent müsz vnd 
Wollüste. Danne Ich bin ye ain fröw als von dir geborn vnd 

30 der [56] Jären Jung vnd beder Sachen halb voll wyplicher 
begirden. Den selben begirden vber das alles, wundersam flam- 
men zu gegeben hat, wylant Innenbrächte woUuste / (züzyten 
da ich vermechelt was) mit den werckßn enpfunden. Darumb 
do Ich disen anfechtungen die mich tag vnd nacht also brau- 

85 tent nicht mocht widersteen/ Bin Ich zu letscht vberwunden 
worden vnd strytes nider gelegen vnd tett doch hier Inne nit 
dester minder flysse, als vil mit menschlicher vernunfte be- 
schechen mocht, daz dise ding weder dir noch mir schand 



86 

oder argen lümden zäfüren sölten. Sölicher miner begird nu 
die süsz liebe vnd das gelück verhengt haben vnd mir ainen 
haimlichen wege gezaiget/ durch den ich verborgenlich vnd 
in gehaim sust mengklichem vnwissend zu begerter wollust 

6 komen möcht/ Aber wo her dir das gezaiget syg, Oder wan- 
nen du das vernomen hast/ so lougnen jch doch der wärhait 
niemer/ danne daz ich, nit von Schickung des gelückes (als 
vil fröwen gewon sint) sunder mit wolbedächtem sinn vnd 
mute, mir gwiscardum erwellet han liebzehaben, vnd den 

10 durch wysen rate jngefürt, vnd mit vester beharrung von jm 
die frucht wärer liebe lang zyt, mit höchster fröide enpfangen. 
Aber das so mir sines vnadels halb wirt fiirgeworfen, glycher 
wyse als ob es mir minder sünd were/ wo ich mir ainen 
edeln hier zft furgenomen hett etc. Indem folgest du nach 

15 dem falschen wäne des püfels vnd gemainen folches/ vnd be- 
denkst nit, daz du nit schuldigest gwiscardum, sunder das 
gelücke / daz da gewonlich die vnwirdigen erhept in die höche 
vnd die wirdigen niderdruckt vnd fftsset vf die [56^] erden. 
Aber daz wird des geschwygent vnd diser dingen wären an- 

so fange beschöwent / so ist gewissz vnd vnzwyfelich vns alle von 
ainem menschen ainen vrsprunge gehept haben, vnd das allain 
die tugend die ist / so vns gelych geborn, vnderschaidet / vnd 
die lobsam vnd edel machet/ dero tugend ryche werck fttr 
ander erschynent vnd vbertreflFent. Vnd wie wol der wäne 

s5 des püfels vnd geminem folckes diser dingen vnwissend vnd 
vngelert/ villicht anders maint/ so mag doch die wärhait in 
kain wege vsser Irer statt verruckt werden, vnd also so ist 
der wärlich edel zeschetzen, des würckung, tugendrych werden 
gesechen. vnd wer den anders nennet/ der schilt denselben 

so nit den er nennet, sunder mer tut er sich selbs der torhait 
vnd vnwissenhait verdampnen. Darumb tancrede so besiehe 
din edeln vnd betracht vnd erfare Ir yetkliches leben vnd 
Sitten, desglychen vf der andern Sitten, so bedenck vnd erwig 
die Sitten vnd das leben gwiscardi/ für war. Wilt du dann 

85 recht VKtailen / so zwyfeln ich nit , danne daz du Inn ver- 
gechen müsest sin , dem aller edelsten / vnd hin wider vmb 
die andern din edeln ferre von rechtem adel. So hab ich euch 
von der tugend vnd fttrnemikait gwiscardi , kains andern sa- 



75 

der gemachel bruti, vnd die besser ynd frömer genennet was 
dann menelopis/ volgt yetz nach ainem eebrecher vnlnge- 
denck irs huses irs vatters vnd irer müter irs geschlechtes 
vnd irer haimant. Sy ist nit me lucrecia, sunder yppia oder 

5 medea die da nächfolget Jasoni. we was grossen kumbers mir 
das geberen wurd/ so ich vermarckte sölchs von dir gesagt 
werden. Nu ist vnser liebe noch in gehaim. niemant ist, der 
dich nit lob. diser nome betrübte alle ding, vnd [49] bist nie 
so verrümpt gewesen, als vil du hie durch gescholten wurdest. 

10 aber lassen wir joch den lümden vnd der weit rede fallen/ 
So möchten wir vns doch nit, vnser liebe mit ainandern sament 
gebruchen. jch dien dem kaiser, der hat mich gemachet zu 
ainem mane, mechtig gewaltig vnd ryche vnd Ich möcht ouch 
nit von Im komen, äne Zerstörung vnd niderfale mines Standes. 

15 Verliesz jch dann Inn / so möcht Ich dich nit zimlich vnd als 
sich nach dinen eeren geburte haben vnd halten. Volgte Ich 
aber nach dem hofe/ So wer weder dir noch mir aincherlay 
rftwe. dan alle tag verwandeln wir vnser geleger vnd belyp- 
nüsz vnd ist dem kaiser noch nie an ainchem ende, So ain 

«0 lang belyplichkait vnd wonung gewesen, Als Im in Senis ge- 
wesen ist, das hat notdurft der kriegs löflfen gesachet. Vnd 
sölt Ich dich also vmbefüren Vnnd als ain oflfen fröwen In söli- 
chem beere haben. Sich zu. was vneeren dir vnd mir hier von 
wurd entspriessen / Hier vmb so bitt ich dich min Lucrecia/ 

25 daz du dich dises dines gemütes vsziechest vnd entledigest, 
Vernunft für kerest vnd das beste mit rät handelst. Vnd mer 
verbeugest vnd nach lassest diner vngestümen anfechtung danne 
dir selbs. Ain anderer liebhaber riete villicht anders, vnd be- 
te dich von Im selbs, daz du mit jm hinweg fluchest. Vmb daz 

80 er dich so lengest er möcht, niessen vnd bruchen könd, nützit 
des künftigen betrachtende So ferr er nungegenwürtiger kranck- 
hait möcht gnüg tun. Aber der were nit ain rechter liebhaber, 
der me lyplicher begirde riet danne den eeren. min lucrecia 
ich warnen vnd rate das, das nütz vnd gut ist. ich bitt dich 

S5 belyb hie vnd hab nit zwyfels, danne daz ich her wider kom. 
[49^] was sich begibt in disen welschen landen dem kaiser 
zehandeln wil ich schaffen mir enpfolhen werden, vnd flysz 
tun daz ich dich haben vnd niessen mug äne dine schaden 



76 

ynd yDgemaclL got bebttt dich, leb ynd hab Heb vnd geloub 
niemer minder sin min f&re dann daz din, sunder mich aller 
yngemist schaiden yon hinnan. Aber behfitt dich got da min 
süsse ynd spys^ miner sele. die Aröwe r&wet yf disz geschrift 

5 ynd schraib jm widerymb, daz sy sölichen sinen gebotten ynd 
ynderwysongen n&chkomen wölt Also fber wenig tage darnach 
rait eoriolos mit dem kaiser gen röme. alda er nit lang be- 
lyben ist/ da in das feber tett entzünden gantz ynselig dwyle 
so der yon liebe bran er dar zu onch erst mit füre des febers 

10 anhüb zeenbrinnen. Vnd als nu die liebe yetz des craft yer- 
zert hatt ynd durch die weetage sins Siechtums wenig macht 
yberbelyben was, ynd sin gaist ynd leben mer enthalten 
wurden durch hilff der artzat dann durch natürlich belybung/ 
kam der kaiser teglichs zA jm ynd trost jnn als sinen sune 

15 ynd hies ynd gebot jm all pfleg ynd artznie appoUinis zebe- 
wysen. Im was aber kain kreftiger artznie dann die geschriften 
lucrecie/ da durch er die yemam sin in leben ynd gesunthait, 
welches ding etlicher mäsz das feber mindert ynd Euriolum 
tett yfkomen yf sine füsse, der ouch der kaiserlichen Cronung 

20 by was ynd alda «in ritterschaft enpfieng/ Vnd ainen guldin 
Sporen. Dar nach als der kaiser gen parus rait/ belaib Eurio^ 
lus zu rome dennocht nit gantz genesen ynd kam dar n&ch 
gen senis/ wie wol er dennocht kranck was ynd sin angesicht 
türre ynd yerzeret. Er mocht lucreciam sechen. Aber die an- 

85 reden mocht er nit. Yil brief sind beder syt gesant worden 
ynd aber zu letscht yon schaiden geschriben ynd ge[49]- 
handelt. Dryg tag belaib alda euriolus ynd zu letscht als er 
sach Im all zügeng genomen ynd abgestellet sin do yerkundt er 
der liebhaberin sin hinschaiden. Es ist nie so yil süssikait 

80 fröid vnd kurtzwyle gewesen in irer beder früntlichen by- 
wonung, Als yil in dein schaiden gewesen ist laids kumbers 
trurens not ynd angste. lucrecia was Inn venstern. Euriolus 
rait yetz durch die statt vnd durch Ire gassen vnd warf ir 
yedes in des andern sine nassen ougen. Es waint ir ains vnd 

85 waint das ander. Vnd wurden bede mit vnseglichem grossem 
schmertzen gepinget Als die, die da enpfunden ihre hertzen 
freuenlich vsser ir statt werden verrucket; were yemant der 
nit wiste was grossen schmertzen wer in dem tode, der merck 



77 

vnd betracht zwayer liebhabender menschen schaidung. wie 
wol sölichem schaiden grösser angst not vnd schmertze by ist. 
Danne In sterben, so lydt das Inwendig gemüte vmb daz es 
verlassen sol sinen liebgehapten lybe. aber derselb liebgehabt 

ö lybe so der gaist enpfremdet ist , hat weder schmertzen noch 
enpfindung. Wenne aber zway gemüt durch liebe sint zusam- 
men gefüget -vnd verainet/ so ist so vil pinlicher ir schaidung 
als vil enpfindtlicher ist Irer yetweders liebe. Vnd für war. 
lue sint yetz nit gewesen zwain gaiste sunder (als aristophanus 

10 maint sin vnder den fründen) öo sint ainer sele worden zwen 
libe. Vnd also schied nit gemüt von gemüte noch sei von 
sele/ sunder wart geainte liebe in zway geschnitten vnd ge- 
taälet, vnd wart das hertze zertailt In taile. Also daz ain taU 
gieng vnd der ander taile belaib vnd all sinne mit ainandern 

15 vnder Inen selbs getailt wurden vnd entrichtet/ Vnd wainten 
sich selbs von ain andern müssen schaiden vnd belaib nit [50^] 
nit in der liebhabenden angesicht ain tropf des blütes, Es 
weren dann gewesen trecher oder süftzen die den toten aller 
glychest gesechen wurden. Wer möcht schriben sagen oder 

so gedencken sölich lyden vnd schmertzen dann der des gelychen 
euch etwenn vnsinnig gewesen ist vnd diser dingen hat en- 
pfunden. Ladonia (als pertheselaus jr man hin für zu den 
hailigen stryten yly) fiel von laide in anmacht als tot dar 
nider. Vnd als die selb darnach vernam desselben irs mans 

» tode begert sy furo nit mer zeleben. Dido venissa tett nach 
abschaidung enee sich selbs von laids wegen ertöten. So wolt 
ouch porcia nach dem tode bruti furo mer in leben nit be- 
lyben. Aber dise vnser fröwe Als Euriolus kam vsser ir ge- 
siebt, ist gefallen vf das ertrich vnd in ir schläikamer getragen 

30 worden, bis sy Iren gaist widerumb gehaben möcht. Vnd als 
die widerumb zu ir selbs kam beschlos sy ire guldin vnd pur- 
pursche klaider vnd aller der fröiden gezierde vnd gebrucht 
sich furo allain wuUiner klaider. Vnd ist öch darnach niemer 
mer gehört worden singen noch gesechen lachen vnd mocht 

85 oach mit keinen fröiden noch mit kainem schimpfen widerumb 
zu fröiden gebrächt werden vnd als sy in solchem staute etwa 
lang beharret/ fiel sy in kranckhait. Vnd wile ir hertz nit 
hj ir, sunder von ir was vnd kainem irem gemüte trostung 



78 

geben werden mocht/ hat sy zwüschen vnd vf den armen irer 
müter die vil wainet vnd vmb sust sich trostlicher wort ge- 
bracht ir trurig sele vf geben. Euriolus aber als der kam 
vsser iren ougen die Inn niemer mer gesechen selten hat er 

5 vf dem wege niemant nie ützit zu geredt/ [51] dann daz er 
allain lucreciam trüg in sinem gemüte/ vnd gedächt ob er 
yemer mer zu ir widervmb komen möcht Vnd kam zu letscht 
zu dem kaiser, sin zu parus wartende, dem er dar nach, nach- 
folgt gen ferrer gen mantöw gen trient gen costentz vnd gen 

10 basel vnd zu letst in hungern vnd behem. Aber wie er dem 
kaiser nach folgt, Also folgt Im nach lucrecia in den trömen 
vnd lies Im kain nacht mit rüwe. Vnd als der war liebhaber 
vernam vnd erkant lucreciam gestorben sin / ist er mit grossem 
schmertzen betrübt worden vnd nam an sich wainbare laid- 

15 same klaider. Vnd enpfieng euch des von niemant aincherlay 
trostung als lang bis jm der kaiser ain hüpsche Jungfröwen 
vsz hertzigostem blute geborn hüpsch kusch vnd wyse. In der 
ee tett vermecheln.. Du hast min lieber Mariane ain ge- 
schieht end vnd vszgange, nit ainer erdächten sunder ainer 

20 wären vnseligen liebe. Welche da disz lesen werden, die wol- 
len sich lernen warnen vnd hüten by ander lüten schaden daz 
Inen das kom zu nutze/ vnd nit sich flyssen zetrinken das 
getranck der liebe, das ferr vnd wyt mer aloes vnd bitterkalt 
in im hat dann honges oder süsse datum wienne quinto nona 

95 July Anno.m. cccc. . xliiij. 



79 



[51^] JjEm durchlüchtigen fürsten vnd herren hernn 
karlin Marggrauen zt Baden etc. Vnd grauen zu spanheim. 
Minem gnedigosten hernn. Enbtitt Ich niciäs von wyle Stat- 
schriber zA Esselingen min gehorsam vnd schuldig dienste mit 

5 willen in aller vndertenikait berait zeuor. Vsz dem b&ch 
bochacy daz in welcher zungen vil hüpscher historien von 
schönem gedieht vnd hochen sinnen begryflfet/ hat vor vil 
Jären der hochgelert man Franciscus petrarcha* die history 
von griselde lutend vsser dem welchen zu latin verkert, wie 

10 dann tiwer gnäde die selben history nächmäls aber von dem 
latin z& tütsche gebräch von mir hat gehöret Sidher ist durch 
den hochgelerten man leonardum aretinum vsser dem obge- 
melten buch die histori von sigismunda sagende, vnd aber von 
aim andern gelerten die histori von marina lutend ouch zA 

15 latin gebrächt worden, vnd wann die selben hochgelerten man 
bedücht hat, sölich historien der arbait wert sin, daz sy z& 
latinischer zungen gesetz wurden/ so hab ich gemaint sich 
wol gebttren daz die von dem latin zu tütsche ouch gemacht 
wurden, vmb das ob ützit darjnne kurtzwyligs hoflichs oder 

80 götes wer daz die tütschen des vnberoubet ouch anteilhaftig 
werden möchten, dwyle aber als Aristotiles spricht, lust vnd 
liebe ainem yetklichen menschen der arbaitet, behaltent in 
sinem wercke/ so hab ich mir fürgenomen die obgemelten 
history von sigismunda lutend in tütsch zebringen vnd sölichs 

85 üwern gnaden zu gefallen, des ersten zu zeschicken. Vmb daz 
min- vnderteniger wille zu üwem fttrstlichen gnaden, dester 
[52] ee mich in lust fürte zu volbringung disz mines fürge- 
nomnen wercklis, das klain ist / vnd jch üwern genäden nach 
sitt der kouflüten die verkouffea wollen zA ainer mustre allain 

80 darumb schick ob ich versteen ward, sölichs üwern gnaden 



80 

gefeilig sin/ daz ich mich dann hienäch in grösserm/ grösser, 
arbait gebruchte/ zu kurtzwyl lust vnd gefallen üwern fürst- 
lichen gnaden darjn jch mich tun vndertenig enpfelhea etc. 

* lAncredus was ain fürst von salern, gütig vnd ainer 

senftmütigen nature. Wo er allain in dem alter sine hend nit 
vermässiget hett mit blüt vergiessen zwayer liebhabenden men- 
schen. Der selb hatt all sin lebtage kain kind ye gehept/ 
dann ain ainige tochter, da Im ouch vast besser gewesen wer, 

10 daz er dero nit gehept hett. Vnd als die selb tochter ain 
ainig kind was/ also hett er ouch. sy einig lieb, gegen Ir so 
Innerlichen in vätterlicher liebe entzündet / Wie wol vil Ir zu 
der ee begerten, ye doch wyle er die vngern von Im schaiden 
lies / tett Er sy vber die gebürlichen järe by jm haimant be- 
heben, doch zu letscht als die des hertzogen sune von Cam- 

15 pania vermechelt ward, ist sy darnach bald als der selb ir man 
gestarb widerumb haim zu Irem vatter komen. Dise was die 
gemaitescht non lybe vnd die schönst von angesicht vnd voll 
aller natürlicher hüpschkait vnd besunder ouch von Vernunft 
grösser dann villicht fröwen gebürlich ist. Als die nu also by 

20 Irem gütigem vatter wonet, glych ainer grossen fröwen mit 
vil Wollüsten vmbgeben/ gedaucht sy ains mäls in Irem ge- 
müt/ wie gar wenig oder nützit ir vatter geflissen wer, sy 
anderwerb zeuermecheln / Vnd ir zu schäme sin wurd ? sölichs 
von Ime [52^] ze begeren. vnd satzt jr für, wo das mit füge 

86 gesin möcht das sy dann ir haimlich ainen bülen ains adel- 
lichen gemütz suchen wölt. Nu was irs vatters huse voll edler 
vnd vnedler In mässen dann an der grossen forsten höfen ge- 
won ist. Vnd als sy dero aller sitten leben vnd gestalt aigen- 
lich erspecht vermarckt vnd erwäg/ do warf sy zu letst Ir 

30 gemüt vf ainen Jüngling mit namen gwiscardum von niderm 
geschlecht geborn. Aber von loblichen sitten vber all ander 
wol edel. Den selben sy emsenklich ansechend von tag zu tag 
mer vnd mer bewarende, Inbrünstenklichen anhüb lieb zeharben. 
Als aber der von vemunft nit trege, der fröwen gemüt ver- 

S5 marckt/ ward er In dero liebe so entzündet/ daz er all ander 
Sachen zu rukg schlachende, nützit anders tett Dann tag vnd 
nacht allain nach jr gedencken. In dem nu vnd sölich ir liebe 



81 

beder sytt gegen ainander erwachsen was, vnd die fröw, nützit 

^ mers begert, dann wie sy züsamen kämen vnd doch niemant 
anders ir gemüt In disen sachen offnen wolt, Do erdächt sy 
zu letst ainen sölichen wege, Vnd schraib dem Jüngling 
5 vnd vnderrichtet den in geschrift was sy von jm beschechen 
wölt vnd verschlos die geschrift in ainen liederlichen vnd 
achtbaren stecken von rore, vnd gab dasselb rore schimpflich 
dem Jungling sprechende/ daz er das geben sölt siner dienst 
magt zu ainem stecken das füre zeschüren. als bald aber 

10 gwiscardus das rore genam gedächt er wol jm das nit äne 
sach gegeben sin vnd tett haimant das rore vf vnd fand die 
geschrift. vnd do er die gelas, gantz vnderrichtet waz die 
fröw wolt von jm beschechen / ward er mit vngebürlicher fröide 
durch gössen vnd hüb schnell an flysz [53] zetün, da mit er 

15 zur Ir in massen sy jnn vnderricht hatt komen möcht. Nu 
was by des fürsten huse ain alte dol oder hüle vnd dar ob 
ain loch, das durch den berge gehöwen der hüle licht gab. 
Vnd wann aber zu langer zyt sich niemant derselben dolen 
vnd hülin hatt gebruchet/ was die voll dornen vnd gestüdes 

so gewachsen. Vsser der selben hülin was ain haimlicher zügang 
zu der schlafkamer darjnne die fröw zu den selben zyten ir 
wonung hatt. wie wol die türe mit grossen starcken tiln ver- 
machet vnd verrigelt was. Vnd dwyle aber dise hüle gantz 
in vnübung stund/ do hatt niemant mer des zügans gedecht- 

25 nüsz Aber liebe dero ougen nützit ist verborgen, firt den 
selben zügang widerumb in das gemüt der liebhabenden frö- 
wann/ die da mit Irem aigen wysen rate/ vmb daz sie nie- 
met diser dingen mitwissend machte/ durch sich selbs die 
kunst fand, wie wol das langsam vnd mit grossem flysz zü- 

ro gieng, wie man die türe vfbringen möcht. vnd gieng dar nach 
selbs allain in die hülin vnd besach das loch den tag jnfürend, 
da durch gwiscardus zu ir komen solt. vnd nam alda die men- 
sure vnd höche/ damit er durch gemachte Instrument hinab 
komen möcht. darumb als gwiscardus des alles durch der 

SS fröwen brief vnderrichtet was/ machet er zu diser dingen 
volbringung schnell ain saile mit knöpfen vnd halftern damit 
er. vf vnd ab komen möcht. Vnd in leder angetan vnd be- 
klaidet daz er dester sicherer vor den törnen wer, gieng er 

N. V. Wyle. 6 



84 

sy allain by ainander wären/ hüb tancredus zu ir wainend 
an also zereden. die wyle mich bedächt hat sigismunda, din 
zucht erberkait vnd tugend mir gnügsam gesechen vnd erkant 
sin/ so hette mir zu kainer zyt nie yemant mit Worten so 

5 vil mugen sagen oder min gemüte zeglouben des vnderrichten / 
daz du nit allain mit willen verhenget sunder euch ye gedächt 
bettest/ din schäm vnd küschhait ainchem fremden man vn- 
derwürffig zemachen die zeuerletzen/ wo ich disz selbs mit 
minen aigen ougen nit gesechen hett.. darumb so wird ich disz 

10 kurtz zile des lebens , das noch minem alter vorhanden ist, 
fürohin allwegen schlyssen vnd ver[55]zeren In wainen vnd 
truren/ so oft Ich in minem gemüt bedenck des lasters vnd 
ybels von dir begangen. Dann die wyle du dich ye zu sölicher 
Sünde naigen vnd geben woltest, So möchtest doch dir vsser- 

15 wellet haben ainen sölichen, der dinem adel gezimpt hett. 
Aber vsser ainer sölichen menge dero, so sich vnsers hofs 
gebruchent/ hast du dir erweit gwiscardum von niderm vnd 
gebürschem geschlechte geborn/ vnd vmb armüt willen siner 
vatters vnd müter von vns vsz barmhertzikait von Jugend 

20 vf erzogen darumb wahin ich mich keer/ oder was räts ich 
nem? waisz ich nit. dann so vil. daz ich von gwiscardo, der 
diser nacht durch min haissen gefangen by mir verhütet ligt / 
min vrtail vnd mainung gesetzt hab, was mit jm ze tun syge. 
aber von dinen wegen, bin ich noch ains vngewissen räts vnd 

25 hab noch nie mögen setzen was ich tun soll, wyle vf ainer 
syt, die liebe (so ich gegen dir grösser dann ye kain vatter 
gehept hab) mich hinder ^ch zücht/ vnd aber vf der andern 
syten billicher zorn vmb din schuld vnd vbel mich für sich 
tribet, dero ains daz ich ablasz vnd vergeh/ vnd das ander, 

so daz ich zürn vnd sträflF, mich ermanet. Vnd als er das geredt / 

sanckt er sin angesicht vnder sich wainend glych aim kinde 

das geschlagen ist. do aber sigismunda verstund vnd marckt 

gwiscardum gefangen sin vnd ir liebe geofnet/ ist sy mit vn- 

* gelouplichem schmertzen vmbgeben worden / Vnd hat sich selbs 

85 kumm vor wyplichem wainen vnd schryen beheben mugen. 
Doch grosse irs gemüts die tet vberwinden wyplich blödikait 
vnd antwort mit vfgehepter Stirnen vnd vestem angesicht. 
Vnd satzt Ir für ze sterben wollen wann doch ir gwiscardus 



85 

yetz tod wer oder aber gewissz sterben müst/ vnd hierumb 
so vnderstünd [55^] sy sich nit weder genäd zebegeren noch 
des vatters zorn zemiltern. Sunder mit starckem vnd vnüber- 
wundnem gemüt das leben verachtende, redt sy vf sölich form / 

5 Tancrede Ich wil nützit weder lougnen noch bitten, dwyle das 
ain nütz sin mag. Vnd Ich nit wil, daz das ander nütz syg. 
Darvmb so han ich mir fürgenomen In diser dingen kainen 
dinen willen zegütigen oder din senftmütikait mir genaigter 
zemachen/ Sunder der geschieht luter zevergechen vnd mit 

10 treflFenlichen wären vrsachen minen lümden des ersten ze- 
schirmen vnd dar nach In glycher groszmütikait mit Worten 
erzögen, disz geschichteu nit so grosz zevnbillichten / Sunder 
in Vernunft wol zegütigen sin. Darvmb so vergich vnd bekenn 
ich mich gwiscardum lieb gehept haben. Vnd wil euch als 

15 lang mir disz leben ist (das noch kurtz sin wirdt) den lieb 
zehaben niemer vfhören. Vnd ist euch daz nach dem tode 
ützit der sinnen vberbelypt / so wil ich jnn als dann euch lieb 
haben, aber in sin liebe hat mich nit so vil genött vnd ge- 
triben wyplich begirlichkait/ als vil din smuseli. dann du 

20 söltest fürwär Tancrede, billich gedächt haben, dwyle du von 
flaische gebom bist/ dich euch ain tochter von flaische ge- 
born haben vnd nit ain stainin noch ain ysnin. du söltest 
euch bedächt han. wie wol du alt bist wie frefel vnd vnge- 
stüm in der Jugend ist, die anfechtung Inbrünstiger nature. 

25 Vnd wiewol du zu muglichen Jären den meren taile dins 
lebens In ritterschaft verschlissen hast / so söltest docht nützit 
dester minder betrachtet han wie grosz vnd vil, nit allain in 
Jungen, sunder euch In alten menschen vermugent müsz vnd 
woUuste. Danne Ich bin ye ain fröw als von dir geborn vnd 

30 der [56] Jären Jung vnd beder Sachen halb voll wyplicher 
begirden. Den selben beg irden vber das alles, wundersam flam- 
men zu gegeben hat, wylant Innenbrächte woUuste i (zu zyten 
da ich vermechelt was) mit den werck^n enpfunden. Darumb^ 
do Ich disen anfechtungen die mich tag vnd nacht also brau- 

35 tent nicht mocht widersteen/ Bin Ich zu letscht vberwunden 
worden vnd strytes nider gelegen vnd tett doch hier Inne nit 
dester minder flysse, als vil mit menschlicher vernunfte be- 
schechen mocht, daz dise ding weder dir noch mir schand 



86 

oder argen lümden ztkfören sötten. Sölicher miner begird nu 
die stisz liebe vnd das gelück verhengt haben vnd mir ainen 
haimlichen wege gezaiget/ durch den ich verborgenlich vnd 
in gehaim sust mengklichem vnwissend zu begerter woUust 

6 komen möcht/ Aber wo her dir das gezaiget syg, Oder wan- 
nen du das vemomen hast/ so lougnen jch doch der wärhait 
niemer/ danne daz ich, nit von Schickung des gelückes (als 
vil fröwen gewon sint) sunder mit wolbedächtem sinn vnd 
mute, mir gwiscardum erwellet hau liebzehaben, vnd den 

10 durch wysen rate jngefürt, vnd mit vester beharrung von jm 
die frucht wärer liebe lang zyt, mit höchster fröide enpfangen. 
Aber das so mir smes vnadels halb wirt fiirgeworfen, glycher 
wyse als ob es mir minder stind were/ wo ich mir ainen 
edeln hier zu fürgenomen hett etc. Indem folgest du nach 

15 dem falschen wäne des püfels vnd gemainen folches/ vnd be- 
denkst nit, daz du riit schuldigest gwiscardum, aunder das 
gelücke/ daz da gewonlich die vnwirdigen erhept in die höche 
vnd die wirdigen niderdruckt vnd fasset vf die [56^] erden. 
Aber daz wird des geschwygent vnd diser dingen wären an- 

20 fange beschöwent / so ist gewissz vnd vnzwyfelich vns alle von 
ainem menschen ainen vrsprunge gehept haben, vnd das allain 
die tugend die ist/ so vns gelych geborn, vnderschaidet/ vnd 
die lobsam vnd edel machet/ dero tugend ryche werck für 
ander erschynent vnd vbertreflfent. Vnd wie wol der wäne 

sa des püfels vnd geminem folckes diser dingen vnwissend vnd 
vngelert/ villicht anders maint/ so mag doch die wärhait in 
kain wege vsser Irer statt verruckt werden, vnd also so ist 
der wärlich edel zeschetzen, des würckung, tugendrych werden 
gesechen. vnd wer den anders nennet/ der schilt denselben 

so nit den er nennet, sunder mer tut er sich selbs der torhait 
vnd vnwissenhait verdampnen. Darumb tancrede so besiehe 
din edeln vnd betracht vnd erfare Ir yetkliches leben vnd 
Sitten, desglychen vf der andern sitten, so bedenck vnd erwig 
die Sitten vnd das leben gwiscardi/ für war. Witt du dann 

85 recht vrtailen / so zwyfeln ich nit , danne daz du Inn ver- 
gechen müsest sin, dem aller edelsten/ vnd hin wider vmb 
die andern din edeln ferre von rechtem adel. So hab ich ouch 
von der tugend vnd fdrnemikait gwiscardi, kains andern sa- 



87 

gungen vnd rede mer geloubt, danne den dinen. dann wer ist 
von dir so vil ye gelopt worden, als er/ in allen vnd yetkli- 
chen wercken, so zu Übung der tugenden gehörig sint/ Vnd für 
war nit vnbillich. Dann es werd dann min erkennung betrogen 
ö so ist Im nie ainch lob zugelegt worden, das er nit vil wun- 
dersamlicher (ouch dann es von dir gesagt syg) erfolget vnd 
verdienet hab. Solt du darumb sprechen? mich, mir selbs 
ainen vnedeln menschen vserkoren haben? für[57]wär, du 
redest das nit ist? sprechest du aber ainen armen, des wölt 

10 ich dir gesteen/ doch mit diner schände/ daz du ainen söli- 
chen ftirpüntlichen mane, dinen diener vnd hofgesinde, nie hast 
bedächt mit aincherlay gnaden, rechts lones zebelonen. Aber 
doch so nimpt armüt den adel nit hin / Wie wol sölich armüt, 
etwenn die werck der tugend hindert vnd Irret. Ir vil die 

15 von anfange ' dünne vnd arm geborn sint. Sint darnach küng 
vnd fürsten worden. So wurden ir vil nu me arm, mit Iren 
aigen henden pürsche werck übende oder der hirtery pflegende/ 
wo nit vberflüssiger rychtum von fremden tugenden gesamelt 
Inen verlassen worden wer. Das du aber an der lotsten statt 

20 gesprochen hast, die vrtail von minen wegen dir zwyfelhaftig 
sin, Vnd dich biszher noch nit haben setzen mugen was mit 
mir zetün syg etc. Ich bitt leg hin den zwyfel. Ist das du 
dir hast fürgenomen ze wütern In Gwiscardum, so kere din 
wüterye vnd grimikait In mich, die gewesen bin ain vrsach 

25 des so verschuldet ist. Dann ich bitt nit die pene, so furcht 
Ich ouch die nit. Ich setz ouch das hin zu. Was von dir 
in Gwiscardum geschechen wirt vnd du dasselb in mir nit tust/ 
so sollen doch mine hend das würcken vnd an mir volbringen. 
Gang nu hin nach wibischen sitten vnd güsz vsz dine trechen 

so vnd mit ainem gelychen straiche tu Inn vnd mich (Ob dich 
bedunck vns sölichs verdient han) ertötten. Tancredus ver- 
marckt die groszmütikait der Vernunft in siner tochter enbört 
sin / ye doch so maint er nit, daz sy tun wurd in mässen die 
lotsten wort gelut hatten, vnd als er von ir kam vnd jm 

«5 selbs fürsatzt in kain weg in die tochter [57^] ze wütern 
sunder mit fremdem blüto das für der liebe in Ir zemindern / 
gebot er den dienern die gwiscardum verhüten / daz sy haimlich 
derselben nacht an all geschraye den Jüngling erwürgten vnd sin 



88 

hertze vsgeschnitten Im bringen teten. Vnd als die sölichs getä- 
ten/ Hies Tancredus dasselb hertz In ainem guldin becher der 
tochter bringen Mit den Worten. Din vatter schickt dir das zu 
ainer gaube vnd schencke, daz es dich tröste von dem ding 

5 daz du vast lieb hast, glycherwyse als du Inn von dem ding 
das er vast liebgehept hat getröstet hast. Aber sigismunda 
als die in vestem fürsatze was zesterben/ hatt sy nach des 
vaters abschaid giftige krtiter vnd wurtzen gebrennet vnd di- 
stillieret vnd das wasser darvon behalten. Zu dem wege des 

10 todes. Ob anders sölichs an Gwiscardo bescheche, das sy dann 
forcht. Vnd als der becher geantwort worden ist/ vnd die 
wort dar zu gesprochen i Enpfieng Sigismunda mit vner- 
schrockner angesicht die gaub vnd schencke/ vnd tett dea 
becher vf, vnd sach das hertz Vnd als sy die gesprochnen 

15 wort damit bedächt/ erkant sy bald vnzwifellich das hertz sin 
Gwiscardi vnd kart sich gegen dem diener der die gaube ge- 
antwort hatt vnd sprach. Fürwar kain ander grabe danne 
ain guldins hat gezimpt aim sölichen hertzen. Vnd in dem 
ainigen dinge, ist gebürlichs von minem vatter gehandelt wor- 

20 den. Vnd do sy das geredt / satzt sy das hertz an iren mund 
vnd kust das vnd red darnach also. Zu allen zyten vnd in 
allen dingen bis vf disen leisten, tage mines lebens, hab ich 
allwegen die liebe mins vatters gegen mir lind vnd gütig fan- 
den / vnd doch yetz vil mer dann vor ye. Darumbe [58] den 

25 letsten dancke den Ich Im vmb ain sölich gaube schuldig bin 
den solt du Im niemer von minen wegen sagen, Nach dem 
kart sy sich zu dem becher den sy hatt. mit Iren henden he- 
bend was. Vnd das hertz ansechende, Redt sy also. 0. aller 
frölichoste herberg miner wollusten. Verderben müsz des wü- 

30 terye vnd grimmikait, Der da tut daz Ich dich mit lyplichen 
ougen ansich. dann es wer gnüg gewesen dich In Inwendigen 
gemüt zesechen. Du hast volbrächt dinen louff vnd genossen 
vnd erfolgt das ende das dir das gelücke geben hat. vnd von 
dinem vinde, hast du gehept das grabe, das verdient hat din 

36 fürpüntlichkait aller wollusten. diner lyche hat nützit gebrochen 
dann der trechern dero, die du so jnbrünstenklich die wyle 
du lebtest lieb gehept hast, da aber got, vmb daz du das 
ouch erfolgtest minem vater jn sinen sine geben hat , daz er 



89 

dich zft mir gesandt hat. daz ich dir derselben trächern ouch 
bezalung tüg. wie wol ich mir fürgesetzt hatt mit trucknen 
ougen zesterben. Vnd wenn ich dir die bezalt hab. So wil 
ich sachhen, daz min sele der dinen zügefüget werd. dann mit 

5 was weggeferten möcht mir sin ain frölicher oder sicherer wege 
dann mit diner sele, die ich main hie zu gegen sin, vmbflie- 
gend vnd ))eschöwend die statt jrer gehapten wollusten. Dwyle 
sy noch in miner liebe ist, min wartet vnd baitet vnd äne 
mich nit von hinnan schaiden wil. vnd als sy disz geredt s' 

10 naigt sy sich vf den becher vnd mit kainem geschraye, als 
sust die fröwen gewon sint, sunder schwygend vnd nit anders 
dann ob ain brunn vsz jren ougen wüle/ vbergos sy do das 
hertze gwiscardi mit grossem flusze der trechern/ vnd tett 

• och darby das tot hertze vnzalbarlichen küssen, die jungfrö- 

15 [58^]wen die alda zu gegen wären/ wisten nit was hertzens 
das was oder was dise wort Inen wolten Aber doch vsz barm- 
hertzigkait bewegt wainten sy all. Fragende die vrsach so 
ains schnellen vnd grossen schmertzen vnd trösten ouch sy 
all aine nach der andern als vil sy mochten. Aber Sigismunda 

20 da die bedacht gnüg gewainet sin/ hüb sy ir angesicht vf, 
vnd mit gedrückneten ougen, sprach sy. 0. du aller liebstes 
min hertz. Ich hab dir nu bezalt, das ich dir gebürlichkait 
halb schuldig gewesen bin / Nu ist zyt vnd nützit mer vor- 
handen dann daz Ich dir nach folg vnd du an mir ainen weg- 

25 gesellen habest/ Darnach nam sy das vergift tötlichtrancke 
vnd tett das vnerschrockenlich vsz trincken vnd gieng hin 
vnd satz sich vf das bette, den becher mit dem hertzen in 
Iren henden habende vnd des liebhabenden hertze an Ir brüst 
truckende vnd baitet also da mit schwygend des todes. aber 

80 die fröwen vnd jungfröwen so vmb sy stündent wie wol sy 
nit wistent welcherlay trancks das gewesen was so sy ge- 
truncken hatt/ yedoch vsz diser winbaren geschieht argwenig/ 
brachten sy die Sachen bald an tancredum den vatter. vnd 
als der selbs forcht daz die tochter ir selbs etwas zehertes 

J5 an tun, möcht/ ylt er bald hin abe zu ir in ir schläfkamer. 
aber ze spät was er geflissen hilff vnd trost der bekümberten 
dochter zemittaillen. vnd als er verstund vnd marckt notdurft 
des todea/ tett er erbermklich vnd ellenklich sich selbs vnd 



90 

die tochter wainen. Zu dem sigismunda also redt. Behalt 
tancrede dir dine trächer zu den geschichten vnd sachhen die 
von dir nit begert sint vnd gib mir dero nützit. Dan ich 
dero weder beger noch wil. Vnd wer ist ye gewesen bis an 

9 dich/ der da [59] gewäinet hab das/ des er zebeschechen 
begert hat Aber doch ist nützit noch überbeliben der liebe, 
so du zu mir gehept hast So bitt vnd beger ich von dir, di-. 
ser lotsten gaube vnd schencke/ daz min lyb mit dem lyb 
gwiscardi. In ain grab sament gelegt werden. Vmbe das. die 

10 wyle du nit woltest, das ich häimlich vnd verborgenlich mit 
im lobte, daz du mich dann tot offenlich zu im wahin du ioch 
inn werflFen werdest ouch legest, die grosse des schmerczens 
vnd wainens beschlosz den mund tancredi, das er nit antworten 
mocht. Sigismunda aber, als die enpfand daz ende jrs lebens 

15 hie sin druckt sy zft ir das hertz gwiscardi vnd mit zft ge- 
tanen ougen yederman gnadende/ gab sy vf iren gaiste disz 
biter ende hatt die liebis gwiscardi vnd sigismunde Aber tan- 
credus nach vil grossem vnd eilendem wainen vnd vsser spä- 
tem rüwen bewegt/ tet er mit oflfenlichen vnd schynbarer lyhe 

«0 aller von salern, sy bede sament in ain grab vergraben. 



91 



[59^] JjEr durlüchtigen fürstin vnd fröwen fröw Mech- 
ilten pfaltzgräuin by ryne vnd Ertzhertzogin zu österrych etc. 
miner gnedigosten fröwen Enbüt ich nicläs von wyle der zyt 
statschriber zu Esselingen Min vndertenig willig dienst zeuor. 

5 Wo ich nit förcht. gnedigoste fröw/ jn liebkoserye vermerckt 
zewerden/ die Ich all min tage hab geflochen vnd gehasset. 
So müste ich für war, nit klain loben üwer fürtreffend mensch- 
lichkait aller gebürlicher sitten vnd lobwirdiger tugend die 
ich bisher oft hab hören rümen vnd yetz selbs gesechen vnd 

10 so aigenlich vermercket daz ich nu mer des, so ich vor komm 
gewesen bin ain gelouber/ furo hin sin wil ain züge vszrüffer 
vnd verkünder. Vnd nit vnbillich gnedigosteste fröw. dann 
wyle ich all min tage geschetzt hab wären rychtum mer sin 
in guten fründen/ dann in besitzung des goldes vnd nützit 

15 mer vnd bas zu menschlicher seligkait in diser zyt dienen/ 
dann sin vnd belyben in tugendrycher hochgeachter menschen 
erkantnüsz vnd von denselben werden lieb gehapt gefürdert 
vnd geert/ was möcht dann gnedigoste fröw mir bessers zu- 
gestanden sin? dann das ain söliche fürstin, die da ist ain 

20 eere vnd ain sunder zierung vnser landen / nechst mir armen 
hat lassen erschynen sölich gnäd vnd günstigen willen vsz 
aigner tugend, Minenthalb vnuerdient, dar von ich mich nu 
mer, so vil rycher, seliger, gefürderter vnd geerter achten vnd 
schetzen mag, als vil üwer fürstlich genäd hochgeachter ist 

25 vnd für ander mer vnd billicher wirt geeeret. So Ich mich 
aber tun [60] Erfaren/ wo mit Ich üwern gnaden vmb sölich 
gnäd zucht vnd eere an mich gelegt/ etlicher mässze danckbar 
sin möcht/ So ist nützit, daz ich find mir verliehen sm, zu 
bezalung des aller minsten tails dienende, dann allain minen 

80 Intern vndertenigen guten willen zu üwern fürstlichen gnaden. 



92 

Dann was mag ain mensch arm von gut, klainer Vernunft vnd 
minderer kunst, getün ald würcken lobsams vnd gefelligs/ 
ainer sölichen fürstin, die sich mit aigner Vernunft vnd wysz- 
hait, ouch mit liebe zu kunst, vnd mit verstäntnüsz aller büpsch- 

5 kait gelychet den alt gelopten fröwen. dero tugend ryche werck, 
wir mer müssen wundem danne wir die mit ainchem lob nach 
billichkait gnüg mugen erheben. Dwyle man aber von vns 
nit mer noch wyters sol begerens' Danne als vil wir mit 
willen vnd wercken vermugen/ Vnd mir nu des ainen nam- 

10 lieh mit den wercken gebricht/ So hab Ich das ander, das 
ist min danckbar willig gemüt, üwern fürstlichen gnaden wollen 
oflFnen, vnd wärlicher zereden gantz wollen ergeben!' vmbe 
daz ich jn dem laster der vndanckbarkait (das ich all min 
tage hab gevindet) von üwern gnaden nit wurd vermercket. 

15 ob aber dieselb üwer gnäd dehainist beduncken wölt/ ainch 
dienste miner arbait vch zu gefallen ouch komen mögen / So 
wil ich des von üch vnderrichtet in sölichen diensten gehor- 
sam funden werden/ gelych vwers hofgesinds gehorsamsten 
dienern jn allem mir vermuglichem , nach liebstem gefallen 

20 vwer fürstlichen gnaden. Dar In ich mich vndertenig enpfilch 
vnd bitt, daz got der almechtig die gesund vnd früsch mit 
seligkait aller eeren vnd gutes langfristen vnd be[60^]waien 
wöU, In ainem stände vnd wesen üwern hochgelopten gnaden 
wol zimend vnd gefellig Geben vf sanct Matheus aubent Als 

25 man nach crists geburt zalt tusent vierhundert vnd jm ains 
vnd sechtzigosten Järe etc. 

DEr durlüchtigen fürstin vnd fröwen fröw. Mechilten 
geborner pfaltzgrefin by Ryne vnd Ertzhertzogin zu österrych 

80 etc. witwan miner gnedigosten fröwen enbüt ich nicläs von 
wyle der zyt statschriber zu Esselingen min vndertenig willig 
dienst zeuor. Vnd als üwer fürstlich gnäd vf min erbieten 
vch nechst schriftlich getan, yetz durch üwer gnaden Camrer, 
maister Jörgen rat, an mich begert hat ob ich ützit loblichs 

85 oder kurtzwyligs von dem latine zu tütsch gebrächt hett oder 
noch bringen wurd/ vch das zemittaillen , nützit möcht von 
mir beschechen gefelligers üwern gnaden etc. hab ich yetz nechst 
vom latin zu tütsch gebrächt/ wie yetz vnser allerhailigoster 



03 

vater vnd herre herrn pius babst der ander vor etlichen Jären, 
do er in niderer wirde gesessen vnd eneas genennet was, ai- 
nera siner guten fründen riet vnd hailsam leer vnd vn- 
derwysung gab/ wie er sich der jochs der herten aigen- 

5 Schaft der liebe/ damit er belestiget was, möcht ledigen vnd 
djur von fryg vnd sicher entrünnen. das Ich üwern gnaden 
so vil vngerner schick/ als vi! mer scheltens wyplicher bil- 
dung vnd grobkait etlicher werten darjnne werden vermercket. 
aber üwer fürtreflfend hoch Vernunft versteet vnd merckt sö- 

10 licbs zft erfolgung des, darumb sölich leere geben wirt sich 
nötdürftenklich gebüren. dann wer gelerter oder vernünftiger 
zwyfelt hieran / daz man nit, als vil wäres grunds, als vil wis- 
ßenlicher exempel vnd als vil geloupwirdiger [61] sprächen 
vnd genügsamkait der werten finde vnd habe zu lob wyplichs 

15 geschlechtes dienende Als zu scheltung. aber lose tiwer fürst- 
lich gnäd enklain hier von vnd merck was etlich schelck wider 
wypiich bildung vff die ban bringen tügen. Sy sagen jn den 
hailigen geschriften vil gezügnüsz sin vnd funden werden den 
fröwen widerwertig/ vnd wider sy schryen Augustinum Am- 

20 brosium Jeronimum vnd Gregorium vnd vil ander lerer euch 
wider sy hert vnd scharpf sin Virgilium Juueenalem vnd die 
gantzen schare der poeten Item so melde euch Cato der aller 
ernstlichest vnd wysest vnd Sprech, daz fröwen gütig syen 
vnstett vnd zornig. Vnd sagent vnd bringent des exempel 

25 der hosten fröwen vnd offnent wie vil übels vnd arges voti 
den selben syge entstanden. Darnach berüffent sy her für die 
natürlichen maister/ Vnd sagent wenne man dero räts ye 
gepflegen hab von wyber zenemen/ so haben sy allwegen das 
widerraten, oder aber nit wollen raten, von wegen mancherlay 

30 trübseligkait dar Inne verborgen. Aber disz ist alles nach 
minem beduncken lichtenklich zeverantworten. Zum ersten 
das, so In der hailigen geschrift gesetzet wirt, das ist zever- 
steen von etlichen verkerten bösen fröwen. vnd ist niemant 
zwyfels danne daz vnder den fröwen ouch boszhait funden 

35 werd. aber in sölichen Sprüchen vnd Schriften, wirdt nützit 
also gantz gemain vnd gar durchgende genomen oder ver- 
merckt/ daz nit etwer des gevssert syge. danne sust müsten 
ouch alle mane bösz sin. dann find man in der geschrift von 



92 

Dann was mag äin mensch arm von gut, klainer Vernunft vnd 
minderer kunst, getün ald würcken lobsams vnd gefelligs/ 
ainer sölichen fürstin, die sich mit aigner Vernunft vnd wysz- 
hait, ouch mit liebe zu kunst, vnd mit verstäntnüsz aller hüpsch- 

5 kalt gelychet den alt gelopten fröwen. dero tugend ryche werck, 
wir mer müssen wundern danne wir die mit ainchem lob nach 
billichkait gnüg mugen erheben. Dwyle man aber von vns 
nit mer noch wyters sol begerenj' Danne als vil wir mit 
willen vnd wercken vermugen/ Vnd mir nu des ainen nam- 

10 lieh mit den wercken gebricht/ So hab Ich das ander, das 
ist min danckbar willig gemtit, üwern fürstlichen gnaden wollen 
offnen, vnd wärlicher zereden gantz wollen ergeben/ vmbe 
daz ich jn dem laster der vndanckbarkait (das ich all min 
tage hab gevindet) von üwern gnaden nit wurd vermercket. 

15 ob aber dieselb üwer gnäd dehainist beduncken wölt/ ainch 
dienste miner arbait vch zu gefallen ouch komen mögen / So 
wil ich des von üch vnderrichtet in sölichen diensten gehor- 
sam funden werden/ gelych vwers hofgesinds gehorsamsten 
dienern jn allem mir vermuglichem , nach liebstem gefallen 

20 vwer fürstlichen gnaden. Dar In ich mich vndertenig enpfilch 
vnd bitt, daz got der almechtig die gesund vnd früsch mit 
seligkait aller eeren vnd gutes langfristen vnd be[60^]waren 
wöU, In ainem stände vnd wesen üwern hochgelopten gnaden 
wol zimend vnd gefeilig Geben vf sanct Matheus aubent Als 

25 man nach crists geburt zalt tusent vierhundert vnd jm ains 
vnd sechtzigosten Järe etc. 

DEr durlüchtigen fürstin vnd fröwen fröw. Mechilten 
geborner pfaltzgrefin by Ryne vnd Ertzhertzogin zu österrych 

so etc. witwan miner gnedigosten fröwen enbüt ich nicläs von 
wyle der zyt statschriber zu Esselingen min vndertenig willig 
dienst zeuor. Vnd als üwer fürstlich gnäd vf min erbieten 
vch nechst schriftlich getan, yetz durch üwer gnaden Camrer, 
maister Jörgen rat, an mich begert hat ob ich ützit loblichs 

35 oder kurtzwyligs von dem latine zu tütsch gebrächt hett oder 
noch bringen wurd/ vch das zemittaillen , nützit möcht von 
mir beschechen gefelligers üwern gnaden etc. hab ich yetz nechst 
vom latin zu tütsch gebrächt/ wie yetz vnser allerhailigoster 



93 

vater vnd herre herrn pius babst der ander vor etlichen Jären, 
do er in niderer wirde gesessen vnd eneas genennet was, ai- 
nera siner guten fründen riet vnd hailsam leer vnd vn- 
derwysung gab/ wie er sich der jochs der herten aigen- 

5 Schaft der liebe/ damit er belestiget was, möcht ledigen vnd 
djur von fryg vnd sicher entrünnen. das Ich üwern gnaden 
so vil vngerner schick/ als vil mer scheltens wyplicher bil- 
dung vnd grobkait etlicher Worten darjnne werden vermercket. 
aber üwer fürtreflfend hoch Vernunft versteet vnd merckt sö- 

10 lichs zft erfolgung des, darumb sölich leere geben wirt sich 
nötdürftenklich gebüren. dann wer gelerter oder vernünftiger 
zwyfelt hieran / daz man nit, als vil wäres grunds, als vil wis- 
ßenlicher exempel vnd als vil geloupwirdiger [61] Sprüchen 
vnd genügsamkait der Worten finde vnd habe zu lob wypiichs 

15 geschlechtes dienende Als zu scheltung. aber lose üwer fürst- 
lich gnäd enklain hier von vnd merck was etlich schelck wider 
wypiich bildung vff die ban bringen tügen. Sy sagen jn den 
hailigen geschriften vil gezügnüsz sin vnd funden werden den 
fröwen widerwertig/ vnd wider sy schryen Augustinum Am- 

«0 brosium Jeronimum vnd Gregorium vnd vil ander lerer ouch 
wider sy hert vnd scharpf sin Virgilium Juueenalem vnd die 
gantzen schare der poeten Item so melde ouch Cato der aller 
ernstlichest vnd wysest vnd Sprech, daz fröwen gütig syen 
vnstett vnd zornig. Vnd sagent vnd bringent des exempel 

25 der hosten fröwen vnd offnent wie vil übels vnd arges voti 
den selben syge entstanden. Darnach berüffent sy her für die 
natürlichen maister/ Vnd sagent wenne man dero räts ye 
gepflegen hab von wyber zenemen/ so haben sy allwegen das 
widerraten, oder aber nit wollen raten, von wegen mancherlay 

30 trübseligkait dar Inne verborgen. Aber disz ist alles nach 
minem beduncken lichtenklich zeverantworten. Zum ersten 
das, so In der hailigen geschrift gesetzet wirt, das ist zever- 
steen von etlichen verkerten bösen fröwen. vnd ist niemant 
zwyfels danne daz vnder den fröwen ouch boszhait funden 

35 werd. aber in sölichen Sprüchen vnd Schriften, wirdt nützit 
also gantz gemain vnd gar durchgende genomen oder ver- 
merckt / daz nit etwer des gevssert syge. danne sust müsten 
ouch alle mane bösz sin. dann find man in der geschrift von 



94 

der fröwen daz voder tosent kumm aine gftt fanden werd so 
lesen wir oocb des gelychen Ton den mannen in dem psaliery 
daz niemant syg der gfits tag, niemant bis [61^] an ainenn. 
Aber wenne die baüigen leerer die fröwen schelten. So schel- 

5 tent Tnd yerdampnent sy mit recbt etlich bos od^ aber sy 
besprechen bier mit die man die küschbait gelobt bant vnd 
yaiiaissen/ daz die selben bie dorcb friwen tüg^ fliecben 
ynd yermyden. Desz gelycben sy oucb bin widemmb den 
Jongfröwen in den döstem ai^ vnd böses sagent yon den 

io mannen. Daz aber die poeten wider die fröwen scbribent, ist 
nit zewondem/ angesecben, daz die selben poeten den mannen 
oncb nfitzit yertragent Item Gatoni dem wysen wirt gnftg 
geantwort, dnrcb luciom yalerinm Als lioius scbribt, Der da 
das recht opiam genant wider die fröwen gesetzt/ behftb ab- 

15 gestellet werden. Von yile der Sünden ynd lästern? Ist nit 
not zedispntieren dwyle dieselben sünd ynd laster yil grösser 
ynd merer sint ynd fanden werden in ynserm geschlecht, dann 
in den fröwen. Vnd mich bew^ent nützit der bösen exempel 
oder die alten bösen geschichten durch fröwen menschlichem 

90 geschlecht zugestanden. Dann wenne wir bede der fröwen 
ynd der mannen schantlich geschichten herfür ziechen, ynd 
yon dem ersten ybertretter Adam bis yf den aller sündigosten 
Jadam. Vnd yon Im bis yf disen hüttigen tage arg getäten 
beder geschlechten an ain summ summarum legen wollen/ 

16 So findet ain yetklicher die fröwen gegen den mannen als vn- 
schaldig yermerckt werden, aber Ich kam nu vflf die natür- 
lichen maister, dero als Lactancius schribt nie kainer gelebt 
bat als er geschriben hat Vnd ist war daz man manchen man 
findt hochgelert ynd für from gebalten der hundert guldin 

80 nimpt zepredigen ynd nit zwayhundert nem das so er prediget 
mit [62] den wercken zevolbringen. Socrates den appoUo schätz 
den aller wysosten, hat oft andern mannen die ee. als sorg- 
aeltig vnd yoll laids widerraten/ der noch dann sich selbs 
zwurent elichen husfröwen tett vermecheln. Aber disz min 

»6 schriben ist villicht gnedigoste fröw zu vil wyt vsgeluiffen vnd 
üwern gnaden verdrüssig. darumb berüffe ich mich vnd lende 
wider zu Stade, dannen ich vsgefaren bin, hier von nit me 
sagende dann daz ich mich, mit disem wyten vszlouffe, gegen 



95 

allen das künftenklich lesendeo fröwen, entschuldiget haben 
wil/ vnd denselben geoen zeuersteen/ mich disz wercks nit 
verfangen han als ain genaigter züscheltung vnd abzuge wyp* 
lieber eeren vnd wirden, die ich giriger bin mit lobe allzyt 

5 zeerheben i sunder als ainer, der des gebetten worden ist, von 
ainer persone, dero mir nit gehurt ützit zeversagen. aber vf 
üwer begerung obgemelt, durlüchtige fürstin i schick ich üwer 
gn&den dise min translatze vnd tütschung nach dem latin vf 
das genewst gesetzt/ vnd wölt daz die üwern gnaden kern zu 

10 ge&llen / das were mir so vil mer zu fröden, als vil ich lieber 
zu aller zyt würcken wölt/ da durch üwer gnaden günstiger 
Wille sich gegen mir üwerm willigem vnd vndertenigem diener 
tett wachsen vnd meren datum sexta post mathei. Anno 
M.cccc.lxj. 

15 ENeas Siluius poet Enbüt nieläsen wartemberger vil 

hails. Du hast dich der vorigen nachte beclagt wie du in 
liebe ainer bülschaft arbait habest, Vnd hier Inne din inge- 
fürtes gebunden gemüt nit mugest ledigen noch enpinden. 
Vnd sagtest darby dich liebhaben, weder ain Jungfröwen noch 

«0 ain vermechelte noch ain witwe/ sunder ain fröwen wie wol 
sy hüpsch wer, yedoch sich selbs vmb lones [62^] willen, ainem 
yetklichen vnderwürffig machende Vnd redtest dir sölichs laid 
sin vnd gern wollen die liebe zu rugk schlachen/ vnd dich 
doch nit wissen weg vnd mäsz dadurch du frye, Vnd sölicher 

«5 liebe entlediget werden möchtest. Danne ob du wol vil prie- 
ster deshalb räts gepfiegen bettest/ So bette dir doch ir kainer 
sölich artznie gegeben, Die dich hier zu bedüchten gnüg tref- 
fenlich sin vnd tett darumb mit grosser bitte mich ersuchen / 
daz ich diner kranckhait etlich artznie geben wölt, vnd dir 

3<r zaigen ainen wege, durch den du dem flammen brinnender 
liebe möchtest entrinnen. Ich wirt zu willen diner begird, 
vnd gib dir hailsam artznie/ wo du anders die enpfahen in- 
nemen vnd. du dich dero recht gebruchen wilt. Vnd furcht 
mir nit ainen namen oder ainch straffe ains bösen artzats ge- 

85 geben oder zu gelegt werden/ wo du anders an dich nemen 
wilt ain person ains gefölgagen krancken. Wie wol Ich main 
Absl die priester dero rätes du gepflegen hast, dir gnüg getan 



96 

hetten, wo du ir lere die sy dir. gapbent bettest gehalten, 
aber die selben lere bedächten dich vfflicht schwer sin. Dann 
so sy sprachent fluch die selben fröwen. rede nützit mit ir. 
vnd hör ouch nützit von jr. diz hat dich bedacht sin ain her- 
5 tes wort desgelychen ouch ain krancker das feber habende 
vngern hört jm kalt tranck versagt werden. Aber doch wil 
er gesund werden so haltet er mit flysz das so Im der artzat 
gehütet. Darvmb min nicläs wilt du diser liebe entrinnen 
vnd fryg werden, so berait vnd schick dich hier zu, was ich 

10 dir gebiet, daz du das haltest vnd volbringest. vnd erkenn 
dich siech sin, vnd mit ainer allergrösten kranckhait begriffen 
vnd von gesunthait wegen sich [63] dir gebürren vil scharpfer 
vnd herter dingen Inzegeen Danne min nicläs siech vnd 
kranck ist ain yetklicher der da lieb hat, vnd nit allain siech 

15 vnd kranck, sunder ouch mit aigenschaft gefangen vnd toub 
vnd siner süinen entsetzet. Ich red von vngebürlicher liebe. 
Dann got lieb haben ouch vatter müter wyb vnd kinder, ist 
ain werck der tugend vnd nit des lasters vnd ain werck der 
gesunthait vnd nit der kranckhait. Aber du hengest nach vn- 

20 gebürlicher liebe. Was mainst du sin sölich vngebürlich liebe 
dar von wir yetz reden ? die alten haut gesetzt die sin geborn 
von der göttin der mine Venus genant, Vnd von vulcano ai- 
nem gote des füres vnd daz sy sige ain blindes kinde geflü- 
gelt, vnd in sinen henden ainen bogen vnd geschütz habende, 

25 Da mit es man vnd wyb treffende, brunst der liebe ingüsset 
vnd entzünden. Vnd Seneca spricht In tragedys. Liebe ist 
nützit anders dann etlich grosse craft vnd macht Innwendiger 
sinnen vnd senfte lustsami hitz des gemtites/ die, so sy an- 
gefangen ist/ geborn wirt vnd zu nimpt mit müsse vnd gai- 

w likait, Vnd gefüret vnd behalten i zwüschen der frölichen güt- 
hait des gelückes. Dann liebe gern wonet In den höfen der 
rychen vnd selten sich lasset herhergen. In den hütten vnd 
vnder den tächern der armen. Dise liebe nimpt hin des 
menschen sinn, verkert alle erkantnüsz. Verstopft vnd tobt 

85 die Vernunft vnd erleschet alles gemüte. Danne so du ain 
fröwen lieb hast, so lebst du nit in dir sunder allain in ir. 
Was ist aber bögers ? danne ainen lebenden menschen nit leben / 
ainen vernünftigen menschen nützit mercken noch versteen/ 



97 

vnd ainen menschen ougen habende nit gesechen. Dann [GS*»] 
wer lieb hat der wirt verkert in ainen andern menschen, daz 
er^weder redt noch tut das, so er vor getan hat Darvmb 
so redt parmeno Interencio. lieber got. spricht er. Was siech- 

5 tums ist das, daz die lüt also verendert werden von liebe 
wegen, daz du sy nit bekantest sin die vorigen. Da mit Te- 
rentiuS maint liebe sin ain Siechtum, vnd maint ouch nit vn- 
recht dann als Macrobius schribt, So spricht yppocras daz 
vnküschhait, die da ist ain müter oder ain tochter der liebe, 

xo syge ain tail ains aller hosten Siechtums. Diser siechtum oft 
ankumpt die Jungen ouch die alten vnderwylen nit für geet 
sunder seer tut bekrencken vnd so vil sorgfeltiger ist vnd 
mer zeuerspotten / als vil die person die dar mit bekrencket 
ist? treffenlicher vnd ftirnemer von alter oder kunst wegen/ 

15 wirt geschetzet vnd gehalten. Darumb niclaus so du also ge- 
fangen bist:' vnd der liebe dienest/ so wisz dich siech vnd 
kranck sin. bist du dann siech? so flisz dich des Siechtums 
ledig zewerden. dann wer ist der/ der da lydet sichtum vnd 
des nit wölt werden entlediget? Aber als vil der siechtum 

20 schwärer vnd grösser ist biterer vnd sorgfeltiger/ So vil 
müsz grösser sin die sorg vnd artznie des siechen. Nu ist 
din kranckhait grosz/ Darumb syg ouch grosz der flysz di- 
ner widerbringung. bedenck min nicläs in was stäts vnd 
Wesens du syest. du schetzest dich selbs nützit vnd was dir 

26 züfalt vnd begegnet bedunckt dich licht sin. allain bist du ge- 
flissen vnd sorgueltig vber dinen bülen. du achtest nit grosz 
din vater din müter din frtind vnd gütteeder, allain ist din 
gemüt in dem selben dinem bülen, die hast du lieb, die lobst, 
die fürderst von dero trömpt dir. von dero gedenckst du. von 

80 dero redst [64] du. von dero suftzest du. Vnd tust noch 
wtirckest nützit, du syest ir jngedenck. Nin war was torhait 
was vnsinnikait was grosser kranckhait das syg? Ist nit hie 
zebegeren artznie ? dann wer wölt nit gesund werden von aim 
sölichen siechtum? aber furo nicläs, so sint dise nachge- 

85 schribne ding notdürftig zu dinem haile. tust du die so wirst 
du gesund, versumpst du sy aber, so wirst du vergraben in 
diner kranckhait vnd mag dir niemant komen zft hilffe. Item 
des ersten so betracht wie gar ferre du von den gebotten 

N. V. Wyl6. 7 



98 

gotes gewichen syest/ so du sollest ^ot dinen schöpfer von 
gantzem hertzen liebhaben, vnd dn lieber gehept hast ain 
geschöpfte creatur vnd in dero gelegt all din kurtzwyle vnd 
woUast, da durch du worden bist ain eerer vnd vber der 
ft abgötterye. dann wer ain creatur fursetzet got dem allmech- 
tigen der ist ain eerer vnd vber der abgöterye. du leugnest 
aber villicht dich ainen sölichen sin. gelycherwyse als ob du 
nit fürsetzest ainch creatur in dinem schöpfer. Aber wilt du 
der wärheit verJechen so müst du bekennen, daz du mer lieb- 

10 hast dinen bülen dann gote. dann was got gehütet das ver- 
sumpst verachtest vnd vberferst du. was aber din bül wil das- 
selb achtest du mit oberstem flysse zevolfttren. vnd das ist für 
war ain fröwen fürzesetzen got dinem schöpfer. Aber laider 
was grossen sorgueltigen vnd schatzlichen vbels ist es, ain 

15 geschöpfte creatur also lieb zehaben daz du hierjnne gotz 
minder achtest got do du nützit werd, hat dich getan etwas 
sin, daz du möchtest wissen die götlichen sacrament vnd den 
wege den man geet in die himel. Der selb gotte euch do du 
vnd ander menschen vmb die schuld des ersten vatters ade, 

20 das paradys verloren hatten/ für dich wolt werden geborn 
ain mensch, wolt werden gefangen [64^] gescholten geschlagen, 
gecrützigot. euch wolt sterben vnd dich mit sinem costbaren 
blftte erlösen. Nym war was grosser vndanckbarkait grobkait 
vnmenschlikait vnd boshait ist das, den der so vil von dinen 

25 w^en hat getan, zeuerlässen von ainer schnöden fröwen we- 
gen. Das sol dich vnd ander cristan lüt bewegen von vn- 
zimlicher liebe zelässen vnd got allain zedienen. Aber gedenck 
furo niclaus was du tügest. Bedunckt dich din bül hüpsch 
sin? geloubst du nit daz sy allwegen also hüpsch belyb ? oder 

so waist du nit Als trageuius schribt/ daz hüpsche der gestalt 
ain fliechend dinge ist? ain £röwe hüt hüpsch wirdt morn ent- 
schöpft vnd vngestalt. Warvmbe verwechselst dann du das 
gute so ewig vnd vnwandelbar ist, vmb die ding die da vn- 
belyplich hinfallent? Sig Joch daz din bül ainer schönen 

85 hüpschen vnnd lustigen form vnd gestalt syge (als du mainst) 
So ist doch sölichs ain lycht vnstets gute, dann ainer fröwen 
gestalt vnd hüpsche nüczit ist. sölichs hypsche werd dann 
behulfen mit tugentlichen satten vnd wercken. küschait ist die 



99 

so ain fröwen lobsam machet vnd nit die form irer gestalt 
du hengest aber nit Dach der küschait/ Sunder hast allain 
lieb die gestalt die selb gestalt aber hin feit glych dem blü- 
men des ackers vnd als ain rose die frü schynet vnd rötet, 
5 vnd spät siechet vnd dorret. Nützit ist hüpschers dann die 
tugent vnnd fromkait. Wenne. du die ainist sechest vnd be- 
schöwtest so bedüchte sy dich vil hüpscher sin dann din bäle. 
Wyle weder der morgenstern noch der Aubent stern so schön 
vnnd wolgezieret sin mag, als die angesicht derselben fromkait 

10 vnnd erberkait. Wer die verlasset von wegen ainer fröwen i 
schetz selbs (bit ich) wie gar der syg ain [65] tore vnd narre 
vnd äne sinn vnd vernunfte. Furo nicläs daz Ich mich mit 
dir nit vil werten gebruch. Dise fröw. Die du lieb hast, ist 
nit allain din, Sunder haben vil dieselben. So hat sy oudi 

15 nit allain dich lieb, sunder so liebt sy euch ander. Was wilt 
du dann tun in ainer sölichen schare ? Betracht dich yetz 
komen sin vber mittage zu der vesper, Vnd aller nechst we- 
sen der verdienung dines lones. Wilt du mit den Jungen 
gesellen stryten? Vnd mit den starcken fechten? was suchst 

20 du in aim stryt/ In dein so du gesigen hast/ nider gelegen 
bist ? Es ist ain grosz ding ainen alten man von jungen ge- 
sellen ain fröwen ryssen vnd jnen die abgewinnen Ich setz 
aber, daz du des mechtig syest vnd sy von jnen mit gewalt 
vnd perfort bringen mugest. was hast du dann gewunnen oder 

25 wes bist du obgelegen i' wyle diser stryt, also ist, daz der ob- 
ligend vnder geligt. Ich bitt dich sag, was ist ain £röw anders 
dann ain zerstörerin der Jugend, ain roub der mannen, ain 
tod der alten, ain vertügerin erbes, ain schad der eere, ain 
spys des tüfels, ain port des todes, vnd ain erfüUung der helle. 

30 Gedenck niclaus wie vil vbels durch fröwen syg beschechen. 
wyle salomon holofemes wyle sampson vnd vil ander, durch 
fröwen sint worden betrogen. Geloub dich selbs nit so starck 
sin/ daz du nit vmbgefürt vnd schimpflich werdest verspotet/ 
suQder als vil du blöder vnbehitsamer vnd vnwyser bist, dann 

85 die vorgesagten manne , so vil mer züch dich von der statt . 
darinne du magst werden angefürt vnd betrogen, die liebe 
ainer fröwen ist nützit die da beschicht mit sünde / Dann in 
ir ttt kain stetikaiti^ sunder welche dich hat lieb h&t/ wirt 

fr* 



100 

morn ainen andern lieb hiben. wie achtest du die liebe, cBe 
in vil getaillet ist. [65*^/Kain fröw hat ainchen man so vest 
lieb, die nit zu zyten so ain nüwer büler kumpty Durch nüw 
bitt vnd gauben jr liebe tüg verkeren. Dann ain fröw ist ain 

5 mensch mangerlay siechtungen vnd züfellen vnderwtirffig, ane 
truw/ ane forcht, ane stetikait an miltikait. Ich red von den 
fröwen, die da schantlich liebe zülässent/ zu kainer zyt sint 
die selben stete, dann als sy ainist ab dem rechten wege sint 
getretten, also mainent sy sich dann darnach fryg sin/ daz 

10 sy vmbschwaiffen vnd beginnnen sollen was sy wollen vnd 
habent ouch furo weder forcht Irer fründen noch Irer mannen. 
Ich geloub för war dise woUust der minne, nu mer dir, der 
von alter ab nimpst wenig me zu gefallen sin. Dann was mag 
dise schamliche wollust ützit gutes bringen / nit allain dir alten 

15 vnd dürren manne/ sunder ouch Jungen muglichen menschen/ 
dero doch schnell nach folgt ain rüwe. Ist sölich ermanung 
vnd endrung nit ain grosz mercklich ding? die nach der be- 
gangen Sünde von stund an, schnell des menschen gemüt tut 
mit rüwe straffen vnd betrüben, wie^ bösz ist der mensch der 

so so dick ermant nit fürret? vnd so oft gesträffet sich nit bes- 
sert? was tut sölich lyplich übung anders würcken dann die 
sei ertöten, dann wenne zway menschen man vnd fröwe sa- 
ment die werck der vnküschhait pflegent/ daz bedunckt mich 
sin gelicher wyse als zway gleser die an ainander so lang ge- 

M riben werden bis sy zerbrechent vnd zu nichte gebrächt wer- 
den, aber du fröwest dich villich nit in dem werck sölicher 
vnküschhait/ sunder allain hast du lust vnd ergetzung in der 
gesiebt vnd in dem gespreche der fröwen. Ich bitt dich sag 
was ist so hüpsch in der gesiebt daz du nit finden mugest 

»0 [66] hüpschers? die hüpsche die wir sollen suchen, ist in dem 
himel, dero kain zytlich noch irdisch ding mag gelychet wer- 
den, in der selben hüpsche ist alle volkomenhait. Die zyt- 
lichen dinge haben allwegen gebrechen, dise sint ewig, die 
hinfallend, dise stet vnd belyplich. die fliessend vnd zergengk- 

w lieh. Die schöne vnd hüpschkait der gestalt dins bülen die 
du yetz verwunderst, nimpt lichtenklich hin klainer Siechtum 
des febers. vnd ob der Siechtum vszbelypt/ sa verspätet noch 
verhindert sich doch nit das alter, daz da das schön vollgedrungen 



101 

ynd gewoUen angesicht machet dürr krumb vnd runtzellecht/ 
Also daz die gelider so du yetz wunderst/ durch klaine lange 
der zyt werden dürr, schwartz^ Wüst, voll gestancks vnd vn- 
lustes. Die ougen beheben nit Iren schyn, der mund wirt 
5 schmecken, der hals gekrümpt Vnd der lyb allenthalben glych 
ainem dürren trucknen Woche. Disz bedenck vnd kere von 
disen dingen din hoffung/ vnd fluch die/ vor vnd ee du dero 
beroubet werdest, dann es ist vil besser dise ding zeuerschma- 
hen vnd selbs zeuerlässen, dann die zeuerlieren. Aber von 

10 wegen Ir süssen wolgefelligen rede/ da durch du dich sprichst 
ergetzet ze werden etc. Hab ich grosses wunder/ Danne 
was hat söliche rede in ir ützit süsses? Was sagt dir din 
bül? Fürwär, aint weders sy beclagt sich oder wainet oder 
tröwt. Oder sagt dir torrechte merlin vnd was sy by Ir näch- 

15 pürin getan bab. Was ir getrömpt vnd wie vil ayer ir henne 
gelegt hab. Vnd mit was blümen ain krentzlin zemachen syg 
Also das alle der fröwen rede nützit ist/ dann von lichtfer- 
tigen dingen/ darjnne (ob sich yemant fröwt vnd ergetzet) 
zemerken ist vnd sin müs/ den selben [66^] menschen ouch 

20 sin ring vnd lychte. Sy sagt dir vnder wylen wie vnd welcher 
mäsz sy vor by ainem andern syg gelegen, vnd wie sy mit 
dem gelebt, vnd was gauben sy von Im enpfangen vnd wie 
grosz Wollust sy mit essen trincken vnd anderm gehept hab. 
welche rede dir nit fröid, sunder pingung bringen tut. aber 

25 du nemest vnd enplachest fröid wie vil du wollest in der rede 
dines bülen Sag bist du nit so gar an sinne vnd diner ver- 
nunfte so gar entsetzet/ daz du nit vil mer dich fröwest jn 
den Worten vnd reden ains vernünftigen hochgelerten mannes ? 
Mach ain summ summarum vnd rechne zu sament Alle fröid 

so vnd alles laid, so in der liebe ist vnd sin mag/ so findst du 
des vil sin vnd disz wenig vnd wirst sprechen war sin, des 
poeten spruch / der da sagt liebe sin gesencket in wenig hongs 
vnd vil gallen. darvmb lieber nicläs. Wyle die gantz liebe, 
dar von wir reden vppig ist, scharpf bitter vnd schedlich vnd 

S5 die den menschen mit aller schweristem Siechtum tut binden / 
so ist dir zeachten, daz du dar von werdest entlediget, die 
artznie aber hier zu ist die, daz du in dinem gemüt dir das 
fürsetzest vnd haltest/ sölich liebe obgemelt bös sin. Dar 



102 

tiA wjch md zfieh dich tod der red diiies bfiloL Fllidi 
mAsse. Tnd bis aHwegen Tnd stets in arbait folg nich gftten 
fromeii Iftten/ die dich mderwisent Bis kainem schimpf kai- 
ner woDoste noch kainen gaflen firöiden gegenwärtig. Habe 

» din bftl dir fttzit geben das wir» von dir. läsz nötzit by dir 
idn, das ir gewesen sjg. Ynd schetz die sin ainen hotten des 
tllfels der dich wolt yerdampnen. In diner gedechtnnsz syent 
die gflthait cristi, die er dir getan bat Gedenck wie tu lones 
berait syg den woltfinden in den hinmiefaL ynd wie tQ pin- 

]<^ gong den fbeltetigen [67] in den heUen. Bedenck dine tag 
aHwegen kfirtzer werden, ynd nächen den letsten. Bedenck 
daz er zft gespeHte ist, der lieb hat ynd sonderlich ain man 
lang gelepter Jiren bedenck der fröwen ynstetz gemüte. be- 
denck yerliening der zyte dero nützit costlichers ist bedenck 

li zergenglichkait dines gfltes bedenck wie kurtz ist das leben 
das wir lebent in diser weit/ wie wol es der woUost geben 
wirdt ynd daz in der andern weite die wir suchen, kain ende 
ist* Ist daz da disz emsenklich betrachtest, ynd du dise leer 
ynd gebot haltest/ so tflst du dich in knrtzer zyt der liebe 

M mit dero da beladen bist, entledigen tnd gibst dich sin ainen 
man got genem ynd wirdig der himeln Vale etc. 



103 



[67^] JjEm durlüchtigen fürsten vnd herren hemn Earlin 
Marggrauen zä Baden etc. Vnd grauen zä Spanhaim minem 
gnedigosten herren Enbüt Ich nicläs von wyle Statschriber zu 
Esselingen Min gehorsam schuldig dienste mit willen In aller 

5 vndertenigkait berait zu uor . . als Cosmas de medicis wylant, 
sines gewaltes entsetzet/ von der statt florentz nit äne be- 
trüpnüsz sins gemtites/ vsgetriben vnd verbotten ward/ Sandt 
Im der hochgel^rt man Pogius florentinus zu tröste, ain lati- 
nisch geschrifte die nach minem beduncken, andern menschen, 

10 sölichs mit flysz lesend vnd merckende / Ouch billich nit klai- 
nen trost in sölichen Iren beschwerungen geberen sölt Dwyle 
mir aber diser vergangner vasnacht, fyrrung halb vnsers rites 
vnd gerichtes, etlich klain zyt der müsse verliehen gewesen 
ist/ So maint ich besser vnd loblich er getan sin/ sölich zyt 

15 zeuertryben mit erber arbait/ Danne mit springen vnd tantzen/ 
da mit ich doch nu mer kainen hauen gewinnen möcht Vnd 
hab darumb die selben geschrift, die von treffenlichen hochen 
sinnen vnd mit loblicher zierung der Worten gesetzet ist/ 
in disz nächfolgend tütsch gebrächt/ zu lieb vnd nutz allen/ 

20 die sölicher trestung künftenklich bedörfen möchten. Ouch 
vmb daz ich erfaren wolt. Wie zierlich vnd sament verstent- 
lieh das tütsche nach sölichem latine ,vf das gnewist gesetzet 
luten wurd. Das ich vwer durlüchtikait hier mit schick, nit 
darumb, daz tiwer genäde des bedörflfe die wir allwegen ains 

25 gelychen gemütes, weder in gelück erhept, noch in vngelück 
verzagt , gesechen haben. Sunder darumb daz ich hoff vnd 
main, daz [68] sölichs von treffenliche wegen des sinnes, mit 
sampt der schonhait des gedichtes, so ain hoch verrümpten 
maus pogy/ soll komen zu gefallen vwern fürstlichen gnaden 

80 das fiü* ander merckend vnd verstende , dero jch mich dann 



104 

erkenn pflichtig sin zemittaillen in gutem alles min vermugen 
Geben vf dem sunntag als man jn der kirchen singet Esto 
micbi Anno domini Millesimo quadringentesimo sexagesimo 
primo. 

5 Wie wol diser din swärer vnd laidsamer zu fale villicht 

grösser ist, danne der getrost oder gelychtert werden mug von 
Worten, besunder ains scblechten vngelerten menschen/ so er- 
fordert doch niin sunderliche liebe zö dir/ ob ich wol gebre- 
chen halb min selbs nit erfolgen mag an dir, das, so ich beger/ 

10 daz jch noch dann lieber wil geschulten werden die klaine 
miner Vernunft/ danne daz jch vermyden vnd vnderwegen 
lassen sölt, das/ so ich frtintschaft halb dir zetün pflichtig 
bin. Dann dwyle jch oft gehört hab, etlich trostung vnder- 
wylen In schwären sachen vil gehulffen han/ So hab ich das 

15 getruwen jn minem gemüt / ob das so von mir vsgeet , dich 
dines laids nit gantz enthebt/ daz es doch dir (so du das 
lisest (ettlicher mäsz trostung bringen soll, du hast enpfun- 
den des gelückes laidsamen fale vnd des boshait vnd wider- 
wertikait. welcher fale geschulten werden sol, mit der wysz- 

so halt vnd tugend des gemütes, mit dem wir dich all wegen ge- 
sechen haben begaubend sin/ also daz die ding/ so die andern 
mit vngedult für schwer trägen, dich durch sunder grosse 
dins gemütes, lycht sin bedücht hant. doch so furcht jch daz 
du vsser ainer sölicheii grossen vnd schnellen diser dingen 

85 endrung, nach sitt der menschen, mit etlicher trübseli [68^] 
dms gemüts bewegt werdest Ist aber daz du dich vns gibst 
vnd büttest mit hochem vnd vestem gemüt, die schos vnd 
pfyle des gelückes verschmachende vnd verachtende, Vnd du 
dir fürsetzest, mer stercke sin in hilffe der tugend danne in 

80 zytlichem gute / Vnd du dise ding, nit grösser schetzest, danne 
als grosz sy von den wyseii zeschetzen sint/ So fröwe ich 
mich seer mit dir / daz du sölicher aigner wyshait halb, fremder 
trostung nit bedarft. Ißt aber (wyle die natur dich ainen men- 
Sißhen geborn hat) daz dise schnelle endrung vnd vngestümikait 

85 des gelückes (dar vnder ouch etwenne die aller gelertisten dar 
nider gelegen sint) dich etwas zu vil vnd vber gebürlichs be- 
trübent/ So ist du- zefliechen in die höche diner Vernunft Vnd 



105 

des ersten ze betrachten, dir nützit genomen noch entpfürt 
sin des dinen, oder daz din sin genennet werden möcht. dann 
wdigkait eere gewalt rychtum gesunthait vnd anders des 
gelychen sint also gestalt/ daz in Inen die craft des gelück- 

5 fals vnd der vinden stürm vnd an rennen vil vermugen. Aber 
wyszhait grosse des gemüts , vestikait , fromkait, trüw vnd 
tagend/ wyle die rechtlich vnser aigen sint, vnd vns nit von 
fremder hilff noch gaube geben werden i so enpfahent sy kai- 
ner vszwendiger dingen vnd rechten gewalt vnd mugent ouch 

10 durch kain craft des gelückes gefeilet noch vsser ir statt ver- 
rucket werden, darumb wyle du dir die selben zügericht vnd 
beraitet hast alz veste vnd aller sichroste hilflf wider all wi- 
derwertig zftfell des gelückes/ so gebürt sich dir mer zefrö- 
wen dins aigen gutes/ dann laid zetragen, vmb vsswendiger 

15 fremder dingen, gewalt abzug vnd beroubung. Wir haben dich 
ouch nie bekennt sin, von der zale dero/ daz du gantz an- 
hängtest der güthait [69] des gelückes. Das (wie wol es grosz 
vnd vil dir durch sin gaube verliehen hat, vnd me villicht dann 
ainchem man vnser landen den ich wissz / Noch dann so sint 

80 vil grösser vnd wyter zeachten vnd zeschetzen, die ding die 
du mit edler fürtreffender tugend dins gemütes hast vber- 
komen. In denen der frefel vnd mütwiU des gelückes jm kain 
recht noch gewalt yemer gewinnen mag In den Sachen des 
gemainen nutzes bist du mit wyszhait Innwendiger sinnen vnd 

25 geflissenhait vszwendiger vbung so in dir züsamen gefüget 
sint, für ander, ains sölichen redlichen vnd vf rechten lebens, 
ains sölichen geloubens vnd sölicher trüw gewesen/ daz du 
hie durch, nützit danne lob vnd eere, dinem hus vnd geschlechte 
hast erfolget. Wo das die andern all tetten/ so wurd der 

so gemain nutz vnser statt in rüwigerm stände vnd wesen be- 
halten. Du hast erzöget senftmütikait dem lande, Miltikait 
den fründen, güthait in yetklich, vnd günstigen willen in alle. 
Du bist gewesen der armen hilff, der beschwerten Zuflucht, 
vnd der gelerten gönner vnd vfenthalter. Du hast dich der 

35 gauben des gelückes, mit sölicher beschaidenhait mässe vnd 
menschlikait gebrucht daz die nit von yemands anders wür- 
ckung oder güthait, dann allain vmb din tugend vnd aigen 
verdienen dir geben sin, erkennet werden. Vber das hast du 



106 

mit lernung der kunst, dero du von angender Jugend gegeben 
bist, grösz lob vnd zierung zügefüret allen gelerten menschen. 
Vnd so du trelfenlicher gescheften halb, dir von räts oder ge- 
maines nutzes wegen vfgelegt/ liit allwegen emssiger lesung 

5 der geschrift anhangen möchtest/ so wurden doch dine oren, 
mit den stimmen vnd [69^] Worten / der aller geiertesten man- 
nen, mit denen diu huse stätz gezieret vnd erfüllet was em- 
senklichen ergetzet/ Vnd horten alda lere vnd Satzung der 
wysen/ denen du dann haimant vnd vsserthalb nach gefolget 

10 hast Es ist gewon daz jn widerwertigen schweren dingen ain 
gut gewissne vnd conscientz recht getaner dingen bede der 
Worten vnd der wercken, vast ain grosser trost ist vnd vfent- 
halt. Dänne wol verstanden han. Offenlich vnd sunderlich er- 
berkait gehalten han. Zu gemainem nutze vnd vsz des gemach- 

15 same geraten han. In des dienst vnd ampte, Wäre trüw vnd 
gütikait gehept han. Fründen räts bedörflfenden mit gut ge- 
hulfen han vnd niemant geschadt han / tünt nit vnbillich amem 
menschen also vnuerschuldt belestiget , zu füren grosse hilflf 
zetragen menssenklich die fälle des gelückes. Danne sy sint 

»0 gewon ain starckes vnüberwintlichs gemüt zegeben/ hin ze- 
nemen trurikait vnd trost in widerwertigkait zemachen. Die 
beschliessent in jnen wäre vnd bestentliche wirdigkait Die 
habent dich gemachet ainen fürnemen man vnd obersten burger. 
Die habent dir zu gebrächt grosses lobe vnd vntödemliche 

«5 glori vnd eere. Die (wa hin du geest) sind dir nächfolgend, 
fümemer vnd höcher zeschetzen, danne die gauben des ge- 
lückes vnd aller gunst des ptifels vnd gemainen folckes. Vnd 
wyle aber besitzung diser dingen also din aigen gute ist/ daz 
dir das weder lebend noch tott genomen werden mag i so solt 

90 du. sin ains hochen vfrechten gemütes, benügig ainer sölichen 
wyten vnd wolgezierten wollust. Danne was ist anders dar 
Inne wir vns wärlich fröwen mugen, dann in den dingen, die 
wir [70] vns selbs mit flysz vnd übung der tugenden haben 
vberkomen. Danne die sint vnser, mit vnser arbait sorg vnd 

85 wachte gewunnen die da lerent den widerwertigen frefeln 
anstürme des gelückes nach louffe messig vnd lichtenklich 
tragen. Darvmb siddemäle du hast ainen gewissen sitze, das 
ißt das grösz werlich schlos diner tugend vnd conscientz, dar- 



107 

Inne din gemüt sieber sin ynd belyben mag/ so wil ich daz 
du dasselb din gemüte richtest vnd setzest vf die ding, die 
du mit dir hast hingefürt, vnd hinweg gebrächt, das ist fry- 
hait, wyshait, achtbarkait, rechte erkantnüsz, erber rätgebung 
5 ain name ains besten burgers, vnd liebe des lands diner ge- 
burte, welchem lande , ob du wol mit rät vnd getät zu aller 
zyt hilfflich gewesen bist / ye doch aller maist hast in schweren 
trübseligen geschichten. fürpündig vbertrelfend göthait gegen 
dem wesenlich vnd entpfintlich bewisen. was sol ich sagen 

10 von dinem studieren, Der kunst menschlicher gebürlichkait? 
die aller maist gewon ist zesin ain hilf zu lychtrung betrübtes 
gemütes vnd zu sterkung Inn wendiger sinnen, bede mit ex- 
empeln vnd mit wol gegrünten Sprüchen der allerwysosten 
vnd geiertosten mannen. Dann du waist von denselben gedis- 

15 putieret werden, das gemüt des wysen menschen, gantz sin 
vsserthalb alles gelückfals/ sunder wyle sölich gemüt fryg 
syg/ daz dann kain vsswendig craft, darjn komen mug vnd 
daz die tugend syg das best vnd oberst gute/ vnd sust alles 
ander gute also sin vnd darfür gehalten werden sollen/ als 

«0 des gemüte ist, der das besitzt vnd bruchet. aber ich wil dich 
nit sin vsser der zale, der wyse, die noch nie oder selten 
funden worden sint/ sunder so beger ich, daz du dich vns 
gebest vnd [70^] erzögest ainen vsser denen. Die nach ge- 
mainem leben der menschen für wys gehalten werden, Vnd 

«5 betrachtest an dem ersten, daz das glück sin fürpündig güt- 
hait in dir hat gewürcket/ Dann allain vsgenomen trübselig- 
kait dines gemütes, wenne du dich dann aigenlich erfaren 
wilt, was das selb gelück dir hingenomen oder noch belyben 
lassen hab / So wirdest du finden dir das wenig geschadt han, 

30 Sunder mer nutz gewesen sin. Es hat dir genomen brühe 
vnd Inwonung des landes diner haimant vnd geburte, das du 
oft selbs aigens willens hast gelassen. Aber hin widerumb 
hat es dir geben, fryhait, dero du dich nit gebruchtest zu 
zyten, do du für den aller fryesten wurd gesechen vnd ge- 

85 halten. Es hat dir genomen ainen vppigen schyne der tugend 
vnd torechten wäne des püfels vnd gemainen folkes daz zu 
aller zyt ainen yetklichen aller seligosten menschen , schetz 
vnd haltet für den aller vnseligosten. Aber hin wider vmb 



108 

Mt es dir gelassen wyb, kind, rychtüm, gesunthait vnd ainen 
lieben wolbegirlichen brüder, die dir dancknemer sin sollen, 
dann die ding, die es dir bitter genomen hat. Es hat dir 
entwert, ich waisz nit was vppigen bürgerlichen gewaltes vnd 

5 Standes, voll laides, arbait, nyds, hasses, Wachens, vnd teglicher 
sorgen, die vil der wysen verachtet habent vnd verschmachet. 
Darumb diser dingen verlierung, denen schwär gesechen wer- 
den sol, denen sy zu gut koment vnd die hie durch nutz zyt- 
liches gutes geflissen sint ze erfolgen. Aber dir, dem sy dinet- 

10 halb vnbegert vnd vmb diner arbait willen zu gefüget vnd zu 
schaden vnd Irrtung gewesen sint/ sol aller minst laid sin/ 
beroubung der dingen, die du mit kainer gytikait, noch vmb 
zytlicher [71] eeren willen ye hast besessen. Danne dise offen 
gauben sint mer von dir enpfangen worden zu hilff vnd ent- 

15 haltung des lands diner haimant , danne erenhalb oder vmb 
hoffung aincherly gemachs darvon zeerfolgen. Merck. Vnd tu 
hier zu.. Daz das gelücke dich in wäre fryhait hat gesetzet, 
wyle du vor beladen werd. mit swärer vnd vnseliger bürde 
der aigenschaft/ da durch dir zügefüget was, nit schlafen, nit 

80 wachen, nit essen, nit wandeln, nit aignem nutze dienen, noch 
den fründen dich nit dines willens gebruchen, noch dir selbs 
rüwe vnder wylen machen mugen. Dir was zeleben nach an- 
der lüten gefallen, zemercken was ain yeder redte oder ver- 
stünde vnd manchem sin Verschuldung nächzelässen wider dinen 

«5 willen. Ich wil geschwigen wider die billichkait. Oft geburt 
sich dir zegelychsnen liebs für laid, Vnd laids für lieb. Dar- 
vmb so hat dise endrung des gelückes, dich gezogen In sölich 
wäre fryhait, daz jch nit waisz, ob joch du dero nit selbs 
söltest begert han. des ersten darumb, daz du dich dines aigen 

30 fryen willens möchtest gebrucht haben, darnach vmb daz du 
etlicher diner fründen trüw (oder gebürlicher zereden vntrüw) 
Innen brächt werden möchtest, da du nu yetz durch die güt- 
hait sölichs gelückfals wol erkennest / wie vil vnd grosz denen 
nu mer ist zegelouben oder zeuertruwen. Vnd aber aller malst 

36 darvmb, daz erschynen wurd, die tugend dins gemütes/ die 
zu mal vil vnd wol in widerwertigeii Sachen bewärt vnd ge- 
sechen werden mag. Danne mengklich hat gesechen, mit was 
menschlichkait, süssikait, gütikait, gebürlichkait vnd messikait 



109 

du getragen hast des selig gelücksam gelücke. In dem oft vnd 
dick die wysern [71^] gefallen vnd dar nider gelegen sint, 
sich des vberhebende. Sy haben ouch gesechen dich darumb 
nützit dester hochfertiger, oder gewaltigerer worden sin/ 

5 sunder belyben, glyche den nidersten vnd minsten, vnd mit 
denen in glychem rechten gelebt han. Vnd darumb so ist dir 
zegeben ain statt ains kampfs, In dem die grosse vnd stercke 
dins gemütes erschynne vnd du dich erzögest durch des ge- 
lückes widerwertig wetter vnd vngestümen wollen, In ain sicher 

rüwig port vnd Stade ouch komen mugen. Ir vil haben den 
gelückseligen stände Irs lebens, mit guter vnd loblicher mes- 
sigkait getragen i Die aber darnach , So sich der winde ver- 
kart, In Irem gemüt bekrencket, gantz entricht vnd zu nichte 
worden sint. Etlich ander sint in widerwertigen dingen starck 

L5 vnd lobsam endrunnen, die in gelücklichen sachen darnach 
sich erhebende, mer dann die Vernunft erfordert sich mit hoch- 
fart, des gelückes gunst Hessen hinfüren. Aber dich haben 
wir nie gesechen, weder in gelücklichen dingen erhept oder 
gehochfertiget/ noch in widerwertigen, entricht abgeworfen 

10 oder verzaget/ sunder allwegen ains glychen angesichts vnd 
gemütes, yetwedern fale söliches gelückes, gebürlich tragende, 
doch so mag dich hier jnne zevestnen) allermaist craft haben, 
wenne du bedenkst dich weder den ersten noch den hinder- 
sten burger sin der vmb wol dienens willen, sins vätterlichen 

25 landes vertriben vnd verbotten worden ist. Du hast der 
historien bücher voll exempel, von denen die ftirnem über- 
treffend wys .lüt gewesen sint/ Vnd doch vmb Ir gemain 
nutzlich dienste boszlich gesträffet vnd belestiget worden sint/ 
so sy vmb sölich Ir [72] loblich getät, billicher obersten lone 

30 hetten verdienet. Dann Es beschicht, daz sölich die den glantze 
fremder tugend nit lyden mugen, ouch den nit sechen wöUent. 
Wann nyd ist allwegen ain weg gefert des lobs vnd der eeren/ 
der da zu aller zyt tut trucken die. So zu sölicher höche der 
eeren nit komen mugen. Also welche sy mit aigner tugend 

s6 nit können nächfolgen, daz sy die selben mit bösem willen nyds 
vnd hasses tünt belaidigen. Dar von kumpt daz wenig für- 
nemer menschen so an gewalt gemaines nutzes gewesen sint/ 
ye endrunnen syen der vngestümikait bürgerlicher nydung. Ich 



HO 

wil mich nit gebruchen hüslicher nächer exempeln vmb das 
min red niemant tö erzürnen. Ye doch wer die vergangen 
zyte flyssig erfaren wiW der findet vil treffenlicher fürpündiger 
mannen, mer durch bürgerlich krieg nyd vnd hasse , vsser ir 
6 statt getrieben sin / Danne vmb ir aigen Verschuldung. Aber 
dises schantlicb laster, ist nit allain gewesen vnser statt/ 
Sunder ouch andern, dero lobryche werck wir sust vbermässen 
wundernt/ Die statt röm (daz ich der kriechen vnd barbari- 
schen geschwyge) zu zyten ouch, do sy in allen tugenden in 

10 irem höchsten blümen was (als die bücher irer Jerlichen hi- 
storien das besdiribent/ ist ouch mit sölicher kranckhait der 
vndanckbarkait siech gewesen, welcher historien Ich wenig 
vnd nit vil melden wil/ vmb daz min red flieche die lenge.. 
Zu den zyten fury camilli hat weder an tugend fromkait noch 

15 allen loblichen getäten, Inn niemant ye vbertroffen/ derselb 
noch dann von boszhait der obem des gemainen folckes/ vsz 
getriben wart hinweg in. das eilend, Vnd besunder [72^] zu 
der zyt do das lande siner haimant sin^ aller netdürftigost 
gewesen wer. . Was getan vnd geschaffet hab, der vorig Affri- 

20 canus In dem lant siner haimänt das da vsser dem rachhen 
vnd Schlünde hanibals was zeerretten/ Mit was mässe sines 
gemütes mit was ktischhait Mit was guten achtbaren sitten 
er lebte ist dir nit verborgen. Den selben noch dann die 
vngestüm grobkait der obem des püfels tett zwingen zekomen 

*5 In das elend . . Publius Rutilius was ain vfrechter aller haili- 
goster mane. Aber wyle der frömer vnd rechter sin vermereket 
wart Danne des püfels wäne vnd oppinion gedulden möcht 
do tribent sy Inn vsz der statt Desselben tugend fürpüntlich 
In dem erschain. Als Im darnach durch den sillanischen sige 

»0 wider vmb erloubet was haim zekomen/ daz er Im do erwalt 
das ewig eilend vnd abschlug widervmb zekomen In die statt 
In dero mer vnd höcher geachtet wurden wäffen vnd gewalte 
danne die rechte . . Die boszhait Clody traib vs, des vätterli- 
chen lands schirmer vnd enthalter Marcum Tulium Giceronem, 

35 den wir verstanden hant sich darnach, sich des oft gefröwet 
vnd erhebt haben daz er wider vmb vf den achseln der römem 
In sin haimant vnd vatterland getragen worden wer. Noch 
gar vil hiBtorieii an dise yetz gemelten / eagent daz die aller 



in 

obersten vnd verrümtipsten mane, öch gelych sölich entlich 
Yszgeng gehept haben, jch hab aber allain disz vier Sachen 
gemeldet darvmb, daz dich din faJe dester minder wundreif 
wyle du doch siehst so vil vätterliches landes trüw hanthaber 

5 vnd behüter, glych dir sölichen lone Irs verdienens [73] en- 
püangen han. Welchen ob du wol nit glych bist/ weder von 
lümde der Ititen noch von glori_gehandelter dingen/ Yedoch 
wyle du den selben fale der vndanckbarkait mit Inen glych 
gelitten/ So hast du ain glychs lobe in dem dinge dir vnd 

10 dinen nächkomen geborn vnd erfolget. Aber das schetze ich 
diner verdienung z& ewiger der menschen gedechtnüsz sio 
zesetzen vnd zeschriben / So du vor wol enpfundt vnd marck- 
test was man wider dich satzt vnd fümam/ daz du noch 
dann maintest besser vnd weger sin, dich gefölgig vnd vnder- 

15 würflfig zemachen vnd zegeben, dem gebott diner oberkait, 
danne widerstände zetün, oder in ainch wege die regierung 
des gemainen nutzes zebetrüben. Danne so du wol (Als vil 
sagent) Gemocht bettest, durch wäflfen oder durch gunst des 
folckes, sölichen gewalte dir zügericht, hindersich geschlagen 

*o han / So hast du geschetzt rechter getan sin / das vnrecht ze 
enpfachen vnd zelyden, Danne das vszetryben. Vnd wyle die 
bürgerlichen eere in kain weg sölich vsgeng erfolgent als 
etlich Inen fürsetzent. So hast du nach sitt vnd gewonhait 
der vorigen die Ich dir genempt hab, Zu rüwe des lands vnd 

25 ainikait der burgern rätende, mit wysem rate lieber wollen 
lyden dise schnellen wällen vber dich vnd die dinen louflfen/ 
Danne daz du ainche vfrüre oder vngestümen murmel des 
folckes wöltest erwecken, dadurch die statt in grösser sorg 
vnd nott gefallen sin möcht/ Mit welcher ainiger getäte/ du 

so nit allain der vnsern, sunder euch der alten lobwirdigen man- 
nen glori vnd eere züsamen hast gelychet Danne was ist lob- 
lichers vnd was menschlichem haile [73**] haue nutzlichers, dann 
wollen sich selbs allain grösser sorgueltikait jngeen / vmb daz 
die andern vor grössern sorgen beschirmpt werden vnd be- 

35 halten, Das selb ist allain ain tugend die all ander tugend 
vbertrift ze rate zu gemainem fride zu gemainer rüw vnd 
müsse/ ist ain ampt vnd gebürlichkait aines guten maus vnd 
ains treffenlichen fürnemen burgers Gemainen nutze fürze* 



setzen aignem vnd den höcher achten, dann sandern/ das ist 
ain aller genemiste hilff vnd beschirmung. Aber sich selbs 
allain lieber wollen sterben vmb hails willen vätterliches lan- 
des/ dann ander yü verderben, das ist ain tugend (wie wol 

5 vil ander tagend zu den zyten wüchsend durch die der gemain 
nutz der statt röm aUer maist vfgangen ist vnd besessen hat 
die grossen macht jrer landen. Darvmb sich dir, der also mit 
den aller lobsamisten tagenden vmbgeben bist/ nit gebQrt ze- 
ztimen, sunder danck zesagen solicher endrung des gelückes 

10 vmb daz es dich zu derselben tugenden übung hat erwecket 
vnd in ainen andern stryte gefüret Dar Inne du erlangen 
wirst ewig glori lob vnd eere. Darvmb dwyle dieselben cßng 
gftten mannen aller maist sint zebegeren (dann sy sint löne der 
tugend) So nüsz vnd gebruch dich dins guten mit rüwigem 

15 vnd stillem gemüt lebende, vnd wo du yemer din wonung 
haben werdest da wollest schetzen sin din haimant din vätter- 
lich lande din wirdigkait vnd dinen gemainen nutze vnd die 
so vil besser sin, als vil sy langwiriger sint vester vnd stetter 
Vale etc. 



113 



[74] IJEm furnemen wysen vnd muten mane herrn jo- 
hansen flinfer des hochgebornen mines gnedigen herrn graue 
vlrichs zu wirtemberg etc. cantzler minem besundern guten 
günner vnd fründe. Enbütt ich nicläs von wyle der zyt stat- 

5 schriber zu Esselingen Min gar früntlich willig dienst zeuor. 
wile grosz vnmüsz dises vergangnen herpstes by vns rät vnd 
gerichte abgestellt hatt/ vnd deshalb mir (der kainen win- 
garten hab) etlich rftw vnd müsse verliehen wären/ die ich 
lieber lesung der geschrift, danne fuler trägkait geben wolty 

10 Ist vnder anderm in min hende komen ain gedieht wylant von 
dem hochgelerten wysen man poggio florentino in kostlichem 
vnd wolgeziertem latine gesetzet/ Ob ain huswirt gest zt 
tisch ladende/ billicher danck sagen soll sinen gesten vmb 
daz sy zu gastung komen sint oder die geste Im vmb daz er 

15 sy gespyset hat etc. Welich gedieht der selb poggius ouch zu 
müssiger zyte, mer zu kurtzwyle vnd Übung siner vernunfte 
beschriben hat/ dann von wegen grosses nutzes yemant hier 
von entstende Als er das SQlbs meldet in ainer missiue dem 
cardinäle von der süU deshalb zugesandt So aber ich hier von 

20 nit allain ergetzlichkaitt mins gemütes entpfangen/ Sunder 
ouch wunder genomen han, Disen man Poggium der kunst 
wol redens vnd schribens (die wir zu latin nennent Oratoriam) 
So voll gewesen sin geübt vnd getriben das Er ain sölich 
klain schimpflich dinge So hat können mit gebürlichen werten 

25 sinnen vnd Argumenten zieren wytern vnd erstrecken/ Daz 
ain yeder das [74^] das lösende oder liörend/ schetzen vnd 
mainen müs, sölichs zu sampt der kurtzwilligen ergetzlichkait 
nit klain Vernunft vnd wyshait vf Im haben. Vnd ich ouch 
waisz din hus oft vnd vil mit erbern gesten sin gezieret. Vnd 

80 des gelychen widerumbe, dich ouch etwenne ander lüten hüser 

N. V. Wyle. 8 



116 

Singer die man zu wirtschaften beruft von fröiden vnd wollust 
wegen zemachen. Die selben spillüt yetzgemelt nit allain, nit 
danck sagent vmb ir enpfangen spyse, Sunder ouch lones be^ 
gerent vmb Ir kunste. Darumb ob yemant nit von wegen ains 

5 andern, Sunder sin selbs lüt beruft vnd ladt zu gastung!' 
Was dancks sol man dem haben? Ich main von vnserm wirte 
danck zesagen sin vns, durch dero gegenwürtigkait dise her- 
berg hie, vil edler gemachet wirt, Danne sy vor gewesen ist. 
Dann mainst du, daz disem vnserm wirte wenig eeren zu ge- 

10 standen syg / So disz huse durch ain schare sölicher mannen 
vil edler lobsamer vnd zierlicher gemachet wirt vnd dann mit 
aincherlay zierung Silbers goldes klaider oder kostlicher ge- 
würckter tücher. Geloubent mir (Wil Ich) diser vnser wirt 
schetzet vns Im nit klain gezierd in sin huse gebrächt haben 

15 Wyle er waisz vnd erkennet zierung der tugend loblicher vnd 
schinbarer sin danne ainche andere zierung. Dann wyle man 
die htiser der rychen pfligt zu zerichten zeberaiten vnd ze- 
zieren mit tepichen sergen stfiUachen vmbhengen vnd kost- 
lichen tischen. Vnd darvf mit vil Silber geschirres/ Vnd sö- 

20 lichs, Sunderlich gehalten wirt gehören, z& zierung vnd 
wytrung des lobes. Wie vil vnd hoche zierung ist dann.ze- 
schetzen die zierung, die die menschen bringent die mit wys- 
hait vnd tugend begaubet sint, vnd dero lob vnd wirdigkait 
alles tfich vnd golde wyt übertrift? Nach miner vrtail ist 

35 zesprechen, daz ain hüse so vil hüpscher vnd zierlicher syg/ 
Daz von fürnemen [76^] verrümpten mannen an gfiten künsten 
vnd tugenden gezieret ist/ Als vil ain ding die sei habend 
vbertrift, ain ding der sei mangelnde vnd ain wäres wesenlich 
dinge vber trift ain vnwesenlichs vnd ain lebend ain totes. 

30 Vnd also so man zu gastung ladet die, durch dero angesicht 
der wirte vnd ouch die herberg gezieret werden In denen 
fromkait ist, wirdigkait vnd geloube, vnd die da nit von gau- 
ben des gelückes sunder von aigner tugend schynent/ So 
main Ich daz den selben zedancken syg daz sy gebetten vnd 

85 geladt komen sint vnd sölich Wirtschaft haben gehulfen laisten 
vnd volbringen. darvmbe so loben ich seer den natürlichen 
maister demetrium der stoyschen secte. Den seneca schribt 
oft gesprochen han, sich nie zu ainches menschen tische 



117 

geladt ye komen sin/ man hette dann Im des dan^e. Dann 
für war ain yast grosse zierong ist, die mit vO gelts were xe- 
konffen, ain man wirdig zebeschöwen ynd zeloben, der so oft 
er In ain hns geet, dasselb hnse erberer lobsamer vnd sdnn- 

5 barer machen tut . . Dann ist das ain müer so der ainen sale 
mit mancherlay figoren zieret, lone verdient vnd hintrut/ 
Wie vil mer lones oder danckes verdienet dann ain man f&r- 
nem von tagend, der da das hose ziert treffenlicher allem ge- 
melde. Darvmbe zu danck vnd guter getät geachtet werden 

10 sol/ die geladten komen zfl Wirtschaft, So sy die sint die mit 
lobe gelebt haben vnd nit koment von w^en Ir buchen die 
zefullen sunder vmb daz sy den wirte tügen eeren vnd zieren. 
— Do sprach Nicolaus vast wol hat karolus dise red angehept 
vnd vns ain matery furgeworffen [77] sament wyter zereden. 

15 Dann mich bedunckt rechter vnd w^er getan sin, die zyt 
(als vil vns dero noch disz tages vor banden ist) zeuertryben 
mit sölichen hüpschen reden/ danne mit aincherlay schimpfe 
goles oder ander lüten gesanges oder stimmen. Danne minen 
oren vil lieplicher vnd süsser lutent wort ains gelerten wol- 

20 redenden mannes danne ainches saiten spils oder der mnsick 
jnstrument oder getöne. Dann sölich Instrumente sint tfigig 
vnd zügehörig dem gemainen vnd groben vnkünnenden folcke. 
Welche so sy zereden nit gewon sint, danne von aller lichti- 
sten dingen (als menschen die Irem buche vnd der vnwissen- 

25 hait geben sint) so begerent sy gesangs vnd ander lüten stim- 
men, die für sy redent. Darvmb So machet xenefon recht In 
sinem Yconomico/ Socratem reden vnd sagt aller minst not 
sin, der sengerin psaltria oder aincher anderlay saitenspils 
an den enden da die sint zeergesellen, die da können schon 

30 vnd wol reden vnd Ir wirtschaften mit künstlichem gespreche 
laisten vnd tryben . . Danne gelerter lüten stimmen sint alle 
schimpf vnd sengisch getöne übertreffen Vnd ist wenig yemant, 
der mit Im selbs oder mit andern lüten wol schon vnd kunst- 
lich reden vnd dichten kan oder mag, Daz er vil fordre oder 

35 begere der kunst der gouglem Sprechern oder sengem zu 
kurtzwyl vnd ergetzlichkait siner oren. Aber zu dem daz du 
yetz mit wenig vnd kurtzen werten geredt hast/ wil ich euch 
mit wenig vnd kurtzen werten antworten. Mich Vx^isoisäiX. 



118 

gantz ain anders Karole dann din mainung [77^] gewesen ist 
Dann ist das die yrsache ainer Wirtschaft etwas gutes oder 
erbers vf ir Mtj^ Oder begryflfet/ oder das die entspringet 
fiüsset oder geet vsz ainchem anfange der tugent; Oder daz 
5 die ainches lones oder danckes wirdig ist/ für wäre da selb 
(Es syg dann wie es wöll) sitzt vnd belybet by dem wiite 
vnd anheber sölicher Wirtschaft. Ich rede nit von denen die 
du mainst suchen gewine vnd nutze in der spyse die man 
gibt/ Dann all gut künst mögen gezogen werden in bös 

10 Übung durch verkerung der miszbruchenden menschen/ Sun- 
der rede ich von denen die wirtschaften halten sölicher vr- 
sachen halb, Als die selben wirtschaften sint vfgesetzt vnd billich 
gehalten werden sollen Das ist von wegen gfiter früntschaft 
vnd günstiges willens, Vmb das wir mit denen lebent die vns 

15 sint mit handel vnd wandel mit gunst sipschaft vnd früntlicher 
dienstbarkait verainet/ So ist disz ain zaichen der liebe, die 
da vsgeet von dem, Der die andern beruft vnd geladen hat. 
Da mit offen vnd kunthch ist/ wo wir den anfang ains dings 
das lob vnd rüme verdienet sechen vnd merckent/ alda vnd 

20 darinne ist oüch vil des danckes beschlossen. Darumb ouch 
dann dem selben als ainem anfange danck zesagen ist Aber 
die geladten so sy sechen sich zu eeren sin beruft fürgenomen 
vnd gebrucht vnd für wirdig zu andern mit gesten geschetzt 
werden/ Ane zwyfel so sint sy dancks schuldig denen. Die 

s5 sy zu sölichen eeren haben geladen. Das ainem yetklichen 
darby wol zemercken ist/ daz wir gar nach all/ zu argem 
willen vfnemen vnd entpfächen/ So wir mercken vnd ver- 
stend vns zu wirtschaften guter fründen [78] fürgegangen 
vnd nit geladt worden sin, vnd mainent sölichs beschechen zu 

»0 verschmechung oder Verachtung vnser, als ob wir nit wirdig 
geschetzt werden/ daz wir der zale sölicher gesten zögefüget 
werden sollen. Das wir dann vns zu schände sin achten vnd 
vermainen. Darvmb glycher wyse wie wir also schetzent vns 
zu schand vnd schmache sin nit genomen werden zu sölicher 

»5 Wirtschaft der andern/ Also wirt ouch geschetzt hin wider- 
vmb erber vnd eerlich sin, hier zu werden berüffet / Vmb das 
SQ nim ich es darfür, daz die gest mit sölichen eeren fürge- 
nomen vnd geeret, dancks schuldig syen, dem maister 



119 

sölicher Wirtschaft. Dann es were ain spotte sölt der wirt fber 
sinen costen den er mit vfs zespysen gelitten hat vnd fber 
die müge vnd arbait, die er jn züberaitung sölicher Wirtschaft 
h&t gehebt (wyle doch das gantz husgesind oft darjnne ist be* 
5 kümbert) erst darzü vns vmb sölichen costen vnd vmb sin 
aigen gute zedancken pflichtig sin. äne das so wissent Ir. vns 
etwas schuldig sin demi^ der jn vns etwas gfites hat gewürcket, 
dem selben vns dann nit allain gebürt danck zesagen mit Wor- 
ten/ Sunder euch (Vmb daz wir nit vndanckbar vermerckt 

10 werden) mit schinbaren wercken danckbarkait zebewysen. Vnd 
für wära es ist für ain mercklich gut getät zehaben/ von 
fründen vnd erkanten gütwilligen lüten beruft werden zu ga- 
stung in wirtschafte, darinne allwegen sint gewon zesin, die 
wolgemainten die man am vordersten vnd für ander hier zu 

15 erwellet/ vsz welchem dinge wir dann mainent vns werden 
liebgehapt gefürdert vnd geeret. So ist ouch nit karole als 
du mainst. daz sölich all vmb gewins willen vnd aigens nutzes 
halb, sölich wirtschaften tügen halten [78^] vnd laisten. Danne 
es sint vil die da pflegent sölich wirtschaften zemachen al]ain 

20 vsz menschlicher tugend, vsz liebe vnd gütikait bewegt / Vmb 
daz sy ainen taile irs zytlichen gutes, bewendent In muten 
brühe vnd gern sin wollen by den menschen von denen sy 
früntschaft trüw vnd günstigen willen haben entpfunden, ouch 
gern sin wollen by fürnemen mannen, Vnd lust haben vnd 

95 kurtzwyle in bywonung gelerter vnd wolredender lüten vnd 
dero Worten vnd disputierung gern vflosent vnd mainant das 
sin ain gepürlichkait vnd wolstend dinge ains guten maus. 
Vnd wie ouch lieber karole ? daz sölich wirtschaften gesechen 
werden sin ain aller gröste erkickung vnd fürung der frünt- 

30 Schaft vnd gutes willens zwüschen fründen zebehalten. Welche 
fürung dann aller mainst entsteet vnd kumpt vsz emssiger 
Übung guter gemainsamkait , danne by ainander sin, sament 
reden, essen, trincken, Vnd von mangerlay dingen arguwieren 
ouch schimpflich vnd ernstlich allerlay sagen, wirt geschetzt 

95 sin, ain sunder fürpündig bände der liebe. Solt du dar vmb 
sprechen sich den wirten sölicher gastung (Daz ich Joch des 
costens geswyge) vsz diser menschlikait vsz diser erzögüng 
gutes willens vsz diser so grosser nutzbarkait / Nit gebürren 



120 

danck zesagen ? Für wäre mich bedachte das sin ain zaichen 
ainer groben grossen vndanckbark^t / daz Ich sprechen sölt, 
ainen menschen mir schuldig sin, dem Ich von rechts wegen 
schuldig wer/ Aber anders dann du mainst vnd vrtailest, hat 

5 disz ding Earole ain gestalt. Danne die natur. Die gar vil 
vermag/ tut vns raitzen vnd naigig machen [79] daz wir oft 
wirtschaften beraiten den menschen von denen wir das zu 
dancksagung vor haben vermercket vnd zu denen wir, Vnd 
sy widerumb zu vns, habep guten glouben vnd früntlichs ver- 

10 truwen.. Die engellender sint etwas menschlicher In disen 
dinge» dann du. Wann die selben nach dem zechenden tage 
als oft sy zu dem koment. Der sy gespyset hat/ vmb das 
entpfangen male äanck sagent Vmb daz sy nit gesechen werden 
vningedenck der an gelaiten eere. Vnd Ich main euch den 

15 Spruch Aristotilis des mit mir gehelen, da er spricht die eere 
sin des, der die ere tut vnd erbüt. Dar vmb not ist/ by 
welchem menschen die eere belypt/ daz euch daselbs der 
danck beheb sinen sitze. — Darvf karolus redt. Wenne allain 
dancksagung gnüg were / so wurd ich nit sere beschwert mich 

20 diser bezalung oft zegebruchen/ ob man mich joch zu der 
fründen essen vnd tische gar oft vnd vil berufte. Aber ich 
besteen vnd belyb by miner vorigen vrtaile/ vnd main disen 
vnsern wirte poggium vns zedancken schuldig sin, dem oberste 
eere vsser disem nacht male zugestanden ist; Aber daz jch 

25 mit wenig Worten die mainung miner vrtail vsleg/ So main 
ic^ so wyt sin zwüschent ainem maister der die Wirtschaft 
beraitet vnd denen so hier zu beruft werden/ als wyte ist 
zwüschent dem der ain ding anhept, vnd dem der das vol- 
bringet. Daz ist als wyt zwüschent aim ende, vnd den dingen 

80 die da dienent vnd gehörent zu dem ende Der maister beraitet 
vnd ordnet die Wirtschaft, die geste machent aber sölich Wirt- 
schaft gerecht vnd volkomen. dann es were kain Wirtschaft, 
es kement dann [79^] dar vber die geladten, die das ding von 
ainem andern angehept volbrechten. Darumb so ist danck 

36 zesagen denen , durch dero hilff vnd zMün sölich volbrächt 
worden ist, als ainem ende/ ee dann dem der die Wirtschaft 
hat angehept Doch so waisz ich nit, ob benedictus der da 
sagt in kaiserlichen vnd weltlichen rechten all Sachen begriffen 



121 

werden/ etwas von diser dispntatz in sinen büchem vnd com- 
menten geschribens gelesen hat. Es ist nit hie notdürftig 
sprach benedictus aincher Auctoritet der rechten / sunder allain 
ainer verstentlichen entschaidung ains wysen mans. Vnd Ich 
5 halt das also. Ob yemant der an wirdigkait an eeren an gute 
an adel, an lobe, an Kunden an kunst lere vnd tagend böcher 
vnd vber mich ist, mich zu Wirtschaft vnd tische ledt vnd 
bittet/ daz Ich dem danck zehaben schuldig syg, daz er mich 
sinem tische vnd ainer gesellschaft sölicher treffenlicher für- 

10 nemer mannen (als dann an sölichen enden gcwonlich sint) 
hat geschetzt gut tügig vnd wirdig sin. Vnd ich main daz 
ich sölichs reden mug vnd mir des mengklich gesteen sölL 
Dann mir entsteet hier von nit wenig eere so ich beruft wirt 
zu ainer Wirtschaft des, der da ist vü wirdiger vnd geerter 

15 dann ich Vnd für war Es were zu grosser torhait zeachten 
sölt Ich ainen Cardinale herzogen Fürsten oder ainchen an- 
dern in hochem stände der eeren sitzende der mich zu sinem 
tische beruft hette/ Erst mainen mir dancks schuldig sin, 
Vmb daz Ich zu sölichem tische komen wer. Ob aber yemant 

80 niderer, ainen wirdigern vnd höchern man zu tische lud. Wyle 
der wol nit oberste eere von des zükunft erfolget vnd doch 
der gaste Im vnd sinem huse gnüg der zierung [80] hiedurch 
zubringet/ So sag ich daz der wirt dem dancks schuldig 
syg / der jnn zezieren zu jm komen ist. dann sölich lüt pflegen 

25 Imbis vnd nacht male ze geben den obern edlem vnd mech- 
tigem vmb daz sy dero gunst vnd guten willen vberkoment 
Ist da daz du sagst die selben sölichs costens jngeen von ge- 
wins vnd wüchers wegen So gestee ich dir karole, dwyle 
etlicher gewine der selben ende ist / Aber vmb das wir dryg 

30 nit etwas schulde vf vns ladent / So folgen wir (rät Ich) der 
vrtail karoli, daz poggius vmb vnser enpfangen spyse vnd vmb 
daz wir Inn vnd sin huse also gezieret vnd ge eeret hant. vns 
danck sagen soll. Dar zu Ich poggius redt vnd sprach Ich 
hab vnd sage vch danck lieben fründ vmb dise üwer frünt- 

»5 Schaft vnd menschlichkait daz Ir by mir geessen vnd mich 
vnd min huse also ge eeret vnd gezieret hant. Vnd ich wil 
ouch das haben an statt ainer grossen gut getät. doch so 
wölte jch mich der güthait von vch nit gern oft gebruchen / 



122 

vmb daz ich ücb nit ztL vil schuldig wurd. Vnd als wir des 
all gelachten, schieden wir abe etc. 



123 



[80^] DEm ersamen ynd wysen hainrichen Efinger barger 
ynd des rätes zu zfirich minem lieben yetter Enb&t ich nicUs 
von wyle der zyt statschriber zu esselingm vil hails. betrübt 
ist din gemüt ynd mit tieffer wanden yerwnndet, ynd nit yn- 

5 biUich lieber yetter. danne dir ist (alz ich yemün) todes ab- 
gangen din elich hnsfröwe/ die ich hgb erkennet sin yndar 
kfischen fröwen die kuschest ynder wysen die wysest ynd 
ynder demütigen die demütigost In ir sint gewesen wollost 
nutz ynd erberkait mit ir ist dir gewesen ain tische ain seckel 

10 ain bette, was dir gefiel was ir z& hertzen. ysz dinem ange- 
sieht nam sy lachen ynd wainen. danunb ich f&r ander waisz 
was laids dir ysz irem tode ist entstanden, ynd nach dem ich 
dir gewandt bin, so mag ich nit, mit dir nit tmren. So ich 
mich aber fftro me ynd me disz laids erfar/ so find ich des 

15 ndcheln tröste, den ich dir ynd mir sament mittaiUen wiL 
ymbsast, lieber yetter, tftnt wir wainen das, so yerloren, fftro 
nit mer widerfarächt werden mag. der tode, der ye komen sol, 
ynd mAs, wirt ymb sost gef&rchtet, dann es ist ain gewisse 
Satzung der nature, gantz ynuermydenlich, daz alles das ster- 

20 ben mAs / was ye gebom, das leben hat enpfitngen. din gemar 
chel möcht yiHicht lenger gelept han, wo die nature Irem 
leben lenger hilff getan haben w51t. aber noch dann was sy 
tödemlich ynd geburt ir yillicht nit wyter zeleben Dann got 
sieht ysz hoch der himeln her ab, daz leben ynd wesen der 

25 menschen/ Vnd nit das, So zA frdiden sunder das zA nutze 
ist/ tAt er ainem yeden zA f&gen ynd geben. Vnd torecht 
amt wir tSdemlichen menschen/ [81] das wir ain dinge t^- 
lichs abfidlent, ynd yerderbend, glych als ewig mainent zebe- 
flitzen. Der was wyse (als Im siner lieben tochter tode yer- 

80 kflndet wart) nie kainen trächen yerrart, Sünder sprach« Ich 



K4 

hab gewist mich geborn han ain tödemliche tochter. Ain 
anderer, do jm der tode sinen aller liebsten gemachel enpftirt 
hatt, sprach. Mit dem geding hab ich sy genomen, daz jch 
sy verlieren müst. In manchen weg, mag ain elich husfröwe 

5 verloren werden/ aber kains wegs bas, danne durch tode. 
Etwenne beschicht das langer siechtage, ains mans husfröwen 
also entschöpfet daz irs tods ee dann irs leben wer zebegeren. 
Vnderwylen tut vnainikait zwüschen vermechelten menschen 
entstende, sich so ferre wytern vnd meren/ daz ir ains sich 

10 von dem andern vnd wider desselben willen sündert vnd 
schaidet. So tut etlichem ain ebrecher sin husfröwen enpftiren. 
Ain andern wirt sin gemachel freuenlich mit ^ewalt genomen 
vnd hingefürt in das eilend. Vnd desgelychen vil/ also daz 
niemant die manigfaltigen züfell des gelückes, zellen mag, da- 

16 mit es spilende, menschlich geschlechte kestiget vnd pinget. 
0. seligen menschen, dem sin gemachel nit mit vntrüw vnd 
nit mit gewalt ainches menschen, dann allain durch die wür- 
ckung gottes wirt genomen. Aber noch seliger ist der, dem 
ain züchtig kusche fruchtbare vnd gefeilige husfröw bywonet 

20 vnd belypt bis in sin alter. Das ain besunder gaube gottes 
ist. Aber dir ist, lieber vetter, gutes gnüg beschechen. dann 
ob du wol nit bist der seligost/ so mugen wir dich doch 
nennen selig / dwyle dir vermechelt gewesen ist ain fromme 
husfröw von gutem namhaften geschlechte geborn/ hüpsch vnd 

26 ainen [8P] vor vsz aller erberkait an Ir habende vnd allwe- 
gen dinem willen gefölgig/ Die dir kind bederlay geschlechtes 
knaben vnd töchtern geborn hat , vnd so vil Järe gelebt vnd 
dir bygewondt/ daz kumm vnder tusent menschen, ainer/ So 
vil erleben tut. Aber du sprichst villicht, Sy ist mir zechen 

80 oder zwaintzig Jaren zefrü vnd vor der zyt die sy noch wol 
gelept haben möcht, todes abgangen etc. Syg also, noch danne 
so was Ir zesterben, Vnd möchten vil laidsamer sachen inge- 
rissen sin, die Iren tod gemachet hetten dir girlich. Me 
möchtest du sprechen Ich hab min husfröwen verloren. Nain 

86 vetter du hast sy nit verloren, sunder ftirgeschickt, vnd wirst Ir 
nächfaren, so die zyt komen wirt.. Dryerlay stette sind vsge- 
zaichnet vnd geben allen menschen. Die ain ist die statt vnser 
haimant Die ander der bilgerschaft Vnd die dritt des eilends. 



135 

jren pfeln ynd stocken mit den banden angeheft. Also schlipft 
ouch die Jugend der jungfröwen vnd wirffet oft vnd dick sich 
selbs darnider Es syge dann daz sy geregieret werd mit Ver- 
nunft vnd wyszbait der alten. Danne die Jüngling sint nit 

5 allain vnwissend ander lüt sunder ouch sich selbs zeregieren 
vnd sint vnerniet der dingen vnd vngebrucht Irer Vernunft. 
Also daz vnder andern vngemachsamen dingen, Oft beschicht daz 
das wybe sin müsz für den mane. Danne das alter der Jünglingen 
ist das, das nie sin selbs versüchnüsz getan hat vngewissz mit 

10 was Sitten mit was wyshait mit welcherlay Übung vnd mit was 
vnderschaids vnd vernunfte er sin leben schlyssen wöll. Dar- 
umb zwayer vnwissenhait zu samen gefüget in jungen Jären 
tügig zu lästern, oft vil vngemachs in dem leben bringen tut. 
Ir ains stosset das ander in irtung, so sy nächhengend jren 

15 liplichen begirden, denen sy in kranckem gemüt jrer Jugend, 
mit kainerlay ernietung ' mit kainerlay wyshait zewidersteen 
gelernet haben. Ir vil (daz ich des andern geschwyg) vertünt 
grosz gute jnen von vatter vnd müter verlaussen/ Also daz 
sy darnach mangelnde mit Iren kinden ain arms leben füren 

20 müssen. Dar von notdurft manig fröwen erger zewerden ge- 
zwungen hat. Ouch ir etlich die vppikait vnd torhait Irer 
mannen zu fale gemüssiget. Also daz wenig sicher ist, yemant 
sin tochter zegeben sölichen jungen lüten. Aber in dem alten 
ist alles leben vor gewürckt, erkannt vnderwegen worden. 

«5 Inen sint berait vnd gehörig gut sitte, forcht des [89] gelückes, 
gewin wyshait gesunthait vnd anders zu laster oder tugend 
dienende/ Darusz Inen nit schwer entsteet das zetün oder 
das zelässen. Danne das alter des alten, Steet In sinem wesen 
mit wyshait vnd rate. Also daz es nit lichtenklich in Irrung 

30 Schlipfen mag. Er regiert sin husfröwen vnd sin habe (Ob 
wol die klain ist) mit guter Ordnung/ Vnd mitt früntlicher 
huslicher Satzung vnd vnderwysung, stillet vnd geschwaigt er 
die wilden gemüte. Das so Im das gelück beschert hat, tut 
er nit allain beheben sunder so meret er das In sinen vnd 

85 siner kinden nutz vnd brühe mit den gebotten rechts lebens. 
Er fürsicht die künstigen zyte, Nützit würckende des er dar- 
nach werd gefürt in rüwen. Dann gelycherwyse als ain zyti- 
gung ist der öpfeln also ist ouch ain zytigung vnser Jären, die 



126 

vnd richsnen. Ist aber das du dinen fdgen nutze trnrest, dar- 
umb daz du irer hilflf kurtswyl vnd woHust bist beronbet vnd 
dich deshalb din laide fürt in wainen/ so lag daz du [82^] 
nit lü vil vndanckbar vnd vnrechtlich dinen nutzen vnd din 

6 gemache, fürsetzest dem nutze vnd gemach der selben diner 
husfriwen. dann rechte vnd wire liebe sol werden gelaitet vf 
die vrsachen des den wir lieb haben vnd nit vf die vrsachen 
vnser selbs, dann ist daz ir alter nu mer mit schwären Jiren 
jnfidlend, vnd jr lob mit vil tugenden erfolget vnd die vnstet- 

10 tikait des beweglichen gelückes, sölich haischent / daz sich ze- 
firSwen ist, din husfröwen gelendet han vnd glich als vsz ainer 
lang^ sorgfeltigen schiffung komen sin an ain sicher rüwig 
Stade vnd poitey so Usz vns lieber vetter (bitt ich) nit kud 
haben noch vmb ir rftwe gemach vnd fröde wainen. Danne 

IS nich dem sy hie in zyt didi lieb gdiept hit/ so waisz ich, 
daz sy sdbs nit wil dich in sölichon laide beharren!^ sonder 
gebftlet, daz da sölichs abstdlest, dero du toten als ob sy 
Mmud wer gehorsam sin sott vnd ir din laid vnd tnnren 
eigiAtt vnd das (als vil die natur verbeuget) messenklich 

ti Iragtt. disn troste obgeschriba hab ich nit von wir sdbs, 
ander des mer»! tails in geschriften etlicher hochgekrten 
■Hünen fiinden!^ wddie» troste ich dir als minem lieben vetter 
nü wolt vifirhahniL wyk mui find von den alt^i sfiidis vor 
lym ondi also he schechcn sia vnd firOnds troste zA firOnden 

» gesndi, oft wol ersctessm han. vnd in dem ewai^elio lesen 
wir. daz vil der Jode» vo« Jherasalem kmenl gen betkania, 
4ftsellis Bttitm vnd Mariaai oa^dikiiam von wc^» des tods 
LftSiri Mtrßsten Was aber nn ftrohin lieber veiter dir ntte 
^sg^? tdidi in witwididM» stände zriidyben, od^ dick ander 

3» wert) Mj em am u hdm i das wiisz idk nit aber das waisz ich 
daz btslMr vil dins gelydMn kind kabende, ^wib daz sy dkn 
adben Ir gtt jspaiten vnd des Inen natdt [S3j eqpAitn, lie- 
ber w^elust witwier vnd faUend in sönden leben, danne den 
eerai nkk skk ander werii vokfiran«' Weiden da nit nk^ 

SB feteen w^attest (bItt idk) Eraig Kud wssz didi sdbsV wer vsd 
wie 4tai ^pest Vnd wsts 4tai nq^iesi Vnd sniges^ oder w McM 
«a lA Im fttttsckaft wj|iticker &ke beKpen^ do lasse didi 
MS cres^ «iMii «nMn flnSng an 



127 

Tmb Bicfate akfibVB zft sandoL Tod goioA 4az 
dm. doi leteteB tage dines endes wol besdiBesaest daiae vis 
koHT didi vys gevesen sin, Tiid alle eairfHrhe Tiid weUidie 
redit aocfc die lö8e der kmebi Tiid die Trsadiai des tonaers 

s des RsgCBS der winden ^nd tu ander dinga aigensdiafteB 
gewisl haa/ dn kändest dann oodt dar by sterben. DisE ist 
die letst w irdina g aBer mensdien Tnd wer snst ABe ander 
dmge bis daadfas bin wd Tnd redit getin bit Tnd an dem 
ead fjtbnAt ^nd aUa nit redit besddnsset der bit Tmb sost 

bt albie geaibaiteL Ob aber dir alten nmner xA seditag jim 
k<Mnea gebirr seneaien ain eewyb ^nd ob am Jm^frSwen oder 
ain Witwen, oder ob ain alte ^di dinen jiren. od^ ob dir 
bas in sofidieni alter gdnrr diser dingen zefyirea/ ondi wie 
ain Junges eew3rbe Ton aim alten man gezogira ynd vnder- 

LS wysen werden mag, Tnd was ^dbe, geraadis ynd notzes ¥sz 
der ee eotspriese vnd was laids Tnd Tngemadis oadi vnder- 
wylen darron erwachse Tnd tA ando- hodier sinnen Ton dem 
lobsamen hodigderten man poggio florentino in costlidiem 
latine Tf form ainer rede Tnd Widerrede gesetset, Vnd Ton 

w mir Tmb diner liebe wiDen getfitsAet/ Des sdiidL idi dir 
bie hj dise nichfolgoide translatse ynd gesduifte, Tmb dai 
da das lesend erwdlest/ was dir in sölidiem nedist obgemdt 
ze^Uoi syg [83^] odo* selassen. ob du aber dehainist erwellen 
woidest didi ander werb zeaennedieln/ so wollest (bit idi) 

B nit forgeen midi zft diner hodizyt zeberflffieu/ ymb daz idi 
der ain mitgesdl gewesen Inn dins laides / oadi sin werd ain 
mitgesell diner froiden Tnd eeren, die dir got der allmeditig 
wöll meren Tnd doch dich darjnne also laiten Tnd bewaren 
daz du hiedordi entheb erfolgt Tnser aller haimant obgemelt 

w das rych der himeln etc. geben zu Esselingen Tf sant lutzien 
tage, anno domini MiUesimo quadringentesimo sexagesimo 
terdo etc. 

Poggios enbüt tu haüs dem fümemen man cosmo Ton 

medicis. die red Tnd Widerrede langest zwttschen dem hochge- 

\5 lert^ mannen Tnserm niclausen Tnd karolum arentinom gebept. 

ob ainem alten man zim Tnd gebflrr ain eewyb zenemen , der 

selben rede jch dozemile etlich pondcten. enp&lcfa miner vs^ 



128 

dechtnttsz/ bin ich ietz (wyle ichmüssig bin) zurate worden, 
in geschrift zesetzen Des ersten von wirdigkait w^en der- 
selben mannen, zum andern euch darumb/ danne die wort 
karols mine sine vnd mainung vf jnen trügent danne es sint 

5 etlich diser dingen vnwissend, die da mainent vbel getan sin, 
ainem mane zft alten jären komen ain ewyb zenemen. wie 
wol kunst vnd wishait des hushablichen dinges zeregieren, den 
selben Jären aller maiste bywonets' darzü dann hilf ainer 
husfröwen gar nach notdürftig ist wie wol aber die sach des 

10 alters mit mer werten vnd sinnen von karolo verantwort vnd 
beschirmpt worden ist/ danne von mir hie gesetzt werd/ so 
main ich doch daz ich mit disen wenigen werten , dero ich 
noch bin jngedenck vnd die mir züfallent, etlicher mäsz gnüg 
getan hab wider die mainung nieläsen Ich schick aber dir 

15 wysen vnd hochgelerten mane dise ir kriegschen rede/ vmb 
daz ich (so du die vber lesen habest) [84] versteen mug vnd 
erwellen, weders sinne vnd mainung du mer lobest vnd be- 
werest da du (ob jchs vnzierlicher vnd vnuolkömenlicher vsleg 
danne nieläsen kunst vnd karols gespreche getan hat/ schul- 

so digen wollest die klaine miner Vernunft, die nit wyter raichen 
tut, dann als vil ich vermag, noch dann wolt ich lieber dise 
ding (als vil ich vermocht) mit schritte vmbfachen danne vnder- 
wegen lassen vnd vermyden, vmb daz die wort sölicher hoch- 
gelerter mannen besunder die zewissen notdürftig sint nit hin- 

25 schlichent in vergesnüsz. 

— Do die hoch gierten manne, mine allerliebsten fründe 
nicolaus nicolai vnd karolus eretinus mit mir (als ich ain ee 
wyb genomen hat (vnd als dann vnder fründen gewon ist) den 
den Imbis namen kamen wir vndey dem essen vf die rede/ 

80 ob ainem alten man (darjnne ich gemaint wart) zimpte vnd 
geburte ain ewyb zenemen etc. vnd als vil vf bed weg geredt 
wart, vnd sich min aigen sach beschirmpt vnd verantwort/ 
sprach jch. wenne wir geessen haben, main ich daz dann hier- 
von wyter sy zereden. dann erfülte schinbain (als man spricht) 

»5 bas tönnent dann vngefült/ vnd als der tisch ward vfgehept, 
vnd wir widerumb vf die vorigen rede fielent vnd nicolaus 
gelych die rede vor jm hatt wie vor. redt ich sag an nicolae 
was sachh bringst du vf die bann, darumb so mainst daz ain 



129 

alter man beroubet sin sölt, des gemachs ainer elichen hus- 
fröwen.. darvf er enklain spötlich lachet (als er dann zu 
aller hoflichkait behend waz) vnd sprach werlich ir beduncken 
mich nit allain toren sunder mer vnsinnig sin, also daz grosser 

5 arbait notdürftig wer die gemüt der menschen mit sölicher 
ynsinnikait beladt zewiderbringen. dann waz torhait ist das? 
so da bis yf din alter ain eewyb zenemen gehasset, Vnd ge- 
flochen hast/ gantz fryg vnd nach aignem willen lebende/ 
dich darnach erst willeiiklich ynderwürffig zemachen der aigen- 

10 Schaft vnd zesftchen ain sach nüwer belaidung vnd beschwe- 
rung [84*] die du weder wol gelyden noch in dbainem wege 
me ab dir gewerffen magst. Aber der (vnd maint mich) bat 
nach minem beduncken ain hert spile vfgenomen der ainer 
nüwen kunst zelernen ingegangen ist/ zu sölicher zyte, die 

15 Inn müssiget darvon zelässen vnd dero ze fyrren. Dann disz 
ist ain ding, das aller maist der Jugend zu gehört vnd den 
alten vor vsz ist zefliechen. Lobend ander wybnemen was sy 
wöUent/ So ist doch min sine allwegen also gestanden, daz 
das zu yetlichen Jären ain schwere sachh sy vnd besunder 

20 vast widerwertig vnd vngezem dem alter. Dann wyle sich das 
mit etlicher hilflfe geburte zevfenthalten / so ist torlich sölichs 
mit der bürde ains ewybs nider zetrucken. Dann sölich alter 
dwyle es weder Im selbs noch den gauben der ee gnüg tun 
mag/ So sölt es mer suchen rüwe dann nüwekait der arbait. 

25 es ist sust vbels gnüg in dem alter äne anderer vsswendiger 
dingen belaidung. 

— Darvf ich redt, du richtest villicht ander menschen 
nach diner nature, der allwegen geschücht vnd geflochen hast 
den öamen ains ewybs glycher wyse als den staine Sisiffi, 

30 vnwissend was gemachs vnd woUusts in ainem eewybe ist/ 
die ob sy yemant gemachsam vnd züfröiden ist/ den alten 
aller frölichest ist. dann mich bis vf disen hüttigen tage , nie 
kain verdriesz satung noch rüwe mines ewybs vmbfangen hat / 
dann daz ich mer in Ir getrost wirt vnd mich von tag zu 

35 tage mer vnd mer also erfröwen/ daz ich ainen yetklichen 
mane der an ain eewyb lebt, schetz sin ainen toren, vnd rieht 
den, der ains eewybs mangelt / mangeln des grösten gutes alles 
guten., dar gegen nicolaus antwort es ist villicht vom g^elvLck 

N. V. Wyie. ^ 



130 

dir also geraten/ daz du fberkomen hast, ain [85] Junge 
Jungfröwen von guten sitten vnd tugenden gezogen dinen 
Sitten mithellende vnd dir gefellig. Darinne du mer liebhaben 
vnd loben solt das gelücke danne den rät diner wyshait, Ob 

5 es dir in sölichem alter zetün wer. Aber wyle es ain seltzner 
vogel ist vf erden So magst du wol reden dir grosz geltick 
zugestanden sin. Was dir aber in sölichem alter zetün ge- 
bürret hab/ das ist hie min frage. Aber din getät (siddem 
mal die nach dinem sine vnd willen beschechen ist , lob Ich. 

10 doch also vnd sölicher mässe/ Als du vor ainest lechterlich 
gesagt hast, daz ainer lobte die getät sines fründes. Dann 
ich bin Ingedenck dich vf ain mal gesagt han. Wie ainer in 
engelland sins fründs rät hett/ ob er ain fröwen (die er vor 
haimlich genomen hatt) zu der ee nemen sölt/ darvf des ant- 

15 wort stund. Es were ain fröw von wenig schäm, vnd er sölt 
es vnderwegen lassen vnd die vermyden. Vnd als er Im dar 
nach bekant, daz er sy genomen hett/ verwandelt der fründ 
bald sine wort, glycherwyse, als ob er an den namen diser 
fröwen hett geirret/ Vnd riet furo die ee sprechend er hette 

20 wol vnrecht getan etc. Also lob ich ouch din getät. Vnd 
dwyle es dir nach dinem willen gefallen vnd geraten ist/ so 
schetz ich dich sin gelückhaftig vnd selig, doch für war so 
bedunckt mich der sin klainer Vernunft / der in dem fünf vnd 
fünftzigosten Järe (dero du wol alt bist) suchet ain eewyb 

«5 mit aigem willen die instenden schweren Järe mit ainer bürde 
noch schwerer beladende. Wie wer Im aber? Ob ain ewyb 
dinen sitten widerwertige vnd verkert in dinem huse wer? 
die dich haimkomenden mit vnwirtschem angesicht enpfienge, 
dir vsgenden nachkriegte, vnd dich [85^] haimant mit Worten 

80 ff-ess pingote vnd vntertruckte. Sag an. was sorg? wasangsts? 
was pingung dins gemüts dich also kestigen wurden? Wie ob 
sy truncken wer? nerrisch verschläffen das alles wol gefallen 
mag. Es were besser sterben dann by ainer sölichen das 
leben schlyssen. Ich setz hier zu. Das sy ain jungfröwe oder 

85 ain witwe Jung oder alt syg. Ain jungfröw wyle vnglych sint 
der Jungen vnd der alten sitten vnd vngelych begirden vnd 
gantz ain ander nature. So mag sy sich kumm wol ainen mit 
Irem man vnd gemachel dann vngelyche der sitten gebirt vn- 



131 

gelyche des lebens also daz sy nit wol ainen sine ynd willen 
haben mugen. Sy hat wollust in schimpfen vnd lachen. Er 
aber in wyshait vnd ernsthaftigen dingen. Sy ist ainer mug- 
lichen natur vnd begirde zu essen. Aber er ains blöden ma- 

5 gens. Sy haischen den man sachen halb haim zesind, So er 
sucht zegeen an den marckte. Also gebirt vngelyche der be- 
girden des ersten vnainikait vnd darnach hassz vnd vint- 
schaft. daz mich ye bedoncken wil ainen yetklichen alten man 
dem ain Jungfröw vermechelt ist haben ain eilends schlipfends 

10 lebens. Ain witwe aber die Jung ist/ vnd vor ainen Jungen 
man vetsücht hat/ hat laide daz sy dem alter vermischet ist 
vnd claget mindrung vnd abbruchh Jrer spyse vor gehapt, all- 
wegen Irs vorigen mans Ingedenck vnd des süssen vorgefftrten 
lebens. Sy lydet mit vnwillen das alter/ stetz sufftzend vnd 

15 Ir gemüt richtende zu dem vorgehabten leben Also daz man 
sy merket (ob sy joch das nit sagte) sölichs beschechen von 
begird wegen irs verlornen mannes. Nimpst du aber ain altes 
wybe zu der ee gelych dinen Jären [86] so geberent Ir nit 
kind vnd koment zway krancke züsamen vnd wirt Ir ains 

20 vnder des andern bürde nider gedruckt Dann wyle Ir ains 
kranckhait zu füret ain bürde grösserer kranckhait/ So wirt 
sy mit noch grösserer des lydens gepynget. Darumb so fallent 
des tags sechs hundert vnuerwandte laide zu/ die nit allain 
die alten, Sunder ouch die Jungen fürent in rüwe Irer ge- 

25 nomnen husfröwen. Vnd ich red von den husfröwen die firom 
kusch vnd erber sint. Danne die vntrüwen Iren mannen, sint 
in kain weg wirdig, husfröwen genennet zewerden. Ist aber 
daz argwäne oder laster der vnküschhait diner husfröwen dich 
vmbfächet/ So mag dir nit grösser pingung noch vnseligkait 

80 züsteen. Darumbe so Ich dise schwere in minem mute also 
bedenck/ So bedunckt mich besser vnd weger sin in sicherhait 
zewonen vnd ferre von sölichen sorgen/ dann versüchnüsz 
zetün, des dinges, das vil der wysen vnd gelerten als argwänig 
vnd sorgueltig verschmächet haben vnd vermitten. Es sint 

35 aber vil zu alten Jären komen, ain wyb suchend als ain rüwe 
irs alters. 0. was torechter vnernieter lüten/ die in müde 
rüw begerende, sich selbs vmb rüwe willen werflfent in ain 
bette erfüllet mit stechenden tomen. Aber die bedunckent 

9* 



mich noch mer hier Inne Irren, denen by ist, ain fürgenonmer 
wege der lere, dem sy erberlich anhangen! / Vmb daz sy Ir 
sele vnd Vernunft mit guten künsten vnderrichtent vnd zierent. 
Angesechen daz ain yetklicher man sins aigen willens vil 

5 fryer vnd geschickter ist zu lernung der geschrift vnd iunste 
danne der, so mit wyplicher Irrtung ist verwickelt. Ich setz 
hier zu, daz kinde den alten zu sölicher zyte werden/ daz 
sy die weder tugenden [86^] vnderwysen noch Inen dehainen 
gewissen wege rechter wtirckung geben mugen/ Sunder vor 

10 mit tode fürkomen werden, ee die zyt kom die begriffenlicher 
vemunfte ist verliehen. Alsdanne sint sy pflegem vnd für- 
mündern ze enpfelhen. die oft mer süchent aigen nutze dann 
gütikait der vättern verdienet habe. Hie durch weder so du 
lebst gewisser trost enpfangen wirt von den kinden die du 

15 dennocht nit erkennest wie sy geraten wollen / noch in dinem 
tode gewisse hoffung geben wirt der künftigen dingen da durch 
des sterbenden gemüt rüwen mug Danne ist war, daz du von 
diner husfröwen gesagt hast/ so siehe vnd rieht jch dich selig 
sin vnd entlediget der bürden, die vil der menschen belesti- 

20 gent vnd nider truckent. Doch so spricht man daz der sicherer 
rate dem zwyfelhaftigen syg für zesetzen vnd ainen für den 
zeerwellen. Hie als Ich enwenig ^anhüb zelachen , enbört vnd 
girig zeverantwprten die schuldigung vnd rede niclausen. Sprach 
Carolus. Günd daz ich für dich vnd ander alt mane antwort 

25 geb Niclausen/ danne die sache der alten gebürlicher wirt 
beschirmpt vnd verantwort durch den der Jung ist vnd den 
kain aigen begird noch sache dann allain die wärhait bewegt 
zereden. Ich siehe vnsern niclausen die Satzung loben vnd 
beweren, die Er Im selbs langest hat vfgesetzt vssz kainer 

30 redlichen vrsache. Sunder von vnnotdürftiger sorg wegen/ 
Welche Satzung die gemain gewonhait des lebens vssert schücht 
vnd verschmachet / Dann wie wollen wir verwerffen vnd ver- 
nichten die gewonhait zeleben, da durch (wo wir dem all nach 
kernen) menschlich geschlecht gantz äbgeen müste vnd [87] 

35 verderben. Dann die natur hat gesetzt vnd geordent die zü- 
samenfügung des mans vnd des wybes, zu notdürftiger vfent- 
haltung der weite, nit allain vnder den menschen, Sunder 
euch in anderm daz das leben hat. Also main Ich aller rech- 



13S 

test getan sin lieber wollen • leben ains gemainen lebens vnd 
sich zegeben zu ainem bürgerlichen leben vnd kind begeren 
zu wytrung der weite vnd erftillung der stetten/ Dann ainen 
menschen ainig wonen vnfruchtbar wyt vnd ferre von gewon- 
5 hait der andern, beroubt wärer vnd rechter früntschaft vnd 
teglicher güthait die.allermaist In der ee funden wirt. Danne 
siddenmäle, der mensch ain tiere ist gesellig vnd geborn zu 
geberen. So ist schantlich vnd wider die natur vnd vernunfte 
die vns geben ist, zeuerschmachen die werck der geberung 

10 vnd zeuerachten die, gesellschaft vnd Vermischung die da ist 
die best vnd süssest allerdingen. Die andern tiere, die der 
Vernunft mangeint/ nötiget die craft vnd machte der natur 
zu Vermischung der geberung sins gelychen, vmb, das ains 
yeden gestalt vnd geschlecht nit abgang sunder in wesen vnd 

15 belyplichkait werd behalten. Was sol dann tun der mensch? 
der sich Vernunft gebruchet vnd des fruchtbarkait vnd gebe- 
rung nützer ist danne der andern tieren. Sage sol er böser 
sin dann die andern tiere? Vnd (das zu vertillgung mensch- 
lichs geschlechtes dienen wurd) sich nit gebruchen ? der gaube 

20 vnd güthait die himelsch geben worden ist zu geberung sins 
gelychen? Siehe lieber nicläs, daz du nit Irrest/ daz du ouch 
ainem wysen man raten wolltest das/ das nit allain zu erle- 
schung [87^] erleschung der stetten vnd der scharen der 
menschen sunder ouch der vmbkraissen der weite dienen möcht. 

25 Wie wol er nit mer wyse genennet wurd der da wider strepte 
der Ordnung der nature, darvon die wysen allen anefang rechts 
lebens haut gezogen. So zücht ouch die ee dieselben wysen 
nit von lernung der künsten vnd geschritten. Danne den hoch- 
gelerten mannen Socrati Piatoni Aristoteli vnd vsser den vn- 

30 sern Catoni dem vordem Marco Tulio, Varroni Senece vnd 
andern hochgelerten Ire eelich husfröwen nit so vil wären zu 
Irtung/ daz sy dester mindern an allen künsten vnd tugenden 
ander die eewyber vermitten haut, vbertreflfent. Danne ain 
yetklicher der äne ain ewyb lebt, geratet zu ainem büler, 

35 ebrecher, oder wirt andern vnmenschlichen Sünden Inuerwickelt. 
Vnd du bedarft mir nit fürheben, küschhait des lebens. Danne 
dero zu mal wenig sint, Die die selben tugend vmbfächent. 
Dar zu so ist dem sicherer vnd erberer leben anzehangen 



134 

das ist der gaube ains ewybs. Vnd hiervmb vnd von dero 
vrsachen wegen (Ob Joch die andern güthaiten nit da weren) 
So riete Ich ainem yetklichen alter, das tügig wer zu gebe- 
rung/ zegryffen zu der ee. Vnd forcht nit (Ich waisz nit was) 

5 torechten namens der aigenschaft, die du mainst in der ee 
begryflfen sin. Danne die oberst fryhait ist leben wie ainer 
wil, Das aller maist die ee verlychen tut/ Darinne du nit 
dienest, Sunder gebütest, so du fryg bist von den Sünden die 
sust allenthalben die vnuermechelten vmbfliessent. du gebüttest 

10 diner husfröwen, die sich flysset vnd lernet mit gütemwillen 
dir zedienen [88] vnd gehorsam zesind nach dinem gefallen. 
Vnd Ich schetz den alten mannen (daz du vor vernicht hast) 
die ee aller nutzest sin, So sy zu den zyten ewyber süchent 
so Ir alter der gailikait vnwissenhait lichtikait vnd grobkait 

15 ab ist vnd der dingen so zehandelü sint tügig/ mit rate er- 
folgen mag die obersten vnd allerbesten frucht vsz der ee 
komende. Danne der alt erkent allain was zebegeren ist vnd 
was zeflichen. Die vnwissenhait sins gemacheis regiert er mit 
sinem rate vnd die bösen begird messiget er mit siner wys- 

20 hait. Er enthalt die schlipfenden vnd Ir grob vnkünnend leben 
verwandelt er in sine bekomlichen Sitten. Hie als nicolaus an- 
hüb zelachen, sprach er. Du lobst die alten alle glycher wyse, 
als ob Joch nit Ir etlich funden werden erger vnd torechter 
dann kinder. Darvf karolus antwort ain yetklich alter dem 

25 jungen als dem alten ist laidsam, ob es torecht ist. wir reden 
aber nit von disem noch von dem alten, sunder von ainer 
gemainen sache der alten. Darumbe so ich fürnim vnd be- 
tracht die Vernunft, die da ist ain fürerin rechtz lebens/ so 
lob ich die ee des alten vnd main Im rechter vnd gebürlicher 

30 elich vermechelt werden ain Junge jungfröwen danne ainem 
Jüngling. Wan des ersten so siehe jch kain Satzung noch ge- 
wonhait, die eewyber den alten verbietent Sunder glycher 
wyse als wir sechent die rüder der schiffen bas enpfolhen 
werden den alten/ Also ist er ouch In den husz hablichen 

35 dingen geschickter/ der lenger gelebt hat Angesechen daz In 
aim Jüngling selten aincherlay rechte wyshait wol sin mag. 
Vnd glycherwyse als die Jungen zwy vnd schösse niderfallend 
vnd nit vfrecht [88^] belyben mugent/ Sy hangen danne an 



136 

jren pfeln vnd stocken mit den banden angeheft. Also schlipft 
ouch die Jugend der jungfröwen vnd wirflfet oft vnd dick sich 
selbs darnider Es syge dann daz sy geregieret ward mit Ver- 
nunft vnd wyszhait der alten. Danne die Jüngling sint nit 

5 allain vnwissend ander lüt sunder ouch sich selbs zeregieren 
vnd sint vnerniet der dingen vnd vngebrucht Irer Vernunft. 
Also daz vnder andern vngemachsamen dingen, Oft beschicht daz 
das wybe sin müsz für den mane. Danne das alter der Jünglingen 
ist das, das nie sin selbs versüchnüsz getan hat vngewissz mit 

10 was Sitten mit was wyshait mit welcherlay Übung vnd mit was 
vnderschaids vnd vernunfte er sin leben schlyssen wöU. Dar- 
umb zwayer vnwissenhait zu samen gefüget in jungen Jären 
tügig zu lästern, oft vil vngemachs in dem leben bringen tut. 
Ir ains stosset das ander in irtung , so sy nächhengend jren 

15 liplichen begirden, denen sy in kranckem gemüt jrer Jugend, 
mit kainerlay ernietung mit kainerlay wyshait zewidersteen 
gelernet haben. Ir vil (daz ich des andern geschwyg) vertünt 
grosz gute jnen von vatter vnd müter verlaussen/ Also daz 
sy darnach mangelnde mit Iren kinden ain arms leben füren 

20 müssen. Dar von notdurft manig fröwen erger zewerden ge- 
zwungen hat. Ouch ir etlich die vppikait vnd torhait Irer 
mannen zu fale gemüssiget. Also daz wenig sicher ist, yemant 
sin tochter zegeben sölichen jungen lüten. Aber in dem alten 
ist alles leben vor gewürckt, erkannt vnderwegen worden. 

25 Inen sint berait vnd gehörig gut sitte, forcht des [89] gelückes, 
gewin wyshait gesunthait vnd anders zu laster oder tugend 
dienende/ Darusz Inen nit schwer entsteet das zetün oder 
das zelässen. Danne das alter des alten, Steet In sinem wesen 
mit wyshait vnd rate, Also daz es nit lichtenklich in Irrung 

30 Schlipfen mag. Er regiert sin husfröwen vnd sin habe (Ob 
wol die klain ist) mit guter Ordnung/ Vnd mitt früntlicher 
huslicher Satzung vnd vnderwysung, stillet vnd geschwaigt er 
die wilden gemüte. Das so Im das gelück beschert hat, tut 
er nit allain beheben sunder so meret er das In sinen vnd 

35 siner kinden nutz vnd brühe mit den gebotten rechts lebens. 
Er fürsicht die künstigen zyte, Nützit würckende des er dar- 
nach werd gefürt in rüwen. Dann gelycherwyse als ain zyti- 
gung ist der öpfeln also ist ouch ain zytigung vnser Jären, die 



186 

da Ut die nutzlichost frucht des alters. Vnd du bedarft mir 
fiit fürheben etlich alt mane, In die aberwitz gende, schwer, 
treg vnmuglich. Vnd etwenne torechter dann die kinder. 
Danne ain yetklich alter wie Jung das ist, vnsinnikait yf jm 

6 tmband/ int zeschelten. Aber vnwissenhait des wären was 
g&t oder arg syg, vnd vnernietung der regierung hosz hab- 
liebe» dinges, tAnt das alter der Jungen noch vnsinniger 
machen. Darvmb die wyle das alter der alten mit emietung 
tn'farung tugenden wyshait vnd rate vbertrift/ euch in hus- 

w hablichen dingen geflissner vnd sorgueltiger zesin gewon ist/ 
80 inain Ich von wegen gemaines nutzes, vnd von wegen der 
ge^ellung gemaines lebens vnd oucb von wegen hilf vnd 
^birmn irs aigen lebens mit Iren husfröwen, ainem alten man 
wol zenemen sin, ain euch husfröwen ob Joch [89^] hierInne 

16 kain hoßung wer geberung der kin4en. Vnd nit allain ain 
husfröwen von alten J&ren runder euch von jungen jären vnd 
blüyender Jugend. Danne des ersten, so tut der selben jungen 
fröwen rainer vnuerserter ätem, da^ alter des maus erkicken 
vnd In wlrlkait enthalten. Darnach ist sy in sölichen jungen 

*/<> j&ren glych waichem wachse, das schnell des maus Bitten vnd 
gewonhait mit in truckung vnd vnderwysung enpfangen hat. 
Also daz sy mit lichter lere gewonet des maus begirden ze- 
folgen, daz zebegeren vnd das zefliechen das sy vermerckt 
jrem man gefeilig sin. Dann glycher wyse als die jungen 

«ß zway vnd rftten mer dann die eitern nach dinem willen wie 
du wllt mugen gebogen werden / also magst du euch bas vnd 
lichtenklicher ain jungfröwen bringen in gewonhait diner Sit- 
ten/ danne die, so das alter oder ains andern mans brühe 
vnd Vbung geschider h&t gemachet, du machest dir die gefölgig 

3') vnd naigig zu dinem willen vnd gefallen, du wennest die euch 
(wyle sy nit ander böser sitten vor vnderwisen ist) gantz 
aller diner sitten dir zedienen din alter ze eeren vnd zeer- 
kennen was dem lobe vnd was der scheltung zegeben syg/ 
darnach sy sich dann durch emsig anmanung vnd Übung jrs 

35 lebens haltet vnd regieret. Wir sechen daz die kind in die 
clöster getan/ Und denen ir wille vnd gewalt vsz zelouffen 
vnd vmb zeschwaifFen abgestellet wirdt durch sölich entwonung» 
den willen irs schimpfs vnd gailigkait verlässent vnd furo mit 



137 

kainer begird vsswendiger dingen bewegt werden. Wie wo! 
die Jugend vnd nature sust dar wider raitzent. So vil [90] 
vermugen widerstrebende Übung vnd gewonhait. Des glychen 
wirt ouch gesechen von den Jungfröwen daz dieselben kain 
5 sorg sölicher vszwendiger dingen bewegt So sy vor der men- 
schen ^ü gengen verschlossen, sust wol vnd recht gezogen 
werden. Darvmbe was Wunders ist das? Ob Jungfröwen alten 
mannen vermechelt vnd durch rät vnd lere der selben Irer 
mannen vnder wysen/ vil lasters zytlicher gailigkait vnd wol- 

10 lusten die sy vor nit erkennt haben fliechent vnd die als 
schedlich mydent, sunder dienent der begird Irer alten man- 
nen/ daz allain für gut vnd recht schetzende/ das sy ze tun 
durch Vernunft vnd wyshait gelernet haben vnd das für das 
allerbest haltende, das sy vermercken dienen zu Irer mannen 

15 gesunthait vnd vfenthalt Sunder ouch achtent derselben Irer 
mannen gesunthait, für aller ander dingen schnelle hinfallende 
liebe, vnd fröwent sich vermechelt sin denen mannen, die da 
können vnd mugen geben vnderwysung rechts lebens vnd wis- 
send ze vberkomen zytlich gute zu desselben lebens hinbrin- 

20 gung narung vnd vfenthalt/ Das da ist die grösz frucht in 
der ee. Vnd also nach minem beduncken So wirt bas ain 
Jungfröw vermechelt ainem. alten mane dann ainem Jüngling. 
Danne wie wole nach altem sprüchwort, gelychs mit glychem 
sich lichtenglich in früntschaft verainet so ist doch wyslicher 

25 anzehangen dem alter (dem wyt von ist argwäne der armüt 
vnd in dem ist tugend vnd wyshait gutes regiments/ darvon 
geben werden mag lere vnd Vernunft recht zeleben) Danne 
der Jugend, daijnne stetz forcht sin müs, mangel zehaben ouch 
beweglich vnd vnstett ist mit kainer übung kainer [90^] wysz- 

30 hait noch mit kainer Ordnung des lebens vnderstützet vnd be- 
sunder gantz vnwissend zu ziechung der kinden; Danne so ir 
ains torhait gnüg ist, zu Zerstörung des huslichen gutes/ was 
beschicht dann so zway vnemiete torechte menschen in schlip- 
fender Jugend zu samen komentV Was grosser ^ergengklich- 

36 kait vnd Schadens wirt sin desselben huses ? Danne es ist so 
kündig vnd offenbar kain wyshait kain ernietung noch erfarung 
gebürlichs lebens sin in den Jünglingen/ Daz das nit wyter 
bewysung noch zügnüsz bedörflfend. Als du aber ges^tc^^AsÄ^ 



138 

hast, alt vätter vnd müter beroubet sin vnd vnd mangel haben 
der Wollust vnd fröiden jrer kinden, darumb daz Inen vorze- 
sterben syg vor vnd ee jre kinder aincher tngend mögen wer- 
den vnderwisen/ etc. Siehe ich nit warumb die Jüngling bil- 

5 lieber vnd ee dann die alten firöid jrer kinden haben mugen. 
Dwyle doch kain gewisser leben noch alter verhaissen wirt 
den jungen dann den eitern. Sunder sieht man daz die 
Schickung gottes vnd der louflfe der nature, gewonlich vesters 
gewissers vnd lengers leben gedychten lässent den selben, die 

10 da komen sint zu füntzig jären in gestandnem vermuglichen 
alter. Danne den vast jungen Danne wyle sy vor in ir Ju- 
gend gelitten haut vil arbait vnd mangerlay zu falle des lebens / 
so werden sy gesechen etlicher mässe ir natur gevestnet han 
wider des lybs Siechtum vnd kranckhait vnd sich ouch mit 

15 langer sorg gesterckt han arbait zelyden vnd zetragen. Danne 
Siechtum tünt vil menschen in Jungen Jaren zu tode bringen 
die in gesterckten Jaren belibent in leben angesechen daz so- 
lieh Siechtum vnd kranckhait lichtenklicher [91] In der Jugend 
werden enpfangen, so die natur glych aim wachs von dem 

80 warmen verserten luft wirt gewaichet. Aber all vnser zyt ist 
zwyfelhaftig vngewisz vnd manigfaltigen siechtumen vnder- 
würffig. Doch zwyfelhaftiger vnd grösser vnd merer sorgfel- 
tigkait ist vnderwürffig die zyt der Jungen, Danne der alten. 
Ains tails dar vmb. Danne die nature ist von Ir selbs wandel- 

25 bar vnd fellig/ Vnd das selb alter der Jungen Jären ouch 
blöd vnd nit starek. Vnd aber zum andern darvmb daz die 
Jugend nit waisz mäsz zehalten noch sich zehüten vor Wollü- 
sten vnd girlichkait des lybes. Welche ding mercklich vr- 
sachen sint grosser kranckhait vnd siechtumen. Aber die alten 

30 gesterckt In den Jären jrs alters vnd vester von übung vnd 
wyser durch erfarung enpfahen mit sterckerm widerstand den 
anstürme des Siechtums vnd tünt ouch sieherlicher sich dar 
von naigen vnd sich des entledigen Hiervmb der alten leben 
gewisser vnd .lenger wirt gesechen. vber das so ist nit zeuer- 

55 werffen vnd vsz zeschlaehen ain sölich alter dem man noch 
zu geben mag zwaintzig oder drissig Järe, Vnd dero gnüg 
vnd mer dann gnüg ist, zu ziechung vnd vnderwysung der kin- 
den etc. Welche kinde, so die zu jren tagen volkomner ver- 



139 

nunfte komen sint?' Söliche ire vernunfte fruchtbarlicher 
mugen bruchen wyslicher raten versteen vnd mercken/ so sy 
also von gelerten alten vnd wysen vättern des ersten haben 
enpfangen jren grund vnd von den selbes gezogen vnd vnder- 
5 wysen worden sint. danne wir grossen nutze sechen komen von 
lere vnd vnderwysung der alten vnd allwegen dero kinde vnd 
[91**] Junger, besser, messiger, vnd sinnrycher werden/ danne 
ob sy von jungen vättern weren gezogen. Die jren kinden 
kain lere wyshait noch gewissen wege irs lebens geben mugen / 

10 Dwyle sy des selbs vn wissend sint; 

Aber syge joch das des alten leben kurtzer syg, Nement 
sy noch dann nit grosz vnmessig woUust? so sy zu den zyten 
jre kind fürent/ so die durch vätterlich vnderwysung gelernt 
haben vatter vnd müter zefürchten ze eeren jnen gehorsam ze- 

15 sin vnd jren willen zebehalten? Da mit kain vrsach aincher 
trurikait sölichen vättern vnd mütern entspringen mag. Aber 
elter Järe gebärent vnd machent widerspenigere kinder. Also 
daz sy die zöme irer vättern vnd mütern vszschlachent dero 
willen verachtent vnd jre gebott verschmächent vnd vngehor- 

20 sam vnd widerspänig nach ir selbs aignen sitten leben wollen. 
Welches dinge dann gar oft mit grossem schmertzen sölich 
vätter vnd müter tut pingen vnd belaiden. Deshalb die so 
ains kürtzers lebens sint, von Iren kinden allain nement kurtz- 
wyl vnd Wollust mit kainer trübseligkait vermischet/ Darumb 

25 Nicolae was vrsach trybt dich hierzu/ daz du den alten die 
ee weitest wider raten? Sag sint sy nit tügig zu geberung 
der kinden? Sint sy nit wissend zu regierung hushebliches 
dinges? Sint sy nit geschickt vnd künnend zu ziechung jrer 
kinden? oder sint sy blöder an Vernunft vnd wyszhait danne 

30 die Jungen? Dann daz ich der eitern marci catonis des vo- 
rigen vnd Marci Tuly Ciceronis vnd äne die vil andern aller 
geiertesten mannen geschwyge (die da nach volbrächter Jugend 
vnd schier in verzertem alter/ jung jungfröwen zu der ee ge- 
nomen haben) so hat [92] aller nechst hie vor by vnsern zy- 

35 ten Galeotus malatesta (des nam loplicher Sachen halb, bede 
in fride vnd in kriege begangen in welschen landen wyt vnd 
brait erkant ist) ain junge jungfröwen jm zu der ee ver- 
mechelt, zu zyten, do er vier vnd sibentzig jären alt wää^ 



140 

Vnd by dero geborn vier süne die dar nach für die aller ver- 
rümptisten manne aller welschen landen gehept worden sint. 
Der selben wir ainen gesechen haben, nämlich Karolum erlücht 
von kunst der geschrifte/ Vnd der ouch darby zu vnsern 

5 zyten ain aller trefFenlichoster houptman vnd fürer stryts krie- 
gens vnd ritterlicher dingen gewesen ist. Dise vier hat ge- 
hulfFen ir nature zu tagend genaigt vnd darzü vätterliche 
vnderwysung vnd tugend vnd geloubwirdig achtbarkait des 
selben irs vatters. Danne ich in züchung der kinden, main 

10 vnd schetz vast nütz sin vnd grossen gelouben vnd vil treflfen- 
lichs vf Im haben, lere enpfelchnüsz gezwang vnd nötung ains 
alten vatters voll der wyszhait vnd geloubwirdiger achtbarkait. 
Vnd ob sölich wyszhait geloub vnd achtbarkait wol etwenne 
in Jungen vättern ouch erschynent/ So werden noch dann 

15 die in den selben gesechen vnd vermerckt, nit so yil schwere 
vnd treflfenliches geloubens vf Inen haben/ Wyle dem alter 
sölicher Jugend allwegen geschetzt wirt wyszhait fremd vnd 
ferr von sin. Wir geloubent aber Vnd mainent in den alten 
sin ernsthaftikait gut treflfenlich sitten wyszhait rate ernie- 

20 tung vnd erfarung. Das selb ding dann in Inen gebirdt vnd 
machet etwas geloubwirdigkait. Also daz die mer vnd höcher 
[92**] Dann ander geschetzt werden versteen fürsechen wissen 
vnd können. Das hilfFet vnd erschüsset dann vil vnd wol zu 
maisterschaft vnd zu gezwengknüsz gailer vnd schupfender 

25 Jugend der kinden die den fftszstapfen Irer vättern nächfol- 
gende, Sich selbs schickent nach den sitten vnd nach dem 
leben dero, mit denen sy Ir leben also gefürt haut / der selben 
gebotten sy dann gefölgig sint vnd Iren willen behaltent / 
Ouch kainen wüsten schantlichen noch groben schimpfe hai- 

30 mant in Irem huse lernent/ Sunder erberkait J^üschhait mäs- 
sikait ernst gut sitten wys vnd geberde, dero sy von äugender 
Jugend vnderwisen sint (ob sy joch wol nächmäls vätterlicher 
hilffe beroubet werden noch dann durch enpfangen lere voriger 
Jären die wyle sy lebent in allem irem alter) tünt beheben 

85 vnd nit vergessen Vnd hie durch vnd mit sölichem gar oft 
gerätent vnd werdent zu treffenlichen mannen vber ander für- 
nem vnd lobwirdig Vnd also sage Ich aber als vil ich mich 
verstee / daz von gemains nutzes wegen (Ob wol des sust kain 



141 

aigner wer) sich alten mannen wol gebürt eewyber zenemen 
vnd zehaben Ja vnd Jünglingin. Danne das zu gemainem nutz 
grosz vnd vast dient vnd gut ist In stetten sin fromm gut 
mann treffenlich vnd wyse, Die mit ir wyshait der andern tor- 

5 hait vfenthaltent vnd fürkoment. Du setz vnd tu hier zu/ 
daz es ain grosz hilff ist vnsers lebens , zehaben ainer men- 
schen dem du dins lebens recht vnd wol vertruwen, dine ge- 
denck offnen, mit dem du rät nemen, fröide mittaillen. Kum- 
ber lichtem, vnd den du andern dich (daz allain in wärer 

10 fruntschaft ist) wärlich nennen magst [93] vnd ist für war nit 
zefürchten daz ain sölich ewybe dich nit liebhaben werd, so 
sy enpfindet sich von dir werden lieb gehabt als man dann 
ain elich husfröwen liebhaben sol) vnd so sy versteet dich ir 
kusche trüw halten vnd sich sin den andern taile dines lybes 

15 vnd nit als ain dienstmagt von dir gehandelt vnd gehalten 
werden Das die alten alles lichtenklich wol tun mugen. Vnd 
sage. Wie vil findt man der Jungen mannen ? die elich trüwe 
nit brechent? Danne daz sy sich stätz durch Inbrünstig an- 
fechtigung der minne Wyter danne sich gebürt gänd gailen 

20 vnd selten sich tünt beheben Innert halb den rechten staffeln 
vnd gebotten huszhäblicher Wirtschaft/ Danne daz darnebent 
ouch ain gut dirne gehept wii*t an statt ains eewybs, da hin 
er suchet (als man spricht) zetragen der kernen vnd haimant 
zelässen die sprüwer. Dar von dann entsteet vnd wachset 

25 das der ee allerminste zugehört/ krieg, nyd, hasse, Vnd schel- 
ten/ Ouch begird sölich vbel vnd vntrüwe ze rechen. Aber 
der alten mannen messiger vnd wol geordenter wille, trüwe 
der ee, gantz vnuerletzte begird zu Irem gemachel vnd sunder 
stetikait des gemütes/ stellent ab anfechtigung vnd begird 

30 fremder dingen vnd tünt früntlicher wille beder vermechelten 
vnd Ir hailig trüw, bringen vnd geben sölich wollust, daz vn- 
der allen menschen kain grössere sin mag. vnd wirt ouch das 
alter vil mutiger vnd frölicher vsser vermechelschaft ainer 
Jungern danne ainer eitern, danne daz du die alten geschulten 

85 hast, alz nit wol vnd vil mugend der minne. das ist ain obersts 
aller gröstes lobe vnd ain sundere tugend des alters. An ge- 
sechen/ daz wir so vil verbeugen vnd geben sollen [93**] vn- 
sem lyplichen begirdeu minne (wo wir anders menschen vnd 



142 

oft ynoenifiiiftige tier sin wfflen) als vil gntg ist zu b^emng 
der kinden^ als dann der sachen halb, die selben tiere oach 
tflnt der minne begeren. Banne was wyters begerd wirt / das 
ist mer zu gehörig söhchen tieren danne den menschen sich 
5 Temnnft gebmchende. Ynd ist billich ynd recht/ Sich so 
yfl in sdlichen lypUchen begirden zeüben als yil Temonft 
satzm^ ynd beschaidenhaft der ee das erfordemt Danne die 
wysen sagent ynd wöllent ynköschhaft mt allain lasterlich sin 
in den alten sonder onch in den Jangen Darrmbe des alten 

10 messig^t aller maist hierInne lobs wirdig ist, daz sy der 
Temnnft (die da ist ain wyse förerin) nach folget/ Ynd das 
so notdürftig ntttz ynd gAt ist, yfnimpt/ Ynd das so fber- 
flfissig arg ynd ynnfitz ist ysz schlecht ynd yerwirffett Ynd 
so er In siner hosfiröwen, etlich grosse begird mercket (als 

15 etwenn In den siechen beschicht, die In zu gefallner kranck- 
hait yfl schedlichs ynd doch dem mond lostlichs, beeren) daz 
er dann mit wyshait ynd yemnnft sölich ir b^ird messiget 
ynd sy ynderwyset, das allain nutzbringen das der nator ynd 
erberkait zegehört ynd notdürftig ist Das du aber gemunt 

so bist weder ain Jongfröwen Witwai noch ain Ewybe alt der 
Jären aim alten mane zenemen sin etc. Sag Ich mit yrlob 
hier zft \icolae. Daz du mich bedanckst ze yü Irren an 
rechter yrtaUe ynd dich gonst geben ynd reden nach dinem 
Sitten« Dann ain alter man mag nemen ain Junge Jungfröwen 

SS ynd so yfl mer ynd bfllicher/ daz er die selben/ die also 
Junger Jären yon [94] niemantz anders, dann allain mit bus- 
hablicher gewonhait yatters ynd mflter gezogen ist/ bas bie- 
gen mag wa hin er wfl. Er wennet sy nach siner lere. Machet 
sy geschickt sinen sitten. Regieret sy mit yrysem rate Ynd 

so ynderwyset sy das sin das allerbeste, daz da ist loblich ynd 
erber Er zöget ir wie grosz syge die tugend der küschhait, 
Ynd wie wyte die erbem kuschen fröwen vnd schamigen/ vn- 
derschaiden syen yon den vppigen vnd ynküschen Er sagt Ir 
wie vil lyplichen begirden zehengen syg, vnd wie vfl Inen ze- 

85 widersteen. Sölichen werten sy denne (wo sy anders nit ain 
vnuemunftig tiere ist) folget/ Also daz was die zyt irer Jun- 
gen Jären etwenne haischet vnd erfordert, das das Ir vemunft 
messiget vnd stUlet vnd maint das aUer biUochest zetün sin/ 



143 

Das Ir elicher man geraten Mt; Aber ain witwe, so die vor 
ainen Jungen man versucht hat, Ist Ingedenck sich etwenn 
von Im verschmecjiit gewesen sin vnd Inn ain ander fröwen 
vnd gute dirnen gesucht han/ die er dann lieber vnd bas dann 

5 sy gehalten hat/ dar von ir danne krieg oder straich entstan- 
den sint Ir fallent in gedechtnisz ire Haider, die er ir et- 
wenne hat verkouffet oder die sinem kebswybe gegeben. Ir 
kumpt ouch zu tröste vnd hilffe, die lichtfertigkait irs vorigen 
Jungen maus sine ai^e grobe sitten vnd sin vnstete trüwe der. 

10 ee. Also so sy ainem alten mane yetz vermechelt ist/ daz 
disz ding alles ain ende hat, daz sy dann maint sich komen 
sin, vsz ainem vngestümen wütenden mere, an ain sicher rü- 
wig stad vnd porte. So ist ouch ainem alten man nit ze- 
schüchen vile der Jären ains ewybs Sunder äne hoflfung der 

15 kinden begert er Ime ze[94^]vermecheln ain altes wybe vmb 
gesellschaft willen der nature vnd von hilffe wegen gemains 
lebens. Vnd vmbe das zwayer kranckhait mit jren gemainen 
creften dester muglicher werd. Dann glycherwyse als etwenn 
ain aller sterckster man nit getün mag, daz mit zugefügter 

20 hilffe gar ains krancken menschen volbrächt wirt/ Also ist 
ouch hie, was ain ainig blöd mensch allain nit mag volbringen i 
daz ains andern hilff (ob die wol klain ist) hier zu dienet vnd 
das tut vollenden. Ain ainige hande ist vnnütz etlich werck 
zevolbringen. Aber zwo hend da aine durch zu tön der an- 

25 dern behulffen wirt machent vnd volbringent das selb werck 
gantz vnd gerechte. Vnd also beschicht was ir ainem gebricht 
daz das durch hilff des andern wirt erfollet Du hast ouch ge- 
sagt das leben der alten kürtzer sin etc. Ich mag nit lougnen 
noch abrede sin, dann daz das zile dar zu vnd dahin wir alle 

30 gend. Dem alten necher syg nach louffe der natur dann dem 
Jungen. Aber der alten leben ist das gerechter vnd volkom- 
ner/ vnd wirt ouch mit grosserm lobe geübet vnd geschlissen/ 
vnd ist weger vnd besser kurtz gelebt mit tugend, Danne mit 
grobkait vnd laster füren ain langes leben der hirssen, torecht 

35 vnd gantz voll der vnwissenhait vnd grösser Irrung vnd das 
so vil ee schlipfet vnd fallet als vil es krencker ist vnd be- 
giriger zu lästern. Aber das alter ains alten (vnd Ich nenne 
die alt die sölichen mannen tragen mugen) wie wenig des vber 



144 

vnd vorhanden ist/ So ist es gerecht, vnd ist dar Inne müt 
craft vnd macht, sinn, Vernunft, vnd rate, die da sint ain ber 
husung der tugend vnd ain frucht des vorigen lebens Also 
daz notdürftig [95] Ist wo hin du dich kerest, daz du mir 

5 gestandest vnd mit hellest das alter des alten nütz sin zu 
der. ee. vnd zu übung vnd schlyssung des lebens aller ge- 
schicktest Also daz vns des zebegeren ist (wo wir anders 
ordenlich vnd recht vnd mit tugend leben wollen Vnd do er 
disz also geredt sprach Nicolaus. Warumb hast dann du ka- 

10 role nit gehaltet vnd erwartet des alters Innemung ainer elichen 
husfröwen. Dwyle du das alter der alten so vil lobest vnd 
bewerest/ Daruf karolus antwort ich schlach nit abe die ee. 
In Jungen Jiren, wenne die recht vnd geschicklich zügeet 
beschicht vnd gehalten wirt Sunder so erzog ich allain hie, 

19. daz das alter der alt^ nit fremd noch vntngig syg zu sölicher 
gaube der ee, Wyle sölich alter das gewisser, sicherer, Vnd 
gerechter sin gesechen wirt . . Darzü nicolaus redt jetklicher 
vnder vns folge nach siner begird vnd sinem sine, dann ainem 
jeden menschen ist sin aigen vnd besonder vrtaile Im gefeilig 

9» vnd ich main dise dine wort von dir darumb geredt worden 
sin, dai du hiermit disem vnserm wirt poggio gnüg tagest 
Vnd wUt (als midi bedunckt) Vmb spyse g&te wort geben 
vmb dai du Im nütadt schuldig werdest:^ Aber wir haben 
yeti gnäg sament geredt ich wU das fursechen vnd furkomen 

^ das ander lüten vnsinnikait mir nit kam z& sehaden. Vnd do 
disx also geredt warl^ ständen wir vf vom tische vnd giengen 
Yco danneil etc. 



15S 

die dich gegenwürtig lobent tryb ouch vs. Dann sust geden* 
okent sy dich betrogen haben . . Ainen diener der sich lich- 
tenklichen schament hab lieb als dinen sune . . Wilt du buwen? 
So füre oder bewege dich hierzu mer notdurft dann woUust.. 

5 Dann begirlichkait zebuwen wirt mit buwen nit hingenomen.. 
Zu vile vnd vnmessig begirlichkait zebuwen i gebirt vnd wartet 
des bouws verkouflfung . . Volbrächte sorg vnd geläret casten 
vnd seckel machent den menschen bald arm aber selten wyse.. 
Wilt du etwenne din gut verkouffen oder ainen taile dins 

10 erbs ? so hüt dich das zeuerkouffen ainem mechtigem vnd ge- 
waltigem dann du syest, Sunder so verkouff das ee vnd lieber 
ainem mindern vnd vmb ain minder gelte. Aber das gantz 
erbe, vnd gute verkouff dem der allermaist darumb geben 
werd . . Es ist besser zelyden vnd zetragen sweren hunger dann 

15 verkouffung väterliches erbes. aber besser ist zeuerkouffen 
ainen taile dann sich vnder zewerffen dem wücher. Wucher 
ist ain redlicher morder vnd rouber der do vor sagt was er 
willens hat. kouff nützit in gesellschaft ains mechtigers . . klaine 
gesellschaft hab vnd lyd dultenklich/ vmb daz sy dir nit zu 

20 geselle ain stercke . . wer in mangerlay vnd gnügsamkait [102**] 
der winen nüchter vnd gemesse ist / der ist der Irdischen ain 
gotte.. Trunckerye würcket nützit rechts, dann allain so sy 
in das käte vellet . . Enpfindest du des wins ? so fluch die 
gesellschaft/ vnd suche ee den schiäffe dann die mitredung.. 

25 wer sich selbs mit werten entschuldiget truncken zesin der 
schuldiget sich siner trunckenhait . . Es steet f bei ainem Jüng- 
ling win erkennen . . fluch ainen truncken artzat . . hüt dich 
vor aim artzat voll kunst vnd mit Übung nit bewert/ der da 
wolt an dir lernen wie er ander in aim glychen Siechtum ge- 

30 sund machen möcht . . Klainne hündlin läsz den pfaffen vnd 
grossen fröwen.. Hund die hüter sint/ Sint nütz Aber hund 
zu dem waidwerck / costen vnd gesteend mer denne sy nutzes 
bringent.. hast du ainen sune so setz den nit zu ainem In- 
nemer vnd vsgeber dins gutes. Aber du möchtest sprechen. 

85 Wenne das gelücke von ist vnd gebricht was ist dann nütze, 
die leer zeleben? bore was ich hier von sag. Ich hab ge- 
sechen toren vnderwegen lassen die leere vnd zelest sich 
entschuldigen vnder dem gelücke. Aber doch wer die leere 



146 

erfaren weren/ So mag doch die nature, die da ist ain vi- 
carin gottes, dich villicht geschaflFet han gütig vnd mich zornig, 
dich milt, vnd mich karge,, dich hert vnd grim. Mich lind 
vnd barmhertzig, dich gehertz vnd türstig, mich zag vnd forcht- 

6 sam vnd des gelychen hunderterlaye i' Darvon oft kumpt daz 
gelyche kunst vnd wyshait der menschen durch Ingegossen 
naigung der nature vnglych vnd ain ander gantz widerwertig 
rätt vnd vrtailen gebent/ Vnd doch ain yeder hoft vnd 
mainet das best, ende zeerfolgen vnd die gerechtest vrtail ze- 

10 treflfen, Vnd hier zu sin vemunft spitzet, vnd sin kunst vf die 
bane zu der weere vf das best gewappnet bringen tut Aber 
wes gebruch Ich mich diser langen werten gegen dir. Das 
vnd anders bas dann ich wissende. AUain wil ich vsz diser 
minor vorrede, daz du wissest. War vf die rätt vnd rede diser 

15 dryer mannen ob geschriben gangen syen vnd du die selben hie 
durch dester bas mugest versteen. Ich schick dir euch hier 
by ain lere hushabliches dinges von sant Bernharten gesetzt 
vnd von mir getütschet, Des die durlüchtig fürstin vnser beder 
genedigoste fröw obgemelt nechst von mir begert hat/ Das 

10 wollest Iren genäden geben von mir als Irem aigen menschen 
willigen vnd vndertenigen In aller gebürlichkait [96^] zu allem 
vnd yedem iren fursüichen genäden gefallen. Geben vf dem 
mayaubent Anno. Ix. quinto. 

Eschynes 

85 Ich bin Ingedenck lieben athenienses Alexandrum in diser 

vnser statt vnderwisen sin der siben fryen künsten vnd er- 
zogen/ vnder Aristotelis zucht vnd maisterschaft vnd darmit 
euch vnser sitten Vernunft vnd handel by vns gelernet haben. 
Hiedurch Im die kunst zeherschen vnd zeregieren geben wor- 

80 den ist/ So haben wir bekennt die vestikait vnd grosse sins 
gemütes Vnd dar by sin miltikait vnd gute zä gnaden ge- 
naiget/ Dar vmb so bedunckt mich, daz er von vns syge ze- 
gütigen mit diensten vnd früntlicher erbietung vnd nit zeuer- 
achten noch zegrimigen mit widerspennikait vnd hochmütigen 

s5 Worten. Tünt wir das vnd er vns findet erbietlich bittende/ 
So main ich daz er sölich vogenid sin9 gemütes, die er jm 



W7 

hat förgenomen vnd sich hier mit wider vns gewäppet lichtenk- 
lich In gnäde vnd günstigen gfiten willen werd verkeren. 

Demas 

Mit wunder tun Ich vber sere wundern ir athenienses/ 
6 welcher mässe Eschines vch forcht machende, süchh vnd warne, 
daz wir komen in ergebung vnd gewalte ains kindes. Vnd 
wes vnd warumb er vns rate zefyrren der kunst kriegens vnd 
strytens/ darmitte wir doch allwegen fürpündig vnd lobsam 
gewesen sint. besunder so er doch vorzyten geraten hat (vnd 

10 nit vnbillich) zestryten wider die persischen, wie tünt Ir 
Stareken kecken vnd vnvberwintbaren athenischen [97] manne 
fürchten den stryt Alexanders i So Ir doch vormals erschlagen 
hant die megaros, vberwunden die Corintischen vnd mit üwer 
tugend vnd machte strytens, So vil tusent man küngs xersis 

15 von üwern anstossenden landen vsgetriben, vnd verJöcket/ 
daz Inen nit gnüg was das mere zu schiffung, noch des por- 
ten gnüg zu lendung, noch das ertrich zu Wandlung. Ja sprich 
Ich Ir die ouch die berg gebrächt hant zu ebne vnd die den 
tälern gely<;het, vnd über die mere gebrugget. Welchen ouch 

20 kum wyt gnüg was das gantz kriechisch lande sy zebegryffen, 
vnd das ertrich üwer cörpel zefassen vnd der lüfte üwer 
schossz vnd pfyle zeenpfächen. 0. spotlichs vnd schimpfbares 
dinge i ist daz wir disem Jungen vnernieten kinde, nit getören 
begegnen vnd widersteen / die doch mit so vil stryten vnd sigen 

25 allenthalben loblich sint erschinnen. Für wäre mit subtylem 
vnd geschydem rate, begert er Im zegeben vnser höptlüt vnd 
die wysen vnsers rätes/ Vmb das/ So vnser statt Irer hü- 
tern were beroubet daz er dann darnach dieselben vnser statt 
also an rate wyszhait vnd machte erleret, dester lichtenklicher 

so möcht gewinnen vnd vnder sich in aigenschafte bringen. 

Demostenes 

^ — • Ich siehe vor vns in frJ^e sin. Ob vns gebürr für- 

zenemen die wäffen vnd weere wider Alexandrum oder ob si- 

nen gebotten vnd gedingen syge nachzekomon / über dise frage, 

86 ist die vrtail Eschinis nach minem beduncken zeloben/ Aber 

10* 



148 

nit die vrtaildematis/ Sunder so ist die selb nach gelegen- 
hait disz dinges zewiderreden [97^] vnd zeuerwerffen. Danne 
ob wol an stercke craflFt vnd macht vns nit gebruchh wer, wo 
die notdurft hiesch zestrjrten/ So sint doch nutz vnd 

5 gemache gegenwürtigs friedes (der ain end sol sin alles krie- 
gens) nit zeuersunnen. Demas tut vns manen durch exempel 
alter sigen/ krieg vnd stryt für zenemen. Aber Ich bitt Er 
hebe vns für sölich houpt lüt (als kuntbar ist vns zu den 
selben zyten gewesen sin. Es ist nit mer hie. Canon der da 

10 mit röuben vnd grossem gute der persischen vnser statt rych 
gemachet hat. Es ist nit mer hie Milciades, der darium mit 
sechs mäln hundert tusent mannen in dem felde Marachonio 

• vberwunden, schainlich flüchtig machet. Es ist nit mer hie 
temistodes der da xersem mit zechen mäln hundert tusent 

15 mannen raisiger erhept vnd vsgezogen vnd mit zale vier tu- 
sent vnd zwayer hundert schiffen grüsenlich erschinende / tett 
nöten vnd zwingen in ainem klainen schifllin haimlich zefliechen 
vnd hin zekomen. Aber nu ist ain ander zyt. Vnd ist ye 
nach gelegenhait der zyte ain anderer rate in zegeen ; Lügent 

20 so wir suchen wollen fryhait/ daz wir nit hie durch komen 
in aigenschaft. Lügent so wir nit wollen etlich hin vs geben / 
daz wir hie durch vns alle hingeben! Furo so ist. Wer in 
stritte gelücklichen seligen sige wil erfolgen i, dem ist notdürftig 
daz er den strytte vor beraite vnd die ritter vnd stryttenden 

«5 züricht vnd vnderwyse. Aber ain gröszmütiger vngestümer 
vinde ligt an vnsern thoren mit ainem beere vnd gezüge nit 
erschrocken forchtsam noch krancke sunder keck türstig frai- 
dig vnd starcke. Vnd hat vns funden vnberait nützit züge- 
richt noch berätenlich vnder[98]wisen. Darumb so rät ich 

so daz wir Inn nit bewegen noch berüffen von den persischen. 
Lassen wir jnn yetz abziechen villicht nit mer wider komend / 
Vmb daz er nit sinen frefel vnd zorne, den er yetz langest 
gegen den selben persischen enpfangen hat/ genötet werd in 
vns zekeren. Vnd hüten wir vns zereden / daz wir nit dienen 

«5 wollen Alexandres' dwyle wir doch gedienet haben philippo 
sinem vatter. Vmb daz wir nit durch fale des gelückes ge- 
sechen werden glyche dem thebanischen folcke. 



149 



Demostenes 



. Nützit hast du Alexander von dinem gelück grössers 
dann daz du magst noch von diner nature bessers dann daz 
du wilt begnaden vnd behalten vil menschen. Vnd ist vnder 
5 allen dinen tugenden (wie wol dero vil vnd die grossz sint) 
kaine edler dann barmbertzikait vnd kaine wunderbarer, dann 
gütikait/ vnd du magst dich ouch den götten nit necher 
glychen dann das du haue bewysest den menschen, aintweders 
mit geben so sy des bedörflfent, oder mit. vertragen so sy es 

10 verschuldent , oder mit vergeben vnd ablassen so sy bittent. 
Danne so wir von den götten sust in allen wercken vnd gau- 
ben werden vbertrofien. So ist allein barmhertzig gütikait die, 
so vns den selben aller maiste mug gelychen. Darumb hab 
fröide vnd gebruch dich so ainer vber grossen güthait dir an- 

15 geborn , ouch der eere vnd glori dins gelückes , vnd der für- 
püntlichkait diner tugentlichen gütikait, die du erschynen laus- 
sen [98^] solt in all/ vnd aller maist in die by denen du bist 
erzogen vnd von denen du das Hecht der kunst hast enpfan- 
gen vnd den anfange vnd die form diser diner höche genomen. 

«0 Vnd es ist niemant diser dingen so ain vnrechter richter, der 
da zwyfel habe was willens wider dich zesünden gewesen syge 
der athenischen. In dem, daz sy vfgelaussen haut vnd entpfan- 
gen die thebanen. Wyle wir doch als balde so wir des diner 
durlüchtikait vnwillen vermerckt haben / zu dir komen bittende. 

25 Dann wer sin begangen sünde rüwet/ für war der gibt zeuer- 
steen sich wollen lieber nit gesundet haben danne rüwen. 
Aber ob wir wol in etlicher schulde vermercket werden möch- 
ten/ So sint wir doch an getäte wärer sünde vnschuldig. 
Wir haben die thebanen als arme eilend vnd erbermlich lüte 

80 in vnser statt enpfangen, nit als dine vinde, sunder als ain 
vber belybung dines siges vnd sy als die, so vsz gebrochnem 
schiffe vszkomen sint enthalten, wir haben denen so von dir 
vberwunden sint vnsere thore vf geschlossen, vnd doch wider 
dich kain wäffen zu der weere ye genomen. daz du ee vr- 

35 tailen solt beschechen sin vsz menschlichkait dann vsz Sünden 
vnd nit vsz hasse gegen dir, sunder vsz aigner Irrung vnd nit 



150 

vsz ainchei boszheit, Sunder villicht vsz torechter gütikait vnd 
erbermde. ' Tu hierzu, daz din gemtit in sölichen aller kürtzi- 
sten zilen, so die natur vns tödemlichen menschen zeleben 
geben hat, niemer möcht sin benügig dwyle das allwegen 

5 gebnmnen hett in liebe vnd begirden der vntödemlichkait. 
Vnd ist ouch din leben nit zenennen als das, das allain in 
cörpel vnd [99] In zyte begriffen ist, sunder als götlich. Du 
bist gezemmet die kriechen. Verberget lacedemoniam / zer- 
störet Thebas vnd bist noch furo persiam vnd die indischen 

10 vsz stryt vnd gewinnend. Aber dise ding sint alle also, daz 
sy ain natur vnd ain geschicklichkait haben daz sy mugen 
vberwunden vnd gewunnen werden. Aber aigen gemüt vber- 
winden Im selbs gebieten, zom vndertrucken vnd leschen, sich 
siges nit vberheben, den fberwundne die da bittent, genäd ze- 

15 tun / ist me zeschetzen götlich dann menschlich. Welcher das 
tut, der ist nit zeglychen den lobwirdigen mannen, sunder 
zeschetzen den. götten allerglychest. Darumb so wollest nit 
gelouben dem zome , der da ist ain vinde wyses *rätes / noch 
dem sige der von natur ist hochfertig vnd vngesttim sunder 

20 so fberwinde dich selbs, der sust überwindest mengklichen 
mit glori tugend vnd eeren. danne wer ist mit adel mit from- 
kait oder mit lemung guter künsten oder mit gütikait oder 
mit ainchem namen des lobes dich vbertreflfend ? Wer ist vn- 
der allen verrümpten küngen so ye gewesen sint, mit grosse 

25 der kriegen, mit vile der stryten, mit manigfaltigen sigen, mit 
clügen loblichen anschlegen, mit keckhait des gemütes, mit 
widerstände der vinden, mit gütikait in din vndertäne Vnd 
mit miltikait in mengklichen/ der dir mug werden gelychet 
vnd zu gezellet? Dann din rüm glori vnd eere, sint yetz so 

30 grösz (wie wol grössere künftig ist) das lenge der zyt, sölichen 
dinen sigen kain ende bringen mag. So ist ouch niemant mit 
Vernunft so hoche erlüchtet/ der gantz vnd gare (jch sprich 
nit zieren, sunder vssprechen mug, Die geschichten [99^] von 
dir loblich gewürcket vnd begangen. Doch so tut das alter 

35 vnd zu vil lenge der zyt in die harre das alles bedunckeln 
vnd füren in vergessnüsz , Wo das nit der geschriflFt zu ge- 
dechtnüsz diser dingen geben vnd entpfolhen wurd. Aber wer 
ist vnder so vil tusent menschen, die getrülicher din lobe 



151 

sagen oder bas beschriben mugen, danne die athenienses, denen 
doch haimant sint hüsllch lere der wyszhait ynd natürlicher 
künsten, darmitte sy den gantzen vmkraisz der weite durch 
mittaillong solicher künsten tünt fruchtbar machen wessem 

5 ynd f&ren. Darumb so werden dine begangnen geschichten 
geiyrret vnd geeret mit worten vnd mit wercken wundersam 
vnd frölich/ nit allain mit ynsem, Sunder ouch mit aller 
fölckem zungen ynd geschrifiten/ Vnd beschicht niemer daz 
ainch alter oder lenge der zyt, diner lobs vnd eeren geschwy- 

10 gen werd. Vnd bedarf din leben nit furchten ainchen nebel 
der yergessnüsz, sunder wirt die ewigkait das aller weiten ge- 
dechtnüsz beschirmen ynd werden alle ynser nachkomen wun- 
der haben, din ynzalbarlich stryt ynd sige hörend. Darumbe 
dwyle dise ding also sint. So bitten wir vergib vnd läsz ab 

15 vnser statt Ja diner i vmb daz du nit erleschest der gantzen 
weit liechte, daz da glycher wyse, Wie die sunn mit glaste irs 
schynes vnder anderm gestime wyt vbertrift i also ouch vnder 
allen andern diser gantzen weit stetten, mit zierlicher rede 
vnd wyshait, glych als ain bmnn vsz jm in alle ort der weit 

80 bechlin vnd rünse aller künsten vsgeen vnd fliessen lasset 
Darumb die abstellung solicher diner strä£fe [100] sin wirdt 
diner gütikait ain ewigs lobe/ vnd mit dinem erlouben red 
Ich das küng Alexander, daz vnder allem dinem lobe, kains 
grösser ist/ danne das, das du vf hüttigem tage tust erfolgen/ 

15 wo du vns diser vnser bitte gewerest eta 



152 



Wie ain husvater bus haben solle etc. 

ijEm gütigen vnd seligen ritter Beymundo herren der 
borg santt Ambrosy Bernbart gegeben in sinem knecht. Du 
bäst begeret von vns gelert zewerden von der sorg vnd mässe 

5 bushablicbes dinges daz nutzlicb zeregieren. Vnd wie ain 
husuatter sieb bier Inn gebürlicb balten sölL Darzü wir dir 
antwort geben . . Wie wol der state, das wesen vnd der vsgang 
aller zytlicber dingen i des gelückfals warten müssen vnd dem 
vnderwürfifig sint/ nocb dann so ist der forcbt balb die regel 

10 vnd Ordnung recbt zeleben nit vnderwegen zel&ssen . . Darumb 
so los vnd merck. Ist daz in dinem buse din brube vnd din 
gülte gelycb sint/ So mag licbtenklicb ain vnuerwändter zu 
fale das entricbten vnd zerstören sölicben stände dines buses. 
Der stand aines liederlieben sümigen menseben ist ain bufellig 

15 buse • . liederlicbe oder sinnselikait ains menseben, daz da bus 
baltet/ ist ain füre daz da grosz ist vnd vnnützlicb entzündet 
vnd brünnend. darumb so erfare aigenlicb den flysse vnd für- 
satze dero / die dann daz din verseeben solten . . Wenne din 
gut abnimpt [100^] vnd binfallet vnd doeb nit gar bingefallen 

so ist/ So ist minder scband sieb zemessigen vnd abzesteen/ 
Dann gantz zefallen vnd zeuerderben. Dann oft aber vnd aber 
zebeseeben die guter so ains menschen sint vnd was wie vnd 
wo die syen / ist ain grosse fürsichtikait . . Betracht vmb spyse 
vnd getranck diner tieren. dann sy haben durst vnd bunger 

«6 vnd können das nit fordern.. Brutlöf vnd gastung köstlich 
gebept/ bringent costen vnd schaden an grösz eere Bruche 
cost vnd zerung vmb ritterschaft ist eerlich vmb bilflf der 
fründen vernünftig, aber vmb bilflf der güdern vnd vertügem 
gantz verloren. Fresserye ains sümigen vnarbaitsamen men- 



153 

sehen, ist ain füle/ Aber ains geflissnen übenden menschen, 
ist sy ain gesunthait vnd wollust.. Tu die fresserye kriegen 
mit dem seckel. Vnd hat dich daz du nit syest des seckels 
vogt vnd pfleger.. Ist aber daz du zwüschen der fresserye 

5 vnd dem seckel am richter syest/ So sprich vnd feil die vrtail 
oft vnd doch nit allwegen für den seckel. dann die fresserye 
bewyst vnd bringet für ir dinge, durch lyplich raitzung vnd 
begirlichkait vnd mit vngeschwornen zügen. aber der seckel 
bewyset sin ding treflfenlich wider die fresserye . . Etwenne be- 

10 schlüsset gyttikait den seckel / Aber niemer vrtailt recht sölich 
gyttikait zwüschen der fresserye vnd dem seckel . . Din hus- 
gesind solt du mit grober vnd gemainer spyse vnd nit mit 
seltznen wolberaiten vnd gelustsamen spysen füren. Aber zu 
hochzytlichen tagen vöUenklich vnd genügsam vnd* doch nit 

15 gelustsamklich mit seltznen spysen, Vmb daz du sy hie nach 
nit enpfindest widerspenig vnd aber sölicher [101] spys be- 
gerende . . Dann wer also fressig worden ist der verwandelt 
das kumm anders dann mit sinem tode. Gyttikait ist ain 
töterin irs selbs.. Item gyttikait ist ain forcht der armüt zu 

20 aller zyt in armüt lebende . . Recht also lebt der gytig an Im 
s^lbs sparende vnd aim andern behaltende.. Es ist besser 
andern verlieren, dann an Im selbs ersparen.. Hast du vil 
korns? so hab nit lieb die türe. Dann wer die türe lieb hat/ 
der ist der armen tötter.. Verkouflf das körn so es gnüg giltet 

sö vnd nit so es die armen nit kouffen mugen. Vnd dinen nach- 
buren vnd dinen vinden tu es vmb ain minder gelte verkouf- 
fen. Dann nit allwegen der vinde vberwunden wirt mit dem 
swert, sunder oft mit diensten vnd früntlichen täten.. Wer 
ainen houpt vinde hat/ der ist als gelegt in ainen turne vnd 

so kercher . . Hast du ainen vinde? so bis nit von Im du habest 
dann din ouge zu aim hüter. vnd gedenck allwegen, daz ain 
listiger vinde, gedenckt vnd suchet sinen vinde zebekrencken.. 
Die kranckhait dines vindes ist nit ain statt des frides/ Sun- 
der allam frid tage etlicher zyte.. Ist daz du dich tröst vnd 

35 sichrest/ dinen vinde nit gedencken die ding die du gedenckst/ 
So legst du dich in ain grosz sorg vnd zwyfel. 

— Von argwenigen fröwen was die schaffen oder tügen / 
wollest lieber suchen das vnwissen danne das wisaeii. . "ö^xssl 



164 

circa prin. xxxiij. q. v. ti. j. et. c. corpus Vnd Ja aber. So ist 
der Wille anzesechen vnd nit der vszgange. ff. de homi. in 
lege et. 1. dyuus. Were nit disz ain endrung des gewalts 
gottes. ps. Ixxvj. daz du von dinen gülten vnd fruchten an- 
6 ders machen wollest, dann ain armosen/ Es were dann daz 
sölich rent vnd frücht diner pfründ gesetzt vnd gestellet weren 
vf Wucher. [108^] als Ich dir her nach sagen wirt, vnd dar 
vmb so spricht sanct gregorius In ainer coUecte Dens cuius 
misericordie non est numerus. 0. herre got des barmhertzi- 

10 kait kain zale ist/ Erhöre vnser demütigs gebette, vnd tu 
den selan die vns In vnser gebette enpfolhen worden sint vnd 
dero armüsen wir niessen/ ablässien Ire Sünde vnd pine etc. 
welche cellecte sanct gregorius dich haisset lesen für die 
toten, da durch du dich erzögest sin ain armüsner. Wärlich 

15 zwüschen dir vnd mir ist kain vnderschaid Dann allain, daz 
man dir den sack haim nach tragt in din huse vnd aber ich 
mit dem sacke louffen müs durch die statt von hus zu huse. 
Wärlich die harpf concordieret vnd hielt vbelmit der pfaltery. 
De cleri. coniug. diuersis fallacys. Vnd vmb sust tut der an- 

20 rüffen die gesatzt des rechten, der selbs sich In der selben 
Satzung verwürcket. De vsuris quis frustra. Aber was aincher 
nit lieb hat tut er lichtenklich verschmächen. ij. q. 3. presens. 
Nim war. Du hast mir mine tag gemessen, vnd min wesen 
ist vor dir als nicht, ps. xxxviij. Gang hin vnd wollest furo 

25 nit mer Sünden vmb daz dir nit wirser geschech. Job. viij. 
Danne wenne ich mit betteln ützit verschulte, so tett ain ge- 
lych sünd vnd arg getät vns bed vermassgen, vnd ain gelyche 
pen vnd straffe vns bed büssen. xv. q. 3. Sane. Vnd darumb 
so sagt prosper, wol reden vnd vbel leben ist nützit anders 

so danne sich selbs mit aigner stimme verdampnen vnd verurtailen. 
Vnd darumb so betracht das kaiserlich rechte das da spricht, 
daz vns mensclich gebürre, den dürftigen zefürsechen vnd Inen 
hilff zetün (als den armen [109] vsz dero zale Ich ainer bin) 
daz sy an spys vnd fürung nit gebrechen haben. Vt. C. de. 

85 sacro. sanc. eccle. 1. privilegia Vnd darumb hat der prophete 
gesprochen selig ist der, der da vfsechen hat vber den dürfti- 
gen vnd armen. In den vbeln tagen wirt Inn der herre er- 
JöBen. vber das alles hat ouch Cristus gesprochen. In welche 



1S5 

die dich gegenwürtig lobent tryb ouch vs. Dann sust geden- 
ckent sy dich betrogen haben . . Ainen diener der sich lich- 
tenklichen schament hab lieb als dinen sune . . Witt du buwen? 
So fiire oder bewege dich hierzu mer notdurft dann woUust.. 

5 Dann begirlichkait zebuwen wirt mit buwen nit hingenomen.. 
Zu vile vnd vnmessig begirlichkait zebuwen / gebirt vnd wartet 
des bouws verkouffung . . Volbrächte sorg vnd geläret casten 
vnd seckel machent den menschen bald arm aber selten wyse.. 
Wilt du etwenne din gut verkouffen oder ainen taile dins 

10 erbs ? so hüt dich das zeuerkouflfen ainem mechtigern vnd ge- 
waltigem dann du syest, Sunder so verkouflF das ee vnd lieber 
ainem mindern vnd vmb ain minder gelte. Aber das gantz 
erbe, vnd gute verkouflf dem der allermaist darumb geben 
werd . . Es ist besser zelyden vnd zetragen sweren hunger dann 

15 verkouflfiing väterliches erbes. aber besser ist zeuerkouflfen 
ainen taile dann sich vnder zewerflfen dem wücher. Wucher 
ist ain redlicher morder vnd rouber der do vor sagt was er 
willens hat. kouflT nützit in gesellschaft ains mechtigers . . klaine 
gesellschaft hab vnd 1yd dultenklich/ vmb daz sy dir nit zu 

80 geselle ain stercke . . wer in mangerlay vnd gnügsamkait [102^] 
der winen nüchter vnd gemesse ist i der ist der Irdischen ain 
gotte.. Trunckerye wtircket nützit rechts, dann allain so sy 
in das käte vellet.. Enpfindest du des wins? so fluch die 
gesellschaft/ vnd suche ee den schläfiTe dann die mitredung.. 

25 wer sich selbs mit werten entschuldiget truncken zesin der 
schuldiget sich siner trunckenhait . . Es steet vbel ainem Jüng- 
ling win erkennen . . fluch ainen truncken artzat . . hüt dich 
vor aim artzat voll kunst vnd mit Übung nit bewerte der da 
wolt an dir lernen wie er ander in aim glychen Siechtum ge- 

30 sund machen möcht . . Klainne hündlin läsz den pfaflfen vnd 
grossen fröwen . . Hund die hüter sint / Sint nütz Aber hund 
zu dem waidwerck i costen vnd gesteend mer denne sy nutzes 
bringent.. hast du ainen sune so setz den nit zu ainem In- 
nemer vnd vsgeber dins gutes. Aber du möchtest sprechen. 

»5 Wenne das gelücke von ist vnd gebricht was ist dann nütze, 
die leer zeleben? höre was ich hier von sag. Ich hab ge- 
sechen toren vnderwegen lassen die leere vnd zelest sich 
eirtschuldigen vnder dem gelücke. Aber doch wer die leere 



IM 

hftHot / irkdt Malten ncbtüüsm das gdOeke .. Der treg menBch 
iräriet }m i&fi bUff kometi werden tod dem der in diser weh 
gebdtien h&t i^ewacben . . Daroinb so wachh du vnd erwige 
^mm ün Mder die lycbtikait TB2»geben ynd die lichtikait 

» isei^ewititieti . . £s Hiebet das alter. Ich rate dir daz da din 
»ele^ ee t&d lieber entpfelbest gotte, dann dinem Bone. Du 
seteent din testamente? leb rit daz du des ersten schaffest 
ditie sebttldner beealt werden. Nit enpfilch dine sele denen 
die diti person lieb babent Bunder so enpfilch sy denen die 

)^ Ire aig^n sele Uebbabend sint.. Du solt din gescheite vnd 
[103] testattietit t4tt vor dinem siechtum.. Dann oft ain mensch 
wirdt kiiecbt ttid aigen der kranckbak? Ain aigner mag aber 
tiit tesUmetit setaett. darumbe so wollest frye din testament 
s^^teett rw vtid lee du werdest aigeii . . 60 der vatter gestcnrben 

s« tetr ^^h^k die Idttd UiUuiig irs erbe& Sint st edel/ so ist 
we^ ir «icbaldufii: voa aiit aiideni dann taillong dor arb- 
«tefaMift d^iiii «Qticli tailluiig bm erbs, tsl ir schwere mstjänng. 
Sini ^t aber arbafti^ir. «0 Hlpeii i^y was st w^Ukit Sint sy 
dann bMiflbit. «e tel «idiver ir taülud? vmb das ul ir ains 

^ \^^%dk vxm de« andern w^erd «e^wIlM xmi de« sdbea rar- 
wfffi^^ . . Aber die ii«t«r die wid^finib $4cbet wtcäd t ze- 
He xt en * ftU teftkk Aber ikimI^ d^ wiHea dat sjr ire stod 
^MNoe twd w^sinie^ m wtepl ist all aiMi Ju^ß» saia. Er 
imiipt a^er wil sv? «Mder Ir giftei $e das mttia wvtu so 

«^ ttinckt ^ «i$t twi d^ tcekib de«^ tj^ett^ des sr b^ierat kii. 
dan* sy firre «• ^^erdaM|4kii aÄer. 



157 



[103^] Def durlüchtigen fürstin vnd fröwen fröw Mar- 
garethan, gebomer hertzogin von Saphoye vnd grefin zu wir- 
tembei^ etc. miner gnedigosten fröwen i Enbütt Ich nicläs von 
wyle der zyt Statschriber zu Esselingen min vndertenig willig 

5 dienste zu uor.. Doctor felix hermelin/ dem got wöU gnedig 
vnd barmhertzig sins' ist gewesen probst zu solotorn/ senger 
zu Zürich chorherre zu zofingen, beder rechten vnd der balli- 
gen geschrift wol gelert/ zytliches gutes rych, vnd der kunste 
(als hernach folgt) gytig vnd arm/ vnd doch dero beder der 

10 mutest den ich ye hab erkennet, des gutes darumb rych. danne 
er stund des benügig vnd wolt nit arm leben vmb daz er rych 
stürbe, vnd der kunst darumb arm. danne wie vil er dero mit 
emssigem studieren lernt/ so bedacht jifn doch allwegen des 
zelützel sin, vnd jm hier an gebrechen, vnd stund wyter in 

15 steter begird vnd tibung sölichs noch zeerfolgen. aber darumb 
der mutest/ vnd des ersten sins gutes halb, danne er teglichs 
allen armen menschen sin hus suchend / das armüsen vsztaillet, 
gelych ainer teglichen spende, vnd äne das so was euch sin 
tische stetz gezieret mit erbem gesten / die jm dann vnberüft 

80 selbs komend lieber wären dann berüffet welche er dann euch 
nit allain mit gnügklichem essen vnd trincken/ sunder ouch 
mit süssen hüpschen schwencken reden historien Garonicken 
argumenten vnd anderm yetz schimpflich dann ernstlich (wie 
gelegenhait der gesten das erfordert) also spyset vnd füret/ 

s5 daz niemant Inn ainist hörende/ nit müste zu Im günstigen 
willen enpfächen, Vnd begird hän Inn mer vnd [104] oft ze- 
hören/ Item vnd furo darumb der mutest siner kunste. Dann 
so bald er die siben zyte (die wir nennent horas canonicas) 
In dem stift zu Zürich mit singen vnd lesen (Dar zu er dann 

M allwegen der erst, vnd darvon der hinderst vnd letzte ^^ 



158 

mit and&ch volbrächt hatt/ So gab er die vbergen zyte lesuDg 
vnd Übung der geschrifte/ aintweders (als vorgemelt wirt) 
etwas studierend, oder etwas samelnd vnd schribende/ das 
vsgegeben andern lüten nutz vnd fruchtbringen möcht So 

5 oft ain arm mensche zu Im kam räts begerende/ den rate 
tailt er Im getrülich mit/ Vnd machet dem ouch ge- 
schrift brief vnd anders , zu der notdurft gehörig vnd begert 
des kainen solde noch lone anders danne etwenn von aim 
geburen^ dryer oder vierer pfennig wert hanfsamens sinen 

10 fögeln dero er stetz vber Jär ain grosse zal in siner liberye 
singend, Vnd vnderwylen da selbs Jung ziechend fliegen hatt/ 
So tett er ouch sine bücher, dero ich ob dritthalb hundert 
gezellet hab, niemant erberm durch lernens willen die ent- 
lechnende, versagen. Gesanges gemeldes vnd aller künsten 

15 hüpskait vnd äfentüren ist er gewesen ain grosser liel)haber, 
vnd wolt ouch des yetklichs selbs etwas können als vil er 
des mocht begryffenV also daz ich nit waisz yetz ainchen 
menschen vnser landen Im in disen tugenden allen samenthaf- 
tig zeglychen. Diser man (gnedigoste fröwe) hat gemachet 

10 (als obgemelt wirt) vil loblicher kurtzer bücher vnd Tractäten/ 
nämlich ains von den lolharten vnd begynen vnd von denen 
die mit starcken muglichen lyben das armüsen nement. Item 
ains von dem gotzdienste in der kirchen gottes zevolbringen 
[104^] Item ains von boshait der richtern. Ains von handlung 

26 kouflfenS'Vnd verkouflfens vnd aber ain von dem Jubel Järe 
vnd von ablasz der Sünden. Ouch ains von den warmen bedern 
Vnd zu letscht ains von dem adel. Von dem selben mir sicherer 
ist zegedencken, danne darvon vil zeschriben. Mit disen sinen 
Schriften er sinen namen, vnder den gelerten vnd latinischen 

80 menschen, der ewigkait geben hat also daz er tott lebet vnd 
sin niemer mer wirdt vergessen. Wyle Er aber mir i& zyten 
do jch zu Zürich schülmaister was vnd ouch sidher mer gutes 
getan hat/ dann mir nach vatter vnd müter, Von ainchem 
menschen ye beschechen syg/ des Ich dann Im töten gern 

85 danckbar sin wölt. So hab ich sin erstes büchlin von den 
starcken yrolmugenden bettlern getütschet vmb das sines na- 
mens vnder den layen vnd tütschen ouch siner lobrychen 
wercken nit minder dann vnder den latinischen werd vergessen 



159 

welches büchlin also getütschet Ich üwern fürstlichen gnaden 
hier mit schick, als miner gnedigosten fröwen zwayer vrsachen 
halb. Des ersten vmb daz üwer genädrych miltikait, mit vs- 
gebung des armüsens, wie wo vnd wem, sich dester bas wisz 

6 nach gebür zehalten. Zum andern vmb daz. Ob ich mercken 
vnd versteen wurd/ üwern gnaden disz mans gedieht gefeilig 
sin vnd in üch nutz vnd frucht bringen werden daz ich dann 
hienäch des von üwern gnaden vnderrichtet s' andere sine werck 
(ob Ich die wyter tütschen wurd/ euch dester fürderlicher 

10 wiste zeschicken / den selben üwern gnaden darin mich vnder- 
tenig tun enpfelhen. Geben vf santt Cünrats tage, nach cristus 
gebürt tusent vierhundert vnd Im vier vnd sechtzigosten Järe. 

[105] DEm hochwirdigen in got vatter vnd herren herrn 

15 hainrichen von gotes vnd des bäpstlichen stüles gnaden bi- 
schoffen zu constentz sinem gnedigen herren/ tut, felix hemer- 
lin Senger des Stifts zu Zürich sich flyssig enpfelhen. wyle die 
sorg des angenomnen regimentss' emssiget den hirten. daz er 
der nutzbarkait siner vndertänen (vnd besunder in den dingen, 

so da durch der selan haile zu hilff komen wirt) schaffet geflis- 
senlich fürsechen ze werden/ vnd die Irrenden füret in den 
wege der wärhait. Als der appostel spricht, j. cor. ix. Ich 
bin worden allen menschen nach allen Sitten, vmb daz ich sy 
all tu behalten, vnd sich euch nit gebürret mit blintzenden 

16 ougen sich gefeilig zemachen den wolffen, wider die scharen 
der schaffen vnd daz Inn wendig gemüt zebinden den irdischen 
kerchern. Darumb so wolle üwer vätterlich hochwirdigkait 
wissen vnd mercken/ daz nu ain man gewesen ist in vnserm 
lande/ weder mit namen noch mit wercken Job. euch nit 

so schlecht em^sig gerecht gotzförchtig noch fliechend von den 
Sünden, als man liset von dem selben Job In principio Vnd 
als ir jnn werden bekennen in sinen fruchten Mathei septimo. 
Vnd hatt ain kutten vnd dar vnder ain kappen vnd schapper. 
Vt in cle. j. de statu Mo. Vnd ainen rocke bis vf die füsz. 

86 Vt genesis. xxxvij. Vnd das was sin claid des er sich gebrucht 
vnd die schnür da mit er sich all wegen gurt. ps. c. viij. Er 
was ouch röt vnd ainer hüpschen angesicht vnd ains zierlichen 
sclitöim^ antlitz. j. regum. xvj. Vnd als ain [105^] starcker 



160 

vnd gefälter von wine psalmo. Ixxvij. gefüret gefaisset vnd 
gewytert. Deutro. xxxij. Mit grossen erhepten Bagken ainen 
roten mund habende, xxxv. dl ecc. princeps. Vnd starck als 
ain rise zelouffen sinen wege. psm. xviij. Vnd wenig grawes 
9 häres in sinem bart tragende, als man Uset von santt Bartho- 
lomeo vnd batt, daz man Im geb das armüsen. act iij. Vnd 
f&rt ainen esel wol geladen mit brotte vnd ain lägel wines. j. 
regum . xvj. Vnd dwyle ain yeder darfür gehalten wirt als er 
geet beklaidet Desen. ex. in andiam er. e. ti. c. judex laycus. 

10 Do vermarckt jch jnn bald sin ainen beghart oder loÜhart 
vnd darumb so redt Ich zu dem selben mir also begegnende 
in disen werten. Du altbeharrender in Sünden vnd böser 
tagen. Vt dann. xiij. Werlich du bist ainer vsz denen. Mt. 
xxj. main ich, vsser dem schützlichen vnmens^chlichen State, 

15 etlicher böser lüten die beghart genennet werden, vnd die in 
vnsern tütschen landen verdamplich vmb füUung irs buchs 
vnd böser wercken vf erstanden sint. Vt in. cle. ad nostrum 
de. here. Vnd darzü. So nüssest du nit die arbait diner hen- 
den vnd darumb so bist du nit selig, vnd wirt dir ouch niemer 

«0 wol. Nach der sage des propheten psm. j. xxxvij. Vnd darzü so 
bedenckst du nit das, so geschriben steet. In. 1. j. li. xj. c. de 
vali. mendi. Das ist daz den armen zegeben ist das armüsen 
die mit jren henden nit arbaiten mugen. Ist aber daz ain 
armer der da arbaiten mag sich Inmischet das armüsen ze- 

*5 nemen/ So ist er zefachen vnd vsz siner fryghait sines libes 
in aigenschaft zebringen. Hec Ibi. Vnd in dem Canon. Qm. 
xxj. q. j. Wirt geschriben, daz die allain [106] sollen nemen 
die spyse der armen die da nit mugen arbaiten noch wercken. 
Darumbe so Is vnd nüsse ^din brot in dem schwaisz dines 

30 antlitz als gesprochen ist vnserm vatter Ade dem aller edel- 
sten , den got mit sinen henden hatt gemachet. Vt genn. 3. 
di. in capite. Vnd du grob gemachter vsser dem aller vn- 
wissendosten geschlechte der geburen vnd vsser dem schnödi- 
sten gehüse der hütten, wollest nit würcken wider die gebott 

«5 vnsers gottes. Deutro. xv. Da geschriben steet. Gantz wirt 
vnder vch nit sin aincher armer betler. Vnd der betler wirt 
vszgeschlossen / also daz er nit syg ain sämme des gerechten, 
psm. xxxvj. Vnd in der hailigen geschrift wirt bettlen ver- 



161 

merckt vnd vsgelegt in ain räche der bösen, ps. x. Vnd 
steet, Ire kind werden gestössen vsser Iren hüsem vnd zwy- 
felnde, hin weg geschickt den bettel suchende, vnd Exeo. xx. 
Steet/ du solt nit begeren des güts dines nebent menschen. 

5 Aber zenemen das, So allain denen zegeben ist die wärlich 
arm sint/ als den krancken, das vbertrift wüterye alles rou- 
bens. xij. q. ij. amico. et. c. Si ilU. j. ij. clericos. Aber wyle 
du aigens willens vnd nit genött bettelst, Vnd wol arbaiten 
möchtest!^ därumb so fbertrifst du an laster ander röber vnd 

10 diebe. vnd wirst geglychet ainem vfbrecher der kirchen. Als 
da selbs steet vnd prosper In. li. xx. de vita contemplativa. 
spricht wer sich mag mit sinen henden hinbringen vnd neren / 
der sol nit nemen das/ so den armen zügehörig ist/ Vnd In 
der collect Patruni wirt gesprochen. Wissz dir hier von komen 

15 vnd entsteen werden grosse sträflFe so du gefftret wirdest mit 
dem armüsen, das allain« [106i>] den krancken ist zegeben, Vnd 
noch vil mer wiste ich bede der ntiwen vnd der alten ee. 
Vnd ander der hailigen vnd vättern sprüche dir fürzeheben 
die ich von kürtze wegen vil vermyden. Aber vber das vorig 

«0 alles, Vmb das du böses zu bösem vlhuffest/ So traist du ain 
gugel vnd schapper, die da sint zaichen vnd klaider ains wären 
vnd bewerten ordens Vt in cle. ne. Ju. agro. de. sta. mo. Vnd 
darzü ob du wol werest von der dritten regel der mindern 
brüdem, So gebürte sich dir noch dann sölichs nit zetragen, 

25 Angesechen daz die selben nit gaistlich sint noch von aincher 
gaistlichkait die bewert oder bestetigot syge/ sidmäls sy sich 
in dem sacramente der ee mugen vermecheln. Vt. de vo. c. 
vnico. lib. yj. Vnd sölicher Ir stäte ouch wäriich zereden nit 
weder ain gaistlicher stände noch regel genempt werden mag, 

80 Sunder allain ain mässe zeleben oder ain brüderschaift, Vnd 
sint sölich brüder layen. Vt legitur In cle. pen. de sen. ex. 
Vnd darvmbe so sint die dem weltlichen gerichte der layen 
vnderwürffig vnd dar In gehörig. So wolt ouch santt Fran- 
ciscus, do er die mässz zeleben von der dritten regel (als sy 

«6 die nennent) vfsatzt, die selben nit münch sin. So hat ouch 
babst nicolaus in der bestetigung der dritten regel Inen nit 
geben noch erloubt, kutten gugel noch schapper noch wollen 
oder Inen vfgesetzt daz sy mit gesundem lybe betteln sollen. 

N.T. Wyle. 11 



162 

Sunder haisset er sy arbaiten vnd würcken. Als das oflfenbar 
ist, Durch des selben babsts Niclasen Bulle vnd durch sin 
Satzung derselben brüderschaft die Ich deshalb gesechen hab. 
Aber [107] dwyle du ain häbitt vnd beklaidulig ainer nüwen 

6 relyon vnd gaistlichkait von dir selbs mit frefenlicher türsti- 
kait an dich genomen hast/ so bist du mit derselben getäte 
gefallen in den baue. Vt de. reli. do. c. j. li. vj. Der da ist 
die gröst pene der weite. Vnd besunder in denen die den- 
selben bane verachtend als dann du tust, xxiiij. q. ij. corripiat 

10 vnd darumb so bist du zeberouben der gemainsame de gelö- 
higen cristenlichen lüten. Vt de. sen. ex. c. ij. 

Zürnent. doch also daz ir nit schlachent/ Du bist er- 
schrockenlich vnd wer mag dir widersteen? ps. Ixxviij. Schlach 
die berg so werden sy riehen Ibidem, ps. c. xliij. vnd wissz 

15 daz Ich mit denen die den fride hassent niemer Medsam wirdt 
Contra prophetam. ps. c. xix. Ist nit geschriben daz du den 
altern nit solt straffen sunder bitten als ainen vatter. j. ad 
thi. Uij. Vnd die gesatz tut schamrötig machen die sün die 
da sträffei^t vnd kestigeht Ire vätter. in auc. de nupcys. §. 

«0 Si vero. Vnd die eere der alten ist ir gräwe. Ixxxiiij. di. porro. 
Vnd gegen dem gräwen häre stand vf vnd tu eren sin person. 
leuit. xix. Vnd schray mit grosser stiumie sprechende, jch 
bin nit ain lollhart noch beghart so hab ich euch kainen 
nüwen habit noch beklaidung der gaistlichkait an mich ge- 

«6 nomen, Sunder bin Ich ainer von den Anachoryten nach fol- 
gende helyam von denen Ysidorus schribt. vij. ethicorum. c. 
xvj. Ich hab kainen künge als die höwschrecken. prouerbio. 
XXX. Vnd wer hat dich gemachet zu ainem [107*»] fürsten vber 
vns. Exo. ij. Aber daz ich gesund vnd starck das armüsen 

90 nüssZ) das mag ich wol tun Dann got hat mich das von miner 
Jugend vf gelert Vnd bisz yetz verkünd ich sine wunder vnd 
bis in min alter wirt mich got nit verlassen, psm. Ixx. Vnd 
ist daz du mich darumb vrtailst vnd verdampnest/ So sag 
ich dir, daz du nit got fürchtest vnd doch mit mir bist in 

» der selben verdampnung. lue. xxiij. Darumb so 1yd vnd trag 
die gesatzt die du selbs hast gemachet De consti. cum onmes. 
Dann es ist lasterlich spricht Catho dem lerer, So sin aigen 



163 

werck VBd schuld, widerhilt siner lere, darumb vrtaile der 
ains andern Irrung, der in jm selbs nützit hab das er sträflfen 
mug. 3. q. vij. Judices Danne welches menschen leben ge- 
schulten wirt, desselben lere wird ouch verachtet vnd ver- 

5 schmächet. 3. q. vij. §. pone in fine. Es sol ouch kainer 
machen noch vflegen Satzungen andern lüten, die er selbs ver- 
sumpt zehalten. De preben. pro illorum. Vnd der, der ainen 
wisböme trait in sinen ougen/ wirt bezügt, daz er nit muge 
ain ageln nemen vsser dem ouge sins brüders. lue. vj. Dann 

10 in welchem dinge du ainen andern richtest. In dem tftst dich 
selbs verdampnen. xxij. q. vj. c. j. Vnd darumb so wollest nit 
wider reeden das, so du schuldig bist zebeschirmen. De nac. 
ex. IL ven. c. j. Vnd geschriben ist wöllent nit richten so 
werdent ir nit gericht. xxiij. q. j. §. j. ij. q. j. deus. Aber daz 

15 du stärck syest vnd nit niessest die arbait diner henden, sun- 
der dinen rugken kerest von den bürden glych als Ich, Ist 
kund vnd oflFen. Aber daz du ouch das armäsen essest vnd 
bruchest, wil Ich dich [108] bewysen durch geschribne recht 
vnd durch vemunft vberflüssenklich. Sag? wirt nit geschriben? 

20 . xxiij. q. vij. quot autem Das die guter der kirchen , syen der 
armen? Vnd des gelychen ouch die guter der priestern. Vt 
.xxiij. q. viij. conuenior. Vnd daz die den armen syen mitze- 
taillen/ Vt xlvij. di. sicut hy et. xxj. q. ij. c. ij. Item zum 
andern. So mag ain yetklicher in hingebung sins gutes setzen 

25 vnd machen ain Satzung nach sinem willen. Ob er Joch sölich 
gute wol hin gibt der kirchen. Vt de. condi. app. verum, xviij. 
q. ij. Cleuterius Ja in hingebung sins gutes, mag er Joch setzen 
vnd machen ain geding nach sinem gefallen so ferre das in den 
rechten nit ist verbotten. Vt. 1. Intraductionibus. ff. de. part. 

»0 et C. de contrahen. emp. 1. 3. nisi. Vnd also hat ain stiefter 
ainer ewigen messe vnd pfründe gewölt, sin gute geben in 
ain armüsen , Also daz das ain armüsen syg vnd blybe / vnd 
ist disz nit wider sie Satzung der rechten vnd beschicht söli- 
cher mäsz lichtenklich daz ain ding widerumb kert in sin 

»5 nature. flF. de pactis. 1. sumus Vnd der wille wirt belönt vnd 
nit das weeck, vnd der selb wille machet ouch das werckc 
lones W6rt De. pC; di. j. voluntas. Vnd allain die gestalt 
vnd form des willens bekent das werck. flf. de für. qui iniurie 

11* 



164 

circa prin. xxxiij. q. v. ti. j. et. c. corpus Vnd Ja aber. So ist 
der Wille anzesechen vnd nit der vszgange. flf. de homi. in 
lege et. 1. dyuus. Were nit disz ain endrung des gewalts 
gottes. ps. Ixxvj. daz du von dinen gtilten vnd fruchten an- 

5 ders machen wollest, dann ain armosen/ Es were dann daz 
sölich rent vnd frücht diner pfründ gesetzt vnd gestellet weren 
vf wacher. [108^] als Ich dir her nach sagen wirt, vnd dar 
vmb so spricht sanct gregorius In ainer collecte Dens cuius 
misericordie non est numerus. 0. herre got des barmhertzi- 

10 kait kain zale ist/ Erhöre vnser demtitigs gebette, vnd tu 
den selan die vns In vnser gebette enpfolhen worden sint vnd 
dero armüsen wir niessen/ ablässien Ire Sünde vnd pine etc. 
welche cellecte sanct gregorius dich haisset lesen für die 
toten, da durch du dich erzögest sin ain armüsner. Wärlich 

15 zwüschen dir vnd mir ist kain vnderschaid Dann allain, daz 
man dir den sack haim nach tragt in din huse vnd aber ich 
mit dem sacke loufPen müs durch die statt von hus zu huse. 
Wärlich die harpf concordieret vnd hielt vbel mit der pfaltery. 
De cleri. coniug. diuersis fallacys. Vnd vmb sust tut der an- 

20 rüffen die gesatzt des rechten, der selbs sich In der selben 
Satzung verwürcket. De vsuris quis frustra. Aber was aincher 
nit lieb hat tut er lichtenklich verschmächen. ij. q. 3. presens. 
Nim war. Du hast mir mine tag gemessen, vnd min wesen 
ist vor dir als nicht, ps. xxxviij. Gang hin vnd wollest furo 

25 nit mer Sünden vmb daz dir nit wirser geschech. Job. viij. 
Danne wenne ich mit betteln ützit verschulte, so tett ain ge- 
lych sünd vnd arg getät vns bed vermassgen, vnd ain gelyche 
pen vnd straffe vns bed büssen. xv. q. 3. Sane. Vnd darumb 
so sagt prosper, wol reden vnd vbel leben ist nützit anders 

80 danne sich selbs mit aigner stimme verdampnen vnd verurtailen. 
Vnd darumb so betracht das kaiserlich rechte das da spricht, 
daz vns mensclich gebürre, den dürftigen zefürsechen vnd Inen 
hilff zetün (als den armen [109] vsz dero zale Ich ainer bin) 
daz sy an spys vnd fürung nit gebrechen haben. Vt. C. de. 

35 sacro. sanc. eccle. 1. privilegia Vnd darumb hat der prophete 
gesprochen selig ist der, der da vfsechen hat vber den dürfti- 
gen vnd armen. In den vbeln tagen wirt Inn der herre er- 
lösen, vber das alles hat ouch Gristus gesprochen. In welche 



165 

statt oder castelle ir geen werden daselbs frägent welcher 
wirdig syg, daz ist welcher ain guter wirt syg. Alda belybent 
bis ir ahschaident Vnd in welches huse ir gangent so sprechent 
frid syg disem huse, vnd essent von dem daz man fch fürleg 
5 vnd wer üch nit enpfäch vnd herberge noch üwer red höre/ 
so gänd von dem huse hin vs, vnd von der statt vnd schlachent 
von üwem fassen den stoube. Mt. x. Vnd darumb so stee ab 
von zom vnd lasz din grimikait vnd wollest nit nyden vmb 
daz da nit boszhait tügest. ps. xxxvj. Danne da handelst, 

10 vnd redst vsz ytel gyttikait, Die alles bösen ist ain ¥rurtze, 
De. pen. di. ij. Radix. xj. dl bonorum. Vnd allwegen nüw 
kriege begeren tftt. Vt in prohemio decre. Dann man spricht 
das ain hafner hasse den andern von glyches gewins w^en. 
Danne man sieht vnder üch chorherrn der stiften/ daz 

15 als vil die rent vnd gült üwer pfründen vnder minder per- 
sonen getailt werden, So vil werden grösser die tail üwer 
yedem gehörig. Vt de consti. cum. M. de concessi. preben. 
c ulti. L yj. Vnd also beschech ouch daz das arm&sen das 
mir versagt wurd dir wuchs vnd zu nem. Vnd woltest hier 

20 mit rycher werden mit vnrecht vnd mit minem schaden wider 
die regel des rechten. L vj^. Nim war all dine reden mangeint 
rechter Vernunft vnd grundes vnd darumb so sint sy vszerüten 
[109^] vnd zeverwerfen. Ixviij. di corripi. Aber mine reden 
sint natürlich Vernunft vnd deshalb so machent sy ain recht 

25 flF. de bo. damp. cum rom. Vnd darumb so wart vnd bait des 
herren vnd behüt sinen wege, so wirt er dich erhöchen daz 
du zu erbe nimpst das ertrich, Vnd so die Sünder verderbent 
so wirst du das sechen. Vt ps. xxxvj. 

Gib antwort ainem toren nach siner torhait vmb daz er 
30 sich nit wys sin beduncken werd, spricht salomon. Prouer- 
biorum. xxvj. Vnd daz du nit mer verstandest dann notdürf- 
tig syg. De renun. c.j. li.vj^. Das hab ich gewist, dann du 
bist grob vnd hert vnd ist din geäder ain ysiner waltenwachs 
Vnd din stirn erin. Ysa. xlviij. Vnd wyle du nit zu allen 
85 minen reden geantwort sunder etlich vnderwegen gelassen hast 
vnd deshalb darin geholen vnd dero bekennt vnd vergechen 
Vt in. c. nonne de presump. So sag ich noch dann nützit 



166 

dester minder als du in dem anfange diner antwort jm grund 
vermainst, dich nit sin ainen begharten, sunder ainen anacho- 
riten nächfolgende helyam den propheten, kainen küng zeha- 
ben als die höwschrecken etc. das sölichs nit ist, Vnd daz 

6 das offen klerlich erschynet. Vnd darumb so wirt Ich nit 
genött das wyter zeuerantworten vnd vszertiten. Aber Ich 
vermerck/ Möchtest du ettwas vnzümlichs zu dinem verant- 
worten fürheben, da mit du entschuldigotest die schuld diner 
Sünden. Vi ps. [110] c. . xl. De consue. quarto. xvj. q. j. 

10 predicator de exces. prela. inter dilectos. Daz doch kain ent- 
schuldigung ist, als hernach gesagt wirt/ du staltest nit abe 
zegloryeren vnd dich zefröwen vnd zerümen in diner boszhait. 
Aber wyle du geantwort hast da^ der belestiget mit Sünden, 
ainen andern nit mug straffen oder leren / Merck . o. Beg- 

15 hart. Waist du nit daz geschriben steet Vf dem stüle vnd 
Sessel Moysi sint gesessen die gelerten der geschrifte vnd die 
gelychsner. Darumb was die gesagt haben das haltent vnd 
tünt. Aber nach Iren wercken wöUent nit tun. Mt. xxiij. Et 
in cle. dudum de sepul. Vnd sagt der canon. Ixxxiij. di. §. 

20 ulti. Wie wol die priester müssen vnd sollen bede ir aigen 
vnd fremder Sünden ab vnd ledig sin/ Ye doch ob sy sich 
anders hielten / so sint noch dann dar vmb die wort vnd lere 
irs predigens nit ze verachten. Vnd dar umb so sag Ich dir / 
Ob got der herre allain geb mit grosser tugend sin wort göt- 

25 lieber jnsprechung den predigern. Vt. ps. Ixvij. Die da 
werent ains rechten fromen hertzen/ Welcher vnder vns äne 
sünd, wurff des ersten sinen stain? Vt. x.viij. Ja als dann 
were die predige des herren kostlich. Als in den tagen Sa- 
muelis vnd hely des priesters' j. E. 3. Vnd ob du dar von 

so klerlicher wissen wilt so besiehe die omelye des priesters bede 
vber das Ewangely Estote Misericordes. lue. yj. . Wie aber 
dem. So wollest von der andern diner werten wegen. Die da 
raichent in verlümdung der priestern mit flysse vfmercken/ 
Daz ich dir gesteen daz die gütter der priestern vnd der 

»5 kirchen sint der armen, durch geschribne recht [110^] von 
dir fürgehalten/ Doch mit vnderschaide vnd messigung als 
her nach folgt. Vnd Ich sag dir Beghart/ daz sy darumb 
der armen haissent, daz sy zu notdürftigen zyten den selben 



167 

annen zemittaillen sint/ Aber nit zeaignen. Vt de preben. 
c.iij. de dona. c.ij. Vnd die guter der kirchen die werdent 
also genempt vnd gehaissen sin der kirchen, daz die kirch 
hab dero herschung vnd oberkait Vt. xxv. q. 3. inter Oder 

5 als sagt Johannes andree. Post gar. Vnd Johannes mo. m. 
c. ij. de re. ecc. non alie. li. vj9 daz die kirch daz ist die 
samlung vnd gemainsame der gelöbigen dero Cristus ain houpt 
ist hab dero herschung vnd oberkait, vnd syen doch der ar- 
men zu narlicher vfenthaltung vnd der priestem zu Innhab- 

10 lieber besitzung die vszetaillen. Aber doch sint söliche der 
kircher guter nit also der armen, daz Inen darumb gebürr 
sprüch vnd anfordrung rechtlich in gericht zehaben wider die 
priesterschaft wie rych Joch die syg. Vt ar. xlvij. di. sicut 
et ibidem in glo. ultima. Vnd also wirt es gehalten. Dann 

15 sust weren stetz alle gericht vol armer lüten. Die teglichs zu 
sprechent den priestern vmb spys vnd narung. Aber zu dem 
als du sprichst daz ainer in hingebung sins gutes mug hetzen 
vnd machen ain ding vnd Satzung etc., sag ich dir lolhart 
durch die glose. xj. q. j. c.ij. daz das war ist, doch also, daz 

20 sölich Satzung vnd geding nit syen wider das recht noch wi- 
der erberkait. Dann ob ain Stifter oder hingeber Sprech zu 
aim priester Ich gib dir besitzung dises mines gutes vnd siner 
fruchten [111] zu ainer pfründe vnd gotz gaube vmb daz du 
teglichs messz habest in Verfluchung des folckes. Disz geding 

25 vnd dise Satzung betten nit bestands, die wyle die messz an- 
gesechen vnd vf gesetzt worden ist zu haile des folckes Item 
man sprech ich gibe dir disz gut vnd sin frücht in besitzung 
also daz sy syen ain armüsen vnd daz du alle tage mesz ha- 
best vigili lesest oder den psalter Bettest vmb hails willen der 

30 seien miner fordern etc. Disz ist wider Vernunft wider rechte 
beschaidung vnd wider vfsatzung des armüsens vnd wider 
desselben armüsens diffinitz vnd wäre vszlegung danne die 
armüsen söUent geben werden den notdürftigen luter durch 
gottes willen. Aber messz haben vnd so vil teglichs lesen ist 

35 für war ain arbait Vnd ist ain priester nit schuldig noch 
pflichtig vmb sust sölichs zetünd noch mit sinem aigen gut 
vnd solde Priesterlich ritterschaft zetryben. j. ad cor. q. de. 
prescrip. cum ex officy. Aber disz hab ich müt durch das so 



168 

her nach folget dir föUenklicBer ze erkleren vnd zebewysen. 
Danne du Beghart nit aJlain, Sunder ouch vil ander der prie- 
sterschaft vinde, Sint gewon zesprechen/ daz die rent vnd 
gült der kirchen syen armäsen. Da merck. Wie wol der 
5 kirchen gute als die zechent die opfer, die geistlichen rent 
vnd gülte, ouch die pfründen vnd der selben gelegne guter, 
dar von dann die priester vnd münch (die da nit sint bettel- 
Ordens) gespyset vnd vf enthalten werden, sint gauben vsz 
gehaisz oder andechtigen willen der gelöbigen ci;jstenlichen 

10 menschen gegeben, sint ouch löne bezalung vnd abweschung 
der Sünden, ouch sint vätterlich erbe der armen menschen 
[111^] vnd gegeben gülte der bedürflfenden selan/ noch dann, 
so man hier von aigenlichen reden' sol so mugent söliche gu- 
ter darumb nit genennet werden armüsen, oder daz sölich 

15 Personen vom bettel oder armüsen leben tügen. Vt no. aug. 
j. li. de ope. mo. Dann sy sint söld vnd löne der arbait vnd 
burdin Dar zu die priester vnd münch durch macht vnd ober- 
kait der kirchen werden erwellet vnd geben. Als der appostel 
spricht wer dem altär dienet der sol von dem altäre leben. 

20 Vnd wer zu der bürde wirt erwellet, der sol von dem lone 
nit werden verschalten. De preben. cum secundum et. xiij. 
qj. c. V. de sepul. c. j. Vnd also ist der priester nit ange- 
sechen zu arbait der henden sunder zu dem dienste gottes. 
Aber anders ist es vmb dich lolhardem. vt de hoc per beatum 

25 tho. contra, gen. li. 3. c. j. ij. et iij. et quatuor sequentibus ca- 
pitulis. Item aber merck begharde zum andern das armüsen 
ist nit zegeben den miszbruchenden. De rerum permu. iniu- 
stum. xiiij. q. Si res cum Concor, aber die zechend vnd opfer 
werden geben den priestern als ain schulde die man Inen 

30 schuldig ist. welich priester sölichs etwenne miszbruchent als 
man dann yetz oft sieht das beschechen in vil priestern. Vt 
in. c. tua de deci. Vnd darumb so sint die zechend vnd opfer 
nit armüsen. Item aber zum andern so spricht Sanct Thoman 
vor gemelt. li. iiij. di. xv. et q. j. Armüsen ist ain werck in 

85 dem geben wirt etwas den notdürftigen vsz mitlyden vnd er- 
bermde durch gottes willen. Aber die frücht vnd gülte vnser 
pfründen sint nit ain sölichs Vnnd darumbe so sint sy ouch 
nit armüsen. der erst taue dises argumentz [112J daz das 



169 

annüsen ain sölichs werck sygt^ als Ich yetz gesagt han/ ist 
gewissz vnd vnlougenbar durch Sanct Thoman obgeschril^eiL 
Aber der nächgend taile, daz vnser frücht vnd gülte nit ain 
sölichs syen / das bewyse ich dir also. Danne die frücht vnser 

5 Pfründen sint sölde vnd darumb nit annüsen, dann söld vnd 
annüsen sint ainandern widerwertig vnd vngelych sament hel- 
lende Als hernach bas geoflfnet wirt Daz aber die frücht vn- 
ser Pfründen söld syent der gaistlichen vnd nit armüsen? daz 
ist offen vnd kuntbar durch geschribne recht an zale. Vt de 

10 cle. non resi. qua non nulli, j. q. j. clericos et. c. vlti. de con. 
di. vltL In Omnibus, vj. q. j. c. ulti. xij. q. ij. caritatem. Ixxxxj. 
di. c j. Ixxxxiij. dl diaconi sunt. j. q. 3. §. j. de preben. 
dilecta de poscu. c. j. vij. q. j. quia fr. , ffl de re Judi. L 
comod. cum Concor. Vnd sölich söld werdent geben vmb re- 
is gieniDg vnd singens vud lesens willen der kirchen vnd der 
Pfründen Als man das hat in vil rechten yetz gemelt vnd 
darumb so wirt gesprochen. In. c. ulti. de re. p. li. vj<* die 
pfründ wirt geben vmb das ampte Als ob man Sprech die 
frücht vnd gült der pfründen werden geben vmb versechens 

20 vnd diensles willen der selben pfründen vnd vmb solds willen 
tünt die priester in der kirchen dienen. Vt de preben. cum 
secundum Et. c. exstirpande et. c. dilectus. Vnd die pfründen 
der kirchen sint vsgeben vmb götlich ampt vnd dienste. xij. 
q. ij. cpncesso. xvj. q. j. generaiiter. Et j. q. ij. ciprianus et. 

25 c. ultL Vnnd darvmbe alle die wyle ain priester von sinem 
ampte wirt suspendieret vnnd vfgehalten, So ist er [112^] ouch 
nach ordenlicher Satzung suspendiert vnd vfgehalten von siner 
pfründe vnd den fürchten der selben pfründe. Vt. di. xviij. eos 
et. c. Si quis sacerdotum xxij. di. preter Vnd durch die ämp- 

30 ter vnd dienste sollen die priester verdienen die frücht jrer 
pfründen. Vt de. cle. non resi. conquerente. Vnd werden 
gesagt ritterschaft tryben in der kirchen gottes. Vt de. cle. 
egro. c. j. Ja vnd werden darumb gehaissen vnd genennet 
ritter der himelschen ritterschaft. De penis de gradacio li. 

35 vj®. Vnd zu sölicher ritterschaft werden nit vsgenomen die 
da geschickt vnd tügig sint zu dem betteln oder armüsen/ 
Als die blinden vnd lamen vnd ander desgelychen, Suuder 
aLUdn die gesunden vnd die so vngebrechenhaftig sint box 



170 

lyben. Vt de corpore viciatis per totum. Dann das latinisch 
wort Mendicus, Daz da zu tütsche haisset ain bettler, hat si- 
nen vrsprunge vnd wirt gezogen von dem kriechischen wort 
Mene daz da als vil gsprochen ist als ain gebrechhe. Vnd 

5 nach dem als Ysiderus schribt. x. ethi. So haisset der Men- 
dicus der nit hat, Darvon er sin leben hinbringen mag, das 
da ist ain gebrechhe oder dar umb daz er vor zyten by den 
alten gewon was daz die bettler den mund beschlussent vnnd 
die hend vsstrackten Nu haissent die hende zu latine Manus, 

10 So haisset Dicere zu latin, sprechen dar vmb Mendicus gehais- 
sen wirt ain bettler als ob er mit den henden redte vnnd 
bette das armäsen. Disz alles verbieten die recht beschechen 
sollen in der priesterschaft. Danne kainer zu gelassen wirt 
[113] zu der wyhe priesterlicher wirdigkait vnd zu sölicher 

15 ritterschaft er hab dann vor daz er nit gebruchh hab damit 
er bettelns vnd das armäsen zefordern absyge. Als du her 
nach bas sechen wirst. Siehst du nu lollharde wie wyt von 
ain andern ist, ritterschaft tryben vnd betteln gelycher wyse 
als rych sin vnd arm sin, welche zway ding ainandern gantz 

20 widerwertig sint. Oder siehst du wie wyte vnderschaiden ist 
sich gebruchen des soldes als die ritter vnd sich gebruchen 
des armäsens als die bettler. Item es ist ain vnderschaid 

. sich soldes zegebruchen vnd ritterschaft zeüben mit dienen, 
oder zedienen mit ritterlicher Übung vmb soldes willen in 

« der kirchen gotes, welcher solde euch vsz schulde geben wirt 
vnd mit notzwang gebrächt von dem Schuldner/ ob er Joch 
wol vnwillig wer als das leret teglicher handel vnd tibung 
vnd öch gemerckt wirt. flF. de. v. sig. 1. debitum Vnd sunder- 
lich gesechen in den zechenden. Vt de deci. tua. ij. de quo 

80 eciam archi. plene. e. ti. c. j. li, yjo. Aber sich gebruchen 
des armäsens, daz da ordenlich nit vsz schulde geben wirt 
oder von ampts oder verdienens wegen sunder allain dem 
notdürftigen vsz mitlydung vnd erbermde durch gottes willen, 
sölich armäsen ist ain ding das willenklich geben wirt vnd 

«5 von niemant genötiget als das gesechen vnd gemercket ist vsz 
der diffinitz vnd wärer vszlegung des armäsens vnd vsz teg- 
licher pratick vnd übung. Zä dem so wirt euch gesechen 
daz die frücht vnd gülte der pfründen teglichs geben wer- 



171 

den, den bischoflfen vnd andern rychen prelaten die [113^] 
doch des nit notdürftig sind, dar von zemercken ist, Daz sy 
nit nement oder enpfachent das armüsen vsz obgeschribner 
diffinitze vnd vszlegung. Aber doch so spricht Sanct Thomas, 

5 an dem end als ob steet. Ob wol sölich prelaten des armü- 
sens nit notdürftig sint/ So wirt Inen doch das armüsen 
geben als dienern der armen vnd vszgebern des armäsens 
Vnd darumb das, daz Inen in ain armüsen geben wirt/ Wirt 
durch sy gesant geben vnd geschickt den armen. Hec Ille. 

10 Vnd also vnd glycher wyse wirt ouch geben das armüsen den 
maistern den pflegern den vögten vnd schafnem der spitalen 
vnd herbergen der armen. Wyle von gelychen dingen ain 
gelyche vrtail ist. De transa. Inter corporalia. Vnd sölich 
prelaten denen sölich armüsen geben wirt vnd enpfolhen vsz- 

15 zegeben werden dar vmb gehaissen armüsner vnd mag ouch 
wärlich nit gesprochen werden, Daz sy niessent des armüsen. 
Sunder niessent sy Iren solde vnd das ist kain wunder. Danne 
nim war loUharde Mag nit ain pfennig der allwegen der selb 
Pfennig belybet/ In hande ains menschen sin ain armüsen 

so der bald dar nach gelegt in ain hande ains andern menschen 
kain armüsen ist. Des syg ain exempel von dem dienstbaren 
husgesind ains spitües. Werden nit in die hande ains spitUs 
maisters armüsen geben? Vnd also ist ain pfennig In der 
hande desselben spitälmaisters ain armüsen Vnd bald darnach 

s5 so der selb pfennig geben wirt In die hande ains husdieners 
oder ains arbiters der dem selben spitale arbaitet/ So ist er 
kain armüsen. [114] Gelycher wyse mugen wir sprechen von 
den wuchern, dero gelt gantz ain wücher ist. Aber wenne das 
geben wirt in hande ains der Im in sinem wingarten gearbaitet 

80 hat/ So ist es kain wücher, vnd der arbaiter ist ouch nit 
schuldig daz zebekeren als der wüchrer. Also ist es ouch 
vmb ainen verpfrünten priester. Danne ob wol ettlicher 
mensche ain pfründ stiflfte in das ende daz ain priester yemer 
ewenklich teglich oder zu vberhupften nämlichen tagen messz 

85 haben sölt, vnd mit sölichem willen vnd fürsatze sin gut dar an 
geb, daz das ain armüsen sin sölt, Vnd also hier vber brief 
vnd Instrumente schriben liesz/ noch dann so bald sölich 
hingebung beschechen vnd in hande des priesters komen ist 



172 

als dann ist es ain sold ymb sin arbait. Die wyle niemant 
schuldig noch pflichtig ist ritterschafft zetriben von sinem 
aigen gute vnnd solde als vor gesagt worden ist. Aber doch 
begharde so höre vnd merck ain wärhait, Nach sag vnd lere 

5 miner lerem vnnd maistern die also steet. Ain wille ains men- 
schen der da hin gibt vnd ain pfründe stiftet/ syg wie er 
wöU so ist doch sölich gaube weder in band des gebers noch 
in hande des nemers ain armüsen als dann ob gesagt worden 
ist von dem geber. Dwyle der wille nit allwegen das werck 

10 machet, Wie der würcker vermainet Vt. j. q. j. non est, da 
der texte sagt. Ob wol yemant von vnrechtfertigem gute als 
von roube oder ttibstale vermainte zemachen ain wercke des 
armüsens/ so mag doch in warhait [114^] des selben men- 
schen wille so vil nit würcken danne daz das allwegen ain 

15 roub oder düpstale ist vnd nit ain armäsen. Es möchten 
euch noch vil ander bewysungen vmb vnderschaid der vorigen 
dingen fürbracht werden. Danne Es spricht archi. xxxij. di. 
Siquis vero. Armäsen wirt gehaissen ain aller wäxist wercke 
der barmhertzigkait. Von welcher barmhertzigkait gesprochen 

20 wirt. Erbarm dich diner sele vnd mach dich wolgefellig gotte. 
Ecc. XXX. de pe» di. 3. Qui wult. Aber sold wird gehaissen 
ain gült, die den rittern geben wirt. Also sagt das rechte 
Ag. §. Stipendium, ff. de. ver. si. Nim wäx wie wyt von ain 
andern syen armüsen vnd ritterlicher solde. Nim war wie 

25 adenlichen die gaistlichen vnd weltlichen rechte nennent die 
frücht vnd gülte vnser pfründen. Dann sy sprechent vnd nen- 
nent die nit löne oder dienstgelt, So man den knechten vnd 
dienern gibt, Oder armüsen das man den armen gibt, Sunder 
ritterlichen sold vnd gülte. Vt in Juribus prealligatis. Es hat 

30 euch Cristus gesprochen. Mt. v. Ist daz du opferst vor dem 
altär din gaube etc. Welche gaub allain den priestern zu 
gehört. Als offen ist. Nu sint wyt vnderschaiden gaub vnd 
armüsen vnd. Mar. 3. Wirt desglychen gesprochen, daz das 
Opfer so vf den altäre geben wirt syge ain gaube. Nim war 

35 begharde. Ich lässz nit vnderwegen zereden wider das. So 
du gesprochen hast von der coUecte die man liset für die 
töten, vnd sag hier zu/ daz allain die, Die da niessent das 
armüsen schuldig sint die zesprechen als dann sint die brüder 



173 

der bettel örden oder sust arm vnselig priester. Dann mit 
[115] wärhait wirt der gehaissen vnselig der da bettelt als der 
canon spricht. Ixxxxiij. di. diaconi vlti. der vnselig priester 
bettelt vf den gassen, gefangen mit dienstlichem wercke, Vnd 

5 fordert von yetklichem das oflFenbar armüsen / vnd wirt so vil 
mer verschmecht von allen menschen als vil er geschetzt wirt 
als arm vnd verlassen, billicher zu diser vneere komen sin. 
Vnd sint dise wort sancti Jeronimi Ad narbonem episcopum Vnd 
darumbe so tügen die selben vnd Ir gelychen die das armüsen 

10 niessent dise coUecte lesen in dem namen gotes etc. 

ÜArzü der beghart mit zorn der schlangen vnd schlichen- 
den vflF dem ertrich geredt hat, sprechende. Menschlich oren 
vrtailent söliche wort wie sy vszwendig tönnent. xxij. q. v. hu- 
mane. Aber allain got erkennet die hertzen der menschen. 

15 act j. Vnd die wort sint darumb vfgesetzet, Vmb daz ain 
yeder hie durch bring sin gedencke, in bekennung ains andern. 
Vmb daz die menschen sich nit betriegent. vt. xxij. q. ij. Institu- 
tum Dann «^enne Ich den menschen gefiele so were jch nit 
ain diener Cristi. Ad gal. j. Vnd darumb so sag ich, daz 

20 din gezügnüssen sint worden vngelouplich , Danne Ich hab in 
Inen gesechen boszhait vnd daz ain red der andern wider- 
wertig ist, Vnd aller maist darumb, danne Ich in Inen allain 
finden mag ainen wänlichen schatten [115^] gantz alles wären 
grunds mangelnde. Vt. xxxvij. di. vnio de consue. quanto de 

25 quo protestor. Vnd darumb so acht ich nit, dir zu miszfallen. 
Aber nützit dester minder sage mir warumbe ist (daz ich mich • 
diner werten gebruch) daz die sölde vnder den priestern so 
vngelych sint? also daz ir ainer ain grosse pfründ hat, ain 
anderer ain klaine vnd Ja ir etlicher vil grosser pfründen vnd 

30 ain anderer ain allerminste vnd die selben allaine. Oder et- 
licher kaine, vnd sy doch glychlich ainer als vil als der ander 
arbaitent mit sprechen singen vnd lesen Ire ämpter götliches 
dienstes Wie ist die erbschaft des herren getaillet? mit vnge- 
lycher mässe der vsgebung? Ist nit geschriben? de utro. j. 

86 daz rechtenklich richten syg ain ding gottes vnd folgt darnach 
Es wirt nit sin ainch vnderschaide der personen, sunder hörr 
den grossen als den klainen vnd nime nit ^ Vääiä ^\^<ö^SÄ^ 



184 

Danne er selbs willenklich bettelt vnd daz du das verstandest, 
So ist er in sölicher armüt geborn worden, daz er stetz ge- 
legt wart in ain kripfen, danne Im sust kain ander statt was 
in der offen gemainen htitten. lue. ij. Vnd darumbe hat der 

5 prophete gesprochen in der form Cristi Ich bin ain betler vnd 
arme. ps. xxxix. Item Er hat durechtet den menschen der 
arm vnd ain betler ist. Jo. viij. Vpd also vmb daz Cristus 
erfulte die geschriften, so tett er mit betteln von der Sama- 
rithanischen fröwen erfolgen das trancke/ do er sprach. Gib 

10 mir zetrincken. Jo. iiij. Item er bettelt von Zacheo. Do er 
sprach, zachee schnell kum herab, dann hüt müs Ich in dinem 
huse essen, lue. xix. Item daselbs wirt ouch gesprochen [123^] 
Ir werden finden ainer esslin Jungen esel, den bindent ab vnd 
fürent Inn zu mir. etc. Sage tett er nit hier mit betteln? 

15 Item als er was In dem tempel vnnd mengklichen hatt be- 
sechen vnd yetz vesper zyt was, gieng er gen bethaniam mit 
sinen zwelf Jüngern etc. Als man liset Mat ii. Item cristus 
redt. lue. viij. zu aim, der zu Im sprach. Maister Ich folg dir 
nach wo hin du geen wirst/ Also/ die ftichse habent hülen vnd 

20 die fögel des himels, näster/ aber des menschen kind hat 
nützit darvf er laine sin houpte. Item Cristus hat gesprochen. 
Mat. iiij. Nit wöllent besitzen gold vnd silber. Noch gelte an 
tiwern gürtein, nit ainchen ledersacke noch zweü rocke noch 
geschüche Item es spricht Cristus lue. xiiij. Ain yetklicher 

25 vsser vch der sich nit verzieht alles des so er besitzet, mag 
nit sin min Junger. Item Cristus hat gesprochen zu aim 
Jüngling. Mat. xix. lue. xviij. Mat. x. Wilt du volkomen ge- 
recht sin, So gang hin vnd verkouff alles das du habest vnd 
gibs den armen vnd kum vnd folg mir nach. Darumb spricht 

30 Paulus ij. ad cor. viij. Ir wissent die gnäd vnsers herren 
Jhesu cristi. Danne er von vnser wegen (Wie wol er ryche 
was) arm worden ist, Vmb daz Ir durch sin armüt rych weren. 
Darumb so syg der Junger nit vber sinen maister noch der 
knecht vber sinen herren. Es ist gnüg dem Junger daz er 

36 syg als sin maister. Mat. j^ Vnnd hab nit wunder du priester, 
ob cristus mit der schlechten graden wege, der aim yeden 
verstentlich ist, gehütet zebetteln / Dann es ist gnüg (Als vor 
gemelt [124] wirt) daz der, der ain fürst vnd ain houpt ist, 



i7S 

«äor gewonhait wegen mt ludscheDt vnd [116^] for- 
dexnt jKBEfianlich besilzuiig. Vnd spricht InnooeDdaB nit Sünde 
sin, tQ fiSIicher pjEräudesn Eehaben. Tcm weldier materi. Ob 
du ^dlt Tolkomenlichen wisfien Tni Tnderwyset werden ?' lesen 

^ wollest Jahannem de üg. In sno tractatnlo. de ploralitate 
hfinefiriomm goem posoit in de. grade de £e. p. Vnd der- 
lichfiT des fondamentz xnd gnmdes halb, besidi GwiSiermum 
parifiiflmfim. In Tractatnlo sno casisumlL Aber dax Ich ge- 
fidiwyge Tnd ipnderwegen lissE tiI snbtrlkait argument Tnd 

10 liiigiirii flnm g TBd &ne das. Die gesdiiditen Tod exempel Im 
rechten besduiben md durch ettüidi maister vnd snnmiistea 
TBgelegt/ ßo tftt der wdt praüd^ Tsd übung onch die mai- 
fiteodn aller dingen, die da ist erfianmg md Iimenbringimg!^ 
firzogon die wÄrhaiL De elec quam. sit. li. rj. Daune mödi- 

^ ten wir nit Ton rechte tu pfrönden haben so tett Tns dodi 
hica- zu nöten vnd £wingen grosse notdurft , Welche notdurft 
kain gesatet ML D. con. äi. ij. Sicut de consnetu. quarto. De 
pi gn n significante, de. con. di. t. disdpnlos de furtis ä qnis pro 
neflflwmtatft. Danne es ist kuntüch md offen daz mer p&tin- 

so äieai fiint, Ja aecheiifattenldichen me^ Dann sren tngiger ge- 
«ghifik^»r pnestem lA pfrfinden. Aber die pfrunden vetz ge- 
stifit "vbA gei dem lierren ainist gegeben md gewjhet * Sint 
nit widermnb zefaoingen in mensdüidiem brühe der lajen. De 
1^ In aBmeL ü yj. Was sah dann anders besd^edien danne 

s das 'VDn notdurft wegen ain pn^ter haben müst tu pfrttnden 
Ar. apümimt x^ q. j. dend in £. Tnd so TnderwQen ainer 
ist edlar i^dor [117] gder^er danne der ander! damiub so 
haben die selben sölidi TÜe der pfrönden Aber wddter dagf^d 
syg daz Im Tnredit besdiedi daz er kain pfrönd bab oder 

80 gxn klameu!^ der selb Terwrsse das Im selbs. daz er jitister 
worden syg!^ Tmb ainer salid>en Idainen ijffrönde -«iUen md 
daz «r nit belaib ane pfrimd md sidi gab in die arbait sines 
TattaEB imd sich nart oder aber sidi nodi nere mit werd^en 
80 Jm an ffrfind nit gn&g srg. Tt con. 3. di c ij. et dt cele. 

%b mk. c j. fite. Aber xb dem begharde al^ du gemeldet hiiät 
Yon ^fc^ndusr arlmt Tnd Tngdydiem solde. Vnd hast forge- 
«b aat gut TUgeredit *nrg ? etc. Dar zä aidwort dir die 



176 

mit mir des tags vmb ainen pfennigTberkomen? Nim hin das 
din ist vnd schaide ab etc. Vnd darumb bist du bestelt durch 
ain pfründ ainer marck Silbers so bist du als wol schuldig vnd 
pflichtig zu den siben zyten die wir nennent horas canonicas 

5 als ain anderer vmb tusent marck. Sicut legitur et nötur de 
cele. mis. prespiter Darumb ob yemant bruchhe hat vnd arm 
ist vmb sin aigen schulde so ist nit billich Im zu hilflfe ze- 
komen. De consci* que in ecclesiarum et in glo. Vnd den 
schaden den aincher vsz aigner schulde entpfindet den sol der 

10 selb jm selbs vnd niemant anderm verwissen. de regulis Juris 
li. vj. cum Concor. 

[117^] her domine sprach der lolhart vnd kirret vber 
mich mit sinen zenen vnd redt, Ich enpfinde ouidium den 
poeten jn libro de vetula war gesagt haben, da er sprich 

15 werlich linkge vnd vnselige ding koment selten ainig. daz ouch 
bezüget das gemain sprüchwort das dann gewonlich geredt 
Wirt, ain vngelück kumpt selten ane das ander, vnd söliche 
gemaine sprüchworte mugent ouch gealegiert vnd fürgezogen 
werden. Vt. flf. de fundo instru. li. j. Et in cle. j. de re. do. 

«0 cum Concor in glo. Et cortiua cortiuam trahit de sacra vnc. 
c. vnico. §. ad exhibendum. vnd vsz amer vnzimlichen rede die 
zu gelassen wirt vnd dero man gesteet, wachset vnd folget 
nach vil vnzimlichs. vt no de R. p. statutum. li. vjo. Vnd 
darumb zum tüfel die armen i wie wol diner gaistlichen rechten 

«5 ain canon sagt, daz armüt nit syge von dem geschlecht der 
bösen, xv. q. j. illam. in fi. Aber merck. die wyle die pfründe 
wirt geben, vmb das ampt, als von dir ob gesagt worden ist. 
Ob dann aincher priester oder chorherre nem die pfründ, das 
ist die frücht vnd (nach dinen Worten) grossen solde/ vnd 

»0 tett nit das ampte mit singen vnd lesen als vfgesetzt ist / sag 
an nimpt der selb nit den solde äne arbait, vnd tut vnd ver- 
schuldet hie durch rouberye vnd düpstale glycher wyse als 
ainer, der da spricht sich ainen gantzen tage in aim wingarten 
gearbaitet han Vnd doch müssig äne arbait vmbgegangen ist 

s5 vnd zu complett zyt den lone nimpt glych als die so die bürde 
der hitz vnd der arbait den gantzen [118] tage getragen 
haben. Sag sint nit sölich schuldig das zebekeren? Sint nit 



177 

sölich ze entsetzen irer pfründen vnd fruchten. Vt de cle. 
non resi. c. y. et. c. expaxte et c. duobus sequentibus, xxxij. di. 
preter hoc. C. de epi. et. cle. generaliter. xvj. q. j. in fi. ge- 
lycherwyse als ain ritter der nit dient wirt entsetzet sines 

5 soldes. Vt flf. de re. mili. 1. desertorem. §. qui milice et 1. qui 
exculpa et 1. penult c. e. ti. Vnd darzü so legent vnd huffent 
sy boszhait vf boszhait. Danne nach der rede sanct Bernhartz, 
so wöUent sölich priester ain anders sin vnd ain anders ge- 
Sechen werden/ dann mit Irem habit vnd beklaiden sint sy 

.0 ritter, mit Innemung der nutzung sint sy priester. Aber mit 
den wercken bewerent sy entweders. Dann sy strytent nit als 
ritter. So predigent sy nit als priester, vnd welches ordens 
sy sint also wirt ir yeder in sinem orden vf ersteen. In wel- 
chem orden erstend aber die?* Ich furcht daz sy nit an ain- 

15 chem andern ende syen zeordnen danne die kain orden ist 
Sunder Inwonet ewiger grus vnd schrecke. Hec ille. Sag 
verdienet nit der sin fryghait zeuerlieren? der sich miszbruchet 
des gewaltz so Im verliehen ist? De regulis licet de priui 
tuarum de sen. ex. contingit. Sag welcher ain ding tun mag 

20 vnd doch das nit tut/ wirt nit der vermerckt das nit tun 
wollen? ff. de. edi. edic. 1. Item queritur Item wer nit tut das 
er tun seit wird vermerckt zet&n das er nit tun solt. ff. de 
edi. edic. quid sit §. Idem. Ixxx. di. non satis. Fürwar herre 
wirf nit mine wort zu rugk hindersich, Sunder werden die 

is geschriben vnd gehüwen in ainen kisling Job. xix. 

[118i>] DArzü Ich felix aber ahtwort Nim war lolharde. 
Es ist kuntlich wer sine sinn vf vil vnd manig ding setzet, 
daz desselben sinne dester minder vnd vnuolkomner sin müssent 

30 zu der selben dingen volbringung. Vt no. de here. accusatus. 
§. dequibus.li. vj<>. Vnd wer zu zwayen dingen yllent, der 
tut entweders erfolgen, xvj. q. j. prespiteros. Vnd der zorne 
tut In-en das gemüte daz es nit mag erkennen die wärhait. 
Vt dicit catho. Du hast vor gesagt, dich sin ainen armen 

85 euch dich des vberhept Aber nu yetz so siehst vnd redst 
wider die selben armen sy zeschelten. Dar zu so weitest du 
gern mich vil dingen vf mercken, da mitte du mich von minem 
fflmemeii ftlrtest, als du dann vor euch getan \\i^\.. ^^^ 

H. y. Wyle. VI 



178 

nützit dester minder wissz daz Sanct Gregorius. li. v. mora. 
Spricht daz die ketzer des geloubens / habent die aigeoschaft 
an Inen, daz sy bösem gütz vndermischent, da mit sy dester 
lichtenklicher die gemüt vnd willen der vflosenden In fürent 
* vnd bringen mugen vf Ire mainung Dann wenne sy all wegen 
das bös sagtent so würden sy in Irer boszhait vermercket vnd 
möchten dester minder mit Irem fürheben Iren willen erlangen. 
Hinwiderumbe wenne sy allwegen das allain so recht vnd gut 
wer sagten/ So weren sy für war njt ketzer des geloubens. 

lö Hec ille. Vnd also tünt sy vnder ainer gestalt der tilgend In 
geen Sünde vnd laster. Vt de here. sicut in vno. Vnd dar- 
umbe so tust du nu yetz sagen min gerechtikait vnd nimpst 
dir selbs für min be[119]zügnüsz zetün durch dinen munde, 
Vnd besunder in dem daz du sprichst. Wer nit tut sin ampt 

^5 mit singen vnd lesen als Im vfgesetzet ist etc. Dar zu ich selbs 
sag. Das den priestern der kirchen dar Inne Thüme, Stifften 
oder conuent sint (Vnd dar Inne man von rechtz vnd gewon- 
hait wegen die syben zyt (die man nennet horas Canonicas) 
Singen sol/ ist nit gnüg, sölich syben zyt zebetten in jren 

^ hüsern oder an andern der gelychen enden. Sunder sint sy 
schuldig die zesingen vnd zelesen in.dem chore. Danne nach 
dem Vnd sanct bernhart spricht. So ist got vngenem was du 
Im tust. So du vnderwegen lassest das, so du zetün schuldig 
bist, Vnd mag ouch ains für das ander nit geben noch bezalet 

«5 werden wider den willen vnsers schuldherren der da ist Cristus 
ff. de. re. cre. 1. ij. Et insti. qui mo. toi. ab. §. j. flf. Si ter. 
pe. 1. ij. Vnd darurab so spricht sanct Gregorius , für wäre 
nit mittelmessig noch wenig tut der mensch got erzürnen der 
sin bezalung die er got dem herren schuldig ist nach aignem 

^ willen endert. xxiij. q. iiij. si is qui. aber der erst anfange 
diner worten ist nit ain wärhait. Dar vmbe dwyle du die sel- 
ben wort hast lassen fallen/ So hast du hier mit gnüg ge- 
holn vnd bist gestendig, dasz den wol mugenden menschen nit 
gebürre zebetteln, Vnd darumbe so gangen wir vf die höpt- 

** Sache, dar Inne Ich dir leg ^in söliche beschliessung/ daz 
weltlich verpfründt priester vnd ouch münche die nit betler 
Ordens sint/ Was stätes vnd wesens Joch die sust [119^] 
syen / mugen nit genempt werden armäsner oder daz sy das 



179 

armüsen niessent, Sunder werden sy gehaissen Söldner vnd 
niessent ouch Iren solde, als kuntpar ist vsz dem so vor ge- 
sagt ist. Item dise beschliessung wirt bewyset vnd bewert 
durch ainen andern wege. Scilicet via sumpta per locum a 

5 suflficienti diuisione, quod est argumentum validum In Jure vt. 
flF. de acci. et obli. 1. obligacionum. §, placet. etc. Also zespre- 
chen. In kainem rechten weder göttlichem noch menschlichem 
wirt vergewisset oder gesagt daz die frücht vnd gtilt der 
Pfründen syen oder genempt werden armüsen. Darumbe ist 

10 die obgemelt beschliessung wäre. Dann sölich frücht werden 
gehaissen söld als in den rechten obgemelt. Vnd die selben 
sölde werden geben den priestern von dem erb cristi, dar von 
sy ouch lebent. Vt de preben. cum secundum. Welches erbe 
wirdiger ist, vnd alle erb der layen vbertriffet. Die wyle die 

^5 gaistlichen dinge wirdiger sint danne die weltlichen. Vt de 
pe. et re. cum infirmitas. Vnd die layen haben sich nit zege- 
bruchen freuenlich ützit von sölichem erbe. Es syg dann daz 
sy bieschaidenlich von den priestern hier zu werden berüflfet. 
Ixxxvj. di. non satis. Dann es ist ain opfer vnd gaube gottes. 

^ xiij. q. j. §. his ita Aber sölich layen werden billicher ge- 
sprochen daz sy lebent von dem gute der kirchen danne der 
priestern danne was sy den priestern gebent das ist vor der 
kirchen als zechend vnd opfer. xvj. q. j. statuimus vnd sölich 
aigenschaft haben die priester vff [120] ertrich. Vt de. deci 

25 tua. xiij. q. j. §. j. Vnd hat sölichs vnd alles ander ainen vr- 
sprunge vnd kumpt her von den priestern vnd von dem gute der 
kirchen. Wann von dem obersten priester das ist von dem 
Babste nimpt vnd enpfächt der römisch künge die kaiserlichen 
Cronen vnd den gewalte zerichten. Vt de elec. venerabilem 

50 Ixiij. di. tibi domino. scm. Inno, et hosti. Vnd wenne ain römi- 
scher künig oder kaiser mit tode abgangen ist vnd des rychs 
regiment deshalb ledig steet, So ist sin gerichtszwang gefallen 
an den babste Vt in. c. licet, de foro. compe. Ja vnd ain babst 
mag absetzen ainen kaiser vmb sin Sünde vnd laster vnd nit 

J5 hin widerumb der kaiser den babste. De re. Indi. c. ij. li. vjo. 
Er mag ouch vmb sumseli des kaisers sinen vnd des rychs 
gerichtz zwange wider vmbe an sich nemen Vt in dicto. c. 
licet Vnd Inn zwingen das zettln das recht vnd billich i&t. 



180 

xxiiij. q. v. administratores Vnd das gaistlich recht ouch in 
etlichen Sachen zehalten. De fo. comp. c. ij. der Jur. Jur. licet 
de sen. ex. decernimus. li. vj<*. Aber doch ist ain kaiser vszen- 
pfächung sölicher Crönung vber alle küng. Vt vij. q. j. in api- 

5 bus. Vnd alle geschlecht der fölckern sint vnder Im. ij. q. j. 
volumus. Vnd ist als danne ain fürst vnd herre der weite, 
flf. ad 1. rode deprecaris Vnd sint ouch die Juden vnder Im. 
C. de Judeis Judei Vnd alle lande. Ixiij. di. adrianus. v. Vnd 
als dann sint alle ding in gewalte ains kaisers. viij. di. quo 

10 Jure, xxiij. q. viij. conuenior. C. de. quadra. prestip. 1. bone 
Nim war disz alles hat Im verliehen der oberst priester das 
ist der babst vt in [120^] dicto. c. venerabilem. Vnd darnach 
so lychet der kaiser hier von den andern weltlichen fürsten 
vnd die selben fürsten dann furo andern grauen vnd herren. 

15 Vnd aber dieselben wyter den edeln, vnd also für vs bis vf 
gemain schlecht personen Vnd folgt hier vs das die layen 
danck sagen müssen dem allmechtigen gotte vmb eer vnd gute 
Inen also verliehen von dem obersten priester ainem vicarien 
vnd stathalter cristi vnd ainem houpte der priesterschaft vnd 

^ der gantzen kirchen, Darumbe ouch grosz reuerentze vnd eere 
Im erbietent nit allain vmb sölichs sunder vnd aller billichost 
vmb die gaistlichen güthait von der selben priesterschaft Inen 
beschechen. Darumbe so bedenckent vnd erwegent die selben 
layen den spruch Sanct Gregorien in siner humelye da er 

*5 also spricht Bewerung der liebe , ist ain erzögung des wercks 
darvon dann ouch spricht. Johannes in principio sue cante. 
c. ij. Wer da sagt daz er got lieb hab vnd doch sine gebott 
nit haltet/ der ist ain lugner. Darumb ist daz sy cristum 
lieb habent, so nement sy das für sich daz Sanct Johannes. 

30 schribt. Jo. quinto. Welche erent den vatter, die erent den sune. 
vnd welche den sun erent die erent ouch sin priesterschaft 
als sine vicarien vnd stathalter. vnd darümb vom ersten bisz 
zum hindersten zearguwieren so tut die eere so der priester- 
schaft wirt angelegt )ouch die scheltung die Inen von dem 

85 folcke beschicht) alle, entlich lenden vnd komen in cristum. 
Vnd tünt die den herren crutzigen, die Inn in sinen priestern 
durächtent. ijj. q. j. nuUi. Vnnd die eere der priestern wirt 
gehaissen ain eer Cristi. ij. q. v. hoc habet [121] daher spricht 



181 

der erwirdig doctor. Maister hainrich von hessen. In prolago 
galeato super gen. Ir etlich so sy kain ander bekondichkait 
noch vrsach haben die priesterschaft zeschmechen oder ze- 
schenden so sprechent sy daz die priester geföret vnd vfent- 

5 halten werdent von dem armüsen vnd daz sy euch armüsner 
syen, daz doch falsch ist dann freuenlich öch abgelöblich vnd 
gantz Irrend nement Inen sölich layen das für zereden. Hec 
ille. Nim war begharde wie grosz. vnd vil lobs vnd eeren du 
vnd ander abziechent vns priestern vnd deshalben euch cristo 

10 die da sprechent vns leben von dem armüsen etc. 

Wirt gar schnell röte dann ich wird dir sagen ain grosz 
laster vnd dar nach dich geschwaigen. Du sagst Im grund. 
Daz ain pfründe als ain ding got gegeben nit muge wider be- 
kert werden in menschlichen bruche/ daz falsch ist. Dann 

16 Ich hab dir vor gesagt, das du nit mercken wilt.*' die frücht 
der Pfründen sin ain annäsen Es syge dann daz sölich pfrün- 
den gesetzt syen vff wücher als oft gesechen wirt in den 
priestern die da habent zinsz vnd gülte die erkouffit vnd durch 
gedinge ablösig sint mit dem houpt gute als man danne gibt 

20 von zwaintzigen oder fünf vnd zwaintzigen ainen guldin zinses 
etc. Welcher zinse (daz ich mich diner werten gebruch) durch 
maister hainrichen von hessen (Den du vor für geloupwirdigen 
hast für gehept in sinem tractät, da er von sölichem handel 
diser köffen schribt, ain rechter wücher ist. So [121^] hab 

25 ich ouch noch nit gesechen ainch geschriffte besunder geloup- 
wirdiger mannen die das wider sprechen tüg vnd sölich sünd 
vnd laster der wücherye, ist als wol in der alten ee als in 
der nüwen verbotten. vt de vsuris super eo Et exo. xxij. Dar- 
zü tut ouch der haide die verwerfen vnd hassen, vt patet. 3o. 

30 ethicorum. c. iiij. Nim war wo sint dine gründ vnd funda- 
mente in den hailigen bergen, So doch vmb kains guten dings 
willen bös zetünd ist. vt in dicto. c. super eo. cum Concor, 
vnd vil diner mit brüdern nement sölichen wücher vmb daz 
sy messz haben vnd götlichen dienst volbringent vnd ver- 

35 dienent hier mit, glycher wyse als ob sy von roube machen 
wölten ain armüsen. das nit sin mag noch sich gebürret. vt. 
xüij. q. V. forte, vnd also wüschent sy Iren hindern mit trüsen 



182 

vnd heflfen Aber daz sölich pfründen nit ewig syen das er- 
schynt bei dem. Danne durch bezalung des houptgütes , hörrent 
vf die frücht zins vnd gült vnd dannen hin euch die pfründ 
vnd ist ntitzit anders danne boszhait zu boszhait vf huffen. 

5 Begharde. Was wollen wir der dingen/ die wyt vs- 

sen stend vnd nützit zu den Sachen gehörend, de diuor gaude- 
mus. Dwyle sölich zinsz der wücherye nit geloubt werden 
machen mugen ain gaistlich pfründ ainer messe, vnd Ja nit 
allain priester sunder ouch layen. Die sölich zinsze Innement, 

10 sint wüchrer es were dann daz sy so vil houpt gutes darumb 
gebent als nach gemainem louffe sölich zinse in die ewigkait 
gekouflft werden mugen, aber wer [122] ist der, so loben wir 
Inn. ecc. xxxj. der die sölicher mässe kouffet. vnd disz redent 
die aller verrümptisten doctores vnd lerer vnd hörr ouch kain 

16 gelöpwirdig stimm hier wider sagen vnd also werden sölich 
nit gehaissen verpfründet i glycher wyse als ain falsche gerech- 
tigkait nit ist ain gerechtigkait. xxiij. q. iiij.- est iniüsta. noch 
ain falscher pfennig ain pfennig noch ain falscher pfleger ain 
pfleger. ff. de. ver. sig. Paulus Aber dise ding dienent nützit 

20 zfi vnsern fürgenomen Sachen/ sunder daz du tun wilt, das tu 
bald. Jo. xiij. vnd da mit du mich wilt geschwaigen, das ver- 
züch nit lenger vszelegen. 

Hier zu der beghart antwort vnd sprach noch belypst du 
in diner ainfaltikait. Sag got lob vnd dancke vnd tu ver- 

85 dielten. Job. ij. Danne es spricht der prophete. Den menschen 
hab Ich gedurächtet, der na haimlich sinem nebenmenschen 
abzüchet sin lob vnd eere. ps. joo. et . . xxiij. q. iiij. nimirum. 
Darumb wie grosz vnd vil verschulte ich mich mit miner 
Zungen so ich abzug minen nechsten das Ist vnserm vatter, 

30 die wile du sprichst das ich abzüch Cristo so ich red dich 
sin ainen bettler vnd niessen das armüsen. Danne es ist ge- 
schriben daz vnder den wercken der liebe nit das minste syg, 
den Irrenden menschen ab dem wege der Irrung zeberüffen. 
De spon. inter opera. vnd Ich wölte lieber alles vbel lyden, 

86 danne sölichem vbel minen willen geben vnd darju gehelen. 
ut. xxxij. q. V. ita du tust zevil [122»»] ergrtiblen vnd wilt vs- 



183 

ziechen das blute. Vt de renun. nisL §. 3. in fine. Merck vf 
vnd geschwyg. Vnnd lege den finger vflF dinen munde. Job. 
xxj. Vnd min mund wirt reden die wyshait vnd die betrach- 
tung mins hertzen/ die fromkait ps. xlviij. Ich wird vf 

5 tun minen munde vnd in glychnung reden die fürgelegteii 
wort von dem anfange, ps. Ixxvij. Dwyle der ain grimer 
röwer mensche ist der da versumpt vnd verachtet sinen lOm- 
den. xij. q. j. nolo. Darumb werflFen wir von vns die werck 
der vinstre, das ist des lybs begirden vnd legent an vns den 

10 harnüsch vnd die wMen des Hechtes. Das ist gebruchen wir 
vns der Worten vnd wercken Cristi. Ad ro. 3. Daune es ist 
geschriben/ nement an vch die wäpenye gottes vmb daz Ir 
an dem bösen tage mugen wider stryten vnd in allen wercken 
rechtlich besteen vnd belyben. Ad eph. vj. Dann Jhesus sprach 

15 zu Sanct Peter folge mir nach. jo. vlti. Vnd aber. Wer mir 
nach folget/ wiit nit wandeln in vinsternissen , Sunder wirt 
der haben ain liecht des lebens. jo. viij. Vnd aber. Für war 
sag Ich üch wer in mich geloubet, Der wirt tun die werck 
die Ich tun, vnd ist daz Ir mich lieb habent so halten mine 

so gebott. jo. xiiij. Vnd aber redt der selb. Himel vnd ertrich 
werden zergeen. Aber mine wort zergend niemer. Mt. xxxiiij. 
et lue. xxj. infi. Nim war du priester daz mer ist, das in 
wärhait getändelt wirt, dann das so allain in aim schyne fttr- 
genomen wirt qui fi. sunt legi, pertuas. Vnd darumbe von 

25 wegen diner müssigen vnnützen worten müst du geben rech- 
nung [123] Vt xxij. q. ulti. c. quociens. Vnd ob ich die wär- 
hait verhielt so stindete ich tötlich. Vt de testi. co. c. j. xj. 
q. 3. quisquis. Vnd darumb so lose, hat nit Cristus gesprochen. 
Ich hab vch gegeben ain exempel daz Ir ain andern tügen 

30 gelycher wyse als ich vch getan hab. Jo. xiij. Dann er hat 
vns hinder Im gelassen ain exempel daz wir nach folgent 
sinen füsstapfen. j. pe. ij. de cele. mis. cum marthe. § exeo. 
Dann Cristus hüb an zetftn vnd zeleren. act. j. Vnd darumb 
so ist die übung vnd das werck Cristi vnser vnderwysung. ij. 

36 q. j. deus omnipotens. Vnd sine werck vnd getäten (als Sanct 
Gregorius spricht) sint vnser gebotte, danne so er etwas haim- 
lieh tut/ gibt er vns dar by zeuersteen, Was wir würcken 
sollen Vnd also hat er gelert armüt vnd des gelychen betteln, 



184 

Daune er selbs willenklich bettelt ynd daz du das verstandest, 
So ist er in sölicher armüt geborn worden, daz er stetz ge- 
legt wart in ain kripfen, danne Im sust kain ander statt was 
in der offen gemainen hütten. lue. ij. Vnd darumbe h&t der 

6 prophete gesprochen in der form Cristi Ich bin ain betler vnd 
arme. ps. xxxix. Item Er hat durechtet den menschen der 
arm vnd ain betler ist. Jo. viij. Vnd also vmb daz Cristus 
erfulte die geschriften, so tett er mit betteln von der Sama- 
rithanischen fröwen erfolgen das trancke/ do er sprach. Gib 

10 mir zetrincken. Jo. iiij. Item er bettelt von Zacheo. Do er 
sprach, zachee schnell kum herab, dann hüt müs Ich in dinem 
huse essen, lue. xix. Item daselbs wirt euch gesprochen [123^] 
Ir werden finden ainer esslin Jungen esel, den bindent ab vnd 
fürent Inn zu mir. etc. Sage tett er nit hier mit betteln? 

16 Item als er was In dem tempel vnnd mengklichen hatt be- 
sechen vnd yetz vesper zyt was, gieng er gen bethaniam mit 
sinen zwelf Jüngern etc. Als man liset Mat. ii. Item cristus 
redt. lue. viij. zu aim, der zu Im sprach. Maister Ich folg dir 
nach wo hin du geen wirst/ Also/ die fuchse habent htüen vnd 

20 die fögel des himels, näster/ aber des menschen kiud hat 
ntitzit darvf er laine sin houpte. Item Cristus hat gesprochen. 
Mat. iiij. Nit wöUent besitzen gold vnd silber. Noch gelte an 
üwern gürtein, nit ainchen ledersacke noch zwen rocke noch 
geschtiche Item es spricht Cristus lue. xiiij. Ain yetklicher 

25 vsser vch der sich nit verzieht alles des so er besitzet, mag 
nit sin min Junger. Item Cristus hat gesprochen zu aim 
Jüngling. Mat. xix. lue. xviij. Mat. x. Wilt du volkomen ge- 
recht sin, So gang hin vnd verkouff alles das du habest vnd 
gibs den armen vnd kum vnd folg mir nach. Darumb spricht 

30 Paulus ij. ad cor. viij. Ir wissent die gnäd vnsers herren 
Jhesu cristi. Danne er von vnser wegen (Wie wol er ryche 
was) arm worden ist, Vmb daz Ir durch sin armüt rych weren. 
Darumb so syg der Junger nit vber sinen maister noch der 
knecht vber sinen herren. Es ist gnüg dem Junger daz er 

35 syg als sin maister. Mat. j^ Vnnd hab nit wunder du priester, 
ob cristus mit der schlechten graden wege, der aim yeden 
verstentlich ist, gehütet zebetteln / Dann es ist gnüg (Als vor 
gemelt [124] wirt) daz der, der ain fürst vnd ain houpt ist, 



193 

bettelt hau. Sy würcken die boszhait vnd darumb so werden 
sy verloren als alle die so reden tünt die lüge vnd ist das 
dievrsach/ Danne es ist gesprochen, des herren ist das ert- 
rich vnd sin voUung ouch der vmbkraisz der erden vnd alle 

5 die so dar Inne wonent ps. xiij. Vnd er ist komen in sin 
aigen vnd die sinen enpfiengen Inn nit Als vil Inn aber en- 
pfiengen ob Im die ützit gaubent, so gaubent doch allain die 
sinen Im das sin. Daher der prophete gesprochen hat, din 
sint alle ^ding vnd das so wir von diner band enpfangen ha- 

10 ben/ haben wir dir geben, j. paral. xxix. Item din sint die 
himel. din ist das ertrich vnd du hast geschaffet den vmb- 
kraisz des ertrichs vnd sin vollung. ps. Ixxxviij. Du bist 
vber alle fürsten. Dir ist rychtum glory vnd eere du her- 
schest allen dingen, danne alles das so in himel vnd vf ert- 

15 rieh ist/ ist dine. ps. xix. Nim war wie wyte vnderschai- 
den sint rychtum vnd vollung von denen die da gebunden 
sint mit bettel vnd ysen. Aber von Alexio sag ich dir beg- 
harde, daz er geirret hat mit betteln. Aber durch den hai- 
ligen gaiste erlüchtet, gieng er widerumb zu dem sinen vmb 

20 daz er niemant wer ain vberlast vnd bürde. Dann Augusti- 
nus ouch oft geirret hatt. Aber dar nach. In libro retrac- 
tionum. Hat er das verkert vnd gebessert Aber doch sint 
wir nit allwegen [130^] schuldig nächzefolgen allen wercken 
der hailigen als wir sechen von Marcko der da abschnaid si- 

s5 nen thummen. Iv. di. siquis abscidit. Ja die ding die sich 
von gemainem rechten ziechend, sint in kainen wege fürze- 
heben daz man denen nächfolgen mtisz. De regulis Juris Que 
a Jure. li. vj. Aber daz du Begharde bedächt vnd betrachtet 
hast die gilgen des ackers vnd die fögel des himels vnd ver- 

80 mainst zwüschen Inen vnd dir zemachen ain gelychnüsz vnd 
doch nit gantz als das erschint in der prattick dann der herre 
wider ratet In disen Worten zehaben geflissenhait des zytlichen 
gutes, Sunder so hörst du ouch teglichs die prediger vnd das 
gebotte des herren mit was mässe sölich geflissenhait zehaben 

M ist Es ist aber ain ander vnderschaide zwüschen dir vnd Inen, 
Ja vast ain grosser, danne die gilgen sint nackent vnnd blose 
du bist aber mit zwyfaltigen rocken vnd manigfaltiger beklai- 
dung versechen als vor gesagt ist So tünt yetlich fog^el ^et- 

N. V. Wyle. \^ 



186 

essent in gezierden, vnd fröwent sich in der angesicht gottes 
vnd habent wollust in fröiden. ps. Ixvij. Item vnd sy haben 
geessen vnd sint gesettet worden vberflüssig vnd ir begird ist 
Inen zu gebrächt vnd erfüllet, vnd sint an sölicher Irer begird, 

5 nit vervntrüwet noch betrogen, ps. Ixxvij. Vnd dwyle cristus 
hat gebotten lue. xviij. Das man allwegen müsz betten vnd 
niemer dar von lassen vnd der appostel spricht, j. ad thela. v. 
bettent äne vfhören vnd sagent in allen dingen got dancke/ 
So tett arbait der henden sölich gebett Irren. Danne es 

10 spricht der herre. Ist daz ir selbs wöUent vnd mich hörrent, 
so werden ir niessen vnd essen die gut des ertrichs. ysa. j. 
Vnd darumb so rüwe vnd lern [125] wol tun. Ibidem Vnd 
widersprich nit dem wort der wärhait in kainen wege. ecc.iiij. 
Vnd die ding / die dir zehoche sint wollest nit suchen / noch 

15 die so dir zestarck sint erfündeln. Ibidem so wil ich also diner 
ainfaltigkait diner vnernietung vnd diner grobkait hier Inne 
vertragen. Juxta nota. in c. super literis de R. p. in glo. 
danne die menschlich nature ist schipfig zu Sünden. Vt dicit 
lex in auct. de mo. §. Si quis col. j. Aber du wirst nit ain 

20 betrieger vermercket Wenne du widerumb zu der wärhait 
kerest. xxxij. q. j. apud. Vnd das so beschechen ist vngebtir- 
lich mag, gebürlich werden widerrüffet.. xxxv. q. viiij. quod 
quis commisit. Ja vnd der wyse man verwandelt sinen rate 
so er sich wyslicher bedencket. Ad hoc C. de collo. 1. nun- 

25 quam. Dann Sünden ist menschlich. Aber tüfelsch ist in Sün- 
den zeuerharren. C. quomodo et quando Judex. 1. consenta- 
neum Vnd darumb so rüwe dann du hast gesundet, ecc. xxj. 

begharde redt Ich do vnd sprach Es ist geschriben 
Ysa. V. We üch die da wyse sint in üwern ougen vnd vor 

80 üch selbs geschyde vnd vernünftig. Item es ist geschriben, 
nit wollest vertrüwenlich anhangen diner aignen wyshait Vnd 
der Wirt genennet also anhangen siner aignen wyshait, der da 
die ding die Inn beduncken zereden vnd zehandeln sin. Im 
fürsetzt vnd mainnet besser sin, Danne die lere sprüch vnd 

85 Satzung der alt vättern. De consti. ne inuiteris. Vnnd sagt 
Augustinus. In proheo [125b]. x. 1. de trinitate. Das ge- 
müt ist mer lobs wert dem da bekant ist, aigner gebrechh/ 



i»7 

Danne daz, daz sinen gebrechen nit sechen wil vnd sust alle 
statt der weit, alle löflf des gestirns alle fundament des ert- 
richs vnd die höche der himeln waisz ze erfaren. Vnd darumb 
daz du luter verstandest din Irrung so merck/ daz ich dir 

5 gesteen daz die würckung Cristi vnser vnderwysung ist. Aber 
daz du nächfolgest sinen füsstapfen. Des bin ich dir wyt ab- 
red. Dann man liset Cristum mit nackenden füssen gegangen 
sin. Du hast aber dine füssz beschüchet. Vnd doch nit in 
yllung vnd erjagung des friedes als dann zebeschechen gebüt 

10 der appostel Ad eph. vj. Ja vnd du besitzest gold vnd silber 
euch gelt an diner gürtel vnd. teschen vf dem wege habende, 
Das sint grosz seck, Vnd zwen rock, daz da ist wider das, 
das Cristus hat gesprochen. Mt. x. da durch du bewysen vnd 
den menschen inbilden wilt die armüt cristi, dero Ich dir ge- 

15 steen vnd sin betteln, des Ich mit vestem gemüt vnd hertzen 
dir niemer gehil. Sunder dir kurtz hier zu antwort gib vnd 
dennocht vmb ktirtzrung willen vermiden wil, vf din Ingefürten 
sunderlichen puncten sölich antwort zegeben die vor zyten ge- 
tan hat Armachanus ain hibernischer, Dadurch klerlich erschyne, 

20 dich mit dinen fürgehepten Sprüchen das betteln Cristi nit 
bewyset han. Vnnd sprich mit Sanct Gregorien also. Welcher 
mensche gesund der sinnen richtet In sinen lestzgen Job ge- 
sundet hany. Wyle doch die götlich vrtaile dem widerspricht. 
Wer tut durch sin zwyfelhaftig rede [126] yemant gelöbig 

25 machen Cristum gebettelt han, Wyle doch Petrus an dem 
gewalt Cristi zeversteen gibt, daz die starcken vnd muglichen 
Irs lybs nit sollen betteln. Danne do der die müter Clementis 
sach bettebi vnd er sy schätzt vnd maint muglich sin zear- 
baiten / do straffet er sy sprechende, fröwe welches gelids ge- 

30 bricht dir das du das armüsen forderst vnd nit lieber mit 
dinen henden würckende, din narung suchest? Als dann das 
sagt der selb Clemens selbs. In Itinerario suo. Vnd wie wol 
desselben Clementis sage zegelouben von der kirchen nit be- 
wert ist/ So wirt doch sölich mainung euch klerlich bewert 

35 durch die getätt Petri vnd der andern Jüngern Cristi. Danne 
von Inen wirt geschriben. Act. viij. Also. Vnd vnder Inen was 
kain armer gebrechen habende / Sunder als vil sy Ir besesse 
der ackern oder der hüsem verkouften , So erzdgten. vnd off- 



196 

vmb daz ich wyter mit Im redte vnd ist nit fanden worden 
sin statt. Vt ps. xxxvj. 

Wyle aber üwer vätterlich wirdigkait nu me erkennet hat, 

6 daz diser Beghart worden ist als ain mensch nützit gehörende 
noch in sinem mund ainch Widerrede habende sunder mit 
sinem swygen vermerckt wirt miner rede gehuln haben als 
dann die regel sagt, qui tacet de regulis juris, li. vj. do ver- 
schwand er mit siner jrrung nach sitt der fechtern vnd schir- 

10 mern, die, so sy nit mer nütz sin, noch schaden [132^] schaden 
getün mugen , abtretten mit etlichen apparäten glycher wyse 
als ob sy gesigen haben. Vnd got verlies Inn. Hochwirdiger 
fürst vnd herre, durechtent vnd ergryflfent Inn mit sinen an- 
hangenden begharten lolharten Begynen vnd beguten wyle 

15 sust niemant ist, der mit gerechtikait sölichs tun werd vnd 
machent daz dero pene syg ain forcht den andern, flf. de penis. 
L capitulum. §. famosos. Danne es kuntlich ist, daz die Ir- 
rung, dero nit widerstand beschicht, wirt gevestnet, vnd die 
wärhait so man die nit beschirmpt, wirt vnder gedruckt. Aber 

20 zeuersumen die verkerten bösen menschen zesträflfen, so du 
das wol tun möchtest/ ist nützit anders/ danne jnen gunst 
geben vnd sy vfenthalten. Ixxxviij. di. error Dwyle doch disz 
verflucht geschlecht der menschen von denen ist, darvon sa- 
lomon vor zyten bischof zu costentz ain vorfare üwer hoch- 

«5 wirdigkait gered hat. post ysid. li. suo vocabulorum de mo- 
nachis. Da er sy nennet circumcelliones, die da vnder ainem 
klaide vnd habit der manchen allenthalben vmbschwaiflfent 
vmb die zellen der hüsem, hin vnd her louflfende, vnd (als 
der selb spricht) sint ain aller böstes geschlecht der menschen 

•0 gantz verachtet vnd verlassen, daz da durch Ananiam vnd 
Saphyram in dem anfange der kirchen blüyt vnd sich erhüb 
vnd durch den appostel Petrum ward abgetan. Vnd sölich 
sint furo me in kain wege, münch danne die selben mit ai- 
niger professz got werdent zügefüget. Hec ille. Von welchen 

w circumcellionibus vnd vmbschwaiffern obgemelten, man ouch ge- 
schriben findt jm rechten, xxiij. q. v. c. j. Vnd sint wäre 
[133] gelychsner phariseen vnd yppocriten die cristus allwegen 
in sinem leben hat gehasset vnd in sinen leeren gestr&ffet für 



189 

armen. Vnd wirt also von dem armüsen gegeben armüse Vnd 
das selb wil die glose obgemelt Vnd ist daz du sprichst daz 
der Psalmiste Dauid In der person Cristi Sprech. Ich bin ain 
bettler vnd arm/ So sag ich dir hinwiderumb, daz er ouch 

5 spricht. Ich bin ain wurm vnd nit ain mensche Wie wol er 
in wärhait got vnd mensch gewesen ist. Aber dise hailig ge- 
schrift / ist so grob vnd röwe nit zeuersteen noch zemercken. 
Vnd drutz daz yemant Sprech/ daz kain doctor, Sunder der 
kunst treflfenlich vnd verrümpt in diser weite ye geschriben 

10 hab, Cristum gebettelt han, vnd des zu sölicher siner mainung 
ainch gewissz geschrift vnd geloupwirdig hab fürgehalten die 
sölich betlerye bewysen mug/ als man aber wol dar wider 
genügsamklich sölich geschrift fürhalten möcht. Dann es ist 
offen vnd du gesteest ouch des selbs, daz cristus nie genött 

15 vnd von not wegen gebettelt hab. wyle er dem tode gegeben 
vnd geopfert ist, darumb daz er das wolt Ysa. liij. Vnd alles 
das das er wolt das schuf vnd machet er. ps. c. xxxiiij. de con. 
di. V. Omnia Vnd allermaist ouch darumbe daz offen ist, gieng 
er yetz alsdann zemäle in diser weite/ das er sich vnd die 

20 sinen mit den wercken siner henden genügsamklich ernarte 
(ob er wölt) Vnd von rainigung ains vszsetzigen menschen 
zerung vnd narung etwa mancher tagen verdiente vnd hin- 
brechte. Vnd hier vmb so folget vsz [127^] dem/ hette er 
gebettelt, daz er das willenklich getan hett. Da sich gebürt 

25 das mit vrsachen gelouplich zewider tryben. Sag ist nit ge- 
schriben durch den propheten. ps. xxxvj. Ich hab den gerechten 
nie gesechen verlassen noch sinen sämen, suchen das brote. 
Hett nu Cristus gesucht das brote mit betteln, als dann die 
hailigen lerer den yetz geschribnen Spruche also exponierent 

30 vnd vslegent so folgte vsz dem / daz Cristus nit gewesen wer 
von dem sämen des gerechtön, daz ist ain sune der gerechten. 
Item hette Cristus, der da ist der oberst priester willenklich 
gebettelt/ so tett sin hailige kireh wissenlich Irren, die da 
gesetzt hat / kainen zu priester zu vicarien oder zu stathalter 

35 cristi gewychet werden sollen Er syge dann vor mit gnüg- 
samem titel vnd vergewissung ainer pfründ oder erbes ver- 
sechen. Vt. Ixx. di. sanctorum de preben. c. ij. Wyle cristus 
nit yemant mit sinem exempel hat leren betteln. Item hette 



190 

cristus willenklich gebettelt/ So gehorte betteln zu volkomen- 
hait ains rechten lebens. Vnd hette got vngebürlich geben die 
alten gesatzt darinne er setzet, daz die priester für andern 
menschen sin sollen ains volkomenlichen rechten lebens vnd 

5 daz sy dann darby betten besitzung aigner gutem vnd zechend 
vnd darzü ouch ersten frticht etc. vmb daz sy nit bedörften 
betteln. Darumbe were betteln ains bessern vnd volkomen- 
lichers lebens/ So hette er Inen das ouch vfgesetzet. Item 
hette Cristus willenklich gebettelt/ so gehorte betteln zu vol- 

10 komenhait der ewangelischen lere. [128] vnd hett die kirch 
gottes wissent geirret, daz sy vfgesetzet hett, die dota- 
ciones widem vnd begaubung der pfrüden vnd altären ewiger 
messen da sy setzet vnd wil (als vor ouch gelut hat) daz 
kainer zu priester gewychet werd, äne sin genügsam dotacion 

15 da mit er versechen syg. Vt de con. di. nemo. Vnd das wil 
ouch das recht. In auc. vt nullus. fa. aro. do. §. j. coli. v. 
Vnd hette also die kirch durch sölich Satzungen (Als ouch 
die noch gehalten werden) die volkomenhait rechts lebens Irer 
Prelaten vnd priesterschaft geschwechert vnd gemindert, das 

20 bös vnd vngebürlich ze reden ist. Item hett cristus willenklich 
gebettelt/ so hett er selbs getan wider das götlich gebotte 
daz da spricht beger nit des huses dins nebetmenschen beger 
nit sins wybes, nit sins knechts vnd nit siner dienstmagt, nit 
sins ochsen nit sins esels noch titzit des sinen. Exo. xx. Danne 

25 wer willenklich bettelt der tut wider disz gebott. Danne er 
bittet vnd darumbe begert er des gutes sins nebenmenschen, 
daz von cristo niemant wärlich getar reden daz er sölichs ge- 
tan hab, danne er ist nit komen daz. er die gesatzt brech sun- 
dern daz er die erfülle Mt. v. de con. di. iiij. si quis at. 

80 Item hett cristus willig gebettelt so hett er die gesatzt gottes 
von der liebe des nebenmenschen zerbrochen / Danne wer wär- 
lich sinen nebenmenschen lieb hat als sich selbs / der tut Inn 
mit vnbillichkait nit mügen noch bekümbern Danne was du 
dir nit wilt beschechen, das tu kaim andern. Mt. vij. lue. vj. 

36 Bitten aber von ainem nebenmenschen das. So des selben ist, 
äne armüt vnd [128^] notdurft, das ist Inn vnbillich mügen 
vnd bekümbern. Von cristo ist aber nie gesagt worden, daz 
er yemant ye vnbillich gemüget hab vnd bekümbert. Item hett 



191 

Gristus willig gebettelt/ So were er wärlich gewesen ain 
yppocryt vnd ain scbine ains bettlers, daz aber nit ist danne 
er was grosz vnd allmechtig. Kainer ist aber wärlich ain 
bettler, danne der, der Im selbs nit mag gnüg sin als vor ge- 

5 sagt ist in der vslegung was ain bettler syg. Wer aber willig 
bettelt vnd von notdurft hier zu nit wirt gezwungen, der er- 
zöget sich sin das, daz er nit ist vnd tut mit der selben getät 
liegen gelycher wyse als ain pure der da vf sinem houpte 
tragt ain blatten vnd an sim lyb priesterliche klaider vnd 

10 doch kain priester ist. Aber sölichs zesagen von cristo were 
ain boszhait. Item bette cristus willig gebettelt, So betten 
euch desgelychen getan die appostel sine Junger die da haben 
nach gefolget dem lambe wa hin das gegangen ist. apoc. xiiij. 
fecissent. Vnd allermaist Paulus dem cristus ain gewine was 

15 zeleben vnd zesterben. Ad. phil. j. vnd der da gesprochen hat. 
ij. ad thi. xx. Ir wissent das ich nie gold silber noch klaider 
ainches menschen ye begert han, danne das min hende disz 
verdienet haben zu notdurft mir vnd denen so by mir waren, 
vnd darumb hett cristus also gebettelt i So hetten die appostel 

20 jm in allwege nächgefolgt, da man aber nit liset ainchen der 
apposteln gebettein han Item hett cristus willig gebettelt/ so 
hett er selbs sinem [129] ewangelio ain verletzende Inrede 
gesachhet. Mit dem, daz er durch ain wunderzaichen gevestnet 
hätt, do er fünf tusent menschen gespyset vnd gefüret vnd 

25 yetz sich selbs nit spysen möcht. da durch die Juden Inn ze- 
verspotten/ aber sprechen möchten Er hat andern geholffen 
vnd Im selbs mag er nützit helflfen. Mt. xxvij. sunder wider 
die alten satzungen|, tut er ander lüt beschweren. Vnd wir 
möchten hüt disz tags hie mit reden daz er mit sölicher ob- 

30 gemelter fürung der fünf tusent menschen/ den menschen 
ainen betrugenlichen schyne gemachet hett. als yetzt tünt die 
gougkler, die da andern lütten machent ainen schyne vil goldes 
vnd Silbers vnd doch sy dar by sint die aller ermsten. das 
von cristo niemant reden mag. Item hette cristus gebettelt, 

35 vnd darumb betteln ain tugent vnd seligkait sin sölt, als du 
mainst/ so geburte sich begharde, daz man dir vnd allen 
andern begharten das armüsen manigfaltenklich versagte vnd 
abbrech vmb daz ir mer arm vnd notdürftig wurden vnd hie 



192 

durch dester seliger. Vnd wenne ir also hie mit so notdürftig 
arm bettler wurden. Daz ir von hunger stürben, so waren ir 
die aller seligosten. Aber sölich seligkait were dir villicht nit 
eben noch bekomlich, so gibt ouch din fisiere vnd gestalte 
5 sölich seligkait nit zeerkennen, als vor gesagt ist. Vnd ich 
möcht noch vil argument infüren treflfenlich wider dich dienend 
vnd die armachanus gesetzt hat, die Ich aber vmb kürtzrung 
willen belyben läsz vnderwegen etc. 

[129^] ÜAch sprach der beghart der du zerbrichest den 
10 tempel gottes vnd entrichtest daz gantz wercke mit fürhebung 
armathani des ketzers den ouch die hussen in irem gelouben 
inzugent vnd fürhübent. Es ist aber nit billich, daz die Sprüche 
werdent zu gelassen, die da vrsprünglich gend von denen die 
von der kirchen sint verwoi-flFen vnd verdampnet. de testi. licet. 
15 Vnd lichtfertig sint die/ die schnell geloubent die ding die 
nit mugen bewyset werden, xj. q. iiij. jniunctiä. de cle. non resi. 
tue. Vnd die ding so mit bösem anfange sint angehept, mu- 
gen kum mit gutem vsgange volbrächt werden. Ixj. di. mit- 
tamur. Vnd die jrtung ist nieret für zeachten/ die vsz dem 
20 rechten nit wären grund erfolgen tut. De regulis Juris non 
prestat. li. vj. Danne du waist daz Sanct alexius gebettelt 
hat, noch dann haimant gnüg habende. 

Begharde Es irt nit daz die hussen vnd ander ketzer 
zu jrem gelouben fürgehalten haut Armathanum vnd daz dar- 

«5 umb dester minder geloubet werden soll in diesen vorgesagten 
dingen. Dann ich sag dir daz die hussen ouch zu jrem ge- 
louben fürgehalten haut die ewangely der apposteln vnd die 
vier lerer vnd wir hinwiderumb orienem der in vil dingen wol 
gesagt hat vnd in vil dingen ain ketzer funden worden ist 

80 vnd darumb nach sinem tode von der kirchen anathemasiert 
vnd verworflfen. xxiiij. q. ij. quidam . § . orieniani. Dann es 
ist nit zeachten wer ain ding red sunder [130] zemercken 
was vnd war vmb ain ding geredet werd. Vt. viij. di. ego et 
in glo. Vnd darumb so werden die schamrot als ain vnnse- 

85 liger Jude. Danne sy habent geirret vnd von Irer geburt vf, 
geredet das, das falsche ist die da gesagt haben Cristum ge- 



193 

bettelt han. Sy würcken die boszhait vnd darumb so werd^ 
sy verloren als alle die so reden tünt die lüge vnd ist das 
die yrsach / Danne es ist gesprochen, des herren ist das ert- 
rich vnd sin voUung ouch der vmbkraisz der erden vnd alle 

5 die so dar Inne wonent ps. xiij. Vnd er ist komen in sin 
aigen vnd die sinen enpfiengen Inn nit Als vil Inn aber en- 
pfiengen ob Im die ützit gaubent, so gaubent doch allain die 
sinen Im das sin. Daher der prophete gesprochen hat, din 
sint alle ^ding vnd das so wir von diner band enpfangen ha- 

10 ben/ haben wir dir geben, j. paral. xxix. Item din sint die 
himel. din ist das ertrich vnd du hast geschaflfet den vmb- 
kraisz des ertrichs vnd sin voUung. ps. Ixxxviij. Du bist 
vber alle fürsten. Dir ist rychtum glory vnd eere du her- 
schest allen dingen, danne alles das so in himel vnd vf ert- 

15 rieh ist/ ist dine. ps. xix. Nim war wie wyte vnderschai- 
den sint rychtum vnd voUung von denen die da gebunden 
sint mit bettel vnd ysen. Aber von Alexio sag ich dir beg- 
harde, daz er geIrret hat mit betteln. Aber durch den hai- 
ligen gaiste erlüchtet, gieng er widerumb zu dem sinen vmb 

20 daz er niemant wer ain vberlast vnd bürde. Dann Augusti- 
nus ouch oft geirret hatt. Aber dar nach. In libro retrac- 
tionum. Hat er das verkert vnd gebessert Aber doch sint 
wir nit allwegen [130*»] schuldig nächzefolgen allen wercken 
der hailigen als wir sechen von Marcko der da abschnaid si- 

25 nen thummen. Iv. di. siquis abscidit. Ja die ding die sich 
von gemainem rechten ziechend, sint in kainen wege fürze- 
heben daz man denen nächfolgen müsz. De regulis Juris Que 
a Jure. li. vj. Aber daz du Begharde bedächt vnd betrachtet 
hast die gilgen des ackers vnd die fögel des himels vnd ver- 

30 mainst zwüschen Inen vnd dir zemachen ain gelychnüsz vnd 
doch nit gantz als das erschint in der prattick dann der herre 
wider ratet In disen Worten zehaben geflissenhait des zytlichen 
gutes, Sunder so hörst du ouch teglichs die prediger vnd das 
gebotte des herren mit was mässe sölich geflissenhait zehaben 

85 ist Es ist aber ain ander vnderschaide zwüschen dir vnd Inen, 
Ja vast ain grosser, danne die gilgen sint nackent vnnd blose 
du bist aber mit zwyfaltigen rocken vnd manigfaltiger beklai- 
dung versechen als vor gesagt ist So tünt yetlich fögel yet- 

N. V. Wyle. \^ 



194 

liehe körner vtlesen. Aber du Sünder tust mit allen vnd yet- 
lichen dinen secken voll erfüllet durch geflissenhait des zytlichen 
gutes die körner vfhuflfen. daz du aber sagst dich selbs betten 
äne vnderläsz etc. Darzü sag ich, daz du nit bettest äne 
6 vnderläsze als man liset in coUacione patrum. daz lucius der 
abt mit sinen henden gebettet hab. Der selb machet körb, die 
er verkouffet vnd den ainen taile brucht er zu narung vnd 
notdurft sin selbs vnd der sinen, Vnd den andern taile, Gab 
er hin zu narung vnnd fürung der armen/ In das ende, Daz 
10 der selben armen gebette hie durch [131] die zyt so er scblieflf 
vnd esse, tett er füllen/ vnd also bettet er äne vnderläsz des 
du nit gewon bist zetün, sunder falt din gebette dir zu Sünde. 
ut ps. X. 

-NAuch disem tett der beghart mit endrung der farwe 

15 sins angesichts vnd in bitterkalt siner sele reden vnd sprach. 
Ich hab gearbaitet schryende vnd sint haiser worden mine 
rachhen. ps. Ixviij. Vnd ist erhitziget min hertz in mir, 
vnd in miner betrachtung hebt an zebrinnen ain füre. ps. 
xxxviij. Danne der mund des Sünders vnd der mund des ge- 

80 färers ist vf getan vber mich. ps. cviij. Aber doch wirt 
der nit gesechen zebrechen sinen fürsatze der den in ain bes- 
sers tut verwandeln. De Jur. Jur. peruenit. Vnd darumb 
wider den kläffigen vil redenden menschen wollest nit kriegen 
mit Worten spricht Catho. Vnd niemer habent end die licht- 

85 fertigen wort, glych dem lüfte. Job. xvj. Vnd mir feit zu 
das wort Gregory. Mar. xxx. Da er spricht. Es sint etlich 
die gar trege vnd kum anheben zereden. Aber so sy ainist 
angeheben so wissent sy kain mässe me der rede ze geben. 
Hec ille. Vnd spricht Augustinus Ich bin Innenbrächt worden 

so daz die wärhait von den senftmütigen vnd fridsamen vnd nit 
von den kriegischen funden wirt. Et habetur, iiij. senten- 
ciarum. di. vlti. Vnd sagt Aristoteles. Primo de celo & 
mundo. Es ist ain notdurft daz die sücher der wärhait nit 
syen vynde, danne von des wegen so haben die behem vnd 

M cÜe tütschen [131^] als die zu präge in der hochen schäle 
von dem gelouben disputierten nie mugen ains werden, Vmb 
daz sj vynde wären. Vnd also ward zwüschen dir vnd mir, mit 



203 

widerumb wes du geständig bist, sy aber gestendig ßint. Ja 
Ja. nain nain als in dem buch terency gnato tut Vnd ouch 
Juuenalis schribt, wo da sprichst mir ist haisz, da sprechent 
sy wir schwitzent. dann disz ist ain aller böstes geschlecht 

6 der menschen^ das die fürsten aller maist tut verfüren vnd 
bringen zu schedlichem fale. das nit allain der Jagend ze 
fürchten ist, sander ouch den alten. Aber warumb ich dich 
offenlich vnd vnder [137] ougen lobe/ des wil ich ouch nit 
geschwygen Es erschynent für war in dir dise tugend, die ich 

10 yetz erzeilende gelopt han. Ich hab aber die nit darumbe 
erzellet daz du dar von glorieren, dich des vberheben oder 
darumb dester hochfertiger sin sollest. Allain schrib ich disz 
hier vmb daz du ain sölich güthait behüttest vnd ainen sö- 
lichen schätze behebest vnd merest vnd dich also haltest, daz 

15 dine tugend mit den Jären dines alters wachsent vnd du wer- 
dest von tag zu tag tügentrycher vnd nit in. das laster fallest 
etlicher menschen die gut Jüngling gewesen sint vnd worden 
bösz alte (als daz sprüchwort ist) ain gutes hünlin vnd ain 
böse henne. Dann min begird ist. Daz vsz dir aim guten 

20 Jüngling werd ain aller bester man, das dir so vil lychter ist 
vnd sint wirt, als vil du bas gezogen werden bist vnd für 
war/ so solt du vor allen dingen dem durlüchtigen fürsten 
dinem vatter des danckbar sin daz er din gemüt zepflantzen/ 
dich vnder maisterschaft in guter gehorsamkait gezogen hat 

25 vnd dir zügefüget vnd geben wolgelert maister vnd vnderwyser. 
Dann disz ist ain aller nutzlichoster husräte vnd ain aller 
rychstes erbe/ vnd besser danne ainch fürstentüra dann rych- 
tum gut gewalt macht vnd eere diser weite, sint gauben vnd 
gute des gelückes, vnstett wandelbar fliessend vnd hinfallend/ 

so die da nach willen des gelückes hin vnd her sich verwandeint / 
daz selb gelück hat menschlich geschlecht als in aim schimpf- 
lichen spile/ yetz den erhebend vnd yetz den vndertruckend 
und ist Im nit grosz (als Juuenalis schribt) vsz ainem hafner 
zemachen ainen küng vnd heripvlder vmb vsz ainem kung ainen 

35 hafner. Der grosz alexander als der Indiam [137^] erobert hatt/ 
tett {vmb des willen daz man sech wie vil vnd grösz er ver- 
möchte) ainen gartner zu der höche küngklicher wirdigkait 
erheben* Dyoclecianus zu zyten do er der weit regiment vnder 



196 

vmb daz ich wyter mit Im redte ?nd ist nit fanden worden 
sin statt. Vt ps. xxxyj. 

Wyle aber üwer vätterlich wirdigkait nu me erkennet hat, 

ft daz diser Beghart worden ist als ain mensch nützit gehörende 
noch in sinem mund ainch Widerrede habende sunder mit 
sinem swygen vermerckt wirt miner rede gehuln haben als 
dann die regel sagt, qui tacet de regulis juris, li. vj. do ver- 
schwand er mit siner jrrung nach sitt der fechtem vnd schir- 

10 mem, die, so sy nit mer nütz sin, noch schaden [132*»] schaden 
getün mugen , abtretten mit etlichen apparäten glycher wyse 
als ob sy gesigen haben. Vnd got verlies Inn. Hochwirdiger 
fiirst vnd herre, durechtent vnd ergryflFent Inn mit sinen an- 
hangenden begharten lolharten Begynen vnd beguten wyle 

15 sust niemant ist, der mit gerechtikait sölichs tun werd vnd 
machent daz dero pene syg ain forcht den andern, flf. de penis. 
L capitulum. §. famosos. Danne es kuntlich ist, daz die Ir- 
rung, dero nit widerstand beschicht, wirt gevestnet, vnd die 
wärhait so man die nit beschirmpt, wirt vnder gedruckt. Aber 

«0 zeuersumen die verkerten bösen menschen zesträflfen, so du 
das wol tun möchtest/ ist nützit anders/ danne jnen gunst 
geben vnd sy vfenthalten. Ixxxviij. di. error Dwyle doch disz 
verflucht geschlecht der menschen von denen ist, darvon sa- 
lomon vor zyten bischof zu costentz ain vorfare üwer hoch- 

«5 wirdigkait gered hat. post ysid. li. suo vocabulorum de mo- 
nachis. Da er sy nennet circumcelliones, die da vnder ainem 
klaide vnd habit der münchen allenthalben vmbschwaiifent 
vmb die zellen der hüsem, hin vnd her louffende, vnd (als 
der selb spricht) sint ain aller böstes geschlecht der menschen 

»0 gantz verachtet vnd verlassen, daz da durch Ananiam vnd 
Saphyram in dem anfange der kirchen blüyt vnd sich erhüb 
vnd durch den appostel Petrum ward abgetan. Vnd sölich 
sint furo me in kain wege, münch danne die selben mit ai- 
niger professz got werdent zügefüget. Hec ille. Von welchen 

» circumcellionibus vnd vmbschwaiflFem obgemelten, man ouch ge- 
schriben findt jm rechten, xxiij. q. v. c. j. Vnd sint wäre 
[133] gelychsner phariseen vnd yppocriten die cristus allwegen 
in sinem leben hat gehasset vnd in sinen leeren gesträffet für 



197 

alle ander geschlecht der menschen, Als das kimd ist aim 
yetlichen, die ewangely ansechenden, darzü sint sy yngehorsam 
oueh hochfertiger rede vnd verkerer, die alle hüser entrich- 
tend lerende/ das ynnütz vnd nit notdürftig ist von wegen 
5 schnödes gewins allwegen bettlende, böse ynaemünftige tier 
jrs buchs, lassz vnd trege Ad thi. c. j. Erschynende in klai- 
dern der schaffen vnd doch sint Innwendig röbig wöIfe. M. 
vij. Vnd vast nütz vnd gut zu vngütikait danne ir rede 
schlycht als ain krepse . . ij. ad thi ij. et cetera. 

10 DArumb gnediger herre Ich demüttenklich bitt, daz Ir 

sölichen der lolharten vnd begynen jmingen, wollen widersteen 
die wärhait beschirmen vnd sölich verkert menschen betrüben 
vnd äne aUes verziechen sy furo nit mer vfenthalten, durch 
den der vsz willen vnd be^ird des vatters vnussprechenlich 

15 gegangen ist vsser dem lybe der jungfrowen hüpsch von ge- 
stalte ob aller menschen kinden, vmb daz er vszgiesz die gn&d 
sines gaistes in üwer hertze vnd leftzgen vnd vch salben mit 
dem öle der fröiden für ander üwer gesellen, o. bischoff in die 
ewigkait lebende, verstee merck vnd volfar gelücklich vnd re- 

20 giere in dem der da r^ert vnd rychsnet gesegnet von weit 
zu weit yemer ewenklich Amen. 



198 



[133^] \jEm durlüchtigen fürsten vnd herren herrn Kar- 
lin Marggrauen zu Baden etc. Vnd zu spanheim Minem gne- 
digosten herren Enbüt Ich nicläs von wyle der zyt Stattschri- 
ber zu Esselingen min vndertenig willig dienste all zyt zeuor. 
^ Ich hab nechst gnedigoster herre ain latinische epistel gelesen 
von babst Pio (wylant do der kaiserlicher Secretari was) ge- 
machet vnd dem durlüchtigen fürsten hertzog Sigmunden von 
österrych etc. zugesandt/ nach dem mir aber dise epistel ge- 
fiel/ vnd Ich die main Jungen fürsten fruchbar sin/ dero 

^^ üwer fürstlich gnäd yetz dryg hat/ die nu zemäl in. Irer 
Junglikait ze enpfelhen sint ainem leer maister daz der die 
guter künsten züchten vnd tugenden vnderwyse. darzü ich 
dann vsz schuldiger danckbarkait, der manigfaltigen güthait, 
mir von üwern gnaden bewysen/ ouch gern fürdern raten 

1* vnd helflfen wölt/ so hab ich die selben obgemelten epistel 
transferyeret vnd in disz nächfolgend tütsche gebrächt/ die 
ich Tbede zu tütsch vnd zu latine. üwern gnaden hier by zwi- 
faltig schick, vndertenig bittende, daz üwern gnäd dar ob sin 
wöU / daz denselben üwern gnaden sünen minen gnedigen her- 

^ ren sölich Schriften zu gebürlichen zyten für gehalten werden 
vnd so sy durch das tütsche dise latinische epistel verstanden 
haben/ Sy ouch als dann den leren vnd vnderwysungen dar 
Inne begryflfen nächkoment vnd da mite zügelerten fürsten 
gerätent / ander fürsten vnser landen an kunste vbertreflFende / 

25 Vnd üwern fürstlich gnäde hierInne sich selbs bedenck vnd 
erwege/ wie grosz vnd vile Ir yetz darumb geben wölten/ 
daz ir der latine so vil gelert weren/ daz ir die poeten vnd 
oratores wo Ir [134] die lesent versteen möchten vnd selbs 
vsz kunste gut gerecht vnd wolgeziert latin reden könden. 

so Das aber in den gemelten minen Jungen herren nit wol 



199 

beschechen mag äne üwer gniden hilffe jrem pedagogen Tiid 
leer maister zetüiL gegen den selben fiwem sünen mit Yitter- 
lieber vnderwysung vnd gutiger straffe zA leschong der gailig- 
kalt Irer Jagend/ die gewonlicb hier Inne jrren tAnt/ als das 
5 üwer dorlüchtig hohe vemunft basz waisz vnd kan ermessen 
danne Ich dar von schriben mag/ der üwer gnaden Inn Tnd 
sin vnd belyben wil getruw bisz in min ende etc. 

D£m durlüchtigen füirsten vsz kaiserlichem blute ent- 
sprossen herren Sigmunden hertzogen zu österrych zu styr 

10 z& kernten ynd z& krain etc. grauen zA tjrolef sinem andern 
herren Enbüt Eneas Siluius poet Tnd kaiserlicher secreUri 
vil hails. Des ersten als jch an den kaiserlichen hofe komeo 
bin/ ist mir grosz b^ird zugestanden dir etwas zeschriben. 
jch hab aber gefurcht die sitten diser nüwen wölte, dero 

15 nützit gefeit danne was sich ir allermaist tut gelychen. danne 
zu der zyte ist ain solich gewonhait/ daz gar nach alle die 
so yemant schriben tünt (ob sy wol in soUchem schriben nit 
mer dann ain ainige persone anreden wollen) sich gebrochent 
jrtzens. Ir ynd nit da sprechende. Gelycher wyse, Als ob 

20 sy hie durch der selben persone me eeren tögen zAIogen md 
bewysen. Welcher gewonhait wyte in tatschen landen pflegen 
wirt ouch die in welschen landen etwa lang geweret hat. aber 
als darnach Franciscus petrarcha die grobkait [134^] sdlicher 
zyte verlies vnd anhüb nächzefolg^i dem loblichen wolge- 

25 zierten schryben der alten. Vnd darby ouch vil andern also 
gefiel zeschriben vnd zereden wie das küscher alter vor zyten 
geredt vnd geschriben hat/ do kam her vs/ vsz kriechiscben 
landen Johannes Crisoloras, der da z& costentz Im consily 
starb vnd alda vergraben ligt ain man grosser kan.«(t / des alt 

w fordern von röm bürtig/ Vor zyten dem grossen Constantino 
gen bisuntze (daz man yetz constantinoppel nennet) näebfolg- 
tent. Der selb Crisoloras vil der gelerten in Italia tett fdren 
vnd bringen zu rechter vnd wärer kanst zierlichs godiehtes 
rodens vnd schribens. Also daz vf hütigem tage der $^lbcii 

fö walchen in Italia hoflich vnd künstlich gedieht red vnd scbrif' 
ten gesechen werden sich gelychen den reden vnd schrifUm 
lobs wirdigy so z& zyten des kaisers Octamani Augiisti 



200 

gewesen sint. Dann ob yemant liset leonardum aretinum, 
guarinum veronensem, poggium florentinum, aurispam sicculum, 
anthonium Vincentinum vnd etlich ander so yetz in Italia le- 
bent/ So findet er in den selben wärlich erschynnen den 

5 guldin flusse zierlicher gesprechnüsz Marci Tuly Ciceronis vnnd 
den milchin bachhe lobliches gedichtes Titi Liuy Patauini. 
Disz alle obgeschriben yetz tftnt dutzen in Iren Schriften, die, 
zu denen sy dann schribent. Vnd sagent das bede die kriechen 
vnd latinischen also zu obgertirter zyte geschriben haben. Als 

10 das die brief vnd missiuen der hochgelerten maistern Socratis 
demostinis Ciceronis vnd Macenatis, den aller grösten vnd 
mechtigosten mannen zu gesand tünt bezügen. vnd sprechent 
daz sy hierjnne nit allain den haiden nächfolgent sun[135]der 
euch denen, die wir als hailigen anrüfFent vnd eerent daz ist 

15 Jeronimo Augustino Ambrosio vnd Gregorio. Die nit allain die 
menschen sunder der götlichen maiestate anredende, also spre- 
chent. verlieh herre. gib. tüverheng. erbarm dich, tail vs vnd 
desgelychen vil etc. Welche doch zierlicher vnd bas danne wir 
gewist betten sich Irtzens zegebruchen besunder gegen gotte/ 

20 wa das eer gebrächt haben sölt. Aber diso fürsten wolredens, 
hat bedücht daz sy alle schonhait vnd zierlichkait jrs redens 
vnd schribens betten entschöpft vnd verwüstet, wo sy das als 
wir yetz tünt betten gesetzet. Mit disen mannen gehile ich. 
Vnd tun von min selbs wegen vnd in minem namen nit ye- 

25 mänt anders dann datzende schriben. Aber doch ist daz Ich 
an dich briefe schriben sol. So zwyfeln ich was mir zetünd 
syg vnd furcht daz du mer lobest, die gewonhait diner lüten, 
dann dise min vrtail, vnd mainst villicht den küngen vnd für- 
sten nit anders zeschriben sin/ dann wie sy sich selbs schri- 

80 bent vnd sy euch andern schriben tünt, denen gewon ist sich 
selbs ze Irtzen vnd zesprechen wir gebieten, wir tünt, wir 
wollen. Vnd des gelychen tusender laye. Aber sölichs, das 
vsz menschlichkait vnd demüt ainen vrsprung gehept hat/ wirt 
vnbillich zu hoflFart gezogen vnnd gebruchet. Dann ob die 

85 küng wol gewalt vnd macht haben/ daz für gang vnd craft 
des rechten haben müs, was sy wollen vnd Inen gefeilig ist/ 
So gebrachen sy sich noch dann der messigkait vnd demüt 
so sy schribent vnd etwas haissent oder gebietent / daz sy nit 



201 

wollen gesechen werden sölichs durch sich selbs aDam getfa 
han, sonder mit ander [135^] Irer reten vnd yndortaneii ga- 
fallen. Vnd dich sol hier wider nit bewegen noch des lA 
ainchem yngelouben füren/ daz die andern forsten den oben 
5 schribende, SöUch Irtzen Ir selbs halb als ain hoffiart vemir- 
dent Als die brief vnd missiuen zum kaiser aim obersten for- 
sten des rychs gesant kontbarlich tünt beweren. Danne der 
hertzog von mailand schribet dem kaiser Ich bitt ynd nit wir 
bitten. Item üwer maiestäte tun Ich mich enpfelhen vnd nit 

10 wir vns enpfelhen etc. Vnd hit das ouch yrsachen vf Im 
villicbt anders danne du mainst Dann wyle die yndem gewalt 
entspriessent vnd koment von den obem gewalten/ so ist es 
nit vngebürlich so die nidem den obem schribent daz sy das 
irtzen ir selbs halb tügen vermyden Gelycher wyse als ob der 

15 vnder Sprech den kaiser anredende, o. kaiser ich mag mich 
der minen gegen dir mit piinem irtzen nit gebruchen/ wyle 
sy die sint die du mir hast enpfelhen. Darumb ob ich wol 
die selben gegen andern in minem schriben betütt, so mag 
ich doch die gegen dir nit betuten.^ sunder so betüttest da 

20 als ain oberer mich vnd dieselben, daz man aber gewon ist 
vnd pfligt die kung fursten vnd hochen amplüt anders dann 
ich yetz schrib ze irtzen, das läsz dich nfitzit abf&ren, danne 
dasselb ist das, daz ich hie schilt vnd strüBTe. danne wer vil 
die fürsten Irtzen vmb der dingen willen dero sy sich ge- 

S5 bruchent von messigkait vnd demüt wegen. Sölichs ist nit 
eer erbietten sunder mer den eeren abziechen. gelycherwyse 
als ob die fursten nützit äne die Iren vermöchten, darumb 
wenne wir Inen rechte eere weiten erbieten/ so flucbent wir 
billicher das, das sy durch [136] demüt getan haut vnd schrib 

30 gib fürst Tu. läsz ab, vergib, etc. als ob wir sprechen, des 
bist du allain mechtig vnd gewaltig, ob es sust wol allen dinen 
reten wider wer. Dann wie wol der babst sich selbs schribt 
ainen diener der dienern, noch dann schribt man nit also jm 
hinwiderumb, aim diener der dienern sunder ainem vatter der 

35 vättem daz ist aim herren der herren. Aber diser worten 
sint villicht anefangs zevil vnd die mich von minem fürsatze 
z<twyte haben vsgefftrt. Ich hoff aber hiedurch beschechcn 
sin, daz du mit mir disa: dingen obstenden gehellest <^ ^^dsst. 



fi02 

aÜer mir zu kainem argen vermerckest , daz Ich den alten 
nächfolgende, dich in minen Schriften dutzen tun vnd ob du 
das nit vsz obgemelten vrsachen tun werdest, So tüg doch din 
angeborn gütigkait dich des bewegen. Nu ist das so ich dir 

5 (als obsteet) langest gern geschriben hett vszerichten . . Als 
ich des ersten an disen dines vetters des kaisers hofe kam/ 
ist mir vil gesagt worden von diner grossen fürpündigen tu- 
gend. Ainer sagt von diner grossen gütikait, der ander von 
diner wundersamen messikait. Etlicher prediget din wyshait 

10 grösser sin dann sölich Jugend tett haischen. Vil lobtent dich 
sin miltevnd ainen liebhaber des rechten vnd aber ander daz 
du dich datinischer rede , als dero ain rechter liebhaber ge- 
fliessenlich gebruchtest/ daz doch zu disen zyten selten vnder 
den fürsten funden wirt/ vsz welchen dingen jch anhüb sament 

15 dich zewundem vnd liebzehaben vöd schätzt sin als ain mer- 
wunder so ainen jungen fürsten mit so vil tugenden erschinen. 
doch so was ich nit bald gelöbig noch ains yeden stimme für 
war vfnemend, sunder gieng ich zu andern [136^] vnd fragt 
yetklichen vnd fand mengklichen mit aim mund sölichs reden. 

20 daz noch dann mir nit genüg was, sunder hieng Ich wyter an 
diner syten vnd so die edeln etwenne an ainem ring hielten 
oder stünden/ hab ich mich als ain specher dir dennocht vn- 
bekant vndergemischet, dine sitten besechen vf din geberd vnd 
rede gemercket, din gestalt vnd angesicht nit klain durch- 

25 schöwet, vnd fand messig sitten, gut geberd vnd vnsträfbar 
latine / da durch wärhait der dingen mich tett vberwinden, daz 
ich nit mer sölichs nit gelouben mocht sunder lies ich zu, für 
Zügen diner tugend/ mine aigen ougen vnd oren vnd bin 
worden ain prediger vnd verkünder der dingen dero ich vor 

30 gewesen bin ain späher vnd forscher. Vnd du solt nit ge- 
louben mich disz ding schriben als ainen gelychsner vnd lieb- 
koser/ danne vor allen dingen rate ich dir daz du alle ge- 
lychsner vnd liebkoser in welcherlay gestalt vnd vnderschaid 
die sien fliechest als ainen aller hosten vnd schedlichosten 

36 Schelmen vnd daz du kaine menschen mer hasset vnd ferre 
von dir vstribest danne die so mit werten süchent dir zege- 
fallen vnd dich vnder ougen lobent vnd was du tust, bewerent 
Item vnd wes du abred bist/ sy ouch abred sint/ vnd hin- 



203 

widerainb wes du geständig bist, sy aber gestendig ßint. Ja 
Ja. nain nain als in dem buch terency gnato tut Vnd ouch 
Juuenalis schribt, wo du sprichst mir ist haisz, da sprechent 
sy wir schwitzent. dann disz ist ain aller böstes geschlecht 
5 der menschenp das die fürsten aller maist tut verfüren vnd 
bringen zu schedlichem fale. das nit allain der Jugend ze 
fürchten ist, sunder ouch den alten. Aber warumb ich dich 
oflfenlich vnd vnder [137] ougen lobe/ des wil ich ouch nit 
geschwygen Es erschynent für war in dir dise tugend, die ich 

10 yetz erzellende gelopt han. Ich hab aber die nit darumbe 
erzellet daz du dar von glorieren , dich des vberheben oder 
darumb dester hochfertiger sin sollest. Allain schrib ich disz 
hier vmb daz du ain sölich güthait behüttest vnd ainen sö- 
lichen schätze behebest vnd merest vnd dich also haltest, daz 

15 dine tugend mit den Jären dines alters wachsent vnd du wer- 
dest von tag zu tag tugentrycher vnd nit in. das laster fallest 
etlicher menschen die gut Jüngling gewesen sint vnd worden 
bösz alte (als daz sprüchwort ist) ain gutes hünlin vnd ain 
böse henne. Dann min begird ist. Daz vsz dir aim guten 

20 Jüngling werd ain aller bester man, das dir so vil lychter ist 
vnd sint wirt, als vil du bas gezogen werden bist vnd für 
war/ so solt du vor allen dingen dem durlüchtigen fürsten 
dinem vatter des danckbar sin daz er din gemüt zepflantzen/ 
dich vnder maisterschaft in guter gehorsamkait gezogen hat 

25 vnd dir zügefüget vnd geben wolgelert maister vnd vnderwyser. 
Dann disz ist ain aller nutzlichoster husräte vnd ain aller 
rychstes erbe/ vnd besser danne ainch fürstentüm dann rych- 
tum gut gewalt macht vnd eere diser weite , sint gauben vnd 
gute des gelückes, vnstett wandelbar fliessend vnd hinfallend/ 

30 die da nach willen des gelückes hin vnd her sich verwandeint / 
daz selb gelück hat menschlich geschlecht als in aim schimpf- 
lichen spile/ yetz den erhebend vnd yetz den vndertruckend 
und ist Im nit grosz (als Juuenalis schribt) vsz ainem hafner 
zemachen ainen küng vnd herwider vmb vsz ainem kung ainen 

35 hafner. Der grosz alexander als der Indiam [137^] erobert hatt/ 
tett {vmb des willen daz man sech wie vil vnd grösz er ver- 
möchte) ainen gartner zu der höche küngklicher wirdigkait 
erheben« Dyoclecianus zu zyten do er der weit regiment vnder 



904 

jm hatt/ entscUAg Tiid fssert sidi der purpor Tnd kaiser- 
Heben boCEart, rod gab äcb z& pflantznng der bömen ynd zA 
bawe Tnd wessemng der garten rod krüteriL Aber die gftt- 
bait der sele md des gemfites die da sint koscbbait stettikait 

s i^ercke gerechti^cait massikait yerstentnösz Yemiuist Tnd ge- 
deebtnfisz bangent dem mensch^i an mit yestem bände Tnd 
mngent yns nit anders genomen nocb entwert werden, dann 
mit dem tode. Dise sint wärlich ynser gftt, dise tänt Tns (die 
wjle wir in diser weit sint) Terlyhen ain süsses leben, Tnd 

10 gebent Tns so wir Ton binn^i scbaiden boffhong ewiger selig- 
kait Vnd daromb wyle die nator dise gaaben dir Terlichen 
b&t Tnd dins Tatters sorg Tnd flysse, die in dir hat gemeret/ 
So tU icb dicb des sin gewamet daz du behaltest söUch gftte 
so in dir ist Zfi welicbem dinge ich main aller maist not- 

15 dftrftig sin lemnng der geschrift, dar Inne du gAten anfange 
getan bist Aber siddem male da gesechen wirst sölich lemong 
der gescbrift yetz gelych als ain Joch Tnd borde ab dir ge- 
worfen han So ist nit fremd/ ob Ich mich flysses gebrach 
dich wideromb hier zu zebringen. Danne die forsten nit dar- 

90 nmb (als etlich mainen) Die gescbrift lement, daz sy der 
latine Tnder richtet, mit fremden lüten reden Tnd gemainsame 
mit Inen haben mögen/ Danne ob wol das nutzbar Tnd 
fruchtsam ist/ So ist doch des ain ander Tnd edler Trsache. 
Dann wyle all leere Tnd Tnderwysung [138] rechtz lebens in 

tft kunst der gescbrift Tnd besunder latinischer wirt begriffen. 
Darumb gebttrt sich die zekönnen Tnd ist nit gnüg allain ge- 
lemet ban die regel Tnd anfange diser dingen man gange dann 
hier Inne wyter. Aber die forsten Tnser zyt tünt oft sölichs 
schetzen wysen Tnd laiten zu dem maistern der philophie Tnd 

80 der rechten/ glycherwyse, als ob sich nit gebürr den forsten 
recht zeleben. Darumb ich dich bitt/ du wollest den selben 
nit Tflosen danne niemant zu ainem lobwirdigen man oder Ter- 
rttmpten fürsten geraten noch werden mag Er habe dann mit 
den gauben der nature Im selbs ouch zügeftiget leer Tnd 

t5 kunste. Vnd für war, alle fürsten die Tor alten zyten in 
grossem lobe erschynen sint/ Sint gewesen der gescbrift wol 
gelert. philippus Macedo (als sin sune Alexander der grösz 
gebom was) fröwt sich daz er zu der zyt ainen sune hatt/ 



205 

do aristoteles in leben was. Der selb AUexander tett sich ouch 
zu den zyten söliches alters als du yetz bist, nit vssem noch 
entschlachen der kunst der geschritten / Sunder als er asiam 
zoch/ fürt Er mit Im die maister Aristotilem vnd calistenem 

6 vnd lies nit ab vnder dem gerüsche der wäffen vnd des har- 
nüschs zehören vnd zelernen die kunst der Philosophie, des- 
halb er vberusz vast selig gewesen wer, wo er allain das 
laster der trunckerye nit an jm gehept hett/ Alcibiades vnd 
temistocles / die da by den kriechen durchlüchtig vnd verrümpt 

10 gewesen sint/ wären gelert vnd geübt in der kunst der Phi- 
losophie. Epaminides ain tebanischer, der z& kriechen für ainen 
fürpüntlichen fürsten gehalten was, tett nit minder [138*>] 
fiysses zu lernung vnd studierung schriftlicher kunste danne 
zu Übung der wäffen vnnd ritterlicher dingen . . Ich kum nu 

15 vf die römer. Was mag schöner bas vnd zierlicher geschriben 
werden/ danne die bücher commentaria die Julius der kaiser 
von jm selbs geschriben hat? der selb do er in franckrych 
vnd tütschen landen stryttens, pflag, nachtz anschraib was er 
tags hatt begangen. Sin erb Augustus tett machen vnd setzen 

20 bede frye vnd vngemessne gedieht vnd ouch gedieht der ge- 
messnen mensuren vnd findt man ouch noch sines gedichtes 
schon lobwirdig gemessen geschrift die Er zu lobe des bächs 
Eneidos virgily gemachet hat. Was sol jch melden die hoch- 
gelopten gelerten Fabios Cornelios, oder catones ? was sol jch 

26 sagen von pompeio der so girig entzündet was vf die kunst 
der geschrift daz er zu zyten grosser vnmässen vnd do er 
consul Vnd der oberst zu röm was, noch dann nit vermyden 
wolt i den natürlichen maister Possadonum injlohaclp in siner 
kranckhait zebesechen. Item Catho als er der latinischen 

80 kunst vol was vnd lang die kriechisch geschrift hatt verachtet / 
gewan zu letscht des rüwen Vnd tett des, so er Jung ver- 
schmachet, Erst an sinem alter begeren vnd hatt nit zwyfels 
Er wölt sin alter sölicher kunst »noch vnderwysen vnd sinen 
mund zu kriechischer zungen beweglichkait biegen vnd wennen. 

85 Recht vnd wol hant getan dise fürsten welche/ ob sy wol 
fürstentüm gewalt vnd macht gehept haben zeherschen vnd 
den fölkem zegebieten/ noch dann ouch darby der geschrift 
wolten dienen. Sy haben aber gewist die stimm platonis^ die c^vjäV 



2Ö6 

[139] gesagt wirt gesprochen sin von Cicerone vnd boecio daz 
denne ain yetklich regiment ain gemainen nutzes selig ist vnd 
wol darumb steet/ so des rigierer kunst der wyshait haben 
gelernet. Welche wyshait äne zwyfel geschöpft wirt vssz dem 

5 brunnen der Philosophie. Aber du mainst vnd wannest vil- 
licht dise ding mären sin so geschriben sint von den alten 
(die als man sagt, in müsse arbait vnd in arbait müsse flis- 
senklich gesucht haben. Aber disen dinen wäne mugent dir 
benemen etlich yetz lebend menschen. Welche ob sy wol an 

10 gewalte gemaines nutzes mit grosser vnmüsz beladen sint/ 
noch dann die kunst der geschrift nit versumment Leonellus 
yetz Marggrafe estensis schribt so schone hoflich vnd zierlich 
gedieht, daz du nit titzit vnderschaides berufen magst zwtischen 
siner vnd Ciceronis geschriften. Des gelychen wirt ouch ge- 

15 sagt von dem Marggysen von salus Item des marggysen von 
mantöwe sün handeint übent eerent vnd haben lieb sament 
Waffen vnd geschrifte. Alfonsus küng zu Aragon dem ouch 
das küngrych Sicily gehorsam ist vnd der taile welscher lan- 
den der etwenne daz grosz kriechen genempt was, der ouch 

20 so oft vber wunden zu letst vberwand vnd das gelücke jm 
langzyt wider wertig zu letscht in günstigen willen Im tett 
verkerren/ ligt in kainen kriegen zu felde, äne sine bücher. 
Wohin der rytet oder fert/ dahin folgent jm ouch nach die 
selben sine bücher. Vnd er syge haimant in hüsern oder 

25 vsserthalben zu felde in den zelten/ So tut er doch zu 
allen tagen, Aintweders etwas lesen oder etwas hören . . 
Ich gee wyter vsz welschen landen [139^] vnd verlässz all 
ander vmbkrais« der weite, Vnnd kum gen Britania do 
ain hertzog ist Cleocestrie, der vil Jär her geregieret hat 

80 das küngrych das wir yetz nennent Engelland , dem selben 
ist so vil liebe zu kunst der geschrift, daz er vsz ytalia 
zu Im beruft hat, etlich maister der poetrye vnd oratorie 
künnend vnd wol gelert Siehst du nu? daz ouch dise vn- 
ser zyt zu lasset duldet vnd hat, gelert fürsten vnd herren 

M vnd vnder denen du magst gezellet werden/ wo du in der 
lernung der geschrift wie du angefangen hast, furo tust vol 
faren. Vnd Ich nenne dich darumb nit gelert daz du latin 
reden kanst/ Danne ob wol das hüpsch ist/ So wirt es doch 



207 

ouch geben den hehern rappen talen vnd aglaistern. Dann 
als Anthonius vberwunden vnd stryts nidergelegen was/ vnd 
Octauianus Augustus ain vberwinder widerumb haim zoch/ 
Redt ain rappe der latine vnderwisen. Bis wilkomen Auguste. 

5 ain kaiser vnd gebieter. Daher ist ouch der spruchh persy, 
da er spricht, Wer hat den sitich vnderwisen sines cheres/ 
daz ist sines redens vnd die aglaister gelert sich zeflissen vnser 
Worten. Vnd antwort darzü des vrsachh sagende vnd spricht 
der buche das ist der hunger, der da ist ain maister diser 

10 kunste vnd ain ziecher merer vnd wyterer Innwendiger sinnen, 
was bedunckt dich aber, so da kumpt ain vnger oder ain 
walch oder francose ain redner der latine vnd so du Jüngling 
den versteen wirdest vnd die andern alten by dir sitzende 
glych den vngehörrenden den nit mercken noch versteen mugen. 

15 Aber noch hüpscher wirdt daz sin, vnd denne wirt jch dich 
nennen [140] gelert, so du versteen wirst die oratores vnd 
die maister der Philosophie vnd du von dir selbs vberläflFest 
vnd mercken magst die poeten. Disz bedunckt dich aber vil- 
licht zegrosz sin vnd zevil schwer. Es ist aber nit also ich 

20 wil dich nit tag vnd nacht bücher vmbziechen, sunder beger 
ich allain ains yeden tags ainer stund, die du gebest der ge- 
schrifte. Aber das wil ich dir sin zu sorge/ daz der gelert 
syg, den du hörest vnd wyse vnd erfaren den du vfnemest zu 
dinem maister vnd vnderwyser . . Vnd dich wolle hierInne nit 

25 betriegen vnd verfüren, ain vppig hoflfart des namens vnd Titels, 
Dann kainer darvmb dester gelerter ist vmb daz er ainen 
namen der maisterschaft zu parys oder athenis, oder andern 
hohen schälen hat erfolget. Aber der ist gelert vnd erfaren 
der mit natürlicher Vernunft begaubet, ouch flyssig vnd ems- 

30 senklich gelernet hat vnd erfaren die maister der künsten vnd 
so er vil gesechen gelesen vnnd gelernt hat manigfaltig Schriften 
der büchern/ denne ouch dero vil hat in siner gedechtnüsz 
behalten vnd nit allain der hailigen geschrift. Sunder ouch der 
weltlichen gelert ist vnd maniger dingen ernietet geübt vnd 

85 getriben/ Vsz sölichen maistern wölt Ich ainen by dir sin, 
mit dem du redtest nach dinem willen, vnd der die zyt dich 
zeleeren nit vsz jm selbs sunder vsz dir tette nemen vnd der, 
m du wöltest les vnd so du nit wöltest schwige. aber dir 



208 

wurd gebürren alle tag etwas wollen vnd so du zway Järe dise 
min leere vnd vnderwysung also bettest gehalten i So wurdest 
dicb selbs scbetzen vil mer gewins vsz disem lesen vberkomen 
ban dann ob du ain gantzes [140i>] lande gewunnen bettest* 

5 leb lob dinen bofe vol sin rittern vnd rittermessiger lüten 
danne sy sint die die dine land bebüteü vnd bescbirment vnd 
ist loblicb vnd zierlicb ainen fürsten mit guter weere ersebynen. 
Aber kainen gelerten man by dir sin, mag jcb nit loben noch 
beweren, danne als du die ritter fürest also möchtest ouch 

10 füren die lerer guter künsten, die dich vnderschaide des rechten 
vnd vnrechten vnderwysent vnd dicb machten ainen man gantz 
in allweg gerecht vnd zu allen setteln (als man spricht) tügig/ 
Vnd dir gebürt nit denen zefolgen die vmb daz sy costen ab- 
stellent, lerer der geschrifte vsz schliessent/ Vnd löwen vnd 

15 beren fürent. Als der spruch ist Juuenalis. der vnselig vsgeber 
hat nützit daz er geb sinem fründe vnd hat doch wol daz er 
gebe sinem bülen Quintilie Im ist ouch nit gebruchh daz er 
kouflf vil flaisches zefüren den vngezempten löwen vnd setzt 
der selb Juuenalis darnach yronice, daz ist spötlich oder sträf- 

«0 lieh vnd daz widersins zemercken ist Vnd spricht, daz vnuer- 
nünftig tier wirt gehalten mit minder costung aber das Inge- 
waid des poeten tut vil zevil hinnemen vnd verschlinden etc. 
Vnd darumb so sag Ich. Nim dir ainen man grosser kunst 
vnd lere. Vnd sich nit an ainchen costen wavon dir grosser 

25 nutze komend ist. Du fragst villicht was nutzes? Ich sag dirs 
mit wenig worten, Vmb daz du nit sölichen nutze der geschrift 
tügest verachten. Wenne du die manlichen järe erraichet hast i 
So wirt dir die eere vnd der nutze hieruon entsteen/ daz so 
du in dem rate redest/ die andern alle schwygent. wyle du 

80 ainiger me danne die andern alle kanst waist vnd versteest. 
Niemant mag dich [141] betriegen, niemant getär sprechen 
das ist recht das ist vnrecht, das billich das vnbillich. Es syge 
dann daz er aigenlich vnd wärlich wissz sölichs also war sin. 
Ist daz aincher Im fürnimpt etwas vnerbers zeräten oder ze- 

85 fürdern / So bist du berait da, sölichs mit gegründten vrsachen 
zewiderreden vnd zeuerwerffen. Wilt du anreden das folcke? 
Welcher mässz zereden syg/ tünt dich die geschriften vnder- 
wysen. Wilt du aber yemant loben oder schelten, das tünt 



209 

dich Quintilianus vnd tulius leren. Ist krieg vfzenemen ? vnd 
sich der wäffen oder der weere zegebruchen ? des tut dir vege- 
cius (welcher mässz das beschechen soll) vnderrichtung. oueh 
des gelychen Titus Liuius vnd quintus Curcius vnd Justinus 

6 vnd Luctius Flaccus vnd swetonius vnd Salustius Crispus vnd 
die gantz schare der schribern der historien. Darinne du die 
stercke des grossen Alexanders vnd die listikait hanibals vnd 
die behendikait vnd vfsetze Faby vnd die wyshait Cipionis vnd 
kriegens maisterschaft July des kaisers vnd die türstikait Ser- 

10 tory vnd Marcelli vnd die geschidikait Jugurte vnd die kunst 
aller dero, die kriegens vnd strytbarer dingen gepflegen hant, 
finden wirdest. Vnd magst durch aigen erfarung niemer so 
vil erlernen, als vil du des mit lesung der geschritten wirdest 
vnd errichtet. Wilt du aber, wie du ain regiment gemaines 

15 nutzes regieren sollest wissen? So sint dir die bücher polli- 
ticorum (die Aristotiles gemachet vnd Leonardus Aretinus in 
latin gebrächt hat) zelesen. Aber die alten translatz der selben 
bücher lässz rüwen vnd tu dich dero nützit bekümbern, danne 
sy ain zierlichkait des gedichtes/ laster vnd gebrechen [141^] 

20 haben vnd zevil die verstentntisz Irren tünt. Zu regierung 
hushabliches dinges, ouch dines husgesinds vnd din selbs y' Ist 
fruchtbar nütze vnd gut yconomica Aristotilis vnd Tuly in 
dem buch Officiorum vnd die santbrief Senece vnd alle des 
selben bücher. Wie zeregieren syg, ain eeliche husfröws^ hat 

25 beschriben Franciscus barbarus, Wie kind zeziechen? Plutar- 
chus. . Wie du dich mit fründen halten sollest Vnd wie dich 
selbs in dinem alter? Cicero Arpinas der selb ouch von Ver- 
achtung des todes vnd von andern anfechtigung geschriben 
hit in Tusculanis questionibus. Wie aber die sittbaren guten 

so tugend zevmbfachen syen? das haben die so ich obgenempt 
han, Vnd nach Inen Macrobius vöUenklich gesetzet. Wilt du 
das buwerck des feldes erkennen/ des tut dich Virgilius in 
georgicis vnderwysen. wilt du die figur vnd gelegenhait diser 
gantzen weite mit den ougen dins gemütes, sechen vnd man- 

85 gerlay lendern anstössz vnd dero Sitten beschöwen vnd was 
ain yetklich land trag vnd habe vnd was es vermyde vnd wes 
es mangelnd syge? So nim dir plinium von der natürlichen 
histori ptholomeum vnd solinum vnd ysidorum hispalensem. 

N. V. Wyle. \^ 



210 

Wilt du des himels gestirn vnd der planeten löffe vm des 
hageis der regen Vnd des tonners vrsachen wissen? ^o kere 
widerumb zu Aristotilen zu Senecam vnd VirgiliumVWilt du 
der küngen vnd forsten sitten vnd die vnseligkait der her- 

* sehenden erfaren? So lise senecam in tragedys. Wilt du die 
menschen des gemainen püfels vnd die ritter Inen selbs vsz 
hoflfart wolgefellig vnnd der hüben vnd riffian vf setze vnd der 
dienenden knechten betrugnüsz (Vmb daz du dich [142] dar 
vor hüten mugest) erkennen? So nim dir für plautum vnd 

10 Terencium. Wilt du gelert werden wie die laster der men- 
schen syen zeoffenbarn vnd zesträflfen ? so hab dir schnell be- 
rait Oratium vnd Juuenalem. Wilt du der hirten gewonhait 
beschöwen ? so hab dir hier zu buccolicam Virgily. Wilt du die 
mären vnd fabeln der haiden der alten vnd der trurigen be- 

15 trübten menschen armüt vnd der liebhabenden santbriefe vnd 
der liebe artznye erkennen ? des tut dich Ouidius naso vnder- 
richten. So ist euch Stacius thebeidos vnd achileidos hierzu 
nit vnnütz, des bücher allenthalben mit treffenlichen hochen 
sünnen sint gezieret, wilt du aber nach dem so obgeschriben 

«0 steet (vmb daz du dester gerechter vnd volkomner werdest) 
etwenne die gaistlichkait vnd diner sei haue bedencken? So 
gebruch dich der bücher Jeronimi Augustini Ambrosy Gregory 
Lactancy Cripriani vnd Leonis, vnd hab die hailigen geschrift 
allwegen haimant by dir in dinem huse vnd tu yetz die ge- 

» schrifften der alten vnd dann der nüwen ee beschechen. Wo 
aber ain gelerter man vsserthalb ytalia das so ich yetz schryb 
lesen wirt/ so wirt derselb mich straffen daz ich vnder den 
yetz genanten lerem zelesen nit euch genennet han hugonem 
de sancto Victore oder Alexandrum de ales oder Magnum 

80 albertum vnd Petrum blesensem vnd Nicolaum de lyra vnd 
Alanum vnd dise schare der nüwen. Aber hüte dich daz du 
die nit leset noch hörest dann ob sy wol gelert sint / So sint 
Inen doch kaine Junger zeenpfelhen. Danne sy die nit leren 
mugen. Darumb so rät ich dir das, das ich selbs schetz vnd 

» acht recht vnd wol getan sin. Vnd red nit vsz ainchem [142^] 
tröme Sunder waisz ich, mich die allergelertisten in allen 
welsche nlanden haben, mir des mithellende. Vnnd geloub mir 
das nützit zelernen ist/ das besser wer ze enüemen. Darumb 



211 

so übe dich vnd lise in den btichern vnd geschrifften der mai- 
stern, so die bewertern sint, die Ich dir vor genennet han die 
selben hör vnd folg den selben nach / ist daz du wilt vil vnd 
mangerlay dingen wissend werden vnd ain fürst sin in dem 

5 gantzen vmbkraisz der weite für andern wunderbar vnd loblich. 
Doch rät Ich nit daz du in dinem leben vnd regiment die 
gemainsame des folckes fliechest/ wil ouch nit daz du ainig 
syest. Es were dann so du in tieflfe diner Vernunft von andern 
lüten abgeschaiden etwas allain wöltest ain zyt vnd wyle be- 

10 trachten. Ja rät Ich daz du grüsbar syest vnd gemain allen 
vnd dich selbs gebest zesechen vnd yetz disen dann den an- 
redest/ rät haltest, selbs dar in gangest vnd zu gesetzten tagen 
vnd zu berüffungen vnd samlungen dines folckes in aigner 
persone komest/ dich jnen erbietest vnd selbs redest, dann 

15 ich waisz nütz fruchtbar vnd gut sin, was die menschen durch 
geschrift gelernet haben, daz sy das durch practik üben tryben 
vnd bewären. Vnd Ich lob niemer die menschen die sich der 
geschrift also gantz gebent daz sy hie durch alle ander dinge 
verachtent Als gewesen sint democritus vnd dyogenes, die allain 

20 Inen selbs gelebt hant. Aber die menschen sint wirdig der 
höche alles lobes, die den regimenten gemaines nutzes recht 
vnd wol dienent, Vnd darby die kunst vnd lere der geschrift 
ouch nit vnderwegen [143] lässent noch versument Als wir 
finden getan han Platonem Aristotilem Demostenem Julium 

25 Ciceronem Plinium Macenatem et Augustum, Dise yetz ge- 
nempten was die kunst oder wyszhait vssz der geschrift ye 
geschöpft hant/ das haben sy alles geübt vnd mit jren wercken 
getriben vnd volbrächt in diensten gemaines nutzes. Das selb 
du ouch tun solt? wo du anders ain aller bester man vnd 

30 fürst sin vnd genennet werden wilt. Gib ain zyt zu lernung 
der geschrift vnd ain zyt dem regiment gemaines nutzes. 
Machh yetz gericht. hab yetz rate. Yetz handel werck ritter- 
lichen dingen, besieh yetz den nutz dines hofes vnd hushab- 
lichen dinges. Vnd in dem allem wirst du gewär vnd Innen 

85 bricht wie grosz vnd vil die geschrift hier zu dienet nütz vnd 
gut ist. Vnd so du also den nutz diner rüw vnd müsse, daz 
ist dines Studierens mit dem nutze anderer diner arbait zu 
Samen bringst/ so tust du mengklichem ain wunderbar hoffun^ 

\4* 



212 

von dir machen. Also daz du allain oder mit wenig andern 
fürsten in der gantzen weit für ainen wunderbaren fürsten 
gehalten wirst. Vnd nit die schöne diner gestalt (Wie wol die 
fürpündig ist) noch dine guldine klaider/ noch die gezierd 

5 dines häres, noch das gebreng diner pferten vnd rossen, tünt 
dir so vil lobs vnd eeren zu füren / als vil tut die gezierd der 
geschriften vnd der lümde der tugenden. welcher tugenden 
angesicht so schon ist (als Aristotiles schribt) daz die (wo sy 
gesechen werden möcht) vil hüpscher vnd schöner wer dann 

10 der morgenstern lucifer, Oder der aubent stern hesperus [143^] 
genennet. Aber zu disen dingen bist du yetz von dir selbs 
(als mich bedunckt) entzündet. Danne als nechst dine vnder- 
tän ab der etsch komende, die kaiserlichen maiestate bätent, 
daz er dich daselbs hin an die etsch haim schicken wölt/ 

15 dine land vnd lüt selbs zeregieren/ sprecht du. Ich bin nit 
noch so alt oder so vernünftig daz Ich mine land regieren 
mug. Disz ist gewesen aim stimm vnd rede wirdig daz sy vsz 
dinem munde, geen sölt vnd die künstenklich ain yetklich altar 
loben wirt. Dann wenne sich etlicher dingen zebeladen ist/ 

20 so gebürt sich vor zebetrachten was vnd wie vil die achseln 
tragen mugen/ Oder was sy nit tragen mugen. Danne das 
so, bias gesprochen hat daz ain yetklich ampt ains regiments 
geb zeerkennen ain man, daz ist den man sölicher regierung 
das mugen wir hie wol vnd recht sprechen von ainem fürsten- 

«5 tum. Dann welcher fürst gut vnd recht messikait haltet, ist 
glycher den göten danne den menschen ; Danne es nit schwer 
ist in armüt mässz zehalten vnd küschhait. Aber schwer ist 
als marcialis spricht, grossem gut vnd rychtum nit zegeben jre 
Sitten / Vnd grosse macht zu Sünden volget nach aim fürsten- 

30 tum. Danne alda ist, anraitzung der fressnie, genfigsami man- 
gerlay wines grösz eere milter tischen, der foUe allenthalben 
guter vnd seltzner spysen vnd daz wir vns gebruchen der 
Worten lucani Alda sint verwyser gelychsner liebkoser gougk- 
1er Sprecher vnd spillüte die sich flyssent das schlosz vnd dir 

35 bürg der Jugend stetz allenthalben zestürmen vnd zegewinnen. 
Der, der gytig ist tut das recht verkouffen vnd spricht zu 
dir. Nim hin das gelt vnd hab dir dise [144] sach enpfolhen 
wer vszgibt ist milte vnd hat allwegen vil das er geb. Ain 



213 

anderer tfit dich raitzen zu zorn vnd spricht. Der hat wider 
dich gesundet. Nim hin das schwert vnd richh vnd straff die 
Sünde. Du fürst lydest das vnrecht das nit ain schlechter man 
vngesträffet lyden tett. Ain anderer sagt, ain hüpsch schön wybe 
5 hat dich lieb vnd stirbt diner lieb halb i wes hast du nit mit- 
lyden vnd erbarmest dich jrer Jugend , fröid mit ir habende. 
Item gangen wir Jagen spricht ain anderer starcker man. 
Wes verligst du also fulend die scharer der hirssen vnd der 
schwynen sint beschlossen vnd vmbgeben. Ich wil dir ain 

10 hüpsch gesiebte zaigen. Kume mit mir vnd läsz dise dine 

• alten, wyse sin vnd den gemainen nutz versechen vnd bis du 

frölich, dwyle die zyt vnd die Jugend das erfordernt Aber 

die dero vrsache güts lebens in dem rächen ist/ sprechent 

wes steest du fürst yetz hat man das essen vfgetragen vnd 

15 erkaltet. Kum die wyle die edeln vische warm sint vnd vor 
und ee das wildgebrett verrieche, der pfeffer ist gut vnd vol- 
berait vnd der schwinkopf vnd das gebraten vf dem tische, 
wes steest du so vil wollust verlierende. Ir vil rätent zu laster 
vnd wenig zu tugend. was sol tun ain Jüngling? des alter 

20 noch von jm selbs wenig stercke hat vnd des gemüt vnd natur 
schlipfig ist in liplich begirde? Eumm möchten alt menschen 
widersteen so vil anraitzungen. Was sol ich dann sagen von 
den Jungen Es sprechen aber etlich, ain fürst hat rät, vnd 
stand vmb Inn die so grosz sint vnd von hohem adel gebom / 

25 rätschlagende/ was zetün syge, vnd erwegent den nutz der 
landen das ain hüpsch ding ist etc. Aber alle [144^] die so 
vmb den fürsten stand flyssent sich vnd süchent Inen selbs 
den herren zu fründe zemachen vnd redent vnd raten nit das 
so gut vnd notdurftig wer/ sunder das/ das sy hoffen dem 

30 fürsten aller gefelligest sin/ vnd In dem rate aller liebest 
hören Vnnd ist yetklicher darobe, daz er der aller liebest 
werd. Vnd ist niemant der frye wort rede sines gemütes. vnd 
ob wol ain taile recht ratet/ So steet es doch zu frigem 
willen des Jünglings, wem er wolle folgen. Aber wyle der 

36 vnerniet ist vnd vnerfaren vnd non wenig gemessner wyshait 
in Idol hat/ So tut er oft, nit das so gut wer vnd nütze, sun- 
der das, des Inn aller best gelüstet vfnemen vnd vmbfächen 
Vnd für war nach dem vnd min geloub steet/ So müs aint- 



214 

weders ain fürst sin der Jaren zytig vnd rätes wyse vod er- 
faren oder aber so grob ruche torecht vnd vnwissend, daz er 
glych wie ain block von jm selbs ntitzit handele danne das, 
was der merertaile gab beschlossen daz das enpfolhen werd 

5 entlich zevolbringen. dann welcher fürst etwas waisz vnd kan, 
vnd doch minder dann gnüg ist/ der ist sorgklich aim ge- 
mainen nutze Vnd tut oft sin land vnd herschaften zerstören/ 
wyle er nit nach Vernunft dann allain nach lyplichen anfech- 
tungen vnd begirden tut regieren. Dar von kumpt, daz wir 

10 in der ktingbüch findent ain kiiid acht Jaren alt wol geregiert 
han, oder ob Joch daz selb kind küm alt was siben Jären/ 
Joab ain sune ochosie. Danne der selb nit regiert sunder sin 
rätt vnd amptlüte, das küngrych regierende versächent Es ist 
aber ain fürstentüm ain grosse raitzung zu lästern vnd gar 

15 wenig fürsten werden funden die nit [145] verirrent/ So sy 
aller zömmen fryge entlediget geend. Vnd von Saul bis vf 
Sedechiam sint gewesen in Juda vnd jsrahel nun vnd dryssig 
küng, vnder denen nit mer danne nun gut gewesen sint vnd 
die andern all vnwissend vnerfaren vngelert vnmechtig gytig 

20 hochfertig zornig wütrich vnküsch vnd diener der torhait vnd 
liebkoserye, die da mit etlicher vnordenlicher eergytikait (nit 
waisz Ich mit welcher) zu schaden vnd sterbung der menschen 
geborn , den abgötten dientent kriegens pflägend . vnd finde 
wären des friedes der rüwe vnd müsse. Vnd haben noch^dann 

25 dise geherschet vnd geregieret vber das folck gottes vnd sint 
ir vil durch die propheten knechte des herren zu sölichen 
küngklichen wirden gesalbet worden. Vnd macht ouch Salomon 
nit besteen Wie wol der sin kunst vnd wyshait von gotte 
hatt erfolget, sunder tett er lieb han fröwen von ferren her 

so vnd fremder geschlechten, denen er verstricket was so mit 
grosser brinnender liebe, daz jm vermechelt wären (gelych als 
küngin) sibenhundert , vnd zu wyber oder kepswyber drühun- 
dert Die sin hertz verkarten daz Er nächfolget fremden 
götten So was ouch Dauid nit lasters äne. Wie wol der von 

35 gotte was erwellet Dwyle Er sament ainen todschlage vnd ee- 
bruchh tett volbringen. Das er nit getan hett do er ain hirt 
was. Aber sin fryung vnd gewalte des küngrychs raitztent Inn 
hier zu vnd tätten Inn des machen keck vnd türstig. Was 



215 

söl ain anderer tfin dem minder stercke ist? Was ain Junger? 
Was ain Jüngling? Ist yemant der main ain herschaft [145b] 
vnd fürstentüm sin ze enpfelhen Jungen Jären/ so doch oft 
starckes alter dar vnder hat gebrechhen, Darumb du wyslich 
5 getan hast, daz du din herschaft lieber dinem vetter dins 
blütes danne andern wöltest enpfelhen vnd vor lieber komen 
zu wyshait danne zu regierung. Aber ain anderer hett villicht 
ain anders getan vnd vsz torechtem wäne vf sich selbs so vil 
gehalten, daz er gesprochen hett. was geet mich an dise ge- 
10 horsamkait Ich wil yetz fryge sin. Dann ich waisz güts vnd 
böses, was ist bessers dann ain herre vnd gebieter zesind 
Ich sprich zu dem tu. Vnd er tüts. Es ist yetz zyt daz ich 
vsz fliege. Wie ouch tett Icarus ain sun dedali Als man liset 
in der fabel, dann do der selb vatter dedalus Im selbs vnd 
15 sinem sune mit hartze bech vnd wachse angemachet hatt flügel 
hinweg zefliegen, damit er fluch vnd endrunn dem kerckel des 
huses vnd turns laborinti. do flog er hinvs in den fachten 
lüfte vnd folg mir nach Icare vnd das lüg du nit yenert hin 
von miner syten komest. Der sun hielt das gebott als lang 
20 die forcht weret der vnbekanten kunste des fliegens. Als bald 
er aber maint sich sölicher kunst fliegens wissend sin vnd 
geloubt, Daz er furo nit mer bedörfte ainches vnderwysers/ 
da fbertratt er sines vatters gebott, Vnd die flügel wyter 
schlachende vnd schwingende, hüb er an vmb zeschwaiflFen yetz 
25 hin dfinn her farend vnd allweg zu höcher vnd höcher flie- 
gende, berürt er zu letst die fürin region vnd spere der himeln 
vnd als da selbs die anheff'tung der flügeln von der werme 
vnd hitze zergiengen vnd alle federn vnd sölicher hitze der 
sunnen verbrunnen, tett Icarus ainen [146] fale nackent vnd 
so blosz in daz mer fallende. Welches mere von sinem namen 
noch haisset ycarum. Ich nim für ain ander fabel Pheton ain 
sune Phebi des gottes der sunnen, batt den selben sinen vatter 
hebum, daz erinn geweren wölt, Warumb Er Inn bett. Der 
vatter schwur durch stigem den hellischen gotte, daz er Im 
35 nützit wölt versagen Vf das der sun batt jm zeenpfelhen den 
wagen der sunnen zefüren vnd zeregieren Der vatter Phebus 
hatt rüwen sins gehaissens vnd züsagens vmb daz er den sune 
wisset ains sölichen regiments nit könnend noch mechtig sin/ 



216 

yedoch wyle er sölichs geschworn hatt/ do mocht er Ims nit 
absehlagen noch versagen (Wie wol Cicero in dem buch oflB- 
c^orum maint) daz diser aide billicher vernichtet vnd abge- 
stellet worden wer. Pheton staig vf den wagen frölich vnd 

5 nam die zöm vnd zügel der pferten in sine band vnd schätz 
vnd maint yetz sich selbs ainen küng sin vnd got gelych. Als 
man aber vf das mittel taile des himels komen ist vnd Pheton 
die pfert dersunnen nit maistern noch Innen weeren mocht 
danne daz sy wider vnd füre lüffent vnd die gantzen weit mit 

10 füre der sunnen verbrennen täten / Ist Pheton mit dem tonner 
gottes Jupiters geschlagen vnd in daz mere Meridianum ge- 
worflfen worden. Mit disen fabeln warnent die poeten ainen 
yetklichen daz er vor vnd ee vf das genäwest erweg vnd er 
messz sin kunst craft vnd macht ee er sich vnderstand ze- 

15 herschen vnd zeregieren vmb daz er nit vnder der bürde fall 
vnd nider gelig, Danne Es ist ain bürde vnd nit [146^] ain 
woUust vnd kurtzwyle zeregieren so ferre wir, das mit Ver- 
nunft vnd nach billicher schulde wollen volbringen vnd in das 
ende tun deshalb dann die küng vnd fürsten angesechen vnd 

20 vfgesetzet worden sint, Danne die küngrych vnd fürstentüm 
nit sint von wegen der küngen vnd fürsten/ Sunder sint die 
die küng vnd fürsten von wegen sölicher Irer landen. Die 
römschen geschribnen rechte so vrsprung haben vsz den athe- 
nischen vnd spartanischen, die, dieselben wylant gaubent den 

25 ligurschen / sagen vnd wollen die kind bis in das vierzechend 
Järe sin vnder pflegnüsz. Vnd nach dem selben alter gaubent 
sy sölichen Jünglingen pfleger vnd für minder bis zu vier vnd 
zwaintzig Jären. Danne vor der zyt, mainten sy sölich alter 
zekranck sin der sinnen vnd vernunfte. Von der sache wegen 
beschechen ist/ do zwen cipiones von den carthagischen in 

30 hispania erschlagen wurden vnd hanibal mit heres macht yta- 
liam verwüst vnd verberget vnd deshalb cipio aflfricanus der 
grösser, den römern versprach , mit Irem gezüge vnd here in 
hispaniam zeziechen vnd da selbs sinen vater vnd vetter ze- 
rechen/ daz er lang von dem rät vnd Senate der römer ver- 
sa achtet vnd verworflen wart, vmb des willen daz er dennocht 
nit vier vnd zwaintzig Jären alt was zu lest aber als sust nie- 
mant sich diser dingen beladen wolt/ tett er dise houptman- 



217 

sebaft me durch notdurft danne durch willen des senätz er- 
yolgen Item die Cartbaginenses als dero houptman amilcar 
todes abgieng, wolten nit sinen sune vinb daz er Jung was 
die houptmanschaft enpfelhen wie wol er des [147] begeren 

5 tett. So ist ouch hanibal nit zu houptman der penischen er- 
wellet vor vnd ee hanno erschlagen was sines vatters näch- 
folgender houptman. Item masinissa ain kttng In numidia tett 
sterbend sine süne vmb daz sy Jung wären dem römischen 
folck vnd besunder dem geschlechte der Comelien enpfelhen. 

10 Was sag Ich dir aber von den getäten der haiden? Es ver- 
bieten die hailigen recht vnd canones kainen man vor vier 
vnd zwaintzig Jären priester ze wer den noch vor dryssig jären 
bischoff. Aber sagen wir etwas vsz der alten ee, danne ouch 
daselbs der Jungen rät vnd wyshait für vnnütz gehalten wor- 

15 den sint. Als Salomon gestorben was, der fber die zwelf ge- 
schlecht des folcks Israhel geregieret hatt kam sin sun Roboam 
ge» sichem, daselbs das gantz folcke Israhel besamlet was Inn 
zeerwellen zu irem ktinge vnd sagt zu Im die menge des 
folckes, din vatter hat vns vfgelegt ain aller schwerstes Joche/ 

ao aber du wollest das gegen vns enklain mindern/ vnd sölicher 
hertikait dines vatters nachlassen / So wollen wir dir gehor- 
sam sin vnd dienen als die dinen. Darzü er antwort Geend 
hin vnd komen an dem dritten tage herwiderumb zu mir. 
Vnd als daz volcke abgeschied, gieng der küng zu rate mit 

26 sinen alten, die Im rieten vnd sagten, Ist daz du hütt zu 
willen wirst disem folck vnd du sy ir bitt gewerest vnd Inen 
mit gütigen senften Worten zuredest/ So werden sy dir zu 
ewigen tagen getrülich dienen. Aber Roboam verachtet der 
alten rate vnd nam zu Im etlich Jüngling die mit Im erzogen 

30 wären vnd zu Im sagten. Red also zu disem folcke vnd sprich 
Min [147^] minster finger, Ist stercker grösser vnd gröber, 
dann der rugk mines vatters vnd min vatter hat vf üch gelegt 
ain Jochh vnd bürde, die Ich vch wil meren vnd besweren 
vnd min vatter hat vch geschlagen mit gaiseln Aber jch wirt 

86 f ch schlagen mit Scorpionen etc. Disem rate volget Roboam / 
darumb zechen geschlechte des folckes diser rede halb erzürnet 
von Im fielent Vnd Inen selbs erwalten zu künge Jeroboam 
ainen sune nabachs vnd kam hie durch daz folck Israhel in 



218 

ewig taillung, Vmb daz der vnerfaren künge, der Jungen rate 
annam. Da besser gewesen wer Inn ain Junges kind gewesen 
sin. Dann zu den selben zyten, tett Ochosias ain mensch von 
zwain vnd zwaintzig Jären alt gebom, in nemen das lande 

5 Israhel vnd kestiget das folck des herren vnd volbrächt das, 
daz bös was vor gotte, Nit anders hielt sich ouch Achas ain 
sune Joatan , der zwaintziger jären alt was do er anhüb ze- 
regieren in jndia So ist niemant böser gewesen vnder den 
küngen danne manasses der zweifer jären alt, zu dem regiment 

10 kam. Gelych was jm sin sune Amon, den in dem zway vnd 
zwaintzigosten Jare sins alters anhüb sin küngrych zeguber- 
nieren vnd von sinen dienern aigner Sünden halb denen er 
ingewickel was erschlagen wart, was sol ich sagen von Joa- 
chim ja zwayen Joachim von dem vatter vnd dem sune oder 

15 was sol jch nennen sedechiam der zu jherusalem als die statt 
gewunnen was von den Caldeischen ward gefangen Vnd des 
ersten vor Im sin sun sach ertöten vnd er darnach siner 
ougen ward beroubet. Dise alle haben angehept zeregieren 
vnder dryen vnd zwaintzig Jären vnd [148] wyle sy vnerniet 

20 vnd vnerfaren waren args vnd böses vor got würckende/ So 
haben sy sich selbs vnd Ir folcke also verderbet. Diser tor- 
hait ist aber widerwertig din Jungligkait/ Welche,, ob sy wol 
vil wyshait (als vil dann in sölichem alter sin mag) vber 
komen hat/ vnd grosse hoffung gibt künftiger wyshait/ noch 

26 dann nit vor haim gesant werden wolt ir aigen land vnd lüt 
zeregieren Ee sy die kraft vnd stercke recht alters vnd er- 
farung mancherlay dingen hett erfolget vnd vber komen. Danne 
du vsz aigner Vernunft verstündt vnd wistest, daz du nit ge- 
schickt wurd zeregieren sunder geregieret zewerden, daz du 

50 von vnd vnder dinem vetter yetz vnserm kaiser lieber haben 
vnd lyden woltest, dann sust vnder yemant anderm i Vmb daz 
du dar zwüschen (die wyle din alter wüchse) nächfolgtest der 
kaiserlichen maiestate, Vnd werest in den reten, die gericht 
erkantest, grösz treflfenlich sachen sechest, wys lütt hörtest 

85 vnd von tag zu tage durch diser dingen erfarung, wyser wurdest 
vnd gelerter. Aber by dem ist dir noch dann zehalten das so 
ich obgesagt hab. daz du alle tage etlich zyt gebest lesung 
der geschriften die dann ander dine tugend bessernt zierent 



219 

vnd erlüchtent. Vnd so du sölicher kunste vnd geschrifften 
gelert wirst (Als Ich hoff beschechen sollen) vnd du dann zu 
regierung diner landen komen bist/ So wirst du nit glych 
andern, Sunder ain spiegel sin aller forsten. Vnd werden alle 

5 nachgeburen dich nemen zu ainem richter Irer kriegen zwy- 
trechtikaiten vnnd spennen/ die gütlich oder rechtlich ze- 
richten. Vnd glycherwyse als die küngin Saba vnd ander 
lütte von der sunnen vfgange, zu lüffent zebesechen [148^] die 
wyshait salomonis/ Also werden ouch dich eeren alle men- 

10 sehen von der sunnen vndergang vnd von mitternachte , vnd 
dem lümden nach, diner wyshait Ir vil an zale komen dich 
zebeschöwen vnd wirst sin als ander Josias ain sune Amon 
vnd din folcke regieren recht vnd wol, nit gegen der lincken 
hande dich naigende. Ae darumb du aller bester fürste vnd 

15 durlüchtiger jüngling hange an der geschrift, dwyle du die zyt 
hast/ lern kunst vnd tfi hier zu flysz vnd lasse dich nit 
betrüben ob etliche ding an der etsche vernüwet vnd geendert 
sint, danne din vetter wirt die betragen vnd nach siner für- 
püntlicher wyshait vnd gfithait wol richten vnd verainen. 

20 Vnd dann dar nach so es zyt wirt dich an herschafft an gut 
vnd an tugenden gehöchert vnd gemeret, widerumb schicken 
in das land vnd fürstentüm diner haimant/ darzwüschen, jst 
jm dero regierung wol enpfolhen. Wann die etsch lande be- 
dörffen kaiserliches gunstes von wegen vil anstossender lüten, 

25 die diner landen begerende, sich anhenckent vnd mit vfgetänen 
rächen vnd Schlünden wärtent. Wie sy din vätterlich erbe 
möchten verschlinden Vnd wie wol ir etlich yetz des etwas 
anhebent vnd versüchent/ so werden doch die selben bas in 
namen des kaisers, danne din selbs geschwaigt vnd abgestellet. 

80 Welche ob du regiertest/ verachten tetten din Jugend, Vnd 
deshalb dester herter dine land wurden bekümbern. Aber Ich 
lässz das fallen, Danne du hast selbs gewist was in sölichem 
zetün gewesen ist vnd dich deshalb der kaiserlichen maiestate 
enpfolhen, Darumb mir nit mer gebürt danne dich zevnder- 

85 richten wie vil frucht Vnd nutzes von der geschrift komen 
syge vnd dich [14ä] zeermanen daz du etlich zyt vnd stünden 
zu dero lemung gebest/ das Ich main dir yetz gnüg geraten 
sin, nit als vil vsz dem volle miner kunst vnd dichtens / als 



220 

vil vsz aigner güthait dir von nature angeborn zfi naigung 
vnd liebe der geschriflften Aber Ich mach yetz ain ende, Danne 
der rumore das geschray vnd das gertische darinne ich biny' 
dulden nit daz ich mer schryb Vnd ich leb vnder aim getöne 

5 das aim hertschläflfenden menschen vnd den meerschwynen 
möcht brechen Iren schläflFe. Es ist in der gantzen Cantzlie 
nit mer dann ain ainigs gemahe vnd sint vnser vil in aim 
huse sament essend vnd trinckende, daz nit die ammaissen so 
gedrungen in Irem huifen vnd in Iren löchern / als wir by ain 

10 andern in ainem klainen sale wonen tünt. Die binen ligent 
in iren binkörben mit aignen zellen vnderschaiden. Aber wir 
in ainer kamer glych den schaffen so In ainem stale vnd 
pferrich sint/ tut ye ainer den andern trucken vnd mag vnser 
kainer spötzen noch vszwerffen daz er nit des andern klaider 

15 tu vnsüfren vnd vermässgen. Vnd halten vnder vns sölich 
stille vnd schwygen, daz du mainen müstest dich hörren die 
kreyen vnd aglaistern in den wälden vnd die frösch in den 
wigern vnd pfützen Ich wundem mich selbs wie ich dir so vil 
hab mugen schriben Es ist aber viUicht des zevil du*/ der 

20 yetz lernung der geschrift als ain Jochh vnd bürde ab dir 
hast geworffen vnd nu bas vnd mer zu sölicher lernung bist 
zeberüflFen danne ze ziechen. Aber das ist mir laid daz Ich 
zu dir schribende, vnder so vil vnrüwen nit raingen sübern 
vnd bessern mag, disz min schritte, die Ich dich hoff lesen 

25 werden/ Aber du wirst [149^] geben abläsz der obgemelten 
vnrüwigen statt vnd ouch der klaine miner Vernunft die so 
stumpf ist, daz sy nit allain in grossem rumore sunder ouch 
in rüwe kumm möcht zieren was sy schrybt. Hier mit pfleg 
din got in gesunthait Vnd du wollest haben mich als ainen 

30 der dinen so vil der kaiser das tut verbeugen Geben zu gretz 
Anno 



221 



[150] DEid hochgebornen .herren herrn Eberharten gra- 
uen zu wirtemberg vnd zu Mümpelgarte etc. Minem gnedigen 
herren Enbüt Ich nicläs von wyle min vndertenig willig dienste 
allzyt zeuor. Wie wol gnediger herre mir zu lust vnd fröiden 

5 wer oft z& üwern gnaden zekomen/ So hat doch gelück 
(mir in dem als in anderm widerwertig) sölichs langzyt her 
nit wollen fügen/ Daz aber ich hie durche, üwern gnaden 
nit enpfall vsz gedechtnüsz, Sonder des minen etwas nüwes 
syge by üch/ daz da machhe üwer gnäd sin min Ingedenck/ 

10 so schicke ich den selben üwern gnaden den handel zu zyten 
des consily zu costentz an Jeronimo des hassen Junger be- 
gangen vnd von mir vsz dem latine In dises nachfolgend tütsche 
gebricht vnd tranferyeret / welcher handel ain form vnd ge- 
stalt hat ainer Garonick vnd historien/ die yetz zu zyten 

15 seltzen vnd lustsam ist zelesen vnd zehören besunder hochen 
adellichen gemüten, als dem üwern/ die allwegen von nature 
girig sint nüwe vnd fremde ding zehören. Vnd bitt daz vwer 
gnäde disz inin Maines wercklin, wöll von mir so vil gefelliger 
annemen vnd grösser achten.*' als vil das vsz vndertenigerem 

«0 vnd trüwrem gemüt flüsset vnd komen ist an die selben üwer 
gnäde dar in ich mich tun vndertenig enpfelhen dat. 

[150^] POgius Florentinus Enbütet sinem Lienharten 
Arentino vil hails. Als Ich ettlich tage zu Baden Im ergöwe 
gewesen bin, schraib jch vsz dem selben bade, vnserm Nieläsen 
86 Nicoli ainen santbriefe, den Ich main dich lesen werden. Dar- 
nach als jch von dannen widerumbe gen Costentz in das con- 
sily komen bin/ jst vber wenig tage dar nach worden ange- 
fangen vnd gehandelt, die sachh Jeronimi, den man sagt 
gewesen sin ain ketzer des geloubens vnd das offenlich. G\ä 



222 

selben sachh hab Ich mir furgenomen dir geschriben/ ains 
tails von jr grosse wegen Vnd zum andern vnd allermaist von 
dises mans kunst vnd wolredens wegen. Danne jch sagen 
müs mich nie ainchen menschen gesechen han der in ainer 

5 sachhe, die mit rede fürzetragen wer, besunder das leben an- 
treffende, sich necher möcht gelychen dem wolreden vnd ge- 
sprechnüsz vnser altfordern, die wir mit so grossem lobe tünt 
wundern vnd erheben. Es ist ain wunder gewesen zesechen, 
mit welchen Worten mit was schöner vnd zierlicher rede, mit 

10 welchen argumenten/ mit was angesicht sins antlitz, mit 
welcheem munde vnd mit was türstikait er antwort gab sinen 
widersechern vnd wie er darnach zu letscht, sin sachh so wol 
vnd mit klüger sage , tett vslegen vnd bringen an den tage, 
also daz laid zehaben ist, so ain hoch edel fürtreffend ver- 

15 nunfte, zu sölicher ketzerye komen sin. so ferre war ist das, 
das jm fürgehalten ward. Darvber mir nit gebürt zevrtaillen, 
Sunder rüwe jch vnd folgen den vrtailen dero. Die wyser ge- 
halten sint [151] Doch so solt du nit mainen mich dise sachh 
vnd yetkliche ding darinne, besunderlich dir wollen schryben 

20 nach form vnd Ordnung ainer maisterlichen vnd wol gesetzten 
red vnd oracion/ danne das lang werden wurd vnd sin ain 
werck etwa manger tagen allain wil Ich rupfen vnd berüren 
ettliche der treffenlichosten artickeln, da durch du disz mans 
kunst vnd leere sechen mugest vnd mercken. Item do vil 

25 wider disen Jeronimum zu samen gelesen vnd vfgefasset was, 
darinn vnd mitte er der ketzerye wart geschuldiget/ was den 
vättern gefeilig daz er offenlich vf yetklich puncten vnd ar- 
tickel besunder die im fürgehalten wurden antwort geben sölt. 
Vnd als er dem nach also in offenliche verhörung gefüret 

so wart vnd gehaissen zu sölichen artickeln antworten/ tett er 
sich des lang widern vnd sagen daz er sin sachh billicher vor 
sölt vszlegen vnd handeln, danne siner widersechern böser 
schuldigung antworten, Vnd so er also deshalb für sich selbs 
redende verhört worden wer/ als dann erst zekomen sin zu 

35 siner vinden vnd nydern schuldigung vnd scheltung wider Inn 
gesamelt. Aber do Im dise sin mütung abgeschlagen wart, 
stftnd er vf in dem mittel aller mengklichs alda zu gegen vnd 
aprach. Was boszhait vnd vnrechtz ist das? So ir drühundert 



223 

vnd funftzig tage (dero lang Ich in aller hertisten kerchern 
in YBSuberkait wüst mist gestanck vnd ysiu banden vnd in 
aller dingen armüt gelegen bin) Mine widersecher vnd ?bel 
reder allwegen gehört hant, Vnd mich yetz nit hören wollen 

5 ain ainig stunde/ Dar von kurapt [151^] darvon kunipt so üwer 
oren, den selben allen vnd yetklichem in sunder offen gestan- 
den sint vnd sy mich gegen vch in so langer zyte versagt 
Vnd vch Inen gelöbig gemachet haben, mich sin aiuen ketzer 
vnd vinde cristenliches geloubens/ Vnd ain durchechter der 

10 gaistlichen/ Vnd mir dar wider kain statt noch macht geben 
wirt/ Min sachh zeuerantworten / daz Ir dann in üwern 
gemüten mich geurtailt haben ainen vbeltettigen schedlichen 
mane sin, Vor vnd ee Ir (wer Ich wer) möchten erkennen. 
Aber Ir sint (sprach er) menschen vnd nit gött, euch nit ewig 

15 sunder tödemlich. Vnd Ir mugen schippfen Irren betrogen 
werden vnd verfüret. Man sagt vch hie sin liechter der weite 
vnd die aller wysesten vnd geiertesten des gantzen vmbkraisses 
disz ertrichs/ darumb vch gebürret mit oberstem flysse zear- 
baiten daz Ir nit ützit freuenlichs, nit ützit grobs vnd vnge- 

20 bürlichs, Vnd nit ützit wider recht handeint vnd ttigent So 
bin jch ain klainer mensche von des lebens oder todes wegen 
hie gehandelt wirt. Das jch nit 'von minen wegen red der tö- 
demlich bin/ Sunder so beduncket mich schantlich sin/ wys- 
hait so vil grosser vnd treffenlicher mannen etwas wider mich 

25 fürzenemen vnd zesetzen wider gelychs vnd billichs vnd das 
schedlich sin wirt, Nit als vil Inbetrachtung miner person, als 
vil in betrachtung künftiges exempels. Vnd do er disz vnd 
vil anders mit zierlicher rede schon vnd wol geredt hatt, vnder 
aim geschraye vnd murmur etlicher vnd nit weniger, die jm 

30 sin red vnder schlügent/ ist zelest gesetzt vnd beschlossen 
worden/ daz [152] er des ersten zu den Irrungen dero er 
gescbuldiget wurd, antworten solt, Vnd Im dann darnach statt 
vnd macht geben werden zereden was er wölte. Item von 
ainem pnlpette oben herab/ wurden gelesen die anfenge yet- 

36 Uicber poncten vnd artickeln dero er gezigen wart. Danif 
man dann Inn fraget was er dar wider reden wölt Do dann 
dar lach sölich artickel wider Inn wurden bewyset. Es ist 
aber TBgelöplich zesagen, wie gescbydenlicb, er antwori, vod 



224 

mit was argumenten er sich tet beschirmen. Eainest redt er 
ützit, daz sich nit ainem guten vnd fromen man zereden ge- 
burte. Vnd redt ouch das also i wo er das in sinem gelouben 
vnd hertzen hatt also vnd wie er das mit Worten vslegt/ daz 

6 dann kain vrsach nit allain des todes sunder ouch ainer aller- 
lichtesten Verschuldung wider Inn hett mugen funden werden. 
Vnd sagt das alles, so jm fürgehalten worden wer, falsch vnd 
laster sin von sinen vinden vnd nydern erdächt vnd gestiftet. 
Vnder anderm do man meldet jnn sin ainen schelter vnd vbel 

10 reder des römschen stüles vnd ainen widerstreber des babstes 
vnd ainen durechter der Preisten pfaifen vnd priesterschaft 
vnd ainen vinde gaistlicher örden / Stund er vf mit clagbarer 
stimme vnd mit vfgeregten henden schryende. Ir vätter 
alle hie zu gegen wo hin sol jch mich nu me keren ? welcher 

Iß hilife sol jch begeren? welich sol jch wainende bitten? vnd 
anrüifen ? sol jch das tun üch ? aber dise min durächter haben 
mir tiwer gemüt von minem haue gefüret vnd enpfremdet/ 
So sy mich tiwer aller vind sin gesagt hant Oder sol [152^] 
Ich dero hilife anrüffen, die vber mich richten vnd vrtailen 

Vi werden? Mine durechter haben aber gemaint ob üch die 
dinge die sy wider mich erdächt vnd gestifftet haben, lych 
vnd ring sin beduncken wölt, So wurden Ir doch mit üwer 
vrtail verdampnen ainen gemainen vinde vnd widerstreber aller 
gaistlickhait Vnnd priesterschaft den sy mich sin falschklich 

t& hant gelogen. Vnnd darumb, Ist daz Ir Iren worten geloubent 
So ist ntitzit me daz zu minem haile syg zehoffen. Item er 
tett dero vil so wider Inn redten, mit hoflichen schwencken 
vnd Ir etlich mit schimpfierlichen worten, rupfen rüren vnd 
klampfen/ Vnd oft Ir vil in trurigen ernstlichen reden vnd 

w Sachen nötigen zelachen mit schimpfung in Ire Scheltwort 
Vnd als er vf ain male von aim gefräget wart, was Inn be- 
dachte von dem sacrament Cristi/ Antwort er, Er hielte daz 
es vor des priesters Consecracion vnd Verwandlung, brot wer/ 
Vnd in der consecracio vnd darnach/ wärer lychnam Jhesu 

s& cristi etc. Vnd anders nach vnserm gelouben. Dar zft ain an- 
derer redt. Aber etlich sagent dich geredt han daz solich 
sacramente nach der consecracion noch dann brot belyk darzA 
«r antwort By dem becken oder pfister belyb das hrote. ZA 



225 

ainem mfinch prediger ordens, der etwas scherpfer danne 
ander wider Inn mit Worten stürmen tett / Redt Er. Schwyge 
du gelychsner vnd yppocryta Zä aim andern parfftsser ordens, 
der da wider Inn schwur by siner Conscientze vnd gewissne/ 

5 Redt er. Disz ist ain aller sicherester schwur vnd wege die 
menschen [153] zebetriegen. Als aber vile halb der schuldi- 
gung vnd von grosse wegen diser sach. Disz dinge desselben 
tags nit modit zu ende gebrächt werden Ist es verzogen vnd 
vfgeschoben worden bis an den dritten tage. Vf welchem (do 

10 aller schuldigung argumente wider Inn erzeilet wären vnd die 
selben darnach mit vil zügen bewyset vnd gevestnet wurden. 
Do stund er vf vnd sprach Dwyle Ir mine Widersacher so ge- 
flissenlich gehört haben so ist billich daz Ir mich ouch mit 
dultigem vnd gelychem gemüt hören tügen. Vnd als vil ge- 

15 schrayes Vnd murmors dar wider was vnd doch zu lest Im 
die macht geben ward zereden was er wölte. Tett er sinen 
anfange an got dem allmechtigen vnd batt des gnäde Im ze- 
geben vnd zeuerlychen das gemüte vnd darnach die facultet 
craft vnd machte, Die Im möchten vnd wurden dienen vnd 

>2o sin, 2Ügemache hail vnd tröste siner sele. Vnd redet daruf, 
Ich waisz jr aller geiertesten vätter vil fürtreffenlicher mannen 
gewesen sin, die von Irer tugend wegen gelitten haut sträfif 
vnd pyne des todes vnd mit falschen zügen des sint worden 
vberwunden Vnd mit falschem gerichte verdampnet/ Vnd 

25 hüb an von Socrate zesagen. Wie der vnrechtenklich von 
den sinen wer worden verurtailt vnd doch des nit wölt end- 
rünnen Wie wol er gemögt hett, vmb daz er die forcht zwayer 
dingen hinnem, die den menschen aller pinlichest sin, gesechen 
werden, das ist die forcht des kerchers vnd die forcht des 

50 todes. darnach erzalt er die gefengkntisz platonis vnd die ke- 
stigung vnd [153^] Pyne Anaxagore vnd Zenonis vnd (äne die 
selben) mancher fölckern vnrechte verdampnung. Er meldet 
ouch das eilend ßutily vnd Boecy vnd der andern aller die 
Boecius in dem buch de consolacione sagt mit vnuerschuldtem 

36 tode verderbt worden sin. Dar nach gieng er vf die hebrei- 
schen exempel sagende Wie moyses ain erlöser des folckes 
von Israhel vnd ain geber der gesatz gottes von den sinen 
durächt vnd gepiniget worden wer* Ouch wie Joseph von 

N. T. VVyle. l'^ 



226 

sinen brüdern von nydes vnd vintschaft wegen wer verkouffet 
vnd dar nach von argwäns wegen ains benotzugs komen in 
gefengknüsz. Mer sagt er. Wie äne dise yetz gemelten ouch 
Ysayas Daniel vnd alle propheten als verschmecher gottes 

5 vnd verfürer des folckes mit falschen vrtailen weren worden 
beswert vnd vmbgeben Sagt ouch das gericht Susanne. Vnd 
äne das vil ander, die alle (Wie wol sy aller hailigoste men- 
schen gewesen) noch dann mit vnrechten bösen vrtailn vnd 
gerichten mit tode verderpt worden weren. Darnach kam Er 

10 vf Sanct Johansen den töffer vnd von Im vf vnsern behalter 
Jhesum Cristum. Sagend/ das die mit falschen zügen vnd 
mit falschen der richtern vrtailen todes weren worden ver- 
dampnet. Vnd redt daz mengklichem kund wer, darnach 
Sanctum Stephanum von dem coUeye der priestern getödet 

15 worden sin. Vnd die Appostel alle todes vervrtailt vnd ge- 
storben, nit als form, sunder als verfürer der fölckern vnd 
verschmecher der götten vnd böser dingen stiffter vnd vber. 
Vnd sagt bosclich getan [154] sin von priestern zeverdampnen 
ainen priester vnd arguwiert darus die getät noch böser sin/ 

80 die da beschech von ainem Colleye vnd von ainer besampnung 
der priestern. Vnd tett das beweren vnd bewysen mit aim 
Exempel vnd erzeugt ouch das aller kostlichest von ainem 
Consily, Der priesterschaft vormals ouch beschechen sin Vnd 
redt disz alles schon zierlich wol Vnd mit grosser vfmerckung 

25 vnd baitung aller mengklichs so zu gegen wären. Aber die 
wyle alle bürde vnd schwere diser sachhe stund vf den zügen / 
tett er vnderrichtung daz kain geloube denselben zügen wer 
zehaben, besunder siddemmäl sy das alles nit vsz wärhait dann 
allain vsz vngunst nyd vnd hasse gesaget betten. Vnd tett 

30 vf das die vrsachen söliches nydes also vszlegen vnd erkleren, 
daz es nit wyte was von ainem gelouplichen wissen. Dar zfi 
was der wärhait gelych die selben zügen also sin (daz allain 
die sachh cristenliches gelpubens hindan gesetzet) nit vil vf 
jr sage was zehalten. Bewegt wären aller menschen gemüte 

S5 vnd zu barmhertzikait genaiget. er satzt ouch hin zu, daz er 
von Im selbs vnd fryes aigens willens in das Consilium komen 
wer, sich selbs vnd sin leben zeraingen vnd zeentschuldigen 
vnd erklart vf das sölich sin leben sin übung vnd sin Studie- 



227 

ning, Die voll wären aller gebürlichkait vnd tugencL Redt 
ouch disen sitten wylant gewesen sin, Den eitern aller geler- 
tisten vnd hailigosten mannen/ daz sy in den dingen des 
[154^] geloubens/ ettwenne sich zwaytent vnd nach Iren ar- 

s gttmenten nit ains weren. Das nit beschechen wer zu schwech- 
rung desselben geloabens sander zft erfarong vnd findung der 
wärhait Vnd also Aagustinom vnd Jeronimom vngelyche be- 
danckong gehept han vnd sy nit allain bedacht han vngelyche 
dinge, Sunder dinge ain andern gantz widerwertig. Daz doch 

10 beschechen wer äne allen argwäne aincher kertzerye. Meng- 
klich wartet ob der benant Jeronimus sich entschuldigen 
vnd wider rüflfen wölte die ding Im furgehalten vnd wider 
Inn bewyset. Aber er beharret vnd sagt sich nützit gejrret 
han, noch sich wollen wider rüflfent/ Der andern falschen 

lö laster vnd schuldigung vber Inn bosclich getan Vnnd kam zfl 
lest vf das lobe Johannis husz der lang vor zu dem tode des 
füres ouch in dem selben Consily zu costentz was verdampnet 
Vnd redt denselben Johansen hussen gewesen sin ainen gftten 
gerechten vnd hailigen mane der sinen tode nie hett ver- 

20 schuldet vnd sprach wyter sich selbs ouch sin berait mit 
starckem vnd vestem gemüt inz^een ain yetklich pyne des 
todes vnd wollen sinen vinden wychhen vnd den zygen, die 
also bosclich an alle schäme vber Inn betten gelogen vnd die 
doch vor got (den sy nit betri^en möchten) diser Irer ge- 

^ö zügnüsz halb an dem Jüngsten gericht rechnung geben wurden, 
grosses laide, was aller vmbstender menschen, wo er ain 
rechtz gemüt an sich genomen haben wölt. Aber er wart ge- 
Sechen vf siner mainung belyben vnd des todes begeren vnd 
lobet Johannem hussen vnd sprach [155] den nützit wider die 

v> Statut vnd Satzung der kirchen gottes verstanden noch gehal- 
ten han sunder allain wider den miszbruche der priestern 
vnd wider die hofiiart vnd wider die grossen costlichkait herr- 
Schaft vnd Pompe der Prelaten, danne die wyle der kirchen 
vätterlieh erbgftte, zügehörig wer des ersten, den armen/ dar- 

)5 nich den bilgrin vnd darnach der kirchen büwe/ so bette 
den guten man bedücht, sölich der kirchen erbgüte vnbilUcb 
graben werden torechten lychtfertigen fröwen, vnnützem brube 
der pferten, bastharden jrs blütes, costlicber zierung der klai- 



228 

dern vnd andern dingen die des vnwirdig vnd wyt vnderschaiden 
weren von der gaistlichkait cristi. Aber das was ain zaichen 
siner aller grösten vernunfte/ so sin rede oft mit mangerlay 
rumors vnd geschrayes geirret wart vnd von etlichen, die Inn 

5 in sinen Worten begryflfen wolten, wart gehindert/ daz er da 
der selben kainen lies vngeschmützt hingeen, sunder sich an 
den selben allen räch, vnd not sy sich zeschamen oder ze- 
schwygen. So ain murmur vfstünd so schwaig er vnderwylen 
das folck darumb straffende. Dar nach hüb er denne sin rede 

10 widerumb an, an dem ende da er die hatt gelassen vnd batt 
die lütte, daz sy litten sin rede vnd gedult betten die zehö- 
ren/ dwyle sy doch Inn niemer me hören wurden. Nie tett 
Er sölicher rumoren erschrecken danne daz er belaib aines 
vesten vnzitternden gemtites. Vnd das was ain grosses ar- 

15 gument ainer guten Memory vnd angedechtnüsz i daz er dryer 
hundert vnnd fünftzig tagen lanng [155^] gelegen was an ain 
boden ains herten stinckenden vnd vinstern turnes (des herti- 
kait er selbs geklaget hat, sagende (sich als ainem kecken 
man zimpt, Daselbs nie ersüflftzet han vmb daz er vmb vn- 

20 schuld litte/ Sunder sich allain wundern die grossen vn- 
menschlichkait wider Inn gebrucht/ daz er an ainer sölichen 
statt, nit allain nie ützit hett mugen lesen sunder ouch nie 
ftzit Sechen. Ich wil geschwygen des kumers vnd der angsten 
sins gemütes da mitte er teglich müst geübet werden vnd die 

25 billich alle Memori vnd gedechtnüsz sölten han vertriben) daz 
er (sprich ich) noch dann so vil aller gelertester vnd wisester 
mannen Im zu hilflf vnd zu gezügnüsz sins verantwortens mocht 
allegieren vnd ouch so vil cristenlicher doctorn zu bewärung 
siner mainung melden vnd nennen also daz es gnüg vnd mer 

30 dann gnüg gewesen wer, ob er die selben gantzen zyte in 
grosser müsz vnd rüwe sinen flysse angekeret hett zestudieren, 
sich wol vnd wyslich zeverantworten. Sin stimme was süsz 
Cläre vnd verstentlich , darinne etlich kunst vnd dapferkait 
gemercket wurden aines guten redners/ bede zu hertikait, 

35 oder zu barmhertzikait in den menseheu zebewegen. Welcher 
barmhertzikait Er doch nie weder batt noch begert zeerfolgen. 
Er stund vnerschrocken vnd äne forcht Vnnd nit allain den 
tod nit verachtende, Sunder des begerende Also daz du Inn 



229 

gesechen bettest sin andern Cathonem. mane wirdig ewiger 
gedechtnüsz aller menschen. Ich lob nit ob er etwas in Im 
hatt oder hielt, wider [156] der kirchen cristenliche Satzung. 
Ich lob aber vnd tun wundern sin lere vnd kunst mancherlay 

5 dingen/ sin zierlich gesprechnüsz , die süsse sins redens vnd 
sin geschide vnd bestendikait zeverantworten. Ich furcht aber 
disz alles jm zu schaden von der nature verliehen worden sin. 
Item nach disen dingen allen jst jm gegeben worden ain zile 
zwäyer tagen zebychten. Ir vil hochgelerter mannen vnder 

10 denen der Cardinale florentinus ainer was / giengen zu Im, ob 
sy jnn von sinem sine möchten bewegen / Vnd vf den rechten 
wege biegen vnd bringen. Do er aber ye lenger ye mer ver- 
hertet in sinen Irrungen beharrende / ist zelest Er von dem 
consily siner ketzerye worden verurtailt vnd verdampnet 

15 Item mit frölicher stimen vnd mutigem angesichte gieng er 
zu siner vsfiirung. Nit forcht er das füre noch die form 
diser pingung des todes Also daz kain Philosophus, dero / die 
wir nennent Stoicos ye gewesen ist, der so mit aim kecken 
vesten vnd stantbaren gemüte ainchen tode gelitten hab als 

20 diser Jeronimus gesechen worden ist dises todes begeren. Do 
er komen was an die statt da er sterben solt. Zoch er sich 
selbs siner klaider vs vnd fiel nider vf sine knie vnd lobt vnd 
eeret den pfale daran er gebunden werden vnd sterben solt. 
Des ersten ist er mit nassen sailern vnd nächmäls mit ainer 

25 kettih nackent an disen pfäle gestriket vnd darnach mit holtze 
vnd nit mit klainem sunder mit grossem vmb sine brüste vmb- 
lait vnnd zwüschen sprüwer geworflfen worden; Vnd als man 
das füre anzündt, hüb er an zesingen ain lobgesang vnd den 
gelouben Credo in unum deum jch geloub in ainen got etc. 

30 Den ze lest der rouche [156^] vnd das füre kum hinnäment 
vnd tamptent Vnd das ist gewesen ain aller gröstes zaichen 
ains vesten vnd kecken gemütes. do der hencker das füre 
rügklingen hinder Im wolt angezündet han, vmb daz er das 
nit Sechen möcht Gang her für sprach er vnd enzünde mir 

35 das füre vornen an vnder ougen. Dann hett ich das geförcht, 
so were ich wol an dise statt nit komen dwyle mir die macht 
geben was das zefliechen. Also ist diser mane (allain sinen 
gelouben hindan gesetzt) lobs wirdig vnd fürpündig gestorben. 



380 

Vnd ich hab dise vsfürang ynd allen andern handel gesechen 
vnd er hab es dann getan in hasse vnd freuenlicher Verach- 
tung der in anderm. Für yi&ü so waisz ich bettest du disz 
ding gesechen da bettest den tode disz mannes beschriben sin 

5 Ysz der schäl der Philosophie. Ich hab dir gesungen ain lan- 
ges liedlin von müsse wegen danne do ich nützit hatt ze- 
schaflfen, do wolt ich etwas tun vnd dir dise ding beschriben 
dir etlich gelychnüsz haben mit den historien vnd Garonicken 
der alten. Dann quintus mucius hat nie so mit kecken ge- 

10 mute sin band dar gehept vnd Im die lassen abbrennen, als 
diser Jerominus gelitten hat Im sinen gantzen liebe verbrennen 
So hat Socrates nie so willenklich sin gift vsgedruncken als 
diser in das före gegangen ist. Aber es syg gnüg. Vergib ob 
Ich mit Worten lang gewesen bin. dann dise sachh noch len- 

15 gerer rede vnd schribens bedörft hett, Ich wolt aber nit sin 
zevil kläffig vnd schwetzig got pfleg din in gesunthait, geben 
zft constentz etc. 



231 



[157] JjEr durlüchtigen fürstin vnd fröwen, fröw Mechil- 
ten geborner pfaltzgreuin by ryne vnd ertzhertzogin zu öster- 
ryche etc. witwen Miner gnedigosten fröwen Enbtit ich niclis 
von wyle. min vndertenig willig dienste zu uor Vnd tun mich 

5 jren gnaden vndertenig enpfelhen. wie wol durlüchtige hoch- 
gelopte fürstin lactancius firmianus schribt das gelücke an im 
selbs nützit sin, noch das dar für geachtet werden sollen / daz es 
syge ainches lebendigen wesens / dwyle das (als die natürlichen 
maister sagent) allain ist zufallender dingen ain schnelle vn- 

10 uerwänte geschichte/ noch dann, wyle die alten hochgelerten 
poeten vnd oratores (als terencius als tullius als salustius, 
Virgilius, oracius, ouidius Juuenalis vnd die andern nach alle, 
von dem selben gelticke schribende. das anredent vnd bespre- 
chent, als ob es syg ain göttin oder ain küngin das leben 

15 habende vnd die gantzen weit regierende vnd darjnne grosz 
vnd vil vermugende, dem nach ouch wir yetzigen menschen 
das selb gelück oflft anrüfFent vmb hilff vnd gunste vns mit 
zetaillen Als wylant tett der hochgeborn durlüchtig fürst hert- 
zog Lüppolt von österrych etc. In ainem liede, das sin gnäd 

20 machet von ainer fürstin die Im vermechelt zu gebrächt wer- 
den solt. Darinne Er spricht. Kum glück vnd tu din hilflF 
darzü. Sid Ich nit rüw hab spät noch frü etc. Vnd aber 
ainer noch in lebend vnd üwern gnaden bekant, ouch in ainem 
liede von siner eelichen husfröwen gemachet. Hilff glück daz 

25 er schier füge sich. Daz mir [157^] geh fröid die minnenklich 
etc. Vnd des gelychen vil ander vnd an zale in Irem anligen 
das selb gelücke vmb hilff besprechent vnd anrüffent, als ob 
es syg ain ding vnd wesen des macht vnd gewalt habende/ 
So hat der hochgelert poet Eneas Siluius den obgemelten 

30 poeten vnd Oratorem nächfolgende, ainen tröme den er ains 



232 

müs von der obgenanten küngin vnd Irem ryche gehept hat 
in costlichem latin beschriben. Welchen tröme jch vor etlichen 
Jären do jch von üwern fürstlichen gnaden beruft, In dem wilt 
bade badet, muntlich in tutscher zungen (als vil ich des in 
5 miner gedechtnüsz behalten hatt) üwer durlüchtikait sagt vnd 
vszlait. Vnd siddemmäle üwer gnäde nach minem beduncken 
do zemäl sölichen tröme girig was zehören vnd des gefallen 
hatt/ Das jch by dem marckt, daz jch durch üwer gnaden 
enpfelch etlichen andern von nüwem darkomenden edeln manen 

10 vnd fröwen, sölichen tröme ouch sagen müst/ Wyle jch dann 
vernim üwer gnäd yetz in dem wiltbade aber baden. Vnd jch 
vsz gnaden mir von üwer tugend, rycher gütikait manigfaltenk- 
lich bewisen, erkenn mich selbs schuldig sin, üch zu zefugen, 
was jch verstund üwern gnaden in sölichem bade, kurtzwyle 

15 bringen mugen / So hab ich den selben tröme vsz dem gemelten 
latine dem büchstaben nach in ain besser tütsch gebrächt, 
danne Ich den vor hab muntlich können sagen / den jch üwern 
fürstlichen gnaden zu ainer schencke (dero man dann zetün 
pfligt in das bade) Schick/ Vnd vndertenig bitt, daz üwer 

«0 durlüchtikait (der leere nach cathonis) dise klaine gaube wol- 
gefellenklich von mir armen £158] yetz wöU annemen vnd 

' enpfächen bisz ich mich hienäch gegen vch, grösser gauben 
mug gebruchen Als ich hoff schier sollen beschechen. Dar zu 
mich gelück vnd müsz wöll fürdern vnd got der allmechtig 

s5 das bade an üwern fürstlichen genäden tun würcken gesunt- 
hait üwers lybes, da durch ir vns langwirig in seligkait hie 
vf erden belybent zu frid hail hilff vnd tröste aller der üwern 
vnd vor ab min, des billich von hertzen begerende Gebend vf 
frytag nach vnsers herren fronlychams tage Als man nach 

30 crists geburt zalt tusent vierhundert vnd Im acht vnd secht- 
zigosten Järe. 

ENeas Siluius poet Enbütet dem gelerten vnd achtbaren 
ritter herr procopen von ßabenstain vil hailes. Der vergangen 
nachte vor vnd ee Ich entschlief hab Ich mit mir selbs vil 
35 von dinen wegen geredt vnd wunder gehabt daz diner zucht 
vnd tugend nit gebürlich eer nach stäte gegeben werden. 
Danne die wyle in dir erschinet adel vnd fromkait/ so mag 



2S3 

Ich nit erkennen warumbe du nit vnder den vordersten ge- 
setzet vnd gehalten werdest sollest Vnd darumbe so schuldiget 
ich das gtf ücke, das da wirt geloubet sin, ain vsgeberin eeren 
vnd gutes/ vnd krieget deshalb erzürnt vU mit mir selbs 

5 wider das selb gelücke, vmb daz es die guten menschen so oft 
niderdruckt vnd die bösen erhebet vnd machet hieran kain 
ende, bis mich ain herter schlMe tett begryffen/ Alda hab ich 
schlauffend Im tröme wunder gesechen, das ich dir hie nit 
wil [158^] verhalten, du recke vf dine oren vnd höre seltzne 

10 vnd wunderbare dinge. Als yetz ain taile der nacht vergangen 
was vnd die tregen pfert des herrwagens an dem himel den 
selben kalt wfirckenden wagen nach vml^ekeret hatten/ hatt 
jch dise gesicht 

Ich kam an frölich stett lustiger grüner gewächsden, dar- 

15 Inne ain gresin felde jm mitten ains lieplichen waldes mit aim 
fliessenden wasser vnd mit ainer mure vml^eben was/ dar an 
waren zway tore, daz ain hümin/ das ander von wyssem 
schynenden helffenbain, vnd die muren vnmessig hoch von 
dyamanten gebuwen, Vnd die wasser vngruntbarer tieflfe/ Nie- 

20 mant mocht haben zu den toren ainchen Zugänge danne vber 
etlich bruggen die mit ketten vfgezogen garwenig darkomenden 
menschen nider gelassen wurden. Hie dishalb des wassers 
gegen den thoren vber/ Sas ain vnmessig grosse schare bede 
von fröwen vnd mannen, die da Ire hend vfragtent vnd baten 

25 sich vbergelassen werden Vnd als jch diser fremden nüwikait 
erschrack vnd hin vnd her lüf , begegnotent mir vil dero an- 
gesicht jch bekant Aber nit waisz jch warumb Abb beschach/ 
daz Ir kainer mir den foUen redens geben wolt. Ich kam zu 
dem hümin thore in des oberstem taile des tumes jch di«e 

30 wort mit alten büchstaben sach steen geschriben. Ich Mmz 
wenig zu mir Vnd beheb noch weniger. Vnd als ich beging 
was zeerfaren was Innwendig wer / Batt ich ainen Jüngern der 
vflF dem turne was. mit grösser bitte Cvnd doch vmb mhi) daz 
er mir wölt ofihen die [159] Also begab feich von uahchUM 

36 daz ain Jüngling kam geritten mit ainer gr<feÄ^rn Hchara wej{- 
gesellen. Ich bekant by den klaidem da« er waj^ von dm 
landen des rynes vnd fraget wer er wer des nechert «ich dero 
ainer zfl mir In ainem langen klaide bedecket mit ainetii \\<^ 



(vnd ich geloub ain walch bekante den andern) vnd antwort 
mir Es ist ludwig püalltzgraae by ryne vnd hertzog zu beyern 
des hailigen rychs ertztruchsesz vnd kurfürste etc. Der vns 
füren wirt hin in vber dise muren. Dar zfi ich sagt. Min lie- 

5 ber man So erwirb mir ouch den wege mit veh / ist daz vnser 
gemain haimant daz wir sament lantzlüt sint des ützit rechts 
oder billichkait haben mag. Das wil. ich tun antwort er. Vnd 
käme hatten wir sament dise wort geredt, do die bruggen 
nidei^elässen wurden vnd der benant ludwig hin in gelassen 

10 worden ist vnd mit Im vil ander die der türhüeter nämlich 
yetklichen nach dem andern nennen tett. Aber ich kam haim- 
lich vnd verborgenlich hin in. Als ain späher vnder ainem 
mantel ains fürsten der ludwigen anhieng vnd der nach minem 
beduncken ain Marggräf was von brandenburg; Allda wären 

15 geblümpt wisen vnd matten vnd bechhe yetz fliessend von milch 
vnd danne von win. Kaltbrunnen. Seewe voll fischen. Lustige 
beder. Dicke puschen grünner gestüden. Reben stetz voll 
trüben Vnd böme ewiges herpstes. wie man geloubet sin die 
garten hesperidos oder pheates, sölich frücht getragen vnd 

so gehept han. öpfel von dero geschmacke allain du möchtest 
werden gespyset. Zam wild gebrett allenthalben in den wälden 
lychter gefech [159^] gefechnüsz. Fögel Bede geborn zu spys 
vnd gesange. In der Morenlande ist allain ain statt Eliotra- 
peza genant zu allen zyten mit lustsamen guten spysen nach 

25 dem foUen zügericht, darvon äne vnderschaid mengklich wirt 
gefftret vnd gespyset vnd darby ain seew tünnes brunn- 
wassers vnd ain aller hailsamisten gedranckes. Aber hie sint 
sölicher stetten vil. Vnd tische vnder bömmen dar gelegt vnd 
beraitet mit drinck geschirre von gold vnd edelm gestaine. 

so Kain wine von £alem mag sich gelychen dem wine der da 
rinnet vnd flüsset vsz herten selbs gewachsnen felsan. Honig 
flüsset ouch allda äne vnderläsz vsz stenden stocken So stend 
daselbs rore voll des zuckers vnd fallet allerlay specerye von 
den bömmen. Goldes vnd Silbers sint vnerschöpfbar ertzgrüben. 

35 Kostbar edel gestaine hanget wie kirssen in den wälden Schön 
minnenklich Jungfröwen vnd grad wol gestalt jünglin fürent 
ewig tentze. Vnd wj^s der musick von gesang pfyflfen trumet- 
ten oder saitenspil sin mag wirt alles da gehöret vnd mach- 



285 

amett Mt sinen nächfolgern nie so ain woUustigs paradyse ver- 
haissen als du da sechen tetest. Bachus. Geres vnd Venus 
lüflFent daselbs vmb hin vnd her vnd gaubent hin vnd tailtent 
vsz jre gauben Vnd siluia mircea verhangt vnd lies zu die 

5 Vermischung der wybern vnd mannen zu volbringung natür- 
licher wercken. also gieng jch yetz herfür vsz dem mantel vnd 
beging dise ding zesechen, lüf Ich durch das mittel der scharen 
sölicher fröiden, gantz sicher. Des kam zu mir Vegius Poeta 
laudensis vnnd sprach [160] 0. Enea. Wie bist du her in 

10 komen? Ich vmbfieng minen fründe vnd sagt Im wie. Dar zft 
Er antwort. Ich wölt du werest her in komen berüffet / dann 
niemant hier Inne belyben mag äne miner fröwen haissen/ 
Ist daz die selb dich sechen wirt so haisset sy dich schnell 
vnnd bald vstryben. Dar zu ich redt. Wer ist dise fröw dero 

15 berüffung man also warten müs? Min fröw gelück sprach 
Vegius von dero gauben vnd genäden wir alle so hie sint 
selenklich leben tünt. Dero ist vndertenig der gantz vmbkraisz 
diser weite Was die haisset vnd gebüttet das ist beschechen. 
Dar zft Ich redt. Darumbe so siehe Ich woU, daz du nu me 

80 ouch ainer bist vssz der schare der seligen, der vor gewon 
wert zesin, ain aller vnseligoster mensche. Ja sprach vegius 
dise fröw hat mich doch zeletscht ouch lieb gewunnen vnd in 
gnäde gebrächt vnsers allerhailigosten vatters des babstes vnd 
gemachhet zu ainem Cardinale vnd Canonick der obersten 

25 kirchen sanct Peters, Ha redt ich Erst yetz heb ich an ze- 
loben dise din fröwen So sy ettlich gute menschen ouch tut 
erheben. Ich hab sy oflft; geschulten. Darumb, daz ich sy 
sach gut sin den bösen vnd bös den guten. Danne du waist, 
wie gut sy gewesen ist Socrati/ dem sy Ir güthait nie wolt 

so bewysen. Platonem der vnder allen natürlichen maistern der 
gröst gewesen ist/ tett sy bringen von fryhait in aigenschaft 
sins lybes. Vnnd Pictagoram zwingen allwegen dar aflfler hin 
vnd her zelouflFen in dem eilend vnd wie wol sy vor [160^] 
hin vsz Marco Tullio Cicerone ainem redner gemachet hatt 

85 ainen obersten amptman der statt röme/ So tett sy doch ze- 
letscht den geben in die hend siner vinden vnd mit dem 
Schwert Anthony ertöten. Scipionem sant sy in das eilend. 
Fabricium machet sy essen vsz Irdin vnd hültzen sch.(l^^<^\!^ 



236 

vf der erde. Den ersten Cathonem tett sy mit armüt belestigen 
vnd beschweren vnd den andern sich selbs ertöten mit sin 
selbs henden. Merck aber vnd siehe an die lebenden. Was 
siehst du, Juliano dem Cardinale Sancti angelli (der mit so 

5 grossen tagenden gezieret ist) gebürlichs lones bezalt werden/ 
Was den Cardinälen Johanni Sancti Petri johanni sancti calixti 
vnd johani tarentino? was ist lones der sich mag gelychen 
weder Iren fromkaiten oder Iren künsten? Wer mag sagen 
herren Caspern schlicken Cantder (wie wol das gelück jm ain 

10 hertzogin zu eelichem gemachel zu gefüget hat) recht vnd 
wirdig löne siner arbait vnd verdienens enpfangen han? der 
yetz dryer römscher kaiser vnd küngen cantzler gewesen ist. 
Es ist Wilhelm von scain sunders lobes ain ritter, Vnd der nit 
minder der geschrift, Danne ritterlicher dingen wissend ist/ 

16 vnd von begirden wegen tugend ze erkennen die weit durch- 
fären hat. Sag was hat diser erfolgt wirdigs sines verdienens ? 
vnser campisius voll künst der Philosophie vnd der sin jagend 
bis in sin alter verzeret hat in diensten des bäbstlichen stüles, 
ist ermer danne Codrus. Es ist euch ain ritter an dem kai- 

20 serlichen hofe [161] Procopius genant ain behem, der ainig 
ist/ oder hat er diener/ So sint doch dero kum vier oder 
fünfe, der selb hat die geschrift lieb vnd tut euch die üben/ 
noch dann so werden ander vngelert vnd die klainer oder 
kainer vernünfte sint über Inn gesetzet vnd geachtet. Vnd 

25 jch wil geschwygen wilich esel ich gesechen han erhöhet vber 
die zerderböm libani die ouch hüttiges tages in eeren sitzent 
menschen äne kunst, Vngesprech vnd so vil äne Vernunft, daz 
sy kum erkennen oder rechnen möchen Wie vil finger Ire 
rechte band habent wer Es ist aber sicherer zeschumpfieren 

30 die töten danne die lebenden. Sag. Welches merewunder oder 
vngestaltes tiere ist ye böser gewesen dann Nero? Vnd wel- 
cher ye sündiger danne Tiberius ? Vnd weret vnd belaib noch 
dann den selben Ir gewalt küngliches regimentes lenger danne 
Tito vnd Vespasiano fromen vnd gütigen kaisern. Was ist 

35 lasterlichers gewesen dann Domicianus? Noch dann laid die 
weit vil Järe disen grossen schalcke der anhangend was Irem 
verderben. Aber Jouinianum vmb daz er gaistlich gütig vnd 
from was, do verlor sy Inn bald, erstecket mit aim rouche 



237 

der kolen. Wie vil stett vnd schlosz buwt Crispimis ain yd- 
wesenlicher mensche mit kainen tugenden von laster gezogen? 
Spado claudy neronis pophides, besasz so vil gutes daz er sin 
huse zierlicher vnd wyter buwet vnd machet danne was da 

5 capitolium. Gabrinus Cremonensis ertott siben siner herren 
vnd als die in stinckenden priueten vergraben wurden, 
nam vnd besas er [161^] Ir aller herschaften. Ich mag nit 
vermiden Ich m&sz der lebenden oudi ettlich beraren Ain 
oberster zu Paryse tett in gegenwürtigkait des kongs zft 

10 franckrych mit ainer agste, zetode schlachen hertzog Hiilips 
von Burgun vatter. Vnd der selb tetter hat nu yetz in dem 
selben küngrych ain aller rüwigostes leben/ begaabet mit vil 
nutzlichen landen/ Wie wol er ain manschlacht tett vnd dar 
mit ain küngklich offenlichs gelait brach. Welches gelaites 

15 diser Jemriger hertzog sich hat getröstet vnd dar Inne dahin 
komen was. Dise ding haben oft in mir zom bewegt. Aber 
so ich nu siehe dise fromen vnd gelerten manne mit des ge- 
lückes gftthait ouch erfröwet worden sin/ So wird Ich linder 
vnd gütiger diner fröwen. Aber Ich bitte dich, färe mich daz 

20 Ich sy ansechen mug . . Ja jm ist also sprach Vegius Es sint 
vil guter in disem conuente. Wie wol Ich mich des nit fber- 
heb, daz du mii; den namen ains guten gibst, danne Ich waisz 
mich Sünden schuldig sin vnd vnwirdig miner wirdigkait vnd 
eeren. Es ist aber also gefeilig gewesen miner fröwen Vnd 

25 ouch minem babste. Aber daz du bekennest, die guten ouch 
anneme vnd enpfengklich sin miner fröwen so höre michen klain. 
Ich wil aber nit sagen noch disputieren was grosser seligkatt 
zugestanden syen/ vmb jr fromkait willen dem gros.sen con- 
stantino nerue traiano, den zwayen theodosys vnd den engten 

30 kaiser augusto/ sunder wil Ich komen vf die lebenden. Sag. 
Was ist beschechen dinem gaistlichen kaiser vnd minem aller 
hailigosten babste? [162] hat sich nit das gelücke Inen nenftr 
mutig vnd gütig gnftg erzöget? Wer hat den küng von Arar 
gon erhebt anders dann das gelücke ? Wer bit den hertzogen 

35 Cleocestrie grosz gemachet? Wer die bischof von köln vnd 
von triere? Grosz ist diser aller tugend vnd sint durch den 
gelückes Schickung erhöhet vnd zft sölichen eeren komen Nu 
mdcbt sprechen der bischoff von mentze, min geschlecht(& xtis&^ 



238 

adelKche geburt haben mich erhöhet. Des geliehen möchten 
ouch sagen die sechsischen vnd peierschen hertzogen vnd fürsten, 
gelycher wyse als ob das gelücke nützit an Inen hett gewürcket. 
Aber wer anders hat sy getan so hochgeborn werden wann 

5 min fröw gelücke? Danne die hett gemögt (Wo es ir gefeilig 
gewesen wer) mich an ains küngs statt von hyspania oder 
Engelland gelaid han oder geboren worden sin. Danne wir 
den adel vnser geburt durc hkain tagend sunder allain durch 
fale vnd Schickung des gelückes vberkomen tünt. Ist aber das 

10 Ir vil tugendrych sint, die noch dann min fröw gelück fürgeet 
vnd sy nit edelt. So sol ir darumb niemant zürnen. Dann 
dise fröw mag das gute so ir ist, vstaillen vnd geben wem sy 
wil. Dwyle die menschen geborn werden in dise weit nit zu 
besitzung rychthüms, oder zu messung wollustes, sunder zu 

15 arbait ynd daz sy dem ertrich nit als Inwoner sunder als 
fremd geste vnd bilgri leben sollen, Vnd durch wercke der 
tugend Ir künftig haimant erfolgen. Aber in grossem gelücke 
wirt nit lichtenklich funden grosse tugend, Daz ain natürlicher 
[162^] thebanischer maister bedenckende, ain grosse bürde 

20 goldes warf in das mere vmb daz er sich dester rüwenklicher 
geben möcht lernung der philosophie. Cristus vnser behalter 
vnd gotte/ lert rychtum sin zefliechen als stechend torne. 
Des Junger liebhaber gewesen sint der armüt, Vnd benügig 
an schlechter narung vnd beklaidung. So tett ouch Jeronimus 

25 in aim armen hüslin wonende, nützit schuldigen das gelücke 
Danne er nit dem gelücke als siner fröwen. Sunder cristo 
nächfolget verschmechende das ewig zegeben vmb das zytlich. 
Anthonius ain abt warf willenklich von Im, Was Im das ge- 
lück geben hatt. Vnd wo wir ains wysen gemütes weren/ so 

30 tetten wir ee vnd me des gelückes hasse. Dann des gunste 
begeren, Danne sin gunste vnd süsz erzögung tünt vns zu 
füren aller gröste hindrung zu erfolgung ewigs lebens, Vnd ist 
der menschen seltzen vnd seltzner dann ain wysser rappe, der 
mit ainandern bede mug nächfolgen miner fröwen dem gelücke 

85 ynd dem wege in die himel. Aber geschwyge Ich vnd stelle 
ab dise min rede/ Vmb daz ich nit gesechen werd diser miner 
fröwen abgezogen han etwas Irs lobs vnd eeren, dwyle Ich 
mich yetz gebruch vnnd fröw Irs gunstes. Aber hüt dich £nea. 



239 

Daz du mer redest procopium vnd die andern die du genennet 
hast/ sin, liebhaber der tugend vnd vnantailhaftig gelückes 
Danne sy nit Cardinal ritter oder edel weren, wo min fröw 
gelück nitt hett gehulflfen. Aber gangen wir (Ob du wilt) 

5 necher vnnd secbent dise fröwen ain [163] bewegerin aller 
küngrychen vnd kaisertümen. So gangen wir sprach jch vnd 
ob ich villicht wol ain vngeladter vnd vnwerder gaste sin wirt. 
Vnd do wir also kum als wyte wegs gegangen wären als ain 
armbrost geschiessen mag do nam mich Vegius by miner 

10 rechten band vnd sprach. Lüg Enea zu der rechten syten da 
ist min fröw gelücke. Alda wären gezelte von purpur mit 
berlin gezieret/ die da hundert Juchart wyt felds bedackten 
vnd was in dero milttel ain hoher küngklicher stüle der da 
erschain mit claren Schmaragten So taten vil ander wunder- 

15 sam staine das helffenbaine des küngklichen stüles beklaiden. 
Sagada ain edel gestain der in tüfife des wassers Eufratis sich 
des Schiffes boden gewon ist anzehencken vnd aller frölichest 
zeerschynen. Mirchites ainer wunderbaren mirren farwe, der 
mit ryben zu hitze gebrächt ainen rouche gibt gelych aim 

so geschmacke des krutes nardi. Mitridas der berürt von dem 
glaste der sunnen mit mangerlay farwen tut erschynen Item 
vnd pyrites der sich nit gech vnd vngestüm lasset heben. 
Calathyas aines hageis farw habende vnd Ehites mit flecken 
gelych ainer natern gespregkelt vnd Dyonisias der von siner 

25 natur brun ist, Vnd der vermenget mit wassers vnd geknist, 
Wines geschmacke geben tut Der sunnen gestain vast klär 
vnd gelych ainem schynenden gestirne Item vnd veneris häre 
ain gestalt habend roter locken Seletines mit hellem glantz 
schynende Pyropus der sich gelychet ainem flammen. Mecho- 

30 nites [163^] magol vnd Mirmites ainch kriechende ämaissen 
erzögende. Calcoptongos der da klingelt vnd tonnet gelych 
ainer eerin glocken Syderites gelych aim ysen vnd mit etlichen 
zouberyen, zwytrecht in dem menschen erweckende flogites der 
in Im selbs flammen erzöget, gelych wie sy haisz brinnent. 

85 Autracias gelych aim sternen glestend. Euchidros also schwit- 
zend daz du maintest ainen vfwallenden brunnen in Im sin 
verschlossen. Melochytes vsz Arabia grünner dann ain schma- 
ragte Vnd der da widersteet der sorgfeltikait Junger kinden 



240 

Yris in dem roten mere fanden, der da an helem lüfte vnd 
weiter von Im wirft vnd gibt gestalt vnd farwen des regen- 
bogens Andradamas ainer silbrin farwe, der da lindert vnd 
stillet die vngestümikait hitziger gemüten vnd zemmet hoch- 

5 fertig zöme vnd pederos von gestalt als helfenbain nütz vnd 
gute wider die kranckait des krampfes vnd achates ain ver- 
richter vnd widerbringer des frides. Vnd es ist vngelouplich 
zehören wer sagen sölt vile der edeln stainen die daselbs ge- 
sechen wurden. Aber dise fröw gelück was grösser gestalt 

10 vnnd zwayerlay angsichten i Yetz ains gütigen vnd denne ains 
erschrockenlichen vnd mit guldin klaidern voll edels gestaines 
beklaidet, Hielt sy ainen höhern sitze, Vnd hatt grosse ougen 
vnd doch die oft beschlossen. In iren oren sach Ich wachse/ 
Vmb daz sy (als Virgilius schribt) mit verschopten oren nit 

15 horte das anrüfifend geschraye der Jemrigen vsz den schiflFen 
in sorgfeltikait gesetzet. Vnd hatt in Ir lingken hande ain 
[164] rüten zu straffung gerichtet. Aber in jr rechten hande, 
sässen eer/ wirde, gunst, fröid, ämpter, hochmüt, gelechter, 
liebe, vermechelschaft , craft, stercke, gezierd, gesang, spys, 

20 trancke. Vnd nit an ainer nidern statt sässen ouch rüm, gün- 
lichkait, sige, adel, wirdigkait, frid, mute, gewalt, macht, hüp- 
sche, lob, genäd, gütikait, hoffart, woUust, brutlöf, tröste. Vnd 
zu jren ftissen, gelycher wyse als megt vnd dienerin ir näch- 
folgende stünden rychtum, gelte, mütwill, liebkoserye, vnd mit 

25 vfgeregten oren vflosende, ob ir fröw sy ützit hiesz/ daz sy 
das hortent vnd schnell tetten volbringen. Aber in dem grase 
an ainer nidern statt wurden gesechen vil stüle sessel vnd 
sitze verdecket, darinne jch sitzen sach vil schatten vnd gaiste 
dero cörpell daselbs erschinnent blaich an farwen. Also kart 

30 ich mich gegen vegium vnd fraget wer die selben weren, die 
da sessent als menschen wirdig der eeren vnd doch trurig. 
Des antwort mir vegius vnd sprach. Dise sint die, die min 
fröw gelück von anfange der weit hat grosz gemachet vnd so 
die selben sich sölicher miner fröwen gnaden vf erden gnüg 

35 gebrucht haut So sint sy herkomen vnd nach dem ain yeder 
grosz gewesen ist / also ist er ouch yetz mit sinem sitzo necher 
miner fröwen danne man hie nit den sitze gibt nach tugenden 
vnd fromkait sunder allain nach seligkait. Diser erste den du 



241 

siehst ist kaiser augustus der da gemachet hat mit fride die 
guldin weite, vnd sine gewalt vnd herschaft gewytert vnd ge- 
meret vber die garamanten Viad die Indischen folcker. Ale- 
xander ist nach Im der ander, Dem selben folget nach kaiser 

5 Julius [164^] Darnach die zwen scipiones vnd nach den selben 
pompeius. Aber der den du siehst schilhend ist hanibal. Dar 
nach der grosz Fabius Emilius, Paulus, Marcellus, Alcibiades, 
Temistoeles, Priamus, Heetor, Agamenon, Achilles, Vlixes, Da- 
rius, xerses, Vnd Ninus. Ich vber hupf vnd förgee vil. Aber 

10 der den du siehst bezaichnet mit ainem zaichen des crützes 
ist constantinus. Dem selben folget nach constancius der veste 
vnd constantinus valencianus vnd theodosius. Es sint euch 
nüwer. der grösz karolus pipinus arturus. Ich läsz aber fallen 
die eitern. Kaiser Sigmunden hast du bekennet vnd sinen 

15 tochterman albrechten, der nach sinem schweeher nit lang 
regiert vnd doch beder gelüeken des seligen vnd des wider- 
wertigen erfarung getan hat. Dann diser albrecht ist vsz 
ainem hertzogen worden küng vnd hat die küngrych hungern 
vnd behem In genomen vnd ist nit lang dar nach erwellet wor- 

20 den zu römschem künge. Aber wie Er bald vnd schnell wuchs 
vnd vfgieng also tett er ouch bald abnemen vnd fallen vnd 
hatt kum drü Jär geregiert da er todes abgangen ist vnd gott 
sinen gaist geben hat. Do redt ich. In welcher wyse nimest 
oder mainest du hie die seligkait. Ich hab in dem buch Ju- 

25 uenalis gelesen kainen bösen menschen selig sin Nu vnder denen 
die du genennet hast sint ir vil gewesen aller böste menschen. 
Danne du waist wie grimsam falsch vnd gyttig gewesen ist 
hanibal vnd hast noch dann den selben gesagt selig sin. Dar zu 
Vegius antwort. Ich hab hie den namen der seligkait nit ge- 

80 nomen als die wysen den nement, sunder hab ich all hie nach 
gefolget dem sitten des püfels vnd gemainen folckes, [165] von 
dem die selig sin geachtet werden, denen aller maist zu steet 
vnd kumpt nach jrem willen wes sy begerent. Dar zu jch aber 
redt. Ich hab nit acht Vegi vmb die töten jch bitt aber du 

85 wollest mir die lebenden zöigen. Lüg sprach vegius vf dise 
syten. Siehst du nit ainen jungen mit wyssem vnd schlechtem 
hire der noch nit alt ist dryssiger jären, der selten lachet 
vnd ains schweren sittigen ganges ist, ains langen aatlUÄ^\Ä 

N. V. Wyle. \^ 



242 

schamig in sinem angesicht vnd von form gestalt vnd gerede 
sins lybes me dann mittelmessig vnd ainer wyten brüste. Ich 
siehe jfin sprach jch. Aber wer ist er? Es ist sprach vegius 
din herre kaiser fridrich. Dar zu Ich redt. Ich bekenn yetz 

5 minen herren Aber warumb fluchet er das angesicht diner 
fröwen des gelückes? vnd was Worten redt sy zu jm? Ich 
hör wol die stimme, aber der worten kan jch nit mercken. 
das wil jch dir Enea sagen sprach vegius. Venus hat nie 
so lieb gehept adonem Als min fröwe dinen herren. Aber doch 

10 fluchet er vnd wil jren günstigen guten willen nit annemen. 
das angesicht miner fröwen ist (als du siehst) güttig/ aber 
fridriehs ougen schützlich vnd vnwirtseh vnd mugent kum mine 
fröwen recht ansechen. Ich waisz nit was sins gemütes ist 
Aber miner fröwen werte sint also. Fridrich belyb vnd gibe 

15 dich mir/ So wirt niemant vnder allen küngen seliger danne 
du. Wo du mir gefölgig bist vnd losest. Ist aber daz du 
mich fluchest, so fluch ich oueh dich. Vnd siehst du, wie 
min fröwe Ir band jm legt vf sine achseln vnd Inn by sinem 
göller begryff'et. Ich waisz nit ob er sich wil lassen fachen 

20 (Das got wöll) danne beschicht [165^] daz er den gunste mi- 
ner fröwen des gelückes versehmächet vnd sy tut fliechen. So 
waisz ich Ire sitten daz sy Im niemer gut willigerer wirt/ 
Danne sy ist hoehfertig vnd wil ee gebetten werden, dann 
bitten. Vnd Ich hab dise fröwen nie gesechen ainchem men- 

«5 sehen als günstig vnd gut willig gewesen sin als yetz dinen 
herren Selig wirt er, ist das er ir folget. Aber Jemrig ob er 
sy fluchet. Do redt ich. Wer ist der nechst by kaiser fri- 
drichen der da geet mit vfreehtem houpte vnd etwas wyterer 
schritten vnd enwenig brun? Es ist sin brüder sagt Vegius 

80 hertzog albrecht ain milter füi'st vns ains adellichen hochen 
gemütes. Vnd dem selben folget nach sin vetter hertzog Sig- 
mund ains schnellem ganges vnd behend von hande vnd von 
grede. Nach dem selben Graue vlrieh von zilge ain maister 
töehlichs strytens vnd ain liebhaber vnd büler nit als trüw 

35 als selig vnd gelückhaftig. fragest du aber wer syg der alt 
von Jären ains grossen lybes, so siehe zu sinen füssen, so 
sagt sin schüch ich bin der von walse. Disen folgent nach 
fürtreffend mane nämlich, der bischoff von kemsee vnd von 



243 

gurge, din herr der Gantzier Caspar schlicke/ der (als du 
sagst) minder hat danne er verdien, der camer maister herren 
hans vngnäde, der zebinger der marschalke, dise sint vsgesandt 
gen Nüremberg zekomen. Bitten sy aber so belybent sy da 

5 haimant Bischoff Lienhart von passöwe, Der Graue von 
schöwenburg, der hofinaister nitperger vnd vil ander die all 
sint süne miner fröwen des gelückes. Wie wol ain yetklicher 
sich claget sines gelückes Vnd Ir kainer des sinen steet be- 
nügig. Dar zu ich sagt. Was vnd [166] wie ist danne der 

10 selben gelücke? Gut sprach Vegius ist das gelücke Irs y«t- 
klichen so ferre, din herre miner fröwen stimm vnd Worten 
loset vnd folget Aber vnstett wandelbar vnd vngelych jst es 
Inen wo Er jr stimme tut vber hören. Vnd do wir also red- 
ten So sich jch ainen man klaines lybes mit ainem schwartzen 

15 angesicht vnd frölichen ougen der mit sinen henden in das 
häre diser fröwen gefallen was vnd ainen locke erwüschende 
sprach. Gestand zu letscht fröwe vnd siehe mich ouch an. 
Wa hin fluchest du mich yetz wol zwelf Järe? Du bist ge- 
fangen, du wollest oder wollest nit. Vnd müs sin daz du 

20 mich ouch ansechest. Du bist mir gnüg lang widerwertig ge- 
wesen Nu main jch du werdest mir ain ander angesicht er- 
zaigen vnd mir gütiger sin/ oder jch wirt dir alles din häre 
vszrouffen. Warumb fluchest du mich? Vnd folgest vnd yl- 
lest nach den klaimütigen? Vnd was diser fröwen stimme zu 

25 Im. Du hast mich vberwunden bekenn jch, vnd wirst mich 
furo nit me finden dir widerwertig. Also fragt jch vnd sprach. 
Vegi wer ist diser der also gewalt vnd frefel tut diser frö- 
wen? Er ist Alfonsus (sprach er) ain küng zu Arragon, der 
mit sinen brüdern by Stancia gefangen vnd dem hertzogen 

«0 von mailand vber gegeben noch dann darnach sölicher gefenck- 
nüsz ledig gelassen / sich ander werb kriegens verfleug vnd 
wider dise fröwen Im vinde vnd widerwertig zeletscht mit an- 
fechten vnd beharrung, So vil gearbaitet hat/ daz er Im dise 
fröwen von schäme vberwunden yetz hat [166^] beruft vnd 

55 widerumb gebrächt. zu gutwilligem gunste. Der ander den du 
kum dryer schritten wyt von miner fröwen siehst/ ist der 
hertzog von burgun vnd by Im sin gemachet Cordata. Aber 
der lange der vf miner fröwen rüffen treg, ist vnd Ir kjasa. 



244 

ain wort antworten mag. Ist ain herre vnd regierer der lam- 
partern, dem ist min fröw oft gütig gewesen/ Er hat aber 
ir stimme nit wollen hören als er billich getan haben sölt, 
vnd darumb so besitzet er dester minder landes vnd besessz 
^ noch minder wo natürlich miltikait nit gebrochen hett die 
tröwung miner fröwen des gelückes. Aber der, der so frölich 
ist gewäpnet in sinen hamüsch ist Johannes vainoda ain herre 
der enetweldem in hungern durch des macht vnd tugend die 
türcken niderligens verlassen haben hungern. Diser schwartzer 

10 ist gisckra. durch des gezüg vnd hilffe behütt sint die taile 
hnngerscher landen küng laszla zügehörig. Aber der kalwe 
den dh siehst, Ist der behem tasco ain verstandner vernünf- 
tiger mane vnd doch vnstett vnd mangerlay willens Vor dem 
selben magst du sechen Piceninum des tugend vnd kunst krie- 

15 gens wir bas mugen wundern danne gnüg sagen vnd vssprechen 
By dem selben steet Franciscus contuuola me von gunst des 
gelückes dann von sinen tugenden zu disen zyten giosz wor- 
den. Vnder disen siehe ich in wyplicher wate vnd beklaidung 
ain fröwen. Vnd wer ist die, sprach ich die also vor den an- 

20 dem dryer schritten wyt geet, vnd so hochfertig gesechen 
Wirt? das ist sprach vegius venedy, die da hat miner fröwen 
des gelückes Schlüssel zu barschaft des geltes [167] vnd die 
tarpeyam behütten tut. Das ander ist brücken In flandern, 
die dritt köln, dar nach nüremberg der selben folget nach 

25 sträszburg, vnd wien ist vnder disen ouch nit die hinderst. 
florentz gelychet sich etlycher mässe Venedy. Aber Ich furcht 
Ir. dwyle sy yetz vil Jär her enpfunden hat minder gunstes 
miner fröwen Din Statt die hoch senis, ist yetz in seligem 
Stande Aber ich waisz nit was tröwung Ich Ir hörr beschechen 

30 Barchinona vnd Valencia gend vf vnd wachsent des geliehen 
lünden vnd sint lustsam vnd hüpsch als du siehst Do redt 
Ich. Ich siehe etlich beklaidet In langen wyten menteln wer 
sint die selben? Der erst sagt Vegius, Ist min babste. hast du 
nit bekennet Eugenium? WoflFa sprach ich. Bekumbert sich 

85 dann dise frow ouch mit gaistlichen dingen der kirchen? Ja 
sprach vegius nit minder danne mit Weltlichen, siddemmäle 
vnd vnser priester angehept haben zeherschen vnd me vnd 
grösser zeüben vnd zeachten Weltliche ding dann gaistliche. 



253 

Min allerliebster fründ vnd der fürnemest aller kriechen De- 
trianus, hat wol vnd recht getan/ daz er in gutem vertru wen, 
die sinen zu mir schicket. Du siehst lud dise min wonung 
klain sin vnd doch wyt genüg mir Irera inwoner. Du wirst 

5 aber durch din gegenwürtigkait dises huse (so ferre du für 
gut haben wilt) wyter machen. Darnach beruft er sin dienst 
magt vnd sprach. Gib disem vnserm gaste ainen rock vüd 
ob er etwas mit Im gebracht hab, das behalt Im. Dar nach 
schick Inn in das bade das wyt von vns gelegen jst. Des 

10 nam mich Palestra (Dann also was die magt genant) Vnd zaigt 
mir ain aller hupschtes huse vnd gemache vnd redt, an dem 
bette wirst du hinacht schlauflFen. Aber disem dinem knechte 
wil jch ain ander bette zurichten. Vnd als sy disz geredt 
hatt i gab jch ain mes gersten der magt zu füter minem pfert 

15 vnd gieng hin in das bade Vnd als jch gebadet widerumb an 
die herberg kam, enpfieng mich hispartus gütenklich vnd hies 
mich zu Im nider sitzen ze essen. Das nachtmäle was zierlich 
vnd costlich wol zügericht vnd beraitet Vnd dar by genüg gu- 
tes alten wines Vnnd ob dem selben nachtmäle vnd ouch dar 

«0 nach getranck Vnd rede die sich ainem guten wirte geburten. 
Vnnd als wir den aubent also mit trincken Vnnd gutem ge- 
schwatze [173**] vertriben hatten?' giengen wir zeschlauffen. 
Des andern täges fraget mich Hispartus wa hin Ich wölt vnd 
vber wie vil tage Ich widerumb zu Im komen wurd. Ich sa- 

25 get Im Ich wölte gen latissam vnd wurde aber zeuor vf fünf 
tage by Im belyben. Dises redt Ich aber nit nach willen 
mins gemütes, Danne der selb min wille stund etwa lange alda 
zebelyben/ bis von mir etlich zouberye funden wurd von dero 
zouberye Ich etlich wunder. sechen möcht Es were ainem flie- 

30 genden menschen oder ainen menschen verkert in ainen staine 
oder in ain anders des gelychen/ Vnd sölichs zeerfaren hüb 
ich an die statt zedurch geen, Wie wol ich was vngewissz 
wo ich ain sölichs suchen sölt. In dem siehe Ich ain 
fröwen gegen mir geen vnd als vil ich vf der strässse erken- 

35 nen mocht Jung vnd ryche. Danne Ire klaider wären von 
blümen gemusieret. So hatt sy ouch an ir vil goldes vnd by 
ir vil diener. Vnd als dise fröw zu mir kam / nampt sy mich 
mit minem namen vnd sprach Ich bin abra ain fründin (ob 



246 

ist die statt röm vor zyten guldin vnd nu yetz katig. Capna 
folget ir nach. Darvf nechst Sy racufe / so dann Janua, lune, 
pisa, lucka, paryse. Vnder den germanen sint noch steet in 
gutem wesen, dann allain präge ain gezierd der selben nacion 

5 tut abnemen vnd sich schwechern. Constantinopel ain houpt 
der kriechen nächet dem tode. Die zyt zemmet vnd bringet alle 
ding Vnd ist kainem dinge das gelück ewenglich gut vnd 
werend. Diser truriger mit nidergesencktem houpte ist küng 
Renatas den das gelücke vertriben vnd beroubet hat des küng- 

10 rychs zu Nopels. So ist der da/ thomas fulgosius der ains 
hertzogtüms entsetzet in gefengknüsz ligt in ainem wüst vnd 
gestancke. So ligt alda Pangracius in band ysen gefangen der 
da pflag mit mengklichem kriegisch vnd vngestüme zeleben 
vnd aller maist mit dinem cantzler So siehst du euch da den 

15 hertzogen von borbun der dem küngrych zu franckrych recht 
satzt vnd machet, der nu ains tails sines landes vertriben/ 
yetz sin müs vsserthalb sines küngklichen sales vnd gesesses, 
Siehst du ouch nit dort den alten wolgestalten man Mit ainem 
langen gräwen harte Der selb ist hertzog ludwig von beyern, 

20 den sin sun sines landes hat entsetzet vnd yetz haimant ver- 
hütet ingefengknüsz. Vnd do vegius also mit mir redt, do 
lüget Ich wider hin vmb gegen der rechten hande/ vnd sach 
ain felde bedeckt mit wyssen schynenden wolcken Vnd so ich 
hin in blick Es were dann ain wäre [168^] ain wäre figur 

25 oder ain vnwärs gestiflfts dinge so bedücht mich. Ich seche 
laidislaum ain kind mit ainer krönen Vnd mit küngklichen 
klaidem beklaidet vnd mit Im vil Junger kinden spilen vnd 
schimpfen. Des batt Ich Vegium fragende. Wer die selben 
weren. Die also mit ainer hohen wolcken weren vmb geben. 

80 Sy sint sprach vegius die denen min fröw gelück verhaisset 
künftigen gunste, ist das sy lebent vnd gefölgig sint ange- 
sechner Schickung vnd bescherrung vnd kum hat Vegius dise 
wort vsgeredt, Do die göttin fröw gelück in mich Ire ougen 
warf vnd mit züsamen gezognen bräwen sprach . . Wer hat 

36 dich her beruft enea ? Darzö jch antwort niemant fröw. Sun- 
der in begirden dich zesechen bin jch her in gegangen. Du 
wollest (bitt Ich) mir darumb nit zürnen. Ich hab din rych 
besechen vnd wil nu yetz abschaiden Aber ains dinges bitt Ich 



255 

darlnne ich weder hispartum noch sin husfröwen finden tett. 
Palestra sas aber in der kuchhe by dem füre das nächtmäle 
beraitende, zu dero ich sprach, o. Palestra wie gar schon vnd 
lustenklich wegest du vnd traist hin vnd her vmb, in rechter 

5 mässe dinen hindern vnd die häfen. Du hast mich gantz ent- 
richtet vnd mir zu vil lustes vnd begirden gegen dir erwecket/ 
Selig were ich tetest du mich sölicher bürde entladen. Dise 
dirn vsz disen Worten schamperer gemachet, antwort vnd redt 
mit güttigen Worten. Gang hin Jüngling ob du wyse syest. 

10 Es sye dann daz du lieber wollest dir din lebeii werden ge- 
nomen vnd fluch die steet des füres vnd rüsses. Dann wo du 
mich ainist in liebe der minne berürtest so wurd dir folgen 
ain fürin wunde, Da durch dir gegen mir gebruchh sin wurd 
vnd dero dich kain anderer artzat noch got möcht hailen, 

15 Sunder wurd ich allain dich brennen vnd wunder vast in 
schmertzen vnd grosser vnrüwe üben vnd tryben. Welcher 
dingen artznie du nit lichtenklich möchtest lyden noch mit craft 
der stainen disen süssen schmertzen vermiden vnd vertryben. 
Wes lachest du aber? Wes besiehst du also ainen menschen 

«0 der ain kochh ist nit allain gelert zeberaiten dise schnö de spyse, 
Sunder ouch menschen (Ja vnd das [175] zütün grösser ist) 
söliche menschen ze enthöpten, die hut abzeziechen vnd die 
gelider vnd die geäder in stucke zezertaillen vnd die hertzen 
ze erfaren. Da hast du (sprach ich) recht vnd war gesagt. 

25 Dann wie wol jch wyte von dir bin. So hast doch mich yetz 
nit allain getan warm werden sunder gar nach gantz ver- 
brennet vnd din vnsichtig füre durch mine ougen geworffen 
in min geeder, die an all min schulde gantz vszebrennen. Vnd 
darumbe bitt Ich dich daz du mir hail bringest vnd tügest 

so mit disen dinen scharpfen vnd süssen Worten (die du gesagt 
hast) vnd mich artznyest vnd mir yetz töten die hut abziechest 
nach dinem willen Vnd als dise Palestra mit sölichen schimpf- 
lichen Worten mir gütiger worden was, Verhies sy mir/ So 
bald Ir herre vnd fröwe zu schlaffen gangen weren, daz sy 

85 denne zu mir komen vnd by mir ligen wölt vnd minen willen 
volbringen. Vnd als dar zwüschen Hispartus haim komen waz 
giengen wir zu dem nacht essen, Da der volle was gutes ge- 
dranckes vnd gutes geschwatzes. Aber bald stifft jch mich 



248 



[169^] iJEm hochgebornen herren herrn Eberharten 
grauen zu wirtemberg vnd zu mümpelgarte etc. Minem gne- 
digen herren Enbüt jch nicläs von wyle min vndertenig willig 
dienste allzyt zu vor Poggius florentinus hat gnediger herre 

5 von kriechischer zungen zu latinischer gebrächt vnd transfe- 
ryeret ain wundersam gedieht von luciano ainem aller eltisten 
poeten gemachet vnd lutende von ainem menschen der durch 
etlich kunst der zouberye in ainen esel verkeret/ ain gantz 
vmbgend Järe sölich form vnd gestalt ains esels tett beheben. 

10 doch vnuerendert siner menschlichen vernunfte Nu bin ich oft 
gebetten worden das selb latinisch gedieht wyter ouch in tütsch 
zebringen / da mit die menschen der latin vngelert dise wunder- 
bare geschieht ouch möchten versteen vnd sich dero zu kurtz- 
wyle gebruchen. dar Inne jch aber bisher verhalten han / dar- 

15 umb daz nit ferre nach dem anfange desselben gedichtes (da 
gemeldet wirt von der dienstmagt palestra vnd ouch zu letschte 
nit wyt vor dem ende, da meidung beschicht, daz menocles 
dienern ainer, pfleg disen esel etliche menschen vmb gelte ze- 
sechen lassen) so vil vnküscher wercken mancherlay gestalten 

20 hierjnne, stand geschriben/ daz Ich nitwolt vnd noch nit wil 
die selben geschriflfte sölicher wercken zu tütsche bringen, Noch 
yemant ain vrsach sin zu lernung fremder süntlicher künsten. 
Als Ich aber nechst ain zyt in dem eilend gewesen bin / müs- 
sig aller arbait/ äne des gemütes/ kam mir zu banden das 

25 selb gedieht Luciani obgeraelt [170] Vnd die wyle ich aber 
dozemäl aller andern miner büchern daselbs mangel hatt / fiel 
in min gemüte Mir besser vnd weger sin/ daz ich zu vertry- 
bung schwerer gedencken vnd fantasyen, Dises gedichte zu 
tütsch transferyerte vnd die geschrift der lasterlichen wercken 

»0 ee fürgienge vnd die nit beschribe, Danne daz ich in müsse 



249 

min gemüt mit sölichen gedencken sölt wyter belesligen Ynd 
entrichten Vnd hab darumb sölich latinisch gedieht dises eseb 
(doch mit vermidung der schamperkait yetz gemelt) transferye- 
ret vnd in disz nächfolgend tütsche gebracht das ich üwem 

5 gnaden hierby des ersten vnd vor mengklichem ander schick 
als minem gnedigosten herren, des gnedigen willens ich in 
dem gemelten minem eilend, gegen mir so gröslich hab enpfan- 
den / daz mich der billich verpflichtet vnd bindet üwem gni- 
den vor mengklichem andern (nich minen gnedigen herren 

10 üwer gnaden vettern) zemittaillen / was ich verstund oder 
marckte komen den selben üwern gnaden zu dienste zu kurtz- 
wyle vnd zu gefallen So ich aber waisz üwer genäde- sin ainen 
liebhaber aller künsten vnd hüpschkait, vnd nit allain gegeben 
ainem dinge, daz ir darumb die andern mydent vnd üch dar 

15 Inne nit übent/ Sunder (als das sprüch wort ist) zu allen 
Sätteln gerecht gut vnd tügig, gelych dem Terentzianischen 
Pamphilo in andria. So hoff ich disz min translantze so von 
ainem afentürigen esel/ üwern gnaden komen sollen zfi ge- 
fallen. Wie vil aber geloubens oder vngeloubens, Der wärhait 

20 halb disem esel syg zehaben/ gelust mich üwern gnäd wenig 
lenger vf [170^] zehalten vnd dero wyter etwas zeschryben 
das Ich in dem dach Sanct Augustins von der statt gottes 
in sinem achzehenden buche funden han daz ist ain sölichs. 
Er tut in dem selben buche vnder anderm melden. Wie Varro 

25 (der ain wärhafter schriber der historyen gehalten syg) Schrybe 
von der zouberin Circe/ daz die selb Vlixis gesellen all ver- 
karte vnd machre in gestalten vnuernünftiger tieren. Item 
vnd das etlich menschen des landes archadie, vber ain wasser 
gefürt in ain Insell schwument vnd daselbs all in wolfe ver- 

30 kert wurden, mit andern tieren furo alda jr wonung habende. 
Welche aber der selben vber nun Jar herwiderumb schwument, 
Vnd dar zwüschen kain menschen flaisch ge essen betten daz 
die widerumb zu menschen wurden Item vnd daz der selb varro 
ainen nenne, der da des opfers das die Archaden Irem gotte 

35 liceo geopfert hatten/ tett essen vnd niessen vnd dar von 
schnell verkeret wurd in ainen wolffe vnd erst nach zechen 
Jären widerumb zu mensche worden syg. Vf das ouch Sanct 
Augustin vnder anderm dise nachfolgenden wort von jm selbs 



250 

schribet also sprechende Sollen wir sagen daz dise ding nit 
zeglouben syen So findt man lüt die yetz sagent, daz sy sö- 
liche ding nit allain gelouplich gehört, suuder dero wärlich 
Innenbrächt worden syen. danne wir selbs in ytalia des ge- 

5 lychen von ainer gegne desselben lands haben hören sagen 
daz etliche wyber diser bösen kunst gelert vnd daselbs des 
fichs pflegende / gewon weren in käsen zegeben den menschen 
zeessen/ daz die euch zu flehe wurden vnd alle der wyber 
notdürftige dinge [171] trügent da hin sy die gern haben wöl- 

10 ten vnd wenne das volbrächt worden wer / daz sy dann wider- 
umb zu menschen wurden daz Inen noch dann in sölicber 
verkerung belib menschlich vemunfte daz Inen die nit wurd 
genomen Als apuleius in dem buch das er nennet vnd intitu- 
lieret den guldin esel/ aintweders wärlich zaiget oder stift 

15 vnd erdichtet Im selbs beschechen sin, daz er durch innemung 
etlicher gifte zu aim esel wurd. Vnd jm doch belibe mensch- 
lich gemüt vnd vernunfte disz sint die wort sanct Augstius. 
Ich wil aber gnediger herre wyter euch ains hin zu setzen 
daz ich ainsmäls von herren Micheln von pfuUendorf dozemäl 

20 kaiserlichem kamerschriber gehört han Der selb sagt mir vnd 
vil andern by jm ob ainem tisch sitzende , daz ain wirt vnd 
gast gebe in ainer statt eer vnd gut habende, by sinen trü- 
wen hoch vnd türe redte, daz er durch gemecht ainer fröwen 
lenger dann ain gantzes Jär ain wilde gans gewesen wer, mit 

25 andern sölichen gensen vmbfligende als lang, bis ains mäls ain 
gans in aim gezengk vnd kämpfe Im von geschieht ab sinem 
hals risse etlich gemechte vnd zouberye Im in ainem tüchlin 
angestrickt. Ich kum aber widerumb vf das schriben sanct 
Augustins der in sinem obgeschriben buche meidung tut, daz 

80 die historien sagent daz Dyomedis gesellen in dem abzuge 
als Troye gewunnen was alle in fögel wurden verkert vnd 
nächmäls den tempel desselben Dyomedis vmbflugent vnd dar- 
Inne Ir wonung hetten etc. Vnd so nu sanct Augustin diser 
dingen aller also in lengern werten meidung getan hat So 

35 schribt er darvf dise nächfolgenden werte. [171^] Dise ding 
sint aintweders falsch oder aber so vngeübt. daz sy billich 
nit geloupt werden Aber vestenklich ist zegelouben den all- 
mecbtigen gotte alle ding tun mugen, die er wil Es syge zft 



261 

straffung oder belönung vnd die tüfel nützit mögen würcken 
danne daz gott verhenget, des yrtaüen vil haimlich srnt, aber 
kaine yngerecht So mugen auch die tüfel nit creaturen schöpfen 
noch machen, aber der gestalten halb, wol die ding so von 
5 dem wären got geschöpfet sint also verkeren, daz sy fantas- 
tenklich gesechen werden sin daz sy doch nit sint, dann ainer 
genant parstancius sagt vns ains mäls daz sinem vatter be- 
gegnet wer, daz er des giftes in der käsen ainem obgemelt 
vf ain zyt in sinem huse geessen hett vnd darvon an sinem 

10 bette leg gelych aim schiäffenden vnd doch also daz er kains 
wegs erwecket werden möcht. Als er aber fber etlich tage 
von Im selbs erwachte sagte er wie ainen tröme, daz er ain 
pfert gewesen wer vnd ettlichen rittem zu rethica kom ge- 
tragen vnd sich grosser arbait erlitten hett etc. Das nach- 

15 mäls durch erfarung fanden wart also war vnd beschechen 
sin wie es jm getrömet hatt. Vns vnderrichtet ouch ain an- 
derer, daz er in sinem huse ainer nacht vor vnd ee er ent- 
schlieffe gesechen hett zu Im komen ainen Philosophum jm wol 
bekant, der mit leere vnd vnderwysung jm vslegte vnd ent- 

20 schiede ettlich schrifften vnd spruche platonis, die doch der 
selb philosophus Im vor nie offnen vnd vszlegen wölt ouch 
oft gebetten. Vnd do man nochmals von jm fragte i War umbe 
Er das getan hett in aim fremden huse vnd vngcbetten das 
er vor nie tun wölt gebetten vnd in sim [172] aigen huse 

25 Antwort Er. Ich habs nit getan/ wol hat mir getrömpt daz 
jchs getan hab etc. Vnd ist also dero ainem der da wachet 
durch fantastig gespenste erschinen vnd begegnet das, das 
dem andern hat getrömet disz sint die wort Sanct Augustins. 
Ob nu wol gnediger herre die theologi vil arguwierent vnd 

30 probieren vnmuglich sin, daz ain mensche in ainen esel ver- 
keret werden mug, anders danne daz mit würckung des ttt- 
fels durch gespenst vnd fantasien der menschen gesiebt vnd 
wäne hierjnne werd betrogen daz sy wännent vnd geloubent 
sich Sechen das sy doch nit sechent, vnd ain ding sin, das es 

35 doch nit ist. Noch dann wenne jch mich selbs wände sin 
ainen esel vnd mich selbs dar für anseche vnd des gelychen 
mich ander lüt ouch dar für sechen vnd hielten, so bedüchte 
mich jch were esels yemer gnüge. Aber die poeten pflegent 



252 

oft etliche ding verdackt vnder gestalt ainer fabel zebeschri- 
ben so sy noch darjnne die wärhait vermainen also mag ouch 
hie sin, daz lucianus gemaint hab disen menschen von dem er 
schribt in siner bülschaft zu aim esel worden sin, das ist zu 
5 aim toren vnd narren Als an me enden geschechen mag. Wol 
dem der nit vber ain jär darjnne beharret, aber disz ist vil- 
licht zu vil lang üwer genäd vfgehalten. Darumb geloub ain 
yder was er wolle vnd hören wir yetz das gedieht luciani. 

[172^] Do ich ains mäls in das land thesaliam ryten 

10 wolt, da mir dann etlich rechnung von mins vatters wegen 
zetün waren/ kam ich vf dem wege von geschieht zu etlichen 
thessalanen desselben landes jnwonern, die da gen ypatam in 
ain statt daselbs haim geen wolten. Ich rait vf aim pfert 
etliche notdürftige ding mit mir fürende/ vnd nit mer dann 

15 ainen knecht by mir habende, der mir zu füsse nächfolget. 
Vnd als wir vnder sölichem ryten vnd gange von mancherlay 
dingen redten vnd yetz nach zu der benanten statt komen 
wären/ fragt ich von den selben thesselanen, ob sy nit ainen 
burger in der selben irer statt bekanten genant hispartus / dann 

20 ich hett etlich brief an Inn stende vnd daz ich zu Im als 
minem wirte Inkeren vnd etlich tage by Im belyben wurd; 
Sy antworten mir. Inen disen menschen wol bekant vnd den 
vast rych vnd doch karg sin, vnd nit mer in sinem huse ha- 
ben dann ain eliche husfröwen vnd ain magte. Sagten mir 

25 darby an welchem ende der statt sin huse in aim garten ge- 
legen wer. Vnd als wir zu beder syt vrlob von ainandern 
genamen, schieden wir abe, vnd rait ich zu hisparten huse 
vnd klopfen an. des kam sin husfröwe, die ich fraget ob nit 
hispartus anhaimsch wer. Vnd als sy hin wider gefragt, wer 

80 ich were vnd was ich wölt, vnd ich geantwort. Ich hette von 
Decriano sophista patrensi, ainen briefe an Hispartum lutende / 
hies dise fröw mich enklain warten, vnd beschlos die türe/ 
vnd kam bald herwider [173] vnd hies mich hin In geen. 
Das Ich ouch tett, Vnd grüst den menschen vnd gab Im den 

35 briefe. Er was in dem anfange sins nachtmäls vf aim vast 
klainen betlin sitzende vnd sin fröw mit Im essende, Ob aim 
tische 1er der spyse. Vnd als er den brief geläs/ Redt er/ 



253 

Min allerliebster fründ vnd der fümemest aller kriedien De- 
trianus, hat wol vnd recht getan / daz er in gfttem yertmweii, 
die sinen zu mir schicket. Du siehst laci dise min wonmig 
klain sin vnd doch wyt genüg mir Ireni inwoner. Du wirst 

5 aber durch din gegenwürtigkait dises huse (so ferre du ftr 
gut haben wilt) wyter machen. Damach beruft er sin dienst 
magt vnd sprach. Gib disem vnserm gaste ainen rock y&d 
ob er etwas mit Im gebracht hab, das behalt Int Dar nach 
schick Inn in das bade das wyt von vns gelegen jst Des 

10 nam mich Palestra (Dann also was die magt genant) Vnd zaigt 
mir ain aller hupschtes huse vnd gemache vnd redt, an dem 
bette wirst du hinacht schlauffen. Aber disem dinem knechte 
wil jch ain ander bette zurichten. Vnd als sy disz geredt 
hatt i gab jch ain mes gersten der magt zu fftter minem pfert 

15 vnd gieng hin in das bade Vnd als jch gebadet widerumb an 
die herberg kam, enpfieng mich hispartus gütenklich vnd hies 
mich zu Im nider sitzen ze essen. Das nachtmäle was zierlich 
vnd costlich wol zügericht vnd beraitet Vnd dar by genüg gu- 
tes alten wines Vnnd ob dem selben nachtmäle vnd ouch dar 

30 nach getranck Vnd rede die sich ainem guten wirte geburten. 
Vnnd als wir den aubent also mit trincken Vnnd gutem ge- 
schwatze [173^] vertriben hatten/ giengen wir zeschlanffen. 
Des andern tages fraget mich Hispartus wa hin Ich wölt vnd 
vber wie vil tage Ich widerumb zu Im komen wurd. Ich sa- 

25 get Im Ich wölte gen latissam vnd wurde aber zeuor vf fünf 
tage by Im belyben. Dises redt Ich aber nit nach willen 
mins gemütes, Danne der selb min wille stund etwa lange alda 
zebelyben / bis von mir etlich zouberye funden word von dero 
zouberye Ich etlich wunder. sechen möcht Es were ainem flie- 

30 genden menschen oder ainen menschen verkert in ainen staine 
oder in ain anders des gelychen/ Vnd solichs zeerfaren hüb 
ich an die statt zedurch geen, Wie wol ich was vngewissz 
wo ich ain sölichs suchen solt. In dem siehe Ich ain 
fröwen gegen mir geen vnd als vil ich vf der strässse erken- 

35 nen mocht Jung vnd ryche. Danne Ire klaider wären von 
blümen gemusieret. So hatt sy ouch an ir vil goldes vnd by 
ir vil diener. Vnd als dise fröw zu mir kam i nampt sy mich 
mit minem namen vnd sprach Ich bin abra ain fründin (ob 



254 

ye ainch fründin gewesen ist) diner müter. vnd die wyle ich 
ire stine nit minder lieb hab, danne die minen/ so wil ich 
daz du zu mir Inkerest. Dar zu ich antwort Ich sag dir grossen 
danck müter, Vnd wölte gern by dir sin/ Aber schäme tut 
5 mich hier an hindern, Vmb das ich nit gesechen werd minen 
früntlichen wirte verschmächen wo ich sin hus verliesse. Ich 
,wil aber haben den willen für die wercke vnd by dir sin mit 
minem willen vnd gemüte. Vf das sy fraget. Ist nit Hispar- 
tus der gytig karg mane [174] din wirte? 0. nit gebruche 

10 dich müter (sprach Ich) me diser werten/ Danne er ist milt 
vnd costlich gegen mir gewesen vnd das so vast, daz er von 
zeuil costens wegen geschulten werden möcht; Sy lachet vnd 
nam mich by der hande vnd fürt mich enklain hindan von 
von den andern vnd sprach. Ich wil daz du dich hütest mit 

15 allem flysze vor Hispartis husfröwen danne sy ist ain grosse 
zoubrerin Vnd die die menschen kan verkeren vnd verwandeln 
in ander formen vnd ist der mannen begirig , Vnd wenne sy 
zu Jünglingen liebe enpfächet/ Es syge dann daz ain yder 
mit allem flysz tag vnd lebe nach jrem willen , So riebet sy 

20 sich an Inen etlich ertödende vnd etlich in tiere vnd fremd 
gestalten verwandelnde/ So bist du lieber sune Jung vnd 
hüpsch daz du lychtenklich ainer fröwen gefallen magst So 
bist du ouch hier zu ain gaste vnd fremd, die man lichtenk- 
lich verachtet Vnd als Ich hie marckt, daz Ich das ding das 

25 Ich so geflissenlich sucht da haimant an miner herberg hatt/ 
verlies Ich die fröwen, Vnd vf dem weg haim gende, hüb Ich 
mit mir selbs also an -bereden, Nu wol an sprach Ich. Du 
der so mit grossem flysse vnd erste begeret hast dise wunder- 
baren kunst zeerfaren / erwecke dich selbs yetz vnd lern dise 

so äfenture / da durch du dich gebruchen mugest wes dich werd 
gelüsten, Vnd die wyle sich nit gebürt dines früntlichen wirtes 
husfröwen zebülen/ So büle die dienstmagt Palestram, Vnnd 
kere an alle din vernunfte dir die zeverainen, Danne wo du 
die erbülest vnnd du Ir hier [174^] Inne gerychest/ so magst 

»5 du furo äne arbait lernen vnd erkennen des du begerest / An- 
gesechen daz gewon ist knechten vnd megten offen vnd vnuer- 
borgen sin tugend vnd laster Irer herren vnd fröwen. Vnnd 
als ich sölichs mit mir selbs geredt/ gieng ich in das hüse, 



255 

darinne ich weder hispartom noch sin hosfriwen finden tett. 
Palestra 8as aber in der knchhe by dem füre das nächtmUe 
beraitende, zu dero ich sprach, o. Palestra wie gar schon ynd 
lustenklich wegest du ynd traist hin ynd her ymb, in rechter 

5 mässe dinen hindern ynd die häfen. Da hast mich gantz ent- 
richtet ynd mir zu yfl lostes ynd begirden g^en dir erwecket/ 
Selig were ich tetest da mich solicher barde entladen. Dise 
dim ysz disen Worten schamperer gemachet, antwort ynd redt 
mit güttigen Worten. Gang hin Jüngling ob da wyse syest 

10 Es sye dann daz da lieber wollest dir din leben werden ge- 
nomen ynd flach die steet des füres ynd rAsses. Dann wo da 
mich ainist in liebe der minne berürtest so ward dir folgen 
ain fürin wände, Da durch dir gegen mir gebrachh sin ward 
ynd dero dich kain anderer artzat noch got möcht hallen, 

15 Sunder ward ich allain dich brennen ynd wunder yast in 
schmertzen ynd grosser ynrüwe üben ynd tryben. Welcher 
dingen artznie du nit lichtenklich möchtest lyden noch mit craft 
der stainen disen süssen schmertzen yermiden ynd yertryben. 
Wes lachest du aber? Wes besiehst du also ainen menschen 

so der ain kochh ist nit allain gelert zeberaiten dise schnöde spyse, 
Sander ouch menschen (Ja ynd das [175] zütAn grösser ist) 
söliche menschen ze enthöpten, die hut abzeziechen ynd die 
gelider ynd die geäder in stucke zezertmllen ynd die hertzen 
ze erfaren. Da hast du (sprach ich) recht ynd war gesagt 

25 Dann wie wol jch wyte yon dir bin. So hast doch mich yetz 
nit allain getan warm werden sunder gar nach gantz yer- 
brennet ynd din ynsichtig füre durch mine ougen geworffen 
in min geeder, die an all min schulde gantz yszebrennen. Vnd 
darombe bitt Ich dich daz du mir hail bringest ynd tügest 

so mit disen dinen scharpfen ynd süssen Worten (die du gesagt 
hast) ynd mich artznyest ynd mir yetz töten die hut abziechest 
nach dinem willen Vnd als dise Palestra mit sölichen schimpf- 
lichen Worten mir gütiger worden was, Verhies sy mir/ So 
bald Ir herre ynd fröwe zu schiäffen gangen weren, daz sy 

85 denne zu mir komen ynd by mir ligen wöltynd minen willen 
yolbringen. Vnd als dar zwüschen Hispartus haim komen waz 
giengen wir zu dem nacht essen, Da der yoUe was gutes ge- 
dranckes ynd gutes geschwatzes. Aber bald stifft jch micli 



256 

nchlettrifi ün vnd gicng hin zeschl&ffen an dis gemelt ende, 
da mir Innwcndig, alle ding zum aller besten bendt wiren. 
Mmr vHHerthalb was ain betlin minem knechte gebettet ¥nd 
ky tutneni bette ain tisch dar gesetzt ynd dar vf ain becher 

6 nttt gAtem nüwem wine, Ouch wasser kalt vnd wanne, das 
altiü» I'aleHtra hatt zftgericht vnd vnser bette mit vil rosen 
l)i!M|iri!tig<*t vnd dar vf ouch krentzlin geworffen vsz sölichen 
roitüti gismachet Vnd do jch dise wirtschafft [175^] also £and 
lH!rait vnd zAKCiricht/ Marckt Ich wol daz Ich miner gespilen 

Ml vnd mittrinckerin sölt warten. Als aber die/ Lrefröwen nider- 
gelugt hatt, Kam sy von stund an zA mir. Alda vns dann 
Nanmnt was ain frolich wirtschafft mit vsschrackung wines 
vud küHMcns, ouch mit Inncmung der gedrancken die vns rus- 
tigur vnd tügiger machen in die macht der minne. Vnd redt 

lA Hy /A mir. Nu lAge du Jüngling (das müs sin) daz da vor 
allen dingen ingedenck syest daz du dich min verfangen vnd 
vnderwunden li&st vnd du in disen schimpfe ye komen woltest. 
Vnd darumb so gcbttrt sich, daz du yetz erzaigest wie tettig 
gCHchickt glaubt vnd mcchtig du syest, vnder andern Jung- 
te lingctn disen stryte zevolbringen. Dar zu ich antwort, niemer 
tlüche ich palestra dises din fOrfordem vnd bin yetz beraitt. 
mich nackcait vszczicchen vnd dinem fumemen nachzekomen 
vnd mich stryts mit dir zeüben; Darvf sy redt/ Ich wil daz 
du mir gefölgig syest Dann wil ich nach sitte vnd an statt 

«ft ains maihtors vnd doctors dir sagen vnd vnderschaide geben 
vnd gebieten welches fcchtens Ich dich wöll gebruchen/ da 
dir gebürt, minen gebottcn schnell gehorsam zesind vnd die 
zevolbringen. üebütt sprach ich wes dich gelust, des bin ich 
beraitt sölichs zevolbringen. Vnd als dem nach vf ir gebotte 

3*) nrnncherhaiid spils vnd strytens gepflegen vnd volbrächt wart / 
Kam vnd fiel ich in ain grosses gelechter vnd sprach. Ich 
wölt 0. liebe maisterin, dir von mir ouch etlich sölicher ge- 
bütten geben werden vnd daz du den selben ouch [176] werest 
gefölgig. Vnd als sy des verfolget Redt Ich. Rieht dich yetz 

»6 vf vnd sitze zA mir vnd bütt mir dine rechten hande, daz wir 
yetz sament dises kriegs gericht syen. Danne es ist yetz die 
zyt hie zeschläffen. Dise nacht mit sölicher übung vnd Wol- 
lust vertriben/ machet daz Ich des wegs gantz vergas den Ich 



257 

tun solt m die statt larissant Do mir aber zu fiel die vrsach 
mines belybens viid was Ich gern lernen wölt etc. Sprich ich. 
0. aller liebste Palestra jch bitt zaige mir dine fröwen da sy 
sich gebrohe Irer zouberye vnd sich in ain ander form vnd 

5 gestalt werd verkeren. Danne jch lang zyt her gewunschet 
ynd begeret hab etwas sölicher wunderlicher dingen zesechen 
vnd aller liebest von dir, ob da des ützit köndest. Danne jch 
geloub daz du diser knnst nit gar vnwissend syest dammbe 
jch disz von niemant lieber dann von dir (die yetz worden 

10 bist min sele) lernen vnd haben wölt Danne du mich (der 
von liebe w^en der minne vf kain fröwen mine ougen ye ge- 
worffen han) dir yetz gemachet hast zu aim knecht vnd aigen 
menschen vnd mit diner kunst der zouberye gantz gebunden. 
Dar zfl palestra antwort Du schimpfest, dann wer möcht mit 

15 zouberye f berwinden liebe, die da ist ain wäre maisterin dises 
dinges. Ich schwere dir by minem houpte vnd by minem 
günstigen willen^ den jch zu dir han / Mich (die weder schry- 
ben noch lesen kan) diser dingen gantz vnkunnend sin/ doch 
ist daz es sich schicken wirt so wil jch flysse tftn daz da 

»> sechen mögest min fröwen sich in ain ander form vnd gestalt 
verwandeln. Als wir nu geschlaffen hatten/ tett mir [176^] 
Palestra fber wenig tage damich verkünden/ daz ir fröwe 
sich in ainen fogel wölt verkeren vnd zfi irem bülen fli^en. 
Nu ist hie die zyt (sprach ich; liebe palestra daz du minen 

^ begirden genüg tön magst Bis mfttig sprach sy. Ich wil es 
tftn. Ynd als die nacht her gieng nam sy mich by der hande 
vnd fftrt mich zft ainer tftre des huses da ir schlauffkamer 
was vnd hies mich zä ainer klimsen der tfire hin in Iftgen 
vnd vfmercken was alda besehechen wurd. Daselbs ich saeh, 

80 Die fröwen nackent aller klaidem herförgeen mit ainem ange- 
züntem Hechte vnd sy haben zway kömer, dero sy das ain 
(das wieroch wa^) kgt in das brinnend hechte, Vnd etlich 
wort in das ielh liecht reden tett Darnach schlos »y vf ain 
grosse kisten darinne vil bfichsen $tfinden, dero sy aine hervs 

35 nanL Was daijnne wer mocht ich nit erkennen. Aber als vfl 
mine ougev vrtaikn m/>ehten, so bedacht mich das so daijnne 
wer / were Sie. Welches öle *y dar n nam vnd von oben bis 
vndea vs h gantzen lybe dar mit dorehsalbet Darrofi k 



258 

bald wücbseot fltigel viid ain hürniner schnabel vnd wart gantz 
verKert in ainen vogel gelycbe ainer nacht vUen. Vnd als sy 
DU sieb selbs sacbe ainen fogel sin/ tett sy scbützlicb näcb 
Sitte der selben fogeln schryen vnd zu der thüre vs hinweg 

6 fliegen. Als ich aber diser dingen begirig, maint sölichs ge- 
wesen sin ain gespenscht vnd betrugnüsz vnd ich minen ougen 
nit getrüwen wolt daz ich das gesechen hett/ danne daz ich 
maint / daz mir sölichs villicht also hett getrömet vnd ich zu 
letscht küm marckt mich kains wegs schlaffen. Batt ich pale- 

10 stram, daz [177] Ich ouch also gesalbet in ainen fogel verkeret 
wurd Danne ich begert durch erfarung zelernen ob ich vsz 
aim menschen möcht werden ain fogel. Palestra tett der kamer 
türen vf vnd brächt mir ain büchsen / Deshalb ich mine klai- 
der bald abzoch vnd mich vsz der büchsen gantz durchsalbet. 

15 Aber mir' zu vnseligem gelücke ward ich kain fogel sunder 
schnell vnd bald, hüb mir an binden zewachsen ain schwantze 
vnd die finger miner h enden fassen werden zu hörne vnd oben 
an zeentspringen lange oren vnd ain grösser kopfie ains langen 
antlitz. Vnd do ich das alles besach, bekant ich mich worden 

20 sin ainem vngestalten esel. Mir gebrach menschlicher stimme 
mich zeclagen gegen der Palestra. Aber mit hangenden leftz- 
gen mines mules vnd mit form vnd gestalte wie Ich mocht, 
tett Ich sy schuldigen, vmb daz sy mich an ains fogels statt 
gemachet hatt zu aim esel, des sy ir houpt mit Iren henden, 

25 tett ryssen vnd sprach, wee mir armen wie hab ich so vbel 
getan in minem yllen hat mich die vile vnd gelychhe der 
büchsen betrogen/ daz ich nit genomen han die rechten 
büchsen vsz dero die menschen werden zu fögeln. Aber habe 
guten mute hertz lieb mins, sprach sy, lichtenklich beschicht 

»0 .diser Irrung ain artznie / dann als bald du rosen essen wirst / 
so tust du dich diser bürde entladen vnd widerumb in minen 
bülen verkeren. Lyd allain dise ainige nacht mit gedult Morn 
frü wil Ich dir helflfen vnd rosen bringen daz du wider vmb 
werdest zu mensche. Vnd do sy das geredt, Graif sy mich 

36 an, Vnd tett zartenklich mine oren vnd den gantzen lybe er- 
strychen. Wie wol ich aber ain esel was. So hatt Ich doch, 
[177^] doch menschen gemüt vnd vernunfte vnd was gantz 
Lucius, äne die gestalt vnd stimme. Vnd als Ich hierumb mit 



259 

mancherlay gedanckes clagt die Irrung Palestre Ynd deshalb 
mine leftzgen bais, gieng Ich in ainen stale, Da Ich wisa^ 
sin min pfert vnd noch ainem andern rechten esel HispartL 
Als mich aber die selben ersachent hin in komen sin/ täten 
5 sy vsz forchten bewegt daz Ich jnen jr füter essen wölt zft 
mir grüsenlich mit Iren hindern füssen schlagen mich vsze- 
tryben. Do Ich das marckt/ Waichh jch vf das wytest in 
ainen winckel vnd stund da min selbs lachend. Aber sölich 
min gelechter was ain schray ains esels. Ich hüb aber an in 

10 mir selbs zegedencken. Wie wer jm nu? Ob yetz ain wolf 
her In kom oder ain ander wildes tiere, dich anstunnpte/ 
Der nützit böses hast verschuldet Vnd als jch in disen sor- 
gen stund/ vnd forcht mir etlich noch grösser vngeltick künftig 
sin/ Vnd yetz nacht worden was vnd in stille des ersten 

15 schläflfens/ do ist vsserthalb ain gerüsche worden als ob ain 
wände des huses nider gestössen wer vnd was derselben wände 
yetz so vil zerbrochen daz ain mensch hin jn schlieflFen mocht 
Sölichem lochhe nach hinjn schuflfent vil gewappeter mann^ 
ye ainer nach dem andern / die hispartum Palestram vnd minen 

20 knechte fiengent vnd bundent das gantz huse beroubtent, Gelt 
barschaft klaider vnd allen huszrate hin näment vnd gantz 
nützit jm huse belyben liessent. Vnd fürtent mich min pfert 
vnd den andern esel hin vnd täten vns yllends satteln vnd 
[178] mit schweren bürden söliches nomes vnd roubes belesti- 

25 gen vnd laden vnd mit hültzin trämeln flüchtig hinweg an ain 
gebirg durch vngeübt haimlich wege nötigen vnd tryben. Ich 
wisset nit wie vil mine gesellen mit sölichen Iren bürden be- 
schweret wären vnd arbait litten Aber ich der nit gewonet 
hatt in scharpfen felsan vnd ruchem gestain zegeen parfüsz 

30 äne geschüch vnd solen wart seer vast verletzet / deshalb ich 
oft struchhet, Vnder sölicher bürde gebruchh habende miner 
kreften. Aber Ir ainer der mir vf dem füsz nächgieng, tett 
mich des mit ainem stecken oft hart schlachen/ So ich dann 
anerüft die hilflf des obersten gotes/ so tett ich für ain mensch- 

35 lieh stimme geben ain grobes geschraye aines esels vnd nützit 
anders danne. yh. ha yh. ha. mit grosser luterer stimme sagende 
Aber kain name noch werte weiten hin nächfolgen. Dar zu 
so ward ich von wegen söliches mines schryens aber destet 

\1^ 



260 

mer geschlagen vmb daz ich dar mit sölich rouber vnd tiebe 
tett vermelden. Vnd darumbe do ich also verstund vnd marckt 
mich mit sölichem schryen mir nützit gutes mugen schaffen/ 
Satzt ich mir für/ durch schwygen sölich straiche zevermyden/ 
5 Vnd was yetz tag worden vnd hatten wir vil gebirgs ntichter 
vber gangen vmb daz wir vns mit essen nit tetten sumen des 
Weges. Zu mittag zyte kamen wir zu ainer herberg, darinne 
dem wirte vnd sinen diensten knechten vnd megten mit disen 
roubern vnnd mordern alte kuntschafft was. Als das vsz Iren 

10 gr&szbaren Worten vnd früntlichem enpfächen, Die sy beder 
syt gegen ain andern täten wol gemerckt werden mocht. Die 
selben [178^] hiessen abeladen vnser bürden vnd täten beraiten 
den Imbis vnd gauben vns tieren gersten zu füter Vnd do die 
andern das geessen hatten vnd jch vast hungrig was Vnd doch 

15 des gemeltem füters (nach dem jch des nit gewonet hatt) nit 
essen mocht, gedäch jch wo mit jch minen hunger büssen 
wölte. Vnd ersach ainen gemainen garten voll krutes, darjnne 
mich ouch bedächten sin etliche rosen. Vnd do jch marckt 
dise menschen ob dem Imbis essens pflegen, gieng Ich in den 

20 garten yetz gemelt vmb daz jch wurd gefüret von dem krute / 
vnd ouch vmb das jch rosen essz dadurch jch widerumb wurd 
zu mensche Vnd als jch hin in kam do äs jch retich vnd 
rüben dero ouch sust die menschen pflegent röw ze essen vnd 
äs dero so vil, daz jch gantz wart vol vnd satte. Aber daz 

25 Ich für rösen gesechen hatt/ Waren nit rösen sunder Wald- 
blumen, die man sagt pferten vnd eseln so bös vnd schedlich 
sin, das sy dar von schnell sterben müssen. Do aber der hüter 
vnd schütze dises gemainen gartens ersach vnd enpfand das 
krut oben ab geessen sin (als dann die herren so sy erzürnt 

80 sint gegen den ergriffnen tieben tünt) er wüste er ain grosse 
htiltzin Stangen vnd vbersach nit weder minen rugken arse 
noch minen syten Darzü die oren vnd minen gantzen lybe 
erschlug er also, daz nützit vngeschlägens an mir belyben tett 
vnd als jch zu lest vngedultig sölicher straichen, den gemelten 

86 hüter mit minen beden hindern füssen schlug / daz er an sinen 
rugken vf dem krute gelag/ floche jch ainem gebirge zu. do 
er aber das ersach vnd deshalb vil hunde an mich hetzen 
tett grosse vnd starcke [179] gnüg. baren zevberwinden / Do 



261 

maint ich besser vnd weger sin, widerumb in die herbeig iß- 
keren danne zerissen zewerden von sölichen hnnden. Also 
lüfe ich ains louffens schnell widerumb in den stale/ Diae 
hängten mir aber gestrags nach / Vnd horten nit vf mich mit 
5 jren knütteln vnd Stangen zeschlachen, bis ich von schmertzens 
wegen das gefressen krute gantz widerumb zum hindern vs 
gegeben vnd gezortet hatt. Vnd was yetz die zyt hie daz die 
morder geessen hatten vnd sich geburt wider abzeschaiden/ 
Die selben do/ noch mer dings (daz sy geroubet vnd gestolen 

10 hatten) vns vflüdent vnd hinweg tribent. Aber ich der yetz 
von straichen vnd von tragen müde worden was vnd Min hom 
vnd hüfe der füssen hatt zedretten/ satzt mir selbs für, das 
ich vf dem wege niderfallen vnd nit mer vf steen wölt/ Ob 
sy Joch mich zu tode schlachen sölten Vnd was in hoffiong 

15 daz sy hie durch notdurft halb genötet werden mfisten, die 
bürde die ich getragen hatt, zetaillen/ vnd die taue dem pfert 
vnd dem andern esel vfzelegen vnd mich als vnnfitzen den 
Wolfen ligen zelässen Aber ich waisz nit welcher töfel vsz nyd 
bewegt, mir mine rett, tett in das widerwertig keren« Dann 

20 der ander esel der villicht das selb (wie Ich) euch gedaacht^ 
fiel vf dem wege vnd als sy den selben Jemrigen mit stecken 
schlügent vnd er nit vfsteen mocht noch Ire straich ver&hen 
wolten/ do namen Ir etlich Inn by den oren vnd die andern 
by dem schwantze vnd nötigottent Inn vfzesteen. Als sy aber 

25 sachent vnd marckten sich mit vnnützer arbait vnd vmb suste 
die zyt also vertryben (danne der esel lag im w^e wie ain 
staine) vnd sy [179^] aber gericht wären zu der flachte/ daz 
sy dann nit vmb sust sich so lang sumptent:^ do lüdent sy dem 
selben esel sin bürde ab vnd legten die vf mich vnd das pfertef 

30 Aber dem jemrigen esel der da gewesen was ain gesell vnser 
gefengknüsz vnd tragens, hüwent sy ab mit jren Schwertern 
sine bain vnd wurffent jnn, dennocht halb lebend fber ainen 
felsan ab. Vnd machet der tode Im diser siner arbait ain 
ende. Vnd do jch sach wohin mine rett dienen wolten/ satzt 

35 jch mir für mit dultigem gemüte dise bürde zetragcn vnd 
schnell den wege ze volbringen. In hoffung daz Ich etwenne 
rosen finden sölt da mitte jch mich widerumb zA menschen 
machen wurd. Besunder dwyle jch vsz der mordem wort^a 



262 

gemercket hatt, noch wenig wegs vorhanden sin, bis an die 
statt da sy diser bürde entlediget belyben wurden. Vnd jch 
rieht mich ouch hierzu ob es not tun wurd daz Ich nit allain 
geen sunder ouch louffen möchte etc. Zu vesper zyte kamen 

5 wir haim in Ir huse / darinne ain altes wybe sas by dem füre. 
Vnd als die morder vns vnser bürden entlüdent/ frägtent Sy 
das alt wybe. wes sy sesz, daz sy nit billicher den Imbis tett 
beraiten. Die jnen antwort/ daz alle ding beraitet weren vil 
brotes alter wine vnd wiltgebrett. Sy lobten das alte wyb 

10 vnd zugent vsz ir klaider vnd satztent sich zu dem füre vnd 
salbtent sich mit öle vnd waz alda ain geschirre voll warmes 
Wassers da mitte sy sich tätent baden, bald darnach kament 
Jüngling gold Silber vnd klaider von fröwen vnd von mannen 
genomen Vnd das alles an gemaine bütte gehört, mit Inen 

15 bringende. Vnd als sy das hin In getragen [180] hatten i 
täten sy sich ouch (Wie die vorigen) weschen vnd baden. 
Inen was ain genügsamer Imbis vnd mangerlay rede von ir 
morderye. Das alt wybe gab mir vnd dem pfert gersten/ 
welches pfert sölich gersten gyttenklichen vf äs, vsz forchten 

20 daz ich wurd sin ain mitgeselle sines füters als aber das alt 
wybe hin weg kam/ äs ich das bröt das dar Inne lag. Des 
dritten tages Hessen sy ainen ainigen Jüngling by dem alten 
wybe vnd giengen all hin vf ir gewerbe. Ich enpfand mir 
emsig hütter zu gegeben sin, wie wol ich das alt wyb ver- 

«5 achtet/ danne lycht was ir gesiebt zefliechen Aber den Jüng- 
ling mit ainem schwert vmbgürtet vnd oft mich ansechend 
tett ich fürchten. Des andern tags vmb die zyt mitternachte / 
kamen die böszwicht herwider gegangen/ weder gold noch 
Silber aber ain schöne jungfröwen wainend vnd mit zerströw- 

80 tem häre vnd zerrissnen klaidem mit Inen bringende die sy 
nidersatztent in ain ströwe vnd hiessent sy sin ains guten 
mütes vnd enpfalhent dem alten wybe, daz sy stetz haimant 
by dem hus belib vnd mit flysz die jungfröwen tett verhütten / 
die Werder essen noch drincken wolt, sunder allain wainet 

86 vnd ir häre zerraisz so vil/ daz ich ouch vsz Irem wainen 
bewegt, by miner kripfen die ir näche was, mine trechen reren 
müst. dar zwüschen namen die böswicht vsserthalb des huses 
vnder ainem fürschopfe das nachtmäle. Mornends als es tag 



263 

worden was, kam ain spächer vnd kimtschafter sagende ainen 
fremden gaste vf dem wege sin mit grossem gute. Vf dise 
kuntschaft sy all gewäpnet yfwusten mich vnd das pfert yets 
nflt ysen beschlagen mit [180**] Inen nemende. Vnd als ich 

5 vnseliger nit wisset daz ich gefüret wart zu ainem stryten 
vnd fechten vnd deshalb gemachh gieng/ wart jch aber mit 
stecken geschlagen bald zeyllen/ Vnd als man an die statt 
kernen ist, do der gast fanden wart/ Ertotten sy des ersten 
den selben menschen vnd sine knecht vnd fielent dar nach 

10 alle vngestümenklich vber die wegen vnd fardel die ^-fhöwende, 
Vnd lüdent mich vnd das pfert mit dem costlichosten so in 
den fardeln gewesen was das vberig alles verburgent sy in 
ainem walde. Vnd karten widerumb haim zu jrem hose, als 
jch aber mit stecken oft vnd vil geschlagen was, Verletzet jch 

15 ainen hüfe mines fässes an aim scharpfen staine so vast/ daz 
vsz sölicher Verletzung mir mit grossem wee ain wunde wart 
da durch beschach daz jch den vbergen taile des wegs hinckent 
haim geen müst. do redten dise böszwicht mit ainandem. was 
tut note daz wir'disen esel der so oft struchet vnd sich nützit 

20 vermag so lang f&rent. Tügen wir den vnnützen folen Schel- 
men etwa vber ainen felsan abwerffen vnd gebent den (als 
man pfligt zetün) für ain künftig raingung vnd opfer vnsers 
handeis. Do Ich dises bosclieh rätschlagen wider mich also 
verstund vnd marckt do vergas ich miner wanden vnd tett 

25 den andern taile des wegs zum besten volbringen. danne die 
forcht des todes mir hinnam allen schmertzen der selben wun- 
den, vnd do wir also zu jrem huse komen wären vnd sy vns 
vnser bürden entladen hatten i sässen sy nider vnd ässent ze- 
nachte Vnd Als sy dar nach der selben nacht widerumb hinweg 

30 geen wolten, das ander gute daz sy jm walde gelassen [181] 
hatten, zeholen. Redt ir ainer. Wes wollen wir dises vnge- 
lückhaftigen Jemrigen esels mit vns zefüren der doch vnnütz 
von wegen siner wunden des füsses. Tügen wir der dingen 
so noch in dem walde sint vorhanden, ainen taile laden vf 

35 disz pfert vnd wir die vbergen taile selbs tragen Mit diser 
rede schiedent sy abe, das pfert allain mit Inen fürende. Vnd 
als die nacht von schine wegen des manes hei was/ Kedt 
ich in mir selbs zu mir. Wes wilt du Jemriger lenger warten 



ä»* nützit anders bist dann ain künftig äse vnd spyse der gy- 
ren vnd Irer Jungen/ Hast du nit verstanden was dise mor- 
der von dir geredt haben Wilt du von aim hochen schroten 
in ain tieffe geworflFen werden? Die nacht ist hele vnd siÄt 

s üe böswicht hinwege gegangen. Wes baitest du? Beger hau 
mit flachte von disen mordem. Vnd do ich disz also gedächt 
vnd idi mich sach ledig steen (Danne min halfter was dort 
vigd^enckt) rieht ich mich zu der fluchte mit allem flysz vnd 
peng jbIso vsz dem huse vnd hüb an ze^echen. \Do aber das 

10 alt wybe das ersadir' do hüb sy mich by dem schwantze 
Bwyle Idi abo* mamt dise min flucht sin ain sachh wirdig 
^üg mines todes wo ich von dem alten wybe behept worden 
w«r. Do zoch vnd sdüaifte Ich das alt wybe hemäch die 
mortlich schray vnd anruft die Jungfröwen mit luter stimme 

15 vmbThilff ir gegen mir zetfinde. Als aber die Jungfröwe hei* 
ftr kam vsz dem huse / Vnd disen schimpfe tett ersechen y' 
hat sy sich ain«* eddn getäte wirdig langer gedechtnüsz tür- 
fibenklich vnderstanden vnnd ist vf mich gesprungen vnd 
[161^] worden ain gesellin jxnner fluchte. Als jch aber zu 

so fitecbcai ging was von wegen min selbs vnd ouch der Jung- 
fröwen / rant Ich hin ains ^aden wegs das alt wybe hinder 
mir verlässende. Die jungfröw vf mir sitzende, batt got vmb 
gelück vnd haue. Aber gegen mir redt sy. lieber esel ist daz 
du mich bringest in min vätteriich huse So wil ich dich fryg 

25 machen vnd ledig aller arbait, Vnd müsz teglichs an allen 
abgange dir sin zu spyse vnd füter ain vierdling gersten. Vsz 
diser Jungfröwen verhaissung vnd vmb daz Ich wisset mich 
fliechen minen ertöder, do rant jch schnell mit der Jungfröwen 
hin, die wunden mines füsses gantz verachtende Als wir aber 

80 an ain wegschaide dry^ Strassen züsamen stossende kämen/ 
do begegnotent vns vnser vinde die morder haimwertz gen de / 
die von ferrem by dem mänschyne vns Ire gefangen bekennet 
hatten / Vnd do sy mich louffent erwüst vnd ergriffen hatten r 
karten sy sich gegen der Jungfi'öwen vnd sprachend. 0. schöne 

u Jungfröw. Wes wandelst du arme also durch wege dir Mibe- 
kant? Fürchtest du nit die tüfel? Darumb kere vmb. Wir 
wollen dich den dinen wider geben vnd als sy das also lachend 
g^*edt hatt^L Do kartra sj mich vmb. Als Ich aber durch 



271 

was vnd jren elichen huswirte mit dem sy nechst hochzyt ge- 
hept hatt zu mittag zyte alz sy by dem Stade des meres ge- 
gangen weren, von dem vngestümen wasser desselben meres, 
sin verzucket vnd erdruncken vnd dises ende Irs lebens ge- 

5 nomen haben. Die knecht satzen jnen für vnd wurden des ains, 
die wyle sy Ire herren und fröwen betten verloren vnd ir huse 
1er worden wer, daz sy dann fürohin kains wegs nüwe herren 
haben oder aigenschaft jrs lybs me lyden wölten Vnd roubtent vnd 
näment deshalb mit Inen was vf dem lande was vnd flüchent dar 

10 mit hin wege. Aber der so vber [186b] die rosz vnd pfert gewalt 
vnd oberkait gehept hatt / vasset gutes vnd anders vf, als vil 
er mocht vnd lud das alles vf mich vnd die pfert vnd zoch 
hinwege Es müt mich daz ich nit trug ain bürde zimende 
ainem esel. Doch fröwt ich mich endrunnen sin der sorgfel- 

15 tigkait des verschnydens. Diser gantzen nacht zugen wir ainen 
ferren wege vnd kamen an dem dritten tage in ain statt des 
landes macedonia genant berria die grösz was vnd voll folckes 
darjnne der, der mich fürt maint zebelyben vnd sine pfert 
daselbs zeuerkouffen. Der büttel stund in dem mittel des 

20 marcktes vnd bod fail vns alle. Aber die köflfer besächen 
aigenlich vnd mit flysse alle ding, vnd täten vns vf vnser 
müler, an den zenen das alter ains yeden erfaren. Die pfert 
vnd tiere alle wurden verkouffet bis an mich der zum letsten 
vberbelaib. Der büttel hies mich widerumb an die herberg 

25 füren/ sagende. Du siehst daz allain diser esel kainen kouf- 
man funden hat/ magst du nu mer selbs gedencken wie du 
des abkomest. Aber die Schickung des gelückes das vil endert 
vnd verwandelt fügt mir zu ainem herren, aller minst, mir an 
nem oder gefellig. Es was ain alter Cineder der menschen die 

30 da die göttin syram vmbtragent durch die land vnd dörfer 
vnd Opfers begerent vnd das samelnt von den lüten zu eere 
der selben göttin. Disem mane ward Ich vmb vil geltes ver- 
kouffet nämlich vmb dryssig pfund heller dem ich angebunden 
haim nächfolget. Vnd do wir zu dem huse Phileni kamen 

35 (Dann also hies der köffer mit sinem namen) ruft er gegen 
siner türe mit lüter stimme. 0. [187] Corrosia. Ich han vns 
gekouft ainen aigen knechte hüpsch grosz vnd starcke vnd 
der geburt von Capadocia. By diser Corrosia was ain gantze 



266 

daz sy nit bald ersticke. Der ander taile Irs lybes belyb ver- 
borgen in des esels buche vnd so der züsament genäyet syg/ 
So tügen wir sy bede hinwerflFenn den gyren als ain spyse 
berait nach nüwem sitten. Ich bitt (sagt er) nement war di- 

A ser form grosser kestigung. Des ersten so ist sy lebendig 
anklebend ainem töten esel vnd Schelmen. Dar nach wirt sy 
von brennender sunnen in desselben esels lybe wie in aim 
bafen gekochet vnd dar zu mit hunger zu dem tode gepinget 
vnd ist doch nit mechtig sich selbs ze ertötten. Des andern 

10 da mitte sy gepinget werdt (durch gestancke des fulenden 
schelmens vnd durch würm dar vs wachsende) wil ich geschwy- 
gen. Zu dem allem ouch die gyren in Irem waiden den schel- 
migen lychnäm vnd den lebenden lybe der Jungfröwen sament 
werden zerzerren vnd zerryssen etc. Disen nüwen funde ge- 

»6 lych ainem merwunder lopten sy alle. Ich wainet mich selbs 
als yetz künftenklich des todes aigen vnd was nit als vil trurig 
vnd laidig mines todes als vil des/ daz ich solt werden ain 
künftig herberg der armen vuseligen Jungfröwen die nützit 
[183] arges hatt verschuldet. Vnd was yetz worden gegen 

«0 tage, do ain macht kam etlicher raisiger gesellen die infielen 
zef&hen dise lasterliche morder, die ouch alle von den selben 
raisigen wurden gefangen gebunden vnd schnell hingefürt zu 
dem richter der selben gegne vnd landes. Vnder disen raisigen 
was ain ritter dem dise Jungfröw vormals was vermechelt, 

»5 Vnd der deshalb disen mordern hatt nach gefragt vnd die er- 
spächet D.er selb satzt die Jungfröwen vf minen rugken vnd 
fürt die wider zu Iren fründen vnd als das husgesind da selbs 
vns von forrem her ersachen vnd bekanten, gewunnent sy mit 
luter stimme an vatter vnd müter das mettenbrot vnd vns en- 

50 gegen louffende mit grossen fröiden fürten sy vns haim in Ir 
huse. Die Jungfröw sagt vil von mir wie jch wer gewesen 
aiu mit gesell irer gefencknüsas vnd fluchte vnd mit Ir zu dem 
tode worden verurtailt Vnd tett mich deshalb etlichen getrü- 
lich enpfelhen vnd besunder vnder anderm mir bald geben ain 

»5 viertail gersten vnd höw als vil aim kemeltiere guüg sin 
möcht Do ich aber sach vil hunde in den hofe her In louf- 
fen> die (als an rycber lutea hochzyten vnd brutlöfen gewon 
ist) vil frässent vad verschluadeat / da verflüchte jch Pale- 



267 

stram / daz sy mich zu aim esel ynd nit zu aim himde durch 
ir kuDste hatt verkeret vnd gemacbet aber nit lang nikch sfr- 
lieber hocbzyt Als die jung fröw mir yerbaissnen dancke w(dt 
bewysen/ tett sy Iren vatter ermanen vnnd bitten daz er 
5 micb mit der bert vnnd scbare der feld pferten wölt lassen 
vsz vnnd in geen vnnd in wollust fryg aller arbait lassen be- 
lyben. Vnd daz Ich also (Wenne mich gelüste) [183'>] mit 
den feldpferten möcht pflegen werck der nature. Das alles 
mich bedücht hett sin genügsam danckbarkait / wo disz sost 

10 ain ding gewesen wer mines willens. Also beruft er den hir- 
ten sölicher feldpferten vnd tett mich Im enpfelhen, des ich 
mich fröwet in hoflfung daz ich nu mer vnd furo hin vnder 
kain swere oder belaidung aincher burdin komen sölt. Vf das 
ouch der hirt mich mischet vnder die gemelten pfert vnd traib 

15 mich hin mit denen ze waiden. Aber anders dann die mal- 
nung gewesen was tett es mir fallen vnd geraten. Danne 
ainer der vber die hert ain obman was vnd dero gewalt hatt/ 
lies mich siner husfröwen haimant jm stalle verschlossen steen. 
Die selb mich denne in der pfisterye mit stricken angebunden 

20 not vnd zwang zemalen kernen vnd gersten. Mittelmessig was 
dise arbait besunder ainem danckbaren willigen esel zemalen 
so vil sinem herren, als vil zu desselben brühe gntkg gewesen 
wer. aber dise fröw dero gytig gemüt zu gewin gerichtet was / 
lies mich ouch brucben vnd minen Jemrigen halse müd machen 

25 in ander lüten (dero vil wären) arbait vnd geschefften vmb 
lones willen söliches malens. Darzü die gerste so mir z& 
spyse vnd füter beschaiden vnd zügehörig was, tett sy mich 
ouch nötigen zemalen vnd machhet dann vsz dem mele kftchen 
vnd zelten/ mir für die gersten allain daz grüsch gebende. 

30 Vnd ob wol der hirt mich vnder die hert vnd schare der ros- 
sen vnder wylen zu waide geen lies/ so ward ich doch von 
den selben rossen verargwänet vnd veryfert Inen als ain 
eebrecher schaden zetun vnd danne deshalb von Inen mit bys- 
sen vnd mit straichen Irer [184] fassen, also vngeseliget vnd 

35 gemüget daz jch vmb nichte sölicher yffrye mocht endrtinnen 
vnd darumb so ward Ich lu klainer zyte an dem ende vast 
mager vnd vngestalt. dwyle jch weder da haimant rüwig was 
obgemelter arbait halb, noch vf dem felde an der waide «U^ 



268 

her sin mocht von durechtung der rossen Ich ward ouch vn- 
derwylen an ain gebirg gesant bürden holtzes zeholen das mir 
ain vbel was böser danne ainches ander. Dann des ersten 
was ain berg vfzestygen der stainin was scharpf vnd herte 

5 Besunder mir der da gieng vnbeschlagen parfüsz vnd äne So- 
lan. Sölichen wege wart Ich aber gefürt von ainem groben 
eseltryber, der dennocht ain Junger mutwilliger bübe was/ 
vnd mich etwebne nach nüwem sitten sucht zeuerderben dwyle 
Er mich oft schlug so Ich rant vnd lüf. Vnd er tett ouch 
daz nit allain mit schlechtem holtze sunder mit sölichem dem 

10 scharpf stechend zingken Ingewachsen wären, dar mitte er dann 
die hindern taile mines rugkens also erbart vnd erstraichet 
daz min arsbagken durch sin emssig straiche an dem selben 
ende allwegen vffen stünden vnd vnsuber von geschweren vnd 
aissen. Dar zu so lud er mich, so mit grossen schweren bur- 

15 den, daz die ainem helffand zetragen schwer gnüg gewesen 
weren. Vnd wie wol der abgange des selben bergs gech vnd 
schlecht was/ So mocht jch doch noch dann von dem selben 
hüben vnd eseltryber straichen nit ab sin. Begab sich dann 
etwenne, daz ain bürde vf der ainen syten die andern bürde 

20 vf der andern syten fürwag/ So tett der büb vmb nichte 
[184^] von der schweren bürde holtz nemen vnd die lychtern 
dar mitte verglychen/ sunder legt er vf die lychtern syten 
schwer grosz staine. Da durch dann ich Jemriger also be- 
lestiget haim gieng bede holtz vnd vnnütz stain tragende. Vff 

25 dem selben wege was ain bach äne schiffung. Wenne ich da- 
selbs hin kam , So sas der büb (Vmb daz Er siner schüchen 
schonte) hinder die bürde holtzes binden vf mich bis er hin 
vber kam. Also daz gar oft beschach daz ich von arbait we- 
gen vnd von so grossen bürden nider fiel. Als denne was 

30 mir erst vnlidenliches Jämer zügericht. Danne er sprang nit 
ab mir vmb daz er mir vf hulff oder mich mit sinen henden 
vf richte oder daz Er die burdin lychter machte/ Sunder 
oben an minem houpte vnd an den oren anhebende durch 
schlüge er mich vnd allen minen lybe ains schlachens, als lang 

35 bis er mit vile der straichen mich zu lest zwang daz ich mit 
grosser note vfkam Vnd aber hab ich noch ain grössers vnd 
vnlittenlichers Jamer vnd vbel von disem hüben vnd eseltryber 



269 

gelitten vnd lyden müssen Ain bürden spitziger tomen die ich 
vf mir trüg gebunden vf minen hindern/ tett er mir knüpfen 
vnd binden an minen schwantze sölicher mässe, daz die selb 
bürde also hangende mine bain, wenne ich gende die bewagt 
5 (als ich ouch geen müst) bitterlich tett sthechen vnd pingen So 
mocht ich ouch diser boszhait nit vor sin nach dem die torn 
binden ab hingend vnd von mines ganges wegen stetz schwanck- 
ten vnd wider schlügent. Dann wenne ich dester gemech^r 
[185] gieng vmb daz Ich der tornen schleg vermitte so schlug 

10 er mich hart mit ainem tremel. Wolt Ich dann mit bald geen 
sölich straich vermyden so wurden mme hindern bain dester 
herter von den tornen gestochen Also daz disem eseltryber 
sin gemüt gantz stund mich zetöten. Ains mäls hatt Ich Inn 
mit rainem füsz geschlagen des wolt er mir furo niemer mer 

15 vergessen. Vf ain zyt wart Im enpfolhen werck vnd flachs 
von diser gegne an ain ander ort zefüren, daz selb wercke Er 
mit etlicher kunste band vf minen rugken, hier mit bosclich 
suchend min sterben Vnd do Ich mit diser bürde wenig ferre 
gangen was/ Verbände er haimlich ainen gelügenden zun- 

20 der in das wercke, dar von es bald enzündet gantz an hüb 
zebrinnen Vnd do Ich des enpfand, vnd marckt mich hie durch 
müssen verbrünnen, Lüf Ich vsz dem wege in ainen see der 
mir zu gelücke nit ferre was vnd vil darin vnd walet mich 
mit sampte disem werck vnd flachse in dem wasser so lange 

25 vmb, bis das füre ward erlöschen. Nächmäls gieng jch den 
andern taile des wegs an sorge, die wyle der büb nit mer 
macht hatt sölich wercke zeentzünden daz yetz voll worden 
was Wassers vnnd schlymes. Als aber diser lasterlicher hübe 
vnnd eseltryber haim kam/ legt er alle schuld vf mich sa- 

30 gende, Daz ich von mir selbs aigens willens in ain füre wer 
gesprungen. Darnach erdacht ain anderer wüster büb vnnd 
böser knabe ain grosses vbel vber mich, danne do mich der 
selb zu dem gebirg gefürt vnd mir daselbs ain grosse bürde 
holtzes [185^] vfgelegt hatt/ tett er sölich holtze ainem ge- 

35 buren verkouffen vnd mich 1er haim füren vnd schuldigen vnd 
sagen. Wes wollen wir disen esel fürbas lenger vmb sust 
füren der ful treg vnd schwer ist? Schöw zu wo mit Im 
wol 3yg? Ist daz er ain hüpsche fröwen oder Jungfröwen 



270 

ersieht/ Von stund an schlecht er mit sinen hindern füssen 
vf vnd rennet zu ir wie menschen tünt zu Iren lieben bülen 
vnd mit byssen vnd mit küssen Ir begerende, Vnder steet er 
sich die zehälsen/ dar vs dir herre krieg vnd hasse entsteet 
5 durch clag vnd forchte aller menschen. Dann nechste trüg 
er holtze Vnd als er ain fröwen ersach in das fehle geen/ 
Warf er das holtze von Im wyt zerströwet vnd luf der fröwen 
nach, Als ob er die wölt halsen vnd vnküschhait mit ir tryben 
vnd pflegen. Bis daz zu lest etlich von allen orten her zu 

10 lüflfent vnd die fröwen errattent von dem anstürme dises hüp- 
schen bülers. Vnd als der patron vnd obman des fichs sö- 
lichs dem hüben geloubet/ Sprach er die wyle er dann nit 
recht geen noch die bürden tragen wil, sunder als girig den 
fröwen nächfolget in bülschaft vnd menschlicher liebe/ So 

15 tötent Inn vnd werffent sin Ingewaid hin den gyren vnd be- 
haltent das flaisch den arbaitern vnd wercklüten zu spyse. 
Frage dann yemant wie er tode syg So sagent vnd stiftent 
jnn ertödet sin von den Wolfen diser rede wart der bös schalk- 
haftig hübe erfröwet vnd richtet glych zu, mich bald zeertöten. 

20 aber von geschieht des gelückes beschach, daz ain ackerman 
der ain nächgepur was mich von disem tode tet erretten, vnd 
sprach. Vmb kain sach tu disen esel ertöten, der [186] noch 
geschickt vnd tügig ist in die pfistery zemalen vnd zetragen 
die secke So ist es oueh nit grösz zeachten daz er fallet in 

25 liebe der fröwen/ Verschnyd jm so vergeetjm die gailigkait 
der minne vnd wirt zam still vnd faisse/ daz jm oueh nit 
schwer sin wirt aller schwerest bürden zetragen. Vnd ob du 
nit waist wie man jm verschnyden sol / so wil jch in dryen 
oder vier tagen dir ainen man zubringen diser kunst wissend 

30 vnd ernietet. Diser rate was allen denen so zu gegen wären 
gefellig als jch aber das erhört .do gos jch vs mine trechen, 
daz jch in ainem esel solt vfhören zesind ain mane vnd be- 
gert oueh fürbas nit me zeleben wenne Ich wurd sin ain ver- 
schnitter enuche vnd satzt mir für ee hungers vnd vngeessen 

35 zesterben oder vber ainen felsan ab hoch zespringen, da mitte 
Ich mit Jemrigem tode entwichhe noch aim Jemrigerem leben. 
Also beschach daz zu äugender nachte ain bottschaft kam in 
das dorffe, die tochter so vorm&ls als obsteet gefangen gewesen 



277 

straichen vnd doch in die statt kam vnd sinen fründen vnd 
gesellen die Im begegnotent sagt vnd clagt das vnrecht von 
dem gartner an Im begangen vnd nu die s^elben erfilrent wo vnd 
in welchem huse der gartner sin seit / nämen sy zu Inen der 

5 statt richter vnd giengen für das selb huse vnd Wessen den 
hencker hin In geen ze erfordern alle die so in dem hus 
weren her vs zekomen. Do aber der gartner verborgen nit 
funden wart/ Schrüwent die rüter vnnd raissigen diener des 
ritters vnd sagten Inn vnd sinen esel in dem huse sin. Dar 

10 gegen die so in dem huse wären [191] wort gäbent vnd 
sprächent, daz weder der gartner noch der esel sunder sy 
allain in dem huse weren Vnd als deshalb ain grosse vfrür 
gemürmel vüd geschray an der gassen entstanden vnd ich 
oben vff, girig was zewissen was das were/ sties ich minen 

15 köpf oben zu aim pfenster hervs / daz die rüter bald ersachent 
vnd all schrüwent, den huswirt gelogen hon vnd mich oben in 
dem huse gesechen sin. Vnnd fielent dar mit all vngestümk- 
lich in das huse vnd als sy alle kamern vnd gemache durch 
Süchten funden sy zu letscht den gartner in ainer kisten ligen, 

20 den sy hervs zugent vnd dem richter gäbent zesträffent vmb 
sy Verschuldung. Als sy mich aber mit not all Stegen hin 
al^ebrachten gabent sy mich den rütern, Die sich all gegen 
mir karten Ir gespött mit mir trybend vnd sagende Ich wer 
ain böswicht vnd hett minen aigen herren verraten. Wie Es 

25 dar nach dem gartner ergienge waisz ich nit. Aber der rüter 
ainer kouflfet mich vmb zwaintzig pfund heller Der selb rüter 
was ain diener ains vberschwenkigen rychen mannes ainer statt 
Thessalonia genant des landes Macedonia Dises rüters dienste 
was, daz er sinem herren sin spys vnd essen beraitet By disem 

30 wonet ouch ain anderer mit diener, der hasteten vnd confect 
vnd honig zucker vnd guter spetzerye machen vnd bachen 
kond Vnd was Inen beden gemain aller husräte vnd alle ir 
geschirre vnd Instrumente zu iren künsten gehörig. Dise zwen 
beschieden vnd gaubentmir ain statt vnd gemache an aim 

35. orte des [19P] huses dahin von den dienern vnd truchsessen, 
getragen wart was yedem herren ob sinem tische von flaisch 
fischen pfeffer gebachnem oder anderm vberbeliben was. By 
diser spyse liessen mich die diener vnd dienerin beschlossea 



272 

schare der Cineden, die helfer vnd mit gsellen wären des be- 
nanten Phileni gelte vnd gauben der göttin zesameln die sich 
all diser siner rede fröwtent vnd wändent Er hett ainen aigen 
menschen zu knechte gekouflfet. Als sy aber mich esel sahent/ 
5 schultent sy Philenum, der nit ainen knechte sunder ainen 
prütgum vnd gemachel haira gefüret hett, siner hochzyt vnd 
sinem brutlöflfe wol wirdig von dem Er schier Junge geberen 
wurd. Vnd do sy diser Worten all gelachten vnd nu willen 
hatten Ir terminye fürzenemen vnd mit diser vor gesagten 

10 göttin gelt Inzebringen. Vnnd sy dem nach da haimant Ir ge- 
bett vnd opfer volbrächt hatten / lüdent sy die göttin vf mich. 
Vnd als sy vsz der statt gangen wären vnd yetz durch das 
lande zugent/ Kämen wir in ain. grosses dorfe darinne ich 
mit der göttin gestund vnd belaib Vnd als der selben ainer der 

15 vnder Inen dises dinges ain obman sin solt, Etliche wort vor 
aller mengklichem redt vnd sagt recht gelycher wyse als ob 
er gottes voll wer. do wurffent die andern von jnen jre hütt 
vnd kappen vnd entackten jren lybe oben her ab von dem 
houpte bis vber die schultern vnd schlügen vnd zerhüwen jre 

«0 achseln vnd arme. So zugent euch jr etlich Ir zungen her 
vs vber Ir zene darin höwende vnd schnydend Also daz in 
kurtzer zyte Es alles voll blütes ran diser göttin zu eeren. 
Alda ward ich vast vbel [187^] erschrecken/ bewegt vnd förch- 
tent, das man esels blütes der göttin zehaben ouch notdürftig 

25 sin wurd nach disem handel, do sy also ir blute hatten lassen 
vsz fliessen/ do sameltent sy von den vmbstenden lüten Vnd 
geburen heller vnd pfennig. Ir etlich brächten Inen ouch 
flaisch Ir etlich käs Ir etlich wine Vnd ir etlich waissen vnd 
gersten zu spys€ vnd füter mir jrem esel. Dar von dise Cine- 

30 den den vollen hatten gutes essens vnd trinckens Vnd täten 
vnd volbrächten ouch noch dann dar by gaistlich opfer vnd 
zügehörde diser göttin. Vnd als sy nu wyter wandelten vnd 
durch ain dorf zugent/ Ersahent sy daselbs ainen gewachsnen 
htipschen Jüngling den sy vf fastent Vnd mit Inen an ain her- 

35 berg fürtent Daselbs sy mit disem Jüngling als mit aim wybe 
pflägent schamlicher wercken Als dann das diser lasterlichen 
menschen der Cineden sitt vnd gewonhait ist. Ich hatt laid 
daz jch in ainen esel verkeret was vnd deshalb so grösz sünd 



273 

vnd laster nit kond noch mocht sagen vnd offnen 
Aber do jch schryen wolt/ o. jr lasterlichen böswicht/ 
do gab jch für ains menschen stimme ain geschraye 
ains esels Sich hat aber begeben das in dem, etlich des 

5 dorfs gebaren suchten ainen verlornen esel vnd als die 
selben min geschray in dem huse erhörten/ fielent sy schnei 
in das huse mit kainer vorgender warnung vnd niainten jren 
esel also alda zefinden / do fanden sy die Cineden an sölichen 
lasterlichen wercken, Des sy hin lüflfent vnnd mit grossem ge- 

lechter darch das gantz dorf sagende diser gaistlichen menschen 
lasterliche sünde vnd vbel, die sy von Inen hatten gesechen 
Die Cineden (vmb daz [188] sy also an diser sünde ergriffen 
vnd des schandenhalb erschrocken wären) zagent sy der selben 
nacht hinwege. Vnd do sy an ain besander ainig ende ka- 

5 men/ Do schaldigotent sy mich mit vast grossem zorne, sa- 
gende/ Ich hett Iren handel mit minem geschraye geoflfnet. 
Dise böse wort dero sy sich gegen mir gebruchtent, wären 
straffe vnd schaden mir wol zelyden/ Aber das so nächfol- 
get was schwer zedalden. Danne sy satztent die göttin vf das 

10 ertrieh vnd zagent mir den sattel ob minem ragken Vnd ban- 
dent mich nackent an ainen starcken böme vnd schlügent vnd 
schwungent mich mit stecken von ädern gemachet bis vf den 
tode vnd hiessent mich hie nach geschwigenlicher sin Sy wur- 
den ouch nach disen straichen zu rate/ daz sy mich wöltent 

!5 ertöten vmb daz ich diser puren zorn in sy hett erwecket Vnd 
daz sy minenthalb nit betten daselbs mugen haben vnd samein 
Iren gewonlichen gewine Aber die göttin die vff der erde 
stund, was mir zu hilff vnd schirme mines lebens, Vmb daz 
nit gebruchh wer aines, der sy möcht tragen. Also nach vil 

;o erlittner straichen lüdent sy zu lescht, die göttin widerumb 
vf mich vnd fürent hin ir Strasse. Des aubentz kamen wir 
zu ainem hofe ains rychen menschen. Der vns willenklich 
vnd wol enpfieng in sin huse vnd daselbs der göttin opfert 
vnd tett gebürlich zucht, vnd eere. Alda begieng ich ain 

16 grosses sorgklichs dinge. Es hatt ain guter fründe vnsers 
Wirtes jm zu schencke geschickt ain stuck wiltgebretz von 
ainem waldesel, Das aber ettlich hunde die haimiich in das 
huse komen wären, hatten gefressen von [188b] liederliche 

N. y. Wyle. \% 



274 

ynd sumDüsz wegen des kochs der Im deshalb so grosz tiid 
vast forcht, daz Er durch enpfelch sins herren gesträffet ward, 
daz er deshalb gedacht sich selbs ze ertöten. Wo der herren 
husMwe Im das nit hett benomen mit jrem rate der also 
5 was Wilt du mirgelouben vnd folgen (sprach sy) so behaltest 
du dich by leben vnd tust ouch disen schaden gantz fürkomen 
vnd verbergen? dise Cineden haben ainen esel wo du den 
Mrest an ain sunder ainig statt, So magst du Inn lichtenklich 
toten/ Von dem selben nim dann ainen taile, Vnd beraitt den 

10 zft spyse dinem herren. Den andern taile verwirf daz er nit 
syg ze finden. So werden die Gineden mainen Iren esel hinweg 
gelüffen sin vnd furo nit me funden werden mugen So ist diser 
esel faisz vnd vast gelych ainem wilden waldesel daz er lychtenk- 
lieh dar für wirt geachtet. Vnd als nu diser fröwen rate an- 

15 genofflen warts' Illet der koch den zeuolstrecken. Do Ich 
aber ersach sölichen sinen fürsatze. Do maint Ich sölich min 
künftig vbel aller beste mit flucht ze fürkomen vnd schnurret 
vf vnd zerraissz die halflfter vnd den zügel dar an Ich was 
gebunden / vnd her vs springende lüf Ich ains vngestümen 

20 gnadenlouffes als vit Ich verlouffen mocht in den sale da die 
Cineden by dem herren oh dem tische sässen vnd rumpelt vnd 
ßties vmb liechter tische essen vnd trincken vnd alles das so 
vf dem tische was. In mainung daz das ain hüpscher funde 
sin sölt minem künftigen haile, vud daz der herre mich m&s- 

85 sigen schnell vnd bald wurd haissen behalten ettwa an [189] 
ain ander sicherer statte. Aber disz ding katn mir zu grossem 
kumber vnd lyden. Danne sy all mich mainten wütend vnd 
vnsinnig worden sin vnd schlügent vf mich mit Schwertern 
meszsem schytern vnd Stangen gelycher wyse als ob sy mich 

30 begerten zetöten. do Ich aber dise sorgueltigkait sach vnd 
marckty floch Ich In den hindersten taile des huses, da die 
Gineden scläifen wurden vnd vsserthalb die türen hatten be- 
schlossen, frü gegen tage lüdent sy die göttin aber vf mich 
vnd schiedent ab In ain ander statt, an folck vnd rychtum 

w mechtig mich mit Inen fürende. Daselbs sich ain nüwes wun- 
der begab, Danne do die göttin abschlug in aim schlechten 
huse ains sundern menschen zebelyben/ Hies sy sich setzen 
in den tempel des gotes der von den buigern daselbs aller 



275 

maist geeret vnd ai^ebetten ward. Die burger wären des 
gÄtwillig ein fremde göttin, nähe zu Irem gotte in den tempel 
zestellen/ Vnd gäben vns zu herberg ain huse ainer armen 
fröwen Vnd als die Cinedenn etwa raanig tage alda beliben 

5 wären, Vnnd abschaiden weiten, vnnd deshalb der göttin von 
den burgern begerten / lies man sy in den tempel die zenemen. 
Als sy aber bös lüt wären do stälent sy daselbs in dem tem- 
pel ainen guldin vyol vnd verbürgen den in. die göttin. Do 
man das erfür/ yltent vns die burger nach. Vnd als sy zu 

10 vns käment, sprungent sy von Iren pferten vnd fiengent die 
Cineden alle vnd nampten vnd schultent die sin dieb vnd 
kirchenbrüchel. Vnd als die burger den vyol fordertent vnd 
den allenthalben süchtent/ fundent [189^] sy Inn zu letscht 
in der göttin schöse verborgen vnnd verschlagen. Darumbe 

15 sy diese wybischen böswicht gefangen vnd gebunden fürtent 
in die statt vnd wurflfent die in kercher vnd turne vnd stal- 
tent die göttin in ainen sundern tempel vnd gaubent den vyot 
widerumb Irem gotte. Des andern tags dar nach verkouften 
sy alles der Cineden dinge vnd mich des gelychen. Ich warl 

20 aber gekouft von ainem brot becken der gesessen was in ai- 
nem dorfe nach by der statt gelegen, der mir schnell vf lud 
zechen viertail kernens von Im alda er kouffet/ darmit er 
mich durch bösen scharpfen wege haim fürt. In sinem huse 
wärent vil arbaitsamen tieren vnd vil Mülin die von den selben 

25 tieren gezogen wurden vnd Innwendig alles vol mäles Aber 
mich Hessen sy desselben tags rüwen als ainen müden vnder 
ainer schweren bürde ains sölichen weges (als man dann pfligt 
nüwer knechten des ersten zeschonen) moyiends bunden sy 
mich an ain Joch des zuges diser mülin vnd verhanckten mir 

so mit aim tüch mine ougen, daz Ich nützit mocht gesechen vnd 
hiessen mich ziechen vnd malen. Vnd wie wol Ich daz vor 
wol kond vnd gelernet hatt / do tett jch noch dann dem glych 
wie jch es nit könde in hoflfung mir hie durch rüwe ze er- 
folgen. Das aber vmb sust was, danne bald jr ettlich die da 

85 gegenwärtig wären stecken erwusten vnd vff mich (der des nit 
wartend oder gewarnet was) schlügent, daz Ich bald die Mülin 
also zoch, daz sy vmblüff, schneller dann ain winds brüte oder 
ain [190] müle des windes. Danne Ich durch erfarung 



276 

gelernet hatt vnd wist, daz ain knechte zu volbringung der 
dingen so zetün sint, schnelle sin sol vnd nit erwarten die 
straff vnd hande sines fierren. Vsz diser arbait ward ich vast 
mager vnd blöde an minem lybe , Dar umbe Er mich ainem 

6 gartner verkoufft der anhüb ainen garten zebuwen, der selb 
oft vff mir krut gen marckt fürt, Vnd dar nach in dem felde 
vnd in den ackern mit graben mit pflantzen vnd mit wässern 
arbait hatt dar zwüschent Ich rüwet. Aber hart gnüg was 
min leben von kelte wegen des winters. Die wyle min mai- 

10 ster nit allain mir, sunder ouch Im selbs nit mocht gebürlich 
bete vnd geliger machhen deshalb yetz lindes käte/ denne 
hertes ertrich mir vil vngemachs geberen täten, ain gelyche 
spys sures lactuckes was vns beden vnd begab sich ains müs 
Do wir in die garten giengen daz wir bekäment vnd begegnotent 

15 ainem edeln man der angelait was mit ritterlichen klaidern 
derselb des ersten in welschen Worten den gartner anredt vnd 
fraget/ wohin er den esel tryben wölt/ Welche wort aber 
der gartner (als ich vernam) nit verstund vnd deshalb ouch 
kain antwort dar vf gab / daz der edelman vermarckt Im zu 

«0 schmäche sin beschechen vnd darumb den gartner mit ainem 
kolben schlug vnd vbel tett miszhandeln. Des ergraif aber 
der selb gartner den ritter vnd warf Inn in dem wege vf das 
ertrich nider vnder sich vnd tett den also ligent mit henden 
füssen vnd stainen vast hart schlachen. Vnnd [190^] als sich 

26 der ritter wart vnd dar by tröwt. kem Er vf Er wölt Inn mit 
sinem schwert ertöten. Do zoch der gartner Im sin schwert 
vs der schaiden vnd warf das wyt hinwege vnd gab Im noch 
mer der straichen Als läng bis der ritter sorg sins lebens 
enpfieng vnd sich gelychet aim töten. Des der gartner er- 

30 schrack vnd das schwert vf mich legt, den ritter verlies vnd 
in die statt die flucht nam. Vnd daselbs ainem andern sinen 
garten tett enpfelhen den zebuwen vnd kart mit mir in. Zu 
ainem siner fründen/ da er sich verborgen wolt enthalten. 
Nach desselben fründs rate Er sich verschlos in ain kisten 

85 vnd ward jch by minen bainen oren vnd schwantze gezogen 
vil Stegen vf vnd in dem obersten taile des huses in ain haimlich 
gemache versperret Als nu der ritter Im weg zu letscht kum 
vfgestünd vnd mit note geen mocht von wegen der enpfangnen 



277 

straichen vnd doch in die statt kam ynd sinen frönden Ynd 
gesellen die Im begegnotent sagt vnd clagt das vnrecbt von 
dem gartner an Im begangen vnd nu die selben erfdrent wo vnd 
in welchem huse der gartner sin solt/ nämen sy zu Inen der 

5 statt richter vnd giengen für das selb huse vnd hiessen den 
hencker hin In geen ze erfordern alle die so in dem hus 
weren her vs zekomen. Do aber der gartner verborgen nit 
funden wart/ Schrüwent die rüter vnnd raissigen diener des 
ritters vnd sagten Inn vnd sinen esel in dem huse sin. Dar 

gegen die so in dem huse wären [191] wort gäbent vnd 
sprächent, daz weder der gartner noch der esel sunder sy 
allain in dem huse weren Vnd als deshalb ain grosse vfrür 
gemürmel vnd geschray an der gassen entstanden vnd ich 
oben vff, girig was zewissen was das were/ sties ich minen 

L5 köpf oben zu aim pfenster hervs / daz die rüter bald ersachent 
vnd all schrüwent, den huswirt gelogen hon vnd mich oben in 
dem huse gesechen sin. Vnnd fielent dar mit all vngestümk- 
lich in das huse vnd als sy alle kamem vnd gemache durch 
Süchten funden sy zu letscht den gartner in ainer kisten ligen, 

H) den sy hervs zugent vnd dem richter gäbent zesträffent vmb 
sy Verschuldung. Als sy mich aber mit not all Stegen hin 
al^ebrachten gabent sy mich den rütern, Die sich all gegen 
mir karten Ir gespött mit mir trybend vnd sagende Ich wer 
ain böswicht vnd hett minen aigen herren verraten. Wie Es 

55 dar nach dem gartner ergienge waisz ich nit. Aber der rüter 
ainer kouflfet mich vmb zwaintzig pfund heller Der selb rüter 
was ain diener ains vberschwenkigen rychen mannes ainer statt 
Thessalonia genant des landes Macedonia Dises rüters dienste 
was, daz er sinem herren sin spys vnd essen beraitet By disem 

\o wonet euch ain anderer mit diener, der hasteten vnd confect 
vnd honig zucker vnd guter spetzerye machen vnd bachen 
kond Vnd was Inen beden gemain aller husräte vnd alle ir 
geschirre vnd Instrumente zu iren künsten gehörig. Dise zwen 
beschieden vnd gaubent mir ain statt vnd gemache an aim 

15 orte des [191^] huses dahin von den dienern vnd truchsessen, 
getragen wart was yedem herren ob sinem tische von flaisch 
fischen pfeffer gebachnem oder anderm vberbeliben was. By 
diser spyse Hessen mich die diener vnd dienerin beschlossen 



278 

steen vnd giengent sy hin in ain bade. Ich lies die gersten 
mines fftters ligen Vnd fult mich diser menschlichen spyse. 
Do sy her wider kämen i^ do mochten sy von vile wegen der 
spyse nit berüflfen noch mercken mich dar von ützit geessen 

5 han, Danne jch ouch dester messenklicher ge essen hatt vmb 
daz sy es dester minder möchten spürren. Do Ich aber sach 
sy sölichs nit gemercket han/ Do trost Ich mich wyter Ires 
vnflysses vnnd fult minen lybe mit bessern stucken der vber 
belibnen spyse bis Ich gantz satt vnd volle wart. Zu letscht 

10 vnd vber lang als sy des Schadens enpfunden / hatt, ye ainer 
den andern argwenig vnd täten doch von schäme wegen das 
verschwygen vnd furo dester mer vnd grösser acht dar vf haben 
vnd die vberbelibnen stuck mercken vnd zellen. Do aber Ich 
also in rüwe woUust vnd fröiden lebet bin Ich worden so faisz 

15 vnd schön mines lybes, daz min hüte von htipschem häre tett 
wider glesten vnd schynen. Als aber dise menschen mich 
marckten hüscher vnd faisser worden sin, Vnd min gersten 
vnnd füter sich kainist mindern/ Sint sy gegen mir in arg- 
wäne gefallen/ Vnd tätem dem gelyche Als ob sy aber väz 

w geen wölten zu bade Vnnd als sy die türe nach Inen züge- 
täten vnd beschlassent / lügten [192] sy durch ainen spalte 
vnd klimsen was mines fürnemens sin wölt. jch wist aber nit 
sölich jr vfsetz vnd anschlege vnd gieng zu minem Imbis aber 
wie vor essende, dise zu lüger hübent des ersten an zelachen 

25 vmb daz ich sölich spyse ainem esel fremd vnd vngewon essen 
solt Vnd beruften dar nach die andern dienste vnnd knechte 
alle haimlich sölich wunder zesechen ? Die ouch alle mit Inen 
vester wurdent lachhen vnd so sere/ Daz der herre selbs 
fragen vnd begeren wart Im zesagen / was beschechen wer des 

80 sy so vil möchten lächhen. Vnd do sy Im das gesagtent/ 
Stund er vf Vnd gieng vsz sinem sale ouch hin in lügende/ 
Vnd als er mich also sach essen ain stuck wild gebretz aines 
waldesels/ Do fiel er hin in lachend, zu mir in min gemache, 
Vnd ergraif mich an söjicher fressnye vnd düpstale/ des Ich 

85 mich ser benam vnd vbel erschrack. Aber nach grossem ge- 
lechter alda gehapt/ Hies er mich füren in ain Wirtschaft 
guter mannen vnd gesellen vnd daselbs ainen tisch beraiten/ 
mit so vil mancherlay menschlicher spysen, daz kain anderer 



279 

esel 80 vil möeht geessen han. Da wären schnegken flaiscb 
fisch vnd von schmaltz vnd öle gebachens gesottens vnd ge- 
brätens, Mit senf geseltz gewürtz vnd sultze Ingemachet Ynd 
beraitet vnd vil ander fremder spysen. vnd do jch enpfand 
5 daz das gelück mir gunst bewysen v^olt vnd bedacht daz mir 
durch disen schimpfe wol hall komen mischt/ stand jch zft 
dem tische vnd nam den [192^] Imbis/ alles das essende da« 
vf den tische vnd gestellet was, dar von die gantz Wirtschaft 
in gröszes vninder vnd gelechter gebrächt wart Vnd als et- 

10 lieber vnder Inen fraget ob der esel ouch win trunck, hies 
der herre des huses bald win her bringen das zeuersüchen^ 
den selben wine allen mir fürgehept Ich gantz vsztranck. De» 
der herre noch grösser wunder enpfachende, Vnd sinem diener 
der mich gekouffet hatt, Hiesz zellen vnd bezalen für mich 

15 zwifaltig als vil geltes vnd als vil er vmb mich vsgeben hatt 
Darnach enpfalch er mich ainem Jüngling der sin fryger diener 
was, mich zefüren vnd zevnderwysen vnd besunder zeler^ 
alles das so den menschen schimpf vnd kurtzwyle möch ge- 
beren. Lycht vnd nit schwer was disem Jüngling mich der 

20 Im gefölgig was vnd sust gern tett alles das er mir zetAn 
fürhalten mocht Des ersten lert Er mich biegen mine knie 
vf ain bette, wie ain mensch vnd darnach vf minen hindern 
füssen steen vnd die fordern vfregen vnd acht vnd göme haben 
vf sine wort was er mich hiesz daz Ich das tett vnd volbrechte. 

26 Vf dise sin lere vnd vnderwysung was er an mich begert i 
des was Ich Im gehörig, Vnd was yetz durch die gantzen statt 
vszgeschoUen ainem esel können wintrincken schimpfen tantzen 
springen (vnd daz noch wunderbarer zehören was) daz der 
selb esel könde menschen stimme vnd begerungen gefölgig sin 

so vnd wenne er gern truncke, So mante er des den tisch diener 
mit winckung smer ougen. Alle menschen redten hier von 
vnnd hatten dar ab grosses [193] wunder, Als ab aim dinge 
vormals nie gesechen noch gehöret Danne mengklichem vn- 
wissend was daz in aim esel verborgen was ain mensche. Ich 

55 fröwet mich aber Irer torhait vnnd lernet darumb von mir 
selbs darafter zegeen zetragen den herren vnd zerennen vnd 
zespringen äne nötigung vnd sporung ainches vfsitzers oder 
mensche&s Ich was costlich gezieret mit samentin geraiten vnd 



280 

mit aim zöme von gold vnd silber vnderschaidenlich beschla- 
gen daran ouch hiengen klingend schellen süssers getönen 
Der herre Menocles was beruft in Thesaloniam Sachen halb 
(als er sagt) daz Er hatt zu gesagt vnd versprochen ain ge- 

5 stach vnd schimpfe ritterlicher dingen daselbs zemachen. Als 
nu sine diener zu sölichem schimpfe alle berait wären, sint 
wir frü hinweg geschaiden vnd trüge jch den herren in hertem 
wege, der Schlitten bös gnüg gewesen wer. Vnd als wir da- 
selbs hinkomen sint/ ist mengklich zügelüflfen mich als ain 

10 grosses wunder zebeschöwen. Dwyle allenthalben vsgeschollen 
was, mich wie ainen menschen können springen vnd mancher- 
lay Schimpfs machen wundersam zesechen. Als man nu ge- 
essen vnd getruncket hatt/ hies mich der herre den bürgern 
alda zu gegen / die alle edel wären mine fremde vngelöplichen 

15 schimpfe machen vnd tryben (Als ouch beschach) Der Jüng- 
ling der min pflag obgemelt/ hatt mich Im selbs zu gewinne 
beschlossen in ainem besundern gemache , Vnd lies sust die, 
So mich sechen wolten zu mir durch Vfgetäne türe doch vmb 
gelt vnnd pfennig die ain yeder geben [193^] müst. Die selben 

20 mir ouch zu spyse vnd fiter zu trügent, ainer disz der ander 
das, die ains esels buhe aller minst zügehörig waren. Darnmbe 
mines herren vnd der andern burgern spyse mich grosz vnd 
faisz yetz gemachet hatten. Vnd als der zülouff vast grosz 
wart, vnd mengklich mich vnd min wunder vnd schimpfen 

25 girig was zesechen/ Hies der herre vff bitte der edeln obge- 
melten, die min geschicklichkait , gesechen hatten, mich mor- 
gens vf den gemainen platze do ma[n des obgemelten gestächs 
vnd anders Schimpfs pflegen wolt, füren. Vnd daselbs dem 
gemainem folcke vnd aller mengklichem zu gefallen mich lassen 

80 tun vnd tryben alles das, daz ich konde vnd wunderbar wer 
zesechen Vnd wart deshalb in dem mittel des platzes gemachet 
vnd vfgericht ain gerüste vnd erhepte büne Vnd dar vf ain 
wolgeziertes bette von sament vnd golde. Dar vf Ich mornends 
gesetzet wart, mit grossem Jubel vnd geschraye alles folckes 

95 daz da yetz besampnot was vnd des fröid hatt in begirden 
mine schimpfliche werck zebeschöwen. Ain tische stund by 
dem bette zügericht vnd beraitet mit gutem wine vnd mit 
allen den spysen die man zu luste vnd begirden dem menschen 



281 

machen mag/ Vnd wären dar zu geordent etlich Jüngling die 
mir zft tische selten dienen vnd mir in guldin köpfen win sft 
trincken gaubent. Vnd hiessent yetz die maister vnd hütter 
mich anheben zeessen. So ich aber also vmb mich die grossen 
5 menge des folckes besieh/ do ersach ich vnder den blümen 
so zu last vnd gezierde vf dem platze dar gezettet wären [194] 
etlich rosen ligen/ deshalb Ich erfröwet, bald ab dem bette 
vfwust vnd her ab sprang, Vnd maint yetz mengklich mich 
das tun zu anhebung mines Schimpfes Do Ich aber bis zu den 

10 rosen kam/ Vnd yetz dero etlich geessen hatt/ Von stund an 
vnd in ainem ougenblicke Verlies mich die gestalt des esels 
vnd verkart mich widerumb in angesicht aller mengklichs in 
den vorigen Lutzium vnd stund da vor mengklichem nackent 
ain wärer mensche* Von disem vnuerwändtem wunderbarem 

15 wunder mengklich erschrack vnd grosser murmur vnd rumor 
entstund in dem folcke, mit manigfaltigen vngelychen vrtailen, 
die vber mich von dem selben folcke gegeben wurden in minen 
tode vnd verdampnüsz. Etlich mainten mich gelych von stund 
an vnd zu früscher getäte> als ainem zoubrer der sich in manig- 

20 faltig gestalten könd verkeren sin zeuerbrennen. So mainten 
ettlich ander, Es geburte sich hier Inne ettwas wenig zeuer- 
zichen vnd mich vor zeuerhören vnd zefrägen vnd dann dar- 
nach zeurtailen. Als aber jch das marckt / do lüf jch für den 
obersten der statt richter vnd amptman, der euch alda zu 

26 gengen was vnd batt den an mir nit zegächen sunder mich 
in sin behütung zenemen i bis er aigenlich erfüre gestalt her- 
komen vnd wärhait dises dinges. Vf das der richter zu mir 
sprach sag dinen vnd dines vatters vnd diner fründen (ob du 
dero etlich habest) vnd diner statt da her du bürtig bist, 

30 namen / darzü Ich antwort vnd sagt mich haben ainen vatter 
genant wie jch lucium vnd ainen brüder gaium vnd mich sin 
ainen [194^] schriber der historien vnd minen brüder ainen 
poeten die all geborn vnd gesessen weren in ainer statt ge- 
nant patera gelegen in dem land achaia. Do der richter das 

»5 erhört Sprach er du bist ains mans sun der min bester vnd 
liebster fründe ist vnd des gast ich oft gewesen vnd von Im 
wol enpfangen vnd gehalten worden bin. Ich waisz daz du 
nützit lügst. Vnd stund ab voa sinem pfert vnd vmbfien^ 



282 

ndch küssende Tnd mich mit Im in sin hos fttrende. In dem 
kam von geschicbt min brftder, süber vnd tu ander gattnng 
mit Im bringende, Mit dem selben ich n&chmils in aim scfaiff 
Tff dem mere durch geltcklich winde haim kam. Da ich den 
gdtten mines hails daz sy mir hatten gdmlfPen grossen dancke 
sagen tett etc. 



28S 



[195] J}Em hochgebornen herren herrn Eberharten 
grauen zu wirtemberg vnd zft MOmpelgarte etc. minem gnedi- 
gen herren. Enbüt Ich nicläs von wyle Min vndertenig willig 
dienste allzyt zeuor Wie wol es gnediger herre ain wyt dinge 

5 ist vmb den adel, Vnd daz der durch all disz weit vnd io 
allen gelouben für grösz vnd in hochen eeren vnd wirdeo 
billich Wirt gehalten. So ist noch dann by vnsem alt fordern 
vnd vor wysen hochgelerten mannen oft in frage vnd zwyfel 
gestanden was adel an jm selbs syg vnd wa her der kom vnd 

10 enspriesse Sunder haben dero etlich den gemaint sin in her- 
komenhait der geburt etlich in altem richtum vnd etlich in 
ttbong vnd lobe der tugend. mir ist aber nechst zftkomen ain 
gerichtz handel, zwayer menschen des adels halb wider ain- 
ander redende, do Ir yetweder, sin mainung mit nit klainen 

15 argumenten billichtet vnd gründet vnd find doch nit daz dar- 
vbcr ützit syg geurtailt worden, darumb ich sölich red vnd 
wider rede von mir vsz costlichem latine in disz nächfolgend 
tütsche gebrächt vnd transferyeret, üwem gnaden vor mengk- 
lichem andern schicke als ainem gerechten wysen vnd vnarg- 

20 wenigen richter hiervber zeurtailen. . dann ist daz grosser vnd 
alter rychtum adel geboren sol/ wer dann vnsers lands edler 
syg dann üwer gnäd waisz jch niemant. Sachet aber sölichen 
adel langes herkomen guter geburt/ wer ist dann vnsers landes/ 
der üch hieran vbertreflF? dwyle doch der stamme üwers herren 

s5 vnd vatters (der so wärhaft gewesen ist, daz sine wort für 
brief vnd sigel wurden geachtet) Wol bis' vf Romulum oder 
Eneam [195^] gerechnet werden möcht. So ist üwer fröwen 
vnd mäter guter lümde so grosz, daz der nit mit ainchem lobe 
nttig werden gemeret noch mit ainchem schelten gemindert, 

M der selben vrsprung irs adels (als Ich ains mals gelouplich. hah 



284 

* hören erzellen) von dem stammen Abrahe her tütraichen vnd 
vnd deshalb irs stammens fürsten nämlich von beyern vnd der 
pfallatz allwegen mer sint danne aincher andern fürsten vmb 
daz sy berürt diser spruch ich wil meren dinen sämen als 

5 die Sternen des himels. So sint sy ouch stetz wider ain an- 
dern, also daz sy selbs ain andern mer bekriegent vnd be- 
schedigent danne jnen von andern vssenher bescheche. Als 
das bewysent ait geschichten vnd yetz früscher nüwen ge- 
schichten ouch nit mangel ist. Desgelychen in der bible von 

10 den gesipten fründen dises stammens Abrahe beschechen sin 
ouch funden wirt. Ist aber das der adel sin sol in Übung der 
tugend/ so waisz ich ouch niemant vnser landen dem ir hier 
Inne entwychent. Aber von disen üwern tugenden wil ich 
hie wyter nit schriben, argwäne der liebkoserye zevermyden. 

15 vnd hiervmb gnediger herre So üwer genäde mit disen dingen 
allen adel geberende, so föllenklich vnd gelych mit ainen als 
mit dem andern ist begaubet vnd gezieret, daz die selb üwer 
gnäde wol hierjnne vnargwenig vnd frylich vrtail sprechen 
mag, ouch nach hocher Vernunft die üch edelt sölich vrtail 

20 wol sprechen kan. So bitt ich üwer genäd mit vndertenigem 
flysze, daz ir disen gerichtz handel obgemelt vnd wie der 
hie nächfolget aigenlich wöUent hören vnd erwegen vnd dann 
üwer vrtail darvf geben vnd setzen/ wederm vnder disen 
[196] zweyen von denen das argumente ist, die jungfröw lu- 

25 crecia von dero wegen diser handel aller geschechen ist, soll 
werden vermechelt vnd zu der ee gefolgen, Vmb daz nit dise 
so costliche red vnd wider rede mer äne vrtail funden werd. 
Hier mit tut üwer gnäde mir disz min arbait belönen vnd 
mich wilgen vnd raitzen zu wyterer transferyerung noch cost- 

30 lieberer Schriften von dem adel gestellet, die jch dann ouch 
nit wil verhalten vch als minen gnedigosten herren in des 
gnäd ich mich tun zu aller zyt vndertenig enpfelhen Geben 
zu Stütgarten vf samstag vor Galli Anno domini Millesimo 
quadringentesimo septuagesimo. 

85 VOr zyten do die macht vnd das loblich regiment der 

statt Rom wuchs vnd zftnam ist daselbs gewesen ain man vnd 
burger des rätes mit namen Fulgencius felix, an grossem gute 



285 

ynd eriieikait, oach mit fründen Tnd gonst der bmgeni md 
mit aUem andern gelücke der aller rrchest. der selb by siner 
bnsfröwen daadia genant, ain tochter batt fbertreffenlicbor 
scböne loeredam, ainen ainigen trost sines erbem alters, danne 

^ zA dem daz sy mit lob söUcber furpäntlicber form ynd böpscbe 
all ander romiscb frowen vnd jongfiröwen f bertraf So waz in 
ir ouch so yfl scberpfe jrer Temnnfte, so yfl konst der ge- 
Schrift ynd so vil eberkait guter sitten, daz ir nützit gebrach 
an allem dem, so sölicher wolgeschickter Jugend zA lobe ge- 

IC wünschet werden möcht Gegen diser Jnngfrowen wären ynder 
yU andern romschen Jünglingen zwen besonder für ander 
strengklicber in liebe enzündet die da wären gelycher [196^] 
gestalten ynd alters. Aber ynglyches gAtes tagenden ynd 
Sitten. Danne der ain der publius Cornelius was genant ynd 

i5 gebom ysz dem edeln geschlechte der scipionem, hatt ynd 
besas gar nach alles das gflte / so das gelücke dem menschen 
zäfügen mag. Danne er zu der höhe sins adels, ouch ymnessig 
yil rychtums hatt, Vnd demnach ouch yil mithellender fründen 
dienern ynd husgesinds, Vnd stund aller sin flysze yf waid^ 

«0 werck yf singen ynd yf anders zu fröiden ynd kurtzwyl die- 
nende. Aber der ander Gaius flamineus genant was nit so 
Yon hohem sunder Yon nidererem geschlechte geboren ynd 
doch yon erbem ynd fromen vatter vnd mftter ynd hatt mes- 
sigen rychtum ynd in sinem huse zimlichen vnd benügklichen 

25 brühe vnd mittelmessige zierung dar ingehörig. Doch wie wol 
sölich sin gflte also ains mindern gelückes gesechen wart / so 
übt eri sich doch nit dester minder in tugenden da durch sin 
lobsam adellich gemüt blüyend in tugend wurd gemercket. 
Danne in nützlichen Sachen siner fründen vnd siner haimant 

30 vnd vätterlicben landes. Was er der aller sorghabendigoster 
vnd in stryten do es not tett der aller künest vnd in lernung 
der geschrift der allerflyssigost Also daz weder kriegisch raisen 
Im benämen lemung der geschrift noch hin widerumb sölich 
lernung jm benam das raisen sölicher kriegen. Aber mit mes- 

35 sigkait sines lebens öch mit wyszhait vnd gespreche wöl redens, 
erschain er höcher vnd grösser dann in aim sölichen Jüngling 
gesechen wurd gelöplich sin, Vsz welchen lobwirdigen tugen- 
den Er zfl rome verrümpt vnd bekant was vnd für edel ge- 



286 

achtet Tnd gehalten [197] Dise zwen Jüngling do sy sich ains 
mäles des verainten daz ainer dem andern (welchem die ob- 
genant jungfröw vermecbelt wurd) wychen vnd abtretten sölt / 
giengen sy bed mit ainandern zA dem obgenanten fulgencium, 

5 der sy gütenklich enpfieng. vnd batt ir yetweder den selben 
fulgencium jm sin tochter lucreciam elichen zeuermecheln. vnd 
als der selb alt wys man sach sin tochter yetz manbar sin 
ynd tügig sölicher vermechelschaft/ sagt er ir die vrsach war- 
vmb dise zwen Jüngling komen weren. Vnd hies (so sy Irer 

10 beder sitten ynd vemunft erfaren vnd erlernet hett) daz sy 
dann ir selbs vsz jnen den ainen zu elichem gemachel wölt 
erwellen. Vnd als die jungfröw sich zum ersten von erberkait 
vnd schäme wegen des tett mit mässe vnd beschaidenlich 
wideifn vnd der vatter ir sölichs ernstlicher dann vor tett 

15 gebieten/ verzech sy ir antwort ain klaine wyl mit schwygen 
vnd kart sich darnach gegen Irem vatter vnd sprach vatter 
ich wil dir vsz disen zwayen den edlern machen zu aim toch- 
terman vnd der selb syge nu mir yetz ain erweiter gemachel 
mir furo nit zeuerendern. Von diser sache vnd rede wegen 

«0 kriegten dise zwen Jüngling mit ain andern weichet vnder 
jnen der edler wer, dem deshalb die Jungfröw lucrecia billicher 
sölte gefolgen. vnd wyle disz ding ain wunderbar nüwekait 
gesechen wart / ist es in den römschenn rate für die senatores 
zu offenlicher verhörung gezogen worden vnd sint daselbs von 

25 des adels wegen dise nächfolgenden zwo reden beschechen. 
Vnd die erst von publio cornelio scipione also. 

[197^] Ist daz lucrecia vsz vns zwayen Ir begert den 
edler zehaben, wer ist dann lieben herren vnd vatter vnder 
vch der nit klerlich bekenn vnd merck Mich publium corne- 

80 lium der von dem blüt vnd stammen der scipionem geborn 
bin/ billich haben vnd hinfüren die eere vnd glory diser er- 
wellung? wyle niemant zwyfel danne daz das rechter adel 
haisz vnd syge, den wir genomen vnd enpfangen hant von 
dem vrsprung vnser edeln altfordern, angesechen daz die selben 

85 sölichen adel jren kinden vnd nächkomen hinder jnen lassen 
gelycher wyse als ain erblich gaube. danne so die selben alt- 
fordem mit lobwirdigen getäten ouch mit zucht vnd guten 



287 

Sitten vnd tugenden, in regimenten gemaines nutzes oder ritter^ 
lieber dingen erlücht worden sint vnd aller loblichost namen 
haben vberkomen vnd oberste eere vnd aller wirdigoste ämpter 
erfolget / so sint sy fürwar mit sölichen jren künsten vnd mit 

5 Übung guter wercken vnd tugenden edel worden / durch welcher 
altfordern gedechtnüsz euch dann all ir nächkomen gezieret 
sint dann ist daz wir vsz vnserm blüt vsz vnsem gelidern 
vnd vsz vnserm gebain vnd geäder, vnsere kind an dise weit 
tünt geboren / was mugen dann die selben vnsere kinde anders 

10 sin gesagt werden? dann wärlich taile vnsers libes? darumbe 
von notdurft wegen sin müsz, daz die glory vnd eere der 
vättern in Ire kind glycher wyse als in Irs lybs taile gegossen 
werden vnd von den selben Iren kinde» wyter vnnd fürbas 
in der [198] vättern, gestalt bildung vnd form in den ange- 

15 sichten Irer kinden offt als ingedruckt in so grösser gelycb- 
nüsz gesechen worden / daz wenig vnderschaids zwüschen' söli- 
chen vättern vnd kinden erkennet werden mag. Vnd oft also 
die vätter hie durch vnd in sölichen Iren kinden gesechen 
werden widerumb vnd ander werb gebom sin. Sölichen kin- 

20 den folgent ouch vnderwylen nach, glych sitten vnd geberd 
Irer vättern öch gelyche Vernunft vnd gelyche Übung der selben 
lebens. Dar zu dann dienet, daz söliche kind von den vättern 
emssig vnd wol gezogen sint So dient ouch, hier zä huslich 
bywonung vnd gewonhait vnd stete Übung guter Worten vnd 

25 wercken. Da durch dann heschicht. So sy dero also gewönnet 
worden sint/ Daz ouch etwenne frömder menschen gemütt zu 
sölichen Iren Übungen vnd sitten naigung gewinnent vnd dar 
ab habent grosses gefallen. Vsz disen vrsachen dar ist/ Bede 
die natur vnd die gewonhait aller gröste craft vnd machte in 

so die kind drucken vnd würd^^ Ynd kumpt also daz die laster 
der altfordern Ire nächkomen als mit ainer mäsen befleckeHt 
vnd erschöpfent, Vnd hinwider vmb der selben altfordern tugend 
vnd loblich sitten Ire nächkomen nüt wunderbarem schyne des 
lobes aierent vnd erlüchtent. Vnd wo nit dise min rede, mich 

85 zewyt vsfüren wurd i so were mir grosser folle sölich zenennen 
die von edeln loblichen vättern gebom/ gelych schnell von 
meM^dichem ouch edel genennet vnd dar für gehalten worden 
siiit Dann [198^] wer wölt nit die eere vnd tugendryche 



288 

wercke. G. camilli vnd ouch desselben kinde sagen vnd vr- 
tailen edel sin vnd lobs wirdig? Welcher camillus zu zyten 
do sin haimant vnd vätterlich lande Korne. In der vinden ge- 
walte komen was / AUain der selben statt tode vnd Zerstörung 
5 tett fürkomen vnd erleschen vnd das regiment gemaines nutzes 
wider bringen vfrichten vnd beheben. Wer wölt darnach die 
andern kinde von den edlen Fabien von den edlen Cathonen 
oder von den edlen Emilien geborn, nit billich sagen sin die 
aller edelsten? Vsz welcher vättern yetzgenanten, tugenden das 

10 römsch folcke so mit grossen sigen strytens, So oft vnd dick 
ist worden beschirmet vnd erlüchtet/ Wer wölte nit vrtailen 
das regiment tiwer statt vnd des gemainen nutzes nit aller 
billichest zugehörig sin, den stinen vnd nachkomen dero, die 
so oft von gemaines nutzes wegen wol getan vnd grosz vnd 

15 vil verdienet haut Vnd die der selben statt vnd gemainem 
nutze so vil grosses lobes vnd eeren haben zügefürt vnd er- 
folget? Für wäre, das wer ain vndanckber statt vnd haimant/ 
Wo sy nit der selben mannen allwegen wer Ingedenck vnnd 
dero gedechtnüsz als fyrrens vnnd lobes wert tett eeren. Vnd 

so darumb so haben vnser alt fordern (vmb das sy nit vndanck- 
bar gesechen wurden) ain oflfenlich Statut gesetzt / Das denen 
die vnser statt vynde betten gezemmet, Vnnd der selben vnser 
vynden fölcker beere vnd gezüge erschlagen oder küngryche 
lannd vnd lüte gewunnen oder die selben gehorsam vnd vnder- 

25 tenig gemachet. Vnd die selben dann also siges obgelegen, 
mit sölichen eeren widerumb haim [199] komen weren/ daz 
denen (sprich ich) nach sölichen Iren seligen sigen (dero halb 
man sy als vntödemlich götte mit offenbarer eere, tett erheben) 
gebuwen gemachet vnd gesetzet wurden stainin bogen ires 

30 siges vnd darin gehüwen bilde Irer gestalten, da durch furo 
hin Ir namen allen nachkomen mit ewigem lobe weren offen 
vnd mit fürpündigen titteln in grüner früscher gedechtnüssz 
niemer möchten werden erleschet/ das römisch folcke tett 
ouch nach mäls die selben bogen vnd bilde zu etlichen vf 

85 gesetzten tagen in sunderhait eeren, Vnd darumb ist daz man 
von Satzung vnd rechtz wegen, so vil eeren zetün schuldig was 
sölichen bilden/ wie vil grosser eeren ist man dann pflichtig 
der selben gemelten mannen kinden? danne die howung soll- 



289 

eher bilden tut allain mit kunst machen gestiflft vnd vnwir 
figuren, die sich gelichent disen edeln hochgelopten mannen. 
Aber die natur zaigt in disen sünen vnd kinden wäre bildung 
Irer vättern vnd vordem. Dar zu so mugen dise stain die in 

5 jnen selbs kain sele .noch leben haben niemer titzit gut sin 
gemainem nutze. Aber. das leben diser sünen mag mit näch- 
folgung den füsstapfen Irer fordern vil nutzes bringen vnd 
machen, vil burgern gütz geberen vnd ouch vil schades für- 
komen vnd abestellen. Darumb den selben billich zügefüget 

10 vnd geben werden die wirdigosten ämpter vnd alle oberkait 
vnd regimente diser statt vnd gemaines nutzes. Dann ist, daz 
den edeln selan vnd gaisten so die Ire körpel verlässent/ 
ainch sorg oder achtbarkait ist, menschlicher vnd zytlicher 
dingen/ So mag für war nützit [199^] süssörs noch gefelligers 

15 Iren gemüten zu gefüget werden, dann daz jre aigen kinde 
die da sint ain vberbelybung Irer lyben, Von verdienung wegen 
der selben jrer fordern in oberkait vnd regimente gemaines 
nutzes gewirdiget werden vnd geeret. Dann wir sechen ob 
die selben vätter zu zyten so sy dennocht Im leben kranck in 

20 dem todbette sint/ ainch woUust haben/ daz sölich wollust 
gantz allain gelaitet wirt vnd gekeret vf jre kind vnd daz sy 
nützit merers, danne die selben bedenckent noch ouch sich 
selbs mainent sterben noch sich von menschhait gantz schai- 
den? So sy nun kinde ainen lebenden taile Irs lybs hoflfent 

25 hinder Inen zelässen Darumbe wyle so grosse liebe ist, der 
vättern gegen Iren kinden daz kain grössere in den begirden 
aller lebender dingen erdächt werden mag, vnd ouch der 
selben vättern so grosse hoflfung ist Im leben, vnd in dem 
tode wollust vnd nach dem tode angedechtnüsz / so ist kunt- 

30 lieh sich gebürren daz vmb verdienung wegen der vättern vnd 
altfordern aller billichost jren kinden vnd nächkomen zu ge- 
hörig syen, der selben verlässne wirdigkait vnd daz zu dem 
Sy von der selben Irer fordern eeren wegen werden geeret 
vnd gefürdert vnd die danckbarkait die man den selben vättern 

35 nit gnüg nach billichem vnd nach jrem verdienen hat mugen 
bewysen / gegen den selben jren kinden vnd nächkomen danck- 
barlich werd geübet. Vnd darumbe so ist das, das oberst so 
in dem adel ist, daz yemant siner fordern eere gemaines nutzes, 

N. V. Wyle. 1^ 



990 

glycher wyse als durch ettlich erblich rechte vf sich bringen 
mag vnd darby sich den selben sinen vordem an forme des 
lybes [200] gelychen vnd Ire clare bildung vnd gestalt in 
sinem angesicht bekantlich erzögen vnd geben zeerkennen. 

5 Dises haisset vnd nennet mengklich rechten adel. Danne 
sagent/ welch ander nennet das püfel vnd gemain folcke, edeL 
Danne die so von edeln vättern sint geborn? des gelychen die 
gelerten der geschriflFte? Sagent nit die selben ouchs' die wol- 
gebomen menschen edel sin/ gelycher wyse als ob in der 

10 gebart der adel syg gelegen i Zu dem so zieret disen adel 
grosser rychtum zytliches gutes, da durch die diener das hus- 
gesind vnd aller brühe vnd apparät des hushablichen dinges 
dester loblicher sint vnd erschynent, euch vszwendig frünt- 
Schäften also hie durch dester bas mugen werden behalten. 

15 Das beschechen mag durch emsig adelliche Übung, mit günnern 
fründen gesipten vnd andern vsserthalb fremden vnd vnge- 
sipten menschen, die an notdürftigen dingen mangel haben 
vnd fremder hilflfe bedörffent, denen dann ain sölicher edel- 
man nach sinem willen mag wol tun raten vnd helflfen. Danne 

20 miltikait ain sunder lob vnd hohe eere ist, des adels, dero 
sich der mensch vmb sust flysset in ander lüt zegebruchen 
dem sin gut zu sin selbs notdurft nit gnüg sin mag. Vnd 
darumb so ist notdürftig wej edel sin wil das sin adel durch 
miltikait erschyn vnd rüm vnd lob erfolge, dwyle sölicher adel 

25 durch gnäd günstigen willen vnd gut getätt andern zebewisen, 
zu nimpt vnd dester treffenlicher vnd grösser wirt geachtet 
vnd sust vnd äne das oft sin schyne abnimpt vnd verdunckelt. 
Vnd beschicht hier von ouch das vnderwylen mancher gesechen 
wirt nit mer edel sin/ So er nit mer milt [200^] sin mag. 

80 Dann sagent. Wie vil aller gelertest mane, sint von armüt 
wegen gantz verachtet vnd vf sy wenig oder nützit gehalten 
worden? Wie vil hoher vnd klüger Vernunft vnd wyshait sint 
von mangels wegen notdurftiger narung vnd bruhes also ab- 
gestorben / daz sy nit von yemant ye gebrucht oder geübet 

85 worden sunder gantz verlegen sint? Welcher mannen kunst 
vnd tugend vsgelegt, nit schynnen oder nächdrucke noch ge- 
louben haben mochten von gebruchs wegen notdurftiger narung 
irs lebens. Vnd also verlychet rychtum zytliches gutes grosse 



291 

hilflf zu zierung des adels. Mit welchem richtum des men- 
schen gemüt, daz zu tugend gerichtet ist, fürnemer werden 
mag vnd sölich tugend clärer vnd loblicher erschynen. Vnd 
darumb lieben herren vnd vätter/ Ist das rechter adel in 

5 geburt oder in rychtum begriffen wirt oder sin sol/ So ist 
üwer kainer, der zwyfel hab , Danne daz die aller gröste 
gezierd des adels diser statt in mir erlüchte. Dann 
wer hat ye von wegen gemaines nutzes diser statt/ 
Stercker gestritten dann min fordern? Vnnd wer hat vsz dem 

10 vmbkraisz diser gantzen weit, Mer küngryche gewunnen vnd 
die vndertenig gemachet dem römschen gewalt vnd regimente, 
dann min fordern? Wer hat die sorgen angst not vnd Jamer 
üwer Statt Rom zugestanden/ ee vnd schneller ye vertriben 
vnd vch dero entlediget dann min fordern? Der selben aäner 

15 Lucius Scipio genant (als der gezemmet vnd vch gehörig vnd 
vnderwürffig gemachet hatt/ [201] alle küngrych in asia ge- 
legen vnd dar zu andere fölker) erfolget hie durch Im zu lobe 
ainen ewigen zu namen Also daz er nächmäls genennet wart 
Scipio Asiaticus, vmb daz er in Asia sölich grösz lob vnd eere 

20 hatt erjaget. Aber ain anderer miner fordern Publius Sci- 
pio, tett das lande Italiam das durch nom brand vnd tod- 
schlege verhergertf vfld zerstöret was, ouch die edeln statt 
röme, als die nach dem Canensischen stryte in Jamer sülftzende 
In letster note vnd sorgen stund/ die selben land vnd statt 

25 tett (sprich ich) der selb Scipio mit vngelouplicher tugend rit-. 
terlicher übung erlösen. Danne der schedlich verderplich 
brande von dem selben Publio Soipione dem branchinischen 
folcke in AflFrica zu gefüget/ tett Hanibalem den geschiden 
vnd obersten houptman der mit so vil sigen wider vch römer 

30 erfröwet was, widerumb haim berüflfen. Vber das noch dann 
der selb Scipio den gemalten Hanibalem vnd des gezüge folck 
vnd here mit denen er haim kam, bestraitt vnd die niderlegt 
vnd vber wände. Darzü ouch die statt Carthaginem die dem 
römschen gewalte vnd regimente aller vindest was/ nit allain 

35 von Irem vnrechten hindersich traib, sunder ouch die vnd das 
gantz Affricam krefftenklich, disem der römern regimente vn- 
derwürffig machet vnd aignet. Diser Sachen halb Er nächmäls 
billich den zu namen Affricanus vberkam vnd erfolget danne 

19* 



292 

die Statt Carthago in dem taile des ertrichs Aflfirica gelegen 
was. Den selben zu namen Er ouch darnach sinem suns sune 
scipioni (der zu letscht die selben statt Carthagnem (als sich 
die aber abwarf) [20 P] gantz zerstört vnd tilket) Verlies als 
5 ain erbschaft. Danne der selb ouch wie sin alt vatter genennet 
wart Scipio Aflfricanus. Ich furgee die andern alle mines ge- 
schlechtes mit dero eeren vnd tugenden üwer statt röm, so 
oft gezieret worden ist/ vnd dero gut getäten so vil sint, ob 
Ich die wölt erzellen/ das ich nit wiste das ende vnd den 

10 usgange miner fürgenomen rede. Vnd dero Ich darumb gern 
geschwyg/ das ich waisz sy üch sust wol bekant sin. dann 
wo ist in disem röme ain statt oder winckel der lere syg der 
titteln loblicher sigen miner fordern ? Vnd welcher tempel ist 
in diser statt röm der nit er schyn gezieret mit röben von 

15 minen fordern den vinden genomen? Vnd wfelich kirchen. 
Vnd gotzhüser sint, die nit zaigent der selben miner fordern 
lobrychen bilde gestalt vnd formen? das zeuersteen gibt, so 
grosse Vnd so lobliche begrebnüsz des adels miner fordern) 
daz nit grössere yemant tödemlicher wünschen möcht. So ist 

20 ouch mir von minen fordern zu erbe gelassen ain aigen loblich 
gesessz vnd possession grossem adel wol zimende. So sint 
mir an zale vil der selben miner fordern figuren vnd, bilde. So 
haben sy söliche mine beklaidung getragen. So ist disz min 
angesicht in Iren angesichten gesechen worden vnd tun Ich 

25 der selben blüt Ire gelider jr geäder vnd Ire forme vnd gestalt 
in disem cörpel mines lybs tragen. Ich bin von Inen vrsprung- 
lich herkomen vnd lang in Iren hüsern erzogen worden vnd 
nu yetz erwachsen, Hab Ich von sitten vnd nature Iren adel 
mir von Inen Ingegossen. Vnd darumb, ist daz dise ir hai- 

80 mant vätterliches landes Inen vmb Ir so grosz [202] verdie- 
nung vnd gut getätt, ützit von rechtz wegen schuldig belybet/ 
So müsz vsz notdurft sin, daz sy mir (der ain taile irs lybs 
bin) sölichs ouch schuldig syent. Vnd darumb ob Ich zu 
ainchen wirdigen ämptern vnd oberkaiten diser statt Röme 

35 äne min bitte, Sunder vsz üwer aignen bewegnüsz vserkoren 
vnd erwellet wurd/ so geburte sich mir, dero vsz billichkait 
vnd aignem rechten anzenemen vnd mich dero zebeladen vnd 
möcht für war nützit basz gefelligers den gemüten miner for- 



293 

dern gehandelt werden. Zu dem allem so ist mir zu zierung 
des adels von denselben minen fordern so ain grosser huffe 
vnd schätze gutes vnd richtums verlassen worden, Als vil ains 
yeden menschen messig gemüt begeren möcht oder wünschen. 

5 Des ersten so sint mir vätterliche hüser so grosser wyte vnd 
wolgeziert daz sy nit künglichem gesessze teten entwychen. 
So ist mir in dem tuschganischen lande ain statt aller gröstes 
lustes vnd in dem land campania grossz vnd aller rychest büwe 
der ackern vnd des feldes Dar von nit allain ains ainigen huses 

10 diener. Vnd husgesind, sunder gar nach ain grosser gezüge 
folckes möcht werden gefüret. So ist der apparäte vnd stände 
mines huslichen wesens euch die kostlichkait vnd gezierd mi- 
nes husrätes mit helfenbain gold vnd edelm gestaine vnder- 
schaiden gar nach allem römschen folke bekantlich. Vnd dar- 

15 umb so ist äne zwyfel mir, mit so vil seliger dingen wirdig- 
kait/ etliche sunder loblich gezierde des adels, vnd die so 
grosz, daz willicht kum (mit vrlob red ich das) in diser statt 
ain grösser funden werden [202^] möcht. Vnd darumb so 
schwyge also flamineus vnd tu in disem kriege abstellen ze- 

20 begeren diser Jungfröwen Lucrecie, Angesechen daz er nit 
allain angeburt vnd rychtum vnder mir ist/ sunder ouch wir 
nit wol wissen mugen den vrsprunge sines herkomens/ So 
waisz er ouch kum selbs wo er yenert hab ainches lendlin 
vnd darumb so ist von rechtz wegen die edel lucrecia min. 

25 Die mich edeler danne flammineum vnd mich irer hüpschkait 
zügehörig sin hat erkennet. Aber du Lucrecia tu dich diner 
aller süssisten wyszhait fröwen. Danne dir kain liebrer noch 
gelückhaftiger gemachel erweitet worden sin möcht Vnd der 
dich lieber vnd schöner gehept hett oder by dem du seligk- 

30 lieber din leben möchtest haben geschlissen. Ich wirt dich 
füren in wyt zierlich vnd lustig höfe vnd säle vnsers huses. 
Da wirst du sechen bettgewande vnsers elichen byschlälfens 
in sölicher hüpschkait als ob sy zu gericht weren ainem künge. 
Du wirst tragen aller vserweltigoste klainet vnd zierung Jun- 

35 gen fröwen zu gehörig. Wie du die selbs wünschen möchtest 
So wirt dir nit sin arbait aincher Übung dero zu tun pfligt 
das gemain folke, sunder wirst du füren ain leben mit rüwiger 
müsse, also daz nit teglich gewine oder ainch hert geflissen- 



294 

bait, dir benemen werden süssen schläiFe, danne daz du lebest 
frylich vnd also wo vnd wenne du ¥rilt schimpfen schallen 
singen sagen oder anders tun zu fröiden vnd zu lieb dienende, 
daz du dich dines willens vnd flysses hier zu wol magst ge- 

5 bruchen vnd wirst darzü haben zu gesellschaft diner woUasten 
Jungfröwen mägt vnd dienerin die all dinen b^irden [203] 
werden sin gefolgig. Kain tage wirt dir hin geen vnd ver- 
rücken lär sölicher woUusten vnd fröiden. So werden euch 
wir bede die necht sament in fröiden üben vnd vertryben. 

10 Welche ding alle flammineus (wyle er selbs von armüt w^en' 
dero mangel hat) dir nit hett mugen verhaissen, danne daz 
dir mit jm wer gewesen ain leben in armüt laidsam vnd trurig. 
Dann ain statte küngklicher schlössen vnd büwen, hette dir 
gefolgt eng gehuse. Für grossen apparätte vnd schynbar her- 

15 lichkait vnd gezierde/ wer dir worden schlechter gemainer 
husräte, Vnd für müsse gefliessenhait , für rüw, arbait. Vnd 
wer dir kain tag yemer gewesen fryg vnd ledig teglicher 
wercken. Vnd darumb lucrecia wer zwyfelt? Dann daz du 
mich dir zu gemachel erweUen vnd haben wöltest/ da du den 

Jo edlem vnder vns erwaltest. Kum bettest du in diser diner 
aller wysesten erwellung mugen oflfenlicher vnd verstentlicher 
geredet han. Ob du joch mich Cornelium mit namen bettest 
genennet. Aber sicherlicher hast du diner begirde vnd diner 
wyszhait hierInne geraten. Danne so du von jungfröwlicher 

25 erberkait vnd eeren wegen dich geschamet hast zenennen cor- 
nelium, so hast du mich genennet den edlern. Vnd were ain 
aller vnwysests dinge, von yemant anders geschetzt werden, 
dann wer wölte gelouben dich für rüwe begert haben arbait 
für lychtum armüt vnd für haile Jämer. Darumb lieben her- 

30 ren vnd vätter/ so wöllent in ansechung der wirdigkait ain 
römschcn räts in disen dingen ain gelyche billiche vrtail 
sprechen vnd geben 

[203^] Zu grossem gefallen ist mir lieben herren vnd vätter 

So mir von dem adel rede zehaben gebürret/ daz ich dann sölich 

85 rede vor tich vnd üwern adellichen gemüten tun sol. Danne 

in kainen andern ende so wärer ernteter vnd* erfarner adel 

als hie by üch funden werden mag. deshalb mir vf disem hat- 



295 

tigen tage zu hochen fröiden kumpt daz in so grosser vnrüwe 
der gemüten in s6 grosser erkantnüsz mancherlay dingen vnd 
in so grosser Übung der tugend, nützit vnrechtes hie mag 
werden erwartet/ nützit vnloblichs mag werden gesprochen 
5 noch zu letscht nützit fremdes vnd vngehörtz mag werden 
gehandelt. Aber lieben herren vnd vätter in diser zwytrech- 
tikait die da nüw vnd fremd ist i gebürret sich vch grössern 
flysz vnd ernste anzekeren, Danne in afldern gemainen vnd 
schlechten Sachen vnd spennen. In ansechung des , daz dises 

10 dinge nit allain zwayer burger ist oder ain gerichtzhandel ains 
ainigen tags Sünder wirt es sin vnder allen fölckern vnd zu 
allen zyten als ain ewige Satzung vnd ain ewig recht von 
üwerm allerhailigosten vnd wisesten rate vsgegangen vnd des 
man begirlich hat gewartet. Dann ir sechent hütte (anders 

15 dann vor ye) an disem gerichtz handel des gantzen römschen 
folckes aller gröstes vfmercken. Vnd sechent aller burger 
vnd ouch vsz wendiger gesten ougen, Oren, vnd münde gantz 
in vch sin gekeret/ Denen nit allain fröid ist zesechen 
Welches vnder vns zwayen Lucrecia sin soll/ Sunder [204]^ 

20 mer welcher vnder vns von üwer wyszhait der edler werd 
g€urtailt vnd geschetzet darumbe Ich üch vnd üwer hoche 
vernunflft flyssig bitt vnd erman. Bedenckent die grosse diser 
Sache (Wie wol in aim yeden dinge die gerechtikait gelychlich 
gehalten vnd geübet werden sol) ye doch so ist sich grössers 

25 flysses zegebruchen so man aller gröste vnd klügiste ding han- 
deln tut- Ich bitt aber lieben herren vätter üwer gedult vnnd 
senftmütikait wolle mir verzychen ob Ich scherpfer vnd an- 
ders dann min gewonhait bisher gewesen ist, reden vnd er- 
zellen werd min tugend vnnd gelücke. Danne Ich vormals 

30 nit pflegen han mich selbs zeloben oder yemant andern ze- 
schelten/ dero das ain ist, ains vnmessigen rüms girigen ge- 
mütes, vnd das ander ains vndultigen verbünstigen hertzen. 
Aber mich tünt yetz hier zu raitzen vnd bringen. Des ersten 
dise nüwe form rodens. Dar nach die vngebürlich wackerhait 

35 dises Cornely, der vor nit erberlich von mir geredt hat Vnd 
die wyle Im so lustig gewesen ist, mit sinen Worten, min mes- 
sigkait zeschelten/ So gebürt sich mir "vnd hat er mir des 
vrsach geben sin vnschame zesträffen vnd zeschmechen . . Ir 



296 

hant lieben herren ynd Titter gebort, diser Jongfröwen aUer 
wyseste antwort Dar uf Gomelius unb daz Er sieb selbs den 
bessern macbb/ getar sprecben den adel sin in gebort ynd 
rycbtmn ynd bat desbalb gesagt siner altfordem loblich ge- 

5 täten ynd jm yon sinem yatter ynmessiger rycbtmn yerlässen 
worden sin. Dises ist alles das, das sin [204^] lange red be- 
gryffet Aber yon Im selbs sagt er nützit Danne Er waisz 
nfitzit yon Im , da/ wirdig syg zesagen Vnd daromb so für 
geet er sinselbs leben mit scbwygen. Aber Ich main des men- 

10 sehen adel sin in aigner ynd wirer tagend des gemütes, ynd 
nit in fremder eere oder in falschem des gelückes gflte. Dann 
adel ist nfitzit anders dann etliche fbertreffong, damit die 
ding, die wirdiger sint yortail ynd eere habent yor den yn- 
wirdigem. Ynd daromb wie ain mensche mit allem fbertreff 

15 edler ist dann ainch ander tiere/ Also tut ooch ain mensch 
mit adellicher togend sins gemotes ainen andern menschen 
fbertreffen. Ynd also fbertrift ain mensche den andern allain 
in lobrychen adellichen wercken des gemotes. Dann wenne 
das selb gemfit in gflten loblichen künsten lang zyt geübt er- 

so schynen wirt in gerechtikait gotikait yestikait groszmotikait 
messigkait ynd wyshait ynd es gegen den götten gegen yatter 
ynd mftter gegen gesipten fründen ynd gegen gemainem notze 
gütz yerdienet hat ynd in guter lere der geschrift erzogen ist/ 
so wirt es für ander/ edel lobsam vnd dorlüchtig gehalten. 

ts Als ooch Cornelias das selbs necbst vor von sinen altfordem 
gesagt hat. hinwiderumb. Wenne daz selb gemtite böser kün- 
sten geübet ist, vnd sich gibt zu boszhait zu wüterye zu grob- 
kait vnwissenhait lüderye vnd vnaemonft vnd jm kain acht 
ist noch sorg götlicher dingen, noch gütikait zu sinen vatter 

80 vnd müter, noch bewysung günstiges willens gegen sinen frün- 
den/ Für wäre [205] der wirt gehalten vnedel schantlich 
vnd zeuerachten Vnd daromb so ist kund vnd offen/ wären 
adel allain fliessen vnd komen vsz wärer tagend des gemütes 
Vnd mag euch darumb weder grosser huflfe rychtums noch 

35 langes herkomen der geburt oder des geschlechtes sölichen 
adel weder geben noch nemen. Dwyle allain das gemüt ain 
aigner sitze ist des adels, welches gemüt von der nature die 
da ist ain gebieterin vnd laiterin aller dingen/ gelych In 



297 

gegossen wirt allen menschen vnd nit von den altfordern als 
ain erbschaft den sünen zügehörig sunder vsz höche götlicher 
wyshait Vnd hant die selb natur gesetzet, das selbig gemüt 
sin als ainen fürsten des menschen lebens vnd als ain liecht 

5 des spiegeis. Welcher Spiegel so du M hüpsche ding für 
hebst i ouch hinwiderumb hüpsche ding in jme lasset erschynen 
Hebst du jm aber für vngestalte dings' so werden sy ouch 
vngestalt in jm gesechen. Vnd also ist der menschen gemüt 
clare vnd luter ouch fryg geschickt vnd tügig, adel vnd vn- 

10 adel zeenpfächen. Vnd mag niemant in diser aller besten 
vnd fürtreffenlichosten gaube, die vstailung menschlicher nature 
schuldigen oder straffen. Danne sy dises gemüt yetklichem 
menschen glychlich geben tut Vnd achtet hierInne weder ge- 
schlechtes, gewaltes oder rychtums. Vnd ist niemant so arm 

15 so schnöd so verworfen oder so verschmefhet/ der nit ane- 
fangs siner gehurt mit der kaisern vnd küngen kinden äne 
vortail sin sele vnd gemüte enpfächen tüg, Vnnd nit daz selb 
gemüt mit schyne der tugend vnd mit lobe des [205^] adels 
zieren mug. Vnd waisz yemant / ob mir in diser sache vil ge- 

20 übter exempeln gebruchh syg ? das vil von nidern stammen vnd 
von verachten vättern vnd mütern geborn, bald vnd schnell 
edel worden sint. Welcher exempeln mir so grosser foUe ist / 
daz kum diser tage mir lang gnüg wer die alle zeerzellen. 
Doch wil ich zu bewerung diser rede, der selben wenig be- 

25 rüren Vnd zu dem ersten vsz der Jüngligkait vnser statt rome. 
Ist nit der vrsprung Tuly Hostily klain gewesen? Der da 
anefangs ain hütten für ain huse hatt, vnd des vatter vnd 
müter nach vnbekant gewesen sint? Sag tett nit lang zyt 
der selb des fichs hüten, Vnd tett nit darnach sin grosse ver- 

30 nunft also erschynen , daz sy Inn fürt vnd brächt zu diser 
statt oberstem gewalt vnd regimente? diser Tulius Hostilius 
wytert vnd meret ouch dise statt vnd machet vil vinde vnder- 
tenig dem Römschen gewalte. Ist nit Seruius Tulius in aigen- 
schaft arm geborn gewesen vnd darinne erwachsen? bis zu 

35 volkomnem zytigem alter der noch dann die höchsten oberkait 
des regiments diser statt habend was, Vnd sich darinne so 
vbertreflFenlich wol hielt, daz ei* verdient die Sabinischen den 
römern gehorsam vnd vndertenig zemachen vnd dryg sige, 



298 

zebeheben vnd ouch dryg berge zu wytrung der statt zu ze- 
fügen vnd grosse wirdigkait der ämptern zemeren Aber Mar- 
cus Porcius Catho von dem das Porcianisch folcke der gemaind, 
Sinei namen vnd vrsprung gezogen hat, Ist worden gebom 

5 by ainer tuschgulaniscben Strasse in ainem pürschen hüslin 
vnd [206] was doch desselben wirdigkait vnd der geloube zu 
Im in diser statt so grosse/ daz er all fürpündig manne, die 
zö sinen zyten wären vbertraf vnd deshalb wärlich verrümpt 
vnd edel was vnnd des gemaines nutzes trost vnd haile vnd 

10 nit minder der geschriSt Danne ritterlicher dingen flyssig vnd 
künnend. Diser man was von den burgern in so hochen eeren 
gehalten daz er durch sinen rite die Ordnung der reten vnd 
Senatoren endert vnd meret vnd die maiest&te desselben rätes 
mit sin selbs lobe vnd eeren gröszlich tett zieren Vnnd wissen 

15 wir nit? Marium von aller nidersten vatter vnd mftter ge- 
boren vnd vff vnsuberkait des ertrichs gelegen sin vnd ainen 
aller schnödisten anefang gehept han In dem aber dar nach so 
vil tugend vnd fromkait erlucht, daz er in dem Jugurtischen 
kriege des ersten wart ain Innemer vnnd vszgeber Metelli, 

»0 des obersten Römers Vnd darnach an des selben Metelli statt 
vnd ampt kam vnd oberster consul vnd höptman wart, alles 
Römscheu heeres. Darjnne £r sich so redlich vnd kecklich 
hielt daz er Jugurtam vnd Botum den küng zu Mauritania 
der desselben Jugurte helffer was/ Des ersten siges vber- 

M wand vnd fluchtig machet vnd darnach vil jrer stetten in Nu- 
midia gewan vnd Innam vnd zu letste Jugurtam fieng vnd gen 
röm brächt vnd vor sinen wagen gefangen inf&rt vnd jm des- 
halb vnsaglich grosz eere vnd siges lobe wart bewisen. dar- 
nach als die zimbri der römer gezüge nider laiten vnd dar von 

80 grosse forcht zu röme entstund vnd so [206^] grosz als vor 
kum ye zu Hanibals zyten beschechen ist. Ist aber Marius 
zu oberstem houptman vnd consul erwellet worden, Vmb daz 
die Galli vnd franzosen die statt nit ansturmpten vnd nach 
dem der selb krieg sich gäte zyt tett verziehen/ Ist Im in 

S5 sdlichem dise wirdigkait söliches amptes zu meren malen an- 
gebotten worden Vnd zu letste do Er dise zimbros vnd frantzo- 
sen Yl)erwand, hat er zu dem andern male das lob vnd die 
wirdigkait so man von siges w^en pflag zetün, von den 



299 

römern eerlich Ingenomen vnd enpfangen Aber Socratem ain 
ainige gezierde menschlicher wyshait, durch des kunst vnd 
lere alle schulen der philosophye sint erlüchtet vnd der von 
dem got Appollo gevrtailt ist, sin, der allergelertest vnd wy- 

5 sest vnder allen menschen (den selben sprich ich) haben ge- 
born ain hebarame sin müter vnd ain stainbrecher sin vatter. 
Euripides aber der da gemachet hat das aller hoflichest ge- 
dieht entliches laides das wir nennent Tragediam vnd Demo- 
stenes vnder den natürlichen maistern ain fürst vnd vnder 

10 allen Oratoren vnd wolredenden kriechischen menschen der 
aller beste vnd scherpfist haben bede nit allain licht vnd 
schnöd vätter vnd müter gehept sunder gantz vnbekant. Vnd 
darutob wer ist der? Der ainche Vernunft hat der reden ge- 
törr / dise yetz gemelten erlüchten man. So grosser lobrychen 

15 Übungen vnd tugenden sinvnedel? Sunder ist not/ aitweders 
in allen menschen kainen adel sin. Oder aber dise yetzge- 
nempten sin vnder allen menschen die aller edelsten, dero 
kluge Vernunft crefte geschicklichkait [207] vnd aller guten 
künsten lernung vnd vnderwysung i nit allain für ander habent 

20 gegrünet sunder gar nach bis zu gütlicher verstentnüsz sint 
gewachsen. Vnd dir gebürt ouch nit Corneli das zewiderreden. 
Dwyle du dinen altfordern vsz disen tugenden nechst gelych 
ainen sölichen anefang gegeben hast Vnd darumb so wirt also 
der adel nit vsz der geburt des geschlechtes enpfangen vnd 

25 genomen sunder vsz Innwendigen tugenden des gemütes. 
Danne sust werent die yetz gemelten niemer edel genennet 
worden/ dero vrsprunge Irer geburt so klain vnd demüttig 
funden worden ist. Als wir ouch nit Widerreden mugen vil 
menschen von aller edelsten vättern geboren sin, die so schant- 

30 lieh vnd bosclich gelebt haut/ daz die selben nit allain nit 
edel sunder aller schnödest vnd lasterliche menschen verdie- 
nent genennet zewerden. Vnd Ich wil berüren zum ersten 
etliche vnlobliche man, So vnder dinen fordern gewesen sint. 
Item des vorigen Aflfricani sun Scipio genant/ vbertraf mit 

85 siner groben vnwissenhait vnd zagkait sines vatters fromkait 
vnd vestikait, der ouch gegen Anthonio dem küng schantlich 
darnider gelag vnd gefangen wart vnd mit züsamen gebunden 
henden batt ain lybgeding sines lebens. Item Als ouch diser 



300 

yetz genanter Scipio ains mäls nit durch sin selbs verdienung, 
Sunder durch verdienung Georci sines vatters schribers/ er- 
folget hatt das ampt ains obersten richtersy Do hatt er des 
siner nechsten gesipten f runden gunst so vil, daz sy nie kain 

5 ding laider gehorten danne daz Im dise wirdigkait zugestanden 
was. Vnd als die selben sine fründ forchten [207^] daz er mit 
etwas siner boshait söliche offen wirdigkait dises ampts tette 
lestern vnd sich selbs des schantlich entsetzen vnd daz da 
durch ir geschlecht der Comelien des schaut enpfächen wurd/ 

10 do haben sy nie wollen lyden, daz der ainch vrtail sprechh. 
Oder sinen gerichtz stül in offenliche verhörung ye getörste 
setzen/ So vil vnuemunft wisten sy sin in sinem houpte. 
Dar zu diu publius Scipio ain vnnützer mensche, do der t)ber- 
ster houptmanschaft pflag kriegens wider Jugurtam, sachen 

15 halb daz der selb Jugurta in Verachtung vnd zu schmähe des 
Senates zu röme bosclich erschlagen hatt atherbalem vnd yem- 
psalem gebrüder vnd küngs micipse seligen süne/ die aller 
beste fründ gewesen wären des römschen folckes/ do verfürt 
Er so vnwyslich vnd torlich das beere sines gezüges vnd folckes, 

»0 daz nit zu aincher zyte ye vnser folck vnd beere jemerlicher 
bosclicher vnd süntlicher gelebt haben vnd Als er dar nach 
consul vnd oberster römer wart. Ist er von dem selben Ju- 
gurta mit gelt gestochen vnd falsch gemachet worden/ daz er 
mit jm ainen schantlichen fride treffen tett Welchen fride 

15 der Senat vnd gantzer rate zu röm dar nach bald tett abkun- 
den vnd widerrtiffen. Vnd was mag Corneli schantlichers oder 
lasterlichers funden werden. Dann dise yetz gemelten vneere? 
Vnd was sol Ich sagen von dem aller vnschamigosten Jüng- 
ling der ain sun was Quinti faby Maximi? Als der selb ain 

80 vngebürlich vppig leben fürt/ do mocht jm sin vätterlicher 
adel nit hier vor sin, Danne das Quintus Pompeius do zemäl 
der statt richter jm als ainem wütenden ochsen verbotte vnnd 
[208] zwang tun müst. Was sol ich sagen von dem suns sune 
quinti ortensy (aines maus (für war) in vnser statt von ge- 

85 louben vnd gesprechnüsz aller fümemest) der da zu schände 
sines lebens mit vnküschhait vnd mit liplicher woUuste dar zu 
kam/ daz Er Im mittel der offen gemainen fröwen hüsern 
stund vnd beharret dar nach hier Inne als ain riffian In offen- 



301 

lieber verschamung. Sag Corneli mainst du dise sin zenemen 
edel, dero leben so vil strafbarer vnd lasterlicher ist als vil 
sy ainen höchem schyne Irs adels hier mit habent erleschet? 
Sag was ist es ? ob sy Joch gemachte bild Irer altfordern er- 

5 zögent/ oder daz sy sagent vnd erzellent wo vnd wie sy hüs- 
lich syen worden erzogen? Sag schetzest du das/ etwas lobes 
Iren lasterliclten wercken bringen mugen? oder möchtest du 
nit wärlicher vnd rechter sprechen / daz sy hier mit mer Ir 
laster tetten entecken vnd sich selbs dester schuldiger vnd 

10 strafbarer machen Vmb daz sy ain sölich exempel der tugent 
das sy vor Iren ougen gehept hant so Jemerlich vnd bosclich 
haben verlassen. Darumb ich diser kainen schetz verdienet 
han oder wirdig sin daz man Im von loblicher getäten wegen 
siner altford«rn, ainch regiment gemaines nutzes vf Inn zebe- 

15 wenden schuldig syg. Danne die selben ir altfordern wären 
diser statt ain loblich zierung. Aber diser ains gemainen 
nutzes schantliche mäse. Die täten diser statt vnd Irem re- 
gimente frid eer vnd nutze zu fügen vnd bringen / Aber dise 
oft laster vneere vnd grossen schaden der burgern zurichten 

20 vnd volstrecken. Die haben ouch Ir [208^] vätterlich lande 
so das mit grossen kriegen sorgen angsten vnd nöten belestiget 
was, oft mit Ir tugend klügkait vnd Vernunft errettet. Aber 
dise habent arbait gehept vnd sich geflissen frid sün vnd rüwe 
irs vätterlichen landes mit jren Sünden vnd boszhaiten zebe- 

25 trüben vnd ze entrichten. Darumbe. Wie sint in ainer lob- 
lichen wol geordneter statt sölicher menschen verdienung? 
Were nit ainem gemainen nutze weger vnnd besser? Sölicher 
burgern zemangeln? Vnd were nit jren vättern süsser vnd 
rüwiger, daz sy sölich süne nie hetten geboren/ ob joch so- 
so lieber Irer kinden würckung langen wurd an der vättern selan. 
Dwyle sy doch in jrem leben Ir vätterlich lande so lieb ge- 
hept hant. Für war sy wurden vrtailen sölich Ir süne sin 
zetilcken vsser der gesellschaft aller menschen, Danne kuntbar 
jst in dem regimente gemaines nutzes vil lasterlicher sünen 

35 durch vrtail Irer vättern verdampnet worden sin zu mancher- 
lay straff vnd pine. Welcher dingen exempel Brutus ist der 
erst liebhaber vnd straffer der fryhait Der sin aigen süne 
(Vmb daz sy mitwissent vnd gesellen wären aines pundes 



802 

wider fryhait der römer fürgenomen) hies ertötten. Item vnd 
aber Cassius der sinen sune (Vmb daz Er der obersten regie- 
rung vber das folcke zu Rom begeret) Mit straichen geschlagen 
dar nach gebott ze ertöten. Disem folget nach Manlius tor- 

5 quatus ain aller edelster burger diser statt. Der selb als sin 
sune Decius Sillanus von gelts wegen daz er vngebürlich solt 
Ingenomen han geschuldiget wart, von ainem Yäte/ nam er 
disz Sache vf sich selbs dar Inne [209] zeerkennen vnd zevr- 
tailen vnd als er nu das laster sines suns also erfand/ do 

10 falt vnd lutbart Er ain sölieh vrtail vnd sprach. Dwyle kund 
worden ist Sillanum minen sune in der prouintze gelt vnbillich 
geroubet han So rieht vnd vrtaile Ich Inn billich vnwirdig sin 
siner vätterlichen hüsern vnd der ämptem gemaines nutzes 
vnd ouch der gesellschaft aller bürgern. Dar zu so gebütt 

15 Ich Im schnell von miner gesicht hin weg zegeen vnd sich 
von mir zeschaiden . . Vnd darumb lieben herren vnd vätter 
So ist es kain sitte oder gewonhait guten fromen vättern lieb 
zehaben, bös lasterlich süne Sunder ist mer Ir gewonhait die 
vszetryben zeschüchen vnd sich dero ze entüssern. Vnd dar- 

20 umb so ist man ouch sölichen sünen kain ampt oder güthait 
zetün schuldig von wegen vätterlicher verdienung so ferro in 
Inen selbs nit erschynet vätterliche tugend. Dann gelycher 
wyse als kain schyne yemer in ansechung ains finstern spigels 
wider gelestet Also mag ouch in bösen schädlichen vnd laster- 

25 liehen kinden die tugend Irer vättern vnd altfordern niemer 
erlüchtet vnd gesechen werden Vnd darumb corneli so schetzest 
du vmb suste, die eer der altfordern sin in erbschaft den 
nachkomen vnd den adel als ainen spiegel denselben nächkomen 
verlassen werden. Danne tugend vnd adel stoyscher tugenden 

so werden gesucht vnd erfolgt mit aigner arbait vnd mugend nit 
by lästern steen noch by Inen wonung haben. Darumb corneli 
in allem disem dinem rüme der gehurt oder des geschlechtes, 
predigest vnd berürest du allaiu fremdes lobe vnd nutzit des 
dinen. [209^] vnd ist das die kind vnd nächkomen nement 

85 vnd enpfächent von Iren edeln vnd altfordern blüt gelider vnd 
geäder/ so tünt sy vmb sust jnen wollen zu aignen der selben 
adel. welches adels aigner sitze allain ist das gemüte. dessel- 
ben gemütes Aber kain taile den kinden vnd nächkomen nutg 



308 

werden gelassen. Aber die vorigen dinge sint des lybes vnd 
werden mit dem leben erleschet vnd hingeen. furo ist das die 
gelerten sölich süne edel nennent (Als du corneli gesagt hast) 
so nennent sy die selben wol vnd recht i so ferre sy from sint 

5 vnd tagend würkent Dann also tünt sy Irem geschlecht nach/ 
gelyche werck vnd tagend üben/ Das aber da corneli mit 
schwygen fürgangen hast Sint sy aber grob vnd vnwissend 
fal vnd zaghaft So sagent auch die selben gelerten, sölich süne 
vnd nächkomen sin vnedel. recht als ob sy denne von der 

10 eere vnd von dem adel jrs geschlechtes fremd sygen. Vsz 
disem allem man klerlich versteet/ von aller edelsten vättern 
ouch vnadelich gebarten fliessen vnd komen mugen Das aber 
das vnkünend grob püfel vnnd folcke sich nützit in diser sache 
rechtes versteen mag/ Main Ich hier by sin zebedencken/ 

15 das es offt in jrrung fallen tut vnd kainist oder gar selten 
sin mainung gelych hillet vnd steet mit mainung. der wysen 
Nu tügen wir komen vf die edeln armüt. Sag wer ist ye er- 
mer gewesen danne agrippa ain fürpüntlicher mane vnd In 
diser statt gemaines nutzes ain aller lobwirdigoster / der so 

20 arm vnd dennocht redlich was/ Das man jm von der statt 
renten vnnd gülten satzt ain narung dero er sich möcht be- 
tragen. Vnd hinder dem als er gestarb noch dann [210] nützit 
erbes noch gutes funden wart daz man in der statt röm schrjme 
vnd gemainen seckel tragen möcht ? Sag ist nit Valerius Pu- 

25 blicola ain aller annemister man gewesen dem gemainen nutze 
diser statt? Der ouch consul vnd oberster amptman hie ge- 
wesen ist. Des lyhe do er todes abgangen was, man von der 
statt gemainem gute bestatten müst, Vmb daz er nit so vil 
erbs hinder Im verlies, daz sy dar von bestettiget werden 

30 möcht. Sag tett nit das römsch folcke quintum lucium an- 
turacum der vf dem göw sin leben fürt vnd äcker sayt vnd 
buwet/ berüflfen vnd erwellen zu oberstem houptman kriegens? 
Der so grosser tagend was/ do die Prenestinen Ir beere vnd 
geleger an der statt röm ringkmuren gemacht hatten/ daz er 

35 nit allain die statt erlost von sölichem beiigen/ sunder ouch 
die vind mit grossen schänden flüchtig machet vnd die by dem 
fliessenden wasser abioram alle darnider legt Vnd dar nach 
acht stett die der selben prenestinen helffer vnd puntgenossen 



304 

wären vnd die Statt preneste selbs also bekrieget daz sy sich 
den römern in Eigenschaft tett ergeben. Das alles von jm 
nit lenger dann in zwaintzig tagen wart volbrächt vnd volendet 
Wie grosz ist darnach Sitily serani erliche vnd lobliche ar- 
5 müt? den ouch als er vf den göwe sin acker sayt, der senät 
vnd rate zu rome tett berüflfen vnd erfordern sich des ober- 
sten amptes des consuläts zebeladen; Der selb sinen pflftge 
verlies vnd so starck vnd so kecklich der vynden gezüge vnd 
macht tilgket vnd niderlegt, daz er hie durch grosz hail lob 

10 vnd tröste dem gemainen nutze erfolget. Vnnd mochten doch 
nit weder die [210i>] wirdigkait vnd eere sins ampts' noch 
kürtzwile vnd woUust der statt noch der rychtum des gutes 
In dem krieg gewunnen oder fftro zegewinnen Inn beheben/ 
das er dester minder wider umbkarte vnd gienge zu sinem 

15 äckerlin vnd zu sinem liebgehapten buw vnd wercke Sollen 
wir dise lobwirdigen manne jn dero adelichen hochen gemüten 
so ain grosser glantz der tagend ist erschinnen / dar vmb sagen 
vnedel sin vmb das sy in armüt gelept haben? oder ist ye- 
mant so grosser vemunft der die nit wölte nennen vnd sagen 

20 die aller edelsten sin, durch dero verdienung vnd loblich ge- 
tett der adel gemaines nutzes ist beschirmpt vnd behalten 
worden? darvrab offen ist, das adel mit armüt vnd armftt mit 
adel syn vnd belyben mag. vnd sol ouch niemant mainen das 
ainem erbern loblichen armen man gantz kain miltikait sin 

25 mug/ so doch dise lobliche armen manne yetzgemelt jr hai- 
mant vnd väterlich lande habent beschirmet ouch die mit nü- 
wen küngrychen gemeret vnd sy darzü ouch jn jren regemen- 
ten gemaines nutzes zu hilff komen sint , den notdurften jrer 
frtinden vnd die burger vor vnrecht haben behütet vnd sölich 

30 vnrecht vertriben. Sag ward nit disz gesechen ain höchster 
taile der miltikait? Danne wer von sinem aigen selbsgewun- 
nen gute vnd gewalte, miltikait liber den schetz Ich nit sin 
zeschelten. Aber jn klainem vnd jn wenig mag er dennocht 
milt sin wyle von notdurft sin müs, das er so vil vnmuglicher 

35 syg yemant güts zetün als vil jm minder ist vätterliches erbes 
vnd gutes, aber wer sich ingemainen vnd sundem sachen 
flysset vnd sich arbait mit rate mit günstigem [211] willen 
vnd mit fürdrung dem menschen gebürlichen bystande zetünd 



d05 

zu erfolgung jrer gerechtikait/ der mag teglichs so vil milter 
sin vnd werden Als vil er mer gewaltes vnd geloubens hat 
an regierung gemaines nutzes vnd ouch als vil er jm selbs 
mit sinen emssigen gütgetäten mer hilffe guter fründen hat 

6 gemachet Vnd darumb corneli So mag grosse miltigkait sin 
ainem loblichen armen man vnd mag ouch armüt jm sinen 
adel nit nemen/ dwyle messige armfit kainen staflFel noch 
gräde der tugend hin füren mag Sunder ist das ain aller 
hüpscUste gaube dem menschen, recht ainem wie dem andern 

to von der nature gegeben, daz ain yetklicher mensche wöl mag 
tugend erfolgen. Dwyle sölicher tugend stül vnd sitze (als 
ich vor gesagt han, in Innwendigem gemüte gesetzet ist vnd 
nit in dem frefel des gelückes. Vnd ist ouch kain züfale so 
hert noch so scharpf der den menschen siner tugend mug 

15 berouben Noch kain zu fale so frölich noch so lustsam vnd 
gefeilig der ainem groben vnkünnenden tregen lychtfertigen 
menschen lob vnd eere zubringen mug. Danne wo das ge- 
lücke gewalt hett vber die tugend die zegeben vnd zenemen/ 
So were die tugend nit mer tugend/ Vnd wer ouch kain 

«0 lone me noch verdienung der tugend. Angesechen daz die 
erwellung yetkliche ding wol vnd recht zehandeln, nit mer 
were in vnserm aigen gewalte sunder in fremdem gewalte des 
gelüches. Vnd darumb so höre yetz vf Corneli zemainen daz 
der tugend miltigkait oder aincher adel sinen vrsprung hab in 

25 grossem rychtum. Danne sust wenne ain edelman sines rychtums 
[211^] abkem oder des wurd entsetzet, So horte ouch vf mit 
Im der adel. Das aber nit ist. Danne wärer adeljdes men- 
schen ist kainem fale des gelückes vnderwürffig Vnd wo das 
sölt sin das du gesagt hast So weren dise hochgeachten manne, 

80 dero jch obgedacht hab in sölicher Irer armüt nie edel ge- 
wesen. Dero namen doch von dem Römschen folcke yemer 
Ewenklich als fyrbar/ loblich werden geeret. Vnd darumb 
lieben herren vnd vätter, Ist daz vnderwylen menschen hoches 
adels lasterliche sün vnd kind geberent Vnd ist daz von 

95 schnöden nidern vnd vnachtbaren vättern vnd mtitem ettwenne 
süne vnd kind geboren werden grosser eeren wert. Vnnd ist 
daz in denen so in armüt lebent, vnder wylen grosser glantze 
der tagend erschynet? So ist kuntbar kainen adel sin, weder 

N. Y. Wyle. *lö 



806 

an rychtum noch an geburte des geschlechtes. Aber des men- 
schen gemQte das fryg ist ynd kainem suntlichen laster oder 
schantbarlicher yppikait dienet, Sander in gflten künsten ge- 
übt ist, Für war das sol edel ynd lobsam gehalten werden. 

• Vnd so wir also hie von dem adel handeint ynd reden tftnt 
So steet aller kriege zwüschen vns von der tugend zereden. 
In welchem kriege (lieben herren vnd vätter) Ich lieber wölt 
ainen andern für mich reden , vmb daz Ich nit (So Ich von 
min selbs lob sagte) Gesechen wurd Ingefallen sin das laster 

10 aigens r&mes. Aber doch ist mir das zu grossen fröiden daz 
Ich vor mir sich vnnd schöw üwer vfrechten runden gemüte 
vnd senftmütigen menschhait vnd daz [212] Ir alle vnser be- 
der leben bekennent. Deshalb Ich üch nit ützit falsches sa- 
gen mag/ noch ützit wares mir schaden geberen tut. Lieben 

16 herren vnd vätter Als bald Ich vsz miner kindlichkait anhüb 
zewachsen hab Ich sölich min kintlich Jugend ankeret vnd 
die gantz gegeben lemung der süssen lieplichen geschriffte. 
Dar nach als Ich etwas gewachsner worden bin / hab jch ainen 
micheln taile miner Jünligkait geübt vnd verschlissen In der 

20 kunst der philosophye. Welche kunst so lieplich Ist daz Ich 
nit waysz ob in allem leben der menschen ützit loblichers 
funden werden mug. In der selben lere Ich nit allain latinisch 
maister vnd vnderwyser hatt/ Sunder gelust mich zu Athenis 
die kriechischen fürsten aller guten künsten zehören. Vnder 

15 dero zucht vnd maisterschaft , Wie vil vnd grosz jch lernte, 
wil Ich ander lassen schätzen vnd vrtailen. Allain mag jch 
das von mir selbs äne hoffart oder vberhebung sagen, daz mir 
nie aincher müssiger tage oder vngearbait nachte hin ge- 
schlichen sint. Mir was von nature Ingegossen ettliche güti- 

80 kait der kunst/ Also daz jch in miner Vernunft nützit wir- 
digers noch höchers achtet, Dann rechte wäre ertkantnüsz 
yetkliches dinges mir flussent zu allenthalben her, der foUe 
guter maistern vnd lerern vnd erberer loblicher gesellschaften 
guter Schülern vnd jungern vnder dero wyshait kain mensch- 

86 lieh gemüt mocht werden grob vnwissend vnd vngelert vnd 
was mir do zemäl so grosse Übung lemens vnd rechtes lebens/ 
daz jch yetz nützit vnerbers mag begeren. [212*>] Also daz 
alle laster. nit allain laidsam sunder gantz widerwertig worden 



307 

sint miner nature/ Vnd mir aller süssiste gesellschaft was 
Übung der tagend. Darnach do Ich vermarckt daz der men- 
schen Vernunft verrümpter vnd loblicher wurden, so man sich 
sölicher Vernunft zu gemainem nutze gebruchte. Do gab ich 

6 mich selbs gantz minem vätterlichen lande Vnd lies darnach 
nit mer ab zft aincher zyte, Dann daz ich stetz gedächt des- 
selben mines vätterlichen landes halle zewytern vnd zemeren 
vnd tett hierInne nit fürchten ainche arbait oder ainchen 
schaden oder sorgfeltikait / so ferre sy nun nutz vnd eere di- 

sem vätterlichen lande mochten geboren. Also do nechst vor 
etlichen Jären dit Maricen von den birraten zu allen orten 
bekrieget vnd angegriffen wurden. Vnd Trogus Pompeius ain 
aller veiTümptister mane ain houptman was der römern schif- 
fung zestryten vf dem mere, Vnd er mir vsz söHcher schiffung 

5 lech vnnd enpfalch zechen geschnebelter vnd gespitzter schiffen 
darmitte wider oritem (der andern schiffung vnd parthie houpt- 
man nämlich der pirraten) Illends zefechten vnd zestryten vf 
dem mere. Sag? tett ich nit den selben Orienten mit grösz- 
sem flysz sich werende, darniderlegen vnd den mit allem si- 

» nem folcke keckes mütes vberwinden Vnd do ich euch in dem 
mitridatischen kriege ain raiser vnd gehorsamer stryter was 
des yetz gesaiten pompey. Sag? wie oft ich da zemäl ver- 
diente den obersten dancke vnd bekrönet ze werden vmb daz 
ich der erst vber etlicher stetten graben [213]. vnd vber et- 

25 licher stetten muren gewesen was. Vnd do jch ander raisiger 
gezügen obman gewesen bin. Sag/ hab jch nit do zemäl der 
vynden spitze Ordnung vnd geschicke vnd beere entrichtet 
fberwunden vnd getilket Also das miner Jünglichkait nie ützit 
gebrochen hat, das vnder der wirdigkait des consuläts, yemant 

» ritterliche eere bringen mag. Vnd hab als ain Jüngling min 
leben also gefürt ^ daz so Ich alt wirt hoff gesechen werden 
nit sin ain vnnützer burger dem regimente gemaines nutzes. 
Wie grosse gezierd mir aber syg guter fruntschaft/ das haben 
bis her gesechen vnd bekennet Ir min guten vnd lieben fründe 

i5 vnd alle mit ainandern all hie zu gegen stende/ dero not- 
darften vnd angelegen Sachen ich nie abgewesen bin. Daune 
wer ist? Der mich ye gebeten hab Es syg gewesen für ge- 
richt oder für rate Es syg gewesen in gemainen offenlichen 



308 

Sachen oder in sundern/ dem jch nit zft der billichkait ge- 
trtiwen bystand getan hab/ Vnd der hierjnne miner flyssigen 
arbait nit schynbarlich hab enpfonden? diser dingen halb Ich 
mir der selben aller früntschaft vnd günstigen willen Main ge- 

s machet han. niemant ist in diser statt Ja in dem gantzen 
vmbkraisz der weit, den jch ye verstanden hab mich gehasset 
han. Es syge dann villicht gewesen ain vynde des römschen 
folckes. Vnd zu letscht so ist das die sunun summarum mi- 
ner wercken Übungen vnd getäten. Ich bin in gemainem nutze 

10 allwegen gewesen der allersorgsamister vsserthalb aber gesin 
gebürliches handeis. in minem huse frölich vnd schimpfig. 
In lernung der geschrift flyssig. Gegen minen vatter vnnd 
müter [213^] gütig, Minen gesipten öchemen lieb, vnd sust 
minen fründen allen trüw vnd besunder zft götlichen diensten 

15 der gütwilligest. Vnd hab also allwegen gemaint mich mit 
disen künsten rechten adel enpfächen mugen vnd geschetzet 
mich mit disen tugenden gemachet haben min gemüt lobsam 
gerecht vnd volkomen. Vnd Ja comeli lobsamer gerechter 
vnd edler danne du das din. dann wie dine Sitten syen vnd 

20 die Übung vnd gestalt dines lebens ist wol kuntbar. Dann 
was hast du in dinem leben ye verdienet da durch du dir vor 
mir zu messen vnd aignen wöltest oder möchtest rechten adel? 
Sag welich lobsam gut getätt gemaines nutzes hat vnser statt 
von dir ye erkennet? Wyle du bis her hierInne also gelebet 

2& hast, daz die selb vnser statt in Iren nutze dich noch nie hat 
verstanden oder enpfunden geboren sin. Wer ist aller men- 
schen der sich ye gebrucht hab dines rätes oder bystands? 
In wem hast du dise miltikait die du so hoch erhebest ye 
geübet? Es syge dann in büberye torechten vppigen fröwen 

30 oder ouch die du in schantlichen vnküschen dingen hast gü- 
denklichen vsgegeben/ Welcher dingen din huse allwegen 
vol ist Vnd mainst denne allermaist edel vnd lobsam werden 
So du als ain höptraan fürest ain schare vppiger dirnen vnd du 
dicli schöwest vnd siehst in dinen lyplichen wollusten mit Inen 

S5 allenthalben sin vmb zünet, Vnd du also dich mit vnerberm hel- 
sen vnd mit schantlicher vnküschhait vnd mit wüster truncknerye 
tust arbaiten vnd üben Vnnd so du dann also ains sölichen lebens 
bist/ So geest du diner aitf ordern loblich [214] getäten sagen 



309 

vnd predigen. Ich gestee derwärhait in diser vnser statt der 
selben diner fordern adel vast lobsam vnd in grossen wirden 
vnd das vast billich gewesen sin. Aber so du der selben hie 
gedenckest, so tust du darmit vnwyslich din laster vnd vn- 

5 wissenhait offnen vnd entecken. Danne nützit hessigers vnd 
sträfbarers sin mag, Danne in so gi'ossem liecht vnd schyne 
der tugend / so ain blindes vnd finsters leben zeftiren. Danne 
dise din alt fordern haben dir hinder jnen verlassen ain ex- 
empel grosser vnd lobwirdiger dingen vnd dir gezaiget ainen 

10 Wege als vor dinen ougen aller sichbar ist, Von wegen ge- 
maines nutzes güts zeuerdienen. Dar durch dir lycht gewesen 
wer in so grossem schyne diner fordern Iren füsstapfen nach 
zefolgen vnd lob vnd adel zevberkomen. Aber du hast dich 
vmbgekeret vnd bist als vsz aim claren liecht in ain mittel 

15 der finsterntisz gegangen. Darnach so mainst du in verdienung 
diner altfordern (daz die selben von gemaines nutzes wegen 
getan haut) lob sam wollen schynen/ so du doch mit dinen 
lasterlichen wercken löblichen gemainen nutze enterest vnd 
mainst durch Ire gut getäten adel zeerfolgen/ so du doch 

20 nützit bist dann ain fuler treger vnwissender mensche. Du 
mainst mit schiäffe müsz rüwe, mit essen trincken lyplichen 
Wollüsten vnd mit vnküschhait lob suchen vnd erjagen. Welich 
lob vnd eere dise din fordern erjaget haut. Mit grosser arbait 
mit so vil Wachens mit küschhait mit hunger turst hitz frost 

25 sorgen angsten vnd nöten. du Irrest aber hier an gröszHch. 
dann ist daz du begerest mit hochen titeln sunderliches lobes 
vnd adels [214**] genennet ze werden/ so ist notdürftig daz 
du selbs dich machest sin söliches loblichen vnd hohen adels 
Angesechen daz tugend vergebens vnd vmb sust gesucht wirt 

30 in erblichem gute. Such diner altfordern bücher Irer rech- 
nungen vnd alles irs gutes. So findest du niemer darinng ützit 
geschriben sin Irer tugend. Du hast gesagt, daz diner fordern 
selan nach Irem tode an äner weit nützit frölichers noch ge- 
felligers sin möcht danne daz all wirdikaiten des geraainen 

35 nutzes,; vf dich der Ir blüt vnd Übe bist komen sölten/ daz 
du da durch wurdest geeret etc. Aber ich main/ sechen die 
selben yetz dich vsz dem schyne irs Hechtes, daz dann söli- 
chen jren gesiebten nützit miszfelligers noch heszlichers were, 



310 

dan daz disz ir loblich vätterlich lande, so lang gelitten hett 
dine lasterlichen wercke, dar von sy selbs (wo sy in leben ge- 
wesen weren) dich langest betten vertriben vnd schämest dich 
nit zesagen, daz du by den selben syest erzogen, so du doch 

6 so schantlich vnd bübisch gelept hast, daz du gesechen wirst 
in offen fröwen hüsern gelebt han vnd darjnne erzogen wor- 
den sin. du sagst ouch ir bildung vnd antlit in dinem ange- 
sichte erschynen. Waist du aber nit daz du mit dinem laster- 
lichen leben ir eere vnder druckest vnd vberwindest Also daz 

10 in dinen finsternüssen ir liecht vnd* glantze nit mer schynen 
mag. Dar nach so wilt du mit dinen wyten vnd schönen hüsern» 
hüpschen statten vnd rychen vnd nutzlichen büwen des feldes 
disen dinen adel grosz machen vnd zieren vnd min schlecht 
huse Minen mittelmessigen husräte vnnd mine klainen äcker 

15 vnd min erbem armftt schelten vnd [215] lestem. Aber du 
Jämriger. Waist du nit? wie grosz dise ding dir sint z4 
schände vnd wie grosz mine ding mir zu lobe. Dann hüpscher 
vnd loblicher ist mir klainem vnd wenigem gute zegrünen vnd 
zft zenemen in tugenden i Danne dir in grossem apparäte vnd 

so rychtum wüst zewerden vnd in lästern zetorren. Wie wol jch 
an ämptem vnd in kriegen mit minem raisen grösser gute 
hett mugen vberkomen/ Des jch aber nie hab gewölt oder 
nach erberkait gemaint mir das mugen nütz sin Sunder wyle 
jch nützit anders danne erbers beger/ so bin jch an diser 

S5 miner süssen habe miner schlechten narung benügig Vnd ist 
gnüg daz jch als vil beger als vil erberlich syg danne was 
wyters vnd vber sölichs gesucht wirt, jst überflüssig vnd kumpt 
zu hoffart. Dann was ist ferrers zebegeren in dem leben danne 
das wir messenklich leben mugen. Welich aber rychtum mit 

80 arbait gesanielt werden zu gezierde/ das sint vnnütz über- 
flüssig arbait Sunder syge tugend ains edeln gemütes für sölich 
gezierde vnd nit costlicher husräte Vnd ain froraer lobs wir- 
diger niane tüg schynen in sinem huse vnder aller schnödisten 
dingen Vnd förchte niemant von armüt wegen tugend zeuer- 

85 lieren. Danne nützit ist wenig oder ze klain ainem menschen 
des Wille steet recht zetün. Vnd wer nit lobsam syg, der 
schuldige sich selbs dann vnbillich beclagt er sich des von 
dem gelücke Vnd darumb comeli so höre yetz vf vnd stelle 



Sil 

ab, dich zefröwen vnd zef berheben in disen dinen rychtumen, 
die din lasterliche vnkünnenhait nun mechtiger vnnd grösser 
machend [215^] höre vf mine schlechten nutz vnd brühe ze- 
vemichten vnd zeuerschmechen / die min tagend clärer vnd 

5 verrümpter machen tünt. Höre vf den adel zesetzen in dem 
gute des gelückes danne daz selb gute hinfellig vnd fremd ist 
Sander ist der adel mit der tugend vnd die tugend mit dem 
adel zesetzen. Disen wären vnd rechten adel der tagend hast 
du aller edelste Lucrecia vnsers alters, bekennet vnd den er- 

10 folget vnd vberkomen mit wunderbarer grosser vnd hoher ver- 
nunfte. Dir haben nit gefallen Jungfröwlich vfpflantzung nit 
wj^lich gezierd / nit werckliche klainet nit schinbare klaider 
nit costlich geliger noch süsser gesange. Dann dise ding alle 
raitzungen sint der vnküschhait, Sunder bist du gegeben ge- 

15 wesen der Philosophie vnd der lernung fryer vnd guter künsten 

Vnd hast in küschhait in arbait in schäme in wachen vnd in 

geflissenhait gefürt vnd geübet din leben mit aller Vernunft 

loblicher vnd wirdiger Danne von sölicher Jugend ye gehöret 

'worden syg. Allain durch disen dinen adel hast du mir ge- 

80 fallen vnd merck mich dir söliches adels halb euch gefallen 
han. Dwyle in menschlichen dingen nützit bas vnd sich liep* 
lieber zft samen füget dann gelyche begird edler gemüten vnd 
vnd gelycher wille rechts lebens. Vnd hin widerumb nützit 
widerwertigers vnd hesslichers danne so vnder zwayen men- 

25 sehen, das ain begert vfzestygen zu clärhait der tugend, Vnd 
das ander schlipft vnnd fallet zu schantlichen wollusten des 
lybes vnd lästerlichen dingen vnd also Dwyle Ich gelych bin 
dinen sitten Vnd aber Cornelius ain [216] vngelych leben fürt 
dem dinen / So ist für war notdürftig das du mich lieb habest 

30 vnd sin torhait tügest hassen. Dann wie möcht dir mit jm 
sin frölichkait des lebens/ so du anhangen wöltest der rüw 
vnd müsse loblicher lernung guter künsten vnd er ain vinde 
sölicher künsten lieber den geswatze vnd das geschraye siner 
husfröwen hören wölt. Vnd sich mit ir intrunckerye vnd du 

35 noch denne aber gern wöltest schöwen den der sich küsch- 
hait vnd erberkait mit dir gebruchte, vnd er dich lieber wölt 
Sechen mit Im gailigkait der vnküschhait üben vnd tryben. 
du wöltest zft aller zyte vnder gelerten lüten. gern reden vnd 



812 

disputieren von den vrsachen wunderbarer dingen von den 
löffen des gestirnes vnd von guten sitten der tugend? so er 
vnder siner schare guter dimen vnd hüben als ain fürpündiger 
guter redner lieber wölte predigen von allen schantlichen 

5 Wollüsten süssem läster vnd Sünden jn der gantzen statte yenert 
begangen. Wie wölt oder möcht vnder so vngelychen wider 
wertigen gemüten yemer frid vnd ainikait sin oder werden. 
Aber allerliebste lucrecia. Ich wirt din küschhait füren in 
min fridlich gehüse / Welches ob es wol vberflüssiger gezierden 

10 nit vol ist/ noch dann mit tugend guten sitten fröiden vnd 
mit aller zucht vnd schäme lücht vnd schynet Da wirst du 
des ersten finden vnd sechen ain aller fölligoste lyberye guter 
büchern. Dar In ich allwegen all min hoffung gelegt hab. 
Da ist alle min gezierd Da ist miner mechelschaft bette. Disz 

15 ist min zierlicher vnnd costlicher husräte. Alda magst du 
[216*^] büchertext vnd glosan bede der kriechen vnd der lati- 
nischen (Welche du selbs wilt) lesen Alda werden wir offt 
sament in der süssen kunst der philosophye disputieren Vnd 
wirt Ich dich vnderwysen etlicher wunderbarer künsten die 

10 ich in der hohen schul zu athenis hab gehöret. Ab denen 
ich kurtzwyl han so oft Ich daran tun gedencken vnd wirt 
niemer ainche arbait anderer huslicher dingen vnd geschefften 
dich von disen müssen vnd lernungen nemen oder ziechen. 
Dann ain klain nutzbar göw des feldes mir gnüg gebirt vnd 

25 ertrait täglicher narung vnd bruches. Ob aber aincher des 
gelückes fale mir sölich göw nemen wurd So mag Er mir doch 
nit nemen min tugend, durch welche tugend tusent nutz vnd 
gemach mir offen steend zeleben vnd also gebruchest du dich 
in diser höchsten lemung lieplicher müssen, welcher dich ye 

so gelüstet/ Also daz niemant zwüschen sölicher rüwe din selig 
gedencken bekumbert oder Irret. Dir wirt nit sin ainch ge- 
rüsch vnd Wirtschaft torechter fröwen vnd vppiger dirnen oder 
forcht sin ainches eebruchs. Welche forcht oft die gemüt aller 
küschisten fröwen hat betrübet. Dir wirt ouch nit gebrechen 

85 zevberkomen aller süsseste vnd aller liebste kinder, daz noch 
danne din schäm vnd küschhait nützit tut verletzen. Dann 
etliche liebe mit tugend zu samen gefüget vnd veraint Ist ain 
götlich gaistlich Ordnung. In ansecbung daz da durch mensch- 



819 

lieh geschlecht nit abgeen Sunder vf erden werd behalten. 
So möcht ouch zu letscht dinen begirden kain seliger gelücke 
zu gestanden sin, Danne [217] was ist seliger in mengklichen 
dingen ? wan in aller rtiwigosten fröiden tagenden züchten vnd 

5 Sitten das leben zeschlyssen? Was süssers danne mugen mit 
guten vnd hüpschen gedencken die vemunft füren zu Übung 
guter vsz wendiger dingen Vnd was frölichers? Danne mit dem 
menschen sin leben han der sich gelycher künsten vnd be- 
girden mit dir fröwet vnd darjnne kurtzwyl haben tut Aber 

10 ir herren vnd vätter in dero aller wysesten gemüte sitzet vnd 
hanget dise vrtail so ains grossen treffenlichen dinges/ er- 
wachhent yetz ze letscht vnd bedenckent die summe dises krie- 
gens. Wir kriegent von dem adel vnd sint vch biszher vnsers 
yetweders leben gelück kunst vnd Sitten wol gnüg erkant vnd 

15 üch die ouch yetz kurtz erzeilet. Aber zu letscht ist ain 
ainiger vsgange diser zwytrechtigkait, daz ist / das hütt krie- 
gent wider ain andern Erberkait mit vppikait groszmütikait 
mit lychtmütikait küschhait mit vnküschhait kunst mit vn- 
wissenhait vnd tugend mit laster. Welcher nu lieben herren 

»0 vnd vätter vnder vns der edler syg das steet in üwer vrtaile 
zeerkennen etc. 



8U 



[217^] JjEy durlüchtigen ifOrstin vnd fröwen fröw Mech- 
ilten geborner pfaltzgreuin by ryne Ertzhertzogin zu öster- 
rych etc. witwen miner gnedigen fröwen Enbütt jch nicläs von 
wyle min yndertenig willig dienst zuvor . . Franciscus petrarcha 

5 h&t genedige fröw ain buch gemachet das genennet wirt ain 
buch von der artznie beder gelücken vnd sint des zwen taile. 
In dem ersten wirt begriffen die artznie vnd Verachtung des 
seligen gelückes des sich die menschen vber die rechten mäsz 
tünt fröwen vnd überheben vnd in dem andern taile ain artznie 

10 vnd tröste des vnseligen gelüdces/ des man sich zevil t&t be- 
Mdigen vnd darinne verzagen vnd ist dise artznie durch ain 
red vnd Widerrede der vemunft gegen fröid vnd laid gesetzet 
Vnd das so volkomenlich , daz nit wol ützit dem menschen 
zftsteen mag durch Schickung des gelückes fröid oder laid 

16 bringende Er finde des nutzbar artznie in dem selben buch 
geschriben. Nu ist gnedige fröw mir nit enpfallen do jch in 
aim sterben zu böblingen üwem fürstlichen gnaden lobet disz 
yetzgemelt buch petrarcha vnd saget wo das wol vnd recht 
getütschet wer, daz es dann nach minem beduncken alle andere 

jo tütsche bücher die jch gelesen hett in lobe wyt übertreffen 
wurd, besunder vnder hochsinnigen vernünftigen lüten/ daz 
do zemäl üwer fürstlich genäd an mich begert vch dises büchs 
ain mustre zeschicken vnd ain ainige artznie etliches fales 
des gelükes von mir getütschet üwern gnaden zu zefügeu!^ 

25 dar by ir sechen vnd mercken möchten [218] dises büchs 
form vnd gestalte. Söliche üwer gnaden begerung Mir zu den 
selben zyten was ain gebotte (als sölichs noch wer) wa nun 
üwer fürstlich genäd ützit an mich tett, nit allain begeren 
sunder mit minster anzaigung bedütten) Vnd nam mir deshalb 

80 für vsz disem buch zetütschen, die artznie des laides so ainem 



315 

mane tobes abgeet sin lieb dich husfröwe, vnd tett das dar- 
umb für anders fürnemen, daz ich hier mit üwern fürstlichen 
gnaden gnüg tun vnd nützit dester minder ouch sölicher 
artznie ander mine gesellen vnd guten fründe denen Ire hus- 

5 fröwen in obgemeltem sterben todes abgiengen antailhaftig 
machen möcht vnd also mit aim zügelte (als man spricht) 
zwo töchtern vsgeben. Do ich aber sölich artznie getütschet 
hatt/ fand ich darjnne etliche scheltung wypliches geschlechtes, 
die ich forcht komen zft miszfallen üwern fürstlichen gnaden/ 

10 die ich waisz nit gern yemans schmähe zehören vnd verhielt 
deshalb üwern gnaden sölich translatze zeschicken in fürsatze, 
ain andere artznie vsz dem selben buche zetransferyeren üwern 
gnaden gefeiliger vnd vch die zeschicken. Das mir aber vn- 
müsz vnd langes abwesen an dem kaiserlichen hofe nächmäls 

15 tett benemen. Sidher hat das liebkosend falsch trugönlich 
gelücke, so schnell vnd vnuerwändt sin schützlich angesicht 
mir entecket/ daz not was mir zft tröste dises bftches artznie 
zesüchen. Die Ich ouch so gnügsam, miner vnschuld nach 
darinne funden han / daz nit yemantz anders tröste (des doch 

«0 von minen herren fründen vnd günnem vil gewesen ist) sich 
disem hat mügen gelychen. Darumb ich sölich trost [218^] 
vnd artznie hab in disz nach folgent tütsch getransferyeret 
vmb das ob ainchem vnschuldigen menschen (wie mir) zu 
ainchen zyten vsz falschen erdichten arges zu geredt wurd/ 

25 daz Er sich dann diser artznie vnd trostes des hochgelerten 
mans petrarche dar wider ouch möcht gebruchen. Sölich rede 
als ferr sich geburte zeuerachten vnd als ferr sich nit geburte, 
dem mit gebtirlicher were zebegegnen. Welche translatz jch 
üwern fürstlichen gnaden (dem nach so obgelut hat) nit wolt 

so verhalten, sunder noch zu ainer mustre des gemelten bftches 
schicken. Vnd ob üwer durlüchtikait disem mane petrarche 
zu argem nit vermercken wölt scheltung wypliches geschlechtes 
obgemelt in ansechung daz sölich trost vnd artznie die er 
daselbs geben wil etlich laidung der wyben erfordert vnd 

85 haischet. So wölt jch üwern fürstlichen gnaden die selben 
translatze noch ouch zufügen vmb daz üwer fürstlich hohe 
vemunfte dester bas die form vnd gestalt disz büchs (des vil 
vnd das grosz ist) möcht mercken vnd dar by versteen die 



sie; 

grossen kunst vnd erfarung disz mannes, den üwer gnäd (waisz 
Ich) wundern müst / wo die sines dinges vil möcht hören oder 
lesen. Wes aber üwer fürstlich gnäd gern in yetwederm ge- 
lücke artznie haben wölt disz büches, wil jch des von üwer 
5 durlüchtikait vnderrichtet vch die schicken von mir getütschet/ 
Mich gehorsam vnd willich erbietend zu allem üwer fürstlichen 
gnaden gefallen vnd gebieten. 

[219] BElestiget bin ich mit argen lümden. Vernunft 
Ich forcht du werest belestiget in diner concientz vnd ge- 

10 wissne. Laid. Mit schwerem lümden bin ich gedrucket. Ver- 
nunft. Ist sölicher lümde gerecht vnd billich/ so waine nit 
den lümden sunder die vrsach des lümdens. Ist er aber vn- 
gerecht/ so tu der menschen Irrung mit hochem gemüt ver- 
achten vnd dich selbs mit diner aigen gewissne trösten. Laide. 

15 Mit hertem lümden bin ich beschweret Vernunfte. vnder ainer 
luft windigen bürde süfftzest. Also tut die natur von ir selbs 
söliche bürde dem tragenden machen lychte vnd klain mütikait 
jm machen schwer. Laide. ain schwerer herter lümde ent- 
stet in minen guten namen. Vernunfte Es ist vnderschaid ze- 

20 haben vsz was wurtzen diser lümde syg ensprossen danne 
kumpt er von wärem, so wirt er grünen vnd sich meren sust 
wirt er torren abnemen vnd fallen. Laide. ain grösser böser 
lümde ist mir züsamen geweyet. Vernunft recht sagst du!^ 
daz du redest zu samen geweyet dann der lümde ist ain 

25 winde vnd bläste, euch oft ains vnrainen mundes , der üch 
also tut bewegen vnd erschrecken Aber für wäre sölicher 
grosser böser lümde ist manchen menschen gewesen ain ane- 
fang grösser eeren vnd lobes, So hat sich dann das püfel des 
geschamet vnd vmb daz Es als denne siner Irrung zu tett 

30 noch grösser Irrung vnd vfschlusz allen dingen rechte mässz i 
So hat das selb püfel zu letscht solchen vnmessigem bösen 
lümden mit vnmessigem lob vnd rüme vberwunden [219*>] 
LAIDE. Mit vil bösem lümden wirt Ich allenthalben versaget. 
VERNVNFTE. So die winde dich vngestümenklich vmb 

85 weyent/ so lende zu in ain porte vnd gang von den wellen 
der oren in die schläfkamer dines hertzen. Wenne dann der 
selben kamer ir stille rilw ist. So hast ain statt darinne du, 



317 

vsserthalb von scheltworten gemüdet , yetz rüwen magst vnd 
(Als man spricht) in ainer schose dich fröwen. LAIDE. Ich 
bin ains schwartzen vnd finstern lümdens vnd ainer lutem 
concientz vnd gewissne. VERNVNFTE. Sag begertest du 

5 aber icht lieber dar für zesind ains guten lümdens vnd ainer 
finstern vnd schantlichen concientz? das also war gemachet 
wurd der spruch oracy flacci da er schribt. falsche eer tut 
helffen vnd erfröwen vnd böser erlogner lümde erschrecken* 
vppiges dinge, dann wäre ding mugen helffen vnd erschre- 

10 cken Aber schatten fürchten ist nit ain werck ains mannes. 
LAIDE. Die bürde mines bösen lümdes ist grosz. VER- 
NVNFTE. Ist sy gesamelt von boszhait so ist sy schwer 
(bekenn jch) ist sy aber entstanden von geschichte des ge- 
lückes? So ist sy lycht/ kumpt sy aber von übung erberer 

15 dingen So ist sy erlich Ist sy aber erfolgt mit guten künsten 
so ist sölicher arger lümde ain lobe, ob dich denne die torech- 
ten menschen mit rede anstürment, so tu dich fi*öwen dines 
edeln gewins danne du hast dir selbs vberkomen die aller- 
besten belönung das ist tugend. Wie wol du das getan hast 

20 mit grosser bezalung dines lümdens. welcher bezalung nützit 
grössers sin mag. danne der ist ain wärer vber der tugend, 
der hierjnne nützit anders [220] bedencket dann die tugend. 
Aber so ander zytlicher dingen verschmechung vnd Verachtung 
loblich ist so ist Verachtung des lümdens durch übung der 

25 tugend erfolget die allerloblichost. dwyle doch sölicher lümde 
starcken mannen nit allain lieber jst dann golde sunder ouch 
lieber dann das leben. Darumb welcher mensche von liebe 
wegen der tugend sölichen lümden tut verachten vnd den 
nächgeben/ der sol geloubt werden daz Er alle ding mug 

30 verachten vnd nächgeben das loblich ist, aber seltzen. Das 
wissz. dwyle doch ain michler taile der menschen die da ge- 
sechen werden wollen tugend würcken, bald so sy lob darvon 
überkomen haut dar nach In übung sölicher tugend so lassz 
vnd trege sint. das dar vsz gemercket wirt die selben menschen 

»5 yetz ergriffen han das dinge das sy haben gesüchet. LAIDE. 
Vil menschen tünt mich schwerlich verlümden. VERNVNFTE, 
vil haben ouch vor zyten schwerlich verlümdet fabium maxi- 
mum vnd Julium cesarem vnd ouch vil scipionem aflfricanum. 



920 

habest Danne der lümde des du dich beclagest/ wirt bald 
hingeen vnd verschwynen. 0. ir lichtfertigen vnd forchtsamen 
tödemliche menschen Wes vberhebent oder benement jr vch 
der liebkosenden oder der scheltenden menschen murmurs der 

6 doch kurtz vnd vinster ist Es werden komen vnd hemäch 
folgen die frylicher vnd rechter von vch vrtailent. Vnd weliche 
sint dise richter (fragest du) jr mugen sy nit bekennen aber 
von jnen wol bekennet werden, danne es sint die (sag ich) 
die nach üch geboren werden [222] vnd die nit druckt noch 

10 übet weder üwer nyd hassz liebe hoflfung noch forchte. Wöl- 
lent ir haben ain redliche vfrechte vrtail vnd wäre schetzung 
üwer wercken vnd dingen / So baitent vnd wartent der selben, 
kurtz ist die zyte. Sy yllend vnd nim war bald werden sy hie 
sin. LAIDE. Ainen bösen lümden hab jch mir gemachet mit 

15 tugend vnd treffenlichen guten wercken. VERNVNFTE. Es 
beschicht, das von schaden liebe wirt gefüret Vnd von arbait 
wachset vnd daz söliche liebe (daz wunderbar zesagen ist) In 
ruhem vngeschlachtem ertrich, wie das holtz oloes sine wurtzen 
tieffer gründet vnd vestnet. Dar von kumpt, daz in schwerem 

20 grossen vnd sorgfeltigen vflöflfen vnd zwaynungen der men- 
schen/ du oft die siehst sin oder werden ainandern aller 
liebste fründe / die in sölichen sachen vil vnd allergröste ding 
vnd note sament band erlitten. Das ain ze vil gemain vnd ge- 
übet dinge ist üwem stetten. Dar umb niemant ist noch sm 

25 mag der tugend oder wärhait grösser liebhaber dann der 
mensch der von dero wegen grosz vnd vil hit gelitten vnd 
sich des todes begeben. Vnd darumb so hab lieb die tugend 
vnd tu die ye lenger ye bas eeren vnd von dero wegen du 
dinen guten lümden ain aller schönstes vnd costlichestes dinge 

so hast verloren vnd darvon du nit klaine noch lychte straff traist, 
das ist den bösen lümden vnd so du alle andere ding habest 
verloren vnd verachtet/ so tu du ainiger allain vmbfahen die 
tugend die dir niemer aincher mensche mag nemen [222^] oder 
enpfiiren vnd sag der selben tugend also vnd sprich. 0. küngin. 

85 von dinen wegen lyde jch willenklich. Du allain wirst mich wi- 
derumb in min foUe gerechtikait setzen oder aber du allain bist 
mir für alle ding ain gantz benügung. Du allain wollest mich 
in diner gütigen schose füren Ufern vnd trösten. Also tun 



321 

jch nit allain mines lümdens sonder ouch mines lebens schi- 
den nit enpfinden. Laide. Von dem püfel vnd folcke wiit/ 
jch allenthalben vf den Strassen geschalten. Vemunfte. Ter- 
stee es zu gutem. Dann das pfifel vnd gemain folcke machet 
^ dich erkant/ aber tagend dich lobsam vnd din gewissne dich 
sicher. 

ICh hab laider verloren min elichs wybe. Vemunfte. O. 
verkerte wyshait vnd wunderbaren menschen, der in sines 
ewybs lyche wainet vnd in dero verhürung tantzet vnd springet 

10 Laide. Ich hab verlorn min eelichs wybee etc. Vemunfta 
0. torechter mane. Sing yetz ain lobgesang des ist zyte. 
Danne wir haben dich vor so du stryts nidergelegen bist/ 
Gesechen bekrönet. Aber yetz gebruhe dich wirdigerer krentz- 
lin vnd krönung danne vor. Wan du hast yetz in ainem gros- 

15 sen stryte gesigen vnd bist von ainer langen belegrung ent- 
schüttet worden vnd erlöset. Laide. Ich han verloren min 
elichs wybe. Vernunft. Also sag dich sy verloren han wie 
ainer verlürt das Feber oder die rüde sines houptes. Danne 
manig verlieren [223] ist, darinne die verlierang gewin ist 

20 LAIDE. Ich hab verloren min elichs wybe. VERNTXFTE. 
Villicht hat dir nie kain tage grössner gewine zfi gebricht 
Danne sag usz wie vil banden diner gefengknfisz bist du end- 
runnen? Vnd usz wie grossem schifbruchhe bist du vsz ge- 
schwammen vnd komen zu lande LAIDK Ich hab aber ain 

25 gut elichs wyb verloren. VERnunfte. Das pflegen zereden 
gewonlich alle mane, ob sy wol das widerwertig wissen!. Aber 
wie wol ain gut ewyb oder ain gut fröwe ain seltzen wunder- 
bar tiere ist vf erden !^ So tüg jch doch dir gesteen vnd ge- 
helen (vmb das wir lange red vermydent) das da habest ver- 

30 loren ain sölich wyb als du redest vnd dich de» erclageÄt/ 
noch dann so wil jch dir dar uff nit antwort geben , als jch 
vor zyten antwort gab (da vor dem hoch geleiten mane Se- 
neca ain sölich clage ouch erlutet) daz ob da din vorig ewybe 
gut gemachet bettest/ ain andere ouch gflt machen möcbtesrt, 

35 ob du aber die selben vorigen fröwen gfit fanden bettesit/ ain 
andere aber gut finden möchtest, nain nit also sander tfin jch 
yetz die selb vrtaile endem vnd uerkeren also sagende. h^% 

N. V. Wyl«. *2,\ 



S22 

jcfa ßit wil dich so ahi aBer sorgklicbe&t dinge widcmnib td- 
dersteen zeaersturbeiL Welches ob es ainist wol geriten isii 
torlichen ander werb förgenomen ynd gewäget wirt Danne 
ain bos wybe, K hundert findet Irs geljehen dann ain gut 
^ wjrbe aine Irs gelycben finden mag. Ynnd danunb wer ge- 
hept hab ain arges wybe der forcht Irs gelychen zefberkomen. 
Vnnd wer [22S«>] wer ain gutes, der tng Irs glychen nit mer 
hoffen zefinden Sonder ir yetwederer forcht Im vnd böte sich, 
der ain sin ynseligkait zemeren vnd der ander sin gelück vnd 

10 seligkait zemindem vnd zeentschöpfen. Danunbe ist als da 
sagst/ Daz da ain gut basfröwen hast verloren/ So tft ee 
der vergangnen zyte hier Inne danck sagen/ Danne daz da 
zft der künftigen zyte ainch hoffung enpfachest. Vnnd w^est 
nit vmb daz du vsz vngestümem mere, ainest zu stad vnd 

i& lande gelücklich komen bist/ Darumb oft vnd dick din schiffe 
geben vnd vertruwen den vinden. LAIDE. Das bände der 
ee dar mitte Ich was gebunden hat mir der tode zerrissen. 
VERNVNFTE. So wollest dich nit widerumb darmit Instricken 
vnd binden sunder gedencken wie gar wunschlich vnnd begir- 

20 lieh vnd wie kum ainem andern gute zegelychen syge/ Fry- 
hait des lybes, Vnd vmbfahe den rate Ciceronis, der sin eelich 
husfröwen (die so leblich erschain, daz vmb sust die hilffe des 
todes gegen Ir was zeerwarten) tett von jm vsschlachen vnd 
verlassen/ Vnd als sine fründ jnn bäten vnd ermanten ain 

»«i ander fröwen zenemen Antwort er Inen/ daz er nit sament 
vor sin vnd gnüg tun möcht lernung der wyshait vnd ainer 
eelichen husfröwen. LAIDE. Ich hab ain gut ewyb verloren. 
VERNVNFTE. Wie ob das euch nit ain schade sunder ain 
gewine ist vnd ain flucht grosser sorgfeltigkait vnd vbels. 

30 Dann syge daz man ain gute fröwen finden mug. wo suchen wir 
[224J aber ain stete vnd veste. Vnd ist kuntpar der spruch des 
wysen das ain fröw allwegen ain vnstett vnd wanckelmütig 
tiere ist. LAIDE. Ich hab verloren ain gut ewybe. Vnd 
von blügenden Jungen Jären. VERnunfte. Sint dir dann nit 

8f» bekaut wyplich sitten? Wir haben gar vil küscher Junger 
fröwen gesechen / die nächmäls zu gailen vnd vnküschen alten 
wybcn geraten vnd worden sint. Danne so oft die brunst 
lyplichcr anfechtung das marg vnd gebain ains alten wybes 



323 

besitzet i' So tut sölich bruDste wie in aim türren holtze ain 
füre, vngestameiiklicher in der minne brinnen vnd flammen 
danne in den Jangen. Darumbe so hast du dich der bürde 
iiystender verendrung dines lebens, oder daz nit dar vs kern 

5 sorgfeltigkait dines künftigen alters, gantz vnd gar entüssert 
vnd die zetragen vennitten. Danne das Johe der ee ist schwer 
den Jungen vnd aller schwerest vnd vntragenlich den alten. 
LAIDK Ich hab verloren ain Junges wybe. VERNunfte. 
Aintweders so wirt vsz der ee gesucht geberung der kinden, 

10 oder lypiich wollaste/ dero das ain ist ains emans vnd das 
ander ains ebrechers. Aber zu Ir yetwederm ist tügiger vnd 
geschickter die Jugend. So du nu aber von dinem ewybe 
dise bede gehept hast, oder ir aines/ so weitest du begeren 
dasselb din ewyb komen da hin da sy zu yetwederm vntügig 

15 wer, oder du heftest daz sy von natur hierzu vntügig durch 
das alter möcht werden hier zu tügig/ daz [224^] ain torechte 
vnnütze hoflFung ist. Laide. So ich min gütig vnd lieplich 
ewybe hab verloren so bin ich ainig VERNVNFTE. Ist aber 
das ain hessige ainikait Da man ab ist böser gesellschaft? 

20 Nützit ist bessers dann ain lere schläfkamer vnd nützit her- 
ters dann ain bekümerte Vnd den gemüten die lieb haben 
süsz schleflf vnd erbers wachen vnd die das etwas loblichs vnd 
hohes süchent vnd übent/ ist nützit me zu Irrung Irem lob- 
wirdigen fürnemen dann wyplich gesellschaft/ Vnd mir ist 

25 nit verborgen was geredt wirt von denen die lust haben in 
sölicher Irer armüt mit wyben. Dann die selben sprechent. 
Welich die ee nie habent versuchet die tönt die ee schelten 
vnd verdampnen Als dann euch ain alt gemain sprüchwort 
ist. Der schlecht ain ewyb der kaine hat. Ich hab aber nie 

30 kainen man hören clagen abe der ee danne die so die bürde 
der ee haben getragen. LAIDE. Ich hab ain aller bestes 
ewybe verloren. VERNVNFTE. Es beschicht aber daz die 
aller besten ewyber vnd die so jren mannen die aller liebsten 
gesechen werden, etwenne me vnd scherpfer danne ander/ 

85 mit yfrung vnd argwäne werden erzürnet. Vsz welcher er- 
zümung denne notdürftig ist/ den huslichen fride betrübt ze- 
werden. Darumbe wa hin dienet dise din clage? Du hast 
verloren din ewybe. Aber dar gegen funden fryhait aignen 



324 

gewalte frid vnd rüwe vnd magst yetz äne kriegen still necht 
han vnd üben. LAIDE. Ich bin an ain ewybe. VERNVNFTE. 
vnd äne ainen menschen dir widerspenig vnd hebst yetz an 
zesin [225] ain herre din selbs vnd dines gfites vnd ist dir 

5 verhengt vnd erloubet vor tag vsz dinem bette vnd zu mette 
zyt vsz dinem huse vnd spät widerumb dar jn zegeen allain 
oder mit andern vnd mit wem du wilt tag vnd nachte zeuer- 
tryben, das niemant mer ist, der von dir des vrsache oder 
rechnung erfordern tüg vnd die von dir haben wöll LAIDE. 

10 Ich hab verloren min eewybe VERNVNFTE. So ist dir nu 
me widerumb in din schläfkamer zeberüffen din rüwe, die du 
lang zyt her hast verloren vnd erachtet. Die selb dir vil ain 
nutzlicher geselle ist dann ainch ewybe. LAIDE. Ich hab 
verloren ain gute schöne vnd hübsche eliche husfröwen. VER- 

15 NVNFTE. Es ist ains torechten menschen vnd kaines wysen 
liebzehaben vnd zeloben sine ketten vnd bände der gefengk- 
nüsz vmb daz die sint guldin etc. 



325 



[225^] l/Er edeln fröwen fröw vrsulan von absperg ge- 
born von seckendorf lanthofmaisterin etc. Miner lieben fröwen. 
Enbüt ich niciäs von wyle Min willig dienste allzyt zu uor. 
Nechst hab ich dem edeln vnd 4iochgelerten herren Jergen 

5 von absperge ritter doctor vnd lanthofmaister des hochge- 
bornen herren herrn vlrichs grauen zu wirtemberg vnd zft 
Mümpelgarte etc. Mines gnedigosten herren, üwerm eelichen 
huswirte / gelüchen ain geschrifte die ich verstee üch zu üwern 
banden ou<3h komen vnd doch miszfellig gewesen sin/ Vmb 

10 das dar Inne etwas steet zu vnlobe wyplichs geschlechtes 
raichende. Deshalb Ir mir by uwerm Schwäger hern Karol 
von absperg entbotten hant/ vch etlich schrifte zeschicken/ 
die als vil die männer schelten tüg als vil die vorig schrifte 
die wyber. Vsz diser tiwer botschaft Ich mercken müsz/. 

15 Mich in disem dinge von tiwerem adel verdächt sin/ als ob 
ich dasselbig gedieht selbs gemachet hab genaigt, zu scheltung 
der fröwen/ das mich so vil mer belaidiget als vil me ich 
waisz mich des vnschuldig vnd zu allen zyten sin ain wyterer 
aller lobs vnd eeren wypliches geschlechtes. Vnd das wärlich 

20 vnd billich danne mir nit zwyfels ist/ wo daz selb üwer ge- 
schlechte mit dem vnsern an ain rechnung sitzen Vnd aller 
argen vnd böser getäten in vergangen zyten von anfang der 
weite von mannen vnd fröwen bisz vf hüttigen tage begangen / 
ain summe summarum machen wölt/ Man funde vnser ge- 

25 schlechte, das üwer [226] hier an wyt vnd ferre vbertreffen 
vnd an tugenden vnd lobrychen wercken das selb üwer ge- 
schlecht dem vnsern ouch nit entwychen, sunder wo es nit 
fürtreffe, sich zum minsten dem vnsern verglychen. dann daz 
jch mich der worten etlicher mäsz gebruche der fröwen nico- 

90 lose, vor ainen bäbstlichen legnten zu banonia getan / was ist 



326 

des ersten von nature von vernunfte oder von gelücke dem 
menschen ye bessers oder nutzlichers, funden vnd geben wor- 
den? dann die büchstaben vnd geschrifte? da durch wir kunst 
wyshait sundern vnd gemainen nutze, ouch die gaistlichen 

5 vnd weltlichen rechte vnd die götlichen leere vnd gebotte vnd 
ander güthait lernen vnd erfolgen mugen. die wyle kuntpar 
vnd offen ist alle kunst vnd erkantnüsz götlicher vnd welt- 
licher dingen in sölicher diser geschrifte begriffen sin. wer 
hat aber vns die des ersten funden ? für war die fröwen. danne 

i<> wir finden daz ysis nit allain erdächt vnd fanden hab den 
buwe des ertrichs vnd den brühe der lynwäte, sunder ouch 
das nützer ist vnd grösser/ in egipten die büchstaben der 
geschrifte. welich büchstaben vns latinisch darnach carmentis 
nimpha die man ouch nennet nicostrata Jony des küngs von 

15 archadia tochter nit allin geben sunder ouch vns dero zü- 
samen fügung gelert hat. was sagen wir aber von andern 
künsten zu zyten als phoraneus regiert zu kriechen vnd egi- 
gius zu athenis. tett minerua in jrer scharpfen hohen vernunfte 
allain finden vnd erdencken alle wollin gemechte vnd dero 

2> webung ouch die zale vnd dero zyffer vnd figuren zu maister- 
licher vnd gewisser rechnung dienende. So ist ouch die selb 
minerua oder ain andre (wann wir lesen mer danne ain mi- 
neruam gewesen sin) ain finderin anfengerin vnd fürstin ge- 
wesen des Öls der strytwegen vnd der kriegen vnd [226^] 

2> noema tubals Schwester ain finderin der andern hantwercken. 
Was hat dann Ceres getan die den menschen, do zemäl der 
herten aicheln wie das vich lebende/ Vnderwaisz vnd lert 
das ertrich zebuwen des frücht in zelesen zesameln vnd ze- 
niessen Also das dise fröwen darumb vnd nit vnbillich by den 

30 haiden göttin wurden genennet, das als vil ist) als göUich 
fröwen. Daz wir aber wyter vf der fröwen küschhait koment/ 
So finden mir das ouch ain Minerua, vmb daz sy jre jung- 
fröwlich küschhait verhüte/ jren aigen vatter hab ertötet, 
höcher achtend vnd schetzende gantze vestikait jrer küschhait, 

35 dann die schuld jrer lieb, zehaben Iren vatter. jch geschwyg 
vnd fürgee Ephigeniam agamenonis tochter ain vnuermäsgite 
jungfröwen ouch cassandran die dem got appollo genant nit 
wolt Verheugen sines vnküschen willens Item vnd vestam 



327 

saturniam,. die von jrer fürpündigen küschhait wegen ain göttin 
genennet worden ist Item vnd mer aber penolpem vnd didonem 
dero yetwedre an jrem mane Ir küschhen trüwe gehalten hat 
vnd des benügig gestanden ist also daz man denen beden by 
5 den römern pflag Coronen der küschhait zegeben. jch geschwyg 
euch der kuschen lucrecian vnd anderer so vil, wo jch die 
all nennen wölt, daz mir dann ee des tags danne des foUen 
sölicher kuschen fröwen für zeheben wurd gebrechen, doch so 
mag jch nit fürgeen die kriechischen hisponem vnd candischen 

10 britonam/ dero die vorder als sy von menge der finden vf 
dem mere zu schiflf also vmb geben was daz sy nit mocht 
endrinnen/ sich mitlrem tode Ir küschhait zebehalten nit er- 
schrack noch sich schucht zewerflfen in das mere. Vnd die 
[227] ander Als Minos ain küng von candia oder creta, sy 

15 Jeget vnd yllet, sich der vorigen vrsachen halben ouch tett 
stürtzen in das mere vnd ertrencken. Gangen wir wyter vf 
der fröwen trüwe jren mannen zehaben das wyplich geschlecht 
aller maist aller fürnemest machen tut. Sag yemant was an- 
ders syg den mannen rechte trüw halten, oder die mit wun- 

20 derbarer liebe rech lieben / danne behaltung der erberkait vnd 
eeren mit rechttündem leben. Dem nach emilia jrem elichen 
man scipioni dem vorigen aflfricano vnd thuria jrem elichen 
huswirt quinto lucrecio aller trüwest gewesen sint. Sulpicia 
als jr gemachel lentulus in das eilend verschicket wart/ tett 

25 (vmb das jr trüw an jm vnzerbrochenlich gehalten wurd) sich 
mit jm in das eUend zekomen willenklich ergeben vnd alle 
not vnd schwere mit jm zelyden. Euande hatt (als stacius 
schribt) jren man capaneum so lieb/ do man des cörppel von 
dem wätter erschlagen in ain füre legt den zeverbrennen / 

^ daz sy vsz vngeschwungenlichem laide jrs gemütes selbs ouch 
in das füre sprang vmb daz sy also mit jm verbrant in ver- 
mischter äschen in ain ainigs grab gelegt wurden . . Aber 
Julia als die jrs maus pompei blutige klaider von dem marckte 
in jr huse tragen sach/ sorgende daz Im etwas arges wer 

^5 widerfaren/ tett vsz schwerem erschrecken vnd laide das en- 
pfangen das sy in Irem lybe trüg vor rechter zyt geberen 
vnd ward (das erbermklicher ist) zesterben hie durch bezwun- 
gen Was hat getan ? die küngin des rychs Caria die ain grabe 



328 

Irs mans noch lebend ynnd ätmande werden wolt Ich ge- 
schwyg ouch nit Yppocratee die mit ab-[227^]geschnitteii häre 
jr Sander schöne vnd gezierd jrer forme in manliche daider 
verwandelt vmb das sy dester bas vnd lichtenklicher jrs mans 

5 mitridatis weggefert sin möcht der von pompeio strytes über- 
wanden darch manig land vnd folcker fliechen tett, dem sy 
vnmüdbarlich jrs lybs vnd gemüts nächfolgt Inn nie in nöten 
lieb noch laid ye verlässende. Mit was grosser wyshait aber 
(Oder billicher zereden) Mit was götlichkait disz üwer ge- 

10 schlecht erschinnen syg/ bezügent vnd gebent zeerkennen 
samentlich die tochter Ciri vnnd Dyonisy müter Tanaquill 
Calphamia oach Gitrea vnd Tibartina. Vnnd all sibillan so 
ye gewesen sint. Dann was ist anders? Vsz den trömen 
vnd wundersamen geschichten künftige ding zesechen vnd vs- 

15 zelegen dann mit sanderlicher wyshait vnnd götlichem jn- 
sprechen sin begaabet? Was ist oach wysers vnnd götlichers 
danne der Jangkfröwen Marie enpfächang des allmechtigen 
gottes Zükanft des lyden des tode vnd des vrstende dar Inne 
aller maist vnser geloabe steet/ Von den Sibillen allen vor 

20 langer zyte sin gewyssaget/ Vnd mit manigfaltigen werten 
asgeschlossen vnd entecket. So ist ouch so grosse manhait 
In wyplichem geschlechte offt fanden worden das die fröwen 
In diser ainigen tugend von vil mannen des wunder habende, 
Aller maist mit grossem lob in die höche erhebet sint Dann 

25 wir haben gehört die fröwen Arpalirem von Tracia. Irem 
alten vatter Ligurgo von den gallischen gefangen i Illend mit 
gesampnotem [228] herre / ee vnd beider danne man sölichs 
von aincher fröwen hoflfen möcht mit gewäppeter weere vnd 
irer selbs stercke vnd künhait nächgefolget sin, Vnd den siner 

80 gefengknüsz gelediget haben vnd erlöset. Ich wil aber ge- 
schwygen Semiramidis der küngin von Asiria/ die nach jrs 
gemacheis tod vnd abgange pflag zu behütnusz vnd schirme 
jrs küngrychs wäppen vnd harnäsch zetragen vnd sich riter- 
licher weere vnd dingen In allen Sachen kecklich zebruchen. 

35 Aber clodia als die mit andern, persenne dem küng von eu- 
truria in pfands wyse geben was/ endran by nacht durch 
listig fünde vnd betrugnusz Irer behütern vnd durch schnelles 
schwttmen vber ain fliessend wasser erlost sy Ir vätterlich 



829 

haimant Item porcia die gantz nit was ainches wyplichen vnd 
waichen gemütes Als die verstund vnd marckt den ftrsatos 
vnd rate Bruti Irs maus, daz Er Julium, den kaiser erschlachen 
wolt, vmb daz sy versuchte (ab diser fürsatze Irem man nich 
5 sinem willen nit geriete) mit welcher keckhaitirs gemütes sy 
den tod lyden möchte/ hat gelitten sich mit ainem messer 
mercklich werden verwundet die selb ouch als sy nachmals 
verstund den benanten Iren gemachel Brutum In Macidonia 
erschlagen sin, Vnd Ir alle wäffen vnd messer (Vmb daz sy 

10 ir selbs kainen tod antett) wären enpfremdet/ schutt sy in 
iren mund vnd verschland brünnend kolen. Ist aber daz wir 
wollen suchen stetikait/ so wirt funden do sempronia ain 
Schwester der graccen vnd [228^] scipionis emiliani elichs 
wybe, von der oberkait der gemainde vf den marckt zu röm 

15 vnder das folck gefürt wart, vnd der gewalte yetzgemelter 
oberkait mitsampt der menge des vngestümen vngewissner vnd 
groben folckes/ sy mit vnmenschlicher türstikait vnd tröwung 
anfacht/ Sy noch dann mit keckem vnd uestem gemüt ver- 
warf ainen ritter der sich gegen jr falschklich annam ainer 

20 nächen sippe, dero sy jm nit wolt bekennen noch yemant sy 
des mocht bereden. Ob wir dann die miltikait her für ziechen 
wollen/ Wirt üwer geschlecht hierjnne ouch tugendrych ge- 
wesen sin wärlich funden. Dann Phanium neret vnnd füret 
lang zyt miltenklich In jrem huse Marium den vbertreflFenlichen 

25 künnenden höptman kriegens vnd ritterlicher dingen, zu zyten 
als der von dem rate zu röm verurtailt wart, sin ir finde. 
Des geliehen tett busa ain vast ryche fröwe des küngrychs 
Apulia langzyt in Irem huse gütenklich enthalten Vnd spysen 
etlich römisch burger, die in dem Cannensischen stryte vner- 

30 schlagen endrunnen vnd vnerschlagen vber beliben wären. 
Wollen wir aber vätterliche vnd müterliche lieb vnd gütikait 
rechnen/ so finden wir ettlich fröwen Ire vätter vnd ettlich 
Ire müter in gefengknüsz der kerchern manig tag mit Iren 
aigen brüsten vnd milche gesougt ernert vnd vfenthalten han. 

35 Antigona ain tochter edippi des küngs zu Thebe. Als ir blin- 
der vatter in das eilend vertriben ward / tett sy Inn mit kint- 
licher erbermde stetz füren vnd niemer von Im wychen. So 
lesen wir ouch da^ die töchtern Pelei mitlyden habende dem 



830 

alter [229] desselben Irs vatters, niemer sich von Im schiedeDt. 
Item Claudia ain Jungfröw der göttin Vesta als jr vatter 
triumphiert vnd zu lob vnd eere sines siges yf ahn wagen 
wart gefftret, ynd jnn aber der oberst amptman der gemainde 

5 freuenlich von dem wagen werffen wolt/ lüf türstenklich ent- 
zwüschent ynd tett mit keckem gemüt, allain von Irem vatter 
sölichen gewalte keren wenden vnd vertryben. Bedencken wir 
dann übung vnd lemung der geschrifte so ist in sunderhait 
vnder vch fröwen gewesen/ Lesbia Sapho zu zyten Homeri 

10 ain grosse maisterliche dichterin von dero ouch das gedieht 
Saphicum den namen gezogen hat. Es ist ouch gewesen Gen- 
tona die vsz den büchem Virgily Maronis so vil versz zu 
vnsers herren Jhesu Cristi lyden vnd vrstende hat gezogen/ 
daz jch sy darumb götlich nampte/ wo nit Sanctum Jeroni- 

15 mum ain anders bedücht hett. Aber noch dann mag man sy 
hier vsz wol vnd billich wys vnd gelert der geschrift gewesen 
sin nennen achten vnd haJten. Was sag jch dann von Ame^ 
sia/ die vmb daz sy vnder wyplicher gestalt trfig ain man- 
lichs gemüte Androgenes genennet was, die selb vor den rich- 

20 tem mit grossem zülouife des folckes selbs ir sachen traib 
vnd arbait vnd so wyslich wol vnd zierlich redt daz die richter 
vf sölich jr erste rede, sy mit vrtail vnschuldig vnd ledig tä- 
ten erkennen So was gaya framea lucy des Senators wybö so 
tügig vnd geschickt bede an tedingen vnd gerichten. daz sy 

25 oft von den menschen erbetten, Vor manchem amptman vnd 
richter der selben Ire red [229^] vnd wort wol vnd nutzlich zu 
recht getan hat Item Augeriona als Macrobius meldet hat mit 
hailsamer kunste der artznie den menschen by dem see Furcino 
wonende So wol ynd fruchtbarlich gedienet daz sy von denselben 

30 ain göttin sin genennet wart vnnd daz ouch deshalb die Römer 
zu ettlichen zyten in Iren kirchen sy pflägent hoch zeeren. Wol- 
len wir dann geen uf die sinnrychlichkait maisterlicher wercken 
ynd künsten So ist yrenes gewesen Cratini des guten maiers 
tochter die Iren vatter vnd maister in diser kunste mälens wyt 

35 vber wuchs vnd noch von den malern hoch wirt gerümet / dann 
noch in kriechen etlich bilder ab fröwen vnd mannen von ir ge- 
gunterfaitet funden werden / ir kunst vnd maisterschaft grosz 
bewerend vnd brys^nt Item so ist ouch gewesen ain Jungfröwe 



S31f 

Marcia pharronis/ Malens vnd Mdhöwens so ain grosse 
Sterin daz sy zu den selben zyten sopolim ynd dyonisium die 
besten mäler wyt tett vbertreffen Sy hatt ouch sich selbs vnd 
ir gestalt also von mannor gestaine gehüwen vnd mit farwmi 
5 gemälet daz niemant, was das sechend der nit des ersten an- 
blicks sy tett bekennen, (rangen wir wyter suchen die fröwen 
der alten ee. Rebecca vnderwaisz Iren sune Jacobum das er 
sins uatters sogen behüb vnd durch Iren rate erlöst sy Inn 
von der durechtung sines brüders. Bersabe hat mit Irer wy- 

10 sen rede vnd rate für Iren Sune Salamonem das küngryche 
erfolget. Bester hat mit Irer wysen rede von küng Aswero 
wes sy begeret erlanget. Abigal hat durch Ir wyshait jren 
mane Nabal von dem tode erlöset. Judit hit das Israhelisch 
folcke von Olifemo gelediget. [230] Aber gnüg syge yetz di- 

15 sef kurtzen erzellung obgemelter tugendrycher fröwen so in 
vergangen walten gewesen sint/ sunder tügen wir nu me 
körnen vf etlich fröwen die zu vnsem zyten gewesen vnd noch 
ains tails in leben sint, der künsten gelert vnd vsz vemunft 
vnd erfarung wyse vnd mit allen andern tugenden zierlich be- 

20 gaubet. Es ist zu vnsem zyten in Italia ain fürstin de mala 
testa gewesen/ ViUicht noch lebend/ der poetrye vnd ouch 
der kunste wolredens vnd dichters (die wir nennent oratoriam) 
so gelert vnd künnend / daz sy sich den allergelertosten man- 
nen der selben zyte in disen künsten hat verglychet Es ist 

25 nicolosa ain burgerin in der statt banonia/ die als daselbs 
von aim rate/ den burgerin abgestellet vnd verbotten was ir 
zierung costlicher klaidem gebenden vnd klaineten / für ainen 
cardinal daselbs bäpstlichen legaten trat , mit etlichen dersel- 
ben statt edeln burgerin/ vnd vor jm vnd aller mengklichen 

30 alda zugegen so ain kostliche schöne vnd wyse red tett vnd 
fürt von wegen aller burgerin derselben statte daz sy behüb 
daz sölich verbott widerumb werd ab getan, Vnd vorrige zie- 
rung vnd costlichkait wie vor zetragen den burgerin erloubet. 
Yppolita yetz küngin zu Aragon vnd zu Nopels, des yetzigen 

35 hertzogs von Mailand Schwester, ist der geschrift vnd obge- 
melter künsten ain söliche maisterin / daz nit wol yemant yetz 
lebende ire santbrief vsz aigner vemunfte gedichtet vnd mit 
jr selbs hande geschriben/ weder an gedieht noch scbrifte 



Bäöcht straffen noch verbessern, der selben briefen etlich von 
jren gnaden / an min gnedige fröwen von österrych fröw mechil- 
ten etc, vsgegangen jch gesechen gelesen vnd darvf jren gna- 
den antwort gemachet [230^] hab. Item die marggrefin zu 

5 mantöw Madonna barbara ain fürstin gebom von brandenburg/ 
ist so wyse vnd hoher vemunft/ daz sy für Iren gemachel/ 
wie wol der selb ouch wys vnd gelert ist/ noch dann allain 
regieret land vnd lütte/ handelt tut vnd lasset nach Iren 
willen vnd das so wol das niemant das schelten mag sunder 

10 mit lobe groszlich mftsz erheben/ vnd jch bin zwurent in bot- 
schaft ains fürsten vor jren gnaden gewesen/ da jch sy hab 
hören reden rätschlagen vnd antwort geben vnd irs rätschla- 
gens sölich vrsachen setzen/ das ich vnd min mit geselle/ jr 
gnäd deshalb mer müsten wundern/ danne wir die nach gebür 

15 gnüg möchten loben Madonna beancka maria des yetzigen 
hertzogs von mailand mftter vnd des alten letsten vnd. rechten 
hertzogs von mailand tochter. Als die durch iren vatter dem 
contofrancisco des yetzigen hertzogs uatter eelich wart ver- 
mechelt vnd der selb alt hertzog nächmäls todes abgieng. Zoch 

20 mit dem selben Irem gemachel zu felde vnd half mit jrem 
wysen rate irs herren vnd vatters fürstentüm erobern vnd In 
bringen in wyplichem lybe so ain keck vest manlich gemüt 
tragende/ daz sy der obgemelten Arpalici möcht werden ge- 
glychet / Vnd was doch die selb menschlicher grosser zucht / 

25 vnd allen zu ir körnenden menschen grosse eer erbietende/ 
des Ich von jren gnaden selbs wol hab enpfunden Ich kum 
aber hervsz vber das gebirg in tütsche lande, da vns sölicher 
lobwirdigen fürstin ouch nit gebruchh jst. dann was ist ye adel- 
lichers von allen tugenden gesechen worden dann die aller- 

30 durlüchtigost fürstin vnd fröwe fröw leonora geborne küngin 
von portigale vnd römsche kaiserin loblicher gedecbtnüsz. 
Ich bin mit der durlüchtigen fromen fürstin vnd fröwen fröw 
katherinan [231] geborner hertzogin von österrych vnd Marg- 
greuin zu baden etc. Vnd greuin zu spanheim als jrer gnaden 

35 cantzler gewesen an irs brüders des römschen kaisers hofe 
zu der nüwenstatt etlicher monot lang do dise zwo fürstin 
vsz zwayen gezimbern in aim gehüse ob ainandern ligende 
teglichs zäsamen kament mit Iren dienern vnd jungfröwen. 



Alda jch von diser kaiserin so vil jrer loblichen sitten jrer 
tugend Vernunft vnd wyshait gesechen hab daz mir bapyrs ee 
gebrech dann der folle sölicher tugend die zeschriben vnd ist 
war daz zu den selben zyten do die hunger jre hungerschen 

5 Crone mit fünf vnd achtzigtusent hungerscher guldin von der 
kaiserlichen maiestate täten lösen / dero die fünf tusent guldin 
jren kaiserlichen gnaden zu gehörig sin solten/ daz sy da so 
ain schöne lobsame rede tett vf wären adel vnd grosse from- 
käit gegründet/ daz der wolgeborn min gnediger herre grauf 

10 huge von montfort alda zu gegen zu vns andern miner gne- 
digen fröwen Marggreuin reten vnd dienern ouch alda gegen- 
würtigen sprach. Dise vnser fröwen der kaiserin red vnd 
Worte/ weren wirdig daz sy mit guldin büchstaben geschriben 
wurden vnd sint also wo ains armen hirten tochter sölichen 

15 grund in ir hette, so were sy doch für hoch edel zehalten. 
Wes geschwyg jch aber der lobwirdigen fürstin miner gnedigen 
fröwen Marggrefin erst genanten, die den palmen fürt aller 
erberkait zucht vnd tugenden vnd so grosz trüw vnd lieb zu 
jrem gemachel vnd jren wolgezognen kinden hat/ daz der 

20 selb jr gemachel Margraf karol sich selbs wol selig schetzen 
mag/ daz got jnn mit ainer sölichen ffirstin (dero er doch 
wol wirdig ist) in gemachelschaft hat fürsechen. Ich rugk 
her vf vnd [231^] fürgee vil fürstin/ villicht nit minder grosses 
lobes wert aber mir vnbekant vnd kum in Schwaben da ain 

25 fürstin ist nämlich fröw mechilt geborne pfaltzgreuin by ryne 
vnd ertzhertzogin zu österrich wytwe ain grosse liebhaberin 
aller künsten/ dero guter lümde aller wyshait tugend vnd 
menschlichkait so grosz ist/ daz der (in mässen ich vor ains 
mäls ouch von ir geschriben han) mit loben nit mag werden 

30 gemeret noch mit schelten gemindert, aber noch dann mag 
jch mit schwygen nit fürgeen ain dinge so mir ain mäls 
von Iren gnaden begegnet/ in bywesen etlicher edeln. Ir 
gnäd fraget mich ob jch ir noch nit getütschet hett das büchlin 
senece von den sitten. daz Ich iren gnaden vor oft hatt ge- 

35 rümet. Ich antwort nain. des vrsach sagende/ daz Ich etwas 
darjnne fund das jch nit gnüg verstände villicht gebruchh 
halb miner kunst oder vmb das es vnrecht geschriben stund, 
vnd alz sy fraget was das wer Sagt jch es stund also. Si 



834 

vis Omnibus esse notus fac prius neminem noueris. das nach 
dem büchstaben also lute will du yderman sin bekant so 
machh vor daz du niemant bekennest etc. Von stund an 
vf Maines schwygen stillhalten vnd bedencken/ tett ir gnäd 
6 dise wort widerumb melden wilt du yederman sin bekant so 
machh vor daz du niemant bekennest Vnd redt dar vf. Ich 
main es hab vf jm dise mainung wilt du yderman sin bekant. 
Das ist. Wilt du daz mengklich vmb dich, gütz von dir sag 
vnd rede / So machh vor daz du niemant bekennest. Das ist 

10 so rieht vnd gibe dich vor dar In vnd hier zu/ daz du ye- 
dermans dingen müssig standest dich vsswendiger dingen nit 
bekumberst vnnd allain ain benügen habest an dir selbs vnd 
an dinen tugenden. hie durch wirst du mengklichem [232] 
bekant etc. 0. hoche scharpfe Vernunft in wyblichem hertzen. 

15 Ich hab sidher doctores der hailigen geschrift gefragt vnd fun- 
den daz ir gnäd mir (als das sprüchwort ist) all mine kesz 
hat ab erraten. Ir genäd hat mir ain tochter in Irem gezim- 
ber zu hofe also gezogen /daz Ich nit wölt die sölich zyt dar- 
flir in aim closter geformierter Schwestern von der obseruant- 

30 ze gestanden sin. aber gnüg syg des jch kum nu me haim in 
min huse vnd an den wirtembergischen hofe. Da üwer adel 
vnd jch bede vnser wonung haben, da zwo fürstin sint , aine 
geborn von safoye vnd die ander von brandenburg bed höch- 
stes lobes wert vnd vch in allen tugenden so bekant/ daz 

25 überflüssig wer mich darvon üch ützit zeschriben So möcht 
Ich ouch in sölichem minem schriben/ wo Ich vf ir beder 
sunder tugend mich naigen wölt, in liebkoserye werden ver- 
mercket / daz mir nit lieb wer. aber disz gibt wäre anzaigung 
sölicher Irer grossen tugend. so oft Ir aine jrs lybes kranck 

80 Wirt/ daz dann des so grosses laide all jre vndertänen vmb- 
fahet/ daz Ich acht von den selben biszher mer ir gesunthait 
vmb got erbetten worden sin / dann daz ainch artznie die hab 
gesachet, wie wol sy mit hochgelerten wysen artzeten gnüg- 
samlich sint versechen. vsz disem minem lobe der fröwen / Ir 

35 edle fröw hofinaisterin nu me wol mercken mugen min vn- 
schulde Vnd das obgemelt gedichte üch miszfellig nit usz mi- 
n6r Schmitten sunder usz ains andern, üwerm huswirte bas 
dann mir bekant gegangen sin. Daz Ich aber darumb üwerm 



335 

adel ützit schicken wöll arges von mannen inmässen ir begert 
hant/ Main Ich nit not sin. Aber mit vrlob red jch das 
gangen yetz herfür diser fröwen aller nechst obgemelten [232*»] 
elich gemächel, die zu vnsern zyten gelept hant oder noch 

5 lebend, Vnd sitzent mit den selben jren fröwen an ain rech- 
nung guter vnd arger getäten vnd sechent vnd beschöwent ob 
sy nit Märlich finden werden/ die fröwen sy an güthait vnd 
die mane sy an boshait wyt vbertreflFen. Gelych ist es vnd 
wirt fanden in nider^i stenden des adels vnd der burgerschaft, 

10 danne allwegen gemainlich die fröwen gaistlicher vnd andech- 
tiger sint dann die manne. Darumb Sanct Gregorius die ge- 
segnoten jungfröwen Mariam anredende, spricht. Bitt got für 
das folcke ouch für die priesterschaft vnd für das andechtig 
wyplich geschlechte etc. Vnd für war edle liebe fröw. Ich 

15 wölt minem herren hofmaister üwerm huswirte noch mir selbs 
ouch nit raten, daz er mit vch oder jch mit miner husfröwen 
an sölich obgemelt rechnung sessen wir wölten vns dann vn- 
sers tails vor gewins verwegen das mercken jm besten Es ist 
noch vor der vasnacht vnd gebürt sich ernstlichen dingen zft 

20 zyten schimpfliche ding vnder zemischen vnd gebieten mir als 
dem üwern datum Stütgarten Vigilia Mathie apostoli Anno 
domini etc. Ixx quarto. 



338 

Ich mich beduncken/ vnd main daz dero dweders an ainem 
guten froraen vnd wysen man gelobet werden sölt/ dwile daz 
ain wirt gesechen sin aines menschen vnbedächt redende, ynd 
daz ander ain wercke aines liebkosers vnd schmaichers. dann 

5 wes solt du dich mit dem fröwen? der erwellet vnd angeno- 
men worden ist/ zu vnmessiger vnd steter arbait sines lybes 
vnd gemütes, zu aller grösten sorgen, zu regierung manigfal- 
tiger fölckern, zu vnentlicher trübseligkait, zu fürsechung aller 
kirchen, vnd (daz vnder den grösser geachtet wirt) zu schwerer 

10 vnd laidsamer aigenschaft sines lybes. Ja billicher nach minem 
beduncken, were mit aim sölichen mane vnder so grosser bürde 
belestiget laid ze haben vnd zetruren vnd siner so grossen 
arbait vnd so schwerer aigenschaft barmhertzikait zehaben. 
danne wo du nach den gebotten gottes, daz scheflF petri recht 

16 vnd wol regieren wilt so wirt dir furo nit mer geben noch 
verliehen zehaben nach diner begird schlaf vnd rüwe nit ze- 
nemen din spys vnd tränke in rechter zyte , nit zesüchen er- 
getzlichkait dines gemütes , nit dir selbs ützit nächzelassen/ 
nit mit dinen guten fründen (das dir das aller schwerest sin 

20 wirt) nach diner gewonhait zeleben/ nit die zyte (die wir 
doch den woUebenden wissent kurtz sin) nach dinem willen 
zeuertryben i Noch dich der geschriffte (Darinne du dich doch 
von [234^] Jugend vf geübet vnd ergetzlichkait gehept hast) 
mer anzehangen sunder gebürt sich dir nach andern fremden 

25 Sitten zeleben, vmb das du andern menschen haile mugest 
geben. Es gebürt sich dir anzenemen die sorge alles christen- 
liches folkes / zehören der weit botschaffteh, die stimmen der 
bittenden, das klagen der beswerten, vnd denen barmhertzikait 
vnd yetklichem gerechtikait zebewysen Dir allain ist dise ar- 

30 bait vfzenemen so alle ander menschen dero sint entladen. 
Du bist gesetzet in die höche als ain beschöwung, darinne 
dir für alle andere menschen gebürret zewachhen vnd darjnne 
dir kain rüw kain müsse noch kain vnderlybung in so vil 
mancherlay dingen wirt verliehen. Deshalb / vnser Seneca wol 

35 vnd wärlich hat gesprochen. Grosses gelücke, sin ain dienst- 
bare aigenschaflfte. Darumb was fröiden woUusten vnd hug- 
lichkaiten sin mugen vnder diser dingen so schwerer bürde 
in so vil anhangenden grossen gescheflften in so vil mancher 



339 

dingen widerwertikaiten vnd in so vil manigfaltigen sorgen/ 
oder wärumb sich vns deshalb mit yemant gebürre zefröwen/ 
kan jch in mir selbs kains wegs finden, dann ist es als Johan- 
nes Crisostomus schribet vber die epistel ad hebreos / daz 

5 ainem regierer ainer ainigeri kirchen so vil sorg vfgelegt syg. 
daz iyunder gehept werden mug/ wo ir aincher werd behalten/ 
was grosser bürde vnd beschwerung diser dingen wollen wir 
dann sagen anhangen? vnd wie grosse sorgueltikait künftiges 
lebens zu steen dem? des regimente wir selbs sagen vnd be- 

10 zügent , alle kirchen der gantzen weite von got enpfolhen 
vnd geben sin? vnd fürwär/ di^ wile man me zefordern hat 
an den, dem mer ist enpfolhen So müsz vsz notdurft bekennet 
werden/ daz dise höchste [235] wirdigkait, syg ain vnraessige 
bürde, die von menschlichen krefften nit, oder kumme getragen 

15 werden muge. zu welcher bürde du nit allain bist angesechen 
vnd ges^chetzet/ sunder etlicher mässe verpflichtet vnd ge- 
fengklich verbunden. Ich setz hierzu/ daz sölich herschaften 
vnd oberkaiten nit gebent tugent noch kunste, nit lere noch 
lengers leben / sunder tönt sy ee sölichs leben machen kürtzer. 

jo aber noch danne haben vil bisher söliches hochen vnd wyten 
Standes begeret/ der selben dann mer funden woi'den sint 
torecht gewesen sin dann wyse. Vnd werden dise des meren- 
tails vnd garnäch alle, gelaitet vnd gefüret vsz gemäiner tor- 
hait vnd jrrung der menschen / daz sy die ding für die ober- 

15 sten vnd besten achtent, zu denen als zu den wirdigosten vnd 
nutzlichosten die hochfertig der menschen begirde tut fechten, 
danne der merertaile der menschen, lebent vnd werdent ge- 
füret / usz wäne des püfels vnd bewegt vsz den stimmen vner- 
nieter vnd vnerfarner menschen, daz sy grosse seligkait vnd 

des lebens gemahe vnd güthait vermainent sin / in grossem ge- 
walt in grösser macht vnd in hocher wirdigkait. aber fürwär 
nit usz jrrung des wänes, oder usz vnwissenhait der toren, 
sint dise ding zemessen sunder vsz Vernunft vnd wyshait ze- 
urtailen vnd zerichten. welche wyshait (so ferro wir dero 

6 vnderwysung nächfolgen wollen) viis leret, in grossem gelücke 
selten fromkait gütikait senftmütikait hailigkait vnd mensch- 
lichkait funden oder begriffen werden. Wir haben ouch ir 
etlich gesechen anders dann die gaistlichkait oder die gebot 

22* 



340 

gotes haischent, sich dises gewaltes vnd diser höchsten wirdi- 
kait gebrucht haben, jch rede aber von denen die da wandeint 
in dem wege vnd in der gesatzt des herren/ Vnd die sich 
flyssend zetün nit was sy mugent i sunder was sich zimm vnd 

5 jnen gebürre. den selben ist notdürftig, daz ain sölichs leben 
[235^] (wo du anders die arbait vnd diser dingen schwere 
ansechen wilt) ee eng angsthaftig vnd arme, dann selig sin 
gesechen werd. die selben aller hailigosten manne dine vor- 
faren denen wenig gemainsame mit der weit gewesen ist/ So 

10 die enpfunden haben Iren achseln ain söliche schwere bürde 
vfgeleget sin / hant sich genennet knecht vnd diener, der die- 
nern gottes. Vnd fürwär/ wenne die bäbst betrachtent nach 
Sitte der poeten, sich vmb walen ainen schweren grossen 
staine!' vnd sich selbs sin, Statthalter vnsers lieben herren 

15 Jhesu cristi/ vnd daz sy gesetzet sint jm nächzefolgen / so 
mugen sy warlich also knecht der knechten gottes genennet 
werden. Welich aber (hailigoster vatter) dine lob (die doch 
manigfaltig vnd fürpündig sint) mit jrer rede tünt vmbfähen 
vszlegen vnd erheben/ Wie wol sy das mit wärhait vnd vsz 

20 dinem verdienen, gesechen werden tun mugen. So sint doch 
die selben uäch minem beduncken zeschetzen für liebkoser vnd 
vnfürsichtig schmaicher irer Worten, dann du hast gelesen den 
Spruch aristotilis in sinera andern buch der rethorick/ da er 
spricht / daz ainen menschen vnder ougen vnd gegenwürtigen 

25 loben, syge ain wercke der liebkoserye. So nu das ain haidi- 
scher maister schiltet so wirt nit gesechen / das ainches wegs 
von aim stathalter jhesu cristi sin zeloben. danne sich nit 
gebüret sich selbs oder ainen andern gegenwürtigen vnder 
ougen zeloben/ es syge dann not vnd daz ain sach das tüg 

M erfordern, eneas lobt sich selbs (als virgilius schribt in enea- 
dos) da er spricht, jch bin der milt vnd gütig eneas, der mit 
lobe vnd gutem lümden vber die höche der himeln erhept vnd 
bekant ist. Aber das tett er by vnd gegen denen die jnn nit 
bekanten vnd die vnwissend wären siner groszmütikait vnd 

35 ritterlichen tugend vnd beschach ouch [236] sölichs in sinen 
vnd der sinen gröster sorgfeltikait vnd letster note vmb daz 
er abkarte den tode jm vnd den selben gegenwürtig anhan- 
gend, marcus tulius cicero, lobet ouch in ainer rede Julium 



341 

den kaiser gegenwtirtigen / vmb daz er marcum marcellum 
begnadende, von vnd usz dem eilende, darjnn er jn verschickt 
hatt widerumb gen röme in sin haimant tett berüffen. ouch 
vmb daz er legarium tet beschirmen vnd die vnschuld des 
5 künges diotheri behüten, aber die selb sin rede, waz ain rede 
nit aina menschen sunder der sache vnd der zyten. danne diser 
mane eicero in allen dingen der wysest / wart genötiget disen 
julium siner gütikait zeloben/ vmb daz an jm die berüffung 
marcelli usz dem eilend waz erworben vnd daz noch jrer vil 

10 mannen haile was zesüchen vnd besunder vmb daz er das 
werke von jm also mit marco marcello getan kreftigote / Vnd 
Julius dadurch geraitzet vnd gewilliget wurde ander usz dem 
eilend desgelyheü ouch zeberüflFen vnd zebegnäden. danne vs- 
serthalb disen yetz gemelten reden / hat diser eicero an andern 

15 enden kaiser julium nit allain nit gelobet*' sunder sine werck 
geschulten vnd jnn nit gütig i sunder ainen tyrannen genennet, 
aber wo kain sölich vrsach yemant nötiget , so wirt gegen- 
würtig lobe gesechen vnd geachtet überflüssig vnd bas züge- 
hörig sin ainem schmaicher vnd liebkoser danne ainem lober. 

20 vnd ist ouch ain sölich lob sorgfeltig/ danne jr etlich schetzent 
vnd mainent war sin daz, so von jnen also wirt gelobet/ vnd 
so sy hie durch gehochfertiget ainen wäne enpfächent jrer 
aigen wyshait vnd tugend y so tünt sy dann sölicher jrer wys- 
hait (daz jch nit Sprech jrer torhait) nächfolgen/ vnd so sy 

25 hie durch ander menschen gut vnd wys rette verachtent / tünt 
sy oft in grosse jrrung fallen vnd nit schüchen den namen ains 
frefenlichen menschen, ye doch so ist ain vast alter spruche/ 
also lutend. daz tugend so die gelobt werd, wachse, dann wir 
werden etwenne [236b] durch vnser lobe geraitzet vnd ge- 

50 williget/ daz wir oft arbait vnd flysse ankerent/ daz wir 
söliche menschen werdent/ wie wir von dem lober gerümpt 
worden sint. Aber alle ding wollen haben masz zyt ynd statt 
vnd gebürt sich etwenne zu zyten ainen gegenwürtigen men- 
schen zeloben / doch also / daz er nit mercke den lober ofFen- 

15 liehen liegen, da durch der gelopt verstee mer oder minder 
in jm selbs sin / danne des lobers werte vsgelegt haben / vnd 
daz nit söliche wort dem gelopten schäm noch röte inschla- 
genty noch den zuhörenden lachhen gebärent. es sint aber 



342 

etlich in liegen also verschempt/ daz sy alles das/ so ainem 
aller wysesten aller gelertisten vnd aller hailigosten menschen 
zu lobe geben * werden möcbt / züsamen samelnt vnd vnder- 
wylen sölichs gebent zu lobe ainem menschen der billicher 

A scbeltung dann lobe hett verdient/ vnd ist vsz notdurft, daz 
sölicb züsamen klubet lobe ainem aller frömsten vnd aller 
gelertisten mane vnder ougen vnd gegen würtigen zu geredt/ 
billich schäm vnd röte insehlachent. Dann ain fromer mane 
wil lieber gut sin/ dann gut sin/ gesagt werden vnd wil lie- 

10 ber / sölicher Worten sin vertragen, was were aber zetün möcht 
etlicher sprechen ? waz materi verhengest du ? darzü jch sag 
mich beduncken daz sölichen bäbsten obersten bischoffen fürsten 
vnd herren fürzeheben syen Ermanungen gutes vnd rechtes 
regimentes. Vnd des ersten sy zeziechen zu der gerechtikait, 

15 die da zügefüget syg der barmhertzikait nach dem der pro- 
phete spricht misericors meserator et justus etc. In welchen 
Worten er got nennet barmhertzigen erbärmer vnd gerecht vnd 
sich hier jnne zu der gerechtikait nit mer gebracht dann ains 
ainigen wertes vnd zu der barmhertzikait zwayer Worten, euch 

20 sölich fürsten vnd herren zeermanen vnd zeziechen zu miltikait 
[237] vnd gnaden den menschen zebewysen/ welche zwo tugend 
aller anneniest sint vnd sich grossen fürsten vnd herren wol 
ziment vnd gebürrent vnd sy zeermanen zu menschlichkait / 
darjnne ain grosser glast der tugend erschinet. danne die selb 

2.-. tugend ain sunder lobsame zierung vnd wolberaitung ist aller 
andern tugenden. Sy sint ouch an zemanen / daz sy gedenckent 
sich menschen sin/ daz ist tödemlich vnd aines blöden lybes 
der mit siech tum bald bekrencket werden mag/ wie wol sy 
aller hailigost vnd aller seligost genennet werden. Welche 

8ü betrachtung wo die oft der fürsten gemüt ingeet, Inen weerert 
in hoffart sich ze erheben vber menschlich gebürlichkait. ale- 
xander macedo der da gebod sich als ainen gote anzebetten 
vnd ze eeren/ vnd liegende saget/ sich sin des geschlechtes got 
juppiters/ wart durch schmertzen ainer ainigen wunden sines 

35 baines genötiget !^ das er sich bekant vnd verJach sin ainen 
menschen, also vnd sölicher namen vnd werten gebürt sich 
vor den fürsten zegebruchen , die nit vf jnen selbs tragent 
noch infürent hochfart vnd vngestüme gröszmütikait. zu dem 



343 

Wirt ouch gesechen sich gebürren sölichen fürsten vnd herren 
anmanung zetün/ daz in grossem gelück grosse messikait des 
gemütes syg zehaben. dwyle es ain aller schwerest dinge ist 
in gelücklichen dingen zehalten rechte mäsz vnd sich recht 

5 gebruchen der gebotten des willens vnd ist ouch hart in vollem 
gewalt vnd in erloubung aller dingen zebelyben jnnerthalb den 
kraissen vnd schrancken der Vernunft, danne dwyle grosser 
vnd langer gewalte vnd hoche eer vnd wirdigkait ouch der 
wysen gemüt arbaitent vnd die vmbziechent vnd oft pflegent 

10 die ze endern vnd zeuerkeren in hochfertige menschen vn- 
mechtigs gemütes/ so wirt gesechen vast grosses lobes wert 
sin ze wandeln vnd zegeen den [237^] schlechten vnd geraden 
wege der erberkait vnd sich nit zu dweder syten zebiegen 
lassen, danne so pa^do der appostel (der lebendig in den himel 

15 verzuckt wart) vnd mit dem cristus redt, vnd der sin wonung 
ain zyt jm himel hat vnd ain doctor vnd lerer der fölkern 
was. so dem (sprich jch) geben worden ist ain engel sathane 
jnn zeschlachen vnd zekestigen, vmb daz er sich nit in hoffart 
vberhübe, der grosse sölicher offnung jm in den himel getan/ 

20 ,wie vil mer ist dann denen, so uf ertrich. ir wonung hant ze- 
uerhüten/ daz sy nit sich zeuil vnd vber did mäsze erheben 
vnd durch diser dingen schnöden pompe vnd herlichkait (die 
doch kurtz vnd wenig zyt werend ist) betrogen werden, für 
war mit stimmen sölicher Worten zimpt sich der fürsten oren 

25 zesettigen vnd als vil jr wirdikait grösser ist / so vil mer sint 
sy al wegen anzemanen/ daz sy ir kranckhait vnd blödikait 
bedenckent. dann vast vil dinge sint/ die zu zyten nötigent 
die fürsten zeirren. gelychsner, liebkoser, schalkhaftig, runer, 
vnd mertrager, nidig, Versager / usz dero Worten ouch oft gut 

io vnd from fürsten in aller gröste jrrung gefallen sint/ vnd 
hat falscher lümde vnd etlicher sölicher menschen (die alle 
ding in das böste ziechent) verkerte vslegung vil fürsten ge- 
zwungen zetün das/ das sy darnach rüwe empfangen hant. 
vnd werden söliche ding durch nyd vnd hasse, allenthalben 

55 her der fürsten oren zu getragen von denen die da wölten 
ir begird erfröwet werden usz ander menschen vngelück sor- 
gen vnd schaden. Vnd darumb so ist mit grossem flysse ze- 
fiirsechen/ daz die fürsten vnd herren durch sölicher lüten 



344 

falsch vnd trugenhait nit werden verfüret vber das so main 
ich ouch ainen yeden fürsten sin zezichen vnd zelaiten uff 
gütikait Dann hart vnd schwer ist/ grimikait vnd zom zu 
zefugen grossem gelücke, vnd kain Zuflucht der barmhertzikait 

5 erschynen noch [238] offen sin, den armen betrüpten vnd 
jämrigen menschen/ vnd daz am fordersten sich gebürr/ irer 
gedechtnisz sin ingedruckt daz das so zügehörig syg der tugend, 
in kain wege gegeben werd dem gelte, danne es ain aller 
böstes dinge ist vnd gar nach verderplich der landen vnd des 

10 gemainen nutzes/ gelt lieber haben vnd höcher achten danne 
die tugend/ vnd dem ding so an ains knechtz statt sin sol, 
zegeben den stand vnd sitze aines fürsten. aber für war (hai~ 
liger vatter) so beduncket mich/ daz mir ain schwerer sachhe 
fürgeworffen vnd vfgelegt worden syg dai^;, von zereden, danne 

15 andern rednern/ angesechen daz .die-fürpündig vnd sunder- 
liche tugend mir die ding/ so andern rednern den follen ge- 
beut vnd verlychent zereden gantz hingenomen hat vnd enpfüret. 
Dann was ist ? dar zu du ze raitzen vnd zelaiten ain notdurft 
sin müg ? so doch diu wyshait ander menschen, des bas wiste 

20 vnd könde ermanen vnd vnderwysen, dann sy dich, vnd was 
ist? deshalb du* anderer lüten Worten oder reden bedörffest/ 
die wyle doch du selbs in der kunst wol redens, für ander vast 
bist geübet, dann was ist treffenlichers hailigers vnd wyszlichers 
geredt worden? (daz jch des andern geschwyg) dann die letscht 

25 rede nach der begrepnisz babsts Eugeny/ von dir/ vor allen 
cardinälen getan darjnne als ain wyssagung verstanden sin 
möcht/ dich ainen künftigen babst werden/ wie du do zemäl 
ainen babst sin sollen sagtest vnd des wünschtest vnd beger- 
test. du bist mir zu fride (ainen aller besten dinge aller men- 

30 sehen vnd des namen süsz vnd sin frucht hailbar ist zwüschen 
den römern vnd andern gelöbigen zemachen) von yemant an- 
zemanen/ dann du selbs tust das so mit grosser begirde vnd 
innerlichem brunste begeren/ daz du hierjnne niemant aller 
menschen so vf erden sint tust entwychen in erfolgung söli- 

35 ches begerten frides. Du [238^] bist nit zu aincher mensch- 
licher gütikait noch zu andern tugenden zenötigen. dann dise 
ding alle haben wir gesechen dich vsz diner kunst usz diner 
leere vnd usz diner natura, so zu aller erberkait genaigt ist/ 



345* 

vor langem ^berkomen han. du bist nit zetryben vnd die burde 
der arbaii' vnd vnder die sorgen, so sölicher hochen wirdigkait 
anhangend sint. danne du von dir selbs willentklich vnd mit 
so grossem flysz vnd steter tibung die uf dich nimpst/ daz bil- 

5 lieber dir darfür zömen inzelegen weren, danne sich der sporen 
gegen dir zegebruchen. dWyle dir doch kum, zu rüwe des 
schläfs ainch zyte wirt verliehen, du bedarft nit (aller haili- 
goster vatter) ainches anmaners noch trybers. du hast gelesen 
die gebott vnd vnderwysung aller tugenden. so hast euch ge- 

10 lernet die hailigen geschriften vnd der haidein. kainerlay kunst 
guter leren tut dich fliechen. du hast gelesen aller diner vor- 
faren der bäbsten handel , vnd erkennet , welich usz jnen ze- 
loben sint, vnd dir jnen zefolgen ist/ vnd welich für lycht 
zehalten vnd zeachten. wir wissen ir etlich gewesen sin/ die 

15 dem guten gnäg täten vnd etlich in denen man vil hett be- 
geret. Ich siehe aber noch ain form redens mir vberbeliben 
vnd vorhanden sin / dero jch mich gebürlich äne verdriessung 
wol vnd recht mag gebruchen/ daz ist das. daz jch dich er- 
man, dir selbs nach zefolgen vnd dir selbs glich zefinden vnd 

20 daz du jngedenck syest mit waz künsten, mit welchen sitten 
vnd mit waz lebens du dise so hochen wyten vnd begerten 
wirdikait habest erfolget vnd vberkomen. dann von dir selbs 
ist dir zeentlechnen vnd zenemen alle Satzung vnd leere ainem 
gemainen nutze wol zeregieren/ vnd vernünfte recht zeleben. 

25 von dir selbs sint dir ze geberen die exempel vnd Vorbildung 
aller tugenden vnd ist nützit dir vsserthalb din selbs zesüchen. 
dir wirt nit not sin uszwendiger hilfen ützit recht zehandeln. 
wenne du dich des foUen diner aignen hilffe wilt gebruchen. du 
waist mit was küschhait gelept hast vnd mit waz messikait 

30 des lebens. du waist daz [239] du dich selbs all wegen in den 
aller besten künsten der geschrift hast geübet vnd gut vnd 
gelert manne geliebet vnd geeret vnd gebürret dir daz du din 
vorige menschlichkait vnd senftmütikait behaltest vnd dich der 
Sitten für vs gebruchest/ die dir dise hochen wirdikait haut 

35 geboren, du hast allwegen laster gehasset vnd den wege der 
tugend in allem dinem leben vmbfangen. vnd wir wissen dise 
schwer lestigt eere dir von got enpfolhen vnd vfgelegt sin/ 
nit von vssern dingen her nit usz eer gytikait, nit durch bitte 



346 

noch vmb gelte/ sunder ysz tugenden vnd hailigen gfiten 
Sitten, vnd wo du dise ding oft bedenckst/ so ist nitzwyfels/ 
dann daz der gemain nutz der cristenlichen kirchen/ selig 
sin geschetzet werden müsz. so aber du din gedencke dahin 

5 vnd vf die ding kerest, vnd du versteest sich dinen sitten vnd 
wirdikait gebürren/ so tun ich dich (aller hailigost yatter) 
des bitten / daz du dine vorigen alten fründe (vnder denen ich 
mich ainen sin tun achten) dir nit lassest enpfallen vsz diner 
gedechtnisz/ als wir dann sechen manchen beschechen sin. du 

10 waist daz gelyche, guter sitten begirden vnd willens zu samen 
fügen vnd machent wäre früntschaft/ vnd ob wol etwenne zu 
zyten, aller gröste macht gewalt vnd wirdikait gewon sint, 
sölich früntschaft von ainandern ze entrücken vnd ze wytern / 
so gebürt sich doch hierjnne guten gunst vnd willen zebehalten / 

15 vnd besunder dem/ der früntschaft misset vnd wigt nit usz 
nutze, danne allain usz schulden vnd gebürlichkait der tugend. 
vnd haben oft vnd dick grösz fürsten vnd herren wol bedörft 
guter fründen/ die ain yetklicher in vberkomen vnd machen 
mag usz gütgetäten vnd erzaigung günstiges willens. Also 

20 bitt jch/ daz du vnder andern dinen sorgen dise nit lassen 
wollest/ du nemest oft in din gemüte ain bedencken diner 

. vorigen alten fründen (in dero zale jch mich sag ainen sin) 
vnd daz du denen [239^] hilfflich syest, vnd sy nit in armüt 
mangel vnd gebruch haben lydest vnd daz du gunst gebest 

25 hoch sinnigen vernünftigen lüten vnd liebest hochgelert manne / 
Vnd durch dinen flysse vil wollest gelych sin dir selbs/ da 
mit du in disem dinem fürstentüm, dich machest als ain säte 
oder sämen der tugenden/ dadurch die fryen künst als zu 
den zyten saturni widerumb entspriessent grünent vnd wach- 

30 sent/ die yetz von schuld wegen der zyten gesechen werden 
abgefallen sin vnd garnäch gantz erloschen, dann gut küns 
die da sint fürerin der tugend vnd von denen erkantnüsz wärer 
dingen vnd der erberkait genomen werden solt/ ligent yetz 
verborgen in ainer finstre vnd gantz verlassen von denen so 

35 die üben solten vnd lernen/ gelycher wyse/ als ob sy in ain 
ainödige statt des eilends usgetriben vnd verschicket syen. 
dise sint dir an das liecht widerumb her für zebringen vnd in 
die scharen vnd Übungen der menschen zegeben. danne wenn 



347 

oder welchen andern wollen wir vmb diser dingen haue an- 
rüffen/ wo du vns des enpfallest? Den sy doch so lange als 
Iren liebsten sune mit jren brüsten hant gefftret. Es sint 
(hailiger vatter) lemung guter künsten der geschritten, lang 
5 zyt her vngeübet gelegen vnd wolgelert fürpündig manne ver- 
achtet worden. Ja lenger verachtet/ danne Vernunft der gaist- 
lichkait oder der tagend billich lyden sölt. Dar von dann komen 
ist/ daz der menschen begird zu lernung guter künsten gantz 
ist erkaltet. Dann wo der tagend nit eer vnd lön geben 

10 werden / so werdent wenig oder kaine menschen zä Irer Übung 
geraitzet/ Du siehst yetwedre Philosophie, müter vnd gebärerin 
guter künsten vnd maisterin rechtz lebens vnd guter sitten 
yetz worden sin ain hinwurfPe vnd gantze Verachtung. AUain 
[240] gebrechen halb dero, so die selten lernen vnd daz dise 

15 Philosophie liget in den finsternissen vnd nit als vor zyten 
pfligt wandel zehaben an das liechte vnd in angesichte der 
menschen/ vnd daz man allain begert der künsten die da 
werden belönet vnd dienend vnd gehörig sint zä kriegischen 
dingen vnd zu gewine grosses geltes, aber kaine oder vast 

20 wenig menschen werden hier zu bewegt von tugend wegen an 
ir selbs/ oder allain durch vrsache Wissens oder könnends/ 
danne vnder den selben die nit für lobsam noch edel geachtet 
wurden wo zytlich eer vnd gute merer grösser vnd höcher 
danne tugend vnd fromkait wurden geschetzet aber von dir 

25 allain (hailiger vatter) werden dise ding erwartet/ dar an vil 
diner vorfaren gesechen worden sint gebruchh gehept haben, 
von andern ist ain anders zesüchen vnd zewarten. aber dir 
allain ist dise eer vnd dise ding zearbaiten zugehörig/ daz 
kunst der geschrift vnd gelert manne durch dine flysz vnd hilflf 

30 wider ufgericht vnd in vorige wirde vnd achtbarkait gebrächt 
werden. Du waist was grossen nutzes rechts lebens die wysen 
zä gebrächt haben der gantzen weite durch dero rate flysz 
arbait vnd wyshait die menschen vnderrichtet sint gebürlicher 
handeln vnd irs lebens guter sitten vnd des regiments gemaines 

35 nutzes, guter Satzungen der rechten, vnd ist von sölichen ge- 
lerten mannen vnser geloube vnd gaistlichkait oft wider vil 
ketzeryen beschirmpt worden vnd gewytert. Vnd ist war daz 
wir söliches nutzes vnd gemaches vnsers lebens vnd sölicher 



348 

beschirmen vnsers geloubens in vergangen zyten oft mangel 
gehept haben müsten, wo nit zu fromer vnd hailiger mannen 
leben komen vnd zftgefüget worden wer/ kunst vnd leere manig- 
faltiger dingen dero sy sich als wäffen der were gebrucht haben 

5 zevsztryben die macht [240^] vnd stercke der ketzerye vnd zu 
schirme vnd behütung vnsers geloubens. Also hailiger vatter, 
bitt jch aber daz vnder andern dinen sorgen/ die am forder- 
sten sin wöll/ daz du vfrichtest vnd erhebest gelert manne 
vnd wider erkickest vnd lebendig machest lernung vnd leere 

10 der aller besten künsten vnd daz du hie durch erzaigest in 
dir din wirdikait sin gemeret vnd dine sitten nit geendert noch 
verkeret. Dises ist din aigen Übung, dises dines namens vnd 
werckes hoche eere dises wirt sin, dines babstüms aller nutz- 
liest frucht dises wirt dir gebären g^en got ewigen lone vnd 

15 gegen den menschen vntödemlichs lobe, so aber du aller haili- 
goster vatter dir fursetzest alle ding zehandeln , so die schwere 
diner bürde erfordert vnd haischet/ So tun jch yetz din hai- 
ligkait des bitten/ daz du Ingedenck syest dines pogy/ der 
so vil järn vnd so lange zyt mit so vil dienstbarkait gewesen 

20 ist diner tugend der aller ergebnist der dich allwegen bat 
geeret vnd für mengklichen geliebet. Ich bin yetz glych als 
ain alter disz hofs ritter/ der sölichem hofe, ob vier vnd 
viertzig Jären nächgefolget hab, für war mit minderm nutz 
Ion vnd solde danne sich gebürret hat ainem sölichen der doch 

25 nit gantz fremd bin den tugenden vnd den künsten der mensch- 
lichkait vnd der yetz mit solde begaubet / nach sitt vnser alt- 
fordern in i-üwe des lybes vnd zu arbait der vernunfte gesetzt 
werden sölt. vnd wo ich yetz nit usz diner gütwilligkait das 
erfolg / so waisz ich nit wes gunste vnd hilffe jch fürohin mer 

30 bitten vnd anrüffen soll oder mug. DEO GRACIAS. 



349 



[241] IJEm erbern vnd wysen bansen barscber burger 
vnd des rätes zä vlme minem besundern lieben vnd guten fründe. 
Enbtit jch nicläs von wyle min früntlich dienste züuor. Du 
hast mir nechst geschriben wie zu zyten als du miner Jun- 

5 gern ainer zu esselingeu mir verdingt gewesen syest, jch do 
zemäl dir vnd andern söliehen minen jungem vf üwer aller 
bitte etwas vnderwysung machte/ wie man aim yeden in si- 
nem stände ain gebürlich vberschrift setzen sölt/ daz du do 
zemäl tettest Jung verachten vnd aber yetz zu Jären komen 

10 gern wöltest haben, vnd hast mich gebetten ob Ich daz noch 
hett/ dir als dann das mitzetaillen etc. Ich bin in gedenck 
mich do zemäl (wie du schribst) etwas hier von gesetzet han. 
es ist aber hingenomen vnd zertragen worden daz mir des 
kain abschrift beliben ist. Aber vmb daz ich dir zu willen 

15 wurd, hab Ich hier nach, forsch gehabt/ Vnd an aim ort des 
ain sexternlin funden, doch corrupt vnd vnrecht geschriben, 
das ich dir, als vil des ist/ nit wolt verhalten/ sunder corri- 
gieret abgeschriben als minem besten fründe schicken / vnd ist 
das die form. Wie her nach folgt nützit zu noch von getan / 

20 Dann allain daz ich yetz etwas von dem duplierten vnd zwi- 
faltigen. n. des man zeschriben vngebürlich pfligt / hin zu ge- 
setzet hab. etc. 

Minen lieben Jungern. A. B. C. D. E. F. Vnd . G. Sage jch 
nicläs von wyle vil hails. Ir bitten mich lieben Junger ains 

25 dings/ Daz Ich üch wöU setzen etwas grunds wie ainem yeden 
in gaistlichem vnd weltlichem wesen nach vnderschaid der 
stenden emptern vnd [241^] adels syg zeschriben, mit zügebung 
gebürlicher Worten Ir yetklichem zügehörig/ vnd sint villicht 
hier us bewegt daz ir mainent die latinisch rethorick soll mir 

30 des sin ain fürerin vnd gewisse vnderwysung. Dar an Ir aber 



350 

Irrent. Dann wie wol die selb latinisch rethorick ain zaigerin 
sin mag alles rechten vnd lobsamen gedichts aller sprächen vnd 
gezüngen. noch dann so fallet es nach minem beduncken aller 
maist an dem das ir an mich als obsteet begert hant. Des 
5 ersten darumb / daz das latine vil vnd mancherlay vnderschid- 
licher werten/ die man also ainem yeden nach gelegenhait sins 
Standes schriben vnd zügeben solY föUiger ist/ dann das 
tütsche / das hieran nit klainen gebruch hat. Zum andern ouch 
aller maist darvmb/ daz das tütsche gedieht an zügebung sö- 
10 lieber werten vnglych ist/ vnd kain gewissz kunst noch regel 
habende, sich endert vnd verkeret nach wyte vnd gewonhait der 
landen vnd nach endrung dw lüten der löffen vnd der zyte. 
Deshalb schwer Ist vnd nit wol muglich / Das ützit hier von 
gesetzt werden mug gewisses belyplichs vnd yederman gefelligs. 
15 Aber noch dann vsz trüw vnd liebe bewegt, wil Ich tich etwas 
mainung vnd grunds vsz dem latine setzen / nit dar vmb / das 
Ir ach des als fürgewissz halten vnd gebruchen sollen / sunder 
das Ir min beduncken vnd oppinion hier jnne merckent vnd 
dann des lands gewonhait nützit dester minder haltent. Als 
20 ferro die zehalten gebürlich ist / n&ch dem der gemain sprach 
lutet/ daz kunst syg zelernen vnd gewonhait zehalten. Ich 
hab aber gesprochen als ferro die zehalten gebürlich ist. 
Danne vil gewonhaiten bisher entstanden sint vnd noch teg- 
lich entstend, die billicher misszbruhe dann gewonhait wer- 
25 den [242] genennet vnd billicher wurden vermitten dann ge- 
übet. Ir vil schrybent das wort flysz durch ain .v. als vlysz, 
daz nach vnderwysung der ortographie durch ain f. vnd nit 
durch ain .v. recht geschriben werden mag. danne daz .v. geet 
niemer in craft ains .f. jm folge dann ain vocal. sust so oft 
30 ain consonant hin nach geet so belyps es ain .v. vocalis. So 
schribent etlich das wort vnfer, durch ain beschlossen . s. jm 
mitten stende also vnser. darzü das .s. ouch nit funden vnd 
erdächt ist. Dann gelycherwyse wie der hebreysch hat ain 
offen vnd ain beschlossen mem vnd ain krumbe kaff vnd ain 
»5 schlechte kaff des gelychen ain kriechischer ain zwifalt .o. als 
omicron vnd omega etc. die mit vnderschaid gebrucht werden, 
also haben ouch wir zwayerlay .f. s. vnd .v. u. dero sich mit ge- 
bürlicher vnderschaid ist zegebruchen also daz das beschlossen 



351 

.8. niemer jm mitten steen sol. Item so ist vnsers landes tütsche 
bisz her gewesen zereden zwtischen dir vnd mir zwüschen vch 
vnd vns. zwüschen jm vnd mir. Dar für wir yetz österrychesch 
sprechen zwüschen din vnd min zwüschen üwer vnd vnser 

5 zwüschen -sin vnd min. Item vnd als die fürsten vnser lan- 
den bisher pflegen haben ain andern zeschryben vnd noch 
des merentails tänt , vwer lieb, heben yetz etlich schriber an 
flemisch dar für zeschriben üwer liebde vnd bequemlich für 
bekemlich vnd deinen für die selben. Vnd rinisch geet für 

10 gät vnd steet für stät, rachtung für richtig gescheen für ge- 
schechen, Vnd dero hunderterlay Item vnd das wunderbarer 
ist/ so haben sich vnser vätter vnd dero altfordern in Schwa- 
ben yewelten her bis vf vns gebracht in Irem reden vnd 
schriben des diptongons .ai. für .ei. burgermaister schribende 

15 nit burgermeister. nain vnd nit nein. [242^] flaisch vnd nit 
fleisch etc. Aber yetz garnäch in allen schwebischen cantz- 
lien der herren vnd stetten schribent die schriber ei für ai. 
burgermeister sprechende vnd nit burgermaister wysheit vnd 
nit wyshait/ daz ain grosse vnnütze endrung ist vnsers ge- 

20 züngs dar mit wir loblich gesündert wären von den gezüngen 
aller vmbgelegnen landen das vns yetz laidet vnd fremdes liebet. 
Ich bin bürtig von bremgarten usz dem ergöw/ vnd hab mich 
anefangs als Ich herus in swäben kam grosses flysses gebruchet 
daz jch gewonte zeschriben ai für ei. Aber yetz were not 

85 mich des wider ze entwennen wo Ich anders mich andern 
schribern wölt verglychen. das ich aber nit tun wil. Yetz ist 
aber ain nüwes gögelspiele entstanden daz man in vil cantz. 
lien vnd schriberyen pfligt zeschriben zway .n. da des ainen 
gnüg wer vnd das ander vberflüssig ist i mer die verstentnüsz 

jo Irrend dann fürdernd als/ vnnser/ Vnnd. frünntlich. liebenn 
etc. Vnd des gelychen. Ain yetklicher consonant gezwifal- 
tiget, vber schlecht vnd gibt siner stimme zu ain stercke/ 
Vnd ist ain grosz vnderschaide wo er ainig steet vnd wo zwi- 
faltig/ sol ouch an ursach niemer beschechen als ir in disen 

15 exempeln mercken mugen. An dinen hof , hoff ich zekomen 
vnd wil din will syg ouch darby. Item disen briefe las ich 
lass vnd treg vs vnd vs/ vss trurigem hertzen/ aber für daz 
ain •& pfligt man ouch ain z zemachen/ also ssz. jtem ich 



352 

sach daz din sachh wolt gfit werden i Item gedenck vnd sinn 
ob nit der sin dir nechst fürgehalten gut wer. Item min 
minn vnd liebe gegen got sollen ftirtreffen etc. In disen Schrif- 
ten ir mercken mügen den vnderschaid diser Worten, hof. hoff. 
5 wil. will. las. lasz. vs. Vsz. sach sachh. sinn. sin. Minn. min. 
Des gelychen wirt [243] funden in den andern consonanten 
allen. Warumbe schriben dann dise maister zway .n. do nit 
mer dann ains notdürftig ist. Dwyle doch lasterlich ist ain 
ding zetün durch vil daz glych als wol durch minders mag 

10 beschechen. Sy sagen aber Es syge also hüpscher vnd stände 
bas/ So gebent antwort (bitt jch) warumb sy dann nit drü 
.n. oder zway .m. ouch schriben so wurd die geschrift noch 
hüpscher vnd bas steen. Vnd mich wundert daz etlich Statt- 
schriber mir bekant/ sölichs von jren Substituten lyden tünt, 

15 so bald sy etwas nüwes sechen usz ains fürsten cantzlie vs- 
gegangen / ob es wol nit grundes hat vnd vnrecht ist / noch 
dann das bald vffassent vnd sich des gebruchent wie die äffen, 
vnd ist nit anders, dann wie ir yetz sechent die jungen ge- 
sellen diser zyt beklaidet geen vnd geschücht nach dryer oder 

20 vierer landen sitten also findet man ouch selten me ainch ge- 
dichte Es syen dann dar vnder viererlay oder fünfer/ spräche 
vermischet, das jch nit rüm/ noch seer schilt. Aber doch 
grösserm lobe gib, sich in gedieht guter lands tütsch zierlich 
zegebruchen, danne fremder sprachen worte zesüchen, die. vn- 

26 ser fordern gebürlicher haben vermitten. Aber sich zeflyssen 
hüpscher werten dero man sich ye zu zyten nach tütsche vn- 
sers lands gebruchet. als yetz sint die wort, dem nach, des- 
halben, angesechen. ainbaren/ billichten/ abnemen etc. Vnd 
der gelychen viL Ouch vfzefassen schön hoflich transsumpcio- 

80 nes, da ain wort für ain anders gebrucht wirt etlicher gelych- 
nüsz halben der dingen so sy betüttent Als uüws ist ange- 
zogen, zwytrecht sint Ingerisen. der hat sin fordrung abgestellet. 
Als micfi die ding ansechent. Vnd Ich in die Sachen blick. 
Das ist vor ouch uf der ban gewesen. Wir wollen das in der 

35 federn belyben [243*»] lassen, die statt ist vber zuckt vnd das 
schlosz vber schneit, vns ist hilf erschinneny^ der züge ist vf 
den bainen vnd des gelychen tusenterlay. das lob ich vnd rät 
üch sölichs (wo ir das hörent oder lesent) vfzefassen vnd 



15 



353 

üwer gedechtnüsz ze enpfelhen vnd besunder in disen dingen 
zetün nach aigenschaft vnd nature der binen, die nit vf alle 
blümen fliegent noch die selben gantz hinnement sunder so 
sy das haben genomen das bekomlich ist Irem wercke das 
übrig alles hinder jnen verlassen! belyben. Also wollen euch 
lieben Junger das gute vffassen vnd das arge förgeen Da mit 
Ir vsz wolgeschickter Jugend wachsent in loblich alter vnd 
daz von f ch nit gesprochen werden mug üch gewesen sin gute 
ayer vnd worden bösz hennen. Dar zu tich laitt vnd schick 
der da ist ain schicker und regierer der himeln vnd erden. 

ES SINT zwayerlay stende ainer gaistlich der ander welt- 
lich. In dem gaistlichen sint begriffen der babste all Pa- 
triarchen Cardinel Bischof •Prelaten Mtinch Pfaffen vnd ander 
bisz vf den mesner. In dem weltlichen. Der kaiser, all küng 
fürsten grauen herren ritter vnd knechte ouch burger vnd 
geburen bis vf den hirten. Die gelerten vnnd graduwierten 
mag man ziechen In yetwedern stände nach dem vnd sy sint 
weltlich oder gaistlich. Item in beden stenden sint ämpter 
vnd namen Irer yedes wesens, die von aigen tugenden erfolget 

w sint oder von gäben des gelückes gegeben, dann daz der kai- 
ser ist kaiser hat Im gebrächt sin aigen tugend vnd verdienen 
oder die gaube des gelückes. Ist aber yemant fürst gi-aue 
[244] oder edel geborn das hat jm ouch gebracht vnd geben 
daz gelücke daz er ain sölicher geborn ist, des geliehen bin 

^5 jch statschriber zu Esselingen daz hab jch erfolgt durch aigen 
tugend vnd verdienen oder fale des gelückes hat mir das zu 
gefüget. Also ist jm ouch ob ich bin doctor maister vogt 
schulthesz prelat pfarrer priester oder anders. Nu ainem 
yetklichen dem man schribt/ dem sol vnd mag man schriben 

jo zu legen vnd geben den namen sins amptz Stands vnd wesens 
wie er den erfolgt oder das gelücke jm den geben hat welich 
namen wir zu latin nennent merita. die selben namen vnd 
merita habent dann wort des lobs oder der eeren Inen nach 
wirdigkait der emptern vnd der stenden oder wesens vnder^ 

56 schaidenlich zügehörig. Die selben wort zä latin genennet 
werden determinaciones meritorum. Als dem kaiser ist zege- 
ben die determinatz aller vnüberwintlichoster oder aller grosz- 
N. Y. Wyle. ^*5> 



354 

mechtigoster. Item dem merit küng/ die determinatz grosz- 
mechtig. dem merit f&rst/ duriüchtig oder hochgeboriL Vnd 
des gelychen durch ab, ainem grauen wolgebom. aim fryen 
edel aim ritter streng, aim edelman. Vest lüm burger erber 

5 aim geburen beschaiden etc. wie sich dann das aim yeden 
gebürret Nu steet die schwere üwer frage vnd b^erung, 
aller maist vf dem. Welche determinatz meritorum, das ist 
was wort der eeren vnd des lobs, ainem yetklichen merit. das 
ist ainem yetklichen namen ains amptz Stands oder wesens 

10 zegeben syen. Vnd besunder wenne man aim Merit zway oder 
drü sölicher werten des lobs zegeben wöll Welche die sin 
sollen vnd welches vnder den selben vor geen oder nächfolgen 
soll vnd mug. An dem selben letsten wol etlich/ rechter 
kunst nach/ zu zyten Irren möchten [244^] Nun dar von 

15 etwas zeschriben So wollen wissen / daz jch in der kunst der 
latinischen rethorick find: daz in der ersten taillung der selben 
kunst, das gelide das genennet wirt composicio furo in drütaile 
oder gelider wirt getailet/ daz ist in Ordnung, in züsamen 
fOgung vnd in massz oder zale jtem vnd daz furo daz yetz 

20 genant gelide Ordnung, nach der lere quintiliani in dem nun- 
den buch siner institucion, wyter aber wirt getaillet in drü 
andere glider nämlich in künstlich Ordnung i in natürlich Ord- 
nung vnd in Ordnung, die zu latin genennent wirt sui generis 
restrictiua. Von disen dryen gelidern jch ainw enig vnd so 

25 vil melden wil Als jch des main dienen vnd nütz sin in dem 
des ir begeren. DES ersten so ist die künstlich Ordnung der 
aigenschaft vnd gibt die vnderwysung/ daz jr oratz red oder 
schritte allwegen wil wachsen vnnd sich meren wytern oder 
zünemen vnd niemer mindern Es syg in loben oder in schel- 

30 ten in billichten oder vnbillichten oder in anderm. Vnd dar- 
umb so ist sich in disem gelide zehüten / daz niemer die oratz 
abfall von aim höchern in ain nidrers oder von aim grössern 
in ain* klainers/ Sunder mer allwegen vfstyg in dem daz 
man dann fürheben vnd erkleren wil. Als zu exempel so jch 

85 schryb. Dwyle du wäre fürdernüsz hilff vnnd oflfenlichen 
nutzbaren bystande getan hast mir betrüpten/ Der sust von 
mengklichem ist gewesen verlassen / So solt du dich hin wi- 
derumb furo zu mir ewengklich versechen sölicher trüw vnnd 



355 

güthait, dir hinfür begirlich zebewysen/ daz nit yemant die 
grösser für sinen fründ brüder vatter oder sich selbs getto 
möcht etc. Vnd aber. Wie [245] möcht jch denen gern by- 
wonen die sich weder spils rouberye düpstal brands noch 
5 mordes schämend / Sunder sich des getörren rüüien vnd vber- 
heben. Item der gelychen ist/ So Ich ainem fürsten oder 
ainer statt vmb min züsprtich recht bütt vnd allwegen das 
föUiger gebott läsz nachfolgen bisz es zu lest kumpt vf des 
fürsten hofmaister vnd sine rete selbs. Doch so müsz man 

10 in sölichem recht bieten etwenne die natürlichen Ordnung als 
hernach folget ansechen sich dero gebruchen vnd den wirdi- 
gern vor setzen etc. Da in den vorgeschriben exempeln die 
oraciones vnd rede wachsent vfstigent vnd sich merent/ da 
Ich sprich wäre fürdernüsz , hilflf vnd nutzlichen bystande. 

15 Item vnd aber da Ich red, nit yemant grössers möcht getan 
für sinen fründ brüder vatter vnnd sich selbs. Vnd Ich hab 
mercklich gesprochen daz die oratz sich meren soll in dem 
daz man dann fürheben vnd erkleren wolle. Dann wölt Ich 
ainen menschen fürheben vnd erkleren demüttig sin.»' So 

20 möcht Ich reden, Wie wol hans gewesen ist rych von gute 
vnd edel von geburte i So hat er sich doch des nie vberhept 
dann daz der mit üch wandelnde, zu aller zyt erschinnen ist 
als üwer mitgesell diener knecht vnnd gehorsamer vndertän 
etc. Vnnd möcht darumb nit gearguwieret werden daz die 

25 oratz nit wuchs Sunder mer abfiel von aim grössern in ain 
minders. Danne sy sich also wärlicher meret in demät vnnd 
darinne vfstyget von ainem mindern in ain grössers. Also ist 
es ouch zeuersteen in andern sachen. Dann was tett not so 
Ich in scheltung/ ettlichen geschulten hett sin ainen morder 

30 vnnd erst den dar nach Inn schelten wölt vnnd nennen ainen 
spyler. Natürlich Vernunft [245**] versteet das vorig so die 
red vfstiget bas vnd zierlicher luten. Da von kumpt daz 
manche müter der rethorick vnwissend Ir kind angeredt hat 
vsz liebe sprechende. Du bist min fürst küng vnd kaiser vnd 

35 min als got sament. Sechend wie menschlich vemunft ain 
fürerin ist diser Ordnung wie wol sy künstlich vnd nit natür- 
lich genennet wirt, daz die fröwe also vfstygt vnd zä lest 
spricht min alz got sament als ob sy Sprech, nützit ist so 



356 

liebs noch grosz das jch nennen möcht du syest mir noch 

lieber, doch so ist hierjnne aigenlich zemercken daz dise lere 

* der obgemelten künstlichen Ordnung zeuersteen ist wenn so- 

liehe yfstigende wort allain vf ain persone geredt vnd gelaitet 

5 werden. Dann wurden sy mer dann yf ain person oder ding 
gereferyeret vnd gelaitet / So wer nit lasterlich dise Ordnung 
zemyden. Als ob Ich bansen sagte sin ainen morder vnd 
C&ntzen ainen diebe oder spiler hierInne möcht jch nit Sün- 
den. Vsz dem kumpt wenne man yemant geben wil zwo oder 

10 dryg determinaciones meritorum. Daz sint worte des lobs 
der Personen zügehörig von wegen jrer geburt jrs wesens 
oder Standes/ daz dann das grösser vnd wirdiger nächfolgen 
sol damit die oratz (als jch vor gesagt hab) Vfstyg vnd wachse 
in ain höchers. Darumb vnser altfordem gar wol vnd recht/ 

15 den grauen geschriben hant den edeln vnd wolgebornen vnd 
nit den wolgebornen vnd edeln. danne wyle sy dise zway 
wort der eeren vnd lobes ainem geben weiten/ was biUich 
das grösser vnd wirdiger nachfolgen zelässen Als ob sy 
sprechent dem edeln/ Ja vnd nit allain dem edeln sunder 

20 euch das grösser vnd höcher ist dem wolgebornen. Darumb 
üwer kainer mich ye hat gesechen ainchen [246] forsten schri- 
ben dem durlüchtigen vnd hochgebomen fürsten vnd herren 
als man dann usz den richs stetten yetz den weltlichen Chur- 
fttrsten vnd den ertzhertzogen pfligt zeschriben/ sunder hab 

«5 ich nit me geschriben dann dem durlüchtigen fürsten vnd 
herren vnd daz wort hochgeborn vermuten Warumb das? 
darumb / daz die oratz nit ab fiele in ain minders. danne wenne 
jch yemant schryb durlüchtig so ist nit not daz wort hoch- 
geboren hin nach zesetzen dwyle das vorder wort sust daz 

80 in jm beschlüsset. Aber gebürlich recht vnd wol wrude sö- 
lichen fürsten geschriben. dem hochgebornen vnd durchltich- 
tigen fürsten etc. Als ob man Sprech ja nit allain/ dem 
hochgebornen / sunder euch daz grösser vnd andern schlechten 
fürsten nit zeschriben ist/ dem durchlüchtigen fürsten etc. 

86 Warumbe jch aber das selb nit gtän hab hat geursachet daz 
von andern nit wurd geschumpfiert / jn verkevung sölicher 
Worten vnd geschuldiget das Ich mer dann ander wölte wis- 
sen, mir ist euch begegnet/ das ich gesträfPet von etlichen 



357 

wart umb das Ich miner gnedigen fröwen von österrych uf 
das wort durltichtig nit satzte ouch hochgeborn wie ander 
schriber in den richstetten. Des Ich mich aber usz obgemel- 
ten vrsachen tett verantworten gegen Iren fürstlichen gnaden 

5 die bald verstand wären grund disz dinges/ sagende/ daz 
Ich furo schrib wie bisz her/ des wölt sy steen benügig. 

ITEM ZVM andern so ist die natürlich Ordnung der ai- 
genschaft vnnd gibt die vnder wysung das Ir Oratz red vnnd 
geschrift allain haben wil, Ain vfsechen vnnd mercken vf die 

10 natur oder vf wirdigkait des dings dar von man schribt oder 
redet. Vnd also ist der tag vor zu setzen der nacht, vf gang 
[246^] der sunnen dem vndergand. Der mane der fröwen. 
Vnd der babst dem küng der küng dem hertzogeu daz küng- 
rych dem fürstentüm, daz fürstentüm der gräfschaft vnd glück 

15 dem vngelück vnd erbers schnödem vnd gütz bösem vnd des 
gelychen in vil andern dingen. Also daz zu loblichem gedichte 
ouch zehaben ist etlich rechnung wirdigkait der nature. Doch 
so ist das zemercken wenn söliche wort glych vf ainandem 
folgent, dann wo die mer dann in ainer oracion wyt von ain- 

20 andern stünden oder in ainer oracion vf ander vnd ander 
zyte vnd vf Ordnung begangner geschichten gesetzt wurden/ 
So Irt nit ob das minder wirdig dem wirdigern vor gestellet 
wirt. Als so ich sprich. Do ain grosse schar des ersten der 
fröwen vnd dar nach der. mannen vor dem küng erschinnent/ 

25 Wart des gnäd zu barmhertzikait bewegt vnd sin zorn in gü- 
tikait verkeret Item lichtenklicher mag man das versteen in 
gesünderten oracion wyt von ain andern stende deshalb nit 
not tut wyter exempel gelegen etc. 

Zum dritten so ist ain Ordnung die Im latine genennet 

30 wirt Sui generis restrictiua, die da beschicht vnder wylen, 
So ainem wort ainer wytern betütnüsz nach folget ain wort 
ainer minder wyter betütnüsz also daz das vorgend worte alles 
das betütet, das daz nächgend vnd dar zu mer vnd wyter vnd 
doch das minder nächfolgend worte durch sinen anhange das 

35 vorig grösser wort zwingt zesteen nit wyter danne für das so 
dasselb nächfolgend worte betütet. Vnd ist diser [247] Ord- 
nung gröste aigenschaft daz kain wort in der oracion müssig 
stee vnnütz vberflüssig oder vmb sust vnd nützit schaffende 



358 

gelegt werd. Darumb wer sölich lastet vermyden wöU, der 
Sül niemer ainem wort ainer mindern betütnüsz glych nach 
setzen ain wort daz da betütet alles das so das vorig vnd 
dar zu mer. Item er sol sich euch hüten daz er sich niemer 

5 gebruch ainchem dinge zegeben wort die da mer oder minder 
oder gantz anders betütent Danne der zyt oder der dingen 
aigenschaft vnd nature zu gehör vnd gebürlich syg Vnd dar 
umb so haben die nit wolgeschriben die da von Gastore vnd 
pollutzen gebrüdern zwylingen schribende/ das wort zwyling, 

10 daz da ist ainer {mindern wyten betütnüsz, fürsatzten dem 
wort gebrüder, daz da ist ainer wytern betütnüsz, Also 
sprechende Castor vnd PoUux zwyling gebrüder haben krieg 
gefürt mit den nachgeburen Irer anstossenden landen etc. 
Dann dwyle all zwyling mannes namen gebrüder sint/ do was 

15 nit not da sy zwyling gesprochen hatten hin zu zetün gebrü- 
der. Hetten sy aber vorgesetzt gebrüder vnd dar nach zwyling 
Wyle nit all gebrüder zwyling sint, So weren sy nit sträfwir- 
dig vermerckt worden vnd zw7ling sint menschen ainer ge- 
bürt sament gebom etc. Darumb lieben Junger So mugen ir 

20 euch wol vsz dem gründe diser Ordnung bewegt schryben 
burgeimaister vnd rate der stat costentz Item disz ist be- 
schechen jm küngrych hungern Item vnd vf dem ersten tage 
des manotz Aberellen [247^] Item vnd vor dem hochzyt ostern 
etc. Vnd ir tünt euch sölichs, gebürlicher/ dann das ir schri- 

25 bent. Der stat zu costentz jm küngrych zu hungern des 
manotz jm abereilen vnd vor dem hochzyt zu ostern etc. 
Aber sträflich karten jr dise wort vmb sprechende Im meyen 
dem manot oder vf ostern dem hochzyt vrsachen halb vorge- 
sagt WIE ABER vnd wenne die wort dero wir vns gebruchen 

30 nit zu gehörent nach gebürlicher aigenschaft jrer betütnüsz 
der dingen dar von wir schribent oder redent dar vmb das 
sy mer minder oder anders betütent als obgemelt ist. Wyle 
dise laster wol lichtenklich von aim yeden sint zemercken/ 
so leg jch des nit exempel. Es ist aber ain notdurft zebe- 

85 trachten aigenschaft der betütnüsz etlicher Worten vnd die 
zesetzen vnd zegeben den dingen nach jrer natur oder euch 
nach gelegenhait jrer wirdigkait oder stenden vnd vnwirdig- 
JrÄit vnd ouch nach wirde der oracion dar jnn sy gelegt wer- 



359 

den. Dann wer möcht nit mercken strafbar sin der manch 
bettet ritterlich so strytet der ritter andechtenkhch oder das 
jch aim geboren zu geb Ersam ainem burger edel ainem edeln 
knecht wolgeborn Ainem abt streng vnd vest. Oder wer wölt 

i> nit versteen vngebürlich sin das Ich ainenn forsten loben wölt 
durch gytikait oder wüterye da durch er billicher wer ze- 
schelten oder hin wider vmb ainen sölichen wölt schelten 
durch miltikait gute vnd tugend dadurch billicher sölt werden 
gelobet, oder das jch ains dorfs schulthessen schriben wölt 

10 vmb ainen karchen holtzes [248] vnd mich gebruchen hierInne 
schöner klugen Worten vnd transupcionen daz Er mir erschy- 
nen liesse günstigen willen vnd nützit inrysen hier an Irrende 
das tett mich schuldigen zu sinen diensten noch schuldiger 
binden zu grosser danckbarkait Im künftenklich zebewysen etc. 

15 Welcher werten dise sach vnd matery nit begert noch haben 
wil vnd Ich hört aiüs mäls an dem kaiserlichen hofe aines 
fürsten botschaft den kaiser anreden vnd sprechen üwer er- 
wirdigkait etc. dar von vber den selben ain grosz gespött ward 
geschlagen, des gelychen hab jch an dem selben ende, ainer 

20 mechtigen statt ratzbotschaft!^ hören reden mit aim edeln man 
der nit ain herre was/ vnd sich gegen den selben stetz ge^ 
bruchen / des wortz üwer gnäd etc. welche ding lasterlich sint 
vnd usz obgemelter lere sollen werden vermitten. Vsz dem 
so ob steet Ir wol nu me mercken mugen daz gebürlicher 

25 geschriben wurd dem vesten vnd strengen. Danne dem stren- 
gen vnd vesten vnd gebürlicher dem vesten vnd edeln Danne 
dem edeln vnd vesten. Vnd aber gebürlicher der ist des für- 
sten diener vnd rate dann rät vnd diener. Item vnd das ge- 
bürlicher geredt wurd Ich wil das tun, vnd sölt es mich ge- 

30 steen gut lyb eere vnd sei/ Dann sölt es mich gesteen sei 
eer lyb vnd gut. Item grosser vnd treffenlicher ist so ain 
fürst schribt daz ist vnser ernstlich mainung dann so er 
schribt daz ist vnser gut .gefallen/ Wenne man aber die bede 
sament setzen wölt so bedüchte mich gebürlicher gesetzet 

35 werden, daz ist vnser gut gefallen vnd ernstliche [248**] mai- 
nung/ dann daz man schrib daz ist vnser ernstlich mainung 
vnd gut gefallen etc. Vnd ist. daz alles usz obgemeltem 
gründe daz die red vnd oratze vf stygen vnd sich meren sol 



360 

vnd niemer von. aim grossem in ain minders fallen, dann 
grösser ist rät dann diener grösser die sei dann die eer/ 
grösser der lyb dann daz gute es haben aber etliche edle ge- 
schlecht dumierer fürgenomen wie wol sy nit herren syen 

5 daz noch dann sy ain andern schriben sollen vnd wollen dem 
edeln vnd vesten/ Vnd soll daz wort vest angehenckt wer- 
den dem vorigen also daz es gesechen werd dem selben etwas 
abziechen vnd dar by werd erkent daz die denen also geschri- 
ben wirt nit herren syen. Vnd doch verstanden daz sy ander 

10 gemain edel lüt vbertrefiFent/ Aber nit lang ward es gehalten 
man schribe andern schlechten edeln lüten ouch edel vnd vest 
dann gewonlich ain yeder lieber zevil dann zelützel eren zu 
gibt dem des er ist bedörffend vnd dem er deshalb schriben 
sol/ dar mit die recht form wirt geschwechert vnd nit ge- 

15 halten darumbe Ich am anfange geredt han/ daz nit wol ye- 
mant hier von ützit gewisses setzen mug vnd daz wir darumb 
kunst lernen vnd doch die gewonhait halten sollen Aber noch 
dann wil Ich dir hierInne enwenig etwas wyter entecken/ 
daz Ich nit gesechen werd darumb gantz wollen schwygen 

20 Des ersten so ist ze mercken in yeder Überschrift wem man 
schriben wöU vnnd von wem. Danne von mir anders ze 
schriben ist ainem von Rechberg danne von aim edeln mane 
Im gelych geborn oder genosz Dann der selb dutzet Inn / So 
ich Inn Irtzen Item ain babste schribt aim fürsten edel/ So 

25 ain edel man dem selben schribt hochgeborn oder durlüchtig 
Item ain edel man [249] schribt aim andern edelman minem 
guten fründe so jch Im schrib minem lieben Junckherren. 
Item die von costentz schribent den von Zürich vnsern guten 
fründen da die von bremgarten Inen schrybent vnsern lieben 

30 herren. Des gelychen ist zwüschent andern daz lycht ist ze- 
mercken . . Zum andern ist ouch zemercken was ain yeder 
jm selbs vsz demüte nidrung öder von vndertenikait wegen 
zu gibt i daz darumb sölichs dem selben widerumb zeschriben 
nit not ist noch sich gebürret. Als ob ain statt vnd commune 

85 aim pfaltzgrauen by ryne kurfürsten sich vnderschribet tiwer 
fürstlichen gnaden willigen oder vndertänen burgermaister vnd 
rate zu. N. Darumb sol noch müsz er jnen nit hin wider- 
umb schriben vnsern willigen oder vndertenigen / Vnd daz 



361 

ain pfaltzgraue sich ainer statt fberschribt. N. von gottes 
gnaden pfaltzgraue by ryne etc. Darumb müsz noch sol Im 
die selb statt nit hin widerumb schriben. Daz wort von got- 
tes gnaden/ dwyle der fürst daz getan hat usz demüt/ Vnd 

5 daz ain babst sich gegen mengklichem schribt ain diener oder 
knecht der knechten gottes etc. Darumb sol man jm nit hin 
widerumb schriben aim knecht oder diener der dienern gottes 
vsz vor gesaitem gründe/ Als des vil funden wirt in der 
epistel die ich gettitschet hab/ an den durlüchtigen fürsten 

10 hertzog Sigmunden von österrich lutende Im von Enea siluio 
dem poeten gesant / darumbe Ich yetz hie in disem dinge des- 
ter kürtzer bin. Zum dritten so ist ze mercken als Ich vor 
obgemelt hab. Was vnd welich determinaciones meritorum/ 
daz ist was Worten des lobs vnd der eeren ainem yetklichen 

15 in sinem stände syen zegeben. Dar zu Ich das sagen müs. 
,Daz [249^] in tütscher Übung vnser landen vil sint der mai- 
nung vnd oppinion/ sprechende daz dise wort aller durlüch- 
tigoster aller groszmechtigoster vnvberwintlichoster gnedigoster 
etc. In superlatiuo das ist in dem höchsten vbertreflfe allain 

20 ainem römschen kaiser oder römschen künge zu gelägt vnd 
geben werden sollen. Danne der selb allain der aller oberst 
syg in weltlichem stände die andern künge kurfürsten fürsten 
vnd herren vbertreflfend an wirden eeren vnd machte vnd das 
andern küngen die obgeschribnen wort zegeben syen in posi- 

25 tiuo daz ist ähe vbertreflfung als durlüchtig groszmechtig vn- 
vberwintlich etc. des ich aber den selben nit gestee/ sunder 
mit andern ainer andern mainung vnd oppinion bin daz ist/ 
das dise wort yetz gemelt nit also an disem end bedächt wer- 
den sollen nach aigenschaft oder betütnisz des vbertrefs su- 

30 perlatiui also daz Ich sprechen vnd arguwieren wölt / ist der 
kaiser der aller groszmechtigost so müsz sin daz niemant me 
als groszmechtig syg als er. nain nit also sunder so werden 
dise wort superlatiui vermercket als wort des lobs vnd der 
eren groszküngklicher wirde billich vnd sust nit andern sten- 

35 den zügehörig danne man euch des gelychen schribt ainem 
cardinale reuerendissimo etc. daz ist dem erwirdigosten oder 
hochwirdigosten nit darumb daz Er als wirdig syg daz der 
andern kainer sich jm an wirdigkait mug verglychen/ sunder 



362 

darumb daz ain sölich lobsam wort sinem stand vnd ampte 
zugehörig istV danne jch vsz latinischeu cantzli^n groszmech- 
tiger küngen vnd fürsten euch vsser dem consily zu basel 
von hochverrümpten maistern der rethorick, geschriben worden 

6 sin dem küng von franckrych vnd des gelychen dem küng von 
arrigon etc. vnd andern cristianissimo Serenissimo Inuictissimo 
oder jllustrissimo ac potentissimo vel metuendissimo [250] daz 
ist dem aller cristenlichosten durlüchtigosten aller vnvberwint- 
lichosten aller groszmechtigosten vnd aller forchtbarsten 

10 welches letste etlich tütscbent aller forchtsamesten / aber n&ch 
minem beduncken vbel dann ain kind ist forchtsam daz jm 
gern fürchtet vnd ain man forchtbar den man pfligt zefürch- 
ten. vnd ich find an dem ende sölicher werten halb des lobs 
zwüschen ainem römschen kaiser vnd sölichen groszmechtigen 

15 küngen nit vil vnderschaids in dem latin gehalten werden 
danne daz ich gesechen han aim römschen kaiser vsz dem 
consilio zu basel geschriben sin sacratissimo / daz ist dem 
aller höchst gesalbten daz Ich andern küngen nie hab ge- 
sechen sin geschriben worden/ so pfligt man euch vsz gewon- 

20 halt tütscher landen allain aim küng von franckrych zeschriben 
dem allercristenlichosten doch so mag das aim römschen kai- 
ser euch geschriben werden als ich euch han gesechen also 
geschriben sin kaiser fridrichen vnd vor Im kaiser Sigmunden 
doch vsz dem consili obgemelt Es mainen aber etlich gebür- 

25 lieh ain vnderschaid zwüschen aim kaiser. vnd groszmechtigen 
küngen vnd nidem küngen zehaben sin nach gelegenhait vnd 
grosse irer macht wii*de vnd herkomenhait also daz aim künge 
von behem von tenmarchk vnd dero gelychen geschryben 
wurd den durlüchtigen groszmechtigen fürsten vnd herren In 

30 positiuo/ vnd aim küng von franckrich vnd Arrogon vnd an- 
dern Ir gelychen den durlüchtigosten groszmechtigosten vn- 
vberwintlichosten etc. In superlatiuo vnd daz aim römschen 
kaiser ain zu satze geben wurd des wortes aller. Daz man 
schrib dem aller groszmechtigosten etc. Als wir dann ouch 

35 pflegen zetfin Im latin zeschriben Prepotentissimo für poten- 
tissimo vnnd perdoctissimo für doctissimo. Aber in sölichen 
Worten die also ainem yetklichen nach siner gebür zegeben 
weren wirt die [250^] recht mäsz vnd Ordnung nit gehalten/ 



363 

Sünder mer durch vf stygen daz man zu vil lobs gibt, danne 
durch abfallen daz man zelützel geh geschwechert/ danne wir 
allwegen genaigter sint zeschriben vnd zereden das, daz dem 
so geschriben wirt oder des man dann zemäl bedarf gern hört. 

5 darvon dann entsteet daz man dem so zeschriben wer erber 
oder ersam schribt vest vnd dem zeschriben wer vest schribt 
edel vnd des geliehen für wolgeborn hochgeborn für hochge- 
born durlüchtig für durlüchtig aller durlüchtigost / also be- 
schicht ouch vnder burgern vnd geburen darumbe ich anefangs 

10 vnd jm mittel gemelt hab nit wol von yemant in tütscher 
Zungen in disen dingen ützit gesetzt werden mugen aim yeden 
g^fellig vnd daz darumb vch nach zefolgen syg der maister 
vnd besten gewonhait. lieber hans. So vil vnd obsteet vnd 
nit mer hab ich diser Schriften so vormals von mir gesetzet 

15 worden sint vnd dero du begert hast/ funden vnd die jch dir 
nit wolt verhalten danne ich do zemäl erwand vnd wyter hier- 
jnne nit wolt volfaren vsz nechst vorgemelten vrsachen/ Ich 
hab ouch sidher erlernet/ daz in der fürsten vnd herren 
cantzlien ouch vnformlich titel gesetzet sint/ denen nach/ 

20 dann aim yeden wirt geschriben Aber lycht ist zeversteen 
ainen grossen vnder schaid sin der eeren vnd wirden z wüschen 
ainem kurfürsten vnd schlechten fürsten vnd zwüschen ainem 
Ertzhertzogen vnd schlechten hertzogen/ Wie wol vns nu 
in tütscher zungen nit gebruchh ist/ dann daz wir determi- 

25 naciones meritorum daz ist die wort des lobs sölichen ständen 
vnd wirdikaiten zugehörig an dem end wol haben / ouch in 
etlichen cantzlien man sich dero gebruchet vnd aim kurfürsten 
vnd ertzhertzogen oder sust ouch ainem groszmechtigen [251] 
hertzogen als ainem hertzogen von burgund schribet den dur- 

30 lüchtigen vnd andern fürsten vnd hertzogen den hochgebornen/ 
noch dann, so pfligt man in etlichen cantzlien den fürsten 
allen vnd ainem wie dem andern nit höcher zeschriben dann 
dem hochgebornen fürsten vnd Ir kainem dem durlüchtigen / 
darinne doch billich vnderschaid zehalten wurd/ vnd das nit 

35 anders verantwort wirt danne daz es also in der cantzlie 
herkomen vnd yewelten also gehalten worden syg vnd Ich 
waisz ainen bischiflf klainer gehurt vnd Standes der aim grosz- 
mechtigen herren verachtenklicher schribet danne des selben 



364 

bischofs ertzbischof oder die karfürsten oder bischof so von 
geburt forsten sint tügen dem selben herren schriben/ daz 
ouch nit anders dann durch herkomenbait vnd gewonhait der 
selben Cantzlie wirt verantwort. Aber dem spruch nach Se- 

5 nece so solt ain gäte gewonhait vszschlachen was ain böse 
bette vnderrichtet vnd mag ain böse gewonhait (Als jch vor 
ouch gesagt han) niemer wol vnd recht genennet werden ain 
gewonhait sunder billicher ain miszbruhe vnd ob die cantzler 
sölichs wol verstend vnd etwenne dar Inn gern gebürlich 

10 endrung tetten/ so wil es von andern nit gelitten werden 
deshalb lieber bans Ich still steen vnd wyter dir zu diser zyt 
hieijnne nit vnderrichtung geben wil bisz hie nach / danne Ich 
die colores rethoricales / daz ist die farwen vnd zierung hof- 
liches dichtens von marco tulio Cicerone gesetzet, alle zu 

15 tütsche transferyeret vnd gebrächt hab/ vnd dar zu mer etwas 
nutzlichs -vnd gutes daz notari&te antreffend/ setzen wil vnd 
daz alles lassen trucken vnd vsgeen/ vmb daz mine transla- 
ciones die ich gemachet [251^] han vnd die man yetz trucket 
dester bas verstanden vnd die zierlichkait vnd farwen darinne 

«0 begriffen aigenlich gemercket werden mugen Ich wil ouch dar by 
yetz trucken lassen das latine aller miner translacionen vnd 
tütschungen so vor gemachet sint vnd daz tun von gmaines 
nutzes wegen/ vmb daz wol geschickt Jüngling vnd schüler 
vsz disem minem getütschten ding sölich costlich schwer vnd 

25 wol geziert latine lernent versteen sich darInne übent vnd dar- 
von wachsent vnd in wolgelert latinisch manne gerätent des 
villicht ouch etlich eiterer Jären bedörffen möchten etc. Vnd 
sölichen trucke des latines findet man by mir ob got wil bis 
michahelis nechst daz wollest andern sagen so du dar after 

3« wandelst vnd mich furo hin achten vnd halten als andern 
dinen vatter in aller güthait vnd trüwe dir zebewysen Geben 
zu Stütgarten vf dem achtzechenden tage des hornungs Anno 
domini Millesimo quadringentesimo septuagesimo octauo Indic- 
cione vndecima. 



365 



ANMERKUNGEN DES HERAUSGEBERS. 



Üb 



Jber Nicolaus von Wyle verweise ich auf die schrift: Ni- 
clasens von Wyle zehnte translation, mit einleitenden bemerkungen 
über dessen leben und Schriften herausgegeben von Dr Heinrich 
Kurz. Aarau, bei Sauerländer, 1853. 

Die schrift Eduard Niemeyers in Crefeld über unsern verfaßer 
habe ich nicht zu gesiebt bekommen. Vgl. Zarnckes centralblatt 
1852, 662. 

Außerdem ist zu vergleichen: 

Wilcken, Heidelberger büchersammlung s. 342 f. 

Bronner, Kanton Aargau 2, 30. 

Pischons denkmähler 2, 229. 

Gervinus, geschichte der deutschen dichtung b 2, 238. 241. 258 f. 
262. 383. d 2, 207 f. 222. 262. 345. 3, 78. 

Wackemagels deutsches lesebuch 4, 360 f. 

Gödekes grundriß s. 139. 

W. Menzel, deutsche dichtung 2, 111. 

H. Kurz, geschichte der deutschen litteratur 1, 747 ff. 3, 824. 

Die translationen enthalten über den verfaßer mancherlei biogra- 
phische andeutungen: z. b. 7, 3 nennt er sich Niclaus von Wyle, 
untersten kanzler des grafen Ulrich zu Wirtemberg und Mümpelgarte. 
9, 6 wird erwähnt, daß er rathschreiber zu Nürnberg gewesen und 
bekannt mit Gregor Haimburg, doctor beider rechte. Nach 9, 14 hielt 
er früher einen kosttisch von jungen leuten, die bei ihm in die lehre 
giengen. 11, 3 wird der name seiner frau Christina genannt; beide 
sind btU-ger zu Nürnberg. 12, 20 er war zu Stuttgart am 5 April 
1478. u. s. w. 

Nachforschungen um notizen über Niclaus, welche Herr Director 
von Kausler im k. geheimen haus- und Staatsarchive in Stuttgart 
auf meine bitte anzustellen die gute hatte, sind ohne bedeutenden 
erfolg geblieben. In dem sogenannten dienerbuche wird beim jähre 
1476 aufgeführt «herr Nicolaus von Wyle ülrici deß wohlgeliebten 
Cantzler. 



S66 



• • 



(A) 



boen ein beschloßen heim, 2 büffelshörner Tnd auch ein stem.» 1460 
bis 1477 wird ebendaselbst Johann Fönffer und 1476 Augustin von 
Hammerstein als kanzler aufgef&hrt. Johannes Fünfer wird in der 
einleitung der 5ten translation oben s. 113, 2 erwähnt. 

Über Niclas als maier s. H. Kurz a. a. o. Zamckes Central- 
blatt 1853, 723. 

Die spräche Niclasens behandelt eine abhandlung yon J. Eehr- 
ein in Herrigs Archiv für das Studium der neueren sprachen 7, 378. 
Über den vocalismus verweise ich noch auf die eben erschienene 
abhandlung K. Weinholds Ober den beilaut. Wien, 1860. BQnsicht- 
lich des dort s. 11 als beilautes angeführten wortes bäm aus der 
nachlese der fastnachtspiele s. 123 bemerke ich jedoch, daß im 
schwäbischen zwar der sing. b6m, plur. bem lautet, jenes bäme aber 
= bäme d. h. bäume zu faßen scheint, wofQr kurz zuvor bame ge- 
schriben ist. Auf der selben seite steht hat = hat d. h. haut = hat. 
Das misverständnis beruht auf der ungenauigkeit in der diphthonge- 
bezeichnung der handschriften und auf der Unzulänglichkeit unserer 
druckereien, diese zeichen der hss. widerzugeben. In gleicher weise 
werden sich noch manche von Weinhold s. 10 f. aufgeführte fälle 
des beilauts ä bei genauerer betrachtung als diphthonge herausstellen. 
So ohne zweifei das beispiel aus meinen altdeutschen erzählungen 
s. 667, 37. In der Originalausgabe des Niclas ist der diphthong ou 
gewöhnlich mit ö bezeichnet, wofür ich hier, um misverständnisse zu 
beseitigen, ö habe setzen laßen. Davon ist dann im original, wie 
in meinem abdrucke, der reine umlaut des o in ö genau unterschie- 
den. Der alte druck bezeichnet diesen letztern durch ein deutliches 
über das o gesetztes e. So 204, 2 bömen, schwäb. plural von bäum. 
Ebenso ist au mit einem über a gedruckten v bezeichnet, welches 
letztere in der mitte meist abgebrochen ist, so daß die form oft den 
schein von ä annimmt. Doch wäre es ganz dem gciste des süddeut- 
schen lautsystems zuwider, alle dise wären, st^lent, käment, nach u. 
s. w. wie wären, stälent, käment, nach u. s. w. zu faßen. So möchte 
ich auch erschuf in der nachlese zu den fastnachtsp. 122 und die 
von Weinhold s. 13 weiter angeführten beispiele für ungenaue gra- 
phische bezeichnung des bekannten diphthongs uo, ue, U9 ansehen. 
Das mit einem drüber gesetzten e versehene o mag zuweilen den 



367 

Umlaut öu bezeichnen z. b. 187, 1 löff.=: löuf. 191, 6 erzöget = 
erzöuget. In andern fällen, z. b. 187, 2 böche, vertritt es oe. 

An der interpunction des Originals habe ich aus dem gründe 
nichts geändert, weil Niclas nach seinem eigenen ausspruche 15, 17 ff. 
dabei mit absichtlichkeit und vorbedacht zu werke geht. Wenn er 
auch seine ansichten keineswegs consequent durchgeführt hat, wenn 
auch in der alten druckerei von seiner vorzeichnung manchfach ab- 
gewichen worden sein mag, so schien mir doch geboten, an dem ge- 
gebenen nichts zu verrücken, und eine vollständige durchführung des 
alten Systems ebenso unstatthaft, als ein verlaßen desselben und eine 
moderne satzscheidung. 

Dieser neuen ausgäbe ligt zu gründe A der älteste druck, wahr- 
scheinlich zu Eßlingen von K. Fyner 1478 ausgeführt, von welchem 
ich exemplare aus den Universitätsbibliotheken zu Göttingen und Hei- 
delberg benützt habe. Ein anderes findet sich in Mainz. Vgl. Her- 
rigs Archiv 7, 378. 

Über spätere, für die textkritik unbrauchbare ausgaben geben 
die bibliographischen handbücher aufschluß. 

Die ausgäbe von Straßburg 1510, welche ich noch vielfach ver- 
glichen habe, bezeichne ich im nachfolgenden mit B. 

Die dritte ausgäbe C ist Augsburg 1536 erschienen. 

Ich gebe hiernach noch einige bemerkungen zu einzelnen stellen. 

1 Dieser titel fehlt in der ältesten ausgäbe. Ich ergänze ihn 
hier aus B. 

4, 14 ? selben. 23 Der umlaut ü wird bald mit 2 strichen, 
bald mit 2 puncten über u oder v, bald mit einem übergedruckten 
e, bald mit einem übergedruckten häkchen bezeichnet. Damit ist 
nicht immer der unterschied von üe, lang ü und ü gegeben. Daher 
ich denn auch beim abdrucke überall ü oder v setze. Ähnlich ver- 
hält es sich bei ä und ö. 

5, 6 lies selbs und^ 

7, 23 Construction des accusativs mit dem infinitiv, wie häufig 
bei Niclas. Vgl. 10, 15 f. 17, 10, 19, 12. 23, 30. 25, 23. 28, 16. 
30, 20. 31, 25. 44, 4 u. s. w. 

8, 1 ? aber. Vgl. z. 3. 

12, 2 yemer schad. Noch bei Grimmeishausen oft immer schade, 
jetzt entstellt jammerschade. 8 ? nit habe. 30 ? muster. 

11, 6 ? liebhaberin. 24 ? gegen. 

12, 21 Blatt 7 ist leer. 

13, 2 ? Mechtilden. 

14, 10 ? ruwen. 35 ? durch Schickung. 



368 

15, 6 ? trägkeit. 10 Nach unnütze wäre fragezeichen zu 
erwarten. 15 Die absatzzeichen des Originals gebe ich durch ge- 
dankenstriche wieder. 

17, 1 Von der ersten translation ligt mir eine Augsburger hand- 
schrift vor, welche ich in meinen altdeutschen handschriften unter 
n. 54 beschrieben habe. Über die erzählung von Euryalus und Lu- 
cretia verweise ich auf meine recension von E. v. Bülow novellcnbuch 
in den Heidelberger Jahrbüchern der litteratur 1837, 664 ff. Zu 
dem, was s. 666 über französische bearbeitungen der erzählung bei- 
gebracht ist, füge ich bei das auf der Tübinger universitär ibliotkek 
befindliche buch Les amans de Siene, ou les femmo«^ ..'nt mieux 
Tamour que les veuves ou les filles, par Franc, de Louvencourt. 
Leyde, 1706. 8. Auch Achim von Arnim in seinem Wintergarten 
(sämmtl. werke 11, 1 ff.) hat die «liebesgeschichte des kanzlers 
Schlick und der schönen Sienerin. Nach einer alten erzählung» 
wieder erzählt. Ich bezweifle, daß Arnims quelle in S. F. Hahns 
collectio monumentorum veterum ^t recentiorum 1, 406 zu suchen 
ist, glaube vielmehr, daß er nach unserem Niclas von Wile erzählt 
habe. 5 Es gibt 2 Marianus Socinus oder de Socinis in jener zeit. 
Der ältere geboren zu Siena 4 Sept. 1401, war kirchenrechtslehrer 
zu Padua, dann zu Siena, durch Pabst Plus U zum advocaten des 
consistoriums ernannt, starb 30 Sept. 1462, nach andern 1463 oder 
1467 zu Siena. Sein gleichnamiger enkel ist zu Siena 25 Merz 1482 
geboren, ward doctor und professor der rechte in Pisa, Padua und 
Bologna. Beide werden als besonders dem umgang mit frauen er- 
geben bezeichnet; dem letztem soll seine frau 13kinder geboren ha- 
ben. Er starb 1556. Vgl. Jöchers gelehrtenlexikon 4, 656. Hier 
ist wohl der ältere Socinus gemeint. 15 gesprech deutet wohl auf 
die dialektik und rhetorik. 21 Ambrosius Aurelius Theodosius Ma- 
crobius lebte zu ende des 4jh. am hofe des Jüngern Theodosius, ver- 
faßer der saturnalia convivia in 7 büchern, sodann einer nicht voll- 
ständig erhaltenen schrift de differentiis steilarum et de magnitudine 
solis u. s. w. 29 Petrus Papinius Statins aus Sella in Epirus, nach 
andern aus Neapel, geb. 61 lebte in Rom unter Kaiser Domitianus, 
starb in Neapel 96. 

18, 6 anderer wie 17, 24. 39, 13. 14 Ist Paglarensis = Joh. 
Bapt. Pagliarini oder Pajarini aus Vicenza, verfaßer einer geschichte 
seiner Vaterstadt? 17 Über ähnliche schwanke über schwangere män- 
ner vgl. H. v. d. Hagen, Gesammtabenteuer 2, ix f. Die altdeutsche 
erzählung von dem schwangern mönch, von dem Zwingäre oder Zwin- 
gäuer, findet sich auch in den handschr. 2, 158 d. 42, 125. Abge- 



369 

drackt, nach andern quellen, in Laßbergs Liedersaal 2, 393 nnd in 
Hagens Gesammtabenteuer 2, 49. Eine ähnliche erzählung ist die 
Ton dem mfQler mit dem kinde, erwähnt von J. Grimm in der deut- 
schen mythologie b 437, herausgegeben in meinen altdeutschen er- 
zählnngen s. 463. 19 Ähnlich ist das motiv in Boccaccios Decameron 
9, 3: Gome Galandrino ndi questo, dolorosamente cominciö a gri- 
daree a dire: «Oim^, Tessa, questo m' hai fatto tu, che non vuogli 
Btare altro che di sopra.» 

19, 11 das wort hane ebenso s. H. Kurz, Niclasens 10 translation 
s. 15. $k? Socino. 

21, 28 9k.größer. Die zeichen ö und ö werden nicht selten ver- 
wechselt» '^"' 

27, 8 ? Mäcenas. 19 B vffrichtigen. 

28, 2 B Synen. 29 ? Boreae. 
31, 22 ? getroffen. 

32, 1 Über dieses sagenhafte liebesabenteuer Virgils s. Liebrechts 
Dnnlop s. 187. 483. Liebrechts auswahl aus des Gervasius von Til- 
bury otia imperialia s. 262. Hagens Gesammtabenteur 2, 513. Fast- 
nachtspiele aus dem löten Jahrhundert s. 263. 6 Auch Aristoteles 
wird oft im mittelalter als beweis der Schwachheit der männer er- 
wähnt. Vgl. das spil von meister Aristoteles in der nachlese zu den 
fastnachtspielen s. 216. 332. 338. Vgl. weiter altd. hs. 1, 21. 2, 82. 
Hagens Gesammtabenteur 1, 21. 

37, 7 ? gauben mir iez. B gouben mir zugesant. 

38, 8 Augsb. hs. meinem finger. 

42, 9 f. fehlt zum theil in der ausg. 1510. 

44, 2 ? stiefsune, der des bald. B stieff sun, der do bald eu- 
riölo bracht die trurigen b. 21 Ausg. von 1510 weret. 

45, 21 B wartende. 

46, 23 nie] Hs. nie, der druck hat me. Die hierdurch unverständ- 
lich gewordene stelle hat B ganz ausgelaßen. 

47, 20 Hs. forcht. 22 B richtig: schätzt. Die folgenden worte 
sind dann wieder ausgelaßen. 

49, 12 Da die endungen en und em oft und so auch hier mit 
der gleichen abktirzung angedeutet sind, könnte zweifelhaft sein, ob 
ainem oder ainen zu lesen ist. B einen glücklichen wind. 25 ver- 
kaltent] B verbehaltent. 30 waere daß = für denn fall daß, wenn. 
So mhd. oft ist daz. Vgl. s. 66, 30. 37. Wackemagels deutsches 
lesebüch 1*, 1076, 12. 16. 1077, 32. 38. 1135, 19 f. 37 B brieff in 
deinen schrynen truchen noch küsten nit funden wurden. 

60, 5 B narren. 20 fabel] Vgl. s. 53, 18. Petrarca im ersten 
». V. Wyle. 24 



970 

sonnett: Ma ben veggi' or sl come al popol tutto favola ftd gran 
tempo, onde sovente di me medesmo meco mi vergogno. 

53, 6 Amnon ward der Thamar.gram, nachdem er bei ihr ge- 
schlafen hatte. 2 Sam. 13, lö. 

55, 5 Die geschichte von Kandaules erzählt Herodot 1, 8 ff. 
34 B vff iungfrawen perment. 

56, 6 B viol. 26 B Baccarus. 

57, 7 B hochzyt. 20 B wo dz glück geholfen hett. 38 B sperren. 

58, 2 B Menelaus wolt ryten. 4 ? saturnalen. Der man. 5 B 
cleidern. 33 B kramatfogel. 

59, 24 B tet yn mitten. 

60, 1 B liebhabest 8 B kürzt die stelle ab. ? nottürftig. 18 B 
keller. 

61, 36 B selben. 

62, 3 B schnell. 24 B wider. 

66, 6 ? fröw. 18 B schmertz: dyser grossen stat. ? In diser. 

67, 3 B behüt. 10 B welcher. 

68, 26 B dartzu ein zeichen. 

69, 4 B blieb. 37 B blyben. 

70, 34 B bißher. 

72, 24 B bald die roß in. 

73, 4 B einen weg. 26 B mich mit dir. Ich wil dir glychen. 

74, 9 B wenn wir. 

75, 2 ? Penelope. 8 B dyser loub betrübt. 
79, 24 Boccaccios Decameron 4, 1. 

81, 15 ? zuo zir. 

85, 19 B wyplich gebirlichkeit : als vil dyn liederliheit. ? din 
sümseli. 32 B wollüst: die ich zu zyten. 34 B brantent. 

86, 19 B wir. 35 B gemeinen. 

98, 29 ? geloubst du, daß. 30 B Tragedius. 

99, 23 B mit gewalt bringen. 
101, 25 B enpfahest. 

104, 4 ? begäbet. 
111, 1 B verümptisten. 

113, 2 Über Johannes Fünfer vgl. die bemerkung aus dem die- 
nerbuch des Stuttgarter Staatsarchivs, welche ich oben s. 366 ange- 
fahrt habe. 

114, 23 Pabst Nicolaus V bestieg den thron 1447, nicht 1444, 
wie Förster im handbuch für reisende in Italien. München, 1846. 
8. 103 angibt. Vgl. Jöchers gelehrtenlexikon 3, 914. 24 Fabien ist 
Fabriano, Stadt in der delegazion Macerata, südwestlich von Ancona. 



371 

Die reise des pabstes nach Fabriano geschah 1449. 27 Karl von 
Arezzo ist Carlo Marsupini ans Arezzo, gestorben 1453. Vgl. 
Jöcher 3, 214. 

127, 26 ? dir ein. 

130, 18 ? an dem namen. 

131, 10 ? leben. 

141, 23 Auf derselben vergleichung beruht der ausdruck bett- 
futer fastnachtspiele s. 320. nachthunger ebendaselbst s. 109. 160. 
641. 725. 732. 748. 750. 755. 792. 

147, 13 verjöcket] B verieücht. 

159, 36 Psalm 109, 19. 

163, 27 B Eleuterius. 

165, 29 B bat hier die Überschrift Hemmerlin. 

176, 5 B marck (Notat de cele. 

181, 12 B Lolhart redt. Wirt u. s. w. 

198, 1 Niclasens von Wyle zehnte translation, mit einleitenden 
bemerkungen über dessen leben und Schriften herausgegeben von Dr 
Heinrich Kurz. Aarau, 1853. Vgl. dazu Heidelberger Jahrbücher 
1854, n. 20. Blätter für litterarische Unterhaltung 1854, 590. Kurz 
folgt in diesem abdrucke B. 

208, 1 gebürren ist gewöhnlich mit rr geschrieben. Niclaus will 
dadurch die kürze des stammvocals retten. Vgl. 223, 18. 

210, 32 ? lesest. 

212, 17 ? ain. 34 ? die. 

224, 20 ? licht. 

226, 16 ? from. 

236, 26 ? zederböm. 

237, 29 ? dem. 
239, 13 ? mittel. 

242, 30 B und. 34 B töglichs. 
246, 1 B Capua. 2 B Syracuse. 

249, 22 B buch. 27 B macht. 

250, 17 B Augustins. 

254, 28 B ernst. 

255, 5 B umb. 

258, 20 ? ainen. 

259, 18 B schluffent. 

262, 34 B weder. 37 die — was] fehlt B. 
265, 17 B flüchtiger. 

277, 21 ? sin. 

278, 17 ? hübscher. 19 ? täten. 



372 

279, 27 ? ainen. 

302, 24 ? schändlichen. 

303, 27 ? Uhe. 
306, 31 ? erkantnus. 

312, 37 B etUch. ? eeHch. 

315, 1 tobes] B todßhalben. ? todes. 

323, 22 ? die da. 

357, 11 ? Untergang. 



878 



INHALTSÜBERSICHT. 



Translationen 1 

Register 3 

Vorrede 7 

I r 13 

n 29 

m 91 

IV 103 

V 113 

VI 123 

VII 14Ö 

Vm 152 

IX. 157 

X 193 

XI 221 

Xn 231 

Xm 248 

XIV 283 

XV 314 

XVI 325 

XVn 336 

XVm 349 

Anmerkungen 365 



BIBLIOTHM 



DES 



IITTER ARISCHEN VEREINS 



IN STUTTGART. 



Lvm. 



STUTTfiART. 

«DUDOT KVf KOSTE« »M UTTMABISCBBl VE.EIH8. 

1861. 



PROTECTOR 

DES LITTERARISCHEN VEREINS IN STUTTGART: 

SEINE MAJESTÄT DER KÖNIG. 



VERWALTUNG: 

Präsident: 
Dt Ä. V. Keller, ordentlicher professor an der k. Universität in Tübingen. 

Kassier: 
Dr Zech, ordentlicher professor an der k. Universität in Tübingen. 

Agent: 
Fues, sortimentsbuchhändler in Tübingen. 



GESELLSCHAFTSAUSSCHUSS : 

Dr Böhmer, Stadtbibliothekar in Frankfurt a. M. 
G. freiherr v. Cotta, k. bayerischer kämmerer in Stuttgart. 
Dr K. V. Gerber, kanzler der k. Universität in Tübingen. 
Hofrath dr Grimm, mitglied der k. akademie in Berlin. 
Dr G. V. Karajan, vicepräsident der k. akademie in Wien. 
Dr E. V. Kausler, vicedirector des k. geheimen haus- und Staats- 
archivs in Stuttgart. 
Dr Klüpfel, bibliothekar an der k. Universität in Tübingen. 
Dr 0. V. Klumpp, director der k. privatbibliothek in Stuttgart. 
Dr Maurer, ordentlicher professor an der k. Universität in München. 
Dr Menzel in Stuttgart. 

Dr Pauli, ordentlicher professor an der k. Universität in Tübingen. 
Dr Wackernagel, ordentlicher professor an der Universität in Basel. 



SCHEEZGEDICHTE 



VON 



JOHANN LAUREMBERG 



HERAUSGEGEBEN 



VON 



J. M. LAPPENBERG. 



STUTTGART. 



GEDRUCKT AUF KOSTEN DES LITTERARISCHEN VEREINS 

NACH BES0HLU88 DES AUSSCHUSSES VOM NOVEMBER 1859. 

1861. 



nRDOR VOR H. LADFP IH tCBIKGEII. 



VORWORT. 

Je häufiger in unseren tagen der werth der niedersächsischen 
spräche erkannt und sie vor ihrem absterben in die deutsche 
litteratur wieder eingeführt wird, desto mehr wird der abdruck 
vojrzüglicher gedichte willkommen sein, welche geschrieben 
sind zu einer zeit, in welcher jene spräche noch eine 
lebende spräche genannt werden durfte. Es sind diese ge- 
dichte zugleich eine der nicht sehr häufigen blüthen deut- 
schen Witzes und das Vermächtnis eines deutschen greises, 
dessen große litterarische thätigkeit und wechselnde ge- 
schicke, dessen Wirksamkeit und tod auf fremdem boden gar 
wenig beachtet sind. 

Ein sorgfältiger abdruck der Scherzgedichte war erfor- 
derlich, da die älteren unter des verfaßers äugen gemachten 
ziemlich correcten abdrücke sehr selten sind und kaum nach 
Deutschland gelangt zu sein scheinen; ein alter, vermuthlich 
Rostocker nachdruck aber mit seinen zahlreichen fehlem die 
quelle der vielfachen bis zum jähre 1750 in Deutschland ver- 
anstalteten abdrücke geworden ist. Doch sogar diese abdrücke 
sind nicht häufig zu finden. Selbst von zahllosen druckfehlern 
gereinigt sind sie nicht leicht verständlich; es durften daher 
weder die abweichenden lesarten, wenn auch nur zur beglaubigung 
des ältesten richtigen, jedoch durch danismen entstellten textes, 
noch für unsere zeitgenoßen zu den vor mehr als zwei jähr- 



VI TOKWÖRT- 

bmiderteii unter fremdartigen Terbaltnissen mtstandenen ge- 
dichten manche anmarkong, noch selbst fmr Niedersachsen ein 
glofiar fehlen. Dieses hat die rücksicht anf andere als nord- 
deutsche und kündige leser nm so mehr enreiton laßen, da 
ein niedersädisisches Wörterbuch noch immer fehlt und nach 
dem dahinscheiden des letzten kundigen lexicografen für diese 
Sprache noch lange ein bedurfiois bleiben kann. 

Die anhange zu den laurembeigischen Scherzgedichten 
in einer leserlichen gestalt scheinen um so wunschenswerther, 
da die lateinischen Ton Lanronberg selbst sind und seine 
deutschen sa^en sowie sein leben eriautem, die deutschen 
aber theils früher, theils noch neuerlich, wenn gleich irrig, 
ihm zugeschrieben sind. Die dazu gegebenen eriäuterungen 
werden f&r die geschichte derjenigen litteraturgattung, welcher 
sie angehören, nicht rerloren sein. 

Wenn för diesen zweiten anhang ohne hülfe der ham- 
burgischen öffentlichen bibliotheken kaum etwas hatte geschehen 
können, so habe ich die weit zerstreuten Schriften Laurem- 
bei^s nur auf den öffentlichen bibliotheken von Berlin (nament- 
lich aus den schätzen des nicht genug zu ehrenden freiherrn 
V. Meusebach), Wolfenbüttel, Göttingen, Lübeck, Schwerin, Kiel, 
sogar London einsehen können, deren Vorsteher mich freundlichst 
begünstigt haben. Eine besondere pfiicht und freude ist es 
mir aber anzuerkennen, daß alle die, wie die unten gegebene 
bibliografie nachweist, für die vorliegende aufgäbe wichtigsten 
drucke, welche die k. bibliothek zu Kopenhagen aufbewahrt, 
mit seiner schon häufig bewährten, doch nie genug anzuer- 
kennenden gute, von dem würdigeü Vorsteher, hm conferenz- 
rath Werlauff, hieher über see gesandt und ohne zeitbeschrän- 
kung mir anvertraut worden sind. 

Da ein porträt unseres Hans Lauremberg nicht vorhanden 
scheint, so dürfte das facsimile einer autographie auf einiges 



VORWORT. Vn 

intereße ansprach machen. Das im Steindrucke diesem bände 
beigegebene ist aus dem in der Lübecker Stadtbibliothek vor- 
handenen exemplare von Laurembergs rede auf das Jubiläum 
der Rostocker Universität v. j. 1619, welches er seinem unten 
besprochenen freunde, dem excentrischen Johann Moers, ver- 
ehrte, entnommen. 

Die druckfehler in einigen bogen der anhänge muß ich 
bitten durch meine abwesenheit aus Deutschland in der zeit, 
wo sie gedruckt sind, entschuldigen zu wollen. 

BLANKENESE den 26 august 1860. 

J. M. L. 



VEER 



SCHERZGEDICHTE. 



I. VAN DER MINSCHEN ITZIGEM WANDEL UND 
MANEREN. 

IL VAN ALMODISCHER KLEDERDRACHT. 

HL VAN VERMENGDER SPRAKE UND TITELN. 

IV. VAN POESIE UND RIMGEDICHTEN. 



Laureinberg. 



Dem leser. 



An dit gering gedidtt sik woDe nemand erlern, 

nodi Tan dem bogen stand, nodi Tan dirsamen böigem: 

der antor bflüeb gift ein'ni jedem sine dir, 

flusbrak gemeaet is kmnt md udrteB aehr. 



INHOLT: 

Woer ein ininscheukind henwandert 
in der werrelt wit und breet, . 
merket men mit groet verdreet, 
dat sik alle dink verändert: 
5 man moet sik verwundern sehr, 
nichtes blift bestendig mehr; 

Aller mjnschen doent, gedanken, 
rede, mening, sin und waen, 
als ein wind- und wedderhaen 
lohen und her unstedig wanken. 
Wat dar was ein nie gesank, 
dat is nu de olde klank. 

Wat vörm jähr was allemode 
und van jederm ward geehrt, 
15 dat is itzund nicht mehr weert 
als dat Schimmel van dem brode: 
nie werd old und old werd nie, 
kaken moet men frischen brie. 

Solke doerheit werd gehalet 
20 al ut Frankrik,. darvör is 
niennig Schilling, ja gewis 
mennig tunne gold betalet 
Vor vernuft und wisheit goet 
gift men kueui ein stücke broet. 

1 



* 



INHOLT. 

25Neinand holt sik nä dem stände, 
dar en Got beft to gebracht, 
nemasd blift bi siner dracbt, 
de gebrüklik is im lande: 
schlichtes volk ein levend fort, 

30 als dem adelstand gebort 

Vnderscheet der stand nnd orden 
is den Ifiden man ein spot, 
welker doch wislik van (jot 
sülvest is gestiftet worden: 
35 börgers willen holden sik, 
na der bogen wise and schik. 

Kleder, sprake, versehe schriven, 
eiidert sik fast alle jähr, 
man ik achte it nicht ein haer. 
40 Bi dem olden wil ik bliven: 

höger schal min stil nicht gähn, 
als mins vaders heft gedahn. 



JkkTWim!K9CfaBZßXmtW^ 



DAT ERSTE SCHERZGEDICHTE. 

VAM ITZIGEN WANDEL UND MANEREN DER 
MINSCHEN. 

In Orekenland ein man Tör langen tiden was, 
van wisheit Jiochberömt, genant Pythagoras; 
van em de jöged sik leet hüpich underwisen, 
man bOrde sine lehr in allen landen prisen. 

5 Sin hos und schoel erschal, nicht yan fantasteiy;^ 
de nu van yelen werd gendmt Pkihsaphp, 
Sündern van meticheit, yan tucht und goden seden, 
dar leerd man schwigen erst, hemamals leerd man reden. 
Nichts, dat geleret had, kam je in eren mand, 

10 ok nicht de hülsenfrndit, de in den garden stand 
Ein deel van siner leer Metempsgdüfsm nömde, 
de domals alle weit als hage wisheit rOmde. 
Darvan de mening is: van Got des minschen seel 
int lif gegaten werd als siner kraft ein deel, 

15 sins wesendes en part De sülve seel mast wandern, 
sobald de minsche sterft, yan einem lif tom andern: 
ein kriegsman und soldat, wen em 4lie seel entftr, 
kem se wol in ein peerd eddr in eine olde sör; 
eins glehrden mannes seel quem wol in einen becker, 

20 in einen schriyer, yagt, lehmkliker, htlschendecker. 
Ein riker wanst, de sik statlik tracteren pleeht, 
de würde wol ein swin und eet, mit gunst gesecht. 
In summa, jede seel yan levendigen deren, 
yernüftig edder nicht, sik nemals kond Verleren, 

25 Sündern verwesselt wflrd, glik als ein wandersman 
nicht altid einerid herberge krigen Vlvgl. 



6 DAT EBBTE SCHERZGEDICHTE. 

Bald kümpt he in ein lins, gezieret hoch nnd nedden, 
werd köstelik tracteert, gelecht up weken beddeu; 
bald kümpt he in ein fuel and garstig stinkend nest, 

30 darin is garstenbrod and lusich stro dat best. 

Dat was de mening des, den men als götlik ehrde, 
als wen't vam hemme! wer gekamen, wat he lehrdc. 
He sede van sik sülfst: erstlik was ik ein kok, 
ik heb veel stücke flesch tohowen ap dem blök: 

36velicht is mank dem re, dat ik ehr heb gesehlachtet, 
min egen vader west, dat ik do nicht geachtet. 
Darna word ik Eaphorb und mit vor Troja toech, 
dar ik ok mangen held mit minem sweerd ersloeg. 
Als ik im sülven kri^ min levend müste laten, 

40 in einen pawelaen ward mine seel gegaten: 
ik ward ein vagel schon, oftmals heb ik gepraelt 
mit minem bunten schwänz, mit golde dörchgeniahlt 
Endlik bin ik ein minsch als junk und nie gebaren ; 
herna, wen mine seel ut dissem lif werd faren, 

45wor se werd inloseern, steit in der götter knee, 
of ik ein ander minsch schal werden edder ve. 
Darum seet juw wol vor, dat gi van keinen dingen, 
de levend hebb'n gehat, in juwen buek verschlingen : 
wol solkes würde dohn, de müste twiflen sehr, 

50 of nicht dat flesch ein stück van sinem vader wer. 
Wen disse opinion itzund würd angenamen, 
würd' ik wol oftermals in sware danken kamen 
und twifelhaftig sin, wat ik doch wünschen wold, 
in welk ein ander lif min geest infaren schold. 

65 Den dat ik scholde sin ein stork edr ander vagel, 
dat mach ik nicht, darna steit mi ok nicht de kagel; 
ik wünsch ok nicht to sin ein alvern dummes deert, 
ein büffel, esel, ko, swinegel edder peerd. 
Doch wen it müste sin, dat ik mank den veervöten 

60 ein unvernüftig beest schold endlik werden möten, 
so men ik, dat min wünsch nicht konde beter sin, 
als dat ik werden möcht ein hübsch schoethündelin. 
Wer ik so en eddel deert, mit saden und gebraden 
Word' ik den fetten buek und dicke panze laden, 



VAN DER MINSGHEN WANDEL. 7 

65 darmit ein armer minsch in groter hungersnot, 
dem men nicht geven wil ein stücke dröge brot, 
sin levend reddeu kond. Faert tool in Gottes mllenl 
dar moet ein hungrig kind de ledgen darm mit füllen. 
Ik würde krigen gnoch, in aller överflot, 

70 up einem weken pöl, ja in der junfern schoet. 
Wen sik ein armer minsch up fulem stro moet strecken, 
ik dapper snorken kond; se würde mi todecken, 
und twischen ere been, up erem weken buek 
mi günnen sachte row, als nu is de gebruek. 

75 und wen it den einmal so quem, dat mi mit hupen 
de rebraed und de supp' wtird underm swanz utkrupen, 
dat hedd' ganz kein gebrek: de rök is bald verteert, 
wen ut der balsembüs de näse werd gesmeert. 
Darvör wold ik to dank ein'n kleinen schimp benemcn 

80 miner woldederin, de sik sunst müste schämen. 
Den wen dat jungfrewlin leet einen heemlik gähn, 
so kond se seggen : ß I dat heft min Swaenke daen, 
de sik nicht richtig holt. Se konde sik verdfisten, 
wen ik men bi er wer, frie ohne schimp to visten. 

85 Doch dat is nichtes weert: ein minsch geit över al, 
allein dat men nicht weet, wat men sik wünschen schal. 

Vor groter herren stand werd mi Got wo! behöden, 
dat ik ok hen und her mi scholde laten föden 
und prachern vor der dör, dat kan ik wünschen nicht: 

90 dat ein is alto hoch, dat ander alto schlicht, 

dat niiddel is dat best Min wünschend wil ik wenden, 
dat ik möcht einer sin van den twen middelstenden. 
Dat ik schold kopman sin, mi dünkt, dat wer kein raet: 
ik würd' to sehr braveern und fören groten staet. 

95 Ein hus ik köpen würd' vor gotsgelt twe ducaten, 
dat sülve müst ik den prechtig staflferen laten: 
wen alle volk den dacht, ik seet in grotem gut, 
so würd' ik segn Adieu und gähn tom dohr henut. 
Wat hedd' ik den darvan, als dat ik müst anhören • 
100 van den, de mit vernuft und ehr den handel fören: 
du bist ein loser droch, ein lichtferdiger man, 
dewil du unsem ordn sUlk schimp und %po\ de.\%\ oci^- 



g DAT EBSTE SCHERZGEDICHTE. 

Wen ik nn wider fort de gdanken late sweyen, 
welkere stand mi kond rikdom and ehre geven, 

105 so feit mi in, ik bedd' ein'n goden wnnsch gedaen, 
wen ik ein tolner würd', doch nicht ein pnblican, 
als in der Römer tid de tölners sind gewesen, 
ok de was, darvan wi im evangeli lesen; 
de sprak: o her, bewis mi armen Münder gnaed 

110 und rekne mi nickt io al mine missedaet! 

Is nu ein tölner arm? Dat si fern, noch veel minder, 
dat men gedenken schold, he wer ein armer Sünder. 
Ein armer is nicht rik, ein sänder heft kein ehr, 
drüm is ein tölner na kein, armer sänder mehr. 

115 Wat jener sprak to Got, dat sprekt men nn ehrbedig 
tbm tölner disser tid: o here, $it mir gnedig 
und reknet mi nickt an de sckülde groet und kleen ! 
Hir is etwas bereit; gi weet wol, wat ik meen. 
Neen solker tölner ein begehr ik sin, mit nichten, 

120 men derer, de er ampt mit redlich eit verrichten, 
de vor «hr trawe deenst van Got gesegnet sind, 
derer men hen and her den meisten deel noch find't. 

Schold ik den van geval ein schriver werden moten, 
so wold ik einer sin der vörnemen und groten, 

I25de erem deenst und ampt vorstahn mit truw und flit, 
und er geweten mehr ansehn als groet profit. 
Ein schriverken bin ik alreed, gelövt mi even, 
ik heb in vertich jähr veel bagen vul geschreven, 
man wo men schriven schal mit einer sülverchn pen 

ISO dat güldne ABC und schriven immer hen, 

bet men veel dusent kan to sinen kind und fruwen 
vor pant up rente dohn und schöne hüser buwen; 
dat grote boek, darut men sülke kunst studeert, 
is mi nicht vörgelecht, ik heb it nicht geleert. 

136 Doch so veel weet ik noch, dat ik kan underscheiden 
ein boekstaf vor dat andr, und laet mi nicht verleiden 
vor L to schriven C und vor V schriven X, 
kan ik den nicht veel mehr, so bin ik darup fix. 
Nu wol, wat kanH den sin, dat dörch metempsyckose 

140 alsbald na minem doet to werden ik erkose? 



VAN DER MENSCHEN WANDEL. 9 

Wat is it vor ein stand, de mi kond wol stahn an? 
Schold it nicht raetsam sin, ik würd ein handwerksman ? 
Twar jedes handwerk wol ein'n beddem heft van golde, 
dennodi ein handjirerkBman nicht gern ik werden wolde: 

145 it is ein ehrlikwstlBttdr de mening hold ik sterk, 
men kan en missen nicht, hochnödig is sein werk. 
Men dat gefeit mi nicht, dat se sik sülvest plegen 
einander utschamfeern und seiden sik verdregen. 
Ein schoster, wen he kümt bi einen möUerknecht, 

150 verhönet he en strax und schimplik to em secht : 
sii dar, herr Wittehoet, din rad lesiu nicht rasten, 
du kanst so meisterlik^ 4ßep in de secke tasten^ 
du nimst dat beste mehl, de buer beholt de hlie. 
Bi andern is it schand, bi di is steten frie. 

155 De möller antwort em: JBt schoster^ dat is toacker, 
na traen und pekedraet du stinkest als ein racker ; 
wen du bereedst de huet ean einer doden ko, 
so moet men bald vor di de nese holden to. 
Ein beckerwif beet wol den snider lüskenspeter 

160 und zegenbuk. 0, segt de snider, Timpenfreter, 
ut diner langen näse ein snappentötel krüpt, 
wen du eins kneden wilt, und in den deeg indrüpt. 
Ein sniit den sniddeker plecht spötlik to verhönen, 
al din verstand, segt he, de falt di mank de spönen; 

165 ein skrubber bistu doch bi diner hövelbank. 
De sniddeker dem smit antwort: du pinkepank, 
men kan genogsam sehn an diner swarten keke^ 
dat du dem düvel bist gelopen ut der bleke. 
Seet, also is mit quaet verfült de ganze weit, 

170 dat böse moet hervor, dat goed' men hinderhelt. 
Ein jeder schold de feil todecken, und de gaven, 
de Got gegeven heft, an sinem negsten laven. 
Man leidr de weit is nu so dörich und so geck, 
ein'm andern jederman uprücket sin gebreck. 

175 Darum nicht rechte wol kan ik mi darin geven, 
dat ik ein handwerksman schold sin na dissem leven. 

Dennoch, wer it mi so vam hemmel uperlecht, 
dat ik handwerken must vor meister edder knecht. 



10 DAT ERSTE SCHERZGEDICHTE. 

ik wil it Seiten so, dat ik möcht under veleD. 

180 de men find't in der weit, ein handwerk uterwelen, 
so wold ik wünschen mi, wer ik sünst kloek und wis, 
dat ik raen werden möcht ein snider to Paris. 
Nicht van dem lüskenpack, dat üi der fripperien 
ein old verscheten kleed so zierlik kan vernien, 

186 dat man it kopen schold vor ein ganz nie habit, 

— wen twe daeg sind vörbi, so^ falt it weg als schiet ; - 
men ik wold einer sin der groten und der riken, 

als Montoban, le Noir, Broisart und der geliken, 
de up der natelspitz gekluiDii|en sint so hoch, 
190 dat se erlanget hebb'n nhä(t0^Mnd ehr genoch 

und frembden könen vor veebdusent krönen borgen, 

— wo se it wedder krign, dar laet ik se vor sorgen : - 
sülk einer wold ik sin. Wat wer mi dat vor lust, 
wan dar ein cavalier to mi herkamen must 

195 und mi mit reverenz und compleraentschen streken 
als einen groten hern mit sülke wort anspreken: 
it is mi tDol bewust, monsieur 4f bon ami, 
dat in der minschen sin kein dink bestendig si; 
den climacterschen loep und gwisse periode 

200 erfaret ok de dracht und runde cirkelmode. 

Sobald ein kleed werd old, de foAon ok verschlit, 
ein jedes nies kleed bringt nie forme mit. 
Dat geit so rund herum, gelik als in den schrenken: 
wen nichtes nies mehr de ehrgitz kan erdenken, 

20b fangt he van vören an^ glik als ein welig peerd, 
dat in den widen kreis sik künstlik tummeln leert. 
Wat kortlik noch was nie van kledern und maueren, 
de van juw utgedacht und upgekamen weren^ 
dat is geworden old. Will mi berichten draet, 

210 wat nu eindrechtiglig ein ehrbar sniderraet 
van nie bestemmet heft und under sik beslaten, 
up wat maneer he wil dit jähr stafferen laten 
de andern Volker al. Den it is apenbar, 
van juw men hebben moet dat rechte exemplar 

21b und dat original, darna men sik schal kleden 

in Düdschland, Dennemark, in Hollandy Brabant, Sweden. 



VÄir DER MmSCHEN WANDEL. H 

It sfeit in juwer macht: veel grote ambassadeurs 
entfangen klederlehn van messieurs les tailleurs. 
Wat dünkt juw, schold mi dat im herten nicht behagen, 

220 wen rai van groten heern sülke ehr würd' angedragenV 
It is gewislik wahr, de weit is stickenblind 
und heft nicht mehr verstand als ein drejarig kind. 
Wat is dat vor ein waen, de nu is ingereten, 
kan wol ein nepcher sin? Dat möcht ik gerne weteii. 

225 AI wat geschicKlich is, al adelike dracht, 

alle höfligkeit moet sin ut Frankrik hergebracht: 
maneer, zierlike red moet man ut Frankrik halen 
und mit gefahr, mit möie und swarem geld betalen. 
Frankrik, dat is de schoel, dar men leert alle künst; 

230datsülve in ander land to leeren wer ümsünst. 
Mi dünket Frankrik is nicht unglik der hyäne, 
de dörch den goden rök de deerte al in gemene 
van ferne to sik tüht und se also bedrücfit, 
se bi der kehle gript und en dat bloet utsücht. 

235 It moet doch etwas sin, dat vele so bedöret, 
dat ok der kloken sin betövert und verföret. 
Ik denk noch wol, dat ik in miner jöget las 
im boek der arstedie, genömet Ypocras; 
wen einer so subtil und kleenlik sik befüude, 

240 dat he kene arstedie in't lif innemen künde, 
entwedder dat he wer van kreften also swak, 
edr dat em gruwde vor dein eisken summen smak, 
so scholde he de pilin edder medicaraente 
ingeven einem hoen, einer duven edder ente 

245 und laten sik darvan törichten eine supp\ 
de to sik nemen und dat flesch ok eten up. 
So schold de sulve kost bi em de werking maken, 
als wen he sülvest had de pillen ingeschlaken. 
Dit is ein herlik dink und köstlik goet secret, 

250 dat Frankrik rechte wol tu practiseren weet. 
Veel reisen na Paris und andere fremde steden 
alleen darum, dat se hernamals können reden : 
ik bin in Frankrik ok gewesen dre^ veer jähr, 
ein temlik item heb ik wol verteert aldax. 



12 DAT EB8TE SCHERZGEDICHTE. 

255 Sind se so gar snbtil, dat van den rechten dingen, 
de men dar leren schal, se nichtes könt verslingen, 
op dat se scheiden nicht dar sin gewest ümsfinst, 
so broken se mit flit de vorgenömde kOnst. 
De meisters möten dar er.wetenschop ansetten, 

260 bi allen poHders, in allen cabareitem 

pasteiden werden backt, de sind gefUlet ganz 
mit wisheit, gentilesse und braver iiaidenaM. 
Chapponsy levrauts, lapins, cocqs SBme, wilde enten, 
de werden al bedröpt mit luter complementen : 

265 becasses and perdris de moet men enlardeern 
mit schöner caurtotsie, mit höfliken maneem, . 
de supp' ist von verstand, van hogem sin potage, 
dat brod*van gravitet, de tarten von courage, 
den kümt dar tom dessert dragies veler sort, 

270 de togerichtet sind von adelik comport. 
Madame ConjoK und andre beUes filles, 
de bringen macarons, gniocchi und rocquiUet, 
de sind gebacket und beströwt an allen ort 
mit politic discurs und zuckersöte wort. 

275 Van sülker arstedie ein jeder den gebruket 

so oft und veel, dat he darvan werd dick und büket. 
Und dat dit reoipe gesund und goet mög sin, 
nioet dar ein dosis up van twintich gläser win. 
So vaken als men drinkt moet men in't glas ingeten 

280 extract und quintessenz van braven qualiteten. 
Wat van der düren kost sins heren överblift, 
dat nimpt de knecht to sik und sachtens in sik wrift. 
Darher he ok sonitids mit solken leckerbeten 
lieft van geschicklicheit mehr als sin herr gefreten. 

285 Wen men nu dit secret dagliken practiseert, 
werd men befinden, dat it si. veel geldes weert. 
De Operation werd sik bald merken laten; 
doch moet men wol sehn to, dat men it bruk mit maten : 
wen it genamen werd in grotem överfloet, 

290 so kan it einem sin mehr skädUk alse goet. 
So plegen courtoisie und complementsche minen 
untidich ut dem halse utstörten und erschinen, 



VAN DER MmSGHEN WANDEt. 13 

als it.dem buren geit, wen em is alto veel 
vara dicken frischen beer geflaten dörch de kehl. 

295 Wen ik also den loep der itzgen weit betrachte, 
dar mi de dulle leer Pythagorae to brachte, 
als wen de seel, sobald se ut dem cörper quem, 
in einem andern ort er waning wedder nem, 
— ik weet, dat it man is en falscher wahn der. beiden, 

300 de sik van Gades geist nicht hebben laten leiden, 
und hebbe, 6ot si dank! ut sinem wort geleert, 
dat sülke mening is nicht einer bonen weert: — 
so wünsch ik oft, dat ik to krigen nicht kan hapen; 
de seele bubblet mi als erveten im grapen. 

305 Ik bidd in ivricheit: och, kond it doch geschehn, 
dat ik noch einmal möcht dat wedderümme sehn, 
wat ik vor veertich jähr gesehn in fremden landen^ 
of noch de sühe schick, de do was, si eerhanden ! 
Wer ik noch junk und hedd' nicht veel der gratoen haer, 

310 1& waegde it noch einmal und schuwde kein gefahr. 
0, kond ik wedderüm an min junkdom geraden, 
och dat it möglik wer dorch middel uneerbaden, 
dat eines minschens lif vam older einen sprunk 
kond in de jöget dohn und werden wedder junk! 

315 Wen dörch natürlik werk it toging ane Sünde, 
dat sik ein older man weddrüm verjüngen künde, 
wold ik gewis darto versümen keine tid; 
dit schold min arbeit sin und allerhöchste flit, 
dat ik möcht sülke kunst und wetenschop bekamen. 

320 Ik heb wol oftermals van predigern vernamen, 
de so geleret hebb'n dat volk in er sermon, 
dat sülkes van natur ein adler künde don, 
de künde sik verjungn; wen schon al sine fedder 
van older utgegahn, so wüssen se em wedder, 

325 he würd' so junk und frisch avr sinen ganzen krop, 
als wer he gistern erst gekrapen ut dem dop, 
wen he sik strecken kond glik gegn der sünnen stralen, 
de mit dem heten schin sin lif kond frie dörchhalen. 
Man list ok vor gewis, dat in Araberland 

830 ein schöner vagel wahnt, de Fewvs. \^ %^\i^\iV 



14 JuUT BBBIX ^GHiaOEGEDIG&XS. 

Wen de geworden is so old und un^ermügen, 
dat he to keineni dnig mer nttt is necäi kan dogen, 
alsden he y&n natur dit midde] weet und kent, 
dat he fiik levendig in einem fner Terhrent. 

3B5 He Btilyeßt bot dat füer van wolrükenden «trf&en, 
Bo werd he wedd^üm ein jnnk nnd kleines küken. 
BüX ma^ wol alfio Bin, ik late it ok geßcheiien, 
doch iB nemand gebest, de Bölkes beft gesehen. 
Yan yogfiln sdrrift men wol v^ wünderlike dingen, 

B40 men dat kan ik gar nidit in minen ^oredo bmigen, 
^at Bik ein minsche kond veijnngen dergestalt, 
und dat dörcfa sünnenhit edr dörch des iffierB gewalt 
ein old wif edder man ftch&ld werdn to einem kinde: 
Bolkß der erfarenbedt ik ganz teweddem Inda 

B45 Oftmals fadb ik geeekn ein boj^n beddpadL, 
wen dat tosaxnen kömt, ein jedr mit Binem sack, 
ein deel yan oJder kmm^ ein ded van bangier mager, 
wen se bim tun oftschkkn er arme pracbeaiager, 
hir ügt jde pekdsi^, dar ligt de balve krick, 

350 hir eine blödg« bind, dar van der stielt ein stück. 
Hir beft ein groet parti de wanken utgetagen, 
und beft mik ok wol sehn de wkte flö afjagen. 
Bald hgt ein older gns, de sik np't gras utstreckt 
und sinen kalen kop redit jegn de s&nne reckt 

355 im beten samerdage : dem fiüt men dörch de lumj^n, 
wo em van groter bit dat fei is ganz verschrumpen. 
Of nu de sünnenhit densülven weddergift 
er junkbeit und de sterk, als men vam adler schrift, 
darvan beb ik noch nichts in den avisen lesen, 

360 it mag ok wol velicbt ein Idndermeerken wesen. 
Ok beb ik wol gesehn van einer olden hex, 
wü meister Kilian er maekd ein experfexy 
he bund an einem pael de rumpeltövertascbe, 
de als ein old Fenix dar ward gebrant to ascbe. 

365 Of ut dersülven ascbe ein junk Fenixken floecb, 
dat weet ik nicht gewiß, it is vor mi to boech. 
Mit sülkem ^EtSiXk scbold man, wol darmit wer tofreden, 
dat m&^ kond werden juak^ ein'm licbtlik 4verreden. 



Y^ DES limSCHEN WAM)EL. L5 

Noch las ik in ein boek, Medea, Jasons wif, 

370 de künde maken junk den, de was old und stif; 
se hadd' ein'n olden bück tom jungen lam gemaket, 
als se en hadd' tohackt, im ketel dörchgekaket, 
dat se bi minschen ok dat sülve konde dohn; 
men kond mit sülker kunst verdenen groten lohn. 

375 Etwas glöf ik hirvan, to gfallen den poeten, 

den ik sülk efarlik volk nicht gern wil legen beten, 
it wer ein skelmestück, darbi is groet gefahr; 
it is jo licht gesecht: heety juwe word $i toaer! 
Wen ik schon hören schold, dat jemand würde legen, 

380 dat sik de balken, ja dat ganze hus mocht bögen, 
so wold ik Seggen bald : it kan u>ol sin, min heer, 
ik ml gelöven u>oL Dat bröcht uns beiden ehr. 
Hedd' ik dat nicht gedan, ik hedd' oftmals gekregen 
huriputzen, ok wol oft must kamen vor den degen, 

385 den legen is ein zier, raen legen beten geit 
bi lif und levend an up ehr und redlicheit 
So wil ik nu hierin mine höflicheit sehn laten 
und wat Ovidi Iticht, gelöven allermaten, 
versöken wil ik't nicht: mi dünkt, it wer to veel, 

390 dat ik mi laten schold afsteken erst de kehl, 
darna min lif tohacken in kleine plückefinken. 
Dat kan ik nicht besehn, de mening laet ik sinken. 
Men wen sünst jemand wer van den, de up't skavot 
mit prael und groet geblar ut einem salvepot 

395 de schaden und gebrek, so vel dar sind am talle, 
cureren könen straks, und twintig mehr als alle, 
de mi afnemen kond des olders ungemak 
und alles, wat min lif und gleder maket schwak, 
dat ik würd' wedderüm so frisch up mine vöte 

400 als noch is unverrückt min hert und min gemöte, 
und dat ik reisen kond so als ik heb gedahn, 
do ik anfink de weit erst um de ohrn to schlaen : 
wen einer mi also verjungen kond min leven, 
dem wold ik sülken lohn und recompeme geven, 

405 dat he schold mit mi sin tofreden, wen ik ok 
in pant utsetten must mine olde tri^e\i \st^<^ 



16 DAT ERSTE SCHER2GEDICBTE. 

Den glik als na durch raöi und arbeit veler standen 

ein ewigwarender calender is erfanden, 

de twintich dusent jähr ahn feil schold richtig gähn, 

410 wen schon de weit nicht mehr als föftig würde stabn: 
geliker wise heb ik eine ewigwarende mode 
van kledern utgedacht, dem gmenen best to gode, 
de so lang waren kan, bet dat der minschen lif 
eine andre forme krigt an man and ok an wif. 

415 So lang ein itlik glid noch blift an siner stede, 
so lang kan de fazon van kledern bliven mede. 
Men wen it schold geschehn, dat Got and de natur 
dem minschen geven ward' eine andre nie figar: 
als wen, wat nu is vor, gesettet würde binden, 

420 dat, wat nu baven is, sik ander würde finden, 
und dat den fruwens kemn de titten bi de been, 
als men an einer ko und zege nu kan sehn, 
so würd men ok darna de kleder richten möten, 
de stevein up dem kop, de mutze up den vöten, 

425 de floren schörteldok würd' sin, ik weet nicht woer, 
de schönen stikden scho, dar nu de parlensnoer. 
Disse ewigwehrnde mod must richtig sin geholden 
van riken und van arm, van jungen und van olden; 
de straf schold sin dem, de darjegen würde gähn, 

430 dat twischen beide ohrn de näse em scholde stahn. 
Wowol sülk ordinanz den schnidern so würd' spiten, 
dat se de natel würdn vor grim in stücken biten. 
Man wat bin ik en geck, dat ik so reden kan? 
Wat is it vor en drohm, de mi kümt wakend an? 

435 Ik plög und sefe körn up stenen bi dem strande 
und denk to fangen fisch recht midden up dem lande. 
Wat ik gereed't, dat sind castelen in der lucht, 
min anslag und min wünsch verswinden ane frucht. 
Wen ok de grötste strafn darup gesettet weren, 

440 dat de darwedder deit, schold sin ein dremarksderen, 
und dat dat erste kind, dat sülke junfer kricht, 
schold na der predig werdn gedöft, dat hülpe nicht. 
Wen man se würde schon bim bivagd hart bespreken, 
de ahn barmharticheit in't lock se würde steken, 



VAN DER MmSCHEN WANDEL. 17 

445 dat würd' en doch nicht dohn so weh, noch sin so leet 
als wiken van der mode ein'n schmalen finger breet. 
Ja, wen de höchste floek gelecht wer up de frowen, 
dat en de arme scholdn so dick sin als de mowen, 
de tene utgereckt so lang als is de scho, 

450 de hals upswellen must als einer kranken ko, 
damit he würd' gelik so wit als ere kragen, 
se würden doch darna nicht einen heller fragen, 
men makent na als vor na erem kop und sin. 
Worum schold' ik mi den dar wider mengen in? 

455 It mach gähn als it geit: wen ik nicht hoge stige, 
frücht ik nicht vor den fal. Darum ik numehr swige. 



Lauremberg. 



18 DAT ANDER SCHERZGEDICHTE. 



DAT ANDER SCHERZGEDICHTE. 

VAN ALMODISCHER KLEDERDRACHT. 

Oftmals bin ik in twifel geseten 

und hebbe mi darin nicht kond to richten weten, 

wen ik bedachte, wo de lüde sik quelen 

und eine comedie na der andern speien 

5up dem groten teater disser weit, 
dar ein jeder de person ageert, de em gefeit: 
wen ik solkes seh, wat ik schal menen, 
of ik darum schal lachen edder wenen, 
als man Schrift van tween wisen narren, 

10 der de ein plecht altid grinen, de ander blarren. 
Beraclitus altid weende als eine kleine gör, 
de sine plünde bedahn heft achter und vor. 
Democritus lachde, dat he den buek muste holden, 
als wen em de kallune darut springen wolden. 

l5Endlik gedacht ik: tvat sind dat vor sahen? 
Schold* ik betoenen, wat andre hebten eerbrahen? 
Min toenend würde belachet werden van allen lüden, 
de mi um mine doerheit würden dichte brüden, 
It is beter, dat einer mit lachendem mund 

20 m kortwil apenbare sines hertens grund. 

Dat sülke doerheit und lecherlike maueren 
im swange gähn und sik dagelik vermeren, 
van utlendschem habit und nien klederdrachten, 
dessen kan ik keine orsake finden noch erachten 

25 als, dat nemand wil tofreden sin mit dem stände, 
darin en 6ot heft gesellet in jedem lande, 



VAN ALliODISCHEB KLEDEBDRACHT. 19 

sondern jeder na högerm stände trachtet, 

dardörch Gottes stifting werd verachtet. 

De göUike wisheit heft it so ordineret, 
30 dat de adelstand schal sin höger respecteret 

als ein börger edder middelstandsperson : 

einem jeden schal men sine ehre andohn. 

So moet jo ein teken sin, darbi man konde weten, 

in welkem stände ein jeder si geseten. 
35 Solk titerlik teken sind de kleder und dracht, 

nicht allein de materie van groter pracht, 

Sündern ok de figur, fazon und gestalt, 

dardörch de stende werden underscheden bald, 

vörnemlik an dem fröwliken geschlechte, 
40 de sülken underscheet hebben mit gröterm rechte. 

Ein mansperson kan den adelstand 

verdenen, wen he vor sin vaderland 

ridderlik stridet und mit heldenmoet 

vor Got und sinen köning waget lif und bloet; 
45 men eine fruwe kan den stand nicht erwerven, 

sondern heft en van erem man edder moet en erven. 

Darum man billig enen allermaten 

den underscheet in kledern scholde laten. 

Averst de hellsehe fiend is hiermit nicht tofreden, 
50 Sündern heft lust Gottes ordning to övertreden 

und maekt, dat de ene dem andern nicht wil wiken. 

De geringe stand wil sik den högern geliken: 

sobald de van adel eine mode hebben upgebracht, 

so moten de börgerinnen naapen sülke dracht. 
55 De adeliken j unfern hebben nu begunnen 

sik to kleden als geestlike nunnen, 

in langen chappeloirs und schwarten engen suken, 

als de gewiheden van sünte Cläre bruken. 

De börgerkinder even in sülker minen 
60 gähn nu als de verlopene klosterbeginen. 

Sobald de börgersdöchter wüsten, 

dat de adeliken gingen mit bieten brüsten, 

mit blotem halse und rüggen half naket, 

do sach eine jede van en, wo ^e \\. m^^V 

^* 



20 I>AT ANDER SCHERZGEDICHTE. 

65 Se müste sik ok sehn laten in stilker gestalt, 
Jens schnider kreeg genog arbeit alsobald. 
Se spreken: hebbe toi nicht even siilken plunder 
baten dem gördel und ok darnnder? 
Worum scholde wi den unse schmucke litten 

70 verbergen und laten im düstern sitten? 
Wi hebben se even so wenig gestalen; 
ik kan dem schnider dat makelohn betalen, 
dat he mi dat toams so deep scheret uty 
dat men mi sehn kan de litten und blote huel, 

75 Tucht und schamhafticheit is niit wech geschneden, 
mit half blotem live kamen se her getreden. 

In't erste, do disse mode noch was unbekant 
und men nicht wüste, dat se was kamen in't land, 
bleven se vor eine junfer stahn und gapen, 

80 als wen se segen eines quacksalvers apen. 
De stratenjungens hüpich hinder er her lepen 
und einer tom andern mit vullem halse repen: 
siiy siiy dar geil ein mf, dal vor er böse saek 
schal utgestreken werden offentlik am kaek; 

85 de bödelknecht heft er dat snörlif utgelagen 
und wil er mit der rode de flö vam riiggen jagen. 
Man nu, Got lof ! hebben se veel nagegeven 
und sind nicht so strenge bi disser mode gebleven : 
se begännen nu al intopacken ere wäre, 

90 de se tovörn sehn leten apenbare. 
Dewil se bi velen was alto dür, 
weinig begerden se to kope edder tor hür. 
Dat se de hedden tovörn so utgeflegen, 
darto hedden se grote orsake gekregen. 

95 Den it was eine rede in't gemeen, 

dat de j unfern, de nicht wol weren versehn 
mit tittenwerk und nicht veel funden, 
dar se den bussem mit füllen künden, 
desülve ere gebrek to vernögen, 
looplechten sik na der börse verfögen 

und in der kramboden kopen ein paer patten, 
väD den runden und nicht van den platten, 



YAN ALMODISGHER ELEBEfiDRAGHT. 21 

de SO hübsch weren angestreken, 

dat en nichts als dat levend mocht gebreken, 
105 darmit se den bussem so konden utstafferen, 

als wen't Karren amme ere beide flaschen weren. 

Nicht lange konde waren disse bedroch; 

eine van den junfern moet sik Schemen noch. 

Ere papiertitten seten nicht rechte fast: 
110 als se sik einmal bögede mit der hast 

und wolde upnemen eren hasenband, 

de sik hadde van erem knee afgewand, 

do se sik alto krum underwerts keerde, 

klack ! dar fillen ere beide titten up de ierde, 
115 als twe grote senpschöttel se dar legen. 

Alle lüde lacheden, de it segen. 

Hirvan quam herna de böse argwahn, 

wen men eine junfer sach up der Straten gähn, 

dachte men, ja sede wol unverveert: 
120 de heft vif mark an titten spendeert. 

Up dat se nu bewisen konden in der daet, 

dat de vulkamene, gode vörraet 

natürlik wer und nicht van papier gemaket, 

leten se de titten hengen bloet und naket, 
125 damit de it en nicht wolden toglöven, 

de konden it sülven sehn, fölen und pröven. 

Möchte it darbi bliven, were it goet, 

dat se allene mit den titten gingen bloet 

und nicht mehr wiseden als den hals und keel, 
130 de oft is als dat beste gold so geel. 

Dat konde noch wol mit ehren hengaen, 

men se werden mehr möten bringen up de baen; 

willn se sik nicht laten bespotten und begrinen, 

werdn se wol möten etwas anders laten schinen. 
135 Darto en eine daet werd orsak geven, 

de ein lichtferdig schlüngel heft bedreven. 
Den it is nu kund, wat ntiwlik heft gedaen 

ein junk bengel, ein glatmülich compaen, 

de sik in frowendracht hadde gekledet 
140 und vor eine junge staedsmö Nwm^ÖÄ^. 



22 BAT AHDER SCHERZGEDICHTE. 

He konde sik in dem babit schicken so redit, 
als were it eine maget und nicbt ein knecbt. 
De toYörn was be, desfilve se nn beet, 
gistern was he Jens, van da^ is se Maigreet 

145 Se konde deenste dohn in allen dingen, 
de einer stuvendeern bebören to yolbringen. 
AI, wat de staedsmöien hebben vor maneren, 
dat konde nadohn de niegemakede deren. 
Se konde den ers hen und her dreien, 

150 als wolde se de flogen yan der suppe afweien. 
Wen ein goet kerl vor er afnam den hoet 
and er ut höflicheit einen goden morgen boet, 
stilswigens mit dem kop gaf se einen nick, 
darmit dat mündeken nicht quem ut dem schick. 

155 De spise konde se zierlik up den disch dragen 
und erer junfer de natel stecken in den kragen. 
Gar oft se der junfer in den bussem greep 
und sede: de tüten liggen juu> alto deep. 
Seetj $0 moten se sitten ein wenig in de höge, 

100 dat sik de tippet etwas nedder böge, 

so Sitten se juw recht twischen juwen döken. 
Wen se der junfern schold de flö afsöken, 
sede se : de teve verkrüpt sik twischen juwe knaken, 
ik moet sehn, dat ik se dar wedder kan utstaken. 

165 Se fimmelde lange, ehr se de konde gripen. 

De junfer sprak: Margreet, du most mi so nicht knipen. 
Eiy wat hestu to ketteln und to plücken? 
Wiltu mi de wundel hudeln in stücken? 
De megde, de tovörn sind bi mi gewest^ 

170 hedden sik nicht so snakisch als du di hest. 
Du deist schir, alse uns vortellde Leenke Bökeln, 
wo er scholmeister plecht mit er to gokeln. 
Ik mach dat nicht hebben. Lestu it nicht bliven, 
so werde ik einmal dichte mit di kiven. 

175 Wen se den scheide upwachten in dem bade, 
dat was vor eren mund eine angeneme brade: 
se streck und wusch den nakeden lif allerwegen, 
und wüste ere junfer ganz süverlik to plegen. 



VAN ALMODISGHER ELEDERDRACHT. 23 

Se schrubde er vor, se schrapede er achter, 
180 dat dede der j unfern goet und der magd noch sachter, 

vörnemlik wen se quam mit einem wannen doek 

und drögde er den buek und noch wat sonsten ok. 

Des avends, wen sik de junfer to bedde lede, 

las Margrete er vor etlike avendgebede ; 
185 dat hövetküssen konde se er fin weke kloppen 

und mit der fedderdecken se dichte tostoppen. 

Oftmals de junfer sprak: verneemstu nicht Margreet, 

wo mi echters disse nacht de mare reet? 

Se was recht als ein nahet minsche geschapen, 
idO in einer ganzen stund konde ik nicht vor er schlafen; 

se dede sik plat baven up mi leggen 

und hadde sik so duly ik kan it di nicht seggen. 

Ik mochte di nicht ut dem schlape verstören, 

siinst hadde ik wol geropen, dat du it kondest hören. 
ld6 Södder du bist bi mi in der kamer gelegen, 

heb ik meist alle nacht sülken överloep gekregen. 

Margrete sed': junfer, dat bilde gijuw man in, 

it is man swaer geblöet, dat irret juwen sin. 

Brückt etwas damr^ dat wil ik juw roden. 
200 De junfer sed' : och neen, it kan mi doch nicht schaden. 

Wil it is des hemmelschen vaders wille, 

moet ik it liden und swigen darto stille. 

Mit dem hilgen criitz vor de stem, brüst und buek 

wil ik mi segnen na gewöhnlikem gebruek; 
205 tÄ heb in den leven Got ein goet vertruwen: 

laet dat nachtspoek man kamen, mi schal nicht davor gruwen. 

Margreet sed' : junfer, dar is ok veel an gelegen, 

dat men dat licht utlösche to degen; 

wil man grote ungelegenheit verhöden, 
210 so is gewis vor allen dingen van nöden, 

dat men sik bi tiden darna mögen richten 

und laten den ösel utlöschen van den lichten. 

Kein ungesunder dink is als des lichtes stank, 

eine junfer kan bald darvan werden krank; 
216 ja, darbi is sülke grote gefahr, 

dat men oftermals binnen ein jähr 



24 I>AT ANDER SCHERZGEDICHTE. 

lif und seel heft van er scheiden gesehn, 
als einer hiUigen nunnen einmal is geschehn. 
Do fraier Viel tcolde In er inU bedden treden 

220 und mit er ein andechtig Ace Maria beden, 
do hadde de broder to grotem ungelücke 
van dem dacht laten glasen ein stücke: 
darvan quam der gotseligen süster 
de stinkende damp in ere nüster 

22b und dörch de nüster in eren buehy 

de darvan so dick ward als eine tvaterkruek, 
und ward endlik darvan ein junk mönnikebroder. 
De juufer sprak : Ei, behöde uns Gades moder 
dat u)i nicht kamen in sülken jamer t 

2S0 Laet lever dat licht gana und gar ut der kamer: 
fvi hebben hier ja kein geld to teilen, 
unse saken köne tri v)ol im düsiern bestellen. 
Se bestelleden ere saken mit sülkem schick, 
dat der goden junfern de buek ward dick. 

236Worvan dat quam, kond man lichtlik weten, 

nömlik van einem Jens und nicht van einer Margreten. 

Sülk schelmstück bedreef de lose bove. 
Der Simpeln junfern alto grote gelove 
heft nicht allene se in schimp und spot gebracht, 

240 sondern ok andere gesettet in bösen verdacht, 
als wen nicht alle junfern und fruwen weren, 
de in fruwenkledern daher gähn braveren, 
men dat ok konde under fruwenkleder schin 
biswilen ein junk monsörken verborgen sin. 

245 Wormit könden nu van sülkem argwahn der bösen 
de megdelin sik entfrien und erlösen? 
Ik weet nicht beter, wat se konden maken, 
als dat se musten lopen mit bloten ersknaken 
und laten jederman er eventür anschowen, 

250 to wisen, dat se sind van dem geschlechte der frowen: 
so würde it jo unterscheden ein ider 
und konde daran nicht twifeln wider. 
It is doch alles van einerlei art ledder, 
wat an den minschen is up und nedder. 



YAK ALMODISCHER ELEDERDEACmT. 25 

255 Sine ehre erredden und argwaen benemen 

is lavendsweert; darvör sik nemand darf Schemen. 
Eiy ei, segt Else Elunds, dat geit vorwahr nicht an: 
de siilkes radet, dat is kein verstendig man. 
Denket doch eins sühest, tvo toolde dat loten, 

260 dat fruwens scholden nahet lopen up der Straten? 
Ik bidde juto, wo hönisoh würde dat stahn, 
wen se würden mit dem erse bloets hövets gähn? 
Dat würde jo sin ein armselig leven, 
'^jk wold't nicht dohn, wold mi einer tein daler geven. 

265 i\ mi sonst na'm angesicht to sehn plechten 
na '^*^^^ parlensnoer und wackeren flechten, 
de scholden mi wol alle hierhen gapen: 
dat juw dat ernst is, wil ik nümmer hapen. 
Gi hebbt gewis juwe sinne nicht alle negen 

270 edder hebbt einen schlag van der windmölen gekregen. 
Holdet it mi to gode, gi ehrliken lüde, 
keiner mi minen schnack tom ergesten utdüde. 
Ik weet it sülvest wol, dat sik dat nicht geboret, 
men wat ik segge, heb ik van Aalke Quaks gehöret. 

275 De sede einmal: de mode is als de böse krevet: 
wen de erst ümme sik her to freien anhevet, 
so gript he immer fort und verteret al to hope; 
wat ümme und bi em is, dat blift alles im lope. 
De modekrevet heft al stive um sik gefreten, 

260 der männer underbaert heft he al wech gebeten; 
twe klene knevelkens sitten noch under der nesen^ 
sonst wüste man nicht, dat it ein man scholde wesen. 
De fruwenhuve heft ok gehat kein beter glück: 
darvan is al verteert dat grötste und beste stück, 

285 dre stremelkens sind dar noch, dat men se sehn kan nowe. 
De schote sind bald wech, darto de halve mowe; 
de is al upgeteert bei schir an den elbagen. 
Wil he so faren fort de kleder wech to gnagen, 
so werde gi gewis befinden, dat in körten 

290 he ok upfreten werd dat hemde sampt den schörten 
und werd nichtes van kledern nalaten noch sparen: 
alles werd he verteren mit huet und mit )\cKrt>u. 



26 DAT ANDER SCHERZGEDICHTE. 

So möte m tool de Indianer naapen 

und gahny als uns de leve Got heft geschapen. 
295 Wen ik dat liker scholde sehn, so wiird ik mi 

krank und io barsten lachen, hi, hi, hi. 
Dat meende Aleke^ de olde eteninne; 

se müste dulle grillen hebben in erem sinne; 

vul van oldfrenkischen kledern was er schap, 
300 nie to tögen was er de büdel to schlap. 

Darum vermahnde se de jöged recht mit truwen, 

dat vor de nie mode en billik scholde gruwen. 

Wen sülkes alle oldern nemen wol in acht, 

würde nicht so vele nielicheit upgebracht. 
305 Averst men find't wol öldern, de sik sülvest römen, 

dat se wat hebben in de melk to krömen, 

und könen wol ere döchters upmutzen, 

dat se sik so dul heruter putzen 

und laten alle maent, ja noch wol ehr 
310 de kleder ümsmölten up nie maneer, 

Se Seggen: scholde wi uns laten vörschriven, 

u>at wi willen dregen mit unsen wiven, 

mit unsen döchters und unsen sönen? 

Dat toerd uns nemand verbeden könen. 
315 T^i willen dragen, wat wi könen betalen, 

do ik it nicht, so schal mi de kuckuck halen. 

Hierto is keine hülpe mehr to erwachten 

edder jo schwerlik, kan ik erachten. 

Wat helpe't, dat de prester darup scheiden? 
320 Ere verraaning holden se sülvest seiden. 

Ere fruwens und döchters herin braveren, 

als wen it weltlike damoisellen weren. 

Weinig fruwenvolk kan mehr to vote gähn, 

wagen und peerde moten altid ferdig stalin. 
325 Doch se mögen wol — it si enem steen geklaget ! - 

so sehr van dem podagel sin geplaget, 

edder hebben schorvede und vule bene, 

dat se nicht treden könen up de stene. 

Disse schwakheit heft bi en so ümgegrepen, 
330 dat se sik moten up wagens laten schlepen ; 



VAN ALMODBCHER ELEDEBDRAGHT. 27 

de werden vul gepackt van gode und böse, 

als wen men to raarkt fort eine drift göse. 

Se sind behengt mit staedliken güldenen keden, 

de wol gekamen sind van den kopperschmeden, 
335Yelicht en stück van einer koppernen kanne, 

van einem schinkenketel edder bruwpanne: 

darut is gemaket ein gülden wark 

vor vöftein Schilling und elven mark. 

Dennoch, Got lof und dank ! se sind nicht al so schwaer 
340 als derer, de up dem holm gähn paer bi paer; 

it möchte doch gefunden werden de dar wolde, 

dat ere kede wer so schwaer van godem golde. 
It is noch nicht genoch, dat in so veel maueren 

de kleder men nu moet so oftermals verkeren, 
345 und maken mehr figurn und mehr fazon darvan 

als Jan Potase sine mutze folden kau; 

ja, mehr gestalt und form als an sik konde nemen 

Proteus de gökeler und sinen fiend beskemen. 

Dat is nicht gnoch, segge ik, dat is men vör't gesiebt, 
350 darvan nese und gerök kein lust noch vördeel krigt. 

It moet noch etwas sin inwendig in den kleden, 

dat men de hochheit kau vam gringen underscheden, 

dat is de söte rök, de in de nese inkeert: 

darümme moet dat kleed sin köstlik parfümeert. 
355 De mode is erstlik nicht van uppicheit gekamen, 

men eren ortsprung heft se van der noet genamen. 

De erst dit rökerwark gebracht heft up de bahn, 

was einer van Paris, Philippe de Voran, 

ein braver cavalier, van groten qualiteten, 
360 im hoerhus immer sin let he sik nicht verdreten. 

He roek glik als ein bück, so brösich und so geil, 

und hedde noch darto den hemeliken feil, 

dat he nicht holden kond van vören noch van hindern, 

he muste sine broek ahn underlaet beklündern. 
365 De purtader em burst, wor he stund edder gink, 

darvan sin nedderkleed ein'n sölken rök entfink, 

dat men de nese must toholden mit den henden, 

wol bi em stund, de must sin a\i%'8>\d[v\. N^\i ^^«^ ^^^^^^j^- 



30 I>AT Ain)£R SCHERZGEDICHTE. 

445 Darmit werd den vermeDgt ein ander stinkend dreck, 
als desem und zibet: dat is doch man ein eck, 
dat ut dem schwere üüt van einem schlimmen deert 
und einer fremden kat krüpt achter ut dem steert. 
Man wirt nicht is gemein und dühr is to betalen, 

450 und solken unflaet men ut fremdem land moet halen, 
so rükt it treflik wol. Dat geld gift em de ehr, 
dar men doch beter koep sülk dink hier fünde mehr. 
Is ene schöne fruw, gebahrn in dissem lande, 
nicht beter als ein deert am indianschen strande, 

455 dat doch so garstig is? Worher kümt den de waen, 
dat, wat sülk hesslik deert leet binden ut sik gähn, 
schold' höger sin geacht und beter röke geven 
als wat der schönen fruw im hembde blift bekleven? 
De nese, de darvan schold' ordelen und richten, 

460 kan wol ein unrecht recht dörch falsch inbiiden dichten ; 
den einem oftermals gar leflik etwas rükt, 
darvör ein ander minsch de nese wol todrükt. 
Is nicht de vule kees, darin de wörme springen, 
ein van den garstigsten und afschuwliksten dingen? 

465 Kein aas so övel stinkt, dat up dem felde licht, 
darvan ut groter angst ein minsch de amacht kricht, 
als mit verlöf de kees, de vuel is und vul maden: 
dennoch men lüde find't, mit doerheit so beladen, 
dat se sülk gresslik tüch, dar einem mocht vor gruwen, 

470 wol rüken mögen, ja to eten sik nicht schuwen. 
Yeel hundert lüde sind, de mit tabak sik schmöken, 
daran se ere lust und grötste frewde söken; 
kein rök en söter is, kein ambra, kein zibet, 
kein wirok, mastix, musch und wo dat tüch al heet. 

475 Ein ander, wen he kümt ungfehr in ein gemak, 
dar ein roeksüper sit und schmöket mit tabak, 
em werd bald angst und bang, he gript sik bi der nese, 
dat schweet dat brekt em ut vor gruwel und vor grase, 
he wolde lever sin, dar ein nachtmeisters knecht 

480 ein span vul dünne supp up sinen wagen drecht 
Dat deit apinion: wer it man so de schick, 
und einer men begünd to parfumeren sik 



VAN ALMODISCHER KLEJDERDRACHT. gl 

mit fruwenbeli&oin, mit junfernbdellion, 

man würde finden gnoech, de it na würden dohn. 
485 Gewahnheit und gebruk maekt, dat men moet erheven, 

wormit men sinen spot tovören heft gedreven. 

Averst ik twifle sehr, dat einer in der daet 

gelöven werd, dat dit si ein verstendig raet. 

Ik glöve it sülvest nicht, wil it ok nicht proberen, 
490 doch wil it jemand dohn, ik wil't em günnen geren. 
Holla, holla, nu springt de fedder alto wit, 

se is noch duller als de lüde in disser tid, v 

se glischet ut dem weeg und schritt, dat sik nicht schicket, 

wor ik se sette hen, werd dat papier beklicket; 
495 ik wold' nicht reden gern, wat mine fedder schritt, 

den schmeicheln maket fründ, de waerheit fiendschop gitt. 
Dat to disser doerheit und schlimmen överdaet 

kein remedie werd sin noch einig raet, 

kan ein jeder, de vernutt heft, lichtlik schluten, 
öoodewil verachtet werden alle gode Statuten. 

De löflike klederordinanz 

werd geholden wedder half noch ganz, 

der bogen avericheit mandaten 

achtet men als scholappen up der Straten. 
505 Gelik als de semmein im vastelaven, 

wen se erst kamen ut dem aven 

und sind noch so heet, dat men de hende, 

und finger lichtlik daran verbrende, 

so kan ein b otterklump, darin gesteken, 
510 verschmölten und in der hast tobreken: 

man wen de semmel is geworden kolt, 

de botter sik ungeschmolten holt. 

Also ok de herliksten mandaten, 

de grote heren utgahn laten, 
515 so lange se sind frisch und warm, 

werden se geholden van rik und arm. 

Na achte dagen begännen se sik to negen, 

als wen se de Schwindsucht am halse kregen, 

se verquinen und werden verteert, 
520 dat se keinet mehr to holden be%^\it\». 



32 I>AT ANDER SCHERZGEDICHTE. 

Ja, secht Matz Pump, dat is eine glikenisse^ 
darvan scholde ik taol krigen de kolde pisse. 
Ei, welk ein schön discurs, welk treflike parabelt 
It wer schlicht genoch van einem jungen rapschnabel. 

525 Wen ik höre sülke kale putaen sohnaken, 

so scholde ik mi hast möten vor lachen bekaken. 
Hört: glik als eine warme semmel is nicht hold, 
also de nie maneer van kledern is nicht ald. 
Klapt dat nicht wol? De glikeniß kan sik flaschen, 

6S0 als eine vuest an't ohr, als botter in der laschen. 
'Tis waer, Matz Pump. Men dat is so min gebruek, 
wen mi begünt to rummeln de buek, 
plecht mi wol eine gelikenisse to entkamen, 
als einem, de schafFönnie heft ingenamen. 

535 Ik hebbe möten innemen oftermal 

glikenissen so elend, jammerlik und kael, 
dat men scholde de hende darbi warmen. 
De krümmein und wümmein mi in den darmen, 
se willen dar körtüm nicht lenger inloseren, 

540 Sündern kamen unvermotlik herut marseren; 
etlike lopen van achter, etlike van vor, 
darna ein jeder van en findet de erste dör. 
It geit hirmit, als mit einem kranken, 
de up dem bedde ligt edr up der banken, 

545 — seet, dar kümt echter eine glikenis her scheren, 
wen ik ok börste, kond ik it en nicht weren — 
wen he sine saken nicht kan werden quit, 
de em in den darmen verhardet sind lange tid, 
so moet he inschlucken wedder sinen willen 

550 stinkend und garstich schmeckende pillen, 
de em könen jagen ut siner kallune, 
wat de buer plecht setten hinder dem tune. 
De glikenissen, de ik plege intofören, 
könen di de dat ingeweide so rören, 

555 dat du di möst bepölken und bestrüllen, 

so magstu miu^nthalven de bücksen darto füllen. 

De nesewise kompan mit siner kolden pissen 
beft mi gemaekt sülke ergernissen^ 



VAK ALMODISCHER KLEDERDKAC5HT. 33 

dat ik van kledern nicht wil reden wider, 

560 Sündern laten sinen profit dem schnider; 
he mach sin vordeel hernamals gerne söken 
mit den langen wemsen und schipperbröken, 
dar he einen groten latz vor flickt, 
mit hundert favoern und bendern dorchgestickt, 

565 als were it ein storksnest edder badequast, 

den men im bade vor den buek moet holden fast. 
It is nicht rechte lang, do sach men de favoren 
geflochten an deq krusen locken bi den oren; 
de platz was unbequem: dat bröchte en kein goet, 

570 darum vertrocken se und quemen up den hoet. 

Men wedder haer noch hoet bi fruwens maket gunst, 

darum destilve so to zieren is umsunst. 

Dar men bi fruwensvolk favor erlanget mit, 

dat weet de schnider wol am besten, wor dat sit. 

575 Darum desülve ort, dat he nicht lide schaden, 
befestet werden moet mit dicken palisaden: 
als ein braef Ingenieur settet he darümher 
schanzkörve mit donjons und andre nödge wehr. 
Doch was de wol nicht wis, de de maneer bedacht, 

580 dat stilke schanze würd' dem manvolk vorgebracht, 
veel nütter würd' it sin, wen se nicht vor der broeke, 
sondern dem fruwenvolk sete underm schörteldoeke. 
Beter were it, dat se den platz verwaren leten, 
dar man vermoden is, dat man wil bresche scheten. 

585 Doch dat geit mi nicht an : al, wat vor nütlik helt 
der schnider ehrbar raet, mi altid wolgefelt. 
It is jo recht und goet, dat sülks ein jeder deit, 
wat sines aniptes kunst und wetenschop angeit. 
Ik hold dat handwerksvolk vor mine beste fründe, 

590 schold ik jemand van en verergern, dat wer Sünde. 
Schomaker ik mit willen nicht vertörne, 
se maken brave sko mit dubbelde hörne; 
de hörne an einem orde doch Sitten niöten, 
is it nicht vor dem kop, so is it vor den vöten. 

595 De höter mögen maken van oldem filt 
der hanrei wapen und gewönlikeü %dw\di^ 

Laurember^. '^ 



34 DAT ANDER SCHERZGEDICHTE. 

dat sind de breetrandige höde, 

men werd se doch ok bald werden möde. 

Men de spitzhöde van vossenschwanzhaer, 

600 dat is gewest und blift wol gode waer. 

Se is in godem schleet und blift in hogem lave, 
wowol nicht offentlik, in steden und to have. 
De neierschen und kusche Wäscherinnen 
moten ok mit ehren er broed gewinnen, 

605 wen se de hemde stiven und striken, 
de de gecken laten ut den mowen kiken. 
Se krigen noch veer Schilling to waschen 
vor de kruse dubbelde handtaschen, 
welke gewest sind grotvaders twe kragen, 

610 de he des sündags plecht to dragen, 

ehr noch de groten lubben quemen vor den dach, 
de men darna to gebruken plach. 
Wen de domdeken und andre prövenheren 
recht in ere postur und proces weren, 

615 wen se gingen na sunt Peters kerkensael, 

edder quemen vam speersord und peerdemarkt herdael, 
do moste bi dem atlassen wams und broek 
ein sammitten spannier sin und van kammerdoek 
ein krage, groet als ein temlik wagenrat, 

620 dar de hochwise kop recht midden inne sat. 
Men do de dicken lubben würden so gemeen, 
dat se um eren hals wold dragen idereen, 
wolden de heren sik nicht lenger darmit drücken, 
Sündern leten se alsbald schulden in stücken. 

625 Und darmit nicht so veel linwand würde verlaren, 
würden ut halskragen stevelskragen gebaren, 
de nömden se van den canonicis canonen; 
dat sind twe wide büdels, glik als twe krönen, 
darmit als de ruechvötigen maenduven 

630 Stegen se darher in karken und stuven. 

Se beholden noch itzund dissen geesüiken namen, 
men nu sind se al in liderlicheit gekamen, 
se werden nu gemeeni vuelfeil und nichts mehr weert, 
büskeD' und slüskenpack sik nu canoniseert. 



VAN ALMODISCHER KLEDERDRACHT. 35 

635 Van allen den, de van den nien drachten 
er vördeel hebben, is keiner, kan ik erachten, 
de mehr profit heft als de sidenkramer, 
de scbnit hirmit sinen weiten winter und samer: 
darum ik en vor andern hoch erheve 

640 und em mehr ehre als mengera börgemeister geve. 
Wen ik van ungefehr vörbi ga sine bode, 
so grip ik alsobald na minem kalen hode, 
ik make reverenz und bficke mi gar krum, 
nicht vor em, men vor dat im laden ligt herum: 

645 vor sammit, atlas, plus, sülvern und golden schnör, 
vor kntippels, staetlik want van carmesin colör. 
Dit is it, dar men sik dat hövet moet vor blöten, 
sik bögen mit dem hals und schrapen mit den vöten. 
Wen einer kütnt darher getreden schlicht und recht, 

650 de ein geringes, doch ein ehrlik kleedken drecht, 
men geit vor em vörbi, men süt en kuem eins an, 
al wer he ok ein rik und vornehm eddelman. 
Kumt ein samraitten stück herlopen up der strate, 
darin ein schnider heft loseert na siner mate 

655 einen man edder fruw, strax men de segel strikt 
und bald mit reverenz veer schrit bi siden wikt. 
Deit men nu stilke ehr mit negen und mit bücken 
der kramerwaer, de al geschneden is in stücken, 
und holt kuem 14 ehl: veel mehr werd se geehrt, 

66odewil se dar noch ligt bi hupen unversehrt, 

bi kisten vul. Darum schal men den kramer prisen, 
dewil man siner waer moet sülke ehr bewisen; 
al is de ehr nicht sin, he krlgt doch etwas mit, 
gelik ein esel krigt, darup ein götze sit. 

665 Ik glöve jo, dat sik wol kemand lichtlik fünde, 
de nicht einem jedem börlike ehre günde, 
wen he sik also holt, als it sin stand mit bringt 
und nicht ut avermoet na högern dingen ringt. 
Wol weet it wol dat is, dem men de ehr ertöget, 

670 wil sik mit underscheet der Weder nemand nöget? 
Wen ik ein megdken seh so püntig darher gähn, 
werd ik ganz ungewis und moet \w V«Snä. ^Xä^'«^-» 



36 DAT ANDER SCHSaiZGEDICHTE. 

of it de dochter is vao einem radesheren, 

edr eines schmedes magt, edr eine schosterderen : 

675 de ehr, de men en deit, de dript den, den se dript, 
glik als men zeddelkens ut einem lückpot gript 
It is mi wedderfahrn, dat ik vor wenig dagen 
mit einem guden fründ spazeerd in Kopenhagen. * 
Aldar bejegnden uns dre fruwens up der straet, 

680 sehr köstlik angedahn, als de van hogem staet: 
de fingern glenzden en van ringen mit demanten, 
de schörteldök van floer, de huven van blianten, 
van sammit ere wams, de rocke van tabbin, 
de muffen alle dre van säbeln schwärt und fin. 

686 Als ik se also sach, kond ik wol lichtlik truwen, 
dat se jo würden sin van den börgmester fruwen 
edr ok van den vörnemsten in der stat, 
so prechtig seten en de kleder up er gat. 
Ik dachte, hir is tid curtesie to bewisen, 

690 dat dit geehrde volk dine höflicheit mach prisen : 
ik makde mi so krum als ik den hoet afnam, 
dat de kalotte mi vam kop herunder quam; 
se vil pardues darben und ward schentlik verhudelt, 
mit reinem dreck und schmit was se dorchhen besudelt. 

695 Min gferte ward bestörzt und sed: min gode friind, 
foete gi, wat dat cor dre vörneme fruwen sind, 
vor den sik also sehr demödigt jutoe kalotte? 
Ik segge it juw getois und mit juw ganz, nicht spotte : 
de eine^ de dar geit tor linken hand so stif 

700 und schüft so mit dem erse, is eines schlachters fvif; 
de ander dicke druml, de disser geit to rechten, 
er erste man dat was einer van den stadknechten^ 
na sinem tode kreeg se einen schipstrummeter. 
Der drüdden ere man dat is ein kannengeter, 

705 Hirvan ik schaemroet ward und dennoch lachen must, 
wil, wat ik had gedahn, mi ganz was unbewust. 
Ik seh wol, dat it noet werd sin na dissen dagen, 
wen ik bi jemand kam, dat ik moet erstlik fragen: 
segt, junfet edder fruw, wol sit gi, dat ik kan 

710 ff ebör enden respect und ehre juw dohn an? 



VAN ALMODISCHER KLEDERDRACHT. 37 

Q sammit, samtnit, o, u>o lestu di doch gecken, 
dat du so schimplik must den vulen ers bedecken 
derj de vor weinig tid sik wol heelt hoch und breet, 
wen se vört beste droech ein schlicht baratten kleed, 

715'Mi dünkt, dat sammit is gelik in velen delen 
der metempsychosi und Pytagorscher seien. 
Sobald it ut dem lif der kramerb öden kümpt, 
an unterscheedne ort it sine waning nimpt. 
Ein deel verändert is und lieft quarteer genamen 

720 in ein lank nunnenkleed der adeliken damen, 
ein deel sik vor dem buek der börgerinnen find't 
und is dat losement, darin de titten sind. 
Ein deel is ganz verdömt, dat it sik late dragen 
den mowen tom upschlag und to den mantelkragen 

725 van allemans gesind: speckhökers, klempeners, 
fohrlüde, timmerknecbt', scholappers, hudelers, 
de süt men alle gähn mit sammitten upschlegen, 
sobalde se men wat tom brode hebt gekregen. 
Dat unglücklikste deel verdömet is darto, 

730 dat it den megden werd to tüflfeln edder scho, 
darmit se in den dreck bet an de enkeln lopen, 
wen se vam pludermarkt und schrangen etwas kopen, 
ja werd van pisse wol bespotten und bekleckt, 
wen Kam nicht wit genoch de been van ander streckt. 

735 Seet, wo dat sammit werd sampt andern siden waren 
so jammerlik misbruekt, verhudelt und gescharen ; 
it is glik als de dow im meimaent, de so bald 
up einen kodreck als up eine rose falt. 
Ik heb wol altoveel geredet und geschreven 

740 van kledern, darto mi der iver heft gedreven. 
Ik möchte wünschen wol, dat it mi were leed, 
den ik ok sülvest heb daran gehat verdreet. 
Got wolde mi vordan vor stilke sünd behöden! 
Darmit ik averst mög den groten feil vergöden, 

745 wil ik den schniderhern, de ik hoch respecteer, 
mitdelen eine moed vul van profit und ehr. 
Ik wil se en dorch gunst ut fründschop apenbaren, 
de ik in Frankrik heb gesehn vor n^V^äw '^^\«tk. 



38 DAT ANDER SCHERZGEDICHTE. 

Se is ¥^ol teralik old: nu kan se werden junk, 

750 van junkheit rükt dat wol, wat korts van older stunk. 
Wen eine courtisan sik laten bad belocken, 
edr was gar ungestalt van eren landsmanspocken, 
so wurd er togericht ein grot verdugadin, 
des name domals plach oachebastard to sin, 

755 darunder ahn verdacht ein junfernkind kond schulen, 
dat raen nicht merken kond de upgelopne bulen. 
Dat was ein dicke wulst, glik einem tunnenband, 
de billik konde sin französche kap genant. 
De spansche kappe moet rund tim dem halse Sitten, 

760 men de französche kap de sat recht undr den titten. 
Dar rowden up de arm, wen se wern worden schwaer, 
dar flieden se up ut de dagelike waer: 
den schnupdoek, handschen, scheer, den büdel, natelküssen, 
ok konden se damit dat Hensken hübsch vertüssen, 

765 dat under dissem schuer im düstern keller lach. 
Ik weet nicht, dat ik je sülk einen uptoch sach. 
Dit was dat vörcasteel vam junferlichen schepe: 
dat achterpart dat was ein lank sammitten schlepe, 
de als dat grote stür in einer vullen schuet 

770 en volgde hinder't gat ein schrit lang achter ut. 
Mit dissem bessemschwanz se konden renlik fegen 
de treppen und de straet, wen se was vuel van regen. 
It ward domals balley de irougaleux genant: 
wat dat to seggen si, dat is mi unbekant. 

775 Men dat bekenne ik fri, 'tis wunder aver wunder, 
dat disse dracht noch nicht gebruket werd itzunder. 
0, wat sint doch gewest de schniders dumme narrn, 
dat se im Unverstand so lang hebt könen harrn, 
und disse schöne dracht, so nütlik und so brave, 

780 nicht hebben al vörlengst geschüfelt ut dem grave. 
meisters, doet it noch, gi könt nicht beter dohn, 
vor juwen vördeel is kein betre invention, 
gi werden noch somtids wat heemliks könen weten, 
wen gi der junfern buek mit juwem schnoer ümnaeten ; 

785 tom schlepe konde gi vam sammit fördern mehr 
und schmiten in dat oeg tom minsten ein quarteer, 



VAN ALMODISGHEB KLEDERDRAGHT. 81 

ok schriven, item noch ein half loet gele side, 
dat mit dem andern tüch hen in dat oge glide. 
Ik glöve dat gewis und wil wol borge sin, 

790 ja dörve ^^edden um ein stöfken rinschen win, 

— van dem, dar noch nicht is de franzman to gestegen, - 
wen erstlik kamen werd de mode up goden wegen, 
dat men desülve den werd holden also hoch, 
als ein kleed is gewest, dat je ein medgen droch. 

795 It werd dre maente lank de nieste mode bliven, 

wol it erst hebben schal, dar werd men sik um kiven. 
So krigen alle beid, worna en steit de sin, 
dat fruwenvolk de ehr, de schnider den gewin. 



40 BAT DRÜDDE SCHERZGEDICHTE. 



DAT DRÜDDE SCHERZGEDICHTE. 

VAN ALMODISCHER SPRAKE UND TITELN. 

Vam meisten deel der minschen, de nu leven, 
veel idel waen und doerheit werd bedreven; 
doch des bin ik versekert und gewis, 
dat van den allen keine doerheit gröter is, 
5 als dat einer van doerheit wil spreken 
und einem andern sine doerheit wil herreken, 
dar he doch sülvest is de gröteste geck 
und heft mehr als andere doerheit und gebreck. 
Nicht grote wisheit is bi dem, kan ik erachten, 

10 de sik ergert an den velen nien drachten 
und segt, dat van kledern altid was nies ktimpt 
und alle jähr man eine andre mode vernimpt. 
De mening is nicht goet: mi dünkt, de sülkes reden, 
den is verstand und sin ganz ut dem koppe gleden ; 

15 den alles, wat men nu vor nie mode holt, 
dat is gewesen al vor velen jaren olt. 
Wil gi wat nip ansehn der olden Greken bilder, 
de noch gemalet heft Zeusis, de beste Schilder, 
so werd gi lichtlik sehn, dat de verwesde dracht 

20 vam dode is upgestahn und to dem levend bracht. 
Als men in bökern find't Glycerium gemalet, 
als Pamphilus mit sinen wideu ermein pralet, 
als utstaferet weren Alguils und üngande: 
ein sülke art habit gebrukt men nu im lande. 

25 Van kledern de faaon, dar Actaeon in gink, 
do he Dianae sach er splitternaket dink, 



VAN ALMODISCHEB SPRAKE UND TITELN. 41 

desülve klederart is wedder niegebaren, 

ahn dat de hörner sind darvan vam kop'^verlaren. 

De börgers to Wartow, de olde antiquiteten, 

30 erinnern sik gar oft und könen noch wol weten, 
dat, do se weren junk van jaren und noch kleen, 
desülve klederdracht se hedden do gesehn. 
It is glik als de sünn', de geit des avends nedder, 
des andern dages fro so kümpt se balde wedder: 

35 so deit de klederform. Wen se etwas gewahrt, 
so moet se undergahn: den kümpt ein ander art; 
de wahrt den ok nicht lang, men is se ok bald möde. 
So brekt de olde hervor glik als de morgenröde, 
vor de wechwiken moet de düstre schwarte nacht: 

40 de afgelechte form werd wedder upgebracht. 
De kleder sind gelik ein'm* cabinet und kamer, 
darin men is loseert vam schulder und vam kramer: 
ein'm jedem steit it frie, in wat maneer und maten 
he wil sin cabinet stafeern und putzen laten; 

45 of em de malerknecht darin afmalen schal 
einen französchen sot edr einen danschen gal 
edr einen düdschen geck edr einen welschen wo» 
edr einen spanschen loc edr hoUendischen dwas. 
It is doch al gelik, wpl dar loseret in, 

50 in einem sind dar mehr, im andern sind dar min. 
In ein französisch kleed kan men loseren kuem 
ein eingen düdschen kerl, so is dar nicht mehr ruem, 
men in ein düdisch kleed, in einem wams und hosen 
find't men oft inquarteert mehr als vif schock Franzosen. 

55 So geit it in der weit: dat sind al sülke dinge, 
de tor glückselicheit sind schlecht und sehr geringe. 
De olde nielicheit, dat nie olderdom 
verjünget jahrlik sik als bieder up dem bom. 
Dat rechte fundament let schwerlik sik verrücken, 

60 dat olde principal steit fest in allen stücken ; 
als it gewesen is, so blift it na als vor. 
Wen men wil gähn in't hus, so geit men dörch de dör ; 
dat is de olde schick: it wer groet ungemak, 
wen men ut nielicheit wold stigen dörch. d«.t 4ä!«^» 



42 DAT DRÜDDE SCHERZGEDICHTE. 

65 In andern dingen ok is noch bether gar even 
de wise, de dar was vor dusent jähr, gebleven: 
als Roland sin Bajard, als Holger Dansche's hest, 
so sind de peerde na und sind altid gewest. 
Ok holt men den gebruk noch hüden, wen men rit, 

70 dat jeder rüter buten up dem peerde sit. 
Do eins de cavaliers binnen im peerde seten, 
da wart Troja verstört mit grotem blotvörgeten. 

Men worum schold men nicht de klederdrachten halen 
ut Frankrik edder ok van Spanniers edder Walen? 

76 Materie und form dat sind de beiden deel 
van einem jeden ding gelik als lif und seel: 
dewil wi de materie van fremden krigen her, 
warum scheide den jemande bringen beschwer, 
dat wi de forme ok van den fremden bekamen? 

80 Ein land kan nicht fortbringen alles tosamen. 
Italien maket uns dat sammit und satin, 
ut Holland krige wi kamerdoek klar und fin, 
Engeland schaffet uns de besten schönsten laken, 
ut Frankrik, ut Düdschland hale wi andre saken, 

86 de ein jeder to kleder bruken moet, 
etlike tom zirat, etlike to der noet. 
Dit is ein dink, dat nicht veel hedde to bedüden, 
wen nicht grötere doerheit were mank den lüden. 
Dat gröteste verdreet und ergerlikste sake 

90 is de vermengde rede und allemodsche sprake, 
dat französische düdsch, dat vor gar wenig jaren 
erst upgekamen is und glik als niegebaren. 
Dat man verendring heft van kledern und habit, 
dat gift noch mennigem goet vordeel und profit. 

95 Men heft noch lust daran, men kan de ogen weiden, 
ein jeder, de it hört, kan't lichtlik underscheiden, 
ja ein junk plögekerl, ein schlichter buercompan, 
wen he süt eine fruw im sammitn schuörlif gaen, 
so weet he alsobald, it si ein fruwenwammes 

100 und nicht de rüge steert eins ossen edder lammes; 
wen he süt, dat ein man in braven bücksen geit, 
se sin wit edder eng, al&bald he doch versteit, 



VAN ALMODIBOHEB SPRAKE UND TITELN. 43 

dat sülkes kleed gewis si eines manoes broke 
und nicht ein bessemstehl, ein ploch edr eierkoke: 

105 wen averst einer de vermengd« sprake hört, 
so werd he in sinem verstände ganz verstört. 
He steit und gapet dar und weet nicht im geringsten, 
of men van paschen sprekt edr of men sprekt van pfingsten, 
de eine heft velicht van junfern sinen snack, 

110 de ander meent, he rede van einem hoppensack. 
Twar it geschüt gar oft, wen jemand sik begeven 
van hus in fremde land und kan noch nicht gar even 
des landes rechte sprak, de noet eu darto drengt, 
dat he des ordes spraek na siner landart mengt 

115 Als wen ein Düdscher erst in Frankrik is gekamen, 
sprekt he französisch, als he it heft ingenamen. 
A fu monsör, mon frire, ä fotre ponne gras, 
— dat ktimpt im cabaret dem werde wol to pas — 
monsör, feson deböske, allon $chuf>veer la pome, 

120 dat werd gereken uns to ehrn und grotem rome. 
Men kan it doch verstau: drift en darto de noet, 
dat he de landesspraek mit lüden reden moet, 
so sprekt he als he kan: wen he nicht mehr kan spreken, 
so moet he mit gebeerde entdecken sin gebreken. 

125 Men weet, dat sülkes nicht mit willen kan geschehn, 
ok nicht ut üppicheit, um sik to laten sehn, 
men wil se könen nicht und it nicht beter weten, 
darum ok ere feil sik nemand let verdreten. 
De averst ut hoffart geworden is so stolt, 

130 dat he sülk nerrisch dink vor grote wisheit holt 
und halet al hervor, wat he man kan erhaschen 
van der französchen spraek als ut der gökeltaschen : 
desülve in sinem sin gestegen is so hoch, 
dat he sik bildet in, wat andrn is goet genoch, 

135 dat si em to gering, he kan sik nögen nicht 
mit siner moderspraek, de is em alto schlicht. 
Ok is veel ander volk, dat ere spraek verstümpert, 
als wen men rostker beer mit denschem öl verplümpert. 
Ik heb wol ehr gehört, dat mit gemengdem snak 

140 ein düdischdenscher man to sinem jungeu «^^^\ 



44 I>AT BBÜHDE SCHERZGEDIOaTE. 

kum hiiy dm drenge jung, in dissem saae sporn 
vor mme kette peerd hent an wai waier ean, 
und stradu enari hast igien^ kum wedder io mi saa, 
sünsi eckaltu didUe Atidk päa dimem riiggen faa, 

145 Dat is dat schlichte voIk, dat so to reden plecht 

de menen, dat men sonst versta nicht, wat men secbt. 
Se wolden spreken gern als men dar sprekt im lande, 
men se sind noch nicht ganz gekamen tom verstände. 
Mit andrer Völker spraek wil ik mi nidit veel plagen, 

150 men mine moderspraek ik billig moet beklagen. 
Dat gode olde dfidsch so liden dnl na gdt, 
dat de eine Dfidsche den andern nicht versteit 
Wen ein landsman to mi düdsch to spreken begünt, 
so moet ik fragen: wai segge giy gode frBnd? 

155 A kan juwe mening nicht ermeien^ 

gi reden, als wen juw de iunge wer besw$eiet^ 
Men kan wol merken ni juwen worden, 
dat gi lange gewest sind an frembden ärden, 
im lande Paris, dat so werd geromi 

leo nnd der andern Völker vegetascke genomi. 
Köne gi noch so veel, so sit gebeden, 
dat gi wollen als ein christenminsche reden. 
Juwe möme de werd sik dreflik gremen, 
wen se mit sorgen werd vememen, 

165 dat gi hebt juwe rechte spräche verloren, 
dar gi bi sit upgetagen und gebaren. 
Men werd vor juw bidden in allen kerken, 
dat juw Got juwe tunge wolle wedder Sterken. 
Seht, sülk schipbrök heft de dfidsche spraek geleden, 

170 de französche heft er de nese afgeschneden 

und heft er eine frembde nese wedder angeflicket 
de sik bi de dfidsche oren nicht wol schicket. 

De olden Neddersaxen plegen't nicht so tu maken. 
se spreken als ere vöroldern haddeu gespraken. 

175 Dat rechte was lik, dat krumme scheef men heet. 
de ermel weren mowen, ein JMfrorJ was ein speet, 
ein courtisane höre, de presters weren papen, 
de meerkatten ane schwänz de nömden se apen. 



VAN ALMODISCHER SPRAKE UIO) TITELN. 45 

Dar weren dener noech, men dar was nicht ein pasie, 
180 se geven eren knechten lohn und ganz keine gaste. 

Se vörden up toagen und nicht up kutaen, 

ein #cÄe/iw*/öc** ward genömt, wat men nu heet putzen; 

de dar plechten to roven und $teleny 

de heten se dcuc und hengden se up bi der kelen. 
185 Nu höret raen, Got lofi van keinen deven schnacken, 

roven und Stelen dat heet künstlik anpacken. 

De flucht nemen und den rüggen keren, 

dat heet im krige sik retireren. 

Wol do ein schlüngel was, dat is nu ein -co/on^ 
190 wat domals was fort, fort ! is nu allon^ allon ! 

Im mars begriffen sin was ein unfledig wort, 

nu is it, wen Soldaten ^|i Ordnung rücken fort. 

Besöcht men sinen fründ, gar höflik schal men seggen: 

ik moei nu min devör und schiildicheii afleggen. 
195 Als ik erst solkes hörd', meende ik, he wolde schnacken : 

ik kan nicht lenger holdn, recht nu moet ik eins kacken, 

Domal im ganzen land was nicht ein servitör, 

nicht ein signor, nicht eine dame, nicht ein monsör. 

Were domals einer to den junfern gekamen 
200 und hedd' to en gesecht: Got grüs euch, schöne damen! 

se hedden em gar bald den rüggen togekeert, 

en nicht geachtet eines pekelherings weert. 

Eine van en hedd' wol gesecht: tcat bildesiu di in? 

Wat meinstu, grave esel, wat nimstu di in den sin? 
205 Weestu bernhiiter nicht mehr, wo ik hete? 

Min name is Annemeken edder Grete: 

ik bin keine dame, du lichtferdige fink, 

dine moder, de hoer, was siilk ein dink. 

Ik bin ein ehrlik medken gebaren, 
210 laet mi mit sülkem ökelnahm ungescharen, 

Se meenden, damen weren sögen edder teven 

edder eine, de horerie hadde bedreven. 

Averst, Got beter'tl se weten nu altosamen, 

wat it vor dinger sind de schönen damen, 
215 Se hebben nu gelehrt so veel tucht und törlör, 

wen men to en secht dame, so seggew %^ motw^w* 



46 I>AT DRÜBDE SCHERZGEDICtttt;. 

Averst doch de name monsör is nu gar to gemeen, 

vörnemen lüden is he to geringe und to kleen. 

It sind nu alle monsörs, monsörs: 
220 de fohrlüde am strande, de jungens* up der börs ; 

stalknechte, scherschliper, kockedrengen 

de laten sik nu all mit monsörs behengen. 

Im stalle kan men complementen hören: 

min hochgeehrter cammerade, monsör Bören^ 
225 treu'/ em nicht totoeddern wer, ah ik hape, 

wolde he den peerden den ers striken mit der schrape. 

It si doch des heren sin wotgevcdle, 

dat he de peerdekötel fege ut dem stalle. 

In der koken: monsör JenSybroer litte, 
230 wen it were des kern sin Wlle, 

wolle he den soUen dörsch howen in stücken 

nnd den Stockfisch mit den negeln plUcken, 

minem grotgünstigen leven heren 

wil ik wedder denen hertlik geren. 
235 Wem scheide it numehr nicht verdreten, 

wen men einen wolde monsör heten? 

Ik wolde mi vor allen lüden Schemen, 

dat ik scholde monsör in den mund nemen, 

den monsör up französisch is mit einem word 
24oeven so veel als up engelsch ein lord. 

Wen de Engeischen einen willen eren, tor stund 

nemen se einen groten lord in den mund. 

Lord genilemen, lord biskop, lord prelat, 

lord borgemester, lord doctor, lord advocat, 
245 lord hir, lord dar, monsör, monsör : 

mi deit de buek weh, wen ik it hör. 

Laet de Franzosen in ere französische reden 

beholden er monsör und sin darmit tofreden; 

ein Engelsman mag lord in siner spraeke bruken 
250 und einen groten dicken denschen lord upschluken. 

Mi wundert ok, dat men mit sülkem schlimmen namen 

de ehrliken junfern darft heten dornen: 

dorne is ein van den bösen deren, 

darvan de jungens in der grammatica leren. 



VAN ALMODISCHER SPRAKE UND TITELN. 47 

255 Dar stcit: eine schlang^ eine schuffuet, ein hund, 
eine dame, ein luchs, eine adder bunt, 
de werden vor generis dubii j/ekolden, 
wil roaD nicht weet, oft se sind als se scheiden, 
und sind van dem twifelhaftigen geschlecht, 

260 als de regel in der grammatica secht. 
Den dornen up laHn sind wilde zegen, 
de gerne na de bocke lopen plegen. 
Darum, junfern, bewiset juwen toren, 
wen juw einer dorne heet, schlaet en an de oren. 

265Vergevet mi, dat ik so veel heb willen praten 

van der vermengden spraek : ik kan't doch noch nicht laten. 
It is so min gebrek, mi geit dörch mark und been 
dat Sammelsurium, wen ik't moet hörn und sehn. 
Ik will twar hirvan nicht bringen mehr glikenissen, 

270sünst möchte her Matz Pump sik weddertim bepissen. 
Man ik wil juw darvan verteilen eine hisiori, 
so veel ik kan in il gripen ut der memari. 
Ein hübscher junger kerl, gebaren in Westfalen, 
sik vörgenamen had, he wolde wisheit halen: 

275 he hedde wol gehört, dat men in keinem land 
als in Frankrik alleen fünd wisheit und verstand. 
Vernuft de lege dar als dreck licht up der Straten, 
ein jeder kond darvan ein'n groten sack vul vaten: 
dar konde men discaurs und eomplementen leren, 

280 dörch welke men nu.kömt in ansehn und to eren. 
Als he was to Paris gewesen achtein weken, 
kond he so wol französch als ein Franzose spreken, 
he wüste eeremoni, he kond caresse driven, 
darmit kam he to hus willkamn van man und wiven. 

285 Und wil he altid hed de hocheit nagejaget, 

ward he dörch Gottes gnaed up einem huse vaget. 
Vaget up einem huse und schriver up dem schlate 
sehr hoge ampter sind van groet profit und bäte: 
de buer se fruchten moet und danzen na ere pipen, 

290 it drüppet al van geld, wor se man henne gripen; 
se bilden sik veel in und willen gröter sin 
als am französchen hof cardinol Ma%ar\n. 



48 BAT DRÜDDE SCHERZGEDICHTE. 

In sodanem respect was de, darvan ik rede. 
Einmals reep he den l^ok und also to em sede: 

295 escoute, cuisinier, von meinen cameraden 

hab ich awei oder drei siwn desieuner geladen, 
mach mir ein gut potage mit alle appertenance, 
wie man es ä la cour dressiren pflegt en France 
ä la nouvelle mode, du solt incontinent 

300 für dieses dein travaü haben ein gut present 
Ik wil ä la pareille dein freund sein en effet, 
mach mir die suppe nur so, wie ik habe geret. 
De kok sprak : ja, her vagi, als gi hebten gespraken^ 
so wil ik juw de supp up goden gloven koken. 

aoaHe lachde bi sik sülfst und rönde na der koken, 
begünd ut allen winkeln de pötte uttostöken, 
koel, arften, grüt, warmbeer dede he tosamen schrapen 
und goet it altohoep in einen groten grapen, 
darto dede he, dat it scholde schmecken desto schmucker, 

310 ein band vul stöten peper und anderthalf lot zucker. 
Dat muste kaken dick als weitenmelenbrie, 
nümmer heb ik gesehn ein solke companie. 
Als it nu was bereit und ferdig altomale, 
gaf it de meister up in eine stilvern skale, 

315 he brecht it to den heern, de alle darna töfden. 
Men do de goden lud de kakeratze pröfden, 
de ogen wtirdn en groet, vul runzeln kam de stern, 
ein jeder hedd' de supp weddr utgespiet gern. 
De ein seed: fi diabl, par ma foil dat schmeckt brösig, 

320 de kok, de dat gekaekt, de moet sin dum und dösig, 
Em Word so angst und bang, dat ein vermenget roek 
ut sinem schorsteen quam und foer em in de broek. 
It hörde wol nemand, averst doch in der nesen 
men merken kond, wat vor ein roek it was gewesen. 

325 De ander spraek: ß, ß, bö, bö, pot^ Veltes wunden! 
man schold mit sülker supp vergeben kattn und hunden. 
Ein inventarium recht nu ik maken moet 
van allem, wat mi waant im live bös und goet. 
Hirmit so toch he loes: ein wort twe eilen lank 

330 bald twischen sine tene berfloet under de bank, 



VAN ALMODISGHER SPKAKE UND TITELN. 49 

se müsten, de dar wern, sunt Olrik al anropen. 
Mit einem spanschen reed de vaget quam gelopen, 
cöquifiy sed' he, cojouy vidase^ loser tropf, 
iizunder ml ich dir eins langen auf den köpf! 

335 Cuisinier de Houdan, was ist das für ein fressen? 
Hastu noch nicht gelernt potage recht zu dressen? 
Was pesle-mesle ist das? Was sinds für dolle Sachen, 
darmit du uns insampt darfst solchen ekel machen? 
Ich wolf dich setzen lohn aufs newe holzern pferd, 

MO wen ich dich, maquereau, achtet' meines zornes werth, 
I, heer vagt, sed' de kok, wil gi mi so betalen? 
De supp is togerichty als gi mi hebt befalen: 
gi seden mi, ik schold juw eine suppe kaken 
even up sülk maneer cUs gi hadden gespraken, 

345 It was jo altomal verplümpert, wat gi spreken, 

it was tosamen schrapt ut DüdscMand, Frankrik, Greken : 
so is de suppe ok, se is van velen stücken, 
ein jede vor sik sülfst hedd' sik wol könen schicken; 
men nu is se vermengt, nu is se nicht veel weert, 

850 schmeckt nicht na fisch noch fleesch, heft wedder kop noch steert. 
Also wen gi französch und düdsch tosamen rören^ 
so kan't kein düdsch verstahn, schold he it schon anhören : 
men weet nicht, wat it is, und moet so wat naramen, 
ehr men't vernemen ^an und up de mening kamen, 

355 Darum, gnedig heer vagt, wen gi will suppe eten, 
so spreket düdisch, mit französchem nicht besmeten. 

Noch einen körten schnack wil ik hiervan verteilen, 
wen gi it hören wilt, van einem riken gesellen. 
In einer groten stat, it is nicht lang verleden, 

360 was eines börgers söhn, van dem de lüde seden, 
dat rikdom und vernuft sik nicht konden verdragen 
beide bi em to sin: se hedden sik geschlagen 
in einem harden kamp, darin se lange stunden; 
endlik na schwarem strit vernuft ward averwunden : 

365 de wisheit und verstand dem gelde musten wiken 
und dörften offentlik sik nicht mehr laten kiken. 
Disse gode gesel sik hadde laten maken 
ein'n mantel na maneer van fineu ^dcc«^x\Ä^N^ \ä8ä\^k 

Laurember^. ^^ 



50 DAT DRÜDDE SCHERZGEDICHTE. 

ein krage sat darup van sammit carmesin, 

370 de upschlag ganz herdael van violet satin, 

umher vif finger breet dar was ein knüppelsrand 
van siden passement, van farven blömerand. 
Mit dissem mantel gink de geck hofferdig pralen 
in kosten, kindelbeer und statlikn aventmalen. 

375 De geste altoroal de heelden't em to ^ode 

und meenden under sik, it wer nu so de mode. 
Man einer under en, ut Frankrik erst gekamen, 
de de französche spraek had hüpich ingenamen 
und wold sik laten sehn, dat he wislik und recht 

380 had sine dusent mark an spraken angelegt, 

de trat hervor und sed': monsieur van coquemarre, 
wo heb gi juw habit chamarrert so bizarre 
van aller sort velours, als Flora de deesse 
in ein plaisant parierr changeret ere fresse? 

S86De damen und signörs al in extase sin, 
wen se considerern juw genereux maintien. 
De geck lachde so hart, dat em ein wind entfohr, 
seet, seety sprak he, wol is van uns de gröUte doer? 
An juwer diidschen red' sind tein französche läppen 

300 und sind nicht mehr als veer colör an miner kappen: 
utwendig bin ik geck, gi sid ein geck van binnen^ 
mi Sit de narr im kleed, juw sit he in den sinnen. 
Dat was ein wises wort ut einem schlichten mund, 
dem einen was de mant'l , dem andern de rede bunt. 

895 Ik erkenne mi twar veel to. geringe, 

dat ik scholde reden van solkem hohem dinge, 
ik late sülvest wol under tiden 
ein französisch wort under dat düdsche gliden: 
dat gift der rede sülke zierlicheit, 

400 als ein demant im gülden ringe steit. 

Averst dennoch, gelik als andre spraken mehr, 
dat ok de düdsche werd misbruket sehr, 
dat maket glisnerie und ehrgitz, er geselle, 
de bringen nu de sprake ut erer rechten stelle. 

405 Wormit konde men sik laten sehn und hören, 
dat einer sine retf 'vieet xtetUker to fören 



VAN ALMOBISCHER SPRAKE UND TITELN. 61 

als eine amme, de de kinder upsöget, 

edder ein buerknuUe, de den acker plöget, 

wen men nicht mit fremder salse bi bogen lüden 
4iowolde sine discours beströwen und bekrüden, 

de mit utlendische wort moet sin tosamen flickt 

und mit erschreckliken bogen titeln dörchgespickt? 

De edle hüchelie kan bringen groet profit, 

und de rohmgiricheit geschreden is so wit, 
415 dat keinr is mit der ehr, de em gebort, tofreden, 

na grotera titel kümt he lopen und gereden. 

De stand und ampt is eins, de titel moten stigen, 

men weet nicht, wor men schal gnoech böge titel krigen. 

Gades rechtferdige straf, de nemand kan hemmen, 
42oheft ganz Europa willen averschwemmen 

und groten schaden gedaen veel dusent lüden 

in Osten, westen, norden und Süden. 

Mit twen plagen is dat ganze land avergaten, 

mit water und mit titel aver de maten; 
425 water und titel sind alto hoch gestegen, 

darvan ein jeder heft sin deel gekregen: 

de armen sind im water schier versunken, 

de groten heren in titeln bald verdrunken, 

als tovörn ein grave ward getituleret, 
430darmit werd nu ein edelman geehret. 

Sülke gewaenheit. is gekamen in den orden, 

dat ein gesette darut is geworden: 

wol nicht wil ut der lüde ere gratte schlippen, 

de moet de fedder temlik deep instippen 
435 und setten den titel höger ein paer graed 

als mitbringt dessülven person uncT staet. 

Darmit krigt men gunst und kostet kein geld, 

dewil it en also wol gefeit 

und se daran finden so goden schmack, 
440 veel titel kan man schriven vor einen schilUng black. 

Men süht jo, wo gelehrde und leien 

ere hoflfartsschorvet mit titeln kleien : 

praeceptor is hofmeister, amptman is de vaget, 

de schriver secretarius, junfer is d^ \xi^%^V^ 



52 DAT DRÜDDE SCHERZGEDICHTE. 

446 ein caplan let sik nömen pastor, 

ein quacksalver wil beten docior, 

ein timmerknecht werd buwmeister genant, 

ein kroegfidler is musicant, 

ein rottenfenger i8 kamerj^er, 
460 renoverer heet sik de hfisekenfeger, 

klipkramers de nömet men koepheren, 

mit höltnen kannen handeln is juweleren; 

ein scholapper wil schoster sin, 

ein bader und scherer chirurgin, 
455 Dit dohn nicht allein de van weltlikem stände, 

men ok de geestliken in steden und up dem lande, 

de ere tohörers so tröstliken bereden 

van hoffart und ehrgitz aftotreden, 

desttlve sülvest na ehrentitel ringen, 
460 al scholde ok sös punt körn henspringen. 

Ere fruwens könen nicht mehr kamen to rechte, 

dat se einen her man hebben to echte, 

it moet nu sin ein mester man, 

de dem ehebedde weliger vörstahn kan. 
4()ö Ein mester, seggen se, kan beier de schrift erforschen 

und Gades tcort reiner ut dem kave dörschen. 

Her Niels, her Laers sind van den geringen, 

mester Niels, mester Laers kan beter klingen; 

mester Hans sit baten an, her Hans sit unden, 
Ali) wen toi in unsem kaland werden gefunden; 

mester Peder krigt to offer eine mark, 

her Peders offer is veer schillitig in der kark, 

Is it ein mestef^ moet man en firen, 

so moet he -am ersten sinen pegel utliren, 
475 he moet erst hebben de hand in*t vat, 

wen upgedragen werd gammelmat. 

Darum it nu nemand mehr wundert, 

dat der mester sind mehr als hundert, 

ja mehr als to Hamborg licentiaten, 
480 mehr als müse in einem olden katen. 

Dit deit de hoffart bi dem, dem na ehr 
und bavenan sitten i&kel dal hiuderquarteer. 



VAN ALMODISCHER SPRAKE UND TITELN. 53 

Dit isjo ein van den ergerliksten dingen, 
de ein minsch in sinen sin kan bringen. 

485 Wen de dullen wisen, darvan ik heb gesecht, 
dit scholden sehn und it bedenken recht, 
so würde de, de altid lachde, wenen, 
dat em de tränen lepen bet an de tenen; 
de altid weende, de würde so gruwlik lachen, 

490 dat em de lever und lange mochte krachen. 
Schold men den de cureren, de dar sind so dul, 
schaflFönie wer nicht gnoech twe dusent secke vul, 
ik würd gewislik ok ein groet deel darvan krigen; 
mi gruwet al darvör: drüm wil ik echter schwigen. 



54 I>AT VEERDE SCHERZGEDICHTE. 



DAT VEERDE SCHERZGEDICHTE. 

VAN ALMODISCHER POESIE UND RIMEN. 

Dat gerne jederman sik sülvest höret römen, 
darinne kan men en nicht lästern noch verdömen: 
dat is uns van natur eine angebarne last, 
de wi gesagen hebt ut unser moder brüst; 

6WOW0I, wen wi uns wiln mit unser mate meten, 
wi averttiget sind dörch eigenes geweten, 
dat sülkes lof herktimt ut luter hüchelie, 
so late wi it doch passeren quit und frie 
und meenen, einem man unbillik lof towenden 

10 si beter als mit recht und billicheit en sehenden. 
De titel und de ehr, de ein dem andern gift, 
wen he en redet an edr wen he an en schrift: 
darin kan men ein bild der döget hörn und lesen, 
de in demsülven is edr in em scheide wesen. 

15 De zweck und richtemael der titel allesampt 
is, dat se lögen an de hocheit edder ampt. 
Wen schon de titel feilt in der person oftmalen, 
de sülkem lof und ehr van widem nicht kan nalen, 
erinnert he en doch, als dat it em gebort, 

20 dat he sik werdich maek dem titel, den he fort. 
Wol averst alto sehr mit titeln sik wil klowen 
und sines Standes ehr wil alto hoch upstowen, 
— glik als dat water deit, dat mit gewalt sik streckt 
hoch jegen sinen dam, alsden de dam dörchbreckt 

26 und krigt ein grot wit lock nicht ahn des landes schaden - 
dar ligt de titel den und \s üidit wol geraden. 



VAN ALMODIS€H£i^ FO£SI£ UND RIMEN. 55 

Men römt jo billich den, de dar is römens weert, 
und wem daj^ ehr gebort, de werd mit recht geehrt; 
men misbruk de verderft veel ding schentliker wise, 

30 de an sik sülvest sind in hogem lave und prise. 
Nu möcht ik doch woi weten geren, 
wat doch dat vor lüde gewesen weren, 
de am ersten sülke doerheit bedacht 
und de titel hebben so hoch gebracht. 

35 Ik hebbe wol ehr gehört van einem olden buren, 
dar wer eine sünderlike art van creaturen, 
de mit spitzhöden und den vosschwanz to striken 
in der ganzen weit nicht hadden eres geliken, 
mit schmeicheln erwerven der hercn gunst, 

40 dat wer er meisterstück und gröteste kunst : 
desülven lüde würden nu genömt poeten, 
mit dem namen leten se sik sülvest heten. 
Van en sind erstlik gekatnen und entsprungen 
de hogen titel und rede mit krummen tungen. 

45 So sede de buer. Alsobald quam dar ein man, 
de hadde ein grof toflicket wams an, 
keine Ines konde hechten up siner kappe, 
vor de knee sat em ein groet leddern läppe; 
ein stück vam hemde hink em ut der broek, 

50 dat nicht rechte veel na rosen roek, 
sin schmerig hoet was ganz toreten, 
de tene hadden em sine scho dörchgebeten. 
Ik dachte bi mi sülvest, ik dörste wedden, 
dat wi hier einen van den poeten hedden. 

55 üt siner lumme langde he her ein papier, 
dat was ganz vet und toreten schier. 
He sprak: köne gi latin^ dat laet mi weten! 
Ik sede: min latin heb ik bald vergeten; 
ik hebbe wol ehr in beiden Stilen 

60 mit latin mi könt herummer kilen, 
in ligaten und ok in prosen, 
dat is im gebunden siil und im losen. 
Wat ik nu noch kan^ werd mi weinig nütte^ 
ik kan wedder speck darvör köpen noch grütte. 



56 DAT VEERDE SCHißlZGEDICHTE. 

65 He sprak : glik is bi geliken gekamen^ 
Vögel van einer fedder ßegen gern tosdll^en. 
Doch juiD is dat geliick noch beter betoagen, 
mit einem goden klede sind gi angetagen: 
darut ik tool kan gissen und ermeten, 

70 dat gi sind in einem ehrliken stände geseten. 
Ik weet nichts wor ik mi schal henwenden, 
kuem kan ik bedecken mine nakede lenden. 
De orsake, dat ik ga in siilken lumpen^ 
is, detail ik nicht kan bringen grote grumpen: 

75 ik kan nicht pludern, schnorken noch pralen^ 
noch andere över de heckel halen. 
Den nu is nicht veel daran gelegen^ 
of einer studeret heft to degen: 
kan he man groet spreken und parieren, 

60 so kan he tool kamen to ehren; 
wol gebruken kan dat grote messer, 
de toerd tool rector edder professer. 
Dat sprikfJDorty dat min oldervader sprak: 
grote toörde füllen nicht den sack, 

85 dat toxi to dissen tiden nicht gelden, 
it drept nicht in edder jo gar seiden; 
de upschniderie und rodomontade 
de füllen nu den büdel drade. 
Wol simpel bi der erden wil krupen, 

dode krigt toedder to freten noch to supen, 
he fjoerd nicht vele prospereren, 
in keinem ansehn sin bi groten heren. 
Van em werd men dat ordeel feilen: 
dat is einer van den schlichten gesellen, 

95 de kan sinen kraem nicht to markede bringen 
noch discurreren van politischen dingen, 
Ut sinem oldfrenkischen wams kan men verstahn,^ 
dat it werd sin ein schlecht Urian; 
man kan den pracher tool toanen taten 
100 in einem olden verfallenen katen, 

darin ein dörpschoster sik scheide Schemen 
mit den knechten sine resident to nemen. 



VAN ALMODISOHER POfiSIE UND ROIEN. 57 

Seet, her mins geliken, so geit ii hiiden, 

so spöket de dUoel mit den lüden. 
105 Dewil ik nidU wil pralen und hoch spreken, 

so heb ik kuem dat leve brod to breken 

und moet wol oftmals gar schmale biten 

und de kleder up dem live verschliten. 

Men de poe'ten^ de dar hebben den namen, 
110 dat se niiwlik vam Parnass sind gekamen 

und hebben den ganzen Helicon upgeschlaken, 

de könen sik ere versehe u>ol to niitte maken: 

de krigen u>ol up einmal verehrt 

staetlike geschenk, wol hundert daler weert; 
115 dat gesapene sap ut der Hippocrene 

dat kan se selten up de bene. 

Wi^ arme stiimpers, de nicht veel dögen^ 

wen wi ein carmen schriven na unsem vermögen, 

so goet als toi it hebben gelehrt, 
120 krige u>i doch seiden u>at darvör verehrt: 

men meent, it schal gode recompense wesen, 

wen se dre edder veer regen darvan lesen^ 

und könen de arbeit wol verschulden, 

wen se dem driicker betalen einen gülden. 
125 Datsülve gelücKe heb ik ok gehat : 

ik hebbe siuderet, wat helpt mi dat? 

Seet hier, dit carmen heb ik nüwlik gesd^even 

und einen daler darvör to drücken geven. 

Wille gi it lesen und flitig betrachten, 
ISO so schöle gi bekennen und erachten, 

dat Apollo mit den Musen alle negen 

it hebben entfangen in erlern bregen, 

und dat it is ut Cyrrha geflaten, 

als ik it hebbe willen in de f edder vaten. 
135 Ik weet, gi werdet beter darvan richten 

als einer deed van den bösewichten, 

van den kalen verbrüdeden eselsgesellen. 

Settet juw wat dael, ik wil't juw verteilen! 
It is nu ungefehr ein mamt edder wat, 
uodat ik quam in eine vörneme stat 



56 ^AT YSBBDE SCOBC^EtZGEDIGHTE. 

up tnine apostelpeerde geredem 
Wil d(U it ig etite tun» den herömMen ^eden^ 
80 wag mme mmmg^ ik woide etiikem kmrtn 
dit Carmen, dat gi sehn, obereren, 

145 darmt ik konde ein maiiewin erlangen 
und ein stücke geidee mm en entfjongen. 
Erer etlike M sdir römUk heelden 
und mi eine ehrUke gaiee mUdeeklen^ 
darmii Ut mme hete leoer kölde 

150 nnd de eckwaruAeii vom herten spelde ; 
eilike mi nichiee geven wniden 
und mi noch ekurto de knet md sehuidem. 
ünder andern quam tft in ein kuee gegahn^ 
dat sehöneste^ dat in der ^aten möchte stahn ; 

155 ik dachte, hier maent geum ein excellen» 
edder ie eines hockgelehräen residentty 
tarn weinigsten wtmnt hier de deeanus. 
Ik makede eine »ierlike basebnmnms 
eör twen megden, de mi fuemen entfegen 

im und laeheden, saiaUe als se mi segen. 
Ik sprak : junfern, willet mi to willen doen 
und helpen mi tcr andiene M dem patron? 
De eine magd sede: gode fründ, gi dröwtet, 
hier is nemand, de pairan werd genömet. 

165 De kere M^f in't hues, dar gi na fraget, 
is etlike jähr geweun uaget, 
nu is ke ein koepman und kandelt mit koren, 
— ^ Ik dachte in mi sükfest, dat sind spöttische hören, 
Is etwas an juwem warf gelegen, 

170 so wil ik it em anlögen Juwentwegen. 

Lange stund ik dar und lurede bi der dar, 
het endlik de eine magd^quam wedder hervor; 
se sack mi glupisch an und sede: unse vaer 
de heft nu nichts behof van juwer waer; 

176 wen he werd up't Jahrmarkt wandeln, 
so wil je juw wol etwas afhandeln. 
De heer sampt der magd^e weren so alvern 
und meenden, ik were einer van den quacksalvem 



VAN ALMOBISCHER PO£SIE UHD BMEN. 59 

und hedde to kope kmet vor den wörmen, 
180 de den jungen hindern de biüte $törmen, 

edder dat ik konde böten de rupen, 

de in den garden up de hörne krupen. 

De andre magd sede to er: ei scharn! 

du bist nicht U)is, min gode liUe Mam, 
185 du süst en vor einen unrechten an, 

Dat is gewis desiilve man, 

de unsen scheinen plecht uinemen ere sahen 

und van den jungen bullen kan ossen maken. 

Ih dachte in mi siilvest : gi schandteven^ 
idodat juw de bödel den segen möte gevenl 

Hedd* ih juw allene an einem ort, 

ih wolde juw de wörme so driven fort 

und juw de sahen so utnemen^ 

gi scholden juw ein ganz jähr darilmme gremen, 
195 Nu dat is dat, Ih brachte it endlih so fern, 

dat ih ward ingelaten to dem kern 

in eine stuve, dar was it altomal 

so prechtig als in eines fiirsten sael. 

Ih dede eine grote reverenze mähen; 
200 he sat so stif als ein hoppenstahen, 

Wol sind gi, sede he, gevet juw kund, 

Wille gi gersten edder roggen etlihe pund? 

De hone gi behamen hiide edder morgen 

vor barem gelde und nicht to borgen. 
206 Ih sprah: grotgünstiger, hochgeehrter heerl 

ih schetze mi glüchselig der groten ehr, 

hierher to harnen an dissen ort 

und mit dem heren to wesseln etlihe wort. 

Der gelehrden patron werd de heer genömt^ 
210 darvör is he in der weit berömt: 

em wil ih dit Carmen offereren 

und in sine hoge gunst mi recommenderen, 

sines namens wil ih römlih gedenhen 

und in den tempel der memorie henhen, 
216 De heer sat lang und sach mi an; 

endlih sede he: gi gode man, 



60 DAT VEERDE SCHERZGEDICHTE. 

ik weet nichts wat ik schal ut juto maken^ 
gi Schnaken umnderlike seltsame sahen, 
velicht toerde gi ein magisier sin 

220 und den hindern in der schale leren latin, 
edder mögen wol gar ein bakelaers toesen 
und in der academe den Studenten vorlesen. 
Lact mi it hören, dat ik kam u>eten, 
U)o ik juw schal titeleren und heten. 

22b Ik sede: grotgiinstige her und patron! 
dit Carmen werd utwisen mine profession: 
ik bin ein poät nu van velen jaren, 
in der edlen poäsie gelehrt und erfaren; 
hedd" ik so veel glück (üs geschicklicheit, 

230 it tDürde mi so nicht gähn als it mi geiL 
Phcßbus mit allen Pimpleiden 
is vam Marte övenounden im striden, 
Pandora, tömig äver de mäten, 
heft ere ganze büsse över mi utgegaten: 

2S5 darvan bin ik nu ein Irus geworden 
und getreden in der mendicanten orden. 
Gi reden to hoch, sprak de man tor stund, 
jufjoe wörde sind alto kakelbunt; 
doch so veel als ik darut vernemen kan, 

240 sind gi ein poet und gelehrder man. 
Wou)ol ik nu nicht eigentlik weet, 
wat dat to seggen is, poet, 
so heb ik doch van andern mi taten berichten, 
dat it de sind, de versehe dichten, 

245 de dar könen allerlei rime schriven, 

darmit se allenthalven eren handel driven, 
up hochtiden, kinddöpen und bi doden 
und wor se sünst etwas sind vermoden. 
Wo gi ok einer van densülven sid, 

2bOSo käme gi hier nicht to rechter tid, 
den gi sehn wol, min gode heer, 
dat hier is wedder koste noch kindelbeer. 
Mi wundert nicht wenig, dat gi.sid so geck 
und beweren juw mit sUlkem dreck. 



VAN ALMODISCHER FOfiSIE UND BHiEN. 61 

255 Dai handwerk is jo so gar to gemeen^ 

versehe teil itznnder schrieen idereen. 

De jungen bengels, de kuem könt lesen^ 

de toillen alle poäten toesen, 

in allen brutlachten datdrüdde gericht 
2G0 is getcislik ein hochtidgedicht ; 

dartnit glit de win henin deste sachter^ 

so kan men lustig seggen: blank achter. 

Wen begraven schal werden ein lik, 

is it gewesen jemand vornehm und rik, 
2Q6 strax moten utgedelet werden carmen, 

glik als men almissen utdeelt den armen. 

Bi si bona moet ein carmen wesen, 

dat eine werd gesungen, dat ander werd gelesen; 

in bedrövet schwärt papier is it ingebutulen, 
270 dat drift de truricheit weg tor stunden, 

de sele werd glik up na'm hemmet geföret 

trotz einem düvel, de er ein haer anröret, 

Desgeliken wen man wil frische magisters bdken, 

so werden carmen utgedeelt mit ganzen sahen : 
27b in dänschy in düdisch und latin 

moet it gekarmet und gerimet sin; 

de geven sülke staetlike resonanz 

als ein vort in einem kalverdanz: 

de rime mögen springen edder hinken, 
280 de boekdrücker moet etwas hebben to drinken. 

Ja, dat noch mehr is, ik heb mi taten seggen, 

dat ok derens poetische Windeier leggen; 

se maken düdische carmen so hübsch und fin, 

dat it mag eine tustto lesen sin. 
285 Darmit wünschen se glück und segen 

crem broder, wen he heft eine fruwe gekregen, 

könen also sine hochtid schmucken; 

it were beter^ se seien bi den wucken 

edder neieden ein tank halslaken 
290 edder sünst wat van andern junferliken sahen. 

Wowol ik mi nicht kan vermeten, 

dat ik darvan soholde to richten loeten. 



62 DAT VEERDE SCHERZGEDICHTE. 

höre ik doch joan den, de it verstahn, 
dat se gar lappisch ^armit iimmegahn, 

295 und dat se nicht goei sind to anderen wegen 
als de achterporte darmit to fegen. 
Noch sind etiihe andere "dagdeve, 
de heriimme lopen mit pracherbreve, 
de heten se oh Carmen, als gi seggen, 

BOO toat dat is, mögen de gelehrden utleggen. 
Se kamen to den lüden in de hüser gelopen, 
mit undUdischem diidsch fangen se an to ropen 
vnd langen ein stück van einer scharteken^ 
darvör men en schal eine verehringe reken, 

306 Sobald se den lüden de hiehasen angetagen 
und se um ein stückschen geldes bedragen^ 
so fangen se an, ere dröge kele to sahen 
und supen herum bi helen und bi hahen. 
De tabaxpipe moet darbi sin strax, 

3\0 darmit offern se crem Got Bax. 

Wen den dat geldeken is verteret to hope, 
so moet de kalc mantel bliven im lope, 
edder schölen ok den hoet to pande taten 
und gähn mit einem stave längs der Straten, 

315 Den kümt her poät mit sinem Carmen wedder 
und bruket sin falsch bedregersch mundledder: 
min günstige her! segt he, de krieg heft mi geplaget, 
van den ßenden bin ik m7 elend verjaget, 
ik bin gefallen under mördrische boven, 

320 de mi al dat mine hebben willen beroven, 

Se Seggen de Wahrheit mit lögenhaftigem munde, 

wen it de, de it hört^ man recht verstünde. 

Er gelevede vaderland dat was de kroeg^ 

de kröger was er fiend, do he en den rock uttoeg. 

325 Se müsten ere gode fründe vertaten, 

de dar wanen in beertunnen und winvaten. 
Ach, helpet mi, seggen se, dat ik bald wedderkehr 
an den ort, dar mi hen verlanget sehr! 
Wil man wiken edder wil man wenden, 
330 se schölen etwas htihtn in den henden, 



VAN ALMODKCHER POfiSEE UND BIMEN. 63 

parfoiz so moet dat sin gedahn, 

ehr se willen ui dem huse gähn. 

Doch wat seg ik darvan mit verdreet^ 

gi fJDeten't sülvest am besten, her poät, 
835 ^i hebben't tcol oftmals practiseret 

und sind dar meisterlik up utgeleret 

Nemt hen disen riksmark und dq^mit tofreden sid, 

ik werde juw doch sünst ut dem huse nicht quit. 

Van dissem discours ward mi de kop so krues, 
340 me ruwde, dat ik was gekamen in dat hues; 

ik konde mi nicht lenger holden, Sündern sede: 

wat sind dat vor fantastische rede? 

Ut juwen worden kan man wol ermeten, 

dat gi nicht veel sind bi den bökern geseten, 
345 dewil gi juwe ordeel dörfen taten gähn 

aver de dinge, de gi ganz nicht verstahn. 

In sülvern kannen sind gi beter gelehrt 

und hebben in Peter Mafferts boek lenger studeert. 

De ehre, de ik juw hebbe angebaden, 
350 de is vor mi gar schlicht geraden : 

it is nicht goet und plecht nicht to tagen, 

dat men de perlen werpet vor de sögen. 

Juwen riksmark möge gi beholden geren, 

steket en in den ers, so werd he nicht verfreren. 
355 Hiermit ik ungesegnet ut der stuven leep; 

de eine mögt mi achter na reep: 

hier, gi man, hebbe gi nie leder to singen 

edder sünst etwas van andern schnakschen dingen: 

desemknöpe, balsembüschen, rottenkruet? 
smik sede: du hoer, ein dreck up dine schnueti 
Seet, so hönisch werden de poeten verachtet, 

Apollo mit sinen süstern schier ganz verschmachtet. 

Darmit ik nicht mehr lide sölke schände, 

wil ik wedder reisen na minem vaderlande, 
365 ik wil sehn, dat ik kan werden ein schoelmester 

in einem flecken edder up einem dörpe ein köster. 

Mit dissen worden nam de man sin afscheet 

und van mi weg up de po8t to no\>^ x^^V 



64 DAT VEERDE SCHERZGEDICHTK 

Ik ward up velerlei gedanken geföret, 

370 sine worde hedden mi dat herte geröret. 
Wat he sede, is wol al nicht wahr, 
doch wil ik it nicht verwerpen gar: 
it is nu ein gemein avergank, 
an dersülven süke bin ik gelegen krank. 

375 De versehe, de ik wol ehr hebbe geschreven, 
sind mi to keinem groten profit gebleven, 
gar weinig ehre heb ik darmit ingelegt, 
dewil se sind geschreven so schlecht und recht; 
hedd' ik gedunnert und se hoch erhaven, 

380 so hedde ik wol gekregen grote gaven. 

It is mine eigne schuld: ik bringe up de baen, 
dat men kan ane commentarien verstau; 
ik konde wol so hoch draven, wen ik wolde, 
dat it nemand als ik alene begripen scholde. 

385 Wen ik als de grote poet schriven würde: 
die frato hat abgelegt ihrs leibes reife bürde, 
versieglend ihr ehebett mit einem tewren pfand, 
wol würde ergründen disses radeis verstand? 
He meent darmit, de fruw heft ein kind gekregen, 

390 welkes im ehestand is ein eddel gadessegen. 
Men einer, dem so htipich nicht is ingegaten 
dat hemlische licht, würde it düden sülkermaten, 
als wen de fruw ere kleder van dem bedde 
genamen und in pand versettet hedde. 

395 Ein ander, de dar meent, he würd' it beter weten, 
lede it so ut: dat wif heft in't bedde gescheten. 
Desülve poet, dar he künstlik verklaert, 
wo sin fründ up dem meer in einem schepe vaert, 
sine hochflegende flögel mit dissen worden utbreidet: 

400 auf einem hohem pferd das nasse blaw durchschneidet, 
spaltend Neptuni rück mit einem waldgewächs. 
Ein halfgelehrd als ik las disse schwäre lex, 
he spintiseerde lang, ehr he se kond ergründen; 
endlik sprak he: de poät einen siner fründen 

405 beklaget^ dat he müsi up'm holten esel riden 

und sinen natten ers dar brun und blaw toschniden. 



VAN ALMODISCHER POfiSIE UND BIMEN. 66 

und dat desülve fründ Neptun Um sin verbreken 

up dem hake mit roden toere utgestreken, 

Sülke hocherlüchtede rede, de nu is upgekamen, 

410 bringet den nien poeten einen ewigen namen. 
It is nu lacherlik, schriven, dat jederman, 
ja, ok ein schoester edder old wif vernemen kan: 
man moet sine fedder hoch aver de luft upschwingen 
und mit poetischem stil dörch de wulken dringen. 

415 Dat is nu de maneer. Ik blive bi dem olden 
und wil mine simpele wise hernamals beholden. 
Ik weet wol, dat dar sind vele hoge vatesgötter, 
ere egene römer, aller anderen bespötter, 
de hinder minem rüggn ein'n adebaersschnabel dreien, 

420 under den ik bin als eine ule mank den kreien : 
averst er spot kan mi wedder schaden noch baten. 
Nüwlik kernen to mi twe der parnassischen vaten, 
der rimen Äristarchn, de sik leten veel dünken, 
de rime en ut dem hals als brösich knufioek stünken; 

425 ehr de grawe katte konde twe eier leggen, 
konden se dichten und utwendig herseggen 
negen hundert schone versch sampt negentig und negen : 
al ut des Pho^bi lunge und der Minervee bregen, 
al ut der Musen knee gar kunstl^uutgehickt, 

430 so sehr subtil, als wen de bück iHidd' gelickt. 
De eine sprak to mi: in einer companien 
heb ik etwas gesehn van juicer poe'sien, 
de gi vor körter tid in düdsche rim gebracht; 
twar ik bekenne^ dat ik se tool nicht veracht, 

435 doch lave ik se ok nicht, als de wol hebbn gedahn, 
de sik nicht up de zier der poäsie verstahn. 
Gi hebt noch nicht gelehrt ut den nien poeten^ 
wo men de versehe schal in rechte forme geten. 
Dat rechte meister sin, de holden' t just und even: 

440 ein jeder distichon moet also sin aedmoen, 
dat in dem einen vers nicht kanuMUj^Kj^mehr 
als in dem andern sind, dat is ^^^^Bieer. 
Men juwe rime und vers de gahnWtß^und dael, 
himphamp, de eine is breet, de ander de \» s(^^tvMiA\^ 

Laurember^. "^ 



66 I>AT VEERDE SCHERZGEDICHTE. 

445 de eine i$ scheef und krum^ de ander lih und even, 
als wen ut einem dörp de schwine werdn gedreven: 
bi einer fetten sog lopen sös magre farhen. 
Juwe eine rim is groet ab sunt Niclaus karken, 
de ander is so kleen als, eines Beckers bade, 

460 dar men itzund verköft compendia van brode; 
dat heft ganz keinen schick : wil gi juto exerceren, 
so mochte gi noch uool de rechte mode leren 
und endlik ok dardörch erlangen einen namen 
und mit uns in den tat goder poäten kamen. 

455 Ik andworde em : hocherlüchtede her poe't^ 
berömt in aller weit! ik wolde, it were mi leet, 
dat gi juwe edle tid so öeel angewant 
und mine "kale versch genamen in de hand, 
Ik heb noch nicht gelehrt schriven mit siilker zier 

4^ als giy dem Phoßbus heft geschenket sine Her. 

Ik bekenne, mine rim de sind so schlicht und recht 
als de rüge mutze, de mine groetmöme drecht: 
se sind nicht like lank noch van einer Statur; 
dat maekty ik weet nicht recht ere eigentlike mensur: 

465 in bökem der geseite heb ik noch nicht gelesen, 
wo lank ein jeder düdscher rim moet wesen. 
De Juristen häMan darvan to selten vergeten, 
mit welker el^fan desülve schal utmeten. 
Darvan is noch tor tid utgegahn kein decret, 

MO wo schmal se moten sin, wo dick und ok wo breei; 
wo vele foet dar sin ere vulkömlike mate, 
darvan sind noch keine köninglike mandate 
publicerei dörch breve edder trommeten, 
darmit ik und ein jeder datsülve konde weten. 

475 Wol is doch den de her, dörch wes autoritet, 
commandement, befehl und wo de hocheit heet, 
wi schälen an der tal der silben sin gebunden, 
glik als ^^Jkäl^^ ^^de anhengt den bösen hunden? 
De wäre gj^HBlM noch nicht gedriicket is, 

480 wowol m^^^Hp friind gesecht heft vor gewis, 
dat he in l^K^ckerie gesehn heft half und heel 
des twölfien iomi dat acht und twintigste deel 



VAN ÄLM0DI8CHER POfiSIE UND RIMEN. ^87 

fxm epitame der düdschen prosodie: 
dat toerd an bökschen sin, gelövet mi firie, 
485 darup mm krigen toerd to gnagen und to kowen, 
ehr man datsühe werd in sine maag verdowm. 
li is ok jo alHd gewesen gar gemein, 
dat an groet vers is lenger als ein klein, 
und dat gememikk weiniger silben hangen 
490 in einem körten rim als in einem langen. 

Wen schon de eine vers ein weinig löpt vöra^t, 
de horte in einem loep en bald inhalm kan, 
gelik als wen vele lüde tosamen wandern, 
so süht men nicht den einen als den andern: 
4d6de dne is klein, de ander is groet, 
disse is beter als jener to foet; 
de eine is als ein rese, de ander als ein dwark 
und hebben eren gank nicht alle gUke stark. 
Wen schon de eine bhft ein weinig bestahn 
600 und let de andern etwas vörut gähn, 

wen he heft wat hinder dem tune to seggen 
und dar moet sine schükUcheit afleggen, 
so kan he doch dama in einem tolope 
bi sinen gesellen bald wedder kamen to hope. 
505 Wen schon ein vers sik etwas ferne utrecket 
und sine mate över den schreve strecket, 
de ander darjegen is ingetagen und kort, 
als ein dröch sünnenkoke edder nünnekenfort : 
ik mene, dar si nicht vele an gelegen, 
bioein jeder moet dem andern sine last helpen dregen. 
Heft de eine vers veer elen, de ander acht, 
so werden doch twe mal sös tosamen gebracht. 
Wolden de critid man recht richten, 
so were de sake baide to schUchten: 
515 laet se de langen vers schniden in stücken 
und etUke stücke darvan an de körten ßcken, 
so krigen se alle ere rechte mensur, 
dat is jo eine lichte und geringe cur. 
Darum, min gode her, will mi doch nicht verhönen, 
620 dat mine rime gähn up ungeüken benea; 



68 DAT VEERDE SCHERZGEDICHTE. 

dat hmderi m gar nichts; mm schal se ok nicht smgm 
noch na ere cadanz in den baUetten springen. 
Sind se nu nicht geacht^ velicht na tmsem dode 
werd disse art van rim werden de beste mode. 

525 Hiermit de eine sehweeg und gaf sik fin tofreden, 
de ander, ein hochdüdsch, fink also an to reden: 
mein herr, was ihr geredt^ hob ich mit tust vernommen, 
kan aber noch nicht recht !&u ewrer meinung kommen, 
weil sie verdunkelt wird durch unbekante wort, 

6S0 die nicht gebräuchlich sein an eingem teutschen ort, 
da man, was liebUgkeit und zier der rede heisseV, 
in steter Übung hat und sich darob befldsset. 
Eu>r rede schdnt was grob, die bei uns unbekant 
und nicht geachtet wird in meinem Vaterland» 

6S6 Darumb, was ihr geredt, kan ich nicht wol ausdeuten, 
ja, selbst in ewrem land, bei ewren landesleuten, 
in allen canzelein ist unsre sprach gemein; 
was teutsch geschrieben wird, muss alles hochteutsch sein: 
in kirchen unrd Gotts wort in unsi*er sprach gelehret, 

540 m schulen, im gericht toird nur hochteutsch gehöret, 
ewr eigen muttersprach ist bei euch selbst unwerth, 
wer öffentlich drin redt, den hell man nicht gelehrt. 
Bei ewrer sprach kein zier, kein UebUgkdt man spüret, 
ihr selbest ewer wort wie entenschnatter ßhret, 

545 an ewren versen mir ganz nichtes misgefelt 

als nur die lepsche sprach, die ist zu schlecht bestell. 
Ik spraek: mi gode her! dat gi also erheven 
juwe moderspraek tmd er dat lof vor andern geven, 
dat werd juw nicht verdacht: gi redt als juw vörfaren 

hbOund als noch redt dat volk im land, dar gi gebaren, 
Datsülve do ik ok: mine sprake mi wol gefeit, 
keinr is in unsem land, de nicht veel van er hell, 
Mene gi, dat mine spraek darum is nichtes weert, 
dat gi se nicht verstahn? Gi schold se hebben leert, 

666 so hedd* gi se gekont; mi gfelt nu so min schnack: 
ik spreke als mins grotvaders oldermöme sprak, 
Wat kan man bringen her vor argument und gründe^ 
danrnt jemand van juw richtig bewism künde 



VAN ALMODISCHER POESEE UND RIMEN. 69 

de mening, dat van der hochdiidschen sprake mehr 
560 als van unser nedderdüdschen to holden wer? 

Vnse sprake blift altid bestendig und fest: 

als se ersten waSy even so is se ok lest; 

juwe verendert sik alle vöftig jähr, 

dat könen de Schriften bewisen klar. 
565 Wille gi mi nicht gelöven, so möge gi upsöken, 

wat geschreven und gedrücket is in olden böken. 

Einer kan mit groter möi kuem dre regen lesen 

van der sprach, de domals is im gebruek gewesen, 

se is so lappisch und so verbriidisch, 
570 dat men schier nicht weet, of it welsch is edder diidisch: 

so bunt is se und so vernaten, 

als wen se in eine nie form were gegaten; 

ja, se is so jammerlik verworen, 

als were se gewest bim babilonschen toren, 
575 Men de sprake in ganz, Neddersaxenland 

blift unverrückt und heft bestand: 

dar werd geredt van altomalen 

in Meckelnborg, Pommern und Westfalen, 

in den andern landschoppen desgeliken 
580 einerlei sprake, darvan se nicht wiken : 

averst wen man reiset in juwen landern, 

so höret man de spraken sik verandern; 

in der Pfalz, Schwaben, Schwiez und Düringen 

gar underscheedlik se ere utrede bringen, 
585 De eine rüspert ut der gorgelstrate, 

als queme it ut einem halen vate, 

de ander sine wort hermümmelt und knüllet, 

als hedde he dat muel mit hetem brie gefüllet 

Men kan wol hören an eren reden, 
590 dat en de kekelrehm nicht is geschneden. 

Dat de neddersachsche sprake nicht is so gemeen 

als de hochdüdsche, welkes men kan sehn, 

wil gar weinig böker darin sind geschreven 

und weinig gebruket werd darbeneven 
595 van den gelehrden to have und in den kerken, 

darut kan men ere werdicheit merken. 



70 DAT TIEKDE BCHERZGEDIOHTE. 

Deu wat gemem it an aBen oräeti^ 

dat it nickt w sitttem pru und hogen fDeerden, 

als wat man nidff hebben kan aüe faert: 

6O()0tn ider Mine hochtidlike khder spaerf. 

De ßaxen willen ere tprcAe so mekt veHmndaien, 

dat s€ de willen allenthalpen kenkamen loten. 

Veel gemener sind buren als eddeüiide, 

grof laken werd mehr gedrogen als Momnrit und sitk; 

eobsemmel is nüdkt so gemeen ak roggenbroed, 
ifidkr werd gebrw^ dat böse als dat ^met. 
Wen unse sprake so gemeen wer als jume, 
är wolde dar nicht vor upstahn, hi miner -frwme ! 
Doch möge gi weten und gelöDen gewis, 

^10 dat mennig staetUk boek gesohret>en is 
in unser nedderdüdsohen funge malen, 
darut men kan f>erstand und wisheit holen; 
ja, beide testament, dat aide und dat mie^ 
dat hilge gadeswort, gelövet it mt frie, 

615 w ^stlüt verdolmetschet und gedrücket 
in neddersassisck und also gesm&cket 
in eigentliker mening und verstände, 
ehr it is utgegähn in hochdndischem lande, 
dat it wol is to proßt und nütte gekamen 

620 und heft veel möi und arbeit benamen 
den, de sik underwunden der hogen sake 
und it övergesettet in hochdUdsche sprake. 
In weltliker wisheit is kein boek geschreven, 
dem men billik mehr rohm und lof kan geven, 

625 tUs Reinke Vos: ein schlicht boek, darinnen 
to sehnde is ein spegel hoger sinnen; 
vorstendicheit in dem ringen gedieht 
als ein dürbar schat verborgen licht, 
glik als dat füer schulet in der asche 

680 und güldne penninge in einer schmerigen tasche. 
Men heft sUt twar iomartert dat boek to bringen 
in hochdUdsche sprach, men it wil gan% nicht klingen : 
it Uappet jegen dat original to reken, 
als wen men pleckt ein ifiloke vmd holt ta frrdbeii 



YAK ALMODISGHEB PO£SIE UIO) BHCEK. 71 

635 edder sckmit einen olden pot jegen de uxuuL 
Dal maket, dewil juv) is unbekani 
de natürlike eigenschop dersülven rede, 
foelke de angebarne zierlicheit bringt mede. 
Gi könt nicht löchnen, dat boM iderman 

640 bi uns hochdüdisch verstahn und reden kern, 

men bi juw under hundert men kuem einen fünde, 
de unse spraek verstahn, veel toeinger reden künde. 
Darmit möte gi unse geschiMicheit römpn 
und juv) sülvest der dumheit verdömen: 

6ibjuu>e verstand is to stump, gi musten en erst scUipen, 
dat he v>at scharper würd, sunst könt gVt nicht begrlpen, 
Derwegen wi juu> ok de courtoisie ertögen 
und unse höflicheit na juwer groPieit bögen : 
wen in den kerken u>erd gepredigt Gottes wort 

650 edr men sünst rede holt am offentliken ort, 

darmit gi, wat dar werd gehandelt^ könen weten 

und stahn nicht als ein matz, dem't muel is vul geschmeten, 

so sind irt jegen juu> so barmhertich und fraem 

und reden, dat it juw to dem verstände kaem, 

655 Men darum schöle gi juw in den sin nicht nemen, 
als wen wi sülvest wolden unse spraek beschemen. 
Gi bilden juw wol in, dai nemand reiner sprekt 
als gi an eingen ort^ so wit sik Düdschland strekt: 
fruw Rükenow meend ok, dat ere apenkinder 

660 wem schöner als Venus edr jo nicht vele minder. 
Dem ossen dünket, dat kein beter spise was 
des winters als dat how, des samers als dat gras; 
men Reinke is anders sins, he sede: fieesch van höner 
is veel gesunder und schmeckt nütliker und schöner. 

665 Ein jeder helt van dem, dar he is to gewent 
und dat van jögent up he altid heft gekent 
Gi menen ok, dat juwe spraek schal zierlik sin 
und hold'n so veel darvan als van dem strunt ein schwin. 
Wat köne gi vor wörde edder namen herreken, 

670 de wi nicht so zierlik als gi könen utspreken? 
Is nicht unse möme so goet als ewre mutier? 
Min [oder schmeckt dem vehe so wol aU enDtr \>i^U.t. 



72 DAT VEERDE SCHERZGEDICHTE. 

Ihr drinket aus dem becher, toi drinken ut dem stope, 

ewr mögt ein leibchen hat, unse deren drecht eine jope, 
675 de platteisen bi juw schmecken als unse schullen, 

jufjoe stier hebben hörner als unse bullen; 

ihr schindet ewer aas, de rackers unse villen, 

ihr sitzet auf arsbackn, wi sitten up den billen. 

Wol eigentliker heft geredet van uns beiden, 
680 darin werd uns de pawest nicht könen scheiden, 

und welkerer* spraek mehr zier is totoschriven, 

darum heb ik gesehn twe buern sik dapper kiven; 

^de eine sed': ei mein! was sprichstu, lieber Chim? 

Du machst das maul so kroes, das ich dich nit eemim. 
685 Ich kan dich nit versfohn, du snatterst wie ein gans. 

De ander antworde em: briid dine möme, Hans! 

Hestu de keek vul dreck? Duhundsfot, sprek ut der schnuet! 

Hiermit grepen se einander dichte up de huet. 

Wol nu van dissen tween heb överhand gekregen, 
^90datsülve to seggen laet ik wol underwegen: 

ik friicht, dat disse strit nicht ehr werd bigelecht, 

bet dat de Tartercham sin ordeel darvan secht. 
Mit disser rede wi unsen discurs beschlöten. 

De beiden herren na complementischem gröten 
695 ein na dem andern to hus gingen fin sachten, 

dat moet en sülvst bestahn, wat se do van mi dachten. 



BESGHLUT TOM LESER. 73 



BESCHLUT TOM LESER. 

Wol disse mine rim werd lesen edder hören, 
segt wol: wo heft de man sik taten so bedören, 
dat he noch sinen stand noch older nmt in acht 
und offentlik an't licht heft siilke f ratzen bracht? 

hHe hedde sine tid tool anders kont tobringen, 
mit erenstlikem toerk und velen nütten dingen^ 
darut men scheppen kond geschicklicheit und lehr 
und he ok sülvest würd' erlangen rohm und ehr. 
It is al recht gesecht: ik kan it nicht vernenen, 

10 ik hedd' mit nütter werk kont beter lof verdenen, 
doch is it ok gewis, dat men nicht alletid 
kan an subtilitet anwenden sinen flit. 
Biswilen schal men ok van schwarer arbeit rüsten 
und mit scherzhafticheit den möden sin belasten; 

15 dat leret de natur: ein bage, altid gespant, 
werd nagerade schlap und brekt intwei tohand. 
It is altid gewest und werd noch wol so bliven, 
dat erenstlike ding men nicht kan altid driven: 
des minschenhertens sin heft disse egenschop, 

20 wen men heft gode wil gesettet sinen kop 

an arbeit, dar men moet de sinnen stark to scherpen, 
so schal men den de möi ein weinich van sik werpen 
und nemen korzwil vor. damit men allermeist 
ermuntert sin gemöt und lavet sinen geist. 

25 In welkem stand men sit, schal men de möi vermischen 
mit hertensfrölicheit und mengen lust dartwischen. 
Ein prester kan altid sin kerkenampt nicht dohn, 
noch immer nacht und dag studeeru x^ö ^m ^^\:c^ö\l^ 



74 BESCHLUT TOM LESEK. 

he moet sins amptes last verwessein undertiden 

30 und leggen sinen rock ein weinig an de siden. 
Kein redlik man em dat kan övel düden ut, 
wen he im hochtidmael dem brudgam und der bruet 
in ehren und mit wünsch de gsundheitschale bringet 
und to des höchsten lof einmal herümmer springet 

35 und wiset anderm volk den weg mit einem glas, 
wor se schölt treden hen und folgen sinem pas. 
Nemand is in der schrift so frörat, dat he nicht wete, 
wat David heft gedahn, de könink und profete: 
do man des heren laed hadd' wedder hergebracht, 

40 do danzde he vorher und sprunk mit aller macht ; 
ut frölicheit im hern he schlOrde mit den föten, 
so dat he sik ok quam vor megden to entblöten. 
Wat Got to ehren schüt und nicht toweddern geit 
dem löfliken gebruk und goder erbarcheit, 

45 dar mach ein framer man sik billich mit erquicken 
und desto freudiger to sinem ampt sik schicken. 
Ein unansehnhk werk, dat sonst verachting bröcht, 
werd tor ergezlicheit biswilen upgesöcht. 
Wo veln vörnemen volk werd daglik upgedragen 

öodtirbare leckrig kost: se hebben doch behagen 
to faren up ein dörp, dar se den laten sik 
tracteren schlicht und recht na dörps- und burenschick. 
Ein doek werd ane prael up grönem gras gedecket, 
geringe burenspise en wol und ntitlik schmecket; 

65 it is en ein plaisir : dar eten se mit lust 

grof brod in kltintermelk, ein endken leverwust, 
ein lapken söten kees, ein schnedken rohen Schinken, 
ein kröschen dünnebeer mit freuden darup drinken. 
Se würden wol, wen se in erem huse sin, 

60 nicht hebben sülke lust to drinken rinschen win 
und sik tracteren dar mit wild, kalkunschen hanen, 
mit tarten, frische fisch, pasteiden, marzipanen. 
Dat maekt de nielicheit: schal alles bliven goet, 
in eines minschen doent verendring wesen moet. 

65 Dat föle ik ok an mi. Ik heb nicht ane sorgen 
staderet mangen dag bi avend und bi morgen. 



BESCHLUT TOM LESER. 75 

dat mine heb ik gedahn. Wen nicht mehr treken kau 
ein old peerd, so moet man ein junges spannen an. 
Schold ik hernamals noch dar Sitten in der stuven 
70 und ut den bökern mehr verstand und wisheit kluven, 
schold ik so fort und fort, in lengde und in de krtim 
mit so veel buntem tüch min bregen wölen um, 
und wat ik heb gedahn in minen jungen dagen, 
mit möie und surem schweet min olderdom nu plagen, 
75 so würd min schwaker kop bald werden dul und dwas, 
ik würde bald hengahn und biten in dat gras. 
Men dat kan ik nicht dohn und kan it nicht utharren : 
ik würd' in korter tid studeren rai toro narren, 
ik bin doch albereeds nicht alto wis noch kloek: 
80 wat hülp, dat ik altid dar sete bi dem boek 
und endlik werden kond ein hochgelehrt fan taste? 
Mit sülker hocheit ik mi ganz nicht mehr belaste. 

Wen ik schon schriven würd', als ik wol heb gedahn, 
wat mit kond in der tal der goden böker gähn, 
85 wol is it, de sülk boek to lesen sik würd schicken 
und it to köpen schold upschnören sinen ficken? 
Ein jeder seggen würd': dat boek U alto dUr, 
darvör ik kopen kond ein lustich eventiir, 
dat mi, wen ik it les, genöcMicheit würd' geeen; 
dOmin geldken kan ik tool to beter ding upheven, 
Dat is der arbeit frucht: darum geschtit it ok, 
dat ganz beliggen blift so mannich statlik boek, 
welks upgefreten werd van mutten und van müse 
und dar de kramerknecht van maket kremerhüse. 
95 Wat ein'm gelehrden man geworden is so suer, 
dat werd in groter meng gebruekt vor makeltuer, 
dar Marren allerhand« ein half pund speck in packet 
und vor de wescherin ein klumken seep upklacket 
edr windt darin tabak; it werd ok treflik nüt, 
100 wen Anke darmit schürt dat span und melkebüt, 
Jan bokebinder brückt ein deel to pappenklister, 
endlik und tom bescihlut fegt men darmit den vister. 

Wen averst jemand is, de ein schartekschen schrift, 
darmit men sine lust und sine kofLmV ^fviV 



76 BESCHLÜT TOM LESEB. 

I05dat » ein wacker man, ein mmn Tan groten daden; 
Tan sfUkem bökschen beft de drficker keinen sdiaden: 
he löst in einem maend mehr gdd Tan sölker waer 
als Tarn gelebrden boek in sös of söTen jähr. 
Sülk klein onschnldidi werk Tan Telen werd gelesen, 

110 dat jo de rechte zweck eins bokes schulde wesen. 
Wor is it nfitte to, dat mennich foliant, 
des name is anerhört and weinigen bekant, 
ja, ganze regiment Latiner sampt den Greken 
dar stahn in seniinel in einer bibliteken? 

115 Se loren dar and stahn al ferdig op den spnink, 

nicht tom gebroek and not, besfindr tom prael und prunk. 
De tnoet gelehrder sin ab andere und veel Uäker, 
secht de gemene man, loil he heft so oee/ baker: 
eins andern glehrden mans f>erstand is nichi so sckwaer, 

120 men kond en laden doch in eine sdmoekaer; 
men wat in disses mans sin hövet is begrepen, 
dat schold fool lading sin van velen orlogsschepen^ 
twe hundert wagen dar wol kregen tnUle last: 
rni wundert^ dat sin kop nicht barstet in der hast. 

126 Sttik einen dummen schnack moet men somtids anhören 
van uDverstendig volk, de sülke rede fören. 
Dit böksken is gewis darvan wol quit und frie, 
dat it gesettet werd in grote liberie; 
am unbenanten ord werd it sik beter schicken, 

180 dat men nicht nödich heb de finger to beklicken. 
De it nicht lesen wil, dem geve ik dissen raet, 
dat he twelf ele fern it yan sik liggen laet. 
Doch kau it jemand noch verkörten sine tiden, 
undrdessen he it lest, werd en de maer nicht riden: 

186 als einem steit de kop und em licht in dem sin, 
darna em plegen ok de wörde fallen in. 
Ditmal heft disse scherz mi so behagt vor allen, 
ein jeder nar let sik sin kapken wol gefallen. 



?7 



ERSTER ANHANG. 

LATEINISCHE GEDICHTE 

VON LAXJREMBERG. 



78 



Infectum scabie et turpi prurigine corpus 
ferre salem nequit aut acris medicamen aceti, 
sed blando gaudet palpari leniter ungue. 
Yerbera promeritus, baculi si tangitur ietu, 
eiulat, insonti fundens convitia ligno. 
At quibus integrae testis mens conscia yitae est, 
pars huius non sunt chartae: scabiofia fticaätur 
corda hie mordaci pipere et satyrae sale nmho. 

Joan. LaorenbergiuB, 



SATYRA. 79 



SATYRA, 

QUA RERUM BONARÜM ABUSUS ET VITIA QÜAEDAM 
SECÖLI PERSTRINGÜNTÜR. 

(1636.) 

Sollicitas volvens moesto sub pectore curas 

Thespiadum praeses Cirrhaei in vertice montis 

ordine dispositas iussit considere divas; 

tum citharam proiecit humi laurumque capillis 
5 excussam lacerans bis vocibus ora resolvit : 

lam coDclamatum pene est: jam nostra, sorores 

Aeoniae, e tenui dependet gloria filo, 

et per tot caste servatus secula nobis 

praecipitem minitatur bonos ac fama ruinam, 
10 ex quo Moenaliam fuit ausus sumere buxum 

Marsya Chaoniasque fides tentare profanis 

insulsus Bavius digitis: dum dissona cbordis 

Yox stridet durum et miserabile. Cernitis ipsae, 

quanta cohors passim currat per compita, qui nee 
15 fönte caballino tinxerunt labra nee unquam 

fatidica in bifido viderunt somnia eoUe, 

se magnos gaudent tamen appellare poetas 

et sese immerito titillant nomine vatum. 

His, doctae fuerant olim quae praemia fronti, 
20 per stolidum serpunt hederae eaput: innuba laurus 

obscoenam scabiem et turpis tegit ulcera ealvae. 
Heu, quotnam piperi tunieas seombrisque datura 

earmina scribuntur, mediam replentia ehartam 

immani titulol Non persanabile eunetos 
25hoe caeoethes habet, gliscitque ea publiea pestis 

in mentes hominum, qui nil sine cocmii^ i^äo.^ 



80 SATYRA. 

nil faustum esse putant. Sine carmine uemo Magister, 
nemo potest Doctor fieri. Cum ducit amator 
formosam in thalamos nympham, si carmina desint, 

30 nocte iacet tota tenuis sine robore nervus, 
non magis arrecto quam Nestoris hernia coUo. 
Carminibus dictis generosae semina prolis 
sponsa capit; plebeiae animae sine carmine surgunt. 
Cum moritur dives, moestae sociata cupresso 

35sportuIa chartarum properat: lugubre viritim 
puUata servus currens in sindone carmen 
distribuit populo; cantata haec naenia pellit 
Eumenidas, Stygii obturans tria guttura monstri, 
nee sinit ut tristi damnetur Spiritus Orco, 

40 tarn longis numeris, tam crebro carmine tutus. 
Nee Latias t^ntum Musas, queis arma virumque 
pascuaque et segetes cecinit Maro, queisque Tiballo 
Delia et inconstans Nasoni dicta Gorynna ^est, 
grandisoni tentant vates. lam scanditur Öeta 

45Doricus; epoto iam pridem Tibride docti 
turbantur latices Aganippidos Hippocrenes. 
Et sacer Uyssi torrens, quem Graecia quondam 
illimem ac pura manantem viderat unda, 
sordidus et putris coenosa uligine torpet. 

50 Quique thymo florens cytisoque insignis Hymettus 
Pindaricas saturavit apes, hinc stercora nostri 
hirsutasque legunt vepres et oleta poetae. 

Scilicet et vastae nuper trans aequora Baltes 
oppositosque sinus Cimbrum Germana poesis 

55 ire peregrinas audax dum tentat in oras, 
immites sensit Nereidas: aequore toto 
et vento et gravibus misere iactata procellis, 
illisa est scopulo coecis atque haesit arenis, 
qua Mona aärios tollit cretacea cautes. 

60 Navifragam fractaeque ratis vix membra tenentem 
excepit littus nudum, sed corpore toto 
friget adhuc redoletque picem pinguesque rudentes 
sentinamque gravem; liquidam vox rauca mephitim 
spirat, inestque olidis, bibetat oyiiam, nautea rhythmis. 



8ATYRA. 81 

65 Quantis torminibus bilis mihi concitat alvum 
quotque ciet vomitus, cum tales haurio versus, 
incautave manu tangol Meminisse dolorem 
integrat, immeusae pretium periisse papyri 
mercedemque virüm, praelo qui carmina formant, 

7oficos et turaidas ano factura mariscas. 

Quid reliquum fecit nobis? Quid grandius ultra 
barbaries inimica potest? lam denique taedet 
plectrorum citharaeque pudet, si nulla laboris 
nullaque nocturni referemus praemia olivi 

75 quam risum et sannam populi. Quin protinus artes 
expetis ignotas, miser o Phoebe? ütque deinceps 
felix esse queas multoque superbus honore, 
discito adulari Divis, effingere vultus 
Socraticos raagnoque cliens palpare patrono. 

soDeferre adsuescas mendacia, teque magistro 
innocuos carpat furtiva calumnia mores, 
candorem lauda; sed cum te sancta loquutum 
audierit populus, mox solo teste salino, 
impleto dominas occultus proditor aures. 

85 Dixerat haec Phoebus: tacitae sedere sorores 
attonitaeque metu. Sed paullum a sede levata 
Urania et lacrimis manantia luraina tergens, 
talia voce refert: Tibi non iniusta doloris 
causa sedet, meritasque pater consurgis in iras; 

90 sed tarnen et nostram fata infelicia sortem 
exagitant, instatque pari discrimine damnum. 
Nam quota pars horainum nulli parsura labori 
calce indefesso nostri fastigia montis 
exsuperat? Quis Castalia se mergit in unda? 

95 Quis curat, loculos non expletura capaces 

per studia, atque inopes aniraum excoluisse per artes? 
Unus divitibus Pluti qui crescit in hortis 
flosculus, ambrosiam spirans, panacaea malorum, 
nepenthes vitae, rosa nobilis, unicus ille est, 
100 quem plebs, quem studio quaerunt ardente Quirites, 
cui nocturna inhiat nostri vigilautia secli. 
At qui Pieriis sollers spacietut iw «>.tN\^ 

Lauremberg. ^ 



82 SATYKA. 

et flores carpat, quos Tempe Heliconia gignunt, 
rara nimis turba est. Plures penetralia rupis 

lOöGorgoneae et sacri subiissent intima collis, 
indocti nisi dextra ducis, recti inscia callis 
et sese regere ignari, puerilibus antiis 
incautam secum raperet per devia pubem. 
Nee tarnen hinc animis antiquum dogma regendis, 

lioquod tenuere patres, penitus discedere iassum est, 
nee disciplina exsilio est damnata: supersunt 
pristina Eleutheria, et multis imitabile ludis 
Cecropium sua monstrat adhuc simulacra lyceum. 
At quantae pueros pestes, quae probra iuventam 

iiöexercent! Quot sese ostendunt monstra scholarum, 
queis ordo omnis abest, ubi res claraore potenti 
tan tum agitur! Soles petalantia coeca serenos 
occupat, inducias libris, nulla otia praebent 
nequitiae. Si trux aquilo aut nimbosus Orion 

i2ohora post puItes et salsamenta secunda 

traxerit in classem, oblitos quid lectio poscat, 
et Styga iurantes, permistum murmure planetum, 
atque indistinctos confusa voce susurros 
perculsae capiunt aures: exaraina credas 

126 crabronum aut vespas ad pabula foeda ruentes ; 
mitior in magno strepitus furit amphitheatro, 
cursori cum turba favet. Qui gutture vincit 
Stentora, vimineos maiori robore fasces 
qui vibrare potest tantoque tonare tumultu, 

isoquanto percussis incudibus aera resultant, 
cum pelvim fingit furvus faber, ille brabeum 
promeruit. Nam quid didicit, nisi tendere virgam, 
nuper et acceptas cum foenore reddere piagas, 
Orbilius, barba referens et voce capellam? 

iSöNempe horum huc ferulae tendunt, ut verbere multo 
perfossas ingressa nates Sapientia, stultum 
ad cerebrum curva per colum arabage feratur, 
unde ferant pretium, fulgentem divite censu 
suggestum, et decimis onerata altaria, dotem 

140 anciJlae, cuias thalamo ^^t^^Vi^tiia parantur 



8ATYRA. • aS 

Sacra toga et duplicis consponsa opulentia templi, 
aiit vidua iaceant sponda nubantque Sibyllae, 
cui semper madido dependet stiria naso, 
cui secreta tegunt fugitivos scrinia dentes, 

I46perpetua et tussis gingivam nudat inermem. 
Tum rixae et tristi surgunt bis iurgia lecto, 
si lateri parcant, nee quantum prurit anhelent 
in Gute rugosa et lascivae pellis hiatu. 

Haec fortuna manet viles sine stemmate lumbos, 

löoquos operit cento et tunicae velamina nigrae, 
quos lac maternum suxisse penuria adegit. 
At quos nascentes contexit purpura, quosque 
Tbaide nutritos adnatis mille colonis 
et totidem vernis dives Lucina beavit, 

155 hi primis Eponam discunt iurare sub annis, 

praesepesque animo ac pinguem meditantur avenam 
fulmineumque, decus lateri qui pendeat, ensem 
et telum assatos missurum ad prandia turdos. 
Inde, iuventutis primae cum venerit aetas, 

160 ac praeter libros validum ferre omnia robur, 
exoptata diu votisque petita secundis, 
quadrupedante ruunt alacres ad equilia cursu: 
tum demum genere hoc et tanto sanguine digni, 
quod cives metuant. Stat flagro insignis et unco 

165 cornipedesque suos Musarum ignarus equiso 
insultare solo et gressus glomerare superbus 
edocet, arguto praeiens poppysmate saltus. 
Pegasei fontes Clariaque e valle corymbi 
et Pindi flores et vatum insignia laurus 

I70huic foricas redolent, vel quot Marenna pepedit. 
Sed lotii torrens excretaque prandia pulchri 
Bucephali myrrham stactenque et cinnama fragrant, 
dulcia ieiuno confortativa cerebro, 
dum strigilim versat: dum titillatus adhinnit 

175 discipulus, fundens postica didactra magistro. 
Artibus bis Aurora favet gratoque moratur 
intuitu, donec decimo campanula pulsu 
quassata ad piscem vocet intestina t^c,^\i\Ä\si^ 



84 SATYUA. 

ad far candidulum et puri carchesia zythi, 

180 cui pernae cuneus, cui bina supernatet halex 
in stomacho, languenti irritamenta palato. 

Quod superest lucis, pugilis schola densa periti 
exhaurit: Gallus potiores abripit horas 
Mirmillo, antiquo melius docturus ad Orcum 

iSöSternere subtilem dignumque indagine callem. 
Ridiculum est, homines populari occidere sica, 
aut stiva costas aut conto illidere calvam: 
impius hoc miles vel praedo novit avarus 
aurigaeque leves et filius Alphesibaei. 

l90Artifice bic opus est dextra inconcessaque vulgo 
vis animi, Studium longe sublimius optat. 
Ingenti pretio et multo sudore parandum est, 
ut discas mactare viros et triste cadaver 
carnifici fecisse manu. Tua gloria poscit, 

195 heroum o sanguis, totas impendere vires, 
ut varias caedis species et nomina discas, 
temporaque et miros distorto corpore flexus; 
quis tenor insidiis habilis, quota linea guttur 
transfodiat, qualis pulmonem perforet ictus, 

200 ut cadat hesternus docto sub vulnere amicus, 
utque queas audax in fortem arcessere pugnam 
semideum socium, si quem tibi fecerit hostem 
liberiorve iocus spretive iniuria pocli. 
Hinc verus tibi surget bonos et gloria maior 

206 quam quos pro patria, pro religionis avitae 
vindiciis dubii iuvat ire in proelia Martis. 
Non hos conductus manes laudare sacerdos 
venali tollet caesos ad sidera lingua, 
proclamans populo et lacrimosa voce recensens 

210 bis senos proavorum atavos abavümque parentes 
et longum a prisco deducens Teutone stemma: 
veiTim inhumata trahit Germanus viscera vultur, 
ossaque sanguineos sparsim disiecta per agros 
a Jove putrescunt, non ullo condita busto. 

215 Hoc apage: uberior laus et fortuna duello est. 
Si valvas animae iüiavx^tÄ mxxctQwe resolvit 



SATYRA. 85 

discipulus melior, conscripti in vestibus atris 
heroes proceresque et tristis turba dearum 
inferias ducent et mausolea parabunt; 

220 egregium in tumba facinus leget invida tantae 
posteritas laudi similesque viriliter ausus 
moliri serös accendet fama nepotes. 
Quamprimum gelidas generosa reliquerit umbra 
corporis exuvias, non illam lintre profano 

225portitor, assuetum timidus deposcere naulum, 
excipiet nee qua vulgus deducitur alno, 
puppe sed aurata multoque nitente pyropo, 
cuius victrici fulgent carchesia lauru. 
Cerberus Aleiden ratus adventare trifauces 

23oabscondet rictus: nullo prohibente capesses 
Elysii Silvas campi sedesque beatas. 

I nunc et dubita raptis ex ansere pennis 
letiferum praeferre ensera, scissisque libellis 
florem aevi stabulo et celebri donare palaestra, 

235 fortis aqualiculum discas ut tundere opimi 
athletae et sonet icta tuo seps ferrea pulsu, 
tecta hirco aut triplici pugnacis tergore tauri. 

Interea tali dum fervet arena tumultu, 
dum certae exercent iuvenes praeludia famae, 

240atque aliquis labrum livens vibicibus ungit 
abstergitque genas mistamque cruore salivam 
exspuit, excussum quaerens in pulvere dentem: 
impexus barbam, nullo comitante, magister 
ambulat ad cathedram, vacua lecturus in aula, 

245 et stultas miser ad subsellia nuda figuras 
scripturus; quis enim doctori commodet aurem 
plebeio atque inopi et* crassa atramenta cacanti? 
Qui nil grande sonat, cui nunquam illustre verutum est 
in manibus nee quadrupedi dare novit habenas, 

250 sed cui multa latet tenui sub veste supellex, 
regula et inflexum ducturus circinus arcum, 
et qui nigra bipes dependat ad ilia gnomon, 
atque inscripta notis cerebrum turbantibus ingeus 
membranae moles et cretae frusta bilvbm. 



9S BATTKA. 

255 nie est, qui radio tentat describere mundum 
et terras tractuBqoe maris i>eregriBaque regna, 
cum tenebras habitet mißer angußtosque i>eiiatefi, 
quorum Boda patet lentnB per tecta Bootes 
atque Heiice; imbricibuB ruptis descendit ab alto 

260 Jupiter irroratque arentes imbre libelloB 
et pluvia Bphaeras, coelestesque abluit orbes. 
Hie tot myriadaB centenaque mülia pingit 
in tabula innumerae Bumerum inventuruB arenae, 
sed pleni zyphra loculi tIx quatuor asses 

265 inveniant, fundo BiimuB Buspirat in imo 
et gemit e dBta BociaB fngisBe Coronas. 

Haec Bunt, quae nostrum, praeses Cyrrhaee, pudorem 
proBtituunt coguntque gravi succumbere fato: 
hinc lacerae pallae Musis, hinc concbe tnniemns 

270 exigua, et macrae haurimus Tix iuscula mensae. 
Interea noster ßubrectaß tollere cristas 
boßtiß amat: biß mille flagellatoriß iniqna 
Bupodiß arca tenet minaß, ter dena talenta 
aurea praedonis conßcribit penna telonae; 

275 et quoB fama viroß, meritae quoß gloria landis 
evehit ad ßuperoß, vita dum puriter acta 
et multo capiunt ßua praemia digna labore, 
indigDus sequitur coetuß, ßese improba mißcet 
turba probiß; — non hoß coelum aut mens conscia terret. 

280 quin voto ac tabulis tardantia fata piorum 
anticipent rapiantque augusti commoda census, 
quem patrum pietaß ans templisque dicavit, 
ut vitam hinc tolerent et consolentur egeni 
fortunae invidiam viduisque penuria moestis 

285 Sit levior pauperque habeat Bua farra sacerdos, 
aut quos divinis consumpta laboribus aetas 
iam rüde donatos merita otia quaerere cogit. 
At quinam has eleemosynas reditusque sacratos 
abripiunt? Qui sunt hi circum alvearia fuci? 

290 Vix pudor effari patitur: Bubsellia sartor 

summa tenet, poßt hunc inflatis ßpondula bucds 
et tergum laesuB Tbrsüäo i^mm^uac^ae satelleB 



SATTBA. 07 

et ßpretos caJcans, Parnassi transfizga, libros. 
Heroasque ister doctrina et laude celebres 

295 coDsidet ac valgis vix imperat otia plantis 

praesultor choragus; dextram spado claudk anhelus, 
qoi localis servans exsecta crepandia eburnis 
et voce et fade iacturam prodit anili. • 
Vestam in marmoreo qucndam curare camino 

soodoctus et advectis ignem ßuccendere silvis, 
Vulcani genitor, primam spectabilis umam 
concutit ac reliquae reprehendit vota cathedrae, 
et nunc municipis rationes ponere villae 
oeconomo mandat, nunc pontificalia lustrat 

305praedia, distentam fracto nuuiismate pellem, 
bibernosque boves referens messemque beatam. 
Quo tondente gravis condvi barba sonabat, 
iam canonas dididt saa^oque ex ordine tondet 
rura sua et proprios, mercedem forfids, agros. 

310 Sed ne forte putes, gratis baec munera posd 
aut segnem dud vitam vacuamque labore: 
maximus hie labor est, unctam curare culinam, 
et bibere a sexta praefiixi limitis baustum, 
quem ratis advexit peregrina, et opinio praefert 

315 indigenae, quamquam puros a faece liquores 
ac minus insanos patrium despumet ahenum. 
Stat comes huic praegnans ardente fidelia Baodio, 
quod transmisisti generoso e palmite, Bb^ne, 
poclorum rex Ebene, tuas nisi Sequana vires 

320enervet, consors furtivi factus honoris. 

Haec inter studia et iam stratae proelia mensae 
proelia narrantur regum caedesque virorum: 
quae fuerit victrix ades, quot Sueda turmas 
miserit in campos Germanüm, et quidquid avams 

325 e proprio finxit sibi bibliopola cerebro, 
ut ßolita in sancto vendat ludibria templo. 
Adduntur passim tantarum obsonia rerum 
probra in coelicolas, dirarum immania plaustra, 
et servatrids renovata infamia mortis, 

830 diaque blasphemis recrudescenüa lingoiß 



88 SATYRA. 

Yulnera, quae valeaut nugis adferre leporem. 

Sed leve id est veniamque meret, nam more recepto 
sermonum appendix est et mantissa loqnendi; 
eiurare deos: verborum hie Aesculus, baec est 

835DUsquam in rhetoricis descripta figura libellis. 
NuUa fldes modice iuranti. Si quis amicum 
ore pio a£fari tentet: nisi numina cuncta 
et coelum testes vocet et penetralia Ditis, 
ni Pblegetbonta.imum supremis temperet astris, 

840 Harpocrates elinguis erit, nee pluribus hiseet 

quam maena et captae Cimbrorum in littore concbae. 
Septem Tisiphonas et bis sex ora Megaerae 
milleque Gerberei fauces et colla mdlossi, 
et quiequid pallens nunquäm conspexit Averniis: 

845 baec iurat caligas qui nondum pusio sumpsit, 
et cui mollis adbuc animus dignosse negavit 
angues Eumenidum aut reeidivi pondera saxi. 
At quos iudicii gravitate peritior aetas 
imbuit, hi numerum ad digitos subducere norant, 

85oquot piceas habeant Acherontis ftumina guttas, 
quot crudo possint stabulari in viscere pestes, 
quot teneat Stygias Holsatica tonna cohortes, 
venturas votum, cum cara sororcula fratri 
XaXq ait aut neptem solatur avunculus aegram. 

355 Sic iuvat ad canonas devotam ducere vitam 
sacratosque Deo curae huic impendere nummos, 
ut tremat omento pinguique abdomine venter, 
viginti agricolas capiens et iugera centum, 
hortosque et patrios promptus sorbere penates. 

360 At nobis nemo tantum concedit agelli, 

quantum talpa fodit, quod mus aret, unica quantum 
brumali formica die consumere posset. 

Non erat haec mundo facies, cum Roma videret 
Augustum, dignum sublimi Caesare nomen, 

865 cum Maecenatem felicia secuta ferrent. 

Tunc comes ibat bonos parilique pedissequa passu 

gloria tendebat doctas profltentibus artes, 

nee solae endromides adsutaque laena lacernae, 



SATTRA. 89 

segmentata auro SarraBoque ebria succo, 

370 grande viro pretium spreta virtute ferebat, 
sed laudabatur simplex sine niurice vestis, 
antiquam referens speciem priscique figuram 
ostentans decoris, qualem Boeotia vidit, 
Harmoniae castas iret cum Cadmus in ulnas. 

375 Sartoris nunc dextra, novos effingere vultus 
ingeniosa, avidas consumit nocte lucernas, 
patribus ignotam capiant ut pallia formam 
et nunquam visis generetur abolla flguris. 
Aspice quam longo cupiant procurrere lapsu 

380ingentes caligae, tenui ceu fistula canna 
pressantes lumbum: spreta coxendice fines 
ultra hepar renesque ferunt victumque lienem. 
In caligis iam corda sedent, iam subligar alas 
occupat, ad iugulum paullatim et guttura tendens. 

385 Ac veluti lento graditur gangraena meatu 
secretasque trabit vires: sie perpete nisu 
utrimque occulta properat serpigine bracca, 
hinc truncam ad barbam atque inde ad calcaria reptans. 
Nee secus ac dubio certant de limite regni 

39ofinitimi proceres seque urgent ancipe ferro: 
sie sese alterno vicini Marte fatigant 
thorax et caligae. Vix septima labitur aestas, 
cum dominos fasces et regia sceptra tenebat 
augustus thorax, — medii qua prominet umbo 

395 corporis, hos illi dederat victoria fines, — 
mutavit sors coeca vices: iam bracca triumphat 
et victum ac magna thoracem parte minutum 
exuit imperio, triplex nee profuit ordo 
nodorum misero aut ligularum exercitus ingens. 

400 Sed fors tempus erit sextae post frigora brumae, 
cum plures forfex impos effingere lusus, 
amissum trunco thoraci reddet honorem: 
cum coxae limbos reduces atque ilia priscos 
accipient cinctus, rursusque abdomine laxo 

405liberiore pulex laetus saltabit in aula. 

Rideat haec aliquis. Sed bile twm^\i\Äöx ^^x^^ 



90 SATYRA. 

si faciem et certa dispostas lege capronas 

aspiciat, merito clamet Melicerta perisse 

frontem de rebus: quoniam frons Dulla relicta est 

410 aut cerni metuit, laeso perfricta pudore. 
Quid, dicat Proculus, si de ciniflone reversum 
a tergo videat Rufum vel poue sequatur? 
Ornatam iuret per Graeca palatia Phrynen 
allectare viros aut priscae ad moenia Troiae 

4i5peltato prodire ex agmine Penthesileam : 
sie fluit ad scapulas ferro crispata calente 
mollities cirri, tarn docto pectine fulget 
in centum coma fracta gradus intextaque portat 
symbola secreti nimium pretiosa favoris. 

420 At ne fors errans quisquam plana omnia credat 
infra ventriculum tenuemque abscondere rimam, 
discrimen sexus de podice fluctuat ensis 
coccinaque impellit scabiosae tegmina clunis, 
et lateri quondam suetus peudere sinistro, 

425 nee pavidus fusum sub Marte haurire cruorem, 
idem nune olidi pulsans spiracula follis, 
haurit postico fugieutem e carcere Caurum. 
Ambulat ansatus per eompita perque plateas 
Penelopes sponsus: volueris consistere nescit 

43opluma loeo et pluma levius eaput. Ecce sororem 
mittit in oceursum lux prospera, mille salutum 
nuntia sublatus nudat ealamistra galerus 
eminus, inflexo sinuantur braehia gibbo, 
indiee fulgentem labris sistentia gemmam. 

435 Longa paviraentum tunc radit linea, erebro 
prolixos faciens planta strepitante decusses. 
Quot melle ac dulci condita papavere verba 
ore fluunt: toties, tuus o Galatea minister, 
servitii proraptus, seu Sol seu Sidera poscant, 

440 in mala aut scapulis tremulum mieat, alite palma, 
inque vieem palpat; toties curvatur in arcum, 
qualis Atlas nutat magnae sub pondere molis 
aut Luna ostendit redivivi cornua vultus. 
vanas hominum curasi tristia seclal 



SATYRA. 91 

445 Europae priscos corrumpit Gallia mores, 

et vitia aere gravi multoque redempta periclo, 
fert reliquis terris et cun'ctas fascinat oras: 
pristinus hinc decrescit bonos et mascula virtus 
atque animi fortes invictaque robora bello, 

450inque locum subeunt periuria, foeda libido, 

foeminei comptus. Sint Gallica cuncta necesse est, 
verboruin ampullae patriaque infarcta loqueläe 
Gallica vox, non indigenis, non cognita civi, 
Gallica luxuries et Gallica corde simultas 

455 et fraus et levitas: in corpore Gallica vestis, 
et Galli ritus; mittit quoque Gallia spurcam 
contagem insuetasque per arma duellica mortes. 

Talia dum memorat commota percita bile 
Urania, ad Phoebum devenit epistola, magnum 

460 descendisse virum ad superos, Venerique talentum 
et mille in tabulis minas legasse Lyaeo 
atque obolos Musis quinos, ut voce sonora 
Patricias laudes et docta epicedia cantent. 
Illae, ne tanti ferrent dispendia lucri, 

465currebant alacres celebrandi ad busta patroni. 



92 QüEfilMONIA. 



n. 

DAPHNOMNI QÜERIMONIA DE SUO ET ACADEMIÄE 

SORANAE STATU. 

(1657.) 

Fractus aevo, mente languens, lassus aegritudine 
Daphnorinus, cum soporem palpebris nox pervigil, 
curaque insomnis qnietem denegaret artubus, 
bis, lucerna teste, coelos impulit suspiriis. 
5 Quis mihi, inquit, haurienti lucis auras adstitit, 
et meis genius iniquus praefuit cunabulis? 
Non quidem tam saeva quondam fata sortemque asperam 
Phoebus et fallax dearum turba mi spoponderat, 
cum soli fiatalis arva, quaque vagii, domum 

loexteris mutare volui trans fretum penatibus. 
lUa magni fama regis, illa sedes coelicas 
orbis et transgressa flnes, larga munificentia, 
quaeque ceu sidus novellum fulgurans recentibus 
aucta radiis lumina in se verterat mortalium, 

15 Sora celebris, provocarunt illici me praemio. 

Quam diu robusta sanguis genua et insitus calor 
integros firmabat artus, nulla me vidit dies 
otio torpere inerte: Musa et ingenuus labor 
otium fuere gratum dexterae artificis opus 

2odoctaque insolita supellex fabricata indagine 
parvulam lasso quietem praebuerunt pectori. 
Nunc ubi annos antevortens et nimis praecox meas 
abstulit senecta vires meque fecit impotem 
ferre pristinos labores^ quos iuventa postulat, 



QüERIMONfA. i 

25 dum magis magisque serpens aegra circum viscera 
morbus extremum minatur, quod capit mortalitas, 
me caduca spes inani „derelinquit omine: 
ante non notas novercae sortis experior vices. 
Qui prius stridebat, igne sobrio lucens focus, 

30 nunc cibum tenuem ministrat, aere pressus non meo; 
vix dies a creditorum plebe paucos impetro. 

Non mihi aut supjerba vestis aut catinus dapsilis 
aut domus neglecta cura peperit hoc dispendium, 
sed dolosac fraudis expers pectus et mens integra, 

35 nee sacro venalis auro n£c redempta honoribus, 
sed suo contenta fato. Mater haec damni fuit, 
optima est enixa prolem pessimam puerpera. 
Publica accessit procella derepente in Daniam 
tale nil quicquam timentem detonans. Mars impius, 

40 dum pia obiicit profano militi stipendia, 
Palladi minuit pudorem vimque Musis intulit, 
sancta regum, diis sacrata dona in alvum congerens 
urbium centum capacem, tota sorbentem oppida. 
Exul erga diva nutrix, praeda Marti, detulit 

45 multa secum, nixa queis stat liberis über domus. 
Pone Gradivum secuta* est illa, quae ceu pestilens 
sidus omnes orbis oras afflat, arcta Caritas. 
Quo mage annonam flagellat rara messis, hoc magis 
deficit Musis dicatum, sumptui impar, praemium. 

5oHinc penates imminutos pulsat Indigentia, 
aesque penui destinatum foenerator abripit. 

Si quid e tenui salino parca seposuit manus, 
id sibi deposcit omne pharmacorum conditor, 
aureae structor popinae, gnavus Hippocratis coquus. 

55 Sanitatis e taberna missus advolat puer, 
voce solvi turbulenta, iure stricto postulans 
tot receptarum cylindros totque dosium Codices, 
tot syrupos, tot trochiscos urceosque ecligmatum, 
morsulos, tabulas, elixir, pulveres, cataplasmata, 

60 tot catharses in patellis, in cucullis pillulas, 
quot queant eiere Septem rusticorum pantices^ 
heu, nimis pretiosa mensae paw-jetSs» wöXaxxiNsyX 



94 QUEBHiONIA. 

Unde eorum est vacua farto pyxis atqiie capsulae, 
unde fugitivis anhelat arca nostra nammalis. 

65 Interim conscripta nobis opera foetusqne ingeni, 
mille noctium vigiliae, longus annoram labor, 
esca tineis et pudendum pabulum blattis iacent, 
queiä coronidem supreroam, queis manam addere ultiiDam 
impeditur nostra curis fracta mens domesticis. 

ToSaepius mea ingemiscit Musa damno hoc, integra 
virgo quondam, nunc pudore prostituto — absit procul 
omen hocl — meretrice quaestu verita solari famem. 
Tuque non raro tulisti graviter boc dispendium 
Phoebe, amicum numen olim, fidus hactenus comes. 

76 Quo fugis nunc? Teque solito subtrahis conspectui? 
Talibus noctem fatigans Daphnorinus questibus, 
uescios soporis oculos irrigabat lacrimis. 
Cum refulgens luce clara Phoebus ultro se obtulit, 
et genas tergens amicis solvit ora vocibus: 

80 Parce coelos immerente provocare iniurial 
Certus esto, quod tuarum dura rerum acerbitas 
sancta regis Friderici commovebit pectora, 
cui suprema lex et una cura stat, populi salus. 
Cur tuo sedeat iniqua corde diffidentia? 

SöTanta regis magnitudo, tanta virtus principis, 

nec parem cui nec secundum nostra cernunt secula, 
vera quem niveis quadrigis Fama coelo sustulit, 
quod ministris parva quamvis paucaque officia suis 
gaudeat pensare larga.et liberali dextera, 

90 te videbit derelictum destitutumque auxili? 

Nec dabit messem laborum metere, quos tu ter decem 
iam per annos pertulisti, laude non inglorius? 
Qui tuae ver aevitatis atque floridos dies 
publicis Danae iuventae consecrasti commodis, 

95 ut gravis nunc bruma vitae torpeat tristi gelu, 
et nive aspersum indecoro squaleat situ caput? 
Absit, absit ista mentis cogitatio impiae! 
Nonne, cum primum corona cingeret rex verticem, 
annuo tuum beavit sponte censum auctario, 

looregii favoris arrha prima sceptra inaugurans? 



QÜEHIMONU. 95 

Nunc licet sat turbulento res fluant lapsu, tamen 
magnus animus Sorte utraque maior haud sinit, suo 
quicquam honori ut triste tempus gloriaeve deroget. 
Grescit augeturque dando plura liberalitas, 

lOödeputans lucrum sibi esse, quod probis impenditur. 
Quae tibi patebat aura naviganti prospera, 
maxime nunc indigenti clausa doq erit manus. 
Ipse ego illi vellicabo lenis aurem, et temporis 
anteacti ac iam fluentis concitabo memoriam, 

110 sicque dicam: rex, dearum firma spes Parnassidum, 
dulce columen eruditae gentis et summum decusi 
nie, quem diuturna fecit aegritudo languidum, 
quem dies longusque vestrae patriae impensus labor 
nunc iuberet, ut solutus et procul negotiis 

iisreliquum vitae in recessu degat, emeritus senex; 
ille, cum se Sora vestrae laudibus praesentiae - 
tolleret, consors honoris facta tantum cernere 
incolam, momenta quaedam et portiunculam tuae 
iussus institutioni ferre, pectus lioc capax 

i20omnium artium eruditis imbuit scientiis. 

Quicquid intimo recessu numerus arcani tenet, 
quicquid aut Megarensis heros aut Syracosius senex 
prodiderunt, habile et annis et tuo aptum sanguini, 
praevio hoc ductore dia mentis hausisti indole. 

125 Nunc pia memorique tecum mente, rex, expendito, 
quam frequenter ille vestro tunc frui consortio 
non negatus atque herilis particeps mensae, iocis 
serio sermone mixtis prandinm condiverit. 
Cumque iam Sora relicta dius ardor pectoris 

isodissitas hinc orbis oras te iuberet visere, 
plenus entheo furore tale verbum protulit: 
Ito felix, domine 1 Non me fallit hoc praesagium, 
irritis nee certa frontem Parca signavit notis: 
hoc prius — sie fata poscunt — gravia passurum caput, 

135 arduis tibi ad coronam praeparandum est casibus, 
quod dein maiore splendens tanget astra gloria. 
Quamque nunc abiens benigne porrigis mihi dexteram^ 
indicem certumque pignus pertiu^^cve» %x^M\^^ 



96 QÜERIMONIA. 

haec feret paterna qaondam sceptra fascesque imperi. 

I40tunc novo regi insuetis gratulabor versibus, 
tunc meis feliciora fata rebus spondeo. 
Quae profatus ore fuerat, verus augur, praesdo, 
prospero eventus sequutus comprobavit omine. 
Haec ergo fidus Sequester verba regi perferam, 

145 verba non portanda rapidis Balticum in freturn Notis. 
Tu modo animum, Daphnoriue, recipe, concussom metul 
Saepe navis, quam secundus Auster et fluctus tulit 
usque felix per profundi regna Nerei, 
iam subire prompta portum iamque terrae proxima, 

löoderepente saeviQntis quassa Boreae turbine, 
mergitur fere atque in ipso pene sidit ostio: 
quae tamen cauta magistri seduli prudentia 
sospitata, se paterno salva reddit littori 
laetaque advectas remoto a sole merces explicat. 

155 Hactenus tuae favente cymba vitae numine 
prosperum sulcavit aequor, lapsa tranquillo salo: 
iamque spes blandae quietis te fovebat, otium 
poUicens et dulce longis praemium sudoribus, 
quando inexspectata duro saeva stridens impetu 
* leoobruit procella puppim, iam propinquam portui, 
uaufragum minitata fatum. Sed fidelis arbiter, 
qui tenens clavum gubernat fidus arctoam ratem, 
ille Castoris gemellum sparget antennis iubar 
et tua ad desideratum vela flectet alveum. 

165 Quin et idem rector orbis Danici, das aemulus, 
non suo tantum favore te beabit, quam diu 
quantulum est, quod res tat aevi transigis, sed in super 
in tuum gnatum refusam prorogabit gratiam, 
et sereniore vultu vota nostra comprobans 

170 largietur, ut, tibi cum fila rumpet Atropos, 
filius, tuae a iuventa cultor artis sedulus, 
in professorum cathedra sedeat et subselliis, 
sicque seriem prosequutus ordinis, non degener, 
quem pater tenuit, eundem filius teneat locum. 

175 Non quidem peregrinus ille est aut ab aliis advena, 
ipsius quod vos parentes esüs^ huc venit locis; 



QÜEBIMONIA. 97 

sed solum natale sibimet esse gaudet Daniam: 
estque Sorani lycei prima proles omnium, 
quos sattt foecunda largo protulit academia. 

idoEius ergo aequaeva gestans nomina incunabulis, 
patriae ins singulare civitatis expetit. 
Sic novus succrescit alta surculus sub arbore, 
puUulans radice firma, seque in auras exserit: 
quae bipennis cum vetustum caudicem ceciderit, 

185 facta tunc arbos, paterno stat solo, et magis ubere 
foeta ramo, dulciores fronde fructus parturit. 

Hoc tabellis rex benignus, hoc ratum faciet manu. 
Surge laetus! lila magni fida regis corcula, 
incliti heroes, patronos iure quos merito colis, 

190 hi tibi sternent faventes semitam internuntii, 

qua tua baec notanda chartis commeet Querimoxiia, 
regios visura vultus et repulsam nesciens. 

Fatus haec Apollo nocti se profundae miscuit. 
Daphnorinus spe referto gestiens solatio 

195 et sacro motus furore, non tulit silentium, 
sed torum domumque tali concitavit iubilo: 

Friderice rex, avitae splendor et fax gloriae, 
regiae virtutis haeres, sancta cuius comitas, 
socia maiestatis, omnes orbis illustrat piagas: 

200efftce, ut benignitatis aureum solitae iubar 
in tuum radiet clientem, iam tenebris obsitum, 
ut senex aegerque dura sorte pressus, nunc velut 
pallido revocatus Orco, dormientem suscitet 
in tuas laudes Camoenam, et gloriosi nominis 

206pergat hoc sonare, Fama praecinente, encomium: 
Qui prius dux Fridericus Daphnorino ostenderat 
Signa multa et ominosa regiae clementiae, 
ille nunc rex Fridericus pristinae olim gratiae 
iamque maiestatis ipsi grande monumentum addidit. 



Laurember^. 



99 



ZWEITER ANHAIf G. 

NIEDERDEUTSCHE 
SATYEISCHE UND HOCH- 
ZEITSGEDICHTE. 



7* 



NIEa)£BD£üTBGH£ 8ATTEISGHE GEDICHTE. 101 



NIES VPST AFFERDE KOSTE- OFT HÖGEVASKEN, VAN 

OLEM TÜGE TOHOPE SAMLET VAN DOMINUS VIR 

FORCIPIÜS. 

1636. Septb. 26. 

Ja, warumb schol ek ni(di, herr brögamb, juw to ehren 
up juwem köstedach een vask of twe verehren? 
Darmet bin ek nieh karg een ele dre of veer 
umb nichs un wedder nichs to meten an noch mehr: 
5 ek darf jo minen kop daramb nicht veel tobraken, 
ek kan se, Got si dank! jo ane schwetent maken. 
Is vaske schmeen kunst? So bin ek wol een man, 
de vor den störten krank't een'n hupen wisheit kan. 
Ek wil up juwer kost de gave willig bringen, 

10 un schal mi kuem een wort ut miner feder springen, 
dat nich is recht geklembt, dat nich so temlik geit 
un na des rimes art bi sinem nachher steit 
Ek hebbe doch wol ehr vor Bavius, dem hasen, 
in't niegeschneden reit heel fin un hübsk geblasen, 

15 dat Coridon gefil. — 'T is noch nich alles doet, 
of ik't twar lange tid umbsüs y^helen moet — 
Wo menches kerels lof wer' mit dat lif verdorren 
wo vele weren wol heel ungeromet storven, 
wer ick er nich gewest? Dat sdiriven was min dohn: 

20 de narren kregent gelt, ik idel spot to lohn. 
Wo menche leve bruet wer ane vask todrücket, 
wen he den köstebreef nich hadde mi afplücket? 
Wo lavde he den oft ut falskeit mine kunst! 
Sin laven was bedroch, venin wa£ «&&.^ ^gQ^^\>. 



102 ÜIEDEBDEUTBCHE SATYBIWBB 

25 Ek wil juw noch wol eens yeel dmnnie kerels nomen, 
de vor den leiven vask as vor de sfike schrOmen 
on sin doch heel vorbrüet mit miner fantasie; 
se willen't sin alleen an is doch nichs darbL 
Wo schol ek den nich ok yan jnwem hdge schrlyen 

30 nn bi dem köstebreef wat schlaeplos liggen bliyen? 
Ek wil juw ehrlik sin to willen ayeral; 
doht gi so wol an segt, woryan ek dichten schal! 
Wat schal ek in den rim yor nie saken flicken, 
de sik nich anbeqaemb ap jawer leefte schicken? 

35 De yeelheit is to groet, de alle dage sehrift, 
so dat neen enig wort yersdiwegen yor mi blift 
Wo lang is't wol gesegt, wo oft is't wol gesungen, 
dat Adam atet land, at nier erd' entsprangen? 
Wol faeft et nich gehört, wo nse Herr Got qaamb 

40 an in de kloke band den beten erde namb, 
worat de erste ya'er bloetnaket is gebaren, 
do noch neen frawe was, der he sik mödite paren; 
do noch dat erste loef neen mal yerwelket was, 
an lag dat jange yeh in't friskgewnssen gras? 

45 Wo sik de junge kerl heft schmartlik möten plagen 
straks in de erste tid, straks in den starken dagen, 
intmidden yan der last, dewil he schleep alleen, 
un hadde nemand mehr den ga-lof mit gemeen? 
Et was em alto saer so leyelos to leyen, 

sobet em de leive Got de frawen heft gegeyen. 
Dar leep he ane sik un sach den hemmel an, 
dat meer, dat nie gras, dat nichtes helpen kan. 
De grote leivesschmart bracht endel'k en to schlapen 
do brak de leive Got den beten lichnamb apen 

55 un krech de ribbe her recht midden ut sin lif; 
et werde! fink he an: sOe, dar quamb Adams wif. 
Ja, Adam ist erwakt an heft sin kind gerömet, 
se straks sin beste hart, sin uppentholt genömet. 
Dar gink Adam in den wisken, 

eogink mit Eya hen to fisken, 
gink mit Eva to spasseren 
na de vagel, na den deren. 



ÜIO) HOCHZEITSGEDIOHÜEL 103 

de dar flogen, de dar lepen, 

de dar stuDnen, de dar schlepen. 
65 Hier was frende, dar was singen, 

hier was dansen, dar was springen, 

hier was pipen, dar was drücken, 

hier was striken, dar was plücken; 

plücken, as de leevkens plechten, 
70 de sik an enander flechten. 

Jüchen was et in den katen, 

lachen was et upper Straten; 

speien was et bi den tünen, 

pralen was et in den schünen: 
75idel freude averal, 

idel lust und wolgefal. 
Dat was een körte lust, do gink de jamer an: 

se eten van der frucht un mosten fluks darvan. 

Va'er Adam sik verkroep, mo'er Eva lag bedrövet, 
80 dat se der schlangen so verstandelos gelövet. 

Dar gink dat plögen an, dar was 't nich alto goet, 

as Adam groef dat land und at dat sorgenbroed. 
Hier was idel schweet un plagen, 

idel karmen, idel klagen, 
85 idel jamer, idel noet, 

idel starven, idel doet 

Adam staek in dusent lasten 

umb dat nie appeltasten, 

kreech un bant sik wat vor't lif; 
gotrurig was dar man un wif. 

Dar fink Gain an to ropen, 

dar fink Abel an to lopen, 

dar fink Gain an to schiahn, 

Abel must tom grave gähn. 
95 Dar fink Adam an to kiven, 

dar kun Eva nargens bliven. 

Eva fink to hulen an; 

Cain floeg un streck darvan. 

Alle morgen, alle stunden 
loohebben se ni crües gefunden; 



104 NIEDEBBEÜTSGHE SATYBIBGHE 

bi dem schweten, bi dem flit 
was verschwaren ere tid. 

Wol dusent sunt er west, de't altomal gescbreyen, 
war Adam an sin schat so lange sunt gebleyen, 

105 wo se sik na dem fal verbolen in er pin, 
bet se den ersten weg der weit gefaren sin; 
wo se de banger, frost, dat schwäre cröes toplaget, 
wo se de kinnertucht an sülk tüch mehr tonaget, 
dat mennich minsk gesegt: dat frien i$ ein siamd, 

liodarvan de leive Goi af tilgen heft de hand, 
bet endlik in de weit is Gades söhn gekamen 
un heft der minsken last mit hnpen we^enamen. 
Wo de nu idel-framb gesegnet fruw an man, 
ward fast up jeder kost mit klumpen schreven an. 

115 Dar gink de frame Got dörch alle Jöden-straten 
un wul de grote macht gern sehn un spören laten: 
de weren alto bös un fragden nichs dama, 
neen minsk namb Gades band an segen mee to ra. 
Wo he nu unnerdes na Cana is gebeden, 

120 wo dar de leive möim' is to dem Heren treden 
un aver't drinken klagt: is alles algemeen 
un mag men alles dat up allen kosten sehn. 
Wen ik et recht verstahn, wen ik't recht hebbe lesen, 
so sind na Joden art sös kruken dar gewesen, 

125 mit water utgeftilt bet baven to dem rand; 

dat water bald was win dorch Gades milde hand. 
A,'t was een gojen drunk, een winken recht to laven, 
de aller gaste leed un schwermoet hübsk verschaven. 
Do schal den ersten dans Sönt Peter hebben dahn, 

180 as em van düjem drank dat hart anfing to schiahn. 
Wol heft et nich beklagt, wo Jacob heft gedenet, 
ehr he eens Lea kreech, do he doch Rachel menet? 
Na dremal söven jähr, och, leive lange tid! 
Word he mit knecht un magd des bösen Labans quit. 

185 Een anner hundert mal van Sara heft geschreven, 
den fruwen inner eh ein evenbild to geven. 
Wol heft ok nich gehört, wo 't Jacobs moimen gink? 
Se fil vam esel af, as se den man entfink. 



üin> HOCHZMTSGEDICroiL : 105 

Wo oft is wol de lust, de böse last verschwaren, 

I40dardörch de Phrygerstad beft allen pracht verlaren? 
Dat ganze Grekenland, dat ungescblagen beer 
umb ener fruwen bninst gteep fürig tom geweer. 
Fast umb verbaden lust ligt Sodom ganz verstöret; 
ok wo de frame Loth, noch drunken, is bedöret, 

145 do be floeg ut der stad, de längst van vüer un pick 
verbrennen sach de list der bösbeit ün eer strick. 
De pawst, de dumme pawst beft düjen stand verbaden, 
darumb is be ok oft mit Scheltwort beel beladen. 
Wo oft is em gesegt im kostbreef apenbar, 

150 dat be in düjem punct den ehstand altogar 

gering un weinig boltl Wo ward be nocb toplücket, 
wen em de Unverstand ward dagliks vorgerücket, 
dat be de leive eh so schaemlos man verachtl 
He beft so menchen kerl tor horerie gebracht. 

166 Wat is van leves kraft un arbeit nich geklaget? 
Wol heft et nich gehört, wo vormals sik gewaget 
Leander in der see, ehr he to Hero quamb 
un vor de schwäre last een levesanblick namb? 
Wol kent de Jason nich? Wo oft is wol geschreven, 

160 wat du dorch dine kunst, Medea, hefst bedreven? 
Wat is van Pyramus un Thisbe nich gesegt? 
Wol weet nich, wo dat Mars de Venus leven plegt; 
wo he na allem strit, na hundert groten krigen 
fast ane schilt un Schwert vor Venus Stil moet schwigen ? 

166 He balge, wo he wil, he prale, wo he kan: 

wen he bi Venus kümpt, so is he nich mehr man. 
Och Phillis is gemeen un al dat schepker singen: 
wo wold, wo busk, wo feld un alle wisken klingen, 
Cupido, wen du kumpst. Van Venus dusentmäl 

170 de rime sin gewest un erem hemmelsael. 
Van dat klagen, van dat ropen, 
van dat wenen, van dat lopen, 
van dat lachen, van dat singen, 
van dat danzen, van dat springen, 

175 van dat wachten, van dat spreken, 
van dat ringen, van dat steken, 



106 NIEDEBDEUTSCEDB SATTTIISCHE OEDIGHTE. 

vaD dat wrösseln, van dat schmiten, 

van dat licken, van dat biten, 

van dat Sitten, van dat töven, 
isovan't erfreuen, van't bedröven, 

van dat flöken, van dat kiven, 

van dat gähn un wedder bliven, 

van dat luren vor der dör, 

ehr de deren kumpt hervor; 
185 van de pötte, van de pannen, 

van de kruken, van de kannen, 

van dat wasken, van dat stiven, ' 

van dat kind- un fruwgeriven, 

un wat al darto gehört, 
190 ehr men recht den ehstand fort, 

is alles al gesecht, is alles al geschreven 

vam ersten Adam her un aller minsken leven, 

herr brögamb, bet to juw, dar gi nu fanget an 

un wilt eens juwe macht bewisen as een man. 
195 Drumb gevet mi verlöf : 'k weet nichtes mehr to bringen, 

'k weet nichtes in den rim van beter tüch to dvnngen. 

De annern hebbent secht, wat bös is un wat goet 

un alles wat een man un fruwe weten moet. 

Nu, nu to gojer lest wünsk ik doch Gades segen, 
200 de falle aver juk as een recht fruchtbar regen 

un decke hues un hof, erfreue fruw un man, 

bet dat de hemmellust, de grote dach brikt an! 

Herr brögamb! unnerdes moet gi juk hübsken schicken 

un in dat leive net fin süverliken flicken: 
205 so kann et aver'n jähr mit Gades hülpe schehn, 

dat gi van't nie wark ok nie vas