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Full text of "Vergil-Studien, nebst einer Collation der Prager Handschrift"

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-** 






* 



i . 



VERGIL- STUDIEN 



NEBST EINEB 



COLLATION DER PRAGER HANDSCHRIFT 



VON 



JOHANN KVföALA, 

ORD. PROF. DBS 0LA88I80HEN PHILOLOGIG AN DER PRÄGER UNIVERSITÄT. 





PRAG 1878. 

VERLAG VON F. TEMPSKY. 



2jP . e 



ls 



Druck von Dr. Ed. Gr6gr. 



HERRN PROFESSOR 



LUDWIG LANGE 



IN LEIPZIG 



IN DANKBARER VEREHRUNG ZUGEEIGNET. 



VORWORT. 



Die Vergilstudien, die ich hier der Öffentlichkeit übergebe, 
bilden einen Theil einer grösseren Sammlung von Bemerkungen 
und Erörterungen zu den Gedichten Vergils. Ich habe in den 
vorliegenden Theil ausser den Erörterungen zahlreicher Stellen 
des I. Buches der Aeneis auch Bemerkungen über einzelne Stellen 
anderer Bücher aufgenommen; es sind dies jedoch grösstentheils 
nur solche Stellen, deren Besprechung mir behufs genauerer 
Würdigung der Prager Vergilhandschrift wünschenswerth erschien. 
Was diese Handschrift betrifft, so glaubte ich, dieselbe sei wichtig 
genug, um die Mittheilung einer Collation derselben als gerecht- 
fertigt erscheinen zu lassen. Es ist freilich möglich, dass meine 
Ansicht über den dieser Handschrift beizulegenden Werth nicht 
allgemeine Zustimmung finden wird, obzwar ich mich bemüht 
habe, dasjenige, was diese Handschrift bietet, möglichst vor- 
urteilsfrei zu besprechen. Sollte mir dies nicht in wünschens- 
werthem Masse gelungen sein, so wird mir bei billiger Beurtheilung 
vielleicht zur Entschuldigung der Umstand dienen, dass bei der 
Bekanntmachung der Collation von bisher unbekannten Hand- 



Schriften, wenn sie sonst einigermassen gut sind, erfahrungsmässig 
leicht eine gewisse Überschätzung des Werthes sich einstellt. 
Jedenfalls aber war ich, wie ich glaube, berechtigt, diese Hand- 
schrift als eine gute und beachtenswerthe zu betrachten, namentlich 
mit Rücksicht auf solche Fälle, wie sie Aen. III 595, VI 329 oder 
Bucol. X 74 vorliegen. Dass die Überlieferung des Prager Codex 
an diesen Stellen und an anderen auf alte Conjecturen zurück- 
zuführen wäre, kann ich nicht annehmen. 

Bei der Würdigung fremder Ansichten, denen ich nicht zu- 
stimmen konnte, war ich grundsätzlich bemüht, alles, was irgend- 
wie verletzend oder anmassend erscheinen konnte, zu vermeiden. 
Sollte dennoch irgend ein Ausdruck stehen geblieben sein, der 
verletzend scheinen könnte, so würde ich dies aufrichtig 
bedauern, weil ich nicht das Benehmen derjenigen billige, denen 
Unhöflichkeit ein förmlicher und integrierender Bestandtheil des 
philologischen Apparates zu sein scheint und welche die attische 
Urbanität zwar theoretisch .preisen, aber in der Praxis so wenig 
zum Muster sich nehmen, dass ihre Urtheile vielmehr nur an die 
Art und Weise der attischen Komödie erinnern. Es sei mir gestattet 
auch an dieser Stelle auszusprechen, dass diese Sitte, die auf anderen 
Gebieten der Wissenschaft in diesem Masse nicht anzutreffen ist, 
nicht wenig dazu beigetragen hat und beiträgt, die philologische 
Kritik in den Augen von vielen Nichtphilologen, die nur das 
Äussere sehen und sehen können, als ein Exercitium in der An- 
wendung von unparlamentarischen Kraftausdrücken und litera- 



rischen Sottisen erscheinen zu lassen. Um so mehr würde ich, 
wie gesagt, es bedauern, wenn in dieser Schrift irgend etwas auch 
nur als ein Schein von absichtlicher Verletzung verdienter Männer 
gedeutet würde und ich kann nur versichern, dass mir die Absicht 
zu verletzen fern lag. 

Im Zusammenhang damit steht auch noch etwas anderes. 
Es findet sich in dieser Schrift vieles nicht mit Entschiedenheit 
ausgesprochen, sondern in halb zweifelnder Weise; öfters werden 
mehrere Möglichkeiten zugelassen, ohne eine Entscheidung zu 
treffen. Obzwar ich nun schon die Erfahrung gemacht habe, dass 
dies nach dem Urtheil mancher einen Vorwurf verdient, so habe 
ich doch absichtlich diese Weise beibehalten. Ich bin bei meinen 
kritischen Vermuthungen und auch theilweise bei meinen Erklä- 
rungen nicht so glücklich gewesen, wie andere Kritiker, welche 
immer mit unumstösslicher Sicherheit an jeder Stelle, die sie 
zum Gegenstand ihrer Untersuchungen gemacht haben, das Richtige 
und Evidente und einzig Mögliche gefunden haben und welche 
demnach auch berechtigt sind, apodiktisch zu 'sprechen. Mir wird 
es genügen, wenn mir wenigstens die Anerkennung nicht versagt 
wird, dass ich ernstlich und mit Eifer bemüht war, nach meinen 
schwachen Kräften zum genaueren Verständniss des Dichters bei- 
zutragen. 

Sehr viel Förderung würde mir bei diesen Vergilstudien ein 
Speciallexikon des Dichters oder wenigstens ein genügendes Glossar 



geboten haben. Mit Abfassung eines solchen ist Prof. W. Kloucek, 
ein durch seine verdienstlichen Beiträge zur Erklärung des Ver- 
gilius und Horatius bekannter Gelehrter, beschäftigt, und es wird 
gewiss das hoffentlich baldige Erscheinen dieses jedem Vergil- 
erklärer erwünschten Hilfsmittels mit Freuden begrüsst werden. 



PRAG im .Mai 1878. 



J. Kvißala. 



Aen. I 3 f. 

multum ille et terris iactatus et alto 
vi superum saevae memorem Iunonis ob iram. 
Servius : „ Vi superum; violentia deorum, secundiim Homerum, 
qui dicit a Iunone rogatos esse deos in odium Troianorum : quod 
et Virgilius tetigit dicens : Vos quoque Pergameae iam fas est par- 
iere genti Diique Deaeque omnes. Latenter autem defendit hac 
ratione Troianos, quod non suo merito eos insequebantur numina, 
sed Iunonis impulsu. Id est vi quam superi habent. Multi vi superum 
posse accipi dicunt Irim, Aeolum, Iuturnam, Iunonem ; sed melius 
iudicant, vi, quam superi habent!" Diese Bemerkung ist ein Con- 
glomerat, in welchem sich drei verschiedene Erklärungen der Worte 
vi superum deutlich unterscheiden lassen. Die erste Erklärung 
geht dahin, dass Juno eine Partei unter den Göttern hatte. Der 
Urheber dieser Erklärung beruft sich auf die Bitte, welche Aeneas 
VI 63 ff. ausspricht: 

Vos quoque Pergameae iam fas est parcere genti^ 
diique deaeque omnes, quibus obstitit Uium et ingens 
gloria Dardaniae. 
Man könnte hiefür auch X 96 f. anführen 

talibus orabat Iuno cunctique fremebant 
caelicolae adsensu vario. 

Da aber ausser der Iuno keine andere Gottheit selbstständig 
dem Aeneas grollt und die ihm feindselig sich zeigenden Gott- 
heiten darin nur als Werkzeuge der Juno erscheinen, so müsste 
man, um diese Erklärung aufrecht zu erhalten, annehmen, dass 
der Dichter bei manchen Göttern, die nicht eben feindselig gegen 
Aeneas auftraten, eine Zustimmung zu dem Grolle der Juno darin 
fand, dass sie nicht geradezu dem Aeneas halfen und dass sie 

Kviöala: Verfilstudien. 1 



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V. 



V 



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der Feindseligkeit der Juno nicht entgegentraten. Eine solche 
Annahme ist nicht so unwahrscheinlich, als man auf den ersten 
Blick glauben könnte: wenigstens lässt der Dichter den Aeneas 
VI 63 ff. mit den Worten Pergameae tarn fas est parcere genti 
implicite aussprechen, dass die Götter und Göttinnen, welche 
früher den Troern feindselig waren, auch noch nach der Eroberung 
Troias an dem Zorn der Juno gegen Aeneas und die Troer parti- 
cipierten. 

Auf eine wesentlich verschiedene Erklärung deuten die bei 
Servius zweimal vorkommenden Worte, vi, quam superi habent hin. 
Der Urheber dieser Erklärung scheint vi superum „durch die 
Macht, wie sie die Himmlischen haben, durch himmlische Macht" 
bloss auf die Juno bezogen und den Plural in jenem verall- 
gemeinernden Sinne genommen zu haben, in welchem Dichter diesen 
Numerus statt des logisch genaueren Singulars nicht selten 
gebrauchen. So sagt Aeneas VI 461*) 

invitus, regina, tuo de litore cessi. 

sed me iussa de um, quae nunc hos ire per umbras, 

per loca senta situ cogunt noctemque profundam, 

imperiis egere suis, 
wo unter iussa deum der von einem Gotte, dem Jupiter, ausgehende 
und durch Mercurius überbrachte Befehl zu verstehen ist (TV 
237. 270). 

In diesem Falle wären die Worte saevae memorem lunonis 
ob iram die Epexegese des vorausgehenden vi superum. Diese Auf- 
fassung empfiehlt sich aber wegen der Verschiedenheit der Con- 
struction (Ablativus instrumenti und ob iram) nicht. 

Die dritte Erklärung, welche nach den Worten des Servius 
viele annahmen, nimmt neben der Juno auf die untergeordneten 
Gottheiten Iris, Aeolus, Juturna Rücksicht, welche den Befehlen 
der Juno gehorchten. 

Die erste und dritte Erklärung schliessen sich gegenseitig 
nicht aus, sondern man kann sie sehr wol mit einander verbinden 
und unter der vis superum nicht bloss das active Eingreifen der 



*) Wagner, der früher dieser Erklärung folgte, führte an Aen. III 488, 
VI 322, VII 96—98. 359, XI 784. 



Juno und der ihr dienenden niederen Gottheiten verstehen, 
sondern auch das Verhalten höherer Gottheiten, welche den Feind- 
seligkeiten der Juno nicht entgegentraten*) oder nicht gleich im 
Beginne entgegentraten.**) — Dies ist auch der Standpunct For- 
biger's: „Ut enim concedam, praeter Iunonem neminem ex deo- 
rum coetu Aeneae succensuisse, notum est tarnen, ipsam Iunonem 
aliorum numinum, ex quibus Aeolum et Iuturnam nomino, usam 
esse ministerio, quo Aeneam perderet, neque ceteros deos cona- 
tibus eius semper restitisse ; quare heros ille aptissime vi superum, 
ipsorum deorum interventu, non hominum tantum machinationibus, 
iactatus dici poterat." ***) 

Was die memor lunonis ira betrifft, so hatte, wie ich glaube, 
der Dichter hiebei im Sinne, dass andere Gottheiten, welche 
während des troischen Krieges doch auch mit der Juno den 
Troern feindselig gesinnt waren, den Aeneas nach der Eroberung 
der Stadt nicht verfolgten. Nur Juno machte mit ihrer Unversöhn- 
lichkeit eine Ausnahme, und diese ihre Gesinnung wird sammt den 
Motiven sehr nachdrücklich V. 23—28 hervorgehoben. Vergil sagt 
hier zwar nicht ausdrücklich, dass die anderen Götter sich anders, 
versöhnlicher, benahmen; aber man fühlt diesen Gegensatz sowol 
23 — 28, als auch V. 11 aus den Worten tantaene animis caele- 
stibus irae, namentlich aber aus den Versen V 781 ff. heraus: 
lunonis gravis ira nee exsaturabile pectus 
cogunt me, Neptune, preces descendere in omnis; 
quam nee longa dies, pietas nee mitigat ulla, 
nee Iovis imperio fatisque infraeta quieseit. 
non media de gente Phrygum exedisse nefandis 
urbem odiis satis est nee poenam traxe per omnem: 
rdiquias Troiae, cineres atque ossa peremptae 
insequitur. Caussas tanti seid illa furoris. 



*) So hinderte z. B. Jupiter den Plan der Juno, durch Aeolus den ver- 
derblichen Sturm zu erregen, nicht; und aus den Worten, die Venus 
zu Jupiter I 229—253 spricht, klingt der bittere Unmuth über dies 
Geschehenlassen durch. 
**) Wie Neptun im I. Buche. 

***) Auch Wagner änderte später seine Ansicht und spricht in der kleineren 
Ausgabe von der Mitwirkung der Götter, welche der Juno sich fügten» 

1* 



.'■~ ■ 



Aen. I. 8 ff. 

Mnsa, mihi caussas memora, quo numine laeso 
quidve dolens regina deum tot volvere casus 
insignem pietate virum, tot adire labores 
impulerit. 

Die im V. 8 überlieferte Leseart quo numine laeso gegen die 
Conjectur quo numine laesa zu vertauschen liegt gar kein Grund 
vor, da die Schwierigkeiten, welche bei der Erklärung der Worte 
quo numine laesa sich darbieten, noch viel bedeutender sind als 
die Bedenken, welche die handschriftliche Ueberlieferung bietet. 
Es erscheint denn doch ganz unzulässig die Annahme, dass der 
Dichter fragen sollte, durch welche Gottheit verletzt Juno den 
Aeneas verfolgte, während man natürlicher Weise einen Ausdruck 
erwartet, der sich unmittelbar auf Aeneas bezieht und sein Vergehen 
bezeichnet. Ladewig dies fühlend sucht die Schwierigkeit zu 
beseitigen*); aber man kann bei dem von ihm gebrauchten 
Auskunftsmittel sich nicht beruhigen; denn der Dichter kann, 
bevor ihm die Muse die V. 12 — 32 enthaltene Belehrung ertheilt, 
gar nicht annehmen, dass irgend jemand (also auch nicht eine 
einzelne Gottheit) sich des Aeneas zur Ausführung von Plänen, 
welche einen Lieblingswunsch der Juno vereiteln, bedient hat; 
darin läge die Voraussetzung involviert, dass der Dichter schon 
vor der Belehrung * durch die Muse zwar kein ganz genaues 
Wissen, aber doch ein Wissen bezüglich des wichtigsten Punctes 
(persönliche Nichtschuld und nur mittelbare Schuld des Aeneas 
der Juno gegenüber) besass; und wir müssen doch wol daran 
festhalten, dass der Dichter nicht verrathen darf, die Anrufung 
der Muse geschehe nur zum Schein. 

Wenn wir nun aber an der handschriftlichen Ueberlieferung 
festhalten, so fragt es sich, ob wir auch die gewöhnliche Auffassung, 
nach welcher numen in der Bedeutung „Willen" genommen wird, 



*) Ladewig zu V. 8: „Die Muse, welche dem Dichter auf seine Fragen 
V. 8—11 Auskunft ertheilt, deren Inhalt die V. 12—32 berichten, be- 
lehrt den Dichter, dass sich nicht eine einzelne Gottheit, wie er annahm, 
sondern das Fatum des Aeneas zur Ausführung von Plänen, welche 
einen Lieblingswunsch der Juno vereiteln, bedient hat." 



billigen sollen. Ich glaube, dass die bezüglichen Versuche der 
Erklärer vergeblich sind und dass z. B. gerade die mühevolle 
Ktinstlichkeit der Erklärung Weidner's am besten zeigt, wie 
misslich die Erklärung der Stelle unter Zugrundelegung der 
Bedeutung „Willen" ist. Weidner sagt: „Wenn nun aber numen 
den Willen der Göttin bedeutet, kann man sagen: hoc numen 
laeditur? Allerdings könnte man nicht sagen haec voluntas, haec 
inclinatio animi laeditur, wohl aber hoc numen laeditur. Denn 
der Wille einer Gottheit büdet einen Theü ihres göttlichen Wesens, 
was ja auch numen heisst, es ist gewissermassen ein integrirender 
Theil der Gottheit (maiestas oder divinitas). Wird der Wille der 
Gottheit gestört, so ist auch ein Theil ihres Wesens verletzt. Dies 
empfindet auch Juno. Darum heisst es I, 48: et quisquam numen 
Iunonis adorat praeterea, aut supplex aris inponet honorem? . . . 
Die Stelle heisst also wörtlich: Nach Verletzung welches Willens 
(= welcher Seite, welches Wesens der Gottheit) oder worüber 
Schmerz empfindend." Weidner wollte die Möglichkeit der Phrase 
numen laedere erweisen und dabei doch die Bedeutung „Wille" 
festhalten, um wiederum auch die Ausdrucksweise quo numine 
erklärlich zu finden. Das ist ein unzulässiger Versuch, zwei 
unvereinbare Dinge zu verbinden. Laedere kann mit numen nur 
dann verbunden werden, wenn dies Wort ein göttliches Wesen, 
eine Gottheit, bezeichnet, und quo numine laeso von einer ein- 
zelnen Göttin (Juno) wäre wieder nur dann denkbar, wenn numen 
einen einzelnen Willen einer Person, eine einzelne Absicht bezeichnen 
würde. Beides lässt sich aber nicht vereinigen, sondern man muss 
sich für die eine oder für die andere Bedeutung entscheiden. 
Die Wahl kann da nicht schwer fallen, wenn man bedenkt, dass 
ja für numen die Bedeutung „einzelner Wille, Absicht, voluntas" 
gar nicht erwiesen ist ; numen bedeutet nach dem Sprachgebrauch 
factisch nur das gesammte Willensvermögen, die gesammte Willens- 
thätigkeit und auf dieser Grundlage sodann das göttliche Wesen, 
die Gottheit. Es ist eine vollkommen werthlose Hypothese, theoretisch 
die Bedeutung „eine einzelne Willensäusserung, Absicht" anzu- 
nehmen. Es hat dies zwar schon Servius gethan, an den sich 
Gossrau anschliesst. „Nurnen^ a nuo quod ducitur, significat 



* * 



6 

voluntatem, propensitatem, cupiditatem, quae nuendo indicatur sc. 
in deo, qui non motus humano libidinum ardore nutu satis 
indicat quod vtilt, non vultu, non gestu alacriore ; inde est 
in deo voluntas, inde potestas, cf. 447. 2, 178. 4, 204, pos- 
suntque esse in uno deo plura numina ut 666 ubi Serv. : Notandum 
unum deum plura habere numina," et 7, 296. Ov. M. 6, 4. Assen- 
titur et Macr. S. 1, 16. Recte igitur quaeritur quod numen i. e. 
quae potissimum pars divinitatis deae laesa sit." (Gossrau zu 
unserer St.) Nach dieser Erklärung erhält aber die Frage den 
Charakter einer übertriebenen Genauigkeit, welche als unpoetisch 
bezeichnet werden muss. 

Und warum soll es unzulässig sein, numine in der zunächst 
liegenden Bedeutung „Gottheit" zu nehmen? Man wird vielleicht 
einwenden, dass Juno sich um eine von Aeneas einer anderen 
Gottheit zugefügte Beleidigung nicht zu kümmern brauchte und 
den Aeneas nicht verfolgen musste. Aber wird nicht eben gerade 
an unserer Stelle Juno regina deum genannt! Dass die Königin 
der Götter auch die einem anderen numen zugefügte Beleidigung 
strafen kann*), ist doch nichts so befremdendes, dass man 
deshalb zu den gezwungensten Erklärungen des Wortes numen 
oder zu Conjecturen seine Zuflucht nehmen müsste. Hat es denn 
z. B. irgend welche äussere Wahrscheinlichkeit, dass quo crtmine 
laesa (diese Vermuthung hat nach Heyne Peerlkamp aufgestellt) 
eine Umwandlung in das überlieferte quo numine laeso sollte 
erfahren haben? 

Aen. I 19 ff. 

Progeniem sed enim Troiano a sanguine duci 

audierat, Tyrias olim quae verteret arces; 

hinc populum lote regem belloque superbum 

ventwrum excidio Libyae; sie volvere Parcas. 
Wie Servius berichtet, nahm Probus an der in V. 21. 22 
enthaltenen Wiederholung Anstoss. „In Probo adpuneti sunt, et 
adnotandum, hi duo si eximantur, nihilominus sensus integer erit. " 



*) So hat Dietech die Stelle aufgefasst, und diese Auffassung ist meines 
Wissens zwar verworfen, aber nicht widerlegt worden. 



Man möchte in der That diese zwei Verse wegwünschen. Besonders 
macht hinc erhebliche Schwierigkeiten. Bezieht man hinc auf 
Troiano a sanguine, so erscheint die Tautologie in ganz besonders 
hohem Grade anstössig, weil der Leser bei dieser Auffassung in 
seiner Erwartung sich getäuscht sieht. V. 21 scheint nämlich, da 
er mit hinc beginnt, etwas neues oder doch eine wesentliche Er-' 
Weiterung zu versprechen, und nachträglich sieht man, dass nicht 
bloss der ganze Gedanke, der im V. 21. 22 enthalten ist, sondern 
auch die einzelnen Theile dieser Verse schon da gewesen sind. 

Hinc = Troiano a sanguine 

Poptibum = progeniem *) 

Venturum excidio Libyae z= Tyrias olim quae verteret arces. 
Soll man also hinc auf progeniem beziehen und somit zwischen 
f>rogeniem und populum einen wesentlichen Unterschied annehmen ? 
So erklärt Weidner: „Leider aber hatte Juno hören müssen, dass 
aus Troianischem Stamme ein Geschlecht -hervorgehen würde, 
welches bestimmt sei einst Karthago zu zerstören. Denn aus diesem 
Geschlecht würde ein weltbeherrschendes, kriegesstolzes Volk her- 
vorgehen, welches bestimmt sei Libyen (d. h. Karthago und sein 
Gebiet) zu vernichten." Auch Ladewig pflichtete später dieser Er- 
klärung bei und bemerkte zu V. 21: „hinc, d. h. aus der prog. 
Troi. hervorgegangen. Dieser und der folgende Vers erklärt und 
erweitert den Gedanken der beiden vorhergehenden Verse dahin, 
dass auf andere Elemente hingewiesen wird, die sich mit dem 
troj. Stamm zu einem Volke vereinigen werden, und dass ange- 
deutet wird, wodurch es diesem Volke gelingen werde, so Grosses 
auszurichten (late r. b. sup.). Was ferner vorher nur von der 
Stadt Karthago gesagt war, wird hier auf sein ganzes Gebiet aus- 
gedehnt." 

Die Beziehung des hinc auf progeniem und die Erklärung 
in dieser von Weidner und Ladewig angenommenen Weise ist 
ohne Frage besser als die Beziehung von hinc auf Troiano a 
sanguine ; und wenn die Stelle vollkommen correct überliefert ist, 
dann kann man nicht umhin diese Erklärung anzunehmen. Gibt 



*) Nach dieser Erklärung würde nämlich populum mit progeniem zusammen- 
fallen, da beides Troiano a sanguine sich herleitet. 



8 

man aber der Vermuthung Raum, dass hier doch eine unliebsame 
Wiederholung stattfindet und dass Vergil, wenn er eine Unter- 
scheidung des in den Versen 19. 20 und 21. 22 ausgesprochenen 
Gedankens in der von Ladewig angegebenen Weise beabsichtigt 
hätte, dies klarer hätte thun müssen: dann ist den Conjecturen 
ein weiter Spielraum geöffnet. So hat schon Heyne hunc für hinc 
vermuthet. Man könnte auch daran denken, die Verse 21. 22 zu 
tilgen, zumal da die Erwähnung der Parcae hier einige Schwierig- 
keiten verursacht und da die Construction hinc populum venturum 
exe. L. in dem Sinne von populum hac progenie ortum venturum 
exe. L. hart ist. Noch ein anderes Mittel wäre die Annahme einer 
Lücke nach V. 20, wobei vermuthet werden könnte, dass vielleicht 
hier Latium erwähnt wurde, so dass hinc — venturum sich auf 
Latium oder Italien bezog. Indessen muss man schliesslich w<# 
zugeben, dass wenn diese Stelle kein Muster von Vollkommenheit 
ist, sondern manches Bedenken erweckt, doch vielleicht auch hier T 
wie in vielen anderen Fällen die Annahme ausreicht, dass diesen 
Versen eine endgiltige Fassung und die letzte Feile nicht zu Theil 
geworden ist. 

« 

Aen. I 23 f. 

Id metuens veterisque memor Saturnia belli, 
prima quod ad Troiam pro caris gesserat Argis. 
Ist vetus bellum der alte Krieg d. i. der vor Alters geführte 
(vom Standpuncte des Dichters) oder der alte d. i. langdauernde r 
wie Henry erklärt long exercised, long aecustomed, inveterate ? In der 
Prager Handschrift steht über veteris die Glosse diutini, quia X an- 
norum. Dass man schon im Alterthum schwankte, zeigt die Be- 
merkung des Servius : „ Veteris belli ; quantum ad Virgilium per- 
tinet, antiqui. Si ad Iunonem referas, diu [per decennium] gesti. 
Sane tunc autem ad personam referendum est, cum ipsa loquitur ; 
quod si nulla persona sit, ad poetam refertur. Nunc ergo Veteris, 
ex persona poetae intelligendum est. a Diese beiden Erklärungen 
aber sind nicht ohne Bedenken. Gegen die Erklärung „lang dauernd* 
ist einzuwenden, dass, wenn vetus diese Bedeutung haben soll r 
die betreffende Sache eben zur Zeit noch existieren muss. Nun 



müssen wir uns aber die Zeit, auf welche der Ausspruch des 

Dichters „id metuens veterisque memor Saturnia belli 

his accensa super iactatos aequore toto Troas, reliquias Danaum 
atque immitis Achilli, arcebat longe Latio" sich bezieht, nach der 
Beendigung des troischen Krieges und nach der Zerttörung Troias 
denken; das ist also eine Zeit, in welcher das vetus bellum nicht 
mehr dauerte ; und man wird doch nicht etwa sagen können, dass 
der troische Krieg vetus heisse, weil er zwar zur Zeit schon 
vorüber war, aber früher lang gedauert hatte. Dabei ist noch 
besonders zu beachten, dass der Dichter sich hier des Unter- 
schiedes der Zeiten recht lebhaft bewusst war und dass er den- 
selben offenbar recht absichtlich und entschieden hervorhob; vgl. 
das Plusquamperfectum gesserat 

Was die andere Erklärung betrifft, so finden sich allerdings 
gerade in der Eingangspartie der Aeneis mancherlei Beispiele der 
Verwechslung der Zeit (vgl. z. B. urbs antiqua V. 12) ; aber hier, 
wo von der Juno theils gesagt, theils angedeutet wird, dass sie 
nach der Beendigung des troischen Krieges noch immer eben 
dieses Krieges eingedenk den Aeneas sammt seinen Gefährten 
(diese reliquias Danaum) verfolgte und von Latium fern hielt, 
erscheint doch die Voraussetzung, dass der Dichter von seinem 
Standpunct aus den Krieg als vetus bellum bezeichne, schlechter- 
dings unannehmbar. 

Und so bleibt denn, wie es scheint, nichts anderes, übrig, 
als einer dritten Erklärung beizupflichten, welche Weidner zwar 
nicht zuerst aufgestellt, aber durch eine gute Bemerkung wesentlich 
empfohlen hat : „veterisque] Des früheren, eben beendigten Krieges. 
So sind veteres consules die Consuln des eben verflossenen Jahres 
cf. Liv. 30, 2, 7: Hispaniae cum exercitibus imperioque veteribus 
imperatoribus L. Lentulo et L. Manlio Acidino decretae. Dadurch 
kommt vetus zur Bedeutung „der frühere", cf. Verg. 6, 449 in 
veterem feto revoluto figuram. 8, 332 : vetus Albula nomen. 4, 23 : 
veteris vestigia flammae (Liebe). XI, 280 veterum memini malorum 
(= belli Troiani).« — 

Diese Erklärung empfiehlt sich namentlich auch darum, weil 
bei derselben ein angemessener Gegensatz zwischen dem vetus 



10 

bellum und den Feindseligkeiten der Juno gegen Aeneas — also 
gewissennassen einem zweiten, neuen Krieg gegen den Best der 
Troianer — stattfindet Die Verfolgung des Aeneas bezeichnet ja 
Juno selbst Y. 47 f. una cum gente tot annos bella gero als eine 
Kriegführung ; denn diese Worte sind nicht bloss auf den troischen 
Krieg, sondern zugleich auch auf die Feindseligkeiten der Jnno 
gegen Aeneas zu beziehen. 

Aen. I 29 ff. 

His accensa super iactatos aequore toto 

Troas, reliquias Danaum atque immitis Achilli, 

arcebat lange Latio .... 

Ich stimme vollkommen der Ansicht bei, dass V. 29 mit den 
Worten his accensa super nicht bloss die in den vier vorher- 
gehenden Versen angegebenen Ursachen des Zornes zusammengefasst 
werden, sondern dass sich diese Worte zugleich auch auf V. 23 f., 
also mittelbar (wegen des Zusammenhanges von id metuens mit 
dem Vorausgehenden) auch auf die V. 19 ff. enthaltene Darstellung 
bezieht. Wie wäre es auch möglich, anzunehmen, dass der Dichter 
V. 29 ff. auf den vnchtigsten Grund der feindseligen Gesinnung 
der Juno, auf das politische Moment, keine Rücksicht genommen 
hätte, da er doch gerade von dem arcbre Latio spricht? 

Was nun die Construction im V. 29 betrifft, so kommen 
ernstliqh nur zwei Erklärungen — nämlich die Verbindung super 
his accensa und super aequore toto — in Betracht; eine dritte Er- 
klärung, die schon Servius anführt (super metum Carthaginis, his 
quoque accensa) und die auch in neuerer Zeit von manchen Ge- 
lehrten angenommen worden ist, kann wegen ihrer Ungefälligkeit 
und Unklarheit sofort abgewiesen werden. Unklar ist sie, weil 
sich super auf etwas ziemlich entferntes (V. 19 — 22) beziehen soll 
und weil hier, wo andere Erklärungen näher liegen, gewiss insuper 
erwünschter wäre ; ungefällig, weil das, was durch super bezeichnet 
werden soll, bereits früher (V. 25) und besser bezeichnet wurde. 

Von den beiden übrig bleibenden Erklärungen verdient aber 
yfol die Verbindung his super accensa den Vorzug. Würde super 
von his accensa bei der Kecitation getrennt und zu den folgenden 



IX 

Worten gezogen, so läge die Versuchung nahe, super mit dem 
unmittelbar folgenden iactatos zu verbinden, da ja superiactare, 
wenn es auch erst bei Valerius Maximus und (in anderer Be- 
deutung) bei dem älteren Plinius vorkommt, doch auch zu VergiFs 
Zeit gewiss, möglich war, so wie superiacio in der augusteischen 
Zeit vorkam. 

His accensa super hat der Dichter gesetzt und nicht bloss 
his aceema, weil er eben mit diesen Worten nicht bloss sagen 
wollte „dadurch (nämlich was V. 25—28 .gesagt ist) erzürnt", 
sondern „darüber (und zwar auch darüber, was Karthago bevor- 
stand) aufgeregt;" und so wie I 750 multa super Priamo rogitans 
mit super der Gegenstand der Frage bezeichnet wird, so an dieser 
Stelle der Gegenstand der Aufregung.' 

Aen. I 31 f. 

multosque per annos 
errabant acti fatis maria ornnia circum. 

Schon bei Servius finden sich verschiedene Erklärungen der 
Worte, acti fatis. Die Veranlassung zu diesen Differenzen gab d^r 
Umstand, dass früher der Dichter als Grund der unglücklichen 
Schicksale des Aeneas die memor lunonis ira bezeichnete. So 
konnte die Frage aufgeworfen werden: „Si odio lunonis fatiga- 
bantur, quomodo dixit: acti fatis?" Die Antwort bei Servius ist: 
„Sed hoc ipsum lunonis odium fatale est." Eine andere Erklärung 
bei Servius geht dahin, dass man an fata lunonis d. i. voluntas 
lunonis zu denken habe. Und endlich eine dritte Erklärung lautet : 
„Vel fatis pro malis, ut: Nate Hiacis exercite fatis". Diese Er- 
klärungen kehren in neuerer Zeit wieder, je nachdem dem einen 
Erklärer diese, dem anderen jene Auffassung probabel erscheint. 

Diesen Erklärungen gegenüber steht eine in neuerer Zeit 
sehr verbreitete Auffassung, nach welcher die fata in der scheinbar 
zunächst liegenden Bedeutung genommen und nicht als mit dem 
Willen und Einfluss der Juno zusammenfallend, sondern vielmehr 
dem Willen der Juno entgegengesetzt gedacht werden. 

So bemerkt z. B. Ladewig: „denn Prophezeiungen und Götter- 
sprüche bestimmten Italien als Ziel ihrer Wanderungen." Wenn 



12 

hiebei acti fatis in causalem*) Sinne genommen wird, so müsste 
man erklären: „Juno wollte die Troer nicht nach Latium gelangen 
lassen; aber es war ihnen vom Schicksal bestimmt doch nach 
Latium zu kommen, und demnach blieben die Troer nirgends und 
hatten nirgends Buhe, sondern durch ihr Schicksal getrieben 
strebten sie immer wieder Italien zu; da aber Juno dies zu ver- 
eiteln bemüht war, so ergab sich aus dem Wirken dieser zwei 
verschiedenen Kräfte gewissermassen als Resultirende errabänt 
maria omnia circum." Forbiger hat dies ziemlich klar (klarer als 
Ladewig mit seiner knappen Bemerkung) ausgesprochen: „Prae- 
stare videtur simplicior ratio, ut de ipsis Troianorum fatis cogi- 
temus, quae eos nusquam consistere patiebantur, antequam sedem 
destinatam invenissent. Troiani enim a fato destinati erant, ut 
imperii Romani conditores fierent; Iuno reluctatur et per plures 
annos hoc impedit; nihilominus fata impleri debent, ideoque quo- 
dammodo etiam suis fatis propelluntur Troiani .... Hinc etiam 
apparet, acti hie non esse i. q. circumacti, sed potius protinus 
acti, ut sensus sit: fatis Italiam versus agebantur, nihilominus 
tarnen, a Iunone prohibiti, multos per annos circum omnia maria 
errabänt." 

Diese schon an und für sich etwas künstliche **) Auffassung 
empfiehlt sich aber bei genauer Betrachtung des Gedankenzusammen- 
hanges nicht. Der Satz multosque — circum soll doch offenbar nur 
eine Variation des vorausgehenden Satzes Troas arcebat longe Lotio 
sein, und da ist es doch natürlich, dass der Zusatz acti fatü ein 
mit errabänt maria omnia circum genau übereinstimmendes, die 
Ursache des errabänt darlegendes Moment bezeichnet. In diesem 
Falle muss man aber unter fata das feindselige, gefahrdrohende 
göttliche Einwirken (der Juno) verstehen. Vgl. III 717 fata divom, 



*) Doch wäre es vielleicht bei dieser Auffassung natürlicher acti fatis in 
concessivem Sinne zu nehmen: „obzwar sie durch das Schicksal getrieben 
wurden, Italien aufzusuchen, so irrten sie doch durch den Zorn der 
Juno in allen Meeren umher." 
**) Der Dichter würde den Gedanken, den ihm da neuere Erklärer leihen, 
wol klarer ausgesprochen haben; denn unklar bleibt die Ausdrucksweise, 
ob man nun bei dieser Auffassung das Participium acti fatis causal oder 
concessiv nimmt. 



13 

II 54 und VI 376 fata deum, ferner IV 14 heu quibus ille iactatus 
fatis (verglichen mit VI 692 f. quas ego te terras et quanta per 
aequora vectum accipio! quantis iactatum, nate, periclis). 

Aen. I 34 ff. 

Vix e conspectu Siculae telluris in altum 
vela dabant laeti et spumas salis aere ruebant, 
cum Iuno aetemum servans sub pectore volnus 
haec secum. 
In Betreff der Auffassung der Worte e conspectu Siculae 
telluris folgen die Erklärer meist der schon bei Servius vorkom- 
menden Erklärung: „E conspectu; ut adhuc de Sicilia possint 
videri." So bemerkt z. B. Forbiger: „E conspectu abeunt, qui 
ex eo loco, ubi antea fuerant, conspici amplius non possunt. Cf. XI, 
903 Vix e conspectu exierat." Nach dieser Erklärung soll durch 
den subjectiven Genetiv Siculae telluris das sehende Subject bezeichnet 
sein. An und für sich ist dies freilich möglich. Es muss bei 
der Verbindung von conspectus mit dem Genetiv immer der Context 
entscheiden, ob der Genetiv subjectiv oder objectiv ist. Kein 
Zweifel, dass z. B. Caes. B. G. I 11 3 paene in conspectu exer- 
citus nostri der Genetiv subjectiv ist. Dagegen ist Cic. Süll. 9, 26 
mihi liceret eius urbis, quam conservassem, conspectu tranquillo 
animo et quieto frui der Genitiv entschieden objectiv. 

An unserer Stelle nun ist die letztere Auffassung, welche 
Conington empfiehlt (out of sight of Sicily), entschieden vorzu- 
ziehen. Da nämlich der Dichter mit den Worten in altum offenbar 
einen Gegensatz zu Siculae telluris beabsichtigte, so ist es auch 
wahrscheinlich, dass er sagen wollte: „Sicilien begann dem Blick 
der Troer zu entschwinden und sie sahen jetzt vor sich und hinter 
sich das weite Meer." Die Richtigkeit dieser Auffassung wird 
bestätigt durch folgende Parallelen: 
Aen. III. 73. 

Provehimur portu terrraeque urbesque recedunt. 
Aen. IH 192 f. 

Postquam altum tenuere rates nee tarn amplius ullae 
adparent terrae, caelum undique et undique pontus. 



14 

Aen. V 8 f. 

Ut pdagus tenuere rotes nee tarn amplius uLla 
oecurrit tellus, rnaria undique et undique caelum. 
An allen diesen Stellen ist nicht die Rede davon, dass die 
Schiffer nicht mehr vom Lande aus gesehen werden, sondern dass 
sie nicht mehr Land sehen. 



Die Worte spumas salis aere ruebant werden, was den Sinn im 
Allgemeinen betrifft, richtig so genommen, dass bei der schnellen 
Fahrt durch den Schiffsschnabel Schaum aufgeregt wurde.*) Was 
nun aber die grammatische Auffassung betrifft, so kann ich Weidner 
nicht beipflichten, der ruebant in praegnanter Bedeutung nimmt = 
ruendo vel verrendo mari spumas salis efficiebant. Wozu sollte 
man für ruere eine Bedeutung annehmen, die factisch nicht 
vorkommt (näml. Schaum aufwühlen d. i. wühlend o. durchfurchend 
Schaum erzeugen), da eine einfache Erklärung, die zu demselben 
Resultat führt, zur Hand ist ? Der Begriff des Bewirken*, Erzeugens 
liegt nicht sprachlich in ruebant, sondern er muss einfach ergänzt 
werden. Wenn es heisst, dass die Troer mit dem ehernen Schieffskiel 
nicht mare ruebant, sondern spumas salis ruebant, so müssen sich 
eben bei der Fahrt die spumae gebildet haben. Also spumas salis 
aere ruebant = sie fuhren durch den (sich bildenden) Schaum. 

Hiemit ist aber nicht alles erledigt. Es fragt sich nun weiter, 
in welcher genauen Bedeutung wir eben ruebant hier nehmen sollen. 
Es ist freilich leicht zu sagen, rueba/nt bedeute secabant, sulcabanL 
Aber wie will man dies beweisen? Das transitive ruere bedeutet 
doch nur „etwas stürzen oder sinken machen", „etwas stürzen",, 
nicht aber „etwas durchschneiden, durchfurchen." So ist Georg. I 
105 cumulosque ruit male pinguis arenae = die hervorragenden 
Erdschollen durch Zerschlagen strecken und so die Oberfläche 
des Ackers gleich machen. 

Aus diesem Grunde übersetzte Ladewig „und streckten mit 
ehernem Schnabel die schäumende Salzfluth" ; und wenn Forbiger 



*) Vgl. III 268 

Tendunt vela Noti; fugimus spumantibus undis. 



15 

dazu bemerkte „nescio quid sibi velit Ladew. a , so liegt hier der 
Fehler nur zum kleineren Theil auf Seiten Ladewig's, dessen 
Bemerkung allerdings etwas klarer lauten könnte. 

Aber freilich glaube ich nicht, dass diese Auffassung Ladewig's 
annehmbar ist. »Ich halte für einfacher und wahrscheinlicher die 
Erklärung „ruebant = eruebant." Die früher glatte Oberfläche 
des Meeres wird durch das Schiff aufgewühlt Vgl. Ovid. Her. 
V 54 remis eruta canet aqua. 

Man könnte freilich vielleicht auch noch an eine ganz andere 
Erklärung denken, nämlich „sie eilten über den (sich bildenden) 
Meeresschaum mit dem erzbeschlagenen Schiffe hin", so dass ruere 
intransitiv und mit dem Accusativ spumas salis nach Analogie 
von currimus aequor (Aen. III 191) u. ähnl. verbunden wäre. 
Was den Ablativ aere betrifft, so könnte man dann eben Aen. 
DI 191 vergleichen: vastumque cava trabe currimus aequor. Über 
ruere in der Bedeutung dien vgl. z. B. Aen. II 250; X 256. 

Doch ist wol die früher angegebene einfache Erklärung 
vorzuziehen. 

# * 

Auf die schöne Sinnlichkeit und Anschaulichkeit der Aus- 
drucksweise sub pectore, welche „unter der Oberfläche der Brust, 
im Inneren der Brust" bedeutet, machen mit Recht Weidner und 
Ladewig aufmerksam, welche Analogien aus der Aeneis anführen. • 
Mit Unrecht aber verglich Conington mit sub pectore Aesch. 
Eum. 156 ezvtyev vno cpQavag ifoö loßov, wo v%6 „unterhalb" 
bedeutet; vgl. Soph. Trach. 930 und Ant. 1315 xV r\naQ. Aus 
dem Griechischen könnte man vielmehr solche Stellen vergleichen, 
an denen z. B. statt des erwarteten Iv %&ovi erscheint vito x&ovdg, 
wie Odyss. A 52 ov yocQ ita> hlftamo vito x&ovog evQvodsfyg. 

Aen. I 48 f. 

Et quisquam numen Iunonis adorat 
praeterea aut supplex arü irnponet honorem? 
So wird meist gelesen und diese Überlieferung ist hand- 
schriftlich am besten beglaubigt. Obzwar es nun immer misslich 



i 



16 

ist, einer so beglaubigten und von den Erklärern fast allgemein 
vertheidigten Leseart entgegenzutreten, weil man sich dem Vorwurf 
des vamsQUJiwg aussetzt : so kann ich doch nicht umhin, auf einiges 
Bedenkliche aufmerksam zu machen. Trefflich würde passen eine 
mit Verwunderung ausgesprochene Frage et quisquam numen 
Iunonis ado^at (ohne praeterea) „und da gibt es noch jemand 
(und da kann es noch jemand geben), der die Gottheit der Juno 
anbetet?" Diese Erklärung ist aber unmöglich, wenn praeterea 
hinzutritt. Man ist da gezwungen zu sagen, dass praeterea eng 
mit adorat zu verbinden ist und dass beide Wörter zusammen 
den Futurbegriff geben, wodurch der Parallelismus mit imponet 
hergestellt werde. Mir erscheint diese Auffassung unzulässig. Wenn 
adorat praeterea wirklich echt ist, so mtisste man praeterea auf 
die Nachfolge in der Vergangenheit beziehen „und da findet sich 
nach allem dem (näml. nachdem sich meine Ohnmacht den Troern 
gegenüber gezeigt hat) auch fernerhin noch jemand, der die 
Gottheit der Juno anbetet?" Dann würde man aber auch imponit 
erwarten. 

Wenn man als „loci simillimi" anführt Eleg. in obit. Drusi 
7 Et quisquam leges audet tibi dicere flendi et quisquam lacrimas 
temperet ore tuas? und Ovid. Am. III 8 1 Et quisquam ingenuas 
etiamnum (od. etiamnunc) suspicit artes? — so sollte man doch 
nicht übersehen, dass diese beiden Stellen streng auf die Gegenwart 
sich beziehen und dass sogar an der zweiten Stelle noch etiamnum 
{od. etiamnunc) steht (= hi otal iw), während man an unserer 
Stelle nur ein scheinbares Praesens hat, das in Wirklichkeit durch 
praeterea zu einem Futurum wird. 

Mir scheint es nach dieser Erwägung, dass die Conjunctive 
adoret xm& imponat*) grössere Beachtung verdienen, als sie bisher 
gefunden haben. 



*) Die Conjunctive finden sich auch in der Prager Handschrift, die zu- 
gleich Y. 48 aud statt et hat. Adoret ist überdies durch Quintilian IX 
2, 10 und Servius zu Aen. II 79 und X 826 bezeugt. — Der Con- 
junctiv imponat ist auch durch Servius bezeugt: „Supplex aris imponat; 
breviter utrumque dixit; aut enim. suscipiuntur vota precibus aut 
honore redduntur. Et ostendere vult, non solum sibi non supplicandum 
sed nee simplici veneratione dignam futuram." Die Form supplicandui» 



17 

Was endlich den hier von der Juno ausgesprochenen Gedanken 
betrifft, so vergleiche man, wie auch bei Ovid Met. n, 518 f. 
Juno, besorgt um die Verminderung ihrer Ehre und ihrer göttlichen 
Macht, sagt: 

Est vero, cur quis lunonem laedere nolit, 
offensamque tremat, quae prosim sola nocendof 

Aen. I 48 f. 

Die Anwendung des Eigennamens statt des persönlichen 
Pronomens dient zur nachdrücklichen Hervorhebung. Die Absicht 
aber, die den Schriftsteller zu dieser nachdrücklichen Hervor- 
hebung veranlasst, kann eine verschiedene sein. In den meisten 
Fällen zeugt es von stolzem Selbstgefühl, wenn die sprechende 
Person statt ego ihren Eigennamen ausspricht und somit von sich 
wie von einer dritten Person spricht. Es kann aber dieselbe 
Ausdrucksweise auch Bitterkeit der Stimmung bezeichnen, in anderen 
Fällen wiederum umgekehrt eine gewisse Innigkeit der Gesinnung. 
Eine Sammlung der Stellen ist hoffentlich nicht* unerwünscht. 
Wir geben im folgenden die bei Vergil und Homer vorkommenden 
Beispiele vollständig und ausserdem einige Beispiele, die sich bei 
anderen Autoren (Sophokles, Ovid) finden. 

Bei Vergil (ausser unserer Stelle) 
Aen. H 79 f. nee, si miserum Fortuna Sinonem 

finarit, vanum etiam mendacemque irnproba finget. 
ebend. 540 f. at non itte, saturn quo te mentiris, Achilles 

talis in hoste fuit Priamo. 
ebend. 548 f. Uli mea tristia facta 

degeneremque Neoptolemum narrare memento. 
ebend. 778 f . . nee te comitem hinc portare Creusam 

fas aut ille sinit superi regnator Olympi. 
ebend. 784 lacrimas dileetae pelle Oreusae. 



(die man hier wol nicht als eine in schlechter Latinität vorkommende 
Construction zur Bezeichnung des Futurbegriffs = supplicatum iri nehmen 
darf) weist auf den Conjunctiv supplex imponat hin, ebenso wie in den 
folgenden Worten der Ausdruck dignam zeigt, dass Servius auch hier 
den Conjunctiv adoret erklären wollte. 

Kviöala: Vergllatudien. 2 



18 

HI 379 f. prohibent nam cetera Parcae 

scire Helenum farique vetat JSatumia Inno. 

ebend. 248 f. lettumne inferre parotis 

et patrio Harpyias insontis pettere regno ? 

ebend. 433 praeterea, 8% qua est Heleno prudentia 

ebend. 486 f. accipe et haec, manuum tibi quae monumenta mearum 

sint % puer, et longum Andromachae testentur amorem. 

IV 307 f. nee te noster amor nee te data dextera quondam 

nee moritura tenet crudeli funere Didot 

ebend. 382 ff. spero equidem mediis, si quid pia nuraina possunt, 

supplicia hausurum scopulis et nomine Dido 
saepe vocaturum. 

V 353 ff. ei tanta, inquit, sunt praemia victis, 

et te lapsorum miseret, quae munera Niso 
digna dabis? 

VI 510 omnia Deiphobo solvisti et funeris umbris 

VII 261 f. non vobis rege Latino 

divitis über agri Troiaeve opulentia deerit. 

ebend. 401 f. si qua piis animis manet infelicis Amatae 

gratia 

Vm 71 ff. Nymphae, LaurentesNymphae t genusamnibusundeest, 

tuque, o Thybri tuo genitor cum flumine saneto, 
2^ % aeeipite Aenean et tandem arcete periclis. 



X 112 rex Iuppiter Omnibus idem 
ebend. 373 f. qua globus ille virum densissimus urguet, 

hac vos et Pallanta ducem patria alta reposcit. 
ebend. 825 f. quid tibi nunc, miserande puer, pro laudibus zstis, 

quid pius Aeneas tanta dabit indole dignum ? 
ebend. 829 f. hoc tarnen infelix miseram solabere mortem: 

Aeneae magni dextra cadis. 

XI 371 f, scilicet ut Tumo*) contingat regia coniunx, 

nos, animae viles, inhumata infletaque turba 
sternamur campis 

*) Hier steht der Eigenname statt der zweiten Person — ein Verhältnisse 
massig seltener FalL 



19 



ebend. 442 



ebend. 537 



„Solum Aeneas vocat u . Et vocet oro; 
nee Drances *) potius, sive est haec ira deorum^ 
morte luat, sive est virtus et gloria, tottat. 

neque enim novus iste Dianas 
venit amor subitaque animum dulcedine movit. 

ebend. 564 fi. at Metabus magna propius tarn urguente caterva 

dat sese fluvio atque hastam cum virgine victor 
gramineo, donum Triviae**), de cespite vellit. 

ebend. 581 ff. muLtae illam frustra Tyrrhena per oppida matres 

optavere nurum ; sola contenta Diana 
aeternum telorum et virginitatü amorem 
intemerata colit. 

nomen tarnen haud leve patrum 
manibus hoc referes, telo cecidisse Camillae. 
nulla mora in Turno. 

sunt tibi regna patris Dauni, sunt oppida capta 
multa manu, nee non aurumque animusque Latino est. 
si Turno***) exstineto socios sum adsetre paratus, 
cur non incolumi potius certamina totto ? 
ne, quaeso y ne me lacrimis neve omine tanto 
prosequere in duri certamina Martis euntem, 
o mater / neque enim Turno mora libera mortis. 



ebend. 688 f. 

xn ii 

ebend. 22 f. 
ebend. 38 f. 
ebend. 72 ff. 



*) AucE hier Drances = tu. 
**) Für die Ansicht, dass die ganze der Diana in den Mund gelegte Er- \ 
Zählung ursprünglich nach der Intention des Dichters nicht die Be- 
stimmung gehabt habe, von der Diana gesprochen zu werden, könnte 
man eigentlich nur diese Stelle mit einem gewissen Schein von Proba- 
bilität anfuhren; denn Dianae = mihi (V. 537) und Diana mme (V. 582) 
ist durchaus nicht auffallend. Diana sagt stolz und mit Befriedigung statt 
mihi und me Dianae und Diana. Vollends aber ist Latonia Virgo V. 557 
ganz unbedenklich, da ja dieser Ausdruck in dem (von der Diana frei- 
lich mitgetheilten) Gebete des Metabus vorkommt, und man begreift 
nicht, wie Peerlkamp auch diese Stelle als eine Stütze seiner Ver- 
muthung anführen konnte. Aber auch donum Triviae ist an und für 
sich nicht auffallend. Auffällig ist nur, dass der Dichter im entscheiden- 
den Augenblick und angesichts der Gefahr, die der Camilla drohte, ihre 
Beschützerin eine so lange Erzählung mit Müsse vortragen lässt, zumal 
da wol alles der Opis bekannt sein konnte. 
***) Turno = te. 

2* 



20 



ebend. 95 ff. 



ebend. 645 
ebend. 830 ■• 
Bucol. II 63 ff. 



nunc, o numquam frustrata vocatus 
hasta meo8, nunc tempus adest; te maxumus A.ctor % 
te Turni nunc dextra gerit. 

terga dabo et Turnum fugientem haec terra videbit f 
es germana Iovis Satumique altera proles. 
torva leaena lupum sequitur, lupus ipse capellam, 
ßorentem cytisum sequitur lasciva capella, 
te Corydon, o Alexi: trahit sua quemque voluptas. 
nee tuus hie Moeris nee viveret ipse Menalcas. 



ebend. IX 16 
ebend. 53 und 

54 vox quoque Moerim 

iam fugit ipsa ; lupi Moerim videre priores. 
Zu diesen 38 Beispielen, die sich in der Aeneis und in den 
bukolischen Gedichten finden (in den Georgias findet sich kein 
Beispiel) kommen nun noch folgende 10, in denen nicht ein Eigen- 
name, sondern ein Appellativum vorkommt, welches meist das 
verwandtschaftliche Verhältniss der sprechenden Person zu der 
angeredeten oder zu einer erwähnten Person bezeichnet. Wir sind 
vollkommen berechtigt, diese Stellen den bereits angeführten anzu- 
reihen, weil das Wesentliche der Construction, dass nämlich die 
redende Person von sich selbst wie von einer dritten Person 
spricht, auch hier sich findet. 
Aen. II 673 f. ecce autem complexa pedes in limine coniunx 

haerebat parvumque patri tendebat Iulum. 
ebend. III 41 quid miserum, Aenea, laceras ? iam parce sepulto. 
ebend. IV 31 f. o luce magis dileeta sorori, 

solane perpetua maerens carpere iuventa? 

miserere sororis 

gratare sorori 

quid primum deserta querar ? comitemne soror em 

sprevisti moriens? 

venisti tandem, tuaque exspeetata parenti 
vicit iter durum pietas ? 

nee te sub tanta pericula missum 
adfari extremum miserae data copia matri? 
non haec, o Palla, dederas promissa parenti. 



ebend. 435 
ebend. 478 
ebend. 677 

VI 687 f. 

IX 483 f. 

XI 152 



21 

Xu 872 quid nunc te tua, Turne, potest germana iuvare ? 

Als sicher kann angenommen werden, dass in diesen Fällen 
nicht etwa das Pronomen der ersten Person zu dem Substantivum 
zu ergänzen ist. Freilich findet sich Aen. IX 486 f. 

nee te, tua ftmera mater 
produxi pressive oculos aut volnera lavi 
und ebenso auch die erste Person bei dem Nomen proprium Aen. 
V 194. non tarn prima peto Mnestheus neque vincere certo. 

Aber z. B. Aen. IV 435 wäre es gewiss verfehlt, mit einer 
grammatischen Ergänzung zu erklären miserere (mei) sororis oder 
IX 484 mihi miserae matri; sondern das Substantiv soror, mater 
vertritt geradezu das Pronomen der ersten Person. Die Richtigkeit 
dieser Auffassung wird evident erwiesen durch Aen. XII 872, wo 
es (wegen potest) unmöglichst, grammatisch ego zu tua germana 
zu ergänzen. 

Nun noch einige weitere Bemerkungen. 

a) Um das Kräftige und Effectvolle der in Rede stehenden 
Ausdrucksweise recht lebhaft zu fühlen, ist es zweckmässig sich 
den Eigennamen oder das Appellativum in einem von anderen 
Personen gesprochenen Satz zu denken; z. B. Aen. II 548 f. sagt 
Neoptolemus Uli mea tristia facta degeneremque Neoptolemum nar- 
rare memento gerade so wie Priamus dem Achilles in der Unterwelt 
melden soll: Neoptolemus est degener. Aen. III 486 f. liegt es 
nahe, daran zu denken, dass Ascanius der Andromache sich in 
Zukunft erinnernd öfter sagen soll: haec Andromachae testantur 
amorem. Aen. X 830 soll Lausus sich trösten: Aeneae magni 
dextra cado. 

b) An vielen Stellen, an denen der Eigenname statt ego 
vorkommt, ist ein stolzes Selbstgefühl leicht erkennbar, wie Aen. 
I 48; V 354; VII 261; X, 112, 374, 830; XI 689; XII 11, 97, 
645, 830. Besonders bemerkenswerth ist, dass Turnus von sich 
öfter in der dritten Person spricht,*) nämlich XU, 11, 74, 97, 
645; zweimal (XI 375 und XII 38) erscheint der Eigenname 
Turnus da, wo eine andere Person den Turnus anredet. 



*) Ovid leiht wiederum in den Metamorphosen gern der Iuno diese von 
Selbstgefühl zeugende Wendung. 



22 

c) Die Stelle Aen. IX 653 ff. 

sit satis, Aenide, telis impune Numanum 
oppetiisse tuis, primam hanc tibi magnus Apollo 
concedit laudem et partbus non invidet armis 
wurde nicht angeführt, obzwar Apollo von sich selbst in der 
dritten Person redet, da der Gott in dem Augenblicke, als er 
sprach, unerkannt war (650 omnia longaevo similis cet.). — Ebenso 
sind natürlich die einen Monolog enthaltenden Stellen *) nicht an- 
geführt worden, da hier nicht eine Vertauschung der ersten mit 
der dritten Person, sondern der ersten mit der zweiten Person 
vorliegt. Die Stelle Bucol. II 56 könnte angeführt werden, wenn 
gelesen würde rusticus est Corydon, welche auch in einigen Hand- 
schriften vorkommende Leseart Buecheler gebilligt hat. 

Bei Homer kommen folgende Beispiele vor: 

A 240 f. 73 not* *A%iXXr\og nod^ Zierat viag y A%cu(5v 

B 258 ff. et x* iki a* äcpQalvovxa xi%rjao[iai, <8g vv icgq cods, 

firjxh* Ifiteir 'Odvarji xd^rj cofiocacv iTCsirj xrX. 
A 353 f. ötpsaiy ijv id'iX^ad'a xal at xiv rot td (tstirjX'fl, 

TtyĀ[id%oi,o yllov TtarsQa itQoyL&%oi<$i yuyivxa 
H 74 f. rcSv vvv Svriva dvpog ipol ticc%£aaa&cu dvciysi, 

d€VQ y LTCH ix 1taVt(QV y 7tQ0fl0g £[1[ISVCU "Extoqi «Miro 

® 21 f. dXX* ovx av ipveycur' #| ovQccvöfcv itsdlovds 

Zrjv y fijzccrov tirj<fTo>(f\ ovS* bI paka noXXd xccfioive. 

ebend. 373 e<szai (idv, oz y av avzs cpikrjv rXavxdmSa siny. 

ebend. 470 qovg dy xal fiSXXov üitsQiLsvia Kgovicova 

otyeai, aX x sfrsX'fltid'a, ßocomg itoxvia "Hqtj 



*) Z. B. Aen. IV 695 ff. 

quid loquorf aut ubi sumf quae meutern imania mutatf 
infeltx Dido ! nunc te facta impia tangunt f 
tum decuit, cum sceptra dabas. 
Bucol. I 73 

insere nunc, Meliboee, piros, pone ordine vitis 
ebend. II 69 

ah Corydon, Corydon quae te dementia cepit! 



23 

A 761 ndvzsg &* sv%sz6(dvzo ftsciv Ad, NIgzoqI t' dvägäv. 

O 254 ff. fragest vvv • xoXov xov doGGqxrJQa KqovIcov 

ig "Idyg 7tQoir]X€ itaQBGT&pevai xal dpvvsiv, 
0otßov 'Anoklcova %qv6&oqov 

II 830 ff. IldzQOxX\ v\ xov iyqGd'a itokiv xsQcCC£ipsv ä(ii%v, 

Tgmddag 6h yvvatxag, iksv&SQov rjpccQ ditovQag, 
äj;siv iv Vascal tplX^v ig itazQida yalav 
vriTtis • zdav di XQoad^ cr ExzoQog caxssg iititoi 

s 

itoaolv 0QC0Q€%aTcu xoks(jit£siv. 
P 248 ff. co> cplkoi 'Agystcav rjyrjzoQsg ?Jdi (isdovzsg, 

olzs nag? y AzQsldjjg 9 ^Ayayii^vovi xal MsvsXacp, 

drj{iia itlvovöiv 
T 151 Sg xs rig avx y 'A%iXrja psxd TtQcozotcfiv X8v\xai 
4> 126 f. d'Qcicxcov ng xarä xv[ia jisÄawav cpQttf vitcal-si 

l%ftvg 7 og xs ydyflöi Avxdovog*) dgyha o*rj{iov. 
i 366 ff. Ovxig ?iioiy y Svopa. Ovxiv ds ps xixArjtfxovacv 

{irjTrjQ t(di TtccrtJQ iJ<T älloi ndvzsg szaiQoi. 

*£lg i(pd[ifjv ' 6 äs p wvxlx dpsißszo vrjksi dvpcp' 

Ovxw syd> 7tv[iarov Edopai (iszd oig Szagotaiv 
v 299 f. ovdi cfvy* Oyvag 

TlaXXdS* 'Afrrjvcctriv, xovgrjv Aiog, fjzs tot, alsl 

sv TtdvrsGGi novo ig i naQl<3Tuii(u ydi (pvkaGGo. 
o 125 f. Sc5q6v toi xal iyci, rixvov gp/As, rovro didco[ii 

fivrj[i *EÄsvrjg %slqSv. 
% 300 f. sl ixsov y* ipog iaai xal aXpaxog rj[i£Z£Qoio, 

(iqzig iksiz* X)dvcrijog dxovGdzm ifvdov iovzog. 
% 233 ff. «AA 5 äys ösvqo, itiitov, nag? sp XtizaGo xal Xds sgyov, 

Sepp* sldijg, ovög zoi sv dvÖQaGi dvGfisvssCGiv 

Msvzmq y AXxifildrjg svsQysalag dnozlvsw. 
Zu diesen 18 Beispielen kommt als neunzehntes X 499, wo 
statt des Pronomens der 1. Person nicht der Eigenname, sondern 
fwfcw vorkommt (vgl. die aus Vergil angeführten Beispiele Aen. 
II 673 f. u. s. w.) 

daxQVosig ds z* avsasi udig ig [iijzsQa x^i9V v ' 

*) Hier steht der Eigenname für das Pronomen der zweiten Person, ebenso 
auch i 369. Vgl. Aen. XI 371 und 442. 



24 

Natürlich mussten von dieser Sammlung ausgeschlossen werden 
jene Stellen, an denen der unerkannte Odysseus von Odysseus er- 
zählt, wie 1 152, 159, 161 u. m. a. — Ebenso wurden jene Stellen 
ausgeschlossen, an welchen der der redenden Person zukommende 
Eigenname zwarx in der von dieser Person gesprochenen Rede vor- 
kommt, aber so, dass die betreffende Stelle nicht vom Standpunct 
der Person selbst, sondern vom Standpunct einer anderen Person 
aus vorgetragen erscheint. Diese Stellen sind: 

A 176 ff. xal xi xig o(f iQeec TqcScdv vjteQrjvoQeovxcov, 

TV(iß(p iTtid'Qciaxcov MeveXdov xvdccXifioio' 
affi ovxag im itaoi %6Xov xeXecei jäyafiefiV(ov 9 
cog xal vvv aXiov 0xquxov ijyayev ivd'dS* y A%aiSv^ 

H 87 ff. xal Ttori xig eikjjGi xal 6il>iyovG>v ävftQc6itcov y 

vrfi itoXvxXtfi'di nXitov iitl oivona xovxov 
ävÖQÖg iibhv xode Grjfia ndXai xaxaxedvqcSxog, 
ov not aQiGxevovxa xaxexxave <paldi(iog v Exx<oq* 

148 f. "Exxcoq yd(f itoxe q>v\Gei ivl TqcSsgg' ayogevanr 

Tvdetdrjg iJä* ipeTo q>oßev[ievog Ixexo vr\ag. 
X 105 ff. aldiopai TgcSccg xal TQcaddag eXxecfi7CenXovg 9 

\ir\ itoxi xig eiitjjGi xaxrixegog äXXog i[ieio m 

"Extcoq yiq>i ßtjiyi mdyJGag äXeae Xaov. 
W 575 f. [iij itoxi xig etkjjGiv y A%aiSv %aXxo%vt(6va)Vy 

y AvxlXo%ov tyevdeaäi ßirjGa^evog MeviXaog 

oi%exai litnov äycov 
? 275 ff. xal vv xig od' eljtjjGi xaxcizeQOg dvxißoX^Oag^ 

rlg d' 8de NavfSixda eueren xaXog re peyag re 

istvog; 
% 286 ff. (vgl. x 8.) avxaQ [ivrjcFrrJQag pakaxotg in&eGGiv 

itaQcpäa&ai, Sxe xiv efe iiexaXXcüGw itofteovxeg* 

ix xanvov xaxid , ijx\ iite\ ovxexi xolaiv icSxei, 

oid itoxe Tooirjvde xunv xaxiXeiitev 'Odvaaevg. 

Beispiele aus den ersten sieben Büchern der Metamor- 
phosen. 

1 588 ff. viderat a patrio redeuntem Iupiter Io 

flumim, et, o virgo Iove digna tuoque beatum 



25 

nescio quem factwra toro, pete, dixerat, umbras 
altorum nemorum 

II 518 ff. est vero, cur quis Iunonem laedere nolit, 

offensamque tremat, quae prosim sola nocendo ? 

ebend. 525 f. cur non et pulsa ducit Iunone meoque 

collocat in thalamo, socerumque Lycaona sumit? 

III 561 Penthea terrebit cum totis advena Thebis? 

IV 143 f. Pyrame, responde! tua te carissima Thisbe 

nominat 

ebend. 426 nil poterit Iuno nisi inultos flere dolores ? 

V 527 f. ut desint cetera: quantum est 

esse Iovis fratrem ! 

Dazu kommen noch folgende zwei Stellen 

II 527 sagt Juno von sich: 

at vos 9 st laesae tahgit contemptus alumnae, 
gurgite caervleo Septem prohibete Triones 

VII 346 f. Pelias zu seinen Töchtern: 

quid facitis, gnatae? quid vos in f ata parentis 
armat ? 

Die bei Sophokles vorkommenden Beispiele sind folgende : 

Aias 98 Scv ovitoz* Aiavtf ol'ä' dri^äaova y exi. 

ebend. 864 roütf v[ilv jiüxg*) xovnog vöratov ftgoet 

0. T. 1365 f. sl 6i tv nQSCtßvtsQov iti xccxov xaxov, 

tovt £la% Oldtitovg. 

0. Kol. 3 tlg xov nkavrjfcriv Oldiitow xa& qiLeqav 

zrjv vvv GnaviatoTg defczcci dcoQqiiciGi ; 

ebend. 109 ofaxdqax* ocvÖQog Oidiitov vod % u&foov 

Eidcolov. 

ebend, 626 ff. xovitot' Oldiitow igetg 

dxQeiov olxrjrrJQcc di^acf^ai roitcov 
tcjv iv&dd', stitsQ [irj fteol tyevaovGi pe. 



*) Schol. 7tSQi7tcc&<fi$ xal xo övopcc ccvcckccXslxcu. 



26 

ebend. 1393 ff. xagdyyetä leiv 

xal natii Kadfieloun zolg aavzov & y ä[ia 
mtitoiGi 0viiiid%ouft,v 9 ovvBit Oldlnovg 
roiavt iveipe itaieX zotg ccörov yiga. 

Aen. I 56 f. 

celsa sedet Aeolus arce 
sceptra , tenens mollitque animos et temperat iras. 

Man nimmt gewöhnlich an, dass man sich den Palast des 
Aeolus ausserhalb des Windberges, in der Nähe des Windberges 
zu denken habe. Henry sprach dagegen die Vermuthung aus,*) 
dass man den Thron des Aeolus in der Grotte selbst sich denken 
müsse, wozu Forbiger bemerkt: „Et sane negari nequit, si haec 
vocis significatio probari posset exemplis similibus, totum locum, 
imprimis v. 81 sq. faciliorem fore ad explicandum et infra v. 140 
sq. melius responsurum. " Daran anknüpfend glaube ich die Ange- 
messenheit der gewöhnlichen Auffassung mit triftigen Gründen 
bestreiten zu können. 

Vergil drückt sich freilich über die localen Verhältnisse 
nicht klar und bestimmt aus. Aber eben der Umstand, dass er 
nicht ausdrücklich die Wohnung des Aeolus als ausserhalb des 
Windberges, in der Nähe des Windberges liegend bezeichnet, 
spricht doch nicht für die gewöhnliche Erklärung, sondern für 
die Annahme, dass man sich das vastum antrum (52) und die 
ceha arx nicht getrennt vorstellen dürfe, weil in diesem Falle der 
Dichter sich doch dazu hätte bequemen müssen, ein iuxta oder 
ein ähnliches Wort zu setzen und so einem nothwendig entstehenden 
Missverständniss vorzubeugen. Da er dies aber nicht gethan hat, 
so sind wir nicht bloss berechtigt, sondern sogar verpflichtet, vor 
den Worten ceha sedet Aeolus arce uns ein ibi zu ergänzen, nicht 
aber ein iuxta, es müsste denn sein, dass uns zwingende Gründe 
anders belehren würden. Solche Gründe gibt es aber nicht, sondern 
man kann im Gegentheil beachtenswerthe Gründe für die Annahme 
anführen, dass sich Vergil die Windhöhle und die Wohnung des 
Aeolus irgendwie beisammen dachte. 

*) die er freilich selbst später zurücknahm. 



27 

1. Die ganze Schilderung des Dichters 52—57 weist darauf 
hin, dass Aeolus seine rebellischen Unterthanen, die Winde, stets 
beaufsichtigt und beaufsichtigen und beschwichtigen muss. Seine 
Regierung ist kein leichtes Amt, sondern eine schwere Aufgabe 
von grosser Verantwortlichkeit. Der Dichter lässt es sich ja auch 
angelegen sein, die Grösse dieser Verantwortung uns recht ein- 
dringlich zu schildern, was er mit den Worten thut: 

ni faciat, maria ac terrae caelumque profundum 
quippe ferant rapidi secum verrantque per auras. 

Die rebellische Natur der Winde wird ausserdem durch 
luctantis (53), indignantes (55) bezeichnet. Und bei einer solchen 
Schwierigkeit und Verantwortlichkeit des Amtes sollte Aeolus 
seine Wohnung nicht in dem Windberg oder auf demselben, sondern 
nur in der Nähe des Windberges haben? Wie soll er denn von 
da aus die Winde beaufsichtigen und mollire animos et temperare 
iras ? — Dazu kommt ferner der specielle Umstand, dass es heisst 
celsa sedet Aeolus arce sceptra tenens.« Der Dichter führt uns 
also den Aeolus gerade in der Situation vor Augen, wie er als 
ruhiger und mächtiger Herrscher die aufrührerischen Winde 
bändigt. Und da sollten wir uns die Winde in dem Windberg, 
ihren Beherrscher aber das Scepter in der Hand haltend nebenan 
in seiner Wohnung in der Nähe des Windbergs denken? 

2) Nicht unwichtig ist auch die in manchen Puncten nach- 
ahmende Darstellung des Valerius Flaccus Argon. I 591 ff. Diese 
ganze Darstellung beruht, wenn man eben in natürlicher und unge- 
zwungener Weise interpretiert, auf der Voraussetzung, dass Aeolus 
in demselben Local mit den Winden sich befindet ; denn als Boreas 
als Bote zu Aeolus hereinstürzt und ihn solio proturbat ab alto*), 
da hören die anderen Winde seine Worte; denn der Dichter will 
doch wol einen inneren Zusammenhang andeuten, wenn er sagt 
608 f.: 

Dixerat; at cuncti fremere intus et aequora venti 
poscere. 

3) Auch Ovid Her. XI gieng wol von derselben Voraussetzung 
aus, und ich begreife nicht, wie man sich, um die gewöhnliche 

*) Die Worte solio ab dito Giltsprechen den Worten Vergils celsa arce. 



28 

Auffassung zu vertheidigen, auf Ovid Her. XI, 65 berufen kann. 
Aus V. 65 media sedet Aeolus aula lässt sich nämlich für die 
gewöhnliche Erklärung der Schilderung Vergil's kein Argument 
entnehmen. Vielmehr erhellt aus V. 70 dat populus sacris, dat 
pater ipse viam (wo unter populus die beherrschten Winde und 
Stürme zu verstehen sind), dass auch Ovid sich den Herrscher 
und die Unterthanen beisammen dachte. Und wenn man ja noch 
daran zweifeln könnte, so vgl. Her. XI, 11 f., wo der Dichter 
ausdrücklich die Canace sagen lässt: 

Scilicet est aliquid, cum saevis vivere ventis. 
Ingenio populi convenit ille sui. 

Damit vergleiche man, dass bei Ovid Met. XI 437 f. Alcyone, 
die Tochter des Aeolus, sagt: 

Quo magis kos (sc. ventos) novi — nam novi et saepe paterna 
parva domo vidi — magis hos reor esse timendos. 
4) Man kann ferner wol auch behaupten, dass die Verse 
Aen. 139 ff. 

Tenet üle immania saxa, 
vestras, Eure, domos; illa se iactet in aula 
Aeolus et clauso ventorum carcere regnet 
sich viel natürlicher und angemessener von unserem Standpunct 
aus mit V. 56 f. in Einklang bringen lassen, als nach der gewöhn- 
lichen Erklärung. 

Wenn man sich vorurtheilsfrei die Frage stellt, was denn 
die Erklärer zu der Erklärung, die wir bekämpfen, veranlasst, so 
findet man eigentlich nur einen Grund, nämlich die Darstellung 
bei Quintus Smyrnaeus,*) der sich allerdings die Wohnung des 
Aiolos ausserhalb der Windhöhle und in dichter Nähe derselben 
dachte. Bei Quintus geht Aiolos aus seinem Palast heraus, um 
den Windberg von aussen zu durchstossen. XIV. 474 ff.: 

txeto <f AhXirjv, ävipcov 8&1 laßgov äivrcnv 
ccvtqcc niXsi <3xvy&iyQ($uv d^rjQd[i€v y ccn<pl nitQiiGiv, 
xoTXcc xccl r^%v\evtu • dofwi d y ay%wxu niKovxai 
AloXov K l7t7totadao. 



*) Die Berufung auf Ovid ist, wie wir gesehen haben, unstatthaft. 



29 

Und 480 ff. : 

«vtccQ oy' ovx aTtl&Tjöe, poA.cav <?' ixzoo&e pekdfrQav 
%bqg\v vit y dxapdtnßGw oQog {isycc rvipe TQiatvfl. 

Aber damit wird für Vergil nichts bewiesen. Diese Dar- 
stellung des Quintus könnte nur dann als ein Argument benutzt 
werden, wenn es schon von vornherein sichergestellt wäre, dass 
Vergil und Quintus in diesem Puncte gemeinsam einem älteren 
Gewährsmanne folgten. Dies aber als verlässliche Voraussetzung 
anzunehmen ist unthunlich. Differenzen zwischen Vergil und Quintus 
finden sich auch sonst (vgl. unten zu I 81 ff.) Während z. B. Vergil 
den Tod des lokrischen Aias mit den Worten schildert, dass Pallas 
illum exspirantem tramfixo pectore flammas 
turbine corripuit scopuloque infixit acuto, 
finden wir bei Quintus (XVI, 568 ff.) eine wesentlich andere Dar- 
stellung : 

dY\ y&Q toi vefliörjcrsv v7t£QßioQ 'Evvoolyaiog, 

SVT6 [UV Slö £V 07] 06V lya7t%6\L£VOV %£Ql X£tQfjg 

PvQairjg y xal ol piya %cSgccto • avv d* htvage 
itovxov 6{ic5g xal yatav änetQitov • dpcpl dk ndvxri 
XQTjfivol vitexkoveovTo Ka<prjQ£og • ol d y dlsy£wdv 
&ew6p£voi, fayfitveg eitißQa%ov otöpati, kdßQco % 
%coo{1€volo ävaxxog • diti<s%iQ£ S* dg ala tistqov 
£vq£cc, vjjiteQ ixeivog ialg €7t£{lCCL€TO %£Q0l 9 
xal §d ol dpcpi ndyotöiv iXtaaofiivo [idXa ötjqov 
%£i(f£g äit£dQvq)d«ri0ttv, vnidQaps d y alp ovv%s<fGC 



Kai vv X€V i^Xv^e xaxbv (ioqov, d jm) a§ avtcp 
Qrjdag alav ivsqd'ev iitiitQO&rixs xoX&vriv. 
£vts Ttaqog peydkoio xat* 'EyxBXddoio daiygcov 
IlaXXäg dsi,Qa[i£vr] Sixelyv emxdßßaXe vi)Gov 

Sg ccqcc Aoxq&v 
d[iq)€xdkvil>£V ävaxxa dvGapiiOQOV ovQaog äxQrj 
vipofrev £^£Qinov0a' ßaQwe dh xaQXBQOV avÖQa* 
d[iq)l di (iiv fravdxoio piXag lxi%rflax oke&Qog 
yatj] 6[ic5g d[i7i&£VTu xal dxQvyitcp ivl novxcp. 



30 



Nun bleibt uns freilich noch die Frage übrig, was wir unter 
celsa arx zu verstehen und wo wir uns diese arx zu denken haben. 
Es bietet sich eine doppelte Möglichkeit dar. 

Entweder könnte man arx in der Bedeutung „Hügel, 
Erhöhung"*) auffassen und annehmen, dass in der Ungeheuern 
Höhlung des Windberges nicht bloss das Gefängniss der Winde 
war, sondern dass ebendaselbst auch ein Hügel oder Fels empor- 
ragte, auf dessen Gipfel (aber eben auch noch in dem hohlen 
Windberg) Aeolus thronte. 

Oder auf dem Gipfel des hohlen Windberges befand sich 
die Burg des Aeolus, die mit der Windhöhle selbst in Verbindung 
stand und von welcher aus Aeolus die Winde beaufsichtigen und 
beherrschen konnte. Wie sich der Dichter diese Verbindung, 
diese Communication zwischen der arx und der Windhöhle vor- 
stellte, das wäre eine müssige Frage. Es ist möglich, dass sich 
der Dichter darüber selbst keine bis ins einzelne gehende und 
vollkommen klare Vorstellung gebildet hatte. 

Die zweite Auffassung ist wol vorzuziehen, weil sie einfacher 
und angemessener ist. Nach derselben bleibt dem Worte arx 
seine gewöhnliche Bedeutung, an die der Leser doch zunächst 
denkt. — Auch ist es natürlicher anzunehmen, dass Juno nicht 
selbst in den Windberg eintrat, sondern in den Palast des Aeolus. 
(Vgl. auch 71 ff.) Dass sich Vergil diesen Palast auf dem Gipfel 
des Windberges dachte, dazu trug vielleicht das Vorbild Homers 
bei. Es ist nämlich Od. x3ff, 

7Ck(orjj ivl vfotp ' näaav de xe (iiv icsqi tel%os 
%aXxeov ccqqtjxtov, Aiggtj <f dvadedQO(ie iteTQt]. 
zov xal dcidexa naidsg ivl [leyccgoig ysydaaw 

anzunehmen, dass die peyaQa des Aiolos sich auf der Auren? Tthqr] 
befanden. 



*) So arx von dem Gipfel des Berges Ovid. Met. I 467. Verg. Georg. I 
240, IV 461 ; von den sieben Hügeln Roms Georg. II 535. 



31 



Aen. I 60 ff. 



Sed pater omnipotens speluncis abdidit atris 
hoc rnetuens molemque et montis insuper altos 
imposuit regemque dedit } qui foedere certo 
et premere et laxas sciret dare iussus habenas. 

Unnütz sind die Conjecturen iustus oder rursus (Peerlkamp) 
für iussus im V. 63. Um wie viel verdienstlicher und feiner ist 
die Bemerkung, die Servius macht: „iussus autem ob hoc posuit, 
quia suo nihil facit imperio. Nam tolle hoc, et maior est omnibus 
diis, si ad eius voluntatem possunt elementa confundi. " Von iussus 
muss man nicht bloss sagen, dass es sich mehr auf laxas dare habe- 
nas als auf premere habenas bezieht (Ladewig), sondern man muss 
vielmehr behaupten, dass es sich lediglich auf die Worte, zwischen 
die es absichtlich eingefügt ist, bezieht, nämlich auf laxas dare 
habenas. Für das premere habenas bedurfte es keines speziellen 
Befehls; die Herrschaft des Aeolus wird ja vom Dichter aus- 
drücklich als eben im Bändigen und Zurückhalten der Winde 
bestehend bezeichnet. Vgl. z. B. 54 imperio premit ac vinclis et 
carcere frenat; dann 58 f., 141 clauso ventorum carcere regnet. 
Wenn also Aeolus keine besondere Weisung erhielt, so war es 
seine Pflicht, die Winde und Stürme im Gewahrsam zu halten. — 
Bekam er aber foedere certo, was der Dichter freilich nicht genauer 
bestimmt,*) eine Weisung diesem oder jenem Wind laxas dare 
habenas, dann hatte er zu folgen. 

Freilich lässt der Dichter, was das Verhältniss des Aeolus 
zu anderen Gottheiten betrifft, manches im Unklaren. Man fragt 
z. B., welchen Sinn und Grund die Worte des Aeolus haben sollen 
V. 78 ff. 

tu mihi quodcumque hoc regni, tu sceptra Iovemque 
concilias, tu das epulis accumbere divom 
nimborumque facis tempestatumque potentem 

und ferner, wie sich diese an die Juno gerichteten Worte des 
Aeolus zu den eigenen Worten der Juno verhalten V. 65 f. 



*) Vgl. Weidner zu I, 62. 



32 

Aeole, namque tibi divom pater atque hominum rex 
et mulcere dedit fluctus et tollere vento. 

Man könnte auch fragen, warum sich Juno bei ihrer Bitte 
nicht gleich selbst darauf beruft, dass sie dem Aeolus von Jupiter 
die Herrschaft verschafft habe. 

Was den Sinn und Grund von V. 78 ff. betrifft, so hält 
man sich an die Auffassung des Servius : „rediit ad physicam 
rationem. Nam motus aeris, i. e. Iunonis, ventos creat, quibus 
Aeolus praeest" (Vgl. besonders Weidner zu V. 77). Hiebei ist 
dann wieder eine doppelte Möglichkeit. Entweder rührt diese 
physikalische Allegorie von Vergil selbst her, oder er hat sie von 
einem älteren Gewährsmann entlehnt. Man entscheidet sich nach 
Heyne's Vorgang gewöhnlich für das letztere. Mir scheint es 
vielmehr eine Erfindung Vergil's zu sein. Zugleich glaube ich aber 
wenigstens die Möglichkeit hervorheben zu dürfen, dass diese 
Erfindung Vergil's (dass Juno dem Aeolus zur Herrschaft verhalf) 
auch gar nicht jene physikalisch-allegorische Grundlage haben muss, 
die man nach Servius darin findet. Vergil kann diesen Zug auch 
nur ad hoc erfunden haben, weil er eben für den vorliegenden 
Fall ihm passte*). Und die Berechtigung dazu glaubte vielleicht 
der Dichter darin zu finden, dass Juno als regina divom gewisser- 
massen an der Weltregierung Jupiters participiert. 

Was aber das Verhältniss der Verse 78 ff. zu 65 f. betrifft, 
so antwortet man darauf wol mit Kecht, dass conciliare (70) ver- 
schieden ist von dare (66). 

Dass Juno sich auf ihre Verdienste um Aeolus nicht selbst 
beruft, steht in Übereinstimmung mit ihrem Auftreten als supplex 
(64); aber freilich sieht man nicht ein, warum sie der Dichter 
gerade so auftreten lässt, zumal da sie abgesehen von ihrem 
Verdienst um Aeolus demselben auch noch ein Geschenk anbietet 



*) So ist bei Vergil z. B. auch das eine absichtliche Abweichung vom 
Mythos (vgl. Hom. Od. x 5 ff.) und eine Fiction ad hoc, dass er den 
Aeolus ehelos und kinderlos sein lässt; denn diese Voraussetzung ist 
nothwendig für V. 73, und die Versuche bei Servius, das Anerbieten 
der Juno in Einklang zu bringen mit dem gewöhnlichen Mythos, sind 
fruchtlos. 



33 



Aen. I 65 ff. 



Aeole } namque tibi divom pater atque hominum rex 
et mulcere dedit fluctus et tollere vento, 
gens inimica mihi Tyrrhenum navigat aequor 
Eium in Italiam portans victosque penates: 
incute vim ventü submersasque obrue puppis 
aut age diversos et düsice corpora ponto. 
Sunt mihi bis Septem praestanti corpore Nymphae, 
quarum quae forma pulcherrima, D&iopea, 
conubio iungam stabili propriamque dicabo, 
omnis üb tecum meritis pro talibus annos 
exigat et pulchra faciat te prole parentem. 
Mit dem Satze namque — vento begründet Juno den Umstand, 
dass sie gerade an den Aeolus sich wendet. Man braucht aber 
hier nicht anzunehmen, dass dieser begründende Satz dem zu 
begründenden incute vim ventis vorausgeschickt ist*), so dass die 
prosaische Wortstellung wäre: Aeole, incute vim ventis; namque 
tibi divom pater cet. — Vielmehr muss man sagen, dass schon 
der Vocativ Aeole einen ganzen Satz repräsentiert (Aeolus, dich 
rede ich an, an dich wende ich mich), und dass diese Anrede, 
die so zu sagen ein verkürzter Satz ist, sodann durch den Satz 
namque tibi begründet wird. — Ich möchte ferner in dieser 
Wendung nicht mit Weidner einen Gräcismus finden, wie ich denn 
überhaupt glaube, dass man in der Annahme von Gräcismen etwas 
vorsichtiger sein sollte. Die vorliegende Construction ist zwar 
ebenso im Griechischen zu finden, aber man darf deshalb be\ 
römischen Dichtern nicht sofort auf einen Gräcismus schliessen. 
Wenn man nämlich bedenkt, dass im Latein nam sich auch in 
guter Prosa auf einen ausgelassenen und zu ergänzenden Satz 
bezieht (wo doch gewiss ein Gräcismus nicht anzunehmen ist und 
auch nicht angenommen wird)**): so wird man doch mindestens 



*) So scheint schon Servias die Construction aufgefasst zu haben. 

**) Vgl. Cic. Off. II 14 47 P. Rutilii adolescentiam ad opinionem et in- 

nocentiae et iuris scientiae P. Mucii commendavit domus. Nam L. 

quidem Crassus, cum esset admodum adolescens, non aliunde mutuatus 

est, sed sibi ipse peperit maximam laudem. ad fam. 1 9 49 quod quoniam 

Kyiöala: Vergilstudien. 3 



34 

mit demselben Rechte annehmen können, dass auch die Construction 
Aeole, namque cet. (wo Aeole so zu sagen einen Satz vertritt) auf 
echt lateinischem Boden erwachsen konnte. 



Im V. 66 ist die Leseart ventos ohne Zweifel zu verwerfen. 
Man kann zu Wagner's Bemerkungen hinzufügen, dass der vom 
Dichter offenbar beabsichtigte Gegensatz lahm und ungeschickt 
wäre, wenn von den zwei einander gegenüberstehenden Versen 
mtdcere und tollere das erste zum Object fluctus, das zweite aber 
ein ganz anderes Object hätte. Das Object muss offenbar iden- 
tisch sein. Ventos ist ein durch falsche Symmetrie (mit fluctus) 
entstandener Fehler. Oder es hat auf diese Änderung vielleicht 
einen Einfluss gehabt die homerische Stelle Od. x 21 f., wo Sqvvluv 
allerdings das Object dvifwvg hat: 

xeivov yccQ tafifyv ävipov Ttolrjöa Kqovüov« 

Übrigens wäre tollere ventos wenn auch vielleicht nicht un- 
lateinisch, so doch hier auffallend auch aus dem Grunde, weil 
Aeolus wol ventis laxas dat habenas oder ventos emittit, aber 
nicht tollit. — 



Propriamque ist wol auch hier von dem dauernden Besitz 
zu nehmen (wie VI 871 ; Nep. Thrasyb. 4, 2), nicht von dem aus- 
schliesslichen Besitz, wie Ladewig meint. Für die erstere Auf- 
fassung spricht der folgende Satz, in welchem offenbar mit grossem 
Nachdruck omnis annos hervorgehoben wird.*) Diese Hervor- 
hebung wird auch äusserlich kräftig angedeutet dadurch, dass 

tibi exposui, facilia sunt ea, quae a me de Vatinio et de Crasso re- 
quiris. Nam de Appio quod scribis, sicuti de Caesare, te non reprehen- 
dere: gaudeo consilium tibi probari meum. De Vatinio autem cet 
Lael. §. 104. 
*) Würde dagegen propriam von dem ausschlienslichen Besitze zu verstehen 
sein, so würde man im nächsten Verse erwarten tecum solo oder es 
mtis8te wenigstens der Hauptnachdruck auf tecum gelegt werden, was 
unangemessen erscheint. 



35 

omnis an die Spitze des Satzes tritt und annos an das Ende des 
Verses gestellt wird. Beispiele einer solchen Sperrung, bei der 
fast überall gerade die -an den beiden Enden des Verses stehen- 
den Wörter kräftig hervorgehoben werden sollen, finden sich bei 
Vergil in so grosser Anzahl, dass man hierin natürlich keine Zu- 
fälligkeit erblicken darf, sondern ein absichtliches und wolberech- 
netes Mittel. Wir setzen Beispiele aus den ersten zwei Büchern 
der Aeneis hieher. 

praes&ntemque viris intentant omnia mortem (I 91) 
disiectam Aeneae toto videt aequore clasaem (128) 
ductoresque ipsos primum capita alta ferentis (189) 
cunctus ob ItcHiam terrarwm claudüur orbis (233) 
tertia dum Lotio regnantem viderit aestas (265) 
triginta magnos volvendis mensibus orbis (269) 
purpureoque alte suras vincire cothurno (337) 
taurino quantum possent circumdare tergo (368) 
quassatam ventü liceat subducere classem. (551) 
Auch können wir aus dem ersten Buch noch folgende Verse 
hieher stellen, die den angeführten Stellen zwar nicht ganz gleich, 
aber doch ähnlich sind.*) 

hunc tu olim caelo spoliis Orientis onus tum (289) 
ipsa sed in somnis inhumati venu imago (353) 
Latonae tacitum pertemptant gaudia pectus (502) 
ttaliam dixisse ducis de nomine g entern (533). 

Beispiele aus dem zweiten Buch.**) 

infandum, regina, iubes renovare dolorem (3) 
virgineas ausi divae contingere vittas (168) 
hanc tarnen irnmensam Calchas attollere molem (185) 
sollemnis taurum ingentem mactabat ad aras (202) 



*) 502 unterscheidet sich von den früher angeführten Stellen nur dadurch, 
dass hier die attributive Bestimmung nicht durch ein Adjectiv, sondern 
durch den attributiven Genetiv gegeben wird. V. 289 u. 533 ist das 
Verhältniss der zwei den Vers einschliessenden Wörter kein attributives, 
sondern ein prädicatives. 
**) Im 3. Buch finden sich 17 solche Beispiele : 33, 73, 128, 162, 203, 241, 
245, 257, 365, 382, 405, 440, 475, 517, 534, 570, 589. 

3« 



36 

sibila lambebant Unguis vibrantibvs ora (211) 
aeternumque adytü effert penttrcdibus ignem (297) 
diverso interea mücentur moenia luctu (298) 
accipiens sonitum saxi de vertice pcutor (308) 
improvüum aspris vduti qui sentibus anguem (379) 
adversi rupto ceu quondam turbine venti (416) 
lubrica convolvit sublato peetöre terga (474) 
praecipites atra ceu tempestate columbae (516) 
Dardanium totiens mdarit sanguine litus (582)*) 
Dass dies nichts zufälliges ist, davon wird man noch mehr 
überzeugt, wenn man andere ähnliche Erscheinungen vergleicht, 
die offenbar schon wegen ihrer grossen Anzahl den Stempel der 
Bewusstheit und Absichtlichkeit tragen. Überaus oft stehen nämlich 
an den beiden Versenden zwei Wörter, die einander irgendwie 
parallel sind, die zu einander in irgend einem Verhaltniss der 
Symmetrie stehen, und es ist die Ansicht gar nicht abzuweisen, 
dass der Dichter diesen Parallelismus auch äusserlich durch die 
Stellung hervortreten lassen wollte. 

Beispiele aus den ersten zwei Büchern: 
Am zahlreichsten sind die Beispiele, welche eine Entsprechung 
der Praedicate zeigen, nämlich 11 im 1. und 46 im 2. Buche,**) 
und zwar: 

264, 356, 389, 402, 588, 608, 622, 

68, 80 (besonders schön), 85, 96, 107, 
134, 200, 205, 243, 260, 269, 329, 

*) Häufiger noch ist diese Sperrung innerhalb eines kürzeren Wörtercom- 
plexes ; aber nicht selten erscheint dieselbe so, dass sie sich auch über 
einen Vers hinaus erstreckt, z. B. 

I 430 f. quäl iß apes aestate nova per florea rura 
exercet sub sole labor 

II 328 f. arduuß armatos mediis in moenibus adstans 
fundit equus. 

In diesen beiden FäUen erscheinen die auf einander sich beziehenden 
zwei Wörter an den beiden Enden nicht des Verses, sondern des Satzes. 
**) Im 3. Buche 34, nämlich 68, 71, 72, 83, 115, 124, 140, 142, 188, 222, 
227, 237, 258, 303, 308, 315, 318, 320, 347, 370, 436, 446, 514, 619, 
526, 530, 574, 584, 592, 611, 625, 648, 669, 718. 



I 123, 


197, 


662, 


747 


n i, 


43, 


115, 


120, 



37 

359, 378, 380, 423, 478, 483, 532, 537, 543, 564, 
574, 586, 590, 636, 669, 672, 684,*) 688, 691, 700, 
704, 706, 739, 744, 748, 755, 760, 774, 786, 804. 

Diesen Beispielen stehen, was Häufigkeit betrifft, zunächst 
jene Fälle, in denen eine Entsprechung der Objecte sich zeigt, 
nämlich im 1. Buch 14, im 2. Buch 5: 

I 68, 209, 282, 309,**) 366, 426, 428, 510, 564, 

611, 635, 6.51, 744, 750***) 
II 33, 293, 320, 406, 666. 

Subjecte oder überhaupt Nominative finden sich so gestellt 
im 1. Buch dreimal, im 2. achtmal 
I 493, 496, 606 

II 164, 201, 206, 290, 369, 493, 625, f) 639. 
Andere Casus: 
I 129 (Ablativ), 311 (Abi.), 694 (Abi.) 
II 284 (Accus, von post abhängig), 412 (Genetiv), 512 (Abi.). 
Entsprechung von zwei parallel gesetzten Adjectiven, Parti- 
cipien oder Zahlwörtern : 
I 53 luctantis ventos tempestatesque 8 onoras 

99 saevus vbi Aeacidae telo iacet Hector, ubi ingens 
634 viginti tauros, magnorum horrentia centum 
II 28 de8ert08que videre locos litusque relictum 
381 attollentem iras et caerula colla tumentem 
384 ignaros que loci passim et formidine captos 
568 servantem et tacitam secreta in sede latentem 
570 erranti passimque oculos per cuncta ferenti 
729 suspensum et pariter comitique onerique timentem 
771 quaerenti et tectis wrbis sine ßne für enti 



*) Ich setze dies Beispiel auch hieher, obzwar die Infinitive von dem 
Verbum videri (682) abhängig sind. 

lambere flammet, comas et circum tempora pasei. 
**) An dieser Stelle, sowie auch I 564 und II 83 erscheint der Infinitiv 

als Object. 
***) Dies Beispiel ist besonders schön, da dasselbe Wort in einem voll- 
kommenen und sehr wirksamen Chiasmus wiederkehrt 

multa super Priamo rogitarw, super Hectore multa» 
f) Vgl. damit IQ, 3 Ilium et omnis humo fumat Neptunia Troia. 



38 

Andere Fälle : 

I 288 luliuSt a magno demissum nomen lulo 

II 98 criminibus terrere novis, hinc spargere voces 
314 arma amens capto; nee sab rationis in armis. 

Ausser diesen Parallelismen zeigen sich nun aber noch viele 
andere. Wie I 123 

accipiunt inimicum imbrem rimisque fatiscunt 

die beiden parallelen Wörter an den beiden Enden eines Verses 
erscheinen, so ist es eine interessante Erweiterung dieses Falles, 
wenn von den beiden Wörtern das eine am Anfang des einen 
Verses und das zweite am Ende des nächstfolgenden Verses er- 
scheint, so dass ein grösserer Wörtercomplex von den beiden 
(wenn ich diesen Ausdruck gebrauchen darf) „Flügelwörtern a in 
die Mitte genommen wird; z. B. 

I 490 f. ducit Amazonidum lunatis agmina pdtis 

Penthesilea fwrens mediisque in millibus ardet 
613 f. obstipuit primo aspectu Sidonia Dido, 

casu deinde viri tanto, et sie ore locuta est 

II 19 f. includunt caeco lateri penitusque cavernas 

ingentis uterumque armato müite complent 
130 f. adsensere omnes et, quae sibi quüque timebat, 

unius in miseri exitium conversa tulere 
226 f. diffugiunt saevaeque petunt Tritonidis arcem 

sub pedibusque deae clipeique sub orbe teguntur*} 
302 f. excutior somno et summi fastigia tecti 

ascensu super o atque arrectis auribus adsto 
343 f. venerat insano Cassandrae incensus amore 

et gener auxilium Priamo Phrygibusque ferebat 
565 f. desertiere omnes defessi et corpora saltu 

ad terram misere aut ignibus aegra de der e 
578 f. aspiciet partoque ibit regina triumpho 

coniugiumque domumque patres natosque videbit 



*) Hier, sowie auch 302 f., 566 f., 578 f. erscheint zwischen den zwei an 
beiden Enden stehenden Prädicaten noch eines in der Mitte, was na« 
türlich nicht hindert, diese Stellen hier anzuführen. 



39 

693 f, intonuit laevum et de caelo lapsa per umbras 

Stella facem ducens multa cum luce cucurrit 
769 f. implevi clamore vias maestusque Creusam 

nequiquam ingeminans Herum iterumque vocavi*) 

Ein nicht zu verkennender Parallelismus zeigt sich auch oft 

in der Stellung der einander entsprechenden Wörter am Anfang 

oder auch am Ende von zwei oder mehr auf einander folgenden 

Versen. (Vgl. die gelegentliche Bemerkung von Ladewig zu Aen. 

I 195, 7. Auflage). 

A) 

II 235 ff. accingunt omnes operi pedibusque rotarum 

subiciunt lapsus et stuppea vincula cotto 

intendunt. 
265 ff. invadunt urbem somno vinoque sepultam, 

caeduntur vigiles, portisque patentibus omni* 

accipiunt socios atque agmina conscia iungunt. 
305 f., 364 f. (pltmma — corpora), 370 f. (primus — Androgeos), 
389 f., 483 f., 510 f., 551 ff., 632 f., 683 f. 

B) 
311 f. tarn proximus ardet 

Ucalegon; Sigea igni freta lata relucent. 
334 f. vix primi proelia temptant 

portarum vigiles et caeco Marte resistent. 
456 f. saepius Andromache ferre ineomitata solebat 

ad soceros et avo puerum Astyanacta trahebat 
494 f. rumpunt aditus primosque trucidant 

immissi Danai et late loca milite complent 
628 f. illa usque minatur 

et tremefacta comam concusso vertice nutat. 

So haben wir denn bloss aus den ersten zwei Büchern 159 
Beispiele eines gewissen Parallelismus angeführt, ohne hiebei 
solche Sperrungen, wie die S. in der Anmerkung erwähnten 
I 430 f. u. ähnl. mitzuzählen. Schon diese Sammlung repräsentiert 



*) Im 3. Buch vgl' 176 f., 243 f., 347 f. 



40 

10% der gesammten Verszahl der beiden Bücher; und doch ist 
diese Sammlung bei ^weitem nicht vollständig. Vollständigkeit habe 
ich angestrebt nur bei der Anführung der Beispiele, welche der 
hier besprochenen Stelle I 74 gleichen, ferner derjenigen, welche 
eine solche Entsprechung in der Stellung zeigen, wie I 123 oder 
I 68 oder I 493 oder I 53 oder endlich I 490 f. 



Da dicare gewöhnlich „ einer Gottheit etwas widmen, weihen" 
bezeichnet, dasjenige aber, was einer Gottheit geweiht wird, ein 
unantastbarer und ausschliesslicher Besitz derselben ist : so könnte 
man freilich denselben Begriff der Ausschliesslichkeit, den Lade- 
wig hier in propriam fand, auch dem Verbum dicare beilegen. 
Aber ebenso bekannt ist es, dass das, was einem Gotte gewidmet 
wird, demselben für ewige Zeiten zukommt; und so kann man 
denn auch hier dicare in einer Weise auffassen, die mit der oben 
empfohlenen Bedeutung von proprius, nämlich der Bedeutung des 
dauernden Besitzes in Übereinstimmung steht. . 

Es mag erwähnt werden, dass Servius in dicabo ein anderes 
Moment fand: „Quod autem adiecit dicabo , obsequ entern eamfore 
demonstrat. In usu enim est, ut dicamus : sacerdos dicatus est 
numini, hoc est ad obsequium datus est." 

Jedenfalls ist dicare ein feierlicher Ausdruck, der absichtlich 
gewählt ist, damit das Versprechen der Juno Ernst und Würde 
und einen bindenden Charakter gewinne. Das stimmt überein 
mit der Stelle, die Vergil zum Vorbild hatte. Bei Homer (II. £ 
270 ff.) verlangt Hypnos von der Here, sie solle ihr Versprechen 
durch einen Schwur bekräftigen. 



Pulchra prole (75) fassen manche als instrumentalen Ablativ 
auf. Ladewig z. B. sagt : »prole parentem, nicht viel verschieden 
von prolis par., denn wem wegen seiner Kinder der Vatername 
zukommt, der ist auch Vater seiner Kinder. — Ebenso Forbiger: 
„et per pulchros liberos, quos tibi pariat, te faciat patrem." Aber 



41 

eine solche Ausdrucksweise wäre ungefällig. Andere denken an 
den „absoluten Ablativ." — Es ist aber vielmehr der Ablativus 
qualitatis anzunehmen, der hier wol in etwas freierer, aber doch 
nicht sehr auflallender Weise erscheint. Vgl. VII 474 claris dex- 
tera factis. Ov. Met. XIV 752 patulis tectum fenestris. — In der- 
selben Weise hat wol schon Servius den Ablativ aufgefasst: „quod 
nos per genetivum singularem dicimus, antiqui per septimum dice- 
bant. Ut hoc loco parentem pulchra prole i. e. pulchrae prolis. " 

Aen. I 76 ff. 

Aeolus haec contra: Tuus, o regina, quid optes, 
explorare labor; mihi iussa capessere fas est. 

Gewöhnlich nehmen die Erklärer Heyne's Interpretation dieser 
Stelle an: „Explorare, recte secusne id fiat, quod velis fieri. Tu 
ipsa videris, an recte haec a me postules". Man meint, dass 
damit Aeolus im voraus alle Verantwortlichkeit für den von der 
Juno verlangten Eingriff in die Herrschaft Neptun's ablehne. 
Heyne's Erklärung (die schon bei Servius sich findet: aut certe 
statuere, an aequum sit, quod petis) ist aber nicht annehmbar. 
Damit die Worte diesen Sinn hätten, müsste es eher heissen: 
tuus, o regina, quod optas, explorare labor*) = tuum est, id, 
quod optas, explorare sive examinare = tuum est examinare, quäle 
id sit, quod optas, num aequum an iniustum. Oder wenigstens 
würde man erwarten, wenn schon der Conjunctiv stünde „explo- 
rare, qualem rem optes." — Wichtiger aber ist der Umstand, 
dass man doch dem Aeolus eine solche verletzende Unhöflichkeit 
nicht zutrauen kann, wie sie in seinen Worten läge, wenn ihr 
Sinn wäre: „Das ist deine Sorge, zu erwägen, ob dein Wunsch 
recht und billig ist; ich habe deine Wünsche zu erfüllen, nicht 
aber zu prüfen, ob sie recht und billig sind!" Dem Aeolus kommt 
es zu sich überzeugt zu halten oder sich zu stellen, als ob er 
überzeugt wäre, dass alles, was Juno von ihm verlangt, auch 
recht und billig ist. Eine Ablehnung der Verantwortlichkeit und 



*) Diese Leseart findet sich wirklich, ist aber schwach beglaubigt. 



42 

eine Hinweisung darauf, dass Juno die Verantwortung zu tragen 
habe, steht dem Aeolus Vergil's nicht zu.*) 

Ich glaube, dass die Worte des Aeolus einen anderen Sinn 
haben. Statt zu sagen „du brauchst nur zu sagen, **) was du 
wünschest, a sagt Aeolus mit noch grösserer Höflichkeit und Er- 
gebenheit „du brauchst nur dein Inneres zu erforschen und dir 
darüber klar zu werden, was du wünschest; ich habe (sobald du 
den Wunsch äusserst) für die Erfüllung zu sorgen/ Bekanntlich ist 
man oft mit sich selbst darüber nicht im Reinen, was man wünscht. 
Diesen Sinn hat vielleicht auch die erste von den Erklärungen 
bei Servius : „Hoc ergo dicit : Tuum est deliberare, quid velis* 

Aen. I 81 sqq. 

Eaec ubi dicta, cavum conversa cuspide montem 
impulit in latus: ac venti velut agmine facto, 
qua data porta, ruunt et terras turbine perflant. 

Die Erklärung Heyne's, dass Aeolus mit der Spitze seiner 
Lanze die Seite des Windberges durchstiess und dass durch die 
so entstandene Öffnung die Winde herausstürzten, ist unhaltbar. 
Es ist doch nicht abzusehen, warum Aeolus ein so absonderliches 
Mittel hätte wählen sollen, um die Winde herauszulassen. Die 
Behausung der Winde, die sich der Dichter als ein Gewahrsam 
dachte***), war doch mit einer Thüref) oder vielmehr wol mit 



*) Etwas ganz anderes ist es, wenn Venus IV, 110 ff. darauf hinweist, 
sie wisse nicht, oh der Plan der Juno die Genehmigung Jupiters haben 
werde. Venus spielt eben eine andere Rolle als der untergeordnete 
Aeolus. 
**) In diesem Sinne könnte man, wenn eben eine Conjectur überhaupt 
nothwendig wäre, conjicieren explanare (statt explorare). Servius dachte 
daran, explorare in dieser Bedeutung zu nehmen: „aut certe eocplorare, 
explanare." 
***) Vgl. V. 54 vinclis et carcere frenat. 141 clauso ventorum carcere regnet 
Ovid. Met. IV 663 clauserat Hippotades aeterno carcere ventos. Met. XI, 
431 f. Hippotades . . . qui carcere forte» contineat ventos. Met. XIV, 224 
Aeolon Hippotaden cohibentem carcere ventos. Fast. II, 453 f. 
f) Auch bei Ovid Fast. II, 453 f. heisst es: 

Flamina non constant et sex reserata diebus 
carceris Aeolii ianua laxa patet. 



43 

mehreren Thüren*) versehen. Warum hätte nun Aeolus die 
Seite des Berges durchstossen und so die Wohnung der Winde 
schädigen sollen, statt die Thüre zu öffnen? Dazu kommt noch, 
dass impellere gar nicht ein angemessener Ausdruck für „durch- 
stossen" wäre. Impellere ist amtossen, und kann nicht den Sinn 
von percutere haben. 

Bei Quintus Smyrnaeus findet man allerdings wirklich jenes 
absonderliche Mittel XIV, 480 ff. : 

ccvtccq 8y (näml. AhXog) ovx Ü7tifhi<se, poXcov <?' exroads pßXdd'Qcov 
%sqö\v vif äxctfiur'flGiv oqo$ (liya zvtye TQiaCvfl, 
$v& ävepoi xeXadeivä dv<Sf]%hg r\vXl%ovto 
iv xevecj X£V&[mdvl* 7tSQia%6 S* aUv Icorj 
ßQv%ofievr] dXeystva • ßljj d' sQQrjfc xoXo&vriv. 

Aber wir dürfen eben nicht die Darstellung bei Quintus für 
einen Kanon halten, nach welchem sich die Erklärung Vergil's 
zu richten hätte. Vgl. darüber die Bemerkung zu Aen. I 56 f. 

Nach meiner Ansicht ist die einzig richtige und natürliche 
Auffassung der Stelle die, dass Aeolus durch einen Stoss mit 
umgekehrter Lanze**) eine Thüre des Windberges von innen nach 
aussen***) aufreisst und dass beim Auffliegen der Thüre die 
Winde durch diese 6ine Öffnung nach einander (velut agmine 
facto) hervorstürzen. Aeolus nimmt sich also nicht Zeit, die 
Thüre in gewöhnlicher Weise zu öffnen (recludere oder reserare), 



*) Ladewig scMoss aus den Pluralen montes in V. 61 und claustra in 
V. 56, dass Vergil den Windberg aus 4 Abtheilungen für die 4 Haupt- 
winde bestehen lässt, von denen jede ihren eigenen Verschluss hatte. 
Dagegen könnte man nun wol einwenden, dass die erwähnten Plurale 
nur dichterische Plurale seien: aber aus V. 83 qua data porta, ruunt 
geht hervor, dass ausser diesem Verschluss noch andere da waren, sonst 
wäre die Ausdrucksweise qua data porta nicht wol begreiflich, sondern 
man würde simulac porta aperta, reclusa oder etwas ähnliches erwarten. 
**) Das ist ja auch offenbar der natürliche Sinn von conversa cuspide. 
***) Vgl. zu Aen. I 56 f. Bei unserer Erklärung, nach welcher das Thor 
nach aussen aufgestossen wurde, wird auch die Einwendung, welche 
Ladewig gegen Henry's Auffassung erhob, gegenstandslos : »Auch scheint 
Henry nicht bedacht zu haben, dass den Römern, die gewohnt waren, 
die Thüren, wenigstens der öffentlichen Gebäude, sich nach aussen 
öffnen zu sehen, die Wirkung des von ihm dem Aeolus beigelegten 
Mittels sehr räthselhaft vorkommen musste" (Lad. Anhang). 



44 

sondern er wählt ein seiner bereitwilligen Hast entsprechendes 
kürzeres Verfahren. 

Für Heyne's Erklärung scheint nur 6 i n Umstand zu sprechen, 
und zwar der Ausdruck qua data porta. Da es hier nämlich nicht 
heisst simidac porta aperta oder in ähnlicher Weise, sondern da 
die Phrase dare portam gebraucht ist, so scheint damit angedeutet 
zu sein, dass die den Winden sich darbietende Öffnung kein 
wirkliches Thor war. Auf ein solches Bedenken weist vielleicht 
auch die Bemerkung bei Servius hin: „Qua data. Et in unde- 
cimo: Coeant in foedera dextrae, qua datur. Qua ergo quoniam." 
Es scheint, dass die Tendenz dieser Bemerkung dahin gieng, das 
eben erwähnte Bedenken durch die (natürlich unzulässige) An- 
nahme zu beseitigen, dass qua hier die Bedeutung von quoniam 
habe. Jenes Bedenken erledigt sich aber vielmehr dadurch, dass 
hier porta nicht die Bedeutung „Thor" hat*) (denn in diesem Falle 
würde natürlich aperire oder ein ähnliches Verbum stehen müssen), 
sondern „Ausweg, Ausgang", welche Bedeutung man ja ohnehin 
auch bei Heyne's Erklärung annehmen muss. Vgl. Servius Be- 
merkung: »Porta; omnis exitus vel introitus porta dicitur, qua 
potest vel importari vel exportari aliquid." 

Übrigens erklärt sich die Wahl des Ausdruckes qua data 
porta daraus, dass die Behausung der Winde nach der Vorstel- 
lung des Dichters mehrere Thüren hatte, je eine für einen von 
den Hauptwinden, wie Ladewig annimmt, ohne dass man aber 
mit diesem Gelehrten anzunehmen hätte, dass Vergil sich den 
Windberg als ein Zellengefängniss mit Einzelhaft vorstellte. Diese 
Annahme hängt mit der eigenthümlichen Erklärung zusammen, 
welche Ladewig bezüglich der Worte impulit in latus gibt, einer 
Erklärung, die keinen Beifall findet: „Aeolus schiebt den Berg 
mit der umgekehrten Lanze etwas auf die eine Seite, d. h. richtet 
ihn auf der einen Seite etwas in die Höhe." 

Ebenso ist auch die Annahme unstatthaft, dass, indem Aeolus 



*) Vgl. jedoch Valer. Flacc. Arg. I 694 ff. : 

cum iam cohibere frementum 
ora nequit, rex tunc aditus et claustra refringit 
ipse volens placatque data fera murmura porta. 



45 

seine Lanze gegen die Seite des Berges stösst, sämmtliche Ver- 
schlüsse auf einmal aufspringen.*) Bei dieser Auffassung, die 
übrigens einen gewissen künstlichen Mechanismus voraussetzt, 
bleibt der Ausdruck qua data porta auffallend; denn dann wäre 
ja den Winden eben überall ein Ausweg geboten worden. 

Nach unserer Auffassung brechen, wie oben bemerkt wurde, 
alle Winde durch eine und dieselbe von Aeolus mit einem Stoss 
der umgekehrten Lanze aufgerissene Thüre hervor. Müssig wäre 
wol dagegen die Einwendung, dass wie im vorliegenden Falle, so 
überhaupt immer alle Winde, auch wenn nur ün Verschluss 
geöffnet wurde, hervorbrachen und dass somit Aeolus nicht die 
Möglichkeit hatte, bloss 6inen Wind hervorbrechen zu lassen. 
Auf eine solche Einwendung können wir mit vollem Bechte das 
erwidern, was Weidner (Commentar zu Verg. Aen. S. 98) von 
seinem Standpunct aus auf Ladewig's Einwendung erwidert, dass 
wir dazu kein Becht haben hier den Dichter zu fragen. „Denn 
Aeolus erscheint hier nicht in seiner regelmässigen, sondern in 
einer aussergewöhnlichen Thätigkeit. Und will man dennoch eine 
Vorstellung : die Winde sind . . . Personen und sie folgen gewiss 
ihrem Könige Aeolus ebenso aufs Wort wie I, 131 sqq. dem 
Neptunus. Er kann also, wenn er will, Befehle an einzelne Winde 
ertheilen, zu gehen oder zurückzukehren." Indem ich mit diesen 
Worten vollkommen einverstanden bin, füge ich nur noch hinzu, 
dass nur dann, wenn das geschieht, was im V. 82 erwähnt wird, 
und wenn nicht ein einzelner von denselben einen speciellen 
Befehl erhalten hat, alle Winde ihrer Natur und Begierde nach 
hervorbrechen. 

Aen. I 82 f. 

ac venti velut agmine facto, 
qua data porta, ruunt et terrae turbine perflant. 
Über die Worte velut agmine facto sagt Weidner: „Der 
Modus des Ausrückens wird mit einem militärischen Ausdruck 
bezeichnet. ... Es ist agmine die gewöhnliche Form für agmine 



") So Wagner in der neuesten Ausgabe. 



46 

facto. Dieses aber ist hier sehr passend, weil die verschieden® 
Winde von Natur nicht zu einem agmen vereinigt sind und ausser- 
gewöhnlich jetzt wie in BeiK und Glied zusammentreten ! a Dagegen 
Forbiger : „Agmen interdum dicitur de rebus magna copia et cum 
furore proruentibus. Sic Geo. I, 322 agmen aquarum pro densis- 
simo imbre commemoratur, atque etiam in Lucilii Aetna 57 de 
ventarum agmine sermo est. Cf. etiam infra v. 434 et Geo. IV, 
167, ubi agmine facto de apibus dicitur magis ex propria vocis 
significatione, qua legitur Aen. Ym, 595. luven. ICE, 162 al. a Bei 
Servius liest man: „Agmine; vel impetu, vel multitudine. Agmen 

enim polysemus sermo est Etiam exercitum incedentem agmen 

vocamus." — Ich glaube, dass man bei der Erklärung dieser 
Worte an diese letzte Bedeutung anknüpfen muss, ohne jedoch 
mit Weidner den Begriff der Ordnung in Reih' und Glied hier 
zu finden; denn dies Moment verträgt sich nicht mit dem unge- 
stümen Losbrechen (ruunt 83) der Winde. 

In der Bedeutung des Wortes agmen treten zwei Momente 
entschieden hervor; das eine ist allerdings das des Auftretens in 
Reih' und Glied. Das zweite Moment aber (und oft kommt eben 
nur dies in Betracht) ist das „nach einander," das Moment eines 
Zuges, in welchem die einzelnen Individua nicht alle auf einmal 
kommen oder durch einander gehen, sondern mit einer gewissen 
Regelmässigkeit nach einander gehen. Aber auch das ist schon 
eine Regelmässigkeit, wenn z. B. durch einen engen Ausgang 
mehrere Individua einzeln, je eines nach dem anderen, hervor- 
kommen. — Und so nehme ich auch hier an (und dies steht 
eben im Einklang mit der oben gegebenen Erklärung der Worte 
qua data porta)^ dass durch die 6 ine Thüre, die den "Winden 
geöffnet wurde, dieselben einer nach dem andern hervorbrachen; 
zuerst derjenige, der gerade zur Zeit des Aufreissens der Thür 
derselben zunächst sich befand, dann die anderen je nach ihrer 
geringeren oder grösseren Entfernung von der Thür. Velut steht 
aber bei agmine facto, weil der Dichter daran dachte, dass agmen 
eigentlich von in Form eines Zuges aufeinander folgenden Menschen 
(besonders Soldaten) gesagt wird. Natürlich hörte diese Form 
eines Zuges auf, sobald die Winde ihr Gewahrsam verlassen 



47 

hatten. Übrigens darf man nicht glauben, dass an unserer Stelle 
agmine facto nicht hätte ohne velut stehen können, oder anderer- 
seits dass V. 434 (Georg. IV 167) zu agmine facto nicht hätte velut 
hinzugefügt werden können. An beiden Stellen ist leides möglich. 
Wenn der Dichter hätte bezeichnen wollen, dass der Zug der 
Bienen dem gewöhnlich so genannten agmen (d. h. einem Zuge 
von Soldaten) glich, so hätte er sehr wol auch velut agmine facto 
sagen können. Und an unserer Stelle konnte er wiederum agmine 
facto ohne velut sagen, wie z. B. Aen. XII 254 facta nube von 
den Vögeln ohne velut gesagt wird. 

Aen. I 124 ff. 

Interea magno misceri murmure pontum 
emissamque hiemem sensit Neptunus et imis 
stagna refusa vadis graviter commotus, et alto 
prospiciens summa placidum caput extulit unda. 

Die Worte imis stagna refusa vadis werden, indem man 
imis vadis als Ablativus des Woher ? aüffasst, in dem Sinne erklärt, 
dass das vorher auf dem Grunde des Meeres unbeweglich stehende 
Gewässer (stagna) durch den Sturm aus der Tiefe verscheucht 
wird und nach der Oberfläche wegströmt (refusa). Man findet 
also in diesen Worten denselben Sinn, wie 84 ff. 

Incubuere Tnari totumque a sedibus imis 

una Eurusque Notusque ruunt creberque procellis 

AfHcus 

und II 419 

imo Nereus ciet aequora fundo. 

Und in der That scheint die Analogie dieser Stellen bestechend 
zu sein. Aber gegen diese Erklärung lässt sich folgendes geltend 
machen : 

Das Verbum refusa begünstigt diese Auffassung nicht. Es 
scheint allerdings, dass an einigen Stellen die mit re zusammen- 
gesetzten Verba die Bedeutung des einfachen Verbs haben und 
den Sinn des re nicht mehr erkennen lassen ; aber diese Erscheinung 
ist, trotzdem dass mancherlei darüber geschrieben worden ist, noch 



48 

nicht genügend erörtert und vorläufig hat man noch immer das 
Recht a priori zu behaupten, dass nur diejenige Erklärung dieser 
Verba begründet ist, welche auf den durch re bezeichneten Begriff 
reflectiert. Wenigstens glaube ich, dass das Verbum refundere 
bei Vergil überall ohne Ausnahme den dem re zukommenden Begriff 
bewahrt. — Mir scheint es nun, dass das „Wegströmen" des 
Wassers aus der Tiefe auf die Oberfläche nicht mit refundi 
bezeichnet werden kann, namentlich da wir uns Neptuns Behausung 
in der Meerestiefe (also auch imis vadis) zu denken haben. 

Ich glaube, dass man imis vadis als Ablativ des Wo ? nehmen 
und stagna in dem weiteren Sinne „Meer a auffassen muss (vgl 
Aen. X 765); an unserer Stelle ist dann natürlich in Folge des 
Contextes stagna von dem oberen Theile des Meeres zu verstehen. 
Das Wasser strömt von oben gegen die Meerestiefe und tobt auf 
dem Meeresgrunde. Diese Bewegung des Wassers kann vom Stand- 
punkte Neptuns, der in der Tiefe weilt, sehr passend mit refundi 
bezeichnet werden, während die entgegengesetzte Bewegung, nämlich 
die des auf dem Meeresgrunde stehenden Wassers nach oben hin 
vielmehr ein profund^ effundi wäre. Vielleicht wäre es auch 
geradezu angemessen, imis vadis als Dativ des Wohin ? zu nehmen, 
wie Buc. II 30 gregem viridi compellere hibisco Aen. II 276, VIII 
178 u. s. — Stagna ist auch bei dieser Erklärung ein ange- 
messener Ausdruck ; er bezeichnet das ruhig stehende Meer, dessen 
Oberfläche vom Sturme nicht durchwühlt wird. Rührt nun aber 
der Sturm die früher ruhige Fläche auf, so bilden sich zwischen 
den einzelnen hochgehenden Wogen Wasserthäler, und da scheint 
es, dass das früher oben befindliche Wasser in die Tiefe (imis 
vadis) hinabfährt. Ich glaube, dass hier der Dichter das bezeichnen 
wollte, was er in anderer Weise Aen. DI 564 f. mit den Worten 
ausdrückte : 

et idem 
subducta ad Manis imos desedimus unda, 
wo subducta unda dem Sinne nach mit stagna refusa sich vergleichen 
lässt. Vgl. auch Aen. I 106 f.: 

his unda dehiscens 
terram inter fluctus aperit; furit aestus harenis. 



49 



* * 



Was die Worte alto prospiciens betrifft, so können dieselben 
wol nicht anders erklärt werden als „ex alto prospiciens". Gegen 
die anderen Auffassungen*) lassen sich gewichtige Bedenken erheben, 
während die gegen die Heyne'sche Erklärung „ex fundo maris, 
in quo regia dei est" geltend gemachten Gründe sich beseitigen 
lassen. So führt Forbiger gegen Heyne an: „quod si yoluisset 
auctor, potius suspiciens, vel certe ex alto prospiciens scripsisset 
(ut Aen. IV. 409 prospiceres arce ex summa et VE, 288 ex 

aethere prospexit), neque adiecisset verba seqq. summum 

extulit unda". Ladewig: „Hält man den Unterschied zwischen 
prospicere und suspicere fest, so wird man die W. alto prospiciens 
nicht übersetzen wollen: aus der Tiefe emporblickend." Diese und 
andere Bedenken zu beseitigen reicht Georg. IV 351 f. aus: 

sed ante alias Arethusa sorores 
prospiciens summa flavum caput extulit unda. 

Da die Verse Georg. IV 352 und Aen. I 127 einander, aus- 
genommen das Epitheton von caput, gleich sind, so ist natürlich 
a priori die Annahme berechtigt, dass beidemal prospiciens genau 
dieselbe Bedeutung habe. Nun ist es aber klar, dass Georg. IV 
352 prospiciens nur bedeuten kann „aus der Tiefe hervorschauend". 
Die Erklärung „hinausschauend, vor sich weithin schauend" ist 
hier unzulässig, wenn man die Situation berücksichtigt. Aristaeus 
steht hart an der Quelle des Peneus**) und klagt hier über die 
Grausamkeit der Mutter Cyrene; die Mutter und die anderen 
Nymphen hören in der Tiefe ***) die oben erschallenden Klagen ; 
Arethusa hebt den Kopf aus der Tiefe empor und sieht den 
Aristaeus; an der Stelle, wo Aristaeus steht, theilt sich dann der 



*) Manche fassen alto als Ablativ des Wo ? andere als Dativ =z in's Meer 
hinausschauend ; auch die Vermuthung alto = per altum prospiciens hat 
Weidner gelegentlich aufgestellt und freilich sofort als grammatisch un- 
zulässig bezeichnet. Dieselbe Auffassung liegt der in der Prager Hand- 
schrift über alto geschriebenen Glosse per mare zu Grunde. 
**) Georg. IV 319 Tristis ad extremi sacrum caput adstitit amnis 
***) V. 333 At mater sonitum thalamo sub flumini* alti 
sensit* 

Kyiöala: VergUstudlen. 4 



50 

Fluss und gewährt dem Jünglinge den Eingang*) — kurz hier 
ist es klar, dass Arethusa prospiciens den Aristaeus ganz in der 
Nähe erblickte, dass somit prospicere hier nicht „hinausschauen 
über den Fluss hin" bedeutet. Die Worte et proctd V. 353 bezeichnen 
natürlich nur die Entfernung in verticaler Richtung. — Folglich 
hat auch Aen. I 127 prospiciens dieselbe Bedeutung, welche durch 
den Zusatz alto nicht geändert werden kann. 

Der Dichter hat aber prospiciens und nicht suspiciens gesetzt, 
weil die Handlungen des prospicere und summa caput extulit unda 
gleichzeitig sind: das prospicere tritt zugleich mit und durch das 
efferre caput summa unda ein. Dass aber von dem Grotte, der das 
Haupt über das Wasser emporhebt und so aus dem Wasser her- 
vorschaut, während der übrige Körper im Wasser sich befindet, 
gerade prospicere ein sehr passender Ausdruck ist, dürfte sich 
mit Grund nicht läugnen lassen. — Dagegen lässt sich suspiciens 
gar nicht mit caput extulit verbinden ; denn sobald Neptun summa 
caput extulit unda, konnte er nicht suspicere, das wäre: aufwärts, 
gegen den Himmel sehen. 



Nicht bloss in neuerer Zeit, sondern schon im Alterthume 
ist die Bedeutung von placidum und die Frage, wie dies Wort 
mit graviter commotus vereinigt werden soll, Gegenstand der 
Erörterung gewesen. Servius : „Quaerunt multi quemadmodum pla- 
cidum caput, si graviter commotus?" Die bei Servius sich findende 
Antwort: quasi non possit fieri, ut irascatur ventis, propitius sit 
Troianis" (an die sich in neuerer Zeit Kappes anschliesst) kann 
man aber nicht gelten lassen; denn dass Unglück der Troianer 
erkannte Neptun erst später; in dem Augenblick, in welchem er 
caput extulit, war ihm dasselbe noch nicht bekannt. — Es scheint 
vielmehr, dass placidum als constantes Epitheton aufgefasst werden 
muss und dass es hier als solches in effectvoller Weise den 



*) Y. 359 ff. Simul alta iubet dücedere lote 

flumina, qua iuvenis gressus inferret. At illum 
curvata in montis faciem circumstetit unda 
aceepitque sirm vasto miritque sub amnem. 



51 

Gegensatz zwischen der ruhigen Majestät des Gottes und dem 
empörten Element, welches dem Gebote des Gottes alsbald 
gehorchen soll, bezeichnet. 

Dass diese Auffassung des placidum die richtige ist, dafür 
spricht der folgende Vergleich, in welchem der Gegensatz zwischen 
der ruhigen Würde eines einflussreichen Mannes (V. 151 pietate 
gravem ac meritis virum) und der entfesselten Leidenschaft des 
Volkes so recht nachdrücklich hervortritt. 

Wer nun aber an dem angeblichen Widerspruch zwischen 
graviter eommotus und placidum caput sich stossen wollte, der möge 
bedenken, dass es in der Hand des Interpreten liegt, diesen 
Widerspruch verschwinden zu machen. Wir denken daran, dass 
wir, wenn unser Gemüth durch etwas heftig beunruhigt wird, 
diese Unruhe und Aufregung auch in der Miene verrathen. Aber 
gibt es nicht genug Menschen, die ungeachtet ernster Sorgen und 
innerer Aufregung doch Buhe und Gleichmuth bewahren? Und 
einem Gotte, dem mächtigen Beherrscher des Meeres, sollte man 
es nicht zumuthen, dass er in seinem Antlitz Ruhe bewahrt, auch 
wenn er über einen Eingriff in seine Sphäre ernsten Unwillen 
fühlt? — Einigermassen lässt sich mit unserer Stelle eine andere 
vergleichen, an welcher ebenfalls placidus sich findet und wo auch 
ein Gegensatz zwischen innerer Bekümmerniss und würdiger Haltung 
nicht zu verkennen ist, nämlich I 520 f : 

Postquam introgressi et coram data copia fandi, 
rnaxumus llioneus placido sie pectore coepit. 

V 132 ff. 

Tantane vos generis tenuit fiducia vestrif 
Iam caelum terramque meo sine numine, Venti, 
miscere et tantas audetis tollere molesf 

Den durch die Probi ars minor 666 p. 368 E bezeugten, 
von Glaudian bell. Gild. 330 (tantane devictos tenuit fiducia 
Mauros?) nachgeahmten Vers 132 hat in der Prager Handschrift 
der Abschreiber erst nachträglich zwischen V. 131 und 133 ein- 
geschoben; jedoch ist dieser Vers sodann ganz ausradiert worden, 

4* 



52 

und er findet sich erst wieder von jüngerer Hand am Rande hin- 
zugefügt, wobei tenuit vor generü gesetzt ist, während in dem 
ausradierten Verse sich generü tenuit ziemlich deutlich erkennen 
lässt Ich nehme an, dass dieser Vers in der Vorlage des Prager 
Codex nicht im Texte war, sondern irgendwo nachträglich hinzu- 
gefügt war, so dass ihn der Schreiber zuerst übersah und dann 
erst nachträglich einschob. Dass aber dieser Vers sodann wieder 
ausradiert wurde, erkläre ich mir dadurch, dass bei der Revision 
der Handschrift und Vergleichung derselben mit einem von der 
Vorlage der Prager Handschrift verschiedenen Codex der Vers 
getilgt wurde, weil er in diesem collationierten Codex nicht vor- 
kam. Ob diese Tilgung von dem ersten Schreiber selbst vor- 
genommen wurde oder später von jemandem anderem, lässt sich 
freilich nicht stricte entscheiden; ich halte es aber für wahr- 
scheinlich, dass der erste Schreiber selbst wieder später bei der 
oberwähnten Collation den Vers tilgte. Dass der erste Schreiber 
den Prager Codex später mit einer anderen Handschrift verglich, 
lässt sich durch mehrere Beispiele von Änderungen nachweisen, 
welche die erste Hand selbst vorgenommen hat und die offen- 
bar unter Vergleichung einer anderen Handschrift vorgenommen 
wurden. 

Gegen die Echtheit des Verses 132 lassen sich meiner 
Meinung nach mehrere Gründe anführen, die vielleicht wenigstens 
einer Prüfung werth sein dürften: 

1) Generü vestri versteht man gewöhnlich von der Abstammung 
und es könnte dieser Ausdruck auch füglich keinen anderen Sinn 
haben. Man denkt an Hes. Theog. 378 ff. Aber da die Eltern 
der Winde, Astraios und Eos, doch immerhin nur untergeordnete 
göttliche Wesen sind, so scheint es nicht passend, dass Neptun 
tantam fiduciam generis bei Eurus und Zephyrus voraussetzt. Auch 
möchte man tenet, nicht tenuit, angemessen finden. Oder soll man 
annehmen, dass V. 132 ironisch ist, da die von untergeordneten 
Gottheiten abstammenden Winde eine solche fiducia nicht haben 
sollten? Dies ist gesucht; noch gesuchter aber ist jene Erklärung, 
die hier eine Beziehung auf den Kampf des Astraios gegen die 
Götter findet. 



53 

2) Wichtiger ist aber vielleicht der Umstand, dass Neptun 
recht gut weiss, dass die Winde in Folge des Begehrens der Juno 
(130) und auf Geheiss des Aeolus (137 ff.) losbrachen und wütheten. 
Wie kann also Neptun tantam fiduciam generis als Motiv der ihnen 
zukommenden und angewiesenen Thätigkeit voraussetzen, da er 
weiss, dass sie nur thaten, was sie mussten und was überhaupt ihre 
Natur mit sich brachte? 

3) Es ist auch bei Vergil Regel, dass in Reden wenn auch 
nicht immer im ersten Verse, so doch gleich im ersten Satze der 
den Angeredeten bezeichnende Vocativ vorkommt, nicht erst im 
zweiten Satze. Sehen wir nämlich von jenen Reden ab, die überhaupt 
in dieser Hinsicht nicht in Betracht kommen, weil in ihnen keine 
directe durch einen Vocativ bezeichnete förmliche Ansprache im 
Eingang der Rede sich findet (wie z. B. Aen. I 335; II 535, 
547, 675 u. s. w.): so bietet die Aeneis für die erwähnte Regel 
200 Beispiele, nämlich I, 65. 76. 198. 229. 257. 321. 326. 372. 
387. 407. 459. 522. 562. 582. 615. 664. 731. 753. H, 3. 42. 77. 
148. 154. 281. 289. 322. 348. 373. 387. 519. 594. 638. 657. 689. 
707. 777. m, 41. 85. 94. 103. 182. 248. 265. 311. 359. 374. 475. 
487. 528. 539. 601. IV, 9. 31. 94. 206. 223. 305. 334. 416. 478. 
560. 573. 634. 675. V, 17. 45. 80. 190. 235. 348. 383. 389. 465. 
474. 533. 623. 687. 709. 724. 782. 800. VI, 52. 56. 83. 104. 125. 
258. 318. 322. 341. 348. 373. 388. 456. 500. 509. 539. 544. 560. 
562. 695. 719. 722. 863. 867. VU, 97. 195. 213. 331. 360. 400. 
421. VIII, 36. 71. 112. 127. 154. 440. 470. 532. IX, 6. 18. 36. 
83. 94. 114. 185. 200. 234. 252. 258. 320. 376. 390. 404. 428. 
481. 560. 598. 625. 641. 653. X, 6. 18. 229. 252. 294. 369. 421. 
460. 491. 557. 592. 598. 607. 611. 649. 668. 737. 825. 846. 861. 
878. 900. XI, 14. 42. 108. 124. 152. 243. 252. 302. 344. 378. 459. 
463. 502. 536. 732. 785. 823. 841. XII, 19. 48. 56. 74. 95. 142. 
197. 229. 435. 625. 632. 653. 676. 777. 793. 808. 872. 895. In diese 
Sammlung habe ich auch I, 387. II. 148. VI, 388 aufgenommen, 
obzwar sich hier kein Vocativ findet; aber der relativ-indefinite 
Ausdruck quisquis es ist ein Stellvertreter desselben, etwa = ignote, 
hospes. Ebenso habe ich auch jene Stellen aufgenommen, an denen 
der Vocativ weder ein Eigenname noch auch überhaupt ein das 



54 

Wesen oder ein constantes Verhältniss bezeichnendes Substantiv 
ist, sondern ein die jeweilige Situation der Person oder ihre Eigen- 
schaft bezeichnendes Adjectiv. Es hat aber diese Art der Anrede oft 
etwas eigentümlich ergreifendes, wie z. B. wenn jemand nicht mit 
der ihm eigentlich zukommenden Benennung, sondern als Unglücks- 
mensch, als Treuloser u. ähnl. angeredet wird; vgl. Aen. IV, 305 
dissimulare etiam sperasti, perfide, tantum posse nefas? oder V, 
465 infelic, quae tanta animum dementia cepit? oder IX, 560 
demens. X, 557 istic nunc, metuende^ iace. X, 878 saevissime. 
Xu, 895 ferox. Man erinnere sich dabei an die Antwort, welche 
der unglückliche Orestes auf die Frage der Iphigeneia <roi <P ovopa 
itolov s^etf 6 yswyGag itavqQ; gibt: to ph/ dUaiov dvGTV%sZ$ 
xukotped'' &v (Eur. Iph. T. 499 f.), vgl. Plaut. Pers. 646 f. und 
Hör. Epist. I, 7, 92 f. 

Diesen Beispielen stehen die Ausnahmen als ein kleiner Bruch- 
theil gegenüber, nämlich I, 595. II, 116. 701. IE, 560. V, 166. 
646. 671. VI, 689. VE, 260. 596. Vm, 188. 364. 377. 396. 569. 
613. X, 280. Xu, 261. 889, also im Ganzen 19 Stellen. Von diesen 
müssen aber sofort noch jene abgezogen werden, welche den 
Vocativ nicht gleich im ersten Satze zeigen, weil die Bede nicht 
gleich von Anfang an mit einer Anrede anhebt. 

So ist es z. B. sehr natürlich, dass Aen. I, 597 die vocati- 
vische Anrede erst in diesem Verse sich findet und nicht bereits 
im ersten Satze, weil dieser eine nicht bloss der Dido, sondern 
auch den übrigen anwesenden geltende Mittheilung enthält. Der- 
selbe Fall ist IE, 560. Übrigens wäre hier nirnirum, sociY, haee xüa 
Charybdü vielleicht nicht einmal passend, da das Detail der Weis- 
sagungen des Helenus wol den socii nicht mitgetheilt worden war. 
Aus einem ähnlichen Grunde sind noch auszuscheiden VII, 260. 
596. Vm, 364. 569. 613. XII, 261. Weiter ist aber noch in Ab- 
zug zu bringen II, 117, wo der Vocativ wenigstens innerhalb der 
die Rede beginnenden Periode steht (nämlich in der der Apodosis 
nachgestellten Protasis), ferner V, 646 (wo zwei Sätze in einen zu- 
sammengezogen sind) und X, 279. XII, 889, wo die beiden Sätze 
dem Gedanken nach gar nicht verschieden, sondern nur eine formale 
Variation desselben Gedankens sind und in einem Athem gesprochen 



55 

werden, während zwischen I, 132 und I, 133 f. das Verhältniss 
von Ursache und Folge, also eine wesentliche Verschiedenheit des 
Gedankens stattfindet. — Aen. II 701 ist gegen die gewöhnliche 
Interpunction nach adsum ein Komma zu setzen, so dass der 
Yocativ di patrii schon zu dem Satze sequor et qua ducitis adsum 
zu ziehen ist. Es ist dann dies Beispiel ähnlich zu beurtheilen, 
wie III, 560. Der Vocativ di patrii steht nicht gleich im ersten 
Satze iam iam nulla mora est, weil dies eine von Anchises an 
sich selbst gerichtete Mahnung ist ; er steht aber gleich im ersten 
Satze der unmittelbar folgenden an die Götter gerichteten Ansprache. 
Es bleiben somit nur 'noch übrig die Ausnahmen V, 166. 671. VI, 
689. VIII, 188. 377. 396. Aber wie natürlich ist an diesen 6 Stellen 
die ungewöhnliche Stellung des Vocativs, wie zwar nicht not- 
wendig, aber doch innerlich begründet und angemessen ist sie! 
So leuchtet es z. B. sofort ein, dass der Vocativ carissime coniunx 
VIII, 377 gerade im zweiten Satze vielsagend ist. Das Metrum 
gestattete auch 

non ullum auxilium miseris, non arma rogavi 
artis opisque tuae, coniunx carissime, nee te 
incassumve tuos volui exercere labores. 

Aber während diese Vocative im ersten Satze nichtssagend 
wären, bezeichnen sie da, wo sie der Dichter gestellt hat, das 
Motiv (zärtliche Gattenliebe), durch welches die Behauptung nee 
te incassumve tuos volui exercere labores begründet wird. An unserer 
Stelle dagegen ist, denke ich, gar kein Grund ausfindig zu machen, 
der den Dichter veranlasst haben sollte, den Vocativ Venu gegen 
die Regel erst im zweiten Satze einzufügen, während doch die directe 
Anrede schon im ersten Satze sich findet und der Dichter schreiben 
konnte: Tantane vos generis tenuit fiducia, Venti? Es scheint 
mir, dass das Nachfolgen des Vocativs im zweiten Satze hier als 
ein befremdendes Nachhinken bezeichnet werden kann. 

4) Ich darf vielleicht auch noch hinzufügen (obzwar ich sonst 
ähnlichen subjeetiven Anschauungen nicht viel Gewicht beilege), 
dass nach meinem Gefühl die Rede Neptun's durch die Tilgung 
des Verses 132 eine grössere (und wie mir scheint wünschens- 
werthe) Kraft und Nachdrücklichkeit gewinnen würde. Mir wenig- 



56 

stens würde mit Rücksicht auf die ganze Situation die Rede Ne- 
ptun's besser gefallen, wenn sie gleich mit den Worten tarn caelnm 
terramque meo sine numine, Venti, mücere et tantas audetis tollere 
moles beginnt, als wenn vor diesen drohenden Worten als Einleitung 
der matte Vers tantane vos generü tenuit fiducia vestri steht 
Neptun hat Eile. In dieser Eile hat auch die berühmte Aposiopese 
quos ego ihren Grund ; auf diese Eile weisen auch die Worte sed 
motos praestat componere fluctus hin ; diese Eile wird vom Dichter 
auch im V. 142 mit dicto citius tumida aequora placat bezeichnet : 
und so wird vielleicht durch die Auslassung des Verses 132 und 
Abkürzung der Rede Neptun's die wahrscheinliche Tendenz des 
Dichters gefördert. 

Aen. I 148 ff. 

Ac veluti magno in populo cum saepe coorta est 

seditio, saevitque animis ignobile volgus, 

iamque faces et saxa volant, furor arma ministrat ; 

tum pietate gravem ac meritis si forte virum quem 

conspexere, silent arrectisque aurihus adstant; 

ille regit dictü animos et pectora mulcet: 

sie eunetus pelagi cecidit fragor cet. 
Die Prager Handschrift hat mit wenigen anderen im V. 148 
magna. Dass magno in populo passend ist, kann nicht bezweifelt 
werden. Der eine Lenker wird, sagt man mit Recht, durch den 
Gegensatz magno in populo bedeutsam hervorgehoben ; ferner gerade 
in magno populo kommen oft seditiones vor. Man kann noch hin- 
zufügen, das magnus populus dem grossen und gewaltigen Meere 
entspricht. 

Aber anderseits kann man sagen 

1) Magna seditio ist passend, weil dann der furchtbare Auf- 
ruhr des Meeres mit einer magna seditio in populo verglichen wird. 
Ob der populus grösser oder kleiner ist, kann gleichgiltig sein. Dass 
der Dichter eine magna seditio im Sinne hatte, zeigt V. 149 f. 

2) Magna, wenn es echt ist, konnte wegen des unmittelbar 
folgenden in populo leicht in magno verändert werden. Nicht so 
wahrscheinlich ist die Annahme des umgekehrten Vorganges. 



57 

Würde man sagen, dass in populo ohne ein Epitheton zu 
kahl dastünde und auffallend wäre, weil ja eine seditio immer in 
einem Volke stattfindet: so wäre zu entgegnen, dass hier eben 
ein Gegensatz wäre zwischen dem Aufruhr im Volke (also der 
seditio in eigentlichem Sinne) und dem Aufruhr des Meeres; in 
populo seditio opp. pelagi fragor (154). Seditio konnte ja auch 
bildlich von dem Aufruhr des Meeres gebraucht werden ; vgl. seditio 
maris Stat. Th. IX, 112, sed. pelagi Manil. IL 90. — Auch könnte 
man auf die wenigstens formale Symmetrie zwischen magna in 
populo seditio und cunctus pelagi fragor hinweisen; magna = 
cunctus, in populo = pelagi, seditio = fragor. 

Doch gestehe ich, dass vielleicht dies alles nicht genügt, 
um die Aufnahme von magna in den Text mit Entschiedenheit 
empfehlen zu können. 

Aen. I 156. 

flectit equo8 curruque volans dat lora secundo. 
Man könnte, wenn eine Änderung nothwendig wäre, lesen 
dat lora secunda (vgl. Hom. W 337 sl^al ts ol f\vla %bq<sIv), wie 
dies Epitheton mit vela verbunden ist bei Ovid Ars am. II 64 
quaque ferent aurae, vela secunda dato. Fasti in 790. Indessen 
ist wol die Überlieferung beizubehalten. Ob aber currus secundus 
„den folgsamen Wagen" bezeichnet, das ist die Frage. Ich glaube 
eher, dass Vergil nach Analogie derjenigen Ausdrücke, welche 
eine Strömung des Wassers bezeichnen, *) currus secundus von dem 
vorwärts gleitenden, dahineilenden Wagen gebraucht hat, weil die 
Strömung des Wassers auch ein Vorwärtseilen ist. 

Aen. I 159 ff. 

Est in secessu longo locus; insula portum 
efßcit obiectu laterum, quibus omnis ab alto 
frangitur inque sinus scindit sese unda reductos. 
hinc atque hinc vastae rupes geminique minantur 



*) Z. B. Aen. VII 494 fluvio secundo. Georg. III 447 secundo amni. Liv. 
XXI 28 secunda aqua. ib. 47 tota rate in secundam aquam labente. 
Caes. B. G, IV 23; VII 68 u. a. 



58 

in cadum scopuli, quorum sub vertice lote 
aequora tuta süent; tum sums scaena coruscis 
desuper horrentique atrum nemus imminet umbra; 
fronte sub adversa scopulis pendentibus antrum, 
intus aquae dulces vivoque sedüia saxo, 
Nympharum domus. 

Es würde zu weit führen, die verschiedenen Erklärungen 
dieser vielbesprochenen Stelle einer Würdigung zu unterziehen, 
und ich beschränke mich darauf, meine Ansicht in theilweisem 
Anschluss an frühere Erklärungen (namentlich an die von Eappes 
gegebene) auseinander zu setzen. Vergil denkt sich hier, ohne 
ein bestimmtes wirklich existierendes Local vor Augen zu haben 
und zu beschreiben, einen möglichst günstigen Hafen, einen viel 
günstigeren, als der in der Odyssee (XIII 96 ff.) beschriebene 
Phorkyshafen auf Ithaka ist, welche Stelle freilich Vergil als 
Vorbild vorschwebte. 

Zunächst ist (vgl. Kappes zu dieser Stelle) unter seces'sus 
longus nicht etwa bloss eine einsame Gegend gemeint, sondern 
ein durch eine Bucht gebildeter Einschnitt. Derselbe heisst longus, 
weil das Ufer in weitem Bogen landeinwärts zurücktritt.*) 

Vor dieser Bucht liegt eine Insel, die wir uns, weil von 
ihren latera die Rede ist,* nicht als eine in gerader Linie sich 
erstreckende denken dürfen; sie bildet vielmehr auch eine mit 
ihrer Öffnung gegen das Ufer gerichtete Krümmung; die beiden 
Arme der Insel laufen gegen das Ufer des Festlandes (der Bucht 
des Festlandes) zu. Zwischen den Endspitzen der beiden latera 
und dem Ufer der Bucht ist die Zufahrt für die Schiffe frei. Der 
Hafen nimmt nur einen Theil der Bucht (des longus secessus) 
ein, nämlich jenen, der der Insel gegenüber liegt; darum heisst 
es denn auch insula portum efficit obiectu laterum. 

Die von der hohen See kommenden Wogen prallen an die 
convexe Fronte der Insel an, brechen sich hier und theilen sich 



*) Der gewöhnlichere Ausdruck wäre recedere, recessw (vgl. über recessus 
Aen. Vin 193. Ovid. Met. I 177, VH 670, X 691, XIV 261). Auch ist 
es ja an sich natürlich, dass der Hafen eben durch die Bucht ge- 
bildet wird. 



59 

dergestalt, dass sie längs der beiden latera der Insel in die zwei 
zurücktretenden Einschnitte (sinus reducti) strömen, welche Ein- 
schnitte gebildet werden durch je ein latus der Insel und die 
ausserhalb des Hafens links und rechts liegende Uferlinie des 
Festlandes.*) Wir müssen uns dabei vorstellen, dass die Wellen 
längs der divergierenden latera der Insel an den beiden Zugängen 
des Hafens unschädlich vorbeigleiten. 

Die beiden scopuli könnte man sich freilich auch an den 
beiden Enden der Insel denken; es ist aber viel zweckmässiger, 
anzunehmen, dass sie gegenüber den beiden Enden der Insel auf 
dem Ufer des Festlandes (der Bucht, secessus) an den beiden Ein- 
gängen des Hafens sich befinden (vgl. Kappes). 

In der Auffassung der Worte tum silvis — umbra schliesse 
ich mich ganz all Kappes an. — Was aber die Lage der Grotte 
betrifft, so ist es wegen der Worte fronte sub adversa schwer, 
sich die Grotte auf derselben Seite wie die scaena silvis coruscis 
(nur etwas niedriger) zu denken. **) Eine ungezwungene Auffassung 
verlangt doch, scheint es mir, die Worte fronte sub adversa in 
Beziehung zu setzen zu der in den unmittelbar vorausgehenden 



*) In der Erklärung der sinus reducti glaube ich von Kappes, der darunter 
„Windungen des Einschnittes (in secessu longo)" versteht, abweichen zu 
müssen. Keinesfalls aber kann man unter sinus reducti „die Halbbogen 
der Wogen verstehen, welche in Folge des Stosses sich wieder rück- 
wärts ziehen." Der Hauptgrund dagegen (aber nicht der einzige Grund) 
ist, das dieselben Worte Georg. IV 420, wo sie ebenfalls vorkommen, 
diese Deutung nicht zulassen. Denn wenn es heisst 

est specus ingens 
exesi latere in montis, quo plurima vento 
cogitur inque sinus scindit sese unda reductos 
so kann hier natürlich nicht die Bede davon sein, dass die Wogen sich 
rückwärts ziehen, weil auch von keinem Anprallen die Rede ist. Die 
Wogen strömen in die Höhle ein und theilen sich in die einzelnen 
Gänge (sinus) der Höhle. 
**) Kappes zu V. 164: „tum, dann, wenn man weiter hinein in die Bucht 
fährt, bemerkt man an deren Ende eine Rückwand, eine scaena, welche 
ähnlich der Bühnenwand ist . . . desuper d. h. oben auf der Höhe der 
Felswand steht ein Wald." Und zu 166: „fronte sub adversa, wenn man 
gegen diese Rückwand hinfahrt, unten an dieser dem Einfahrenden 
gegenüberliegenden Rückseite ist eine Grotte, gebildet durch herab- 
hängendes Gestein." 



60 

Versen beschriebenen Localität. Da nun in den vorausgehenden 
Versen der eigentliche Hafenplatz am Ufer der Bucht erwähnt 
wurde, so bedeuten doch wol die Worte fronte sub adversa den 
diesem Hafenplatz entgegengesetzten Ort, so dass also die Nymphen- 
grotte als auf der Insel befindlich zu denken wäre. Freilich wäre 
dies nicht in Übereinstimmung mit der homerischen Schilderung 
Odyss. Xm 102 ff. 

ccvtccq inl ocQccrog kipivog ravvtpvkXog iXalrj * 
ayyß&i d* ctvrijg ccvtqov litrJQccvov, tfsQoeideg, 
Iqov Niqjupdav, al vrfCädsg ncdiovzcu. 

Hier ist an der Spitze des Hafens (also im innersten Winkel der 
Bucht) der Ölbaum, in dessen Nähe sich die Nymphengrotte 
befindet. Aber hiebei ist eben zu bedenken, dass die Insel eine 
Zuthat Vergil's ist, und dass der Dichter, der schon eben in 
diesem Puncte über Homer hinausgieng, auch in der Bestimmung 
der Localität der Grotte von Homer abweichen konnte. 

Aen. I 174 ff. 

ac primum silici scintillam excudit Achates 
succepitque ignem foliis atque arida circum 
nutrimenta dedit rapuitque in fomite flammam. 

Die letzten Worte haben verschiedene Erklärungen hervor- 
gerufen; vielleicht sind sie auch geeignet, gegründete Bedenken 
hervorzurufen. — Wenn die Worte rapuitque in fomite flammam 
echt sind,*) so könnte man sie hier füglich nicht anders ver- 
stehen, als z. B. Ladewig sie auffasst: „er entwickelte rasch in 
dem Brennstoff die helle Flamme, fomes ist der aus dürrem Laub 
bestehende Brennstoff, die vorher erwähnten nutrimenta* In diesem 
Falle müsste man also rapere in prägnanter Bedeutung nehmen, 
wie schon Servius sagt: »rapuit, raptim fecit flammam in fomite, 



*) Rapere flammam wird sonst von den brennbaren Gegenstanden selbst 
gesagt, die rasch Feuer fangen, Ovid. Met. III 374 rapiunt vivacia sulfura 
flammam oder ebend. XV 360 rapere incendia. Aber hier ist nicht leicht 
eine Conjectur denkbar, nach welcher rapere flammam in dieser Bedeu- 
tung erschiene. 



61 

i. e. celeriter." Als Analogie für diese Bedeutung kann man an- 
führen Georg. II, 153 nee rapit immensos orbes per humum (von 
der Schlange = schnell Kreise ziehen), oder rapere viam (Ovid 
Her. 19, 74), cursus (Lucan. V 403) Her (Sil. Xu 471), nefas 
(Lucan. X 428 = schnell vollführen). Ferner vgl. corripere viam 
(Aen. I 418), gradum (Hör. carm. I, 3, 33), spatia (Aen. V 316). 
Im Griechischen erscheint ähnlich gebraucht d^Ttd^etv, ganz beson- 
ders aber xXiittew = etwas heimlich thun. 

Aber wenn nun auch die Möglichkeit dieser*) Erklärung 
nicht geläugnet werden soll, so kann ich doch ein Bedenken nicht 
unterdrücken. Wenn man die Worte rapuit in fomite fiammam 
an und für sich betrachtet (abgesehen von dem Zusammenhang 
unserer Stelle), so scheint es, dass sie gar nichts anderes bedeuten 
könnten als „im Brennstoff rasch die Flamme auffangen." Um 
diesen Sinn zu haben, dazu sind diese Worte vortrefflich geeignet ; 
sie würden vortrefflich passen in folgendem Zusammenhang : „silici 
scintillam exeudit Achates rapuitqüe in fomite fiammam," näml. 
die aus dem Funken entstehende Flamme. Genau dasselbe besagen 
aber auch die Worte sueeepitque ignem foliis. Ist das Zufall oder 
haben wir die Worte rapuitqüe in fomite fiammam (in fomite = 
foliis, fiammam = ignem, rapuitqüe = sueeepitque) für eine Ditto- 
graphie zu halten, die in den unvollendet gebliebenen Vers nutri- 
menta dedit eindrang, weil sie zufällig metrisch passte? 

Man könnte freilich aber auch durch eine leichte Änderung 
die Worte retten, wenn man nämlich schriebe 

atque arida circum 
nutrimenta dedit, rapuit quae in fomite flamma 

d. i. und er legte trockenes Holz ringsherum, welches sodann die 
Flamme (Subject) im Zunder erfasste. Flamma in fomite sc. ovaa 
wäre = ignis foliis suseeptus. Was die Stellung des Relativs nach 
dem Prädicat betrifft, vgl. z. B. I 740 f. 

cithara crinitus Iopas 
personat au/r ata, doeuit quem maxumus Atlas. 



*) Von anderen Erklärungen lässt sich dies nicht sagen. 



62 



Aen. I 178 f. 



frugesque receptas 
et torrere parant flammte et frangere saxo. 

Die Leseart der Prager Handschrift saocis (darüber steht eine 
spätere Glosse molaribus) ist vielleicht wegen der Übereinstimmung 
mit flammis vorzuziehen. Freilich auch Georg. I 267 liest man 
nunc torrete igni fruges, nunc frangite saxo; aber hier geht eben 
igni voraus, nicht flammis. Übrigens bietet an letzterer Stelle der 
Romanus SAXIS. 

Aen. I 195. 

vina bonus quae deinde cadis onerarat Acestes. 

Die interessante Gonstruction vina cadis onerare (welche 
ähnlich noch VIEL 180 vorkommt onerantque canistris dona laboratae 
Cererü) wird gewöhnlich so erklärt, dass man cadis als Dativ 
auffasst. Weidner erklärt vina onerare cadis Wein den Krügen 
zulasten = m die Krüge füllen. Ich halte cadis für den Ablativ 
und urtheile über die sogenannte Hypallage, die man annimmt (statt 
cados vinis onerare) folgendermassen. 

Onerare (eigentlich wörtlich lasten) bedeutete wol ursprünglich 
eine Last irgendwo hinlegen, aufladen. Diese Bedeutung, wenn sie 
auch äusserst selten ist gegenüber der gewöhnlichen onerare cados 
vinis, müssen wir doch bei einer sprachgeschichtlichen Erklärung 
für die ältere halten. Weil nun aber, wenn man irgendwo eine 
Last hinlegt, der betreffende Gegenstand von der Last erfüllt, 
beschwert, belastet wird, so entwickelte sich eben darnach die 
Construction onerare cados vinis. — Es ist diese in unserem Falle 
vorkommende sogenannte Hypallage im Grunde dieselbe Erschei- 
nung, wie sie z. B. auch bei circumdare, donare, adspergere und 
zahlreichen anderen Verben sich findet. Es unterliegt nach der 
eigentlichen Bedeutung dieser Verben keinem Zweifel, dass die 
ältere Gonstruction ist z. B. Aen. II 509 f. arma circumdat hume- 
ris (vgl. die sogenannte Tmesis Aen. VI 700 collo dare brachia 
circum), donare alicui aliquid, pecori adspergere virus (Georg. III 
419). Später kam erst die abgeleitete Construction circumdare 



63 

corpus armis, donare aliquem aliqua re, adspergere aliquem aliqua 
re auf. Zuwöüen ist die ursprüngliche Construction ganz verloren 
gegangen, aber die eigentliche Bedeutung des Verbs führt uns 
mit Notwendigkeit auf sie hin. So hat sich nur die Construction 
afßcere aliquem honore, dolore, rnetu u. s. w. erhalten und doch 
müssen wir für die erste Construction halten afficere alicui hono- 
rem, dolorem, worauf uns die eigentliche Bedeutung von afficere 
hinweist (vgl. damit itqoaaitxaiv xvdog tivi Hom. H. cd, 110, iyxwgiia 
rot$ dQopevai, Plat. Legg. VII 822 D.) 

Cadis nehme ich an unserer Stelle für den Ablativ ebenso 
wie canütris VHI 180 und Aen. IQ 465 stipatque carinis ingens 
argentum (er häuft Silber in den Schiffen auf), also gerade so 
wie z. B. bei Horaz condere Sabinum testa levi (carm. I 20 3) 
oder condere pressa mella purü amphorü (Epod. 2, 15). Es ist 
ein Lrrthum, wenn man glaubt, die Stelle bei Horaz Sat. II 3 11 
quorsum pertinuit stipare Platona Menandro zwinge uns auch bei 
Vergil Aen. III 465 stipat carinis argentum den Dativ anzunehmen, 
und folglich dann auch cadis und canütris bei onerare für Dative 
zu halten. Dazu wäre man nicht einmal dann gezwungen, wenn 
wirklich Menandro der Dativ wäre. Aber stipare Platona Menandro 
ist vielmehr „die Schriften Piatons mit daraufgelegten Lustspielen 
des Menandros pressen." 

Sowie an unserer Stelle onerare nach der ursprünglichen 
Weise mit dem Accusativ der Sache, welche das onus bildet, ver- 
bunden ist, so finden wir bei exonerare (wörtlich auslasten, d. h.» 
eine Last wegschaffen) die ursprüngliche Construction bei Plaut. 
Epid. III 4 34 ut eam ex hoc exoneres agro. Die gewöhnliche 
Construction exonerare aliquem o. aliquid aliqua re (entlasten) 
ist eine abgeleitete, nach der Analogie von privare, liberare ge- 
bildete. 

Auch kann man cumulare vergleichen. Da die ursprüngliche 
Bedeutung „häufen" ist, so war gewiss auch die ursprüngliche 
Construction cumulare aliquid aliquo loco „etwas irgendwo häufen, 
aufhäufen," die sich erhalten hat bei Ovid Met. XV 462 neve 
Thyesteis cumulemus viscera mensis*) (Eingeweide häufen auf 

*) Diese Leseart darf nicht geändert werden in cumulemur. 



64 

dem Tisch). Die Construction cumulare canistra flore (Fast. IV 
451) altaria donis (Verg. Aen. XI 50) ist die spätere. 

Aen. I 195 ff. 

vina bonus quae deinde cadis onerarat Acestes 
litore Trinacrio dederatque abeuntibus heros, 
dividit et dictis maerentia pectora mulcet. 

Ladewig: „Die Stellung von Acestes und heros am Ende der 
beiden auf .einander folgenden Verse hebt es recht hervor, dass 
der edle Acestes, der Heros, auch den Scheidenden noch Gast- 
freundschaft im reichsten Masse gewährt hat." Diese Bemerkung 
Ladewigs steht im Gegensatz zu der Anmerkung Weidner's : „Die 
Stellung von heros am Ende des Verses deutet darauf hin, dass 
bonus an den Anfang von V. 195 gesetzt damit zu verbinden ist 
= bonus heros Acestes. Indessen ist es doch wahrscheinlicher, 
dass bonus prädicativ steht und ein Ersatz sein soll etwa für das 
Homerische äyccfrä tpQovicov. Jedenfalls kann ich in dieser Wort- 
stellung eine besondere Kunst nicht finden; denn das Wort heros 
hängt so" verlassen am Ende des Verses, dass es fast ein Lücken- 
büsser zu sein scheint." Diese Bemerkung Weidner's bedarf der 
Berichtigung. Es ist nicht zu verbinden bonus heros Acestes, es 
ist auch nicht bonus prädicativ, sondern im ersten Satze ist zu 
verbinden bonus Acestes und im zweiten Satze wird neuerdings 
das Subject durch heros bezeichnet. Es sprechen über die hier 
vorkommende Erscheinung auch Henry (Notes of a twelve years 
voyage of discovery etc. Dresd. 1853 zu Aen. I 718 und im Philo- 
logus XI S. 530), Forbiger (zu Aen. I 412), Kappes (Ausg. zu I 
195). Es ist aber, glaube ich, durch die betreffenden Bemerkungen 
eine zusammenfassende und genauere Darstellung der Sache, um 
die es sich handelt, nicht überflüssig gemacht worden. 

Ich gebe vorerst eine Sammlung der Stellen der Aeneis, 
welche hier in Betracht kommen, nach der Reihenfolge der Gesänge. 
I 195 ff. 

411 f. at Venus obscuro gradientis aere saepsit 
et multo nebulae circum dea fudit amictu 



65 

691 ff. at Venu 8 Ascanio placidam per membra quietem 
inrigat et fotum gremio dea tollit in altos 
Idaliae lucos 

II 418 f. stridunt silvae saevitque tridenti 

spumeus atque imo Nereus ciet aequora fundo. 

571 ff. illa sibi infestos eversa ob Pergama Teuer os 
et poenas Danaum et deserti coniugü iras 
praemetuens, Tr oiae et patriae communis Er inys 
abdiderat sese atque arü invisa sedebat. 

III 161 f. non haec tibi litora suasit 

Delius aut Cretae iussit considere Apollo 
369 ff. Hie Helenus caesis primum de more iuvencis 
exorat pacem divom vittasque resolvit 
sacrati capitis meque ad tua limina, Phoebe, 
ipse manu multo suspensum numine ducit 
atque haec deinde canit divino ex ore 8 ac er dos 

628 f. nee talia passus Ulixes 

oblitu8ve sui est Ithacus discrimine tanto. 

IV 90 ff. Quam simul ac tali persensit peste teneri 

cara Iovis coniunx nee famam obstare furorl, 
talibus adgreditur Vener em Saturnia dictis. 

V 835 ff. iamque fere mediam caeli nox humida metam 

contigerat; placida laxabant membra quiete 
sub remis fusi per dura sedilia nautae: 
cum levis aetheriis delapsus Somnus ab astris 
aera dimovit tenebrosum et dispulit umbras 
te, Palinwre, petens, tibi somnia tristia portans 
insonti, puppique deus consedit in alta 
Phorbanti similis 

VI 538 8ed com es admonuit J>reviterque adfata Sibylla est 
VII 620 ff. tum regina de um caelo delapsa morantis 

inpulit ipsa manu portas et cardine verso 
belli ferratos rumpit Saturnia postis 
IX 124 f. eunetatur et amnis 

rauca sonans revocatque pedem Tiberinus ab alto 

KTiöala: Vergilstadien. 5 



66 

XI 498 ff. obvia cui Volscorum acte comitante Camilla 

occurrit portisque ab equo regina sub ipsis 
desiluit. 

Von diesen 13 Stellen sind 9 gleich der Stelle I 195 f., 
nämlich I 411 f., 691 ff., II 571 ff., HI 369 ff., 628 f., V 838 ff., 
VH 620, IX 124, XI 498 ff. Die Gleichheit besteht darin, dass an 
diesen Stellen in den beiden mit einander verbundenen und ein- 
ander parallelen Sätzen ein und dasselbe Sub je et, das beiden Sätzen 
gemeinsam ist, durch verschiedene Ausdrücke bezeichnet wird. 

Die Stelle II 571 ff. rechne ich auch hieher; im ersten Satze 
ist illa Subject, wozu als emphatische und exclamative Apposition 
nachträglich Troiae et patriae communis Erinys hinzutritt; im 
zweiten Satze nehme ich invisa nicht prädicativ, auch nicht in 
dem Sinne „sie, die Verhasste," sondern geradezu als Subject 
„und die Verhasste sass am Altar." 

Die Stelle HI 628 f. könnte man freilich auch anders auf- 
fassen. Wenn man nämlich Ithacus in streng adiectivischer Be- 
deutung nähme und mit Ulixes zu einem Subjecte verbände, so 
wäre diese Stelle nicht verschieden von solchen Beispielen wie 
Aen. II 552 f. dextraque coruscum extulit ac lateri capulo tenus 
abdidit ensem; ein Unterschied läge nur in der Nachsetzung des 
Attributs Ithacus. Aber eben die Nachsetzung dieses Wortes und 
der Umstand, dass Ithacus bei Vergil nur als Substantiv, also 
identisch mit Ulixes vorkommt,*) spricht gegen eine solche Er- 
klärung. 

Die Stelle V 838 ff. ziehe ich ebenfalls hieher, da ich im 
Verse 841 nach insonti bloss ein Komma setze und die Con- 
junetion cum auch noch auf consedit beziehe. 

Endlich IX 124 f. ist auch nicht amnis Tiberinus zu ver- 
binden, sondern Tiberinus für sich als Subject des zweiten Satzes 
zu nehmen, wie dies Wort absolut auch VI 873 und VH 30 
vorkommt. 

Was nun das sprachliche Moment betrifft, so müssen wir 



*) Aen. II 122 f. Ate Ithacus vatem magno Calchanta tumultu 

protrahit in medios 
II 104 hoc Ithacus velit et magno mercentur Atridat 



67 

uns diese Erscheinung wol als das Kesultat folgender zwei Prae- 
missen erklären: 

a) Wenn zwei parallele Sätze oder Satzglieder mit einander 
verbunden sind, so wird nicht selten im zweiten Satze oder Satz- 
gliede das Subject, obzwar es identisch mit dem Subject des 
ersten Satzes (Satzgliedes) und demnach durchaus nicht zweifel- 
haft ist, dennoch ausdrücklich durch ein Pronomen wiederholt. v 
Aen. XI 492 ff. 

» 

Qualis ubi abruptis fugit praesepia viridis 
tandem Über equus campoque potitus aperto 
aut ille in pastus armentaque tendit equarum 
aut adsuetus aquae perfundi flumine noto 
emicat 

Aen. V 456 f. (Entellus) 

praecipiternque Daren ardens agit aequore toto 
nunc dextra ingeminans ictus, nunc ille sinistra 

Hör. Carm. I 9 15 f. 

nee dulces amores 
sperrte puer neque tu choreas 

Hom. II. A 496 

Ttcudög £ov, äXk* ^ys avedvosxo xvfia ftalätieris 
r 409 

bIs o xi <f y aXo%ov itovrfistui iq 8ys dovlr^v. 

• 

b) Statt der Pronomina erscheinen besonders in der leb- 
hafteren Dichtersprache nicht selten Substantiva, also im Gegensatz 
zu den farblosen, abstracten Pronominen ein sinnlicher concreter 
Ausdruck. So erscheint z. B. vir unzähligemal da, wo der gewöhn- 
liche, aber auch matte Ausdruck is wäre; vgl. 

Aen. VH 152 ff. 

tum satus Anehisa delectos ordine ab omni 

centum oratores angusta ad moenia regis 

ire iubet, ramis velatos Palladts omnis, 

donaque ferre viro 

5* 



68 

xn 311 ff. 

at pius Aeneas dextram tendebat inermem 
nudato capite atque suos clamore vocabat 

318 has inter voces, media inter talia verba, 

ecce, viro Stridens alis adlapsa sagitta est 

XE 481 f. 

haud minus Aeneas tortos legit obvius orbis 
vestigatque vir um et disiecta per agmina magna* 
voce vocat. 

XH 906 

tum lapis ipse viri vacuum per inane volutus 
nee spatium evasit totum neque pertulit ictum. 
Sehr beliebt ist auch statt der Anwendung eines Pronomens 

die Wiederholung des früher gesetzten Substantivs,*) z. B. 

Aen. I 325 

sie Venus; et Veneris contra sie filius orsus. 

IV 311 ff. 

quid si non arva aliena domosque 
ignotas peteres et Troia antiqua maneret, 
Troia per undosum peteretur classibus aequor? 

X 149 

regem adit et regt memorat nomenque genusque 

Nehmen wir nun diese beiden Erscheinungen zusammen, so 
resultiert eine solche Ausdrucksweise, wie sie eben Aen. I 195 f. 
sich findet. Statt quae cadis onerarat Acestes litore Trinaorio 
dederatque abeuntibus ille ist lebhafter Tieros gesetzt. 

Was nun die innere Berechtigung betrifft, so sollte man 
diese Ausdrucksweise allerdings da erwarten, wenn im zweiten 
Satze irgend ein besonderer Grund vorhanden ist zu nachdrück- 
licher Hervorhebung des Subjects, und wenn das gewählte Sub- 
stantiv (welches grammatisch eigentlich überflüssig ist) einen 
Begriff bezeichnet, der in einem angemessenen inneren Zusammen- 
hang mit dem im zweiten Satz ausgesprochenen Gedanken ist 

*) Vgl. Schneider (Jahrb. f. Phil. LXI, 256), Forbiger zu Aen. 1 564, die 
Erklärer zu Hör. Carm. II 18 37. 



69 

Und in der That findet sich dies z. B. m 369—373. Niemand 
wird läugnen, dass die Handlung canit divino ex ore eine solche 
ist, zu der gerade der sacerdos berufen erscheint. Ebenso ist 
klar, dass HI 628 f. Ithacus im zweiten Satze auch innerlich 
berechtigt und angemessen ist, weil dies Wort den Nebenbegriff 
der Verschmitztheit angenommen hatte. Auch I 691 ff. könnte 
man sagen, dass zu der Handlung tollit in altos Idaliae lucos 
göttliche Macht erforderlich ist und dass somit die Setzung des 
grammatisch überflüssigen Subjects dea innerlich berechtigt ist, 
weil damit angedeutet wird, dass eben eine Göttin dergleichen 
ausführen kann. Ähnlich könnte man auch sagen, dass die An- 
nahme der Gestalt des Phorbas von Seiten des Somnus von gött- 
licher Macht zeugt und dass deshalb die Setzung des Subjects 
deus V 841 innerlich berechtigt und zweckmässig ist. 

Und so könnte man vielleicht noch an einer oder der anderen 
Stelle eine solche innere Berechtigung annehmen. Dagegen kann 
man wol von einer inneren Berechtigung nicht sprechen IX 125 
und XI 499; denn die in den betreffenden Sätzen bezeichneten 
Handlungen revocatque pedem Tiberinus ab alto und portisque ab 
equo regina sub ipsis desiluit sind durchaus nicht derart, dass. 
sie an und für sich verdienen würden, durch eine besondere 
Setzung der Subjecte Tiberinus und regina markiert zu werden. 
Man muss wol annehmen, dass diese Sprachform von solchen 
Fällen, wie die erstgenannten sind, ausgieng, dass sie aber dann 
auch ohne innere Berechtigung als ein poetisches Mittel gebraucht 
wurde. Diese Erklärung möchte ich auch an unserer Stelle I 
195 ff. für die richtige halten. 

Den oben angeführten neun Beispielen der Aeneis schliesst 
sieht als zehntes Aen. IV 90 ff. an, welches sich von den anderen 
nur dadurch unterscheidet, dass hier die zwei Subjecte nicht in 
zwei coordinierten Sätzen vorkommen, sondern in der Protasis 
(cara Iovis coniunx) und Apodosis (Saturnia). 

An den drei anderen Stellen H 418 f., m 161 f., VI 538 
dagegen sind nicht zwei Subjecte anzunehmen, sondern ein und 
dasselbe aus einem Substantiv und dem dazu gehörigen Epitheton 
bestehendes Subject ist so gestellt, dass das Epitheton im ersten, 



70 

das Substantiv im zweiten Satze erscheint. Durch diese Vertheilung 
der zwei Bestandtheile Sin es Subjects auf zwei Sätze wird ausser- 
lieh mit sinnlicher Anschaulichkeit und Gefälligkeit die Zusammen- 
gehörigkeit der leiden Sätze bezeichnet — So ist also spumeus 
Nereus,*) Delius Apollo,**) comes Sibylla***) zusammenzufassen, 
gerade so wie z. B. II 552 coruscum ensem. 

Ein anderes Mittel, durch welches offenbar auch die Zusammen- 
gehörigkeit zweier Sätze und die Unzulänglichkeit des ersten nach- 
drücklich bezeichnet wird, besteht darin, dass das den beiden Sätzen 
gemeinsame Subject erst im zweiten Satze gesetzt wird; z. B. 
IX 630 f. 

audiit et caeli genitor de parte serena 

intonuiU laevum 



XI 532 ff. 



XI 783 f. 



XI 794 f. 



velocem interea superis in sedibus Opim, 
unam ex virginibus soeiis sacraque caterva r 
compellabat et hos tristis Latonia voces 
ore dahat 

telum ex insidiis cum tandem tempore capto 
concitat et superos Arruns sie voce precatur 

audiit et voti Phoebus succedere partem 

mente dedit, partem volucris dispersit in auras. 



*) Die einfache und offenbar richtige Erklärung ist die attributive Auf- 
fassung des Wortes spumeus, wie Aen. II 496 spumeus amnis, OvidL 
Met. I 570 spumosis undis; ebend. XI 140 spumifero fonti. Dagegen 
freilich spumeus praedicativ Ovid Met. in 570. 
**) Man könnte an dieser Stelle wol auch Delius substantivisch und als 
erstes Subject nehmen, wie bei Ovid Met. I 454, V 329, VI 250, XI 174> 
XU 598, XIII 650 oder bei Valerius Flaccus I 445. Aber bei Vergfl 
kommt Delius absolut für Apollo nicht vor (VI 12 Delius vates), was 
freilich kein für sich allein genügender Grund wäre, da Delta bei Vergil 
Bucol. VII 29 absolut für Diana steht. Aber die Annahme von zwei 
besonderen Subjecten, während Delius geradezu identisch mit dem 
Eigennamen Apollo wäre, wäre hier affectirt. 
***) also „die begleitende Sibylla." 



71 

XII 885 f. 

tantum effata caput glauco contexit amictu 
multa gemens et se fluvio dea condidit alto. 

Vgl. Orid Met. VII 125 f. 

utque hominis speciem materna sumit in alvo 
perque suos intus numeros componitur infans. 

Aen. I 198 f. 

socii — neque enim ignari summ ante malorum — 
o passi graviora, dabit deus his quoque finem. 

Die meisten Erklärer nehmen ante malorum als Gräcismus 
nach tct tcqXv xaxd.*) An und für sich wäre vom sprachlichen 
Standpunct nichts dagegen einzuwenden. Aber es kommt hier noch 
ein anderer Umstand in Betracht. Wenn der Gedanke sein soll 
„wir sind ja nicht uneingedenk früherer Leiden," dann ist nichts 
einzuwenden. So hat schon Servius ignari aufgefasst: »Ignari pro 
immemores. Et est acyrologia. Ignarus enim est qui ignorat; 
immemor vero qui oblitus est." Aber wir erwarten hier vielmehr 
den Gedanken „wir sind von früher her nicht unkundig der 
Leiden, wir haben ja schon früher Leiden verkostet," wie ignarus 
in derselben Bedeutung I 630 vorkommt: non ignaramali miseris 
succurrere disco. Diese Bedeutung von ignarus muss man an 
unserer Stelle nothwendig annehmen im Hinblick auf den von 
Vergil nachgeahmten Vers Hom. Od. p 208 a> tplkoi, ov ya$ nci 
xi xax&v dSari^ovig el(i£v. Damit verträgt sich nun aber nicht 
sehr gut die gewöhnliche Erklärung von ante malorum; man er- 
wartet da nicht den Ausdruck „wir sind nicht unkundig früherer 
Leiden, wir sind vertraut mit früheren Leiden, wir haben frühere 
Leiden verkostet", sondern vielmehr „wir sind ja von früher her 
(wir sind ja auch sonst) nicht unkundig der Leiden, wir haben ja 
auch früher schon Leiden verkostet." Diese Erwägung führt uns 
also dazu, ante von malorum zu trennen und mit dem Prädicat 
neque ignari sumus zn verbinden. Auch bei dieser Annahme scheint 
hier freilich eine Nachahmung des griechischen Sprachgebrauchs 



*) So schon Servius: „ante malorum; vtpiv est." 



72 

zu sein, nämlich der Verbindung des Praesens mit naQog. Vgl 
rj 201 alat y&Q vo it&Qog ys &£ol tpatvovtai ivagyetg rffitv. i 447 
xQii 7i67iov, xl (ioi cods diä ansog iaavo (irjkcw vtixaxog ; ovti 
Tt&Qog ys ksksi^ivog sq%scu oläv. M 347 &de yäg eßgusav 
Avxtcov dyol 9 61 vo itccgog ^a%Qrj€ig zski&ovoi xatd XQavsQ&g v<J(d- 
vag. H 386 vhvce, Sin xavviteitXs, Ixdvsig r^iUreQOV da, aldoitj 
T€ ytkrj rs ; TtccQog ys phv oiki d-a(il£eig. A 553 xal klr\v 6s itdqog 
y ovr* eiQoyLai ovtb [israkkco. 

Endlich lässt sich gegen die gewöhnliche Erklärung anführen, 
dass in dem homerischen Vers p 208, den ja Vergil genau 
nachgeahmt hat (o socii = c5 ytkoi, neque enim = o% ydq u t 
ignari sumus malorum = xax&v dda^ovig elpev), auch das 
Wörtchen nci vorkommt, dem nach Vergils Intention wol ante 
entsprechen sollte. 



Mit den Worten o passi graviora cet. vgl. ausser der Stelle 
Od. fi 209 auch noch Od. v 18 ff., dann Ovid Trist V 11 7 
perfer et obdura; multo graviora tulisti. 

Im V. 199 ist der Umstand bemerkenswerth, dass der 
Vocativ o passi graviora einen Satz vertritt, der hier als Gausal- 
satz erscheinen würde „ihr habt ja schon schlimmeres erduldet," 
wie bei Homer Od. p 209 wirklich ein Causalsatz vorkommt ov 
(isv dfj rode fietfcov £iu xaxov und v 18 xal xvvtsqov äXXo xvt 
ivkrjg. — Ähnliche Vocative, die einem ganzen Satz entsprechen, 
sind z. B. 
I 597 o sola infandos Troiae miserata labores 

V 632 o patria et rapti nequiquam ex hoste penates 

VI 83 ff. o tandem magnis pelagi defuncte periclis — 

sed terrae graviora manent — in regna Lavini 
Dardanidae venient. 

9 

VIII 36 ff. o säte gente deum, Troianam ex. hostibus urbem 

qui revehis nobis aeternaque Pergama servas, 
exspectate solo Laurenti arvisque Latinis, 
hie tibi certa domus. 



73 

X 18 o pater, o hominum rerumque aeterno, potestas! 

namque aliud quid sit, quod tarn implorare queamus ? 

Eine sehr passende Parallele bietet der Vocativ bei Hör. 
Carm. I 7, 30, welche Stelle die Erklärer anführen. Vgl. noch 
Sophokles Ai. 1272. EL 1162. Ant. 1263. 0. T. 1327. Phil. 1006, 
1290, 1380, 1402, 1445. 

Aen. I 200 ff. 

vos et Scyllaeam rabiem penitusque sonantis 
accestis scopulos, vos et Cyclopia saxa 
experti. 

• 

Wie in zahllosen anderen Fällen, so ist der nachahmende 
Kunstdichter auch hier hinter seinem Vorbild zurückgeblieben. 
Bei Homer erinnert Odysseus in einer kritischen Situation, als 
seine Gefährten muthlos die Ruder fahren Hessen (Od. [i 201 — 
205), an das gefährlichste aller bisher bestandenen Abenteuer, 
nämlich an die verzweifelte Lage, in der er sich mit seinen 
Gefährten in der Höhle des Kyklopen befunden hatte. Wie wirk- 
sam hiebei namentlich die keines weiteren Beweises bedürftige 
Behauptung ov (i$v drj tois pstgov £iu xaxov, rj Sre Kvxkanlf 
stlsi iv\ oiirii ykacpvQip xQat€Qfjg)t ßliqyiv, das leuchtet auf den 
ersten Blick ein. Dagegen kann man nicht zugeben, dass die 
Behauptung des Aeneas o passi graviora keines Beweises bedurfte, 
und dass die Begründung dieser Behauptung (vos et Scyllaeam — 
experti) unzweifelhaft richtig war. Wenn man die im dritten Buch 
geschilderten Schicksale und Erlebnisse der Gefährten des Aeneas 
erwägt, so findet man unter ihnen keines, das gravius genannt zu 
werden verdient als der Seesturm war. Nun war dieser Sturm 
freilich bereits überstanden, aber von der Flotte waren, wie die 
Gefährten des Aeneas glauben mussten, dreizehn Schiffe für sie 
verloren und nur sieben gerettet. Und das war jedenfalls gravius 
als die zwei im V. 200 — 202 erwähnten Erlebnisse. An der Scylla 
und Charybdis kamen die Schiffe des Aeneas, die nach demRath 
des Helenus es vermieden zwischen der Scylla und Charybdis 
hindurchzufahren, ohne jeglichen Schaden und Verlust vorbei; 



74 

ganz ungefährlich und unschädlich war, was in 564 ff. mit sehr 
starker poetischer Hyperbel gesagt wird: 

tollimur in coelum curvato gtirgite et idem 
subducta ad Manu imos desedimus unda. 
ter scopuli damorem inter cava saxa dedere; 
ter spumam elisam et rorantia vidimus astra. 
Und ebenso harmlos war gegenüber dem Kyklopsabenteuer 
des Odysseus das entsprechende Erlebniss des Aeneas. Es bedurfte 
wol tüchtiger Anstrengung von Seiten der Troer, um von der 
Kyklopenküste rasch fortzukommen ; die Troer standen dabei auch 
ziemlich viel Furcht aus, aber sonst lief alles so ab, dass dieses 
Bekanntwerden mit den Cyclopia saxa keineswegs gravivs ist als 
der eben mit so grossem (vermeintlichem) Verlust überstandene 
Seesturm. 

Auch darin ist Vergil gegen Homer im Nachtheil, dass 
Odysseus nach dem Hinweis auf das Kyklopsabenteuer seine 
Gefährten zum Handeln und zu gewaltiger Anstrengung auffordert 
und sie dazu zu bringen weiss. 
Od. [i 213 ff. : 

vvv <?' äyed'', (6g av iy&v eikca, 7Cscd'CQ{ied'cc itavrsg. 
vpeTg piv xcinqüiv äkog fyyplvcc ßa&stccv 
tvmata xkrjCdsaaiv iqir^svo^ ol xe itofti Zsvg 
ddjj rovde y y öIs&qov V7tex<pvyhiv xccl dkv^ai. 
0o\ dh } xvßeQvr\% ,y 9 od 5 ijursMogicci xvL 
Bei Vergil dagegen hat der Hinweis auf die V. 200 — 202 
erwähnten Erlebnisse den Zweck, die Gefährten des Aeneas zu 
trösten und sie dazu zu vermögen, dass sie die traurige Furcht 
aufgeben (202). 

Es sei gestattet, an diese Erwägung noch einige Bemerkungen 
anzuknüpfen selbst auf die Gefahr hin, dass diese das Verfahren 
des Dichters kritisierenden Bemerkungen von manchen für ein 
blosses „Bekritteln" gehalten werden dürften. — Nach meiner 
Ansicht wäre es angemessener gewesen, wenn Aeneas die er- 
muthigende Rede 198 — 207 oder eine ähnliche, verbunden mit 
dem Hinweis auf bereits überstandene Drangsale, zu anderer Zeit 
gehalten hätte. Und zwar bot sich dafür dem Dichter ein doppelter 



75 

Zeitpunct dar. Wie Odysseus im Augenblick der Gefahr seine Ge- 
fährten ermuthigt und zu kräftigem Handeln auffordert, so konnte 
Aeneas wahrend des Sturmes wenigstens die Mannschaft seines 
Schiffes ermuthigen und ermuntern. Ohne Frage ist die Rolle des 
Aeneas beim Sturme keine so günstige, wie die des Odysseus. 
Extemplo Aeneae solvuntur frigore mernbra, 
ingemit et duplicis tendens ad sidera palmas 
talia voce refert: terque quaterque beati, 
quis ante ora patrum Troiae sub moenibm altis 
contigit oppetere! 
Ein zweiter angemessener Zeitpunct für die Ansprache des 
Aeneas wäre nach V. 173 gewesen, also in dem Augenblicke, als 
nach überstandenem Sturme 

egressi optata potiuntur Troes arena 
et sale tabentis artus in litore ponunt 
und bevor die Troer 

Cererem corruptam undis Cerealiaque arma 
expediunt fessi rerum frugesque receptas 
et torrere parant flammis et frangere saxo. 
Statt dessen erfolgt die Ansprache in einem Augenblicke, 
wo die Troer mit geschäftiger Eile Anstalten zur Bereitung des 
Mahles getroffen hatten und Aeneas von der Jagd zurückgekehrt 
die sieben erlegten Hirsche und den von Acestes geschenkten 
Wein unter seine Gefährten vertheilte. Es scheint, dass die An- 
sprache zu einer Zeit erfolgte, wo die Troer bereits ruhiger und 
gefasster sein konnten. Dass ihre Herzen trauerten, erfahren wir 
vor der Ansprache des Aeneas nur durch das Wort maerentia 
(197); sonst wüssten wir es nicht und könnten vielmehr an- 
nehmen, dass die geschäftige Eile und die angenehme Vertheilung 
der Hirsche und des Weines keinen Raum der Trauer gewährte. 

Aen. I 202 f. 

revocate animos maestumque tirnorem 
mittue. 
Die gewöhnliche Erklärung, die man in solchen Fällen, wie 
der vorliegende ist, anwendet, lautet: „maestus timor, qui maestos 



76 

reddit." So schon Servius. Mit Kecht halten aber andere diese 
Erklärung für eine mechaniche und wissenschaftlich unberechtigte. 
Oder sollten etwa auch »lachende Fluren" solche Fluren sein, die 
uns lachen machen? soll „pallida mors" den bleich machenden 
Tod bezeichnen? Es ist vielmehr eine Personification anzunehmen, 
der zufolge der betreffende Gegenstand dasselbe Epitheton erhält, 
das man auch einem lebenden Wesen geben würde. Der Furcht- 
same ist traurig und bekümmert: aber auch die Furcht selbst ist 
traurig. Der Todte ist bleich; aber auch der Tod selbst wird 
bleich gedacht. Es ist wahr, dass in vielen Fällen (aber nicht 
in allen) diese auf der Annahme der Personification beruhende 
Erklärung sich mit der gewöhnlichen in gewisser Weise berührt 
Weil der Tod selbst bleich gedacht wird, so theilt er auch den 
Wesen, wenn sie seiner Macht verfallen, diese Eigenschaft mit: 
aber darum bezeichnet sprachlich genommen der bleiche Tod doch 
nicht den bleichmachenden, sondern eben nur den bleichen. In 
viellen Fällen berührt sich die Personification mit den mytho- 
logischen Anschauungen. 

Wie unberechtigt die gewöhnliche bequeme Erklärung ist, 
das zeigen am besten Ausdrücke, wie der oben erwähnte „lachende 
Fluren". Weil man auf Grund der Personification sagen kann 
„die Fluren lachen" (ebenso wie „der Himmel lacht" u. a.), so 
konnte sofort auch das Epitheton „lachend" den Fluren beigelegt 
werden. — Beachtenswerthes enthalten in dieser Hinsicht Frey's 
Aeschylus-Studien (Beilage zum Osterprogramm des Schaffhaus er 
Gymn. von 1875). Vgl. meine Recension dieser Schrift in der 
Zeitschrift für die Österreich. Gymn. 1877. VII. Heft, S. 505. 

Aen. I 204 ff. 

per varios casus, per tot discrimina rerum 
tendimus yn Latiwn, sedes ubi fata quietas 
ostendunt; illic fas regna resurgere Troiae. 
Schon Heyne warf die Frage auf: „Quaeras, unde iam tum 
Aeneas nomen novae sedis sibi promissae, Latium, noverit? cum 
aliis in locis tarn incerta omnia ei essent." Die Worte „scilicet 
in locis inferis certiora edoctus fuerat lib. VI, 891. 2 U lösen diese 



77 

Schwierigkeit natürlich nicht, da die Handlung des 6. Buches*) 
einer späteren Zeit angehört. In der That hat Aeneas bisher 
den Namen Latium nirgends und von niemandem gehört. Die 
Andeutungen, die er über seine künftige Heimat von verschiedenen 
Seiten her erhalten hatte (die im II. und III. Buche erwähnt 
werden), waren zum Theil unbestimmt, zum Theil bestimmter, 
aber der Name Latium erscheint nirgends. 

Dem schlafenden Aeneas erscheint Hektor und sagt II 293 ff. : 
sacra suosque tibi commendat Troia Penatis / 
hos cape fatorum comites, his rnoenia quaere, 
magna pererrato statues quae denique ponto. 
Der Schatten der Greusa spricht II 780 ff.: 

longa tibi exsilia et vastum maris aequor arandum, 
et terram Hesperiam venies, ubi Lydius arva 
inter opima virum leni fluit agmine Thybris: 
illic res laetae regnumque et regia coniunx 
parta tibi. 
Auf die an Apollo gerichtete Frage III 88 

quem sequimur ? quove ire iubes ? ubi ponere sedes ? 
erhält Aeneas die Antwort IH 94 ff. 

Dardanidae duri, quae vos a stirpe parentum 
prima tulit tellus, eadem vos ubere laeto 
accipiet reduces. Antiquam exquirite matrem, 
was Anchises irrthümlich auf Creta bezieht. 

Die Penaten sagen dem Aeneas im Schlafe HI 161 ff.: 
mutandae sedes. non haec tibi litora suasit 
Delius aub Oretae iussit considere Apollo, 
est locus, Hesperiam Orai cognomine dicunt, 
terra antiqua, potens armis atque ubere glaebae; 
Oenotri coluere viri; nunc fama minores 
ltdiiam dixisse ducis de nomine gentem: 
hae nobis propriae sedes; hinc Dardanus ortus 
Iasiusque pater f genus a quo principe nostrum. 



*) Und ebenso des 5. Buches; denn schon V 730 f. erfuhr Aeneas durch 
ein Traumbild, das die Gestalt des Anchises hatte: gens dura atque 
aspera cultu debellanda tibi Latio est 



78 

surge age et haec laetus longaevo dicta parenti 
haud duhitanda refer: Corythum terrasque requirat 
Antonios. Dlctaea negat tibi Iuppiter arva. 
Und Anchises, sobald er dies von Aeneas hört, erkennt 
seinen früheren Irrthum nnd erinnert sich früherer Prophezeiungen 
der Cassandra, III 683 ff. 

sola mihi talis casus Cassandra canebat. 
nunc repeto haec generi portendere debita nostro 
et saepe Hesperiam, saepe Itala regna vocare. 
Sed quis ad Hesperiae venturos litora Teucros 
crederet? aut quem tum vates Cassandra moveret? 
Celaeno verkündet IU 250 ff.*): 
accipite ergo animis atque haec mea figite dicta, 
quae Phoebo pater omnipotens, mihi Phoebus Apollo 
praedücit, vobis Furiarum ego maxuma pando. 
ltaliam cursu petitis ventisque vocatis 
ibitis ltaliam portusque intrare licebit ; 
sed non ante datam cingetis moenibus urbem, 
quam vos dvra fames nostraeque iniuria caedis 
ambesas subigat malis absumere mensas. 
Aeneas selbst sagt dem Helenus III. 362 ff.: 
omnem cursum mihi prospera dixit 
religio et cuncti suaserunt numine divi 
ltaliam petere et terras temptare repostas. 
Helenus aber verkündet ihm pauca e multis III 381 ff. : 
principio ltaliam, quam tu iam rere propinquam 
vicinosque, ignare, paras invadere portus, 
longa procul longis via dividit invia terris. 
Er gibt danu 388 ff. auch das Zeichen an, 

is locus urbis erit, requies ea certa laborum 

Ferner 439 f.: 

sie denique victor 
Trinacria finis Italos mittere r dicta. 



*) Hier soll 251 quae Phoebo — praedixit einem Bedenken des Lesers 
vorbeugen. Man würde sonst sich über diese Zukunftskenntniss der 
Celaeno wundern. 



79 

Und 458 ff. : 

lila (näml. Sibylla) tibi Italiae populos venturaque bella 
et quo quemque modo fugiasque ferasque laborem, 
expediet cursusque dabit venerata secundos. 

Aeneas III 495 ff. : 

vobis parta quies; nullum maris aequor arandum, 
arva neque Ausoniae semper cedentia retro*) 
quaerenda. 
500 Si quando Thybrim vicinaque Thybridis arva 

intraro gentique meae data moenia cernam, 

* 

cognatas urbes olim populosque propinquos 
Epiro, Hesperia, quibus idem Dardanus auctor 
atque idem casus, unam faciemus utramque 
Troiam animis. 

Der Name Italia wird ausserdem noch erwähnt III 506 f. 
Provehimur pelago vicina Ceraunia iuxta, 
unde iter Itaiiam cursusque brevissimus undis, 
ferner 521 ff. 

iamque rubescebat stellis Aurora fugatis, 
cum procul obscuros collis humilemque videmus 
Itaiiam. Itaiiam primus conclamat Achates, 
Itaiiam laeto socii clamore salutant. 

Die Stellen, an denen im I. Buch Italien oder Hesperien 
erwähnt wird, sind 2, 13, 38, 68, 233, 252, 258 (cernes urbem 
et promissa Lavini moenia), 263 ff., 530 ff., 553 f., 569. 

Nach allem sollte man (und vielleicht ist diese Conjectur 
aufzustellen) auch V. 205 erwarten 

tendimus Itaiiam, sedes ubi fata quietas 
ostendunt. 

Der Name Latium kommt im II. und III. Buch gar nicht 
vor, im I. dreimal, nämlich Vers 7, 31, 265. Aber an den zwei 



*) Diese Klage ist an dieser Stelle durchaus unberechtigt, wie wol jeder 
zugeben wird. Berechtigt wäre sie im Munde des Aeneas z. B. im ersten 
Buche, als Aeneas durch den Sturm nach Libyen verschlagen wurde. 
Berechtigt ist Itaiiam sequimur fugientem V 629. 



80 

ersten Stellen ist das Wort vom Standpunct des Dichters gesetzt, 
an der dritten ist es in einer Rede des Iupiter, die nur Venus hört. 
Aber freilich ist trotz allem die Conjectur Italiam doch 
nicht nothwendig. Es bietet sich hiebei eine doppelte Möglichkeit 
der Auffassung: 

a) Man könnte annehmen, dass Aeneas auch den Namen 
Latium schon früher gehört hatte, wenn auch der Dichter keine 
ausdrückliche Erwähnung davon macht. 

a) Und zwar konnte Aeneas von dem Apollo Gryneus und 
dem lyrischen Apollo in Patara einst (so lange noch Troia stand) *) 
ausser dem Namen Italia auch den engeren Namen Latium gehört 
haben. Vgl. IV 345 f. 

sed nunc Italiam rnagnam Gryneus Apollo, 
Italiam Lyciae iussere capessere sortes. 
Beispiele einer solchen „reticentia" finden sich ja auch sonst 
nicht selten. So erfahren wir z. B. IV 227 ff. plötzlich nach- 
träglich und gelegentlich etwas, wovon vorher in der Aeneis keine 
Andeutung war und was vor der Handlung der Aeneis liegt 
non illum nobis genetrix pulcherrima talem 
promisit Graiumque ideo bis vindicat armis; 
sed fore, qui gravidam imperiis belloque frementem 
Italiam regeret cet 

Noch wahrscheinlicher ist aber wol die Annahme, dass 
Aeneas in der Zeit, welche zwischen dem Fall von Troia und 
der Abfahrt des Aeneas von Antandros lag und in welcher die 
Flotte gebaut und die Mannschaft zusammengezogen wurde, ans 
dem Tempel des Apollo in Grynium und Patara die Orakel erhielt, 
auf welche die Verse IV 345 f. hindeuten. Vgl. III, 4 ff. 
diversa exsilia et desertas quaerere terras 
auguriis agimur divom classemque sub ipsa 
Antandro et Phrygiae molimur montibus Idae. 
Freilich zeigt sich hiebei wieder die Schwierigkeit, dass auf 
diese Verse unmittelbar folgt 

incerti, quo fata ferant, ubi sistere detur. 

*) Eine Analogie dazu würde DI 183 ff. bieten. Auch Gassandra hatte in 
früherer Zeit dasselbe prophezeit. 



81 

Wenn nämlich die auguria divom auf die Orakel des Apollo 
Gryneus und Patareus bezogen werden, wie kann der Dichter 
sagen incerti, quo fata ferant, ubi sistere detur, da noch nach 
IV 345 f. in den betreffenden Orakelsprüchen Italia genannt 
erschien? Auch eine zweite Schwierigkeit zeigt sich noch, die 
aber ebenso bei der anderen Erklärung vorhanden ist, nämlich 
der Widerspruch mit III 183 ff. Wenn Aeneas vor der Abfahrt 
von Antandros von dem Apollo Gryneus und Patareus den Bescheid 
erhielt Italiam capessere, wie kann Anchises sagen 
sola mihi talis casus Cassandra canebat. 
nunc repeto haec generi portendere debita nostro 
et saepe Hesperiarn, saepe Itala regna vocare. 
Aber diese Schwierigkeit und dieser Widerspruch existiert 
auch und zwar in noch höherem Grade bei der anderen Erklärung. 
Wenn wir nämlich die Weisungen, auf welche IV 345 f. angespielt 
wird, in diese frühere Zeit versetzen, als Troia noch nicht erobert 
war, so sollte Anchises da erst recht nicht sagen 
sola mihi talis casus Cassandra canebat. 
nunc repeto haec generi portendere debita nostro 
et saepe Hesperiarn, saepe Itala regna vocare. 
sed quis ad Hesperiae venturos litora Teucros 
crederet? aut quem tum vates Cassandra moveret? 
Übrigens wo stösst man nicht in der Aeneis auf Wider- 
sprüche, Incongruenzen, Ungenauigkeiten ? Ausserdem ist vieles 
unzulänglich motiviert, manches ohne abschliessenden Zusammen- 
hang; nicht selten vermisst man zwischen den einzelnen Gliedern 
und Theilen dieses Gedichtes den inneren Rapport, wenn ich 
diesen Ausdruck gebrauchen darf. 

ß) Die beiden eben hervorgehobenen Schwierigkeiten werden 
freilich durch die Servianische Erklärung von IV 345 f. beseitigt. 
„Clazomenae civitas est Asiae. . . Iuxta hanc nemus est Grynaeum, 
ubi Apollo colitur. Inde ergo nunc epitheton dedit, licet in Delo 
acceperit oraculum." Und zu 346: „Lyciae sortes ; nee hinc accepit 
responsum; sed sie dixit Lyciae, ac si diceret Apollineae". Servius 
fand also in beiden Versen den Hinweis auf nur an Orakel, das 
Aeneas auf der Insel Delos erhielt (DI 94 ff.). Aber diese 

Kvlöala: VergUstudlen. 6 



82 

Erklärung ist absolut undenkbar und man muss dieselbe in viel 
schärferer Weise verwerfen, als es Heyne that: „Ita tarnen vk 
locum haberet, frigeret utique, repetitio illa : Oryneus Apollo . . 
et Lyciae sortes." Ausserdem ist auch zu erwägen, dass die 
Berufung des Aeneas auf jenes delische Orakel ungeschickt ge- 
wesen wäre. Der Dichter theilt uns ja den Wortlaut dieses Orakel* 
mit III 94 — 98 und wir ersehen daraus, dass es unbestimmt und 
upklar war, wie es denn auch wirklich missverstanden und auf 
die Insel Creta bezogen wurde; erst durch die Mittheilung der 
Penaten erfuhr Aeneas, dass der Gott Italien gemeint habe. 

b) Der zweite denkbare Fall*) ist der, dass der Dichter 
auch hier „dormitat". Er schrieb I 205 tendimus in Latium mit 
der Absicht, später, in der Episode (im EL III. Buche) es zu moti- 
vieren, dass Aeneas den Namen Latium kennt, vergass aber auf 
diese Motivierung und Herstellung des Zusammenhanges. 



So wie man sich an der vorliegenden Stelle für diese oder 
jene Auffassung entscheiden kann, so kann auch das Urtheil über 
JV 431 S. verschieden sein, wo Dido zu ihrer Schwester spricht: 
non iam coniugium antiquum, quod prodidit, oro, 
nee pulchro ut Latio eareat regnumque relinquat; 
tempus inane peto, requiem spatiumque furori. 
Woher weiss Dido, dass Aeneas gerade in Latium seine 
Herrschaft begründen soll? Nach des Dichters Angaben hat Dido 
von Aeneas 345 f. gehört, dass er von Apollo die Weisung hat, 
Italien aufzusuchen (vgl. 349 nnd 355). In ihrer Erwiderung 
gebraucht Dido auch nur den Namen Italia 381: 

I, sequere Italiam ventü, pete regna per undas. 
Wie kommt sie dann plötzlich auf den Namen Latium t Auch 
hier ist eine doppelte Annahme möglich. 

a) Wenn der Dichter absichtlich und mit Berechnung den 
Namen Latium gesetzt hat, dann wollte er andeuten, dass Dido von 
Aeneas oder von seinen Gefährten mehr gehört hat über das Ziel 



Diese Auffassung halte ich nach reiflicher Erwägung für wahrscheinlicher» 



83 

der Fahrt, als was ausdrücklich im IV. Buch augegeben wird. 
Dann würde zugleich auch vorausgesetzt werden, dass Aeneas und 
seine Gefährten schon Latium (und nicht bloss im allgemeinen 
Italien, Hesperien, Ausonien) als Ziel vor Augen hatten. 

b) Oder es ist auch hier ein Versehen des Dichters, eine 
Unzulänglichkeit in der Herstellung eines vollkommenen Zusammen- 
hanges anzunehmen. Der Dichter verwechselte den Standpunct der 
Dido mit seinem eigenen Standpunct. 

Aen. I 208 f. 

Talia voce refert curisque ingentibus aeger 
spem vvltu simulat, premit altum corde dolorem. 

Referre ist hier auffallend gesetzt. Das Wort wird doch 
sonst so gebraucht, dass der Begriff des re (wenn es auch zuweilen 
abgeschwächt und verblasst ist) nicht ganz verschwindet. Kräftig 
tritt die Bedeutung des re hervor z. B. IV* 437 f. 
talibus orabat, talisque müerrimar fletus 
fertque refertque soror 

Ebenso ist die Bedeutung von re leicht ersichtlich, wenn 
referre eine Entgegnung, Erwiderung bezeichnet, wie IV 31 Anna 
refert. — Schwächer ist die Bedeutung des re, wenn das Verbum 
berichten, erzählen bedeutet ; aber doch ist es auch in diesem Falle 
klar, dass referre davon gebraucht wird, was man nicht als Resultat 
eigenen Denkens, sondern als etwas von aussen Empfangenes, 
Gehörtes, Gelesenes u. dergl. vorträgt*) Wenn wir etwas, was 
uns selbst erzählt wurde, wieder weiter erzählen, da ist die 
Anwendung von referre leicht begreiflich. Da ist referre = narrata 
ferre,**) welcher Ausdruck bei Ovid Met. XII 57 vorkommt hi 
narrata ferunt alio. Aber auch dann, wenn uns etwas nicht erzählt 
wurde, sondern wenn wir es vor sich geben sahen, erlischt in 
referre (berichten) die Bedeutung des ersten Theiles nicht. Das 
Berichten, Erzählen ist doch gewissermassen eine Wiederholung, 
Erneuerung dessen, was geschehen ist. Wenn auch etwas nicht 



*) Bach zu Ov. Met. IV 43. 
**) Bach a. a. 0. 

6* 



84 ' 

zum zweitenmale in der Wirklichkeit stattfindet, so wird es doch 
subjectiv, durch die Rede wiederholt. 

An unserer Stelle aber hat referre nicht die Bedeutung 
„berichten", denn die aufmunternde Rede des Aeneas kann doch 
nicht als ein „Bericht", als „Erzählung" aufgefasst werden. — 
Soll man nun vielleicht annehmen, dass hier die Bedeutung des 
re ganz und gar verschwunden ist? Aber dies kann man nicht, 
da vollkommen zutreffende Analogien mangeln *). Soll man referre 
erklären mit Bezug auf ähnliche Ermunterungen in früherer Zeit, 
also = wieder zu Gemüthe führen? Diese Erklärung wäre vielleicht 
noch gewagter als die frühere. — Mir scheint, dass referre gesagt 
ist mit Bezug auf das, was in der Seele des Aeneas vorgieng. Ganz 
begreiflich wäre voce refert, wenn Aeneas seine innere Stimmung 
getreu mit Worten wiedergegeben hätte. Hier ist nun freilich 
das Gegentheil der Fall, da Aeneas das, was in seinem Herzen 
vorgieng, verhehlte. Aber doch erscheint es mir nicht unmöglich 
voce referre auch von dieser ungetreuen Wiedergabe der inneren 
Stimmung zu verstehen. Der Sinn wäre nach dieser Auffassung 
„so gab Aeneas seine Stimmung mit Worten wieder, a nämlich 
anders, als sie in Wirklichkeit war. 



Der folgende Vers ist ein Muster von Symmetrie in der 
Wortstellung. Es ist dies ein Punct, auf den die Erklärer VergiFs 
in Ganzen noch viel zu wenig geachtet haben, wenn sie auch 
gelegentlich kurze Bemerkungen darüber machen. Wenn wir von 
e'inem Worte, nämlich dem Adjectiv altum absehen, so entsprechen 
sich die beiden Sätze in diesem Verse ganz genau in chiastischer 
Stellung a b c c' b' a', nämlich spem = dolorem, voltu = corde, 
simulat = premit. Zugleich sind jene beiden Worte, welche die 
wichtigsten sind, an jenen Stellen gesetzt, an denen sie am besten 



*) Wenn man einige Beispiele anfuhrt, an denen referre, repetere u. dgl. 
die Bedeutung des ersten Bestandteiles vollständig eingebüsst haben 
soll, so sind diese Fälle mindestens zweifelhaft. Auch renarrare Aen. EI 
717 ist nicht schlechthin soviel wie ein einfaches narrare. 



85 

markiert sind und sich am besten geltend machen, nämlich an 
den beiden Enden des Verses. 

* 

Was die Erklärung der Worte premit altum corde dolorem 
betrifft, so ist zu bemerken, dass der dolor immer altus ist, immer 
in der Tiefe des Herzens sitzt. Aber sonst findet er einen äusseren 
Ausdruck in der Miene, in den Worten u. s. w. Bei Aeneas da- 
gegen blieb der Schmerz tief im Inneren verborgen und trat nicht 
zu Tage. 

Aen. I 211. 

tergora diripiunt costis et viscera nudant. 
Angesichts der Übereinstimmung der Handschriften in der 
Leseart diripiunt wäre es misslich das nicht beglaubigte deripiunt 
aufzunehmen. Wenn man sagt „dw signat aliquam duarum rerum 
separationem, de alterius ab altera remotionem", so ist damit 
durchaus nicht die Entscheidung gegen diripiunt gegeben. Aller- 
dings bedeutet diripere das Losreissen zweier zusammengehöriger 
und zusammenhangender Dinge von einander; aber das wollte 
eben der Dichter hier anzeigen. Gut bemerkt Kappes im Anhang : 
„Es ist kein zwingender Grund vorhanden anzunehmen, dass herab- 
reissen besser in die Ausmalung des Bildes passe, als lostrennen, 
wegreis8en. Vielmehr veranschaulicht diripere die Handlung der 
damit Beschäftigten in Verbindung mit dem epexegetischen viscera 
nudant, worin doch ausgemalt sein soll, wie allmälig die Haut vom 
Fleisch getrennt wird. Die Haut wird ja nicht mit einem Zuge 
abgezogen, wie man ein Kleid abzieht. a . Namentlich die letzten 
Worte sind treffend. In der That ist für das allmälige (so zu 
sagen ruckweise) und eine gewisse Kraftanwendung erfordernde 
Losreissen der Haut von den costae das Verbum diripere ein pas- 
sender Ausdruck. Die Haut sitzt ja nicht so locker auf den Kippen 
und dem Fleische, dass sie mit 6inem Rucke abgezogen werden 
könnte ; dabei würde das Fleisch stellenweise zerrissen werden. — 
Die Behauptung „deripiunt ob additum costis unice verum" lässt 
sich widerlegen durch den Hinweis auf ähnliche Verba, wie divel- 



86 

lere, distrahere, disiungere. Auch diese Verba, welche ein Zer- 
reissen, Auseinanderreissen verbundener Sachen oder Personen 
bezeichnen, werden gewöhnlich mit dem Objectsaccusativ des 
Plurals verbunden (divellere, distrahere, disiungere res coniunctas, 
cohaerentes) ; aber weil durch ein solches Auseinanderreissen 
zugleich ein Theil von dem anderen losgerissen und entfernt 
wird, so konnte mit diesen Verben auch der separative Ablativ 
(gewöhnlich noch mit ab) verbunden werden. Vgl. Aen. Vili 568. 
non ego nunc dulci amplexu divellerer wquam, 
nate, tuo 
Vgl. ferner Bach zu Ovid Met. HI 52 und zu Tibull I 2 84 
Was endlich die Verwechslung von diripere und deripere in 
den Handschriften betrifft, so ist nur theilweise wahr, was Gossrau 
sagt: „a librariis in his vocibus tarn saepe erratum est, ut scriptis 
libris paene sit auctoritas nulla tf . Ein Schwanken kommt freilich 
oft in den Handschriften bei den mit die und de zusammengesetzten 
Verben vor, aber in der Kegel ist doch ein günstiges Praejudiz 
für das seltenere und von den Abschreibern nicht verstandene 
diripere. Wie oft findet sich z. B. statt des richtigen cUlectus 
(Truppenaushebung) in den Handschriften delectus? Allerdings 
kommt auch das Gegentheil vor, wie Aen. I 224, wo statt des 
richtigen despiciens in zwei untergeordneten Handschriften disjpi- 
dem vorkommt; aber es ist doch ein grosser Unterschied, wenn 
an unserer Stelle in allen Handschriften mit Ausnahme einer ein- 
zigen diripiunt vorkommt und Aen. I 224 dispiciunt nur in zwei 
und noch dazu unbedeutenden Handschriften. 

Aen. I 213. 

Litore aena locunt alii flammasque ministrant. 
Servius bemerkt zu aena locant: „quibus utebantur non ad 
elixandas carnes, sed ad se lavandos. Heroicis enim temporibus 
carne non vescebantur elixa." Dieser Erklärung folgten auch viele 
neuere Erklärer. Aber mit Eecht macht Ladewig darauf auf- 
merksam, dass dies einen komischen Eindruck machen würde. 
Gewiss hatten die Troer, die eben dem Seesturm entronnen 
waren, wichtigeres zu thun, als ein allerdings sonst bei gehöriger 



87 

Müsse und überhaupt unter anderen Verhältnissen angenehmes 
warmes Bad zu nehmen. Ihnen kam es vor allem darauf an, 
Hunger und Durst zu stillen und so victu revocare tnris. Hätte 
der Dichter V. 213 an den Comfort eines warmen Bades vor dem 
Essen gedacht, so würde er übrigens gewiss ausdrücklich nach 
V. 213 es erwähnt haben, dass die Troer badeten. Da dies nicht 
ausdrücklich erwähnt wird, so haben wir volles Recht, den V. 213 
von einer Zubereitung der Speisen zu verstehen, weil der voraus- 
gehende V. 212 von einer solchen Zubereitung spricht (pars in 
frusta secant veribusque trementia figunt) und weil der folgende 
Vers 214 von dem Geniessen der Speisen spricht. Dazwischen ist 
kein Raum für das Baden. 

Wenn nun ein anderer Erklärer darauf verfiel, dass das 
vyarme Wasser zum Händewaschen bestimmt war, so wird durch 
diese Vermuthung nichts gebessert. Das Waschen der Hände in 
gewärmtem Wasser mussten die Troer in ihrer dermaligen Lage 

* 

gewiss als einen Luxus betrachten, den sich zu gestatten ihnen 
nicht einfiel. Wenn es ihnen überhaupt in ihrer Lage beikam, 
vor dem Essen sich die Hände zu waschen, so würden sie mit 
kaltem Wasser sich begnügt haben. 

Es bleibt gewiss nichts anderes übrig, als anzunehmen, dass 
das Schüren des Feuers unter den Kesseln zum Zwecke des 
Kochens stattfand. Das ist nun allerdings ein Anachronismus, 
den schon Servius bemerkte; aber es ist dies nicht der einzige 
Anachronismus bei Vergil; vgl. z. B. I 724 vina coronant. — 
Übrigens haben auch andere Dichter das Kochen des Fleisches*) 
anachronistisch in die heroische Zeit versetzt. Vgl. z. B. Ovid 
Met. I 226 ff. von Lycaon: 



*) Wir haben natürlich nur an das Kochen des Fleisches zu denken (nicht 
an das Kochen von Gemüse oder Fischen). Auch dazu zwingt uns die 
Ausdrucksweise des Dichters; denn wenn er im unmittelbar voraus- 
gehenden Verse sagt pars in frusta secant veribusque trementia figunt, 
so kann naturgemäss im folgenden Vers, wenn sich derselbe auf das 
Kochen von Speisen bezieht, nur das Kochen von einigen Theilen des 
Hirschfleisches gemeint sein. Hätte der Dichter etwas anderes gemeint, 
so musste er es eben sagen. 



88 

nee contentus eo, missi de gente Molossa 
obsidis unius iugulum mucrone resolvit; 
atque ita semineces partim ferventibus artus 
mollit aquis, partim subiecto torruit igni. 

Met. VI 645 f. : 

pars (des getödteten Itys) inde cavis exsuUat aenü, 
pars verubu8 stridet; manant penetralia tabo. 
Diese beiden Stellen kann man um so mehr als Parallel- 
steilen anfuhren, weil auch an ihnen das zugleich stattfindende 
Braten einiger Theile und das Kochen anderer Theile erwähnt 
wird, wie bei Vergil. 

Aen. I 216 ff. 

postquam exempta fames epulis mensaeque remotae, 
amissos longo socios sermone requirunt, 
spemque metumque inter dubii, seu vivere credant, 
sive extrema pati nec'iam exaudire vocatos. 
Wenn Peerlkamp im zweiten Verse clamore für sermone con- 
jicierte T so war einer von den Gründen, die ihn dazu bewogen, 
der, dass bei der überlieferten Leseart sermone die Worte nee tarn 
exaudire vocatos eine genügende Erklärung nicht zuliessen. Und 
in der That scheint es, dass diese Worte darauf hinweisen, dass 
die Gefährten des Aeneas ihre verlorenen Freunde riefen, wobei 
sie die Möglichkeit annahmen, dass dieselben, falls sie noch am 
Leben wären, sie hören könnten. Die Erklärung, dass die Worte 
nee iam exaudire vocatos auf das bei deu Eömern übliche concla- 
mare sich beziehen und darum so viel bedeuten wie esse mortuos 
halte ich für unzulässig, weil hier dieser Hinweis auf jene Sitte 
steif, affectiert und ungeschickt wäre. Mag man nämlich vocatos 
als hypothetisches Participium auffassen (wie Ladewig „wenn man 
sie riefe") oder „cum vocati sunt" (Gossrau): stets ist diese Hin- 
weisung auf die conclamatio seltsam, weil ja die Leichen der ver- 
meintlich todten Gefährten nicht da liegen und weil die Troer 
überhaupt gar nicht wissen, wer eigentlich von den vermissten 
Freunden schon eine Leiche ist (die spes ist ja nicht ganz ver- 
schwunden; vgl. 218) und wo sich eventuell die Leiche befindet 



8£ 

Eine Hinweisung auf die Sitte des conclamare kann man sich 
natürlicher Weise doch nur dann denken, wenn die Leiche da ist 
Oder sollte man das Participium vocatos gewissermassen doppelt 
hypothetisch auffassen „wenn die Leichen abwesend wären und 
man sie dann riefe l? tt Das wäre doch der Gipfel der Unwahr- 
scheinlichkeit. Vgl. auch die Bemerkung Peerlkamps: „Vocatos 
dicunt, quia mortui ab- amicis invocantur et conclamantur. Sed 
nesciebant, utrum socii viverent, an extrema passi essent. Erant 
dubii inter spem et metum. Quäle hoc omen fecissent, concla- 
mare eos, qui fortasse vivebant ! . . . Si supra leges clamore, sana 
haec est et simplex explicatio: dubii inter spem et metum, seu. 

inventuri socios essent et accepturi responsum ad longos cla- 

• * 

mores, seu iam mortui essent, neque adeo clamorem audire 
possent." Aber so sehr man auch anerkennen kann, dass die 
Worte nee iam exaudire vocatos die von Peerlkamp angenommene 
Bedeutung zu haben scheinen, so ist doch andererseits der Ge- 
danke, den er in den Vers 217 mit der Conjectur clamore hin- 
einlegt, durchaus unstatthaft. 

Siebeiis bemerkt mit Recht, es wäre lächerlich vom Lande 
aus die Gefährten zu rufen, die irgendwo weit auf dem Meere 
herumtrieben und von denen die Troer vom Lande aus auch nicht 
eine Spur entdecken konnten. Und auch noch einen anderen Grund 
muss man geltend machen. Wenn nämlich die Troer erst jetzt 
ihre verlorenen Gefährten riefen und an die Möglichkeit glaubten, 
dass dieselben ihre lauten Rufe hören könnten, so müsste man 
verwundert fragen: Warum haben sie dies nicht längst schon 
gethan ? Warum war es, sobald sie das willkommene Ufer betraten, 
nicht gleich ihre erste Sorge, zu versuchen, ob sie durch Rufen 
von ihren vermissten Freunden etwas erfahren könnten? Warum 
also hat der Dichter dies nicht gleich nach V. 173 erwähnt? 
Statt dessen Hessen die Troer eine geraume Zeit verstreichen 
(denn alles das, was zwischen V. 173 und 215 liegt, musste doch 
geraume Zeit in Ansprach nehmen) und thaten sich unterdessen 
nach Möglichkeit gütlich, und erst nachdem sie impleti erant veteris 
Bacchi pinguisque ferinae, erinnerten sie sich, dass sie doch den 
Versuch machen sollten, ihre vermissten Freunde zu rufen, welche 



90 

möglicherweise diese Rufe hören könnten! Wie egoistisch, wie 
sorglos, aber auch wie unwahrscheinlich! — Gewiss hat der 
Dichter nicht an die von Peerlkamp. angenommene Möglichkeit 
gedacht; er lässt nur den Aeneas einen Felsen besteigen und 
weithin über das Meer blicken, ob irgendwo etwas von den ver- 
missten Schiffen zu sehen wäre. Und wenn nun dieser Versuch 
erfolglos war (navem in cönspectu nullam V. 184), warum liess 
Aeneas es zu, dass die Troer ihre vermissten Gefährten riefen? 
warum sagte er ihnen nicht sofort, dass weit und breit nichts 
von ihnen zu sehen war? oder hätte er glauben sollen, dass der 
Euf weiter reiche, als das Auge?*) 

Kurz Schwierigkeiten zeigen sich in dem einen wie in dem 

• 

anderen Falle. Diese Schwierigkeiten lassen sich nur durch die 
Tilgung der Worte seu vivere credant sive extrema pati nee iam 
exaudire vocatos beseitigen. Es wäre in diesem Falle anzunehmen, 
dass Vergil den V. 218 unvollendet liess und dass die Worte seu 
vivere — vocatos später hinzugefügt wurden, um einen doppelten 
Zweck zu erreichen, nämlich um den Halbvers zu beseitigen und 
zugleich um eine etwa wünschenswerth erscheinende Paraphrase 
und Erklärung der Worte spes und metus zu liefern. Diese An- 
nahme wird vielleicht auch durch einige Indicien unterstützt, 
welche die der Athetese verfallenden Worte selbst liefern. 

Die eigenthümliche hier vorkommende Frageform findet 
nirgends im Latein eine zutreffende Parallele; denn durch den 
Umstand, dass *t fragend gebraucht wird und dass innerhalb des 
mit vi eingeleiteten Fragecomplexes in einem Satze auch ve vor- 
kommt, wird die hier vorliegende Frageform nicht gerechtfertigt 
Die Stelle, auf die man sich beruft, ist Aen. IV 110 ff. : 
Sed fatis incerta feror, si luppiter unam 
esse velit Tyriis urbem Troiaque profectis, 
miscerive probet populos aut foedera iungi. 
Allerdings ist auch hier im regierenden Satze ein ähnlicher 
Ausdruck, nämlich der des Zweifels, der Ungewissheit : aber sonst 



*) Auch der Umstand spricht gegen Peerlkamp' s ganze Auffassung, dass 
es im folgenden heisst: praeeipue pius Aeneas nunc acris Oronti, nunc 
Amyci casum gemit. Wenn nämlich nach dem Verhalten der Troer 



91 

welcher Unterschied! Namentlich ist die Differenz wichtig, dass 
an unserer Stelle im abhängigen Fragesatze credere vorkommt. 
Um der Stelle im IV. Buch einigermassen ähnlich zu sein, müsste 
unsere Stelle wenigstens lautem dubii, si vivant Eigentlich aber 
erwartet man : dubii, utrum vivant an extrema passi sint. — Eine 
andere Stelle, die Wagner (Quaest. Virg. XXXVI. 6) anführt, 
sieht ebenfalls ganz anders aus, nämlich II 738 f. 

Auch der Umstand erregt Bedenken, dass man hier, wo 
dubii bereits eine vollkommen genügende nähere Bestimmung 
durch die Worte spemque metumque inter erhalten hat, einen von 
dubii abhängigen Fragesatz nicht mehr erwartet. 

Dass auch der Ausdruck extrema pati wegen des Praesens 
auffällt, ist von anderen bemerkt worden. 

Aen. I 223 ff. 

Et iam firm erat, cum Iuppiter aethere summo 
despiciens mare velivolum terrasque iacentis 
litoraque et latos populos, sie vertice caeli 
constitit et Libyae defiarit lumina regnis. 
Von den Worten et iam finis erat sagt Weidner, dass die 
Echtheit derselben nicht ohne Bedenken bleibt. Er sagt: „Wovon? 
(näml. finis). Der Klagen? Aber diese Verbindung wäre der- Würde 
des Epos sicher unangemessen. Oder des Sturmes? Diese An- 
knüpfung wäre passend, aber im Vorausgehenden geschieht des 
Sturmes unmittelbar vorher keine Erwähnung." Dass finis nicht 
von dem Ende des Sturmes verstanden werden kann, ist klar. Es 
muss finis das Ende der Klagen bedeuten.*) Warum nun dies der 
Würde des Epos unangemessen sein sollte, leuchtet mir nicht ein. 
Die Verbindung der Erzählung von den Vorgängen im Himmel 
mit der von den irdischen Ereignissen kann Weidner nicht als 

speciell das Verhalten des Aeneas mit den Worten praeeipue gemit er- 
wähnt wird, so ist es klar, dass auch im Vorausgehenden von den 
Troern etwas dem gemere ähnliches ausgesagt wurde. Dies bietet aber 
eben die Überlieferung longo socios aermone requirunt. 
*) Dass das Wörtern» schon den alten Erklärern Schwierigkeiten machte, 
ist aus dem Servianischen Commentar ersichtlich. Da werden folgende 
Erklärungen aufgestellt: epularum, famis, malorum, fabularum, diei. 



92 

I 

eine der Würde" des Epos widerstrebende bezeichnen, da gerade 
dies Moment dem Epos zukommt und zusagt. Also fand Weidner 
in den Worten et iam finis erat selbst etwas unwürdiges. Wahr- 
scheinlich glaubte er, es sei sonderbar, dass Jupiter gerade erst 
am Ende der Klagen der Troer seine Aufmerksamkeit den Vor- 
gängen an der libyschen Küste zuwandte. Warum nicht schon 
früher? Sieht das nicht wie eine Sorglosigkeit aus? Man kann 
auch in der That zugeben, dass es passender wäre, wenn Jupiter 
wahrend der Klagen der Troer oder schon früher auf das Schick- 
sal der Troer sein Augenmerk gerichtet hätte. Man kann nicht 
absehen, welchen besonderen Zweck der Dichter gerade mit et 
iam finis erat verbunden haben sollte. Aber andererseits muss 
zur Entschuldigung des Dichters doch wol hervorgehoben werden* 
dass die Worte et iam finis erat das Änstössige, was sie zu haben 
scheinen, verlieren, wenn man dieselben als eine rein äusserliche 
Zeitbestimmung*) nimmt, wenn man also annimmt, dass zwischen 
diesen Worten und dem Satze cum Iuppiter cet. keine innere Be- 
ziehung stattfindet und dass Vefgil ebenso eine andere Zeit- 
bestimmung hätte wählen können. So findet z. B. auch VIII 
454 flf. kein innerer Zusammenhang, kein Causalnexus statt. — 
Übrigens kann man die in Rede stehenden Worte vergleichen 
mit Odyss. % 479. 



über mare velivolum bemerkt Weidner: „Während Ennius 
die naves velivolae oder velivolantes (Trag. 89) nennt, hatte bereits 
Livius die kühnere Verbindung mare velivolum. Denn ist das 
Meer mit Schiffen und Segeln bedeckt, so scheint dieses selbst 
dem Auge sich zu bewegen." Diese Auffassung ist wol zu künst- 
lich uud man wird eher Servius beipflichten, der dem Adjectiv 
velivolus eine active und eine passive Bedeutung vindiciert : „Veli- 
volum duas res significat, et quod velis volatur i.e. transitur. ut 
hoc loco, et quod velis volat, ut Ennius naves velivolas." 



*) Die Bemerkung Weidner's „am liebsten erwartete man eine Zeitbe- 
stimmung u lässt sich auf diese Weise erledigen. 



93 



Der Vers litoraque et latos populos, sie vertice caeli, den 
schon Bau anstössig gefunden hat, ist überflüssig, da mit der 
Zweitheilung ma/re velivolwn und terra» iaeentü alles genügend 
erschöpft zu sein scheint Würde man diesen Vers tilgen, so 
müfiste man dann allerdings, damit constitit nicht kahl dastünde, 
den Ablativ aethere summo als Bezeichnung des wo nehmen und 
mit constitit verbinden. — Aber es wäre doch gewagt, den V. 225, 
wenn er auch nicht nothwendig ist, zu tilgen. Wollte man in der 
Kritik das Frincip durchführen, alles nicht gerade nothwendige 
zu tilgen, so würden zahllose Verse der Aeneis zum Opfer fallen. 
Übrigens hat der Dichter den Ausdruck litora wol absichtlich 
angewandt, um den Übergang zur Hauptsache einzuleiten. Was 
die Aufmerksamkeit Jupiters diesmal fesselte, dessen Schauplatz 
war ja und sollte in noch höherem Masse fernerhin Libyens 
Gestade sein. — Das recapitulierende sie wird namentlich durch 
VE 668 und VIII 488 genügend geschützt. 

Der Ausdruck constitit veranlasst uns anzunehmen, dass 
Jupiter, indem er seine Rundschau vornahm, oben auf der 
Himmelsburg einen Rundgang machte, um von allen Seiten alle 
Theile der Erde überblicken zu können ; plötzlich blieb er stehen, 
als Lxbyae regna seine Aufmerksamkeit erregten. 

Aen. I. 231 ff. 

Quid mens Aeneas in te committere tantwn, 
quid Troes potuere, quibus tot funera passis 
cunctu8 ob Italiam terrarum clauditur orbisf 

Von den beiden Erklärungen, die sich schon bei Servius 
bezüglich der Worte ob Italiam finden (1. ob local 2. ob=propter) 
ist unzweifelhaft die erste anzunehmen. Sie ist nämlich sachlich 
richtig, während die andere eine sachliche Unrichtigkeit involviert, 
weil andere Länder den Troern keineswegs verschlossen waren, 
worauf Nauck unter Berufung auf IV 90 ff. hingewiesen hat. Auch 
in Sicilien hätte Aeneas gewiss bleiben können. 



94 

Die locale Erklärung von ob wird auch dadurch empfohlen,, 
dass Venus am Schlüsse ihrer Rede (252) sagt „Italis longe dis- 
iungimur oris; u und offenbar sollte im V. 233 derselbe Gedanke 
ausgesprochen werden. Man erwäge auch, dass derselbe Gedanke 
auch sonst öfter hervorgehoben wird als der eigentliche Cardinal- 
punct der Bestrebungen der Juno; vgl. 31, 32, 38. — Wenn 
Aeneas V. 385 von sich sagt Europa atque Asia pulsus, so ist 
das nur eine bei dem Dichter öfter vorkommende und beliebte 
Übertreibung *) ; Europa ist mit hyperbolischer Allgemeinheit statt 
der sachlich richtigen Beschränkung Italia gesetzt, wie Asia 
statt Troas. 

Die Worte ob ltaliam sind nach der localen Auffassung ein 
schöner Ausdruck. Die vor Italien gelegenen Gegenden sind so 
gewissermassen das Thor, durch welches der Zutritt zu Italien 
erfolgen müsste. Dies Thor ist geschlossen und den Troern ist 
es nicht gegönnt, Italien auch nur nahe zu kommen. 

Endlich ist zu bemerken, dass auch der Zusammenhang der 
vorliegenden Stelle deutlich für die Richtigkeit der localen Auf- 
fassung der Praeposition ob spricht ; denn wenn Venus den Jupiter 
an sein Versprechen erinnert (V. 234 ff.) „certe hinc Romanos 
olim volventibus annis," so ist doch natürlich anzunehmen, 
dass sie in dem unmittelbar vorausgehenden Vers 233 den Ge- 
danken aussprach „die Troer können nicht nach Italien gelangen, tt 
nicht aber den Gedanken „die Troer können nirgendwo sich nieder- 
lassen, die ganze Welt ist ihnen verschlossen." 

Aen. I 238 ff. 

Hoc equidem occasum Troiae tristisque ruinas 
8olabar fatis contraria fata rependens ; 
nunc eadem fortuna viros tot casibus actos 
insequitur. 

Es ist hier zunächst die Frage aufzuwerfen, welchen Sinn 
eigentlich die Verbindung solari occasum Troiae hat und wie über- 



*) Eine solche Übertreibung, durch die ein bestimmter Zweck kräftiger 
erreicht werden soll, ist z. B. auch V. 251 navibus amissis. 



95 

haupt diese Verbindung möglich wurde. Wenn man an der Be- 
deutung „trösten" festhält, so gelangt man nicht zum Ziele. Man 
kann doch in diesem Sinne nur sagen solari hominem miserum 
oder solari mit einem Object, welches Betrübniss, Schmerz, Sehn- 
sucht, Bangigkeit oder überhaupt eine gedrückte Stimmung be- 
zeichnet Belehrend ist in dieser Hinsicht Aen. XII 110, weil an 
dieser Stelle mit einem Object der Person parallel verbunden ist 
metum: Tum socios maesüque metum solatur Iuli. 

Wenn aber ein Object, das weder eine Person, noch eine 
trübe Gemüthsstimmung bezeichnet, mit solari und consolari ver- 
banden wird, sondern ein Object, das ein Unglück bezeichnet, 
so wird man wol nur sagen können, dass hier die Analogie ein- 
wirkte und zwar die Analogie der Verba levare, lenire, was darum 
geschehen konnte, weil das Resultat von consolari eine Erleichte- 
rung, Linderung ist. 

Bemerkenswerth ist, dass auch das griechische TtaQafiv- 
feirihu, freilich erst bei späteren Schriftstellern, eine ähnliche 
Gonstruction annimmt. 



Im V. 239 wird der Ausdruck contraria fata gewöhnlich von 
dem unglücklichen Schicksal der Troer verstanden. So erklären 
Heyne, Weidner, Ladewig*) u. a. — Aber diese Auffassung er- 
scheint wegen des Zusammenhanges, in welchem der unmittelbar 
folgende Vers mit V. 239 steht, unzulässig. Es ist nämlich klar, 
dass der Dichter einen Gegensatz beabsichtigte zwischen eadem 
fortuna und fatis contraria fata. Er lässt die Venus sagen, dass 
äe immer auf einen Wechsel im Schicksal der Troer hoffte und 
dass sie nun leider sieht, dass sich dies Schicksal nicht ändern 



*) Heyne : „regendem : compensans, fata contraria, Troianorum calamitates, 
fatis sc. melioribus, novo Italiae regno." Weidner: „laetis fatis tristiora 
compensare." Ladewig: „indem ich das ungünstige Schicksal der Tro- 
janer mit dem andern (dem bessern nämlich) abwog." — Bei Servius 
ut wol zu lesen: „Fatis contraria fata: utrum fatis bonis an praesen- 
tibn8?£ Darnach würde Servius zwei Erklärungen erwähnen, die erste 
fatU ■=. fatis bonis (also contraria fata = calamitates), die zweite fatis. 
n&mL praesentibus fatis (als ein von contraria abhängiger Dativ). 



/ 



96 

will, dass ein und dasselbe Geschick fortwährend die Troer ver- 
folgt. Wenn nun aber der Dichter diesen Gedanken auszudrücken 
beabsichtigte, so muss man unter dem von contraria abhängigen 
Dativ fatis (sc. praesentibus) das bisherige Schicksal der Troer 
und unter contraria fata das entgegengesetzte Schicksal, 
welches Venus in Folge des von Jupiter gegebenen Versprechens 
erwartete, verstehen. 

Allerdings entsteht nun die Frage, die Forbiger aufwirft „sed 
quid tum significat rependens? cum rependere semper sit i. q. par 
pari reddere, compensare aliquid aliqua re, et cum Ablativo con- 
strui soleat." Auf diese Frage muss man antworten, dass rependens 
nach dieser Erklärung in dem Sinne von »erwägend" genommen 
werden müsste. Freilich kommt diese Bedeutung nur bei Claudian 
(Cons. Mall. Theod. 228) vor, aber da in der classischen Zeit 
nicht bloss perpendere, sondern auch das einfache pendere in der 
geistigen Bedeutung „erwägen" vorkommt, da ferner pensare und 
pensitare ebenfalls diese Bedeutung hat, so wird man wol auch 
bei rependere dieselbe Bedeutung für die ältere Zeit annehmen 
können. Was r e betrifft, so könnte man vergleichen r eputare. Aber 
es ist auch möglich, dass rependere „dagegen erwägen" bedeutet 
und dass dies „dagegen" aus V. 238 (occasum Troiae tristisque 
ruinas) ergänzt werden muss = gegenüber dem Untergang von 
Troia das diesem unglücklichen Geschick (fatis) entgegengesetzte 
verheissene Geschick erwägend! 

Aen. I 242 ff. 

Anterior potuit mediis elapsus Achivis 
Ulyricos penetrare sinus atque intima tutus 
regna Liburnorum et fontem superare Timavi 
Tutus steht stilistisch nicht, wie Forbiger meint, im Gegen- 
satze zu tot casibus actos (V. 240), sondern da mit V. 242 ein 
neuer Abschnitt der Rede beginnt, der mit 252 endet, so muss 
man den stilistischen Gegensatz von tutus suchen in den Worten 
251 navibus amissis cet. Dass dieser stilistische Gegensatz vom 
Dichter beabsichtigt wurde, erhellt daraus, dass innerhalb des 
von 242 bis 252 reichenden Abschnittes zwei einander scharf ent- 



97 

gegellgesetzte Partien vorkommen, nämlich 242—249 und 250—252. 

So ist 

AnUnor (242) opp. nos (250) 



penetrare sinus 

atque intima tutus regna opp. ltalis longe disiungimur oris 
Liburnorum 

tutus opp. navibus amissis 

Antenor (der nicht einer solchen Abkunft sich zu rühmen 
vermag wie Aeneas) konnte ungefährdet und unverletzt Illyricos 
penetrare sinus atque intima regna Liburnorum und dort eine 
Stadt gründen ; Aeneas (der von göttlicher Herkunft ist) wird nach 
dem Yerlust der Schiffe preisgegeben und kann nicht einmal in 
die Nähe der Küsten Italiens (seines Zieles) gelangen, sondern 
ltalis longe disiungitur oris. 

Es ist ferner auch klar, dass Vergil absichtlich, um den 
Effect zu steigern, die zwei Worte intima und tutus unmittelbar 
neben einander gestellt hat. 

Aen. I 254 ff. 

Oüi 8Übriden8 hominwn sator atque deortm 

voltu, quo caelum tempestatesque serenat, 

oscula libavit natae 
Servius führt die Verse des Ennius (Ann. fr. ine. 3 p. 67 
Vahlen) an, welche Vergil vor Augen hatte: 

Iuppiter hie rüit tempestatesque serenae 

riserunt omnes risu Iovis omnipotentis. 
Man erkennt an, dass die Nachahmung VergiTs geschmack- 
voll ist Namentlich ist hiebei zu beachten, dass Vergil das ridere 
des Ennius gemildert hat, und man kann wol annehmen, dass 
dies absichtlich geschehen ist. Es erschien wol dem Dichter eine 
solche Veränderung der Gesichtszüge und was sonst mit einem 
förmlichen Lachen verbunden ist, als nicht geziemend der erhabenen 
Würde und majestätischen Ruhe des höchsten Gottes, von dem 
ein blosser Wink hinreicht, um den ganzen Olymp erzittern zu 

Krlfal» : VwfUitudlen. 7 



E 


426 


O 


47 


A 


595 



98 

machen (X 115). Und dass der Dichter daran wol gethan ha 
wer möchte dies bezweifeln? Auch XII 829 kehrt olli mbride\ 
von Iupiter wieder. Dagegen Venus IV 128 dolis risib repertis. 
Auch bei Homer wird (mit Ausnahme einer einzigen Stelle 
den beiden höchsten Gottheiten Zeus und der Here nur ein fu 
örjacu, paidiäv beigelegt: 

tieidrjaev dh 7iarr}(> ävdQtSv re freäv te 

Heldqoev dh hccttjq dvdqcSv te ftecov te 
f. (leldrjtfev dh &eä XevxcSXevog c, Hqt] • 

psidrJGccocc dh naidog kdil-axo %blqI xviteXXov. 
3 222 f. [tetdrjaev dh ßoäitig n&vvia "Hgy, 

fieidytrccGa d y ikeita ea> hyxüz&ero xoXtoo 
434 petdrjaev dh &eä XevxcSkevog "Hjjw?.; 

491 e&eive naq ovccra peidiocooa 

hvtqo%aki%o\Uvr\v 
Dagegen z. B. von der Athene 
408 yekaaee dh Ilakkag "Ad^vri 

und von den Göttern 
A 599 und # 326 äeßeetog d y ap' iv&Qto yikcog (iccxccQeGGi, &eoi& 

# 343 iv dh yskwg coqt ä&avdroiGi fteotöiv. 

Aber von dem ernsten, majestätisch würdevollen Poseido 
sagt der Dichter 

# 344 ovdh IIoGeiddcovcc yekfog e%e 

Von den oben angeführten Stellen sticht ab 
Hymn. Herrn. 389 Zevg dh (iiy y h£eyekaa<sev**) 
Hesiod. Erga 59 ix d y eyikaöae itatrjQ ävdQ&v xe ftecav te. 

Dagegen sagt der Dichter des Hymnos auf Demeter 358 
von Aidoneus (leidtjaev 14'idcovevg. 

Mancherlei Missgriffe finden sich, um dies noch gelegentlic 
zu bemerken, in Betreff des Lachens der Götter bei spätere 
Dichtern. So ist ein derber Missgriff bei Quintus Smyrnaeus. 
IH 665 xal tote xay%ak6&6a di alfrsQog rjkvd'ev *Hcig. 



*) nämlich $ 508 (KQOvldrjg) dvslQeto tfdv yeXdoaccg, wie auch Batrac 
171 {Zevs) qdv yeköv. 
**) Zu dem kecken, übermüthig lustigen und die Götter nicht mit grosse 
Respect behandelnden Tone dieses Hymnos stimmt freilich auch das. 



9y 

Dieser Dichter scheint aber überhaupt nay%aXav mit Vorliebe 
für ysXSv gebraucht zu haben; vgl. IV 585, VII 353, VIII 39. 
Auch das Horazische 

ridetque (sc. dem), si mortalis ultra 
'■ fas trepidat 
braucht man nicht zu loben; schön und edel ist der hier ausge- 
sprochene Gedanke keinesfalls. 

Aen. I 265 f. 

tertia dum Latio regnantem viderit aestas 
ternaque transierint Rutulis hiberna subactis. 
Was den Dativ Rutulis subactis betrifft (denn den Dativ hat 
man wol hier anzunehmen), so vergleiche man ausser den Stellen, 
die gewöhnlich angeführt werden, noch besonders z. B. Hom. B 
295 1 r t iuv (f sivccTÖg höxi iteQitQOiti&v eviavrog ivfrdda lupvov- 
taflfc. & 413 f. dv&dsKutri di ol fjcog xst^hco. t 192 f. tä cT rjdrj 
iixarrj rj Svdsxdtr] itikev y&g ol%oiiev(p Gvv vrjval xoQ&vfow v Ihov 
«BftD. Her. I 84 iizeidrj teaae^sexatösKarri iyivexo faigri TtofooQxso- 
tlwp Kyotocp Thuk. DI 29 rjtisQcu ^idkiOta foav tjj Mirvk^vjj 
iakaxvla imd. 

Aen. I 267 ff. 

At puer Ascanius, cui nunc cognomen Iulo 
additur — llus erat, dum res stetit Uta regno — 
triginta magnos volvendis mensibus orbis 
imperio explebit regnumque ab sede Lavini 
transferet et longam multa vi muniet Albam. 
Hie tarn ter centum totos regnabitur annos cet. 
Dass V. 268 Anstoss erregt hat (vgl. Heyne Exe. VIH zu 
dieser Stelle), ist begreiflich. Wenn Heyne sagte „altera in h. 1. 
quaestio est, an pro carminis epici maiestate, et in Iovis oratione, 
eaque ad Venerem, Acneae matrem, etymologia talis recte inserta 
esse videri possit" — so unterliegt es keinem Zweifel, dass er 
mit richtigem Gefühl das Unpassende dieses Verses bezeichnete. 
Aber wenn man auch die Berechtigung des Tadels zugibt, so 
folgt daraus noch nicht die Berechtigung der Athetese. Der 

7* 



100 

Dichter, der auch sonst Etymologien liebte und namentlich gern 
den Zusammenhang römischer Namen mit troianüchen hervorhob,*) 
wollte auch hier betonen, nicht bloss, dass die Itdii ihren Namen 
von Intus haben, sondern auch dass der Name Iulus nichts anderes 
sei als nur eine lautliche Veränderung des ursprünglichen Namens 
Mus, den auch der Sohn des Tros und Bruder des Assaracus 
(VI 650) führte. Der Dichter gestattete sich der vorgefassten 
Etymologie zu liebe die freilich sonderbare Annahme, dass Asca- 
nius, so lange Won unversehrt stand, den Beinamen Um führte 
und dass erst nach dem Falle Ilions auch der Name Uus eine 
Veränderung erfuhr.**) — Dass V. 268 geschützt ist durch das 
nunc im V. 267, haben bereits mehrere Erklärer hervorgehoben; 
es wäre in der That das nunc ohne den Gegensatz der Ver- 
gangenheit (Ilus erat, dum res stetit Ilia regno) unverständlich. 

Die Worte triginta magnos volvendis mensibus orbis imperio 
explebit regnumque ab sede Lavini transferet lassen sprachlich 
eine doppelte Erklärung zu, je nachdem unter der Herrschaft 
von 30 Jahren die ganze Regierungsdauer des Ascanius ver- 
standen wird (so dass also der Zeitpunkt der Übertragung der 
Herrschaft von Lavinium nach Alba longa in diese Periode von 
30 Jahren fiele) oder nur ein Theil^ nämlich der dreissigjährige 
Theil der Regierung des Ascanius vor der Gründung von Alba 
longa. 



*) Vgl. V 568 

alter Atys, genus unde Atii duxere Latini 
VH 706 ff. 

ecce Sabinorum prisco de sanguine magnum 
agmen agens Clausus magnique ipse agminis instar, 
Claudia nunc a quo diffunditur et tribus et gens 
per Latium 
**) Neben der Sage, der Vergil folgt, gab es übrigens noch zwei andere 
Variationen. Nach der Sage, welcher Livius folgte (I 11) war Ascanius 
ein Sohn des Aeneas und der Lavinia. Noch andere machten den Asca- 
nius zum Vater des Iulus. Es ist nun sehr wahrscheinlich, dass der 
Dichter, dem diese Varianten bekannt waren, und der den Ascanius, 
Sohn der Oreusa, mit Iulus für identisch hielt, den V. 268 hier einschob, 
um seine Ansicht mit dem Hinweis darauf zu stützen, dass Iulus aus 
Bus entstanden sei und dass somit Iulus ein dem Aeneas noch in Troia 
geborener Sohn sei. 



101 

Die zweite Auffassung ist die richtige; vgl. VII 46 ff. 
hie locus wrbis erit, requies ea certa laborum; 
ex quo ter denis urbem redeuntibus annü 
ÄBcaniu8 clari condet cognomtnis Albam. 
liiv. I, 3, 4 inter Lavinium et Albam Longam deduetam coloniam 
triginta ferme iuterfuere anni. 

Es ist somit V. 269 ff. zu erklären: triginta magnos vol- 
yendis mensibus orbis Lavinii imperio explebit regnumque tum 
ab sede Lavini transferet. *) 

Im V. 272 erklärt iam Ladewig gut: „tarn, sofort, steht zu- 
weilen von zukünftigen Dingen, die sich unmittelbar an das zuletzt 
Erwähnte anschliessend Es weist iam auf den durch die Worte 
regnom ab sede Lavini transferet et longam multa vi muniet 
Albam bezeichneten Zeitpunct hin, von welchem angefangen ter 
centum totos regnabitur annos = da oder dann, wenn nämlich 
die Herrschaft von Lavinium nach Alba Longa übertragen worden 
sein wird, wird 300 Jahre geherrscht werden. Ähnlich VI 676 
hoc superate iugum, et facili iam (dann, si superaveritis hoc 
iugum) tramite sistam. Cic. Brut. 17 ipsa verba compone et 
quasi coagmenta: iam neminem antepones Catoni (iam = si ipsa 
verba composueris). Im Griechischen wird ebenso d^ und ijdr] 
gebraucht. 

Aen. I 297 ff. 

Haec ait et Maia genitum demittit ab alto, 
ut terrae utque novae pateant Carthaginis arces 
hospitio Teucrü, ne fati nescia Dido 
finibus arceret. Volat ille per aera magnum 
remigio alarum ac Libyae citus adstitit oris 
Et iam iussa facit ponuntque ferocia Poeni 
corda volente deo; in primis regina quietum 
aeeipit in Teucros animum mentemque benignam. 



*) Dies stimmt nun auch zu der offenbar vom Dichter beabsichtigten Gra- 
dation und Progression: drei Jahre wird Aeneas herrschen, dreissig 
Jahre wird die Herrschaft des Ascanius in Lavinium dauern, drei hundert 
Jährt wird die Herrschaft in Alba Longa währen; aber die Herrschaft 
Borna wird zeitlich unbeschränkt sein (278 f.). 



102 

Diese ganze Versgruppe möchte man im Interesse der Über- 
einstimmung wegwünschen.*) Jupiter schickt den Mercur nach Kar- 
thago, um den Troern gastfreundliche Aufnahme zu sichern. Aber 
Dido und die Poener wissen nichts von Mercur. Es heisst nur 
„et iain iussa facit, ponuntque ferocia Poeni corda volente deo. a 
Wie das aber Mercur zu Stande brachte, wird nicht gesagt. Doch 
dies könnte man allenfalls noch als poetische Reticenz oder Brachy- 
logie gelten lassen. Man könnte sagen, es sei genug daran, dass 
der Dichter andeute, dass Mercur seinen Auftrag vollführte und 
zwar mit Erfolg ; die Vorstellung des Wie konnte der Dichter den 
Lesern überlassen. Man müsste natürlich, da Dido und die Poener 
von Mercur nichts wissen,**) annehmen, dass die Einwirkung 
Mercur's auf die Poener in irgend einer geheimnissvollen Weise 
stattgefunden hat. — Erheblicher aber ist, dass die Worte des 
Dichters ponuntque ferocia Poeni corda volente deo später keine 
Bestätigung finden, sondern dass sie vielmehr durch die spätere 
Darstellung geradezu widerlegt werden. Von einer bedeutenden 
ferocita8 der Poener gegen die Troer zeugen ja die Worte des 
Ilioneus 525 

pröhibe infandos a navibus ignes, 
dann seine Klage und Warnung 539 ff. 

quod genus hoc hominum? quaeve hunc tarn barbara rnorem 

permittit patria? hospitio prohibemur arenae; 

bella cient primaque vetant consütere terra. 

Si genus humanuni et mortalia ternnitis arma, 

at sperate deos memores fandi atque nefandi. 
Die Poener ponunt ferocia corda nicht volente deo, sondern 
nach der späteren Darstellung des Dichters volente regiria.***) 

*) Dass diese Partie auch Weidner nicht eben gefiel, ersieht man aus seiner 
Bemerkung: „Die Scene ist kurz und in mystisches Dunkel gehüUt. 
Denn man sieht nicht, wie Merkur seinen Auftrag ausrichtet; nur die 
Folgen treten hervor (302 — 304). Aber auch darauf nimmt der Dichter 
im Verlauf der Handlung keine Rücksicht mehr (525. 540. 567. 68). u 

**) Wenn das Gegentheil der FaU wäre, so müsste es doch Dido in ihrer 
Rede 562 ff. oder 615 ff. erwähnen. Statt dessen lässt der Dichter die 
Dido einen ganz anderen Grund für ihre freundliche Gesinnung gegen 
die Troer angeben V. 565 ff., ferner 619 ff. und 630. 

***) Ein zweites Bedenken, welches nämlich die Worte „ne fati nescia Dido 



103 

So sehr man nun aber auch im Interesse einer einheitlichen 
und in ihren Theilen zusammenstimmenden Dichtung diese Partie 
wegwünscht, so darf man doch wol dieselbe nicht als Interpolation 
erklären. Nach meinem Dafürhalten ist Weidner's Bemerkung 
treffend: „Es scheint, als ob Virgil diese Scene nur eingefügt 
bat, um zwischen der Handlung in Afrika und im Olymp eine 
Verbindung herzustellen und der Unterredung zwischen Venus 
und Jupiter doch auch eine unmittelbare Folge zu geben." — 
Der Dichter würde bei genauerer Durchsicht und Feile die 
dadurch entstandene Incongruenz beseitigt haben. In dem vor- 
läufigen Entwurf des Gedichtes aber entgieng ihm der Wider- 
sprach zwischen dieser Partie und der folgenden Darstellung. 

Aen. I, 314 ff. 

cui mater media sese tulit obvia silva, 
virginis 08 habitumque gerem et virginis arma, 
JSpartanae vel qualis equos Threissa fatigat 
\ Harpalyce volucremque fuga praevertitur Hebrum» 

Wenn man die Gründe, welche für das überlieferte Hebrum 
und für Rutgers Conjectur Eurum sprechen, gegen einander hält 
nad unbefangen abwägt, so scheint die Überlieferung den Vorzug 
zu verdienen. Für Eurum und gegen Hebrum führt man des 



finibus arceret" bieten, lässt sich nach Ladewig's Auffassung beheben. 
Wenn man nämlich annehmen würde, dass Mercur von Jupiter den Auftrag 
erhielt, der Dido auch die Schicksalsbestimmung mitzutheilen, dass die 
Troer nach Italien gelangen sollen: dann würde in der folgenden Dar- 
stellung manches damit nicht übereinstimmen. Schon Servius war dar- 
auf aufmerksam und bemerkt: „Ergo hoc agitur, ut discat Dido eos ad 
Italiam tendere. Quomodo ergo se iungit Aeneae? Sed furoris illud 
est, non consilii." Wichtiger als dies Bedenken aber wäre, dass Dido 
IV 376 ff. es nicht glauben will, dass Aeneas eine göttliche Weisung 
habe, Italien zu suchen. Wenn sie aber durch Mercur von dem fatum 
Kenntniss erhielt, dann durfte sie nicht skeptisch sein. — Doch dies 
Bedenken lässt sich, wie gesagt, nach Ladewig's Auffassung beseitigen: 
„Das Streben, den Auftrag des Merkur von der Absicht, die den Jupiter 
zu seiner Sendung veranlasste, zu scheiden, mithin auch das Streben, 
der Auffassung vorzubeugen, als solle Merkur die Dido auch von dem 
Willen des fatum iu Betreff des Aeneas unterrichten, hat den Dichter 
zu dem Wechsel der tempora (pateant— arceret) veranlasst/ 



104 

Servius Bemerkung an (sed falsum est, nam est quietissimus 
etiam cum per hiemem crescit) und die Stellen der Aeneis VII 
807 ; Vm 223 ; Xu 334 ; Xu 345. — Aber für Hebrvm macht 
man folgende Momente geltend: 

a) Hebrvm ist die übereinstimmende Überlieferung der Hand- 
schriften und Grammatiker. Auch Servius hat offenbar keine andere 
Leseart gekannt. Auch Silius Ital. las Hebrum, wie die offenbare 
Nachahmung n, 73 ff. beweist: Quales Threiciae Rhodopen 
Pangaeaque lustrant saxosis nemora alta iugis cursuque fati- 
gant Hebrum innupta manus. 

b) Was den Widerspruch zwischen der Wirklichkeit und 
Dichtung betrifft, so bemerkte schon Heyne, obzwar er in seine 
Ausgabe Eurum aufnahm: „Neque obstat, quod Hebrum nonnulli 
leni et placido fl limine procedere tradunt; poetarum enim non 
semper est in his summa subtilitas. v. Burm. ad Valer. Fl. V 
180" und Hand zu Stat. Silv. p. 372: „In exterarum terrarum 
fluminibus memorandis scriptores liberiorem fictionem sibi indul- 
serunt". Dazu kommt, dass auch Statius Theb. IX 438 und 
Claudianus in Rufin. I 332 von einem raschen Lauf des Hebrus 
sprechen. Diesen Stellen kann man vielleicht noch hinzufügen 
Hör. Carm. I 12 9 f. (Orphea) arte materna rapidos morantem 
fluminum lapms, falls Horaz hiebei wirklich, wie es mir scheint, 
an den Hebrus gedacht hat, den er so gern erwähnt, wenn er 
von Thracien spricht; vgl. Carm. HI 25 10 f. Ep. I 3 3; I 
16 13. 

c) „Assumi quoque in indicium animi potest: venari Harpa- 
lycen ad .ripas Hebri; itaque eam secundum amnem decurrere 
velociorem ipso amne." Heyne. „Profecto Thressae Nymphae velo- 
citas aptissime comparatur cum Thracii fluminis celeritate." For- 
big er. Dazu kann man noch geltend machen, 

d) dass die Dichter, wenn sie von Thracien reden, gern des 
Hebrus Erwähnung thun, wie die oben angeführten Stellen des 
Horaz beweisen — und 

e) dass der Dichter, wenn er schon zur Vergleichung einen 
Wind hätte wählen wollen, hier, wo von Thracien die Rede ist, 
wol eher den Aquilo genannt haben würde. 



105 



Aen. I 327 ff. 



— quam te mernorem, virgo ? namque haud tibi voltus 
mortalis, nee vox hominem sonat; o dea certe; 
an Phoebi sororf an Nympharum sanguinis una? 
sis felix nostrumque leves quaecumque laborem 

Ausser Od. VI 149 ff., welche Stelle Vergil nachahmte, ver- 
gleiche man auch Apollonios IV 1597 ff. 

datfwv 9 Hxig Mfivrjg &7tl itetQaöi rrjade tpadv&rjg, 
Site &v ys TqIxiov, akiov rsQag, ehe es &6qxw, 
fj Nrjgrja dvyavQeg litiTtketova' ukoGvdvui, 
tka&t, xcel voGtoiö rikog d^r^öhg OTiccfc. 

Aen. I 338 ff. 

Punica regna vides, Tyrios et Agenoris urbem; 
sed fines Libyci, genus intraetabile bello. 
Imperium Dido Tyria regit urbe profeeta, 
germanum fugiens. Longa est iniuria, longae 
ambages; sed summa sequar fastigia rerum. 

Man glaubt gewöhnlich, dass der Dichter den Zusatz genus 
intraetabile bello gemacht habe, um das, was er V. 367 f. sagt, 
erklärlich finden zu lassen. So z. B. Ladewig: „So erklärt sich, 
warum Dido den Libyern ein Stück Land abkaufte, wie unten V. 
367 berichtet wird." Ich glaube nicht,* dass der Dichter diesen 
Zweck mit den Worten genus intraetabile bello verfolgte.*) 
Vielmehr wollte er wol damit die Schwierigkeit und Gefährlichkeit 
der Lage der Dido, zugleich aber auch ihren Muth und ihre 
Energie bezeichnen. Nicht jedes Weib würde an der Spitze einer 
doch immerhin verhältnissmässig nicht grossen Schaar von Aus- 
wanderern es gewagt haben, sich unter einem rohen, kriegerischen 
Volk niederzulassen. Die Energie und Selbstständigkeit der Dido 
wollte der Dichter übrigens auch 364 mit den Worten dux femina 



*) VieUeicht sind auch sogar die Verse 367 und 368 als Interpolation zu 
beseitigen; vgl. die Bemerkung zu diesen Versen. 



106 

facti hervorheben*); die Gefährlichkeit ihrer Lage aber wird zu 
wiederholtenmalen betont, z. B. I 563 f. 

res dura et regni novitas me talia cogunt 

moliri et lote finis custode tueri. 
IV 39 ff. 

nee venit in mentem, quorum consederis arvis ? 

hinc Gaetulae urbes, genus insuperabüe bello, 

et Numidae infreni cingunt et inhospita Syrtis; 

hinc deserta siti regio lateque furentes 

Barcaei 
Die Worte imperium regit lassen eine doppelte Erklärung 
zu. Man kann imperium als äusseres Object nehmen, so dass 
imperium regere = das Reich beherrschen bedeuten würde. Es 
könnte freilich imperium auch inneres Object sein; aber weit ein- 
facher und deshalb wahrscheinlicher ist die erste Erklärung. 
Keinesfalls erscheint es nothwendig die Überlieferung durch Con- 
jeetur zu ändern (imperium gerit oder imperio regit oder imperiis 
regit), da die Stelle Ovid ex Pontö III 3 61 eine genügende 
Parallele ist. 

Eine schöne Metapher bieten die Worte longae ambages; 
sed summa sequar fastigia rerum dar. Eine ausführliche, ins 
Detail eingehende Erzählung wäre gewissermassen die Verfolgung 
eines sich hin und her windenden Weges. Venus will nur den 
Hauptpunkten nachgehen (sequi = iieriQxsG^ai, fimsWi), und 
diese Hauptpunkte sind gewissermassen die Spitzen, die Gipfel, 
von deren einem zum anderen Venus fortschreiten will, ohne die 
dazwischen liegenden Thäler zu durchschreiten. 

Aen. I 365 ff. 

Devenere locos, ubi nunc ingentia cernis 
moenia surgentemque novae Karthaginis arcem, 
mercatique solum, facti de nomine Byrsam, 
taurino quantum possent circumdare tergo. 



*) Vgl. auch zur Charakteristik der Dido I 504 instans operi regnisque 
futuris, ferner I 507 f , 628 f., IV 35 ff., IV 86 ff. (welche Verse zeigen, 
wie Dido die Seele aller Unternehmungen und Arbeiten war), IV 534 ff. 



I 

I 
r 



r 

1 

l 



107 



Die Verse 367 und 368, die vielen Kritikern anstössig er- 
scheinen, sind wol als eine Interpolation zu beseitigen. Die 
Erklärer nehmen an, dass mit diesen Versen auf die durch die 
Sage bekannte Überlistung des Iarbas durch die Tyrier angespielt 
wird. Aber dagegen kann man nicht bloss einwenden, dass diese 
Anspielung unzulänglich angedeutet und in sprachlicher und sach- 
licher Hinsicht sonderbar *) ist, sondern dass damit auch geradezu 
im Widerspruch stehen würde Aen. IV 211 ff. 

femina, quae nostris errans in finibus urbem 
exiguam pretio posuit, cui Htm arandum 
cuique loci leges dedimus 

[ Aus diesen Worten des Iarbas ist es klar, dass Vergil die 

Sage von der Überlistung des Iarbas nicht kannte oder, wenn er 
sie kannte, derselben nicht folgte ; sonst würde gewiss Iarbas es 
nicht unterlassen haben, sich an dieser Stelle, an welcher er über 
Dido Klage führt, auch über diese Überlistung zu beklagen. Vergil 
folgte, wie es scheint, der Überlieferung, dass Dido in gewöhn- 

i licher Weise, da sie Gold nicht zu sparen brauchte (I 358 f., 363) 
ein voraus bestimmtes Stück Landes kaufte. Und wenn ja Vergil 

* der Sage von der Stierhaut folgte, so nahm er an, dass bei dem 
Kauf die Tyrier den Preis bezahlten für ein Stück Landes, das 
sie mit den aus einer Stierhaut geschnittenen Streifen umspannen 

r könnten, so dass eine Überlistung nicht stattfand. 

In diesem Sinne müsste man auch die Verse 367 und 368, 

. wenn man sie überhaupt für echt halten will, nehmen; sie sind 

r auch in diesem Sinne, wenn man nämlich von der Überlistung 

f abstrahiert, nicht eben schön, aber doch nicht unerträglich. 

Aen. I 369. 

sed V08 qui tandem, quibus aut venistis ab oris? 
Die oberflächliche Auffassung, wie sie z. B. bei Servius sich 
findet „vacat hoc loco tandem", findet heutzutage keine Anhänger. 



*) Die Tyrier umspannten mit den aus der Stierhaut geschnittenen Streifen 
nicht bloss den Ort, auf dem die Burg aufgebaut wurde. Statt circum- 
dare erwartet man, wenn die List angedeutet werden soll, etwa tegere, 
worauf dann die Erwähnung folgen sollte, dass die Tyrier nicht texerunt 
taurino tergo solum, sondern circumdederunt. 



108 

Allgemein erkennt man an, dass durch tandem die Frage an Leb- 
haftigkeit gewinnt, dass sich darin „desiderium intentius scisci- 
tantis" zeigt. — Es verdient aber dieser Gebrauch des tandem 
auch noch in anderer Hinsicht Beachtung. Streng genommen gehört 
nämlich der durch tandem bezeichnete Begriff nicht zu dem Satze, 
in welchem das Wort steht, sondern zu dem in dem Fragesatz 
involvierten Gedanken der Wissbegierde = jetzt möchte aber endlich 
auch ich wissen, wer ihr seid oder jetzt aber saget auch ihr mir 
endlich, wer ihr seid. Man kann diesen Gebrauch einen brachy- 
logischen oder auch einen subjectiven nennen, letzteres mit Rück- 
sicht darauf, dass tandem eigentlich auf die Stimmung und Lage 
des betreffenden fragenden Subjects sich bezieht. 

Vgl. 331, welche Stelle schon Servius hier vergleicht: 

et quo sub caelo tandem, quibus orbis in oris 

iactemur, doceas 
' Eine der bekanntesten, aber auch interessantesten Ana- 
logien für diesen brachylogischen und subjectiven Gebrauch der 
Adverbien bietet im Griechischen avtlxa dar. Vgl. Plat. Phaidr. 
235 E avtlxa negl ov 6 koyog, rlva otei keyovta, dg X9V M 
SQcovti [iSlkov rj igdivTi %aQC££G&ai> naQ&vtu vov (ihv to (ppovipov 
iyxcofiiä&w xtk. (vgl. Stallbaum zu d. St.). Prot. 359 E dkXä 
[i€VTOL y Hpy, co> ScixQccvsg, itav ye tovvavtlov e(St\ ial & ol ts 
dstXol €Q%ovrca xccl ol ävögeloi. avttxa slg tbv Ttofopov ol [ikv 
s&ilovaw livai, ol dk ovx ifrikovöi, wo avtlxa natürlich in keiner 
inneren Beziehung zu dem Satze, an dessen Spitze es sich findet, 
steht, sondern zu dem zu ergänzenden Begriff des Sagens, An- 
führern eines Beispieles gehört = sogleich können wir folgendes 
Beispiel anführen. 

Unzähligemal findet sich derselbe Vorgang in allen Sprachen 
bei den Partikeln, welche bei einer Aufzählung von Thatsachen 
oder Argumenten gebraucht werden. Deinde, dehinc, tum u. s. w. 
bezeichnen nicht immer das, was in der Wirklichkeit zeitlich auf- 
einanderfolgt, sondern oft bloss dasjenige, was in der subjectiven 
Darstellung nach einander erwähnt wird. Der Platz, den man den 
einzelnen Puncten in der Darstellung anweist, hängt von der 
jeweiligen subjectiven Auffassung des Darstellers oder von seinem 



109 

Belieben ab; es kann der Fall eintreten, dass diejenige Thats ach e, 
welche mit deinde an zweiter Stelle erwähnt wird, in Wirklichkeit 
zeitlich sich vor der an erster Stelle erwähnten Thatsache er- 

r 

eignet hat. 

Auch tarn, tarn vero wird sehr oft in subjectiver Weise zur 
Einleitung eines Punctes gebraucht, zu dessen Darlegung man 
schon übergeht. 

Ausser diesen Fällen gibt es noch viele andere analoge Er- 
scheinungen. Dass auch in neueren Sprachen derselbe Vorgang 
sich findet, zeigt z. B. die Anwendung von gleich, schnell. 

Aen. I 370 sqq. 

quaerenti talibus ille 
suspirans imoque trahens a pectore vocem: 
o dea, si prima repetens ab origine pergcrn 
et vacet annalis nostrorum audire laborum, 
ante diem clauso conponet Vesper Olympo. 
Man kann den Widerspruch, der in der Anrede des Aenaes 
o dea liegt, durch keine Erklärung beseitigen. Wol vermuthete 
Aeneas früher, dass er eine Göttin vor sich habe (327 ff.): 

o — quam te memorem, virgo? namque haud tibi voltus 
mortalis, nee vox hominem sonat; o, dea certe; 
an Phoebi soror? an Nympharum sanguinis una? 
sis fdix nostrumque leves, quaecumque, läborem 
Und V. 334 versprach er: 

multa tibi ante aras nostra cadet hostia dextra. 
Aber nachdem dies sein Versprechen von der Venus mit 
den Worten (335 ff.) beantwortet wurde : 

haud equidem tali me dignor honore; 
virginibus Tyriis mos est gestare pharetram 
purpureoque alte suras vincire cothurno, 
und da Aeneas diesen Worten nicht widerspricht, wie kommt er 
dazu, die Anrede o dea zu gebrauchen? 

Der Widerspruch Hesse sich beseitigen, wenn man die Verse 
372—374 tilgen würde, so dass die Erwiderung des Aeneas un- 
mittelbar mit der auf die Fragen der Venus bezüglichen Antwort 



110 

nos Troia antiqua etc beginnen würde. Aber man hat wol kein 
Becht, auf diese Weise zu verfahren, sondern man muss auch 
diese Stelle den nicht seltenen Incongruenzen, die sich in der 
Aeneis finden, hinzufügen. 

Aen. I 378 f. 

sum pius Aeneas, raptos qui ex hoste Penatis 
classe veho mecum, fama super aethera notus. 
Was die Würdigung dieser Verse und ihre Vergleichung mit 
dem homerischen Vorbild Odyss. IX 19 f. betrifft, so stimme ich 
ganz mit Weidner's Bemerkungen überein. Namentlich missfällt 
das ruhmredige fama super aethera notus, wo dem Dichter selbst 
das homerische ovgavov fast nicht genügte, so dass er sein Vor- 
bild überbietend super aethera sagt.*) Um den Dichter zu ent- 

*) Dass der römische Dichter im Vergleich zu Homer den Ausdruck steigert, 
dafür finden sich viele Beispiele. Vgl. z. B. Hom. Od. (i 235 ff. 

iv&sv fiiv ydq 2wvXX\ ixiqcod't, 8k Sia XccQvßdig 

Ssivov dvsQQoißdrjas d'aXdaarjg dX(wgov vdcoq. 

rjtov ot 3 i^sfiiasis, Xißrjg &g iv nvqi noXXtß 

itao* dvefioQuvQsane TtvitmphtT] • vtyoae 8' &%vri 

ttXQOici onoitfXoiOLV in dpyoxtQOiaiv snintsv. 
Vergil dagegen sagt überbietend Aen. IQ 564 

tollimur in caelum curvato gurgite 
und 567 

ter spumam elisam et rorantia vidimus astra. 
Homer Od. p 240 ff. 

dXX* ox' dvvßQo&LS &ccXdoor]g dXfiVQov vdonq, 

näc? k'vxoa&e (pdvsaxe xvxa>(i£vr] • dptpl 8h n^tQrj 

8elvov ißsßQvx 81 ' vnivsqd's 8s ycclcc ydvsonsv 

ipd(ipq> %vaviiß • 
Vergil wieder stärker Aen. HI 564 f. 

et idem 
subducta ad Monis (mos desedimus unda. 
Bei Homer findet sich oft die hyperbolische Phrase ovgavov fast, aber 
VergiPs sidera lambit (Aen. HI 574) ist noch stärker und pathetischer. 
Hom. IL B 488 f. 

7tX7]&vv 8* ov% av tyca pv&ijoopcti w58t* Svoyrfjvm, 

ov8 9 el pot, 8i%a (ihv yXdSooai, 8 4 na 8h atofiat elsv 
Vergl. Georg. H 43 und Aen. VI 625 

non, mihi 8i Linguae centum sint oraque centum. 
Vgl. auch Lucretius VI 840, Hostius bei Macrobius Sat. VI 3. Bei VaiLe- 
rius Flaccus liesst man vollends VI 36 f. 



111 

schuldigen, nehmen manche an, dass diese Worte eine Beziehung 
auf den berühmten allbekannten troischen Krieg enthalten. Wenn 
dies der Fall wäre, dann müsste man dem Dichter hier eine ge- 
wisse Inconsequenz innerhalb der Bede des Aeneas zuschreiben; 
denn V. 375 sagte Aeneas zweifelnd „si vestras forte per auris 
Troiae nomen iit. tt — Es ist aber doch wol vielmehr gerathen, 
die Worte fama super aethera notus auf Aeneas direct und un- 
mittelbar zu beziehen, und zwar sowol auf seine pietas, die hier 
hervorgehoben wird, als auch auf seine Schicksale und Irrfahrten. 
Das letztere Moment ist so wichtig, dass es auf keinen Fall tiber- 
sehen werden darf. Der Dichter erkannte gewiss, dass die Worte 
des Odysseus ocat (isv xMog otiQccvov faei auf die Irrfahrten und 
Abenteuer des Heros sich beziehen. An Tapferkeit kamen dem 
Odysseus viele gleich, manche übertrafen ihn : aber seine wunder- 
baren Schicksale waren es, die ganz besonders hervorstachen und 
sein xXios begründeten. Wenn nun Vergil dies erkannte, so wollte 
er bei der Nachbildung gewiss auch denselben Sinn in die Worte 
fiuna super aethera notus gelegt wissen ; auch die Schicksale des 
Aeneas waren hochinteressant und geeignet, seine fama zu be- 
gründen. 

Aen. I 380. 

Italiam quaero patriam et genus ab Iove mmmo. 

Die Worte et genus ab Iove summo sind bereits von mehreren 
Erklärern als befremdlich bezeichnet worden. Burmann wollte et 
getilgt wissen, was Peerlkamp billigte, der auch die Bemerkung 
hinzufügte: „Aeneas in Italia quaerere poterat patriam, genus ab 
i>w non poterat quaerere. Hoc secum ferebat. Erat ipse hoc 

ventm ego nee numero memorem nee nomine eunetos 
müle vel ora movens 
Hom. Od. & 362 

1} S* Sqü Kvtiqov LKCCV8 (pLlO{l(JL8ldr}g 'AtpQOdltTJ, 

ig ndtpov tfv&a 84 ol tifisvog ßmpog rs övijeig. 
und Aen. I 415 ff.: 

ip*a Paphum sublimis abit sedesque revisit 
laeia suas, ubi templum Uli centumque Sabaeo 
Iure calent arae sertisque recentibus halant. 



112 

genus." Auch Ladewig äussert sich skeptisch: „Sind diese Worte 
echt, so schrieb sie Vergil wol nur vorläufig zur Ausfüllung dieses 
Verses und hatte die Absicht, den Gedanken, dass Italien die 
Wiege seiner, ihr Geschlecht auf den Jupiter zurückfuhrenden 
Vorfahren sei, bei späterer Nachbesserung bestimmter auszu- 
drücken." Es sind denn auch wirklich die Erklärungsversuche 
an dieser Stelle wenig befriedigend. Die Prager Handschrift bietet 
nun zwar eine andere Leseart, nämlich quaero et patriam, aber 
dies scheint keinen Anhaltspunct zu einer befriedigenden Emen- 
dation darzubieten. Vielleicht ist zu lesen est genus (nämlich mihi) 
ab Iove summo. Vgl. die wichtige Parallelstelle VI 123 et mi 
genus ab Iove summo. Ferner vgl. VII 219 ff. : 

Ab Iove principium generis, Iove Dardana pubes 
Gaudet avo, rex ipse Iovis de gente suprema, 
Troius Aeneas, tua nos ad limina misit. 
Dass Vergil im V. 380 den Gedanken aussprechen wollte, 
dass Italien die Wiege der ihr Geschlecht auf Jupiter zurück- 
führenden Vorfahren des Aeneas sei, möchte ich aus dem Grunde 
nicht annehmen, weil Aeneas nicht voraussetzen konnte, dass die 
unzulänglichen Worte et genus ab Iove summo von der angere- 
deten Person in diesem Sinne verstanden werden könnten. Die 
Worte Italiam quaero patriam konnte Venus verstehen und zwar 
in dem Sinne, dass Aeneas seines Vaterlandes beraubt ein neues 
Vaterland suche; die Worte et genus ab Iove summo entzogen 
sich dem Verständnisse. 

In den Worten Italiam quaero patriam finde ich nicht eine 
Hindeutung darauf, dass Italien das Vaterland der Trojaner heisse, 
weil Dardanus aus Italien stammte, sondern diese Worte besagen, 
wie eben bemerkt wurde, ganz einfach, dass Aeneas ein neues 
Vaterland suchte. Vgl. IV 345 ff. 

sed nunc Italiam magnam Oryneus Apollo, 
Italiam Lyciae iussere capessere sortes; 
hie amor, haee patria est. 

VII 124 ff. 

cum te, nate, fames ignota ad lictora vectum 
accisis coget dapibus consumere mensas, 



»r - *"* ■'• 



. / 



113 

tum sperare domo 8 defessus ibique memento 
prima locare manu molirique aggere tecta. 

1205 f. 

tendimus in Latium, sedes ubi fata quietas 
ostendunt; illic fas regna resurgere Troiae 

Aen. I 381 f. 

bis denis Phrygium conscendi navibus aequor 
matre dea monstrante viam data fata secutus ; 
vix Septem convolsae undis Ewroque supersunt. 

Bezüglich der Worte matre dea monstrante viam bemerkt 
Weidner: „Das kann sich nur beziehen auf II, 589 — 620, 632. 
Wenigstens erfahren wir aus der Aeneide nichts davon, dass Venus 
dem Aeneas den Weg durch das Meer gebahnt oder gezeigt hätte." 
Aber das, was an den von Weidner angeführten Stellen des zweiten 
Buches sich findet, ist wesentlich verschieden von unserer Stelle. 
Eher könnte man zur Erklärung herbeiziehen III 5 auguriis divom. 
Aber muss denn überhaupt das, was die Worte matre dea mon- 
ttrante viam andeuten, wirklich vom Dichter ausgeführt worden 
Bein? Es ist natürlich, dass die Mutter sich ihres Sohnes nach 
Thunlichkeit und bei jeder Gelegenheit annahm ; aber der Dichter 
nmsste nicht alle die einzelnen Fälle, in denen dies stattfand, 
wirklich schildern.*) Von einer ähnlichen Anschauung gieng Servius 



*) Aach I 407 f. sagt Aeneas 

quid natum totiens, crudelis tu quoque, falsis 
ludis imaginibus f 

Und doch hat Venus bisher nur ein einzigesmal mit falschem Bilde 
getauscht und zwar eben an dieser einen Stelle. Im 2. und 3. Buche 
findet sich absolut nichts ähnliches erwähnt; denn II 589 ff ist kein 
ludere falsa imagine; vielmehr sagt Aeneas selbst cum mihi se, non 
ante oculis tarn clara, videndam obtulit et pura per noctem in luce 
refdlsit alma parens, confessa deam qualisque videri caelicolis et quanta 
solet cet. Sollte also der Dichter, da im 2. und 3. Buche nichts vor- 
kommt, was einem ludere falsis imaginibus gleichsieht, den Aeneas nicht 
sagen lassen quid natum totiens falsis ludis imaginibus? Ob er sollte 
oder nicht sollte, darüber lässt sich streiten : sicher ist, dass er es that. 
Auch I 667 ff. heisst es: 

KviUa: Vergilgtudien. 8 



114 

aus, wenn er sagt: „Hoc loco per transitum tangit historiam, 
quam per legem artis poeticae non potest ponere. Nam Varro in 
secundo rerum divinarum dicit: Ex quo de Troia est egressus 
Aeneas, Veneris eum per diem quotidie stellam vidisse, donec ad 
agrum Laurentem venijet, in quo eum non vidit ulterius, qua re 
et terras cognovit esse fatales." Und einige Zeilen später heisst 
es bei Servius: „Quod autem diximus, eum poetica arte prohiberi, 
ne aperte ponat historiam, certum est. Lucanus namque ideo in 
numero poetarum esse non meruit, quia videtur historiam com- 
posuisse, non poema." Freilich ist es durchaus nicht sicher, dass 
Vergil bei den Worten matre dea momtrante viain wirklich das, 
was Varro erzählt, im Sinne hatte: ja es ist dies nicht einmal 
sehr wahrscheinlich; denn eine solche täglich sich wiederholende 
Erscheinung würde Vergil doch wol nicht ohne ausdrückliche Er- 
wähnung gelassen haben. 

Die Worte vix Septem convolsae undis Euroque supersunt 
bedeuten = kaum (mit genauer Noth) sind mir nur sieben Schiffe 
übrig, und die sind obendrein von Wind und Wogen arg mitge- 
nommen. Es ist also hier ein doppelter Gegensatz. Vix Septem 
opp. bis denis, und convolsae undis Euroque steht im Gegensatze 
zu dem im V. 380 natürlich selbstverständlichen Begriff, dass die 
20 Schiffe in gutem und seetüchtigem Zustand waren. 

Aen. I 387 t 

Quisquis es, haud, credo, invisus caelestibus auras 
vitalis carpü, Tyriam qui adveneris urbem. 

Ladewig erklärt: „Zu Grunde liegt der Gedanke: jeder ist 
ein Liebling der Götter, der zur tyrischen Stadt gelangt. Also: 
du könntest auch ein anderer sein, schon dadurch, dass du hierher 
gelangt bist, zeigst du dich als Liebling der Götter." Auch For- 



frater ut Aeneas pelago tuus omnia circum 
litora iactetur odiis Iunonis acerbae, 
nota tibi, et nostro doluisti saepe dolore 
Und doch findet sich im 3. Bache nichts davon! Aber wir müssen es 
dem Dichter aufs Wort glauben, wenn er es nachträglich die Venus 
I 667 ff. sagen lässt 



115 

biger scheint in der neuesten Auflage (1873) diese Auffassung zu 
theilen: „0 caram te superis, cum Carthaginem delatus sis [diis 
inprimis caram] ! tf Die Zugrundelegung des oben angeführten 
allgemeinen Gedankens („jeder ist ein Liebling der Götter, der 
zur tyrischen Stadt gelangt") ist aber nicht annehmbar; denn 
sie ist 

1) unwahrscheinlich. Wol war Karthago der Juno ganz be- 
sonders lieb; aber daraus folgt noch nicht die Berechtigung, jene 
allgemeine Behauptung aufzustellen, die man nicht einmal dann 
so apodiktisch aufstellen könnte, wenn auch Karthago allen Göttern 
oder vielen Göttern besonders lieb gewesen wäre, zu welcher An- 
nahme man ja durch nichts berechtigt ist; solchen Stellen wie 
1 15 ff. oder I 522 kann man ja als wichtiges Moment entgegen- 
halten die Schicksalsbestimmung I 19 ff.: 

progeniem sed enim Troiano a sanguine duci 
audierat, Tyrias olim quae vetteret arces; 
hinc populum late regem belloque superbum 
venturwn excidio Libyae; sie volvere Parcas. 

Ferner ist doch auch zu beachten, dass gerade Venus, welche 
die Verse 387 ff. spricht, keine besondere Liebe für Karthago 
empfand, zumal da sie die Schicksalsbestimmung kannte; vgl. I 
287 ff IV 96 f. IV 235 Quid struit ? aut qua spe inimica in gente 
moratur? und namentlich I 661 f., wo es von der Venus aus- 
drücklich heisst: 

quippe domum timet ambiguam Tyriosque bilinguis; 
urit atrox Inno et sub noctem cura recursat. 

2) Es ist aber auch die Annahme Ladewig's ja gar nicht 
nothig. Der causale Relativsatz Tyriam qui adveneris urbem ist 
ja vollkommen erklärlich auch ohne jene Annahme. Weidner 
bemerkt, dass Aeneas „trotz des Unglücks doch nicht an eine 
wilde oder öde Küste verschlagen worden ist . . . Es ist dies also 
die Antwort auf die betrübten Worte des Aeneas: forte sua Li- 
bycis tempestas adpulit oris. Denn das Trostlose der Aussicht lag 
eben darin, dass der Sturm ihn ganz willkürlich an die erste 
beste Küste getrieben hat. Nun enthält diese Küste Kultur und 
Gwüisation. Dass nun Aeneas gerade in ein solches Land ver- 

8* 



116 

schlagen ist, das kann in den Augen des gläubigen Menschen 
nicht Zufall, sondern nur göttliche Gnade sein." Freilich wenn 
V. 389 unecht ist, was ich in der nächstfolgenden Bemerkung 
wahrscheinlich zu machen versuchen werde, dann bedarf diese 
Auffassung Weidner's einer wesentlichen Modification. 

Aen. I 387 ff. 

Quisquis es, haud, credo, invisus caelestibus auras 
vitalis carpis, Tyriam qui adveneris urbem. 
perge modo atque hinc te reginae ad limina perfer. 
Namque tibi reduces socios classemque relatam 
nuntio cef. 



perge modo et, qua te ducit via, dirige gressum. 401 

Zu V. 389 bemerkt Forbiger, nachdem er erwähnt hat, dass 
se perferre sonst nicht vorzukommen scheine: „Ravio in Sched. 
p. 39 hie versus spurius videtur, cum absurdum sit ad naufragum 
in terra ei incognita dicere: „quaere Ihnen reginae", quasi qui 
viam nosset, praeterea autem offendant verba Perge modo in hac 
brevi ffi^i bis posita (cf. v. 401) ; quae altera causa certe paullo 
gravior est quam prior". Allerdings ist dieser zweite Grund von 
grosser Bedeutung, während der erste minder gewichtig ist oder 
auch sogar sich ganz beseitigen lässt. Aber etwas anderes ist 
hier noch zu beachten, und zwar der Widerspruch zwischen der 
Weisung hinc te reginae ad limina perfer und den Worten 453 f. 
namque sub ingenti lustrat dum svngula templo reginam opperiens. 
Diese Incongruenz sucht man zwar wegzuerklären, wie denn z. B. 
Ladewig zu V. 454 sagt: „Die Ankunft der Königin konnte Aeneas 
durch die Gespräche der Arbeiter beim Tempelbau (denn dass 
dieser noch nicht vollendet wer, ergibt sich aus V. 447) erfahren. 
Also findet sich hier kein Widerspruch mit V. 389." Auch ich 
nehme an, dass Aeneas ungesehen aus den Gesprächen der 
Arbeiter beim Tempelbau entnahm, dass Dido in den Tempel 
kommen würde, um daselbst in der V. 507 f. angegebenen Weise 
thätig zu sein. Aber man sollte denken, dass doch auch Venus, 
die ja auch die Rolle einer Punierin gut spielte, dies wusste und 



117 

man begreift nicht, weshalb sie V. 389 dem Aeneas die Weisung 
gab 8e perferre reginae ad limina, d. h. doch zum Palast der 
Königin, wenn sie wusste, dass Dido in den Junotempel kommen 
würde. 

Man beachte ferner auch noch folgendes. Behält man den 
V. 389 bei, so wird die in diesem Verse enthaltene Aufforderung, 
Aeneas solle den Palast der Königin aufsuchen, begründet durch 
die Mittheilung, dass die verloren geglaubten Gefährten des Aeneas 
sich gerettet haben und im Hafen von Karthago sich befinden. 
Diese Begründung reicht bis V. 400 inclusive und unmittelbar 
nach dieser Partie folgt nun wieder die mit perge modo eingeleitete 
Aufforderung. Venus sagt also, wenn man ihre Kede kurz fassen 
will : „Du bist den Göttern nicht verhasst, da du nach Karthago 
gekommen bist. Geh nur vorwärts und begib dich zum Palast 
der Königin; denn deine Gefährten sind gerettet und befinden 
sich hier im Hafen. Geh nur vorwärts, wohin dich der Weg führt!" 
Wie unbequem und ungefällig nimmt sich innerhalb dieser Partie 
jene Wiederholung aus! 

Tilgt man den Vers 389, dann gewinnt man aber auch sofort 
einen ganz anderen Gedankenzusammenhang, dessen Angemessen- 
heit ganz augenscheinlich ist. Bei dieser Athetese hängt nämlich 
der causale Satz namque tibi reduces socios classemque relatam 
nuntio unmittelbar zusammen mit dem Satze haud invisus caele- 
stibus auras vitalis carpis, Tyriam qui adveneris urbem. „Wer 
du auch immer bist, du erfreust dich offenbar der Gunst der 
Götter, da du gerade nach Karthago gekommen bist, wo eben 
auch, wie ich dir auf Grund meiner Vogelschaukunst melden kann, 
deine von dir durch den Sturm getrennten Gefährten eingetroffen 
sind, so dass nun in kürzester Zeit deine Mannschaft wieder unter 
deinem Befehle vereinigt sein wird." 

Aen. I 393 ff. 

Aspice bis senos laetantis agmine cycnos, 
aetheria quos lapsa plaga Iovis ales aperto 
turbabat caelo; nunc terrae ordine longo 
aut capere aut captas tarn despectare videntur: 



118 

ut reduces Uli ludunt stridentibus alis 
et coetu cinxere polum cantusque dedere, 
haud aliter puppesque tuae pubesque tuorum 
aut portum tenet aut pleno subit ostia velo. 

V. 396 „AVT CAPTVS (V corr. in 0) IAM RESPECTAKE 
P aut captos iam .espectare {in mg. al despectare) y AVT CAPTAS 
IAMDESPECTAEE {scüsa membrana) O AVTCAPTASIAMDES- 
PECTAKE MRy2b, Terentianus Maurus acceptaf ia defpectare cl 
ätcöptafia defpectare c2 u . Ribbeck. 

V. 395 kann füglich nichts anderes besagen, als dass ein 
Theil der Schwäne eben im Begriffe ist sich zu setzen, während 
ein anderer Theil sich bereits gesetzt hat. Der Dichter hat sich 
hier offenbar die Mühe gegeben den Vergleich auch im Detail 
ziemlich streng durchzuführen; und gerade wie die Zwölfzahl der 
Schwäne nicht willkürlich gewählt ist, sondern mit der Zahl der 
Schiffe*) correspondiert, welche Aeneas vermisst, deren Rettung 
er aber bald erfahren soll: so ist es auch klar, dass Vergil eine 
genaue Entsprechung der chiastisch gestellten Glieder terras aut 
capere = aut pleno subit ostia velo und anderseits aut 
captas iam despectare (oder wie diese Worte Verbessert 
werden mögen) = aut portum tenet beabsichtigt hat. Wenn 
nun aber die Worte im zweiten Theile des Verses 396 den Worten 
aut portum tenet entsprechend auf jene Schwäne sich beziehen, die 
sich bereits niedergelassen haben, so wird dadurch die Leseart de- 
spectare unwahrscheinlich und man wird zu der Leseart respectare 
hingeführt, gerade so wie die Schiffer, welche schon „portum tenent", 
gemächlich auf die Meeresfläche, die sie durchlaufen haben, zu- 
rückblicken können. Mit respectare verträgt sich aber captas nicht. 
Weidner erklärt zwar captas iam respectare: „Wenn Schwäne 



*) Wie schon Heyne erkannt hat; vgl. 381 bis denis Phrygium conscendi 
navibus aequor, dann 170 huc sejptem Aeneas collectis navibus omni ex 
numero subit und 383 vix septem conyolsae undis Euroque supersunt, 
ferner 583 f. omnia tuta vides, classem sociosque receptos. Unus abest, 
medio in fluctu quem vidimus ipsi submersum und 113 ff. unam, quae 
Lycios fidumque vehebat Oronten, ipsius ante oculos ingens a vertice 

pontus in puppim ferit ast illam ter fluctus ibidem torquet 

agens circum et rapidus vorat aequore vertex. 



119 

oder Gänse eben verfolgt oder beunruhigt worden sind, so pflegen 
sie, wenn sie den Boden wieder gewonnen haben und sich wieder 
vereinigt sehen, immer noch die Flügel zu schlagen, dabei biegen 
sie den Hals zurück und arbeiten lebhaft mit dem Schnabel in 
den Federn herum. Die Schwäne sehen also, so wie sie den Boden 
gewonnen haben, in der That rückwärts herab auf die Erde." Sehr 
mit Recht nennt Ladewig diese Erklärung eine „sehr gesuchte a . 
Ich glaube, dass hier nichts anderes übrig bleibt als zu lesen 

nunc terras ordine longo 
aut capere aut captis iarn respectare videntwr. 
Durch diese Leseart werden, glaube ich, alle Schwierigkeiten 
gründlich beseitigt und die Stelle gibt einen Sinn, der der ge- 
schilderten Situation vollkommen angemessen ist; die Schwäne, 
BObald sie sich auf der Erde niedergelassen haben, schauen zurück 
dorthin, wo ihnen Gefahr drohte. Respectare steht absolut sowie 
Aen. XI 630. Übrigens darf man darauf hinweisen, dass die 
Variation captus, captos auf einen Fehler in der Überlieferung 
hinweist. 

V. 398 erklärt man als vgteqov icqot€qov ; tinxere und dedere 
soll sich auf die frühere Zeit, auf die Zeit vor der durch den 
Adler bewirkten Zerstreuung beziehen. Ich stimme entschieden 
Ladewig bei, der an einem solchen vgteqov tcqoxsqov Anstoss 
nimmt; es erscheint in der That dieser nachträgliche Zusatz, dass 
die Schwäne früher cinxere polum und cantus dedere, unendlich 
matt und ungeschickt. Ich glaube aber dennoch nicht, dass V. 
398 zu tilgen ist. Die Stelle gewinnt ein ganz anderes Ansehen, 
wenn man polum in solwm verädert. Zu den Worten et coetu ein- 
xere solum passt der folgende Satz cantusque dedere ausnehmend 
[ gut: froh der Gefahr entronnen zu sein lassen die Schwäne ihren 
Gesang ertönen. 

Aen. I 430 sqq. 

Qualis apes aestate nova per florea rura 
exercet sub sole labor, cum gentis adultos 
edueunt fetus, aut cum liquentia mella 
stipant et dulei distendunt neetare cellas, 



120 

aut onera accipiunt venientum, aut agmine facto 
ignavwm fucos pecus a praesepibus arcent ; 
fervet opus redolentque thymo fragrantia mella. 
fortunati, quorum iam moenia surgunt! 
Aeneas ait, et fastigia zuspielt urbü. 
Von den Versen 431 — 436 sagt man, dass Vergil dieselbe» 
aus Georg. IV 162—169 entlehnte, wo es heisst 

aliae spem gentis adultos 
edueunt fetus ; aliae purissima mella 
stipant et liquido distendunt neetare cellas. 
Sunt quibw ad portas cecidit custodia sorti 
inque vicem speculantur aquas et nubila codi, 
aut onera accipiunt venientum, aut agmine facto 
ignavum fucos pecus a praesepibus arcent. 
fervet opus redolentque thymo fragrantia mella. 
Ich bin aber sehr geneigt, die Echtheit der von Vergil aus- 
seinen Georgicis „entlehnten" Verse zu bezweifeln. Es handelt 
sich hier nicht um die Wiederholung einer Phrase oder eines 
Verses, sondern um das Abschreiben einer grösseren Partie, und 
ich gestehe, dass mir eine solche „Entlehnung" seltsam erscheint 
und dass die sonst bei Vergil sich findenden Repetitionen nach 
meiner Meinung nicht zur Rechtfertigung ausreichen. 

Dazu kommen zwei, wie mir scheint, gewichtige Momente. 

1) In der Prager Handschrift ist Vers 433 von späterer Hand 
zwischen 432 und 437 eingeschoben. Die Verse 434. 435. 436 sind 
von noch späterer Hand am Rande geschrieben. Dieser Umstand 
verdient, glaube ich, hier eben so Beachtung, wie VI 329. 

2) Die Verse 431 — 436 sind hier, wenn man den Gedanken- 
zusammenhang berücksichtigt, seltsam und geradezu anstössig. Es 
ist in hohem Grade auffallend, wenn nach den einleitenden Worten 
qualis apes aestate nova per flojrea rura exercet sub sole 
labor mittelst der temporalen Conjunction cum Arbeiten der Bienen 
angeführt werden, die nicht per florea rura, nicht sub sole 
stattfinden, sondern im Bienenstock, nämlich: liquentia mella 
stipant et dulei distendunt neetare cellas, onera accipiunt venien- 
tum u. s. w. Der Dichter hat bei den Worten qualis apes aestate 



181 

nova per florea rura exercet sub sole labor natürlich an das emsige 
Sammeln des Honigs per florea rura gedacht, und dieser kurze Ver- 
gleich erschien ihm genügend zur Veranschaulichung der emsigen 
Arbeit der Tyrier. Den V. 431 Hess er vorläufig unvollendet ; eine 
unberufene Hand nahm die Ergänzung vor und fügte in ungeschickter 
Weise die ßeminiscenz aus den Georgicis mittelst der Conjunction 
cum an. Gerade durch dies Wörtchen cum, das an die Stelle des 
echten spem in den Georgicis getreten ist, verräth sich der unbe- 
, rufene Interpolator. Vergil würde, wenn er an den Satz qualis 
apes — exercet sub sole labor einen Satz mit cum angeschlossen 
hatte, nur das Sammeln des Honigs und das Herumschwärmen von 
einer Blüthe zur anderen erwähnt haben; noth wendig war aber 
diese Ausführung des Gedankens nicht. 

Aen. I 441 ff. 

Locus in urbe fuit media laetissimus umbra, 
quo primum iactati undis et turbine Poeni 
effodere loco Signum, quod regia Iuno 
\ monstrarat, caput acris equi; sie nam fore bello 

egregiam et facilem victu per saecula gentem. 
Von den Gefahren, welche die Tyrier auf ihrer Fahrt zu 
überstehen hatten, machte Venus in ihrer Erzählung keine Er- 
wähnung; sie begnügte sich bloss sofort (V. 365) das Kesultat 
anzugeben devenere locos, ubi nunc ingentia cernis moenia. Es ist 
also kein Widerspruch zwischen V. 442 und 365, sondern V. 442 
bietet wiederum ein Beispiel dafür, dass der Dichter sich nach- 
träglich manchen Punct anzuführen gestattete, den er früher 
nicht erwähnte, obzwar er dazu Gelegenheit hatte. Eine Bestä- 
tigung findet übrigens V. 442 durch die Worte der Dido 628 f.: 
me quoque per multos similis fortuna labores 
iaetatam hac demum voluit consistere terra. 
Die Worte facilem victu müssen, wenn die Überlieferung 
richtig ist, den leichten Erwerb bezeichnen, der durch das Zeichen 
den Tyriern angezeigt wurde. Man müsste annehmen, dass Vergil 
statt der Construction gens facili victu die Wendung gens facilis 
victu der Symmetrie halber wählte, um ein den Worten bello 



122 

egregiam formell entsprechendes Glied zu gewinnen. — Von «w- 
cere lässt sich victu auf keinen Fall ableiten; denn in diesem 
Fall müsste gens facilis victu nothwendig ein leicht zu be- 
siegendes Volk bedeuten. 

Aber freilich ist es gestattet die Echtheit der Überlieferung 
zu bezweifeln, und zwar aus einem doppelten Grunde. 

a) Immerhin wären die Worte facilem victu ein sonderbarer 
Ausdruck, da sie, so wie sie sind, die Möglichkeit des Sinnes 
„leicht zu besiegen" involvieren; man würde also eine Negation 
erwarten und in diesem Sinne hat Peerlkamp haud facilem vinci 
conjiciert, wobei aber das Asyndeton nach hello egregiam unan- 
genehm ist. 

h) Der Ausdruck gens facilis victu führt, wenn man victu 
für den Ablativ von victus hält, auf einen anderen Sinn, als den 
man hier erwartet. Facilis victu kann eigentlich gar nicht bedeuten 
ein leicht erwerbendes Volk (gens facili victu); und dass die 
Symmetrie hier jenen Einfluss ausgeübt haben sollte, den Ladewig 
annimmt, lässt sich doch bezweifeln. Wenn man asper victu Aen. 
VIII 318 vergleicht, so sollte gens facilis victu bedeuten ein Volk, 
das in seiner Lebensweise, durch seine Lebensweise umgänglich, 
freundlich ist (facilis opp. difficilis). Vgl. Peerlkamp's Auseinander- 
setzung. Dieser Begriff will aber hier durchaus nicht passen. Man 
erwartet vielmehr den Begriff, dass dies Volk leicht, gemächlich, 
im Überflusse leben sollte oder dass es leicht erwerben sollte, 
kurz einen ähnlichen Begriff, wie er V. 14 mit dives opum be- 
zeichnet wird. Aber die sprachliche Möglichkeit, dass facilis victu 
bedeuten könnte facile vivens (gemächlich, behaglich lebend, etwa 
wie teol Qslu £c5ovtsq) ist auch durchaus zu bestreiten. 

Vielleicht ist zu schreiben facili victu. Die Nähe von egre- 
giam und gentem konnte die Corruptel veranlassen. 

Auch könnte man vermuthen 

sie nam fore hello 
egregium et facilem victum per saecula genti. 
Noch wahrscheinlicher aber wäre es vielleicht zu schreiben 

sie nam fore hello 
egregiam et facilem victum per saecula genti. 



123 

Zu egregiam wäre aus dem Dativ genti, der im zweiten 
Gliede steht, gentem zu ergänzen. Diese etwas schwerer verständ- 
liche Construction konnte leicht Anlass bieten zu der Änderung 
vietu und gentem. Dass bei Dichtern zuweilen aus dem zweiten 
Gliede ein entsprechendes Wort im ersten Gliede ergänzt werden 
rnuss, ist bekannt. Es gilt dies nicht bloss von Partikeln, wie nee 
(tgl. Caes. B. C. III 71), si (Aen. XI 174) und Praepositionen wie 
per (Aen. VI 692, V1H 143), in (V 512, VI 416). Mitunter ist 
sogar ziemlich viel zu ergänzen, wie Aen. I 592 f. 

quäle manne addunt ebori decus, aut ubi ßavo 
argentum Pariusve lapis circumdatur auro, 

wo im ersten Glied hinzuzudenken ist „ubi ebur auro circumdant." 

Aen. I 446 ff. 

Hie templum Iunoni ingens Sidonia Dido 
condebat, donis opulentum et numine divae, 
aerea cui gradibus sur gebaut limina nexaeque 
aere trabes, foribns cardo stridebat aenis. 
Statt nexaeque lesen viele nixaeque, indem sie sich auf 
Probus und Servius „multi nixae legunt, non nexae* berufen. Die 
ftager Handschrift bietet nexe d. i. nexae, welche Leseart sich 
weh im Gudianus findet. Vielleicht kann man auch annehmen, 
dass diese Leseart dem Servius bekannt war. Wir wollen hiebei 
gerade kein Gewicht darauf legen, dass es bei Servius nicht heisst 
„multi nixaeque legunt, non nexaeque* sondern „multi nixae le- 
gunt, non nexae* ; aber die weitere Bemerkung des Servius „versus 
sane ipse hypermetros est," sieht ganz so aus, als ob sie der ver- 
stümmelte Rest einer Bemerkung wäre, in welcher ursprünglich 
die einen (scheinbaren) Hypermeter darbietende Leseart nexaeque 
gegen nexae vertheidigt wurde, so dass vielleicht auf die ange- 
führten Worte folgte „aber dennoch vertheidigen wir nexaeque« 

Ich glaube, dass sich die in der Prager Handschrift darge- 
botene Fassung der Stelle „aerea cui gradibus surgebant limina, 
nexae aere trabes (näml. erant), foribus cardo stridebat aenis" 
sehr empfiehlt. Durch diese Fassung gewinnen wir eine vollkommen 



124 

befriedigende grammatische Construction und einen ganz ange- 
messenen Sinn. Was die Construction betrifft, so hätten wir drei 
grammatisch coordinirte Glieder,*) in welchen stark zu betonen 
sind aerea, aere, aenis. Vgl. Aen. IV 138 f., welche Analogie auch 
deshalb passt, weil hier ebenfalls cui das Ganze einleitet: cui 
pharetra ex auro, crines nodantur in aurum, awrea purpuream sub- 
nectit fibula vestem. Auch bei Ovid Met. II 107 f. und Statius 
Theb. VE 43 ist eine solche Dreitheilung. Was die Ergänzung 
von erant im zweiten Gliede betrifft, so vergleiche man z. B. Aen. 
IX 675 portam, qüae ducis imperio commissa (näml. erat), re- 
cludunt, ferner Forbiger's Bemerkung zu Buc. I 54, Bach zu 
Ovid's Met. VII 361. Hier war die Auslassung von erant ganz 
zulässig, da die Ergänzung von erant in dem mittleren Gliede 
zwischen surgebant und stridebat sehr natürlich ist und ganz 
nahe liegt. — Was den Sinn betrifft, so erkläre ich nexae 
aere trabes „mit Erz waren die Pfosten verbunden d. i. die 
(obere) Verbindung der Thürpfosten, die Oberschwelle **). (Urnen 
superum) war von Erz." Es wird also hier nur das eherne 
Thor mittelst einer Dreitheilung geschildert, und wie passend es 
ist, dass nach der Erwähnung des ehernen limen inferum (1. Glied) 
das eherne limen superum (2. Glied) und sodann das, was da- 
zwischen ist (die ehernen Thorflügel), erwähnt wird, leuchtet ein. 
Man kann nicht einwenden, dass trabes zur Bezeichnung der Pfosten 
ein zu unbestimmter und undeutlicher Ausdruck sei ; denn gerade 
bei dieser Auffassung der Stelle ist die Erklärung von trabes zz 
Pfosten eine sehr natürliche. Da nämlich im ersten Gliede von 
der Schwelle, im dritten von den Thorflügeln die Rede ist und 
somit auch dazwischen im zweiten Gliede die Beziehung auf das 



*) Dass in der Frager Handschrift nicht etwa eine ans Versehen entstan- 
dene Auslassung des que anzunehmen ist, sondern dass die betreffende 
Leseart wirklich als eine dreigliedrige Theilung verstanden wurde, dafür 
zeugt die in dieser Handschrift sich findende Interpunction : limina. 
nexe Aere trabes • foribus. 
**) So wird die Oberschwelle als Theil des Eingangsthores specieU erwähnt, 
und der Schwelle entgegengesetzt auch Odyss. rj 90 doyvqeov £' i<p 
V7ZSQ&VQLOV. Vgl. noch Her. I, 179 itvlai . . . %ü%%hui nätrcu, xai 

OTCCd'Hol TS XCCl / Ö7Z£()d'V QCC COOCCVTCOg. 



125 

Thor nahe liegt, was könnte da überhaupt trabes anderes als die 
Thürpfosten bedeuten? 

Die in neuerer Zeit mehrfach angenommene auf der Leseart 
mxaeque beruhende Auffassung, dass aere von ehernen Säulen zu 
verstehen sei und trabes von den grossen Balken des Daches, be- 
sonders den Architraven, ist nach meiner Ansicht abzulehnen. 
Wenn man sagt, dass es sonderbar wäre, wenn Vergil bei der 
Beschreibung eines so grossartigen Tempels die Säulen, die Haupt- 
zierde der Tempel, gar nicht erwähnt hätte: so vergisst man 
hiebei, dass man nicht nachweisen kann, der Dichter habe sich 
wirklich auch die Tempelsäulen ehern vorstellen müssen. Wäre 
dies der Fall, dann hätte Vergil allerdings wol es nicht ver- 
schwiegen, dass auch die Säulen von Erz waren ; aber warum soll 
er sich die Tempelsäulen aus Erz und nicht vielmehr aus Mar- 
mor gedacht haben? Der Dichter wollte nach meiner Ansicht 
im V. 448 und 449 gar nicht die Grossartigkeit des Tempels an- 
deuten, sondern vielmehr gibt er zu verstehen, dass die reichen 
Geschenke (donis opulentum V. 447) in diesem Tempel sicher 
und gut verwahrt blieben; diesen Zweck hat die detaillirte 
Schilderung der Festigkeit des Tempelthors. Hätte der Dichter die 
Absicht gehabt, nach homerischem Vorgang einen märchenhaft 
grossartigen Tempel zu beschreiben, so würde er nicht Erz, 
sondern ein edles Metall genannt haben. So aber hat er jenen 
8toff gewählt, der im Latein wie im Griechischen oft zur Be- 
zeichnung des Harten, Festen, Unbezwingbaren gewählt wurde; 
vgL Hör. Ep. I 1 60 hie murus aeneus esto. Hör. Carm. HI 16 
1 f. steht neben einander turris aenea robustaeque fores. Carm. 
13 9 robur et aes triplex. 

Ein zweiter Grund gegen die in Eede stehende Deutung ist 
die ungefällige Unordnung, die bei dieser Erklärung entsteht, wenn 
eben zuerst die eherne Schwelle, dann die stützenden Säulen, und 
dann wieder tfrit Kückkehr zum ersten Glied die ehernen Thorflügel 
erwähnt werden. Ferner wäre surgebant zu trabes (die grossen Balken 
des Daches, besonders die Architrave) kein passendes Prädicat. 

Doch will ich zum Schlüsse, obzwar mir die Leseart nexae 
mehr zusagt, nicht verschweigen, dass dieselbe Erklärung, die ich 



126 

für die richtige halte, auch bei der Leseart nexaeque aufrecht er- 
halten werden könnte. Und zwar könnte man in diesem Falle ent- 
weder nexaeque aere trabes (näml. erant) als zweites, mittelst 
que an das erste angeschlossenes Glied nehmen (aber freilich das 
Asyndeton ist besser, vgl. die Bemerkung zu Aen. V 752 ff.), 
oder man könnte eine bloss zweigliedrige grammatische Theilung 
annehmen, bei welcher das erste Glied wiederum aus zwei Theilen, 
limina und trabes, bestünde, so dass surgebant das beiden Sub- 
jecten gemeinschaftliche Prädicat wäre. Zu trabes im Sinne von 
postes wäre surgebant ein angemessenes Prädicat 

Aen. I 453 ff. 

Namque sub ingenti lustrat dum singula templo 
reginam opperiens, dum, quae fortuna sit urbi 
artificumque manus inter se operumque laborem 
miratur, videt lliacas ex ordine pugnas. 

Dass das in den meisten Handschriften überlieferte inter se 
im V. 455 unhaltbar ist, wird zwar nicht von allen Kritikern an- 
erkannt, scheint aber doch angenommen werden zu müssen. Schon 
den alten Erklärern erschien offenbar die Erklärung dieser Stelle 
nicht ohne Schwierigkeiten. Wenigstens weisen die Worte des 
Servius auf das Vorhandensein mindestens einer doppelten Er- 
klärung hin. „Artificumque manus inter se: hoc est, habebat arti- 
ficum comparationem. Inter se autem certantium, aut aliquid tale." 
Die letzten Worte aut aliquid tale können vielleicht in dem Sinne 
genommen werden, dass dem Servius keine von den beiden an- 
geführten -Erklärungen ganz befriedigend erschien. 

Die erste der Servianischen Erklärungen, welche auf der 
Annahme einer prägnanten Bedeutung von mirari = mirabundum 
comparare beruht, wodurch die Construction der Worte inter se 
miratur gerechtfertigt werden soll, hat auch Heyne angenommen. 
Dieselbe ist aber jedenfalls unstatthaft und es hat schon Peerlkamp 
mit Recht eingewandt: „Velim mihi exemplum ostendi, in quo 
aliquis opera variorum artificum mirari inter se dicitur, pro mirari 
et inter se comparare." Darum wenden die neueren Erklärer, 
welche an inter se festhalten, eine andere Erklärung an, welche 



127 

mit der zweiten Servianischen übereinstimmt und die Construction 
manu» tnter se voraussetzt, näml. certantes oder „manus artificum 
inter se operantium" (Siebeiis). So auch Haeckermann (der die 
Stelle übersetzt: „während Aeneas staunend das (bunte) Unter- 
Einander der schaffenden Künstler und arbeitenden Werkmeister 
betrachtet ); etwas anders aber doch ähnlich Schrader: „Die 
Worte inter se beziehen sich auf den ganzen Vers und bezeichnen 
das Zusammengehören und Ineinandergreifen der verschiedenen 
Arbeiten." Ladewig: „Sind die W. inter se unverdorben, woran 
allerdings zu zweifeln ist, so sind sie eng mit dem vorhergehenden 
artificum manus zu verbinden und weisen auf den Wetteifer der 
künstlerischen Hände unter einander hin." Gegen alle diese Er- 
klärungen ist einzuwenden, dass die Zulässigkeit der hiebei ange- 
nommenen Construction sich durchaus nicht erweisen lässt. Kappes 
sagt zwar : „manus inter se. Derartige unmittelbare Verbindungen 
eines Substantivs mit einer Präposition ohne Verbum sind auch 
in der Prosa des Livius und Späteren häufig." Und im Anhang 
bemerkt derselbe Gelehrte : „inter se beim Substantiv ohne Verbal- 
fägung beim Dichter (vgl. Aen. II 454 pervius usus tectorum 
inter se) ist durch den häufigen Gebrauch solcher Verbindungen 
bei Livius hinlänglich gesichert, so dass an der Ächtheit nicht 
ro zweifeln ist. Die Bedeutung liegt aber klar zu Tage. Vgl. Liv. 
XXII, 32, 1 summa inter se concordia. XXII, 38, 5 voluntarium 
inter ipsos foedus. VIII, 14, 9 consilia inter se u. v. a. a Aber 
diese Rechtfertigung reicht wol nicht aus. Der von Kappes er- 
wähnte (besonders bei Livius und späteren Schriftstellern, in ein- 
zelnen Fällen jedofch auch bei früheren Autoren vorkommende) 
Sprachgebrauch, demzufolge ein präpositioneller Ausdruck un- 
mittelbar (ohne die Vermittlung eines Verbs, namentlich z. B. 
esse) mit einem Substantiv verbunden wird, ist allerdings bekannt. 
Aber ebenso kann man wol behaupten, dass gerade der Ausdruck 
inter se nur mit einem solchen Substantiv verbunden wird, welches 
den Begriff der Wechselseitigkeit schon in sich trägt. Das 
gilt von den Substantiven concordia, foedus, consilia,*) welche an 

*) Den Begriff der Gegenseitigkeit hat die griechische Sprache sehr schön 
durch die Anwendung des Medium reciprocum ßovXsvea&ca (vgl. auch 



128 

den von Kappes citierten Stellen vorkommen. Aus solchen Beispielen 
darf man aber nicht ohne weiteres schliessen, dass auch artificum 
manus und operumque laborem mit inter se verbunden werden kann. 
Die beste Probe kann man bezüglich der Möglichkeit solcher 
Verbindungen wol so machen, wenn man zusieht, ob das betreffende 
Substantivum mit inter se durch die Vermittlung des Verbs esse 
oder intercedere oder eines ähnl. verbunden werden kann. So kann 
man allerdings sagen summa inter eos est concordia, voluntarium 
inter eos foedus est u. s. w., aber man kann nicht sagen lahor, 
opus inter eos est, manus inter eos sunt von einem gegenseitigen 
Wetteifer in der Arbeit oder von einem Ineinandergreifen der 
verschiedenen Arbeiten. Ferner kann man sagen amor inter se 
u. dgl., weil man auch sagt amare inter se, aber laborare inter se 
ist nicht zulässig, und ebenso wenig labor inter se oder etwas 
ähnliches. 

Es entsteht nun die Frage, was an der Stelle der corrupten 
Worte inter se zu lesen ist. Eibbeck's Bemerkung über die hand- 
schriftliche Überlieferung lautet : J/ntras fort . in archetypo . in- 
trase cl in? . . se c2 INTEESE FMPByb^, Servius, Prisciani et 
Nonii ö." Ribbeck hat nach den angeführten Spuren der Über- 
lieferung intrans in den Text aufgenommen; doch vgl. Weidner's 
Bemerkung (S. 195 f.) gegen diese Conjectur. 

Vielleicht ist statt inter se mit Ladewig zu schreiben intra 
se, worauf doch wenigstens einige (freilich dürftige) Spuren der 
handschriftlichen Überlieferung hinweisen. Es wäre dann zu ver- 
binden intra se miratur „während er in seinem Inneren (bei sid£ 
bewundert." Man kann freilich für die Phrase intra se mirart 
keine genau entsprechende Parallelstelle anführen, aber die Zu- 
lässigkeit dieser Construction wird doch wol nicht zu läugnen 



consiliari) hervorgehoben; solche Media reciproca sind auch äycovlfaa&cti, 
SictUysoftai u. a. — Die Zahl der von Kappes angeführten Beispiele 
lässt sich leicht vermehren. So kann natürlich z. B. certamen inter se 
gesagt werden gerade so wie certare inter se. Sallust sagt auch Jug. 
79, 3 quae res eos in magno diuturnoque bello inter se habuit, gerade 
wie man auch sagen kann bellum magnum inter eos est oder bellare 
inter se. 



129 

sein, wenn man vergleicht Plin. 10, 118 intra se meditari. Quint. 
X, 6, 2 ; XI, 3, 2. Ferner bieten eine gewisse Analogie auch die 
zahlreichen Verbindungen der Verba der Überlegung mit secum, 
z. B. secum aliquid reputare, cogitcure oder Cato bei Gell. 16, 1 
cogüate cum animis vestris oder Verbindungen des Abi. animo mit 
lamentari (Ennius), tremere (Cicero) und ähnliches im Griech., 
wie &vp<p 9 ivl &vii<p, xazä <pQavcc xccl xazä &v[iov 9 ferner z. B. 
Hat Theait 170 D tcciqu asuvxü xqIvus tv; Polit VII, 523 A 
i duiLQovfua naq SfiavTip dgcoyä slvav; Dem. X, 17 yvyvdaxsiv 
fc«p' iavtä u. dgl. 

| Gelegentlich mag hier auch noch die Frage kurz berührt 

werden, ob wir den Tempel als noch im Bau, in der Vollendung 
begriffen oder als schon vollendet zu denken haben. Weidner 
(8. 192) behauptet mit Entschiedenheit das letztere, aber er führt 
keinen Beweis dafür an. Wenn er nämlich sagt „ dass der Tempel 
nicht bereits vollendet gewesen wäre, davon findet sich keine 
Spur": so ist dagegen zu erinnern, dass doch eine solche Spur 
das Imperfectum condebat (V. 447) darbietet. Dies Imperfectum 
ist aber -wol mehr als eine Spur; es ist ein direkter Beweis 
dafür, dass der Tempel noch nicht ganz vollendet war. Die Mühe, 
welche manche Erklärer darauf verwenden, dies Imperfectum 
anders zu erklären, ist ein Beweis für die Unwahrscheinlichkeit 
der betreffenden Erklärungen. 

So ist z. B. die Erklärung, welche Weidner bei diesem 
Imperfect anwendet, gesucht und unwahrscheinlich: „Es bleibt 
nur übrig, hier das Imperfect der Schilderung oder Beschreibung 
anzunehmen, welches durch die Beziehung auf ein Plusq. (mon- 
strarat) selbst zu der Bedeutung eines solchen erhoben wird. . . . 
Der Dichter versetzt sich lebhaft in die Zeit der ersten Ankunft 
Dido's und will hie (rz itaque hie) enge mit dem Vorausgehenden 
verbunden wissen = Cum Iuno in luco illo caput equi monstrasset, 
lioc quoniam et bellicam victoriam et domesticam felicitatem signi- 
ficaret, extemplo ibi Dido Iunoni templum condebat, tamquam 
Bovae urbis initium et praesidium. u Die Römer selbst konnten, 
wenn sie eben die Worte ungezwungen auffassten, nur verstehen, 

KviiaU: Verglhtudien. 9 



130 

dass der Tempel noch nicht vollkommen fertig war ; und so müssen 
auch wir, wenn wir nicht die sich förmlich aufdrängende Auffas- 
sung verschmähen und etwas Verborgenes suchen wollen, mit 
diesem natürlichen Sinn uns begnügen, wie z. B. Wagner, Gossrau 
u. a. die Stelle erklären. 

Aber, wendet man ein, der Dichter gibt sonst keine An- 
deutung darüber, dass er den Tempel als noch nicht vollkommeu 
fertig gedacht wissen wollte. Der Umstand, dass schon die Maler- 
arbeiten fertig waren, ferner 448. 449, dann der Umstand, dass 

< 

die Königin in dem Tempel bereits iura dahat cet. (507. 508), 
scheint dagegen zu sprechen. Aber auch in dem Falle, wenn 
diese Einwendung richtig wäre, brauchte man die natürliche 
Erklärung von condebat nicht aufzugeben ; es wäre dann höchstens 
eine Inconcinnität der Darstellung des Dichters anzunehmen, und 
auch die eme Andeutung, welche in condebat selbst liegt, müsste 
genügen. Aber es finden sich noch zwei andere Momente, welche 
die natürliche Erklärung von condebat unterstützen. 

Ein zweites Moment nämlich, durch welches es wahrscheinlich 
gemacht wird, dass der Dichter den Tempel als in der Vollendung 
erst begriffen gedacht hat, ist der Umstand, dass ja überhaupt 
die ganze Stadt als im Werden begriffen dargestellt wird, und 
zwar zu wiederholtenmalen und in sehr bestimmter Weise. Vgl. I 
366 surgentemque novae Karthaginis arcem, dann 423 ff. pars du- 
cere muros | Molirique arcem et manibus subvolvere saxa, | Pars 
optare locum tecto et concludere sulco; | Hie portus alii effodiunt; 
hie alta theatri | Fundamenta locant alii immanisque columnas. 
| Rupibus excidunt, scaenis decora alta futuris, ferner 437 f. 

fortunati, quorum iam moenia surgunt! 
Aeneas ait et fastigia suspieit urbis. 
dann 507 (Dido) 

iura dahat legesque viris operumque laborem 
partibus aequabat iustis aut sorte trahebat. 

und 563 f. 

res dura et regni novitas rne talia cogunt 
moliri et late finis custode tueri. 



-J •im 



131 

und ganz besonders noch IV 86 ff. 

non coeptae assurgunt turres, non arma iuventus 
exercet portusve aut propugnacula hello 
tuta parant; pendent opera interrupta minaeque 
murorwn ingentes ' aequataque machina coelo. 

Mit diesen Andeutungen nun stimmt es überein, wenn wir 
uns auch den Tempel, welchen Dido condebat, als noch nicht voll- 
kommen fertig vorstellen. Waren ja doch sogar die Stadtmauern 
noch nicht vollendet; und diese aufzuführen und die Bewohner 
so gegen feindliche Überfälle zu sichern muss doch wol eine der 
i ersten Sorgen gewesen sein. 

r- 

i Dazu kommt nun aber auch noch V. 503 f.: 

tcdis erat Dido, talem se laeta ferebat 
per medios in 8 tan 8 operi regnisque futuris. 

In8tans operi kann in diesem Zusammenhang doch nur von 
einer Beschleunigung der noch übriggebliebenen Tempelarbeiten 
verstanden werden; denn da es V. 496 f. heisst regina ad tem- 
plum, forma pulcherrima Dido, incessit, da ferner Aeneas sich im 
Inneren des Tempels befindet, so muss talem se laeta ferebat per 
%utio8 eben von dem Gang zum Tempel verstanden werden, und 
daraus folgt wiederum, dass instans operi sich nicht beziehen 
kann auf anderweitige Arbeiten, deren Beschleunigung Dido 
/Hfter, bevor sie zu dem Tempel gieng, anbefahl. 

Fragt man aber, was es etwa für Arbeiten sein mochten, 
welche beim Tempelbau noch als übrig geblieben zu denken sind, 
W könnte man vielleicht im Namen des Dichters eine solche 
Frage zurückweisen und sagen, dass man dem Dichter dergleichen 
nachsehen müsse und dass man von ihm nicht eine Rechnungs- 
legung auch in solchem Detail verlangen dürfe. Aber man kann 
sich recht gut denken, dass z. B. in der Umgebung des Tempels, 
im Tempelhof noch nicht alles fertig war. 

[ Auf den V. 455 möchte ich mich nicht gerade berufen, 

\ denn die in diesem Verse vorkommenden Ausdrücke artificum 

*mu8 und operum labor können ja auch eine bereits vollendete 

Arbeit bezeichnen. 

9* 






132 



Aen. I 459 ff. 



Quis iam locus, inquit, Achate, 
quae regio in terris nostri non pleno, laborüf 
en Priamus! sunt hie etiam sua praemia laudi; 
sunt lacrimae verum et rnentern mortalia tangunt. 
solve metus; feret haec aliquant tibi fama salutem. 
Nimmt man im letzten Vers tibi als gewöhnlichen von feret 
salutem abhängigen Dativ, so ist der Ausdruck auffallend. Aller- 
dings sagt Gossrau: „In eo autem magna est sermonis dulcedo, 
quod Achatem alloquitur eumque ut bono animo sit exhortatur." 
Aber mag auch immerhin das Verhältniss des Achates zu Aeneas 
als ein noch so vertrauliches gedacht werden, so wäre es hiei 
doch ein Ubermass von Zärtlichkeit, wenn Aeneas sich selbst und 
seinen Sohn und die anderen Troer vergessend ausschliesslich her- 
vorgehoben hätte, dass dieser Euhm dem Achates Kettung bringe! 
wird. Es wäre dies um so auffallender, als ja Achates in dem 
trojanischen Krieg keine irgendwie hervorragende Figur war. 

Da somit diese Auffassung bedenklich ist, so sehen siel 
andere veranlasst, tibi als ethischen Dativ zu nehmen, »tibi esi 
dativus ethicus, quem vocant, ut sensus sit: crede mihi, persua- 
deas tibi, hanc famam nobis allaturam esse salutem." Forbiger 
Aber diese Erklärung hat geringe Wahrscheinlichkeit. Wenn tib 
auf Achates bezogen werden sollte, so läge es doch gewiss sprach- 
lieh betrachtet (wenn man eben die Unzulässigkeit des Gedankens 
nicht in Betracht zieht) nahe, den Dativ als gewöhnlichen Datr 
zu nehmen. 

Diese Bedenken würden behoben werden, wenn man V. 462 
annehmen könnte, dass Aeneas sich selbst Muth zuspricht; zi 
diesem Monolog würde auch schon solve metus (Aenea) gehören 
Und diese Annahme ist wol nicht unmöglich. — Beispiele eine: 
solchen Selbstanrede finden sich in grosser Zahl bei Ovid, z. B 
Met. VII 11 

frustra, Medea, repugnas 
Met. VII 17 

excute virgineo coneeptas pectore flammas, 
si potes, infelix. 



133 

ib. 21 ff. quid in hospite, regia virgo, 

urerü et thalamos alieni concipis orbisf 
haec quoque terra potest, quod ames, dare. 
ib. 47 ff. quid tuta times? accingere et omnem 

pelle moram! tibi se semper debebit Iason, 
te face sollemni iunget sibi, perque Pelasgas 
servatrix urbes matrum celebrabere turba. 
Vergil hat von diesem Mittel einigemal im vierten Buche 
Gebrauch gemacht. 
IV 541 f. 

nescis heu, perdita, necdum 
Laomedonteae sentis periuria gentis? 
ebd. 547 

quin morere, ut merita es, ferroque averte dolorem 
ebd. 595 

quid loquor? aut ubi sum? quae mentem insania mutat, 
infelix Dido ? nunc te facta impia tangunt ? 
tum decuit, cum sceptra dabas. 

Freilich ist nicht zu verschweigen, dass alle diese Beispiele 
in einem förmlichen Monolog vorkommen, während wir hier an- 
nehmen müssten, dass Aeneas von der an Achates gerichteten 
Ansprache zu einem Monolog übergeht. 

Für die Annahme einer Selbstanrede im V. 463 spricht V. 
461 f. und 488. 

Aen. I 466-493. 

Ribbeck hat das Verdienst (emend. Verg. p. 11) auf die 
Unhaltbarkeit der überlieferten Versfolge hingewiesen zu haben. 
Aber freilich dürften die von Ladewig gegen die Umstellung 
Kbbeck's (V. 479—482 nach V. 473) geltend gemachten Gründe 
wenigstens zum Theil berechtigt sein. 

Es kann wol als ausgemacht gelten, dass der Dichter die 
verschiedenen Scenen, die er in dieser Partie erwähnt, nicht will- 
kürlich neben einander reiht, sondern dass er eine bestimmte 
Ordnung beabsichtigte. Auch ist es in hohem Grade wahrschein- 
lich, dass wir uns die vom Dichter erwähnte Bilderreihe als auf 



134 

einem Giebelfeld befindlich und in zwei Theile zerfallend vor- 
zustellen haben. Darüber finden sich in Weidner's Commentar 
(S. 179) einige sehr gute Bemerkungen. Aber den Punct kann 
ich in Weidner's Auseinandersetzung nicht billigen, dass er, 
während er (S. 180) auf die Worte parte alia (V. 474) so grossen 
Nachdruck — und mit Recht — legt und in denselben einen 
Hinweis auf die Gegenbeziehung der zwei Theile des Giebels 
findet, dennoch an der handschriftlichen Überlieferung festhält. 

Man muss doch vielmehr, wenn man in den Worten parte 
alia das findet, was in denselben wirklich zu liegen scheint und 
was eben auch Weidner hervorhebt, annehmen, dass vor diesen 
Worten gerade die Hälfte der ganzen Bilderreihe vom Dichter 
geschildert worden ist. Da nun offenbar die Zahl der einzelnen 
getrennt zu denkenden Bilder sich auf acht beläuft und nach der 
handschriftlichen Versfolge in den Versen 467 — 473 bloss drei 
Bilder erwähnt werden, so muss aus der folgenden Partie 474 
bis 493 eines von den fünf in dieser Partie vorkommenden 
Bildern durch Umstellung in die erste Hälfte versetzt werden, 
damit die vom Dichter offenbar beabsichtigte Symmetrie sich 
herausstelle. 

Ich glaube nun auch mit Ribbeck, dass dies in den Hand- 
schriften an ungehöriger Stelle vorkommende Bild kein anderes 
ist als das V. 479 — 482 beschriebene. Nach meiner Meinung sind 
jedoch die Verse 479 — 482 nicht nach V. 473. sondern schon nach 
V. 468 zu stellen. Auf Grund dieser Transposition stellt sich 
folgende symmetrische Anordnung und Correspondenz der acht 
Bilder heraus: 



{ 






1 Flucht der Griechen (467) 

2 Flucht der Troer (468) 

3 Die Troerinnen vor der Pallas (479—482) 

4 Blutbad im Lager des Rhesus (469—473) 

5 Tod des Troilus (474—478) 

6 Priamus vor dem Achilles (483 — 487) 

7 Die Memnonsschlacht und Theilnahme des Aeneas an 

ihr (488 f.) 

8 Die Amazonenschlacht (490—493) 



lB 



135 




A B 

Dass diese Anordnung allen Anforderungen der Symmetrie 
entspricht, ist augenscheinlich. Es correspondieren die einzelnen 
Bilder 1 mit 2, 7 mit 8, sowie auch das Bilderpaar 1 2 mit 7 8, 
femer 3 mit 6 (zwei Supplicationsscenen) und 4 mit 5. Dass die 
Bilder 4 und 5 mit einander correspondieren, darüber bemerkt 
Weidner (S. 181) gut: „Dass die Scene Diomedes und Khesus, 
eine hülflose Verheerung dem hülflosen Tode des Troilus unter 
der Hand des Achilles entsprechen kann, darüber sollte ein 
Zweifel nicht möglich sein." Die Bilderpaäre 1 2 und 7 8 ent- 
sprechen einander insofern, als in beiden grössere Kriegermassen 
dargestellt waren. 

Er fragt sich jetzt nur noch, wie bei unserer Transposition 
iüerea aufgefasst werden soll. Mir erscheint es unzweifelhaft, 
dass man an der regelmässigen Bedeutung dieses Wortes fest- 
lagen muss und nicht auf Grund der Annahme einer unsicheren 
Bedeutung die Stelle erklären darf. Ich halte es für ganz will- 
kürlich, wenn man interea in der localen Bedeutung „inter cetera 
tabnlarum argumenta, in alia area" nimmt. Weidner's Bemerkung 
sucht unter Zugrundelegung der localen Bedeutung doch auch das 
temporale Moment zu berücksichtigen, welche Vermischung ich 
ftr unstatthaft halte. „Damit (näml. mit interea) wird weder 
eine Gleichzeitigkeit noch eine Folge ausgedrückt. Zwischen den 
'erwähnten kriegerischen Scenen sieht Aeneas unmittelbar daneben, 
gleich als geschähe dies zu gleicher Zeit, den Zug der Troerinnen 
flim Tempel der Pallas." (S. 199.) 

Da nach der von uns empfohlenen Versumstellung der mit 
interea beginnende Vers 479 unmittelbar an V. 468 sich anschliesst, 
da ferner interea in der gewöhnlichen Bedeutung zu nehmen ist : 
ßo ergibt sich daraus der Sinn : „Unterdessen, während Achilles 
Troern hart zusetzte, giengen die Troerinnen zum Tempel der 



136 

Pallas." Dies stimmt nun freilich mit der Ilias. nicht überein, 
während doch andererseits der Dichter offenbar bei den Versen 
479 — 482 die Supplicationsscene im sechsten Buche der Dias 
269 — 312 vor Auge hatte. In der Ilias wird die Supplication der 
Troerinnen durch das Kriegsglück des Diomedes veranlasst, während 
Achilles abseits grollt: bei Vergil dagegen würde Achill's Sieg 
über die Troer die Ursache der Procession sein. Aber wenn dies 
eine Schwierigkeit sein soll, so ist zu bedenken, dass dieselbe 
Schwierigkeit in jedem anderen Falle (sowol bei der handschrift- 
lichen Überlieferung wie bei Eibbecks Umstellung) ebenso besteht, 
wenn man interea so erklärt, wie man es denn doch erklären 
muss und wenn man nicht durch eine willkürlich angenommene 
Bedeutung die Schwierigkeit beseitigen will. 

Sind wir denn aber überhaupt berechtigt überall da, wo sich 
bei Vergil homerische Eeminiscencen finden, auch die bei Homer 
vorkommende Situation für Vergil als die ausschliesslich mass- 
gebende zu betrachten? Diese Frage muss bekanntlich auf Grund 
vieler Beispiele verneint werden. So finden sich z. B. im dritten 
Buche in der Cyklopenscene trotz aller homerischen Imitation doch 
wesentliche Differenzen. Oder um ein für den vorliegenden FalL 
noch schlagenderes Beispiel anzuführen, so passiert Aeneas die 
Charybdis schon IE 558 ff. und kommt erst dann zur Cyklopen- 
küste, während bei Homer, der doch auch hier dem Vergil Vorbilc 
war, Odysseus' Ankunft im Cyklopenlande schon im 9. Buch* 
vorkommt und die Fahrt zwischen der Skylla und Charybdis ers~ 
im 12. Buche. 

Man darf sich also nicht daran stossen, dass bei Vergil di 
Supplication der Troerinnen dadurch veranlasst erscheint, das. 
Achilles den Troern hart zusetzte; an und für sich ist ja aucH 
diese Voraussetzung eine ganz passende, wenn sie auch mit d^ 
Voraussetzung des 6. Buches der Ilias nicht stimmt. 

Aen. I 490 f. 

ducit Amazonidum lunatis agmina peltü t 
Penthesilea furens mediisque in rnilibus ardet 



137 

Furere hat neben seiner gewöhnlichen Bedeutung je nach 
dem Context verschiedene specielle Bedeutungen. So steht es = 
fnribundum vagari Aen. II 771; von leidenschaftlicher Erregung 
HI 313 ; von rasend schnellem Laufe VII 625 ; an unserer Stelle 
bezeichnet es die wilde Kampfeslust der Fenthesilea; vgl. X 802 
(X 604). Es ist furere in dieser Bedeutung zu vergleichen mit 
dem homerischen ftvsiv, frvvsw z. B. A 180 iteQi xqo yäg £y%ü 
9vsv und ebenso II 699. E 87 dvvs yccQ ap itedlov, ytora^Kp 
tliftovxi iojLxdg und 95 f. tov S* tag ovv ivoi](T£ Avxaovog dyXuog 
viog dvvovr* 5/x itsdloVy itgo üfrev xloviovrcc (fcckccyyccg. 

Aen. I 505 f. 

' tum foribus divae media testudine templi 
saepta armis solioque alte subnixa resedit. 
* Von den Erklärungen, welche der erste Vers gefunden hat, 
verdient nach meiner Ansicht am meisten jene beachtet zu werden, 
nach welcher unter fores divae die Thür zu verstehen ist, welche 
in das adytum oder penetrale führt, wo das Bild der Juno sich 
befand (Weidner, Haeckermann, Henry, Wagner, Forbiger). — 
Aber da auch in diesem Falle die Ausdrucksweise nicht eben 
Uar wäre, so ist die Annahme eines Verderbnisses wenigstens 
möglich. Vielleicht ist nach den Worten tum foribus divae der 
Ausfall eines Verses anzunehmen 

tum foribus divae 

media testudine templi 

saepta armis solioque alte subnixa resedit. 
Es konnte der Dichter etwa z. B. geschrieben haben: 
»Hierauf, als sich die Thür des Tempels *) geöffnet hatte, trat sie 
.(die Königin) begleitet von dem Gefolge ein und media testudine 
templi resedit." 

Die Worte solio subnixa sind wol von dem Aufstützen der 
Arme auf die Armlehnen zu verstehen, wie Ciris 347 cubito 
subnixa. 



*) Dass es am einfachsten und wahrscheinlichsten ist, unter fores divae 
die Thür des Tempels zu verstehen, ist nicht zu bestreiten. Es ist 
dieselbe Thür, die schon V. 449 erwähnt worden ist. 



138 



Aen. I, 511 f. 



ater quos aequore turbo 
dispulerat penitusque alias avexerat oras. 

„AVERTERAT Fy AUEXERAT (D col. rubro) M advexe 
probavit Laclimannus ad Prop. IV, 6, 63 : cf. Haeckermann exp 
Vergil. 15". Ribbeck. Vergleiche Peerlkamp's Bemerkung. Ai 
die Prager Handschrift bietet aduexerat 

Aen. I 516 ff. 

dissimulant et nube cava speculantur amicti, 
quae fortuna viris, classem quo litore Unquant, 
quid veniant; cunctis nam lecti navibus ibant 
orantes veniam et templum clamore petebant. 
Die Leseart cunctis verdient vor cuncti den Vorzug und t 
besonders aus dem Grunde, weil hier der Gedanke erwartet w 
dass Repraesentanten aller verloren geglaubter Schiffe (mit A 
nähme eines einzigen, das wirklich sammt der Mannschaft unl 
gegangen war 113 ff.) vor der Königin erschienen. Achates s 

V. 583 ff. 

omnia tuta vides, classem sociosque receptos. 
unus abest, medio in fluctu quem vidimus ipsi 
submersum; dictis respondent cetera matris. 
Venus hatte mit der Hinweisung auf zwölf Schwäne (3 
die Rettung von zwölf Schiffen des Aeneas verkündet. Wenn i 
Achates sagt, dass alle Schiffe des Aeneas mit Ausnahme des i 
Orontes befehligten, welches eben vor den Augen des Aeneas i 
Achates untergegangen war, gerettet seien, so muss man frag« 
Woher wusste er dies? woraus schloss er es? In der Rede 
Ilioneus findet sich kein positiver Anhaltspunct dafür ; ja die Wc 
huc pauci vestris adnavimus oris (538) hätten den Achates eher 
der Vermuthung verleiten können, dass nicht alle 12 Schiffe gerel 
seien. Achates konnte es nur eben daraus schliessen, dass Repräs 
tanten aller 12 Schiffe (zunächst natürlich die Befehlshaber, aus 
ihnen aber wol auch andere als Abgeordnete; denn der Ausdn 
lecti spricht dafür) vor der Königin erschienen. Dies muss a 



139 

Vergil im V. 518 gesagt haben ; daraus aber folgt wieder, dass er 
in diesem Vers cunctis schrieb. Ouncti würde, ob man es nun mit 
vermint verbindet oder zu lecti ibant zieht, der hier zu stellenden 
Anforderung nicht entsprechen. 

Im V. 519 ist venia wol auf die Erlaubniss, das Land zu 
betreten, zu beziehen, also auf die Gewährung der Gastfreundschaft ; 
vgl. 540 und 541. Dido gewährt diese venia in vollstem Masse, 
indem sie sogar den Troern mehr anbietet, als sie verlangen 
(573 f.) 

Der Versuch, im V. 519 clamore als begleitenden Neben- 
nm8tand aufzufassen und auf das Geschrei der die Troer um- 
ringenden Punier zu beziehen, ist gewiss nicht zu billigen, und 
zwar aus dem Grunde, weil man in einer solchen Verbindung wie 
tmplum clamore petebant (sc. Troes) gar nicht umhin kann als 
logisches Subject von clamore dieselbe Person zu verstehen, welche 
grammatisches Subject von petebant ist; also clamore = clamantes. 
Was müsste man von einem solchen Dichter halten, der die Ver- 
bindung templum clamore petebant, welche bei ungezwungener 
Erklärung den eben angegebenen Sinn bietet und zu dieser Auf- 
fassung formlich zwingt, gerade in dem entgegensetzen Sinn hätte 
verstanden wissen wollen? 

Aen. I 538. 

huc pauci vestris annavimus oris. 

Zu pauci bemerkt Forbiger: „quia Ilioneus de Aeneae cete- 
rorumque, qui cum eo servati erant, navibus nihildum comperit." 
Mit zwanzig Schiffen fuhr Aeneas von Troia ab (I 381); sieben 
Schiffe blieben dem Aeneas nach I 170 und 383, eines gieng zu 
Grunde nach I 113 — 119: somit spricht Ilioneus von der Mann- 
schaft von zwölf Schiffen. Demnach scheint der Ausdruck pauci 
y on 12 Schiffen gegenüber der Minderzahl von 8 Schiffen in- 
correct zu sein. Soll man hierin auch einen der allerdings in 
der Aeneis zahlreichen aus der Nichtanwendung der letzten Feile 
erklärlichen Mängel erblicken? Will man dies nicht, so müsste 
flto annehmen, dass Ilioneus absichtlich die Mannschaft der zwölf 
Schiffe mit pauci bezeichnet, um den Schein zu erregen, dass 



140 

noch viel mehr Troianer übrig seien, welche allenfalls ihre Ge- 
fährten, wenn diesen etwas zu Leide geschehen sollte, rächen 
könnten. An dies Auskunftsmittel ist offenbar schon im Alter- 
thum gedacht worden, wie die Bemerkung von Servius zeigt : Huc 
pauci; vult intelligi, ut quidam tradunt, superesse et alios qui 
sunt . . . futuri vindices, si isti fuerint laesi; nam hoc est, quod 
ait: dispulit. — Eine ähnliche Andeutung findet sich gerade be- 
züglich der Rede des Ilioneus mehrmals im Commentar des Ser- 
„ vius. So heisst es bei Servius: „Quod autem Aeneam laudat, 
occulte etiam timorem iniicit dicendo: Nee hello maior et armis. 
Dicit etiam esse qui vindicent, si fiat iniuria: Sunt et Siculis cet. a 
Zu 542 : »Mortalia arma . . . Sane arma etiam consilia significant, 
ut: Quaerere conscius arma. Sed hoc loco terret latenter propter 
Siciliam. Nam et paulo post ait: Sunt et Siculis regionibus urbes. 
Cum unam habeant, in qua Acestes regnat : sed ad terrorem urbes 
dixit." Zu 544: „Et bene duo laudat in Aenea: pietatem, quam 
a Didone impetrare contendit, et virtutem, qua vult eum timeri: 
et certe, quoniam et beneficium referre potest, et vindicare." Zu 
549 : „Sunt et Siculis: i. e. gratiam reddere possumus ; arma latenter 
minatur." 

Aen. I 539 f. 

quod genus hoc hominum ? quaeve hunc tarn barbara morem. 

permittit patria ? hospitio prohibemur arenae. 

Die unzweifelhaft richtige Interpunction ist die Setzung eines 
Fragezeichens nach hominum (nicht die eines Komma). Die fol- 
gende Frage aber hat nicht den allgemeinen Sinn quae terra tarn 
barbara est, ut hunc morem permittat? (Forbiger), sondern bezieht 
sich speciell auf das Land, in welchem sich jetzt die Troer be- 
finden. Die Worte „welches so barbarische Land lässt diese Sitte 
zu? a haben den Sinn „welches ist dieses so barbarische Land, 
das diese Sitte zulässt?" = quae est haec tarn barbara terra, 
quae hunc morem permittit? Es ist also im zweiten Fragesatze 
zu tarn barbara patria hinzuzudenken haec, wie im ersten Frage- 
satz hoc bei genus steht. Die Auffassung des zweiten Fragesatzes 
in allgemeinem Sinne wäre zwischen den zwei speciellen Sätzen 



• 141 

* 

quod genus hoc hominum und hospitio prohibemur arenae eine un- 
liebsame Unterbrechung. 

Patria erklärt Gossrau als das Land, welches patria huius 
moris wäre (wo ist diese Sitte zu Hause?). Aber diese Erklärung 
ist wol zu gesucht. Patria ist für terra gesetzt mit Rücksicht 
auf die Menschen, über die sich Ilioneus beklagt ; und ich glaube, 
dass der Dichter bei der Wahl dieses Wortes den Effect erzielen 
wollte, den man etwa durch folgende Paraphrase andeuten kann: 
,Was habt ihr da für ein so barbarisches Vaterland, welches 
diese Sitte zulässt? Unsere patria kannte diese Sitte nicht." 

I 544 ff. 

Sex erat Aeneas nobis, quo iustior alter 
nee pietate fuit nee bello maior et armis. 
Quem si fata virum servant, si vescitur aura 
aetheria neque adhuc crudelibus oeeubat umbris, 
non metus; officio nee te certasse priorem 
poeniteat. Sunt et Siculis regionibus urbes 
armaque Troianoque a sanguine clarus Acestes. 
Quassatam ventis liceat subducere classem. 

Ladewig erklärte früher (4. Aufl.) die Worte non metus: 
„so brauchst du nicht zu fürchten, deine Wohlthaten an einen 
Undankbaren verschwendet zu haben." Später vertauschte er diese 
Erklärung mit einer anderen: „So fürchten wir nichts (so werden 
vir sicher Italien erreichen) und dich dürfte es dann nicht ge- 
reuen, uns zuerst einen Dienst geleistet zu haben." Diese zweite 
Erklärung ist aber viel weniger wahrscheinlich. Der Gedanken- 
rasammenhang erheischt hier vielmehr einen solchen Gedanken 
wie „so ist nicht zu befürchten, dass deine Wohlthaten ohne 
Dank bleiben." Aber es ist diese Stelle wol nicht unversehrt 
erhalten, da die Worte in jedem Falle unklar sind. Wahrschein- 
lich ist eine Lücke anzunehmen, und zwar nach den Worten non 
*dm. Ich glaube, dass das, was der Dichter vollständig schrieb, 
etwa den Sinn hatte: „Wenn Aeneas noch am Leben ist, so ist 
Dicht zu befürchten, dass deine Wolihaten ohne Dank bleiben. 
Aber auch wenn er todt sein sollte, so könnten wir in der Lage 



142 

sein uns dankbar zu zeigen, und es dürfte dich nicht gereuen, 
uns zuerst einen Dienst erwiesen zu haben. Denn auch in Sici- 
lien gibt es Troianer." Nach dieser Vermuthung fand hier die- 
selbe Alternative statt, wie V. 553 si datur Italiam sociis et rege 
recepto tendere und 555 sin absumpta Salus, et te, pater opturae 
Teucrum, pontus habet Libyae. 

I 551 ff. 

Quassatam ventis liceat subducere classem 
et silvis aptare trabes et stringere remos, 
si datur Italiam sociis et rege recepto 
tendere, ut Italiam laeti Latiumque petamus; 
sin absumpta salus et te, pater optume Teucrum, 
pontus habet Libyae nee spes iam restat IvXi % 
at freta Sicaniae saltem sedesque paratas, 
unde huc advecti, regemque petamus Acesten. 
Die Wiederholung des Wortes Italiam (V. 553 und 554) 
hielt Weichert und Rau für anstössig. Letzterer wollte den Vers 
554 getilgt und den Accusativ Italiam im V. 553 mit stringere 
remos verbunden wissen, weil in dieser Phrase der Begriff der 
Bewegung involviert sei — eine Construction, für die man schwer- 
lich eine ausreichende Analogie finden wird. Die Wiederholung 
von Italiam wäre allerdings anstössig, wenn nicht beidemal dies 
Wort mit starker Betonung ausgesprochen und in scharfem Gegen- 
satz zu freta Sicaniae sedesque paratas gedacht würde. Jedes 
Bedenken verschwindet aber, wie schon Wagner und andere 
bemerkt haben, wenn man erklärt und betont: „Es sei uns ge- 
stattet, unsere Flotte wieder in seetüchtigen Stand zu setzen, 
damit wir, wenn es eben vergönnt ist den König und die Ge- 
fährten am Leben zu finden und nach Italien zu ziehen, frohen 
Muthes natürlich gen Italien fahren, in entgegengesetzten Falle 
wenigstens Sicilien aufsuchen." 

Was die starke Betonung des Wortes Italiam betrifft, so 
bietet sich hiefür eine Analogie Aen. III 253 f.: 

Italiam cursu petitis ventisque vocatis : 
ibitis Italiam portusque intrare licebit. 



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I 



143 



Aen. I 561. 



tum breviter Dido voltum demissa profatur. 

Wenn man die verschiedenen Erklärungen, welche die Worte 
voltum demissa gefunden haben, prüft und gegen einander abwägt, 
so wird man bei vorurtheilsfreier Erwägung schliesslich der ein- 
fechsten Auffassung den Vorzug geben, die sich schon bei Donatus 
findet. Dass diese Worte das Mitleid der Dido mit dem Schicksal 
der Troer bezeichnen (Henry Philol. XI, 519), dass sie „mit herab- 
lassender Miene" bedeuten (Kappes zur Erkl. von Verg. Aen. I 
61), dass das Senken des Blickes ein Zeichen der Hoheit, der 
Würde und Buhe, wie der unparteiischen Entscheidung sein soll 
(Kappes Ausgabe zu d. St.) — das sind lauter unmögliche Erklä- 
rungen. Weder Mitleid noch Hoheit und Würde gibt sich durch 
das Senken des Blickes kund, und zu der an zweiter Stelle 
erwähnten Erklärung hat wol nur die zufällig scheinbare Ähnlich- 
keit des deutschen „herablassend" mit dem lateinischen demissa 
Anlass gegeben. 

Sinnig könnte man die Darlegung Weidner's finden, wenn 
sie sich nur genügend begründen Hesse. Weidner bezieht voltum 
amissa auf die Erscheinung des Mercurius in Karthago I 303 in 
primis regina quietum accipit in Teucros animum mentemque 
benigoam. „Die Königin," sagt er weiter, „soll antworten, sie 
ist aber iip Augenblick tief bewegt, sie fühlt etwas in ihrem 
Herzen, was ihr das Auftreten der Troianer merkwürdig macht. 
Der Gott hat sie so gestimmt^ dass sie etwas mehr als gewöhn- 
liche Theilnahme fühlt, freilich am meisten für den fern geglaubten 
Aeneas. Darum senkt die Königin den Blick, weil sie sich bewusst 
ist, dass sie nicht blos fühlt und spricht, was sie als Königin 
fthlen und sprechen sollte. Es ist noch nicht Liebe, aber es ist 
doch mehr als Mitgefühl, es ist etwas Unaussprechliches, was der 
flott in ihrem Herzen gewirkt hat!" Aber wenn man auch davon 
itaehen will, dass jene Partie, in welcher Mercur's Auftreten 
geschildert wird, keinen nachweisbaren Einfluss auf das folgende 
*u haben scheint, *) so muss man doch sagen, dass Weidner allzu 



*) Vgl unsere Bemerkung zu I 297 ff. S. 102. 



144 . 

viel dem Dichter unterlegt. Darin, was Dido in ihrer Rede 56! 
bis 578 spricht, findet man, wenn man es Wort für Wort ver 
folgt, gar nichts, was sie veranlassen sollte den Blick zu senken 
Und darüber, was sie fühlt, gibt uns der Dichter genauen Auf 
schluss. Es ist Mitleid mit den vom Schicksal verfolgten Troern 
es ist ein Interesse — und ein lebhaftes Interesse — das Did< 
für sie und für Aeneas fühlt, von dem sie übrigens nicht weiss 
ob er am Leben ist oder nicht (555 f.) — auch darin liegt nichts 
was sie befangen machen könnte. 

Da nun aber die Worte voltum demissa doch wol gewiss eini 
Befangenheit bezeichnen, so muss man den Grund anderswo suchen 
und da bieten sich nun zwei Momente dar, welche beachtet zi 
werden verdienen. 

a) Ilioneus hat den Karthagern einen schweren Vorwur 
machen müssen V. 539 ff. 

quod genus hoc hominum? quaeve hunc tarn barbara morem 

permittit patria ? hospitio prohibemur arenae ; 

bella cient primaque vetant consistere terra; 
er hat es für nöthig befunden mit der Strafe der Götter zu drohei 
542 f. 

si genus humanuni et mortalia temnitis arma, 
at sperate deos memores fandi atque nefandi. 

Ist es da nicht wahrscheinlich, dass im Herzen der Dido 
deren Unterthanen sich so ungastlich und hartherzig gezeig 
haben, eine gewisse Scham und Befangenheit sich regt und zwa 
darüber, dass sie als Königin mitverantwortlich gemacht werdei 
kann für die Hartherzigkeit ihrer Unterthanen? Der Schein sprich 
gegen sie; sie musste sich selbst sagen, dass die Fremdlinge nich 
umhin können anzunehmen, dass die Karthager nicht ohne Wei 
sung ihrer Herrscherin, sondern nach ihren Befehlen handeli 
Und nicht bloss sich selbst sagte sie dies, sondern sie gesteht e 
auch offen in der Entschuldigung, mit der sie ihre Rede beginn 
res dura et regni novitas me talia cogunt 
moliri et lote finis custode tueri. 

Je lebhafter ihr Interesse für die Troer war (V. 565 ff.), ui 
so peinlicher musste es ihr sein, dass ihre Unterthanen dure 



145 

die Ausführung einer von ihr angeordneten Massregel (V. 563. 
564) den unglücklichen und der wärmsten Sympathie würdigen 
Troern einen so schlimmen Empfang bereiteten. Und dies ist 
gewiss ein Moment, durch welches die Worte voltum demissa eine 
genügende Erklärung finden. 

Wollte man etwa einwenden, Dido sei sich dessen bewusst 
gewesen, dass sie einem Gebote der Notwendigkeit folgend jene 
Vorsichtsmassregeln angeordnet hatte, und sie habe desshalb nicht 
ans Scham den Blick senken müssen : so ist darauf zu erwidern, 
dass es für zartfühlende Menschen peinlich ist, wenn ihre Hand- 
langen auch nur vorübergehend aus Missverständniss falsch ge- 
deutet werden. 

Wie lebhaft sie es bedauerte, dass durch das Vorgehen ihrer 
Unterthanen gerade die Troer betroffen werden mussten und dass 
sie eine unrichtige Meinung von ihr fassen mussten, zeigt der 
umstand, dass sie sich in ihren Versprechungen formlich über- 
bietet und dass sie nicht genug freundliche und wolwollende 
Anerbietungen den Troern machen zu können glaubt; vgl. ausser 
V. 562 und 569—571 namentlich V. 573 ff. 

vultü et his mecum pcwiter considere regnis: 
urbem quam statuo vestra est; subducite navis; 
Tros Tyriusque mihi nullo discrimine agetur. 

Ich bemerke nachträglich, dass sich auch in der Rede des 
Dioneus eine Andeutung findet, durch die sich Dido unmittelbar 
; berührt fühlen musste, eine Andeutung dessen, dass die Troer 
ftr die grausame Aufnahme auch die Königin verantwortlich 
nachten. Wenn er nämlich sagt V. 526 

parce pio generi et pro p ins res a spiee nostras, 

W Hegt darin der Gedanke insolviert, dass Dido, weil sie nicht 
Mnllnglich über die Troer unterrichtet ist, ein grausames Vor- 
gehen gegen sie angeordnet hat. 

b) Man kann noch vielleicht annehmen, dass zu diesem ersten 
Moment, das an und für sich zur Erklärung der Worte voltum 
imissa ausreicht, ein zweites hinzutritt, nämlich die dem Weibe 
(auch wenn „sie Wittwe und Königin ist" Weidner) nicht übel 

KriMbt YexgÜstadlen. 10 



146 

anstehende und natürliche Schüchternheit.*) Freilich „war s 
gewohnt, vor Männern Recht zu sprechen" (Weidner); aber hi 
hat sie Fremdlinge vor sich, denen, ohne dass sie es beabsichtigi 
durch eine allgemeine von ihr angeordnete Massregel Unrecht z 
gefügt worden war. 

Man kann vielleicht auch sagen, dass die Worte volfa 
demissa eine Reminiscenz aus den Argonautika sind, nämli 
Arg. I 790 von der Hypsipyle tf d y iyxkidov Sctcte ßcckow 
(welcher Ausdruck auch noch III 1008 vorkommt). Man kai 
auf diese Analogie um so eher aufmerksam machen, da sich d 
griechischen Worte in einer Partie der Argonautika finden, welcl 
in manchen Puncten nachweisbar dem römischen Dichter alsVo 
bild vorschwebte. Es bildet nämlich die Aufnahme der Troer v< 
Seiten der Dido eine unverkennbare Parallele zu der Aufnahm 
Iasons und der Argonauten von Seiten der Hypsipyle, öbzw 
man anderseits auch zugestehen muss, dass sich sehr wichti 
Differenzpuncte finden und dass Vergil's Dichtung, indem sie v« 
dem Vorbild abwich, dadurch nur gewann. Die ähnlichen Momen 
sind z. B. 

a) Gastfreundliche Aufnahme der Argonauten, Liebe d 
Hypsipyle zu Iason — gastliche Aufnahme der Troer, Liebe d 
Dido zu Aeneas. 

b) Die Frauenherrschaft auf Lemnos — die Herrschaft ein 
Frau in Karthago. 

c) Der Aufenthalt auf Lemnos ist eine Verzögerung der E 
reichung des Zieles, die lang gedauert haben würde, wenn nie 
Herakles seine Gefährten gescholten hätte — der Aufenthalt t 
der Dido war ebenso eine hindernde und verzögernde Episoc 
die durch Mercur's Erscheinen im IV. Buche ihren Abschlu 
fand. Die Scheltrede des Mercurius ist ein unverkennbares An 
logon zu der Hede des Herakles. 



*) Servius: „Et notandum, regum esse breviloquium, ut multis in V 
gilio locis probatur: et feminarum vereeundiam. Unde utrumque de 
Didoni.« 



147 

d) Auch im einzelnen finden sich mancherlei Parallelen.*) 
YgL z. B. das Anerbieten der Hypsipyle Arg. I 827 ff. 
r<p i5[AsTg aTQ(oq>ä(Sd' y iitidtfiiioi • el de xev ccvfri 
vauvdiiv ifrikoig xal toi adoi, rj r &v eitsizcc 
nccrQog ifAotö ®6avxog i%oig yioccg 
und Aen. I 572 ff. 

vultis et his mecum pariter considere regnis: 
urbem quam statuo vestra est; subducite navis; 
Tros Tyriusque mihi nullo discrimine agetur 
und mehrere Stellen im IV. Buche. 
Oder Argon. I 839 ff. 

dvccxroolrj d& iiekscrfrcD 
6oi r* avtji xal vr^dog • iy&ys (üv ovx aftsocgav 
%d£o{iai, dkkd (is kvygol imait£Q%ovaiv äaftkoi 
und die Rede des Aeneas IV 333 ff., namentlich 345 ff. 361. 
Oder Argon. I 857 ff. 

avrlxa <?' äorv %ooolöi xal elkaitlvjßai ysyrftsi, 
xaTtvcj} xviaarisvTt TteoiTtXsov • e£o%a d y äkkov 
dfravdvav "HQyg via xkvrov ydh xal avTrjv 
KvitQiv doid%0iv dvieeet ts peiktoaovxo. 
und Aen. I 631 ff. 

sie memorat; simul Aenean in regia ducit 
tecta, simul divom templis indicit honorem 
IV 57 ff. 

mactant lectas de more bidentis 
legiferae Cereri Phoeboque patrique Lyaeo, 
lunoni ante omnis, cui vincla iugalia curae. 
Oder Argon. I 897 f. 

Mite <T r\\jLiv €3tog> ro xev l^avvaaiui 
. Ttootpocov, iqv aoa diq pe freol dcicoGt rexioftcu 

wm! Aen. IV 327 ff. 

saltem si qua mihi de te suscepta fuisset 

ante fugam suboles, si quis mihi parvulus aula 



*) Ich fähre liier einige solche Parallelen an, ohne mich aber hiebei auf 
die entsprechende Scene im I. Buche der Aeneis oder auf das I. Buch 
überhaupt zu beschränken. 

10* 



■ »» ^ 



148 

luderet Aeneas, qui'te tarnen ore referret, 
non equidem omnino capta ac deserta viderer. 
Oder Argon. I 910 ff. 

r\ xal ißaiv inl vr^a itagoltarog* Sg di xal äkkoi 
ßctlvov ccQiötrjeg- kd£ovto di %SQa\v iQerfiä 
iva%BQ(o i£6(i€V<H * %qvyLvf\eia dl ayltiiv "Agyog 
kv0sv vnhx TCsrQtjg dki(ivQ£og • §vfr y äga rolye 
xoicrov vöooq doki%jjcfw ImitQaTiag ikdrjjatv 

und Aen. IV 579 ff. 

dixit vaginaque eripit ensem 
fulmineum strictoque ferit retinactda ferro, 
idem omnis simul a/rdor habet, rapiuntque ruuntque; 
litora deseruere; labet sub classibus aequor / 
adnixi torquent spumas et caerula vermint. 
Auch das Gleichniss Aen. I 430 ff. 

qualis apes aestafe nova per florea rwra 
exercet sub sole labor, cum gentis adultos 
educunt fetus aut cum liquentia mella 
stipant et dulci distendunt nectcure cellas cet. 

erinnert mdgermassen an Argon. I 879 ff. 

cog d y ore XsIqicc xccA.cc 7t£QißQO[i£ov&i pikiacrai 
ititQrjg Ik%v\jlevcci <n{ißkr}tdog, d(iq)l <?£ ksificbv 
igarjetg ydvvrcu, rat di ykvxvv äkkote akkov 

XUQTtOV dpi Qy OVO IV 7C€7t0T1]fl6VaC. 

I 563 ff. 

res dura et regni novitas me talia cogunt 
moliri et lote finis custode tueri. 
Quis genus Aeneadum, quis Troiae nesciat urbem 
virtutesque virosque aut tanti incendia belli? 
non obtunsa adeo gestamus pectora Poeni, 
nee tarn aversus equos Tyria Sol iungit ab urbe. 
Es hat etwas verlockendes, die Worte non obtunsa i 
gestamus pectora auf die Grausamkeit des Oemüths zu bezie 
wie es Thiel und Haeckermann thun, und zu erklären : „Wir Pu 



149 

sind nicht so barbarisch, um euch das Betreten unseres Ufers zu 
verwehren" (vgl. 539 ff.). Man könnte dann auf die Symmetrie 
aufmerksam machen, dass nämlich V. 567 den Versen 563. 564 
entspricht, und 568 den Versen 565. 566. — Aber die natürliche 
und naheliegende Erklärung ist doch, adeo im V. 567 gerade so- 
wie tarn im V. 568 auf die unmittelbar vorausgehende Frage quis 
— belli zu beziehen; und in diesem Falle bleibt nichts anderes 
übrig, als V. 567 zu erklären: „unser Sinn ist nicht so stumpf, 
dass uns die tapferen Thaten der Troer und das Geschick Troias 
nicht interessieren sollte und dass wir in Folge dieser Gleich- 
giltigkeit von Troia nichts wissen sollten." 

I 573 

urbem quam statuo vestra est 
Sehr gut scheidet Weidner von den Beispielen, welche manche 
Grammatiker und Gommentatoren als unserer Stelle analog be- 
trachten, eine bedeutende Zahl aus, indem er drei Kategorien 
statuiert: 

1) Beispiele, die eine Prolepsis des Subjects des abhängigen 
Satzes zeigen, so dass dies Subject in den regierenden Satz her- 
übergezogen wird und als Object erscheint. Indessen wird man 
hieher nicht solche Beispiele ziehen dürfen, wie Cic. fam. VIII 
10 3 nosti Marcellum quam tardus sit, was nicht steht für nosti, 
<Uuun tardus sit Marcellus, sondern vielmehr bedeutet „du kennst 
den Marcellus, wie er langsam ist." Dagegen gehören hieher jene 
Beispiele, in welchen die Verbindung des Verbums mit dem Accu- 
sativ an und für sich keinen befriedigenden Sinn gibt, wie Ter. 
Addph. V 4 20 illum ut vivat Optant omnes. Eun. V 9 5 sein 
me in quibus sim gaudiis. Caes. B. G. I 39 rem frumentariam, 
*t saus commode supportari posset, timere dicebant. Cato R. R. 5 
ifflam videat clausa uti siet. Vgl. Soph. El. 948 f. 
icccQOvaiav phv olefrcc xcel av itov ylk&v, 
dg ovrig ijfuv setrw 
l; | 2) Eine zweite Kategorie von Beispielen, die ebenfalls mit 

*B8erer Stelle nicht zu vergleichen sind, bilden Stellen wie Cic. 
■M Att VI l quos cum Matio puerös miseram, epistulam mihi attu- 



150 

lerunt. Ter. Andr. Prol. 3 populo ut placerent quas fecissc 
fabulas. Liv. I 1 3 in quem primum egressi sunt locum, Troi 
vocatur. Diese Stellen bilden in gewisser Hinsicht den Gegensal 
zu den Stellen der ersten Kategorie. Hier erscheint nämlich un 
gekehrt ein dem regierenden Satz angehörendes Substantiv i 
den Relativsatz einbezogen = populo ut placerent fabulae, qua 
fecisset. (Ähnlich, aber doch wieder etwas anderer Art Hör. Sa 
14 2 atque alii, quorum comoedia prisca virorum est und Sa 
I 10 16 illi, scripta quibus comoedia prisca viris est.) Vg 
Soph. El. 810 uitocs%&0ag yccQ ztjg iprjg ol%nß <pQ£v6g, ai poi [i6vi 
TtccQrjaav eknldcov stu Eur. Androm. 91 tf(isTg rfi, oIotcsq synelybeal 
ds\ ftgrivoiGt xccl yooicti xccl daxQvpaai, itQÖg ccl&fQ ixzsvovfis 
(Kühner, ausführt. Gramm. 2. Aufl. II, S. 922). 

3) Mit unserer Stelle sind bloss zu vergleichen Beispiele w: 
Ter. Eun. IV 3 11 eunuchum quem dedisti nobis quas turba 
dedit.*) Plaut. Amph. IV 1 1 Naucratem quem convenire volu 
in navi non erat. Bacch. IV 9 11 nam ego has tabellas obsignata 
consignatas quas fero, non sunt tabellae. Mil. gl. H 1 62 na- 
unum conclave concubinae quod dedit miles, quo nemo nisi eaps 
inferret pedem, in eo conclavi ego perfodi parietem. Vgl. Hom 
3 371 uGitldeg oaaav aQictzai ivl gtqcctco yäk (isyufzai, iaaccfutr 
. . . hpev. Soph. Trach. 283 zaaS* aaitsQ slooQ&g, J| ökßlcov ä^qX* 
evQovGcci ßtov rjxovai itQÖg <f€. Lys. 19, 47 Tfjv ov0lav i$v xazr 
kiite zip vUly ov itkeiovog äl-lu ieztv (Kühner, ausf. Gr. 2. Ali- 
H S. 918). 

Dass diese Construction im Latein eine Nachahmung d« 
griechischen Sprachgebrauches sein soll, ist durchaus unwah- 
scheinlich. Es konnten sich vielmehr sämmtliche drei hier ang* 
führten Constructionen auf dem Boden der lateinischen Spract 

* 

entwickeln und haben sich gewiss selbstständig auf heimischem 
Boden entwickelt, und ich stimme ganz der nach meiner Ansicl 
treffenden Bemerkung Haase's bei: „Der hier vorliegende Fa 
hat seinen Grund in einer gewissen kunstlosen, ich möchte sage 
kindlichen Redeweise, wo der Sprechende nicht im Stande ode 



*) Dies Beispiel sowie Cato in legem Voconiam „agrum quem vir habe 
tollitur" fuhrt Servius an. 



151 

nicht geneigt ist, den Bau des ganzen Satzes im voraus zu 
berechnen, wesshalb er das als Hauptsache voraufgestellte Nomen 
an das Verbum anschliesst, das ihm zunächst im Sinne liegt/ 
(Anm. 553 zu Beisig's Vorles. üb. lat. Sprachw.). Besseres ist 
über diese Bedeweise meines Wissens nicht gesagt worden. 

I 574 

Tro8 Tyriusque mihi nullo discrimine agetur. 

Servius erklärt „agetur, regetur." Diese sehr zweifelhafte 
Erklärung wiederholt Forbiger. Kappes meint dagegen, das Verb 
habe denselben Sinn wie agere in den prosaischen Verbindungen 
bene, optime, pessime, praeclare agere cum aliquo. Ich glaube, dass 
man die Phrase nullo discrimine agere aliquem vergleichen muss 
mit Wendungen wie aliquem hostium numero habere oder aliquem 
in numero hostium ducere (Cic. Verr. 2, 5, 25), aliquem loco 
affinium ducere (Sali. Jug. 14, 1). Nullo discrimine agetur ist 
etwa = eodem loco habebitur. Im Griechischen sind Verbin- 
dungen, in denen ayaiv eine ähnliche Bedeutung hat, nichts 
seltenes. Vgl. Her. II 172 iv ovdeficjj iioIqjj psyaknß avzov tjyov. 
Soph. Ant. 34 (6g ita$ ovdhv äyeiv. 

Aen. I 576 ff. 

equidem per litora certos 
dimittam et Libyae lustrare extrema iubebo, 
8% quibus eiectus silvis aut urbibus errat. 

Dass die Leseart einiger Handschriften montibus (statt urbi- 
**•) dem Sinne nach möglich ist, versteht sich von selbst. Aber 
^ ist der Verdacht sehr gerechtfertigt, dass montibus eine Con- 
JfcCtur ist, durch welche das scheinbar auffallende urbibus beseitigt 
*Uid die häufige Verbindung von silvae und rnontes hergestellt 
Werden sollte. Der Dichter stellte wol absichtlich urbibus in 
Gegensatz zu silvis, um den Begriff „irgendwo" durch diese 
Z'Weitheilung und Erwähnung von unbewohnten, menschenleeren 
*ttld bewohnten Orten vollständig zu erschöpfen. 






• 



i 



152 



AeiL I 607 ff. 



in freta dum fluvii current, dum montibus umbrae 
lustrabunt convexa, polus dum sidera pascet, 
semper honos nomenque tuum laudesque manebunt, 
quae me cumque vocant terrae. 

Die Worte dum montibus umbrae lustrabunt convexa, welcl 
so viele und so verschiedene Erklärungen hervorgerufen habe 
sind wol von dem im Laufe des Tages je nach dem wechselnde 
Stand der Sonne wandernden und bei dieser Wanderung eine 
Kreis beschreibenden Schatten der Berge zu verstehen. — D 
drei verschiedenen Bezeichnungen des „Immer" scheint der Dicht 
absichtlich in einer aufsteigenden (dies Wort in localem Sini 
genommen) Weise angeordnet zu haben. Niederung des Meer 
— Gebirgshöhen — Himmelshöhe. 

Vergleicht man unsere Stelle mit der ähnlichen Bucol. 1 59 
ante leves ergo pascentur in aethere cervi,- 
et freta destituent nudos in litore piscis, 
ante pererrati» amborum finibus exsul 
aut Ararim Parthus bibet aut Germania Tigrim, 
quam nostro illius labatur pectore vultus 
und Bucol. V 76 

'dum iuga montis aper, fluvios dum piscis amabit, 
dumque thymo pascentur apes, dum rore cicadae: 
semper honos nomenque tuum laudesque manebunt, 
so wird man die gute Wahl der nach der Sphäre und & 
schauungsweise der sprechenden Personen verschiedenen Bild 
anerkennen müssen. Man denke sich umgekehrt die Worte (J 
Aeneas im Munde des Menalcas oder die Worte des Menalcas i 
Munde des Aeneas ! Diese Billigung ist aber, was die erste Eklo, 
betrifft, nur auf die Verse 59. 60 einzuschränken und nicht am 
auf die Verse 61. 62 auszudehnen. Wenn man nämlich auch 
glaublich finden wollte, dass der Hirt den Namen der Flüsse Ar 
und Tigris kannte und dass er auch wusste, wo diese Flüsse si 
befinden, so würde dies doch nicht zur Kechtfertigung dessen au 
reichen, dass der Hirt mit Phrasen um sich wirft, die seiner A 



153 

tagssphäre und seiner gewöhnlichen Sprache nicht zukommen. 
Ich glaube, dass Heyne vollkommen im Rechte war zu sagen: 
„Reprehenduntur haec, et merito, tamquam .... nimis longe 
petita. Sed recessit Virgilius ab antiqua simplicitate in moribus, 
quos pastoribus suis tribuit." 

Was aber den Gedankenzusammenhang an unserer Stelle 
betrifft, so ist derselbe, wie nicht zu läugnen ist, etwas auffallend. 
Man erwartet nämlich entweder den absoluten Ausspruch: „So 
lange die Natur dieselbe ist, wie gegenwärtig (also = ewig), wird 
dein Ruhm und dein Name währen a (demnach ohne einen auf 
die specielle Lage des Aeneas bezüglichen Zusatz, wie quae me 
cumque vocant terrae). Oder wenn der Dichter den Aeneas quae 
me cumque vocant terrae sagen lassen wollte, so erwartet man 
vorher nicht den Ausspruch „so lange die Natur den ewigen 
Gesetzen folgt," sondern vielmehr „so lange ich am Leben bin," 
wie Aeneas IV 335 f. sagt 

nee me meminisse pigebit Elissae, 
dum memor ipse mei, dum Spiritus hos regit artus. 

Vgl. auch V, 51 ff, wo der Gedanke quae me cumque vocant 
terrae ausgeführt und specialisiert erscheint: 

hunc (näml. diem) ego Gaetulis agerem si JSyrtibus exsul 
Argolicove mari depremus et urbe Mycenae, 
annua vota tarnen sollemnisque ordine pompös 
exsequerer strueremque suis altaria donis. 

Die eigenthümliche Verbindung nun dieser beiden Fälle, 
des objeetiven und des subjeetiven Moments, lässt sich wol nicht 
anders erklären als in der von Wagner angegebenen Weise : „Aut 
inepta usus est poeta hyperbola, aut haec ita aeeipienda sunt: 
In iis terris, in quibus consedero, ut perennis sit beneficii tui 
memoria, efficiam." Aeneas verbürgt sich für die ewige Fortdauer 
des Ruhmes der Dido, indem er andeutet, dass in dem Lande, 
welches ihm und seinen Gefährten als Wohnstätte beschieden sein 
mag, der Name und Ruhm der Dido nicht bloss bei seinen Leb- 
zeiten fortdauern soll, sondern dass dieselbe pietätsvolle Erinnerung 
auch auf die künftigen Generationen sich vererben wird. 



154 



Aen. I 633 ff. 



nee minus interea soeiis ad litora mittit 
viginti tauros, magnorum horrentia centum 
terga suum, pinguü centum cum matribus agnos, 
munera laetitiamque dii. 

Gegenüber dem so bestimmt lautenden zu Gunsten de 
seltenen Form dii sprechenden Zeugniss des Gelliust) (vgl. auc 
Servius) ist es nicht thunlich das handschriftliche dei beizi 
behalten und zwar um so weniger, als bei der Leseart dei vc 
munera die Copula vermisst würde. Man müsste also in diesei 
Fall eine Corruptel annehmen oder sich der nicht wahrscheh 
liehen Hypothese Forbiger's anschliessen : „Suspicor poetam, vei 
de vino cogitantem, utique scripsisse munera laetitiamque dei it 
quidem, ut, cum deum praedicato aliquo minus vulgari et usitat 
aecuratius indicare vellet, quod non statim sibi suecurreret, vei 
sum alteri recensioni imperfectum relinquere, quam tritum quid 
dam et quotidianum ponere maluerit." Wenn ich recht verstehi 
so vermuthet Forbiger, dass der Dichter bei der zweiten Recer 
sion und Vervollständigung des Verses auch zugleich die fehlend 
Copula, welche die Objecte tauros, terga suum, agnos einerseil 
und die den Wein bezeichnenden Objecte munera laetitiamque di 
anderseits verbinden sollte, hinzugefügt haben würde. Eine ander: 
Vermuthung, nämlich die Trennung von munera und laetitiam di 
und Beziehung des ersteren Accusativs auf die Objecte tauro; 
terga suum, agnos ist offenbar sofort abzuweisen. 

Wenn Forbiger zu Gunsten von det bemerkt: „Quis enin 
quem non plane fugit veterum vivendi ratio ipsiusque Maronis d. 
his rebus loquendi mos et consuetudo (cf. Aen. I, 195. 724. IE 
630. V, 248. IX, 165 cett.) sibi persuadere potest, poetam t 
describendo convivii tarn lauti laetique apparatu eiborum mod« 
mentionem fecisse, eosque tarn aecurate enumerasse, vinum vera 
certissimum communis laetitiae incitamentum, prorsus taeuisse 1 



*) N. A. IX 14 8: „non dubium est quin dii scripserit pro diei: Muner* 
laetitiamque dii, quod inperitiores dei legunt, ab insolentia scilicet vocL 
istius abhorrentes. tt 



155 

— so kann man dagegen vielleicht mit Weidner die Frage auf- 
werfen „ob denn der Dichter alles namentlich auffuhren musste, 
ob er nicht dem Leser die Vorstellung zumuthen konnte, dass 
mit der Sendung der zum Schmaus bestimmten Thiere auch der 
Wein verbunden war." Noch sicherer aber wird man gehen, wenn 
man in dieser Beziehung auf die Unvollständigkeit des Verses 
hinweist. Bei der Ergänzung der Stelle würde der Dichter die 
Gelegenheit gehabt haben, auch des Weines zu gedenken und er 
würde wol diese Gelegenheit benutzt haben. 

Mit dem Ausdrucke laetitiamque dii d. i. diei vergleiche 
m an übrigens V. 732 f. 

hunc laetum Tyriisque diem Troiaque profectis 
esse velis. 

Aen. I 637 ff. 

at domus interior regali splendida luxu 
instruitur mediisque parant convivia tectis: 
arte läboratae vestes ostroque superbo, 
ingens argentum mensis caelataque in auro 
fortia facta patrum, series longissima verum 
per tot ducta viros antiquae ab origine gentis. 

Unter rerum versteht man die auf den Gefässen dargestellten 
Thaten der Vorfahren, also dasselbe, was durch fortia facta patrum 
bezeichnet wird. Es ist aber wol nicht unmöglich, series longis- 
*ima rerum von den silbernen und goldenen Gefässen zu verstehen, 
die in langer Keihe auf den Tischen standen. Ducta „fortgeführt" 
^tirde in diesem Falle bezeichnen, dass die einzelnen Generationen 
v on dem Ursprung angefangen zu diesen Familienschätzen bei- 
trugen und dass auf diese Weise die Reihe von Gegenständen 
fortgeführt und fortgesetzt wurde. 

Zu Gunsten dieser Auffassung kann man V. 728 ff. anführen 

hie regina gravem gemmis auroque poposcit 
inplevitque mero pateram, quam Belus et omnes 
a Belo soliti. 



156 



Aen. I 683 t 



Tu faciem illius noctem non amplius unam 
falle dolo et notos pueri puer indue voltus. 

Diese beiden Verse haben die Bestimmung, dem Amor die 
von ihm zu übernehmende Kolle als eine nicht eben schwierige 
erscheinen zu lassen. Venus weist ausdrücklich darauf hin 

1. dass Amor die ihm zugedachte Rolle nur 6 i n e Nacht und 
nicht länger spielen soll 

2. dass Amor den Ascanius kennt (notos voltus) ; *) dadurch 
ist ihm die Aufgabe, die Miene des Ascanius anzunehmen, er- 
leichtert 

3. dass auch das beiderseitige Alter stimmt, so dass e 
dem Amor um so weniger schwer fallen kann, den Ascanius z* 
spielen. **) 

Auch vorher war Venus schon bemüht, ein mögliches Be 
denken ihres Sohnes im vorhinein zu beseitigen, nämlich mit de 
Worten 

hunc ego sopitum somno super alta Cythera 

aut super Idalium sacrata sede recondam, 

ne qua scire dolos mediusve occurrere possit. 

Mit den Worten noctem non amplius unam hat übrigens de 
Dichter auch noch einen anderen Zweck erreicht, den Servi« 
mit feinem Verständniss hervorhebt: „Noctem non amplius unarm 
ut supra diximus, artis poeticae est non omnia dicere. Unde nun 
praemisit Noctem unam. Nee enim dicturus est aut abscessux 
Cupidinis aut adventum Ascanii". In der That ist es vollkomme 
richtig, dass Vergil, nachdem er schon hier gesagt hatte noctet 
non amplius unam, eine ausdrückliche Erwähnung dessen, das- 
und wann Amor wieder die Dido verliess und Ascanius zurückkam 



*) In diesem Sinne ist notos (näml. tibi) zu verstehen und nicht etw; 

„vultus puero proprios, solitos" (Forbiger). 
**) Analogien für die Zusammenstellung pueri puer führen Ladewig, Foi 
biger, Gossrau an. Hier ist aber auch darauf zu achten, dass puer 
puer innerlich berechtigt ist, da eben dadurch die leichte Ausführbar 
keit der Aufgabe bezeichnet wird. Schon Servius hat dies bemerkl 
indem er sagt: Pueri puer; argumentum a facili. 



157 

nicht mehr nöthig hatte ; und es kann ihm wegen der Unterlassung 
einer ausdrücklichen Erwähnung des abscessus Gupidinis und ad- 
ventas Ascanii auch von dem rigorosesten Kritiker kein Vorwurf 
gemacht werden. 

* 

* * 

Weidner macht darauf aufmerksam, dass diese ganze Partie, 
welche die List der Venus zum Gegenstande hat, eine gewisse 
Ähnlichkeit mit Apoll. Khod. IQ, 10 — 166 zeigt. Es lässt sich wol 
annehmen, dass Vergil hier wirklich die Argonautika vor Augen 
hatte; klar ist aber, dass Vergil vieles anders gestaltete und ge- 
stalten musste (wie auch Weidner hervorhebt) und ferner ist ebenso 
klar, dass der römische Dichter seinen Vorgänger hier zu über- 
treffen verstand. Bei Apollonios hat die ganze Götterscene von Vers 
90 an das Gepräge einer lustigen Tändelei. Komisch ist schon, 
wie Aphrodite über die Unfolgsamkeit ihres Söhnleins sich beklagt 
(Vers 91 ff.), ein komisches Moment ist die Übervortheilung des 
Ganymedes durch Eros; ein komisches Moment ist ferner, wie 
Aphrodite den Eros anredet und ihm zltog neQMaXXhg ädvQpa 
verspricht; lustig ist die fernere Schilderung 146 ff. Vergil da- 
gegen hat in seiner Scene das Komische sorgfältig vermieden 
und ich kann Weidner darin durchaus nicht zustimmen, dass die 
Situation bei Vergil (nämlich der Einfall der Venus, den Amor 
die Gestalt des Ascanius annehmen zu lassen) „etwas Komisches, 
dem Ernste des homerischen Epos Fremdartiges" *) habe. Davon 
finde ich nicht die Spur. Hätte Vergil dies beabsichtigt, so würde 
er sicher auch irgendwo Ausdrücke und Wendungen gebraucht 



*) Und auch wenn man zugeben wollte, was man nicht zugeben kann, dass 
die Scene bei Vergil ein komisches Element involviere, so könnte man 
doch nicht sagen, dass dies dem Ernst des homerischen Epos fremd- 
artig sei. Komische und humoristische Elemente finden sich auch bei 
Homer, und zwar nicht eben ganz selten; vgl. A 599 f , B 211 ff. und 
265 ff. (Thersitesscene), ^ 5 ff., E 421 ff. (worauf selbst der Vater der 
Götter und Menschen lächelte 426), # 418 ff., 489 ff. Besonders aber 
wäre hier zu berücksichtigen die diög dndtrj im 14. Buche der Ilias. 
Noch reicher ist an komischen und humoristischen Momenten und Aus- 
drücken die Odyssee, wie es die Natur der Sache mit sich brachte. 



158 

haben, die das komische Element verrathen würden, wie Apollo- 
nios solche Wendungen reichlich gebraucht hat. Bei Vergil finder 
sich aber solche Ausdrücke nicht. Und die Sache selbst, nämlict 
die Verwandlung des Amor, kann man nach der Intention des 
Dichters nicht für ein komisches Element ansehen; denn wie 
sollte man darin etwas komisches finden, wenn man die Folger 
bedenkt, welche die List der Venus für Dido hatte? wie sollte 
man es für komisch halten „una dolo divom si femina victa 
duorum est", um die Worte der Juno IV 95 zu gebrauchen? Eil 
komisches Element würde ohne Zweifel störend sein, wie man dem 
das komische Gepräge der betreffenden Scene bei Apollonios 
(welche in einzelnen Punkten an den lustigen homerischen Hermes- 
hymnos erinnert) mit Rücksicht auf die poetische Oekonomie 
schwerlich billigen kann. Die Tändelei bei Apollonios und dam 
die Schilderung der Liebe der Medea und des Seelenkampfes, der 
sie besteht u. s. w. — dies ist eine Disharmonie, die man nich" 
berechtigt und nicht angemessen finden kann. 

Ich kann nicljt umhin bei dieser Gelegenheit noch eine Be- 
merkung über eine andere Ansicht, die Weidner bei der Beur 
theilung der Vergil'schen Partie äussert, zu machen. In Betref 
des Motivs nämlich sagt Weidner S. 236, dasselbe trete bei Apollo- 
nios klar hervor. „Bei Vergil (fährt Weidner fort), sollte mar 
glauben, liegt eine Notwendigkeit nicht vor, den Cupido eingreifet 
zu lassen. Von Dido droht keine Gefahr, sie ist durch Mercur und 
durch das Erscheinen des Aeneas diesem so freundlich gestimmt 
dass ihre Zuneigung bereits Liebe genannt werden kann. Wozu 
also noch Amor? Der Dichter antwortet darauf 661 — 662. 671 — 675. 
Also ne quo se numine mutet Dido! Konnte aber nicht dennocb 
Juno Gefahren bereiten, konnte sie nicht Feindschaft erregen 
zwischen Dido und ihrem Volke eben wegen der Aufnahme dei 
Fremden? Sie konnte das ebenso wie sie später (üb. VII) den 
Latinus hinderte an dem Frieden mit Aeneas. In der That macht 
denn auch tanto cardine rerum dennoch bei Vergil Juno keine 
ernsten Anstrengungen, cf. IV, 90 — 128. Im Gegentheil ist es 
Venus, welche den Aeneas jetzt und später (lib. IV) durch das 
Eingehen auf Juno 's Vorschlag in ernste Gefahr bringt, aus welcher 



159 

nicht sie selbst ihn rettet, sondern ein deux ex machina, nämlich 
Mercurius oder Juppiter (IV, 219 — 278). Denn das Eingreifen dos 
Jupiter wird nur schwach motivirt durch das Gebet des Jarbas 
(IV, 198—218). — Freilich ist das Motiv für das Eingreifen des 
Eros in die Handlung, obwohl es Vergil selbst aufstellt, doch 
nur ein Schein-Motiv. Der Hauptgrund ist offenbar für den Dichter 
gewesen, durch diese Verwicklung endlich Feindschaft zu stiften 
zwischen Dido und Aeneas und daraus die Erbfeindschaft zwischen 
den Körnern und Puniern herzuleiten. Er muss also diesen deus 
ex machina zu Hülfe rufen, um seinem Werke einen nationalen 
Hintergrund zu verschaffen." 

Ich kann dem trefflichen Vergilerklärer, dessen Ausführungen 
man oft auch da, wo man ihnen nicht zustimmen kann, mit In- 
teresse liest, auch in diesem Puncte nur theilweise folgen. Den 
Grund für die Einführung des Amor muss man in erster Reihe in 
dem auch sonst unverkennbaren Streben des Dichters suchen, dem 
Leser eine warme Sympathie für die schöne und herrliche Königin 
der Poener einzuflössen. Entfernen wir den Cupido und seine 
daemonische Einwirkung auf Dido aus der Aeneis, denken wir 
uns den Fall, dass Dido selbst in heftiger und unseliger Liebe 
zu Aeneas entbrannte und fragen wir dann, welche Darstellung 
den Vorzug verdient, ob die vom Dichter wirklich gewählte oder 
diese hypothetisch angenommene: so wird wol niemand Bedenken 
tragen, sich entschieden für den Dichter auszusprechen. 

Absichtlich erwähnt Vergil vor der Einwirkung Amors die 
Liebe der Dido nicht, und wir haben nicht das Recht zu sagen, 
«dass ihre Zuneigung zu Aeneas bereits vor dem Auftreten Amors 
Liebe genannt werden kann" (wie Weidner sagt). Die Stellen, 
die hier überhaupt in Betracht kommen könnten, sind 303 f., 
575 ff., 615 ff., 670 ff. Aber alle diese Stellen beweisen nicht das, 
Jfes Weidner annimmt,*) zumal da diesen Stellen andere entgegen- 
stehen, welche darthun, dass erst durch die List der Venus Dido 
m Liebe zu Aeneas entbrennen sollte, nämlich V. 657 ff. 

*) Sie beweisen nur, dass Dido dem Aeneas und den Troern überhaupt 
ein lebhaftes Interesse entgegenbrachte, ein Interesse, dessen Grund wir 
in dem gewiss aufrichtigen non ignara mali miseris succurrere disco zu 
finden uns bescheiden müssen. 



at Ogtherea novas artes, nova pectore versat 
consilia, ut faciem mutatus et ora Cupido 
pro dulci Ascanio veniat donüque furentem 
incendat reginam atque ossibus inplicet ignem 

dann 673 ff. 

quocirca capere ante dolis et cingere flamma 
reginam meditor, ne quo se numine mutet, 
8ed magno Aeneae mecum teneatur amore 

685 ff. 

ut cum te gremio aceipiet laetüsima Dido 
regalü inter mensas laticemque Lyaeum, 
cum dabit amplexus atque oscula dulcia figet, 
occultum inspires ignem fallasque veneno 

und 719 ff. 

at memor ille 
matris Acidaliae paulatim abolere Sychaeum 
incipit et vivo temptat praevertere amore 
tarn pridem resides animos desuetaque corda. 

Nach der Darstellung des Dichters entbrannte die unglück- 
liche Dido (infelix, pesti devota futurae V. 712) nicht so leichthin 
in Liebe zu Aeneas; sie bestand auch nach der Ausfuhrung der 
List Cupido's einen harten Seelenkampf, indem sie ihrem todten 
Gatten Sychaeus eine pietätsvolle Treue bewahren wollte (IV 24 ff.). 
Darnach müssen wir auch annehmen, dass ohne die List der Venus 
alles anders gekommen wäre und dass es dieser List bedurfte, 
um im Herzen der Dido Liebe zu Aeneas zu erwecken. 

Wenn man nun freilich weiter fragt, warum der Dichter die 
Liebe der Dido zu Aeneas als ein wichtiges Moment in seine 
Dichtung aufnahm, so muss man allerdings darauf kommen, was 
Weidner bemerkt, dass „durch diese Verwicklung Feindschaft 
zwischen Dido und Aeneas gestiftet und daraus die Erbfeindschaft 
zwischen den Kömern und Puniern hergeleitet werden sollte (vgl. 
IV 612 ff. 622 ff.). Aber dies Motiv kommt bei der Frage nach 
der Ursache der von der Venus angewandten List nicht in erster 
Linie in Betracht. Wenn der Dichter nichts weiter beabsichtigt 
hätte, als das, was Weidner mit den eben angeführten Worten be- 



161 

zeichnet, so hätte er einfach die Entstehung der Liebe der Dido 
ohne diesen deus ex machina darstellen können. — (Übrigens 
vergleiche man hiemit die ganz richtige Darstellung Weidner's in 
der Anmerkung zu den Worten pesti devota futurae V. 712). 

Aen, I 707 fll 

nee non et Tyrii per limina laeta frequentes 
convenere toris iussi discumbere pictis. 
mirantur dona Aeneae, mirantur lulum 
flagrantisque dei voltus 
Wenn man convenere iussi verbindet und diese Verbindung 
erklärt „convenere et iubentur discumbere, u so nimmt man damit 
eine Construction an, die, so wie sie theoretisch a priori nicht 
legreiflich ist, wol auch nicht durch analoge Beispiele als factisch 
bestehend nachgewiesen werden kann. Man sagt zwar iussi sei 
ptrticipium consequentiae ; aber wenn man die in Wagner's Quaest. 
Tirg. XXIX, 5 gesammelten Beispiele, auf welche die Erklärer 
verweisen, nachsieht, so findet man unter denselben allerdings 
lach Aen. I, 708 mit der Erklärung „et iussi sunt," aber die 
anderen Beispiele sind ganz anderer Art und rechtfertigen die 
Annahme eines solchen Participium consequentiae nicht. Nachweisen 
l&sst sich das Participium perfecti passivi in dem Sinne eines 
ptrticipium consequentiae nur in einem Falle, nämlich bei dem 
frdeptischen Gebrauch (über welchen man z. B. Forbiger zu Georg. 
I 320 u. s. vergleichen kann). Eine solche Anwendung aber, 
nämlich die proleptische (convenere ita ut iuberentur) lässt sieli 
an unserer Stelle schlechterdings nicht annehmen. 
Es bieten sich hier mehrere Möglichkeiten dar 
a) Wunderlich hielt die Verbindung von iussi discumbere 
mit mirantur für angemessener. Ich glaube nicht, dass diese Er- 
klärung (nach welcher die Stelle den Sinn hätte deinde, cum toris 
pictis discumbere iussi essent, mirantur dona cet.) unmöglich 
sein sollte;*) denn wenn man auch etwa zugeben wollte, dass 
mirantur an der Spitze des Satzes kräftiger wäre, so ist doch 

*) Was die Nichtsetzung eines etwa erwarteten tum, deinde betrifft, so 
finden sich dafür bekanntlich zahlreiche Beispiele, wie Aen. I 581. 588. 
701, II 804, HI 358 u. s. ■ 

KriCala: VergUstndien. 11 



162 

deshalb die Wortstellung nach Wunderliches Auffassung durchaus 
nieht unmöglich. 

b) Bei der Verbindung von iussi mit convenere wäre eine 
grammatisch mögliche Construction die Auffassung des Particips ,j 
im Sinne der Vorzeitigkeit — cum iussi essent oder qui iussi erank 
Doch scheint dagegen der Ausdruck toris discumbere pictis zu 
sprechen. Wollte man dies Bedenken beseitigen, so müsste man 
sagen, dass toris discumbere pictis nur ein Ausdruck für die 
Theilnahme am Mahle sei, dass somit iussi discumbere auf die >] 
dem convenere vorausgehende Einladung beim Festmahle zu er- 
scheinen, zu beziehen sei = convenere iussi adesse coenae. Wahr- 
scheinlich wäre aber diese Auffassung nicht. 

c) Pflichtet man keiner von diesen beiden Erklärungen bei, 
so bliebe (da die Annahme, dass im V. 708 die Worte toris iussi 
discumbere pictis durch irgend eine Conjectur zu ändern wären, 
durchaus unwahrscheinlich ist) nur übrig, die Worte toris — 
pictis für eine ungehörige Ergänzung zu halten und den Vers 708 
den von Vergil nicht vollendeten Versen beizuzählen. Nach der 
Überlieferung ist der Parallelismus zwischen 707. 708 und 699. 
700 unverkennbar: 

Tyrii zz Aeneas et Troiana iuventus 

convenere = conveniunt 

toris discumbere pictis = strato super discumbitur ostro. 
Es liegt nun die Vermuthung nahe, dass jemand eben nach Yen 
700 zu convenere im V. 708 in ungehöriger Weise eine Ergänzung 
vornahm, sowie Aen. HI 661 in vielen Codd. die ungehörige Er-. ) 
gänzung de collo fistula pendet vorkommt. — Von den 58 unvoll- 
endeten Versen der Aeneis bilden jene, welche im dritten Fusa 
aufhören, die zahlreichste Gruppe (18); ihnen zunächst stehea 
aber gleich die im zweiten Fuss aufhörenden Versfragmente, 
welche beiläufig ein Viertheil (14) der Gesammtzahl bilden. 

Aen. I 715 ff. 

ille ubi complexu Aeneae colloque pependit 
et magnum falsi implevit genitoris amorem, 
reginam petit. 



163 

Ist falsi genitalis objectiver oder subjectiver Genetiv? Die 
rotere Auffassung findet, wie es scheint, auch in neuerer Zeit 
ehr Anklang. So sagt Weidner: „er befriedigt zuerst die mächtige 
iebe zu dem vermeintlichen Vater, d. h. er zeigt ausserordent- 
he Liebe und befriedigt ihr Verlangen durch Liebkosungen/ 
rbiger: „implevit genitoris amorem, satisfecit amori erga patrem, 
ß amore erga patrem ita se gessit, ut ad amorem omnibus 
meiis perfectum nihil deesse videretur." — Aber es ist mit 
«ser Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass falsi genitoris viel- 
hr ein subjectiver Genetiv ist = nachdem er die grosse Liebe 
i unechten Vaters befriedigt hatte, d. i. nachdem er von dem 
achten Vater sattsam geliebkost worden war. Für diese Auf- 
gang spricht der Ausdruck magnwn amorem, womit zu ver- 
sehen ist V. 643 ff. 

Aeneas — negue enim patrius consistere meutern 
passus amor — rapidum ad navis praemittit Achaten, 
Ascanio ferat haec ipsumque ad moenia ducat ; 
omnis in Ascanio cari stat cura parentis. 

Ebenso sprechen für diese Auffassung auch die folgenden 

orte, die ebenfalls besagen, dass der vermeintliche Ascanius 

liebkost wurde, nämlich von der Dido, wie früher von Aeneas: 

reginam petit. Haec oculis, haec pectore toto 

haeret et interdum gremio fovet, inscia Dido. 

Implere amorem ist also hier nicht von dem Befriedigen der 

jenen Liebe, sondern von dem Befriedigen der Liebe eines 

deren gesagt, wie z. B. auch bei Ovid Met. IX 134 f. 

aetaque magni 

Herculis implerant terras odiumque novercae 

i der Sättigung und Dämpfung fremden Hasses gesagt ist. 

Die richtige Auffassung unserer Stelle findet sich vielleicht 

ton bei Servius: „Falsi genitoris, non veri, pro eo qui falle- 

ur, ut sit, implevit amorem eius quem deeipiebat simulando, 

d esse patrem suum." Wenigstens kann hier amorem eius wol 

subjectiver Genetiv genommen werden. 

Eine andere Bemerkung im Commentar des Servius weist 

lieh auf die andere Erklärung hin. Wenn es nämlich heisst: 

n* 



164 

„Et magnum; arduum. Difficile est enim imitari verum filif 
affectum," so beruht diese (falsche) Erklärung von magnum auf 
der Voraussetzung, dass genitoris = erga genitorem ist. 

Falsi ist nicht = qui fallebatur, sondern bedeutet nur non 
veri; falsus genitor ist der durch die List falschlich usurpierte 
Vater. 

Aen. I 725 f. 

it strepitus tectü vocemque per ampla volutant 

atria 
Obzwar sich it nur in wenigen Handschriften findet (auch 
in der Prager Handschrift ist fit\ so haben doch Peerlkamp und 
Kibbeck vielleicht mit Recht diese Leseart der gewöhnlichen ß 
vorgezogen mit Bücksicht auf die erhebliche Anzahl von Parallel- 
steilen Aen. IV 443, 665. V 451. VHI 595. IX 497, 661. XI 192. 
Allerdings setzt man diesen Stellen entgegen Georg. IV 188. Aen. 
II 209. VI 220 ; aber wenn man die Frage aufwirft, welche Leseart 
eher einer Änderung ausgesetzt war, so ist es offenbar nicht die ge- 
wöhnliche Ausdrucksweise jft strepitus, die dazu Anlass bot, sondern 
vielmehr die gewähltere und wegen der selteneren Construction 
(tectis hiebei = Dativ des Ziels) schwerer verständliche Verbindung 
it str. tectü. Dazu kommt, dass Servius die Leseart it als die zu 
seiner Zeit verbreitete und herrschende gekannt zu haben scheint, 
die er denn auch selbst als richtig anerkannte. Man kann dies we- 
nigstens mit Wahrscheinlichkeit aus der Fassung seiner Bemerkung 
schliessen: „It strepitus tectis, i. e. ad tecta, ut: It clamor cado. 
Legitur autem et: Fit strepitus tectis." 

Da zu volutant schwerlich tecta als Subject genommen werden j 
kann, so nimmt man als Subject die Zechenden, die strepent* ! 
(vgl. z. B. Ladewig). Aber auch diese Construction ist hart, und 
sie kann vermieden werden, wenn man liest vocemque perampk 
volutant atria, woraus noch der Vortheil erwächst, dass diese 
Stelle dann ähnlich ist der analogen V 149 vocem volutant litora. 
Allerdings weiss ich, dass die mit per zusammengesetzten Adjectfta 
in der Dichtersprache, namentlich in der Sprache der Dichter de* 
augusteischen Zeit, nicht sonderlich beliebt waren. Sie müss^* 



165 

inen prosaischen Beigeschmack gehabt haben, und so finden sich 
enn die meisten nur bei prosaischen Schriftstellern, oder allen- 
lIIs noch bei den komischen Dichtern, wie perlongus (Plautus, 
erentius), perpidcher (Terentius), pergrandü (Plautus). Aber 
nraoch findet sich bei Horaz permultus, perpauca, persimilis, 
ftaepe. 

Aen. I 736 ff. 

dixit et in mensam laticum libavit honorem 
primague libato summo tenus attigit ore; 
tum Bitiae dedit increpitans. Ule inpiger hausit 
spumantem pateram et pleno se proluit auro. 
Die schwach beglaubigte Leseart libatum und die Conjectur 
& Heinsius libatos haben wol beide den Grund ihres Ursprunges 
der Erwägung, dass ein solcher Ablativus absolutus, wie libato 
or sich in der Prosa allerdings findet vgl. cognito, audito, 
ipicato, litato) in der Poesie, zumal bei einer erhabeneren poe- 
iien Diction, nicht üblich ist. In der That wird man schwerlich 
vollkommen entsprechendes Beispiel aus der Dichtersprache 
gesehen vielleicht von der Sprache der Komiker*) anführen 
inen. Aen. II 129 

composito rumpit vocem et me destinat arae 
sr Aen. V 127 

tranquillo silet immotaque attollitur unda 
d keine vollkommen zutreffenden Analogien. An der ersteren 
die ist composito ^ was neben ex composito und de composito 
kommt, kein eigentlicher ablativus absolutus, sondern ein cau- 
er Ablativ, dem ein förmlicher substantivischer Nominativ com- 
«htm (Verabredung) zu Grunde liegt ; vgl. den Ablativ indmtria 
tan de industria und ex indmtria; vgl. auch consilio (absicht- 
b). — Tranquillo ist ein temporaler Ablativ, und das Wort hat 
enfalls eine nachweisbare substantivische Geltung; vgl. Plaut 
& ProL 26 tranquillum est, Alcedonia sunt circa forum. Gic 



*) Vgl Ter. Hec. V 1 11 

nam tarn aetate ea mm, ut tum riet peccato mi ignosci aequom, 
wo pteeato wol nicht Dativ, sondern Ablativ ist 



166 

Off. I 24 83 in tranquillo tempestatem adversam optare dementis 
est. — Mit dem Ablativ tranquillo vergleiche man das ganz ent- 
sprechende sereno (Lucan I 530) von dem Substantiv sere/wm 
(Suet. Aug. 95 liquido ac puro sereno). — Die Stelle Aen. V 127 
würde also nur dann eine entsprechende Analogie für libato bieten, 
wenn man auch geradezu ein Substantivum libatum annehmen 
könnte und wenn ausserdem libato die Gleichzeitigkeit bezeichnen 
würde; keiqe von diesen Bedingungen trifft hier zu. 
Auch die Stellen Hör. Sat. I 6 122 f. 

aut ego lecto 
aut scripto quod me tacitum iuvet, ungor olivo 

Sat. I 1 93 f. 

et finire laborem 
incipias parto quod avebas. 
Epist. I 10 50 

excepto quod non simul esses cetera laetus 

sind keine passenden Analogien; denn hier ist zu scripto, parto, 
excepto leicht eo zu ergänzen. Ausserdem sind dies Beispiele, 
die, wenn sie auch bei einem Dichter vorkommen, doch einen 
prosaischen Anstrich haben; und es ist zu bezweifeln, dass ein 
Epiker der classischen Zeit sich eine solche Construction gestattet 
haben würde. 

Und doch bleibt trotz allem, wie es scheint, nichts anderes 
übrig als libato beizubehalten und es als absoluten Ablativ zu 
nehmen ; denn den Conjecturen libatum und libatos steht ebenfalls 
ein Bedenken entgegen. Libatum vinum kann wol nur „der aus- 
gegossene Wein" sein und nicht „der Wein, von dem man etwas 
als Spende abgegossen hat". Freilich lässt sich bei libare dfe 
Bedeutung „durch Wegnehmen etwas verringern" nachweisen. VgL 
Lucr. V 260 ergo terra tibi libatur et aucta recrescit. Liv. XB, 
29 libatis viribus = imminutis viribus. Darnach wäre es .also 
freilich nicht absolut unmöglich libatum vinum zu verstehen i& 
dem Sinne „Wein, von dem etwas schon weggenommen, abgegossen* 
abgetrunken ist". Aber es ist dies nicht wahrscheinlich, da sich 
die in Rede stehende Bedeutung nur in tropischem Sinne nach- 
weisen lässt und da kein ähnliches Beispiel sich findet, durcl 



167 

welches die Möglichkeit dieses Überganges der Bedeutung in dem 
anderen Falle, bei nicht tropischem Gebrauch, faktisch erwiesen 
würde. 

Peerlkamp's Conjectur endlich vinaque vix labio summa tenus 
ittigit ora, cum Bitiae cet. ist zu sehr ein willkürliches Spiel der 
Phantasie, als dass sie ernst genommen werden könnte. 



F 

Die Erklärer stimmen so ziemlich darin überein, dass wi- 
crepitans hier nicht in der gewöhnlichen Bedeutung des Scheltens 
in nehmen sei. Man müsste nämlich, wenn man die gewöhnliche 

. Bedeutung festhalten wollte, mit Eücksicht darauf, dass kein Grund 
n einem ernstlichen Schelten vorlag, annehmen, dass Dido den 
Ktias im Scherze schalt. Das wäre nun an und für sich nicht 
unstatthaft, und es ist zu viel gesagt, wenn behauptet wird „ob- 

.iurgandi hie nee locus, nee dignus vel reginae vel epici poetae 
persona talis sarcasmus" (Forbiger). Es müsste kein Sarkasmus 
sein, sondern es wäre bloss Humor: und dass humoristische Mo- 
mente auch in dem ernsten Epos einen Platz finden können, zeigen 

, nns die homerischen Gedichte ; und auch in der Aeneis findet sich 
einzelnes derartige, z. B. V 181 f., 357 £ Auch könnte man 
lagen, dass hier zur fröhlichen Laune, wie sie bei einem Festge- 
lage zu sein pflegt (vgl. 734 adsit laetitiae Bacchus dator) ein 
Scherz ganz wol passte. Aber man kann gar nicht ausfindig machen, 
wis denn hier einen Anlass zu einem scherzhaften Schelten ge- 
boten haben könnte. Sollte etwa Bitias nicht schnell genug 
lach der patera, welche Dido ihm zu reichen sich anschickte, ge- 
griffen haben? Aber davon oder von einem ähnlichen Momente 
müsste doch wenigstens eine Spur sich finden. Eine solche findet 
sich nicht. Darum ist es allerdings gerathen, increpitans hier bloss 
Yon der lauten Aufforderung zum Trinken zu verstehen. Hiefür 
tann man nun keine bessere Analogie anführen, als das homerische 
fyonilAö, öpoxky. Diese Worte bezeichnen sowol ein Schelten (vgl. 
9 360, M 413, q 189) als auch den lauten Zuruf, die laute Auf- 
forderung, z. B. n 713 f. 



168 

dt£e yccQ, $1 iid%oiTo, xcctd xlovov avtig iXAööag, 
rj kccoüg ig t£i%og opoxkrjosisv äXrjvcci 

Aen. I 742 ff. 

hie canit errantem lunam solisque labores; 
unde hominum genas et peeudes, unde imber et ignes; 
Arcturum pluviasque Hyadas geminosque Triones; 
quid tantum oceano properent se tinguere soles 
hiberni, vel quae tardis mora noctibus obstet 

Unter solis labores versteht man gewöhnlich die Sonnen- 
finsterniss, wobei man sich auf die ähnliche Stelle Georg. I 
475 ff. beruft: 

Me vero primum dulces ante omnia Musae, 
quarum sacra fero ingenti percussus amore, 
aeeipiant caelique vias et sidera monstrent, 
defectus solis varios lunaeque labores; 
unde tremor terris, qua vi maria alta tumescant 
obieibus ruptis rursusque in se ipsa residant, 
quid tantum Oceano properent se tinguere soles 
hiberni, vel quae tardis mora noctibus obstet. 

In der That scheint auf den ersten Blick folgende Argumen 
tation sehr natürlich zu sein: „Georg. II 478 bedeutet hm 
labores, da es neben defectus solis steht, die Mondesfinstemiss 
da nun beide Stellen einander so ähnlich sind, und da der Dichte 
die Stelle Georg. II 477 ff. offenbar vor Augen hatte, so hataoK 
labores dieselbe Bedeutung, also „Sonnenfinsternisse 

Und doch ist diese Argumentation, so ansprechend si 
scheinen mag, nicht gesichert gegen gewichtige Zweifel. 

Vor allem muss bemerkt werden, dass, wenn auch Georg. 1 
478 lunae labores die Mondesfinstemiss bedeuten sollte, daran 
für die Stelle der Aeneis noch keine Notwendigkeit sich ergib 
solis labores von der Sonnenfinsterniss zu verstehen. War* 
könnte nicht ein und derselbe Ausdruck von so allgemein* 
Fassung, wie labores (Mühen), an zwei verschiedenen Stell* 
die freilich eine unverkennbare Ähnlichkeit haben, die aber do 



• 169 

:h immer keine Gleichheit ist, eine verschiedene Bedeutung 
ben? 

Es ist nun ferner unzweifelhaft, dass jede Stelle an und für 
*, ohne Zuhilfenahme einer Parallelstelle in einem anderen Ge- 
chte, verständlich sein muss. Vergil muss doch so gedichtet 
iben, dass auch derjenige Leser der Aeneis, der sich der 
trallelstelle der Georgica nicht erinnerte oder sie überhaupt 
cht kannte, den Ausdruck solis labores zu verstehen in der 
ige war. Und fragen wir nun, wie die Leser der Aeneis ohne 
Uksicht auf die Parallelstelle der Georgica den Ausdruck solis 
\ores verstehen mussten, so ist es wol nicht zweifelhaft, dass es 
Ichen Lesern nahe lag, die labores auf die tägliche Zurück- 
jung des Weges, auf die Erfüllung der täglichen Aufgabe*) zu 
ziehen. Diese Auffassung von labores scheint an und für sich 
i natürlicher zu sein, und ihre Wahrscheinlichkeit wird noch 
durch erhöht, dass durch dieselbe eine Gleichmässigkeit zwischen 
w labores und errantem lunam (wechselnder Lauf des Mondes) 
rielt wird. Auch muss man sagen, dass es auffallend wäre, 
nn neben dem Lauf des Mondes nicht die regelmässigen Mühen 
r Sonne, sondern eine unregelmässige Bedrängniss derselben 
ranenfinsterniss) zu verstehen wäre. Georg. II 478 werden aller- 
igs defectus solis varii genannt, aber an dieser Stelle geschah 
en schon im vorhergehenden Verse Erwähnung der caeli viae. 

Was nun diese Beziehung der labores solis auf den täglich 
u der Sonne zurückzulegenden Weg betrifft, so vergleiche man 
ß berühmte Darlegung Ovid's Met. II 50 ff., namentlich aber 63 ff. 

ardua prima via est et qua vix mane recentes 
enitantur equi; medio est altissima caelo, 
unde mare et terra* ipsi mihi saepe videre 
fit timor, et pavida trepidat formidine pecbus. 
Ultima prona via est et eget moderamine certo. 
Tunc etiam, quae me subiectis excipit undis, 
ne ferar in praeceps t Tethys solet ipsa vereri. 



*) und vielleicht auch zugleich auf den jährlichen Sonnenumlauf und die 
Verschiedenheit der Jahreszeiten. 



i 



170 ' 

Adde quod assidua rapitur vertigine caelum, 
sideraque cdta trahit celerique volumine torquet. 
Nitor in adversum, nee me, qui cetera, vincit 
Impetus, et rapido contrarius evehor orbi cet. 

Eine wichtige Parallelstelle ist femer das 12. Fragment de; 
Mimnermos (Bergk), in welchem die dem Helios obliegende Zu- 
rücklegung seiner Bahn als icovoq bezeichnet wird: 
^Hikiog (i&v yaQ ika%ev itovov rjfiazcc itdvrcc, 

ovdi 7tor apitavais ylyvsxai ovds\kLa 
iTCJtoialv T€ xal ccvvtii, inst §otioddxTvXog y Hci$ 
*Slxeavdv itQoXiitovG* ovquvov ehsavaßjj xzL 
Auch bei Apollonios singt Orpheus an einer Stelle, die Vergil 
ohne Zweifel vor Augen hatte*), Argon. I 499 

rfd y dg ifiitsäov aUv iv al&eQi zexpccQ £%ovolv 
aOTQtx oeXrjvairj ts xal rjekloto xikevftoi. 
Auch bei Lucretius findet sich mehrfach verbunden solü 
lunaeque meatus, nämlich I 128, V 76 (solis cursus lunaeque 
meatus), V 774 (solis varios cursus lunaeque meatus). 

Aber auch Georg. II 478 ist es wol wenigstens nicht wrihr 
wendig, lunae labores von der Mondesfinsterniss zu verstehen; es 
ist möglich darunter dasselbe zu verstehen, was Horaz darrma 
coelestia nennt Carm. IV 7 13 (damna tarnen celeres reparant 
caelestia lunae). Man beruft sich auf Lucretius V 750, w 
übrigens latebras steht, nicht labores 

solis item quoque defectus lunaeque latebras 
pluribus e causis fieri tibi posse putandumst. 

Man kann aber auch auf eine andere Partie des Lucretius 
sich berufen, nämlich V 705 ff., wo die verschiedenen Phasen 



*) Allerdings hat der Gesang des Iopas einen anderen Zweck (Erheiterung 
der Gäste) als der Gesang des Orpheus (Beschwichtigung des zwischexi 
Idmon und Idas ausgebrochenen Streites) : aber trotzdem ist die Ähn- 
lichkeit nicht zu verkennen, die sich nicht bloss in der Wahl des Stoff©* 
überhaupt, sondern auch im einzelnen in der Ausdrucksweise zeijT**' 
vgl. Apoll. Vers 502 (xai tag) iQitsxcc nävtoc yivovxo und Aen. V. ?** 
unde hominum genus et peeudes, ferner vergleiche man die Bewuix^^" 
rang, von welcher die Argonauten beim Gesang des Orpheus ergriff ö * 
sind, und Aen. 748 ingeminant plausu Tyrii Troesque sequuntur. 



171 

üs Mondes besprochen werden und es am Schlüsse heisst 
'48 sq.) 

quo minus est mirum, si certo tempore luna 
gignitur et certo deletur tempore rursus. 
Man führt ferner als Parallelstellen an Juvenal VI 443 
una laboranti poterit succurrere lunae 
md Propertius HL 30 52 sq. 

harum nulla solet rationem quaerere mundi 
nee cur fraternis Luna laboret equis. 

Diese Stellen sind nun freilich auf eine Möndesfinsterniss 
m beziehen, obzwar bei Propertius doch auch eine andere Auf- 
fassung des laborare nicht unmöglich wäre. Auch bei Lucan VII, 
4 defectusque pati voluit raptaeque labores lucis ist von der 
Möndesfinsterniss die Rede. Aber solche Parallelstellen machen, 
wie schon oben gesagt wurde, die Annahme nicht unmöglich, 
dass der Ausdruck lunae labores gelegentlich auch etwas anderes 
bedeuten konnte. So hat Arnobius adv. gent. I 173 (welche Stelle 
Wagner citiert) mensem vide ut luna auetu, senio, labore circum- 
agat mit labor gewiss nicht die unregelmässig erfolgende Möndes- 
finsterniss, sondern eine regelmässige wiederkehrende Mondphase 
(Neumond) bezeichnen wollen. 

Ein lehrreiches Beispiel dafür, dass ein und derselbe Aus- 
druck je nach dem Context in verschiedener Bedeutung gebraucht 
werden konnte, bietet Hör. Carm. II 18 15 f. 

truditur dies die, 

novaeque pergunt interire lunae. 

Es ist hier klar, dass der Ausdruck nova luna nicht, wie sonst 
gewöhnlich, den Neumond (intermenstruum) bezeichnet, sondern 
*egen des Gegensatzes zwischen novae und pergunt interire muss 
hier an den neuen d. h. neu sich zeigenden und von neuem voll 
e rscheinenden Mond gedacht werden. 

Wird das Resultat dieser Erörterung zusammengefasst, so zeigt 
8ich auch hier, wie in vielen anderen Fällen, dass die schon von 
Servius gegebene Erklärung, wenigstens hinsichtlich der ihr zu 
J *Unde liegenden Idee grössere Beachtung verdient, als ihr ge- 
wöhnlich zu Theil wird: „Sane Septem planetae sunt, Sol, Luna, 



172 

Mars, Mercurius, Iuppiter, Venus, Saturnus. Sed quinque et contra 
modum feruntur, et cum mundo quandoque retrogradi sunt; So 
vero et Luna semper contra mundum. Ideo dixit Solis labores 
Laborat enim nitens contra venientis sphaerae volubilitatem. N~ec 
nos debet Homerus movere, qui ait tffoov dxd^avta. Non eaim 
eum dixit non laborare, sed laborem non sentire." Ich sehe mit 
Vergnügen, dass auch Gossrau die. gewöhnliche Erklärung ver- 
lassen hat: „Solis labores canit, i. e. canit qui sint solis labores, 
quando cursum suum conficere tendat. In animum revoca duodecim 
Herculis labores, quibus solis per zodiacum decursum putant indi- 
cari, et Phoenices Solem et Lunam deos maxime coluisse. u 



An und für sich kann tarda nox (die träge Nacht) entweder 
„die träge, langsam nahende Nacht" oder „die träge weilende, 
nicht weichen wollende Nacht" bezeichnen. Im ersten Falle wäre 
die Sommernacht, im zweiten die Winternacht gemeint Auch hier 
sagt Servius der Sache nach richtig: „Tardis, non longis, sed 
aestivis i. e. tarde venientibus. Tel enim disiunctiva est coniunctio, 
nee patitur bis eandem rem dici; ergo hoc dicit: quae causa est 
longorum dierum."*) Diese Auffassung empfiehlt sich durch den 
passenden Gegensatz. Im ersten Satze werden die soles hibemi 
properantes se tinguere oceano (somit also zugleich die schnell 
herankommenden Nächte) erwähnt, im zweiten Satze die träge 
und langsam nahenden Nächte. Freilich widersinnig ist die von 
Henry (Philol. XI, 631), Conington, Ladewig empfohlene Erklärung 
keineswegs: „Unter den tardis noct. hat man die Winternächte 
zu verstehen ; bei quae mora obstat ist aus dem Vorhergehenden zu 
ergänzen: quominus Oceano se tinguant (denn auch die Nacht 
sinkt nach vollendetem Laufe in den Ocean, s. zu A. V, 721. 
Ovid. met. II, 142 Hesperio positas in litore metas umida nox te- 



*) Denselben Grund machen auch neuere Erklärer geltend (vgl. Forbiger), 
wobei aber doch zu bemerken ist, dass vel auch da gebraucht werden 
kann, wo dieselbe Sache in verschiedener Form erwähnt wird, also bei 
einer Variation desselben Gedankens. 



tigit); tardü bildet einen Gegensatz zu properent." Aber wenn 

man schon diese Auffassung anwenden wollte (die mir minder 

passend erscheint), so wäre doch wol einfach zu erklären „vel 

qüae mora tardis noctibus obstet, quominus abeant." — Dass 

übrigens schon im Alterthum manche unter tardae noctes die langen 

Winternächte verstanden haben mochten, scheint aus den Worten 

des Servius „tardis, non longis," die wie eine Polemik aussehen, 

hervorzugehen. 

Aen. II 31. 

Pars stupet innuptae donum exitiale Minervae 
Für die Annahme, Minervae sei subjectiver Genetiv, könnte 
man allenfalls einen Anhaltspunct darin erblicken, dass es V. 14 ff. 
heisst 

ductores Danaum tot tarn labentibus annis 
instar montis equum divina Palladis arte 
aedificant. 
Aber gegen jene Annahme sprechen viele andere Stellen, die 
in ihrer Gesammtheit eine stattliche Reihe von Argumenten für 
die Auffassung des Genetivs als eines objectiven Genetivs bilden. 
80 ist schon aus V. 32 f. 

primu8que Thymoetes 
duci intra muros hortatur et arce locari 
*u schliessen, dass Thymoetes das Pferd der Pallas geweiht glaubte 
oder dass er sich den Anschein gab (V. 34 sive dolo) es zu 
glauben. — Wenn ferner das Pferd zu wiederholtenmalen *) als 
ein (verdächtiges) Geschenk der Danaer bezeichnet wird, so liegt 
dem Gedanken, das Pferd sei für die Troer ein gefährliches 
Geschenk der Danaer, zugleich die Voraussetzung zu Grunde, 
dasselbe sei ein für die Minerva bestimmtes Geschenk; denn eben 
to dem Falle, wenn es als ein für die troische Göttin Minerva 
bestimmtes Geschenk betrachtet wurde, konnte es zugleich als 
ei & den Troern selbst geltendes Geschenk angesehen werden. 

*} V. 36 Danaum insidias suspectaque dona 

V. 43 f. aut ulla putatis 

dona carere dolis Danaum f 
V. 49 Qwdquid id est, timeo Danaoa et dona f er cutis. 



174 

Ferner ist für die Auffassung unserer Stelle von entscheide 
der Bedeutung V. 189 ff. 

nam si vestra manus violasset dona Minervae, 

tum magnurn exitium 

. . . Friami imperio Phrygibusque futurum. 

Es ist nämlich klar, dass an beiden Stellen der Genetiv do&X2 
wol dieselbe Bedeutung haben muss. An der eben angeführte X3 
Stelle kann aber dona Minervae füglich nur „das der Minerva* 
geweihte Geschenk" sein, da der Gedankenzusammenhang dieser" 
Stelle nur diese Auffassung zulässt; Sinon sagt ja 183 f.: 

hane pro Palladio moniti, pro numine laeso 
efßgiem statuere 

Ebenso lässt sich aus V. 230 und 232 f. und noch aus 
mehreren anderen Versen ein Argument für dieselbe Auffassung 
von donum Minervae entnehmen. — Endlich vergleiche man auch 
Accius Deiphobus fr. I (Kibbeck, S. 152) : „Minervae donum armi- 
potenti abeuntes Dana! dicant." 

Aen. II 172 ff. 

Vix positum castrü simulacrum: arsere coruscae 
luminibus flarnmae arrectis salsusque per artus 
sudor iit — 

Servius: „Probo sane displicet salsus sudor, et supervacue 
positum videtur." Schol. Veron. : »Salsus sudor iit; hoc epitheton 
demonstrativum, quo totius corporis succus etiam gustu potuerit 
agnosci. Namque laborando manat de corpore sudor. Probus m&lo 
epitheto putat usum poetam. Critici vero naturalia epitheta nus- 
quam inhoneste putant locari." Eibbeck bemerkt Prolegom. 1^4 
entschuldigend: „Salsus sudor, qui Palladii rapti per artus * u 
castris Graecis fluxisse fertur Aen. II 173, non displicuisset f&' 
tasse critico, si meminisset Sinonem mendacissimum et inpud^ 11 ' 
tissimum hominem talia tarn putida fingere." Aber ich glaut*^ 
dass diese Entschuldigung keinesfalls ausreicht. Ich halte es f*** 
rathsamer, anzunehmen, dass salsus corrupt ist, als dem Dich*^^ 
ein so widerwärtiges und fast komisches Epitheton zuzumuth^-* 



175 

»m Metrum würde gelidusque entsprechen, aber äusserlich ist 
>1 wahrscheinlicher caldusque per artus sudor iit. 

Aen. U 259 ff. 

IUo8 patef actus ad auras 
reddit equus, laetique cavo se robore promunt 
The88<mdru8 Sthenelusque duces et dirus Ulixes, 
demissum lapsi per funem, Acamasque Thoasque 
Pelidesque Neoptolemus primusque Machaon 
et Menelaus et ipse doli fabricator Epeos. 

unzweifelhaft richtig ist die Bemerkung bei Servius „per 
teraos distinxit." Der Dichter hat die drei Gruppen von Helden 
äeutlich dadurch geschieden, dass er zwischen die erste und 
weite Gruppe die Worte „demissum lapsi per funem," zwischen 
die zweite und dritte Gruppe das Wort „primus" einschiebt. 

Primus kann hier durchaus in keiner anderen Bedeutung 
ita der gewöhnlichen genommen werden, und es kann nur das 
fraglich sein, ob sich primus grammatisch bloss auf Machaon 
wzieht oder ob es grammatisch auch zu den beiden folgenden 
üubjecten Menelaus und Epeos zu ziehen ist.*) Wahrscheinlicher 
rt wol die erstere Annahme. Der Dichter wollte sagen, dass 
uerst von allen Helden Machaon das Pferd verliess und dass 
lim zunächst Menelaos und Epeos in derselben Gruppe folgten. 

Man hat es allerdings auffallend gefunden, dass Machaon, 
renn er zuerst das Pferd verliess, erst an siebenter Stelle ge- 
tarnt wird und dass die erste Gruppe zuletzt erwähnt wird, 
tber diese Incongruenz zwischen der thatsächlichen Zeitfolge 
nd der Beihenfolge in der Erzählung ist nichts unerhörtes, ja 
ie ist nicht einmal etwas besonders seltenes. Eine passende 
nalogie bietet Aen. XII 446 ff. 

vidit ab adverso venientis aggere Turnus, 
videre Amonii gelidusque per ima eucurrit 



% ) Das Resultat ist freilich, was den Sinn betrifft, in beiden Fällen das- 
selbe; denn immer ist anzunehmen, dass die erste Gruppe der Helden, 
welche das Pferd verliessen, aus Machaon, Menelaos und Epeos bestand. 



176 

ossa tremor, prima ante omnis Mwna Latinos 
audiit adgnovüque sonum et tremefacta refugit. 

Auch hier wird das, was der Zeit nach das erste war, voiz? 
Dichter erst im dritten Satze erwähnt. Vgl. noch Aen. V 404 ff; 

obstipuere animi; tantorum ingentia Septem 
terga boum plumbo insuto ferroque rigebant. 
Ante omnis stupet ipse Daves longeque recusat. 

XI 805 ff.: 

concurrunt trepidae comites dominamque ruentem 
suscipiunt. Fugit ante omnis exterritus Arruns } 

IV 57 ff. : 

mactant lectas de more bidentis 
legiferae Cereri Phoeboque patrique Lyaeo, 
lunoni ante omnis, cui vinda iugalia curae. 

Eine andere Frage, nämlich warum der Dichter die zuerst 
aus dem hölzernen Pferde heraussteigende Gruppe aus Machaon, 
Menelaos und Epeos bestehen lässt, ist leicht zu beantworten. 
Machaon verlässt zuerst das Pferd und lässt sich zuerst am Seile 
niedergleiten, um als Arzt bei einer etwa vorfallenden Verwundung 
gleich bei der Hand zu sein. Dem Menelaos ziemte es unter den 
ersten zu sein, weil um seinetwillen der troische Krieg unter- 
nommen ward. Epeos aber musste als Baumeister des Pferdes 
auch beim Heraussteigen unter den ersten sein, und dies um so 
mehr, als auch die Sage gerade ihm den Vortritt (wie Weidner 
bemerkt) anwies. 

Was endlich die Theilung in drei Gruppen und die Scheidung 
der einzelnen Gruppen durch dazwischengesetzte Wörter betrifft, 
so kann man vergleichen Aen. Xu 197 ff. : 

haec eadem, Aenea, Terram, Mare, Sidera, iuro, 
Latonaeque genus duplex Ianumque bifrontem 
vimque deum infernam et duri sacraria Ditis, 

wo die erste Gruppe (Terram, Mare, Sidera) von der zweiten 
(Latonaeque genus duplex Ianumque bifr.) äusserlich durch iuro 
getrennt wird. 



177 

Auch II 339 ff. möchte ich drei Gruppen annehmen: 
addunt se socios Bhipeus et maximus armis 
Epytus, oblati per lunam, Hypanisque Dymasque, 
et lateri adglomerant nostro iuvenisque Coroebus 
Mygdonides. 

Der Dichter wollte, glaube ich, andeuten, dass nicht alle auf 
einmal sich dem Aeneas anschlössen, sondern zuerst Bhipeus und 
Epytus (diese Gruppe ist von der zweiten getrennt durch die 
Worte oblati per lunam), dann beim Weitergehen Hypanis und 
Dymas (zwischen diesen Namen und dem des Coroebus ist 
wiederum et lat. adglom. n.), und endlich zudritt Coroebus. 

Aen. II 260 f. 

j laetique cavo se robore promunt 

Thessandrus Sthenelusque duces et dirus Ulixes. 

n caoo se r. promunt maior librorum pars ; et sie proprie hac in re 
didtur. Enimvero Longob. Pierii, quem etiam Ge. Fabricius respi- 
cere videtur, produnt habet ; quod sane exquisitius, se prodere. 
Baque Heinsio illud probatum ajd Claudian. IV Cons. Honor. 643, 
et Ovid. V Fast. 508." Heyne. Wagner fügte hinzu „(vid. Cort. ad 
Lucan. I, 625). u Die Prager Handschrift hat produnt Die Eichtig- 
keit der Behauptung, dass se promer e „proprie hac in re dicitur" 
ffluss bestritten werden. Erstlich lässt sich se promere von Personen, 
die sich herausbegeben, nicht nachweisen. Die Phrase vites promunt 
Be, schlagen aus (Col. HI 12 1) ist durchaus keine genügende Ana- 
logie. Sodann scheint se promere oder promi an und für sich ebenso 
auffallend, wie wenn man etwa im Deutschen „sich herausnehmen" 
ftr „sich herausbegeben" sagen wollte. Für se prodere in dieser 
Bedeutung steht mir nun freilich auch kein Beispiel zu Gebote.*) 
Aber die Möglichkeit dieser Bedeutung wird bestätigt durch den 
Gebrauch von se edere (Plaut. Most. HI 2 9 clanculum ex aedibus 
me edidi foras), se dare (Cic. Farn. XIV 12 in viam quod te des 
hoc tempore, nihil est; Verg. Ge. IV 528 se iactu dedit aequor 



*) Prodere in der Bedeutung „hervorgeben, herausgeben 4 * ist nachweisbar, 
z. B. Ovid Fast. V 518 prodit fumoso condita vina cado. 

Kriöala: Vergilatudien. 12 



178 

in altum), se abdere sich fortbegeben (Plaut. Pseud. IV 7 5 ex con- 
spectu heri sui se abdiderunt, Caes. B. G. VI 5 ne desperata salute 
aut se in Menapios abderet), ferner durch den Gebrauch anderer* 
Sprachen, wie z. B. das griechische freilich späte didovai iavvfor 
eis iQfjiiiccg (Diod. V, 59), das deutsche „sich begeben, sich heraus— 
begeben," das böhmischet„vydävati se tt eine Analogie bietet. And* 
kann man zu Gunsten von se produnt vielleicht anführen, das» 
von dem entgegengesetzten Vorgang im V. 401 gesagt wird et notex 
conduntur in alvo. Übrigens kann man vermuthen, dass vielleich. * 
se produnt, weil es nicht verstanden wurde und weil man an di^ 
gewöhnliche Bedeutung „verrathen" dachte, in promunt verändert 
wurde. Es mag noch hinzugefügt werden, dass prodere da, wo ee 
eine seltenere Bedeutung hat, auch sonst nicht selten Corruptelea 
ausgesetzt war. So findet sich Ov. Fast. V 518 auch die Variante 
promit, promsit, promisit. In Ov. Met. IV 656 hat wol Heinsius 
mit Recht prodidit (gegen protulit) aufgenommen. 

Aen. II 304 ff. 

in segetem veluti cum flamma furentibus austrü 
incidit, aut rapidus montano flumine torrens 
sternit agros, stemit sota laeta boumque labores 
praecipitisque trahit Silvas; stupet inscius alto 
accipiens sonitum saxi de vertice pastor. 
In der Prager Handschrift steht V. 306 hominumque labores 
statt boumque labores. Bei Homer, den Vergil hier nachgeahmt 
hat, findet sich beides, nämlich einerseits tyy' äv&QcSitcw (77 392; 
T 131 ; £ 259) oder dvÖQcSv fyycc (M 283) oder tyya . . . a^äv 
(E 92), anderseits eQycc ßoßv (x 98). Aber gerade an der Stelle, 
die, wie allgemein anerkannt wird, dem nachahmenden Dichter 
hier vorschwebte, nämlich II. E 92 heisst es: 

noXXä d* i5»' ccvvov eQya xarjJQtna xdk' ccl£r]<5v. 
Soll man nun hominumque labores für eine Conjectur halten, 
durch die absichtlich oder unabsichtlich eine Übereinstimmung mit 
dieser homerischen Stelle erzielt wurde ? soll man annehmen, dass 
an der Variante hominumque die Erinnerung an Georg. I 118 
hominumque boumque labores schuld ist? oder soll man diese Lese- 



179 

art für die echte halten? Wer das letztere vorzieht, wird, glaube 
ich, nicht beschuldigt werden können, dass er in völlig grundloser 
Weise die herkömmliche Leseart aufgibt; er wird auf den oben 
angeführten Grund hinweisen und hinzufügen können, dass an 
unserer Stelle das echte hominumque labores durch die Erinnerung 
an Georg. I 325 sata laeta boumque labores verdrängt wurde. 

Aen. II 315 ff. 

Sed glomerare manum hello et concurrere in arcem 

cum sociis ardent animi; furor iraque meutern 

praecvpitant pulchrumque mori succurrit in armis. 

ecce autem telts Panthus elapsus Achivom, 

Panthus Othryades, arcis Phoebique sacerdos, 

Sacra manu victosque deos parvumque nepotem 

ipse trahit cursuque amen» ad limina tendit. 

Quo res summa loco, Panthuf quam prendimus arcem ? 

Der letzte Vers hat sehr verschiedene Erklärungsversuche 
hervorgerufen. Die Erklärung der Worte quam prendimus arcem 
bei Servius „cum tu eam relinquas. Non enim plures erant arces. 
Unde admirantis est" hat in neuerer Zeit wiederum besonders 
Weidner aufgenommen, der sich aber zugleich zu einer eigen- 
thümlichen und nicht wahrscheinlichen Erklärung der Worte quo 
res summa loco veranlasst sieht: „Die Ergänzung des Gedankens, 
wie dieselbe Servius gewiss richtig aufstellt, ist aber nur dann ein- 
fach und natürlich, wenn diese in der vorhergehenden Frage bereits 
angedeutet ist. Dies ist aber der Fall, wenn wir erklären: Wie 
steht es (mit der Vertheidigung) oben auf der Burg ? Gewiss steht 
es schlimm, da ihr flieht. Welche schützende Burg aber sollen wir 
ergreifen, wenn ihr die Akropolis, das einzige Bollwerk Troias, 
aufgebt?" (Weidner S. 350). Aber eben die Ansicht Weidner's, 
dass unter res summa die Burg zu verstehen sei, ist gewiss un- 
haltbar, und da, wie Weidner richtig bemerkt, die zweite Frage 
nur dann in natürlicher Weise nach Servius' Auffassung erklärt 
werden kann, wenn man annimmt, dass schon die erste Frage 
speciell auf die Burg sich bezog: so fällt hiemit auch Servius' 
Erklärung. — Es ist gegen diese Erklärung und gegen Weidner's 

12* 



180 

Ausführung auch einzuwenden, dass Aeneas sich darüber ni&T^t 
wundern kann, wenn der Priester Panthus die Götterbilder vox 
den Feinden in Sicherheit bringen will. Soll Aeneas dem Pries£^<r 
die Verteidigung der Burg gegen die Feinde zumuthen und ibkxxi 
daraus einen Vorwurf machen, dass er von der. Burg flieht ? 

Schenkl (Zeitschrift für die österr. Gymn. 1870) erklärt 
die Worte quo res summa loco? wie sie eben gewiss erklärt 
werden müssten, wenn die Überlieferung hier ganz correct ist: „auf 
welchem Punkte befindet sich der Staat?" und schreibt sodann : 
„qua prendiraus arcem?" d. i. „auf welchem Wege erreichen wir 
die Burg?" Schenkl nimmt an, dass Panthus auf dem rückseitigen 
Wege entkommen sei; Aeneas aber, um zu erfahren, von welcher 
Seite die Griechen die Burg angreifen, frage den Panthus, der, da 

er eben glücklich entflohen ist, darüber Auskunft geben könne. 

So ansprechend nun aber auch die ganze Auffassung Schenkl*s 
ist,*) so ist doch gegen dieselbe zu bemerken (was freilich aucli 
gegen andere Erklärungen geltend zu machen ist), dass, wenn 
Aeneas diesen Gedanken hier aussprach, der Plural prendimus auf- 
fallend ist, da Aeneas bisher allein ist und erst die Absicht hat;, 
Gefährten zu sammeln (315 f. vgl. dann 339 ff.); von dieser Ab- 
sicht aber weiss Panthus nicht. 

Vielleicht lässt sich die Hauptschwierigkeit dieser Stella, 
welche wol in dem überlieferten quam liegt, dadurch beseitigen, 
wenn man inquam statt quam schreibt. Aber auch so wäre der Vers 

quo res summa loco, Panthu, inquam; prendimus arcemf 
wol noch nicht ganz emendiert. Den Fragesatz prendimus arcern 
müsste man so erklären, wie Cic. Att. XIII 40 quid mihi auctoi 
es? advolone an maneo? oder wie Verg. Aen. XI 389 imus i 11 
adversos? Diese Stellen führt Weidner zu Aen. I 48 an und t>^~ 
ruft sich zugleich auf Madvig's Bemerkung (Opusc. II 40) : „Na* 110 
Latini cum semet ipsos aut inter se interrogant, quid faciendi*-^ 
sit, saepe tamquam de re, quae iam fiat, indicativo modo pr^ 1 
sentis temporis utuntur ; fere autem constanter id faciunt, c" 
#ut de ea re quaerunt, quam se facturos non dubitent, aut *^- e 



*) Sie stimmt auch gut mit Vers 315 concurrere in arcem überein, wo 
Entschluss des Aeneas, sofort auf die Burg zu eilen, erwähnt wird. 



181 

I 
i 

tentia et iudicio ita interrogant, ut non tarn deliberent quam 

necessarium iudicium significent et non discrepans aut ex 
s, quam sententiam se suscipere velint, quaerant." Cic. Att. 
I 40 ist ein Beispiel für den ersten, Verg. Aen. XI 389 für 
. zweiten der von Madwig hervorgehobenen Fälle. 

Aber auch hier wäre die Einwendung zu machen, dass in 
l Augenblicke, wo Aeneas allein sich befindet, der Plural pren- 
w& dem Panthus sehr auffallend erscheinen müsste; und das 
ii doch Aeneas nicht verlangen, dass Panthus (der sacra manu 
asque deos parvumque nepotem ipse trahit) sich ihm an- 
liessen solle.*) 

Es scheint hier nur ein solches Verbum zulässig zu sein, 
sen Plural der vorliegenden Situation angemessen wäre; z. B. 
e ist, Panthus, (sage ich), unsere Lage? haben wir die Burg 
Loren?" Aeneas war nach V. 315 f. im Begriffe, eine Schaar 
sammeln und mit ihr auf die Burg zu eilen. In diesem Augen- 
ke kommt Panthus, arcis Phoebique sacerdos, sacra manu 
;osque deös trahens, woraus Aeneas schliessen muss, dass die 
nde auf der Burg sich befinden. Was ist in dieser Lage natür- 
ler, als dass Aeneas fragt, um Gewissheit zu erlangen: „Haben 
die Burg verloren?" (vielleicht perdimus arcem, so dass das 
.esens statt des Perfects stünde). 

Von summa könnte man vermuthen, dass dies Wort vielleicht 
. dem zweitfolgenden Vers, in welchem es genau an derselben 
Ue steht (venit summa dies), eingedrungen ist und die echte 
jeart verdrängt hat. (Ob quo res nostra loco??). Über die 
roierigkeiten, welche dies Wort verursacht, vgl. Weidner's Er- 
erung S. 348. 

Aen. II 376 ff. 

Dixit et extemplo, neque enim response* dabantur 
fida satis, sensit medios delapsus in hostis. 
Obstipuit retroque pedem cum voce repressit. 



*) Ich habe früher daran gedacht, zu schreiben 

quo res summa loco, Panthu, inquam; tendimus arcem. 
Die Worte tendimus arcem als Aussagesatz (wir streben der Burg zu) 



182 

Ladewig: „cum voce, „mit einem Schrei 1 * der Überraschung. 
Ähnlich steht cum voce zur Bez. des begleitenden Umstandes 
A. II, 688. III, 177. X, 667. a Kappes verwirft mit Recht diese 
Erklärung. Freilich wenn Kappes gegen jene Erklärung einwendet, 
dass der sich Zurückziehende in einer solchen Situation sich 
nicht noch mehr durch einen Schrei verrathen, sondern still- 
schweigend den Moment suchen wird, wo er entrinnen kann: so 
könnte darauf erwidert werden, dass man in einer solchen Situa- 
tion nicht erst deliberiert, ob man einen Schrei ausstossen darf 
oder nicht, sondern dass die Überraschung sehr wol einen Schrei 
zur natürlichen Folge haben kann. Aber die sprachliche Fassung 
der Stelle und der ganze Zusammenhang begünstigt die gewöhn- 
liche Erklärung. Androgeos würde noch weiter gesprochen haben, 
er merkte aber plötzlich, dass er unter Feinde gerathen sei und 
dass er sich mit seinen Worten verrathen habe. Was ist da 
natürlicher, als dass er zurückweichend verstummte? was liegt 
ferner in sprachlicher Hinsicht näher, als pedem cum voce repres- 
sit in der Bedeutung pedem et vocem oder genauer et vocem et 
pedem repressit zu nehmen? Die von Ladewig und Kloucek für 
vox angenommene Bedeutung ist übrigens nicht erwiesen. An 
den drei von Ladewig angeführten vermeintlichen Parallelstellen 
hat vox nicht die Bedeutung Schrei, sondern die gewöhnliche 
Bedeutung Stimme. An allen diesen Stellen (II 688 caelo palmas 
cum voce tetendit. III 177 tendoque supinas ad caelum cum voce 
manus. X 667 et duplicis cum voce manus ad sidera tendit) ist 
nämlich cum voce = et vocem, und es war diese Verbindung zu- 
lässig, da diese Construction ein durchaus nicht gewagtes Zeugma 
bildet. Zu allem diesem kommt nun noch als Parallele der Vers 
II 774 Obstipui steteruntque comae et vox faucibus haesit, wo 
ebenfalls mit obstipui ein Ausdruck verbunden ist, der nicht ein 
plötzliches Aufschreien, sondern ein Steckenbleiben der Stimme 
in der Kehle bezeichnet. 



würden sich auf den von Aeneas gefassten Beschluß s 315 f. sed glome- 
rare manum hello et concurrere in arcem cum sociis ardent animi 
heziehen. Jedoch auch in diesem Falle würde gegen den Plural das- 
selbe Bedenken obwalten. 



183 



Aen. III 169 ff. 






Bürge age et haec laetus longaevo dicta parenti 
haud dubitanda rqfer, Corythum terrasque requirat 
Antonios; Dictaea negat tibi luppiter arva. 

Handschriftlich ist im V. 170 am besten verbürgt requirat; 
einige Handschriften, unter ihnen auch Bern, a, bieten requiras, 
noch andere, wie die Prager Handschrift und nach Wagner's An- 
gabe Palatinus, haben require. Für die zweite Person sprechen, 
glaube ich, einige beachtenswerthe Momente. Der Übergang von 
nquirat (näml. Anchises) zu negat tibi (was natürlich nur auf 
Aeneas bezogen werden kann) erscheint hart und ungefällig; tibi 
setzt auch im vorausgehenden Satze require (oder requiras) vor- 
aus, da ja die beiden Sätze Corythum — Ausonias und Dictaea 
bis arva in inniger logischer Verbindung (Folge und Ursache) 
stehen; es wäre unnatürlich und unschön zu sagen „Anchises 
möge Ausonien aufsuchen, weil dir Juppiter die Dictaeischen 
Gefilde versagt." Ferner war doch Aeneas der eigentliche Leiter 
der Fahrt, ihm sagt ja auch das Traumgesicht „tu moenia magnis 
magna para, longumque fugae ne linque laborem ; non haec tibi 
litora suasit Delhis aut Cretae iussit considere Apollo" (159 ff.). 
Die Entstehung der Leseart requirat ist vielleicht dadurch zu 
erklären, dass man haec dicta auf das folgende bezog, während 
bei der Leseart require der Satz „surge — refer" den Abschluss 
der vorhergehenden Mittheilungen bildet und haec dicta eine 
**rückweisende Bedeutung hat. An diesen das vorausgehende 
abschliessenden Satz reiht sich dann mit knapper Kürze asynde- 
tisch die Weisung Corythum etc. an, sowie z. B. HI 96 antiquam 
^xquirite matrem asyndetisch zu der vorausgehenden Mittheilung 
hinzutritt 

Aen. III 593 ff. 

Respicimus: dira inluvies inmissaque barba, 
consertum tegumen spinis, at cetera Graius 
et quondam patriis ad Troiam rnissus in armis, 
Isque ubi Dardanios habitus et Troia vidit 
arma procul cet. 



184 

Den V. 595 hielt schon Heyne für unecht und nach Aen. C^ 
87 (me . . . pauper in arma pater primis huc misit ab annis) %& 
bildet. Ribbeck, der den Vers in Klammern einschliesst, bemerke 
„Mihi incohata versus 603 (et bello Iliacos fateor petiisse penate^ 
dittographia videtur esse eaque falsum in locum e margine in 
lata." Wagner, der früher (Heyne's Ed. IV. cur. Wagner) glaubt» 
„sana hie sunt omnia et egregia," fand sich später zu dem Ge- 
ständnisse veranlasst : „Resecuisset' haec poeta, si lieuisset retrao 
tare; potuit enim ea res ipsi nota esse, Aeneae nondum potuit. 6 
Vertheidigt wird der Vers besonders von Kappes und Forbigei 
(ed. IV.). Den Gegnern dieses Verses kommt in wirksamste] 
Weise die Prager Handschrift, in welcher dieser Vers fehlt, zi 
Hilfe. Wenn Kappes sagt: „Dieser Zusatz ist von Aeneas, inden 
er der Entwickelung der Sache selbst in der Erzählung vorgreift 
sogleich eingeschaltet, um die Haltung des Unglücklichen, wi< 
sie v. 596 — 98 erzählt wird, sofort zu verdeutlichen," — s< 
scheint dies und ähnliches, was zur Vertheidigung gesagt wird 
nicht ausreichend zu sein; denn immerhin wäre dieser Vers i: 
dem vorliegenden Context und in dem zu Tage liegenden logische: 
Zusammenhang mit respieimus dem Dichter als ein erhebliche 
Fehler anzurechnen, den man jetzt, da Heyne's Vermuthung durc" 
die Autorität der Prager Handschrift bestätigt wird, vielleicht all 
, gemeiner einem Interpolator zuschreiben wird. 

Wenn man meint, dass et zu et quidem und dass Aenea 
Worte folgende Paraphrase zulassen „und zwar wie wir dam 
ersahen, war er in der väterlichen Rüstung gegen Troia geschick 
worden" : so gestehe ich, dass ich zu dieser Rechtfertigung kei 
Zutrauen habe, weil ich glaube, dass der Dichter die nahe liegend 
Möglichkeit eines Missverständnisses gemerkt und vermieden habe 
würde. Auch finde ich den Zusatz patriis in armis durch da 
folgende nicht motiviert, da Achaemenides dies den Troern niel 
mittheilt (vgl. 613 ff.). Nun wird man freilich vielleicht sagen, da* 
Aeneas dies sehr wol auf eigene Faust sagen konnte, da etwas de: 
artiges gewiss üblich war und der arme (615) Adamastus schwe 
lieh seinem Sohne eine neue Rüstung anschaffte. Aber der paup< 
Adamastus musste ja gar nicht eine Rüstung haben ! 






185 

Wagner bemerkte früher (Heyne's Ed. IV): „Et servato hoc 

versu, ad exspectationem excitandam aptissimo, intelligitur demum, 

qnae Sit vis verborum Dardanios habitus et Troia arma* auf 

welches Argument neuerdings auch Forbiger Gewicht legt. Aber 

auch als die Troer noch nicht wussten, dass der Fremdling vor 

Troia gekämpft hatte, als sie nur 'wussten, dass es ein Grieche 

war, konnten sie sein Erschrecken begreiflich finden. Der Krieg 

der Achäer und Troer war schon allgemein bekannt (vgl. 1 459 f.) 

und derselbe bewirkte eine Feindschaft zwischen den Troern und 

zwischen allem, was den Namen Griechen trug. Vgl. VIII, 129 f. 

non equidem extimui, Danaum quod ductor et Areas . . . fores. 

Diese Worte des Aeneas, welche eine Ausnahme bezeichnen, 

bestätigen eben deshalb die Regel. Vgl. auch II 102 quidve 

moror, si omnis uno ordine habetis Achivos, idque audire sat 

est? und VI 96 f. via prima salutis, quod minime reris, Graia 

paadetur ab urbe. 

Da aber bei der Annahme einer Interpolation gefordert 

wird, auch die Veranlassung zur Interpolation nachzuweisen, so 

mag auch hierüber bemerkt werden, dass die Nachweisung eines 

probablen Anlasses nicht schwierig ist. Vielleicht gab eben das 

von Wagner hervorgehobene Moment (Dardanios habitus .... 

couterritus), das der Interpolator auf keine andere Weise sich 

erklären konnte, hiezu Anlass. Der Interpolator wollte, meine 

ich, im V. 595 nicht antieipando etwas andeuten, was die Troer 

erst aus den Worten des Fremdlings V. 602 f. erfuhren, sondern 

&* wollte wirklich sagen, dass die Troer alsbald in ihm einen von 

< fen ehemaligen Feinden erkannten. Nun ist diese Möglichkeit der 

Erkennung natürlich nicht schlechthin abzuweisen; dass aber 

schon V. 595 diese Erkennung erwähnt wird, das ist es eben, 

^sis den ungeschickten Interpolator verräth, der nicht beachtete 

• 

x &**oU nova forma viri (591), dann dira inluvies etc. (593 f.) und 
endlich proeul (597). 

Ein zweiter Grund, der die Interpolation veranlasste, liegt wol 
***. dem Geständniss 602 f. Warum gestand denn der Fremdling dies, 
^as ihn in Gefahr bringen konnte? Dieser Frage sollte nach der 
Intention des Interpolators durch V. 595 vorgebeugt werden. 



186 

Von unserem Standpuncte ist auf diese Frage folgendes zu 
erwidern. Der Fremdling erkannte seinerseits die Teukrer und 
redete sie als solche sofort an V. 601. Er konnte nicht wissen, 
ob ihn nicht jemand von den Troern erkennen würde; er musste 
dies, sobald er in ihrer Nähe war und Gegenstand der Betrachtung 
aller Troer war, befürchten und gestand daher lieber selbst gleich 
seine Betheiligung an dem Kampfe gegen Troia. 

Aen. IV 288 ff. 

Mnesthea Sergestumque vocat fortemque Serestum, 
classem aptent taciti sociosque ad litora cogant, 
arma parent cet. 

Im V. 288 steht in einigen Handschriften, denen sich auch 
die Prager anschliesst, fortemque Cloanthum, welche Leseart von 
den Kritikern verworfen wird mit Berufung darauf, dass Aen.. XII 
561, wo derselbe Vers wiederkehrt, in den Handschriften (aus- 
genommen Parrhas.) ebenfalls fortemque Serestum steht. Ferner 
sagt man, fortemque Cloanthum sei als Keminiscenz aus I 222 
oder noch eher aus I 510 zu erklären. 

Wenn Brunck's Vermuthung (zu I 343) gesichert wäre, dass 
ßergestus und Serestus zwei nur lautlich verschiedene Namen für 
denselben Mann sind, dann wäre diese Frage freilich sofort radical 
gegen Serestum und für Cloanthum entschieden. Für Brunck's 
Ansicht scheint zu sprechen I 611 (Ilionea petit dextra, laevaque 
Serestum, post alios, fortemque Gyan fortemque Cloanthum) ver- 
glichen mit I 510 (cum subito Aeneas concursu accedere magno 
Anthea Sergestumque videt fortemque Cloanthum TeucrorunNjue 
alios). Wenn Forbiger dagegen bemerkt zu I 611 „Serestum ne 
quis vitiose scriptum existimet pro Sergestum, quem supra v. 510 
poeta commemoravit, meminerit ibid. v. 511 diserte scriptum legi 
Teucrorumque alios, atque hie etiam Gyan adiungi, cuius supra 
nondum mentionem f aetam viderimus " : so kann dagegen gesagt 
werden, dass Gh/as zwar nicht I 510 aber bereits I 222 unter 
den Vermissten erwähnt wird und dass die specielle Hervorhebung 
des Serestus I 611 und des Sergestus I 510 denn doch ein ge- 
wisses günstiges Präjudiz — aber freilich nichts weiter — für 



187 

ß Vermuthung Brunck's zu erwecken geeignet scheint. Aen. Xu. 
\1 wäre dann Serestum natürlich auch für corrupt zu halten. 
>er freilich gestehe ich, dass auf diese Ansicht kein rechter 
srlass ist. Namentlich scheint gegen Brunck zu sprechen V 487 
;entique manu (Aeneas) malum de nave Seresti erigit ver- 
teilen mit V 121 ff. Sergestus betheiligte sich an dem Schiffs- 
rttlauf doch wol erecto malo und ferner dürfte Aeneas V 487 
hwerlich das unglückliche und übel zugerichtete Schiff des 
»gestus zu seinem Zwecke gewählt haben. 

Aber wenn man nun auch auf Brunck's Ansicht sich nicht 
it Beruhigung verlassen darf, so gibt es andere Momente, welche 
r 288 für Cloanthwn sprechen. 

Die Zusammenstellung der ähnlich klingenden Namen Ser- 
sstus und Serestus innerhalb ünes Verses gibt einen unange- 
shmen Klang, der wol jemandem anderem als dem Dichter der 
eneis zuzumuthen ist, da in derlei Dingen offenbar nicht ange- 
)mmen werden kann, dass dem Dichter eine Sage vorlag, welche 
»gestus und Serestus nannte; in solchen Details durfte der 
ichter frei schalten und walten und eben deshalb glaube ich, 
lss er sich weder hier noch XII 561*) für das kakophonische 
»gestumque vocat fortemque Serestum entschied. Daneben gibt 
i noch andere Indicien. Davon dass gerade Cloanthus das Epi- 
eton fortis I, 222, 510, 612 hat, sehe ich ab, da man gerade 
es als Grund gegen die Leseart Cloanthum IV 288 benutzt, 
dem man eine unberechtigte Keminiscenz annimmt. Auch wird 
»estus IX 171 zwar nicht fortis, aber acer genannt. 

Wol aber darf man sich auf zwei andere Gründe noch he- 
lfen: 

a) Aen. IV 288 handelt es sich um sofortige Instandsetzung 
3r Schiffe, um möglichst bald Carthago verlassen zu können. 
r er war nun geeigneter, die betreffenden Massregeln zu ergreifen, 
hanthus oder Serestus? Ich glaube, nach den sonstigen Angaben 
3r Aeneis unzweifelhaft Cloanthus und darum meine ich auch, 
lss der Dichter den Aeneas sich auch IV 288 an Cloanthus 



*) An dieser Stelle hat Prag. Serestum] aber die ganze Schlusspartie von 
XU, 527 angefangen ist in diesem Codex von späterer Hand geschrieben. 



188 



wenden liess. Cloanthus' Tüchtigkeit in derlei Dingen erhellt 
daraus, dass er in dem im 5. Buch geschilderten Schiflswettkampf 
Sieger blieb. Serestus wird bei der Schilderung der Landkämpfe 
IX 171 ; X 541 *) genannt, aber als ein Schiffscommandant von 
hervorragender Tüchtigkeit wird er nirgends erwähnt; V 487 
beweist natürlich nichts. 

b) An dem Schiffswettkampf betheiligen sich nach V 114 ft 
vier Männer, offenbar die dazu tüchtigsten, Mnestheus, Gyas, 
Sergestus, Cloanthus. Und da ist es wol nicht zufällig, dass ge- 
rade die drei Männer hier vereint genannt werden, welche nach 
der von uns vertheidigten Leseart auch IV 288 neben einander 
erwähnt werden. 

Aen. IV 388 ff. 

His medium dictis sermonem abnimpit et auras 
aegra fugit seque ex oculis avertit et aufert 
linquens multa metu cunctantem et multa parantem 
dicere. 
Im V. 390 hat Prag, cunctantem multa parantem. Dass das 
Asyndeton hier an und für sich und mit Rücksicht auf die ana- 
phorische Stellung des multa viel nachdrücklicher und passender 
ist, darf man wol behaupten. Vgl. bezüglich des bei der Ana- 
phora stattfindenden Asyndeton z. B. I, 236. 341. 461. 503. 513. 
599. 657. 743. H, 69. 306. 438. 535. 728. in, 119. IV, 36.'». :• 
138. 413. V, 176. 767. 814. VI, 431. 553. 626. 641. VII, 337, be- 
sonders aber I, 750 multa super Priamo rogitans, super Hectore 
multa. V, 433 f. VI, 626 f. Soll man nun trotzdem die Leseart 
multa metu cunctantem, multa parantem dicere verwerfen, weil 
Prag, mit dieser Leseart isoliert dasteht? Aber vielleicht ist 
der Umstand geeignet Verdacht gegen et multa zu erwecken, dass 



*) Servius zu X, 541 nimmt zwei Seresti an: „Serestos duos intelligamuö» 
unum in castris et unum cum Aenea. Nam Troiani nondum erapere de 
castris, ut intelligamus eum quem supra (IX, 171) dixit Ergo du* 
sunt. Nee mirum, cum et ipse dixerit, quod exemplo esse possit Auf 
racique duo (X, 124). u Aber dies hätte der Dichter sicherlich auch aus- 
drücklich erwähnt ; es ist vielmehr hier ein lapsus memoriae des Dichter» 
anzunehmen. 



189 

dieser Stelle in mehreren Handschriften (und auch im vorzüg- 
hen Mediceus) statt parantem die Variante volentem steht, 
Iche, wie man fast allgemein annimmt, ihren Ursprung einer 
rainiscenz an Aen. II 790 (lacrimantem et multa volentem 
:ere) und Georg. IV 501 (prensantem nequicquam umbras et 
ilta volentem difcere) verdankt. Es liegt die Vermuthung nahe, 
38 aus diesen Parallelstellen, an 'welchen natürlich et noth- 
ndig ist, diese Partikel in die Handschriften eindrang. 

Auch noch an einigen anderen Stellen unterscheidet sich 
j Prager Handschrift von anderen durch das Asyndeton, welches 
(darbietet, wie z. B. Aen. V 752; I 448; E 71 (Prag, hat mit 
ügen anderen Codd. insuper statt et super); VI 593, und an 
en diesen Stellen ist die Leseart des Prager Codex mindestens 
br beachtenswerth ; vgl. die Erörterung der betreffenden Stellen. 

Aen. V 752 ff. 

Ipsi transtra novant flammisque ambesa reponunt 
robora navigiis, aptant remosque rudentisque 
exigui numero, sed hello vivida virtus. 

Gegen diese handschriftliche Überlieferung bemerkt Peerl- 
mp: „Quod flammis ambesum est, non reponitur, sed tollitur, pro 
aliud integrum ponitur, integrum reponitur. Fortasse scribendum : 
i transtra novant flammis ambesa, reponunt robora navigiis. Et 
i aberat in Voss. alt. Wall." Auch in der Prager Handschrift 
ht flammis ohne que. Eibbeck hielt Peerlkamp's Vermuthung für 
mg beachtenswerth, um sie in den kritischen Commentar auf- 
Lehmen. Es handelt sich hier zunächst um die Bedeutung von 
onere. Heyne erklärte „reponunt h. 1. renovant, cum integris 
mutant ; a ebenso Forbiger „renovant, reparant, cum integris 
mutant," der mehrere alsbald zu besprechende Stellen anführt, 
iewig „reponunt, ergänzen, vertauschen die vom Feuer zer- 
rten Balken mit neuen." Aber reponere aliquid hat nie geradezu 
Bedeutung „etwas vertauschen mit etwas anderem;" diese Be- 
itung lässt sich nicht nachweisen. Man muss bei der Feststel- 
g der Bedeutung von reponere zu Grunde legen „iterum ponere, 
Site ponere" und zugleich muss man sich erinnern, dass das 



190 

einfache ponere „etwas errichtend oder erbauend aufstellen, aul 
führen" bedeutet, z. B. urbem ponere (Liv. IV 48), domum po 
nere (Hör. ep. I 10 3), aram oder aras ponere (Liv. X 23. Hoi 
ep. II 1 16), ponere immania templa (Verg. Aen. VI 19), moeni 
ponere (Sil. I 24), navium carinas ponere (Liv. XXVIII 45). S 
ist Tac. Ann. I 63 quo n am modo ruptos vetustate pontes repo 
neret nach Analogie eines wenigstens denkbaren pontes poner 
zu erklären, also = ruptos pontes iterum ponere. Ebenso ist Ta< 
Hist. III 34 reposita fora templaque munificentia municipum = 
rursus posita (vgl. Aen. VI 19 posuitque immania templa un 
Georg. III 13). Und so sind auch die anderen von Forbiger z 
d. St. und in den Lexicis angeführten Beispiele zu erklären. - 
An unserer Stelle nun könnte die Leseart flammisque ambesa rc 
ponunt robora nicht anders erklärt werden, als durch Unterschei 
düng des Ganzen von den Theilen. Die einzelnen robora, welch 
wirklich flammis ambesa waren und einen Theil des ganzen Schüft 
gebälkes bilden, diese non reponuntur, non rursus ponuntur, se 
tolluntur; und darin hat also Peerlkamp Recht. Aber es ist nick 
schlechterdings unmöglich, robora von dem Ganzen zu verstehei 
welches Ganze insofern als einzelne Theile desselben flammis am 
besä sind, selbst mit den Worten flammis ambesa bezeichnet werde] 
kann, wie man z. B. „das Schiff, das Haus brennt" sagt, aucl 
wenn nicht das ganze Schiff und Haus in Flammen steht. Es wärt 
also dann diese Stelle nach Analogie von Tac. Ann. I 63 zu er- 
klären „das Schiffsgebälke in seiner früheren Gestalt wieder her- 
stellen." Aber freilich verhehle ich nicht, dass diese Erklärung, 
wenn auch nicht unmöglich, doch nicht recht probabel ist. Dazu 
kommt, dass die Leseart transtra novant flammis ambesa, reponuni 
rob. nav. auch aus einem anderen Grunde sich empfiehlt. Bekanntlici 
wird bei dreigliedriger Verbindung entweder jedes Glied mit den 
vorausgehenden durch die copulative Partikel verbunden oder e 
wird das Asyndeton zwischen allen Gliedern durchgeführt (yg 
Beier zu Cic. Off. I 1 2 ; Grysär Theor. d. lat. Stils S. 502). Durc 
die Leseart des Prager Cod. nun wird das gesetzmässige AsytJ 
deton hergestellt, während bei der gewöhnlichen Leseart die Auf 
nähme (Verbindung des 1. und 2. Gliedes und NichtVerbindung de 



!>- 



191 

2. und 3. Gliedes) auffallend und hier wol ungerechtfertigt ist. — 
Anlass zu dieser Leseart gab vielleicht V. 697 f. semiusta ma- 
dacunt robora. 

Aen. VI 33 ff. 

Quin protinus omnia 
perlegerent oculis, ni iam praemüsus Achates 
adforet atque una Phoebi Triviaeque sacerdos, 
i Deiphobe Glauci, fatur quae talia regi. 

j Die Prager Handschrift bietet im V. 34 perlegerent oculi 

i uro'; doch ist nisi zwischen oculi und iam mit kleinerer Schrift 
eingeschoben. Es versteht sich von selbst, dass die Leseart perle- 
garent oculi jedenfalls möglich ist, mögen wir annehmen, dass bloss 
Aeneas oder dass Aeneas mit einigen Gefährten das auf der Tempel- 
pforte abgebildete betrachtete (oculi entweder = oculi eius oder = 
oculi eorum). Dass perlegerent oculi auch in sprachlicher Hinsicht 
untadelig ist, steht ebenfalls fest; eine derartige Personification 
ist auch im Latein nicht ungebräuchlich, wenn sie auch nicht so 
beliebt ist wie in neueren Sprachen; vgl. Aen. VHI 222 f. tum 
primum nostri Cacum videre timentem turbatumque oculi, wie 
m dieser Stelle ohne Zweifel zu lesen ist ; *) Ovid Met. VU 679 
ßi non formosius isto viderunt oculi telum iaculabile nostri ; Ter. 
Phorm. V 1 8 nisi me animus fallit aut parum prospiciunt oculi, 
meae nutricem gnatae video. Auch lässt sich nicht einwenden, 
: im um den Begriff „durchmustern" zu erzielen, zu perlegere 
! der Ablativ oculü hinzugefügt werden muss ; vgl. Ovid Fasti I 591 
I perlege dispositas generosa per atria ceras. 
[• Eine andere Frage aber ist, ob Gründe vorhanden sind, die 

\ den Kritiker veranlassen könnten, die herkömmliche Leseart auf- 
| wgeben und oculi vorzuziehen. Dies wäre der Fall, wenn nach- 
[ gewiesen werden könnte, dass Aeneas bloss von Achates be- 
! fleitet zur Sibylla gieng, dass er diesen dann vorausschickte und 

*) Diese Parallelstelle ist besonders interessant, da hier die Leseart oculi 
nur in drei und zwar jüngeren Handschriften sich findet, während die 
übrigen Codices den Ablativ oculis bieten, der, trotzdem er so gut 
beglaubigt ist, doch nicht festgehalten werden kann. 



192 

unterdessen allein jene bildlichen Darstellungen betrachtete. Ich 
halte diese Annahme nicht für unmöglich gegenüber der gewöhnlichen 
Ansicht, dass Aeneas von einigen Gefährten begleitet zur Sibylla 
sich begab und mit diesen Gefährten die Tempelpforte betrachtete, 
und ich will die in dieser Hinsicht in Betracht kommenden Stellen 
besprechen. 

Dass Aeneas einige! Gefährten mitnahm, wird nirgends aus- 
drücklich erwähnt; ausdrücklich erwähnt wird nur die Begleitung 
des Achates (34, 158 f.). V. 13 heisst es nun freilich iam svbeunt 
Triviae lucos atque aurea tecta. Aber wenn dieser Vers echt ist, 
so wäre es auch möglich, svbeunt von Aeneas und Achates zu 
verstehen und anzunehmen, dass Aeneas dann, nämlich nach 
diesem subire den Achates zur Sibylla mit der betreffenden 
Meldung vorausschickte. Aber gegen diesen Vers lassen sich 
gewichtige Bedenken erheben. 

a) Wenn man liest iuvenum manus emicat ardens litus in 
Hesperium, dann die Zweitheilung quaerit pars semina flammae . . ., 
pars densa ferarum tecta rapit Silvas inventaque flumina monstrat 
(6 ff.), sodann die Gegenüberstellung at pius Aeneas arces .... 
petit (9 ff.), so ist man der festen Meinung, dass Aeneas Mein 
zum Tempel gieng. Nun wird man aber plötzlich im V. 13 durch 
iam svbeunt Triviae lucos überrascht. Eine solche Darstellung ist 
jedenfalls abgerissen und fragmentarisch. 

b) Abgesehen von diesem seltsamen Wechsel des Numerus 
steht aber Vers 13 auch sonst abgerissen da; man erwartet min- 
destens iamque statt tarn. Nach Vers 12 würde die Erzählung 
14 ff. sich viel besser anschliessen. 

c) Subeunt aurea tecta könnte wol an und für sich bedeuten 
„sie nähern sich dem goldenen Tempel"; da aber das voraus- 
gehende damit in unmittelbarer Verbindung stehende subewd 
lucos bedeutet „sie treten in den Hain," so sollte folgerichtig 
auch suleunt tecta bedeuten „sie treten in den Tempel ein," was 
freilich im Widerspruch zu V. 41 steht. Wenn der Vers bedeuten 
soll „sie kommen in den Hain und an den goldenen Tempel her- 
an," so ist die Ausdrucksweise uncorrect. Nun könnte man freilich 
dies beseitigen, wenn man schriebe adque aurea tecta (vgl. aque 



193 

Georg. IV 347, Ovid. Met HI 631 ; eque Ov. Met. I 468 ; H 647 ; 

iajiie ebend. I 485), sowie es YIQ 359 heisst ad tecta subibant; 

aber da dieser Vers auch andere Bedenken darbietet, so hat man 

zu einer solchen Änderung wol kein Recht. 

Wird nun V. 13 getilgt, so steht die Sache bisher so, dass 

der Dichter den Aeneas allein gehen lässt. Den Achates hatte 

er noch bevor er sich auf den Weg machte oder gleich sobald 

er den Weg antrat, vorausgeschickt, wie wir nachträglich aus 

V. 34 £ schliessen müssen; worüber Servius zu V. 34 bemerkt: 

„Praemissus Achates; kcctcc ro aicoTtcSpsvov intelligimus. " 

Nun scheint aber dieser Auffassung V. 40 f. zu widersprechen 
nee sacra morantur iussa viri. So sagt z. B. Forbiger zu Vers 34 : 
perlegerent; nam praeter Achaten etiam alios socios secum duxit. 
Vid. v. 40 sq. Aber viri lässt sich auch bloss von Aeneas und 
Achates verstehen. Freilich wird man dagegen einwenden, dass 
es nicht wahrscheinlich ist anzunehmen, dass diese beiden Männer 
allein den ertheilten Auftrag „nunc grege de intacto Septem mac- 
tare iuvencos praestiterit, totidem leetas de more bidentis" (V. 38 f.) 
unverweilt vollführten. Aber die Darstellung des Dichters ist hier 
in dem einen wie in dem anderen Falle gedrängt, karg und 
lückenhaft. Denn auch wenn man annimmt, dass noch einige Ge- 
fährten den Aeneas begleiteten, so wird man auch dann fragen 
müssen : „Ja, hat denn Aeneas in Voraussicht dessen, was Sibylla 
befehlen wird, gleich als er sich auf den Weg machte, sieben 
junge Stiere und sieben ausgewählte Schafe mitgenommen ? u In 
dem einen wie in dem anderen Falle wird man, wenn man über- 
haupt glaubt alles ins Seine bringen zu müssen, vielleicht an- 
nehmen, dass Aeneas nach vernommener Weisung der Sibylla 
jemand zum Meeresufer abschickte, um entweder dort an Ort und 
Stelle das Opfer verrichten zu lassen oder, da dies wol nicht zu- 
; lässig war, die notwendigen Opferthiere herbeizuschaffen; dieser 
»jemand" konnte aber auch Achates sein, auf dessen Bückkehr 
dann Aeneas hätte warten müssen. Doch — und das ist unsere 
Ansicht — solche Fragen sind wol müssig. Man darf dem Dichter, 
der an das Wie der Ausführung nicht dachte, nicht so scharf 
&uf die Finger sehen und muss Sich höchstens damit begnügen, 

Kyi&da: VexgOfttndien. 13 



194 

• 

dies Beispiel jenen Fällen, in welchen auch Vergilius „dormitaf 
(Wagner, quaest. Virg. XXXX), hinzuzufügen. 

Nach unserer Auffassung ist ferner V. 41 Teucros, 54 Teuer« 
auch bloss von Aeneas und Achates zu verstehen, wie denn auet 
V. 158 f. von anderen Gefährten des Aeneas gar keine Erwähnung 
geschieht. 

Als Analogie ist zu erwähnen, dass man auch Aen. I, 31£ 
liest ipse uno graditur comitatus Achate; vgl. noch VIII, 466 
520 f. 

Aen. VI 131 f. 

tenent media omnia süvae, 
Cocytusque sinu labens circumvenzt atro. 
Prag, hat läbens d. i. lambens, welche Leseart vielleich. 
nicht verwerflich ist. Einem Dichter steht dieser Ausdruck gut 
vgl. Hör. Carm. I 22 7 vel quae loca fabulosus lambit Hydaspes 

Aen. VI, 327 ff. 

Nee ripas datur horrendas et rauca fluenta 

transportare prius quam stdibus 088a quierunt. 

Centum errant annos volitantque haec litora circum; 

tum demum admissi stagna exoptata revisunt. 
V. 329 fehlte ursprünglich in der Prager Handschrift und ist 
erst von jüngerer Hand nach 328 eingeschoben. Meines Wissens 
fehlt V. 329 in keiner anderen Handschrift, und gerade diesei 
Umstand, dass der Prager Codex in dieser Hinsicht allen übriger 
bekannten Handschriften gegenübersteht, scheint mir ein wichtige! 
Beweis für den Werth desselben zu sein; denn man wir< 
sich hier wol aus einem triftigen Grunde der Autorität diese 
Handschrift unbedenklich anschliessen können. Wir haben dö& 
wol auch für Vergil keine andere Vorstellung anzunehmen, al 
die in der Ilias !F 71 ff. und Od. A 52 sich findende und allgemei 
verbreitete, dass die Seele nicht in die Unterwelt gelangen an 
nicht zur Ruhe eingehen kann, als bis dem Leichnam Bestattim 
zu Theil geworden ist Davon dass auch die Seelen Unbestattete 
nach einer bestimmten Zeit, nach 100 Jahren, in die Unterwel 



195 

gelangen, weiss die Sage nichts und es blieb den Erklärern*) 
nichts übrig als zu sagen: „Hoc nnde Yergilius sumpserit, non 
constat; fortasse ipse finxit" (Forbig. Ed. IV). Alles kommt 
aber ins richtige Geleise, wenn V. 329 getilgt wird ; dann bezieht 
sich das tum im V. 330 auf den im V. 328 bezeichneten Zeitpunct 
prius quam sedibus ossa quierunt und die Übereinstimmung 
zwischen dieser Stelle und der allgemein verbreiteten Vorstellung 
ist erzielt. Hinzufügen kann man noch, dass auch aus V. 373 ff. 
ein Argument gegen die Echtheit jenes Verses entnommen werden 
; kann; denn wenn Sibylla sagt 

Unde haec, o Palinure, tibi tarn dira cupido? 
tu Stygias inhumatus aquas amnemque severum 
Eumenidum aspieies ripamve iniussus adibis? 
desine fata deum flecti sperare preeando, 
' w ist aus dem ganz allgemein ausgesprochenen inhumatus cet 
, ersichtlich, dass der Dichter hier von jener Modification, welche 
; bezüglich der Zeit V. 329 gibt, nichts wusste. 

Aen. VI, 515 f. 

Cum fatalis equus saltu super ardua venu 
Pergama et armatum peditem gravis aüulit aloo 
Heyne: „alvus cod. Ge. Fabricii; minus docte." Aber ohne 
Zweifel multo elegantius ! Auch Prag, hat aluus. Schon Peerlkamp 
hat zu V. 516 bemerkt „melius esset gravi alvo« Nach dem vor- 
ausgehenden gravis ist alvo vollkommen überflüssig; worin sonst 
ils alvo sollte das Pferd die Krieger gebracht haben ? Eine solche 
ausdrückliche Hinzufügung einer Sache, die ganz selbstverständlich 
ist und gar nicht anders sein kann, erscheint ungefällig und es 
läge nahe zu sagen, dass der Dichter nur um den Vers auszu- 
fällen, alvo hinzufügte. Dieser Vorwurf bleibt dem Dichter bei 



■ 

r 



*) Ein Erklärungsversuch findet sich bei Servius: „Centum autem annos 
ideo dicit, quia hi sunt legitimi vitae humanae, quibus completis potest 
anima transire ripas, i. e. ad locum purgationis venire, ut redeat rursus 
in corpora." Offenbar ein misslungener Versuch! Servius spricht von 
Vers 329 auch noch an zwei anderen Stellen, nämlich zu VI 154 und XI 
23; aber auch diese Bemerkungen tragen zur Aufklärung nicht sonder- 
lieh bei. 

13* 



196 

der Leseart gravis alvus erspart. Vgl. die Bemerkung zu V. 
wo unserer Ansicht nach auch der echte Nominativ ocuU in 
Ablativ verwandelt wurde. 

Aen. VI 548 ff. 

Respicit Aeneas subito et sub rupe sinistra 
moenia lata videt tripUci circumdata muro, 
quae rapidus flammis ambit torrentibus amnis, 
Tartareus Phlegethon torquetque sonantia saxa. 
Porta adversa ingens solidoque adamante columnae, 
vis ut nulla virum, non ipsi exscindere bello 
caelicolae valeant; stat ferrea turris ad auras, 
Tisiphoneque sedens palla succineta cruenta 
vestibulum exsomnis servat noctesque diesque. 
Hinc exaudiri gemitus et saeva sonare 
verber a; tum Stridor ferri traetaeque catenae. 
Constitit Aeneas strepitumque exterritus hausit. 

Auf die sodann folgenden Fragen des Aeneas (V. 560 
561) erwidert Sibylla nach einigen einleitenden Versen folge: 
V. 566 ff. : 

Gnosius haec Rhadamanthus habet durissima regna 
castigatque auditque dolos subigitque fateri, 
quae quis apud superos furto laetatus inani 
distulit in seram commissa piacula mortem. 
Continuo sontis ultrix accineta ßagello 
Tisiphone quatit insultans torvosque sinistra 
intentans anguis vocat agmina saeva sororum. 
Tum demum horrisono stridentes cardine sacrae 
panduntur portae. — Cernis custodia qualis 
vestibulo sedeat, facies quae limina servet : 
quinquaginta atris immanis hiatibus Hydra 
saevior intus habet sedem. 
Zur Besprechung dieser Stelle veranlassen mich Ladev 
Bemerkungen. Dieser verdienstvolle Erklärer Vergil's bemerkt 
Anhang, dass ihm alle Bemühungen der Herausgeber, diese St 
genügend zu erklären, vergeblich zu sein scheinen, dass die St 



\ 



197 

an einem Widerspruche leide und von der letzten Feile des 
Dichters unberührt geblieben sei. 

Ich verstehe im Anschluss an die gewöhnliche Auffassung 
V. 574 und 575 von der Tisiphone, welcher sodann per grada- 
tionem im V. 576 und 577 als ein noch grimmigeres (saevior) 
Ungethüm die Hydra entgegenstellt wird ; doch nehme ich V. 574 f. 
nicht als Fragesatz, sondern als einen Aussagesatz, der die vor- 
ausgehende auf die Tisiphone sich beziehende Partie abschliesst 
und hiemit zugleich den Übergang zu etwas Neuem vorbereitet. 

Welche sind nun die Gründe, auf die gestützt man behaupten 
zu können meint, dass „alle Bemühungen diese Stelle genügend 
zu erklären, vergeblich sind." Lassen wir Ladewig sprechen, der 
diese Gründe am präcisesten zusammenfasse 

„Das Amt, welches der Tisiphone nach V. 555 — 56 obliegt, 
verträgt sich schlechterdings nicht mit der Thätigkeit, die ihr 
V. 570—72 ertheilt wird ; denn wenn die Tisiphone den Tartarus 
bewachen soll und deshalb schlaflos Tag und Nacht sitzt und den 
Vorhof stets im Auge behält, so darf ihre Aufmerksamkeit nicht 
durch die Aufgabe, die ihr in der späteren Stelle gestellt wird, 
anderweitig in Anspruch genommen werden." Warum nicht? warum 
soll es dem Dichter nicht gestattet sein, der Tisiphone zwei 
Functionen beizulegen, von denen eine die andere nicht unmög- 
lich macht? Sie soll nämlich im Vestibulum des Tartarus Wache 
halten, damit niemand von den einmal dem Tartarus verfallenen 
Verbrechern den Ort seiner Strafe verlasse*), und sie soll daneben 
die von Bhadamanthus verurtheilten Verbrecher, bevor sie von 
ihren Schwestern in den Tartarus abgeführt werden,**) geissein. 
Aach in dem Augenblicke, in welchem „ihre Aufmerksamkeit 
durch die zweite Aufgabe in Anspruch genommen wird," verlässt 
de das vestibulum nicht und indem sie an diesem ihrem Platze 



*) An dieser ganzen SteUe V. 549— 556 hebt der Dichter lauter Momente 
hervor, welche die Unmöglichkeit eines Entkommens aus dem Tartarus 
darthtm, nämlich moenia lala triplici circumdata muro, dann Tartareus 
Pklegetkon, ferner porta — valeant, ferrea turris und endlich die Wäch- 
terin Tisiphone. 

*"*) V. 572 vocat agmina saeva sororum. 



198 

bleibt, hält sie thatsächlich auch in dem Momente hier Wache, h 
welchem sie sontis accincta flagello quatit 

„Ferner wird (sagt Ladewig weiter) von V. 548 an erzählt 
was Aeneas bei seinem Gange zum Elysium vom Tartarus sieh 
und unter all den von ihm erblickten Gegenständen auch die ii 
Vorhof sitzende Tisiphone erwähnt; wenn nun gleich darauf be 
richtet wird, dass Aeneas zu derselben Zeit Geisseischläge ver 
nimmt und von der Sibylla belehrt wird, dass diese von de 
Tisiphone ausgetheilt werden, so vermehrt dies den Widerspruch.' 
Aus der Fassung dieser Bemerkung und aus dem gesperrte] 
Druck des Wortes „sitzende" geht hervor, dass Ladewig dii 
„Vermehrung des Widerspruches" darin findet, dass Tisiphow 
sitzend die Geisselung vornimmt. Ich glaube, dass hier selbs 
bei dieser Auffassung kein ernstes Bedenken obwalten dürfte 
auch im Sitzen konnte Tisiphone Geisseischläge aus th eilen. Abe; 
damit will ich freilich nur die Möglichkeit dieser Auffassung be 
zeichnen; ich selbst glaube, dass die Stelle anders aufgefass 
werden muss. Ich glaube nämlich, dass der Dichter darüber, ol 
die allerdings für gewöhnlich sitzende und im Sitzen Wache hal 
tende Tisiphone auch während der Geisselung sass, nichts sagt 
so dass man recht gut die Zulässigkeit der Annahme zugebe; 
kann, dass Tisiphone, so oft ein zu geisselnder Verbrecher er 
schien, sich erhob. Das Particip sedens besagt nur, dass Tisiphon 
sitzend Wache hält, und bezieht sich nicht gerade auf jenei 
Augenblick, in welchem sie Aeneas erblickte, sondern auf di< 
ganze Zeit, während welcher Tisiphone ohne Unterlass Wach« 
hält. Dass V. 555 und 556 diese Beziehung enthält, geht aui 
den Worten vestibulum exsomnis servat noctesque diesque hervor 
denn diese Worte können ja nicht etwas bezeichnen, was Aenea- 
unmittelbar erblickte, sondern sie sind eine Bemerkung, die da 
Dichter selbst von seinem Standpunkt und auf Grund seine 
eigenen mythologischen Vorstellung macht. Dass nun auch da: 
Particip sedens in den Bereich dieser Worte gehört und folglicl 
eine allgemeine Bedeutung (nicht aber die specielle Beziehuni 
auf einen bestimmten Zeitpunkt) hat, ist doch wol in hohen 
Grade wahrscheinlich. 



199 

Freilich was V. 574 f. betrifft (cernis, custodia qualis vesti- 
toulo sedeat), ist jedenfalls anzuerkennen, dass in diesem Augen- 
blicke, als Sibylla diese Worte spricht, Tisiphone, welche dem 
Aeneas von der Sibylla gezeigt wird, wirklich sitzt. Aber in 
diesem Augenblicke war die Geisselung jenes Verbrechers oder 
jener Verbrecher, an die man bei den Worten V. 557 hinc exau- 
äri gemitus et saeva sonare verbera zu denken hat, bereits voll- 
zogen und vorüber, was ja auch die Worte V. 558 tum Stridor 
fmi traetdeque catenae beweisen, welche sich auf jenen Zeitpunkt 
{ beziehen, in welchem die bereits gegeisselten Verbrecher von den 
I- Schwestern der Tisiphone in den Tartarus geschleppt wurden. 

I Freilich kann ich nicht umhin zu gestehen, dass der Über- 
| ging von der Aufzählung der Dinge, die Aeneas erblickt (videt 
; T. 549), nämlich moenia lata, Tartareus Phlegetkon, porta, turris 
[ zu den zwei Versen 555 und 556, welche eine selbstständige und 
allgemein gehaltene Bemerkung des Dichters über die Tisiphone 
enthalten, etwas auffallend und unangenehm ist, um so unange- 
: nehmer, als Tisiphone ja auch zu den von Aeneas erblickten 
Objecten gehört. Diese Unebenheit könnte man nun allerdings 
; Weht beseitigen, wenn man V. 555 und 556 als Interpolation 
Ausscheiden würde. Entschliesst man sich dazu nicht, dann ist 
diese Stelle denjenigen beizuzählen, welche die letzte Feile ver- 
missen lassen. 

Ich kann die Besprechung dieser Stelle nicht schliessen, 
ohne auf den Parallelismus aufmerksam zu machen, der zwischen 
te Versgruppe 555—558 in der Erzählung des Dichters und den 
Versen 570—574 in der Bede der Sibylla stattfindet. Parallel ist 
östlich an beiden Stellen die Erwähnung der Tisiphone ; ferner 
erhalten die Worte „hinc exaudiri gemitus et saeva sonare ver- 
**a" ihre Erklärung durch die Worte der Sibylla „continuo 
sontis ultrix accineta flagello Tisiphone quatit"; endlich stehen 
die weiteren Worte der Sibylla „tum demum horrisono stridentes 
tordine sacrae panduntur portae" in einer gewissen Beziehung zu 

«tum Stridor ferri traetaeque catenae," welche Worte sich ja auf 

• 

Jonen Augenblick beziehen müssen, in welchem die bereits ge- 
IStisselten Verbrecher die Ketten schleppend abgehen, um durch 



200 

das sich öffnende Thor in das Innere des Tartarus eingc 
zu werden. 

Aen. VI 592 f. 

At pater omnipotens densa inter nvbüa telum 
contorsit, non itte face» nee fumea taedis 
lumina, praecipüemque immani turbine adegit. 
Die Prager Handschrift hat non fumea telis (das letzte 
durch den Einfluss des den voraufgehenden Vers schliessenden 
corrumpiert), und es ist die ein kräftiges und hier vollkoi 
angemessenes Asyndeton darbietende Leseart non wol wert! 
achtet zu werden. Vgl. IV 36 non Libyae, non ante Tyro; V 
V 334; VI 553. 






DIE 



PRAGER VERGIL-HANDSCHRIFT. 



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In der Bibliothek des Prager Metropolitan-Domcapitels von 
. Veit findet sich unter der Signatur L 86 eine Vergilhandschrift, 
*lche die Bucolica, Georgica und die Aeneis enthält. Diese den 
3rausgebem unbekannte Handschrift hat zuerst Prof. J. Kelle 
schrieben „Die klassischen Handschriften bis herauf zum vier- 
telten Jahrhundert in Prager Bibliotheken," welche Abhandlung 
den Publicationen der böhmischen Gesellschaft der Wissen- 
haften Ser. VI Bd. V 1872 sich findet. Bezüglich des Alters 
r Handschrift bemerkte Kelle : „Der Codex ist mit Karolingischer 
inuskel im neunten Jahrhundert geschrieben" (S. 7). Durch 
dle's Bericht auf diese Handschrift aufmerksam gemacht ver* 
ich ich zunächst einige Partien derselben und da ich an mehreren 
eilen Beweise für die Wichtigkeit dieses Codex gefunden zu 
.ben glaubte, collationierte ich denselben sodann ganz, was mir 
rch die dankenswerthe Liberalität des Herrn Domcapitulars 
ind, der mir die Handschrift für längere Zeit überliess, möglich 
irde. Da durch diese Collation die schon früher gefasste Meinung 
n dem nicht gering anzuschlagenden Werth der Handschrift be- 
lügt worden ist, so halte ich eine genauere Beschreibung der- 
Iben für angemessen. 

Die Handschrift (ich bezeichne sie IT) *) enthält 198 Blätter 
lioformat; auf jeder Seite finden sich regelmässig 34 Verse. 

Auf der inneren Seite des Deckels steht ganz oben von später 
tnd geschrieben: Isti Vergiliani sunt Mauricij de Kunicz, wozu 
n anderer Hand hinzugefügt ist nüc vero Mathie de Gehniedna, 
id weiter unten auch von später, aber wieder anderer Hand: 



*) Zum Unterschiede von einer anderen Prager Vergilhandschrift («), welche 
in der Universitätsbibliothek unter der Signatur VIII H 21 sich findet. 
Diese dem 13. Jahrhundert angehörige Handschrift erwähnte Hanslik, 
Kelle hat sie S. 11. beschrieben. Dieselbe ist, wie ich mich überzeugt 
halte, werthlo8. 



204 



Iste über fuit Mauricij de Kunicz. In quo cotinetur virgiliani 
Nunc vero est Mathie de Gehnyedna cognomiato Slkornie • que d 
libraria domus naconis Bohemorum exemit pro alijs duobus Vo 
luibus eandem materiam continentibus • et hoc ad tpa * Vite sue 
Ä° X. 1449. 

Auf der ersten Seite des letzten Blattes nach dem Schlus 
<Jer Aeneis steht von später Hand: 

Publij Virgilij Maronis Eneydorum liber explicit. Deo sempe 
grates. Amen. 

Dann von später (anderer) Hand: 

Iste fuit Liber Mauricij de Kunicz bis correctus nuc ver< 
est Mathie de Gehniedna. 

In dem Codex selbst ist nicht alles von alter Hand (dei 
9. Jahrhunderts) geschrieben, sondern eine Anzahl von Blatten 
ist von anderen (späteren) Händen beschrieben.*) 

Auf dem ersten (später eingelegten) Blatt stehen (von späte: 
Hand) ziemlich viele Epigramme: Versus super epitafium Virgili 
und zwar zuerst die Verse : Mantua me genuit etc., dann 2 Vers« 
(des Propertius) Cedite romani scriptores etc., dann verschieden- 
andere Verse von Palladius, Pompelianus, Maximianus, Vitalis 
Basilius u. a. 

Auf dem zweiten (ebenfalls später eingelegten) Blatt, d. i 
auf dem ersten Blatt des Vergiltextes beginnen die Bucolica; au 
beiden Seiten dieses Blattes sowie auch auf der (abgekratzten 
Vorderseite des folgenden (dritten) Blattes sind die Verse voi 
späteren Schreibern (des 15. Jahrh.) geschrieben, und zwar au 
beiden Seiten des zweiten Blattes (Buc. I 1 — 64) von derselbe! 
Hand, auf der Vorderseite des dritten Blattes (Buc. I 65 — II 1fr 
von anderer (aber ziemlich ähnlicher) Hand. Erst auf der Rück 
seite des dritten Blattes beginnt (mit Buc. H 16) die alte Schrif 
des 9. Jahrh. 

Weiter ist statt des herausgeschnittenen neunten Blatte: 
ein neues Blatt eingelegt; auf der Vorderseite dieses Blattes sine 
von späterer Hand geschrieben die Verse Bucol. VI 53—786, a» 



*) Vgl. Kelle a. 0. S. 7. 



205 

der Rückseite von anderer späterer Hand Buc. VII 1 — 34 ; und zwar 
stimmt die Hand fol. 9 a überein mit fol. 3 a, fol. 96 mit fol. 2. 

Fol. 10 a ist auch von späterer Hand beschrieben (Bucol. VH 
35—70), die aber von 9 a sowie von 96 verschieden ist. 

Fol. 10 b erscheint wieder die alte Schrift, die mit Bucol. 
YIII 1 beginnt und ununterbrochen bis fol. 176 (Aen. XI 460) 
geht Darauf folgt eine später eingelegte Lage fol. 177 — 184 mit 
Versen Aen. XI 461— XH 50. Fol. 177—182 (Aen. XI 461—855) 
ist von derselben Hand beschrieben wie fol. 9a; die Schrift fol. 
183 und 184 (Aen. XI 847— XII 50) ist dieselbe wie fol. 96 
und fol. 2 .*) 

Hierauf kommt wieder eine alte Lage fol. 185 — 192 mit 
alter Schrift von fol. 185 a bis fol. 192 a incl. (Aen. XII 
45-526).**) 

Von fol. 1926 bis zu Ende, d. i. fol. 198 ist alles von 
sp&ter Hand geschrieben (Aen. XH 527 — fin.). und zwar stimmt 
die Hand fol. 192 6 (Aen. XII 527—561) überein mit fol. 9 a, 
und die Hand von fol. 193—198 mit fol. 9 6. 

Fol. 198 a endet der Vergiltext, worauf die oben erwähnte 
Qausel und die Angabe des früheren und dermaligen Besitzers folgt. 
Fol. 198 6 stehen sodann von später Hand die Verse, die sich 
bei Donatus finden : Nocte pluit tota etc. — fertis aratra boves. 

Darauf folgt: Enee historia sub breuitate sie habetur Dar- 
danus ortus ex ioue et electra filia atlantis cet. Im Ganzen nimmt 
diese prosaische „Enee historia" 22 Zeilen ein. 
Endlich steht auf dieser letzten Seite: 
Argumentü primi libri Eneidos 
Eneas primo libie depellitur oris 
Vir rnagnus nullt hello pietate seeundus cet, 
Vorauf noch 9 Verse folgen ; es sind dieselben, welche aus an- 
deren Handschriften 0. Ribbeck (P. Vergili Mar. opera. Prole- 
Komena critica S. 370) hat abdrucken lassen. In der Prager 



*) Die Verse Aen. XI 847—855 kommen zweimal vor, und zwar fol. 182 b 
fin. und von anderer Hand fol. 183a princ. 
**) Die Verse Aen. XII 45 — 50 kommen zweimal vor, von später Hand am 
Ende von fol. 1846 und von alter Hand am Anfange von fol. 185 a 



206 

Handschrift finden sich diese Varianten: V. 7 ad urbem, V. 8 
arreptosque, V. 9 Didonis cuncta. 

Nach dem 4. Buche Georgicon stehen von später Hand die 
Worte: Incipit argumentum in librum Eneydorum; dann folgen 
aber von alter Hand 12 Verse 

Primus habet lybicam veniant ut Troes in urbem 
Edocet excidium*) cet. 

Unter diesen Versen stehen die späten Worte: Publy Vir- 
gilij Maronis Poete laureati in arte poetica doctissimi über Ene- 
idorum incipit ut infra et cetera. 

Dann folgen von späterer Hand auf einer Rasur die Verse 
Ule ego qui quondam gracüi rnodulatus auena 
Carmen et egressus siluis uicina coegi 
Ut quäuis auido parerent arua colono 
Gratü opus agricolis . at nüc horrenda martis 

Vor den einzelnen Büchern der Aeneis finden sich metrische 
Argumente von je 10 Versen (vgl. Ribbeck Proleg. p. 370 ff.); 
nur vor dem ersten Buche steht keines ; dasselbe findet sich, wie: 
oben bemerkt wurde, auf der Rückseite des letzten Blattes von 
später Hand hinzugefügt. Die Argumente zum H. V. VI. VH- 
VHI. IX. X. XI Buche sind von alter Hand geschrieben, die 
übrigen von später. Vor jedem metrischen Argument steht (wies 
in Ry&c) je einer (und zwar der betreffende) von den Versen- 
weiche bei Ribbeck Proleg. p. 377 f. (Mönosticha Aen. libr. argu- 
menta I) abgedruckt sind. Kein solcher Vers findet sich vor denn 
dekdltichischen Argument des IH. IV. und XH. Buches, d. i. vor 
jenen Argumentis, die von späterer Hand geschrieben sind. Vor 
dem dekastichischen Argument des H. Buches ist der betreffendes 
Einzelvers von später Hand, vor dem Argument des V. VI. VIL 
Vm. IX. X. XL Buches von alter Hand. 

Vor dem I. IH. IV. Buche der Georgica finden sich von- 
alter Hand geschrieben die Tetrasticha, die bei Ribbeck Proleg- 
p. 379 f. abgedruckt sind. Zu dem H. Buch. Georg, fehlte ur- 
sprünglich das Tetrastichon ; es ist unten am Rande von später 
Hand nachgetragen. 

*) Vgl. Ribbeck's Prolegomena p. 378. 



207 

Am Bande neben dem Texte und zuweilen auch zwischen 
den Versen finden sich ziemlich viele Scholien und Glossen, alle 
von sehr später Hand und schlecht geschrieben. Am zahlreichsten 
sind diese Bemerkungen bei den Bucolica und Oeorgica. Sie sind, 
so weit ich mich überzeugt habe, werthlos, zum grossen Theil 
ein schlechter Auszug aus Servius' Commentar. 

Die Anfangsbuchstaben der Verse sind uncial und etwas 
abgerückt. Die Initialen der Eklogen sind bedeutend grösser und 
roth eingetragen, sonst (mit Ausnahme der Initiale der 1. Ekloge, 
welche blau mit rothen Verzierungen ist) ziemlich einfach. — 
Der Anfangsbuchstabe des I. Buches der Oeorgica ist blau mit 
rother Verzierung. Viel grösser und mit reicheren Verzierungen 
ausgestattet sind die Initialen des IL III. und noch mehr des 
IV. Buches der Georgica. 

Namentlich ausgezeichnet durch Grösse und reiche Ver- 
zierung sind die Initialen des I. in. IV. VI. IX. XI. Buches der 
Aeneis. Aber auch die Initialen der anderen Bücher sind verziert. 
Verhältnissmässig am einfachsten ist die Verzierung des Anfangs- 
buchstaben T des XII. Buches, welche der Verzierung des T der 
ersten Ekloge sehr ähnlich ist, wie denn beide von demselben 
späteren Schreiber herrühren. 



Dass die Prager Handschrift IT Beachtung verdient, wurde 
mir zuerst daraus klar, dass in derselben der Vers Aen. VI 329 
(gegen den ich schon früher Bedenken hatte) ursprünglich nicht 
vorkam; derselbe ist erst von später Hand zwischen die Verse 
328 und 330, zwischen welchen nur der gewöhnliche Zwischen- 
raum ist, eingetragen, wie denn überhaupt ein späterer Leser, 
der die Handschrift mit einer anderen verglich, noch manche 
andere Zusätze und Änderungen auf Grund dieser Vergleichung 
gemacht hat. Dass V. 329 (der, soviel mir bekannt ist, sonst in 
keiner anderen Handschrift fehlt), wirklich zu tilgen sein dürfte, 
habe ich S. 194 nachzuweisen versucht. 

Ebenso wichtig ist, dass der Vers Aen. HI 595, gegen den 
schon Heyne Bedenken erhob und den Ribbeck als eine Ditto- 



208 

graphie von V. 603 betrachtet, in der Prager Handschrift fehlt, in 
welcher Hinsicht wiederum diese Handschrift, wie es scheint, einzig 
und allein da steht. Über diesen misslichen Vers vgl. S. 184 f. 

Ein dritter Fall, in welchem in IT ein Vers fehlt, gegen 
den sich begründete Bedenken erheben lassen, ist Aen. I 132 
(vgl. S. 51 ff.). Dieser Vers ist in IT erst von später Hand am 
Rande zugeschrieben. 

Ziemlich zahlreich sind die Fälle, in welchen 71 eine 
bemerkenswerthe Variante gegenüber allen anderen bekannten 
Handschriften bietet oder in welchen IT eine beachtenswerthe 
Leseart mit wenigen anderen Handschriften theilt. In ersterer 
Hinsicht ist zu erwähnen z. B. Aen. VI 132 läbens d. i. lambens 
(vgl. S. 194), IV 390 cunctantem multa (ohne et; vgl. S. 188 f.). 
Bucol. X 74; in letzterer z. B. Aen. II 306 hominumque labores 
(vgl. S. 178 f.), V 752 flammis ambesa (vgl. S. 189 ff.), I 148 (vgl. 
S. 56 f.) I 448 nexae (vgl. S. 123 ff.), I 512 (vgl. S. 138), H 26(* 
produnt (vgl. S. 177 ff.), HI 170 require (vgl. S. 183), IV 28Ä> 
fortemque Cloanthum (vgl. S. 186 f.), VI 34 oculi nisi (vgl— 
S. 191 ff.), VI 516 alvus (vgl. S. 195 f.). 

Die erwähnten Stellen habe ich bis auf 6ine im' Vorher — 
gehenden besprochen; bezüglich der einen, nämlich Bucol. X 74^ 
füge ich hier nachträglich folgendes hinzu. 

In den Handschriften steht Bucol. X 73 f.: 

Gallo cuius amor tantum mihi crescit in horas, 
quantum vere novo viridis se subicit alnus. 

Se subicit (was in den Handschriften steht, nur R hat s^> 
subducit) wird in der Bedeutung „crescit" genommen. So erklärte- 
es Heyne, dessen Erklärung von anderen wiederholt wird : „viridis 
se subicit alnus, tenera crescit, cf. Georg. H 19; est ab iis, quae^- 
se attollunt, sursum erigunt, emicant, ductum ; haec enim se subii- 
cere dicuntur, ut flamma Georg. IV 385. Ab eadem re duxit ima- 
ginem famae Horat. Od. I, 12, 45 Crescit occulto velut arbor aevo — 
fama Marcelli." 

Aber die Erklärung von se subicit im Sinne von cresci 
beruht auf einer blossen Behauptung; erwiesen wurde diese Be 
deutung bisher von niemandem. Georg. II 17 ff. 



209 

pullulai ab radice aliis densüsima süva, 
ut cerasis ulmisque; etiam Parnasia laurus 
parva sub ingenti matris se subicit umbra 
. bedeutet se subicit gar nicht suc c r e s c i t, sondern dieser Ausdruck 
bezeichnet, dass die Wurzelschösslinge niedriger sind als der alte 
Mutterbaum; es wird damit also eine Art räumlicher Unter- 
ordnung der Wurzelschösslinge (gleichsam Kinder) zu dem Baum 
(mater) bezeichnet Demnach ist se subicit Georg. II 19 nicht ver- 
schieden von subiectus, wenn dies Wort etwas niedriger liegendes, 
unter etwas liegendes bezeichnet, z. B. Caes. B. C. III 37 3 rivus 
castris Scipionis subiectus progressus nostrorum impediebat 
An der zweiten Stelle Georg. IV 385 

ter liquido ardentem perfudit nectare Vestam, 
ter flamma ad summum tecti subiecta reluxit 
durfte man, falls die Leseart subiecta echt ist, doch nicht erklären 
flamma subiecta = flamma emicans et lambens lacunar, sondern 
man müsste erklären flamma subiecta sc nectari = die Flamme, 
auf (über) welche der Wein ausgegossen wurde, welche also unter 
dem Wein war (natürlich bevor sie in die Höhe schlug). Dass 
die Flamme emporschlug, liegt in den Worten ad summum tecti 
reluxit, nicht aber in subiecta. Übrigens ist hier die Leseart nicht 

EC 

gesichert; der Codex Mediceus bietet SUBLATA.*) 

Überhaupt muss, glaube ich, die auch noch an etlichen 
anderen Stellen angenommene Bedeutung von subicere empor- 
werfen entschieden in Abrede gestellt werden. Georg. HI 240 f. 

at ima exaestuat unda 
verticibus nigramque alte subiectat arenam 
dürfte man das sub in subiectat nicht erklären „von unten herauf" 
(sursum), sondern man müsste es temporal = »nach u nehmen **), 



*) Vielleicht ist an dieser SteUe auch subreeta zu schreiben, was von der 
emporzüngelnden Flamme sehr passend gesagt wäre. Vergl. über den 
Gebrauch dieses Particips Liv. VII 10 10 subrecto mucrone; id. VIII 8 
10 hastas subreeta (od. subereeta) cuspide in terra fixas. Seneca de ira 
I 1 subrecti capilli; id. benef. V 15 urbem subrectis intrare vexillis. 
Plin. XI 37 50 und Sen. Herc. für. 790 subreetae aures, wie auch Vergil 
Aen. IV 183 vom Spitzen der Ohren subrigit auris sagt. 
**) So wol auch Lucret VI, 700. 

Rri&da: VergÜatudlen. 14 



210 

wie öfter in der Zusammensetzung. Aber subiectat ist an dieser 
Stelle schwerlich richtig, und die Leseart von MR subvectat ver- 
dient den Vorzug, ebenso wie Aen. XI 131 subvectare mit Recht 
gelesen wird. 

Es bleibt von allen Vergilstellen nur noch Aen. Xu 287 f. 
übrig aut corpora saltu 

subiciunt in equos et strictis ensibus adsunt, 

wo subiciunt in der Bedeutung sursum iaciunt zu stehen scheint, „ 
aber eben auch nur scheint. Ist subiciunt richtig (was nicht überf- 
allen Zweifel erhaben ist), so müsste man corpora saltu subiciunfe 
in equos davon verstehen, dass die Reiter hoch in die Luft sieht: 
emporschnellend sodann ihren Körper auf das Ross fallen lassen, 
so dass die Worte etwa zu erklären wären „salientes corpora 
demittunt in equos." — Auch an den zwei Stellen des Livius VI 
24 5 Gamillus subiectus ab circumstantibus in equum und XXXI , 
37 10 eques pavidum regem in equum subiecit pflichte ich der 
gewöhnlichen Erklärung von subiieere = von unten aufwärts heben, 
hinaufheben nicht bei, sondern glaube, dass subiieere in equum 
braehylogisch und praegnant bedeutet Jemand emporhebend aufs 
Pferd niedersetzen* , 

An unserer Stelle nun ist es ungerechtfertigt für se subicit 
die Bedeutung crescit et se atollit anzunehmen. Schon Valesius 
conjicierte (Valesiana p. 182) subrigit, und diese Conjectur wird 1 
durch die Prager Handschrift, die eben dies bietet, glänzend \ 
bestätigt. Se subrigere ist von dem Emporstreben und Wachsen \ 
ein ebenso angemessener Ausdruck, wie surgere z. B. Hör. Sat 
II 2 124. 

Nach diesen vorläufig mitgetheilten Proben wird es nun wol 
als vollkommen gerechtfertigt erscheinen, wenn ich auf Grund 
meiner Collation die Überlieferung der Prager Handschrift genauer 
mittheile. Ich lege hiebei Ribbeck's kritische Ausgabe zu Grunde 
und bemerke, dass an denjenigen Stellen, an denen in den Hand- 
schriften wichtigere Varianten sich finden, II die von Ribbeck in 
den Text aufgenommene Leseart bietet, wenn ich nicht ausdrück- 
lich das Gegentheil bemerke. Ausserdem bemerke ich, dass ich 
darauf verzichte, die orthographischen Eigentümlichkeiten oder 



211 

Schreibfehler von II überall zu erwähnen; genauer führe ich nur 
die Varia lectio der Eklogen und des I. Buches der Georgica 
an ; was die übrigen Bücher der Georgica und die Aeneis betrifft, 
so gebe ich nur eine Auswahl, bei welcher ich freilich auch solche 
Fälle berücksichtige, die für das Yerhältniss dieser Handschrift 
zu anderen irgendwie von Belang zu sein scheinen. 

Von späterer Hand: 

Bucol. I. 1 Titire | patule recubäs 3 pat'e 4 pat'am \ 
titire (ebenso 13. 18 u. s.) | lefriöbra 5 amarillida (30 amarillis 
36 amarilli) 6 melibee (ebenso 19. 42. 73.) j hec ocia 7 michi 
(ebenso 44) 9 ipm 10 que (ebenso 26. 27 u. 8.) | permült 12 tur- 
batur | ipe 13 Protinus 14 corilos 15 gregis ha | cönixa 17 De- 
celo | pdice'*) j neben diesem Verse steht rechts mit kleinerer Schrift 
von anderer (auch später) Hand Sepe finistra caua pdixit abilice 

in _ 

cornix 18 Sed iste (tn von and. H. mit kleinerer Schrift) | quis fit 
22 edos 26 roma 27 f. Libertas ' que | Candidior postquä (nach 
Libertaa und Gandidior eine Interpunction ; vgl. Servius) 33 f. nach 
septis Piguis ein Längsstrich (also victima pinguis verbunden; vgl. 
Bervius) 35 m' dextra 41 pfentes 43 BiTfenos 45 fümittite 

thauros 48 Limosocp (a von and. Hand mit kl. Sehr.) 49 gues 
52 fontes 55 sompnu 59 ethe' c'ui 60 littore 62 ararim partas 
63 uultus 64 ßcientes 65 feithiam | crete | oaxem 67 fines 

tn 

68 tigurii (tu von sehr später JET.) 70 vor eulta Rasur (es scheint 
in radiert zu sein) 71 eines 72 Perduxit I en quis confueuimus 

74 felix quondam 78 fathifum 79 hac mecum poteris requiefee' 
Bocte 80 micia. 

Bucol. IL 1 Formosum | coridon ardeb ft t (zwischen b und t 
ausradiert i) 4 Affidue 6 nichil 7 cogis 9 lacertas 10 Testilis \ 
«Rtu 11 Allia ferpillumq? | olentes 14 facius triftes amarillidis 

Von alter Hand des 9. Jahrb.: 

ie**) Quam uif | quam uif tucandi duf eef 17 for mofe 
18 naccinnia (das erste n ausradiert) 19 Def pec tuf 20 pecorif 



*) Ebenso 21 depeile* 23 compone* u. s. 
**) Mit II 16 beginnt die alte Hand, die bis Bucol. VI 52 geht. 



n* 



212 

niuei • quam {nach niuei Interpunction ; vgl. Servius) | habundans 

22 no uum | defit {daneben eine spätere Glosse defiat) 24 Anpbyon 

h 
dir ceus. inacteo arachin to 25 infor mif | inlit tore 26 dapnim 

29 bumilef 32 primuf | pluref 33 oues 35 amintaf {ebenso 39) 

36 conpacta 37 dametaf {ebenso 39) 41 pellib; albo 43 a me 

{nach a scheint d ausradiert) | theftilif 45 formofe | lillia 47 Pal- 

lentef 48 flore (e auf einer Rasur) | aneti 49 Tc {d. i. tunc) 

50 uac cinnia cal ta 52 Casta neafq* 54 proxima mirte 55 fuaue 

56 efo coridon 57 concedet 58 E heu 59 im misi f ontibr ( 



f scheint r ausradiert) 60 ademenf (o und der Punct unter a 
später Hand) | dii {das zweite i von später Hand) 64 cytbifui 

o 

65 Te cori don alexi (o von später Hand) | que q* uo luptaf 66 r< 
ferunt (unt von späterer Hand) 67 crefcentef 68 amori (i 
später Hand auf einer Rasur; urspr. vielleicht amoriß) 69 A. coiy — 
don corydon | que | coepit 71 faltim 73 alexis 

Buc. in. 2 ego nif | egon 5 oues | mul get inora 7 Pair-- 

ciuf . ilta {nach Parcius Interp.; vgl. Servius) | obitienda 8 quite . 
uersa (n spät) | yrcif 9 fed 10 tunc | miconis 11 uites (e a 

e 

einer Rasur) 13 menal cba 14 dolobas 16 facient 18 licif0-<£ 

c 

20 carepta 21 ret deret 24 fed 26 Iuncta 30 foetus 34 pdc^s 
38 facili 39 bedera 42 qup | qupcur uuf 45 acbanto 46 fc 



quentes 50 Interpunct. nach tantum und palemon 55 in feh*Zt 
57 formo üffimur 61 ille mea 62 fe buf | pbebo | aput 63 bia- 
cinthuf 64 gala tbea {ebenso 72) 65 an {nach an Rasur) 66 amin- 
tas 68 ueneri I munera (f von späterer Hand) 70 potuit {das 

zweite t radiert) 73 diuum referetis (a von später Hand) \ aurei 

74 pro de quid (o von später H.) 76 fillida {ebenso 78) 77 uitula 
{aber der Strich über a ist mit frischerer Tinte geschrieben, offenbar 
von späterer Hand) 78 ante (te später auf einer Rasur) 79 for- 
mose | inquid 82 bumor | arbu tuf {nach arbu ein t ausradiert) 
pdis 83 foeto | amintaf 84 Pollio (so immer) | qua uif fit 85 Fye- 
ridef 87 arenam 90 meui 91 uulpes | byrcos 92 nascentia 

n 

flagra 93 hie (n von später H.) 94 ripoe 97 omf 99 pref- 
fabim' (im mit frischerer Tinte von späterer Hand auf einer Rasur; 



213 

das Abkürzungszeichen' alt; es scheint urspr. preßabit' d. i pressa- 
bitis gewesen zu sein) 100 Ehen | erno (aber e ist auf altes a später 

gesehrieben) 101 est fehlt 104 nach erif von später Hand m ein- 

a 

geschoben 105 coeli 107 nafcnntnr (a von später H t ) | filli da 
110 Aut metuet I aut 



Bncol. IV. 1 Sicilidef 2 miricp 4 cumei (aber u auf einer 
Rasur für y) 5 seclorum 7 dimit titur 10 appollo 11 eui 
14 Irrita 17 Paccatüq* 19 Errantef bedera' (dazu von später H. 
t hinzugefügt) 20 achanto 25 affirium uulgo 31 ueftiagia (das 

erste a ausradiert) 34 ueat 38 nautia ca 41 dieser Vers folgt 

auf 44, also 40. 42. 43. 44. 41. 45. Am Sande zu 42 und 41 
sind Zeichen, die das Versehen anzeigen. 42 mentyri 43 fet 

44 loto 45 pafcentef 48 Aggredere 49 fobolef 50 nutante 
(das erste n aus m durch Rasur gemacht) 55 uincet | traciuf 



e 



57 Orpby (e von später H.) \ formofuf 58 ursprünglich ausgelassen, 
dann eingeschoben mit kleinerer Schrift von anderer (aber auch 
alter) Hand \ archadia (ebenso 59) 61 tolerant 63 cubili est 

Bncol. V. 2 lenef 3 corilif 4 mpnalcaf (f von späterer 
Hand durchstrichen) 5 zepfirif (z aus t gemacht) \ mntan tibr 

7 recemif (a von späterer Hand) 8 certet amintas 9 pbebnm 
10 phillidif 12 pafcentef | tytyruf bedof 14 modnlans (ns von 
später H.) 15 nt fehlt 19 wird noch dem Menalcas zugetheüt 
Sed | fncceffimnf (das zweite f auf einer Rasur) 20 am Rande 



n 



Mo (d. i. Mopsns) | 21 Flebat | corili | nimphif 22 con plexa 
24 nlli (vor ulli n ausradiert) 25 dapni (p von späterer H. \ ulla 

omi 

neq- 28 loqunntur 29 tygref 30 bacbi 36 fepe 37 dapnantnr 
(omi mit kleinerer Schrift von derselben Hand) 38 pnrpureo (nach 
o Rasur etwa eines Buchstabens) 39 Cardnuf | furget 44 Formofi 
formofior 45 Carmen nobif 48 fet 51 dapbinimcy 52 Dapbnim 
daphni' 55 fümicbion (das dritte i ausradiert) 56 olimpi 58 ^ce- 
tera 59 driadaf 61 letitia 63 ipfe iä (vor iä ist ec ausradiert) 

h o 

64 arbnfta fonant 66 dnaf tibi dapni duaf (h über dapni, o über 

M 

duaf und die zwei Puncte unter dnaf von späterer Hand) 67 qt 
annif 68 dnof | oliui (das zweite i von späterer Hand in e ver- 



214 



wandelt) 69 bylaranf cou uiua (das obere i von späterer Hand) 
71 nouü" | are tbusia 72 lictinf egon 73 Saltantef fatyrof | al 
pbefi beul 74 follepnia 77 thimo 79 bacbo quot annif 80 däp 

bl 

nabif 82 fünf (bi später) 83 lit tora 86 formofum coridon 
88 fumme 89 tum 90 ere me nal ca 

Bucol. VI. 1 firacuüo 29 neq; | tbalia 4 nach paftore 
Interpuncfion | tytyre pinguef | 5 ouef 6 fuper (eine spätere Hand 
hat aus u e gemacht, d. i. also semper) 8 amndine 11 pbpbo | 
ulla est 13 et nafyluf (et na auf einer Rasur mit kleinerer Schrift) 

n 

15 iacbo 16 iacebat 17 atrita 18 Adgrefß (d und fi später) | 
sepe | ambos (s ausradiert, dann ist von späterer Hand wieder s 
über o gesetzt) 20 fotiam 22 uitenti (das erste t in d verwandelt) 
22 timpora 25 queuul tif 27 uideres (das zweite e aus i gemacht) 



u 



28 motare (u später) cacumina (na später hinzugefügt) 29 pbebo 
parna fia (vor fia Rasur) 30 rodope mirantur 37 nouü 38 cadunt 
fub motif nnbi b; (d. i. nubibns) 40 ignotof | montef 41 pyrrp 
43 bilan naute 44 lytuf 46 Pasi pben 47 coepit 48 Prptidef 
49 turpef peco dum | secuta est 51 queflf fet 

Ton späterer Hand: 

53 iacincto 54 pallentes 55 nipbe 56 Dictee nimpbe 60 cor- 
tinia uacce 62 pbetonciadaT 64 permeß 65 montes 66 aflur- 
rexerit 68 crines 70 Ascreo 72 grinei 73 Nee quif 74 aut 
scillä nisi aut qua secuta e (d. i. est) 77 Ha 79 pbilomena 
80 quibus alis 86 olimpo 

BucoL VII. 2 gregem coridon et tirfis 3 Tirfis | coridon 
4 archades 6 miebi | mii*tos 7 dapbni 9 faluus et edi 12 uirides 
| arundine 14 aleipiden | pbillada 16 coridon | tirside 19 Gepere 
20 coridon | tirfis 21 libet'des | michi 22 pbebi 23 poüumus 
25 hedera 26 Arcbades 29 paruus 33 quot annis 37 galathea 
| michi | yble 38 cignis edera formofior 39 repetunt psepia tbauri 
40 coridonis 41 Ymo 43 est fehlt 45 fompno 48 leto 55 iam 

abeat 

rident | formofus 56 beat (abeat mit kleinerer Schrift \ uideas ac 

e 

59 Phillidis 60 Iupiter | defeendit | ymbre 61 iacbo 62 Formose 
mirtus | pbebo 63 Pbillis | corilos | pbillis | 64 mirtus | corilos 



»■ 



p 



215 



pfcebi 65 ortis 67 aa sine me licida formofe reuifas 68 ortis 
69 tyrsim 70 coridon coridon 

Yon alter Hand: 

Bucol. vill. 1 al phe fibei 2 Inmemor 3 Certantes | lince 
4 liquerunt verwandelt in reqoierunt 5 alphe fibei 7 horam 1 1 definet 
12 cepta 13 lauros 14 coelo 16 oliuoe 18 nifae 20 allo- 

quor 21 menaliof 22 loquentef 24 inertef 25 ausgelassen (am 
Bande Incipe menalio) 26 nifa 27 gry phef 28 timide | däme 
Nach 28 steht der Schaltvers nicht 31 fehlt (am Bande steht In- 
cipe menalio 9 ) 33 hodio 34 Hyrsutucp | prolixacp 36 fehlt hier 
nicht 37 Sepibas 39 iam fehlt 40 fragilef | aterra 42 fehlt 
Her nicht 44 Ifmaruf aut rodope 46 fehlt hier nicht 47 von 
tpäterer Hand eingeschoben 48 Gon maculare 49 magif* anpuer 
51 fehlt hier nicht 52 ouef 54 helectra mirice 55 cignif | 

teuf 

tyrof (tirnf von späterer Hand) 56 delfinaf 57 fehlt hier nicht 

p 
56 fiant 59 Precef 65 pingnef 67 nihil (ih ausradiert) 69 pof- 

fant celo 72 meam 75 Effigem | inparie 82 fragilef | lauros 
86 bucula 87 pro cü bat inul na (v später) 88 Perdita ne 

e 

92 Pignora (e und der Punct von späterer Hand) 99 meffef 

corripult 

101 riuo fluenti 103 Aggrediar 105 Afpice ut hec lambit (corri- 
pnit von späterer Hand) 107 ilaf 

Bucol. IX. 

5 frof 6 quod non bene uertat | hedos 9 ueterif | fagi 
10 menal cam 11 fed 12 licida | mar cia 18 Poene | folatia 
33 lettre 24 tytire 25 Ocursare 29 fydera cyngni | 30 Si c tua 
(c spät) crineaf | examina 31 Si cythyfo | diftentant 33 Pygeridef 
35 Kam <p (<p durchstrichen und darüber von späterer Hand neq>) | 
tex) | ne° (c spät) dicere cynnae 36 sed 39 galatbea 42 et 

d 

lentp 43 littora 47 dionei 48 et a quo 59 melia (d und der 

hinct später) 60 aparere 62 depone edof (die Zeichen bedeuten 
die Umstellung) 64 loedet 

Bucol. X. 2 sed | licorif 4 sub t labere 9 Que nemora aut 
qui uoflialt' babue re puelle (nach qui ist eine Ras. von 4 oder 5 Buch- 



216 



Stäben; später hinzugefügt üt re puelle) 10 Naidef (das obere a 
später) 11 parnafi (naü später auf einer Rasur) 13 miricp 
15 Moenaluf | licei 16 peni tet 17 peniteat 18 formofuf ouef 
19 opilio 20 U i udof hyberna 22 Quid.galle | licoris 23 orrida 
| fecuta est 25 Florentef 26 archadie 27 Sanguinei 28 Et quif 
30 cythifo 31 archadef 33 Archadef 37 phillif | amintaf 38 später, 
aber von derselben H., eingeschoben zwischen 37 und 39 vacinnia 
41 phillif | amintaf 42 licor (über r rechts ist eine Abkürzung, die 
is bedeutet) 46 ne fit (f später und auf einer Rasur) 47 ah 
| reni 48 ah | ledant 49 Ah 52 fpelea 53 tenerif meoCü 

54 später, aber von derselben Hand, eingeschoben zwischen 53 unC 

55 55 menala niphif 56 acref 58 Iiä mihi per ru^ef (p später^ 
59 cydonea 60 medi cina doloris 62 amadriadef rurfum 65 nes 
fic (c in fic ausradiert) 66 Sydoniafcp | aquofoe 68 Et hy o puir» 
uer femuf ouef 70 diue (das e scheint aus i gemacht, hierauf is^ 
eine Rasur) 72 Pyeridef 74 fe fubrigit 77 efperuf. 

Georgica. 
I. 

1 loetaf 2 mecenaf | nitef 7 ceref ü (am Rande von ep(£~ 
terer H. ueftro) 9 achelioia 11 driadef <y 13 oequü . 15 du — 

8 

meta 16 linquen (s viel später) | licei 17 fibi tibi menal» 
18 o tegee 19 Inuentrixq* (q? ausradiert) | unci^ (qr von späterer 
Hand) 20 cypreffum 22 non nullo 23 dimittitif 24 abitora 
25 cefar 26 maximuf (i scheint durch Rasur aus u gemacht) 

e 

28 accipiat (e und der Punct unter a von späterer Hand) cingnef I. 

tympora 29 inmenfi 30 thile 31 thetif 32 nouu | addaf (f ist 

ausradiert und auf der Rasur steht von späterer Hand t) 33 fe- 
il 
quentef 34 brachia 35 reliquit (n vielleicht von derselben Hand) 

tt 
36 Quic quit eris | fperent 38 elifiof | grecia 39 repeta (ti von 

späterer Hand) \ curret 40 Faciiem (da fehlt und ist von späterer 

Hand am Rande zugefügt) | annue ceptif 41 agreftef 42 iä tS 

(d. i. iam tnnc) adfuefce (nach diesem Worte Rasur) 43 ere. (der 

Anfangsbuchstabe V fehlt) | humor 44 gleba 45 tauruf in antro 



217 

(tton späterer Hand ist in durchstrichen und das n in antro aus- 
radiert; auf der Rasur steht mit kleinerer späterer Schrift ra) 
46 atrituf 48 fentit 49 inmenfp 50 Ac priuf 52 abitnf <p 
54 illic 55 foetrif 56 moluf 57 thura dabei 58 chaübef 59 et 
jyruf aeqnarn 60 aeternaq? federa (d von späterer Hand auf einer 
Jtasur) 61 Inpofuit qne natura 62 nacnn 64 primnf ex tym plo 

len 

€5 inner tant | glebaf q> iacentef 66 Puluerunta (len von späterer 

t 
Sand | eftaf 67 An ß (t spät) 69 loetif 70 humor arena 

71 Alterinf {aus in ist ni gemacht) | nonalef 74 loetü 75 lnpine 

e 

79 Sed | arrida 81 inmnndnm 84 incondere (e und der Funct 

m 

a 

von späterer Hand) profngit 86 ocnltaf 88 exndet | humor 89 plu- 
reT 91 aftringit hiantef 93 Agrior 94 inertef 98 obli quü 
100 Hnmida | orate von späterer Hand auf einer Rasur 102 loetif- 
fima 102 Letuf | mefia 104 cominuf 105 mit fehlt 106 feqnentef 
108 fuper cilinm 114 collectnm humorem | arena 115 habundans 
120 Strimoniecp 122 Ant facilem 126 Nee 133 exdtenderet 

1S4 erbam 135 excideret 136 fluvij (ij von späterer Hand auf 

einer Rasur) primn 138 Plyadaf | licaonif 142 pelagi q> | hnmida 
143 lamina 145 nincit 146 Improbnf | nrgnenf 147 mortale! 
151 rnbigo 152 Cardnnf | filnaf 153 tribnliqne 155 affiduif 

• 

o 

terra 157 nocarif 158 acerun 160 Dice dnmq^ qne 162 rnbnr 
(o später) 163 und 164 fehlt und ist von späterer Hand am 
oberen Rande hinzugefügt 166 miftica | iachi 167 prouifa 169 do- 



oatnr (e spät) 170 dentilia (i auf einer Rasur, es scheint früher 
dentantia gewesen zu sein) 175 exploret 177 tenuefq^ 178 primn 

u 

181 illndnnt 183 fecere cnbilia tal poe 184 caniT 185 acernn 

neue 

187 Gnrgnlio 187 cnm fenix (nnx von späterer Hand) 188 olentef 
190 nenient 191 luxuria (d. i. lnxuriam) 192 pingnef palee 
195 foetnf 198 qnot annis 200 Inpegius (g durchstrichen) 

202 fnbigit | brachia 203 in p cepf 208 die (nach e ist ein 
Buchstabe ausradiert, wahrscheinlich f, wovon noch schwache Spuren 
vorhanden zu sein scheinen; keinesfalls war der ausradierte Buch- 
stabe i; über die steht von späterer Hand diei) 210 ordea 213 raf- 

s 

trif 220 exercebimns (mns später durchstrichen, s von späterer 



218 

Hand) | ariftrif 221 eoe athlantidef 222 Gnofiacp 223 comitaf 

227 tritiamq* | fafelum 229 Haut 231 Etduo dena 236 cerulea 
238 diuü 239 Obli cuf 240 fythyam ripheaf (p 241 anftros 
(uftros auf einer Rasur von späterer Hand) 242 fublimif 243 ftix 
244 Maximuf | finuofo 245 duos (os von späterer Hand) 248 et 

a 

fehlt | defentur (d. i. densentur, a von späterer Hand) 250 afflauit 
251 Illic Nach 253 folgt Et quando armataf deducere claJTef | Aut 
te pefti uam fil uif auertere pinum. Rechts am Rande steht zwischen 
253 und 255 von späterer Hand Et qn (d. i. quando) infidü remis 
impellere marmor. Links von später Hand conueniat; dieselbe 

e 

Hand hat 255 unter Et zwei Puncte gesetzt. 256 auertere (e und 

• • • 

der Funct von späterer Hand) 262 obtuß | lintref 263 inprelfit 

264 bicornef 269 diducere 272 Ballantumq- 274 honerat 277 Fe- 

licef | orcuf 278 Fumendefq* 279 laphetucp | seuucp tiphea 282 in- 

i 
uouere (1 von späterer Hand) olimpu 283 exftructof | montef 

284 Septima | decimam | et fehlt 285 preulfof 287 meliuT gelida 

o 

288 irrorat eus (o von späterer Hand) 289 arrida 290 humor 
291 hyberni 295 volcauo (v und o zusammengedrängt) dequo quit 
humore 296 tepidi | aeni 298 aera 299 hiemf 300 fruutur 
302 hiempf 304 loeti | inpofuere 305 Sed | tc 306 mirta 
307 Tc 308 frigere dämaf 309 balaearif 310 glatiem cum 

315 lactantia 317 ordea 319 ab 320 Sublimem 321 uolantef 

• • • • 

322 inmenfum coelo. 324 ether 329 maxima 331 gentef humilif 
332 rodopen 333 deicit 334 clangunt 337 ignis cpli cyllenius 
| orbif (aus i von späterer Hand e gemacht) 339 letif Operator 

inerbis 340 casu 341 agni pinguef mollif ülma 342 fonni 

344 bacho 349 tympora 350 inconpoütof 351 polßmuf 352 agen- 
tef 355 propriis 359 littora 360 Jam Te (auf einer Rasur) | 
vor curuif scheint a ausradiert zu sein 361 Cum 362 littora 
363 paludef 364 fuprauolat 369 nantef | conludere 371 ze 

phiriq^ 374 Offuit 377 hyrundo 379 Sepiuf aut 381 epastu 
(das obere a und der Funct von späterer Hand) 383 uariaf 
384 ftangnif 385 humerif 389 fpaciatur arena 390 Nee noc 
turna 392 Scintilare | putref 395 Nä (p tu atief obtunTa (n aus- 

radiert) 396 obnixa 398 pennaf 399 ora (e und der Punct 



219 

von späterer Hand) 400 Inmundi 401 campof (f ausradiert) 
402 folif ad (ad auf einer Rasur) 403 nequic qua 404 fublimif 

405 penaf | fcilla 406 fugenf (i später) | pennif 409 fugenf 
(i später) | pennif 410 tergutture 412 lpt1 413 fe foliif | iuuant 

414 dnlcefq? 415 Haat (aus t von späterer Hand d gemacht) 

a 

417 hamor 418 Mataaere niaf et iupiter hnmidif aftrif (hnmidif 
durch Rasur gemacht aus humiduf, n über aftrif von späterer Hand) 

419 Denfet (a von späterer Hand) 420 pectore 421 Nc aliof • 

te 

aliof an? nubila 427 reuertenf (te von späterer Hand) cum | ignes 

428 conphenderit (aus früherem conphendit) 429 Maximuf 431 phebe 
433 obtnnüf (n ausradiert) 434 totuf ille 437 pana peae et in 
omeli certae 439 fequentur 444 nothnf 446 diuerfi | furgit 
448 mitef | panpinuf 449 Tum | orrida 450 defced (fced auf einer 
Rasur von späterer H. ; d unleserlich, nach d noch ein unleserliches 
Zeichen. Ob descendit?) | olimpo 452 uultu 457 moneat 458 reffe- 
retq* | con detq* (zwischen con und detq* eine Rasur, vielleicht stand 
ce da) 459 nymbif 460 filuif 461 neat 462 humiduf 466 ex 
ftincto 467 ferugine 470 Obsceniq; (das Zeichen ; bezeichnet hier, 
wie auch sonst oft die Abkürzung der Partikel que) | inportuneq* 
471 efferruere 472 aethnä 476 uulgo | filentef 478 loquutp 
479 deifcunt 480 meftnm lacrimat 481 Proülnit 482 eridamuf 

484 apparere (das zweite re von sp. H.) | aut (aus t von sp. H. d) 

485 aut (aus t von später H. d) 488 dire (e von sp. H. auf einer 
Rasur) 489 Ergo (r von sp. H. auf einer Rasur) 495 Exexa ; 

rubigine 496 inanef 497 effoffif 498 Dii 499 tyberim 500 faltim 
(e spät) 505 faf tot (von späterer Hand u'fa über faf und am 
Rande at(p nefas) 512 effundere (n ausradiert) quadrigie 513 Addu- 
cnnt in fpacia 514 nee 

n. 

4 lene p 5 panpineo 12 genefte 21 fruetifieüq. 22 alii 

qnof 29 And 31 ex fieco 32 inpnne 34 corna (a auf einer 
Rasur) 35 o fehlt 36 fluetufq* | molite 37 hyfmara 47 auras 

e 

52 nocef artef 54 faciet 57 iact (dann Rasur) 60 turpif (e und 

e 

Punct von späterer H.) 64 paphya (e von späterer H.) 65 et 



220 



e 



durp 66 arbor 69 uero efetu nncif arbutuf horrida 70 ualentif 

e 

(e von späterer H.) 73 Nee (c von späterer H.) 78 enodif 

(e und der Punct von späterer H) 79 in folitum (t von späterer 
H. in d verwandelt) 81 Exiit 84 lothoq* 88 Cruftum iif firrifq* 
96 Retica 97 amineae 98 Mol uf (nach 1 scheint i ausradiert zu 

sein; vor M steht von später Hand Ti) | phaneuf 99 nllo (a und 

der Punct später) 104 cöpre hendere 105 libici (das dritte i von 
später H. auf einer Rasur) 117 fabeif von späterer H. hinzugefügt 

ra 

118 fudancia (u von sp. H. auf einer Bas.) 130 agitata (ra und 

der Punct von sp. H.) 136 terra (nach a Rasur eines Zeichens) 
138 braeta 142 uirium 146 tauri 151 rapide 154 traeta 

(nach u ein Buchstabe ausradiert) 155 Ande (aus u von späterer 
H d) 158 aluit 159 Anne (ne ausradiert) 168 uulfcofq" 
169 decief mario 174 artef 176 Afcreumque (que radiert) 

e 

181 gaudet 187 Defpicere 188 Felicomque (e und der Punct 

von sp. H.; que ausradiert) 196 foetuf 200 defunt 203 et 
fehlt | vorne 9 von später H. auf einer Rasur) 204 imitantur 
206 Plura demum 207 deduxit arator 208 auertit 218 das 
zweite et fehlt | remittit (das zweite i aus a) 219 uiridi femper 

223 patienter 224 uefeuo 225 acceris 227 requiraf 233 Side 

• 

ert arene pecoriep 234 fi in 241 tu von späterer Hand 
auf einer Rasur 242 diripe 244 eluetabitur (e von sp. H.) 

a 

247 amaror 253 oftendit 254 graui f (n ausradiert) 256 at 

fehlt 259 animaduerfif 261 ausgelassen und von späterer Hand 

am Rande hinzugefügt 265 At fi and ulla (quos über fi von späterer 

Hand) 268 Mutata 275 fenior (aus n von derselben Hand g 

und darüber n) 276 Si (aus i von später Hand in gemacht) 

277 omnis fehlt und ist später oben gesetzt 281 direetpq. | adante 

i 
(daraus ac late) 282 renitenti 284 demenfa (i und der Punct 

von späterer Hand) 285 innane 287 neqne 288 qneref 291 uer- 
tice (der Strich ausradiert) 296 tendenf 301 retuüfo (die Puncte 

später) 302 olee 303 Iä (statt nam) 305 comp hendit | lapfaT 
(e vor lapfuf von späterer Hand) 312 nalentq* cefpq* 316 mouere 
321 autumpni 332 gramina 340 primum 341 Ferrea 343 pof- 



221 

fentq* 348 concaf 351 fuperatq* (at ausradiert) 352 (aus 

minima hat eine spätere Hand gemacht munimen) 353 eftifer 

354 deducere 358 le ef (zwischen le und et ein Buchstabe, vielleicht 

f, ausradiert, über der Rasur spätes u) | rafe iaftilia (ra später, das 

erste i ist übrig von einem radierten Buchstaben, über i ein spätes h) 

360 contepnere 362 zwischen dum und letuf eine Rasur, darüber 

l 
späteres fe 365 facif nondum | fet uncif (u von sp. H.) 368 Exi 

erit (nach Exi Rasur, it von sp. H. mit kleiner Schrift) tc 
369 dur a (nach dar eine Rasur, es war wol p, a mit frischerer Tinte 

n 

und wol später) 372 frof (n von sp. H.) 374 uri (i von sp. H. 

r 

auf einer Rasur) | caprpq? 379 et a mofo (zwischen a und m 
ein Buchstabe, vielleicht r, ausradiert; das obere r spät.) 382 in- 

gentef 384 faliere 385 coloni (ni spät) 395 ductif per cornu 
398 exaufti qt annif 401 labor (r aus f) 414 persiluam (am 

a 

später) 417 effectuf extremof 418 Sollicitando (aus o hat dieselbe 
Hand a machen wollen, a über dem o und der Punct von sp. H.) 

419 metuendif 422 hpferit (aus i hat eine späte H. u gemacht) 

rl 

434 falicef q? humilef q> genefte 435 umbraf 438 Nacie q? (ri spä^) 

ti 
443 pinof 447 et mirtuf 448 Gornuf. et yreo 9 (ti von sp. H.) 

n 

456 rhoetnq* 457 mago (n spät) ileum 464 Inloiafq' | aephyreaq* 
465 fuTcatur 469 at frigida 472 paraoq* statt exiguoque 476 per- 
calfaf 479 terril tremor 481 fe intinguere 486 o fehlt 487 Sper- 

chiusq* | bachato (a und der Punct von sp. H.) 488 Taygeta | ge- 

lidif inualli b; 489 namornm (r und die zwei Puncte von sp. H.) 

506 ferrano 509 geminatof 514 Hinc | parnosq* nepotef 519 C- 
tionia 529 lep darunter von sp. H. lenee) 530 Yeloc if (vor if 
Rasur) 531 nudat | paleitra 538 faturni uf (i durchstrichen) 
541 nof später von derselben H. über der Zeile 542 eqnü 

m. 

3 carmina 7 Hipodame 12 hydumeaeaf | o mantua 17 Uli 
(nach i Rasur) \ tyrfo 19 linquef 20 decer tet 22 follempnif 



222 

(i von späterer H. in e verwandelt) 24 frontibr atq a 31 Fidemte 
32 trophea 38 Yxionif 41 and 42 inchoat | fegnis (aus i von 

e 

sp. H. e) 45 afenfu 50 Pafcit 51 lagat (e und der Punct 

a 

später) 57 detrectanf (a und der Punct von späterer H.) 58 pro- 
prior 63 iuuentuf 69 mutare 73 ftatuif 74 impendere 76 re- 

flectit 77 minacef 78 et fehlt | ponto 85 fremenf 91 achilli 

92 effudit 96 Deficit 97 fruftaf 112 tantp uictoria 114 ra- 

• 

pidifq* 120 sppe uerfof (fugä von späterer H. über der Zeile) 
123 anim ad uerfif 125 duxere (der zweite Strich von u durch- 

a v 

strichen, also i) 127 Ferraq- 130 con cubitof 135 obtunfior 

ufuf 147 afiluf (uf von späterer H. auf einer Rasur) 159 ha- 
bendos (s von sp. H.) 168 aetorquib? 173 Inftrepet 174 domitp 
177 raulctaria 178 nat (dann Rasur) 179 ftudiumq* 182 armata 
(ta radiert) 185 magiftrif 187 primü 188 Audiat | capriftrif 
189 et iä infciuf (iä infciuf auf einer Rasur) 190 accefferit 
195 ponat (t mit kleinerer Schrift von sp, Hand) 200 urguenl 

202 Hie | adhelei 209 firma t (vor t Rasur) 219 filua 222 ur- 
guentur 223 roboant | magnuf olimpus 235 reeeptp 242 ferarum 
(que fehlt) 248 filuam 249 aruis 256 profugiit 257 humerosq' 

n 

261 refultant 266 furor infignif (nach furor Rasur) 269 trafq* 
276 conuallef 278 boream chaurnq* 279 fidere coelum 280 Hinc 
284 das erste fugit auf einer Rasur von sp. JET. 288 Hinc labor 
291 parfani (daraus von sp. H. parnaft) 292 quia nulla 294 nc 
magno 297 filicuq" 305 uobis 307 mirentur (aber das erste r 
auf einer Rasur) 310 Lo ta (nach o ein Buchstabe ausradiert) 

312 Cyniphei 317 vi* fehlt \ lum (aus u durch Rasur i) 329 iubeto 

332 Sic ubi 338 achalautida 344 affer 347 hoftem (em von 

spät. H.) 365 lacune 372 paenne 377 totaf (que fehlt) 

383 nelantnr 395 Ille manu 396 ac magif 398 Multi ia 

d 
400 Quo (d spät) 402 exportant 410 dämaf 413 Ingenti 

a dlt 

414 odoratum 419 afpargere 422 abdit fdit und der Punct von 

T 

sp. H.) 432 exafta 433 Exilit (1 ausradiert) 435 Ne mihi 

n 

438 relinques 443 illotuf 446 undisq' (n ausradiert) 451 bi- 



/ 



223 
tumenq* 456 fede {darnach ist n und noch ein Buchstabe aus- 

r. 

radiert) 475 iapidif 484 BufTuf (r und die Funde vielleicht von 

n 

anderer Ä) 491 potenft 492 nix (x auf einer Rasur) 504 Si 
506 longa 507 fingulta 514 laniabat 519 reliqnit 523 nrgnet 

526 at(p maffica 530 obrnpit 539 timidi (aus i e gemacht) dammp 

i 
548 ia nee mntari 559 corif (i spät) 563 temptaret (das zweite 

e aus a) 566 contractof 

IV. 

1 Protinnf aerei | 2 afpicere (re ausradiert) 15 progne 
20 obubret 21 Et cü | examina 30 Eccircü 31 Serpilla 34 alne 
aria nimine 42 letaberis (daraus latebris gemacht) 43 fodere 
| repefte 52 reclofit (f aus d) 58 Hinc 62 tn iuffof 63 melif 
pfylla | ceo rinthß 64 et fehlt | cibala (i aus ü) 65 confidnnt 
76 Minfcentnr 86 Hii 88 ambo 96 Connenit (aus cnmuenit) | 
terram fieco 104 Contep nuntq* 109 und 110 fehlen und sind 
am unteren Sande von späterer Hand hinzugefügt 125 fuboe balie 
129 Nee pecori 133 mfaf 134 autnpno 137 iä tum tondebat 
achanti 145 Ednramq* 148 poft cömemoranda 158 nietn nigilant 
169 fragrantia 177 Cecropeaf 182 Et daucaf 183 yachintos 

189 thalamuf 192 Longiuf haud 195 Yt cübp 198 Quod nee 



necorpora fegens 199 haud foetuf et fuavibr 201 Ore (r aus 1) 

209 Staut 210 egyptuf | 211 Lidia 212 incolomi 213 eonstrieta 
que 215 ammirantur 221 omnef 226 locuf 228 angnftam 



e 



229 Thef anrif | hauftuf 233 Plyaf (e später) 235 decplo 238 Af- 
fixa innenif 240 Contunfofq- 241 Ant fnffire | thymof (f ausradiert) 
243 blactif 244 In minifq* 245 ferabro 246 tynpe 257 pendent 

(das zweite e aus n) 262 ftrident 269 pfithip 273 uno (über 

dem ersten Strich von u oben ein Strich, der auf imo hinweist; 

r t 
darüber eine späte Glosse inferius) 278 y mellp 292 dienri (f und 

t später, das zweite i auf einer Rasur von sp. H.) 295 ad nfuf 

296 Elegitur 299 bina 305 regitur (verbessert geritur) 315 ex- 

tnlit 317 arir theuf 323 tymbreinf 328 extulerat 331 et nalidä 

335 fofeata 336 Drimoq* | legaeaq' phillidoceq? 338 Nife ae 



i 



224 

339 que fehlt | licorif 341 boreo (das zweite o in e verwandelt) 

e 

occeanithidef 345 ennarrabat 347 Atqua (e und der Ptmct von 



sp. H.) 350 infedib; 351 Obftipuere (u und der Punct van sp. 
H.) 357 mente 363 regna von sp. H. zugefügt 368 erupit eni- 
pheus 369 amena 370 Saxofäq* (d. i. Saxosumque) | mifi ufq> 



car 



373 influit 381 fehlt 384 perfudit 387 in pathio (car von 
späterer H.) 396 capienduf 399 Orando uincef 400 frangenttir 

404 adgradiare 409 acre 411 vertit 412 Tanto nate 415 de- 

p 
fndit 423 a fehlt 425 rabiduf (p und der Punct von sp. H.) 

435 Auditiq? 436 Confedit 447 cuiquä 449 lapfif 450 ni 

i 
demq> 454 luef (i und der Punct von sp. H.) 455 Aut | nifi 

462 pancheia 463 et catia forhyntea 467 Trenariaf 472 ibnnt 
473 infilnif 481 fehlt 482 amplexe 484 conftitit (aus confiftit 
von sp. H.) 493 ftagnif auditur 494 perdidit 501 Preffantem 
504 quo biffe rapta 505 quia 506 cimba 509 Flenifle et gelidif 

516 ueuaf nulli 517 hypboreaf 524 portanf eo agrinf 525 Voluerp 

eridicen 526 Ah (h von späterer H.) miferam eurydicen | fagente 

d 
529 Euridicen 527 ferebant 530 cyrenee | affata (d spät) 532 Nee 

{statt haec) 535 nipeas (darüber von sp. H. napeas) 538 tmos 

(a von sp. H.) 540 intecta (a und der Punct später) 542 dimitte 

i 
545 loethea 548 Aud mora 552 doxerat (I von sp. H.) 556 utero 

e 

eruptif et fernere coftis (das obere e von sp. H.) 558 dimittere 
563 uirgiliu 

Aeneis 

Nach dem aus 12 Versen bestehenden von alter Hand geschrie- 
benen metrischen Argumentum der 12 Bücker der Aeneis (s. Ribbeck 
Proleg. p. 378) folgen auf einer Rasur die 4 Verse Hie qgo — 
horrentia Martis von späterer Hand. 



2 LAVINAQVE 3 fehlt und ist von späterer Hand einge- 
schoben 13 Cartago 14 Hoftia 30 relliqaias 36 Ta (aus 



225 
früherem CS), darüber von sp. H. tue 41 oilei 47 con iux 

s 

48 and qttif qua | adoret 49 inponat 63 iufuf (s von sp. H.) 
64 tunc 67 nauigat auf einer Rasur von späterer Hand 70 diuer 
(dann eine Rasur, zu erkennen ist noch f nach diaer) | difüce 

• 

77 capefcere 103 fluctuq> (d. i. fluctumque) 108 Tref | torqueut 

• 

110 tri! 111 mirabile uifu 112 Illiditcp 120 achatp 132 ist 
von derselben Hand später zioischen 131 und 133 eingeschoben; er 
ist aber wieder ausradiert. Eine andere spätere Hand hat rechts 

am Rande hinzugefügt Tantane uof tenuit generif fiducia nn. In dem 
ausradierten Verse war die Wortstellung generis tenuit. 144 Cy- 
modo thep 148 magna 152 aftant 175 Sufcepitq? 179 faxif 
192 afiTtit 201 Accef tif (vor tif eine Rasur) 204 dif cri mina 
{nach cri eine Rasur) 207 rebus fehlt und ist von späterer Hand 
am Rande hinzugefügt 213 minifträt (der Strich über a mit 
frischerer Tinte später) 216 exenta 220 orontis 222 choanthü 

cl 

224 Def pienf (ci von sp. H) 229 Alloquitur uenuf* et o qui 

260 aeneam 266 rutilif 270 afede 271 ui multa 272 Hinc 
283 placidum 284 Phthiam fehlt; am Rande steht von späterer 
H. phicias 285 ac von sp. H. auf einer Rasur 288 dimiflum 



e 



296 Poftergu | fremit (e und der Punct von sp. Hand) 297 magia 

(g durchstrichen) 317 hebru 329 und 330 lauten: An phebi 

foror! nrm leuef quecuq* laborem | Sil felix! annim pharü fanguinif 
una! 332 doceafcp 343 agri 346 Ominib; von späterer Hand 
auf einer Rasur 353 Ipfaf et (das zweite f radiert) 357 celare 

a 

(von späterer Hand in celerare verändert) 368 poffunt circundere 

(a und der Punct von sp. H.) 369 vos fehlt und ist von sp. H. 
zugefügt 380 quero et patriä 394 Aetheria (i von anderer H. 
in e verwandelt und a durchstrichen) 396 captaf iä defpectare 

o 

401 dirige 407 tuq> (o von sp. H.) 413 poflit 419 plurimuf 

(plur von sp. H. auf einer Rasur) 420 afpectant (die Puncte mit 

frischerer Tinte) 425 aptare 427 hie alta theatri 428 locant 
433 ist von späterer Hand zwischen 432 und 437 eingeschoben; 
die Verse 434. 435. 436 sind von einer noch späteren Hand am 
Rande geschrieben. 440 nee 441 Lvcuf (v mit anderer Tinte 
auf einer Rasur) | nmbra 442 zwischen undif und turbine eine 

Ktiöftla: Vergilstudten. 15 



226 

Rasur, auf welcher mit frischerer Tinte eine Abbreviatur von et 
steht 448 nexe 451 Le nit (nach e ein Strich ausradiert; es 
war urspr. Leniit) 455 inter fe 463 tibi fehlt 467 premerpt 
(t später zugefügt) 469 refi 473 xan xüq? 482 Diua (a später) 
491 que fehlt 494 zwischen dum und pnep auf einer Rasur von 
8p. H. turdanio 498 in fehlt 505 media testudine 512 aduexe- 
rat 513 perculfuf 518 Quod | cuncti 534 Huc 535 nimbofu* 
(d. i. nimbosus) oriou (aus nimbofom rion) 541 cient (ci von sp. 
Hand auf einer Rasur) 542 tepnitif 555 afupta 560 Darda« 
nidae fehlt und ist von späterer Hand eingeschoben. 565 nefcit et 
567 optunfa 568 aduerfuf 570 regem petatif aceftem 573 folgt 

nach 574 573 ura (d. i. vestra) est von sp. H. auf einer Rasur 
575 rex ille 577 extrema uidebo 584 Vn* (d. i. Unus) aus Vnde 
591 et später eingeschoben | letof (1 aus d) 595 ade (d. i. adest) 

statt ait 599 exhauftof 601 das erste est fehlt 603 refpectat 

604 iuftitip e 608 die Interpunction! nach conuexa ausradiert, 

ein Punct nach Lastrabi 611 fergeftum (g spät) 614 Cafu (fu 

auf einer Rasur) 624 pelafgo (o von sp. H. in i verwandelt) 

ci 

626 ab ftirpe (ir aus u) 635 agnos von sp. H. zugefügt 636 letiäqr 
dei (ci von sp. H.) 537 splendida (len auf einer Rasur) 644 pre- 
mittit achatem (mittit von anderer Hand mit schwärzerer Tinte; 
achatem wiederum von dritter H.) 656 Accele ranf . 661 Quippe 
domü auf einer Rasur von sp. H. 664 ist von sp. H. eingeschoben 

zwischen 665 und 666 665 thiphoea tepnif 667 Frat ut (at ut 
auf einer Rasur von anderer H.) 668 iacteturq? | iunonif iniqup 
670 Hc (d. i. hunc) phoeniffa 674 Reginf na (ttf durchstrichen) 
683 illif 691 placidäq? 701 famuli manib? 703 longo 706 hone- 
rent (das erste e aus o von sp. H.). Zwischen 706 und 707 ist 
eine Zeüe ausradiert. 713 Expleri (i von sp. H. in e verwandelt) 

715 ubiq> 718 fouit 719 Infideat 725 Fit 726 lichni 736 inm- 
fum 741 quemaximuf (d. i. quem maximuf, aber der Strich ist aus- 
radiert, also quae maximas) | atlaf (1 und f von späterer Hand, von 
alter Hand war atlans) 744 Arcturü pliadaf^ (iadaf ist durch- 
strichen und am Rande steht von sp. H. pluuiasq?) 745 Quod 

(o von sp. H. in i verwandelt) \ tinguire 748 uafto statt vario 
756 et fehlt und ist später übergeschrieben. 



227 



II. 



7 ulhri 10 fi (t nach i ausradiert) 15 montif (i von sp. ff. aus e) 
19 cpco (co van sp. ff. auf einer Basur) | que fehlte und ist von 

sp. ff. Ober der Zeile 29 feuif 30 acief 41 Lacohon 46 est 
/«Alt 47 uentnäq? (uä auf einer Rasur van sp. ff.) 52 que von 
sp. H. über der Zeile 56 ftraref 57 p'terga (d. i. posterga) 

65 crimen ab 71 locuf infuper 75 Qaidue ferat memoret 77 fuerint 
qnaecumque 81 aliquid 82 inclita 85 Dimifere 88 incolomit' 
regnüVy 89 Confiliif 90 fallacif ulixis 105 caufaf 109 difce- 
dere (re auf einer Rasur van sp. ff.) 112 hie fehlt 114 feitatu 
115 nerba reportant 123 funt 138 Nee dulcef natof 139 forf 

no 

adpenaf 142 reftat 157 foluere 159 nelegib; (nc und die Puncto 

m m 

P 

von sp. ff.) 169 fublaffa (p und der Punct van sp. ff.) 176 tep- 

tanda (nda van sp. ff. auf einer Rasur) 178 Omia ni (a ni und 

der Strich van sp. ff., vorher war geschrieben Omnia) 182* oia 

(d. %. omnia) 185 tarn (d. i. tarnen, am auf einer Ras.) 187 poffit 
192 Si 196 captiqp (ti auf einer Rasur) 199 maiuf (iuf auf einer 

v 
Ras.) 202 Sollemnif 207 Sanguinee (das zweite e spät) 208 finu- 

anttp 211 lanbebant (la auf einer Rasur) 215 Implicat (a van 
späterer ff. auf einer Rasur) 217 iam von späterer ff. auf einer 
Rasur 223 aram (m von späterer ff.) 240 minäf (der Strich mit 
frischerer Tinte) 242 Meonia dardanidum. Der Vers ist van spä- 
terer Hand ergänzt quater ipso limite porte 243 ist von derselben 
späteren Hand eingeschoben zwischen 242 und 244 254 phaläx 
(ph auf einer Rasur und der Strich von sp. ff., es war wrspr. falax) 
260 produnt 262 achana% 264 epeus 274 Ei 275 ächillis 
284 p' (d. i. pos) 287 moratus 289 Eu 294 nach cape Rasur 

B 

eines Wortes 295 ftatueqp (e auf einer Rasur für f, das obere s 
von späterer Hand) \ ponto (das zweite o aus u) 296 potentem 
(o von sp. ff. aus e) 297 qne fehlt 303 adfto 306 hominmp 
labores 308 de (e von sp. ff. aus i) 311 fnperante 312 freta 
latp igni figea rein cent 313 glangorq? 330 bipatentibr (bi auf 
einer Rasur von späterer Hand) 331 numquam 333 Oppofitif- 
telif (tat (telif ist ausradiert) 337 erinis 341 chorpbr 346 audi- 
erat 349 andeute (te auf einer Rasur von sp. ff., von alter Hand 

15* 



228 

loar di) 356 atra nebula 360 circumuolat (circnmuo auf einer 
Bas., wie es scheint, von derselben Hand, aber mit frischerer Tinte) 
371 Androgen! (ebenso 382) 377 dilapfnf 388 fe. et dextra 

u 

390 dolof 393 lateri<p (eri auf einer Ras.) 396 mixti 398 di- 
mittimnf 406 Lumina nam teneraf (na nam tene auf einer Rasur 

r 

von anderer Hand) 411 qne fehlt 414 acerrimif 416 condä 

a 

418 equif (a von späterer Hand) 420 etil (et auf einer Rasur, 
statt t war c) 422 primi 423 ora von später Hand eingeschoben 
424 qne v. sp. H. eingeschoben 429 te fehlt 436 et nulnere (et 
nnln auf einer Ras. von derselben H.) 443 qne fehlt 444 pen- 
fant 445 te ta (nach te auf einer Rasur ein später Buchstale, 
vielleicht c) 448 alta parentnm 458 Ego nado (go später durch- 
strichen) 465 inpnlimnf; q ea lapsa 473 Cnpo *fitif (am Rande 
aT nc) 497 Exi it 499 fnrente 503 fpeftanta (das erste t auf 
einer Rasur) 507 nti (i ausrad.) 518 iunenilibns (das zweite 
i auf einer Ras. mit frischerer Tinte, aber wol von derselben H. t es 
war früher a) 528 fugit (git auf einer Ras. mit frischerer Tinte 
und kleinerer Schrift, aber wol von derselben H.) 536 est fehU 
542 Snplicef (e von späterer H. in i verw.) 644 fatof 546 Et 
fnmo 552 comä lena 553 addidit 567—588 fehlen 589 Cü- 

cl 

mihi (C von spät. H. in T verwandelt) 591 talifqne 594 exitat 

n 

(ci von sp. H.) 597 anchifem fuperet (n später) 602 statt des 

t 
ersten diynm steht ueru 625 et fehlt 631 traxiq* 634 perventum 

est ad 640 agite 661 iftic ianua (c und das folgende i auf einer 
Ras. von sp. H.) 678 condä (c von sp. H. in q verw.) 684 tepra 
691 anxiliu statt augurium 699 fetollit 725 fuper bit (per durch- 
strichen) 727 examine 738 fatone 747 anchifemq? 755 animof 
770 iteru iteru<p 771 fnrenti 778 comite hinc portare (vor por- 

tare eine Rasur) 779 had 782 tibrif 786 hand 804 monte 
(d. i. montem) 

in 

u 

26 monftru 28 liqnntnr 35 Gradi n<p 54 agamennonial 

| fequtns 55 abrupit 67 Sanguif | poteraf 76 myconoe (e durch- 
strichen) celfa 77 contepnere 82 agnofcit 88 ibi ponere 98 naf- 



229 



ir 100 ea nomina (darüber vel menia von and. H.) 108 rethe- 
f (rethe van späterer Hand auf e. Bas., te ist durchstrichen und 

•unter die die Tilgung anzeigenden Puncte) 111 cibele 113 uincti 

> gnofia 120 Nigrante hieme (das zweite e von sp. H. in i ver- 
fielt) 123 domuf fedef (dazu q> von späterer H. hinzugefügt) 

> naxon | donyfam 126 Olearon | pharon 137 tabida (da von 
I. H. auf e. Bas.) 143 Rurfuf ad oraculü 145 ferat (a aus e) 
) atroia 151 mani feftif (das zweite f ausradiert) 162 baud 
) reqnire 175 Tunc 178 perfec to (o aus u, darnach f aus- 
liert) 179 Anchifem 189 et nof cuncti 193 das erste undi- 

fehlt 195 et fehlt 210 Accipiunt 218 ora fame dem f tu- 
en Verse hinzugefügt 221 herbä (d. i. herbam) 226 Arpye 
p contractuqr 229 Rurfuf 230 claufi (i durch Radieren aus a 

don 

lacht) 244 Semefam 248 Laomenciade 252 vöbis fehlt 
1 adfumere 260 Diriguit 269 curfuf | uocabant 270 iacintos 

r 

\ ex fecramuf (r von sp. H.) 288 de sp. hinzugefügt 295 Pri- 
idem | gragiaf 298 Obftipui (das erste i von sp. H. in u vet*w.) 
* Diriguit 312 hubi dixit (est fehlt) 319 pyrri (i auf einer 
s., ausserdem sind etwa noch 3 Buchstaben ausradiert) 329 traf 
it 330 inflamatuf 336 addidit 338 horis von späterer H. 
p einer Bas. 340 Quetibi iä troia; Die zweite Hälfte der Zeile 
ausradiert und auf dieser Rasur steht von später Hand die 
merkung -. Emiftigiü e v'gilij nee i fenfu plenü 342 Et quid 

aus t) 354 Aulai in medio 362 ome (d. i. omnem) 363 Rel- 
o 364 petere* 7 terras (p von alter H., das übrige von anderer 

auf einer Bas.) 385 aufonii e 401 Liciuf | hilla 402 petilia 

J tranfmiffe (tranf auf einer Rasur von sp. H.) 404 fehlt und 

von späterer H. am Rande hinzugefügt 409 i (auf einer 

sur von späterer Hand) 414 vi fehlt (nach loca eine Basur) 

> protenuf 419 deduetaf 427 poftrema (a aus o) 436 iterü 
•üa> 441 cumea (u auf einer Bas.) 443 afpicienf 457 uoluef 

auf einer Basur mit kleinerer Schrift) 466 lebetas (a aus e) 
$ preterlabere 483 fubtegmine (g von spät. Hand eingeschoben) 
{ honori 492 abortis 507 Vnde est iter 511 artus von spä- 
?r Hand 516 Arcturü! pliadaf cp byadaf 523 von derselben H. 
üdräglich eingeschoben zwischen 522 u. 524 525 von derselben 

nachträglich eingeschoben zwischen 524 und 526 527 celfa 



230 

534 aspergine 536 alitore 543 Spe pacif {darüber von späterer 
H. s e) 545 arä (d. i. aram) | uelamuf 556 ab litore 558 ni- 
mirü e hie illa 565 defeendimuf 578 femiuftü (femi von and. 
H. auf einer Rasur) 579 Vrgueri 581 motat (aber o aus u von 
späterer Hand) 583 monftra 585 Näqu (qu durchstrichen) neq> 
594 tegimen 595 fehlt 600 lum 616 Hnquunt 620 terris auf 
einer Rasur von späterer Hand 621 effabilif (e scheint aus a ge- 
macht) 627 trepidi 646 uitä (aus uitant) 647 uaftoep 648 tre- 
mifco 658 adeptü auf einer Rasur von späterer Hand . 659 manu 

ueftia 661 Solamq* mali de collo fiftula pendent (die Worte de — 
pendet sind auf einer Rasur von and. H. Ursprünglich standen hier 
aber dieselben Worte, wie es scheint). 668 Vertimuf 670 dexträ 

672 omlf (i von sp. H. in e verw.) 673 Intremuere 6J81 Conftite- 
raat | lucufq? 684 fcyllä atq. carybdim 690 retrorfum 691 acha- 

s 

menidef | ulixi (s von späterer Hand) 693 Plemiriu 703 agragaf 
705 felinif 

IV 
8 unanime 11 fortif 10 forfam j fubcübere 25 adigat 



e 



26 h rebi (das obere e von späterer Hand) 27 uioJe | refoluam 
30 abortis 52 et fehlt 54 iacenfü | inflämauit 62 ad auras 

i 
(ad auf einer Rasur) 64 inbanf 71 linquit q | ferrv (v aus o) 

tue 

74 Hunc | pneam (m aus n) 104 Dotalef ue tyriof (otalef ue auf 
einer Rasur von späterer Hand) 106 aduerteret 107 est fehlt 
116 Quo fieri (uo auf einer Rasur von sp. H.) | ad uertere (re aus- 
rad.) 130 deleetare (re ausradiert) 132 canum uis (m u auf 
einer Rasur von späterer Hand) 144 delon (on von späterer H. 
aus u) 160 turbari statt misceri 161 nimbüf (der Strich radiert) 
166 prima telluf 173 Extimplo 174 quo 184 q nach medio 
ausradiert 189 replebant (n ausrad.) 192 fepulcra (ra auf einer 
Rasur von späterer Hand) 201 pecodüq 205 fupinis (s von spä- 
terer Hand auf e. R. f vorher war fupinuf) 212 pcio (nach o ein 
Buchst, ausrad., vielleicht m) 217 Subnixuf 220 Audit 227 ge- 

nitrix 228 uendicat 229 grauidä (a auf e. R.) 230 alto fanguine 
(das obere a von and. H.) 231 leges (s auf einer Rasur von spä- 
terer H.) 249 pulfantur 252 cyleniuf 257 ac libip (c aus d) 



231 
258 cylenia 268 dimittit 271 terif ocia terris (terris auf einer 

dl 

Rasur von spät Hand) 276 cileniuf 284 et qup 285 nc uidit 

ten 

287 fentia (ten von and. H.) 288 forte? cloanthä 290 qupfit 

a 

295 faceffcuni (fcunt von späterer Hand auf einer Ras.) 302 trie 

o 

teria (das obere a, c und der Punct von späterer H.) 310 mediif 
(aber das zweite i durch Radieren aus u) 312 peteref et 320 numi- 
duq> 323 moribundam (dam auf einer Rasur von späterer Hand) 
328 fobolef et fi 330 capta aut 335 me fehlt 351 und 352 
bilden nur einen einzigen Vers Me patrif anchifp * quotienf aftra 
ignea furgi 358 in fehlt 363 illuc q> 377 et fehlt 390 et 
fMt 391 fufcipiunt 402 neluti 403 reponät 410 ex 428 (li- 
mitiere 436 dederif | morte 438 Fert (t auf einer Rasur von 
späterer H.) refert? 441 ueluti annofam nalido 448 perfenfit 
464 priora 469 uidit 481 athlaf 490 ciet 492 deos auf e. 
R. v. sp. H. 495 reliquid 496 q; (auf e. R., früher war que) 
498 iubet 502 Concipitl haud 505 atq; (aus atque) 506 <p 
(7 auf e. R., es war wol que) 507 cnfemq; (q; auf e. R. v. sp. 
H.) *) 520 fodoere 529 necüquä 530 ue aut auf e. R. v. sp. 
H 535 numadüq* (die Abkürzung auf e. R.) 536 fu d. i. sum 
(aus früherem fim) 540 ratib?q> d. i. ratibusque 541 Irrifam 
547 ferro? auertere dolore auf einer R. von and. H. 548 später 
eingeschoben und zwar wol von alter H.) 553 rupebat (ru v. sp. 
B.) 558 colore? (q von späterer H. auf einer R) 559 menbra 

564 uario? iraru fluc tuat eftu 569 Eia 573 tranftris 574 city 

ti 

586 primü 593 Dirripient 594 cy 603 von sp. H. eingeschoben 

d 

606 extinfem 610 elife 611 auertite (d v. sp. H.) 615 Et (von 
sp. H. At) 618 inique (ue auf e. R, vorher war ini?) 622 Te 
623 hodiif 629 nepotef (q? ausradiert) 641 celerabat 656 ab 
fratre 672 Audit 676 ignif 680 uocauit (t ausrad.) 682 Ex- 
tine xi te 684 alituf 687 vefte von späterer H. über der Zeile 
689 Deficit | ftridet 692 repertam 694 dimifit 

V. 
13 eine xerunt 29 demittere 49 ni 59 mea facra quot 

te 

annia 61 troia uobif 73 elimuf 77 charcheffia 80 falue 83 e 



*) Hier sowie in vielen anderen Fällen ist ursprüngliches que von späterer 
Hand theilweise ausradiert und in q ; verwandelt worden. 



232 

v. sp. Ä, atisradiert ist est j tybrim v. sp. H. auf e. R. 89 trait 

T 

93 et fehlt 96 quinaf 103 ueribr (y von and. H.) 116 mneft 
theus (mneft auf e. R. v. sp. 27.) | piftrim (iftrim auf e. R. v. «p. 
27.) 117 italuf (uf auf e. R. v. sp. 27., u aus i) | memii 122 Ul- 
la^ 126 chori 136 tranftrif 139 finib; (darüber von sp. H. du 
Glossen locif fedibus) 141 abductif 143 ftridentibuf 150 pnlfanti 

154 hof | priftris (ris auf e. R. v. sp. H.) | 156 piftris (iftris auf 
e. R. v. sp. 27.) 158 longp | carinp 162 dinge curfum 176 gu- 

bernaculo 184 mnefteo<£ 185 propinquant 187 piftris (iftris auf 

e. R. v. sp. 22.) 191 comitef (co v. sp. H. auf e. R.) 201 niris 
auf e. R. von sp. H. 202 düpronrä | fub urget 218 priftis 
220 At primü 221 uadif et fmftra uocante 226 urget 228 refo- 
nat clamoribus 235 pelagi est 247 aptare 255 Sublimen 265 De- 
molenf 269 eunicti 273 dephenfnf 274 tranfiit 279 Nexante 
281 uelif fubit hoftia plenis 297 de von sp. H. auf einer Rasur 

• 

299 archadia tegep defanguine 315 accipiunt 320 longa 328 lenu 
(die Puncte bezeichnen, dass es leui heissen soll; darüber steht eine 

dt 

späte Glosse i. facro) 342 poffit (it von sp. H. durchstrichen 
und darüber v. sp. H. cit) 346 fubit 347 reddantur 350 caß 
(d. i. casum) 359 artef 364 euectif (daraus euictif d. i. euinctif) 

me 

380 pugna 392 moratuf (me v. and. H.) 398 iuuentuf 418 Idpio 
420 troianof (tr v. sp. H., of aus früherem uf v. sp. H.) 425 E pa* 
ribr 426 extiplo 436 duro (o von sp. H. in e verw.) 442 urget 

451 occurrit - 462 had 463 SEd (d v. sp. H. auf e. R.; es war 
wol urspr. Et, wozu die alte H. S vorn ausserhalb der gewöhnlichen 
Stelle hinzufügte) 486 ponit 487 fergefti 495 eurycion 509 At 

8 

512 atra 515 fpeculatur 522 fubito 529 animi (nach dem zweitem 
i ein f ausradiert) 534 honore (nach e ein s, wie es scheint, aus- 
rad.) 541 honori 545 Et 548 fi von sp. 27. auf einer Rasur 
551 decedere 556 more 558 Parfq? (q? von sp. H.) 564 clara 
573 trinacrip 576 ora (a auf e. R.) 582 ist von späterer Hand 
zwischen 581 u. 583 eingeschoben 586 fpolia *latf fpicula 592 aliter 
| cui*fu von sp. H. auf e. R. 595 Char pathyum | luduntc^ perundas 
604 ffic 618 ignari 620 beroe et marii 625 exitio (tio auf e. 
R m von späterer H.) 626 poft 640 Neptuno! du ipfe 644 ex 
646 rethea 649 Qui | uocif uefonuf 653 affata 659 coacte^ 



233 



661 hac uirgulta 669 possunt fehlt 674 indutof 675 Accelerant 

677 fic ubi 679 est fehlt 680 flämp 683 Eft pauor 692 di- 

i 
mittte 694 tremifcunt 697 femufta (i v. sp. H.) 702 ne refidet 

704 tritonia von sp. H. auf e. B. 706 Hpc 720 animu deducitur 

722 facies (cies auf e. B. von sp. H.) cplo delapfa (fa von sp. H. 

8 

auf e. B.) 731 Debellando tibi latio est. Diti (s von and. H.) 
733 Conplexuf | nö von sp. H. 739 hanelis 745 fehlt und ist 
von später Hand eingeschoben zwischen 744 und 746 746 accerfit 
752 que fehlt 762 Iädief 767 Ipfp etiä 768 numen 776 et 
uina 781 nee 784 fatif ue 810 cüfuertere (das erste u von sp. 
H. in o verändert) 814 tätam (tum v. sp. H.) 818 feris v. sp. 
H. auf e. B. 825 tenet 826 Nife • efpioq> 838 pthereif dilapfuf 
842 loquelas 850 auftris 851 cpli 872 und 873 bilden den 
Anfang des Yl. Buches. 

VI. 

8 qr 

20 androgeo 23 gnofia 25 Phasiphe | prolef (qp von sp. 
H.) 33 mannf auf e. B. v. sp. H. \ omem 34 oculi nifi (nifi mit 
etwas kleinerer Schrift zwischen oculi und iä eingeschoben) 37 te- 

puf auf e. B. v. sp, H. 40 pneam 43 late 69 tepla 71 nrif 
penetralia regnis (Striche über nrif u. regnis zeigen die Vertauschung 
an) 80 rapidü 86 eueniffe 96 Quätua 97 rerif (das zweite r 

auf e. B. v. sp. H.) 98 cumea (u durch Bas. aus j) 119 arcef- 
cere (s v. sp. H.) 122 thefea (fea auf e. B. v. sp. H.) 126 auerni 
128 euadere adauras (nach euadere ist m oder in ausrad.) 129 pquu/ 
130 Iupiter 132 läbenf d. i. lambenf 133 cupido est 136 per- 
agenda (per auf e. B. von sp. H) 138 inferne (ne von sp. H.) 
141 quäquif 143 deficit (de von späterer Hand) 144 frondefeit 
(feit auf e. B. v. sp. H.) 145 ueftigia 149 iacit (i in e veno. 

m 

v. sp. H.) 152 hunc fer 161 exanimu 177 fepulchri 186 Ad- 
fpeetanf 193 agnofeit 195 Dirigite 203 optatif (p von sp. H. 

a 

aus b) 209 crepitabant brattea 210 extiplo 218 ena (das obere 

a v. sp. H.) 222 fubire 227 Relliquiaf 228 coryneuf 242 di- 
xere | auenrä 247 bereboq> 249 Sufcipiunt 252 Tc | inchoat 

258 efte (das zweite e v. sp. H.) propbani 261 animuf 265 et 



234 

loca 270 incertä (r von sp. Hand in p verändert) 273 primifq. 

8 8 

275 triftiqr (fti<p v. sp. H. auf e. R) 211 laborq- 287 r belua 
289 arpypq* 293 Admoneat (t auf e. R. v. sp. H.) 294 Irruat 

de 

| dinerberat 296 Tc turbiduf 299 caron 301 pendet (de v. sp. 

ad 

H.) 303 chymba 310 aut terra 312 immittit 319 nt qot 
difcrimine 324 inrare timet (re timet von sp. H. auf einer Rasur) 

ta 

325 inobf inhumaq* turba est (ta v. sp. H.) 326 ' caron 329 mit 

frischer Tinte und von sp. H. zwischen 328 und 330 eingeschoben 

330 Tc 334 Lencafpin | oronte 335 atroia 349 gubernaculu 

(cu v. sp. H. auf e. R) 351 per afpera 353 ne 355 nothnf 

8 

auf e. R. v. sp. H. 360 Prefenteq* (s von sp. H.) 362 babent 
363 io cundü 372 erat von sp. Hand über der Zeile 375 abibis 
379 Prodigiif {das zweite i v. sp. H.) 380 follempnia 389 et 
fehlt 396 Ipfif (das zweite f ausradiert und über i ein Häkchen) 
398 anpbry fia 399 abfifte (Ute v. sp. H. auf e. R.) 404. inu- 

b 

bras 410 puppe 413 cymba 416 nlna (b v. sp. H.) 421 rapida 

428 nbere v. sp. H. auf e. R. 430 däpnati 438 Fata (ata v. sp. 

i 
H. auf e. R.) obftant triftiq* | unda 439 nouef (i spät) 443 mirtea 

444 relinqunt 445 phoe drä • prochryq* 447 Euagnenq- (g v. sp. 

H. aus früherem d) | phafiphen 452 agnouitq* 455 lacrimanf 

(n ausradiert) 470 nultö (der Strich ausrad.) 471 marpelxia 

• 

472 proripuit 475 per cnffuf 477 tenebant 479 inclitnf 481 ffii 

483 therfilocSq' 484 polibpten 495 nidet 501 obtanit fnmere 

502 de te (t auf e. R. v. sp. H., es scheint defte gewesen zu sein, 

ft in einem Zug) 505 inlitore 509 At hpc | nichil 510 fune- 

ribus 515 equuf 516 alnüs 517 euantef 520 Tnme | cnril 

524 Emonet 528 adituf (adi und f wieder mit frischerer Tinte 

ii 
überzogen) 529 Hortatur | eodef; di italia 536 ptherio (i v. sp. 

H. in e veno.) 539 oras 642 belUin 549 circnndata 553 ferro 

558 tunc 561 Vrguentur | quif | plangor 562 inclite 566 Gno- 

fius | radamanthuf 568 fuperof (mit frischerer Tinte überzogen auf 

e. R.) 570 accinta 572 Intentaf | fena (a aus e) 582 alogidaf 

a 

586 flämaf 588 gragin | medioq; per eliduf 591 cnrfu | fimularet 
(a und der Punct v. sp. H.) 592 denfa (a aus e) 593 non fumea 



235 

tplis 594 tbine (t v. sp. H. auf e. R., nach e ein Buchst, aus- 
rad.) 595 tycion 598 Inmortale 600 fribrif 601 ixiona (a auf 

e. 22. v. sp. H.) 602 Quof 609 innexta 614 nequere (c v. sp. 

Ä) 620 tepnere 630 Acceleremuf 634 propinquät auf e. R. 
von sp. H. 635 ist von sp. H. am Rande zugeschrieben; zwischen 
634 und 636 ist eine Rasur, wo früher, wie es scheint, derselbe Vers 



e 



stand 648 antiquü 657 pana. (das erste a aus e, das obere e 
von sp. H.) 659 heridani 664 aliof 665 tipora 668 fufcipit 
672 huic (darüber die spätere Glosse fibille) 684 aduerß (nach u 
ist f ausradiert) 685 Aenean (das zweite n von sp. H. in m ver- 
wandelt) 699 fimul ausgelassen und später am Rande hinzugefügt 
701 cöpfla 707 ueluti 711 Infciuf (ci von sp. H.) 712 Qui 



T« 



uiri (ye von sp. H) 714 loethi | undas 718 reperta {das zweite 
t auf e. R. von sp. H.) 723 Sufpicit 724 terra! 730 e von 
späterer H. aus altem eft | uigor (r mit frischer Tinte überzogen) 
731 noxia corpora 733 nee 734 Difpiciunt (Di von sp. H. in re 
verwandelt) 735 relinquit aus früherem relinquunt 736 Nee tarnen 

a 

740 penduntur (a und der Punct v. sp. H.) 743 patitur 746 reli- 

quit 747 anrai (i von sp. H. in e verändert) 748 Af 750 fupera 
757 itala (das zweite a von sp. H. auf e. R.) 758 Illuftrif (i von 
sp. H. in e verw., ft auf e. R. von sp. H.) 762 cömixtuf (cö von 
sp. H. auf einer Ras.) 768 reddat 773 Hü | numtu 774 Hii 
775 Pot met iof 779 Reducet (R von sp. H. durchstrichen) ftent 
781 inclita 783 cireundabit 787 fupera 796 athlas 802 eri- 
pidem 803 Placarit 806 uirtute | factis 812 cui 817 tar- 

quinof 818 facefq* (das obere f von sp. H.) 819 lecurif (i von 
sp. H. in e veränd.) 828 En 830 menoeci 838 agamen non 

8 

iafq. 844 farrane 845 tumaximuf 852 Hp tibi | paciq' (s von 
sp. H.) 853 Parce 861 Aegregiu 865 Quif ftrepituf (f vor t 
von sp. H) 868 nate 870 finent von sp. H. auf einer Ras.) 

tem 

885 HüXal (tem von sp. H.) adeumulu 900 Tc | limite 

VII. 

i t 

1 pnea 3 feruat (t v. sp. H. auf e. R) 4 fignan 7 reli- 

quit 24 uada (da auf e. R. von sp. H.) 26 inrofeif 31 Verti- 



236 



e 



cibus (e v. sp. H. in o veränd.) 33 aluo (e v. sp. H.) 42 actofq; 

(ofq auf e. R. von sp. H.) 48 pat ifq; (früher war paternifq;J 
49 Tefatur (über r ne v. sp. H.) | nifanguinif 57 Coniügi (der Strich 
von sp. H.) 63 pofuiiTe (fuiffe auf e. R. von sp. H.) 70 exeif 

de | domina rier (das zweite r v. sp. H. auf e. R.) 75 quo fehlt 

78 Hoc uero 80 bellü portendere magna 85 eo notria 87 Con- 

tulit | cpfariü (die Puncte von sp. 27.) 89 uolitantia {aus früherem 

uoluntaria) 92 et cü 97 credere 101 ATpicit | das erste que 

fehlt und ist von sp. H. hinzugefügt 110 ille monebat 116 con- 

V T 

rämimf (mf ausradiert und über i eine Abbreviatur) 129 Exitiif 
135 frondenti (ti von sp. H. auf einer Ras.) 146 Certati (i aus ü) 
149 Orta von sp. H. 150 munici 151 thybrin 154 pallidif 
166 Cäpreuectnf (tuf auf e. R. v. sp. H.) 172 relligione 173 HIc 
(der Strich von sp. H., darüber die Glosse ex illo loco) 178 e fehlt 

182 Marciaqui 189 equü 206 Amncof 221 lumina (die Puncte 

sp.) 233 aufoniof (das zweite o aus n) 236 netepne 242 thy- 
brin 244 relliquiaf 247 More daret (e d auf e. R. von sp. H.) 

250 imbobilif (das erste b ausrad., der Strich über i von sp. H.) 
252 priameia tanta (ia ta auf einer R. von sp. H.) 262 troipque 
(q ausradiert) 263 cupido eft 264 focius ne 278 dimiffa 
284 pneade (de auf e. R. v. sp. H.) 290 Molliri 292 effudit 

298 haut (h von sp. H.) 301 AdTumte 302 fylla 320 pregnäl 
(der Strich sp.) 324 fororü 329 pululat 339 Difice 343 obfe- 
djt (j aus e) 347 intima 348 foribanda 358 nata (das zweite 
a aus e) 360 natpq; 363 At non 364 Ledäq; 371 reportatur 
377 Inmenla 379 in gyro fehlt 385 noe d. i. nomine, darüber 
von späterer H. nomine 389 Heuhoe 400 ubicüq; 410 dane 
411 notho 416 inuultuf 419 chalibe | anns v. sp. H. eingeschoben 

| teplifq; 420 iuneni turno ante 426 Thyrrenaf 428 omipotens 

(potens von sp. H. auf e. R., von alter H. war wol auch omipotenf 
geschrieben, jedoch mit unrichtiger Sylbenabiheüung) 430 arma para 
435 irridenf 436 undas 437 ut (t v. sp. H.) 439 Immemor 
440 effoeta 443 diuu 446 fubito 447 Diriguere | crinif | hydris 
(h ausrad.) 451 Verbereq; 458 ingens fehlt \ rupit 460 thoro 
auf e. R. von sp. H. 464 aque uis (e uis auf e. R. v. sp. H. t 
von alter H. war wol aquai) 466 uapor ater auf e. R. v. sp. H. 



237 

h 
468 Indicit (dicit auf einer R. von sp. H.) primuf 470 teucrifq ; 

h 
472 exortantur 474 carif 475 animif rutulof 481 ceruu | malo- 

ma 

mm | for (ma später) 484 Tyrthy de 485 thyrrhufq; 486 lati 

487 Affuetu 490 herili 497 direxit 498 abfuit 499 arundo 

500 int tecta (tecta von sp. H. auf e. R.) 502 repleuit 505 Uli 
508 thyrrhus 511 nacta 515 intonuere 517 Sulfnrea 523 nach 
524 (zwei Puncte zeigen die Versetzung an) 523 Direxere 526 enfib ; 
von sp. H. auf e. B. 532 thyrri | almon (n v. sp. H.) 535 ga- 
lefuf 536 pauci (die Puncte später) 542 pugnp 546 iamicitiä 



553 cominuf 562 fupera | linques 563 in medio 564 horis von 

sp. H. 565 Amfci d. i. Amfancti 566 fragofis (is aus früherem 
uf) 569 ruptoq; 570 condit (nach t Ras.) erynis (is v. sp. H. 
auf e. R.) 575 Alcmone | galeii 577 crimine v. sp. H. auf e. R. 

8 

| igni (s v. sp. H.) 581 thyafif 586 molef statt rupes 593 teftatur 
599 loquutuf 608 Belligione (das erste i von späterer H. aus o) 

a 

609 aeterneq; 622 rupit 625 Puluerulentif 626 tergunt (u auf 

e. R. von sp. H.) 630 nocant 631 turrigere (re von sp. H. auf 
e. B.) antepnp 641 elicona 644 tra v. sp. H. auf e. E. 645 enim 

fehlt 647 tyrrenif 648 diuu 651 equom 652 agillina 654 me- 
zentiuf 660 Furtiuu 662 Gerione | tyrinthiuf 663 hyberas 
667 impexu 670 tyburcia | linquunt | 671 tyburti 672 choraf 
675 omolen otbrinq? 681 legio late 683 amene 691 Et 696 flu- 

niniaq; 697 locoiq; (v von späterer H.) 699 internubila cygni 

rhetl 

701 Dantq; colla | äpnif 707 inftar v. sp. H. 711 E (nach E 

i i 

Ras., rheti v. sp. H. \ mutuftp 712 rofea 713 Q (i spät) tetce 

{von sp. H.) 716 Turfia (T von sp. H. in N verändert) | hortine 

718 uoluuntur in equore (equore von sp. H. auf e. U., vorher war 

marmore, was auch am Rande v. sp. H. als Variante angemerkt ist) 

724 halefuf 728 linquunt 729 uulturni 729 fanculuf 730 ac 

lidef 732 falcati funt 737 tenebat 738 Sarraftrif 739 ruftraf 

| atque fehlt | celepnp 741 catetas 743 micant ereuf (die Puncte 

später) 746 affuetaq; 747 equicula 750 maruuia 752 miffuf 
(das dritte f ausradiert) 758 inmontib? 759 angicip | fdlcinuf 



238 

761 yppoliti 765 ypolitu 773 inundas 774 yppolitu 776 et 
filuif 777 noie (d. i. nomine) ubi 796 Arunceq; | rutili 779 an- 
xiruf 803 ad (von späterer H.) nenit 806 affueta 811 equora 
813 mirantur 

vm. 

2 crepaernnt (vor c ist f ausradiert, c selbst aus t gemacht; 
es war also ftrepuerunt) 11 eneam 14 increbefcere 16 mani- 



y a 



festuf 18 laumedontinf 25 laqueari 35 affari 42 tibi uenena 

pntef 46 ea fehlt, über der Zeile steht v. sp. H. en 54 proaui 
denoie (de v. sp. H„ nach proaui eine Ras.) 55 afiidue 64 tybrif 

be 

68 ptherei 70 Suftulit 72 Tuquoq* othybri 76 cele brare (be v. sp. R) 

_ et 

78 otandem 81 monftru 83 confpitur (ci v. sp. H.) 84 maxima 
85 a*as 86 Tybrif 87 fubfiftit 80 pquor a quif 102 follepnem 

105 omif 107 Et celfaf 112 iuuenequp 113 inquid 120 Dar- 
danidp | oirof 121 Oftupuit | perculfuf 122 Egredere 123 Allo- 
quere 125 luco | relinquunt 126 affatur 127 Optime graioienu 

i 
132 didita (das erste i von sp. H. in e verwandelt) 135 perbent 

136 Adneitnr | atblas 137 hnmero 140 athlas (t aus d) | 141 atblaf 
147 affore 149 alluit 155 agnofcoq* 158 Lau medonciadem 

a 

(dem auf e. B. v. sp. H.) prima 160 iauent' 162 Laumedonciaden 

u 

165cupidif 167 clamidemqp 1 74 affuefeite 185 euander 187 uetera 

8 

ue 196 qae fehlt 202 gerioni (das zweite i a. e. R.für e) 205 furif 
206 inteptatü 211 raptof 213 moneret 215 querelis 217 bou 

227 emunuit 228 animuf 230 toto 239 Impulit | infonat 
241 deteeta (d v. sp. H. auf e. R.) 244 referat 246 immiffo 
247 inluce 251 percü eft 257 iniecit 264 que fehlt 268 leti<p 

ue 

(leti auf e. R. v. sp. H.) 269 Seruare (ue später) 271 maxima 

e 

272 maxima 276 hercula (e später) 278 Yt facer | eifuf (vor c 
ist f ausrad.) 284 honerantif 291 hoethaliäq; (th v. sp. H. auf 

M 

einer Rasur) 293 bimenbres 294 Hyleüq; | creffia 296 Itigii 
297 reeubanf (a v. sp. H. aus früherem e, über u war ein Stricht 



239 

de 

also recumbenf) 302 adipe (de v. sp. H.) 312 monmenta 326 etas 

v. sp. H. auf e. R. 328 aufonie 332 albala 338 romano 346 letum 

(etum v. sp. H. a. e. R.) 347 carpeiä 356 Relliquiaf 346 cö- 

tepnere 377 opifae (ue v. sp. H. a. e. R.) 382 num d. i. numen 
383 genitrix | neri (i v. sp. H. in ei veno.) 393 leta auf e. R. 
von sp. ff 394 deuictuf 400 bellare (re von sp. ff auf e. R.) 
402 poteftur 406 menbra 409 Cui (i aus ni) 410 pofitof 
418 exefa 419 ethenea (ethe v. sp. H. auf e. R.) 420 gemitü 
421 calybü 422 Yulcani | uulcania 423 Huc (u v. sp. H. auf e. 

Ras.) 425 menbra pyracmon 430 rituli (das obere u spät) \ ali- 

ri 

tuf 431 horficof 438 defecto über der Zeile v. sp. H. 440 Aethenei 
(he v. sp. H.) 446 calybf 448 Tela von sp. H. 457 induitur 
459 tegeu 465 fefe 470 Maxime 473 claudimur (mur auf e. R. 

n 

v. sp. H.) ±11 affers 486 Conpo nef 491 Obtruncat 492 cedef 
495 refpofcunt 498 aruspex 500inhofte 507tyrrenaq; 510 Natu 
exortarer 512 fatu indulget 515 tolle rare 517Affuefcat 519 fuo- 
tibi 524 inpro uifu (das zweite u in o verwandelt) 528 inregione 

529 Perfudu 530 Oftipuere 531 Agnouit 532 quprere 533 olimpo 

537 Eu 538 fubunda 540 Tybri (y scheint aus u gemacht) | accief 

h 
543 Sufcitat 544 mactat 555 tyrreni 558 conptexuf 559 in- 

expletü 563 erylum 566 tc 569 finitimo | maxime 573 mifere 

d 

fite (ci v. sp. H.) 575 Incolumen 579 Nc nunc o liceat 581 mea 
fola et fera 582 Gonplexn | ne 588 clamide 592 fecuntur 
594 proxima 597 ceretif 598 Relligione 603 tarcho 610 ege- 

lido 611 affata 620 uomte 625 clippei | tectum (c auf e. R. 



ru 



von sp. H., es war x) 626 romanoq? 633 reflexam 640 araf 

641 ingebant (das erste n ähnlich u, das Zeichen über n spät) 

642 metiü (iu auf einer R. v. sp. H.) 651 coelia (i in e verw.) 

652 malliuf 658 domo 661 corrufcant 668 te catillina (te cati 

auf e. Ras. von sp. R.) 675 actalia bella 679 diis 682 diif 

688 Bracta (racta v. sp. H. auf e. R.) \ ftridentib? .691 Inare re- 
uulfas 706 fabpi 714 Vt cplar 715 diif 716 Maxima 719 ten-a 
720 Ipfeclemenf (cl geschrieben wie d) 724 numadü | malcifer 



240 

728 dachae (ch von späterer Hand auf einer Rasur, es war dahae) 
731 humero I facta. 



IX. 

9 palätini | petiuit 11 Lidoruq; manuf 16 Agnouit 20 di- 
fcindere 21 Pallantefq ; | fequor 22 Quifin 23 limphas 29 fehlt 
31 gangef (n auf e. R. von sp. H.) 37 et fcandite 39 conplent 
40 optimuf 45 faceffunt (das zweite f v. sp. H. und scheint aus 

c gemacht) 51 inoftem 52 adtorquenf 53 arduuf 55 inercia 
60 Cü | perpenfuf 67 quauia 76 conmixtä uulcanuf 83 his fehlt 
| affata | nate 91 Nee curfu 94 genitrix 102 cloto 103 gale 
thea 106 Annuit 108 conplerant 110 effulfit 113 conplet 
117 genitrix 121 steht nach 122 123 Obftupuere 124 mefapuf 
| eunetantur. et 125 tyberinus; ab alto (ab alto v. sp. H.) 129 nee 

130 Expectant 132 inmanib; nrif 137 ex feindere 140 Sedper- 
iffe 141 modo nongennf 144 annon 146 Sed 153 certuf 
155 putent deeimü 156 diei eft 163 und 164 fehlt 171 inftant 
mnefteuf 177 aenea 179 Et iuxta I eurialuf 180 nee 181 fignaf 



184 dii 186 iädudü 189 fepulti 190 per fpice porto (t durch- 
strichen) 196 palantea 197 Obftupuit 198 affatur 201 ofeltef 
202 inter von sp. H. über der Zeile 205 das zweite est feikU 
219 nequic qua (c von sp. H.) 221 Acceleremuf 226 et fehlt 
228 iffet 229 et feuta timentes 238 proxima 247 Dii 250 hu- 
merof 252 protalito aufif 254 Dii 266 antiqtra 268 ducere 

o 

274 qf (f auf e. R. v. sp. H., es war vorher d, wie es scheint; 

auch o v. sp. H.) 284 genitrix 289 lacrimaf 290 Hanc tuoro 

292 dederunt 296 Spondeo dignatuif (tui v. sp. H.) 297 genitrix 

299 fequantur 303 humero 306 mnefteuf 313 irrita 320 dextra 

fehlt und ist v. sp. H. am Rande 323 limine. 325 Rhamnetem 

(h ausradiert, m v. sp. H.) 331 Nactu' | colloa 333 eft cruore 

h _ 

334 tori<? mandent | lamaruq; 337 Menbra 344 Phadu<? | rhoethüq; 

habari? 345 Bhoethü 347 cominuf 351 ubi 357 relinqunt 

362 Cpdicuf | dat von sp. H. auf einer R. 364 hamerif nequicquä 

366 capefeunt 370 uulfcente 373 eurialuf 376 uiriq; 378 Sedce- 
l'are (das Zeichen ' v. sp. H.) 380 aditum 383 ducebat 384 hone- 
rofaq ; 398 Obpreffum 399 quam (m atisrad.) iuuenem 400 inhoftis 



241 

(das zweite i in e verw. von sp. H.) 403 altem 412 aduerfi 
432 rupit 433 pnlcrofq ; 436 lapfo ue (am Rande v. sp. H. aliter 
Mb) 439 Vulcentem | uolcente 443 aduerfo 448 capitolii 
453 primuf 457 Agnofcunt 458 multof 461 retectis (r auf e. Ä. 
von sp. H.) 463 eratofq; (o von sp. H. in a veno,) 464 fuof 
466 fequuntur 472 nimif (aus minuf) 473 pennata 480 que- 

ueftib? (ue durchstrichen) 481 illa 487 preffine 490 auulfaq; 
menbra 495 diuu 500 ideuf 502 intecta 505 Accelerant 
508 rara auf e. R. von sp. H. 513 cu 514 übet 515 inminet 
516 Inmanem 518 Necurant 519 fet | uallom (m ausradiert) 

V 

523 aequu 525 c&lio pep 529 boraf 530 fufpecto 537 adeCs 
542 inmani 546 lycimnia 547 uentifq; ad 550 aftare 553 faltuf 
, 554 And 563 cignu 567 conplent 571 coryneum 573 Ortigiü 
cpneuf 574 ytim | primolaq; 575 idam 576 capif | tbemille 
580 uulnere rüpit 582 clamidem 584 martiT | fymetia 589 arena 
601 deus fehlt und ist am R v. sp. H. 607 Et pacienf 613 Con- 
portare 614 croceo 623 Contendit | bracbia 625 Iupiter | annue 
629 arenä 631 loetifer 632 Effagit | elapfa 634 Traicit; 7 nerbif 
(7 d. i. et v. sp. H. auf e. R., es scheint früher i gewesen zu sein) 
636 fequHntur 642 DiiT 643 Gentef 645 mittit 646 forma tn 
(tu v. sp. K auf e. R.) 647 Antiqua 651 flauof 653 enidp 
659 Agnouere 672 creati 673 ipra 676 armif | oftem 677 inftant 
680 atefim 682 mutant 685 maruf 686 at fehlt 694 inmani 
696 antipbatem 708 inmania 710 Qualif ineuboico (ico auf e. R. 
von sp. H.) 714 tolluntur 717 Hinc 724 ui multa 730 In- 
mane 734 Agnofcunt | inmania 751 inmani 758 und 759 sind 
v. sp. H. eingeschoben 759 bello ingenti 764 Intergu 765 halim 
767 pritanin^ 768 Lyngea 769 dextra 770 deiectu 774 cliciu 
| cretea 775 Cretea 779 mnefteuf 790 cingitur amni 792 feuü 
804 band 808 afüduo 812 mnefteuf 

X. 

10 lacefcere 15 conponite 18 pater bominü diuuq; 24 mu- 
rorum (das erste u v. sp. H. auf 6. R.; es war früher wol e oder 
oe sowie 144 moerorum) | foffae (nach ae Rasur, es war wol früher 

foflae) 28 aetollif 29 reftrant 31 intuto 34 curnotua 35 Flec- 

6 

tere 45 peruerfp (das obere e v. sp. H.) 47 Incolumen 51 ama- 

Kriöal* : VerglUtadlen. 16 



242 

thof | paphof | cythere 53 Exiget 56 argolicif 66 regi fe (fe 
auf e. R. von sp. H.) 68 nonlinqre (re von sp. H. auf e. Ras) 
73 dimiffa 76 uenalia 77 facere (re ausrad.) 78 folgt nach 

79 83 Et potef 86 paphof | fint 87 corda (a aus e) 88 am 
Bande von sp. H. 92 fparthä 94 qnerelis 95 irrita 97 flä- 

mina 100 fuma 106 Haud 110 Seu 111 Nee rutolof 112 iupiter 

122 Nequicquä 123 I afiduf | hie ethaoniufq; (das erste h v. sp. E) 

124 tybrif 126 etthemon 129 elicio | mnefteo 130 Hii 140 diri- 
gere 143 mnefteuf 144 moerorum 146 certamine 150 petit 
153 immifeetq; 154 fatis 158 Inmin<Jt 166 tigri 169 Cory- 
thiq; 172 Sexcentof 174 calybum 179 parare | alphea aborigine 
pifjp 183 cerete 186 cynire 187 peifnp 189 cygnu 196 in- 
mane 198 ottus oder octus auf e. R, v. sp. H. 199 mantoyf 
209 uehit (h sp. auf e. R.) inmanif 220 cybele 223 Agnofcunt 
225 eimo docea 228 alloquitur 234 J genitrix 237 horrentef 
(das zweite e aus i) 238 tenet 242 clfpeum 244 irrita .201 fu- 
pera afpeetanf 252 dyndima 256 niebat 258 dicit 259 parent 
fe (t fe von sp. H. auf e. Ras.) 270 acuertice 277 preripere 
281 referto 291 fpirant 292 crefeente 293 Auertit | proraf 
294 electa (das erste e aus o) 303 uadif 304 fabftentata 
306 träftra 307 pedef | relabens 310 turmaf (aus turnuf) 

6 

313 aera futa (das obere e und c von späterer Hand) 315 licham 
317 Quodlicuit 318 Iumanemq; 322 pharon 325 clycium 328 forci 

329 numero feptem 331 Irrita 339 Suftentant 341 Dextraq; 
343 effigere 345 laufus 352 oecurrit halefaf 355 certat 360 Non 
aliter 363 Intulerat 364 Arcadef 373 urguet 377 claufit 
378 De eft 381 uellit magno 383 dedit 384 hif bon (dwreh 
einen Strich verbunden) 388 ftenium 390 aruis 401 direxerat 
410 uirtuf fociu 414 diripit 417 canenf 424 himaona 428 inte- 



re 



rimit 430 imperdita 432 addenfant 433 manuf (ve v. sp. H.) 
439 monet et 450 aequuf 453 Deüliit 475 diripit 483 Cum- 

pellif 485 que v. sp. H. 486 frauftra deuulnere 487 feqnuntur 

T 

493 quiequid 512 tempuf nerfif 516 primas (v von spät. H.) 
522 attremebunda 529 haud anima 530 cui v. sp. H. 536 orantif 

e 

537 Hec proeul aemonidef 539 armif 542 tropheä 544 Carcu- 



243 



T 



luf 545 anxirif 550 Tarquintuf 554 neqnicquä 557 Iftic 

558 patrio ne | menbra 559 fori! 561 licam 565 cui 568 cli- 
peif 570 nifei 581 cnrrul! 585 hofte (aus früherem hoftiß) 
588 Aptat 602 uictor 604 relinquunt 605 neqnicquä 608 non 

te 612 dicta 621 fatuf 628 Gni inno 654 ftabant 659 rnpit 

665 Cn aus Tu 667 tollit 668 tantotf 673 Quof ne | in fehlt 

696 manet 699 ori 702 minanta 703 nnaqne | theana 705 parim 
creat 706 minanta 709 multofq; 712 propiusne 722 pennif 
732 orodem 737 tepnenda niris (s von späterer Et.) 745 nrguet 
747 hydafpem 749 cloniuq; lycaoniuq; erichetem 750 v. sp. H. 
eingeschoben 753 Deicit | chroninm | falinf fehlt 754 Inßgnif 
762 mezentinf 775 tropheum 778 antorem 779 antorem 
785 Tranüit 788 femore (ore auf e. R. von sp. H., es war wol 
femine) 796 Proripuit 797 dextrp 799 fequuntur 801 Tela 
conicinnt 805 arte 807 pluit 809 detinet 817 Tranfiliit 
819 finnf 830 Aenea 834 lauabat 843 Agnouit 845 corpori 
857 quäquä nif 862 cruenta 868 Menbra 885 adftante 891 eqni 
von sp. H. 904 potiare 

XL 

T 

7 trophpum 11 eburnom 21 fegnefq; 30 acpftes 36 Atuoero 

52 comitantnr 57 eumihi 62 lacrimif 67 fublime 81 poft 
erga 82 fparfurof 85 aceftes (ftes a. e. E. v. sp. H.) 89 equuf 

90 hnmectat 92 fequntur 96 orrida 104 aere caffis 109 Im- 
plicnit 112 nifi 114 et fehlt vi 15 morti (o in a verwandelt, 
darüber die spätere Glosse bello) 117 decuit njecü 120 obftipuere 
(i später in u veränd.) 133 parce 135 icta 139 At iam 

141 Qupdomo (das obere do und die Puncte v. sp. H.) 149 pal- 
lante 164 Neuof 166 auf einem späteren angeklebten Streifen 

v. sp. H. 172 thopbea ferant 174 Effet (t v. sp. H.) \ aetaf 

nato 

(das erste a ausrad.) 177 Quid 178 Dextra 181 fedmagno 

(nato u. die Puncte v. sp. H.) 193 direpta 197 circumactantur 
201 hnmida 211 cofufa 212 onerabnnt (u v. sp. H. in a veränd.) 
22Ö feuuf 224 trophpif 228 nee 239—243 sind aus Versehen 
wegen des gleichen Versanfangs von 239 und 244 weggelassen und 

16* 



244 

von später Hand am Rande hinzugefügt. 247 aruif 257 premit 

a 

260 caphereuf 26.5 Exulat 266 ist von später Hand am Bande 
hinzugefügt 268 auf einem . späteren angeklebten Streif en v. sp. 
H.; auf diesem Streifen stehen auch die letzten Buchstaben uum 
des Verses 266 271 fequuntur 272 petiere 277 Appetii 278 im- 
pellite 279 beim e 288 Quicquid 290 retulit 304 obfidet 
308 adfcitif 316 antiquuf 343 egente 345 petat | muflant (da* 
zweite f v. sp. H. eingeschoben) 353 ducique 355 Data | dignufqr 

356 pingas (p ausradiert) 360 tocienf 366 habifat 373 Ster- 

namuf 878 femper dranee 381 detinet 382 murorum 383 folito 

(o v. sp. H. aus u gemacht, es war also folitum) 385 dextera | 

trophpif 386 imuda uirtuf 397 miß 398 Inclufuf | feptuf 
403 tremifcunt 404 titidef | clari faeuf (c ausrad.) 405 adriacaf 

407 aceruat 410 magne 418 femel | momordit 426 Retulit 

427 Lufit 428 auxilium 429 mefapuf 430 mifere 432 uul- 

fcorü 436 exofa 438 pftet et achillem 451 uulgi 458 cigni 
fg aus c) 

Nach V. 460 folgen 8 späte Blätter, enthaltend die Verse 
XI 461— XU 50 

463 uolfcorü edifce maniplis 464 equites 466 firmet | 
capeffant 469 Conciliu 470 corpore defert (am Rande von 
noch späterer Hand differtj 471 acceperit 472 eneam | ad- 

fciuerit 475 Buccina 478 Subtrahitur (ve v. and. H.) 481 thurfr 
487 adheo rutulü toraca 488 Horrebant 491 precipit 495 afuetus 

| profimdi 498 uulfcorum 503 st fehlt 504 tirrenof 510 fupra 
512 improbus 515 conuexe 517 collatis 518 ater 522 am- 

fractu uallis (e v. and. H.) accomoda 529 feu grandia 531 Cedit 
(l von and. Hand) 533 euirginibus 534 Compellebat 536 ne 
quicquä 547 habundäs 554 robore 562 ampne 564 propira 
magna iam 568 neque fe manus 574 armarat (darüber van and. 
Hand al' onerarat) 575 humero 577 a fehlt 578 tenera iam 
tum 582 comitata 587 iniquis 588 iuifa 591 faguine corpna 
592 italos ue 595 dilapfa 598 Etrurique (darüber v. and. H. al 
etrufci) 601 obuerfus 605 in campo 609 que fehlt 613 ruinam 
614 fonitu 616 Fluminis 617 difpargit 619 inmenia 624 pro- 
cumbens 625 undä 628 uago 630 Bif euicti 631 totasque 
632 Implicuere 640 iollä 642 Deicit hermeniä | fuluo 647 pul- 



245 

craque 650 manus (s durchstrichen) | denfat 653 fi qn intergu 

654 dirigit 656 fecurf 658 dia (am Rande alias diuaj 660 pictis 
pugnant 662 Pentefilea 663 agmina 664 postremo 666 Eneu 
(am Bernde eumenu) 668 ille undä uomens 670 bicafuque 
671 Suffoffo 672 lerte (d. i. inertem) 674 Hipodate 675 arpa- 
licuque | cromique 682 cauernis 688 redargueret 690 orfiloeü 
691 aduerfum 694 Orfilocam 702 iam nullo curfu fe 707 Crede 
folo mecu et te pugne 708 laude (daneben vel fraude) 710 equm 

d r 

712 auolat (& v. sp. H.) 714 Quadrupedemque 715 ligus (r v. 

and. H.) 716 Nee quiequam 718 pronieibus (pro in per veränd.) 

719 equu 720 efanguine 722 Ca fequitur pennis 724 penne 

726 Atqae haec non nollis 728 inicit 729 cedenciaque 735 ir- 

rita 739 arofpex 742 aduerfa ä fe 743 Direptumque 754 que 

fehlt 755 Arduus affurgens | abunco 757 carthon 762 ferens 

(das erste e auf e. Bas.) 764 uictrix fubit illa 768 cibele chio- 

__ t 

reus 770 eqa 774 fonat 775 dum (t v. and. H.) | clamideque 

778 fiue in templis 780 pungne 781 incenfa 784 Conicit 

786 cui 790 Armipotens | pulfeque tropheü 791 illa michi peto 

e 

792 ferant | mea | uulnera (e v. and. E.) 795 uacuas disparfit 
796 fubito turbata 797 Annuit 801 neque 802 Aut fonitus 
806 Sufcipiunt 807 iam fehlt 808 coneurrere 818 Labitur in- 
felis 819 offa (darüber v. and. H. oraj 821 Alloquitor fida 

822 Qua cum | cura folet atque ita 825 nouifilma 830 relinques 
836 iam dudu 839 multatä 841 fubifti statt luisti 844 geftaffe 

pharetras 846 nomine (v v. and. H.) 848 quecumque 850 dir- 

dl 

cenni 852 pulcherrima 854 fulgente armis 855 artige (di v. 
and. JB.) 847 — 855 sind nochmals geschrieben; hiebet sind fol- 
gende Varianten 847 erit ut 850 dircenni tenero 852 rapida 
pulcherrima 854 fulgentem armis 855 dinge 862 dextram 



8 



863 Extimplo 864 hefitque 867 ethereum pennis 871 aduerfi 

l 
equoß (die oberen Buchst, v. sp. H.) 877 ex speculis 879 irrupere 

885 que fehlt 887 lacrimätüque 894 ferumt | que fehlt 895 das 

erste que fehlt 896 in fehlt 901 pofeunt 910 feuu eneam 

agnouit 911 Aduentusque uirum 



246 



xn. 



6 domantes (c v. sp. H.) 10 affator 14 dardaneü 20 tantum 

equü e 24 agris 25 haud haec mollia fatis 28 erat* h' (d. i, 

hoc) omnes 30 uincula 35 tiberina 37 quociens 38 turno 

fum extincto focios 45 band quidquam 47 incipit Nach V. 50 

beginnt wieder auf einem neuen Blatt die alte Hand; auch die 

Verse 45 — 50, die auf dem vorhergehenden Blatt von späterer 

Hand geschrieben sind, finden sich auf dem nächsten Blatt von 

h 
alter Hand 45 audqua qua 47 inftitit 55 moritara 65 cui 

68 uel | ubi 76 refert 79 rutulu 86 plaufa (darüber pulcra 



a 



v. sp. H.) 92 colunp 99 fjpderae (a v. sp. H.) 100 myrraq. 
106 Hie tibr aut 126 decori 127 mnpfteuf | afylaf 128 equü 
130 telluri 132 turrif et 133 Obfidere 134 ex fumo 135 neq. 
138 Extimplo 145 libenf Die Verse 151—172 sind abgehratzt 
und von späterer Hand nochmals geschrieben 152 preftancius 
157 Accelera 158 At tu | coneeptum coneute 172 affurgentem | 

a 

lumine (a v. sp. H.) Von V. 173 an wieder die alte Hand 176 pre- 
canti 178 iuno 179 inclite 180 fub mu ni mi ne 182 Rel- 
ligio 183 Gefferit 187 aduenerit 188 dii 195 fequitur tude 

iu 

inde 205 caelü ue 211 Incluüt 221 Pubentefq* 222 paturna 
(iu v. sp. H.) \ crebefeere 225 Cui | ingnen' 245 preftantiuf 
247 fthera 250 Cygnü | improbr 253 pennif 254 Factaq. 
inuictuf 258 colnmniuf 261 orutuli 273 media | aluü 276 Tranf 

b 1 

adgit (b und i von sp. H.) \ effudit 281 fehlt und ist v. sp. H. 
eingeschoben 290 aulefte 297 celantia 298 corryneuf 300 illi 

o r 

308 DifGcit 310 clauduntur 311 inermen 315 confurgerere 
(c und r v. derselben H.) 318 später eingeschoben von derselben 
Hand 321 tantu' (u v. sp. H. geändert in a) 332 clipeo 
335 Thraca 343 Inbrafidef | at(? iaden | inbrafuf 352 neqr 
353 confpexit 356 elapfocp 361 condat 362 haf baten 363 fub- 

aiicp- daret a<^ therßlo cu<^ 364 tymoeten 377 clupeo (u aus i) 

h 
382 truncuiKp reliquid arena 384 mnefteu' 386 nitentie (i später 

unterpunetiert) 392 cui 395 facta 400 immobilif 403 Ne- 



c 



quiquä | nequiqua (c sehr spät) 406 orror - 407 Crebefcit (r sehr 



247 

spät) 410 et fehlt 412 Diptamu (p v. sp. H. aus früherem c) 
418 Inficit 422 inuulnere 428 dextra (e sehr spät) 436 te 

le a 

fehlt 438 adorauerit (le v. sp. H.) 440 et uinculuf (a spät) 

441 ubi | ingnes 442 in mane 443 Anteufq; mnefteufq; 445 pul- 

d 
foTq; 446 auerfo (d v. sp. H.) 4SI ubi 458 tymbreuf hofyrim 

460 tulunius 462 uerfifq ; 464 aduerfof 468 conciffa 474 pennii 

476 humida 479 oftendit 480 Hec conferre 485 Aduerfof to- 

cienf 486 nequicquä 490 cütorquenf dirigit 507 qua fehlt 
celerrima 513 danaimcp 514 meftüf | oniten 516 Hinc 517 ne- 
quicquä 521 dinerü 523 ubi 

Von F. 527 an bis zu Ende alles von späterer Hand. 

531 Imanis 535 lue forenti ilio 536 i tempora 538 creteu 
539 dii 541 profuit heris 547 Lemeß | folio 550 eqü 
552 uiru 554 genitrix miferrima 559 quietu 566 inceptam 
568 dicto (darüber von anderer Hand victi) 572 füma nociui 
nefandi 588 apes et famo 596 Incendi (darunter aliterinceffit 
v. and. H.) 598 in fehlt 601 affata dolore (daneben vel 
forore) 605 flauos (darüber Glosse pulcrof) 624 tegebat 627 poffet 
630 pagna 632 cognoui 634 nequidquam 637 quam 641 ne 
nostrum 648 infcia 651 fagef (g aus c) 655 Deiecturus acies 
658 quo fefe 661 Solum | afilas 662 acies 665 Obftupuit 
666 obtuitu 669 meti e 675 inftruxerat 686 äpnis foluat feu 
lapfa 687 obruptum | ictu 692 magno fic incipit 694 Quecumq ; 
fortuna 701 athon 709 difcemere 711 cominus 714 et fehlt 
715 filua 716 in fehlt 719 nemori (darüber pecori) 720 prelia 

721 Gomua obnixiq; 725 exagmine 727 däpnet 731 ao per- 
fidus 732 ictu 739 ad arma dei uulcania 741 Diffiliit | fragmia 
742 agmina turnus 

Zu dieser Collation mache ich nun noch folgende Bemer- 
kungen : 

Ausser den in dieser Collation vorkommenden Abbreviaturen 
finden sich noch etliche andere, für welche in der Druckerei keine 
Zeichen vorhanden waren. Da die Beschaffung dieser nicht eben 
oft vorkommenden Abbreviaturzeichen den Druck verzögert haben 
würde, so habe ich solche Wörter voll ausgeschrieben. Es sind 



248 

dies Abkürzungen für per (ein unten durchstrichenes p), pro, qui 
(ein unten durchstrichenes q), unt, tur, rum u. a. 

Vom zweiten Buch der Georgica an habe ich, wie ich schon 
im Eingang bemerkte, nur eine Auswahl der Varia lectio von 72 
(im Verhältnisse zu Ribbeck's Ausgabe) verzeichnet; überhaupt 
aber bemerke ich, dass folgende von Ribbeck aufgenommene 
Formen in 77 nicht vorkommen, wenn dies auch nicht ausdrück- 
lieh von mir an den betreffenden Stellen erwähnt wird. 

Nie kommen in 77 vor die Nominative flavos, novos y tuos, 
8U08, arduos, cervos, saevos, avos, alvos u. a., sondern 
immer flauus, nouus, tuus u. s. w., nie aevom, sondern 
aeuum, nie novom, clavom, cavom, sondern nouum, cla- 
uum, cauum, nie divom, sondern diu um, nie volnus^ Vol- 
canu8, voltus, avolsam, revolsis, volgata, Vols ei u. ähnl., 
sondern immer uulnus, uulcanus, uultus, auulsam u. s.w., 
nie im Nominativ equos oder equs, sondern equus, nicht im 
Gen. plur. ecum, sondern gewöhnlich equum (doch Aen. Xu 550 
eqü), nicht ruont, recoquont, volvont, sondern ruuntXL s. w., 
nicht rusus, sondern immer rursus. 

Was den Accusativus pluralis der dritten Declination be- 
trifft, so findet sich in dieser Hinsicht auch in 77 dasselbe Schwan- 
ken, wie in anderen Handschriften. Im ersten Buch der Aeneis 
z. B. bietet 77 in folgenden Fällen, in denen Ribbeck die Form 
auf -is aufgenommen hat, die andere Form auf -es: 93 duplices, 
146 Syrtes, 168 naves, YlShabentes, 185 errantes, 189 /e- 
rentes, 200 sonantes, 224 iacentes, 228 nitentes, 238 tri- 
stes, 320 fluentes, 373 annales, 411 gradientes, 428 
immanes, 472 ardentes, 487 inermes^ 523 gentes^ 527 pe- 
nates, 564 fines, 570 fines, 573 naves, 644 naves. — Die 
Form auf -t* erscheint in 77 74 omni* (und so bei omni 8 
regelmässig, wie z. B. 347 u. s.), 110 tris (ebenso 184), 182 
biremis, 635 pinguis (von später Hand ist über t -geschrieben 
eX 656 navis (i ist von später Hand in e verwandelt), 686 re- 
galis. — Und so erscheint überhaupt in 77 regelmässig -e* bei 
den Participien, -w regelmässig in omni*, tris; in vielen Fällen 
ist ein Schwanken (wie na vis und naves); oft hat, namentlich 



249 

in späteren Büchern der Aeneis eine spätere Hand die Endung 
-t* in -es verwandelt. 



Auf Grund dieser Varia lectio ergeben sich folgende Re- 
sultate : 

1) Dem Schreiber des Prager Codex fehlte jedes Verständniss 
des Sinnes, wie aus den zahllosen Fehlern, besonders aber aus 
der unrichtigen Abtheilung und Verbindung der Sylben, klar her- 
vorgeht. Vgl. z. B. Buc. II 16 quam uif tucandi duf ebd. 19 De/ 
pec tuf VI 51 quefif fet VIII 87 pro cü bat inul na Georg I 437 
pana peae et in omeli certae ebd. IV 229 Thef aurif u. s. w. In 
diesem fehlerhaften Abtheilen und Verbinden der Sylben zeigt 
sich höchstens hie und da die Kenntniss gewisser lateinischer 
Wörter, die der Schreiber zu finden wähnte, wie Buc. VIII 87 
pro, cum Georg I 437 in, certae ebd. IV 229 auris. Freilich lässt 
sich nicht entscheiden, welche von den Fehlern auf Rechnung des 
Schreibers zu setzen sind und welche etwa schon in der (unbe- 
kannten) Vorlage des Codex gewesen sein mögen. Aber auch wenn 
wir uns diesen zweiten Fall möglichst ausgedehnt vorstellen, so 
bleibt doch unzweifelhaft, dass der Schreiber des Cod. 77 ohne 
Verständniss schrieb. An etwaige Conjecturen eines solchen Schrei- 
bers ist also natürlich nirgends zu denken. — Auch die Schreiber 
der späteren Partien schrieben ohne Verständniss. 

2. Eine ziemlich erhebliche Anzahl von Eigenthümlichkeiten 
der Prager Handschrift, die sich in keiner von den bekannten 
Handschriften finden, zeigt, 

a) dass 77 aus keinem bekannten Codex abgeschrieben ist, 

b) aber auch dass 77 mit keiner uns bisher bekannten Hand- 
schrift eine gemeinsame Vorlage hatte. 

Zu diesen Eigenthümlichkeiten gehört z. B. Buc. VHI 105 
Aspice ut hec lambit (wo corripuit erst von späterer Hand über 
lambit geschrieben ist ; vgl. S. 251 f.), ebd. X 60 fubrigit statt subicit 
(vgl. S. 210), besonders aber das Fehlen einzelner Verse, welcher 
Fall an mehreren Stellen offenbar nicht auf ein blosses Versehen 



250 

zurückgeführt werden kann, z. B. das Fehlen des Verses Georg. 
H 261, Aen. VI 329, IH 595 u. a. 

Ebenso ist aber die Selbstständigkeit und Isoliertheit des 
Codex II daraus ersichtlich, dass diese Handschrift, obzwar sie 
in vielen Fällen in beachtenswerther Weise mit vorzüglichen Hand- 
schriften übereinstimmt, doch mit keiner dieser Handschriften in 
allen wichtigen Fällen parallel geht. Denjenigen Fällen, in 
welchen II mit M, P, y, a, 6, c u. s. w. übereinstimmt, kann 
man ebenso viele Fälle von Differenzen zwischen II und 
jeder dieser Handschriften (und zwar in wichtigen Fällen) ent- 
gegenstellen. 

3. Besonders beachtenswerth erscheint die häufige Überein- 
stimmung zwischen H und c, auf welche Ähnlichkeit Kelle (a. a. 0. 
S. 9) aufmerksam macht. Diese Übereinstimmung zeigt sich aber 
meist mehr in orthographischen Puncten, als in wichtigeren Din- 
gen; vergl. Aen. VI 210 extimplo, ebd. 705 Loetheum Aen. I 444 
aequi ebd. 583 jotios HI 331 horestes V 588 laberinihus, wichtiger 
IX 290 hanc tu oro. 

Dagegen finden sich wiederum wichtige Differenzen zwischen 
II und c, welche klar zeigen, dass beide Handschriften nicht aus 
einer gemeinsamen Vorlage herrühren können; z. B. Aen. I 425 c 
obtare, aber II aptare; eb. 427 c theatris, II theatri; ebd. 488 c 
adnoscit, U agnouit wie yb; IH 354 c mit anderen rnedio, II (mit 
al 61, Prüciani g>, Claudius Sacerdos, Velius Longus, Scaurus P.) 
in medio. Ein besonders wichtiger Unterschied ist aber z. B. 
dass Aen. HI 661 die Worte de collo fistula pendet in II erst von 
späterer Hand hinzugefügt sind, während sie in e von erster Hand 
sich finden. 

* 
* * 

Ich habe schon S. 207 f. einige Beispiele herausgehoben, 
welche darthun sollten, dass Codex II der Beachtung werth ist. 
Einige weitere Beispiele, die jene Behauptung noch mehr stützen 
sollen, führe ich nun noch im Folgenden an zugleich mit einer 
kurzen Besprechung der betreffenden Stellen. 



251 

Bucol. VI 74 ff. wird gewöhnlich gelesen 

Quid loquar, aut ScyUam Nisi, quam fama secuta est 
Candida suecinctam latrantibus inguina monstris 
Dulichias vexasse rotes et gurgite in cdto 
a! ümidos nautas canibus lacerass* marinis 
II bietet im V. 74 aut scillä ri (i. i. nisi) aut quam. 
Da Servius z. d. St eine doppelte Scylla unterscheidet, nämlich 
una Fhorci et Cretheidos Nymphae filia, altera Nisi Megarensium 
regis filia, und da die V. 75 — 77 erwähnte fama auf die erste 
Scylla sich bezieht, so hatDoering ut Scyllam Nisi aut quam 
vermuthet. Auch ist die Meinung geäussert worden, dass Probus 
vielleicht aut Scyllam Nisi aut quam las (vgl. Keil Philol. 
II 165), welche Leseart eben U bietet*). Mir erscheint aut 
vor quam sehr probabel**), und zwar sowol aus dem inneren 
(mythologischen) Grunde, als auch deshalb, weil die Entstehung 
der Corruptel (Ausfall des aut nach Nisi) äusserlich wahr- 
scheinlich gemacht werden kann. Schon Wagner hat bemerkt: 
n Hoc aut (nämlich vor quam) in uno se invenisse testatur Pierius; 
sed quomodo excidere potuerit, quaeritur. Aut humanae incuriae 
hoc tribuendum, aut, quod fortasse maiorem veri speciem habeat, 
festinantes librarii Nisi particulam esse, non nomen, opinantes, 
eieeto, quod male intrusum videretur, Mo aut, nisi quam scrip- 
serunt; nihil autem Ulis famüiarim esse debebat, quam hoc ipsum 
nisi qui* In 17 ist Nisi an unserer Stelle n' geschrieben, 
also mit derselben Abkürzung, die sich in dieser Handschrift 
etlichemal für die Conjunctiön nisi findet. 



Bucol. VIII 105 bietet II 

Aspice, ut haec lambit tremulü altaria flammis 
sponte awa, dum ferre moror, cinis ipse. 



*) Freilich ist diese Partie der Prager Handschrift von späterer Hand 
geschrieben ; aber es verdienen auch manche Lesearten, die sich in den 
jüngeren Partien von 77 finden, Beachtung. 
**) Auch Pierius soll aut quam in einer Handschrift gefunden haben. In 
Pulmann's Ausgaben (Amstelod. 1619. 1625 u. s.) erscheint aut Scyl- 
lam Nisi aut quam, man weiss aber nicht, nach welcher Handschrift 
oder nach wessen Conjectur. 



252 

Über lambit steht von späterer Hand corripuit Der 
Ausdruck cinis ipse lambit tremulis flammis haec altaria ist zum 
mindesten untadelig und möglich. Was diesen Gebrauch von 
l amber e betrifft, so vergleiche man Aen. II 684, HI 574. Hör. 
Sat. I 5 73, ganz besonders aber die zutreffend analoge Stelle 
Grat. Cyneg. 457 f. 

deus (näml. Vulcanus) illam moüiter aram 
lambit 

Allerdings unterscheiden sich diese Stellen von unserer in- 
sofern, als in ihnen das Subject die Flamme, das Feuer ist, 
aber die Ausdrucksweise cinis lambit altaria flammis 
ist eine kurze, praegnante und gewiss poätisch angemessene statt 
der prosaisch umständlichen und nüchternen flamm ae ex einer e 
exortae lambunt altaria. 

Mit der Construction a spiee, ut lambit vgl. Bucol. V 7 
a pice, ut antrum silvestris raris sparsit labrusca racemis Aen. VI 
779 viden ut geminae stant vertice cristae et pater ipse suo superum 
iam signat honore Aen. VIH 190 f. Auch Bucol. IV 52 ist wol 
zu lesen aspice, ventwro laetantur ut omnia saeclo und Georg. 
I 56 f. nonne vides croeeos ut Malus odores, India mittit ebur. 
Berücksichtigt man den Umstand, dass die Construction des ut 
mit dem Indicativ nach Verben des Sehens in den Handschriften 
selten ohne Anfechtung geblieben ist*), so wird auch an dieser 
Stelle die Hypothese nicht unwahrscheinlich sein, dass corripuit 
eine absichtliche Änderung der Construction aspice ut lambit ist. 



Bucol. X 22 verdient die Leseart von U Quid, Galle, insanis 
vor der Wortstellung Galle y quid insanis den Vorzug wegen der 
Symmetrie mit der ersten Frage,, in welcher auch das Fragewort 
unde an der Spitze steht: 

omnes *unde amor iste* rogant *tibif venu Apollo: 
^Quid, Galle, insanis V inquit 



*) Aen. VI 779 haben einige Codd. stent und signet. Bucol. IV 52 R 
laetantur, dagegen Pybc laetentur. Georg. I 57 findet sich mittat 
neben mittit u. s. w. 



253 

So erscheint auch das logisch wichtige Wort quid an einer Stelle 
des Verses, an der es auch metrisch zu betonen ist, so dass in 
passender Weise der metrische Accent mit dem Wortaccent zu- 
sammenfällt, während nach der gewöhnlichen Überlieferung quid 
metrisch in die Thesis kommt. 



Dass Bucol. X 74 subrigit statt subicit sehr ansprechend ist, 
wurde schon oben hervorgehoben. Ob Bucol. X 60 doloris (für 
furoris) Beachtung verdient, mag dahingestellt bleiben, ebenso ob, 
Georg. I 142 pelagique einen Anhaltspunct bietet, um mit dieser 
Stelle ins Beine zu kommen. 



Georg. I 57 wird die ächte Leseart mittit (die auch bei 
Servius ist) auch durch U bestätigt. 

Von Interesse ist es, dass Georg. I 208 neben der Über- 
lieferung die auch dies vorliegt, da nach e aller Wahrschein- 
lichkeit nach f ausradiert ist. Auf keinen Fall war der aus- 
radierte Buchstabe i, sondern da unten der Strich über die Zeile 
hinausragte, höchst wahrscheinlich f mit etwas verlängertem unterem 
Ende. 

Georg. I 481 proluit insano contorquens vertice Silvas fluviorwn 
rex EriäanuSy camposque per omnes cum stabulis armenta tvlit. 
Proluit ist auffallend. Acron (zu Hör. carm. IV 4 66) bietet 
proruit und man vermuthet, dass auch Servius proruit las, was 
zweifelhaft ist. J7 bietet Proßluit, wornach man vielleicht prosilit 
vennuthen könnte ; der Accusativ Silvas würde dann nur mit con- 
torquens zu verbinden sein. 

Dass Georg. II 261 in U fehlt und erst von späterer Hand 
am Band hinzugefügt ist, dürfte vielleicht auch Beachtung ver- 
dienen. Die Worte ante supinatas Aquüoni ostendere glaebas sind 
allerdings poätisch, aber sie enthalten keinen von terram excoquere 
wesentlich verschiedenen Gedanken und könnten für eine Variation 
von excoquere terram angesehen werden. 

Georg. H 303 bietet U Iä d. i. Iam statt nam. Heinsius hat 
tarn conjiciert, und dass dies Wort hier ansprechend wäre, scheint 



254 

auch Ribbeck anzuerkennen, indem er die Conjectur von Heinsius 
im kritischen Apparat erwähnt. 

Georg, in 97 könnte man vielleicht auf Grund der Über- 
lieferung in II vermuthen /rt** tr ans statt frustra. 

Dagegen scheint Georg. HI 76 (continuo peeoris generosi 
pullus in arvis altius ingredüur et mollia crwra reponit) die Lese- 
art von TL reflectit allerdings eine in den Text eingedrungene Er- 
klärung des selteneren reponit zu sein. — Auch Georg. HI 260 t 
(quem super ingens porta tonat codi et scopulis inlisa reclamant 
aequora), wo H resultant statt reclamant bietet, ist die gewöhnliche 
Leseart beizubehalten. 

Georg. III 413 bietet II ingenti, was auch in einigen anderen 
Codd. sich findet. Burmann zog wegen des Sinnes ingenti vor. Es 
scheint aber doch die äussere Symmetrie (in g entern clamore premes 
ad retia cervum; vgl. S. 35 f.) für ingentem zu sprechen. 

Georg. III 519 hat ausser Pal. auch U rdiquit, was auch 
durch Donatus (zu Ter. Andr. in 5 1) und Servius (zu Verg. 
Ekl. II 70) bestätigt wird. Ich stimme Bibbeck's Bemerkung 
J^ortasse melius u bei. Was den Wechsel des Praesens und Perfects 
betrifft, so vergleiche z. B. Georg. I 329 ff. 

quo maxuma motu 
terra tremit: fuger e ferae et mortalia cor da 
per gentes humüis stravit pavor. 

Georg, in 224 ff. 

nee mos bdlantis una stdbvlare, sed alter 
victus abit longeque ignotis exulat oris 



et stabula aspeetans regnis excesszt avitis 

Aen. IX 32 cum refluit campü et tarn se condidit alveo 
Vgl. Wagner Quaest. Virg. VU, 6. 

Georg. IV 45 bietet II eleui d. i. e levi. Ribbeck : „ET LEVI 
MPc & leui y e. leui b e leui (e in ras.) a e leui %, Acron 
f e levi . . . alii et levi et levi legunt* Servius (etiam Vat. Par.). u 
Heyne und Wagner haben e levi vorgezogen, und vielleicht mit 
Recht. 



255 
Georg. IV 554 ff. wird gelesen: 

hic vero subitum ac dictu mirabile monstrum 
aspiciunt, liquefacta boum per viscera toto 
stridere apes utero et ruptis effervere costis 

e 

II bietet im V. 556 Sftridere apes utero, eruptif et fernere 
coftis (das obere e von späterer Hand). 

Dies weist auf die Leseart ötridere apes utero ruptis et fer- 
nere costis hin. Mit der Nachstellung von et vgl. z. B. 

Bucol. I 67 f, en umquam patrios longo post tempore finis, 

pauperis et tuguri congestum caespite culmen, 
post aliquot mea regna videns mirabor aristas? 

Georg. I 303 f. ceu pressae cum iam portum tetigere carinae, 

puppibus et laeti nautae inposuere Coronas. 

Aen. III. 429 f. praestat Trinacrii metas lustrare Pachyni 

cessantem longos et circumßectere cursus. 

Vgl. die anderen Stellen, welche Forbiger zu Buc. I 34 
anführt und Weidner zu Aen. I 333 und II 600. 

Aen. H 112 

praecipue cum iam hic trabibus contextus acernis 
staret equus 
fehlt in H hic. Nun scheint dies Wort hier freilich nothwendig 
zu sein, aber es ist wenigstens das hervorzuheben, dass auch 
Macrobius Sat. VI 9 13 diesen Vers ohne hic citiert. 

Aen. III 10 bietet II tum statt cum. Wenn man cum bei- 
behält, so muss man die beiden ersten Sätze als coordiniert und 
durch e t verbunden betrachten ; demnach muss man interpungieren 

vix prima inceperat aestas 
et pater Anchises dare fatis vela tubebat: 
litora cum patriae lacrimalis portusque relinquo*) 



*) Die Zeitbestimmung würde in diesem Falle durch die zwei coordinierten 
Sätze gegeben sein, etwa wie Aen. in 356 

iamque dies alterque dies proeessit et aurae 
vela vocant tumidoque iqflatur carbams austro: , 
hü vatem adgredior dictis 
auf die coordinierten die Zeitbestimmung enthaltenden Sätze proeessit, 
vocant, inflatur erst der Hauptgedanke adgredior folgt. 



256 

Es ist unstatthaft mit Wagner anzunehmen, dass dem vix 
schon die Partikel et entspricht und dann erst mit* cum der den 
Hauptgedanken enthaltende Satz folge; es ist also unstatthaft zu 
interpungieren 

vix prima inceperat aestas : 
et pater Anchises dare fatü vela iubebat ; 
litora cum patriae lacrimans portusque relinquo. 

Sobald man die Correspondenz von vix — et annimmt, 
welche Annahme allerdings verlockend ist,*) so kann nicht mehr 
cum aufrecht erhalten werden, sondern man müsste tum lesen. 

Aen. in 221 findet sich in II per herlam gegenüber dem 
gewöhnlichen per herbas. Ersteres findet sich auch bei Priscian 
und Servius. Servius: Per herb am; ordo est, non per herbam t 
sed per campos in herbis videmus armenta. Doch vgl. Wagner's 
Unterscheidung von per herbam und per herbas (Quaest. Virg. IX 
p. 411 s. v. Herba), und man kann vielleicht sagen, dass gerade 
mit Bezug auf caprigenum pecus der Plural angemessener ist, um 
die einzelnen Puncte, an denen die Ziegen zerstreut weiden, 
zu bezeichnen. 

Aen. IV 548 und 549 setzt Eibbeck nach 418. Es ist nicht 
zu verkennen, dass an Vers 547 sich 549 gut anschliessen würde. 
Vielleicht wäre die vollständige Tilgung jener beiden Verse wahr- 
scheinlicher, als die von Eibbeck vorgenommene Transposition, 
bei welcher Eibbeck doch bezüglich der Partie 418. 548. 549. 



*) Vgl. z. B. Aen. III 692 

vix ea fatus erat senior, eubitoque fragore 
intonuit laevum 

V 857 ff. vix primo8 inopina quies laxaverat artus : 

et super incumbens cum puppis parte reuolsa 
cumque gubernaclo liquidas proiecit in undat 
praeeipitem 

VI 498 f. vix adeo adgnovit pavitantem et dira tegentem 

supplicia et notis eompellat vocibus nitro. 
Gegen die Coordinierang der Sätze vix prima inceperat aettat 
und et p. An eh. d. f. v. iubebat lässt sich einwenden, dass der zweite 
Satz schon einen Hauptgedanken und nicht eine blosse Zeitbestimmung 
zu enthalten scheint Übrigens liegt auch bei Servius, wenn anders 
Lion's Ausgabe hier verlässlich ist, tum vor. 



257 

[9 ff. zugeben muss: n Sed quoniam vel sie hiat oratio, non ab- 
Ivisse locum putandus est poeta. u Die Verse 548 und 549 sind 
ienfalls aus mehr als einem Grunde verdächtig, namentlich aber 
irum, weil' sie den Zusammenhang, wie Ribbeck mit Recht 
ihauptet, in auffallender Weise stören. In II fehlt nun wenigstens 
$r erste dieser Verse. 

Aen. V 515 wird duch speeulatur vielleicht wenigstens 
ne Schwierigkeit der Überlieferung behoben. 

VI 593 findet sich in II non statt nee. Dass das Asyndeton 
at pater omnipotens densa inter nubila tdum 
contorsit, non ille faces, non fumea taedis 
lumina 
►rtrefflich passen würde, unterliegt wol keinem Zweifel. 

VI 900 II tunc, und darin stimmt II überein mit Pompeius 
)5 L. und Servius zu Aen. m 16 und VHI 57. 

VII 299 ff. sagt Juno 

quin etiam patria excussos infesta per undas 
ausa sequi et profugis toto me opponere ponto. 
Absumptae in Teueros vires caelique marisque. 
Quid Syrtes aut Scylla mihi, quid vasta Charybdis 
profuit? optato conduntur Thybridis alveo, 

securi pelagi atque mei. 

p 
II hat im V. 301 Adfumte, welche Leseart dem Sinne nach 

3nigstens möglich ist; vielleicht ist sie sogar angemessener. Es 

Ire dann zu interpungieren 

Adsumptae in Teueros vires caelique marisque: 

quid Syrtes aut Scylla mihi, quid vasta Charybdis 

profuit? 

i. zu Hilfe wurden von mir genommen gegen die Teuerer die 

räfte des Himmels und des Meeres: doch was nützten mir die 

Tten u. s. w.? Das Verhältniss zwischen 301 und 302 f. wäre 

a concessives; 301 würde die Protasis repraesentiren, worauf 

e Apodosis in die Form einer rhetorischen Frage eingekleidet 

Igen würde. Adsumere wäre „jemand als Bundesgenossen zu 

ilfe nehmen" wie Liv. XXI 19 4 ne qui postea adsumerentur. — 

Lt Syrtes wird eben auf vires caelique marisque zurückgewiesen; 

Kviöala: VergUstudien. 17 



258 

denn Syrtes weist auf den Sturm hin, den Aeneas eben dort zu 
bestehen hatte; vgl. I 111, 146. 

IX 607 findet sich in IT et statt ab gerade sowie in dem- 
selben Vers Georg. II 472 in den Handschriften et steht. 

X 329 ist die Stellung numero Septem septenaque tela coni- 
ciunt, welche JI bietet, kräftiger. Warum sollte Vergil statt dieser 
naheliegenden Wortfolge die schwächere Septem numero septenaque 
tela coni. gewählt haben? 

Eine (zum Theil nach Forbiger's Noten *) gemachte) Beispiel- 
sammlung mag zeigen, wie sehr Vergil bei der Wiederholung 
desselben oder eines ähnliches Wortes zugleich die unmittelbare 
Nebeneinanderstellung, die zur Hebung des Effects wesentlich 
geeignet ist, liebte. 

Georg. H 109 nee vero terrae ferre omnes omnia possunt 
Aen. I 684 notos pueri puer indue voltus 

ebd. HI 159 f. tu moenia magnis 

magna para 

ebd. HI 329 mefamtdofamulamqueHelenotransmisithabendam 

ebd. IV 83 illum absens absentem auditque videtque 

ebd. V 447 f. ipse gravis graviterque ad terram pondere vasto 

coneidit 
ebd. V 569 parvus Atys 9 pueroque puer dilectus Iulo 

ebd. VII 656 ff. satus Hercule pulchro 

pulcher Aventinus 
ebd. X 360 f. haud aliter Troianae acies aciesque Latinae 

concurrwnt 
ebd. X 361 haeret pede pes densusque viro vir 

ebd. X 734 seque viro vir 

contulit 
ebd. Xu 138 f. extemplo Turni sie est adfata sororem 

diva deam 

Auch andere Dichter und ebenfalls Prosaiker haben von 

diesem unter Umständen sehr angemessenen Mittel gern Gebrauch 

gemacht So Plautus Aul. IV 10 41; Terentius Ad. IV 5 34; 

Lucretius I 166 (cf. Verg. Ge. H 109), 172, 741; Hör. Carm. DI 

*) Paldamus de repetitione vocum ist mir nicht zur Hand. 



259 

1 9; Ovidius Met. I 107, 141, II 92, m 60, V 511. Cicero Fin. 
Y 2 6. Auch solche überaus oft bei Dichtern und Prosaikern vor- 
kommende Wendungen, wie Ovid. Met. I 33, 504, 525 kann man 
hieher ziehen. 

Ebenso im Griechischen. Vgl. Homer H 39, 97 ; TT 776 u. s. 
Sehr oft erscheinen bei den Tragikern Verbindungen wie xaxov 
xoxcSq (Soph. 0. T. 248. 666.) povog pory u. ähnl. (Eur. Heracl. 
807. Soph. Ai. 1283). 

An unserer Stelle ist das logische Verhältniss zwischen 
numero Septem und septena tela coniciunt ein causales: „sieben an 
Zahl, und so schleudern sie denn auch auf einmal sieben Ge- 
schosse/ Demnach bieten für diese Stelle besonders eine passende 
Analogie solche Stellen wie Aen. V 569 pueröque puer dilectus 
Mo „Atys als puer war dem puer Iulus lieb" oder Soph. 0. T. 
248 »naxog verdient es auch, dass er xccxcSg lebe" u. dgl. 

Aen. X 377 steht in IT damit (die anderen Codd. claudit) ; 
das den Zustand bezeichnende Perfectum wäre die seltenere Conr 
struction. 

Aen. XI 428 ist ebenfalls die in II vorkommende Leseart 
non erit auscilium (sonst auxilio) nobis Aetolus et Arpi die selte- 
nere Gonstruction. 

Aen. XII 409 f. wird gelesen 

it tristis ad aethera cla/mor 
bellantvm iuvmurn et duro sub Marte cadentum. 

Die Verbindung der Participia bellantum und cadentum durch 
et ist streng genommen nicht logisch ; denn bei dieser Verbindung 
wären die beiden Participia einander parallel und coordiniert und 
würden demnach in demselben Verhältnisse zu it tristis ad 
aethera clamor stehen. Nun ist aber die Aussage it tristis ad 
aethera clamor doch nur berechtigt mit Bezug auf duro sub Marte 
cadentum z= dum duro bub Marte cadunt. Dagegen ist it tristis 
ad aethera clamor iuvenum, dum bellant auffallend. — ■ Dieser 
Übelstand wird durch Auslassung von et beseitigt, weil dann 
bellantum nicht parallel dem zweiten Particip cadentum ist. Ohne 
et ist der Sinn = it tristis ad aethera clamor iuvenum, dum 
bellantes duro sub Marte cadunt — Im Codex H fehlt et. 

17* 



260 

Die angeführten Beispiele sind alle (mit Ausnahme von 
Bucol. VI 74) aus den von alter Hand geschriebenen Partien. 
Eine ganz eigenthümliche Beschaffenheit nun haben aber die von 
späteren Händen geschriebenen Partien Aen. XI 461 — Xu 50 und 
XH 527 — 952. — Die Zahl der in diesen Partien vorkommenden 
aus anderen Handschriften nicht bekannten Lesearten ist ver- 
hältnissmässig ziemlich gross. Nun sind wol einige derselben 
offenbar fehlerhaft, andere kann man für unwahrscheinliche Con- 
jectur en, welche freilich schon in der Vorlage vorhanden gewesen 
sein müssten, halten; auch sind erklärende Glossen in den Text 
eingedrungen: aber auch so bleibt noch eine erhebliche Anzahl 
von Varianten übrig, bezüglich welcher man zweifelhaft sein kann, 
ob dieselben sammt und sonders auf Conjecturen oder auf eine 
verloren gegangene gute Handschrift zurückzuführen sind. Es sind 
dies folgende Fälle, in denen 77 in diesen jüngeren Partien mit 
seinen Lesearten isoliert steht. 

XI 469 f. concüium ipse pater et magna incepta Latinus 

deserit ac tristi turbatus corpore defert 

Defert ist ein Schreibfehler für differt^ was von noch späterer 
Hand am Eande steht; corpore (sonst tempore) wäre an und für 
sich möglich, sieht aber ganz einer Conjectur ähnlich, durch welche 
das nicht verstandene tempore beseitigt werden sollte. 

ebd. 477 f. nee non ad templum summasque ad Palladis arces 

subtrahitur magna matrum regina caterva 
ist subtrahitur offenbar fehlerhaft für subvehitur. 

ebd. 515 haben die Codd. 

furta paro belli convexo tramite silvae. 

77 hat conuexe d. i. convexae, was mit Bücksicht auf die 
folgende Schilderung der Localität 522 ff. vielleicht vorzuziehen 
ist. Vgl. übrigens Aen. I 310 in convexo nemorum. 

ebd. 518 ist in 77 ater für acer ein Schreibfehler; ebenso 
ist 529 8eu grandia volvere saxa (statt et gr. v. «.) falsch und 
vielleicht eine durch das vorausgehende seu, sive veranlasste üble 
Conjectur. — 554 ist robore (statt subere) ein dadurch, dass im 
vorausgehenden Verse robore an derselben Versstelle steht, ver- 
anlasster Fehler. 



261 

Ebd. 574 dürfte in 77 das Plusquamperfect armarat (darüber 
steht als Variante onerarat) eine falsche durch institerat veran- 
lasste Conjectur sein. An und für sich wäre freilich armarat 
oder onerarat zur Bezeichnung der ungeduldigen Eile des Metabus 
passend*); aber wegen des folgenden suspendit ist vorher das 
Plusquamperfect wol nicht zulässig. 

Ebd. 582 ist comitata statt contenta entweder ein Schreib- 
fehler oder eine Conjectur ;- in letzterem Falle müsste wenigstens 
auch solam — Dianam stehen. Doch ist comitata überhaupt in 
sachlicher Hinsicht unzulässig. 

Ebd. 591 scheint in 77 quicumque sacrwn violarit sanguine 
corpus aus Versehen sanguine statt volnere gesetzt zu sein, da im 
folgenden Vers sanguine an derselben Versstelle steht. 

Weitere Fehler in diesen späteren Partien, die ihren Grund 
zum Theil in einem Versehen haben, sind ebd. 664 quem telo 
primum, quem postremo,**) aspera virgo, deicis ? — 682 cavernis 
statt catervis — 707 crede solo mecum et te pugnae — 764 qua 
victrix subit illa (subit aus Versehen statt redit, weil auch 763 
subit) — 792 mea dum vulnera (vulnere v. and. H) — 796 subito 
twbata. — 802 aut sonitus (aut statt nee veranlasst durch das 
folgende aut) — XII 25 haud haec mollia fatis. — 38 si Turno 
sum extineto socios adscire paratus. — 547 solio — 630 pugna 
(der Fehler veranlasst durch die Ablative numero und honore) — 
632 cognovi — 686 äpnis (d. i. ampnis zz amnis) solvat seu lapsa 
vetustas (möglicherweise liegt hier eine schlechte Conjectur vor) — 
732 ictum (veranlasst durch ardentem) — 796 aut gelidis qua spe 
in nubibus haeres — 855 annge gressum — 867 terror — 922 tor- 
menti — 950 in pectore. 



*) Vgl. ^en. VIII 219 hie vero Alcidae furüa exarserat (Uro 

feile dolor 
ebd. XII 430 ille avidus pugmie suras incluserat auro 

hinc atque hinc oditque moros hastamque coruscat. 
**) postremo auf tdo bezogen wäre freilich sprachlich nicht absolut unmög- 
lich, aber es müsste dann auch primo stehen, was sich im Cod. Goth. 3 
findet Gegen primo und postremo spricht Hom. E 703 k'v&a tiva nodStov, 
xlva 8* vaxatov i£svaQi£av "Exxmq ts . . . xal "Aor}$ ; welche Stelle Vergil 
nachgeahmt hat. 



262 

Überflüssige oder unwahrscheinliche Conjecturen sind ausser 
den bereits oben angeführten noch folgende: 

XI 630 bis evicti (statt reiecti) armis respectant terga tegentes 

— 725 atque haec non nullis (willkürliche und unglückliche 
Änderung statt at non haec nullis) — 823 guacum partiri curas 
solet atque ita fatwr (was auch Goth. 3 bietet) — 896 süvis ohne 
in (auch Goth. 3) — XII 531 immanis — 536 in tempora — 
572 haec belli summa nocivi (daneben steht aber das echte nefandi 

— 588 vestigavit apes et fumo implevit amaro (statt fumoque) — 
658 quo (statt quae) sese ad foedera flectat — 711 coniectü cominus 
hastis (ist cominus eine Conjectur statt eminus, so gab zu derselben 
Anlass vielleicht V. 709, wo es heisst inter se coisse viros; viel- 
leicht ist cominus aber auch nur ein durch den Anlaut des voraus- 
gehenden Wortes coniectü veranlasster Fehler) — 722 cum sequitur 
statt consequitur (Conjectur oder Schreibfehler?) — 742 ergo amens 
diversa fuga petit agmina Turnus (agmina vielleicht eine Conjectur, 
weil aequora nicht verstanden wurde) — 930 dürfte die Conjectur itte 
humilis supplexque o cutis dextramque precantem protendens (statt 
oculos) darin ihren Ursprung haben, dass man das Zeugma oculos 
dextramque protendens auffallend fand. — 944 ferebat (statt gerebat). 

XI 660 ist an die Stelle des echten selteneren bellantur die 
Glosse pugnant (geschrieben pügnant) eingedrungen. 

Dagegen dürften vielleicht folgende Lesearten der Beachtung 
nicht unwerth erscheinen. 

XI 668 sanguinis üle undam vomens (sonst rivos) cadit. Na- 
türlich müsste man mit Umstellung lesen vomens undam. Mit rivos 
vergleicht man IX 456 plenos spumanti sanguine rivos; wenig passend 
sind Georg. I 132, Aen. V 200. — Aen. IX 414 ist sehr ähnlich 
volvitur ille vomens calidum de pectore flumen (nach Lucret. II 234 
sanguinis expirans calidum de pectore flumen). Doch flumen könnte 
man auch als Bestätigung von undam ansehen. Für undam (das mir 
eleganter erscheint) könnte man Silius Ital. X 245 anführen manans 
naribus unda sanguinis. Silius hat vielleicht auch hier, wie sonst 
oft, Vergil nachgeahmt. 

ebd. 795 partem vacuas disparsit (statt volucris dispersit) in 
auras. Aurae vacuae kann gesagt werden nach Analogie von aar 



263 

vacuuß, da die Dichter aurae oft = aer gebrauchen. Aer vacuus 
Georg. III 109, Hör. carm. I 3 34 : vgl. Pindar i(fij(iccg dt ccUHqoq. 
— Doch ist volucrü dem Sinne nach vorzuziehen. 

ebd. 818 labitur infelix; labuntur frigida leto 

lumina; purpureus quondam color ora rdiquit. 

Infelix ist wol eine Conjectur, durch welche eine Tautologie 
beseitigt werden sollte; denn da eopsanguü auf die Blässe des 
Gesichts bezogen werden muss, so ist es tautologisch mit pur- 
pureus color ossa rdiquit — Übrigens ist dies nicht der einzige 
Fehler dieser zwei Verse. Ein anderer Fehler ist in dem Gebrauch 
des Wortes labi. Zwar ist labuntur lumina geschützt durch Ovid 
Trist, m 3 45 labentes oculos condet amica manus: ebenso ist an 
und für sich labitur exsanguis möglich: aber die unmittelbare Ver- 
bindung der beiden Sätze labitur exsanguis (was doch jedenfalls 
das Herabgleiten vom Pferde bedeuten muss; jede andere Er- 
klärung ist als unnatürlich und gekünstelt zurückzuweisen) und 
labuntur lumina ist höchst ungefällig, weil das Verbum bei einer 
solchen nachdrücklichen Wiederholung, wenn eben die Wieder- 
holung nicht geschmacklos sein soll, beidemal dieselbe Be- 
deutung haben muss. *) — Ferner ist frigida lumina sonst nicht 
nachweisbar und sehr absonderlich. Die Behauptung Forbiger's 
rfrigida autem lumina fere i. q. X 418 canentia, i. e. morientia u 
lässt sich nicht beweisen. Frigidus und gelidus kann vom Tode 
und dem im Tode erkaltenden Körper gesagt werden: für den 
brechenden, matten, erlöschenden Blick ist frigida lumina ganz 
ungehörig. **) — Zu allem dem kommt nun noch der durch keine 
Interpretationskunst wegzuläugnende Widerspruch zwischen diesen 
Versen und 827 f. 

simul his dictis linquebat habenas 
ad terram non sponte fluens. 

Derjenige Leser, der die Aöneis zum erstenmal liest, kann — 
das wird man vielleicht allgemein zugeben — die Worte labitur 



*) Ein ähnliches Bedenken hatte schon Peerlkamp : „lila labitur, labun- 
tur oculi, non pulehre iuncta, quia totum corpus et oculi nimis 
differunt. 
**) Dass frigida schon im Alterthum schwierig erschien, zeigt die Bemer- 
kung des Servius. 



264 

exsanguis (zumal nachdem es schon im Vers 805 hiess dominamque 
ruentem suscipiunt) nicht anders als yon dem Herabgleiten 
vom Pferde verstehen und in diesem Glauben wird er bleiben 
bis Vers 827 f.; erst hier wird er gewahr, dass er, wenn nicht 
zwischen 818 f. und 827 f. ein Widerspruch stattfinden soll, 
labitur exsanguis nicht von dem Herabgleiten, sondern irgend- 
wie anders habe verstehen sollen. 

Man wird das unpassende der Verse 818. 819 vielleicht 
noch lebhafter fühlen, wenn man, wie ich schon angedeutet habe, 
alle drei Stellen, an denen das Fallen der Camilla vom Pferde 
erwähnt wird, im Zusammenhang berücksichtigt. Da der Dichter 
V. 805 f. sagt concurrunt trepidae comites dominamque ruentem 
suscipiunt, so müsste labitur exsanguis im Vers 818 eben auch 
auf das Herabfallen vom Pferde sich beziehen, und dasselbe würde 
nun noch zum drittenmal als stattfindend im V. 828 erwähnt 
werden. Es würde dies in der That einem ungeschickten Exer- 
citium in der Synonymik (ruere, labi, fluere) ähnlich sehen. 

Ich glaube, dass man im günstigsten Falle anzunehmen hätte, 
dass die Verse 818 und 819 nur ein vorläufiger Entwurf VergiTs 
waren und dass der Dichter bei der abschliessenden Abrundung 
erwogen haben würde, ob er diese Verse oder lieber 827 f. simul 
his dictis — fluens stehen lassen solle. — Doch würde ich für 
meine Person lieber annehmen, dass diese zwei Verse, die ja auch 
an und für sich bedenklich sind, überhaupt nicht von Vergil her- 
rühren. Durch die Tilgung derselben wird der Zusammenhang 
wesentlich gefördert. 

Die Lesearten XI 841 f. nimium crudele subisti (sonst 
luisti) supplicium, sowie ebd. 844 gestasse pharetras (was übrigens 
auch noch in anderen Handschriften erscheint) statt gessisse sa- 
gittas, ferner ebd. 911 adventusque virum (statt adventum que pedum) 
verdienen vielleicht Beachtung. Was die letzte Stelle betrifft, so 
kommt freilich adventusque virum auch XI 607 vor; aber ich 
möchte nicht sagen, dass es darum als aus V. 607 unrechtmässig 
eingeschoben zu betrachten ist. An und für sich kann ja das 
Vorkommen dieser Worte an einer anderen Stelle (namentlich im 
Hinblick auf die bei Vergil beliebten Eepetitionen) gerade als 



265 

ein Argument für dieselben geltend gemacht werden. Dazu kommt, 
dass im V. 911 auch im Mediceus adventusque steht, und dass 
schon die Symmetrie (es folgt flatusque) adventusque erfordert. 
Was aber virum betrifft, so ist es vorzuziehen, weil adventus pedum 
doch wol ein unschöner und factisch nicht nachweisbarer Ausdruck 
ist ; es ist ebenso unschön, wie wenn man sagen wollte pedes ad- 
veniunt Man erklärt pedum mit peditum, peditatus, und so müsste 
auch das Wort wirklich verstanden werden; aber eine Parallele 
wird man nicht beibringen können. Es liegt aber die Vermuthung 
nahe, dass eben die Absicht, den Gegensatz zu equorum zu be- 
zeichnen, den Anlass gab zur Einführung von pedum, da man 
pedztum nicht in den Vers bringen konnte. 

Xu 28 bietet II hoc statt idqye. Wenn die Frage aufgeworfen 
würde, was an und für sich besser wäre, idque oder hoc, so würde 
ich für das letztere mich erklären. Nicht bloss ist das Asyn- 
deton (das auch V. 29. 31 vorkommt) kräftiger, sondern auch hie 
ist lebhafter als is, und gerade die Dichter gebrauchen bekanntlich 
das kräftigere Pronomen hie oft da, wo in der nüchternen Prosa 
gewöhnlich is steht. Ähnlich hie z. B. Aen. IE 714 f. VI 142, 
VII 655. 

Auch furenti statt ruenti XH 535 ist vielleicht beachtenswerth. 
Über furere vgl. S. 137. 

Xu 661 reiht sich n jenen Handschriften an, welche Asilas 
bieten (statt Atinas). Es sind zwei Männer dieses Namens in 
der Aeneis zu unterscheiden. Der eine, ein Feind der Troer, wird 
erwähnt IX 571, XII 127, ebd. 550. Der andere ist Asilas ho- 
minum divomque interpres, der den Troern zu Hilfe kommt X 175 
und auch XI 620 erwähnt wird. An unserer Stelle ist nun Asilas 
zu lesen und zwar deshalb, weil Asilas neben Messapus auch 
XH 127 und 550 genannt wird, worauf schon andere hingewiesen 
haben. Atinas mag eine absichtliche Änderung sein, die von 
jemandem herrührt, der den Bundesgenossen der Troer Asilas im 
Sinne hatte. Dass im V. 661 der fragliche Krieger das Epitheton 
acer hat, welches Atinas an der 6 inen Stelle, an welcher er sonst 
genannt wird (nämlich XI 869), auch hat, beweist natürlich nichts ; 
acer ist ein häufiges Epitheton (so XI 612 acer Aconteus). 



266 

Ebd. 860 ist talem (sonst talis) se sota Nocte tulit be- 
achtenswerth ; vgl. I 503 talis erat Dido, talem se laeta ferebat. Zu 
bemerken ist, dass an diesen beiden Stellen die Phrase se ferre 
in Verbindung mit talis nach einem Vergleich folgt Die 
Parallelstellen, die man für den Nominativ anführt, sind gegen- 
über der durchaas zutreffenden I 503 nicht eben passend. So 
V 37? gut se Bebrycia veniens Amyci de gente ferebat, wo das 
Participium steht, das nicht eine so wesentliche Ergänzung des 
Prädicatsbegriffes enthält, wie talis an den beiden Stellen. Auch 
die Stellen VII 492, VIII 198, IX 597, HI 656 sind nicht zu- 
treffend. 

Endlich erwähne ich noch eine Stelle, die eigentlich früher 
hätte erwähnt werden sollen, nämlich 

Ebd. 919. In 77 steht cum tandem statt cunctanti. Cunc- 
tanti bezieht sich zurück auf cunctatwque metu im Vers 916. Cum 
tandem würde nach dem bekannten Gebrauch von cum den logisch 
wichtigeren Satz einleiten = dum Turnus cunctatnr . . . tandem 
telum Aeneas fatale coruscat. Ich bin zweifelhaft, ob diese Leseart 
cum tandem für einen auf die Ähnlichkeit des Klanges zurück- 
zuführenden Fehler oder für eine Conjectur zu halten ist. In 
letzterem Falle wäre es eine wol mögliche, aber nicht nöthige 
Conjectur. 



Nachträge und Berichtigungen. 



S. 35 und 36 sollte das erste and letzte Wort in Aen. I 91 
and in den Beispielen ans dem zweiten Bach der Aeneis durchschossen 
gesetzt werden. 

S. 39 2. Z. y. u. fehlt nach S. die Zahl 36. 

S. 63 Z. 13. v. o. ist in dem Citat das durch Versehen stehen 
gebliebene Verbum levi zu tilgen. 

Zu der Erörterung von Aen. I 742 ff. S. 168 ff. ist nachzutragen 
8. 172 Z. 6. v. o. vor den Worten „Ich sehe" folgendes: „Und so m 
hat schon Heyne zu der gewöhnlichen Erklärung hinzugefugt : Attamen 
Solis labores et ipsi de cursu solis aeeipi possunt." 

S. 179 ist zu der Z. 18 und 19 angeführten Erklärung des Ser- 
vius von Aen. II 322 die Anmerkung hinzuzufügen : „Für Servius' An- 
sicht Hesse sich freilich als Parallelstelle anführen Aen. IX 781 f.: 
Quo deinde fugam, quo tenditis? inquit Quos alios muros, quae tarn 
ultra moenia habetü? u 

Ferner bemerke ich, dass die achte von Schaper besorgte Auf- 
lage der Ladewig'schen Ausgabe des ersten Theils der Aeneis erst, 
nachdem die Arbeit fast vollendet war, in meine Hand kam. Ich 
entnehme aus der ansehnlichen Zahl von beachtenswerthen Bemerkungen 
dieses Gelehrten hier vorläufig folgendes: 

Aen. I 8 behauptet auch Schaper entschieden, dass eine Änderung 
des Textes nicht nöthig ist und dass bisher keine Gonjectur vorgebracht 
ist, welche man mit Grund der Leseart der Handschriften vorziehen 
könnte. — Freilich nimmt er quo numine laeso in dem Sinne „nach 
der Vereitelung welches kundgegebenen Wunsches," was wegen der 
für nurnen und für laedere angenommenen Bedeutung nicht wahr- 
scheinlich ist. 

Aen. I 48. 49 vertheidigt (wie ich aus Schaper's Angabe im 
Anhang ersehe) auch Witte die Conjunctive imponat und adoret. 

Aen. I 396 haben (wie Schaper anführt) schon Brandt (Oster- 
programm, Dessau 1869) und Schenkl (Zeitschr. f. d. Österreich. Gymn. 
1870. S. 390) vorgeschlagen captü tarn respeetare. 

Aen. VI 574—577 bemerkt Schaper gegenüber den von Ladewig 
erhobenen Bedenken, dass diese Verse in keinem Widerspruch mit den 
Versen 555. 556 stehen. 



Sprachliclier Index. 



Ab der e, se S. 178 

Ablativi absoluti cognito, audito 
and ähnl. in der Poesie nicht 
üblich S. 165 

Ablativus qualitatis S. 41 

Ablativus temporalis tranquillo, 
sereno S. 165 f. 

Accusativus pluralis der 
3. Decl. in 77 S. 248 f. 

a c e r Epitheton der Krieger S. 265 

A d j e c t i v a, die mit per zusammen- 
gesetzten sind in der Dichter- 
sprache nicht beliebt S. 164 f. 

adsumere S. 257 

Afficere, ursprüngliche Bedeu- 
tung S. 63 

äyeiv, Gebrauch S. 151 

agere, Gebrauch S. 151 

agmen, Bedeutung S. 46 

alt us (dolor) S. 85 

ambages S. 106 

ante malorum, ob ein Gräcismus ? 
S. 71; ante gebraucht wie it&- 

QOQ S. 71 f. 

uQitu%£iv, Gebrauch S. 61 
arx, Bedeutung S. 30 
Assimilation S. 150 f. 
Asyndeton S. 126. 183. 188. 

189. 190. 200. 257 
aura e bei Dichtern für a6r S. 263 
avvtxa subjectiver und brachy- 

logischer Gebrauch S. 108. 

Begeben, sich S. 178 



Circumdare, Constructionen 
S. 62 f. 

composito, Gebrauch S. 165 

conspectus, mit dem subjectiven 
o. objectiven Genetiv verbunden, 
S. 13 

cum den logisch wichtigeren Satz 
einleitend S. 266 

cumulare, Bedeutung S. 63 f. 

dare, se S. 177 

Dativus participii bei Homer 
S. 99; D. des Wohin S. 48; 
D. des Ziels S. 164 

dri, Gebrauch S. 101 

deinde, dehinc u. a., subjecti- 
ver Gebrauch S. 108 f. 

deinde, tum u. a., ausgelassen 
S. 161 

Delius und Delia, Gebrauch 
S. 70 A. 2 

demissa, Bedeutung S. 143 f. 

deripere S. 85 

dicare, Bedeutung S. 40 

Dichter setzen nicht selten Sub- 
stantiva statt der farblosen Pro- 
nomina S. 67 

didovai Savrov slg ipqpta? 
S. 178 

dies Genetivform S. 253. 

dii, verbürgt S. 154 

diripere, Bedeutung S. 85; di- 
ripere und deripere in den Hand- 
schriften verwechselt S. 86 

ducere S. 155 



269 



rjdrj, Gebrauch S. 101 

edere, se S. 177 

Einbeziehung eines Substantivs 
aus dem regierenden Satz in den 
Relativsatz im Lat. und. Griech. 
S. 149 f. 

Epitheton, constantes S. 50; 
Epith. steht im ersten Satze, 
dagegen das zugehörige Sub- 
stantiv im zweiten S. 69 £ 

Ergänzung des Imperfecta von 
esse S. 124; eines Wortes (bei 
Dichtern) im ersten Glied aus 
dem zweiten S. 123 

et nachgestellt S. 255. 

exonerare, Construction S. 63 

Falsus, Bedeutung S. 164 
ferre, Bedeutung S. 83; ferre 

se in Verbindung mit talem 

S. 266 
f o r e s divae = Tempelthtir S. 137 f. 
frigida lumina ein sonderbarer 

Ausdruck S. 263 
furere, Bedeutung S. 137. 265 

Gegensatz S. 96 f. 

yekäv, von Göttern S. 98 

Genetivus objectivus und sub- 
jectivus S. 163. 173 f. 

gleich, subjectiver und brachy- 
logischer Gebrauch S. 109 

Gräcismus, die Annahme eines 
Gr. abzulehnen S. 150 f. ; nicht 
anzunehmen bei namque u. s. w. 
S. 33 ; Vorsicht bei der Annahme 
von Gräcismen nothwendig ebd. 

Herba im Singular und Plural 
S. 256 



hie bei Dichtern beliebt statt des 

schwächeren i s S. 265. 
Hy pal läge, sogenannte S. 62 
Hysteron proteron (?), an- 
genommen Aen. I 398 S. 119 

Chiasmus S. 37 A. 3 

Iam, Gebrauch S. 101 

iam, iam vero, subjectiver Ge- 
brauch S. 109 

ignarus, Gebrauch S. 71 

implere amorem, Bedeutung S. 
163 

Incongruenz zwischen der that- 
sächlichen Zeitfolge und der 
Reihenfolge in der Erzählung 
S. 175 f. 

increpitare S. 167 

Indicativus praesentis statt des 
erwarteten Conjunctivs S. 180 f. ; 
Ind. bei ut in einem abhängigen 
Fragesatz S. 252. 

int er, Gebrauch S. 127 f. 

interea, Bedeutung S. 135 f. 

intra, Gebrauch S. 128 f. 

Ithacus, Bedeutung S. 66. 69 

Kay%aXäv bei Quintus Smyr- 

naeus S. 99 
xkiflteLV, Gebrauch S. 61 

Labi S. 263 

labores lunae S. 168 ff.; la- 

bores solis ebend. 

lambere S. 194, 252. 
libare, tropische Bedeutung S. 

166 f. 
1 i b a t u m (vinum) Bedeutung S. 1 66 



270 



Maestus, in Verbindung mit ti- 

mor S. 75 f. 
Medium reciprocum im Griechi- 

schen S. 127 A. 
peiäiSv, psidrjarcu bei Homer 

S. 98 
Metapher, schöne M. S. 106 

Nam bezieht sich auf einen zu er- 
gänzenden Satz S. 33 
namque nach einem Vocativ S. 33 
novae lunae S. 171 
numen, Bedeutung. S 5 

Ob, local zu nehmen S. 93 f. 
opoxkico, 6(10x11] S. 167 
onerare, Gebrauch S. 62 f. 

IIa yd, Gebrauch S. 129 
Parallelismus S. 162. 199 
TtccQcctiv&etö&ai, spätere Con- 

struction S. 95 
itccQog mit dem Praesens S. 72 
Participium consequentiae, nicht 
anzunehmen Aen. I 708 S. 161 ; 
Participium (perf. pass.) con- 
sequentiae nur möglich bei pro- 
leptischem Gebrauch S. 161; 
parallele und coordinierte Part. 
S. 259 
Perfectum wechselt mit dem 
Praesens S. 254 — zur Be- 
zeichnung des Zustandes S. 259 
perlegere, Gebrauch 8. 191 
Personification S. 191; im 

Gebrauch von Epitheten S. 76 
placidus, Bedeutung S. 50 f. 
Plural, auffallend S. 180 u. 181; 
Plural statt des Singulars bei dich- 
terischer Verallgemeinerung S. 2 



Plusquamperfectum zur Be- 
zeichnung der Eile S. 261 und 
Anm. 

ponere, Bedeutung S. 190 

porta, Bedeutung S. 44 

primus, in der gewöhnlichen Bed. 
Aen. H 263 S. 175 

prodere S. 177 A. ; se, Gebrauch 

S. 177 

Prolepsis des Subjects des ab- 
hängigen Satzes im Lat. und 
Griech. S. 149 

promere, se, Gebrauch S. 177 

Pronomen, bezeichnet in nicht 
notwendiger Weise dasselbe Sub- 
ject S. 67 ; statt des Pronomens 
steht ein Substantiv S. 67 

Pronomen, relativum, dem Prä- 
dicat nachgestellt S. 61 

TtQOöditteiv S. 63 

prospicere, ein passender Aus- 
druck S. 50 

Que, in Verbindung mit Präposi- 
tionen S. 192 f. 

Hapere, flammam, viam u. a. 

S. 60 
referre, Gebrauch S. 83 f. 
regere imperium S. 106 
renarrare, nicht schlechthin = 

narrare S. 84 A. 
rependere, Bedeutung S. 96 
reponere, Bedeutung S. 189 f. 
res summa, Bedeutung S. 179 
rivus tropisch gebraucht S. 262 
ruere, Bedeutung S. 14 

S a 1 s u s, Epitheton von sudor S. 1 74 
secessus, Bedeutung S. 58 



271 



eecundus, Bedeutung S. 57 

seditio, bildlich S. 57 

sie, recapitulierend S. 93 

s in us t Bedeutung S. 59 u. A. 1 

s o 1 a r i occasum, Bedeutung S. 94 f. 

Sperrung S. 35 ff. 

Stellung zusammengehöriger oder 
paralleler Wörter am Anfang u. 
Ende des Verses bei Vergil 8. 
35 f. ; am Anfang des einen u. am 
Ende des nächstfolgenden Verses 
S. 38 f. ; am Anfang u. Ende eines 
kürzeren o. längeren Wörtercom- 
plexes S. 36 A. 1. — Stellung 
gleicher oder ähnlicher Wörter 
unmittelbar neben einander im 
Latein und Griech. S. 258 f. 

stagna =: Meer S. 48 

sub S. 15 

S u b j e c t, nochmalige Bezeichnung 
des S. im zweiten Satz S. 64 ff. ; 
ein nicht zweifelhaftes S. doch 
im zweiten Satz oder Satzglied 
durch ein Pronomen bezeichnet 
S. 67 ; ein zwei Sätzen gemein- 
sames S. erst im zweiten Satze 
gesetzt S. 70 

subicere, se S. 208 ff. 

&ubire S. 192 

subrectus, Bedeutung S. 209 

Substantivum appellat. statt 
des Personalpronomens S. 20 

super, bezeichnet den Gegenstand 
der Handlung S. 11 

superiaetare S. 11 

Symmetrie S. 57. 135. 

Tandem, subjeetiver Gebrauch 
S. 108 



tarda nox, Bedeutung S. 172 f. 
Tautologie S. 263 
Tiberinus, absolut S. 66 
frvsiv, &vv€W Gebrauch S. 137 
Tmesis, sogenannte S. 62 
trabes = Pfosten S. 124 f. 

Unda tropisch gebraucht S. 262. 

Vacuus S. 262 f. 

Vel von blosser Verschiedenheit 

der Form S. 172 A. 
velivolum mare S. 92 
venia, Bedeutung S. 139 
Verba, ob die mit re zusammen- 
gesetzten V. die Bedeutung der 
einfachen haben? S. 47 f. 
Verbindu n g, dreigliedrige S. 190 
vetus, Bedeutung S. 8 f. 
Vocativ, in Reden gleich im 
ersten Satz S. 53 f.; als Stell- 
vertreter eines Satzes begründet 
durch namque S. 33 ; vertritt 
einen ganzen Satz S. 72 f. ; bei 
Horaz S. 73; bei Sophokles 
S. 73 
vox, Bedeutung S. 182 
vydävati, se (böhm.) S. 178 
Wiederholung, desselb. Wortes 
S. 142; des Substantivs S. 68 

Tito S. 15 

Zeitbestimmung S. 92; durch 
einen Hauptsatz bezeichnet S. 
255 f. 

Zeugma S. 262 

Zwischenstellung v. Wörtern 
ein geeignetes Mittel zur Schei- 
dung von Gruppen S. 176 f. 



Sachlicher Index. 



Accius S. 174 

Achates S. 191 ff. 

Acron S. 253 

Aeneas, seine pietas S. 110 f.; 
seine unberechtigte Klage S. 79 
A. ; Ae. Leiter der Fahrt S. 183 ; 
ob Ae. bloss von Achates be- 
gleitet zur Sibylla gieng S. 191 f. 

Aeolus, wo hat man sich nach 
Vergil seine Wohnung zu denken 
S. 26 ff. ; seine Herrschaft S. 31 ; 
Schwierigkeit seiner Aufgabe S. 
27 ; bei Vergil ehelos und kinder- 
los S. 32 A.; ünhöflichkeit der 
Juno gegenüber ist ihm nicht 
zuzutrauen S. 41 

Allegorie, physikalische, ob an- 
zunehmen Aen. I 78 ff. S. 32 

Anachronismen bei Yergil 
S. 87 

Apollonios Rhodios S. 105. 
146; Disharmonie bei ihm S. 158; 
komische Momente bei ihm 
S. 157; Ap. Vorbild Vergils 
S. 170 

Aristaeus S. 49 

Ascanius, seine Regierungsdauer 
S. 100 ; verschiedene Sagen von 
Asc. ebd. A. 

Asilas S. 265 

Atinas S. 265 

Bestattung nothwendig, wenn die 
Seele Ruhe finden soll S. 194 f. 



Cloanthus S. 186 ff. 

conclamatio bei den Hörnern 
S. 88 

C u p i d o und seine dämonische Ein- 
wirkung aufDido — ein glück- 
licher Griff Vergil's S. 159 f. 

Dichter; der D. darf nicht ver- 
rathen, dass die Anrufung der 
Muse nur zum Schein geschieht 
S. 4 ; Ungenauigkeit der Dichter 
S. 104; sie gebrauchen den 
Plural in verallgemeinerndem 
Sinne statt des logisch genaueren 
Singulars S. 2 

Di do, ihre Energie S. 105 f. ; Cha- 
rakteristik S. 106 A.; Interesse 
für die Troer S. 144; Zartgefühl 
und Freundlichkeit S. 145 ; Liebe 
zu Aeneas durch Cupido bewirkt 
S. 159 f. 

Dittographie S. 61 

Effect, Mittel zur Steigerung des- 
selben S. 97 

Eigennamen statt der Personal- 
pronomina S. 17 ff. 

Ennius, Vorbüd Vergils S. 97 

Epeos S. 176 

Epos, ein angeblich der Würde 
des E. nicht angemessenes Mo- 
ment S. 91 f. 

Erz, zur Bezeichnung des Festen, 
Unbezwingbaren S. 125 



2.73 



Etymologie, bei Vergil beliebt 
S. 100 

Gegensatz S. 151 

Genauigkeit, übertriebene G. 
unpoetisch S. 6 

Georgica, in den G. nie der 
Eigenname statt des Personal- 
pronomen S. 20 

Glossen in den Text eingedrungen 
S. 260 

Gradation S. 101 A. 

Gratius S. 252. 

Griechen, Feindschaft zwischen 
Griechen und Troern S. 185 

Hebrus S. 104 

Hesiod S. 52 

Hesperia, Erwähnung H.'s im 
I. Buch der Aeneis S. 79 

Homer S. 194, Vorbüd Vergil's 
S. 30. 58. 72. 73. 105. 110 f. 
178.; komische Elemente bei 
H. S. 40; H. gebraucht von 
Zeus und Hera nicht ysXäv, 
sondern fistdiav S. 98, Eigen- 
name statt des Personalpron. 
bei H. S. 22 f.; [irjTrjQ statt 
des Personalprom. bei H. S. 23 

Horatius S. 99. 171. 

Humoristische Momente bei 
Vergil S. 167 

Hyperbel, poetische bei Vergil 
S. 74. 94. 110 u. Anm. 

Interpolation S. 185 
Italia, Erwähnung Italiens im 

I. Buch S. 79 
Juno, ihre Unversöhnlichkeit S. 3 ; 

als Königin der Götter kann sie 

Kviöala : Vergilstudien. 



die einer anderen Gottheit zuge- 
fügte Beleidigung strafen S. 6; 
politisches Moment ihres Grolles 
gegen Aeneas S. 10 ; participiert 
an der Weltregierung S. 32; 
spricht bei Ovid von sich gern 
in der 3. Person S. 21 A. ; ist auch 
bei Ovid in unruhiger Besorgniss 
wegen der Verminderung ihrer 
Ehre S. 17 

Jupiter, hindert nicht den Plan 
der Juno S. 3 A. 1 

Juvenal S. 171 

Karthago, von der Juno geliebt 
S. 115 ; von Vergil als im Werden 
begriffen dargestellt 130 f. 

Kochen, das K. von Vergil und 
Ovid in die heroische Zeit ver- 
setzt S. 87 

Komische, das, ist nicht fremd 
dem homerischen Epos S. 157 A. 

Kritik, ein bedenkliches Princip 
der Kritik S. 93; nicht alles 
tadelnswerthe verfällt der kri- 
tischen Athetese S. 99 

Lachen, das, der Götter S. 97 f. 

Latium, wo erwähnt, S. 77 ff. 

Leseart, fehlerhafte L. vielleicht 
durch den Einfluss einer home- 
rischen Stelle entstanden S. 34 

Lucan S. 171 

Lucretius S. 170; Stellung 
gleicher Wörter neben einander 
bei Lucr. S. 258 

Machaon S. 176 
Menelaos S. 176 
Mimnermos bezeichnet die Zu- 

18 



274 



rücklegung der Sonnenbahn als 
itövog S. 170 

Odysseus S. 75. 111 

Orpheus bei Apollonios; sein 
Gesang beschwichtigt den Streit 
S. 170 n. Anm. 

Ovid, Eigennamen statt des Per- 
sonalpron, bei Ov. S. 24 f.; 
Substantiva appell. statt des Per- 
sonalpron. S. 25 ; die Wohnung 
des Aeolus bei Ovid S. 27 f.; 
Selbstanrede der sprechenden 
Person bei Ov. S. 132 f. ; Schil- 
derung der Mühen des Sonnen- 
gottes S. 169 f. ; Stellung gleicher 
Wörter neben einander bei Ovid 
S. 259 

Panthus S. 180 
Probus S. 6, S. 251. 
prodere in den Handschriften 

corrumpiert S. 178 
Propertius S. 171 

Qu intus Smyrnaeus, dachte sich 
die Wohnung des Aiolos ausser- 
halb der Windhöhle S. 28 ; Dif- 
ferenzen zwischen Quintus und 
Vergil S. 29 ; ist nicht mass- 
gebend für die Erklärung Yer- 
gils S. 43; Missgriff S. 98 

Reticentia poetica S. 80. 102. 

Sage, Variation derselben S. 100 
Anm. ; Sage von der Überlistung 
des Iarbas S. 107 

Serestus S. 186 ff. 

Sergestus S. 186 f. 

S e r v i u s, die Erklärung der Worte 



vi superum Aen I 4 bei S. ein 
Conglomerat S. 1; Bemerkung 
zu I 21 f. S. 6, zu I 23 S. 8, 
zu I 29 S. 10, zu I 32 S. 11, 
zu I 34 S. 13, zu I 48 f. S. 16 
Anm., zu I 63 S. 31 (feine Be- 
merkung), zu I 78 ff. S. 32, zu 
I 73 S. 40, zu I 75 S. 41, zu 
I 76 f. S. 41 und 42, zu I 127 
S. 50, zu I 176 S. 60, zu I 
198 S. 71, zu I 202 S. 75 f., zu 
IV 345 f. S. 81, zu I 213 
S. 86, zu I 223 S. 91 A., zu 
I 233 S. 93, zu I 239 S. 95 
Anm., zu I 317 S. 104, zu I 
369 S. 107, zu I 381 f. S. 114, 
zu I 448 S. 123, zu I 455 
S. 126, zu I 574 S. 151, zu I 
683 S. 156, zu l 716 S. 163 
und 164, zu I 725 S. 164, zu 
I 742 S. 171 f., zu n 172 f. 
S. 174, zu II 259 S. 175; Servius 
nimmt zwei Seresti an S. 188 
A. Ausserdem vgl. S. 32 Anm., 
S. 33 A. 1, S. 42 A. 2, S. 44, 
S. 103 A., S. 140, 146 A., 
193, 195 A., S. 251 

Silius Italicus S. 104; Nach- 
ahmung Vergil's S. 262 

Sophokles, Eigenname statt des 
Personalpron. bei Soph. S. 25 

Symmetrie S. 84, 254. 

Thüren, öffnen sich nach aussen 
S. 43 A. 3 

Tisiphone S. 197 f. 

Turnus spricht öfter mit Selbstge- 
fühl von sich in der 3. Pers. S. 21 

Valerius Flaccus, über die Woh- 



275 



nung d. Aeolus S. 27 ; er überbietet 
Homer und Vergil S. 110 f. A. 

Variation desselben Gedankens 
S. 152. 

Venus beklagt sich über die Vef- 
folgungssucht der Juno S. 3 A. 1., 
spielt der Juno gegenüber eine an- 
dere Rolle als Aeolus S. 42 

Vergil, Verwechslung der Zeit 
bei ihm S. 9 — Sinnlichkeit 
des Ausdruckes S. 15 — auf- 
fällige Makrologie S. 19 A. 2 

— beugt einem Bedenken des 
Lesers vor S. 78 A. — Ana- 
chronismus S. 87 — Hyperbel 
S. 74, 94 — nicht ganz ange- 
messenes Verfahren S. 74 f. — 
V. lässt unklar, warum Juno bei 
Aeolus supplex auftritt S. 32 — 
bezeichnet nicht klar die localen 
Verhältnisse S. 26 — hat kein 
bestimmtes Local vor Augen 
S. 58 — bildete sich nicht 
immer eine bis ins einzelne ge- 
hende Vorstellung S. 30 — 
vollkommene Genauigkeit von 
ihm nicht zu fordern S. 31, 
45 — musste nicht alles im 
Detail schildern S. 113 u. Anm. 
S. 155, S. 193 — durfte in 
Details frei schalten S. 187 — 
reticentia poätica S. 80 — 
Widersprüche in der Aeneis 
S. 81, 102 f., 109 f. — Unge- 
nauigkeit S. 139 — letzte Feile 
fehlt in der Aeneis S. 199 — 
Darstellung lückenhaft S. 193 

— unzulänglicher Zusammen- 
hang S. 83 — Vergil dormitat 
S. 82 — zu loben 8. 152 — 



zu tadeln ebend. — Entlehnung 
eigener Verse bei V. S. 120 f. 

— Selbstanrede der sprechenden 
Person S. 133 — V's Erfindung 
S. 32 — absichtliche Abweichung 
vom Mythos S. 32 A. — V. 
lässt den Aeneas unberechtigte 
Klagen fuhren S. 79 A. — leitet 
die Erbfeindschaft zwischen den 
Römern und Puniern her aus 
dem Vernältniss des Aeneas zur 
Dido 160 f. — will für Dido 
Sympathie einflössen S. 159 — 
setzt den Vocativ gleich im 
ersten Satz der Rede S. 53 f. — 
führt nachträglich einen früher 
nicht erwähnten Punct an S. 121 

— liebt Etymologien S. 100 — 
Übereinstimmung mit Homer 
S. 40 — Abweichung von Homer 
S. 60, 136 — homerische Re- 
miniscenz S. 58, 136 — Nach- 
ahmung Homers S. 30, 72, 105, 
178, 261 A. 2 — V. will Homer 
überbieten S. 110 und A. — 
bleibt zurück hinter Homer S. 73f. 
110 f. — ahmt Apollonios nach 
S. 170 — übertrifft Apollonios 
S. 157 — Ähnlichkeiten zwischen 
der Aeneis und den Argonautika 
S. 146 ff. 157 — glückliche 
Nachahmung des Ennius S. 97 f. 

— unvollendete Verse S. 162. — 
Stellung gleicher oder ähnlicher 
Wörter neben einander S. 258 

Widerspruch S. 81. 102 f. 
109 f. 116. S. 263 f. 

Winde, ihre Behausung als Ge- 
wahrsam gedacht S. 42 u. A. 3. 



Druckfehler. 



S. 8 Z. 15 ist zu lesen : dass, wenn 

S. 10 Z. 6 „ „ „ Juno 

S. 13 Z. 14 v. u. ist zu lesen Genetiv 

S. 63 Z. 13 ist zu tilgen levi 

8. 210 Z. 22 ist zu lesen attollit 



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