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Full text of "Untersuchungen zur sinnespsychologie"

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Xibrari? 



of tbe 



•Clniverßiti? of TKttidcotißtn 




r 



Uttterjuc^ungen 3ur Smnesp|t)(i^ologie. 



r 



Unterjucf)ungen 



3ur 



$lnnc$p(t)(i|oIogie. 



Don 



Statin Brentano. 



. *^NV 




Cewör 

Perlag oon Dun&er & f}umbIot> 

1907. 



seile 9led§te Dotbel^alten. 



i42i5v' 

MAY 2 1910 



DoriDort. 



SBon ben l^ier vereinigten SBorträgen würbe einer für ben 
gntematiönalen 5ßfp(ä^ologentongrefe in aWünd^en (1896), ein 
anberer für ben in diom (1905) aui^gearbeitet. Qd^ gebe jte 
l^ier, wie fte ft(ä^ in ben Sitten finben, inbetn i^ nur ba unb 
bort eine neue Slnmerfung beifüge. 

S)er SJortrag „Über ba^ pj^änomenale ®rün" ift am 
29. Sanuar 1893 in ber SBiener ^p^ilofopl^ifd^en ©efeHfd^aft 
gel^alten worben. @r erf(ä^eint, obwol^l älter afö jene, jeftt jum 
erftenmal im S)ru(f. SDie mannigfacä^en ©reigniffe, meldte eine 
fo lange SSerjögerung t)erf(ä^ulbeten, l^aben e^ au(ä^ baju fommen 
laffen, bafe id^ il^n feitbem einmal in einem Heineren Äreife von 
greunben ber 5ßfpd^ologie mieberl^olte. Qd^ befd^ränfte mid^ 
bamafe auf ben mefentlid^eren 2;eil unb gab aud^ biefen in 
ungleid^ gebrängterer gaffung, inbem id& il^n aber jugleid^ burd^ 
neue ©rmägungen bereid^erte. 2)iefe burften bei ber aSeröffent* 
lid^ung nid^t fel^len unb id^ gebadete junäd^ft, nur fie, barauiS 
auggel^oben, anl^ang^meife beijufügen. S)od^ g^eunbe maren 
ber aWeinung, bafe, xotnn e^ einerfeit^ ftd^ empfel^le, ben ur* 
fprünglid^en aSortrag feinem ganjen Sf^^^lt nad^ getreu unb 
unt)erctnbert vox eine weitere Öffentlid^feit ju bringen, anberfeitiS 
bod^ aud^ bie fonjentriertere S)arftellung afe fold^e aSorjüge ber 
Überfid^tlid^feit beftfte, meldte für ben Sefer nid^t verloren gelten 
foHten. Sei ber SBid^tigleit ber bel^anbelten fragen unb bem 



— VI — 

Slnjiel^ettben be^ SBerfud^^, einen fd^einbaren SRüdfd^titt ium 
3Kittel be^ %ott\ö)xitt^ unb einen von ben Sauleuten t)em)orfenen 
©tein fojufagen ju einem ©dftein be^ pf^d^oIogtf(j^:5optif(ä^en 
©ebäube« ju mad^en, würben bie aBieberl^oIungen feinen Überbru§ 
erroedten. S)a fügte id^ mid^ benn fd^Hefelid^ il^rem SBerlangen 
unb will nur l^offen, bafe lein Sefer meine SRad^giebigfeit atö 
JU meitgel^enb mißbilligen merbe. 

S)ie bebeutenbften Begaben in ber im 2lnl^ang mitgeteilten 
fpäteren S)arfteffung befiel^en wol^l in bem SJergleid^ be^ SBege^, 
ber über Orau, unb jene^, ber über Orün t)om Stau jum ®elb 
fül^rt in bejug auf il^re Sänge, fomie in ber aSetmertung ber 
©rfal^rung qualitatiDer Snberungen be^ garbentone^ bei $erab==^ 
fefeung be^ Sid^teiS unb ber baburd^ möglid^ geworbenen 2luf^ 
fieHung eine§ einl^eitlid^en ©efefee^ für bie 3n!ompatibiIität ge^ 
fättigter garben. 

Sefreunbeten aHännem gilt öfter im befonberen ber SBiber- 
fprud^, ben id^ bei mid^tigen gragen gegen l^ergebrad^te Sln^ 
fd^auungen erl^ebe. @iner t)on il)nen, ber mir einft afe ©d^üler 
nal^e gefianben, l^at burd^ mieberl^olte Sufeerungen einer eblen 
S)anfbarfeit mein 2lnred^t auf S)anf fd^ier in eine S)anfe^fd^ulb 
oermanbelt, bie gegenüber einem anbern fd^on barum mir ob^ 
liegt, meil er mie allen feinen 3^itgenoffen aud^ mir in pfpd^o^^ 
logifd^soptifd^en f^ragen melfad^ ein Seigrer unb %Üf)xtx geworben 
ifi. @^ ift !tar, bafe unter fold^en Umftfinben meine ^ßolemif 
leinen feinblid^en ©l^aralter l^aben lann. S)afe e^ aber aud^ 
nid^t eine Suft am SBiberfpred^en fei, meldte mid^ baju treibe, 
2;i^efen, bie fie unb mit il^nen fd^ier bie ©efamtl^eit ber gegen^ 
m artigen ^Pfpd^ologen oerteibigen, ju belämpfen, bürfte fid^ ate= 
balb fül^lbar mad^en. SRid^t neue Uneinigleiten möd^te id^ er=^ 
jeugen, oielmel^r ^trtümer befeitigen, meldte, obmol^l gemeinfam, 
bod^ oielleid^t ber eigentlid^e Orunb ftnb, warum angefel^ene 
©deuten in anberen wid^tigen fragen ju feiner ©inigung getangen. 



— vn — 

Äant fprad^ von Slntinomien, toeld^e in getoiffcn %aUtn 
vox^anhtn toären, too von ben aSertretern t)on fontrabiftotifd^en 
©äften iebe 5ßartei im Slngtiff untoiberftel^lid^ ftegreid^, in ber 
aSerteibigung l^offnung^lo^ vtxloxm fein foff. S)ie 33el^auptung 
ift abfutb, unb gäbe e^ wirflid^ eine fold^e Sage, fo fönnte 
nid^tö, an(i) nid^t bie Unterfd^eibung von pl^änomenaler SBal^xs^ 
l^eit unb aOBal^rl^eit an ftd^, ba^ Slnfel^en ber Sogif retten. SJa^ 
gegen ift e^ red^t wol^l mögßd^, bafe entgegengefeftte Seigren in 
einer Slrt von l^ppotl^etifd^er Antinomie fid^ befinben, ber wir 
wie einer wirflid^en ratlos gegenüberftel^en, folange wir nid^t 
auf ben Qrrtum in einer beiben gemeinfamen SSorauiSfefeung 
aufmerffam geworben jinb. 

19. aHärj 1907. 

$xani Brentano. 



3 n ^ a 1 1. 



Seite 

1* Hont p^änonteiialeii ürfttt 1 

SlnmctfunQcn 47 

1. ^öuftgc Slntocnbunö beS JRotgtün in bet Tlalmi, ©. 47. — 
5. S)o^)|)eIfinn bcr 3nfom|)ati6iIität bet gfatbcn, ©. 48. — 
9. ©d^toinbcn bcr 3n!onH)att6iIität Bei l&ctabQcfettcm ßid^t, ©. 49. 

2* Hber Snbitiibttatiott^ ntttltiiile (Httalität m'b Jtttenflt&t flnttlicliev 
^rfi^eititttijjeti 51 

Slninctfungen 80 

1. 2Bid^ti(jc Sinologien auf allen ©inncSQebietcn, ©. 80. — 2. gut 
ba8 SBepe^en toal^ret qualitatiöet Sufammenfc^ung , ©. 81. — 

3. gjfür bie räumtid^e SluSbe^nung öon Xonetfd6cinunQcn, @. 82. — 

4. EBon SScrfd^melaung bei Xönen, ©. 83. — 5. @egen bic Äon» 
fnjton öon ^pi^^ft^em unb ^Pfljt^ifd^cm , ©. 96. — 6. Ob bie 
Sntenfitat t)om l^ergebrad^ten @tanb))unit aU eine (S^röge ^u be» 
trad^ten fei? ©. 97. 

3* Hott Ut |)ft)(l)olodifi4ett %nai^ft Ut Sottqttalit&tett itt ilpre 
eigetttlicl) erflett €leiiteitte 99 

Slnmetfungen 113 

1. S3on bet Unmöglid^feit, ba§ eine Ouolitöt, bie jtoifd^en anbeten 
liegt, einfad^ fei, ©. 113. — 2. «Rad&toeiS, bo6 ein öon ©tum^f 
gegen SJlad^ gertd^teteS Sltgument aud§ i^n felbft treffe, @. 114. — 
3. ^Prüfung ber Söeife, toie SJladft feine ßel^re öon ben Ion* 
quolitäten ju öerteibigen fud^t, @. 114. — 4. Uneinigfeit im @e* 
broud^ beS SluSbrurfS «geföttigf, ©. 116. — 5. 3eugnig 
ber etl^nologie für ben ouSgeaeid^neten 61^ara!ter ber Dftaöcn, 
©. 116. — 7. Sergleid^ meiner Sluffoffung ber ©fala mit beröon 
ÜJlod^ in gro^l&ifd^er S)orftettung, ©. 117. — 8. Sluöfdftlug ber ^ot= 
»enbigteit, nm ber (Seröufdfte »iEen Xonelemente anjuncl&men, 
toeld^e fid^ nid^t in ber €folo entgolten finben, ©. 118. — 



— X — 

edtc 
9. ^nalo^it )u ^ringd f|>f)tftfd§et ^UtQfett bec gfavben auf bem 
Songebiet, 6. 118. — 11. 2)Tobifd§l Xonfpuale, 6. 118. ~ 
12. tlnmöoli^feit einet Qto^l^tfd^ ^atfleUuitQ ber ^xhtnt>txffilU 
niffe in einem tflaum Don brci 2)intenfionen, 6. 118. — 18. 3«^^ 
Qta^l^tfd^en 2)avfleEuno qualitativer Xontoerl^Uniffe, 6. 119. — 
15. 2)a3 SSioIeH all i8u|faTbe, 6. 119. — 17. Genfationen mit 
unb ol^ne emotionetten (Sfyixafitx, G. 119. 

4. ^ulianji 127 

1) Jur ^raj^e vorn pliftttiuieiiaUtt •(!« 129 

Änmct!unöen 153 

1. ^aS ein^itlid^e für bie S^etbTdngunQ butd§ Seil aufgefleEte 
(Befe^ ifl fein le^tel, 6. 153. — 2. «geineS «tau' all «udbTUcI 
ber SRaler für eine SRifd^ung aul roten unb grünen Pigmenten, 
@. 153. — 3. 3um !Bergleid§ ber äBegelldngen Don garbe au 
Sarbc, ®. 153. — 4. SBunbtl ©clbfltoibcrfpruci bei feinem «nßriff 
ouf bie ßel&re ber fpejiflfci^en ©innelenergie, 6. 154. — 5. EBon 
rdtlid^rünen 9luancen, @. 154. — 6. SBon SBeobod^tungen an 
einem einfeitig (Belbblinben, 8. 155. 

2) Jur Jtafit 90tt ber «mltliiUtt «ualitftt 159 



Sttid(fel^let(etid^ti0nti0« 

€. 24 flatt ©peltralen liel Strahlen. 



t)om pI)änomenaIen (Brün. 



Vortrag, 

gehalten in bet IDienet p^Uofop^if^en (Befellf^aft 
am 29. 3anuar 1893. 



Brentano, SinneSpffd^oIogifd^e Brtagen. 



1. ©d^on cor Qa^ren l^at tnid^ bie grage befd^äftigt, ob 
ba^ ®rün eine einfädle garbe, ober ob e^ au^ 33Iau unb ©elb 
jufatntnengefefet fei. Unb wieber unb wieber bin id^ ju ber 
Unterfud^ung jurüdfgefel^rt. ^eute glaube id& il^r ©rgebni^ 
genugfant gefid&ert; bod& ba t^ ber 3lnfid&t ber l^ert)orragenbften 
gorfd&er unferer 3^it entgegen ift, fo würbe id^ Ql^nen auf^ 
rid&tig banfbar fein, wenn ©ie mit red&t fritifd&ent Slidfe meiner 
S)arlegung folgten. 

2. 3^näd^ft gilt e^ Marjuftellen, worum e^ fid^ l^anbelt; benn 
bie SBielbeutigfeit gewiffer 2lu^brttdfe Mnnte l^ier wie anberwärt^ 
SWi^oerftänbni^ unb SBerwirrung herbeiführen. 

ß^ war eine S^it, wo man glaubte, unfere ©eftd^t^:^ 
emppnbungen gäben un^ ein wefentlid^ treuem 93ilb ber Slujgen^ 
weit, liefen SÖBal^n liat ber gortfd^ritt ber SÖBiffenfd^aft jer^ 
ftört; wir wiffen l^eute, ba§ bie Sid^tftral^len, weld^e unfere 
©efid^t^empfinbungen erregen, unb bie Äörper, weld^e fold&e 
©tral^Ien entfenben ober refteftieren, in il^rer Dualität bem, wa^ 
un^ in ber ßmpfinbung erfd&eint, nid^t watirl^aft äl^nlid^ pnb. 
S^rofebem belegen wir ganj fo, wie man e^ frülier getan, ba§ 
^P^änomen, bie erregenben ©tralilen unb ben bie ©tral^Ien er= 
regenben ober refteftierenben Äörper mit bem gleid^en Flamen. 
Seber garbenname ift alfo oielbeutig geworben, ätinlid^ wie ber 
3?amen gefunb oielbeutig ift, wenn wir, wie oon einem ge^ 
funben Seibe, fo aud^ oon einem gefunben ^ranf, b. ^. oon 



— 4 — 

einetn Traufe fpred^en, ber bie ©efunbl^eit bci5 ßetbeiJ ju be^ 
TDirfen geeignet ift. 

S)a nun ber 9tomen „®rün" äquioof ifl, fo fann aud^ bie 
grage, oh ia^ ©rün eine einfädle garbe ober a\x& Slau unb 
®elb jufantmengefefet fei, in mel^rfad^em ©inn aufgeworfen 
werben. 

Sejüglid^ it^ „®rün" in bem ©inne, in roeld^em wir einen 
Sid^tftral^l grün nennen, war Srerofter ber aMeinung, bafe ber 
grüne ©tral^I be^ ©onnenfpeftrumi^ an^ blauen unb gelben 
©tral^Ien jufantmengefefet fei, bie in gleid^em SBBinfel gebrod^en 
würben. 2lber biefe Stnnal^nte ift l^eute, nad^ bem galle ber 
9ien)tonfd^en ©miffion^tl^eorie, afö wiberlegt anjufel^en. 3m 
©egenfafee jum meinen Sid^tftral^le bejeid^nen mir barum ben 
grünen ©tral^l be^ ©peftrum^ afe ein einfad^ei^ ßid^t. Sllfo in 
biefem ©inn ift ba^ ®rün nid^t an^ Stau unb ®elb jufammen^ 
gefefet. 

ainbereö gilt, menn mir oon etma^ ®rflnem in bem ©inne 
fpred^en, in meld^em mir einen Äörper grün nennen, ber von 
meijlem ©onnenlid^te Beftral^lt nur grüne ©tral^len jurüdfmirft. 
Öier mag bie 5ßrüfung ergeben, ba§ ba^ ®rüne au^ Slauem 
unb ®elbem jufammengefefet ift, mie e§ j. 33. bei einem grünen 
pgment ber gaff ift, meld^ei^ ber aMaler burd^ eine aMifd^ung 
oon blauer unb gelber glüffigfeit erjeugt. 5Bon ben blauen 
unb gelben Sleild^en, bie l^ier in feiner Sßerteilung miteinanber 
vermengt werben, unb bie ber ©tral^l bi^ ju einer gemiffen 
2:iefe burd^bringt, abforbieren bie blauen 2:eild^en bie gelben, 
bie gelben S^eild^en bie blauen fiid^tftral^len, wäl^renb bie grünen 
t)on ben einen wie anbem relatio gut refteftiert werben. Unb 
fo ftral^lt ber Körper ein fiid^t jurüdf, weld^e^ überwiegenb au^ 
grünen ©tral^len beftel^t^ 

aiid&t biefe ©tral^len finb au^ blauen unb gelben ©tral^len. 



— 5 — 

tiber ber bie ©tral^len xefirftierenbe Äörper ift au^ blauen unb 
gelben ftörperteild^en jufatnmengefefet. 

S)ie gragc nail^ ber S^f^wimenfe^ung be^ ®rün au^ 33Iau 
unb (Selb, bie un^ l^eute befd^äftigen foll, ift oon ben eben be:= 
rül^rten wefentlid^ oerfd^ieben unb barf nur mit großer SBorfid^t 
tnit i^nen in S^tfantmenl^ang gebrad^t werben. 

®^ l^anbelt fid^ un§ nämlid^ um ba§ ©rün im eigentlid^en 
©inn, in meld^em e^ nur atö Dbieft unferer ©efid^t^anfd^auung, 
nid&t aber aU in SBirflid&feit beftel^enb erfannt mirb. Unb fo 
ift eö benn aud^ eine pticinomenale 3Kifd^ung, eine 3Kifd^ung 
au^ pl^änomenalem 33lau unb ®elb, für meldte id^ biefei^ ©rün 
erfläre. 

Qn biefem ©inne fagte einft ©oetl^e, er fel^e in bem ©rün 
33Iau unb ©elb; ganj äl^nlid^ wie ein 3Kufifer fagen mürbe, 
ba§ er an^ einer Slonmifd^ung üon c unb f ben ©runbton unb 
bie Duart lierau^^öre. 

3. Überl^auptmarinfrü^eren3eitenbiefe3lnfid^tt)orl^errfd^enb. 
^ud^ bie 3?aturforfd^er, bie fid^ mit pl^pfifalifd^er unb pl^pfio^ 
logifd^er Dptif befd^äftigten, fprad^en fid& bafür aug. SÖBenn 
"Srernfter, mie eben ermäl^nt, barauf oerfiel, Stral^Ien von gelb=^ 
mirfenben unb blaumirfenben Äorpu^feln burd^ ba^ ^ri^ma in 
gleid^em SEBinfel abgelenft ju benfen, fo gefd^al^ bie^ nur barum, 
meil er im ^pi^änomen „©rün" fomol^l 33lau afe ©elb beutlid^ 
ju unterfd^eiben glaubte. Unb nod^ im Qal^re 1861 liat ©^eoreut 
in feinem „Expos6 d'un moyen de d^finir et de nommer les 
couleurs" unb in ben „Cercles chromatiques", bie er in bem 
beigegebenen 3ltla^ fonftruierte , nur ©elb, 33Iau unb SWot afe 
einfädle garbenpl^änomene, ©rün aber al^ aWif(^ung von ©elb 
unb 33lau, äl^nlid^ mie 5Biolett ate aWifd^ung t)on Stau unb 
9tot, unb Drange aU aWifd^ung von 3tot unb ©elb l^in^^ 
^efteat. 



— 6 — 

4. ©0 ift beim bie entgegengefefete Slnfd^auung vtxmtni^^ 
tnäfeig jungen S)atunti^. Um \o bemerfen^roerter erfd^eint e^, 
ba^ fie unter ben ^ßfpd^ologen unb ©innei^pl^^fiologen fd^on 
l^eute attgentein l^errfd^enb genannt werben fann. ^elml^olfe unb 
gering, bie wir auf pl^^ologifd^-optifd^em ©ebiete aU ©egner 
ju erblitfen geraol^nt jtnb, ftimnten in ber Seugnung ber pl^cino^ 
menalen 3Kifd^ung beö ®rün an^ 33Iau unb ®elb aufiS ent^ 
fd^iebenfte jufammen. Unb wie auf biefe SRanten befien Älange^^ 
\o fönnten wir nod& auf eine 3teil^e anberer l^od^ad^tbarer 
gorfd^er, wie j. 33. auf aWad&, 3lubert unb Srüdfe, üenoeifen^ 
bie ftd^ nid^t minber überjeugt im gleid^en ©inne au^fpred^en. 

5. SBBerben ©ie t^ mir afe 3^i^^^ öIIju unabl^ängigen ©inne^ 
verübeln, wenn id^ mid^ ber neu aufgenommenen fie^re trofebem 
nid&t fofort gläubig unter juorbnen oermod&te? — Qd^ l^offe^ 
nein. 2)enn blinber 2lutoritätöglauben ift ja in ber SBiffen^^ 
f d^aft nirgenb)^ am 5ßla|e ; um fo weniger alfo in einem galle, 
mo, mie eS mir l^ier begegnete, ha^ eigene Semu^tfein bem, 
ma^ mir ?leue^ geleiert mürbe, burd^au^ miberfprad^. 

6. &m^ atterbingi^ mar unleugbar ; oon einer anfel^nlid^en 
3al^I bebeutenber jeitgenöffifd^er %ox\^n l^atte feiner in bem 
plianomenalen @rün etma^ t)on S3lau unb ®e(b bemerft. S)od^ 
©oeti^e, ber pd^ jmar in anberer Sejiel^ung afö 9?aturforfd^er 
mand^e Slö^e gibt, aber, fomeit t^ birefte Seobad^tung anlangt, 
burd^megig eine unbeftritten l^ol^e SBefäl^igung befunbet, l^atte 
ganj fo mie id^ felbft e^ beutlid^ barin erfennen motten. Unb 
ba^felbe gilt, mie eben bemerft, t)on bem trefflid^en Sremfter. 
3a aud^ t)erfd^iebene oorjüglid^e aWaler, bie bod^ in ber 
Unterfd^eibung ber garben vox anbem geübt fein mußten, 
fanb id^, ate id^ fie befrug, burd^auS mit mir einig. ©oKten 
mir mirflid^ alle einer ©elbfitäufd^ung oerf allen fein, ober 



— 7 — 

bürfen wir t)ielmel^r üetmuten, bafe ^elml^olfe, Stüde, Slubert, 
gering unb anbete, ba e^ il^nen felbfl nid^t gelang, in bem 
®rün 93Iau unb ®elb beutlid^ ju unterfd^eiben, baraufl^ln aUin 
fd^nell auf bai5 SRid^toorl^anbenfein biefer ©lemente gefd^Ioffen 
l^ätten? — 3d^ roeijl voo^l, ba§ e§ bei SBerfud^en über SJon^^ 
empfinbungen nid^t blojl i^äufig t)or!ommt, ba|| iemanb in einem 
3u)eiHang bie beiben batin entl^altenen S^öne nid^t ju erfennen 
oetmag unb ben SlHorb für einen einfad^en Xon etHätt, fonbem 
bafe e^ gelegentlid^ aud^ gefd^iel^t, bafe einet meint, et l^öte jmei 
2:öne, mo il^m tatfäd^Iid^ ein einjiget geboten mitb. 2lbet bafe 
einet flatt eine^ einfad^en 2;oneig beutlid^ einen beftimmten 
S)oppelHang ju l^öten glaubt, ifi bod^ ber ungleid^ feltenete 
gaff. Unb gonj unbenfbat wate ein fold^et bei einem füt bie 
2luffaffung t)on SJonqualitäten befonbeti^ fein geübten Dl^te, mie 
e^ ein tüd^tiget aJhtjtfet befifet, unb jumal menn biefet jel^n«* 
unb l^unbettfad^ bie 5ßtüfung wiebetl^olte. äl^nlid^e^ fd^eint bann 
abn t)on bet t)etmetnten Qttung bet- SWaler in unfetm gaff 
}u gelten. 

7. 5Run Wnnte fteilid^ einet fagen, ba^ Utteil aud^ bftS 
au*gejeid^netflen SRaleti^ muffe immet nod^ leintet bem be« 
miffenfd^aftlid^ gefd^ulten Seobad^tet« jutüdftel^en. Slbet id^ 
glaube, eine fold^e Sel^auptung mäte nid^t untetfd^iebb« ju 
biffigen. S)a ^elmi^olfe bie Älangfatbe oetfd^iebenet ^njitumente 
analpfiette, l^at et affetbing^ batin 2;öne gefunben, bie felbft 
SRojatt nid^t ju entbedfen vtxmo^t l^atte; abet et banfte bieg bet 
Slnwenbung befonbetet finnteid^ etbad^tet 3Ippatate, butd6 meldte 
et bie einjelnen 2;öne t)etilät!te unb füt fid^ t)etnel^mlid^ mad^te. 
©0 meit ei5 fid^ bagegen um einfädle 3Iuffaffung untet gleid^en 
Umfianben l^anbelte, met mütbe ba batan jweifeln, ba^ ^elm«' 
l^olfe \o menig afe ein anbetet fid^ in bejug auf Untetfd^eibung 
von %intn einem SRojatt übetlegen etmiefen l^ätte? äl^nlid^ei^ 



^ 8 — 

roerbeit wir benn aud^ für bie Slbroägung ber Urteile t)on aRoIern 
unb ©inneSpl^^fioIogen fagen tnüffen. Unb wo eig ftd^, rote in 
unferm gaff, um einfad^eig Unterfd^eiben einer gorbennuonce 
l^anbelt, muffen mir bem Urteile beiS SRaleri^ unbebingt bo« 
größere ©emid^t beilegen. 

S)ie SRid^tigfeit biefer ©rmägung l^at mir bie ©rfal^rung in 
reid^er güffe beftätigt. SBon 5Remton^ 3^tt biig auf bie ®egen= 
mart l^aben oft bie au^gejeid^netften gorfd^er fel^r ungenaue 
garbenbeftimmungen gegeben unb aud^ babei in auffallenbfler 
SÖBeife einanber miberfprod^en. SRel^men mir ein paar 33eifpiele a\x& 
neuefter 3^it: Sidf meint, ©elb erfd&eine ebenfo beutlid^ afe dtoU 
grün, mie aSiolett afe SRotblau. S)agegen bel^auptet gering, 
ba§ eine garbe, bie afö rötlid^-grünlid^ ju d^aralterifieren fei, 
überl^aupt nid^t oorfomme. S)er eine miberfprid^t l^ier nid^t 
blo^ bem anbem, fonbern aud^ beibe ber mirflid^en ©rfal^rung. 
®elb mirb fein Unbefangener SWotgrün nennen. S)agegen be^ 
fifeen mir im Dliogrün eine in Äunft unb Äunftl^anbmerf 
l^äufig t)ermenbete garbe *, meldte nid^t blo^ xn^ ®rüne, fonbem 
aud^ äugleid^ etma§ in^ SRote fpielt. ftein feinet aWalerauge 
fonnte bieig Derfennen. ^elmtiolfe ift nid^t blo^ l^ier, fonbem 
aud^ in anberen "^äUm in feinen garbenunterfd^eibungen menig 
glüdflid^. Sei ben Seftimmungen, bie er über ha^ binofulare 
©el^en gibt, miberfpred^en feine 3lngaben bem, xoa^ fo jiemlid^ 
alle anberen, aud^ feine fonfl treuen 3lnl)änger, gemeinfam 
berid^ten. Unb menn er mit fielen anberen ben Unterfd^ieb 
jmifd^en SWotbraun unb SRot analog bem ju einem ^one benft, 
ber leife ober laut gefpielt mirb, fo ift hu^ ganj unjutreffenb. 
5Rid^t ben Unterfd^ieb eine^ unb be^felben ^one^ leife ober laut 
gefpielt, fonbem ben Unterfd^ieb eine^ gleid^namigen ^oneiS 
j. 33.: a in fel^r tiefer Tonlage, oerglid^en mit bem a in ber 
Sage be§ ^oneö ber Stimmgabel lönnte man etma bamit in 
parallele bringen. 



— 9 — 

8. ^oä) wie immer bie Unterfd^eibung^gabe für garben 
im affgemeinen bei aWalem bie afferoorjüglid^fte fein mag, in 
unferm gaff glauben bie 5pi^t)ftoIogen einen befonberen Umfianb 
aufmeifen ju fönnen, ber geeignet fei, bie garbenfünftler ju 
falfd^em Urteil ju verleiten; nämlid^ gewiffe ©rfal^rungen, bie 
fie l^unbertfad^ bei ber aWifd^ung von 5ßlgmenten mad^en mußten. 
2Bie fd^on ermäl^nt, erl^alt tnan burd^ aWifd^ung oon blauen unb 
gelben Pgmenten ein ®rün. S)a bie 3Kaler ben pl^pfifalifd^en 
3ufammenl^ang nid^t ju fennen pftegen, fo vermeinten fie be^ 
flreiflid^er SBeife, mie in ben 5ßigmenten, fo fei aud^ in bem 
©tral^le 33lau ju ©elb l^injugef ommen , unb bann mol^l weiter 
nod^, ba^ bei ber 3leijung ber SRefeliaut burd^ ben fiid^tftral^l 
erregte ^pi^änomen muffe ebenfaff^ au^ ®elb unb 33lau beftel^en. 
Unb nad^bem biefe^ SBorurteil einmal in il^nen fid^ feftgefefet 
l^atte, tonnte e^ gefd^el^en, ba§ fie fd^lie^lid^ fid^ einbilbeten, in 
bem ®rün mirflid^ 93lau unb @elb ate Seflanbteile ju unter- 
fd^eiben. 2)urd^ fold^e ©rmägungen berul^igt, gelten benn aud^ 
unfere 5ßl^pfiologen über bie miberftreitenbe aWeinung ber aWaler 
«infad^ jur ^age^orbnung über. 

9. @j^ ift nun afferbingi^ mal^r, ba§ eine vorgefaßte aWeinung 
fel^r geeignet ift, ju afferl^anb ©inbilbungen ju fül^ren. Unb 
baß bie^ aud^ auf bem ©ebiete ber ©efid^tiSempfinbungen gilt, 
bafür liefern gerabe bie ©inne^pl^t)fiologen jumeilen auffaffenbe 
Belege. 

©0 finb mand^e ber 2lnfid^t, baß, mie ba^ pl^änomenale 
Violett ein aWittlereö jmifd^en 93lau unb SRot, bag pl^änomenale 
lEBeiß ein aWittelbing jmifd^en ben SRegenbogenfarben fei, meil 
bie fämtlid^en ©tralilen bej^ SRegenbogen^ im gemölinlid^en 
©onnehlid^t fid^ ju einem meißen ©tral^l vereinigen, ©elbft 
^Öelmi^olfe magt in feinem Sßortrage „Dptifd^eS über aWalerei" 
^u fagen: „S)er ©inbrudf be^ SEBeiß ift gemifd^t au^ ben ©in^ 



- 10 - 

brüden, roeld^e bie einjelnen in betn ßid^te entl^altenen ©peftral- 
färben mad^en" (gJopuIär roiffenfd^aftlidS^e aSorttoge III, ©eite 80; 
1876). Unb bod^ foffte man meinen, bofe jeber, ber nur im 
getingflen ein aSermigen jur gorbennergleid^ung befi|e, l^iet boi^ 
©egenteil erfennen mflffe. Unb nod^ etflaunlidS^er ifi e«, menn 
eine SReil^e t)on gorfd^em, unb unter il^nen fogor SRänner mie 
Srüdfe unb ^elml^olfe, ftdS> non bem Umflanbe, bafe eiJ fein 
fd^marjeiS ßid^t gibt, ju ber Sel^auptung oerleiten laffen, bog 
bie ©rfd^einung t)on @d^n)ar} nid^t mal^rl^aft ein pofttipeiS 
5ßl^änomen fei, fonbem äl^nlid^ ber ©tiffe nur afe 3Kangel eineiJ 
^ffänomtn» bemerft merbe. ©o fefl fajlten pe bie Über§eugung, 
bafe pe fie aud^ bann nid^t aufgaben, ate pe bie ©rfal^rung 
mad^ten, ba^ ein fd^mad^er abfleigenber ©trom burd^ ben ©el^- 
nert)en geleitet ba^ ©epd^t^felb t)erbunfelt, unb bai^felbe gefd^iel^t, 
mtnn man il^n bie Ste^l^aut t)on äugen nad^ innen burd^f(iegen 
lägt; unb anberfeit)^, bag aud^ meige $l^änomene ol^ne Sid^t» 
reij auftreten. (@igenlid^t ber SRefel^aut.) Qa »ged^ner gel^t 
barauf l^in nod^ weiter unb erf lärt, bag mir, meil unfere ^ßl^antape:^ 
t)orfieffungen fd^mcid^er feien aU unfere ©mpfinbungen, unb 
unfere SRefel^aut, burd^ ba^ fogenannte ©tgenlid^t ber SReftl^aut 
erregt, e« nie jum üoMommenen S)unfel fommen laffe, oon ben 
5ßl^antapet)orfteffungen unfere« ©epd^t^finne« fagen mügten, pe 
feien fd^märjer afe ba« fd^mörjepe ©d^marj, mie mir t» etma 
beim Stnblidf einei^ ©tüdfei^ t)on fd^mai^em ©amt, ba» auf 
meigem ©runbe liegt, in bem ©epd^t^pnne erfal&ren. Stbnntn 
aWänner ber aCBiffenfd^aft auf ®runb t)on Sßorurteilen fold^en 
©nbilbungen unterliegen, bie ben flar t)orIiegenben ©rfal^rungi^^ 
tatfad^en miberfpred^en, marum fofften SWanner ber Äunp nid^t 
in unferm gaffe aud^ einer fold^en aSerirrung fällig fein? 

S)enfbar märe alfo bie ©ad^e mol^l/ aber mal^rfd^einlid^ — 
ba^ mug id^ benn bod^ fagen — bünft mir bie gegebene @r^ 
flärung in feiner aSBeife. aSor affem, voa^ mid^ felbp betrifft^ 



— li- 
fo Un id^ mir tjollfiänbig batüber Hat, ba^ bag SRefultat jener 
^pigmentmifd^ung für bie pj^änomenale 3^fönimenfefeuTtg bt^ 
©rün aug Slau unb ®ett nid^t bo^ geringfle beroeifi. Unb 
bod^ pnbe iä) tnid^ nid^t anber« afe jene aWaler geneigt, auf ba^ 
3eugmiS birefter 3Infd^auung l^in an biefe S^tfammenfefeung ju 
glauben. 

3lud^ fagen un^ bie SRaler nid^t Mofe, bafe ba« ®rün 
pl^änotttenal auig Slau unb ®elb gemifd^t fei, fonbem aud6 ba§ 
e^, äl^nlid^ wie SBioIett in bejug auf SRot unb Stau, in jeber 
Sejiel^ung an ben ©igenfd^aften beiber partijtpierenb, in geroiffer 
SBeife jraifd^en il^nen in ber SWitte fiel^e. Slau nennen bie 
SWaler eine falte, SRot unb ®elb warnte färben, infolge banon 
nennen fie ein in^ SRötlid^e fpielenbe^ S3Iau ein wamteiS Slau. 
aSioIett gilt il^nen für wärmer aU reinei^ Slau, aber für fälter 
ate SWot. @anj äl^nlid^ urteilen pe nun über ®rün in bejug 
auf Slau unb ®elb. ©ie red^nen ei5 mit 33lau ju ben falten 
garben; aber relatin jum 33lau erfd^eint tS il^nen bereiti^ marm 
wegen feiner 2lnnäl^erung an^ ®elb, unb um fo wärmer, je 
mel^r eg pd^ il^m näl^ert. 

Unb wie in 2lnfel^ung ber fogenannten Äälte unb aSBärme, 
\o flellen fie in Stnfel^ung ber ^elligfeit ba^ ®rün jwifd^en Slau 
unb ®elb; natürlid^ unter ber SBorau^fefeung, ba§ weber eine 
©inmifd^ung von ©d^wai^ nod^ von aOBeijl bie ©rfd^einungen 
merflid^ alteriere. 3111 ba^ ftimmt ju ber bel^aupteten pl^äno« 
menalen SWifd^ung t)on Slau unb ®elb ju ®rün, l^at aber auf 
ben aSorgang ber 5ßigmentmifd^ung nid^t bie geringfie Sejiel^ung. 
Unb fo feigen wir benn, ba^ bie aMaler, felbft wenn fie mit il^rer 
Slnfid^t non ber pl^änomenalen SRifd^ung non a3lau unb ®elb 
im Irrtum wären, lebenfaDtö nid^t burd^ bie ©rfal^rung bei 
^Pigmentmifd^ungen allein, fonbern aud^ nod^ burd6 bie Se^ 
obad^tung befonberer @igenfd6aften, weld^e fel^r wol^l mit ber 
2lnnal^me pl^änomenaler 3Kifd^ung l^armonieren, nerfül^rt worben 



— 12 — 

tüäreu. Sn ber ^at, rocr iemate ^pinfel unb ^Palette jur $anb 
genommen l^at, ber weife, bafe bie 3Kaler nid^t blofe aui^ blauen 
unb gelben, fonbern aud^ au^ fd^morjen unb gelben ^Pigmenten 
®rän mifd^en. 3[Ifo, wenn nid^t ber ©l^arafter ber ^ßl^änomene 
fefbft mafegebenb gemad^t mirb, marum nid^t ebenfogut fagen, 
bafe bog ^pi^änomen @rün au§ ©d^marj unb ®elb beftel^e? '^a^ 
aber bel^aupten bie SWaler nid^t, mie fie benn aud^ auö einer 
SDiifd^ung t)on roten unb grünen ^Pigmenten ein @rau l^erftellen, 
unb bod^ auf bie ^age, ob ha^ ^pi^änomen @rau eine aWifd&ung 
ber 5ß^änomene 9iot unb @rün fei, t^ Dielmel^r mie ber gemeine 
3Kann für eine 3Kifd^ung oon Sd^marj unb SEBeife erflären. 

2Bir feigen alfo, jene 2lrgumentation mobemer ©inne^^' 
!p{)t)fioIogen fd^eint feineömegö fo geeignet, aU fie felber glauben, 
unfer aSertrauen auf ha^ allgemeine Urteil ber aWaler ju er^ 
fd^üttem. Unb bei ben ftarfen SBerfel^en, bie fie felbft, mie 
gejeigt, bei ber Sefd^reibung ber ©efid^tSpl^änomene anber^ 
meitig begangen l^aben, bürfen mir motil fagen, bafe, menn fie 
nid^tS ate ba^ eine für i^re neue fiel^re oorjubringen liätten, 
bafe fie nämlid^ nid^t imftanbe feien, etmag t)on Slau unb (Selb 
im @rün ju entbedfen, bie entgegenftel^enbe 3lugfage eine^ fo 
üorjüglid^en SWid^ter^, mie baö geübte 3Kalerauge e^ l^ier ift, 
unbebingt ate übermiegenbe 2lutorität uniS mafegebenb merben 
müfete. 

10. 3fn ber Xat ^abtn fie aber eine ganje ditif)t weiterer 
airgumente erbrad^t, bie mir nun im einjelnen ju prüfen l^aben 
merben. SBir fönnen fie in jmei Älaffen fd^eiben. S)ie einen 
finb allgemeinerer 3lrt; fie leugnen, bafe ba^ pl^änomenale 
@rün al^ eine 3wf^^i^^^f^few^9 ^u^ SBlau unb ®elb betrad^tet 
merben bürfe, meil e§ eine jufammengefe^te garbe überliaupt 
nid^t geben fönne. S)ie anberen greifen nid^t fo meit, fonbern 
treffen nur bie befonbere ^rage. 



— 13 — 

11. Setrad^tcn wir junäd^ft bie erfte Äloffe. S)a§ eine 
pl^änotnenal jufatnntengefe^te garbc überl^aupt nid&t voxtomrmn 
fönne, würbe unb wirb von fel^r naml^aften gorfd^em, rate 
j. 33. oon ^elml^olfe unb Srüdfe, bel^auptet. aWan bringt bafür 
jTOci airgumente. 

1) ®^ gibt jufammengefe^te Älänge, wie j. 33. bie 3lfforbe 
e^ finb; unb eig gibt ebenfo äufammengefefete ßrfd^einungen 
nieberer ©inne, wie wir }. 33. von einem bitterfüfeen (Se^ 
fd^tttadf (©efd^tttatf^afforb) reben. 6ine jufantntengefefete garbe 
(gcirbenafforb) erfd^eint aber oerntöge ber efjeptioneHen ©igen^ 
tütttlid^feit be^ ©eftd^t^finnei^ unmöglid^. @äbe eg eine, fo 
würbe pe geraife unter analogen Umftänben wie bie ju= 
fammengefe^ten Dualitäten anberer ©inne entfielen; alfo in^= 
befonbere in bem gaffe gleid^jeitiger SWeijung burd^ ntel^rere 
unb t)erfd^iebenartige ®rreger mürben voix eine Dualität be:= 
fomnten, raeld^e fid^ al^ bie äufammenfefeung berjenigen garben, 
bie oon biefen oereinjelt erregt werben, barbieten raürbe. ®o 
erl^alten wir einen fäuerlid^fü^en ©efd&madf, raenn mx ettoa^ 
©auere^ mit 3udfer genießen, unb l^ören einen 3Kel^rfIang, inbem 
mir gleid^jeitig üerfd^iebene 3lrten t)on ©inu^meffen ba^ Dl^r 
treffen laffen. ^iemad^ mü^te ber nid^t jerlegte ©onnenfhal^I, in 
meld^em bie rot, orange, gelb, grün, bfau unb oiolett mirfenben 
ßid^tmeffen vereinigt finb, bie ©rfd^einung einer oielfad^ jufammen*: 
gefegten garbe ermedfen, äffe SRegenbogenfarben müßten barin 
beutlid^ erkennbar fein. SBir miffen, bap ba^ ©egenteil ber f^öff 
ifi; mir bekommen SÖBei^, baö, menn irgenbetma^, ben ©inbrudf 
einer einfad^en Dualität bietet. 3lx^t eine ©pur oon SWot, 33Iau 
unb bergleid^en oermag aud^ baö feinfle 2luge barin ju ent^^ 
bedfen. 3lod^ ein 33eifpiel ! SÖBenn mir oiolette unb orangefarbige 
©tral^Ien be^ ©peftrumS in gemiffem 3Serl^äItniffe mifd^en, fo 
erl^alten mir eine garbe, bie jmar mand^e für eine jufammen^ 
gefefete garbe erflären moffen, aber nid^t au§ asiciett unb 



— 14 — 

Drange, ober {roznn wir Sßiolett ate Slaurot unb Drange ate 
9lotgeI6 bejeid^nen) au^ Slau, SRot unb ®elb, fonbern ouj5 
diot unb SBBei^; e^ ift tatfäd^lid^ ia^ SRefultat ein wenig ge^ 
fättigteg diot 

SBir muffen al\o barauö fd^Iiefeen, ba§ ber ©eftd^tsfinn 
einer jufantmengefefeten garbe nid^t fä^ig ift. 

2) S)ie§ ©rgebniig wirb aud^ nod^ burd^ anbere &cf 
fal^rungen beftcitigt. SBenn e^ jufantmengefefete garben gäbe, 
äl^nlid^ wie e^ jufammengefefete %önt gibt, \o müßten vti^ 
fd^iebene garben pl^cinomenal einanber burd^bringen fönnen, 
äl^nlid^ wie 2^öne, rotnn voix einen aWel^rflang l^ören, fid^ 
pl^ctnomenal burd^bringen. 3lber bie ©rfal^rung jeigt, ba§ bie^ 
unmöglid^ ift. SÖBie in SÖBirflid^feit bie Äörper wed&felfeitig un^ 
burd^bringlid^ finb, fo fd^Iie^en pl^änontenal bie garben einanber 
au^. SRed&t auffaffenb tritt bie^ bei ben ßrfd^einungen be^ bino- 
fularen ©el^en^ l^ert)or. SEBenn wir vor ba^ eine 3luge ein 
rote^, üor ba^ anbere ein blauet ®Ia§ nel^nten unb einen weisen 
©egenftanb betrad^ten, fo feigen wir i^n entweber rot ober blau-, 
t)ielleid^t aud^ abwed^felnb balb in ber einen, balb in ber anbern 
garbe (voa^ man ben SEBettftreit ber ©el^felber genannt l^at); 
aber nie jugleid^ rot unb blau, au^er üxoa ftellenmeife, inbem 
ber eine 2^eil blau, ber anbere rot unb fo ba§ ©anje gefledft 
erfd^eint; ein beutlid^er Sewei^, bafe bie beiben f^^^rben fid^ 
nid^t pl^änomenal ju burd^bringen oemtögen. ©omit ift jebe^ 
3lnalogon ju einem aWel^rflang ober einem jufammengefefeten 
©efd^madf, ©erud^, ©efül^l auf bem ©ebiet be^ ©efid^t^finne« 
burd^ ein eigentümlid^e^ ©efe^ biefe^ ©inne^ burd^meg^ au§« 
gefd^loffen. 

SDa^ alfo finb im mefentlid^en bie ©rünbe, meldte in aü^ 
gemeiner SßJeife erbrad^t werben. 



— 15 — 

12. S)ie ©intDättbe finb fd^arffinnig erbod^t. 2l6er bennod^ 
mad^ten fte mir immer nur bcn ©inbrudf t)on Dbieftionen, bereu 
Söfuug melleid^t uid^t ol^ue ©d^mierigfeit ift, M meldten aber 
t)ou t)oml^ereiu feftftel^t, ba§ fte iu irgenb eiuer SBeife lösbar 
fein muffen, wie bieiS ja j. 33. aud^ t)on ben Dbieftionen btS 
©leaten 3^^*^ 8^9^^ ^^^ 3MögIid^feit einer Seraegung gefagt 
werben fann. S)a|| ein aSBiberfprud^ in ber Bewegung nid^t 
befleißt, ifi au^er S^^if^I/ ^^ ^^'^ fi^ f^uft fo wenig wie anbere^ 
pd^ SBiberfpred^enbe anfd^aulid^ Dorjufteffen oermöd^teu. aSBenn 
nun S^^^ ^^^^ ^i^^ oerfänglid^e S)ialeftif biefe aSBiberfprüd^e au^ 
weifen will, fo fönnen feine ©d^Iüffe mid^ nid^t überjeugen, 
aud6 tt)enn id^ junäd^ft au^er ftanbe bin, bie ^ßaralogi^men 
genügenb ju analpfieren. Sl^nlid^eiS aber gilt in unferm gaUe* 
2lIIe SBelt fagt non gewiffen garben, fie feien bie eine wei^^ 
lid^rot, eine anbere rötlid^gelb, eine britte grünlid^gelb, eine 
nierte wei§Iid^t)ioIett ufw. ©elbfl bie 3lnl^änger ber eben be^ 
fprod^enen Seigre bebienen fid^ biefer jufammengefe^ten 3lu^^ 
brüdfe jur Sefd^reibung ber betreffenben 5ßl^änomene. S)amit 
fd^einen fie nun aber aufö flarfte gegen fid^ felbft 3^itgni^ }u 
geben. Unb fo fprid^t fid^ benn aud& nid^t allein bie altüberlieferte 
3lnfd^auung, fonbem aud^ ein großer 2^eil ber jeitgenöffifd&en 
©inne^pl^t)fioIogen nod^ immer mit ©ntfd^iebenl^eit bafür au^, 
ba§ aud^ bei pl^änomenalen garben ä^f^w^wienfefeungen an^ 
mel^reren unleugbar feien. 2lubert, 3Kad^, gering unb t)iele 
anbere bel^aupten ganj fo wie bie 3KaIer, bafe Orau beutlid^ 
au^ ©d^warj unb 2Bei§, Drange au^ (Selb unb SWot, SBioIett 
au^ 3tot unb 33Iau jufammengefefet erfd^eine, ja bafe j. 8. in 
einem weifelid^en Drange beutlid^ eine S)reil^eit, in einem grauen 
aSiolett eine SBierl^eit oon garben (©d^warj, SBeife, 3?ot unb. 
33Iau) aU Seftanbteile ju erfennen feien. 

S)ieienigen, bie, wie ^elml^olfe, bie pl^änomenale garben^^ 
jufammenfefeung affgemein in äbrebe fteffen, fud^en fid^ l^ier in 



— 16 — 

folgenber SBeife ju l^elfen. ©ie fagen: SÖBenu man eine gotbe 
afe ein gelblid^eö diot bejeid^net, fo tut man hxt^ nid^t, weil 
man in il^r ®elb bem SRot beigefellt, fonbem meil man fte bem 
$Rot fel^r äl^nlid^, aber bod^ etma^ von xi)m abweid^enb unb in 
feiner aibmeid^ung ®elb genal^ert ftnbet. ®^ ift, mie wenn ein 
aßuftfer einen 2^on nid^t afe reinem h, fonbem afe ein megen 
einer f (einen Slbmeid^ung, bie il^n bem c annäl^ert, unreinej^ h 
bejeid^net. S)ag unrein fd^eint eine Seimifd^ung anjubeuten, 
unb meldte anbere fönnte gemeint fein ate eine fd^mad^e Sei^ 
mifd^ung t)on c? 3lber genau gefprod^en l^anbelt e^ fid^ nid^t 
um eine Seimifd^ung von c, fonbem um eine 3[nnäl^erung. 
2)er Xon, an unb für fid^ fo einfad^ mie h, liegt bod^ jroifd^en 
il^m unb c unb l^at nur t)ön be n SPhififem feinen befonberen 
SRamen erl^alten . äl^nlid^eiS alfo gilt von bem gelblid^en diot unb 
t)ielen anberen fjarben; unb mir t)ermeiben burd^ eine fold^e Se^^ 
jeid^nung^meife eine unermejslid^e 5Bert)ieIfäItigung. SBir motten 
alfo nur fagen, biefe einfädle %axht liege jmifd^en benen, bie 
mir afe SRot unb ©etb ju bejeid^nen pftegen. 

2lber biefe 2luffaffung ift fd^led^terbingi^ afe unl^altbar ju 
bejeid^nen. 

S)ie äl^ntid^feit, bie Drange einerfeit^ mit.SRot unb anber- 
feit^ mit ®e(b l^at, ifl nid^t berjenigen ju oergleid^en, bie 
etma einem 2;on jmifd^en c unb e, j. 33. bem jmifd^en il^nen 
gelegenen d, mit imtm tieferen unb biefem l^öl^eren ^on ju=^ 
gefd^rieben merben fann, fonbem offenbar berjenigen, meldte ber 
3^^iH^^9 c e mit ben beiben Komponenten jeigt. 3Ran ertennt 
V barin bie beiben gerben, mie man bort bie beiben 2;öne l^erau^l^ört. 

3lud^ ber 3Sergleid^ mit jeittid^en unb räumlid^en 33e= 
ftimmungen mag bienen, bie oerfud^te S)eutung afe unannel^m? 
bar erfennen ju laffen. ®in S^^t^^wient, meld^er jmifd^en jmei 
anberen liegt, fann jebem t)on beiben relatio äl^nßd^ genannt 
merben. S)iefe ftel^en Ja nur barum meiter ooneinanber ai^ 



— 17 — 

toeil fie einanber mtnber äl^nlid^ jtnb, unb mele erl^Itcn, um 
einer 3?emiel^rung in^ Unenblid^e Dotjubeugen, feinen befonberen 
einfad^en SRamen, werben t)ielmel^r burd^ Sejiel^uug auf fold^e, 
jToifd^en benen fie liegen, beftimmt. ©o fpred^en mix t)on brei 
unb ein 3?iertel Ul^t, f)alh fed^i^ U^r unb bergleid^en. Slber 
mm fiele e^ barauf^in l^ier ein, ben mittleren ate eine SWifd^ung 
ber ®jtreme anjufel^en? Unb bai^felbe jeigt fid^, menn mir 
räumlid^e SRid^tungen benennen, unb mäl^renb mir ber 9Wd^tung 
nad^ SRorben, Dfien, ©üben, SBeften felbftänbige SRamen geben, 
anbere nur mit Sejiel^ung auf fie ate SRorboft, ©übfübmeft unb 
bergleid^en bejeid^nen. ©ine SSerfud^ung, biefe lefeteren für 
3Rifd^ungen auS mel^reren ©lementen ju l^alten unb ju glauben, 
ba§ man biefe in il^nen aU Seftanbteile erfenne, l^at baraui^ 
mol^I nod^ für feinen aSernünftigen fid^ ergeben. 

Sflid^t meil eine garbe in gemiffer SBSeife in ber aWitte 
jmifd^en SBSeife, 3iot unb ®elb erfannt mirb, bejeid^nen mir fie 
afö ein meifelid^ei^ SHotgelb, fonbem meil mir, fufjeffiDe auf bie 
einjelnen garben fie prüfenb (mie mir bie ^öne eines 50lel^r^ 
flangeS l^eraui^analtifieren), jefet ®elb, bann 3tot, enblid^ aud^ nod^ 
2Bei§ barin ju entbedfen vermögen, pflegen mir ha^ ^pi^änomen 
afe ein jmifd^en 3tot, ©elb unb SBeife in ber 3Ritte fte^enbeiS 
iu bejeid^nen. Sllfo in ber 3lrt etma, mie mir von einem au^ 
3inf unb Äupfer gemengten 3KetaII fagen fönnten, ba§ eiS aU 
ein SDWttlerej^ jmifd^en il^nen ju betrad^ten fei. 

13. SBSai^ mir fo aufi^ entfd^iebenfte feftl^alten muffen, lä^t 
fid^ nun aud^ gegen bie erl^obenen ©inmänbe DoHfommen fieg- 
reid^ ©erteibigen. 

®j5 mürbe gefagt, garben feien für einanber unburd^^ 
bringlid^ ; pl^änomenal fd^Iöffen fid^ jmei garben ebenfo auS, mie 
jmei Äörper fid^ in SBirflid^feit auj^f d^liefeen ; eiS fei unmöglid^, 
baj5 jmei benfelben ^eil beS ©efid^tj^felbeS gleid^jeitig einnähmen. 

S3ventano, @inne8pf9(^o(ogif(i^e ^agen. 2 



— 18 — 

i^ierfür würben ini^befonbere gewiffe ©rfal^ngen ht^ binohtloren 
@e§eniS, tote bie @rfd^einungen beiS SBettfkeitö^ geltenb getnad^t 

$ter berul^t bie Se^auptung bet pj^änomenolen Unburd^^ 
brtngUd^feit bet gotben in bet %at auf SBal^l^eit. Sttet mit 
biefet Unbutd^btinglid^feit ifl e« ted^t wol^l oeteinbot, bafe wit 
me^tete gatben jugleid^ feigen, wie j. S. toenn bie eine bie ted^te, 
bie anbete bie linfe Hälfte bei^ ©eftd^töfelbft^ einnimmt. Unb 
fo fdnnte aucl^ ha^ ganje ©ejid^ti^felb in Heinere 2;eile jetlegt 
gebadet xo^xbtn, meldte abn)ed^felnb t)on einet non me^teten 
gatben eingenommen tofitben. 3fi bieg jugefianben, fo iji eg 
leidet erjid^tlid^, mie e§ bei oollet SBal^tung bet Unbutd^bting* 
lid^feit ju einet SWifd^fotbe fommen fann. @^ ifl nSmlid^ be- 
fannt, ba§ fel^t Keine pl^änomenale 2;eile füt jid^ unmetflid^ 
finb. 35en!en mit nnn ba^ ©efid^tiSfelb in unmetflid^ Meinen 
teilen med^felmeife oon jmei gatben, j. S. oon diot unb Slau 
etfüttt, fo mitb feinet füt jtd^ metflid^ fein, baiS ganje ©ejtd^t^^ 
felb abet ted^t mol^I bemetft metben, unb feine gatbe ol^ne 
beutlid^e Untetfd^eibung bet oetfd^iebenen ^otjetten bod^ ate 
eine SSeteinigung oon SRot unb 53Iau etfd^einen. ©ie mufe ba^ 
fein, roa^ mit jefet oiolett nennen. 

äl^nlid^ mate eine gatbenmifd^ung bentbot, motin btei, 
oiet, ja ttHe einfad^en g^tben jid^ oeteinigt jeigten, unb ba^ 
©efefe bet Unbutd^btinglid^feit mäte feinej^megiS oetlefet. 

Qd^ füge bei, ba§ t^ fid^ auf bem ©ebiete beiJ ©d^affeiS 
unb bei ben niebeten ©innen ganj äl^nlid^ oetplt. gut äffe 
©inne befielet ba^ ©efefe ber Uubutd^btinglid^feit. ©o bemetfen 
tolt ja, ba§ ein fel^t ftatfet Änaff, ein aWül^Iengeflappet, ein 
2;tommelmitbeI obet fonft ein jiatfet ©d^att anbete ^öne au*^ 
fd^Iiefet. SSon bem aWoment bei^ äuftteteni^ an nimmt et fo^^ 
jufagen ben ganjen SRaum bt^ ®tf)ix^ ein. 2Bit l^öten j. 83. 
beim eintreten in bie 3Jl^U nid^t, xoa^ unfet a3egleitet fptid^t 
obet fingt. 2:tofebem tommt e^ ju aWel^tHängen, unb bieiS batf 



— 19 — 

uni8 ni(^t TOunbem. 35enn wie boi^ ©tnne^felb beiS ©efid^tö 
fann aud^ bet ©innei^raum bei^ ©el^öri^ in Derfd^iebencn Sleilen 
t)on melfttd^en Xintn erfüllt fein, t)on toeld^en ob i§rer Älein^^ 
l^it im eittjelnen unb ob ber unbeutlid^en Sofalifaliou, bie bem 
©el^öt burd^roegiS eignet, öfter nod^ afe bei betn ®e(id^t«felb, ja 
gonj allgemein, ber @inbru(f eineiS gemifd^ten ©dralle« entflel^en 
mirb. Sogar menn ber eine 2:on mit bem einen, ber anbere 
mit bem anbem Dl^r gel^ört mirb, mo bo(^ ber beutlid^fte 
Sofalifation^unterfd^ieb, ber überl^aupt auf bem ©ebiet bei^ 
©el^öri^ oorfommt, gegeben ift, l^aben mir ben ©inbrud ber 
3Kif(^ung. Unb mieberum gefd^ie^t fold^e^ bei ben nieberen 
©innen, j. S. SDrudE^ unb SBSclrmeempfinbungen unb beim ©e^ 
fd^mad. 93ei bem bitterfü^en ©efd^madt fielet bie SSerfd^iebenl^eit 
ber Sofalifation ber Xeile um fo mel^r au^er S^^^^^U ^I^ i>ö^ 
Gittere mel^r gegen ben ©aumen l^in, ba^ ©ti^e mel^r auf ber 
©pifee ber 3^^fl^ empfunben ju werben pflegt, ©ogar ©erud^i^- 
einbrüdfe unb ©efd^madf^einbrüdfe lönnen pd^ ju einem ©inne^:^ 
Phänomen vereinigen, meld^eiS ate ein ®emifd^ oon ©igentümlid^s 
feiten beiber aufgefaßt mirb. 35aj5 3?erfd^Iiefeen ber SRafe l^at 
in mand^en gäHen erft baoon überjeugt, baj3 nid^t ba^ ©an je 
auf 3^"fl^"i^^^J jurüdfgefü^rt werben fann. ©o ift alfo bicfer 
Ginmanb, obmol^I bie Unburd^bringlid^feit ber pl^anomenalen 
garben auj^er 3weifel fielet, ol^ne ade Äraft. 

2Ba^ aber iniSbefonbere bie ©rfd^einungen be« binofulareu 
©e^enj^ anlangt, fo ift t^ feine^megiS rid^tig, ba^ jmei garben, 
oon meldten bie eine burd^ ba^ eine, bie anbere burd^ bai^ anbere 
Sluge aufgenommen mirb, fid^ nie ju einem 3Ki[d^p^äuomen oer- 
einigen. SBSenn ^elm^olfe bieiS behauptet, fo miberfpr^d^en il^m 
bod^ meinet 2Biffen^ ade anbem gorfd^er, unb fogar »rüdte, 
ber i^m in feinen p^vfiologifd^ == optifd^en 3lnfid^ten fonft nal^e 
fte^t. Sn^befonbere gelingt bie aWifd^ung leidet, menn bie beiben 
Sarben menig gefättigt finb. 



— 20 — 

f5tetIi(iÖ gibt e^ baneben anü) %älit, n)o von ben garben 
bic eine fi(^ nid^t fotool^l mit bei anbeten tntfd^t, ote jie vtx^ 
brangt, entwebet bleibenb obet fufjefjiiü wed^felnb ([ogenonnte 
gfitte beiS aBettftreitej^). Slbet fogat in biefen pflegt bie genauete 
Seobad^tung ju geigen, ba§ in bie üetbrängenbe ^arbe, wenn 
anä) in fleinem 5ßrojentfafee, ^ttoa^ oon ber t)etbrctngten ^tbe 
eingemtf(^t ift unb ben 2;ott ber ©erbtängenben nad^ Sltt bet Det^^ 
brängten mobifijiert. ©o ift bet eine bet beiben ©inwönbe 
rool^I DoHfomnten etlebigt. 

14. Unb ni(^t fd^wietiget ift eiS, ben anbetn ali unftäftig 
}u etweifen. 

Äönnte e^ jufammengefefete gotben geben, fagt man, fo 
voäxt na^ bet Slnalogie ju onbetn ©innen ju etroatten, ba§ 
otangefatbigeg unb vioUtU^ Sid^t p einet jufammengefefeten 
gatbe, foiufagen ju einem gatbenaffotb von Dtange unb 
Sßiolett fid^ Deteinigten. ©ie etgeben abet ein mei^lid^ej^ 3tot. 
Unb ebenfo fül^tt bie aWifd^ung aHet ©pefttalfatben nid^t ju 
einem aui^ i^nen aHen jufammengefefeten 2lffotb, fonbetn ju 
einem einfad^en SBSeife. 

3d^ antmotte: aWan Detlangt Slnalogie unb leugnet bod^ 
mel^t ate jjebet anbete Slnalogie. SDenn xoa^ mctte me^t bet 
Analogie ju aßen anbetn ©innen entgegen, aU menn beim 
©efid^t feine S^^f^^w^^^f^fe^^fl^« ^^« Dualitäten notfämen? 
©e^öt, ©efd^madf, ©etud^, ©efü^I jeigen fie gleid^mäfeig. 3m 
bem mit biefe al\o behaupten, l^aben junäd^ft mit, nid^t abet 
bie ©egnet, bie Analogie füt un^. 

Unb me^t nod^, menn anbetmättiS ein ©efefe beftel^t, monad^ 
bei einet Äombination non SHeijen, non meldten jebet einjelne 
eine einfädle Dualität l^etnottuft, eine jufammengefefete etjeugt 
mitb, meldte jene einfad^en ate Komponenten etttl^ält, fo metben 



— 21 — 

toir aud^ l^ler ein fold^c« ©efeft red^t wol^I anncl^tnen fönnen. 
ästete göffe lajfen fid^ i^m in fd^önjier SBSeife untetorbnen: 

j. 33. : 3iot unb ©elb — Drange 

3iot unb 2Bet^ — SBetfelid^rot, 
a3Iau unb 3iot — aSiolett u. betgl. 

SBenn bieg aber in anbeten SSerfud^en nid^t ebenfo gelingt, 
fo laffen fid^ bie gälle unbebenflid^ an^ ber Äomplifation be^J 
©efefeeiS mit anbeten ©efefeen begteifen, weld^e afö ©igentümlid^^ 
feiten beiS ©efid^t^ftnnei^ fd^on anbettoeitig fonfiatiett ftnb unb 
t)on nientanb befttitten wetben. Unb aud^ biefe finb nid^t in 
bet Sltt bem ©efid^ti^finn aHein eigen, bafe fie etwa^ ganj ^emb^^ 
attigeg waten. aSielmel^t etweifen fie fid^ wefenttid^ afe 
Steigerungen unb befonbete Slui^bilbungen t)on ©genl^eiten, 
benen toix anä) anbenoärtg auf bent ©inne^gebiet begegnen. @iS 
finb biefer ©igentümlid^feiten im legten ©runbe jmei. 

1) 93eim ©efid^tiSfinn fann ein unb berfetbe 3teii, atfo 
}. 33. ein unb biefelbe einfädle 2lrt von Sid^tmellen ju mel^reren 
©pejieg t)on Dualitäten anregen; fo j. 33. DrangemeHen ; 
anber^ ber ^onfinn bei ©inui^meHen®. 2)ennod^ ift bie ab^ 
toeid^enbe ©rfd^einung nid^t affjubefremblid^ , unb nid^t ol^ne 
2lnalogie im ©inne^gebiet überl^aupt. @in 3)rudE auf bie fianb 
gibt bie fogenannte S)rudEempfinbung , berfelbe auf ha^ Sluge 
eine Sid^tempftnbung. äl^nlid^ gibt berfelbe eleftrifd^e ©trom 
im Sluge fiel! unb 2)untel unb biefe ober jene %axhm, auf ber 
3unge ©efd^madt. SDerfetbe ©tra^I medft auf bie SRefe^aut 
faHenb garbe, auf bie ^anb eine SBärmeempfinbung. SSer^ 
fd^iebene ©inne reagieren auf benfetben Sieij l^eterogen. @g 
flilt l^ier ba« ©efefe t)on ber fpegififd^en ®nergie ber ©inne. 
2)iefei8 ©efefe mirb nid^t blofe ^eutjutage t)on ben ©inneig« 
pl^^fiologen erften Stange^ nod^ feftgel^atten, fonbem feit Xf)oma^ 
Doung, ober menigften^ feit iQelml^oIfe fid^ bag aSerbienft er* 



— 22 — 

wotbm ^at, auf bte S3ebeutung von ^oung^ ^ppotl^efe l^iu'' 
juToeifen, neigen fie auä) ju ber ännal^me, ba^ t^ wie für bte 
©attung, fo aud^ fflr bie Srt ber Dualität jutreffenb fei, ol^ne 
baß freilid^ bamit gefagt fein fott, ba§ bent 9lert)en unb nid&t 
t)ietmel^r bent jentralen Organ ber fpejifijierenbe 6influ§ jufomme. 
SBSenn nun bieg, warum nid^t au(^ annel^men, ba§ berfelbe 3teij 
tok in nerfd^iebenen ©innen ^eterogeneiS, in bentfelben ©inne 
fpejififd^ aSerfd^iebenej^ bewirfen fönne, unb ba§ bieg beim ©efid^tg:: 
flnn mirflid^ bergaU fei*, ©g l^anbelt pd^ l^ier alfo umnid&tg 
anbereg afö um eine Steigerung von aud& anbermärtg Se^ 
fanntem, unb aud^ unfere ©egner geben bie betreffenben %aU 
fad^en ju. 

2) 93eim ©eftd^tgfinn gefd^iel^t eg befonberg leidet unb unter 
befonberg mannigfaltigen Sebingungen, bie menigfteng mir bei 
itnfem mangell^aften pl^^fiologifd&en Äenntniffen nod^ nid^t auf 
ein 5ßrinjip jurüdfjufäl^ren vermögen, baß eine von jmei 
Dualitäten, für meldte bie 3tei}ung gegeben jft, bie anbere Der» 
brängt. 3Bir l^aben tUn t)on ben ©rfd^einungen beg SBSettfheitg 
gefprod^en, bie beuttid^ bafür 3^W9^^ geben, unb jugteid^ aud^ 
barauf aufmerffam gcmad^t, ba§ eg nid^t ol^ne alle 2lnaIogie 
mit anberen ©innen ift, infofem aud^ l^ier mand^mal t)oHe aSer^ 
brängung ftatt aWifd^ung ftattl^at. Slber bie gefteigerte 93e=^ 
beutung ber 3?erbrängung auf bem ©ebiet beg ©efid^tgfinne^ 
ift aufeer fj^age, unb mir bürfen mit aller SBSal^rfd^einlid^feit 
annel^men, ba§ aud^ in anbem gällen fold^eg aSerbrängen vox^ 
fomme, fobalb mir baraug gemiffe auffaHenbe ®rfd^einungen be- 
greiftid^ mad^en fönnen. ©o benn vox allem bei einer merf^ 
mürbigen ©igen^eit beg ©efid^tgfinneg gegenüber bem ©el^örgfinn ; 
nämlid^ bag biefelben Sid^tmellen in Derfd^iebener ©tärfe t)er= 
f(^iebene Dualitäten erzeugen, j. 33. fpeftraleg 3tot, ftärfer erregt 
©elblid^rot, ®elb, SBeifelid^gelb ; fpeftraleg 33lau, fd^mäd&er er^ 
regt SHöttid^blau, ftärfer erregt SBeifetid^blau, SBeife ufm. 33eim 



— 23 — 

©cfid^töfinn gilt \>k^ burd^tDegi^ ; beim ©el^ör ift e^, wie gefaßt, 
o^ne 3lnaIogie. SBtr fönnen ei^ aber mit ßeid^ügteit butd^ 
SRüdfül^rung auf bie eben befprod^enen utib affgmein ju- 
gefianbenen ©igenl^eiten begreifen. SQSit btaud^en ju bem Sel^uf 
nur anpuel^men, jebe SBeffe reije au^er ben bie befonbere 
garbe empfinbenben aud^ anbere unb inj^befonbere ein SBeiJB 
empftnbenbej^ SRerüenelement (ugl. ©afe 1). ©^ werbe aber biefei^ 
SBSeife unter ber Sebingung gemöl^nlid^er ©tärfe ber SBeffe Der^^ 
brängt, mdl^renb eine ©rl^öl^ung ber ©tärfe ba^ 2BeiJ3 im SBetts^ 
ftreit mel^r unb mel^r fiegen laffe. 

15. Unb fo mie biefe junäd^ft fo befremblii^e ©genl^eit bei 
fold^er Setrad^tung aufl^ört befremblid^ ju fein, jtnb mir bann 
aud^ jur ©rflärung ber ©rfd^einungen befctl^igt, bie ^elml^olg 
unb anbere baju Derfäl^rten, bem ©ejtd^tiSfinn im ©egenfa^ ju 
aHem, toa^ bie änabgie ju ben übrigen ©innen ©erlangt, jebe 
3K8gIid^feit jufammengefefeter Dualitäten abjufpred^en. 

3)ie eine mar, ba§ bie ©peftralfarben im ©onnenftral^I 
gemifd^t ftatt einer ju ermartenben pl^änomenalen 3"fa^wien^ 
fefeung 2Bei§ geben. Unfere ©rflärung ift einfad^. Qfebe einjelne 
SBellenart, nal^men mir eben an, fud^e außer ber ©mpftnbung, 
meldte iie mirltid^ mad^ruft, immer aud^ SBeiß ju erregen. SDie^ 
merbe aber oft burd^ bie befonbere garbenempfinbung, bie an^ 
geregt mirb. Derbrängt; mäl^renb unter anberen Sebingungen 
ha^ 2Beiß l^ert)ortrete, ja feinerfeit^ biefe g^rbe Derbränge. SBie 
nun eine foli^e Sebingung burd^ Steigerung ber 3tei}ftärte ge^^ 
geben fd^ien, fo bürfen mir annel^men, bafe fie aud^ gegeben fei, 
menn Derfd^iebene Slrten Don SBeffen Dereinigt il^re 3teije an^^ 
üben. ©0 erfd^ienen benn iuj^befonbere bei ber SBSirfung ber 
Dereinigten ©onnenftral^Ien bie ©peftratfarben, mie umgefel^rt 
bei il^rer ©onberung ha^ SBSeife gang ober übermiegenb oerbrängt. 
©0 orbnet fid^ ber gaU o^ne ©d^mierigfeit unter unb jeigt jid^ 



— 24 — 

in feiner 2Beife aU SBerftofe gegen bie ©efefee. 2)ie pj^cmomenale 
3ufamtnenfefeung an^ ben butd^ bie einfod^en ©peftrolen ^twox^ 
gerufenen garben xoax \a nid^t unbebingt, fonbern nur im gaffe, 
bafe jte nid^t Derbrängt toerbe, ju enoarten. 

16. Säfet fid^ fo biefer gaff begreifen, fo jeigt fid^ aud^ 
ber anbere, ber änfto^ geben fonnte, in fd^önfter Harmonie mit 
bem, xoa^ mir t)on affgemeinen ©efefeen gefunben l^aben. 6^ 
mürbe l^ert)orgel^oben, ba§ mel^rere Slrten t)on 2Beffen, vereinigt 
mirfenb, oft eine S^f^^^^^f^fe^^S ^tgeben, meldte t)on ber ber 
Äomponenten nerfd^ieben ift, jum Seifpiel Drange unb SBioIett 
ein 3totmei§. 35ie ©rflcirung ift l^öd^ft einfad^. SßaiJ mar für 
ben gaff, bafe oon ben garben feine bei ber 50lifd^ung oerbrongt 
mürbe, ju ermarten? — Drange, aSioIett, b. f). ©elb^rotsocots 
blau; barunter 3tot mit befonberem SRad^brudf. S)a^ Siefultat 
jeigt, bafe bai^ SBeife bie garben teilmeife oerbrSngt f)at Slber 
neben il^m ift baS diot entfpred^enb ber norjüglid^en Segünftigung, 
bie in ben Sebingungen lag, burd^gebrungen. ©o ttnnen mir 
benn von fold^en ©rgebniffen nad^ bem affgemein Erörterten in 
feiner SBSeife überrafd^t fein. 

Unb fo jeigt fid^, bofe non ber erfien Älaffe ber jmeite 
€inmanb ebenfomenig mie ber juoor betrad^tete SemeiÄfraft befifet. 

17. SBenben mir un^ alfo ju ben Slrgumenten ber jmeiten 
Älaffe. @^ mirb l^ier bie ^atfad^e, ba^ eiS phänomenal ju- 
fammengefefete garben gibt, im affgemeinen unbeanftanbet ge^ 
laffen, unb nur im befonberen bie ä^tfammenfefeung bei^ ®rün 
aui^ 93Iau unb @elb beftritten. 3d^ fann ba^ SBefenttid^e l^ier 
in fed^j^ ^fünften juf ammenf äff en : 

1) bie geringere SWerftid^feit, meldte in biefem gaffe oon 
3ufammenfe^ung jmeier garben im aSergleii^ mit äffen anberen 
befleißen mürbe, 

2) baS gegenfäfelid^e SSerl^ältni^ oon ®rün ju Siot, 



— 25 — 

3) bie Unmögttd^fcit, auS blauem unb getbetn Si($t ®rün 
}u tnifd^en, 

4) bic ©rfd^eittungcn ber SRad^bilber, 

5) bic 93eo6ad^tungen an garbenblinbett, 

6) bai^ 3?erl^arren bei^ ©tun im ©peftrum bei abnel^menber 
Sid^tftätfe. 

Qd^ merbe jebei^ ber 2lrgumente in furjer 3lu^fül^rung 
barlegen unb bann geigen, marum x^ e^ e^ für unfeäftig l^alte. 

18. ©rfteni^. SBenn ®rün Slaugetb märe, fo müfete man, 
fo oft iebe^ ber beiben ©lemente in betrctd^ttid^em 50la§ barin 
entl^alten, fie ebenfo leidet barin unterfd^eiben, afö in fotd^em 
^affe im meifelid^en 3tot SBeife unb 3tot, im SBioIett diot unb 
93lau, im Drange dtot unb ®etb u. f. f. unterfd^ieben werben. 
5Dai^ ©egenteil ifi offenbar. 

2)er ®inmanb fann aber nur ben beirren, meli^er bie ©r^ 
fal^rungen auf anberen ©innei^gebieten unbead^tet läj^t. $aben 
mir l^ier bod^ nii^ti^, xoa^ nid^t äl^nlid^ auf bcm ©ebiet bei^ 
®tf)bx^ gefunben mirb, mo bie ©efunb ungleid^ leidster afe 
bie 2;erj, unb biefe mieber afe bie Duart.ober Duint afe eine 
aWel^rl^eit oon Slönen erfannt merben. 

19. ^xodUn^. ©0 mie SBeife unb ©d^marj finb aud^ ®elb 
itnb 93Iau unb 3tot unb ®rän pl^änomenale ©jtreme. ©ie 
fontraftieren, b. 1^. fie finb ©egenfcifee. 3)er ©egenfafe einer 
mfad^en garbe muj3 nun natürlid^ felbft eine einfädle garbe 
fein. Unb mie SBSeife, ift e^ barum aud^ ©d^marj, mie (Selb 
aud^ 33Iau, mie SRot mu§ e^ barum auä) ®rün fein. 

3d^ antmorte: ba§ SRot unb ®rün, ober aud^ 33lau unb 
®elb pl^änomenale ©egenfäfee feien, mu§ aufi^ entfd^iebenfte be^ 
ftritten merben. ©ie jinb ei^ fo menig afe jmei Slonqualitäten 
innerl^alb ber Dftaoe. 2Beber äriftotele^ nod^ Sionarbo nod^ 



— 26 — 

irgenb ein anbetet Unbefongenet ift je batauf oetfallen, auf bem 
©ebiet be^ @e{td^tö einen anbetn ©egenfa^ aü ben Don Sd^n^atj 
nnb aßeiß auf jujieffen. Unb toenn ©ie jutüdbenfen, fo gab t^ 
eine 3^^/ ^o ©ie nod^ nid^t bem mffenfd^aftlid^en SluiJbturf 
Äonttaftfatbe begegnet waten, unb wo ©ie ebenfowenig auf ben 
einfaff gefommen wetten. 

dii^tii ift nut, ba§ ba^ Slot baiS ®tün unb biefe« bai^ 
3iot, wenn ei8 il^tn jeitlid^ potl^etgel&t obet täuntlid^ nal^egebtad^t 
toitb, l^ebt, ja ei^ ganj neu entftel^en Iä§t, wie bai^ 8Bei§ baiJ 
©d^roatj unb ha^ ©d^watj bai^ SBeiß. abet biei^ ifl junfid^fi eine 
genetifd^e Sejiel^ung, unb wenn man, weil ©d^matj unb SBeife 
mitflid^ ©egenfä^e finb, bataufl^in aud^ jene ol^ne toeiteteiJ afö 
©egenfäfee ju bejeid^nen fid^ etlaubte, fo wat bieiS eigentlld^ ein 
aWi§btaud& bet ©ptad^e. 

Unb um fo meniget fann man batauiJ fd^ließen, ba§ ®tün 
mie 3tot eine einfädle fjatbe fein muffe, afe, genau gefeiten, 
aud^ bie Äonttaftfatbe ju teinem Slau nid^t teineiS ®elb, fonbetn 
tötlii^ei^ ©elb, unb bie ju teinem ®elb nicä^t teinei^ 93Iau, 
fonbetn tötlid^e^ Slau ifi, alfo in biefen beiben gälten eine un^ 
jmeifell^aft jufamm^ngefeftte gatbe bie Äonttaftfatbe einet ein^- 
fad^en bilbet. 

20. SDtitteniS. (S^ gibt gatben, meldte fid^ miteinanbet 
fd^Ied^tetbingi^ unoetttäglid^ etmeifen, unb bie« ift iniJbefonbete 
bei 33lau unb ©elb bet gaff, ©omit fann aud^ ©tun fein 
Slaugelb fein. 3)en Semei« füt bie Unoetttaglid&feit liefett 
jebet 3Kif d^ungi^oetfud^ , mit befommen untet Umftfinben ein 
meifelid^e« 33Iau, untet anbetn ein meifelid^e« ©elb, unb bei 
einem gemiffen mittleten aSetl^ältnii^ aud^ nid^t Slaugelb, fonbetn 
teine« 2Bei§. 

SQSit fönnen fie antagonifiifd^e gatben nennen, gebe toitft 
bet anbetn mit ganjet Ätaft entgegen, unb jinb bie Ätäfte 



— 27 — 

gleld^, fo lieben fte jid^ flegcnfeitig auf, unb ettDO^ itn engeren 
©inne garblofe« bleibt jurüd. 3ft SBlaugelb fold^ergefialt 
unmöglid^, fo fann oud^ nid^t ®rün afe Slaugelb gefaßt werben. 
aStelme^r tft ei^ ebenfo wie eine von biefen eine einfädle garbe, 
bie aud^ il^ren Slntagonifien l^at in bem einfad^en Siot, toe^j^ 
l^alb benn ein 3totgrän fo wenig afe ein Slaugelb jufianbe 
fontmen fann. 

S)iefeiS Slrguntent glaubt man oon großer Äraft. 3(^ l^offe 
aber ju jeigen, baß e^ au^ oielfad^ent ©runbe l^infäffig ift. 

®inmal berul^t t^ auf ungenauer Seobad^tung ber ^^at^ 
fad^e ; bann ift bie ©rflßrung ber 2;atfad^e unjuWffig, unb enblid^ 
pnb bie baraui^ gejogenen Folgerungen nid^ti^ weniger afe ge^ 
fid^ert. SBai^ baiS erfte betrifft, fo ift rid^tig, baß gelbem unb 
blauei^ Sid^t objeftio geutifd^t ein fel^r weißlid^e^ ^l^änomen er^ 
jeugen, in weld^em oiele aud^ nid^t ben geringften ©tid^ iniS 
©rüne erfennen wollen. 3)ennod^ l^aben nid^t bloß id^, fonbem 
fel^r oiele Seobad^ter il^n beutlid^ barin gefunben. 

33et aSerfud^en, bie id^ anftettte, nal^m id^ ein Slau unb 
ein ®elb, weld^e nad^ ben SluiJfagen ber betreffenben Seobad^ter 
el^er m^ 3tote ate ©rüne fpielten, aber aHerbingg aud^ oom 
Siot nal^eju frei waren. SRad^ ben äu^fagen berfelben Se^ 
obad^ter fpielte bai^ bei ber aWifd^ung auf bem garbenfreifel 
entfiel^enbe ©rau etwaig in^ ©rüne. 9lur wenn in eine ober 
beibe garben merflid^er 3tot eingemifd^t war, fonnte in ber 
3Kifd^farbe nid^tig oon ©rün erfannt werben. 

2)amit ftimmt ei^, wenn ©inne^pl^pfiologen, wie }. 33. gidf 
unb fielml^ot^, fög««/ baß ©olbgelb mit Slau, ©etb aber mit 
Qnbigo ju reinem SBSeiß fid^ mifd^en laf[en. 3m ©olbgelb unb 
im Qnbigo ift ja fel^r merflid^ SRot entl^alten. ©o ift benn, wie 
gefagt, oor aHem bie ^atfad&e nid^t ganj genau befd^rieben. 

SRod^ weniger aber afe mit ber SBefd^reibung fann id^ mid^ 
mit ber ©rflärung jufrieben geben. 



— 28 — 

e^ wirb 6el^auptct, Slau unb ®elb feien unDettragßd^e 
%axbtx\. 3)iefer SSegttff wirb neu eingefül^rt unb nimmt eine 
abfonbetlid^e ©tgenl^eit be^ ©eftd^töflnneiS an, ber nid^tö ^f)n^ 
lid^eiS auf bem ©ebiet bei^ ©el^ör^ entfpred^en mürbe*. 35aju 
werben mir uni8 bod^ nur bann t)erfiel^en, menn mir ben XaU 
fad^en nid^t anä) ol^ne biefe Slnnal^me auf ®runb anbermeitig 
gefl(iÖerter ^prinjipien gereift merben fönnen. Slber eben bieiS 
fd^eint mir ber %a\l. SDenfen ©ie nur jurüdf an bie ^atfad^e 
ber aSerbrangung, oon ber mir fd^on frül^er jeigten, mie fie 
(unb jmar aud& mo ei^ fid^ fidler nid^t um unt)erträgltd^e %axbtn^ 
paare l^anbett) auf bem ©ebiet ht^ ©efid^t^finneg eine große 
Stoffe fpielt, inbem j. 93. ber binofulare SBettfireit barin feinen 
©runb l^at. @iS iji einleui^tenb, baß mir in äJ^nlii^er Slrt, mie mir 
in frül^er betrad^teten gaffen ba^ ^eroortreten be^ 2Betß in ber 
3Wifd^ung oerjle^en fonnten, e^ aud& l^ier ju tun oermögen. ^a 
um fo meniger mürbe e^ fid^ empf eitlen, üon ber alten ©r- 
ftärung^meife abgel^enb, ben SBSeg jener neuen ^tipotl^efe ju 
betreten, afe mir bod& p i^r jurüdtfel^ren müßten, inbem fid^ 
bai^ neue ^Prinjip unfäl^ig ermeift, bie ©efamtl^eit ber l^ierl^er^ 
gel^örigen ©rfd^einungen ju umfaffen. ©rmägen ©ie felbft! 
33tau unb ©elb, 3tot unb ®rün f offen unoerträglid^e garben 
fein. S)agegen foff bai^ gleid^e feine^megj^ oon S3Iau unb 
<55rün ober oon ®etb unb ®rün gelten. SBenn bal^er bie 
aWifd&ung oon 93Iau unb @etb fid^ barum fo ftarf meißlid^ jeigen 
mürbe, meil 93Iau unb ©etb antagoniftifd^e garben jinb, fo 
müßten mir ermarten, baß, menn Slau unb ®rün ober ©elb 
unb ©rün gemifd^t merben, feine ©pur oon SSermeißlid^ung 
fid^ jeige. 

aber ba^ ©egenteil ift ber gaff, mie in jeber ©inne«j? 
p^^fiologie ju lefen ift. ©etb unb ©rün geben ein meißtid^ei^ 
©elb ; ©rün unb 33Iau (unb jmar ß^anblau, ia^ el^er grünlid^ 
al^ xöüxä) ift) ein meißtid^eS Slaugrün. <6ier muß man alfo. 



— 29 — 

Dom neuen ^rinjip abfpringenb, wenn man überl^aupt eine ©r^ 
Hctrung geben roiH, einfocä^ anf unfer aSerbrängungi^prinjip 
jurüdgreifen. Slber bann ift fein ©runb, nid^t and^ unfern 
gatt barunter ju befaffen. 6r entl^ält ja nid^ti^ wefentlid^ 
anberej^, befonberi^ wenn man ben grünen ©ti(^, ber bleibt, 
mit uui^ eo ipso für einen btaugelben ©tid^ erHärt. 3)er ganje 
Unterfd^ieb befielet in einer grabueHen Steigerung, bie fo wenig 
ate bie grabueHe aWinberung in anbem gellen eine ©d^n)ierig== 
feit bietet, menn mir aud^ bie t)oIIe S3egrünbung für ba^ SWel^r 
unb aWinber nid^t geben fönnen. ©o finb ®rün unb ßpanblau 
gemifd^t weniger meifelid^ ate 93tau unb (Selb gemifd^t; dtot unb 
Qnbigo mieber weniger meifetid^ afö ©rün unb ßpanblau. SBir 
muffen alfo, mie gefagt, nid^t bto§ bie 2:reue U^ 33erid^tiJ über 
bie Xatfad^e beanftanben, fonbem ini^befonbere un^ aud^ gegen 
il^re ©rflärung au^ipred^en. 

Unb offenbar entfallen aud^ alle baraui^ gejogenen 
gotgerungen. 

SBSenn bei ber SWifd^ung t)on fpeftralem 93Iau unb (Selb 
fein gefättigteS @rün in bie (grfd^einung tritt, fonbern nur ein 
2Bei^ mit faum merflid^em ©tid^ in^ (Srüne entfielet: fo bemeift 
bie^ in nid^t^, bafe nid^t auf anberem SBege ein gefättigterei^ 
Staugelb ju erreid^en fei. SDenn fonft mürbe man mit bemfelben 
SRed^te au^ ber SBeifelid^feit it^ ©eibgrün, meld^e^ buri^ bie 
aWifd^ung üon fpeftralem ®elb unb ©rün, unb au^ ber SBeiB- 
lid^feit bej^ 33laugrün, meld^ei^ burd^ SWifd^ung t)on fpeftralem 
SBlau unb ©rün erjeugt mirb, folgern fönnen, ba§ e^ aud^ 
unter feinerlei anbem 33ebingnngen ju einem gefättigten ©elb^^ 
grün unb S3laugrün fommen fönne. 3)a^ ©egenteil jeigt fid^ 
in ben ^p^änomenen, meldte bie fpeftralen Sid^tarten, bie man 
allgemein ate ©eibgrün unb 33laugrün bejeid^net, ermedfen. ©o 
fielet benn bie SEBeifelid^feit ber ©rünerfd^einung bei bem ©emifd^ 
oon fpeftralem ©elb unb 33lau feine^megi^ ber 2lnnal^me im 



— 30 — 

SBege, ba§ ha& fpeftrale ©tun in bem von ü^m etjcugten 
^j^ättomen uni^ ein gefättigtej^ Staugelb biete. Unb ebenfo tx^ 
fd^eint e^ aud^ ni<3^t auiSgefcJ^Ioffen, ba§ wir bei anbetet SBeife, 
pl^öttomenalei^ ®elb unb S3Iau ju mifd^en, ju einem beutlid^eten 
®tün gelangen. 

SDiefe etroägung f)at mx^ baju gefül^rl, fold^e SWifd^ungen 
auf SBegen ju Detfud^en, bie ju bem 3^^^*/ \o meit meine 
©tfal^tung teid^t, nod^ nid^t betteten wotben waten. 

Qd^ l^abe nämlid^ baju bie ©tfd&einungen ie^ fimultanen 
Äonttaftei^, bei^ futjeffiDen ÄontifaftejS unb bet fogenannten Sid^t^ 
inbuttion Detmenbet, inbem id^ bie auf fubjeftiDem SBeg gegebene 
©tfd^einung bet einen gatbe mit einet auf objeftiDem obet aud^ 
gleid^faltö auf fubjeftioem 2Beg etjeugten bet anbetn gatbe Det^^ 
einigte. S)et ©tfolg entfptad^ meinen gtroattungen. 3d^ befam 
bei biefet 2ltt von äbbition von Man unb (Selb jmat fein ganj 
teinej^ geföttigte«, bod^ ein unt)etfennbat beutlid^e^ ©tön*. 

fiietmit bütfte bag btitte Sltgument ate l^inteid^enb etlebigt 
gelten. 

21. 3)od& unfete ©egnet l^aben ben ©ebanfen bet anta^: 
goniftifd^en fj^tben weitet auiJgefül^tt. ©ie l^aben il^n mit 
pl^pfiologifd^en S^potl^efen DetPod^ten unb anbete ©tfd^einungen, 
inj^befonbete bie ©ntftel^ung bet negativen SRad^bilbet bamit in 
3ufammenl^ang gebtad^t. SBit motten il^nen bal^in folgen unb 
biejg fül^tt uni^ jut Settad^tung be^ oietten 3ltgumentei^, mo 
mit bie ganje S^potl^efe in il^tem 3ufammenl^ang übetblidten, 
jugleid^ abet, mie id^ l^offe, un^ nod^ mel^t oon i^tet Unl^altbat^ 
feit überjeugen metben. 

2)et ©efid^tj^finn jeigt im Untetfd^iebe oon bem ©el^ötfinn 
gemiffe ©tfd^einungen, bie man ate ©tfd^einungen be^ ful^effioen 
Äonttaftej^ bejeid^net. $at man langete 3^it eine mei^e ©d^eibe 
auf fd^matjem ©runbe fljiett, fo befommt man ein SRad^bilb, 



— 31 — 

wcld^ej^ eine fd^Toarje ©d^eibe auf toei^lid^em ©runbe barflellt. 
gi^ett mott langete 3^it ^ta ®^lb, fo befommt man ein bläust 
lid^ei^, ein 33Iau, fo befommt man ein gelblid^e^ 3la^bxlb. 

SDiefe ©rfd^einungen l^ängen anerfanntermafeen mit ber 
rafd^en ©rmübung beiS ©efid^töfinnei^ jufammen. aber mit ber 
bloßen ©rmübung ifi l^ier nod^ feine genügenbe ©rftärung ge^: 
Wonnen, ©ie mai^t junäd^ft nur ein ©rmatten ber ©mpftnbung, 
nid^t aber ha^ energifd^e auftreten einer anbem begreiflid^. 
2BoIIen mir i^m geredet werben, fo muffen mir annel^men, ba§ 
baj^ äuge, meld^eiS ja jmar rafd^ ermübet, aber fid^ aud^ rafd^ 
erl^olt, biefe ©rl^olung burd^ einen 5ßrojefe ooHjiel^e, ber eben^ 
fafö oon einer ®mpfinbung begleitet fei, unb biefer pi^^fiologifd^e 
^toje§ mu^ bem erften entgegengefefet gebadet merben. SBSar 
jener bie d^emifd^e 2)iffimitation eineiS Organi^, fo mirb biefer 
in einer d^emifd^en Slffimilation ju fud^en. fein; foHte bagegen 
ber erfte in einer Slffimilation beftanben l^aben, fo merben mir 
ben jmeiten ate 3)iffimilationgproje§ benfen müifen. Unb fo 
merben mir fagen, ba§, meil auf ®elb ein bläulid^ei^, auf 
Slau ein gelblid^ei^ SRad&bilb folgt, ber ©elbprojefe jum Slau- 
proje^ mie 35iffimilation jur entfpred^enben Slffimilation ober 
umgefel^rt fid^ oerl^alte. Übermiegt ber eine, fo fielet man 
Slau, übermiegt ber anbere, fo fielet man ®etb. So menig 
aber bie beiben ^rojeffe gleid^jeitig übermiegen fönnen, fo menig 
tönnen 33lau unb ®elb gleid^jeitig empfunben merben. Unb fo 
notmenbig bie beiben pl^^fiologifd^en ^rojeffe bei einer gemiffen 
beiberfeitigen ©tärfe fid^ aui^gleid^en, fo notmenbig lieben fid^ 
bann 33lau unb ®elb gegenfeitig in ber ©mpfinbung auf. 
Offenbar mdre bie^ nun ba ber gaU, mo ba^ SRefultat einer 
aÄifd^ung oon blauen unb gelben ©tral^len, mie oiele fagen, ein 
farblofei^ SBei^ jeigt. Sllfo ifl »laugelb unmöglid^. Sllfo ift 
@rfin nid^t »laugelb. 

35a l^aben mir benn bie ganje Seigre oon ben antagonifiifd^en 



— 32 — 

fjotben, wenn wir, wie fd^on frül^er bemcrft, nod^ l^injufügen, 
bafe tDic ©lau unb @üb anä) SWot unb ©tun für Slntagoniflen, 
unb barum ein Stotgtün ebenfo toie ein 93Iauge(b für unmSglid^ 
erfläxt werben. 

S)ie Sppotl^efe ifi t)on einem auj^gejeid^neten unb iniS^ 
befonbere um bie ^l^pfiologie be^ ©eftd^tiJftnneiJ l^od^oerblenten 
gorfd^er erbad^t. ©ie bringt mand^erlei auÄelnanberliegenbe 
SWomente jur ©inl^eit. Unb fo barf e^ uni8 nld^t wunbem, 
wenn fie t)iele l^reunbe gewonnen l^at. 

S)ennod^ bürfte fie, je genauer man fie betrad^tet, um fo 
mel^r ju Sebenfen Slnlafe geben. 

3unäd^ft, loa« baiJ auftreten beiJ aSeife bei ber aWifd^ung 
oon fpeftralem Slau unb ©elb betrifft, fo l^aben wir eine anbere 
©rflärung gegeben, ©ie läfet fid^ ol^ne ein ©efeft ber Un^ 
oerträglid^feit gewiffer fjarben, loie gejeigt, afe ein gatt ber 
33erbrängung beiber garben burd^ SBeife begreifen, loie ja äl^n^ 
lid^e SBerbrängungen burd^ anberweitige Seobad^tungen gefid^ert 
finb. Entia non sunt multiplicanda praeter necessitatem 
fagt DccamiS burd^ SRewton fanftionierter 2luj8fprud^. Unb fo 
foff man aud^ bie ©efefce nid^t ol^ne SRot oeroielfältigen. 2lm 
bebenflid^fien aber loirb bie« erfd^einen, loenn bie. neuen J^gpo^^ 
tl^etifd^en Slnnal^men fel^r frembartig unb atter Analogie jum 
bi«l^er ©rfal^renen entgegen finb. 

©0 aber ifl e« in biefem gatte. Unter ben SSerbienflen, bie 
fid^ ber grofee 5pi^pfioIoge 3fol^. 3)WlIIer ertoorben, ift lool^I 
ba« oomel^mfte bie SluffteHung be« ©efefte« ber fpejififd^en 
©inne^energie. SWögen einjelne e« aud^ l^eute nod^ in fjrage 
ftetten: bie bebeutenberen %ox\ä)tx Italien mit @ntfd^iebenl&eit 
baran feft unb ftreben, mie id^ fd^on fagte, nur eine nod^ fon^ 
fequentere S)urd^fül^rung an, inbem fie, wa« SIRüIIer für bie 
©attungen, aud^ für bie ©pejie« ber Dualität nad^ioeifen wollen. 
3)anad^ würbe jebe ärt oon ©inne«qualität einem befonberen 



— 33 — 

Organ ate fjunftion jujuwcifen fein. S)icfct Seigre entgegen 
werben l^ier auf gunftionen eine^ unb beiJfelben DrganiS bie 
©inne^qualitaten SBeife unb (Bä)xoaxi, unb ebenfo bie ©inne^^ 
qualitäten Slau unb ®elb fowie diot unb ®rän paartoeife jurild^: 

gefüM. 

3ft bie^ fd^on an fid^ afe aSerftofe gegen ba^ ©efefc ber 
fpejififd^en ©nergie ttroa^ fel^r ©ewagteiS, fo fteigert fid^ bie 
Unwal^rfd^einlid^feit nod^ baburd^, ba§ bie beiben 5Projeffe ent^ 
gegengefefet, nämlid^ ber eine aU S)ifftmilation, ber anbere afe 
äffimilation, gefaxt werben. 6^ oerfiöfet nämlid^, wie aud^ 
Selml^olft l^eroorl^ebt, gegen alle 2lnaIogie be^ fenforifd^en wie 
motorifd^en 3?en)enleben^, ba| eine nertJöfe Seiftung anber^ ate 
burd^ S)iffimiIation gegeben werbe. 

Unb nod^ mel^r, wenn bie pl^pfiologifd^en ^rojeffe entgegen- 
gefefet wären, fo möd^te ntan erwarten, bafe aud^ bie ©rfd^einungen 
in il^rer Dualität entgegengefe^t fein würben, ©o ift t^ nun 
bei ©d^warj unb SBeife in ber 2:at ber gaU. Äeine^weg^ fann 
aber ba^felbe von Slau unb ®elb, SWot unb ®rün gefagt 
werben. 

ferner, nid^t blofe mit bem, wa^ wir fonft auf bem ©inne^- 
gebiete finben, aud^ in fid^ felbft genommen, erfd^eint bie Seigre 
nid^t l^armonifd^. SBenn wegen be^ ©egenfafee^ t)on 2)iffimiIation 
unb entfpred^enber ätffimilation gewiffe garbenpaare unvereinbar 
fein follen, fo mufe man erwarten, bafe bie^ burd^weg^ ftattl^aben 
werbe. S^atfäd^Hd^ aber wäre e^ nur bei jweien ber %aü unb bei 
bem britten nid^t. 2)enn ©lau unb ©elb, SWot unb ®rün foIIen 
unvereinbar, ©d^warj unb SBeife aber im ®rau vereinbar fein. 
2)ieg ift um fo befremblid^er, weil wir e^ gerabe bei il^nen 
allein mit wal^ren ©egenfäfeen ju tun l^aben. 

3u allebem fommt bann nod^ bie Ungenauigfeit in ber 
Sefd^reibung ber 2^atfad^en. ©o wirb, wenn von bem S'iefultat 
ber aWifd^ung von blauem unb gelbem Sid^t gefprod^en wirb, 

SSrentano, SinneSpf^d^oIogtfd^e trogen. 3 



— 34 — 

ber ©tid^ iuiJ ®rüne überfeinen, ben bei aller SBeifeUd^feit bic 
(grfd^einung einem jeben jeigt, ber wie ein SWaler für feinfte 
garbenunterfd^eibungen geübt ifl. Unb roieber, wenn bie SWög^ 
lid^feit t)on SRotgrün allgemein in 2lbrebe gefteHt mirb, werben 
alle jene garbentöne überfeinen, bie (menigften^ für ba^ SWalers 
äuge) beutUd^ genug jugleid^ in^ SWote unb ®rüne fpielen. 

3loä) weniger getreu aber ifl ber Serid^t ^^^^ ^^^ ^^^^ 
bilberfd^einungen. S)enn afferbingiS ift ba^ negative SRad^bilb 
t)on Slau gelblid^, aber e^ fpielt, menn ba^ Slau rein mar, 
fei^i^ beträd^tlid^ in^ SRote, fo bafe man ei8 gerabeju afe Drange 
bejeid^nen fann. Unb ebenfo ijl ba^ negative SWad^bÜb t)on 
@elb jmar allerbingjS bläulid^, aber nid^t rein blau, fonbern 
t)ioIett ju nennen, ©omit fßnnen bie ©rfd^einungen ber 3lad^^ 
bilber burd^au^ nid^t fo, mie t^ für bie S^^eorie münfri^eniSmert 
märe, ate Seftätigung ber fonfi fo prefären annähme betrad^tet 
merben. 

S)ie Sppotin^fe ber antagoniftifd^en färben fd^eint alfo afe 
unhaltbar ermiefen. Unb aHe^ in biefem Argument gegen bie 
pi^änomenale B^fammenfefeung be^ ®rün au^ Slau unb ®elb 
®efagte ift, menn id^ mid^ nid^t fe^r täufd^e, ooffftänbig 
miberlegt. 

SBir motten aber oon bem merfmürbigen ^pi^ä«^^^^ ^^^ 
SRad^bilber nid^t fd^eiben, oi^^e einen SSerfud^ gemad^t ju l^öben, 
bie Slffimilation^i^PPötin^fe fo ju mobifijieren, bafe fie fomoi^I 
mit ben ©rfd^einungen felbft afe mit bem ®efe| ber fpesififd^en 
Energie in ben oermifeten ©inHang gebrad^t mirb. galten mir 
fefi an bem ®efe| ber fpejiftfd^en ©nergie, fo muffen mir fo 
oiele neroöfe Organe, bereu p^pfiologifd^e gunftion eine garben^ 
qualität ift, unterfd^eiben, afe e^ einfädle fjarben gibt, bie un^ 
gefättigten garben ©d^marj unb SBeife mit einbegriffen. S)afe 
biefe S'ieijung bei einer gemiffen ©tärfe unb S)auer ju einem 
SRad^bilb fü^xt, mirb fidler auf rafd^e ©rmübung ber Organe 



— 35 — 

unb aud^ auf rafd^e^ eintreten ber ätfftmifation jurüdjufül^ren 
fein. S)er 3ufamnien^ang mufe aber etwa« üerroidelter fein, afe 
bie eben befprod^ene 2:i^eorie annimmt. 

3unäd^ft natürfid^ l^at bie ftarfe S)iffimUation eine un^ 
geroö^nlid^ ftarfe 2lffimiIation jur golge. 2lber baran muffen 
fid^ bann mieber ©iffimifation^projeffe fnüpfen. 2Bie fönnte 
bie^ nun anber^ gebadet werben, aU bafe ber ftarfe aiffimilation^^^ 
projefe au^ einer Duelle fd^öpft, au^ meld^er aud^ jene Organe 
9k^rung empfangen, bei meldten infolge be^ ftarfen Slffimilation^^^ 
projeffe^ jefet 2)iffimiIatii)n^pro}effe eintreten? 

©teßen mir un^ bie ©ad^e \o t)or! SBie ber ganje Drga= 
ni^mug, fo ift in^befonbere jebe^ nernöfe Organ in fietem glujs, 
in einem fteten ^projefe ber ©elbfterneuerung begriffen. 3m 
gemö^nlid^en 3i^ft<^^i> f^i ^^^ ^^^ benjenigen, bie für uniJ in 
grage fommen, nämlid^ jenen, beren 2)iffimiIation , menn fie 
überwiegt, mit g^rbenerfd^einung üerbunben ift, S)iffimilation 
unb älffimilation in üollem ober annäl^ernbem ©leid^gemid^t. 
Offenbar mufe il^nen bann fort unb fort au^ irgenbmeld^er 3läi)x^ 
quelle ber ©rfafe jufliefeen. @ine fofd^e 9Ml^rquette aber fönnte red^t 
mol^I mel^reren gemeinfam fein. SBenn nun eine^ ber Organe, 
meldte il^re SRäl^rquelle gemeinfam l^aben, befonber^ ftarf 
biffimiliert morben ift, unb infolge baoon ein ftarfer 3lffimi= 
lation^projefe eintritt, fo fann berfelbe in bem ®rabe bie ge^ 
meinfame SRäl^rquelle in 3lnfprud^ nel^men, bafe ber 3teft jum 
Slu^gleid^ ber in ben anbern fortmä^renben ©iffimilation^projeffe 
nidjt au^reid^t. Unb fo mirb bei biefen ein Überwiegen ber 
©iffimilation eintreten fönnen unb ju einer entfpred6enben 
garbenerfd^einung führen. 

^aben mir einmal biefe einfädle unb, mie id^ glaube, nid^t 
blofe nid^t gewagte, fonbern ol^ne SBagnij^ ganj unoermeiblid^e 
Slnnal^me gemad^t, fo lel^rt un§ bie @rfal^rung weiter, bafe wir 
bie Organe ber garbenprojeffe in jwei ©ruppen fd^eiben muffen. 



— 36 — 

t)on toeld&en je eine il^re befonbere SRäl^rquelle l^at. S)ie eine 
bilbet ba^ Organ für ben SBeifeprosefe ntit bem für ben ©d^warj* 
projefe. S)al^er reagiert ©d^warj auf SBeife unb SBeife auf 
©d^warj. S)ie anbem bilben bie Organe für bie garbenprojeffe 
im engeren ©inne ; mögen beren nun brei ober (meil ©rün für 
einfad^ genommen mirb) oier gebadet werben. S)enn alle [teilen 
j. S. beutlid^ mit SWot in SBed^felbejiel^ung. SWot reagiert nid^t 
blofe auf ®rün, fonbem aud^, ba e^ im SBioIett entl^alten 
ift, auf ®elb, unb ba t^ im Orange entl^alten ifl, auf ©lau. 
Slber allerbing^ werben mir nun baraufl^in ju erwarten l^aben, 
bafe auf je eine ber garben alle anbem, fo oiele il^rer aud^ fein 
mögen, reagieren werben. Unb l^ier wirb t^ fid^ jeigen, ob bie 
Seigre, weld^e ®rün afe eine einfädle garbe ftatuiert, im SBorteil 
ober im SRad^teil ift. 

S)a aber fann ba^ Urteil nid^t fd^wanfen. SWit ber Seigre, 
weld^e ®rün au§ Slau unb ®elb jufammengefefet benft, ftimmen 
alle ©rfd^einungen l^armonifd^ jufammen. 2)enn auf Slau 
reagiert faftifd^ Orange, alfo SWot unb @elb ; auf ®elb SBioIett, 
alfo SRot unb »lau unb auf SRot ®rün, alfo »lau unb ®elb. 
SRad^ ber Seigre, weld^e ®rün nid^t au^ Slau unb ®elb ju^ 
fammengefefet benft, fommt man bagegen ju ben mifelid^ften 
S)i^l^armonien. 

S)enn 1) würben auf Stau fowol^l al^ auf ®elb nur jwei 
oon ben brei garben, bie aufeer il^m au^ berfelben SRäl^rquelle 
fd^öpfen,. reagieren, bie britte aber nid^t; 

2) würbe auf S'iot nur eine oon ben brei garben aujser 
il^m reagieren, bie jwei anbem aber nid^t, unb 

3) würbe jwar auf reinem ®elb SWot reagieren, ba td im 
aSioIett neben bem Slau auftritt, aber nid^t umgefel^rt auf 
reinem SRot ®elb. Unb biefelbe Unwa^rfd^einlid^feit würbe fid^ 
jwifd^en »lau unb SWot wieberl^olen, benn SRot würbe auf reinem 
»lau reagieren, ba eg im Orange auftritt, aber nid^t »lau auf 



- 37 — 

teinej^ 3tot (ate fold^e«, wie jefet ^elm^olfc mit öertng gemein^ 
fam feiert, ift nätnlid^ n\6)t ba^ fpeftrafe 3tot, fonbetn Äatmin« 
tot ju bcnfen, beffen SReaftion mit tiid^t befferem SRed^t Slau^ 
grün afe ©elbgtftn genannt werben fann). 

©0 feigen mir benn, bafe mir burd^ bie einjige öppotl^efe, 
meldte ftd^ imfianbe jeigt, jugleid^ bem ©efefe ber fpejififd^en 
©nergie unb ber SRad^bilber geredet ju merben, nid^t blofe nid^t 
baju gefül^rt merben, ®rün afe eine einfädle fjarbe ju ftatuieren, 
fonbern im ©egenteil fogar mit aller SWad^t bal^in gebrängt 
merben, e^ ber älteren 3lnfid^t entfpred^enb für eine pl^änomenale 
3ufammenfeftung t)on Slan unb (Selb ju erflären. 

22. SBir fommen jum fünften 3lrgument. Sier mürben 
jugunften ber eben bekämpften ^l^eorie nod^ meitere Se^: 
fiätigungen gefud^t. S)ie Seobad^tungen an fjarbenblinben follten 
fie liefern. SRun merben ©ie nad^ allem bereite Erörterten jmar 
faum für mal^rfd^einlid^ Italien, bajs fie l^iermit ober mit irgenb^ 
meld^em anbem aWittel ju retten fein merbe. ©ennod^ mirb bie 
Unterfud^ung nid^t unbienlid^ fein, inbem fie un^ jeigt, mie 
man oon unferem ©tanbpunft bie betreffenben ©rfd^einungen 
JU beurteilen l^at. 

aSon ben fjarbenblinbeh, oon benen man bi^l^er Äenntni^ 
l^at, finb einige total farbenblinb, b. ^. fie unterfd^eiben nur 
l^eB unb bunfel, fie feigen nur ©d^marj unb SBeife unb ®rau. 
S)ie aSelt ift il^nen mie ein Äupferftid^. SBir alle finb e^ an 
ber 5ßerip^erie ber SRefcl^aut. 3luj5erbem gibt e^ partiell garben*? 
blinbe. 5Bon il^nen fanb man jmei arten. S)ie bekanntere ift 
bie ber SRotblinben. ©ie fommt relatio l^äufig oor. SBir alle 
finb in einer mittleren 3^"^ unferer SRefcl^aut jmifd^en 3^ntrum 
■unb 5peripl^erie rotblinb. 2)ie anbere 3lrt, bie ber fogenannten 
^elbblinben, ift meniger befannt, feltener unb in ber normalen 
iRefcl^aut nid^t oertreten. 



— 38 — 

^n bejug auf bie SRotbltnbcn fielet nun fefi, bafe ftc aufeer 
bem 9?ot fein ®rün feigen; ftc finb alfo jugletd^ ©rünblinbe. 
©ic bcjeid^nen bic eine ^filfte be§ ©peftrunt^, wo wir 3tot 
unb ®elb feigen, ate gelb, bie anbete afe blau, ©ie feigen 
alfo biefe garben. Unb bie^ fHmmt mit unfern ßrfd^einungen 
in ber mittleren 3o"^« 

3n bejug auf bie fogenannten ©elbblinben fd^eint ebenfo 
itd^er ober bod^ l^öd^fi mal^rfd^einlid^, bafe fie mirflid^ fein ®etb 
feigen, ©ie bejeid^nen bie iQälfte be^ ©peftrum^, meldte bie 
SJotblinben gelb ju nennen pflegen, afö rot. 83on ber anberen 
aber barf man baraufl^in mit SBal^rfd^einlid^feit annel^men, bafe 
fie bort ben 3lntagoniften oon 3tot, ®rün, feigen, fo bafe l^ier bie 
jmei garben gegeben finb, meldte bei ben 3totbIinben fel^len, unb 
umgefel^rt. ©id^er ift, bafe fte in ber anbern Hälfte aud^ nur 
einen ^arbenton feigen, ©o fd^einen benn bie ©elbblinben ju^ 
gleid^ bfaublinb. 

23. 2)iefe 2^atfad^en fd^einen mie gef(^affen, ber ^l^eorie ber 
©egenfarben unb bem äfffimifationj^projeffe 3^^fl^i^ i^ geben. 
S)enn oon il^rem ©tanbpunft aug ermeift e^ pd^ afö notmenbig, 
bafe bie ©egenfarben gemeinfam gegeben finb unb gemeinfam 
f eitlen. 2)agegen finb fie ber 3lnfid^t, monad^ ®rün Slaugelb 
märe, im ftöd^ften ®rabe ungünftig. SBarum, mo fein SRot, fein 
®riln? unb, mo fein ®rün, fein 3tot? SBarum, mo fein Slau, 
fein ®elb? unb, mo fein ®elb, fein Slau? Unb mie erfiaunlid^, 
bafe bie, meldte reinem Stau unb reinem ®elb feigen, fein ®rün 
feigen unb bie, meldte ®rün feigen, meber für Slau, nod^ für 
©elb, morau^ ba^ ©rün jufammengefefet ift, bie göl^igfeit 
l^aben ! Äann man ol^ne bie l^aföbred^erifd^ften öppotl^efen, ja o^ne 
©elbftmiberfprud^ in ber Seigre fid^ mit biefen 5Catfad^en abfinben? 

3fn ber Xat ift ba§ Slrgument, menn man e^ fo l^ört, 
mol^I geeignet, einen ftarfen ßinbrudf ju mad^en. 3lber feine 



— 39 — 

Ätaft fd^toäd^t ftd^ bcbcutenb, tocnn man fid^ flar l^ält, bafe nur 
ein ^eil bcr l^tcr vorgeführten angeblid^en SCatfad^en fo weit 
gejtd^ert ift, baj5 man miffenfd^aftlid^ barauf bauen fann. 

S)ie§ fönnen mir mol^I in betreff ber SRotblinbl^eit fagen. 
©^ ift rid^tig, bie oöHig SWotblinben feigen fein ®rün unb finb 
aud^ auf feine anbere SBeife imftanbe, bie Slnfd^auung non 
®rün au^ il^rem 33Iau unb ©elb fid^ ju bilben. ©ie feigen, mie 
aud^ mir felbft in ber betreff enben Sont nur gelb unb blau. 

3lnbere§ gilt t)on ber anberen 2lrt t)on Slinbl^eit, bie gering 
ate Slau^®elbblinbl^eit fajst. 6^ ift bi^l^er nur ein einjiger 
l^ierl^ergel^öriger gaff genauer unterfud^t^ unb biefer mar ein 
füld^er, mo gering felbft }u bem SRefuItate ju gelangen glaubte, 
ber ^Patient ^aU nid^t blojs fein ®elb unb fein 33lau, fonbem 
aud^ fel^r fd^led^t 3tot unb ®rün gefeiten. Unter fold^en Um* 
ftänben, mo oerfd^iebene, oon einanber unabhängige S)efefte 
gegeben finb, mürbe eS gar menig für ben notmenbigen 3^^- 
fammenl^ang bemeifen, menn er fidler meber ®elb nod^ Slou 
gefeiten l^ätte. Unb felbft bie^ fd^eint für ben, ber affe^ forg^ 
fältig ermägt, meber ftreng ermiefen nod^ ermei^bar. ®r iben? 
tifijierte ben ©inbrud eine^ ©tral^fe, ber un^ ®elb erregt, mit 
@rau; ba^felbe galt für einen ©tral^l, ber un^ ben ©inbrudf 
oon ©lau mad^t, S)arau^ folgt aber nid^t, ba^ er überl^aupt nid^t 
@elb ober 33lau, fonbem nur, bafe er fie nid^t infolge gemiffer 
©inmirfungen fal^, bie un§ ®elb btixo. ©lau erregen. 3)enfen mir 
baran, baj5 in anormalen gaffen burd^ biefelben SBeffen, burd^ 
meldte im einen Df)x bie csgmpfinbung, im anbem bie g^Smp^ 
finbung erregt mirb; xoa^ fielet im SBege anpnel^men, bafe 
garben, bie im gefunben äuge burd^ gemiffe Sid^tmeffen erregt 
merben, in einem anormalen burd^ eine anbere 9lrt oon Sid^t^^ 
xotUm iu ermedEen finb ? S)a^ einjige, roa^ l^iergegen ©id^erl^eit 
bieten mürbe, ber aSergleid^ mit ben entfpred^enb blinberi 5Ceilen 
ber normalen SRefel^aut, ift oerfagt. ®S fielet alfo junäd^ft nid^t^ 



— 40 — 

im aSege, bic Dualität ber gorben, bie biefe 3lrt von Slinbcn 
feigen unb nid^t feigen, anbete ju beuten unb }. 33. anjunel^men, 
bafe fie SWot unb 83lau, aber fein ®rün feigen, xoa^ bann nid^t 
ntel^r für, fonbern gegen gering fpred^en würbe®. 

3fnbe§ fd^eint ein anberer Umfianb eine fold^e älnnal^me 
bebenKid^ ju mad^en; ber ertoä^nte 5ßatient unterfd^ieb aud^ 
nid^t aSioIett von einem gemiffen ©rau unb aud^ feine anbere 
garbe erflärte er für eine 3Wifd^ung jmeier il^m gegebener 
garben. SBenn mir nun annel^men, er l^abe, auf roa^ immer 
für unt)oIIfommene unb anormale SBeife, SRot unb 83Iau gefeiten, 
fo märe ju erwarten, bafe er aud^ eine %axbt ate SWifd^farbe 
ber beiben unterfd^ieben l^ätte. 

2)od^ aud^ biefe unb überl^aupt alle ßrfal^rungen in betreff 
ber garbenblinbl^eit jinb von unferem ©tanbpunft au^ ol^ne 
^rofee ©d^mierigfeit gefefemäfeig ju begreifen. 

beginnen mir mit bem am beften befannten gaUe ber 
fRotblinben. Ql^nen fel^lt aufeer bem diot immer jugleid^ ba^ 
@rün, ba^ ber SRormalfel^enbe l^at. ©emife fönnte man biefen 
forrefponbierenben SDiangel nid^t t)orau^fagen. SBäre e^ aber 
etma^ fo gar ©emagte^, anjunel^men, bajs bie 3lbnormität in 
feinem ©el^oermögen, bie ben 2lu^faII be^ SWot mit ftd^ fül^rt, 
in etma^ beftel^e, xoa^ ba^ S^fto^befommen ber pl^änomenalen 
SKifd^ung oon ©lau unb ©elb überl^aupt unmöglid^ mad^e. 
3d^ fel^e nid^t ein, marum. ^ebenfaH^ fd^iene bie Äorrefponbenj 
biefer jmeiten Sefonberl^eit ungleid^ weniger überrafd^enb, afe 
anbere forrefponbierenbe Snberungen, bie mir mit äufeerfier 
Siegelmäfeigfeit auf bem ©ebiet be^ 2^bm^ bemerfen, mie j. 33. 
baj5 meifee Äafeen mit blauen äugen taub flnb. S)od^ mir 
bürfen e^ nid^t oerfäumen ju erproben, ob fid^ unfere aSermutung 
über bie SBeife be^ gefefemäfeigen 3^fömmenl^ang^ jmifd^en 
mangelnbem SRot unb mangeinbem ©rün burd^ anbere ®r^ 
fal^rungen beftätigt finbe. 



- 41 — 

3n bcr 2:at ifi un^ btö ju einem gemffen aWafe ein SKittel 
jur aSerififation geboten. SBir fallen, bafe e^ aufeer bem dioU 
blinben nod^ eine befonbere 9lrt von garbenblinbl^eit gibt, wo 
ber 5ßatlent l^öd^ft wal^rfd^einlid^ fein ©elb, wol^I aber SRot unb 
aufeerbem eine anbete garbe fielet, von ber wir annel^men 
bürfen unb von unferm ©tanbpunft annel^men muffen, bajs e^ 
blau fei. SBenn eg nun rid^tig ift, bafe ber Stotblinbe batum 
fein ®rün fielet, weil er, obrool^I er beibe ©lemente fielet, fie 
nid^t jur aWifd^ung bringen fann, fo wirb Sl^nlid^e^ aud^ beim 
©elbblinben ju erwarten fein. Unb obmol^I biefer 3tot unb 
Slau fielet, mirb er unfäl^ig fein, SSioIett ju feigen. S)a l^ätten 
mir benn eine 3lrt von experimentum crucis. 

Unb fiel^! e^ entfd^eibet, fo meit feine Äraft reid^t, ju 
unfern ©unften. 2)er einjige unterfud^te ©elbblinbe, ber nad^ 
unferer 3lnnal^me oon einfad^en färben nur 3tot unb ©lau 
fal^, fal^ bod^ fd^led^terbing^ fein SSioIett. @r ibentifijierte itid^t 
blofe, xoa^ mir SSioIett feigen, mit einem gemiffen ®rau, fonbern 
begegnete überl^aupt nirgenb^ einer garbe, bie il^m aU 3Kifd^ung 
ber beiben i^m eigenen garbentöne erfd^ienen märe, ©omit 
beftätigt pd^ (fomeit bie SWangell^aftigfeit ber bi^^erigen ©r^ 
fal^rungen e^ juläjst) ber oon un^ oermutete, allgemein gefefe=: 
lid^e 3itfömmenl^ang. SEBem eine garbe fel^lt, bem fel^It 
aud^ bie 3KögIid^feit jur pl^änomenalen 3Kifd^ung 
ber beiben anbern, bie er nod^ l^at. ©oute einmal 
einer gefunben merben, ber blaublinb märe, mäl^renb il^m rot 
unb gelb ftd^tbar finb, fo mage id^ ju propl^ejeien, bafe berfelbe 
mie ba§ SBIau aud^ ba^ Drange nid^t ju feigen imftanbe 
märe®. 

Unb fomit l^at mleberum unfere ätuffaffung ol^ne iebe 
allju mifelid^e Slnnal^me fid^ aud^ l^infid^tlid^ ber ©rfd^einungen 
ber garbenblinbl^eit aU burd^fül^rbar ermiefen. 



— 42 - 

24. @o wären bcnn atte gcgnetifd^en 3lrflwtnente gefallen, 
bi^ auf etne§, weld^e^ iugleid^ unter aßen ba§ fd^wäd^fle genannt 
werben barf. SEBerfen wir aud^ auf biefe^ einen SBIid ! 

SBenn wir ba^ Sid^t im fpeftralen görbenfäd^er mel^r unb 
ntel^r abfd^wäd^en, fo oerfd^roinben gewiffe garbennuancen, 
TOcil^renb anbere junäd^fl nod^ fortbeftel^en. Unb in biefen, 
meinten fd^on Sejolb unb Srüde, unb meint aud^ fielml^oll, 
aud^ nod^ in feiner tUn erfd^ienenen 2. 9luflage ber 5pi^9fio^ 
logifd^en Dptif, muffen wir mol^I bie Urfarben, alfo (nad^ 
unferer 3luffaffung) bie einfad^en garben vermuten, ©ine von 
benen, bie bleiben, ift nun ®rün. 9lIfo ifi ®rün eine einfädle 
garbe unb nid^t eine pl^änomenale HRifd^ung t)on Slaugelb^^. 
3d& l^abe biefeiS Argument von t)oml^erein afe ba^ fd^wäd^fte 
unter allen bejeid^net, unb ©ie werben mir mol^I unbebenflid^ 
beiftimmen. S)enn roa^ fann unfid^erer al^ eine fold^e SSer^ 
mutung fein? SBie leidet fönnte eg gefd^el^en, bafe auig irgenb- 
weld^em ©runbe in bem, xoa^ julefet bleibt, SWifd^farben t)er= 
fc^mimmen. SBoIIen wir eine empirifd^e Seftätigung biefer 
Semerfung, fo befifecn mir fie oollauf in ben bioergierenben 
unb ungereimten SWefuItaten, ju meldten man auf biefem SBege 
t)orgel^enb gelangt fein mtll; bejeid^nenber SBeife aber immer 
im ©inflang mit ber augenblidKid^ vorgefaßten SWeinung. ©o 
famen Sejolb unb SBrüdfe ju bem ©d^lujs, bie Urfarben feien 
SRot (im ©inne be^ fpeftralen SWot, alfo genau gefprod^en 
©elblid^rot), aUioIett (alfo SRotblau) unb ©rän. ^etm^olfe aber 
fommt neuerbing^, nad&bem er au^ anberen ©rünben bem 
fpeftralen 3tot ein nid^t mel^r gelblid^eg S'iot, nämfid^ Äarminrot, 
unb bem SSioIett 35lau fubftituiert l^at, nun ju biefem 3tot unb Slau 
unb außerbem moju? — etma ju ®rün? — nid^t bod^, fonbem, 
mie er fid^ au^brüdft, ju einem gelblid^en ®rün, alfo ju etma^, 
xoa^ mieber, aud^ nad^ ber 3Wel^r}al^I unferer ©egner, beutlid^ ben 
e^arafter pl^änomenaler B^f^mmenfefeung mit ®elb an fid^ trägt. 



— 43 — 

SBenn ©ie in 61^ct)rculg garbcntafeln bie Slbbilbung bet 
©tfd^einutigen betrad^ten, werben ©ie bann nod^ mel^r ertennen, 
bafe auf biefem SBege fein irgenb fröftige^ Slrgument pro ober 
contra }u gewinnen war unb ift. 

25. ©0 l^aben wir benn bie ©inwänbe fämtfid^ prüfenb 
bur($Iaufen, unb id^ l^offe, ©ie l^aben fid^ mit mir baoon über^ 
jeugt, bafe feiner oon il^nen ftid^^aftig ift. Unb fo bleibt benn 
bie alte Slnfid^t, wonad^ @rün pl^änomenal au^ Slaugelb be^ 
fielet, ^eute ebenfo gut möglid^, afe fie e^ jemals gewefen ift. 

SBenn aber bie^, fo fönnen wir fd^on um beiSwillen, wa§ 
wir im Slnfange erwogen l^aben, nid^t uml^in, bem untere: 
fd^eibenben äuge mel^r afe bem nid^t unterfd^eibenben, unb bem 
geübten Urteile ber SDialer mel^r afö bem oon fold^en, bie nid^t 
al^ garbenfünftler jebe feinfte SRuance ju bead^ten gewöl^nt finb, 
ju oertrauen. 

S)od^ }u biefem Slrgumente jugunften ber B^f^mmen^^ 
fefeung be^ phänomenalen ©rün au^ 33lau unb ©elb finb im 
aSerlaufe unferer Unterfud^ungen nod^ anbere, unb fel^r ge^ 
wid^tige, l^injugefommen. 3fd^ barf nid^t fd^liefeen, ol^ne bie 
^auptmomente furj in Erinnerung ju bringen. 

1) ©elbe^ unb blauet Sid^t gemif($t erjeugen nid^t reinem 
fonbem für ben fein Unterfd^eibenben beutlid^ genug ein etwa^ 
grünlid^e^ SBeife. S)ag 9luf treten be^ SBeife beweift, wie wir 
fallen, l^ier weber für nod^ gegen, ba^ eingemifd^te ©rün aber 
entfd^ieben für un^. S)enn Wolter biefe^? 3laä) einem aH^ 
gemeinen ©efefee ift bie aWifd^farbe jweier einfad^er garben, 
oon ber SBeijslid^teit unb ©d^wärjlid^feit abgefel^en, eine 
3Kifd^ung ber Komponenten; alfo erfd^eint l^ier ba^ ®rün aU 
aSlaugelb. 

2) Sei anberen S^f^^^^^^f^l^ngen au^ Slau unb @elb 
auf obieftio^ubjeftioem ober rein fubjeftioem SBege, finben wir 



— 44 — 

baj^felbe, unb um fo beutlid^er, tocU l^icr bie 3)lif(i^erfd^cinun8 
weniger burd^ ungefättigte ^öne üerfd^Ietert ifl 

3) S)ie ©rfd^einungen beiJ fulfeeffioen Äontrafie^ btängen 
mit einer fd^ier imabmei^baren ©emalt jur ännal^me, bofe 
©rün Slaugelb fei. SRur fo lommt l^ier Harmonie in aUe^. 
Unb in^befonbere ftnb mir nur fo imftanbe, bem ©efefee, ba§ 
jebe neroöfe Seijlung an einen SJiffimifation^projefe g^^öpf* 
fein muffe, geredet ju werben unb ba^ ©efefc ber fpejififd^en 
©nergie ju oolHommen fonfequenter S)urd^fäl^rung ju bringen. 
S)enn e^ ift ganj offenbar, bafe bie^ meber ber ^oung^iQelm^ 
l^ütlfd^en noä) ber ^eringfd^en öppot^efe gelungen ifi. 3laä) 
unferer bagegen unb auf ©runb ber 3lnnal^me ber 3^föntntens: 
fefcung non ®rün aug »lau unb ®elb erreid^ten mir bie^ ol^ne 
iebe ©d^mierigfeit. 

4) ©nblid^ nod^ ein^. 2Bir maleren auf biefe 9lrt aud^ 
meitauj^ beffer aU alle anberen in ben mefentlid^ften Sejiei^ungen 
bie 3lnafogie be^ ©efid^W mit anberen ©innen, in^befonbere 
bem ^onfinn. SBeber fielml^olfc fonnte bie^, ba er jebe 
SBilbung non SWifd^qualitfiten leugnete, nod^ gering, ba er in 
l^öd^ft auffälliger SBeife im allgemeinen bie SSermifd^barfeit }u* 
geftanb, aber für jmei 5ßaare non Dualitäten afe unmöglid^ in 
älbrebe fteHte. 3?ad^ un^ fönnen burd^meg j|e jmei garben mie 
je jmei ^öne gemifd^t merben; ja bie aWifd^ung aller fünf garben 
ift unter Umftänben möglid^, mie fie benn aud^ in ber ©rfd^ei^^ 
nung be^ Dliogrün, ba^ gleid^jeitig in ©d^marj unb 9Bei§ 
unb 3tot unb ©lau unb ®elb fpielt, fld^tlid^ gegeben ift. 

S)ag alfo finb gemife mäd^tige SSerififationen, bie ba§ bireft 
burd^ innere Seobad^tung ©efunbene betätigen. 

26. 2Benn mir nun aber für biefe 3luffaffung ben an? 
fprud^ ergeben, bafe fie überfommene Qntümer berid^tige, fo 



— 45 — 

fönnen toir nid^t uml^in, ben frül^eren %ox\ä)nn, un^ in tocfent' 
lid^en ©tüdcn jum 2)anf oerpfUd^tet ju bcfenncn. 

©0 war e^ fidler ein genialer unb lid^tooller ©ebanfe t)on 
2:i^oma^ ?)oung auf ®runb be^ ©efe^e^ ber fpejififd^en ©nergie, 
ba§ er auf bem engeren ©ebiet be^ ©efid^t^finn^ fd^on vox 
^o\). a)lüller aufgeftellt, ja feiner au^gebilbet l^atte, bie fj^age 
nad^ ber 3^^! ber einfad^en %axbtn t)on ber grage nad^ ben 
Slrten ber lid^treijenben ©tral^len ju fonbern, urfprünglid^ fogar 
rid^tig bie brei Älaffen: 3tot, SBfau unb @elb unterfd^eibenb. 
3lber ba^ ©d^roarj unb ba§ SBeife waren babei unberüdffid^tigt. 
^^x aiuftreten erfd^iene aU ein SSerftofe gegen ba§ ©efefc ber 
fpejififd^en Energie. 

^elml^olfe f)at bag aSerbienft, bie Sebeutung t)on ^oungg 
©ebanfen juerft üoHauf begriffen unb in^befonbere burd^ bie 
glüdlid^e Übertragung auf ba^ 2^ongebiet burd^ Slnafogie wefent^ 
lid^ geftüfct ju l^aben. S)en SSerftofe gegen ba^ ©efefe ber 
fpejififd^en ©nergie beim SBeife liefe aber aud^ er beftel^en, unb 
beim ©d^marj l^at er gerabeju feine pofttioe 3?atur gänjUd^ 
nerfannt. 

Sier ift e^ ba^ grofee SSerbienft fieringiS, auf ben gel^ler 
l^ingeroiefen ju l^aben. Seiber f)at er burd^ feine 9lffimUation^= 
l^t)potl^efe bann feinerfeit^ mieber nid^t minber empfinblid^ ba§ 
©efefe ber fpejififd^en ©nergie nerlefet. 3lber gerabe burd^ fte 
f)at er, ba mirÄid^ bie 2lffimiIation^pro5effe jur ©ntftel^ung ber 
3iad^bilber non Sebeutung finb, ber rid^tigen 3luffaffung fräftig 
aSorfd^ub geleiftet. 3?ebftbem ift bei il^m ein grofee^ aSerbienft 
bie energifd^e a3etonung beffen, roa^ ba^ pl^änomenale SSilb 
bietet. SBenn e^ il^m aud^ begegnet, bie 3wf<iwmenfefcung im 
©rün nid^t ju erfennen, im 5ßrinjip gibt er benjenigen red^t, 
bie, a3fau unb ©elb barin fd^auenb, fid^ an ber 3wf^tnmen= 
fefcung nid^t irre mad^en laffen. ©o fielen mir feine^meg^ in 
fo fd^roffem SBiberfprud^ mit gering, atö e^ auf ben erften Slidf 



— 46 — 

fd^einett m6ä)tt. Unb e* getetd^t mir ju bcfonberer Sefriebigung, 
ju fonftatietett, bafe bie Stcfultate feiner gorfd^ung jtoar nid^t 
unntobiftjiert, aber bod^ im mefentlid^en unb fobann um ]o 
geftd^erter befleißen bleiben, ha gemiffe Anomalien unb 3Biber== 
fprüd^e mit ben ®rfd^einungen befeitigt ftnb. 

S)afe id^ mid^ aber jugleid^ freue, bafe aud^ unfer ©oetl^e, 
im ©egenfafee ju bem, wa^ man jeftt gemeiniglid^ glaubt, in 
unferem gaffe feinen gefunben objeftipen Slirf bemal^rt l^at, 
werben ©ie aud^ oerftel^en, ja, menn id^ fo glüdflid^ gemcfen 
fein foffte, ©ie ju überjeugen, bic greube barüber mit mir 
teilen. 



^(ttttterfttttgen. 



1 (©. 4). 3Bic bic gelben ©tra^Ien r>om S3Iau unb bie blauen 
vom ®elb abforbiert werben, fo werben aud^ bie roten ©tral^Ien 
nid^t ungefdjäbigt burd^gelajfen. @in 5CeiI oon il^nen gel^t beim 
©urd^gang burd^ baS S3lau, ein anberer beim 3)urd^gang burd^ baS 
®clb verloren. 

2 (©. 8). SSefonbcrS afe ^intergrunb ift ein fold^cr rötlid^» 
grüner %on bei großen 9RaIern beliebt. S^ijian l^at auf bcm be= 
rül^mten Silbe in ben Florentiner Uffijien, weld^cS au^er ber 
SKabonna unb bem ^e\n^' unb S^i^anncSlinb SlntoniuS ben 
©remiten barfteKt, l^inter il^nen einen weiten rötlid^grünen 33or= 
l^ang auSgefpannt, ber (bem natürlid^en ®efe^ ber garbenabbunllung 
entfpred^enb) in ben l^ellen 5CeiIen me^r inS Slötlid^e, in ben 
bunf Icn mcl^r ins ©rünlid^e gel^t ; unb auf bem Sionarbo ba Sinei 
gugefd^riebenen ©emälbe im ^upiterfaal ber ©aKeria 5ßitti bebient 
fid^ ber SKeifter beS gleid^en SKittefe, um baS fd^önc meiblid^e 
SilbniS ju lieben. Unb fo foroo^I biefe als anbere gro^e Äünftler 
in ungejäl^Iten %'düen. 

3)er Hinweis auf foldje SSeifpiele f^ien mir geboten, um ben 
Segriff, ben id^ mit Dliogrün oerbinbe, Ilar ju macl^tn. 3)crfelbe 
l^at äl^nlid^ wie ber Segriff Siolett, ber aKe Übergänge jwifd^en 
Slot unb Slau umfaßt, einen fe^r weiten Umfang. 2Benn bic 
Sefd^ränlung auf geringe ©rabe ber Sättigung il^n minbert, fo 
wäd^ft er anberfeits (wenn wirlK^ ®rün auS Slau unb ®elb 
beftel^t) infolge ber burd^ ben ©intritt eines britten ©lementS oer« 
grö^erten 9WanntgfaItigIeit ber Äombinationen. 



- 48 - 

3 (©. 21). S'^i^^wt wir bieS fagcn, nehmen toir nur auf 
bic a^önc im engeren ©tun, nid^t auf ben ©infd^Iu^ ganj un= 
gefättigter S^onelemente SlüÄftd^t. 33gl. unten ben Vortrag über 
bic Slnalpfc ber 2;onquaUtäten in il^rc eigentlid^ erften SIcmcntc. 

4 (©. 22). @ine in geroiffer SBeife Derroanbte ©rfd^einung 
^aben wir aud^ in ben mel^rfad^ beobad^tcten gäKen, wo berfelbe 
2:onrcij in bem einen Df)V eine beträd^tlid^ l^ö^ere, ja um eine 
ganje Duint abfte^enbe 2^onempfinbung l^eroorricf als in bem 
anbern. 

5 (©. 28). SJlan mu^ ben l^icr bel^aupteten SlntagoniSmuS 
geroiffcr färben mo^I unterfd^eiben von jener Unoerträgli^Ieit, bie 
wir felbft im SSorauSgel^enben für jebe ^arbc gegenüber jjcber 
anbern behauptet l^aben. 2)iefe befagte^ ba^ berfelbe 2^eil bed 
©inneSraumeS nid^t glcid^jeitig oon jroei färben erfüttt fein lann. 
3Son ben „antagoniftif^en" färben bagegen wirb aud^ nod^ ge= 
leugnet, ba^ fie ft^ ju einer 9Rel^rfarbe vereinigen fönncn, roaS 
nad^ unferer ©rllärung ber SJlc^rfarben nid^ts anbereS fagen will, 
als ba^ fte ftd^ ni^t in unmerllid^ Ileincn a^eild^cn in einer Sr= 
fd^einung vermengen lönnen, bie bann ate Oiani^^ beutlid^ in bie 
eine wie anbere ^arbe fpielt. 

6 (©. 30). SSerfudJe, bie «ßrof. Dr. 21. fUlartp an ber 
bcutfd^en Unioerfttät ju 5ßrag lurj barauf aufteilen lic^, fül^rten 
ju gleid^em ©rgebniS. 

7 (©. 39). 3w biefem mir jur 3cit beS SJortragS aKein be= 
fannten %aü mar bereits ein jroeiter l^injugefommen, unb in ben 
von SBunbt l^erauSgcgcbenen ^pi^ilofopl^ifd^en ©tubicn VIII, Seipjig 
1893 mitgeteilt morben. Unb biefer erlangt babur^ eine ganj 
bcfonbere SSebeutung, ba^ nur baS eine Sluge farbenblinb, baS 
anbere normal, unb fo jebe ©efal^r äquivofer Benennungen auä« 
gefd^Ioffen mar. 2Bir merben in einer folgenben Slnmerlung auf 
i^n jurüdtfommen. 

8 (©. 40). SBäre id^, afö id^ ben Vortrag l^ielt, fd^on mit 
ber in ber vorigen Slnmerlung berül^rten Slb^anblung belannt ge= 
mcfen, fo ^ätte id^ ^ier cnergifd^er fprcd^cn lönnen. 3)cr in bem 
VIII. S3anb ber von SBunbt l^erauSgegcbenen ^ßl^ilofopl^ifd^en 



— 49 - 

©tubictt mitjetciltc %aü cincä cinfcitig ©clbBIinben Kc^ aufä un= 
jwcifcl^aftcftc lonftaticrcn, ba^ bic von feinem anormalen SCugc 
au^cr Slot gefel^ene einfädle ^arBe tatfäd^Iid^ ni^t ®rün, fonbern 
Slau mar. SBir mcrben aus bcm SSertdJt Dr. Äirfd^mannS über 
bicfe feine fo inftrultioen SeoBad^tungen im 2In^ang nod^ einiges 
SBeitere mitjuteilen unä erlauben. 

9 (©. 41). (Senau gefprod^en, müßten t)on biefem ®efe^ 
fold^e ^äKe ausgenommen werben. Bei meldten baS Sid^t fel^r ftarf 
l^eraBgefe^t ift, nur ba^ Bei biefen natürlid^ bie Beiben farbigen 
©lemente fel^r fd^road^ unb burd^ ungefättigte S3eimifd^ungen oer- 
unreinigt erfd^einen. SDiefe SluSnal^me Beftcl^t aBer nid^t BIo^ Bei 
©elbblinben für SBioIett unb eoentuett Bei SSIauBIinben für Drange, 
fonbern aud^ Bei Slotblinben für ®rün. gering felbft Berid^tet im 
Slrd^io für Ophthalmologie (XXXVI, 3, ©. 1), ba^, mo Bei großer 
$eKigfeit nur ®elb unb S3Iau, bei geringerer aud^ ®rün gefe^en 
würbe. 2Bie bieS mit feiner Seigre oon ben antagoniftifd^en färben 
in Sinflang ju Bringen fei, ift fd^roer abjufe^en; mie eS ftd^ oon 
unferem ©tanbpunft begreifen, ja aufS fdjönfte einer aKgemeineren 
Srfal^rungStatfad^e unterorbnen laffe, werben mir im Slnl^ang jeigen. 

10 (©. 42). §eIm^oI^ 470. 



Stentano, Ginnedpfi^d^otogifd^e ^agen. 



r 



über 3n5imöuation, 

multtple (Dualität mb 3nten(itat 

(innlid|er (Er(d)einungen. 

Dortrag, 

gehalten auf öem 3^temattonaIen Kongrefe für Pfi)d)oIogie 
in münd)en am 7. fluguft 1896. 



4* 



1. S)te ^f^d^ologen, in fo man^tt anbeten efnfad^en %taq,t 
miteinanber im aBiberftteit, l^oben an^ übet bie ®jlflenj aVi^ 
gemeinet Segtiffe ftd^ nod^ nid^t geeinigt. SSetfele^ tjetwitft 
fie, unb t)iele pfli(|ten feinen 3lu8fül^tungen bei; anbete etHfiten 
il^te Slnnal^me füt fd^Ied^tetbingiJ unetlfifelid^. 

S)od^, wenn bet fd^arfftnnige ©ngWnbet (im 3Botte mel^t 
als im Oebanfen) mitflid^ tttoaS ju meit gegangen ijl: eineä 
iebenfaDtö J)at et etmiefen — unb au^ bie üotnel^mfien SSets^ 
teibiget bet allgemeinen 83egtiffe geben e« atö ettoiefen ju — : 
-et l^at gejeigt, bafe attgemeine aSotfiettnngen nut im fiinblid 
auf @injelt)0tfiellungen möglid^ Rnb, in meldten mit gemiffe 
^üge in älbfttaftion von anbeten untetf(|eiben. S)et aSetftanb, 
lel^tte in biefem ©inne fd^on ätiftotele», benft feine Segtiffe in 
ben ^l^antaSmen. 

©0 fann benn bie ©mpfinbung, fo gemi§ fie 
t)ie ©tunblage be« geijligen Seben^ ift, ben ®l^ataftet 
•einet allgemeinen SSotfiellung nid^t ttagen. 

2. SBenn nun bet Qnl^alt bet ©mpfinbung inbitjibuett 
betetminiett ift, fo ftagt fid^, maiJ fie inbimbualiftete. 

©ie entl^ält eine 3RannigfaItigfeit t)on SefHmmungen. 
-^elml^olft J)at ganj allgemein ,,3Wobalitclt" unb „Dualität'' 
batin untetfd^ieben. ®ine genaue Snal^fe etgibt, bafe bet fie 
lomplijietenben SWomente nod^ mel^tete finb. 

fiat man bie Otunbflaffen bet ©mpftnbungen gefonbett, fo 
ifigt fid^ in lebet äuget bet eigentfimlid^en SRobalität^ meldte 



— 54 — 

bet ©ruppe ben gemeinfotnen ©^arofter gibt, ein fiell wnt> 
©unfel, femer eine gntenfität, unb bei gewiffen baju ge^ 
l^örigen ©rfd^einungen oud^ ein Äolorit mit l^öl^erem ober, 
geringerem ©ättigungiSgrab aufn)eifen^ 

2)od^, fo t)iele Seflimmungen mir l^ier oufgejäl^It, feine t)on 
il^nen vermag, inbem fie (ben Qnl^alt bereid^emb, ben Umfang 
b'efd^rfinfenb) ju beh anberen tritt, ber ©mpfinbung Snbioibuation 
ju geben. @iJ jeigt jid^ t)ielme^r, bafe eine 3}tz^xf)txt t)on 
Ömpfinbungen, meldte in allen ermäl^nten 83ejiel^ungen überein* 
fiimmen, red^t mo^I benfbar bleibt, ©o mufe benn nod^ 
ein anberen beterminierenbeiJ SWomentin ber 
©mpfinbung t)orl^anben fein. 

3. ^elml^olfc l^at, mo^ bie ®mpfinbung betrifft, bie 
5ßfpd§oIogen in jmei ©ruppen gefd^ieben, inbem er bie einen 
afe ^^^latiolften", ben anberen ate „©mpiriften" gegen* 
überfteate. 

3u ben „S'latioiften" gel^ören bie, meldte glauben, bafe bie 
©mpfinbung afe fold^e immer, mie eine qualitative, fo aud^ eine 
räumlid^e Seftimmtl^eit enthalte. 3ebe garbenempfinbung, jebe 
S)rudempfinbung u. f. f. foC nad^ ben 9?atit)iften jugleid^ eine 
Siaumempfinbung fein. 

2)ie ©mpiriften erl^eben l^iergegen SBiberfprud^ ; ja, fte gelten 
in fd^roffem ©egenfafc ju ben ^latiüiften fo meit, bie räumlid^e 
Seftimmtl^eit t)on ieber ©mpfinbung afe fold^er gänjlid^ au8* 
jufd^liefeen. 

%üx bie Qnbimbuation^frage, man erfennt eiJ leidet, ifl 
biefer Unterfd^ieb ber Slnfid^ten t)on mefentlid^em Selange. 

SBer bem ^latit^iiJmu^ anl^ängt, bem mirb ba^ räumlid^e 
aRoment, baiJ er im Qnl^alt ber @mpfinbung beterminierenb ben 
übrigen Seftimmungen gefeilt, aud^ afö 3nbit)ibuationiSprinji|> 
für fie gelten; jmei gleid^jeitige unb aud^ in allen anberen an^ 



— 55 — 

gebbaten öejiel^uttgen gleid^l^eitlid^e ©mpftttbungen jeigen fid^ 
ja immer burd^ Sofalifotion menigfiett^ üotteinanber üerfd^ieben. 
Unb fo ergibt fid^ benn t)om natitJifitifd^en ©tanbpunft bie 83es= 
antmortuttg unferer grage t)on felbfi, ol^ne Jebe weitere Äom^ 
plitation ber fippotl^efe. 

S)ie ©mpirijlen bagegen, menn fie bie grage äberl^aupt 6e^ 
ad^tet l^ätten, mürben l^ier auf eine ungeal^nte ©d^mietigfeit 
gejiofeen fein. 

2)ie ©mpfinbung benft aud^ ber ©mpirift ate Anfang bei? 
geiftlgen Seben^. S)ie räumlid^e aSorftettung bagegen foll nad^ 
i^m erji afe golge mannigfad^er ©rfal^ng pd^ entmidfeln. 5Run 
fann aber nad^ bem, moiJ mir über bie allgemeinen aSorftettungen 
gefagt, bie ®mpfinbung nie anber^ ate inbitjibualiftert beflanben 
l^aben. 3lIfo mar fie aud^ jur 3^it beginnenber geifttger ®nt^ 
midflung inbiüibualifiert, unb bamafe menigften^, ol^ne bajs 
räumlid^e 83eftimmungen il^ bie S)etermination Ratten nerleil^en 
fönnen. 

3a aud^ fpfiter, mo nad^ ber 3)leinung ber ßmpiriften in 
bem, voa» fie SBal^mel^mung nennen, bie SRaumtJorftellung mit 
ber ©mpfinbung burd^ bie ftärfften SSanbe ber 2lffojiatiDn vtt^ 
fnüpft erfd^eint, — aud^ bann, fage id^, mürbe fie nid^t etma« 
fein, roa», mie eine inbiüibualifierenbe S)ifferenj, jur ©mpflnbung 
innerlid^P gel^örte, fonbem etma^, xoa& fojufagen oujserlid^ ju 
i^r afe unabl^fingig SSefiel^enbe^ l^injuläme. 

äluf eine rcUtmlid^e 83efiimmung alfo mirb bei ber grage 
nad^ bem 3nbit)ibuationi^prinjip ber @mpfinbung ein ©mpirift 
nid^t ol^ne ©elbftmiberfprud^ fid^ berufen fönnen. 

3Benn barum äße frül^er aufgejäl^lten beterminierenben 
3Romente ol^ne bie SRaumbefHmmtl^eit jur QnbimbuatiDn nid^t 
auiJreid^ten, fo bleibt bem ©mpirifien nid^t« übrig, afe an»^ 
junel^en, bafe außer il^nen nod^ ein anbere^ in ber reinen unb 
urfprünglid^en ©mpfinbung tjorl^anben fei, meldte« ba^ leifte. 



— 56 — 

xoa» m^ ber potn Gmpiriften abgelehnten natitH^fd^en ^ppotl^fe 
bte SRautnbeftitnmtl^eit leifien würbe. 

aßoiJ aber follte biefe^ anbete fein? — 3« ber (grfal^ng 
weife niemanb etwa» bafflr aufjuweifen. Unb fo wirb benn 
bet @mpitift e^ butd^ Qr)potJ)t\t ate ettoca, voai unbemerft in 
unferem 83en)ufetfein vox^anhtn fei, fiatuieren muffen. 

S)a etfd^eint e« benn t)on 83ebeutung, bafe bie ©nfül^ng 
eine« gewiffen rein filtitjen SWoment« in ba« ©mpfinbungi^ebiet 
üon ben ©mpirifien, ober wenigjlen« t)on bem einflufereid^jien 
unter il^nen, auf ben aud^ ber 3lamz fid^ jurüdffül^rt, tatfäd^lid^ 
fd^on au^ anberem ©runbe üolljogen worben ijl. 

fielml^olfc l^at bei ber ©ntftel^ung ber „SBal^el^mung", 
wenn lein räumlid^e^ ©ontinuum int eigentlid^en ©inne, fo bod^ 
etwaig if)m SlnalogeiJ oorauiSjufefcen für nötig gefunben. Sr fal^ 
ein, bafe er für bie äffojiation ber rfiumlid^en 83efHniniungen 
Sln^alt^punfte (nad^ SofeeiJ Slü^brudE ,,SolaIjeid5en'0 nötig l^abe, 
unb bofe er biefe, unt bie Seid^tigfeit ber Orientierung ju be^ 
greifen, mit ber SieijfteHe ber 3lefcl^aut (unb natürlid^ auiJ 
gleid^em ©runbe aud^ onbermdrtiS) nad^ Sänge unb Streite fietig 
t)ariierenb benfen muffe. 

SBenn ber ®mpirifi, um ber ^nbimbuation ber ©mpfinbung 
geredet ju werben, ju ber fiftit)en Slnnal^me eineiS befonberen 
aWomente^ greifen mufe, fo wirb er fonad^ wenigfieni^ bie ®in* 
fül^rung eine^ neuen filtioen aWomentiJ pd^ erfparen lönnen, 
inbem er oielmel^r auf jjene^ änalogon ber räumlid^en 85e^ 
fümmt^eiten, auf bie ,,SofaIjeid^en" oerweift. Sr brandet fte 
nur, um fie bem befonberen Slebürfniffe genügen ju laffen, wie 
in anberen Sejiel^ungen, fo aud^ barin ben SRaumbefümmtl^eiten 
be^ 5Ratit)ijien analog ju benfen, bafe er fle, mit ben übrigen 
SRomenten be^ ©mpfinbung^inl^alt^ fonfrei^ent, benfelben inbioi« 
bualifieren läfet. 

©^ ift taum JU bejweifeln, bafe fielm^olfe bie SnbioibuatiomJ* 



— 57 — 

frage, wenn überl^aupt betüdljiid^tigt, auf biefem SBege ju Idfen 
gefud^t l^aben würbe. Ob x^n freilid^ bereu SSerfoIguug bauu 
uid^t, wie ju etuer ©rgänjuug, fo aud^ ju maud^er Umbilbuug 
feiuet Slujid^teu gefttl^rt l^ätte, ba^ ifi, xoaS id^ uid^t ate uumal^r- 
fd^eiulid^ bejeid^ueu mdd^te. SSiedeid^t "fyatU er fd^ltegltd^ fogar er- 
fauut, baß, wer etooi^, voa^ er tu alleu Sejiel^uugeu bem dtänm^ 
lid^eu aualog beuft, tu ftd^ feI6er uid^t }u feuueu eiugefitel^t, aud^ bie 
aWöglid^leit, bafe e« gerabeju etwo^ SRäumlid^e^ fei, jugeftel^eu muffe. 

2)od^ ol^ue l^ier jwifd^eu 3latit)i8muiS uub ©mpiri^muiJ eut^j 
fd^eibeu ju woHeu, foufiatiere Id^ üielmel^r uur, bafe uad^ bem 
©efagteu pd^er weuigfieu^ iu eiuem erweiterteu ©inue x>on 
eiuem ,,®mpfiubuugiJraume" gefptod^eu werbeu lann. 
5Pflegeu mir bod^ aud^ iu bejug auf ba8 3^ttcoutiuuum von 
SRäumeu (3eiträumeu) ju rebeu uub fiubeu iu ber ueuefteu 
©eometrie beu yiamzn ,,9laum" auf giftioueu uou beliebig 
uieleu S)imeufioueu anitroanht 

3u biefer uubeftimmtereu SBeife uur mitt id^ beu äuiJbrudf 
uerfiaubeu miffeu, xotnn id^ jeftt ba^ (grgebuiJ uuferer SSetrad^tuug 
iu ba8 SBott faffe : bafe JebeufaHiJ (uub vom empirifüfd^eu ©taub^^ 
puuft uid^t miuber afe uom uatiuiftifd^eu) iu eiuer 3lrt 
räumlid^er Äategorie baiJ QubiuibuatiouSpriujip 
ber fiuuHd^eu Dualitäteu erblidft merbeu muffe. 

4. SBie iu bem SBeltraum ©toff für ©toff, fo ermelft 
Qualität für Dualität iu biefem ©iuue^raum jid^ 
uuburd^briuglid^. 

auf beu uerfd^iebeufteu ©iuue8gebieteu fiofeeu mir auf 
gätte, voo ftd^tlid^ Dualität bie Dualität uerbräugt. äluf bem 
beiS Oefid^t^ gel^öreu iui^befoubere bie fo auffatteubeu ®r^ 
fd^eiuuugeu be^ SßJettfireit« ber ©el^felber l^ierl^er. 

Uub gerabe biefe Uuburd^briuglid^leit ifi z^ beuu aud^, 
meldte beu ©iuueiJraum im Uuterfd^iebe uou aubereu 3}tomtnttn 



— 58 — 

bcr empfinbung ixxm SnbbibuattoniSprinjip ber ftnnlid^en 
iDualität geeignet tnod^t. 

5. ©ennod^ würbe bie Unburd^btinglidöleit ber Dualitäten 
int ©inne^rauni üon mel^r ate einem ad^tbaren gorfd^er in 3lb^ 
rebe gejiettt. Unb jwar n)oren e^ geroiffe gälle multipler 
Dualität (SWel^rHänge, Jluancen, meldte in mehrere garben 
fpielen u. bgl.), meldte mand^en an bie SWöglid^Ieit einer SBed^fet 
burd^bringung glauben liefen. 

älnbere freilid^ jogen e« t)or, l^ier melmel^r bie SWuItipIijität 
felbfi für nid^t tjorl^anben ju erflären. S)ie SSerfud^ung, jte an^ 
junel^men, fottte teite barauf berul^en, bafe gemiffe einfädle 
Dualitäten in 83ejiel^ung ju mel^reren anberen, jmifd^ett benen 
fie eine 3[rt mittlerer Stellung einnäl^men, d^arafterijiert unb 
benannt mürben, teite barauf, bafe fie femplijierte SBorbebingungen 
l^aben, t)on benen gemiffe 2;eile, aud^ mo fie allein gegeben 
finb, gemiffe Dualitäten, unb ber eine biefe, ber anbere jene 
in ber ©mpfinbung entftel^en laffen. 

2)od^ ber Sd^ein t)on 3SieIfättigfeit tritt in allen genannten 
gälten üiel ju mäd^tig auf, afe bafe fold^e ^ppotl^efen ju feiner 
©rflärung genügten; unter älnmenbung be^ ©afeeiJ : „qui nimium 
probat, nil probat", fann man pe auf^ l^anbgreiflid^fle miber* 
legen; bie STOultiplijität befielet ol^ne allen S^eifel 
mirflid^^ 

6. SBenn aber nid^t auf biefe, fo fann man auf eine 
anbere unb fel^r einfädle SBeife fold^e ©rfd^einungen mit bem 
©efefee ber Unburd^brlnglid^feit in ©inflang bringen. aWan 
braud^t nur baran ju erinnern, bafe e^ für bie SRerflid^feit 
eine ©d^melle gibt, ©o mirb benn aud& bei ber 
Äollofation tjerfd^iebener Dualitäten im ©mp^ 
finbung^raum eine Unmerflid^feit ber Slbjlänbe 



— 59 — 

uttb ebenfo eine jtoifd^en mcl^rcten Dualitäten in 
unmerfltd^ fleinen Steilen wed^fclnbe ©mpfinbung 
möglid^ fein, bei ber bie 3[?ielfältigteit ber 3;eile 
im ganjen, nid^t aber bie Sefonber^eit i^rer 3Sers 
teilung im einzelnen bem unbeutUd^ älpperjipierenben 
fid^ üerrät. 

2)iefer ©ebanfe löft, mie man leidet erfennt, ol^ne jeben 
3n)ang ha^ Siätfel. Unb bamit fällt ber ©inmanb. 

7. 3)afe bie SWel^rllänge, bie multiplen garben unb bie 
anberen t)ermanbten ©rfd^einungen mirflii^ fo ju beuten finb, 
läfet fid^ in gemiffen pHen bireft experimentell be« 
ftätigen. Sei ©e^ör^empfinbungen^ unb ©mpfinbungen nieberer 
Sinne^gebiete fnüpft fid^ an ben Umftanb, bafe ber ßofalifation^- 
unterf(^ieb fid^ bei aufeinanberfolgenben ©rfd^einungen me^r ate 
bei gleid^jeitigen bemerMi(^ mad^t, bie SWöglid^feit fold^er 
ÄontroBe; bei ©efid^t^empfinbungen gibt bie Seobad^tung be^ 
aaSettftreit^ ber Se^f eiber in feinen mannigfad^en formen unb 
Übergängen t)on t)ollfommener einfeitiger SBerbrängung ju voU^ 
fommener beiberfeitiger 3Sermengung in ber 2)oppelfarbe jur 
3Serififation ©elegenl^eit. 

8. 3)er äluffd^lufe, ben man fo über ba^ SBefen ber mul^^ 
tipten Dualität gewinnt, gibt Sid^t aud^ für anbere fragen. 

Sluf bem ©ebiet beiS ©efid^t^ leiftet er uniS bei ber 
gorfd^ung nad^ ber Slrt unb S^^^ ^^^ ©runbfarben bie 
mefentlid^ften 2)ienfte; mar man bod^ gerabe l^ier am öfteften 
an ber SWultiplijität ganj irr geworben, unb nerbammtc non 
t)orn^erein jeben 3Serfud^ pf^d^ologifd^er 3lnal^fe. 

Sluf bem ©ebiet be^ ©el^ör^ l^at bie balb gröfe^re, balb 
geringere Seid^tigfeit, eine S^onoerbinbung afö fold^e ju erfennen, 
jur gorfd^ung nad^ ben ©efeften ber ,,3Serf d^meljung" Slnlafe 
gegeben, ©o S)anfen^mertei8 l^ier geleiftet mürbe: gar manä)t^ 



— 60 — 

bleibt ber ©rltärung bebürftig. 2)ie neue äuffaffung tvmxttxt 
roefentltd^ ben Ärei« ber ©tflärungiJtnittel*. 

©Tte ber intereffantefien fragen auf betn Oebiet ber 
©mpfinbung ijl bie, ob itnb inwieioeit auf perfd^iebenen 
©inne^gebieten analoge SSerl^ältntf f e fid^ jeigen. 
fieltnl^olfc, in feiner ©d^rift „t)on ben Xatfad^en in ber 3Bal^^ 
nel^mung", üermifet fold^e, toa^ bie multiplen ®rfd^einungen be== 
trifft, für unfere jwei tjomel^mflen ©inne üottjlänbig. 2)ie neue 
äuffaffung weifi nad^, baß (ie befleißen, unb bag, roa^ x>on 
2)ifferenj übrig bleibt, fid^ — t)on rein pl^pfiologifd^en SSor- 
bebingungen abgefel^en — auf ©rabunterfd^iebe ber 2)eutlid^feit 
ber Sofalifation jurüdEfül^rt. ©o geroife baiJ SRefuItat, ju bem 
^elntl^ol^ gefomnten, l^9d^ft befrentblid^ n^ar, fo gemig l^at bie 
neue äluffaffung, inbem fie e$ burd^ oorgängig aBal^rfd^einlid^eiJ 
erfefete, baburd^ i^re eigene SBal^rfd^einlid^feit erl^öl^t. 

2)aiS SBid^tigfte aber, voa^ fid^ au^ ber 3[uf Rettung ber 
9latur ber multiplen ©inneiSqualität ergibt, ift bie ©id^erung 
be« ©efefeeiS ber Unburd^bringlid^feit felbjl gegen 
jeben ©inmanb. 3Wan fprid^t üon einer 6nge be^ 83emu§ts= 
feiuiS, inbem man im allgemeinen längfi bemerft l^at, ba§ vkl 
mt^x t)on ©eelentStigfeit potentiell unb l^abituett fojufagen in 
uniJ fd^Wft, ate aftuell lebenbig ifi. 2)ie llnburd^bringlid^feit 
ber Dualitäten in ben ©mpfinbung^räumen fügt l^ier nähere 
Seftimmungen l^inju. ©d^on auf bem ©ebiet ber ©mpfinbung 
befielet eine fold^e ®nge, inbem jebe ©mpfinbung getoiffe anbere, 
bie ftatt i^rer fein fönnten, fo lange fie felbft befielt, gefeftmfifeig 
unmöglid^ mad^t. 

9. 3Bie erfüllte, fo werben aud^ leere ©teilen 
im ©inne^raum im einjetnen unmerflid^ fein Idnnen, 
mäl^renb fie, toeit fie ja^lreid^ finb, in il^rer ®e* 
famt^eit bie ©rfd^einung merflid^ beeinftuffen. 



— 61 — 

SBertn bei irgertb einet ©mpftnbung ber fubjeftiüe SRaum 
beiJ ©efid^t^finneg fd^ad^brettortig mit unmerfttd^ Meinen toten 
unb blauen fjelbern etfttttt toütbe, fo toütbe man nad^ bem 
frül^et ©törtetten in bejug auf ba^ Oanje nid^t ntel^t bemerfen, 
aU bal5 e^ an beiben %axUn gleid^mäfetg teilhabe, unb fo würbe 
eiS afe ein mittlereiJ 3SioIett erfd^einen. 2)en!en wir bagegen 
iebeiS jroeite %tlb tjollfommen leer,- fo wate ber blaue Stid^ beiS 
aSioIett t)erfd^n)unben, unb nur ble SRötlid^teit bliebe (ungefd^wäd^t 
foTOo^l aU unt)eriiär!t) beftel^en. 2)eni unbeutlid^ äpperjipierenben 
würbe baiJ Oanje bann rein rot, aber bennod^ im 3Sergleid^ mit 
bem tJötte lüdfenlofer ©rfüHung mit biefer garbe nid^t entfernt 
fo ftar! gerötet erfd^einen. 6^ Utt fid^, menn aud^ rein rötlid^, 
bod^ eigentlid^ nid^t rötUd^er afe baiJ juoor erfd^icnene 3SioIett. 

SBegen ber ©rfd^einung beiS ©d^marj bei mangeinbem 
Sid^treij unb wegen ber ©efefee beg fimultanen flontrafte^ unb 
ber Sid^tinbuftion fann eiJ beim ©efid^t^finn ju fold^en p^ä« 
nomenal leeren ©teilen nid^t fommen. Sei allen anberen Sinnen 
aber finb fie red^t mol^l benfbar. Unb fo l^inbert benn 
nid^t^, bei biefen bie oerfd^iebenen Orabe ber 
Qntenfitfit mirtlid^ auf ein 3We^r unb awinber oon 
aSoIt unb Seer jurüdEjufül^ren, alfo bie Qntenfität 
aU ein gemiffeiS SWafe oon 2)i(^tigfeit ber 6r^ 
fd^einung im allereigentlid^ften ©inne ju begreifen. 

2)urd^ eine fold^e älnnal^me mürbe man mit ber l^er* 
gebrad^ten Slnfd^auung über bie ©mpfinbung^intenfität ooH^ 
fommen bred^en. SRad^ il^r mar bie Qntenfität, ä^nlid^ ber 
Dualität, SRäumlid^feit u. f. m., ein befonbereiS beterminierenbeg 
SWoment, ha^ mit ben anberen jum ©oncretum ber ©rfd^einung 
oermud^^. 6iS jeigt ftd^, bafe bie 3lnnal^me eine^ fold^en be^ 
fonberen aWoment^ entbel^rlid^ ift. 

2Benn aber entbe^rlid^, bann, nad^ bem ^ßrinjip: 
„entia non sunt multiplicanda praetor necessitatem", fofort 



— 62 — 

oud^ uttjuläffig, in^bcfonbcre wenn fid^ — unb man wirb 
ftnbcn, baj5 bcm wtrHid^ fo ift — fein cinjigcr %a\i aufwcifen 
Iäj5t, auf votl^m bie oben ücrfud^tc S)eutung nid^t anroenbbar 
wäre. Äaim man bie Sntenfitätöuntcrfd^icbe burd^rocgi^ auf 
xäumlid^e SDiffcrcnjcn jurüdEfü^ren, fo wirb bie Sntenfität, fi^nlid^ 
ber Klangfarbe nad^ il^rer SRüdEfül^rung auf t)erfd^iebene ^öne 
ber ©fala u. bgl., afe befonbere Äategorie ju entfallen l^aben. 

10. 3n SBa^rl^eit, nnx auf einem ©inne^gebiete 
würbe bie neue 3luffaffung ber ^ntenfität^unter- 
fd^iebe unanwenbbar fein; auf bent be^ ©efid^t^, 
unb au§ ben eben angefül^rten ©rflnben. ^^änomenat teere 
©teilen finb l^ier gefefemäjsig au^gefd^loffen. 3lber fiel^e ba! 
biefei^ ©ebiet ifi e§, wo, wie gering l^erüorl^ob, 
bie Sntenfität^unterfd^iebe üollftänbig fehlen. 

3lad^ ber ^erlömmlid^en Sluffaffung im ^öd^ften ©rabe auf^ 
f allenb, nad^ ber unfrigen afe notmenbige Äonfequenj geforbert : 
fann e§ etma^ geben, wag beuttid^er jeigte, wie fe^r biefe vox 
jener ben SSorjug t)erbient? 

11. S)od^ aud^ nod^ eine SReil^e weiterer aWomente fommt 
beftätigenb l^inju. 

Sei ber ^erabminberung beg SReijeg tritt bei ben anberen 
©innen eine ^erabminberung ber ^f^tenfttät ber @mpfinbung, 
beim Sid^tfinne aber, ftatt il^rer, SSerbunfelung ein. 2lui^ 
SRot }. 33. wirb ein ©d^warjrot ober Slotfd^warj (wie man ftatt 
be^ üblid^en 3lugbrudfg Slotbraun nid^t unpaffenb fagen lönnte). 
SBag bag ^eifee, l^at unfere ®rörterung über bie multiplen 
Dualitäten bargetan. @g ift bieg ©d^wärjlid^werben ate eine 
aSermeugung ber frü|ier allein gegebenen roten garbe mit ber 
fd^warjen in unmerflid^ Keinen gledfen ju begreifen. 

SBie fann eg benn aber ju fold^en fd^warjen gledfen 
fommen? — 2Bir wiffen eg. S)ag ©d)warä tritt auf, wo ein 



- 63 — 

2^eil be« ©eftd^töroum«, roa^ ben Sicä^treij anlangt, nid^t mcl^r 
erfaßt fein würbe. S)ai8 ifi, roa^ eine altbetennte @igentümlid^:= 
feit be^ ©eftd^t^finne« burcj^gängig verlangt. SBir feigen alfo, 
wenn biefe ©igentümlid^Ieit be« ©eftd^t« nid^t beftänbe, fo 
l^ätten wir auf bem ©ebiete biefe« ©inne« infolge ber ^erab* 
minberung be« SReije« roirllid^ Südfen, unb fomit, nad^ bem, voa^ 
wir bargetan, aud^ wirflid^ eine ©rfd^einung ^erabgeminberter 
Sntenptät infolge blojser Süden. SRun befielet bei ben anberen 
©innen eine analoge ©igentümlid^Ieit toie bie be« ©eftd^tftnne« 
nid^t. S)agegen tritt bei il^nen bie ^erabminberung ber 3n- 
tenfität in bem betreffenben galle mirHid^ ein. SBa« fönnte 
un« beutlid^er barauf l^inmeifen, bafe biefe ^erabminberung ber 
Sntenfität bei il^nen mirflid^ auf SüdEen (wie beim ®e^ 
fid^ti^finn eingetreten, aber nid^t wie beim ©e- 
fid^t^finn fubjeftit) aufgefüllt) jurüdfjufül^ren ift? 

12. SBieberum, bie SBerbunlelung bei ^erabminberung be« 
Sid^treijei^ ift, genau befel^en, feine reine Slnnä^erung an 
©d^marj; oielmel^r erfd^einen bie garben jugleid^ burd^anbere 
görbentöne verunreinigt, unb bei ftarfer ^erabfefeung 
be« Sid^te« fd^mimmt in bem ganjen ©peftrum fd&Kejslid^ alle« 
trüb unb fd^wanfenb ineinanber. 

aiud^ bie« läßt fid& auf ©runb ber fitipotl^efe ber burd^ 
ßid^treij gelaffenen SüdEen unter Serüdfid&tigung be« fimultanen 
Äontrafte«, beffen id^ fd^on al« eine« l^ier ju bead^tenben 
SWoment« gebadete, bebuftio al« notmenbig ermeifen. ©o 
werben wir benn nun nod^ ftärfer ju il^rer 2lnnal^me ge^^ 
brängt. SDann aber gilt für bie anberen ©inne, wo e« feinen 
fimultanen Äontraft gibt, ba«felbe wie in bem unmittelbar juoor 
bargelegten 2lrgumente. 

13. gerner, wenn wir mel^rere 3;öne mit mäßiger ©tärfe 
jufammenflingen laffen, fo erfd^eint un« ber 3Kel^rflang al« 



— 64 — 

@anit^ intenfit)er aU jeber einjelne 3;i)n in il^tn. 
Äein Unbefangener wirb biei^ t)erlennen, jumal wenn er be* 
ad^tet, baj5 ei8 fid^ nid^t um bie ©tfirfe, bie ber %on etwa 
l^aben würbe, wenn bie für feine ©rregung aufgeroanbte Äraft 
allein wirfte, fonbem um biejenige l^anbelt, mit weld^er er jeftt, 
VDO gleid^jeitig anbere erregt werben, afe einer t)on ben SJeilen 
be« aRe^rllange« auftritt. 

3la^ ber trabitionellen Sluffaffung ber Qntenfltät erfd^eint 
aber biefe ^Jatfad^e, bie, weil gelegentlid^ leidet ju beobad^ten, 
fd^ier iebermann belannt ifi, üöHig unbegreiflid^. SRur ben 
einjelnen 3;önen im aWe^rWang, nid&t aber bem 3Ke^rttang oö 
©anjem, bürfte nad^ il^r eine 3fntenfität jugefd^rieben werben. 
Ober wenn einer ei8 fid^ bod^ irgenbwie erlauben wollte, l^ier 
ungenau t)on einer Qntenfität be^ ganjen 3Kel^rKangg ju fpred^en, 
fo bürfte e^ bod^ nur etwa fo gefd^el^en, baj5 er bem aRel^rßang 
eine bem S)urd^fd^nitt aller barin enthaltenen Qntenfitäten ent* 
fpred^enbe, alfo mittlere, Sntenfität beilegte. S)a« aber ift, wa^ 
gewife nod^ niemanb eingefallen ift. 

S)agegen ift ei^ t)on unferem ©tanbpunfte au^ aufi^ Harfte 
einleud^tenb, bafe aud^ bem aWel^rflang felbft 1. eine eigentlid&e 
unb 2. eine l^öl^ere ^ntenfität afe ben einjelnen barin enthaltenen 
S^önen, \a eine gerabeju aui^ il^ren ^ntenfitäten ju* 
fammengefe^te Qntenfität jufommen muj5. 

@anj ä^nlid^e^ finben wir auf bem ©ebiet bei^ ©efid^t^finne«. 

SBenn gering fagt, bafe bie garbenerfd^einungen leine ^n^ 
tenfität^unterfd^iebe jeigten, fo ift biei^ in gewiffem ©inne, unb 
in bem, weld^en er im 3luge l^at, wa^r; in gewiffem ©inne 
bagegen falfd^ unb entfd^ieben ber ©rfa^rung entgegen. 

SRe^men wir an, wir l^ätten brei garbenpl^änomene : ein 
reinem SRot, ein reinei^ SBlau unb ein gefättigtei^ mittlere^ SBiolett, 
fo le^rt ©ering mit SRed^t, bajs bie Qntenfität biefe« SRotblau, afe 
@anje§ betrad^tet, oon ber Sntenfität jener neben il^m gegebenen 



— 65 — 

reinen garben nid^t t)erfd^ieben fein würbe, äfber aud^ in bem 
9lötMau befleißen (wir l^aben ei^ beroiefen) bie jroei garben, SRot 
unb 33Iau, in aller SBal^rl^eit inl^altlid^ befd^loffen. Unb t)on 
biefen muj5 offenbar jugeftanben werben, bag fie l^ier beträd^tlid^ 
fd^TOctd^er, afe wo pe rein gegeben finb, erfci^einen. (S)ie ©leid^l^eit 
ber Dualität ma6)t bie SBergleid^ung ber Qntenfitäten befonberi^ 
leidet unb fidler.) 2lui^ ben geringeren 3ntenfitäten 
ber beiben ©lemente, SRot unb 33Iau, feftt fid^ alfo 
l^ier bie größere unb ber ^ntenfität be§ reinen 
3?ot unb reinen Slau gleid^e Qntenf ität bei^ SBiolett 
jufammen. 

SBir feigen, ba§ ber %a\l ber aRel^rfarbe mit bem frül^r 
betrad^teten bei8 SRel^rKangei^ mefentlid^ ^ermanbt ift. ©o ift 
er benn aud^ ebenfo mie jener nad^ unferer äfuffaffung ber 
Sntenfttät ganj felbfteerftönblid^ ; nad^ ber l^ergebrad^ten ba^ 
gegen mürbe er, unter Slnerlennung bei^ mirflid^ multiplen 
ßl^arafteri^ ber garbe, fd^Ied^terbingö unmöglid^ erfd^einen. 

14. S)od^ aud^ meiter nod^ unb unter mefentlid^ anberem 
©efid^ti^punft jeigt fid^ bie neue äuff affung ber ^ntenfttät ber 
l^erfömmlid^en gegenüber in entfd^eibenber SBeife im SBorteil. 

©0 geroijs mir jmifd^ep ber empfinbenben ^ätigleit unb 
bem, morauf fie gerid^tet ift, alfo jmifd^en ©mpfinben unb 
©mpfunbenem, }u unterfc^eiben l^aben (unb pe finb fo fidler oer^ 
fd^ieben ate mein gegenmärtigei^ SÄid^^erinnem unb boi^ ©reigni^, 
ba^ mir babei aU »ergangen oorfd^mebt, ober, um einen nod^ 
brafüfd^eren SBergleid^ anjumenben, mein Qa^ einei^ geinbe^ unb 
ber ©egenftanb biefei^ §affe^ oerfd^ieben finb) ^ : fo unjmeifell^aft 
ifi e« bod^, baj5 bie ^ntenfität bei^ @mpfinbeni^ unb 
beg ©mpfunbenen bie Qntenfität bei^ finnlid^en 
SSorfielleui^ unb bei^ finnlid^ SBorgefiellten immer 
unb auf^ genauefte einanber gleid^ fein muffen, ßofte 

Sventano, Ginnedpf^c^ologifc^e fragen. 5 



— 66 — 

i)at biei^, na^h^m ei8 oon geroiffer ©eite ücrfannt roorben war, 
neu unb mit SRad^btud l^etüorgel^oben. 

aiber fo fel^r biefe %at\ad^t gefid^ert ifi, fo wenig bietet 
bie l^ergebtad^te ätuffaffung ber Sntenfitfit bafür eine ©rllarung. 
3a fd^on bo^ muj5 nad^ il^r l^öd^fi befrembli(i^ erf(i^einen, wie 
man bei fo ganj l^eterogenen S)ingen, wie einer pfp(i^if(i^en 
2)ätigleit unb einem im ©inneSraum aufttetenben pl^pfifd^en 
^l^änomen mit fold^er SefHmmtl^eit non genauer ©leid^l^eit 
ju fpred^en magt, mäl^renb gemeiniglid^ fd^on ein bloß fpejififd^er 
Unterfd^ieb unferer relatioen ©d^äftung t)on ^ntenfitäti^graben 
t)iel t)on il^rer S^^^^^^i nimmt. 

Unfere Sluffaffnng ber SntenfitSt erflärt aud^ 
l^ier alle^ aufS einfad^fie. S)a nämlid^ jebem 3;eU beS 
erfüllten ©innei^raume^ ein barauf bejüglid^er SJeil unfereiJ 
©mpfinbeui^ entfprid^t, fo entfprid^t oud^ jebem leeren 2)eil bei^^ 
felben eine teilmeife ^rioation oon ßmpfinbung. 3fi jene leere 
©teile eine unmerflid^ fleine SüdEe, fo ifi aud^ bie entfpred^enbe 
teilmeife ^rioation oon ©mpflnbung ein unmerHid^er ©ntfatt. 
Qeber fielet, mol^in ba« in weiterer Äonfequenj fül^rt. SBenn 
bie Meinen Südfen, im einjelnen unmerflid^, im ganjen merflid^ 
werben, fo wirb baSfette bejüglid^ ber entfpred^enben teilweifen 
^rioation oon ©mpfinbung gelten. Unb wie bai8 aSerl^filtni^ 
jwifd^en aSoII unb Seer, fo wirb aud^ ba^ jwifd^en Slftuolitfit 
unb ^rioation oon ©mpfinbung fein. 6in unb berfelbe SSrud^ 
bejeid^net baS aRajs ber SBerwirflid^ung auf bem einen wie 
anberen ©ebiete; b. 1^. pe beftel^en genau in gleid^er ©tfirle. 
S)ie aiuffaffung ergibt alfo cH^ notwenbige Äonfequenj genau 
baiS, wa^ tatfäd^lid^ vorliegt, unb bewäl^rt ftd^ alfo aud^ l^ier 
im ©egenfa^ }ur l^ergebrad^ten aufi8 oolttommenfle. 

15. Unb nun nad^ fo oielen nur nod^ einen ^un!t, wo 
fld^ bie neue Sluffaffung im SBorteil erweifl, unb wo fte, wie 



— 67 — 

td^ l^offe, iebctn bei t)crt)telfältigtcr Prüfung tu ücrmelfältigter 
SBeife fid^ beraäl^rcnb, weithin aufflärcnb roirlen lann. 

SBie bte l^crgcbrad^te aWcinung über bie ^ntenfität baju vtx^ 
leiten fonnte, bem ©tnpfinben eine ber ^ntenfttät bei8 ©mpfunbenen 
ungleid^e uttb unabl^ängig von il^r t)ariierenbe Sntenfität ju- 
jufd^reiben, fo au^ eine 3»ntenfität für pf^d^ifd^e 2lfte an- 
junel^men, bie fid^ auf etraa^, xoa^ gar nid^tö t)on finulid^er 
Dualität unb Kontinuität entl^ält, bejiel^en. 3a ganj alU 
gemein l^at fid^ bie Slnfid^t feftgefefet, baj5 eine 
pf^d^ifd^e Betätigung ol^ne irgenbroeld^e Qntenfität 
einen SBiberfprud^ int)o[t)ieren würbe. @in 3luIIt)on 
^ntenfität, meint man, muffe für bie pf^d^ifd^e 3;ätigfeit felbft 
ben 3luIIpunft bilben. 

S)anad^ läme benn j. 33., aud^ wenn wir einen Segriff wie 
SBal^rl^eit, Sejiel^ung, B^if^^ft ^^^^ irgenbeinen S^^^^öriff 
benfen, biefem S)enfen immer eine Qntenfität ju. Unb ebenfo 
wäre iebem Urteil^afte unb jeber ©emüt^tätigleit, bem rul^i^en 
ä?orfafe nid^t minber aU bem aufgeregten äfffeft, fietö eine ge^ 
wiffe 3ntenfität eigen. 

S)od^ mä^renb beim ©mpfinben bie Qntenfität bei^ ©mpfinbeni^ 
von ber be^ ©mpfunbenen abl^ängig ift, fonnte beimS)enfen 
jener Segriffe eine ä^nlid^e S)epenbenj feiner^n^ 
tenfität von ber im Qnl^alt bei^ ©ebad^ten be* 
f d^Uffen, nid^t angenommen werben. S)enn xoal j. S. 
fänbe fid^ in ber S^^^ S)rei, ba^ ber ^ntenfität eine^ ©d^atteS 
ober ©erud^e^ oermanbt märe? — Unb fo !am man benn 
JU ber feltfamen SReinung, bafe, mä^renb jeglid^e« ju 
(gmpfinbenbe nur mit einem beftimmten ©rab oon ©mpfinben 
empfunben werben fann, jebwebei^ S)enfbare mit jeber 
beliebigen Qn tenfität be^ S)enlen« gebadet ju werben 
oermöge. 



— 68 — 

S)tcfer befrentblid^e ©egenfaft l^ätte für ftd^ allein fd^on 
barauf aufmerffam mad^cu fönncn, bafe man l^ier in irrigen 
Salinen ftd^ bewegte. 

@ö ift xoaf)x, aud^ nad^ unferer ätuffaffung ber Sntenfttät 
wirb l^ier ein geroiffer ©egenfaft beftel^en muffen; aber ei^ wirb 
leiner fein, ber befrentben lönnte, ba er fid^ üielmel^r mit 3loU 
roenbigleit aui^ ber SRatur ber ©a(^e felbfi ergibt. 

SBie unfere ätuffaffung erllfirt, warum ha^ 
©mpfinben mit bem ©mpfunbenen feiner Qntenfität 
nad^ übereinftimmt, fo »erlangt fie aud^, bafe, mo 
ber innere ©egenftanb einer pfpd^ifd^en 3;ätigfeit, 
aud^ biefe felbft ber ^ntenfität ermangele. 3lad^ 
unferer äuffaffung wirb alfo }. 8. ba« begrifflid^e S)enfen unb 
ebenfo, mag t)on Urteil unb ©emüt^tätigleit eö jur Unterlage 
l^at, im ©egenfaft jum ©mpfinben niemals aud^ nur im ge^^ 
ringften an einer Qntenfität teill^aben lönnen. 

Unb ba« ift benn aud^, wa« bie ©rfal^rung bem 
Unbefangenen bejeugt. SBon einer ^utenfität ift im 
S)enfen be« Segriffe« S)rei fo wenig afe in beffen Qnl^alt etwa« 
ju entbedfen. Slud^ bei bem Urteil 1 + 1 = 2 ift in ber ur^ 
teilenben 3;ätigleit fo wenig al« im Qnl^alt beffen, worüber geurteilt 
wirb, eine fold^e wal^rjunel^men. S)a« Urteil wirb mit l^öd^fter 
Suoerfid^t gefallt, aber biefe 3woerfid^t ift nid^t«, wa« mit ber 
©torle einer @el^ör«empfinbung bei brö^nenbem ^aulenfc^lag 
irgenbwelc^e SBerwanbtfd^aft l^ätte. Unb wieber finbet man bie= 
felbe nxä)t, wenn man [xä) etwa«, unb wäre e« auc^ nod^ fo 
fefi unb beftimmt, ju tun oornimmt. Slnber« ift e«, wenn man 
ftatt einer fold^en (um mit ^utd^efon ju fpred^en) rul^igen ©e^^ 
müt«tätigleit einen 3lffeft in« 2luge fajst. S)oc^ bann liegt aud^ 
etwa« oor, wa« ebenfo wie bie ®mpfinbung«i)orfteIlung ju finn* 
lid^en ^p^änomenen in 33ejie^ung fielet. SBer fid^ ber S^äufd^ung l^in- 
geben fann, bafe fic^ ein l^ö^erer ©rab oon g^f^gleit be« SBorfafee« 



— 69 — 

nU ein l^öl^erer ®rab t)on Sntcnfitöt im SerouJBtfein batfteHe, bei 
bem n)fire eö fixier ttici^t ju üerrounbetrt, wenn et ftd^ au^ no(i^ 
-einbilbete, bie größere geftigfett unb SRad^l^alttgleit einer Qbeen« 
Derbinbung afe l^öl^eren ^ntenfitättgrab in biefer SJätigfeit ju 
itnterf(i^eiben. 

®en)tj5 gibt e^ ein aWel^r unb 3Jhnbex bei jebet Slrt von 
S)enlen unb SBoHen, wie j. S. wenn bie Urteile ftd^ vttvitU 
fältigen unb bie aBiIIeni8be}iel^ungen bei einem üermidelten ^lane 
^al^lreid^er merben. Slber l^ier mäd^fi offenbar nid^t eine ftetige 
^röjse, fonbern ei8 !ommt mie beim S^l^len ©inl^eit ju ©inl^eit 
l^inju. ©0 würbe benn, wer biefe Slrt t)on 3Ke]^r unb SWinber 
für einen Qntenfitat^unterfc^ieb näl^me, einer gar gröblid^en SBer= 
loed^felung ftd^ fö^ulbig mad^en. 

älud^ bai8 ift rid^tig, baj5 e^ auf jebem pf^d^ifd^en ©ebiete 
^fd^einungen gibt, bie oerfd^ieben merllid^ ober (roa« baSfelbe 
fagt), oerfd^ieben auffällig finb. Slber toa« l^eijst biei^ anbere^, 
<ite baj5 bie eine mel^r, bie anbere weniger ©l^ancen l^at, bemerft 
JU werben? Über ba« SBarum biefe« SRel^r ober SBeniger ifi 
bamit nid^t« beftimmt. @« mögen babei fogar gaftoren, bie 
für uuiS gar nid^t jur ©rfc^einung fommen, ©influjs Übtn. 3w)ei 
Iß^änomenen, bie ungleid^e S^ancen l^aben, bemerft ju werben, 
barauf^in ©röfeen unb ©röjsenunterfc^iebe anjubid^ten, baS ifl 
^in SBerfal^ren, ba« in aller unb jeber 33e}iel^ung ungered^tfertigt 
^rfd^eint. 

©0 beftätigt benn aud^ l^ier Dielmel^r allei^ bie neue Slufs^ 
faffung; unb bie ©rflärung ber Sntenfttät^unterfd^iebe ber 
©mpfinbung auf ©runb ber Slnnal^me unmerflic^ Heiner Südten 
in ber finnlid^en ©rfd^einung jeigt fid^ nad^ bem allen nid^t 
minber ate bie ber multiplen Dualitäten auf ©runb oon 
ÄoHofationen in unmerflic^en Slbfiänben geftd^ert. Slud^ erlennt 
man leicht, wie bie beiben ©rllärungen fic^ gegenfeitig forbern. 



— 70 - 

©inb fte richtig, [o erfettnt man, mit wie gutem ©runb 
S)eScarte§ fetnerjeit auf bcn Untcrfd^icb t)on beutltd^er unb un* 
beutlid^er ^Pcrjcption afö einen ber pf^d^ologifd^ mic^tigfien auf- 
merifam gemad^t l^at. ^n ber Xat, mürben mir nicä^t bie finn^ 
lid^en ©rfc^einungen mit unooHfommener S)eutli(^Ieit perjipieren, 
fo mürben mir ftatt eines ©(^einS t)on gntenfitäti^unterfd^ieb 
unb SBed^felburcä^bringung nur Sefonberl^eiten ber Äollolation 
in unferem Semujstfein üorfinben. — 

16. Sefonberl^eiten ber Äollolation! — bai^ mar 
ber ©ebanle, ber, inbem il^n bie ^i^^ftl auf ben Unterfd^ieb 
leid^terer unb f(^mererer 5lörper unb bie ©Hernie auf bie 
SWifd^ungen anmanbte, eine anfd^aulid^e Älarl^eit brad^te, 
beren 3Kangel fid^ frül^er fel^r unangenel^m fül^lbar gemad^t l^atte. 

Slud^ auf unferem ©ebiete mar biSl^er fafl alles in 
einer Sebenfen erregenben Äonfufion. 

1) ©d^on über bie grage, ob bie ^[ntenfität eine 
©rö^e fei, fonnte man fid^ nid^t Mar merben. .ßerbart führte 
bafür an, bajs fie ein SRel^r ober SKinber jeige. 3l6er ©aufe 
t)ermarf bieS, afö jum ©röfeenbegriff ungenügenb. ©ine ©röfee 
fei üielmel^r baS, morin gleid^e Steile (mie in ber S^^I ^^^ ©i^** 
l^eiten, im ©d^ul^ bie 3öffe) ju unterfd^eiben finb. ged^ner 
glaubte fold^e gleid^e Steile ber Steige nac^ in ben thm mtxU 
lid^en Unterfd^ieben bei ber ^ntenfitätsfieigerung auftumeifen^ 
Slber ben SemeiS, bafe jeber eben merflid^e Unterfd^ieb bem 
anberen gleid^ fei, l^at er nie erbrad^t. 2lud^ fd^ien eS mand^em, 
bafe mit ber Si^f^mmenfefeung eines 3lbftanbeS t)on Qntenfitciten 
an^ meisteren . einanber gleid^en Heineren 2lbftänben, bie S^^ 
fammenfe^ung . ber Qntenfitäten felbft auS mel^reren einanber 
gleid^en Heineren ^ntenfitäten burd^auS nid^t ermiefen fei. S)aju 
müj5te fojufagen, mie ©todtoerf über ©todtmerl, ein 3;eil ber 
Slntenfitat auf bem anberen aufgebaut unterfd^ieben merben^ 



— 71 — 

Slud^ l^abe ©. Q. SBcbcr fettft eine fold^c S^f^wimenfeftung 
einer ^ntenjttät a\x^ tne^reren Sntenfitäten nie bel^auptet®. 

3laä) ber neuen Sluffaffung erfd^eint ber 3tt)eifel über 
ben ©röfeend^arafter ber Sntenfttfit üottftänbig bel^oben. S)ie 
Sntenfität ift eine Oröfee, fo gewife fte bag. SRafe ber ©ic^tigfeit 
ber ftnnlid^en ©rfd^einung ifl. Unb in gfillen multipler Dualität 
finb geroiffe Sutenfität^teile, au« voü^en ha^ ©anje ber ^n^ 
tenfität fid^ jufammenfefet, inbem jeber einer anberen Dualität 
jugel^ört, beutlicä^ ju unterfd^eiben. SBenn wir im SSiolett einen 
gleid^flarfen ©tid^ ini^ SRote unb 33Iaue bemerlen, fo ^aben wir 
aud^ mit berfelben S)eutnd^Ieit jmei gleid^e 3;eile unterfd^ieben, 
an^ benen bie ^ntenfität bei^ aSioIett fid^ jufammenfeftt. S^nlic^ 
ift e« bei einem S)oppeIHang, in welchem jeber ber beiben 3;öne 
in gleid^er ©tärfe vertreten ift. 

2) ®benf omenig mar bie grage gefiärt, mar um bie 
Slntenfität, mie eine untere, aud^ eine obere ©renje 
l^abe. S)ie unbefieglid^e ©d^mierigleit, bie (grfd^einung über 
ein gemiffe« aRafe ju flelgem, jeugte mol^l für il^re ©Eiftenj. 
Slber mäl^renb bie untere ©renje burd^ bie SRatur ber ©ad^e 
geforbert erfd^ien, neigte man l^infid^tlid^ ber oberen baju, bie 
an unb für fid^ in« unenblic^e ju fteigembe Sntenfität nur 
burd^ ba« fubjeftioe pl^^fiologifd^e Äraftmafe befd^ränft ju benfen. 
3t\xx menn man (xoa^ freilid^ oon un« überl^aupt nid^t gebilligt 
merben tonnte) bie ÜberjeugungSgrabe be« Urteil« bem ^n^ 
tenfitcit«begriffe mit unterfteffte, mad^te man, affer 2lnaIogie ent^ 
gegen, bie entgegengefefete 3lnnal^me; mie ja aud^ bei ber ^pro^^ 
babilität«red^nung äffe SBal^rfd^einlid^Ieiten afe Srüd^e jmifd^en 
SRuff unb ein« befd^loffen pnb. 

3la(^ ber neuen Sluffaffung gel^t für bie ©mpfinbungen bie 
SRotmenbig!eit einer oberen Qntenfitätggrenje ebenfo Mar mie bie 
3?otmenbigfeit einer unteren au« ber SRatur ber ©ad^e felbfi 



— 72 — 

l^etDor. SBenn alle &üdtn audgefäHt {tnb^ fo ifl bca äugerfie 
aJloB t)on gntettfttÄt erreid^t. 

3) SBiebetum, roettn matt bliJl^et bie grage aufmorf, ob 
bei ©ittne^erfd^eittungen oon oerfd^iebener aRobalitfit 
im gleid^en ober nur in einem analogen ©inn oon 
3ntenfttät gefprod^en werben fönne, fo tarn man aud^ l^ier über 
ben 3weifel nid^t l^inau«. SJiele, ja bie SReiften neigten baju, 
mie bei ^ell unb S)unlel, Sättigung unb Ungefättigtl^eit, 
wenn bie 3luSbrüdEe innerl^alb oerfd^iebener ©runbllaffen axx^ 
gemanbt werben, aud^ bejüglid^ ber Sntenfttfit nur an eine 
ainalogie ju glauben, unb ben, ber einen ©d^all, mit einem 
©erud^ t)erglid^en, fd^mäc^er ober [tarier nennen moHte, für 
ebenfo töricht ju erflären, mie ben, meld^er bie Sänge eine« 
Saläre« mit ©d^ul^en unb 3offen meffen ju ttnnen glaubte. 
Slnberfeit« füllte man fic^ aber bod^ fort unb fort oerfud^t, baö, 
voa^ fo törid&t fein follte, mirflid^ ju tun, unb j. 33., mo t^ 
fid^ um einen fel^r intenpoen ©erud^ unb ein faum merflid^eö 
©eräufd^ l^anbelte, ben erften für ungleid^ ftärfer ju erflären. 

S)ie neue Sluffaffung l^ebt biefen SBiberfireit jroifd^en bem 
©rgebni« ber Überlegung unb bem unmittelbaren S)range. SRad^ 
il^r erfd^eint biefer S)rang ooHbered^tigt. Sllle«, mag bie 3n^ 
tenfität betrifft, fül^rt fid^ ja nun auf bie Proportion jmifd^en 
ber 2lu«bel^nung beS SSoHen unb Seeren in ben unbeutlid^ oer^ 
mengten Steilen ber ©inne^räumlid^Jeit jurüdf. Unb felbfi oom 
empiriftifd^en ©tanbpunft, obmol^l biefer bie ©innei^räumlid^feit 
bei iebem anberen ©inn l^eterogen beulen mag, fleHt eö fid^ 
baraufl&in l^erau«, bajs jebe ^ntenfität ju Jeber anberen in einem 
©röfeenoerl^ältni« ftel^en muj3. 

4) ein anberer ^un!t, mo bie bi^l^erige Sluffaffung ber 
Sntenfität ju mannigfad^er Äonfufion gefül^rt l^at, mürbe fd^on 
von uniB berül^rt. @i8 mar bie grage über bai8 SSerl^ältnii^ 
be« empfinbenö jum @mpfunbenen. 



— 73 — 

2Bie bag ©ntpfunbene eine Sntenfttdt f)at, fo antS) ha^ 
botauf bejüglid^e ©tnpfittben. ^ft nun bie Sntenfität bei^ etnen 
itnmet ber be^ anbeten gleid^ ? — 2Bir fallen, wie man^e baju 
iamm^ ba^ ©egenteil anjunel^men. S)teienigen aber, bie [x^ 
tiid^t entf(|liej5en tonnten, bie aRöglid^feit einer aSerfd^iebenl^eit 
ber ^[ntenfttat jroifd^en ©mpfinben unb ©mpfunbenem jujulaffen, 
fielen barauftin oft in ben gel^ler, ftatt einer für fte vm^ 
erflärbaren ©leid^l^eit nunntel^r gerabeju eine Qbentität an^ 
^unel^men. ©o würbe benn bie wid^tige S)ifferenj 
jroifd^en primärem unb fefunbärem Dbieft ber 
ßmpfinbung gänjlici^ oon il^nen oerfannt. 

2Bir fallen, mie bie neue Sluffaffung, ol^ne fol(i^e Oeroalt^ 
tnittel anjuroenben, bie notmenbige ©leid^l^eit ber Sntenfttät, 
für ©mpfinben unb ©mpfunbene« unb überl^aupt für iebe 
4)fpd^ifd^e 3;ätigleit unb il^r innereiJ Dbjeft, mo immer bai^felbe 
fclbfi einer Sntenfttät teill^aft ip, oufi^ leid^tefie ermeift. 2lud& 
t)iefer Slnlajs jur Äonfufion ift alfo jefet bel^oben. 

5) Sl^n[i(|e« jeigt fid^ für ben SBiberftreit, in meldten 
t)ie ^fpd^ologen l^infid^tlid^ ber ^ntenfitfit ber 
©efid^ti^erfd^einung geraten finb. S)ie längfie S^t 
mürben l^ier ganj allgemein bie ^elligfeiti^unterfd^iebe für ^n^^ 
tenfitäti^unterfd^iebe erMärt. S)ieienigen aber, bie bie« afö 
unjulfiffig Dermarfen, aujserftanbe, anbere SntenfttätSunterfd^iebe 
Beim ©eftd^te naml^aft gu mad^en, l^aben baraufl^in biefem ©inne 
bie 5ßartijipation an ber Qntenfität ganj abgefprod^en. SBar 
jjeneiS eine Äonfupon, nid^t geringer, aU menn man auf bem 
2:ongebiet Qo^ unb 2:ief mit Saut unb Seife ibentifijieren 
mürbe, fo mar biefe« ein ^arabofon, ju beffen ainnal^me ftd^ 
niemanb red^t entfd^liejsen tonnte. 

3n SBal^l^eit ifi gering, afe er ftd^ ba« l^ol^e SBerbienp 
erwarb, afe ber erfie auf Jene aSermed^felung aufmerffam ju 
mad^en unb ben aJlangel ber gntenfitfitSunterfd^iebe auf bem 



— 74 — 

©ebiete ber ©efid^ttempfinbung ju fonfiotieren, ju weit ge^ 
gangen, inbem er boraufttn bie ^ntenfität felbp ffit bie et^^ 
fd^einungcn beiJ ©eftd^ttftnneiS leugnete. S)i)d^ oom ©tanbpunfte 
ber alten äfuffaffung ber 3ntenfttät erfd^ien biefer ©aft fd^ier 
wie ein notwenbigei^ ÄoroIIar. S)enn eine notte ©Ux^^eit 
finbet ftd^ in ber SBelt ju feiten, ate bag eg tunlid^ erfd^iene, 
fie ol^ne erfid^tlid^en ©runb für ein weite« ©ebiet von &c^ 
fd^einungen unb ol^ne Slu^nal^me ate in noffer (Strenge befiel^enb 
JU betrad^ten. S)od^ ben ©runb, ber für gering fid^ 
nid^t jeigte, läjst bie neue Sluffaffung fofort l^ert)or== 
treten, inbem fte (wir l^aben ei^ gefeiten) bie ©leid^l^eit famt 
affem anberen, xoa^ l^ier von Sefonberl^eiten be« ©efid^ti^finnei^ 
gefunben wirb, ate notwenbige Äonfequenj altbelannter ©efefee 
enoeip. 

©0 erfd^eint e« benn voo^ aud^ jweifeUo«, bafe mit 
ber Slnnal^me ber neuen Sluffaffung ber Qntenfität 
aud^ bie wid^tige SBal^rl^eit, bie in ^eringi^ 2luf^ 
ftellung liegt, enblid^ einmal ju allgemeiner 
©eltung gelangen, unb bie Äonfufion, bie er l^ier 
auf optifd^em ©ebiet in ber ©innei^pfpd^ologie be^^ 
feitigen wollte, roirflid^ bel^oben werben würbe. 

17. S)a l^ätten wir benn etwa« t)on bem ©egen, ben bie 
®infül^ng einer anfd^aulid^en 3SorfteIIung wie anberwärt« aud6 
l^ier in rafd^er golge erl^offen läjst. 

Unb wie t)iel anbere« bürfen wir un« nid^t t)erfpred^en! 
Äonn bod^ bie t)oIIe ©ntfaltung ju allen Äonfequenjen aud^ bei 
ber anfd^aulid^ften Sppotl^efe niemals bie ©ad^e eine« Slugens^ 
blide« fein. 

SBenn bie SReinung allgemein ju "^alU läme, 
ba§ ebenfo wie ber ©mpfinbung aud^ jeber anberen 
pfpd^ifd^en 2)ätigleit eine Sntenfitdt eigne, fo 



— 75 — 

toärc bag ttxoa^, xoa^ tocitl^in ©influfe üben mäjste. 
SBBte fcl^r f)at fie fid^ nid^t ol^ S)ogma fcftgcfefct! SBie attgemctn 
wirb fte geteilt! §ätte gering ntc^t aBtberfprud^ erl^oben, man 
fönnte — in ber ^f^d^ologie ein feltener %ali — gerabeju von 
©inntütigfeit rebett. Unb üielleid^t trug ber SBerfiojs feiner 
2;i^efe gegen biefe sententia inter communes communissima 
ganj befonber^ baju bei, fie trofe il^rer t)olIfommenen relatioen 
Sered^tigung fo allgemein anftöfeig erfd^einen ju laffen. ©o wirb 
benn freilid^ aud^ gegen unfere Sluffaffung ba^felbe 3SorurteiI 
mäd^tig fid^ ftemmen. 

18. S)od^ wenn bag SBorurteil, bajs bie ®rbe ftiff ftel^e, 
fd^Iiejslid^ ^at weid^en ntüffen, fo wirb aud^ biefe^ nid^t 
unbefieglid^ fein. 

3n bem fd^on befprod^enen galle, wo ei8 fid^ barum l^anbelt, 
bie Äonfufion ber Qntenfität mit ber ^eHigfeit ju belieben, wirb 
eö, bireft menigften^, leinen ©influfe mel^r üben, ba mir, wenn 
mir bie falfd^e Qntenfität oermerfen, eine malere afe oorl^anben 
aufmeifen. S)a^ mirb ber Slufnal^me günftig fein. 3litd^ mn^ 
ha^ beutlid^e ^eroortreten beffen, xoa^ l^ier ma^rl^aft aU Qn* 
tenfität befielet, namentlid^ in ber med^felnben ©röfee il^rer 
einjelnen 2:ei[e ben aWangel be^ Slnfprud^«, ben bie ^elligfeit 
auf ben SRamen l^at, oollenbö auffällig mad^en. 

§at man aber l^ier einmal feine 3lnfid^t allgemein berid^tigt, 
fo mirb bag meitere folgen l^aben. 

©0 lange man fo mefentlid^ oerfd&iebene S)inge mie Saut 
unb Seife unb ^ell unb S)unfel mit bem gleid^en SRamen be* 
nannte, mar ei^ nur fonfequent, menn man ^infid^tlid^ ber 9ln^ 
menbbarleit be,^ Qntenfität^begriffei^ auf oerfd^iebenen ©innei^^ 
gebieten nur an Slnalogie glaubte. S)er 3lu^brudE galt 
alfo aU äquiool unb fonnte barum aud^ für bie grage, 
ob nod^ anbermärt^ unb nod^ auger^alb be^ finnlid^en ©ebiete^ 



— 76 — 

itn wal^ren ©inne be« SBorte^ eine Stttenfität üorl^anben fei, 
fein präjifeS 5lriterium abgeben. 

2lud^ von biefem ©ebanlen blofe analoger ©nl^eit beiJ 
2:erminu« wirb man nunmel^r jutüdlommen unb bann in 
einem unjtDetbeutigen unb f d^arfmarfierten SBe^ 
griffe einen t)erläffigeren ^rüfftein befi^en. 

S)ie ©rfal^rung, bajs man auf bem ©ebiet be« ©eftd^tö fo 
allgemein etroa^ für ^ntenfität l^atte nel^men Binnen, roa^ feine 
mar unb feine tiefere SBermanbtfd^aft bamit l^atte, mirb aber 
nun ju weiterer ©elbftprüfung aufforbem. ©ie mirb ben ®t^ 
banfen nal^e legen, bafe ctl^nlid^ei^ mie l^ier aud^ anber^ 
märt^ gefd^e^en fein möge. 

Unb mie leidet mirb man bie SBermutung bann bemäl^rt 
finben! SBar man bod^, n)tnn man in millfilrlid^fter SBeife 
^ier einen Überjeugung^grab, bort einen ©rab ber 3Kerflid^feit, 
bort mieber, roer meife, xoa^ aHt^ no(^ anbere«, aU Qntenfität 
ber ©rfd^einungen gelten liefe, längft mit fid^ felbfi in 
SBiberfprüd^e geraten. 

3ft e« j. 33. nid^t offenbar, bafe iebem Urteil, bei meld^em 
ber Überjeugungggrab bie S^ntenfität fein follte, ganj ebenfogut 
mie anberen pft)d^tfd^en gunftionen aud^ ein ©rab oon 3Kerf:s 
lid^feit jufommt? SBer fönnte ba^ oerneinen? — S)afe aber biefer 
nid^t mit bem Überjeugung^grab bc^ Urteite mac^fe unb ab^ 
nel^me, bürfte fid^ auö ber 2;atfad^e, bafe mir Überjeugungen in 
aWenge ganj unbemerft in un^ tragen, genugfam ermeifen, mie 
benn ber gemeine aWann jel^r gemöl^nlid^ oon ben 5ßrämijfen 
feiner eigenen Folgerungen feine SRed^enfd^aft ju g^^en fällig 
ift, mal^renb ein quälenber 3tt)eifel fid^ uni8 aufi^ beutlid^fle 
bemerflid^ mad^t. ß^arafteriftifd^ ift e^ in biefer Sejiel^ung, ba| 
man fid^ oon altera l^er ben ©feptifern gegenüber mit aSorliebe 
gerabe auf ben gall be§ S^^if^f^ berief. — Unb menn mir 



— 77 — 

alleÄ jTDcifclI^aft ift, fagtc man, fo bleibt mir mcuigften^ ba« 
eine geroi^, bafe id^ jrocifcle. 

aOBcnn t^ fid^ nun aber l^ier foiufagen mit ^änben 
greifen läfet^ i>^6 man, inbem man bi^l^er bie 21(1^ 
gemeinl^eit ber ^ntenfitfit bel^auptete, fort unb 
fort fold^e^, morin fie unmöglid^ beftel^en fonnte, 
bafür gel^alten l^at, fo bürfte biefe @infid&t nid^t loenig 
ben 3ufammenbrud^ be^ allgemeinen 3)ogma^ felbft erleid&tern. 
aBcire eine ma^re Qntenfität überl^aupt oorl^anben geraefen, nod^ 
baju nid^t fo, wie e^ infolge ganj aufeergeroöl^nlid^er Umftänbe 
beim ©efid^t^finn ber %a\l ift, burd^ oollfommene ©leid^i^eit 
oerfd^Ieiert, fo l^ätte nid^t mol^I eine falfc^e für bie 
fd^on anbermeitig befefete ©teile afö Äanbibatin auf:^ 
treten fönnen. Unb fo mirb benn, id^ oertraue, ba^ Sßorurteil 
aud^ mirMid^ bel^oben werben. 

19. Sffia^ ba^ bann weiter bebeuten merbe, ift mo^I leidet 
erfid^tlid^. 

aSie oiel l^atte nid^t bie ^erbartfd^e ^f^d^ologie, 
mie oiel nid^t aud^ bie ^f^d^op^pfif auf biefe^ 3)ogma ge^ 
baut! Sitten ba^ mirb im ©turje mitgeriffen werben. Unb 
mir feigen fo, wie bie 33erid^tigung einei^ Keinen ^unftej^ ber 
©mpfinbungj^Iei^re einen meittragenben reformatorifd&en @influ§ 
übtn wirb. 

©elbft bie S^pot^efen, meldte man über ba^ 
SQBeltganje aufgeftellt l^at, werben baoon nic^t unberül^rt 
bleiben. 

3Ran l^at für bie beiben ©ebiete beö ^f^d&ifd^en unb 
^pi^pfifd^en oielfad^ eine burd^gfingige Analogie behauptet; ben 
5Rad^wei^ bafür freilid^ nid^t erbrad^t ober aud^ nur ernftlid^ ju 
erbringen oerfuc^t. 3Wan ^ielt fid^ ganj im allgemeinen unb 
ba fonnte benn ber ©ebanfe an bie Qntenfität ate eine 3lrt 



— 78 — 

©röfee, bte iebem ^ßf^d^ifd^en, toie bie räumlld^e icbcm Äörper- 
lid^en eigen fei, ber tl^m jugebad^ten SloIIe genügen. 

Sel^auptete man aber einmal burd^gfingige Analogie oon 
^fij(j^if(i^em unb ^i^pftfd^em, warum nid^t lieber gerabeju il^re 
Qbentität bel^aupten, ober ba« eine bem anberen einfad^ fub:= 
ftttuieren? — 3n allem bem ^l^^fifd^en analog unb in fid^ 
felbft allein burd^ eoibente SBal^mei^mung gemä^rleiftet, mu§ 
ba« ^ßf^d^ifd^e jebe l^ppoti^etifd^e Slnnal^me eine^ ^l^^fifd^en 
überfläfftg erfd^einen laffen. 

©0 Hingt benn unter anberem aud^ bie SBunbtfd^e ^Pf^d^ologie 
in bem ©ebanfen auiS, bafe man bie 2lnnal^me einer pl^^ftfd^en 
aOBelt, nad^bem man il^n eine 3^^* ^^^^8 i^^uriftifd^ oermertet, 
fd^liefelid^ mie ein ©erüft fallen laffen fönne, mo bann ba& 
©anje ber ed^ten äBal^rl^eit al^ rein pf^d^ifc^eiS äBeltgebäube 
fid^ ent^ütte. 

SDiefer ©ebanfe l^atte mol^l aud^ bi^i^er menig Sluj^fid^t, 
jjemaliS eine greifbare ©eftalt unb eine SDurd^bilbung in^ einjelne 
ju gewinnen. SDie neue 3luffaffung ber ^ntenfität aber mit 
il^rem Haren SRad^meiÄ, bafe eine intenfioe ©röfee nid^tiS weniger 
aU unloerfett ben pfpd^ifd^en ^ätigfeiten eigen genannt werben 
fann, mad^t bie Hoffnung, ba^ ej5 einmal ju einer fold^en lommen 
werbe, ooffenbiS ju nid^te. 

SDen ©lauben an ben wal^ren 33eftanb einer 
Äörperwelt werben wir nn^ alfo nid^t nel^men 
laffen, unb er wirb für bie Slaturwiffenfd^aft immer bie 
^ppotl^efe aller ^ppotl^efen bleiben. 



9?ur rafd^ unb mit wenigen SBorten burfte Ic^ t^ mir er^ 
lauben, l^ier auf mannigfad^e 33elel^rungen l^injubeuten, bie uni^, 
unb felbfi für fernabliegenbe erl^abene fragen an^ einer Älärung 
ber SHatur ber ©innei^intenfität Pieren fönnen. SDa mag benn 



- 79 — 

freüid^ — unb id^ l^abe l^tcr tool^t auf freunbltd^e 3laä)[id^t Sln^ 
fprud^ — tnand^em gar mand^cÄ nid^t ganj bcutlid^ ober nid^t 
übet^eugenb genug erfd^ienen fein. 

3l6er eine SBal^ri^eit von attgemeinfier praftifd^er 83e^ 
beutung, toeld^e bie S^^^age unb unfer gemeinfame« n)iffen== 
fd^aftlid^ej^ ©treben angelet, bürfte jeber, bei bem bie oorl^er^ 
gepflogenen einge^enberen ©rörterungen über Snbioibuation, 
multiple Dualität unb ©innei^intenfität il^re äbfid^t 
nid^t ganj oerfel^lten, iebenfaltö barauj^ gewonnen, ober burd^ 
fte aufj^ neue beftätigt gefunben l^aben: fie l^aben il^m gewife 
mit anfd^aulid^fter JWarl^eit gejeigt, mieoiel uni^ nod^ baran 
fel^lt, ba^ aud^ nur bie elementarften ^Probleme ber reinen 
^ßf^d^ologie ju entfpred^enber Söfung gefül^rt mären. 

SBeld^erlei Slufgaben bie pf^d^ologifd^e gorfd^ung ber (Segen* 
mart al^ bie t)or allem bringlid^ften betrad^ten muffe, ifi l^iemad^ 
leidet erfid^tlid^. 

SDie SReti^obe oerlangt, ba§ man oom @in* 
fad^eren jum ÄompHjierteren fortfd^reite. 

Slud^ mittft ber Arbeit l^ier ber reid^fte Sol^n, 
ba jeber gortfd^ritt in ber ©rfenntni^ be^ @le* 
mentarften, felbft menn flein unb unfd^einbar in 
fid^, feiner Äraft nad^ immer ganj unoerl^ältniÄs: 
mäßig groß fein mirb. 



9(tttit(vftttt||(tt4 



1 (©. 54). ®ic 3lu8brü(!e „^M\ ,,®uttfcr', „Äolorit", 
„©dttigung", auf bcm ©cbictc bc8 ©cftd^tä im bcfonbcrcn üblid^, 
crfd^cincn l^icr burd^ Slnalogic auf alle ©runbflaffcn übertragen. 
®er Sluöbrud „^tU unb ©unfel", auf baö S^ongebiet angcroanbt, 
bedEt fid^ mit bem, maä man l^ier afe ,,$od^ unb S^ief" gu be« 
geid^nen pflegt. @inen jtlang^ beffen Sl^arafter fid^ bem eined bloßen 
©eräufd^ed näl^ert^ n)erben n)ir bagegen im äSergleid^ mit einem 
anberen^ bei bem bad nid^t ber ^aU ift^ eine n)eniger gefättigte 
S^onempfinbung nennen, ^ür bad ®ebiet bed ®efd^mad(ed l^at 
in bejug auf ©ü^ unb Sitter fd^on Slriftoteleä rid^tig bemerft, 
ba^ bad eine }um anberen voxe eine l^eUere }u einer bunfleren 
^arbe pd^ ©er^lte. ®benfo würbe mir auf mein befragen von 
ben Derfd^iebenften $er(onen bie lül^le (Smpfinbung beim älnblafen 
ber §anb im Sergleid^e mit ber warmen beim Slnl^aud^cn mit 
Seftimmtl^eit afe l^eHerer (Sinbrudf bejeid^net. (Sine ®mpfinbung 
t)on Rü^k, menn man fie einer (Smpfinbung t)on ©ü^igfeit ober 
bem ®erud^ einer ßilie Dcrgleid^t, mirb, äl^nlid^ mie 2Bei^ beim 
SJergleid^ mit einer ^arbe im engeren ©inn unb ein ©ejifd^ ober 
anbereö ©eräufd^ beim SJergleic^ mit einem flingenben 2^one, afe 
ungefättigte ©rfd^cinung fid^ ermeifen. ^^ fage bieö, baoon nn- 
beirrt, ba^ man eä nad^ ber üblid^en Älaffififation l^ier auf ber 
einen nid^t ebenfo wie auf ber anberen ©eite mit einem einl^eit« 
lid^en nod^ auf beiben mit bemfelben ©inn }u tun l^aben mürbe. 
®ie ?5rage nad^ bem ^ßrinjip ber 3lbgrenjung ber ©inneögebietc, 
nur von §elml^ol| (bie Jatfad^en in ber aSal^mel^mung) tiwa^ grünb« 
lid^er in ©rroägung gejogen, bebarf nod^ mefentlid^er Äorrefturen. 
@8 mürbe nn^ fel^r weit abfül^ren, wenn mir l^ier un8 eingel^enber 



— 81 — 

mit il^r Bcfd^äftigen rooHtcn. (S)te SSeifpielc laffcn cricnnen — boc§ 
mag cS nid^t übcrflüfftg fein, barauf auSbrütflid^ aufmerffam ju 
mad^en — , bajs ic§ auf bem ©cbiet beä ©d^aHeS nid^t baä, maS 
man „ÄlangfarBe" genannt, ate baä eigcntlid^c 3lnaIogon bcr ^Jarbc 
im engeren ©inn auf bem ©ebiet ber ©eftd^tSerfd^einung anfeile; 
bal^cr i^abc id^ an^ jur SSermeibung r>on 3Sern)ed^feIungen baä 
^rcmbroort „Kolorit" Dorgejogen.) 

2 (©. 58). SBenn ber 3H!orb ce ein fo einfad^er %on 
märe mie c unb e, aber ol^ne felbftänbigen 9lamen, t)ielmel^r nur 
megen einer 3lrt mittlerer Stellung jmifd^en c unb e rclatit) ju 
il^nen benannt, infolge biefeä UmftanbeS für jufammengcfe^t ge= 
l^alten mürbe, fo müjjte baSfelBc nod^ mel mcl^r für einen 3^on 
gelten, ben mir ate eis ober gerabeju als ein unreingcftimmteS 
ttroa^ ju l^ol^eä c bejeid^nen, inbem aud^ biefem fein felbftänbiger 
5lame eignet, unb t)on il^m nod^ mel gemöl^nlidEier geglaubt rotrb, 
baj3 er jmifd^en jroeien bei ber ©laleneinteilung felbftänbig 6e= 
nannten in fojufagen birefter Sinie liege, ©benbarum reid^t bann 
aber aud^ bie analoge @rflärung für ein rötlid^eS 3Bei§ mit bejug 
auf Slot unb SBeijs unb für ein Sitterfü^ mit bejug auf 33ttter 
unb ©üj3 nid^t au^. 3lud^ bei ber ä^it^i^teilung ift eä nod^ 
niemanb eingefallen, ben ä^itpunft, ben mir IV2 ober V22 Ul^r 
nennen, megen biefer auSfd^lie^lid^ relatioen 33eftimmung unb \in= 
felbftänbigen Sejeid^nung für minber einfad^ als ben 3^itpwn!t 
1 Ul^r ober 2 Ul^r unb für einen au^ biefen beiben jufammen^ 
gefegten 3ßi^pwnft ju l^alten. 

©benfomenig juläffig ift bie ©rllärung beS ©d^eineS ber 3^^ 
fammenfe^ung an^ 3lffojiationen auf ®runb oorauSgegangener * 
(Srfai^rung über bie ®ntftel^ungSmeife. S)er SKufüer mürbe fonft 
in einem jum erftenmal gel^örten 3l!forb feines feiner 2^onelemente 
unb bei einer il^m oöHig fremben Klangfarbe ben ^auptton nid^t 
beftimmen fönncn. ^l^nlid^eS roiberfül^re bem SKaler bei einer 
jum erftenmal il^m begegnenben g^arbennuance (unb bei il^rcr un= 
enblid^en SKannigfaltigfeit f ommen il^m täglid^ neue unter ; t)iel el^er 
fann man bejmeifeln, ob il^m je eine oöHig glcid^e mieberfel^ren merbe). 

S)er 3Kufifer analpfiert einen Älang mand^mal mit Sin« 
ftrengung; aber nid^t, inbem er fid^ bie Erinnerung an ein 

ötentono, ©tnneSpf^d^oIoglft^e ^agen. 6 



— 82 — 

frtii^ercö ®ntftel^cn aufzurufen fud^t, fonbcrn inbem er feine 3Cuf= 
mcrffamfeit auf bieö unb jene« @Iement im eingelnen rid^tet. 
Äl^nlid^ Derfdi^rt benn and^ ber 3WaIer, wenn eS ftd^ in einem ^JaHe 
barum l^anbelt }u erfennen, ob nid^t nod^ ein fd^mad^er ©tid^ inä 
fRot ober S3Iau ober SBei^ u. f. f. in einer ^arbennuance oori^anben 
fei. S)a^ er fid^ burd^ bie (Srfal^rungen bei ^ßigmentmifd^ungen 
in bem ©lauben oerleiten He^e, er fe^e in ber ^arbe, roaö gar 
nid^t in il^r entl^alten fei, fann nur ber bel^aupten, ber r>on biefen 
^rfal^rungen fel^r unooHflänbig Äenntniä f)at hielte ber 3WaIer 
ein Drange beäi^alb für rötlid^eS (Selb, meil er ein entfpred^enbeä 
5pigment an^ 3tot unb ®clb mifd^en fann, fo mü^U er, ba er 
gar oft auS ber 3Wifd^ung oon Slot unb ®rün ein ®rau unb au^ 
ber oon Sd^marj unb ®e(6 ein @rün erl^alten f)at, aud^ baju 
gefül^rt morben fein, jenes ®rau für Slotgrün unb biefeö ®rtin 
für gelblid^eä ©d^marj ju erflären. ®a8 tut er nun aber nid^t. 
2lud5 märe feine Sinbilbung babei nid^t minber feltfam aö bie 
eines ^pi^pfiferS, ber, meil er bie @ntftel^ung beS SBei^ an^ einer 
aSereinigung ber fpeftralen ßid^ter fennt, bie 3wfcintmenfe^ung auä 
allen färben beS 9flegenbogenS in il^m ju unterfd^eiben oermeinte. 
3 (©. 59). S)cr um bie pf^c^ologifd^e 3llufti! fo oielfad^ vex= 
biente ^orfd^er 6. Stumpf l^at an biefen SBorten, n>a^ ben ®e= 
l^örfinn betrifft, SCnfto^ genommen. (Sr meint, bie (Srfal^rung jeige 
uns nirgenbs eine Strt oon räumlid^em 3lu^ereinanber oon 2^önen. 
®od^ jeber lann fid^ oon ber Slid^tigfeit beffen, maS id^ l^ier fagte, 
überjeugen, menn er j. 33. abmed^felnb baS eine unb anbere Df)t 
jubrüdt, mäl^renb er bei gefd^Ioffenem 3Kunb einen fummenben 
Saut fortbauernb erregt. S)aS ®efumm, balb oon bem einen, 
balb oon bem anberen Df)x tibermiegenb perjipiert, fd^eint l^er« 
über unb l^inüber ju fpringen. ®a6ei l^ört man beim öffnen beS 
Dl^reS einen gemijfen Rnaü, ber, menn baS ®efumme in bem 
anbern Df)x fd^on begonnen l^at, beutlid^ au^er^alb unb in ort» 
lid^er Entfernung oon il^m gelegen erfd^eint. 3lud^ leiert ©tumpf 
felbft (S3anb ü, ©. 56), bag unS bie tiefen %öm auSgcbel^nter 
erfd^ienen als bie l^ol^en, maS ooHfommen ber SBal^rl^eit entfprid^t 
unb allein bie S^atfad^e begreif lid^ mad^t, ba^ nur ber tiefe 2:on 
ben l^öl^eren, nie aber umgefel^rt, ooUftänbig ju oerbrängen tm= 
ftanbe ift. S)a^ eS infolge fold^er Serfd^iebenl^eit ber SluSbel^nung 



— 83 — 

Im %aü hex ©leid^jettigfcit ju einem 5Re6eneinanber lommen mu^, 
tft unleugbar. Unb Stumpf felbft fommt nur barum nid^t ju 
t)iefer (Sinftd^t, weil er irrtümlicher SBeife meint, jebe ©rfd^einung 
etneä Slebeneinanber muffe auc§ mit beutlid^er Stpperjeption ber 
ifelatioen 2a%en t)er6unben fein. S^^fölgc bat)on roei^ er feine 
"Sel^auptung ber balb größeren, Balb fleineren 2luSbel^nung ber 
^onerfd^einung ju feiner Älarl^eit ju bringen. ®ie „SluSbel^nung" 
n)irb il^m ju einer „Duaft=3tu8be]^nung", ju einem SCnalogon ber 
?luSbel^nung, roeld^eä feine 3Kcl^rl^eit von Seilen l^aBe unb fd^Iie^= 
lid^ gar gu einer in fid^ felbft gar nid^t ju d^araftcrifierenben Se« 
fd^affenl^eit, n)e(d^e nid^t fomol^I eine ^l^nlid^teit mit SluSbel^nung 
f)ahen als un8 ber 2lnla^ merben foH, bie ßrfd^einung ate 3^i^^« 
eines im mirflid^en SHaum auSgebel^nteren @rregerS gu betrad^ten. 
{@8 märe alfo l^ier ber SluäbrudE „Sluöbel^nung" äquioof, mie ber 
Sluöbrutf „©efunbl^eit", wenn mir von einer gefunben ©efid^tS^ 
färbe unb einem gefunben DrganiSmuä reben.) 3i^ benfe, ba^ 
fid^ bieS faum allgemein bemal^rl^eiten mürbe, unb inSbefonbere 
nid^t mol^l bann, mo eS fid^ um baS ©ebrumme einer §ummel 
im 3SergIeid^ mit einem ^^rompetengefd^ metter l^anbclt, unb ebenfo 
tft offenbar, ba^ man fo baS ermäl^nte SSerbrängungSgefe^ nid^t 
mel^r gu begreifen imftanbe märe. 

SKan t)ergleid&e aud^ l^u^erungen oon ©tumpf felbft an anberen 
©teilen feiner ^^onpfpd^ologie , g. 35. II, ®. 441 ff., in meldten 
mir menigftenö bie 2lnerfennung eines pl^änomenalen 3lu^ereinanber 
»on 3Iönen beutlid^ befd^Ioffen fd^eint. 

4 (©. 60). 3Jlan fprid^t von SSerfd^melgung, menn gleid^geitig 
erfUngenbe 3:öne nid^t leidet in il^rer 5!Rei^rl^eit . erfannt merben. 
©ic geigt ©erfd^iebenc ©rabe bis l^erab gu bem ^aü, mo bie 3Ser= 
fd^mclgung nuH mirb, inbem bie 3Rel^rl^eit ftd^ jebem fofort als fold^e 
offenbart, menn er aud^ barum t)ielleid^t nod^ nid^t imftanbe fein mirb, 
bie eingelnen Komponenten gu unterfd^eiben unb in il^rem §öl^en= 
abftanb gu beftimmen. ©tumpf l^at [\6) mit befonberem ©ifer um 
ein tieferes SerftänbniS oon 3Serfd^melgungSerfd^einungen bemül^l. 
@r l^at aber i^ren ÄreiS enger gegogen, als id^ eS l^ier tun möd^te. 
©0 fmb i^m alle 3Serfd^meIgungSgrabe in einer Dtiaoe gegeben, 
©er l^öl^eren Dftaoe, ja ber um baS breifad^e, oierfad^e, fünffad^e t)om 
©runbton abftel^enben fd^reibt er benfelben Srab ber SSerfd^melgung 

6* 



— 84 — 

wie ber erflen Dltace ju ; nid^t afe oB er leugnen rooHte, ba^ bei 
fel^r großem 3l6ftanb jroeier 2^öne ftd^ bie 3«>ci)^cit leidster t)errät, 
fonbern weil er l^ier ben ®runb für bie leid^tere (Srfennbarfeit in 
ber großen ©iftanj ber beiben (Elemente finbet. SBenn aber 3. S. 
fic§ beim §injufommen ber Ileincn ©efunb ium ©runbton bie 
3Kei^rl^eit beuttid^er ©errät alä bei bem ber Duint, lann an ein 
fold^eS ©rflärungSprinjip nid^t gebadet werben. §ier alfo fielet er 
eine befonbere Älaffe t)on glätten, unb ber größere ober geringere 
®rab t)on 3Serfd^meIjung in biefem fo eingefd^ränften ©inn gilt 
xf)m afe eine nid^t weiter ju anal9fterenbe ^^atfad^e. 

^d^ meinerfeitö m'ö^k roeber bieä gugeben, nod^ eS mir t)er= 
meieren laffen, ben 9lamen „3Serfd^meIjung" in weiterer 3luö= 
bel^nung anpmenben. 

3id^ begreife barunter alfo: 

1) ben %aU ber SSerfd^meljung mel^rerer SConelementc, meldte 
fid^ in jebem einzelnen 2^on ber ©fala, für fid^ genommen, nad^= 
mcifen laffen. ®S pnb beren oft nid^t blo^ jroei, fonbern brei,. 
unter meldten aber immer nur eineä ein Jon im engeren ©inne,. 
bie beiben anberen ungefättigte (Elemente finb. ^ie 3Serfd^mel}ung 
ift l^ier fo innig, ba^ fd^ier alle Jonpfpd^ologen, unb inäbcfonbere 
aud^ ©tumpf in feinem großen SBerfe über S^onpfpd^ologie , fie 
oerfennen. 

2) ted^ne id^ ju ben fällen ber SSerfd^meljung benjenigen, wo 
ein Jon als §auptton fid^ mit mel^reren anberen als 9lebentönen ju 
einem Älang oerbinbet. ®ie 3So!ale gel^ören l^ierl&er. 3lud^ l^ier ift bie 
SSerfd^meljung fo innig, ba^ t)ielc gar nid^t al^nen, ba^ eS eine 
SSiell^eit t)on 9lebent6nen ift, meldte bem §auptton feine Älang= 
färbe gibt, gefd^roeige, ba^ fte imftanbe mären, fie im einzelnen 
naml^aft ju mad^en. 

Selannt ift bie Jatfad^e, ba§ ^erfonen, meldte, ol^ne jebeS 
fogenannte mufifalifd^e ©el^ör, fid^ au^erftanbe ermeifen, einen 
©injelton ober avai) ein in 3Jlelobie unb 3l!!orben gegebenes Jon^ 
Derl^ältniS mieber juerfennen , bie befonbere Älangfarl&e eines 3«= 
ftrumenteS ober einer ©timme unb inSbefonbere aud^ bie Eigenart 
jebeS SSofaleS aufs leid^tefte ju unterfd^eiben oermögen, obmol^l 
man gerabe l^ier, mo eine gro^e 3JlannigfaltigIeit oon Jonen unb 
jjeber für fid^ in fel^r geringer ^^tenfität in 33etrad^t lommt, eine 



— 85 — 

BefottberS feine Unterfd^eibung x>on S^onqualitäten unb S^onabftänbcn 
für bie unentbel^rlicl^e SSorauSfe^ung einet fold^en Seiftung ^Iten 
möd^te. ©ie fel^It fd^Ied^terbingS, unb tro^bem gelingt bie 6r- 
faffung beö gemeinfamen ßl^arafterä, roeld^en in biefem ©inn 
gleid^artige 2^ongtuppen a(g ©anje l^aBen^ aufd leid^tefte unb t)oI[= 
fommenfte. 

3Wit einem befonberen §(il^ent)erl^ältnis ber ju t)erfci^meljenben 
©lemente \)ai biefe 3lrt ber SJerfd^meljung ebenfowenig afö bie an 
erfler ©teile naml^aft gemad^te etvoa^ ju tun. 

@S fnüpfcn fid^ an pe fel^r merfroürbige ^Jolgen, me j. 33. 
bie 3KögKci^feit ber Unterfd^eibung ber jwei ^^ongruppen, wenn 
ein a unb o gleid^jeitig, fei eä mit ©erfd^iebener, fei eö mit glcid^er 
Sage beS ^aupiione^ gefprod^en ober gefungen werben unb ü6er= 
i^aupt bie ber rid^tigen SSerteilung ber 9lebentöne auf jmei ober 
tnel^rere gleid^jeitig erflingenbe §aupttöne oerfd^iebener ©timmen 
ober 3ittftrumente, mögen btefelben qualitativ ungleid^ ober aud^ 
^leid^ fein unb im (enteren ^aKe mit ungleid^er ober au^ gleid^er 
Sintenfität erflingen. 

divoa^ bamit SermanbteS liegt aud^ t)or, menn t)on ben ein 
unb benfelben ^auptton begleitenben 5Rebentönen jmei ©ruppen 
in ber Unterfd^eibung auSeinanber treten, alfo jebe t)on il^nen in 
pd^ eine innigere SSerfd^melgung als mit ben jur anberen Oruppe 
■gcl^örigen 9febentönen jeigt, mie bei Umlauten mie ä, ö, mo 
beifpieteroeife t)on bem erften leidet erfannt roirb, ba& feine Älang= 
färbe an^ jmcien, beren eine ber Klangfarbe beS a unb beren 
anbere ber Klangfarbe beS e na^cfommt, beftel^t. 

3) ®ine weitere Klaffe bilben bie ©erfd^iebenen ©rabe ber 
aSerfd^meljung , meldte fid^ innerl^alb einer Dltaoe in abfteigenber 
fjolge für Duint unb Duart, gro^e 2^erj unb gro^e ©ejt, fleine 
2;erj unb Heine ©ejt, grofte ©efunb, Heine ©efunb u. a. jeigen. 
S)ie8 ift ber %aU, ben ©tumpf im befonberen im Sluge l^at, inbem 
er il^m au^ nod^ ben unterorbnet, bem mir in bem folgenben 
eine ©onberfteHung ju geben Dorjiel^cn. @S ift bieä: 

4) ber ^aH ber SSerfd^meljung beS OrunbtoneS mit ber DItaDe, 
meldte inniger ift als alle in ber t)origen Klaffe jufammen= 
gefteHten unb ol^ne 3Kitbcrüdffid^tigung eines eigentümlid^ neuen 
•®runbeS nid^t t)ollfommen erflärbar fein mirb. ®ie größere 



— 86 — 

Snntgfett befielet' ^xex gegenüber ber bei ber Duint n)ie aud^ ber 
biefer lieber gegenüber ber bei ber großen %exi ober gar ber 
f leinen ©efunb Iro^ beS weiteren 2^onabflanbe8 in ber ©fala^ 
S)oc§ ift: 

5) biefer an unb für pd^ t)on Stadtteil. Unb bieä jeigt fid^ 
j. 85. barin, bajs btc l^öl^ere Dftaoe nid^t fo gut als bie näd^ftfolgenbe^ 
unb jebe nod^ l^öl^ere nod^ weniger afö biefe, mit bem ©runbton 
Derfd^miljt. 3« biefem %aSl werben mit ber 3Kel^rl^eit gugleid^- 
jebeSmal aud^ bie qualitatioen Sefonberl^eiten ber S^öne unb il^r 
größerer ober geringerer 3l6ftanb jum Sewu^tfein fommcn. 

6) SBenn eine Serbinbung oon ©runbton unb Heiner ©efunb,. 
weld^e in mittlerer 3:onIage fid^ fo leicht als 5!Jlel^rfIang oerrät,. 
in fel^r tiefer ober fel^r l^ol^er Jonlage gegeben ift, fo wirb fie 
leidet als 3Kel^rl^eit oerfannt, unb baäfelbe gilt von ben anberen 
l^ier an vierter ©teile, alö %äüe geringerer 3Scrfd^meljung, naml^aft: 
gemad^ten ^w^cif langen. @ö ift flar, bajs l^ier ein befonberer 
Umftanb ber nad^ bem bort gegebenen ®efe^ ju erwartenben 
Seid^tigfeit ber ®r!enntniS entgegenwirfen mn^. 

Um junäd^ft oon bem britten g^aH ju fpred^en, ben ©tumpf, 
wie gefagt, als eine nid^t weiter ju analpfierenbe S^atfad^e be= 
trad^tet, fo fd^eint mir für il^n in brei SKomenten ein ©rflärungS» 
grunb gegeben. 

®aS eine liegt in ber ©ewol^nl^eit, gcwiffe 3;öne als 9leben=^ 
töne in nid^t ganj geringer ©tärfe mit anberen als ^aupttönen. 
burd^ einl^citrid^e äußere ®rreger erwedEt ju feigen. ®ar oft Ion=^ 
funbieren wir ja bie ©ini^eit ober 3Rel^rl^eit beS S^^^^^^ wtit bet 
@inl^eit ober 3Kel^rl^eit beffen, worauf eS l^in weift. Unb fo mögen 
wir eS uns benn angewöl^nt l^aben, gewiffe 2^öne, wenn fie jufammen= 
Hingen, aud^ in fid^ felbft als eine Sinl^eit anjufel^en. S)od^ id^- 
mu^ geftel^en, ba^ id^ biefeS 5iJloment für baS l^ier in feiner Äraft: 
fd^wäd^fte l^alte unb il^m nur etwa bei ber Dftaoe einen einiger^ 
ma^en bebeutenben ®influ^ jufd^reiben fönnte, wo aber aud^, wie 
gefagt, nod^ anbereS unb ganj ©igentümlid^eS oorliegt, waS bie 
SSerfd^meljung begünftigt. 

S)aS jweite beftel^t in Sefonberi^eiten ber begleitenben ®e= 
fül^le. (Sin ©efül^l begleitet nid^t blo^ ben 5!Jlel^rf lang , fonbern. 
aud^ fd^on jeben einzelnen 2^on unb ift l^ier (oon trotten über*- 



— 87 — 

trieben geftctgcrtcr Sntenfität abflefel^en) burd^rocg ein angenei^meä 
}u nennen. Sei ben 8^^^^^^^%^^ ip oft baä ©egenteil ber ^all^ 
inbem fte entroeber fc^Ied^tl^in unangenel^m finb, ober roenigftenS 
ein unangenei^meS ©efüi^I fid^ einmifd^t. Umgefel^rt ift mand^er 
SKel^rflang burd^ einen befonberen guroad^S von ßuftgefüi^I t)or 
iebem ©injelton auSgejeid^net, roie bieä (um l^ier nur von 3roci= 
flängen ju fpred^en) inSbefonbere von ber großen 2:erj, bie fid^ als 
SBol^lflang bereits bem ^reillang näl^ert, foroie von ber großen 
©ejt, ttwa^ minber aber t)on ber Duart unb nod^ weniger von 
ber Duint gefagt werben lann. ©o wirb benn in bem erfteren 
2^eil ber glätte (unb fo fd^on bei ber wel^mütigen fleinen 2^erj, 
Keinen ©ejt unb Ileinen ©eptime, ungleid^ mel^r aber bei ber 
großen ©efunb, großen ©eptime unb Ileinen ©efunb) baS 3luf= 
treten eines entgegengefe^ten ©efül^IS, bei bem jmeiten aber, unb 
inSbefonbere bei großer 2^erj unb großer ©ejt, nid^t aber ganj fo 
leidet bei ber Duart unb nod^ weniger bei ber Duint bie beträd^t* 
lidl^e ©teigerung beS angenel^men ©efül^IS jum SSerräter. ®ie %aHe 
von ©egenfa^ mad^en fid^ natürlid^ am meiften unb ber eines auS- 
gefprod^eneren mel^r als ber eines minber auSgefprod^enen, auf= 
fällig. 6s ift fei^r natürlid^, ba^ bei fo äu^erlid^em 3ln]^alt bie 
Sefonberl^eit ber ^Tonqualitäten unb bie ®rö^e il^reS SlbftanbeS 
gan} verborgen bleiben fönnen. 

@in brittcS enblid^, unb baSjenige, weld^em oielleid^t bie oor= 
jüglid^ftc unb (ba eS für 3Jlufi!alifd^e wie Unmufilalifd^e gegeben 
ift) fidler bie aHgemeinfte Sebeutung julommt, ift baS einer gewiffen 
Unrul^e in ber ©rfd^einung burd^ merllid^ere ©d^wanlungen ber 
^artialintenfitäten unb beS baoon abl^ängenben qualitatioen ^urd^- 
fd^nittSd^aralterS bei gewiffen S)oppelIlängen im SSergleid^ mit 
anberen. @S beftel^en biefelben in (freilid^ nur ganj inbireltem) 
3ufammenl^ang mit ber ©leid^mä^igfeit ober Ungleid^mä^igfeit 
fufjeffioer Drbnung ber aSeHenl^öl^en unb SBeHentiefen ber beiben 
erregenben S^onweHenjüge. @S ift baraufl^in Ilar, ba^ bie ®leid^== 
mä^igfeit bei ber SSerbinbung mit ber Duint relatio gro^ fein 
mn^, wäl^renb SSerbinbungen wie bie mit ber Ileinen ©etunb ganj 
befonberS merllid^e ©d^wanlungen jeigen muffen. ®iefer Untere 
fd^ieb l^at nur jeitlic^e ßolalifation jur SSorauSfe^ung. S)a^ 
aud^ l^ier ftd^ mit ber SKel^rl^eit nod^ nid^t o^ne weiteres bie fpegi^ 



~ 88 ~ 

fifd^cn S)tffercnjcn hex ^Tonqualitäten ©erraten, wirb ben nid^t 
rounberncl^mcn, bcr fid^ baran erinnert, me fid^ oft in peripl^erifd^en 
Steilen ber 5le|l^aut eine Serocgung afö fold^e merflic^ ma^tn 
fann, ol^ne ba^ man anjugeBen ©ermag, in weld^er SHid^tung fte 
ftd^ ooKjiel^t. 

Sei bem vierten ^aUe finben roir einerfeitä biefelben SKomente 
im aKerl^öd^ften SKa^e ber Unterfd^eibung ber 3Kel^rl^eit oon Jonen 
ungünftig. SlnberfeitS fommt aber nod^ i^inju, ba^ bie Dftaoe 
ganj biefelBen S^onelemente mie ber ©runbton, menn aud^ in anberen 
quantitativen SSerl^ältniffen, in ftd^ vereinigt. Stud^ l^ier vermeifen 
mir auf ben folgenben SSortrag über bie erften (Elemente ber Jon« 
qualitäten. 

Unb biefem fönnen mir aud^ bie 5!JlitteI jur Stufllärung beS 
fed^ftcn ^aüe^ entnel^men. ®r mcift nämlid^ na^, mie von ben 
S^onelementen eines in ber ©fala fel^r tief ober fel^r l^od^ ge= 
legenen 2^one8 baöjenige, meld^eä aHein im engeren ©inn 2^on 
ift, neben feinen ungefättigten (Elementen beinal^e oerfd^minbet, unb 
biefe felbft l^ier für einanber nal^e liegenbe S^öne ber ©fala in 
faft gleichem 5!Jla^ gegeben fmb. S)a8 befonbere ©efüi^I, meld^eS 
fid^ an biefe ungefättigten Elemente fnüpft, bominicrt barum faft 
auSfd^Iiejslid^. Unb fo lann benn an^ meber bad einer Siffonanj 
nod^ baS einer ^onfonanj oon 2^one(ementen im engeren ©inne 
eigentümlid^e 3Bel^= ober SBol^lgefüi^I fid^ bei einem fo tief ober 
fo l^od^ gelegenen 3Kel^r!Iang irgenbmie afe Kriterium geltenb 
mad^en. '^a bie Üöne fönnen um fo meniger leidet als SKel^rl^eit 
fid^ verraten, als fie fogar (äl^nlid^ mie ein ejtrem oermei^Iid^teS 
ober verfd^roärjlid^teS SRot unb ein extrem vermei^Iid^teS ober ver= 
fd^märjIid^teS Slau) leidet miteinanber vermed^felt merben fönnen. 

3Son biefen brei fällen unterfd^eiben fid^ bie brei nod^ übrigen 
in fel^r bead^tenSmerter SBeife baburd^, ba^, menn l^ier überl^aupt 
bie 2Rel^rl^eit, jebeSmal jugleid^ mit il^r aud!^ bie (Sigenart ber 
©lemente bemerft mirb. Unb fie finb eS, für meldte, meines 
©afürl^altenS, bie Sofalifation, freilid^ aujser ber räumlid^en mol^l 
aud^ bie jeitlid^e, @rfIärungSmitteI liefern mu^. 

SRäumlid^e Sofalifation bürfte oiellcid^t auSfd^lic^Iid^ jur (Sr= 
flärung beS fünften ^JciHeS angerufen merben, fofern eS mal^r ift, 



— 89 - 

ba^ tiefe %'6ne in weiterer SluSbreitung ben §örraum erfüllen ate 
l^öl^ere. Qß^l. bie vorige Slnmerlung.) 

Sei ben Klangfarben l^at oft fidler bie jeitlid^e Sofalifation 
einen @influ^, ba, n)ie fd^on §elml^oI| auöfül^rt, bcr 3^on eines 
ÄlaDierS unb ber Jon eines ©treid^inftruments unb fo a\x^ anbere 
befonbere inftrumentale Klangfarben burd^ bie 2lrt, wie ber 2^on 
in feiner ©tärle anfe^t unb oerläuft, fid^ unterfd^eiben. @S fd^cint 
aber barum ein 3KiteinfluJ3 lolaler SSerteilung nid^t burd^roegS an^^ 
jufd^lie^en. 

Unb auf il^n werben wir benn aud^ jur 3lufllärung ber jwei 
erften ^äUe unö berufen muffen. 

2lud^ unter ben in il^ren einzelnen Seftanbtcilen unmerllid^en 
©emengen lönnen fold^e fein, bei roeld^en bie ^^eild^en räumKd^ 
größer, unb fold^e, bei weld^en fie räumlid^ Keiner finb, unb eS 
lönnen fid^ gleid^ jufammengefe^te aud^ als ©anje unmerflid^ 
Heine ©ruppen wieberl^olen unb ju größeren aber bod^ nod^ immer 
im einjelnen unmerflid^en ©ruppen t)erbinben. 3Kan l^ätte bann 
etvoa^, maS an bie engeren ©ruppen innerl^alb eines auS 3KoIe= 
lülen jufammengefe^ten, lomplijierteren SKoIelüIS erinnern mürbe. 
6s fönnte bann bie ^olge fein, ba^ bie Sufammenfe^ungen aus ben 
gleid^en ©ruppen fid^ ebenfo ober nod^ mel^r als bie 3wfammen= 
fe^ung ber einzelnen ©ruppen aus ben Elementen bemerflid^ ma^tt. 
Unb fold^e ©ruppen mögen balb auS §aupttönen in SSerbinbung mit 
5Rebcntönen, balb auSfd^lie^lid^ aus 5lebentönen für fid^ beftel^en. 

S)iefe Semerfung im allgemeinen entl^ebt mid^ beS ©ingel^enS 
auf jeben einzelnen ^aH, ba il^re Slnmenbung barauf f einerlei 
©d^mierigfeiten mel^r bietet aujjer jenen, meldte burd^ ben ©d^leier, 
ber uns baS unmerflid^ Kleine vtxf)üüt, gegeben, ber g^orfd^ung 
unbefieglid^e ©d^ranlen fe^en. 

@S ift flar, ba^.ber erfte 3=all mit bem 3=alle ber multiplen 
3^arben, mie j. 35. Drange, SBei^lid^rot, S)unfelblau u. bgl. be= 
fonbere SSermanbtfd^aft l^at. S)ie ©rllärungSprinjipien merben 
barum l^ier unb bort aud^ mefentlid^ biefelben fein muffen. 
Slud^ ift es für bie t^^rben Ilar, ba§ fid^ (abgefel^en ©ielleid^t von 
fd^mu^igen ©emengen aller mit allen, bie fid^ burd^ befonbere ©e* 
fül^lStöne mel^r als burd^ ein ^eroortreten oon g^arbenqualitäten 



— 90 — 

BcmerlKd^ mad^cn) mit bcr 3RuIttpKjität immer jugleid^ bic 2lrt ber 
fomponicrcnben %axhen ©errät. 

3tt bcm Vortrag fclbft i^aben mir barauf aufmerffam gemad^t^ 
mic bie ©rfd^einunflen beim SBettftreit ber ©el^felber befonberö ge^ 
eignet finb, unS über bie 9latur ber multiplen Dualität aud^ im 
allgemeinen ju Belel^ren. Stud^ Bei ber @rflärung ber 5pi^änomene 
ber 3Serfd^meIjung ber 2^öne mirb eä gut fein, ftd^ il^rer ju er^ 
innern. ^aben mir eö bod^ bort, mo bic ßrfd^einungen ftd^ balb^ 
in größeren, balb in fleineren unb fd^Iie^lid^ unmerflid^ Keinen 
Steilen t)ermengen, aller SBa^rfd^einlid^feit nad^ aber aud^ ba, wo 
bie Keinen ^ledfen unmerllid^ geworben, nod^ mit balb fleineren 
balb größeren, unmerllid^ Keinen S^eild^en ju tun. SEBenn baS eine 
5!Jlal bie SJermengung eine innigere ift als baS anbere 9Kal, fa 
muffen babei ®efe|e malten, unb eine genauere ©rforfd^ung biefer 
®efe|e bürfte an^ für baS SSerftänbniS ©erfd^iebener SSerfd^meljung8= 
grabe bei S^önen Sid^t gewinnen laffen. ©oUte eS fid^ g. 33. jeigen,. 
ba^ gleid^mä^ig Dermei^lid^te Starben unb gleid^mä^ig t)erbunfelte' 
beffer im SBettftreit miteinanber oerfd^meljen, alä eine ftarf vex= 
mei^lid^tc mit einer ftarf ©erfd^märjUd^ten, fo mürbe bieS ben ®e= 
banlen nal^e legen, aud^ für bic 5Catfad^e, ba^ glcid^mä^ig l^od^=^ 
gelegene unb (mie ber SSortrag über bie erften (Elemente ber 
^Tonqualitäten jeigen mirb) barum f. j. f. gleid^mä&ig t)ermeij5= 
lid^te Jone unb anberfeitS gleid^mä^ig tiefgelegene, alfo f. j. f. 
gleid^mäjsig ocrfd^roärjlid^te, beffer als ein ftarf ©ermei^lid^ter unb 
ein ftarf oerfd^märjlid^ter miteinanber oerfd^meljen , in biefem 
analogen Serl^alten einen befonberen ©runb gu fud^en. Unb fo^ 
eröffnen fid^ ber gorfd^ung l^ier überl^aupt oielleid^t nid^t un= 
intereffante neue ^erfpeftioen. 

3Bir l^aben in ber oorigen 3lnmerfung l^eroorgel^obcn , ba^ 
eine lofale ©ifferenj oon Jonerfd^einungen fid^ ganj befonberS 
beim ejflufioen §ören mit bcm einen ober anbern Df)x bemerflid^ 
mad^e. galten mir bamit bie 2^atfad^e jufammen, ba^ nad^ ber 
2lngabe oon ©tumpf (Sb. n, ©. 138) berfelbe 3meiflang ftd^- 
leidster anal^fieren lä^t, menn ber eine 2^on oor bem einen, ber 
anbere oor bem anbern Df)x erregt mirb, fo fd^eint fie bie oon 
un^ ben pl^änomenalen DrtSoerl^ältniffen jugefd^riebene Sebcutung 
JU iHuftrieren mol^l geeignet. 



— 91 — 

Slu^cr bcm, waö id^ l^icr ocrmutungStDCtfc ü6cr Scfonbcre ®r= 
letd^terung unb ©rfd^tDcrung gcn)if|er 3lppcrjcpttottCtt burd^ gröbere 
ober feinere SSermengungen ber unmerflid^ Ileinen Üetle gefagt f)abe, 
barf eä aber aud^ nt^t unbead^tet bleiben, ba^ eä nod^ weitere S3e- 
bingungen gibt, roeld^e geroiffe fonbernbe 3luffaffungen t)or anberen 
begünftigen. S)ie @rfal^rung beö ©inbrudEö, weld^cn ein oioletteö 
Äleib, n)0 eS unoerfd^Ieiert ift, mad^t, lä^t unS ben beS bläulid^eren 
3Siolett, weld^en n)ir, voo eä t)on einem blauen ©d^Ieier bebedft ift, 
empfangen, junäd^ft nic^t forool^I in 33Iau unb SRot, als in Slau unb 
ein }n)eite§ nur Derl^ältnigmä^ig ftärfer geröteted äSiolett }erlegen. 
tN^ rnni benn n)o^I m^ bie Dorgängige Selanntfd^aft mit 
bem ßi^aralter ber Klangfarbe jebeS Don jmei jufammenllingenben 
Snftrumenten unb bie mit Klangfarben t)on a unb e, menn bann ä 
gehört wirb, mit befonberer Seid^tigfeit auf ©onberauffaffungen ber 
bctreffenben ©ruppen fül^ren. 5Rur n)o eine fold^e ©orgängige (Bx- 
fal^rung nid^t beftänbe, märe man auSfd^lie^lid^ auf bie Dorl^er 
t)on uns auSgefprod^enen Vermutungen angemiefen. ®a^ man eä 
aber an^ im anberen Stalle burd^megS nod^ mit Unterfd^eibungen 
ju tun l^abe, meldte ol^ne ein lofaleS Slebeneinanber unmerflid^ 
fleiner Steile unmöglid^ mären, fd^eint nad^ allem frül^er oon unä 
ßrörtertcn gefid^ert. 

3d^ ffCib^ in biefer Darlegung bie SJerfd^meljung in bem ^aHe, 
meldten ©tumpf auSfd^lie^lid^ mit bem Flamen bejeid^net, auf (St- 
IlärungSgrünbe gurüdEgefül^rt, meldte aud^ er irgenbroie in SRed^nung 
gejogen, aber fd^lie^lid^ alä ungeeignet ©erroorfen l^at. 3Ber bie 
©eroiffenl^aftigfeit biefeS ^orfd^erS !cnnt, bejmetfelt t)on oornl^erein 
nid^t, ba^ er bieS nid^t ol^ne eingel^enbe SKotioierung getan l^aben 
merbe. SBir l^aben, um ber S)arlegung nid^ts Don il^rer über« 
ftd^tlid^feit ju benehmen, junäd^ft Don H)x abgefel^en, je|t aber 
l^alten mir unS bod^ für t)erpflid^tet, bie fid^ auä il^r ergebenben 
(ginroänbe nad^ SKöglid^Ieit ju entlräften. 

1) ©tumpf leugnet, ba^ ©d^manfungen, bie bei biffonieren= 
ben, nid^t aber ebenfo bei fonfonierenben ^önen fid^ merflid^ 
mad^en, ber Slnl^alt leid^terer Unterfd^eibung werben lönnten. 

a) SBeil ©d^manlungen ber ^ntenfttät aud^ bei ber ^intermittenj 
eines einjigen Jones gegeben feien. 



— 92 — 

b) 3Bctl er fonftatiert l^abcn roitt, ba^ bie ©d^roanlung cnt= 
fattc, roenn bic jroci 2^önc mit ocrfd^icbcncn Dl^rcn gcl^ört rocrbcn, 
roäl^rcnb bie Unterfd^iebc beS Scrfd^mcljunöSörabcS ftd^ a\xd) bann 
fül^lbar mad^cn. 

c) 3Beil es nid^t angcl^c, bic ©igcnl^citcn bcr %öne mit @i9cn= 
l^eiten bcr SBcttengänge in fold^en äuf^ntmenl^anc^ ju bringen, ba 
nid^t biefe, fonbern d^emifd^^pj^pftologifd^e Vorgänge bie näd^ftcn 
grreger feien. 2)iefe aber fönnten mir unmöglid^ äl^nlid^en 
©uf jeffionäoerl^ältnif[cn unterworfen benfcn. 

d) SBcil ©d^roanfungen , bie mit ber ÄombinationSmcife ber 
©inuSmeHenrei^en ^ufammenl^ängen, nid^t ebenfo ftattfinben würben, 
xoenn bie 2^öne auf anbere Slrt, unb inSbefonbere ganj fubjeftio 
in ^l^antafic unb §allujination erregt werben, mäl^renb bie Jone 
bod^ aud^ l^icr als fonfonierenb unb biffonierenb fid^ unterfd^eiben. 

3Bir antworten: 

ad a) 3wifd^en ben ©d^wanlungen bei S^termittenjen unb 
bei biffonierenben 2^önen beftel^en wefcntlid^e Unterfd^icbe. 2)ort 
fd^wanft nur bie S^tenfität beS ©anjen, nid^t aber jwei 2:eil= 
intenfitäten unb fomit beftel^en bort nid^t ebenfo wie l^ier qualitative 
©d^wanfungen, wie fie j. S3. aud^ bei Starben gegeben wären, wenn 
ein Drange balb mel^r rötlid^, balb mel^r gelblid^, ober ein SSiolett 
balb mel^r rötlid^, balb mel^r bläulid^ würbe. 2)aju fommt, ba^ 
jene 3i^termittenjen eine ©leid^mä^igfeit jeigen, bie l^icr in ben 
glätten ftärferer 3)if[onanj nid^t ebenfo gegeben ift, unb ba^ bei 
ben eingelnen ©tö^en bie ©leid^l^eit beS wieberfel^renben 2^oneS ftd^ 
fd^on äl^nlid^ merflid^ mad^t, wie wenn ein unb biefelbe 2^afte 
mel^rmalS nad^einanber angefd^lagen wirb. 

ad b) @S ift unmöglid^, ba^, wenn mit oerfd^iebenen Dl^ren 
gel^ört wirb, ^ntenfitätSoerfd^iebungen nid^t ebenfo ftattl^aben. Söer 
bieS leugnete, mü^te ja aud^ in Slbrebe ftellen, ba^ baS §ören mit 
jwei Dl^ren überl^aupt ju einer 3Serftärfung ber Jone fül^rt. 

ad c) §iegcgen fönnen wir unS auf ben 3Sergleid^ mit ben 
SSntermittcnjcn berufen, beren ^l^afen fidler mit ^l^afen beS 9öellen= 
gangS jufammenl^angen, unbel^inbert burd^ ben Umftanb, ba^ ber 
aSettcngang nur baS entferntere StntejebenS ift. 2Bir muffen wol^l 
annel^mcn, ba|5 bie d^emifd^en 5ßrojeffc, weld^c »ermitteln, an ber= 
felben ^criobijität teilhaben, waS im attgemeinen fo wenig nn= 



— 93 — 

benfbar fd^cint, ba^ ja mand^c auf bcn ©cbanlcn lamen, bcr §9po= 
tl^efc bcr ätJ^erroellen fclbft bic §9potl^cfc t)on pcriobifd^ fid^ n)icbcr= 
l^olcnben d^emifd^cn 5ßrojeffcn ju fubftttuieren. 

ad d) ^l^antafie unb ^attujination fmb nid^t blo^ in il^ren 
Dualitäten, fonbern aud^ in bcr Slrt, roie fte fid^ gefetten, t)on ben 
urfprünglid^en ©enfationen fel^r roefentlid^ beeinflußt. 3Bie bei 
ber Sleprobuftion t)on Klangfarben (oon S^ft^^^n^^^ten, Stimmen, 
©prad^lauten), wirb fid^ bie§ aud^ bei ber Sleprobultion oon Äon= 
fonanjen unb 2)iffonanjen gcltenb mad^en. 

2) ©tumpf leugnet aud^, baß ber Umftanb, baß geroiffe %öne 
gcroöl^nlid^ afe 9icbentöne in beträd^tlid^er ©tärfe mitgegeben finb, 
baju beitragen fönne, baß fie, im 3)oppelIlang miterfd^einenb, 
il^n roeniger leidet in feiner ©oppell^eit erfennen laffen. @r meint, 
bieä fönnte nur fein, roenn man gemiffe 2:§eorien oon inbiffolubler 
Stffojiation unb d^emifd^er 5!Rifd^ung t)on Slffojiationen annäl^me, 
bie er mit SRed^t üermirft. 

Mein nid^t ebenfo oerroerflid^ ift e§, roenn einer fid^ auf bie 
2^atfad^e beruft, baß mir bei fragen nad^ ©in^eit ober SSiell^eit 
oft bie nad^ ber ©inl^eit ober SSiel^eit beS 3^^^"^ ^i* ^^^ ^^^ 
ber ©inl^eit ober SSiell^eit beffen, worauf e§ beutet, fonfunbieren, 
wie einer j. S3. t)on jroei in geroöl^nlid^er Sage eine fleine Äugel 
gemeinfam bcrü^renben ^ingerfpi^cn meinen fann, nur einen @in= 
brudE ju empfangen, nid^t aber ebenfo, roenn er bie ?Jinger gefreujt 
mit il^r in S3erül§rung bringt. 2lud^ baS SSerfennen geroiffer glätte 
gemol^nl^eitSmäßigen ©oppeltfel^enS fönnte als ©rläuterung bienen. 
2luf ©runb fold^er ®rfal§rungen begreift eS fid^ ooHfommen, roarum 
mir geroiffe 2:öne, bie mir me^r ate anbere gemöl^nt finb, infolge 
ber Sinroirfung eines SrregerS ju empfinbcn, nid^t bloß als 
3eid^en für einen fold^en einl^eitlid^en ©rreger, fonbern in fid^ 
felbft als ©inl^eit betrachten. 

3) ©tumpf beftreitet au^, baß bie ©efü^le einen Sln^alt für 
bie 3Kel§rl^cit ber 2^öne bei minber fonfonierenben ^w^^i^l^^Ö^^ 
bilben fönnten, einmal weil Unmufifalifd^e biefe ©cfül^le nid^t l^aben 
unb bod^ aud^ bie Unterfd^iebe ber 3Serfd^meljungSftufen bemcrfen 
laffen. ©emiffe ^erfonen, mit benen er SSerfud^e angeftettt, l^ätten 
i^m auSbrürflid^ erllärt, baß fie oon einer bcfonberen 2lnne^mlid^= 
feit ober Unannel^mlid^feit nid^tS oerfpürten. 2)ann, weil er meint. 



— 94 — 

baS aScr^ältniä muffe baä gcrabc umgcfcl^rte fein ; nid^t bie ®ef ül^Ie 
Urfad^e oerfc^iebener ®rabe ber SSerfd^meljung, fonbern bie S5er= 
fd^meljungSgrabe Urfad^e \>on SJerfd^iebenl^eiten ber ©efül^Ie. 

SBaS baS @rfte anlangt, fo beroeift bteä nid^t§ bagegen, ba^ 
bie ©efül^ISunterfd^iebe bei benen, bei roetd^en fte gegeben ftnb, 
alfo roenigftcnS bei ben ÜKuftfalifd^en einen ganj »orjüglid^en 2ln^ 
l^altSpunft bieten fönnen, jumat ja biefe fid^ in Slnfel^ung ber 
Unterfd^eibung von 2)iffonanjen unb Äonfonanjen unb ©inl^eit 
unb Siell^eit weitaus im SSorteil jeigen. 5)ieS roeift ja bod^ 
barauf l^in, ba§ fte nod^ befonbere Kriterien beft^en, beren bie 
anberen ermangeln. 

2)er anbere ©ebanle aber ift mir laum oerftänblid^. 2)ie 9Ser= 
fd^meljung befielet in nid^tS ate in einer größeren ©d^roierigfeit, 
bie SJlel^r^eit ju erfennen. 3Bie fotten ein blo^eS 9lid^t=fo«Ieid^t= 
erfennen=fönnen unb anberfeitä ein 2eid^ter=erfennen=fönnen, alfo 
foüufagen eine größere ober geringere 9öal^rfd^einlid^feit beS 6r= 
fennenS ju ben mirflid^en ©efü^len als Urfad^e in SBejiel^ung ge= 
brad^t werben? ©eroi^ lie^e fid^ bieg el^er nod^ t)om roirllid^en 
©rfcnnen im ©egenfa^ jum 9iid^terfennen oermuten. Slber aud^ 
bann (unb ä^nlid^ unter ber fd^on foeben a\x^ anberem ®runb 
jurtidgeroiefenen ainnal^me), mie fottte man eS glaubl^aft finben, 
ba^ bie ©rfenntniS, bie bei fleiner ©efunb, großer ©efunb unb 
anberen ein unangenel^mcS ©efül^l, bei ber Quart unb großen 
2^erj ein angenel^meS ©efü^l l^eroorbringen werbe? 2lbgefel^en 
baoon, ba^ eS offenbar ift, ba^ eine mirflid^e ©rfenntniS ber 
3Ke§rl^eit, inSbefonbere in ben fällen ber erpl^ten 2lnne§mlid^feit, 
oft ganj unb gar unterbleibt. 6ä fd^eint, ba^ eS Stumpf l^ier 
begegnete, ben 3Serfd^meljungSgrab mit ber t)on il^m l^ppotl^etifd^ 
ftatuierten p^pfiologifd^en SSebingung beS SBerfd^meljungSgrabeö 
}u ibentifijieren. Slber biefe pl^pfiologifd^e S3ebingung einmal als 
roirflid^ angenommen, warum follte fie nid^t junäd^ft bie ©efül^le 
l^eroorrufen unb bann erft fefunbär ben 2ln^alt ju jener ©rfenntniä 
ber 5!Re^r^eit liefern fönnen? S^b^nfattS feigen wir infolge ber 
Übung, bie ja bod^ aud^ ju einer bleibenben pl^pfiologifd^en 2)iä» 
pofition geführt l^aben wirb, jwar aud^ bie ©rfennbarfeit als 
SWel^r^eit gefteigert, aber bod^ bie eigentümlid^en ©efül^le für Äon= 
fonanj unb S)iffonanj barum nid^t alteriert. 



— 95 — 

Srroägen wir nod^ ctroaS genauer, roorum eS fid^ l^anbelt. 
es foff etwas angegeben werben, roaS in geroiffen glätten im Unter= 
fd^ieb von anberen unS jur SrfenntniS ber SWel^rl^eit t)on Sönen 
in bem gegebenen 3weiflang fül^rt, ol^ne ba^ oielleid^t babei bte 
befonbere Dualität jebeS 2^oneS ftd^ oerrät. SSon »ornl^erein er= 
fd^eint etroaS berartigeS in ntel^rf ad^er SBeife benf bar : 

a)n)enn bieSrfa^rung inbirefte2lnl^alt8punfte lief ert, roeld^e nur 
eben l^inreid^en, etroaS als in fid^ oerfd^ieben ju fennjeid^nen, o^ne unä 
bod^ über baS 9Ra^ ber Serfd^iebenl^eit unb über bie oerfd^iebenen 
fpejififd^en S)ifferenjen beä ftd^ Unterfd^eibenben ju belehren. 6s 
ift, wie einer bewerfen mag, ba§ jroei 9Jlenfd^en uneinig finb, 
o^ne }u roiffen, roaS eigentlid^ jeber oon il^nen benit unb fül^lt. 

b) @S fann bei birefter 9öal^rnel^mung beS SSerfd^iebenen bie 
2lpperjeption fo flüd^tig ober fonft fo unoofffommen fein, ba^ man 
barauf^in nid^t mel^r als baS ganj Stffgemeine, ba^ irgenbroeld^er 
Unterfd^ieb bemerft rourbe, aber nid^t, roorin er beftanben l^at, 
angeben fann. 2)ieS le^tere wirb Dariieren teils mit einer ge= 
fteigerten ^^äl^igfeit ju bemerfen, teils mit einer Steigerung ber 
S)ifferenjen beS ju S3emerfenben in irgenbroeld^er Sejiel^ung. 

©tumpf fd^eint nun unferen gatt als einen S'all bireüen S3e= 
merfenS ju faffen unb jroar als einen fold^en, wo bie Differenzen 
ber ®abe für aipperjeption für bie ©rabunterfd^iebe ber 5!Rerflid^= 
feit attein ma^gebenb finb; ja bieS in ber 2lrt, ba^ felbft bei 
größerer 2)ifferenj jroifd^en ben als SWe^rl^eit ju bemerfenben bie 
Seid^tigfeit beS S3emerfenS oft ungleid^ geringer ift, als bei 
fleinerer, roie bieS j. S3. beim §injufommen einer Duint im 9Ser= 
gleid^ mit bem tJall, roo bie betreffenbe fleine ©efunb l^injufommt, 
gegeben märe. &em^ ift bieS eine fel^r erftaunlid^e §gpot^efe 
unb ol^ne jebe Stnalogie auf anberen ©inncSgebieten. @S fommt 
j. 33. nid^t t)or, bafe bei SBeberfd^en girfeloerfud^en, wenn bie eine 
©pi^e benfelben, bie anbere einen in glcid^er Slid^tung entfernteren 
5ßunft berül^rt, bcrfelbe SSeobad^ter eine größere SSerfud^ung fül^lt, 
an eine ©inl^eit ju glauben, ober an^, ba§ bei berfelben @nt= 
fernung eine SSiell^eit fid^ verbirgt, wenn jugleid^ bie eine 3irf^l= 
fpi^e roarm, bie anbere falt ift. ©omit fie^t man »ielmel^r fid^ l^ier 
t)on t)ornl^erein auf bie entgegengefe^te 2lnna^me als bie ungleid^ 
roal^rfd^einlid^ere oerroiefcn; foroeit eS fid^ um birefteS Semerfen 



— 9G — 

einer Wlef)xi)ext ^anbelt, wirb irgenbrocld^e größere S)ifferenj, afe 
in ber Srfd^einung ^e^eUn, vermutet werben muffen. Unb liegt 
eine fold^e nid^t in größeren Slbftänben ber Dualitäten ber beiben 
Komponenten^ fo mu^ fte in etmad anberem liegen unb aU fold^ed 
wirb ftd^ t)or attem bie Variation ber S^tenfttät bei mannigfad^er 
qualitatioer SJerfd^iebenl^eit beS ©efamtllangS in feinen fuljeffioen 
^Pl^afen geltenb mad^en laffen. SSon einer Differenzierung beä 
aipperjeptionS» ober beffer rid^tigen Deutungäoermögenä , meldte 
oon ber ®rö^e fold^er ©ifferenjen unabl^ängig ift, fönnte nur 
etroa in bem ©inne jener oon ©tumpf oerroorfenen SSerfü^rung 
jur Äonfufion oon Sinl^eit ober SRcl^rl^eit beS 3^^^«^ n^it ®in= 
^eit ober ÜKel^rl^eit beS Sejeid^neten gefprod^en werben. Unb baju 
fommt bann aud^ nod^, wie gefagt, ber ©influ^ ber ®efül§te= 
unterfd^iebe afö inbirefter 2lnl^altSpunfte. 

5 (©. 65). S)en ^i^i^tum, gegen meldten fid^ oor einem 
S)ejennium biefe furjen SBorte rid^teten, feigen mir nod^ immer ba 
ober bort auftaud^en. Unter anberen l^at SBilliam ^amt^ il^n fid^ 
eigen gemad^t, unb auf bem internationalen Kongreß für 5ßfgd^otogie, 
SRom 1905, in längerer Siebe ju begrünben oerfud^t. SBeil mir, 
wenn id^ in einen ©aal blidEe, jugleid^ mit bem ©aal aud^ mein 
©el^en erfd^cint; weil ferner ^l^antafiebilber oon finnlid^en ®egen= 
ftänben fid^ oon objeltio erregten ©inneäbilbern berfelben nur 
grabuett untcrfd^eiben ; weil enblid^ Körper oon unS fd^ön genannt 
werben, ber Unterfd^ieb oon ©d^ön unb §ä^lid^ aber ju bem 
Unterfd^ieb oon ©emütsberoegungen in SSejie^ung ftel^t: fo foHen 
pfpd^ifd^eS unb p^gfifd^eS ^^änomen nid^t mel^r als jmei Klaffen 
üon ©rfd^einungcn gelten. 

®S ift mir fd^mer oerftänblid^, wie fid^ bem Siebner felbft bie 
©d^roäd^e biefer Slrgumcnte nid^t fühlbar gemad^t l^at. B^gleid^ 
erfd^einen ^ei^t nid^t als baSfelbe erfd^einen, wie jugleid^ fein nid^t 
fooiel ift als baSfelbe fein. Unb barum lonnte 2)eScarteS ol^ne 
SBiberfprud^ empfel^len, junäd^ft menigftenS ju leugnen, ba§ ber 
©aal, ben id^ fel^e, fei, unb nur baran, ba^ baS ©el^en beS ©aaleS 
fei, als an etroaS Unzweifelhaftem feftju^altcn. 3ft «ber baS erfte 
Slrgument l^infäHig, bann offenbar aud^ baS jweite; benn waS 
oerfd^lüge eS, wenn ein ^ßl^antafieren oon einem ©el^en fid^ nur 
burd^ ben 3i«tenfitätSgrab unterfd^iebe, ba, felbft wenn aud^ biefer 



— 97 — 

auSjcglid^cn wäre, bic ooffe ©Ictd^l^eit bcS ^l^antajtcrcnS mit bcm 
©cl^cn nad) bem eben ©efagten nur bie ©leid^l^eit mit einem 
pfgd^ifd^en 5ßl^änomen bebeuten würbe? ^m britten Slrgument 
wirb t)on ©d^önl^eit gcfprod^en. S)er SluSbruct ift äquit)of unb 
in bem ©inne, in roeld^em bie alten ©ried^en baS -^alov bem tjSv 
gegenüberfteUten^ too nur eble Betätigung ber Sßeidl^eit^ ©ered^tig- 
leit unb anberer S^ugenben bem erfteren SBegriff fubfumiert mürben, 
auf eine pl^^ftfd^e ©rfc^einung burd^auö nid^t anroenbbar. 3^«»^^/ ^i^ 
\a aud^ 2^oIftoi in feiner ©d^rift „2Ba8 ift Äunft", fd^eint ben SRamen 
©d^ön l^ier in bem ©inn von etvoa^, an beffen finnlid^e 6r* 
fd^einung ein befonbereä SBol^lgefatten gelnüpft ift, ju gebraud^en. 
@8 ift nun aber geroi^ eine feltfame Sogif, meldte barau«, ba^ 
biefcS SBol^lgefatten etmaS ^f^d^ifd^eS ift, fd^Ke^en roitt, ba^ audj 
ba8, an beffen Srfd^einung e8 gelnüpft ift, etwas ^f^d^ifd^eS fein 
muffe. SBäre bieS rid^tig, fo märe aud^ jebeS 3Ki^fatten ibentifd^ 
mit bem, moran einer ein 3Ki^f äffen l^at, unb man mü^te fid^ 
rool^I lauten, einen begangenen ^el^ltritt ju bereuen, ba in biefer 
mit il^m ibentifd^en Sleue ber ^el^Itritt felbft fid^ roieberl^olen mürbe. 

Sei fotd^er Sage ber 2)inge bürfte eä benn bod^ nid^t rool^I 
JU fürd^ten fein, ba^ bie 2(utorität oon 3«nte8, ber fid^ leiber 
unter ben beutfd^en ^f^d^ologen bie eines 3Jlad^ gefefft, t)iele baju 
verleiten werbe, bie augenfäffigften Unterfd^iebe ju oerfennen. 
SlriftoteleS berid^tet und von einer Seigre beS ©mpebolIeS, meldte 
ebenfaffä ^ßf^d^ifd^eS unb ^P^pftfd^eä f onf unbierte : 

yait] f>iiv yaq yäiav OTidTta^ev, vdaxi d*vdiOQ, x. t. X, 

®8 roirb i^m leidet ju jeigen, wie biefe Seigre au^erftanbe ift, 
aud^ nur ben aUhelannien ©egenfä^en von Slnerfennung unb 9Ser= 
merfung, unb von SBal^r unb tJalfd^ SHed^nung ju tragen. Unb 
bod^, foroeit ein Unterfd^ieb beftel^t, fd^eint ber primitive altgried^ifd^e 
S)enfer unferen 3Wobernen gegenüber nod^ etma^ im SSorteil. 

6 (©. 71). ^n SBal^rl^eit gerät man, votnn man vom 
©tanbpunft ber alten 2(uffaffung bie ^ntenfität auS mel^reren 
einanber gleid^en Steilen jufammengefe^t beult, inäSlbfurbe. ^mn, 
um mel^rere ju fein, müßten bie 2:eiUntenfttäten (ba baS Seibnijfd^e 
principium indiscernibilium roie auf ®anje aud^ auf Steile äln« 
menbung l^at) burd^ irgenbetmaS ooneinanber oerfd^ieben fein. S)urd^ 
maS fie aber oerfd^ieben fein fofften, ift unerfinblid^. ©ie fönnten 

Otentano, 6iimeSp{9<^oIogif(^e ^agen. 7 



— 98 — 

nid^t genetifd^ oerfd^ieben fein, benn baiS Mtbe bie ©(eid^l^eit aufi* 
fd^lte^en ; fte lönnten nid^t f pejiftfd^ oetfd^ieben fein, benn bad toüxhe 
fie (afe fonträr) unoereinBar mad^en ; fie müßten alfo inbioibueff oer* 
fd^ieben fein, ol^ne in irgenbeinet Slüdfid^t einer generifd^en ober 
fpejififd^en S)ifferenj ju unterliegen, roaS fd^Ied^terbingS unmöglid^ 
ift. S)a^ biefe 9(6furbitat t)on niemanb bemertt unb gerügt niorben 
ift/ jeugt mel^r ate aKed anbere für bie Untlarl^eit, bie l^ier l^errfd^te. 
!Keinong f^at gegen biefe Argumentation geltenb gemad^t, bafe e8 
groeierlei arten oon ©rö^en gebe, fold^e, bei roeld^en bie (Stößen 
aus 2:eilen beftänben, wie 3^^'/ räumlid^e ober geitUd^e Slud= 
be^nung u. bgl., unb fold^e, wo bie« nid^t ber ^aU fei, wie Slb= 
ftanb, ©efd^minbigfeit ufro. 

@r oertennt, ba^ eS ftd^ l^ier nid^t um jmei 9(rten oon 
©rö^en, fonbern um eine Äquioofation beä Flamen« „®rö^e" 
l^anbelt, äl^nlid^ roie bei bem SRamen „frol^", wenn er auf ein 
frol^eS §erj unb ein frol^e« ©reignis angemanbt wirb, unb roieber, 
ba^ man au^ bei ben „©rö^en" im uneigentlid^en ©inne freilid^ 
in ebenfo uneigentlid^em ©inn mit S3ejiel^ung auf bie Steile einer 
©rö^e im eigentUd^en ©inne nod^ immer oon Steilen fpred^en 
fann. S3eim räumlid^en Slbftanb tun mir bicS mit Sejiel^ung auf 
bie 2:eile ber jmifd^en ben abftel^enben Slaumpunften benibaren 
©eraben, unb beim jeitUd^en Slbftanb mit Sejiel^ung auf bie 3^eile 
ber jroifd^en jroei ÜKomenten oerflie^enben geit, bei ber ©e- 
fd^roinbigfeit mit S3ejiel^ung auf bie Steile ber Släume, bie in 
gleid^en Seiten burd^Iaufen werben ufro. SBenn nun SWeinong bie 
Sntenfttät ju ber groeiten Älaffe ber ©rö^en gered^net miffcn roiff, 
fo muffen mir il^n nad^ ber ©rö^e im eigentlid^en ©inne fragen, ju 
beren Seilen baS ,,3Ke^r" unb ,,aRinber", baS „§alb" unb „doppelt" 
unb „S)reifad^", menn mir eö oon einer 3i«tenfttät im SJergleid^ 
mit einer anberen auäfagen, in Sejiel^ung ju bringen märe, ^t 
mtf)x einer banad^ fud^t, um fo mel^r bürfte er fid^ oon ber 
Slid^tigfeit meiner l^ier gemad^ten Semerfung übergeugen. SSBie 
bei ber ©rö^e ber 2)id^tigfeit eines roirflid^en ÄörperS ift aud^ bei 
ber ©rö^e ber 3^*^^^*^^ eines ©inneSpl^änomenS auf Slaumgrö^en 
(l^ier natürlid^ pl^änomcnale SRaumgrö^en) Sejug ju nel^men. 



Don öer p|t)(^oIogif(^en Hnali)|e 

6er tEonqualitäten in i^re eigentlich 

erften (Elemente. 

üortrag, 

oetfagt für ben internationalen Pftid^ologenftongreg in Rom 
am 27. flprtl 1905. 



1. S)ie aWel^rMänge flnben wir au« ©in jelf längen, biefe 
mit il^ren Älangfarben au^ QaupU unb ^ßartialtdnen jufatntnen* 
gefegt, beten jeber irgenbwo im Sereid^ ber ©fala Hegt, unb 
aud^ bie ©eräufd^e fud^t man al^ S^tf^tumenfeftungen au« il^nen 
ju begreifen, ©inb wir nun l^ier bei ben eigentlid^ erfien 
<iualitatit)en ^onelementen angelangt? — &^ erfd^eint bie« 
feine«n)eg8 ol^ne weitere« gefid^ert; fönnten bod^ mel^rere ^om 
Elemente fo innig wie bie Orunbfarbe diot unb bie ©runbfarbe 
®el6 im Drange uerbunben fein. 

2. ©emeiniglid^ glaubt man, ba^ bie 2^öne ber ©fala mie 
in geraber Sinie auffteigen. Um nur jmei ber am meiften an^^ 
erfannten g^rfd^er ber ©egenmart ju nennen, l^alten aud^ 
©tumpf unb 2Wad^ gemeinfam baran feft. 

a>pd^ l^ierin einig, unterfd^eiben fie fid^, infofem ©tumpf 
jeben 2^on ber ©fala für ein einfädle« ^onelement l^filt, 
wäl^renb 2Wad^ glaubt, ba§ atte qualitativ jufammengefeftt 
feien, unb jnmr alle au« benfelben jmei @lementen, t)on benen 
u ba« eine al« ,,2)umpf", ba« anbere al« „^eH" bejeld^et. 
Unb nur 2» a d^ « 3lnfid^t ermeifi fid^ al« mit ber ©in^eitlid^feit 
ier SRid^tung ber ©fala uerträglid^ ^ 

3. Slber gegenüber bem ©inmanb von ©tumpf, ba^ 
nad^ i^r jeber aWel^rflang ju einem ©nflang von mittlerer ^öl^e 
werben mü^te, erfd^eint fie, menigften« ma« bie gfitte ooU^ 
lommener SSerfd^meljung anlangt, ol^ne genügenbe SBerteibigung *. 



— 102 — 

SKud^ wären wir, roa^ ben S^onfinn betrifft, einem noMottimeneii 
garbenbHnben nergleid^bar. ^enn bad S)nntpf tofire bem 
©d^warj, baiS ^ell bem SBeife, unb jeber Slon ber ©fala einer 
92uance bed @rau analog. 9l6er niemanb mirb jugeben, ba^ 
in einer S3eetl^ot)enfd^en ©pmpl^onie nur ®rau in ®rau gemalt 
merbe. 3Jla^ felbft fül^lt bie SBud^t biefeiS Argumenta m\y 
fud^t, aber uergeblid^, nad^ einem aWittel, fiC feiner Jfeu er^ 
meieren*. 

4. Unfer ^onftnn ifi fo meit entfernt, nur Slnatoga non^ 
©d^marj unb SBeife ju jeigen, mie bai^ ©pfiem be^ polttommen: 
garbenblinben, bafe oielmel^r gegenüber einem fj^benftnn, beffen 
gefattigte * ©lemente fo mannigfad^ mären afe bie unfereiS ®e^ 
l^örd, mir aUe atö mel^r benn jmanjigfad^, ja oiell^unbertfad^ 
farbenblinb erfd^einen mflrben. 

S)iefelben gefättigten ©lemente feieren in jeber DItaoe 
mieber. 3n ben mittleren erfd^einen fie relatio rein, in ben 
tieferen unb l^öl^eren bagegen mel^r unb mel^r mit einem oort 
jenen jmei ungefättigten Elementen gemifd^t, bie mir mirflid^ 
mit aWad^ anjunel^men l^aben, unb oon benen bai^ eine bem 
©d^marj, ha^ anbere bem SBeife oergleid^bar ift. &n c in 
mittlerer Sage unterfd^eibet fid^ oon einem tiefen unb l^ol^en c 
annäl^emb mie reinem gefättigten Slau ftd^ oon S)unfelblau uni^ 
ißeHblau unterfd^eibet, oon meldten ja jenen burd^ ©d^morj oers= 
flnftert, alfo oerfd^märjUd^t, biefen burd^ SBeife aufgel^efft, alfi> 
oermeifelid^t ifi. 

S)ie oon alterni^er auffaHenbe, aud^ bei ber Benennung 
berüdffid^tigte, aber rätfell^afte SBermanbtfd^aft ber Dftaoen er« 
fd^eint auf biefe SBelfe erflärt. S)ie Analogien aud^ in ben 
femabliegenbfien merben begreiflid^. 3^8^^^ erfennen mir ben 
®runb, meni^alb fie nad^ unten mie oben immer fürjer werben 
unb troftbem jene Analogien ju maleren oermögen. Slud^ 



— 103 — 

jmfd^en einem ju 33raun abgebunfeltetn 9lot unb einem ent^ 
fpred^enb fd^märjtid^en Stau unb jmifd^en einem permetfelid^ten 
JRofa unb einem entfpred^enb permeifeUd^ten Slau tann man ja 
nid^t fo t)iele S^W^^ft^f^«/ ^i^ jmifd^en reinem, frifd^em 9tot 
unb reinem, gefattigtem Stau unterfd^eiben. SCud^ mad^en 
jebem Unbefangenen bie ^öne mittlerer Sage, perglid^en mit 
benen bet tieffien unb l^öd^pen, ben 6inbrudE von fiärferem 
SluÄgefprod^enfein einer befonberen fpejiflfd^en Dualität, mäl^renb 
fie bort in ber ©leid^artigfeit eine^ bumpfen ©etöfei^ untergeht, 
l^ier mie uerblid^en ift. @^ mirb nunmel^r oerftänblid^ , marum 
fetbfi SRufifer bei ber Beurteilung ber relativen ^^onl^öl^e t)on 
Älfingen, beren einer burd^ eine energifd^e l^ette Älangfarbe an^^ 
gejeid^net ift, fid^ leidet um eine, ja jmei Dftapen irren, marum 
Äinber bai^ Sieb ber aWännerftimme in ber Dftaoe nad^fingen, 
ber S^ran^pofition nid^t einmal bemufet, ja marum, mie man 
faum bejmeifeln mirb, einigermaßen äl^nlid^e^ bei ©ingpögeln, 
bie ein ©tüdfd^en nad^pfeifen, gefd^el^en fann. SBieberum erflärt 
fld^, marum eine golge t)on 3lftorben mie c g, g c^, c* g^, g* c^ 
fld^ in il^ren ©liebem äl^nlid^er fd^eint afe eine golge mie c g, 
g d^, d^ a\ a^ e*, obmol^I bie leftte au« lauter Duinten befielet, 
bie erfte jmifd^en Duinten unb Duarten med^felt, ja marum e« 
Dorfommt, baß bie Slfforbe c h unb h^ c* für einanber äl^ntid^er 
erfiärt werben, ate bie SlWorbe c h unb h b^, alfo eine ©eptime 
unb eine ©efunb für einanber äl^nlid^er ate jmei ©eptimen, 
meldte lefttere fogar nod^ einen ^on gemeinfam ^aben. Unb 
ebenfo begreifen mir, baß, menn man einem Slfforb mie cc^ 
ben ^on ber mittleren Ottavt c^ balb einfügt, balb il^n mieber 
wegläßt, bie aWel^rjal^l ber minber geübten ^örer gar feinen 
Unterfd^ieb bemerft, roa^ bei bem ^injufommen ber ^nxnt g^ 
aud^ für ben, bem fie voUlommm t)erfd^miljt, nid^t ber %ati ift, 
unb beim ^injufommen einei^ ^auptton« t)on ganj neuer, um 
fed^i^ ganje 2^öne abfte^enber Dualität aud^ gemiß nid^t ber 



— 104 — 

gaU fein Idnnte. aSerroanbt bomit aber ift bie ©tfal^rung, bie 
x6), wie nad^ feinem Serid^t Stumpf felbft, miebetl^olt itmadft 
l^ttbe, bafe t)on ben Dbertönen bie Ottavt, obmol^l biefe ber 
ftärfere ift, feltenet unb f (ärmerer aU ber ber näd^fil^öl^eren 
Duint l^erauiSgel^ört mirb. @nb(id^ ftimmt eiS aud& PoQIommen, 
wenn in ben emotionellen SWitempfinbungen, ben Sufi^ unb Un^^ 
lufiflefül^Ien, meldte bie Harmonien unb S)iiJl^amu)nien begleiten, 
in ber ^öf)t toie S^iefe eine ftorle 9Cbnal^me ftd^ jeigt, mäl^renb 
jugleid^ ein aßen tiefen einerfeiti^ unb äffen l^ol^en anberfeitiJ 
flemeinfame« ©efü^l fid^ einbrängt. 

JBBenn Slemton bie fj^rben ber ©tral^len, in bie er bag 
©onnenlid^t jerlegt f)at, mit ben fieben 2^onftufen* in einer 
Dftat)e in ^araffele ju feften perfud^te, fo f)at i^n babei fidler 
nid^t eine ebenfold^e flargefd^iebene ©iebenfältigfeit ber gorben^ 
qualität, nod^ aud^ ein ftete^ ^effermerben be« ©peftrumiJ t)on 
ber einen nad^ ber anberen ©eite l^in (bie ja beibe nid^t ge^ 
geben finb), fonbern nur ber Umftanb beftimmt, bafe, mie ber 
Slnfang feinet ©peftrumi^ entfd^ieben rötlid^ mar, aud^ beffen 
@nbe im Siolett fid^ mieber bem 9lot näl^erte. SCud^ er gibt 
alfo burd^ feinen SBerfud^ bem ©inbrudt ber Äl^nlid^feit von 
©runbton unb Dftaue ^tuini^. Unb bie^ um fo unimeifel*: 
l^after, ate bie Unbulation be^ Sid^fcS unb bie Slnnäl^erung ber 
aSBeffen an bie boppelte ©efd^minbigfeit, il^m nod^ unbefannt, 
nid^t mafegebenb werben fonnten. %üx ung aber, bie mir fie 
nun fennen, ift bie Analogie beiS 3luftreteni^ beiJ gleid^en ge«: 
fättigten qualitativen ©lementi^ bei ©d^aff^^ wie ßid^tmeffen bei 
ber aSerboppelung etmoi^ gar mol^I Sead^temSwerte^. 

5. ®g jeugt bafür, bafe, obmo^l ha^ ©d^mai^ be« ®efid^t^j= 
finn« nid^t bireft objeftipen Urfprungi^ ift, mie ba^ ^onfd^marj, 
hai mir in 9CnaIogie ju i^m annel^men, bod^ aud& in ber Erregung 
ber Dualitäten burd^ bie SBeffen mefentlid^e SCnalogien befiel^en. 



— 105 — 

SHeig wirb utrö für We grage m^ bcr 3latur ber ©eraufd^e 
wid^tig. ©ie erfd^etnen in äffen ^onl^öl^en. ©inb btc tieffien 
unter il^nen, bie butnpf erbraufenben, bem ©d^roarj uergleid^bar 
unb ba« ^öd^fie ©ejifd^ unb ®efreifd& entfd^ieben faft ^onroeife, 
fo erfd^einen bie ©eräufd^e t)on mittlerer ^öi^e pielmel^r einem 
©rau ate einem gefättigten ^on mittlerer Sage äl^nlid^. 

aSom ©rau glaubte man einft, ba§ e^ aui^ äffen ?farben 
jufammengefeftt fei; ieftt fielet man ein, ba^ ei^ au^ ©d^marj 
unb aßeife befielet. aWan fd^reibt jebem einfad^en ©tral^l aufeer 
ber S^enbenj, eine gemiffe ©peftralfarbe ju erjeugen, aud^ eine 
^enbenj SBeife ju erzeugen ju. Unb biefe tritt, mie beim t)off= 
fommenen fj^^^^wblinben immer, beim Sßormalfe^enben unter 
gemiffen Umfiönben l^erüor. aWan beftimmte biefe afe gäffe, 
morin ©trai^len, beren ^aupttenbenj auf antagoniftifd^e fj^ben 
gel^e, jufammen mirften unb fid^ gegenfeitig in biefer l^emmten. 
35lau unb ©elb unb 9tot unb ©rün fofften bie antagoniftifd^en 
garbenpaare fein. 

@i^ mar biefe neue äuffaffung ber S^atfad^en, bie mir einem 
um bie pl^pfiologifd^e Dptif eminent perbienten f^orfd^er banfen, 
ein großer gortfd^ritt. Slffein uoffenbet rid^tig mar aud^ fte 
nid^t. Unb mir felbft ift ei^, glaube id^, gelungen, nad^jumeifen, 
bafe ©rün feine einfädle %axbt x% \a baß biefelben @jperimente, 
auf ©runb beren man ben 3lntagonij^mu8 von 93lau unb ©elb 
ermiefen ju ^aben glaubte, menn man ben ©efefeen ber aWobi* 
flfation ber garben bei ^erabfeftung be^ Sid^te^ 9led^nung 
trägt, ben Sernei^ für ©rün afe 3wf^^ii^ii^^f^fe^^8 ^^^ ^^^^ 
unb ©elb liefern*. 6^ gibt alfo nur brei gefättigte garbem 
demente unb jmifd^en il^nen flnbet ftd^ bei bem SRormalfel^enben 
nirgenbi^ jmifd^en einem unb einem einjeln genommen ein 
aintagoniMuig. S)ie aOBal^rl^eit ift melmel^r, baß nur bie Ser^ 
fd^meljung affer brei gefättigten ©lemente ganj ober menigfien« 
nal^eju unmöglid^ ift, unb baß barum, menn äffe brei jugleid^ 



— 106 — 

an betfelben ©teile be^ ©efid^töfelbe« burd^ perfd^tebene ©ttal^Ien 
anfleregt werben, il^te ©rfd^einung gel^etnmt wirb unb bie 
SJenbenj biefer Strahlen jur ©rjeuflung t)on SBSeife, beiw. von 
@rau ba^ Übergewid^t gewinnt. S)al^er tfi bei Slormalfel^enben 
bie ©egenfatbe t)on (Selb nid^t Slou, fonbem SSioIett, bie t)on 
©lau nid^t ®elb, fonbem Drange, bie t)on 9lot aber jwar tot^ 
fäd^Iid^ ®rün, aber nur barum, weil biefe« an» Slau unb ®elb 
jufammengefefet ifi. 

3fi iemanb für eine ber brei gerben blinb, fo gilt baiJ 
©efefe, ba§ wir bie ©efanttl^eit ber uniJ möglid^en gefättigten 
^arbenelemente nid^t ober nur fe^ obgebampft jur 38ers^ 
fd^meljung bringen fönnen, aud^ nod^ für il^. Unb ba nun für 
ben SRotblinben ba« ®elb unb S3Iau biefe ®efamtl^eit bilben, fo 
fann er wie fein 9lot aud^ fein ®rün fe^en, fonbem eiS tritt 
fiatt beffen boiS JBBeife ober @rau fiegreid^ l^emor. Unb roiebet 
fann einer, wenn er blaublinb ifi, fein Drange feigen, obwohl 
er 9tot n)ie ®elb ju feigen fä^lg ift, unb wenn er gelbblinb 
ift, fein SBiolett, obwol^l \f)m bie gä^igfeit weber jum SRot*^ nod^ 
jum Slaufel^en mangelt. 3mmer erfd^eint ftatt beffen SQBeife 
ober ®rau. 9iid^t alfo weil im ©onnenlid^t ©tral^len für 
antagoniftifd^e garbenpaare, fonbem meil barin ©tral^len, bie 
auf iebe ber brei gefättigten färben ^inmirfen, in befümmtem 
SSerl^ältnii^ oertreten finb, gewinnt bie 2^enbenj jum SBei^ ha» 
entfd^iebene Übergemid^t. 

ßiegt eg nid^t nal^e, bai^ ßntflel^en ber ®eräufd^e oon 
mittlerer ^öl^e, biefer fo mo^l d^arafteriflerten Setfptele von 
^ongrau, ä^nlid^ ju begreifen? Qn ber Xat ftimmen bamit 
unfere ©rfa^mngen auf^ befie. SBenn ©d^aHmeHen, meldte ein« 
fad^ für ftd^ einen 2;on ber mittleren Dftat)e ergeben, mit fotd^en, 
bie für fid^ anbere ^öne biefer Dftaoe erregen, jufammenmirfen, 
fo jmar, ba§ für feinen ber Übergänge eine gleid^ fräftige 
SReijung fel^lt, fo l^ören mir feinen mel^r oon il^nen, mol^l aber 



— 107 — 

fiatt i^rcr ein ©cväufd^ t)on tnittJercr ^ö^c. Unb fo bürfcn 
wir benn t)icneid&t fii^Iiefeen, ba§ tatfäii^l^ jeneg analoge ®efe^, 
bag wir permnteten, auf bem ©ebiet be^ ^onfinn^ gegeben fei. 

6. SBir erfel^en aber barau^ jugtei(i^/ ba§ nxö)t bloß bei 
ben langfamften unb gefd^roinbeften ©d^aHroeHen, fonbem aud^ 
bei benen t)on mittlerer ©efd^roinbigleit eine geroiffe 2)enbenj 
ungefättigte Dualitäten aufzurufen befte^t. Unb e^ mag fein, 
bafe biefelbe fid^ einigermaßen fogar immer geltenb mad^t, unb 
ba§ barum bie Xüm ber ©fala aud^ in mittlerer Sage in bem 
Unterfd^ieb il^rer gefältigten Dualitäten nid^t fo fräftig au^^ 
einanbertreten, afe bie elementaren gefättigten färben bei^ 
©efid^tSfinng. 3lud^ mürbe o^ne jebe abbunfelnbe ober auf^ 
^eHenbe @inmengung in il^rem SBerlauf eine Dltat)e am @nbe 
einfad^ ju il^rem 3lu^ganggpunft jurüdffel^ren ^. Rauben mir 
unferen ©efid^t^finn im SBergleid^ mit bem ©el^ör, megen ber 
geringen S^^^ ^^'^ elementaren Dualitäten, gleid^fam oielfad^ 
farbenblinb, fo mürbe er, menn er in benen, über bie er perfügt, 
nid^t gefättigter märe, al^ e^ ber ^onfinn in allen feinen elemen? 
taren gefättigten Dualitäten ift, aU farbenfd^mad^ erfd^einen. 

7. ©inb bie ©eräufd^e oon mittlerer ^öl^e nid^t au^ ben 
gefättigten ^onelementen ber ©lala jufammengefe^t®, fo l^aben 
mir bod^ nad^ bem ©efagten um il^retmiHen feine neuen be^ 
fonberen ^onelemente anjune^men. 3^re ©efamtl^eit beftel^t 
außer aug ben beiben ungefättigten Elementen, bie äl^nlid^ mie 
©d^marj unb SBeiß auf bem ©ebiet ber färben am meiteften 
au^einanberliegen, aug einer Sßiel^eit oon Elementen mittlerer 
fpejififd^er ^elligfeit®, meldte unferen gefättigten garbenelementen 
analog ftnb unb innerl^alb ber ©fala in jeber Dftape eine 
©teile ^aUn. 

8. ©ie fönnen nid^t meniger, ja fie muffen mo^l beträd^tlid^ 
me^r fein aU bie oierunbjmanjig ^onftufen, meldte unter Se^^ 



— 108 — 



rüdftci^tigung ber SSiertettdne bie imö)x\ä)t 3Ru|t{ in ber 0!tape 
untcrfd^icb. 2)te große Unterfd^iebi^cmpfuibtid^feit in gcwiffcn 
Dftat)en fdnnte i^rer fogar über 1200 oermuten laffen. 2)ie 
©röfeen il^rer Slbfiänbe finb nid^t bIo§ von ber bei^ äbfianbeiJ 
jwifd^en ben beiben ungefdttigten, fonbem and) t)oneinanber 
fe^r t)erfd^ieben. 2)ie ber in ber Btala bei aHmo^Hd^em Über^ 
gang oon Xon gu ^on Tiä) unmittelbar fotgenben finb für un^ 
unmertlid^ Hein. Sltn größten wol^t bie t)on Tonqualitäten, bie 
^iö) l^infid^tlid^ i^rer Sage in ber Dltaoe wie c unb fis ober dis 
unb a oerl^atten. ©ine grapl^ifd^e ©arfieHung il^rer wed^fel^ 
feitigen Sage burd^ fünfte einer Sinie ifi nid^t^® in unferem 
eben gebadeten 9launie", fonbem wäre nur in einem ebenen 
2)opoib mögtid^, beffen 2)imenfionenjal^I ber 3<^^f i>^^ ^on^ 
elemente nur um eine ©in^eit nad^ftänbe". 3?äl^me man nur 
auf bie gefättigten Dualitäten SRüdfftd^t, fo erfd^iene bie Sage 
ber bie einfad^en Elemente repräfentierenben fünfte jener ber 
©d^eitelpunfte eine« in gemiffer SBeife regelmäßigen ^ßolpgon^ 
oergleid^bar. 6^ märe bie^ aber fein ebenem ^olpgon, oielmel^r 

mürbe fid^ feine ©renje 
ju ber eine^ reqetmäfei^^ 
gen ebenen ^ßol^gomJ 
oon gleid^er S<^^ ^^^ 
Seiten fo mie ju ber 
^ ©renje eine3 Duabrati^, 
beffen ©eite fünf ©d^u^ 
lang ift, eine oierfad^ 
unter gleid^em SBinlel 
in gteid&e Steile ge== 
brod^ene unb in pd^ 
jurüdflaufenbe Sinie Derl^alten, ju ber man gelangt, menn man 
bei einem Sll^ombu^ a b c d, beffen Heinere 2)iagonate b d 
fed^i^ unb beffen größere a c ad^t ©d^ul^ lang ift, oon ben 




— 109 — 

betben 2)reicdfen, in toeld^e er but(i^ b d jertegt wirb, bo^ eine 
fo lange um b d ate 3l(j^fe bewegt, bi^ bie Entfernung non a 
unb c in c* ber von b unb d gleici^ ifl". 

9. aSie bag ©d^warj, wenn e^, ben anberen garben vex^ 
fd^moljen, fie t)erfinftert, il^nen allen etroa^ t)on bent x\)m eigenen 
büfleren ©efül^teton leil^t, unb wie ba^ SBeife, wenn e^, anberen 
gorben nerfd^ntoljen, fte aufl^ellt, il^nen im ©efül^I gleid^mäfeig 
eine gemiffe 3<^rt^eit gibt, fo finben mir äl^nlid^e« bei ber 
SSerfd^meljung von ^onfd^marj unb ^onmeife mit anberen 
Dualitäten **. 

3)ie @inmifd^ung be^felben ungefättigten Elemente mirft 
alfo für alle Dualitäten auf ben ©efül^teton in gleid^em ©inn. 
Sei ber @inmengung von gefättigter Dualität in eine anbere 
gefättigte ift ba^ ©egenteil ber gatt. ©o mie bai^felbe 9lot mit 
Slau nermebt e^ jum mel^mütigen S8iolett^^ mit ®elb Dermebt 
e^ jum freubigen feurigen Drange mad^t, unb ba^felbe 33lau, 
ba^ mit bem SRot oerbunben, mie eben gefagt, ju einem mel6= 
mutigen garbenton fül^rt, mit bem ®elb vereinigt, ba^ freunb^ 
lid^e ®rün er jeugt, feigen mir aud^, ba§ ba^felbe es, ba^ mit c 
Derfd^moljen einen mel^mütigen SWolIaßorb, mit g Derfd^meljenb 
bie freubige grofee ^^erj ergibt; unb mieberum bafe ba^felbe c, 
ba^ mie ^btn gefagt mit es bie mel^mütige Heine ^erj bilbet, 
mit g Derbunben in ber Duint ju bem fanfteften aller 3^^^* 
Hänge fü^rt. 

SRid^t in bem ©e^en unb ^ören felbfi ftnb gmpfinbungen 
von emotionellem ßl^arafter gegeben, mol^l aber in 3Kits 
empfinbungen, bie fie in normalen gäHen regelmäßig begleiten, 
gür alle ifoliert gegebenen Keinen S^erjen, großen ^erjen unb 
Duinten ifl ein gemiffer ©efül^fed^arafter gemeinfam. Unb votnn 
berfelbe aud^ auf bem garbengebiete, nämlid^ bei ben 3)oppel^ 
färben SSiolett, Drange unb ®rün mieberfel^rt (ä^nlid^ mie ber 



— 110 — 

bfificre ©ttbrucf bcr tiefen Xbm im Sc^warj unb bet ben fel^r 
l&o^en Zbmn eigene im SSSeife), \o bürfte bie^ barauf beuten, 
bo§ bie relatioe Sage ber gorbenelemente in SSiolett, Drange 
unb ®rün in ber %at benen jmeier 2^oneIemente in ber Keinen 
^^/ großen Xtti unb Duint analog ifi. 

10. ©0 ftnben mir benn, xoa^ bie Dualitäten unb bie an 
fte ^ä) htüpfenben @efä^le anlangt, bei ©eftd^t unb @el^ör 
mieber unb roieber Stnalogien, obwohl mit großen Unterfd^ieben 
gepaart. Unb biefer SSerein von S^nlid^feit unb Unä^nli(i^feit, 
von ÜbereinfHmmung unb ©egenfaft ifi, xoa& bem SSergleid^ ber 
beiben ©inne in biefem wie in anberen ©tücfen einen eigen« 
tümlic^en äftl^etifd^en 9ieij gibt. 

©eftd^t unb ©el^ör jeigen un^, mie alle ©inne überhaupt, 
bie ©rfd^einungen räumlid^ unb jeitlid& inbiDibualifiert. Sei 
bem ©eitd^t ift aber bie Sotatifation, im 3«whntm be^ ©eitd^fc^- 
felbe^ menigftenig, bie oorjüglid^fie, bei bem ©el^ör fd^Ied^ter ate 
an ber fiufeerften ©renje be^ ©efid^t^felbe^. 3)a^er bie mel^r« 
minber t)oIffommene Äonfufion gleid^jeitig erfd^einenber Zine ". 
dagegen ift ba^ ©e^ör, xoa^ bie fojufagen jeitlid^e SoMifation 
anlangt, bem ©efid^t bei weitem überlegen. $ier entmidfelt fid^ 
ber ©inbrudf relatio langfam unb leibet infolge ber poptioen 
unb negatioen Slad^bilber burd^ SSerfd^mommenl^eit. S)a^ ©el^ör 
ift bal^er aud^ imftanbe, eine oiel rapibere golge ber ©inbrüdte 
biftinft ju erf äffen. Unb fo fann, wie ^elml^olfe un^ bar- 
getan, ein guter ^eil ber SSerfd^iebenl^eit ber ftlangfarbe auf 
bie 3lrt beg änfeften^ unb SlbMingen^ ber X'om oerfd^iebener 
Qnftrumente jurüdEgefül^rt werben, ^ro^bem bleibt bie pl^igfeit, 
ein SRad^einanber ju erfaffen, aud^ mie fie ift, bem ©efid^t 
roertooH, unb bie @igentämlid^feit ber Slad^bilber fül^rt ju eigen- 
tümlid^en ©d^önl^eiten. Unb umgefel^rt bient ba^ Sofalifatiim^- 
oermögen be^ D^re^ jur ©rmöglid^ung ber Unterfd^eibung 



— 111 — 

gleid^jeitiger engerer ©ruppierungen oon Zonen, unb an bie 
halb mtf)x, balb minber DoHfonunene fonfuf« SSerfd^meljung be^ 
S^onganjen fnüpfen fid^ befonbere ©enüffe. 

33etben ©innen bient ein boppeltei^ äu^ere^ Orgon unb 
bie burd^ ba& eine unb anbere aufgenommenen ©inbrücfe becfen 
ftd^ nid^t üoUftänbig, wirfen aber, fid^ unterfülftenb unb teitweife 
ergänjenb, jufammen. 3)od^ wäl^renb biei^ Uim ©efid^t ein 
^injutreten ganj neuer unterfd^eibbarer SRäume bebeutet, Ififet 
bie fd^Ied^te Sofolifation bei^ ©el^örei^ auc^ bie febem £)\)t eigene 
tümlid^en Steile ftd^ nod& einigermofeen mit benen bei^ anberen 
lonfunbieren unb oerfd^meljen. 

Qeber ber beiben ©inne jeigt jwei ejtreme Dualitäten, oon 
benen bie eine boi^ ©jtrem ber 3)unJetl^eit, bie anbere bai^ ber 
fieHigfeit ift, unb eine Slegelmäjsigfeit in bejug auf 3lbbunfelung 
unb Sluf^ettung burd^ biefe beiben. 3lber wa^renb bei bem 
©eftd^ti^finn biefe an eine Steigerung unb abnähme ber äußeren 
Sieige fid^ fnüpft, feigen wir fie bei bem ©el^ör bie ^wnal^me 
unb Slbnal^me ber ©efd^winbigfeit ber 2öellett begleiten. 

hieran fnüpft pd^ ber wid^tige Unterfd^ieb, baß nur beim 
©el^ör totale ?ßaufen unb nur bei il^m ein Steigen unb 3lb^ 
nehmen ber 2)otaIintenfltät möglid^ ifl, wä^renb e^ beim ©efid^t 
nur ju relatioen Raufen unb ju Steigerung unb 3lbna^me oon 
5ßartiatintenfitäten fommen fann, wie wenn j. 33. ba^ SRot 
gänjKd^ fel^lt, ober ber ©tid^ in^ 9lote balb ju^, balb abnimmt. 
3)enn, mo anbere garben fd^rotnben, tritt ©d^marj an bie ©teile 
unb füllt bie Südfe au^. SHe Slegelmäfeigleit ber 3lufl^ellung 
unb aSerbunlelung burd^ bie ungefättigten ©jtreme ift beim 
©e^ör eine größere. 3)afür l^at bie be^ ©efid^t^ eine mannig^s 
faltigere SRuancierung. Qebe ^Tonqualität tritt nur in geroiffen, 
burd^ bie Dftaoen abgemeffenen SHftanjen, iebe fjarbe in jebem 
beliebigen aWaß ber 3lbbunfelung unb 3lufl^ellung auf. 

3lußer ben jmei ungefättigten qualitatioen Elementen jeigen 



— 112 - 

bie beiben ^öl^eren ©tnne m^ gefättigte. aber bct ©eftd^ttflnn 
nur btet, bie fel^r mtttliä) Doneinanber obfiel^en, ha& ®el&ör 
eine große 3Kenge, oielleici^t mel^r afe toufenb, aber von biefen 
bie näci^fien in unmerHid^ Keinen SMfferenjen. 2)afür erfd^einen 
bie be« ®efid&töfittne« mel feäftiger enttoidfelt, biej be^ ®e^ör=^ 
ftnne« relatio \^xoa^. 

Unb boron fnüpft fid^ ein entfprec^enber Unterfd^ieb für 
bie fie begleitenben emotionellen Erregungen, bie nid^t in bem 
©el^en unb Qixtn fetbft, fonbem in SRitempftnbungen gegeben 
ftnb". 3)ie an bie einzelnen gefättigten ©lemente gefnüpften 
finb bei bem ©efic^t t)iel fräftiger unb aud^ bie an bie brei 
binären SBerbinbungen be« Slou^aiot, moU@ttb unb »lou^Oelb 
gefnüpften, lebl^after afö bie, meldte ben brei entfpred^enben 
binären 2^ont)erbinbungen ber Keinen unb großen 2^erj unb ber 
Duint fid^ gefetten. 3)afür ermäd^P bem ^örfinn eine unoer^ 
gleid^Ud^ größere @efül^l$gemalt, einmal burd^ ba^ ^injulommen 
oon binären ftompofitionen oon ^önen, bie in anberer relatioer 
ßage unb ium ^eil fe^rpeintid^ finb, bann burd^ ben SReid^tum 
unb bie gütte ber ju einem Slfforb fid^ oerelnigenben 2:dne, 
enblid^ burd^ bie SBieberlel^r berfelben relatioen 2^onIage, bie 
nid^t bloß eine ^^ran^poption in anbere Dftaoen (moju beim 
©efid^t ein Slnalogon fid^ finben ließe), fonbem aud^ in anbere 
Tonarten geftattet. 

2lu5 attebem erflärt e^ fid^, marum bie mit bem 3Waterial 
be^ einen unb anberen ©inne3 aufgebauten Äunfhoerfe bei 
mand^erlei Analogien bod^ einen fo auffattenb oerfd^iebenen 
e^arafter tragen. 



9(ttiit(t(ttttg(tt^ 



1 (©. 101). stumpf fcftft öibt ju, ba^ SRot nic^t fo 
jmfd^en 93Iau unb ®elb^ n)te Drange iiDtfd^en Slot unb ®el6 
Hegt. ®r erfcnnt aber nid^t, ba^ man im lc|tcrcn gatt nur barum 
mit foDiel größerer Äorreftl^ctt Don einem „jroifd^cn" fprcd^en 
!ann, votil Drange ein 9lot-®elb ift unb, äJ^nlid^ einer Segierung 
von ©ilber unb ®oIb, ate eine 3Serfd^meIjung ber beiben eö !ompo= 
nierenben @Iemente bejeid^net merben tann. 

SGBottte man fagen, ba^ Drange, obmol^I eine einfädle garbe 
wie SRot unb ©elb, nur wegen gleid^jeitiger befonberer l^l^nlid^feit 
mit beiben SRotgelb genannt werbe, fo mü^ie man fragen, morin 
biefe |[]^nlicl^!eit beftel^e. ©ie fönnte bod^ nur ate eine befonbere 
qualitatioe Slnnäl^erung begriffen werben. 3)od^ ein bem reinen 
®clb fel^r nal^e ftel^enbeö Drange ftel^t oielleid^t bem reinen Slot 
nid^t naiver ate bad reine 93Iau. Unb iebenfaUd ein 3Bei^ mit 
leidstem ©tid^ inö SRote bem reinen SRot ferner ate bem reinen 
®elb, wie experimentell ju ermeifen ift. SßBoHte man aber fagen, 
Drange fei rot^^gelb ju mnntn, Slofa mei^Iid^^rot ufw., weil ed, 
obwol^I einfad^, in genau geraber Sinie, baä eine jwifd^en Slot unb 
®elb, bas anbere jwifd^en 5lot unb 2Bei^ Hege, fo erl^öbe fid^ bie 
^rage, wie bie S^atfad^e fold^er Sage fonftatiert werben fönne, 
wenn nid^t eben baburd^, ba^ ed ate SSerfd^meljung oon biefen 
beiben fid^ erlennen lä^t. 

Unb fo ift benn überl^aupt fidler, ba^ jcbe wa^re 3w)if^cn= 
färbe, fei ed rötlid^eg 2Bei^ ober wci^Iid^ed 5lot, fei ed Drange in 
irgenbweld^er 9luance, fei eö 3Siolett in feinen oerfd^iebenen Uber= 
gangen oon Slau unb Slot, fei e§ Slotbraun in feinen oer= 
fd^iebenen Slnnäl^erungen an reineS Slot unb reineS ©d^warj, fei 



— 114 — 

eö ®rau in feinen Detfd^iebenen SlnnäJ^erungen an ©d^roarj unb 
SBeife ufn). ufu)., nid^t anberd benn afe SSerfd^meljung von meisteren 
einfad^en färben begriffen werben fann. 2)ie einfädle garbe 3lot, 
obrool^l fie einerfeitd ©d^roarj, anberfeitö SGBeife relatit) nal^e liegt, 
liegt barum bod^ nid^t roaf)xf)aft ixox^^m i^ntn, oielmel^r med^felt 
beim Übergang oon ©d^roarj über Slot ju SBBei^ beim 3lot bie 
SRid^tung. Slnaloged gilt auf bem ©ebiet jebeä anberen ©inneä, 
j. 35. bei bem ©efd^madf, wo jmifd^en bitter unb fü^ nur baä 
Sitterfü^e ald SSerfd^meljung beiber, nid^t aber ebenfo bad ©aljige 
feine ©teQe finbet. Unb fomit l^at Wtaify ganj red^t, fold^ed 
aud^ für ben 2;onfinn ald jmeifellod geftd^ert ju betrad^ten unb 
geltenb }u mad^en. 

2 (©. 101). 3)aS Argument Don ©tumpf lä^t ftd^ freilid^, 
toie gegen bie ^nfid^t t)on 3Ra^, aud^ gegen feine eigene feieren. 
Sebe DoQtommene SSerfd^meljung }n)eier Dualitäten lann nid^t 
anberd ate in geraber Sinie jroifd^en ben ßjtremen liegen. Ääme 
nun eine fold^e Sage aud^ einer einfad^en Dualität ju, fo mü^te 
biefe oon ber 3Serfd^meljung , bie in gleid^er S)iftanj wie fte oon 
ben @£tremen abftel^t, fd^led^terbingd ununterfd^eibbar fein, ober 
wir l^ätten jroifd^en jroei 5ßunften mel^r alä eine ©erabe. 

3 (©. 102). Ttaci^, S)ie ä^nalpf e ber ©mpfinbungen, 
4. äufl., Xm, 13—18, ©eitc 222 u. f. Um feine ä^nftd^t mit 
ber 3RannigfaltigIeit unferer ©mpfinbungen beim §ören mufifalifd^er 
Äompofitionen in ®inllang ju bringen, oerroeift SDladJ auf bie ®r= 
fd^einungen beim ftmultanen unb fufjeffioen Äontraft ber garben. 
älUein, mad mir ^ier finben, fd^eint bem SSerfud^e burd^aud un= 
günftig; benn ein lid^tered unb bunflereS ®rau oermdgen fomol^l 
im ftmultanen mie fuljeffioen Äontraft nid^td anbered, afe eine 
gemiffe SSerfd^iebung bed gelleren @rau in ber Slid^tung bed SBei^ 
unb be3 bunf leren in ber Slid^tung bed ©d^mar; l^eroorjubringen. 
2)a^ eine äl^nlid^e SSerfd^iebung ber %'6ne nad^ ^öf)t unb Xiefe 
nid^t ftatt f)ai, ift ebenfo offenbar, mie ba^ biefelbe ^ier bem 95e= 
bürfnis nid^t abl^elfen lönnte. ^ad^ tompli^iert barum feine 
Slnfid^t baburd^, ba^ er jeben 2^on, fo fel^r er, roenn er oereinjelt 
auftritt, fid^ nur afe eine ^Bereinigung oon einem Duantum oon 
lonfd^marj unb 3;onn)ei^ barftellen foH, ba mo er einem anbern 
%on nad^folgt, fomie aud^ ba, mo er mit il^m jufammen erflingt. 



- 115 — 

eine befttmmte S^f^^lf^^'^^^d erl^alten Vx^t, n)elci^e xoxx, roenn id^ 
il^n itgenb red^t oerftel^e^ nid^t iDteber ald eine Slrt 39lifd^ung x>on 
®umpf unb §ell, fonbern alä eine ganj anbetöartige Tonqualität 
ju betrad^ten l^aben. SBid^t blo^ einer, fonbern eine ganje Sleil^e 
00 n oorauägcl^enben %'6nm wirft für ben ßl^arafter biefer Duali== 
tat, bie oielleid^t felSft {ufammengefelt ift, beftimmenb, unb nid^t 
blo^ einer, fonbern jjeber ber fimultan gegebenen 2^öne gewinnt 
einen fold^en ®inPu^. dagegen ift berfelbe unter fonft gleid^en 
Umftänben jroifd^en je jwei 2;önen oon gleid^en ^nteroaQen ber« 
felbe. S)a]^er ber . mufifalifd^ gemeinfame Sl^arafter jjeber großen 
2^erj, Duart ufn). unb bie ^^nlid^feit bed melobifd^en @mpftnbend 
bei ber Xrandpofition ber ftompofition in eine anbere 2^onart. 
@r ergel^t Jx^ in nod^ betailliertcren 33ermutungen , ju benen er 
jjebod^ felbft tein red^ted SSertrauen jeigt. 

SEBenn 3Rad^ unter ben 3wfö|^>wppnbungen, bie er l^ier ein= 
fül^rt, roirlUd^, wie eS fd^eint, bie Smpfinbung befonberer neuer 
@temente oon S^onqualitäten oerfte^t, fo fann gegen i^n natürlid^ 
ber Sonourf, ba^ er bie 3RufiI nur ®rau in ®rau malen laffe, 
nid^t ferner erl^oben werben. ®in anbered aber ift, ob bie 6r= 
fal^rung mit feiner S^^eorie irgenbroie in übereinftimmung gebrad^t 
werben lönne. Sd^ glaube mid^ bed ©egenteife fidler. S« 6^jW8 
auf bie ©uljeffion fd^eint mir bie Unterfud^ung leidet. ®ö genügt 
ja, fid^ an ben erften beften einfad^en ^aü gu galten. 3Wan fd^Iagc 
einen beliebigen %on an (er ertönt bann nad^ 3Jlad^ ol^ne [ebe 
3ufa^quaKtät ald reined Xongrau) unb mieberl^ole il^n bann, nad^= 
bem man bajmifd^en einen beliebigen anberen 2^on aufgerufen l^at. 
S)ie Dualität biefed neuen lä^t fid^ mit ber bed erften 2^oneS 
trefflid^ oergleid^en unb fie erfd^eint fd^led^terbingä unoeränbert. 
älber aud^ mad ftmultan vereinigte Xöne anlangt, gelingt ed bem 
üKufifer, jeben einzelnen 3;on fd^arf l^erauSjul^ören. @r erlennt 
i^n ganj ald bad, mad er aud^ für ftd^ allein mar. SSielleid^t 
mürbe bieö nid^t mefentlid^ gegen SDlad^ entfd^eiben; eS lönnten 
ja in ben S^\^i^^^^^^^^^ ^^^ britter unb oierter ober aud^ eine 
nod^ grö^e 3Siell^eit oon anberen, ganj nmen S^onqualitäten 
l^injugelommen fein. 9lur freilid^ mürbe bann baS D^r beS 
5Kufifer8 aud^ biefe ganj ä^nlid^ l^eraud^ören lönnen, jumal fie 
ja fel^r mäd^tig auftreten folten. 9Bo aber l^ätte je ein 3Kufifer 



— 116 — 

fold^ed erlebt, um eiroa bann eine fpesiftfd^e ^eQtglett für jebe^ 
biefer gefättigten Elemente, öl^nKci^ rote gering, eine fpejiftfcl^e 
^effigfeit für Slot, »lau ufro. f eftauftetten ? 

3)a^ befonbere emotioneQe @mpftnbungen bie Jtompofitionen 
Toon 2^önen begleiten, bie beim §ören ber einjelnen Äomponenten 
unb aud^ bei il^rer Jlompofition in anberer Drbnung nid^t ebenfo 
gegeben finb, aber bei S^randpofitionen eineä lonftücfs an bie 
analogen Seile äJ^nlid^ fid^ fnüpfen, ift unjmeifell^aft. ^ber ba$ 
$dren felbft enthält l^ier fo menig ald fonft etmad t)on 9lffeft, unb 
ein neued S^onelement roirb baburd^ ben anberen nid^t gefeilt. @^ 
ift bieg ganj äl^nlid^ bem, road mx bei bem ^arbenfinn finben,. 
inbem aud^ bad Selben, in fid^ felbft genommen, niemals einen 
emotioneQen S^aralter ^at. älber ein großer Sleid^tum oon 
aiffelten ift gefe^mä^ig an färben wie lonerfd^einungen gelnüpft ;. 
bei ben ^arbenerfd^einungen aber oornel^mlid^ an bie gefättigten 
Dualitäten, bei roeld^en aud^ baS ^Jlerfroürbige fid^ jeigt, ba^ bei 
ber SSerbinbung einer Dualität mit einer anbern ein ben Elementen 
felbft frembartigeS (Sefü^l auftritt, unb ba^ oerfd^iebene burd^ bie 
3Serbinbung mit bcnfclben in oerfd^iebenem ©inne in i^rem ®e=^ 
fül^feton mobifijiert werben, mäl^renb bei ber Sinmengung eine^ 
ungefättigten ©d^roarj ober SBeife nid^tä äl^nlid^eä fid^ jeigt. ©a 
märe benn aud^ bad @ntftel^en oon ganj neuen unb einanber nn= 
gleid^artigen (Sefül^lämirfungen bei ber ^Bereinigung ein unb be§= 
felben S^oneö mit oerfd^iebenen anberen jum 3l!forb, romn jeber 
einzelne 3^on nur eine befonbere 9luance beäfelben ®rau märe,, 
unannel^mbar unb aller Slnalogie mit bem, ma§ mir bei bem ®e= 
fid^täftnn finben, entgegen. 2Bir werben im 3?ortrag felbft nod^ 
barauf jurüdEfommen. 

4 (©. 102). 3d^ behalte l^ier bie Sejeid^nung „gefättigt" für 
bie oft in einem engeren ©inn allein „S^arbe" genannten Elemente 
unb i^re ^^f^wimenfe^ungcn untereinanber bei, mäl^renb mand^e 
anbere anfangen, fie in ganj anbercm ©inn unb äl^nlid^ mie bie 
Scjeid^nung ,,rein" anjumenben, mo bann aud^ oon einem ge= 
fättigten SBei^ unb ©d^marj gefprod^en mirb. 

5 (©. 104). 5Reuere et^nologifd^c ?Jorfd^ungen ^aben bar^ 
getan, ba^ nid^t alle SSöHer fo mie mir bie mufifalifd^en Snteroalle 
unterfd^ciben. 5Kand^c teilen bie Dftaocn in fünf gleid^meit oon* 



- 117 — 

•einanber abftcl^cnbe %öne (bte ©Icid^^ctt nad^ bcm Swwx^cl^^ '^^^ 
Sogarit^mcn bcr ©d^rotnöungöjal^Ien bcmeffen) ; anbete fd^einen fie 
in fed^ä unb roteber anbere in jteben öleid^roeit abftel^enbe ju 
fd^ciben. Sei fold^er ©tDergenj in jjebcr anberen 33ejiel^ung f)altm 
fte aber ade gemeinfam mit unS an ber ©inteilung ber ©lala in 
Dltat)en feft, eine latfad^e, in roeld^er wir eine neue Seftätigung 
für ben ganj auSgejeid^neten ß^arafter biefeä S^onoerl^ältniffed ju 
frblirfen f)ahen. 

6 (©. 105). 3n einem am 29. Januar 1893 in ber SBSiener 
pl^ilofopl^ifd^en ©efeUfd^aft gei^altenen 3Sortrag ,,Über baä pl^äno» 
menale ®rün" ^)abz id^ ben einge^enbften Slad^roeiö für baS ®e= 
fagte ju erbringen gefud^t. abfällige Umftänbe oer^inberten 
"bamals feine 3SeröffentIid^ung im ®rudf, bie aber nunmehr in 
näd^fter ^^it erfolgen mirb. (®ieS bei ©elegen^eit beS römifd^en 
^ongreffeS gegebene 3Serfpred^en erfüllen mir burd^ bie 3Seröffent« 
Kd^ung biefeS 33ud^eS in bem erften ber barin aufgenommenen 
Vorträge.) 

7 (©. 107). SBä^renb 3Kad^ ben SSerlauf ber ©lala burd^ 
l)ie folgenbe ^igur anfd^aulid^ mad^t, in meld^er jebe 3SertiIaIe in 



bem 3Ser^ältnig il^reS in baS mei^e unb ii^reg in baS fd^marge 
^reiedf fallenben leileö bie qualitatioe 3wfö«^«^cnfe|ung eines 
2^one8 ber ©lala barfteHt, höU nad^ mir bie folgenbe S^igur, in 




toeld^er ber obere SBinlelraum red^td bad Sonmei^, ber untere 
linfd baS 3;onfd^n)arj, ber SRaum jmifd^en ben beiben ^Parallelen 
aber 'bie gefättigte Dualität repräfentiert, in ber Slufeinanberfolgc 
ier 9Serti!alen ein entfpred^enbereä 2lnalogon. 



— 118 — 

greiHd^ bleibt aud^ l^ier bie äJ^nUd^fett eine ungenaue, iitbem 
bie ^xiux auf bie feinen Variationen, bie J^inftd^tlid^ bet Unter« 
fd^iebdempfinblid^teit beobad^tet roorbcn finb, nid^t Slürfftd^t nimmt. 

8 (©. 107). SBottte man an bem ©ebanfen einer fold^en 
Sufammenfe^ung fcftl^alten, fo mü^te man mol^l fagen, jebe oon 
ben Dielen im ©eräufd^ iugleid^ auftretenben Qualitäten fei 'in 
unmerflid^ fd^wad^er S^tenfität gegeben, fo ba^ nur ber 3)urd^fd^nttt 
ber fpejififd^en ^eUigfeit oon i^ncn allen in beutlid^er Slpperjeption 
erfaßt merbe. ^^ entl^alte mic^ l^ier iebed Urteils über bie 2)urd^» 
fül^rbarfeit einer fold^en ^ppotl^efe. 3)a^ um ber mittleren ®e* 
röufd^e mitten icbenfaHd feine befonberen 2:onelemente anjunel^men 
finb, erfd^eint oon il^rem ©tanbpunft mie oon bem im Vortrag 
oon und eingenommenen gefid^ert. 

9 (©. 107). 3Wan erinnere ftd^ l^ier ber Se^re ^eringö 
oon ber fpejififd^en §ellig!eit ber färben. 

10 (©. 108). aBenigfteng nid^t anberS als burd^ eine oer= 
oielfältigte ^rojeftion, bie bei fo l^äufiger äBieberl^olung oielleid^t 
bod^ nid^t mel^r ald praftifd^ ftd^ ermeifen mürbe. 

11 (©. 108). Unter ben wenigen, meldte fd^on oor unS baS 
gerablinige Sluffteigen ber @{ala ju beftreiten magten, ift mol^l 
ber ^erbartianer 3)robifd^ als ber bebeutenbfte ju nennen. S)iefer 
leierte, ba^ fie oielme^r einer Spirallinie gleid^ in oielen ftdj 
mieber^olenben SßBinbungen emporfteige, inbem er babci bem 3Ser== 
l^ältniS ber DItaoen in ber Slrt 9led^nung trug, ba^ er bie ben 
gleid^namigen S^önen entfpred^enben ^Punlte fenfred^t über einanber 
ftel^enb badete. 

@S ift unfd^roer ju erlennen, ba^ man auf biefem SGBege ben 
gegen bie aiuffaffung ber ©fala, als einer in geraber Sinie auf* 
fteigenben, geltenb gemad^ten ä^rgumenten nid^t mal^rl^aft entgel^t. 
®o mü^te es inSbefonbere nod^ immer möglid^ fein, auS ganj 
oerfd^iebenen 5ßaaren oon %önen biefelbe 3Rifd^ung ^erjufteHen, 
mie ftd^ ja aud^ oerfd^iebene 5ßaare oon 5ßunften einer ©pirale 
burd^ fid^ freujenbe gerabe Sinien oerbinben laffen. 

12 (©. 108). ©d^on für eine analoge 3)arftellung ber färben* 
elemente märe ein ebenes S^opoib oon oier S)imenftonen er=^ 
forberlid^. 



— 119 — 

13 (©. 109). §cbt man au8 ber SRcngc bcr gefättigten %on^ 
qualitäten nur mtx ^eraud^ fo n)trb natürlid^ eine grapl^ifd^e 
S)arftellung il^rer Slbftänbe aud^ in unferem ebenen 5laum möglidj 
fein. Unb bei ber SGBal^I x>on Tonqualitäten, beren Slbftänbe fid^ 
gueinanber oerJ^alten wie bie x>on c, dis, fis unb a, mürben bie 
3Serl^äItniffe ber Slbftänbe ber 5ßunfte a b c^ d in unfercr ftereo= 
metrifd^ aufgefaßten g^igur (©. 108) ben SSerl^ältniffen ber Slbftänbe 
ber S^onqualitöten mit annäl^ernber ©enauigfeit entfpred^en. 

14 (©. 109). 5Ratürlic^ bie %'düe, mo bie ©tärfe beS Sfleiaeä 
bcg grellen Sid^ted unb fd^ritten Soned peinlid^ fd^arf unb glcid^fam 
fted^enb einwirft, audgefd^Ioffen. 

15 (©. 109). 3)ie latl^olifd^e Jlird^e oermenbet eä barum in 
ber g^aftenjeit afö Sußfarbe. 

16 (©. 110). 3SgI. hierfür unb für bad ^Jolgenbe meinen auf 
bem 5Wünd^ener internationalen ^Pfpd^ologenlongreß gehaltenen 3Sor- 
twg: „3wr Se^re x>on ber ©mpfinbung". (@S ift ber, ben mir 
in biefer ©ammlung unter bem Sitel : ,,iiber Snbioibuation, multiple 
Qualität unb ^ntenfttät finnlid^er @rfd^einungen aufgenommen 

17 (©. 112). Unfere ©enfationen jerfaUen in jmei Klaffen ; 
infofern bie einen einen emotionellen ßl^arafter l^aben, bie anbern 
beSfelben ganj unb gar entbel^ren. SSon mand^en ^fpd^ologen mirb 
bieä l^eute nod^ in 3lbrebe gefteUt. ®d fd^eint mir aber eine unjmeifet 
l^afte 2^atfad^e unb indbefonbere aud^, baß bie beiben ^öl^eren ©inne 
burd^aud ju ber le|teren Jtlaffe gel^ören. 9tid^t als ob nid^t, inbem 
mir l^ören unb feigen, mand^erlei riffelte in und angeregt mürben. 
^an meiß, mie bad rote %u(l^ ben ©tier reijt. ^ud^ mären fonft 
malerifd^e unb mufilalifd^e ©enüffc auSgefd^loffcn. 2lllein biefe 
Slffefte befielen in 5Witempfinbungen , bie bei oerfd^iebenen 3!ier= 
arten, ja aud^ bei oerfd^iebenen 3Kenfd^en oon ©eburt an oft fel^r 
oerfd^ieben finb, obmol^l fie baSfelbe feigen unb l^ören. Salier bie 
Unterfd^eibung oon ^öroermögen unb mufifalifd^em ©el^ör. 9lud^ 
med^feln fie unter bem @influß ber (Srmübung. @in 3^on ober 
eine SWelobie, aud^ bie an unb für fid^ fd^önftc, fann, xo^nn fie 
ftd^ im Di)x feftgefe^t, jur unerträglid^en Qual merben. (SUn fo 
mäd^tig ermeifen fid^ anbere 3)iäpofttionen , meldte atö 5le fultate 



— 120 — 

oon frül^cr ©erörtern aber altucB nidjt meffx im Scroufetfcin 
©rfd^cincnbcm unb von ben 3lppcr jepttonen , btc bamafe gemad^t 
würben , gegeben ftnb. 3)te %omxi j. 33. , in roeld^er baä ©tüd 
bisset verlaufen ift, begrünbet einen fold^en Unterfd^ieb ber ®e= 
fü^felage für jeben neu auftretenben 2:on unb ergibt für ben 
einen im ©egenfa^ jum anbcrn bie 3Röglici^!eit befriebigenben 
älbfc^Iujfed. 

@in red^t fd^lagenber 33en)eid bafür, ba^ bie lebl^afteflen 
mufifalifd^en ä(ffelte nid^t in ben ^örempfinbungen felbft gegeben 
ftnb^ liegt aud^ fd^on barin ^ ba^ fte nid^t an eint, fonbern an 
mel^rere ©mpfinbungen x>on Sönen, bie ate gleid^jeitig ober auf^ 
einanber folgenb Dorgeftettt werben, ftd^ fnüpfen (Harmonien unb 
2)iff onanjen , gefättige unb mißfällige S^onfolgen). 3)abei mad^t 
ftd^ aud^ ber @influß ber ©emöl^nung geltenb ; gemiffe 3Serbinbungen 
lommen in unb außer ^obe unb meden jenad^bem @efaQen ober 
3RifefaIIen. Umgcfcl^rt l^at aud^ roteber bie 9?eul^eit unb Originalität 
il^ren befonberen SReij. 

Unb eine oictteid^t nod^ greifbarere Seftätigung fd^eint in 
gemiffem Umfang burd^ ben merlmürbigen patl^ologifd^en ^aQ oon 
Stöbert ^^ranj geliefert, bem, nad^bem er ooQfommen taub ge» 
n)orben, eine gute ober fd^led^te Ttnfxt birett nod^ bie ®efül^le 
l^öd^ften SBol^IgefaQend ober üRißfaQend niedEte. ,,Übrigend l^atte 
id^ an meinen Dl^ren einen unfel^Ibaren ©rabmeffer bed SBBol^t 
ober übeßlanged. SBaren bie Suftfd^mingungen , alfo ber ®runb 
bed %dnen%, DoQfommen gleid^mäßig, fo fiel ed mir mie Salfam 
in bie Dl^ren; geigten fte bagegen nur bie geringfte Unegalität, 
namentlid^ ein forcieren, bann fteHte ftd^ fofort oibrierenbed gudfen 
im Trommelfell ein." (3Sgl. Stumpf, 2;onpf9d^ologie , 1883, I, 
©. 413—419.) 

Wlan f)ai von bem ®efe^ ber fpejififd^en ©inneäenergie ge» 
fagt, baß e§ mie für bie Qualität fo aud^ für bie burd^ bie 
©enfation gegebene, mit ber Dualität lonfrete, örtlid^e S3efonber* 
l^eit gelte. @d ift bie§ fo gewiß rid^tig, afe bie fenfttioe 2eiftung 
nid^t eine boppelte, fonbern eine einl^eitlid^e , jugleid^ qualitatio 
unb räumlid^ fpejifijicrte Srfd^einung ift. Unb id^ barf l^inju« 
fügen, baß, mo bie ©enfation eine emotionelle ift, b. f). bie 
©mpfinbung nid^t bloß innerlid^ mal^rgenommen, fonbern mit 2uft 



— 121 — 

4>ber Unlufl toal^rgenomtnen n)irb^ bad ®efe^ ber fpejififd^en 
Energie aud^ auf biefen emotioneUen @l^ara!ter fid^ audbe^nt. 
@o mu^ benn aud^ bie ^ntenfität bed ®efül^ld ober bed @mpftnbend 
ald ^ffeft mit ber ^ntenfität ber qualitatiüen @rfd^etnung ju» unb 
ixinefftnm; ein neuer ®runb bafür, ba^ baä l^ol^e SBBol^IgefaBen, 
roeld^ed unter Umftänben an ein 5ßianifftmx) fid^ fnüpft, nid^t in 
bem $ören felbft befd^Ioffen fein lann. 2)a^ ©erool^nl^eit unb 
Übung unb fo mand^er anbere erroäl^nte Umftanb, forool^I Der= 
ftärlenb atö abftumpfenb, afe mannigfad^ mobifijierenb , auf bie 
mit ®efid^tg= unb ©el^öräeinbrüdfen oerbunbenen ©efül^le einwirfen 
können, ftel^t l^iermit nur barum nid^t im SBiberfprud^ , weil il^r 
©influ^ nid^t audfd^lie^Ud^ ben emotionellen 6^ara{ter einer be^ 
gleitenben ©mpfinbung, fonbem il^r ©intreten ober Sntfatten über« 
l^aupt betrifft. 

3)er oorftel^enbe 2^eil biefer Slnmerfung mar gefd^rieben, atö 
mir bie Slbl^anblung oon ©tumpf ,,Über ©efül^feempfinbungen" 
^3ci*f^^ift für ^ßf^d^ologie unb ^pi^^fiologie ber ©inncdorgane I, 
1907) ju ©efid^te lam, meldte fid^ in gemiffen ^Punften mit meinen 
Slnfid^ten berül^rt, aber bod^ fel^r tiefgreifenbe S)ifferenjen aufmeift. 
3u einem ©efpräd^, baS jmifd^en und ftattgefunben, maren biefe 
fd^eintd nid^t beutlid^ genug ^eroorgetreten^ um ju oer^inbern^ ba^ 
©tumpf felbft fid^ l^ier in oöQiger ttbereinftimmung mit mir ju 
befinben glaubt, ©ie beftel^en mefentlid^ in ben folgenben : 

1) 3^ür ©tumpf finb pnnlid^e 2uft unb jtnnlid^er ©d^merj 
felbft ©inneSqualitäten, mie bie ^Jö^ben, %'6ne, ©efd^mäde ufm. 
eä finb. ^ür mid^ finb fie Slffefte, ßmotionen. 

2) ^ür ©tumpf jeigt fid^ nid^td ®emeinfamed für finnlid^e 
Suft unb geiftigeS SBol^lgefaBen, finnlid^en ©d^merj unb geiftigeö 
URi^f allen, ^ür mid^ fte^t ber gemeinfame ßl^arafter au^er Zweifel; 
bie finnlid^e Suft ift ein SBol^lgefatten , ber pnnlid^e ©d^merj ift 
ein 5Wi^fallen, meldte auf einen ®mpfinbungäaft gerid^tet pnb, ju 
bem fie felbft gehören. 

3) 9iad^ ©tumpf f)abtn pnnlid^e Suft unb finnlid^er ©d^merj, 
menn fie und erfd^einen^ nid^t mel^r Sled^t^ ald mirtlid^ e^ftierenb 
anerlannt ju werben afe eine ^arbe, bie id^ fel^e, ein 2^on, ben 
id^ l^öre. 3la^ mir bagegen finb und Suft unb ©d^merj burd^ 
bie ®oibenj ber inneren SGBal^mel^mung in il^rcr Sßßirflid^feit oer= 



— 122 — 

Bürgt toie bad ©el^en unb ^ixen, an totl^tn aud^ ein 2)edcavted 
nid^t {toeifeln tonnte^ toäl^venb er f^arbe unb %on fel^v tid^tig ald 
etwa« begeid^nete, für beffen @jifkeng leine unmittettare SBal^t« 
nel^mung und S3ürgfd^aft leifte. 

%üx ©tumpf fmb 8uft unb ©d^metg pl^#fd^e, für mid^ ftnb 
fte pf^d^ifd^e ^^nomene. 

4) ©tumpf würbe eS für etwa« ber Slatur be8 ©mpfinbenS 
SSiberfpred^enbeS l^alten, wenn eine Suftempfinbunfl aufter ber Suft, 
eine ©djmergempfinbunfl au^er bem ©d^merg, eine finnlid^e Dualität 
gum Dbjelte l^ätte. 9lad^ ntir bagegen wiberfprid^t bieS fo wenig 
ber Slatur bed ©ntpfinbend^ baft ed üielmel^r con il^r geforbert 
wirb; ed l^at nämlid^ fowol^l ein printöred als felunbäred Dbjjelt. 
2)ad erfte ift etwad ftnnlid^ Dualitatit)ed ; bad gweite ift ber 
©mpfinbungSaft felbft, auf weldjen ftdj bad @mpfinben imnter fowol^I 
DorfteQenb ald in et)ibentem Urteil anerlennenb, mand^mal aber 
aud^ nod^ emotione^ begiel^t, unb biefer le^tere ^aU ift bei fmnlid^er 
Suft« unb ©djntergempfinbung gegeben unb madjt, ba^ bie be= 
treffenben ©ntpfinbungäalte afö wal^re Slffette con anbercn gu 
unterfdjeiben finb. 

©tumpf begibt fid^, inbent er bie S3egiel^ung beS ©ntpfinbenS 
Don Suft unb Unluft gu anberen Dualitäten leugnet, ber 3Kög- 
lid^Ieit, ben tatfäd^Ud^ für bie eine wie anbere beftel^enben quali- 
tatxvm S)ifferengcn geredet gu werben, unb eä ntu^ mid^ wunbern, 
bajl er ba, wo er bie JJrage geftreift, bied nid^t felbft bewerft l^at 
unb baburdj auf ben begangenen JJel^ler aufmerifam geworben ift. 

5) S^fölge baoon gefd^iel^t ed, ba^ ©tuwpf bie finnlid^en 
^üoffU unb 3Bel^egefül^Ie (bie il^m ja im SSergleid^ wit aEem, wad 
im wal^ren unb emotionetten ©inn ©efül^I genannt wirb, nur 
äquiool ben 5Ramen tragen) gar leinen S3eftanbteil beä mufifalifdjen 
©efattend ober SWi^fattenä bilben lä^t, wäl^renb bei mir jjeber 
@runb entfällt, fie nid^t ald einen S^eil bedfelben gu betrad^ten. 
3a fel^r reid^Iid^ unb mannigfad^ ift nad^ mir biefer 2^eil; benn 
nid^t blo^ an einen eingelnen ^^on, fowie aud^ an eine SWel&rl^cit, 
bie gugleid^ ober aud^ nad^einanber oorgeftettt wirb, fonbern aud^ 
an ©rinnerungen an frül^ereä ^ören unb feinen SJergleidJ mit bem 
gegenwärtigen unb an nod^ gar wandle anbere ?iebenerfd^einung 
unb il^re S3egiel^ungen gu bem, wad gegenwärtig gel^ört wirb,. 



— 123 — 

Inüpfen fid^ toal^rl^aft finnlid^ Suft» unb @ci^inev}gefül^Ie, von 
tDeU^en jebed itgenbtoie }u bem ®an}en bed mufttalifd^en befallend 
unb SRi^faQend einen S3eitrag liefert. 2)a^ babei gemiffe l^dl^ete 
begleitenbe Xätigteiten eingreifen unb für oieled ©innlid^e ^ox^ 
bebingung finb, änbett nid^td an biefem toaf)xf)a^t ftnnlid^en Q^avattet, 
äl^nlid^ n)ie ed eine n)al^tl^aft ftnnlid^e Suft voav, meldte Sltd^imebed 
bevaufd^te^ ald er auS bem S3ab fprang unb fein &jQrixa tief, ob^ 
voof)l biefelbe eine Sletunban} ber S3efnebigung voax, meldte xf)m 
eine lang angeftrebte wiffenfdjaftlidje ©ntbedfung bereitete, ©ieberum 
l^at ntan ed, wenn ntan t)on ben 9tatterbiffen ber f^urien ober 
üon bem l^erjgerrei^enben Sommer einer beS Äinbeö beraubten 
üRutter fprid^t, mie bie SBal^l ber 3(uSbrüd(e felbft begeugt, aud^ 
mit finnlid^en feinen }u tun, obmol^l jene aud äSormürfen beS 
®en>iffend, biefe au^ menfd^enfreunblid^er Xeilnal^me retunbieren. 

@o mögen ftd^ benn aud^ finnlid^e !Retunban}en an bie 
SBiebererlennung einer mufilalifd^en ^eriobe, menn fie an einer 
mel^r ober minber getreu fie mieberl^olenben ©teile in ber 6r* 
innerung auftaud^t, unb äl^nlid^ aud^ nod^ an mannigfad^e anbere 
ätppergeptionen Inüpfen, meldte ol^ne eine befonbere Slufmerffamleit 
unb ein befonbereS l^öl^ereä mufilalifd^e« 3SerftänbniS nid^t möglid^ 
n)ären. älud^ mag ed gefd^el^en, ba^ bie größere ober geringere 
SSottlommenl^eit, mit meldjer bie Äompofition unb ber ^^ejt eines 
Siebes fidj entfpred^en, für bie retunbierenben finnlid^en 'Suftgefül^Ie 
mitmajigebenb werben, mie aud^ baS Sufammenftimmen oon 
3Rufi! unb Semegung ber ©lieber bei 3Karfd^ unb SCanj unb bie 
Harmonie gmifd^en ben @inbrüd(en beS Dl^reS unb beS SlugeS unb 
ber burd^ biefelben ©ermittelten Slffogiationen, mie j. 33. menn ein 
emfteS Oratorium in ber el^rmürbigen ^aUe eines Domes }ur 
äluffül^rung gelangt. 

6S gibt voof)l nodj gar mand^en, ber mie ©tumpf alle finnlid^e 
Suft unb Unluft oom äftl^etifd^en SBoJ^lgefatten unb SWi^fatten auS* 
fd^lie^en möd^te. SEBenn man nun aber fragt, ob biefeS SEBol^l- 
gefallen unb aWi^faHen balb l^öl^ere, balb geringere Sntenfität 
l^abe, fo mirb er bieS unbebenllid^ bejal^en nnb l^iermit (nad^ bem, 
maS mir in bem 3Sortrag „Über S^btoibuation, multiple Dualität 
unb S^tenfität finnlid^er Srfd^einungen" ermiefen ju l^aben glauben) 
gegen fid^ felber 3^"g«iS Qtien. 



— 124 — 

©tumpf, too et feine Sluffaffung entwicfelt, fteHt biefelbe gwei 
anberen gegenüber, gu roeld^en ntan, wenn man bie feine ablel^ne, 
greifen muffe, inbem er fagt, bajl bei naiverer 39etradjtung bie eine 
von i^nen fid^ a\% DoEftänbig unmäglid^, bie anbete afö unnötig 
tompUjierenb ermeife. ®an} unhaltbar märe nad^ il^m bie Seilte 
von einem ®efü^l3ton, bet aujiet bet ftnnlid^en Dualität in bet 
©mpfinbung fclBft gegeben fein fott. Sie ttäfe bet 3Sotmutf, ba^ 
fie ©igenfd^aften t)on ©igenfd^aften annäl^me, maS i^m ontologifd^ 
unjuläffig etfd^eint. übetflüfftg tompligietenb abet mäte eS nad^ 
il^m, menn mit bei finnlidjet 8uft unb finnlid^em ©djmetj gmei 
9(fte, einen Smpfinbungd- unb einen emotionellen Sltt, gegeben 
glaubten, meld^ leitetet t)on gang anbetet 9latut al3 bie @mpfinbung, 
t)ielme^t teine Emotion, mie bet etftete reine ©mpfinbung mäte. 

SBaS mid^ bettifft, fo mütbe id^ bie gmeite Slnfid^t, fo bat» 
gefteUt, als unmöglid^ ablehnen, inbem jebe Emotion il^tem SBBefen 
nad^ ein 3Sotftellen einfdjliej^t. ' S)ie etfte abet l^alte id^ butdj baS 
etbrad^te 2ltgument leineSmegä füt mibetlegt, fd^eint bod^ ted^t 
mol^l ein SlfgibenS anbete 2l!gibentien l^aben gu lönnen, mie menn 
ein SSotftellen ©ubftrat eine« Urteils unb ein Urteil ©ubfttat bet 
©oibeng mitb, bie g. S3. bet ^ß^tl^agotäifd^e 2e^tfa| nid^t füt ben 
I)at, bet i^n im SSetttauen auf bie 2lu8fage eines anbeten obet 
aud^ auf bie ©tinnctung an einen ftü^eten SemeiS blinb feftl^ält, 
mäl^tenb et fie im SKoment beS bemonfttatioen (Sinleud^tenS beft|t. 
2)od^ fage id^ bieg nid^t, alg ob id^ felbft bet Slnfid^t mäte, ba^ 
bei finnlid^et 2uft bie Emotion afe SlfgibenS eines ©mpfinbenö 
gegeben fei unb laffe ed bal^ingefteUt, ob, bie oom @efü^ldton 
fpted^en, fämtlid^ il^n fo gefajjt l^aben motten. SSielmel^t l^anbelt eS 
fid^ nacl^ mit um bie 2^atfad^e, bajl jebet @mpftnbunggaft aujiet 
feinem primäten Dbjeft fefunbät obet, mie SltiftoteleS fagt, 
iv TiageQyci) fid^ felbft gum Dbjeft l^at unb bieö fogat in mel^t= 
fad^er SBeife, unb ba§ bieö bei ben £uft= unb ©d^mergempfinbungen 
im Unterfd^ieb oon anberen (mie namentUd^ oon attem ©e^en unb 
$ören) inöbefonbere aud^ noc^ emotionett, b. i. in ber SBeife oon 
Siebe unb §a^ gefd^iel^t. 35iefe Sefd^ränfung attein ift e8, mo== 
burd^ id^ ^eute oon ber in meiner ^f^d^ologie oom empirifd^en 
©tanbpunft oertretenen Slnfid^t abmeid^e. Daj5 jemanb bie 
Slriftotelifd^e Seigre oon bem primären unb fefunbären Dbjefte beö 



— 125 — 

®mpfinbenS mbericgt l^abc, ober auf (Srunb apriori aufgcftcßter 
ontologifd^er ©runbfä^c ju ocrTOerfcn bcrcd^tigt fei, fann id^ nid^t 
jugeben, uielme^r fc^eint fic mir aßein mit ben Satfad^en in @inllang 
unb gerabc'ber ^aß, ber unä vorliegt unb ber unä ben emotionctten 
Sl^aralter oon finnlid^er Suft unb Unluft ja fogar il^rcn Sl^aralter 
als pf^d^ifd^e ?ßl^änomene von einem J^eroorragenben g'orfd^er t)er= 
fannt jeigt, bemeift aufä neue, ju weld^en S^^^^^ümern man gefül^rt 
mirb, totnn man x>on ber burd^ ©rfal^rung ooH begrünbeten STuf^ 
faf[ung beS alten gried^ifd^en 2)enterS abläßt. 

3ft aber ber SSerfud^ von ©tumpf in biefer Sejiel^ung Ic^r= 
reid^, fo gemi§ aud^ burd^ gar mand^cS rid^tige HKoment, baS er 
entl^ält. ©0 bin id^, um bieS nod^ auSbrüdflid^ l^eroorjul^ebcn, 
gang mit i^m cinuerftanben, menn er e8 für unmöglid^ l^ält, bem 
fogenannten ®efül^l§ton einen anbern ©rab ber S^it^^fi^^^^ «l^ 
ber finnlid^en Dualität, meldte in ber Smpfinbung erfd^eint, ju= 
jufd^reiben. @r unterfd^eibet fid^ baburd^ oortcill^aft von 5Keinong, 
meld^er fogar eine S)it)ergenj jmifd^en S^^^^^ptät beS SJorfteHenS 
unb S^tenfität beS SSorgefteHten für möglid^ l^ält. S)a6ei fönnte 
eS aber aßerbingS oorfommen, ba§ bei 3wfammenfe|ung einer 
Dualität aus unmerflid^ fleinen Seilen, von meldten ber eine mit 
Suft, ber anbere mit Unluft empfunben mirb, mie bie Dualitäten 
aud^ bie ®efül^le fid^ fonfunbierten unb bie ©efamtintenfität beS 
fonfufen, fü^cn SBel^gefü^fe äl^nlid^ mie bie ©efamtintenfität ber 
qualitativen SKifd^erf^einung beträd^tlid^ größer märe als bie ^n= 
tenfität ber Suft fomol^l als ber Unluft. 



Htt!|ang. 



3ur $vag^ oom pl^anomenalen <5rün. 

tDieöetl^oIung 6er mefentli(i^ren Ceile 6e$ erften Oortrages in 

gebrängter, bo^ suglei^ burc^ neue (Enoägungen berei^erter 

Salfung (24. fluguft 1905). 



1, SDer (gifer, mit v)äd)tm bic legten SDeiennien fi^ ber &x^ 
fDrfd^img pf^d&ologif d^ = optif d^er gragen juroonbten, f)at in ben 
roefentlid^ften SSejiel^ungen nod& immer ju feiner ©inigung ber 
3Reinungen gefül^rt. ©ie fel^It fogar bei fold^en, bei meldten fd^on 
Slrifbtele^ in ber antifen S^it mit Älarl^eit bie rid^tige ßel^re 
bargelegt l^atte, mie j. 35., mo er fagt, bajs ber ®efid&t^finn mie 
jeber anbere ©inn un^ ®rfd&einungen jeige, meldte jugleid^ 
qualitativ unb röumßd^ beftimmt unb auf biefe SBeife fonfret feien. 
SDie gal^Ireid^en SBertreter eine^ extremen ©mpiriMu^ beftreiten 
bie^ afe einen groben unb, mie fie fid^ au^brüden, natiüiftifd^en 
3irrtum, inbem nad^ il^rer SReinung ber ©efid^töerfd^einung mie 
aud^ ieber anbem ©inne^erfd^einung an unb für fid^ jebe räum^ 
lid^e Seftimmtl^eit feilte. 

Slud^ l^infid&tlii^ ber Dualitäten beg ©efii^t^finneg jeigen 
fid^ bie tiefgreifenbften ®egenfä|e. SBäl^renb bie einen bem 
©efid^t ebenfo mie bem ®epr unb ben nieberen ©innen 
auger einfad^en aud^ äufammengefefete Dualitäten iuerfennen, 
wirb von anbem il^m jebe gäl^igfeit px 3)iel^rfarben abgefprod^en. 
SBeber ®rau fott nad^ il^nen au^ ©d^marj unb SQBeijs nod^ 
Drange au^ SRot unb ®elb, nod^ SBioIett au^ 3tot unb S3Iau, 

Brentano, ©innedpf^c^ologifd^e ^agen. 9 



— 130 — 

nod& 9lDtbraun au« 3tot unb ©d^toarj, no^ roeigltd^eiJ 83Iau 
Dbet toeifelid&e« SRot aug SBeife unb »lau bejro. SBeig unb 3tot 
jufammengefefet fein, greilid^ geben fte unroiHfürlid^ gegen ftd& 
felbft 3^ii8«i^^ tei^^w ft^ gerabe fo wie bie anbem von roei§= 
Kd^em 3tot, toei^Itd^em Slau, einem Stau, baö einen ©tid^ in« 
3tote l^abe, ja aud& oon einem fel^r meifeltd&en ©tau mit einem 
leidsten ©tid^ iniJ »lau fomol^I ate in« 3tot unb bergleid^en mel^r 
fpred^en. 2lud& l^ier ift meine« ©rad^ten« ba« Jled^t unjmeifell^aft 
anf ber ©eite betjenigen, meld&e einen \olä)tn ©egenfaft be« 
©efid^t«ftnne« ju aßen anbern ©inne«gebieten in Slbrebe [teilen. 

©0 gibt e« benn fomol^l pl^änomenal einfädle, elementare, 
afe aud^ pl^änomenal jufammengefefete garbenqualitäten, unb e« 
ermäd^ft ber ^fpd^ologie bie 3lufgabe, bie 3«^! ^^^ einfad^en 
f^arbenfpejie« feftjufteHen. 2lfe fold^e finb vor allen anjuerfennen 
©d&marj unb SQBeijs. @« gefd&al^ nur infolge t)on einer aSer^ 
med^felung von pl^^fifolifd^en SBorgängen, meldte, auf ba« 3luge 
einmirfenb, bie @eftd^t«empfinbung erjeugen, mit bem, ma« in 
ber ®efid^t«empfinbung erfd^eint, menn mand^e ©d^marj für feine 
Dualität, fonbem nur für eine ^rioation t)on Dualität erflärten 
unb SBeijs phänomenal au« ben fämtlid^en SRegenbogenfarben 
jufammengefefet glaubten. Slujserbem mufe entfd^ieben fomol^l 
SRot (nid^t freilid^ ba« fpeftrale 3tot, ba« in« ©elblid^e fpielt, 
fonbem Äarminrot), al« aud^ @elb (in jener SHuance, bie meber 
wie ba« ©olbgelb in ba« 3tötlid^e nod^ irgenbmie aud^ in« 
©rünlid^e fpielt ober fonftmie burd^ ungefättigte S^^(^^^^ ^^^^ 
unreinigt ift) unb ebenfo ba« gefättigte »lau (menn e« meber 
in« atötlid^e nod^ in« ©rünlid^e gel^t) al« elementare garbens= 
qualität anerfannt werben. 

311« eine fed^fte elementare f^arbe mürbe in neuerer Seit 
oon einer Steige angefe^ener gorfd^er ®rün aufgeftettt; ja biefe 
S:^efe ift gegenwärtig unter ben ^ßfpd^ologen unb p^t)fiologifd^en 
Dptifern sententia communissima geworben, mäl^renb el^ebem 



— 131 — 

aUgetnein ®rün aU pj^änotnenal jufQtnmengefefet au^ 35Iau unb 
@cI6 betxad^tet würbe. 

3Rit ber Seigre ber gorfd^er ftimmte bamafe au^ bo^ Urteil 
ber SRaler überein, toäl^renb biefe l^eute bem Urteile ber ^fpd&o^ 
logen meifienteife aufiJ entfd^iebenfte wiberfpred^en. 3Ran fann 
nid^t vooi)l üerfennen, bajs fie mit il^rem ooriüglid^ geübten Sluge 
l^ier vor aßen anbern ftimmbered^ttgt erfd^einen, unb fo ift e^ 
benn bringtid^ geboten, bie ©rünbe fennen ju lernen unb fritifd^ 
}u wägen, n)eld6e bie neueren S^l^eoretifer oeranlajst l^aben, fid& 
über il^r Urteil jugleid^ unb ba^ einmütige SSefinben ber frül^eren 
l^inau^jufefeen. 

©rünbe, meldte gegen bie ^^fammenfe^ung 
be§ pl^änomenalen ®rün au^ Slau unb ®etb ju 
fpred^en fd^einen. 

2. a) ^m ®rün ift oon 35lau unb ®elb nid^ti^ ju bemerfen. 
3;m aSiotett erfennen mir Slau unb 3tot, im Drange 9tot unb 
®elb, im ®rau ©d^marj unb SBei§. 3Bantm foHten mir nun 
in bem ®rün nid^t ebenfo Stau unb ®elb erfennen, menn e^ 
nur mirflid^ barin enthalten märe? 3lud^ bie aJlaler bemerfen 
e^ nid^t barin. ©ie bilben fid^ bie^ nur ein, nad^bem fie, blaue 
unb gelbe Pigmente mifd^enb, ju einem grünen Pigment gelangt 
finb. S)ieg ift aber nid^t ein fold^e^, meld&e^ forool^l blauet aU 
gelbem Sid^t refleftiert, ba eg oielmel^r, oon ben im ©onnenftral^l 
vereinigten ©tral^len Slau fomo^l aU ®elb abforbierenb, nur 
bie grünen jiemlid^ ungefd^mäd^t jurüdhoirft. ©tatt ber 2lbbition, 
an meldte jene burd^ einen ge^lfd^lu^ glaubten, l^at in ber %at 
nur eine ©ubtraftion fiattgefunben. 

b) @^ ift unmöglid^, au^ blauem unb gelbem Sid^t ®rün 
ju mifc^en. Sie finb infompatibel, fo mie 3tot unb ®rün in^ 
fompatibel finb. aJlifd^en mir blaue unb gelbe Sid&tftral^len, fo 
erfd^eint un^ fein ®rün, fonbern ein bläulid^e^ ober gelblid^e^, 
unb im ejtremen gall ein oöHig ungefättigte^ SBeijs. 



— 132 — 

c) e^ gibt ouf beul gatbengeHete mehrere ^ßaaxt ooit 
©egenfo^n, uitb nrie ©d^toorj unb SSBeife fiiib attc^ Slot unb 
®tün als ein foWM J» betroc^ten. aBenn nun »ot eine ein^ 
fod^ garbe ifl, fo mttft <m4 fein ©egenfat eine einfod^ 
$arbe fein. 

d) 2)ie garben ^en »ac^bilber, unb MeÄ ifl mir batanc 
)u begreifen, bofe oon i^nen, me ein S^eil auf 3)iffimUatii)n, 
ein anbetet auf d^ifc^et 9ffimilatiim betu^ 

3So nun bet eine biefet ^ßto)^^ einfach ifl, mug auc^ bet 
anbete einfad^ fein, unb f omit ifl, wenn vtm ben fid^ fotbetnben 
galten bie eine, oud^ bie anbete einfad^. fhtn fotbett Moi 
©tön unb ©tun Slot Slot ifi abet anetfannt einfad^, alfo ifl 
aud^ ©tun einfad^. Sd ift bieS gon} fo nrie bei bem ^benpaar 
aSei^ unb ©d^mot} unb bei bem ^ben^Kiat ©elb unb Shuu 

e) SSenn ©tön eine SRifd^ung aud @e(b unb Stau mote, 
fo nnttben alle bie, n)e(d^e bet entpfinbung oon 9(au unb ©eI6 
f ä^g finb, bie ^^igfeit auc^ jut ©tönempfinbung ^oben. SHeS 
ifi nid^t bet %aU. S)ie Slotblinben fe^en ted^t gut Slau unb 
©elb, abet fein ©tön, unb bied benio^ in ootjöglid^ SBeife 
bie ^vpot^fe, weld^e Slot unb ©tön }u einem 3)ifftmUationd^ 
unb bem entfpted^enben XfftmilationiSptojeg in Sejie^ng fe|t 
Senn, mo bet eine, xnx^ natötlic^ aud^ immet bet 'anbete 
mangeln. Set Slad^meid ifi ^et um fo ooUtommenet }u et^ 
btingen, ald ^Ue oon Slotblinb^ öbetauiS ^oufig unb fc^on oon 
Solton auf« gtunblid^fie untetfud^t motben finb, unb iebet, aud^ 
bet Siotmalfid^tige, in feinem Äuge eine 3one oon Slotblinbl^ 
ifat, olfo iebet an pd^ felbfi ben glei^jeitigen SRangel bed ©tön 
an bet betteffenben ©tette be« äuge« lonfiatieten tmn, obwohl 
fie fomo^I bet 8Iau=: ate bet ©elbempfinbung fa^g ift goBe 
oon ©elbblinb^it finb unoetgleic^lic^ feltenet unb gefiatten aud^ 
bem Siotmalfe^nben feinen fold^en SSetgleid^ mit be», umd et 
felbfi in einet genriffen 3one etfä^tt. 6« ifl abet audb ^iet 



— 133 — 

fonftatiert, ba§ bcr ©elbblinbe auger bent dtot nur no(^ eine 
tJarbe fielet, bie benn eine einfädle fein muft unb feine anbete 
afe ©rfin fein fann, ba 83Iau jum ®etb in äl^ntid^em aSet= 
i^Ältni^ fielet wie 3tot ju ®rün, inbem wir ja fanben, baj5 e^ 
fx^ mit il^m ju SQBeijs ntifd^t unb eiJ atö Äontrafl aufruft, unb 
1)a ber ©elbblinbe fein SBeig feigen fönnte, wenn nid^t ®rün 
unb SRot e^ in il^rer aWifd^ung ergäben. 

f) Unter ben bei abnel^menber Sid^tfiärfe im ©peftrum 
t)erl^arrenben garben ifl aud^ ®rün. fiierau^ ift ju fd^Iiegen, 
l)ag e§ eine elementare garbe ift. SDenn bie aJHfi^farben ent^ 
ftel^en im Speftntm baburd^, bajs biefelben ©tral^Ien mel^rere 
@innegnert)en, obmol^I ben einen mit größerer, ben anbern mit 
-geringerer ©törfe, affijieren. SBirb ber Sid^treij fel^r fd^mad^, 
fo affijiert er offenbar nur no(^ einen, benjenigen, ber ganj 
iefonber^ biiJponiert ift, t)on il^m gereijt ju merben. 

©rtinbe bafür, bag ba§ ®rün eine jufammen^ 
•gefefete garbe ift. 

2;rDfebem fd^eint mir an ber 3wfammenfe|ung be^ ®rün 
-an^ 83lau unb ®elb nid^t ju jmeifeln. 

8. 1) Soor allem muj5 id& mit ben Äünftlern fagen, id^ fel^e 
itnb bemerfe beutlid^ in bem @rün fomol^I ba^ Slau mie ha^ 
-©elb unb erfenne baraufl^in, bag, mer t)om ®elb jum 83Iau 
burd^ ®rän übergel^t, mie in geraber Sinie fortfd^reitet, me^l^alb 
i(^ aud^ nid^t jmeifle, baj5 3ReffungiJüerfud^e über bie ^ai)l ber 
ebenmerflid^en SDifferenjen bei biefem Übergänge eine betröd^tlid^ 
fleinere 3^'^'^ ergeben mürben afe j. 35. bie bei bem Übergange 
von ®e(b ju 35Iau über ®rau ober auf irgenb einem anbern 
58Bege. 3lud^ erfenne id^ weiter, baj5 barum ®rün, voaS 
bie igelligfeit unb aud& mag bie fogenannte SBärme ober 
Äfilte ber färben anlangt, jmifd^en ®etb unb 33lau in ber 
IWitte ftel^t, f älter afe ®elb, märmer afe Slau, bunfler al« 



— 134 — 

®elb, l^efler ate SIou ift. SDafe mid^ ©rfal^rungen mit pg^^ 
tnentcn babet irrcgefül^rt, ift au^gefd&Ioffen, inbctn id^ fel^r rool^t 
crfennc, bafe fie fd^Ied^tetbingiJ tiid^t bafür angerufen werben 
fönnen. 

2) SQBenn x^ ein blam^ unb ein gelbeS Sid^t mifd^e, von 
benen jebeS nid^t ben leifeften ©tid^ in^ Orüne jeigt, \a fogar 
ber aSorft(^t l^alber nod^ aU ttxoa^ rötlid^ erfannt werben fann, 
wenn aud^ in fel^r geringem SWajse, fo erl^alte id^ fein reinei^ 
®rau ober gar ein ©rau, ba^ nod^ einen rötlid^en ©tid^ jeigte^ 
fonbern ein ®rau, meld^eiJ beutlid^ in^ ©rüne fpielt. Slud^ 
^elml^olfe unb anbere (j. 8. "^xd) muffen bie^ gefunben l^aben^ 
ba fie fagen, bajs ©otbgelb mit 83Iau unb Qnbigo mit reinem 
®etb @rau ergäben, mobei ba^ eine 3Ral in bem ©otbgetb, bai^ 
anbere 3Wal in bem 3!nbigo ein 3tot entl^alten ift, mit beffen 
SBegfaH offenbar ber grüne ©tid& l^eroortreten mu§. SBol^er 
nun ber grüne ©tid^, ba in feinem S^eil ba^ minbefte ®rün 
oorl^anben mar? ®r fann nid^t mol^t anberS benn aU ein 
Slaugelb begriffen werben. 

3) S)a bie pl^änomenale ^Bereinigung oon 35Iau unb ®el{^, 
bie bei ber 3Wifd^ung blauen unb gelben Sid^teg nur al^ ein 
fd^mad^er ©tid& in« ®rüne fld^ jeigt, im fpeftralen ®rün fo 
ungleid^ gefättigter gegeben ift, fo fül^rte mid^ bie^ auf ben 
®ebanfen, nod^ im befonberen ju unterfud^en, meldtet ®rab ber 
Sättigung fid^ erjielen laffe, wenn man Slau unb ®elb nid^t 
objeftit) burdö 3Wifd^ung oon ©tral^len, fonbem objeftio-fubieftiO' 
ober rein fubjeftio (j. 35. burd^ SRifd^ung oon einem im 
Äontraft aufgerufenen Slau mit einem im Äontraft aufgerufenen 
®elb) oerbinbe. Qn ber Xat fanb id^ bann bie aSermeifelid^ung 
minber groß, fo bajs ba§ ®rün afe Äompofition oon Slau unb- 
®elb l^ier nod^ mel^r fid^tlid^ mürbe. 

4) aber aud^ wenn rein blauet Sid^t mit rein gelbem 
gemifd^t ein reine« ®rau ol^ne jeben ©tid^ in« ®rüne ergäbe,. 



— 135 — 

fo toütbe id^ bennod^ ju crtDcifeti imftanbc fein, baJ5 fid^ l^ier 
®elb uttb 35Iau ju einem ©tun üereinigt l^aben, toeld&e^ nur 
but(^ bie Oegenroirfung eine^ 9lot neutralifiert toitb. @g ergibt 
fid^ bieg unter SerüdEfid^tigung ber Oefefte ber quolitatiüen 
Snberung ber garben bei igerabfefeung it^ Sid^teiJ. 3Ran er^ 
fennt biefelbe rei^t Mar, wenn man in einem ©peftroffop mit 
l^orijontal fid^ au^breitenber garbenmannigfaltigfeit ben oberen 
ober unteren 2;eil ieber oertifalen garbenlinie frifd^ erl^ätt, 
mäl^renb man ben anbem in etmag oerbunfelt. SDer oeränberte 
garbenton jeigt fid^ in ber oertifalen SBerlangerung ber frifd^en 
garbe. S)a fielet man benn, baj3 ba8 reine ®etb bei ber 
©d&roäd&ung be^ Sid^te^ etroag rötlid^ mirb unb ba^ 35Iau 
gerabeju in ein enerjiifd^eg Sßiolett fid& oermanbelt. SJem- 
entfpred^enb bemerft man aud^ biefelbe garbenänberung, menn 
man auf bem garbenfreifel in eine ©d^eibe t)on reinem 35Iau 
einen fd^marjen ©eftor einfd^iebt unb bie ©d^eibe in 33emegung 
feftt. 3Wan fielet bann ein bunfle« SBioIett. 

@^ ift nun aber Har, bajs biefelbe 2lbfd^n)ä^ung be^ blauen 
ßid^teg eintreten mufe, menn mir auf bem garbenfreifel einen 
meinen ©eftor einfd^ieben, ja biefe ©infd^iebung mirft no(^ 
energifd^er afe bie be^ ©(^marj, inbem nid^t bloß burd^ bie 
zeitweilige Unterbred^ung, fonbern aud^ burd^ eine 3lrt SBett^ 
ftreit ber Sid^ter um ba^felbe ©el^felb bag Slau teilmeife t)er= 
brängt mirb. SDie fd^mäd^ere 3!«tenfität bebeutet" \a nid^t^ 
anbereg ate bie geringere S)id^tigfeit. ©o befommt man benn 
l^ier nid^t ein oermeifelii^teig Slau, fonbern ein oermeijslid&te^ 
aSiolett, unb ba^felbe ergibt fid^, menn man in anberer SQBeife 
blauet mit meijsem Sid^te mifd^t, mie }. 35. ben blauen 
fiimmel in einer ©la^f^eibe fid^ fpiegeln läjst, burd6 meldte 
man auf einen meijsen 35ogen ^Papier l^inblidEt. ®ine ftarfe 
rötlid^e gärbung mirb bann in ber SJHfd^erfd^einung f)txvox^ 
treten. 



— 136 ~ 

©0 ifl eiS benn offenbar, ba§, aud^ toenti id^ auf bem 
l^arbenfreifel einen blauen unb gelben ©eftor jufamtnenftelle, 
ba« burti^ bte Sntemrtttenjen unb ben Äawpf mit bem ®ett in 
feinet Sid^tfiorfe l^erabgefe^te Stau nid^t mel^r Slau, fonbern 
aSiotett Ift, nal^eju baiJfelbe Sßiotett, rod^d^ id^ erlangte, rnenn 
id^ benfelben ©eftor in meiner garbe eingefd^Dben l^atte. 

Unb fomit ifl erroiefen, ba§ id^ l^ier nid^t eigentlid^ Slau unb 
®elb affein, fonbem 9lau unb ®elb unb 3lot gemifd&t l^abe. SBiH 
id^ feigen, xoa^ 35lau unb ®elb allein ergeben, fo mufe id^ einen 
©eftor ®rütt einfd^ieben, meld&er bei ben ©jperimenten mit 
SBBeig eben l^inreid^t, ba& auftretenbe 3lDt ju neutralifteren, fo 
baJ5 nun mirflid^ afe 3lefultat ein meifelid^e^ 83lau, ol^e jebe 
rötlid^e ober grünlid^e Sluance ftd& jeigt. 99Bieberl^ole id^ fo bai 
©jperiment unb erl^alte id^ aud^ bann aU SRefultat nid^t« ate 
®rau, fo bin id^ allerbingS bered^tigt, ju fd^lie^en, ba§ Slau 
unb ®elb Pein ®rün barftellen. aber fiel^e ba! S)aiJ gerabe 
©egenteil ift ber %aU, unb toie fdnnte t^ anberS fein, ba ja, 
felbfi menn man o^ne jebe 33erüdfftd^tigung be^ ®efefteiS ber 
fjarbenabbunfelung bie färben fid^ oerfd^meljen liefe, nod^ ein 
leidster ©tid^ in^ ©rüne übrig blieb? 9efet jeigt fid^ ha» @rün 
ungleid^ entfd^iebener l^eroortretenb. 

5) auf ®runb ber eben au^gefül^rten 83etrad&tung oer^ 
mögen mir in ooHfommenerer SBeife ate biiJl^er in bie ®efefte 
ber aSermeifelid^ung bei ber aJHfd^ung farbiger Sid^ter ©inblidf 
JU geminnen. ©ie erfd^ienen, ba fomol^l 3lot unb ®rün ate 
aud^ 83lau unb ®elb unb natürlid^ bann aud^ garben, bie an^ 
fRot unb 83lau einerfeit^, unb ®rün unb ®elb anberfeit^ ober 
aug SRot unb ®elb einerfeitiJ unb ®rün unb 83lau anberfeiti^ 
gemifd&t maren, ju einem SDBeife fül^rten, fel^r fomplijiert. ®S 
jeigt ftd^ bagegen jefet, bafe nur ein einjigeg ®efeft ber SSer^ 
meifelid^ung bei objeftioen garbenmifd^ungen ejifliert, nßmlid^ 
bag, meld^e^ biefelbe in allen gällen eintreten Wfet, mo in einem 



— 137 — 

flenriffen SWafe 9?ot, 33Iau unb ®elb getnifd^t werben. Slur 
mufe man babei auf baiS (Sefe^ ber götbennerftnberung bei 
Joerabfefinng beiS Sid^teiS SWdfftd^t nel^men. 

©tatt einer SBiell^eit foorbinierter ^atfad^en erl^alten wir 
nunmel^r eine einl^eitlid^e, weld^e ja gleid^mäfeig norliegt, wenn 
•©elb mit SBioIett, 33Iau mit Drange unb SRot mit ®rün oer^ 
bunben werben, ba ja in jebem ber brei gäHe biefelben brei 
•ßlemente ju unterfd^eiben ftnb. @i8 erflfirt ftd^ baraufl^in aud^, 
marum bei ber SWifd^ung oon fpeftralem SRot unb Drange gar 
feine SBermeifelid^ung fiatt l^at unb marum bie SBermeifelid^ung 
bei fpeftralem SRot unb SBiolett eine äufeerfi fd^mad^e ift, bieg 
megen be« im fpeftralen SRot gegebenen ©tid^e^ iniS ®elbe. 

6) (gine weitere Seftätigung ergibt pd^ aui^ einer gemiffen^ 
l^aften Seobad^tung ber ©rfd^einung ber SHad^bilber unb ber 
fimultonen 5lontrafle. 9Ran erfennt nämlid^, bag ®elb aU 
Äontrafl nid^t reine« 33Iau, fonbem SBiolett aufruft, unb bajs 
Sölau aU Äontraft nid^t reineiS ®elb, fonbem Drange forbert. 
Qn biefen beiben göBen alfo reagieren auf bie ©rfd^einung 
^ner geffittigten garbe nid^t eine, fonbem jmei, auf ®elb 9tot 
unb 33Iau, unb auf Slau 9iot unb ®elb. 6« ifi barum von 
t)om^erein mit äBal^rfd^einlid^feit anjunel^men, bajs aud^ auf bie 
einfädle %oxbt diot mel^e f^^rben, ja gerabeju jmei ^rben 
reagieren werben, unb bie« ift bann ber gatt, wenn ®rün ate 
'ein 83lau5®elb ju befinieren ift. 

3a, nod^ mel^r. 2)ie pd^ fürbemben färben f orbern fid^ 
flegenfeitig. SQBenn nun ®elb diot aufruft, ba ba«felbe ja einen 
^efianbteil be« SBioIett au^mad^t, fo mufe aud^ SRot ®elb auf^ 
tufen, unb wenn Slau diot aufruft, ba ba^felbe ia einen ^eil 
be« Drange au^mad^t, fo mu§ aud^ diot 33lau aufrufen. Sffiir 
feigen alfo, ba§ SRot infolge be« ®efefee« ber SRejiprojität fidler 
4ätlb unb 33Iau aufrufen mu§. Slun finben wir, ba§ e« ®rün 



— 138 — 

aufruft, unb fotnit bürfen wir etfd^Iiefeen, bafe in btefem ®rün 
a3Iau unb ®elb entl^alten ftnb, wie wir t^ leieren. 

7) 35a^ aUe^ finbet nod^ eine SBerftärfung , wenn mix bo^ 
©efefe ber 3Wifd^ung oon SRot unb ®tün ju SBeife unb ba^ 
©efefe, ba§ 9?ot ®rün unb ®rün SRot aufruft, genauer mit 
einanber oergleid^en. SBir finben nämlid^, ba§ biefelbe SJluance 
t)on SRot unb biefelbe SRuance oon ®rün, weld^e einanber 
forbern, bie finb, bei beren SWifd^ung baig ooHIommene SEBeig 
l^ert)ortritt. 35ementfpred^enb ift ju erwarten, bafe aud^ bei 
anberen g^tben, bie fid^ ju SQBeife mifd^en, biefelben Sluancen, 
weld^e JU einanber im Äontraft flel^en, mit einanber vermengt, 
ba^ neutrale SOBeife ergeben. 2)a nun ®elb im Äontraft SBiolett 
unb nid^t reinem 33lau erjeugt, fo muffen mir erwarten, bafe 
nid^t bie SBifd^ung von reinem ®elb unb reinem Slau, fonbem 
nur bie 3Kifd^ung oon ®elb unb jener SJluance t)on SBioIett, 
meldte eiS im Äontraft erjeugt, unb ebenfo bafe ba^ reine 83lau nur 
mit jener SRuance oon Drange, meldte ate Äontraft ju il^m in 
bie ©rfd^einung tritt, SBeife ergebe. Sead^ten mir nun bie 
SJluance von SBiolett, meldte fid^ bei ©infd^iebung be^ roeijsen 
Seftor^, ben mir bann burd^ ®elb erfe^ten, in ba^ Slau jeigte, 
fo finben mir, bafe fie genau in bem SSerl^ältnig SRot unb SBlau 
entl^ält, in meld^em bie Äontrafterfd^einung ju ®elb uniS biefelben 
barbietet, unb fomit feigen mir mirHid^, bafe jene, meldte Slau 
unb ®elb gemifd^t ju l^aben glaubten, tatfäd^lid^ SSiolett unb 
®elb miteinanber gemifd^t l^atten. 2)er l^ol^e ®rab ber SBer^ 
meifeUd^ung mar barum einfad^ golge jene^ einl^eitlid^en @efe|e^ 
ber SSermeifelid^ung ^, ba^ mir aufgeftettt l^aben. Unb xomn, 
aixä) bei ber Äorre!tur be^ ©Eperiment^ burd^ ©infd^iebung eine^ 
grünen ©e!tor^, ba^ ungleid^ energifd^er l^eroortretenbe ®rün 
nod^ immer merflid^ üermeifelid^t bleibt, fo ift bie^ eben bie golge 
batjon, bafe ein 2^eil beg Slau unb ein 2^eil beiS ®elb mit bem 
3tot fid^ neutralifierenb biefen oermeijslid^enben 8n\a% erjeugten. 



— 139 — 

8) Unb nod^ in einer anbem Sejiel^nng erfd^eint infolge 
ber 2lnal^|e oon ®nm in 33Iau unb @elb bie pfpd^ologifd^e 
garbenlel^re non einer inneren 35iiSl^armonie befreit. 35iefe 
beftQnb barin, bafe non ben brei fontraftierenben ^Paaren ein^ 
fad^er g^^rben 33lau unb @elb, foroie aud^ SRot unb @rün fid^ 
wed^felfeitig aufgeben, ©d^warj unb SBeife aber in ®rau ju 
einer 3Kifd^farbe fid^ nereinigen foUten. ^ier wie bort würbe 
ja ber eine 5ßrojeJ3 an eine überroiegenbe 2)i[ftmilation, ber 
anbere an eine übenoiegenbe äffimilation gefnüpft fein. Unb 
wenn biefer Umftanb bie 3fnfonipatibiHtät non 33Iau unb ®elb 
foTOol^l afe non SWot unb ®rün ju erflären fd^ien, fo brol^te er 
bie SBereinbarJeit non ©d^roarj unb SBeife unbegreiflid^ ju 
mad^en. SSiele mad^ten barum bie SWöglid^Ieit einer SBereinigung 
t)on ©d^warj unb SBeife aU etroa^ gerabeju ©ntfd^eibenbeiS gegen 
bie ^eringfd^e pl^tifiologifd^^optifd^e ^^pot^efe geltenb. 

3n ber ^at ift eiS unmöglid^, bafe in bemfelben Organ 
jugleid^ Slffimilation unb 3)iffimiIation überwiegt, unb fo bliebe 
benn al^ einjige^ 3Kittel ber SBerteibigung nur übrig, fid^ auf 
bie 3Wöglid^!eit eineiS in unmerflid^ Keinen ^ßarjeHen wed^felnben 
Übergeroid^t^ be^ 2lfftmiIation^= unb 35iffimilationgprojeffeig im 
Organ für ©d^warj unb SQBeife ju berufen. SRad^ bem, wa^ wir 
frül^er erörtert, würbe bann wirftid^ ate ©rgebniiS ber 3Wifd^5 
einbrudf t)on ®rau ju erwarten fein, allein, wenn man l^ier 
auf biefe 2Beife einem SQBiberfprud^ entgel^t, fo fielet man fid^ 
nad^ ber anberen ©eite in SRad^tetl gefegt, inbem nun bie be« 
l^auptete Snfompatibilität ber beiben anberen fontraftierenben 
5ßaare auf^ äufeerfte befremblid^ erfd^einen mufe. 

SRad^ ber oon un^ gegebenen Slui^fül^rung bleibt fein fold^er 
Stein be^ änftofeeiS. SQBie alle anberen 3Ki|d^ungen wären aud^ 
bie oon 33lau unb ®elb unb oon SWot unb ®rün an unb für 
fid^ auf^ oollfommenfte möglid^. SDenn nid^t ein innerer Slnta^ 
goniiSmu^ ber garben oerl^inbert fie, fonbern eine SSerbrängunj 



- 140 — 

burd^ baiS SBeife, beffcn ^ßrojefe burd^ jebe 2trt ber bei ber 
SWifd^ung beteiligten Std^tfttal&len jugleid^ angeregt wirb. Statt 
mannigfad^et QnfontpatibilitätÄgefe^e ober eine^ einjigen mit 
befremblid^er 2lui8nal^me, befielet nad^ uni^ nur bag ber Qnfom^ 
patibilität jweier Dualitäten in bemfelben ^eile be^ ©inne^^ 
räumet, weld^e«, fogar über bai8 ©ebiet be« ©efid^tdftnne^ 
l^inauiSgreifenb, feiner SluiSna^me unterliegt. 

SQBiberlegung ber gegnerifd^en Argumente. 

4. a) aßer fagt, im ®rün fei fein 83lau unb ®elb }u be^ 
merfen, mag infomeit red^t l^aben, afe il^m felbft baiS Semerfen 
mißlingt. 6r ge^t aber ju weit, menn er baraufl^in überzeugt 
ift, ba§ aud^ fein anberer bie beiben garben 83lau unb ®elb 
ate eiemente im ®rün unterfd^eibe. SQBir miffen ja, bafe aud^ 
bei 3Kel^rflängen bie mäd^tigfien äbftanbe in ber gäl^igfeit für 
bie Scftimmung ber einfad^en 2^öne, au^ meldten fie fid^ ju^ 
fammenfefien, jutage treten. SWand^e al^uen gar nid^ti^ von 
einer SWe^r^eit, mo anbere fofort erfennen, ba§ eine SBiell^eit 
unb meldte SBiell^eit oon ^Tonqualitäten oorl^anben ift. 3lud^ 
l^nfid^tlid^ ber färben jeigt eg fid^, ba§ mand^e von benen, bie 
im ®rün fein Slau unb ®elb bemerfen, aud^ im Drange fein 
diot unb ®elb, im SBiolett fein diot unb 33lau, im ®rau fein 
©d^marj unb SQBeife ate Elemente unterf d^eiben , unb fie gelten 
barum fo meit, bem ®efid^t^finn im @egcnfa| jum ®el^ör bie 
Sefäl^igung ju pl^änomenal jufammengefefeten Dualitäten ab=: 
jufpred^en. ©in anberer S^cil ber ®egner ber S^f^ntmenfe^ung 
von @rün erflärt bagegen, in biefen unb oielen anberen IJätten 
ein ^arbenpi^finomen ali^ aui^ mehreren Elementen gemifd^t ju 
erfennen. SBenn aber einer meint, ba§ biefe menigfieni^, ba 
fie im allgemeinen i^r Vermögen jur Unterfd^eibung oon ele^ 
mentaren Dualitäten einer SBifd^farbe bewährt l^ätten, gemife 
aud^ baiS 33lau unb @elb im ®rün bemerfen mürben, menn e§ 



— 141 — 

barin thtn\o toic ha^ SRot unb ®elb im Drange oorl^anbcn 
wäre, fo ift barauf roieberum mit einem ^inmei^ auf ba^ ^^on^^ 
gebiet ju antworten, mo nid^t jebe Slnalpfe eine^ aWel^rttang^ 
gleid^ leidet gelingt, unb ber ©runbton mit ber Duint j. 33. 
fel^r oft oon fold^en für einen einfad^en 2;on gel^alten mirb, 
meldten feine SBerbinbung mit ber fleinen 2^erj ober ber ©efunb 
fid^ fofort ate 3Bel^r!lang oerrät. Slud^ fielet l^ier S^^Ö^i^ ß^ß^J^ 
3eugni^, unb fd^eint e^ fd^on im attgemeinen unmal^rfd^einlid^er, 
baj3 einer fid^ einbilbe, in einem Älang eine aWel^r^eit oon 
Xintn ju bemerken, mäl^renb berfelbe einfad^ fei, afe bafe ein 
anberer bie mirHid^ in einem fold^en gegebenen 2^öne nid^t 
unterfd^eibe unb i^n barum fälfd^lid^ für einfad^ nel^me, fo 
fteigt biefe Unmal^rfd^einlid^feit nod^ mäd^tig, menn man finbet, 
bafe bie in ber Unter)d^eibung ber garbennuancen geübteften 
3lugen — unb ba^ finb ja fidler bie ber 3WaIer ^ (benn bie 
^^l^pfiologen l^aben l^ier oft bie feltfamften gel^lbeftimmungen 
gemad^t unb in ber erftaunlid^ften SJBeife einanber miberfprod^en) 
fid^ in Slnfel^ung beiS ®rün jugunften feiner 3wf<^^wtenfefeung 
au^ 33Iau unb (Selb erflären. SRun fagen freilid^ unfere ©egner, 
fie feien baju burd^ einen S^^lf^i^^fe oerfü^rt, fie mifd^ten blaue 
unb gelbe pgmente unb befämen ein grüneiS pgment unb 
l^ietten baraufl^in aud^ ba^ pl^änomenale @rün für analog 
jufammengefefit. SlHein biefe ©rflärung ift nid^t ftid^^altig unb 
mürbe nie oon ben 5pi^t)fiologen oerfud^t morben fein, wenn fie 
mit ben ©rfal^rungen bei ber 3Wifd^ung oon garbenpigmenten 
oottftänbiger befannt geroefen mären. 2)er aWaler mifd^t aud^ 
©d^marj unb ®elb ju ©rün unb 3tot unb ®rün ju ®rau^. 
®^ fällt il^m aber nid^t ein, barauf §in ba^ ®rün für ein 
©d^marj'®elb unb ba^ ®rau für ein 3iot^®rün ju l^alten. 

b) 3)a§ an^ einem 3wfÄmmenmir!en oon rein blauem unb 
rein gelbem Sid^te fein ®rün entftel^e, ift inejaft. 35enn t^ 
ergibt fid^ infolge be^felben fein reinem SBeife ober ®rau, fonbern 



— 142 — 

biefe l^aben einen beutltd^en ©tid^ in« ©rüne. SBamm aber 
biefeiS ®rün, baiS un« eine SWifd^ung von Slau unb ®elb bar^ 
ftettt, fo ftarf ocnDeifelid^t erfd^eint, ha» f)Qbtn mx in ben 
obigen Slu^fäl^rungen butd^ ben ioinwei« auf bie Anbetung ber 
Dualität bei ^erabfefeung be« Sid^teiS, roeld^e baiS 33Iau in 
SBioIett oerwanbelt unb aud^ bem ®e(b einen ©tid^ in« SRote 
gibt, unb auf ba« allgemeine ®e|e| ber SBerroeifelid^ung beim 
3ufammenn)irfen von ©tra^Ien, bie SHot, 33Iau unb ®elb in 
gemiffen ^Proportionen aufrufen, nad^gemiefen. ©o fel^It benn 
biefem Slrgument jebe folibe Unterlage. SDod^ mufe man be^ 
fennen, bafe e«, nad^bem ber leidste Stid^ in« ®rüne überfe^en 
unb oon oielen aud^, ba fie nid^t genug ©orge barauf oermanbt 
Ratten, ein t)on jebem SRot freie« 33lau mit einem oon jebem 
Slot freien ®elb ju oerbinben, gar nid^t erl^alten morben mar, 
unb ebenfo ber ÄompUfation mit bem ®e[e| ber SSermanblung 
ber garben bei ^erabfefeung be« Sid^te« nid^t Stedt^nung ge^ 
tragen mürbe, ttxoa» fel^r SBerfänglid^e« l^atte. ®« l^at oielleid^t 
mel^r al« alle« anbere baju beigetragen, ba§ man eine Sßer- 
binbung oon 33lau unb ®e(b ju einer S)oppe(farbe für un- 
möglid^ l^ielt unb, im ®egenfa|e ju ber 3Weinung, bafe bie 
aWaler burd^ ein auf einen gel^lfd^Iufe gegrünbete« 3?orurteil 
oerfül^rt morben feien fid^ einjubilben, 33lau unb ®e(b im ®rün 
JU bemerken, werben mir mol^I annel^men bürfen, bafe e« bie 
5ßl^pfioIogen feien, bie, burd^ ein trügerifd^e« ©fperiment ju 
einem SBorurteil geführt, baburd^ mefentlid^ mitbe^inbert morben, 
ba« SBIau unb ®elb im ®rün ju unterfd^eiben. 

c) SWot unb ®rün finb färben, bie fid^ forbern. @iu 
neutrales ®rau, neben ober had^ SWot gefd^aut, erfd^eint grün, 
unb neben ober nad^ @rün gefd^aut, rot, dl^nlid^ mie e«, neben 
ober nad^ 2Bei§ gefd^aut, oerfd^märjt erfd^eint. ®a ©d^marj 
unb SBeife ®egenfä|e finb, fo fonnte man, xoa» fie anlangt, 
mit üoHem SHed^t oon fuJjeffioem unb fimultanem Äontraft 



— 143 — 

fpred^en. SBcnn man aber benfelben äu^btutf auf aUe anbeten 
gaffe ä^nlid^ fid^ forbember gatben übertrug, fo änberte man 
bie Sebeutung beiS SRamen^. 3)enn in SBal^rl^eit gibt t^ in 
bem ganjen garbengebiet nur jwei ejtrem ooneinanber ab= 
fiel^enbe fj^rben, alfo ©egenfäfce, unb baiS finb ©d^warj unb 
Sffieife. 2)aB 33lau oon (Selb ober SRot oon ®rän weiter ab« 
ftel^e ate oon 2Bei§ einerfeit^ ober oon ©d^warj anberfeit^, l^at 
niemanb enoiefen, unb i^ badete, eine Unterfud^ung, etroa nad^ 
ber 3Ketl^obe ber ebennterflid^en Unterfd^iebe, würbe ftatt bafür 
bagegen entfd^eiben®. ©inb SWot unb @rün feine roal^ren 
©egenfdfee, fo verliert baiS Slrgument, bafe ®rün eine einfädle 
garbe fein muffe, meil fein Oegenfa^ SHot eiS fei, äffe änmenb^ 
barfeit. Unb in ber 2^at jeigt e^ fid^ ja aud^ ate burd^au« un^ 
mal^r, rotnn gefagt mirb, ba§ im fimultanen 5lontraft ju reinem 
33lau reinem ®elb unb umgefe^rt auftrete, ba oielmel^r burd^ 
a3lau ein Drange unb burd^ ®elb ein SSiolett aufgerufen wirb. 

d) SBBir fommen jum oierten Argument, roeld^e^ fid^ auf 
bie ©rfd^einungen ber SJlad^bilber beruft. 3lud^ i^m gegenüber 
muffen wir oor affem betonen, bafe jmar ©d^marj unb SBeife 
beibe einfädle 5lontraftfarben finb, ba§ aber ba^ einfädle Slau 
im Äontraft ein Drange, ba^ einfädle ®elb ein SBioIett, alfo 
beibe SDoppelfarben ^eroorrufen. SBenn man nun bie 2^§eorie, 
meldte um ber Slad^bilber miffen bie einfad^en garben in 5ßaare 
fd^eibet, in beren jebem bie eine burd^ einen 3)i)fimilation^:=, bie 
anbere burd^ einen Slffimilatlon^projefe l^eroorgerufen mirb, mit 
biefen ^atfad^en oergleid^t, fo jeigt eiS fid^, bafe fie ber @r= 
fal^rung miberfprid^t. 

©ie unterliegt aber aud^ nod^ anberen fel^r fd^mer miegenben 
Sebenfen. ©inmal roiberfprid^t fie ber affgemeinen 2^atfad^e, 
baJ5 nur burd^ SDiffimilation im 3?eroenft)ftem eine fenfible ober 
motorifd^e Seiftung erjielt mirb. 35ann aud^ oerftöjst fie gegen 
baiS ®efefe ber fpejiflfd^en Sinne^energie, meld^e^ id^ mit ^elm^olfe 



I 



— 144 — 

für eine bcr oorjüglid^fien errungcnfd^aftcn ber gcnettfd^en 

gjfpd^ologie l^alte. Mt^ wag man bagegen oorgcbtad^t ^t, 

erfd^eint oon gar feiner Sebeutung, ja vxan^mal — wie §. 33. 

bei aßunbt* — gerabeju felbjiwiberfpred^enb. SQBie bie fo^ | 

genannten Äontraftfarben, fo reagieren befanntlid^ Statt unb 

aßarm l^äufig aufeinanber. SDie 2tn^änger ber Sll^eorie, weld^ 

bie Äontrafifarben ju 2)iffiniilation unb äffimilation in 33e^ 

jiel^ung bringen, vermuten barum aud^ l^ier entgegengefefite ; 

^rojeffe im gleid^en Organ. ®ine genauere ejperimentette Untere 

fud^ung ^at aber bie fippotl^efe afe irrig ermiefen unb uni^ 

oielmel^r befonbere SRert)en für Äälte= unb aßärmeempflnbungen ! 

JU unterfd^eiben gejmungen. 3lud^ Oefd^madE^empfinbungeri rufen 

fid^ burd^ SReaftion l^ert)or. 2lte id^ nad^ äu^fpülung be^ SWunbe^ 

mit einer übermanganfauren Äalüöfung faltet SBaffer auf bie 

3unge brad^te, empfanb id^ e^ fo füJ5, bafe id^ eiS für S^dEer- 

roaffer ^ielt. ßrft nad^bem id^ ba^ ©lag geleert unb neu gefüllt 

^atte, überzeugte id^ mid^, bafe ber fe^r merflid^ füfee Oefd^madt 

nur auf eine Äontraftroirfung beg vorangegangenen jurüdEjufül^ren 

fei. 3)aj3 aber nid^t biefelben 9leroen eg finb, meldte ung l^ier 

bie fontraftierenben ©rfd^einungen oermitteln, ift leidet ermeigbar, 

ba ja bie 3w«9^«fptfe^ ^^^ f^^P wi^ fär bie ©üfeempflnbung > 

aud^ für bie, burd^ meldte fte im Äontraft hervorgerufen mirb, 

übermiegenb fä^ig jeigen müjjte. äffe 3lnalogie fprid^t alfo gegen 

jene, meldte bie Sieaftion auf bem ©ebiet beg ©efid^tgfinneg ate 

S)iffimilation unb äffimilation berfelben SReroen begreifen motten. 

^ro^bem fönnen mir nid^t leugnen, bafe bie ©rfd^einung ^ 

ber negativen SRad^bilber eg äujserft mal^rfd^einlid^ mad^t, ba| 
bie nad^folgenbe ©rfd^einung l^ier mit ber 3lffimilation ju:^ j 

fammenl^ängt, meldte bie vorausgegangene 3)iffimilation fom^^ 
penfiert. 3lffein ber S^f^w^^^^^öng fann bann nur ein mittel^ 
barer fein, inbem biefe 3lffimi(ation ju neuen 3)iffimilationg'= 
projeffen füi^rt. 3)a von ben einfad^en garben SBBeife unb 



— 145 — 

(Bäfxoaxi eine einfädle "^axbt ate SRad^bUb erzeugen, fo werben 
wir Demiuten bürfen, bafe l^ier bet burd^ bie äffimilatiün l^ert)or== 
gerufene neue SJifftmilation^projefe ein einfad^er ift, unb ha 
jiöifd^en il^nen SHejiprojität ftattl^at, fo läfet fld^ ber SBorgang 
jiemlid^ einfad^ burd^ folgenbe fi^poti^efe begreifUd^ mad^en. 
2)0« Drgon, beffen fpcjififd^e Energie ba« Selben oon Sd^ioar}, 
unb b(tö Organ, beffen fpejiflfd^e ©ncrgie ba« Selben oon SEBeife 
ifi, fd^öpfen au^ berfelben Jläl^rquelle. SBenn nun eineiS ftorf 
bifpmiliert worben ift, fo nimmt eiS biefe SJläl^rquelle burd^ bie 
botauf folgenbe ftarfe äffimilation fo übermiegenb in 3lnfprud^, 
baj5 bei bcm anberen Organ, mo fid^ fonft 2)iffimiIation unb 
afpmilation, SBerbraud^ unb ©mäl^rung, im ©leid^gemid^t l^ielten, 
biefe« ©leid^gemid^t juungunften ber äffimilation geftört mirb; 
bie 2)ifflmUation überwiegt unb bamit ift ba« auftreten ber 
biefem Organ eigentümlid^en ©inne«cnergie oerbunben. 33Iidfen 
mir auf bie gefättigten einfad^en %axbtn, fo l^abcn mir, ba auf 
33Iau Oj:angc unb auf (Selb SBiolctt reagiert, anjunel^men, ba§ 
l^ier me^r afe jmei Organe au« berfelben SRcil^rquelle fd^öpfen, 
mcnn anber« mir für jebe einfädle ©mpflnbung ein eigene« 
Organ anjunel^men ^aben, unb jmar merben e« fd^on im ^in^ 
blidt auf biefe beiben gäUe bie Organe für bie Slau^, für bie 
Oelb^ unb für bie SWotempflnbung fein, meldte eine fold^e ge^ 
meinfame Jläl^queffe beflfien. 3febe ftarfe 2)iffimilation bc« 
einen mu§ bann mittel« ber barauf folgenben ftarfen 3lffimilation, 
meldte bie Jläl^rquelle ganj ober übermiegenb in Slnfprud^ nimmt, 
ju einer 2)tffimiIation ber beiben anberen fül^ren, unb fomit 
muj3 auf bie ftarfe ©rregung jeber einjcinen einfad^en ®mpflnbung 
al« Sleattion eine 3)oppelempfinbung antworten, mie umgefel^rt 
al« SWeaftion auf eine gleid^jeitige ©rregung jmeier in geeigneter 
^Proportion eine einfädle ©mpfinbung folgen mu§. ^n ber Xat 
finben mir c« fo beim Slau. ©ein Slad^bilb ift ein Orange, 
alfo eine ^Bereinigung oon dioU unb (Selbempflnbung, mie 

93tentano, Sinnedpf^d^otogifd^e fragen. 10 



— 146 — 

benn umgefel^rt btefeiJ Drange im Äontrafl »lou J^croorruft. 
Unb wieber finben wir \ol^t» beim ®ett, beffeti Slad^bilb 
Siolett, alfo Slot unb SIou, ifl, mä^nb umflelel^ biefe« 
»iülett ®elb J^eroorruft. 3n bejug auf hca diot ergäbe ^^ 
aber, meim ®rün eine, wie bie @egner bel^aupten, einfad^ 
garbe märe, eine befremblid^e Xnomalie. ^, id^ mfigte nid^t, 
mie e^ na^ {fyc nocS) mdglid^ mare, bie Swotl^fe, ba§ fte au^ 
einer Duette fd^öpfen, ju retten, änben^ bagegen, menn man 
mit uniJ anerfennt, bafe had ®rün nid^t eine einfädle gorbe, 
fonbem aud 93Iau unb ®e{b iufammengefe|t ift SSielme^ 
l^aben mir bann genau ba«, roa& ju ermarten ift 3)a Stot mit 
93lau unb ®elb aui^ berfetben 92a^quette fd^dpft, fo mu§ auf 
bie 2)ifftmilation burd^ 9tot ebenfo ein 33Iaujj®ett mie auf bie 
burd^ 93lau ein 9b)t^®e(b unb auf bie burd^ ®elb ein 93(au^9li)t 
auftreten. 

e) ebenfo ftnb mir imfianbe, bie auf bie ©rfd^einungen bei 
^arbenblinben pd^ berufenben Argumente }u entfräftem 

, aSir ^aben bereit« bie 33el^auptung, bafe bie Sereinigung 
t)on blauem unb gelbem Sid^t ein SBeife ergebe, ate ungenau 
jurüdtgemiefen unb burd^ »erüdfftd^tigung ber Ummanblung ber 
garben bei $erabfe|ung beiJ Sid^te« nod^ beutlid^er gejeigt, bofe 
nur, wenn mit bem ®elb ein SSiolett, mit bem »lau ein Drange 
©erbunben mirb, alfo nid^t »lau unb ®etb attein, fonbem »lau, 
®elb unb 9lot erregenbe Strahlen oerbunben merben, fiatt einer 
a\x^ biefen brei ©lementen befie^enben jufammengefe|ten Dualität 
ein reinei^ SBeij^ auftritt. 

®efd^iel^t baiJfelbe bei ber Bereinigung oon rotem unb 
grünem Sid^t, fo l^aben mir nad^ ber oon uniJ gegebenen änal^fe 
oon @rün in »lau unb ®elb roefentlid^ benfelben »organg. SBir 
lonflatieren fo ba« ®efe^, bafe bei gleid^jeitiger ©rregung burd^ 
gid^treije, meld&e für pd^ attein ju 9flot, ®elb unb »lau führen 
mürben, biefe gefdttigten garben burd^ aBSeife oerbrängt merben. 



— 147 — 

unb xoxx fönncn bie^ nur fo begreifen, bafe wir annel^men, ber 
Üleij, weld^er ju einer ber geföttigten %axitn anrege, rege immer 
jugleid^ an6) ba^ ber SBeijsempftnbung entfpred^enbe Drgan an. 
SSBcrbe bie aBeifeempftnbung bei ber ©rregung burd^ einen ber 
Sleije im aßettfampf mit ber betreff enben gefättigten %axbt 
unterbrüdft unb finbe baiSfelbe aud^ bann nod^ ftatt, rotnn jmei 
t)on ben gefättigten garben angeregt merben, fo fei ba^felbe 
nid^t mel^r ebenfo ber gaff, menn äffe brei erregt werben, inbem 
bie SReijung jur aOBeifeempfinbung burd^ bie Slbbition ber brei 
^ßartialreije gegenüber ben in i^rer B^tfplitterung unb im SBett^ 
fampf miteinanber pd^ fd^mäd^enben gefättigten garben bie Dber^ 
l^anb gewinne. 2Bie bem aud^ fei, jebenfaff^ fielet bie ^atfad^c 
feft, baj3 bie ©efamtl^eit unferer brei gefättigten garben nid^t 
ober loenigfien^ nur fel^r unüofffommen fid^ pl^änomenal ju 
mifd^en oermag, nielmel^r in ben gaffen, mo eine fold^e SWifd^ung 
erwartet werben möd^te, burd^ SQBeijs oerbrängt wirb^. 

aßaiS nun bei bem SRormalfid^tigen, ba^ gilt wefentlid^ 
äi^nlid^ aud^ bei bem, weld^em bie gäl^igfeit für eine ber brei 
gefättigten garben mangelt, nur bafe l^ier bie ©efamt^eit ber 
gefättigten garben, beren SWifd^ung burd^ aOBeife nerbrängt 
wirb, an^ jwei ftatt au^ brei ©lementen befielet. ®r ift alfo, 
wie wir Slormalfid^tige aufeer ftanbe finb, in oofffommener SBeife 
eine SWifd^ung non brei gefättigten garben ju feigen, un fällig, 
in noff!ommener SBeife eine SWifd^ung aui^ feinen jwei gefättigten 
garben ju empfinben, unb ei^ fe^It il^m barum Jebe »off- 
fommenere ©mpfinbung einer SKel^rfarbe au« gefättigten 
©lementen. 35er SRotblinbe fann, obwol^I er Slau unb ®elb 
fielet, gar nid^t ober nur fel^r unoofffommen @rün feigen; nur 
fd^wärjIid^eiS Slau, weifelid^e^ ®elb, bläulid^eiS SBeife unb ber- 
gleid^en finb 3)oppelfarben, bie in oofffommener SQBeife für i^n 
möglid^ finb. 

@^ entfprid^t bieiS aud^ einem Unterfd^ieb, weld^en bie 

10* 



— 148 — 

^l^änotnene be^ Stontxa^t^ 6ei iJ^m jetgen^ ba bei xf)m nid^t tote 
bei uui^ auf eine einfädle gefättigte gorbe eine gefättigte 2)oppcU 
färbe, fonbem eine einfädle gefättigte garbe reagiert, fo bafe ba^ 
®efe^, baj3 bie aufeinanber reagierenben gefättigten %axbtn in^ 
fammen angeregt SQBeife ergeben, bei i^m nod^ ganj ebenfo wie 
bei bem Slormalfid^tigen befielet. 

S)anad^ erfennen wir oon ooml^erein, roai in gäHen voü^ 
fommener Slaublinb^eit unb oofffommener ©elbblinbl^eit, wenn 
einmal in einem fold^en bie gäl^igfeit für bie ©mpfinbung ber 
beiben anbem gefättigten g^tbenelemente oottfommen erl^alten 
märe, gelten müfete. 2)er ooHfommen SBlaublinbe mürbe jmar 
(Selb ebenfo gut mie SHot, aber nid^t ober bod^ in l^öd^ft un^ 
ooHfommener SBeife Drange feigen, unb ber üoHfommen @e(b^ 
blinbe jmar ebenfo ooHfommen 33lau ate SWot feigen, aber in 
Slnfel^ung be^ SBiolett fid^ befeft ermeifen. 

3)ie ©rfal^rungen, bie l^ier bcreiti^ gemad^t morben, finb, 
fomeit fie reid^en, l^iermit in befter Übereinftimmung. ®^ fd^eint 
burd^aui^ unrid^tig, baj3 bie götbe, meldte bie Oelbblinben aufeer 
oem 5Rot feigen, ®rün, e^ fprid^t oielmel^r alleiS bafür, bafe fie 
33Iau ifi. ®o iniSbefonbere auf ®runb ber an einem na^eju 
ooHfiänbig ©elbblinben oon Dr. Äirfd^mann gemad^ten unb in 
ben oon SBunbt l^erau^gegebenen pl^ilofop^ifd^en ©tubien mit^ 
geteilten 33eobad^tungen. 2)er gaU mar baburd^ au^gejeid^net, 
ba§ bie ©elbblinb^eit auf ba^ redete Sluge befd^ränft mar unb 
barum g^tbenüergleid^e mit ©inbrüdfen bei^ normalen 3luge^ 
gemad^t merben fonnten. 2)a jeigte eiS fid^ benn unmiberfpred^lid^, 
ba§ ba^ fatbenblinbe 2luge aufeer SWot aud^ nod^ 33lau, aber fd^ier 
feine ©pur t)on ®rüu fa^, unb mieberum, bafe eg, obmol^l im ooH- 
fommenften 33efife ber beiben im SBiolett vereinigten garben^^ 
elemente, ein SBiolett gar nid^t ober bod^ nur l^öd^ft unooHfommen 
ju empfinben oermod^te, morin für un^ bie 33emä^rung ber für ben 
@ntf an beiS ®rün beim SRotblinben ermarteten Analogie gegeben ift ®. 



— 149 — 

Unb fo jcigt fid^ benn überl^aupt, bafe anä) bie Xat-- 
jad^en ber fj^^rbcnblinb^cit fid^ unfd^wer unb in^befonbere mit 
größerer Scid^tigfeit afe ber ibppotl^efe ber antagoniflifd^en 
garbenpaare, ber von un^ üerfod^tenen Seigre anpaffen lajfen. 

f) 6^ bleibt uniS nur nod^ auf ba^ lefete Argument mit 
'einem SBorte ju enoibern. 2Benn man bel^auptet, bafe bei 
^erabfeftung beiS Sid^te^ vox htm SBerfd^minben jeber einiger^ 
iftta^tn gefältigten garbenqualität ein ®rün bemerft werbe, fo 
mufe id^ beftreiten, bafe biefe 33eobad^tung ejaft fei, mie benn 
fd^on ber SWangel an Übereinftimmung in ber ßl^arafterifti! ber 
garben vox if)xtm SSerfd^minben bie Serid^te un^ oerbäd^tig 
mad^en mufe. einer miff Äarminrot, 33Iau unb ©eibgrün 
<iU bie brei jule^t nod^ fid^tbaren SRejie oon gefättigter garbe 
bcmerft ^aben. ©n anbrer bagegen fpeftrale^ SRot, al\o ein 
iRot, meld^e^, mit Äarminrot »erglid^en, bereite in^ ®elbe ftid^t, 
Violett unb ®rün; nod^ anbere mieber anbere^. Qnbem id^ felbft 
bie ©rfd^einung mufterte, bemerfte id^ mit atter 35eutlid^feit in 
Tillen Steilen be^ ©peftrumiS vox bem ©rlöfd^en be^ gefättigten 
garbentone^ überl^aupt ein fd^mu^ige^, ftarf mit ®rau oer^ 
mifd^te^ Dliogrün, alfo eine ^Bereinigung t)on allen ^axitm^ 
-elementen. 

3)ie ©rflärung bafür l^abe id^ fd^on in meinem auf bem 
IWünd^ener 5Pfpd^ologen!ongre§ oom Qal^re 1895 gel^altenen SBor- 
trag gegeben, ©ie befielt barin, bafe bie ®rabe ber ^ntenfität 
-al^ ®rabe ber 2)id^tlgfeit begriffen werben muffen. (S^ gilt 
We^ beim ®efid^tiSftnn mie bei ben anbern Sinnen. 2)iefer aber 
l^at ba^ @igene, bafe bie unmerftid^ Meinen leeren ©teilen burd^ 
©d&marj auiSgefüHt werben unb ba§ bei il^m ein ®efefe bei^ 
fimultanen Äontrafte« befielet, meld^e^ bei ber fd^mad^en (Sx^ 
regung einer gefättigten fjarbe bie t)on il^r leer gelaffenen ©teilen 
burd^ il^re Äontrafifarbe auffüllen läfet. Unb fo fommt e^ benn 
Jbei fel^ fiarfer öerabfefeung be« Sid^teiJ in jebem gaffe ju einem 



— 150 — 

©einenge berfelben bret gef ättigten färben, mit n)etd^en bann oud^ 
nod^ ©d^warj unb aSeife in oerfd^iebenem SSerl^dltnüJ fid^ vtx^ 
binben. 3Wan btaud^t nur einen »lid auf bie gatbentafeln oou 
ei^eDreuI ju werfen, um ftd^ ju überjeugen, mte aud^ er in bem 
ganjen ©peftrum ein fd^mu^igeiS Dliogrün ober (nrie id^ e^ 
lieber nennen mdd^te) ein fd^mu^ig rdttid^eiS ©rün mit mannigfad^ 
med^felnbem Ser^ältnüS ber ffinf 5lomponenten erfannt ^at 

©0 fel^It benn bem Argumente unferer ®egner iebe (Sx^ 
fa^ngiSunterlage. 

Unb )u mad fär $arabo|en lofirbe man ja aud^ gelangen t 
3?ad^ 83rfldte märe Siolett eine ber einfad^en garben, ba d^ bod^ 
leidster aH iebe anbere gefattigte 3)0{>petfarbe cd^ jufammen- 
gefeit, unb jmar au^ 9tot unb »lau, ju erfennen ifi. 9iad^ 
^etm^ll aber märe eineiS ber SIemente nid^t @rän, fonbem, 
mie er felbft fid^ auiSbrüdK, ein gelbtid^ed @rün, alfo eine ^arbe^ 
meldte aud^ ate )ufammengefe|t fid^ uerrät unb wo aU eine^ 
ber demente ®elb §u unterfd^eiben ift Unb fo börfte benn 
aud^ biefeiS (e|te 9(rgument jugunften ht^ elementaren (Sl^ratteri^ 
uon @rün aU DoKflänbig miberlegt betrad^tet merben. 

So fd^eint mir benn nid^t blofe bie 3i^f<WÄmenfe|ung be^ 
®rün au^ Slau unb ®elb burd^ bie trielfältigflen Semeife bar^ 
getan, fonbem aud^ burd^ SBiberlegung ber Ginmänbe gegen 
ieben Singriff gepd^ert. 

5. ^^ppologen unb ^fpd^ologen ^aben in rü^eui^merter 
SBeife burd^ oielfad^e Snfhengungen bie 2e^ oon ben gorben- 
qualitäten fpflematifd^ aufzuarbeiten gefud^t. ßntfd^ieben f)at 
^ e l m ^ 1| fid& burd^ ^roor^ebung ber »ebeutung oon Doung^ 
pfpd^ologifd&^optifd^en arbeiten ein SSerbienfi erworben, gering 
aber mefentlid^e SRängel ber 3)oung=Selm§oI|fd&en Xl^otie auf^ 
gebedft, unb in^befonbere SBeife unb Sd^unn^ afe elementare 
Sarbenqualitäten jur ©eltung gebrad^t, mä^tenb man oor i^ 
SBeife an» äffen ^ben gemifd^t, Sd^marj aber fogor för eia 



— 151 — 

SWid^tö, für eine blofee ^tioattDn t)on garbenerfd&einung l^atte 
erflären wollen« Äud^ vertrat er mit gefunbem ©inn ba^ Siedet 
ber pfpd^ifd^en garbenanalpfe unb proteflierte bagegen, wenn 
man j. 33. bai^ SBiolett, haS bireft in fo Dofffommener ©eutlid^jj 
feit afe asimtrot erfannt wirb, mittete fe^r fomplijierter Semei^« 
fü^rung ate ©runbfarbe bartun looffte; ein gel^ler, in ben Doung 
felbji fd^on nerfaffen ifi unb infolge baoon [einer urfprünglid^en 
Sluffteffung oon 3?ot, (Selb unb 33lau afe Orunbfarben, bie 
offenbar bie unmittelbare aßa^mel^mung i^m empfohlen l^atte, 
3*ot, aSiolett unb ®rün an bie ©tette gefegt ^at. 

Sei fo oielem, roa» ber fieringfd^en fippot^efe ben 3Sorjug 
gibt, jeigt fie fid^ aber bod^ nid&t imftanbe, bie ?)oungs$elm« 
l^ol^fd^e Slnfld^t gänjlid^ ju oerbrängen. 2)er ®runb baoon 
bürfte in ben oorau^gel^enben ©rörterungen flar l^emorgetreten 
fein, äud^ ^eringg Sll^eorie oermag nid^t äffen Slatfad^en geredet 
}u merben, unb e^ oermag e« feine, meldte nid^t bie 3ufammen^ 
fefeung be« ®rün aui^ 33Iau unb ®elb anerfennt. 3)urd^ fie, 
meldte bei minber grünblid^er Unterfud^ung ber 2;atfad^en am 
greifbarfien mit il^nen in SBiberfireit fd^eint, werben fte bei 
forgfältiger ©rmägung affein miteinanber in ©nflang gefegt, 
unb mir ftnb bann aud^ imfianbe, bai8 ®ute, roa^ einerfeitiS in 
ber Doungssfielml^ol^fd^en, anberfeit« in ber fieringfd^en Sl^eorie 
entl^alten mar, geredet unb banfbar ju merten. 

aWit Doung erfennen mir brei gefättigte garbenelemente an, 
ia eiS ftnb fogar biefelben, meldte er urfprünglid^ aufgefiefft 
l^atte. aWit ö^ting leieren mir, bafe SBeife unb ©d^marj ebenfo 
einfädle garbenelemente finb afe jene, unb bafe bie SBermeife^ 
lid^ung bei ber SBerbinbung oerfd^iebenfarbiger Sid^ter nid^t ate 
eine aWifd^ung ber garben ju SBeife, fonbem ate eine SBer= 
brängung burd^ SBeife, afe ber ©ieg einer gleid^jeitigen SBeife^ 
tenbenj über bie S^enbenj ju gefättigten ©inbrüdfen ju it^ 
trad^ten ift. Slud^ Ratten mir, nid^t gerabe unmittelbar, aber 



— 152 — 

bod^ mittelbar bie ©rfd^cinungen ber Slad^bitbct nad^ feinem 
aSorgang auf ben SBed^fel t)on Slffimilatiön uitb SDiffimilatiön 
jurüdjufül^ren. 

SWöd^te bieg Slufgeben eineg Se^rfafee^, ber ben beiben fid^ 
befämpfenben ©d^ulen gemeinfam ift, fid^ afe ba^jenige erroeifen, 
mag eg i^nen möglid^ mad^t, il^re beiberf eltigen aSerbienfte in 
oottem Umfang ju mürbigen! 

aOBenn id^ eg aber mit greuben feigen mürbe, mie man bann 
bem einen unb anbem großen fjorfd^er attfeitig geredete Stn^: 
erfennung joHte, \o mürbe eg mir begreifUd^ermeife jugleid^ jur 
33efriebigung gereid^en, aud^ t)on unferm ©oetl^e jeigen ju ttnnen, 
ha^ er einen glüdElid^en SSeitrag jur fjarbenlel^re geliefert l^abe. 
2Bie immer t)ieleg in feinen äugfül^rungen nid^t gebittigt merben 
fann, t)on einer guten SSeobad^tungggabe gibt er mel^r afe einmal 
3eugnig, unb fie bemäl^rt fid^ gerabe in unferm %aSit aufg 
fd^önfte, menn er benjenigen gegenüber, meldte bag ®rün afe 
einfädle %axbe auffül^ren motten, bie unmittelbare ©rfa^rung 
gettenb mad^t. aSBenn man ,,ber Sßatur bie @l^re erjeige'', fagt 
er, unb ,,bag 5ß^änomen augfpred^e, mie eg ift", fo fdnne man 
nid^t anberg fagen, afe bafe „an fein einfad^eg ®rün ju benfen 
fei", bafe eg oielme^r in jebem ^aHe aug ,,a3lau unb ®elb" 
beftel^en muffe. 



flnitterluttgett. 



1 (©. 138). DaJ bicfeg Oefe^ bct Setbtängung bct gefättigten 
fjatbctt butd^ 8D3ei^ ein Ie^tc8 ®efe$ fei, fott bamit Ieine8u>cgS 
(el^auptet roetben. Sa^ e3 a6er 6ei I^eta6gefe|ter Sid^tftätte ^vl 
einem ted^t rool^I metllid^en Slotgtün, b. i. 3lot=SIau=®eIb, lommen 
lann/ fielet bamit in 3wf<i«i«ic^^^<i«8 / *>^6 ^^^ '^^^ 3lbnal^me beö 
£id^teg bie ^enben^ jut @ttegung bed 2Bei^ ftätter abnimmt alg 
bie jut Sttegung bet gefättigten fjarben, foroie aud^ rool^I, wie 
X(S) anbetn)ättg auggefül^tt l^abe, mit ber @inmifd^ung fimultaner 
Äonttafte. 

2 (©. 141). S)ie Makx pflegen ba8 butd^ SKifd^ung toter 
unb grünet Pigmente gewonnene ®rau ein „feines ®rau" ju 
nennen, ©ie bemerfen alfo mol^I eine gemiffe S)ifferenj oon bem 
auä ©d^warj unb SSSei^ gemifd^ten, weld^e fie aber nid^t naiver ju 
analpfieren oermögen, unb barum (maS bod^ fel^r bejeid^nenb ift) 
tro^ ber Srfal^rung, baj eine SKifd^ung oon grünen unb roten 
^Pigmenten fie ju biefem ®rau gefül^rt l^at, nid^t afö einen „rötlid^« 
grünen ©tid^" ju d^aralterifieren fxd) erlauben. Stud^ auf bem 
optifd^en 3=arbenfreifel gemifd^teg Sftot unb ©rün unterfd^eibet fid^ 
immer etwas oon einer baneben oorgenommenen SKifd^ung oon 
©d^warj unb SBeife. ^d) erinnere mic^, ba^ Dr. g^ranj §ittebranb 
mir erjäl^Ite, mie oft er fid^ im pl^^fiologifd^en ^nftitut oon gering 
felbft, aber immer mit gleid^em 3Jli^erfolge, um bie §erfteffung 
einer oottfommenen ^arbengleid^l^eit jmifd^en ber einen unb anberen 
Slrt oon SRifd^ung bemül^t l^abe. 

3 (©. 143). a)ie8, obmol^I ber le^te SScrfud^ nur in ber älrt 
gemad^t werben lönnte, ba^ man beim Übergang oom Slot jum 
®rün einen Umweg, j. 33. ben über Slau, näl^e. ®8 ift flar. 



— 154 — 

ia^, tpcnn bic S^¥ "^^^ cbenmerflici^cn Untetfd^icbe bc8 Slot r>om 
33Iau plu8 bet 3<i^I *>«if ebcnmetllid^cn Unterfd^iebc bc8 Slau 
t)om ®rün, fid^, wie id^ in bet 2;at ©etmutc, afö Heiner l^etauS- 
ftctten fottte, ate bic 3^^' i>ß^^ ebenmetflici^en Unterfd^iebe jroifd^en 
SRot unb 8D3ei^, bie übetlegenl^eit bcd SlbftanbeS bet beiben legten 
gejenüber bem Slbftanb r>on Slot unb ©tun nod^ auffattenbet ge= 
mad^t n^äte. 9(ud^ bet Übergang opn Slau ju ®elb burd^ ®rün, 
n^eld^er ber ndd^ftmöglid^e ift, w'dxe nad^ ber 9(nftd^t meiner 
©egner — nid^t aber ebenfo nad^ btr meinigen — nid^t bireft^ 
fonbem einer gebrod^enen Sinie oergleid^iar. 

4 (©. 144). SGBunbt bel^auptet, bie Seigre oon ber fpejififd^en 
©inneftenergie lönne nid^t rid^ttg fein, weil in ben oerfd^iebenen 
©inneSneroen (unb baSfelbc gelte aud^ oon ben tiefer liegenben 
Organen, ju benen fte fül^ren) fein Unterfd^ieb ber ©truftur fxd) 
entbeden laffe, alfo aud^ feiner oorl^anben fei. S)er ganje 
©runb ber fpejififd^en SSerfd^iebenl^eit ber Seiftung muffe bal^er in 
ben äußeren Snborganen ber ©inne liegen. SDäenn nun aber bie 
älnl^änger ber oon il^m befdmpften Seigre bie ^atfad^e geltenb= 
mad^en, ba^ aud^ bei einer Sleijung, bie nid^t oom äugeren @nb' 
organ audgel^t, ja fogar nad^ bem 93erluft bedfelben ftattfinbet, 
jeber Slero in einer lonftanten, befonberS fpejifijierten SSSeife 
reagiert, fo roitt er bieg barauS erllären, bag biefer Slero juoor 
fd^on oom äußeren ©nborgan l^er gereift unb baburd^ in feiner 
©truftur mobifijiert unb für atte fünftigen Seiftungen fpcjifijiert 
TOorben fei. SGBer fäl^e nid^t, ba^ SSSunbt l^icr am ®nbe atteS baS 
jugibt, mag er am 2lnfang bcftrittcn unb nur nod^ eine burd^ 
nid^tö ermiefene Sel^auptung über bie SDäeife ber Sntftel^ung jener 
befonberen ©truftur l^injugefügt l^at? — SDädre ber Umftanb, bajj 
mir feinen Unterfd^ieb bemerfen, mirflid^ jum $Rad^mei8 bafür, bajj 
feiner oorl^anben fei, auSreid^enb, fo mürbe er mie gegen bie 2ln= 
nal^me einer angeborenen fo aud^ gegen bie einer erworbenen S3e« 
fonberl^eit entfd^eibenb fein. 

5 (©. 147). Sn unooHfommener SBeife, b. 1^. in fel^r geringer 
Sättigung, finb Slot, 33lau unb ®elb in oielcn 3=äHen oereinigt 
gegeben, ^a, tote e8 gemi^ ift, ba^ mir nie eine einfädle 3=arbe 
ganj rein für fid^ empfinben, fo möd^tc id^ oermuten, ba^ nie eine 



— 155 — 

%axht Dotlomme, bie nid^t itgenbtoie, toenn aud^ für und un» 
tnetlUd^ fci^tt^ad^^ jugleici^ etroa^ in jjebe ber fünf einfad^en färben 
fpieltc. ^m Ocjenfal ju bem, wag jene leisten, wcld^e ein SRot« 
grün fd^Icd^tctbinjg für auSjefd^Ioffen Italien, würbe l^iernad^ meU 
rm\)x aßeS, roaS wir feigen — nur freilid^ fel^r ungefättigt unb 
mit mannijfad^er SSariation in bem 33erl^ältni8 ber brci Starben* 
elemente im engeren ©inne, be8 SRot, Slau, ®elb — ein Stotjrün 
ju nennen fein. SKan wirb l^ier eine gewiffe Sermanbtfd^aft mit 
ber §elml^ol|fd^en Seigre, ba^ »on jeber 2lrt SGBeBe aUe Arten ber 
©el^neroen in jeroiffem Wla^ anjcregt werben, leidet bemerlen. 
Sie grünlid^en 9{ebel, burd^ weld^e ber an ®lautom (Srirantte 
beläftijt wirb, finb nid^t rein grün, fonbem entfd^ieben rotgrün. 

6 (©. 148). 3d^ lann e8 mir nid^t »crfagen, auS bem »on 
Dr. Äirfd^mann a. a. D. gegebenen fel^r auäfüi^rlid^en Serid^te 
fo t)iei mitzuteilen, als jur ^Quftration beS ^aOed notwenbig erfd^eint, 
inbem id^ im übrigen auf bie betreffenbe Slbl^anblung ©erroeife. 

33erfud^8perfon : Dr. 51., Unioerfitätöprofeffor, Sotanifer, in 
optifd^en Unterfud^ungcn geübt, unb für bie tJ^^age intereffiert. 
Sie 33erfud^e würben burd^ gmei ©emefter fortgefe^t. 33cim redeten 
9(uge angeborene partieQe ^arbenblinbi^eit, bad linte normal, 
keinerlei ©el^ftörungen anberer 2lrt. 



S)ie etfte SSetfud^Srei^e loutbe am 
etgob foljenbe Slefultote: 


©pelttoffop angeftettt; fte 


Sled^tS 

689—594 Hfl = Slot 

594—579 „ = »lo^gelb ober SSSei^ 
579—561 „ = »loiblttu, faft ®tou 
561—482 „ =»lttu 


Sinlä 
701—628 = 3lot 
623—589 = Dtttnge 
589-579 = ®eI6 
579—496 = ©tun 
496-443 — 33Iau 



432—390 ,, = aSiolett, (graublau, ®rau 443—398 = aSiolett 

^eHigleitSmajimum red^t« jwifd^en 589 unb 555 f4f4, 
linlS jwifd^en 589 unb 582 ,, 

g^rauenH^rfd^ß Si«i^ ^ = 1^,5; B = 29,5; C = 35; 
D = 50; E = 69; F = 87; G = 122,5; Hj = 154,5. 



156 — 



Sei gtöftetet ©pal 


(Öffnung : 


Siec^td 




SinlS 


710—606 fifi = S)unfeItot 




732—682 = S)unfebot 
632—619 = ©lü^enbtot 


606—589 ,, =»Iafetot 




619—601 = Dronge 


6ig 98et^ 




601—589 = ®elb 


589 ,, =mx^ 




589—507 = ®rün 


689—539 „ = »lafeblau 






539—484 ,, = SntenftDblau 




507—429 = «lau 


434—411 ,, =a)unlel61au 




429—890 = SStofett 


411— ? „ = ©tau, ©ielleid^t eine 


©put t)on i 


Biolett. 




§ctttglctt«majimum = 


589- 


■555 ftfi red^t«, 


// 


589 


„ Knf8. 



Sine jtpeite SSetfud^Steil^c, xoo ftatt bc« ©onnenltd^tä gl^^wtncn 
angetoanbt n^utben, etga6 tpefentlid^ ^l^nlid^ei^. @tne btitte (e)og 
fxi) auf« objcfttoe ©pcfttum (©. 200 f.) unb ftcBte feft: 



gHed^t« 




®clb unb Dtangc genannt Slot 


®elb 


„ fatbloS, roei^ 


©elbgtün 


„ ieil^ gtau, teife bläuKci^ 


®tün 






Slaugtün 
fRIau 




fd^öneg »lau (mit Sntenfttät« 


Snbiflo 




untetfd^ieb) 


aSioIett 






äu^etfte« a 


Biolett 


„ ®tau. 



Sinfö: 5W[e gatben notmal. 

®ine oiette mit SGBoBptbben (©. 199) geigte bie SSetmed^fcIung 
oon Dtange, ®el6, ®tünlici^gelb mit mel^t obet minbet tötlid^em 
SSBei^ obet ®tau, oon ©unlelgtün unb ®elbfltün mit ©unfettlau 
unb Sla^lau, oon ^eOgtün unb ^eQoioIett mit ^ellgtau unb 
^etlgtau, 93iolett mit ©d^matj obet ®tau. 

@ine fünfte Sleii^e oon SSetfud^en befd^äftigte fid^ mit ben 
9lad^bilbetn oon fpelttalem Sid^t (©. 202). 



— 157 — 



SDäitllici^ inbujierenbe 


%nem^ inbujietenbe .^^ 
^atit ^ 


9lecl^td 






©peltaleä SRot 


Slot 


SIou 


,, Slototange 


9lot 


33Iou 


„ ©elbotange 


^eUrot 


S31äulid^ 


©elbgtün 


^laugtau 


mtix^ 


©tun 


SIou 


Slot 


„ Slaugtün 


93Iau 


Slot 


„ mau 


SBIau 


Slot 


gtibigo 


»lau 


Slot m. etmai Drange 


SSiokttblau 


«lau 


fd^mu^tg Slot 


Stniä; notmal. 







2)ie fimultancn Äontrafterfd^einungen roaten beim redeten 3luge 
fel^t fd^toad^; im übrigen aber in t>oQtommener Übeteinftimmung 
mit ben 5lad^bilbett)etfud^en. 

Sine fiebente Älaffe von SSetfud^en gewann butd^ ©pefttat 
Dergleid^ beibet Slugen folgenbe Slefultate: 



eteüe beS 
©peftrumä 




SRed^tö 


Sinfö 


765—733 


ßfi 


farbIo§=unfid^er 


etmad tötlid^ 


684—678 


ff 


aiot 


5Rot(ibentifci) 


641—632 


ff 


intenfit) Slot 


// ff 


632—623 


ff 


5Rot 


Stotmitetmad 
Dtange 


609—605 


ff 


^eUtot m. etmag fd^mu^ig SBei^ 


Dtange 


589—586 


ff 


fd^mu^ig SQBei^otange 


®elb 


582—578,5 


ff 


^ettgtau ober SSäei^ 


©elb 


575—561,5 


ff 


©ilbetgtau (bläuKc^) 


@rünlid^gelb 


561,5—558 


ff 


^eQblaugtau 


©elbgtün 


548—542 


ff 


Sßetgiftmeinnid^tblau 


©tai^gtün 


524,5—519 


ff 


himmelblau intenfit) 


reines ©tun 


511,5—506,5 


ff 


reines Slau (aconitum) 


©attgtün 


500—495,5 


ff 


2:iefblau 


bläuIic^.Stün 


489,5-486 


ff 


Slau 


Slaugrün 



158 — 



©pelttutnÄ ^ 


£infö 


483,5—480 iu/M reine« »lau 


teined »lau 


476—471 „ teine« »lau 


fafk ibentifd^. 




etn^ad bunller 


471—466,5 „ »lau 


»(au 


463-458,5 „ »lau 


»iolettblau 


448,5—444 ,, »unfelblau 


»iolett 


434 — 428 ,, fd^tnu|igej$ ®tau6Iau 


ff 


412 — 404 „ ^eUgrau 


it 


402—396,5 „ ®rau 


H 


394—388 „ fd^wad^eg ©tau 


nod^ eine ©pur 




»iolett 


Slu« aßem gelangt Dr. Äirfd^mann (©. 


227) }u folgenber 



Sl^aralteriftit : 

®er 5<iß/ f^iflt ^^, fei ein 3=att t)on monolularer, partieller 
tJarbenblinbl^eit, bei roeld^er »iolett, Orün, ®elb unb il^re über» 
gänge ju anbcren färben gänjlid^ fel^lten, roäl^renb Slot unb 
»lau blieben unb jwar genau fo, wie für baS farbentüd^tige Sluge. 
®8 fei ein ^aH oon „»ottlommencr »iolett «©rünblinbl^eit bei 
oöBiger Srl^altung ber übrigen Dualitäten". 

3d^ glaube, ba^ eg paf[enbet ift unb genauer mit ben obigen 
Säten ftimmt, xotnn mx fagen, ba^ ed ein ^^all oon nai^eju ooU:» 
ftänbiger ©elbblinbl^eit fei, an roeld^e notroenbig in entfpred^enbem 
3Dla^e Orünblinbi^eit unb »iolettblinbl^eit fid^ fntipfen; bie eine, 
weil jebe« ©rün ©elb entl^alten mu^, bie anbere infolge beS oon 
und oben auggefprod^enen @efe$ed, n>eld^ed aud^ beim 9lotblinben 
bad ©el^en bed @rün beeinträd^tigt unb eoentueS beim »laublinben 
bad bed Drange benad^teiligen n>ürbe. 



3ut Stage von &et multiplen Qualität. 

ItadiiDeis inneren tDiberftreites in 6er Annahme r>on (Qualitäten 

3tx)i{d)en anberen, für tx)eld)e eine ö^nlid) mittlere tage von 

Dom^erein ausgefd^Ioffen erfd^eine. 



1. 3eber ber l^ier vereinigten SBorträge berül^tt mel^fad^ 
bie grage nad^ ber qualitativen Sufammcnfeftung gewiffer finn== 
lid^er ^ßl^änomene. Qd^ l^abe mid^ mit ©ntfd^iebenl^eit bafür 
au^gefprod^en, ba^ eiS in SBBa^r^eit multiple Dualitäten gebe 
unb eine ganje SReil^e t)on ©rünben bafür geltenb gcmad^t 
(vgl. ©. 15 ff., 58, 81 f., 113 f., 129 f.). Unter i^nen finbet 
fid^ aud^ ba« B^^fl^i^ bebeutenber ^l^pfivlogen, meld^e^ ver^ 
l^inbem fvH, ba§ bie entgegengefe|te SKeinung gemiffer anberer 
auf autvritdt^gläubige ©emüter einen aHju grofeen ©inbrudf 
mad^e. 

Qnbe^ mu§ id^ befennen, ba^ mand^er von biefen fjvrfd^em 
fid^ nid^t flar genug barüber au^fprid^t, ob e« fid^ bei ^pi^änv^ 
meuen, mie Drange, SBiolett, mirflid^ um qualitativ jufammen^^ 
gefegte ©rfd^einungen unb nid^t vielmel^r um eine blvfee 3^== 
fammenfefeung pl^pfivlvgifd^er ^rvjeffe l^anble. SDlöglid^, ba§ 
er nur an biefe glaubt unb, mie jeben vereinjelten $rvje§, fv 
aud^ il^re 3Sereinigung eine einfädle Dualität jur ©rfd^einung 
bringen lä^t, aber mit ber d^arafteriftifd^en aSefvnberl^eit, ba§ 
biefe jmifd^en jenen anberen liege. 33ei ben ben einfad^en 
pl^^fwlvgifd^en ^rvjeffen entfpred^enben einfad^en Dualitäten 



— 160 — . 

bagegen foDl ber %dti einer äl^nlid^en aWittelfieDlung jioifd&en 
jToei ober mel^rcrett anberen burd^ bic Statur beg ^ßj^änonten^ 
pott ooml^erein auiSgefd^Ioffen crfd^eitten. ©o toctre benn nad^ 
if)m ixoat atterbing^ in einem pl^^ftologifd^en ©inne jroifd^en 
einfad^en unb multiplen Qualitäten, pfpd&ologifd^ aber, genau 
gefprod^en, nur jmifd^en einfad^en cftrcmen unb einfad^cn 
3mifd^enqualitdten ju unterjd^eibcn. S)ie S^atfad^e, ba§ berfelbe 
©inne^raum nid^t t)on mel^rercn Dualitäten eingenommen werben 
fann, bie oud^ mir anerfennen mufeten, unb bo^ Überfeinen ber 
aWöglid^feit einer aSermengung unmerflid^ Heiner pl^änomenaler 
3;eile fonnten ju einer fold^en Sluffaffung verleiten. 

2. Dbmol^l id^ nun biefelbe fd^on früher afe oSHig un= 
l^altbar ermiefen ju ^aben glaube, miS id^ e^ nid^t unterlaffen, 
l^ier nod^ barauf aufmerffam ju mad^en, bafe biefe Seigre aJlomente 
in fid^ fd^liefet, bie, mie aud^ immer an unb für ftd^ ju billigen, 
nur t)on unferem ©tanbpunft au^ eine t)emünftige Sered^tigung 
l^aben fönnen. ^agt man j. 33., ob bie gerabe Sinie, meldte 
oom SRot jum ®elb burd^ ba« Drange fäl^ren foH, eine weitere 
gortfe|ung über ba^ SRot ober ®elb l^inaui^ afe benfbar ju? 
laffe, fo mirb erflärt, eine fold^e erfd^eine nid^t blofe tatfäd^lid^, 
fonbem t)on oomi^erein unmdglid^. 5Die Sttatur beiS SRot mie 
be^ ©elb fd^liefee bieiS ftd^tlid^ an^. Unb e^ mürbe barum aud^ 
feine^meg^ ebenfo paffenb fein, ftatt beg SRot unb ®elb jmei 
Sßuancen t)on reinem Drange au^jumäl^len, fie mit befonberen 
Slamen ju bejeid^nen unb alle anberen garben, bie mit il^nen 
f ojufagen ju berfelben geraben garbenlinie gel^ören, burd^ Slngabe 
be^ 3lbftanbe^ oon jeber biefer beiben SRuancen ju d^arafterifieren. 
S)odn ift e« leidet, ju jeigen, mie unl^altbar eine fold^e Seigre ift. 
S)enn menn SRot nid^t einfad^er märe afe eine gemiffe SRuance 
von Drange, menn e^ fid^ nid^t baburd^ unterfd^iebe, bafe biefe 
nod^ einen SJeil ©elb in fid^ l^at, mäl^renb jene nod^ nid^t ganj 



~ 161 — 

t)on (Selb frei ift, fo wäre e« gar nid^t ab jufel^en, wie e^ ju 
einem natürlid^en aKaEimum be^ äbfianbe^ t)on ®elb in ein 
unb berfelben Slid^tung fommen foHte. 5Die garbenlinie foH ja 
gerabe fein in einem ber ©eraben im ebenen SRaume entfpred^enben 
©inne. Unb wie alfo bie gerabe Sinie im ebenen SRaume il^rer 
SRatur nad^ eine SBerlängerung inö Unenblid^e juläfet, fo müjste 
aud^ bie Orangelinie jroeifellD^ eine inbefinite SBerlclngerung 
foTOol^I über ba^ SRot afe über ba^ ®efb l^inauig (wie immer 
fie fid^ nielfeid^t tatfäd^fid^ für unö ate unmögfid^ erroiefe) bod^ 
afe an unb für fid^ benfbar erfd^einen laffen. 5Da^ ©egenteil 
gilt nur auf bem ©tanbpunft berer, meldte ba^ Drange nid^t 
al^ 3wfd^enqualität, fonbem afe malere S)oppelqualität faffen. 
S)enn bie 3lbnal^me ber einen |im SBerl^ältni^ jur anberen i)at 
bann in bem SRuttpunft il^re burd^ bie aSernunftgefe|e felbft ge^ 
forberte ©renje. 

@^ ift offenbar, man f)at nur bie SBBal^I jmifd^en 
gleid^mdfeig für alle einfad^en Dualitäten be^ 
ftel^enber aWöglid^feit ober Unmöglid^feit einer 
3n)ifd^enftellung ju anberen einfad^en Dualitäten. 

SBielleid^t barf id^ hoffen, bafe biefer Sßad^mei^ ber inneren 
SDi^l^armonie ber Seigre, meldte jmar ä^if^^^fl^^'^^tät unb 
ejtreme ©renjqualität, nid^t aber eigentlid^e aWel^rqualität im 
©egenfaft jur einfad^en jugibt, t^ mand^em nod^ erleid^tern 
merbe, pd^ oon ber au^fd^liejslid^en 3wläffigfeit meiner Sluf- 
faffung oon ber qualitativen S^fammenfeftung ju überjeugen. 



Brentano, ©inne8pf9(l^oIo8if(l^e gfrogen. 11 



9Cltenbur9 

^\tttt\^t $ofbu(^bru(fetet 

Stephan @eibe( & fto. 



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