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Full text of "Vergleichende Slavische Grammatik"

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ho-^i 



Oöttinger Sammltmg indogermanisoher Orammatiken. 



Vergleichende 

Slavisehe Grammatik 



von 



V^cv^CA-O^^^^ 



Dr. (Wenzel) Vondr&k. 



I. Band. 
Lautlehre and Stammbildongslelire. 






6ottiii9eii 

Tandenboedi und Rapred)t 

1906. 



OalT.>BMhdnwkM«l v«b B.A.Htüb, OBfMini 



Vorwort 



\ Das Bedtir&is nach einer Grammatik, die das Slavische mit 

den anderen tmd zwar insbesondere mit den zimächst verwandten 

indoeuropäischen Sprachen erklärend zu vergleichen hätte, wird 

allgemein lebhaft empfanden. Das Slay., das hier zunächst in 

Betracht käme, wäre freilich das üralay., d. h. jene Sprache, welche 

^ die Slaven sprachen, als sie nur einige Tausend Köpfe zählten und 

"* sich noch nicht in mehrere sprachlich abweichende 2iweige getrennt 

^ hatten. Das ürslay. kann aber nur aus den lebenden oder wenig- 

K stens schriftlich — allerdings meist nur unyoUkommen — erhaltenen 

;^ slay. Sprachen erschlossen werden. Wenn auch hiebei das Alt- 

^ kirchenslay. als die älteste uns schriftlich überlieferte slay. Sprache 

^ in erster Beihe steht, so darf man es doch nicht durchwegs in der 

RoUe des Urslav. auftreten lassen; in mehrfacher Hinsicht kann 

es sie allerdings übernehmen. Man muß also in einer ygl. slav. 

Gramm, in erster Beihe doch die yorhandenen oder überUeferten 

slay. Sprachen berücksichtigen, wenn man nicht den Boden unter 

den Iiißen verlieren will. Wird schon dadurch die vgl. slay. 

Gramm, teilweise auch zu einer ygl. Gramm, der slav. Sprachen 

unter einander, so verdient sie diese Bezeichnung noch mehr, wenn 

man darin vielfach grammatikalische Erscheinungen innerhalb der 

einzelnen slav. Sprachen noch weiter verfolgt, als man es vielleicht 

in einer vgl. slav. Gramm, erwarten sollte. Wenn dies auch hier 

geschah, so haben mich dazu mehrere Gründe veranlaßt. Zunächst 

halte ich die einzelnen slav. Sprachen noch nicht für so weit 

bearbeitet, daß man aus ihnen ohne weiters überall Schlüsse auf 

das Urslav. ziehen könnte; der Nachdruck kann demnach noch 

nicht auf dieses gelegt werden, vielmehr müssen vorläufig noch die 

einzelnen slav. Sprachen selbst im Vordergrunde stehen. Ich will 

hier nur beispielsweise den Laut e anfüm^n, über dessen Wert 

im Urslav. die Ansichten der Forscher, wie wir sehen werden, 

diametral auseinander gehen. So lange man die Geschichte dieses 

Lautes in den einzelnen slav. Sprachen nicht genau ermittelt hat, 

kann man den weiteren Schritt, der zum Urslav. führt, nur mit 

großer Unsicherheit versuchen. 

Ferner zeigt es sich jetzt schon, welch' enorme Wichtigkeit 
den slav. Sprachen, insbesondere dem Serbokroat. und Buss. in 
akzentueller Hinsicht zukommt, da sich hier so Altertümliches 



:i9 



IV 

erhalten hat. Aber auch das Böhmische läßt mitunter aus seinen 

SuantitätsTerhältnissen auf einstige urslay. Formen Schlüsse ziehen. 
8 werden nun Worte, Formen aus diesen Sprachen herangezogen, 
und da empfiehlt es sich doch, daß man wo möglich auch ibren 
Zusammenhang mit den übrigen slay. Sprachen erfasse. Nebenbei 
bemerkt, wurde hier diesen Akzent- und Quantitätsverhältnissen 
im Slay. eine größere Aufmerksamkeit gewidmet damit wenigstens 
die diesbezügUchen Hauptprobleme zur Darstellung kämen. Wir 
stehen zwar erst am Anfang dieser Forschung, aber schon jetzt 
ist es klar, daß sie uns ein ungeahntes Licht auf so manche dunkle 
Punkte der ygl. Grammatik werfen wird. Die slay. Sprachen 
müssen hiedurch eine große Wichtigkeit in der Sprachforschung 
erlangen. Diese hätte ihnen eigenthch schon früher zugesprochen 
werden sollen, selbst wenn man z. B. nur auf ihre syntaktischen 
Verhältnisse Rücksicht nehmen wollte. 

Gern hätte ich noch intensiyer, als es hier geschehen ist, die 
einzehien slay. Sprachen, herangezogen, aber der Umfang des 
Buches wäre zu sehr angewachsen und in dieser Hinsicht durften 
gewisse Grenzen nicht überschritten werden. Am meisten mußte 
natürlich noch das Altkirchenslay. berücksichtigt werden. Wird 
bei einem Worte die Proyenienz sonst nicht nsüaer bezeichnet, so 
ist es in der Begel altkirchenslay. (bez. kirchenslay., worüber in 
der Einleitung) und in solchen Fällen meist auch urslay. Wo es 
notwendig ist, werden die fürs Urslay. erschlossenen Worte und 
Formen, die yon der Überlieferung abweichen, mit * bezeichnet. 
BezügUch der Abkürzungen merke man: aksl. » altkirchenslayisch; 
b. = böhmisch (ab. = altböhmisch und analog auch in den weiteren 
Fällen); bg. » bulgarisch; ka§. = kaäubisch; klr. siehe bei r.; 
kr. = kroatisch; ksl. = kirchenslayisch; ns. = niedersorbisch; 
OS. = obersorbisch; p. = polnisch; r. = russisch (gr. = groß- 
russisch, klr. = kleinrussisch oder ruth. = ruthenisch, wr. — 
weißrussisch); s.-kr. — serbokroatisch (in den ersten Bogen ist 
der Verbindungsstrich einigemal unterblieben, hoflfentlich wird in 
diesen Fällen das skr. nicht als ,8anskrit' gelesen werden), sonst 
bezeichnet s. — serbisch im Sinne yon serbokroatisch, nur in der 
Akzentlehre ist es enger aufzufassen (im Sinne des Stokayischen). 
Durch diese einfache und harmlose Abkürzung mit s. wollte ich 
natürlich keinen staatsrechtlichen oder wie immer gearteten Kon- 
flikt heraufbeschwören: sie kam nur aus BequemUchkeit zur An- 
wendung. In Überschriften und mitunter sonst auch werden leicht 
yerständliche Abkürzungen wie z. B. poln., böhm. u. s. w. gebraucht, 
sie bedürfen, wie auch andere, nicht der Erklärung. 

Wien, den 12. Oktober 1906. 

W. Yondr&k. 



Inhaltsverzeichnis. 



Seite. 

Einleitung 1 

I. Südslav 2 

1. Balgarisch 3 

Altkirchenslay 3 

2. Serbokroat 5 

3. Slovenisch 6 

II. BuBsisch 6 

III. Westslavisch 7 

1. Polnisch 7 

2. Polahisch 8 

3. Sorbisch 9 

4. Böhmisch 9 

Zar Aussprache der slav. Laute 11 

Einteilung der Grammatik 12 

Laaüehre. 
Vokalismus. 

Ursprung und Bestand der urslav. Vokale 13 

Reflexe der einfachen Vokale 13 

Beflexe der Diphthonge 14 

Kurzdiphthonge 14 

Langdiphthonge 17 

Bestand und Einteilung der urslav. Vokale 19 

Lange und kurze Vokale 20 

Die palatalen (oder weichen) Vokale: i, t, e, e {{) 20 

Labialisierte Vokale 23 

i 24 

Veränderungen des i im Slaviscben 30 

Berührungen zwischen t und den e-Lauten 31 

e 32 

Ursprung und lautliche Geltung 32 

Die kurzen «-Diphthonge 39 

Verdumpfung des « zu o 39 

e im Anlaute ^ 48 

e 51 

Ursprung und lautl. Entwickelung 51 

Veränderungen des e auf slav. Boden 58 

e im Anlaut 63 

Veränderungen des e in den einzelnen slav. Sprachen . . 66 

a 76 

Ursprung des Lautes 75 

Veränderungen des a auf slav. Boden 79 

o ,--: 80 

Ursprung des o , 80 



VI 

Seit*. 

Yerändernngen des o auf slav. Boden 84 

Assimilation 87 

geht in u über 89 

Labialisieriing des o 90 

Dehnungen des o 93 

Wechsel zwischen o and a 94 

u 95 

Ursprung des Lautes 95 

Veränderungen des u auf slav. Boden 100 

V 101 

Graphische Darstellung, lautlicher Wert des y .... 101 

Umlaut des y zu i ' 111 

Veränderungen des y auf slav. Boden 112 

Die nasalierten Vokale ? nnd q 114 

Sprachgeschichtliches 114 

Inlaut 115 

Auslaut 122 

Wechsel zwischen q und u im ürslav. liautphysiologische 

Bemerkungen 126 

Die Nasale und ihre Reflexe in den einzelnen slav. Sprachen . 131 

Die Halbvokale s und » 134 

Lautliche Geltung 134 

Ursprung der Halbvokale. Das s 136 

Ursprung des b 139 

Schwund der Halbvokale 144 

Vertretung der Halbvokale durch volle (Vokalisation) .... 144 

Übergang des » in » 149 

Umlantserscheinungen bei den Halbvokalen 150 

Die trz>t', trtt-, tkt- und <fo<-Gruppe 152 

Beflexe der Halbvokale in den einzelnen slav. Sprachen . . . 153 

Ablaat 157 

a) Quantitativer Ablaut 158 

Dehnstufe und Dehnung überhaupt 164 

b) Qualitativer Ablaut . . . ' 168 

Ablautsreihen 173 

Verteilung der Ablautsstufen 174 

VokalassimilaHon (Umlaat) 177 

Kontraktion 179 

Hiatus 179 

Vokalischer Anlaat 180 

Auslaut 187 

Akzent und Quantität 187 

Intonation (Silbenakzent, Tonqualität). Ursprung der gest. Int. 192 

Ursprung der geschleiften Int 195 

Durch Intonation bedingte Akzentgesetze 197 

Das Verhältnis der slav. Int. zur lit. MutmaBliche Begründung 

ihrer Einwirkung auf den Akzent 205 

Intonation kurzer Vokale 208 

Quantitätserscheinungen allgemeineren Charakters ..... 212 

Einzelsprachliche Dehnungen 214 

Serbokroatisch 221 

Slovenisch 232 

Bulgarisch 238 

Russisch 239 

Polnisch 240 

Polabisch 243 

Böhmisch 243 



vn 

Seite. 



Konsonantismus. 



Uraprang and Bestand der slav. Konsonanten 260 

Erwcicliang (Palatalisiernng oder Monilliernng) der Konsonanten . . 255 

Die Qnttnrale k, g, eh 258 

Veränderangen der Gatturale 261 

Gruppe kt 270 

Einige Konsonantengrappen mit k 271 

Spatere Erweichang der Gutturale 272 

Die Dentale ^ rf 274 

Veränderungen der Dentale 275 

Assimilation der Dentale 278 

Dentale werden eingeschaltet 279 

Palatalisierung der Dentale 280 

Differenzierung der Dentale 280 

Die Labiale p, h, v {m) 281 

Das sog. / epentheticum 285 

mj wird mh 287 

Aspiration der Labiale 288 

Assimilation der Labiale 288 

Dissimilation 289 

Die Uqnidae r und / 289 

Abarten der Liquidae im 81av 289 

Die ort-, oU-, ert-, eU- und die -tart-f -toU- und -tert-, -<eft-Grnppe 293 

Buse 310 

Polab 310 

Kalub 811 

Sorbisch 312 

Erweichung des r, /; das r 313 

Wandel und Stellungsänderung der Liquida r. Ihr Verlust . 317 

liqnidadissimilation 818 

Verlust des / 320 

Sporadische Veränderungen des / 320 

Die Nasale m, n, if (n oder nf) 320 

Veränderungen des m 321 

fi 323 

Erweichung der Nasale 325 

Andere Veränderungen der Nasale 325 

Die silbisdien Uqnidae r, / und Nasale 91, t» 326 

Die silbischen Liquida f , / 326 

Die weiteren Schicksale des »r, »r, &/, »/ in den einzelnen slar. 

Sprachen 330 

Die silbischen Nasale ^, ti 335 

Die dentalen Affricatae e, dz (d, dz) und dentalen Spiranten «, z (i, £) 343 

Ursprung dieser Laute 343 

Wechsel von palatalen und relaren Gutturallauten 347 

» wird zu cA 349 

A) Antevokalisches «, a) nach Vokalen 350 

b) antevokalisches » im Anlaut . . « 355 

c) antevokalisches « mit vorhergehendem Konsonanten . . 356 

B) Antekonsonantisches s 359 

Allgemeines über den Übergang des » in eh 362 

Weitere Veränderungen des e, s und 8 364 

Die Mlalalen Spiranten i, i, j und die palatale Affricata c {6, i, £) . 365 

Ursprung der Laute 365 

Phonetische Bemerkungen . . , 368 

Das Mazurieren 374 



vin 



B«lt«. 

i wird r 377 

Wirkungen des .; 378 

Konsonantenasslmilation 378 

I. Explosivlaute allein, mit Spiranten und anderen Dauerlauten 378 

II. Assimilation bei Spiranten 380 

III. Nasale unter einander 383 

Femassimilation von Konsonanten 383 

Metathesis von Konsonanten 384 

AMali auslautender Konsonanten 384 

Haplolosiie 386 

Sandhiersdieinungen 385 



Stammbildungslehre. 

Einleitung • 389 



I. Bildung der 
A) Mittels 

Seite. 

a) Die o- und a-Stämme ... 393 

Suffix -o- 393 

1) Maskulina . . . : . 393 

2) Neutrale Stämme . . 397 

Suffix -a 398 

a-St&mme zur Bezeichnung 

männlicher Personen . 400 
Suffix 'ip' und 'ja (ans -j^i 
und -jfi) und -• . . . 
„ 'ij oder -»;, -ije oder -tje 

und -«, -tfi oder -i;, -iJ 403 

n -»», -y» -V» -»;«» -v« • 

„ -q; und -jqf .... 
y^ '^J 

,. -q; 

n 'Hi 

» -»0- 

„ -aoa-, 'javo' (-/ovo- und 

'IjatoA 409 

■ ... 410 

... 411 

... 413 

... 415 

... 416 

... 416 

... 417 



Nominalstämme, 
der Suffixe. 



401 



404 
405 
406 
407 
407 
408 



-1170- ('livO') 

-ovo- 

-no- 

^ano- 

-an/o- 

'eno- 

-eno- 



'ino- {'ina, -tzna, 'üna) 419 



422 
423 
423 
423 
424 
424 
424 

"teltm 425 

-ehm .425 

-»n/o- 426 

-mo- 428 



'jantnO', -enino- . . 

-OIM>- 

-onjo- 

-tfiio- 

-unjo- 

-yn/a (Nom. Sg. -yfii) 



'ifO- 



Seite. 
429 
429 
429 
430 
430 
430 
431 
431 
431 
432 
432 
433 
433 
433 
434 
434 
436 
437 
437 
437 
437 
437 
438 
438 
438 
438 
439 
439 
439 
439 
439 
439 
439 
439 
440 
440 

-to (-oto) 442 

-%'o- 443 



Suffix 'imo' . . 
-emo-, 51910- 

•mano' . . 

-mÄio- . . 

'•amo . . 

-ro' . . . 

-rjo- . . . 

-aro . . . 

'orjo- . . 

-era- , . . 

'4>r0' . . . 

'orjo- . . 
'Uro-, 4ar0'y 
-uro-, -urjo' 
-yro-, -yrjik- 

'iO'f 'SiO' . 

(^/a) . . 

-fro- . . . 

'le . . . 
'li und 'lija 

4uk . . . 

-alo' . . . 

-alfO' . . 

-eiO' . . . 

-eff o- . . 

'oio' . . . 

-offo' . . 

'Ukh . . . 

-^0' . . 

-yfo-. . . 

-ybo . . . 

'blo . . . 

•bb'o . . . 

.<Wo-. . . 

-ibio-. . . 



IX 



Seit«. 

Suffix 'iijO' 444 

„ -(/o- 444 

„ 'tuno' 445 

., 'iueho" 445 

„ 'tyrjo- 445 

„ -tvo- 445 

„ 'btivo 446 

„ -ato- 446 

„ -asto- 447 

„ 'üo- 448 

„ 'OvUh 449 

„ -Mto- 449 

„ -atjo- 450 

,, -oto-, -e^o- 450 

„ -J>to- 450 

„ 'bto' 451 

„ -z^i- (-»Q 451 

„ 'Uto^ 451 

„ -y<o- 451 

„ 'äjo' 452 

„ -avU 453 

„ 'do' 453 

„ 'oda, -ada {-Jada) . . 454 

„ 'tda ....... 454 

„ '»da 454 

„ -edo 454 

„ 'udo- 454 

„ -da (Adverbia) . . . 454 

„ 'de (Adverbia) . . . 454 

„ -qJii, 'qde (Adverbia) 456 

„ -pO' 455 

„ 'ba 455 

„ -Äo- 456 

„ -ce- {-CO-) 457 

„ 'Ce- {'CO') 457 

„ 'OkO' 457 

„ ->Äo- 458 

„ -ace- {-aco-) .... 459 

„ -eko- 459 

„ '€€€' {'€€0') .... 459 

„ -eee- (-eco') .... 459 

„ -oko- 459 

„ 'oce- (-oco-) .... 460 

„ 'iko- 460 

„ 'ide {'ico-) 462 

„ 'ice l-ico') 462 

„ -mA»-, {'Juko-) ... 463 

„ 'Uce- (-«CO-) .... 463 

„ -yko' 463 

„ -yce- (-yco-) .... 464 

„ -»A;o- 464 

„ '»ko- 465 

„ 'bce- {'bco') .... 466 

„ -itko- 468 

„ -»»*o- 469 

„ -unk i'unk, -unek), -unek 470 

„ -go' 470 



b) 



Seite. 

Suffix 'U' (-Xo-) 470 

„ 'Ogo-, 'Jago' .... 470 

„ -ego- 471 

„ -«&- (-eiot) .... 471 

„ -^o- 471 

„ -frfze- (-^ixo-). . . . 471 

„ -ego'^ 'ogo' .... 471 

» 'igo' 471 

„ -ogO' 472 

„ 'C^O' 472 

„ -u^o-, 'jugo- .... 472 

„ -nie- iruio') .... 472 

» -ygo' 473 

„ 'inga- 473 

„ -d«t/*fl- 473 

„ -w- 473 

„ -eho' 473 

„ -'*- {'io') 474 

„ '090' 474 

„ -aeho' 474 

„ 'üiB' ('üio') .... 476 

„ -«cÄo-, 'jteho' . . . 475 

„ -«ie- (-«#£>-) .... 475 

„ -wo- 476 

„ -tcho- 475 

„ -!#«- (-lio-) 475 

„ '090' 476 

„ 'oeho- 476 

„ -089' {'OSO-) .... 476 

„ 'U90' 476 

„ -ucho' ('jucho') . . . 476 

„ -tt«>- i-uio') .... 477 

„ -y«o- 477 

„ 'yeho' 478 

„ -yie- i-gso') .... 478 

„ -wrÄo-, 'bcho' .... 478 

i-Samme 478 

Suffix -» 478 

„ -n» 480 

,, -arib 481 

„ -etib 481 

„ -»«6 481 

„ -n> 481 

„ 'h {'8h) 481 

,, -li i'le) 482 

„ -«/» 482 

„ -elb 482 

„ 'tb 483 

„ -etb, -edb 483 

„ '09tb 483 

„ 'tvb 484 

„ 'i^b 484 

„ 'Otbf 'Utb 484 

„ 'yatb 484 

„ 'Ju9tb 484 

„ 'db 484 

„ '^b 486 



Mte. 

Suffix -jadt 485 

„ -ycb 485 

„ -alfo 485 

„ 'izh 485 

„ -oh 485 

4 Die u-Stämme 485 

Suffix -nii- 486 

„ -tu 486 

d) Die ä-Stlmme 487 

Suffix -<y, -for- 489 

e) Die Iconsonantischen Stämme 489 

Die n-Stämme 489 

Suffix -«n 489 

„ -jjwi-, p«- 490 

„ -men- 490 

Suffix -er- und -<ar- (-te^) 491 

-t 492 

-nt 492 

-^- 493 

-€8' 494 

'jea- 494 

-!*««- 496 

B) DuFeh Reduplikation gebildete Nomiiialstämme .... 497 

C) Durch Komposition gebildete Stämme 499 

Akzentregeln bei der Komposition 504 

II. Bildung der Verbalstämnie. 

Wurzel als Stamm 506 

o- und «-Stämme 507 

>-St&mme 508 

Zweisilbige schwere Basen 509 

Nasalstämme 510 

-to-Stämme 513 

-A>-Stämme 513 

-<o-Stämme * 514 

-Bko- und -<Ao-Stämme 514 

Stämme auf -<f/o-, -if/e- 514 

Stämme der IV. Konjugation 515 

„ V. „ 516 

Stamm „VI. „ 519 

WOFterverzeiehnis 522 

Naehtrftge und Beriehtigrungen 532 



Einleitung. 

über die verwandtschaftlichen Verhältnisse der einzelnen slav. 
Sprachen kann man im allgemeinen sagen, daß dieselben meist 
auch der geographischen Lage entsprechen, d. h. die unmittelbar 
benachbarten sind in der Regel auch mehr verwandt. Hierin 
weicht das Russ. in seinem Verhältnisse zu dem unmittelbar 
benachbarten Westslavischen ab, indem es sich mehr dem Südslav. 
(spez. Bulg.) nähert Da wir femer fast überall allmähliche Über- 
gänge bemerken, so ist eine Einteilung in Gruppen mit scharf 
ausgeprägten Grenzen schwer, ja, mitunter geradezu unmöglich. 
Schon Dobrovsk^ machte den Versuch einer Einteilung der 
slav. Sprachen in seinen berühmten 3>Institutione8 linguae slavicae 
dialecti veteris«. Vindobonae 1822 pag. Illsequ. Hier ging er 
von einer Zweiteilung aus: zur einen Gruppe rechnete er 
Böhm.-Slovak., Sorb. und Poln., die übrigen, soweit er sie berück- 
sichtigte, zur zweiten. Man würde also von einer westlichen, bez. 
nordwestlichen und einer süd-östlichen Gruppe sprechen können. 
Die Scheidungsmerkmale sind heutzutage freilich nicht mehr 
stichhaltig, aber etwas kann davon doch bleiben. 

Bei der Gruppierung der slav. Sprachen macht zunächst das 
Russ. Schwierigkeiten. Einzelne Sprachen, wie Böhm. Poln. mit 
KaSubisch, Sorb. und das ausgestorbene Polabische lassen sich 
ganz gut als eine Gruppe auffassen, also etwa westslav.; das- 
selbe gilt auch von Bulg., Serbo-kroat. imd Sloven., die auch für 
sich eine Gruppe bilden; diese kann man südslav. nennen. Das 
Russ, nähert sich nun dem Südslav. durch den beweglichen Ak- 
zent, der in den westslav. Sprachen fix ist. Der bewegliche 
Akzent war zwar einst allen slav. Sprachen gemein, aber bei der 
Charakterisierung der Sprachen müssen auch solche nur noch 
teilweise erhaltenen Merkmale berücksichtigt werden, da man 

Vondrftk, Vgl. dav. Qnmm. I. 1 



daraus häufig schließen kann, daß die betreffenden Sprachen bei 
ihrer bist Entwickelung länger mit einander gingen und daher 
offenbar auch mehr verwandt sind. Das sind also indirekte oder 
historische Merkmale. Ein solches Merkmal ist wohl auch die 
Bewahrung des sog. epenthetischen l in den Gruppen ml, bl, pl, 
vi, z. B. r. zendja, slov. zimlja, serb. zhnilja (im Bulg. allerdings 
auch schon verloren gegangen). 

Wichtiger sind allerdings die direkten oder physiologischen 
Merkmale, durch deren Aufkommen in das bis dahin einheitliche 
Sprachgebiet eine fixe Trennung gebracht wird, während sich bei 
den indirekten die Trennungsgrenze fortschreitend bewegen kann. 
Zu solchen Merkmalen gehören in unserem Falle folgende: die 
Vertreter der Halbvokale bewegen sich in den westslav. Sprachen 
nur in der «-Beihe (das Slovak. bildet dialektisch mit seinem o 
einen Übergang, im Böhm, hat man nur irrtümlich in gewissen 
Fällen auch als der Vertreter des % aufgefaßt), dagegen bewegen 
sie sich im Buss. und Südslav. in der Beihe e—a — o (dialektisch 
bildet auch das Sloven. einen Übergang zum Westslav.). Für das 
urslav. tj, dj haben die westslav. Sprachen c, bez. z {dz) d. h. aus 
; entwickelte sich ein Laut, bei dem das dentale Element (s, z) 
vorwiegt. Im Buss. und Südslav. wiegt dagegen ein palatales 
Element vor: russ. Cy z (nur das Weißruss. bildet hier mit seinem 
westlichen Gebiete einen Übergang zum Westslav.), bulg. H, zd 
<das ein tä, dz voraussetzt), serb. 6, d (gj), ein Laut, in dem d 
mit z verschmolz, sloven. c, j. 

Andererseits weist aber doch das Buss. einige Merkmale auf, 
durch die es sich bedeutend vom, Südslav. unterscheidet. Es hält 
genau die beiden Halbvokale aus einander, indem es für h ein e, 
für ^ ein' o hat imd fällt insbesondere durch die tarot-, toloU und 
teret-, ^/«^Gruppe auf, wofür im Südslav. trat, tlat, trit, tUt vor- 
kommt. Das Nähere wird darüber bei r, l mitgeteilt werden. 
Es. empfiehlt sich daher, daß Buss. von dem Südslav. zu trennen 
und als eine eigene Gruppe zu behandeln. Auf diese Art erhalten 
wir drei Gruppen: I) das Südslav., II) das Buss., III) das West- 
slav. 

I. Das Südslav. kennt in der Begel nicht die Erweichung 
des d, t, n vor einem i (auch nicht vor e, e), was wir im West- 
slav. und Buss. finden. Auch das t hat keine solchen Erweich- 
ungsspuren an den vorhergehenden Konsonanten hinterlassen, wie 
wir sie im Buss. und Westslav. bemerken. Die Zahl der palata- 



lisierteii Laute ist daher hier eine beschränkte oder sie kommen- 
hier wenigstens nicht so häufig vor. Dadurch fällt das Sttdslav. 
den anderen Gtruppen gegenüber wohl am meisten auf. Hierher 
^hört zunächst 

1) das Bulgarische, welches durch die Gruppe ät und zd 
für urslav. tj und dj (i^, d%) hinlänglich charakterisiert ist. Stpäter 
kamen dazu fireilich noch andere hist Merkmale, wie der Schwund 
der Deklination und des In£, der übrigens auch im Serbokr. sehr 
bedroht ist Nach der Behandlung des ^, der ehemaligen Nasal- 
Tokale und anderer Eigentümlichkeiten unterscheidet man hier 
Yerschiedene Dialekte; darunter ist die ostbg., westbg. und maced. 
Oruppe hervorzuheben. Hier findet man auch Berührungen mit 
dem 8-kr. 

Zu der Gruppe der maced. gehorte das Altkirchenslavi- 
sche, das man auch Altbulgarisch nennt (früher auch Alt- 
slovenisch). Es ist jener bg. Dialekt, den die beiden Slaven- 
apostel Cyrill und Method schriftlich fixiert haben, wodurch das 
slay. Schrifttum begründet wurde. Das Aksl. gebrauchte noch 
die beiden nasalierten Vokale und die Halbvokale nach den 
Normen, wie wir sie für das Urslav. ansetzen müssen. Dazu 
kommen natürlich noch die spezifisch bg. Merkmale: it, zd für 
tj und dj. Man nannte fiilher die aksl. Denkmäler, deren Sprache 
die erwähnten Eigenschaften aufweisen muß, »pannonisch« , weil 
man damit eine falsche Vorstellung von der Heimat des Aksl. 
verknüpfte. Mitunter behält man den Ausdruck ohne diese Vor- 
aussetzung bei, da er aber an ein Gebiet erinnert, mit dem die 
aksl. Denkmäler entweder in gar keiner oder höchstens in einer 
sehr losen Verbindung standen, so ist es besser, ihn ganz über 
Bord zu werfen, da er leicht zu Mißverständnissen Veranlassung 
geben kann. 

Die aksl. Denkmäler sind in zweifacher Schrift erbalten: in glago- 
litischer, welche die arsprünglichere ist, und in cyrillischer. Zu den 
glag. Denkmälern gehören: 1) Codex Zographensis, herausgegeben 
von y. Jagic als »Quattuor evangeliorum codex glagoliticus olimzogra- 
pbensis nunc petropolitanus. Berolini 1879. 2) Codex Marianus, eben- 
falls von y. Jagic herausgegeben: Quattuor evangeliorum versionis 
palaeoslovenicae codex Marianus glagoliticus. Berolini. 1883. Es ist 
hier ein vollständiger Wortindex, ein groJ^er kritischer Apparat, so daß 
diese Ausgabe als die beste unter allen aksl. Denkmälern bezeichnet 
▼erden muß. Diese beiden Denkmäler sind Tetraevangelien. Als ein 
Evangelistarium oder Aprakos erscheint 3) Codex Assemanianus her- 

1» 



ausgegeben in lat. Transskription von J. Crn^ic: Assemanovo izborn6 
evangjelje. Y Rimu. 1878. 4) Fsalterium sinaitioum herausgegeben 
yqn L. Geitler: Fsalterium. Glagolski spomenik manastira Sinai brda. 
TJ Zagrebu. 1883. 5) Euchologium sinaiticum herausg. von L. Geit* 
1er: Euchologium. Glagolski spomenik manastira Sinai brda. ü Zagrebu. 
1882. Es ist liturgischen Inhalts. 6) Glagolita Glozianus heraus- 
gegeben v.on V. Vondrak: Glagolita Clozüv. V. Praze. 1893. Es ent- 
hält Homilien. Außerdem haben wir noch einige glag. Fragmente. 

In cyrillischer Schrift: 

1) Codex Suprasliensis herausgeg. von F. Miklosich: Monu- 
menta linguae palaeoslovenicae e codice suprasliensi. Yindobonae. 1851. 
Es enthält zumeist Homilien. Eine neue Ausgabe besorgte Severjanov 
in Fetersburg. 2) das Sava-Evangelium oder »Savvina kniga« her- 
ausgegeben von Y. Söepkin. S. Feterburg. 1903. Dazu kommen noch 
einige cyrillische Fragmente. 

Da die glag. Schrift schwer zu lesen ist, werden so geschriebene 
Denkmäler in der Begel in cyrillischer Transskription herausgegeben. 

Die aksl. Denkmäler umfassen die Zeit etwa vom X — Ende 
des XI. Jhd. Von dieser Zeit an, also vom XII. Jhd. bis etwa 
zum XIV. gehen die mittelbulg. Denkmäler, an die sich dann 
die neubulgarischen anschließen. Vgl. P. A. Lavrov: Obzor 
zvukovych i formal'nych osobennostej bolgarskago jazyka. Moskva. 
1893. Dann andere Grammatiken, wie Kyriak-Cankof: Gramm, 
der bulg. Spr. Wien. 1852. Wörterb. von N. Gerov: Reönik 
na blgarskyj jazyk, Plovdiv. 1895-1904 (5 Bde). 

Aksl. Grammatiken haben wir von A. Leskien: Handbuch 
der altbulg. (altkirchenslav.) Sprache. Vierte Auflage. Weimar. 
1905. Dann von W. Vondräk: Altkirchenslav. Grammatik. Berlin. 
1900. Ein Lexikon von F. Miklosich: Lexicon palaeoslovenico- 
graeco-latinum emendatum auctum. Vindobonae. 1862 — 1865. 

Schon unter den aksl. Denkmälern findet man solche, die uns 
den Einfluß einer anderen Sprache deutlich verraten (so Cod. 
Mar., Glag. Cloz., Psalt. sin.). In späteren Denkmälern ist dies 
natürlich noch mehr der Fall. Die ursprünglichen Denkmäler 
kamen nämlich in verschiedenen Gegenden, wohin das aksl. 
Schrifttum mit der slav. litiirgie (bez. mit dem Christentum über- 
haupt) verpflanzt worden war, zur Abschrift, wobei dialektische 
Merkmale mehr oder weniger Eingang finden mußten. So kamen 
mehrere Gruppen bestimmt gefärbter Denkmäler zustande. Man 
kann im allgemeinen alle jene Denkmäler, die aus dem Aksl. 
hervorgegangen sind, die aber nicht mehr die oben angegebenen 
Jderkmale enthalten, einfach kirchenslavisch nennen (früher 



nannte man sie »nichtpannonisch«). Dieselben kann man dann^ 
Je nach der Sprache , deren Merkmale darin auf Kosten des ur- 
sprünglichen Aksl. zum Durchbruche kommen , in verschiedene 
Gruppen einteilen: mittelbulg.-kirchenslaYisch, serbokr.-ksl., russ.- 
ksL, böhm.-ksl. 

Es muß aber noch bemerkt werden, daß das Ksl. bei den 
Südslaven und R bis in die neuere Zeit mehr oder weniger das 
sprachliche Mittel zu allen literarischen und anderen schriftlichen 
Betätigungen abgab. Ejs dauerte lange, bis man sich für die 
betreffenden heimischen Idiome entschied und selbst auch diese 
Reformen waren in der Regel von heftigen literarischen Kämpfen 
begleitet 

2) Das Serbo-Kroatische. Die Halbvokale sind durch a 
vertreten (was wir sonst nur zum Teil und unter bestimmten Be- 
dingungen im Sloven. finden), für urslav.^' haben wir hier 6 und 
für dj ein d (gj, selbst auch j). Je nachdem, wie das Wort für 
,was' ausgedrückt wird, unterscheidet man hier einen ito-kavischen, 
^o-kavischen und Ara;-kavischen Dialekt: der erste umfaßt das 
südUche und östliche Sprachgebiet, der zweite die Küste und die 
dalmatinischen Inseln und der dritte den nordwestlichen Teil des 
Gtebietes. Die nationalen Namen ,Serben* und ,Kroaten' be- 
schränkten sich ursprünglich auf ein engeres Gebiet und heutzu- 
tage kann man nicht sagen, daß sie in dem jeweiligen dialektischen 
Gebiete ganz ansehen. So deckt sich »gtokavisch« nicht ganz 
mit dem Gebiete, den die Serben als Nation einnehmen und 
»iakavisch« umiSEißt nur teilweise das Gebiet der Kroaten. Den 
letzteren wollten einige Sprachforscher auch das kajk. Gebiet ab- 
sprechen und es den Slovenen, die ja ebenfalls Kajkavcen sind, 
zuteilen, aber ein solches Vorgehen wäre nicht berechtigt. Das 
öak. hat noch einen unverschobenen Wortakzent, der sich zum 
großen Teile mit dem Russ. deckt und daher als urslav. aufgefaßt 
werden kann ; für dj hat es ein j (also wie das Slov.). Im Stok. 
ist der Akzent nach bestimmten Regeln verschoben, für dj finden 
wir hier ein d. Nach den Reflexen des urslav. e unterscheidet 
man ebenfalls drei dialektische Gebiete, die aber auch das Stok. 
erfassen, nämlich als^> (im Süden, Hercegovina), als e (östlich), 
als i (westlich). Im Westen wurde der ;VDialekt zur Schrift- 
sprache erhoben, im Osten (Serbien) dagegen der e-Dialekt. Die 
Unterschiede sind allerdings minimal, sie kommen meist in der 
Schrift zum Ausdrucke: hier cyrillisch, dort lateinisch. 



6 

Wir haben hier vortreffliche Arbeiten des Daniöic: Istoria 
obhka (Histor. Formenlehre). U Biogradu. 1874. Weiter: Srbska 
sintaksa. 1868. Wichtig ist auch: Rjeönik knji^evnih starina 
(Wörterbuch der älteren Sprache). U Biogradu. 1863—1864 
(3 Bde). Seine »Srpska gramatika« ist in zahlreichen Auflagen 
erschienen. Weiter muß auch P. Budmanis Orammatica della 
lingua serbo-croata (illirica). Yienna. 1867. angeführt werden. 
Ein vortreffliches Lexikon mit Akzentbezeichnung haben wir von 
St Vuk Karadiic^ Lexicon serbico-germanico-latinum. Yindo- 
bonae. 1862, in dritter Auflage in Belgrad. 1898. 

3) Slovenisch hat für den einstigen Nasal 9 ein 0, wo* 
durch es unter allen slav. Sprachen , die die Nasale aufgegeben 
haben, bedeutend absticht: röka ,die Hand', serb. rika, russ. ruhd^ 
aksl. rqka. Das urslav. ^ bekommt hier bis auf einzelne dialek- 
tische Gebiete (Kärnten) eine geschlossene Aussprache (f), was 
eine sekundäre Erscheinung ist Für dj haben w hier j: meja^ 
rojen (im kroat«kajk. medja, ätok. meda) und für tj ein d: noöy 
aveda. Bei kurzen Silben ist nur eine Art des Akzentes, bei 
langen eine zweifache zu unterscheiden. ,Was' heifit hier kaj^ 
wodurch der Anschluß an das kroat-kajk. hergestellt wird. 

In dialektischer Hinsicht kann man das südl. und westL 
Gebiet, wo unter dem langen Akzente % zu a wiu'de, dann ein 
östL, wo es zu e wird (Anschluß an das Westslav., siehe oben 
und weiter unten bei den Halbvokalen), unterscheiden. Eine 
halbwegs befriedigende Grammatik haben wir hier nicht, wohl 
aber eine Anzahl von kleineren, so z. B. von Jos. Suman: 
Slovenska mluvnica. Ljubljana. 1881. Seitdem Yaljavec, der 
so viel Mühe auf die Erforschung des Slovenischen (insbesondere 
auch in äkzentueller Hinsicht) verwendete, und Oblak gestorben 
sind, scheinen die grammatikalischen Arbeiten etwas ins Stocken 
geraten zu sein. Wohl müssen wir hier jene des unermüdlichen 
P. Skrabec speziell hervorheben. In lexikalischer Hinsicht sind 
wir besser daran. Der von M. PleterSnik herausgegebene 
»Slovensko-nemöki slovar«. V Ljubljani. 1894—1895 (2 Teile^ 
mit Akzentbezeichnungen) verdient hier rühmlichst hervorgehoben 
zu werden. Das Zustandekommen einer entsprechenden bist. 
Grammatik sdlte man sich zu einer nationalen Aufgabe machen. 

II. Das Bussische. Seine Charakteristik ist oben S. 2 
gegeben worden: für die Halbvokale und e, dann die torot^ 
toloU und ter€t-f ^e^^-Gruppe. Über 0- im Anlaut statt des ^> 



e- der anderen slav. Sprachen siehe weiter unten bei e. Auf 
einem so groBen sprachlichen Qebiete. sind auch vieie Dialekte 
zu erwarten. Man kann hier 3 Grnppen. unterscheiden: 1) das 
GroBruäs., 2) das Kleinr. und 3) das Weißross. Das Großr. unter- 
scheidet zwischen i und y (ak urspriingliGhe laute) und zerfällt 
zunächst in zwei große Gebiete: das nördliche, wo o seine Aus- 
sprache Yor dem Akzente behält (okayjMäna)/ das südliche, wo es 
als a ausgesprochen wird (akavätma, auch in der Schriftsprache). 
Das Nordgrofir. hat auch dort o, wo a sein sollte, es hat femer 
altertümliche Formen und wird langsamer gesprochen; hier kommt 
der sekundäre Voll-Laut vor: moUmtQa, veteba, verjedi u. s. w. 
Im Eleinruss. wuide o und e in geschlossenen Silben gedehnt; 
ersteres führte, zu einem harten, letzteres zu einem weichen i- 
Laut (über die Zwischenstufen siehe bei e). Wenn hier e zu 
einem weichen t. wurde, so werden wir diesen Vorgang auch auf 
großr. Gebiete antreffen, g wird zu h. Vom philologischen 
Standpunkte aus kann man wegen den oben angegebenen Haupt- 
merkmalen nicht daran zweifeln, daß es als eine russ. Dialekt- 
gmppe aufge&ßt werden muß. Ln Weißr. wird unbetontes e zu 
ja. Mit dem Elleinr. hat es A st ^ und f^ st v gemein, sonst 
sdüießt es sich in grammatikalischer Hinsicht an das Südgroßr. 
an (hat also auch das »akanie«, scheidet y von i). Im Osten 
wird de,M zu de, ie, im Westen aber meist zu dze und 6e, wo- 
durch es sich an das Westslav. anschUeßt 

Bezüglich des R. liegen die Anfänge zu einer bist. Gram- 
matik vor und zwar von A. J. Sobolevskij: Lekcii po istorii 
russkago jazyka. Jzdanie tretf»e. Moskva. 1903. Ein vortreff- 
liches Lexikon von Dal": Tolkovjj slovar' zivago velikorusskago 
jazyka, das jetzt unter der Bedaktion des J. A. Baudouin de 
Courtenay in dner neuen Ausgabe erscheint. Kleinere Lexika 
sind zahlrdch vertreten, wie von N. Len8ti'X)em (r — d), N. R. 
Makarov (r— f) u. s. w. 

in. Die westslavische Gruppe ist oben S. 2 charak- 
terisiert worden. Hierher gehört: 

1) das Polnische, welches bis auf den heutigen Tag nasa- 
lierte Vokale bewahrt hat und dadui*ch unter den slav. Sprachen 
eine besondere Stellung einnimmt. Die Palatalisierung der Kon- 
sonanten hat hier ungemein um sich gegriffen. Es hat die 
Gruppen trot, Üot und tret, Üet gegen böhm. trat, tlat u. s. w. 
Der Akzent ruht auf der vorletzten Silbe. Grammatiken haben 



8 

wir von A. Malecki: Gramatyka j^zyka polskiego. Lwöw. 1863. 
Seine weitere , zweibändige Grammatik: Oramatyka hist.-poröw- 
nawcza j^zyka polskiego. Lwöw. 1879. war verfehlt. Eine nenere 
von Ad. Krynski: Gramatyka j§z. polsk. Warszawa. 3. Aufl. 
1903. — A. Soerensen: Poln. Grammatik. Leipzig. 1899. Der 
Anfang einer historischen Grammatik von A. Ealina: Historya 
jfzyka polskiego. Tom pierwszy. Formy gramatyczne j^zyka 
polskiego do korca XVin nieku. Lwöw. 1883. Das Werk ist 
stecken geblieben. Für die älteste Periode ist wichtig das Werk 
des J. Baudouin de Courtenay: O drevne-pol'skom jazyke do 
XlV.-go stolÄtija. 1870. 

Unter den Wörterbüchern haben wir Sam. Bog. Linde: 
Slownik jgzyka polskiego. Wydanie drugie. Lwöw. 1864—60 
in 6 großen Bänden; dann das von M. Orgelbrand heraus- 
gegebene: Siownik JQzyka polskiego. Wilno. 1861, in zwei Bänden. 
Gegenwärtig erscheint ein neues vollständiges Wörterbuch in 
Warschau. 

Zum P. muß man auch nach wichtigen Merkmalen das 
KaSubische und Slovinzische rechnen. Die wichtigsten Ar- 
beiten von S. Ramult: Slownik j^zyka pomorskiego czyli kaszu- 
bskiego. W Krakowie. 1893 und von Fr. Lorentz: Slovinz. 
Gramm. St Petersburg. 1903. Die graphische Wiedergabe der 
phonetischen Eigentünüichkeiten ist hier allerdings überaus ge- 
künstelt; auch ist die Bedeutung dieses Dialektes in übertriebener 
Weise dargestellt Vgl. noch G. Bronisch: Kaschubische Dia- 
lektstudien. Zwei Hefte, das 2. 1898. Daß das KaS. zum P. 
gehört, dafür spricht eine Reihe gemeinsamer Merkmale, die sehr 
wichtig sind. Abgesehn von den Nasalen hat es die Gruppe 
trot, Üot und tret, tlet (das nach polnischer Art auch weiter be- 
handelt werden konnte). Neben trot kommt hier aber auch taH 
vor, das den Übergang zu einem dem Polab. verwandten Dialekte 
ankündigt, zumal es sich meist auf das westliche Gebiet be- 
schränkt. 

2) Das Polabische selbst können wir daher, trotzdem es 
auch Nasale kannte (die Sprache ist schon ausgesterben) nicht 
zum P. rechnen, denn es hat die Dehnung in den erwähnten 
Gruppen, die hier als UM und tort erscheinen, dann trit, tret 
(aus Hret), tlat (aus tlet, vgl Verf. Afsl. PhiL 25, S. 197—205). 
Merkwürdig ist hier auch der Übergang des — meist betonten — 
in einen t-Laut: ü, was uns an einen analogen Prozeß im 



9 

Elruss. erinnert; hier führte allerdings ein gedehntes o zu einem 
i-Laut 

Mit einer ausführlichen Arbeit über das Polabische und seine 
Denkmäler ist Porzezinskij beschäftigt: einige Proben hat er 
schon yerö£Fentlicht Bis jetzt hatten wir, abgesehen von einzelnen 
Abhandlungen, eine systematische Gramm, yon A. Schleicher: 
Laut- und Formenlehre der polab. Sprache. St Petersburg. 1871. 
Allerdings beschäftigt sie sich mehr mit den westlichen Dialekten. 
Texte hat auch A. Muka (Mucke) veröffentlicht in »Slovansky 
Pfehled«, Jhg. Vn S. 11 ff.). 

Dagegen bildet 3) das Sorbische einen Übergang zum P. 
und zwar einerseits vom Polab., andererseits vom Böhm. Es 
hat nämlich entsprechend dem Poln. die Gruppen trot, Üot, tret, 
tut (deren Vokale im Obersorb. weiteren Veränderungen unter- 
liegen konnten). Die Gruppen k^, j^, ti- führten vor einem j 
oder weichen Vokal im Osorb. za ks, pi, tä (geschrieben kr, pr, 
tr) und im Nsorb. zu kä, pä, tä. Vor harten Vokalen geht in 
kr, pr, tr im Nsorb. das r in ^ über, im Osorb. bleiben sie aber 
unverändert: nsorb. k»aj, osorb. kraj ,Land^ Von diesen beiden 
Dialekten des Sorb. schließt sich das Osorb. mehr an das Böhm., 
das Nsorb. mehr an das Poln. an. Der Akzent ist wie im Böhm, 
auf der ersten Silbe des Wortes, dabei entwickelt sich aber in 
den meisten Gegenden des Nsorb. bei drei- und mehrsilbigen 
Worten ein Nebenton auf der vorletzten Silbe; dieser ist desto 
mehr ausgeprägt, je mehr wir uns dem Poln. nähern, und zeigt 
uns daher, daß sich der poln. Akzent eigentlich aus einem Neben- 
ton entwickelt hat Wir haben eine ausführliche Grammatik von 
C. E. Mucke (Muka): Hist und vergl. Laut- und Formenlehre 
der niedersorb. (niederlausitzwend.) Sprache. Leipzig. 1891. Es 
wird hier stets auch das Osorb. verglichen. Das Werk ist mit 
großem Meiße geschrieben, doch verliert sich der Autor nicht 
selten in zu gelehrten sprachlichen Abstraktionen, so daß die 
Grammatik zu einem übermäßig großen Umfemg (XVIU + 615 S.!) 
angeschwollen ist. Vgl. auch noch: Pfuhl, Lausitzisch- wendi- 
sches Wörterbuch. Budissin. 1866. 

4) Das Böhmische^ schließt den Kreis der west&lav. Sprä- 



1. Ein Kanstprodukt der nationalea Politiker und der Tagespresse 
ist der einigermaßen peioratir gefärbte Aasdrack »Öechec, »Sechisch-c 
(oder gar »Tachechec, »tschechische), der wissenschaftlich nicht berech- 



10 

chen. Da es die Gruppen traif tlat, trU, tlet hat oder wenigstens 
voraussetzt, also mit einstigen Dehnungen, so schließt es sich an 
das Polabische an und man bekommt den Eindruck, als ob sich 
das Sorbisdie zwischen beide Sprachen nachträgUch wie ein Keil 
hineingeschoben hätte. Das Böhm, hat noch lange und kurze 
Vokale (die Länge wird mit ' bezeichnet, dätiif dchri, mälo, wrad, 
bei langem u aus ö mit °: dünC^. Es weist zusammenhängende 
Denkmäler seit dem Ende des XTTT. Jhd. auf, einzelne Sätze 
und Ausdrücke auch schon aus den früheren Jahrhunderten. 
Die aböhm. Denkmäler reichen bis in die Zeit des Hus (An- 
fang des Xy. Jhd.), dann folgen die mittelböhm. 

Auf einer älteren Stufe der ^ntwickelung steht das Slovaki- 
sehe, das an das Aböhm. vielfach erinnert Es hat nicht den 
Laut r, u wird hier nach weichen Lauten nicht 2u i und a nicht 
zu ^e). Durch das o für den Halbvokal, das wir in einer Dia- 
lektgruppe finden, bildet es dea Übergang zum Russ. und Süd- 
slav. Auch noch durch andere Merkmale. Nichtsdestoweniger 
kann es niu* als ein Dialekt des Böhm, aufgefaßt werden, da wir 
auch in den mährischen Dialekten genau die Ansätze dazu be- 
merken. Wenn sich auch gewisse »Auch-Philologen« bemühen^ 
es als eine selbständige Sprache hinzustellen, so haben sie sich 
ihre philologische Überzeugung mehr in der politischen Arena als 
in der Grammatik geholt 

Das Böhm, ist wissenschafthch so bearbeitet wie sonst fast 
keine der anderen lebenden slav. Sprachen. Insbesondere ver- 
danken wir es den Arbeiten des J. Qebauer, dessen monumen- 
tale histor. Gramm.: :&Historickä mluvnice jazyka £esk^ho<: bald 
zum Abschlüsse kommen dürfte. Bis jetzt sind davon drei um- 
fangreiche Bände .'erschienen; Aber Buch ein aböhm. Lexikon 
werden wir von ihm haben. Der erste Band liegt schon vor: 
»Slovnik staroöesky«. Dil prvnf. A— J. V Praze. 1903. Der 
Abschluß dieses Werkes erscheint fast noch dringender als jener 
der Grammatik Wörterbücher die mehr das Neuböhm, berück- 
sichtigen sind von J. Jungmann: »Slovnfk jazyka ieskdhoc^ 
1835—1839 (in 5 großen Bden) und P. S. Kott: Öesko-nemecky 
slovhlk zvlästd granmiaticko-fraseologick^. V Praze. 1878—1893; 



tigt ist Das Volk der Deutschen kannte nnd kennt nur den Namen 
aBÖhme«, »l^öhmisch«, womit es die Nation im Gegensatze zu »Deutsch- 
böhme«, tdeutschböhmisch« bezeichnet. 



ii 

die sidi mehrmals wiederholenden Ergänzungen erschweren hier 
allerdings das Nachschlageu. 

Abstrahiert man Yon den Lauten und Formen jene Ver- 
ändenmgen^ die sie in den einzelnen slav. Sprachen eriitten 
haben, so kommt man' durdii diese Vergleichimg zu idealen 
sprachlichen Fh)dukten, die wir dem Urslavischen, d. i. jener 
Sprache, aus weldien die einzelnen slav. Sprachen hervorgegangen 
sind, zuschreiben. Das urslay. stand natürlich dem litauischen 
näher als die einzelneu slav. Sprachen. Die wichtigsten Meric* 
male des ürslav. waren : 1) Auf dem Gebiete des Yokalismus der 
Monophthongismus, d. h. alle ursprüngUchen Diphthonge 
wurden in Monophthonge verwandelt, z. B. lit ^M ,gehenS aksl. 
äi, lit saüsas ,trockenS akslav. sudn; 2) auf dem Gebiete des 
Konsonantismus fällt im Slav. die Erweichung der Gutturalen k, 
g, ch vor weichen Vokale zu i, (d)Zj ä und etwas ^ter unter 
gewissen Bedingungen auch zu c, dz {z), 8, auf z. B. lit. Yok. 
vüki, dcsl. vlhöe ,o Wolf; 3) es duldete nur offene Silben, was 
auf ihre lautliche G^taltung mitunter von großem Einflüsse war; 
vgl lit vHkas ,Wolf , aksL tlhkb; lit ratikä ,HandS aksl. (und 
urslav.) rt^ka. Aus diesem Falle ersieht man, daß das ürslav. 
mitunter vom Aksl., das vielfach noch auf dieser Stufe gebUeben 
ist, ersetzt werden kann. 



Zur Aussprache der slav. Laute. 

Vokale: q i&i vol Urslav., Aksl. und Poln. als ein nasa- 
liertes auszusprechen, also wie etwa das on im franz. hng, 
longue. In eben denselben Sprachen ist ^ ein nasaliertes e, alsa 
etwa wie das in im franz. fin. Dagegen bezeichnet ^ und e im 
Sloven. verengte «-Laute (die Differenz zwischen beiden ist 
gering); ebenso bezeichnet hier p und g verengtes (oder geschlos- 
senes) o\ 6 im B.USS. und Böhm, erweicht die vorhergehenden 
Konsonanten, soweit sie ak erweichungsfähig gelten (also etwa als 
ein je). Näheres muß bei diesem Laute selbst nachgelesen werden. 
Dasselbe gilt auch von y, z und h; im Russ. bezeichnet t, daß 
der Yorhergehende Konsonant erweicht sei, und z, daß er hart 
bleibt 



1. In der Sckriftsprache bleiben jedoch diese Nüancierungen unbe- 
zeichnet, man bat hier also nar ein o und e. 



12 

Konsonanten, ö ist wie c in it. cento ^hundert^ und oft in 
engl, church ^Eirche^; im Deutschen wird es häufig, jedoch nicht 
ganz richtige durch tsdi wiedergegeben. Tgl. Tschechen, Peitsche, 
böhm. biö. c ist das Deutsche z in ^zwenf etc. 6 liegt zwischen 
^ und c. ä entspricht dem deutschen seh, 8 immer ein scharfer 
9-Laut, also wie 8s in lassen (ja nicht tönend wie in Rose); ä 
liegt zwischen ä und s. z, poln. & oder £ ist gleich dem franz. j 
in Journal, z ist gleich dem deutschen tönenden s in Sose, i liegt 
wieder zwisch^i z und z. f ist ein eigener Laut, der nicht durch 
rsch wiedergegeben werden darf. ^ (oder rj) ist ein erweichtes 
r, das nicht die f^Stufe erreicht hat; ti, i/i oder nj ist ein er- 
weichtes n, also wie gn in franz. campagne; ebenso ist d, d' ein 
erweichtes d (d mit j' verschmolzen); analog auch l oder f und 
V oder Ij. 

Im Poln. wird i durch sz, ö durch <^ und r durch rar wieder« 
gegeben; femer bezeichnen im Böhm, die Striche über den 
Vokalen und das Ringlein über u die Länge: dorn ,werde geben', 
dum ,Haus^ 

Anderes wird bei den betreffenden Lauten zur Sprache 
kommen. 



Einteilung: der Grammatik. 

Zweckmäßig läßt sich die Grammatik in vier Teile einteilen: 
L Lautlehre, II. Stammbildungslehre, III. Formenlehre und 
IV. Syntax (Satzbildungslehre). Diese Einteilung wurde auch 
hier zu Grunde gelegt. 



1» 



Lautlehre. 



Vokalismus. 

Ursprung und Bestand der nrslay. Tokale. 

Reflexe der einfachen Vokale. 

Im aUgemeinen kanu bemerkt werden, daß die kurzen 
Vokale im Urday. zu einer geschlossenen, die langen hin- 
gegen zu einer offenen Aussprache hinneigten. Das hatte zur 
Folge, daß sich die Qualität der Vokale selbst vielfach änderte. 
Ursprachliches a wurde zu o, was eben auch die geschlossene 
Aussprache verrät, o bUeb zwar, aber unter bestimmten Be- 
dingungen wurde es so verengt, daß es zu u, aus dem ein ^ ge- 
worden ist, führte (-08, -an im Auslaute). Zu demselben Besul- 
tate führte ein ursprachliches u überhaupt. Auch das e bUeb 
zwar, war aber auch mehr geschlossen, konnte daher unter be- 
stimmten Bedingungen zu h führen; das war immer der Fall bei 
einem reduzierten e («). Das h ist auch der regelmäßige Veilreter 
des ursprachlichen i. So hegt der Halbvokal h zwischen e und 
i und h zwischen o und u. Der lu^prachUche Murmelvokal (oder 
Schwa) 9 führte im Slav. zu o. Von den ursprünglichen langen 
Vokalen erhielt sich i ebenfalls als i; ^ wurde zu i d. i. urslav. 
etwa *e oder ie, a bUeb als a, ö wurde infolge der offenen Aus- 
sprache zu a und ü zu y, worüber weiter unten. Wie das urspr. 
ö offen ausgesprochen wurde, so gilt es auch von ^, was wir aus 
seinem Übergänge in a nach Palatalen ersehen, z. B. aksl. lezati 
,liegen' aus *legHi. 

Man kanu also im allgemeinen sagen, daß lange Vokale im 
Urslav. offen ausgesprochen wurden. Diese Eigentümlichkeit hat 
sich aber mit der Zeit geändert und wir werden in einzelnen 



14 

slav. Sprachen gerade das Gegenteil bemerken, d. h. lange Vokale 
— wobei es sich freilich zumeist um neu entstandene Längen 
handelt — werden geschlossen (verengt) ausgesprochen. So wurde 

^ zu f; Ö zu )fO; t« u. s. w. 

Über die ursprachlichen silbischen Laute r, h ^; 9 ^^^ ?? 
h W'} V» I^&nn hier nur gesagt werden, daß sie zunächst noch in 
das Urslav. hineingereicht zu haben scheinen, wenn sich auch in 
der Mehrzahl der Fälle bald sekundäre Vokale hierbei entwickelt 
hatten, fp. und ^ führten zu nasalierten Vokalen (^; q). 

Reflexe der Diphthonge. 

Diphthonge wurden im Urslav. nicht geduldet, sondern 
monophthongiert, mochte der erste Bestandteil derselben kurz 
oder lang gewesen sein (Kurzdiphthonge imd Langdiphthonge). 
Die Monophthongierung geschah meist so, daß sich der erste 
Bestandteil dem zweiten näherte oder an ihn assimiliert wurde. 

Kurzdiphihonge: a) «-Diphthonge {ei, oi, ai, di, man 
schreibt sie auch ei, oi, ai, 9i). 

ei wurde zu i (also offenbar zunächst f), wenn es tauto- 
syllabisch wal*. Da das heterosyllabische ei (ei) zu hj (hi) ge- 
worden ist (z. B. Nora. Plur. der männlichen i-Stämme: gosthje 
,Gä8te' aus *go8teie8, gr. otpeig aus *6<pB{i)eg)f so muß auch im 
tautosyllabischem ei das e zunächst an das i assimiliert worden 
sein, so daß zuerst daraus ein ii oder hi entstand. Ein solches 
ei haben wil* z. B. im aksl. Supinum i-tb, lit. et-tu, ai. i4um ,zu 
gehen*; aksl. zima, lit. zemh, ai. Mman ,im Winter*, gr. xeifjia 
,Sturm*. Im Lit. erscheint in der Regel ei, dameben aber auch e. 

oi führte jedenfalls, wenn wir seine monophthongische Ent- 
wickelung in anderen Sprachen berücksichtigen (z. B. im Lateini- 
schen) zunächst etwa zu einem oe. Daraus ist dann im Slav. 
ein geschlossenes 9 und schließlich ^ entstanden, z. B. 2. Per. 
PI. Imper. (urspr. Opt.) 2kA. herete ,nehmet*, gr. (fiqot-TB; aksl. 
meg^y lit snegas ,Schnee* neben snaigyti ,8chneien*. Im Lit. ist 
ai oder e?. Vgl. lat. jwena, gr.Ttotvi^, lit kaina ,Preis', aksl. 
cena ,Preis' urspr. *quoinä. 

ai und 9i führten zu demselben Resultate, da das a und 9 
zunächst zu o geworden sind: aksl. seit ,Strick*, lit. pd^saitis 
jRiemen*, ahd. seid ,Strick, Schlinge*, lat saeta, ai. situ-s ,bindend*. 

Im Lit. führen alle diese i-Diphthoiige zu ai oder e. 



16 

b) ti-Diphthonge: eu, ow» au, »u (oder auch eii, Oji, a^, 9u). 
Sie führen alle, falls tautosyUab., zu u. Bei hetero^^llab. eu be- 
merken wir, daß es zu or wird: aksl. nov^ ,neu^ aus *ne^8, gr. 
viog. Man wird daher annehmen können, daß auch das tauto- 
syllab. eu zunächst zu ou geworden ist; daraus erat hätte sich das 
u entwickelt Einigemal ist aber das u jotiert {ju), weshalb auch 
angenommen wurde, daß 0;^ überhaupt zu ju führte (im Gegen- 
satze zu ou, woraus einfach u entstanden wäre), also analog wie 
z. B. im Germanischen. Allein in dieser DarsteUung kann es 
unmöglich richtig sein, weil im Slav. e zu i oder / nicht wird. 
Anders im Germanischen, wo e allgemein zu i wurde. Wir 
müssen und daher nach einer anderen Erklärung umsehen. Halten 
wir an der Tatsache fest, daß die Monophthongierung in einer 
Assimilation des ersten Bestandteiles an den zweiten bestand, so 
muß auch hier aus eu zunächst ein ou entstanden sein, aber 
nicht auf einmal, vielmehr war die Assimilation so, daß das e 
zuerst etwa in der zweiten Hälfte sich dem u näherte, so daß 
wir ein «cm («<'«) erhalten. Hier taucht also ein reduziertes e auf^ 
das im Slav. zu h führte; dazu führte aber auch i, so daß der 
ältere Beflex eigentlich ein i-Laut war, also wie im Litauischen. 
Der reduzierte Laut konnte leicht schwinden, namentlich dann, 
wenn noch Parallelformen, die ein urspr. ou aufwiesen, vorhanden 
waren, z. B. bei der Deklination der u-Stämme. Auf diese Art 
würde sich der Widerspruch erklären, daß dem ursprachl. eu 
einmal ein u, das andere mal ein ju gegenübersteht. Durch diese 
Annahme wäre im Lit. auch der Diphthong au erklärt, wie 
auch das slav. u nach j, das doch immer nur diphthongisch war. 
Daß auch im Lit. ein reduziertes e («) zu i wird, bemerken wir 
z. B. in gistu ,erlösche' : gisti ,erlöschen'; kibti ,hangen bleiben* : 
kebihUs ,Haken*; hizdzüe ,Stänker* : bezd&i ,pedere* u. s. w. Zu 
einer derartigen Spaltung des Vokals war natürlich bei einem 
eu noch mehr die Gelegenheit vorhanden und daher bemerken 
wir, daß im Lit. eu regelmäßig zu iau wird (vgl. Wiedemann, 
Das lit Praeter. S. 32, 184 ff.). Beispiele für eu: aksl. bljudq 
4ch wahre, gebe acht*, lit. baudzü ,ich weise zurecht, strafeS got. 
-biuda, homer. Ttevx^ofiai ,ich frage, vernehme*, w. bheudh- ,er- 
wachen, merken, wahrnehmen*; aksl. Ijubb ^ieW, got Huf 8, w. 
leubho-; aksl. Ijudhje ,Leute*, lett. Vaudis, ahd. liui ,yolk*, w. 
leudh-. In diesen Fällen trat Erweichung ein. Dagegen nicht 
z. B. in aksl. skubq ,ich zupfe, reiße*, got. af-skiuba 4ch ver- 



16 

stoßeS ai. ksöbhate ,er gerät in Bewegung, schwankt*. 

Man kann freilich gegen diese Erklärung einwenden, warum auch 
das beterosyllab. eu nicht analog behandelt wurde, es ist dies aber ein 
Einwand, der sich gleichmäßig gegen jede Erklärung, die hier von eu 
ausgeht, richtet. Man kann ihm durch den Hinweis auf die verschiedenen 
Bedingungen, unter denen sich beide Diphthonge weiter entwickeln 
konnten, wie auch auf ein verschiedenes Alter beider Prozesse teilweise 
begegnen. Mit dieser Schwierigkeit hat allerdings die neue Erklärung, 
welche Mikkola (IF. 16, S. 95—101) gab, nicht zu kämpfen, wohl aber 
mit anderen. Er meint, eu hätte im Slav. nur u ergeben, das ^ti wäre 
dagegen aus eu, «u und zwar etwa durch die Übergangsstufe ''äff(}) ent- 
standen. Das 911 eu wäre nun eine Ablautsstufe und verhalte sich zu eu 
wie etwa mhrq zu *merti. Wenn wir nun auch die Stufe «u oder gar eu 
annehmen wollten , so würden wir doch nicht zu einem slav. ju und lit. 
jau gelangen. Da nämlich im Lit. nach dem i ein au, im Slav. nach 
demj ein u folgt, so hätte sich aus dem nach e oder e folgenden u ein 
Diphthong entwickeln müssen, was natürlich ausgeschlossen ist. Dieser 
Schwierigkeit suchte auch Mikkola durch die Annahme einer Obergangs- 
stufe Ȋff zu begegnen, allein wir fragen ihn vergeblich, wie so der diph- 
thongische Laut äft plötzlich daher gekommen ist. Aus einem eU hätte 
eventuell noch im Slav. ein ju entstehen können, wenn es sich bis in 
jene Periode, in welcher u nicht mehr zu h wurde, erhalten hätte, aber 
ein tau im Lit. konnte daraus nicht entstehen und beide Prozesse gingen 
doch parallel einher. Es wäre daher der Übergang des eu in Ju älter 
im Slav., er fiele in eine Zeit als u noch zu ^ wurde und so würden wir 
hier ein jbi jh und schließlich ein t erhalten. Ein eu würde dagegen 
unbedingt zu ou, u führen. So sind also die Schwierigkeiten, die uns 
diese Hypothese bietet, unüberwindlich. 

Ein ou wurde zu u, ofifenbar auch infolge eines Assimila- 
tionsprozesses: aksl. budüi ,weckenS lit pa-si-haudyti ^ch erheben, 
aufbrechen^ ai. hödkdyati ,erweckf aus *bhoudhiieti. 

au führte, nachdem es offenbar früher zu ou geworden war, 
zu u: aksl. 8uch^ ,trockenS lit. saüsas, gr. avogy ahd. 8ör9n ,ver- 
trocknen^, ai. aöstus ,das Austrocknend 

Dasselbe Resultat würde auch 9u ergeben. Im Lit führten 
alle diese u-Yokale zu au. 

Aus dem u, zu dem die «-Diphthonge führten, ersehen wir, daß die 
Diphthonge im Slav. erst später monophthongiert wurden. Ein langes ü 
führte nämlich im Slav. zu y und zwar selbst auch, wenn es sich erst 
auf slav. Boden entwickelt hat, z. B. im Akk. PI. der o-Stämme: roky 
aus *rokoM, *rokune, *roküe. Das war ein Prozeß, der in die Zeit nach 
dem Umlaute yo :je fallt, daher bei den /o-Stämmen mc^, kraj^ u. s. w. 
Vgl. auch den Wandel des -eti zu -wn, -y z. B. in kamy , Steint 

Nun war das aus den fi-Diphthongen entstandene u auch lang. 
Einerseits folgt dies aus lautphysiologischen Gründen, andererseits ersehen 



17 

wir es aas den slav. Sprachen selbst, vgl. z.B. b. üsta, skr. tiaia ,Mund', 
r. ußtä (u ans au, 9u), im B. und Skr. wnrde also die Länge vor dem 
ursprünglichen Wortakzente bewahrt , ebenso z. 6. in b. kroupa, skr. 
krüpa, r. krupd »Hagelkorn, Graupe'. Andererseits wissen wir, daß im 
Urslav. jedes kurze ti zu % geworden ist und zwar anch jenes, das erst 
auf slav. Boden entstand, z. 6. -um, '■un aus o«, -o» im Auslaut der o- 
Stämme (Nom. Akk. Sg.) führte zu -». Das ist aber noch vor dem Um- 
laute des jo zu je geschehen, denn wir haben anch bei den weichen 
Stämmen ein » aus urspr. y& (-im, -un) z. B. mqS» ,Mann*. 

Das aus den u-Diphthoogen entstandene u war lang und ist 
trotzdem nicht zu y geworden, da damals das Gesetz , nach 
welchem a zu y wurde , nicht mehr wirkte. Daraus folgt aber 
die für das TJrslav. wichtige Tatsache, daß hier die Diph- 
thonge Terhältnismäßig spät monophthongiert wurden, 
also zu einer Zeit, als schon mehrere andere lautliche 
Prozesse abgeschlossen waren. 

Bei den t- Diphthongen folgt es übrigens auch daraus, daß 
hier kj g^ ch vor einem aus oi und ai entstandenen B {e) nicht 
mehr zu c, z, S, wie früher yor anderen palatalen Vokalen, sondern 
zu c, z (dz), 8 wurden, was eben die jüngere Palatalisierung war. 

Diese Tatsache muß in der Lautlehre richtig verwertet 
werden und sie ermöglicht es uns auch, wie wir sehen werden, 
Formen wie Dat. Lok. duäi gegen rybe, Lok. Sg. mqzi gegen 
roce u. s. w. zu verstehen. 

Die Diphthonge: kurzer oder langer Vokal + fn oder 
n, wie en, em, am, an u. s. w., dann en, Sm, an, am u. s. w. 
führten in bestimmten Fällen zu den nasalierten Vokalen ^, p 
(geschrieben 9), die neben den Halbvokalen eine Eigentümlichkeit 
des Urslav. waren. Z. B. aksl. qgh ,EohleS lit anglia, preuß. 
anglü, ai. afigära; aksl. Uifaf, l^i ,biegenS lit lehkti, lenkiü 
,biegen', dazu auch Iqkh ,Bogen^ 

Langdiphthonge, a) i-Diphthonge: Si, äi, öj[, 

Si führte zu i, wobei es wohl zunächst zu ei verkürzt worden 
ist, wenigstens im Auslaut (vgl. äi). Hierher gehört der Lok. 
Sg. der f-Stämme: aksL^o^^i, kodizagosth ,6a8t^, kostb ,Knochen^ 
Als Langdiphthong hatte das ei eine gestoßene Intonation und 
da die t-Stämme im Slav. fast alle stammbetont waren und eine 
schleifende Intonation hatten, so mußte im Lok. der Wortakzent 
auf die Endung zurückgezogen werden. Daher s. pidi, nb6i zu 
pe6, no6] iäeti zu dost, rijidi zu rljed, öak. noch nocl zu no6, soll 
zu 80I u. s. w. Man vergleiche auch im R. : na Rusi ^m Russen- 

VoDdr&k, Vgl. alav. OnuDiii. I. 2 



18 

land', iTb ilali ^n der Ferne', Vb smisi ,in dem Vermischten'. Als 
Lokal fungierte hier im Slav. auch die Stammform mit gedehntem 
Stammsuffix (ohne Kasussuffix), vgl. got anstai ,der GunstS ahd. 
ensti, im Ar. nur B aus ?(t) : ai. dvä, agnä zu dvia ,Schaf , agn{s 
yFeuer'. Im Slav. können wir nicht von einem 9 das zu e, dann 
i geführt hätte, ausgehen, weil nur das geschleifte e im Auslaute 
in } tiberging. 

Hierher gehört ferner der sigmatische Aor. ohne Bindevokal 
aksl. öish ,ich las' aus *k^tS', vgl. ai. 3. P. dcäit zu ditati ,er 
nimmt wahr*. 

ai führte zu i mochte es eine geschleifte oder gestoßene Int. 
gehabt haben: äl aus ä + ai im Dat. Sg. der a-Stämme aksl. 
rqci zu rqka ,die Hand^ s. rüci, Nom. ruka (aus ^ruka). Der 
Dat war also schon im Urslav. stammbetont und hatte eine ge- 
schleifte Int, aber wegen der geschleiflien Endung ist hier keine 
Akzentverschiebung eingetreten. Dagegen im Lok. Sg. s. ruci, 
dialektisch und älter rüci aus *rac& (aksl. rqce), wo also die 
Endung eine gestoßene Int. haben mußte (-di). Sie kam regel- 
recht den Langdiphthongen zu. Leskien nahm dagegen an, 
daß im Dat. ein ai, im Lok. dagegen vielleicht ein äi vorliege 
(Afsl. Phil. 23, S.666), was nicht richtig ist (wegen der Intonation). 
Dagegen nimmt Pedersen auch für den Lokal ein ai an, wozu 
uns das lit. rafikoje nötige, und selbstverständlich auch für den 
Dat. Sg., indem er zeni mit gr. ti^y vergleicht (KZ. 38, S. 326fF.). 
Nun haben die ja-Stämme in unseren Formen ein i: Dat. Lok. 
Sg. duäi, voljü Man kann hier an keinen Üben^est der einstigen 
X^Stämme denken, da diese wegen ihres Nomin. Sg. (z. B. aksl. 
zetnlja ,Erde, Land^ lit &imi aus *&emiiB) von den o-Stämmen 
einfach ins Schlepptau genommen worden sind. Das % kann femer 
nicht aus einer etwaigen Mittelstufe e (aus ai) hervorgegangen 
sein, da ja dieses e ein offener «-Laut hätte sein müssen. Aber 
auch nicht aus dem späteren, aus dem etwaigen e hervorgegangenen 
e, da es im Lok. Sg. gestoßen betont gewesen wäre. An einen 
Zusammenfall der beiden Kasus kann nicht gedacht werden, da 
sie ja auch akzentuell geschieden blieben. Wir müssen daher 
auch bei äi eine Verkürzung zu ai annehmen, wobei die ursprüng- 
lichen Intonationen selbstverständlich gewahrt blieben. Aus ai 
wurde oi und nach Palatalen ging es in ei über, das dann einfach 
zu -i führte. Daß auch ein gestoßenes äi im Slav. verkürzt 
worden ist, wie wir aus dem Lokal ersehen, muß hier besonders 



19 

hervorgehoben werden, weil man immer mit der Annahme operiert^ 
dafi nur geschleifte Langdiphthonge verkürzt worden sind, wobei 
man aich eben auf den Dat Sg. der a-Stämme beruft, um den 
Oen. PI. der o- und o-Stämme zu erklären. Wenn aber ein 
Parallelismus mit den Langdiphthongen -on und -Ön auch hier 
bestände, so müßten diese in beiden Fällen verkürzt werden und 
wir könnten von *kam(in zu kam;/ nicht kommen, sondern würden 
ein *kafm aus *kamon erhalten. 

Einen öi-Diphthong vor einem Konsonanten werden wir 
weiter unten kennen lernen. 

b) u-Diphthonge: iu, äu, du. Davon kann mit einer ge- 
wissen Wahrscheinlichkeit nur Su im Slav. belegt werden, näm- 
lich im Loc. Sg. der u-Stämme : synu aus süniu, ahd. suniu, got 
^unau, lat adv. nodu, ai. sünäü. Als Lokalform ftmgierte hier 
ebenfaUs wie bei den z-Stämmen der Stamm (mit gedehntem 
StammsufiBx) ohne Kasussuffix. Auch hier hatte natürlich der 
Langdiphthong Su eine gestoßene Int. In bestimmten Fällen 
mußte also der Wortakzent auf die Endung vom Stamm ver- 
schoben werden. Im R wurde es so veraUgemeinert, daß der 
Lokal mit u, wo er überhaupt gebildet wird, stets das u betont: 
vz adü 4n der Hölle' dagegen obh dde ,über die Hölle'; vb grobü 
4m Sarge', dagegen vh gribe, weiter: vh godü ^m Jahre', na beregu 
^am Ufer* u. s. w. 

Man vrird auch hier mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit 
annehmen können, daß das iu zu eu zunächst verkürzt worden 
ist, wobei die Int gewahrt blieb. 

Langdiphthonge vor Konsonanten. FaUs es t-Diph- 
thonge waren, konnten sie vor Konsonanten das i verlieren, vgl. 
aksl. khtb ,Dieb' gegen tajUi (taiti) ,hehlen', tai (taj) ,geheim' aus 
i8)Ul(', ai. täyü^ ,Dieb'. 

Hierher gehört wohl auch der Instr. PI. der o-Stämme: 
rokif aus ^roköis, woraus *rokös, dann ^rokos und schheßlich 
roky zu rokh ,Termin' entstand, vgl. lit. vilkais zu vükas ,Wolf , 
gr. At/xoi^, ai. vrkäis. Bei ^'o-Stämmen mußte aus dem y ein i 
werden: mqzi, kraß u. s. w. 

Bestand and Eintellang der arslav. Yokale. 

Im vorhergehenden sind wir zu folgenden urslav. Vokalen 
gekommen: i, e, e, a, o, u, y, die Nasale ^ und q, die Halb- 

2* 



20 

vokale ^ und h, wozu eventuell noch ^, ^, r, / {^, ^, f, J) 
kommen. Lautphysiologisch ist diese Vokalreihe freilich nicht 
geordnet, weil wir sonst die beiden Halbvokale von einander 
reißen müßten. Trotz der vielen neuen Vokale bilden auch in 
der urslav. Vokalreihe i und u ihre äußersten Pole: es sind näm- 
lich auch hier die am meisten geschlossenen Vokale , so daß sie 
sich am meisten der konsonantischen Artikulation nähern und 
tatsäqhlich auch in die betreffenden Eons, {j und t;) leicht fiber- 
gehen können. An das i schließt sich dann t, e, S, weiter auch 
q an, während um das u sich das o, ^, y weiter auch q gruppiert» 
Zwischen diesen beiden Gruppen steht in der Mitte a und ver- 
hält sich neutral. Unter diesen Vokalen haben wir femer lange 
uhd kurze, dann weiche oder palatale und harte zu unter- 
scheiden. 

Lange und kurze Vokale. 

Im Urslav. hat es lange und kurze Vokale gegeben. Die 
Quantität der einzelnen Vokale erkennt man mit Hilfe der ver- 
gleichenden Grammatik und nach den Reflexen der Vokale in 
einzelnen slav. Sprachen. Lang waren zunächst jene Vokale, die 
aus ursprachlich langen hervorgegangen sind, so das a, das auf 
ä und ö zurückgeht, das y aus ü, und i aus i. Lang waren ferner 
alle Vokale, die durch Monophthongierung der Diphthonge ent- 
standen sind: so u aus oii; au, 9u, eu, Su; i war selbst im Urslav. 
als ie fast ein diphthongischer Laut, als solcher daher lang; t aus 
ei (9i). Auch die Nasale müssen, wie ihre Reflexe in einzelnen 
slav. Sprachen zeigen, lang gewesen sein. Diese Längen gingen, 
wie wir sehen werden, endlich und letztlich doch auf die einstige 
diphthongische Geltung eines en, an u. s. w. zurück. Kurz war 
das e und o, während die Halbvokale ^ und h als halbkurz gelten 
müssen. Schließlich muß man auch fürs Urslav., wie wir sehen 
werden, ein kurzes und langes r^ l, ni, t^ ansetzen. 

Die palatalen (oder weichen) Vokale: i, t, e, i (<;). 

Diese Vokale haben schon im Urslav. das k, g, ch in d, z, ä 
(das diphthongische S und i nebstbei auch in c, dz, s) verwandelt. 
Dieselbe Wirkung brachte auch ein heU klingendes r; / hervor. 
Diese Erscheinung ist zumeist auf die damalige Artikulation der 
Gutturallaute zurückzuführen und kommt daher hier nicht so 
'«ehr in Betracht. Wichtiger ist es für uns hier, daß vor diesen 



21 

Vbk. in einzelnen slav. Sprachen dann auch noch andere Kons, 
erweicht wurden. Die Veränderungen der Kons, werden bei 
diesen selbst erörtert werden, für uns kommt hier der Vokal 
allein in Betracht , d. h. wir müssen untersuchen, welche Eugen- 
Schäften er hatte, daß er die betreffenden Kons, derartig affizieren 
konnte. 

Die Tatsache, dafi die Erweichangen nur in einzelnen slay. Sprachen 
(r., westalar., nicht im Sadslav.) auftreten, führte za der Hypothese, die 
betreffenden Vokale — man hatte hier vor allem das e im Sinne — wären 
im Urslav. weder so weich, wie jetzt etwa im P. und R., noch aach so 
hart wie jetzt im Sfidslav., gewesen. Was man aber unter einem weichen, 
bez. harten e zu verstehen habe, darauf g^ng man nicht näher ein. Ein 
weiches oder hartes e besagt allerdings nichts, es gibt vor allem ein 
offenes oder geschlossenes, bez. verengtes e und andere homogene Varie- 
täten, aber kein weiches oder hartes e. Wir mfissen also den Ausdruck, 
insofern er auch schon eine Erklärung enthalten soll, meiden. 

Das charakteristische Merkmal unserer Vokale ist, daß ge- 
wisse Kons, in einigen slay. Sprachen, wie schon erwähnt, er- 
weicht werden, z. B. r. nizkij juiedrig* lautet njizkij oder nükij, 
ebenso b. nizl^ und p. nizki; ebenso r. dereto als d'er'evo ,Baum* 
n. s. w. Nun werden wir aus dem betreffenden Kapitel des 
Konsonantismus ersehen, daß die Erweichung der Kons, vor allem 
in der Anpassung ihrer Artikulationsstelle an jene des j besteht. 
Es ist also zunächst zu untersuchen, woher dieses ^ bei unseren 
Vokalen auftauchen konnte. Da ist wichtig die Tatsache, daß 
das e im. P. und R. den Kons, erweicht, nicht aber im B., da- 
gegen das i auch im B. Daraus folgt, daß es zunächst die ver- 
engte Aussprache, die ja bei i ihren Höhepunkt erreichte, ver- 
schuldete. Das e mußte also in jenen Sprachen geschlossen ge- 
wesen sein. Das war aber ein umstand, der nur eine Disposition 
zur Erweichung, aber nicht diese selbst direkt herbeiführte. Es 
mußte noch ein zweites Moment hinzutreten und das bestand in 
der Antizipation der verengten Artikulationsstelle des folgenden 
Vokals bei der Aussprache des betreffenden Kons. So wurde die 
Zungenstellung des engen e bei der Aussprache jener Kons, der- 
artig antizipiert, daß sie wegen des konsonantischen Verschlusses 
Qor in eine mit Engenbildung, d. i. in die zunächst verwandte 
des j überging, so daß der Kons, erweicht werden mußte, wo er 
erweichnngs&hig war. Selbst auch bei Labialen kam Erweichung 
vor, nur konnte es hier nicht zu einer so innigen Verbindung mit 
dem j kommen, daher dieses hier fast noch unterschieden werden 



22 

kann, vgl. poln. miöd, miodu aus einem älteren mied und dieses 
aus einem urslav. fned^ ^Honig^. Eine andere Antizipation der 
Zungenstellung, spezieU in unserem Falle die des hohen e selbst,, 
war nicht möglich, da es ja sonst zu keinem Verschlusse, alsa 
auch nicht zu einer Aussprache des Eons, gekommen wäre. 
Dadurch wurde die Aussprache des hohen, engen Vokals teil- 
weise erleichtert, er selbst konnte aber nach erfolgter Palatali- 
sierung des Konsonanten mehr offen werden. 

Bei i konnte ohne weiters die Engenbildung des ; antizipiert 
werden, da ja diese beiden Laute innig verwandt sind. Hier hat 
auch die Erweichung in einem größeren Umfange stattgefunden 
(di, ti, ni u. s. w. werden auch im B. als di, H, ni ausgesprochen^ 
dagegen nicht de, te, ne u. s. w. als de, ie, üe). 

Dasselbe gilt auch von t». 

Bei ^ verhielt sich die Sache anders. Ursprünglich war es 
ein breites, offenes E, bei dessen Aussprache sich die Zungen- 
stellung bedeutend von jener des i entfernte, so daß hier eine 
Antizipation dieser Stellung damals ganz ausgeschlossen war. 
Wohl aber konnte sich lautphysiologisch aus einem derartigen 
offenen B ein ie entwickeln, ein Vorgang, den wir sonst auch, 
z. B. häufig in den rom. Sprachen beobachten können. Jetzt erst 
konnte sich vor diesem sekundären % derselbe Prozeß, den wir 
beim primären i gesehen haben, wiederholen, d. h. es konnte hier 
zu einer Erweichung führen. Diese könnte hier aber auch anders 
erklärt werden. Wir werden nämlich bei der Darstellung des ^ 
(oder eig. ie) vielfach annehmen müssen, daß aus dem ie ein iß, 
je bez. j^ geworden ist Nun konnte natürlich das ; leicht mit 
dem Konsonanten verschmelzen, d. h. ihn erweichen, so daß wir 
es hier mit keiner Antizipation zu tun hätten. Diese Erklärung 
empfiehlt sich vielfach. 

Das Südslav. hatte urspr. ebenso ,weiche' oder, wenn man 
will, ,harte^ Vok. wie das R. und Westslav., aber man kami an- 
nehmen, daß wohl nur dialeki Anläufe zu solchen Erweichungen 
vorhanden waren, wie manche Erscheinungen in den aksl. Denkm. 
und einige Dialekte dafür sprechen. Sie erreichten hier jedoch 
nie einen solchen Grad und waren auch nicht allgemein. Es 
fand hier eben bei den engen Vokalen in der B^gel keine Anti- 
zipation der i (^yZungenstellung statt; auch bei e nicht Die 
Sprache gab allmählich die engen Vokale auf ohne derartige 
Begleiterscheinungen, wie wir sie im R. und in den westslav. 



23 

Sprachen finden. Dieses Aufgeben der verengten Vokale führte 
hier auch zu den sogen. Verhärtungen, indem z. B. h zxx ^ wird, 
was mitunter schon im Aksl. beobachtet werden kann z. B. vedet^ 
,er führte statt des urslav. *vedetb. So wurde auch aus dem engen 
e allmählich ein breiteres e. 

Diese Betrachtungen fahren uns zur Annahme, daß die in Rede 
stehenden Palatalisiernngen nicht etwa urslav. sind, sondern, daß sie 
sich erst einzelsprachlich entwickelt hatten; wir hahen ja auch sogar 
ihren verschiedenen umfang verfolgen können. Im Südslav. waren sie 
nie allgemein. Ich kann daher nicht mit Meillet ühereinstimmen , der 
da meint: »Comme toutes les voyelles prepalatales (^, e, t, t) en slave 
commun, i etait precede d'une jodisation, c^est-a-dire que la position 
des organes requise ponr la voyelle etait proparee pendant Temission de 
la consonne precodentec (MSL. 12, 8. 28). Diese »Jodisationc setzt er 
schon ffir das Urslav. voraus und meint, das Südslav. hätte sie verloren; 
daß sie aber einmal auch hier bestanden habe, beweise ya für i des An- 
lautes (z. B, ja9t{) im Aksl. Allein der Anlaut ist hier gar nicht ent- 
scheidend, da sich auch z. B. bei einem a im Anlaute ein y (also ja) 
entwickeln konnte, wie wir sehen werden, abgesehen davon, daß die pala- 
talisierende Wirkung des i auch anders beurteilt werden kann. 

Labiaiisierte Vokale. 

Ein Seitenstiick zu den palatalen Vokalen bilden die labiali- 
sierteu. Es kommt hier in erster Reihe der Vokal o in Betracht. 
Waren die palatalen Vokale als ursprünglich enge, geschlossene 
Vokale (mit Ausnahme des i) aufzufassen, so gilt es auch vom 
urslav. 0, insbesondere aber von dem einzclsprachlich entstandenen 
langen o. Ein ö näherte sich also schon dem u als der anderen 
äußersten Grenze der geschlossenen Vokale, wurde infolge dessen 
mit größerer Lippejibeteiligung gespi*ochcn. Wurde nun diese 
Stellung bei der Aussprache des vorhergehenden Kons, antizipiert, 
so kam es auch hier zu einer Engenbildung (analog wie bei den 
palatalen Vokalen), diese betraf die Lippen, so daß statt des o 
ein tfo erklang. Das u kann natürlich dem Kons, in der Hegel 
keine bestimmte Färbung geben, wie es bei der Palatalisierung 
der Fall war; er bleibt also seinem Wesen nach unverändert und 
das ist ein wichtiger Unterschied zwischen der Palatalisierung und 
Labialisierung, er ist durch die verschiedenen Artikulationsstellen 
der Engenbildungen bedingt. Die Labialisierung äußert sich also 
mehr am Vokal, ihr Produkt haftet an ihm und kann durch eine 
Überwucherung denselben bedrohen, alterieren, ja auch ganz ver- 
drängen, namentlich dann, wenn der so diphtliongisch gewordene 



24 

Laut eine geschleifte Intonation, be|i welcher eben das erste 
Element des Diphthongs immer hervorgehoben wurde, hatte. So 
alteriert die Palatalisierung die Qualität des betreffen- 
den Kons., die Labialisation höchstens jene des Vok. 
Der Palatalisierung mufi also auch beim Konsonantismus ein 
Kapitel eingeräumt werden, die Labialisierung kann beim Voka- 
lismus erledigt werden. Aber im Wesen sind es gleiche Prozesse, 
die sich im Slav. an den äußereten Polen der Vokalreihe und 
zwar bei den am meisten geschlossenen Vokalen t (i) und u {u) 
abspielen. Nur hier konnte es nämlich bei der Aussprache von 
Vokalen zu Engenbildungen, die antizipiert wurden, kommen. 

£8 muß allerdings auffallen, daß bei dem einen Endpunkte (t) die 
Antizipation stattfinden kann, wie wir sahen, bei dem anderen aber, bei 
u selbst, nicht. Das hängt jedenfalls mit der Artikulation des u zu- 
sammen. Während sich nämlich die Artikulation des • und des i (j) an 
einer Stelle im Munde konzentriert, ist dies bekanntlich bei u nicht der 
Fall, denn hier kommen die Lippen und auch die Zunge, die in ihrer 
ganzen Masse nach hinten gezogen und in ihrem hinteren Teile zum 
weichen Gaumen emporgehoben wird, in Betracht. Im geringeren Maße 
kommt alles dies auch bei tf in Betracht (die Rundung und größere 
Mundöffnnng und auch eine Zungenartikulation). Bei der Anticipation 
hätten nun alle diese Organe in Tätigkeit gesetzt werden müssen, was 
/ offenbar selbst auch bei der Aussprache von mehr homorganen Konso- 
nanten Schwierigkeiten bereitet hätte. Eine einseitige Antizipation aber, 
wie z. B. jene der Lippenstellnng, war nicht recht denkbar. Bei o ge- 
stalteten sich die Verhältnisse freilich anders und für eine Antizipation 
viel günstiger (siehe weiter unten bei o). 



Das slav. i ist der Reflex mannigfacher Laute. Als ein ur- 
sprünglich langer Vokal ist es zunächst die Fortsetzung 1) eines 
Torslav. langen i, das wieder verschiedenen Ursprungs sein und 
z. B. auf p zurückgehen kann und 2) des Diphthonges ei. 

1) aksl. öistb ^inS s. eist, ab. düt, lit skystas, kystas ,dünn, 
dünnflüssig^, darneben mit oi: aksl. cMiti ^purgareS lit. akdistaa, 
skaistüs ^eW-, aksl. griva ^Mähne^ s. grlva, b. hHva, ai. grivd 
,NackenS davon aksl. grivma urspr. ,B[alsband, Armband^ dann 
als Zahlungsmittel eine Art Gewicht, Münze; aksl. pirb ,Gast- 
mahlS vgl. alb. pire ,Getränk^, ai. pUds ,getrunken<; hinsichtlich 
der Tonqualität würde auch s. pUi, b. püi ,trinken* für ein urspr. 
langes i sprechen, falls sie nicht analogischen Ursprungs ist; aksl. 
sivh ,cinereusS s. slv ,grauS l^t. szyvas ^schimmelgrau^ preuß. 



25 

sywan ^gran'; p. szczyry, szczery, b. 6iry (aus i6iry) ,lauter^, got. 
skeirs (got. ei «- i) ,klar, deutlichS mhd. achlr, as. «Jrfr; aksl. PI. 
neutx. tri ,tria', ai. ^rl, tri, lat tri-ginta (Neutr. PL), Kt try4ika 
^dreizehn' (mit dem Neutr. try)\ aksL viti ^winden', b. vHi ae ^sich 
winden', b. vtti, lit. vyti ,windenS gr. It4a jWeide*, lat. vUis, ahd. 
wfda ,Weide'; aksl üvh, s. ziv, b. ziv ^ebendig^, lit. gyvaa, lat. 
eivos. R. düjd ,Kind' (PL cl^i) gehört nicht hierher, aksL ditq, 
vgL auch r. sidiU, aksL 8^(töi ,8itzen^ 

Hierher gehört das Imperativ- (eig. Optativ-)Suffix des Du. 
und PI. bei den athematischen Verben: dad-i^i, dad44a, dad- 
i-fm, dcid-irte ygebet', Tgl. 1. ^mus, got 1. PL witeima (ei — l\ 
ahd. wizzi-mis zu got waü, ahd. weiz ,ich weiß^ Im Nom. 
Sg. F. ist auch häufig i, so aksl. ei »diese' aus *V%, lit san, vgl. 
lat ci'tra, got ki-mma ,diesem', femer Ut. j% ^& aus t mit dem 
aus anderen Kasus verechleppten / (Gen. Sg. z. B. jds). Beim 
Part Praes. act aksl. berqäti, lit. degantl zu cie^<7« ,brennendS 
turintl zu ^Krf« ,habend', ai. bhärantl (gr. q>iQOvaa), ai. ^iK/a^f 
^tundens', got. bairandei (ygl. got. frijöndi ,Freundin', hulundi f. 
^öhleO- Beim Part Perf. (Suffix -?^«8): aksl. ne^»^' »getragen 
habendS ai. vidüfl, gr. idvia, litt;^iii^' zu vSz^e »gefahren habend'; 
beim Komparativ (Suffix -i«5-):^aksL slazdhäi ,süßer', dobrijäi 
»besser^, vgl. ai. evädiyaei, got eütizei »suauior'. 

Daran reihen sich die Nominative aksl. cd^nbji, lantji (lamja, 
lanh) ,EUndin', dann männliche und weibliche Nominative auf hß, 
iß: sks\.al^dhß, ahdiß, ladhß, ladi ji ßchiß^, tn/«m/i , Blitz*', sqdiß 
^Richter', balhß ,Arzt', krhtnhdbß ,Steuermann*, kbnjiffhdbß ,Schrift- 
gelehrter*, äarhdbß »Maler* u. s. w. 

Was die Verteilung zwischen -i und -&;V anbelangt, meint Zubaty, 
es käme in Betracht, ob die vorausgehende Silbe offen (hogynjt) oder ge- 
schlossen gewesen sei (sc^bfi); ferner auch die Tonqualität (berqiti), das 
alles in den übrigen Kasus, diese hätten dann auch den Nom. beeinflußt; 
so wäre aus t zum Teile auch -^ß entstanden (Afsl. Phil. 26, S. 361). Er 
erklärt das Suffix -y-n/«: aksl. rahyt^i ,Sklavin\ hlagynji ,Güte' u. s. w. 
aus -nf (in ai. pAtnl ,Fran, Gemahlin*, gr. 3i6xvia, lit. wesch-palni) , das 
an Substantiva auf -y angehängt worden wäre. Die Erweichung des n 
sei dem Einflüsse der übrigen Kasus zu verdanken, wie auch bei den 
oben erwähnten Partizipial- und Komparativformen (I. c). 

Auch in anderen Suffixen finden wir nicht selten ein i, das 
auf f zurückgeht So z. B. in -itih, -ina, -ino, das häufig Posses- 
sivadjektiva yon a- und anderen Stämmen bildet: aksl.ienin» ,des 
Weibes' zu zena ,Weib', vgl. lat. caprintte, peregrinus u. s. w. 



26 

Von der Deklination gehört hierher der Nom. Akk. Du. 
der i-Stärame: aksl. nosti zu nosth ^Nacht^ lit. naktt (aus *nakiy), 
ai. srutt ,die beiden Ströme, Wege*. Die Endung -mt deslnstr. 
PL, welche nur bei den o-Stämmen und bei den meisten konso- 
nantischen Stämmen nicht vorkommt, sonst aber überall, und lit 
mls setzen ein -mts voraus (vgl. Leskien Afsl. Phil. 6, S. 190): 
aksL ryhami zu ryha ,Fisch', kosthtni zu kostb jKnochen', symmi 
zu sym ,Sohn', ähntmi zu dtffih ,Tag^; beim Pronomen: tenn zu 
th ,illeS naäimi zu naäb junser', lit mergomls zu meryä ,Mäd- 
chen^, avimis zu avls ^Sch^f^, dangumh zu dangüs , Himmeln 

Das lange l konnte sich auch auf slav. Boden dadurch ent- 
wickeln, daß in der Gruppe -in + Kons, das n ausfiel und i 
dafür zu % gedehnt wurde: aksl. zila ,Ader', s. zlla, b. züa aus 
urbaltslav. glnslä, gltda, lit. gfsla, gysla; aksl. isto, istese ,te8ticu- 
lus', PI. ,renesS lit. inksfae ,Niere, testiculus^ preuß. inxcze ,NiereV 
aisl. eista^\ r. gnida, b. hnfda ,NißS lit glinda aus *gninda, let 
gnida. 

Im Akk. PI. der »-Stämme: aksl. kosti aus *kost%n8 zu kostb 
, Knochen^, ebenso gosti, vgl. got gastins, zu aksl. gostb ,Gast^ 

Auch im Suffix -hnikh: aksl. dvhröuikb ,Türhüter*, vgl. auch 
lit Letüvininkas ,Litauer' zu Letuvä ,Litauen' haben wir zum 
Teile ein -inko zu suchen (vgl. weiter unten in der Stammbildungs- 
lehre). 

2) aksl. Sup. i'tz ,zu gehen^, lit. ei-tu, ai. i4um ,zu gehen'; 
aksl. lichh ,überflü8sig, in Menge vorhanden, was übrig bleibt' und 
das ist mitunter ,ungerade, unrecht', s. Itho ,ungerade' aus *leik8(h, 
vgl. gr. leiipavoVf Xautu); davon wohl verschieden aksl. lickh ,arm, 
böse, schlecht', lit lesas ,mager'; aksl. lizq ,ich lecke' zu lizati, 
lit. l'eziü ,ich lecke', gr. Xeixo), ai. Ith- ,lecken'; aksl. ni ,nein', 
s. ni (aus *«0> 1^^ ^^^ ,nicht einmal', osk. nei, lat nt, aksl. ni — 

1. Wegen der im Altr. (Svjat.) vorkommenden Porm jestese will 
Mikkola aksl. üto von lit. inkstas (aus *inUto8 wobei er eine Verwandt- 
schaft mit \h\.. intestinus voraussetzt) trennen und aus *b%io ableiten (IF. 
16, S. 98), allein das kann man doch nicht tun. Es ist zu bedenken, daß 
dieselbe Quelle auch die Form isto kennt, die somit gemeinslavisch war. 
Das im Aruss. vorkommende jestese ist durch eine Vokalassimilation aus 
istete entstanden. Wir begegnen derselben im Aruss. sehr häufig. Vgl. 
skbrhb, skbTbbb neben skbrbb] zoloba neben ztloba; bayaU, bagahstvo (vol- 
hj'nische Denkmäler XIII. — XIV. Jhd.). Vgl. auch sidiib, siditb aruss. 
noch siiUf shh'ib u. s. w. zahlreiche andere Beispiele bei Sobolevskij 
iS. 89-91). 



27 

ni ,weder — noch', lit nei — net; aksl. piäq ,8chreibe* zu ptsati 
(aus *peik'i(h), lit pSsziü ,ich schreibe^ ]preuü. peisäi ,8ie schreiben', 
ai pesaa ^Gestalt', pia- ,8chmückenS gr. noiyulog ,bunt', got. filu- 
faihs ,8ehr mannigfach'; pri ,bei', preuß. pr^' ,zu', Utpre ,bei, an, 
zu'. Mit lat prae sind diese Worte wohl unverwandt dignq, 
stignqti ,kommen, erreichen', got. sieiga ,ich steige', gr. ateixta 
,ich gehe'; aksl. vidh ,Gestalt, Aussehen', s. vfd, vida, bg. vidit, 
gr. feidog (6ak. aber vld, vlda, das mit lit. vüdas ,Gesicht' hin- 
sichtlich der Akzentqualität stimmt); aksl. zima ,Winter, Kälte', 
s. zima, r. zimä, b. zima, lit. zemä (Akk. Sg. s. zfmu stimmt 
überein mit lit. zemq)^ gr. xhiauv^ X^^f*^ ,Sturm'; aksl. zidq ,ich 
warte', lit. geidiü ,ich trage Verlangen'. 

Das 1 des Vok. Sg. der i-Stämme geht auf ej^ zurück: pqti, 
kosti, vgl. lit nakte, ai. mäti. 

Oben 8. 17 haben wir erwähnt, daß auch e/ zu i führte, 
wobei es zunächst wahrscheinlich zu ei verkürzt wurde: Lok. Sg. 
der i-Stämme: aksl. peäti, s. pi6i. — 

Auf slav. Boden führten im Laufe der Zeit mehrere Laute 
zu einem t. Zunächst das e im Auslaute, falls es geschleift be- 
tont war, so im N. PI. der männlichen o-Stämme z. B. rod ,die 
Termine' zu rokb, Ut devai, takal; im Gen. Sg. der t-Stämme: 
pqti, kosti, vgl. lit naltes, got. anstais; in der 2. und 3. P. Sg. 
des Imper. aksl. nesi, vedi, vgl. lit. te-suke, gr. naidevoigy Ttat- 
devot; im Dat Sg. des enklitischen Pron. mi, ii, si, gr. aoL 
Über diese Fälle wie auch über die Endung -si in jesi, dasi u. s. w. 
und 'äi in aksl. vedeäi u. s. w. siehe bei e. 

Nach Palatallauten steht i dem e gegenüber, wo es ebenfalls 
zunächst auf ei zurückgeht: im Dat und Lok. Sg. der a-Stämme, 
z. B. duäi gegen rqce, rybi; im Lok. Sg. und Lok. PL der o- 
Stämme, wie mcfzi, kraß, morß gegen roc^ und mqzichi, krajichh, 
morßchh gegen rocech^, me8tich^ u. s. w.; im Nom. Akk. Du. der 
a- und der neutralen o-Stämme: duäi gegen rybe, polji gegen 
mMd. Weiter im Imper. PI. kazite, glngoljite gegen vedite, ne- 
Bete; im Instr. Sg. m..u. n. der weichen Pronominalstämme: jimh 
gegen Umh, im Dat. Instr. Du. ßma gegen tima, im Gen. Lok. 
PL ßchz gegen tichz. Dat. PL ßmz gegen timz und Instr. PL 
ßmi gegen timi (auch diese Formen werden bei i erklärt). 

Ein ß im Anlaut führte im Urslav. ebenfalls zu i, mochte 
das j schon ursprachlich sein oder sich erst auf slav. Boden ent- 
wickelt haben. Die Übergangsstufe war hiebei jedenfalls ein jf. 



Auf slav. Boden hat es sich entwickelt bei einem b im Anlaut 
z. B. urspr. ino- führte zu tno-, woraus jhno- und schließlich 
im junwsf wurde. Dann imq, j^i ,nehmen*, s. vgl. ötHi, otmem, 
aus *j'hnuf, *bnuf und dieses aus *v[imq, ^ipii, vgl. lit. iwü, imti 
^nehmen, beginnen^ lat. emo, vgl. noch aksl. vhz-hmq, vtzqti 
,nehmen^ Hierher vielleicht auch der Nom. Sg. i-ze aus is-, vgl. 
lat. is, lit ßs »ei* aus is mit j nach dem Gen. Sg. jö u. s. w. 
Doch würde das slav. Neutr. je-, falls aus *jod und nicht durch 
Analogie entstanden, für ein ursprüngliches Maskulinum im Nom. 
*jo8 sprechen; das müßte durch *jb auch zu *fh und dann i 
führen. 

Ursprachlich war das j im Anlaute in aksl. igo ^och^ aus 
*jf>ffo und dieses aus *ßgo, lat. juffum, ai. yugäm, gr. ^vyoV. 

Wie *jhgo zunächst aus *jbgo entstand, indem nach einem 
Palatallaut auch das « zu b wurde, so auch bei y, das mit b ver- 
wandt war: auch y wird nach Palatalen zu L Zunächst im 
Instr. PI. der o-Stämme: neben roky, mesty u. s. w. (aus öis vgl. 
S. 19) haben wir mqzi, poljiy marji u. s. w. aus *mqzy, *poljy, 
*fnorjy u. s. w. Weiter aksl. ätti, s. ^Ui, b. äüi ,nähen^ aus 
^sjyti und dieses aus siiUi, lit. »iüti ,nähen', got. siujan. 

Auch entlehnte Worte, in denen ein t einem fremden ü gegenüber- 
steht, setzen in der Begel zunächst ein y voraus: aksl. kriMb ,Krenz', 
ahd. cArüst, chriuzi (geschrieben anch crüee^ crüci). Aber das slav. ^ 
macht dem deutschen z gegenüber Schwierigkeiten; JireSek möchte es 
daher lieber aus dem Boman. ableiten^ (Die Romanen I, S. 37), doch auch 
da müßte man einen Dialekt nachweisen, der hier wenigstens einen «-Laut 
hatte, da es im Auslaute als H gehört werden konnte (vgl. das altdalmat. 
krusi^ krus). Jedenfalls muß hier ein langes ü gewesen sein {vgl. in dieser 
Hinsicht aksl. rA^zs, chyza und got. -hüs). Das y ging nach r in t über 
wohl zumeist unter dem Einflasse des nachfolgenden Palatallautes I. So 
mag wohl so manches t im Slav., das einem fremden o gegenübersteht, 
die Zwischenstufe y voraussetzen, indem aus dem ö zunächst ein w, dann 
y geworden ist. So in aksl. rtwi» ,Rom*, aus röm wurde *rüm. Die 
Bömer 'PtoftaToi wurden von ihren östl. Nachbarn, den Persem und Ara- 
bern anch Rüm^ den Türken Urum genannt (JireSek, Die Romanen I, 
S. 36). Das ö als ü war daher anch sonst gar nicht ungewöhnlich. Aus 
rümo wurde *rymO' und wohl zunächst im Lok. Sg. zu rimi unter dem 



1. Auch Meillet sieht wegen des H in dem Worte (wie auch in 
Male}h) einen möglichen Einfluß des Romanischen, desgleichen bei Üdovim 
(vgl. fr&nz, juify man müßte aber wohl auch im Slav. ein *iüd„ *h/d', 
aftrf- ansetzen), konoplja ,Hanf (wegen k) ital. canapa und hanj'a ,Bad* 
(frz. ftatn, ital. bayno aus balneum) (MSL. 11, S. 178 f.). 



29 

Einflasäe der nachfolgenden weichen Silbe. Dann wurde rim- aach in 
den übrigen Kaens allgemein. Bei dem Übergang des ry in ri, der sonst 
auch beobachtet wird (vgl. Oblak, Maced. Studien, 8.87), war vor allem 
die nachfolgende Silbe maßgebend. In der Sav. kn. finden wir ribi (st. 
ryM), ribicb gegen ry5y, ry6c{, ryht, ryharm (§5epkin-b, Bazsnidenije etc. 
8. 295—296). Im Ab. anch kUrü st. kUryi (wegen l\ ebenso pric st. 
pryc (wegen c) u. s. w. (vgl. Verf. Aksl. Gram. 8. 868—369). Damit kann 
das im Aksl. einige mal vorkommende krüi, kr^q u. ■. w. st. kryii, dann 
ribi Zogr. marc. 6. 41 in Einklang gebracht werden. Wenn ferner hier 
auch rikati vorkommt, so könnte das « zunächst in den Präsensformen 
rycq, rifceii aufgekommen sein (derartige Formen kamen vor, wie. uns das 
Altböhm. zeigt. Vgl. noch r. koryitt gegen b. korüt ,Beute' u. s. w. Auf 
diese Art erkläre ich auch böhm. tüic «tausend* gegen poln. fysie^, russ. 
tysjaca] das • war im Böhm, erweicht (i), was der Nebenform ^iysjaea 
aksl. ty^ia zu verdanken war; daher mußte auch das u zu t umlauten. 
Ebenso im klr. dial. ^ütac, wo das« also auch erweicht ist (Ogonovskij, 
Stud. 8. 40). 

War die Bedingung der Palatalisierung nicht vorhanden, blieb es 
bei y: Aneöna-Jakyn, später Jakin, 

Manchmal führte das fremde ö, o nur zu einem u (wohl in späterer 
Zeit), nicht ö, so daß es dabei bleiben konnte: Ftiutio-Ptuj., Solan (SaUf 
niki). So haben wir neben rimtsk^ auch rumttkb (iEte sq rumhsky . . 
Supr. 108, 17 und protl-bkovav b otb rumbtka j^zi>ika na grb^eskb ib. 110 
Z. 11). 

Durch Dehnung des h entsteht aui' slay. Boden ebenüalk ein 
t. Ihr steht dann die des ^ zu zi (y) zur Seite. So haben wir 
z. B. Idbtuf, kl^i yfluchen'y iter. zaklinati; ztrjq, zhreti ^schauen'^ 
iten 'Zirati u. s. w. vgl. dzchnqti ^tmen' iter. vzz'dychati. Diese 
Dehnung kann auch vor j eintreten: neben trethj auch tretij 
,der dritte*, neben iskrm'hj auch iskrbnij ,proximus* (vgl. dobrzj 
neben dobryj)\ im Gen. PI. der i-Stämme: hostbj neben kostij; 
im Nom. u. s. w. mhntji neben mhniji yBUtz* u. s. w. 

Fremdes i wird im Slav. auch durch i häufig wiedergegeben 
z. B. aksl. tmnidn ,Mönch'y ahd. munih; aksl. vino ,Wein*y lat 
vinum, got. icein (eine der frühesten Entlehnungen aus dem Lat, 
Paul, Grundr. I> S. 328, auch das Slav. weist schon des Genua 
wegen auf diesen Ursprung hin, vgl. dagegen gr. olvog). 

Fremde mit • anlautende Worte entwickeln manchmal ein t vor 
demselben, z. B. aksl. itpolin^ jgigas* neben Bpolim, das jedenfalls iden> 
tisch ist mit dem Yolksnamen Spali (gens Spalorum bei Jemandes), 
SnoXoi. Aksl. isMa /fxrjyij tentorium* (itUba), ixba aus is[t)ha, vgl. ahd. 
«iuba «heizbares Gemach, Stube', and. Hofa, lit. siubä, preuß. stubo (auch 
in den roman. Sprachen: it. Hufa^ frz. ituce). Das ist aber nicht spezi- 
fisch slavisch, vgl. lit. iszkada gegen poln. izkifda, russ. ikoda ,8chaden', 



30 

lit. iszkala gegen slav. ikola ,8cbule'. In einem Papyrus aus dem V. Jhd. 
kommt vor taxQißag iscriba = scriba^ yQafiiMLXBvg (Liter. Centralbl. 1901, 
19. Okt. S. 1722). 

Veränderungen des i im Slavischen. Als palat. Vokal 
hat das i gewisse vorhergehende Konsonanten in einigen slav. 
Sprachen erweicht, ja z. B. das d, t mitunter ganz verändert 
(vgl. oben S. 20). So wird im R. istocniH ^Quelle' als isto&Aik, 
pidish jvides* als vidiS, tretij ,der dritte' als trdij ausgesprochen. 
Ebenso im B. ani — ani ,weder — noch* als ani; divoky ,wild' 
als divoky, ireti ,der dritte' als trdi. Im P. ebenfalls: pani ,die 
Dame' als pani, dagegen dziki aus *diky; dziumy ^wunderbar*, 
dchy yStill'aus tichy. 

Ebenso im Sorb.: ns. Sichy, os. 6ichi ,still' aus ticky; ns. 
Hwy ,wild*, os. diiwy, aksl. div^; weiter nizki spr. üizki juiedrig*; 
piwo ,Biei:^ spr. pjivo, bitwa ,Schlacht* spr. bßtva; müos6 ,Gnade' 
spr. mjiios6 (Mucke, S. 190 und 197—201). 

Im Gegensatze dazu steht die Entwickelung des i im Kl ein r. 
Aus der Darstellung der Aussprache des y im Slav. (siehe weiter 
unten) wird hervorgehen, daß dieser Laut sehr leicht in i über- 
gehen konnte, was wir fast auf allen Gebieten des Slav. beob- 
achten können. Diese nahe Berührung der beiden Laute brachte 
es aber mit sich, daß auch umgekehrt das i zu y werden konnte. 
Wenn es nach gewissen Lauten, die einen dumpfen Klang an- 
nahmen (z. B. nach S), geschehen konnte, so ist es nicht auf- 
fallend. Hier ist also der Wandel bedingt. Allgemein ist er 
aber im Kleinr., wo sich überhaupt jedes i dem y sehr stark 
genähert hat. 

Zu den Lauten, die wegen der Änderung ihrer Artikulation 
einen dumpfen Klang annahmen, so daß nach ihnen das i als y 
oder ein u-Laut lautete, gehörten zunächst die Konsonanten S, z, 
€, r (siehe weiter unten bei diesen Lauten). So bemerken wir 
im Ab. schon um die Mitte des XIV. Jhd. nach if, c, z in ge- 
wissen Denkmälern durchwegs oder mit Vorliebe ein y. Später 
auch nach c, 8, z, j und f. Nach der Orthographie der b. Brüder 
wurde nach c, s, z das y zur Norm: cyzy syla ,fremde Kraff. 
Die Aussprache des y nach diesen Lauten bestätigt auch der 
Grammatiker BeneS Optat. Desgleichen auch Blahoslav, nur 
sagte er, daß man auch iy, zy, äy, ry schreiben sollte, da auch 
hier ein y gehört werde. Ähnlich auch jetzt noch in einigen 
Dialekten. Sonst ging im allgemeinen dieser Unterschied ver- 



31 

loren und Dobrovsk^ hat auch darnach die böhni. Orthographie 
geregelt. 

Dasselbe auch im P. nach den Lauten c, dz, cz, szcz, dz, 
8z, z, rz z. B. chlopqf PI. zu cMopiec ^nabe*, pieni^dzy ,Geld*, 
drozdzy ^Hefe^ uczysz, uczy ^doces, docet'; troszczyd su^ ,sich 
grämen'; ru8zy6 ,bewegen*, otworzyd ^öffnen' u. s. w. 

Ebenso im Ns. nach z, S und 8, z, c und neuerdings nach 
j (Mucke 8. 89—91). Im Os. sind nur die dentalen Spiranten 
s, z, c absolut hart, daher nur nach ihnen y st. i. Beispiele: 
m. pSosyä (os. pro8y6) ,bitten', aksl. pro8Üi; cuzy ,fremd*; zyma 
»Winter*; ns. ciniä (os. 6ini6) ,tun', aksl. diniti; ns. wucy4 (os. 
tcuci6) ,lehrenS aksl. ucüi; ns. cygil (os. cyhä) ^Ziegel' (nach s 
und z kann natürlich das y mitunter auch schon urslav. sein: 
syn ySohn', aksl. 8ynb dass.). 

Nach 8, z (dz) und c (als cl) nur im Ns.: 8yja (os. Sija) 
jHalsS aksl. ^ija; hß (os. HS) ^nähenS aksl. 8iti; äydio (os. äidlo) 
,Pfnemen'; cyzyi (os. Üzik) »ZeisigS aksl. eizikö; zycyd ,gönnen* 
dazu pözycyS (os. poz(i)H£) ,leihen*; zyd (oe. zid) ^ude*. 

Im Ns. dialektisch auch schon nach ./; cijy (os. ciji) »wessen^ 
ksl. cij ,wessen'; dw6jy (os. dwoji) »zweifach*, aksl. dvoji, dvoj. 

Auch im Ostbg. fand Mileti(S, daß nach i, welches stark mittel- 
palatal artiknliert wird, ein y f^ehört wird: duiyiä (Anzeiger der Wien. 
Akad. phil.-bist. Kl. 1899, Nr. 2 8. 18). Aber es gibt hier Dialekte, in 
denen das t überhaupt als y oder « ausgesprochen wird, so z. B. im 
Drjanover, wo man godina, otide hört. Das y ist hier ganz guttural 
(1. c. S. 15). Das erinnert uns sehr stark an das Kleinr. Hier bleibt 
auch nach c, i u. s. w. die harte Aussprache, also cy, iy u. s. w. 

Berührungen zwischen i und den e-Lauten. So 
innige Beziehungen, wie wir sie sonst bei diesen Lauten an- 
treffen, kommen im Slav. nicht vor. Zu -m^rh entstand volks- 
etymologisch -mifh. So finden wir im Ab. Lutomerici (bei Kos- 
mas) und Ltähomirici. Analogisch entstand auch z. B. neben 
pHmirie und mir ,Priede* später primärfe (nach mira, mirou 
u. dgl.), dann mier (vgl. Gebauer, Hist. ml. I S. 218—226). 
Zahlreicher sind die Fälle im Sorb. Wie e hier zu i wird, so 
geht umgekehrt in vielen Worten i in e über und zwar zumeist 
in betonter und in der Regel zugleich geschlossener, seltener in 
unbetonter Silbe, wo es dann (wie gewöhnliches i) in je übergeht. 
In Dialekten trifft man noch häufig das i daneben an (Mucke, 
S. 87—89) z. B. ns. beric, os. birc ,Gericht8diener', b. biric; ns. 
und OS. mir ,Priede' ist so zu bemteilen wie im B., aksl. min; 



32 

OS. slina neben slina, ns. slina ,8peichelS aksl. alina und noch 
einige andere Fälle. Dagegen gehört äiroki ,breit^, se^ ^Bi^^te^y 
aksl. Hrok^ nicht hierher, denn hier handelt es sich zunächst um 
ein äy aus äi, vgl. auch p. szerohi ,breit', szerz, szerza ^Breite'; 
seroki dial. auch in Mähren. Ebenso gehört eigentlich nicht 
hierher es. khiza, ns. chyza ,Haus^; os. khüry, ns. chytäy ytüchtig^, 
aksl. chytrh. 

Was die sorb. Iterativa ns. -biraä, os. birtiö gegen aksl. birati 
auflesen', dann ns. meraä, os. miraö, aksl. mirati ^sterben' u. s. w. 
anbelangt, so gehören sie auch nicht hierher, denn diese Bildungen 
sind westslav. vgl. auch aböhm. biercUi^ mierati, ebenso auch im 
F. Dagegen stimmt z. B. ns. -cynaä, os. dinad überein mit aksl. 
-cinati in podinati ,anfangen^ 

Analogisch gebildete Iterativa finden wir auch schon im 
Aksl.: neben pogräxxti auch pogribaii, neben nalevati auch nalivatu 

Man wollte auch die p. Iterativa wie zbieraö, umierad, otwie- 
ra6, rozkwieraö u. s. w. aus zbiraö, umiraö, otmrad, rozkwiraö 
ableiten, indem man sich darauf stützte, daß die Umwandlung 
von i (y) in 'e (e) vor r schon seit dem XY. Jhd. eine allgemeine 
Erscheinung der p. Sprache sei. Allein in sierata ,WaiseS ap. 
sirata, aksl. sirota, dann szeroki jbreit', ap. szyroki u. dgl. war 
ein sekundäres p. y (vgl. auch poln. ser, apoln. syr, aksl. aym ,Eä8e'). 
Die p. Iterativa wie zbieraö u. s. w. haben auch ihre Reflexe im 
B. und Sorb., sie sind überhaupt eine westslav. Eigentümlichkeit, 
bei welcher bei einigen Verben (wie -bierad) der Fräsensstamm 
zu Grunde gelegt wurde, während bei aksl. birati der Infinitiv- 
stamm maßgebend war. Letztere Bildungen waren auch höchst- 
wahrscheinlich älter und gemeinslav. Selbst noch im Ap. findet 
man z. B. odmira, odumira neben odumyera (aus dem XV. Jhd. 
vgl. Afsl. Fhil. 7, S. 534). Es hat sich also im F. das alte neben 
dem neueren lange hindurch behauptet. 



Ursprung und lautliche Geltung. Während das ur- 
sprachliche S, das zu i wurde, wie auch die anderen Vorstufen 
des e, wie wir sehen werden, als offene e-Laute aufzufassen 
sind, neigte das ursprachliche kurze e im Slav. entschieden zu 
einer geschlossenen Aussprache hin. Es wird daher oft zu t, das 
eigentlich der Reflex des urspr. i war. Im Lit. wurde hingegen 



33 

das e meist sehr offen ausgesprochen , weshalb es auch za a 
werden konnte, vgl. lit vdkaras ^Abend', aksl. veden; vasarh 
ßornmex^f aksL vesna ^Frühling^y gr. ßioQ. Diese Eigentümlichkeit 
hat das lit e mit jenem slav. i gemein, das auf i zurückgeht, da 
es auch unter bestimmten Bedingungen in a übergehen konnte. 

Das slav. e ist zunächst das iu*sprachL e: BkaL berq ,nehme, 
sammle^ gr.g>iQWj latfero; deiiiar»,venenumSlitÄ:0fii^a»,Alpkraut^; 
des^t ,zehn^, lit diszinUia, diazimt, lat deeem; deshm (deani) ,dexter', 
Ut deszine ,rechte Hand^; jes- in aksl.^'e^m« ^ch bin', lit esmi (ver- 
altet); jezero ,SeeS lit fö^a« ,Teich, kleiner See'; mezda ,GrenzeS 
Tgl. laLmedias; medh ,Honig', htmedüs, gr. fii^; aksl. ne ,nichf, 
lit ni, got ni, lat ne- z. £. in ne-scio; nebo ,HimmelS lit debeAs, 
ahd. nebul, gr. viq>og; sestra ,8chwester', lit sesu, got svistar; iesth 
jseehs', lit szessA; vetKkt ,altS lit vetuszas, lat vetus, gr. {ßjhog; 
vezq jÜbie^ (trans.), lit veeü, lat vdio, *zdy ,testudo' (als idva, 
ürnea u. s. w.), gr. xiiXg; eeravh ,gnisS lit gime, preuß. genoe. 

Hierher gehören auch mehrere Suffixe, z. £. das Nominal- 
suffix -es-: Gen. Sg. neb-es-e, lit ddhes-es, gr. vighea-oSf vgl lat 
gen-er-is; 8u£ -ter-: Gen. Sg. nuhter-e ,der Muttei^, d^i4er'e ,der 
Tochter*, lit mo^ef-s (aus mo-ter-es^y dukUrs; Suffix -tero-: je-ter-h 
,quidam', vgl. umbr. etru, etre u. s. w. ,Alter (IF. 11, S. 14), gr. 
Tto-tegogy (ifAo-reQogy lat i-ter-um. 

Hierher gehört der thematische Vokal e des Präsens: Sg. 
2. P. aksl. nes-e^i, nes-e-th, Dual. 1. 2. u. 3. P. nes-e-vi, nea-^ta, 
nes'e4e, PI. 1. 2. P. nes-e-rm, nes-e-te. In der 1. P. Du. und PI. 
war hier ursprünglich ein o (vgl. gr. 1. P. PL Uy^o-fiev^ es ist 
aber verdiängt worden von dem aus o durch Umlaut entstandenen 
e der weichen Stämme, z. B. kry-je-tm ,wir decken' aus ^hry- 
j(hfm. Im starken Aor. hat sich dagegen das urspr. o erhalten, 
weil hier keine weichen Stämme mit dem Umlaut zur Seite 
standen, daher nes-o-v«, nes-o-tm, während die 2. und 3. Sg., Du. 
und die 2. PL wieder das urspr. e aufweisen: nese (aus *ne8'€'S, 
*neS'e-t\ nes-e-te. In der 2. und 3. Sg. Imperf. ist auch ein e: 
neseie, nesiaie (aus *nes^e8, ^nesiää)^ dann in der 2. und 3. Du.: 
neaisäa, nesiSeie und in der 2. PL: nesesäe, neaiaiete; im Part 
Prät pass.: nes-e-m ,getragenS vedem ,geführt^ 

Endungen mit e: 3. P. Du. ber-e-te aus -tes, ai. -tas z. B. 
bharortas; ebenso im Imperf. und Aorist Später wird das te hier 
alhnählich von -ta verdrängt In der 2. P. PL Ind. berete, nesete, 
lit vizate; ebenso im Imper. beri-te, gr. q)iQOiz€. 

VoBdr&k, Vgl. dAT. Gnunm. I. 3 



34 

Yok. Sg. der männlichen o-Sfömme: skshvlbce, Mtvükkf lat. 
lupe, gr. XvK€. Nom. Yok. PI. der u-Stämme: synav-e aus 
*9üne^^'e8, vgl. gr. ^dieg aus "^dißeg, got sunjus (aus *8uniunz), 
ai. 3andi?o». Nom. Yok. PI. der männlichen i-Stämme: pqtbje 
,Wege^ aus *p(mtei-^, tnje ,dreiS got cmsteis, Preis, gr. oq>eig aus 
($9)e(i()«g, ^?£iff9 lAt. ovSs, tris, ai. matdifas, trdyas. Nom. PI. der 
männlichen konson. Stämme: aksl. dhne ,TageS bei den anderen 
n-Stämmen nicht mehr erhalten, vgl. lit. dkmens (aus akmeneSf im 
Slav. *kamene nicht mehr erhalten), gr. Tcoifiev-eg, mfxov-sg, lat. 
sennon-es. Dieselbe Endung hat sich als Überbleibsel der einstigen 
konson. Dekl. erhalten bei den Worten auf -enim, janimi Nom. 
PI. grazdan-e zum Nom. Sg. grazdanim ^Bürger^, bei den Worten 
auf -arh und td'h: mytar-e zu mytarh ^Zöllnei^; dMatde zu düatd'h 
,Arbeitei^. Unter dem Einfluß der anderen Kasus wird auch hier 
das r, l mitunter erweicht: mytafe, däcUd'e. 

Derselben Art sind die Nom. PI. mask. des Part. Präs. 
akt und Prätakt. I: aksl. vedqSte zu vedy und ved^äe zu vedh, 
schließlich auch des Komparativs: dobreße, slazdt^e. 

Yon der konson. Dekl. gehören hierher noch der Gen. Sg. 
dune ,de8 Tagest kamene, imene ,des Namens', slavese ,de8 Wortes^ 
td^ ,des Kalbes^ matere ,der Muttei', lit akmefis (aus akmefhes), 
moters (aus moteres); femer auch bei den ü-Stämmen: svdcrbve 
,der Schwiegermutter*, krzve ,de8 Blutes*, vgl. ai. sva^rAv-as, bhru- 
vda. Der Lok. Sg. bei beiden Arten der erwähnten Stämme: 
kamene, dtn-e, sloves-e, na des^te (z. B. d^va na des^e ,zwölf) 
imd weiter auch svekrbve. Man erklärt diese Formen als endungs- 
lose Lokale (wie z. B. ai. uddn ^ aqua*), an welche die Post- 
position e angehängt worden wäre. Ebenso im Lit ra^Ücoj-e ,in 
manu*. 

Ursprachlich ist schließlich das e des Gen. Sg. des Pron. pers. 
mene, tebe (hier übrigens auch das e in der Wurzel) ,mei, tui*, vgl. 
av. mana, ai. tdva (aus *teue), im Slav. ist das b aus dem Dat 
td>i (vgl. lat tibi) eingedrungen, das Lit hat hier noch das v, 
allerdings mit einer anderen Endung: tav^s. Nach tebe ist wohl 
auch sehe gebildet 

Auf slav. Boden ist auch ein e aus o nach weichen Kons, 
entstanden, z. B. Yok. Sg. der a-Stämme: duse zu dusa ,Seele* 
gegen rybo zu ryba ,Pisch*; Nom. Akk. Yok. Sg. der neutralen 
o-Stämme: poVe ,Feld* gegen mesto ,Ort*; bei den Yerbis der 
YI. Klasse z. B. nepbätevati yVTtola^ßdvetVj aestimare* gegen 



35 

cäovati ^utare^ Dieser Umlaut &nd schon im ürslav. statt. 

Einzelnen slav. Sprachen führten dann die Halbvokale, ins- 
bes. b, ein starkes Kontingent von ^-Lauten zu. 

Veränderungen des e auf slav. Boden, e wird zu ». 
Zunächst vor i (j) und zwar in jedem Falle, mochte das e betont 
oder unbetont gewesen sein. Dieser Übergang in » — oder zu- 
nächst wohl in I — ist eben auf die geschlossene Aussprache 
des e im Urslav. zurückzuführen. Bei der Aussprache des i — j 
nähert sich der Zungenrücken bedeutend dem harten Gbiumen 
(schon bei »), bei j derartig, daß sogar ein Beibungsgeräusch ent- 
stehen mufi. Bei der Aussprache des ei erstreckte sich nun 
<üe8e Engenbildung auch schon auf das e, sie wurde schon anti- 
zipiert (vgl damit z. B. böhm. de) ,gib', aböhm. daj). Das war 
um so eher möglich, als ja das e eben geschlossen (eng) war. 
Bei einem offenen e wäre es nicht so leicht möglich gewesen. 

Je nach dem Resultate haben wir hier zwei Fälle zu unter- 
scheiden: tautosyllab. imd heterosyllab. ei. Das erstere wurde zu 
*i M, das zu i führte (vgl. oben S. 14). Beim zweiten bUeb es 
dagegen im Urslav. bei der Stufe hj (hi): Nom. PI. der männ- 
lichen »-Stämme aksl. goetbje ,6ä8te' ajos *gosteißSy vgl got ansteis, 
griech. att. *o(peig aus *oq>B(i)Bq^ ai. matätfos (das e war hier be- 
tont); aksl. Nom. YoL mask. trhje ,drei' aus *trHfis (das e war 
betont), got. preis, att TQBig (aus T^e(x)£s)9 ^^ ^^^ß ^ träyw; 
aksl. vhjq ,winde', lit veju ,ich winde, wicklet 

Das auf diese Art darch Assimilation entstandene » konnte wie 
jedes Andere vor demj im Aksl. zu i werden: gostife, trije, vijq. Es war 
dies eine Ersatzdehnnng, wie wir sie z. B. auch bei den best. Adjektivis 
iskrwij neben iskrtnbj fi nXriaiw', dohnp neben dobnj 6 dya^og u. s. w. 
finden (j aus «, i). 

Die Palatalisierung der Kons, besteht, wie schon erwähnt, in 
der Anpassung der Zungenstellung an jene des j. So ist es 
begreiflich, daß sich der eben behandelte Prozeß auch vor anderen 
palatalisierten Kons, wiederholt Schon Sievers machte auf die 
besondere Neigung der palatalisierten Gutturale, die ihnen vorher- 
gehenden Vokale heller zu färben, aufmerksam und er wies auf 
die Imperative rhci zu rekq, phd zu pekc^, thci zu tekq im Gegen- 
satze zu nesi, vedi u. s. w. hin; ähnlich bildet zegq, die 2. F. Sg. 
Präs. zbzeH, den Aor. ztze u. s. w. (vgl. auch im Afel. Phil. 27, 
S. 142, dann J. Schmidt, Zur Gesch. des idg. Vokal. S. 26). 

Zunächst sind es die erwähnten Imperative; dazu auch zbdzi, 



56 

zbdz&e zu zegq ^brenne^ Es muß hier hervorgehoben werden^ 
^aß dies nur zu einer Zeit stattfinden konnte, als die palatali- 
sierten Laute noch wirklich weich waren {6, d£). Dann handelt 
es sich hier um unbetonte Silben, denn der Imperativ war hier 
endbetont (vgl. weiter unten). 

SelbBtverständlich kann unter solchen Umständen ein {priyrieati 
gegen reM^ i^lü{d)zaii gegen ieiti mit unserem Prozesse nicht derartig 
identifiziert werden, daß in derselben Lage (d. h. vor einem c, dz) ein e 
(slav. Q zu t (slay. t) wurde und umgekehrt, daß nach einem hohen Vokal 
6, t, sowie ^ (das hauptsächlich auf ein baltisch-slay. t + Nasal zurfick- 
gehen soll!) aus einem Guttural ansjbatt des zu erwartenden Palatals^ 
{c, i) sich ein d, di entwickelt habe. So soll auch in -^ieati u. s. w. fßr 
-rekifltii^) eigentlich eine gegenseitige Einwirkung des e auf der einen 
und des ki auf der anderen Seite stattgefunden habe, so daß eki ein -ic- 
anstatt des erwarteten *-&*^ ergeben hätte (BeSetar, Afsl. Phil. 26,. 
S. 571 — 574). Ein ki kann hier nicht rorliegen, denn dann müßten wir 
z. B. auch ein *8iea st. «&^ ,caede8* aus *9ekja haben. Außerdem ist 
zu bemerken, daß das % bei Iterativis vor dem a nichts anderes ist al» 
das t der Verba der 4. Klasse (vgl. 'VaüdoÜ ans -vadjaü zu 9odäi; -naiati 
zu noM u. 8. w.), bei -rieati liegt aber kein derartiges Verbnm der 4. KL 
vor, wie uns ja auch r^Ucaii zeigt. Wo ein kj {k£j vorliegt, handelt es- 
sich also um ältere Bildungen, und es konnte daraus nur ein c entstehen. 
In unserem Falle gab es Iterativa wie rikatiy tikati^ iagati u. s. w., d. h^ 
hier wurde der Infinitivstamm zu Grunde gelegt, wie auch z. B. in -birati 
zu hbrati. Andererseits konnte aber der Präsensstamm zu Grunde gelegt 
werden: mtraii, *rikati (daß das Präsens urslav. r»£q, rtceü u. s. w. hieß,, 
werden wir weiter unten sehen), *Ügaii, Das t rief eine sekundäre Pala- 
talisierung hervor: rieati, ii(d)zati und da es eine ganze Beihe solcher 
Verba mit analoger Palatalisierung, jedoch mit anders geartetem Wurzel- 
vokal hinsichtlich seines Ursprunges gab (wie dvizati, ttrizati neben itrigati^ 
klieati, nieati u. s. w.), so wurden diese palatalisierten Konsonanten auch, 
als ein charakteristisches Merkmal der Iterativa aufgefaßt vgl. pr^ali, 
l^ati, aböhm. sogar myeUi (vgl. weiter unten bei den Gutturalen). Nach 
dem Vorbilde wie mirati, rieati, Ügati (und wohl auch tieati), wo im 
Präsensstamme » war, sind andere Iterativa wie pogribaü, npUtati u. s. w. 
entstanden, wo also im Präsens ein e war ißrebq, pUi<(}. 

Denselben Prozeß müssen wir nach unserer Theorie auch bei 
einem ursprünglichen e vor einem i, z erwarten. Und tatsächlich 
finden wir ein Präsens vhZbzeH (mit z st b), Aor. poehze, vgl. 
zorzhze im Mar. Matth. 28, 7, Part Prät pass. sbibzem; in allen 
slav. Sprachen basiert das Präsens auf einem zibz {zbg): r. zgu^ 
b. zhu, p. zg^ slov. zgem u. s. w. Daß es auch in die 1. P. Sg. 
und 3. P. PL eindrang, ist ja begreiflich. Hierher könnte auch 
ar. rhktt, rtMi, b. iku u. s. w. gehören, wahrscheinlicher ist es 



37 

mir jedoch, daß es anders, wie wir gleich sehen werden, zu be- 
urteilen ist Bei tekq, tedeSi; pekq, pedeH ist jetzt zwar ein e in 
aDen slay. Sprachen voilianden, aber es ist die Frage, ob es hier 
Bicht schon im Urslav. unter dem Einflüsse des Inf. restituiert 
ist, wie wir es auch im Aksl. u. s. w. bei rekq bemeiicen. Ein 
üuderes Beispiel, das hierher gehört, ist aksl. vtdera, r. vcerd 
.^gestern' gegen veier^ ,AbendS dann aksL mtdb neben medb, s. 
fnae, got. mSki ,8chwert^ Es scheint aber, daß die dem e nach- 
folgende Silbe auch einen engen Vokal {e, i, h, e aus 02) ent- 
halten mußte, denn wir haben ein r. peödth, s. piöat ,Petschaft', 
T.peddU ,Sorge, Kummer^ \l dgl. wo es sich um ein e unmittelbar 
Tor dem Akzent handelt und doch ist es geblieben (beachte, daß 
das dem a zu Grunde liegende ^ eine offene Aussprache hatte 
und infolge dessen auch zu einem a geworden ist). 

Es entsteht nim die Frage, ob aach nach dem c, I, i das e in » 
4ibergehen kann? Hier sind doch die Verhältnisse einigermaßen anders. 
£s kommt da zu einer Lösung der Engenbildung und man müßte an- 
nehmen, daß sie nicht so weit gediehen ist, als es der nachfolgende Vokal 
•erforderte. Das mag ja in einzelnen Fällen wirklich eingetreten sein, 
aber so allgemeine Begeln möchte ich nicht aufstellen, wie es Pedersen 
tat. Er meint, in den Silben c«, S0, ie gehe das « in » Über und zwar 
unmittelbar vor einer betonten mit einem Geräuschlaut + einem sonoren 
Laut anfangenden Silbe (KZ. 38, S. 420). Hierher rechnet er ib^q und 
seine Formen, die wir eben anders erklären mußten. Dagegen kann p. 
<izUry^ b. äyri neben aksl. cetyre ,yier* auf diese Weise erklärt werden, 
denn daß hier ein cbt- vorhanden war, zeigt uns das Ab. z. B. m ctyrtni 
u. s. w. (Gebauer, Hist. ml. I S. 168, natürlich betrifft es auch ctvrt-^ 
•är- in cterty ,der vierte' u. s. w.). Hier handelt es sich also um eine 
Eigentümlichkeit, die sich nur auf einen Teil des urslav. Sprachgebietes 
erstreckte. Weiter vielleicht auch c^io st. und neben dem nrspr. <esa^ 
(nach dem russ. cegö, cemü wohl cbbo). Man erklärt das ctso in der Begel 
durch Anlehnung an den Nom. Akk. cb(o. War das Wort proklitisch, so 
konnte cego bleiben. Weiter hck, hh ^gegangen*; Ihzlt, ieih ,virga* r. 
&Z&, Gen. Udd (ühlenbeck erklärt es zwar ans abd. %«/ P.Br.B. 21, 
S. 101, aber das scheint nicht richtig zu sein). Dagegen in Mo ,Stim^ 
itiUU ,wollen\ iend ,Weib', iuräüh (aksl. Meravb) ,KranichS r. ieMkij ,grau- 
sam' wäre das e geblieben, weil hier sonore Laute (bez. zwei Geräusch- 
laute) vorliegen. Bei r. ceMätb ,kratzen' wäre das Präs. ceUt^ maßgebend, 
bei ceiä ,Paar' andere Kasus mit Anfangsbetonung (er weist direkt auf 
^U ,gerade Zahl', das als Gen. PL dazu aufgefaßt wird, vgl. c^b ili n^cet» 
,Paar oder Unpaar*). Man wird hier aber kaum irgend welche Begeln 
statuieren können. 

Sonst geht das e äußerst selten in t über wie z. £. pbzdeti 
ipedere', slov. p92dfti ^fisten^ b. bzdüi, lat.|>ddo aus *pezdö. Da- 



38 

gegen kann aksl. pt8^, r. pesh, Gen. psa ^und^ nicht mit Bi.pctsu^ 
lat pecu, got faihu, lit päcua, preuß. pecku ,Yieh' zusammen- 
gestellt wenden, denn wenn auch der Wechsel in der Guttural- 
reihe nichts auffallendes wäre (vgl. sl. slyäati, dagegen lit. klauaaüy. 
Uamyti und preuß. IdauMon)^ so stimmt die Bedeutungsnüan- 
zierung nicht 

Insbesondere darf man in Silben mit t^, tl, tm, mi das » 
nicht aus einem e erklären, wenn auch in anderen Bildungen das 
e zum Vorschein kommt, denn auch das Litauische hat hier kein 
e, sondern ein t, so daß hier von r, l» n^, 9 auszugehen ist So 
z. B. aksl. mtrq, mtreH ,sterbe^, vgl. lit mlrsztu, nUriaü, mifti 
^sterben' (mtrhäi und lit mirusi^; aksl. pf»nq, ptmeii ^spannen^, lit 
pinüj pyniau, pinti ,flechten'; zimjq ,emte, mähe^, lit ginit ^ch 
wehre*. 

Selbst auch der Infinitivstamm auf -a- ist so zu beurteilen: 
hbrati aus *brrati gegen berq ,sammeln, nehmen'; dtrati gegen 
derq ^reißen, schindend Daß von r, l, fp>, t^ auszugehen ist, zeigt 
uns ffmaU gegen zenq jagen', lit genü^ gr. &evBiv^ ai. hanati ,er 
schl^ tötef, urspr. *gviienfh. Das g gegen z kann nur au& 
*gi^nati erklärt werden, wobei das ^ eine u-Färbung angenommen 
hat und zu g^n- führte. 

Weiter stüati gegen stdjq ,8treuen, ausbreiten'; imati au& 
*flimati, *tmati gegen jeniljq ,nehmen' (ebenso auch das Präsens 
imq, imeÜ aus *nimq, *'qime8i wie uns das lit imü, irnti, ^miaü 
,nehmen' zeigt). Manchmal ist auch in den Infinitivformen das e 
geblieben: stenati, stenjq ,seufzen, klagen'. 

Weiter aksL ttma ,Finstemis', vgl. Ut usz-temis ,Yerfinsterung',. 
ai. tamisram ,Dunkel', Wurzel tem-. 

Hierher gehört auch das Präs. b. rku, Part rka ,sagen', ap. 
rzkqc, rzkomy, auch ar. rtku, rtdeÜ, rtka, womit Fortunator 
lit surikti ,brüllen' vergleicht (Afel. Phil. 11, S. 570). Der oben 
erwähnte Imperativ rtci gehört also eigentlich auch hierher. In 
einigen Fällen zeigt nämlich das r und auch ^ eine von der 
normalen abweichende Entwickelung: es wurde daraus schon in 
der lituslav. Periode ein ri, ni statt des erwarteten ir, in und 
zwar geschah dies unter dem Einflüsse der Formen mit dem 
vollen Vokal von Haus aus, also in unserem Falle war es der 
Infinitiv reäii und was alles damit zusammenhing. Abweichungen 
kamen aber selbst auch da wieder vor: preuß. dirbisnan mattem' 
gegen lett dribindt ,zittem machen' und lit drebü ,ich zittere',. 



drabüs ^ttrig* (Brugmann, Grundr. I« S. 472—473). Hierher 
gehört weiter ab. brdu, brdeä u. s. w. aus brtdq u. s. w. vgl. aach 
aksl. Part Fräs. pass. neprebrtdotm dniQovrog ^nfinitns', Inf. 
ab. bH8ti, bristi (also aus *bred4i) lit bristi ,waten', Prät bridaü, 
Präs. bredü, lett bridindt ,waten lassen'; vgl. dazu brod^ ,Fart'. 
Im lit. ist also die Verteilung der zwei Yokalstufen anders. 
Statt des erwarteten *b%rdaü haben wir hier unter dem Einflüsse 
von bredü ein bridaü. Weiter aksl. ntsx^ aus *vaq, ntznqti ^- 
figere'y tn^-ntzq ,ßaXXw^ mitto', das Sup. war *ne8tb aus *neztb. 
Wenn der Infinitiv auch hier vom Sup. beeinflußt wäre, wie sonst 
so häufig, so müßte er *nesti heißen. Man setzt allerdings ein 
nisti gewöhnlich an, das wäre nach cfn4q, cvisti, da sind aber ganz 
andere Yokalreihen (vgl. cvetb ,BlüteO. In unserem Falle war 
*ne2 die Wurzel, vgl. noch dazu pro-nozüi ,transfigere' und r. 
zanöza ,Splitterchen^ Hierher auch aksl. noet jMesser' aus 
*nozj(h. 

Die kurzen e-Diphthonge. Über die Schicksale des ef 
ist oben S. 14 gehandelt worden. Heterosyllab. eii wurde zu au: 
aksl. nov^ ,neu^ aus *neuo8, vgl. gr. viog. Tautosyllab. eu führte 
ebenüedls zunächst zu a^, wobei sich jedoch mitunter ein j (i) 
entwickelte: *jou {iou). Beide Eesultate wurden dann monoph- 
thongiert und ergaben u, ju: aksl. bljudq ,ich wahre, gebe acht' 
(vgl. oben S. 15). 

Tautosyll. en, em im Inlaute (also en, em vor einem Konso- 
nanten nur nicht vor j) führte schon im ürslav. zu ^: aksl. p^ 
^er fünfte' aus *pen(k)tos, lit pefiktcts, gr. TtififtTog, lat quintus. 

Der Diphthong er, d erlitt in den urspr. Verbindungen iert, 
teU (wobei t einen jeden beUebigen Kons., nur nicht / bezeichnen 
kann) mannigfache Veränderungen, z. B. aksl. sreda ,Mitte, Mitt- 
woch', s. srijida, b. streda, strida, p. ärzoda, r. seredd u. s. w. 
aus *8erda, vgl. lett. serde yMark*, preuß. eirsdau ,unter, neben'; 
aksl. drevo ,Baum, Holz*, s. drljeto, b. drevo (ab. drevo\ r. direvo 
u. s. w. aus *dervo, vgl. lit dervh ,Kienholz', gr. diydgov aus 
dioögov; dameben auch aksl. drwo, drhva ,Holr aus ^dru-o, 
♦dwtfo, vgl. gr. ögv-TÖfiog ,Holz fällend'. Diese Veränderungen 
sind analog jenen von tort, toU und werden mit diesen bei den 
Kons, r, l besprochen. Ebenso auch ert-, eU- im Anlaute. 

Verdumpfung des e zu o. Sie trat in den meisten slav. 
Sprachen, allerdings unter modifizierten Bedingungen, auf. Ver- 
einzelt schon im Aksl.: vh vütleotm, Btjd'Xeifx Cloz. 884 gegen 



40 

v^ vithleeme Supr. 340. 25 (siehe bei je aus jo) ; b. dldto, p. dlito, 
r. doloto aus *do2to und dieses aus *deUo, vgl. s. dlijHo. Es 
wurde also durch einen nachfolgenden harten Kons, veranlaßt, 
indem er auch nach vom wirkte, wie er ja auch nach sich nur 
einen harten Vokal haben konnte, bez. durch eine harte Silbe 
(vgl. aksL dial. tbtna aus ttma gegen ttme). Aber so recht aus- 
geprägt hat sich dieser Prozeß im Russ., P. (Eaä.) und Sorb. 
Aber hier sehen wir, daß noch ein anderer Faktor dazu kommen 
mußte und zwar ist es insbesondere im K klar, dem e mußte 
nämlich ursprünglich ein PalataUaut vorhergehen. Wir werden 
sehen, daß die Palatale 6, ä, z, j mit der Zeit im Slav. ihre Arti- 
kulationsstelle am Gaumen etwas höher verschoben, so daß die 
nachfolgenden Vokale einen dumpferen Klang annahmen. Dadurch 
wurde der Übergang des e zu o gefördert Mitunter bringt sogar 
nur der Palatallaut die Wirkung hervor: e&di (»- jeSöß) u. and. 

Aber auch nach anderen Kons, konnte das e zu. o werden 
und zwar selbst auch das aus h entstandene. Das e war urslav. 
geschlossen (vgl. oben S. 21) und führte auf die oben angegebene 
Art eine Erweichung der vorhergehenden Kons, herbei. Die nun 
derartig palatalisierten Laute teilten die Schicksale der schon von 
früher her bestehenden Palatale ä, z, ö, j, d. h. auch bei ihnen 
rückte die Artikulationsstelle nach oben. So konnte hier auch 
das e etwas dumpfer klingen, wenn auch nicht so, wie nach den 
Palatalen. Daher ist die Entwicklung des e hier meist abhängig 
von der Qualität des Vokales der nächsten Silbe oder vom Silben- 
schluß (bez. vom auslautenden Kons.). Die Erweichung des vor- 
hergehenden Kons, blieb freilich im Großr. immer erhalten, so 
daß denh als deü, nebö als fieio, eä66 als jeicö auszusprechen ist. 
Für ein unpnlpotiertes e wie in Üotb hat man im R. ein eigenes 
Zeichen. Nur die Labiale sind jetzt vor dem e mehr verhärtet: 
bezb ,ohne^ 

Nach Sobolevskijs Ausführungen (Lekcii S. 62) entstand 
nach palatalisierten (erweichten) Kons, imd nach ; ursprünglich 
aus « ein im Weißr. und Großr., wenn sich das e in der 
Schlußsilbe befand oder wenn demselben ein harter Konsonant 
folgte, mochte es betont oder unbetont gewesen sein. Aber jetzt 
gilt als Norm, daß die betreffende Silbe betont sein müsse z. B. 
Sg. zend, zeny ,Weib^, aber PI. zeny, zem, zenatm d. i. z6ny, 
zon, zönam. Freilich finden wir häufig auch o aus e selbst in 
unbetonten Silben im Wortinnem in den einzelnen Dialekten, waS' 



41 

ab ein Oberrest aus einer älteren Periode angesehen werden muß, 
z. B. zond, krSstnicokb, dohväeb, igö, emü, pöl8 (also auch im 
Wortaualaut), se^rä (Schriftsprache segtrö, PL sistry). In jenen 
weiß- und großr. Dialekten, die das sog. ÄkanU haben (o vor dem 
Akzent wird als a ausgesprochen), ging auch dieses sekundäre o 
in a über. Daß die Palatallaute ö, s, iS, i und c nicht wie harte 
Konsonanten auf das yorfaergehende e wirkten d. h. daß sie seinen 
Übergang in o aufhielten (z. B. oi(eb\ ist zwar, wie Sobolevskij 
meint, aus der noch erhaltenen Weichheit dieser Laute zu er- 
klären, aber es muß so yerstanden werden, daß sich hier ihre 
yerdumpfende Wirkung nicht auf die yorhergehenden Yok., sondern 
nur auf die nachfolgenden ursprfinglich erstreckte, denn sonst wäre 
überhaupt der Übergang des e in o auch nach diesen Lauten 
unmöglich. In bestimmten Fällen mögen auch noch andere 
Gründe, wie wir sehen werden, maßgebend gewesen sein. So 
finden wir im Großr. injal&h yAufiruhr', aksl. m^tef» ,turbatioS 
smtönytj ,angrenzend<; in ötiet^ Präs. yon öesdtb ,kämmen, kratzenS* 
brtietb zu brechdtb ,klä£fen, belfern'; iöebideU zu icebeteUt ,zwit- 
schem'; plüöeth zu pUshUh ,plätschem' mag wohl die Analogie 
anderer hierher gehöriger Yerba rückbildend gewirid haben. 
Weiter golovüka ,Peuerbrand'; pef^n» ,Ofen' (»-Stamm) und Inf. 
pedb ,backen', lei^b ,der Brachsen' (Fisch); oticb ,yatei^, molodich 
,der wackere Bursche' u. s. w. 

Nichtsdestoweniger finden wir hier doch auch o: pkUezh- 
flatezd ,ZahIung'; ezb^zd ,IgelS Hütsja ,sich zusammen rollen'; 
odeza neben odeza ,Eleidung'; lepeska (neben lepeäka) ,Kuchen'; 
idish (neben ideäb) ,du gehst'; teica (neben teäöä) ,Schwieger- 
mutter'. 

Es gibt Ausnahmen: Wörter aus dem Aksl., Wörter mit 
urspr. e; dann z. B. zavSte, ideU, zovett, idett nach zovitm, iderm 
u. 8. w. 

Man kann sagen, daß sich im XII. — XIII. Jhd. ganz un- 
zweideutige Belege finden. Man findet zwar schon im Sbomik 
SyjaL aus dem J. 1073 ^ohvika, was aber auch als Schreibfehler 
gedeutet wird. Aus dem XII. Jhd. hat man Belege wie blazam, 
vrüam, sbvrbSom, otpuiöom, osuzom u. s. w. In den westr. Ur- 
kunden des XIY. — XV. Jhd. findet man naäogo, öotyrisita, cclorm, 
öogo, ja sogar dajuöo, uöivSo u. dgl. Auch in den mittelr. Denk- 
mälern sind die Belege zahlreich: zom, krtäöom, jezo, dolaveka, 
Sdopeöbskij, ni o kom zo, aiöOf §od^, prüoä^, prüoh, napUotz 



42 

und and. (vgl. bei Soboleyskij). Man gewinnt daraus den Ein- 
druck, daß dieser Wandel zunächst bei ^, z, s, M, j auftrat Da 
wird auch einfach o geschrieben wie früher, so auch meist jetzt 
Nach anderen erweichten Kons, kommen zwar auch Belege mit 
vor, aber so zahlreich sind sie nicht Im Novgor. Ey. 1270: 
dnbot^ » dnetb -» dirnttb. In anderen späteren Denkmälern: 
jarotm « jar'irm (1356) (man schreibt nämlich jetzt nach den 
anderen Kons, meist e); serobro (XIY), ozara, za marorm, rubUwb^ 
u. s. w. 

Das Eleinr. sticht in dieser Hinsicht ab. Nach den Palatallauten 
finden wir hier zwar auch o.* Sovtij, nicoho, (hm%j\ cobit, voio, coiovikr 
vcora, iovkovyj, moSho, do noho, nach c, H^ s kommt häufig o vor, nament- 
lich in den an das p. Gebiet angrenzenden Teilen: iona. Darneben 
Maty, HienUy Boze, vie^ cesaty^ cepkij\ scepaty u. s. w. Nach anderen Eons, 
ist dagegen das e frfihzeitig zu einem mittleren ohne Erweichung — also 
wie im Südslav. — geworden: medu^ Udu. Allerdings findet man in 
alten, auf kleinr. Gebiete geschriebenen Denkmälern ein Je, wodurch eine 
Weichheit ausgedrückt werden sollte. Das kann aber auf zwei Umstände 
zurückgeführt werden. Entweder ist es der Einfluß der großr. Graphik^ 
oder aber gab es auch im Kleinr. ein Gebiet, auf dem das e wie im 
Großr. behandelt wurde (Grenzgebiete), während auf dem anderen es nicht 
der Fall war. Das letztere hätte aber im Laufe der Zeit an Umfang 
zugenommen, so daß jetzt im Kleinr. das « im allgemeinen erhalten bleibt. 
Nur in Verschlußsilben, da wurde das e (wie auch analog das o) zu « ge- 
dehnt, dieses war geschlossen, führte zur Palatalisierung des Kons, und 
ging dann in ö über. Dieses o machte weiter dieselben Phasen durch 
wie das aus ursprünglichen o entstandene gedehnte ö: es wurde labiali- 
siert zu j^, wobei aber der vorhergehende Kons, erweicht blieb. Das «o, 
no konnte zu 'ii oder '» führen: aus medh wurde mirf, mied, >nwd^ mjjwd^ 
mjud oder fnjid^ bez. mid. Nach P. Polanskijs Angaben kommt die 
älteste Stufe 'üo im Dialekt von Pol es je noch vor: zavnoff (aksl. zaveii 
aus zavedk zu aksl. v«dq, VBsti ,führen'), pryvuaz (aksl. privezib\ puorce 
(aus peros zu pero ,Feder*), darneben aber auch schon mit t: prynuit 
{aksl. prineih)^ oddaPuik, Auf derselben Stufe steht hier auch das urspr. 
Of das labialisiert wurde: «o, üo (Die Labialisation S. 43 — i4). In 
anderen Dialekten mud {med), prytiiu {prineslb\ leh*udka^ aber mit hartem 
Kons, das aus ursprünglichem o entstandene u: kwi {kcii) ,Pferd\ anup 
,Garbe' ianöp). Es wird also sowohl « als auch o in geschlossener Silbe 
gedehnt und in beiden Fällen kommt es zu ö, nur bleibt der Kons, vor 
dem ö einmal hart, das -andere mal weich und bleibt es dann auch bei 
der weiteren Entwickelung. Der Wandel des 'e in 'o tritt aber nur vor 
harten Kons, auf, mögen diese die Silbe schließen oder nicht. War da- 
gegen der nachfolgende Kons, weich, so ging der Prozeß nur bis zur 
Bildung des je vor sich, das e wurde unter dem Einflüsse des weichen 
Kons, offener (was wir übrigens auch bei jenem des mjed aus nied voraus 



4a 

setzen müssen) und wurde dann zu ie diphthongiert, also analog wie daa 
ältere slay. i. Infolge dessen berührte es sich mit dem i und so finden 
wir in den alten klr. Denkmälern dieses *« häufig durch i bezeichnet; 
kamhf ,SteinS karim, «idmt .siebenS VM&üe ,Hochzeit', wie Sobolevskij 
darauf mit Becht hingewiesen hat. In Dialekten, die für ^ ein ijfi be* 
sitzen, tritt auch dieses an die Stelle unseres e: viiifiTle, Hiam aus 
iijgfn aksl. Mifitft, also wie in Worten mit ursprünglichem i: PiiBS, aksl. 
Ihb ,Wald*, sviiet aksl. sviU; in anderen Dialekten: veiiPPe, iim, kamiii, 
wie auch Tm, ivü (Polanskij, S. 45). In Formen wie pirre (Schriftspr. 
pirtf pirja) coli. ,Fedem, Gefieder^ ÜTVe ,Wohnung, Haus^ veÜtPa ist 
der Yerschlnfi der Silbe durch die Verdoppelung des palatalisierten Kons, 
herbeigeführt worden. Die Doppelkonsonanz konnte dann mit der Zeit 
wieder vereinfacht werden, das vokalische Produkt blieb aber: pira^ 
vesiPa, kamifia. 

Im Polnischen war jedes e geschlossen und erweichte im 
Gegensatze zum Eleinr. und in Übereinstimmung mit dem Großr» 
und Weißr. nach dem fiiiheren den yorhergehenden Kons. Diese 
Erweichung wird schriftlich durch ie di^;estellt: niesiecie ,ihr 
traget', aksl. nesete. Nach den Palatallauten und nach weichem 
l wird die Erweichung durch ie nicht eigens ausgedrückt, es 
bleibt vielmehr das e: moze ,er kann', aksl. tnozetz; leci ,er fliegt',, 
aksl. l^titb. Das erweichte e geht insbesondere in betonter Silbe 
vor harten Eons, in o über; sonst bleibt es bei iß, ß. Es wird 
io geschrieben, bez. jo im Anlaut; nach l imd den eigentlichen 
Palatalen nur o: biar^ ^ch nehme', aksl. berq; niosia ,sie trug',, 
aksl. neda; uczynUma, aksL udinjena ,fiacta'; zona ,Frau', aksl. 
zena; uauma ,docta', aksL uöena; uchwalana ,coIlaudataS aksL 
uchvaljena; plotla ,sie flochf , aksl. ple(t)la; jodta yTanne', dial.. 
auch jedla, aksl. jda, r. dt (— jdt\ b. jedle^ mitunter auch in 
unbetonter Silbe: aniol ,Engel'; koäcial ,Kirche'; namiot ,Zelf ;^ 
poziom ,Niveau'. 

Vor erweichten Kons., bez. vor einem weichen Vokal in der 
folgenden Silbe bleibt ie (e): bierze ,er nimmf, urslav. * bereit; 
niedli ,sie trugen', urslav. nedi; pleUi ,sie flochten'. 

In zahlreichen Fällen, besonders vor Gutturalen und Labia- 
len S bleibt ie auch vor harten Kons., z. B. niebo ,Himmel', aksl. 
nebo; dephf ,warm', aksl. teph; piek^ ,ich backe', aksl. pekq; nie- 
siemy ,wir tragen', aksl. nesemt. Natürlich waren immer zur 

1. Hier wirkte also im Gegensatze zum B. vor allem der harte 
Kons., da ja nach den Gutturalen und Labialen, wie Ne bring richtig 
bemerkt, im Poln. sonst auch erweichte Vokale stehen: wMki^ teüikiego^ 
nagt: ffumün^ trumien, pewUn u. s. w. (Afsl. Phil. 27, S. 301). 



44 

Seite parallele Foitneu mit berechtigtem ie z. B. niesiede und 
das mußte auch gegenseitige Beeinflussungen und Ausgleichungen 
zur Folge haben. Die Pngotation von ie, io geht manchmal 
auch nach anderen Kons, als den Palatalen verloren, z. B. toesaty, 
r. vjeajolyj (geschr. vesdyj » vesSlyj), aksl. veseh ^fröhlich'; Nom. 
Plur. m. wesdi; ezerwony ,rof, Nom. PI. m. czenooni. Vgl. noch: 
uHeä ,Dorf 7 Demin. moska; kieazeA ^TascheS kieszoilika; korzeA 
«Wurzel', karzonek. In der Nominalflexion bleibt io manchmal, 
nie aber in der Wortbildung, z. B. tp piörze Lok. Sg. v. p%6ro 
,Feder*, Nom. PL m. zieloni ,grttn' zu zidony, aber pierze ,6e- 
fiedei^. (Vgl. H, v. Ulaszyn: Über die Entpalatalisierung der 
urslav. «-Laute im Poln.; A. Malecki, Oramatyka j@z. polsk. 
1863. S. 34, und Gram, bist por. S. 129ff.; Soerensen, Pohl. 
Gramm. § 22 — 23.) Was die Zeit anbelangt, wann e z\i o (und 
auch e zu a) geworden ist, meinte Nehring, daß sich dieser 
Prozeß, den man auch den Entpalatalisieningsprozeß nennt, im 
XL — XIII. Jhd. vollzogen hätte. Analog auch andere Forscher, 
von Ulaszyn ist dagegen der Ansicht, daß zwischen dem Ende 
des Entpalatalisierungsprozesses der «-Laute und dem Ende des 
XII. Jhd. noch ein Zeitraum liegen müsse und das vollständige 
Aufhören des Entpalatalisierungsprozesses wäre ungefähr mit dem 
Schwund der Reflexe der urslav. z und t im P. zusammengefallen 
(S. 90-91). 

Nachdem das 'e zu 'o geworden war, trat in Verschlußsilben 
die Dehnmig ein, 'o wurde zu 'ö, zumal wenn es betont war, und 
wurde weiter wie sonstiges langes ö behandelt, also labiaUsiert: 
mjod (r/iod) führte zu mjüod (niuod), mjud {niud, geschrieben miöd) 
yHonig', dagegen im Gen. u. s. w. mjodu {niodu, geschr. miodu; 
I6d ,Eis', Gen. lodu; niösl ,er trug', f. niosla ,sie trug'; plitl ,er 
flocht* und ploüa ,8ie flocht', Freilich gibt es zahlreiche Aus- 
nahmen: dorn ,Haus', koA ,Pferd', Gen. PI. zon ,der Frauen', da- 
gegen gira ^Berg*, piöro ,Feder', kröla Gen. Sg. von kröl ,König'; 
tvröciö ,zurückkehren', ktiry ,welcher*, iU6ry ,der zweite*. Seltener 
in unbetonter Silbe: icieczör (Malecki Gram. S. 37 f., Gram, 
hist-por. S. 138fil, Soerensen § 26). Vor weichen Kons, war 
es nicht zu o gekommen. Als die Dehnung auftrat, wurde 'e zu 
'9 gedehnt und das führte wie im Kleinr. zu demselben Resultate 
wie ein urslav. e: kanieA (geschrieben kamieA) sowie sAeg (geschr. 
snieg). In Dialekten in denen e zu i geworden ist, w*ar dies 
auch bei unserem ^-Laute der Fall: kamiA wie äAig. 



45 

Im K aS üb i sehen ist die Erweichang — wohl unter dem Einflasse 
des Dentschen — vielfach geschwunden: tmnja p. ziemia »Erde*; telony 
,gTftnS p. zielany, dagegen hjerq^ p. bior^ ,ioh nehmet Der Wandel in o 
entsprechend dem P. liegt auch hier Tor: ifona, ionka, p. zona ,Weib'; 
Mgdk ,Magen', p. itfdt^k; Ibd (d im KaS. lang) ,Eis', p. I6d; mjdd, mjode 
,HonigS p. mi6d: vjec^ ,AbendS p. wieetör; aber aach hier schwindet in 
manchen Worten im Gegensatz zum P. die Weichheit: sddmy ,der siebentes 
p. »i6dmy; sogtra ,Sch wester', p. siostra; eotka ,Muhme, Tante', p. eioika: 
cepio ,warmS p. eieplo. 

Wie man sieht, bleibt die Länge des ö unverändert: I6d, mjöd^ 
godmtf, ^eoär. Vor weichen Kons, kommt hier ein 'i vor: neben Nom. Sg. 
kam ,St«in', piom ,Flamme' haben wir in der Deklination ein \ nämlich 
kamiiki, plomiiUt (Bamult, Slown. XXXIII, 18). 

Das Slovinzische zeigt dagegen noch die Weichheit: cUplS ,warmS 
p. eieply; kUepae ,klopfea' p. kUpa6\ z\en\ja ,ErdeS p. tiemia. Entsprechend 
dem P. u. 8. w. finden wir auch hier den Wandel des palatalisierten e 
in o, aber es wurde im Gegensatz zum P. als KArze labialisiert: cuo9ae 
,kämmen*, p. czesaö (e wegen czmsssz u. s. w.), iuona ,Frau', p. isona. Das 
lang gewordene o wurde dagegen nicht labialisiert, sondern in ou auf- 
gelöst: mjoffd gegen mjuodu .Honig*, p. miöd^ aksl. tnedh, to^ gegen lüodu 
,Ei8', ^. I6d (Lorentz, Gramm. S. 6B u. 65). Es handelt sich hier offen- 
bar um zwei Prozesse, die zeitlich aus einander liegen : mjoffd datiert wohl 
aus einer späteren Zeit. 

Analog wurde das gedehnte e, wenn es nicht wegen der folgenden 
weichen Silbe bleiben mußte, zu rt« ^fts ein sehr verengtes ^ voraussetzt: 
Jeii ,IgeP, p. jei, aksl. >X», eib \ß, 46). Dasselbe auch bei gedehntem i: 
gfSjüttiX ,sflndig*, p. grtsnny; rijeka ,FlQßchen', p. rzeezka. 

Im Sorbischen war auch noch das verengte e, das zur 
Erweichung führte: es wird je geschrieben, nur nach den absolut 
weichen Kons, j^ ä, {6), z {d£), l bleibt einfaches e: ns. Uä4ä, os. 
li6S6 ^egen' (i = geschlossenes e), aksl. leteti; njibjo ,Himmel'; 
pjelucha (jpjädia) ,WindeP; ihojiä, os. d£6wje6 ,neunS ekA.dev^t; 
kamje/i ,Stein^ Dieses 'e geht in 'o über in den unbetonten 
Bildungssilben des In- und Auslautes. In den Bildungssilben des 
Inlautes kann es aber auch nur vor harten Eons, eintreten, 
während vor weichen 'e erhalten bleibt (Mucke, Gramm. § 25). 
Gegen das Poln. ist hier der Übergang schon etwas beschränkt: 
ns. mdrjo, os. morjo »Meer*, aksl. morje (mor'e); ns. tvjacor, os. 
tcjiöar ,Abend'; ns. colo, os. öoio ,Stim*, aksl. Selo; lod ,Eis', os. 
I6d; ns. {p)coia, o^p^oia ^Biene'; zona ,FrauS ^jod (mjöd) ,Honig^. 
Mitunter gehen die beiden Dialekte auseinander: ns. grjoMo, os. 
hrfäUo ,Ofenkrücke*, aksl. greblo; ns. rnjod, os. m^d und mj6d 
,Honig'. 

Als dieser Prozefi abgeschlossen war, begann weiches e, da 



46 

68 jetzt offen geworden war, in a überzugehen, aber nur im Ns., 
das Os. kennt nicht diesen Prozeß (auch im B. beschränkt es sich 
nur auf einige Fälle). Der Übergang findet in der Regel nur in 
betonter Stammsilbe und nur vor harten Kons, statt: ns. jazar, 
OS. jezor ,SeeS aksl. jezero; ns. pjas6, os. njesS ,tragen*; ns. pjac, 
OS. pec 3&ckofen^, aksl. pestb; ns. tqjacar, os. wjiöor ,AbendS aksl. 
veöen. Das e ist eben in das Fahrwasser des e geraten. 

Während es im Ns. bei lod, mjod blieb, ging das Os. zur 
Labialisierung über und nähert sich also auch hier wieder dem 
B.: Ud, d. i. luod; mjöd d. i. mjuod (hier jedoch auch mi^d), 
Gen. mjeda. 

Die Erweichung der Konsonanten vor einem e ist 
der älteste Prozeß bei diesem Laute im Sorb., spricht 
also dafür, daß auch hier das e geschlossen war. 

Das Altböhm, gibt uns darüber wichtige Au&chlüsse, daß 
das urslav. e hier, wenigstens noch im XU. (oder in der 2. Hälfte 
des XI.) Jhd. auch geschlossen oder verengt blieb: ciis ,Zeit^ 
hat im Yok. Sg. (^ese, aksl. öase. Das e war hier eng, näherte 
sich dem i und daher der Umlaut. Ganz dieselbe Wirkung 
bhngt das i hen'or, das also dem e nahe stand: Nom. PL disi 
aus casi. Daraus ersehen wir also ganz deutlich, daß das e ge- 
schlossen war. Dagegen Listr. Sg. ccLsem, weil hier das e auf h 
zurückgeht {<kx8^1nt) und nicht eng war. Eng war dagegen auch 
das e aus t, vgl. Nom. starec ,Greis^, aksl. startet, es wirkt hier 
wieder wie i z. B. Nom. PL bra^i zu bratr ,Bruder'. Dagegen 
Instr. Sg. bratrem aus bratmint. 

Ein solches geschlossenes e konnte zur Erweichung des vor- 
hergehenden Konsonanten führen, wenn die Zungenstellung des 
; als Übergangsstellung antizipiert wurde (vgl. S. 21), wie wir es 
bis jetzt in einer Beihe von slav. Sprachen bemerkt haben. Es 
war dies aber nicht eine lautphysiologische Notwendigkeit. So 
ist es im B. zu dieser Antizipation der Zungenstellung nicht ge- 
kommen, d. h. die vorhergehenden Kons, n, d, t, l u. s. w. sind 
nicht erweicht worden, daher z. B. ne ,nein, nicht*, nicht als ne 
(nje) wie im B. u. s. w. auszusprechen; devet ,neun*, teku ,fließe' 
u. s. w.^ Anders verhalten sich jedoch in dieser Hinsicht die öst- 
lichen Dialekte und das Slovak., die sich hier ausnahmsweise mehr 



1. Nur in Lehnworten wie z. B. ä^ekan (geschrieben wird es dikan) 
fdecanus*. Dagegen wurde re zu re. 



47 

an das P. uud B. anschließen. So wird z. B. im Slovak. konju- 1 

giert: pletiem, pUtieä, pletie, schriftb. dagegen pletu, pletei, pleie; 
tediem, vedies, vedie, böhm. vedu, vedei, vede (im Slov. ist in 
diesen Fallen auch das e zu i gedehnt worden). Auch budem, 
idem (geschrieben wird es budem, idem u. s. w.). 

Das nördl. Troppauer Gebiet unterlag dem p. Einflüsse. So 
findet man hier: zana st zena ^Weib', zclezo st. zdezo ,EHsen^; 
sa8^ st. äest ^sechs'; vedoä st. vedeS ^du führst'; ploioä st plete« 
,du fliehst. 

Das durch Kontraktion entstandene lange e war offen: dabrS 
aus dobroje. Jedenfalls auch das durch Dehnung entstandene; 
ab. rici darf mit seinem f nicht auffallen. Allmählich wurde 
jedoch das 9 verengt und zwar soweit, daß es sowohl in harten 
wie auch in weichen Silben in < tiberging. Speziell im B. gibt 
es jetzt in der Volkssprache kein langes e. Die Verengung be- 
gann im XIV. Jhd., doch ist die Zahl der Belege (in harten 
Silben) gering; das gilt auch noch vom XV. Jhd. Erst im 
XVI. Jhd. ist die Verengung durchgeführt: Hd ^sagen' aus riet; 
drive ,früher^ Axi&drive. In der Volkssprache: pysoky ^och^ neutr. 
st vysohi, vohynko ^ensterchen' schriftb. okMco, dynko ^kleiner 
BodenS schriftb. dinko u. s. w. (das y st. i hat hier nur einen 
orthographischen Sinn). Wie man sieht, hat die Schriftsprache 
womöglich das alte i bewahrt. Dynko, prstynek iL s. w. zeigt uns, 
daß aus einen engen e ein t werden konnte, ohne das es zu einer 
Erweichung des Kons, kommen mußte. 

Da im Ab. das lange ^ zu i?, und ? zu werden begann und zwar 
schon gegen das Ende des XIII. Jhd., so hatte es zur Folge, daß um- 
gekehrt langes e dialektisch zu p (also langem ^) werden konnte. So 
finden wir im Ab. neben riei auch i^ci (geschrieben z. B. rzieezy), neben 
dreve auch dr^e (geschr. z. B. drzymjoe), Präsens: revti, revei, rSve 
«bitillen*, daneben rzyewe; ebenso ifenu, ienei^ üne u. s. w. Ebenso Ul 
ging und ijW neben iel (weitere Beispiele bei Gebauer, Hist. ml. I, 
S. 143 — 145). Da dieses sekundäre lange l nur in den Silben für ftf, ii, 
zi, U und in der fremden Endung er {Ur z. B. ritier ,Bitter*) auftritt, so 
ersehen wir daraus, daß sein Aufkommen dem Einflüsse des alten langen 
^ zuzuschreiben ist, denn dieses kommt gerade in solchen Silben vor. 
Das so entstandene neue 2 (i«) hat sich in einigen mährischen Dialekten 
sogar jetzt noch erhalten (z. B. im Wallachischen liezi neben Uzi ,er liegt*). 

Im Mittelslovak. kommt jedoch auch in harten Silben statt eines i 
regelrecht ein te vor: dohrieho, b. dobr^ho-, dann auch nie9i, vüit, b. nSsti, 
viUi (dial. niti eig. nyst^ vist). Das Alter dieser Formen können wir 
nicht beurteilen und ihre Erklärung ist demnach schwer. Wahrsehein- 



48 

lioh ist es, daß dieser Prozeß mit dem früher erwähnten altb. nicht 
identisch ist. Wir haben es hier mit einem langen « zu ton und als 
solches war es ursprünglich offen. Aus einem solchen kann sich ohne 
weiters ein ie entwickeln (vgl. S. 22). So könnte auch das slovak. ie 
auf diese Weise erklärt werden. 

Während nuii das lange S (geschr. i) wie im R der Ver- 
engung entgegen ging, wurde das kurze e immer o£fener ausge- 
sprochen. Es kam soweit, daß nach den Palatallauten in einzelnen 
Fällen e zu a werden konnte: ab. noch zdud ^Eichel^ zdudek 
,Magen^, nb. zalud, zaludek; ab. zddr ^Kerker', frz. gedle, nb. 
zaldf; schon im Ab. neben Sä auch sal ,ging^. In den Dialel^jten 
ist man noch weiter gegangen: calo ,Stim' st ödo; slovak. rahky 
^eicht^, b. lehk^ u. s. w. 

Jetzt ist im Nb. jedes e ziemlich o£fen und ein des Deutschen 
nicht ganz mächtiger Böhme verrät sich dadurch, dafi er auch 
das deutsche e offen ausspricht 

Im Südslav. führte das e nicht Erweichungen herbei und 
konnte infolgedessen auch nicht auf die angegebene Weise zu o 
werden. 

e im Anlaute. Hier entwickelte sich bei e die Jotation: 
aus *e8mi wird iesrnt, jestnh ,ich bin^ Diese Präjotierung kommt 
auch bei anderen Vokalen vor und wird beim vokal. Anlaut 
überhaupt behandelt werden. Hier sei nur erwähnt, daß sie bei 
e im Urslav. wohl nicht so aUgemein durchgeführt war, wie man 
vielfach annimmt. 

Anlautendes je wird o im Bussischen. Wir haben 
Worte, in denen dem je (e) anderer slav. Sprachen im E. ein o 
im Anlaute gegenüber steht, z. B. aksl. jedtm, jedim, bg. edin, 
b. jeden u. s. w., r. dagegen odim. Und so noch in anderen 
Fällen. Trotzdem ist Sobolevskij nicht geneigt, diese Erschein- 
ung als etwas spezifisch russ. aiifisufassen. Er meint, die be- 
tre£fenden Worte finde man fast alle auch mit o in den einzelnen 
slav. Sprachen, nicht bloß mit e oder je (Lekcii, S. 31). Es ist 
allerdings richtig, daß es schon von alters her einzehie Doubletteu 
mit e und o im Anlaut (also Ablautsstufen) geben konnte, vgl. 
r. özero ,See' und preuß. assartm, dagegen aksl. jezero, ezero, Ut 
SzercLS, lett efars; r. osent ,Herbst', preuß. assanie ,HerbstS got 
asans ,Emtezeit^ gegen aksL jesent, esent ,Herb8t^; r. oltcha, 
volhcha, dial. elcha, elocha ,ErleS aksl. ehcha^ jehcha^ b. dagegen 
auch mit o: oläe (volie dial), p. olcha, oUza, ht auch elksnis und 



49 

alkmis (aus alsnis), preuß. akkanke für nlskande ^Erle^, ahd. 
dira, lat. ahius; aniss. o»^ ^noch^ nordgroßniss. oico, darneben 
jesdd (geschrieben es^), nbg. oite, aksl. dagegen jeiU, eSte, aihjeice, 
^Jeszeze, vgl. gr. tü%B (ans eoxe, *eMu)^ ai. (iccAa und lat usque 
ans 'os^ue mit der o-Stufe (KZ. 31, S. 12, 16 und hier die Anm.); 
r. odbva neben jedvd, bg. odvaj^ aksl. e(2»9a, jedzva, lit adiH>9 
JcaumS In allen jenen Fällen, in denen wir Parallelformen nur 
aus dem lit haben, müssen wir dieselben mit großer Vorsicht 
benützen, denn, wie Zubat;^ (AM. Phil. 25, S. 364, Anm. 2) 
hervorhebt, wechseln hier die Vokale a und e im Wortanlaute 
sehr stark ab, was unter unverkennbarem Einfluß des Vokalismus 
der folgenden Silben geschehe: vor engen, palatalen Silben er- 
scheine meist e, vor breiten, nicht palatalen, meist a. Die ganze 
Erscheinung wäre nebstbei durch Dialektmischungen und andere 
störende Einflüsse verdunkelt Man vgl. aszva *^'vä, a«^ *egam, 
aber z.B. eräis (auch arilis), slav. orUb ,Adlei^ neben äras (vgL 
auch Bezzen berger in BB. 23, S. 296 ff.). Den zweifachen An- 
laut illustrieren uns auch Falle wie: aksL lebedh f. ,SchwanS slov. 
bg. lAed, r. Ubedt, ans ^elih, ahd. Miz ,SchwanS dagegen slov. 
labpd, s. labild, p. iab^i, b. labui (urspr. *labqdi) aus *olb-, vgl. 
lat aUmSf gr. a}jq>6g ,weißer Ausschlag'; ksl. laniji {lanija), alhniß 
,cervaS lanh f. ,rupicapra^, r. lant ,HirschkuhS p. iani, iania, laii, 
b. lane, lan, s. lane, -eta n. ^^hkall/ aus 'otn-, vgl. lit üfiS, -es 
wohl aus *dlnt ,Hindin^, lett alnis ,E!lentier', dagegen urslav. 
denh, jdenb, r. oUnb^ s. jHen, p. jdeA u. s. w. (das Ut änis, alit 
eUenis, dlinas, dlinis kann hier allerdings nichts entscheiden, wie 
wir gehört haben). 

Es bat also Doppelformen, in den verBchicdenen slav. Sprachen ver- 
teilt, gegeben, allein es geht doch nicht an, anzunehmen, daß im B. an- 
fanglich Formen wie jeUnt und olsm u. s. w. neben einander bestanden, 
daß dann jene mit jb- aufgegeben worden w&ren und daß schließlich das 
O' anch dort eingedrungen wäre, wo von Haus aus nur e (jb) war: omuie^ 
crfa, OUna für Jemuze, jeie, 'EXerrj, wie die Sache in Listy fil. 19, S. 131—132 
erklärt wird. Es ist ein zu mechanischer Erklärungsversuch, der die 
ganze historische Entwickelung des a-Lautes und der Palatalisierung im 
R. übersieht. Das o im Anlaut darf doch nicht anders erklärt werden 
als das o statt e im Inlaut, wenigstens dem Prinzipe nach. Diesem 
Prinzip ist übrigens auch Sobolevskij nicht gerecht geworden, da er 
überall nur Doppelformen sah, selbst auch z. B. bei dem Worte russ. orif'h, 
aksl. oTbh u. s. w. ahd. aro, got. ara, preuß. arglit wegen ns. Jwel^ herei, 
aber hier handelt es sich um eine sekundäre Assimilation an die zweite 
Silbe. So weit kann man doch nicht gehen. Ein ac/i/i» ,unuR', also eine 

ToBdrik, Tfl. «lav. Gnmm, I. 4 



50 

Form mit o, finden wir in diesem Falle nirgends im Slav.; ebensowenig 
oUn» jHirsch* ; vgl. noch russ. osgtrz ,Stör* gegen s. jeseira^ p. jesiotr, 
preuß. esMres ,8törS lit erszkeirit »WalfischS ernkSiras ,Stör*. 

Man kommt mit den angeblichen Parallelformen nicht aus, 
muß yielmehr eine ganze Reihe der o-Formen erst auf r. Boden 
entstehen lassen. Dazu kommt noch ein anderer umstand, den 
Sobolevskij hier nicht recht gewürdigt hat. Schon Miklosich 
führt (in seiner Vgl. Or. I> S. 76) aus Nestor an: omuze für 
jemuze, oze für jeze, ose ,ecce' für jeae, ole für jde, de. Will 
man da auch Parallelformen in den anderen slav. Sprachen dazu 
suchen? Diese Erscheintmg müssen wir demnach als eine russi- 
sche Eigentümlichkeit auf&ssen. Außerdem ist noch die Tat- 
sache zu beachten, daß im B. dem e griechischer oder fremder 
Wörter überhaupt ein o gegenübersteht und zwar schon seit dem 
XI. Jhd. S. hat zwar mit Becht hervorgehoben, daß manchmal 
schon im Griech. dialektisch ein o in solchen Fällen vorhanden 
gewesen sein muß; wir fänden es selbst auch im AksL: Oükiifnam 
Supr. 104, Z. 3 neben Eäktimam ib.* Z. 5, u. s. w. Aber alle 
derartigen Formen wie OlefM (Jelenä) gr. ^Elivtj; opUerntja gr. 
eTtirifila; oksamüb gr. k^afiiiog u. s. w. sind dadurch durchaus 
nicht erklärt. Man vgl. noch russ. Oli>gh, anord. Helgi; Oltga^ 
anord. Helga, bei den Griechen, denen der Name von den Varin- 
gem selbst bekannt war, ^EXya. Unter solchen Umständen wird 
man selbst auch in jenen Fällen des r. o- im Anlaute, wo außer- 
slav. ein a oder o vorliegt, in den anderen slav. Sprachen dagegen 
ein e, je, auch im B. mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ein 
je voraussetzen können. 

Nach Jagic wäre es möglich, daß auch in diesem Falle, wie so 
häufig, der Übergang bei solchen Worten den Anfang machte, wo Doppel- 
formen vorhanden waren. Die r. Sprache wäre in der Bevorzugung des 
o- Anlautes nur etwas weiter gegangen als die übrigen slav. Sprachen, 
wo man schon sporadischen Ansätzen des o neben • begegne (Afsl. Phil. 
15, S. 426). 

Wie wir schon oben S. 49 angedeutet haben, ist das o- im 
Anlaut so zu beurteilen wie im Inlaut, d. h. es ist hier auch eig. 
jo aus je geworden. Dieses konnte mannigfachen ürspnuigs sein. 
Die Jotation wurde in den ar. Denkmälern nicht graphisch an- 
gedeutet, weil die Graphik dafür kein Mittel hatte; sie ging auch 
in der Sprache verloren, da sich das j mit o nicht vertragen 
konnte. Es ist übrigens möglich, daß schon beim Übergang des 



51 

je zajo daaj geschwächt wurde, so dafi es zunächst zu ib fährte, 
woraus dann o- entstand. 

Diesen Prozefi konnten aber Terschiedene Umstände alterieren. So 
l^ab ee neben einem &\i% j0go, jemu entstandenen ogo, omu auch noch ein 
njego, njemu. Nach n ging aber im allgemeinen das « nicht in o über 
{▼gl. z. B. die Negation im). Oben haben wir nur dn»ot^ angeführt. 
Diese und andere analogen Formen wirkten auf das ogo, omu ein und 
ließen es nicht allgemein aufkommen. Auf diese Erscheinung wird es 
wohl zurückzuführen sein, wenn Fortunatov» fürs Buss. folgendes «Ge- 
Mtz' formuliert: das anlautende urslar./« gehe im Bnss. in anlautendes 
über in der Stellung vor einer Silbe, welche ein e und t nach einem 
nicht weichen Konsonanten enthalte (Afsl. Phil. 12, 8. 103, Anm. 1). Un- 
richtig ist es hier mit einem j( und y zu operieren (Sachmator, IzTöstija 
I, S. 713), wie es auch Meillet tun will: ü habe die Tendenz gehabt 
zu Jo zu werden: p. miod^ miodu und zwar nicht allein vor harten Kon- 
sonanten, sondern in allen Lagen, daher r. Ueo. Dem aksl. jf«s^o, Jedbnb 
entspreche nun weiter russ. Szero^ odin», also vor einem weichen Kon- 
sonanten wäre JO zu o dissimiliert worden unter dem Einflüsse der nach- 
folgenden weichen Silbe, womit lit. sakUsnU aus ^aMfesnü verglichen 
werden könne. Vor harten Konsonanten bleibe Je: Jemü und so wäre 
der Unterschied zwischen urspr. e (edint,) einer- und Je (jemu) anderer- 
seits gewahrt geblieben (MSL. t2, S. 29). Nun aber haben wir im Aruss. 
auch ein omu u. s. w. gefunden, was nicht sonderlich für diese Theorie 
spricht. 

Mit derselben Schwierigkeit hat man zu k&mpfen, wenn man mit 
Pedersen annehmen wollte, daß das J schon in Je,,, vor einem er- 
weichten Konsonanten geschwunden und das e dann im Anlaut ebenso 
behandelt worden sei wie jenes der Fremdworte {Olbga— Helga), d. h. es 
wäre zu o geworden (Les pronoms demonstr. de Tancien armcnien, S. 10, 
bez. 312). Dazu kommt noch eben dieser Obergang des e in o, der auch 
nicht leicht erklärt werden könnte. 

Wo sich im Anlaut vor dem e — wegen des zu starken 
Tones, der darauf lag — keine Jotation entwickelt hat, da kam 
es natürlich dann auch zu keinem o-. Daher: idakb, äakb ,auf 
diese Art* , evo, eva, evatb ^siehe^ 

e. 
Ursprung und lautl. Entwicklung. Das e ist entweder 
monophth. oder diphth. Ursprungs , da es auf 9 oder oi, ai {^i}, 
äi zurückgehen kann (vgl. oben S. 14). Es ist henrorgehoben 
worden, daß das i in einer frühen Periode des Urslav. — also 
schon vor seinem Obei^ange in ^ — offen war, da es nach 
Palatallauten und zwar nach jenen, die es selbst hervorrief oder 
die schon hier ursprünglich waren, in a übergeht: kri^ati ,schreien^ 

4» 



52 

aus *krikHi, vgl. nideti aus *vidMi; dajq, ,ich warte' aus *kejq, 
ai. cdya-ti ,er nimmt wahr, beobachtet'; (hhuj-a-ti fjio}Qaivea&ai 
aus '*buj'S'4i. Der Laut gehört also zu jenen, vor welchen die 
ältere slav. Palatalisierung des k, g, 6h (in d, i, S) auftrat Auch 
im Auslaute wurde das ^ nach Palatallauten zu a: aksl. zenUja 
,Erde, Land' aus *zemiä, ^zemfi, vgl. lit iSme aus zemj^ (vgl. 
lat. materiis, fades). Dieser Wandel ist alt, er betraf noch das 
e und nicht das daraus entstandene i. Dieses wurde nämlich im 
Auslaute ganz anders behandelt: man vgl. z. B. mati aus *fnati^ 
wo das € ebenfalls eine geschleifte Intonation hatte wie Utzime, 
russ. köza (nicht kozd mit Akzenteuruckziehung), krivlja, äija, 
vereinzelt nur duäd, zemljd (vgl. Pedersen KZ. 38, S. 326 und 
Meillet MSL. 11, S. 348). Wenn also ein geschleiftes e nach 
harten Konsonanten zu i geworden ist, um so mehr hätte dies 
nach Palatallauten der Fall sein müssen. Das a in zendja, koza 
und ebenso auch in kridati geht demnach auf ein ^ zurück und 
dieses muß offen gewesen sein. Damach ist es ganz undenkbar, 
daß das ^ schon von vorne herein geschlossen gewesen wäre, wie 
^achmatov« behauptet (Izv^stija 6f Hft. 4, S. 269). Vielmehr 
näherte sich hier das Slavische, und zwar noch in seiner ältesten 
Phase, dem Altind. Auch das Lit wird wohl bei seinem e ur- 
sprünglich eine derartige Aussprache gehabt haben, doch änderte 
sie sich mit der Zeit 

Dieses ^, aus welchem später ^ hervorgegangen ist, war lur- 
sprachlich. Es hat aber höchstwahrscheinlich noch ein anderes 
monophth. ^ gegeben, das ebenfalls zu e führte, aber erst auf 
slav. Boden entstanden ist Es handelt sich um ein ö mit vor- 
hergehendem Palatallaut, das zu ^ umlautete. Da aber im Ur- 
slav. d in a überging, so kann es sich hier um ein erst später 
aufgekommenes ö handeln. Wenn -am zu 9 wurde (z. B. im 
Instr. Sg. ryhc^, dusq^ lit rankä, lett. rüJcu u. s. w.), so war offen- 
bar -ön (-öm) die VermitÜungsstufe, allerdings zu einer Zeit, als 
das 'ön von * kamen schon verändert war. Es ist also eine Art 
Verdumpfung des S zu ö veranlaßt durch das auslautende n (m). 
Andererseits wirkt das -n (m) im Auslaute in dieser Hinsicht so 
wie ein -s, vgl. Nom. Sg. der männl. o-Stämme rokh aus ^rokos 
,Termin' durch die Yermittlungsstufe *rokus, weil sonst nicht 
zu ^ wird. Analog nun bei -n (m) im Akk. Sg. derselben Stämme: 
rohb aus ^rokom durch die Vermittlungsstufe *rokun {*rokum). 
Analog können wir es nun im Gen. Sg. der a-Stämme erwarten, 



53 

wo die Endung -äs vorhanden war und zwar mit geschleifter 
Intonation, also äs (aus *ä-e$). Unter dem Einflüsse des -8 er- 
warten wir nun ein -os und bei j'a-Stämmen ein -josK -ös gibt 
im Auslaut -y (entsprechend dem -os, das zunächst zu -us wurde) 
durch die Vermittlungsstufe -üs (vgl PL Nom. my, eig. ny, vif 
aus ^nö8, ^vös). So erhalten wir den Gen. aksL rpby, rqky; -jös 
unteriag dagegen, nachdem im Akk. Sg. schon ein q, jq (wie 
auch im Instr. Sg.) entstanden war, dem Umlaute, der längere 
Zeit hindurch wirkte (selbst noch im Aksl. unterlagen ihm mit- 
unter einzelne Fremdworte) und so entstand daraus ein ji(B\ also 
duiPj woraus duU wurde. So würden wir die westslav. Genitive 
wie duM u. s. w. begreifen. Dieses ^ konnte nicht mehr in a 
übergehen, wohl aber möchten wir erwarten, dafi es zu t geführt 
hätte, da es schleifend betont war. Nur der Umstand, dafi es 
sich um eine viel spätere Bildung handelt als z. B. ^nati aus 
*mate war, mag es uns erklären, daß es auch bei *duse zu diesem 
Wandel nicht kam. 

Ganz analog verhält es sich auch im Akk. PI. der a-Stämme. 
Hier war die EtTdung -as (auch geschleift, weil es aus *äns 
schon ursprachlich entstanden war, ai. äivas, got gibös). Auch 
hier erhalten wir demnach ryby und diiie. Beim Femininum ist 
der Akk. auch an die Stelle des Nom. getreten: ryby und duie. 
Wollte man hier dennoch auch von einem Nom. ausgehen, so 
bekäme man dasselbe Besultat: -äs aus ä-es, lit raftkos, tds, got 
gibös u. s. w. Im Südslav. wurde nun nach dem Verhältnisse 
roky : kraj^ auch ryby : dusi zu ryby : duä^ umgewandelt und 
dieses kam schließlich auch im Gen. Sg. zur Geltung. Nur die 
westslav. Sprachen und das Ar. haben noch i erhalten und es 
drang hier auch nach dem erwähnten Verhältnisse in den Akk. 
PL der o-Stämme ein. Auf s. Boden war noch im 10. Jhd. das 
y in diesen Kasus lang (schleifende Länge), vgl. in den Kiever 
Blättern süy III 2 Akk. PL; fdicUy Gen. Sg. II 16; prisnadevy 
Gen. Sg. VII 4. Im selben Denkmal sind auch die Genitive 
auf Hj noch lang: pic^, Marije^ (vgl. Verf. O pövodu Kijevskych 
listö. S. 18, 22 und 113). 

Das aus <h entstandene ^ muß geschlossen gewesen sein, 
da ja hier zunächst der o-Laut maßgebend war, so daß als Ver- 

1. Za den ya-Stämmen gerieten die ursprünglichen ^i-Stämme wie 
aksl. zemlja, lit. ieni^, da bei ihnen der Nom. Sg. fttr die ganze Deklina- 
tion maßgebend geworden ist. 



64 

inittlungsstufe etwa ein oe^ ö (vgl. lat oenos, oenus) anzusetzen ist 
Dasselbe gilt auch von dem aus ai entstandenen s, da es ja 
zunächst auch zu oi führte. Aber auch ai ist zunächst zu ai 
verkürzt worden (vgl. oben S. 18), so daß das Resultat hier das- 
selbe war. Dieser Umstand nun erklärt es uns, warum 
die Gutturale gleichmäßig vor dem diphthongischen ^^ 
mochte es auf oi, ai oder ai zurückgehen, behandelt 
wurden: das k, g, ch wurde in diesen Fällen immer zu c, z, 8y 
und nie zm 6, z, ä, was vor dem aus äi entstandenen e gewiß 
hätte eintreten müssen, wenn es nicht verkürzt worden wäre.^ 
Daß die Laute c, z, b hier überhaupt zum Vorscheine kommen,, 
erklärt sich aus dem späteren Eintritte dieser Palatalisierung: die 
Monophthongierung unserer Diphthonge ist nämlich viel später 
eingetreten als der Wandel des k, g, ch in c, z, s (erste Palatali-^ 
sierung). Für eine ältere Phase des Gemeinslav. haben wir dem* 
nach zwei Arten des e vorauszusetzen. Es fand aber ein allge- 
meiner Ausgleich statt, indem die offene Aussprache siegte. 
Auch dieser Prozeß ist noch in die Urslav. Zeit zu versetzen. 
Doch auch dabei blieb es nicht Wie wir nändich aus den Be* 
flexen dieses Lautes in den einzelnen slav. Sprachen ersehen 
werden, ist noch im Urslav. aus dem offenen 9 ein diphthongisches 
te entstanden, dessen e-Element auch noch zur offenen Aussprache 
hinneigte. Diesen Laut erst können wir mit e bezeichnen. 

Daß der Laut %e nur aus einem offenen B entstehen konnte,, 
zeigt uns in einem anderen Falle auch das Slav. selbst Bekannt- 
lich ist der Nasal ^ in den meisten slav. Sprachen aufgegeben 
worden. Im Ab. war der Reflex derselben ein % im R. ein ja, 
während in den anderen slav. Sprachen, soweit sie ^ nicht haben,. 
e dafür eintritt Das kann wiederum nur so erklärt werden, daft 
auch hier ursprünglich ein offenes, breites ^ war, bei dem ganz 
analog in den erwähnten Sprachen das Iota-Element aufkam. 
Das offene i^ ergab iq (nasaliertes a), woraus ia entstand. 

Einen ganz analogen Vorgang können wir auch in den rom. Sprachen 
heobachten. Das offene « (^, schriftlat. = i) wird hier ebenfalls in der 
Regel zu ie diphthongiert Das m kann dann wieder die mannigfaltigsten 
Wandlungen durchmachen: t^ wird zu ^, oder i^^ ^, et; le za ta, t^, % 
{Meyer^Lübke, Rom. Lautlehre, 1890, S. 141). Diese Reflexe werden wir 
Tielfach auch im Slav. finden. Ein f (aus schriftlat. e und t) ist dagegen 
zu f , t und «t geworden (S. 85). 

Daß das slav. ie (c) auf ein offenes € zurückgeht, haSen wir 
wahrscheinlich gemacht Es handelt sich aber darum, ob wir 



55 

schon im Urslav. auch eiii ie voraussetzen müssen. Dafür sprechen 
zunächst die Keflexe des e in den einzelnen slav. Sprachen, die 
wir noch kennen lernen werden. Dafür spricht vor allem aber 
auch der Umstand, daß das geschleift betonte i im Auslaut schon 
im Urslav., wie wir sehen werden, zu i geworden ist (der Nach- 
druck fiel hier auf das erste Glied eines diphthongisch aufgelösten 
Lautes). 

Auch Fortanatov nahm an, daß die ^emeinslav. Sprache zur Zeit 
ihrer Auflösung hier ein £ hatte, d. h. die Verbindung von t und e in 
einer Silbe, die gleichartig (wenn auch ihrem Ursprünge nach nicht 
identisch) war mit dem iit. 2^'; gemeinslav. e wäre ans e* (d. h. geschloBse* 
nem e) hervorgegangen, in welchem altes e (lituslav. e) und der Diphthong 
oi zusammengefallen wären (BB, 22, S. 156, S. 1). F. geht hier also von 
einem geschlossenen i aus und auch das ie wäre nach ihm, wenn er es 
mit Iit. ^ vergleicht, geschlossen gewesen, beides nattirlich sehr unwahr- 
scheinlich. Im F.8chen Sinne erklärt auch Sachmatov das h Das idg. 
offene e wäre im Litnslav. geschlossen geworden, wofür seine spätere 
Diphthongierung spreche. Wie wir aber gesehen haben, spricht diese 
gerade ffir das Gegenteil in dieser Hinsicht. Für 8. gilt auch der Über- 
gang des l nach Palatalen in a als ein Zeichen des geschlossenen e. 
Nun müBte ein aus öt durch die Vermittlungsstufe äe entstandenes i, 
wie auch S. selbst zugibt, offen sein, was mit seiner Theorie schwer in 
Einklang gebracht werden konnte. Daher erklärt er den Dat. Sg. der 
»-Stämme anders. Da die weichen Stämme % haben {duSi)^ das auf ein 
aus 01 entstandenes ei hinweise, so habe man es hier eigentlich mit dem 
Lok. Sg. zu tun; dieser wäre an die Stelle des Dat. getreten. Wie aber 
der Lok. Sg. auf oi {rybi^ duit) zu Stande kam, wird nicht näher erklärt 
(das oi aus ai?). Diese Annahme ist wegen der Verschiedenheit des 
Akzentes im Dat. und Lok. (vgl. oben S. 18) nicht sehr wahrscheinlich. 
Dagegen meint auch 8., daß oi durch die Mittelstufe oe zu einem langen 
u geworden sei, analog auch Fortunatov (Afsl. Phil. 12, S. 100), der aller- 
dings aus erst ein e entstehen läßt, während sich nach S. aus beiden 
selbständig ein ie entwickelt bat. 

Als ursprüngliche Geltung dos i setzt auch Berneker ein ie an 
(KZ. 37, S. 372). 

Im Gegensätze zu F.-S. nimmt Pedersen richtiger an, daß 
sich das e von e (abgesehen vom Quantitätsunterschied) durch 
eine offene Aussprache unterschieden habe. Diese Ansicht werde 
auch von Mikkola (Berührungen S. 53—54) und Meillet 
(MSL. 9 8. 138, 12 S. 27) ausgesprochen. Er weist auf den 
Übergang des je in ja nach Palatallauten im Urslav. hin, das 
prothet. j verwandle e (= idg. e, oi, ai u. s. w.) in a (IF. 5, 43). 
Im Bg. hätten wir teils offenes e, teils ja, im P. werde i vor 
harten Dentalen zu ia (e dagegen io), die Diphthongierung im 



56 

S- W ß deute nach roman. Analogien auf offene Aussprache 
und für das Ar. hätte Mikkola mit Hilfe der Lehnwörter im 
Finnischen offene Aussprache des e nachgewiesen. Die offene 
Aussprache des e aus idg. oif ai wäre natürUch, da hier zunächst 
die Mittelstufe ai voraxiszusetzen sei^, nachdem idg. o und a ur- 
sprünglich in einem kurzen a zusammengefallen wären. Bei e 
aus ^ wäre die offene Aussprache vielleicht aus dem Idg. ererbt 
(vgl. QriecL Grenn. Albau., das Arische, wo es auch offen war), 
während die geschlossene Aussprache das lit, wohl als eine 
Neuerung, und das Lat aufweise. P. nimmt daher fürs ürslav. 
eine monophthongische, offene Aussprache an. Daß es die Geltung 
von ie gehabt hätte, bestreitet er. In den meisten modernen slav. 
Sprachen wäre e nicht mehr präjotiert 9^& e, e^ i, t. Im B., auf 
das man sich am ehesten berufen könnte, wäre die Präjotierung 
des urspr. e mit der Präjotierung des q (wo es nicht za a, d 
führte) ganz parallel (KZ. 38, S. 329). Ganz parallel ist sie aber 
nicht, man berücksichtige nur den Vertreter des ^ und <? z. B. im 
Skr. und man wird hier gar keinen Parallelismus finden, da wir 
hier für ^ ein « ohne Präjotierung haben. Dagegen ist sie aber 
bei e vorhanden. So sehen wir es analog auch in anderen slav. 
Sprachen und müssen zum Schlüsse kommen, daß die Präjotierung 
bei e schon urslav. war. Sonst wäre es auch unerklärlich, wie 
ein offenes e im Auslaute bei geschleifter Int. schon im Urslav. 
in i übergehen könnte (vgl. slav. nuUi, lit moti). 

Da das e eine diphthongische Geltung (als ie) hatte, so ist 
es in die einzelnen slav. Sprachen in quantitativer Hinsicht als 
eine Länge übergegangen und teilte dann hier die Schicksale 
der urslav. Längen überhaupt 

Bevor wir zu den Veränderungen des e auf slav. Boden über« 
gehen, wollen wii* hier einige Beispiele der verschiedenen Arten 
des e hinsichthch seines Ursprunges anführen. 

1) monophth. e aus e: begfb ,Flucht^, bezati ,laufen, fliehen', 
lit bigu, begti ^Aufen^ gr. ^ßofiat ,ich fliehe^ q>6ßag ,Flucht 
Furcht*; ded^ ,Großvater', lit dede ,OheimS gr. nj^hj ,Großmutter^, 
gr. Ttid'ig ,Tante'; deti, dejati ,tun, legen', lit. d^i, fut d^siu, 
gr. ci-d^fii^ got ga-de^B «Tat, LageS urspr. dhs, vgl. ai. dhäman 
,Satzung', jambf jasti, jedoch noch s^iv-esti ,comedereS ein Per- 
fektstamm, vgl. gr. eS-fjÖHog, lit est(i) ,er frißt*, lat Sst; mS^a 

1. Das ißt aber nicht richtig: wegen jej (ji) aus >o/, jaj\ 



57 

^filaßS merUi Jessen', got mi4 ^eit. Stunde^, ahd. ma4 ^erk- 
ponkt; Merkmal, MalS lat. mS^iar, gr. fJlf^••Tlg ^At, Anschlag, 
Klugheit^, ai. mäträ ,Maß'; mes^cb jMonäU Mond^ lit menü, gr. 
fti^, fitp^g, lat mensis, got m^na ,MoiidS ai. mas- ,Mond^; pechota 
^FußTolkS peMt ,zu Fuß', lit p^zas, pikzczas aus *pid'tio8, *p?«- 
tias ,zu FnSS p4dä ,FußtapfeS ai. päd-; sed- in sedeii ,sitzenS 
urBpninglich ein reduplizierter Perfektstainm i^se-sed); sem^ ,SanieS 
sejq ,886^, lit s^ju, gr. ifjfii. aus oiatiiAi ,werfe, entsende', lat sBnwn; 
severh ,boreasS serb. Bjever ,Nord', b. s&ver aus (s)k'euer(h, lit. 
sziaurys (nach Berneker aus 8(1^)euriO' IF. 10 S. 146), vgl. 
got fJcüra t<f ahd. scür m. , Wetterschauer' ; spefq ,koniine vor- 
wärts, habe Erfolg', lit speju, sp^i ,Muße, Zeit wozu haben, 
schnell genug sein', lat apBs, sperare, got spSdia Kompar. ,später', 
ahd. späti ,spat'; strela ,Pfeil', vgl. ahd.sträla ,Pfeil'; vejati ,wehen', 
vMrb jWind', vSja, v^vb ,Asf , lit vifas ,Wind', v^ra ,Stunnwind, 
Sturm', ahd. waen^ gr. a-firfli; vera ,61aube', lat vSrus ,wahr', 
got tu2'W€rjan ,zweifeln<; zverb ,Tier', lit zverk ,Kaubtiei', gr. 
%h^y lat fera. 

In den AVorten mit ca, za, ia ist ebenfalls ein urspr. e zu 
sehen (wo nicht ein cja, zja oder *kja, gja vorliegt): co^ ,Zeit^, 
vgl. preuß. JOsman Akk. Sg. ,Zeit' (I — urspr. S)\ ebenso dajixti 
,warten'; caph ,Biene' vergleicht man mit gr. yLriqnljv ,Drohne'; 
darb, cara ,Zaubei^, vgl. lit keriu, kereti ,verzaubem'; p. zadaS 
81^, zadzid si^ ,abominari', ns. zadad se ,ekeln', dann auch p. zadny 
,häßlich', lit geda ,Schande', mhd. quät, köt ,ünrat^. 

Das e der Verba der in. Klasse: razumeti ,verstehen', celeti, 
cHejq ,heil werden', sedeti ,8itzen', kricaii ,schreien', lit geretis, 
ger'ej^s ,sich freuen, sich auf etwas zu gute tun', aediti, sMzu 
,sitzen'. 

Das e des Imperf.: vedechh, vedeachb ,ich führte'. 

Das e des Kompar.: dobr^, nnnozaj u. s. w. 

Das gedehnte urspr. S im Aor., z. B. aksl. «'m ,duxi', vgl. 
lat vexi, ai. dväkiam; bei den Iterativis wie u-^netati zu gndq 
Juiete', bei der ^ra^'Gruppe aus *tert (ebenso Üet aus *teU). 

Hierher vielleicht auch Uffnb ,Schatten' aus ^temnis (vgl. bei 
der Gruppe iwn). 

Das ursprüngliche 9 könnte auch der erste Bestandteil des 
Langdiphthonges ^ sein; hier schwand mitunter das i vor Kon- 
sonanten. 

2) diphth. e und zwar aus 



58 

oi: beda ,Not^, bedüi ,zwingenS S^t. baidja ^ch zwinge'; eena 
yPreisS lit. kaina ^Preis^, gr. Jtoivri yEntgelt', lat poena, av. kaSna 
,Strafe' aus *qf*ainä; otb4^^ ,ÜberbleibseP, vgl. lit Wcü ^ch lasse', 
gr. XeiTiiü und loiftog yübrig'; lipiti Rieben', prirUpb ySalbe', vgl. 
die reduzierte Stufe gr. Unoq ^Fett'; m^M, , Wechsel', Ut malnas 
^Tausch', got ga-maina ^gemein'; mesUi ,mischen', lit maiszßi 
dass.; megh ,SchneeS lit snegas, got snaiws; sv€t^ ,Lichf, avitUi 
feuchten', lit. szfmlßi; vetnt (vidi) viditi ^wissen' eig. ein Perfekt- 
stamm, ygl. gr. oidoy got waü. 

Weiter der Lok. Sg. der o^Stämme: rod, bozi u. s. w. vgl. 
gr. olxoi; Lok. PI. derselben Stämme: rocichz^ bezieht aus •oisu, 
ai. vfke^, gr. Iv-Koiai. Die Pronominalformen: Instr. Sg. m. n. 
tetnh; Gen. Lok. PL techz, Dat titm, Instr. timi, Dat Instr. 
Du. tima. Das te- geht hier tiberall auf *tai zurück. Auch im 
Nom. PI. m. war hier urspr. *te, vgl. gr. zoiy doch ging es schon 
im Urslav., wie wir sehen werden, in ti über. 

Im Imper. veditm, vedite (ein ursprüngl. Optativ) vgl. gr. 
(pigoifievj g>iQOite, lit 3. P. Sg. te-suke ,er mag drehen'. 

Aus ai: levb ,links', lat. laevus, gr. laiog aus laißog; deverh 
,Schwager', lit deverls, gr. dätJQ aus *daißijQ, lat ISvir, ai. dSvär- 
(urspr. ^daiuSr-'); seit ,Strick', Ht pä-saüis ,Riemen', ai. sMuf 
,bindend'. 

Nom. Akk. Vok. Du. der a-Stämme: rqci, ti, lit gere-ji 
,bonae', te-dvi, ai. dsve ,Stuten', lat duae. 

Aus äi: Dat Lok. Sg. der a-Stämme: rqci, lit. Dat raiikai 
(vgl. oben S. 18). 

Veränderungen des i auf slav. Boden. Schon im Ur- 
slav. ist das e im Auslaute in bestimmten Fällen zu i geworden: 
mati aus *mate. Hierher gehören aber nicht jene Fälle, in denen 
ein i statt des e nach Palatallauten erscheint Es sind folgende: 
der Dat und Lok. Sg. der a-Stämme: duH gegen rqci, rybi; 
der Nom. Akk. Du. derselben Stämme: efu^' (urspr. -at; ai^dsvi); 
der Lok. Sg. der o-Stämme: aksl. mqzi, kraji, morji u. s. w. 
gegen roci, miste u. s. w.; der Nom. PI. kraß, mqzi, der anders 
zu beurteilen ist als rabi\ roci u. s. w.; der Lok. PL derselben 
St&nmie: aksl. mqzüJiz, krajichz, morjichz gegen rocichz, vltcidtz, 
mistichz u. s. w.; Nom. Akk. Du. der neutralen o-Stämme: 
morji gegen mi«ti. Weiter im Imper. aksl. kazite, glagolßte, 
phjite u. s. w. gegen vedite, nesite u. s. w. Über Instr. Sg. jimb 
gegen timh, Gen. PI jichz gegen tickz u. s. w. wird bei i im 



59 

Anlaut gehandelt werden. Das i in allen den erwähnten fallen 
kann nicht erst aus dem urslav. e in der Geltung des ie hervor- 
gegangen sein, weil es sich hier sowohl um ein geschleiftes (z. B. 
im Dat 8g. duäi) als auch gestoßenes i (z. B. im Lok. Sg. duO) 
handeln würde und das könnte doch nicht zu demselben Besultate 
geführt haben. Noch weniger kann es aus dem älteren S, das 
dem e vorausging, entstanden sein, da es, wie wir sahen, offen 
war und daher in unseren Fällen zu einem a geführt hätte. 
Unser i ist demnach alter als ^; ja sogar älter als e. Der Um- 
laut des jo zu je ist offenbar alter als die Monophthongierung 
des Ojf und so mußte aus -joi ein jei und aus diesem ji, dann ß 
entstehen. Neben *rokoi gab es also ein *krajei, welche Formen 
natürlich zu verschiedenen Besultaten führen mußten. So erklärt 
sich mqü, kraß, mqzich, kraßchz u. 8. w. (vgl. oben S. 27). 

Aber neben diesem i nach Palatalen haben wir noch ein 
anderes im Auslaute, das unbedingt ein e voraussetzt, wie z. B. 
in matt ,Mutter^ aus *fnati u. and.; es handelt sich hier darum^ 
wann ein e im Auslaute in ein i übergehe. 

Schon Streitberg hat vermutet, daß das schleifende idg. s 
des absoluten Auslautes zu slav. % wird, das gestoßene dagegen 
als e erhalten bleibt (£F. 1, S. 295). M ei 11 et nahm an, das S.8 
Gesetz auch für idg. ai gelte (MSL. 8, S. 239), was auch Feder- 
sen akzeptiert, der den Wandel in eine Periode versetzt, in 
welcher ursprachl. -ai und ^ai mit dem urspr. S im slav. i zu- 
sammengefallen wären. Das aus öi und äi entstandene e wider- 
q[)richt allerdings der fiegel (vgl. Dat Sg. zeni, also e trotz des 
geschleiften äji, aus dem das i entstanden ist, vgl. gr. rifÄy) und 
so hilft sich P. mit der Annahme, die Langdiphthonge wären 
damals noch nicht zu e geworden, als das Gesetz wirkte, was 
durchaus unwahrscheinlich ist Dieser Fall muß anders erklärt 
weiden. Sonst ist aber im allgemeinen das Prinzip rich- 
tig und zwar deshalb, weil sich eine ganze Reihe von 
Fällen damit in Einklang bringen läßt und weil es als 
eine fast notwendige Folge der slavischen geschleiften 
Int und der lautlichen Geltung des urslav. e als ie er- 
scheint 

Die Fälle, in denen ein geschleiftes e im Auslaute zu i 
geworden ist, sind folgende: 

Der Nom. Sg. mati, dziti, vgl lit m6ie, tnote yMutter'. 

Nom. Plur. der männlichen o-8tämme: rabi, roci; im Lit, 



60 

beim Subst auch geschleift: takal, darbal, das Adjektivum hat 
hier aber gestoßene Intonation: geri-ji, was mit der griech. vgl. 
ol'/Ac, a&QfoTtot. und aya&oi übereinstimmt Im Slav. ist jedoch 
auch beim Adjekt ein -/: dobri. Man wollte nun auch im Slav. 
den Reflex einer gestoßenen Intonation hier gefunden haben, 
nämlich im russ. Nom. te, das dem toi entsprechen würde 
(Pedersen, KZ. 38, S. 327). Das ist aber unrichtig. Das russ. 
t^ ist ein aus den anderen Pluralformen wie techz^ ütm^ temi 
abstrahierter Nom., der erst im XIII. Jhd. auftaucht und 
da ist er noch selten; erst im XIV. Jhd. wird er häufiger 
(Sobolevskij, S. 185). 

Daß der Nom. hraji^ mc^i u. s. w. anders zu beurteilen ist, da das 
i nicht auf i, sondern amfjoi^je; zurückgeht, ist schon erwähnt worden. 

Der Gen. Sg. der j-Stämme: gosti, kosti, ursprachL 
Endung -ols, lit naktes^ slav. noHi, got anstaiSy ai. matia. 

Der enklitische Dat. Sg. mt, ti^ si ,mihi, tibi, sibiS vgl. gr. 
oly koly dagegen hat rroi, ifioi die gestoßene Intonation aus der 
Enklise erhalten, während im Slav. die geschleifte blieb , obzwar 
die Formen enklitisch sind. 

Die 2. und 3. P. Sg. Imper. vedi, nesi u. s. w. vgl. lit te-sukS, 
gr. Ttaidsvoig, naidevoi. Später ist im Slav. als dieser lautliche 
Prozeß schon abgeschlossen war, hier eine Intonationsänderung 
eingetreten, indem die gestoßene Intonation des Imper. der Verba 
der IV. Kl. auch hier zum Durchbniche kam, vgl. serb. birif 
birimo, russ. bert. 

Einige Schwierigkeiten bereitet die Endung -si in dasi, jesi 
\L s. w., also bei den themavokallosen Verben. Sie muß als eine 
Medialendung (-aai vgl. preuß. cus-mai ,ich bin^) aufgefaßt werden. 
Diese Endungen hatten aber eine gestoßene Intonation vgl. gr. 
ip6Q0fiaif q>iQexai^ so daß wir ein -86 erwarten möchten, wie wir 
ja auch ganz regelrecht ein vede ,ich weiß^ haben. Könnte man 
nachweisen, daß das im Aksl. vorkommende -H in vedeäi, vidiH 
u. s. w. gemeinslav. war, so wäre die Schwierigkeit behoben. Dann 
wäre nämlich das ältere, dem ursprachl. si entsprechende sh von 
der eben behandelten Medialendung sai (im Slav. daraus zunächst 
soi) beeinflußt worden, so daß es *ia%, *soi mid *äei ei^ben 
hätte, woraus H entstehen müßte. Neben einem -^i hatte dann 
ein 'Se natürlich nicht bestehen können und wäre auch zu -s» 
geworden. Nun weisen aber alle anderen slav. Sprachen mit 
Ausnahme des Aksl. die Reflexe eines -H aul Man kann also 



61 

annehraeii, daß ein älteres -Ü unter dem Einüusse der 3. P. Sg. 
-it auch zu äh in der Mehrzahl der slay. Sprachen geworden ist. 
Daß das sai eine gestoßene Intonation hatte zeigt neben den 
griech. ipiqo^ai^ q>iqB%ai und das SlaY.« urslav. jui^ aruss. jesi^ 
daaiy klruss. jM, daai, serb.jiai (vgl. Verf. O pävodu Kijevskych 
listd S. 11 und 96). Es ist hier also regeh-echt die Akzentver- 
schiebung eingetreten und das betonte i blieb. 

£2m gestoßenes e hat sich dagegen erhalten im Nom. Dual, 
der a-Stämme: ryb^, rqce, wo ein ursprachliches al vorliegt, lit 
rankt, ai. dsvi; vgl. auch dwe ,dual', lit. dvi. 

Dieselbe Endung oder ein ursprachL al hegt vor im selben 
Kasus der neutralen o-8tämme: mestej Ute u. s. w.; ai. yugi^ dvi. 

Weiter ve ,wir beide^ vgl. gr. vcJ, aqpcii und das schon er- 
wähnte vede ^ch weiß' vgl. ai. tuludij lat. tutud-i, also mit der 
ursprünglichen Medialendung -ai. 

Nach diesen Regeln möchten wir nun auch im Lok. Sg. der 
o-Stämme ein i st. des e erwarten: rocty meste, da hier ein -oi 
vorliegt, vgl. gr. olxoi (gegen oZxoi im Nom. PL); weiter im Dat 
Sg. der a-Stämme: rybe, rqce (vgl. S. 18). Wir können nun 
ohne weiters zugeben, daß sich roce nach dem Lok. ri^be, rqce 
gerichtet hat, zumal es ja bei den o-Stämmeu eine Anzahl von 
Woiten gab, die Maskulina waren. Die Neutra meste folgten 
dem Maskulinum, weil ja eine ganze Beihe von Kasus ohnedies 
identisch war. Schwieriger ist die Sache beim Dat ryf>e, rqce, 
Pedersen nahm, wie wir sahen, an, daß die Langdiphthonge 
später monophthongiert worden sind. Wir dagegen kamen zum 
Schluß, daß sie zunächst verkürzt wurden und dann einfach die 
Schicksale der Kurzdiphthonge teilten. Eine Erklärung ist wohl 
in dem Umstände zu suchen, daß der Dat serb. nid und Lok. 
ruciy also urslav. rqce und rqce, ein starres System bildet mit 
dem Dat u. Lok. der i-Stamme: serb. dat stvari, aber Lok. 
stvdri. Wie bei den i-Stämmen die Endung dieselbe ist, jedoch 
eine verschiedene Int aufweist, so blieb es auch ganz analog bei 
den a-Stämmen. Im Lok. Sg. der i-Stämme geht das i auf ein ei 
zurück und hatte daher eine gestoßene Int (vgl. oben S. 17). 
Der Dat Sg. lautete ursprünglich *kosteiai entsprechend dem 
Dat synovi der aus *8üne\iai entstanden ist Daraus entstand 
*kodeißi und *ko8teiei. Wie nun im Dat Lok. Sg. f. des be- 
stimmten Adjektivs aus ^dcbre-jej (noch älter *dobrejeji, *dobrejei) 
infolge der Haplologie einfach ein dcbrej entstanden ist, so führte 



62 

auch *ko8teiei zu *kostei, woraus regelrecht kosti entstand. Die 
Dativendung -t oder vielmehr noch das ältere -ei bekam unter 
dem Einfluß des Dativs ryb^, rqce eine geschleifte Intonation. 
Ebenso auch das -ai im *8üneuai, so daß das daraus entstandene 
-e zu i werden mußte: synoviK Dasselbe gilt auch von allen 
übrigen Dativen wie crhkhvi, katneni materi, alovesi u. s. w., wenn 
man nicht annehmen will, daß das i der t-Stämme wegen der 
anderen Berührungen hier auch Eingang gefunden hat 

Die Dativendung -ai hatte nun ursprünglich eine gestoßene 
Intonation vgl. gr. x^'/mi, dofievai. Da infolge der Haplologie 
die Intonation sich nicht ändert, so sollte auch der Dat kosti 
eine gestoßene Endung haben, wenn sich nicht der Einfluß von 
rybe, rqce geltend gemacht hätte. Es gibt jedoch auch Dativ- 
formen, die isoliert wurden und den Zusammenhang mit dem 
Dativ verloren: es sind dies die ursprüngl. Dative von Verbal- 
substantiven auf -^is^ die zu Infinitiven wurden. Die gestoßene 
Intonation des i brachte es mit sich, daß der Wortakzent eine 
Verschiebung erfuhr: r. nesti, s. nhsti, ,tragen*; r. veM, s. visti, 
r. vezti, s. visti, r. mesH, s. nüsti, r. rasH, s. rdsU, r. hljtisti, 
8. bljusti (auch bljust%)\ war die Stammsilbe gestoßen betont, so 
wurde der Akzent nicht verschoben : s. blti, b. byti^ lit büti ,sein, 
werden*; s. jesti, b. jisti, lit. 'estif s. doli, b. d&li, lit. dü'ti, r. ko- 
löih, b. kldti, lit köUi u. s. w. 

Wegen der erwähnten Akzentverschiebung hat man den slav. Inf. 
als einen ehemaligen Lok. aufgefaßt, so z. B. Hirt, Der idg. Akz. 
S. 214—215, aber syntaktisch ist es gar nicht möglich. Ebenso bleibt 
Üer Gen. Sg. ausgeschlossen und zwar hauptsächlich auch wegen der ge- 
schleiften Intonation der Genitivendung (lit. szirdes, aves aus -otB). Es 
bleibt also nur der Dativ übrig und an diesen Kasus muß man auch aus 
syntaktischen Gründen vornehmlich denken. Mit Recht hebt Brug- 
mann hervor, daß der finale Dativ, besonders von Verbalabstrakta, seit 
aridg. Zeit die Hauptgrundlage der Infinitivkategorie abgab (Kurze vgl. 
Gramm. § 554, 5). Hierher gehören in syntaktischer Hinsicht noch die 
slav. Infinitive piti, jasti z. B. eda ki4o prinese emu jasti ftijxig tjysyüev 
a^Tfp q>ayeTv Job. 4. 33; vgl. auch den Inf. bei ueiti, naucUi u. dgl. z. B. 
ne hy na8z> tako virovati naucih Supr. 383. 12 (,hätte uns nicht so glauben 
gelehrt*). Nun steht bekanntlich bei diesen Verben auch das Substan- 
tivum im Dat. So sprechen sowohl lautliche als auch syntaktische Um- 
stände dafür, daß der slav. Inf. auf ^t ursprünglich ein Dativ Sg. war. 
Vgl. auch ai. pHäy-e ,zu trinken*, gr. töfieyat ,zu wissen*. 

1. Wegen des Lokals aynu bestand hier nicht der System zwang wie 
bei rybi. 



63 

Ich will hier nur noch erwähnen, daß man den lit. Inf. netzti u. s. w., 
der aach auf eine gestoßene Intonation deutet, Ton der Dati rendang «ia» 
ableiten wollte. So noch Joh. Schmidt (K. Z. 26, S. 361), 0. Wiede- 
mann (Handbach der lit. Spr. S. 57). Die Möglichkeit einer solchen 
Erklärnng maß die lit. Grammatik entscheiden. 

Der Dat. u. Lok. Sg. des Pronom. pers. mhne, tebe, sehe 
ist nach dem Dat u. Lok. rybe rqce entstanden, da diese Worte 
zum Teile ins Fahrwasser der a-Stämme gerieten, vgl. den Instr. 
Sg. fmnojq, tobojq, sobojq mit rqkojq, nom. dual, ve mit rqce u. s. w. 

In den Aoristformen bi, vidi u. s. w. konnte natürlich das e 
nicht in t übergehen, mochte das e auch geschleift gewesen sein 
(vgl lit veHe, gr. aT^), weil dadurch den anderen Formen gegen- 
über wie beckh, bicharm eine zu große üngleichmäßigkeit herbei- 
geführt worden wäre. 

e im Anlaut Hier können wir auch keinen Unterschied 
zwischen einem monophth. oder diphth. e bemerken. Eine Störung 
in der normalen Entwicklung dieser Laute konnte nämlich nur 
durch das prothetische j herbeigeführt werden. Dieses ist hier 
aber in einer verhältnismäßig späten Periode des Gremeinslav. 
aufgetaucht (wie auch analog bei einigen anderen Vokalen) und 
zwar dann erst, als schon eine einheitUche Geltung der verschie- 
denen ^-Laute durchgedrungen war, als es sich nämUch schon 
nur um ein offenes B handelte. Wurde ein prothetisches j vor- 
gesetzt, so mußte daraus selbstverständlich ein ja werden, mochte / 
das S welches Ursprunges immer sein. Aber dieses proth. j kam 
damals nur auf einem Teile des slav. Sprachgebietes auf. Auf 
dem anderen ging das e nun seinen weg weiter und wurde wie 
auch im Lilaute zu e (d. i. te). In den einzelnen slav. sprachen 
konnte sich jetzt nachträglich ein prothetisches j entwickeln (wie 
es sich auch z. B. bei i im Anlaut entwickelt hatte). So erhalten 
wir ein dreifaches Resultat: ja, e (dieses behauptete sich insbe- 
sondere in Zusammensetzungen) und j-e. 

Auf diese Art wurde aus Sd- ,essen' : aksl. jamb, jasti, in 
Zusammensetzungen z. B. sm-esti ,comedere', daraus können wir 
ersehen, wie spät die Ph>the8is war, denn hätte es damals ein je- 
g^eben, so müßte das Kompositum *8hnja8ti heißen. R. istb, 
edatb, eda ,speise', edtim ,Esser'. Das e bekam dann im P. B. 
und vielleicht auch im Skr. u. Slov. ein prothet j : ab. jiem, 
jidl, jiedh, nb. jidlo. Wie Gebauer (Hist. mluvn. I S. 95) be- 
merkt, haben wir im Ab. im Part, nie jcuU, sondern immer jidl 
(eig. jedi) und im Slovak. j'edol, sodaß es sich hier nicht um 



64 

einen Umlaut aus *;a- handeln kann. P. jed6, jem, jadio neben 
jedio yCibus', Part, jadl, Plur. jecUi (^ ist hier in gewissen Fällen 
zu a geworden, vgl. weiter unten); s. jem, ijem neben jedem, 
jesti jistij jelo, kr. jisti, jim, slov. jem, jdo, jestva, obed. 

Von derselben Wurzel aksl. jadi ^rippeS s. jctsle, jasli, ab. 
jedi, p. jiJisla u. s. w. 

Aksl. jazh yCanaliSy stomachus^, r. ezb und jetzt, zajazokb 
neben zajizokb, klr. jiz, zajiz neben jaz, ab. jez, nb. jez ^Damm, 
Wehr^, s]ov.jez,jezüi, s.jäz,jäza,Ah\eiik8.n9l*j zajaziti ,verwehren*, 
wohl verwandt mit lit eze ^Feldrain, Gartenbeet, eine flache Stelle 
des Haffes am Ufer', lett eza, preuß. asy fimn' (Afsl. Phil. 12, 
S. 101 — 102). Ein diphthongisches e (aus oi) liegt vor: in 
aksl. jadt ,venenum*, ar. edt (vgl. Afsl. Phil. 12. S. 100), klr. td, 
8. Ijed, jed ,Gift, Zorn, Galle" (jad ,Kummer), ab. jed (nie jad)y 
j\h.jed. Mit ed ,essen' darf es nicht zusammengestellt werden (vgl. 
Fortunatov Afsl. Phil. 12 S. 100), sondern mit ahd. eiz ,Ge- 
scbwür, Eiterbeule^ gr. oidäio ^^h schwelle', arm. aü yWange", 
also *oid-. potio ,Tranlr — insbesondere der vom Arzt verab- 
reichte — kann zu poison ,Gifl' werden, aber die Speise an und 
für sich kann nicht eine solche Bedeutung annehmen. Von oid 
,schwellen' läßt sich dagegen insbesondere die Bedeutung Zorn 
u. s. w. ableiten, vgl. lat. tumere ,saepe dicitur de iratis' und 
tumor heißt auch so viel als jim^ (Porcellini), Diese Bed. war 
gewiß hier auch schon urslav., im Ab. haben wir auch jedati se 
,sich ärgern'. Vgl. auch deutsch ,sich giften' >=s ^ch ärgern', 
Oifthansl — ,der sich leicht ärgerf und ,Gift = ,Wuth' lu s. w. 

Zu derselben Wurzel oid ,8chwellen* gehört auch aksl. jadro 
,Schwellung, Busen^; aus vtn-edra ist nedra (aksl. bulg. nedrOj 
slov. nedra, s. njedra, klr. nidro) abstrahiert worden, dagegen aus 
f^n-jadra ein njadra (b. nddra), r. njadra in Beryndas Lex. 
Unter dem Einflüsse von nedra (mit hartem n) ging auch nadra 
in nadra über, vgl. aksl. nadra neben nedra, slov. nadra neben 
nedra, kr. bei Miklosich nadra neben nidra, sorb. nadra, p. nadro, 
klr. nadro. Die ZusammeTTgehörigkeit zu oid ,8chwellen' scheint 
so klar, daß man die Bedenken Fortun atovs (A&l. Phil. 12 
S. 102—103) und Öachmatovs (Izvestija 6, Hft. 4 S. 293 
Anm. 2) nicht begreifen kann. Auf oi geht auch zurück aksl. 
jazva /oramen, fovea, vulnus', slov. jazba ,Höhle', r. ezva (Afel. 
Phil. 12 S. 101) neben jazva, jazba, b. jizva aus jiezva, jezva 
jWunde, Narbe', vgl. lit aiza ,Spalte', lett aiza, lit aizßi ,au8- 



65 

hülsen', prenß. eyswo ^Wunde'. Hierher auch der in Höhlen 
wohnende jazvtct (aksl.) yDachs', s. jazavae, slov. jaaäbtc^ b. jezvec, 
jtzevecj slovak. jazvec. 

Anders entwickelte sich jojj wenn also ein j von Haus aus 
im, Anlaut war. Das o mußte umlauten und aus /e; wurde ein 
}%'. So lautete der Instr. Sg. m. n. vom Pronom i, jego uisprüng- 
lich *j€jmb, wie uns iemt aus *tojmb zeigt Daraus wurde *jefmb 
und weiter jimt. Ebenso im Gen. Lok. PL aus *jojckb (vgl. 
üAh) ein jiekb, im Dat. PL jirm, im Instr. FL ßmi. 

Das sonst hier abweichende Resultat ist der beste Beweis 
dafür, daß sich das i im Anlaut (ebenso wie auch im Auslaut 
nach Palatalen) überiiaupt nicht aus e oder gar t entwickelt hat, 
daß es vielmehr alter ist als diese beiden Laute. Sonst müßten 
wir ja im Anlaut bei *joj dasselbe Resultat wie bei anlautendem 
(Herhalten, also ein (j)^ und ja. Ein *joj hat demnach die- 
selbe Entwicklung erfahren, mochte es im Anlaut oder 
im Inlaut gewesen sein: daher bei den anderen Pronomina 
mit Palatallauten z. B. naib ,unser^ im Instr. Sg. m. n. naÜtMf 
Gen. Lok. PL naäichzy Dat PL naSitm, Instr. noHmii ebenso 
mojimö zu moj ,mein' u. s. w. 

Daraus folgt, daß das aksl. im ,unus' neben jedtm, jedim 
nicht direkt zu oinos, unus, gr. oiVij gestellt werden kann. Ein 
*jim, im hätte nur aus ^joino- entstehen können, das lag aber 
nicht vor. Auch würde es dann, wie Fortun atov richtig be- 
merkt, * jedem nicht jedim, jedm^ heißen (vgL Lsvestija 6, Hft. 4, 
8. 293). Es liegt hier vielmehr die schwächere Stufe *ino- vor, 
die im Slav. regelrecht tno- ergab; das liegt auch der weiteren 
Bildung jedvm zu Grunde. Im Anlaute mußte sich dagegen 
schon im Urslav. vor » ein j entwickeln imd ^jwm ergab dann 
ein inb. Dieses beeinflußte übrigens auch jedtm, so daß die 
Nebenform jedim aufkam. 

Auch das slav. iekati ,suchen' kann man unter solchen Um- 
ständen nicht mit ahd. eiscön ,fragen' in Zusammenhang bringen. 
Mit Becht hat sich auch Berneker (Aisl. Phil. 26 S. 491) 
gegen eine Entlehnung aus dem Urgerm. (auch wegen der ab- 
weichenden Bedeutung) ausgesprochen. Es wäre hier eine Neben- 
form -8^0- zu alcOj vgl. pctsq^ lat. p(iscö. Nach ptsati, piiq ur- 
sprünglich wohl *t8katiy ütq. Pedersen stellt es zu ai. icchämi 
(IR 5. S. 43). 

Bezüglich deR ^ im Anlaute meinte Pedersen, es wäre ganz 

Yoadrfck, VgL sUt. Gnunm. I. 5 



66 

hoffaungslos, hier ein Lautgesetz suchen zu wollen; vielmehr habe die 
Doppelheit aksl. jatU : 9»n-Mi ^essen* zunächst ein jMi und dann ein 
allgemeines Schwanken zwischen ja und ji im Anlaut heryorgerufen (KZ. 
88, S. 312). Es ist richtig, das Schwanken besteht oft, aber es kann 
durch die nicht gleichzeitige Praejotierung der ^-Formen auf verschie- 
denen Teilen des slav. Sprachgebietes hervorgerufen worden sein. Dann 
konnte es sich allerdings auch auf Worte mit urspr. Ja im Anlaut er- 
strecken, vgl. aksl. jaehaii, jaxdiii ,fahrenS r* jichnU^ jhdiU, p. jeeha<^, 
fMu!, s.jahaii, B,hei jizdäi, bIoy. jahaii, ahei jezdüi, lit. j6ti^ joßi , reiten', 
80 daß vielleicht urspr. hier ein ja vorliegt Vgl. auch ai. yätni ,gehe*; 
weiter slov. jareb und jereb ,BebhuhnS slov. jasika und jesika ,Zitter- 
papper. 

Veränderungen des e in den einzelnen slavischen 
Sprachen. Aus den Reflexen des i in den einzelnen slav. 
Sprachen ersehen wir, daß man Ton einem urslay. e in der laut- 
lichen Geltung des te und mit einem offenen ^- Laute ausgehen 
muß. Daher konnte es hier wieder zu einem o-Laut kommen; 
nur dort, wo das e imter dem Einflüsse des i-EUements mehr verengt 
wurde, da konnte daraus selbst ein i entstehen, wozu sich übrigens 
Analogien auch in den rom. Sprachen, wie wir sahen, finden. 

Altkirchenslavisch und Bulgarisch. In den glag. 
Denkmälern und häufig dann auch in den cyrill. wird der Buch- 
stabe e gleichzeitig auch für ja gebraucht In der glag. Schrift 
hat man für ja überhaupt kein eigenes Zeichen. Daraus folgt, 
daß in dem bg. Dialekte der beiden Slavenapostel das e dem ja 
lautlich sehr nahe stand. Das ^-Element des te (6)-Lautes blieb 
also auch noch weiter offen imd ging in a über. Noch heutzu- 
tage wird im Dialekt von Suchö (östlich von Saloniki, der 
Heimat der beiden Slavenapostel), das e als ein sehr breites, dem 
a schon nahe kommendes ä ausgesprochen (Oblak, Maced. Stud. 
S. 25). Aber auch das urslav. a wird hier nach c, z, ä, V so 
ausgesprochen, also: cä, zä^ 3ä, Vä. Man kann also schließen, 
daß sich hier etwas sehr altes, dessen Reflexe wir in dem glag. 
Alphabete sehen, erhalten hat. Dieser umstand ist bei der Frage 
nach der fieimat der aksl. Sprache von hoher Bedeutung, wie es 
ja auch aUgemein anerkannt wird. Sonst lautet i in den maced. 
und westbulg. Dialekten meist me e, das auch in i übergehen 
kann. In den ostbg. Dialekten hängt die Aussprache des e von 
gewissen Bedingungen ab. Betontes S wird als ja ausgesprochen, 
wenn in der nächsten Silbe kein weicher Vokal (e, t, e) oder d-Laut 
folgt, sonst als e; unbetontes e wiixi als ^ gehört In den aksl. 
Denkmälern finden wir einigemal a st e, was alles für die 



67 

offene Aussprache des einstigen e spricht. Besonders nach r wird 
€ als a und umgekehrt geschrieben (das r vor i war also schon 
yerhartet); so z. B. pograb(y%j für pogrebaj^j Psalt sin. 78. 3; 
pravratiti ib. 77. 44 st privr . . . ; vramj^ st vrimj^ ib. 80. 16 ; 
häufig auch triva (Zogr. Mar. Assenu u. s. w.), jetzt bg. travdj 
«. trdvoj r. travd^ b. trdva ^Gras'; prSdida für pradSda Euch, 
sin. 17 b. 

Daß das e hier offen war, ersehen wir auch ganz deutlich 
aus den sekundären Imperativformen: glagoljate statt s^agolßte, 
JrijaUy pokazaie, plaöaU 8^, sw^kUe u. s. w., die nach dem Yer- 
hUltnisse vedi : redete aus jßagolji : glagoljUe u. s. w. entstanden 
smd. Das e war damals also offen und führte daher zu a. Diese 
Formen sind aber nicht uralav.; ab. pladim u. s. w. hat sich 
selbständig auf b. Boden entwickelt Eine zu gekünstelte Er- 
klärung dieser Formen gab Sachmatov« (Izv^ja 6, Hft 4, 
'S. 290—- 292). Dazu verleitete ihn seine Theorie des urslav. e 
überhaupt 

Im Serbokroatischen weist das östl. Gebiet einfach einen 
€-Laut auf: big, bizati, das westL für ein fallend betontes e ein 
ije : bljeg^ für ein steigend betontes ein ß : mfisto ; vor Vokalen, 
vor j und dj ein t : bio neben btj'd. Im Kroat und Öak. vor- 
wiegend ein % (vgl. auch Jagic Afsl. PhiL 6, S. 82 f.). 

Einzelne Ijrscheinungen sprechen auch hier noch für die 
-einstige offene Aussprache des e. Diese hat sich insbesondere 
auch nach r (vgl oben im Aksl.) behauptet, so arah ,Nuß' für 
AksL orichz, vgl. preuß. reisia ,Nuß' in buocareisia (Bruchecker), 
lit rhzutas, lett r!A»fo; weiter prama neben prema ^gegenüber^. 

Im Slovenischen ist das betonte ^ (auch wenn sekundär 
betont) ein geschlossenes §, woraus in den Dialekten ^ und ai 
werden kann, z. B. kolfno, äavfka, mit verschobenem Akzent: 
potr^ (Stok. potreba)j pov^ u. s. w., dann auch i und ie (in 
Kärnten). Man kann in dem geschlossenen e nicht etwas Urslav. 
sehen, vielmehr ist es aus ie entstanden, indem das {-Element 
zwar schwand, aber dem e seine enge Aussprache verlieh, was 
man sonst auch beobachten kann. Daß das enge e nicht uralt 
ist, dafür spricht das im Elämtnerischen vorkommende ie, das 
doch nur auf ein offenes 6 zurückgehen kann. Gerade auf diesem 
Gebiete haben sich auch noch andere ältere Eigentümlichkeiten 
erhalten (vgl z. B. die Gruppe dt). Das e» scheint erst aus dem 
Terengten e hervorgegangen zu sein, weil wir eine analoge Er- 

5* 



68 

scheinung auch in den rom. Sprachen (ygl. oben S. 54) bemerken» 
können. 

Daß das e ursprünglich im Slov. auch eine offene Aussprache 
hatte, dafür spricht noch das Suffix der Stoffiuyektiva -^n z. B. 
Ifs^n^ mesqn, led{n, avs^n, polnqn, vod{n, zUtt^n u. s. w. Da 
es dem aksl. "im entspricht, sollte das e nach der allgemeinen 
Regel im Sloy. geschlossen sein. Es ist nun wahrscheinUcher^ 
daß sich hier eine alte, ursprüngliche Aussprache des e unter dem 
Einflüsse der Parallelbildungen wie aksL kozam u. s. w. erhalten 
hat, als daß ein SufiBx -en mit einem geschlossenen e dieses erst 
in ein offenes yerwandelt hätte. Dieses alte Suffix -^n verdrängte 
dann selbst auch das -an nach Palatallauten; agn{n, koz^n^ 
sn^n, rozqn^ kosd^n, p^d^n u. s. w. 

Das e im Russischen. Im Großr. ist jetzt das e dem e 
gleich, indem beide die lautliche Geltung des je haben, wobei 
das j auch die Erweichung eines vorhergehenden Kons, aus- 
drücken soll, z. B. m^a ,Maß' ist als mjira, delo ,Geschäft, Werk^ 
als djäo oder besser däo auszuspredien. Ebenso im Anlaut: 
emb ,es8e^ als jem. Nun findet man auch schon in den ar. Denk- 
mälern, daß diese beiden Laute verwechselt werden. Allerdings 
sind die ältesten in dieser Hinsicht noch ziemlich genau (im 
Ostrom. Evang. findet man etwa nur eine Abweichung: nestt st 
n^ft). Man kann darin einen strengeren Anschluß an die südslav. 
Vorlagen sehen. 

Es wäre aber doch voreilig, daraus zu schließen, daß diese 
beiden Laute auch im Ar. identisch waren. Sie waren hier viel- 
mehr geschieden. Während nämlich, wie wir sahen, das e unter 
bestimmten Bedingungen zu o werden konnte (vgl. S. 40), ist dies 
bei e nicht der Fall. Wenn jetzt im PL gnezda als fftUzda 
,Nester', sedla als sjödla ,SatteP, zvizdy als zvjozdy ,Steme^ und 
cvelb als cvjal ,blüteS obreb» als abrjol ,£a,nd' ausgesprochen wird,, 
so ist das eine spätere, durch die Analogie hervorgerufene Er- 
scheinung. 

Für die Verschiedenheit der beiden Laute im B. spricht noch 
ein anderer Umstand. Während das e im Klr., wie wir sahen 
(S. 42), meist gebUeben ist, ging hier das e in ji über, wobei J wieder 
die Erweichung des vorhergehenden Kons, ausdrücken soll. Diese 
Tendenz des e zeigt sich aber auch im Nordgroßr. und zwar 
speziell im Novgoroder Dialekt Es muß also angenommen 
werden, daß das e überhaupt im Buss. eine mehr geschlossene 



Aussprache aufwies als das e. Wie ist sie nun zu erklären? Im 
Elr. ist neben e auch das gedehnte e za i geworden (8. 42), 
während das e unverändert blieb. Daraus folgt, dafi insbesondere 
•das lange e verengt, das kurze aber als ein mittleres oder mehr 
ofienes ausgesprochen wurde. Es muB also auch das e, da es zu 
I führte, verengt ausgesprochen, folglich auch lang gewesen sein '. 

Die Länge dieses Lautes könnte aber dadurch erklärt werden, daß 
der nrtlay. diphth. Laut ü zu i«, Je monophthongiert wurde. Das j er- 
weichte die vorhergehenden Kons. Das war su einer Zeit, als die urslav^. 
Verbindungen dja, ija u. s. w. schon längst die spezifisch r. Färbung 
z. B. «rft» jdas Licht* aus *»vH;a angenommen hatten. Jetzt hatte das 
J nur eine erweichende Wirkung. Das längere e wurde derartig verengt, 
dafi es auf den zwei ron einander getrennten Gebieten zu t wurde; die 
Ton früher her bestehende Erweichung der vorhergehenden Kons, blieb 
natfirlich unverändert. Die ältesten ganz sicheren Belege f&r das t aus 
i haben wir aus der zweiten Hälfte des XUI. Jhd. und aus dem XIY. Jhd. 
z. B. cTt/o, sdvSdüei'by das besonders auffällt. Seit dem XIV. Jhd. auch 
als Merkmal des Novgoroder Dialektes. Wir haben oben S. 40 gesehen, 
daß auch das e eng war und infolge dessen zur Erweichung der vorher- 
gehenden Konsonanten fQhrte, aber der Grad der Verengung wird bei s 
nicht so bedeutend gewesen sein wie bei i. Daher erklärt es sich, dafi 
zwar V, nicht aber i zu 'o werden konnte. Der Hauptnnterschied war 
aber wohl die verschiedene Quantität. Dort, wo er allmählich verloren 
ging, konnten die Laute zusammenfallen, was wir eben auch in den Denk- 
mälern bemerken. Die Quantität konnte wohl am leichtesten im Auslaut 
Terloren gehen und daher bemerken wir in den Hss. ein Schwanken z. B. 
zwischen dem Gen. Uhe und den Dat. Lok. iebi hinsichtlieh der e-Laute 
<z. B. ^ tehe st. ib iM und iz tebi st. «b tM); Sbdi st. Sbde Jiier' u. s. w. 

Es ist auffallend, daß auch in den Hss., die auf klr. Grebiet hin- 
weisen, Verwechslungen des e mit i Torkommen, während doch hier diese 
beiden Laute nach dem jetzigen Resultat geschieden sind. Das kann 
vielleicht so erklärt werden, dafi das Gebiet des praejotierten « einst viel 
größer war und sich auch teilweise auf das kleinr. Gebiet erstreckte, wo 
es dann wieder Ton dem mittleren « verdrängt wurde (vgl. S. 42). 

Wir maßten nun annehmen, daß das e im R. ein geschlossener 
^Laut war. Das kann aber nicht aus dem Urslav. herrühren, 
denn sonst würden wir nicht begreifen, warum erst im XUI. Jhd. 
daraus ein i werden konnte ; diese Stufe hätte sonst schon früher 
erreicht werden müssen. Dazu kommt noch ein anderer Umstand. 
Das Suffix 'SfTb aus -eno der Sto&djektiva taucht schon in den 
ältesten r. Denkmälern in der Form -jam auf. So im Ostrom. 

1. Hierbei handelt es sich um eine monophthongische Länge, 
4enn als »diphthongischer Laut war das ^ an und fQr sich ursprünglich 
lang. 



70 

Ev. kamjam ^teinernS trbfyam ,Domen-'; jadbnjam ,GerBten-*;^ 
im Sbomik y. J. 1073 kamjanami u. s. w. (vgl. Jzv&tija 6, Bd. 4. 
8. 283). Jetzt auch nur -jam : gUnjanyj ,tonemS ovsjdnyif 
»Hafer-S steüjdnf/j ^gläsern' u. & w. Das ist offenbar nur so zu 
erklären, daß hier die urspr. Endung -^2» von ihrem Reflexe nach 
Palatalen yerdribgt wurde , wie aksl. usmjam yCoriaceus', r. ka- 
icmyj ^edern^ u. s. w. Das kann aber nur dann möglich gewesen 
sein, wenn die Endungen einander auch noch näher standen^ 
d. L wenn das ^ in em offen war und sich dem ^am näherte. 
Das war also wohl die älteste Geltung des <^ im B. und 
daher die Verdrängung des im schon in den ältesten Zeiten.. 
Später, etwa nach der zweiten Hälfte des XI. Jhd. wäre sie 
nicht mehr möglich gewesen. 

Ein anderes Wort, das auch die älteste lautliche Geltung 
des ^ im fi. beleuchtet, ist prjdfno ,gerade^, prjamöj ,gerade, wahr',, 
aksl. prSmo, prirm. Auch diese Formen finden wir schon in den 
ältesten r. Denkmälern, so im Sbom. v. J. 1073 prjamb u. s. w» 
Man macht hier zwar darauf aufmerksam, daß von prjamo^ 
welches unter dem Einflüsse von kamo, tamo entstanden sei, aus- 
zugehn ist, wie ja auch großr. sjam aus s^ unter dem Einflüsse 
von tatm entstanden ist (klr. sim, ar. simo, slov. semo), Analog^ 
auch das in mittelbg. Denkmälern häufig auftretende samo st. 
semo und zwar haben wir es schon im Supr. einmal: samo 95. 27. 
Aber auch diese Beeinflussung war nur dann möglich, wenn die 
beiden Laute — das ^ und a — einander näher standen, d. h. 
wenn das ^ offen war. 

Analog sind auch die ar. Imperfektformen wie bjaachu, zif^ 
jaaäSf idjaaie im Ostrom. Ev. neben aksl. beadkb, ziveackh, idkbcivh 
u. s. w. zu eridären. In den r. Originaldenkmälem haben wir 
budjaie, sjadjaie u. s. w. (vgl. Izv&t 6, Bd. 4, S. 289). 

Im Polnischen wird i im Auslaut zu ie (e). Im Inlaut 
und Anlaut vor harten Konsonanten zu ia (a), vor erweichten 
bleibt ie: Lok. Sg. d^lne zu dqb ,Eiche', aksl. d<;^; toe mgle ,im 
NebeP zu mgla, aksl. mhg^; Dat Sg. wierze zu toiara ,Qlaube',. 
aksL vkri; Um ,WaldS aJcsl. lesh; siano ,Heu^ aksl. seno, umtat 
,er Verstands aksl. umeh, dagegen umidi ,sie verstanden', w iwieUe^ 
4m lichte' zu iwiatioj aksl. svSÜo; to lesie ,im Walde' zu Zoa/ 
j<id^ jedziesz ^ch fahre, du fährsf , aksl. jadq, jodest; ebenso da» 
Iterat jada6; dagegen jem, jemy ,ich esse, wir essen' (offenbar 
nach jesZf jede). 



71 

Wenn es jetzt heißt styszdi ^e hörten', lezdi ^e lagen' zu 
slyszal ,er hörte', leial ,er lag', dagegen aksl. dyddb>, dyMi, ebenso 
Infi sbfgzeS, leieS, aksl. dagegen dyMi, lezati etc., so darf man 
in dem p. e nicht einen älteren Reflex des urslay. 9 suchen. Es 
liegen hier vielmehr mannig&che Analogiebildungen und Aus- 
gleichungen vor. Verba wie vidzq ,ich sehe', widzisz, uridzie6, 
widzial, widzidi beeinflußten ein älteres *8hfsza6, ^slyszali. 

Zu den Abweichungen gehört auch der Lok. Sg. w sianie st 
*8ieme zu siano ,Heu'. 

Im Inlaute bleibt das e manchmal, besonders vor Guttu- 
ralen und Labialen: dieser Prozeß ist nämlich so zu beurteilen 
wie der Übergang des e in o (vgl. S. 43), d. h. es ist auch eine 
Art Yerdumpfung des e-Lautes. Daher: änieg ,Schnee', chlA 
ßrotj biegl ,er lief; im Ap. war noch dziaio ,opus', vom Lok. 
dzide aus ist auch ein dzido entstanden, das jetzt gebräuchlich 
ist (daneben dzMo ,Kanone'). Jetzt haben wir bieda ,Elend', aber 
hiada ,wehe'; daß es sekundäre Differenzierungen sind, liegt auf 
der fland. Ursprünglich war im Ap. nur hiadaj aber unter dem 
Einflüsse des Dat Lok. biedzie ist auch ein bieda entstanden. 
So ist auch cena ,IVeis' zu beurteilen. 

Die nur im Apoln. mit dem e-Yokalismus vorkommenden 
Formen neben den lautgesetzlichen (welche bis heutzutage im 
allgemeinen Gebrauch sind): poteiedad, adpatpiedaS, opowiedaS, 
frz0powieda£ .... neben pawiadaö, odpowiadad, opoteictdaS, prze- 
powiadaö; spowiedaö 8%^ neben spouncidaö si^ (Ps. fl. 229 etc.); 
weiter apoln. obida, obietawaö . . . neben obiata, obiatowiU und 
zwiestow(i6 neben zwi^Mtowaö — hält v. Ulaszyn mit Rücksicht 
darauf, daß sie besonders in den ältesten Literaturdenkmälern 
vorkommen, mit Recht für Bohemismen (vgl ab. poviedati, zpo- 
viedatif obitovati, zvestovati (Über die Ebitpalatalisierung u. s. w. 
S. 73 f.). Dagegen* kann man mit ihm nicht übereinstimmen, 
wenn er die poln. Iterativa -cierad, -dzierctc, "fnieraö aus -tirath 
'diratb, -mirath ableiten möchte (S. 2—3), weil er übersieht, daß 
wir schon im Ab. ausschließlich solche Iter. haben. Unter dem 
Einflüsse der Praesensformen wie bierzesz, bierze, bierzemy u. s. w. 
behauptete sich auch -bierasz, -biera u. s. w. Waren einige 
solcher Iterativa derartig fixiert, so zogen sie auch die übrigen 
an (vgl. oben 8. 36). So gibt uns das P. wichtige Anhaltspunkte 
zur Beurteilung des einstigen e. Das P. spricht also ganz ent- 
schieden für einen offenen ^-Laut. Es kann noch gefragt werden, 



72 

ob z. B. in IT itoietU das ie auf ia zurückgeht, oder ob es der 
direkte Forisetzer des ^ ist Jedenfalls müssen wir das letztere 
Toraussetzen, weil wir bei ursprünglichem a etwas derartiges nicht 
beobachten. 

Die Erweichung der Eons., insbesondere der Dentale, ist 
wohl so zu Stande gekommen, daß das urslav. i« zu i!?, /? ge- 
worden ist, wobei dann das j so wirkte wie das urslav. j : dzielö, 
dziaio, aksL dÜo; uridzidi, widziai^ aksl. vidMi, vidäh, cielisty 
,fleischig', ciaio ,Leib', aksl. täo u. s. w. also ganz analog wie 
z. B. pr^dza ,Gam' aus urslav. *pr^ja, äwieca Jüciiif aus urslav. 
*svS^a, Analog haben wir es auch bei urslav. e beobachtet: 
idz98z ,geh8t', aksl. ideH, dötka, aksl. tetbka ,amita'. Dort, wo 
das i^ wegen der nachfolgenden weichen Silbe nicht in ia über- 
ging, nahm das 9 eine mehr geschlossene Aussprache an und 
näherte sich dem B^flexe des urslav. e. Nachdem die Quantitäts- 
unterschiede verloren gegangen waren, unterschied es sich nur 
durch eine bestimmte Nüanzierung (vor Weichlauten, wo es über- 
haupt bUeb). 

In äroda ,MittwochS aksl. sreda; brzoza ,BirkeS aksl. br^za; 
irödh ,QueUeS aksl. zräo; trzoda jHerde' (aus ^czrzoda)^ aksl. 
dreda; tdok^ ^ch schleppe', aksL vlekq u. s. w. haben wir es mit 
nrspr. e zu tun. 

Das EaSubische geht meist parallel mit dem F.: las ,WaldS 
poln. las, V lese (BamuU, Slown. XXUI), aber auch lose; mjara 
,MaßS p. miara; mjasto ,Stadt', p. miasU>; iari ,grauS p. szari/, 
aksl. sirh. Dann äneg ,SchneeS p. Mieg; bjida ,Not', p. bkda 
{biada ,wehe!'); mjesac ,mischen', p. mieszad. Mit Verlust der 
Erweichung: ee:Aö ,Schatten', p. cief/i. Vor i behauptet sich ji: 
mjSi, p. micti ,hatte^; wumjH, p. «m»a^ , kannte' u. s. w. (S. XXII). 
Im Slovinzischen: Idiäc ,umherfiiegen', 'p.latad; mjäsio ^taAt, 
p. miasto; lato ,Sommer', p. lato; las ,wald', p. las, ka§. las; 
mjära ,MaßS p. miara. Die sekundäre Dehnung dieses Lautes 
ergab |(%f : Id'^iq ,fliege umher^ zu lätäc; gvjä'^zdä ,StemS p. 
gwiazda, kaä. gvdzda, aksl. zv^zda. 

Sonst als ie, wenn es kurz ist; wurde es nachträglich ge- 
dehnt, ging die Jotation verloren und das e wurde verengt («'), 
woraus vor Palatallauten Si entstand (vgl. S. 67): stf'ieUc, aber 
sti-eh^ ,schießen', p. strzeiiö; mßßääCf aber nifiiq ,mischenS p. 
miesza6; bßßgäc Raufen', p. biegaS; sAeg (aber auch SfiSsig) sAiegu 



73 

^Schnee'y p. snieg; rika JBbiß*, p. rzeka; gr^^i ^ündig^, p. 
grzesznjf; fiföka ,flüfichen*, p. rzeäUcüj unlaY. reöbka. 

unbetont ist es als Kürze im Inlaut durch e, im Auslaut 
durch ä vertreten: C€nä'^ ,SchattenS p. defiij urslav. *tenhja, 
seAfnS ydas Hauen', p. sieczenie, urslav. se^emje; Dat. rqcä ^der 
Hand', p. r^, aksl. rqei. 

Im allgemeinen können wir also sagen, daß hier der Stand- 
punkt des P. gewahrt wird, nur hie und da sind weitere Neue- 
rungen im Gegensatz zum P. aufgetaucht Älteres kommt hier 
seltener vor, wie z. B. das zuletzt erwähnte rqcä, das noch einen 
offenen ^-Laut aufweist 

Im Sorbischen hat sich das e in betonten Stammsilben 
erhalten und zwar regelmäßig vor den harten, seltener vor den 
weichen Konsonanten (Mucke, Gr. § 37): ns. beg, os. beh ,Lauf, 
aksl. begrb; ns. gnezdo, os. hnezdo ,Nesf , aksl. gn&sdo; ns. gr^, 
os. hr^ ,Stinde', aksl. grMit; ns. gwezda, os. hwezda ,StemS 
aksL zvezda; ns. j^ ,8prödeS os. jiry ,bitter', aksl. jarb; ns. jed, 
OS. ßd yGiff, aksL jcuib; ns. u. os. mera ,Maß'; ns. rec, os. rid 
ySprache', aksl. rScb. Das ^ ist im Sorb. = Siev. i^e* (es setzt 
an mit einem geschlossenen i^ und klingt aus in ein offenes e*; 
das i wiegt vor); das ist offenbar der älteste Zustand unseres 
Lautes im Sorb. 

Folgt in betonter Silbe auf das i eine weiche Silbe, so wird aus 
i ein geschlossenes Je (geschrieben j^)y was mit einer £penthese, von der 
hier Mucke spricht (§ 40) nichts zu tun hat; es ist eher eine Assimi- 
lation: ns. chn^il, os. khny'U ,HopfenS aksl. ehmilb\ os., ns» jtfet^'iz «Geld*, 
aksl. phn^. Doch kann man auch große Schwankungen bemerken: ns. 
mjMi, neben fiUfntV ,meinenS os. mini6, aksl. miniti; ns. wü^i «wissen^ 
OS. tojedidc, wjedio, aber auch whn^ wü u. s. w., aksl. vidHi, 

In unbetonter Silbe wird i in der Begel zu je (nur in Zusammen- 
setzungen und Ableitungen bleibt i, wenn das Stammwort noch vorhanden 
ist z. B. naiHo, weil l&o): ns. kupjila, os. kupjSl ,Bad', aksl. kqpUb; ns. 
nj4£ela, os. njidiAi ,Sonntag*, aksl. nediffa; ns. fnjedwjez, os. mjidwjM 
^ftr*, aksl. fMdv^db-, ns. UM, os. UM «fliegen*, aksl. ktHi, 

Das ^ kann auch offen (lO werden : ns. dowjUk^ os. clouj^k ,Men8ch', 
aksl. eiov2A»; ns. hohj¥d, os. wohj^d ,Malzeit*, aksl. olMh^ ns. zeUhOy os. 
Mizo ,£i8en', aksl. Mho, Insbesondere im Auslaut : ns. pizdiü, os. poz» 
dzS ,8pät', Dat. Lok. mnß, iilui'. 

i wird t im Ns. Diese Verengung ging von betonter geschlossener 
Silbe aus (das i hat gedehnte Aussprache =s Siev. t^): gniw ,ZomS aksl. 
^9», danach gniwny; kwä neben kwU; Up (%») ,Yogelleim'; nicht neben 
fiiehi , Jemand', aksl. n&aito\ tpito ,Gesang', aksl. «p^, danach tpiwny, 
jptwoi. Weiter auch pariz parfez ,Haudegen*, aksl. park». 



74 

Im Os. wird ^ vor y («) zu i: so in der KomparatiTendang -üi aus 
-i/'it, ^'ii (ns. '-4;*0 z. B. jasnüi ,heller* von fasny ,hell' ; wolij ,Ö1*. In 
Dialekten geht überhaupt jedes urspr. geschlossene e im In- u. Auslaut 
in t über. 

So sehen wir, daß im Sorb. der älteste Zustand eines offenen 
e auch noch bewahrt wurde , wie bei big, heh u. s. w. Vielfach 
ist hier jedoch das e von e beeinflußt worden und da dieses ge- 
schlossen war (vgl. S. 45), so wurde auch e verengt, ja, in einigen 
— allerdings seltenen — Fällen erreichte die Verengung sogar die 
«-Stufe und zwar selbst auch beim urspr. e. 

Bei der Bestimmung des ^ im Böhmischen* kommen uns 
die ab. Denkm. zu Hilfe. Aus ihrer Orthogr. können wir schließen,, 
daß sowohl im langen wie im kurzen e ein i-Element und ein 
e-Element vorhanden war. Das Vorhandensein des i-Elements 
folgt daraus, daß bei e im B. nicht eine Erweichung des vorher- 
gehenden d, t, n stattfindet, wohl aber bei i: ni wird als üi aus- 
gesprochen, di als di u. s. w. Dasselbe bemerken wir bei e und 
seinen Reflexen: dtte ,Kind^ (spr. düi)f aksl. det^; däati ,machen^ 
(spr. ddaii). Das kann nur durch das »-Element hervorgerufen 
worden sein. Die graphische Darstellung der lautlichen Geltung 
unseres Vokals bei seiner zweifachen Quantität ist schwer. Ge- 
bauer entschied sich bei kurzem e für e, bei langem « für ie. Nun 
sprechen aber die lautlichen Erscheinungen, wie wir sehen werden, 
dafür, daß das «-Element im zweiten Falle lang war. Ich würde 
daher lieber für das kurze e ein ie, für das lange ein iß (bez. im 
Sinne der b. modernen Orthogr. ein ii) vorschlagen. Urb. war 
allerdings nur ii für urslav. e, die Kürze entstand daraus nach spez. 
böhm. Regeln wie überhaupt auch bei den anderen urspr. langen 
Vokalen ; das ältere ie behauptete sich vielleicht länger nach j. 

Das i-Element geht vielfach verloren (Schwund der Jotation)» 
So können wir im Ab. kein U, sondern nur le nachweisen (vgl. 
auch im F. len, leniwj/; ap. lanoäd aber auch lenoäd, lenowa6 si^. 
Besonders im Laufe des XIV. und XV. Jhd. geht je, ne, de^ 
ie in je, ne, de, ie über, fast gleichzeitig auch ze, ai, di in ze, se, 
de, dann r^, ze, si, ci in re, ze, se, ce. In langen Silben scheint 
sich die Jotation länger behauptet zu haben, allerdings nur dort, 
wo die Verengung, von der wir gleich sprechen werden, über- 
haupt nicht früher auftrat. 

Statt des langen e (eig. /?, Gebauer ie) taucht uns schon 
Ende des XIU. Jhd. vereinzelt ein i auf. Dieses wird im Laufe 
des XIV. und XV. Jhd. häufiger und um die Mitte des 



75 

Xyi. Jbd. ist es allgemein: hHch ySünde', aksl. grechb; nUra 
^aßS aksL m^a u. s. w. Grebauer erklärt dieses i aus ie 
(S. 191, vgl auch S. 204). Allein diese Erklärung ist kaum 
richtig; sie bringt eine gewisse Verwirrung in die Darstellung des> 
e und e in seiner Grammatik. Es ist viel wahrscheinlicher, daß^ 
der Übergang des langen e iu i mit der Verengung des langen 
e-Lautes überhaupt zusammenhängt Es ist ja auffallend, daß 
sie zeitlich mit ihr so ziemUch zusammenfallt (vgl. S. 47). Nur 
scheint es, daß sie bei langem e früher begonnen hat, da wir 
Belege dafür schon aus der Zeit um 1300 haben, dagegen für i 
aus a (oder nach der b. Orthogr. i) aus dem XTV. Jhd. Auf 
diese Art begreifen wir auch eher, warum in weichen Silben statt 
des langen 6 ein ie auftritt, statt rid ein fiect (vgl. S. 47). War 
aus dem iis ein / infolge der fortschreitenden Verengung des 9 
geworden, so ist das i vor dem i verloren gegangen. Vor e be- 
gann es dann auch gleich zu schwinden, wie wir eben sahen. 
Im B. ging auf diese Art ein analoger Prozeß wie im £. vor 
sich. Es ist demnach auch im B. die Verengung des e erst ein 
Produkt des Sonderlebens der Sprache. Im Slovak. ist die 
Länge (als ie geschrieben) geblieben: dida ,Eind', viera ,Glaube^ 
im Gregensatze zum kurzen e: deti (spr. ddi^y verü u. s. w. 

Wie schon erwähnt, ging nach l die Jotation in vorhist Zeit 
im B. verloren, indem das l erweicht wurde. Das e konnte dann 
auch (dialektisch) in a übergehen: älapati ,treten', ab. noch ilepif 
,vestigium^, aksl. aUpati, dSpljq ,salire'. Vgl. auch slovak. bl'ady, 
b. bledy ,blaß^; l'anjf, b. lep^ ,link8'; priam, aksL pretm ,rectu8^ 
(vgl. s. pramo und r. prjamo), priamo, priamosi u. s. w. zlab- 
neben zieh ist auch nicht anders zu beurteilen, wie wir bei der 
^€r^Gruppe sehen werden. 



Ursprung des Lautes. Als ein urspr. langer Vokal geht 
a auf ein ursprachliches ä oder ö zurück. 

1) Ein a liegt vor in: aksl. bajq, bajati ,fabulari', basnb 
,fabula, incantatio', serb. bajixti, lit böju, böti ,wonach fragen, sich 
kümmern^ lat fäma, färi, gr. (jpöju/ ,ich sage', ^ofca ,Stimme,. 
Sage'; aksl. bratrh ,Bruder', lit braterelis Dem. ,BrüderchenV 
briliSf preuß. brdii, got. brößar, lat. f räter, gr. q>QmwQj q>(faTi]Q; 
aksl mati, s. mati, b. mäti ßfutter', lit mate ,Weib, Frau', preuß. 
müii (nach Labialen wird ä zu ä), lat. tnäter, gr. fiaiijQ; aksl. 



76 

kah ,Kot, Schmutz^, \sk%.osligo, gr. x^X/$ ,FIeckS si.kälas ^hwarz'; 
aksl. kaiVh, kaaU'h ^Husten^ aus *qädio, lit. kosulys, an. hidi, 
shd.huosto, ai. koaate ,er hustet'; aksL statt, stanq, b. stdti, stanu, 
8. stati, stanSm ^sich stellen, consistereS lett. sUÜ, got stof ,ich 
Stands lat. stä^e, gr. i-arfi^fii. Hierher auch aksl. stam ^Stand^ 
8. stän ,WeberBtuhl, Wohnung*, b. stan ^Standort, Wohnung*, lit. 
9t6n(M ,StandS gr. dor. dvatävog ^m schlimmen Stande, unglück- 
lich*, ai. sthänam ,Standort, Platz*; aksl. tath ,Dieb*, aus *ta'4is 
oder eig. *täitf8 (Schwund des i vor einem Konsonanten in einem 
Langdiphthong, vgl. S. 19) urspr. ,die Verheimlichung* (Brug- 
mann Kurze vgl. Gr. S. 334 und 78), air. täni, ai. tätfüf ,Dieb*, 
{^. dor. TäTaojuai 4ch bin beraubt, ermangele*. 

Hierher gehört der Nom. Sg. der o-Stämme: aksl. rqka 
^Hand*, lit. rankä, vgl. got. ffiba, gr. x^Q^- Derselbe Stamm 
taucht auf im Dai Instr. Du. rqka-ma, rybcHna, duäoMna, lit. 
rafikom stimmt nicht überein, das ma würde halbwegs dem av. 
-bya (uriran. *byä) entsprechen; Dat PL rqka-tm, rybcMm, 
duäorfm, lit. rafücoms (-miis); Lok. PL rqka-ckb, ryba-ckh, duäa- 
dl^, ai. dsvä-m (•ei'ffa-Äu); Instr. PL rqka-mi, ryha-fni, duSa-mi, 
lit rafikomia, got giböm; Nom. Akk. Vok. PL der neutralen o- 
Stänune: aksl. mistu ,loci*, gr. dcJ^, lat dona. Das ä war be- 
kanntlich identisch mit dem ä des Nom. Sg. der a-Stämme und 
es handelte sich bei den neutralen Formen ursprünglich um Kol- 
lektiva im Sing. 

Auch das a der Yerba der V. Klasse (-a^i) geht auf ein ä 
zurück. So haben wir hier Denominativa wie aksl. iffraU, igrajq 
^spielen* von tgra ,Spiel*, lit päsakoju ,erzähle* zu päsaka ,Er- 
zählung*. Die Iterativa wie b. prddati, serb. predoH, predäm, r. 
prjddath, prjddaju ,spinnen* (sonst meist mit sekundärer o-Beton- 
ung: byvdju, byvdtt), lit brydau, br^doti ,im Wasser stehen* (im 
Lit haben die entsprechenden Yerba meist eine resultative Be- 
deutung); drybauy dryboti; klybau, klyboti u. s. w., im Lett -aju, 
ät iterativ. 

AksL arati ,ackem*, lat ar-are. 

2) In einer frühen Periode ging ursprachl. ö im Slav. in a 
über: aksL damt, dost, dasth u. s. w., wo ein *död' vorliegt, Inf. 
dati, b. ddtiy s. dati ,geben*, lit dü'ti, du' du (alt. dümi aus 
*dü'dfni, wie aksl. damb aus *dödmi), preufi. diUwei ,geben*, dä$e 
,du gibst*, aL dadöii, gr. didwfii; hierher auch aksl. dct^nb, da4h 
,vectigal*, lit dü'tis ,Gabe*, da-rb, gr. dü^Vj lat. dö^um; aksl. 



77 

itvor m. ,zweiS Ut. du aus dlt^^ gr. drcu, lat duö, ved. dvef; akd. 
yV^^t s* figoda »Beere', lit A'^ra yBeere*; aksl. jar» Adjekt 
^Frühlings-^ vgl. gr. uqog Jahreszeit, Jahi^; aksl. po-jash ,GürtelS 
lit j€k8ta, gr. I^u^xog^ av. yästa »gegürtet^; s. ja^hi^ r. /a^n», p. 
jesUm und /m^^, ab. jisen, nb. jasan, os. ja«^ ^Esche^, lit ö m, 
lett. dms. 

Femer gehört hierher die aksl. Präp. na ,aur und Präfix no-; Hirt 
Btellte es mit lit. nu, preuß. im, no und gr. arm und tfra zusammen (Abi. 
Nr. 306, 8. 92), ebenso bei Berneker: lit fuT, gr. &a>, aksl. na, preuß. 
na ^emäß', häufiger no mit o für a (Die preuß. Spr. S. 151 und 309). 
Allein man muß das lit nu wegen der abweichenden Bedeutung (mit 
Gen. ,Ton — herab*) trennen, worin sich auch das preuß. anschließt So 
wird man dann mit Brugmann (Kurse vgl. Gramm. § 602) aksl. na zu 
ar. ana ursprgl. etwa ,an einer Fläche hinauf, hinan*, gr. Sra, dvä, dp, 
got. ana ,an, auf, ahd. ana, an und vielleicht auch lat. an- in ariSiSre 
stellen können; dazu würde auch lit andt(e) mit Gen. ,entBprechend, 
gemäß' gehören. Allein als eine ablantliche Variation wäre das slav. tut, 
wie 6. vorauszusetzen scheint, nicht zu erklären. Wir müssen vielmehr 
auch fürs Slav. zunächst von einem ana ausgehen. Das ergab im Slav. 
ono, das zu nd führte, so wie z. B. aus celoviko- ein *clöviko', das dem 
polab. clav'tk zu Grunde lag, entstand (andere derartige Fälle werden 
weiter unten bei der tort-, <«r<-Gruppe angeführt; hierher gehört auch 
kamy aus *kömön und dieses aus *okomön). 

Aksl. nagb ,nacktS s. nag, lit nü'gas; ueben pro (aksl. nur 
als Präfix, in den anderen slav. Sprachen auch als Präpos.), lit 
pra, got fror, lat pro, gr. Ttqo haben wir in Zusammensetzungen 
mit Subst. pra- aus *prö, z. B. pra'dM^ ^proavus^, prthottcb 
»Urvater*, pravhnukb ,pronepos' u. s. w. Auch im Lit pra- und 
pro Präp. mit Akk. ,vorbei, durch', lat. pro (pröd wahrscheinlich 
nach retrö{d), red und and. Brugmann Kurze vgl. Gr. §610, 1). 
Mit pro- und pra- vgl. sq- in sq-sedh ,Nachbar' und sb, q- in 
qtzkh und rz u. s. w. (vgl. Verf. in BB. 29, S. 211). Ganz analog 
auch po .nach' undpa- wieder in Zusammensetzungen mit Subst: 
pam^ ,GedächtnisS pastorhkb, pastorbka »Stiefsohn, Stieftochter^, 
lit ebenfalls pd mit Akk. ,über — hin, entlang' (auch mit Dat 
und Instr.), ebenso pösunis ,Stiefsohn', dameben paszalna ,Nach- 
frost^, pcHDokare ,Zeit gegen Abend', pchvpdas ,Neid'. Wegen 
des Lit kann man nicht von einem *pos ausgehen (wie es Brug- 
mann 1. c. § 613 tut) — das würde übrigens auch im Slav. 
nicht zu po, pä führen — , sondern von po, pö. Dieses wurde 
dann mit s weitergebildet und hegt vor im lit pä8 mit Akk. ,an, 
bei', ai. pascdd mit Abi. und Gen. ,hinter, nach', vgl. lit paskul 



78 

Adv. ^hinterher, darnach^ und dieses *po8^ *pö8 (wie po — pö, pro 
— pro) liegt auch im Slav. vor, allerdings nur in Zusammen- 
setzungen mit Subst. (wo also *pö8 vor allem zu erwarten ist): 
aksl. pazderb, doch auch pozderh^ b. pazdeH ^stupa' (zu derq 
zupfen, raufen'), aksl. paznoffbh ,Elaue^ Hierher auch aksl. pozdh 
sp^Vy Adv. pozdi ^tkV't aus *po8 + dz, das auch in predz ,voi^ 
aus per + dz und nadz u. s. w. vorliegt Vgl. auch preuß. pans- 
dau ,postea' (worüber IF. 2, S. 215). 

Aksl. zfuUi ^kennen, wissen', gr. a-yrtavy vgl. auch lit zinöii 
.,wissen'. 

Hierher gehört yielleicht auch die Konjunktion aksl. a ,nnd, aberS 
falls ans *dd (Abi. des Pronom. o-, lit. o ,and, aberS ai. ad ,daranf. 
ferner, doch* and parallel damit aksl. t ,und' aas *i (falls dieses geschleift 
betont war, wurde es im Aaslaute za t, ygl. bei ^), ostlit. « (das wäre 
T} ,and, aber* (ygl. Zubaty IF. 6, S. 289 und Miklosich, Etjm. Wtb. 
bei a, Brngmann akzeptiert es auch Kurze vgl. Gr. § 830, aber in 
§ 914 stellt er slav. i zu got. «t, gr. tt, ebenso wie aksl. U zu got. ^«0. 

Ein a aus ö liegt auch vor im Gen. Sg. der m. und s. o- 
Stämme: aksl. vlbka ,des Wolfes', mista ,des Ortes', urspr. -^; 
-eine Ablativendung (im Slav. ist der Ablativ mit dem Genetiv 
überhaupt syntaktisch zusammengefallen, so daß der G^n. auch 
die ablativische Funktion hat), lit. v0co, got. Adv. gcUeikö, ahd. 
güihho ,gleich', lat cito, alat gnaivöd, gr. delph. ßoixto, ai. vfkäd; 

im Nom. Akk. Du. der m. o-Stämme: aksl. vlbka ^e beiden 
Wölfe', dann oba ,beide' (vgl. auch das oben erwähnte dwa ,zwei), 
lit. vWcü, gerü Igerü'-ju, gerü'-judu), gr. ivxw, *ea;, lat rfno, 
-anibö; 

im Akk. Du. des Pronomen pers. in der l.Pers. na ,uns 
beide', gr. vvi (zugleich Nom.), dann der 2. P. va, das auch als 
Nom. und enklitischer Dativ gebraucht wurde. Diese Formen 
wurden dann der weiteren Deklination zu Grrunde gelegt: Gen. 
Lok. na-ju, vchju; Dat Instr. natna, vama. 

Das ö kann durch Dehnung aus einem kurzen o entstanden 
sein und zwar schon vorslavisch z. B. im Aor. pro4>a9b (aus 
^'bödBb) zu bodqy bosti ,stechen', jedoch zumeist erst auf slav. 
Boden, so bei iterativen Verben wie -naiaii aus *nö8jäti zu no8Üi 
,tragen', razdaii ,gebären' zu rodäi; so auch bei einigen Verben 
der IV. Kl. wie palüi ,brennen' zu poleti; doch liegen auch hier 
mitunter ältere Längen vor: aksl. davüi ,würgen', got af-davjan 
,abniatten^, af-dauißs ,erschöpft' mit au aus öu. 

Später ist auch auf slav. Boden aus monophth. ^ (— 9) nach 



79 

palatalen Konsonanten ein a entstanden^ z. B. aksl. dyäati ^hören^ 
gegen videti ^hen^; aksl. p(hzarb , Brand' aus *gSrO', *zSro vgl. 
ger in aksl. zeravh ,glühendS gr. S^egfiog (hinsichtlich des an- 
lautenden Konsonanten vgl. aksl. zeUti ^wünschen' und gr.^eiUu), 
dazu gareti ^brennen^ lat fomax. 

Veränderungen des a auf slav. Boden. Hier muß zu- 
nächst der Umlaut des a im B. hervorgehoben werden. Im Böhm, 
geht o und d — und zwar auch das aus ^ entstandene — nach 
weichen (palatalen) Konsonanten (es kommt hier: j, d, i, ii^ z, S, 
c, e, r m Betracht) in ^, t^ (langes ^ über und zwar im absoluten 
Auslaute oder vor einem ebenfalls weichen Konsonanten, bez. vor 
einer Silbe mit einem weichen Vokal (e, i, lusprüngliches oder 
aus h entstandenes e) z. B. ab. duii, jetzt duSe^ aksL d%^ ^Seele'; 
ab. dyiäly aksL dyiahy dazu Plur. ab. dyieli, nb. slyidi ^e 
hörten^ aksl. dySali, Statt des ab. slyätU sagt man aber jetzt 
tfuch slyid, d. h. es wurde hier nach dem Plural ausgeglichen. 
Es üemden überhaupt in dieser Hinsicht mannigÜEudie Ausgleich- 
ungen statt So wurden nach duäe alle anderen Kasus, die auch 
ein a enthielten (vgL oben S. 76) modifiziert, also z. B. im Dat 
PL aksl. duäatm, aböhm. duidm, dann duHem, jetzt duMm; im 
Lok. Fl. aksl. duäachz, ab. duidch, dann duiiech, jetzt duHch. 
Doch kamen hier auch noch Kasus vor, in denen der Umlaut 
lautlich berechtigt war, so im Instr. PI. aksl. duiami, ab. zunächst 
auch duiami, dann duiimi, jetzt dusemi. Auf diese Weise konnte 
es sehr leicht zu einer Ausgleichung kommen, wobei jedoch die 
alten Quantitätsverhältnisse gewahrt blieben. 

Dieser XJra]aat macht sich im Laufe des XII. Jhd. in den Dialekten 
▼on Böhmen fi^ltend, die Anfänge reichen jedoch wohl noch in die zweite 
Hälfte des XI. Jhd. zurück (dieselhen kann man schon in den stark mit 
Bohemismen versetzten Praii^er Fragmenten heobachten, ygi. Verf. »0 
pftvodu Kijeysk^ch zl. u. s. w. S. 60—61, 76). In den mährischen Dia- 
lekten drang der Umlaut nicht durch; wenn ihn ab. in Mähren ge- 
schriebene Denkmäler aufweisen, ist es der Einfluß der aus Böhmen her- 
rührenden Originale und der anf den Dialekten in Böhmen basierenden 
Schriftsprache Oberhaupt (vgl. auch 1. c. 8. 61). Ebensowenig finden wir 
ihn im Slovak., ein Beweis, daß auch hier die Entwickelung der (T-, •- 
u. s. w. Laute einen anderen Weg ging, denn dieser Umlaut kann nur 
ans der Eigentfimlichkeit der erwähnten palatalen Konsonanten erklärt 
werden. Daß hiebei der deutsche Umlaut ehraß — ehrefti auch von 
einem gewissen Einfluß hätte sein können, wie angenommen wurde (so 
bei Gebauer, Hist. ml. I 8. 121), ist ausgeschlossen: schon die zeit- 
lichen Abstände sprechen dagegen. Im Ahd. ist dieser Umlaut im IX. Jhd. 



80 

im wesentlichen darchgedrangen und in einigen wenigen spezifisch 
gearteten Fällen war er seit dem Xu. Jhd. durchgeführt. Außerdem ist 
— was vor allem in Betracht kommt — das Wesen dieser beiden Er- 
scheinungen sehr verschieden : im B. muß ein weicher Konsonant vorher- 
gehen und das Resultat ist ein i, worin eben die Wirkungen der weichen 
Konsonanten zu sehen sind, w'&hrend im Deutschen ganz andere Be- 
dingungen für den Umlaut vorhanden sein müssen; sein Resultat ist 
hier ein c. 

Einen dem böhm. verwandten Umlaut des a finden wir 
dialektisch auch im Bulg. Nach c, z, i, V wird das a im Dia- 
lekte von Sucho (nördlicli von Saloniki) als ä ausgesprochen, also 
gerade so wie das e hier lautet (vgl. Miletiö A&l. Fhil. 20, 
S. 581, Oblak ib. 17, S. 168: zöba, öeäa, dann Maced. Stud. 
S. 28, 30). 

Neben diesem (dem sog. progressiven) Umlaut des a gibt es 
im B. auch einen regressiven, nämlich in den Silben mit -o; 
selbst auch nach harten Kons., so daß hier das j nach rückwärts 
wirkt Eigentlich beginnt man aber schon bei der Aussprache 
des a die Artikulationsstellimg desj zu antizipieren, wodurch das 
a zu a« und schließlich zu e wird. Dieser Umlaut datiert eist 
aus dem XV. und XVI. Jhd., ab. also daj, nb. dej ,gibS PL 
dajte — dejte ,gebetS ab. vajce, nb. f>ejce ,Ei^ (näheres bei Ge- 
bauer 1. c. S. 133—139). 

Es muß hier auch die Eigentümlichkeit mancher slav. Dialekte, 
das a zu werden zu lassen, hervorgehoben werden. Am meisten 
verbreitet findet man sie in den polnischen Dialekten, wo z. B, 
mam ,ich habe^, aksl. imamt, als mom klingt Analoges findet 
man in s.-kr. Dialekten und unter den slov. im Jaunthalerdialekte 
(Kärnten). Hierbei kommt mitunter die Quantität und der Akzent 
in Betracht (vgl. Oblak, Afsl. Phil. 16, S. 428ff.). Vgl. auch 
im Mac. do f^ da (Joh. 7. 3 hier auch Zogr. und 12. 10). 

0. 

Ursprung des o. Das o ist in den meisten Fällen ent- 
weder ursprachlich oder es geht auf ein ursprachl. kurzes a zurück. 
Vor tf ist es auf urbaltisch-slav. Boden auch aus e in heterosyll. 
eu entstanden, indem dieses zu Oji, ov wurde: nav^ ,neuS vgl. gr. 
ve(/)o$, und in einzelnen slav. Sprachen kann es sonst noch unter 
bestimmten Bedingungen aufkommen, z. B. r. ozero ,SeeS aksL 
jezero, lit Szeraa ,Teich, kleiner See' (vgl. oben S. 48). 

Als ursprachl. o erscheint es in: oko ^Auge', lit (Ms ,Auge'^ 



81 

lat oculus; osmb ^btS lit asztüni ^ditf^ got ahtau, gr. oxrcii, 
lat odö (*okö); ovtca ,Schaf', lit oAs ,8chaf , gr. oßig, lat (ms; 
d(nm yflftus', gr. dojuog, lat damus; gwtb ^G^t<, got jPCMte, lat 
hoäis; noitt (ans *nokth) ^acht<, lit noA:/)« yNacbf , lat nocf-. 

Hierher gehören zahlreiche Verba der IV. Kl., die als 
Iterativa fungieren, wenn ihnen Formen meist nach der I. El. 
mit einem e im Stamme gegenüberstehen: vaziti ^fahren, vehere', 
got irojf/a jch bewege^, gr. ßoxita ^ch lasse fahren, reiten', vgl. 
vezq — vezti einfach ,fahren^ (W.Me^*-)/ vodüi — vedq^ vesti ,führen, 
geleiten'; nosUi — nesq^ nesii ,tragen'; brodUi — bredq, brtdq, (ab. 
Inxlu), bresti ,waten'. Kausativ ist lozq, losUi ,legen' zu l^, 
leiati ,liegen', got. lagja zu liga ,ich liege'. Mit diesen Bildungen 
ist zu vergleichen: lat noceo zu nex, gr. ffOQiw zu ipiQia; ai. 
patdyämi, gr. ftotioptat ^ch flattre, fliege umher' zu pdtami, 
gr. Ttdzofiai ,ich fliege'. 

Das Pranomen to jenes' aus *tod, ai. tdd, lat istud {^istod), 
gr. TO. ßei den n. p-Stämmen erscheint das -o im Nom. Akk« 
und Vok. 8g.: sino ,Heu% tgo ,Joch' aus urspr. *ßig(hfn, ai. 
yugäm, gt.tvyoVf lat jugum, desgleichen auch bei den M-Stämmen: 
slow ,Worf, Gen. doveae, aus -09, vgl. xAc/og, yivog^ lat ffenus, 
ai. jdnas. Mit Rücksicht auf den Nom. Sg. tokt yLauf aus 
*t€ka8 undden Akk. Sg. tokb SLViB*tok(htn beiden männlichen 
o-Stäoimen muß man annehmen, daß das -o, das zunächst bei 
den Pronominalstämmen wie to lautlich aufgekommen ist, die 
Neutra dem -» der Maskidina gegenüber besser charakterisierte, 
ob es sich nun um ursprünglich neutrale o- oder es-Stämme 
handelte (vgl. auch Berneker KZ. 37, S. 370£r.). Deshalb wurde 
hier -o überall verallgemeinert, während sonst -os und -am zu -us, 
-um und schUeSlich zu -» wurde, gleichgiltig ob es betont oder 
unbetont war (Fortunatov BB. 22, S. 164, Anm.; Pedersen 
KZ. 38, S. 321). 

In einigen Kasus der m. und n. o-Stämme hat sich das ur- 
sprachl. ebenfalls noch erhalten und zwar im Instr. Sg., Dat 
Instr. Dual und Dat PI.: Iqko-mt, sdo-mb (das -mt scheint 
erst von den 11- und t-Stämmen hierher geraten zu sein, im lit 
dangu-mlf vgl. aksl. sym-mt, avirtnl vgl. aksl. |x^»-nf», dagegen 
bei den o-Stämmen -u z. B. taJck\ Iqko-ma, sdo-ma und Iqko-fm, 
sdo-tm, lit alt tUtchmus, dann tUtorms. 

Dasselbe 0, das sich uns da in einigen Kasus noch erhalten 
hat, kommt auch im Auslaute des 1. Gliedes der Komposita 

Yondrik, Vi^. ■Ut. GTunm. I. 6 



vor, falls es ein o-Stamm ist (Typus: Nominalstamm + Nomen) 
2. B. bog(hdbtbCb ^d'eoaeßijg^; bagthrodica y^eoronLog^; zaimo-davhcb 
föaveiati^g, faeneratoi^; auchfhrqkr ,^Qctv tx(ov %üqa^; studo- 
dejanije yäaikyeiti^, vgl. noch ai. aiva^j- ,Rosse anschirrend^ 
gr. iTtfto-^vyag. Desgleichen wenn das 1. Glied ein es-Stamm 
ist: mtzdo-imtcb (mtzda) teXcirrig ^publicanus^; rqkotvorem x^^QO' 
TtolijTog; so auch meistens im Lit galvä^aisztis {gahä) ^opf- 
binde'; ausschließlich auch im Germ, und Kelt. 

Auch bei einigen sekundären Suffixen erscheint der Stamm 
mit -0 z. B. dhgo4a ^Länge' zu dhgh ^ng' (vgl. ai. dirgha-ta- 
zu dirghd-s); sramota ,Scham' zu sratm ,Scham'. Vgl. lit weUca-tä 
,Gesundheit^ zu svelkaa ,gesund^ Dann auch slaha-stt» ^Schwäche' 
zu dabb ^hwach' und and. 

Bei der pronominalen Deklination finden wir ebenfalls 
einigemal einen o-Stamm: Dat. Sg. m. u. n. Uhtnu jenem^ lit 
uralt tamui (vgl. da^gui, tdkui), dann tarn; Lok. Sg. m. u. n. 
to-mb, ai. tasmin (vgl. lit tamin-pi). Was den Gen. Sg. m. u. 
n. Uhgo anbelangt, so sieht man in -go meist eine Partikel (vgl. 
ai. ghGf gr. ejui-ysy germ. mi-k, urgerm. *ine'ke), die an den ur- 
sprünglichen Gren. *ta (lit td) angehängt worden wäre. Unter 
dem Einflüsse von tomu und tomb wäre *to-^o zu to-go umge- 
staltet worden. Auch der Gen. Sg. ceso ,cuius' (dameben auch 
dfbso nach dtto oder vielleicht besser lautlich aus deso, indem nach 
d das e zvL t wurde , vgl. oben S. 37) setzt ein o voraus: *d0'80. 

Beim Yerbum gehört hierher der thematische Vokal der 
1. Pers. Dual, und Plur. des einfachen Aoristes: ved-thve, 
ved-o-fm, femer des 5-Aoristes: ves-o^e, ves-o-mz zu vedq-^^esti 
^führen^ In der 3. Pers. PL des einfachen Aor. vedq und 3. Pers. 
PI. Präs. vedqtb (ursl. vedqtti) ist das o im Nasal aufgegangen, 
während es in der 1. Pers. PI. Präs. unter dem Einflüsse der 
Formen mit je aus jo z. B. pbjeim, pUemz u. s. w. von -e- ver- 
drängt wurde: ved^-im. Im lit kommt es noch vor: v^z-a-me 
sl. veahe-fm ,wir fähren' trans., vgl. gr. q>iQ'0'fjiev. Weiter im 
Part Präs. pass. vez-thim, ved-o-mh, lit viz-c^-tnas. 

Urspr. kurzes a führte ebenfalls zu o. Da auch im lit a 
und dasselbe Resultat ergeben, nämlich ein a, so scheint uispr. 
a schon in der Zeit der baltisch-slavischen Urgemeinschaft mit o 
zusammengefallen zu sein. Kretschmer nimmt an, daß im 
Slav. wie im Balt o zu a geworden, also mit urspr. a zusammen- 
gefallen sei; später erst wäre aus den beiden a im Slav. ein o 



83 

geworden^ während sie im Bali unverändert blieben (Abi. Phil. 
27, S. 228-240). 

Beispiele für o aus a: osh aksl. ^Achse', lii aasAs, ahd. cAsa, 
lat axis, gr. a^, aL dkias; astrb aksL ^harf , lit asztrüs, gr. 
aKQog ßfih^y lat acus, acidus; otbcb aksl. iVater', got atta ,Vater, 
VorfAhi', gr. avxa ^Alter', lat aäa; oba ,beide^, lit abup gr. aiitpfay 
lat ambo; osth ^EseP, lit asüaSy got a8ÜU8f vgl. lat aainua; avtn 
jEsler^j lat avena (aus *ave8na), lit adia (weicht hinnchtlich des 
Eons, ab) ,Haferkom^ Im Inlaute: bog-atb ,reich', u-bagh, ne-bogh 
^Bücrn^ ai. bhdgas ,6ut, Glück^ (ygL gr. S-gHxyov ,ich aß^); dobrh 
Tgaifj mhd. top/er^ lat faber; kont ,PferdS wohl kaum aus *kobhh 
zu Aro^to ,StuteS eher aus *kamnjo, vgl. b. kamoA, r. A^mon» 
^erdS dagegen geht das o in hobyla auf a zurück vgl. lat pa- 
baUus; koriti ^demütigen', gr. xcr^vij {KriiÄia Strafe'); katb, kotbkt 
fiüisff vgl. lat. catus; mofe ^Meer^, lit. Plur. maris, got tnari, lat 
i»iar«/ no«« ^NaseS nozdri ^Nasenlöcher, Nase^ lit nasral PL 
3&chen', ahd. ncua ^Nase' vgl noch lat närSs (Dehnung); salb 
ßBhfj gr. SXg^ lat PL saUa, got u. s. w. saÜ. 

Auch in entlehnten Worten haben wir o für fremdes a: 
yanbznqti ^servari', got ganisan, ahd. ganesan; kol^a, lat caUen" 
dae, gt.xalavdai; kamara, katnora ,Kanmier', latcatnera; ciUcffb 
^tar', lat aUare; poganim, lat paganus, vgL franz. paUn; popt 
.^Priester', ahd. pfafo; paroda, gr. Ttagaösiaog; solunb ^BüüaXo- 
vUfj; weiter obrim für avarus (bei Nestor), gr. aßaq^ b. o&r 
^ies^S P- olbrzym, obrzgm dass.; apolim, ispoHm ,Biese' von den 
SpcUi, 27taXoi ,gens Spalorum' (bei Jordanes u. s. w.). 

Femer haben wir im Yok. Sg. der a-Stämme o aus a: rybo 
,0 Fisch', zeno ,o Frau', vgl. gr. vviAq>a^ dianoiva^ ai. amba ,o 
Mutter". 

Sporadisch kommt auch im Slav. ein o vor, das dem 9 ent- 
spricht: spoTb ,reichlich', ai. sphiras ,reichlich'; aksl. glogb ,cra- 
taegus' vergleicht man mit yluf^es ,Hacheln der Ähren' und yhSaaa 
(Brugmann, Grundr. I' S. 174). Brugmann vermutet ein h 
im Instr. Sg. f. tojq, aL tdgä, ayd (K vgl. 6r. § 603, 4). Ein 
Pf == ai. ay '^ slav. oj scheint auch vorzuliegen in ai. dkdyati ,er 
saugte, aks. dojq ,ich säuge', w. dh9(i), vgL dU-^ ,Säugling, Kind'; 
stojq 4ch stehe', lit stataü ,ich stelle', got staps ,Stätte', lat 8fo- 
tusj gr. avctfög, ai. sthäds ,8tehend': stä- ,stare'. 

Wie schon erwähnt, ist aus heterosylL ^, d. h. vor Vokalen, 
schon im Urbaltischslav. ov geworden: novt ,neu', vgl. gr. v6(/)og, 

6^ 



84 

preuß. nawans, lai novos; jjlavq ^hiffe, schwimme^, gr. 7vXf{f)w; 
vbdava jWitwe* aus ^vide^ä, lat vidua, im Preuß. tpiddewü ,Witwe^ 
{€ für unbetontes a); dovo ,Wort^, gr. yJii{ß)og, vgl. auch lii tävas 
jtmsfy gr. Ti(ß)ogy aävas, gr. €(/)os. 

Meillet nahm an, dafi «w vor palatalen Vokalen geblieben sei 
(Becherches, S. 86). Es ist allerdings wahrscheinlicher, dafi ein arslav. 
^nev^ ,nean^, am auf slay. Boden zu bleiben, unter dem Einflasse yod 
de$^ ,zehn' zu dev^ geworden ist (und analog auch lit. nevyni zu devyniy 
let. dnoMi), als daß erst ein * noe^ zu d&v^ umgewandelt wurde. Man 
würde auch das preufi. neu^wU ,der neunte' eher begreifen und brauchte 
nicht an eine deutsche Beeinflussung hiebei zu denken. Ebenso konnte 
im Slay. Gen. 8g. *ieve (Nom. iy ,du') leichter zu tehe unter dem Einflüsse 
des Dat. tebi führen als ein nach der obigen Theorie vorauszusetzendes 
*tave. Im Lit. ist totv, nebenbei bemerkt, in der Deklination verallge- 
meinert worden. Allein es ist nicht recht ersichtlich, wie so die palatalen 
Vokale schon im ürbaltischslav. diese Wirkung hätten ausüben können; 
eher würden wir sie noch auf slav. Boden begreifen. Nun sind aber die 
erw&hnten Fälle nicht auf das Slav. beschränkt, wie wir sahen. Auch 
der Nom. Fl. »ynove ,85hne' wäre nicht recht erklärlich. Wir müssen 
daher annehmen, dafi der Übergang des eti zu ov in gewissen Fällen nicht 
durch den nachfolgenden palatalen Vokal, sondern unter dem System- 
zwange aufgehalten worden ist, d. h. durch ein anders geartetes e in 
nahe verwandten Worten oder Formen. Ein *n«r^ behielt also wegen 
des^b das ev bis es zu dev^b wurde. Der Nom. Flur, der ii-Stämm» 
9ynov€ aus *9üimum^ ai. »ündcai, vgl. gr. x^X'i'^s ,Arme' ist dann ganz 
der Begel entsprechend. Es wäre sonst wegen der dominierenden Stellung 
eines Nom. nicht recht wi^hrscheinlich, dafi er nach dem Gen. Fl. «^ium» 
und nach dem Dat. Sg. »ynovi (aus *9üne^i, ai. iündve^ lit. wunui wohl 
nach den o-Stämmen mtkui) umgebildet worden ist, wie M. annimmt. 
Wir bemerken, dafi umgekehrt der Gen. Fl. tynovb nach dem Nom. sytiave 
gebildet ist, während es im Lit. nina aus ^tünvu (vgl. ss« aus ^nvS) 
Isutet (vgl. gr. yo6vo9v aus *yorßmr, x^X'^^ ist nach sr^x^'s, also analog 
wie das slav. synovb gebildet). M. führt noch als seiner Begel ent- 
sprechend drevUHb, dretfbnb ,pristinus*, drwffe ,o)im, prius* an, aber die 
Etymologie ist dunkel (« könnte auch auf jo zurückgehen) ebenso wie bei 
den unerklärten preufi. Ausdrficken gewinna und 6r«irtiint (eine Vermutung 
über diese Worte bei Berneker, Die preufi. Spr. S. 135). 

Über das o im Anlaute z. B. r. ozero ßeef gegen dJkÄ. jezerOj. 
olent gegen jelmt u. s. w. s. S. 48. 

Veränderungen des o auf slavischem Boden. Um- 
laut zu e. Schon im Urslay. wurde o za e nach weichen Kons, 
d. h. nach j allein oder nach einem ein j enthaltenden oder vor- 
aussetzenden Kons., also nach r', V, n% 6, z, ä, ü, zd, c (aus kj)y 
dz (aus gj)f z (aus dz^ bez. gj\ Von den weichen o-Stämmen 



85 

gehört hierher: der Nom. Akk. Vok. Sg. der Neutra z. B. 
mar^e ^man&f pol^e /»mpus' gegen sdo, migto; jeze fpioöf gegen 
to; Instr. Sg. kan'emb, mor^emt von hm't ^equosS mar^e ,mare^ 
gegen rokomt, sdomb; Dai Instr. Dual, hm'ema, mor^ema 
gegen rohoma, sdoma; Dai PI. hon'emh, mor^emb gegen roibmi», 
tdomb; bei den Kompositis z. B. vaje-voda jOroarfiyos^ gegen 
bogo-rodica ^^eo-toxog^^ dann sujeta ,vanita8S nüteta ^paupertas' 
gegen dhgota Jjänge'; einige den if-Stämmen entlehnte Endungen: 
Dat Sg. vradem ^medioo' gegen bogovi; Nom. PI. vraSwe gegen 
bogove; Gen. PI. vracevb gegen bogovb; das possessive Adjekt 
kral'en, kroTeva, knü'evo jcegfsf neben rcUforb, -a, -o ^rvi^; bei 
den ^Stämmen: Vok. Sg. duSe ^nima^, Instr. Sg. duäejq gegen 
rybo, rtfbojq; neben dem Nom. Akk. Vok. jeze gegen to noch 
einige Kasus der pronom. Dekl. und zwar Oen. Sg. jego fiiwaf 
gegen togo; Dat Sg. ßmu ,ei^ neben tomu; Lok. Sg. jemb neben 
tomt; Gen. Sg. gen. fem. jef^ neben ioj^; Dat Sg. ßf neben 
toj; Instr. Sg. jejq neben tojq; Gen. Lok. Dual m. u. n. ßju 
neben toju, vgl. weiter jielii» ^quantus^ neben tolikb ytantus'; pteegda 
jSemper', jegda ^quando^ gegen togda ,tum'; auch der Gen. öeeo 
zu cb4o ^ui-d' gehört hierher, indem er auf *doso zurückgeht 
Das 6 ist aus dem Nom. äUo vgl. lat qui-d verschleppt und ver- 
allgemeinert worden (vgl. auch öego aus *dogo nach togo). Ur- 
sprünglich lautete der Gen. wohl *qo8io (vgl ai. käeja), slav. 
*koso, woraus mit dem nominativischen c *co80 und schließlich 
deso entstand. Die Genetivendung -so sah man auch im griech. 
-ov aus -oao (Johansson, De derivatis verbis contractis, Upsala 
I8869 S. 216), wenn es auch J. Schmidt plausibel zu machen 
suchte, daß ov aus -ocio entstanden ist (KZ. 38, S. 34 ff.). Über 
cbso st 6eäo vgL oben S. 37. Es war nicht die ursprüngliche 
Form, denn sonst müßte es *cbcho lauten. Indem an öeso, dbso 
noch das als G^netivenduiig gefühlte Suffix -go angehängt wurde, 
entstand öenogo, ctsogo und analog auch im Dat cesomu, öbsomu. 
Hierher gehört auch die schon erwähnte Nebenform Gen. öego, 
Dat öemu aus *cogo, *öomu, was analog nach togo, tomu gebildet 
wurde. Vgl. auch den Lok. cemh gegen komt, tomt. 

Im Präsens haben wir in der 1. Pers. PI. und Dual, den 
Bindevokal -e-: nes-e-m»^ nes-e-ve. Es ist sehr wahrscheinlich, 
daß das -^- von den Verbis mit -jo-, -je-, wie oben erwähnt, aus* 
ging: teä-e-mh, tee-e^e aus *tesj-omh, ^teej-^hvi zu tesati ,zimmem^ 
BeJin starken Aorist, wo es keine jo-, ^-Stämme gibt, hat sich 



86 

das -0- behaupten können: nes-thim, ne8'(hvi. ImLit. ist das -o* 
noch erhalten und dazu sogar im Präsens verallgemeinert: sük-cnne 
,wir drehen' u. s. w. Der Umlaut kommt femer vor in den In- 
finitiyformen der Yerba der YI. Kl., falls sie einen weichen Kon- 
sonanten enthalten: nqpbiUvati ,meinen' gegen müovaH ,misereri^ 
und schließlich im Part Präs. pass.: glagd'-e-fm jUyofAt^ 
gegen t^ed-o-m«, nes-o-rm. 

Wie man sieht, bleibt es sich gleich, ob das o ursprachlich 
ist oder auf ein a zurückgeht Ja selbst auf eu kann es zurück» 
gehen: r^ewf aus *rjovn zu ruti, rjuii ,brüllen' nach kavq, *kuU 
(b. kauti) ,schmieden^ 

Eremdworte kommen mit und ohne Umlaut vor, z. B. ant- 
drieva Mar. Job. 1. 46 gegen antdr^ovi ib. Mar. 1. 29 ^u4vdQeiüv; 
moseemz ib. Mar. 9, 4 gegen mosiomb diä Mwvaiwg Zogr. Job. 
1. 17. vb erdansUi rici iv Tf[j ^loQdavfj TrovafKp Assem. Mar. 1. & 
(Ostr. hier ierdantsc^ gegen wrbdanscH im Mar. u. s. w. Solche 
Fälle zeigen uns, daß die Slaven selbst auch noch in der bist 
Zeit das jo nicht leicht aussprechen konnten. Vgl. auch noch 
igäa für tcSra im Evang. von De£. Matth. 5. 18 (in der Aus- 
gabe des Mar.). Daher kann man moseomh u. dgl. auch anders 
erklären. Für ursprüngliches ee haben wir nämlich mitunter eo: 
vb ^eone h yeewf] Zogt. Mat 10. 28 gegen g'eenS im Mar. vb 
g'eanq finden wir häufig in allen Denkmälem, die hier in Betracht 
kommen. Femer vb vUtUomb Btj^leifi 61ag. Cloz. 884, dagegen 
Supr. Vb viOdeemi (340.19) und Glag. Cloz. vb vübUmi 892, Supn 
Vb viMeeme 340. 25. Infolge dessen wird es wahrscheinlich, daß 
es sich um eine Yerdumpfung des e handelt, wenn die nächste 
Silbe einen dumpfen Vokal enthielt (vgl. tbma gegen ttme); später 
drang dann das o überhaupt durch. So haben wir in der Sav. 
Kn. durchwegs viihtieamb (auch im Jjok. Sg. -eome, ebenso im 
Ev. Y. De&, während im Mar. und Zogr. noch die beiden e er- 
halten sind). An den Prozeß, nach welchem z. B. im R aus je 
ein jo geworden ist, ist hier noch nicht zu denken. Der Übergang 
in eo war wohl nur dort möglich, wo es bei ee blieb, wo sich da- 
gegen ein eje entwickelt hatte, blieb es. So ist wohl auch maseomb 
und moeeemb d. L *mo8ejemb zu beurteilen (vgl S. 39£). 

Im Böhm, und zwar schon in den Bohemica aus dem 
XII. — Xin. Jhd. und in den ältesten Texten erscheint wieder 
vielÜEush statt des durch Umlaut entstandenen e z. B. Dat Lok. 
Sg. wrdd-^m ,dem Ackerer^, bojovati ,kämpfen' u. s. w. (vgl. Gto- 



87 

bauer ly S. 236 ff.}. Dieses o zeigt sich auch im P. und Sorb., 
80 daß es als eine westslav. Eigentümlichkeit aufge&ßt werden 
mnfi. Aber daran kann nicht gezweifelt werden, daß dieses o 
erst wieder unter dem Einflüsse der parallelen Formen mit o der 
harten Stamme aufgetaucht ist Neben dem o taucht aber im 
Ab. ein 6 in den betreffenden FäUen au^ z. B. Gen. Fl. devit 
mesieeiev (mielliecziew Hrad. 63a) ,9 Monate'. Gebauer faßt 
es als eine Analogiewirkung auf (1. c. S. 240): Dat PI. ordöiem 
nach duiiem aus duiam u. s. w., aber es gelingt nicht überall 
solche Parallelformen wie duüem ausfindig zu machen. Jagic 
vermutet hier wieder alte Überreste des urslav. Umlautes o — e 
(Afslph. XVIy S. 517). Dann würde man aber nicht begreifen, 
warum in diesen Fällen e und nicht e geschrieben wird (zur Zeit 
als die lotation noch gewahrt wurde). WahrscheinUch handelt 
es sich hier um einen speziell b. neuerlichen Umlaut des o zu e, 
da ja hier auch a zu e und u za i umlautete. Freilich wäre 
dieser Umlaut o — e nur lokal gewesen, selbstverständlich mit 
Ausschluß des Slovak. und des größeren Teiles der mährischen 
Dialekte. Er ist belegt aus der Zeit um 1300 und die Belege 
gehen bis etwa gegen Ende des XY. Jhd.; im XV. Jhd. hat 
die Zahl der Texte mit diesem Umlaute den Höhepunkt erreicht; 
das spricht eben nicht für das Vorhandensein von alten Über- 
resten des ursprüngUchen Umlautes. Im B. ist a — e der älteste 
Umlaut, nach den Belegen würde dann o — e folgen und erst zu 
Anfang des XIV. Jhd. u — *. 

Assimilation. Wenn in nicht weichen Silben e für o 
steht y so ist es unter dem Einflüsse des Vokals der nächsten 
Silbe geschehen. Dieser pflegt ein e oder ii zu sein. So finden 
wir odeleti neben odoleti ^überwindend ebenso auch udeleti neben 
udoläi z. B. udelejqtz Zogt. Mat 16. 18, dagegen Mar. hier 
udolejqtz (Assem. udoblejqtb); so finden wir udeleti, odeleti noch 
im Psalt sin. 9. 26; Euch. sin. 60b, Supr. 26. 10 und udoleti, 
odoleti Psalt. sin. 9. 26; Euch. sin. 3b; Supr. 26. 24. Neben 
popd^ ,Asche' (Mat 21. 21, Luc. 10. 13 im Zogr. Mar. Psalt sin. 
101. 10; Supr. 369. 12, so auch in den westslav. Sprachen), r. 
schon pipel, s. pepeo. Interessant ist auch der Kompar. debrie 
,melius*, der nur im Zogr. vorkommt: Marc 9. 42. 43. 45, wo- 
gegen hier Mar. dobree hat Im weiteren Texte (Marc. 9. 47) 
finden wir letzteres auch im Zogr., wie auch noch Mat 26. 24. 

Wenn neben desiti ,finden* (z. ß. Supr. 218; 371, Euch. sin. 



88 

71 a, serb. disUi) im Ar. auch dositi vorkommt, so müssen wir 
Meillet recht geben, der letzteres als die sekundäre Form an- 
sieht (Etudesy S. 116—116, er veif^leicht desüi mit d^fiai). 
Man beachte, daß in unseren bisherigen Fällen ein e oder S 
nachfolgte, was bei deaiti — dositi auch nicht zutrifft. Vgl. auch 
noch b.: nehet (Finger-),Nagel' gegen aksl. noffbU (noga ,Fuß'). 
Dositi ist offenbar unter dem Einflüsse der übrigen Yerba der 
lY. Klasse, die in der Begel ein o aufweisen, entstanden. Auch 
tenäo ,Netz' ist wohl primär und daraus erst tonaio, Umeto ent- 
standen (umgekehrte Assimilation). 

Die Assimilation im weiteren Sinne betrifft auch andere 
Vokale z. B. tm^kb ,dünn' aus und neben tbnhkb, vgl. lii tenvas, 
lat tmuis. Vgl. auch das oben erwähnte g'eonq gegen geene. 

Horäk suchte unrichtig die Formen odoUti — oddeH, zama- 
toreti — zamateräi u. s. w. als Spuren des alten Ablautes e — o 
zu erklären (Lf. 29, S. 131 — 132). Die hier behandelte Assimi- 
lation ist nicht gemeinslavisch, sondern sie tritt nur sporadisch 
auf dem slav. Gebiete auf. Ebensowenig könnte auch dev^ 
durch die Annahme einer solchen Assimilation aus einem ange- 
nommenen *dov^ erklärt werden (siehe oben S. 84). 

Im Inlaute ergab tautosyll. on, om wie auch am, an den 
Nasal q; desgleichen auch in nicht absolutem Auslaute: zqbh 
,ZahnS vgl. gr. yopapog ,Pflock^, W.gembh, vgl. Z4^ ,friere'; blqdh 
,error' Ablautstufe zu bl^dq ,erro'; qgh ,WinkeP, vgl. lat. angvlus. 

Hierher gehört die 3. P. PI. Präs. der L, II., V. und VI. 
Verbalklasse: ved<ftb ,ducunf (ursl. ^vedc^h aus *vedonti), dvignqtb, 
dUajiftb, müujqtb. 

In nicht absolutem Auslaut: 3. P. PI. des einfachen Aor. 
vedff aus "^vedont, vgl. eyvov aus *egnont. Damach müßte -ons, 
das man allgemein als die Akkusativendung PI. der o-Stämme 
ansetzt, -r^ ergeben. Das ist aber nicht der Fall, sondern wir 
haben bei den harten o-Stämmen -y; roky von rokb ,terminus^ 
und bei den weichen -^; mqz^ ,viros^ von mqeb. Man muß dem- 
nach annehmen, daß das 8 im Auslaute im Gegensatze zu t das 
Aufkommen des Nasals verhinderte und zwar sowohl in ons als 
auch in -Jons, In diesen Fällen war damals noch kein Nasal 
entstanden, als er schon z. B. in den Partizipialformen wie zna- 
jqsta, znajqätu u. s. w. und in der 3. P. PI. znajqtt bestand. 
Dann erst wirkte der Umlaut des Jo zu ß, so daß wir neben 
einem -ons ein -Jena erhalten. Das letztere führte zu -ß z. B. 



89 

aksl. wq^, das erstere wurde zunächst zu -uns, dann -üs, woraus 
-y: rohf. Der Umlaut jo za je war nicht einer der ältesten laut- 
Hchen Prozesse im Slav. Es ging ihm vorher die Verdumpfung 
des -08 zu -1» im Auslaute (vgL bei y), er ist aber älter als die 
Monophthongierung der Diphthonge (vgl. bei e), 

geht in u über. Dieser Prozeß ist unter bestimmten 
Bedingungen schon im Uislav. eingetreten ^ wo dann aus dem u 
natürlich ein z geworden ist Zunächst handelt es sich um ge- 
schlossene Silben im Auslaute, als sich noch gewisse Kons, hier 
behaupteten. Es kommen da insbesondere die Silben -os und 
-om(n) in Betracht Aus -us, -un ist dann ^ geworden. So im 
Nom. Sg. der o-Stämme: rokb ,Termin' aus *roko8, *rokus, vgl. 
lat hortua aus hartos; die Endung der 1. Pers. PL Präs. und 
beim Yerbum überhaupt -im z. B. ved-e-tm ,ducimusS vgl. lat 
-iHU8 aus -mos; im Akk. Sg. der o-Stämme: rokb aus *rokam, 
*rokum, vgl lat hortum aus hort&m; 1. P. Sg. des starken 
Aor. vedz ^uzi<, vgl. gr. eq^vy-op. 

Wir haben auch Fälle, in denen im Inlaute schon im Ge- 
meinslav. dem o ein % gegenübersteht So kommt im Aksl. neben 
chaiiti ,wollen' auch diztiti vor z. B. im Supr. chvteti 86, 3; 
di^ite(tb) 117. 1; ckzitq 128. 9; 416, 11; ckzt^ 406, 6. So auch 
im Ab. chocu, choci neben citcu, chci und im Aor. chJüch neben 
dioUch. Es handelt sich nun darum, was das Primäre ist. Da 
hier, wie wir sehen werden, von einem ^ auszugehen ist und 
dieses zu z (t) führte, so müssen wir es auch hier voraussetzen. 
Das ältere ist demnach das ^ und dieses blieb ursprünglich wohl 
in unbetonten Silben. In betonten Silben ist es dagegen zu o 
geworden. Daß sich dann mannigfache gegenseitige Beein- 
flussungen geltend machen konnten, ist begreiflich. Darüber noch 
weiter unten bei urspr. t^i, ^. 

In kogdd ,waiiii^ i^dd ,danii' kann das » aus kbda^ nikbda (serb. 
hada), wo es wieder aus kbde ,wo' (hier & aus ursprachl. u, vgl. ai. küKa 
,wo, wohin', av. kudä ,wo*) Eingang fand, verschleppt sein. Jedenfalls 
sind kogdd^ iogdd die älteren Formen, wie eben die ümlautsformen jegdä, 
Vb9egda dafftr sprechen (vgl. oben S. 85), mochten sie nun aus ^kogo^oda, 
*toga-^odo entstanden sein oder als das Produkt eines Yerquickungs- 
Prozesses zweier derartiger Adverbien erscheinen. Im ersteren Falle 
dürfte man aber ja nicht etwa eine Mittelstufe *koguUi voraussetzen, 
sondern man m&Bte annehmen, dafi aus ^kogo-goda zunächst infolge Aei 
Haplologie ein *kogoda entstand, woraus sich dann infolge eines engeren 
Anschlusses an das ältere k^da direkt ein kogda und k^gda entwickelt 



90 

hätte, für den Übergang eines o in s im Wortinnern haben wir sonst 
keine Belege. 

Später bemerken wir, daß in einzelnen slav. Sprachen o zu 
u werden kann, und zwar gilt dies besonders von unbetontem 
0. So im Ostbg.: kulivi (kolave), piru-tu (perihio), basukrdk (boso- 
krak) u. s. w. Auch in einigen maced. Dialekten, aber meistens 
dann nur im Auslaut: mcUku, tukü, do tamu, cMu, aku. Doch 
kann man hier vereinzelte Fälle finden, in denen selbst betontes 
6 zu u wird: üHe {öste ,noch'), düri (dori jbisO u. s. w. (vgl. 
Lavrov, Obzor S. 52). 

Schwache Spuren des Überganges von o zu i« kann man 
schon in den altkirchenslavischen Denkmälern finden, so 
z. B. tbkbmu st tbkhmo ,ei /ii]' im Zogr. Marc. 5. 37; uchudejqüe 
Supr. 241, 14, einige Zeilen weiter unten ochudije Z. 21 (Ver£ 
Glag. Cloz. S. 10). 

Dialektisch findet man diesen Übergang weiter im Slov.: 
tOiu, im Großr.: pudi, pud^ (Olonec), bugoröd^ica (Vladimir), im 
Nordklein r.: uhöA, tvM u. and. Im Anlaut konnte dann das 
II weiter entwickelt werden, daher Klein r. dial. ^hoA {ognt 
,Feuer^), |t6a (oba ,beide'), una (ona ,^e% ^ara (aksl. obora), ^^id 
(obed^), dann sogar auch labiodental: vna, vba. Vgl. im Dialekt 
von Lesina: po^ku aus po oku, pouchuipo uhu (Afsl. Ph. 16, 
S. 435) und im slov. Bosenthaler Dialekt ukü {oho ,AugeOy tfio^i 
(ubil). 

Labialisierung des o. Das o erfährt in einigen slav. 
Sprachen durch eine intensivere Beteiligung der Lippen (Rundung 
und Vorstülpung) bedeutende Änderungen, indem hiebei der 
bilabiale Laut n aufkam. Bedingungen dazu waren der Silben- 
verschluß und seltener bestimmte Betonuugsverhaltnisse^. Das alles 
führte zunächst zu ö, das in vielen Dialekten noch vorhanden ist 
(so insbesondere im Ka§ub., dann in s^ slov. und slovak. Dialekten)» 
Damit aber ein derartiges o labialisiert werden könnte, mußte es 
zunächst eng, geschlossen sein: es mußte sich eben dem u nähern 
(vgl. oben S. 14). In einer Reihe von slav. Sprachen wurde nun 
jedes lange ö zu )fö; ^ und die weiteren Resultate konnten 
schließlich ein von o ganz verschiedener Laut sein: ein blosses 
langes oder kurzes u oder i. Wurde ein kurzes o labialisiert, so 
blieb es erhalten. 



1. Letzteres nur im P. in der Gruppe <ro<, Hot wie di6tOt r. doimU^ 
piotno, r. polotno n. s. w. gegen zMo, r. zoloto {zkUo) n. b. w. 



91 

Am weitesten ging dieser Prozeß im Eleinrnss. Hier wird 
jedes nrslay. o in geschlossenen Silben gedehnt und labialisiert^ 
während jedes o in offenen Silben unverändert bleibt Dialektisch 
findet sich noch dieses lange ö (Grodno: köii), dann aber auch 
Ifo (Sjedlec: aus )fO ein fio z. B. kuoA) und j^i: ki^iA^ ,PferdS 
suiP jSsiz^ und das gewöhnliche Resultat nach Schwund der 
Labialisation: dim aksl. dorm yHsmsfy kU^, aksl. kostt ^Knochen', 
kiA ,Pferd', siP ßaizK Im Anlaut bleibt sie: ^in aksl. om ,er^, 
uU aksl. otb yTon^ Dieses i ist in den meisten Dialekten hart, 
erweicht also in der Regel nicht den vorhergehenden Eons«; es 
kann aber noch weiteren Yerilndeningen unterliegen. Aus dem 
uo konnte andererseits bei einer weiteren Verengung des o auch 
UU und daraus ti werden (ebenso aus den dialektischen üö): nord- 
kleinr.: kun, suC. 

Im Poln. wird in geschlossenen Silben das o nur vor tönen- 
den Eons, gedehnt und labialisiert: hug (geschrieben bog jQoWy 
aksl. hogfb\ grud ,Stadt, Burg^ (geschrieben gröd, aksl. grad^ aus 
älterem *gordz. Auch hier wurde aus ö ein uo, das dialektisch 
noch vorhanden ist (Posen), daraus dann ffii und u (geschrieben 6). 
Vor tonlosen Eons, tritt nicht die Dehnung ein: bok, aksL 
bokb ^Seite'; grot, aksl. grotb ^Spitze'. 

Im Eleinr. und P. muß also überhaupt die Silbe geschlossen 
sein. Hinsichtlich der Dehnungen schließt sich an das P. das 
EaSub. an, da sie hier unter denselben Bedingungen eintreten, 
aber zu der LabiaUsierung und weiteren Veränderung ist es nicht 
gekommen, daher: bog, kön, ypz ,Wagen^, böi ,EampP, aber snop 
yGarbe', kos ^Amsel^ (weil hier tonlose Eons, nachfolgen). 

Auch im Böhm, hat sich der gedehnte Vokal ö dialektisch 
noch erhalten (z.B. Hrozenkov: vöz, dvär yHof', möi ,mein^). Im 
allgemeinen wurde aber das ö labialisiert: uo (dialektisch auch 
jetzt noch allerdings mit labiodentalem v: kv&A, aber kona, von) 
und daraus ü, d. h. il, durch die Zwischenstufe uo, die dialektisch 
auch noch vorkommt. In den ab. Denkmälern taucht uo (wohl 
die graphische Bezeichnung für ffo) schon in der ersten Hälfte 
des XIV. Jhd. und ü (geschrieben u, ü, ü u. s. w.) um die Mitte 
des XIV. Jhd. auf. Dialektisch ist im Slovak. auch ua vor- 

1. Da nicht anzunehmen ist, daß i^ ijfo) direkt zu ffi führte, so 
kann man Yielleicht an ein ff« als Übergangslaut denken. Das ü hätte 
also einen harten i (y-)Laut ergeben, wie etwa im ürslay. aus ü ein y 
geworden ist. 



banden : ku^n ^erd', m%ai ^ein^, es geht hier jedoch auf jio, 
tfo Zurück, wobei das o offen geworden ist 

Auch im Obersorb. wird der Vokal bei Silbenverscbluß 
und bestimmten Akzentverhältnissen alteriert: puop ^estei', duoi 
,TalS ruo^ ,Grab^. 

Im Polabischen war die Labialisation gewiß vorhanden, 
wie die Schreibweisen und, vid aksl. atb ,von'; pid aksL pod^ 
,unter^; muk, müsia, rnüse (aksl. mogq JLch kann% mozeH u. s. w.) 
dafür sprechen. Allerdings finden wir ü auch in offenen kurzen 
Silben: nügga aksl. nogq ,Fuß'y nütze aksL noHi, noitt ,Nacht^, 
aber sonst wird es mit ö wiedergegeben. 

Das Slovenische hat dialektisch uo (venetianisch) und ü 
(bah für bog ,Gott*), das in den meisten Dialekten auf uo zurück- 
geht So haben wir resian. (Baudouin de Courtenay: Opyt 
fonetiki rezjanskich govorov): büh ,GottS dum ,fiausS hnüi ,Dün- 
ger', mü8t ,Brücke^; venetianisch: tnuost, hnuoi, bruod, ruoh, 
sladkuo; im Görzer Mittelkarstdialekt: büh, nüs ^NaseS bai 
,Eampf, kü8t ,EnochenS und mit unverändertem langen Vokal: 
böp, köä, möst; mit kurzem Vokal: sto^, ffojf. 

Auch einzelne Dialekte des S erb. -Kr. partizipieren daran. 
Im Dialekt von Lastovo wird langes ö sehr geschlossen, in ein- 
zelnen Fällen fast wie «o ausgesprochen; in Lesina wird langes 
zu uo, in Comisa zu u (Afsl. Ph. 16, S. 433). 

Hinsichtlich des B. glaubte Geh au er (I, S. 247), dafi hier der 
deutsche Lautwandel d— oti— « maßgebend gewesen wäre und daß die 
deutschen Kolonisten in Böhmen den Impuls dazu gegeben hätten. 
Allein das können wir nicht zugeben. Schon bezüglich der Zeit klappt 
es nicht, denn im Deutschen tritt dieser Prozeß viel früher auf und ist 
Auch im großen und ganzen früher durchgeführt worden. Dazu kommt 
noch, daß die Identität des Prozesses eigentlich nur eine scheinbare ist. 
Es muß beachtet werden, daß es deutsche Sprachgebiete gab, wo ö zu oo, 
dan ua und uo wurde. Und wenn sich auch diese Mittelstufen nicht 
überall nachweisen lassen und sogar auch ein direkter Übergang des ö 
zu uo auf gewissen Gebieten als möglich hingestellt wird (Paul, Grund- 
riß P, 8. 699—709), so ersehen wir doch daraus, daß wir es hier mit 
einem physiologisch ganz anders gearteten Prozesse zu tun haben, da 
sich hier nicht das ff entwickelt hat. Mit dem 81a v. und speziell B. 
kann es also nicht verglichen werden. Es erinnert vielmehr an den Pro- 
zeß, nach welchem aus im Urslav. ein m wurde. Tatsächlich wird auch 
im Ahd. ein direkter Übergang des i in 1« (parallel zu d > uo) als mög- 
lich hingestellt (L c. 8. 700). 

Auch das kurze in offener Silbe führt mitunter zu ^o, vo. 



93 

es bleibt aber dann: «<o, ^o; oder wird es labiodental: vo. Diesem 
Schicksale kann das inlautende o unterliegen^ zumeist ist es aber 
das anlautende o. Hier ist der Wandel so veri>reitet, daß viele 
Dialekte, wie die sIot., b., sorb., kaiub., p. und kleinr. infolge 
dessen in der Begel kein reines anlautendes o haben. Doch 
braucht es sich hier nicht um eine Labialisierung zu handeb, da 
die Gresetze des vokaliscfaen Anlautes hier zunächst in Betracht 
kommen. Man kann überhaupt sagen, daB dieser Prozeß nicht 
identisch ist mit dem früher besprochenen, daher z. B. karp. 
kleinr., ungar. kleinr. und teilweise podolisch oft ona, oreu, aber 
immer ^ä (aksl. oiz) und vü u. s. w.; so auch in der ruthenischen 
Sprechweise ona gegen vin ^ei^ (aksL om). Diese Prothese ist 
meist bilabial, so im kleinr. ^oridi ^Nuß', f^o&atl ,Feuer', uot%a 
^&^ labiodental dagegen im Großr., wo sie allerdings selten vor- 
kommt: pody ,Augen' (Rjazan), so auch in den b. Dialekten: vaken 
jEeiier*. Im P. «o, ^o und vo, kaSub. ^o, ns. ffo^ im Slov. Görz. 
uorac, ^osa, cirk. ^aba. Unter bestimmten Betonungsverhältnissen 
kann das o in diesem Falle im Dialekte von Cirkno in a über- 
gehen: j^abraz ,Bild' (aksl. obrazi), jiaöi ,AugenS ^akna ,Fenstei^ 
(wie in tuiga ,FußS aksl. noga); y^ada ,Was8er (aksl. voda), womit 
das südgroßr. u vaica, u vakosUka zu vergleichen ist 

Bei inlautendem o bemerken wir schon seltener diese Er- 
scheinung, so insbesondere in den p. und slov. Dialekten. Im 
Kleinp.: duola, ruobiS, zduoliö, im Großp.: duostaS, kuorytuo, im 
Görzer Mittelkarstdialekt: hualo, jiduava, poduoba, potuoka, im 
Dialekt von Cirkno auch das o für urslav. q: puot (aksl. pqtt 
jWeg'), zuob (aksl. zqbh ,Zahn'). In großr. Dialekten: Aidetmo^ 
spruas (Vjatka). 

Hier kann noch eine im Kalubischen vorkommende LabialiBierung 
des o erwähnt werden: ki§öna für hnka, hf^ff» fQr boga. £s handelt sich 
nur um die Gruppen ko, go^ eho, po^ bo, mo, die als Kürzen, also in 
nicht geschlossenen Silben und in VerschluBsilben vor ursprünglich ton- 
losen Konsonanten labialisiert werden (z. B. bitök für bok). 

Über die Labialisierung schrieb, wenn auch etwas unklar, P. Po- 
lanski: Die Labialisation und Palatalisation im Neu sla vischen. Berlin. 
1898. 

Die Dehnungen des o, die früher zur Sprache kamen, sind 
nicht gemeinslav. Es gibt jedoch auch solche: o wurde zu ö 
gedehnt, das dann als a erscheint wie jedes andere gemeinslav. ö. 
So z. B. der sigmatische Aor. probasz aus -iödsz von bodq, bosti 
,stechen^ vgl. lat. fodio; die Iterativa wie razdati zu roditi ,ge- 



94 

bärenS polagcUi zu polozüi ,legen^ Solche Dehnungen kommen 
auch in den Gruppen vor, die man einfach durch den Typus 
4wi, toU darstellt und die noch zur Sprache kommen sollen (bei 
r und J). 

Wechsel zwischen o und a. Manche Worte gehen nur 
scheinbar auf *ort' zurück. So aksl. rozga ^Zweig^. Miklosich 
leitet es unrichtig von orz- ab (Etym. Wtb. S. 227, aber S. 430 
stellt er es selbst als zweifelhaft hin). Im Mar. und Zogr. finden 
wir Job. 15. 2: razga und Joh. 15. 5: rc^ie gegen JoL 15. 4 
und 6, wo in beiden Denkmälern rozga vorkommt Nun kommt 
aber in diesen DenkmäJem ein Schwanken bei raz- aus ^orz- 
nicht vor; razga muß demnach anders erklärt werden. Offenbar 
ist die ursprüngliche Form rozga und erst unter dem Einflüsse 
der Bildungen mit dem Präfix raz- wurde auch rozga ab und 
zu in razga umgewandelt. Allerdings ist die ZusammensteUung 
mit ai. rajjus ,Strick, Seil' {jj aus zg) und lit rezgü ^ich stricke' 
wegen der Bedeutung nicht ganz überzeugend, aber an ein *orzga 
ist dabei gewiß nicht zu denken. Ursprünglich scheint auch 
rodüi in ne rodüi afieXEiVy Ttagcocoveiv zu sein. Dameben kommt 
aber auch raditi vor imd zwar im Mar. und Zogr. Luc. 10. 40 
Mar. ne radiäi, Zöge, dagegen rodüi; Mat 18. 10 und 18. 17 
Mar. rodüif Zogr. dagegen raditi, allerdings im jüngeren Teile. 
Was hier den Übergang des o in a lautlich verursacht hätte, ist 
nicht recht klar; man muß daher bedenken, daß es noch ein 
zweites roditi yevmv einerseits gibt, andererseits auch — was 
wichtiger ist — ein rad- in aksl. othrada ,relaxatio', serbokroat. 
rad ,Arbeif , raditi ,arbeiten' und da wäre eine Beeinflussung 
seitens dieses Verbums — insbesondere in Verbindung mit der 
Negation — immerhin möglich, wenn seine Bedeutung nicht 
mehr ganz klar war und es infolgedessen auch zu schwinden 
begann. In etym. Hinsicht ist damit got rödja ,ich rede, spreche^ 
hauptsächlich aber ai. radhayati ,er bringt zu Stande' zu ver- 
gleichen. Das letztere stimmt also hinsichtlich der Bedeutung 
sehr gut überein. 

Sonst wechselt o mit a z. B. noch im aksl. zorja und zarja 
^splendor'. zarja beruht hier offenbar auf demselben Frinzipe, 
nach welchem auch z. B. aksl. var^ ,aestus, calx' zu vwjq, vtreti 
,wallen, sieden^ *pah, paliti ,urere* vgl po-pel ,Asche* u. s. w. 
gebildet worden sind. 

Zum Schlüsse soll hier noch das sog. Akante, das wir in 



95 

den jetadgen südgroßr. und weißr. Dialekten finden, erwähnt 
werden. Es besteht darin, daß ein unbetontes o sich mehr oder 
weniger einem a nähert, wie ja dieser lautliche Vorgang auch 
aus der Schriflsprache bekannt ist So klingt charoiö ,schön, gut' 
fiist wie dUträiöj po rtisski jnssisch' fast wie pä rüsld. Die ersten 
Spuren dieses IVozesses findet man erst in den Denkmälern aus 
dem Xiy. Jhd. Er ist in den betreffenden Dialekten auch noch 
▼on anderen lautlichen Vorgängen begleitet (vgl. Sobolevskij, 
S. 74 £). 



Ursprung des Lautes. Als ein ursprünglich langer 
Vokal (ygL S. 20) geht das u zunächst auf u-Diphthonge zurück 
und zwar 1) auf au (9u)y 2) au und 3) eu. Welche von diesen 
tf- Arten im Slav. vorliegen, ist nicht immer leicht zu entscheiden, 
wenn nicht unzweifelhafte Reflexe dieser Worte aus Sprachen 
vorliegen, welche die ursprünglichen Diphthonge noch auseinander 
halten. Vom lat, das doch zunächst in Betracht kommen sollte, 
wird man hier meist im Stiche gelassen, da hier bekanntlich au, 
au und eu in au zusammengefallen sind. Daher ist hier vieles 
noch strittig. Mitunter handelt es sich in unseren Fällen auch 
um die entsprechenden Langdiphthonge, die im Slav. wahrschein- 
lich vor ihrer Monophthongierung verkürzt wurden. 

1) au fiel jedenfalls in einer früheren Periode mit au zu- 
sammen und ergab dann ein u; so aksL suchh, s. mh, ab. mtch, nb. 
9ueJ^ ,trocken^, Ut. saüsM, ahd. sörSn ,trocknen', gr. twog für 
actvaag ,trocken, dürr', ai. sö^ für sö^as ,da8 Austrocknen'; 
aksL uj ,Oheim', alter *ui und dieses aus *ujh, *u;«, das ein 
*af^io8 voraussetzt, preuß. auns ,OheimS lat avia aus *a'U3^i 
durch die Verlegung der Silbengrenze im Slav. entstand hier ein 
oti-; aksl. udu>, usese yOhr', lit ausis, preuß. aimiw AkL PI., 
goLausö, ahd,öra, lat aiim, au8cuUa; das Präfix und die Präpo- 
sition u urspr. ,von — weg', z. fi. in u^klanUi 8^ jdeclinare', ubi" 
eati ,weglaufen', u-siknqti anoMxpaUtBiVy aksl. prasi u mene ,er- 
bitte von mii^ (dann ,bei mir', firugmann, Kurze vgl. Grramm. 
S. 468) aus au, lat. au-fera, ai. ava (*a^e). 

Ein 9U scheint vorzuliegen in aksl. tuta ,Lippen, Mund', 
preuß. austin Akk. Sg. ,Mund', lat ausculum, austia, ai. Öffhas 
,Oberlippe'. Das *9U8 wäre die Schwachstufe zu ö(^)8 z. B. ai. 



96 

ds' yMundS lat. ös, ära, lit. üstas ^aff (vgl. auch Schmidt, 
PluralbUd. S. 407, Anna.). 

Auch in Lehnworten wird aus au ein u: akd. kusüi ^gustareS 
got. kausja ^ch schmeckey priife^ aus *§(m8 (o-Stufe), ai. jö^yaU 
fiT hat gern, billigt' zu *§eu8, got kiusa, ahd. kiu9u ^ch kiese, 
wähle', gr. yevaofiai; aksl. user^ffb, user^ ,inauris' setzt ein got 
ausahrigga voraus. 

2) Hier kann das ou leichter erkannt werden, wenn es sich 
um faktitive Yerba der IV. ESasse, bei denen ein denominativer 
Ursprung ausgeschlossen ist, handelt Diese Verba weisen näm- 
lich die o-Stufe (vgl z. B. nositi, vozUi u. s. w.) au£ So setzt 
aksl. budäi ,wecken' ein au voraus (also *bhoucOi) und es kann 
durchaus nicht mit gr. Tvevd'Ofiat zusammengestellt werden, wie 
es Mikkola tat (IF. 16 S. 96), dazu gehört vielmehr ai. hödhä- 
yati ,er weckt* und lit pa-9i4>audyti ^ch erheben' aufbrechen'. 
Ein ou setzt auch das b. dwiti ,sticken, würgen', poln. dusU, 
klruss. dusyty, weißruss. duM ^würgen' (eig. wohl Jem. schwer 
atmen machen') voraus und zwar mit noch erhaltenem s, wohl 
wegen des nachfolgenden i. Sonst ist in einzelnen slav. Sprachen 
dusiti von dem neu entstandenen duäüi verdrängt worden, indem 
man dusiti in einen Zusammenhang mit duch^ ,Atem, Geisf 
brachte (duchz geht wohl wieder auf *d€U808. zurück, vgl. lit. 
daHsos jLxxftfy got. dius ,animal', ahd. ,Tier', vgl. auch aksl. d^dl• 
nqti ,atmen', Wurzel dhefies vgl. Hirt, Der idg. Abi. S. 134, 
Nr. 673 und Brugmann, Kurze vgl. Gr. S. 148). 

Das ou liegt wohl auch vor in aksl. ruda^ b. ruda^ serb. rüda 
,Metall, Erz' und s. rüd, b. rudy ,rot', lit raOdas ,rof , got raußs 
,rof , umbr. rofu ,rufos', die cw-Stufe in eQevd'to ,ich röte'. 

Im allgemeinen ist sonst im Slay. schwer zu bestimmen, ob ein u 
aaf ou oder eu (was auch möglich ist) zurückgeht, sumal es ja auch 
später in analogischen Ablantsreihen, als es keine Diphthonge mehr gab, 
entstanden sein kann. So ist z. B. das u in tfX;», naukz>, na-uka ,doctrina* 
u. s. w. nicht ganz klar. Da nicht alle o-St&mme die o-Stufe aufweisen, 
so kann man hier nicht mit Sicherheit auf ein ou schließen. Analog 
verhält es sich tmch bei aksl. aluehb ,Geh5r* neben b. sleeh (aus *8Uehh) 
,Gehör, Hörensagen' zu aksl. slyiaU ,hören% dur., slumii iter. (w. lUu\ 
dazu auch sluga ,Diener*, urspr. ,Bediennng* ; atudh ,Scham* und HydÜi 8^ 
,sich schämen*. 

Ein ou liegt auch vor in Gen. Sg. der u-Stämme: aksl. synu 
aus *9ünoas, lit sünaOs, got sunaus, ahd. fridö ,firiedens'. Da- 
gegen liegt im Yok. Sg. derselben Stämme: synu wahrscheinlich 



97 

em eu vor, nach der Analogie der o-Stämme, die ein e haben 
{boie)y lit sünaü, ai. sünö (ein ei analog wohl anch bei den 
»-Stämmen: kosti aus * kastei). Im Gen. Lok. Du. aller Stämme 
liegt ebenfalls oii (bez. aus) vor: hagu, rybu, kastbju, synovu, 
toju etc., lit pwriaü ^tten entzwei^ (zu piM yEßlfte')y ai. pfkaif- 
öS, tdy-08 (vgl. Brugmann, Kurze vgl. ör. § 476, Anm.). 

3) Oben S. 15 haben wir hervorgehoben, daß eu manchmal 
im Balt-slav. zu *iou fährte; daraus im lit iau, im Slav. ju, 
also ein u mit eventueller Erweichung des voriiergehenden Kons. 
Schlagend wären im Slav. freiUch solche Beispiele, in denen es 
sich um ursprüngliche Gutturale, die vor ju natürUch erweicht 
werden müßten, handelt. Da das eu schon im Balt slav. zu iau 
überging, so hätte die Erweichung der Gutturale auf slav. Boden 
nicht mehr vor ^ stattgefunden, sondern schon vor einem oti, 
dem eben das j (i) vorherging. Leider ist die Zahl solcher 
Beispiele, die uns bis jetzt bekannt sind, eine sehr beschmnkte. 
Man kann das aksl. duii, öujq ,wahmehmen, fühlen u. s. w.' hierher 
rechnen, gr. kret. diuvovres (msvei' TrjQei) zu *ke^8, *kau8 ,wahr- 
nehmen* (Zupitza, KZ. 37, S. 399, vgl. auch IP. 10 S. 151). 
Weiter leitet man zupa von *geupä ab und verbindet es mit ai. 
göpd ,Hüter, Wächter', göpagäti ,er behütet, bewahrt^, zupa also 
ursprünglich ,die Huf, dann was in Hut und Pflege übernommen 
ist; auch vom Ort: ,Schatzkammer, ein Bezirk, der verwaltet 
wirdS und zupam yVorsteher' einer zupa, vgl. noch gr. yvnfi 
,Geiemest^ Höhle^ mhd. kobe ,Stall, Käfig', ags. cofa ,Gemach, 
Schlafgemach' (Brugmann IF. 11, S. 111). Dazu gehört auch 
ab. hpdn, nb. pdn jHerr' aus *ghpam (dieses aus *gupano-, Tief- 
stufe, Lfil. 31 S. 104). Oben S. 15 haben wir aber ein Wort 
gehißt, das den Gutturallaut behielt (skubq)^ so daß also auch 
hier Abweichungen vorkommen. Als wahrscheinUch kann noch 
angeführt werden: aksl. ljubT> ,liebS 9P^ Hubs, ahd. liob-y eine 
Entlehnung aus dem Germ, ist hier wohl ausgeschlossen, da im 
Slav. auch andere Ableitungen, wie die Konjunktion Ijubo ,veP 
vorliegen. Von Ijuhb ist dann auch Ijubiii ,lieben' abgeleitet. 
Aksl. ljud^ jLeute*, le. laudis ,Leute', ahd. Hut. AksL pljiMa 
(aus *pljutja) xoApluMa Plur. ,pulmo'. Die anderen slav. Sprachen 
zeigen die Beflexe beider Foi-men , z. B. p. pluca, b. dagegen 
pUce. Ln urslav. *pljutja ist das erste j dissimilatorisch ge- 
schwunden (sowie aus *tjudjo auch ein aksl. tuzdt neben Muzdh 
entstand), Ut. plaücziai (zu ^ploutio), preuß. plauti, gr. jtXeviiiov 

Vendrik, Vgl. slar. Gramm. I. 7 



98 

(Berneker stellt es zu *j>tejfO schwimmen', IF. 10, S. 154). 
Aksl. inj ^inks' aus *8Ju-jo, ai. savyds ^linksS dieses aus ^se-uioa 
(vgl. ndvyas ans ^ne-^ios), im Slav. wurde dagegen *8et^io8 (vgl. 
oben S. 96 aksl. uj ,Oheim' aus *awiM, ohne i freilich *ne'U08, 
aksl. fuwb) ausgesprochen, d. h. die Silbengrenze verlegt, wodurch 
dann der Diphthong ^ entstand. Dieses Wort hätte auch zu 
*8uj (dissimilatorisch aus *8Jujo) fähren können. 

Weiter gehört hierher aksl. revq aus ^rjovq und rjuti ,brüllenS 
doch kommt im aksL beides auch ohne Jotierung vor, also Praes. 
rovq und Inf. ruti. Das Verbum gehört in die Kategorie von 
plavq, plidi, pljfti, die bei y besprochen wird. Das Sdiwanken 
hinsichtlich der Jotierung ist jedenfalls darauf zurückzuführen, 
daß diese ursprüngUch nur einer Form zukam, nämlich dem 
sekundären Infinitiv *rej^i (nach einem älteren Präsens reuo-reue 
wie *ple^, *ple^e, woraus dann *ra^o, *ro^e; *plauo, •piojK)- 
Das re^^i führte zu rjuti und das rj drang auch in das Präsens 
ein: *rjo^O', das zu r'evo- wurde. Andererseits wirkte aber auch 
das Präsens ravo-, rove- auf den Infinitiv rjuti ein und verdrängte 
hier das r;, so daß auch ein ruti aufkam. Man sieht hier deut- 
lich, wie unter bestimmten Umständen das j verdrängt werden 
konnte. Dazu vgl lai rumor, ai. rauti ,brüllt' und ruvdti. 

Über das ju aus eu vgl. Berneker im A&l. Phil. 25, S. 489 
und Brugmann Kurze vgl. Gramm. § 145, Anm., dagegen, 
jedoch nicht mit viel Erfolg, Mikkola IF. 26 S. 95—101. Eine 
ganze Beihe von Formen und Worten, wo ursprüngUch ein eu 
wahrscheinlich ist, weist einfach ein u auf, z. B. zu plavq aus 
*jile^O' ^schwimmen, schiffen' lautet der sekundäre Infinitiv pluti, 
das von Präsens beeinflußt wurde, als dasselbe noch *ple^o, 
*ple^e lautete. Man kaim hier nicht einwenden, daß schon da- 
mals auf slav. Boden aus eu nicht mehr ein ju werden konnte, 
da dieser Prozeß ein urbaltslav. sei, denn wir haben bei rjuti ein 
ju bemerkt, trotzdem es erst auf slav. Boden entstand. Dieser 
lautliche Wandel aus urbaltisch-slav. Zeit zeigt also seine Nach- 
wirkungen noch in der urslav. Periode. Wie pluti ist in dieser 
Hinsicht auch 8luti, shvq ,heißen', truti, travq ,nähren' zu beur- 
teilen. 

Auch ^u führte zu u, im Lok. Sg. der u-Stämme: aksl. 
8ifnu aus *8fini^^ got 8unau, ahd. euniu, lat. adv. nodü, ai. s&- 
ndu. Für diese Form spricht auch der Lok. sg. der f-Stämme: 
kosti aus *ko8tSi (vgl. oben S. 17). Daß hier nicht *8ynju d. h. 



ein ju vorkommt, ist auf den Einfluß der anderen Kasus zurück- 
zufuhren. Weiter gehört hierher der Aor. pluchz, gr. InXsvoa 
<aus *pl>e^S'), vgl. ai. dsrätifam (aus sre^S'). 

Ein fremdes langes ö wurde nicht selten als ein langes u 
gehört^ aber zu einer Zeit, als das ü im Slav. nicht mehr zu y 
wurde, während in einer älteren Periode auf diese Art ein y 
entstand (vgl. bei diesem Laute). So haben wir aksl. buky, bu- 
kbve ,BucheS aber auch ,BuchstabeS im PI. ,Schrift, Buch^ In 
beiden Bedeutungen ist das Wort germ. Ursprungs: got böka 
,Buche^ allerdings nicht belegt, dagegen böka f. und bök n. ,Buch- 
stabe^, im PI. ,Schrift, Buch', ahd. buoch ,Buche' und 3^^^^ 
Wegen des u und k muß man das Wort im Slav. als ein Lehn- 
wort auflassen, vgl. gr. q>äy6s ,Eiche' (auch <)pijyos), lat fägus 
(im Slav. müßten wir also a und g haben, im Germ, ist allerdings 
aus ä regelrecht ein ö geworden). BezügUch der Endung und 
der Deklination dieses Wortes ist zu bemerken, daß es jedenfalls 
von älteren Vorbildern angezogen worden ist. Auch der Name 
des Flusses Dunaj, Dunavb ,Donau' ist jedenfalls von den Ger- 
manen (Gothen) entlehnt Das kelt-lat ä in Dänubius wurde 
leicht im Got zu ö und weiter ü, vgl. auch Jovvaßiq^ Jowavig 
bei Caes. Naz. (Verf. ÖÖMus. 74, S. 18ff.). duma ,consilium, 
senatus^ im Aksl, Bg., R. und P. (aus dem R), dann dumaii 
feinen, denken', got döms ,Sinn, Urteil', ahd. tuam ,Tat, Urteil, 
Gericht, Würde'; aksl. kanumy gr. yuxvaiv; aksl. kruna, koruna, 
lat Corona (als Corona, vgl. ahd. koröna, mhd. kröne); aksl. ni- 
mim, gr. ^cu/iaiog; aksl. solomum, gr. aoXo(jLwy\ solum, ^Baoa- 
Xovixfj; aksl. episkuph, gr. eniaiMTtog und biskuph^ ahd. biskofi 
vgl auch r. i4ksus^ ,Essig' u. gr. o^og. 

Mitunter fällt die Entlehnung in eine Zeit, als das Gesetz 
ü — y teilweise noch in Wirksamkeit war, daher aksl. pastyrh und 
pastufh (p. auch pasturz neben pasterz aus pastyrz), dagegen ent- 
hält pastuchz ein einheimisches Suffix {-udiz vgl oMuchz ,Stief- 
vater'). pastyrb ist jedenfalls ein sehr altes Lehnwort aus dem 
Romanischen, lat pästör. 

Ein fremdes u bez. ju erscheint in einer späteren Periode 
ebenfalls als u und zwar teilt es dann die Schicksale des schon 
vorhandenen slav. u, d. h. es ist unter dem Einflüsse desselben 
ebenfalls lang geworden und konnte eine zweifache Litonation 
bekommen: aksl. bljudo neben bljudz, gen. bljuda, s. blßda und 



100 

bljädo ^Schüsse?, got bitids ^Tisch^ (hängt mit -biadan ,bieten^ 
zusammen), ahd. biet, piot. 

Aksl. Muzdh neben duedh und tuzdh ^md', s. ttidj, slov. tüj, 
tüja, vgl. got. piuda ,Volk^, ahd. deata, dann got /Hudisko adv. 
heidnisch' und ahd. diiUisk ^popularis' und ,deut8ch^, Gl *teuta, 
slav. 6f. *tjudjo. UrBpriinglich hatte das Wort *tjudo etwa 
^germanisches Volk' bezeichnet, womit aksl. üudim, Mudovim, 
ätudh, dudim u. s. w. ,Riese' im Zusammenhange wäre. Es 
kommt vor, daß mau fremde Völker nach den bei ihnen heimi- 
schen Namen benennt (vgl. die ,Slaven'). Davon dann das Adj. 
*tjudjo ,das germ. Volk betreffend, dem germ. Volke gehörig* 
(das Suffix -/o- bildete Adjektiva possessiva, siehe in der Stamm- 
bQdungslehre), dann überhaupt fremdes Volk betreffend, ,fremd'. 
Man vergleicht auch slov. Ijudski ,fremd^ 

Veränderungen des u auf slav. Boden. Nach weichen 
oder palatalen Konsonanten wird im B. u zu i und ii zu /. Das 
ist der Umlaut des u. Derselbe macht sich seit dem An&ng 
des XIV. Jhd. bemerkbar, z. B. aus älterem brucho ,Bauch' wurde 
bricho. Am intensivsten ging der Prozeß vor sich um die Mitte 
des XIV. Jhd. Damals begann er sich auf Silben auszudehnen^ 
in denen er später wieder rückgängig gemacht worden ist, so 
z. B. Imper. pracij ,arbeite' aus älterem pracuj, das dann wieder 
eingeführt wurde. Ebenso praciß ,ich arbeite' aus älterem pra- 
cuju. Jetzt pracuji oder pracuju. Dieser Umlaut erstreckt sich 
auch wie jener des a (vgl. S. 79j auf das Gebiet von Böhmen» 
Im Slovak. finden wir dagegen nur einige Worte mit i aus u 
und das sind wahrscheinUch Bohemismen. Unter den mährischen 
Dialekten finden wir solche, die nur u haben oder solche, die in 
bestimmten Fällen u erhalten haben. Näheres darüber bei Ge- 
bauer I S. 272 — ^278. Dieselben Umstände, welche den Umlaut 
des a zu e herbeiführten, wiikten auch hier. Mit dem deutschen 
Umlaut des u za ü hat unser Umlaut keine Berührungspunkte 
und ist von ihm ganz unabhängig, wie schon auch die zeitliche 
Verschiedenheit beider Prozesse dafür spricht. 

Langes u in nicht weichen Silben, welchen Ursprungs immer^ 
wird im B. zuerst zu au und dieses daim zu ou, z. B. sud ,Ge- 
rieht' (aksl. 8(fd^)f dann saud und scud. Das ü behauptet sich 
bis zum zweiten Drittel des XIV. Jhd. Dann fängt es an, ins- 
besondere gegen das Ende des XIV. Jhd., in au überzugehen^ 
doch braucht dieser Prozeß sehr lange, denn noch im XVII. Jhd» 



101 

taucht^ wenn auch vereinzelt, das ü au£ Das ans ü entstandene 
au wurde bis zur letzten orthograpb. Reform (1849) geschrieben, 
ob zwar es schon längst als ou ausgesprochen wurde. Dial. Be- 
lege für den Übergang des au in ou haben wir schon aus dem 
XV. Jhd. Im Anlaute wird jetzt in der Schriftsprache das ü 
▼oigezogen: üfad ^Amiff was ursprfinglich eine dial. ESgentämlich- 
keit war (in der Volkssprache sonst allgemein ourad). Im Slovak. 
ist ou nur im Instr. Sg. der a-Stämme vorhanden: mou pravou 
rukou ,mit meiner rechten Hand^ (gegen den Akk. Sg. mu pravü 
ruku)j was vielleicht unter dem Einfluß des B. aufglommen ist. 
Näheres über diesen Lautwandel bei Gebauer 1. o. S. 260—264. 
Der Übergang des ü in au, ou findet sich bekanntlich auch im 
Deutschen. Im baier. Dial. wird ü Tsa au oder ou seit dem 
Xn. Jhd. und im Ostfränk. und Schles. geht das ü in au seit 
dem XIV. Jhd. über: hüs wird hau8 und houa. Man kann also 
hier mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit voraussetzen, daß der 
Impuls zu diesem Prozesse im B. vom Deutschen ausging, wie ja 
auch Gebauer geneigt wa^ anzunehmen. Allerdings handelt es 
sich da um eine prinzipielle Frage, nämlich um die, ob eine 
Sprache auf eine andere auch bezüglich der lautl. Prozesse ein- 
wirken kann. Sie wird vielfach verneint, jedoch mit Unrecht. 
Da aUe lauÜ. Veränderungen, die ein bestimmtes Lautgesetz aus- 
machen, in der Kegel von einzelnen Individuen ausgehen, ist 
nicht ersichtlich, warum gerade diese Individuen in bestimmten 
Fallen nicht unter dem Einflüsse einer fremden Sprache, wenn 
dieser sich auch soxist äußert, stehen könnten. Allerdings müssen 
in beiden Sprachen gewisse Dispositionen vorhanden gewesen sein. 
Diese finden wir nun auch in unserem Falle: im mhd. wurden 
lange Vokale diphthongiert und dieselbe Erscheinung finden wir 
auch im Aböhm., wo ö za tu), ^ zu aj und so auch ü zu au 
wurde. 

Graphische Darstellung, lautlicher Wert des y 
und sein Ursprung. Es ist auffallend, daß im glag. Alphabet 
und darnach auch im cyrill. der Buchstabe aus zwei Zeichen 
besteht: aus ^ und i (später auch »t). Daraus darf man aber 
nicht auf eine diphth. Geltung schließen. Dieselbe Erscheinung 
bemerken wir ja auch bei tf, bei dem die griechische Schrift als 
Muster diente und eine Erweiterung dieses Systems müssen wir 



102 

auch bei y zugeben. In lateinischer Schrift finden wir dann 
häufig ein ui dafür, so z. B. schon in den Freisinger Denkmalem 
ein huüi = hyti ^in' 11 42; hui = Äy II 8; mui = my ,wii:^ 
n 32, 41, 104. Es ist der Einfluß der deutschen Graphik, wobei 
man das slav. y als verwandt mit dem deutschen ü ansah, das 
seit dem X. Jhd. durch u, iu oder ui dargestellt wurde. So 
finden wir auch in den eben erwähnten Freis. Denkm. mudüe =■ 
mydiU 11 84. Vgl. auch in Urkunden Vustrice 1120, 1170; 
Viustriza 1130; Fiustriz 1136 u. s- w. für Bystrica (vgl. des Ver£ 
»Frisinsk^ pamätky u. s. w.« Prag. 1896, S. 31, 42—43). Ähn- 
liches weisen auch die fiohemica der Urkunden auf: Buüfaw — 
Bydzav 1186; Buißrice 1226 u. s. w. (öebauer, I S. 278). Es 
muß hervorgehoben werden, daß auch hier, wie in den Freisinger 
Denkmälern, vornehmlich nach Labiallauten der unterschied 
zwischen y und i auffidlend war. So auch in den ap. Urkunden, 
z. B. Premuisel u. dgl. Von dem deutschen ü unterscheidet sich 
aber das slav. y wesentlich dadurch, daß bei ihm keine Rundung 
oder gar Vorstülpung der Lippen ursprünglich vorkam. Die 
Lippenbeteiligung scheint sich vielmehr, wie wir sehen werden, 
erst später bei seiner Aussprache auf einzelnen Gebieten entwickelt 
zu haben. 

Schon Lepsius hat ein richtiges Verständnis des slav. y an- 
gebahnt, indem er es als »u- Artikulation der Zunge mit {-Arti- 
kulation der Lippen c definierte. Allerdings muß dabei — wie 
Storm richtig hervorhebt — statt des (deutschen) u eine weiter 
vorne liegende Zungenartikidation gesetzt werden (Engl. Phil. 
2. Aufl. S. 117). Diese wird gebildet durch eine bogenförmige 
Hebung des mittleren Zungenrückens gegen den mittleren Gaumen 
(mixed). Die kleinste Öffiiung zwischen dem Gaumen und der 
Zunge ist also mehr vom (bei u dagegen hinten) und sie ist 
überhaupt kleiner als bei u. Andererseits muß sie aber größer 
sein als bei i, sodaß sich die Zunge mehr senkt als bei diesem 
Vokal. So wird allgemein unser Laut nach Bell-Sweet als 
ein high-mixed-narrow-t definiert Daher erklärt es sich auch, 
daß dieser Laut im Slav. in ein i übergehen konnte, mit dem er 
fast dieselbe lippenöffiiung gemein hatte. 

Es muß aber noch auf einen Umstand hingewiesen werden, 
der bis jetzt nicht hervorgehoben wurde, nämlich die Lage der 
Zungenspitze. Hus, der ein ausgezeichneter Beobachter der 
böhm. Aussprache war, gibt uns genau an, wie ein y ausgesprochen 



103 

wurde: sponendo prindpium linguae sab inferioribus dentibus et 
in medio elevando linguam per modum drculi et simili modo 
fonnabit i et poterit dicere iyko, miyn, tjjn, hyn^ (Slav. Biblioth. 
n S. 179 — 180). Daraus ersehen wir^ daß das y mehr offen war 
im Gegensatze zu dem mehr engen, geschlossenen i. So stimmt 
das im Ab. erhaltene y vollkommen mit dem jetzigen r. y, das 
bei der Schilderung der Aussprache unseres Lautes in der Kegel 
allein maßgebend war, überein und da auch das p. y im allge- 
meinen so aufgefaßt werden kann, so haben wir es hier mit einem 
Beflexe des gemeinslav. y zu tun. Wären dabei auch die Lippen 
beteiligt gewesen, so hätte es Hos gewiß herroigehoben. Storm 
sagt über diesen Laut: »genauere Untersuchungen haben mich 
überzeugt, daß das russ. h\ etwas verschieden gebildet wird, doch 
immer am harten, nie am weichen Gaumen; am hintersten (post- 
palatal) besonders in nicht palataler Berührung wie in 6yfo, fy, 
mehr vom (mediopalatal) bes. in Berührung mit Palatalen wie 
in hyli, tysjuca. Im Polnischen ist die Bildung des y in byi 
vieUeicht zunächst mediopalatal. In den übrigen slav. Sprachen 
ist die Artikulation bis an die präpalatale Stelle vorgeschoben, 
d. h. es ist ein i daraus geworden« (1. c. S. 268). Storms Ansicht, 
daß y am harten, nie am weichen Gaumen gebildet wird, findet 
auch in der Beschreibung des Hus ihre Bestätigung: in medio 
elevando linguam per modum circuU. 

Neben dem R und P. hat sich das y nur noch in einzelnen 
Dialekten des b. Sprachgebietes erhalten und zwar in Mähren 
(lachisch und teilweise wallachisch). Über das y im Ab. handelt 
eingehender Dolansk;^ in ÖßMus. 1899. Weiter kommt es nach 
bestimmten Lauten auch im Sorb. vor (siehe bei t S. 31) und 
scUießlich will man gewisse Beflexe in bulg. (besonders maced.) 
Dial. bemerkt haben (vgl. Miletic Afel. Phil. 20, S. 585 ff.). 

Nach der oben gegebenen Darstellung konnte es natürhch 
zwischen y und i Berührungen geben. Bückte die Verengung 
weiter nach vom, wurde aus y ein i; so bemerken wir es auch 
in den meisten slav. Sprachen, die das y verloren haben. Es 
konnte aber auch umgekehrt die Verengung des % weiter nach 
hinten rücken, so daß sich aus t nahezu ein y entwickelte, wie 
es eben im Eleinr. der Fall war. Auch im ostbulg. Drjanover 
Dialekte bemerkte Miletiö etwas Analoges (vgl. oben S. 31). 
Alle diese Wandlungen wären bei einem ü, also bei einem Laute 
mit Lippenbeteiligung bei seiner Aussprache, nicht möglich gewesen. 



104 

Das y ist auf slav. Boden aus ü entstanden: aksl. byti, b. 
bßi, s. bUi »sein, werden^ lit MUi, vgl gr. 9^01, lat. fiUuruSj aksl. 
d^Zj b. dym, s. dlm ^Rauch^, lit dümai (PL), lett. dümi, preufi. 
dutnis, ai. dhümds, gr. ^/lo? ^Leidenschaft, Muf, lat fämus\ 
aksl. Zys» ^ahl', Ut ^fiasi« ,IiUchsS ai. rtisan^ ylichtfarbig^; aksL 
myib, b. myi, s. mlj ,MausS ^<1« ^<^ ff- M^^» ^^^ ^^9 ^' f^^-; 
a^. nyn^ ^un, jetzt^, lit notial, ahd. nu^ nü, (verwandt mit 
urspr. *neyiMj aksl. nwh ,neuO; aksL pyro ^Spelt^, lit. pürai 
yWaizen^ le. p^h preuß. pure ^Sresi^^ gr. Ttvqor^ aksl. ryba 
,Fisch^ ahd. rüppa ,Raape, Quabbe'; aksl. sifm, b. syn^ s. mn 
(sekundäre, bei den ti-Stämmen auftauchende Abweichung hin- 
sichtlich der Tonqualität) ,Sohn^ lit sünüs, preuß. 90G/n8 {soanaritj 
ai. 8Uni4, got «tmti«; aksL syrh^ b. syr, s. «Ir ,EäseS preuß. mris, 
sur, lit ^ttfis ^EäseS ahd. sür ,sauer^; aksl. ty, b. ty, s. ^» (ab- 
weichende Tonqualität), preuß. toa, tu, gr. Tt;-i^, lat. ^ei, aisl. pü\ 
aksl. tysqita, tys^Sta ^tausend', preuß. tüsimtans (aus *^a9-a/mfo), 
vgl got ßüsundi t, fränk. ßüs-chunde, ahd. dusunt (lit tükstantis 
umgebildet), das '^'^O« wohl eine Weiterbildung zu aksl. tyti, b. 
t^i, s. ^ttf ,fett werden^, hierher auch aksl. tyh ,NackenS urspr. 
, Anschwellung, b. tß, ai. täla ,Bispe, Büschel^ gr. TvXti , Wulst, 
Schwiele', lit tülas Adj. ,so mancher' (urspr. Subst. ,Masse'), 
preuß. tülan, toülan ,viel' {tülnirU ,mehren'), damit auch verwandt 
lat tumeo, ahd. dämo , Daumen'; aksl. vydra, b. vydra (Quantität 
abweichend), s. vldra ,Fi8chotter'> lit üdra, le. üdris, preuß. udro 
jOtter*, ai. udräs ,ein Wassertier'; ursl. *vyfnq, b. vym^ s. vtme 
,£uter', lit üdrüti ,trächtig sein', ahd. ütar, ai. üdhar ,Euter'; 
aksl. vysokh ,hoch' (aus ^upsoko-) vgl. gr. vx^n ,hoch' zu iWo, 
ahd. üf. 

Aber ohne Ausnahme ist diese Begel nicht, wie wir bei aksl. jueha 
Jusculnm* weiter unten sehen werden. 

Wir haben mehrere Verba, die entweder im Inf. wie auch 
im Praes. ein y aufweisen, wie z. B. aksl. kryti, kryjq ,decken, 
hüllen' (hinsichtlich des Inf. vgl. das oben angeführte byti, zu dem 
das entsprechende Praes. *bopq aus *be^ fehlt, bqdq ist eine 
Neubildung), oder aber weist der Infi ein -1«- und das Präs. ein 
-ov- auf, wie z. B. aksl. pluti, plovq ,schwimmen, schiffen'. Doch 
kommen auch in diesem Falle Nebenformen vor, r. plytb, plyvu 
(sltc. aber noch plovu vgl. Sobolevskij Lekcii S. 244), s. plHiy 
pltjem neben pllvati, pllväm ,8chwimmen'. Dieser Umstand, so 
wie auch die Tatsache, daß wir im Lit. bei diesen Verben im 



105 

Präs. und Inf. -au- finden, zwingt uns anzunehmen, daß wir es 
hier mit Ausgleichimgen zu tun haben, indem einmal der Vokal 
der Infinitivformen, das andere Mal jener der Präsensformen ver- 
allgemeinert wurde. Noch klarer wird es, wenn wir auch die 
Yerba wie aksl. bbjq, büi ,schlagenS pbjq, pUi ,trinken^ heran- 
ziehen: es besteht nämlich ein Parallelismus. Das slav. Präs. 
lautete ursprünglich *peiih, *p€ie, in den Infinitivformen war da- 
gegen -I-. Im Präs. entstand lautgesetzlich pbjq, phjeäi u. s. w., 
dem das ab. piem (mit analogischer m-Endung), piei, pie (daraus 
später plm, pU, pl) vollkommen entspricht Auch das i in den 
Infinitivformen ist lautgesetzlich. Ganz klar liegt uns dieses 
Paradigma im lit veßl, vijaü, vyti ,nachsetzen, drehen, winden^ 
vor. Im Aksl. ergab es wieder pbyff vhjeH . . . Inf. viti, s« vUi 
(vljim\ im Ab. viem, vies, tne, Infin. vüu 

Dementsprechend lautete bei unseren Verben das Präsens 
z. B. *me)fO-^ ^me^e-, den Infinitivformen lag dagegen mü- zu 
Grunde. Wie Leskien richtig hervorgehoben hat, liegt das ü 
noch vor z. B. in preuß. au-müsnan jAbwaschung'. Aus -e^o-, 
€|f« entstand im Präs. ovo, ove, aus u ein tf. Das Präs. sollte 
daher aksl. *fnovq, *moveH u. s. w. lauten. Aus den Infinitiv- 
formen (Inf. aksL myti, s. fnlli, b. m^i) drang aber der Vokal 
auch in das Präs. ein und so entstand schon im Urslav. myjq 
u. 8. w. Der Akzent s. mljem, r. möju (also auf der Stamm- 
silbe) spricht nicht gegen die angegebene Parallele aksl. vtjq, 
VhjeH u. s. w., das eine andere Akzentuation voraussetzt, denn er 
rührt auch vom Inf. her. Das r. moju gegen myju, das auch 
im Ar. vorkommt, ist eine speziell r. Erscheinung (vgl. tolstoj 
gegen tolstyj, y vor j). Im lit. wurde dagegen der Präsensvokal 
verallgemeinert: mäuju, mdviau, mduti ,streifen' (im Präs. ist auch 
st. V ein j eingeführt, offenbar auch unter dem Einflüsse des Inf., 
indem die Analogie anderer vokalischer Verba wirkte). Doch 
können wir auch einen umgekehrten Vorgang im Lit. bemerken: 
das Präs. richtet sich nach dem Inf.: sidvü, siuvaü, «iu^i , nähend 

Wie im lit. liegen auch im Slav. Verba vor, in denen der 
Vokal des Präsens verallgemeinert wurde. Hierher gehört das 
schon erwähnte aksl. phvq, pluti, letzteres aus *pleuti ^ Das 
alte Präs. liegt noch vor in ai. pldvate ,er schwimmt, fliegt', gr. 



1. Leskien erklärt das Nebeneinander von pluU und plyti durch 
den EinfluB eines Sapinums *plut9 (Afal. Phil. 5 S. 



106 

7tX6(^io ,ich schwimme, schifiFe', vgl, auch lat per-plovere ^eck 
sein'; im Lit. wieder plduju, pldviau, pläuti ,8ptilen' (vgl. auch 
lit. pa-plava ,Spülicht'). Wie schon hervorgehoben wurde, liegen 
im R. und S. noch die ursprüngl. Inf. vor, r. plyth ,8chwimmen*, 
s. pllti, nach denen hier später auch das Präs. umgebildet wurde: 
r. plyvü, plyveSh, s. plljem. Li diesen Formen des R. sehen wir 
auch noch den Reflex des einstigen Präs. aksl. plovq, ploveH 
(das nach S. 104 übrigens noch im Ar. vorkommt), da es auch 
ein V aufweist. 

Neben myti ,wascheu', lit mduti ,6treifenS womit man lat 
movSre, gr. äfievofiat vergleicht, andererseits aber auch lit. mdu- 
dffti ,baden', mnd. muten ,das G-esicht waschen', gr. ftvdog ,Nässe'^ 
fivdaUog ,feucht', gehören hierher noch folgende Verba: 

aksl. krifti, kryjq ,decken, hüllen', s. krlti, b. ktyti, lit krduju, 
kröviau, krduti ,häufen, schichten, laden'; aksl. -nyti in u-nyti, 
-ny-jq yoxijdioy, verzagt werden', r. nytb, nöju, nöjeäh ,einen 
dumpfen Schmerz empfinden'; aksl. ryti, ryjq ,graben', b. ryti, 
^yßf 8. rlti, rlfSm ,wühlen', lit räuju, röviau, rduti ,raufen'; ebenso 
aksl. äiti (aus ^sjüti, *^yti) ,nähen', b. äüi, s. SUij sljem (Part. 
Prät pass. aksl. äbvem aus *8ßvem, vgl. u-rmvem zu myti)^ lit 
siüvüy siuvaü^ siüti ,nähen', das entspricht also jenen slav. Verben, 
die das Präsens nach den Infinitivformen umänderten, doch blieb 
hier auch noch das v von dem ursprünglichen Präs. 

Zu der zweiten Gruppe gehören noch neben plowfj pluti : 
aksl. sluti, slovq ,heißen', im R. noch siytt^ slyvü, slyveäb (altr. 
Präs. noch slovu, Sobolevskij, Lekcii, S. 244) ,gelten', ab. slüti, 
(jetzt slouti) sUnm; aksl. trtUi, trovq ,nähren*; aksl. ruti {rjtUi^)y, 
rovq jbrüllen', darneben aber auch revq aus *rjovq (vgl. iäi)j im 
Ab. revu, ruti; aus dem Ab. ersehen wir auch, daß revu die 
ältere Form ist (später dann ruju und rvu). Nach der Analogie 
entstand zu beru, brdti auch ein revu, rvdti (zu diesem auch ein 
Präs. rvu). 

Bei kovq, kovati ,schmieden' müssen wir dagegen das Präs. 
des Aksl. trotz des ab. kuju, kuji und dem s. kujem für älter 
halten, da ja ein intervokalisches (heterosyll.) ojf nicht zu u werden 
konnte; das Präsens kuju u. s. w. zu kovati ist vielmehr nach 
kupuju (aksl. kupujq) -kupavati entstanden, wie schon Leskien 
darauf aufmerksam machte (Afsl. Phil. 5, S. 531). So hat sich 
für das aksl. zovq im Ab. auch noch das entsprechende zovu er- 

1. Über die Jotierung in rjuti vgl. bei u aas eu S. 98. 



107 

halten, weil der Inf. nicht zovati, sondern zvdti lautete, was nicht 
mehr mit kupovati yerkntipft werden konnte. So auch suju-savati, 
aksl. sovati, wozu auch schon das Fräs, sujq ,mittere', ht. szäuju, 
szüviau, 8zduti ^schießen' (vgl. dazu noch aksl. stUiea, b. sudlice 
yWur&pießO. Erst später sind wohl nach kujq-kovati, sujq'sovati 
auch andere Verba, die im Inf. -vati hatten (man faßte es auf 
als kihvati, weil ku-ßi) im Präsens modifiziert worden, wie jijujif 
statt ]^'ijq, weil im Infinitiv pl'tvati war, ebenso zujq ,kaueS ^^ü 
der Inf. ztvati lautete. Doch gestalten sich die hier berührten 
Yerbalveihältnisse mitunter ziemUch verwickelt Es kann nur 
noch erwähnt werden, daß selbst auch die Infinitive wie kovati 
u. s. w. nicht urspriingUch zu sein scheinen, sondern *kuti aus 
*kauti, vgl. Ut. kduju, kduti ,schlagen, schmieden', ahd. houwan 
(lat. eädere, Ut kügis ,ein großer Hammer' u. s. w.). 

Weiter: Nom. Sg. der ü- Stämme wie aksl. svekry, ai, 
svasrüä ,Schwiegermutter', vgl. gr. id^-vg ,Richtung'. So war auch 
im Slav. *kry ,Bluf vorhanden (slov. auch noch kri, ap. Ary, 
Kaiina, Hist j§z. polsk. S. 230, jetzt krew), sonst ist aber der 
Akk. an die Stelle des Nom. getreten: aksl. krbvt. Das -y aus 
'ü8 liegt nach Zubat^ (Afsl. Phil. 25, S. 355—365) auch in dem 
Suffixe -yiM vor, das als -y-ii» zu deuten wäre : ksl. hogyAi ,Göttin'. 

Nom. Akk. Vok. Du. der u-Stämme: aksl. «yny, lit sünu 
aus *8Ünü, ai sünü. 

Das lange ü konnte sich aber in einer bestimmten Zeit erst 
auf slav. Boden entwickeln und zwar durch Ersatzdehnung, indem 
ein n ausfiel. So bemerken wir es zunächst in der Lautgruppe 
«ft + Kons., z. B. aksl. lyko ,Ba8f, b. lykOj s. llk m. ,Bast^, Ut 
lünkasy preuß. lunkan dass. ; aksl. vyknqti ,gewohnt werden', b. 
vyknouti, Ut jufikUu ^ch werde gewohnf , vgl. got bi-uhts ,ge* 
wohnte, s. vlknuti (sclknuti), nä-viknuti (Dani£iö, Akcenti u glag. 
S. 34, bez. 80). Ebenfalls im Auslaute bei -uns: Akk. PI. der 
M-Stämme, wo ans -uns zunächst ein Hs entstand, aksl. syny aus 
*8ünuns, Ut sunus, dangüs, got sununs, lat manüs. 

Auslautendes -n und -8 gab dem vorhergehenden ö und o- 
Laute eine dumpfe Färbung, so daß es zu a, bez. u wurde. So 
führte auslautendes -ön zu -m, -y z. B. Nom. Sg. katny ,Stein^ 
aus *kamön, vgl. gr. mfnav , Amboß, Donnerkeil'. Über da» 
urspr. -tn des Gen. PI. der a- und o- Stämme siehe bei den 
Ni^en. 

Ebenso wurde auch im Akk. PI. der männUchen o-Stämme 



108 

-ans zu uns, n fiel aus und u wurde gedehnt, so daß -ilSj dann 
-y entstand: roky zu rot» ,Termin*. Bevor jedoch die Ver- 
dumpfung eintrat, lautete hier -Jons zu -Jens um; dieses führte 
zu j^ : kraj^, mqz^. Ebenso auch im Nom. Sg. des Part Piüs. 
i>^y gegen znajq aus *ved(m(t)9, znaj(m(f^. Es ist nur das 8 
dafür verantwortlich zu machen, daß sich hier nicht ein Nasal 
entwickelte: Nasal + 8 war also etwas ungewöhnliches (anders 
jedoch der Aor. p^, der als |>^-9» aufzufassen ist). Dagegen 
führte -ant zu q^ z. B. 3. P. Fl. des starken Aor. aksl. vedq ,sie 
führten^ 

Wir haben schon einige Kasusformen, die vielleicht mit Hilfe 
der hier berührten EHgentümlichkeit erklärt werden können, S. 53 
erwähnt. Es ist der Gen. Sg., Nom. Akk. PI. der a- Stämme 
aksl. ryby u. s. w. Ein solches y scheint in den Pronominal- 
formen Nom. Akk. PI. vy ,vos' und Akk. PI. ny ,nos^ mit dem 
durch Yerquickung aus einem älteren *ine entstandenen Nom. 
my vorzuliegen. Da ny und vy auch als Dative fungierten, so 
muß man sie wohl auf das ursprachl. nds^ uSs, das ebenfalls als 
Akk., Dat. und dazu noch als Gen. gebraucht wurde (ai. ne?^), 
zurückftihren. Es kann nicht daran gedacht werden, den dativi- 
schen Gebrauch des ny, vy durch den Einfluß des Akk. u. Dat 
Dual, na, va (dieses auch als Nom.) zu erklären, da letztere 
Eormen in dieser Funktion in anderen Sprachen gar nicht belegt 
werden können« Viel wahrscheinlicher ist es dagegen, daß um- 
gekehrt der dat Gebrauch des na, va (neben dem akkusativi- 
schen) von dem dat Gebrauch des ny, vy, das eben auch als 
Akk. vorkommt, beeinflußt worden ist In dem dat Gebrauch 
des ny, vy werden wir demnach die Fortsetzung des ursprach- 
liehen dat Gebrauches eines n8s, v9s ebenso sehen, wie sich ja 
auch bei dem enklitischen Dat mi, ti, si im Slav. noch die geni- 
tivische Funktion erhalten hat z. B. bratrh mi ,frater meus* (urspr. 
moi, toi, mei, tei wurde als enklit Lok. Gen. imd Dat gebraucht). 
Ein nös, vös müssen wir auch voraussetzen, wenn wir den Gen. 
PL desselben Pronomens nash, vasb erklären wollen, nämlich aus 
*nöS'8äm, ^vös-söm (vgl. BB. 29, 8. 218—219). 

In allen diesen Fällen hätte ein -ös über -üs zu -y geführt 
Ging aber ein weicher Konsonant vorher, lautete jös zu j^s um, 
woraus dann ji geworden wäre z. B. westslav. drde. 

Auch das uraprachliche -öis (-ots) im Auslaute scheint zu demselben 
Besultate geführt zu haben wie -ds und zwar im Instr. PI. der o-Stämme. 



10& 

Es Bind hier zwei Fälle möglich: entweder ist in dem Langdiphthonge 
das i geschwunden (also ehenso wie z. B. in aksl. tatt ,Dieh' gegen tajüi 
,hehlen% tat ,geheim* ans («)<^'. ai. täyüf ,Dieb'), so daß ein -äs entstand^ 
welches nach dem früheren zu -üs und dann zu -y geführt .hätte : rol^^ 
nach weichen Konsonanten t: mqÜ, koAi^ poti. Diese Formen sprechen 
allerdings nicht gegen unsere Annahme. Wie wir nämlich sehen werden, 
muß die Terdumpfende Wirkung des « als sehr alt vorausgesetzt werden 
und daher können wir hier nach dem früheren keinen Umlaut des jöi zu fia 
(iiAnn ji) erwarten, da derselbe jünger war. Etwas anderes haben wir 
im Gen. Sg. der a-Stimme, bei denen das -öi erst später aus -m entstand. 
Nimmt man an, daß das i nicht ausgefallen ist, so muß auch daran fest- 
gehalten werden, daß die Verdumpfung infolge des $ frühzeitig wirkte 
und zwar bevor noch die Verkürzung des Langdiphthonges eintrat (ein 
ojf« hätte selbst auch bei der Verdumpfung zu tijpr, -u«, -» geführt, ohne 
Verdumpfung zu -i) und bevor der Umlaut fo—je wirkte. Daß übrigens 
dieser Umlaut jünger ist als die Verdumpfung, beweisen die Nominative 
fn<{&, korib, die ebenso auf ein -Jos (dann jus) zurückgehen wie rokt^j ^» 
u. s. w.; sonst müßten sie *mql«, *koiUs lauten (durch Umlaut aus *kon' 
J09 u. s. w.). Nur bei -oiw ist die Verdumpfung erst später eingetreten,, 
nachdem -Jims zu J9ii8 (woraus dann J{) geworden war, vgl. den Akk. PL 
der männlichen o-Stämme und den Nom. Sg. m. des Part. Präs. akt» 
(vtdy gegen bij^. Das -im in "Oru scheint überhaupt auf das o längere 
Zeit hindurch konservierend gewirkt zu haben, denn es widerstand auch 
der Nasalierung: aus *rokoni ist kein *rokq geworden zu jener Zeit, als 
ein "vedoMt zu vedq führte (3. PI. Aor.). Sicher scheint es ferner, daß 
das 8 längere Zeit hindurch diese verdumpfende Wirkung ausübte (abge- 
sehen von -oti«, das eben erwähnt wurde und wo sich dieselbe erst später 
intensiver bemerkbar machte), weil wir sie auch bei dem Gen. 8g. der 
o-Stämme annehmen müssen. Nun ist aber hier ursprünglich ein -S« 
gewesen, dieses wurde zu -m und dann erst infolge der immer noch ver- 
dumpfenden Wirkung des « zu -ü«, -y. So würde der Nom. rokt aus 
^rokos (durch *rokfiM) den Reflex der ältesten Phase dieser Verdumpfung 
(wo es noch keinen Umlaut jo—Je gab, daher auch tnqit, kont, aber kein 
*y/iq&, *kone)^ dagegen die Genetive aksl. u. s. w. ryht/^ westslav. aruss. 
duii jenen der jüngsten Phase derselben bezeichnen, da es hier schon 
auch einen Umlaut Jö zu ji gab : westslav. duH. Es müßte also ange- 
nommen werden, daß öjls frühzeitig zu üis geworden ist, woraus dann -üt 
und aus diesem -y entstanden wäre. Vgl. auch BB. 29, 8. 219 Anm. 2. 
, Es braucht nicht erst hervorgehoben zu werden, daß die erste Erklärung 

! auf eine größere Wahrscheinlichkeit Anspruch erheben kann, aber die 

hier entwickelten zeitlichen Verhältnisse der betreffenden lautlichen Pro- 
zesse bleiben dadurch unberührt. 

Auch bei entlehnten Worten wurde nicht selten ü zu y, 
wobei es sich offenbar um sehr alte Lehnwörter handelt, z. B. 
aksL chyzb, chyzina, chyza ,Haus^ aus dem Germ.: got. hüs z. B. 
in gud'hus ,Gotte8hau8* (zu yiev&eiv); aksl. tym ,Mauer', b. tyn 



110 

^eingezäunter OrtS zd4yni ,Wehi:^, anord. tan, ahd. zun ,ZaunS 
air. dün ,Burg*, gall. dünum (z. B. Augusto-dünum u. s. w.). Das 
t spricht dafür, daß das Wort aus dem Germ, entlehnt wurde. 
Da hauptsächlich im Got das ö fast als ü klang, so begreifen 
wir Entlehnungen wie aksl. myto ,Lohn*, mytar't ,publicanusS got 
möta ,ZollS das ahd. müta ,Maut, ZoU^ kann nicht mehr in Be- 
tracht kommen. Fremdes ö und o wurde überhaupt mitunter als 
ü (if) gehört: vgl. auch Jakyn, Jakin gegen Ancona, Hierher 
gehören auch einige Worte, die im Slav. ein % haben (vgl. S. 28). 

Eine Anzahl von Worten aus dem Genn. geriet in die 
Dekhnation der ü-Stämme: aksl. crtJcy ,KircheS ahd. chirihha, 
and. kyrkja, aus ycvQiy^i] (y,vQi%6g gegenüber Tivgia^og ist aus 
Papyri und Inschriften belegt, Liter. Centralbl. 1904, S. 736); 
bukt/, bukbve ,BuchstabeS im PL ,Schrift, Buch', vgl. got böka im 
Sg. jBuchstabeS im PI. ,Schrift, Buch, Brief, ahd. buohha ,Buche*, 
buoh ,Buch*, vgl. lat. fdffus, gr. dor. (päyog ,Eiche'; aksl. chorqgf/ 
,Pahne*, got hrunga (hrugga geschrieben) ,Stange'; ksl. opany, b. 
pdnev, ahd. pfanna; b. kanev (setzt auch ein *k(>ny voraus), ahd. 
channa u. s. w. Auch diese Entlehnungen müssen sehr alt sein 
und aus einer Zeit herrühren, in welcher im Germ, im Auslaut 
noch ein ö war (auch bei gestoßener Intonation). Fremdes ö 
wurde eng ausgesprochen, führte zu ü und das ergab ein y (vgl. 
auch bei den ü-Stämmen in der Stammbildungslehre). Damit 
ist aber nicht gesagt, daß alle Worte mit dieser Endung gleich 
alt sein müßten: es handelte sich ursprünglich nur um einige 
Vorbilder, an die sich auch spätere Entlehnungen anschließen 
konnten. So haben wir im Slav. das schon erwähnte buky: die 
Endung ist alt, aber im Stamme steht dem germ. 6 ein u, nicht 
mehr ein y gegenüber (wie in myto u. s, w.); ebenso auch z. B. 
in r. u. s. w. duma, got ddms ,Urteil, Erkenntnis^ Das sind 
offenbar jüngere Entlehnungen. 

Wie ein b durch Dehnung auf slav. Boden zu % geworden 
ist, so führte ^ auf dieselbe Weise zu y. So in den Iterativen, 
z. B. dychati zu dr»chn(j^i ,atmen, blasen'; nadymati ,aufblasen' 
zu d^mq ,wehen, blasen'. Ebenso auch in aksl. rydaii, rydajq 
•^ch wehklage', lit raudä ,Wehklage', ai. rudaU ,er jammert, 
weint', lat rudo, ahd. riozan ,klagen, weinen'; rygctti 8^, rygajq 
,rülpsen, brechen', vgl. lat e-rugo, gr. e-gevyofiai 4ch breche mich, 
speie aus', lit rügiu und raugiü, raükti ,rülpsen', ahd. ü-ruchen 
,wiederkäuen'. 



111 

Ebenso yot j: Nom. Akk. Sg. m. der bestimmten Adjektiva: 
dobryj aus dcbrhj und dieses aus dobrz-i, 

Umlaut des y zu i. Wie ^ nach weichen Kons, zu t, 
so ist auch das zunächst verwandte y nach denselben Kons, zu i 
geworden. Wir haben schon oben S. 28 u. 109 den Instr. tnqzi, koni, 
pol'i u. 8. w. gegen roky, mesty angeführt Weiter gehört hierher 
aksl. Uli ,nähen' aus ^iyti, *8iiUi; aksl. plinqti ,8puere* aus 
^pljyfkfti. Auch einige Fälle, die wir bei i (S. 28) erwähnt 
haben, gehören hierher. 

Neben dem erwähnten plinqti kommt auch jdjunqti vor. 
Wie ist es nun zu erklären? Wir haben schon oben S. 104 er- 
wähnt, das nicht jedes ü im Slav. zu y wird. Es handelt sich 
zunächst um aksl. fucha jusculum', b. ßeha, s. juha ,Suppe', russ. 
udid, lit jüsze ,schlechte Suppe', preuB. juse ,FleischbrüheS lat. 
jus, gr. Kvfirif ai. yüsa yBrühe'. Das slav. u geht hier auf ein 
langes ü zurück, womit auch die Akzentverhältnisse überein- 
stimmen. Es hat hier also das ; den Übergang zu y aufgehalten, 
was nur dadurch verständlich wird, daß die Aussprache jy schon 
damals gewisse Schwierigkeiten verursacht hat. Dieser Übergang 
hat demnach nicht überall stattgefunden, sondern beschränkte 
sich nur auf gewisse Fälle, namentUch solche, wo es sich um 
einen Systemzwang handelte, wie z. B. *k(yAy, weil roky. Sonst 
sehen wir, daß dieser Übergang nicht selten unterbleibt, oder das 
beide Formen neben einander vorkommen. So z. B. bei aksl. 
pljujq, pVwati ,spuere^ Auszugehen ist von («)/>|ü-j(0; vgl. gr. 
fgrvw aus ^{sjpjüjö, Isitspuo, lit spiduju, spiAviau, spiäuti ,speien' 
mit abweichendem Yokalismus. Daß im Slav. von piü auszu- 
gehen ist, zeigt uns klar der Inf., aus *piüräii entstand nämlich 
^pXM'Uaii, das zu *pjhV(iUi, pl'wati (vgl. 9vekry, svekrbve) führte. 
Dem Pras. sollte *pi(l, "*piy, *pii und schließlich pVi zu Grunde 
liegen, statt dessen kann im Aksl. pVujq u. s. w. belegt werden, 
z. B. pljudchq (Imperf. im Assem. Marc. 15. 19), ebenso im Ab., 
auch im P. pluje u. s. w., d. h. es kam nicht zu *jy, sondern es 
bUeb das ja bestehen. Dameben kommt aber doch auch im 
AkA. jdinqti, das ein *pljynqti voraussetzt, ^eben pZ/Mitq^f Tttvevv 
vor und zwar ist es in den aksl. Denkmälern zahlreicher ver- 
treten, ebenso wie auch plinovenije ,8putum'. 

Geblieben ist auch das jü in aksl. kl'ujqf kl'wali ,picken', 
ebenso ab. kl'uju, Hvati, das so zu beurteilen ist, wie pVtfvati, 
vgl. lit kliiti ,anhaken, hängend Das lange ü kommt noch zum 



112 

Vorschein in aksl. Idjum ,SchnabeI' und kljudt ^Schlüssel', b. HU, 
8. Ujüd, kljüda, cak. klßid, Idjüdä, slov. klßid, kljüda, vgl. ahd. 
Miuning ,Sperling^. Weiter in aksl. iujq, (aböhm. zuju), zwabi 
,kauenS ahd. chiuwan\ beachte aber audi S. 107. 

Das urspr. lange ü sehen wir auch noch in aksl. rwiXti 
,reißen, evellere' aus *rü-^i, *ru^ati; es ist wohl identisch mit 
rtfti, ryjq ,graben^, wo das lange ü ebenfalls noch vorliegt, lit 
rduju, rduti ausreißen, raufen' mit einer anderen Vokalstufe (vgl. 
oben 8. 105). Zu rzvati war urslav. das Präsens ryjq, das aber 
später auch bei rt^i entstand (S. 106), daher mußte f^fXiti, das 
hinsichtlich der Bedeutung differenziert wurde, ein neues be- 
kommen. Durch den engen Anschluß an den Inf. entstand r^vq, 
im Ab. nach den anderen hierher gehörigen Verben ein ruju, 
rujes u. s. w. 

Veränderungen des y auf slav. Boden. Wie schon 
erwähnt, hat sich das y nur im R und F., in gewissen Fällen 
auch im Sorb. (abgesehen von einigen lokalen Dialekten) erhalten; 
sonst ging es in t über. Das ist der allgemeine Wandel des y 
auf slav. Boden. Wenn heutzutage im B. noch ein y geschrieben 
wird, so ist es nur eine graph. Tradition, die im Prinzipe auf 
Hus zurückgeht. Hinsichtlich des Sorb. ist zu bemerken: Nach 
k, g (OS. h) und os. auch nach ch haben wir für y ein i: gibaä, 
wjäiki (vgl. auch poln. kicha6 gegen chybiß); nach Labialen in 
den westniedersorb. Dial. auch u: mudÜ, hupiä (» vypiti) ,aus- 
trinken', umdra ,Fischotter', b. vydra. Schon im Aksl. bemerken 
vrir, daß nach r, namentlich wenn die nächste Silbe weich ist, 
aus y ein % wird (S. 28). Vgl. auch b. tisfc gegen poln. tysiqc. 

Die breitere Aussprache, die das y annahm, brachte es mit 
sich, daß es auch in e übergehen konnte, so in einigen b. Dia- 
lekten, insbesondere in Mähren: sen aus syn ,Sohn'; bd aus byl 
,er war*; sir aus syr ,Kä8e'; dobri aus dobry ,der gute*. Spuren 
dieser dialekt. Eigentümlichkeiten finden wir schon in den ab. 
Denkmälern, z. B. ten ji$tS krdl für ten jisty krdl ,der gewisse 
König' (Gebauer, I S. 283). 

Mit den mähr. Dial. berührt sich zunächst auch das benach- 
barte P., wo wir finden: bokatfr, cztery »vier', pasUrz ,Hirf, sir 
,KäseS aber auch das sekundäre, aus i entstandene y wird zu e: 
sziroki ,breif (ap. auch noch szyroki), dial. auch in Mähren 
ierokS, ebenso im Sorb. Seroki, b^ ,Breite'; sieroia , Waise*, ap. 
sirota, wo das t jedoch nicht weich blieb. 



113 

Das / greift mitunter über sein ursprüngliches Gebiet hioaus. So 
wie wir im B. dialektisch mlnar für mlynär ,Müller finden (Gebauer I, 
S. 286)f bemerken wir etwas analoges auch in den aksl. Denkmälern bei 
dem Verbum »lyiaii «hören*, das so häufig als Mhiati geschrieben wird, 
daß hier nicht an einen bloßen Schreibfehler gedacht werden kann (vgl. 
Verf. Aksl. Gramm. S. 60). 

Merkwürdig ist der Übergang des .y im B. in aj, woraus 
dann (wie aus dem ursprünglichen aj) durch regressiven Umlaut 
ej geworden ist 6 e bau er vermutete hier den Beflex eines Pro- 
zesses, den wir im Deutschen bemerken. Seit dem XII.* Jhd. 
geht nämlich das t im baierischen Dialekte in ei über, so daß 
diese Diphthongierung im XII. Jhd. hier schon vorhanden ist 
Grieichzeitig ist der Diphthong ei in ai übergegangen, sodaß die 
beiden Diphthonge zwar nicht zusammengefallen sind, aber laut- 
lich einander doch nahe standen (vgl. Paul, Mhd. 6r. 2. Aufl. 
S. 42). Im XIII. Jhd. dringt dieser Prozeß auch im österreichi- 
schen Dialekte durch, im XIV. Jhd. herrschte ei in diesem Ge- 
biete durchaus, von hier hat es sich über Böhmen und Ostfranken 
weiter verbreitet (Weinhold, Mhd. Gr. 2. Aufl. § 106 und 108, 
Kl. mhd. Gr. 2. Aufl. § 38). Die 3 ältesten Belege für den 
Übergang des y in aj finden wir in ab. Hss. aus dem XIV. Jhd. 
z. B. vayducz » vajdüc aus üjfdüc (vyjdüc). Chronologisch wäre 
also eine Beeinflussung seitens des Deutschen möglich und man 
kann um so eher daran denken, als im B. nur das ^ von diesem 
Prozesse ergriffen wurde, nicht aber das { (damals waren die 
beiden Laute in der Aussprache noch geschieden).^ Nun mußte 
offenbar das deutsche t dem b. // näher liegen als dem {, denn 
in den deutschen Worten ntt, nigen, grU, tiben, tim, tick, 
schrtben, tfiben, din u. s^w. mußte vom Standpunkte der b. Aus- 
sprache das deutsche t als ein böhm. ,y aufgefaßt werden. Aller- 
dings fanden wir in gewissen ab. Hss. schon seit der Mitte des 
XIV. Jhd. auch nach c, s u. s. w. ein y statt i, aber das war 
zunächst nur eine dialektische EligentümUchkeit, die sich nicht 
auf das ganze b. Sprachgebiet erstreckte. Allgemein war hier 
damals nach diesen Lauten noch ein i (vgl. S. 30). Auch der 
Übergang des ^ in aj war zunächst Dialektisch. Neben ihm be- 
stand immer noch das y und behauptete sich bis in die Gegen- 
wart in der Schriftsprache. Es würde auch nahe liegen, das aj 
der b. Hss. einfach als eine graphische Ungenauigkeit aufeuüetssen. 
Man schrieb noch aj, sprach aber schon ej aus, eine Ansicht, für 
die früher auch Verf. eintrat Es ist mir aber jetzt wahrschein- 

VftBdrfck, Vgl. daT. Gimma. 1. 8 



114 

lieber, daß es wirklich zunächst zu einem auch lautlich berech- 
tigten aj kam. 

Die nasalierten Yokale ^ und q. 

Sprachgeschich tliches. Man hat erst später erkannt, daß das 
Akal. Nasallaute enthielt und zwar kam zu dieser Erkenntnis mit aus- 
schließlicher Berücksichtigung des Poln. zuerst Vostokov imJ. 1820. 
DobroYsk^ las sie nach r. Art und so finden wir es noch in seinen 
berühmten »Institutiones linguae slavioae dialecti veteris« (1822), wo <i 
als u und ^ als ja figuriert. Kopitar war noch im J. 1836, als er seinen 
»Glagolita Clozianus« herausgab, nicht frei von allen Zweifeln und hätte 
lieber nach neuslov. Art (\ als 6 und ^ als • aufgefaßt: discrimen litera- 
rum c{ et ^ (similiumne Polonorum <{ et ^, an potius Camiolorum 6 et e?) 
primus indicasset (p. XII, vgl. auch p. XXIX, 8. 48, 49 — 50). Die Zweifel 
Kopitars fanden mehr als es wünschenswert war einen fruchtbaren Boden. 
Erst Miklosich machte im J.1852 (Vgl. Lautlehre der slav. 8pr. S.52ff.) 
denselben ein Ende. Er berief sich insbesondere auf die Art und Weise, 
wie griechische Worte im Aksl. und andererseits aksl. Worte im Griech. 
transskribiert werden, woraus eben die Existenz der Nasallaute im Aksl. 
ohne weiters nachgewiesen wird. So ist z. B. (Uk^z, » Sexifißgiog, 
p^tikotib = 3tsvT€xo{n4, k^in^ s loyyivog; umgekehrt in der Tita Clem. 
oq>9rTd3tXijxtog »> Sv^tophkb. Auf die slav. Ijohnwörter im Magyarischen, 
Bumänischen u. s. w. kann man sich nicht berufen, wie es Miklosich tat, 
weil es sich nicht beweisen läßt, daß diese Worte nur aus dem Aksl. 
entlehnt worden wären. Beweist man ferner, daß das Altbulg. überhaupt 
Nasale hatte, so gilt es auch fürs AltksL, das als ein bulg. Dialekt auf- 
gefaßt werden muß. Nun findet man wirklich bulg. Worte in griech. 
Urkunden mit dem Nasal, z. B. aowdlaoxoy, aowdiaaxov « *8c^ka in 
einer Urkunde aus dem J. 1020. Dazu kommt noch, daß sich heutzutage 
Spuren der Nasale in einzelnen maced. Dial. vorfinden, was seit der Beise 
des GrigoroviS 1844—45 bekannt geworden ist. Miklosich hat freilich 
das ursprüngliche Yorhandensein der Nasale nur fürs Südslav. und P. 
(desgl. Kaiub. und Polab.) zugegeben, während die anderen slav. Sprachen 
nach ihm nie Nasale gehabt hätten. Allein man hat nun nachgewiesen, 
daß sie einst auch im B. und B. vorhanden waren. So macht Sobo- 
levskij geltend, daß zwar in der Mitte des XI. Jhd. im Huss. schon 
keine Nasale mehr vorhanden waren, wohl aber früher, als Berührungen 
der Bussen mit Skandinaviens Bewohnern, den Varengern, stattfanden 
und als einzelne Ausdrücke aus dem Skandinavischen entlehnt wurden, 
wie varjagh = altskand. varingrj griech. ßdgayyos; kdbjagt = altskand. 
kylfingr, gr. xo6Xjttyyog; Sudb (Bezeichnung des Landungsplatzes in Kon- 
stantinopel, To 2%8v6v, das Goldene Hom) a altskand. sund; jabeUnikh 
vgL altskand. ämhüi (Dienst). Wenn es in der r. Sprache, als die Be- 
ziehungen zwischen den Bussen und den Skandinaviern begannen, keine 
Nasale gegeben hätte, so hätten wir im B. kein varjag^ (aus rar^). 



115 

Smd9 (aus Sqd9\ sondern varmg^, Sund» u. dgl. Diese Yoraussetzang 
-findet auch ihre Best&tigang, wenn wir die griech., lat. und deutsche 
Bezeichnung der Magyaren mit der russischen vergleichen: gr. c^oqoi, 
-oSyyQoi, lat. ungarij hungari^ deutsch ungam und r. ugre (Sg. ugrinb). Die 
T. Bezeichnung für den Kamen der Ungarn konnte in der r. Sprache bei- 
läufig zu Anfang des IX. Jhd. auftauchen, als die r. Slaven zum ersten 
Mal mit den Magyaren in Berührung kamen. Augenscheinlich haben 
damals im B. noch Nasale existiert und das Wort lautete qgre. Im B. 
wurde also erst aus einem altruss. c^e das spätere ugre und aus var^ 
dann varjagi. Hinsichtlich des B. muß auf den lat. Namen VenetüauM 
Terwiesen werden; er setzt den Beflex eines ursprünglichen Nasals im 
heutigen Worte Vdelav , Wenzel' Toraus. Weiter machte Gebauer 
(I S. 44) auf den b. Flufinamen Ckub, deutsch Kamh^ Chatnh aufmerk- 
sam. Vom deutschen kamb kann man nur durch die Mittelstufe *kqjlh^ 
-ehqb' zu einem ehub kommen (bei Kosmas: ad medium fluminis ckub). 

Man muß also annehmen, daß die Nasale schon urslav. sind, 
vas sich übrigens auch aus der folgenden Darstellung ohne weiters 
ergeben wird. Ihre ursprüngliche Geltung ergibt sich aus der 
Pi:x)portion nesti : nasäi = b^sti : blqdüi (errare) = tr^i : trqsüi 
«(erschüttern), woraus folgt, daß ^ ein nasaliertes e und q ein 
nasaliertes o ist Bei der Transskription dieses Lautes nach p. 
Art durch q darf man also nicht etwa an ein nasaliertes a denken. 

Die Frage, unter welchen Bedingungen sich Nasale im Slav. 
entwickelt haben und unter welchen nicht, bildet eines der 
schwierigsten Kapitel der slav. Lautlehre. 

Man muß zunächst zwischen dem Inlaut imd Auslaut unter- 
scheiden. 

Inlaut. Hier sind nun verschiedene Gruppen zu berück- 
sichtigen. 

Hinsichtlich des tautos}'ll. -tn-, im, -un-, -um erschien recht 
plausibel die Ansicht des Lorentz (Afsl. PL 18, S. 95), nach 
welcher urspriinghches in, an im Slav. durch i, y vertreten sei, 
während ihm im Ldt gestoßen betontes \n, ün entspreche, dagegen 
An, ün durch ^, q, wogegen im lit ihm schleifend betontes iü, 
ufi zur Seite stehe. Das lasse sich lautphysiologisch dadurch er- 
klaren, daß die kurzen »- und u-Laute im Urslav. offen gesprochen 
wurden (i nähert sich dem e, ü dem o), die langen dagegen ge- 
schlossen. In neuerer Zeit wurde aber die schon früher ausge- 
sprochene Ansicht wieder aufgenommen, nach welcher in, un 
überhaupt nicht zu einem Nasal führe (Pedersen in Materyafy 
i prace T. I Hft. 2. 1903, 8. 165—171 und KZ. 38, S. 323). 
Man wird auch tatsächlich die Hypothese des Lorentz kaum ver- 

8^ 



U6 

teidigeii können. Zunächst haben wir oben S. 13 bemerkt, da& 
im allgemeinen die slav. kurzen Vokale geschlossen, die langen 
dagegen offen ausgesprochen wurden, also gerade umgekehrt als 
es L. annimmt. Femer kommt in Betracht: die Nasale mußten 
sich im Urslav., nicht im Urbalt-slav. entwickelt haben. Nun ist 
aber die schleifende Int bekanntlich schon im Urslav. fallend 
gewesen (vgl. r. vdrom, s. vräti, b. vran, lit. vafnas), d. h. es 
wurde in in, un das i und u im Gegensatze zu n hervorgehoben 
und da ist es nicht recht wahrscheinlich, daß sich unter solchen 
Bedingungen Nasale hätten entwickeln können. Wir würden 
gerade umgekehrt erwarten, daß sich der Nasal bei gestoßener 
Intonation aus in, un entwickelt hätte, weil hier das n hervor- 
gehoben wurde (vgl. Verf. BB. 29, S. 201). Doch haben wir 
Beispiele, in denen ein gestoßen betontes in zu i wurde: aksl. 
isto — istese ,testiculu8', PL ,renes*, lit inkstas ,Niere, testiculus*^ 
preuß. inxcze ,NiereS aisl. eista (vgl. oben S. 26); r. gnida, p. 
gnida, b. hnida ,Niß^, lit glinda ,Niß' aus *gninda, let gntda 
(aus *gninda); aksl. zUa jAder', r. züa, s. züa, b. züa, aus halt* 
slav. ^gtnsla, *ginla, lit g(da, g^sla, dial. glnsla (Mikkola BB. 
22, S. 245); slav. viänja ,Kir8chbaum^, s. vtänja nach Mikkola 
1. c. S. 247 aus ^vink'sniä, lit vikszna für ^vlnhnä (*vingsnä} 
.ulmus campestris^ Im B. allerdings vihU; wir würden *vi^ne 
erwarten. 

Wenn also ein gestoßenes in ein i ergab, um so mehr mußte- 
nach dem früheren ein geschleiftes dazu führen. Man kann be- 
züglich des Verhältnisses der slav. Tonqualitäten zu den lit ver- 
schiedener Ansicht sein und das eine oder das andere für das 
uraprünglichere, ältere, halten, aber darauf kommt es hier nicht 
au. Die Hauptsache ist, daß die slav. schleifende Int fallend 
und die gestoßene steigend war. Diese Tonqualitäten waren nun 
gewiß älter als die Nasale im Slav.; bei einzelnen Fällen können 
wir es wenigstens genau beobachten, wie sie sich verhältnismäßig 
erst spät im Urslav. entwickelt haben, wo also die spezifisch slav. 
Int. schon längst ausgeprägt waren. 

Wir kommen also zum Schluß, daß aus in, im, mochte es 
wie immer beschaffen sein, kein Nasal, sondern ein i entstanden 
ist. Offenbar fiel n, m aus und der t'-Laut wurde dafür, wo er 
kurz war, zu i gedehnt (vgl. auch lit gysla aus *gtnsla), wobei 
die Int wahrscheinlich immer zu einer gestoßenen vnirde (ein- 
fach langer Vokal!), was dafür spricht, daß zunächst das i vor 



117 

fi, m Terkürzt worden war. Was die prinzipielle Frage dieser 
Ersatzdehnung anbelangt, so müssen wir woÜ daraa festhalten, 
denn wir haben Fälle, wo sie ziemlich klar zu Tage tritt, wie 
z. ß. in aksL pominqti ,gedenken' aus *pamen'nqti, später auch 
pom^nqH, da das n unter dem Einflüsse von mbnüi, mSnüi, minati 
Ton neuem eindrang; aksl. tent ,Schatten' aus *temnh zu tbtna 
aus ^tiiimä jFinstemis*, vgl. lit usz-temis , Verfinsterung* (hinsicht- 
lich der Bedeutung vgl. auch gr. ascoVo^* und d. ,Schatten'); auch 
im aksl. zasnqti ,8ich entsetzen' scheint ein Nasal (aus *gen8, *gS8, 
zas) ausgefallen zu sein; es läßt sich aber weder got us-geisnan 
,sich entsetzen, staunen' damit recht vergleichen (ein ei spricht 
nicht für einen Verlust des n), noch das lit -gqsti (z. B. nu-si- 
gqdü, nU'Si-gandaü, nu-si-gqsti 4n Schrecken geraten, erschrecken'). 
Man kann nur einigemal bemerken, daß vor s der Nasal nicht 
in allen Fällen leicht aufkam: so behauptete sich -ans im Akk. 
PL der o-Stämme lange hindurch, während -ont in der 3. P. PI. 
des starken Aor. schon zu -q (vedq) geführt hatte. Eine Dehnung 
zeigt auch aksl. phu^^zt ,Greldstück' aus dem Germ. : ahd. pfenning, 
aisl. jpenningr. Das berechtigt uns, sonst auch bei den Nasalen 
mit Ersatzdehnungen zu operieren. Wir können sie übrigens hier 
auch in anderen Sprachen bemerken. 

Es gibt allerdings auch Fälle, in denen ein in- zu einem 
Nasal — zu ^ — führte, wenn sie auch spezifisch geartet sind. 
Es handelt sich um die 3.P. PI. aksL vid^ (urslav. *vid^ib) und 
ckval^ (ursl. *chi>al^t) und um das entsprechende Pari Präs. 
aksL vid^, vid^a und ckval^, ehval^Ha. Wie aus vidp-äi, vidUmb, 
chvcdiäi, chvalitm, chvcditi u. s. w. ersichtlich ist, müssen mr hier 
.von einem i ausgehen; die urspr. Formen waren also *v%dfntb, 
*divalinthy vldin(t)8j chvalln(t)8, Gen, Sg. *vidintjö, *chvaUntjö. 
Aus den Ersatzdehnungen haben wir oben geschlossen, daß das 
i vor n (m) verkürzt wurde, wonach hier ein *vidifUh, *cht>aUnth, 
*vidin(t)8, *divaRn(t)s, Gen. *vldifUja, *chvaUntja entstand. Nmi 
sollte nach unserer Regel das n ausfallen und eine Ersatzdehnung 
des t zu 9 eintreten. Das ist aber nicht geschehen. Diese For- 
men befanden sich alle unter dem Einflüsse eines Systemzwanges; 
hätten sie das n verloren, so wären sie aus dem Bahmen einer 
so bedeutenden Majorität von Fällen herausgetreten. Unter dem 
Einflüsse eben dieser Formen behielten sie ihr n, bis das % im t 
wurde und ein wi ergab dann regelrecht ein ^. Auf diese Weise 
kommen wir zu denselben Partizipialformen, die auch das Litauische 



118 

aufweist: turfs, Gen. turinczo, vgl. degqs, digcmczo, doch stimmt 
hier der kurze Vokal zum Präsens, das auch ein % aufweist 

Unsere Fonnen wurden bis jetzt verschiedenartig erklärt. Lorentz 
meinte, in den obliquen Kasas des Partizipiums wäre die Akzentuatioa 
des Nom. Sg. angenommen worden, also der schleifende Ton; unter 
diesem wäre -tiU zu 'int geworden. Wie im Gren. PL -5» zu -o»^ verkürzt 
worden sei, so wäre es auch hier geschehen, also ehval&it-, chval^- aus 
ehvaltfU'. Das ^ sei dann auch in den Nom. Sg. eingedrungen (Afsl. PhiL 
18, S. 102—103), denn sonst hätte hier ein -ins wie auch -tiM (entsprechend 
dem Lit.) zu t ffihren müssen (S. 100). Allein der Gen. PL kann auch 
anders erklärt werden, außerdem handelt es sich bei ihm um den Aus- 
laut, womit also das inlautende m(- des Part, nicht verglichen werden 
kann. Mit einer derartigen Erklärung kommt man auch bei der 3. P. 
PL oüf^a, ehvai^9 nicht aus. Die erstere Form stellte Beichelt nach 
Bartholomae mit lat. vitUnt zusammen (BB. 27, S. 73), was absolut 
unmöglich ist, denn das ganze Präsens setzt im Slav. ein t voraus und 
so wird man für die 8. Pers. PL nichts anderes statuieren wollen, wenn 
sie auch nicht lautgesetzlich ist. Es ist auch nicht wahrscheinlich, 
da£ in ^ehvalitiU, *vidinU lautgesetzlich der Nasal geschwunden und 
dann nachträglich unter dem Einflüsse von *fm^» u. s. w. wieder einge- 
führt worden seL Es ist dies eine frühere Erklärung Brugmanns, die 
nun auch Pedersen akzeptiert (Materyaij u. s. w. S. 167—168). Wenn 
hier später der Nasal wieder eingeführt worden wäre (unter dem Ein- 
iusse von *im^6, ^vsdefft u. s. w.), so würde die Form *v%dcfh oder 
*vidf(^, *ehvah(tb oder *ehvalfc^b lauten. 

Also nur dann, wenn sich in (In) unter einem Systemzwange 
behauptete, bis es zu »n geworden ist, konnte daraus ein q ent- 
stehen, falls es tautosyll. war. Sonst müssen wir es als eine all- 
gemeine Eegel ansehen, daß in (In) ein&ch zu f^ aber zu keinem 
Nasale führte. 

Wir begreifen nun, warum in entlehnten Worten in im In- 
laute zu ^ wurde, wie z. B. aksl. Jnn^ ,princeps', ahd. kuning, 
lit kknigciB ,Priester, Pfarrer'. Damids ist schon aus i ein »• 
geworden, oder das fremde i wurde offen ausgesprochen, führte 
daher zu einem t und aus vn mußte ein ^ werden. Hierher ge- 
hört noch aksL (^^a ,numusS got kintus ,Heller', vielleicht auch 
aksl. J^o ,EindS ^« ,Leut6S germ. kinda, ahd. chind-, nur fällt 
hier auf, daß k za c geworden ist, während wir in c^a, cnky 
ein c haben. Das würde also für ein heimisches Wort eher 
sprechen. Weiter aksl. pen^ ,Geldstück*, Bhd. phenning, preuß. 
penningas; aksl. skbl^ ,numus', ahd. skiUing, got. skiUinga; aksl. 
user^ ,inaurisS got ausan ,Ohr^ und hrigga ^Ring^, nhd. Ohr- 



119 

ring; aksl. vÜ^ ^eroa', anord. pikingr, bei Adam Bremensis 
wiüiingi. 

Unter solchen Umständen kann man aksL z^ati, z^dq (auch 
z^diti^ z^tdq, z^düi) ^verlangen, dürsten' nicht von einem giüd- 
ableiten, sondern nur von gend-, das auch im lit pct-sirgmdü, 
-gedaü, ghU ysich sehnen, gelüsten' vorkommt Es ist demnach 
die Erklärung des lit. gendü aus *gindu (unter dem Einflüsse 
▼on refikü zu rinkaü) kaum richtig, denn eine solche Änderung 
müßte schon urbalt slav. sein. Allerdings scheint auch das aksl. 
ztdati, üdq jwarten' und lit. geidiu, geisti ,begehren' hierher zu- 
gehören, doch ist das Verhältnis noch nicht ganz klar. Pedersen 
nimmt eine Altemation der Wurzel g^hed und g^heid an (Mate- 
lyaly u. s. w. S. 167). Das aksl. z^iati könnte wegen b. zddati, 
poln. zqda6, falls hier die gestoßene limge primär ist, auch auf 
^ffodäti (9 mit heller Färbung) zurückgehen. 

Auch in aksl. s^cnqti ,sickem, fließen, versiegen', dann infolge 
des Abflusses ,austrocknen' kann ^ nur auf en (oder ^ wegen des 
b. sdknouti, p. siqknqS, doch auch 8i^cnq6) zurückgehen, lit senkk, 
sikti ,fallen, sich senken' (nur vom Wasserstand), nu-aHeti ,ab- 
fließen, versiegen, trocken werden', aeklüs ,seichf , lat sentina (aus 
*8enctina) ,das in den Schiffsraum gesickerte Wasser', got sigqan 
^sinken, untergehen', le. dagegen iiku (aus ^sinku), sikt ,ver8iegen', 
aber noch sekls ,seichf . Auch hier scheint ai. riücdti ,er gießt 
aus', aksl. stcaii ,mingere', ahd. ^gan ,tröpfelnd fließen, sich 
senken' verwandt zu sein, so daß wir hier dasselbe Verhältnis 
hätten wie oben. Daß im Urslav. einmal ein senk vorlag, dafür 
spricht die Ablautsstufe isqditi (aus izsqditi) ,trocken machen' 
(z. B. Supr. 395. 10) ,Metall schmelzen' und aksl. sqäUo ,Schmelz- 
ofen'. Auch pre^ ,spinne' kann nur von prend lit sprindis 
,Spanne' (^indziu) oder prxj^d abgeleitet werden. 

Wie in, im wurde auch tautosyll. un, um behandelt: « 
wurde event gekürzt, es fiel n, m aus, u wurde zu ü gedehnt 
und ergab dann y. So aksl. Igko ,Ba8f , b. l^kOj s. Ük, lit. lunhis, 
preuß. lunkan ,Bast'; aksl. vyknqti ,ge wohnt werden', b. vyknouti 
(wir erwarten v]gknouti\ r. v^knutt,s. vlknuti, wtknuti, ncMfiknuti 
(Daniöii^ Akcenti u glag. S. 34, bez. 80), lit jünkstu ,ich werde 
gewohnf , junktas ,gewohnf , vgl. got bi-ukts ,gewohnf . 

Erst in späterer Zeit, als n zu ^ vmxde oder vielmehr zum 
großen Teile schon geworden war, da führte ein tautosyll. ^n in 
Fremdworten zu q: aksl. qgrim, vqgriw ,Ungarus*. Mit dem 



120 

Volke der Ungarn wurden die Slaven im IX. Jhd. nachdrück- 
licher bekannt. 

Auch hier muß die Ansicht, daß ein geschleiftes ufi zu q 
geführt hätte, aufgegeben werden. Aksl. gqba ,SchwammS lit. 
gumhas stellt Pedersen^ wohl mit Becht, zum germ. swamb und 
leitet es von *8gf*h(mbhO'' oder sgybombho- ab (Materyaly S. 168 — 170). 
Dazu auch lat fungm und gr. oqK>yyoq^ ajtoyyoq. Das lit Wort 
würde allerdings die 71-Stufe (Schwundstufe) voraussetzen, während 
b. houba, s. guba eine gestoßene Int. verraten, daher setzen sie, 
wie er meint, mi *sgu&mho voraus. Es ist aber die Möglichkeit 
vorhanden, ein slav. q mit steigender Int auch aus fri abzuleiten, 
wodurch man also auch im Slav. zu derselben Ablautsstufe käme 
wie im lit Über aksl. fu^da wird weiter unten gehandelt 

Ein IS,, 1/1 führte zu ^ oder q, wenn es lang war; d^e Qualität 
des Nasals war abhängig von der hellen oder dumpfen Klang- 
farbe des % V'} die sich wohl sekundär entwickelt hatte und jeden- 
falls zumeist von der Umgebung abhängig w^ar. War das yi, V' 
kurz, führte es zu ^ oder e> wobei wieder die Klangfarbe maß- 
gebend war (vgl. bei ^, V' und bei den Halbvokalen z, t). Hier- 
her gehört aksl. tysqäta, tys^Ua ,tausend' aus *tH8'S^tjä. Daß 
diesem Substantiv das Wort szto in seiner ursprünglichen Form 
als *8ijito zu Grunde lag, wird weiter unten bei yi, 9 erklärt. 
Desgleichen auch das q aus f in qdoh, qdoh ,vallisS qvozh ,val- 
lis', (ftbkb ,WeberzetteP, dann sq aus sip> in aksl. sqlogh ,consor8 
tori', 8q8ed^ jNachbar*, sqptrb ,adversarius*; im Inf. dqti aus *dfrUi 
,blasen, wehen^, lit. dünUi, dumiü. Hier überall hatte das ^, v^ 
eine dumpfe Färbung, dagegen eine helle in aksl. p^ti ,spannen% 
htpifUi, nchc^i ,anfangen*, U^i ,fluchen*, des^ ,der zehnte', pqstb 
jFaust^ u. s. w. (siehe bei x^, yi). 

Sonst entsteht im Inlaut in allen Fällen bei tautosyll. m, n 
ein Nasal und zwar haben wir folgende urspr. Gruppen zu unter- 
scheiden: 

1) -an, am wurde zu q nachdem a zunächst zu geworden 
ist, z. B. aksl. qgh ,Winkel', lat angulus, arm. ankiun, angiun 
dafis.; aksl. qgh ,Kohle*, lit. anglls, preuß. anglis, ai. aügara; 
aksl. qchati ,riechen*, vgl. lat älum, alium ,wilder Knoblauch^, 
{h)dläre, an(h)eläre (aus *an8lo), dazu auch noch gr. avepiog 
,Wind', lat animus, got tts-anan ,ausatmen', ai. anüi ,er atmef , 
dagegen aksl. vo-nja ,odor'; qzikh ,eng*, lit. afiksztas aus anztas, 
ansztas, got. aggwus ,eng' (*(ig9^^)} Icit angö, gr. ayxw 4ch 



121 

schnüre', ayx^ jiaheS ai. qhas ,EDge' und qhüs .eng'; aksl. *<}zh 
Schlange', slov. vdz, p. wqz und aksl. qgorütb ,AaFy slov. 6ffor, 
p. tvyorz, b. uhar, lit angi^ ^Schlange' und ungurjjs (aus angu- 
rys)f preuß. angur(g)is ^al', lat. anguiüa ,AalS ai. dAi^ Schlange, 
Drache'; aksl. gq9b ^Gans^ lit zqsis, lett. 2:088; ahd. ^an^^ lat 
anser, aus ghans-; aksl. ^^ ^Winkel, Ecke' aus *kamptO', vgl. 
lit kampas ^Ecke, Winkel, Gegend', gr. xoptni] ,Biegung', lat. 
campus. 

Auch in Lehnworten: aksl. chqdogh ,peritu8', got handugs 
jweise'; aksl. vdtbqdz ,camelus', got tdbandus (aus dephatUus), 
hier ist offenbar velb infolge der Volksetymologie (vdij ,groß') st. 
*r»»., vItA' (Meillet, Etym. S. 110). 

2) ein en, em wurde zu e^. Der e-Stufe steht hier häufig die 
o-Stufe zur Seite: aksl. bl^dq, hl^i ,errare, nugari, scortari', lit. 
bl^i ,dunkel werden', pryhUnde , Abenddämmerung', blandyti 
,Augen niederschlagen', got blandan sik ,mi8ceri', blinds, ahd. blint, 
dazu die o-Stufe aksl. blq|d^ ,error, lenocinium', blqdüi ,errare'; 
l^y l^i ,biegen', lit lefkkti, Isnkiü ,biegen', dazu Iqkb ,Bogen', 
Iqka ,palus, sinus, Wiese', lit lanka , Wiese', }'lanka ,Einbieguug'; 
aksl. m^kh ,weich', lit minkyti ,kneten', minksztctö ,weich', 
mankstyti ,erweichen' (zur W. men), dazu mqka, b. mouka ,Mehl'; 
m^f m^i ,turbare', lit. metUüris, meniüre ,Quirl, Bührstock', ai. 
mdfUhati ,er rührt, drehf, dazu aksl. mqtb ,turba', mqtiti ,trüben'; 
aksL tr^, tr^i ,erschüttem', lat. tremo, gr. tgifiu), as. thrimman 
'hüpfen', ai. traaati ,zittert', lit iriszu ,zittere', woraus wir ersehen, 
daß einem slav. e, wie sonst auch nicht selten, ein i gegenüber- 
steht (Hirt faßt es als sekundären Ablaut auf, Abi. S.126, S.588), 
dazu auch ircfSh ,tremor, Erdbeben' ; das slav. tr^o- ist wohl durch 
eine Verquickung aus einem tremo und tresOf die beide vorliegen, 
entstanden; v^zq, v^zati ,binden', v^ziti ,haerere', lit vgzti vyiinoa 
^Bundschuhe flechten', preuß. winam (vinzus) ,Hals', vgl. b. vaz 
,das Genick, der Nacken', dazu aksl. vc^zh ,Band', qzh, vqzlz 
?Knoten' u. s. w.; z^ «dilacero', W. §embh, dazu zqbh ,Zahn', 
Ut iamba ,Maul', ahd. chamb ,gezähntes Werkzeug, Kamm', gr. 
y6fiq>og ,Pflock, Nagel'. Vgl. noch aksl. j^ro ,Lieber', gr. Swega; 
aksl m^o ,Fleisch' aus *men8o, bez. *mefn8o, got mimz, hierher 
auch m^ra ,feine Haut', lat membrum, membrana (aus ^memsro-^, 
dagegen ai. fnds neben mqsdm, dem ai. mds würde das lit. mim 
entsprechen (in gewissen Fällen scheint der Nasal zwischen einem 
langen Vokal und 8 geschwunden zu s^in); aksLp^^« aus *penktis 



122 

jfiinf, lit. penkl, got. ahd. fimf, ai. pdnca; pi^a ^erse^, preuß. 
pentis ^acke^ lit. pintis, usz-peniis ,Sporn des Hahnes'; s^gq, 
8^i ,ich reiche heran ; berühre', pri-s^ga ^Schwur^ zum ai. 8(9- 
saiija, dameben ohne Nasal lit segu ^ch haftet ai. säjati ,er 
haftet' (Brugmann, Kurze vgl. Gr. S. 515); aksl. sv^ ^eüig', 
Ut szvefdas ,heiligS preuß. swints, got. hunsl , Opfer'; t^iva 
^chordaS Ut. temptiva zu tempti, tempiü spannen, dehnen'; z^h 
ygener', lit gentis , Verwandter, Gevatter'; 

3) Das on, om fährte zu q; mehrere Beispiele sind schon 
angeführt worden. Vgl noch aksl. pqto ^Fessel' zu ptffiq, p^ 
^spannen', ht pinü, pirUi ,fiechten', got spinnan; aksl. rqka ,Hand',. 
lit rankä zu Ut renkü, rifücti ^sammeln' ; aksl. h^hm ,tympanum', 
lit. bambiti ,strepere', gr. ßofißdw. 

4) ein Sm, in führte auch zu <j: aksl. Äkk. Sg. m^, t^ s^, 
ai. tnämj tvdm (aus *fnStn)j preuß. mien, tien, sien, sin (ie, i = 
geschlossenes S); aor. p^ aus *pin8b zu ptnq, p^i vgl. düb, 
'bash (aus *böd8b) u. ai. atän, acäit, ddyaut. 

Allerdings finden wir, daß einem ins ein e gegenübersteht, 
da es sich aber sonst auch zeigt, ist es mögUch, daß es weiter 
hinauf reicht; vgl. aksl. mis^ ,Monat', ai. mds ,Mond', lat mensisj 
gr. firjVf got mSna, Ut menü; aksl. pisbH ,Sand', ai. pqsu$ ,Staub^ 
Sand'; vgl. auch das oben erwähnte aksl. m^o gegen ai. mas u. 
märhsd'. 

Auslaute. Hier ist zu untei'scheiden 

A) Absoluter Auslaut: bloßes -m oder -n mit einem vor- 
hergehenden Vokal, oder es handelt sich um ein silbisches tiiy fi 
mit vokalischer Färbung. Der Vokal ist 

I) kurz. Nach der Beschaffenheit desselben haben wir 
mehrere Fälle zu unterscheiden: 

1) -in (-im) gibt -»: Akk. Sg. der e-Stämme aksl. noStt ,Nachf 
aus *noktim, Ut näüf, gr. otpiv, lat turrim, sitim, ai. matim. 

2) 'Un (-um) gibt -^: Akk. Sg. der u-Stämme aksl. syn^ 
,Sohn', aus *sünum, Ut sümf, got sunu, gr. ft^x^Vy lat tnanum, 
ai. sünüm. 

3) 'On (-om) wurde zunächst zu -un imd das ergab nach 2) 
ein z (also wie ein auslautendes -os): Akk. Sg. der männUchen 
o-Stämme aksl. vltkb ,Wolf' aus *vlkom, Ut. pilkq, gr. Xv-mv, 
lat lupum^ ai. vfkam. Der Nom. Akk. Sg. der neutralen o- 
Stämme ist beeinflußt von dem -o der pronominalen Stämme: 
ige ,Joch' (st *igz) nach to aus *tod. 



123 

Hierher gehört auch die 1. P. Sg. des einfachen (starken) 
Aor.: akd. negb 4ch trog', gr. z. B. i'g>egovj ai. dbharam. 

5) -17t, -t^ ei^ab ein t: Akk. Sg. kament, maten», crrJofVh 
n. 8. w. über andere Fälle vgl. bei rjn, v. 

n) Der Vokal war lang. 

1) -^n (-am) gibt 9, was offenbar so zu erklären ist, daß zu- 
nächst infolge des n (m) das es zu ö wurde: Instr. Sg. der o- 
Stämme aksL rt^, duSq, diese Form kommt aber seltener vor 
(Zogr. Glag. Cloz., Assem. und Psalt. sin. etwa 10 mal, im Supr. 
schon häufiger, nämlich 36 mal), zumeist haben wir hier rqkojq,. 
duäejq nach den pronominalen Formen toj(]^ sejq u. s. w. EJs 
kann daher gefragt werden, ob das aksL rt^q nicht ein Eon- 
traktionsprodukt aus rqkojq sei, wie es auch im b. rukau, p. r^ 
u. s. w. Yorliegt. Das rqkcjq kann schon urslav. gewesen sein,, 
daran kann aber nicht gezweifelt werden, daß ihm ein rqkq, 
entsprechend dem Ut rankä aus urbaltslav. *ronkdm, vorherging 
und daher älter war, so daß auch rqkojq einzelsprachlich sein 
kann, trotzdem es in allen slav. Spr. vorkommt oder vorausge- 
setzt werden muß. Dafür würde sprechen, daß im Aksl. neben 
dem auftauchenden rqkq nicht auch *tq aus tojq vorkommt. 
AUerdings ist der Supr., wo Formen wie rqkq häufiger sind, ein 
jüngeres Denkmal. 

Im Akk. Sg. rqkq, duSq müssen wir auch ein -am voraussetzen ; 
daß hier wegen der gestoßenen Intonation dieses Langdiphthonges 
eine Zurückziehung des Akzentes auf die Endung nicht stattge- 
funden hat, ist auf den Einfluß des Akk. Sg. der 1- und ii-Stämme^ 
die stammbetont waren, zurückzuführen: russ. nUru, serb. ruku 
gegen den Nom. russ. rukd, serb. rüka^ 5ak. rüka; russ. ztmu^ 
serb. zimu gegen den Nom. russ. zimd, serb. zlma^ u. s. w. 
Analog auch im Lit: rankq gegen Nom. rankä (vgl Hirt, Der 
idg. Akz. S. 147-148 u. IF. Anz. VI, S. 20). 

Hierher gehört femer die Endung der 1. P. Sg. der themat. 
Verba: aksl. berq ,8ammle, nehmet f^edq ,führe^ Sie geht auf 
am zurück und war urspr. wahrscheinhch eine Injunktivfbrm 
zweisilbiger Wurzelbasen auf -a; diese hätten wenigstens den 
Ausgangspunkt gebildet, so daß wir von Formen wie rbvq ,ich 
raufe, (nwo^i), zhvq ,ich kaue' (ztvati), Shsq ,ich sauge' (shsati) aus- 
gehen müßten. Dainit wären die alat. aorist. Konj. wie fuam, 
tulam, ad-venam (und -bam) zu vergleichen (vgl. Brugmann^. 
Kurze vgl. Gr. § 717. Anm. 1 und § 722). 



124 

In neuerer Zeit ist allerdings mehrfach die Ansicht ausgesprochen 
worden, daß in dem -q doch das urspr. -ö, das im Lit. fortlebt, zu suchen 
sei: es wäre daran die Sekundärendung -m getreten (vgl. KZ. 37, S. 340 
und 38, S. 317, wo -öm nicht als eine ursprachl. Doublette, sondern als 
eine slav. Umbildung des ursprünglichen -ö aufgefaßt wird). Auch Ber- 
neker möchte im slav. -q ein -öm mit angetretener Sekundärendung, 
^der wie man es neuerdings nenne »konjnnkter Endnng«, sehen (Afsl. 
Phil. 25, 479). Mir scheint aber eine derartige Erklärung nicht recht 
plausibel zu sein. Eine solche Form hätte nur in einer sehr frühen Zeit 
entstehen können, als das -m mit dem vorhergehenden Vokal noch nicht 
die spezifischen Veränderungen, infolge deren z. B. aus dem urspr. *ne8' 
o-m ein nesb geworden war, durchmachte. Nun hätte aber ein derartiges 
altes -dm zu -y führen müssen ebenso wie z. B. in kamy. 

Wenn wir bei dem Wandel -öm -q ein -öm (-m) als die 
Vermittlungsstufe ansetzen, so maß sie zu einer Zeit aufgetaucht 
sein, als das -ön von *kamön schon verändert war, denn sonst 
hätte auch das -ön aus -am {-an) dieselben Veränderungen durch- 
machen müssen. 

2) -m {'Sm) ergab q: Akk. Sg. des Pron. pers. aksl. mq, t^, 
s^, vgl. ai. mäm, tvüm; aksl. br^m^ ,Last' aus ^ber-mBn. 

3) 'ön (-öm) führte zunächst zu -im, mochte es schleifend 
oder gestoßen gewesen sein: N. Sg. aksl. kamy aus *kamön, gr. 
an^wv ,Ambos, Donnerkeil*, lit. cJcmü (Abfall des n, daher eine 
geschleifte Int.), vgl. gr. atjöiiv. Von Kurschat werden noch 
dialekt. Formen auf -ung, d. h. -ifti, wo also noch das ältere -ön 
zu Grunde liegt, angeführt. Daß das -ö ursprünglich gewesen 
^ei und das -n erst aus anderen Kasus eingeführt worden wäre, 
ist nicht sehr wahrscheinlich. Im slav. Gen. Plur. der o- und 
€i-Stämme ist das aus -on entstandene -ün, da es zu -y geführt 
hätte und man schon andere Kasus mit dieser Endung^ hatte, 
der DiiFerenzierung wegen zu -un, dann '^ geworden, indem es 
die Länge an die vorhergehende Silbe abtrat: ab. strdn zu strana, 
Zis zu das u. s. w., russ. voUs^ zu Nom. völosh ,Haar^ u. s. w. 
{vgl. bei der Lehre von der Int). 

B) Nicht absoluter Auslaut, d. h. -n in Verbindung 
mit 'S oder -t 

I) Mit kurzem Vokal. 

1) 'ins gibt -i, indem n ausgefallen war und / zu l gedehnt 
wurde, also wie im Inlaut: Akk. PI. der f-Stämme gosti aus 

1. Und zwar war sie auch geschleift, z, B. der Instr. PI. der o-St., 
der N. Akk. der o-St. 



125 

*go8tuis, Tgl. got austins, lat turris, kret Ttokivg^ Ut avis (-is 
aus 'ts, weil gestoßen betont). 

2) -uns gibt analog -äs, woraus ein -y werden mußte, also 
wie im Inlaute: Akk. PL der ^-Stamme syny aus *sünun8, lit 
sunus, dangks, got. wnuns, IslL manüs, kret vivvgf hom. //vrg. 

3) -on« und ant wurden verschieden behandelt, in -ons unter- 
lag das einer Verdumpfung unter dem Einflüsse des auslauten- 
den '8 sowie in der Endung -os, so daß aus -ons ein -uns wurde; 
dieses führte nach 2) zu -y. Bevor jedoch diese Verdumpfung 
eintrat, ist -Jons dem umlaute imterlegen und zu -Jens geworden, 
das ein -j^ ergab. So haben wir im Akk. PI. der o-Stämme 
aksl. Iqky aus *lonk(m8 von Iqkb ,der BogenS vgl. lit. takus, 
preuß. deiwans, got totdfans, kret Iv'AOvg^ lat 2iipd8; dagegen 
aksl. kraj^^ mqi^. Analog auch im Nom. Sg. des Part Präs. 
Akt vedy gegen znaje^ aus *ved(m(t)8, *znaj(m(t)8. 

In -on^ konnte dagegen das t selbstverständlich nicht ver- 
dumpfend wirken und so wurde hier das -on wie im Inlaute be- 
handelt, d. h. es ergab ein q noch vor dem Abfall des -t: 3. P. 
PI. des starken Aor. aksl. v€d<f aus *redant, vgl. gr. eyyo-v, eli^ 
Ttov. Es ist jedenÜEills auffallend, daß beim Partiz. ein *vedons, 
*2najon8 nidit zu *ved(^f znajq geführt hat ebenso wie aus *redont 
ein vedq geworden ist und wie wir auch im Gen. Sg. aksl. vedqita, 
znajqMa u. s. w. haben. Diese Tatsache hat es vornehmlich ver- 
anlaßt, daß man auch im Slav. im Nom. des Part von einer 
Länge, entsprechend dem griech. kvtov u. s. w., ausging, allein 
das wäre nicht richtig. Man muß die Abweichung durch die 
Annahme erklären, daß sich die Nasalität und speziell hier das 
q mit einem nachfolgenden s nicht recht vertrug, die Nasalierung 
wurde daher aufgehalten, bis -ons zu -uns und -Jons zu -/et» 
geworden war, woraus dann einerseits -y, andererseits -je^ ent- 
standen ist znaj^ kann man selbstverständUch nicht durch einen 
Umlaut aus * znajq erklären, denn dagegen würde znajqMa u. s. w. 
sprechen. Zu diesem lautlichen Rt)zesse muß noch bemerkt 
werden, daß im Inlaute q aus -on früher entstanden ist als der 
Umlaut des -jo zu je erfolgte: znajqsta u. s. w., dann erst wirkte 
der Umlaut: im Nom. Sg. wurde aus ^znajans, das sich des 
nachfolgenden s wegen immer noch behauptete, ein *znajens; 
analog auch im Akk. PI. der o-Stämme z. B. *krajens aus *kra'^ 
Jons, Jetzt erst entstand auch hier der Nasal: znaj^, kraj^. Das 
q in znajqMa u. s. w. ist demnach älter als das 4} in znaje^, kraj^, 



126 

also im Auslaut (S. 109). Einzelsprachlich sind dann im Südslav. 
der Nom. Akk.Pl. und Gen. Sg. duS^ als Analogieformen entstanden 
{rybif : duSS wurde nach Ufhf : mqz^ zu ryby : dui^ umgeformt). 
Als sich das -% in znaj^ kraj^ u. s. w. entwickelte, war das -ot» 
nach harten Konsonanten im Auslaute schon zu -uns geworden, 
sonst hätte hier schließlich doch wohl ein -^ entstehen müssen. 
Der von uns vorausgesetzte Nom. des Part Präs. *ved(mllf)8 deckt 
sich vollkommen mit dem lit vezqs (schleifende Intonation). 

4) -ens führte zu -<;; wie schon sub 3) angegeben. 

5) -ans wäre wohl zunächst zu -ona geworden und dieses 
wäre wie in 3) angegeben, behandelt, doch liegen keine sicheren 
Belege dafür vor. 

6) -^ mit heller Färbung (i-Färbung) ergab ^, allerdings 
wohl unter dem Einflüsse der anderen einen Nasal enthaltenden 
Formen, wie noch bei ?i angegeben vdrd: 3. P. PL des Aor. 
ves^, dai^ u. s. w. 

II) Mit langem Vokal: dafür kein sicheres Beispiel. 

Wechsel zwischen q und u im Urslav. Lautphysio- 
logische Bemerkungen. Es gibt mehrere Worte, die im 
Aksl. mit q neben u auftreten, wie mqdüi und mudüi ,cunctari': 
z. B. Matth. 24. 48 im Zogr. Assem. Sav. Kn. muditb, dagegen 
Luk. 1. 21 im Zogr. nufzdaaäe. Die anderen slav. Sprachen 
setzen ein u voraus: slov. nemudoma ,alsogleich' und mudiii ,auf- 
halten^, p. zmuda ,Zeitverlust' u. s. w. Was hier ursprünglich 
war, darüber kann uns nur die Etymologie belehren. Neben 
jmqditi, mudüi haben wir noch izrmdeti ,schwach werden^ vmdib, 
richtiger mtdüz ,tardusS fmdlüi ,zögemS imdli>m; durch Vokal- 
assimilation entstand im Russ. mSdlüt aus *fntdtliit, fneledUh 
,zögem^, meledd ,langweilige Arbeit, Saumseligkeit' (hier ist eine 
Umstellung der Laute d und l eingetreten, vgl. auch ladönt aus 
doldnt, Torbiörnsson Grsl. Liquidametath. I S. 46). Dazu auch 
die Wurzel med im Ai. mädyaii ,er zögert^. Man muß daher im 
Slav. ein Nasaliniix voraussetzen, worauf dann die o-Stufe fnond^ 
zu mqd' führte, dagegen die Schwundstufe m|id mit einer dumpfen 
Färbung zu m^d. 

Im Supr. lesen wir gnqsüi 8^ ,abominari', gnq8M^^ ,abominan- 
dus' neben gnuSati 8^, gnustm, gnu8^ ,Schmutz^ Auch hier 
setzen die anderen slav. Sprachen ein gnust voraus. Da dameben 
auch ffnbSb ^ayog scelus' wie auch gnesb ,sordes' (aus gnb8h) vor* 
kommt, so verhält es sich hier analog wie bei mqdüi — m^dl^, nur 



127 

hatte das 9 in *gn^S' eine helle Färbung, fidls das b hier ur- 
sprünglich ist 

Weiter gehört hierher aksl. sqmtneti 9^ und sunmMi s^ 
^ubitare, timere' (so z. B. im Supr. sumtnitb s^ 306. 26). Im P. 
jetzt sumienie ^Grewissen', früher allerdings sqmienie. Über tufida- 
nuida wird weiter unten gehandelt 

Man muß annehmen, daß in diesen Fallen q das ältere und 
u das jüngere sei. In gewissen Worten äußert sich also schon 
frühzeitig der Verfall des Nasalismus, der dann fast in allen slav. 
Sprachen eintrat Und zwar zunächst bei q in Silben, die sonst 
noch ein m oder n enthalten (eventuell der Anlaut der nächsten 
Silbe). Dieser Prozeß äußerte sich offenbar so, daß sich q zu- 
nächst einem tf näherte, woraus dann bei Schwimd der Nasalität 
ein u wurde. In dem Worte sutnimeti ist besonders der Vorgang 
klar, weil über die Etymologie hier nicht gezweifelt werden kann: 
9q- kann nicht von sq in sqsedz u. dgl. getrennt werden und 
daher sehen wir hier ganz deutlich q als das primäre und u als 
das sekundäre. Allerdings muß hier vorausgesezt werden, daß 
das sq ursprünglich in einem Substantivum vorhanden war (vgl. 
serb. sumnja ,ZweifelS schon in aserb. Quellen sumbnja), weil die 
gedehnten Formen der Präpositionen sq, pa-, pra q nur in Kom- 
positis mit Substantiven vorkommen. Vom Substantivum ist das 
sq- auch im Verbum eingedrungen. Wir haben zwar auch ein 
SMnbneti, aber es ist nicht sicher, ob das die ursprüngliche Form 
gerade ist, oder ob sie später wieder nach der Analogie gebildet 
worden ist. 

Man kann gar nicht daran denken, daß hier ursprünglich das u 
war und dafi sich erst nachträglich ein sekundärer Nasal dialektisch 
entwickelt hätte, wie wir es noch z. B. im P. in einigen Fällen heobachten 
können (hei — ^). Abgesehen davon, daß wir zunächst ein u etymolo- 
gisch nachweisen müßten, würde man an eine nnüherwindliche lautliche 
Schwierigkeit stoßen, wollte man von u zu <{ kommen, selbst auch bei 
der Annahme einer Zwischenstufe wie 1^. Der umgekehrte Weg läßt uns 
allerdings diese Schwierigkeiten vermeiden. Etwas anderes ist es, wenn 
einem im Poln. später ein ^ gegenübersteht wie in dem Worte mi^zy, 
apoln. noch miedzy, aksL mMu ,zwi8chen*. 

Demnach ist die gewöhnliche Erklärung des aksL nudüi 
,nötigen', nuzda ,Zwang', nudtmi, nudimä ,notwendig' neben 
nqdüf, nqzda ,Gewalt, Notwendigkeif, nach der es mit preuB. 
nautin (Akk.) ,Not*, germ. *naupi, *naudi, got naups ,Not, 
Zwang' zusammenhängt, aufzugeben. Brugmann bemerkt zwar 



128 

daß Tenues in einer bestimmten Verbindung mit Nasalen zu 
Mediae werden (lat plango : gr. Tckriaawy lit plaku, Grundr. I* 
S. 631, d), aber bezüglich des Slav. könnte man sich schwer 
damit befreunden. Wie soll man nebstbei ein vorgerm. nauti 
(Kluge, Etym. Wtb. 6. Aufl. S. 285) mit nqd, nud in Zusammen- 
hang bringen? Wir können nach dem früheren nur von einem 
^nond- ausgehen; das wurde zu einem nqd- und daraus konnte 
schon im Urslav. wegen des anlautenden n ein nud werden, neben 
dem noch tkfd weiter bestand. Es ist offenbar zu ai. nädhita 
4n Not befindlich^ zu stellen. Unter dem Einflüsse des Germ, 
(vgl. gqt naußjan ,nötigen^) wurde n(fdUi — nudüi auch zu nqtüi — 
nutüi modifiziert und so treffen wir es vornehmlich bei jenen slav. 
Sprachen, die am meisten mit den Germanen in Berührung waren. 
Meist wurden dann die so entstandenen Doubletten zur Differen- 
zierung der Bedeutung verwendet, wobei natürlich die vom Germ, 
beeinflußte Form auch die dem Germ, zukommende Bedeutung 
erhielt: b. nouze ,Not, Elend*, nuda ,LangweileS nudifi ,lang- 
weilen*, dagegen nutüi ,nötigen*, p. nuda ,IjangweileS nudzic, wy- 
nudziö .abnötigen*, n^za ^Not*, darneben nuci6 ,nötigen* (aus 
nutiti), n^ciö, wn^M ,locken*, os. nuciö gegen nuza ,Not*. Falls 
das hg. pod-nota (oder po-nodä) ,das Angebotene* (s.p(hnuda) dazu 
gehört, könnte man auch an den Einfluß der Germanen auf dem 
Balkan denken. S. und b. nutkati kann allerdings auch zu nu- 
düi gehören. 

Um die eben besprochene wie auch die noch zu erwähnenden 
Veränderungen überhaupt zu verstehen, muß Einiges über die 
Aussprache der Nasale erwähnt werden. Den Namen Nasale, 
der sonst gewöhnlich nur dem m und n zukommt, gebrauchen wir 
(st nasalierte Vokale) deshalb, weil er in den slav. Grammatiken 
schon traditionell geworden ist 

Nasalierte Vokale kommen bekannthch dann zu Stande, wenn 
der Mundraum durch den Gaumensegel (Velum), der sich von 
der hinteren Bachen wand abhebt und der Zunge nähert, teil- 
weise abgesperrt wird, so daß der Exspirationsstrom durch den 
Mund und durch die Nase entweicht Letzterer Umstand scheint 
aber nicht so wichtig zu sein, die Hauptsache ist darin zu suchen, 
daß der Mundraum mit dem Nasenraum kommuniziert, wodurch 
alle Vokale eine nasale Färbung bekommen (nasale Resonanz). 
Man kann nämlich solche Vokale auch vorbringen, wenn man 
die Nase zuhält, allerdings ist ihre Nasalität dann etwas schwächer. 



129 

Durch die erwähnte Öffnung des Gaumensegels an der Bachen- 
wand kann man Vokale mit der intensivsten Nasalität hervor- 
bringen, wie sie z. B. das Französische hat und wie sie wohl 
auch im ürslav. vorhanden waren. Nicht so intensiv ist sie bei 
den p. Nasalen. Storm bemerkt, daß die p. Nasale «^ q vor d, 
t einen mehr dentalen, vor b, p einen mehr labialen Charakter 
annehmen, so daß ein unvollkommenes n odei: m mit dem Vokal 
verschmilzt, indem bei Zähnen und Lippen eine ähnliche lose 
Annäherung stattfindet wie sonst beim weichen Gaumen: p^ 
,Fe88eln*, Dqbrowski, welches letztere von Ausländem Dombrowski 
geschrieben werde (Engl. Phil.^ S. 59 — 60). Es muß aber dabei 
jedenfalls doch auch eine teilweise Freilegung des Weges zum 
Nasenraum vorhanden sein, da wir ja sonst überhaupt keine 
nasale Färbung, die doch unbedingt vorhanden ist, bekämen. 
Nähern sich die in Betracht kommenden Sprachorgane der n- 
oder in-Lage, so wird jedenfalls gleichzeitig auch der Verschluß 
des weichen Gaumens (Gaumensegels) an der Bachenwand ge- 
lockert, wie er ja auch ganz geöffnet werden muß, wenn der 
nasale Kons, n oder m artikuliert wird. 

Die von Storm konstatierte ArtUnilationsverschiebung der 
nasaherten Vokale im P. werden wir weiter unten in einem noch 
umfangreicheren Maße zugeben müssen. 

Wie entstehen nun aus reinen Vokalen nasalierte und um- 
gekehrt? Es kann wohl nicht daran gezweifelt werden, daß die 
Nasale ihren Ursprung von der unvollkommenen Verschmelzung 
des n oder m mit dem vorhergehenden Vokal genommen haben 
(Storm nennt es die schwache Artikulation der nasalen Konso- 
nanten, wo man nicht weiß, ob man z. B. p&a oder penta hört, 
S. 61). Dabei trat nur eine leichte Lockerung des Velumver- 
schlusses ein. Von en konnte nicht ein direkter Weg zu einem 
Velamasalvokale i (^); wie wir sie z. B. im Franz. haben, führen. 
Erst später wurde diese Stufe erreicht (vollständige Öffnung des 
Velarverschlusses). Es ist auch möglich, daß der schwachen 
Artikulation der nasalen Kons, noch eine andere Stufe vorher- 
ging, z. B. ein rdnka (Nasalierung des Vokals vor dem nasalen 
Kons., der Nasal wird gleichsam antizipiert), woraus erst röka, 
also Assimilation des Kons, an den nasalen Vokal, aber noch 
mit einer vorderen Artikulation, woraus dann erst die Velamasal- 
vokale entstanden. 

Gehen wir von einem ^», an (geschrieben auch in, on) aufl, so be- 

V«ndr&k, Vgl. slar. Grunm. I. 9 



130 

greifen wir auch eher, warum die beiden Nasale ^ und er im Uralav. 
lang waren (vgl. S. 20). Wäre nämlich bei «n, on durch eine Anti- 
zipation einer teilweisen Lösung des Yelarverschlusses bei der Aussprache 
der vokalischen Bestandteile 0, o daraus direkt ein ^, q entstanden, so 
wäre kein Grund vorhanden, weshalb die Nasale lang sein sollten. Etwas 
anderes, wenn wir stufenweise zu ^, q gelangen, wo wir es vor dem 
letzten Stadium mit Lauten zu tun haben, deren Artikulation zwei zeit- 
lich auf einander folgende Momente umfaßt. Das ist eben bei ^ und an 
(en, an) der Fall. Wurde hiebei die vordere lose Annäherung (Engen- 
bildung) mit der entsprechenden vollständigen Lösung des Yelarver- 
schluBses (entsprecJiend dem ^ und q-) vertauscht und statt des dentalen 
Verschlusses (entsprechend dem -n) einfach eine lose Annäherung herbei- 
geführt, so war man schon beim vorletzten Stadium, das ebenfalls noch 
zwei Artikulationsmomente aufwies. Im letzten Stadium wurden diese 
Momente zeitlich noch gewahrt, d. h. die Nasale waren lang. 

In dem Anfangsstadium dieser Entwickelung behielten einige 
q des ürslav. ihre vordere Artikulation, wenn sonst noch ein m 
oder n in der Silbe vorhanden war, erlagen aber insofern der 
allgemeinen Yerdumpfung, als sie zu t^ wurden. In diesem Laute 
konnte sich allerdings die nasale Begleitung nicht behaupten und 
so entstand daraus ein 11 (die früher erwähnten Fälle wie muditi, 
gnusz u. s. w.). Wir hätten also eigentUch hier keine Analogie 
mit dem as. kunig aus kuning (zwei n, eine Art Dissimilation). 

Schon im ürslav. ist also in einzelnen Fällen der Nasal q 
geschwunden. Später gingen in einzelnen slav. Sprachen die 
Nasale total verloren, so daß jetzt das P. mit dem dazu gehörigen 
Kaä. eine Ausnahme bildet Spuren der Nasale hat man noch 
in einzelnen maced. Diali und im slov. ßosenthaldialekt gefunden. 

Trat der Schwund der Nasalität in der Periode der Velar- 
nasalität ein? Kaum, wahrscheinlicher ist es, daß die Artikula- 
tion wieder mehr nach vom verschoben wurde (also im p. Sinne), 
akustisch wurde aber der dumpfe Ton bei q dadurch erhalten, 
daß es dann vielÜEich als ^ lautete, bis hier die Nasalität voll- 
ständig schwand. So finden wir in den meisten slav. Sprachen, 
welche die Nasalität aufgegeben haben, ein u statt des q. Im 
Slov. ist aus q direkt ein entstanden, d. h. der Vokal blieb, die 
nasale Begleitung ist verloren gegangen. 

Merkwürdig sind die Reflexe des ^, da wir neben s. slov. 
und vielfach auch bg. e noch ein ja finden und zwar im R; 
auch das B. setzt ein ja voraus. Man wird vielleicht mit Rück- 
sicht auf das P. (vgl. weiter unten) von einem sehr ofienen ^ 
(eig. ^) ausgehen müssen; aus ihm hätte sich in den betreffenden 



131 

Sprachen ein iq, iq analog entwickelt, wie aus dem ursprachl. ^ 
im urslav. ein '«. In iq schwand dann die Nasalität: fo. 

.Die Nasale und ihre Reflexe in den einzelnen slav. 
Sprachen. Im Bulg. wird heutzutage q im allgemeinen von ^ 
(dasselbe findet man am häufigsten in den sog. mittelbulg. Denkm., 
die etwa in der Mitte des XII. Jhd. anfangen), a, o und u ver- 
treten. In mittelbulg. Denkm. haben wir nur eine spärliche An- 
zahl von Beispielen mit o, das heutzutage den Dialekt von Debra 
und einige Rhodopemundarten charakterisiert, st q, was mit 
Rücksicht auf eine Eigentümlichkeit mehrerer aksL Denkmäler 
konstatiert werden muß. Das a taucht erst etwa zu Anfang des 
XIV. Jhd. auf, im Auslaute allerdings schon im XTTT. Jhd. Das 
II erscheint im allgemeinen in Dialekten, die sich mit dem s. 
Sprachgebiet berühren, hauptsächlich in den nördlichen Gebieten 
Macedoniens und Westbulgariens. 

e ist sowohl in den sog. mittelbulg. Denkm. wie auch in den 
heutigen Dialekten der regelrechte Vertreter des f. Eine Aus- 
nahme machen die Gruppen j^ s^ und i^ die zu jq, äq und zq 
geworden sind (Wechsel der Nasale), was wahrscheinlich damit 
zusammenhängt, daß sich die Artikulationsstelle der hier in Be- 
tracht kommenden Kons, änderte, weshalb gewisse Vokale dar- 
nach eine mehr dumpfe Klangfarbe annahmen. Das so ent- 
standene sekimdäre q machte dann trotzdem noch die Schicksale 
des urspr. q durch, es konnte also za ^, a und o werden. In 
•einigen Fällen fand dieser Wechsel zwischen ^ und q auch nach 
urspr. harten Kons, statt 

Nasale in den aksl. Denkmälern. Den richtigen Gebrauch der 
Nasale hielt Mi kios ich für das wichtigste Merkmal der sog. pannoni- 
schen Denkmäler und hierin folgen wir ihm auch. Allerdings haben wir 
kein einziges Denkmal, in welchem der Gebranch der Nasale absolut 
richtig wäre; selbst die in dieser Hinsicht so strengen Eiever Blätter 
haben einmal u st. q: nebe^^kt^'q Vlb 7 st. n0be$bskqjc^ Es kann sich 
also nur um eine relative Richtigkeit handeln. Die in den aksl. Denk- 
mälern vorhandenen Abweichungen hinsichtlich der Nasale sind mannig- 
fach; sie verraten uns meist dialektische Einflüsse, denen die Urheber 
der Abschriften unterlagen. Hierbei bereitet am meisten Schwierigkeiten 
die Erklärung der Beispiele mit u st. q in Denkm., die nicht auf s.-kr. 
Gebiete abgeschrieben worden sind (wie z. B. Zogr. Psalt. sin. u. s. w.) 
und dann mit o st. q (Psalt. sin., Euch. sin.). Das u st. q^ im Psalt. siu. 
läßt sich dadurch erklären, daß es sich um eine Vorlage handelte, die 
Tom s.-kr. Sprachgebiete kam, wofür Einiges spricht (vgl. Verf. »0 püvoda 



132 

kievBkych listü u. b. w. S. 41). Hinsichtlich dieser Eigentümlichkeiten in 
unseren Denkm. vgl. Verf. Aksl. Gramm. S. 78—81. 

Im Serbokroat wird ^ von e und q von u vertreten. Nun 
bemerkt man, daß in den auf 8.-kr. Gebiete geschriebenen aksl. 
Denkm. wie Mar. imd Glag. Cloz. für q häufig ein u (und auch 
umgekehrt), aber nicht für ^ ein e geschrieben wird. Hierher 
gehört auch die schon oben erwähnte Form nebestskujq der Kiever 
Bl. Es hat hier also offenbar ein Gebiet gegeben, wo der Nasal 
q zunächst schwand, eine Erscheinung, die wir auch in bestimmten 
Fällen für das ürslav. annehmen mußten (vgl. BB. 29, S. 226). 

Im Slovenischen ist o an die Stelle von q (vgl. oben S. 130) 
und e an jene von ^ getreten. Diese Vokale obie NasaUerung 
waren hier offenbar schon zur Zeit, als die Freisinger Denkmäler 
geschrieben wurden. Die spärlichen Nasale, die wir hier noch 
finden, sind nur eine Tradition des Aksl. und seiner Denkm. Das 
u für q, das hier auch vorkommt und zwar hauptsächUch in 
Formen die so recht aksl. Einfluß verraten, rührt von der vom 
s.-kr. Gebiet stammenden Vorlage her (vgl. Verf. :» Studie z oboru 
ckslov. pisemn. S. 59—60). 

Im Russ. ist aus q ein u und aus ^ ein ja (a) geworden und 
zwar hat es hier, wie wir aus den ar. Denkm. ersehen, um die 
Mitte des XI. Jhd. keine Nasale mehr gegeben, aber in einer 
älteren Periode waren sie auch hier noch vorhanden (vgl. oben 
S. 114). 

Im Böhm, wird das q von u vertreten, an die Stelle des ^ 
trat ursprüngUch ein «a-Laut (vgl. oben S. 54). Das a konnte 
dann auch nach den allgemeinen B.egeln umlauten, so daß wir 
jetzt mannigfache Vokale als Reflexe des einstigen ^ finden. 
Hiebei war natürlich auf die weitere Gestaltung des Lautes die 
Quantität, wie auch sonst, von besonderer Bedeutung. 

Im Foln. haben wir, wie schon erwähnt, jetzt noch Nasale 
und zwar steht einem aksl. ^ entweder j^ oder jq, einem aksl. q 
hingegen ein ^ oder q gegenüber BUer müssen wir aber von der 
gewöhnUchen Bezeichnung des nasaherten o 21% q ablassen und 
es durch ^ ausdrücken, da uns im folgenden q ein nasaliertes a 
bezeichnen wird. 

Die Frage, wie sich die erwähnten Nüanzierungen luid Dou- 
bletten aus den urslav. ^ und p entwickelt haben, gehört zu den 
schwierigsten Kapiteln der p. Lautlehre und hat die Forscher 
schon vielfach beschäftigt. Eine gewisse WahrscheinUchkeit hat 



133 

jene Hypothese für sich, nach welcher aus einem urslav. f (die 
Nasale waren im ürslav. lang, siehe oben 8. 130) zunächst im 
P. und Kaä. ein offenes /f (also etwa ein jq) entstand, woraus 
jq wurde, das bis etwa zum XII. Jhd. blieb. Nach der allge- 
meinen Regel, die dann überhaupt bezüglich der Eiiialtung oder 
Verkürzung von langen Vok. galt, wurde es entweder zu jp und 
nach Schwund der Quantität zajg (geschrieben t^) — im B. steht 
hier ein langer Vokal zur Seite ({, d) — oder zu jq, woraus j^ 
(geschr. i^) wurde. Es wird zwar noch jetzt geschrieben, hat aber 
meist in der Aussprache die Nasalität verloren. Im B. erscheint 
hier ein kurzer Vokal {e, e, a). Beispiele für beide Fälle: p. 
toziq6 ,nehmen', b. vztti, aksl. vbz^i; p. piqitf ,der fünfte', b. pdt^, 
aksl. p^, dagegen p. pi^, b. paia, aksl. p^ ,Ferse'; p. pi^ 
^fünf', b. pet, aksl. p^h. 

Das g wurde dagegen im P. und Kaäub. (vielleicht auch im 
Polab.) zu q, das sich im P. auch bis etwa zum XII. Jhd. be- 
hauptete; dann wirkte wieder das Gesetz von der Erhaltung oder 
Verkürzung der Längen, so daß auch hier eine Spaltung eintreten 
mußte: q wurde im Ap. zu ^, das dann, nachdem die Längen 
schwanden, zu p wurde, und als solches sich bis jetzt behauptet 
(geschrieben q). Im B. steht diesem Iiaute ein ou aus ü gegen- 
über, q wurde dagegen im Ap. zu q, das sich bis jetzt behauptet, 
in den Dialekten aber in der Regel die Nasalität verliert (= e). 
Im B. steht ihm ein u gegenüber. Beispiele für beide Fälle: p. 
mqka spr. tnpka, b. mouka, aksl. mqka ,Mehl'; p. mqdry (spr. 
mpdry), b. m<n»dry ,weise', aksl. mqdrh; dagegen: p. m^a, b. 
muka, aksl. nu^a ,Marter'; p. p^pek, b. pupek, Bks\.pqpb ,NabeP. 

Diese Fragen behandelt eingehend und kritisch S. M. EaTbakin 
(Ks ist. i dial. porsk. jaz. S. 21 f., 8ep. ans Sbom. otdöl. mssk. jaz. t. 73 
Nr. 4, wo man anch die Literatur findet); ihm folgen wir hier. 

Was die heutige Aussprache der Nasale anbelangt, bemerkt 
Eozwadowski, daß vor allen Kons, außer vor «, /, »z, ch nach ^, ^ 
noch deutlich ein »t, A, m, ft klinge: p^nia, p^dziöy p^dy, m^Slka, k^pad. 
Vor «f d, Kj eh haben wir dagegen einen reinen nasalen Vokal: v^s 
(geschr. irq»). v^yö. 

Im absoluten Auslaut behauptet sich p: matkg (geschr. matkc(j, da- 
gegen hat f im absoluten Auslaut seine Nasalität verloren : matke (gescbr. 
maik^f nur in feierlicher Bede noch matk^. Sonst auch noch in gewissen 
Fällen im Inlaut: petnasde .fünfzehn* (geschr. />t^<itaAji«), dzevetnaide ,neun- 
zehn' (geschr. dtiewi^inaicie) , petna$ty ,der f&nfzehnte*. Die Aussprache 
p^tnasde erscheine gekünstelt. Ich glaube, es war hier das nachfolgende 
II maßgebend (vgl. schon im ürslav. muditi^ iumbniti u. s. w.). Femer 



134 

bemerkt Bozwadowski, daB aach reine Vokale vor n (m) nasaliert werden: 
ten klinge dial. als t^n (,8zk]C wymowj polskiej' in den Materyaly i prace 
kom. JQZ. tom I, Hft. 1, S. 104—105). Preilicb Bind es Eigen tfi ml ichkei ten, 
die meist den Dialekt des Autors betreffen. 

Zn bemerken ist nocb, daß wir in schlesiscben Dialekten ein nasa- 
liertes a (q) finden; dieses spielt als ein mögliches älteres Glied in der 
Frage nach der Entwickelung der jetzigen p. Nasale eine wichtige Bolle. 
Freilich hat es nicht an Stimmen gefehlt, die darin etwas Nenerea 
sehen. 

Hinsichtlich des Ka§ub. verdient insbesondere hervorgehoben 
zu werden y daß urslav. f in Fällen , in denen es die LÄnge be- 
wahrt hat, vor weichen Silben zu i (durch die Mittelstufe f) ge- 
worden ist: pßc, p. piqS, prisc, p. przqäö, tfisc, p. tr»fS6. 

Im Sorbischen ist an die Stelle des q auch ein u, also 
wie in der Mehrzahl der slav. Sprachen getreten: muka, aksL 
mqka ,Mehl'; os. hinu6 (dial.), ns. gintiä, aksl. gynq^i ,zu Grunde 
gehen'; Instr. Sg. ryhu, aksl. ryhq (rybojq) u. s. w. (vgl. Mucke 
S. 31 und 105). 

Aus e wird dagegen im Os. ja, im Ns. e: os. u?jaza6, ns. 
wezaä, aksl. v^zati ^binden'; os. fjaty, ns. pety, aksl. p^ ,der 
fünfte'; os. mjaso, ns. meso, aksl. mfso ^Fleisch'; os. hUuiaS, ns. 
glida4, aksl. gl^ati ^schauen'; os. dial. noch mjackki (dameben 
gewöhnlich das daraus entstandene mjehki), ns. mekki, aksl. m^kb^ 
jweich' u. 8. w. (vgl. 1. c. S. 31 und 72). 

Die Halbvokale « und t. 

Lautliche Geltung. Zur Beurteilung der einstigen laut- 
lichen Geltung bietet uns das Aksl. einiges Material, wozu auch 
die heutigen bg. (und teilweise auch die slov.) Dial. hinzukommen. 
Freilich ist dadurch, was wir hier erschließen können, die urslav. 
lautliche Geltung noch nicht einwandfrei bestimmt. Mit einer 
gewissen Wahrscheinlichkeit können wir aber immerhin unter 
solchen Umständen auf urslav. Zustände schUefien. 

Es muß zunächst hervorgehoben werden, daß das z ohne 
Lippenbeteiligung artikuliert wurde, also ganz entsprechend dem 
ihm verwandten Laute y (z geht bei Dehnung in y über). Dafür 
spricht auch, daß der Halbvokal aller bg. Dial., wo er überhaupt 
noch vorkommt, ohne Lippenbeteiligung ausgesprochen wird 
(Miletiö, Afel. Phil. 20, S. 289—290, wo einige Angaben Ob- 
lak's, der in der nördlichen Umgebung von Saloniki ein « mit 
Lippenbeteiligung zu hören glaubte, bezweifelt werden). Dagegen 



136 

könnte vielleicht der Umstand sprechen, daß ^ in einigen aksl. 
Denkm., wie wir sehen werden, vor weichen Silben znnächst nach 
Labialen in t übergeht (z. £. vb njetnt aus t^ njemt ^n \hm% 
was vielleicht eine läppenbeteilignng verraten Jcönnte. Für eine 
Lippenbeteiligung spricht dagegen nicht, daß auf drei Sprach- 
gebieten, wo ^ und t noch unterschieden vnirde, aus ^ ein o (und 
aus t ein e) geworden ist, nämlich im R, dialektisch im Bg. und 
Slovak. (vgl. übrigens auch das Osorb.). Auch das nicht, wenn 
wir sehen, daß graphische Eigentümlichkeiten dafür sprechen, die 
^r^-6ruppe aus *twi habe einen dumpfen Erlang gehabt, weil 
derselbe nicht von der Lippenbeteiligung bei der Aussprache des 
älteren *thrt, *hU herzurühren brauchte. Oegen eine Lippen- 
beteiligung spricht auch folgende Erscheinung. Wenn nach der 
Präposition vb ein Wort mit i im Anlaut folgt, wird im Aksl. in 
der Kegel das 9 nicht zu t», vielmehr wird aus z + i ein y z. B. 
vynq aus vb inq dia Ttavrog. 

Wie war nun die eigenüiche Artikulation beschaffen? Es 
kann sich dabei nicht um einen o-Laut mit «-Artikulation der 
Zunge und o- Artikulation der Lippen handeln, sondern um einen 
entrundeten o-Laut, wie er etwa im engl, bird vorliegt Es 
wurde aber wohl die Zunge etwas zurückgezogen und 
gegen den weichen Gaumen ein wenig gehoben: ein 
Überbleibsel des u, aus welchem das b eben entstanden 
war; ebenso war die Zungenspitze mehr gesenkt wie bei y. Aus 
diesem Laute konnte einerseits bei Dehnung ein y entstehen, in- 
dem die Artikulationsstelle etwas nach vom rückte d. h. statt 
der erwähnten Erhebung der Hinterzunge machte sich jetzt jene 
der mittleren Zunge gegen den harten Gaumen geltend. Anderer- 
seits ein 0, indem auch die Lippen in Aktion traten imd die 
Hebung der Hinterzunge bloß jene Grenze erreichte, die dem o 
ziikam. 

Den Lautwert des b kann man sich bestimmen, wenn man 
langsam den Diphthong ei ausspricht und bei jenem Laut ab- 
bricht, den man hört, nachdem schon das e ausgesprochen worden 
ist und das i noch nicht zur vollen Geltung kam. Es ist ein 
Laut, der weder als ein kurzes i noch als ein kurzes e aufgeSeißt 
werden kann, sondern in der Mitte zwischen beiden liegt. Wurde 
das b gedehnt, so rückte die Artikulationsstelle (Zungenenge) 
mehr nach vom; es wurde daraus ein i, wurde es dagegen zu 
einem vollen Vokal, rückte sie mehr nach rückwärts, d. h. es 



136 

^nirde daraus ein e. Einen ganz analogen Prozeß haben wir bei 
^ beobachtet. 

Beiden Halbvokalen war femer das gemein, daß sie nicht 
die Quantität der normalen kurzen Vokale erreichten: sie waren 
Yon einer unternormalen Kürze. Den Beweis dafür werden wir 
bei der Lehre über den quantitativen Ablaut beizubringen 
trachten. Das erklärt uns eine zweifache Erscheinung bei den- 
selben: 

1) kein anderer der sonst kurzen Vokale geht im Laufe der 
Zeit so leicht verloren, wie die Halbvokale in gewissen Stellungen. 
So sind sie in Silben, die durch den Ausfall offen bleiben konnten, 
frühzeitig in den einzelnen slav. Sprachen geschwunden. 

2) Wir bemerken, daß ein Halbvok. dann am leichtesten zu 
einem vollen Vok. ¥rird, wenn er an Quantität gewonnen hat, 
d. h. wenn der Halbvok. der nächsten Silbe (z. B. im Auslaut) 
verloren ging und seine Quantität an den vorhergehenden abtrat 
(Ersatzdehnung). Andere kurze Vok. erscheinen in diesen Fällen 
häufig gedehnt (im P. z. B. nach tönenden Verschlußlauten und 
nach Dauerlauten überhaupt). Ein Halbvok. kann sich also ab- 
solut nicht mit der Quantität der normalen kurzen Vokale ver- 
tragen, sondern wird in diesem Falle zu einem vollen, z. B. aksl. 
dvnes geschrieben noch dtnest oder d^nesb aus älterem dhnh^ 
,heute*. 

Ursprung der Halbvokale. Das ä geht auf ein ursprachl. 
u zurück; dasselbe erscheint häufig als die Beduktionsstufe zu 
eijb, 0^, y^e, e^e: aksl. bhcha, lit bltisä ,flohS b^dSti ,wachen', 
bzdrb, bhzdrb ,wachsamS lit budiSti ,wachenS vgl. (got -budum, 
ahd. butum ,wir boten^, ai. bubudhima ,wir erwachten', gr. Tti- 
Ttvofjiat ,ich habe erkundet*, hier überall *bhudh, dazu biiditi 
,wecken' aus ^bhoudh-; dhchnqti ,atmen', d^chor^ (tchort) ,IltisS 
lit. düsti du8Ü ,schwer atmen', dagegen duch^ ,Atem, Oeist'; dhtio 
,Boden', besHi^na ,Abgrund', lit. dügnas für *dubnas, bedügnis 
,Abgrund*, weiter lit dtdms ,tief, gall. dubno- ,Welt' zu *dheub; 
aksl. dzHi (aus *diiktS) ,Tochter', r, doöb, s. k6t, ä6i, slov. hdi, 
b. dci, lit d%ikie, got daühtar, ai. duhüdr-, gr. SvyaTriQ; d^va 
,zwei', Mtdü (aus dtw); \aX.duo, bi. duvä (duväü), urspr. *d(M)^ö(i«); 
aksl. krzvbm ,blutig', lit krüvinas »blutig', lat cruentus; hgati 
,lügen', Adj. hzh ,lügnerisch', hza ,Lüge', vgl. ahd. lukU ,lügne- 
risch', lug% ,Lüge'; tmckb ,MoosS lit PI. musat ,Schimmel auf 
saurer Milch', lat muscus, ahd. mos i^musa) ,Moos'; aksl. m ,nun, 



137 

aber, sondern', lit nü ,nunS ahd. nu, ai. nü (vgl. auch aksl. nyne 
^niin, jetzig lit nünat); aksL pl^tb ,caro', le. plutä ^Fleisch, zarte 
Haut^; aksl. rbdrh ,rof, gr. igv^gog^ lat ruber, ai. rudhirds zu 
*rudh (dazu auch aksl. ruda ^Metall, Erz', lit raüdas ,rot' aus 
^roudh"); aksl. r»«» ,Boggen', lit rugys, ahd. ro^^O; rokko; aksl. 
smcha Schwiegertochter', s. sndha ,8chwiegertochter, Schwägerin', 
b. snadia (aus dem 8. in neuerer Zeit entlehnt), ahd. »nur, gr. 
woqy lat nurus, ai. anu^; aksl. Shchnqii ,trocknen', lit. ^u^- ,ich 
werde räudig', vgl. such^ ,trocknen', lit aaüms dass.; aksl. afvm 
Schlaf aus *9upno-, ai. suptds ,eingeschlafen, schlafend', gr. vn- 
yog (aus *8up, fieduktionsstufe zu 9^ep, das z. B. in aisl. 8vefn, 
lat 8omnu8 und ai. svdpnois vorliegt; abl. vethchz ,alt', lit vetuszaSf 
lat ve^ii«. 

Auch bei entlehnten Worten erscheint fremdes u häufig als 
z: aksL ühba, izba ,tentorium', ahd. stuba ,heizbares Gemach, 
Stube', it stiifa; aksl. khn^zh ,Für8f , b. knez ,Pürst, Priester', p. 
ksiqdsf (vgl. auch kai^zyc ,Mond, Monaf ), ahd. kuning. 

Von den u-Stämmen gehört hierher: der Nom. Sg. aksl. 
sym ,8ohnS med^ ,Honig' u. s. w., lit sünüs, medüs, got sunus, 
aL 8unü$, Neutr. ai. mddhu ,Sü£igkeif, gr. fii&v ,Met'; der Akk. 
Sg. aksl. sym, medz aus *8unum, lit sinn, got sunu, lat manum, 
ai. Sanum. 

Ein alter u-Stamm verrät sich oft in dem der adjektivischen 
Endung -kb (aus *'kO') vorhergehenden ^ z. B. aksl. Ihgfh-kb 
4eichf, ai. Iaghu4, gr. eXaxvs ,klein, gering'; aksl. sladb-kb ,süß', 
lit saldüs ,süß'; aksl. qzb'kb ,eng', got aggwus ,enge', ai. qhüs. 

Im Slav. hat sich auch das Part Perf. Akt auf ^es, -uos-, 
-US' erhalten und zwar als Part Prät Akt I, z. B. der Gen. 
Sg. m. n. aksl. vlhkbia aus *vlku8jö, lit. vilk-us-io zu vlekq, vlSiti 
,ziehen, schleppen'. Bei vokalischen Stämmen erscheint -tzä- 
z. B. Gen. Sg. m. n. aksl. damsa, lit därvus-io zu dati ,geben', 
Ut dü'ti, vgl. ai. vidü^, gr. idvla ,wissend', got birusjös ,Eltem' 
(eig. ,die geboren habenden'). Das Nähere darüber in der Stamm- 
bildungslehre. 

Im Lok. PI. aller Stämme: aksl. vlhcechb, rocichb, mistech, 
rybachb, kosthchz, symch, kamentchb u. s. w. Ebenso im Alit: 
nanuxsu, dienosu u. s. w. auch bei allen Stämmen^ darneben -se, 
das jetzt allgemein ist, z. B. raiikose, szirdysi. Das ältere Letti- 
sche hat SU und si (Bielenstein 11 S. 24), ai. vfk^, dsväsu 
VL s. w., ursprüngliches Suffix also -su. 



138 

Supinum: aksl. detz, znaUz u. s. w., lit. detum-bitne (1. P. 
PI. Opt), diAu ^ setzen', ai. dhatum, lat. tatulatum. 

Das u, das zu % führte, konnte sekundär sein, z. B. bei aus- 
lautendem '08, 'Om: Nom. Sg. der m. o-Siämme aksl. rokb aus 
*roko8 ,Termin', Akk. rokb aus *rokom. Wahrscheinlich auch 
im Dat PL aller Stämme: aksl. rokotm, rybatm u. s. w., -m» 
aus -mos, lit -mus, -ms, preuß. "fnas, das eben auch für ein 
urspr. -mos spricht; daraus kann man auch das lit. -ms (aus- mos), 
nicht aber das mus (nach fierneker, Die preuß. Spr. S. 195 — 197) 
ableiten. 

Gen. PL zunächst der o- und a-Stämme: rokb aus *rokon 
durch die Vermittlungsstufe *rökon (worüber S. 124), rybb, dann 
auch sonst 

Bei der Konjugation: 1. P. PL Präs. ved-e-mb, Aor. ved- 
o-mb, ebenso lat -mus. 1. P. Sg. des einfachen Aor. vedb ,duxi* 
vgl. gr. €q)eQOVf ai. dbharam, darnach wohl auch aksL p^ u. s. w. 
In allen diesen Fällen ist das b nicht direkt aus o geworden^ 
sondern wir müssen ein u (also -us, -um) als die Übergangsstufe 
annehmen. Wir können nirgends bemerken, daß das o im In- 
laute oder sonst im Auslaute zu b geworden wäre. So ist z. B. 
in z^vati das b nicht aus o, das wir im Präsens haben (zovq aua 
*zeuO'), entstanden, sondern geht auf ein » zurück (älter *zM>ati^ 
dann unter dem Einflüsse des Präs. und anderer hierher gehöriger 
Verba zu zbvati, vgl. lit. zav'äi ^besprechen', ai. hdvUavS ,anrufen'). 
Solches b, das scheinbar auf o zurückgeht, wird bei o S. 89 be- 
sprochen. 

Weiter entsteht b im Slav. aus yi, ^ durch die Zwischen- 
stufe bm, bn: aksl. sbto ,hundert^, Ut szimtas; Präp. vb ,in' aus 
*9.; lit. in, {; aksl. sb ,mit' aus ^st^i, lit sü aus (sifj; aksl. chvtili 
jwollen' aus '^chi^i; aksl. glbbokb ,tief ; vbtort ,der andere, zweite'; 
aksL mbdüb ,zögemd* (über diese Fälle weiter unten bei 7^1, ^). 
Vorvokalisch blieb bm: aksl. dbmq aus di^imo-, Jit dumiü, 

Umlaut des ». Wie y nach weichen Konsonanten zu i 
wird, so geht auch b in diesem Falle in t über, was bei der Dar- 
stellung der Laute c^ d u. s. w. zur Sprache kommen muß. So 
z. B. Gen. PL duSt aus *dusb (vgL rybb) zu dusa ,Seele^ 

Ebenso auch im Inlaute: aus *pgo (vgL ai. yugdm, gr. tv- 
yov) wird *jbgo und dieses zu igo ,Joch*. 

b im Anlaut Mit b kann kein Wort anlauten, sondern es 



139 

wd ein v vorgesetzt: vgl. i^ ^n' aus z und dieses aus »fi, ^, wie 
oben erwähnt wurde. 

Dehnung des % zu y. Wie schon oben S. 135 erwähnt^ 
führte 9 durch Dehnung zu y. Es entsteht aber die Frage, ob 
nicht schon u, aus dem eben « entstanden war, zu ü gedehnt 
worden ist, da ja das ü auch ein y ergeben müßte. Da auch 
das t, welches aus e und i entstanden ist, durch Dehnung zu i 
geworden ist, so muß die Dehnung in solchen Fällen jünger sein^ 
d. h. sie ist dann erst aufgetreten, nachdem die Halbvokale schon 
vorhanden waren. Dafür, daß in gewissen Fällen bei der Dehnung 
der Halbvokal zu Grunde lag, spricht z. B. auch zyvati zu zwati, 
das oben S. 138 erwähnt wurde. Aber man kann nicht in allen 
Fällen, in denen ein y oder i dem z oder t gegenübersteht, an- 
nehmen, daß erst z und z gedehnt wurde; es kann sich auch um 
eine ältere Dehnung, bei der noch ein kurzes u oder kurzes i zu 
Grunde lagen, handeln. Bei diesen Dehnungen zweifacher Art 
kommen zunächst die Iterativa in Betracht 

Weiter wird das z vor einem aus i entstandenen ; gedehnt,. 
z. B. der Nom. Sg. m. des bestimmten Adj. dcbrz-i, daraus zu- 
nächst dobrz-j und durch Dehnung des z: dobryj ,o aya&og^^ 
Diese Form konnte dann auch zu dobry kontrahiert werden. 
Analog auch in den aksl. Denkmälern aus vz inq dia TtarroQ 
zunächst vz-jnq, dann vyjnq, pynq. Es ist hier aber auch mög- 
lich, daß — dialektisch wenigstens — aus vz inq direkt vifnq 
entstehen konnte. 

Außerdem wenn im Aksl. eine Verbalform des Präsens auf 
z endet (3. P. Sg. und PI. und 1. PI.) und das Pronomen t ,eum* 
folgt: aus vbhjqtz i wurde ubbj<^'jy daraus vbhj(^yj oder vbzjqty; 
ebenso slyäachomy aus slyäackomz i. 

Doch war diese Art der Dehnang im Aksl. nicht notwendig; es gab 
Dialekte wo sie unterblieb und das » warde dann anch anders behandelt 
z. B. V9zneu^<hj ans vwnesqh t; poSrirhomo-j ans pozrlchom^ t xaxexlofur 
axnw (Ps. 34. 25). Aber im weiteren Sinne des Wortes haben wir es hier 
doch auch mit einer Art Dehnang zn tan. 

Ursprung des t. Das t geht auf ein ursprachliches i 
zurück. Dieses erscheint nicht selten als die Schwundstufe zu 
ei; weiter ist es der Reflex eines ursprachlichen reduaerten e («). 
Wir finden das « z. B. in aksl. db-, das in der Erweiterung dz-Uk 
,wa8' vorkommt, gr. t/-^, r/, lat qui-s, qui-d, av. di-jf; aksl. dzn»^ 
JTeL^ aus din-, vgl. lat. nün-dinum, lit dagegen denh, preuß. Akk. 



140 

deinan; aksl. hp^i ^eben, haften an etwasS pri-ltfnqti (aus 
*4tipnqli), lit limpü, lipti ,kleben bleiben', lipnüs ^klebrig^, got 
bi'libatis Part, ^geblieben', ai. limpdti ,er schmiert^ gr. ki7rog 
Neutr. jFett', zur W. leip; mtgla ,Nebel*, gr. d^ix^-fi; aksl. Kom- 
par. mbmj, fnbnij ^eineify got mins ,minusS lat minor, gr. z. B. 
piivv&u, W. mei; mtzda ,Lohu', got. mizdö, gr. fiia^og; aksl. 
pbchati, pbsq und pbckajq ^stoßen, reiben^ die ot-Stufe in b. 
j^chovati ^stampfen*, dann pist, pista ,Kolben, Schlägel, Nabe*, 
lit pisü ,coeoS paisßi ,Gerste abklopfen', lat plnso, pistum, gr, 
miaan) ,ich zerstampfe', ai. pi^tds ,zerstampft'; aksl. pbkh ,Pech, 
Hölle', lit pUcis ,Pech', lat pix und gr. niaaa (*pikiä); phsati, 
piS(f ,schreiben', phstrz ,bunt' (aus *ph8"ro), phstrcffb ,ForelIe', ygl. 
gr. Ttoi^nilog, W. peik; aksl. sh jdieser* aus *k'i8, lit szis, lat. 
ci'ter, got Dat himma ,diesem'; aksl. swtiti, 8Vb{t)nqti ,leuchten', 
lit szvUMi ^ell glänzen', szmtü, szvürü'ju ,blinke, leuchte', got 
hiveits ,weiß', ai. svitrds ^icht, weiß', die o»-Stufe in aksl. svetz 
^lichf , W. k'ueü; aksl. vbdova ,Witwe', got unduwö, lat vidua, 
ai. vidhdvä aus uidhe^ui; aksl. vbst ,vicus' aus *y:ik'is, ahd. wih, 
ai. vis- ,Niederla8sung, Gemeinde, Stamm', vgl. dazu lit veszeti 
,zu Gast sein, weilen' und vhz-patis jHerr', dann gr. ßol/,og 
^Haus', lat vicus, ai. vssas; aksl. vbSh ,omnis', lit vlsas ,all'; das 
lit ist keine Entlehnung aus dem Slav. 

Ebenso finden wir in alten Lehnworten ein t» dem fremden 
i gegenüber z. B. aksl. Ibstb ,Li8t', got lisis, ahd. lüt ,Klugheit, 
Idst' zu got Ulis ,ich weiß'. 

Hierher gehören ferner mehrere Nominalsuflfixe wie ti, ni 
u. s. w. Die damit gebildeten Worte gehören der i-Dekhnation 
an, z. B. aksl. vüb ,res torta in modum funis', lit vßis ,Gerte 
vom Weidenbaum' (W. if«/, slav. Inf. vUi ,winden', lit v^ti); aksl. 
branb ,Eampf , danb ,Abgabe' u. s. w. Der ursprüngliche i-Stamm 
ist mitunter verdeckt, indem noch weitere Sufißxe angehängt 
wurden, z. B. aksl. ovbca ,Schaf' zu einem *ovb, vgl. lit avis, lat 
Ovis, gr. oig, ai. dfn$; aksl. srbdbce ,Herz', lit szirdls, gr. yiQaöia; 
auch das Adj. aksl. desbm ,rechts' setzt einen i-Stamm voraus 
^deJcsi' vgl. ai. ddksinas, wie auch gr. Se^iTeQog zeigt, lit deazine 
^chte Hand'; im Suffix -bje beim Neutrum: aksl. znamenbje 
^Zeichen', vgl. lat augurium, proelium; bja oder bji beim Fem.: 
aksl. ladbji, ahdiß, ahdii ,Schiff, gr. ftavia^ avaQ^ia; das Ad* 
jektivsuffix -bm: z. B. nebesbm ,himmlisch'; -bskb: dlovedbskb 



141 

menschlich' von äoveh^, vgl. got manniska ^menschlich', lit 
tokiszkas ^deutsch'. 

Von der Dekl. gehört hierher der N. Sg. der »-Stämme: 
aksl. gostt ,Gaaf , kostt ^Knochen', h aus -is, lat ovis, lit. avU 
Q. s. w.; Akk. Sg. derselben Stämme: aksl. gogtt, hostb, t aus 
'im^ lit. äv(j ai. maUm, gr. 09) iv, lat sUim. Im Stamme erscheint 
das t bei dieser Dekl.: im Instr. Sg. der Mask.: gasttmh und 
der Fem.: kosUjq; im Gen. Lok. Du. gostbju, kostbju; Dat. 
Instr. HudL. pqttma, kasltma; Nom. PI. der Mask.: pqttje, gosttje 
aus *-«/-« (s. weiter unten); Dat. Lok. und Instr. PL: gosthtm, 
kostttm; gosttchb, kosthdib und gosttmi, kosttmi. 

Weiter gehört hierher die Endung -mh aus -mi des Instr. 
Sg. der 0-, I*- und der m. i-Stämme: rokotnt, mestomt, dann 
sgmmb, goshmt, im Lit kommt diese Endung nur bei den i- und 
K-Stämmen vor; sie kommt femer vor im Instr. Sg. m. und n« 
der pronominalen DekL: temt, ßtm, wo sie an den zweiten 
Stamm toj[- angehängt wurde; weiter im Lok. Sg. m. n. derselben 
Dekl.: tomt, jemt, ai. tasmin. 

Von den verbalen Formen gehört hierher die Endung der 
1. P. Sg. der athemat Verba, die als -mt auftritt: jes-mh ,ich 
bin% da-mt ,daboS lit. esml, gr. ee/i/, ai. ds-mi; die Endung der 
3. P. Sg. aller Verba urslav. und ar. 4h, woraus aksl. -h: vedetb 
fiübiV, jestb, ar. jestt ^ist', gr. iavi^ ai. cati; desgleichen in der 
3. P. PI. urslav. -^ft, -^h, ar. -11^6, -jatt, woraus aksl. wieder -i^, 
-^h z. £. ved(^ ,sie führen', gr. dor. qdqovzi ,sie tragen', ai. 
hhdranti, urspr. *bheronth 

t> entsteht femer aus einem reduzierten e und zwar \ox j: 
Nom. PL der rikännlichen i-Stämme, aksL gostbje ,6äste' aus 
*go9tei-e8; irtje ,drei* aus triiea; femer vor palatalen Kons, über- 
haupty so in den Imperativformen rhci, rhcete, ztdzi, ztdzete, in 
Piäsensformen v^zbzeH, vhöera (über diese Fälle vgL oben S. 36); 
auch nach den palatalen Kons, in einigen Fällen wie aksl. Mtb, 
iüb u. s. w. (VgL oben S. 37), dann überhaupt: phzdeti, zivaii, 
dieses aus *ztvati, *zevati (vgl. weiter unten bei quantitativem 
Ablaute). 

Weiter entsteht * aus v, lii durch die Übergangsstufe tn, 
tm: aksl. Itghkb Jeichf , Akk. Sg. kametit ,Stein', -» aus -ffi, 
ebenso Akk. Sg. m. vezqMb, lit. vezantf, lat ferentem, gr. g>eQavTa 
u. s. w. aus 'lii. War das ^^ yi vorvokalisch, so blieb die Über- 
gangsstufe tn, tm bestehen, z. B. aksl. pmq ,ich spanne', lit. pinü 



142 

fechte'; zmjq> ,enite*; itnq aus j-htnq uiid dieses aus htnq, *wi»io-, 
das » noch in vhZ'bmetb, mn-htnetb, iz-t^mq u. s. w.; -öbnq (vgl. 
konb in is-koni ^n prindpioO in na-ctmq, vb-cbnq ,werde anfangen; 
aksl. mbnjq, mtneti ^meinen', lit min&i, got munaip ,er gedenkt^ 
will', gr. fjLov^vai, fiaivofiOL (s. bei ^, rii). 

Dasselbe gilt auch von vorvokal, r, l (f; ^)'- wftrq^ ^sterbe', 
weiter die Infinitivformen bt>rati, dtrati, pbrati, stüati (dazu Präs. 
steljq). 

Oben S. 138 haben wir gesehen, daß b aus ^ nach weichen 
Konsonanten entsteht, z. B. im Gen. PI. duib zu duäa ,Seele^ 
gegen ryhb zu ryha ,Fisch^ 

b im Anlaute. Wie ein Wort nicht mit b anlauten kann 
{vgl. S. 138), so gilt dasselbe auch von b. In diesem Falle wird 
jedoch ein / (eig.i) vorgesetzt und jb geht in % über (auch wenn 
6S anderen Ursprungs war). Im Anlaut war b imd / {%) wurde 
vorgesetzt: imq, imesi zvLJ^ü ,nehmen', aus *j'btn<h und dieses aus 
*bm<h, *7p,mo, vgl. lit imü, iinti, lat emo (vgl. aksl. vbz-btnq); 
Präp, izb ,aus* aus *j'bzb und dieses aus *bz-, vgl. lit. Isz aus 
iz ,aus^ 

Das jb entstand aus *ß infolge des Umlautes: aksl. f'go 
^och* aus *jbgo, *jbgo. 

Nicht sicher ist es, ob das Pronomen i- (aksl. i-ze ywelcher'), 
das ebenfalls auf ein *jb zurückgeht, im Nom. Sg. m. ein jb, ent- 
sprechend dem lit. jis jCr*, oder ein *jb aus *jo8, entsprechend 
dem Neutrum je (aus *jo) voraussetzt. Analog gilt es auch vom 
Akk. Sg. m. aksl. vb-m aus *vbn-jb. War in der Präposition 
kein n, so ging jb in i über (also wie im reinen Anlaut), z. B. 
dO'ideze ,donec' (Ostr. Ev. 70 b), aber analogisch kommt trotzdem 
iiuch donbdeze vor. 

Im Wortinlaut kann es auch vorkommen, daß mit b be- 
ginnende SufiSxe an einen mit j auslautenden Stamm angefügt 
werden: aksL dostoim jdignus' aus *dostoj'bm oder ursprüngh'ch 
^dostai'bm; zlodüsH (dodejskb) aus zlodij TLayLOvqyoq und -bskb; 
zlodeistvo, zlodijstvo TLonovQyia, wo dasselbe Thema mit dem Suffix 
'bstvo vorkommt. Das im Euch. sin. auftretende dostojem (69 a 
15 — 16) wird noch zur Sprache kommen. 

Ausnahmsweise haben wir im B. jeUa ,Nadel', aksl. igla, r. 
iglä, s. igla, p. igla; im klr. halka (igoöcä) und ns. gla, wo also 
das i im Anlaute geschwunden ist. Falls im preuß. ayculo 
^NadeP c für y (aygulo) verschrieben ist, muß es zum slav. Worte 



143 

gestellt werden. Schwierigkeiten macht das b. ßhla (dial. auch 
jahla, in Mähren diaL und slorak. ihla). Gebauer meint von 
*jbgfüa ausgehen zu müssen (I S.Ö30), dieses hätte nach der ab. 
Regel bezüglich der Halbvokale zu einem jehla führen müssen 
(dial. daraus jahla), andererseits zu einem ihla. Aber es ist nicht 
sehr wahrscheinlich, daß sich ein ^ bis ins B. erhalten hätte, viel- 
mehr mußte es schon im Urslav. zu i, i werden. Zu bedenken 
ist auch, daß wir im Slovak. ihla, ihia haben. Hätte es im B. 
noch ein *jbgüa gegeben, so müßte hier z. B. auch ein ^dobrh-jb 
vorhanden gewesen sein, denn ich sehe nicht ein, warum in einem 
Falle aus ^ ein i geworden wäre, während es sich sonst noch 
behauptete, vgl. -utbL bai aus *bojb, *bojb und imq aus *jbinq, 
was ganz regelrecht ist Nun hätte ein *dobr^}b nach Grebauers 
Begel zu *dobrej führen müssen, da wir aber ein dobr^ haben, 
so muß er annehmen, daß es sich noch vor dem Ausfalle der 
Halbvokale entwickelt hätte (S. 155). Das ist aber nicht mög- 
lich, dann wäre für die Dehnung kein Grund vorhanden. Viel- 
mehr wurde aus *dobrö'i ein *dobry und da eine Silbe verloren 
ging, ein dobryj, dcbry. Ich würde daher jede andere Erklärung, 
die im B. nicht den direkten Beflex des ursprünglichen *ßffhla 
sieht, vorziehen. Wegen des slovak. ihla ist es mir wahrschein- 
lich, daß auch im B. ein ihla war. Dieses blieb im Slovak.; 
während es im B. zu *ßla wurde (wie jmdm, jhra u. s. w.). In 
der schwer auszusprechenden Gruppe entwickelte sich dann ein 
e: ßhla, nach dem Vorbilde anderer Fälle, wie in ohef\ aksl. ognb 
u. s. w. Vielleicht ging er vom Dat. Lok. Sg. aus. Vgl. auch 
sem, ßem ,bin' aus *8m, *J8m, aksL jesmh. 

Dehnung des b zu i. Vor einem j wird b za i gedehnt: 
bei der bestimmten Form des Adjektivs im NonL Akk. Sg. m. 
z. B. nicij ,pronus' aus nicb^, woraus nicb-J und dann nicij; 
weiter z. B. im AksL predami-j aus predamb i jtaqaddafo avzöv 
(Glag. Cloz. 171 — 172). In den Hss. wurde dann die Schreib- 
weise wie predamii (so wurde nämlich das pridamp-j geschrieben) 
nicht verstanden und neu aufgelöst in predarm ii z. B. Supr. 
304. 14. Dann kamen Interpreten, die von einer Verdoppelung 
des i zu ii sprachen. Doch auch hier ist die Dehnung nicht all- 
gemein. In best. Dial. teilte das b auch in dieser Stellung die- 
selben Schicksale, die ihm sonst zu teil wurden: es konnte zu e 
werden: Gen. PI. ko^iej aus Icostbj zu ko^b ,Knochen'; boVej 
,größer' aus boVbj; ukraäej aus ukradbj, best Form des Part Prät 



144 

akt ukraSt zu ukrasiti ,omare*; ja sogar auch predamej aus 
prHamt i (vgl. oben sv^to-j aus sv^t^'j jheilig*). 

Schwund der Halbvokale. Aus den bekannten Quanti- 
tätsgründen konnten die Halbvokale dort, wo nicht durch ihren 
Ausfall geschlossene Silben entstanden, also im Inlaute, 
einfach schwinden. Aus der Graphik der aksl. Denkmäler müssen 
wir schließen, daß dieser Ausfall schon in jener Zeit, aus welcher 
sie stammen, also Ende des X. — XI. Jhd., begonnen hat Wir 
finden da häufig Formen wie mnogfh st. rmnogfb, dio für ötdo, feto 
für köto ,wer', psati für phsati ,schreiben', brati für btrati ,sam- 
meln, nehmen^ stvoriti für sztvoriti ,zu Stande bringen'. Man 
sieht, daß hier aus zwei offenen Silben infolge des Ausfalles eine 
einzige, allerdings wieder offene Silbe entstand. Die Beispiele 
haben wir hier aus dem Aksl. gewählt, aber wir finden dieselben 
oder ihnen verwandte in allen slav. Sprachen. 

So bemerken wir es auch in Präpositionalausdrücken , z. B. 
V sehe für v^ sehe u. dgl. Die Präposition wurde mit dem von 
ihr abhängigen Worte als eine sprachliche Einheit aufgefaßt 
Derartige Reflexe finden wir in allen slav. Sprachen, so weit sie 
verfolgt werden können, und sie waren auch in allen abg. Dia- 
lekten vorhanden. Wenn wir in den Denkm. mehr oder weniger 
häufig in solchen Fällen die Halbvokale noch geschrieben finden, 
so ist das nur eine graphische Tradition, die mit der wirklichen 
Aussprache der Schreiber jener Denkmäler nichts zu tun hatte. 
Aus dieser Tradition folgt aber andererseits, daß die Halbvokale 
in jenem Dialekte, der zur Schriftsprache erhoben worden ist, in 
diesen Stellungen bei der Begründung des aksl. Schrifttums noch 
wirklich auch ausgesprochen wurden. Das Verstummen derselben 
in den oben angegebenen Stellungen war wohl der älteste laut- 
liche Prozeß, der bei ihnen konstatiert werden kann. Sie konnten 
natürlich in diesen Stellungen nur dann schwinden, wemi sie 
unbetont waren. In chronologischer Hinsicht schließt sich gleich 
daran der nun zu besprechende lautliche Prozess. 

Vertretung der Halbvokale durch volle (Vokalisa- 
tion). Folgten zwei Silben mit Halbvokalen unmittelbar auf ein- 
ander (die zwdte bildete häufig den Wortauslaut), so konnte — 
und zwar in gewissen aksl. Denkmälern ziemlich fi-üh — der 
Halbvokal der ersten Silbe zu einem vollen Vokal werden und 
zwar ft zu 6 und ^ zu o. Aus ottcb ,Vater' konnte otect werden, 
sbm ,Schlaf' konnte zu som führen; aus thmhnica ,Gefängnis' ist 



145 

temtnica, aus pravtdtnikb ,der Gerechte' ein pravedtnikb geworden. 
Man stellt sich in der Begel die Sache so vor, dafi das letzte t 
in dtnh ^Tag^ abgefallen wäre, zunächst hätte es aber seine 
Quantität an die vorhergehende Silbe mit t abgetreten, wodurch 
dieses zu einem voUen Vokale (e) geworden wäre. Notwendig 
wäre es übrigens auch gewesen, daß die vorhergebende Silbe 
durch den Abfall des Halbvokab der zweiten zunächst geschlossen 
geworden wäre, so daß also die Vokalisation des Halbvokals nur 
in Silben, die geschlossen geworden sind, eintreten könnte. 
Analog auch in tem'nica u. s. w. Man hätte es also mit einer 
Art Ersatzdehnung zu tun. Allein eine solche Erklärung muß 
ein wenig modifiziert werden. Es muß hervorgehoben werden, 
daß dieser Prozeß im innigen Zusammenhang mit der früher 
besprochenen Erscheinung, mit dem Schwunde der Vokale in 
offenen Silben, steht Beides ist darauf zurückzuführen, daß die 
Halbvokale wegen ihrer zu geringen Quantitilt, fast in allen slav. 
Sprachen zu verklingen begannen. Das galt aber von allen, nicht 
bloß von jenen im Auslaute und von jenen an zweiter Stelle be* 
findlidien. Nicht einmal der Akzent war im Stande, die Halb- 
vokale zu retten; betonte Halbvokale konnten sich höchstens nur 
länger behaupten, während unbetonte frühzeitig, wie wir oben 
sahen, verloren gingen. Jedenfiüls war aber die Stellung der 
Halbvokale mehr ein rettendes Element für sie als der Akzent 
Eine so fortschreitende Reduktion mußte aber schließlich ihre 
Grenzen erreichen: sie kam so weit, daß Laute erreicht wurden, 
bei denen nur noch eine leise Differenz zwischen den einstigen 
Halbvokalen z und t übrig blieb (dumpf und hell), natürlich in 
Sprachen, die überhaupt noch vor diesem Prozesse ein ^ und t 
unterschieden. Weiter ging es nicht mehr. Man kam also z. B. 
zu einem ^m'ntca, synW (aus syn^nt ,mit dem Sohne'), was 
schon schwer auszusprechen war. Eine Erieichterong konnte man 
sich in diesen Fällen nur verschaffen, wenn man an der Stelle 
des ersten Halbvokals zu einem voUen Vokal kam, so daß das 
verklingende zweite vokalische Element ganz schwinden mußte. 
Die Ausbruchsstelle befand sich also beim ehemaligen ersten 
Halbvokal, weil es hier fast schon zu einer geschlossenen 
Silbe kam und so erfolgte auch hier so zu sagen die vo- 
kalische Explosion. Es müssen aber hier noch gewisse Um- 
stände beaditet werden. In gewissen Silben behaupteten sie sich 
doch länger als in anderen, das sind aber selbstverständlich einzel- 

V*adr&k, Vgl. dar. Qnmm. I. 10 



146 

sprachliche Erscheinungen. So z. B. im P., wie es scheint, nach 
sonoren Lauten. In vielen slav. Sprachen hatte der Verlust des 
Halbvokals eine Dehnung der vorhergehenden Silbe zur Folge, 
was noch zur Sprache kommen wird. 

Das Verklingen des Halbvokals machte sich selbstverständ- 
lich auch dort geltend, wo er betont war; daher dest ,Ehre' (in 
aksl. Denkmälern in diesen Fällen noch destb oder öesf gewöhn- 
lich geschrieben, aber der Halbvokal im Auslaute hatte keine 
Geltung mehr), ätok. dost aus &b8th. War der zweite Halbvokal 
betont (z. B. s^ni wegen Stok. sna, sloven. sna), so mußte offen- 
bar der Akzent, sobald die vokaUsche Explosion sich vorbereitete, 
allmählich auf die vorhergehende Silbe herübergleiten, denn hier 
war jetzt das stärkere vokalische Element. 

Es würde nahe liegen anzimehmen, daß s^m unter dem Ein- 
flüsse des verschobenen Akzentes {sim aus urslav. *gbnb) zu san 
geworden sei (und analog in anderen Fällen), wie ja teilweise 
auch vorausgesetzt wurde (vgl. Appel' in Russk. fil. V&tn. 1880, 
in S. llf. und Kurbakini^: K» istor. i dial. pol'sk. jaz. 1903, 
S. 67 f.). Wenn man nur einen plausiblen Grund für die Ver- 
schiebung des Akzentes, dessen Stellung hier doch durch die 
Endbetonung der anderen Kasus (Gen. Stok. snä, slov. 89n, anä) 
gestützt wurde, hätte.' Daß der Akzent auf die Vokalisierung 
der Halbvokale wirklich einen Einfluß und zwar schon im ürslav. 
ausübte, sehe ich ganz deutlich in dem Wechsel des 9 mit o bei 
ckbtiti (ich nehme als luspr. an: *ckbtjq, *ch6tjeäi aus *ch'itßäi, 
*chötjät aus ^ckitjeth u. s. w., im Inf. dagegen chztki in BB. 29, 
S. 210). So mag auch sonst, wo ein solcher Wechsel in der 
Betonung stattfand, der Akzent dazu beigetragen haben. Aber 
man kommt mit ihm, wie man sieht, nicht aus. Es muß ein 
anderer Faktor da gewesen sein, der noch mächtiger war, so daß 
sich ihm auch der Akzent schließlich fügen mußte und das war 
das Verklingen der Halbvokale überhaupt Der Akzent konnte 
vielleicht in offenen Silben gewirkt haben, wie wir es schon im 
Urslav. in einem Fall gesehen haben. 

Analog verhält sich die Sache bei Worten mit dem Suffixe 
'bcb, tskb, 'ffm, beim Fron, sb mit vorhergehendem o-Stamme im 
Aksl. z. B. narodosb ,diese8 Volk' und and. 

Nehmen wir nun den Fall, daß drei Silben mit Halbvokalen 
auf einander folgen, z. B. in dmtsb ,heute^ Das führte zunächst 
zu d'nV; es konnte entweder zu ^dens oder dnes führen (wo e 



147 

als der Reflex des einstigen h erscheint). Anfänglich wird es 
wohl auch so ein Schwanken gegeben haben, bis dnea den Sieg 
errang, wenigstens in den meisten slav. Sprachen. So finden wir 
schon im Zogr. dnesb Matth. 6. 11 neben dtnenrUago ib. 11. 23. 
Daß es aber nicht die einzig mögliche Form war, zeigt uns das 
sloven. dands, dän dan9s, wo der sog. unbestimmte Vokal 9 ofien- 
bar erst später wieder eingeführt wurde. Analog konnte auch 
dhnmtt zu d'n'm' und *denm und dnem fähren; es ist klar, daß 
nur dnem sich behaupten konnte. 

Ein Präpositionalausdruck wurde als ein einzelnes Wort auf- 
gefaßt; daher finden wir z. B. im Euch. sin. vo v'sekarm diU 12 b, 
15b, 17a; vo v'sechz 10b; vo vhtoroe 65a, 87b; so v'shnh domornz 
13b; 80 mnojq (aus sz mmojq) 47 a, 85 b u. s. w. Ein vb dwie 
hätte zu vo dne in diesem Dialekte führen müssen, wie wir ja 
tatsächlich im B. entsprechend ve dne (schon ab.) finden. 

Wie war es aber weiter, wenn vier Silben mit Halbvokalen 
auf einander folgten? Ein solcher Fall war z. B. s^ dhnhmh. 
Bei den verschiedenen Anläufen, die Schwierigkeiten, die ein 
^ dVw' bot, zu überwinden, muß der Umstand maßgebend ge- 
wesen sein, daß schon ein dnem im Siege begrifien war, daher 
ein ^ d'nem, das zu so dttem, bez. se dnem führen konnte; im 
B. auch 86 dnem. Dagegen aus 8b dtm konnte nur 8 d^n ent- 
stehen, im B. auch 8 den. 

Diese Normen waren mehr oder weniger allen slav. Sprachen, 
wo sich die Halbvokale zu vollen entwickelten, gemeinsam, denn 
sie waren virtuell in der Sprache enthalten. 

Man hat z. B. für das B. eine mathematische Formel auf- 
gestellt, indem man behauptete: alle Halbvok. an geraden Stellen 
(Silben) — von hinten gerechnet — werden zu vollen Vokalen 
(im B. e), die an ungeraden fallen dagegen aus, z. B. ein ur- 
sprüngliches 8b^ Shhnf^cb^mh^ (im B. muß man von ShvtfCbmb, nicht 
ibvusemi^, wie im ürslav., ausgehen) hätte darnach 8 äevcem ,mit 
dem Schuster' ergeben müssen. Allein man kann nicht annehmen, 
daß die Sprache die Halbvokale so mathematisch genau sortiert 
und dann alle ungeraden unbarmherzig der Vernichtung preis- 
gegeben hätte. Eine solche Formel kann nur ein praktischer 
Notbehelf sein, aber man muß sich hüten, dahinter noch mehr 
zu suchen, denn eine derartige Formel erklärt gar nichts. Die 
Sprache richtete sich gewissermaßen nach Schablonen, die schon 
:geläufig waren. Man hatte im B. die Instrumentale muzem, otcem 

10 ♦ 



148 

(aus attctmt) und 80 mußte darnach auch äevcem (aus iwhctmt) 
entstehen (zunächst i'v'cem)^ eine andere Form konnte sich bei 
dieser Sachlage gar nicht entwickeln. 

Wenn man in dieser Hinsicht die aksl. Denlunfiler untersucbt, bo 
findet man, daß es sieb bei dem eben bebandelten Prozesse vorwiegend 
um Fälle bandelt, bei denen die erste in Betracbt kommende Silbe ein 
» enthält, so daß daraus ein e werden muß. Seltener handelt es sich 
um ein aus s entstandenes o. Aber es ist auch derselbe lautliche Vor- 
gang und die Fälle müssen demnach unter einem behandelt werden. Das 
sehen wir deutlich an Beispielen wie tuopUiim» (zu ti«Miq<i »obdormiscere') 
im Euch. sin. 57 a; usoptioßgo 57 b; usoptiücht 64 a, 64 b; nuat^dany (non 
creatus) \h\ olh MozbdanÜ svoego Ib; toztdanie 58a; sob^rai^ 106b. Prä- 
positionalausdrucke wie «o v^shnb 13 b; vo üb ,in eum' 46 a u. s. w. sind 
schon erwähnt ivorden. 

Zweimal kommt hier auch das best. Adjekt. mit -q; vor: ftrünaf 
griehb (geschrieben eigentlich priwoi) 5b und 9v^J («tot) 17 a, Formen, 
denen wir z. B. im Psalt. sin. häufig begegnen. Man erklärt sie in der 
Begel so, daß man von * dobn/b ausgeht, wodurch der allgemeinen Begel 
genfige geleistet werden soll, d. h. es wären hier zwei unmittelbar auf 
einander folgende Silben mit Halbvok. Ich zweifle sehr, daß es damals 
noch ein jb gab. Vielmehr muß man von dobn-i ausgehen. Als das • 
zu j geworden ist, ging eine Silbe oder nahezu eine Silbe verloren und 
ihre Quantität kam dem » zu statten, das also zu o wurde. Wir hätten 
68 hier demnach mit einer wirklichen Ersatzdehnung zu tun. Dabei war 
wahrscheinlich der Akzent maßgebend vgl. russ. ivjatöj. Diese Dehnung 
konnte aber sonst zu -nf führen: dobryj^ ein Beweis, daß hier die Ver- 
hältnisse nicht analog waren wie z. B. bei «oit& aus tbtih ,Scblaf u. dgl. 
Hierher gehört auch z. B. der Gen. PL der r-Stämme veit^ aus veUbi^ 
veitbj; weiter »^ ,hic' aus «»i, nj. Dieses Beispiel ist namentlich in- 
struktiv. Es ist eine sekundäre Form, bei der man gar nicht daran 
denken kann, daß es noch ein /» damals gab, so daß nur ein «»t, sij vor- 
liegen kann. So haben wir auch in ar. Denkm. «et, sej und analog auch 
toi, tqi zu t» ,ille'. 

Dagegen spricht nicht do^toenb^ das wir auch im Euch. sin. finden 
{nedostoenz $y 69 a Z. 15—16, aber dostoini kurz vorher 69 a, 11] und das 
man aus ^dostojbttb deuten könnte. Das wäre aber unrichtig. Es ist 
vielmehr nach der Analogie der anderen Adjektiva mit -en» gebildet, wie 
etranem n. s. w., die hier sehr zahlreich sind (bei Lang S. 17 etwa 84 
Beispiele). Vgl. auch im Ar. Formen wie üud^jetkh u. s. w. (Sobolevskij 
Lekc. S. 57). Die Analogie konnte übrigens älter sein und selbst ein 
doitojbfib nach Hramm geschaffen haben, wir müssen uns aber hüten mit 
einem angeblich urslav. *do$tojbnb in den einzelnen slav. Sprachen noch 
zu operieren; das war damals längst nicht mehr vorhanden. Auch im 
Glag. Cloz. finden wir eine analoge Umbildung desselben Adjekt., nämlich 
doMtoinb Z. 106 (als dostqfanb zu lesen). Da dasselbe auch noch aus einer 
anderen s. Quelle belegt ist und wir auch jetzt im S. do9tojan haben, so 



149 

glaubte ich, daß im doitojmn^ des Glag.Cloz. der älteste Reflex des serb. 
a ffir einen aksl. HalbTokal vorhanden ist (in meiner Aasgabe des Glag. 
Cloz. 8. 6). Da wir nan aach ein doMtajen^, das eventuell ein analogiscbes 
dostoftm Yoranssetzen könnte, gefanden haben, so wäre eine solche Hypo- 
these nicht anwabrscheinlich wenn die Chronologie besser übereinstimmen 
würde. Ein a für », » finden wir n&mlich im S. etwa am die Mitte des 
Xin. Jhd., Glag. Cloz. ist aber viel älter. Es scheint daher, dafi dottofaw 
darch eine Anlehnang an Verbalformen wie dottojaii entstanden ist. 

Neben dem selteneren -o; finden wir im Ench. sin., wie schon er- 
wähnt, auch -jii z. B. ilobrjKß (geschrieben tUtbryi). Dementsprechend auch 
bei den bestimmten Formen der weichen Stamme, z. B. vtzakonij vofAoH' 
xriwK (Part) 10b (ganz analog im Supr. nj ,hic'), häufig dagegen: procej 
cin9 99b; v^iej est 3b; ntvorßj 47b, 61a, 67a u. s. w. 

Daß nicht nach mathematischen Formeln, sondern nach ge* 
wissen Schablonen vokalisiert wurde, zeigt uns z. B. öesttm ,Te- 
nerandos' im Euch. sin. la, 7 a, 9 b u. s. w. Nach der mathem. 
Formel möchten wir öbdem erwarten, allein hier war der Nom. 
öestb und die anderen Kasus des Adjektivs wie öesthfiaego u. s. w. 
mehr entscheidend als selbst die große Reihe der Adjektiva auf 
-ern aus -tm. So finden wir es auch in anderen slav. Sprachen, 
2. B. im Ab. neben dem östny^ auch schon destny (Wittb. Psalt.). 
So finden wir weiter legfbkh ,leicht' im Euch. sin. 58 b und sonst 
noch. Wir möchten IhgoH nach der Formel erwarten, aber hier 
waren wieder die anderen Kasus maßgebend und das verrät uns 
auch ziemlich deutlich die Schreibweise hkbkh 38 a, 100 a, die uns 
zeigt, daß etwa lekh, lekaego u. s. w. ausgesprochen wurde, d. h. 
aus Ibgfbkaego, hgfbkago entstand ein legkago^ le{k)kago, das sich 
eben in lfJe^k^ verrät Vgl. p. lekki ,leicht'. Zahlreiche solche 
Abweichungen auch im Ar, vgl. bei Sobolevskij (S. 49). 

Der Übergang des t in e hat sich im Bg. wohl auf ein größeres 
Gebiet erstreckt als jener des z in o. Dafür spricht der umstand, daß 
in den aksl. Denkm. die FSlle mit e für fr viel zahlreicher sind als jene 
des o für 9. 

Jene Halbvokale, die sich nicht in der besprochenen Stellung 
befanden, konnten nicht vokalisiert werden, so z. B. das Fron, t^, 

Übergang des h in ^. Nach den Kons, i, z, ^, St, zd be- 
merken wir frühzeitig im Aksl. diesen Übergang, was bei der 
Darstellung dieser Laute seine Erklärung finden wird. Hier Soll 
diese Tatsache nur summarisch konstatiert werden. So finden 



1. Das setzt ein nach den anderen Adj. auf -«» gebildetes esten 
voraus, wie thmy ein riren. 



150 

wir es im Glag. Cloz. (vgl. meine Ausgabe dieses Denkmals 
S. 18 ff.), im Supr., in der Sav. kn. und Euch. sin. 

Auch nach r z. B. atatt rbci finden wir in einigen Denkmälern fast 
regelmäßig r&ct ,6age', z. B. im Glag. Cloz. sechsmal und r^ei nur ein- 
mal, im Euch. sin. 7 mal und einmal nanci 40a (vgl. Lang 8. 8). 
Leskien meint, daß es durch das Hartwerden des r erklärt werden 
könnte (Afsl. Phil. 27, 8. 40). Da hier zwar <Mlm», darnehen aber auch 
otUbci 53 b Torkommt, so kann es nicht in Betracht kommen. Es könnte 
auch daran gedacht werden, daß sich in r»es (rbci) ein sekundäres f ent- 
wickelt hatte; das wird nämlich mit Vorliebe als rt geschrieben (in der 
frs^Grnppe, vgL bei Lang, 8. 21). 

Aus sazuUtU 57 b, sot»dame 56 a, sohbrai^ 106 b u. dgl. ersehen wir, 
daß der Abschreiber »ozdati aussprach und den Halbvokal daher traditio- 
nell setzte. So ist jedenfalls auch iz^mi 31b, ttz^mi 96 a (ausgesprochen 
vozmi); V9ZMneh 90a, 104a, v^zbrnitm 98a; vtnbtni IIb, 77a, 62b u. dgl. 
mehr zu beurteilen. 

Was die Chronologie dieses Prozesses und der früher be- 
sprochenen Yokalisierung der Halbvokale im Aksl. anbelangt, so 
muß der Wandel des « zu « jünger sein als der Wandel des » 
in e und z zu o, insofern beide Prozesse ein und dasselbe Gebiet 
betrafen. Wenn in einem Dialekte aus 3ui- ein ied- geworden 
wäre, so konnte hier kein ä^d- entstehen (vgl. Verf. Aksl. Gramm. 
S. 87) und umgekehrt wo ein ä^d' auftrat, konnte dameben kein 
äed bestanden haben. So konstatiert auch Leskien, daß wir 
z. B. im Euch. sin. kein S^d^, izh, sondern nur äed^, Seh, weiter 
Gen. PI. hraäem 88 b, braäentca 103 a, braäen'ca 104 b finden 
(Afsl. Phil. 27, S. 38, vgl. übrigens auch Lang S. 16). Da hier 
aber regelmäßig braSzno, braune, straktny u. s. w. geschrieben 
wird, so muß die Verhärtung des t tm ^ nach S später als die 
Vokalisierung eingetreten sein. 

Umlautserscheinungen bei den Halbvokalen. Es sind 
einzelsprachliche Erscheinungen, die sich nur zu jener Zeit äußern 
konnten, als noch der Unterschied zwischen ^ und t gewahrt 
wurde. Sie äußern sich zunächst darin, das % in « übergeht, 
wenn die nächste Silbe weich ist. Und zwar kann sie zunächst 
einen der weichen Vokale i, t, e, e, e^, jq enthalten: aksl. vtni 
,draußen^ gegen v^n^ ,hinaus'; bt>däi ,wachen^ aus bzdeti; vhpiti 
aus v^piti ,rufen'. Auch die Präpositionen werden davon erfaßt, 
und zwar bemerken wir, daß es in einigen Denkmälern (Sav. kn.) 
die Präpositionen v^, mz- sind. So finden wir hier vh sled^ üi 
,folgen*, vt mir^ und vt miri ,im Frieden', vh vekb ,in Ewigkeif; 
vtnüi ,eintreten', vtd^i ,anfiEmgen', vtz^i ,uehmenS vbzdvigtkfti ,er- 



151 

hebend Das bemerken wir selbst auch dann, wenn die nächste 
Silbe überhaupt einen weichen Kons, enthält, der Vokal kann 
beliebig sein, z. B. tn» n'q ^ eam', vh Ijudtdi^ ^n hominibus', 
vbzljubiii ,Iieb gewinnen^ u. s. w. 

Leskien hebt mit Becht hervor, daß in r», ofts-, vt^piti, vtni, hbdüi. 
Ijuhtv^ za IJubt/ ,Liebe', also in der übergroßen Zahl der Fälle, dem alten 
» ein Labial vorangeht. Man kOnne daher annehmen, daß die Wirkung 
der weichen Silbe auf die vorhergehende irgendwo und irgendwann unter 
der B^ingung stand, daß diese Silbe labial anlautete; das ständige 
vzsbpiti neben r»/iih', r», rftz- neben stets bleibendem «», kh bleibe auffällig 
(Afsl. Phil. 27, 8. 39—40). Wir haben oben S. 135 von dieser Erscheinung 
erwähnt, daß sie wohl nicht mit einer labialen Aussprache des » in Zu- 
sammenhang gebracht werden könnte. Femer bemerkt L., wenn eUttn» 
neben eÜwe (von eÜy ,Heilung') vorkomme, so erinnere es an die ziemlich 
oft erscheinende Schreibung plUh ,F]eisch*. Daraus könne man entnehmen, 
daß ein h der Wirkung einer folgenden weichen Silbe weniger Wider- 
stand entgegensetzte. 

Neben der Sav. kn., in der Derartiges vorkommt (vgl. Verf. Ȇber 
einige orthogr. und lex. Eigentamlichkeiten des Cod. Supr. S. 31 ff.), muß 
hier noch das Euch. sin. erwähnt werden. 

In anderen Denkmälern nimmt diese Erscheinung mehr einen all- 
gemeineren Charakter an, d. h. sie beschränkt sich nicht auf die so 
charakterisierten Fälle. Man findet hier also z. B. dbv}i gegen dwa .zwei' 
$bni Lok. gegen «sn» ,Schlaf , s»/^ Adv. zu z»/& ^schlecht, böse*. Weiter 
dann nicht bloß vt und r^z, sondern auch <» z. B. m litm» ,mit ihm*, 
9hnüi ,descendere*, stgrüiti ,6ündigen*, oib z. B. oit nego ,von ihm*, olh 
fqdiSe, otb nt\dvSe ,woher*, ja sogar k% z. B. kt iiimh ,zu ihnen*, h» nsj 
,zu ihr', podb nimb ,unter ihm*. So finden wir es im Supr. (vgl. Verf. 
»Über einige orthogr. u. lex. Eigent. des Cod. Supr.«). Zogr. gehört mehr 
zur ersten Gruppe, aber es sind hier auch noch Anklänge an die zweite. 

Die Umlautserscheinungen äußern sich aber auch in entgegen- 
gesetzter Weise, d. h. » geht in & über vor einer harten Silbe, doch 
scheint hier der Unterschied nicht derartig ausgeprägt zu sein, daß 
dieser Prozeß auch zunächst bei Labialen bemerkt würde, denn neben 
Hrati ,8ammeln, nehmen* fUr hbrtUi^ neben Vbdova, vhdovica ,Witwe* fQr 
Vbdova finden wir in der Sav. kn. Uma «Finsternis* mit folgender harter 
Silbe fünfmal (nur mit »); ogüh neben o«/- viermal. Ein Hma^ /»m^ finden 
wir auch im Zogr. mehrmals, aber neben Um)^ auch f»m^, tbmbm, so auch 
im Supr. (Sav. kn. tbtni zweimal, Umi einmal). Weiter finden wir im 
Zogr. dhsky zu dbgka ,Brett, Tisch*; so auch im Supr. draky 62, 436, da- 
gegen dbüi 75, 300, 312. Es handelt sich hiebei um keine bloßen gra- 
phischen Eigentümlichkeiten. Wir können nämlich beobachten, daß r» 
vor einer mit i beginnenden Silbe nicht steht, also nicht r» im^t vb in<\. 
Die beiden Vokale wurden nämlich kontrahiert, » gewann an Quantität 
und mußte zu y werden: vynq (Zogr. Marc. 5, 5, Luc. 24, 53; Sav. kn. 
Matth. 18. 10). In anderen Dialekten wurde t^'nq ausgesprochen und 



152 

vor j konnte » gedehnt werden, daher im Ostr. £v. an der zuletzt er- 
wähnten Stelle (Matth. 18. 10) sogar vi/Jf^q (t^yi^'nq). 

Es zeigen sich aber noch heutzutage Beflexe des einstigen Umlautes 
in den bulg. Dialekten: vezmi, veze, vezeli (Afsl. Phil. 16, S. 139), was 
einem vttbmi u. s. w. entspricht. 

Würde es sich nachweisen lassen, dafi die ümlautserscheinungen 
auf demselben Gebiete, auf welchem sich die Vokalisation der Halbvokale 
geltend machte, auftraten, so müßte man selbstverständlich annehmen, 
daB auch der Umlaut jünger ist als die Vokalisation, denn wo sich ein- 
mal ein yvhbVh wie im Euch. sin. 9b, IIa u. s. w. entwickelte, d4 hätte 
nicht mehr daraus ein Ijuhovb^ das wir auch hier finden (72b, 81b u. s. w.). 
entstehen können. Es ist aber kaum wahrscheinlich, daß beide Prozesse 
dasselbe Gebiet betrafen, wenn auch Kreuzungen zugegeben werden 
müssen. Die Vokalisation scheint insbesondere die maced. und westbulg. 
Dialekte überhaupt erfaßt zu haben. 

Einzelne Fälle des Umlautes können wir bei den Halbvokalen 
auch im Ar. beobachten. So finden wir schon in den ar. Denk- 
mälern skhrti)h, skhrbb, dann dem entsprechend skerbb Kummer, 
6ram% dameben allerdings noch skbrhh, woraus dann skwbb 
(aksl. skbrhh, so auch urslav.) entstanden ist Ar. fmdüäi, medliti 
yzögem', mhdihm, medUnnyj ^langsam'. 

Andererseits tmikb, woraus dann tankij ,dünn', aksl. tbmh», 
aber daneben auch schon tbmkb. 

Im B. haben diese Ümlautserscheinungen, die man auch als 
Vokalassimilationen auffassen kann, einen allgemeineren Charakter, 
da mau sie auch bei anderen Vokalen bemerken kann (vgl. 
Sobolevskij, S. 89). Doch werden wir auch in anderen slav. 
Sprachen ähnliches noch beobachten. 

Die tr^t-, trht-, tht- und tlbt-Qruffe. Es handelt sich 
hier um jene Gruppen, in welchen bei dieser Kombination der 
Halbvokal schon ursprüngUch nach der Liquida folgte, also nicht 
um ein r, /• In diesen Gruppen behielten die Halbvokale ihre 
Selbständigkeit und wurden in den älteren aksl. Denkmälern 
ebenso behandelt wie sonst, d. h. sie konnten selbst auch zu 
vollen Vokalen werden, z. B. im Glag. Cloz. finden wir krest^ 
jKreuz* 608, 633 aus krbsU, krovtjq 312 und 316 aus krhvhjq zu 
krhf^ ,Blut*. Zahlreiche Beispiele finden wir auch im Euch. sin. 
und Psalt. sin. BekanntUch werden diese Gruppen auch dort 
angewendet, wo es sich um die graphische Wiedergabe der ur- 
sprünglichen tri-, ^/^-Gruppe handelt. In solchen Gruppen tritt 
aber nie die Vokalisation des Halbvokals ein. 

Über urspr. tri, Ht wird bei r, l gehandelt 



153 

Reflexe der Halbvokale in den einzelnen slav. 
Sprachen. Halbvokale im Bulg. Nach den mannigfachen 
Schicksalen y welche die Halbvokale, wie wir sahen, in einzelnen 
abg. DiaL erlitten hatten, trat — zum Teile parallel auf gewissen 
Grebieten mit ihnen einhergehend — eine Verein&chung auf: das 
h wurde zu 3»^ so daß man jetzt hier nur einen Halbvokal hat 
Das ist aber ein Prozeß, der das Südslav. überhaupt betrifft 
Der unterschied zwischen ^ und h wurde hier, wie Oblak be- 
merkt (Afsl. Phil. 16, S. 154), jedenfialls dadurch verringert, daß 
die sndslav. Sprachen und mit ihnen auch das Aksl. den geringen 
Grad der Weichheit einiger Vokale bald aufgegeben haben. Das 
betraf natürlich auch ». So fielen schließlich auch im Sloven. 
und S.-kr. die Halbvokale zusammen. Die hier erhaltenen 
Denkmäler sprechen schon nur für einen Halbvokal. 
Dieser war hart, stand also dem 5 näher, allein ein ursprüng- 
liches h war es auch nicht mehr. 

Dieses % hat im Bg. nicht überall dieselbe Klangfarbe an- 
genommen, indem sich die Zungenstellung entweder jener des a 
oder e näherte. Aus dem so gefärbten Halbvokal konnte sich 
dann der reine Vokal in den westl. Dial. entwickeln (meist ein a), 
aber das geschah in einer späteren Zeit Dieser Zeit ging jene 
Periode vorher, in welcher es noch ein t und z gab und in 
welcher das b zm e und h zw o dialektisch geworden ist Das 
sind also die alten o- und e-Fälle statt der Halbvokale, deren 
Entwickelung wir oben besprochen' haben. In den östl. Dialekten 
ist dieses o für 5 selten (z. B. im Suffix -ok aus '^k^), das e da- 
gegen für h häufiger. In den westl., hauptsächlich in den maced. 
Dial. ist das o für ^ viel häufiger. Man kann auch mit einer 
gewissen Wahrscheinlichkeit schließen, daß jene aksl. Denkmäler, 
in denen solche Fälle häufig sind, hier schließlich zur Abschrift 
gelangten, falls es irgendwie wahrscl^einlich gemacht werden kann, 
daß die o- und e- Vokale erst bei der letzten Abschrift hinein- 
gerieten. Sonst sprechen sie dafür, daß das Original jedenfalls 
aus diesen Gebieten stammte. 

Vom jetzigen bulg. ^Laut, wo er sich noch erhalten hat, 
meint Miletiö, daß er je nach der Stellung im Worte und mit 
Bücksicht auf die Betonung dialektisch verschieden ausgesprochen 
werde, aber bei alledem bleibe er immer ein nicht gerundeter 
gutturaler Vokal, der entweder weit, bei hoher Zungenstellung, 
oder eng und zwar bei gespannter Zungenrückenstellung, oder 



154 

bei loserer Mittelzungenstellung artikuliert werde (Afsl. Phil. 20, 
S. 589). Die erste Aussprache ist die meist verbreitete: es ist 
dies ein schwachdumpfer o-Laut, der von Drinov durch ä be- 
zeichnet wird (entspricht dem A* bei Sievers 4 S. 96). 

Serbokr. Der Vokal a, den wir neben anderen Keüexen 
der Halbvokale auf bg. Boden gefunden haben, ist ihr regel- 
rechter Vertreter im S.-kr. Die ältesten Belege für dieses a 
datieren ungefähr aus der Mitte des XIII. Jhd. Dieses a setzt 
voraus, daß das S.-kr. es zunächst nur zu einem Halbvokal ge- 
bracht hatte. In einzelnen Grenzdialekten sehen wir allerdings 
auch noch andere B^fiexe. 

Im Sloven. entwickelte sich das ^ weiter und zwar haben 
wir in dieser Hinsicht hier zwei Gebiete zu unterscheiden. Das 
eine umfaßt die südl. und westl. Gegenden, wo unter dem langen 
Akzente » zu a wurde, während in kurzen Silben % blieb. Auf 
dem anderen Gebiete, das im allgemeinen die östl. und nördl. 
Gegenden umfaßt, hat sich aus dem ^ in langen Silben ein e 
entwickelt, während es in kurzen Silben blieb, aber nur in den 
westl. Teilen dieses Sprachgebietes; im Osten wurde es auch zu 
ej wie in langen Silben. 

In der Literatursprache, die hauptsächlich auf dem unter- 
kraini sehen Dialekte beruht und daher als Vertreter des % ein a 
in langen und ein ^ in kurzen Silben kennt, wird dieser Halb- 
vokal einfach mit e bezeichnet: dei, dezja ,Regen*, %.dczd, dczda; 
pes, psa ,Hund*, s. pas, psc. Diese Worte sind also etwa als 
d^z, d^zja, phs u. s. w. zu lesen. In sprachwissenschaftlichen 
Werken bedient man sich des aksl. Zeichens bei der Wiedergabe 
des sloven. Halbvokals oder wählt ein umgestürztes e oder a 
(^, »). 

Zur Beuileilung des älteren Zustandes des Slov. hinsichtUch 
der beiden Halbvokale (oder eventuell schon nur des einen) würden 
uns die Freisinger Denkm. mit ihrem zemirt II 14, zigreahu 11 
50, zudinem III 54, dini II 83 und zahlreichen anderen Bei- 
spielen schätzenswertes Material bieten, wenn sie nicht von dem 
aksl. (glag.) Schrifttum, wie es höchst wahrscheinlich ist, beeinflußt 
wären (vgl. Verf. »Studie z oboru cirk. pis. S. 49 — 50 und 56—57). 

Russisch. Aus den echt r. Denkm. ersehen wir, daß schon 
in der frühesten Zeit (XI. Jhd.) in analogen Fällen, wie wir sie 
im Aksl. beobachtet haben, die beiden Halbvokale verstummt 
sind, doch hat das t den vorhergehenden Kons, erweicht: kto, 



155 

mnogz, vse, brat* (brcttt), älter brati. Sonst wurde seit dem 
XU. Jhd. oder eher etwas früher % zu o und t zu e: blocha 
iFloh% steklo ^Glas', zvenitt ^ngen^, sobratt aus shbtratt ^ver- 
sammeln'. Die allgemeinen Normen, die wir für die Yokalisation 
aufgestellt haben, waren auch hier maßgebend, daher z. B. zrec 
aus itrtcb ^Priester', Gen. ar. zerca (aus ztrtca). Mit der Zeit 
haben aber auch hier mannigfache Beeinflussungen stattgefunden; 
so heißt es jetzt im Gen. zreca, wobei also der Nom. maßgebend 
blieb. Weiter z. B. im Ar. Aorb aus gbbarb ^Versammlung', dann 
aber auch scborb mit so aus sobratt ,versammeln'. So finden mr 
auch vo itnja jm Namen'. Das früher erwähnte so- drang auch 
in das alte susedb (aksl. sqsidh, b. soused) yNachbaf ein, so daß 
es jetzt sosed^ heißt 

Im Kleinruss. wurde das e, o infolge des Verlustes eines 
5, 5 der nächsten Silbe gedehnt, so daß wir hier den Keflex des 
Vokalisierungsprozesses, den wir in den aksl. Denkmälern beob* 
achteten, haben. In den galizisch-volhynischen Denkm. haben 
wir Belege (aus dem XII. Jhd.) wie: voovtcja » övca aus ovtca 
,Schaf . Derartige Dehnungen kamen in bestimmten Fällen auch 
im F., B. und schließlich auch in anders gearteten Fällen im 
Südslav. vor. 

Auch im B. sind, wie überall, infolge der Analogie sekundäre 
Halbvokale entstanden, z. B. alt Off^nt ,Feuei:^, aksl. ognt, woraus 
dann ogant (vgl Sobolevskij, Lekcii' S. 46—58). 

Wenn im K. jetzt noch im Auslaut und im Wortinnem 
Halbvokale geschrieben werden, so sollen sie nur die Qualität 
des vorhergehenden Konsonanten bezeichnen. 

Im Polnischen erweichte das t, wie auch häufig im B., 
den vorhergehenden Kons., doch ging die Erweichung weiter: 
dzieA, dnia jTag', b. den, dne, aksl. dtnt; kamieA, kamnia ,Stein', 
b. kämen (älter kämen), aksl. kament zu kamy; kaäö ,Knochen', 
b. älter kosi, jünger kost, aksl. kostt; 6ma ,Finstemi8S böhm. tma, 
aksl. ttma. 

Vor n wird jedoch t, d nicht in 6, d£ erweicht, z. B. Präs. 
tn^ ,haue', aksl. ttmq zu ciq6, aksl. t^i; ebenso Gen. dnia (zu 
dscieA) gegen 6ma. Der Grund dieser Verschiedenheit ist laut- 
physiologischer Art, wie es Broch richtig erkannt hat: der Ab- 
stand zwischen der Artikulation des d' und n ist ein zu kleiner 
als daß nicht eine Assimilation eintreten mußte (Sbomik» statej 
V» fest» prof. KorSa, S. 277—281). Man vgl. damit auch r. vid* 



156 

nyj, sudnyj, svodnyj, rodsfvo gegen vedtma, gorodtba, svcultba, 
sudtba (£ulbakin3»y Kb istor. i dial. pol'sk. jaz. S. 86). Es war 
hier keine Möglichkeit, daß die Zungenfiäche sich unter einer 
Engenbildung Tom Gaumen hätte loslösen können (vgl. S. 21). 
Sonst erscheint als Reflex der beiden Halbvokale ein e, aber der 
Unterschied blieb noch gewahrt: das e als Reflex des ^ erweicht 
nicht den vorhergehenden Konsonanten, z. B. ten ^dieser', b. fen 
aus tznh; Gen. PI. den zu dno ,Boden^ aus dbno; pode mnq 
,unter mir*; hahka ,altes WeibS Gen. PL babek; bez, hzu ,Hollun- 
der', aksL h^z^; mechy mchu ,MoofrS b. medi, aksl. imchz. 

Dagegen pies, psa ,HundS b. pes, psa, aksl. pbs^; pieA, pnia 
,Stamm', b. pefi^ aksl. pbnt; szwiec, nach den anderen Kasus 
(z. B. Gen. szewca) auch 8zeu?c »Schuster*, b. ävec, aksl. ^rtcb; 
cienki ,dünn, fein*, b. tenky ,dünn*, aksl. ttnbkb. 

Im P. scheint sich der Halbvokal im Auslaut nach tönenden 
Kons, und Dauerlauten überhaupt länger behauptet zu haben 
(man wollte den tönenden Laut eben wegen der Form in den 
anderen Kasus erhalten). Als er dann schließlich doch abfiel, 
wurde der vorhergehende Stammvokal, insbesondere wenn es ein 
oder e. war, häufig gedehnt, z. B. bog, boga ,Gott*, analog auch 
im B. JöA; boha; bdbr, bobra ,Biber*. 

Als ein zwischen e und i stehender Laut mußte das b auch 
im Böhmischen auf Kons, erweichend wirken und zwar wirkte 
es so wie ein L Daher ist aus kostb ein kosi (dial. auch kose), 
aus pp^dh ein pied, pld ,Spanne*, aus zvert ein zvef, woraus später 
zver, entstanden. Später traten in solchen Fällen auch Ver- 
härtungen ein: kost. 

Sonst führten die beiden Halbvokale in Stellungen, wo sie 
nach dem Obigen (S. 147) vokalisiert werden mußten, zu e, aber 
auch in diesem Reflexe blieben sie noch geschieden. Das e aus 
t wirkte so wie das urslav. e (vgl. S. 46), war also eng; daher 
z. B. aus starbcb ,Greis* ein sta-fecy woraus später staiec (Gen. 
stafca aus starhca, aber da wurde das /- nicht zu r, vielmehr 
wurde r restituiert: starca und dieses r drang dann vielfach in 
den Nom. ein, so daß man auch starec hat), dagegen brcUrem aus 
bratmmh; vgl. auch Vok. öese (ab.) aus öase (hier urslav. e), da- 
gegen dauern aus dasihmb. Aber wie ein i erweichte es nicht mehr 
in diesen Fällen, daher bleibt vor diesem e ein n, d, t, l uner- 
weicht, also z. B. den (älter deA), vgl. poln. dzien. Eine relative 
Verhärtung hat demnach hier doch auch stattgefunden. 



157 

Im Slovak. haben w statt des ^ als Vertreter des z auch 
ein (mittlerer Dialekt) und dann auch ein a für % und t. Man 
sieht hier also Anknüpfungspunkte einerseits an das R., anderer- 
seits an das Südslay. 

Auch im Sorbischen erweichte das t den vorhergehenden 
Eons., bevor es verloren ging. Dort wo die Vokalisation ein- 
treten mußte, haben wir auf dem ganzen Gebiete für « ein e, vor 
dem der Kons, erweicht wurde; für z dagegen im Ns. ein hartes 
e, im Os. ein o z. B. ns. £M ,Tag*, os. dzM, aksl. dtnt; ns. ^ma, 
06. £ma ^Finsternis', aksl. ttma; ns. mich, os. moch ,Moos', aksL 
imchz. Infolge der Analogie natürlich auch Ausnahmen, z. £. 
k^nc ,Ende' nach den übrigen Kasus, aksl. kantet (bei Mucke 
§§ 60—66 ist die Sache etwas verworren). 

Ablaut. 

In Worten, die etymologisch zur selben Sippe gehören, bleiben 
die Kons, innerhalb einer und derselben Sprache in der Begel 
unverändert, während die Yok. wechseln, z. B. aksL vezq ,iahre', 
lit. vezü yfahre', got ga-wigan ,bewegeu, schütteln', lat. veho, da- 
gegen aksl. V02Z ,Wagen^, lit väzis ,kleiner, einspänniger Schlit- 
ten*, got wagjan ,bewegen', gr. oxog (aus ßoxog) ,Wagen'; femer 
aksl. herq ,sammeln, nehmen', gr. q>iqiay got. haira gegen den 
Inf. htrati, Aor. btracht, gr. di-q>Qog u. s. w. Weiter aksl. redt 
i ,Bede, Wort^ gegen rdcq, reSti ,sagen', hinsichtlich des Vokal- 
wechsels vgl. gr. dtiQig f. ,Streit' zu di^j got ijoegs m. ,Woge' 
zu gorwigan u. s. w. 

Diesen Vokalwechsel in etymologisch zusammengehörigen 
Worten nennt man nun den Ablaut, wenn er wie in unseren 
Beispielen auf ursprachliche Zustände zurückgeführt werden 
kann^ Man spricht hier von verschiedenen Vokalstufen: die 
e-Stufe, o-Stufe u. s. w. 

Wie wir sehen, kann der Vokalwechsel mannigfach sein. 
Zunächst betrifft er die Quantität, so z.B. in htrati aus *brrai% 
gegen herq und schließlich auch in redt gegen rekq. Oder aber 
ändert sich die Qualität des Vokals: vezq gegen vozt. Man 
spricht daher von einem quantitativen und qualitativen 



1. £b kann sich selbst auch um einzelsprachliche Nachahmung ur- 
sprachlicher Verhältnisse, d. h. um Analogiebildung nach vorliegenden 
ursprachlichen Schablonen handeln. 



158 

Ablaut. Außerdem kann hiebei auch eine xlnderung der Akzent- 
verbältnisse in Betracht kommen. 

In unseren oben angeführten Beispielen betrifft der Wechsel 
solche Vokale, die im Wortinnem sind; er kann sich aber auch 
auf solche in Suffixen erstrecken, so daß wir selbst auch da den 
Ablaut haben y falls diese Änderungen schon ursprachlich sind: 
aksl. Nora. Sg. voz^ , Wagen* aus *uozos, gr. oxog^ dagegen Vok. 
Sg. aksL voze aus *^oze, gr. oxe. Es handelt sich also auch hier 
um den Wechsel e : o. 

Hier müssen zunächst einige Begriffe festgestellt werden. Abstra- 
hiert man das, was allen etymologisch verwandten Worten einer Sippe 
gemeinschaftlich ist, wobei man die Eons, auf nrsprachliche Zustände 
reduziert und die vokal. Elemente dementsprechend auf den ältesten 
Zustand, d. i. die e-Stufe zurückführt, so erhält man ein ideales Sprach- 
gebilde, das man die Wurzel nennt. So ist die Wurzel zu aksl. vezq, 
V0Z9 u. 8. w. als *t*e§h anzusetzen. Man hat früher daran immer zäh 
festgehalten, daß die Wurzel einsilbig sein müsse. Später modifizierte 
man diese Lehre, man sprach auch von zwei- und mehrsilbigen Wurzeln 
und zog dafür den Namen Basis vor. Über das Verhältnis der Basis 
zur Wurzel wird unten in der Einleitung zur Stammbildungslehre ge- 
handelt. Hier wollen wir nur bemerken, daß es sich in der Lehre vom 
Ablaute empfiehlt, wo möglich auch von zwei- und mehrsilbigen derartigen 
Gebilden, die man allerdings immer nur aus fertigen Worten erschließt, 
auszugehen, weil man dann nur auf diese Weise die Wirkungen des Ak- 
zentes, der hiebei eine große Bolle spielt, darin verfolgen kann. Ein 
solches Gebilde nennen wir dann eine Basis. Eine solche Basis kann 
wieder selbst eine Wurzel voraussetzen. Zu einer Wurzel können zwei 
oder selbst auch mehrere Basen gehören. 

Je nach der Anzahl der Silben und der Quantität bestimmter Vokale 
unterscheidet man verschiedene Kategorien der Basen, wobei wir hier 
bei diesem Ausdrucke der Einheitlichkeit wegen bleiben. 

So 1) einsilbige mit einem kurzen Vokal; man nennt sie einsilbige 
leichte Basen z. B. es in iksl. j-es-mb ,bin* aus *es-mi: ursL scftb, aksl. 
S4^^ ,sie sind' aus "^sonti und dieses st. *'8enti. 2) Einsilbige schwere 
Basen, wenn der Vokal lang ist, z. B. de- in aksl. di-jq ,legeS di-tefb 
,Tat', deJIdq ,lege* aus "^de-d-jq. 3] Zweisilbige leichte Basen, wenn 
beide Vokale kurz sind, z. B. *mere in aksl. mbre-m^ ,wir sterben^ mriti 
^sterben* aus *merti; *oiehh in r.jebü, ai» yähha-ti^ gr. oiqmo) ,futuere*. 
4) Zweisilbige schwere Basen, wenn der Vokal der zweiten Silbe 
lang ist, z. B. aksl. ora-ti »ackern*, lat. aräre, 

a) Quantitativer Ablaut. Er ist auf die Wirkungen eines 
stark entwickelten exspimtorischen Akzentes^ zurückzuführen: in 

1. Andere sehen darin die Wirkungen eines tonischen (musikali- 
schen) Akzentes, vgl. F. N. Finck: Über das Verhältnis des baltisch- 



169 

einem zwei- oder mehrsilbigen Worte konnte nur eine Silbe be- 
tont sein; sie behielt den ursprünghchen Vokal. Wir bezeichnen 
diesen Zustand mit dem Namen Yollstufe (abgekürzt einfach 
mit y und zwar gibt eine dabei stehende röm. Ziffer den Sitz 
der Yollstufe in zwei- oder mehrsilbigen Basen an, z. B. Y I, 
Y n u. s. w.). Die Yokale der anderen Silben büßten unter dem 
Einflüsse dieses Akzentes von ihrer Quantität ein, sie wurden 
reduziert (geschwächt) und konnten später ganz verloren gehen. 
Es handelt sich hiebei vor allem um den Yokal e, dessen redu- 
zierte Stufe Hirt mit « (stimmloses e) bezeichnet Sie wurde 
später häufig wieder aufgehoben, und der volle Yokal restituiert, 
so daß wir sie in zahlreichen Fällen zwar nicht belegen, theo- 
retisch aber voraussetzen müssen. So haben wir hier also eine 
Beduktions- (B) und eine Schwundstufe (S) zu unterscheiden. 
Die langen Yokale ?, ö, ä der schweren Basen wurden dagegen 
zu 9 geschwächt 

So ist z. B. ein Yokal spurlos ausgefallen in dem oben er- 
wähnten aksl. scftb ,sie sind' aus *8(niii (neben ^sinti aus *es4nti 
in anderen Sprachen) gegen j-ea-mt ^ch bin'; s. jebSm, r. jebü, 
ai. ydbhati (Y 11) gegen gr. olg>aw ,futuere'; aksl. Aor. beckb, be 
4ch war' u. s. w. aus *bhuS und dieses aus *bhe^ neben bhe^^, 
vgl. ai. bhdvüum ,sein' aus *bhiu9tutn; aksl. nesq, nesti ,tragen' 
(Y II), ai. ndsati gegen gr. redupl. iv-eyneiv^ wo Y I vorUegt, 
ebenso in oy^og ,Tracht, Lasf zur Basis enek'. In diesen Bei- 
spielen ist eine Silbe verloren gegangen. Das brauchte aber nicht 
immer der Fall zu sein. 

Lautete die Silbe, deren Yokal reduziert wurde, auf einen 
Nasal oder eine Liquida aus, so entstand ein rii, xh T, h das wir 
für das ürbaltischslav. und zum großen Teile noch für das Ur- 
slav. ansetzen müssen (vgl. weiter unten bei diesen Lauten) z. B. 
von der Basis *menS(%) ,denken', aksl. mwieti ,meinen' aus ^ni'i^nStij 
vgl lit mifieti, gr. ifidvipf, aksl. zvbn&i ,tönen' aus ^if^'^nSti (nach 
Bartholomae Stud. I S. 89 aus ghuiino-), dazu auch 2vom 
,8onitus'; aksl. tbnzkb ,dünn' (vgl S. 152), vgl gr. xayv-ylwaaog 
,mit gestreckter Zunge', ai. tanukas, tanüs zu *ten; aksl. gb^mrUb 



bUt. Nominalakzents zum uridg. 1895, S. 29 und Pedersen »Les pro- 
noms demonBtratifs de Tancien armenien« 1905, S. 38 (in Memoires de 
TAcad. Boy. des Sciencs et de L. de Danemark, 6me serie, Section des 
Lettres, t. VI Nr. 3 p. 340). 



160 

,TodS lit mirtis, ed. mrtds gegen tner in inreti aus *tner-ti ,8ter- 
ben*; aJrel. tltkz ,Wolf, lit. rtSröw, got wulfs, ai. vfÄros. 

Auf dieselbe Art verhält es sich bei einer reduzierten Silbe, 
die ein eu oder eji Toraussetzt, wie wir sehen werden. 

Analoge Fälle entwickelten sich nun einerseits in der lituslav. 
Periode y andererseits auf slav. Boden bei Akzentverschiebungen. 
Es entstand hier wohl in allen Fällen in reduzierten Silben ein 
9/1^ ^, ff h ^s handelt sich hier zwar um einzelsprachliche Er- 
scheinungen, aber es ist dasselbe Prinzip, das auch in der Ur- 
sprache schon wirksam war. So haben wir z. B. zu aksl. j^i 
^nehmen' das Präs. imq aus *j-Mnq und dieses aus tmq, *7jifnq, 
vgl. lit imü, emiaü, imti ^nehmen', lat etnere, also em- (das viel- 
leicht ein *enm, *enem voraussetzt, vollständige Assimilation des 
n an m); aksl. pwiq, p^ti ,8pannen, hängen' aus *pv^nq, *pv^i, lit. 
pinü, pinti ,iiechten'; s^cBi.g^fuUi ,treiben' aus *gx^nati, Präs.iefu^ 
lit genü, giniaü, ginti ,jagen, treiben' (Vieh airf die Weide), mit 
aJtsi' ,abwehren' (C appeller, Kaip seneji Letuvininkai gyveno 
S. 45). Dazu scheint auch aksl. ztnjq aus *gj^fw>i ^^i ,hauen, 
mähen', lit. geneti ,Äste abhauen' zu gehören. Das slav. g^nati 
kann wohl nur aus *g'(^näii erklärt werden und spricht eben 
dafür, daß wir in solchen Fällen immer ein jh, ^^ r, l voraus« 
setzen müssen. 

In diese Gruppe gehören noch mehrere andere Yerba wie 
aksl. frftra^t aus *brräti, berq ,8ammeln, nehmen', gapdQw. Weiter 
Verba der I. Klasse: aksl mttrq aus *mfrq ,sterbe', dagegen 
mreti aus *m€rti, vgl. lit mlrsztu, miriaü, mifti; aksl. ^rUq ^n- 
ddo', Ut kifsti, kertü, kiriaü ,hauen'. 

In der Silbe -re- ist auch die Keduktionsstufe eingetreten 
und zwar mitunter schon im Urbaltslav. Aber die hierher ge- 
hörigen Fälle unterscheiden sich von den früheren dadurch, daß 
sich aus dem r, l nicht tr, tl, sondern rt, h, lit also entsprechend 
ri, li entwickelt hat Hier war offenbar der umstand maßgebend, 
daß in der Vollstufe der Vokal auch nach dem r, l folgte. So 
haben wir lit hristi ,waten', bredü ,wate', brada ,Waten, Pfütze', 
aksl. zwar hresH, bredq, aber dazu nepr9>rtdamb (Part Präs. pass.) 
und im Aböhm. hrdu (aus *brtdu), dazu dann die o-Stufe aksl. 
brod^ ,Furf. Man könnte zwar auch daran denken, daß hier 
einfach e im t reduziert wurde und daß wir es hier nicht mit 
einer eigentlichen Schwundstufe zu tun haben. Dagegen würde 
das lit br\sti nicht sprechen, da man annehmen muß, daß im 



161 

LiL ein reduziertes e («) sonst auch zu i geworden ist Wenn es 
aber in der Stellung ^ + r bei der Reduktion zu rW ^^^j so ist 
es wahrscheinlich, daß sich derselbe Prozeß auch in der Stellung 
r + e nrsprachlich wiederholte. Jeden&Us ist hier aber das f; / 
früher aufgegeben worden als im ersteren Falle. 

Vgl. noch ar. rtku, rikh und b. rku (aus rtku), p. nierzkqc 
gegen aksL rekq, reMi, dazu rokh ,Tennin'; aksl. drtmb ydeclivis', 
b. 8irm^ 3teilS vgl. r. dremglatn kopfüber', dazu die o-Stufe 
b. Strom |Baum^ 

Desgleichen bei ne (me): aksL ntzq, ntznqti (zu ntzq könnte 
der Inf. nesti lauten, ist aber nicht überliefert) ^gere, fodere^ vgl. 
b. vensmouti (aus frbntznüti) ^nfigere^ die o-Stufe in pro-nozäi 
^perfodere'y noet besser' (aus *nozio); vgl. Ut. knibti ^pfen, 
klauben^ knebifUi ^knauben', knab^i ^hälen^ 

Jedenfalls haben diese Halbvokale nach r^ n u. s. w. dann 
ihren vollen Lautwert gehabt zum Unterschiede von der Gruppe 
aksl. trtt, trU u. s. w. (siehe bei r, l), in der das vokalische Ele- 
ment ursprünglich der Liquida vorherging. Beachte auch aksl. 
krzvb ßlnif, lit krüvinaa ,blutig^ u. s. w. 

So sehen wir, daß es im Slav. im allgemeinen nur dort die 
Reduktion bis zum Schwund des Vokals brachte, wo sich ein r, 
h ^f 1^ entwickeln konnte. In anderen Fällen ist der reduzierte 
Vokal meist durch den vollen wieder ersetzt worden. So bemerken 
wir es z. B. bei den präsentischen o-Stämmen z. B. tekq, vedq, 
nesq u. s. w. Desgleichen auch bei den substantivischen o-Stämmen. 
Aber es gibt doch auch im Slav. (und Litauischen) Fälle, in denen 
sonst noch ein reduzierter Vokal auftaucht Hierher gehört z. B. 
aksL Ihjati aus *l^ti (vgl. weiter unten); aus "^xe^^i wurde 
*z9uBii, *gt^i, das infolge der Vokalassimilation zu z^^ati, zbvaii 
^führte' (im Präsens zowf aus *ze^ ,rufeO; weiter ksl. pbzdüi 
,pedereS slov. p9zd4ti ,fistenS b. hzdüi, lat pSdo aus *pezdö. So 
wie in mtn&i (aus *fnx^nSti und dieses aus einem älteren *meneti) 
eine Reduktion des Vokals eintrat, so ist es auch bei pbzdUi 
geschehen, nur führte im ersteren Falle dieselbe bis zum Schwund 
des Vokals, nicht aber im zweiten Falle. Vgl auch lit blzdzus 
,Stänker', dagegen bezdüi ,pedere' (das b würde aus einer Form 
herrühren, die es bis zum Schwund des Vokals brachte). Hierher 
mag auch aksl. hdh, Mb und vielleicht noch die eine oder andere 
der oben S. 141 angeführten Formen gehören. Vgl. auch im Lit. 
gistu ,erlösche^ und gisti ,erlöschen^ 

Vondr4k, Tgl. dav. Onunm. I. 11 



162 

Läßt es sich aber zeigen, daß das t als Redaktions- 
stufe des e figuriert, so ist damit der Beweis erbracht, 
daß t nicht die Quantität der vollen Vokale erreichte. 
Wenn es auch nicht der reduzierte Vokal selbst ist, sondern ein 
Laut, der erst an seine Stelle getreten ist, so fällt doch der Um- 
stand auf, daß nicht einer der anderen vollen Vokale diese Funk- 
tion übernahm; das spricht eben dafür, daß es sich um Vokale 
mit reduzierter Quantität handelt Was hier von t gilt, gilt 
natürlich auch von 5. 

Beachtenswert sind femer jene Basen, die den Diphthong 
ei oder e^ enthielten. In der Schwundstufe (S) entstand aus 
dem ersten ein i, im Slav. also ein h, aus dem zweiten ein u, im 
Slav. ^, Es ist demnach ganz derselbe Vorgang, wie wir ihn 
eben bei er, d, en, em und wahrscheinlich auch bei re, ne u. s. w. 
kennen gelernt haben, wo es analog zu f; /; Vh 9 ^^' So z. B. 
aksl. swUti, Sfn>St<f ,leuchten', lit. szvüeti ,leuchten^, ai. spüras 
,licht, weiß' zur Basis *V^e^; weiter unten werden wir dazu noch 
aksL seetb jLicht' anführen. Aksl. bbdeti ,wachen', lit buditi, gr. 
nirfvatat ,er hat erkundet, vernommen', zu *bhe^^ ,wachen, 
achten', dazu gehört auch noch aksl. Mjudq, bljusti, lit baudeü, 
baüsH, got ana-Uudan ,befehlen, anordnen', ahd. biotan, gr. 
Ttevd^ofiat jich forsche, frage'. 

Zu mannigfachen Besultaten kann der quant Abi. in Basen 
wie z. B. dhe^es ,atmen' führen: V I aksl. duckh ,Atem, Geisf 
(wohl aus *deucho, ^deuso-), vbz-duchz ,Luft^, dusa ,Seele', vgl 
got ditis ,animal'y lit daüsos yLuff , V II gleichzeitig mit dem 
quaht. Abi., von dem weiter unten die Bede sein wird: russ. 
dvochdth, lit dvesiü ,atme' (also ohne qualitat Abi.), dväse ,Geisf 
(mit der o-Stufe), SS (BS): aksl. *d^dl^ {*du8), b. deck (aus d^ch^), 
aksl. di^hnqti ,atmen', lit. düati; gedehnt aksl. dychcUi ,atmen'. 

Hierher gehört auch eine Basis, die wohl als dhe\ker anzu- 
setzen ist: SR aksl. dvhrt ,Tür', SV dvorb ,Haus, Hof (mit der 
o-Stufe), SS lit dürys ,Tüi^, gr. dvqa, SS gr. »aiqog ,Türangel' 
aus *dliybfjo (teilweise anders Hirt Handb. der gr. Laut- u. s. w. 
S. 91); V II ai. dvära- ,Tüi^. 

Analog scheint es sich auch mit aksl. chyra ,debiUtas', chy- 
raväi (vgl. oben dychati) gegen r. chvart ,Erankheif , chvoryj 
,krank', ab. auch chvor^ (jetzt chorj) zu verhalten. 

Hierher gehört auch das Suffix des Part. Prät act I (urspr. 
Part Per£ act): S -i«, V -ik^, V° -?fOs (Volbtufe mit dem quali- 



163 

tativen Ablaut). Im Slav. haben wir nur die S-Stafe mit 9 aus 
u: vezb, Gen. Sg. m. n. vez^a, vgl. lit v&us-io, zu vezq, vesti 
jTehere*. Die Stufe -ues liegt vor z. B. in gr. yeyovsia (aus ye- 
yoyfsa-iäh 'U08 in eidcig {allerdings mit gedehntem Vokal: Dehn- 
stufe). 

Bei den zweisilbigen schweren Basen kommen bei B + B 
(Reduktion + Beduktion) lange Vokale zum Vorschein. Da 
sind insbesondere die Basen ^, ei^, da, erä, ena, emä zu unter- 
scheiden. In der B + B-Stufe entstand uisprttnglich «p, ^, 
J9, er9, tiM, iflm. Daraus wurde f^ ü, J, f, ^, fp, also im Slav. 
h Vf h f; ^ (?) 2* -B. aksl. sim, s. Av ygrau^ lii azyvas ^schimmel- 
grau' zu k^eiä, vgl. ai. iyävas ybraun^ (V U); aksl. bjfti, s. bUi, 
b. b^i ^inS lit büti zu bhe^ä, vgl. ai. fut. bhavifyati, bhävüum 
^in<; aksl. zrmo, s. zrno yKom', lit ttmis »ElrbseS got kaum, 
lat gränum, zu ^er^; aksl. dhgfh, s. du^ yhuig'f ht ügas (aus 
*dlga8) zu *delägh, vgl. gr. do^afoV; aksl. p^t aus "^j^f; s. pAt 
(mit abweichendem Akzent), b. ptti (später pnatUi^ spannen', lit 
pifiü ^flechten'; aksl. dqii aus *d^i, s. düH, b. dauti ^wehen, 
blasen', lit dümti zu dhemä. 

Die reduzierten Formen der einsilbigen schweren Basen 
sollten schon ursprachlich ein 9 enthalten; sein Beflex wäre im 
Slav. ein o. Die Länge ist aber immer restituiert worden, man 
vgl. aksL dchtt (das ein *dö4%8 voraussetzt, sonst hatten solche 
t-Stämme in der Begel einen reduzierten Vokal), vgl. gr. doaig 
neben dUhiq, lit dMis, lat dos, ai. däti- yGrabe'. 

Basen mit den Langdiphthongen ei, äf, öi und e^, äf^, ^ 
bekamen in der Beduktionsstufe 9j^ äff (da e, ä, ö za 9 reduziert 
wurde). Diese Stufe blieb mitunter, es konnte aber auch daraus 
ein i und ü, sei es durch Kontraktion, sei es in der Schwund- 
stufe, entstehen. Andererseits konnten in den Langdiphthongen 
unter gewissen Bedingungen i und ^ vor Konsonanten schwinden, 
so daß ein langer Vokal übrig blieb. So kann dem S, a, ö oft 
ein i oder ü gegenüberBtehen. Von der Basis dhsi ,saugen' haben 
wir z. B. aksl. dä^ ,Kind', vielleicht auch dSva ,Mädchen' (urspr. 
das Kind des weibl. Geschledites), lett dst ,saugen', ebenso lat 
fääre, fSmina, gr. d-^Xvg ,weiblich' aus dhsi, dii mit Schwund 
des jb in der Beduktionsstufe dojüi ,säugen, melken' aus dai, ai. 
dhäyati ,er saugf , im Lat fÜiw (mit einer Kontraktion des ^j). 
Bevor wir zum qualitativem Ablaut übergehen, müssen wir hier 
noch die Dehnstufe besprechen. 

11 • 



164 

Debnstufe und Dehnung überhaupt Sie ist ein Seiten- 
stiick zur Schwundstufe, mit der sie innig zusammenhängt Wenn 
hinter einer kurzen^ aber betonten Silbe eine andere schwindet, 
so wird der Vokal der ersteren gedehnt Im Slav. kann man 
zunächst die Dehnung bei Ausfall eines 9 beobachten. So z. B. 
bei den era, el^E-Basen: aksl. ram^, s. ramo, b. rimi aus *örfw- 
und dieses aus *or9m (vgl. die ort-, o2^0ruppe bei den Kons. 
r,l). 

Mit dem Verluste eines 9 scheint auch die Dehnung zu* 
sammenzuhängen in Fällen wie urslav. *pah, b. zdrfah ,Ent- 
zündimg', aksl. palüi ^brennen, anzünden', s. pdlüi, b. pdlüi; es 
liegt eine Basis pel9, pcle vor in aksl. poUti ,uri^ Man hat hier 
zunächst derartige Verba der IV. Klasse im Sinne gehabt und 
sie mit dem Kausativum 2l.pdtdyati gegenüber dem Iterat patdyati 
zusammengestellt (vgl. Delbrück, IF.4, 8.132 f. Meillet,MSL. 
9, S. 143 f.), allein die Dehnung selbst ist damit noch nicht er- 
klärt und außerdem ist es fraglich, ob wir es in unseren Fällen 
immer mit deverbativen und nicht auch mit denominativen Verben 
zu tun haben. Nebstbei muß es auffallen, daß fast allen diesen 
Formen eine zweisilbige schwere Basis zur Seite gestellt werden 
kann (entsprechend dem poUti). Neben den Verbis, die allerdings 
kausativ sind, haben wir immer auch ein entsprechendes Sub- 
stantivum. So z. B. -bavüi in aksl. iz-bavüi ,befreien' (und noch 
andere Komposita) und iz-bava jBefreiung' zu bhe^i in byti und 
bechz (so daß man hier etwa an ein *bhou(9)'a, *bhöt^ denken 
könnte). 

Zu truti, trovq ,nähren< (Basis tre^B), aksl. otravz, otraoa 
yOift', travüi ,ab8umere^ (dameben allerdings auch GtrQv^, otrava 
jGift'), aksl. trava (neben trdva) ,6ras^ 

Zu aksl. pluti, plovq ,fließen, schwimmen', s. plUi, r. plytt 
gehört ursl. plavh z. B. p. piaw ,Schiffahrt, Wassergeschöpf, r. 
auchjpZaW; dBJinB.pläv ,Floß', h.splav ,Wehr, Schleuse', ^.splaw 
,Abfluß', kr. plav (urspr. plavh f.) ,Schiff, aber auch -plava in s. 
iidplava ,alluvio' und aksl. plaviti, Basis pleiia ,8pülen', vgl. auch 
die Dehnung in griech. 7tha%6q^ ftXiow ,schiffe, schwimme', ai. 
plävayati. 

Zu aksl. tyti ,fett werden', slov. b. otaviti se ,8ich erholen', 
Basis teii^. 

Zu aksl. -nyti ,ignavum esse', b. n^ii ,languere' gehört naviti, 
unaviti ,ermüden'; vgl. auch aksl. navt ,mortuus'. 



165 

Neben aksL slavo ,WoTif aus slei^^ vgl. gr. xXiog haben wir 
aach dava j66§a^^ slavüi ^SoSa^eiv^; daß auch hier eine schwere 
Basis Toriagy dafür scheint ruas.8lytt zu sprechen (vgl. oben byti, 
plyti). Vereinzelt steht aksl. davüi ,würgen', got (rf-daujan ^ 
matten^ wo ein öu vorliegt 

Neben zorja haben wir auch zarja ^plendor' zu zbriti, ZMytf, 
lit ieriti ^strahlen', Basis §heri. 

AksL vah ,undaS valüi jvolvere', vgl. got walwjan ,wälzenS 
dameben auch vhna yWelle', lit ap-vaU^ ^kügekund^ (dazu aksl. 
obh ^nmöf aus *olhvh); der lange Vokal nach l zeigt noch seinen 
Beflex in gr. ulJöfia und lat volümen (Hirt setzt eine Basis 
velä(u) yumhüllen^ an Abi. Nr. 476, aber die slav. Worte führt er 
nicht an). 

Zu goreti ^brennen' gehört -garb aus görb, z. B. slov. Urgar 
^racbe', b. o-har-ek ,ein Stück angebranntes Holz^ r. peregärb, 
dameben zarb, po-zarb ,Brand' aus *g9r<h, vgl preuB. garnie 
^tze'y ai. gharmds ^Glut^, gr. ^egfiog^ lat farmus ^warrn^ Hier 
müssen insbesondere die beiden Dehnstufen *gir und *gör be- 
achtet werden. 

mar* in aksL zchtnar-tm wohl ^tilis', b. mariti ,vertun, ver- 
derben^y mamy ,eiteP würde man dann auch nicht zu mtr^j mriti 
^rben' stellen können, denn die im Aksl. auftauchenden Infinitive 
wie mweti sind wohl neu. So wäre dazu regelrecht morb ,Tod, 
Pest', u-mariti ,töten^ Allerdings zu skvbrq, skvräi ^schmelzen' 
auch ein akvarb ^Hitze^. 

Zu vweli, vtrjq ,wallen, sieden' gehört vart ^aestus', variti 
,kochen% vgl lit isz-vora (let vOrs) ^Suppe', neben iz-varb ^fons', 
vgl. lit Prät viriaü aus viri^ pirti ,kochen', Basis uerS, 

Aksl. para ,Dampf , pariH ,dampfen, brühen', preuß. pare 
yBrodem', vgl. slov. pereti ,modera', r. prHh, priju ,8chwitzen, 
gahren, faulen^ sich erhitzen', gr. mfiTtQtj^i^ ngi^^w, lit per'Sti, 
periu ,brüten'. 

Analog bei den <r|ä-Basen: aksl. lejq etwa aus *Ui(b)o-, woraus 
zunächst lejo, Uje (V I) ,gieße', ebenso lito ,Sommer', s. Ißto, b. 
läo ^ommer' (eig. ,Regenperiode'), hjati ,gießen' aus *lejäti (V 11). 
Eis unterblieb aber auch die Dehnung und so entwickelte sich eine 
neue Basis leio- (V I): Präs. aksl. hjq, ab. Ijü aus *lej(f, ^leje 
(e vor j iXL b vgl. aksl. pqtbje), Inf. lüi (doch könnte dieser auch 
zu leiä gehören), dazu kj ,adeps'. Die Erscheinung, daß zwei 
Basen neben einander vorkommen, kann häufig beobachtet werden 



166 

z. B. bhere und bherS. Brugmann meint, solche Doppelheiten 
erklären sich leicht daraus, daß die Aaslaute der Basen schon 
frühzeitig als Wortbildungselemente, als sog. SufiSxe, übertragen 
werden konnten (Kurze Tgl. Gramm. § 212). Mit loj ist kropb 
zu hyii {krei^) zu vergleichen. Im lit haben wir liju, Ujau, 
Uti ,gie£en^ und lyjü, lyaü, Ijti ,regnen'; lyjü ist nach lyti ge- 
bildet und soll dem slav. hjq entsprechen, in l^, das dem slav. 
Ujq entspricht, ist e st ^ wohl aus dem Inf. Iki aus ^J^ti ein- 
gedrungen. Aksl.2^f ,^UmeS ahd. ^rinön ( V I), VII: skA.zbjaH 
(xijati), lit. Höju, zidti, ahd. giBn, ginSn, lat. hiäre, hiätus. Jffier- 
her gehört auch aksl. prejq, ab. preju ,bin jem. gewogen, holdS 
Inf. prtjati, so war es lautgesetzlich, da hier jedenfalls das got 
frijönd, ahd. friunt und ai. priyds ^ieb' verglichen werden mufi. 
Aber auch aus prei-iä hätte nur ein ^preiä und dann prt0 {e 
vor ; wird zu t) entstehen können. Wenn auch prijati und dar- 
nach auch pri-jajq vorkommt, so ist darin nur der Reflex der 
Plilposition pri (in prij^i u. dgl.) zu sehen. Vgl. noch ai. pri-yas 
lieber, Geliebter' aus ^preiriß. 

Aber auch bei leichten Basen bemerken wir die Dehnung, 
z. B. aksL Aor. vesb ,ich führte' aus *videsom, *v8d8rii, vgl. lat 
Üxi (fieflex eines * l^esotn, *lSg8iii), rexi, texi. 

Man erklärte gr. ^q aus einem o-Stamm (vgl. lat. ferui) durch den 
Verlust des o (Streitberg IF. III, S. 805—316). Im Slav. und Lit 
haben wir jedoch einen «-Stamm: zvhrt, lit. gvirts ^wildes Tier', es kann 
also auch der o-Stamm zu einem «-Stamm im Balt.-8lav. geworden sein, 
wobei für o eine Ersatzdehnung eintrat. 

Auf Ersatzdehnung geht auch das e in aksl. sediti ,sitzen', 
Ut sedeti zurück; es liegt hier eigentlich der reduplizierte Perfekt- 
stamm süed, der sSzd ergab, vor. Allein Bildungen wie ^dog 
XL dgl. verdrängten das z [zd konnte sich ja sonst erhalten). Das 
einfache sed liegt im Slav. in selo ,Acker, Gehöft' und sedlo (wohl 
aus sedido) ,Sattel' vor. Dadurch ist auch im Ab. frühzeitig das 
e in sidäi verdrängt worden, so daß wir hier nur sedeti belegen 
können. Wie sid- ist auch jad- ,e8sen' zu beurteilen. Fräs. aksl. 
jatnt (aus *&ifni), Inf. jasti, lit 'At{i) fiAßtf, vgl lat. ist. 

Eine funktionelle Dehnung des Stammvokals kommt im Slav. 
bei der Bildung der Iterativa nach der Y. El. 1. Gruppe auf -^Ui, 
-ajq vor, z. B. zu vedq, vesti, Iter. vodüi ,führen' gehört ein 
weiteres Iter. aksl. vaidati aus vödjati; zu berq, htrati ,sammeln, 
nehmen' gehört -birati, westslav. auch binxti; zu mwqj mrUi 



167 

^sterben' das Iter. -mirati, westslav. auch tnerati, aböhm. umiercUü 
Die westslay. Formen sind wohl sekundär und mit Zugrunde- 
legung des Präsens unter dem Einflüsse der Iteratiya wie mHati, 
Utati, tekati u. s. w. entstanden. 

Analoge Dehnungen finden wir auch im Griech.: yapfidco yon vo/ai^, 
TQioado} yon tgoxti, axQctxpdto yon crgogfi^, xgwxdw yon tgöxoc, xcoxdofMu 
von noti^. Nach Hirt, der sie mit den slay. Iterat. in Zusammenhang 
bringt, haben sie eine yerstärkende Bedeutung (Handbuch der griech. 
Laut- u. Formenl. 8. 387). Mit den slav. Iteratiyis hängen sie aber, wie 
wir sehen werden, kaum zusammen. Mit jf (oxdofuu {xotdofMt, notiofiai) 
kann das Kaus. ai. pStäyaii ,er macht fliegen* gegen paidyati ,er flattert' 
auch kaum yerglichen werden. 

Die Anfänge der Dehnung bei den slay. Iterat reichen aber 
dennoch weit hinauf. Im Slay. wurde die Dehnung yerallgemeinert 
und zu einer Begel gemacht. Hiebei wurde, wie auch sonst, ein 
e zxk i, zvi ö (a), t za i und z zu y gedehnt 

Auf slay. Boden kommen weiter Dehnungen yor beim Gen. 
PI. der 0- und a-Stämme und zwar schon im Urslay. z. B. ab. 
nöh, nuoh, n&h, sloyak. nuoh, sloy. n^g, serb. nögä zu aksl. noga 
,Fuß'; ab. hör, huor, s. göra zu aksl. gora »Berg^; sloy. honj, s. 
kAnjä zu aksl. konjt ,Pferd'. Andere Beispiele werden bei der 
Quantitätslehre angeführt 

Die Halbyokale t und ^ werden yor ; im Aksl. zu % und y 
gedehnt^ z. B. Nom. Akk. ishrtnij neben iskrtntj 6 TtXrjoiov^ 
dabryj neben dobv^j 6 äya&og; predamij aus pridamt i naqu" 
dwatj avTOv (Glag. Cioz. 172); proslavityj aus proslavitb i do^au 
avTov (Mar. Joh. 13,32); slyiachomyj aus slyiachotm i rjvLovaafiey 
avTOv (ib. Marc. 14. 58); vyjnq ,continuo^ aus vz inq ib. Marc. 
5. 5 u. s. w. Das ij konnte dann zu i und yj zu y kontrahiert 
werden. 

Über trat aus tort (torot) und tret aus tert (teret) wird weiter 
unten bei r und l gehandelt 

Eine speziell slay. Ersatzdehnung haben wir auch beim Aus- 
fall des Nasals z. B. pomenqti ,gedenken' aus *pomennqti, aksl. 
pen^ ,Geldstück', ygl. Pfenning; die Endung -uns ynirde zu üs 
und 'ins zu -is u. s. w. ygl. oben S. 125 ff.). 

Als die Halbyokale im Auslaute yerstummten, trat auch in 
einzelnen slay. Sprachen dafür yielfach eine Ersatzdehnung ein; 
sie war aber meist an bestimmte Bedingungen geknüpft Im P. 
war dies der Fall, wenn das Wort nach Verstummen des Halb- 
yokals mit einer Media oder einem Dauerlaut endete. Jetzt noch 



168 

Überreste: bog, (ien.boga; wii-wolu ^Ochse'; mtöd-miodu ^Honig'; 
pl6ti, plotla ^er flocht, sie flocht' u. s. w. 

Spuren einer analogen Erscheinung scheinen auch im B. 
vorhanden zu sein: büh4>oha ,GtoW, väl^da, düm-^hmu ^aus^ 
Im S. nur dann, wenn die betonte Kürze eine ÜEdlende Int hatte: 
bog, boga, sIoy. bpg, bogä ^QroW, most, mosta, slov. m^st-mostc 
^Brücke'. Im Eleinr. sobald die Silbe überhaupt geschlossen I 

wurde. I 

Eüne andere Art der Dehnung ergibt sich bei der Kon- 
traktion zweier Silben. Diese erfolgte in der Aegel erst in den 
einzelnen slav. Sprachen und ist daher Gegenstand der Spezial- 
grammatiken. Äußerst selten sind Fälle, die als ursprachlich be- 
zeichnet werden müssen. So aksl. n^isrnt ,bin nicht', nistb ^t 
nicht* aus ^ne-estni, ^ne-esti. Bei derartigen Kontraktionen 
gleichartiger Vokale bekam die neu entstandene Länge eine ge- 
stoßene Int, daher ist sie imB. erhalten: abohm.ni«, ni in nenie, 
jetzt neni (das ne noch einmal wiederholt aus ne-jsem, ne-jsi, 
dialektisch wurde auch nej- vorgesetzt, daher n^^/). Andere 
Kontraktionen, bei denen es sich vornehmlich um Kasussuflixe 
handelt, kamen schon zur Sprache oder werden noch erwähnt 
werden. 

Noch eine andere Art der Dehnung im Slav. nimmt Pedersen an 
(KZ. 38, S. 315 ff.), nämlich eine Anlautsdehnung, die auf einem Sandhi- 
gesetz beruhe. Aksl. azz könnte seine Form in der Verbindung mit einem 
Torangehenden Yerbum mit der ursprüngl. Endung -ö erhalten haben, das 
wohl noch im Lit. fortlebt, in ahkati könnte die Dehnung nach einer Prä- 
position entstanden sein. Aus einer späteren Phase stamme jazh^ ja, wo 
also, wie in allen analogen Fällen, das Eontraktionsprodukt unrichtig 
aufgelöst worden wäre. 

Ich halte diese Darstellung für unrichtig und unwahrscheinlich. 
Die Eontraktion zur Vermeidung des Hiatus konnte nicht aufkommen, 
weil dadurch maßgebende Endungen, die die Geltung einzelner Worte im 
Satze bestimmten, ganz verwischt worden wäre, so daß man es zu einer 
ganz unverständlichen, chaosartigen Buntheit gebracht hätte. Speziell 
bei den hier angeführten Fällen ist eine derartige Erklärung ausge- 
schlossen. Jatö (das halte ich immer noch für die ältere Form) kam 
überhaupt nie nach dem Verbum zu stehen, weil im Slav. die Pronomina 
in der Begel das Verbum nicht begleiten, sondern nur dann, wenn ein 
Nachdruck darauf lag und dann mußten sie vor dem Verbum stehen 
(vgl. Berneker, Die Wortfolge in d. slav. Spr. S. 9, 14). Bei aUkati 
käme die Präpos. vzz in Betracht, die ursprünglich keinen Vokal im Aus- 
laute hatte. 

b) Qualitativer Ablaut Bierbei handelt es sich um den 



169 

Wechsel zwischen e : o und S : ö. Man nimmt an, daß auch hier 
der Akzent im Spiele war wie bei dem quant Abi. Während 
jedoch bei diesem die nicht betonten Silben sowohl vor als auch 
nach dem Akzent in Mitleidenschaft gezogen werden konnten, 
würde es sich bei qualit AbL nur um nachtonige Silben handeln. 
Diese müßten aber erst sekundär nachtonig geworden sein, sei 
es infolge einer Akzentverschiebung gegen den Anfang des Wortes 
zu oder infolge der Komposition, wobei der erste Bestandteil den 
Hauptton an sich riß (Enklise). Hirt meint, das e und ^ wäre 
zu 0, bez. ö geworden, weil bei der sekundären Akzentverschiebung 
die ursprünglich betonte Silbe einen Nebenton behielt, bez. weil 
das e und 9 bei der Enklise in den Tiefton traten. Halbwegs 
überzeugende Belege für diese Ansichten finden wir nur in den 
klassischen Sprachen, insbesondere im Griech., wie z. B. dianJQ^ 
aber dtinaq; Ttei^ avtel u. s. w., aber oinoi; dann navijQf aber 
OTtazwQ; anjQ, aber &varp^(üQ; fpqtjVj aber o^^c^y, evtpqwv u.s.w.; 
lat. terra, aber extarris. 

Das Slav. bietet jedoch keine Belege für diese Erscheinung, 
ja es spricht sogar entschieden dagegen, daß man dieses Prinzip 
als etwas Allgemeines beim Ablaute anwende. 

Auch im Slav. ist es besonders der Typus bharos, der uns 
häufig entgegentritt und der nach Hirt ebenfalls in der Kom- 
position entstanden sein soll. So haben wir z. B. aksl. tekq, teiti 
,fiießen, laufen', dazu toH ,Lauf, Fluß^ lit. tekü 4&ufe, fließe', 
täkaa ,Pfad', ai. takti ,er eilf ; aksl. zakle{p}nqti ,claudereS dazu 
za-kUph ,claustrumS aber auch za-klopb ,claustrum'; l^/c^, leHi 
,sich niederlegen', l^ati ,liegen', dazu na-logb ,inva8io', lozüi ,po- 
nere', loze ,Lager'; aksl. mrtknqti ,dunkel werden', dazu mrakb 
,Wolke' aus *inork(h; aksl. mrhznqti ,fiieren', dazu mrazb ,Frosf 
aus *marz(h; aksl. pletq, plesti ,flechten', dazu plotb ,Zaun'; aksl. 
zvhnäi ,khngen', dazu zfxmb ,Ton'; aksl. vleHi, vlekq ,schleppen, 
ziehen', Part Prät Akt. I. vhkb, dazu vlakb in cb(v)ldkb ,Wolke', 
vgl. lit vUkti, vdkü ,ziehen', üz^alkcis ,Bettbezug'. Man beachte 
auch Fälle wie aksl. grdnf ,schaben,* kratzen, kämmen', ffrd>enh 
,Kamm', pa-grdeb ,sepultura', grMja ,Ruder', dazu grob^ ,Grube', 
got graban, gr. yodqxo. 

Es ist nun richtig, daß sich solche Worte mitunter nur in 
der Komposition nachweisen lassen z. B. -logfh, -bcrb (was übrigens 
auch von den zugehörigen Verben gilt). Wollte man aber diesen 
Ablaut auch aus der Komposition eridären, so müßte man an- 



170 

nehmen, daß der urslay. Betonung in narödh, ftaröH, nasdd9 
(vgl. s,ndrod, ndrok, ndsad, r.nar6d^, narökt), po-nArz (%,pb-nor) 
u. s. w. eine andere Akzentuation vorherging, nach welcher die 
Präposition betont wurde, allein das ist nicht recht wahrschein- 
lich. Nur die mit Präpositionen zusammengesetzten t-Stämme 
hatten den Ton auf der P^position, serb. povsst, sloven. povest, 
aber auch das ist erst eine sekundäre Erscheinung, die wahr- 
scheinlich nicht einmal gemeinslavisch war (stidslav. und r.). 
Nebstbei ist hier die Anzahl derartiger Komposita äußerst be- 
schränkt. Konb »Anfang* (vgl. vz-ö^i, na-d^i »anfangen') kam auch 
außerhalb der Komposition vor wie noch das Adverb aksl. is-koni 
4n principio' zeigt. Geradezu dagegen ist aksl. o-stezt »chlamys^ 
(vgl. dagegen lat. toga) und stogz ,Harpfe' von derselben Wurzel. 
Beachtenswert ist femer der umstand, daß wir in der Komposi- 
tion die e-Stufe, außerhalb derselben dagegen die o-Stufe finden» 
was doch der ganzen Theorie widerspricht, z. B. das erwähnte 
po-grebz gegen grobh ,Grube^ Oder es kommt in der Komposi- 
tion neben der o- auch die e-Stufe vor: za-klepb und za-klop^ 
»claustrum^ Vgl. noch: ometa ,limbusS podz-meU »fimbria^ ras-tesö 
,segmentum' u. s. w. Entschieden spricht auch aksl. po-pd^ 
,Asche* (neben pe-peh) dagegen. 

Gegen die angegebene Erklärung sprechen auch die durch 
Wiederholung entstandenen Nominalstämme mit der o-Stufe wie 
aksl. glagoh ,Wort* aus *golgolo. aksl. klakoh ,GlockeS böhm. 
krdkorb ,Gegacker* u. s. w., was doch gewiß ursprachliche Bildungen 
sind. Es wird nun niemandem einfallen anzunehmen, daß z. B. 
zunächst ein ^gelgoh vorhanden war und dann erst daraus ein 
*golgolo wurde. Wie wir sehen werden, gab es auch Bildungen wie 
*perp€r vgl. russ. pereperb, b. poln. przepiora ,WachtelS wozu auch 
böhm. präpor ,FahneS prapor ,Flaumfedem* gegen aksl. pero 
,Feder' gehört u. s. w. (siehe weiter unten in der Stammbilduugs- 
lehre: durch Reduplikation gebildete Nominalstämme). 

Einzelne Gruppen von Worten kann selbst Hirt nach seiner 
Hypothese nicht erklären, so den Typus aksl. kosa ,Haar* zu 
desati ,kämmen*; o-poia ,saxum' zu pekq, peHi ,backenS ai. pdcati 
,er kocht^; aksl. r(^ ,Hand*, vgl. lit renkü, rinkaü, rifikti ,sam- 
meln*; strana (aus *8tor'na) ,Seite, Gegend* (pro-starz »Baum*, 
dagegen ist aksl. pro-sU ,einfach' nicht aus *pr(h8trz entstanden, 
sondern -siz gehört zur Basis, die auch in statt gr. l'airijjut ent- 
halten ist, vgl. auch Grammont, La dissimilation S. 32) znsttrq, 



^ 



171 

sträi (aus *«ter-tf). Sie haben ihr Gegenstück auch im Ldt. z. B, 
raiM^, gcdvä u. s. w., im Griech. to^i?', doqä u. 8. w. 

Diese Hypothese erklärt uns schließlich nicht die o-Stufe der 
iterativen und kausativen Verba (im Slav. Verba der IV. Klasse)^ 
wie tozüi ^führen', gr. oxito zu vezq, veho; nositi ,tragen' zu nesq, 
vgl gr. q>0Qifa zu q>€(^ und and. Daß alle diese Verba höchst- 
wahrscheinlich denominativ seien^ wie Hirt meint^ ist nicht über 
alle Zweifel erhaben. 

Mit der Erklärung des qualitativen Ablautes, die Hirt gab, 
kommt man also nicht aus: im Slav. konnten wir sie in keinem 
der hier angeführten Falle anwenden. 

Hier wollen wir noch einige Fälle für den Ablaut e: o, die 
der lautlichen Gestaltung wegen beachtenswert sind, anführen: 
kam (russ. kom ,ReiheO in za-kam ^Gesetz^, kantet ^Ende^ zu 
pa-Stnq, pa^i ,anfangenS vt-ö^i dss. u. s. w.; a-pana jVorhang*, 
pqta ,Fes8el' zu ptnq, p^i ^spannen'; zqbt ,Zahn', gr. y6fiq>ag 
,Pflock* zu 2^ ^dilacero'; trqst ^Erdbeben' zu tr^, tr^i ,er- 
schüttem'; gt-part yStreit' zu ptrjqy ptrUi ^streiten'; podt-para 
^Unterstützung^ zu ptrq, preti ,fulcire'; Höh ,Tisch' zu stüati, 
stdjq ^ausbreiten'; chadt ^Gang^ und chadäi ,gehenS dazu Part. 
Frat. Akt I ätdt ^gegangen' (aus *dihd, *ched'). Von der Basis 
perek^ ,precari, poscere' haben wir V° 11 (mit ° bezeichnen wir 
die o-Stufe): aksLproaüi, shd. fragen, Ist practis, dagegen VI in 
lit. perazü, ahd. fergön, B S lit pifszti, ahd. farsea. 

In den bis jetzt behandelten Fällen kam der Ablaut e : a 
vor. Bei ei- : ai kommen spezifische Besultate, die durch die 
slav. Lautlehre bedingt sind, zum Vorschein. So haben wir 

SV v° 

ursprachl. i ei ai 

slav. t 1) f; 2) tj 1) i, 2) 0) 

1) bezieht sich immer auf jene Fälle, wo das ei^ bez. ai tautosyll. 
war, 2) auf das heterosyll. ei, bez. ai, 

Beispiele: aksl. pri-ltnqti (aus *ltpn-) ,adhaerereS dazu lipt 
(aus *laipa) ,viscum'; aksl. mtgnqti, mtzaii ,nictareS lit. uz-migti 
,einschlafen' und s^^nUkUi adi, vgl. preuß. Akk. Sg. maiggun 
jSchlaf'; evtteti feuchten' und sviit ,LichtS lit szvU&i ,hell 
glänzen^ vgl. got hwiis, ahd. {h)wiz ,weiß'; ewUf, cvisti ,blühen', 
dazu evitt ,Blüte'; jritati ,nutrireS dazu pesturn ypaedagogus' (aus 
*paü-t...); heterosylL: aksl. btjq, ab. bjü (aus *b^o, *be^, vgl. 
plavq aus *plleyLa- zu r. plyti), Inf. hiti ,schlagen', dazu hoj ,Peitsche', 



172 

raz'hoj ^B&ubS vgl. auch lat per-fines ,perfringa8' (Fest); analog 
aksl. pbjq, piti ^trinken', dazu poj z. B. in na-poj yGetränk', pojiti 
yüünken'y vgl. ai. pdyaU ,er schwillt, strotzf ; aksl. vhjq, viti ,win- 
denS lit vejü 4ch winde, drehe, wickle', vyti, vijaü, ai. vdyämi 
,ich webe'i dazu voj z. B. in za-voj ,Schleier^, tautosyll. venbcb 
,Kranz', lit rainikcu dass. Es wird also so behandelt wie eine 
Basis *veio, *veie (vgl. oben Itjq), während es doch ursprünglich 
als veis aufzufassen ist, vgl. lat S + V: vl&re, ai. vyänam ,das 
Winden^- aksl. po-^i ,ruhen' und po-koj ,RuheS vgl. got hweila, 
ahd. hwüa, wlla ,Weile, Zeit', lat. quiis; aksl. gnüi ,faulen' und 
gnoj ,pusS tautosyll. yn^ ^^; zu aksL Ihfq, ab. Ijü, Inf. lüi 
(leio-, leie ganz analog wie btjq aus heip, beie) ,gie£en' das Subst 
loj ,adeps' zur Basis lejä (vgl. oben S. 165), lit Uju, liH ,gießen' 
und Ijfjü, lyH ,regnen'; aksl. poj(f ,ich singe' und Inf pHi aus 
*poiti ,singen'. 

Wie bei ei verhält es sich analog auch bei eu : ou. So 
haben wir: 

SV v° 

ursprachl. u eu ou 

slav. ^ 1) u (ßi), 2) ov 1) u, 2) ov 

1) bezieht sich auf die tautosyll, 2) auf die heterosyllab. Laute. 

Beispiele: aksl. b^deti ,wachen' (S), V: blßidq, blJusH ,be- 
wahren, achtgeben', gr. fiev&ofiaij got biuda, Ut baudzü, baüsti 
,strafen, züchtigen', V°: budiii ,wecken', vgl. preuß. et^audints 
,auf erweckt'. 

Das Präs. zu kryti (aus *knUi, vgl. das aksl. Part. Prät. 
pass. shkrhvem aus -krü-em^) sollte *krov<i aus *kreyt^ lauten, 
es lautet aber kryjq nach dem Inf. (vgl. lit. krauju, krduti 
,häufen'), dazu V°: aksl. krovb ,Dach'. Analog zu ryti, ryjq 
,Graben' das Subst rom ,fo6sa', preuß. rawys ,Graben'. Sonst 
kommt häuäg bei Worten, die auf eine zweisilbige schwere Basis 
zurückgehen in der o-Stufe ein ö (slav. a) vor und zwar wahr- 
scheinlich infolge einer Ersatzdehnung, vgl. zu byti: iz-bava; zu 
plyti: plaviti, plavh u. s. w. (vgl. oben S. 164). 

Andere Beispiele: aksl. zovq ,rufe' aus *ze\iO (V I), V II 
zhViUi (aus *Z9\i^i entstand zunächst *znf^i, dann durch Vokal- 
assimilation zbvtxti), die V°-Stufe liegt vor in serb. ü-zov ,Ein- 
ladung' (russ. zavz, Gen. zva und zova setzt ein zbv^ voraus, vgl. 



1. Dementsprechend zu hüi das Part, bbjem aas *6r-0fto-, *6fjt«iio-. 



173 

b. zev in nd-zev Benennung), D. in zyvaii, ai. Y I hdvUav^ ^n- 
nifen'y hdvUu, havif yOpfergabe', hSmman ,Anrafung^, vgl auch 
lit zavAi ^besprechen' (Basis: She^gfl, §heyß), 

Aksl. rhdrb ;roV (rhd&i s^, gr. I^^d-Qogj lat. ruber, ai. rudhi- 
ras, dagegen V^ (ou) in aksl. ruda ^Metalls lit. raudä ^te Farbe^ 
raüdas ^f, got. rau^s foW\ hierher wohl auch aksl. rumim 
^\^ (ans *rudmim), ein e^ (vgl. griech. eqti^w yich röteO scheint 
im Slav. nicht vertreten zu sein. Die V®-8tufe liegt auch vor in 
aksl. ostrov^ Jnsel' (das ^Umflossenem), lit 9ravä ,BlutflufiS ff- 
^ßä, ^01^ iFluB, Flui* zu *sre^eii ,er fließt^, ai. srdvaii, gr. ^ei; 
dagegen ist nicht klar, ob in aksl. struja yStrömung^ ein oj/l oder 
eu vorliegt. 

Der Ablaut e : ö (slav. a) liegt vor in: aksL aadüi ^tzen', 
8(Md^ ,planta' zu siditi ^tzen'; aksl. u-razüi ,percutereS b. rdz 
^Schlag*, aksl. olhrazh ,Bild' u. s. w. zu rSzcUi ^schneiden'; aksl. 
iz-lazb ycxitus' zu aksl. lezq ^krieche'. 

Bei zweisilbigen schweren Basen erscheint bei Y^ 11 
ebenfalls ö (slav. a), falls der lange Yokal ein war: aksl. kvasz 
yfermentum', s. kvas, b. kvcu, RR aksl. kj/sel ^acerbus^, s. kiseo, 
aksl. kymqti, s. Idmuti ^sauer werden' zur Basis *keyß8. Wegen 
des s nach y vergleicht man es mit ai. kvathati ,er kochf und 
got hicafö ySchaum', es kann aber kvasb auf das 8 konservierend 
gewirkt haben. Aksl. kvapb (nicht belegt), b. kvap ,EileS kvapüi 
,eilen', r.po-kvapUb ,stillare', BRkypiti ,sieden, wallen, überlaufen', 
hieriier wohl auch kyprh ,foraminosusS vgl. lit Y II: kvipti 
,hauchen', let kv^t ,qualmen', RS kapü'H, küpäuti ,schwer atmen', 
let küfH ,rauchen', SS ai. kupydte ,gerät in Bewegung, zürnt', 
kupyati ,wallt auf, zürnt', lat cupio ,begehre', let kupt ,gerinnen, 
gähren', Basis ke^q[^. Ebenso Y° II: chvai^ in b. chvat ,Eile', 
aksl. chvatiti ,ergreifen', böhm. chvdtafi ,eilen', RR aksl. chyiüi 
,rapere', chytri ^listig', urspr. wohl ,8chnell'. 

Ablautsreihen. Stellt man die zu einer und derselben 
Basis gehörigen Worte mit verschiedenen Ablautsstufen syste- 
matisch zusammen, so repräsentieren uns die darin vorkommenden 
ablautenden Yokale eine mehr oder weniger vollständige Ablauts- 
reihe. Die Grundlage einer solchen Reihe bildet der Yokal der 
normalen betonten YoUstufe, die in den meisten Fällen die «-Stufe 
enthält. Doch können es auch andere Yokale sein. Berücksichtigt 
man gleichzeitig den quantitativen und qualitativen Ablaut 
mit den entsprechenden Dehnstufen, so erhält man sechs Haupt- 



174 

reihen, weil die Funktion des e in der Vollstofe (V) auch von 
den Vokalen O; a^ dann von ^, ö, ä übernommen werden kann. 
Würde nur der qualitative berücksichtigt, wie man es gewöhnlich 
früher tat, so müßte diese Zahl reduziert werden, denn zu der 
normalen Vollstufe o (ö) könnte man doch keine Ablautstufe mit 
(V% die wieder o {ö) enthalten müßte, ansetzen. Ein Unter- 
schied könnte sich nur in Akzentverbältnissen äußern, falls die 
Theorie richtig wäre, daß die o-Stufe durch Akzentverhältnisse 
entstanden ist, was allerdings nicht eine ausgemachte Sache ist. 
Außerdem ist der qualitative Ablaut a : o und ä : ö noch strittig. 

Zu allen den erwähnten Vokalen kann noch ein diphthongi- 
sches Element hinzutreten, nämlich ein i, u, r, l, m, n, so daß 
jede der sechs Reihen gleich viele Unterabteilungen haben kann. 
Berücksichtigt man nur einzelne Sprachen, so kann man in der 
Regel alle diese Reihen mit ihren Unterabteilungen nicht belegen. 
So gilt es auch vom Slav. Für die auch in anderen Sprachen am 
meisten vertretene e-Reihe mit ihren Variationen haben wir schon 
oben zahlreiche Belege beigebracht Hier wollen wir noch ein- 
zelne Belege für einige der übrigen Reihen anführen. 

o-Reihe: Basis onokhigh ,Nagel, Kralle^ V II aksl. noga 
fFußS noffvtt ,NagelS lit nägas ,ElaueS nagä ,Huf , ahd. nagal, 
aL nakhdm n. ,Nagel, Kralle^ V I gr. ow^ (für *onk8 nach *vv^ 
x6g)j lat. unguis, ai. düghris ,Fuß'. 

a-Reihe: als au in aksL suchh ,trockenS lit. saüsas, gr. avog, 
R(S) aksl. Shchnqti ,trocken werden', s^chlb ,sermenta', vgl. ai. 
süfyati, auf slav. Boden entstandene Dehnung im Iter. -sychatü 

^-Reihe: Basis dhs ,setzen, tun^ V I: aksl. dijq ,legeS di4o 
,Werk', lit. dÄt ,legenS gr. Ti-&i]»^i, d-iq-atOj V°: gr. ^wftog, R: 
aL hitäa, S: aksl. dezdq ,setze, lege' aus der reduplizierten Form 
^de^-jq (vgl auch nchdezda yHoffnung' aus *nadedja), vgl. ai. 
1. P. PI dordhmda, 

d-Reihe: Basis dö ,geben', aksl. da-it, da-m ,vectigal', da-ti 
,geben', da-rb, gr. ötj-QOv, lit dü'tis ,Gabe', dü'ti ,geben', lat. dös, 
dönutn, gr. Sciaw, R. lat datus. 

ö-Reihe: Basis {8)tai, die V ist erhalten in aksl. taj insge- 
heim', tajiti ,hehlen' und in aksl. ta4b ,Dieb' (mit Ausfall des i 
in einem Langdiphthong vor einem Kons., tchtt wäre ursprüng- 
lich ein Abstraktum, vgL da4t), ai. tayüf, dor. Täraofiai ^ch er- 
mangele', R ai. Stands ,Dieb, Räuber^. 

Verteilung der Ablautsstufen. Aus der Formenlehre 



176 

ergibt sich, daß in bestimmten Formenkategorien auch bestimmte 
Ablautsstofen mit Vorliebe wiederkehren, oder wenigstens stark 
darin yertreten sind, was natürlich Reflexe ursprachlicher Zu- 
stände sind. 

So kommt die normale Yollstufe (0-Stufe der e-Reihe) vor: 

Im Ptäs. der themat Yerbai welche der ai. I. Klasse ent- 
sprechen: gnäq yknete', pekq ,backeS tekq ,laufe, fließeS ^^^ 
^schlageS Wqf ,ftihre', vezq ,fahre', zegq ,brenne' u. s. w. Dann: 
bregq ,wahrenS vlekq ,schleiqpenS j^vq (aus *plef^) ,schiffe, 
schwimme', davq ,heißeS trowf ,Tiähre'; dann auch berq ,nehmeS 
iefkf ytreibe', ücUf (aus '^geido-) ,warte', vgl. gr. 9^^, ai. bhärati, 
lifcci, Aei/rcd, (pevyia u. s. w. 

Im Präs. mit dem Thema jo-, je-: stdjq ,breite aus', stenjq 
,seu&e', Uepljq (anstoßen) ,andeutenS teiq yzimmere', femer htjq 
aus *beio ,schlage', ptjq (aus *peio) ytrinke'; mdjq, mlHi ,mahlen'. 

Häufig auch beim sigmat Aor. belegt: otvreste, wohl auch 
in gbtn^^, prop^, nad^s^ ygl. gr. edei^a. 

Bei den Nomina mit dem SuflSx -men-: krement {kremy) 
^silez', pletn^ ,genus, tribus', brem^ ,Lasf (aus •ier-mew-), vrem^ 
,Zeitf (aus ^veri-men), dhn^ ,Balken', j^^^Mty, j^Stmenh ,hordeum'; 
Tgl. gr. OTtigfia, g>iQfia^ äfia, nvevfia, ard&tjfiay lat germen. 

Ebenso bei den «a-Stämmen: nebo ,HimmelS drevo (aus *dervo) 
yBaum, HolzS slavo (aus *«fojfo-) ,Wort*; drevo ,venter', öelo (^öelese, 
vgl. Selesmb); vgl. gr. v£q>og (nebo) jGewölk*, yXifog (slavo), fivog, 
lat. genus; fhog, lat vetus; zeixog. 

Die Schwund-, bez. Reduktionsstufe finden wir: im 
präsentischen Stamme der themat Yerba 

1) wenn ursprachlich das Thema i, 6 betont war: aksl. cvUq 
,blähe', &Uq ,8ammle, lese', s^pq (suti) ,spargere', im Ai. ist es die 
VI. Klasse. 

2) wenn die Basis ursprünglich ein ere, ele, eme, ene enthielt 
(hier handelte es sich wohl in den meisten Fällen um eine balt- 
slav. Erscheinung): önpq ,schöpfeS -ärnq (na-6tnq ,werde an- 
fangen', dhbq ,scalpo', ^jhmq woraus imq, j^i ,Tiehmen'; mmq 
^drücke', m^rq ,sterbe', plhzq ,krieche', phnq ,spanne', phrq, priti 
^stützen', sttrq, strüi, pro-striti ,ausbreiten, streuen', thkq ,schlage', 
tbrq ,reibe', vngq ,werfe', vrtzq (cristi) ,binden', vrhduf ,dre8chen', 
vhrq, vrUij za-vräi ,claudere', zwnq ,drücken', zt^q, zräi ,sacri- 
ficare'. 

Hierher gehörte wohl auch etnjq, z^i ,mähen, ernten'. 



176 

Im einfachen oder starken Aor., wenn er von den eben 
erwähnten Verben im Gebrauche ist: vrtgfhf otvrtah, viskrbsb, 
naörbp^ (na-fy^pe, vgl. auch 3. P. Sg. ottre). 

Im Präs. der Yerba der III. Klasse 2. Gruppe: blh^ s^ 
püteoS &^^ ,wacheS drtzq ^halteS Itpljq ^haereo^, mlhdq ,taceoS 
tmdq Jacto', tnibnjq ,putoS phrjq, ,contendoS svbätq s^ feuchte', 
s^pljq ,donnio', trhpljq ,perferoS vrtsiq ^drcumago', zhrj^f ^specto^ 

Im Infinitivstamm der Yerba der V. Klasse 3. Gruppe, falls 
ein er, d, en, em ursprünglich vorlag: bbrati gammeln, nehmen^, 
dhrati ,reißen, schinden^ ptrati ,treten', ffmati ,treiben* ; 

bei einigen der V. Klasse 2. Gruppe: szlati (aber auch im 
Präs. 8^lj(f\ stblati (stdjq) ^streuen, ausbreiten', l^gati ,lügen' (auch 
l^eq), phsati (püq) ,schreiben^ Vor dem -^E- der ursprünglichen 
Verba erwarten wir hier überhaupt die Reduktionsstufe, da zwei- 
silbige schwere Basen zu Grunde lagen; bei ihnen war das ä 
betont 

Häufig auch bei den Verben der II. Klasse (-no-, -ne-): 
blhsnqti, blhsnq ,erglänzen<, dnznqti ,sich erkühnen^ d^d^fkfti 
,hauchen', ghnqti, gb-gfhtu^i (gib-) ,fjEdten, biegen', mhknqti ,ver- 
stummen', mrtJcnqti ,8ich verfinstern', mhgnqti ,nicken', osUnqti 
,erblinden', phchnqti ,calcitrare', pitznqti ^abi', Ühknqti ,klopfen^, 
trb(p)nqti ,obtorpere', tbknqti »figere', tbSfkfU 8^ ,festinare', tn^skrh- 
snqti ,aufer8tehen'. Auch -nbznqti ,fodere'. 

Bei den Substantiven sind insbesondere die i-Stämme an- 
zuführen. Weniger zahlreich ist die o- und e-Stufe, die im Slav. 
bedeutend eingeschränkt wurde (wir haben hier: pqth yWeg', gasth 
,GastS gospodh ,Herr', visth ,Kunde, Gerüche, -konh jAnfang' in 
iS'koni, aber r. po-kom). 

Hierher gehört: drhvb ,Wurm', prbsi Plur. ,pectus', sktT^bh 
,Kummer', tvrtdb ,Feste', vhSh ,Dorf , zhlb ,Bosheit'. 

Zahlreicher sind die mit dem Suffix -tb gebildeten t-Stänune: 
cbstb ,Ehre', grhstb ,HandvollS Ibstb ,Lisf , mbstb ,BacheS plhstb 
jPilz', pMb ,Pleisch', prbstb ,Staub*, srhstb ,pili', STr^rtdb ,Tod', 
tbstb ,socer^. 

Vgl. im Griech.: riaig, ßdaig^ niavig, xiaig^ (p^iaig. 

Einige Mal kommt hier in verschiedenen Sprachen auch die 
Dehnstufe vor: aksl. r^^b ,Rede, Worf, zvert ,bestia', vgl. gr. 
dfJQis ,Streit*, got. wig8 ,Woge'. 

Bei den urspr. adjekt ti-Stämmen: IhgbH Reicht', vgl. gr. 
iXaxt% tbmkh ,dünn' vgl. ai. tanukas, tanü$ ,ge8trecktS mrhzbkh 



177 

^purusS pltzbkb ^lubricus^, vlbj^ln ^ximidnsf q. b. w. Vgl. noch 
gr. yXvxisy %Q€trvg. 

Die o-Stufe kommt vor: 

Bei den Verben der IV. Klasse und zwar insbesondere bei 
den deverbatiyen: bradüi ,waten^y Uqdüi ^rreu^, budUi ^wecken', 
lepiti ^eben'; teäiti ^trösten' (wohl denom.), udUi ^ehren^ u. s. w. 
vgl. gr. q>OQeWf TqoTtita^ got satjan ^tzen', lat mofOre. 

Substantiva: Bei den o- und o-Stämmen sind zwar alle 
drei Stufen vertreten, überaus häufig kommt hier jedoch die o- 
Stufe vor: borh^ hrod%, gr(^f matT», mrakh {*mark(h), Üakh, zrakh; 
boj, gnoj, loj, roj; vikh, Uph, cvitb, svitb; gluchh, ukh; das betrifft 
die m. o-Stämme, bei den n. seltener: pqto, qze. 

o-Stämme: rqka, tnqka, Ufka, dqga, cpona; duia, volja, sviita. 

Über den Ablant im allgemeinen Tgl. Hirt: Der idg. Ablaut 1900, 
femer: Id. Handbuch der griech.Laat- u. Formenlehre. 1902 (8.84 — 107); 
K. Brogmann, Kurze vgl. Gramm, der idg. Spr. 1904 (8. 188^150). 
Hier findet man auch die weiteren Literaturangaben. 

Yokalassimilation (Umlaut). 

Während der Ablaut teils durch akzentuelle Einwirkungen, 
teils durch uns noch nicht bekannte Faktoren herbeigeführt wurde 
und mit seinen Anfängen in die Ursprache hinaufreicht, gibt es 
noch andere Veränderungen der Vokale, die einzelsprachlich sind 
und die wir durch die gegenseitige Einvnrkung der Vokale in 
benachbarten Silben erklären müssen. 

Eine solche Beeinflussung eines Vokals durch einen anderen 
in der nächsten Silbe können vrir im Slav. überaus häufig beob- 
achten. Eine Art haben wir schon oben S. löO kennen gelernt 
z. B. in 175 teb^ st irh tebi ^ dir'; dagegen hma, tbtny st twna, 
thmy wegen des a, y der nächsten Silbe. So auch im aksl. thnikb 
neben iMiilcb ,dünn^, letzteres war ursprünglich, doch setzt das 
r. tonhij eben£Edls den Umlaut, also ein tMVbkb voraus; vgL auch 
hbzdrh neben hwärh (fyf4rb) ,wachsam^ Daß es auch ein weicher 
Konsonant sein kann, der dieselbe Wirkung wie ein weicher 
Vokal hervorbringt, vgl. vb njq st v^ njq ^ eam', ist oben auch 
erwähnt worden. 

Diese Art der Vokalassimilation beschränkte sich auf gewisse 
bulg. Dialekte, aber einzelne Beispiele finden wir auch in den 
anderen slav. Sprachen, insbes. im R 

Eine andere Art ist der Übergang des o in e vor e und ^ 

VoBdrftk, Vgl. iUt. Gxamm. I. 12 



178 

(vgl. S. 87). Hierher gehört noch aksL stepem ,Stufe* gegen 
stopa ySpur', im P. stapa und stopieA, b. stupen (wohl Anlehnung 
an stüpati, aksl. stqpati ^teigen^. 

Über den Übergang des y in i vor weichen Silben vgl. S. 28. 

Analoge Erscheinungen finden wir auch in anderen Sprachen. 
Am meisten verwandt mit unserem Prozesse ist der Umlaut im 
Ahd., der auch als ein Assimilationsprozeß aufzufassen ist: gast, 
PI. gesti, got brannjan, ahd. brennen. Vgl. auch lat bene gegen 
bonus» 

Aber nicht immer haben wir es mit einer Assimilation zu tun, wo 
es sich um den Wechsel zwischen o und e handelt. Dieser Wechsel war 
mitunter schon ursprachlich und kann in solchen Fällen als Ablaut auf- 
gefaBt werden. So kommt neben dem Suffix -«ro- (z.B. oetven ^viererlei*) 
auch oro vor: cetvon, vgl. z. B. cetvorteej'q im Mar. Luc. 19. 8; neben 
toro auch tero z. B. aksl. koteryj neben hotoryj u. s. w. (siehe in der 
Stammbildungslehre bei diesen Suffixen). Dagegen könnte nuUon, und 
matorUi älter sein, aus dem letzteren konnte maUrUi ,alt werden* auf 
die uns bekannte Weise entstehen und unter dem Einflüsse dieses Ter- 
bums wäre auch ein mat9rz ,alt' aufgetaucht. Slov. mat^r ,bejahrt, alt*, 
mai^ren, tnator^ti ,alt werden*, mit o auch Luc. 1. 7 im Zogr. Mar. Assem. 
und Luc. 2. 36 im Mar. und Ass., dagegen im Zogr. (u. Ostr.) an letzterer 
Stelle zamaUrUi (vgl. auch do atarotti materbitva Psalt. sin. 70. 18), B. 
auch matereh neben matoreib ,hart werden'. Der Wechsel zwischen Uro 
und toro, der urspraohlich war, hat dann wie es scheint weiter um sich 
gegriffen: so haben wir im iksL kotora neben kotera ,Streit* (nach Uhlen- 
beck urverwandt mit mhd, hador). Weiter müssen wir auch ein *pa9Ura 
und pastoro .Stieftochter* ansetzen, woraus paaUr^ka und pattor^ka. Aus- 
zugehen ist von *pa-d{zi)kUr'ä (vgl. aksl. dbiti ,Tochter' aus *dukte), k 
fiel aus (so wie in Üsto ,Teig^ aus tiakto vgl. unten bei k), ein *padiera 
ergab dann *paatera, wozu auch noch *paatora. Daraus dann ein paater^ka 
und dazu auch paater^k^ ,Stiefsohn*. Diese Formen kommen noch im 
Sloven. vor: pdaterka, pdaUr9k, auch pdaterkinja, paaterkovdti ,Stiefsohn 
oder Stieftochter sein oder als solche behandelt werden*. Dagegen fUhrte 
*paatora zu paator^ka, daher b. paatorka und paaiorak und auch im Sloven. 
neben dem erwähnten paaUr9k jetzt meist paatorka, päator^k. 

Andere Arten der Assimilation finden wir dann später einzel- 
sprachlich, wobei zumeist auch Akzentverhältnisse maßgebend 
waren, z. B. aus dem Urslav. dobrajego, das auch noch im Aksl. 
vorkommt, wurde dobraago, dobrago, aus dobrujemu wurde d(h 
bruumu, aus dobre(j)emb ein dc^Umt, dobrejamt, dobriamt. 
Analog auch bei den Verbis der V. Klasse 1. Gruppe und bei 
jenen der VI. 10. z. B. aus podobajet^ wurde podobaatb; aus 
radujetb konnte auch raduutb (Mar.) werden u. s. w. Wie man 



179 

sieht, wird der folgende Vokal an den vorhergehenden assimi- 
liert, so daß er mit ihm identisch wird; das ist also eigentlich 
eine andere Art der Assimilation, als die fiiiher besprochene. 

Kontraktion. 

In den so assimilierten Formen trat dann im Aksl. und sonst 
auch in anderen slav. Sprachen eine Kontraktion ein: so wurde 
aus dobraago ein dobrago, aus dobruumu ein ddbrumu, aus do- 
hreemt ein dobremt u. s. w. Ebenso aus otveiiavoMsi (aus -vajeii, 
-vaeÜ) ein otv^avasi u. s. w. Das sind also alles einzelsprach- 
liche Erscheinungen, die hier nicht weiter in Betracht kommen 
können. Eine ursprachliche Eontraktion liegt dagegen vor in 
aksl. nüt^ ,non esf (vgl. oben S. 168). 

Hiatus. 

Der Hiatus kann nur in Eigenbildungen einer Sprache in 
Betracht kommen, denn in Bildungen, die aus der Ursprache 
stammen, bestand er nicht. Die Mittel, die man zu seiner Auf- 
hebung in Anwendung brachte, waren übrigens auch ursprachlich. 

Schon in der ursprachl. Periode stand einem vorkonsonanti- 
schen ü (slav. y) vor Vokalen ein u^ (slav. ^v), einem vorkon- 
sonantischen i (slav. t) vor Vokalen ii oder ei (slav. ij oder bj) 
zur Seite, z. B. aL svairü-f, aksL wekry ,Schwiegermutter', Gten« 
Sg. ai. svasrüV'OS, aksl. avekr^-e, femer zu kry Gen. krwe ßhii^, 
aksl. plyti (pluti) ,schwimmen, fließen', Präs. plav<f (aus ^pleuo-); 
weiter ai. napti^ ,weiblicher Abkömmling', gr. xig ,Eomwurm', 
Oen. ai. napUytxs, gr. ynog aus yußog; Ut. vßi ,winden, drehen', 
slav. vüi, gr. heö ,WeideS lat vUis, ahd. tcida ,Weide' gegen ai. 
vdyami 4ch webe', lit. veju, aksl. vtjq, vijq ,ich drehe, winde'. 

Wenn daher in spezifisch slav. Bildungen ein y (aus ü) oder 
ein i (aus f) vor einen Vokal trat, so ist es begreiflich, daß sich 
auch hier im ersteren Falle ein hiatustilgendes v, im zweiten ein 
j einstellen konnte. So kann vielleicht schon eine spezifisch slav. 
Bildung vorliegen im Part Prät. pass. za-bhvem zu za-hyti ,ver- 
gessen', sb-krtvem zu sz-kryti ,verbergen', o-rmvem zu o-myti ,ab- 
waschen'; vgl. auch htjem zu biti ,schlagen'. Spezifisch slavisch 
sind die allerdings auf einem älteren Prinzip beruhenden Iterativa 
auf 'Oti. Nach einem ü (slav. y) mußte sich nach dem Früheren 
«in tj einstellen: zu *müti (aksL myti) ,waschen' daher ein ^müvöti, 

12* 



180 

akd. myvati, ebenso zu *bati, aksL byti ,sein, werden' ein *baväti, 
akd. bifvati. So auch p<hkrywxti ^bedeckenS po-hfvixti ^mov^re 
Caput' u. 8. w. 

Dagegen bommt zu büi ^schlagen' ein Mjati vor. Aus den 
Iterativen wie po-hnfvati, umyvati u. s. w. wurde aber das Suffix 
-vati abstrahiert und dann auch dort angewendet, wo wir ein j 
ausschließlich erwarten: neben bijati haben wir ein -Mvati; neben 
B^jati ^n' ein a^vati (Tgl. F. Sommer, IF. 11, S. 203 und 
Lorentz, EZ. 37, S. 332). Diese Abstrahierung von derartigen 
Suffixen ging dann bei der Bildung der Iterativa in den einzelnen 
slav. Sprachen weiter, vgl. die r. Iterativa auf -yvott wie zapi^ 
syvatt ,notierenS propavedyvtxtt ,predigen', vygljddytxxtb ,herau8- 
schauen' u. s. w. 

Ursprünglich war also die Verteilung des hiatustilgenden j 
und V abhängig von dem ersten Yokal, sofern es nämlich ein % 
oder ü (y) war, weil es sich organisch aus einem i oder ü schon 
ursprachlich entwickelt hat Die hier auf diese Art gewonnenen 
hiatustilgenden Laute traten dann auch zwischen anderen Vokalen 
auf. Wir würden erwarten, daß bei der Wahl, ob j oder v ein- 
treten solle, die größere oder kleinere Verwandtschaft des ersten 
Vokals zu • oder u entscheidend sein sollte. Das triffl; indessen 
nur teilweise zu, weil sich ja vielfach Analogiebildungen und Ver- 
allgemeinerungen, wie wir es schon sahen, geltend machten. Bei 
a war eigentlich keine Grenze gegeben, didier dajati und davati 
,geben'. Bei o würden wir eher ein v erwarten, die Fälle, die in 
Betracht kämen, sind indessen äußerst selten. So haben wir 
rqfcw)^t ,manipulus' neben rqk<hj^, letzteres offenbar unter dem 
Einflüsse des Inf. j^i ,ergreifen, nehmen'. 

Es gibt Falle, in denen im Slav. der Hiatus durch bestimmte 
Lautgesetze herbeigeführt wurde: z. B. aksl. krai ,Band' aus 
*krajo8, *kraft, weil jt lautgesetzlich zu • wurde. Später wurde 
er in diesen Fällen dadurch beseitigt, daß das i zu ; geworden 
ist: kraj. Wann das der Fall war, läßt sich nicht genau ermit- 
teln, da die ältesten aksl. Denkmäler dafür keine Handhabe 
bieten (sie schreiben kein j), doch kann man mit einer gewissen 
Wahrscheinlichkeit annehmen, daß es frühzeitig der Fall war und 
80 schreiben wir meist kraj u. s. w. 

Yokalischer Anlaut (Prothese). 
Da im ürslav. kein Wort auf einen Konsonanten ausgehen 



181 

konnte, so mußte in zusammenhängender fiede bei einem nach- 
folgenden vokalisch anlautenden Worte ein EBatus entstehen, der 
womöglich gemieden wurde, wie wir eben gesehen haben. Daher 
finden wir Spuren selbst noch in den aksl. Denkmälern, dafi der 
Tokalische Anlaut im Satze ab und zu gemieden wird und zwar 
selbst auch bei W<»rten, bei denen er sonst in anderen Stellungen 
erhalten bleibt So z. B. da jaite st da oHe im Mar. Joh. 9, 22; 
j€9% jaHe im Supr. 361, 29, sonst nur oHe ,wenn'. 

Die einzelnen Worte mit ursprQnglich vokal. Anlaut konnten 
dann selbständig in jener Form gebraucht werden, die sie in der 
zusammenhängenden Rede nach einem Vokale erhalten hatten, 
d. h. mit aufgehobenem vokalischen Anlaut Im Wortinnem 
wurde, wie wir sahen, zur Vermeidung des Hiatus ein j und v 
verwendet, wobei ursprünglich der erste Vokal maßgebend war 
und zwar gilt es speziell von i und ü (y). Im Wortinnem waren 
aber diese Verhältnisse konstant, während in zusanmienhängender 
Bede verschiedene Vokale vor ein bestimmtes vokalisch anlauten- 
des Wort treten konnten. Wir können daher theoretisch voraus- 
setzen, daß ein solches Wort bald ein j bald ein v bekommen 
konnte. Bleibend war hier nur der anlautende Vokal und bei 
der Festsetzung des prothetischen Konsonanten wird jeden&lls die 
Qualität der betreffenden Vokale maßgebend gewesen sein, d. h. 
es entschied hier die lautphysiologische Verwandtschaft, wenn auch 
hie und da Schwankungen bemerkt werden können. So kam bei 
und II vor allem auch der gerundete Laut %^, aus dem v werden 
konnte, auf, bei i und e der verengte palatale Laut i, der zu / 
führte. Auf diese Art ist die Prothese eine Art Sandhierschein- 
ung, bei der dieselben Faktoren wirirten, welche wir auch bei der 
Aufhebung des Hiatus im Wortinnem konstatieren konnten. Nur 
waren im letzteren Falle die zusammentreffenden Vokale im selben 
Worte natüriich konstant, während bei der Prothese nur der an- 
lautende Vokal immer derselbe war. 

Daß die Gestaltung des Wortes im Satze auch auf seine 
Form außerhalb des Satzes von Einfluß sein kann, dafür haben 
wir ganz sichere Belege wie aksl. nidro ,Schoß' aus rMi Mri ^ 
Schöße« (vgl. oben S. 64). 

Selbstverständlich gab es noch andere PriLpositionen die mit 
dem Subetantivum in Verbindung tmten, daranter war nur eine i 

einzige, die für die weitere Form des Wortes maßgebend wurde. ! 

Man kann jedoch nicht annehmen, daß die angegebenen ! 



182 

Sandhierscheinungen die ausschließliche Quelle der Prothese waren. 
Es gab Worte, die häufig im absoluten Anlaut vorkamen und 
doch entwickelte sich bei ihnen die Prothese. Sie mag bei einigen 
Vokalen auch dadurch zu Stande gekommen sein, daß der Ex- 
spirationsstrom noch vor der genauen Artikulation der betreffenden 
Vokale herauskam. So konnte z. B. insbesondere vor a und u 
ein h aufkommen, wie wir es in den modenien slav. Dialekten 
nicht selten antreffen. 

Was die einzelnen Vokale mit der bei ihnen vorkommenden 
Prothese anbelangt, so läßt sich darüber folgendes sagen : 

Vor a taucht im Aksl. ein j auf: jagn^ neben agnq, <ignhct 
,agnus^ Ebenso auch bei a aus ö: aksl. jagoda ,Beere', vgl. lit 
ü'ga yBeere', lett öga. Dort, wo es auf ein ^ zurückgeht, war es 
lautgesetzlidi und wenn darneben auch Formen ohne j auftreten, 
so rühren sie aus Dialekten, wo es geschwunden war: aksl. jamt^ 
jcufti ,essen', lit. imi ,fresse' aus imd neben edmi, idu; jazh fig& 
aus *Szb izb statt *ezb, die Dehnung unter dem Einflüsse von ty 
aus *tä. Wenn dagegen eingewendet wird, daß in den ältesten 
aksl. Denkmälern gerade cugh vorwiegt, so muß bemerkt werden, 
daß aksl. nicht immer so viel ist als urslav. Einzelsprachlich 
taucht aber doch auch v auf: aus einem ursprachl. *^b- vgl. gr. 
ijidv^ arg. wurde im Slav. *äriß, akEi.ja'je ,Ei', b. aber veße aus 
iHij-ce (im P. auch noch jaje, jajko). Hierher wird man aber 
kaum das in einigen slav. Sprachen vorkommende vatra ,Feuer, 
Herds das dem avest atar ,Peuer', arm. aird «verbrennen' (hier 
wurde t zwischen Vokalen zu «) entsprechen soll, rechnen können. 
Im Brum. haben wir fxxtr§ ,Feuer', alban. f>atr§ ^ocus, fundus, 
domus^ Da das Wort in jenen slav. Sprachen vorkommt (s. 
slovak. p. klr.), die mit den Rumänen in Berührung waren, so 
ist es wahrscheinlich aus dem Rumänischen entlehnt Dafür 
scheint auch der Umstand zu sprechen, daß es im Aksl. noch 
nicht vorkommt 

Später taucht im B. dialektisch auch h auf: hapatyka ,Apo- 
theke', hole für aU ,abe]:^, Aas für oi ,bi8< u. s. w.; p. dial. hole, 
hadatn, khr. haiun, harmata. 

Bei e entwickelte sich regelrecht ein j: jesmt, jesth ,bin, bisf, 
vgl. lit esmi; ^i, ai. dsmi, lat est; aksl. jezt aus *J€zjo ,IgeP, 



1. Man setzt auch ein ^ö^op- an gr. cä/ior, lat. övum^ für das Slat. 
kann aber ein solcher Ansatz nicht gelten. 



183 

lit ezys, gr. exivog^ ahd. igü; aksl. jda ,Tanne', p. jodla, preufi. 
addU, lit Sgle aus erffe'; aksl. jeten* ,Hir8ch', r. oUm, lit Anw, 
gr. iXkoq. Freilich scheint im AksL das j schon vielfsu^h wieder 
geschwunden zu sein, wenn es überhaupt schon in solchen Fallen 
früher allgemein eingeführt war. 

Nur vereinzelt taucht auch v auf: aksl. veprt ,aper^, ahd. 3mr, 
lat aper (im Anlaut a st des erwarteten e). 

Vereinzelt auch im B. (dial.) A; herb ,Wappen^ (»Erbe'), Heva 
für Eva. 

Bei i bleibt sich das Aksl. konsequent: es wird nur • im 
Anlaut geschrieben und man kann nicht aus dieser Graphik er- 
sehen, wo i und wo /» zu lesen ist Allerdings scheint es, daS 
selbst auch ein etymologisch berechtigtes ji im Anlaut zu t ge- 
worden ist (vgl. auch das • aus jV im Anlaute und zwar schon 
im Urslav.). Dieser Reflex zeigt sich noch in einzelnen slay. 
Sprachen. So haben wir z. B. im Aksl. im yalius', s. ini, r. inoj, 
p. iny (alt) tnny; schriftb. jiny; aksl. iva ,salix', b. jtva, p. iwa 
,SahlweideS lit yva^ preuß. inwis ,Eibe', ahd. iu>a dass. Im Ab. 
finden wir in einigen Denkmälern auch hi st i ,e\^f dial. auch 
Mca st ßva (Gebauer, I, S. 464). 

blieb in der Regel bestehen: oko ,Auge' fast in allen slav. 
Sprachen, Ut akis, b. auch oko, dialektisch aber voko, os. voko, 
ns. voko und hoko, polab. väk'ü; aksl. ognt ,Feuer', lit ugnis, b. 
oheä, diaL auch hoheü (schon im Ab. belegt. Gebauer, ib.), os. 
voheA, ns. vogeA, hogeA, hogiko, polab. vügin, vügün. Das h noch 
p. dial. horzech, klr. hoHch ,Nuß', slov. (Jaunthalerdialekt) horeh, 
hoister, res. hoüar, höpca. 

Seltener ist das v hier schon im Urslav., vgl. aksl. und ge- 
meinslav. vonja ,odoi^, gegen gr. ävefio^y lat animus, got anan, 
dagegen aksl. qchati ,riechen', slov. aber vdh, vohati, p. w^ ,G«- 
ruch, Spur*, wqcha6. 

V muß aber doch auch frühzeitig hier aufgetreten sein, denn 
so können wir uns aus diesem Schwanken zwischen vo- und o- 
am besten den Abfall des etymologisch berechtigten v im Anlaut 
erklären: aksl. slov. bg. osa ,WespeS p. oga, b. vosa, vgl. lit. 
papsä ,BremseS ^^d. tvefsa, lat vespa. 

Das u behauptete sich: umz, uditi gegen vyknqti, lA-hogh 
jpauper', vgl. das au- in lat. au-fero, preuß. au ,weg, ab'; aksl. 
ucho yOhr', preuß. ausins Akk. PL, lit ausis, got ausö, lat aurts. 
Ja es wurde infolge der Schwankungen das j auch mitunter dort 



184 

beseitigt, wo es ursprünglich war: aksl. uze ^hon', ne u ,noch 
nicht' neben juze, slov. uze, u&e, ure, b. juz, jiz, dial. uz, os. huz, 
hizo, hizam, ns. juz, ßdo, huz, huzo, lit jaü ^hon^ jaü-gi dass., 
got ju; aksl. jucha, b. ßcha, r. aber ucha ^leischsuppe', vgl. lit 
piszä, lat ßl8, ai. yo^am. In b. Dial. wieder häi:^g h: hueho 
jOhr^j hulica ^OaaseS hudÜd st ud&d ,wird machen' u. s. w. (vgl. 
bei Gtebauer, 1. c). Das gilt natürlich auch von u ans q; ebenso 
p. dial. hucMyö, klr. hudio. 

Andererseits bemerkt man einzelsprachlich, daß anlautendes 
u za ju wird: r. judih, judölie ,Tal' neben uddlie, aksl. qdoh, 
b. üdoli; r. jurödim/j ^närrisch', aksl. (^rod^. 

Bei ^ finden wir wie bei e ein j, dieses ist hier aber aus- 
schließUch: aksl. j^i, imq ^ergreifen, nehmen', vgl. Kt imü, imti, 
imiaü ^nehmen'; aksl. ^^ro ,Leber^, slov. s. jetra, h. jdtra, vgl. 
gr. ivTe((ov, ai. anträm ^Eingeweide'; aksL j^H ,Znnge', preuß. 
insuune (lit l&tüvis für *fzuvi8, beeinflußt von leziü ,lecke'); aksl. 
j^a ^morbus', vgl. lit Sgiu ,ich tue etwas mühsam und schwer- 
fällig', nu-Mcti ,abquälen', ingia ,Faullenzer'. 

Miklosich brachte aksl. v^sati ,binden' u. s. w. mit qz^ 
,eng' in Zusammenhang imd leitete es von einer Wurzel enz (en§h) 
ab, wobei ein prothetisches v anzunehmen wäre (Etym. Wtb. 
S. 56—67). Auch Pedersen nimmt hier ein prothetisches v an 
(KZ. 38, S. 311), allein man kann t^gati und qzzkb nicht mit 
einander verbinden. Beim ersteren ist das v etymologisch, vgl. 
lit vyiti vyzinas ,Bundschuhe flechten', vyzä ,Ba8tschuh' (aus vinz 
und dieses aus *^iß); femer b. vaz ,Nacken', slovak. vazy ,(7enick', 
klr. vjazy (aus *v^z^) ist offenbar identisch mit preuß. wimus 
,Hals', nur zeigt letzteres eine andere Stufe: y^isa, wie das lit 
V^ bedeutet also die Verbindung des Kopfes mit dem Rumpfe. 

Bei q haben wir im Aksl. zwar äußerst selten ein v, aber 
wir finden es in den einzelnen slav. Sprachen so häufig, daß wir 
nicht daran zweifeln können, daß es hier schon im ürslav. auf- 
getaucht ist Dameben kommt aber auch g vor: sloven. voz 
yanguis', dameben auch g^z, poln. u>c^, kaä. voz ,nicht giftige 
Schlange', os. huz, ns. huz, vuz, huzenc ,Wurm', klr. uz, vui, 
weißr. vuz, r. uz, uzaka, preuß. angü ,Schlange', lit angis dass., 
dazu auch aksl. qgorütb ,Aal', slov. pgar, vugar, p. w^gorz, os. 
vuha^, ns. hugar, vugar, preuß. angurgis ,Aal', lit ungurys, lat 
anguüla dass.; aksl. qgh ,Kohle', slov. vogd, voglen, bg. pglen, 
v^glen, vbgliüa, p. un^giel, wqgl, ns. nugd (das n auch beim fol- 



185 

genden Worte), lit. anglia; aksl. qgh ^Winkel^ s. ugal, nugao, 
b. ihd, p. w^giei, os. nuhel, ns. nugd, Ur. tshal, vuhal, lat angu- 
lus; aksl. qzhkb ^eng^, p. toqzki. 

Mit r: ^j^'n« and vqgrim ,üngani8^, slov. voger, vogrin, p. 

Vgl. auch aksL (jkAo^i ^riechen' gegen vanja ,odor', slov. voh 
n. 8. V. (S. 183). 

Das Schwanken zwischen q und i^ hatte es, wie auch Pe- 
dersen richtig bemerkt (KZ. 38, S. 312), mit sich gebracht, daß 
das V dort schwand, wo es etymologisch war: aksl. qs^ ,barbaS 
roBS. un, dagegen slov. vos, bg. tna, b. rou8, p. ictfs, vgl. preuß. 
wanso ,BartS air. fes ,Bart^ Hierher auch aksl. qsinica ,erucaS 
eig. /las behaarte Tiei^, dameben aber auch g, wie schon oben 
bei goi: gifginiea, slov. vo9^iea, go8?nica, p. wqsienica neben 
gqsienica, ab. hüsSnieS, jetzt housenka. 

In aksl. Vf4^ ,BandS ^t^q^ u. s. w. ist kein v vorgesetzt, es 
ist hier vielmehr etymologisch (vgl. oben bei v^zati) und ist ab 
und zu angegeben worden (also wie bei aksl. qs^, p. wqs u. s. w.): 
fuhqzb ,amuletam', sb-qzb, azq neben vqza ,BandS qd^ neben 
vqdz ,Enoten', qze neben txfze ,Strick^ 

Auch hier taucht g auf: gqevica ,vimenS sloven. gcz ,Biemen', 
8. guiva ,vimen, Flechte aus schlanken B.eisemS b. houzev, p. 
gqhpa lederne Kappe am DreschäegeP (alles das zu v^). 

Da hier schon in sehr alter Zeit g als prothetischer Kon- 
sonant auftritt, so könnte gefragt werden, ob das im B. verhält- 
nismäßig häufig in dieser Funktion auftretende h nicht auch auf 
ein älteres g zurückgehe (im R ist aus g überhaupt h geworden). 
Diese Frage muß verneint werden, denn wir haben das h in 
dieser Funktion auch in anderen Sprachen gefunden, in denen 
aus g nicht ein h geworden ist (P. Slov.). Nur dort wo es vor 
einem urslav. q auftaucht, geht es aiif ein älteres g zurück. Sonst 
ist das h vor anderen Vokalen in dieser Funktion viel jünger, es 
reicht nicht ins ürslav. hinauf wie g. 

Was das g selbst anbelangt, so taucht es als prothetischer 
Konsonant nur vor einem q auf, was beachtet werden muß, denn 
daraus ersehen wir, daß nur der dumpfe Nasal das volare g in 
solchen Fällen hervorrufen konnte. 

Dieser Wechsel zwischen g und v im Anlaut (^<{«lntca, p. wqn&niea 
u. s. w.) erinnert uns an eine Erscheinung, die wir im B. vorfinden: 
statt des urslav. g finden wir im Gen. Sg. m. n. der pronominalen und 



186 

zusammengesetzten Deklination ein v : tavo, kavo, adnato^ dntgova, dobrava, 
80 finden wir es in den Moskauer und nordgroBr. Denkm. schon im 
XY. Jbd., z. B. veiikovo Novagoroda (1432). Aber man kann hier doch 
nicht einen direkten Zusammenhang zwischen dem g und v annehmen. 
Da die großr. Dial. Formen wie choroioho, dobroho^ coho kannten und 
zum Teile noch kennen und da hier das h schwinden konnte (man findet 
Belege wie koMdo = koüdoo ans kiMoko, kMogo, edinogo koido im Denk- 
mal des XIV. Jhd.), so wird man sich doch fflr jene Erklärung entschei- 
den können, die von solchen Formen ausgeht und darin dann das v sich 
entwickeln l&ßt (vgl. Sobolevskij, 8. 124-125). Daß auch im Wort- 
innern zwischen zwei Vokalen ein v aufkommen kann, ist eine bekannte 
Tatsache. So haben wir ikel. paqk^ ,8pinne', Skb.paük, dial. mähr, eben- 
falls noch pauk, dameben aber auch schon ab. pavük, jetzt pavouk, 
L. Malinowski dachte bei den r. Formen an den Einfluß der Adjektiva 
possessiva auf -ov, -ev, Gen. -ova, -eva (KBeiträge VIII, S. 366). Dieser 
Einfluß könnte nur insofern zugelassen werden, als er, nachdem es schon 
Formen wie veltkoo u. s. w. gab, daraus die Entstehung eines velikovo 
u. s. w. gefördert haben konnte. So lange es aber noch ein vßUkogo oder 
velikoho gab, ist er nicht denkbar. Zu einem fo'a, ko'a haben es auch 
schon westbulg. Dialekte gebracht. Dagegen flnden wir ein eifif auch 
im KaS.; da hier aber auch noch teg^ aus tego, jtubftögtfö aus ubogo vor- 
kommt, so nimmt man an, daß das Kai auf einem anderen Wege zu 
diesen Formen kam : die Gutturalen wären durch Labialisation zu bloßen 
Labialen geworden (P. Polanski, Die Labialisation, S. 19, 25). Doch 
sind hier auch Dialekte, in denen teho oder beinahe teo, dobreo gesprochen 
wird, so daß der Weg, den wir im Großr. betreten haben, hier jedenfalla 
auch zum Ziele füh»t (vgl. auch Baudouin de Conrtenay im Zum. 
min. nar. prosv. 1897, Mai, S. 100). Analog fuhrt man auch aus dem 
Os. coifla aus coffodia fflr cohodla^ to^a ffir tohodla an. 

Mit einem Halbvokal konnte schon im Urslav. kein Wort 
anlauten, sondern es wurde aus t ein *jt, das zu % führte (vgL 
8. 142). Aus «- wurde ein vh, das blieb, z. B. r% 4^' aus ^ (vgl. 
8. 138). 

Auch mit y konnte kein Wort anlauten, sondern es wurde 
ein V vorgesetzt: aksl. i7yfi{ra',Fischotter' gegen lit udra, gr. vdqa 
jWasserschlange' (vgl. 8. 104). 

Von e im Anlaut gilt es nur teilweise, da hier im Russ., 
wie es scheint, verhältnismäßig erst spät der vokaliscbe Anlaut 
gemieden wurde, wie auch bei e (vgl. 8 63). 

Man ersieht daraus, daß der vokalische Anlaut im allgemeinen 
nicht unter allen Umständen gemieden wurde; das galt nur von 
bestimmten Vokalen (t, ^, y und teilweise e). Erst im Laufe der 
Zeit ist es da in den einzelnen slav. 8prachen zu bestimmten 
Normen gekommen. BezügUch des R. haken wir gesehen, daß 



187 

der Yokalische Anlaut bei ^ verhältnismäßig 8pät aufgegeben 
wurde. Bei einzelnen Vokalen wurde sogar ein vokalischer An- 
laut herbeigeführt, wo er urspränglich nicht vorhanden war, so 
bei etjrmologischem ju, vq, ja. Sehr weit ging in dieser Be- 
ziehung das Bulg., wo z. B. je überhaupt zu e führte; femer 
finden wir schon in gewissen aksl. Denkmälern unter dem bg. 
Einfluß akh, aky st jakb, jaJco. 

Pedersen sah in dem Umstände, daß die Prothese nie fest 
ist (a und ja^ u und ju, o und vo, q und f^;) auch einen Beweis, 
daß sie eigentlich ein Hiatuseinschub sei (KZ. 38, S. 312). 
Diesem umstände verdankt jedoch die Prothese, wie wir sahen, 
nicht allein ihr Dasein. Von diesem Standpunkte aus ließe sich 
z. B. ein gqsinica u. s. w. überhaupt das g als Prothese wohl 
schwer erklären. Dagegen muß zugegeben werden, daß die Mehr- 
zahl der Fälle, die also ein / oder v enthalten, auf diese Weise 
zu erklären sind. 

Auslaut. 

Auch bezüglich des Auslautes muß man im allgemeinen 
dieselbe Begel, die für den Inlaut gilt, statuieren: da man näm- 
lich im Inlaute nur offene Silben duldete, so mußte es auch für 
den Auslaut gelten, d. h. es konnte kein Wort auf einen Kons, 
ausgehen. Zu dieser allgemeinen Regel muß noch bemerkt 
werden, daß auslautendes 8 und n (m) einige vorhergehende Vo- 
kale modifizierte, bevor es noch verloren ging, und zwar wurde 
'08, "On zu 'U8, -un, woraus dann einfach -« wurde. Analog 
führte -08, -ön zu -üe, -ün, woraus dann y entstanden ist 

Akzent und Quantität. 

Von dem Wortakzent, der das tonische Verhältnis einer 
Silbe im Worte im Gegensatze zu den übrigen betrifft, haben 
wir den Silbenakzent oder die Intonation zu unterscheiden. 
Diese betrifft die Tonbewegung innerhalb einer Silbe oder 
das tonische Verhältnis der Teile einer Silbe zu einander. 
Auch Silben, die nicht den Wortakzent tragen, können ihre spez. 
Int haben. Diese können wir aber am besten dann wahrnehmen, 
wenn die Silbe gleichzeitig auch den Wortakzent hat (man könnte 
dann auch von Tonqualitäten sprechen). Dazu kommt noch der 



188 

Satzakzent, bei dem es sich um das tonische Verhältnis ganzer 
Wörter im Satze zu einander handelt 

Der Wortakzent ist jetzt noch beweglich im B., teilweise 
auch im S.-kr., Slov. und Bg. (also im Südslav. überhaupt). 
Fix ist er dagegen im B., Sorb. und P. 

Hinsichtlich der Quantität, bei der die zeitliche Dauer 
der Silben in Betracht kommt, ist zu bemerken, daß es im ürslav. 
kurze und lange Silben gegeben hat. Leskien hat ange- 
nommen, daß die urslav. Vokale e, o, ^, t^ kurz, dagegen die 
urslav. Vokale a, ^, i, u, y, ^^ q, dann die Gruppen er, d, ar, 
cl, ^r, M*, ^l, ü lang waren. Zu diesem Besultate führe die 
▼ergl. Gramm. (Leskien, Unters, über Quant, u. Bei in den slar. 
Spr. I B. C. 1893). Dazu muß bemerkt werden, daß wir fürs 
ürslay. statt eines ^r, w, ü, ü ein kurzes oder langes t> l an- 
setzen müssen; ebenso auch ein iji, 9 und ffi, % (vgl. oben S. 20 
und 120). Femer fimden schon im Urdav. vielfach Verkürzungen 
statt, insbesondere im Auslaut. Die übrig bleibenden Längen 
haben nun die einzelnen slav. Sprachen verschiedenartig behan- 
delt, zum Teile sind hier auch neue Längen aus urspr. Kürzen 
entstanden. Jetzt kennen einzelne slav. Sprachen die Längen 
nicht mehr. So das R, F., wo jedoch noch ihre deutlichen 
Spuren vorhanden sind. Der Wortakzent, insbesondere aber die 
Int einer Silbe hatte auf ihre Quantität einen großen Einfluß. 
Wir müssen es lebhaft bedauern, daß sich in unseren ältesten 
aksl. Denkmälern keine graphischen Angaben bezüglich des Akz. 
und der Quantität v(Nrfinden. Das aksl. Schrifttum entstand ja 
auf Grundlage des Griech., so daß man auch hinsichtlich der 
Akzentbezeichnung der griech. Anregung bei der Fixierung der 
Schriftsprache hätte folgen können. Ahmte man ja doch manch- 
mal griechische Hiatuszeichen nach, die im Slav. wahrlich keinen 
Sinn hatten. 

£in Gebiet machte aber selbst auch in dieser Hinsicht eine Aus- 
nahme : hier folf(te man der fremden Anregung. Es war dies das Gebiet 
der pannoni sehen Slovenen. Hier wirkte noch vor der Ankunft der 
beiden Slavenapostel (von Mähren kamen sie auch hierher) die deutsche 
Geistlichkeit. Bekanntlich wendete man nun im ahd^ Schrifttum und 
zwar bald mit größerer bald mit geringerer Eonsequenz (letzteres freilich 
zumeist) ein Akzentsystem an. Es heifit, daß die Bezeichnung des Wort- 
tones durch Akzente, sowie die durchgreifende Anwendung von Akzenten 
Überhaupt erst durch Hrabanus Maurus (776 — 856) eingefnhrt worden 

^ ' -^nd » war eigentlich halbkurz, vgl. oben S. 186 und 162. 



189 

sei. Dieser gebrauchte den dem GriechiBchen entlehnten Zirkumflex 
cur Bezeichnung der Länge auf betonten wie unbetonten Vokalen, 
den Akut wendete er auf kurzen Vokalen an, um eine kurze Silbe 
als betont darzustellen (vgL Zsfdph. 10, 8. 217 und 14, S. 129 ff.). 

Spuren dieser Akzentbezeichnung finden wir auch in slav. 
Denkmälern und zwar zunächst in den Freisinger Denkm., 
deren ursprünglicher Wortlaut eben auf dem erwähnten Gebiete 
unter dem teilweisen Eänflusse des aksl. Schrifttums entstanden 
war und die in einer Abschrift aus dem X. — XL Jhd. erhalten 
sind. Auf diese Akzentbezeichnung machte ich in meiner Aus- 
gabe des Denkmals aufinerksam (Fris. pam. . . . P. 1896, S. 35 
—38). Weiter finden wir dieses System in den Kiever Blättern; 
auch sie sind wohl in ihrer urspr. Fassung auf diesem Gebiete 
entstanden (TgL Yerf. L c. S. 38 und dann insb.: >0 puvodu 
EijeYsk^ch listA u. s. w. Prag. 1904). Ihre erhaltene Abschrift 
rührt Tom südL und zwar speziell Stok. Gebiete her, so daß wir 
auch in akzentueller Hinsicht hier mehrere Schichten unter- 
scheiden können. Immerhin bleibt es neben den Freisinger 
Denkm. das älteste slav. Denkmal mit Akzent- und 
Quantitätsbezeichnung, wodurch es eine große Bedeu- 
tung für uns erlangt Darin wird die Länge auf der letzten 
Silbe mit '^, im Wortinlaut in der Regel mit ", seltener mit ^ be- 
zeichnet; der Akz. mit ', auf der letzten Silbe mit \ Mitunter 
ist im selben Worte die liLnge und gleichzeitig auch der Wort- 
akzent bezeichnet: v^äwümi m, 4; dtsttn&go Ib 17. Dieser 
umstand, wie auch die Quantitätsbezeichnungen Inokosti Ib21 — 22, 
slüztby y 3 u. s. w. zeigen uns deutlich, daß wir es hier nicht 
mit dem Reflexe der griech. Graphik zu tun haben, wie 
man auch die Sache zu erklären suchte^. 

Dafi sich sonst der Einfluß der griech. Graphik in der weiteren 
Gestaltung der Zeichen und in anderen Details zeigen konnte, ist be- 
greiflich, da ja die Abschrift auf einem Gebiete entstand, wo das Griech. 
maBgebend war, aber die urspr. Bedeutung der erw&hnten Zeichen, die 
hier noch gewahrt blieb, kann nicht griech. sein. Aus den Akzentzeichen 
der K. BL können wir mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit schliefen, 
dafi die akzentuellen unterschiede derSlov. und 8erb.Stok. sehr alt sind. 
Ais sie geschrieben wurden, scheint schon der Akz. im Stok. yerschoben 
gewesen zu sein. Bezügl. der Formenlehre und Lautlehre ist man zu 
analogen Resultaten auch schon früher gelangt. 



1. Vgl. N. E. Grunskij: Famj. i voprosy drevne-slavj. pis»m. 
T. I. 1904. 



190 

Der Usus, Akzente und Quantität zu bezeichnen, wurde von 
Pannonien auf s.-kr. Gebiet verpflanzt^ wo er teilweise auch dem 
Einflüsse der griech. Graphik unterlag. Hier behauptete er sich 
lange, ja selbst auch in alten Druckwerken finden wir diese Be- 
zeichnungen. Von hier aus verbreitete er sich dann auch in 
andere slav. Gebiete, selbst bis nach Bußland. Wenn nun auch 
das alte Material zum Studium des slav. Akzentes nicht reich- 
haltig ist, so hat sich dafür in einzelnen slav. Sprachen noch bis 
jetzt ein bewegl. Akz. erhalten, wozu auch noch die Quantität 
mitunter kommt. Es ist dies eine Tatsache, die nicht genug ge- 
würdigt werden kann. Auf diese Art können wir sogar den 
Akzent des Urslav. in den meisten Fällen rekonstruieren. Auf 
Grund solcher Vergleichungen kommen wir zum Schluß, daß das 
Urslav. einen frei bewegl. Akz. hatte und daß bei langen 
Silben verschiedene Int vorhanden waren. Daß hier aber 
schon das Walten eines speziell balt-slav. Akzentgesetzes bemerk- 
bar wäre (Fortunatov, Pedersen), können wir nicht zugeben. 

Unter den slav. Sprachen kommt zunächst das Buss. in 
Betracht Es hat nämUch den urslav. Sitz des Akz. zwar nicht 
in allen, aber doch in den meisten Fällen bewahrt. Es muß also 
bei der Bestimmung des urslav. Akz. zunächst Auskunft geben. 
Aber auch nur hinsichtlich seines ursprüngl. Sitzes. EQnsichtlich 
der Int läßt es uns im Stiche, es hat die Quantität der Silben 
und damit auch die Int verloren. Nur bei den Worten von der 
urspr. Form tort und tert (toU, teU) wurde ein Besultat erreicht, 
aus welchem wir ganz genau die urspr. Int. bestimmen können 
(vgl. gdrodz, aber voröna). 

Dann kommt zunächst das Serbokr. in Betracht. Auch 
hier ist der Beflex des Urspr. vielfach noch erhalten und zwar 
können wir aus dem S. nicht bloß in zahlreichen Fällen den 
urspr. Sitz des Akzentes, sondern auch die Int der betonten und 
zum Teile auch der unbetonten Silben erschUeßen. Wenn der r. 
Akz. mit dem aus dem S.-kr. erschlossenen übereinstimmt, können 
wir demnach sicher sein, daß wir es in einem solchen Falle auch 
mit dem urslav. Akz. zu tun haben. Freilich nicht alle Dialekte 
des S.-kr. stehen in dieser Hinsicht auf gleicher Linie. Das 
Altertümliche bewahrt hier das öakavische (das Küstengebiet 
und die dalmatinischen Inseln). Der Sitz des Akzentes ist 
in der Begel der des Urslavischen, aber die Quantitäten 
sind verändert und zwar wie folgt: war die Int. Ursprung- 



191 

lieh Bteigend (z. B. r. vorina), so wird häufig eine solche 
Silbe verkürzt, wenn sie den Wortakzent trägt, also vrana, 
Üpa, hob, hohe. Es gibt jedoch zahlreiche steigende Längen, die 
im Öak. geblieben sind. Sachmatoy meint, daß eine steigend 
betonte Länge vor einer kurzen Silbe yerkürzt wurde (in der 
südslav. Gemeinschaft) wie in hrava, Li strdza, *grddja (§tok. 
straaa, gräda) wäre dagegen die Endsilbe lang (vgl. d im Nom., 
q im AkL, ej im Gen. ap. Worte wie tcola, puszcza, zqdza, dann 
auch das ^ im Gen. Fem. im 8., urspr. bei weichen Stämmen). 
So auch in hi^äliin, pUBm. Auch in Endsilben wäre die Länge 
nicht yeikürzt worden, vgl. vlds (doch nur als Gen. PI.!), süd. 
Aber dagegen spricht £ak. sAvi neben ziv (Stok. üvt); mUi neben 
mtt XL 8. w. War die Int urspr. fallend (z. B. r. Akk. Sg. 
gölavu), so wird eine solche betonte Länge erhalten, z. B. 
öak. glcvu. Vor dem Wortakz. bleiben ferner die alten 
Längen stets erhalten: glävc, rükc. 

Es ist noch zu bemerken, daß die fallende Int dem Ut 
geschleiften Ton entspricht (der freilich hier steigend ist), die 
steigende hingegen dem lit Stoßton (der hier fallend ist): lit 
väma = r. vorina (steigend), üt varnas = r. vörom (fallend). 

Das öak. steht also auf der ältesten Stufe in der Entwickelung 
des s.-kr. Akzentwesens. Anders das Stok., welches eine bedeu- 
tende Akzentumwälzung durchgemacht hat. Der Akzent ist 
nämlich hier regelmäßig um eine Silbe gegen den Wort- 
anfang hin verschoben. War er auf der ersten Silbe selbst, 
so konnte er nicht verschoben werden. 

Wir haben demnach auf den ersten Silben zweierlei Akz.: den ur- 
sprünglichen, nicht verschobenen, und den neuen verschobenen und da 
diese Akz. verschieden sind je nach der Quantität der Silbe, so erhalten 
wir für die Anfangssilben im Ganzen vier verschiedene Betonungsarten, 
f&r welche Vuk (bez. DaniSic) eigene Zeichen eingeführt hat. So er- 
halten wir im Wortanlaut (eines wenigstens zweisilbigen Wortes): 
eine urspr. fallend betonte Länge: 

„ „ steigend „ „ : * 

„ „ „ Kürze : 

„ sekundär „ » : ' 

„ „ „ Länge: 

Hat ein Wort den Wortakzent ' oder ', so müssen wir ihn um eine Silbe 
gegen das Ende des Wortes verschieben ; so erhalten wir seinen ursprüng- 
lichen Sitz, z. B. §tok. gläva, der urspr. Sitz des Wortakzentes ist in 
&ik. gläva erhalten (r. gohvd) ; itok. hob, bdba (Sak. blb^ boba, hier ist also 
der Akz. auf einer urspr. Kürze im Anlaut); Stok. vrina, 5ak. vrana (bei 



192 

Kern. vräna\ hier haben wir es mit einer nrspr. L&nge, die steigend be- 
tont war (Tgl. r. vor&na), zu ton, daher ist sie yerkürzt worden. 

Auch im Slov. haben wir lange und kurze Silben. Die 
langen Silben können eine fallende Int haben: präh, oder 
steigende: krdlj^ krdlja. Dazu muß noch bemerkt werden, dafi 
hier ein Vokal nur dann lang sein kann, wenn er betont ist 
Femer wird ein kurzer oder erst kurz gewordener Vokal gedehnt, 
wenn er den Ton erhält, den Endvokal ausgenommen. Auf 
kurzen Silben haben wir nur einen fallenden Akz. und das kann 
überhaupt nur die Endsilbe sein. Der Akz. ist auch hier häufig 
verschoben worden und zwar gibt dann bei £EdIender Int die 
erste Silbe ihren Akzent auf die folgende ab: bogä aus boga und 
bei steigender die letzte, so daß er zum Anfang rückt: sMra 
aus sestrd, r. sestrd, s. aistra. 

Im Bulg. behält ein urspr. langer Vokal den Ton auf sich, 
wenn dieser von steigender Qualität ist: brhM, chlib^t, bäba. 
War er dagegen fallend, so wird der Akz. auf die nächste Silbe 
verschoben: dato, r. zöloto. Analog auch bei urspr. kurzen Silben, 
daher einerseits köza, slov. köza, s. koza; vUia, slov. v6lja, s. 
volja, dagegen: okd, slov. oko (aus oko), s. oko; mori, slov. mar je 
aus morje, s. more u. s. w. 

Einige maoed. Dial. haben bis jetzt die lAage gerettet (vgl. 
AfiI.Phfl.l6,S.306 und Matov im Sbomik minist VH, S.452). 
Dagegen ist in den ösÜ. DiaL jede Spur der einst vorhandenen 
Quantität verloren gegangen. Hier wurde sie also früher auf- 
gegeben, wodurch die Dial. dem B. näher gebracht werden. 

Wir haben hier im Slov. und Bulg. auch bei den kurzen 
Silben eine steigende, bez. fallende Int. unterschieden. Wir 
werden sehen, daß man diesen Unterschied überhaupt für das 
Südslav. machen muß. 

Das Böhm, kennt auch lange und kurze Silben. Urspr. 
fallend betonte Längen sind hier verkürzt worden: hrad, r. girodz, 
8. gräd ,Fe8tang'; dato, r. zilato, s. zlaio; die steigend betonten 
hingegen haben sich erhalten: krdva ,EuhS r. karöpa, s. krcva; 
dijm ,Bauch', s. dum. Das B. verhält sich also hier gerade um- 
gekehrt wie das S. 

Diese Bemerkungen maßten voransgeschickjb werden, bevor wir uns 
mit der Int. n&her befassen werden. 

Intonation (Silbenakzent, Tonqualität). Ursprung 
der gestoßenen Int Die gestoßene Int, welche, wie schon 



r 



193 

erwähnt, im SlaT. steigend, im £it. fiJlend ist, zeigt sich bei 
nrspr. langen Vokalen: s. tnati, b. mdU, lit mM (maß^ yMutter', 
ai. mätä; s. vjera, b. vira ^Glauben', lat fOrus. Das a der o- 
Stämme mufite urspr. auch eine gest Int. gehabt haben, vgl. s. 
Dat. PI. zinama ('^eenama), rükanui (— rukama). Auch Lang- 
diphthonge erhalten eine gest Int; sie gehen freilich häufig 
auf zweisilbige Lautgruppen zurück. Ein Langdiphthong liegt 
vor im Lok. Sg. der o-Stämme (urspr. öi): aksl. rqfc«; s. riuAj 
was ein älteres rfUA voraussetzt. Ebenso im Lok. Sg. der u- und 
t-St (^ und ii): öak. no6l, sott, r. r» adü ^n der Hölle' gegen 
obb dcU (vgl. oben S. 17f.). In allen diesen Fällen setzt die End- 
betonung, wie wir sehen werden, eine gest Int der Endsilbe 
voraus. Die Langdiphthonge sind im Slav., wie Einiges dafür 
spricht, verkürzt worden, aber die Int blieb gewahrt 

Ein zweisilbiges Gebilde liegt urspr. vor in b. rdmi ,Arm', 
8. rämo aus * armen- und dieses aus *ar9nh urspr. *aräin<>8, vgl. 
lat artnus; b. vräna, s. vrana, lit väma aus *vöma (vgl. oben 
S. 191); b. b^i, s. bUi, lit büti; s. pun, lit pünaa ,vollS pOti 
,füllenS ai pürnds, pürtäa; b. douti, s. duti, lit dümti ,wehen, 
blasen' (hier liegt ein ^ vor). 

Lange Vokale mit gest Int entstehen mitunter auf 
slav. Boden durch Ersatzdehnung. Wo die gest Int in 
solchen Fällen in den 8.-kr. Dial. auftauchte, muß sie als etwas 
altes angesehen werden. Das bemerken wir im Gen. PL: s. konj, 
hbnja ,PferdS slov. kimj, kinja, Gen. PL s. kinja, slov. kifnj; s. 
pas, psa (aksL ptsfb) ,Hund'' slov. ]^8, psä, Gen. PL s. pdsä, slov. 
pds; slov. atrök, otröka ,KindS Gren. PL otrgk; s. kbsa ,SenseS 
slov. kösa, Gen. PL s. kösä, slov. kga; s. ni^a ,Fufi', PL noge, 
slov. nöga, b. ncha, Gen. PL s. nöga, slov. ngg, ab. nuch, nüh, 
slovak. nuoh, (nb. nah); slov. v$z, vozc ,WagenS s. voz, voza (vöza), 
£ak. v6z, vbza, b. püz, vozu, Gen. PL slov. v^z, ab. vöz; s. kdza 
,ZiegeS slov. köza, Gen. PL s. közä, slov. kfz; s. göra ,Gebirge', 
PL gare, b. hora, hory, Gen. PL s. g6ra, ab. h6r, kuor, dial. hur 
(aus Adr), (nb. hör); b. ijko&i; Gen. PL ab. iköl, ikuol (nb. ikol), 
das yZeit' ist frühzeitig im B. verkürzt (wir erwarten öde, vgl. serb. 
das ,AugenbUck^, slov. das, ödea) und darnach behandelt worden, 
daher Gen. PL das, das sich bis jetzt noch erhalten hat in 
der Wendung do Uch das ,bi8 dahin', ,bis jetzt'. Auch in poln. 
Dialekten: kiz, kös u. s. w. Über die hierher gehörigen Genetive 

Vondrik, Vgl. diT. Qtwui. I. 18 



194 

im P^ wo später vielfach Analogiewirkungen zu konstatieren sind, 
vgl Eul'bakins Kö istor. S. 163f. 

Spezifische Neuerungen sind: s. kcza ^aut', Gen. PL közä, 
desgleichen slor. kpza, Gen. PL kffz; s. polje ,Feld'y Gen. PL 
pcljä, d. h. da der Nom. u. s. w. die steigende Int angenommen 
hatte, mufite im Gen. PL später die fallende Int eintreten. 

Diese Dehnung kam zunächst bei den o- und o-Stämmen auf. Die 
Genetivendung on hätte hier nach der Begel ein y ergeben, das man 
meiden mußte (s. oben S. 124). um den Übergang des ü zu y zu ver- 
hindern, wurde die Quantität allmählich auf die vorhergehende Silbe 
verlegt, d. h. -wn wurde zu -un verkürzt und führte dann ganz regelrecht 
zu », während die vorhergehende Silbe gedehnt werden mußte 
(vgl. Verf. BB. 90, S. 141). Diese Dehnungen fallen noch ins ürslav., 
aber das ö ergab nicht mehr ein a und 9 ein ^, weil der Gen. dadurch 
zu sehr aus dem Bahmen der Dekl. herausgetreten wäre. 

Es ist möglich, daß vom Gen. aus die Länge dann ab und zu auch 
in die übrigen Kasus übertragen werden konnte. 

Die Ersatzdehnung kommt — allerdings nicht mehr urslav. — bei 
dem Suffixe hka {zka, »ko^ ^ko) vor, wo der Ausfall des Halbvokals da- 
durch ersetzt wurde: s. reiito ,Sieb*, dazu r^iHkCt vgl. b. reieto, reiato, 
dazu reidtko; b. tava — sAcka. 

ürslav. femer bei der Bildung der Iter.: s. kljar^'ati, kHa^ßm^ r. 
kldtffatb, kldf\jaju zu s. klMiti, b. klänlUi (bei Hus); b. hodüi und hdx/Bii, 
toüU und idMi u. s. w. 

War eine Länge schleifend betont und wurde sie in 
den erwähnten Fällen nachträglich gedehnt, so bekam 
sie eine gest Int.: r. v6losb ^Haar^, Nom. PL v6lo8yf s. vUs, 
sloY. (f )2a9; b. vla8, aber Gen. PL r. volögb, s. sollte es nach dem 
Ktirzungsgesetz *vla^ä) heißen, es lautet aber vld8{ä), d. h. es 
scheint die urspr. steigende Länge hier nicht verkürzt worden zu 
sein. Das Sloy. mit seinem Gen. PL las stimmt auch hier voll- 
kommen überein. Femer r. Nom. PL stirony, s. sträne, b. strany, 
G«n. PL r. storön, b. ganz regelrecht strdn, jetzt noch ae väech 
strdn ,Yon allen Seiten', sonst meist schon stran, s. strdnä ,der 
Seiten'. Nom. PL r. gHavy ,Eöpfe', s. glove^ b. htavy, aber G«n. 
PL r. golAvb, ab. hldv, s. gldvä. YgL noch Nom. Sg. slov. und 
s. dcTr, Gen. PL slov. dar^v, & darövä; Plur. s. ruke yHände*, 
b. ruky, Oten. PL ab. rük, slov. rgk, s. rükä; s. sin, PL sini, 
Gen. sina (nach den o-Slämmen), slov. PL sinpvi, Gen. sitti^; 
s. drug, PL drüfd, G^n. drüga ,G«fährte'; slov. m^z, s. müz 
,MannS Gen. PL slov. m^/ s. pete, b. paiy ^Fersen', Gen. PL 
ab. pdt; s. düäe ,SeelenS b. duäe, Gren. b. dÜ (alt); s. tljelo, b. 
% Gten. PL ab. tid, tu u. s. w. 



195 

Bei den Iter.: s. kuMi, kuiäm, r. küia^, ktUaju, b. kauiäi 
zu 8. küsUi, küstm; s. vräSati, vra6am, r. vardöatb, varööaju zu 
ffrdtUi, vrätim (b. umgekehrt: vrdtäi und vraeeti und diese Ver- 
hältnisse sind hier jünger). 

Femer analog aoch bei den erwähnten Suffixen: s. ^'^ .Dresch- 
flegels daza efipka ,8cheit*; tuilfer .wildes Tier', dasu Mxßrka; lue, Uiea 
,Kienspann*, daza lueTsa, sloy. allerdings hie, dasa lücka and das könnte 
ftlter sein. B. Hrana ,Seite, Gegend' hat den Akzent des Akk. Sg. and 
N. Akk. PI. (r. Mranu, 9tArony za riorond), daher b. Hränka, r. storSnka. 
Ebenso b. Mo9a ,Kopf (r. golavd, göhvu, göiavjf), b. hldvka, r. golAüha, ygl. 
aach p. glmoa and gUwka (bIoy. jedoch gldoa daza giavka, ebenso s§rdna 
daza itranka, das aach Maiaraniö in seiner »Slomica« anführt; das 
sind spätere akzentuelle Änderangen)^ 

Ursprung der geschleiften Int Sie kommt bei langen 
Vokalen und bei urspr. Diphthongen vor. 

Wird eine gestoßene Länge nachträglich gedehnt, 
wird sie zu einer schleifenden (slav. also fallend). Das kommt 
wieder yor im Gen. PL der o- und o-Stämme: Gen. PI. b. 8Ü, 
s. silä zu N. Sg. b. süa, s. Ma. Zu sIoy. riba ^Fisch', s. rtba, 
Gen. PL slov. rib, s. riba; zu b. jdma ^Graben', slov. jdma, s. 
ßma, Gen. PL b. jam^ slov. jcm, s. jcmä; b. düo ,Werk*, s. djelo, 
slov. fiflo, Gen. PL b. da, s. djUä, slov. d$l; b. läo ^onmier, 
Jahi'y 8. Ijeto, sloY. I4tg, Gen. PL b. let, s. Z;e^a, sIoy. 2f)^; s. rck, 
sloY. rdA;, Gen. PL s. räka, (£ak. rät;), slov. räkav; s. An!<&i, sIoy. 
kü^ yHaus, EücheS Gen. PI. s. ku6ä; s. Spa, sIoy. lipa, b. Zil|pa, 
Gen. PL s. Zipd (abweichend), sIoy. 2«p, b. lip ^linde'; s« m4ha> 
PL mihe, slov. miiAa, b. moucha, Gen. PL s. miiAfi; slov. muh, 
b. mficft (auch hier zeigt also das S. nicht mehr das ürspr.); 
itok. bisjeda setzt ein i mit steigender Int voraus, im Gen. war 
daher besjed, das zu besjsdä führte, wie Leskien richtig erkannt 
hat (AfsL Phil. 21, S. 398). Analog verhalt es sich mit dem 
Gen. jeafücä zu jizik u. and.; im B. noch eine große Anzahl von 
Belegen: brdna — bran ,das Tor'; zdda — zad ,Rücken' u. and. 

Femer bei den erwähnten Saffizen: s. 9Qma ,Stroh\ b. «üdma, sIot. 
sldma, daza s. Mmka, b. 9lamka, sIot. Mmka; s. tülja ,Fütterang des 
Saamsattels', daza Mteffka; s. ^2n .Schatten', daza ^'cnka; s. trdoa ,Gras', 
b. trdwa, daza s. trävka, b. travka; s. runo daza runka (»VlieS' and ,Feld- 
beifaB'); sloy. dlm JdlAnch^ daza dimka; sIoy. r6ka ,HandS daza rfdka: 
sloT. Hva ,Nanie einer granen Kah\ daza sivka. Im B. zahlreiche Fftlle: 

1. Nar b. bez. p. sind die Dehnangen bei Dem. wie krok — kriidek; 
hrod — hrüdek, com — cäsek^ p. dc^k, rqetek, pa^iek a. s. w. (Tgl. Verf. 
:BB. 80, S. 146ff.). 

13* 



196 

hrdna ,Tor\ hranka; 9ira ,8chwefer, tirka ,8cbwefelhölzel' ; houba ,SehwammS 
hubka jZonderscbwamm und kleiner Schwamm aberhaapt\ 

Bei den Iter.: s. btvati, bivOm, r. btfväib (Akzentrerschiebung 
wegen der geBchleiften Int des y) za s. bUi,s b. b^i, lit büti; 
anfdog auch: s. kriväm, iH-rnivätn, pihHväm. 

Uralt ist die geschleifte Int im Gen. Sg. der a-Stämme: 
'OS (Ersatzdehnung eines langen Vokals nach dem Verluste eines 
folgenden kurzen: d-^ etwa, so daß eine dreimorige länge yot- 
liegt), lit mergds, gr. 9€agj got gibös, as. (eyent asloY.) fdicity 
Kiev. Bl. n 15; prianod^y ib. VII 4; -o» führte über -('« zu y 
(vgl oben S. 108). Im Öak. ist auch noch die Dinge erhalten: 
zimi (itok. zlmB). Ebenso -as im Akk. PI. der a-Stämme: aksl. 
ryby, also wie im Gen. Sg., daher as. 9ily Eiey. Bl. m 2 (ein 
anderesmal ist hier der Wortakzent bezeidmet: My VII 18), ai. 
äiväSj got gibös, ahd. gebä; lit dagegen rankäs, mit neuem ns. 

Weiter mati aus ^tnatS (vgl. S. 59), lit mitS aus matSr 
(Abfall des r). Im lit auch akmü aus akmön, gr. aijdcJy, Aet- 
ficivy im Slav. ist dagegen (wie im Gr.) das n geblieben: kamy 
(y aus ön). Es war aber nicht eine Länge Yon drei Moren not- 
wendig. So entsteht geschleifte Int bei der Eontraktion von 
zwei yerschiedenen kurzen Vokalen: Gen. Sg. der o-Stämme lit 
vtÖco, s. vuka zum Nom. mk, aksl. dtkb, r. vöUca; die Endung 
war hier urspr. -od: lat Onaivöd, gr. delph. ßoinuoj kret rw-de 
,hinc'; das -od vielleicht aus -oed. Wäre das -o gestoßen, müßte 
der Akzent im lit und Slav. auf die Endung vom Stamme ver- 
schoben werden. 

Wurden dagegen zwei identische Vokale kontrahiert, bekamen 
sie eine gestoßene Int: aus ne-esti schon urspr. nisU, slav. nistb, 
ab. -nie mit wiederholtem ne- (aus nejsem, nejsi u. s. w.): nenie, 
nb. neni. 

Eine Eontraktion liegt auch vor im Dat. Sg. der a-Stämme 
al aus a + ai: s. glavi, ruci, gegen den Lok. Sg. gldpi, rüd, wo 
das ^ eine gestoßene Int. hatte (Langdiphthong -ai, vgl. oben 
S. 61). 

Femer in dem -Öls des Instr. PI. der o-Stämme: gr. &eoigj 
lit vilkals, aksl. vltky, mqzi (vgl oben S. 108), im S. (bez. Slov.) 
noch: grichy Eiev. Bl. III, 21; IV, 4; täesy Hlb, 18. 

Geschleifte Int kommt schließhch regelrecht bei Eurzdiph- 
thongen vor. 

Da sie also wie die nrsprachl. überlangen (zweigipfligen) Längen 



197 

behandelt werden, meinte Petersen, dafi sie im Idg. überlang and zwei- 
gipflig gewesen wären ; das letzte Element des Diphthonges (j. r. n u. s. w.) 
wäre also lang gewesen (KZ. 38, S. 297 ff.)- Allein es scheint, daß eine 
zweigipflige Int. ~ als solche mQssen wir die geschleifte ursprünglich 
auffassen — nicht an die Dreimorigkeit gebunden war. 

Beispiele: r. girodb, s. gräd, bg. gradit, b. hrad, lit gar das; 
r. vAnmz, s. vron, b. vran, Üt vafnas; aksl. zqln yZahn^, & 9ub, 
bg. zibht, b. zub, lit zambas; aksl. &^; 8. lük, bg. {«A:»^, b. luk; 
8. «iZA, «liAa, ^0; öak. aüh, sOha, süho, lit saüsas; b. cvljM, bg. 
evefi/; b. kvit jBlüte'; s. svljd, bg. svetit, b. w^/ 8. düg, bg. 
d^^^, b. ciliiA ,Schald' (urapr. /). 

Durch Intonation bedingte Akzentgesetze. 

FortunatoY hat einen solchen Akzentwechsel fUr das Baltisch-Slay. 
angenommen (seine Hypothese ist am besten bei Torbiörnsson, Die 
gemeinslaT. Liqnidametathese I, S. 50—68 auseinandergesetzt, wo sich 
auch die nähere Literatur befindet, Tgl. auch BB. 22, S. 186). unab- 
hängig von F. ermittelte Saussure dieses Gesetz, aber nur für das Lit. 
(IP.Anz. VI, 8.157—166). Es ist weiter ein groAes Verdienst Meillets, 
daß er schon eine Beihe von Fällen aus dem Slay. aufgestellt hat, worin 
wir das Walten des Fortunatov-Saussureschen Gresetzes erblicken mftssen 
(in BeTue crit. 1885 t U. 8. 170ff., MSL. IX, 8. 144; 6en.-acc., p. 177, 
zusammenfassend dann in MSL. XI, S. 346 — 351, dazu noch Afsl. Phil. 
25, 8. 425-429). 

Die Regel lautet: eine ge8to£ene Silbe reißt den 
Wortakzent der unmittelbar vorhergehenden an 8ichy 
wenn diese eine schleifende Länge aufwies oder einfach 
kurz war. Belege dafür finden wir zunächst bei den 

a-8t Verzeichnisse derselben bei Leskien (Unters, über 
Quant I B) und Brandt (Naöert slav. aka, S. 246£f:). Hier gibt 
es viele Worte, die paroxytoniert sind, wenn die erste Silbe ge- 
stoßen war, z. B. r. 8ol6ma, s. dama, b. Mma. Hat aber die 
erste Silbe eine geschleifte Int, so sind solche Worte unserer 
Begel entsprechend immer oxytoniert: z. B. r. barodd, 2ak. bradc, 
]it barzdä, Akk.b€fizdq. Ein Typus r. *b6roda, s.brcda (lit. 
wäre es *bafda) fehlt ganz und das ist bezeichnend. 
Ebenso z. B. r. rukd, 2ak. rüka, lit rankä (dagegen Gen. ra^Ücos, 
weil das -os eine geschleifte Int hatte: Ös). Vgl weiter r. zimd, 
iak. zima, Stok. zlma, lit. ümä. 

Über Worte wie r. kosd, öak. koac u. dgl. s. bei der o-Dekl. 

Dagegen können die mit -ji (slav. ja) gebildeten Subst 
Paroxytona sein, weil dieses Suffix geschleift war, vgl lit z. B. 
garhe ,EhreS lit äimi (r. zendjdj s. zhnüja ist unter dem Einfluß 



198 

der früher beBprochenen Gruppe entstanden). Daher s. teea, r. 
tjdza; 8. iedja, r. zdida yDurst*, s. 9Üäa, r. süäa, b. vfia, r. i;^ia 
^üseS 8. tvfdja, r. ^r^ria Festigkeit' u. s. w. 

Die Hauptsache ist, dafi hier der Akz. aof der Stammsilbe bleiben 
konnte, obwohl er fallend warde, wie die s. Beispiele zeigen, was eine spe- 
ziell Stok. Erscheinung ist. Darüber weiter anten; b. heifit es daher tue, 
»ou9€ («oMi), also mit steigender Int., p. k^ta .Begierde' n. s. w. 

Allerdings gibt es eine Anzahl von s. Worten mit kurzem 
Stammvokal wie kcra, wo wir also den Ton auf der letzten 
Silbe erwarten. Ihr Yeizeichnis gibt Hirt (Akz. S. 247), z. B. 
bodva ^reizack^y dcba ^dif^ gVota Familie', kara ,Binde' u. s. w. 
Es scheinen s. Neuerungen zu sein: der Akz. des Akk. Sg. und 
des Nom. PI. ist hier verallgemeinert worden. Das ältere weisen 
noch andere slav. Sprachen auf, so z. B. r. kard gegen s. l^a, 
ebenso hg^korä; r.pold, bg. pdä gegen s.pola; bg. tnamä gegen 
s. mctna; r. d<dä gegen s. dcta. 

Adjektivische o-Stämme. Das Adj. nSf^o-, n^- war 
ein Paroxytonon (gr. vifo-^ vißä-, ai. ndva, ndvä). Niditsdesto- 
weniger lautet das Fem. im B. natd, N. novo. Dagegen lautet 
der Gten. Sg. m. niva (erhalten in Növa-giroda), weil das a hier, 
wie wir sahen, geschleift war. Dieser Prozeß gab dann die Ver- 
anlassung zu Neuerungen. Zu dem N. nivo bildete man unter 
dem Einflüsse des Fem. eine neue Form novo. 

Bei vielen Adjektiven behauptet sich die arspr. Form nur im Ad* 
verbiom, welches hier das ftltere bewahrt. lit.y^ro«, Vem.g€rä; lit.&dM#, 
bü9ä, r. bo$t, bo9d, fttffo, Sak. 6o#, 6S«a, ÜoeOf s. 6o#, böia, bögo; lit geita$, 
r. «ft», ieUd, UU6 (Üfto), Sak. m, mc, »S, s. MSi, Ma, lUio; üt. saUas, 
$au$ä, r. #iieA», mehd, süeho, Sak. tühj iüka, mM, s. tvA, nSAa, niho. 

Im S. ist bei langen schleifend betonten Warzelsilben der Akzent 
des Fem. aof das N. ausgedehnt worden: dem lit kreiva$ entspricht s. 
krUfü, krivo (r. krivd, krivo). 

War der Stamm kurz, ist manchmal der Akz. des N. auf das Fem. 
ausgedehnt worden: s.niva, novo gegen ghla^ gölo; s. hrom, hroma, hrlmo, 
r. eArofn», ekromdj ehr&mo; s. proti, proMta, proito, r. prath, proitäj pr6Ho 
(vgl. Hirt, Akz. 8. 269) u. s. w. Es sind hier vielfach Neuerungen in- 
folge der Analogie anzutreffen. Aber bei alledem haben wir in s. Dia- 
lekten noch etwas sehr Altes und zwar speziell im ragnsanischen DiaL 
Die Adj. zweisilbigen Stammes (Beietar 8. 114) mit altem langen 
Wurzelvokal (also schleifende Int.) haben bei Vuk-Dani2iö, wie bei den 
Ozrini^i und im Dialekt von PrSan in allen Formen der unbest. 
DekL alte Endbetonung: hlSg, biägo, hUga, Plur. hUgi, bidga, hläge; 

ÄW^I «^VvVa 9Pvwv§ U« O« Wr « 

Dagegen in Bagusa hat nur der Nom. Sg. fem. und der 



199 

Nom. Akk. PI. neatr. Endbetonang: drSg, drago^ dräga^ dragiy driga^ 
drage. So auch hft, glüh, grub, gtUt, ST«, Arto, näSd, puH, $vH, 9uh, tofd, 
tyep, fUjem, äffed, und #am .aelbst*. Es ist nrslay., da es neben dem Öak. 
auch noch im B. (siehe oben) wiederkehrt. 

In dem Verzeichnis der dreisilbigen Snbst bei Brandt 
S. 268 £ wird man nie Anfangsbetonmig finden, wenn die An- 
fangssilbe kurz oder geschleift lang und wenn die darauf folgende 
Silbe gestoßen war, wie z. B. s. piöat, r. peö&tt; s. gbvedo, r. 
*govjddo in govjddina, bg. gavUo; s. Idpata, r. lopdta u. s. w. 

Sonst finden wir sie, wenn z. B. beide Silben kurz sind: s. 
govar, jezero \l s. w. oder wenn die erste Silbe gestoßen war: 
s. devSr, meOe, jägoda, üsina \l s. w. 

Hierher vielleicht auch r. cet^e, s. oHiri, wenn man es mit lit. 
kiturü (Akk.) und gr. xiaooQts yergleicht. 

Die Endung ^ (vr^m^ ist auf ^ zurückzuführen, daher 
werden wir auch hier die Verschiebung bemerken (Meillet, Afisl. 
Phü. 25, S. 425f.). 

Das -<f der 1. P. Sg. geht auf -am zurück und hatte infolge 
dessen gest. Int. Daher wirft hier eine ganze Reihe von Verben, 
die im B. im Präs. Paroxytona sind, den Akz. auf die Endung 
zurück. Natürlich handelte es sich zunächst um solche Verba, 
deren Stammsilbe entweder kurz war oder lang mit einer ge- 
schleifl»n Int Also z. B. derzü aber diriüh, terpljü, aber tSrpiät, 
plaöü -— pUUiät; vjazü — vjdzeit ; tonü — tineäh; naiü — nösiib (vgl. 
Boyer, Acceni du verbe r., p. 466). Entsprechend finden wir 
im S. hd6u gegen hoM (ib. 430). Die Regel ist also gemein- 
slay. Daraus müssen wir schUeßen, daß das q die einzige Präsens- 
endung war, die eine gest Int. hatte. Nur dort, wo die betonte 
Silbe immer eine gest. Int. hatte, ist der Akz. nicht yerschoben 
worden, daher byvdju, umeju, torgüju, s. trgujßm mit kurzem u, 
welches die gestoßene Int verrät 

Vgl. Meillet MSL. 11, 8. 346 nnd FortanatoT Kritik, razbor» .. 
Uljanoya. 1887. 8. 62, wo er in der Anmerkung gemeinslav. v€zq, russ. 
vMti, lit vetü 80 erkl&rt. Aber gerade dieses Beispiel ist nicht glücklich 
gewählt, denn wir haben auch vetih wie berth, vßtHt u. s. w., daher hier 
wohl keine Akzentverschiebang nach anserem Gesetze, sondern eine Ver- 
allgemeinerang des Tjpas ai. »phurd, gr. M- n. s. w. Torliegt. 

Den themat Vokal -f- der Verba III. El. 2. Gr. halte ich 
im Gegensatze zu Meillet (MSL. 11, S. 347) für gestoßen, 
denn im Sg. geht es auf ein H (Langdiphthong) und im Fl. auf 
i zurück, also in beiden Fällen mußte daraus ein gest urslay. i 
entstehen. 



200 

Also urspr. 8g. irpÜ-mi, -Ä-«t, -^(41, 
PL trpinUs, trpl'Uf -vnti. 

War also die vorhergehende Silbe kurz oder geschleift lang, 
mußte das % den Akzent auf sich ziehen, und wir sehen auch, 
dafi das % hier regelrecht betont ist: r. bolju, bolüt, bolttb; garjü, 
gorUb, garÜb; gljcu^ü, gladtit, gladttb; leiü, lezÜh, leitth; bofüsb, 
bojUMja, bojÜsja u. s. w., nur smotrett, terpett, deridtt wechseln 
den Akzent: 1. P. nach der Regel snudrjü, terpljü, deriü, aber 
in den übrigen Pers.: snMriib, UrpÜb, diriiSt u. s. w. 

M. h&lt dies (^1. c.) für die ältere Betonung, die den Verbis der 
3. Konjng. zukam, da das t geschleift w&re; allein das ist nicht richtig. 
Die Betonung der erwähnten drei Verba ist offenbar dem Einflüsse einer 
großen Gruppe der Verba der lY. Klasse (wie proiu^ pr^siib u. s. w.) zu- 
zuschreiben. 

Wo in der ersten Silbe eine gestoßene Länge vorhanden 
war, da bUeb der Akz. auf dieser Silbe: vfeu, vtdiit, vldüh u.s. w.; 
sl^hi, shjiiib, sl^äüz; so auch s. tMi, ostbg. vidi, vldiS, vüh, vMä 
(Leskien, Afel. Phil. 21, S. 9) und im Dialekt von Sofia: vldim, 
vidü (S. 7). 

Sonst bei anderen Verben im S. auch: tfpl, dHi, vHl; Hvlrn, 
zivU u. s. w. zu Hvjeti. M. hat diese Betonung durch den Ein- 
fluß des Inf. erklärt Was den Inf. anbelangt, geht das e auf 
ein S zurück, daher hatte es eine gest. Int und es mußte der 
Wortakz. unter den bekannten Bedingungen darauf nicken. Im 
B. tatsächlich: velett, bolett, garett, smotrett, sidkb, terpett, derzdtt, 
kridätt u. s. w. Nur wenn die Stammsilbe auch gest. Int. hatte, 
blieb der Akz. auf derselben: videit, sl^äatt, s. vldjeti, dUati, r. 
zcHDÜetb = s. vlajeti, s. Harjeti, d-miljeti, vgl. auch lit pa-vtfd^i, 
pchv^dzu ,beneiden^ Sonst im S. auch görjeti, zUjeti, hUöati, 
kriöati, tfpjeti u. s. w. 

Im Inf. sehen wir dasselbe auch im Lit Das <f ist immer betont, 
wenn die Torhergebende Silbe eine geschleifte Int hatte z. B. avHi, Ist 
die Torhergehende Silbe gest., so betonen die Yerba bald diese Silbe, 
bald das e z. B. imirditi {smlrdiu), aber k6$4ti. 

Wäre das i der lY.Eonj. aus den Inf.formen ins Präs. ein- 
gedrungen, wie Brugmann meinte (Grundr. II S. 1144), so müßte 
hier dieselbe Erscheinung auftreten, die wir bei der III. Eonjug. 
beobachtet haben, denn das i des Inf. war gest, vgl. lit var^i. 
Wir bemerken hier aber etwas anderes. Bei den Iterativen und 
Kausativen, die hier zunächst in Betracht kommen, ist der Akz. 
beweglich: in der 1. P. Sg. auf der letzten Silbe, in den übrigen 



201 

aaf der vorletzten, also r. voiü, podüt, vöditb; noiü, nMi^, nösüb; 
proäü, pr68Üb tu s. w.; diozü, chödüh . . .; buiü, büilüh . . ./ IjMjü, 
IjübUb . . . u. 8. w. (Boyer 8. 37); s. nösiii, nosim, filosii, nosi, 
noOmOf nosUe, nosS. Die 1. P. Sg. ist also nach den übrigen 
ausgeglichen. Ebenso vMüi, gbnüi, disM, midüi, hbdüi (Daniöi<^ 
8. 51—52). Bei den Denom. ist der Akz. entweder fix: r. go- 
stüb : goidü, gostüb; veseljü, vesdUh, vesdttb; govorjü, gavarUt, 
gavarüb; nur wenige davon gehen nach der 1. Gruppe: zenüt, 
zenju, ziniH; kupljü, küpUb. Man muß überhaupt sagen, daß 
die Denom. eher die Akzentuation derlter. und Kaus. annehmen; 
das Umgekehrte bemerkt man äußerst selten. Oder richtet sich 
der Akz. überhaupt nach dem Nomen: gct4vühf vgl. gotAvyj, und 
bleibt dann fix. 

Wir sehen demnach, daß hier das i anders auf den Akz. 
einwirkt als bei der III. Eonj. 2. Gruppe: es war also wohl ge- 
schleift Wenn wir auch für das Urslar. eine ältere Eonj. ^todüeri, 
*vodSj^i XL s. w. voraussetzen, so konnte sie von trpii-si, trp^i 
beeinflußt worden sein, so daß ein ^vodH-^, *vo(Uäi, das jedoch 
eine geschleifte Int. hatte, zu Stande kam. Diese geschleifte Int. 
könnte etwa so erklärt werden: So wie es von o-St. Verba wie 
biU-ti, bilej(f gab, von u-St. ein: *cätuxäm u. s. w. (vgl. in der 
Stammbildungslehre), das zu cäujq führte, ebenso entstand z. B. 
aus dem i-St. gostb ein ^goMi-ißsi, ^gostSi-xeti u. s. w. Hier 
hatte das H als Langdiphthong eine gest. Int. Unter dem Ein- 
flüsse von irpti-si u. s. w. wurde auch ^gosUi-iesi zu ^go8t^, 
mußte aber wegen der hier vorgenommenen Eontraktion eine ge- 
schleifte Int bekommen (eine gest Länge wird durch Dehnung 
geschleift). So auch *vodeiti u. s. w. Dann konnten sich die 
beiden EQassen auch hinsichtlich der Quantitäten beeinflussen. 
Im B. drang das f der III. Eonj. 2. Gr. auch in die lY. Eonj. 
ein und im 8. umgekehrt. 

Auch das i des Imper. Zunächst bei der III. Eonj. r. 
terpi, derü, terpüe, derUte; 8motr{, smatHte (stnoirkt). Mit 
Bücksicht auf ein *dadjs — dadUe können wir hier etwa *trpi'ß, 
wobei das i eine gest Int hatte, im Plur. *trpi'4te ansetzen. 
Nach dem Verhältnis *vedS (später vedi) : vedHe entstand dann 
auch *trpi : *trpite, wobei im Plur. das i wahrscheinlich geschleift 
betont war (Eontraktion zweier langer Vokale). Da sich beim 
Imper. der PI. meist nach dem Sg. richtet, drang die gest Int 
auch in den PI. ein. Analog wohl auch bei der IV. Eonj«, daher 



202 

attchr. no^ — noMe, Ifubi—ljubÜe, chodi — chodüe, vodi — vodüe; 
80 auch im 8. ndsi — n&süe, vbdi — vMüe, gbni — gdnüe, hödi — 
hddüe. Im S. mußte das i natürlich verkürzt werden, ygl. spl, 
splmo, spUe; Üvi, Uvüe; üdi, üdUe. Dagegen wenn die erste Silbe 
eine gest Int hatte: s. vUi — vlaite; vidi, tüdimo, vldite (im Präs. 
dagegen: vUM, vldimo, vtdUe); stcri u. s. w. zu starjeti. Vidi 
ist freilich eine jüngere Bildung (vgl. aksl. vizdt), aber es setzt 
jeden&lls den urspr. Akz. voraus. 

Nun hatte aber die Mehrzahl der übrigen Imper. im Aus- 
laute eine geschleifte Int., so insbesondere: aksl. vedi — vedite, 
dtigni — dvignite, kazi — hmU, wie uns das lit. zeigt: U-suke 
(Endbetonung hier speziell lit.), also aus -oll. Unter dem Ein- 
flüsse der fiüher erwähnten Imper. der HE. Kl. 2. Gruppe und 
der lY. Kl. drang auch hier die gest Int durch und so wurden 
auch diese Formen bei den angegebenen Bedingungen endbetont. 
Daher die r. Begel, daß der Imper. denselben Akz. hat, 
wie die 1. P. Sg. Präs , denn hier hatte das urslav. q (aus dm), 
wie wir sahen, ebenfalls eine gest Int: nesi — nesUe (nesü) gegen 
dtinb — dtinh-ieidvinu); mirzni — inirxnite(mirznu); zndj — znd^ 
(zndju); vjazi — vjazite{tj<»zü); dümaj—dümaßeidümaju); hUej— 
beUjte (bäeju); sidi — sidite (9Üü) u. s. w. 

Auch im S. war der Imper. in der Regel entbetont: plHi — 
plkite; vizi — vizite; grhbi — gr^büe; pid — pecüe; kUni — kunUe; 
mrl — mrUe; timi — tiniie; nösi—nösüe (Präs. nosim, noM, nosi 
. . .); Uvi — Uvimo; püi — piMte. 

Im B. maßte das i des Imper. einmal lang gewesen sein, da hier 
gest. Längen, die den Wortakzent haben, erhalten bleiben. Fflr diese 
Länge spricht die Verkürzung des langen Stammvokals, was eben wieder 
vor einer Länge stattfand : es entstand aus einem *piit, *pUtte ein *piit, 
*piHte, ebenso *chrali, *ehvalüe. Als aber der Akz. auf die Anfangs- 
silbe verschoben wurde, da wurden die Längen in nachtoniger Silbe nicht 
selten gekürzt; so auch hier, daher tib.ehvaii — ehvaliU; püi^ pisite, dann 
ehval — ehvalte, pii — puU 

Im S. hat diese Verkürzung des Stammvokals jedenfalls auch statt- 
gefunden, so daB die Längen in vHi — veiüt\ Uoi — Hnimo; pUi — pUiU\ 
lufÜ — kdiUe wohl erst später wieder eingedrungen sind. 

Endbetont sind solche Imper. auch in den Kiever Bl.: prit»ri II 19; 
utvrtdi VIb 19—20; sttvori Vllb 15; zaiciii VUb 23; w^i Ib 11. Da- 
neben finden wir hier aber auch das Zeichen der Länge: prixMrt IVb 9; 
priimt III b 2; prttni VIb 10 und primi VIb 18. Da die Abschrift von 
einem Serben herrührt und da dieser die Zeichen vielfach seiner Mutter- 
sprache entsprechend gesetzt zu haben scheint, so sind diese Längen 



203 

schwer zu beurteilen. Damals waren die betonten gest. Längen im S. 
wohl schon Terkürst. Entweder ist hier also das Qaantitfttszeichen mit 
dem Akzentzeichen yerwechselt oder ist es noch der Beflez des Originals. 

Da das » des Inf. nasiti auf ein langes i zurückgeht, also 
eine gest Int. hatte (vgl. lit sak^i ^gen'), so mußte auch hier 
der Akzent verschoben werden (schon Saussure hat laihjti aus 
*lavkyt% im Gegensatz zu rdizyti abgeleitet). Man braucht nur 
die Verzeichnisse bei Daniöic (Akcenti u glagola § 22, 30 und 
37) anzusehen. Wo ein geschleifter Vokal vor dem % vorhergeht, 
rückt der Wortakzent auf dasselbe: r. goMt (3. P. Sg. Fräs. 
gdsitb), s. gäsäi (Präs. gäal); r. palüt, s. pölUi (Priis. pcili); r. 
davüt, s. ddMi (Präs. dävi); vgl. noch s. ndsÜi, vddüi, hödüi 
u. s. w., r. nostttf, budüt, vozttt u. s. w. (überhaupt primäre Itera- 
tiva und Eausativa). 

Dagegen grabiti (Präs. grabt) ; blavitt (Präs. ftSot), Mlaviti^ pQvüi, iaxiti. 
viläi u. s. w., wo. das a eine gest Int. hatte (ygl. Meillet, MSL. 11^ 
S. 347, hier gibt er auch zn, dafi das r der IV. Konj. geschleift war: s. 
noMtm, goBJm, bavim a. s. w., vgl. MSL. 9, S. 144). 

Auch dasa der Verba der V, Klasse geht auf eineiige 
(ä) zurück und hatte demnach eine gest Int, was auf den Akz, 
nicht ohne Folgen blieb. 

Das bemerken wir zunächst bei Y. Kl. 2. Gr., wo der Inf. 
endbetont ist Allerdings sind hier auch infolge der Analogie- 
bildimgen Störungen eingetreten, so daß wir unter den Yerbis 
auch solche mit gest Int im Stammvokal finden wie z. B. r. 
kazdU, b. kdeu, kdzati (s. kaUm, kazei ist, wie wir sehen werden, 
sekundär). Der Akzent erscheint verschoben z. B. bei r. öesätb- 
{deiü, dÜeH), s. diaati {SÜm, ieiii); inetüt (medü, nUdeib), s. 
mHati (meöSm, medii); vjazitt (vjaeü, vjdzeit), s. vSzati {vezSm^ 
vez&f); gloddit {gloiü, glöeeit), s. glbdati {glodjäm, glodßi); ordtt 
(arfü, ireib), s. ärati (orSm, orSi); pisätt (püü, piieH), s. püati 
(piiim, piai); lizdtt {lüü, lüei), s. lizati {lizm, lizSä). 

Im S. ist dSi^m kazSm u. s. w., also der Akzent der 1. p. sg. 
sekundär (vgl Boyer S. 430—431). 

Dagegen: prjdtatt, prjadü ,verbergen'; rezixth rem, s. rezati; 
mdzath, tnäzuj s. tnazati; pläkatb, plädu, s. pläkati; kUkaih, kUdu; 
9ypaithj sj^ju, s. Apati — dann mit zweifachem Präs.: r. kdpath, 
kdplju und kapaju, s. kapati; kräpath, krdplju und kräpaju; 
dvigatb, dvtzu und dvigaju. Wie schon Boy er S. 22 (432) be- 
merkt hat, ist bei allen diesen Verben der Stammvokal lang und 
gestoßen, daher hat nicht eine Verschiebung stattgefunden. 



204 

Vgl. noch: r. bdjatt, bdju, s. bajati; r. kdjatt-sja, kdjusb, s. kcjati 
86; Idjath, Idju ,bellen*, s. lajati; tdjath, tdju ^chmelzenS s. täjati; 
chäjatb, chdju jblämer*, s. hajati; ddjath, ddju, s. öajati (Vuk); 
auch sejatb, seju, s. sljaii; d&jath, düju s. aber düjati. 

Die Denom. haben meist den Akz. des Nomens: igritb nach 
igrd; deUxtb nach delo; obedixtb nach 6bed^ (nur wenige Aus- 
nahmen, wie laskdth, obzwar Idska; uzasdib, obzwar üzash). 

Die Iterativa betonen im R. immer das a: pletdth zu plesti; 
naöindtt zu naödth; — birdth zu braib; — gibdtb zu gümutb; 
kraädth zu krdsüt; gotovljdth zu gotivüh; byvdh zu btfth; bivdit 
zu bäh u. 8. w. Nur die auf yvcsth nicht: püyvatb zu pisdth; 
dümyvatb zu dümath; — igryvatt zu igrdtt; torgivyvath zu tor- 
govdth; chdzivatt zu chodfth u. s. w. Das sind spätere Bildungen. 

Auch das S. setzt die Betonung des a voraus: püati (pitam, 
pitaS .... pttajü) ; bddati, birati; vlddati, vrdöati; gdnjcUi, dimati 
se, kdrati, Ittati, mißSati (im Osten mtiatij^ stüpati, zcMjati, 
umivati u. s. w. Die Endbetonung wurde auch dort oft verall- 
gemeinert, wo der Stammvokal gest. war, denn daran kann wohl 
nicht gezweifelt werden, daß er bei Bildung von Iter. gedehnt 
wurde und infolge dessen, falls er urspriinglich kurz war, eine 
gest. Int hatte. War er lang, kamen die oben S. 194 f. ange- 
gebenen Dehnungsgesetze zur Geltung z. B. b. vdzeU, hdzeti u.s.w. 
prddati, s. predati, predäm, r. prjddath, prßdaju. Das entepricht 
auch dem lit. brydau, -oti; dr^bau, -ati; klybau, -oti. YgL noch 
r. pidatbj begath und hauptsächlich ki&njatbsja, düäath, kAiatb; 
s. (Daniöic § 54 S. 78): gledati — gledäm; blrati, bßgati, 
vjeäcUi, vrädati, zlbati, klanjati, kukUi, Ißvati, padati, puMati, 
sßdati, slüäati und stUcdi stUäm ,prüfen<, hvatati, zä-imati. 

Daß der Akzent in den oben erwfthnten Fällen verschoben wurde, 
nimmt auch Pedersen an. Daffir spreche der Umstand, dafi die Par- 
tizipia der Yerba auf -^t Anfangsbetonnng haben: 9hbutmmj\ kupannyj 
^gebadet', s. iüvän, p%8än, gegen skazätt, kupäju, wo der Akzent ver- 
schoben ist (KZ. 38, S. 379). 

Über die Iteratiya ygl. noch in der Stammbildungslehre 
(Stämme der V. Klasse). 

Die Nasalpräsentia (Yerba der ü. Klasse) hatten ur- 
sprünglich An£angsbetonung. Bei geschleifter Int. der Wurzel- 
silbe mußte in der 1. P. Sg. und im Inf. (ygl. b. -nouti, p. -nqS, 
8. nidi) eine Akzentyerschiebung eintreten : s. v^mUi, Präs. vfnem; 
r. gljanü, gljdneih, Inf. gljanüth ,sehen<; s. tbnuti, r. tomith {tonü, 
iineSb) u. s. w. (ygl. Pedersen, KZ. 38, S. 341 f.). 



205 

Auch das i des Inf., den wir oben 8. 62 als einen alten 
DaÜT gedeutet haben, hatte urspr. eine gest. Int, daher r. netH 
= s. nisti, r. vjazU »» s. vidi; r. mesti, s. mMi, dagegen s. bUi, 
b. b^i, lit büti; r. molitb — s. ndjetu 

Andere Fälle dieser Akzentverschiebung werden gelegentlich 
noch erwähnt werden, so z. B. in r. torgüju, s. trgujSm (ygl. in 
der Stammbildungslehre bei der YL Konjug.). 

Auf eine andere AkzentTersehiebang macht Pedersen aufmerksam 
(KZ. 38, S. 307). FallB die Lage der Gipfel dabei entscheidend wftre, 
80 müfite der Effekt einer geschleiften Int., die im Slav. eben mit einem 
Gipfel anbebt, derselbe sein, wie wenn zwei kurze Silben, von denen die 
erste den Wortakzent hatte, vor eine gestoßene zu stehen kamen, wie 
z. B. r. UpMU tr^pMU und 1. Sg. Upelu, trepeieü, 3. P. tep^etb ,lalltS 
irtpHeHh «zittert' (Tgl. r. Up0U ,das Lallen*, s. tripU ,zittern', ir^dem); 
weiter r. fem. vsseU, teUnä deievd gegen Masc. p^m/», zdimt, djöiev», 
Damach wflrde ^[-^ zu ^^|-<-, wenn — eine gest. Länge bezeichnet. 
Aber diese F&lle erinnern uns so stark an die früheren AkzentTerschie- 
bungen von der unmittelbar Torhergehenden Silbe, dafi es sich hier 
offenbar nm analogische Erscheinungen handelt. 

Auch noch ein anderes Intonationsgesetz will Pedersen gefunden 
haben (1. c. S. 333): aus — c werde jl_, d. h. folgen zwei Längen mit 
gest. Int. unmittelbar auf einander und hat die zweite den Wortakzent, 
so gebe sie ihn an die Torhergehende Silbe ab. So erklären sich lit. 
Instr. gäloa, Akk. PI. gdka* (hier war a# im Lit. gestoßen, Tgl. ranka$ 
aus rankafu sekundär nach -ons) gegen Gen. 8g. galvös. SlaT. r. dohtS, 
PI. aber nach diesem Gesetze dolnia (ä hatte gest. Int., da es düs ä der 
a-8tämme ist); gnhdö-^itda. Sonst sieht man hier freilich eine alter- 
erbte Eigentümlichkeit und wohl mit Becht; Tgl. damit vivQov^nvQ'^, 
dann f^noog-f^n^^ ^- b. w. Weiter auch r. rog, gen, röga^ Plur. rogd^ also 
wieder mit einer AkzentTcrschiebung (Tgl. Meillet, Introduction k 
Tetude comp. u. s. w. S. 297). Im SlaT. ist diese Eigentümlichkeit auf 
alle Neutra ausgedehnt worden : r. pir^i, PI. pjora ; dann mi$lo^ Fl. meitd ; 
stddo und stadd\ pho und pivä; dtero und ozerä. Sonst aber wäre ein 
derartiges Gesetz nicht unmöglich. 

Das Verhältnis der slav. Int zur lit. Mutmaßliche 
Begründung ihrer Einwirkung auf den Akzent. 

Wie schon erwähnt, bilden die slav. Intonationen einen 
Gegensatz zu den lit Es hat schon im J. 1880 Fortunatoy 
(A&l. Phil. 4, S. 678) konstatiert, daß dem slav. fallenden 
Ton im lit der steigende (geschleifte), im Lett der gest., 
dem slav. steigenden im lit der fallende (oder gest), im 
Lett der gedehnte entspricht: r. vdrom, s. vrän, b. vran, lit 
vafnas ,Babe'; r. zUoto, s. zlato, bg. zUxtb, b. zUxto^ lett ze^Us 
,GoldS dagegen r. vwina, s. vrana, b. vräna^ lit vdma ,Erähe'; 



206 

r. bolöto ySumpf, s. bloto ^See, Morast^ bg. bUUo, b. bldto, lit 
bdltas ,weißS lett. bälts (vgl. noch AfeL Phil. 11, S. 570, dann 
BB. 22 S. 186, Anm. 1). Wenn wir ein ä eis cm auflassen und 
den jeweiligen Gipfel der Intonation, d. i. den Moment der 
höchsten tonischen Intensität, mit ' auf der betreffenden Hälfte 
des langen Vokals bezeichnen, so erhalten wir: 
geschleift: slar. da (fallend) lit. ad (steigend, geschrieben d) 

gestoßen: slar. cui (steigend) .,. ht da (fallend, geschrieben d) 
Saussure hat bekanntlich sein im Lit konstatiertes (besetz 
auf Grund der speziell lit Int abgeleitet imd als den Grund der 
Akzentverschiebung die unmittelbare Nähe zweier Tongipfel an- 
gegeben (vgl. IP. Anz. VI S. 157—166). Dieser Umstand würde 
es begreiflich machen, daß statt einer geschleiften Silbe auch 
eine kurze, betonte, vorhergehen kann und der Effekt ist derselbe, 
eben weil auch hier zwei Gipfel zusammenstoßen. Das Gesetz 
gilt aber auch fürs Slav., wir wir sahen; ja Portunatov hat 
seine Wirksamkeit schon in die lituslav. Periode versetzt. Das 
ist aber nicht wahrscheinlich, weil es sich z. B. im Slav. selbst 
in solchen Bildungen zeigt, die erst auf slav. Boden ihre Int. 
änderten, wie im Imper. r. nesi, nestte. Die Verschiebung fand 
also erst auf lit bez. slav. Boden statt Dann aber kann der 
Grund nicht in der Nähe zweier Tongipfel hegen; im Slav. liegen 
sie ja in diesem Falle (1. Silbe geschleift, 2. Silbe gestoßen) ganz 
auseinander. Daher suchte Gauthiot diesen Gegensatz zu über- 
brücken. Er spricht auch der Ut geschleiften Int. Zweigipfligkeit 
zu (MSL. 11, S. 345). Aber man kommt auf diese Art nicht 
ans Ziel. So verfiel man auch in das andere Extrem und 
meinte, daß nicht die Nähe zweier Tongipfel, sondern ihre Ent- 
fernung für den Wortakzent eine »position critique« schaffe, so 
daß eine Verschiebung eintreten müsse. Aber auch das kann 
nicht richtig sein, weil im Slav. auch bei einer vorhergehenden 
Kürze (wie im lit) die Verschiebung stattfindet: r. kosd, Akk. 
kösu, trotzdem die Entfernung der Gipfel hier nicht den äußersten 
Grad der Entfernung erreicht hat Meillet meint auch, das 
Gesetz hätte sich erst in den betreffenden Einzelsprachen ent- 
wickelt, ja es wäre nicht einmal eine gemeinslav. Erscheinimg 
(MSL. 11, S. 350— 351) S das kann aber nicht richtig sein. Es 



1. Insbesondere führt Meillet an: b. Uopäm, Uopäi, aber in der 
B. PI. kdpajü gegen r. kopdjUy kopäjeh. Aber das ist ganz in der Ord- 
nung. Warde djBi zu äi schon im Ürserb.-Kroat. kontrahiert, moBte es 



207 

wäre ja nicht daran zu denken, daß die Intonat Jahrhunderte 
hindurch bestanden und erst dann auf einmal einzelsprachUch 
auf den Akzent eingewirkt hätten. Für eine schon urbalt slav. 
Akzentverschiebung würde allerdings der Akk. 8g. der o-Stämme 
sprechen. Während es nämlich imNom.8g. imlitrankä ^Hand' 
heißt, lautet der Akk. Sg. rcMcq^ d. h. hier ist der Wortakzent 
nicht Yerschoben, trotzdem die Endung auf den Langdiphthong 
"am zurückgeht und daher eine gest Int hatte, Tgl. gr. ztpii^v. 
Da im Instr. Sg. dagegen der Begel entsprechend rafdcä (eben- 
falls aus -am) yorkommt, so hat Hirt angenommen, daß im AkL 
Sg. eine Übertragung von den o- Stämmen stattgefimden habe 
(der idg. Akz. 8. 147—148, IPAnz. VI 8. 20). Nun haben wir 
auch im Slav. den Akzent im Akk. auf der Stammsilbe dort, 
wo er im Nom. yerschoben erscheint: r. riikUf s. rüku (gegen den 
Nom. r. rvkdf s. rüka, £ak. rüka)\ r. giru zu gori, s. gi^u, 
gdra u. s. w. Es ist aber ein&ch so zu erklären, daß sich unter 
dem Einflüsse des Akk. der i- (und ii-St), der auch stammbetont 
war, sowohl im lit als auch im Slav. der Akz. hier behauptete 
und nicht yerschoben werden konnte (ygL 8. 123). EUrts Er- 
klärung ist also unrichtig. Wo dagegen schon der Nom. Sg. 
endbetont war, blieb es auch so im Akk. 8g., daher r. trawi, 
8. trdpu; r. dwalü, s. hvdlu; r. bSdüy s. bijidu; r. $v^, s. svißöu, 
r. rikä (neben räcu)j s. rijiku; r. zv^zdi, s. zvijizdu; r. barozdü, 
s. brdzdu, dann in r. Akk. UnA^ s. ünu u. s. w. 

Die Akzentyerschiebung wurde also wohl nicht durch die 
Nähe oder Entfernung der Tongipfel, sondern nur dadurch, daß 
mit unserer Intonation in einem anderen Sinne wie im lit so 
auch analog im Slay. eine Änderung yor sich ging, heryorgerufen. 
Sie war also ursprünglich anders als sie uns erhalten ist und 
zwar wies sie offenbar urspr. tonische (musikalische), nicht exspira- 
torische Gipfel auf; erst im Lit und Slay. entwickelten sich die 
letzteren mehr, was dann auch die Akzentyerschiebungen henror- 
rief . Am leichtesten konnte sich die geschleifte Intonation ändern. 
Sie war urspr. zweigipflig. Als aber der tonische Akzent zu 
einem mehr exspiratorischen wurde, da konnte man nicht mehr 
beide Gipfel mit gleicher Stärke henrorbringen: der Stoßton 
änderte im Slay. nicht seine Qualität, wie auch das Giiech. zeigt, 

eine fallende Intonation bekommen (if— «), da sie aber im Wortinnem 
nicht geduldet wurde, ist schon im ürserb. der Akzent verschoben worden : 
'kcpam. 



208 

nur daß er jetzt mehr ezspiratorisch wurde. Bei der geschleiften 
Int. behauptete sich immer noch der zweite Gipfel, wenn auch 
verkümmert (vgl. jetzt das S.-kr.). Daher konnte auch der Haupt- 
gipfel nicht so intensiv hervortreten. Anders bei der gest Int; 
hier hat der einzige Gipfel durdi die exspirator. Neuerung an 
Intensität nur noch gewonnen. Daher riß er die ganze Intensität 
und infolgedessen auch den Wortakzent der vorhergehenden ge- 
schleiften Silbe ^ an sich. Das fand auch dann statt, wenn die 
vorhergehende Silbe kurz und betont war: r. gord (Akk. aber 
giru); ebenso lit kasä (Akk. käsq). War dagegen die vorher- 
gehende Silbe gestoßen betont, so entwickelte sich natürUch auch 
hier analog der Gipfel zu einem exspiratorischen und der Sitz 
des Wortakzentes blieb imgefährdet: r. varöna, s. vräna, lit. vdma. 

Jedenfalls war diese Erscheinung urslav. 

Intonation kurzer Vokale. Bis jetzt handelte es sich 
um die Int langer Vokale, wie sie zunächst von Fortunatov 
(A&l. Phü. 4, S. 578; 11, S.570, dann BB. 22, S. 185, Anm. 1), 
Leskien (A&l Phil. 5, S. 188—190) bezüglich des lit, dann 
Bartholomae (IF. 3, S. Iff.), Bezzenberger (BB. 17, S. 221), 
de Saussure (MSL. 8, S. 425f.), Hirt (Der idg. Akzent) kon- 
statiert worden ist Da erschien im J. 1897 im Bad eine Ab- 
handlung des Valjavec, welche sich mit dem slov. Akzent be- 
schäftigt (Jhg. 132, S. 116—213). Er setzt hier zunächst für das 
Slov. wie auch S.-kr. zwei Arten von Kürzen voraus, eine fallende 
und eine steigende (S. 174 £f.), was wir also bis dahin nur bei 
langen Silben zugeben konnten >. Die Tatsadien, die dafür vor- 
gebracht werden, sind allerdings derartig, daß wir — soweit es 
sich um das Südslav. handelt — diese zweifache Qualität kurzer 
Silben ohne weiters zugeben müssen. Im S.-kr. erscheinen manch- 
mal ursprünglich betonte kurze Silben gedehnt: bog ,Gott^, Gen. 
boga, aksl. bogb. Diese Dehnung im Nom. trat nun ein, weil es 
sich um eine fallend betonte Kürze handelt Ihre Wirkung 
zeigt sich auch noch deuthch in od boga gegen id brata (trotz- 
dem der Gen. auch brata wie boga lautet). Die verschiedene 
Wirkung zeigt sich auch im Slov.: Gen.&o^o, aber od b^ga (Nom. 
b$g), ebenso slov. na n^o, Nom. nd>p, stok. na nebo^ Nom. nebo 
(S. 193). Sehr deutlich sieht man auch im Bg. die Wirkungen 



1. Deren Hauptgipfel, wie wir sahen, nicht sonderlich intensiv war. 

2. Nur im S.-kr. kannte man zwei «Arten der Kürzen. 



209 

verschiedener Tonqualitäten in kurzen Silben: mostit, s. möst^ 
mosta, bIot. mpst, mostä; bg. nosht, §tok. nos, nosa, dov. nps, nosä; 
wo also unpr. eine fallende Kürze war, wurde der Akzent im Bg. 
verschoben^ was wir früher auch bei langen Silben bemerkt haben. 
Dagegen bg. JemHU, §tok. kmet, kmeta, slov. kmH, hn^ta. 

Aber V. ging noch weiter. Indem er slov. k^, vplja u. s. w. 
mit b. küze, vüle vergleicht, kommt er zum Schluß, daß im B. 
steigend betonte Kürzen eben nur des steigenden Tones wegen 
gedehnt worden zu sein scheinen (S. 136). Das würde natürlich 
voraussetzen, daß die verschiedene Tonqualität kurzer Silben 
bis ins Urslav. reichen müßte. Dann würde aber auch die weitere 
Frage auftauchen, ob sie schon in irgend welchen lituslav. Zu- 
ständen begründet gewesen sei. 

Zu der Annahme verschiedener Kürzen im ürslav. kam man zanächst 
bei der Erkl&rung der nachträglichen Dehnung, welche wir in einigen 
slav. Sprachen bemerken. Es sind in der Regel Ersatzdehnungen, wobei 
es sich um den Verlast der einstigen Halbvokale handelt, und es kommen 
die Vokale und o in Betracht. Ziemlich klar sind diese Dehnungen im 
P. Sie traten hier ursprünglich auf vor tönenden Explosivlauten 
und vor Dauerlauten überhaupt. Analog verhielt es sich wohl einst 
auch im B., wo sich nur einzelne Überbleibsel erhalten haben. Daß hier 
auch die Qualität des Kons, maßgebend war, zeigt das Ausbleiben einer 
solchen Dehnung vor einem k (vgl. bok, brok, moky rok u. s. w.). Man 
kann freilich einwenden, daß diese Dehnungen aus einer späteren Periode 
stammen, als schon die verschiedenen Int. kurzer Silben verloren gegangen 
waren. Es ist aber zu bedenken: wenn sich im B. steigend betonte 
Längen unter dem Wortakzente erhalten haben, so hätten sich jedenfalls 
auch die steigend betonten Kürzen unter dem Wortakzent so lange be- 
haupten müssen, bis das Dehnnngsgesetz zu wirken begann, so daß sie 
dann auch hätten gedehnt werden müssen. Statt dessen finden wir aber 
hüh — hoha^ fitok. bog — boga ; däl — doht, Stok. do — doia; vAi — vozu, Itok. 
voz — Vota; dum — domu, Stok. dorn — dotna u. s. w., d.h. unter den Dehn- 
ungen finden wir auch solche, welche fallend betonte Kürzen im Sinne 
des Südslav. betreffen. Nan wurden aber fallend betonte Längen im B. 
unter dem Wortakzente verkürzt, so daß wir umso weniger eine Dehnung 
solcher Kürzen erwarten würden. 

Gegen eine solche urslav. Int spricht auch, was wir schon 
oben S. 193 erbracht haben. Dort wird gezeigt, daß im Gen. 
PL eine kurze Silbe vor der Endung der 0- und a-St schon im 
Urslav. mit steigender Int. gedehnt wurde. Nun trifft diese 
Dehnung gleichmäßig steigend betonte wie auch fallend 
betonte Kürzen im südslav. Sinne (vgl z. B. Gen. PI. slov. 
vpz, obzwar im Nom. v^z, Gen. voza, d. h. es war fallend betont; 

Vosdr&k, Vgl. akT. Gm&m. I. 14 



210 

Gen. PI. slov. ngg, Stok. nöga, obzwar Nom. PL nog^; slov. Gen. 
PL kpz, §tok. közä gegen Nom. PL slov. koz^ u. s. w. ganz analog 
wie z. B. Gen. PL s. kdnjä, dov. kgnj zu Nom. s. konj, dov. kdnj 
u. 8. w.). Da jedoch bei Längen je nach der Int. eine 
verschiedene Behandlung eintrat, bei Kürzen aber in 
diesem Sinne nicht, so folgt daraus, daß im Urslav. die- 
selben auch nicht eine verschiedene Int. hatten. Wir 
haben wenigstens keinen Anhaltspunkt dafür. 

Auf südslav. Glebiete können wir dagegen die Entstehung 
dieser sekundären Int genauer verfolgen. £& handelt sich um 
bestimmte Kategorien. So bei den i- und u-St Im Akk. Sg., 
der stammbetont war, entwickelte sich bei Längen eine fallende 
Int, selbst auch bei jenen, die ursprünglich eine gest Int hatten, 
und drang auch in den Nom. ein. Vgl. serb. sin, sina, slov. sin, 
b. syn (dagegen lit sünüs), Damach bekamen im Südslav. auch 
Worte mit ursprünglich kurzem Stammvokal eine solche Int und 
wurden gedehnt: slov. d^, s. dorn, dotna; slov. mqd, s. med, 
medu; slov. ^, s. led, Üda u. s. w. Ebenso auch bei den i-St : 
slov. wpd, moS; h§st, kostt; p^ö, pedi, s. peö ,Ofen' u. s. w. 

Die 11-St berührten sich nun frühzeitig mit den o-St (die 
älteste Berührung fand im Nom. und Akk. statt, dann im Gen. 
und Lok. Sg.). Diesen uralten Berührungen verdankt im Südslav. 
eine eigene Elategorie der o-St ihr Dasein. Es sind dies die ein- 
silbigen Worte mit kurzem Stammvokal, der fallend betont und 
im Nom. (Akk.) Sg. gedehnt wurde: bog, boga; most, mosta. 

Der Zusammenhang mit den u-St. ist mitunter noch ganz klar. So 
machte Skrabec darauf aufmerksam, daß im Slov. (und analog wohl 
auch im Aserb. vgl. godu zu god Dani6iö S. 14) bei der Ausbreitung der 
Genetivendung u nicht bloß der Wortumfang maßgebend war, sondern 
auch der Akz., indem diese Endung ursprünglich auf einsilbige Worte 
mit der Betonung '^ beschränkt war (Afsl. Phil. 13, S. 68 und Yaljavec, 
Bad. 67, S.29— 37). Nun war aber '^ die charakteristische Betonung der 
u- (und t^)St., wie wir sahen, und zwar zunächst im Akk., dann auch in 
den meisten anderen Kasus (s. und slov. cin^ sad^ stan und weiter dann 
sin). Wir werden aber die Sache nicht so auffassen, wie §., sondern 
umgekehrt: solche urspr. o-St., die von den u-St. attrahiert wurden, be- 
kamen nach diesen auch den Akzent '^, daher : hrSd, god, mogty skok, was 
jedenfalls südslav. ist, da wir diese Worte imS.-kr. und Slov. finden (vgl. 
Bad, 132, S. 191). Die Längen traten nur in geschlossenen Silben auf, 
während in offenen die Kürzen erhalten blieben. 

In den einzelnen südslav. Sprachen wurde dann der Prozeß 
teilweise fortgesetzt^ daher die zahlreichen Abweichungen. Serb. 



211 

bok — boka, aber sIoy. bdk, bdka, also noch steigend betont; s. dvör^ 
dvara, aber sIoy. ävdr, övüra; s. post, posta, öak. auch posta, aber 
Mazuraniö hat pbsta u. s. w. (Bad 132, S. 167—168). SIot. Ion, 
s. Van, lana Jicin^ r. lenz, Und, öak. Idn, lana. Man sieht also 
förmlich, wie der Prozeß allmählich um sich greift und es macht 
nicht den Eindruck einer urslav. Überlieferung. 

Zahlreiche Abweichungen wurden auch noch durch die nachträg- 
lichen Dehnungen bei auslautendem j\ o, n» n, m, /, lj\ r, die wir haupt- 
sächlich im 8. finden, herbeigeführt. Das erinnert uns an das b. und p. 
Dehnungsprinzip: s. kroj, kraja; räj\ r^'a; mdj, ivoj\ noj; on u. s. w. 
(vgl. Refietar, S. 27). 

Wir sahen, daß die fallend betonte Kürze unter dem Ein- 
flüsse analoger Längen dort aufkam, wo die betreffende Wortform 
eine Anfangsbetonung bekam, im Gegensatze zu anderen Formen 
desselben Paradigmas, und zwar offenbar um besser differenzieren 
zu können (Nachdruck gleich im Anlaut). So ist nun weiter der 
Akk. Sg. (und Nom. Akk. Dual, und Plur.) der urspr. endbetonten 
o-St. mit kurzem Stammvokal zu beurteilen: sIot. vöda (r. vodd), 
Akk. vod§ aus vodo; §tok. vodu, r. vödu, also ganz analog wie r. 
rukä, s. rüka, Akk. aber r. ruku, s. rt^cu. Nach einer Präp.: 
na gdro; göre aber v gfre; analog auch im S.: Akk. goru, aber 
na garu. 

Weiter gehören hierher die Neutra. Auch hier änderte der 
Akz. seinen Sitz: Sg. endbetont, Rur. stammbetont, oder umge- 
kehrt, wodurch im Südslav. fallende Int auch bei Kürzen ent- 
stand: slov. tnorje aus mörß, s. more; slov. nebö aus nebo, s. h^; 
sloY. 2>olje aus polje, s. polje. Daher slov. na pölje; do n^ba 
u. B. w. 

Mit dem Südslav. scheint sich hier auch das B. berührt zu 
haben, vgl. s. povest (das so zu beurteilen ist wie na garu d, h. 
bei fallender Lit rückt der Akz. immer gegen den Anfang des 
Ausdruckes) und r. phekipt; r. zd more, ni nd volo^b ,nicht imi 
ein Haar breit' u. s. w. 

Mit dem 8Qdslav. berührt sich mehr das Kleinruss. insofern, als 
hier die Dehnungen in geschlossenen Silben auftreten: mSJ, höh {f^ög) 
woraus sich dann weitere Laute entwickeln konnten. Jedes « und o der 
YerschluBsilbe unterlag diesem Wandel. 

Wir können also im Südslav. (vielleicht auch R) die 
Entstehung der fallenden Int. bei Kürzen ermitteln. 
Es läßt sich aber nicht nachweisen, daB diese Erschein- 
ung gemeinslav. war. Und selbst auch in diesem Falle 



212 

wäre es etwas Sekundäres, was erst aus dem Vorhanden- 
sein verschiedener Intonationen bei Längen hervor- 
ging. Diese waren das Ursprüngliche. Über die Int kurzer 
Süben vgl. Verf. in BB. 30, S. lOOff. 

Quantitätserscheinungen allgemeineren Charakters. 
Bezüglich des S. hat schon Leskien als Grundregel aufgestellt, 
daß schwere Suffixe (dahin rechnet er auch solche zweisilbige, 
die volle Vokale in der ersten Silbe haben) keine Länge vor 
sich dulden, z. B. narudaj : rüka; potpaääj : päs (aus pojäs), trd- 
öar; mladöst (r. milodost) und dann na ndadöst, od mladosti (also 
auch eine fallende lünge wird verkürzt) und and. (A&L Phil. 21, 
S. 323 f.). Dasselbe finden wir auch im B., so in dem Paradigma 
sOa: Instr. Sg. sOou, Dat. PL südm, Lok. PL sOäch und Instr. 
süami. Im letzteren Falle bringen zwei kurze Silben den Effekt 
einer langen hervor. Analog finden wir auch in den s. Dial. 
Gegen Vuk-Daniöic: kraljevi, gradavi, sitdotn, vgl. auch sin, 
slnovi (Dan. krdlßvi, krdljBvä, kräljevima). Unter den ange- 
gebenen Pluralformen ist krdljevi die jüngste; sie ist nach dem 
Sg. hrälj, krdlja gebildet (Leskien, AfsL Phil. 23, S. 564). Aber 
selbst auch bei unserem b. Paradigma finden wir analoge Er- 
scheinungen. Bei langer Wurzelsilbe kann im Dat PL im S. 
dieselbe verkürzt sein. Nach Daniöic (S. 95) ist das der Fall 
bei rüka, brdda, alüga, strdna, strißla, svira, also rükama, brh- 
dama (— rükama u. s. w.). Bei den Ozriniöi dameben auch der 
Instr. Sg. rüköm (vgl. b. säou), aber in Bagusa ist es durch- 
gängig: rükama, gränama, rjOkama, stjinama, pHama (Besetar 
S. 96). Das ist keine sekundäre Verkürzung, wie R meinte (vgl. 
auch Leskien, L c. S. 566). Es ist ursprünglich ein Dat Instr. 
Du. (vgl. auch den Gen. rükü » riiku). Das B. zeigt, daß das 
ä der o-St frühzeitig verkürzt wurde. Da hier zwei kurze Silben 
dem Effekte nach einer langen Silbe gleich kommen, so handelt 
es sich hier vielleicht um eine Erleichterung der physischen Arbeit 
seitens der Sprachorgane. 

Im B. werden im Imper. lange Vokale verkürzt: dival — 
chvdUe zu chvdlUi, chvdUm ^oben'; kc^ — kaäe zu kdzati, kdzu 
,weisen'; stup — stupte zu stoupiti, stauplm u. s. w. Oben S. 202 
haben wir erwähnt, daß das i des Imper. einmal lang war, so 
daß aus *pl^ ein *piit u. s. w. entstand. Das führte zu ab. piH, 
pÜ, püte. 

Im S. sind vielleicht die gestoßenen Längen früher verkürzt 



213 

worden^ so daß die lÄngen dayor bestehen konnten, wie s{vi — 
Hvimo; pUi — pÜUe o. s. w. 

Das u der Yerba der VI. EI. in müujq u. s. w. war ur- 
sprünglich lang, wie wir in der Stammbildungslehre zeigen werden, 
und hatte daher eine gest Int Infolge dessen ist es im 8. kurz 
und zwar sowohl nnter dem Wortakzente {pgäßm, kkpufSm), als 
auch als unbetonte Silbe (vßruj9m)* Im B. behaupteten sich 
solche Langen zumal zunächst unter dem Akzente; daher wurde 
der Torhei^ehende Yokal verkürzt: krtduju zu krdl, kupuju zu 
kaupUi u. s. w. Als der Akz. auf die erste Silbe renchoben 
wurde, da wurde das u yeikürzt 

Hierher gehören die best Formen der Adj.: star^, starä, 
stari zu stdr, stära, stdro ^V; dab^ — sldb; vdice aber velik^, 
spravedUv, tpravedUve, aber spravedlivjj ^gerecht'; noch andere 
Beispiele bei Gebauer UI, 1, 8. 282. 

Schwache Spuren haben wir auch noch im öak.: mü aber 
mUi, Hv, aber i^v% (Stok. zivl, was, wie wir sehen werden, spe- 
zifisch §tok. ist). Neben nAv, nbvi u. s. w. kommt allerdings auch 
schon ein növ, növi, novo vor (Nemaniö, Sitzungsb. der Wiener 
Ak. Bd. 108, S. 177). Spuren sonst noch in den anderen s. Dia- 
lekten: svet, 8väo, dagegen wHi (neben 9veti); öest — öSdo, da- 
gegen disti (neben öeM) u. and. (vgl. BeSetar S. 128—132). 

Hier reihen sich die Komparative an. Aus der r. Form 
dirogfh yteuer', Eompar. daröze; mölodz jung', Komp. nuMie und 
aus b. drdie, drdz, Hre, houH u. s. w. müssen wir auf eine stei- 
gende Betonung des Komp. schließen. Das M. hatte offenbar 
dieselbe Int, da es aber nur in Formen mit langer Endung vor- 
kommt, so ist auch hier wieder der Stammvokal verkürzt worden. 
So haben wir im Ab. und teilweise im Nb.: KiH gegen blize; 
hcH gegen häre; chuzi gegen chiize; Upl gegen Upe; tneni gegen 
nUne yweniger'; nUazl jünger^, teH gegen Uze ,schwerer^; vid 
gegen vice ,mehr'; vyiH gegen vyie; vgl. auch radeji (ab. radijt) 
gegen rid; maze gegen snadno u. s. w. In Formen die urspr. 
ein ti enthielten, haben wir es mit zwei kurzen Silben zu tun, 
die einer Lange gleichkommen, daher K PL chuzi^, BksLdiuzdtie, 
N. Sg. chuzH, aksl. (Auzd^M; vgl auch p. ekqpy, dazu der Komp. 
skyMzy. 

Mit dem b. chuzi, lept, meni u. s. w. kann man vielleicht s. 
drail zu dräg; ridß zu ridj, ridfi ,fuch8rot'; IjepH zu Üjep; 



214 

krüpniji zu knipan n. s. w. vergleichen. Dazu kommt noch 
ndadji, düH, chudjl, ilvlji n. s. w. Analog auch im Öak. 

Vereinzelt noch die 3. P. PI. ab. dadief dadi, nb. daß yda- 
bant^ gegen ddm, ddä, dd u. s. w. Ebenso vSdie, vedi gegen vtm 
(viem) u. 8. w.; jedi ^unt' gegen ßm (ßem) u. s. w. IHe gest 
Int. auch im Slov.: ddm, Jf'm, vim; ddä, ßä, v4^ (Rad, 132, 
8. 176). Im 8. dagegen ddm, da», da, ddmo, däU, ddda {dhdü); 
Ijem, Ijeä, Ije, Ijemo, Ijete, t/t« (r. Hjdtb), aber es soll sich in 
Bagusa noch ein alter steig. Ton erhalten haben: \jem, \jei (Ba- 
gusa ijem, ißä u. s. w.); ebenso fAjem, fAjeä . . . vlju (A&I. Phil. 
17, 8. 193, Anm. 2). Das würde also mit dem B. und 81ov. 
übereinstimmen. Da es sich hier bis auf aksl. vimt um einfach 
lange Vokale handelt, so erwarten wir auch eine gest. Lit 

Femer: h.pant ,Frau^ gegen pdn jHerr'; lito ,8ommer, Jahr', 
'lett in pod4eH yVorsommer'; vöha ,Gewicht, Wage', aber zdva&l 
jGewicht'; dvih jT^ aber nad-dveH u. s. w. 

Auch dos Saffiz -dio wirkt wie eine Länge (Afsl. Phil. 21, S. 823): 
Xtok. M2o, grlo, djelo . . . krtio^ aber pokHvalo : pokrivati. Analog auch 
im B. iidlo, hiälo und hydloy jidlo^ hradlo, mährisch sogar auch mydlo 
«Seife* (gegen b. mydlo\ ja sogar gtruhadlo von atrouhati ,reiben'. Vielfach 
wird die Länge wieder eingeführt; man hört iidlo, Jidlo, divadlo (iUi, fiHi, 
divati m), anch rädlo schwankt neben radto. 

Wie eine Länge wirkt auch ein ganzes Wort in der Kom- 
position: bäohlavjf yweißköpfig' gegen büy; kratochvüe ,Eurzweil' 
gegen krdücy; vino-pal ,Spiritusbrennerei' gegen vino; kralo-vrak 
,Eönigsmördei* gegen krU, ja auch nezna-boh ,Heide, Atheist' 
gegen neznd ,kennt nicht'. 

Ober diese FäUe ygl Verf: in BB.30, 8. 138. Sachmatov 
meint, daß die zweite Länge steigend betont sein müsse (Kz istorü 
ZV. 8. 55); zumeist ist es allerdings der Fall. 

Einzelsprachliche Dehnungen. Die Halbvokale gingen 
im Auslaute in allen slay. Sprachen verloren und dafür wurde 
in einzelnen der vorhergehende Vokal unter bestimmten Bedin- 
gungen gedehnt Diese sind verschieden. Eine schon in das 
tfrslav. reichende Dehnung dieser Art haben wir oben 8. 193 £ 
beim Gen. PI. der o- und a-8tämme kennen gelernt 

8onst handelt es sich zumeist um zweisilbige 8tämme, die 
nach Abfall des Halbvokals einsilbig geworden sind und den 
Stammvokal dehnen konnten. Gedehnt wurde in der Regel ein 
o oder e, da es urslav. kurze Vokale waren. 



215 

Die Dehnungen im S.-kr. wie bog, boga^ öak. bog — böga 
kamen schon S. 210 zur Sprache. 

Im Kleinruss. mußte die Silbe einfach nur geschlossen 
sein (S. 211). 

Im Foln. haben sich sog. verengte Vokale als Überreste der 
einstigen auch durch Dehnungen entstandenen Längen erhalten. 
Jetzt sagt man, daß es dort zu Dehnungen gekommen wäre, wo 
es sich um einen tönenden Kons, im Auslaut handelt: bog — boga, 
w6i — u>alu, röd — rodu, rög — rogu, miöd — miodu, Ud — lodu. 
Auch bei Kürzen, die erst im P. entstanden, kam die Dehnung 
vor: gröd—grodu gegen h.hr€ul, 2Lkd,gradz, T.görodz. Potebnja 
nahm an: der Halbvokal hätte sich länger behauptet nach ton- 
losen Kons., die zu ihrer Aussprache eine größere Intensität er- 
forderten, als nach den tönenden, weshalb sich bei diesen die 
Dehnung des vorhergehenden Vokals zu einer früheren Zeit ein- 
stellte, was dann bei den tonlosen nicht mehr eintrat (K» ist. zv. 
1876, S.52ff.). Es wäre also danach ebenfalls eine Ersatzdehnung 
für den Ausfiall des Halbvokals. Daß sich die Halbvokale nach 
tonlosen Kons, länger behaupteten, ist unwahrscheinhch; ich 
glaube umgekehrt: nach tönenden Kons, behauptete sich länger 
der Halbvokal und die Dehnungen traten erst später auf, nach- 
dem die Halbvokale nach tonlosen Kons, schon längst ohne Er- 
satzdehnung abgefallen waren. Und zwar behaupteten sich die 
Halbvokale dort deshalb länger, um die tönende Qualität des 
Kons, auch im Nom. (Akk.) in Übereinstimmung mit den übrigen 
Kasus zu erhalten, da ja sonst nach dem Verstummen des Halb- 
vokals der tönende Kons, zu einem stummen werden mußte. Daß 
es sich überhaupt um eine Ersatzdehnung hier handelt, ergibt 
sich wohl aus Folgendem. 

Es zeigt sich, daß nicht bloß vor tönenden Explosivlauten, 
sondern auch vor Dauerlauten gedehnt wird, was namentlich dann 
aufföllt, wenn man auch das Ap. berücksichtigt Noch jetzt 
haben wir ni6d ,er trug* gegen niosla ,sie trug*, pl6Ü ,er flocht* , 
jploüa ,sie flocht*; vgl. auch sUwko (aus *8lovtko) gegen siowo; 
weiter auch m6j ,mein*, b. m^j (aus möj, tntwj). Aus einem 
älteren mo-i ist ein moj[, moj geworden. Dadurch ist eine Silbe 
verloren gegangen, was durch die Dehnung des o ersetzt wurde. 

So auch in anderen derartigen Fällen. Bei den Dauerlauten n, h, 
m, r, / konnte der Verlast der Halbvokale zunächst durch eine Dehnung 
dieser Laute ersetzt werden; nachträglich konnte sie dann auch auf den 



216 

Yokal fibergehen. Bei derartigen Worten kann nicht an eine bestimmte 
Int. der kurzen Vokale gedacht werden; es war nnr der auslautende 
Eons, hier maßgebend. 

Im Ap. finden wir z. B. deenez Bibl. Er. Zof. 51, jetzt auch noch 
deszez (vgl. b. ddif); czaa$ Stat. Mal. 56 (dann auch ezd$a u. s. w.); rteeez 
,factum' Stat. Maz. 134; pioez Imper. zu piakad (o hier » d) Szym. 9. 1; 
Inf. m6e Bib. EZ. 70b, jetzt als modz u. s. w. (ygl. Semenoyitsch: 
Über die yermeintl. Quant, der Yok. im Ap. 1872 und J. Lo< in Prace 
fil. n, 1878, 8. 119—148). 

Vor tonlosen Explosivlauten nur ausnahmsweise: kooth ,feli8' Park. 
39. 70; poiook ,riyus< Bib. E. Zof. 134. 

Analog auch im Böhm. z. B. hnüj — hnoß yDünger', chvüj 
und chvüje iReidg^, lAj ,Talg*, müj, tvüj, svüj, slov. mpj, tvpj, 
svpj, §tok. moj, tvoj, svoj, das sekundär ist (Valjavec erklärt es 
mbj, tvöj, svbj mit steig. Akz., daraus moj, tvoj, svoj und weiter 
dann wegen des j moj u. s. w. wie kräj, räj aus kraj, raj ent- 
standen ist, Bad, 132, S. 159 und 161); p. m6j, tvöj, 8v6j, klr. 
mij, mojd, mojS (ebenso tvij und svij); ab. dvöj ,zweierleiS oböj 
^beiderlei' (Gebauer, IJI, 1, S. 499). Hierher gehören die Im- 
perative ab. böj, buoj, büj zu bdti, boßm se ^ch fürchten^; stöj, 
stuoj, stüj ,stehe' zu statt ,stehen', ab. auch die Imper. der Verba 
der VI. Konj. wie müüj u. s. w. (Gebauer, in, 2, S. 402). 

Vor l: dU — dolu ,GrubeS hU — kolu ,Pfahl'; pU — polu 
,HäIfte'; sMl — stolu ,Tisch'; väl — vola ,Ochs'; die t-Stämme: 
hM — holi ,Stock^; sül — soll ^Salz^; dial. auch bul (aus bdZ), jetzt 
bol — bolu ,Schmerz' (fehlt bei G., bei Kott finde ich ioZ als fem. 
f-Stamm belegt, wie auch im aksl. bdf>, Bd. 7, S. 1200). Weiter 
die Imper. ab. v6l, vuol, vül zu volüi ,wählen'; Part möhl, vidi 
u. s. w. (Gebauer HE, 2, S. 95), insbesondere aber ab. ää jetzt 
iel ,ging^. Vor r: dvür — dvoru ,Hof , dial. auch bur (aus bür) 
neben bor — boru ,Kiefemwald, Wald*. Vor ?5 : küü — kone ,Pferd', 
Imper. dial. hM zu hmouti ,raflFen'. Vor m: dum, domu ,Haus^ 
Vor s: ab. kuos neben kos^ dial. auch küs — kosa ,merula'. Vor 
ä: ab. köS — koäe neben koä ,Korb* (Gebauer, Slovn. JI, S. 113), 
slovak. auch lang: koä. Vor z: vüz — vozu ,"Wagen*, dial Imper. 
v^z zu vrci ,werfen'. Vor z: nüz — noie ,Messer^; möz ,er kann' 
(ab.). Vor h: bäh — boha ,Gott*. Vor v: ab. növ ,neu^ Vor t 
ausnahmsweise: s}),sk6t, skuot, skät — skotu, nh.skot, skotu jYieh* 
(das Wort bringt man in Zusammenhang mit got skatts ,Gleld, 
Steuer'); päst — pastu ,Fa8ten' ; dann neben vzr&st—vzrostu ,Wuchs' 



217 

auch zrost und andererseits Gen. vzrästu, zrüstu, wie auch das 
ein&che Wort rüst und rast, Oen. rostu. 

Wie man sieht, handelt es sich vorwiegend um ein o, e 
kommt selten in diesen Fällen yor, neben ab. dÜ^ ^Regen' vgl 
p. diszcz, s. daid, dazda, r. dozd, dozdjd, die Part ab. iß, dann 
vidi XL s. w. 

Auch die Dehnung anderer Vokale, sofern sie im B. frOher 
verkürzt worden sind, werden wir so beurteilen müssen; so in 
aus im: ab. zementn, dvarinin. 

Daß man hier mit der Annahme yerschiedener Int. auch bei kurzen 
Vokalen nicht auskommt, haben wir oben S. 209 erwähnt. Neuerdings 
meinte KuTbakins: der Vokal werde gedehnt, wenn er eine sekund&re 
Betonung — durch Akzentyerschiebung — erlangte : näi — noU, r. aber 
noiä, 2ak. n<9r— nöXa, itoik. noM •— ndjfa, sloy.n^ia (Ks istorii i dial. poUsk. 
jaz. S. 156 ff.)' Aber gegen eine solche Annahme sprechen zahlreiche 
Fälle, wie MA~6oAa, itok.% — %a; Ml, Itok. dS-^dola; Wb, itok.roz, 
Vota; dAm, itok. dorn — doma u. s. w. 

Wir müssen hier vielmehr Überreste jener Normen sehen, 
die wir auch im P. gefunden haben. Viele Dehnungen sind 
wieder rückgängig gemacht worden (durch den Einfluß der anderen 
Kasus), daher auch vielfach Schwankungen. So haben wir im 
Slovak« boh, dol, hnoj, loj, voz, ad, dagegen bdl (b. bot) und böb, 
b. bob ,&ba'; köS. 

Drei Worte wollen sich nicht fügen: b. piUi ist ein Lehnwort aus 
dem Deutschen und es fällt auf, daß wir auch im Öak. eine gest. Länge 
haben: poH — pd$ta, womit das Stok. poH — potfta übereinstimmen würde, 
slo7. p&H — pAsta, bg. pdtidi: Ma2uraniö hat allerdings j»o«< — p^*ta, was 
mit dem r. po$h —poitd übereinstimmt. Es könnte sich hier um eine 
ältere Dehnung handeln, wohl aber auch um eine rein böhm. 

Im Ab. wird das anlautende o, wie auch andere Vokale (0, u) nach 
den Präp. k, 9, v und dann auch nach anderen gedehnt: k 6ku, 9 ntcetn, 
aber auch tfz-^ati, t-Sstati (jetzt tÜ9taii .bleiben'). Geh au er hat es 
richtig erklärt als eine Ersatzdehnung: k» oku (1, 8.235). Diese Dehnungen 
wurden yerallgemeinert, einerseits na uoltäf {na 6fiar) ,auf den Altar*, 
andererseits aber auch vzhAru jetzt mhüru ,hinauf, auf, d. h. auch beim 
kons. Anlaut machte sich die Dehnung geltend. 80 entstand su skoro 
,bald, schnell, fast' ein v 9k6re^ v 9kuare und das hatte zur Folge, dafi 
dann auch 9kuoro, $küro gebraucht wurde. Darauf ist auch rsrM, vzrä9tu 
zurückzuführen: auch hier war die Präp. zunächst mafigebend und dann 
erst erlag das Wort auch der Kategorie wie dum — domu^ dvAr — dvara 
(fsröfl, tfxroitu), wenn auch nicht durchwegs. Von vzrütt ist dann auch 
das einfache ro9t beeinflußt worden, so daß daneben ein rM aufkam. 
VgL auch noch vzdära neben vtdora und vzd&r ,Trotz'. Aus Wendungen 
wie na pÖBÜ, v pösU, na post n. dgl. könnte auch p6H^ p&9tu entstanden 




218 

und dann schließlich in die Kategorie der Worte dorn — dcmu u. dgl. 
geraten sein. Bei 8kot war im Aböhm. auch der Plural gebräuchlich 
(Geh au er III, 1, S. 89) und da könnte auch die Genetiyform als sköU 
maßgebend gewesen sein. 

Wenn wir in den ap. Denkmälern Schreibungen wie booga 
und analog auch in den ab. finden, so kann man nicht einfach 
sagen, daß diese Schreibungen aus dem Nom. AkL übertragen 
wurden, denn es handelt sich jedenfalls in vielen derartigen Fällen 
um eine Verallgemeinerung der Länge auch in den anderen 
Kasus. 

Über diese Dehnungen vgl. BB. 30, S. 101 ff. Eine Beihe solcher 
Fälle, wie die Endung des Gen. PI. -6v, uov — d(?, des Dat. -Stn, 'uom^ 
'um u. s. w. kommt insbesondere auf S. 111—114 zur Sprache; daselbst 
sind auch die Parallelen aus dem P. angeführt und das Nebeneinander 
von hräeh und hraehu, mräz und mrazu u. s. w. erklärt (8. 117). 

Sekundär sind auch die Dehnungen in hrüza ,Grauen', s. 
grbza, r. grozd; käze ,Haut*, slov. kgza, s. koza; jMe ,Hälfte', s. 
pola; tüne ,der Kolk, ausgespülte Tiefet slov. tönja; rüze ,RoseV 
slov. rpza; väle , Wille'; s. volja, slov- vpfja; vüne ,Duft', slov. 
vfnja; neben smola haben wir auch smüla ,Pech', s. smöla, r. 
smold; ebenso sova neben süva ,EuleS s. sova; neben chvoje auch 
diväje ^^isig^, s. hvöja, slov. hpja (hvgja) ,Edeltanne, Nadelholz- 
reisig'. Dialektisch auch hüra neben hara jBerg', s. göra. Femer 
mähr, cira (mit e), p. c6ra. 

Wie Yaljavec b. küXe, vüle auffaßte, sahen wir S. 209. Daß dies 
nicht richtig sein kann, zeigt uns hrüza, r. grozä, weiter s. srndlcj r. smolä^ 
8. gdra, r. gorä u. and., woraus wir ersehen, daß das o in vielen FäUen 
hier überhaupt nicht betont war und niemand könnte je behaupten, daß 
auch unbetonte kurze Vokale eine verschiedene Int. gehabt hätten. Vom 
Akk. Sg. kann man hier auch nicht ausgehen, denn wie uns eben Yaljavec 
gezeigt hat, war das o hier, wenigstens im Sildslav. (und das müßte nach 
ihm auch fürs B. gelten) fallend betont: slov. gröza, Akk. grazf; g6ra^ 
Akk. gorf; $m6la^ Akk. amolf; $6va, Akk. 9ovf; pola ,Fläche', Akk. polf 
(Rad, 132, S. 194—195); slov. ist tfnfay rfSa, h^'a. 

Bei vielen dieser Worte kommen die Dehnungen auch im 
P. vor: gdra, gröza, röza, wöla, es muß also wohl auch hier der- 
selbe Qrund vorliegen. Vor langen Endungen (wie in unserem 
Falle iin Instr. Sg. ab. jü aus -jq, Dat PI. -dm aus -atm, Lok. 
PL -ach aus -achi u. s. w. wurde, wie wir oben sahen, in der 
Eegel der lange Stammvokal verkürzt: von prdce (älter präcä) 
lautete der Iiistr. Sg. pr<Mcu (jetzt pracf) u. s. w. Es berührten 
sich demnach hier zwei Kategorien von Worten : mit kurzem und 



219 

mit laogem Stammvokal. Nun konnte die Analogie wirken, d. h. 
bei den Worten erBterer Art traten in den übrigen Kasus mit- 
unter auch lüngen ein und bei jenen der zweiten auch Kürzen. 

Analogiekürzungen würden vorliegen in cesta jAVeg*, serb. 
cesta, slov. c^sta; ryha jPisch', s. rlba, slov. W&a u. s. w. vgl. BB. 
30, S. 117—118; analog auch bei den o-St: das ^Zeit^, s. ^, 
öasa; ded ,6roßvater*, s. dßd, dßda, slov. dqd, d^da; had 
jSchlange', s. gad, gada u. and. (vgl. BB. 30, S. 140f.), wo es 
sich auch um eine Dekl. mit analogen langen Kasussuffixen 
handelt. 

Analog auch die Neutra : lüno ,8choß', pSro, r. perö, serb. 
piro jFedet^f jmino ,Name^ Dazu wieder die Kürzen: eüo, dial. 
auch zUo, s. zUo, slov. züo; jüro ,Morgen, Joch', s. ßUro, slov. 
jütro. 

Noch eine Dehnung haben wir im B.: mohu, müzeä, müze, 
müzeme, müzete, mohou; beru, bSM, bire u. s. w. 

Pedersen hat m^S u. s. w. mit dem bIot. mfrem, moci ,können^ 
zusammengestellt, d. h. die Dehnung führte er hier zurück auf eine ur- 
sprünglich steigend betonte Kürze, die also schon im ürslav. so be- 
schaffen gewesen wäre (KZ. 38, S. 303—304). Für eine derartige Er- 
klärung haben wir jedoch bis jetzt keinen Anhaltspunkt gefunden. 

Ich glaube, daß wir hier von aksL moh> ausgehen müssen; es kann 
nur in indikat. Funktion belegt werden: eliko moib, vtzmi % moli za me 
,quantnm potes, sume, et ora pro me' (Miklosich, Vgl. Gr. III, 2, 8. 91 
—92). Der Imper.-Opt. hatte für die 2. und 3. P. Sg. gleiche Formen, 
daher taucht das moS» auch im Ab. und zwar als 3. P. Sg. auf, z. B. to 
nemSi hjfii ,das kann nicht sein' (zahlreiche andere Belege bei Gebauer 
111,2, S. 169). Die Dehnung ist hier so zu beurteilen wie bei ntli — noS«. 
Das m<$l wurde dann häufig auch bei den anderen Formen zu Grunde 
gelegt: im Dual neben moMa auch m6ita, in der 1. PL neben moiem^ 
moUmy auch nMme, mdhny, in der 2. PI. neben moM^ auch m<5ito. 
Dieses Nebeneinander der beiden Formen hatte zur Folge, daß die Länge 
auch in die urspr. Formen eindrang: m«$^i, mtSle, moitme^ m6Me, mohu 
und mohou hatte wegen h keine Berührungen mit möi^ daher blieb hier 
auch das kurze o. Es war nun ein häufig gebrauchtes Yerbum und 
konnte andere in den entsprechenden Personen beeinflussen und zwar dort, 
wo wie bei möhu, m^Sei der Kons, entsprechend erweicht wurde, also 
z. B. beru—bdrei, bire . . . berou; ieru, ab. Mdrei, jetzt im-ei u. s. w. Dann 
folgten auch andere Verba: ehocu, ehSeei, rwu — rdvei, Kenu — idnei u.s. w. 
Aber bei allen Kons, drang die Dehnung in den betreffenden Personen 
nicht durch. Neben r kommt sie auch bei / häufig vor; koPu, köUi, hole 
zu kUti (jedoch meTu, molei, meU zu mUli ,mahlen'), iPu, itPu, UUi und 
»iUi zu Bldti ,schicken'; iUi^u, iielei und -ttdUi zu ttldii ,streuen'; vgl. 
noch zopti, tüvei u. s. w. zu zvdti ,nennen, rufen' ; tUfnu (hier auch in der 



220 

1. P. Sg. die L&nge, wie es sonst auch dial. beobachtet werden kann 
z. B. mdXu St. mohu)j stdnii zu sionati «krank sein' (eig. ,Btöbnen'). 

Die urspr. Betonung hatte mit diesen Dehnungen nichts zu schaffen : 
wir finden sie bei urspr. Endbetonung z. B. heru — b^ei, r. herüj her^ib, 
berift^ u. 8. w.; zovh — zovlfh, aber auch bei Stammbetonung: r. koljü, 
kSlJeibf kolfeh; mogü^ moS^h u. s. w. 

Im Sorb. aind alle Vokale einfach und kurz (Mucke, 
S. 144). Aber gleich dem P. weist es noch sog. verengte Vokale 
auf und zwar das Ns. in größerer Zahl als das Os. 

Beispiele: os. hröd ^Schloß^ Gen. hröda; Mrka ^ügel', aber 
höra fBergf und na hSrku ^uf den Hügel^ (ib. S. 98); Mrka ent- 
spricht dem b. k&rka. 

Im Ns. kann der Vokal 6 nur in betonten Silben stehen, 
wenn dieselben mit einem der Lab. p, b, w, w oder der Gutt. 
k, g, ch beginnen und wenn kein Lab. folgt: biay (os. bösjf, 6 = 
offenes o); wila (os. wola) ,WilleS womit das p. w6la und das b. 
vUe zu vergleichen ist; gira (os. hSra) ^Berg^, vgl. p. göra und 
b. dial. Mra; köza (os. koza, b. koza) ,Ziege'; mdrjo (os. mörßf) 
yMeer^, im B. wird moh auch meist als mire (mit einem langen 
o) ausgesprochen. 

Ebenso die Präp. pöd und wöt, sowie pö, falls kein Guti 
und Lab. folgt: wdt tebß, w6t konja; pöd sÜbu; pöd garu; pö 
diDorje, aber po gSrce, p6 kanju; pö tvodu (ö = geschlossenes o); 
pö Wie, 

Dagegen Bog (os. B^ S. 99). 

E2s liegen hier demnach Anhaltspunkte vor, die uns berechtigen 
anzunehmen, daß im Sorb. ursprünghch dieselben Prinzipien wie 
im P. und B. maßgebend waren. Wenn wir altere Denkmäler 
hätten, so würden sich gewiß innigere Berührungen mit dem B. 
und P. auch hinsichÜich der Quantität ergeben. 

Die westslav. Sprachen haben demnach nach anderen Prinzi- 
pien ihre Kürzen gedehnt als das Südslav. Im Westslav. war in 
einer Beihe der Fälle zunächst der auslautende Eons, maßgebend. 
Allerdings scheint auch im Serb. etwas analoges ganz unabhängig 
vom Westslav. vorzuliegen. Ich meine die nachträglichen Deh- 
nungen bei auslautendem j^ v, n, ii, m, l, Ij, r: slov. mgj, ivpj, 
svpj (also auch mit Dehnung), woraus §tok. moj, tvoj, svöj geworden 
ist (vgl. S. 211 und 216). 

Es handelt sich hier nur um Eons., die bei Schwund des 
Halbvokals gedehnt werden konnten (wobei v allerdings als u und 



221 

j als i aufgefaßt werden müßte). Von diesen Kons, wäre dann 
die Länge auf die Vokale übertragen worden. 

Man meinte auch, im B. wären ?iele Längen der ersten Silbe durch 
den auf sie fallenden Ton entstanden (vgl. noch neuerdings in Listy fil. 
81, 8. 128). Allein das ist nicht richtig (vgl. weiter unten). Komposita 
mit gedehnter Präp. wie j^iJwn ,Zitation*, füood «Ursprung* u. dgl. sind 
offenbar analogisch entstanden nach zdkon^ nähon^ ioused (aus nu&d) 
u. s. w., wo es sich um Präp. handelte, die von Haus aus lang waren. 

Die Bemerkungen auf S. 190 f. müssen nun ergänzt werden. 

Serbokroatisch. Die urspr. betonte Länge wird mit^, die sekun- 
där betonte mit ', die urspr. Kürze und auch die auf s. Boden entstandene 
Kurse (aus steigend betonter Länge) mit "^ und die sekundär betonte mit 
' bezeichnet. Es muß aber bemerkt werden, daß auch sekundär betonte 
Silben mit * bezeichnet werden, wenn diese Verschiebung in eine ältere 
Zeit fällt. Es handelt sich um Fälle, bei denen sich im Wortinnem im 
Serb. ein fallender Akzent entwickelt hatte. Derselbe wurde nicht ge- 
duldet, sondern rerschoben. Hierher gehört das oben S. 206 Anm. er- 
wähnte kopäm^ kopäi . . . gegen die 3. P. PL kbpajü. Diese Formen setzen 
ein kopam^ kopai u. s. w. voraus. Fälle wie tagrada^ r. zagtn-öda^ sIot. 
nigräda (aus ^tägrada wurde tagräda^ dann zagrada^ das ein zagrada er- 
geben mußte) waren schon frflher bekannt (vgl. Afsl. Phil. 21, 8.374—379). 

Es handelt sich nun um die Beschaffenheit der vier Akzente. 
Eine Übereinstimmung in der Darstellung herrscht noch zumeist 
bei '^ und *. Nach der graphischen Bestimmung von Gauthiot 
(MSL. 11, S. 336-340, im J. 1900) haben die mit ^ versehenen 
Silben zwei Intensitätsgipfel, einen am Anfang, den zweiten am 
Ende; getrennt sind sie durch eine mittlere Partie von minderer 
Intensität Vom musikalischen (tonischen) Standpunkte aus haben 
sie einen Gipfel gleich zu Anfang und von hier aus senkt sich 
der Ton (wird tiefer). Dieses letztere Merkmal ist schon früher 
bemerkt worden, so von Masing, Storm. Man wählte das Wort 
süh. Aus der graphischen Darstellung ersieht man, daß der 
zweite Intensitätsgipfel etwas tiefer ist als der erste. 

Es giht jedoch Fälle, wo dieser so charakteristische zweite Gipfel ver- 
schwindet nnd zwar dann, wenn es sich am eine (offene) Auslautsilbe handelt. 

Durch das bloße Gehör hat man bis dahin eher den musik. Cha- 
rakter wahrgenommen. In dieser Hinsicht hat unseren Akzent Storm 
(Engl. Phil. 2. Aufl. 8. 210—212) richtig aufgefaßt: 

Wichtig ist, daß hier auch die zweite 

Silbe des Wortes {-to, -c?) zur Darstellung 

kommt, was leider bei G. fehlt. Die zweite 

zlä — to ^i\\ie ist nach S. tiefer und da hat er 

pf _- vi vollkommen recht. Die graphische Dar- 




222 

stellang, die uns J. Flor schütz im Agramer »Nastavni Tjesnik« Bd. IT, 
S. 43—47 gab, ist unrichtig. 

Der zweite alte Akzent ^ wird allgemein ebenfalls als fallend 
aufgefaßt. Es ist nun interessant, daß G. zu einem anderen 
Eesultate kam. Nach ihm gebe es hier keine Tonbewegung 
innerhalb einer so betonten Silbe: weder die Intensität noch die 
Tonhöhe ändere sich. Das einzig charakteristische solcher Silben 
sei, daß sie deutlich sowohl bezüglich der Tonhöhe als auch be- 
züglich der Intensität von den nachfolgenden Silben abstechen, 
was schon auch M. Novakoviö bemerkt hat (Srpska Gram. 
1, Teil, S. 45fif.). Die nachfolgenden Silben müssen daher tiefer 
und schwächer sein. Leider hat G. wieder nur eine Silbe dar- 
gestellt. Wichtig ist hier auch, daß die Tonhöhe gegen die 
Intensität überwiegt. 

Storm hat unseren Akzent folgendermaßen durch Noten ausgedrückt: 

a) kroatisch b) serbisch Bei b) s. ist die Darstellung an 

4 ^ erster Stelle offenbar unrichtig und 

" 0*it r K H i ß <t 'd ^ ®® ^** ^^' die Zweite zu gelten. Die 

^^ J^ II p -p*^^"j3 hier angegebenen Intervalle sind nicht 

streng zu nehmen, ebenso wenig auch 

0— ko 0— ko 0— ko im früheren Falle. Es soll dadurch 

ne bo nuj. jm allgemeinen die Tonbewegung 

sla— ya charakterisiert werden. 

Eichtig hat im allgemeinen das Verhältnis zweier derartiger Silben 

auch Florschütz dargestellt: 

Q Die beiden sekundären Akzente ^ und ' 

B J n^P j [j wurden im allgemeinen als steigend aufgefaßt 
•^ und G. zeigt uns, daß dies richtig war: sowohl 

sia—ya bei dem kurzen ^ als auch bei dem langen ' 

wächst die Intensität von Anfang bis Ende. Es steigt zwar auch 
die Tonhöhe, aber ihre Steigung ist nicht an jene der Intensität ge- 
bunden : diese Steigung ist viel schwächer und daher begreift man, 
daß Storm und Masing sie nicht immer vernehmen konnten. 

Bei Storm (S. 211] deckt sich die Darstellung des Akz. von p^o 
vollkommen mit dem von oko^. Besser ist die Darstellung des Akz. ': 



rf 



Es ist hier also auch die Steigung angedeutet. 

Die Akzentfrage in der s.-kr. Sprache hat auch 
ihre Geschichte, auf die wir hier freilich nicht näher 

' * eingehen können (vgl. L. Kovadevic im Afsl. Phil. 

(man könnte auch ^' S-686-696). Gegen Masing stellte K. feat, daB 
rV'^ setze ) ^^® ®" ^®r*® ^^^^ gleiche Töne von derselben Höhe 



1. Allerdings muß bemerkt werden, daß unter den Serbokroaten auf 



223 

und Stfirke nicht vertragen und daß die zweite Silbe des von M. ange- 
nommenen Zweisilbenakzentes schwächer und tiefer ist als die erste. 
Doch w&re zur selben Zeit diese Zweite, also auf die hochtonige un- 
mittelbar folgende Silbe höher — auch stärker — als alle Qbrigen tief- 
tonigen Silben; insofern war also die Beobachtung M.s richtig. Nach K. 
hätten die beiden Akzente * und ' am Anfang einen tieferen und am Ende 
der Silbe einen höheren Ton : ihr Ton steige im Gegensatze zu * und ^ 
Die der betonten Torangehenden Silben (das kann nur vor' und ' der 
Fall sein] unterscheiden sich weder in der Tonstärke noch in der Ton- 
höhe von einander; dagegen herrsche unter den der betonten nach- 
folgenden Silben ein bestimmtes Gesetz: es wäre dies das Gesetz des 
progressiven Tonfalles sowohl was die Höhe als was die Stärke desselben 
anbelangt. 

Der Umstand, daß den mit * oder ' betonten Silben keine Länge 
vorangehen kann, spricht entschieden für die hier aufgestellte Behauptung, 
daß alle jene Silben gleichtönig sind, vgl. poispretij^ati, poüpravaljivaii. 
Aus demselben Grunde können die Akzente "^ und '^ nur auf der ersten 
Silbe stehen, denn wenn sie auch in der Mitte vorkämen, so würde ein 
Emporklimmen auf eine solche Tonhöhe (die beiden Akzente * und '^ sind 
auch sonst höher und stärker als * und ') schwer fallen gegenüber der 
Tieftonigkeit aller vorangehenden Silben und die Sprache müßte sich 
nach einem Mittelton umsehen. 

Es versteht sich nun von selbst, daß nach den fallenden Akzenten 
* und '^ nur tieftonige Silben folgen, deren Höhe und Stärke des Tones je 
weiter gegen das Ende des Wortes, desto mehr abnimmt. Dagegen wäre 
es unnatürlich, wenn nach den steigenden Akzenten ' und ', bei welchen 
der Ton gerade am Ende der Silbe seinen Höhepunkt erreicht, in der 
nächstfolgenden Silbe gleich volle Tieftonigkeit eintreten sollte. Wenn 
schon die s. Sprache bei den tieftonigen Silben ein progressives Tongefälle 
liebe, so erfordere sie um so eher zwischen dem aufsteigenden Hochton 
und der Tieftonigkeit eine Vermittlung. Diese Vermittlung, d. h. den 
Mittelton zwischen den Akzenten ' oder ' und den nichtakzentuierten, 
tieftonigen Silben bilde eben jener zweite Bestandteil des von Masing 
angenommenen Zweisilbenakzentes. 

So kommt KovaöeTiö zu folgenden in der s. (und wie er 
sagt, wahrscheinlich auch in der kr.) Betonung herrschenden G^ 
setzen: 

1) Die mit dem stärksten und höchsten Ton versehene Silbe 
des Wortes ist die akzentuierte. Es gibt nur eine so betonte 
Silbe, folglich auch nur einen Akzent im Worte. ADe übrigen 
Silben des Wortes sind tiefer und schwächer als die akzentuierte. 

zehn, die gut sprechen, kaum einer kommen soll, der die beiden Akzent- 
arten pero und oko genau nach dem Gehör unterscheiden kann (Afsl. 
Phil. 19, S. 580). 



224 

2) Es gibt vier Akz.: zwei mit fallendem C ^^^ ) ^"id zwei 
mit steigendem Ton (' und '). Die beiden ersten können nur auf 
der ersten (oder einzigen) Silbe des Wortes stehen, die letzteren 
auf allen mit Ausnahme der letzten (oder einzigen) Silbe. 

3) Alle den Akzenten ' und ' vorangehenden Silben sind 
tieftonigy kurz, von gleicher Höhe und Stärke. Beietar glaubt, 
daß selbst auch hier in den einem steigend betonten Vokal voran- 
gehenden Silben ebenfalls eine gelinde stufenweise Steigerung der 
Tonhöhe zu hören ist (Afsl. Phil. 19, S. 581). Wir bemerken 
zwar etwas ähnliches im Slov., aber da wirkte wieder die fallende 
Int. im entgegengesetzten Sinne, d. h. auf die folgende Silbe, was 
im Stok. nicht der Fall ist 

4) Alle der akzentuierten nachfolgenden Silben fallen sowohl 
in der Tonhöhe, wie in der Tonstärke, bis zum Ende des Wortes 
progressiv herab, sie können kurz oder lang sein, die langen ent- 
sprechen in ihrem Wesen den mit '^ und die kurzen den mit "^ 
akzentuierten. 

5) Die nächste Silbe, welche auf eine mit steigendem Akzent 
versehene (' oder ') folgt, ist sowohl was die Kraft als die Höhe 
des Tones betrifit, mitteltonig, indem sie den letzten Kulminations- 
punkt des Hochtones mit allen übrigen tieftonigen Silben ver- 
mittelt 

Auch diese mitteltonige Silbe (Dach M. die zweite Hälfte des Zwei- 
silbenakzentes) kann, gleich den übrigen tieftonigen Silben, lang oder 
kurz sein und in ihrem Wesen entspricht sie den mit '^ oder * akzentuier- 
ten Silben^ 

6) Der Mittelton ist im Verhältnis zum Hochton tief, während 
er im Verhältnis zu den ihm nachfolgenden tieftonigen Silben die 
Bolle eines Hochtons spielen dürfte. Ebenso ist jede dem Akzent 
des Wortes näher liegende Silbe verhältnismäßig höher als alle 
weiter folgenden. 

Wenn wir die Int. der kurzen Silben im S. betrachten, so sehen 
wir, daß sie zweifach ist: fallend C) oder steigend ('). Die steigende 
ist allerdings erst später entstanden: vodOf ihia (itokavisch). 

Die fallende Intonation zeigt sich jetzt bei urspr. Kürzen: bo^a 
(Gen. zu bog), klia oder auch bei urspr. Längen, die infolge der einst 

1. Wir sagen jetzt: bei ' und ' ist die folgende ursprünglich lange 
Silbe lang oder kurz, je nachdem sie fallend oder steigend betont 
war; die Verkürzung hat schon bei dem urspr. Ton stattgefunden, da 
sie auch im Öak. vorkommt. Erst nach dieser Verkürzung wurde der 
Akz. auf die Torhergehende Silbe Terschoben. 



225 

steigenden Int. verkürzt wurden: krava, ffina. Zwischen diesen beiden 
Arten der Kürzen, die also den nrspr. Sitz des Akz. bewahrt haben, gibt 
es jetzt keinen unterschied. Aber daß dem einst nicht so war, zeigt uns 
das Slov. Dem §tok. "* entspricht zwar im Slov. ' z. B. kwra, stok. lcor% 
aber auch ^: od boga, itok. iloga, od boga. Das kann nur so erklärt 
werden, daß auch die Kürzen einmal eine verschiedene Int. im Südslav. 
hatten, wie wir schon oben S. 206 sahen: bdga^ fitok. boga konnte nur 
eine fallende Int. gehabt haben, dagegen itok. JImto eine steigende. 

Ebenso muß darnach itok. krava, slov. krdoa. r. kortfva, itok. pßna, 
slov. ppna einmal eine steigend betonte Kürze enthalten haben, weil es 
im Slov. eben so behandelt wurde wie die steigend betonte nrspr. Kürze 
z. B. in kdra (vgl. auch Leskien in Afsl. Phil. 21, S. 821—322). 

Entstehung der Stok. Neuerungen hinsichtlich des 
Akzentes. Es bandelt sich darum, wie sich die jüngere Ak- 
zentuation des §tok. aus der älteren, die noch im öak. vorliegt, 
entwickelt hat. Eine Erklärung finden wir schon bei Gauthiot 
(MSL. 11, S. 339, im J. 1900) angedeutet, und die ist jedenfalls 
richtig. Nachdem er konstatiert hatte, daß die urspr. Be- 
tonung im S. immer gleich mit der Tonhöhe und Ton- 
stärke anhebt, bemerkt er, daß sich infolge dessen die Stimme 
schon vor der betonten Silbe heben und verstärken 
müsse; diese Verstärkung und Erhebung finde aber schon inner- 
halb der vorhergehenden unbetonten Silbe statt Auf diese Art 
kann natürlich allmählich der Akz. verschoben werden. Jeden- 
falls ist das Anheben der ursprünglichen Betonung immer gleich 
mit der Tonhöhe und Tonstärke der wichtigste Umstand bei dieser 
Eridärung. 

So erklärte es auch BeSetar in dem gleichzeitig erschienenen 
Werke (Die s.-kr. Betonung südwestl. Mundarten. Wien. 1900. S. 8 ff.). 
Man brauche sich nur gegenwärtig zu halten, daß in den s.-kr. Mund- 
arten mit älterer Betonung, also vorztiglich in der Sak., in den Fällen, 
wo vor dem fallenden Akz. eine oder mehrere (unbetonte) Silben stehen, 
kein Sprung vom Tieftone zum Hochtone stattfinde, sondern der Ton 
allmählich vom ersteren zum letzteren steige. Dies könne man be- 
sonders leicht dort wahrnehmen, wo dem Haupttone eine lange Silbe 
vorausgeht, z. B. rükaj gläva; in solchen Fällen wäre die steigende Be- 
wegung auf der (unbetonten) Länge neben dem Hochtone und Nach- 
drucke auf der folgenden Silbe so deutlich, daB Leskien bezüglich der 
5ak. Mundarten von Lesina und Lissa vielfach im Zweifel war, welche 
der beiden Silben eigentlich als die betonte anzusehen sei. In einem 
Teile des serbokroat. Sprachgebietes hätte die steigende Tonbewegung 
in der Silbe vor dem Hoch tone, welche auch mit einer Tonverstärkung 
verbunden sein mußte, allmählich auch den Nachdruck auf sich gezogen, 
so daß zunächst auf der ursprünglich betonten Silbe nur der höchste 
Yondrik, Vgl. iIat. GTanai. I. 15 



226 

Ton verblieb, während der stärkste Ton sich von derselben trennte 
and auf die vorhergehende Silbe überging: aus voda, rüka wurde also 
zunächst v6da, rüka, wo die erste Silbe (steigend and) stärker, die 
zweite dagegen höher ausgesprochen wurde. In einer weiteren Stufe 
der Entwickelung wäre dann aus vdda, rüka das gewöhnliche itok. vdda, 
rüka einfach dadurch entstanden, daß die (ursprünglich betonte) zweite 
Silbe unter den am Ende der (nunmehr stärker hervorgebrachten) ersten 
Silbe erreichten Ton sank, mit anderen Worten, nachdem die zweite Silbe 
den Nachdruck an die erste Silbe verloren hatte, g^ng für sie allmählich 
auch der Hochton verloren. Man hat hier natürlich eine ganze Beihe 
von Übergangsstadien anzunehmen. Das wichtigste wäre das, wo der 
stärkere Ton schon auf der (steigenden) ersten, der höhere dagegen 
noch auf der zweiten liegt, denn diese Stufe wäre noch heutzutage in 
solchen Mundarten anzutreffen, welche den Yeijüngungsprozeß in der 
Betonung noch nicht vollkommen durchgemacht haben (einige südSak. 
Dial., auf der Insel Lagosta, Dialekt von Lumbarda auf der Insel Gurzola). 
In dem erwähnten Sinne könnte man also von einem > Doppelakzent < 
sprechen. 

Die neuen steigenden Akzente begannen sich nicht auf ein- 
mal in allen Fällen zu entwickeln, yielmehr unterscheidet hier 
R drei Stufen unter den Stok. Dial. Es wurde nämlich der 
ältere Akzent erhalten: 

a) in allen Silben ohne Unterschied: sväa, sesträ, lopatdj 
je^k, neprävda, vode; 

b) in allen Silben mit Ausnahme der kurzen offenen im 
Auslaut (also wohl lopata, fezlk, neprcvda, vode, aber kein mla, 
sesträ, sondern svüa, aistra); 

c) nur auf langen Silben beibehalten: nur neprävda, vode, 
aber weder lopata, jezUc, noch svüa, sestra. Dazu kommt natür- 
lich die letzte Stufe 

d) der Akz. ist im allgemeinen um eine Silbe verschoben 
(Akz. des Vuk): niprävda, vödS, lopata, jkzik, svüa, sistra. 

Es muß bemerkt werden, daß sich die alte Betonung am meisten 
auf den langen Silben behauptet, ja es gibt Dialekte, die die alte Be- 
tonung nur auf langen Silben gerettet haben. Nun ist es allerdings 
auffallend, daß beim Typus b) der alte Hochton in Mittelsilben und ge- 
decktem Auslaut erhalten bleibt: lopata, jeük, während es bei unge- 
decktem Auslaut 9vÜa^ i^a für 9vlta, iena heißt. Daher meint Leskien 
(Afsl. Phil. 23, S. 562), der Umstand, daß auch 5ak. Mundarten (Trau), 
die nach dem alten Prinzipe betonten, diese Fälle vermeiden: rüka, vöda 
(mit Dehnung ffir vöda), könne darauf führen, daß ein svila, vbda des 
Typus b) von der Entwickelung der Yukschen Betonung unabhängig sei. 

IL.S Erforschung einiger ätok. Dial. brachte das Besultat, 
daß man nicht mehr die öak. Betonung der stok. ohne weiteres 



327 

entgegensteUen kann. Bezfiglich der bedingten G^genübersteUung 
des öak. zum Stok. hat sich auch schon A. Ma^nranid ähnlich 
ausgesprochen (Slovnica H^rratska. 4. Aufl. 8. 24). An eine 
scharfe Abgrenzung denken wir freilich heutzutage nicht mehr 
und wenn wir vom dtok. Dialekt in akzentueller Hinsicht sprechen, 
so haben wir einfach die Vuk'sche Akzentuation, die sich auf ein 
bestimmtes Stok. Gebiet erstreckt^ im Sinne. AndererseitB muB 
auch herYOi^hoben werden, daß das öak. doch einen starken 
Gegensatz zu den Stok. Dial. in akzentueller Hinsicht faüdet und 
zwar durch den sog. langen steigenden Akzent 

Wir wissen, daB der steigende Akz. im 6t6k, regelmiAig nur alt 
Ersatz eines ftlteren fallenden Akz. erscheint, dessen orspr. Lage auf der 
n&ehst folgenden Silbe war, z. B. gidva ans glava. Es gibt aber Fallet 
wo dieser Akz. nicht auf diese Art erkl&rt werden kann nnd diese sind 
insbesondere im Öak. (namentlich in manchen Mundarten) h&ufig. Wir 
haben schon oben S. 198 f. solch einen steigenden Akz., der als nrslaT. er- 
scheint, auch im §tok. kennen gelernt. Die Erhaltung des alten Akz. im 
Gen. der o-Stämme ist wohl begreiflich« wenn man bedenkt, daS es not- 
wendig war ihn Yom Nom. Akk. 8g. Hask. zu scheiden. Es handelt sieh 
ja um eine Periode, in der sich der EinfluA des Gen. der »-Stämme, der 
eine Dehnung des auslautenden Halbvokals {roks. Im», daraus rokä, Ihnä, 
Tgl. Verf. pAvodu kijeTsk^ch listA ... S. 23f.) herbeiführte, noch nicht 
geltend machte. 

In den £ak. Mundarten tritt dagegen dieser Akz. häufig au£ 
Schon M. behauptet, daß die öak. Mundart diesen Akz. kenne 
und führt zahkeiche Beispiele dafür an. Nemaniö unterschied 
dagegen in seinen 2ak.-kroat Studien nur einen langen Akzent, 
was aber unrichtig ist, wie schon Jagiö bemerkte (A6L FhiL 7, 
S. 491). 

Der lange steigende Ton kann zunächst in gewissen Ffillen ebenso 
wie im ätok. durch eine Akzentverschiebung entstanden sein. In anderen 
Ffillen ist er aus einem kurzen fallenden oder steigenden Akz. henror- 
gegangen. 

Das sind aber nicht so zahlreiche Fälle. Viel häufiger ist 
er dagegen in den ursprünglich akzentuierten langen Silben vor- 
handen. So wären nach den Aufiseichnungen M.s im kzoai 
Eüstenlande (in Vinodol) alle akzentuierten langen Silben im 
Auslaute steigend betont: bdn, Bio, böj, kröj u. s. w. vodij bradi 
U.8.W.; pijim, täeätm, dagegen nur 8Üd jYasf gegen sud yG^richt'; 
lüg ^ucusfj lüg ^via^ 

In den Anfangs- und Mittelsilben haben wir in den 6ak. 
DiaL dort vorwiegend einen langen steigenden Akz., wo auf der 

15* 



228 

TCHrletzten "Silbe in den ito-Mundarten der lange fallende Akz. 
steht oder vorausgesetzt werden kann. Der steigende Akz. bleibt 
hier auch im öak., wenn diese Formen in der Flexion oder En- 
klise um eine Silbe mehr bekommen: lÜ6e (Stok. Iiä6e yLaubO, 
pruöe, tdkje, pirjs (itok. perje ^e Fedem^y grq^p porugq^ 
(Stok. parügäiie); kridiAe, arüije (&tok. drittje), crlkva, Uja — zida 
(fitok. üda); kUtva (6tok. kletva); jednöga, dobrfga, zUga, jq san. 

Mit der Erklärung dieses Akz., die uns B. gibt, können wir 
wohl nicht übereinstimmen. 

Er konstatiert, daß in den itok. Dial. fast nie eine Betonung wie 
Uide, dräfi, vidim^ wMm, UHm a. 8. w. vorkomme, ja diese F&Ue wären 
hier ganz und gar ungewöhnlich. Mit dem Öak. stimme in dieser Hin- 
sicht das Kajkayische überein. Der Umstand nun, daß der steigende 
Akz. auf langen Silben in dieser Geltung in den Stok. Dial. mit älterer 
Betonung nicht vorkomme, spreche jedenfalls, wie er meint, nicht für 
dessen Ursprünglichkeit. Und wenn umgekehrt der &k. lange steigende 
Akzent zum größeren Teile durch einen ebensolchen Akz. in den kajk. 
Dial. und im Slov. unterstützt wird, so könne dadurch die Sache nicht 
ohne weiters als entschieden gelten, denn die slov. und auch die kajk. 
Betonung hätte sich erwiesenermaßen in mancher Beziehung von der ur- 
slay. noch mehr entfernt als die neuere Stck.; man müsse daher die 
Möglichkeit zugeben, daß« wenn nicht in allen, so doch wenigstens in 
einem Teile der hierher gehörigen Fälle (z. B. lüde, mlddi^ piiei u. s. w.) 
der steigende Ton im Kajk. und Slov. gegenüber dem fallenden im ätok. 
(Itide, mladt, fnisi) sekundär sein kann, in welchem Falle dann die öak. 
Dial., wie auch sonst nicht selten, an derselben sekundären Erscheinung 
teilnehmen würden wie das Slov. und Kajk. (»S.-kr. Bet.« S. 25—26). 
Diese Deduktion ist unrichtig, da umgekehrt die itok. Int. sekundär ist. 

Es handelt sich hier um eine §tok. Eigentümlichkeit, auf die 
ich in BB. 30, S. 138—139 aufinerksam machte und die darin 
besteht, daß vor einer §tok. Länge die betonte vorher- 
gehende Länge eine fallende Int. bekommt, mochte sie 
urspr. steigend oder fallend betont gewesen sein, vgl. 
z. B. r. zdarövffj, dagegen gtok. zdrävi (b. zdräv, s. zdräv also 
steigende Lit); därt zu star, b. stdr, aber auch mlädi zu ndad, 
r. tnHad (b. mldd später gedehnt); femer vrätü, vräti u. s. w. 
(und darnach vrätlm), gegen r. vorötiH, vordtitb, b. vrätÜ, vrili, 
also ursprünglich mit steigender Lii; weiter nüMlm, slov. aber 
richtig mUttim, b. mldtim. Ebenso gehört natürlich hierher piS^^ 
b. dagegen ptiei, piäe also mit der urslav. steig. Lit Analog 
müssen auch die Fälle wie liSde, perje u. s. w. beurteilt werden, 
^enn das e geht auf urslav. te zurück und war demnach Ursprung- 



229 

lieh lang. Die £aL steigend betonte lÄnge ist somit in den 
meisten oben angeführten Fällen alt, ja sie ist urslay. Sie ist 
insbesondere anch dort alt, wo sie auf einem nrsprachlich langen 
oder im Slav. gedehnten Vokal ruht, wie in jq san^ U bis, vi sU, 
ml bimo n. s. w. Wir begreifen daher, daß sich dameben anch 
noch ein sin, sina (die Akkusativbetonung wurde verallgemeinert), 
müs — muza, pest — pesti, nie aber slna, müia, püti erhalten hat 
Wäre die steigende lÄnge etwas sekundäres, so würden wir ja 
auch hier ein slna erwarten und das sina wäre uns unerklärlich. 
Ebenso ist hier ein glqva — glqvu, rüka — ruke, nie aber ^dcu, 
ruke. Wenn sich also hier so alte Akzentverhältnisse erhalten 
haben, so kann man in der steigend betonten Länge doch nicht 
etwas Sekundäres suchen. Das gilt selbstverständlich von eben 
denselben Längen im Kajk. und Slov. Hier überall stehen diese 
Dialekte bez. Sprachen auf einer älteren Stufe der akzentuellen 
Entwickelung als das Stok. Auf seine Eigentümlichkeit der 
fallenden Int. vor einer Länge werden wir weiter unten noch zu 
sprechen konmien. 

Auch äachmatoT sieht in den steigend betonten Sak. Längen 
etwas altes. Seine Ansichten Aber den s.-kr. Akz. überhaupt hat er uns 
in IzTÖstija . . . 1901, Bd. VI, Hft 1, 8. 344-^68 auseinandergesetzt; sie 
betreffen insbesondere auch die Erklärung der sekundären Akzente im 
ätok. und sind sehr scharfsinnig, wenn wir uns auch wünschen möchten, 
daB sie etwas klarer zum Ausdruck gekommen wären. Nach dem allge- 
meinen Eindruck müssen wir gestehen, daß er eigentlich in der Haupt- 
sache mit Gauthiot und Beietar übereinstimmt, denn auch er konstatiert, 
dafi der Übergang alter steigender (kurzer und langer) Akz. in fallende 
allgemein itok. war: krä^j, pbp^ üode, voda^ napiü, hpata, air^Bkt^ hräva 
wäre zu krSy, pop^ straStk, krafoa^ vode, ooia, napiU^ lopmia geworden. 
Wir haben auch oben bei Gauthiots Erklärung darauf Nachdruck gelegt, 
dafi die urspr. Betonung mit zwei Gipfeln ansetzte und zwar einen ex- 
spiratorischen und einen tonischen. Es kann sich nur darum handeln, 
ob alle hier erwähnten Fälle gleichartig sind also auch z. B. kralj. In- 
deß kommt es hier nicht so sehr in Betracht. Auch weiter können wir 
noch mit S. übereinstimmen, daß im ürslaT. (gewiß wenigstens im Süd- 
slaT. und B.) der fallende Akz. in langen Silben nur im Anlaut möglich 
gewesen wäre, denn das B. zeige nur orö im Wortinlaut (nicht dro, ^e 
wie z. B. promolöom^f naperSd^f zagorödka, ogoröd^, pozoiola u. s. w.). 
Wenn sich im Wortinlaut aus diesem oder jenem Grunde eine fallende 
Betonung zeigte, wurde sie auf die Yorhergehende Silbe übertragen: nach 
harodä — hörodu (horda^ Krdu), würden wir §kovdrodu zu tkovorodä er- 
warten, dafür haben wir aber duhorodu ans *ak0vardq und dieses aus 
*$ko9ardq. Ebenso wäre darnach aus na goht^ na ztwu^ w gdrda, %a ücho. 



SSO 

na raky n. b. w. ein na gohq^ ni stmq, Iz gorda u. s. w. geworden, TgL 
X. na golovu, na stmti, zä ueho^ itok. pm glävu, na itmu; slov. od grada 
(Gen. dagegen gradu)^ na glavo (sonst glavo)\ Vgl. auch s. poviti, slov. 

In der Mehrzahl der itok. Dial. hfttte nun dieses gemeinsla?. Gesetz 
bestanden. Wir werden sagen, war hier die fallende Int. noch so, wie 
im ürslaT., mofite sie natürlich dort, wo sie sekand&r aufkam, analoge 
Erscheinungen hervorrufen. Das genügt uns auch vollkommen, wenn wir 
uns das über die &k. und Stck. Dialekte früher Gesagte vergegenwärtigen. 
Sonst können wir S. bei seinen weiteren Deduktionen nicht mehr folgen. 
Er meint, daß die dem Hochton überhaupt vorhergehende Silbe mit 
steigender Tonerhdhung ausgesprochen werde. Wenn nach einer solchen 
Erhöhung eine steigend betonte (kurze oder lange) Silbe folgte, wäre im 
Worte eine gewisse Harmonie zu Stande gekommen. Wenn dagegen eine 
fallende betonte (kurze oder lange) Silbe folgte, wäre dies nicht der Fall 
gewesen, man hätte daher den Nachdruck auf die vorhergehende Silbe 
gelegt und für die zweite Silbe wäre nur die Tonhöhe übrig geblieben: 
aus do* domu (* bedeutet die steigende Tonerhöhung) wäre zu do damu 
schon im ürslav. geworden. Derselbe Prozefi soll sich nun auf dieselbe 
Weise im Stck. wiederholt haben. Die Hauptsache ist, daB wir von 
fallenden Akzenten ausgehen müssen. 

Quantitätserscheinungen. Die liüigen sind im S.-kr. 
namentlich dann gefährdet, wenn sie unbetont sind. Die kajk. 
DiaL haben unbetonte Längen schon ganz wie das Slov. ver- 
loren. Auch die meisten 2ak. Mundarten haben nach betonten 
Silben die limgen aufgegeben. Auch im Stok. sind die Längen 
nach dem Akzent gefährdet; in den Endsilben werden unbetonte 
limgen mittellang oder einfach kurz ausgesprochen. 

Es entstehen aber auch sekundäre Längen. So bemerkt 
man namentlich bei den Eons, l, Ij, r, m, ^A, j, v, daß sie in 
geschlossener Silbe eine Dehnung herbeiführen, so daß wir in der 
Schriftsprache: kräj — kräja; räj — raja; moj — möja; 6n (l^na) 
u. s. w. (ReSetar S. 27) haben. 

In den Dial. geht es noch weiter; in den 2ak. geschieht es ziemlich 
regelmäßig: ucinil, pal^ dtm, goipodtn, iäv u. s. w. 

Kurze Vokale werden vor den erw&hnten Eons, auch gedehnt, wenn 
noch ein zweiter Eons, dazu kommt z. B. trgovae — trgövca. In manchen 
itok, DiaL bkibt aber noch die urspr. Eürze. In montenegr. Mundarten 
z, ß. Ifca ^Vuk ötjca); konae — konea (Vuk: k^nae — könca). 



1. Leskien erklärt das slov. od grada so, daß der Hochton hier 
seinen alten äitz bewahrt hätte, während er in gradü verschoben sei. 
Ein Präpositionalaua druck wurde aber auch in akzentueller Hinsicht als 
eine graiumatiBcbe Einheit behandelt. 

1 



f 



231 

Sonst kann man bemerken, daA urspr. Kürzen nnter dem Akz. ge- 
dehnt werden, was allerdings ziemlich selten ist. So in Belgrad und 
Bagnsa (hier z. B. üna für Sena^ bei den Öaka?ci in Trau und Sebenico: 
i^na a. s. w.). 

Im Serb. haben wir es auch in einsilbigen Worten mit sekun- 
dären Längen zu tun: itok. bog — boga, iak. bog — böga^ r. bogz, 
böga; bok—böka ^Seite^, 2ak. &<iAr, bdka (und bök — böka), r. boki, 
b6ka. Die Erklärung gab Valjavec (Bad, 132, S. 191 und 
174—175). Er vergleicht bög^ led, dost mit vod, kmet, Ion und 
kommt zum Schluß, daß die Dehnung bei ursprünglich fallender 
Betonung eingetreten wäre (es genügt also nicht, daß das Wort 
stammbetont sei, wie Leskien meinte, vgl. 8. 208f.). 

Wie die fallende Int kurzer Silben entstanden ist, suchten 
wir oben S. 210 f. zu erklären. 

Es mnfi noch bemerkt werden, dafi die Dehnung des boff früher ein- 
treten muSte, bevor es za einer Änderung der steigenden Akzente in 
fallende im Stok. kam, denn nach dieser Änderung h&tte es ja keinen 
Unterschied zwischen *bog und *kmh gegeben. Daher finden wir diese 
Dehnung auch im Öak. Sie ist demnach älter als die itok. Akzentver- 
schiebung. 

Auf S. 228 erwähnten wir, daß im §toL eine betonte 
Länge, mochte sie eine fallende oder steigende Int. 
haben, vor einer anderen Länge immer zu einer fallen- 
den wird. Da langen vor anderen Längen der Bildungssilben, 
zumal wenn diese steigende Lit hatten, schon im Urslav., wie es 
scheint, vetkürzt wurden (vgl. oben S. 212), so kann es sich hier 
entweder um sekundäre liLngen handeln, die also erst im §tok. 
(oder überhaupt S.-kr.) entstanden sind, oder um urspr. betonte 
fallende lÄngen, die im S.-kr. erhalten wurden. Wir haben oben 
itok. zdräm gegen r. zdorövyj angeführt (die Länge t entstand 
hier durch Kontraktion aus einem älteren -yj); femer wätU, 
vräil (nach S. 201 hatte das i im Präs. eine geschleifte Int.), r. 
vordtüb, voritüb, b. auch vrdtü, vrdti. Eine sekundäre lÄnge 
liegt auch vor in piiSi (offenbar eine Übertragung von anderen 
Konjugationen), b. dagegen pi^eif, püe; weiter in lii6e,perje, wo ein 
'te kontrahiert wurde und wo die Länge jetzt schon verloren ging. 

Weiter müssen wir hierher rechnen die Nominative Hräza, 
teza, zedja, süia, vfäa, tvrdja u. s. w., denn das a hatte hier eine 
geschleifte Int, indem es auf /S lit e (z. B. garb'S) zurückging 
und als eine solche Länge sich jedenfiEdls länger hier behauptete 
als das gestoßene a. 



232 

Hierher mögeD wohl auch einige Iter. des Typus pitäm, 
püäi, insbesondere aber biräm zu btraU gehören, worauf oben 
8. 206 Anm. aufmerksam gemacht worden ist Hier sehen wir, 
daß solche Formen speziell 8tok. sind. 

Im Öak. wirkte diese Begel nicht: mil, bestimmt mi/i\ JUv, aber 
»91 ($tok. MvT). ätok. kratkt zu kratak, kratko (r. korötokö, kordtkif, b. 
krdtek, krdtky) ist wohl so zu beurteilen wie 6ir5m; allerdings kommt 
dialektisch auch noch kraiki vor. Sekundär ist auch iititi, sIot. dagegen 
i{it%\ aidmt, slov. s^dmt; osmi, sIoy. ^stni, Eine Länge war vorhanden in 
piUf sloY. p^ti. 

Das Sak. Xlt» neben lUv, mlU neben mti spricht, wie wir schon oben 
S. 191 erwähnt haben, gegen Sachmatovs Ansicht, daß schon in der 
südslav. Gemeinsprache die steigend betonten Längen vor folgenden 
Längen erhalten blieben (im ätok. wurden sie in fallende, also geschleifte 
▼erwandelt), während sie vor kurzen Silben auch gekürzt worden wären. 
In mlU, Hot war ja das t im Auslaut natürlich auch lang wie es noch 
im Stck. iRvt ist und doch blieb hier ein kurzes i (die Kürze datiert hier 
schon aus dem ürslav., wie wir oben S. 213 sahen). 

Slovenisch. Das SchriftsloT. basiert auf dem unter- und 
mittelkrainischen Dialekte. Es weist neben Kürzen auch Län- 
gen auf; diese sind jedoch vielfach neu entstanden. Der Akz. 
ist zwar nicht an eine bestimmte Silbe gebunden, er kann auf 
jeder beliebigen Silbe des Wortes stehen, hat er aber auf einer 
bestimmten Silbe seinen Sitz eingenommen, so hat er meist die 
Tendenz dort zu bleiben. Das gilt insbesondere vom fallenden 
Akz., z. B. dobräva, dobräve, §tok. diArava ,Bäume, Wald'; golQb, 
golqba, §tok. golüb ,Taube' u. s. w. Das Slov. weist also einen 
Übergang von der freien Betonung zur fixen. Ihre Hauptgesetze 
sind von Valjavec ermittelt (Rad, 132, 8. 116—213). 

Im Slov. gibt es einen dreifachen Akz.: 

1) einen fallenden bei langen Vok., wenn die erste Hälfte 
des Vok. hervorgehoben wird. Der Gipfelpunkt ist auch insbe- 
sondere durch seine tonische Höhe im Gegensatze zur zweiten 
Hälfte des Vokals, die tiefer ausgesprochen wird, gekennzeichnet. 
Nach y. beträgt die Differenz etwa eine Sext, z. B. prah, s. prak 
,Staub', r. pirackb. 

2) einen steigenden bei langen Vok., bei dem die zweite 
Hälfte des Vok. hervorgehoben ist. Die erste Hälfte wird tiefer 
ausgesprochen, die zweite höher, z. B. krdlj, krdlja .König', b. 
krdl, r. ioröh. 

3) bei kurzen Silben kommt nur ein fallender Akzent vor: 
räk, s. rak ,E[rebs^ 



233 

Die betonte Silbe beansprucht derartig den ganzen Exspirations- 
Strom, daß die Torhergehenden and nachfolgenden Silben ihre etwaigen 
Längen verlieren, was insbesondere auch von den Endungen gilt, die 
deshalb ihre ehemaligen Int. gani eingebfiBt haben. Nur beim Akz., der 
▼on der Endung auf den Stammvokal verschoben wurde, können mitunter 
noch gewisse Spuren älterer Zustände beobachtet werden. 

Daraus ergeben sich folgende Sätze: 

1) lang kann im Slov. nur ein Vokal sein, wenn er 
betont ist. 

2) ein kurzer oder erst kurz gewordener VoL wird 
gedehnt, wenn er den Ton erhält, den Endvokal ausge- 
nommen. 

3) der kurze fallende Akz. kann nur auf der End- 
silbe stehen. 

Auch hier war die Quantität — und ist es teilweise jetzt noch — 
in inniger Beziehung zur Int. und es mufi daher unterschieden werden, 
ob diese steigend oder fallend war, femer, ob der Wortakz. urspr. auf 
dem Stammvokal oder der Endung ruhte. 

; Im allgemeinen hat der steigende Akzent die Tendenz, 

von der Endung und nur von dieser auf den Stamm- 
vokal bez. auf die vorhergehende Silbe überzugehen 
z. B. slov. gira, 2ak. gora, r. gord, Stok. gira yBerg'; (bos), hösa, 
iak. ho8a, r. bosd, stok. bbaa. Diese Verschiebungen beschränken 
sich aber nur auf gewiße Fälle und sind auch da nicht konse- 
quent durchgeführt 

Konsequenter ist die Verschiebung bei fallendem 
Akz., der in Formen und Worten von zwei oder mehr 
Silben auf die folgende Silbe, die gedehnt wird, über- 
geht: hgg, Gen. hogä^ Dat hogü^ Nom. PI. bog$vi, Akk. Fl. böge 
u. s. w. 

Diese Art der Akssentverschiebung, die sich so grundsätzlich von 
der Stok. unterscheidet, ist sonderbar. V. geht hier von einer Länge in 
der nächsten Silbe aus, indem er sich auf dial. Eigentümlichkeiten wie 
nä möH ,auf die Brücke', mcH : möitü ,Brüoke' (vgl. fitok. moH^ fnQMta, also 
mit fallender Int.) stützt. Während nun die betreffenden Dial. auf dieser 
Stufe geblieben wären, hätte das als Schriftsprache dienende Slov. einen 
Schritt weiter getan, indem es die Längen in Akzente ?erwandelte, wobei 
die vorhergehenden Silben ihren Akz. ganz verloren haben: vgl. slov. 
/M^n, gospfd, kok^i, hol} u. s. w. mit itok. je$en^ gdtpöd, Uoköi, Uolo. Das 
ist aber nicht recht plausibel. Eher wäre es vielleicht denkbar, daß der 

! Grund in dem Verluste des zweiten Gipfels dieser Int. liegt. Dadurch 

wurde der Gegensatz zwischen der zweiten Hälfte eines fallend betonten 
Vok. und der nächsten Silbe in tonischer Hinsicht bedeutend: die nächste 



234 

Silbe hatte nämlich einen höheren Ton als jene unmittelbar vorhergehende 
Hälfte. In dieser Bichtang konnte dann der Akzent allmählich ver- 
Bchoben werden. 

Ans dem Slov. kann man nicht immer, obzwar es viele Altertümlich- 
keiten oder wenigstens noch ihre Sparen in akzentueller Hinsicht bewahrt 
hat, den urspr. Sitz des Akz. ermitteln. Um den älteren Sitz des Aks. 
hier beurteilen zu können, ist es mitunter wichtig, die Qualität der 
Vokale • und o, die sie unter dem Akzente erlangt haben, zu beachten. 
Es kann hier nun bemerkt werden, daß ein ursprünglich betontes • und 
o im Slov. geschlossen, eng, ist und es wird mit ^, g oder ^, p be- 
zeichnet. Die Differenz ist gering: ^ oder f = f (i tönt nach), { oder 
^ SS f« (i tönt vor •), ^, ^ nähert sich dem «, f, p nähert sich dem «o. 
Ein ursprünglich unbetontes o, « ist dagegen offen, z. B. köra^ r. kord 
(es stimmt also nicht zum s. Icora), In auAertonischen Silben kommen 
die Laute f, g selten vor: l^potd^ itok. y^pbta ,Schönheit'. Der slov. Ak- 
zent ist deshalb auch wichtig« weil wir aus ihm die Qualität der Int. 
bei kurzen Silben ersehen können z. B. hgg^ Gen. hoga^ itok. hdg^ hoga 
(S. 208). 

Von den steigend betonten Längen nimmt V. an, daß 
sie im allgemeinen verkürzt und nachträglich wieder gedehnt 
worden sind, wie auch die ursprünglichen steigend betonten Kürzen, 
wenn es sidi um offene Silben im Inlaute handelt. Im Auslaute 
hat die nachträgliche Dehnung nicht stattgefunden, also auch 
nicht bei einsilbigen Worten, vgl. slov. räk, §tok. rak ,E[rebs^; 
madräa ySandviper', dagegen rdka, rdkavica, doch finden wir 
Formen mit der Dehnung in der letzten Silbe oder selbst auch 
bei einsilbigen Worten: Gen. PL nog zu nöga ,Fuß*'. Allerdings 
geht nicht selten der steigende Akz. in den fallenden über und 
zwar insbesondere dann, wenn die Silbe geschlossen wird; das 
ist aber eine neuere Erscheinung: druzba, slüzba u. s. w. statt 
des älteren druzbä, sluzbä. 

Da die nachträgliche Dehnung- in den angegebenen Fällen 
eintreten mußte, ist es nicht klar, ob es auch Fälle gibt, die die 
urspr. steigend betonte Länge unverändert erhielten. Da wir 
aber solche lÄngen selbst auch im §tok. im Gen. Fl. der o- und 
a-Stämme gefunden haben und da sie in diesem Kasus auch im 
Slov. vorkommen, liegt es nahe, sie auch hier für unverändert 
anzusehen, vgl. oben S. 193 den Gen. Fl. otrgk, kgnj u. s. w. 
So glaube ich, daß dies wohl auch in anderen Fällen möglich 
wäre. 

Auch V. nimmt einige solche Fälle (8. 159—161) an. So in däSa, 
itok. dada ,da8 Totenmal'; grdja. ätok. gräda ,BaamateriaP, r. goröia; 
Jfia, Stok. iaia ,Ablaat — Kanal* ; Iddja, Stok. lada, klr. Iddja und r. hd»jd 



236 

ySchüT; Mfdjo, Itok. auda 3ichter*; Hrdza, itok. siraio, r. itoroia, b. iiräze 
.Wache'; «tiia, itok. »uia .Dürre*; t^ia, <tok. üia, h. Uze .Schwere'; iifa, 
itok. ieauj 2ak. z^a .Durst' ; dann j^tra^ itok. ßtra, 2ak. jdtra, b. /^ra 
.Leber*; p^juca^ itok. j^Am^ (Fem. S^.), b. pUee a. b. w. 

Dann die Neutra auf 'Je (aus -^e): sIot. cpf<;V, itok. evyede, 5ak. 
ev^/e; /iff;«. itok. Ui6*, &ik. 2ii<SB; j^i:;« .Federn', itok. perje, 5ak. j^<0 
u. B. w. p^ti^ itok. p?^ .der ffinfte', i^eÜ, s^Jmi, pmu; im Pr&s. kkUü, 
r. kokSiü, itok. ftfifri; midtHn^ itok. mlotrin, r. mMtnm n. s. w. 

Wir haben hier also Torwiegend solche F&lle, die wir oben auch im 
Öak. konstatieren konnten. Wie wir auch erwähnt haben, ist der fitok. 
Akz. in diesen F&llen sekundär (S. 229). Hierher gehört auch noch eine 
Beihe von Iter. wie ipäoam, itok.«par«m; gtrfljam^ itok. ttryeljäm u. s.w. 

Einige Beispiele für urBprünglich (im Sttdslav.) steigend be- 
tonte Kürzen: sk^, skqta ^Vieh', Stok. skot; vdj, vqja, StoL vod, 
voda yFührer^. Doch gibt es auch Ausnahmen skök, sk^ka, aber 
§tok. skök, skoka ^Sprung^ (im §tok. erwarten wir nicht die Deh- 
nung); napöjj napqja, isk. näpqj, ätok. näpöj, r. napöj, z^ga, fitok. 
zega ^Schwüle^; mqrem^ fitok. morSm ^cannf; vgl. auch si^Sfd, 
808fda, £aL süaeda, r. soseda, fitok. süsjedcL 

Auf nichtletzter Silbe geht ' in " über, wenn die Silbe ge- 
schlossen wird: beim Suffix -ba: bqrhctj brämba, dräiba u. s. w. 
bei -&a; bäjka itok. bäßea, bitka, fitok. bUka, dimka zu dim, 
määea, fitok. madka; miika, fitok. mUka u. s. w.; bei 4a: bürkla, 
ülda, fitok. (Xkla . . und bei anderen Suffixen. Auch opqmba. 

Aber auch die Endung äfiia des Instr. Dual, und -ämi des 
Instr. PL bei Subst auf -d: doskama, nogäma^ glaväima und 
d98kämi, nogämi, j^vämi, iak. nogami, r. nogimi, fitoL nögama; 
beim Suffix -90 und -^k: hrätoe, fitok. bratctc zu hrdt, das9k zu 
Säg; bei KollektiTis: Indfe, bfdje, hr^ige, glQzje, okrtlje; Verbal- 
substantiva: znäAe vgl. znäi; piaäAe vgl ptsal. 

Häufig auch Tor einer nrspr. steigenden Länge: efHar zu ei$ta; 
kfiar zu kfia; kravar zu krdoa\ bahin zu b^än»; hramn zu kräea; httiri, 
^HrOf b$itro; gl^dam^ kupuf$m; bähim itok. babttn; bavim itok. bawlm; 
grSbim itok. grabim .greife, raffe'; vidim itok. titdtm .sehe'; viaim itok. 
i^lKm ,hängeS siiiim .höre*. 

Im Instr. Sg. und Gen. Fl. der stammbetonten Worte auf 
-a; 8 kqiOy kqz zu kqza; z lipo, lip zu Upa ylinde'; z müho, muh 
zu muha yBliege'. 

Im Lok. Sg.y im G^n. Instr. und Lok. PL jener Mask., die 
stammbetont waren, dann auch bei anderen: Lok. Sg. pri km^u, 
na obräzu^ na jd^u, pri kaväöu . . Gen. km^av, obräzav, jd^nav, 
kavädev . . Instr. 8 km^i, 8 obräaA . . LoL Fl. na kmftih, dbräzik. 



236 

Aus Beispielen wie cbskä, £ak. daskä, r. doskd^ ätok. däska; 
druzhä &tok. drüzba (r. drüä>ä); igrh r. igrä, §tok. igra ersehen 
wir, daB der Akzent ' nicht immer von der letzten Sflbe ver- 
schoben wird, wohl aber in dvlH^, Gen. dvira, 2ak. dvara, r. dvord, 
§tok. dvor^ dvira; bdb, hiha, öak. hob, boba, r. bobä, Stok. bob, 
biAa; pip, pip€if öak. pcpa, r. jM>p<f, Stok. pdpa; skU, Mta, r. 
ahotd, aber ätok. «A^oto; ^^^ krdlja, öak. fa*4/# ^^/^^ i^« horSlt, 
koroljd, Stok. Arol;; hrdlja; weiter im Nom. Dat Lok. Sg. bei 
rntja^ 6ak. tfi€*/S; r. m^d, stok. m^Ai; m^Üa, 2ak. meüa^ r. mef^ 
fitok. miüa; sAstra, öak. aeHrä, r. sestrd, Stok. shtra; z6mlja, ehta, 
göra, gröza, k6ra, kösa u. s. w., aber auch brdda, öak. 6ra(2a^ r. 
borodd; brdna, hväla u. s. w. 

Im Lok. Sg. jener Mask. und Fem., die im Nom. einsilbig 
sind und den Akz. '^ haben: na brödu zu br^d; v dölu zu dql; 
na dömu zu dqm; po gödu zu g^; na vözu zu v^z; v kösti zu 
kqst; po m6H zu mqö. Man vergleiche r. na vozü, tn godü und 
ebenso na gldsu zu glas, Stok. gläsu; v stänu, na vrdtu; v m&sti 
zu mögt. 

Der Lok. der «- und t-St&mme war endbetont and hatte eine 
steigende Int. (vgl. oben 8. 198). 

Bei den Neutris auf o im Sg.: bidrg, öak. bedro, r. bedrö^ 
Stok. bidro ,SchenkeP; öäg, öak. öeß, r. dd6, Stok. iOo ,8timS 
weiter: pldtno, öak. plätno, r. polotnö, 8tok. pldtno. 

In einigen Inf.: &r^i; r. ftre«^/; Stok. brisH; gMsHf r. gnesU; 
v^sti r. t?e2^i; Stok. i?^«; ^ö r. tontifo; 2^, öak. Idet, r. I«^^»; 
&r({(2f^ r. brodüh, dann r(i«^i^ i?2f^', Arfdo^, dräzü u. s. w. 

Im Präs. derl.Konj.: bridem, bridei, bride r.bredü, bredeH^ 
bredeiz, öak. breden, bredei, brede; dann auch birem, direm 
XL s. w. 

Im Imper. : bridif g^Üi, pUti, mözi, bin, öüi, väi, läi; dann 
sk^, vlfci, prqdi, stHzi, m&hni. 

Beim Adj. im Sg. Fem., wenn das Mask. einsilbig ist und 
den Akz. " hat: Fem. bldga r. blagä, Stok. bldga zu bläg; drdga 
zu dräg; nUdda zu ndäd; bl^da zu bl^ u. s. w. Dann auch noch 
bei Adj.: d6iz9n, öak. düzan, rdwn, öak. rävan u. s. w. Ebenso 
beim Partiz. auf l in gewissen Formen. 

Bei fallendem Akzent mufi der Vokal, falls er von Haus 
aus kurz war, gedehnt werden: bpg, Stok. bog; brfd, Stok. brfd^ 
dpi, Stok. do; ddm, Stok. dorn; drpb, Stok. drob; gpd, Stok. göd^ 
gpH, Stok. göst; h$d, Stok. hCd; mpst, Stok. tnost; npht, Stok. nckat. 



837 

ngs, stok. nös; ^; plpd, gtok. plöd; plqt, ötok. plot; ppt, Stok. pot; 
rgd, 6tok. rod; rpg, Stok. rög; r$k, Stok. rok; «iöA, Stok. dcok; 
8pk, Stok. ^A;; ^f^; vgz, fitok. war; 2t^ £ak. zvön (Stok. zrono). 
Worte der t-DekL wie kpa, Stok. A:o^; mpd, Stok. iiiod; n^ Stok. 
noö; spi Stok. ^ o. s. w. dann l^, Stok. {edf; iitf(2, Stok. med. 

Von der i-DekL: ;??<J, Stok. peö, dann: 7^?, W^, m^, pl^a, 
sm^, i^, t^ö u. 8. w. Dieser Akz. rückty wenn das Wort an 
Silben zunimmt, immer auf die nächste: ledü zu 2^. Aber auch 
kolp, fuhd, Stok. kclo, nebo, gasppd, stok. gospöd u. s. w. Selten 
sind mehrsilbige Worte, die ihn auf der ersten Silbe behalten, 
wie v^t»r, fnSs9c, mi99i, vqtpi, wo also der Halbvokal eine Bolle 
spielt, ebenso in dne aus dtne u. s. w. 

Ein Präpositionalausdruck gilt als ein Wort: bpg, Gen. böge, 
aber od hgga und Stok. bog, boga aber od boga; gräd, gradü, aber 
iz gräda und Stok. grad, gräda, aber od gräda; gräd pred gräd 
und Stok. pred gräd; tuhg, na n^, Stok. na nÄo; gradü, iza 
gräda, Stok. Iza gräda; v^, pov^, prippv^, Stok. tüjest, popi- 
jest, prtpovijest; v^, pov^, zapqvfd, Stok. zapovijed u. s. w. vgl. 
auch r. nd rodz, nd bokb, pö Usu, p6 dvoru, Izb domu, zd ruku, 
zd borodu u. s. w.^ 

Dieser verschobene fallende Akz. kommt vor: 

Im Akk. Sg., Nom. Akk. Dual, und PL solcher Subst, die 
das a des Nom. jetzt noch betonen oder es einst so betonten: 
Akk. vodq, stok. vodu, r. vödu, Nom. Akk. Du. vod?, PL vod^, 
Stok. vode zu vöda; kozq, koze, koz^; ntejq, nteje, meß; nogq, 
nog§, nog^; smolq, smol^, smcl^; vgl. auch na gdro, v rqke, na 
glävo. Wie schon oben S. 236 erwähnt wurde, haben diese 
Worte im Instr. Du. und PL -ama, ämi, aber hier ist der Akz. 
nicht verschoben, vgl. £ak. nogämi, r. nogämi, Stok. nögama. 

Im Gen. PL haben derartige Worte Formen wie zemalj und 
zimdlj. 



1. Es ist darauf zurückzufahren, daß im Wortinnern eine Silbe mit 
einem fallenden Ton und zwar schon im ürslav., wie es scheint, oder 
wenigstens im Buss. und SCLdslay. nicht geduldet wurden, sondern ihren 
Akz. an die vorhergehende abgab. Im Slov. rückte er dann wieder auf 
die nächstfolgende Silbe (vgl. S. 230). Leakien nimmt dagegen an, daB 
die älteste Betonung od hlga, na glatxj^ pod obiäk war und meint, es lasse 
sich nicht erweisen, daß das Slov. diese alte Betonung in seinem od 
boga, na glävo, pod oblak nicht festgehalten habe (Afsl. Phil. 23, S. 392 
—398). 



238 

Auch drei- und mehrsilbige Worte wie dezäa: dezd^, deid?, 
dezd^, Ifpöta: Ifpotq, Ifpoti, Ifpot^. 

Im Gen. 8g. und im Nom. Akk. Dual, und PL bei einsilbigen 
Mask. mit fSedlendem Ton: gradü, gradä, dradövi, grad^, grad$ve. 
Im Dat Sg. gewöhnlich auch hogü, mozü, svftu. Wenn die Worte 
das Suffix ov annehmen, bekommt es diesen Akz.: sinpvi, ain^, 
singvom, pri sin^ih, nur im Gren. PL singv. 

Bei den Fem. i'-St im Gen. Sg., Nom. Akk. Dual, und PL: 
zu Hvär, Gen. Sg. stvari^ Nom. Akk. und PL stvari; ebenso z. B. 
gqs, gosi; k$H, kasti. 

Dann noch in einigen adjektivischen Formen und {-Partizipien. 

Werden zwei Vokale kontrahiert, so hat man sich das 
Schema zu merken <ia'^ ä und ad=:ä. Hier sind insbesondere 
die Formen igräm aus tgräjem, igrää aus igräjei, igrä aus igräje 
wichtig. Wir haben nämlich oben S. 206 Anm. das s. Igram, 
kopäm, kopää u. s. w. zurückgeführt auf ein älteres *igräfn, *igräi, 
^kopäm, *kopäi u. s. w. und nun finden wir es im Slov. noch 
wirklich belegt^. 

Für ad =^ d hätten wir z. B. Instr. Sg. tq aus *tojö, aksL 
tojq, darnach auch gorq aus *gorojd. 

Bulgarisch. Wie das Slov. verrät auch das Bg. die Int 
der kurzen Silben im Südslav. War die Kürze steigend betont, 
so bleibt der Akz. im Bg. (insbesondere im Ostbg.) an derselben 
Stelle: bg. köza, §tok. kdza, slov. kqza. War dagegen die Kürze 
fallend betont, wird der Akz. wie im Slov. auf die nächste Silbe 
▼erschoben: bg. mari, slov. morj^, §tok. more; bg. okö, slov. okp, 
itok. oko; bg. poli, slov. polj^, §tok. polje» 

Dieselbe Regel gilt auch von den betonten urspr. Längen, 
die zwar verkürzt werden, aber die Qualität des Akz. zeigt sich 
in derselben Weise z. B. bg. kvasit, gtok. kväs; bg. lekit, Stok. 
üfek — lek; bg. darit, Stok. dar; dagegen: hg. grächzt, iichgrah; 
bg. bidvt, Stok. blö. 

Aaf diese ErBcbeinimg hat zunächst Fortunatov aufmerksam ge- 
macht und zwar bei Worten mit der toW-Gruppe, wie z. B. bg. dato, r. 
zölotoj gegen bg. bläto, r. bokfto (Afsl. Phil. 4, S. 675 f.). Das Prinzip 
wurde dann auch tinf die anderen langen Silben ausgedehnt und mit dem 
ätok. verglichen von Gonev (in Sbomik za narodni umotv. u. s.w. Bd. 6, 
8. 3—82, im J. 1891). Bei den langen Silben klappte es überall, aber 



1. Analog muß auch das ostbg. gUdoin, gUdai . . . neben igr^^^ 
igrdjei (Afsl. Phil. 21, S. 1—10) beurteilt werden. 



239 

nicht mehr bei den kurzen, da die von Yaljavec entdeckte Int. der kurzen 
Silben erst apfiter die Sache beleuchtete. Vgl. auch Leakien im Afsl. 
Phil. 21, 8. 1-10. 

In den östl. DiaL ist jede Spur der einst vorhandenen 
Quantität verloren gegangen. Dagegen haben einige maced. Dial. 
bis in die Gegenwart die Länge gerettet (vgL Matov im Sbomik 
za nar. um. u. s. w. 1, S. 462), Im Osten wurde also früher die 
Quantität aufgegeben, weshalb diese Dialekte auch dem R in 
dieser Hinsicht näher stehen. 

Russisch. Das R, welches jeglichen Quantitätsunterschied 
aufgegeben hat, besitzt noch einen beweglichen Akzent. Trotz 
mancher Abweichungen bewahrt derselbe noch vielfach seinen 
urslav. Sitz, ja in vielen Fällen selbst auch den ursprachlichen, 
z. B. zenä, Akk. Sg. zenü, Stok. zina, ihnu ,da8 Weib', gr. y^^ 
9L\,gnd; ebenso snochd ,Schwiegertochter<, Akk. snockü, Stok. mdha, 
snäku ,SchwägerinS ai. mu^df gr. w6q; weiter r. M aus sfM, gr. 
kanoVf ai.aatdin, urspr. ^k^rpiAm; r.ßgö, jemii, iltok.nj^a,nfimu, 
£ak. Aegä, tegä, gtok. tiga; Bb,fho, fmu, woraus ho, tnu. Sobo- 
levskij macht auch aufmerksam auf die r. Eigennamen wie 
Dumavö, Blagavö, Chüravö (S. 271). 

Wichtige Dienste leistet uns auch das B. bei der Bestimmung der 
urspr. Tonqualitfit in Worten mit der Gruppe tori, toU, tert^ UU z. B. 
r. gorodb^ s. grad\ r. goröehb, Itok. grah, b. hrdeh ^Erbse'. 

Viel Altertümliches bieten uns auch die ar. Denkm., soweit sie den 
Akz. bezeichnet haben, doch ist bis jetzt noch zu wenig auf diesem Ge- 
biete gearbeitet worden. 

Der r. Akzent, der exspiratorisch ist, scheint sich auf die vorher- 
gehende Silbe zu drängen. So hat Potebnja bezüglich des Südgroßr. 
und Bogorodickij bezüglich der Schriftsprache konstatiert, daß die 
dem Akz. vorhergehende Silbe durch eine größere Intensität und Klar- 
heit von den übrigen nicht betonten absticht (Brandt, Lekcii po istor. 
gramm. russk. jaz. 1892, S. 34—36). Daraus würde man schließen, daß 
der r. Akzent einen im Allgemeinen mehr fallenden Charakter ange- 
nommen hat. 

Ist die vierte, fünfte, sechste oder gar siebente Silbe des 
Wortes vom Ende an betont, so bekommt die Schlußsilbe einen 
Nebenton: ddoveöeskagb, dpromeUjü, pdchorony, müostovyi, müo' 
stivagö, vsemüosfivSßemü (Sobolevskij S. 264). 

Wichtig ist die Frage, ob das R auch eine verschiedene 
Int bei kurzen Silben gehabt habe. Das könnte natürlich nur 
aus ihren Folgen beurteilt werden und da steht uns leider sehr 
wenig Materiid zu Gebote. Das einzige sind die Präpositional- 



240 

ausdrücke. Bekanntlich wurde im Wortinnem der fallende Ton 
nicht geduldet, der Akz. wurde in diesem Falle immer gegen den 
Wortanfang zu verschoben (also wie später auch im Stok.): z. B. 
r. skövorodu st des erwarteten akavörodu zu akovarodä (nach 
birodu zu horodd). In Piilpositionalausdrücken kommt dieselbe 
Erscheinimg vor. So haben wir im R. 2^ ruku (vgl Stok. ruhi), 
zd borodu (vgl. r. Akk. börodu, itoL brädu). Wenn es sich auch 
vor gewissen kurzen Silben, bei denen man im Südslav. eine 
fallende Int nachweisen kann, regelmäßig wiederholen würde, so 
könnte man dann daraus denselben Schluß ziehen. So hob Val- 
javec nd-foru (vgl. slov. Akk. Sg. gar^ aus fforp) gegen na-völfu 
(vgl. slov. v^lja, gtoL volja ,Wille'), hervor, was dem unterschiede 
bei urspr. IJmgen z. B. jnf garodomb gegen za boUiofm entspricht 
Allerdings haben wir auch Abweichungen wie zd novo (vgl Stok. 
nov, nova, novo). Immerhin könnte man zugeben, daß dieser 
unterschied auch im B. bestand, daß es sich aber in diesem 
Falle um sekundäre Erscheinungen handeln würde, haben wir 
gesehen. 

Das Kleinras 8. stimmt im Allgemeinen mit dem Großr. überein. 
So sagt HanuBz: »Es läBt sich nicht verkennen, daB im großen and 
ganzen eine Übereinstimmung zwischen der klrnss. und russ. Betonangs- 
weise herrscht, aber im Einzelnen findet man doch viele Abweichungen« 
(Afsl. Phil. 7, S. 222). Die von Ogonowski ausgesprochene Ansicht, 
daß die klruss. Betonung in früheren Zeiten von der r. durchaus ver- 
schieden war (Studien, S. 219), ist ganz und gar unbegründet. Es zeigt 
sich auch in akzentueller Hinsicht, daß Kleinr. zu Großr. gehört. Das- 
selbe gilt vom Weißrussischen. 

Der r. Akz. des Yerbums ist wissenschaftlich behandelt Ton P. 
Boyer (L'acoentuation du verbe r. Paris. 1896), bezügl. des Nomons 
findet man Einiges bei R. Brandt (Na^rtanie sla?. akcentol. Pet. 1880). 
Mehr praktisch ist G. Perot (L*accent tonique dans la langue r. Lille. 
1900). 

PolniscL Das P. hat einen fixen Akzent auf der vor- 
letzten Silbe. Wie uns Mucke gezeigt hat, entwickelte sich 
derselbe aus einem Nebenton, den man noch im Ns., das mit 
dem P. inniger verwandt ist, beobachten kaim. 

Diesen Nebenton kann man nun desto besser unterscheiden, je 
weiter man gegen Osten vordringt, so daß daduich ein Zusammenhang 
mit dem P. als erwiesen erscheint. Man wfirde darnach im P. einen 
Nebenton auf der ersten Silbe erwarten und das scheint auch wirklich 
in vielen Gegenden der Fall zu sein. 



241 

Längen haben jetzt die Polen keine. Das hat zur Folge^ 
daß sie auch fremde längen nicht recht beachten können^. 

Einmal hatte aber auch das P. Längen und der Beflex derselben 
sind die jetzigen verengten Vokale : samogloski ieiednion^ cEyli poehylon^. 
Das beweist die Schreibweise in ap. Denkm. (z. B. an, oo a. s. w.) als 
auch die direkte Nachricht des p. Orthographen im XY. Jhd. Parkosz 
und Zaborowski im XYI. Jhd. Auf Grund dieser ziemlich deutlichen 
Bemerkungen konnte daher Maiecki mit Recht im J. 1863 in seiner 
Gramm. S. 9 behaupten, daß es im XIV. und XY. Jhd. im P. noch einen 
quantitatiTOB unterschied unter den Vokalen gegeben hätte. Dennoch 
wurden die alten Zeugnisse und die alte Orthographie nicht immer 
richtig gedeutet. 

Die p. Quantität hinsichtlich der Nasale untersuchte Loren tz 
(Afsl. PhiL 19, S. 132-167, 339-379) und hinsichtlich aller Yokale 
KuTbakin» in der mit großem FleiB zusammengestellten Arbeit >K» ist. 
i dialekt. poFsk. jaz.c 1908 (im »Sbornik» otdöl. russk. jaz. i bIot. tom» 
73, Nr. 4). 

Daraus geht hervor, dafi die Erhaltung der Längen nicht so 
sehr von der Qualität der Betonung als von der Stellung der 
Länge im Verhältnisse zur betonten Silbe abhängt Lisbesondere 
ist zu bemerken: 

1) unter dem urspr. Akz. wird eine Länge verkürzt, 
mochte er steigend oder fallend gewesen sein (es empfiehlt 
sich offene Silben heranzuziehen, weil z. B. in einsilbigen ge- 
schlossenen Worten sekundäre Änderungen eintraten): tn^, r. 
müka, Stok. müka ,PeinS prz^za, r. prjdza, s. preäa, 2ak. prija, 
h.pr{ee ,6am'; dial. und Schriftsprache: öctia, r. ddia, Stok. dääa, 
b. düe yBecher'; dial. und Schriftspr. rana, r. räna, Stok. räna, 
b. räna ,Schlag, Wunden 

Bei fallender Int : k^ Gen. Sg., r. küsa, Stok. kusaf b. kusa, 
kusu, m^ Gen. Sg., r. müea, ätok. müza, b. muie; diaL und 
Schriftspr. 8adu Gen. Sg., r. säda, Stok. säda, b. sadu u. s. w. 
Dasselbe gQt auch bezüglich des KaSubischen (vgl. Eul'bakin«, 
S. 126-127). 

2) Unmittelbar vor dem urspr. Akz. bleibt die Länge 
erhalten: mqka, r. mukd, Stok. müka, öak. müka ,Mehl'; prqd 
— prqdu, r. prudz, prudä, s. prud, prüda ,Strom, Sandbank, 



1. Vgl. bei Storm (Engl. Phil. 2. Aufl. S. 14): ^WaB die Polen an- 
langt, scheinen aie nicht so gut wie die Bussen zu sprechen ; sie behalten 
fast immer einen sehr ausgeprägten Akzent und sprechen alle Vokale 
kurz ohne den folgenden Kons, zu verdoppeln, was besonders im Germ, 
das Ohr verletzt: ,Noch ist Pö'len nicht verl5'ren'<. 

Vondr&k, Vgl. «Ut. OnmiD. I. 16 



Dünef; iqka, r. lukd, iak. lükä ^Wiese^; pqd, pqcia, r. puit, puti, 
eak. put, puta ^Weg^; 8q8iad, r. 80sed^, Stok. aüsfed, £ak. «a^e^I^ 
sOaieda; diaL divoh, schriftspr. cAu^oA» yLob', r. chvald, iak. /itfa, 
Stok. divdla; r^, vgl b. n«Ä:a> r. rukä, hat seinen Vokal der 
Akkosativform (Stok. rüku) zu verdanken; so noch in einigen 
Fallen. 

Diese Begel gilt auch bezüglich des Ea§. 

Die Erhaltang der L&nge vor dem Aki. ist ans .auch aus dem B. 
und S. bekannt, aber damit kann man nicht vergleichen, daß im B. die 
▼ortonige Silbe etwas kr&ftiger sei als die anderen unbetonten. 

3) unmittelbar nach dem Akz. wird die Länge wie 
im ^. so auch im P. verkürzt: Qen, Sg. gci^ia zu gciqh 
yTaubeS r. gSlvbja, öak. gaiüba, s. golüba, b. hdiAa; jarz^ Gen. 
Sg. zu jarzqb Stok. järAa, b. jeröba zu jerdb ,Sperberbaum' 
(,E[ranichO; jaärz^a zu jtutrzqb «Habicht', r. jdsMba, itok. ja- 
BtrijAa, b. jestrdba; obr^pza Gen. zu obr^ (obr^) fi/eii^j r. 
6bruöa, &toL obrüöa, b. cbrude; okr^ zu okr^ ^Schifif^y öak. 
Hcnäa; lab^/izia zu iah^, lab^, ldbq6 ,SchwanS r. l&edja, Stok. 
lobuda; otr^ yEleie", r. d^rubi; zoUfizi, r. iaudi, Stok. eelada 
Gten. Sg. (öak. aber zdüda); pami^i Qen. Sg. zu pami^ ,Gte- 
dächtnis'y r. pdmjati, Stok. pam^i. 

Eine Ausnahme bilden im P. und B. mtMtiq^e, mtMtqeo, b. mJMe, 
miiie0 ,Monat'; si|;V» s^<qi^A «Hase', b. zq/ie^ tqfie*; tysiqD, tyiu^ «Tau- 
send*, h.UiiCf r. iysjacä und |iMnu{^, pMiiti^iisa, b./MfiÜE ,GeldstQck', Stok. 
pefOit PI. f. «Greld'. Lorentz nahm an, dafi nachtonige Längen, wenn sie 
eine fallende Int. hatten, verkürzt wurden, bei steigender jedoch erhalten 
blieben, was unrichtig ist. Aber auch Kurbakin ist darüber nicht hin- 
ausgekommen. P. fyM({e, b. <Mie und bIot. iü^ ist eigentlich, wie wir 
weiter unten (bei 9», fi) sehen werden, ein Gen. PI. mit einer Dehnung, 
und der EinfluA dieses Kasus zeigt sich auch in den anderen Worten, 
von denen der Gen. PL eben häufig gebraucht wurde. 

4) Offene Längen im Auslaute werden verkürzt: Akk. 
Sg. traw^ r. tratü, Stok. trdvu; ghw^ r. gHovu, Stok. gUtu; der 
Sitz des Akz. ist also nicht entscheidend. Im Instr. Sg. der o- 
Siämme p. ryb(f, b. rybou liegt eine Eontraktion vor. In der 
3. P. FL &fd^ b. hud4m war die Silbe ursprünglich nicht offen. 

Was die Nominative wie vcid, Akk. vok^ anbelangt, so hat schon 
Baudouin de Courtenay eine richtige Erklärung gegeben (Beitr. VI, 
S. 25—26). Es hat darunter Subst. mit urspr. -»ja gegeben, wie s^itf, 
aksl. m{({m, 9i^ju r. tud^d\ ebenso hra6d. Hier ist die Länge erst später 
infolge der Kontraktion entstanden und hat sich dann bei den urspr. 
/ü-Stämmen überhaupt verbreitet: n^hd^ rold, dold, volä. Analog auch im 



243 

Akk. Sg. volq a. 8. w. Heniiutage aind es dialekt. Eigentfimlichkeiteii. 
Durch Kontraktion ist auch die Länge im Gen. Sg. der Subst. auf »;# 
wie ffilüMfCtf, pokoMd o. 8. w. im Ap. entstanden. 

Daß eine Länge im offenen Auslaute verkürzt wird, können 
wir auch im B. und S.-kr. beobachten. 

6) ürspr. Kürzen bleiben in offenen Silben sowohl 
im P. als auch im B. erhalten. Wird die Silbe geschlossen, 
so erfolgt eine Dehnung nach den oben S. 216 angege- 
benen Normen. 

Polabisch. Hirt kam bezQglich des Polab. in seiner Ab- 
handlung »Die Betonung des Polabischenc (Berichte der kgl. 
Sachs. Gesellsch. d. W. 1896) zu folgendem Besultate: »Auch in 
dem Akzent verleugnet sich die Verwandtschaft mit dem P. nicht 
Sehen wir von der Begel ab, daß zweisilbige Paroxytona Oxytona 
werden, die wir als jung betrachten dürfen, so haben wir die p. 
Betonung auch im Polab. vor uns. Denn wenn Oxytona und 
Proparoxytona zu Paroxytonis werden, diese selbst aber erhalten 
bleiben, so ist die p. Betonung gegeben. Man wird auch leicht 
erkennen, dafi wir es mit zeitlich auseinanderfaUenden, jedenfalls 
auch auf verschiedenen Ursachen beruhenden Vorgängen zu tun 
haben, die allmählich erst zu einem einheitlichen Ergebnis geführt 
habenc (S.242). Por^ezinskij verspricht uns nachzuweiBen, dafi 
die Eihaltung der alten Längen im Polab. unter denselben Be- 
dingungen stattfand, wie im P. (IzvSst VII, Bd. 2, S. 202f.); ich 
vermute aber hier einen noch größeren Anschluß an das Böhm. 

Böhmisch. Betont wird die erste Silbe des Wortes, mag 
es noch so viele Silben haben: vy-hro-vä ,gewinnt', pod-u-diM 
yünterlehrer', vä-le-^ ,eine kleine Walze' (geschrieben vdledek). 
Präpoeitionalaasdrficke werden auch hier als eine Einheit aufgefaßt, 
daher do kouta ,m den Winkel', pod potUli ,anter dem Bette', ebenso die 
Negation mit dem zugehörigen Worte: ne^mäm ,ich habe nicht', ntf-roHBir- 
mU ,da verstehst nicht'. 

Wie wir sehen, trifft der Akz. sowohl kurze als auch lange 
SQben und es handelt sich nim um seine Qualität Diese kann 
natürlich am besten in langen Silben ermittelt werden. Bis jetzt 
hat man ihn nun in diesen Fällen als steigend bezeichnet, aber 
das ist nicht ganz richtig. Schon die graphischen Darstellungen 
einiger b. Akzenttypen hinsichtlich ihrer Tonstärke und ihrer 
Quantität von Gauthiot und Yendryes (MSL. 11, S. 331—335) 
brachten eine kleine Überraschung in dieser Beziehung. Hier ist 
nämlich der Akz. in Uiz-kä allerdings als etwas steigend darge* 

16* 



244 

stellt dagegen jener in vrd-na ^RaW ganz deutlich als feilend. 
Das ist nun richtig: der b. Ak2. ist hinsichtlich der Ton- 
stärke fallend und zwar auch iabUzhd, so daß die Darstellung 
des Akzentes bei diesem Worte nicht als richtig angesehen werden 
muß. 

Man kann es genau bemerken bei Worten, die mit einem Diphthong 
beginnen, wie z. B. in saud ,6ericht' (das ou setzt ein urspr. langes u 
Torans): $o beginnt mit der größten Tonstärke, die dann naehläBt, da- 
gegen scheint bei u der Ton etwas höher zu sein. Analog in hrdoa, hiUU 
n. B. w. Eine analog«^ Divergenz bemerken wir nar in der zweiten Hälfte 
des langen fallenden Akz. im S.-kr., wo wieder die Tonhöhe abnimmt, 
die Tonstärke aber zuzunehmen beginnt, so daß ein zweiter exspiratori- 
scher Gipfel entsteht. Aber sonst kann der b. Akz. weder mit dem 
fallenden, noch weniger mit dem steigenden Akzente im S.-kr. verglichen 
werden. 

Ist der Ton bei langen Silben hinsichtlich der Tonstärke fallend, 
so können wir es mit großer Wahrscheinlichkeit auch bei kurzen Silben 
erwarten. In dieser Hinsicht sind aber die Darstellungen bei Gauthiot 
und Yendrjes offenbar unrichtig. Nach denselben ist er wirklich fallend 
in Xa-/tf-d'y, dagegen in pra-ci'^a steigend; das kann doch nicht richtig 
sein. Nebenbei bemerkt, soll nach diesen Darstellungen, die höchste In- 
tensität in i6«<^0, mi-id, hä-^äi einen Teil der zweiten Silbe erreichen, in 
u-k^nym^ »pa-^i4y€h weist Qberhaupt die ganze zweite Silbe die höchste 
Intensität (Tonstärke) auf. Diese Worte können unmöglich richtig vor- 
gesprochen worden sein. Nur in la-iM-<ly, pra'Vi4a, sa-r^-to/, »ly-Ü-te (wo 
also die dritte Silbe kurz ist) ist darnach die höchste Intensität auf der 
ersten Silbe, was richtig ist, aber nicht mehr in k%&4»i6'ku, pfhUmi'Stvu 
(hier ist po'tom94vu\ wo wieder die zweite Silbe die höchste Intensität 
aufweist. 

Neben dem Hauptton hat jedes drei- oder mehrsilbige 
Wort auch einen Nebenton, über dessen Sitz bei vier- und 
mehrsilbigen Worten nicht gleiche Ansichten herrschen. Was 
seine Qualität anbelangt, so ist er dem Hauptton homogen, be- 
steht also auch in einer Tonerhöhung und Tonverstärkung. 

Nach den Darstellungen des Gauthiot und Yendrjes sind bei allen 
dreisilbigen Worten die dritten Silben, auf denen der Nebenton ruht, 
hinsichtlich der Tonstärke am schwächsten. Daraus würde folgen, daA 
sich der Nebenton nur in der Tonerhöhung äußert, was mir unwahr- 
scheinlich ist Eine mäßige Tonverstärkung findet hiebei jedenfalls statt. 
Wir wollen nun den Sitz des Nebentons in einzelnen Wortkategorien und 
auch das Verhältnis der Silben näher bestimmen. 

Zweisilbige Worte. Die erste hat den Ton. Sind beide 
Silben quantitativ gleich, d. h. beide entweder lang oder kurz, 
oder ist die erste lang und die zweite kuns, so ist in tonischer 



246 

Hinsicht die zweite Silbe tiefer ala die erste und zwar ist im 
letzteren Falle die Differenz am gröBten, also z. B. in krd^va 
yEuh' (betont: krä-wi), anmbek ^ kleiner ZahnS aber auch in 
VMla yWasser' ist der Untersohied hinsichtlich der Tonhöhe so 
großy daß er ohne weitere auffiUlt; desgleichen in strädä ^eidet^ 
(geschr. strädä). 

Ist dagegen die erste Silbe korzi die zweite lang, so erfährt 
die zweite Silbe gegen die erste auch ein« Tonemiedrigong, aber 
diese ist viel geringer als früher, z. B^pc-da ßXi\f (gßBda.padä); 
tMi jAehif (vidi). Die Silben -da, ^{ sind hier nur um geringes 
tiefer als pch, v»-. Dieser Umstand mnfi hier besonders henror- 
gehoben werden. 

Dreisilbige Worte haben den Nebenton immer auf der 
dritten Silbe. Wie schon erwähnt, äußert sich dieser als eine 
Erhöhung und wohl auch Verstärkung der dritten Silbe 
gegenüber der zweiten. 

Sie ist am intensivsten and daher am leiehteeten wahrnehmbar, 
wenn die vorletzte Silbe knrz nnd die dritte lang ist, s. B. Ua-la^mir 
,Tintenfafi' (geschr. kalamär), po-eho-vä {poehotd), 

Ist dagegen die zweite lang and die dritte knrz, so ist sie be- 
deutend geringer und kann infolgedessen nicht mehr so deutlich wahr- 
genommen werden, z. B. vt-jM^k ,kleiner Soldat* (9i0d6$k\ ff t m-Aü^ ä ,Haus- 
Tater* {pmiMß\ Die Tonrerhältniss« derartiger Worte wurden hftufig 
unrichtig aufgefaSt, was zum Teile jetzt noch gesohieht. Da die zweite 
Silbe nach dem Früheren gegen die erste nur eine nicht fllr jedes Ohr 
wahrnehmbare Tonemiedrigung aufweist und eine Lftnge enthftlt, so daS 
ihr akustischer Gesamteffekt den anderen gegenfiber bednutend ist, 
wurde hier häufig der Sitz des Akz, gesucht. Darnach richteten sich 
die Dichter lange hindurch. Wahrnehmbarer ist dagegen die Differenz, 
wenn neben der zweiten auch die dritte Silbe lang ist: pa^tü-dk ,erzfthlt' 
(poMd). 

Viersilbige Worte werden hinsichtlieh des Nebentones, 
der hier nicht so intensiv zu sein scheint wie bei dreisilbigen, 
nicht gleichmäßig behandelt Es ist zu unterscheiden, ob die 
Yorletzte Silbe kurz oder lang ist Ist sie kurz, ist der Nebenton 
auf der yierten Silbe, was namentlich dann dentlicb ist, wenn 
diese auch lang ist, z. B, in do-MOrßrsth ,gewifiS n^ka^inrikä 
,HandBchuhS do-btihiUvp ygütiff (dcbrativ^ de^va^d^-tai ,neimzig^ 
{dewMdudt), po^värii4\ ,erwägen< (poviitti), nhmA'ie4i ,ihr könnet 
nicht* u. s. w. 

Ist jedoch die vorletzte Silbe lang, bekommt sie den Nebea- 
ton: ko-lo-vrä^dc ,Drehorgel^ (kdavrätek), po-nujhhärie ,ihr bellet^ 



246 

{pamahdU, Schriflspr. meist pamdhäte), po4cUSrdarU ^hr beleget' 
{pMddÜe). 

Gebaner lehrt hier abweichend, daA der Nebenton in yiereilbigen 
Worten auf die dritte Silbe komme, gibt jedoch sa, dait er anoh aaf die 
vierte kommen kOnne, beeonders wenn die dritte Silbe kurz, die vierte 
dagegen lang sei (Eist ml. I, S. 578 f.)- Kral möchte wieder eher daran 
festhalten, dafi der Nebenton auf die dritte Silbe komme und auf die 
yierte nur dann, wenn auf der ersten ein besonderer Nachdruck liegt 
u. 8. w. (listy fil. 26, S. 24-26). 

Fünfsilbige Worte haben den Nebenton in der Begel auf 
der vorletzten Silbe: nSfpraiHfj-i^T^ A'^ wahrhafteste', ne-ty- 
luh^-me ywir werden nicht hinausw^en^, korrchfi-^l^tdc ^eine kleine 
Nelke') n/^-po^v^zh^ne ywir werden nicht fOhren', ie-8ti4(hkH^m 
isechsellig'. 

Gebauer ist eher geneigt, den Nebenton der dritten und fOnften 
Silbe Euzusprechen: »«-ey-Ad-dt-M^ (also zwei Nebentöne), dagegen verlegt 
ihn auch Kral auf die yierte. In Zusammensetiungen macht sich mit- 
unter der Einfluß des unkomponierten Wortes geltend und so kann es 
ausnahmsweise auch ütUlöMni heifien. 

Bei sechssilbigen Worten findet man den Nebenton auf 
der ffinften Silbe: nhuym^vUHng yUnverbesserlicbS nijraztamilijH 
yalleriiebst'y aber neodpamdala (neodpavidala) ,sie antwortete nichf , 
weil die drittletzte Silbe lang ist. 

Darnach ist es klar, daß die oben erw&hnten Darstellungen unseres 
Akzentes durch Gauthiot und Yendryes nicht richtig sein können. Der 
Fehler kann durch Torschiedene Umstände herbeigeführt worden sein. 
Es wäre richtig gewesen neben der Tonstärke auch den tonischen oder 
musikalischen Aks. sur Darstellung su bringen, wie es beim s. Aks. im 
selben Band geschehen ist. Ich muß hier noch einmal im Gegensatse su 
Kr&l (in Listy fil. 26, S. 19—20) mit Nachdruck herrorheben, dait jeder 
Hauptton im B. nicht bloB in einer Tonverstärkung, sondern auch 
in einer TonerhOhung besteht und zwar nicht bloß bei der Aussprache 
einzelner Worte, sondern auch im Satze. 

Auch Pedersens Darstellung des b. Akz. (ich kenne sie nur nach 
dem Auszüge des Prager Germanisten Kraus in Listy ftL 30, S. 228f.) 
ist Tielfaeh unrichtig. So glaubt er, dafi ein starker Nachdruck auf der 
«weiten Silbe normal sei, selbst auch z. B. im Worte uUee ,Gasse'. 
Auch wirke hier vielleicht die Erhöhung der Stimme. Er hat überhaupt, 
wie auch Kraus Termutet, die TonerhOhung, die, wie wir sahen, eine be- 
deutende Bolle spielt, nicht Ton dem exspiratorischen Nachdruck unter- 
scheiden können, was einigermaßen befremdet. £s klingt ganz unglaub- 
lich, wenn behauptet wird, daB der höchste Ton sich in uUee auf der 
zweiten Silbe, nicht aber in nime^ ,StraBe*, mhtwne* ,Sprachlehre' finde. 
Die zweite Silbe wäre am höchsten in Zuhai^ (was unrichtig ist), nicht 
aber in ZMbaUho, 



247 

Man findet häufig die Ansicht ausgesprochen, daß die Ver- 
schiebung des Akz. auf die eiste Silbe unter dem Einflüsse des 
Deutschen geschehen sei, was um so plausibler sein soU, als wir 
es auch im Sorb., das auch in nächster Nachbarschaft mit dem 
Deutschen sein Dasein fristet, finden. Im Deutschen gibt es bei- 
lieh idele Präfixe, die unbetont bleiben, so dafi der Akz. hier 
nicht immer auf der ersten Silbe vorhanden ist Im B. haben 
gerade alle derartigen Präfixe den Hauptton auf sich. 

Der d. Einfluß könnte aber trotzdem in dem Sinne gewirkt 
haben, dafi der b. Akz. in exspir. Hinsicht auch fallend geworden 
ist Die Verschiebung konnte dann von selbst eintreten. Wenn 
der Akz. in exspirat Hinsicht im B. ünllend geworden ist, so 
konnte sich, wenn z. B. in der zweiten Silbe eine in exspirat. 
Hinsicht feilende Uknge (die urslav. steigend sein mußte) vor- 
handen war, dieselbe Erscheinung, die wir schon aus dem §tok. 
bei fedlenden L&ngen kennen, wiedeiholen. Es ist ja wahrschein- 
lich, daß ursprünglich eine solche Länge auch mit einem stark 
entwickelten tonischen Gipfel anhob. Eine solche Länge gibt 
ihren exspirat Akz. allmählich an die voihergehende Silbe ab 
und behält zunächst nur den tonischen (musikalischen) Akz., der 
dann fireilich auch verloren gehen kann. So entwickelt sich in 
diesen Fällen in der ersten Silbe ein exspirat Akz., in der zweiten 
Silbe haben wir in unserem Falle Längen mit einer Tonerhöhung. 
Jene Längen aber, die eine üallende Tonhöhe hatten (Befiexe der 
urslav. fallend betonten Längen), sind im B. aufgegeben oder ver- 
kürzt worden. 

Diese Verkürzung moA noch vor der AkzentTerschiebung stattgefanden 
haben. Jeden&lls begannen aber selbet auch noch bei der beginnenden 
Verkürzung diese Silben mit einem exspirat. Tongipfel, so daA eine Ver- 
schiebung auch unter solchen Umständen hätte stattfinden können. 

So war eine ganze Beihe von Worten mit dem Akz. auf 
der ersten Silbe entstanden, andere Worte hatten ihn von Haus 
•aus dort 

Die sekundär betonten limgen im Anlaute nahmen den 
Charakter der urspr. hier noch erhaltenen betonten Längen an, 
die steigend waren, im B. aber auch üetllend geworden sind, und 
das war jetzt hauptsächlich der Grund, dafi auch von anderen 
Silben der etwaige Akz. attrahiert wurde, weil schon in einer 
so großen Anzahl von Worten ein gleicher, fallender Akz. vor- 
handen war. Im §tok. erhielt sich jedoch auf der ersten Silbe 



248 

ein vierfacher Akz., so daß derselbe im Anlaut nicht mehr eine 
80 attrahierende Kraft wie im B. ausüben konnte. Sonst wäre 
es hier gewiß auch zu einer Anfieingsbetonung der Worte ge- 
kommen. 

Dehnungsfähige Silben wurden unter dem neuen Akzente 
nicht gedehnt Es käme höchstens der ab. Aorist: vide aus vMe 
,duxit^ und andere derartige Formen in Betracht, aber da ist der 
Akz. nicht verschoben, vielmehr war er auf der Stammsilbe und 
so kann die Dehnung von der 1. P. Sg. vedz woraus rid ihren 
Ausgangspunkt genommen haben. Analog dann auch iüe, pUie^ 
Solche Dehnungen unter dem Einflüsse des Akz. sind übeihai^t, 
so weit sie vorliegen, späteren Datums und es ist nicht immer 
sicher, ob sie so zu erklären sind. Hierher gehört das volkstüm- 
liche mü-e ,Meer^ (Schriftspr. molre), nini Schiiftspr. nmi (also 
eigentUch eine Verlegung der Quantität), früher auch nyiti st 
nyni (analog wie nini). Sonst bleibt die Kürze trotz des Akz.: 
fmnoku, neayta u. s. w. (vgL S. 221). 

Erhaltupg und Verlust urslavischer Längen. 

1) Urslav. betonte Längen werden im B. erhalten 
wenn sie steigend sind. Haben sie eine fallende Int, 
so werden sie verkürzt 

a) Steigend betonte Längen: ühd ,WinkelS Stok. ügal, 
p. w^id, r. ügol; pouto ,Fes8elS p. pqto, ätok. päto; nouze ,Not, 
Elend', p. n^za, slov. nqja, §tok. nuida, klr. nüza; pfize ,Gam', 
p. prz^dza, Stok. preda, r. prjdza; krdva ,Kuh', 8tok. kräva, bg. 
kräva, lit kdrvS; hrdch (Gen. hrachu st. hrdchu nach dum, domu 
u. s. w.), stok. ffrah, r. goröch, ebenso mrdz ,Prosf , ätok. mräz, 
r. mordz; präh, prahu ,Schwelle*, Stok. präg, r. parög, bg. prägbt; 
hrouda ,Scholle', Stok. gruda, r. grüda; Upa ,LindeS slov. Upa, 
§tok. Upa; päd ,FallS slov. päd, pdda. 

b) fallend betonte Längen; dub ,Eiche', itok. düb, düba, 
r. dub, duba, bg. d^b^t, p. d/i^, d^u; muz ,Mann^, p. tnqz, §tok« 
müz, bg. rmzit; hlad jHimger', StoL gläd, r. g6lod; hrad ,Burg', 
Stok. gräd, r. g6rod^, breh ,Ufer*, Stok. brljeg, brljega, r. biregb, 
bg. bregit; drtA ,Geno8se', Stok. driig, lit draügas; duch ,Gtehöi^, 
slov. slüh; öin ,Handlung<, Stok. öin, &na; syn, Stok. 8%n, r. sgm, 
8^na; dar ,6eschenk', Stok. dar, dära, r. dar^, ddra. 

Zahlreiche andere Beispiele führt F. Öerny an in Listy fil. 24, 
8. 343—354, 421—431 und 27, S. 17—22, doch ist die Int. nicht immer 
richtig angegehen. 



249 

Allerdings haben wir auch im. B. Kürzen statt der erwarteten 
Lftnge bei steigender Int.: cm^ ,ZeitS Stck. <ä«, et 8a, sIot. com, cä$a: did 
jGroßTater*, Itoli. dßd, ^da, %\oY.d\d, ^da, r.did^^deda; Aai , Schlange*, 
B. ^<Mf> ff^da, sloT. ffäd. gada .Viper* ; hnio ,Zom\ Stck. gnßv, gr^'eva, bIov. 
gn^9, gn4va\ krtj ,Kreis, Gegend', s. kraj {" wegen j aus*), Aro/a, slov. 
hrqj, kr4fa; rak ,Kreb8\ itok. rak, raka, sIot. räk, räka; tvat ,der Ver- 
schwägerte', itok. «r«^, «rata, slov. 9vät, tvdia; $yt ,8att', s. äU f. «tta, slov. 
tU, 9iia. Diese Kürzen sind aus bestimmten Kasns mit langen Suffixen, 
vor denen eine Verkfirznng des Stammyokals eintrat, yerallgemeinert 
worden (vgl. Verf. BB. 30, S. 114— 115). Andererseits gibt es auch Worte, 
die Längen bei nrspr. fallender Int. enthalten : Mär ,Glut', itok. iar, iura, 
sloY. Mir: Mir ,die Mästung, das Futter*, Itok. Mtr, Mfra. sIot. MTr; tnih, 
mMu ,Schnee', itok. 9täj4g, tny^ga, sIot. ^nfg, »nfffa, lit. megat. Hier 
haben wir es mit sekundären Dehnungen lu tun, die nach demselben 
Prinzipe zu erklären sind wie z. B. iWIr, dvcrus MA, hoha (vgl. oben 
8. 216 und BB*. 30, S. 116). 

2) unmittelbar vor dem urspr. Akz. bleibt die Länge 
erhalten (also wie im P., 8.): vymka ,MehlS p. nu^, r. fnukä, 
itoL müka; haut, kotUu ,Ecke, Winkel^ p. kq^, kqta, r. kut, ktdä, 
itok. kütf küta; aoud ^Gerichf , p. aqd, r. sud, sudä, itok. süd, 
pUttno ^Leinwand^ r.polatnö, itok.pUUno; Ulö ^Schlüssels r.ldjudh, 
Idjuöä, itok. ilfuö, Hjüöa; lauh ^Lauge', itok. lüg, luga; rauno 
,VließS r. rund, Stok. riino; laridlo ^ügel*, r. krylö (PI. kr^la), 
itok. krüo; vino ,WeiaS r. vinö^ itok. vino; hyk ^tiei^, r. hykh, 
hykä, itok. bik, bika; svtce ,EerzeS r. wSdd, itok. svijica; chväla 
Jiob'^ r. chvalä, itoL hvdla, 

3) Unmittelbar nach dem Akz. wird die Länge wie 
im P. yerkürzt Beispiele vgl. oben 8. 242 beim P. 

4) Offene Längen im Auslaute werden yerkürzt: 
Akk. Sg. hlavu, p. ghw^, r. gölovu; vedu ^führe^ p. tciod^. 

Bezüglich der Kürzen gilt: ürspr. Kürzen bleiben in 
offenen Silben sowohl im B. als auch im P. erhalten. 
Wird die Silbe geschlossen, so erfolgt eine Dehnung 
unter den oben 8; 216 angegebenen Bedingungen. 

Bezüglich der Längen kann noch bemerkt werden: Gibt 
eine urspr. betonte Länge an die vorhergehende erste 
Silbe des Wortes ihren Akz. ab, so wird sie unter dem 
Einflüsse des neuen Akz. nicht selten verkürzt. Hierher 



1. Es ist gans richtig, wenn KuTbakin» wegen kai.ciM — oMa und 
dial. p. eät^ioMm von einem p.-kai. *6MS'^*6äsa ausgeht; da im Ap. ist 
sekundär und infolge der uns bekannten Dehnung entstanden (K» istor. 
S. 181). 



250 

gehören die oben besprochenen Imper. ab. chrani, püi jetzt chran, 
piä; ehrante, püte (S. 212). Weiter das Präs. tnüuju (müußj, 
fnüujeä u. s. w. zu fnäavati ^eben' (vgl. S. 213). 

Hierher kann man aach das Adjektiv nsrad gegen räd ,gern*, ab. 
eist ,rein*, neckt ,anrein' und and. rechnen. Femer zam Teile auch 
das kurze a der Verba der Y. Klasse. Teils war es nachtonig and 
maßte kurz werden so z. B. in dilath teils war es betont z. B. r. cesdtt^, 
8. cisati (vgl. oben S. 203); dieses war im B. lang und ist dann bei der 
b. Akzentverschiebung kurz geworden: eeiati. 

Das setzt voraus, dafi der neu verschobene exspiratorische 
Akz. sehr intensiv war. Dort, wo er nicht verschoben war, d. h. 
wo er von Anfang an auf der ersten Silbe ruhte, behaupteten 
sich eher die Längen, wenn es sich nicht um offene Silben han- 
delte. Auch dort behaupteten sich die Längen, wo sie durch 
Kontraktion entstanden sind. Kopdä, kopd hatte im Urslav., wie 
wir gesehen haben, den Akz. auf dem a, also kapdjeäi, kapdjett. 
Da sich im B. die Längen hier erhielten, obzwar der Akzent 
verschoben wurde, so ist es klar, daß er früher auf die erste 
Silbe verschoben wurde und daB dann erst die Kontraktion 
eintrat 

Ln allgemeinen kann gesagt werden, daß jetzt die nach- 
tonigen lÄngen — namentlich gilt es von den Endungen -^ in 
der gewöhnUchen Sprache schon stark reduziert erscheinen, so 
daß man hier von Kürzen oder auch von Halblängen sprechen 
kann. So z. B. im Dat PL rybam (st rybdtn), vojdkum (st fo- 
jdkäm) u. s. w. 



Konsonantismus. 

Ursprung and Bestand der slav. Konsonanten. 

Die am meisten hervorstechenden Merkmale, durch welche 
sich einerseits das Lit und Slav. von den anderen verwandten 
Sprachen, andererseits das Slav. vom Lit unterscheiden, sind 
durch die eigentümliche Behandlung der Gutturalreihen herbei- 
geführt worden. Die Ursprache hatte bekanntUch drei Reihen 
der Gutturalen: 1) die rein velaren: k, Ich, g, gh, 2) die labio- 
velaren: ku, kifh, gu, guh, 3) die palatalen: Je, Jeh, §, §h. 

Die beiden ersten Reihen^ sind im Lit und Slav. zusammen- 



1. Hier wählt man auch für k ein q und für g modifizierte Zeichen. 



251 

gefallen und ergaben k und g, indem hiebei auch die aBpirierten 
Laute ihre Aspiration verloren^ z. B. aksL kljudb ^Haken, Schlüssel^ 
lit. hUäti ^haken, hängen bleiben^ lat cUltfU, dävos, gr. xXnig 
ySchlüssel' (urq>r. k oder q); aksl. kvto ywer', lit käs, gr. Wg, lat 
quis, ai. käs ^wer^ (urspr. kit oder qu); aksl. (hstegz ^vestis^, lit 
stögas ,Dach', ahd. dah, gr. aviyw^ lat (ejro (urspr. g); aksl. «iM^Ia 
^ebeP, lit migiä, gr. ^/ux^^ yWolke', ai. naghds iWolkef (urspr, 
^A); aksL bigt ^Lauf , lit iegrti ^^h fliehe', gr. tpißofiai j^eh& 
(urspr. gu); aksL svUgh »Schnee^, lit snegas, got snaiws, gr. yi9)a 
Akk. ^Schnee', lat nivem ninguü (urspr. gifh). 

Bei der dritten Beihe stimmt aber das lit mit dem Slav. 
nicht mehr übereiny trotzdem beide Sprachen, wie die balt-slav. 
Gruppe ttberiiaupt, zu den «o^^n^prachen gehören. Je wurde im 
Slav. zu s, desgleichen im Lett und Preuß., dagegen im lit zu 
sz (ä); g und gh im Slav., Lett und Preuß. zu 2:^ im Lit dagegen 
zu £ (i), z. B. aksL srtiem yHomiß', lett sirsis, preuB. sirsüis, 
lit dagegen szirszu, ahd. kamaz, lat cräbrö aus *crasrö (urspr. 
k); aksL zthio ygranum', let fimis jErbse', preuB. sgme {^ zime) 
yEom'y dagegen Ut ifmis ^Erbee^y got kaum yEom'y lat gränum 
(urspr. g); aksl. zima yEälte, Winter^, let ßma, preuB. semo, lit 
dagegen äSmä, gr. x*'^^ ySchnee'y xsiiaw yWinter', lat hiems, ai. 
himds ySUUtey Winter" (urspr. §h). 

Da das Slav. neben dem aus h entstandenen • noch ein urspraeU. 
• (wie auch das Lit) hat, z. B. 9ynt ,Sohn*, lit tfifMt«, ai. Hmnif, so ist 
es nicht wahrscheinlich, daß beide Laute im Balt.-SlaT. zuerst zusammen- 
gefallen und nachträglich erst im Lit. getrennt worden wftren; es wäre 
da eine Trennung dieser Laute nicht mehr möglich gewesen. Wahr- 
scheinlicher ist es vielmehr, daß sie zunächst auseinandergehalten worden 
sind und daß sie erst im Slav. zusammenfielen. Dann hat allerdings das 
Lit noch das ältere bewahrt. Wir müssen daher Toraussetzen, daß in 
der urbaltisch-slaT. Periode die Palatalreihe als »-Laute gesprochen 
worden ist und daß sich diese Laute im Lit. besser erhalten haben. 

Unter den baltisch-slaY. Sprachen sticht femer das Slav. da- 
durch hervory dafi das ursprachliche s in gewissen Fällen zu ch 
geworden ist, wodurch hier ein neuer Gutturallaut entstand, z. B. 
aksL ueho yOhr^y lit ausis, lat auris. 

Das auffidlendste Merkmal des Slav. ist jedoch die Pala- 
talisation der auf die erwähnte Art entstandenen Gutturallaute 
k, g, ch. Vor e, i (aus i), i (aus f und ei), t, und ^ gehen sie 
ia ä, z, i über. Dieser Prozeß ist urslay. und hat den ganzen 
Sprachbau ergriffen, z. B. ietyre ,ider^, lit keturl, vgl preuß. käi^ 



252 

icirts ^der yierteS lat quatuor; aksl. ermy ,molaS lii PL gimos 
yMühlBteine, MtthleS preuß. gimayuns ,QuirlS got qa4mu8, ahd. 
quim; aksl. srhiem ^orniß^ ans ^srcheni-, lit 9zinzä, lat crabro. 

Wir haben aber noch eine zweite Palatalisation derselben 
Laute, die zwar auch urslav., jedoch jünger ist. Vor dem e, dag 
auf einen Diphthong zurückgeht, dann vor dem aus diesem i 
entstandenen i und in gewissen Bildungssuffizen gehen sie in e, 
z {dz) und $ über (eigentlich ursprünglich in 6, d£ und 4, so daß 
letzterer Laut damals von dem urspracblichen s infolge seiner 
Weichheit geschieden war). 

Nur mit dieser Erweichung? kann die bekanntlich im Lett. vor- 
kommende TergUchen werden. Es geht hier nfimlich k und g vor t, «, S 
in e und dz über; auch die Verbindungen kj und gj werden lautgesetz- 
lich zu e und dz z. B. lit. a^l«, let. ae» , Auge* ; lit. kelH^ let. eelt ,heben' ; 
lit. givoB^ let. ds^v$ «lebendig*, slav. I»r&. Wie sich aus Ortsnamen in 
Urkunden ergibt, war dieser let. Lautwandel im 18. Jhd. n. Chr. abge- 
schlossen (vgl. End zolin, Zur Erweichung der Gutturale im Lettischen, 
BB. 29, S. 178 ff.). 

Wie wir schon bei den Gutturalen gesehen haben (z. B. aksl. 

dnigfb, lit. 9mga8j gr. dagegen viq)a)y werden die aspirierten 

Verschlußlaute im Slav. wie im lit (überhaupt im Balt-slav«) in 

unaspirierte Laute verwandelt Auf diese Art fällt zusammen : 

k mit kh und gibt k; g mit gh und gibt g 

ku „ kffh „ „ k; gif „ giA „ ,, g 

Je mit Jek und gibt slav. 8 

§ n §f^ n » J7 ^* 

Ebenso fiel t mit M als ^ und d mit dh als d zusammen, 
z. B. m^, m^i ^turbare', lit mentüre yQuirl', ai. mänthati fir 
rührt'; aksl. dvbrt ^Tür^, dror» ^Haus, Hof, lit. dürys, gr. ^qo^ 
lat. fores. 

Weiter p mit ph als p und b mit bh als b z. B. aksl. byti 
,sein', lit büti, gr. qivoiq^ tfvvai, lat futurus, ai. bhdvämi. 

Es kann demnach in jedem slav. oder lit. Verschlußlaute ent- 
weder ein aspirierter oder ein unaspirierter Eons, stecken. 

Neben dem auf slav. Boden aus g entstandenen z (älter d£) 
haben wir noch ein ursprachliches: aksl. mtzda ,Lohn<, gdtmizdö, 
av. mizdam ,LohnS ai. nudham ^Eamp^reis^; aksL mozgh ,Mark, 
HimS av. mazga ,medullaS ahd. marg. 

Aus dem bilabialen % wurde im Slav. das labiodentale v und 
aus ji das spirantische j; wann dieser Prozeß eingetreten ist, ist 
schwer zu ermitteln. 



26S 



Das spirantiBchey bez. jf hat schon im DnlaT. in den Kons, zahl- 
reiche Yerändeningen hervorgebracht oder wenigstens angebahnt: 
k, g, dl worden za ö, i, i (also wie vor den erwähnten palatalen 
Vokalen); p, b, v, m wurde höchst wahrscheinlidi auch schon im 
Urslav. zu fl', W, vP, ml\ von bestimmten Fallen gilt es wenig- 
stens ganz sicher; b und z z\k i und i; t und d wurden zu t', d' 
mit einem nachfolgenden Beibungsgeräuschy woraus sich dann in 
den einzelnen slav. Sprachen zum teile verschiedene Laute (Affii- 
catae) entwickelten. ' 

Es waren Yornehmlich diese Besaltate, die Miklosieh bestimmten, 
die Konsonanten in folgende Gruppen zu teilen: 1) r, ( ii, sie ergaben 
mit j: f, f, fi (diese erweichten Laute werden aber auch mit r/, Ij^ nj, 
letzterer Laut auch durch 4 dargestellt); 2) (, d, bei denen ij\ dj in den 
einzelnen slav. Sprachen zu yerschiedenen Besultaten f&hrten; 3) /», 6, v, 
wi. bei denen /{/, 5/, ^\ if|/ allerdings erst in einer jflngeren Periode 
durch p^a^ b{fa u. s. w. ersetzt worden wäre; 4) k, g, eh mit ihrer Pala- 
talisierung zu <f, I, i und r, z, «; 5) e, z, «, die zu c, I, i führten und 
6) c, I. i, wozu noch J kommt (Vgl. Gramm. I*, 8. 202). Die physiologi- 
sche Seite der Laute wurde also nicht durchwegs berücksichtigt. Diese 
Einteilung hat nur mit BQcksicht auf die erwfthnte Behandlung der 
Konsonanten Yor j ihre Berechtigung. Aber es gibt noch yiele andere 
Änderungen dieser Laute, die nicht auf Grund solcher Gruppierungen 
einheitlich behandelt werden können. So wird z. B. ty anders behandelt 
als wy und doch dfirfen wir diese Laute bei ihrer Behandlung nicht von 
einander trennen, weil sie sonst in anderen zahlreichen Fällen gleich- 
artige Veränderungen aufweisen und zwar eben wegen ihrer lautphysio- 
logischen Verwandtschaft. Die Miklosichsche Einteilung der Kons, können 
wir demnach nicht unTorändert beibehalten. 

Wenn wir auch die lautphysiologische Seite berttcksichtigen, 
so erhalten wir folgende Tabelle der Eons.: 



Momentanlaute 


Dauerlaute 


(Verschlußlaute, 


(mit Engenbildung und Beibungsgeräusch) 


Ezplosivae) 


Affricatae 


Spiranten 


Liqui- 


Na- 


tonlos tonend 


tonlos 


tonend j tonlos 


tönend 


dae 


sale 


Guttural 




' 












•• 


(velar) 


k 


9 






ch 








Palatal 






6 


(dz) 


i 


^J 


r», P 


n(H) 


Dental 


t 


d 


c 


dz 


8 


z 


r,l 


n 


Labial 


P 


b 








V 




m 



254 

Die Laate t and d figurierten im ürslav. blofi als Übergan^^slaute 
nnd zwar nicht bloß in der Dental-, aondem auch in der Guttaralreihe. 
Sie sind daher nicht in den Bestand der fixen Laute aufgenommen worden. 
Sonst würden sie in die Beihe der Affricatae kommen. 

Es muß im ürslav., wie schon herrorgehoben wurde, unterschieden 
werden zwischen / und «, das im Gegensätze zum ersteren teils ursprach- 
lioh war, teils auf l zurficirging. Diese «-Arten blieben aber nicht durch- 
wegs geschieden: das i wurde in einzelnen slav. Sprachen zu «, oder zu 
i, 80 daß hier nur diese beiden Laute angesetzt werden konnten. Das 
e und dz ist ursprünglich eigentlich als ein 6 und di aufzufassen, woraus 
sich erst im Laufe der Zeit ein e und <2s, aus diesem dann zum Teile 
noch in der historischen Zeit eyi z entwickelte. 

Was die Affricatae überhaupt anbelangt, beginnen sie, wie 
man allgemein annimmt, mit einem Verschlußlaut (<5 und c mit i\ 
gehen aber sogleich in die betreffenden Spiranten über. Man 
darf aber c und d durchaus nicht einfach als U und U auffassen, 
denn ihre Artikulation war, wie wir sehen werden, teilweise ver- 
fichieden. Dasselbe ist natürlich auch für dz und dz (das ftieilich 
noch in der vorhist. Zeit zu z führte) anzunehmen, wofür übrigens 
auch der umstand spricht, daß wir für df2r in der glag. Schrift 
ein eigenes Zeichen haben, wofür dann in der cyrill. auch ein 
«entsprechendes genommen wurde. 

Die Momentanlaute ertönen bei der Losung des Verschlusses an 
•einer Stelle der Mundhöhle (je nach der Lage des Verschlusses: guttural, 
dental und labial) und zwar ertönt der Laut nur im Momente der Lösung 
dieses Verschlusses. Bei allen anderen Lauten ist eine längere Dauer 
•derselben möglich, nur die Affricatae bilden eigentlich in dieser Hinsicht 
^inen Übergang von den Momentanlauten zu den Dauerlauten. Bei den 
letzteren bezeichnet guttural, palatal, dental und labial die Stelle, 
«n welcher die Enge gebildet wird (entsprechend dem Verschlusse bei 
den Momentanlauten). Nur bei den Nasalen kommt es auch zu einem 
vollständigen Verschluß der Mundhöhle, so daß der Ezspirationsstrom 
durch den Nasenraum entweichen muß. 

Das Nähere, was speziell die slav. Laute betrifft, wird bei den- 
-selben weiter unten angegeben werden. Hier kann noch erwähnt werden, 
daß / anfänglich nur in Fremdworten vorkam, daß es aber dann in ein- 
zelnen slav. Sprachen zu einem heimischen Laute wurde. In den Einzel- 
.sprachen entwickelten sich dann überhaupt noch andere Kons., wie das 
r im B., P. u. s. w., die gutturale Spirans A, die Halbpalatalen A;\ /, eK 
u. s. w. 

Wir werden nun von folgenden Konsonanten-Gruppen han- 
deln: 1) von den Gutturalen Ar, g, ch; 2) von den Dentalen i^ d; 
S) von den Labialen p^ h, v (m); 4) von den Liquidae r, l und 
4len Nasalen m, n; 5) von den dentalen Spiranten und den den- 



255 

talen Affiricatae: s, z und c, dz; 6) yon den palatalen Spiranten 
nnd palatalen Affiricatae: i, z, j und ö, (dz). 

Zunächst müssen wir aber noch einen lautlichen Prozeß, der 
für das Slay. so charakteristisch ist und eine ganze Beihe yon 
Kons, betrifft, bespiechen; es handelt sich um die Erweichung 
oder Palatalisierung der Eons. 

Erwelchang (Palataliaieinng oder MonilUeniiig) der Kons. 

Sie spielt yielleicht in keiner anderen Sprache eine so wich- 
tige BoUe wie im Slar., und wir treffen sie fast bei allen Kon- 
sonantengruppen an. 

Das j unterscheidet sich von t dadurch, dafi die Verengung, welche 
durch die Ann&herung des rorderen Zungenrfiokens gegen den harten 
Gaumen, die Alveolen und die ohere Zahnreihe herheigeführt wird, zu- 
nimmt; sonst wfirde es eben nicht zu einem Seibungsger&usch kommen. 
Sie nimmt auch eine gr5fiere Partie des Zungenrfickens nach hinten zu 
in Anspruch, so dafi der Verengungstract etwas länger ist als bei t. 

Wird nun der Verschluß bei jenen Kons., bei denen er an 
den erwähnten Partien (obere Zahnreihe, Aheolen, harter Grau- 
men) zu Stande kommt, derartig alteriert, dafi hiebei eine größere 
Partie des Zungenrttckens nach hinten zu den harten Graumen 
bedeckt, und wird dieser YerBchlufi derartig gelöst, dafi sich mit 
der ö&ung der Artikulationsstelle für den betreffenden Laut die 
übrige Oaumenbedeckung nicht momentan öflhet, sondern so, dafi 
es noch zu einer, wenn auch yoiübergehenden Engenbildung, die 
dem ; entspricht, kommen kann, so folgen dem betreffenden Haupt- 
laute noch Geräusche nach, die an das j erinnern. Auf diese 
Art entstehen erweichte oder mouillierte Verschlufilaute. 
Würde dieser VerBchlufi seiner ganzen Länge nach momentan 
Yollständig gelöst, so würde es trotz der intensiveren Oaumen- 
bedeckung doch zu keinem erweichten oder palatalisierten Laute 
kommen. Diese mehr nach hinten sich erstreckende Bedeckung 
des harten Gaumens seitens des Zungenrttckens (nach Lenz sind 
die erweichten Laute wesentlich dorso-praepalatal) — und dann 
die nicht momentane Lösung des ganzen Verschlusses sind die 
charakteristischen lauiphysiologischen Merkmale der erweichten 
Verschlufilaute. Darin äufiert sich die sogenannte Verschmelzung 
des / mit den betreffenden Eons. Man definiert nämlich häufig 
die erweichten Eons, überhaupt als eine Verschmelzung des 
entsprechenden unerweichten Eons, mit / (ygL J. Storm, Engl. 



256 

Phil. 8. 45 und iiisbes. S. 293). unter den Verschlußlauten ge- 
hört hierher das im Slav. nicht selten yorkommende d und i 
(dargestellt auch durch ef und i' oder d' und f). 

Bei den hierher gehörigen Dauerlauten, bei denen es schon 
von Haus aus zu Engenbildung kommt, yerflacht sich auch die 
Zunge und bei der Graumenbedeckung darf es z. B. zu keiner 
ausgesprochenen Binnenbildung kommen, sondern mehr zu einer 
Engenbildung, die wieder an jene bei ; erinnert So bei f, r, f, 
dann bei n (n oder nj geschrieben). 

Bei letzterem Laote ist insbesondere za bemerken, daß die Gaumen- 
bedeckang in zweifacher Art, wie es scheint, gebildet wird. Beginne ich 
mit einem n, so bleibt einen Moment der Verschluß bestehen und erst 
dann kommt es auch hier zu einer Engenbildnng. Daher kann man sich 
noch so sehr bemühen, man wird streng genommen nicht mit einem iS 
ansetzen können (wenn man z. B. das b. nimy, p. niemy ,8tnmm' aus- 
spricht), sondern es erklingt immer zuerst ein wenn noch so leises n. 
Dagegen nach einem Vokal, wenn ich z. B. p. koH oder b. käh ,Pferd' 
ausspreche, hört man sofort das n und dann scheint es in ein n zu wer* 
klingen. Es scheint also, daß es in diesem Falle noch vor dem Ver- 
schlusse zu einer Engenbildung kommt. Dafür würde auch der umstand 
sprechen, daß in slav. Dial. kon zu kojii werden kann: der zeitliche Ab- 
stand zwischen der Engenbildung und dem Verschlusse ist schon so groß 
geworden, daß man auch schon ein selbständiges j hört. Da wir es bei 
diesem Laute mit einem Verschlusse und einer Engenbildung zu tun 
haben, so folgt daraus, daß sich das n nicht beliebig lange aushalten 
l&ßt: es geht dann eigentlich in ein n über. Es w&re noch zu bemerken, 
daß der Exspirationsstrom bei der Aussprache dieses Lautes während der 
Engenbildung noch durch die Mundhöhle, beim Verschlusse natürlich 
durch den Nasenraum entweicht. 

Weiter gehört hierher ^, ä, z, wenn diese Laute ohne be^ 
sondere Binnenbildung der Zunge ausgesprochen werden, also 
wie sie etwa im Urslav. ausgesprochen wurden (man stellt sie 
auch für diesen Fall als c, 8, z dar) und i^ 6, £, über welche 
Laute weiter unten gehandelt wird. 

Die erwähnte Bagion des Gaumens, die also auch bei der 
Aussprache des ; in Betracht kommt, ist das eigentliche Oebiet 
der Palatalisierung oder das Gtebiet der erweichten Eons. Es 
können aber auch die Labiale im Slay. erweicht werden, d. h. 
mit j yerschmeken. Hier muß natürlich, trotzdem es sich um 
Labiale handelt, die Zunge auch in Aktion treten und ein j arti- 
kulieren, während die Lippen gleichzeitig den Labiallaut artiku- 
lieren. Die Artikulation der Labiale durch die Lippen selbst er^ 



257 

fährt nur insofern eine Modifikation, als der Verschlaß nicht 
momentan, sondern entsprechend der Engenbildung bei j gelost 
wird, so dafi man den Eindruck hat, als ob die Lippen im 
Momente der Losung ein wenig aneinander haften möchten. Das 
kann man sonst bei der Aussprache der unerweichten Labiale 
nicht beobachten. 

Die erweichten Labiale sind fAr den ongeflbten Mand nicht leicht 
auBzasprechen; man hört in diesem Falle meist ein pjy b;\ vj d. h. nach 
dem gewöhnlichen Labiallaat läßt man das j folgen, was natfirlich un- 
richtig ist. Die Erweichung kommt auch bei m vor, z. B. wenn man das 
r. vremja ,Zeit' ausspricht. 

Wir werden femer sehen, daß* die Gutturale (Velare) 
k, g, abgesehen von ihrer älteren Palatalisierung zu d, i, auch 
noch za Tc, § erweicht werden können, wobei die Artikulations- 
stelle dieser Laute so sehr nach Yom yerschoben wird, daß bei 
den Engenbildungen häufig daraus ein l, d wird (vgl. weiter unten). 

Sierers meint, daß die Anpassung an die i- oder i-Stellung die 
st&rksten Grade Ton Palatalisierung erzeuge (Grundzfige der Phon« 8.171 
§ 454). Er geht nämlich von der Ansicht aus, die Palatalisierung könne 
▼erschiedene Grade, je nach der Zungen höhe des die Palatalisierung be- 
wirkenden Vokals aufweisen: je höher der Vokal, umsomehr werde auch 
die dorsal gewölbte Zunge dem Gaumen genähert und um so deutlicher 
werde der Palatalklang. Vom slav. Standpunkte aus müssen wir hervor- 
heben, daß eigentlich nur ein i (j) die Palatalisierung hervorrufen kann 
(vgl. das bei den palatalisierten Verschlußlauten nachfolgende Geräusch). 
Wie das j z. B. in r. b. di^ das als d'i klingt, femer in r. ne (= m) im 
Spiele ist, vgL oben S. 21. 

Dafi es sich bei den palatalisierten Lauten immer um eine 
Engenbildung, die dem j (i) entspricht, handelt, ersehen wir auch 
ans dem Umstände, daß sie antizipiert werden kann, wobei das 
j vor dem Eons, erklingt. Wir haben schon bei p. hyA erwähnt, 
daß die Engenbildung vor dem Verschlusse zu Stande kommt, 
weshalb leicht ein A^fi erklingen kann. Streng genommen braucht 
es sich hier um keine Antizipation der Engenbildung zu handeln, 
sondern diese liegt im Wesen des nachvokalischen ü. Daher ist 
das j vor diesem Eons, im Slav. am meisten verbreitet Nach 
der Entwicklung der Jotation kann die Erweichung des ^ schwin- 
den und schließlich auch das n. Im slov. Dial. von Cirkno 
haben wir kaitif also mit Schwund der Erweichung, während es 
im Dialekt von Görz noch k&A heißt, weiter kareine, im Wip- 
pachertale köin. Im Bg. haben wir neben öekaAe, vikaAe im 
Westen vUcaine, itnaine (dial. auch schon pisane, vikane). 

Vondrftk, Vgl. sUr. Onunm. I. 17 



258 

Wie Folaaski bemerkt (Die Labialisation S. 77), ist die gegen- 
wärtige p. Schreibweise pa4ikij niebadski, zi§müui§ki mit der tatsächlichen 
Aussprache im Eultnrdiaiekte nicht übereinstimmend; man spreche durch- 
wegs hartes n mit dem vorangestellten i'.* painski^ Heb'ainaUi, iemainsKu 
Man höre zwar dial. A, aber dann werde die ganze Eonsonantengruppe 
palataUsiert: lieVaMUi^ ptMk'i oder gar paiMk'i^ patieki, welche Sprech- 
weise im Enltordialekt sorgfältig gemieden werde. In vielen p. Dialekten 
entwickelt sich das i aof Kosten des ii: päijriüo für painHoo aas panttoo 
(Tamobrzeg), täißovad, häj^ (fCLr hanka), ehägba (für haiiha), kffui für köri, 
puogfui für pogäiif kanii, kremii (Wadovice). Infolge der Analogie dann 
anch umgekehrt veoraiisy, diUwUy. Hierher gehört jedenfalls auch die 
apoln. Schreibweise nayn, koyn (vgl. auch wsiayn, z ßioynezem, $koynczay, 
taineza u. s. w.). 

Hierher gehört das nordklr. dai^aty^ pryiMy, naiiUUy, weiter der 
im klr. vorkommende Wechsel H — i in $anetiko und toneiko, ranetiko und 
ranej^ und and. 

Im Sorb. Allein, tiain, dain; hier wird femer bei allen palatalisierten 
Lauten die Engenbildung (oder das j) antizipiert. Vgl. os. teiko aus 
Uj^ko für ie^ko; bg. toj^, koiko; sorb. /^i^, ve^cbr. 

Häufig wird die Engenbildung auch bei f^ cT antizipiert: südklr. 
trßg^ii, ungklr. hujfU aus hudU, b. dial. stajha aus 8vad!'ha, neehojte aus 
neehotTte (Gebauer I, S. 406), zaplqfie a zaplat^U. P. oica fELr ofea aus 
oUea, von diesem und den übrigen analogen Kasus drang das J auch in 
offene Silben ein, daher Nom. ojeiee ,Vater^ Auch im kaS. f^ica (aksl. 
oibca); weiür. moiojjßa, moio^k, klr. moloidi. Vgl. auch noch ]^,podeyrzed 
,verdächtigenS podeyrzany ,verdächtig' ; im Ap. noch ir. 

Die Gatturale k, g, eh. 

Über den Ursprung dieser Laute vgl. oben S. 250. 

Es entspricht danach ein slav. k 

1) einem ursprachlichen k {g): 2kA.kah ^SchmutzS lat. cäligo, 
ff.yixiUg ,Fleck^y ^.kdlas ,blauschwarz*; kc^ , Winkel' au8*ib{^; 
lit kampas ^cke, Winkel, Gegend*, gr. xafiTcij jBiegung*, lat 
Campus (ygl. S. 121); krzvb jBhiif, lit kraüjas dass., aisl. hrär 
,roh*, ahd. rö ,roh, ungekocht^, gr. ^iag ,Pleisch', lat cruar, ai. 
kravif ,rohes Fleisch'; kov<f ,schmiede', ahd. houwan, lat cüdo; 
kopati ,graben, stampfen', kopjfto Muf^, lit kapöti ,hauen', gr. 
xoWco ,ich schlage'; krqtb ,f estgedreht, fesf, preuß. Aror^o ,G6hege', 
ahd. hurt ,Flechtwerk', lat crätSs, TutQrakog ,Korb', ai. J^dtti ,er 
dreht den Faden, spinnf ; Hjudb ,Haken, Schlüssel', lit kliuti 
,anhaken, hängen bleiben', lat clävis, dävos, gr. viXrjlg ,Schlüs8el'; 
s&cq 4^aue', lit aykis ,Hieb', ahd. 8ega, saga, lat secare, sacSna, 
üca (ursprünglich 88iq und zur Stufe sBq nachträgUch ein seq und 



269 

99q gebfldet); skapUi ^castrare, evirare^, lit skapati ^schaben, sdmit- 
zen^, got Aaba ^ch schaW, gr. aiaxnav^ ^Chrabscheity Spaten', 
lat seapris ^schäbig, rauh'. Suffix -hh: pro-kb ,übrig< \fgL lat 
recirprocus ^ck- und Yorwärts gewendet^, gr. ffQma ysofort'; 
ttmkb ^dtinn^y ai. tanukas und tanüf; (fZbkb yenge', aL qkif; hgfhkb 
Reicht', gr. ^4xxvg. -tsko- aus -isqü-: ä&viöMkb jmenadilichfy bozbtUcb 
^tÜich' YgL got manfiisks ymenschlichS ahd. irdiac ^irdiflch'y lit 
devüzkas göttlich' {dsvas yQoW), vökiszkas ^utoch^ 

2) einem ursprachlichen hf {q»): kUo ^wei', lit käs, gr. Tig, 
lat quis, ai. kds ywei'; oko ,Auge', lit aläs, gr. ofifmj onnaTtOy 
latoctiZiM^ dl.prÜUkam ^AntUtz^; $okh ^Anzeiger^ Anklägei^, sodüi 
^anzeigen', got saihwif, ahd. sihU fir siehf , gr. iih4n(o yich sage', 
lat fiinffejif«, w. seqii ^bemerken' (IF. 12, S. 28£); afo4äb ^est*, 
lit Wck ^ch lasse', ai. rindkti fir säumt', got leihwa ^ch leihe', 
lat linguo, gjr. leiftu) ,ich lasse'; pekq ,idi backe', lit kepü, kipti 
,backen', si^pdcati yCoquit^, lat. coguü, gr. nioato ^ch koche' (aus 
*peqft<h); vltkb ,Wolf , lit vükas, aL t^j^os, gr. kmog (Schwund 
der Labialisation nach u), got ioulfs. 

Ein g entspricht: 

1) einem g: gqgnati ^murmeln', gr. yo^yalvBiv ^lohnen', aL 
gafijanaa ,Yerachtend, höhnend'; o-degb ,Yestis', lit stögas ,Dach^, 
ahd. dah, gr. ariyWj lat. te^, ai. sthagaifati ,er Yerdeckf ; qgh 
,Winkel', lat angtdua, dagegen gr. aymay ,Bug', lat ancus ^amus', 
got hals-aggo packen', ai. arikcu ,Biegung zwischen Arm und 
Hüfte' (Wechsel zwischen tonlosem und tönendem Grutt); bog» 
,Grotf , ai. bhdgas ,Zuteiler', apers. bc^a y(3t)tf , gr. gHxyeiv ,essen'. 

2) einem gh: gladhkb «glatt', ahd. gUd, lat glaber; goät ,Gki8f , 
got gasts, lat hostis; dlbgb ^^, lit ügcu, gr. dohxog, lat m- 
dtdgeo, got tulgua ^ndhaft', ai. dirghds; stignqti ,kommen, er- 
reichen', got. steigan ^steigen', gr. aTei%iOj aL atirfUgham ,über- 
steigen'; mtgla ,Nebel', lit miglä, gr. 6pii%Xrij aL nOghds ,Wolke'; 
gr^ ^schreite, komme', got grißa ,Schritf, hi^gradior, ai. grdhyati 
,er schreitet los auf; tmnogb ,Yiel', got. manags, ahd. fnanag ,Yiel'; 
j^gz ,crataegus, mito aus 9 (YgL Brugmann, Grundr. I>, S. 174) 
zu gr. yldixeg ,Hacheln der Ähren', Ygl. yXdiaaa aus *yliaxia. 

3) einem gts: gov^ ^BmSi^^ ahd. dhuo, as. kö ,Kuh', gr. ßovq^ 
^' 9^^/' gasüi Röschen', lit. geaßi dass., gr. oßiSaai Röschen, 
dämpfen, stillen', *{z)gi(^, *(z)g^s; gryzq ^ch nage, beiße ab', 
goi, kriustan ,knirBchen', gr. ß^tyiu) ,ich knirsche mit den Zähnen'; 
begh ,Lauf , -bigrufti, bizati ,laufen', lit begu 4ch fliehe', gr. g>i' 

17* 



260 

ßoijuxt J^eh&y q)6ßog ^Flucht, Furcht'; noffb ^Bcktf^ lit nü'gas, 
ai. nagnds, got nagafs, lai nadwf aus *na{g)iiedos. 

4) einem g^: gariti ^brennen^, preuß. garme ^Hitze^, gr. ^«^ 
fiogj Ist formus, ti.gharmds filnif; gMUdi, ienq ytreibenS Ut^entip 
ytreibe', gr. q^g; yMord^, gc.SneqnfoVf lat of-fmdo, BLghndnii ^e 
schlagen'; 9nigb ySchnee', lit snegaa, got maiws, gr. nq>a Akk. 
^chnee'y lat nivem ninguii, W. aneigigh; Itgikb Reicht', gr. Hcencug 
neben iktuf^g^ ai. lo^Äti^ Reicht, rasche 

Die dritte Beihe (S. 251) führte im Slay., wie Bchon erwähnt, 
zu 8 und z z.'R. Sbto ,hunderf , lit szimtas, got hund, aL satdm, 
lat cerUum; vezq 4ch führe', Ut veek, got. ga-wiga 4ch bewege', 
gr. ^o^ (•^ox^'S)) l^t. t70^; ai. mhati ,er führt, fahrf , urspr. §h; 
mltzq 4ch melke', lit mäzu, ahd. mächu, gr. a^i^T^cti, lat mulgeo, 
urspr. ^. Andere Beispiele weiter unten bei « und 2r. Hier sei 
nur noch aksL sirh ,yerwaisf , gr. xflQOS ,yerwitwef , lat tiirSs ,Erbe' 
(eig. ,yerwaisf ) als ein Fall mit urspr. Ich angeführt 

c& ist ein gutturaler (yelarer) tonloser Laut (ocft-Laut), der sich 
in den meisten Fallen auf slay. Boden aus einem ursprachlichen 
s entwickelt hat z. B. aksL vrtch^ ,Berg', lit virszüs ,Spitze', as. 
unisü, lat Verruca. Über die Bedingungen dieses Lautwandels 
wird bei 8 gehandelt werden. 

Nach Sie Ter 8 gehört p. and r.ch wohl größtenteils zu den hinteren 
Gutturalen. Sie unterscheiden sich aher von den deutschen Formen durch 
eine auffallende Schwäche des Beihungsgerftusches, so dafi anlautendes 
r. eh oft geradezu wie ein recht energisches h klinge (Grundz. 4. Aufl., 
8. 124, § 321). Auch Storm bemerkt, daß es ihm zwischen deutschem 
eh und h zu liegen scheine und daß es ein a«A-Laut mit loser Annäherung 
der Organe sei (Engl. Phil. S. 73). Das gilt auch häufig vom sfidslar., 
insbesondere vom slov. h (so auch geschrieben im SIot. und Kr. für das 
urslav. eh). 

Nicht jedes slav. ch geht auf ein ursprachliches 8 zurück. 
Wir haben, zunächst allerdings nur drei, dafür aber ziemlich 
sichere Fälle mit ch, bez. dem daraus entstandenen ä oder 8, wo 
man von einem « == £ ausgehen muß. 

Mit lit. rt«Btf, rinäu, r^tzii ,bindenS got. wruggo f. ,Schlinge\ ags. 
wriman ,fest zusammendrehen' (Brugmann, Kl. vgl. Gr. S. 106) muß 
man unbedingt das slav. rieh- in rüäi ,solvere' zusammenstellen. Be- 
züglich der Bedeutung ,binden' und ,losen* vgl. aksL k^i^ trennen' und 
b. loucUi ,yerbindenS das präfixlose Verbum hat nämlich die Bedeutung 
der mit ot^, raz- präfigierten Verba angenommen (Miklosich, Etym. Wtb. 
8. 173). 

Aksl. ehrana ,cibu8S chraniti ,be wahren' stellte Pedersen (EP. 5, 



261 

8. 66) za gr. Mtigae «Besitz*, wonach es aas *ehor(B)nay *ehar{eh)na ent- 
Btanden wäre, so dafi man hier ein nrspr. kth yoranssetzen müfite. Allein 
die Bedeutungen lassen sich sehr schwer vennitteln. Man wird dabei 
doch eher an das lit. jzern«, aUrtt ,iüttem' denken, da sonst auch die 
Bedeutungen besser stimmen. Hierher gehört femer aksl. ms» ,omni8', 
dessen Deklination nur aus einem älteren vbcho- rerstanden werden kann: 
▼or i ging das «A in ein weiches «, das dann verallgemeinert wurde, fiber, 
daher vbMgo, p. wnego, b. vieho u. s. w. Es ist also im Slar. das I in 
das Fahrwasser des « geraten. Das seheint aber schon lituslav. zu sein, 
denn auch im lit. haben wir oiMw, also ein «, wogegen im AI. vitvo', 

Pedersen sucht nachzuweisen, daA das slar. eh auch auf- eine 
aspirierte Tennis zurfickgehen kann. Neben dem schon erwähnten chrono 
führt er auch «oeAa, pa$oeh» ,Xnfittel', r. 9oeKd .Hakenpflug* an, das er 
mit ai. iakka ,Zweig*, lit. naka dass. vergleicht (Brugmann dachte hier 
dagegen an ai. sä$ami «schneide, metzge' Gr. I, 8. 444 — 446), dann ehOSb^^ 
got. hlaib9, lat. hhum (mit Schwund des anlautenden h KZ. 88, 8. 890ff.). 
Das slav. Wort ist aber der Entlehnung aus dem Got. sehr verdächtig. 
Das got. h erscheint im 81av. nicht selten gerade als eh: aksL eht^ieg^ 
,peritusS got.handug9 «weise*; dkysA, ehyjfm Jlftns*, got. -hSs; ehOSvz ,8tall*, 
got. hlqh ,Grab*^; eharqgy ,Fahne', got. hrunga Stange*. Eine größere 
Wahrscheinlichkeit eines eh aus qh ist bei aksl. ehMii^ ehoH<\ ,wollen*, 
p. eh^ ,Wille*, arm. xind ,Freude*, ai. kaniü «Begehr* vorhanden. Im 
Ganzen liegt also wenig Material vor, doch ist das Prinzip an und f&r 
sich nicht unwahrscheinlich. Ein solches eh könnte natflrlich auch dort 
vorliegen, wo vor einem diphthongischen 2 oder t ein » daraus werden 
mußte: aksl. sh^, russ. Beryj ,grau* vgl. an. hdrr, ae. hdr ,grau, alters- 
grau*, ahd. her ,hehr, erhaben', gr. zeX^OQ ,Ferkel* (Pedersen ib. 8. 392). 
Allerdings hat man gegen diese Hypothese eingewendet, daß im 8lav. 
die Aspiration verloren ging (vgl. ühlenbeck in Museum Mandbl. voor 
Philologie ... 9, 8. 114), es konnte jedoch kh zn eh geführt haben, be- 
vor die Aspiration im allgemeinen verloren ging (es wäre ein älteres eh). 

In Lehnworten ist auch aus/ ifh) im Slay. ein eh geworden: 
aksL vhckm ^agns', and. vSlva aus vSlßva; dirqHt ,acarabaeiis^y 
got firamstei Heuschrecke'. 

Veränderungen der Gutturale. Das k, g, ch konnte 
im Slay. einen zweifachen Wandel erleiden: es konnte zu ^, z, 
ä oder c, dz {z), 8 werden. Diese yerschiedene Behandlung wird 
durch die nachfolgenden Vokale bedingt und ist zeitlich yerschieden. 

1) k, g, dl wird ö, i, i yor e, ^, i aus 9, i aus i und ei, yor 
ft, desgleichen auch yor ; (jO. Die Anfimge dieses Prozesses 
reichen wohl weit hinauf in die litnslay. Periode. Abgesehen 



1. Wohl »rspr. ,Höhle*, früher dachte man an got. hhja axt/r^ mit 
unrecht (vgl. Meringer, IF. 16, 8. 117). 



262 

daYony daß im Leu A^^ ^ in diesen Fällen in c, d^ übergeht, wird 
auch im lit ki, gi weich ausgesprochen. Im Urslay. wurde dann 
dieser Wandel allgemein durchgeführt Der Grund desselben ist 
wohl in der damaligen Aussprache der Grutturale und nicht so 
sehr in den betreffenden Vokalen, die allerdings eng waren, zu 
suchen. Jeden£Edls wurden sie anders als jetzt, wo ^n ke, ki 
möglich ist, ausgesprochen. 

Jetzt haben wir eigentlich zwei Arten Ton A>, ^-Lauten nnd dem 
ihnen entsprechenden Spiranten eh, deren Artikulation verschieden ist. 
Die vor weichen oder palatalen Vokalen (e, ^, t) stehenden ä> und eh- 
Laute hahen auch eine palatale Artikulation, d.h. sie werden am harten 
Gaumen artikuliert (vgl. anch den deutschen teA-Laut). Streng genommen 
sind eb also keine Gutturale oder Velare mehr, aber man bleibt doch bei 
ihrer alten Bezeichnung, um nicht eine Verwirrung hervorzurufen. Vor 
a, o, u, y werden sie dagegen am weichen Gaumen artikuliert (vgl. anch 
den deutschen oeA-Laut). Das sind jetzt die eigentlichen Gutturale. Im 
ürslov. hat es nun offenbar nur die zweite Art derselben 
gegeben. Bei ihnen war die Hinterzange so nach hinten und oben 
gezogen, dafi vor palatalen Vokalen die Vorderzange die erforderliche 
Palatalstellong nicht mehr einnehmen konnte (Sievers Grundz. S. 170, 
§4ß8). 

Es mußte daher die Artikulationsstelle nach Yom yerschoben 
werden. Hiebei ist aber aus dem k ein t', aus dem ^ ein cT imd 
aus dem cA direkt ein i oder ä entstanden. Wegen der Engen- 
bildung an der Zunge erklang nach dem t', d' ein ä oder ä, also 
ganz analog wie bei dem Übergang des tj, dj in t'4, d'k (siehe 
weiter unten). Wie Porzezinskij bemerkt, scheine das ij d 
(eig. if i) mit dem BeibungsgeriLusch im Polab. Yorzuliegen 
(Izvist 7, Hft. 2, 8. 195 £). Den Obergang des £ zu ^' und ^ 
zu <r werden wir selbst noch in den modernen slay. Sprachen 
konstatieren können. Wie nun später das aus tjj dj entstandene 
t's, d'i in manchen slay. Sprachen zu 6 und z führte, so war es 
bei dem aus A;, g entstandenen i'iy d'i allgemein im ürslay. der 
Fall: es fährte schon hier nur zu d und i. 

Beispiele für Gutturale vor einem e: 6eU> ,StimS öeljadt 
fireemdey r. deUhväcb ,MenschS aksl. äovikh, dagegen koUno ,Enie, 
Geschlecht, lit kd^s (käü) ,E:nie<, kiUla ,Geschlechf , let cUta 
dass., aL kUam ,Herde, Schwann, Geschlecht, Familie'; öesaH 
^abstreifen, kämmen', dagegen koaa ,Haar'; öetyre ^vier', lit keturi 
dass.; eeUzo ,EisenS lit. geUHs, geUAs, preuJS. gdso, gr. xaXyud^ 
,Erz'; zdy ,testudo', gr. xih)^; zeravb ,Eranich', ht girv4, gr. 
ydQOPog; zena ,Frau', preufi. genfia, got qinö ,Frau'; ienq ^cä 



263 

treiWy lit genü, gr. ^eväiv ^auen^ ai. hanati ,er schlägt, tötet'; 
zeg<f ^brenne' aus *gegq und dieses vielleicht aus *degq, lit degü, 
ai. ddhati; zdqdb ^chel^ lit güi, lat glans^ gr. ßahxvoq; zdäi 
^pere, lugere', gr. 9bXüv; snient yHomiß'y aus ^^cften» und 
dieses aus ^sr^^'t ▼gl' Ht szirszu. 

Im Yok. Sg. der männlichen o-Stämme: vhde zu vUkb 
yWolf ; 6o0e zu bogb ßtoW; duäe zu duckb ^auch, Gteist', lit 
väki, gr. Xvue u. s. w. Die Präsensformen mit dem sog. thema- 
tischen Vokal e bei den Verbis der L EL 4. Grmppe: pedeü, pe- 
deU u. s. w. zu pekq ^ch backe'; mozeü, mozetb u. s. w. zu mogq 
^ch kann'; whieM, vrtSetb u. s. w. zu vrtchq ^ch dresche'; hier 
auch in den betreffenden Aoristformen: peöe^ pedete u. s. w. und 
im Part Prät pass.: peöem, vrhiem u. s. w. 

Vor q: -ö^i, wie nchö^i ,beginnenS dazu Jean- in iskoni ^an- 
fangs' (zu konb) und hamcb ^nde', vgl. lat re^em; d^ ^Eind', 
hängt wohl mit hind zusammen; i^i, etmq ,dr&ckenS gr. ye^ua 
yvoll gedrückt sein'; z^i, stnfq ;hauen, mähen', lit ajhgintis , Ver- 
teidigung', gifUi ,(Vieh) treiben', ai. hangdte ,er wird geschlagen'; 
3. P. PL Aor. bü^. 

In öri', ere-, äe-, He- war die ursprüngliche Lautgruppe ker, 
ger + Kons, oder kd, gd + Kons. z. B. dreda ,Herde', lit kerdzus 
,Hirte', got hairda, ai. aardhas ^erde, Schaar'; zrA^ ,Füllen' aus 
*zerb^ *gerb^ gr. ßQ€q>os ,Prucht im Mutterleib', ahd. kröpf; 
zUdica yGlatteis', lat gdu, gdidus gegen goUdt ,glacie6'. 

ki, gS, da wurde zu ö9, zB, äS, woraus da, za, ia entstand: 
öash ,Zeif , preuB. läsman Akkus, (t «= s); darb, dara ,Zauber'y 
Mtkerni, ker&i ,Böses antun, verzaubern'; dadh ,Bauch' (vielleicht 
dazu köd' in kaditi ^räuchern'); zagati, b. zdha ,Sodbrennen' zu 
zegq ,brenne' (vgL oben); zarb, pozarb ,incendium', gegen goriti 
,brennen'. 

In einigen Suffixen: rozam ,aus Hom', aus ^rog^no- zu rog^ 
^om'; vielleicht auch obydaj ,Grewohnheit' aus -*«;- zu vyknqtij 
ukb; das Infinitivsuffix der Verba der HE. Kl. 2. Grruppe: fnltöati 
,schweigen', drtzati ,halten', sbfiati ,hören'; das Imperf. der Verba 
der I. Kl. 4. Gruppe: peöaachb, mozaadi^b u. s. w. 

Im Komparativ: tüaj ,8tiUei' zu tidvb ,8till'; imnozaj ymehr'. 
zu mbnogb ,viel'. 

Die Gruppen ki, gi, chi, deren % auf f oder ei zurückgeht, 
ergaben di, zi, H: pthdUi ,ruhen', dazu po-koj ,Ruhe' (vgL oben 
S. 172); zivb lebendig', lit g^aa, got qius, lat vivas, ai. jivds. 



264 

In zahlreichen SufiKxen, wie z. B. -ina: paqdina ^Spinngewebe^ 
zu paqkb ySpinne'; 4ti der Yerba der IV. £1. alcodUi ^pringen^ 
zu skokb ySprung^; 4oziti ^egen* zu 'hgb; tüiti ^beruhigen^ zu 
tickb, 

kb, gb, ib gibt öt, zt, ät: ridb fijedff aus *rih'i'; dh4o ^uid^ 
aus *A^; Zsi» »Lüge' aus *luffi', ahd. lufi yLiigefj lukki lügnerisch'; 
niffib ^Bxisf aus *fnüch%; ätdz Part Prät act I zu jäi ^ehen'i 
ygl. chodäi, chodb. 

Das t kann auf ein älteres ^, n^, ff l weisen: p(hdbn(f, p(h 
ö^i anfangen' (vgl. S.141); örmz ^hwarz', ^preu&. kirma ^warz'; 
önvh ,Wurm*, lit kirmis; dnia Strich', lit kertü^ kifsU; sbrq, 
zrHi jYOTBT&y g;r. ßOQdf aL girdH, güati ,er Yerschlingf ; mrq, irHi 
jsacrificare', lit giriü, girii Joben^ aL sq^rate fir gelobt» ver- 
spricht'y preuJS. pihgifrien Akk. iLoVj gr. yiQag Ehrengabe', lat 
gratus; irtny ^ola^ lit. gima ^ühlstein^ let dzimaa, ahd. quim; 
Uth ,gelb', Üt gekas. 

In Suffixen: boitskb »göttlich', dhv^dbskh »menschlich'; griätm 
»sündhaft' u. s. w. 

Schließlich gibt auch kj, gj, chj ein ö^ z, i: pladt »das Weinen' 
aus *plakjo-, vgl jlakaH »weinen'; loze »Lager' aus ^logjo-, vgl. 
8q4ogb »consors tori'; duäa »Seele' aus *duehjä, ygl. dtickb »Hauch» 
Geisf . Adjektiva wie äavidb »menschlich' aus äavSkjo-; püt »zu 
Fuß' aus *pechjO', ygl. r. b. pSchota »Fußyolk'; die Eomparatiye: 
lüij zu lichb »übermäßig'; luöij »besser' u. s. w.; die Präsensformen 
der Yerba der V. Klasse 2. Gruppe: pla6q, platieii u. s. w. zu 
piakixti »weinen'. 

In b. hrib}^ ,ffillen' gegen aksl. Xr^; ab. hr^i gegen aksl. iKr^' 
,Bor8' und in and. derartigen Worten war einmal auch Xr^-, woraus \ßr}i 
und da wurde ein g {h) eingeschoben, worauf dann in X&r X abfiel, vgl. 
auch p. dial. zgrxebi^, ka§. zgrtebie. Nach diesen Formen wflrde man 
voraussetzen können, daB also schon ein ^, nicht erst das daraus sp&ter 
gewordene h eingeschaltet wurde. Letzteres sehen wir allerdings häufig 
Tor dem r im Anlaute, insbesondere im Ab. : hriza ,£leid* st. rüBo, hrtrdb 
8t. r^rdb ,Kranich'. Aber auch vor r: hroh st. roh ,Hom' (Gebauer I, 
S. 464—466). 

Durch einen dem Gutturallaut yorfaergehenden Kons, kann 
das Besultat teilweise modifiziert werden. Es handelt sich zu- 
nächst um sk und agy 

Aus ak mufite zunächst in den angegebenen Fällen ein »5 
werden» woraus durch Assimilation äö entstanden ist; ygl. auch 
lit 8CZ, das in der Aussprache zu szcz wird» z. B. pisczaa, das 



26Ö 

auf die angegebene Weise zn pkzezas ^ Fuß gehend' wird. 
Das iö, welches einmal gemeinslav. war, hat sich noch eiiialten 
im iL z. B. iidetb fit sucht' zu iskatt, im F., ferner war es im 
Ab. vorhanden und ist in den SstL b. Dial. in Mähren (jedoch 
nicht im Sloyak.) bis jetet eriialten. Im AksL wurde dagegen aus 
id ein äf (oder etwa aus iü ein H', welcher Frozeß sich übrigens 
auch in den übrigen sUy. Sprachen wiedeiiiolte. 

Beispiele: aksl. «ftr», b. dial. ioiry, sonst schriftb. 0try, p. netfry^ 
$sMtry ,laater, rein', r. ieiryj ,reinlichS got. tkmrB, mhd. aeAtr, as. 9ktr 
,klar, lauter, gl&nzend*; aksl. U^3!Hi «sparen, schonen', b. diaL okcadaC «• 
fkarf^en', davon nom. propr. Oicadal und OiCddal, p. $tetodry dsM, os. 
$6»dry^ r. icadiU ,sclionen', dagegen aksl. <A^» «ann*, tkqdUi ,arm sein*; 
aksl. lfoiM{tt $^ (aus *lfo|MNffo') ,mittui', ütpb ,eclipsis' (eig. ,das Abge- 
xwickte'), s. ««top ,Vollniond', dazu yielleicht auch b. Hipte aus älterem 
*icip- ,Bißchen' (eig. ,was man mit drei Fingern fassen kann*), dazu auch 
BcHpiU^ eipUi ,spalten' aus *9kaip, *9kfy, vgl. gr. oxobtog, lat. seipio; 
aksL bhitati ,gl&nzen* neben MMb ,Glanz*; UHati, UHq (aus •iükHi) 
neben tükati, tiitq, UitsÜ ,premere' und t9»kb ,angUBtus, torcular*; t«^, 
üUH, r. iscuj ücßh zu aksl. ükati^ r. ükaib ,6uchen'; aksl. <m/» fleer*, ai. 
to^Ao«, wozu Yielleicht auch lat. Im^imi aus tff9$qu9 gehört. 

Einige Suffixe: r. ploieadb ,Platz* zu ploak» ,flach* (-idi); piHaU, 
Sffyaror ,tibia* (-iU) zu pükati ,pfeifen'. 

Analog yeriiält sich die Sache bei zg, woraus zunächst zz 
und dann zz wird. Zwischen zwei z wird aber ein d einge- 
schaltet (vgl. izdefkf aus *iz^zenq und dieses aus ^iz-zenq), so 
daß wir ein zd'z erhalten. 

Diese Gruppe kommt noch im F. vor, während sie in den anderen 
slav. Sprachen meist durch Abfall des zweiten I vereinfacht wurde: p. 
rdiäika (rouexka) Dem. zu rozga ,Zweig', vgl. lit. rezgu ,ich stricke' ; aksl. 
nuMan» ,mit Hirn gefüllt, markig* aus mazg^ ,Him', rgl. auch p. moidiek 
Dem. und moidiak bot. ,cerebrina'; aksl. dMt ,Begen' aus ^duzgjo*, p. 
dMij woraus wegen des Auslautes denez. Gen. noch dädim, Flur, d^dü«, 
ab. ddic, nb. dSit, r. d<Mb. 

Im B. scheint sich daneben noch itf erhalten zu haben: moSheha 
,Wachholderbeere', moMieveitmkö ,Wachholder' zu moxg» gehörig. 

Es fahrte demnach hier $k und xg zunächst zu denselben Besultaten 
wie ein tff und x4f\ ^^^ welchem auch zuerst ein ifi und MtU entstanden 
ist (vgl. weiter unten). 

11) k, g, ch wird c, dz (z), 8. Dieser Wandel trat später 
ein, wenn auch noch im ürslav. Dieses spätere Eintreten der 
Falatalisierung erklärt sich einerseits daraus, dafi sie vor Vokalen 
vorkommt, die erst auf sUv. Boden in einer etwas späteren Zeit 
palatal geworden sind. Andererseits handelte es sich um die 



266 

Wirkimg gewisser Vokale auf die nachfolgenden Gutturale, die 
sich überhaupt erst später äußerte. Was die erstere Art der 
Vokale anbelangt, ist es zunächst das e, das aus einem Diphthong 
{pi, ai, äi) hervorgegangen ist, und dann das i, welches aus einem 
derartigen i entstanden ist Zwischen der älteren und jüngeren 
Palatalisierung liegt also der Prozeß disr Monophthongierung. 

Beispiele: cä^ ^eü, ganz', jp^uQ. kaüüstiakan Akk. ,Gresund- 
heit', got haäs, ahd. Jieil; cena ,Preis', lit kaina dass., gr. rvoivi} 
^Entgelt', av. kaSna ,Strafe'; ce (meist ci i), ci konzess. ,wenn auch', 
lit kal-po, kal-p ,wie'; dzHo, zUo ,Yehementer', lit gaüus ,8charf, 
bissig', ahd. geü ,ausgela8sen, üppig'. 

Diesen Wandel bemerken wir femer im Lok. Sg. der o- 
Stämme: roci zu rokb ,Termin'; bozi zu bog^ ,QoW', dusi zu 
duehz ,Hauch, Geist'; lycS zu lyko ,Bast'. Im Lok. PL derselben 
Stämme: rodchz, bozeckz, duskkhf lyckkb u. s. w. 

Im Dat Lok. Sg. und Nom. Akk. Du. der o-Stämme: 
rqce zu rq^a ,die Hand', noze (urspr. nodzS) zu noga "jder Fuß' 
und mhsi zu tmcha ,Fliege'; ebenso im Nom. Akk. Du. der n. 
o-Stämme: lyci zu lyko u. s. w. 

Das aus e hervorgegangene % mit unserem Lautwandel liegt 
vor im Nom. PI. der m. o-Stämme wie rod, bozi (urspr. bodzi}, 
dusi zu den erwähnten Subst. rok^, bogz, duchz; weiter im Sg. 
Imper. der Verba der I. Kl. 4. Gr.: pbci, PL noch i: ptcäe 
,backe, backet'; run, rtcite ,sage, saget'. Das aus ch in diesen 
Fällen entstandene 8 war erweicht (etwa ^) und führte in den 
westslav. Sprachen zu ä, nur im Slovak. (und teilweise auch in 
mähr. Dialekten) wurde daraus s: b. Nom. PL Ceäi, slovak. Cm 
,die Böhmen'; p. szary, szadawy (szedziwy), b. äery, iedivjf, da- 
gegen aksl. 8id^ ,grau', sert ,glaucus'. 

Die spätere Palatalisierang trat aach ein nach den Vokalen », t (^. 
Da wir aber nicht durchwegs nach diesen Vokalen die Erweichung finden, 
so sachte es Baadoain de Courtenay im Anschlüsse an das Vemer- 
sehe Gesetz durch den Akzent zu erklären: das A, g^ eh werde zu c, s, 9 
nur in der betonten Silbe, also russ. Iie6, klicdU, aber Hkb, hlikati. Die 
Abweichungen wie r. siärea, 9Öinee, atarikä u. s. w. erklärt er durch die 
Annahme von Akzentverschiebungen (IF. 4, 8. 45—63). Allein damit 
kommt man nicht aus. Es mag ja sein, daß so manche Analogiebildung 
aufkam, aber das r. 86lnce stimmt mit s. süncs^ ebenso r. ttäree» mit s. 
HaraCf siärea ,6reis' überein, so daß wir es hier mit dem alten urslav. 
Sitze des Akz. zu tun haben. Analog verhält es sich auch in yielen 
anderen Fällen. Wir können hier daher eine Akzentwirkung nicht be- 



267 

merken. Sichtig ist es dagegen, daA der enge Vokal die Artikulation 
des Gutturals beeinflußte (Tgl. aeh^ ak gegen ick, ik). Es handelt sich 
hiebei um bestimmte Fälle. So ist auf diese Art das Suffix -m», -»c« zu 
erklären: otte» ,Vater' aus einem *otbk» Dem. zu *oU, das auch dem 
Adjektir ottn» zu Grunde lag; juf»eb, juncea junger Stier* zu jun» Jung*, 
Tgl. \it jawAkiiy Gen, jaunikio (also auch mit einer Erweichung) ,B'&ati- 
gam*; fi2fi»e» ,Kranz', lit. noch vaiiAkaM, also ohne Erweichung; andtee 
,Ho'>S s^MMM JSoAAoS wobei als Grundwort *«r»</«, *9ndb- (ein neutraler 
»-Stamm), *$l9no yorausgesetzt werden müssen; ovtea ,Schaf. In dieselbe 
Kategorie gehören zwei Worte, deren ^ wie auch der folgende Guttural 
zur Wurzel gehört: aksl. *lbdM (hsa) ,utilitasS dazu auch po4bdM dass., 
weiter alibdui ,Pfad'. Anders -tea.* hogcrodiea ,^96nmio^; dMea (r. diviea, 
serb. 4fMßa!); Umtmea ,GefängnisS 

Nach einem i auch in liea aus *liko, Gen. /imm ,Gesicht'; niet 
,pronu8', vgl. ai. nt-ca ,niedrig', dann sti» neben ttA» ,taliB'; Suff. -tteSi 
(aus Me) neben isko. 

Nach einem ^ das auf ein $ (fi) zurfickgehen dürfte: mii^ ,Monat', 
lit, min&f lat. fiMiwM; t^f^ ,Hase', vgl. auch ibn^ ,Fürst' weiter unten. 

Wenn nun dieser Lautwandel abhängig ist Tom vorhergehenden 
Vokal, so ist es auffallend, dafi sich in dem Suffixe -i%» das k behauptet 
(ein daraus entstandenes «0» kann allerdings auch nachgewiesen werden^ 
doch ist es verhältnismäßig selten, vgl. weiter unten). So haben wir 
dlAnikb^ noÜk» u. s. w. Es liegen hier eigentlich zwei Suffixe vor: 
urspr. -tqth und -iVi^o-. Wir müssen nun annehmen, daß bei letzterem 
der Übergang durch das in verhindert wurde und daß durch einen even- 
tuellen Ausgleich davon auch igo bis auf vereinzelte Fälle, die sich er- 
halten haben, beeinfiußt wurde, während bei -pko- palatalisiert wurde. 
Daß nur der Vokal bei unserem Lautwandel maßgebend war, ersehen wir 
aus den Suffixen in co&»A», 6/iz»ib», <{cs^, vysok», kamykb u. s. w., wo er 
unterblieben ist. und daß es speziell auch das t war, sahen wir bei 
Uee (das Suffix -tca werden wir dagegen weiter unten anders, nicht aus 
'ika erklären müssen), hauptsächlich aber aus den Iterativis wie dvixaii 
neben dvigaü zu dvigiu^i ,heben*; «Mm^s neben 9trigaii zu f^rätt, atrigq 
,scheeren'; kUeaÜ neben ktik^i zu kW», kUcaü neben krieati ,rufen, 
schreien*; nieati zu mknqii ,germinare*. Am auffallendsten ist es bei 
-r»ea<t z. B. ftrorieati «prophezeien* , dagegen -riktUi z. B. in pririkaU 
yWidersprechen* ; uticaii gegen itWuUi ,herauBfließen, -laufen'; mumitaH 
$^ gegen fuumiekati $^ ,irridere*. Daraus ersehen wir, daß das i nicht 
palatalisierend wirkte, was ja vollkommen mit unserer Theorie überein- 
stimmt, denn oben kamen wir zum Schlüsse, daß das aus i hervorgegan- 
gene i im ürslav. offen war, d. h. es näherte sich dem a und konnte 
also ebenso wenig wie letzteres in dieser Hinsicht auf das k, g, ek wirken. 
So haben wir auch mgkaü, pomagati^ poiagtUi u. s. w., wo überall die 
Gutturalen blieben. Freilich konnte selbst auch da die Analogie wirken: 
die e und s konnten mehr um sich greifen, so haben wir pr^taii neben 
pr^aii zu pr^, P^ijf^ «spannen*; l^aü zn l^Iu^ l^i ,biegen'. Nament- 



268 

lieh die mit Präfixen versehenen Iterativa ziehen Formen mit c, s yor, 
z. B. 9tr%gait\ aber poatrütaü neben po9trigaH, weil die Präfigirung die 
iterative Bedeatang beeinträchtigte, so daß man sie durch andere Mittel 
auszudrücken trachtete. Wie die Analogie wirkte, sehen wir deutlich 
z. B. an dem ab. myeUi ,hin und her werfen' zu mykaiU. Was den 
Wechsel der Vokale wie '4ieaH und Uhdi^ -rieoH und rikaU anbelangt, 
so ist er darauf zurückzuführen, daß die Iterativa sowohl vom Infinitiv- 
als auch vom Pr&sensstamme gebildet werden konnten. Im Westslav,. 
z. B. iiraiu also vom Pr&sensstamme, im Aksl. fttralt, also vom Infinitiv- 
stamme. Das Präsens muß nun im ürslav. nkq gelautet haben, wie es 
sich noch im Westslav. und Ar. erhalten hat und wovon noch im Imper. 
aksl. n>ei ein Best erhalten ist. Dasselbe gilt nicht von Ukq, UHi, 

Es hat im Urslay. noch eine Zeit gegeben, in welcher die 
Form *othkö gebraucht wurde. Davon hat sich der regeh'echt 
gebildete Yok. ottde erhalten. Weiter liegt diese Form auch yor 
in dem Adj. ottdtskb; analog in Hov^dtskb menschlich' zu <Aovekb 
^ensch^ 

So sprechen alle Umstände dafür, dafi wir es hier mit einem 
späteren Prozesse zu tun haben. Er ist aber auf eine analoge 
Art zu erklären, wie jener, nach welchem aus i ein d geworden 
ist: es ging nämlich das k, g zunächst in t, d' über, aber die 
Artikulationsstelle des j, welches darin stak, hat sich schon teil- 
weise verändert, es wurde vielleicht mehr vom artikuliert, daher 
nicht mehr ein ä, z mitklang, sondern ein ir, z oder besser ein 
iy £, das dann mit f, d! zu 6^ di und später zu c, dz («) führte. 

Weil es sich um eine spätere Periode handelt, ist es begreif- 
lich, dafi auch in Lehnworten fremdes h^ g nicht mehr zu d, i 
vor palatalen Vokalen wurde, sondern zu c und dz (z) z. B. aksl. 
cnky ,KircheS Tgl. ahd. chirihha; cisarh aus kaisar; c^ ,G«ld- 
stück', got kintu8 ,Heller'. Hierher gehört auch das Suffix -^dzb, 
-^ in einer Beihe yon Lehnwörtern, das dem germ. -ing ent- 
spricht: kbn^ ,Ffirst', ahd. chuning yEönig'; pSn^zh ,Gteldstück', 
germ. penninga; skl^, aM^ ,Münze', got. sküigga, ahd. mlling 
u. s. w. 

In anderen, wohl älteren Lehnworten kommt d, z vor: aksl. 
S^ ,E[indS das man wohl mit dem deutschen kifid zusammen- 
steUen mufi. 

Bei sk und zg haben wir hier auch Modifikationen zu unter- 
scheiden, wie es oben S. 264 analog der Fall war. Li jenen 
Fällen, in denen k za c geworden ist, erhalten wir aus de ein sc, 
das auch wirklich noch vorkommt z. B. Dat Lok. Sg. yon dtsia 



269 

ßreW lautet im Aksl. dtsci. Diese Gruppe kann jedoch auch 
Yerein&cht werden. Wenn wir sc annähernd als sts auffiissen, 
so konnte das zweite 8 abfedlen und wir erhalten ein st: dtsU, 
das auch im Aksl. Yorkommt, aber sc ist älter. Denkmäler die 
den älteren Zustand der Sprache mehr wahren, haben entweder 
nur sc (z. B. die Kierer Blätter) oder sie ziehen es yor (Zogr. 
Mar.). 

Im Anlaut kann das « abfallen (in dar Gruppe te): tdpüi »spaltenS 
darneben auch d/nii aus skmp^ TgL oben iUph ^edipsis* (S. 265); so auch 
B.-kr. $q;epati, eUpaU (ein analoger Vorgang auch bei $tj im Anlaute, Tgl. 
weiter unten). Wie oben erwähnt, handelt es sich hier eigentlich um 
ein urspr. 6. Indem das < assimiliert wurde, ergab es i6 und diese 
Gruppe konnte zu ie werden, wie wir es in den westslav. Sprachen finden : 
Dat. Lok. 8g. von dtka (aksl. d»9ka) lautet im Ab. di^^ ebenso vojici zu 
f>4*i$ka ,das Heer*. Aus diesem «f ist dann ein iC geworden (analog ist 
das U anderen Ursprungs behandelt worden): jetzt tojiU: weiter ab. 
«di^, jetzt iUp ,Pfropfrei8', ieiepati, ieispiü jetzt itiptiti, itipäi ,spalten^ 
Im P. ist auch dieses ie noch erhalten: f^ezap, noMpiö, nciepaS, ebenso 
08. iiSipid, wie auch r. icepiU, razScepüb. 

Später wurde nach b. ruka, ruei u. dgl. neuerdings dstka (statt des 
älteren d$ka) im Dat. und Lok. Sg. zu dstes, ebenso müka^ mite^ «Schüssel', 
desgleichen tlovenaky im PI. dial. ilav^nsei, woraus auch »lavensti {ie « 
etwa $U, das zweite 9 fiel ab). 

Da »ei im Ab. als ieij im Nb. als iii erscheint, so wird man 
•e^enÜi ,er8tarren, sterben, verrecken' ▼ielleicht als *9b-^iphi&i erklären 
massen, vgl. auch aksl. eipiti^ ,starrS oeipinüi ,erstarren'. 

zg führte unter denselben Bedingungen zu zdz^ woraus zd 
wurde: Dat. LoL Sg. aksl. dr^zdi (z. B. im Supr. 9. 6) zu dr^a 
,Wald'. Da es sich aber hier eigentlich wieder um ein i handelt, 
so konnte daraus auch zd'z entstehen , woraus dann zd^ wurde, 
z. B. ab. Lok. Sg. zäbrezde ^diluculo' zu zdbrezg (zdbredi); ebenso 
Dat Lok. miezdi zu miezga ^sucus', aksl. wohl m^a; rozde zu 
rözga, rözha ,Zweig^. VgL auch os. DraMiany, Drjezdzany, 
b. Drazdany ^Dresden' zu dem erwähnten aksl. dr^a ,Wald'. 

Der spätere Wandel des A; zu c und ^ zu 2; hat im Südslay. 
und R die Grenzen seiner ursprünglichen Berechtigung über- 
schritten: er kommt nämlich hier auch bei den Gruppen kv und 
gv vor den betreffenden Vokalen vor (YgL auch den Vok. Sg. 
vhäve statt des erwarteten *vltfchve). So lautet der Nom. PL 
von vlhchvh ymagus' : vhsvi, Lok. PI. vhsvichz; aksl. zvezda 
,Stem' (im Psalt sin. noch dzvizda)j big. zvizda (dzpizda), s.-kr. 
zoißzda, slov. zvizda, r. zvezdd, dagegen p. ywiazda, kas. gviazda, 



270 

polab. gjozda, b. hvizda, os. hvjezda^ ns. gvjezda, lit icaigzde 
(tvaigide^ wir erwarten hier ein g); aksl. emUti ,plaiigere^y cfi>ilüi 
,affligereS b. kvüüij der Ausgangspunkt ist in cvü (kvSI) zu suchen. 
Aksl. ceistb ^lüte', im P. dagegen kwiat, b. kvet und so ist auch 
aksL cvfttq, cvisti ,blühen' aufgetaucht , aböhm. Jdvu, kvi^i, p. 
kwU6. Das cvhtq^ ctrisU, s.-kr. cvasti zeigt uns auch deutlich, daß 
es sich hier um einen späteren Prozeß handelt, denn wenn das 
h über das v hinaus in der älteren Periode gewirkt hätte, so 
müßte es dann *^?pft^, *dvi8ti lauten. 

Bezüglich des c und e aus k u. s. w. vgl. auch B. Lenz: ,Zar 
Physiologie a. Gesch. der Palatalen' in KZ. 29, S. 1—59 und J. Storm, 
Engl. Phil. S. 291—296. 

Gruppe kt Hier ist zu imterscheiden, ob ein palataler 
Laut nachfolgt oder nicht Folgt kein palataler Vokal nach, so 
wird das A; an das ^ assimiliert. Das sicherste Beispiel ist letb 
,Flug^, p. lot, darnach auch läMi ,fliegen', lit dagegen lekiü, Ukiaüj 
Wdi ,fliegen', also mit A;, ygl. auch griech. lomTil^w ^ch schlage 
aus'; aksl. jAeth und ploth, apletb u. qplotb ,Zaim' u. s. w. und 
darnach auch plesti, pUtq ,flechten% dagegen lat pledo, plico, 
ahd. fliktu, gr. nlhM^ nXe-Kvq ,Seil, Netz'. Aksl. p^ ,der fünfte', 
lit pefiktas, lat quintus aus *quinäu8 und darnach auch aksl. 
p^t ,flinf . 

Wenn ein palataler Laut nachfolgte, so wurde zwar auch 
assimiliert, aber mit einer Modifikation: wegen des zu großen 
Abstandes zwischen dem damaligen k und dem t mit folgendem 
palat Yok. wurde die Artikulationsstelle des k analog verschoben, 
wie z. B. bei *kij wodurch zunächst ein t% mit dem das nach- 
folgende t assimiliert werden mußte, entstand. In jenen Fällen, 
wo auf das kt ein j folgte, war schon das ursprüngliche ^ zu ^' 
erweicht und brauchte nicht erst assimiliert zu werden. Die 
Doppelkonsonanz t'i' wurde, wie auch sonst, zu t' vereinfacht. 
Mit dem f erklang nun wie in allen anderen Fällen bei t' ein 
s oder i-Laut: t's oder t'^. So kommen wir hier zu derselben 
Mittelstufe, die wir auch bei urslav. tj bemerken werden (vgl. 
weiter unten) und auch die weiteren Resultate sind ganz die- 
selben. So haben wir im Aksl. peäti ,backen' aus *pektij s.-kr. 
pe6i, slov. peii, r. peöbj b. pM, p. piec; aksl. noSh» ,Nachf, lit 
fuMls, got nahts, gr. wKTog (Gren.), lat noctis; aksl. tnoätb ,Machf 
aus *mokti8 zu mogq (das g mußte vor t zunächst zu k werden); 
djfiti ,Tochter' aus *d^kti, *dugti, lit dukie^ got dauhtary ai. du- 



271 

hüdr-; b. locika, sIoy. loMka, s. loSiko, lit. IMvkai, lat laduca. 

Ein Beispiel mit läj : akd. /)2e^ n. ^cbulter^ aus *plddjo, 
bIoy. |>20<^y p. pUe m., vgl. lett jiakt ,flacb werden^, lit. plokszczias 
^h, plaUS gr. TrAal, Trloxog ^Eläche". 

Aucb cht mit folgendem palatalen Vokal führte zu dem- 
selben Resultate wie X:^; so in aksl. vriiti, vrtchq, s. vrijiSi nfäem 
jdrescben^ vgl lat. verro^ vorro (aus ^veno). Im Inf. bätte das 
9 bleiben sollen, also *ver8ti, *vridi (Ygl. prbsth gegen j^rocA«)^ es 
ist aber das ch aus den anderen Formen eingedrungen und yor 
t zunächst zu k geworden wie z. B. ab. lektati ^tzeln' neben 
leehtati und dieser aus lehtati, Tgl. kbr. UhdUy. 

Früher nahm man auch an, k sei vor t znn&chst za j geworden, 
wozu man aach Parallelen ana den rem. Sprachen anführen kann. Dann 
wäre aher aas ji darch Metathese ij geworden; die weiteren Yerände- 
rungen wären analog wie hei nrelav. ij (vgl. Verf. Akal. 6r. 8. 133). 
Anders erklärt auch 6 ragmann unseren Lautwandel (Kurze Tgl. Gr. 
§253 Kr. 5) und Jagiö (Afsl. Phü. 22, 8.35). Üher die Gruppe kt über- 
haupt handelte früher Miklosich in »Festgruß an Otto t. Böthlingk« 
1888. 8. 88—91. 

In Fremdworten kann später in b. Dial. aus kt eva ehi werden: 
lochtuie aus dem d. ,Lockentuch' ; praehtyehant aus praktikatU^ dochtar, 
kofUraeht aus kontrakt. Dieses cht taucht mitunter auch in einheimischen 
Worten statt des sekundären kt auf (vgl. Gebauer, I, 8. 450—451). 

Das^wirdA. In mehreren slav. Sprachen und zwar im 
Klr.y Weifir., B. und Os. ging das g später in h über; im Ab. 
taucht es um die Mitte des XTTT. Jhd. auf: hora ,Berg^ aus gora, 
k(e)nihami st knihami, älter knigami. Man kann also annehmen, 
dafi es in Wirklichkeit etwas früher auftrat (Gebauer I S. 456). 
Im Slovak. blieb dagegen g. Das h wurde nicht sehr stark 
aspiriert ausgesprochen , intervokalisch konnte es daher leicht 
schwinden: aus hohu ist bou geworden imd blieb so, wo nicht 
aus anderen Formen das h wieder eindringen konnte, so z. B. 
Bimslava st Bohualava; sau aus sahu (prisahu, später prüahdm 
,ich schwöre^. Dieser Umstand erklärte es nur, daß es anderer- 
seits auch häufig vor einem ursprünglich vokal. Anlaut auftauchte: 
b. dial. hoko, hulica, hapatyka u. s. w. Mitunter führte dieser 
Gebrauch auch den Verlust des urspr. h im Anlaut herbei: 
b. utrejch , Arsenik', ab. hutrajch aus ,Hüttenrauch' ; avado st 
gavado, aksl. gav^do ,Vieh* vgl. S. 182 f. 

Einige Eonsonantengruppen mit Ar. ks führte, wenn 
kein t unmittelbar nachfolgte, zu ch und zwar durch die Yer- 
mittlungsstufen kch, dich, z. B. Aor. reckt aus ^riksfb zu reiti^ 



272 

rekq ysagen'; chud% ,klem, arm', slov. hud schlecht, böse', vgl. ai. 
k^ödlyets zu käudtM ,klein, böse'. 

In kBt fiel dagegen das k aus. Aor. 2. P. r^ste aus räcste\ 
aksl. p^h ,fau8t^ aus ^p^ldtis, ygL ahd. /ä^, lit. &wm^' aus 
*kumpsti, *punksti. 

Ebenso in skt: aksl. tesio »Teig' aus "^UMo zu ^iftX; — also 
,da8 Geknetete, Gedrückte' ygl. abd. Mc, got daigs zu got. deigan 
,kneten'; Miklosich stellt es zu lit teszla, tasda (Etym. Wtb. 
S. 356), allein das gehört zu taszan — aksl. tesati (vgl. Rozwa- 
dowski, Hozpr. wydz. fil. Ser. II, t 10, doch stellt er das slav. 
Wort zu hib. tais, taes a- cambr. toes ,mana', wohl mit Unrecht); 
ab. tresktati ,strafen', neub. trestati enthielt ein sekundäres skt : 
*trMkUatL Vgl. auch das Suffix hstvo aus *hsktvo. 

Weiter in skn und analog das g auch in zgn: aksl. thätati 
,urgere' aus thsk-, dazu tbsnqti 8^ ,studere' aus *th8kn'; bhsnqH 
aus blhsknqti ,glänzen', dagegen bUskb ,Glanz, Blitz'; tisnqii 
ftrudere' gegen tiskati ,premere', dazu auch teskhm und testm 
,angu8tus', tiskny kommt noch im Ab. vor, ebenso tieskAj woraus 
dann HesA, tieseA (Gebauer I S. 452). Aus üshm ersehen wir, 
daß das k auch dann ausfallen konnte, wenn es durch einen 
Halbvokal von dem n getrennt war. Allerdings begann dieser 
hier in Formen vor einem vollen Vokal frühzeitig zu schwinden: 
so konnten Doppelformen entstehen, vgl das ab. tiskn^. Dann 
wurde auch das häufigere Suffix -hm eingeführt Hierher ge- 
hört wohl auch aksl-presMib, oprisbm ,£risch, ungesäuert', das mit 
lit prükas, ahd. frisc ,frisch' verwandt ist. 

Für zgn : p. äliznqö si^ ,ausgleiten^ gegen älizgaö ,glitschen, 
gleiten', ^lizga ,Schleimfisch'. 

k wird eingeschaltet in b. stkvüi se ,glänzen', stkvüct 
skvaud ,glänzend', aus aksl. svhteti wurde svtäi, dann stvieti 
stkvieti, stkvüi; in zamestknati aus und neben zamestnati ,be- 
schäftigen'. 

Spätere Erweichung der Gutturale. Schon die 
aksl. Denkmäler weisen uns die ELalbpalatalen k, §, cV in Fremd- 
worten auf, z. B. Jcesafhj gr. xaiaag; gazofUaJcija ya^ofpvlaiuovy 
feona yiewa^ arch'ierej u. s. w. Es handelt sich hier um eine 
Verschiebung der Artikulationsstelle gegen den harten Gaumen 
zu, so daß sich diese Laute der t' d'- Gruppe sehr stark genähert 
haben. Derartig palatalisierte Gutturale kommen in den modernen 
slav. Dialekten vor und führten hier mitunter sogar zu t\ d, so 



273 

z. B. im klr. dMia aus und neben döiUca ^Tochter, Töchterchen' ; 
süneido aus sönemko Dem. zu sdnce ySonne' (Ogonovski Studien 

S. 65). 

Mitunter ist das erweichte h noch geblieben, so im YjatkaBchen 
Dialekt, wie auch in einigen anderen großr. Dial. hört man: ehaz^ßä, 
irößa, g&fhä, döchä et. ehäX4(fka ,WirtinS tröjka ,Dreige8pann' gdrka «bittere*, 
döeka ,Töchterlein' (IF. 4 8. 47). Wie man sieht, handelte es sich hier 
meist nm solche F&lle, wo den Gattnralen ein erweichter Laut vorher- 
geht; er fährt also dieselbe Wirkung herbei, wie ein nachfolgender pala- 
taler Yokal. Vgl. auch kafi. dij aus kif »Stock', diMi aus g^ki .biegsam', 
wo man also in der Palatalisation noch weiter ging. 

Andererseits konnten auch erweichte Dentale zu den palatalisierten 
Gutturalen werden: Mo aus ielo ,I^ib'; litio aus tetto /leig^; gid aus 
ded^; §ilo aus dilo (Eolberg, Pokucie). 

Auch in vielen maced. Dial. f&hrte tj, dj\ statt nach bulgarischer 
Art in H, zd überzugehen, zu h, ;, was einen Übergang zu den s. Dial. 
bildet. Man hat auch bekanntlich diese Tatsache gegen die Annahme, 
das Aksl. sei ein bg. Dial., der in Maced. (Saloniki) heimisch gewesen 
wäre, geltend gemacht, aber dieser Einwand ist nicht stichhaltig, denn 
in Maced. kommen doch auch Dial. mit ii und id vor. Beispiele ans Maced. 
mit polatalisierten Gutturalen: «««^a, bulg. u. ksl. weHa ,Lichf ; leeh 
St. iteekt; mygi, aksl. tnezdu «zwischen'; tugma st. tuzdina u. s. w. (siehe 
Lavrov Obzor». S. 97—98). Aber auch umgekehrt, das erweichte l wird 
zu i' und zwar auf dem äop'schen Gebiet, wo wir mqft'a ,Mutter', dtvojt'a 
,M&dchen' st. tnqfka, dtvojka u. s. w. hören (Vgl. M. Y. Veselinovi^, 
GraniSni dialekat medju Srbima i Bugarima. Zona di i e. Belgrad, 
1890, S. 13—16 und Baudouin de Courtenay in IF. 4, & 47). Ana- 
loges finden wir auch im Lett. 

Im AksL scheint aber das fremde g vor palatalen Vokalen 
vorwiegend zu einem ; geführt zu haben und zwar nach dem 
Vorbilde des griech. (vgl. TtagaoTievyTj^ yvQsvyeig Afsl. Phil. 19, 
S. 176—177); dafür kommt in den aksl. Denkmälern in der Begel 
auch ein eigenes Zeichen vor. 

In den westdav. Sprachen finden wir auch häufig für das ge 
der klassischen Sprachen , das als je gelesen wurde, ein je, so 
z. B. im Ab. anjel (geschrieben angel ,EngelO, p. aniol; dameben 
taucht aber doch auch d auf, als der direkte Beflex eines g vor 
palatalen Vokalen, und zwar haben wir auch schon im Ab. ein 
andä (neben anjet)j im Grofir. dndel st. dngel (geschr. angeli). 
Diesen Beflex finden vor auch im Magyarischen: angyal (»» andal) 
,EngelS evangyäioM u.s. w. Asböth meint, es hänge damit 
zusammen, daß die Magyaren in der Sprache der venetianischen 
Italiener lat g vor e, i wie gy (— d) gehört haben (Afsl. Phil. 22, 

VoBdr&k, Vffl. aUr. Gnmm. I. 18 



274 

S. 453, Anm.). Das ist richtig und damit hängt auch die magya- 
rische Orthographie zusammen (vgl. Verl Studie z oboru drkev- 
näsIoT. pfsemnictvl, S. 63), aber bei den erwähnten alten Eultur- 
wörtem kann man doch im Zweifel sein, ob sie nicht früher 
durch die slar. Vermittlung Eingang gefunden haben. 

Die Dentale t, d. 

Das t ist die Fortsetzung eines ursprachl. t: aksl. to aus 
*t(Hi , jenes, das^ gr. t($, ai. t<M (lit. täs ,der^); tesati ,hauen, 
behauen', Ut. taszßi ,behauen', gr. thxwv^ lat. Uxo, ahd. dAsa 
^eily Hacke^ ai. tdkfati ,er zimmert^; trbm ,Dom', ahd. dorn, 
got ßaumuSj ai. tfnam ,Grashalm'; irtje ,dreiS lit. trys, got ßreis, 
lat tres, ai. trdyctö (aus * freies); thmkz, tbmkö ,dünn', lit tenvas, 
lat tenuü, ai. tant^as, tan&f jgestreckt'; thtna ,FinstemisS lit 
tamsä^ ahd. demar ,Dämmerung', lat tenebrae, ai. tämas ,Finster- 
nis'; fyrtitq ,schneide, ritze^ lit kertU, kirsti ,hauen', ai. kfntdti fiv 
schneidet, spaltet', dazu auch Imxtb ,mal' z. B. dhva kraty ,zwei- 
malS lit kaftas ,HiebS adv. hartaia (Instr. PL) ,manchmal' ; sttrqy 
gtr&i ,ausbreitenS got strauja, gr. atoQwiAi, lat stemo^ ai. strnimi, 
dazu auch strana ,Seite, Gegend' aus ^star-nä; sUo ,hunderf, 
lit szimtas, got hund, lat centum, gr. huonov^ ai. Satdm; das 
Suffix -ter (Verwandtschaftsnamen): tnati, matere; dziti, diMere, 
ai. mutdr-^ duhädr-; bratrh ^nider', ai. bhrdtar- u. s. w.; Suffix 
-to (ata) : rabota ,Enechtschaff, junota ,Tugend' zu jum jung', 
Tgl. got vmtwödi-Pa ,Zeugni8' von weüwöpa ,Zeuge', ai. dSvd4d 
,G^ttlichkeif von dävds ,Gotf ; Suffix -h aus -tis : tnoitt ,Machf 
aus *fnok-ti8, vgl. mogq ,ich kann', got mahts, ahd. rnaht; dath 
,Gabe', lit dUis, gr. dwtig^ doaigy ai. ddJti- ,Gabe'; pam^ ,An- 
denken', lit cU-mintls ,Gedächtnis', got ga-munds, lat. mens, ai. 
mati^, mdti^ ,Denken, Sinn'; vgl. auch die Infinitivendung -ti : 
byti ,sein', lit büti; das Partizipialsuffix -to- : Mb ,genähf , lit 
siütas, lat. sütus, gr. veo-yuxTTvrog ,neu versohlt^, ai. syiUds aus 
*8iiiriÖ8 ,genahf ; das Suff, des Part. Präs. act -n^ : bery, be- 
rqHa, got bairands, lat ferens, ai. bhäratU-, bhärat- aus *bhi- 
ront- ,tragend'. Die Suffixe der 3. P. Sg. u. PL Präs. aksl. -th 
ursl. -to und -ntb, ursl. -ntb : berett, ursL bereth und b€r(^, ursl. 
ierfto, ai. bhdrati imd bhdranti; des 2. P. PL ^ : fteref«. 

Selten ist das t der Beflex eines urspr. th : m^, m^i und 
m<^»^» ,turbare', lit meniürS ,Quirl', ai. mdnthati ,er rührte. 

d ist 1) ursprachl. z. B. in des^ ,zehn', lit diszinU, gr, dha, 



276 

ai. däsa; dati ^ebenS lit dü'ii, ai. dd-dä-^i; dltgh ^cuig'i lit 
Ügas aus *dlgas, got tulgus yStandhaffi gr. dolix6gj ai. dirghds; 
dorm ^HausS lat domua, gr. ()($fio$; ci^r^ aus *dervo ,Baum, 
Rohfj drhva ^olzstückeS lit dervä lEienholz', gr. dovQog, dfvto- 
flog ^olz fällendS ai. drü- ,Kohfy got triu ,Baiim^- d^va, dhvi 
^weiS lit du (aus dvü')j ai. dut?ä, dvä; dmh ,Tag^, lit dinä] 
diven, lit dSveria ßckwsLget^y sL devdr; lydajq, rydcAi ,weh- 
Uagen^ lit raudä ^Wehklage^, ahd. riozan ^klagen, weinenS aL 
r^i^>; riM^o^t ^er jammert , weint', lat rudö\ sSditi ^tzen', lit 
säditi, lat sedeo, ai. sddas ,Sitz^; «rMl«c0 ^erz', lit. szirdls, got 
Aa^rto yHerz' ; in zegq ,uro' aus "^geg- ist wahrscheinlich d za g 
dissimiliert, lit. degü ybrenne', aL ddhati. 

2) urspr. dh : <29M-b ,Tür^, dvoi% ,Haus, Hof*, lit dürtfs, gr. 
'^^tf; &aiQ6g, lat /bres, aL (2pärM Du. ,Tür^; dojq ^lacto^, (i^ 
,EindS lit dina yträchtig*, däe ,BlutigelS got daddja 4ch säuge', 
gr. ^flcno ,er sog', ^-liq ,Mutterbrusf , lat fääre, fSmina, ai. 
dhinüf ,milchend', dhdyati ,er saugt, trinkt'; d^iti yTochter', lit 
dukie, got dauhtar, gr. dvyaTrjg^ ai. duhUdr'; dM^ yGroßrater', 
Ut cterfl 3i^<^6^ des Vaters', ygL gr. rif^ij ,Grofimutter' tri^ig 
,Tante'; d^/a^i, (24/? »legen, verrichten', lit ^i ^egen, setzen', got 
ga^Ps ,Tat Lage', lat fdd, gr. %i^(Aij ai. dhätnath ,Satzung'; 
i%(2^i fWachen', lit budeti, ai. bödhati ,er erwacht, merkf ; gladhlcz 
,glatf, ahd. ^2a^, lat ^/o&er (A -^liA); aksL {^cfm ,Lende, Niere*, 
ahd. lentin, lat 2tifn&ii9 (aus *londuo8); fned^ ,Honig', gr. fii^v^ 
ai. mddhu; r&dUi s^ ,erri)ten', rr4rb ,rof, n^/a ,Erz, Metall', lit 
rudäi, gr. igev^w ,ich röte', igv^ifog ,rof, ai. rudhirds ,rot'; wdqf, 
1^» ,fähren, heimführen', lit. f^edt!^^ t^i dass., ai. vcuihü ,Biheweib'. 
Das yerbale SufOx -do- kann auf cMo und -do- zurückgehen, eine 
Scheidung ist nicht möglich im Balt-slay.: idq ,gehe', bqdq 
,werde', jadq ,fahre'. Su£Bx -de in jr^i^ ,wo', ai. kuha aus *An«- 
dhe ,wo, wohin'. 

Veränderungen der Dentale, tj und d/ ergaben in 
den slay. Sprachen verschiedene Besultate, die sich im Sonder- 
leben derselben entwickelt haben. Im Urslav. sind daraus zu- 
nächst t', d\ d. h. erweichte Dentale entstanden. Diese Laute 
wurden etwas höher am Gaumen als früher das tj d artikuliert 
(vgL oben S. 256). Li dieser Lage bildete aber die Zunge bei 
der Trennung vom Gaumen eine Enge und im Momente, als die 
Luft durch dieselbe strömte, entstand bei i ein i oder ^, bei i 
ein h- oder i- artiges Beibungsgeräusch, je nach dem Grade, den 

18* 



276 

die Verschiebung der Artikulation bei dieser Erweichung erlitten 
hatte. Das hing auch offenbar mit der Änderung des j, die da- 
mit auf einem Teile des slav. Gebietes vorzugehen begann , zu- 
sammen (vgl. bei j). Dadurch war der Impuls zu mannigfachen 
weiteren Änderungen gegeben. Im Bulg. hatte man zunächst 
^V und d'z, also ^wit'sa aus *w&ja, vgl. svetb glicht' und *vid'zq 
aus *vidj(f zu vidüi ^hen^ Durch Antizipation des /- und z- 
Lautes entstand *8vS8t'8a, *vizd'zq, woraus dann nach Abfall 
des zweiten i, i ein wiit'a ^Licht^ (konkret) und visld^n ^ch sehe' 
entstand. Bei der allgemeinen Veriiärtung der i- und i-Laute 
wurde daraus dann einfiic h Bo^Haf vizdq. Das so entstandene it 
imd zd ist eines der am meisten hervorstechenden Merkmale des 
Bulg. und da wir diese Vertretung des einstigen tj, dj auch im 
Aksl. finden, so müssen wir es als einen bg. Dialekt au&ssen. 

Im Serb. wurden die Beibungslaute / und z dadurch alte- 
riert) daß sich die Artikulationsstelle des t'j d' etwas senkte, wo- 
durch zunächst ein fV; d'i und schheßlich die spezifisch serbi- 
schen Laute, die mit <5, dz oder A (gj) transskribiert werden, ent- 
standen. Bei der Aussprache derselben nähert sich die Zungen- 
spitze mehr den unteren Zähnen, daher sich das s. 6 wesenüich 
imterscheidet z. B. vom b. ^, bei dessen Aussprache die Zungen- 
spitze gegen die Alveoten gerichtet ist. Im S. heißt es daher 
9v%ji6a ,Kerze' und migja, mida oder midja ,Grenze'. Das ä ist 
als eine Verschmelzung des weichen d (d) mit z aufzufassen: 
med^za und es kann daher dieser Laut dialektisch selbst zu einem 
z werden. 

Im Slov. wurde aus t's, indem beide Laute zu einem zu- 
. sammenschmolzen, ein ö : svida ,Kerze'. Bei dz ist dagegen 
eine weitere Beduzierung, als dies im Serb. der Fall war, einge- 
treten, bis auch der Dental schheßlich abfiel : meja Grenze. Das 
j erstreckt sich auch auf das benachbarte kr. Sprachgebiet 

Daß dieses j direkt aus dem ursprünglichen dj entstanden wäre, 
ist nicht recht wahrscheinlich, weil dadurch das Sloy. zu sehr aus dem 
Bahmen des Südslay., heraustreten mochte. Außerdem ist es nicht wahr- 
scheinlich, wenn sich hei urspr. (/ ein Beihungsgeräusch entwickelt hat, 
daß dies bei urspr. dj nicht der Fall gewesen wäre (vgl. oben in der 
Einleitung S. 2). 

Im Buss. ergab t's wie im Slov. ein e, während in d'z das 
d' schon vorhistorisch abfiel. 

In den westslav. Sprachen ist von (ä auszugehen; daraus 
entwickelte sich ein 6, das durch weitere Verhärtung zu c wurde. 



277 

Desgleichen entstand aus d£ ein dz, wobei das d auch abfallen 
konnte. So haben wir im P. e, dz z. B. Suneca, miedza; im B. 
c, z, nur das Slovak. hat noch dz : ab. 9vieca, meza, slovak. 
medza; os. 8wSca, mSza; ns. 8wiea, mjaza. 

Handelt es sich am ein 9ij, so wurde daraus in den westslar. 
Sprachen 46, das schließlich zu $c führte. Zu putUti «schicken, loslassen' 
^ laatete das Part. Prät. pass. ab. pui^en, nb. puHin, p. jetzt noch pun- 
esony. Daraus darf man wohl nicht schliefien, daß aach hier ursprünglich 
c, dz war und daß es sich dann erst zu c, dz verschoben hfttte (Jagi^ 
Afsl. Phil. 23, 8. 124). Analog gibt auch zdj ein ziT, b. hytdiH ,Ter- 
unstaltenS dazu Part. Prät. pass. hyiden. Zunächst war hier id^ij woraus 
zd^i und schließlich zd entstand. Gebauer läßt id aus zi entstehen 
(I, S. 400). 

Der Anlaut weist im AksL eine Modifikation im Resultate 
des ursprünglichen ti, d'z auf: es konnte nämlich neben der 
Antizipation des % einfach auch das t mit dem nachfolgenden i 
zu dem Laute c verschmelzen, ein Vorgang, den wir sonst im 
SloY. und R gefunden haben. So heifit es zwar ihiädb ,fremd*, 
das aus Hjudjo entstanden ist und auf das got fiiida ^Volk^ hin- 
weist Dameben aber auch 6^üdh. In diesem Worte speziell 
war auch noch eine andere Möglichkeit Torhanden : das zweite / 
wirkte dissimilatorisch auf das erste, so daß aus Hjudjo ein *tudj(h 
wurde, das dann tuzdh ergab. 

Aber auch das zd in ituidt, das regelrecht entstanden war, wirkte 
dissimilatorisch auf das it im Anlaut, so daß auch die Form »Utzdb auf- 
kam. So finden wir im Aksl. das Wort in vier Variationen, worin sich 
offenbar der Einfluß verschiedener Dialekte zeigt: Huzd», cuzdty tuidb und 
Huzdb. Unter diesen Formen muß stuidb als die jüngste angesehen werden. 
Im Slov. haben wir ito\ im S. tutf;, in den anderen Sprachen ist der 
Wandel hier regelmäßig (vgl. Yerf. pfiv. Eier. 1. 3. 4. Anm. 3). 

Weiter finden wir im Aksl. itf*do neben öudo ^Wunder^; 
Mudt neben dudh ^Sitte^. b. cud] aksl. Hutiti neben ötUiti ^fühlen', 
s. 6tdüi', vielleicht auch ittuh und itudim, itudopim neben dudh, 
öudim jBiese', ygl. auch öudim ^ein Finne^, öudt ,Finnen^ 

Aus tt und dtj das zunächst auch zu U wurde, entwickelte 
sich t»fj was so erklärt wird: in der Pause zwischen dem zwei- 
maligen Zungenverschlusse erklang ein schwacher «-Laut: tHf 
nach Assimilation des ersten t dann st z. B. In£ Präs. mesli ^egen, 
werfen' aus *fnMi; vesti ^ftthren' aus *vedrt%. JEierher gehört 
auch die 3. P. Sg. aksL dasth, ar. dcudh fix wird geben' aus 
*död'U; jastb ^r ist* aus *}ad4i\ vesth fir weiß' aus *vid4i; die 
2. P. Du. dasta, jagta, vista; die 3. Du. und 2. PL: doste, jaste, 



278 

vMe. Andere Beispiele: atkaivlastb ^Macht' aus *vold4i8] slasth 
Süßigkeit, Wonne' aus *8<M'4i8\ vrhstb ^Bewandtnis, Lage' ans 
*prt4i8, lit vifsti ^ch wandeln', ai. vfitif ^das Bollen, Verfahren'; 
jais^nb ipaedagogos* ans *pil4unO' zu pUäi ^nähren^ pUotm ,ge- 
mästet, fetf . 

Der Lautwandel des U zu tH ist ursprachlich und Torslav. ist auch 
der Übergang des i't zu H : lit Inf. misH sn mM ,ich werfe', v^9ti zu 
vedA ^führe'; Ut(i) ,er friBt*, ai. dtti, w. sd; griech. aunos ,nngekanntS 
▼gl. ai. väidi ,gefunden, erkannt', nunof *nt^tos. 

Da es im Slar. sehr viele Infinitive auf -sti gab, wie vetti, 
mesti, gnesti ,kneten', gr^i ,kommen' etc., wozu auch die Inf. 
wie v€8ti aus *ve:di zu vezq ,Teho', nesU ,tragen' u. s. w. hinzu 
kamen, so drang die Endung -^$ auch in solche Inf. ein, wo sie 
nicht berechtigt war. So hieß es ursprünglich nur teti zu tepq 
4ch schlage', suH ,schütten, streuen' zu sbpq; greti ,graben' zu 
grAq. Daraus entstand nun auf die angegebene Weise grttii. 
Im Ab. haben wir nur hridi, sküsti ,rei£en' zu skubu, neben dem 
alten öf'ieti (aus "^öerptij dazu das Präs. aksl. ^rtpq, ab. jedoch 
nach den vokalisdien Stämmen öru), sMi zu spu, pl^$ zu plevu 
jäten'. Nun drang aber noch der Stammkons, aus den Präsens- 
und anderen Formen neuerdings ein, daher aksl. auch grd>8ti, 
tqpstij ab. zubsti ,frieren^, Präs. 3. P. Sg. ztbe\ dcübsti, JM>ai; 
letztere Formen jedoch erst in späteren Denkm. Daß das sti in 
diesen Formen lautgesetzlich entstanden wäre, wie Gebauer 
meint (L S. 487 und HE, 2, S. 161), ist nicht wahrscheinlich. 

Gkmz analog mußte aus dd schon urspr. dzd entstehen, 
woraus dann zd wurde. Hierher rechne ich zunächst jazdct, 
jazdz, jazdüi ,Fahrt, fEihren' aus *jadzda eta, also mit einem 
da- und (2o- Suffixe zu jadq, jadiati. Hierher auch b. ahyzda 
,Ekel' von ^hyzda (vgl hyxdüi ,verunstalten'), das ein *gf/d-da 
voraussetzt, vgl. r. gidkij dial. 

d wird zu j vor anderen Kons. : bIoy. grdjMhi ans grädski ,Burg-, 
Schlofi-'. Doch konnte das j in den einzelnen slav. Sprachen anch aas 
anderen, namentlich weichen Kons, entstehen. 

Assimilation der Dentale. Aus ts, ds^ das zunächst 
zu t8 wurde, entstand es, woraus 8 : medi ,w6rfen' aus mddi za 
metq (siehe oben); aksL briseh ,te8ta' aus *bhrutB' zu aisl. bricia 
,brechen'; vedi ,föhren^ aus *vetsti; Aor. v^ ,duzi' aus *v&sh, 
*vikkb; dost ,dabi8' aus *döisi, *död8i; kqsb ßisaeiiy Stück' aus 
*kant80, *kand90, vgl. lit händu^ hqsti ,beißen', ai. kkädati ,er 
zerbeist'; dido ,Zahl' aus *dtt-^o zu Mq, disH ,zählen'; gqdi 



279 

FL yZither' aus *gqd'8li zu g<fdq, gqsti ^dtbaill canere'; jasli PL 
,Erippe' zu jad- in jamb jasti »essen*; iz-rash ,gennen* aus ^ortslis 
SU rasli, rasiq »wachsen*. 

Ebenso führte tm und dm durch mm zu m : 09mz »der 
achte* aus *ostmo- nach ai. <»Sfaü, a^famäa »der achte*, lit asasMuni, 
gr. oxrcJ, got. ahiau\ vrSm^ »Zeit* aus *verimen^f ai. värtman 
»Bahn*; damh aus *dödmi »dabo*; rumim »rot* aus *rM(]?mdfto-» 
YgL ruda »Erz, Metall*» YgL lit raumä »Muskelfleisch*; b. v^^, 
aksl. *vym4^ »Euter* aus ^üdh-menrj ai. ddhar] aksl. |>2em^ ,Oe- 
schlecht* vgl. plod^ »Frucht*. In sedm^ »der siebente* und sedmt 
»sieben* ist das dm geblieben» weil es urspr. *8ebdm<h hiefi. 

Analog bei tn, dn : asvhnq »ich werde hell* zu svhUti 
»leuchten*; vhzlyhnqfi »aufwachen* vgl. b^diti »wachen*. 

In den Gruppen ^Z; ? 2 ist die Assimilation nur im Südslay. 
und R eingetreten» die westslav. Sprachen behielten sie: so lautet 
das Part Prät Akt 11 zu pletq »flechte*» aksL pleh^ b. dagegen 
pUtlf p. plaii; ebenso zu padq, pasti »fallen*» aksl. po/h^ b. padl^ 
p. padi\ aksL mdüi »bitten, beten*» bg. mclja se, s. molüi, slov. 
molUi (Freis. Denk, noch modliti), r. molüt, dagegen b. modlüi se, 
p. madli6, oe. modli6, ns. modliä. Im Suffix -dlo : aksl. raio, 
b. rädlo\ aksL äilOj b. Hdlo, p. azydlo »Pfriem* zu Üti »nähen*. 

In stl ist selbst auch im B. das t ausgefaUen: düp, aloup, 
ab. silüp, die Schriftsprache bewahrt noch stlaup, slovak. stTp 
»Säule*. 

Mit rcdo aus racUo vgl. lat adla zu aedeo, got dagegen sitls. 

Dentale werden eingeschaltet: sr wird zu slr : astrh 
»scharf*» lit. aszrüs, daneben dial. asztrüs, gr. a%(fog »spitz*» ai. 
catur-asras »Viereck*; phstn »bunt* aus *pb8'ro-, vgL pösati^ 
pUtf »schreiben*» gr. Ttoixilog »bunt*; struja »Strömung*» astrovh 
»Insel*, YgL gr. ^iei »er fließt*» ai. srdwxti dass. ; sestra »Schwester* 
aus *8e8raj lit sesu» gen. sesers. 

Im lit ist diese Erscheinung nicht aUgemein, sondern nur 
dial.: srove neben dial. strave »Strömung*; sravh »das FlieBen» der 
Strom*» let aträtoe. 

Die Grappe 9tr aus ar wurde bekanntlich von Bragmann als ein 
Yerwandtschaftszeichen zwischen dem Germ, und Slavolett. angesehen 
(Techmer, Zeitschrift I, 8. 234—248). 

In aksl. m^ra ,membrana' ; aksl. nozdri ,nares* zu non ,KaseS liegt 
wohl ein tr vor (vgl. bei s). 

Weiter wird nr zu nrfr : aksl. mqdrb »weise*; b. pondrava 
»Bngerling*» zu piMitriti, ygl. auch sIoy. pondretij pondrem »immer- 



280 

gere*; b. vindra ^G^ldstück: Heller oder Pfennig* aus Wiener; 
b. Jindra, Jindrich aus Heinrich. 

Palatalisierung der Dentale. Abgesehen von den fiiiher 
besprochenen urslav. Gruppen tj und dj (vgl. oben S. 275), erfuhr 
das t, d auch Tor den palatalen Vok. in einzelnen slay. Sprachen 
eine Erweichung, die häufig wegen eines Gleitlautes zu einer 
Mutation der Dentale führen konnte. So erscheint es einfach 
erweicht, also als i, d (t', cT) im Grofir. vor den palatalen Vok., 
z. B. aio (spr. ielö) ,Eörper, Leib'; dikij (spr. dikij) ,wild^ devjatb 
(spr. devjai) ,neun*, ditja (spr. dita) ,Kind' u. s. w. Im Klr. vor 
urslav. i: Hh, düo. Im B. vor urslav. i und t: hodina ^Stunde*, 
prositi ,bitten', tieh^ ,8till*, kost; vor urslav. S: däati ,machenS 
täo ^Körper*; im Slovak. nadievai, hdievai, tiäil, dSdina; im 
Gegensatze zum Schriftb. wird hier auch vor e erweicht. Im 
Bulg. dial. date, devet, im S. dial. leleti, devöfjca. Der Gleitlaut 
findet sich in manchen großr. Dial.: Ueb'a für ieVa, Uiäe für 
Häe (im Gouvem. Tver). Die Mutation können wir bemerken im 
Poln.: ciaio spr. 6aio für telo ,LeibS dzieh spr. flieh ^Werkfj 
aksl. däo, dzieA aber dnia, 6ma ^Finsternis', aber tnq ,ich haue' 
u. s. w., worüber S. 155; analog auch dial im Slovak., ebenso in 
Mähren. 

Für das eben erwähnte d und dz kann auch c nnd dz eintreten, was 
mit der allgemeinen Entwickelang dieser Lante znsammenhängt. Das 
Osorb. hat d, di überall, das Nsorb. brachte es zu /, i-. iopiy^ iichy^ 
iw9i gegen os. doply^ dievBÖ^ sonst bleibt rf, di nur in kons. Gruppen. 
Weiter kommt das ^, dz im WeiBr. vor, wo aach noch in manchen Ort- 
schaften das iy d* anzutreffen ist. 

Aber dial. auch auf dem s.-kr. Sprachgebiete: leieUy dtsd, vidieü, 
eilo, dzelovat (vgl, Afsl. Phil. 13 S. 691). 

Differenzierung der Dentale: t geht manchmal in k 
über und zwar namentlich in den Gruppen tr (tr), Ü: b. diaL 
hremcha aus (8)trefncha ,Traubenkir8che^; mähr, ikrknöt st ikrtnouti 
^durchstreichen'; aUgemein b. kruta aus ,Truthenne'; cvikif aus 
yZwitter'; puäkvarec aus yBrustwurz'; b. vyvrknotUi aus und neben 
vyvrtnouti ,veiTenken, ausrenken' (also auch nach r). 

Im Lit. wird tl zn ^ und zwar auch in Fremdworten : zMcUu ,Zeichen', 
preuß. dagegen eh-tentUutui ,bezeiGhnet habend*; Mlä ,Same' aus *^/ü; 
in Fremdworten: turklilis (auch kurklilis) .Turteltaube'; piküoü&U ,Mehl 
beuteln* aus p. pyilotoad; aber auch b. dial. klußUj f. tiustp und and. 
(Gebauer I 8. 393). Vgl. auch Itki. ptäelum, piäeulum, wo das Suffix 
-tlo vorliegt, ebenso luerutn (zunächst luelum, ebenfalls mit -t^). 

Analog geht d, d dialektisch in g über und zwar am hau- 



281 

figsten in den Gruppen dr, dl : b. glhy st. dlhy, gewöhnlich dlouhy 
ylang'; zigie st Hdle ^Sessel'; sloyak. miazgra st. miaxdra Mem- 
brane'; kasub. zqglo gegen p. zqdlo ^Schneide, Spitze'. 

Analog anch im lit. : igle yTanne', preuß. addle^ p. jad^ ; 
lett segli PL tant. ^Sattel', got dagegen 9ifh, slav. sedlo. 

In den b. Dial. geht d manchmal in r über : ^rtk aas d^dtik ,Groß- 
▼ater, Alter* (pejor.); hortjt aas hodejf (und dieses aas hoh-4tj4)\ intrary 
st. initrady Jntraden'; voroUc aus vodoUi ,Was8ergraben', also meist 
interrok., doch auch ßvarha Hochzeit' aas svadba, meist waiba. Solche 
Fälle sind namentlich im Chodendialekte häafig. Etwas Analoges be- 
merken wir aber aach in dem benachbarten deutschen Dial. von Chotie- 
saa. So auch im Dialekt von Peterswalde: niera, kiera, Lara für nieder, 
Neider, Leder, Hier handelt es sich also um das zwischen zwei Vokalen 
stehende d. Ähnliche Erscheinungen in anderen d. Dial., namentlich in 
den Alpengegenden (vgl. Weinhold, Bair. Gramm. 1867 § 147 a. 163). 

Die Labiale p, b, v, (m). 

Das slav. p ist die Fortsetzung 1) eines ursprachl. p : aksl. 
pazüi ^chtgebenS ai. pdiyati ,er siebte, daneben mit sp : ai. spdi- 
ySpäher^y lat. speciö, auspexj ahd. spehön ^spähen'; pasti, pasq 
,weiden' (s aus sk), vgl. lat pöscö; prijati ^gewogen sein', vgl. 
ahd. friufU ,Freund*, gotfrijönds, sd.priyd8 ^eb'; pro (xmdprO') 
lit pra-, pro, got fra^ lat pro, pro, gr. ftgo, ai. prd; plyii, pluti, 
plovq ,sehwimmen, fließenS lit plduju ,8püle', ahd. flouwen, flewen 
ispülen, waschen^ lat pluü, gr. tvUw, ai. prävaii ,er eilt^, plavats 
fiT schwimmt, fliegt, springt'; p^t ,fünf aus *penHi8, lit penIA, 
gr. ftevTS, ai. pdnca; ghpati, Shpljq ,8chlafen', lit säpnas ,Traum' 
(sloT. 8hm ,8ehlaf), lat sopor, somnus, gr. vnvog, ai 9väpna8 
,Sehlaf, w. sybep', Itpeti ,haften bleiben^ lit limpii, lipaü, lipti 
,klebenS gr. liTtog ,¥eW, ai. limpdti ,er beschmiert, liptds ,kle- 
bend'; teph ,warm', topiti ,wärmen', lat. tepeo, tepidtta, ai. tdpati 
,er wärmt, brennt*; u-trtpeti ,torpere', r. terpnutb ,erstarren', lit 
tifpti, tirpstü, lat torpire, 

2) Eines urspr. ph : polica ,Brett, Gesims*, ai. phdlakatn 
yBretf, gr. atpilag ,Fußbank^ (Brugmann, Kurze Tgl. Gr. 8. 162, 
anders Mikl., Etym. Wtb. S. 265). 

6 ist 1) ursprachlich: aksl. bdij ,größer*. Tgl. lat di^nlis 
,kraftlos, schwach', ai. bdlam ,Eraft, Stärke*; blato ,Sumpf, lit 
balä ,Torfmoof', ahd. pfuol ,Pfuhl*; byJn ßüer", budati ,brüUenS 
b^^ela ,Biene' (die Summende), mhd. pfächen ,pfiaucheti*, lat bü- 
eina, gr. ßvKnig ,heulend^; dobrb ,gut*, ahd. tapfar ,gewichtig, 



282 

wichtig^, lat faber^ dazu wohl auch debd^ ^dick^ und dobVh ,8tark, 
tüchtig'; d^bn, aksl. dti^rh (wohl infolge der Vokalassimilation) 
ySchlucbt', vgl. lit dubüs ,tiefy got. diups ,tief ; slabb ,schwacb'y 
ahd. daf ^hlaff, ahd. dafu ^ch schlafet 

2) Entspricht es einem urspr. bh\ aksl. hajq ^abulor^, ahd. 
bannan ^befehlen, vorladen^ lat färi^ gr. g>f]fiii ai. bhdnati ,er 
spricht'; berq^ bhrati ^lesen, sammeln, nehmen', got baira, lat ferö^ 
gr. q>€Q(Oj ai. bhdrämi; aksl. borjq ,Eämpfe', lit bariü ^schelte', 
lat feriöj ai. bhdras ,Schlacbf ; braitmo ,Speise', got barizeina 
^Gersten-', lat far, farris] bcjaii s^ ,sicb fürchten', lit bijöiiSj dass., 
ai. bhdyaU ,er fürchtet sich'; U^ ,ich irre', lit blendeä's ^cb 
yerfinstere mich*, vgl got blandan sik ,8ich vermischen, blinds 
,blind' ; byti ,sein', Ut btUi^ ahd. buan ,wohnen, bebauen', gr. g>vaig 
,Natur', lat fuam u. s. w., ai. bhdvati ,er wird'; bratrh, braU 
,Bruder', lit broterelis ,Brüderchen', got. brößar, lat fräter, gr. 
q>qmtaQ^ (pnitriQ^ ai. bhrätä^; bogh ,Grotf , bogath ,begütert-, u-boffb 
,arm', vgl. ai. bhaktäm ,Anteil, Speise', bhdgas ,Zuteiler, Spender', 
gr. fpayüv ,es8en'; nebo ,Himmel', ahd. nebul, gr. vitpog^ ai. nibkcis 
,Nebel'; obrtvh, Ut bruvü, ahd. bräwa, gr. 6g>Qvg, ai. bhrüp , Augen- 
braue'; z(^ ,Zahn', vgl. ahd. chanA ,Kamm' (vgl. S. 121); ljub^ 
,lieb') Ijubiti ,lieben', ai. lübhyati ,er empfindet heftiges Verlangen'; 
Dat Sg. tebe ,dir', vgl. ai. tubhgam^ preuß. tebbei, lat. H-bi; robb 
,Enechf aus ^arbo-, vgl. got arbaißs , Bedrängnis, Nof. 

Das labiodentale v (eine Spirans) geht auf das urspr. bila- 
biale u zurück, woraus es sich unter bestimmten Bedingungen 
entwickelt hat. 

Allerdings ma£ man auf Grund verschiedener Erscheinangen an- 
nehmen, daß sich das ff im Slav., insbesondere in einzelnen Dialekten, 
dann auch in bestimmten Stellungen, lange behauptet hat. Dafür sprechen 
verschiedene lautliche Besultate, die wir in einzelnen slav. Sprachen 
finden und die leichter ans einem ff als v erklärt werden können. Also 
noch nach der Trennung der slav. Sprachen gab es ein ^. Sachmatov 
suchte nachzuweisen, daß sich nur in den südslay. Sprachen, dann im 
BusB. das ff erhalten hätte, während in den westslay. Sprachen daraus 
ein V geworden wäre. (Izvöstija Otddl. russk. jaz. Bd. 8, Hft 2, S. 325f.). 
Allein EuTbakin hat mit Becht darauf hingewiesen, daß sich auch 
noch in den westslav. Sprachen deutliche Spuren des ff zeigen (Sbomik» 
statej V 5e8t M. C. Drinova, S. 221 — 236). Man denke an das ab. u vodi^ 
aksl. vh vodiy u pomoCy aksl. vt pomoitb (vgl. Gebauer I S. 427 f.), neub. 
noch dial. Cuinouc st. Öuinovie (südwestl. Dialekte), slovak. Dial. pra^da 
st. pravda^ Gen. PI. Öeehoff u. B. w. Nach Beliö findet sich das jt jetzt 
noch in den östl. Gebieten von Serbien (1. c. S. 225, Anm. 1), nach Mi- 



283 

letiS (»Dm Ostbalg.« Schriften der Balkankomm. 1908, S. 82, 89, 155) 
in den 5atl. Gebieten Bnlgariens, Bchliefilich im Oberkrainiscben des 
sloT. Sprachgebietes. In r. Dialekten äafierst selten (ugromss. Dial. Ton 
Ubija). K. gibt nur zu, daß die Verdrängung des ff vielleicht in den 
vestslaT. Sprachen rascher vor sieb ging. Bei diesem Prozesse ist über- 
haupt im Slav. ein v geworden. 

So 1) im Anlaut Tor Vokalen: vedq, vesti ,führenS lit vedü, 
vidi yführen, heiraten^ preuß. wedduna ^geführt^i wesiwei ,führen^y 
ai. vadkaf jBvbxiV; vezq, vuti yvehere', lit vezü, vüti ^ahren^ 
(trans.)} got ga-unga, gr. exog, ai. tdhämi; veöert yAbendS ^^ 
väkaras; videti ^wiasen^, viditi ,8ehenS lit v^diu, vyd'äi, pa- ,be- 
neiden^ got waü, lat video, gr. ßolda ^ch weiß', ai. vida; viti 
ywinden^ lit v^i, ai. vydgaii ,er windet, wickelt'; voda yWasser^, 
lit vandü, got toatö; vtdava ^Witwe^, got unduwö, lat vidua, ai. 
vidhdvä; vtsb ,Doif ^ lat vieus, gr. ßdinuog; vijaUy vijq ^wehen', 
vitro ,Wind*, Ut vej(u ,Wind*, gr. a(/)i]ai ,er weht^, ai. vd-ii. 

Im Anlaut auch vor einem r, /; vltkb ,Wolf , Ut väkaa, got 
undfa, ai. vfkaa; vhna ^WoUe^, lit vüna, lat. läna, ai. 4ma; 
vrUäi ^drehen, bohren', lit verczü, versti ^umkehren', got toairtha 
jich- werdet lat verto, ai. vdrtaU ,Tertitur'; vrtehz ,Spitze, Berg', 
lit virszus ^P^tze, Oberes, Äußeres', lat verrüea yWarze' (urspr. 
yEriiebung'), ai. vdrfifthas ,der höchste, oberste'. 

Dagegen ist das u vor einem r, l, das nicht silbisch war, 
geschwunden und zwar, wie es scheint, schon im Balt-Slav.: rata 
,Eid', el. ßQäTQäy att ^i^tqo ,Vertrag', ai. vratäm ,Gtebot, Satz- 
ung'; riiäi ,solyere', lit riszü, rUzti ,binden', got leruggo ,Schlinge', 
ags. wrinzan ,fe6t zusammendrehen', W. j^reHc (slav. rech- ygL 
oben S. 260); rosa ,Tau', lat rds (aus *vrö8)^ air. fräse ,Begen' 
aus *vragta, ai. varfdm ,Regen', gr. üfati (bei Hirt, Abi. 607 
die Basis uerea); doch kommt itn Ai. auch rdsas, rasd ,F11is8ig- 
keit. Naß' yor; rod^ ,Geburt, Geschlechf, ai. vräeUtant- ,empor- 
steigend, großtuend'; aksl. *U9ka, s. lijiska, b. lüka ,Haselstaude', 
got uAizjan, air. ßeBC ,Rute, Gerte' aus *uli8kä, ai. vlcfkas 
^Schlinge'; ygL noch Ut resnas ,stark' zu as. icriM, ahd. riso 
,Biese'; Ut lüü, lytis ,Aussehen' aus got wliU, as. vAiti , Aus- 
sehen'. Vgl Lid^n »£in balt.-slay. Anlautgesetzc (Göteborg, 
1899) und Meillet, MSL. 9, S. 142{: 

2) intervok.: divert, Ut diveris, ahd. tueihhur, gr. dätjg aus 
daißfiQy lat l^ir, aL d^vdr- Schwager'; navb ,neu', gr. vißog, ai. 
ndvas; plyti, pluti, plavq ,schwimmen, schiffen', Ut pa-plava ,8pü- 
Ucht^, gr. 7tli{f)fa ,ich schwimme, schiffe', alat per-phvere ^e6k 



284 

seinS ai. pldvatE ,er schwimmt, fliegt'; dev^ ,der neunte^ lit. 
deviUtas, lat navem, aL ndva, fiavcUif. Nom. FI. der «-Stämme: 
synave ,Söbne' aus *8üne^e8, vgl gr. ^dieg ^soaves', ai. aündvas; 
OcD. Sg. der a-Stämme: wekrwe zu svekry Schwiegermütter', 
vgl. ai. Lok. svasrutham; das Part Piüt akt I bei Yokal. Aus- 
laut: tidevb ,der gesehen hat', davz ,der gegeben haf ; die Endung 
der 1. Fers. Du.: vedevi ,wir zwei führen', vgl. lit vida-va, ai. 
vahavas. 

3) poetkons.: nach b, p ist es schon im Urbalt-slav. ge- 
schwunden, während es sich nach anderen Kons, behauptet: aksl. 
Aor. bSch^ aus *bu^z zu bhe^, dann bitm ,wir wären', bq ßie 
wären', lit auch büi, bit ,er war', analog auch im lat 'bam; aks. 
obüi ,umwinden' aus ^ob-vüi; Makb , Wolke' aus *ob^oUc(h; 
oblüti, oblikq (aus ^ab^dk-) ^nduere'; obüät ,diyer8orium, refectio' 
zu mtati ,habitare'. Später wurde häufig unter dem Einflüsse des 
Simplex das v wieder eingeführt: böhm. obvinouti ,umwinden'. 

Merkwürdig ist auch der Ausfall des ff in settra ^hwester*, ebenso 
im Lit.sesti, sese^s, got. dagegen 9wiitar, ai. «r<foar, lat «oror ans *9^ror: 
doch ist das v erhalten z. B. in tttkry (also auch nach einem s und vor 
einem «). 

Sonst in anderen Fällen bleibt es auch: dwrt ,Tür', dvitrh 
,Hof, Haus', gr. ^«^a ,Tür', »ai^^q ,Türangel'; zvin ,Tier', lit 
ivMa ,wildes Tier', hitferus, gr. ^^, lesb. qyqq; svUäi feuchten', 
8vM^ ,Licht^, lit szviUSti ,hell glänzen', ai. svürda ,Iichf ; tpqj ,dein', 
preuß. twaü, ai. tvds; mrttv^ ,tot^, lat moriuus (das v soll jedoch 
von zirb ,lebendig' herrühren); öntstp^ ,solidu8' aus *krd4vo, man 
vergleicht got hardus; das Suffix -tvo: -ätatvo in pri-Hstvo, pri- 
äbstvbje ,Ankunft' (aus *Hd'ivo), r. jaJtvo ,reichlicher Fischfang'; 
Suffix tva: z^va ,messis', molitva ,Gebef, jastva ,cibus', zrttva 
,Opfer^, vgl lit brasiva ,Furt' zu bredü ,wate', senaJtve ,hohes 
Alter'; das Suffix tvo kommt auch als Bestandteil des Suffixes 
-tstvo vor: Iqkamstvo noyqgia; bozhstvo ,Göttlichkeit'; devtstvo 
4nfantia'; rozdtsivo yeveaig. Das Suffix ^, tuä ist ursprach- 
Uch, vgl ai. priyatvdm ,das Geliebtsein', got frijapwa ,Liebe' 
u, s. w. 

Nach einem Vokal und vor einem i entwickelte sich im 
Balt.-Slav. ein if-Diphthong, weil die Silbe so getrennt wurde, 
daß man das )f zum vorhergehenden Vokal zog: aksl. uj ,Oheim' 
aus *a^io, preuß. atvia dass., lat avia aus *a-u0; aksl. iuj 
4inks' aus *9efti0', &i. savyds ,links' aus ^se^ui^'; im Fräs, der 



285 

Yerba der VI. EL: radujq s^ 4<^h freue mich^ Vgl. auch lit 
kraüfas filnif^ ai. dagegen kracyam- ^rohes fleische 

4) Auf Blav. Boden entwickelte sich vor einem ^ und y immer 
ein j^v) und — insbesondere in den Einzelsprachen — mitunter 
auch vor anderen Vokalen wie o, q (hier selbst auch im AksL), 
^ (vgl. 8. 180) z. B. V'Ztarh ^er zweite^; v-ydra ^Fischotter^, vepn 
yEber' u. s. w. 

Die labiale tonlose Spirans / hat sich erst später in einzelnen sla?. 
Sprachen entwickelt, z. B. im S. and Bg. entstand fala aas h'vala, im 
B. doufati ,hoffen' aus ^do-upvati; so auch im P. ob/Uy ,Teichlich* aus 
opwüy und dieses aus ap. oplwiiy zu phUi^ pfyti, pl<w€^ also etwa ,abun- 
dans*; dameben auch oktoity (Fgl. weiter unten). Auch im Ap. ist ehv 
zu chf^ dann ß und / geworden, desgleichen haben wir im Ns. zuehtoaiy 
und zufa^y. In der älteren Zeit mied man entschieden diesen Laut. 

Das sog. l epentheticum. In den Gruppen pj, bj, vj — 
und mj (eig.^', hi u. & w.) — wurde, wenn darauf noch ein Vok. 
folgte, schon im Urslav. das j zu 1% indem der bei der Aussprache 
der Labialen gebildete Verschluß einen analogen auch bei dem 
unmittelbar nachfolgenden j hervorrief. Auf diese Weise mußte 
daraus ein weiches l (V oder Ij) entstehen. Diese Erweichung 
erstreckte sich auch auf die Labiale selbst (über diese vgl. oben 
8. 256), also pl', bT, vl\ mV + Vokal (sie wird allerdings in den 
Quellen nicht bezeichnet) z. B. aksl. j>{'u/9 (jP^H^f)/ P^'t^^ ,speien^, 
Ut. spiduju, gr. ftfvoß aus (sipiü-iö-; aksL zenU'a (zemLja) ,Land| 
Erde'. 

Daß I zu l geworden ist, hat man auch schon früher ange- 
nommen, so z. B. Jagic im Afsl. Phil. 10, S. 178: »nicht / ist 
eingeschoben, sondern j wurde zu V, wie z. B. in Ijelen neben 
fdent. Eine bestimmte Artikulation des / (i) war ofienbar unbe- 
dingt notwendig. Als sie sich später geändert hatte, konnte kein 
l auf die erwähnte Art aufkommen. So heißt es z. B. jetzt im 
Slov. zdravje ,OesundheitS nicht zdravVe, aksl. sbdravtje (jetzt 
sagt man im Slov. auch zdje ,Kraut^, nicht zeVe). Den Namen 
epenthetisch führt das V, wie wir aus der Darstellung ersehen, 
mit Unrecht. 

Was den Übergang des ./ in l anbelangt, so ist zu bemerken, 
daß er sonst im Slav. verhältnismäßig selten beobachtet wird, 
trotzdem die Artikulation dieses Lautes leicht dazu führen konnte. 
Es mußte in der Regel noch ein zweiter Faktor hinzutreten; 
dieser gab dann eigentlich den Impuls dazu. Bei dem sog. U 
epentheticum war es der unmittelbar vorhergehende Verschluß 



286 

der Labiale. In serb. Ijdeti neben jden, aksl. jdent ^Hirsch' ist 
jedenfaUs das nachfolgende l auch im Spiele gewesen. Es heißt 
im Sorb. lavor für javor ^hom^, im P. Erak. granastaV, buckaP. 
In den slav. Sprachen wechselt femer jedva ^aum^ mit ledva 
(letzteres r. dial., b. neben jedva, und p. ledwie) ab, und es handelt 
sich hier jedenfalls um einen Übergang des j in L Kaum liegen 
hier zwei yerschiedene Worte ursprünglich vor. Ihre Reflexe 
haben wir wohl nicht im lit., nämlich in advas, vos ,kaum^ und 
ledvai, wie Miklosich angenommen hat (Etym. Wtb. S. 102), 
denn es handelt sich hier jedenfalls um eine Entlehnung oder 
Beeinflussung seitens des Slav. Femer ist im Ab. jedno ,nur^ zu 
ledno geworden; desgleichen auch diaL len = jen ,nur^, im Idr. 
ebenfalls Uno aus jeno. Auch Uda, b. z. B. ledakdo ,wer immei' 
wird auf die angegebene Art auf das aksl. jede z. B. jedekyj 
,quidam', jedeötto zurückzuführen sein, weil es eben in jenen slav. 
Sprachen vorkommt, die ein leda, ledva neben jedva haben. 
Miklosich bringt es allerdings mit lit. ledokas, ledikas ,schlecht^ 
in Zusammenhang (Etym. Wtb. S. 162), wohl mit Unrecht 

Das 2-epenth. kommt vor im Buss., Serbo-kr. und Slov., 
es fehlt den westslav. Sprachen und dem Neubulg. 

Das Aksl. ist nicht konsequent in dieser Hinsicht, in den Denk- 
mälern wechseln Fälle mit und ohne ^epenth., aber wir können doch 
bemerken, daß ein Denkmal desto häufiger das / anwendet, je älter es 
ist und je besser es den ursprflnglichen Zustand der Sprache bei ihrer 
Fixierung als Schriftsprache bewahrt hat. Daraus schließen wir, daß 
das /-epenth. urspr. hier überall gebraucht wurde, wo wir es erwarten. 
TJnd da wir das Aksl. als einen bg. Dial. auffassen rnftssen, so folgt 
daraus, daß dies der ältere Zustand auch des Bg. überhaupt war. Auch 
das Bg. hatte also einst das /-epenth., allmählich wurde es jedoch auf- 
gegeben und dieser Zustand des Schwundes äußert sich eben in den 
aksl. Denkmälern. 

Man nahm an, daß das ^epenth. im Urslay. allgemein ver- 
breitet war und daß es in den westslav. Sprachen später und 
zwar noch in einer vorhisi Zeit aufgegeben worden ist, wie wir 
es etwa im Bg. in der bist Zeit noch verfolgen können. 

Von dieser Ansicht scheint auch Brugmann auszugehen (Kurze 
▼gl. Gr. S. 97), weil er es unter den Veränderungen, die das j in dem 
vorhergehenden Kons, schon im ürslav. hervorgebracht hat, behandelt, 
z. B. neben dem Übergang des ^|, gi in e, z, was doch ein gemeinslay. 
Prozeß war. 

Andere nehmen an, daß nur in sporadischen Fällen, wie ab. plvaii^ 
pVuju ,speien* das ^epenth. gemeinslav. wäre, während es sich sonst im 



287 

allgemeinen in den westalay. Sprachen oder gar im ÜrslaF. nicht ent- 
wickelt hätte, sondern es wäre hier das p, b, v, m einfach zu p\ h\ v\ 
m' erweicht worden (ygl. Gehaner I, S. 811). Fortunatoy» sacht 
zwischen beiden Ansichten zu yermitteln. Er meint: die Gruppe Labial 
+ i wäre nur in der Anfangssilbe des Wortes in allen Dial. in Labial 
+^ verwandelt worden, z. B. plwati; sonst nur in einer Gruppe von Dial., 
in der anderen wäre %»^mia zu ztm-ja geworden. Gleichartige Erschein- 
ungen hätten wir in den halt. Sprachen, z. B. im Lett. pTaüi {pf aus pi 
in erster Silbe), dagegen Mmpja (BB. 22, S. 155 — 156 Anm.). Man kann 
jedoch kaum annehmen, daß im Ürslay. in jener Periode, als sich pVvati 
entwickelte, eine Aussprache wie zem-ja möglich gewesen wäre' und 
darauf kommt es eben an. Wir bemerken eine derartige Änderung der 
Silbentrennung nur bei dem if-Diphthong mit folgenden i z. B. it^f ,links' 
aus *i0if-^, während früher »^uip' ausgesprochen wurde. 

Es ist mir demnach wahrscheinlichery daß das I-epenÜi. ein- 
mal gemeinslav. war und das es mit der Zeit in den westslav. 
Sprachen auf dieselbe Art aufgegeben wurde, wie später im Bg. 
Der hauptsächlichste Grund, der mich dazu bestimmt, ist der, 
daß das^' eine bestimmte Artikulation im Urslay. gehabt haben 
muß (vgl. je aus jo). Ich glaube daher nicht, daß sich nur in der 
Anfangssilbe das epenth. l im Urslav. allgemein entwickelt hätte. 
Es haben sich allerdings nur spärliche Überreste erhalten, wie 
das ab. pl'vati, dann p. kropla neben krapia. Den Schwund des 
Z-epenth. mögen wohl in den westslav. Sprachen dieselben Um- 
stände herbeigeführt haben wie im Bg. Neben den Formen mit 
V bestanden meist noch andere, in denen kein j vorkam. So ins- 
besondere beim Yerbum; wir haben z. B. im Aksl. nur trtpljq 
4ch leide', während alle anderen Formen dieses Yerbums ohne 
^epenth. auftreten mußten. Wir haben femer aksl. Denkmäler, 
die z. B. häufig zenUja, zendj^ u. s. w. gebrauchen, die aber im 
Dai Lok. Sg. entweder ausschließlich oder vorwiegend zemi, 
nicht zemlji aufweisen. Das war eine Form, die zu zemt, also 
einen i-Stamm, gehörte. Solche umstände haben nun den voll- 
ständigen Schwund des I-epenth. im Bg. herbeigeführt und nicht 
anders verhielt es sich wohl in den westslav. Sprachen. 

mj wird mn. Es ist ein dem eben besprochenen analoger 
Prozeß, jedoch macht er sich erst später in einzelnen slavischen 
Sprachen geltend. Auch hier ist y zu n geworden, wenn auch 
sonst in anderen Stellungen dieser Übergang äußerst selten beob- 
achtet wird (p. diaL z. B. iie£aro für jeiaro, Aedvab, Aedvabni, 

1. Es hätte damals wohl noch zu *s^a f&hren müssen. 



288 

vielleicht gehören hierher auch einige b. Worte wie dial. nehfe 
st jehne ^mm^ nütej ,Herd, clibanus' u. and., wo man an den 
Einfluß der Präp. denkt, vgl. nadra, Gebauer I, 8. 378—379). 

Nach m ist dieser Übergang eher begreiflich, denn es findet einfach 
der bei m durch die Lippen gebildete Verschluß seine Fortsetzung in 
einem anderen, bei dem sich die obere Fläche der Yorderzunge an den 
Gaumen anschmiegt, statt daß es zu einer durch diese Organe hervor- 
gerufenen Engenbildung, die dem j entspricht, kommen würde. 

Es ist aber wahrscheinlich, daß sich das n als Gleitlaut nach dem 
m auch direkt entwickeln konnte, jedoch nur Tor palatalen Vokalen. So 
würde sich z. B. das im P. dial. Torkommende miiilo$d für miloi<^, miiPu^^ 
das Polanski (Die Lab., S. 74) anführt, erklären lassen, denn im P. 
besteht sonst nach dem m vor t nicht der Gleitlaut i C/). Das aus j 
hervorgegangene n konnte dagegen vor allen Vokalen vorkommen. 

Das mn kommt insbesondere sehr häufig im B. vor, ja man kann 
sagen, daß das tni vorwiegend als mni gesprochen wird. Wir haben 
schon im Ab. Belege dafür, wie pamnyet (» pamnH*, Schriftspr. pamU) 
,Gedächtnis, Andenken*; v nimnie {» v Bimni, Schriftspr. v £imi) ,in 
Rom* u. s. w. (vgl. Gebauer I, S. 226). Jetzt hört man zemne ,Land* 
(geschrieben zemi^ aksl. zemtja\ tnneito ,Stadt* (geschr. misto). In Mähren 
dial. tnndst st. tnj^ti, aksl. m^ti ,turbare^ 

Aus dem B. führt Sobolevskij (Lekc S. 139) tunjato, parnnjaU^ 
ritmnjanyj, imtya an. Insbesondere ist es das Klruss., wo wir es häufig 
finden: tmiaso, mnati^ huzul. vimtii^ tmrfa, zemiia, Nordklr. mHüo^ podol. 
nifUiso, SüdkaSub.: miiaito^ miieiae (vgL Polanski L c. S. 74). 

Aspiration der Labiale. Sie kommt in p. und kaS. Dial. vor. 
So haben wir hier vzino (für vtno), vzeeur und daneben iifw, zecur (Ma- 
jewski, Kolo' 1897), ziPk für vii'k; zanek für vanek; piito für pivo. Im 
NordkaS. wird /;, f zu px^ fxi im Heistemester und Kußfelder Dial. zu 
pi^ fi: piUaCy pite, pinifklo. 

Assimilation der Labiale. Aus pn, bn wird im ürslay. 
n; aksl. usbnqti ^einschlafen' aus *thszpnqti, ebenso sbm ^Schlaf 
aus *npm, VgL gr. v/tvog; tonqti ^mmergi' aus *tapnqti, vgl. den 
starken Aor. u-topb und tapüi ^immergere'; utnmqti ^erstarren' 
aus *^W7>n-, vgl. u-irifpeti ,er8tarren', lit tifpti ,er8tarren', lat 
torpere; za-klenqti ^claudere^ vgL^EO-Ai^dund 2a-A%^ ,claustrum'; 
pri-ltnqti neben hpeti ^adhaerere^, Aor. pri4tpe; kanqti neben 
kapati ^triefen'; osltnqti ,blind werden' neben alepz ^blind', vgl. lit 
slepti ,verbergen*; gftnqti ,biegen, falten, bewegen* aus ^gfihnd^i, 
vgl. ^^&a^», bewegen'; gynq^i ,perire' neben ^bo^i, Qi/blj^ ^^* ^nd 
gubüi trans. ^ Grunde richten'. 

Später wurde der Labial wieder viel&ch eingeführt, vgl. b. 
kdpnauti ,tröpfeln', weil es eben auch ein kapati u. s. w. gab. 



289 

Aus ps und bs wird s: asa ^Wespe^, lit vapaä fitemae*, ahd. 
wefsa, diaL(()8t.) Wepse, ec.aq>7J§; vysokb ^ocb^ aus *ap8oko, vgl. 
gr. v^i yhoch'; Aor. po-grisb aus -gribsb zu ^ei^, ^e^t ^graben, 
rüdem*. 

Aach das sekundäre durch den Verlust des Halbvokals entstandene 
p9 wird mitunter dial. ^mieden und durch Metathese zu 9p umgewandelt: 
t'pawi st. p9ana aus pbBana zu pb9iU% «schreiben* Zogr. Job. 21, 25 (ygl. 
weiter unten bei 9 und den Assimilationen der Kons.). 

Auch aus pt und ht wird infolge der vollständigen Assimi- 
lation ein t (zunächst tt), ebenso aus hd ein d: suti ^hütten, 
streuen* aus *supti, Fräs. 8^pq, vgl. auch sypati; h^ ,Winkel* 
aus *kqptbf vgl. lit. kampas ^cke, Winkel, Gregend*, gr. iuxiitct^ 
Biegung*, lat campua (Zubat^ A£b1. PhU. 16, S. 396); dreti 
,haurire^ aus *derpti, Präs. örtpq; dlato ,Mei£el' aus *dolbto, vgl. 
ahd. ddban ,graben^; aksL aedmt ,sieben' aus ^sebdmis, vgl. gr. 
i'ßdofiog aus *eßdfAogy dameben auch sept- z. B. lat septimus (vgl. 
Brugmann, Kurze vgl. 6r. § 371). 

Dissimilation. Anlautendes p kann, insbesondere wenn 
die nächste Silbe ein r (l) enthält, zu k werden: b. kapradi 
,Pamkrauf neben papradi, p, papr66, r. paporott aus ^paportt; 
b. ktrepeUca ,Wachtel*, slovak. und 8.-kr. krepdica (aus perper); 
kondrava neben pondrava ,Engerling'; Karez, Karez, Karlzek 
(Ortsnamen) aus pca-tz yBaumstock' (vgl. Grebauer I, S. 419); 
mähr, krean^ st presny (ohne Hefe); koprddec ,Burzdbaum' aus 
^po-prddec, das Wort vnirde dann nicht verstanden und durch 
Volksetymologie umgestaltet; so entstanden kotrmelec, kotrbdec, 
kotrlec; ebenso koprddd z. B. na koprdddi nisti ,Jem. huckepack 
tragen' aus *p(hprddd. Hierher vielleicht auch p. okwity für 
obßy ,reichlich' aus opwity und dieses aus ap. ophvüy (vgl. oben 
S. 285). 

Die Liqnidae r und l. 

Abarten der Liquidae im Slav. Im Slav. haben wir 
ein Zungen-r und zwar die alveolare (supradentale) Abart, bei 
welcher die Vorderzunge an die Alveolen der oberen Schneide- 
zähne anschlägt und vibriert, während sich die Seitenränder an 
die oberen Backenzähne anschmiegen und hier beiderseits die 
Luft abschUeßen, so daß diese nur durch die von der Zimgen- 
spitze freigegebene öfihung entweichen kann (koronale Artikula- 
tion). 

Vondr&k, Vgl. bUy. Onmm. I. 19 



290 

Die Anzahl der Zungenschläge' ist im Slav. im allgemeinen größer 
als z. B. im Deutschen und das gilt insbesondere vom b. r. Der Deutsche 
wird, wenn er einen des Deutschen nicht ganz mächtigen Böhmen »der 
Vater« sprechen hört, sagen können, er höre mehrere r, also etwa »derr 
Vaterr«. 

Das Uvulare r (Zäpfchen-r) soll sich bei dem r. Adel 
geltend machen. 

Es gibt auch ein stimmloses r nach tonlosen Eons, oder auch vor 
denselben. Es wird nur durch einen Zungenschlag oder auch ohne den- 
selben hervorgebracht. Im Franz. auch nach tönenden Kons.: plaindre, 
$abrB, weiter quatre, wo es mitunter ganz verstummt. Ein solches r 
müssen wir auch im Ab. voraussetzen in Fällen wie krve, krvi, mistr, 
bratr u. s. w., die sämtlich einsilbig auszusprechen sind (vgl. Dolansky 
im Ydstnik Seskych professor6, Jhg. 8, S. 246). Es war also im B. nicht 
immer dasselbe r, wie wir es z. 6. jetzt haben. Dasselbe beobachten wir 
auch bei /, z. B. mt/sl ,Sinn^ war einsilbig. Jetzt sind diese Worte 
zweisilbig. 

Während bei der Aussprache des r mehr der Saum der 
Zungenspitze an die Alveolen anschlägt, verflacht sich bei der 
Aussprache des erweichten r' ein wenig die Zungenspitze, es 
schlägt nicht so sehr der Saum derselben an die Alveolen als 
vielmehr die obere Fläche der Yorderzunge (also breiterer Zungen- 
flächenanschlag). 

Die Artikulation des gewöhnlichen, indifferenten l bildet so 
ziemlich einen Gegensatz zu jener des r: die Zungenspitze bildet 
einen Verschluß, während die Seitenränder der Zunge an den 
Backenzähnen beiderseits Öffnungen herstellen (laterale Artikula- 
tion der Zunge). Das ist das gewöhnliche oder mittlere l. Außer- 
dem haben wir aber im Slav. noch ein weiches V (tj) und ein 
hartes i. Letzteres hat schon Purkyne als ein velares l cha- 
rakterisiert, was auch Schleicher bestätigte, indem er sagte, das 
lit i werde wie das p. i mit dem hinteren Teile der Zunge 
gebildet (Lit Gramm. S. 19). Die hintere Zunge wird gehoben 
und das ist die Hauptsache bei i, nicht die Berührung der Zähne 
oder des Zahnfleisches mit der Zungenspitze, wie man auch 
meinte, denn das p. i wird meist ohne diese Berührung gebildet. 
Nebstbei wird auch der ganze hintere Mundkanal verengt, wo- 



1. Siegers sagt, das Bollen entstehe dadurch, daB der dünn empor- 
gewölbte Saum der Zunge durch den Exspirationsstrom nach Außen ge- 
worfen werde, um im nächsten Momente vermöge seiner Elastizität wieder 
in seine alte Lage zurückzukehren. Aie Anzahl der so gegebenen Schläge 
sei im einzelnen verschieden (Grundzüge der Phon. 3, S. 109). 



291 

durch ein volarer Klangcharakter entsteht Dies bemerkte schon 
Hus, der eine Verwandtschaft zwischen i und y konstatierte, in- 
dem er die Aussprache des letzteren, wie auf S. 103 angegeben, 
formuliert 

Er weist hier nur auf die Verwandtschaft beider Laute hin (simili 
modo), die also im wesentlichen in der Erhebung der Zunge besteht. Der 
Unterschied kann damals wohl nur der gewesen sein, daß bei y die 
mittlere Zunge gegen die Mitte des Gaumens, bei i die hintere Zunge 
gegen den weichen Gaumen gehoben wurde. Es kann sich aber auch 
damals die Aussprache des i geändert haben, so daß es mehr am harten 
Gaumen artikuliert wurde (im mittleren Böhmen). Dann müßte man die 
Angaben des Hus buchstäblich nehmen. Interessant ist es, daß auch 
nach dieser Darstellung die Zungenspitze nicht die Alveolen der oberen 
Zähne berührte, sondern gesenkt wurde und zwar bis unter die unteren 
Zähne. 

Auch Rozwadowski hebt hervor, bei der Aussprache des 
p. i nehme die Zunge eine Lage ein, die der Artikulation des u 
oder vielleicht eines engen o zukomme (d. h. der hintere Teil der 
Zunge wird zum weichen Gaumen stark gehoben). Die Lippen 
wären stark gerundet, aber nicht vorgestülpt, eher etwas zurück- 
gezogen (,Szkic wymowy . . . polskiej* in den Materyidy . . . kom. 
j§z. Bd. I, Hft 1, S. 109—110). Daher begreifen wir, daß in 
den slav. Dialekten i im allgemeinen leicht zu u oder einem ge- 
schlossenen werden kann, da u ein velar-labialer Vokal ist So 
wird das r. und p. dai im Gouv. Flock zu dau, im S. zu dao; 
im Sorb. wechselt i mit u und w (u) ab. Analoge Vorgänge 
findet man auch in anderen Sprachen. Im Franz. entsteht aus 
cd ein au (jetzt als ö). 

Über analoge Vorgänge noch in anderen Sprachen siehe bei Storm 
(Engl. Phil. S. 65—66, wo man ein vortreflTliches Material findet). Wird 
das % ,gatturar genannt, bo meint man damit natürlich nicht einen 
Velaren Verschluß, sondern nur volare »kleinste Öffnung* oder Enge- 
bildung etwa wie bei u (ib. S. 266)^ 

Während bei der Aussprache des mittleren l die Zungen- 
spitze an den Alveolen einen Verschluß bildet, verflacht sich bei 
jener des weichen l (V oder Ij) die Vorderzunge, rückt infolge 
dessen etwas zurück und bedeckt als eine Fläche teilweise den 
harten Graumen. Diese flache Bedeckung des harten Gaumens 
seitens der Zunge ist überhaupt charakteristisch bei weichen Eons, 
(so bei 7l, l, d, femer auch ö, z, ä, r siehe oben S. 255). Die 

1. Vgl. weiter unten den Übergang des »l in iki und zl in igl, was 
• jedenfalls hauptsächlich durch ein volar, l hervorgerufen wurde. 

19* 



292 

Yeiflachung der Zunge ist eben durch das j, dem sie zukommt, 
herbeigeführt worden und da sie sich gleich im ersten Momente 
der Aussprache des V geltend macht, darf man diesen Laut nicht 
etwa als eine Verbindung des l mit unmittelbar nachfolgendem j 
au&ssen (wozu auch die Transkription Ij verleiten könnte), sondern 
es ist eine Yerschmelzung, wie schon Chladni richtig gesehen 
hat Dasselbe gilt natürlich auch von f (ii oder nj). 

Bei einer derartigen Artikulation kann es natürlich viele Überg&nge 
geben: man kann mitunter im Zweifel sein, ob man ein l als ein mittleres 
oder weiches auffassen solle. Das mittlere bekommt die Neigung weich 
zu werden. So bemerkt Bozw ad owski, vor t werde das / weich ausge- 
sprochen wie in Fiehy, l'ü, paPiea; in anderen Fällen wie Utk, pole wäre 
das mittlere l auch ziemlich palatal (1. c. S. 109). 

Die drei ^Laute wurden im Slav. meist reduziert Die 
meisten slav. Sprachen besitzen entweder zwei l und zwar ein l 
und V oder nur ein l. Am ehesten kann man die drei Laute 
noch im Kleinr. unterscheiden, wenn auch das l hier selten ist 
Auch im Großr. ist es fast kaum anzutre£fen, da auch hier l 
und V vorwiegen. 

Im P. kommt zwar neben dem i auch ein V und l vor, aber 
die beiden letzten Laute sind nur wenig, wie wir sahen, geschieden, 
daher spricht man hier, wie auch im Sorb., nur von zwei l: 
einem harten und einem weichen. Das eigentliche mittlere l 
kennt die Sprache nicht 

Das Böhm, kennt jetzt im allgemeinen nur ein mittleres l 
(so auch in der Schriftsprache, l noch dialektisch in Mähren und 
bei den Slovaken), Ln Ab. kannte Hus noch ein zweifaches l: 
ein hartes und ein weiches, was übrigens durch die ab. Ortho- 
graphie auch bestätigt wird^ Nudoi^ersk^ (1603) kannte nicht 
mehr das ij sondern nur ein mittleres und ein weiches. Dagegen 
finden wir in der Kralitzer Bibel (1579 — 1593) noch ein l neben 
einem zweiten, das wohl als mittleres l aufzufassen ist Analog 
auch in den anderen Schriften der b. Brüder. Daher müssen 
wir annehmen, daß die drei verschiedenen Arten des l in ver- 



1. Von den beiden l sagt Hus : »Ambae. autem istae literae ponuntur 
circa Yocales singulas tam in principio, quam in medio et in fine; sed l 
(das sonst nicht näher bezeichnete im Gegensatze zum harten, zu I) 
rarius circa a quam i, quia Mtatim sonaret parvum tc Das Erklingen 
dieses engen t nach / vor a wäre absolut nicht zu begreifen, wenn man 
nicht annehmen wollte, daß das hier geschilderte / ein weiches, palatales 
l sei, welches yor a einen dem t ähnlichen Nebenlaut hervorruft. 



293 

schiedenen Dialekten auch yerschieden reduziert wurden, bis 
schließlich das mittlere durchdrang. Wo sich das i dialektisch 
erhalten hat, kann es auch zu u werden (in Mähren, man nennt 
es obalovänf, dann in Schlesien und ab zu auch bei den Slo- 
yaken): zu^ ,gelb' aus zü^, gemeinb. und Schriftsprache: Uutp. 
Vor dem harten i kann sich hier auch ein gutturaler Vokal ent- 
wickeln und zwar insbesondere ein u: küpj'ul (aus küpU ,kaufteO; 
b'ui (aus b'ü, Fem. bila) u. s. w. Ähnliche ErBcheinungen auch 
in den anderen slav. Sprachen. 

Im 81 OT. kommt im allgemeinen ein mittleres und ein weiches / 
▼or, i nur dial. and selten, nach Truhers Zeugnisse wurde es noch im 
XYI. Jhd. in ünterkrain gesprochen. 

Analog verhält sich die Sache im S. Storm behauptet, er hätte 
selbst Sommer 1889 im S. Wörter wie »ktoa mit deutlich halbvelarem / 
sprechen hören, was als ein Überrest der alten Aussprache betrachtet 
werden könne (1. c. S. 65). Tatsächlich kommt auch jetzt noch im Serb. 
das % dial. vor, insbes. vor dunklen Yok. (Afsl. Phil. 38, S. 126). Vgl. 
auch iluncB in aserb. Denkm. und was oben bezflgl. des Serb. gesagt wurde. 

Im Bulg. kommt dial. auch l vor z. B. ostbulg. hohut, mMa, wo 
es sich um sekundäre Verhärtungen handelt, aber da£ es auch früher 
einmal hier yorhanden war, ist sehr wahrscheinlich (vgl. LarroY, Obzor» 
u. 8. w. S. 112 ff.). 

Das i kommt vor dunklen Vokalen auch im lii vor, da- 
her müssen wir voraussetzen, daß es eben in diesen Fällen ur- 
baltischslavisch ist, so daß das ürslav. die drei besprochenen U 
Laute enthielt 

Im allgemeinen gingen die liquidae unverändert ins Lit. 
und Slav. über. So das r: aksl. rtdrh ,rot^, lit raücUis dass., got 
rcmßs, gr. igv^gogy lat ruber, ai. rudhiräa; rydati ,wehklagenS 
lit raudä, ahd. riozan ^klagen, weinen^ lat rudo, ai rudati ,er 
jammert, weint'; berq ^sammle, nehme', got baira, lat fero, gr. 
q>iQ(o, aL bhdrami; krwb {kry) yBlut', lit. hraüjas filuVj ahd. r5 
,rohS lat cruor, gr. x^ag ,Fleisch*, ai hravi^ ,rohes Fleisch'; Gren. 
Sg. matere, lit maters, lat matria, zum Nom. aksl. mati, lit 
moie, ai. matä, aus *mat^r) ,die Mutter' (das r schon ursprach- 
lich abgefallen). 

Weiter das l: ot^Wcb ,ÜberbleibselS lit Wcü ,ich lasse', got 
leihwa 4ch leihe', lat. linqt$o, gr. Xelftw^ aL rindkti ,er läßt, räumt 
ein'; mtgla ,Nebel', lit miglä, tnyglä, gr. dfiix^fj; aksl. slovo ,Worf , 
got KHuma m. ,Geh6r', gr. xiUog, lat in^tdus, ai. srdvaa ,Buhm'. 

Die ort', olt-, ert-, elf- und die -tort-, -tolU und 



294 

•tert-, -^eZ^-Gruppe. Das t vertritt hierjeden beliebigen Eons. 
Durch die Ansetzung dieser Gruppen soll auch noch nichts er- 
klärt sein. Sie dienen nur als Schemata. 

Man muß zunächst zwischen den anlautenden ari-, oü- und 
erU, dt' und den inlautenden 'tort-, -toU-, -tert-, -^«ft-Gruppen 
unterscheiden, da die Resultate eine solche Scheidung erheischen. 
Während z. B. ein urslay. *gor€hz jErbse* (also -tort-, vgl. lit 
garszvä, -ös f. und garszvät, -ü PI. m. ,Giersch^) zu den verschie- 
denen Formen führte wie polab. garch, r. garöchz, p. groch, h. 
hrdch, Gen. hrachu, aksl. grachh, s.-kr. grSh^ graha (6ak. gräh, 
grähä), bg. grach, slov. grhh, gräha, hat ein urslav. *ardlo ,Pflug* 
(also ort'), lit ärkUis ^Pflug* (vgl. lit drti, got arjan, lat arare, 
gr. agoiü) zu einem einheitlichen Resultate geführt: polab. rddl^, 
p. radio, b. rädlo, radlo, r. rälo (d ausgefallen), aksl. ralo, s. raio, 
bg. rdlo, slov. rdlo. Das berechtigt zur Annahme, daß das ein- 
heitliche Resultat älter ist und zwar schon gemeinslav., da es 
allen slav. Sprachen gemein ist. So hat man auch tatsächlich 
unsere Fälle zu erklären getrachtet. Aber zu so einheitlichen 
Resultaten kam es selbst auch hier im Anlaute nicht in allen 
Fällen. Man kann nämlich hier zwei Gruppen derartiger Worte 
unterscheiden: entweder finden wir in allen slav. Sprachen aus 
ort' ein rat wie in dem erwähnten Beispiele, das auf *ardlo 
zurückgeht, oder aber begegnen wir dem Resultate rat-, lat- im 
Südslav. und teilweise im Slovak., während das R. mit den west- 
slav. Sprachen ein rot-, lat- aufweist Freilich einzelne Abweich- 
ungen sind auch selbst noch da vorhanden. Dem lit aUcüne 
,Ellenbogen, Unterarm^ entspricht polab. liUctt, p. iokied, kad. hkc^ 
ns. hki, OS. hk6, b. loket, dagegen slovaL lakd, aksl. lakUt, bg. 
Ukat, s. lakat, slov. lakät. Neben dem südslav. Präfix raz- ,dis-' 
haben wir, wenn auch sporadisch, im Aksl. roz-, im R. roz- und 
raZ' u. s. w. 

Gemein ist allen anlautenden Gruppen ort-, oU-, ert-, dt-, 
daß sie in der Regel im R. nicht zu den sog. VoUlautsformen 
cro-, olo-, ere-, de' führten, wie das sonst bei den inlautenden 
(tort, toU, tert, teU) der Fall ist, vgl. das oben erwähnte r. goröckb. 
Diese Tatsache ist es, welche die Erklärung unserer Formen am 
meisten erschwert, da man nicht von einem einheitlichen Prinzip 
ausgehen kann. 

Am meisten verbreitet ist jene Erklärung, die sowohl im Anlaute 
als auch im Inlaute eine Metathese voraussetzt, wobei man sich freilich 



296 

mit dem mißlichen Zusatz begnügen muß, in manchen Fällen sei auch 
bei der Metathese eine Dehnung eingetreten, in anderen nicht: aus *ardlo 
wäre radlo also mit Dehnung, aus orz- ein raz- also ebenfalls mit, dar- 
neben aber auch roz, also ohne Dehnung entstanden. Analog auch im 
Inlaute, nur daß hier in manchen Sprachen, wie wir sahen, immer die 
Dehnung vorkommt. Aber gerade diese Dehnung ist hier ein sehr wunder 
Punkt bei der ganzen Erklärung. Wie soll man sie erklären? Wie r. 
vorona, s. vrana, b. vrdna mit lit. vdrna^ setzt auch das aksl. vran^, s. 
vran, b. vran eine Länge voraus, denn sonst wäre aus einem o in *vorno8^ 
lit. varnas nicht ein a entstanden. Wie soll man aber hier das voraus- 
zusetzende ö erklären? Es hat zwar Solmsen darauf aufmerksam ge- 
macht, daß z. B. die Länge des o in lat. forma wie in anderen Fällen 
durch folgendes r + Konsonant veranlaßt sei, das die gleiche Wirkung 
z. B. auch im Nhd. [äri. hart, herde^ wert), im Ags. {drn, hörd, wörd^ 
Sievers Ags. Gr.' § 124, 2) und wohl auch im Griech. im späteren 
Lakonischen {BcjQ^ia, BtoQaia, vgl. Eretschmer, Gr. Yaseninschriften 
42, Anm. 1) ausgeübt habe (KZ. 34, S. 23). Für das Slav. ist jedoch eine 
solche Erklärung nicht recht wahrscheinlich und zwar 1] weil wir ja hier 
dieselbe Erscheinung auch bei / bemerken und 2) weil wir eine derartige 
Erscheinung auch bei /, f bemerken müßten, denn wie man auch diese 
Laute im Slav. beurteilen mag. man kommt doch schließlich zu einem 
vok. Elemente + r oder /mit einem Kons. Man kann also auf die an- 
gegebene Art die Dehnungen im Slav. nicht erklären wohl aber sie als 
Ersatzdehnungen für den Verlust einer Silbe deuten. 

Wollte man hier mit einem j-, } operieren, wie es ja auch schon 
versucht wurde, so gelingt es auch nicht. Wenn man z. B. ein tarto 
zunächst als toilo auffaßt, so müßte die Silben teilung to-r-to oder to-frto 
sein. Bei diesem Zustande hätte es aber nicht bleiben können, weil ja 
dann sonst keine Veranlassung zu weiteren Wandlungen gegeben wäre. 
Aus dem torto hätte sich müssen wieder ein torto entwickelt haben und 
so wäre man da, wo man gleich zu Anfang war. 

Anders verhält sich jedoch die Sache bei der ursprünglichen ^-, 
<Ä-Gruppe. Wir werden sehen, daß man fürs Urslav. in einer bestimmten 
Periode ein ^»fto-, t^ito u. s. w. ansetzen muß. Als sich aber daraus 
dann ein tbrto-, t^rlo- (das o bezeichnet hier einen Vokal überhaupt) zu 
entwickeln begann, da wurde auf dem größeren Teile des slav. Sprach- 
gebietes ein iilo daraus. Im B. muß sich schon aus Urt ein teret ent- 
wickelt haben, als aus hrt hier ein tert wurde, sonst hätte ja dieses auch 
zu teret führen müssen. Das kann so erklärt werden, daß sich ein ttfto 
länger behauptete als ein terto und zwar wohl deshalb, weil wegen der 
zu geringen Quantität des Halbvokals ein tbrto fast wie ein tfto gelautet < 
hätte und ein ^f mied man eben im E. im Gegensatze zu anderen slav. 
Sprachen. Dialektisch hat sich dann allerdings auf r. Gebiete aus <»r<, 
tbrt ein tbrtt, thrtt u. s. w. entwickelt, wodurch ein gewisser Parallelismus 
zu den tori-, tuU-, tert-, <e/^-Gruppen herbeigeführt wurde. 

Ich glaube daher das Prinzip, welches L. G eitler in seiner 



296 

»Starobulh. fon.« (Prag, 1873, S. 40--47) zur Erklärung der 
Gruppen im Inlaute yorbrachte, akzeptieren und mit gewissen 
Modifikationen auch auf den Anlaut anwenden zu müssen. Ohne 
GeiÜers Erklärung zu kennen, führte bekanntlich Joh. Schmidt 
dieses Prinzip weiter aus (Zur Gesch. des Idg. Vok. II, 1875, 
S. 8 ff.). Dazu scheint auch Pedersen zurückkehren zu wollen, 
aber so starr, wie er es will, läßt es sich, wie wir sehen werden, 
nicht durchführen. Speziell die Erklärung des aksl. ahkati und 
des Anlautes überhaupt, wie er sie gibt, kann nicht akzeptiert 
werden (vgL KZ. 38, S. 308—309). 

Dieses Prinzip muß nun im Slav. allgemeiner begründet 
werden. Es beruht auf folgendem: Kommen im ürslay. zwei 
Kons, zusammen, die nicht leicht aussprechbar waren (die Silbe 
mußte ja offen bleiben!), so entwickelte sich häufig nach dem 
ersten Kons, ein yokalisches Element, welches yon der Klang- 
farbe des yorhergehenden Vokals war und welches man nach den 
liquidae r, l den syarabhaktischen Vokal nennt Diese Er- 
scheinung beobachten wir nämlich nicht bloß bei r und l. Wie 
uns das Ut at in ht-veriu ,ich mache auf, at-skirai Adv. ,abge- 
sondert^, at-säkynMS m. ^Antwort' u. s. w. zeigt, müssen wir auch 
im Slay. yon ot- ausgehen. Mit ai. dti, gr. hi, lat ei kann es 
aus lautlichen Gründen und auch wegen der durchaus abweichen- 
den Bedeutung nicht susammengestellt werden, obwohl wir es bei 
Brugmann (Kurze ygl. Gr. § 597) finden. Nur beispielsweise 
kann angeführt werden, daß ein *Gt-dati zunächst zu ^oto-dati, 
ein *ot kqdu jwoher' zu *oto kqdu geworden ist li. s. w. Dieses 
*oto konnte sich schließlich auch yor Vokalen einstellen, z. B. 
*oto ottca ,yom Vater*, während das ursprüngliche ot sich noch 
in otüi ,weggehen', ot^i ,wegnehmen' u. s. w. behauptet Unter 
dem Einflüsse der anderen Präp. wie vb, sh \l ^. w. nahm dann 
wohl auch das o in *Qito die Färbung des z an: otb, otbShlati 
XL s. w. Analog yerhält es sich bei slay. vhzh ,hinauf, für* gegen 
lit. üz ,hinter, für*; slay. izh aus, gegen lit isz, preuß. is u. s. w. 
Daher könnte ot^i, vbzUi u. dgl. sehr alt sein. So ist wohl auch 
das slay. kamy ,Stein' aus älterem *okinön, lit ctkmü, gr. a%fi(av 
entstanden. 

Ich dachte früher daran, daß hier eine Metathese za *kamm wegen 
des Yokalischen Anlautes stattgefunden habe (Afsl. Phil. 25, S. 188—189, 
191 und 193), was auch Baudouin de Courtenay yoraussetzte (ib. 26, 
8. 406). Allein eine solche Annahme kann uns doch nicht recht das a 
als Beflex einer Länge erklären. 



297 

Man kam wohl zunächst zu *okomön, was dann, vielleicht 
um den vok. Anlaut zu meiden, zu *kGmön, aksl. kamy führte. 
Ein solcher langer Vokal bekam gesi Int, daher b. Jcdmen, s 
kamSn, weshalb das Wort nicht mit ahd. hamar zusammengestellt 
werden dar£ Hier konnte im Gegensätze zu otb u. dgl. der 
sekundäre Vokal als o bewahrt bleiben. 

Derselbe Prozeß wiederholte sich auch wohl bei dem anlau- 
tenden orf-, oU-, aber nicht auf dem ganzen slav. Sprachgebiete, 
dagegen war dies der Fall bei tort, tolt, tert, tdt im Inlaute. 
Ein b. rdmi, s. rame, r. rdmo ,Arm^ u. s. w., Ut drms ,Vorder- 
arm am Wagen' setzt einen langen Vokal voraus (im lit. a, im 
Slav., wie wir sehen werden, ein ö). Dagegen r. lodtjd {lödtja) 
,SchifiP, polab. litd'a, b. lodi, lod, lit ddija ,Flußkahn< eine Kürze. 
Aber auch hier zeigt das Südslav. den Beflex einer Länge: aksl. 
al'diji, ladiji, s. lädja (Stck., £ak. läja) u. s. w. Ein einheitliches 
Prinzip kann man demnach hier nicht voraussetzen. Es ist viel- 
mehr wahrscheinlich, daß nicht der vok. Anlaut hier störend war, 
sondern eben die Gruppe ort, oU mit dem rt, U. Auf jenem 
Gebiete, wo o neben a in diesem Falle vorkommt, wurde im 
Anlaut diese Gruppe durch Metathese beseitigt, wie z. B. auch 
dieses Mittel schon im Urslav. vereinzelt bei modliti, aksl. molüi 
aus *fnoldüi zur Anwendung kam. Es handelt sich hier um das 
R, B. u. s. w. überhaupt wohl um das Westslav. Ein ort, öü- 
führte zu rat, lat, zu einer gestoßenen Länge, da es sich um 
einen Langdiphthong handelte. Dagegen ein ort, oÜ einfach 
zu rot, lot (eventuell mit geschleifter Int, da ein Eurzdiphthong 
vorlag). Auf dem anderen Gebiete suchte man die Gruppen 
anders zu beseitigen: es entwickelte sich hier ein svarabhakt 
Vok. (ebenso wie im Inlaute). So wurde aus ort ein oröt (gestoß. 
Int.), aus ort dagegen Orot (geschleifte Int). In dieser Form 
konnten sich die Gruppen längere Zeit behauptet haben, dann 
aber wurden sie im allgemeinen zu einsilbigen kontrahiert, wobei 
jedoch die Int gewahrt blieb: es entstand ein rdt, Idt oder rct, 
Kt, woraus dann rat, lat mit der entsprechenden Int Das ist 
zunächst im Südslav. der Fall (Ausnahmen werden wir auch hier 
konstatieren, wenn sie auch alle gleichartig sind). Daß hier wie 
bei ^okonK^ die Zweisilbigkeit aufgegeben wurde, mag wohl nicht 
so sehr der vok. Anlaut verschuldet haben. Wir werden übrigens 
eine derartige Eontraktion zweier Silben konstatieren können, die 
nicht svarabhakt Vok. aufwiesen, was uns eben zeigt, daß der 



298 

Vorgang wirklich stattfinden konnte. So entstand ein stidslay. 
ladiß, lakUt u. s. w. Berührungen gab es mit dem anderen 
Sprachgebiete, den Übergang bildete z. B. auch das Slovak., da- 
her roz' neben raz-^ robz neben rabz u. s. w. 

Beispiele mit einer gestoß. Länge: s. lakom ^habsüchtige, 
la^an ^hungrig^, bg. läkom ^gefräßig^, slov. laden ^hungrig^, lökati 
»hungern', Mkom ^gierig^, aksl. lahxti, ahkati ,esurire% laötm, 
ähöbm ,esuriens', lakota, ahkota ^ibido^ lakomz ,cupidus', r. alkaU> 
,hungem, fasten, dürsten, verlangen^ Idkomyj ,naschhaft', p. laknqS 
,hungem', lakomy ,lecker, gierig^, b. ladny ,hungrig', lakom^ ^gierig*, 
lakota ,Gier', lit. älkstu, dlkti ,hungem'; s. lanäd f. coli. ,die 
Rehkälber*, Zane, -eta n. ,Rehkalb*, slov. lanjec, -njca ,Damhirsch', 
r. laut jHii'schkuh* u. s. w. aus •öZwi- (o-Stufe zu slav. jelenh 
,HirschS lit ilnis dass.); s. raka ,QrabhÖhle*, slov. rika jÖruft*, 
aksl. raka ,sepulcrum', r. rdka ,Sarg, Reliquienkasten', b. rakev 
ySarg^, lat. arca, ahd. arahha (neben archa); das schon angeführte 
s. ralo, bg. rdlo, slov. rdlo ,Halbpflug* und räi, i f. ,das Ackern, 
das Joch', b. rdcUo, lit drklas »Pflug^; s. rame, slov. rdme und 
rdma f. »Schulter*, r. rdtno, b. rdmS, lit drms ,Vorderarm am 
Wagen*, lat artnus; s. rat, r. ratt ,Kampf*; s. rätaj {ratär) 
,Ackerer*, slov. rdtaj ,Pflüger* und ratdr, ratarja, r. rdtaj, b. rataj 
u. s. w., lit artöjis ,Pflüger*, preuß. artoys. 

Diese Worte weisen also auf dem ganzen slav. Sprachgebiete ein 
gestoßenes a anf, was sich zumeist auch noch erhalten hat. Das a ist 
jedoch auf dem ganzen Gebiete, wie wir angenommen haben, nicht auf 
dieselbe Art entstanden, wenn es auch auf ein ort, ölt zurückgeht. 

Eine geschleifte Int. setzen dagegen voraus: s. lad ja, aber 
6ak.^läja und das stimmt eher mit slov. lädja, r. lodtjä neben 
lödtja (ladbjd) ,SchiflF* (kleinr. lödja, hier schwankt also die Be- 
tonung), polab. lud'a, b. lodi, lod, aksl. alzdiji, ladiß, lit ddija 
,Flußkahn^; s. läkat, bg. Idkat, skslAakvtt, sloY.lakät, -ktä neben 
laktäy r. lökott, löktja, polab. lü'ktt, ka§. hkc, p. hkiec, b. loket, 
lit alküne, dküne ,Ellenbogen, Unterarm, Ecke, Biegung*, ü'lektis 
(dlektis) jElle', lett e'lko'ns ,Ellenbogen, Biegung*, preuß.' alkunis 
,Ellenbogen*; s. läni (südl.), Idni (westl.) ^ vorigen Jahr*, bg. 
Idni, aksl. lani, slov. Idni, slovak. lanajH ,vorjährig*, laüaßek 
,Vorjahr* (Kott, Slovn. VI, S. 812), b. dagegen loni, r. löni, p. 
ioni aus *olni, vgl. altlat olli (*olnei) ,tunc*; s. läp, läpa ,wässe- 
riger Boden*, slov. läp, Idpa ,Ilachen, Schlund*, r. löpanb ,Brunnen 
im Moraste*; s. rdvan {best rovnl) ,eben*, rävan, -vni ,Ebene*, 



299 

bg, räven, slov. rdven Adj., ravän, ravni f. ,Ebene', akd. ravtm 
,planu8S r. rdvnyj ,eben, gleich', ravnina ^bene^ ravisnik ,Alter8- 
genosse*, p. riumy, b. rovnj, rovina ,Ebene', preuß. anois ywahr^; 
8. rdzanj ,Bratspieß*, bg. razin, aksl. razt^m ^timulus*, slov. rdzenj, 
slovak. razeü, b. rozen mid rozeü, r. rozän, -znd ,Spieß, Pfahl, 
Mistgabel; B.räkUa ^^tweide^, slov. roHto ,eiiie Art Bach weide^ 
bg. rakita ,Weide', slovak. raktfta, b. rokyta ,Palmweide', r. raküa 
,Weide'; s. ragt, rägta ,Wuchs', bg. rast, aksl. rastz, r. rost, rösta, 
p. rost; s. rdsti, rdst&n ,wachsen*, slov. rdsti, rästem, aksl. rasti, 
slovak. rdsf, rastiem, b. rüsti, rostu, polab. rüsi, kleinr. rost^, 
roatü, niss. rasti, rastü (aber auch rosti). Man wird hierher noch 
rechnen müssen: slov. reiAro^ ,Lärm, Zusammenkunft', slovak. r^fX^i 
yOespräch, Unterhaltung^, b. rokoi ,Unterhaltung, Versammlung, 
Aufinhr*, p. rokoBz , Aufstand*, r. roköä ,Aufruhr*; südslav. raz- 
,auseinander^ (im Supr. auch rosh), slovak. raz- neben roz-, b. roz, 
polab. rüz-, p. roz-, r. roz- und raz-; bg. razno- ,verschieden', 
aksl. raztm ,diver8us', slov. räzen, b. räzn^ (aus rözny), p. rözny, 
r. rdznyj. 

Ausnahmen gibt es auch hier hinsichtlich des Akzentes: ral, 
rata (bei Yuk als kr. angegeben, ein Feldmaß — Joch), aksl. 
ralija ,arvum', b, role, roU f. ,Acker', r. röhja ,Ackerland'. Weiter 
stimmt überhaupt nicht s. rob, röba ,Sklave* (man würde rab er- 
warten), rbbata, rabdtaii, rdbiti, räbitn ,frohnen*, aksl. rabz (ver- 
einzelt auch robz z. B. im Supr.), rabota, rahiti ^ servitutem 
redigere', bg. rdbota, rob und rdbat, slovak. robW ,machen, ar- 
beiten', b. rob, roba, robiti, robota, p. rob, rab (entlehnt vgl. rab 
bozy ,Knecht Gottes'), r. rab Gen. rabd, robd oder rabd, robüt, 
rabita, vgl. ahd. ar(a)beit. 

Bei allen diesen Worten ist demnach ein zweifaches Resultat 
in den slav. Sprachen zu unterscheiden. 

Die Fälle mit durchgängigem a {rat^ lat) sachte man anch aus ur- 
gprachl. art, aU za erklären (ygl. IF. Anz. 4, S. 60), da ja die meisten 
dieser Worte wirklich auf art, aU zurückgehen. Allein wie sollte das 
ursprachl. «r. das sich in quantit. Hinsicht von d nicht unterschied, zu 
a, das doch nur auf lange Vokale (ä, ö) zurückgeht, geführt hahen? 
Außerdem müssen wir bei einigen Fällen mit ausschließlichem rot-, 
laU doch wohl nur zunächst von ort-^ oü-, das dann zu ört^ öU führte, 
ausgehen : r. laut ,Hirschkuh, Damhirsch', p. iani, iania, iaH ,Hirschkuh', 
aksl. lani (neben almiji ,cerva'), s. tane n. 3^hkalb* setzt ein *ö/it voraus, 
das doch nur auf die Ablantstufe *oln zu einem *eln zurückgeführt 
werden muß. Letzteres ist auch yorhanden: aksl. >0/eii» ,HirschS s. ßlen 



900 

a. 8. w., lit. Slnü, -io m. «Hirsch* (alit elhnü, eHituu, Mnü), iM^ -es f. 
,Hindin* (alit. eUine); aksl. raft ,Schlacbt, Streit', s. rat, r. rah ,Eampf, 
ai. itif, fti^ f. «Angriff, Streif, wobei Solmsen an griech. igts denkt, 
scheint auch anf die Ablaiitsstufe ort, ort zurfickzugehen. Andererseits 
wird man r. r6hja, r6hnja ,Ackerland', roUntkt «Pflüger*, p. rola «Acker- 
feld*, polab. rÜPa «gepflügtes Land*« slov. ral^ ralt f. ,Baufeld, Joch, Mor- 
gen*, kr. ral m. ,Joch*« aksl. ra/t;V« ralija «aryum* doch nicht von oratio 
of^q, raiiy^ ralo u. s. w. trennen können« was alles nrsprachlich ar- bez. 
art" Yoraassetzt. Es ist also im Slav. hier auch ein ro« trotzdem es auf 
ein ursprachlicbes ar- znrückgeht. 

Die erwähnten Längen gehen auf sog. elä-, ers-Basen zurück. 
Bei der Yolktufe I mußte aus ä eia 9 werden, welches im Lit 
und Slav. mit Hinterlassung von Dehnung geschwunden ist (vgl 
Hirt, Der idg. Abi. S. 61). Uralt kann dieser Schwund nicht 
sein. Trotzdem aber im Germ, das 9 zum Teile noch erhalten 
ist (als u, a, i z. B. ahd. birihha, aksL brSza; ahd. hiruz u. s. w.), 
kann man doch nicht annehmen, dafi der svarabh. Vok., der im 
Slav. auftritt, der direkte Fortsetzer des 9 sei. Wir würden sonst 
nicht begreifen, warum russ. voröna (also mit dem svarab. Vok.), 

b. vrdna u. s. w. anders behandelt wurde als ein r. rdtno, wo 
doch dieselben Bedingungen vorhanden waren, denn der vokali- 
sche Anlaut war hier gewiß nicht maßgebend. 

Mitunter kommt die Länge neben der Kürze — und zwar auch im 
Inlaut — bei yerschiedenen Bildungen derselben Wurzel vor. Neben 
dem erwähnten r. voröna, lit. vdma aus *vämä haben wir auch ein r. 
vöroMf böhm. vran (havran\ lit. vafnas aus *vornO'. Die Kürzen sind 
hier wohl sekundär. 

Neben dem besprochenen haben wir noch ein drittes Resultat zu 
unterscheiden: es kommt in den aksl. Denkmälern auch alt' vor: rs 
oTdü (Zogr. Marc. 1, 19) neben vt ladii (ib. Marc. 1, 20; 4, 36), weiter 
ahkaii «hungern' {vvtalbka Mar. Marc. 2, 25). Auch bei der inlautenden 
toA-Gruppe werden wir analoge PäUe im Ksl. finden (ygl. saTnoHb weiter 
unten). Es muß hervorgehoben werden, dafi diese Fälle nur bei den 
Gruppen mit /, jedoch nicht bei jenen mit r vorkommen. Diese Fälle 
können nicht so erklärt werden, daß die Sprache dialektisch hier noch 
auf demselben Standpunkte geblieben sei wie das Lit. mit seinem älkti 
u. s. w., d. h. daß hier ein älterer Zustand erhalten sei. Dagegen spricht 
im Aksl. ardii mit seiner Länge, die doch nicht urslavisch sein kann, da 
wir ja z. B. im B. lodi, lod" haben. Es bleibt demnach nichts anderes 
übrig, als anzunehmen, daß auch atkaii, atdiji auf ein älteres *olokaU^ 
*olodiji zurückgeht, woraus dann *ölk4Ui\ *öldiji und atkati, aldiji dia- 
lektisch entstand. Es kann sich hier der Einfluß einer fremden Sprache 
äußern. Was das s nach dem l in al^kati und dgl. anbelangt, so könnte 
es nach dieser Darstellung in dem betreffenden Dialekte, wo diese Formen 



301 

aufkamon, selbstverständlich keine lantlicbe Berechtigung haben. Er ist 
nur vom Standpunkte eines anderen Dialektes oder als ein Besultat 
graphischer Gepflogenheiten zu yerstehen. 

Ans cro wurde dagegen selbst auch in diesem Dialekte, wie schon 
hervorgehoben wurde, ein rö, also z. B. rni». 

Es ist allerdings etwas auffallend, da£ sich das *äft-, aÜ- gerade 
in der bg. Dialektgruppe, wo auch sonst der yokalische Anlaut nicht 
gemieden, ja sogar direkt herbeigef&hrt wurde, entwickelt hat, man vgl. 
z. B. tdim ,ein', ast ,ich' aus yaz& und dieses aus *is, *Hjjaz9 u. s. w. 

Die Formen wie atkati^ atdiji und dann die mit inlautendem iaU^ 
▼gl. tatnotU, könnten die Vermutung aufkommen lassen, daß auch Über- 
haupt oloty Orot und ebenso das inlautende iorot^ tolot zunächst zu dH-, 
ort-, 0rt, töU geworden sei, woraus dann rat, lat {ardiji, dPkati repräsen- 
tiere noch den älteren Zustand), trat, tiat, wo es eben vorkomme, ent- 
standen sei. So verlockend diese Hypothese wegen des vorliegenden 
atkati, soTnoMib u. s. w. wäre, so glaube ich doch nicht mit ihr operieren 
zu müssen, und zwar hauptsächlich deshalb, weil die Tatsachen doch 
mehr für die Dehnung des zweiten Vokals sprechen. Man vgL z. B. das 
gemeinslav. JSelHo ,Eisen*, das doch zunächst nur ein ^ilHo aus ^gelzo, 
^gehxo, vgl. lit. geliU neben gehifis (ebenfalls mit svarabh. Vokal) voraus- 
setzt; weiter aksl. $raeinin» = 9araeenu9: trhnb ,turris' aus gr. xigt/irop. 

Für anlautendes M-, ät- haben wir kein sicheres Beispiel. 
Ich mufi da mit Torbiörnsson (Die gemeinslav. liquidameta- 
these I, S. 10), der aksl. Un ,Wald' und redzkb ^selten' nicht aus 
^äs-, bez. *erd' erklären will, übereinstimmen im Gegensatze zu 
Pedersen (EZ.38, S.309). Bid^kb hatte wohl gestofi. Int vgl. 
b. rldk^ und slov. r^k (wegen s. rljetki, ritki vgl. oben S. 231) 
und so stimmt es nicht zu lit erdvcLS ,weit, breit, geräumig^, das 
übrigens auch hinsichtlich der Bedeutung nicht paßt Dazu ge- 
hört vielmehr htrUis ,Bastsieb', rüas ,aus einander stehend', lat 
rOrTus, ri4e (also re-d-ikb). Wenn reäeto ,Sieb' urspr. mit ^ war 
(vgl r. rüeto), könnte es auch hierher gehören. Auch Ugb ,Wald' 
kann nicht mit ahsog zusammenhängen, letzteres nach O. Hoff- 
mann aus alr^Log^ got alhs ,Tempel', Ut eücas ,Hain' (BB. 26, 
8. 106). 

Ab Beispiele für* urspr. ert-, dt- führt T. an: r. remd ,den 
Überschwemmungen ausgesetztes Buschwerk, Gehölz, eine Über- 
schwemmungen ausgesetzte Strecke, Flufital', vgl. lit. annü\ im 
,Tiefe, Abgrund, Moorgrund^; slov. r^k ,GänsedisteP, vgl ht 
erszketis ,Dompflanze'; x.leHna ,Eller, Erle' aus *eUina zu oli>cha, 
aksl. ßlbcha, p. oldia, clsza, b. oUe, vgl lit elkmis ,Eller^, noch 
mehr aber ahd. dira, vgl. auch lat dlisynus. Diese Fälle würden 
also mit dem roty lot aus ort-^ oU- übereinstimmen. 



302 

Es scheint aber, daß hier die bloße Umstellung {eri-, elt- zu 
rd, IM) allgemeiner war als bei ort-, oft-, da wir sie auch im 
Südslav. finden. Das würde auch gegen eine Verwandtschaft des 
aksl. r^zkb mit lit. erdvas (slav. langes S, lit kurzes e) sprechen. 
Hierher gehört: aksl. lebedt f. ^Schwan^ slov. leb^d, bg. lebed, r. 
Ubedt, ahd. dbiz ^Schwan' (ygl. albus, akq>6g ,weißer Ausschlag'). 
Dameben aber auch die Stufe ölb: *ölbondt' in p. iab^dd, ab. 
labud, jetzt labul, slov. labqd (neben lobqd und dem erwähnten 
lebqd), s. labud. Im B. würden wir Idbitd (Idbui) entsprechend 
dem s. labud erwarten. Zu elb- in lebedt gehört auch r. lebedd 
,MeldeS klr. lobodd, p., os. ioboda, slovak. loboda, slov. löboda, 
lebqda, sJoböda, hg. löboda. Weiter aksl. re^» ,aemulatioS Sfiilla 
(z. B. Supr. S. 236), das man zu aksl. rath ,Kampf (vgl. oben 
S. 300) stellen muß, vgl. ai. rtip f. ,Angriff, Streit*, gr. egig. 

Bis jetzt handelte es sich also um die Gruppen im Anlaute. 
Als Befiex des urspr. tort, tolt, tert, telt zeigt sich im Süd- 
slav. und im B. mit dem Slovak. trat, tlat, trit, iUt, im P. und 
Sorb. trot, tlot, tret, tlet, dagegen zeigt sich im Folab. das tart 
scheinbar unverändert: tort, für die anderen Gruppen: Üät, trü, 
tlat, wodurch es sich, wie wir sehen werden, mehr an das B. an- 
schließt; schließlich im B. oro, olo, ere, de, was man hier eben 
den Volllaut (Polnoglasie) nennt. 

Auch im Inlaut müssen wir teils tort, töU, teils tort, tolt 
und analog auch t^, telt neben tert, telt voraussetzen. Diese 
Quantitätsunterschiede äußern sich' akzentuell im lit wie im 
Slav.: ]it. vdrna, preuß. warne, r.voröna, polab. fJonwJ, k8&.vama, 
OS. i4?r6na, ns. {w)ronica, p. u^ona, b. vrdna, slov. vrdna, öak. 
vräna, §toL vrana, bg. vrdna, aksl. vrana, hier muß ein ^vörnä 
vorausgesetzt werden; dagegen lit. vafnc^, preß, wamis, s. vrän, 
slov. vrän, b. vran (havran), p. u^on, ns. {w)ron, wrön, r. vörom 
aus einem *vorn0'. 

Auf dem ganzen slav. Sprachgebiete begann sich frühzeitig 
aus den Gruppen tört, tort, töü, toU, tSrt, tert und telt, tdt ein 
tor<*t, tolot, terH, tdH zu entwickeln, wobei natürlich in jenen 
Fällen, wo eine Länge vorherging [ö und g); der Vokal verkürzt 
wurde. Man muß weiter annehmen, daß sich in diesen Fällen 
das nachfolgende vokal. Element am frühesten zu einem vollen 
Vokal entwickelt hat und zwar wegen des steigenden Akzentes, 
der die Tendenz hatte, sich auf dem neuen Vokale festzusetzen. 
Je mehr aber der zweite Vokal an Selbständigkeit gewann, desto 



303 

mehr büßte der erste ein. Es kam zu einem toro, tolo, t^o, Ulo. 
Das R. blieb auf diesem Standpunkte, indem es hier schließlich 
zu einer gleichmäßigen Entwickelung der beiden Vokale kam. 

In den anderen Sprachen ging das erste vokal. Element 
schließlich ganz verloren, wobei jedoch die zweite Silbe gedehnt 
wurde: tröty tlöt, trBt, UM, so im Südslav., im B. mit dem Slo- 
vak.; mit seinem Üät, trit, tiat (aus Üet) gehört hierher auch das 
Polab. Hiebei ist wichtig, daß die ursprüngliche Int 
des oro, olo bei der Kontraktion immer gewahrt blieb: 
aus vorina wurde s. vräna, b. vrdna, aus vörom wird s. vrän, 
b. vran u. s. w., also fast analog wie z. B. im Slov. aus igräjem 
ein igram, aus go»pojä dagegen ein gospd geworden ist 

Im P. zeigen sich hier Kürzen: trot^ ilot, tret, tlet und es igt nicht 
wahrscheinlich, daß auch hier einmal Längen vorhanden waren und daß 
sie später rerkürzt wurden. Damit würde allerdings das hier vereinzelt 
vorkommende tart in karw^ wo die Länge erhalten blieb, vielleicht über- 
einstimmen, aber es ist zu bedenken, daß hier die Dehnung des Vokals 
vor der Liquida enthalten ist und das ist eben ein großer Unterschied. 
Ein iorot konnte hier also zu tört oder zu torot, trat führen. An das P. 
schließt sich in dieser Hinsicht das Sorb. an. 

Man kann nun nicht annehmen, daß sich der svarabh. Vok. 
später entwickelt hat als z. B. im Anlaute aus ort und ort auf 
dem näher bestimmten Sprachgebiete (B.., Westslav.) ein rot-, rat^ 
durch bloße Metathese entstanden war. Wir müssen vielmehr 
wohl voraussetzen, daß beide Prozesse gleichzeitig begannen, denn 
es handelte sich darum, eine unbequeme Gruppe zu beseitigen 
und die bestand im anlautenden ort-, oÜ- ebenso wie im inlau- 
tenden tort, toU. Es darf nicht auffallen, daß sich das R schein- 
bar nicht konsequent blieb. Während es nämUch im Anlaut die 
ort-, oZ^Gruppe einfach diux^h Metathese beseitigte, ging es bei 
tort, toU nicht analog vor, sondern ließ hier einen svarabh. Vok. 
entwickeln. Im Anlaute ließ sich nämlich die Metathese 
einfach bewerkstelligen, im Inlaute war sie hier un- 
durchführbar, weil sie wieder zu einem tr, tl geführt 
hätte und diese Gruppen mied eben das B. wie wir aus 
der Behandlung des tft, tlt ersehen. Aus diesem Grunde 
ließ es auch die Gruppen torot, tolot unverändert be- 
stehen, während die anderen slav. Sprachen, in denen 
es zu einem tft, tlt kam, auch diese Gruppen auf die 
angegebene Weise vereinfachten. 

Auf dem bg. Sprachgebiete entwickelte sich auch dial. aus *tolot 



304 

ein *föft, talt, aber nur bei dieser Gruppe, nicht auch bei tortf also ganz 
analog, wie aus oht ein aU wurde (vgl. oben S. 300). Auch eine Gruppe 
wie toUf ialt war also hier nicht mehr anstößig, was aus der Berührung 
mit einer fremden Sprache erklärt werden könnte. So finden wir hier: 
haPtiny, cf. hlato ,Sumpf , ein Reflex dessen auch im Bnm., wo wir haUb 
,lacu8, stagnum^ mac.-rom. ijut6)lxa finden und das ist bezeichnend; 
moTdicife (cf. mlad^ J^i^gOi ^^^no^tb (cf. stanz ,salzig, gesalzen^ nnd paPU 
(vgl. Afsl. Phil. 18, S. 598 und 22, S. 32). Auf einem noch älteren Stand- 
punkte scheint dagegen das im Psalt. sin. vorkommende zoltto ,Gold' zu 
stehen. Es ist hier noch nicht zu einem Verluste des zweiten Vokals 
gekommen und so konnte das erste o nicht gedehnt werden. Der volle 
Vokal verrät im Gegensatze zum Halbvokal, das in dem betreffenden 
Dial. das Hauptgewicht auch auf den ersten Vokal verlegt wurde, wo- 
durch es eben in dieselbe Kategorie wie die Worte saTnostb u. s. w. ge- 
hört. Wäre der Dialekt auf dem Standpunkte des zohio geblieben, so 
hätte er sich dem B. genähert. 

Auch hier kann man natürlich ein salnostt u. s. w. nicht so auf- 
fassen, daß sich in diesen Worten der ursprüngliche Zustand der Laute, 
also wie e^wa im Lit., erhalten hätte. 

Ein analoger Vorgang^ wie wir ihn eben in den bg. Dial. 
bei tcUt aus tolot kennen gelernt haben, wiederholt sich uns auch 
im Folab., aber hier ist es merkwürdigerweise torot, das zu tört, 
tart wurde. Auch hier müssen wir wohl darin, daß die *tört, 
tor^-Gruppe mögUch war, den Einfluß einer fremden Sprache 
(hier speziell des Deutschen) sehen. Ausnahmsweise kommt 
übrigens, wie wir schon hervorgehoben haben, auch im P. ein 
tart vor: karw ,fauler Ochse' neben krowa ,Kuh'. 

Daß die to/^-6ruppe nicht immer auf dieselbe Art gemieden wurde, 
zeigt z. B. aksl. moliti, b. modlüi ,beten, bittenS urslav. also *modUtu 
Das kann man aber von lit. meldifü, meldääa, meUti ,bitten' und malda 
,Bitte, Gebet', maldau, maldyti «bitten* (vgl. S. 297) nicht trennen. Im 
Slav. ist also von *mo/<^-' auszugehen, das nach der gewöhnlichen Be- 
handlung der <oft-Gruppe zu einem aksl. rrUad- geführt hätte (eigentlich 
genauer zu einem urslav. *molod'). Nun hatte man aber auch schon 
aksl. mladz^ ndadüi (urslav. *molodo) aus einem anderem *mold- Jung^ 
Man hat hier also ein Mittel ausnahmsweise zur Anwendung gebracht, 
das sonst in einer Gruppe von slav. Sprachen im Anlaute zur Geltung 
kam. Zu *moldüi gehört vielleicht auch fMX&axos ,weich, zart*, as. mildi 
,mild, gütig, gnädig*, air. meldach, meütaeh ,acceptu8, gratus*, ai. mdrdhati 
,er läßt nach, wird lässig*. Die Grundbedeutung des modliti, molüi wäre 
etwa ,Jem. mild, gütig machen*. 

Es handelt sich nun um die Begründung der Annahme eines 
svarabh. Vokals und der Kontraktionsdehnung. Zunächst wollen 
wir einige Fälle erwähnen, die dafür sprechen könnten, die wir 
aber doch anders erklären müssen. 



305 

Im AkaL kommt neben zUsti, zUdq ^solTere^ (z. B. Slidetb 
fiompen8ai& Snpr. 266, 7) auch zUuti, äadq vor (z. B. Supr. 
378, 20 und 21; äade ib. 378, 25; äadtba ^ti/ua ib. 316, 1); 
neben äim ,articalns' (z. B. in dem von Ealuzniacki heraus- 
gegeb. Apost Xu. Jhd. äinzmi Ephes. 4, 16) auch äam (z. B. 
in SiS. Ap. D. PL äanomb Hebr.4, 12). Man könnte nun daran 
denken, daß sich in *ddno wegen eines hier aufgekommenen l 
ein ^dehno und dann nach Verhärtung des 6 ein *6oUmo (dlnna) 
entwickelt hätte. Allein das müßte in eine TerhältnismäSig zu 
späte Periode faUen, wo jenes Resultat kaum erreicht worden 
wäre. Wir müssen daher Mam doch auch aus H^^ erklären, 
wobei wir yoraussetzen, daS das l unter dem Einflüsse von 6 er- 
weicht wurde. Nun ging auch noch in einer späteren Periode 
nach solchen Lauten ^ in a über: Imper. glagoljaU aus glagoPHe 
nach f>edHe. Dagegen mußte ein d^ u. s. w. natürlich bleiben. 
So auch im B., wie wir sehen werden. Daß zunächst ein *Mno 
entstanden wäre, daran ist nicht zu denken, da ja selbst noch im 
Aksl. fremdes jo in je übergeht (vgl S. 86). Nur r. ddotö, p. 
dUU), b. dläto gegen s. dlijHo ist vielleicht schon im Urslav. auf 
einem Gebietsteile so entstanden, wenn wir hier nicht von der 
Doublette *doUo ausgehen wollten. Der Wandel hätte zunächst 
den svarabh. Vokal betreffen müssen, wie wir es im R. sehen. 
Daß auch hier urspr. ein e war, daran kann wegen der anderen 
slav. Sprachen nicht gezweifelt werden. Da hier das z, 9, 6 
längere Zeit hindurch weich blieb, so behauptete sich auch das 
e vor dem l: zäcibb yBinne*, jetzt wieder allerdings zolobh aus- 
gesprochen und mitunter auch so geschrieben. In dem von 
Edbzniacki herausgegeb. Ap. lesen wir deUmomb Dat PL Hehr. 
4, 12 i^\L hat hier, wie wir sahen, Üanomt); so finden wir im 
B. noch äeUntb neben ädemh ,der obere Dachsparren^ aksl. iUtm 
,Helm', got hilms; zdezä neben z4Hoz& (auch zdizd geschrieben) 
,E[al8drüse^ 

Dagegen aber volokü gegen aksl. vlikq ,ich ziehe, schleppe'; 
tnclokö ,Milch' gegen aksL mWco; pol&m ,Beute' gegen aksl. pUm^ 
▼gL lit. pdnaa ,Verdien8t'. 

Bekanntlich hat man auch im Böhm. Uab neben Heb, 6linek 
neben äen, ädza ,Drüse^ Auch hier muß man das a aus dem 
S erklären, wobei man sich auf die Tatsache berufen kann, daß 
im Ab. die Formen mit e (aus S) noch häufiger sind und daß die 
mit a erst mit der Zeit zunehmen (vgl. Gebauer I, S. 206). Es 

ToBdr&k, Vgl. ibT. Gnmm. I. 20 



306 

kann nicht dagegen eingewendet werden, daß z. B. in slqp^f 
bledy, tnUko (hier überall urspr« e) u. s. w. das i (e) nicht in a 
übergeht, denn dieser Übergang fiand eben nach palatalen Lauten 
statt (auch das einfache e) wie jaJUa, zalud, diaJ. 6älo (vgl. S. 48 
und 75). Auch im F. war urspr. ein e und ging dann erst nach 
der allgemeinen Begel (vgl. S. 43) in o über, wobei bei z, J bei 
der späteren Verhärtung dieser Laute das { in ^ überging, aber 
das hatte mit unserem Prozesse nichts zu tun. Ich kann hier 
also mit Pedersen (Mater^aly u. s. w. Bd. I, Hft. 2, S. 147) 
nicht übereinstimmen. Für das B. ist eine andere Ejrklärung aus- 
geschlossen, da die Laute ö^ z, ä erst in historischer Zeit hart 
geworden sind (S. 30). Das Poln. hat plewa (h.pliva) gegen r. 
polöva, plon {BXü&plen, h.plen), mli6 (b. mlüi, r. moUth), mleko (b. 
ndUco, r. molokö); wlec (b. vUci, r. voloöt); tnlon ,Griff an der 
Handmühle' (aus nUen, r. mäenz) und vielleicht noch einige Bei- 
spiele. Mit i: zidb (b. zieh und zlab, r. zäoH, zöloH); zUd 
,Schneeregen, gefrorener Schnee', aksl. zledica; czbm (b. 6len und 
6Ui%ek neben Hänek); (zoha), b. zldza neben hliza, hläza (es lag 
auch ein *golz- vor, das ergab hlaa- und durch Kontamination 
aus Maz- und zUz entstand ein hlez)^ r. zdezd. 

Mit dem p. zi6b stimmt auch das Ka&ub. zlob, wie auch 
^on u. s. w. überein, desgleichen das Sorb. (os., ns. zhb, os. 
ädnk, ns. dank) und teilweise das Polab.: schlod (für p. zlöd), 
sonst aber findet man in diesen Fällen in der Regel ein a (aus 
i): ndaka ,Milch', plavai (poln. plewa); ndat (poln. mlSd). 

Die bis jetzt erwähnten Fälle bieten uns also zur Begründung 
unserer Hypothese kein Material. 

Dagegen spricht dafür m. E. am meisten das Polab. Hier 
finden wir nämhch tari, das als tört, wie wir sehen werden, auf- 
zufassen ist, neben den Keflexen eines Hat d. i. *Üöt imd trSt, 
fIM, d. i. trU, Üet. Nun kann tort nicht die direkte Fortsetzung 
eines urslav. Uni sein, weil wir sonst die Länge absolut nicht be- 
greifen würden, daher muß es auf torot zurückgehen, für das 
auch z. B. das R spricht. Ebensowenig kann tlöt, ÜSt, tret der 
direkte Beflex eines urslav. toU, tdt, tert sein und zwar aus dem- 
selben Grunde, d. h. wegen der Länge. 

Weiter haben sich noch ausnahmsweise einzelne Volllauts- 
formen, auf die teilweise auch schon J. Schmidt aufmerksam 
machte (1. c. S. 67), erhalten. Andererseits wurde auch olo, do 
u. s. w. mitunter dort kontrahiert, wo es sich nicht um einen 



307 

sTarabL Vok. handelte und zwar teils mit Ersatzdehnung, teils 
ohne dieselbe, was teils durch verschiedene Sprachgebiete, teils 
durch verschiedene Zeiten erklärt werden mag. DaB auf slav. 
Gebiete in bestimmten Zeiten Ersatzdehnungen Überhaupt auf- 
treten konnten, haben wir oben S. 214 gesehen. 

So haben wir aksl. u. s. w. jdenb ^Hirsch', lit änis daiss^ 
arm. ein, gr. eXatpog dass. aus dQrbhos zu iXkog aus ikvo- (vgl. 
firugmann, Kurze vgl. Ghr. § 407), dazu das oben S. 299 er* 
wähnte r. lant ^Hirschkuh' aus ^olni (o-Stufe). 

Aksl. u. s. w. öhvo 31eiS preuß. aUo%8 yBleiS lit alwu ,Zinn', 
lett aLva dass. 

Aksl. pdegb ,grau, dunkel^ r. pdesyj ,gefleckt (von Tieren), 
bunf , lit pdls2€U fshVy vgl. dazu aksl. u. s. w. pUsn^ ,tinea', n 
auch plesnt, dagegen lit pdu, pditi ,8chimmeln' und pdisiai Fl. 
SchinmielS außerdem pde ,Maus^. Hier liegt also auch im R, 
eine Kontraktion mit Ersatzdehnung vor. 

Ein urslav. de, ere u. s. w. ist in einigen slav. Sprachen noch 
erhalten, während in anderen li, ri vorkommt, aber gegen die 
allgemeine Begel, die wir sonst bei diesen Gruppen bemerken. 
So haben wir r. pdend ,WindelS aksL pdena, bg. pdena, b. da- 
gegen plena aus pUna vgl lat peUis, gr. niXla (ü aus In). 

Im AksL haben wir zeUzo ,EisenS p. zelazo, r. zdezo u. s. w., 
preufi. geUo, zem. geUü, lett. dfdßs, griech. xaXyidg. Hier ist 
auch im lit dieselbe Erscheinung, allerdings unabhängig vom 
Slav., denn wir finden hier neben gdiie auch gdeile. Es handelt 
sich nun um die Erklärung des ^ in zdezo. Offenbar ist aus 
^zdezo auf dem größeren Gebiete ein ^zUzo entstanden, dameben 
behauptete .sich auf einem anderen noch * zdezo und durch die 
Kontamination beider Formen entstand ein zelizo; oder ging zUzo 
in *züezo und dann zelizo tiber^ 

Analog verhält es sich mit aksl. 8verqs^ ,wild', r. sviripffj, 
im Ar. ist aber noch everipb (vgl. Sobolevskij S. 82), dameben 
auch svntpb aus *evrpo, ^svtrpo- (preuß. eweriapie ,Zuchtheng8f 
ist aus dem P. entlehnt, Berneker Fr. Spr. S. 325). 

1. Eine ähnliche Erscheinung aach bei s.-kr. naran f. (auch nerav^ 
neraav) ,GemütBartS bg. norav ,Gewohnheit, Charakter', p. narow, norow 
,GewohnheitS aksl. itrav» ,Sitte' aus *n<irtio-; ferner kr. korak, s. krak 
«langes Bein*, aksl. krak» in pokradäo «Schritt', dameben auch b. krok^ 
klr. krok u. s. w., d. h. es kam hier nicht zur Dehnung; ns. kioeyä, os. 
krocid spricht allerdings für ein urslav. kroko', wogegen lit. karkä, 

20* 



908 

Es wurden analoge Formen, in denen es sich nm einen 
nispr. zweiten Vok. handelte, so umgewandelt, als ob darin ein 
svarabL Vok. enthalten wäre: aksL tr^^ jturris', r. noch teremz 
aus gr. %i(fi^vov; aksl. örütmja ^cerasus', gr. ueQaaia^ iMqaalov; 

aksL sradnim, ar. sorodninb = saracenus; 

aksl, (Setvridtntvtwö ,am 4. Tage seiend^ für ddvera-dtntvtm, 
daszunädist wohl za ddvere-dtnbtm^z (imEsl. belegt: Miklosich 
Lex. paL 8. 1114), umgewandelt wurde; analog ödvrigubb ,qua- 
druplus' u. B. w. 

Analog scheint es sich auch bei b. strün'o aus sränv ,8ilber^, 
p. ärzebro, ar. ebenfalls sribro, jetzt allgemem klr. sribro, sribio 
(vgl. Sobolevskij L c. S. 23) zu Tcrhalten, denn es kommt dar- ' 
neben im B. auch 8erd>ro vor, aksl. 9wrAro\ wofttr lit. sidabras 
spricht (got süubr soll nach Uhlenbeck PfiB. 20, 8. 37—45 
eine Entlehnung aus dem Slay. sein). 

Auf zweifache Grundformen gehen dagegen folgende zwei 
Worte zurUck: r. pdeta, lett Flur, pdawas, ai. paldvaa ,Spreu, 
Hülse' ist aus pelif^ entstanden, dagegen r. poUwa, aksL pUva, 
b. fUva u. s. w. aus *peljiä, vgl preuß. pdwo; femer os. solobik, 
syiobik, ns. sylowik, stfhj, polab. säbl' ,Nachtigall' aus *aolov, vgl. 
preuß. sahuns; dagegen aksL alavij, r. sohvij, p. shwik, b. siavüc 
u. s. w. aus *8olih Tgl. ahd. swaHawa, aengl. swedlwe aus urspr. 
BUiolvfin (Tgl. Solmsen in Afsl. Phil. 24, S. 676—676). 

Das ^^dAsky.pladhne n. ,meridies' setzt ein sekundäres, späteres 
*polodtne Toraus, wie es auch im B. {polodne) aufgekommen ist 
Alter war polzdtne, ab. poledne und poludtne, ab. poluden. Das 
^polodtne ist so entstanden wie pohv^rtm, pohvirtcb ,haereticu6' 
neben dem älteren poluvirtcb (Jagiö ging von *poldtne aus, das 
aus pohchne herrorgegangen wäre Afsl. Phil. I, S. 396). 

Weiter haben wir einen klaren Fall, in welchem ein urslaT. 
do teils zu lö, lä, teils zu lo führte, in aksl. äovikz, r. ddoviln 
,Mensch'. Wegen des o in b. Ölovik kann man hier nicht Ton 
*6elv' ausgehen (vgl. b. plen, rnUko, plena, pUva u. s. w.), auch 
nicht von dlv- trotz des lett zU'veks, das eine Ablautstufe dem 

1. In akal. Denkmälern kann man allerdings nor ttniro belegen 
(vgl. Afsl. Phil. I, S. 28—29), daraas dürfte dann erst nrehro doroh 
Assimilation (& an e) entstanden sein. Letztere Form mofi unbedingt 
anch angesetzt werden und zwar wegen r. $er6bro^ b. stribro und got 
silubr, falls es wirklich entlehnt ist. Von einem älteren 9br§hro auszu- 
gehen erlaubt das aksl. nrebro nicht, sonst wäre es leichter zu erklären. 



309 

SlaT. gegenüber enthält Im B. ist ödo geblieben, wie es Über- 
haupt fast alle Ornppen elo, efo n. s. w. gerettet hat In den 
anderen slav. Sprachen wurde jedoch das Wort so behandelt, als 
hätte es einen svarabh* Yok. Das auf diese Weise entstandene 
^äöväcb liegt dem polab. dävak zu Gnmde (slavak, czlavak, 
^ehlaeak, dgenthch als dävak aufisu&ssen, vgl gl^va ,Eopf , klä$ 
jAia& VL s. w.). Ein ölavHn müßte hier als *düvak erscheinen, 
wie schon FortunatoT mit Becht hervorgehoben hat Sonst 
ergab do nur ein h: dlovikb. 

Das Wort war zu lang and hftnfig gebraucht; wir bemerken in den 
meisten slav. Sprachen die Tendenz es zn verkürzen, Tgl. p. etUk, r. dial. 
delekbj b. volkstümlich Yok. coeee, c§c€* Dieser Umstand mag es vemr- 
sacht haben, daß in der Mehrzahl der anderen slav. Sprachen das eelo 
hier nar ein clo ergab. Ein ctio- liegt hier absolut nicht vor (vgl. daher 
ab. V 6lovM^ k äoviku u. s. w. nicht ve ^oviei u. s. w. Gebauer, Hist. 
ml. I, S. 77). Hinsichtlich des Akzentes vergleiche r. Sdavik» und itok. 

Ein ono (im Anlaut) führte zu *nö: es handelt sich um die 
aksL Präp. na fi,nP, die zu griech. ava, got ana u. s. w, (vgl. 
oben S. 77) gehört; ein n in analoger Stellung wie die Liquidae^ 
wurde von analogen Erscheinungen begleitet» vgl. oben S. 297 
auch kamy. 

Ans einer germ. Form, die sich im Ahd. als ehirihha (dieses aus 
ftvQot^) ftuAert, ist im Slav. zunächst ^etrtkp^ Gen. *etrbktvß geworden. 
In ar. Denkmftlem auch cbrtky, jetzt eenkow. Die erwfthnte Form lag 
auch dem b. Beflexe dieses Wortes zu Grunde. Hier wäre der Nom. dar- 
nach regelrecht ^ewrky^ Gen. ^ereküe. Durch Kontamination beider For« 
men entstand *c0rßky, *e0reko€. Dieses Wort wurde nun so behandelt, 
als ob ein t€r€ aus t^rt vorliegen möchte, es blieb jedoch der erste Yokal 
erhalten, vielleicht deshalb, weil damals der Akzent schon auf der ersten 
Silbe ruhte, daher nicht *er}ikw^ sondern rirkev, efrkve, woraus wir er- 
sehen, daß zur Zeit, als dieses Wort entlehnt wurde (oder wenigstens 
bald darauf), die heimischen Fälle mit der Gruppe ier^l aus Urt schon 
zu trü geworden waren. Dameben behaupteten sich aber immer noch 
die scheinbaren Yolllautsformen, wodurch dann weitere Beeinflussungen 
möglich waren : I drang auch in diese ein und so hatte man auch eirskev 
neben drkev, drskvt u. s. w. Jetzt heißt es eirk49, eirkve {i aus jp, ^). 
Im ap. Flor. Psalter finden wir eersküw, das den b. Formen entspricht, 
dameben aber auch eirekiew, das auch eine Eontaminationsform sein kann 
und ein «f voraussetzt. Das aksl.er»Ay muS auch von ^etrhky abgeleitet 
werden, wobei ein ^ej^ky als Mittelstufe anzusehen ist. 

Auch das Wort karl muß in einer Fotm bekannt geworden sein, die 
noch zwei Vokale enthielt. Mit Becht hebt Solmsen (Afsl. Phil. 24, 
8. 671) die schriftliche Darstellung als karal und das lat. Caroiu9 hervor. 



310 

Damals aber, 'als das Wort entlelmt wurde, gab es wohl keine toro-^ Ur^- 
. u. s. w. -Formen mehr in den betreffenden Sprachen. Nichtsdestoweniger 
wurde das Wort noch so behandelt (wie auch das eben erw&hnte eirkev 
im B.) und das mufi besonders hervorgehoben werden, weil es ans die 
Entstehong unserer Längen schön illnstriert. Es f&hrte nämlich auch 
damals ein *kröl- aus *korol' im B. zu kräl. Das hier z. B. auch sonst 
noch ö zu a wurde, zeigt uns kmavaÜ ,schonenS kUäUr s klötUr; kana 
s hdn u. s. w. Anders yerhielt sich aber dann das später z. B. auf b. 
Boden entstandene ö. Das Wort war imSlav. endbetont und die vorher- 
gehende Länge wurde zu einer gestoßenen: r. korih, b. krdl^ Sak. krä\i 
(itok. abweichend kralj, vgl. oben S. 220, 229 und 230). 

Einiges soll noch aus einzelnen slav. Sprachen zur Erörterung 
kommen. 

Buss. Das erste o in g&rodö^ v6lok» u. s. w. ist primär und das 
zweite ist als ein svarabh. Yokal aufzufassen und daher sekundär. Daf&r 
spricht, dafi auch in der urslav. Gruppe for<, foft u. s. w. das r, / seine 
urspr. Stellung gewahrt hat: cenn ,WurmS aksL artm, lit. kirmU: voU» 
,Wolf , aksl. «&^, lit. vWuf. Femer sprechen daf&r die r. Lehnwörter 
im Finnischen, wo sie or, al u. s. w. haben. Sie sind, wie Mikkola 
(Berührungen zw. den westfinn. und slav. Spr. S. 43 ff.) richtig bemerkt, 
zu einer Zeit aufgenommen worden, als der r. (besser der slavische Über^ 
hnupt) svarabh. Yokal nach r, / noch nicht entstanden ist, z. B. paUtina 
s= r. pohtnd .Leinwand* ; taikkuna ,harter Brei von Gerste oder Hafer*, 
r. tolokn6 ,gedörrtes, durch Stofien im Mörser bereitetes Mehl, Hafer- 
mehl*; värUänä » r. wrttenä ,Spindel'. Auch die schon erwähnten Akzent- 
verhältnisse v&ron» u. var&na aus *iM$mo- und *vöfna sprechen ffir die 
Posteriorität des zweiten Yokals. Im ersten Falle war der ausklingende 
Best des Tones, der noch das r traf, so schwach, dafi der sich nach dem 
r entwickelnde Yokal nicht mehr daran partizipieren konnte und daher 
unbetont blieb: voran. Im zweiten Falle war der Ton auf der Liquida 
konzentriert und es konnte der sich neu entwickelnde Yokal leicht daran 
partizipieren und schließlich den Ton ganz an sich reifien: vorona, 

Po lab. Für anlautendes ort- mit gest. Akz.: r&dlu JPflug* (b. rddlo), 
rU^ ,Pflfiger' (b. roiaj), rhna ,Bchulter* (aksl. ram^ rWSj f. .Kasten* 
(b. rok^c ,Sarg*), LSbi ,£lbe*. Mit geschl. Akz.: rula ,gepflfigtes Land* 
(p. rola .Ackerfeld*), rUU .wachsen* (p. roiö^ rödd), rüz ,auseinander* (p., 
sorb., b. r<»> aksL roz-), Uida ,Schiff* (b. lod'), lUk'U, Hik'^t ,£Ile* (b. 
loifc^), ü geht auf o zurück. vgL püd- .unter* (aksL pocf»). A'«m .Sense* 
(b. ko9a). 

XTrspr&ngUches ioU wurde zu tlii (geschrieben zumeist tlat^ seltener 
Uaij dann auch iioat, tioot, tlaat, tioai), z. B. gUtvo .Kopf, r. ifolovd, b. 
klava; klh .ihre*, r. kSlon; güd ,Hunger<, r. gdiod^; slima .Stroh*, r. 
soldmaj b. sidma n. s. w. Mit Bücksicht auf ridUi, rSiaj u. s. w. m&ssen 
wir in dem i ein älteres a sehen. Ursprüngliches Urt wird zu <rU. trUi 
hrig .Ufer*, r. horog^ 9rSda .Mitte*, tridng .mittlerer*, r. 9eredd u. s. w. 
Auch hier müssen wir von einem trÜ, also von einer Dehnung ausgehen. 



311 

Diese kommt auch hei vltbt^tMU vor, das tiai ergibt: mlaka (Gen.) ,MilchS 
serb. mlißko u. s. w. ^ ist zu a geworden, vgl. no tvaü {^ na tvÜi jiu 
mnndoO« 

Merkwürdig ist das Besultat, wie wir schon oben angedeutet haben, 
bei fort. Einmal wird daraus iari : §täma ,die Seite' (p. Hrona, b. tfrafui, 
r. sinrond), einmal trüt (aus trof) : brud'a ,Bart' (p. hroda, b. hrada, r. 
betrodä), sonst aber regelmäßig wieder tort, das aber nicht etwa daa 
urslav. tort ist, sondern wie oben S. 306 erklärt wurde, aus torot ent- 
standen ist, 80 daß es den übrigen Gruppen eigentlich viel näher steht 
als es auf den ersten Blick scheinen möchte. Wäre dagegen tort, iärt 
ursprünglich, so könnte es sehr schwer mit den anderen Formen in Ein- 
klang gebracht werden. Beispiele: b&rdia ,FurcheS r. harwdA; ehdma 
.Nahrung*, aksl. ehraniti ,be wahren*; gord ,ScbloßS r.g&rodb ,Stadt'; gareh 
,Erbse', r. goröeh»; korvo ,Kub*, r. koröva. Auch hier müssen wir die 
Dehnung, also ein tart Toraussetzen. Ein betontes a wird zu o und ein 
unbetontes meist ebenso. Nach dem Tone hat sich mitunter das a noch 
erhalten und so finden wir hier neben gord ganz richtig ein vSgard 
ipgradh). Auch das oben erwähnte Mma gehört hierher und spricht ent- 
schieden für die einstige Dehnung. Das a hat sich hier noch erhalten. 
Warum die Gruppe torot zu tort^ tart nicht zu trU führte, erklären uns 
wohl Worte wie partd neben prid^ pör, das fast ausnahmslos für pro 
steht, kirai ,Blut^ i^y\ ^ri ,drei' u. s. w. Wenn auch die Gruppe Kons. 
+ r häufig vorkam, so wurde sie gelegentlich doch gemieden und das 
erklärt uns wohl, warum trat, trat im Folab. nicht aufkam, während tlöt, 
tiat möglich war. Die Gruppe tört, tart war nun wohl infolge der innigen 
Berührung mit dem Deutschen möglich. Es ist schwer zu sagen, ob 
hrüda der Beflex auch einer <rot-Bewegnng im Polab. ist oder ob es als 
ein Lehnwort aus einem benachbarten Dialekte mit trot aufzufassen ist. 
Daß hier ein o und nicht & (a), also ö vorkommt, spricht entschieden für 
letztere Annahme. War das r infolge eines nachfolgenden palatalen 
Vokals erweicht, so scheint es, daß es sich dann eher bei seinem Kons, 
behauptete imd sich mit ihm überhaupt verbinden konnte, daher hrig, 
trtda u. 8. w. (also bei ttrt). Erst später ist eine Verhärtung eingetreten, 
wofür partd neben prid und t^iri spricht. Da war aber schon t«rt zu trH 
geworden. Polab. gehörte demnach zu jenen Sprachen, in denen in 
unseren Fällen die Dehnung eingetreten ist. 

KaSub. Das anlautende olt, ort gibt zu Bemerkungen keine Ver- 
anlassung. Tert wird zu IrH {tret) und dieses lautet häufig zu trot um: 
przed ,vor*, p. prtod; strzoda «Mitte*, strz^ni «mittlerer*, p. irtoda, irtodni. 
Dasselbe bemerken wir bei t^U, das neben tlet auch zu tlot werden kann; 
dieses wird dann mitunter so behandelt wie das Hot aus toU: vlee, vlokii, 
p. toleCf wlek^ {wlok^; plüovä ,Spreu*, p. plewa. 

Urspr. toU wurde zu tlot: giova ,Kopf (p., ns. giowa, ob. Mowa); 
gidd, glode ,Hunger<, darneben auch ^/dy^ glüoda (Mikkola), p. glod^ giodu. 

Merkwürdig ist wieder das Besultat bei tort. Bis jetzt haben wir 
hier überall die Metathese ohne Dehnung, also wie im F., beobachtet. 



312 

Dementsprechend erwarten wir aus fort ein trot. Das findet sich wirklich 
und zwar haben wir Worte, die ausschließlich trot aufweisen, wie hrög 
,Soheune, Schober^ droga ,Bahn*, groeh ,Erbse* u. s. w. (im Ganzen etwa 
17 Worte). Daneben hat aber Baudouin de Courtenay mehr als 80 
Worte mit tart, tort zusammengestellt, denen allerdings in den meisten 
Fällen Nebenformen mit trot zur Seite stehen, z. B. parg (Mikkola p9rk) 
neben prdg, p. prSg, ns. prog ,8chwelle^; gard m., garda f., p. gröd^ ns. 
grod ,Burg, Schlofi', in Westpreufien ist grö^ vorherrschend, in den Orts- 
namen haben wir nur -gard^ -garda, Bamult hat die Gruppe iart als 
einen der charakteristischsten Züge des Kai. herrorgehoben (Siownik 
JQsyka pomorskiego czyli kaszubskiego, 8. XXXYI); er meint, daß sie 
einst zweifellos in ganz Pommern allgemein gewesen sei. Und so war 
man geneigt anzunehmen, daß die jetzt neben dem tart die Gruppe trot 
aufweisenden Wörter p. I^hnwörter w&ren, die das KaS. freilich dann in 
großer Menge aufgenommen hätte und welche sogar sehr häufig die ein- 
heimischen Wörter verdrängt hätten (vgl. Baudouin de Gonrtenay, Zmnp. 
1897, Maiheft 8. 113--120). Wenn aber in allen übrigen Fällen die 
Metathese einfach ohne Dehnung auftrat und zwar ausschließlich, also 
wie im F., bei tort zwar auch, aber mit Nebenformen, so folgt für mich 
daraus, daß nur trot dem KaS. eigentlich angehört. Wenn wir im Polab. 
ein tort [tarC) fanden, sonst aber — bis auf einen einzigen Fall — kein 
trot, so ließ sich dort dafür ein halbwegs plausibler Grund finden, der 
hier im KaSubischen bei Vorhandensein von Nebenformen mit irot aus- 
geschlossen ist. Ich glaube demnach — ähnlich hat sich Übrigens auch 
Jagiö ausgesprochen (Afsl. Ph. 20, 8. 42) — , daß den KaSuben nur die 
Formen mit trot zukommen, daß aber ein dem Polab. verwandter Dialekt 
angrenzte, dem das iart, tort zuzuschreiben ist. Das tart entsprach dem 
polab. tort und gebt auf ein gedehntes tört zurück. Da es aber ein 
Grenzdialekt war, so machten sich schon in demselben auch Formen ohne 
Dehnung geltend, die ja auch dem KaS. und P. ausschließlich zukommen, 
und der Beflex derselben ist tort. Es ist Übrigens auch möglich, daß in 
vielen Fällen tort eine Kompromißform aus tart und dem kaS. irot (oder 
noch älter t^ot) ist. Da dem KaS. darnach eigentlich nur die Formen 
mit trot zukommen, so ist es in Ordnung, wenn es pommersche Namen 
mit trot aus tort schon aus dem VIU— IX. Jhd. gibt. 

Auf Grund dieses so wichtigen Merkmales müssen wir das KaS. in 
>eine nähere Verwandtschaft zum P. als zum Polab. bringen, wofür 
Übrigens auch noch andere Tatsachen sprechen. Diese Ansicht ist frei- 
lich vielfach bekämpft worden, vertreten wird sie dagegen neben anderen 
auch von Brückner (Afsl. Ph. 21, 8. 62—78). 

8orbisch. Hier sind die Verhältnisse so ziemlich wie im P., d. h. 
es kommen hier keine alten Dehnungen vor: os. krötki, ns. krotki ,kurzS 
p. kr6tki, b. krdiky; os. proh ,8chwelleS ns. prog, p. prög, b. präh. Auch 
bei urspr. tort, t€Ü. Über ns. kiaj u. s. w. siehe weiter unten. 

Die ort-, tort- u. s. w. -Gruppe wurde in letzterer Zeit mehrmals be- 
handelt, 80 von Tore Torbiörnsson in BB. 20 (1894), 8. 124—148, 



313 

dann selbst&ndig: Die f^emeinslay. Liquida metathese. L Upsala. 1901 
und II. 1903. Diese Arbeit ist insofern wichtig, als sie ein reichhaltiges 
Yerzeichnis der hieher gehörigen Wörter enthält. Die theoretische £r- 
klftmng dieser Fälle ist jedoch nicht richtig. Dagegen einmütig Jagic 
Afsl. Ph. 20, 8. 48-58, Solmsen, ib. 24, 8. 668-579, Verf., ib. 25, 
8. 182-211. 

Erweichung des r, l; das f. Ein rj, Ij führte zu r^, V 
(geschrieben auch mitunter rj, IJ), d. h. die Laute wurden er- 
weicht, z. B. Part. Prät pass. zu razoräi ^zerstören' lautet razor'em 
^zerstörl^ (geschrieben auch: riizarjem). Aus ^rcufori-em (nach 
vedem u. s. w.) entstand zunäx^hst ein ^razori-em, das zu *ra- 
zorjem, razw^em führte. Ebenso zu vclüi ,wählen^ ein vol'enb 
{voljem) jgewählt'. 

Wo kein j vorlag, konnte ursprünglich auch keine Erweichung 
stattfinden. Auf C^rund der Dekl. oder Eonj. läßt es sich in der 
Regel leicht bestimmen, ob sie in einem bestimmten Falle vor- 
liegt oder nicht, so weit es sich um ein Subst oder Verbum 
handelt (in den Denkm. bleibt sie nämlich nicht selten unbe- 
zeichnet). 

In den Silben ri, re, r^ li, le, Iq konnte selbstverständlich im 
Urslav. keine Erweichung eintreten, ebenso auch nicht bei ri, U. 
Einzelne slav. Sprachen machten aber einen Schritt weiter, indem 
sie auch hier dieselbe aufkommen ließen. Jetzt kommt das i in 
großr. und kleinr. Dialekten vor, ab und zu im Slovak.: zM, 
stfdal, im Sorb.: pfodny. 

In einigen slav. Sprachen führte aas erweichte r^ schließlich 
zu f (p. rz). Dieser merkwürdige Laut bereitet den Phonetikern 
große Schwierigkeiten. Sievers stellt sich das f so vor, daß er 
annimmt, an das r schließe sich ein deutliches vollständiges d an. 
Ähnlich lehrte auch Miklosich (Vgl. Gr. I*, S. 502: aus rj wäre 
rz und dieses wäre vor und nach tonlosen Konsonanten zu ton- 
losem ri; in beiden Fällen daraus ein r, das also auch zweifach 
wäre). Aus rj ist es nicht auf die Art, daß zunächst aus / ein 
i geworden ist, entstanden. Wie wir erwähnt haben, schlägt die 
vibrierende Zungenspitze bei der Aussprache des r, das im Slav. 
ein Zungen-r ist, an die Alveolen der oberen Schneidezähne. 
Bei der Aussprache des r haben wir es mit einem analogen Vor- 
gang zu tun, nur verflacht sich ein wenig die Vorderzunge (siehe 
über die weichen Laute 8. 266) und bildet eine kleinere Furche, 
so daß durch die auf diese Weise entstandene Spalte die Luft 



314 

ebenso entweichen kann, wie dies dem s oder z eigen ist. Daraus 
erklärt es sich, dafi nach r immer ein ^-Laut nachklingt und daß 
man, falls die Zungenschläge vernachlässigt werden, überhaupt 
nur ein ä oder z bekommt. Das ist namentlich dann der Fall, 
wenn der Luftstrom nicht stark genug ist, so daß keine Vibration 
der Zungenspitze eintreten kann. 

Kleine Kinder sprechen auch statt des r die erwähnten Laate, des- 
gleichen auch sehr häafig Fremde. Meist sprechen jedoch diese statt des 
richtigen Lautes ein ri (rl), darauf ist auch die falsche AufifaE^ung bei 
Sievers zurückzuftihren. Die Hauptschwierigkeit bei der Aussprache 
dieses Lautes liegt darin, daß die Zungenspitze vibrieren, die nachfolgende 
Zungenpartie aber gleichzeitig die Furchenbildung bewerkstelligen mufi. 
Die fremde Zunge yollführt häufig diese beiden Leistungen nicht gleich- 
zeitig, sondern nach einander, wodurch eben ein ri, aber nicht ein t 
ausgesprochen wird. Nach dem obigen kann das r tonend oder tonlos 
sein, je nachdem die Artikulation des i oder S bei der Furchenbildung 
vorwiegt. 

Eine im Ganzen richtige Erkenntnis dieses Lautes hat L. Dolansk^f 
angebahnt (Yöstn. S. prof. Jbg. 8, S. 251). 

Im P. ist der Laut auf die angegebene Weise, daß nämlich 
die Zungenschläge yemachlässigt wurden, zu einem ä oder z ge- 
worden: brztni = bzmi (b ist tönend, was die weitere Nuanzierung 
herbeiführte); grzmieS = gzmied; tworzy = tfozy; przy = päff 
(weil/? tonlos ist); tdiirz = tchuä, rzeka = zeka ,FlußS aksl. reka, 
mit einem Ansatz zur r-Artikulation. Auch im Ab. bestand der 
Unterschied zwischen tönendem und tonlosen r, wie durch die 
Orthographie angedeutet *wird. Daß femer auch im B, Be- 
rührungen zwischen z und r bestanden, ist nach dem vorge- 
brachten einleuchtend. Aus ab. rebro ,Rippe' entstand durch 
Dissimilation wegen des folgenden r ein zebro, das auch schon 
im Ab. vorkommt; darnach zebHk yLeiter'. Das tonlose f geht 
in 8 über: neäkuli aus ne-rldi-li (wegen des l) im Choden- 
dialekte (auch bei den Doudleben, hier auch pSiäera aus prtiera 
jGespenst'). 

Die ersten Belege des r im B. datieren aus der ersten Hälfte des 
Xni. Jhd. Ende des XIII. und Anfang des XIV. war es schon allgemein. 
Dem Slovak. fehlt der Laut (er kommt nur in den aus dem B. ent- 
lehnten Worten vor). Weiter kommt der Laut im Sorb. vor, wo er jetzt 
auch schon nuanziert erscheint (os. Arrttoy, ausgesprochen kiivy ,krumm\ 
ns. küwy. 

Dem r ging ein / voraus und dieses konnte entweder aus 
' -entstehen — und das ist das ältere gemeinslav. r' if) — 



315 

oder aus r vor weichen Vokalen: ursprüngliches e^j dann i, ^ 
(oder seinem Beflexe), i und t — das ist das spätere /; das sich 
erst in einigen slav. Sprachen entwickelt hatte, z. B. b. rku aus 
Meu, urslay. rtkq ,werde sagend 

Ein ^ brauchte aber nicht immer zu einem f zu führen, es 
konnte die Erweichung auch rückgängig gemacht werden, insbe- 
sondere in solchen Fällen, wenn bei H noch ein Kons, folgte. 
So finden wir im Ab. brde (aus hhtde, aksl. hredeth ,er durch- 
watet') neben hrde. So fanden dann vielfach Ausgleichungen 
statt Es heißt z. B. starec ,6reis' aus staHct, im Gen. Sg. sta'hca, 
das konnte zu starca werden, aber auch wieder zu skirca und von 
hier aus wurde der Nom. beeinflußt, so daß er auch starec heißt 
VgL im P. starzec, aber siarca. Zu äir^, Hroky ,breif lautete 
der Komparativ *HHH, ab. HrH, aber auch HrH, das jetzt all- 
gemein ist Ebenso im P. jetzt szerszy. 

Es kommt nicht selten vor, daß ein neu aufgekommener Laut die 
Grenzen seiner Berechtigung überschreitet. Das galt auch von r, wenn 
gewisse fordernde Momente hinzutraten. Im B. geht manchmal pr in pr 
über und zwar vor harten Yokalen, z. B. ab. pr$c (das « ist nicht ur- 
sprünglich Tgl. prye\ aber selbst auch pric, dann kUrÜ st. kteryM; Mparii, 
riM st. iporyiy rfX; ricHi (auch jetzt noch riceti) neben ryeei u. dgl., aber 
immer finden wir ryk (Subst.). Es scheint also, daß der nachfolgende 
weiche Laut nicht ohne Einfluß auf diesen Übergang war. Einige mal 
auch in kr, ehr s. B. ehrtdn, krtdn neben hrian, ehrtan »Luftröhre, Gurgel*, 
p. auch krsloii ,Adamsapfel' neben krtaii, r. gortant, aksl. grüanb. Wenn 
im Ab. yereinzelte Fälle vorkommen wie przoMtrtyed statt des erwarteten 
proitrid ,in der Mitte*, prto hrzyeehy st. pro ..., so kann man annehmen, 
daß hier zumeist wohl Schreibfehler Yorliegen. Es kann nur zugegeben 
werden, daß sich im B. auch Spuren jener Begel yorfinden, die wir im 
Sorb. kennen lernen werden (vgl. Gebauer, I, S. 346--348). 

Auch im Poln. setzt das rz natürlich ein / voraus, das sich 
unter analogen Verhältnissen wie im B. entwickelt hatte. Man 
nahm an, daß hier das / in der zweiten Hälfte des XII. Jhd. 
in rz überging und zwar soll dieser Prozeß am frühesten in den 
mazovischen Dialekten begonnen haben (Baudouin de Courte- 
nay: O drevne-polsk. jaz. S. 63—54 und 97). 

Das kaS. f unterscheidet sich vom b. r und p. rz und ist 
nach Bamult eher als eine Kombination von r + z, bez. r + i 
au&ufassen; darin höre man mehr das z, bez. J als r (Stownik 



1. Yor einem aus » entstandenen e geht das r nicht in r, r über, 
z. B. b. rei ,Lippe' aus r»^», Instr. Sg. bratrem aus bratrzmb u. s. w. 



316 

j^z. pomorsk. S. XX VU). Das ist jedenfalls auch als eine Ent- 
artung des uispr. f aufrafassen, indem es an die Art erinnert, 
wie der Fremde das f ausspricht Es steht jedenfSedls näher dem 
polnischen rz. 

Merkwürdig gestalten sich die Schicksale des r im Sorb. in jenen 
Fällen, die an unser f erinnern, oder damit in direktem Zusammenhange 
stehen. Das r wird hier nicht wie im B. u. s. w. immer tot j\ urspr. «, 
^ I, t, ft erweicht, sondern nur in den ursprünglichen Gruppen kr, 
pr^ tr. Dafür findet aber die Erweichung im Niedersorb. in diesen 
Gruppen vor allen beliebigen Yokalen, also auch vor harten statt, was 
jedoch aus einer späteren Zeit datiert. Die erste, allgemeine Erweichung 
ist älter. Sie bestand darin, da£ in den erwähnten Gruppen Tor einem 
J oder vor einem weichen Yokal das r, wohl nicht in ri und rS*, wie 
man gewöhnlich annimmt, überging, sondern zunächst sn r wurde, woraus 
sich weiter im Os. ein « (geschrieben wird allerdings noch r) im Ns. 
ein d entwickelte. 

Yor harten Yok. geht im Ns. in den erwähnten Gruppen r in « 
über; dieser Wandel trat später ein und er ist desto jünger, je mehr 
wir uns gegen den Nordosten des Sprachgebietes nähern (Mucke S.230). 
Wir erhalten demnach folgende Schemata: 
Urslav. kri pri tri 

Os. ^1 pii Ui (geschrieben jedoch kri, pri, iril) 
Ns. kdi pii Ui 
z. B. OS. pri (spr. pii), ns. pii ,bei*; os. tri (spr. Ui), ns. Ui ,drei'; os. 
preciwo (spr. pieeivo), ns. pieiiwo ,gegen'; os. kkgtre (spr. -ii»), ns. ehyUe, 
b. ehytre Adv. ,ge8cheit'. 

Dagegen ns. kiaf os. kraj ,Land' 

„ kioeyi „ kroeid ,8ch reiten* 
„ Jutio „ jutro ,morgen* 

Der erste allgemeinere wie auch der letztere ns. Lautwandel kommt 
nur in den urspr. Yerbindungen kr, pr, tr und zwar hier überall vor. 
Sind sie nicht urspr., bleibt das r unverändert, also z. B. bei tart, tert 
wie im os. priki, ns. prjM, b. prik^f ,der Quere nach, zum Trotz'. Eine 
Ausnahme bildet im Os. pre, pred, prez, im Ns. pie, pied, piwt, 

Mucke ;neint, der Übergang von r in den «-Laut könne nicht vor 
ungefähr 1300 eingetreten sein. Damals mufi aber das r in kr, pr, tr 
jedenfalls schon eine nnanzierte Aussprache, die also sehr alt war, ge- 
habt haben, da sich ja diese Gruppen irgendwie unterschieden von jenen, 
die erst entstanden, wie in dem erwähnten os. pr}^, ns. prjiki. Jeden- 
falls können wir voraussetzen, daß sich aus dem r nicht direkt ein « (i) 
entwickeln konnte (vgl. Leskien, Afsl. PhiL I, S. 168 und 18, S. 94; 
Yerf. ib. 25, S. 206-208). 



1. Aus Schreibungen wie nutrsehayichego ,des inneren* und dgl. kann 
man nicht auf ein ri oder rS ohne weiters schließen, denn so wurde auch 
das r im Ab. häufig geschrieben. 



317 

Sonst ist das / in allen anderen F&Uen, wo es yorhanden war, aaf 
dieser Stnfe meist geblieben, ist also nicht zu r geworden, z. B. Imper. 
war (spr. OS. varj, ns. vair)\ insbesondere in den Suffixen -ar^ -er (z. B. 
08. zbirar ySammler*, -^rka, ar-f^a a. s. w. 

Fremdes r, l wird im Slav. häufig auch erweicht: aksl. c^aH 
yKaisei^, b. char; aksL Uizarh, ab. Lazar neben Lazar; ab. mistr, 
nb. mistr, ab. Trff- ,Tiiei^; aksL avd'h ^AheV u. s. w. 

Wandel und Stellungsänderung der Liquida r. Ihr 
Verlust In der Gruppe H geht lucht selten in der b. Volks- 
sprache r in c2 über (das Rollen bei r wird, da ja bei folgendem 
l der Zungensaum lateral vibrieren soll, aufgegeben, wodurch 
leicht ein d entsteht, wenn also das r nur mit einem Zungen- 
schlag ausgesprochen wird): KadlOc statt Karlik zu Kard ,Karl', 
ebenso KadUöek (auch als Nom. pr.); pedlik st perWc ,Schlag- 
hammer^. 

Antizipation des r: aus po-vraz (zu verz, varz- vgl. auch 
aksL pthwislo aus *paverzdo) entstand im Ab. zunächst pr<hPaz, 
dameben bestand aber immer noch weiter die Form pavr(iz, 
durch Kontamination entstand dann aus beiden ein pravraz, das 
im Ab. auch vorkommt; jetzt nur pravaz ,Strick^ slovak. aber 
noch povraz. Aus po-stranek ,Zugstrang^ entstand prthgtanek 
und auf die angegebene Weise pro-strandc, das sich jetzt noch 
behauptet; neben dem schon erwähnten pa-vHslo ,Grarbenband^, 
aksl. povreslo ,Band, Strick^ kommt auch dial. pr<mido und pr(h 
vUHo vor. Jetzt noch b. prostfed ,in der Mitte' aus p(h9rddi, 
ebenso prostredek ,die Mitte'; die Übergangsstufe pro-sid kommt 
im Ab. auch vor. 

Nacb Miklosicb, der in b. rdoutiti .würgen* (Etym. Wtb. S. 54) 
und rmoutüi ,trüben* (S. 190) die Yorsetznng eines r an dtMiti, bez. moutUi 
annahm, erklärt auch Gebauer dieses r (I, 8. 352—353), allein es ist 
lautlich unmöglich. Wir haben ein hrdlüi^ hrdlovaii ,würgen' von hrdlo 
,Hal8, GurgeP, dann auch ein hrdUnuiii, hrdousüi. Es liegt also eine 
Yerquickung von hrdlüi {hrdlo) und duaüi vor, welche *hrdlo-dunt% lautete; 
daraus hrdlousiti, hrdousüi, rdottsüi. Aus hrdousiU entstand auch durch 
andere Beziehung dial. ehriousüi. Im Ab. kommt nur muitti |,trübenS 
mutöi M «sich betrüben* und tnut, zd-muUk yor. Die ältesten Belege für 
rmxU, rmouUti »e reichen zum Anfang des XV. Jhd. Nun ist zu beachten, 
daß in der späteren Periode des Ab. kormüi (oder als kormüff Gen. -ti 
zu lesen) ,der betrübt ist* (Gebauers Slomik staroö. II, S. 106), das 
uns schon für damals ein kormoutiti (kormütäi) bestätigt, yorkommt. 
Dieses Wort dürfte mit dem d. Jutrm, mit dem das slay. 9ram9 ,Schande* 
aus *sorm etjm. verwandt ist, in Znsammenhang stehen. Ein deutsches 



318 

A zeigt Bich zwar im B. als h oder eh, ist aber ein r in der Nähe, so 
können diese Lante in k Clbergehen vgl. b. mrkw, ahd. morha, mhd. 
mörhe; aksl. choro^tfy vgl. got. hrunga ,Stange', b. aber karouh&v ,Fahne'; 
sloyak. Korhel ans Chorherr u. s. w. Ans kormoutüi and mouiüi, das 
fibrigens ancb schon im ersteren enthalten sein kann, ist dann ein 
rmoutüi erschlossen worden. Analog ist aus kuM ,KegeP dial. krvM 
entstanden (vgl. kruh ,Kreis, Bing, Scheibe*). 

Während eine Vorsetzung des r durchaus unwahrscheinlich 
ist, kann dagegen dasselbe bei Konsonantengruppen abfallen, z. B. 
dial. t%d aus rtui jQuecksilber*; dial. za st rza Gen. von rez 
^Rjo%\^. Auch im Auslaut: ab. tichoviet st. tichovidr; vodoviet st. 
vodoviefr u. s. w. 

Aus sr und zr ist str und zdr geworden vgl. S. 279. 

Liquidadissimilation. Sie ist verhältnismäßig sehr häufig 
(nach Brugmann gab es schon eine ursprachl. Vertauschung 
von r und l, Kurze vgl. Gr. S. 117). 

Sie kommt insbesondere vor, wenn zwei aufeinander folgende 
Silben ein r oder l enthalten. So kann aus r + r (f) ein Z + r 
werden: aksl. Gligori st Grigore (Mikl. I», S. 212). Auf Bl. 
181a nennt sich der Schreiber des berühmten für Miroslav ge- 
schriebenen Evangeliums Gligort und ein 2. Mal Oligorije (auf 
Bl. 179b dagegen GWjrory); ah.alcypriest aus erzepriester (mhd.); 
dial. b. fcUdr neben farär jPfarrer*; leßhar neben reßhar jReiter* 
(Reitherr?); alk^ neben ark^ mhd. ,Ärker'; lejstra, lejstrik aus 
dem lat registrum; legrace aus recreatio; lichtdr neben riehtdr, 
ahd. rihtäri; koliandr aus lat. coriandrum (Pflanzenname); vgl. 
r. kolidör aus korid&r jKorridor*. 

Es kann aber auch das erste r ausfallen: b. puikvorec aus 
d. Brustumrz; Bedrich aus Friedrich, Frederich; ätemherk aus 
Stemberg; Ortsname Chabry aus Chrabry, wo übrigens das r 
noch belegt werden kann; mozdir, slovak. maziar, ahd. marsäri; 
vgl. auch kaprdl aus Corporcd. 

Seltener wird r+l daraus und zwar in einheimischen Worten: 
b. krepel, kfepeUea ,WachtelS slovak. und s.-kr. prepdica, r. da- 
gegen: pereperb, bg. prcperica, ^.przqnora aus *perper; r. pnUubb 
aus prörubt , Wuhne'; in Premdworten: slovak. korhel jSäufer' 
u. 9. w. aus Chorherr. 

Auf dieser Dissimilation beruht höchstwahrscheinlich auch 
die Entstehung des urslav. Suffixes td- aus -ter-, zunächst in 
Worten wie zrbtd^t jOpferer*, oraid'h jorator*. Von hier aus: aksl. 
deUxtd't jArbeiter* u. s. w. vgl. im Griech. doxriq u. and. 



319 

Vgl. auch die abgeleiteten lit Verba wie hrsteriu, kSrstdiu 
^ch tue einen kleinen Hieb'. 

Weiter gehört hierher ns. rjdbd = rjabef, b. reVr, zebrlk 
Jjeiter*; rjohlo — rfobro, akd. r^o ,Rippe*. 

Wie uns b. zd^Hk ^Leiter* zeigt, ist aus r + r ein i + r ge- 
worden: b. zdn'o jlÜppe* aus älterem rebro und dazu gehört rAHk; 
aber auch umgekehrt aus zerdb vgl. lit. gerv4, gr. yiqwog ent- 
stand reröh und jeiräb. 

Aus l + l kann ein r+l werden: dial. hört man b. verbloud 
st velbloud ,Eameel' (Ö£Mus. 1864, S. 52), womit das kh*. ver- 
Ujud zu vergleichen ist, p. tvidbiqd, aber lit. wieder verhliüdas 
neben velbliüdas. Vgl. auch lit. stnarktilis neben smalktilis dem. 
von smaSctaa ,dichte Stelle im Walde^ 

Hierher möchte ich auch das im Slav. verbreitete krikh ,cla- 
mor', kridati und kriknqti ,clamare' rechnen. Dameben aksl. 
auch Miknqti, klicati, Hikb, klidb, slov. klicati, bg. Mikam, s. kli6i 
,rufen wie die Vila', r. klikntUb, klikath, klikh, klidb. Damach 
wäre das l hier älter und das r in solchen Formen wie Part 
Prät act. n kli&alz, kliMh u. s. w. zuerst aufgekommen, also: 
kridcdb. Dafür spricht auch das lit klyikti, klykiü ,schreien', dann 
kljkaujUf klijkauti dass. 

Ein l + r liegt im b. diaL liniär aus Lineal. 

In entlehnten Worten kann auch eines der beiden l schwinden : 
kudla aus cuUdlus; Vilhn aus WUhelm. 

Es sind noch andere Kombinationen möglich; so wird aus 
r + i ein r + r: b. dial. Rozdrka aus Bosalie; 

aus l + r ein r + r: dial. b. korovrdUk aus kolavrdtek 
,Spinnrad'. 

Zahlreiche Beispiele üher diese und ähnliche Diss. aach aus allen 
slav. Spr. hei 0. Hujer: Dissimilace souhlasek v Seit. (Frogr. des akad. 
Gymn. in Prag Nr. 41). 

Sonst kann in einzelnen Fällen aas / ein r und umgekehrt werden; 
im ersten Falle wird der Verschluß der Zunge nicht lateral, sondern 
coronal eröffnet, im zweiten umgekehrt: h. dial. mocdr st. mocäl ,Mora8t, 
Sumpf'; mrhavy cos ,neheliges Wetter* st. mlhavy 6. 

Nach diesem Prinzipe wird man aber nicht das lit. gaftas «Schall, 
Ton, Stimme* mit aksl. gUut aus *goho- ,Stimme, Schall* zusammen- 
stellen können; letzteres gehört zu ahd. gk'Uan ,schreien, laut tönend, 
gellen' und galan ,singen*, vgl. auch Naehti-gall (vgl. Siebs, KZ. 37, 
S. 299 ff.). Brugmann denkt bei gla$z weiter an lat. gaUuSy dessen U 
auf U zurückgehen könnte (Grundr. I*, S. 783). 

/ wird / Auch auf dem b. Sprachgebiete geht das / inj über. 



320 

Wir mochten es am ehesten bei weichem / erwarten, es handelt sich hier 
aber auch um das mittlere /.* nejui aus nska, nslze (mähr.) ,non licet*; 
allgemein b. ist jüek für lolium (Pflanzenname); aus Salear (nom. pr.) 
wurde Bajear (Geh au er I, S. 365). 

Auch im Bair. findet sich sehr häufig t für /, was auf palatales / 
zurückgehen soll: •nieh, h&itn für gokh, Halm (Storm, Engl. Phil. S. 66), 
Tgl. auch in Osterr. Kaibl für JTai&Z, JFaidl u. s. w.; griech. kret. fMOtvQ 
»Zenge* aus *fiaX*tvQ f^T /idgtvQ (Brugmann Vgl. Gr. 8.119); ital. /raac«r« 
u. 8. w. 

Über das s. IjeUjon^ aksl. jelwb ^Hirsch', dann das dial. len für jen 
(im Sloyak. dafür auch hm und Ijem^ so auch bei den Lemken) ist oben 
8. 286 gehandelt worden. 

Verlust des L Im R, P. und B. fallt das l des Pari 
Yt&i. act. II nach Kons, im Nom. Sg. m. ab. Wir haben schon 
im Ab. Belege wie vyved st vyvedl. In der Schriftspr. wird es 
im B. jetzt noch gebraucht, aber nicht in der Yolksspr. 

Im Ab. auch im Gen. PI. der Substantiva auf -la, 4o mit 
vorhergehendem Eons.: Gren. PI. mod für modl zu mocUa ^Götze^, 
ebenso byd neben bydl zu bydlo ^Wohnung^. 

Vgl. auch b. zrcdtko, zrcddko aus zrcadUco ,Spiegelchen^, 
uöednik aus uüedlnik ^Lehrling^; dial. mynär für ndyndf ^Müller^. 

Sporadische Veränderungen des L Vor h kann l zu 
m werden: diaL b. vembloud, mähr. dial. vemhUd st vdbUmd 
^ameel^ 

In der Gruppe Ir wird d eingeschaltet: b. baldrian aus 
Valeriana (Pflanze). Über ndr aus nr siehe oben 8. 279. 

Die Nasale m, n, A {n oder nj). 

Da bei m durch die Lippen (bilabial), bei n alveolar durch 
den Zungensaum ein Mundverschluß gebildet wird, entweicht der 
Exspirationsstrom durch die Nasenhöhle. Verschiebt sich jedoch 
der Verschluß, den die Zunge bildet, von den Alveolen gegen 
den harten Gaumen zu und wird er dadurch bewerkstelligt, daß 
sich mehr die obere fläche der Vorderzunge an den Gaumen 
anschmiegt (Gaumenbedeckung), so hört man ein ?l (vgl. S. 266). 

Das m ist ursprachlich: aksl. mati ,Mutter', lit mote ,Weib, 
Ehefrau', ai. mata (vgl. S. 293); aksl. myät ,Maus', ahd. müs, lat 
müs, gr. fxvQj ai. fnü^-; aksl. m^o ,Fleisch', got mimz, ai. mds 
n. neben mqsäm; zemlja aus *zemji, *zemis ,Erde, Land', lit 
z&n^ dass. aus ^iemii, vgl. lat homo (aus hemo, in n^mo aus 
ne-hemo noch erhalten IF. 11, S. 334), humiM, gr. x^(^^^ r^^ 



321 

Boden^; aedtm ^ebentei^, ahd. sibutUo, gr. Vßdo^og (aus ^eßdfiog)^ 
lat septimua. 

Suffix -men' m.: katny, kamene ,Stein', lit akmü, akmefis, 
gr. axfiwv und n.: bröm^, bremene ^LastS gr. q>iQfia yLeibesfruchf, 
ai bhdriman n. ,da8 Tragen^ akcd. im^ ^ame', lat nömen, gr. 
ovofia. Suffix -mo- des Part Präs. pass.: vedotm geführt werdend', 
lit sükanMs ^gedreht'; in anderen Sprachen taucht -menth auf 
Ygl. gr. Tcvt^ofisyogy preuß. po-klaust-manas ,erhört^, daraus ist 
aber das urbalt-slav. Suffix nicht hervoi^egangen. 

Weiter einige KasasBuffixe, deren m in anderen Sprachen von hh 
nnd seinen Befiexen yertreten wird. Die »i-EndaDgen kommen den balt- 
slav. und germ. Sprachen za. Zunächst ist es der Instr. 8g. aller m. 
nnd n. Sahst., aksl. roko-mb^ ielo-tnb, «yitA-m», goitb-mb, kamenbtnbj 
slovesbmb u. s. w., nrspr. war es ein -mi, das im Lit. nur auf die t- und 
tf. Stämme beschränkt ist z. B. szirdimi, avi^ml, dangu^ml^ •ünu-ml; im 
Germ, nur Reste, z. B. ahd. zt houbUun ,za Häupten*, sonst in anderen 
Sprachen -hhi z. B. gr. U<pi, vav-<pt n. s. w. Ebenso beim Fron.: Instr. 
Sg. m. und n. aksl. töm», nrnord. paim. Weiter der Dat. PI. aller Sub- 
stantiva: roko-'mbf selomb^ rtfbatm^ kothrm, synbtnb u. s. w. aus -mo» (ygl. 
8. 138), lit. iakdms u. s. w., got. gtbSm, ahd. geböm (auch als Instr.). 
Dagegen ai. Vfke-bhyas, lat. avibus; auch beim Fron.: aksl. Umt^ lit. itm§. 
Der Instr. Fl. der a-St: ry5a-mi, der t-St: goHtmi, koitbmi, der ti-St.: 
Bynbmt, lit wMrgomU u. s. w., got. unäfam, ahd. toolfum, wolfom (auch 
als Dat., hier also auch bei den o-Stämmen), güföm u. s. w., ai. äivä-bhi^y 
vfke^hiH, Ebenso beim Fron.: th^i (für alle drei Gnenera), lit iomU 
fem. (masc. to7t). Schließlich der Dat. Instr. Du. aller St.: rokoma^ 
seloma, rybatna, ko$tbma, symma u. s. w., ebenso beim Fron.: thna^ bei 
dvoa: dbvhna, lit rätam^ raUko-m, dvi9m (als Instr. dvem). 

Die Endung der 1. P. Sg. der Verba ohne thematisch. Vok.: 
aksl. jeS'tnh ,ich bin^, da-mt ,ich werde geben' u. s. w. lit es-mi, 
ei-ml, gr. ei-/iit, elf/t u. s. w. Die 1. P. PL aller Verba: veze-tm 
,yehimusS wahrscheinlich aus -mos, wie im Lat. -rnua aus -mos; 
daneben -me aus *-m€8 und -my nach dem Pron. pers. -my ,wir'; 
ebenso im Aor. vezorm^ im Imper. vez^-rm. 

Veränderungen des m. Im Auslaut ging das m schon 
im Urbalt-slav. in n über: Akk. Sg. der o-Stämme urspr. auf 
-out; dieses wurde zu *'0n, dann *un und -^ z. B. aksl. vhkz, 
lit vilkq; ebenso beim Pron.: aksl. tö, lit. dial. tan, tSn, schriftlit 
t^f preuß. 8-tan ,den*, ai. td-m. Auch das silbische lyi wurde zu 
t^^: sbn-ßmh, dann als w nßmb aufgefaßt ,mitihm', ebenso wn-t7i 
,zusammenkommen' (ygl. weiter unten bei n). Dialektisch geht im 

1. ürspr. wohl nur vor Eons.: siii syn^mb zu sp symnib, 
Yondrfck, Yg;!. daT. Gnunm. I. 21 



322 

Slovak. auslautendes nt in n über: o ednon chudohnon ndinarevi 
st. ednam chudobnom . . . ^von einem armen Müller'. 

Manchmal geht sonst auch das m in n über: p. niediunedi, 
b. nedvid (schon auch im Ab.) gegen schriftb. tnedved, aksl. med- 
v^t jBär' (^onigessei^); p. ämiady und äniady ^hmutzigbraun', 
b. SfUdy st snUdijf aksl. 8mid^. 

Dial. wird mr zu br: b. brabenec , Ameise' st. des schriftb. 
mravenec. 

Yom nrspr. rm nimmt Pedersen an, daß es im Slay. zu rv ge- 
worden ist, wenn die yorangehende oder nachfolgende Silbe mit einem 
Nasal anlautete: aksl. prw^ ,der erste' nach prbVbMy es würde daher zu 
lit. plrmaa, nicht zu ai. p^rvas gehören; aksl. nrars (aus *noroo-] ,Cha- 
rakteV, russ. nravitt ^gefallen' vgl. ai. narmds ,Scherz*; aksl. mravij (aus 
♦mofT-) fAmeiseS vgl. gt. ftvQfirjS; aksl. ertvt>m und cnmtnt ,rot*, crhCb 
,Wurm* (vgl. Zubat:^ , IF. 6, S. 156), lit. kirmU, ai. kimif (lautgesetzlich 
wäre demnach crbVfui^ und (T»m- z. B. in slov. crmljak »Eidotter*; aksl. 
ndravh ,gesund* (aus *-doroo-), ai. sudharman (KZ. d8, 8. 872). 

Brugmann meinte, daß mn in den suffixalen Teilen in den 
idg. Sprachen teils erhalten, teils zu -m-^ seltener zu n geworden 
sei, gr. voiwiÄVog ^namenlosS aber aanBQixoq ,samenW. Die 
Änderungsbedingungen wären die Quantität der vorausgehenden 
Silbe, der Sitz des Worttones, auch die Artikulationsstelle voraus- 
gehender Laute (ai. bhünd, nicht *bhümä, wegen bh, das dissimi- 
latorisch wirkte, Kurze vgl. Gr. S. 111). 

J. Schmidt nahm an (Kritik S. 57 f.), mn werde im Slav. umge- 
kehrt als sonst im Idg. nämlich vor dem Akz. zu ft, nach dem Akz. zu 
m und so will Pedersen diese Begel auf imam» (KZ. 38, S. 348) an- 
wenden und es als *imnämi mit Fierlinger (KZ. 27, S. 559—560) ab- 
leiten. Die r. Betonung imamty imatb wäre älter als s. Imäm (= *iniämt>). 
Allein der urspr. Sitz des Akz. kann hier weder für noch gegen eine 
solche Erklärung entscheiden. Es gibt jedoch andere Momente, welche 
gegen sie sprechen, wie wir sehen werden (siehe bei der Bildung der 
Verbalstämme). Übrigens anerkennt auch F., daß mn teils mit n, teils 
mit m alternierte, es sei aber nicht sicher, daß es vom Akz. abhängig 
gewesen sei. 

Die wenigen Falle, welche halbwegs sicher sind, scheinen 
dafür zu sprechen, daß im Slav. mn meist zu n führte: aksl. koAh 
,Pferd' neben russ. könumt. Wollte man es mit kobyla ,Stute' in 
Zusammenhang bringen — was wohl auch berechtigt wäre — , 
so müßte man von *kobnjo ausgehen. Nun führte aber auch 
pn und bn ohne Bücksicht auf den Akz. zu n, wobei jedoch viel- 
leicht mn als Zwischenglied fungierte. Weiter gehören hierher: 



323 

aksl. tina, r. Una Schlamm' neben skaL timino, HmSntje ^Schlamm^; 
b. oehmauti ^ahm, starr werden^ aus ochrmnouti zu diratm yUhm^; 
r. grjanuU Järmen^ zu gremett. AksL Unt wohl aus ^temnis 
^Schatten' (vgl. BB. 29, 8. 173); aksl. ttmq ^ch haue, spalte", b. 
tnu u. s. w.y gr. xa(xv0 ,ich schneide" aus ^tijifuh, ar. aber auch 
twnät ,er haut", wo das m aus den aorist Formen eingedrungen 
sein kann vgl. gr. era^ov. 

B. sUna ,Sp6ichelS r. tljuna nnd $lina and b. dtmdk^ r. aUmaln 
«Schnecke* haben mit einander nichts zu schaffen ; bei t/tmoJb muß man an 
eine Verwandtschaft mit mhd. 9Um «Schleim* denken (vgl. auch Siebs, 
KZ. 87, S. 314). Es kann anch nicht daran gedacht werden, dafi das 
Snffix des Part. Präs. pass. vesom» a. s. w. aus meno^ mno abzuleiten sei, 
Tgl. gr. nv^fstvoe, lat. alumnut; es würde eher ein n ergeben. 

In späterer Zeit entstand aus mn (urspr. -mtn-) im B. dial. 
bn: plsebny ^schriftlich' st. pisemny. 

Dagegen scheint aus nm ein m (durch mm hindurch) ge- 
worden zu sein. Aksl. imq, imene aus *t^-fiien- (*^mgn), YgL preuß, 
emmch, emnes, gr. ovo^a; hierher wohl auch Dat PL Poljamz, 
Instr. Poljami zu Poljane ,Feldbewohner' (ein n-Stamm). Waren 
aber beide Laute geschützt (z. B. durch den Nom.), so konnte in 
späterer Zeit aus nm umgekehrt ein mn werden. Dem aksl. 
smbmb entspricht im Ab. snem (oder 9Aem), Gen. senma, senmu, 
dameben aber auch semna^ semnu, jetzt snim, Gen. mimu ,die 
Versammlung'. 

Das n ist ursprachlich: aksl. non ,NaseS ai. nas; ahdL mMa; 
aksL nebo ,HimmelS ahd. nebul ,Neber, lat nebula, gr. vig>og 
^WolkeS ai. ndbhas ^ebeP; aksL nesq »traget ai. ndaati, gr. hf- 
ysyMiy (Basis eneJc); dna ,PreisS lit kaina •Preis', gr. noirq ,Ent- 
gelt^y ay. kaSnä ,Strafe*; das SnfiBx {e)no des Part. Frst pass.: 
aksl. nesem ^getragen', 8^'kr^ven^ ^verborgen' zu sz-kryti; omzvem 
^abgewaschen' zu o-myti, im Germ, ono, eno beim Perfektstamm 
z. B. got bit^ans ^gebissen', got. tcaürßana, ahd. guwortan ,ge- 
worden'. Bei vokal. Wurzeln: (hdi-m ,umgetan', vgl. ahd. gita^n; 
drhzchm ^gehalten' u. s. w., ai. di-näs ^gebunden', bhinnda ^fissus'. 

Zu dieser Kategorie auch phm ,voll', lit pünas, got fuUs, ai. 
jpürnäs. Das Suffix -^mo-, urspr. -ino- zur Bildung der Stoff- 
adjektiva: zeleztm ,eisem' zu zelezo ^Eisen', lit äuksinas ^golden' 
zu duksas ,GoId'. Suffix -n» aus -nia: aksl. dlam ^flache Hand' 
aus *dolni8, wohl von doh ,Grube, Tal' (^andhöhlung' demnach); 
dant jGabe'; bram ,Kampf aus ^bamis, lit bamia ^Zank'; got 
siuns yGesicht^ aus *8euniz. 

21« 



324 

Seinein Ursprange nach ist merkwürdig das n, beziehungs- 
weise 9% in Präpositionalaiisdrückenwie at^ njego ,yon ihm^, in 
Kompositionen wie sm^i ,herabnehmen' u. dgL Man nannte es 
das euphonische oder epenthetische n. Es könnte auch beim 
Hiatus S. 179 behandelt werden. Vorausgesetzt muß werden, 
daß die PriLposition mit einem von ihr abhängigen Worte immer 
eine sprachliche Einheit gebildet hat. 

Wir haben nun mehrere Präp., die urspr. auf einen Nasal 
ausgingen, so insbesondere aksl. v^ aus th ^^ ^^^ Vokalen, lit. in, 
f (S. 138); 8^ ^V aus 9^, ht. su, gr. Sfxa (ebendort) und wahr- 
scheinlich auch In ,zu^ vgl. aL käsmai kam ,zu wessen Gunsten? 
für wen?' und r. mni-ko, mnika ,mif. Kam nun eine derartige 
Präp. vor ein von ihr abhängiges Wort mit yok. Anlaut, so wurde 
ihr Nasal zum vok. Anlaut gezogen, also aus *xf^^jemt entstand 
*^njemt, ^^'njemb, v-z-njemt ,in ihm*; ebenso aus *8vnjimt ein 
gb^jinm ,mit ihm^ Das n (nj) wurde dann irrtümlich zum Fron, 
gezogen und so wurden solche Formen auch nach anderen ein- 
silbigen Pmp., die kein n enthielten, gebraucht, daher dann oth 
njego ,yon ihm', do njego ,in ihm' u. s. w. Merkwürdig ist es, 
daß jemt, jimt ebenso behandelt wurden, als ob sie einen reinen 
yok. Anlaut hätten, was doch nicht der Fall war. Rein yok. war 
der Anlaut urspr. bei sz-ntmz yVersammlung', sz-n^i, szntmq ,ab- 
nehmen, wegnehmen*; vzn^ti, vinimq ,cayere*. 

Im Aksl. erscheint das n, nJ zunächst beim Pronomen i, Jego^ wenn 
es von einer einsilbigen Präp. abhängt, weil eben einige einsilbige Präp., 
wie wir sahen, den Ausgangspunkt bildeten, daher za ti/tm», os njb u. s. w. 
Es gibt freilich zahlreiche Ausnahmen, was sich übrigens auch bei anderen 
Worten, die von diesem Pronominalstamm abgeleitet sind, wiederholt: 
do-njbdeie neben do-ideie ,80 lange, bis*. Nach der Begel ist z. B. prSkie 
Jego (weil die Präposition zweisilbig ist); radijich ,ihretwegen* ; /lo arhiijieh^ 
,in ihrer Mitte* u. s. w., ebenso do Jego otbca. Weiter kommt es vor bei 
dem Verbum j^i ,nehmen* : rsn^i, «sfi^i, mzn^i neben r&z^r, so auch im 
B. vznUti und vzieti (ersteres ,suscipereS letzteres ,accipere*), vwiimaÜ^ 
s^nimati, itn^bje awtÖQla; 9^nbrm^ shUbmiile u. s. w.; bei i^t gehen: «aitiit 
,de8cendere', stniti «^ ,con venire*; vmüi ,intrare*, dagegen aber noch do^iti 
«erreichen, hinkommen*. 

Bei jadro ,Schwellung, Busen* zur W. ojd ,sch wellen*: aus vtn-idra 
entstand n^dra (aksl. bg. nidro, slov. nedra, s. nßdra^ klr. iMdro^ dagegen 
aus späterem v^n-Jadra ein njadra, b. hädra, nadra^ t.r^adro (vgl. S. 64). 
Bei qtrt: ranq^r» ,in8 Innere, hinein*, b. vnitr und dazu auch nitro ,daB 
Innere*. Sporadisch kommt auch vj^nuii ,in die Ohren* vor. Die ein- 
zelnen slav. Sprachen gehen dann in dieser Hinsicht noch weiter. 



326 

Erweichung der Nasale. Folgt den Nasalen ein j, so 
wird aus mj + Vokal ein mV + Vokal z. B. aksL zemlja (zemVa) 
jErde^ Land' aus zemia, ^femj^, was im Zusammenhange mit den 
Labialen p, b, v schon behandelt worden ist (S. 285). Das n 
wird dagegen zu lü erweicht, also analog behandelt wie die 
Liquidae r, l (TgL S. 313) z. B. aksL vonja (voiia) J>uft', Tgl. 
got m^nan ausatmen', gr. SvBfiog ^Wind', lat; animus, ai. dnüi 
,er atmef ; Part Prät. pass. na-phyem ^ffillf aus ^-phni-^m, 
*pltniem zu pltnüi ^füUen^ 

Aach hier moS mmn ontencheiden t. B. zwischen kam aus ^katifo- 
,Pferd' uBd dam ,6abe' ans ^danu {*dcm$). Im letsteren Falle ist im 
Urslav. keine Erweichang des n eingetreten, sondern erst später in ein- 
zelnen slay. Sprachen. Keine Erweichung des n trat auch ein im IJrslay. 
in den Silben m, im, ni, wohl aber später im Sonderleben einzelner 
Sprachen. 

Bezüglich des n mflssen insbesondere die Worte aksl. kMtga ^itera*, 
plor. fliber* und niva »Acker*, da sie es im Inlaute haben, henrorgehoben 
werden. 

Andere Veränderungen der Nasale. Mit einigen vor- 
hergehenden Vokalen ergaben m und n in bestimmten Stellungen 
f und q, worfiber S. 1141 

n kann m werden^ meist in Fremdworten: b. Mtkuläi aus 
Nikolaus^ b. fermez aus lat vemix, mhd. vSmis; kam aus dum; 
klr. Um (statt len, jen) bei den Lemken; ebenso sloTaL lem^ Ijem 
st. len — Jen, hier auch iem iavaryi st ten. 

Aus nb und np kann mb und mp werden^ wobei jedoch diese 
Gruppen bei einheimischen Worten sekundär sind: dial. b. hamba, 
schriftb. Jianba Schande'; Idemba st Idenba «Wölbung' ; allgemein 
b. brambar ,Erdapfel' aus bran(ijbor {Brandenburg); d^.pampdUr 
aus pan p&ter; ygL preuß. em-perri ,zusammen^ 

Bei der Gruppe nr wird ein d eingeschoben. Schon oben 
S. 269 f. haben wir b. pondrava jEngerling' und sIoy. pondräi, 
pandrem yiuimergere', bSoü pthnweti, h.vindra ,Geldstttck: Heller 
oder Pfennig' und andere angeführt; weiter noch b. Kandrdt, ab. 
kundrdt aus Konrad. 

Auch in zn wird d «eingeschoben: ab. hrozdn^ jetzt hroznp 
^schrecklich'; vgl. auch ksl. Ijvhbzdni st Ijubhzni (Miklosichy 
Vgl. Gr. I», S. 280), 

B. jetzt nur mrao ,8itte* (aksl. nravt) nach Hujer (Dissim. S. 11) 
aae nmirmv dissimiliert, dann auch ohne Neg. 

In m + n und n + m kann aus n ein / werden: r. malaäjfrt. 



326 

kr. moUtir (ans monastyr), 8üdb. laremd ^Eiesel' (kremen); p. lumer, 
b. dial. lumero (niimero), müigtrant (minütratU), JaroUm aus 
J€fVfiym» 

Der Ausfall der Nasale führte nicht selten eine Dehnung 
des betreffenden Vokals herbei: aksl. j^^n^ ^Geldstück'; pominqU, 
tint (siehe oben S. 117). 

Die silbischen Liqnidae r, l und Nasale 7t, v* 

Diese Laute reichen , wie wir sehen werden, noch in das 
Urslawische hinauf. Sie weisen anfänglich vielfach analoge Schick- 
sale au^ im weiteren Verlaufe ihrer Entwickelung ^ehen sie aber 
stark aus einander. Wir werden daher hier zuerst die Laute r> 
/ und dann n^i, t^ behandeln. 

Die silbischen Liquidae r, /. Vielfach wird angenommen, 
daß aus urspr. 5 / ^ Urbalt-slaT. ein ir, il und nur unter be- 
sonderen Umständen (Einfluß benachbarter Laute) ein ur, vi 
geworden seL Im Lit wären diese neu entstandenen Vokale 
geblieben, im Slav. dagegen zu »r^ «r, ü, ü geworden. 

Dftß im Urslay. noch »r, »/ gesprochen worden sei, zeige der Wandel 
Ton k^ g in e^ }i wie z. B. in aksl. ißrvnb ,8chwars*, prenB. hiruwn', aksl. 
Jtnny ^andmfihle*, lit. g\mo9^ gegen aksl. hnmüi ,nährenS gntiU ,Hand- 
▼oUS Tgl. lit. gurgulys ,Wirrwarr, Fäden*, grr. äyvQtg .Yersammlung*. Von 
dieser ti-F&ibang meint Brngmann, dafi sie yon der Natur der benach- 
barten liaute abhängig gewesen sei (insbesondere kämen labiale und 
relare Laute in Betracht) und daß sie schon wahrscheinlich in die uridg. 
Zeit hinaufgereicht habe (Grundr. P, S. 468, Kurze Tgl. Gr. § 206 und 
§ 185 Anm. 3). Die Idee, daß im Slav. »r, at u. s. w. anzusetzen sei, hat 
auch Leskien früher vertreten. 

Andere meinen, auch für das ürBlav. müsse man yon r, l 
ausgehen; so auch Federsen (EZ. 38^ S. 340). Er behauptet, 
nach dem Zeugnisse der Einzelsprachen lasse sich nur r, / (teils 
{-farbig, teils «-farbig) fürs Urslav. ansetzen. 

r und / als solche hätten, wie Baudouin de Courtenay nach- 
gewiesen habe, auf folgende Gutturale gewirkt: aksl. mfcati ,sich ver- 
finstemS r. mereäU neben aksl. mfknqfi^ r. mirhnuU; aksl. iioati «pulsare* 
neben ijkne^. Ein »-haltiges silbenbildendes f und noch mehr ein i- 
haltiges silbenbildendes / wären fiberhanpt ein sehr leicht sprechbarer 
Laut. Irgend eine Veranlassung, ein hin und wieder r — •*"""ri i — »^— I 
anzunehmen, liege also gar nicht vor, vielmehr hätten die slay. Sprachen 
in diesem Punkte ihrer altertümlichen Schwestersprache dem Lit. gegen- 
über ausnahmsweise das ältere bewahrt. In der neuesten (4.) Auflage 
«eines Handbuches schwankt Leskien. Entweder sei anzunehmen, dafi 



327 

nrslay. yor r, / teils ein hartes, teils ein weiches yokalisches Element 
stand (sr, rl oder »r, U), oder dafi zwar r-, ^Vokale yorhanden waren, 
aher zwiefacher Art: nicht palatal f, /, palatal f, ( (§19,11,1,8.32—33). 
Alle diese Deduktionen begegnen grofien Schwierigkeiten. Yerba 
wie mfcati, Unati beweisen nicht das, was sie beweisen sollten, weil es ja 
hier yiele Analogiebildongen gab, wir brauchen nnr an aksl. -mycoti z. B. 
in prhmyeati ,moyere*, s. nueati ,bewegen*, pri4yeaU ,comparare', vyeM 
jdiscere' u. s. w. zn erinnern. Und dann ist ja überhaupt dadurch nicht 
bewiesen, daß mfcaii gerade das nrsprfingliche ist und dafi nicht etwa 
ein ^mtreati vorherging. Der Akz. hat freilich damit nichts zu tun. Bei 
diesen und anderen analogen Erweichungen handelte es sich lediglich 
um einen yorhergehenden palatalen Vokal. Was nun Leskiens Alternative 
angelangt, so stellt uns ihr zweiter Teil yor ein neues Problem, da wir 
ja fragen müssen, woher die Erweichungen in einem angeblichen f, f 
herrühren? Was ging ihnen unmittelbar vorher, was hat sie hervor- 
gerufen. 

Von Verbis wie mrcati, Hcati u. dgl. müssen wir bei unserer 
Erklärung aus zwei Gründen absehen: es sind hier Analogie- 
bildungen im Spiele, und zweitens dürfen wir diese Erweichungen 
durchaus nicht auf gleiche Linie mit zLtitb, örtm u. s. w. steUen, 
das wäre ja ein prinzipieller Fehler. In ütl^b u. dgl. handelt es 
sich ja um die primäre Palatalisierung der Gutturalen, die ja 
älter ist als die sekundäre in mrtcati u. s. w. und wir müssen in 
diesen Fällen zunächst die ältere erklären. Um diese zu begreifen, 
bleibt nun nichts anderes übrig, als anzunehmen, daß den liquidae 
wirklich ein palatales vok. Element vorherging, ein Element, daß 
wir auch schließlich im lit finden. Dieses vok. Element wäre 
demnach sehr alt Es wird auch, wie wir sahen, in die urbalt- 
slav. Periode versetzt Diese Erklärung haben wir schon erwähnt, 
und die Sache wäre in Ordnung, wenn eben nicht neue Schwierig- 
keiten auftauchen möchten. Hinsichtlich des vok. Elementes be- 
merken wir nämlich nicht selten eine Diskrepanz. Wir wollen 
nur einige Beispiele anführen, wobei wir uns nur auf das r be- 
schränken müssen, da bei l die ursprüngliche Qualität des Vokals 
nicht immer ohne weiters ermittelt werden kann; das R., das 
vor allem in Betracht käme, versagt hier nämUch. So haben 
wir im lit. surbiü, surbti ,8augenS lett surbt, neben srebiü, 8rd>ti, 
lett strebt ,schlürfen'. Beide Vokalstufen haben wir nun auch 
im Slav., aber hier lautet der Beflex der ersten im B. serbdt^ 
ischlürfeu^, weißr. 8erba6, klr. vyserbnuty, das setzt also ein urslav. 
^8wrb nach der eben besprochenen Theorie voraus. Die andere 
Stufe haben wir in slov. srebati, b. strebati (aus *sreb-) ,schlürfen, 



328 

saugen' u. s. w. ygL noch gr. ^oq>iw (ion. ^vipita) ^schlürfen', lat. 
sorheo. lit. mirgiü jwinken^ lett mirgt, r. hdßt es aber morgdtb 
,blinzeln', morgnutb, margüm ^Blinzler^, klr. vymorhaJty ,duich 
Blinzeln erlangend — Preuß. kirscha yüber', weit häufiger als 
kSrsdia {kerscka), das nur zweimal Torkommt, ist die Schwund- 
stufe zum letzteren, das die e-Stufe aufweist. Diese liegt auch 
vor in aksL dris^, lit skersaa ^quer^ (vgl. Berneker, Die preuß. 
Spr. S. 158). Mit dem lit skersas stimmt auch m akzentueller 
Hinsicht r. direzh, sloven. 6r?z. Nun haben wir auch im Slav. 
die Schwundstufe. Sie sollte ^örts- oder örtz- entsprechend dem 
preuß. hiracha lauten (das z rührt von vbz-, izh, wahrBcheinlicher 
aber von dem gleich zu erwähnenden skvozi, urspr. war hier nur 
8, neben dem lit haben wir nämlich noch lat cerro ^Querkopf^, 
gr. irnyLaoaios ^schräg'), lautet aber b. skrze, skrz, bg. krzz, was 
alles also auf ein ^sk^rs-, ^akbrz- zurückgeht Nun haben wir im 
Aksl. auch ein akvoze, akozi ,d^^^ (aksh dazu skvozna, durch 
Dehnung skvainja ^foramen', r. skvazina ,Spalte, Bitze'), r. skvozUt 
^durchsichtig sein^ Davon wurde unser ^skbrz- beeinflußt, so daß 
daraus die Kontaminationsform r. skrozb, slovak. kroz, p. sieroä 
und andere analoge Produkte entstanden. Es ist auch möglich, 
daß sich hier der Einfluß eines einst im Slav. yorhandenen Wortes, 
das dem lit. akradzas ,durch und durch' entsprach, zeigt. Aber 
für uns ist es hier entscheidend, daß das b. ^ze und bg. krbz 
nur ein *(8)kbrz voraussetzen kann. 

Auf Unterschiede wie lit. türgus, lett tirgus wollen wir nicht 
näher eingehen; vgl. auch noch die Di£ferenzierung innerhalb einer 
und derselben Sprache: lit duriü, dütii ,stechen' neben dhrti 
,BAsen abstechen'. Die Abweichung wird mitunter auch dort 
bemerkt, wo sich das vok. Element nach der Liquida entwickelte 
(wegen anderer Formen mit vollem Vokal nach der Liquida, 
siehe weiter unten). So haben wir im Slav. gnuniti ,donnem' 
aus *grfnSti wegen grotm, lit dagegen grutninti ,leise und dumpf 
donnern'. 

Diese Abweichungen kann man selbstverständlich nur als 
einzelsprachliche Produkte erklären, es firagt sich aber wie? Es 
ist ausgeschlossen, daß sich die Abweichungen dann erst ent- 
wickelt hätten, nachdem schon ein vok. Element da war, daß also 
z. B. das Slav. ein *8ktrz gehabt hätte imd daß dieses dann 
nachträglich zu einem ^skbrs, *skhrz geworden wäre, denn dann 
müßten wir im Slav., sobald man von einem ^sktra ausgehen 



329 

möchte, ein *6w8 haben. Wohl aber begreifen wir diese Ab- 
weichungen, wenn wir im Slay. auch noch ein (8)lcr8 voraussetzen. 
Wir werden daher annehmen, daß sich die vok. Elemente als 
Begleiter der Liquidae erst auf slav. und lit Boden selbständig 
entwickelt haben. Damit stimmt eher auch, daß im Slav. yer- 
hältnismäßig viel häufiger ein w, iL vorausgesetzt werden muß, 
als im Lit das entsprechende ur, id. Für die Qualität der Halb- 
vokale war offenbar die Umgebung, insbesondere wohl auch der 
Klang der nächsten Silbe maßgebend. 

Auch im lit hat es also eine Periode gegeben, in welcher 
das Tf l noch silbisch war. Damit läßt sich nun auch die Er- 
klärung einiger lit Worte, welche Bezzenberger gab (BB. 3, 
8. 133—137) schön in Einklang bringen. Es handelt sich um 
lit stlma fijßhfj let siima, aksl. anma; stlrna kann nur auf *8rna 
zurückgehen, denn nur hier konnte t eingeschaltet werden. Weiter 
lit Ugas ,lang^, let ügs, preuß. ügas aus *dlgas, daraus ^Igas^ 
wie Ut süUu aus sodlas, eüüii aus *eidlüti u. s. w. Das i wurde 
dann wie auch sonst im lit behandelt und ergab ein ü, also 
Ugas. 

Es ist anzunehmen, daß schon im XJrelav. der Prozeß, nach 
welchem sich vok. Elemente (zunächst i und u, woraus t und ^ 
wurde) vor dem r, l entwickelten, durchgeführt wurde. Es wurde 
also hier eine Phase erreicht, in der das r, / von den vokalischen 
Elementen begleitet wurde. Aber man muß daran festhalten, 
daß in den Silben mit solchen Liquidae doch immer 
trotz der neuen begleitenden vok. Elemente als Haupt- 
träger der Silben eben noch die Liquidae fungierten, 
also etwa z. B. fofto, itjio u. s. w. Das war noch ein Über- 
bleibsel von der tri-, ^/^Periode. Dieses r, h das noch in den 
Gruppen t^, ttft xl s. w. herrschend blieb, war vornehmlich der 
Grund, weshalb diese Gruppen im allgemeinen anders behandelt 
wurden, als die Gruppen mit vollem Vokal, nämlich iart, iert 
u. 8. w. Als dann das r, l aufgegeben, dL h. zu r, 2 wurde, da 
führte ein itrt, tbrtj tut, tdt wegen der zu geringen Quantität 
des «, 9 in den meisten slav. Sprachen neuerdings zu iftf tj/t d. h. 
abermals zu einem r, /• 

ürsprachlich konnte das r> l l&i^g oder kurz sein. Bei f, 
J war die Entwickelung sonst nicht alteriert, nur die Tonqualität 
machte sich geltend. Die langen liquidae hatten eine gest Int., 
wie überhaupt einfitch lange Vokale oder Langdiphthonge: 



330 

aksl. znno, s. zrno ^ornS lit zimis ^ErbseS l&t. gränum. Kurzes 
f, l wies eine geschl. Int auf, wie in der Regel auch die Kurz- 
diphthonge z. B. aksl. vhlcb, s. vük ^Wolt, lit vHkas; aksl. örhrn^ 
s. cfn ^schwarz' u. s. w. In akzentueller Hinsicht bieten demnach 
Y, l und f, l dieselben Resultate wie die Kurz- und Langdiph- 
thonge, wodurch wieder eine Analogie mit der tort- und töri" 
u. s. w. -Gruppe erreicht wird. 

Bezüglich eines r^ / vor einem Vokal oder vor i vgl. aksl. 
ztretb ,er frißt^ aus *gurräi ,er verschlingtS ai. girdti, güati; dann 
mtrq, mweÜ (zu mräi) aus ^fnprq, *fnjreH u. s. w.; aksl. btrati 
^sammeln, nehmen' (Präs. berq, bereäi) aus *brrati iL s. w. 

In einigen Fällen, die spezifisch geartet waren, hat sich der 
Vokal i (u) nach r schon frühzeitig aus r entwickelt: rbkq ,werde 
sagen'; ab. brdu aus brtdq (vgl. oben S. 160). In der Vollstufe 
folgte nämlich das e nach r und das war für die weitere Ent- 
wickelung entscheidend. Vgl. auch das oben erwähnte grtmiti, 
lit. grumirUi. Hierher könnte auch aksl. rzzati, rzzq ,wiehemS 
b. ridti (nach rzü), p. r«a<5, rzed, wozu vielleicht lit eriilas ,Hengst*, 
let erzuks (also mit der e-Stufe), gehören. 

Die weiteren Schicksale des zr, tr, ^l, tl in den 
einzelnen slav. Sprachen. In den aksl. Denkmälern wird 
nach l, r iu diesen Fällen ein Halbvokal geschrieben und zwar 
scheinbar ziemlich regellos. Man kann aber doch noch Spuren 
einer älteren Graphik, die zwischen ^ und t hier zu imterscheiden 
schien und zwar im Sinne des R, das den Reflex des Halbvokals 
vor der Liquida erhalten hat, eventuell der anderen slav. Sprachen 
und des lit, wahrnehmen. Die Kiever Blätter, die im Ge- 
brauche der beiden Halbvokale so genau sind, haben r», It in 
Übereinstimmung mit lit tV; il: -srtdti, drtzirm, napltneni u.s. w. 
Leider kommt hier kein Fall vor, wo sich der Reflex eines älteren 
t^rt, tbÜ äußern möchte, sondern es sind hier nur Worte belegt, 
in denen schon urspr. das vok. Element nach der Liquida folgte: 
krbve, vzplztäi (vgl. Verf. Aksl. Gr. S. 89—90). Im Assem. 
vnrd nach r, l in der Regel « geschrieben und doch kommt hier 
noch dreimal zrwto vor, das wir eben infolge des r. zern6 und 
des lit zimis erwarten. Man beachte auch Schreibungen wie 
vt trtpenii Luc. 21, 19; rt sndtci Mat. 24, 48 u. s. w. in der 
Sav. kn. und in anderen Denkmälern. 

Die vereinzelten Fälle wie zbr^no, Ihrbd^mi, die Leskien in seinem 
Handb. (4. Aufl. S. 36) anführt, sind infolge der Zeilen trennung zu er- 



331 

klären: es darf nftmlinh keine Zeile mit einem Kons, enden und bo wird 
mitunter ganz willkarlich ein Halbvokal an den betreffenden Kons, an- 
gefügt (vgl. Verf. >0 mlav« Jana ex. balh. 8. 20—21). InSiepkins 
Aasgabe sieht man es genau. 

Es ist nun ausgeschlofisen, daß der Halbvokal nach dem r, 
l eine selbständige Oeltong gehabt hätte, da er ja nicht dieselben 
Schicksale erleidet wie jener, der schon von Haus aus in dieser 
Stellung war. In diesem Falle konnte nämlich ^ za o und t zu 
e werden, also wie auch sonst, z. £. im 61ag. Cloz. kravhjq aus 
krtvbjq von krtvb ^Bhiif, wie wir hier auch z. B. naö^oH ,An- 
fang^ Z. 626 st des älteren nad^kh haben. Das bemerken wir 
aber nie bei einem Halbvokal, der ein r^ / voraussetzt Nach 
dem r, l wurde also hier kein vok. Element ausgesprochen oder 
gehört Natürlich auch nicht vor dem t, l, denn sonst hätte man 
sich gewiß für eine andere Graphik entscheiden müssen. Ich 
glaube demnach, daß der Halbvokal nach dem r, l einfach nur 
bezeichnen soU, daß das 5 / entweder dumpf (mit %) oder hell 
(mit f>) ausgesprochen wurde. Sonst war eine Schreibung wie 
irtp tu also ohne ein vok. Element nach den Traditionen der 
griech. Graphik, imter deren Einflüsse man ganz stand, nicht 
mögHch. Daß sich dann verschiedene dialektische Abweichungen, 
Ausgleichungen u. s. w. geltend machen konnten, ist selbstver- 
ständlich. 

Wie imAksl. so hat es einst im Bulg. überhaupt ein f , / gegeben, 
woraus sich in rielen Dialekten neuerdings ein Halvokal und dann auch 
yoUe Vokale Tor oder hinter dem r, / entwickelt haben« Ganz analog 
yerhält es sich mit jenen Fällen, in denen der Halbvokal schon ursprüng- 
lich nachfolgte. Das f, / kommt aber selbst auch noch dial. vor (vgl. 
Afsl. Phil. 16, 8. 198). 

Im Serbokr. kam es einst auch zu einem f, f, das lang oder kurz 
sein konnte. Das f hat sich erhalten (in einigen kroatischen Dialekten 
aus i ein ar), während das / hart geworden ist, also eigentlich ein ?, 
so daß sich daraus in langen Silben tf/, uo und daraus u entwickelte, 
während in kurzen Silben aus / direkt« oder o wurde (vgl. Jagic, Afsl. 
Phil. 4, 8. 892ff. und Oblak ib. 16, 8. 202). Das o wurde aber durch 
den Ausgleichungstrieb fast ganz verdrängt. Es gibt noch einige andere 
lokale Abweichungen. So entwickelte sich im andersten Süden ein lu. 
In einigen kr. Dial. kommt auch noch / vor (so auf Veglia oder Erk), 
auch in glag. Urkunden aus den nördl. kr. Gegenden bis zum Anfang 
des XV. Jhd.; dieses / ist immer kurz. 

Im 81 ov. ist aus einem auch hier vorauszusetzenden f ein er ge- 
worden: geschrieben wird cfn ,schwarz', aber ausgesprochen dtm^ dridU 
yhalten' (spr. dtrtaü)^ neben ar im Westen: eam ,schwarz', das allea 



332 

natürlich durch die Yermittlang eines HalbTokales; in kurzen unbetonten 
Silben kommt aber dial. auch noch |* vor: dflUm ,halteS 

Das / wurde in vielen Dial. in langen Silben zu off, z. B. im Görzer 
Hittelkarstdialekt: moifdat «schweigen', indem sich vor dem schon zu 
Ende des XVI. Jhd. vielfach zu y gewordenen i ein o entwickelte; in 
kurzen und unbetonten Silben wurde f direkt zu «, das dann analog be- 
handelt wurde, wie das ältere u. 

Im allgemeinen kann man sagen, daß im äußersten Osten und im 
äußersten Westen u herrscht, sonst o«, das noch als ol geschrieben wird : 
dölg ,langS dclg ,Schuld% idUt ,dick', tolnee ,Sonne' u. s. w. 

Es hat demnach im Südslav. überhaupt eine Periode gegeben, in 
welcher ein /, f herrschte. Die Qualität des diesen Lauten im ürslav. 
vorhergehenden Halbvokals läßt sich aus dem Sfidslav. im allgemeinen 
nicht bestimmen. Nur ganz schwache Spuren des einstigen Unterschiedes 
scheint noch das Aksl. bewahrt zu haben. 

Im Buss. scheint sich zunächst das fefi + Yok., ^Bf^ + Yok. u. s. w. 
länger behauptet zu haben, so daß ein urslav. Uri^ iort u. s. w. schon 
früher zu einem UrH, ioroi u. s. w. geworden war. Sonst hätte ein fort, 
töfi wohl analog auch zu ti>nt, t^ni werden müssen, was wir zwar auch, 
aber nur dial. vorfinden. Ein fort, fort, das zunächst aus foft, foft ent- 
stehen mußte, bewahrte die Halbvokale, bis sie zu vollen wurden. So 
wurde hier vor r der Beflez des urslav. Halbvokals erhalten, indem das 
a zu o und » zu 0, also wie auch in anderen Fällen, geworden ist: derMt 
setzt also ein *dvri aus älterem *dft voraus, aksl. drtMaÜ ,halten'; da- 
gegen horznif ein *6arz-. 

Anders verhält sich die Sache bei l. Die dumpfe Klangfarbe dieses 
Lautes brachte es mit sich, daß auch das » zu s verdumpfte; dieser Pro- 
zeß ist sehr alt, daher wirkte er nach üf nicht. So haben wir hier also: 
molcaU, Volk», polnyj u. s. w., dagegen Xe^, Mna^ ^^ui u. s. w. Wenn 
jetzt Üfaftjt/, ^^> mjorivyi u. s. w. ausgesprochen wird, so ist es nach 
S. 40 f. zu beurteilen. 

Nach den Liquidae ist der ursprüngliche Unterschied der Halb- 
vokale gewahrt geblieben und zwar selbst auch nach / z. B. hravt 31utS 
aber gremUt ,donnem'; phtb ,Fleisch', aber aleza ,Träne'. 

Das B. belehrt uns also immer über die ältere Stellung des Halb- 
vokals, über seine Qualität auch dann, wenn er schon urspr. nach der 
Liquida folgte. War aber der Halbvokal im Urslav. einmal vor der 
Liquida, so ersehen wir seine damalige Qualität nur bei r. 

Über den sekundären Yoll-Laut forst, for»t u. s. w., der im B. zu- 
nächst ein aus fof t, foft u. s. w. entstandenes fort, hrt u. s. w. voraussetzt, 
ist noch zu bemerken, daß wir ihn schon im Ostrom. Ev. vorfinden, wo 
er allerdings als ein Kompromiß aus der aksl. Graphik und der wirk- 
lichen Aussprache im B. häufig gedeutet wurde, wohl mit Unrecht. In 
einigen Denkmälern des XII.-— XIY. Jhd. und auch später finden wir 
dann schon in diesen Fällen oro^ ere u. s. w. z. B. na verebnieu, Befiexe 



333 

dieses lautlichen Prozesses sind noch heutzutage in den r. Dial. anzu- 
treffen (vgl. Sobolevskij S. 27—28). 

Hingegen ist die Qualität des urslav. Halbvokals vor dem l in 
vielen Fällen noch ans dem Böhm, und teilweise aus dem Po In. ersicht- 
lich. Ging ein » vorher, so wurde das / zu |, nach welchem sich im B. 
ein u entwickelte, im P. wurde daraus ein ei, öi, %u^ wobei der Akz. und 
die Qualität der Kons, eine Bolle spielten. Doch konnte die Verhärtung 
des l nicht blofi durch den frfiheren Halbvokal », sondern auch noch 
durch andere umstände herbeigeführt werden. Bei einem harten f, b. lu 
versagt also in der Begel das B. Da wir aber nicht nachweisen können, 
daß das | hier noch in einer maßgebenden Periode durch gewisse um- 
stände zu einem mittleren / hätte werden können, so muß aus allen 
Fällen, die auf ein mittleres / zurückzuffibren sind, auf ein 
urslav. bl geschlossen werden. Wie uns Pedersen zeigt, hat das 
/ diese Qualität insbesondere nach Labialen bewahrt (Materjiüy Bd. 1, 
Hft. 2, S. 175—176). So haben wir: b. vlk, p. wOk, lit. vWcas ,Woir: 
b. vlna ,Welle', p. wetna^ lit. vilnii; b. vlna ,Wolle\ p. ufHna, lit. vÜna; 
b. vlhnouti ,feucht werden', p. tciiga, wywiiga ,Oriolu8S lit. volungi (anders 
gebildet); b. mlceti ,schweigenS p. m%lez€6\ b. plny ,voll', p. peiny^ lit. 
p\lna$; h. pht* ,Filz', ^.piUd, vgl. ihd. ßh. Auch in entlehnten Worten: 
b. pich jBilchmaus', p. pilch, vgl. ahd. hikh. Wie man sieht, ist im P. 
auch in diesen Fällen einigemal die Verhärtung des l zu. i (et) einge- 
treten. 

Dagegen muß hervorgehoben werden: b. mluva, miuvüi ,sprechen*, 
p. mowa (aus motwa\ p. mowid (aus maiwid), man denkt hiebei an av. 
vyärmrtt'ta ,er sagte sich los*, ai. hräc\-i% ,er sagt' ; ab. pik (geschr. 
Zuatoplie), jetzt pluk ,8charS Svatopluk^ p. pöik, aber unbetont &ißi^fapeik^ 
ahd. folc. 

Wo die Gutturallaute A, g (A), eh vor dem Halbvokal geblieben sind, 
beweisen sie natürlich, daß es sich um ein ^ handelt, daher im B. jetzt 
ein lu: b. hlük ,Lärm*, p. gielk; ab. Chlm, slovak. CMm, jetzt b. Chlum 
(eig. jHügeP), p. Cheim, vielleicht aus germ. holma; b. klobäea^ kobldea 
yBratwurstS p. kielbasa^ lit. kiibaeas, über ab. Koblasa vgl. Gebauer, 
81ovnik II, 8. 51; b. kluzky, slovak. klzky «glatt, schlüpfrig', p. kiehko, 
kleizaS si^ (b. klüzati^ klouzati, slovak. klzat" »a »gleiten', weißr. kohko, 
kolza6). 

Nach i, H, e war natürlich ein urslav. ». Im Ab. änderte sich die 
Artikulationsstelle dieser Laute, st. ii wurde iy u. s. w. ausgesprochen 
und zwar etwa schon um die Mitte des XIV. Jhd. So bekam hier auch 
das / einen dumpfen Klang, d. h. es wurde zu i, daher dann c7ti, l/u, ilu 
und zwar etwas früher als das y statt % nach diesen Lauten auftrat, wie 
wir aus den ab. Denkm. ersehen. Dasselbe gilt auch vom P. So haben 
wir: ab. cinek^ dann clunek, slovak. c7n, b. jetzt clun, p. ezötno-, ab. dial. 
neub. und slovak. Hcj ilc, dann iluc ,Galle', p. iöid, r. Ihlt» ; ab. iUy^ dann 
lüuiy, slovak. noch iUy, p. iöity, r. ioHyf ,gelb'; slovak. Una, nb. iluna 
,8pecht', iiuca ,Pirol', p. Mna, r. Ulnä. 



334 

Im P. also etöhiOj M6^ zoHy u. 8. w. (hier kann auch noch czoiga6 
si^ ,kriechen' angeführt werden). £b ist zu bemerken, da£ hier nirgends 
das o aus e entstanden ist, wie z. B. in etoio, aona (man hat kein yolny)^ 
wie schon Brückner richtig bemerkte (Afsl. Phil. 12, S. 295). 

Da im Ab. in diese Kategorie dann auch die «-Laute gehörten 
(siehe bei den i-Lauten weiter unten), so könnte es auch Worte mit »lu 
geben, die auf nl zurückgehen. Doch haben wir nur ein Wort mit «I 
aus $1- und das geht auf ein urslav. «& zurück, nämlich ab. und nb. bUü 
,Träne', dial. aber «/oum, das ein «/ifisa voraussetzt, vgl. aksl. Bhza^ r. $hzdf 
p. %ia. In slovak. tlncB, b. üunee^ p. 9io4ee, aksl. shmee, r. tolnee war 
schon im ürslav. ein »»/-. 

Nach den Dentalen t, d ist, wie schon Gebauer (I, S. 297) ver- 
mutete, das u durchgeführt, d. h. es wurde ein l zunächst hervorgebracht, 
so daß wir in diesen Fällen zwischen einem älteren bi und id nicht mehr 
unterscheiden können. So auch im P. Man vergleiche slovak. dlbafj b. 
dlubu, dloubaU ,stochem, höhlen\ p. diubaö: slovak. <2/A ,SchuldS dial. b. 
di}^ ,schuldig*, sonst <^/ttA, ^.diug-, ah.digy, dlhf, daher Z)^omt/ (geschr. 
£>fygofnil)j dial. dihy, slovak. dlhy^ b. dann dluhy, diouhy, p. dhsgi ,lang'; 
slovak. stlp ,SäuleS b. dial. üp, sonst dann stbip, slüp, jetzt Btiaup^ iloup^ 
p. slup ; slovak. ticiem, tlet, tlk u. s. w. ,klopfen', b. dial. BÜkat ,schlagen, 
klopfen*, jetzt schriftb. Üuku, Ütmeij Uoukl {Üouk\ p. tlue^ ÜuJe^ Üuk und 
Üok; h.Üum «Schar*, Üumök ,BänzelS p.elum, Üumok\ b. dial. ^I^^j^, slovak. 
ihii, schriftb. tiusti ,dickS p. tlu»ty. 

Dieser Begel folgten im B. auch Worte mit urspr. /», h, wo der 
Halbvokal verstummen mußte, so daß man auch zu einem / oder l kam 
(vgl. oben ahiza). So haben wir: ab. klk^ slovak. tdka ,FlockeS dann klük 
,Flocke, Werg* im Ab. meist Plur. kluky ,ein leicht brennbarer Stoff wie 
ptud^ri u. s. w. (Geh au er, Slovn. II, S. 57), p. kiaki ,Haarzotten*, vgl. 
r. Uokb (= a}Ls\.kl9kb) ,Büschel'; slovak. ehip, b. ehlnp «Haar*, p. ehtupaty 
^haarig*, vgl. r. Dem. ehlopokb ,Flocke*. 

Das Slovak. hat, wie wir sahen, das / noch vielfach bewahrt. 

Bei r läßt uns das B. im Stich, es wird überhaupt ein f aus den 
beiden Gruppen. Nachträglich geht dann cft und i^i in ceri und iert 
und zwar etwa seit dem XIII. Jhd. über. 

Im Poln. erscheint ar als der Beflez des sr: aksl. gnhh ,Bficken', 
r. gorbb, p. yarh; aksl. tr^gt ,Markt*, r. tor^, p. iarg; aksl. gnsh ,fiand- 
vollS r. gortihf p. garid; r. ttnorkatb, b. »mrkati, p. $markad ,sich schnauzen*. 

Der Beflez des ^r ist dagegen ein ier, nur vor einem harten Den- 
talen haben wir auch ar (das wohl auf &r zurückgeht, so daß »r zunächst 
zu ar wurde): b. 9rp ,Sichel', p. »ierp, r. serp^; b. vreh ,Berg*, p. würzeh; 
b. 9tnrt' ,TodS p. imierd; b. mrtry ,totS aber p. mariwy (r. mihrtvyfj; b. 
ivrdy ,hart', p. itDordy, r. tvJSrdyj. So auch nach 6, I z. B. ezari ,Tettfel*, 
b. c^ri: ezamy ,8chwarz*, b. e$rnii ; zarna PI. n. ,Handmühle*, b. in Mähren 
und Schlesien ierna ebenfalls Plur. n., dann )Senwv ,Mühlstein*. 

Der Laut f, / übertritt auch seine Grenze, indem er sich aus rt, U 
manchmal entwickelte. Im B. dial. mlnär ,Müller* aus mlyndlf; korUrhuee 



335 

aas korUribuee a. b. w. Desgleichen aus tr, i7 der späteren Lehn- 
wörter. 

Im Niedersorb. wird vr wie im P. zu ar, wobei die Gutturalen 
k, ff davor erweicht werden: gfarb, aksl.^rs&s ,Bficken'; gjarid ,Hand7ollS 
^.ffordd; k/artnid, aksl. Arsrntlfi ,fQttem'; ehart ,TertagU8*, x.ehort, p.ehart; 
»r wird in Übereinstimmung mit dem P. zu er, Jer (fr, Jfr): terp ,SichelS 
wjereh ,Berg*, pjerwy ,der erste', z&mo ,KomS etrto ,Wurm*, aksl. ervob 
wjerM, aksl. vrUiti ,wendenS derA, der ,Haken an der Angel*, aksl. tr^m 
,DomS daneben iamik, Umik, iemka ,Bchlehenartige Frucht* (p. iamka, 
tarka, b. tmka); mneri ,Tod*, aksl. 9mrUb, 

Vor harten Dentalen, nach Labialen, dann nach urslav. <f, 9 wird 
»r wie im P. zu ar: iwardy ,hart', aksL tvrbdyj', cari .Teufel', p. euart^ 
b. emi; eamy ,schwarz', p. ezamy^ b. cemy*, aksl. ervm\ kumarly ,tot*. 
Außerdem noch »amay p. ebenfalls aama ,Reh', r. ««ma, lit. tÜrna, 

Der Beflez des hl hat sich nach Labiallauten auch hier erhalten: 
wjM ,Woir, p. wilk, b. vlk\ pjßlnid ,ffillen', p. pelnüf, b. plniii; mjeleai 
,schweigenS p. milete6y b. mlceti. Doch kommt auch schon pSlny ,to1I' vor. 

Nach den Dentalen entsprechend dem P. und B.: Uup, p. üup, b. 
Mmp, sloup (Tgl. oben noch andere Formen); ilue, p. Üue ,klopfenS b. 
tlauei; diug, p. dlugi ,langS b. dlauh^; ihuiy ,dick', p. tiusty, b. tlugty. 
Nach i, I, e: IhUy^ p. ioUy^ b. Uuty; eohij p. eztUno {ezSln) ,Kahn*. Nach 
«.- üyi^o ,SonneS P* fMee, b. $lunee. 

Im Obersorb. geht &r in or fiber: horid^ horttka ,HandTollS ns. 
gifarid; khori ,vertagU8S ns. ehart, p. eAorl, r. ekortt. 

Dagegen geht »r in ef fiber, woraus daun wieder er werden kann: 
wjerha ,WeideS wjereh «BergS derpjed ,leidenS pferideii ,Bing'. Aber nach 
c u. s. w.: comy ,schwarzS nach «.- eoma ,Beh'. Hierher auch moncy 
ans morly (vgl. ns. h^umarly) ,tot'. 

Bei »/ haben wir hier auch die Befleze der böhm.-poln. Begeln: 
wj'elk, b. vlk ,Woir, n^eleed «schweigen*, b. mleeii. 

Bei ü ein ol: polk, b. pluk: kolk ,8chall, Lärm*, b. hluk, p. gidk, 
zgielkf r. golk^. 

Nach Dentalen und nach e, i wird auch aus bl ein »/: teMy ,dickS 
ns.<ltM<y, b. ^iM/y; dolhi ,lang*, ns. c2lii^, p. dluyi, b. dlouhf; colin ,Kahn*, 
ns. eoln, p. ez6lno, exöl^, b. c/tiii. 

Die silbischen Nasale 17t; ^^. Was über f; / '^^ d^r 
urbalt-slav. Periode gesagt worden ist, das gilt auch von fn, ^. 
Aach hier hat man angenommen, daß sich in dieser Periode ein 
im, in entwickelt hätte. Das wäre im Lit geblieben, während es 
im Slav. über tm, tm zu q (vorkonsonantisch) geführt hätte, z. B. 
aksl. ö^ fdichV, lit kirnsztas ygestopft' zu kemszü ^cix stopfe', 
eventuell zu » im Auslaute: Akk. Sg. katnen^, lit äkmefh{, vgL 
lat homif^em u. s. w. Vor i und vor Vokalen blieb mi, tm 
z. B. zmjq 4ch haue, schneide* zu z^i, s. zeti, lit gitUi ,wehren' 
(mit 9; mit v^ vgl. Utgi^zas yStreit'); sissLptnq ^ch spanne', lit 



336 

pinü ^ch flechte^ u. s. w. (vgl. Brugmann, Grundr. I*, S. 415£, 
Kurze vgl. Gr. S. 130, Leskien, Handb., 4. Aufl., S. 14—15 
und 37—38). 

Aber die Sache stimmt auch hier nicht recht Wie ich BB. 
29, S. 207 — 216 gezeigt habe, herrscht zwischen dem lit und 
Slav. nicht selten eine Abweichung hinsichtUch des vok. Elementes, 
das sich aus dem iji, ^ entwickelt hatte. Wollen wir diese Tat- 
sache richtig beurteilen, so müssen wir annehmen, daß sich die 
vok. Elemente vor j^i, ^ im Idt und Slav. mehr oder weniger 
selbständig entwickelten. Daß im Urbalt-Slav. noch ein ^^ ^ 
vorhanden war, hat Bezzenberger an aksl. j^yH und preuß. 
insutpis ,Zunge' gezeigt. Diese Worte gehören zu lat. dingua, 
lingua, got ttiggö, was alles auf *dj^guä zurückgeht {d vor n 
konnte abfallen, im Slav. haben wir Belege, vgl. BB. 3, S. 134 
— 135). Daß es andererseits auch noch im ürslav. ein ^ gegeben 
hat, beweist das Wort hbniga ,litera. Über', poln. ksi^ga, das als 
ein Lehnwort aus dem Nord, erklärt werden muß, nämlich aus 
kenning ,Kennzeichen'. Im Slav. wurde daraus zunächst ein 
*k\^ning, das einerseits zu Hniga, wie im Aksl. u. s. w. nach 
S. 115f , andererseits zu ^kinimga (als ein Lehnwort nach S. 118) 
^.ksi^a führte. Das nord. Wort finden wir z. B. bei Jonsson, 
Oldnordisk ordbog S. 290. Weiter beweist aksl. ghnati gegen 
zenq, daß es im Urslav. ein ^gi^näti gab. Aus diesem ist gmati, 
dessen Erklärung bis jetzt so viele Schwierigkeiten bereitete, ent- 
standen, während *gen<h ein zeno, zene (Präs. zenq, zeneH u. s. w.f" 
ergab. Wahrscheinlich geht auch aksl. hbmotrb ,Pate', kbmotra 
,Patin' auf ein kriimotra aus commater zurück. Dazu wäre dann 
auch das Mask. kbtnotrb entstanden. Bis hierher besteht nun 
ein vollständiger Parallelismus zwischen der Entwicklung des 
r, l einer- und des tji, ^ andererseits im Slav. Von da ab gehen 
aber die Wege dieser Laute auseinander. Wir haben oben 
S. 329 angeführt, daß es zwischen Tj l ^^d f, I hinsichtUch der 
lautlichen Entwickelung keinen Unterschied gab, daß sich dieser 
nur in den Tonqualitäten äußert. Das ist nun bei ^, t^ nicht 
der Fall. Während das kurze vorkons. tji, ^ vielfach zu ^, t 
führte, ergab das fp>, ^ in diesem Falle einen Nasal, ^ oder q, 
aber nicht direkt ist der Nasal daraus entstanden, sondern aus 
der Zwischenstufe »^^ z^ oder «% ^. Was also zunächst im 
Urslav. durchgeführt wurde, das war die Entstehung des Halb- 
vokals vor den Nasaleu rp,, t^ und zwar mochten sie vorkons. oder 



337 

vorvok. sein. Im letzteren Falle ist dann keine weitere Ver- 
ändening vor sich gegangen. DaB sich dagegen ans dem langen 
vorkons. ^fp, ^ und i>qi, t^ ein Nasalvokal entwickelt hat, ist 
begreiflich. Als langer Sonant hatte % 9 eine gestoßene, im 
Slav. also eine steigende Int, infolge dessen wurde dann in t^, 
t^, ^fp., -^ das m, n mehr hervorgehoben, was eben za ^, q 
führte. 

Nun folgen die Falle mit vorauszusetzendem fn, ^l, wobei 
sich gleichzeitig die Divergenz zwischen dem lit. und Slav. er- 
geben wird. lit. szimtas ^hundert', slav. dagegen nto aus *8^1llto, 
*8^to. Man kann nun nicht annehmen, daß es im Slav. zuerst 
ein *8bto bez. ^Mo gegeben habe — also entsprechend dem lit. 
szitntM — und das dieses dann zu s^io geworden sei Im Slav. 
müssen wir nämlich ein *8^iiito und *8Mnto ansetzen, wie wir 
gleich sehen werden, wobei allerdings auch die Möglichkeit be- 
steht, daß sich aus einem älteren *8ifriito (das dem lit szimtas 
entspräche) das *sbfiUo nachträglich entwickelte. Daß beide 
Formen vorhanden waren, dafür spricht das aksL tys^Ha, tysqHa 
,tausendS das mit ^sjpto zusammenhängt. Da das halbwegs ent- 
sprechende Wort im Germ, und in einer Verstümmelung auch 
im Lit (als tükstantis) vorliegt, haben wir es hier mit einer sehr 
alten Bildung zu tun. Auszugehen ist von *siiito und *ta oder 
tüS' ,stark', also etwa ,Starkhundertheit' in der Form ^tüs-sfptja. 
So entstand aus *siiito ein *sMp,to und *9h'qiio (letzteres vielleicht 
vom Gen. Plur. aus, der hier häufig gebraucht wurde), dann ein 
*tü8tnptjä, aber unter dem Einflüsse von *8^'qito auch *^«5&^ö. 
Weiter führten diese Formen zu *stio, das verloren ging, und 
sfi^o, das sich erhalten hat, dann *tysqtjä und *tys^tja. Die beiden 
letzteren Formen haben sich im Aksl. erhalten als tysqita und 
tys^ia, im R tysjada^ im S. Stok. tlsuda, iak. auch tlsu6a, slov. 
tisqö, b. tislc m., p. ebenfalls tysiqc. Da sich aber die Länge im 
S. nicht zeigt (vgl. dagegen im Montenegr. noch glnüt^ umüknüt, 
KeSetar, Die Betonung S. 33, 159), so glaube ich, daß hier der 
Nasal ^, q aus dem Gen. PL in die anderen Kasus verschleppt 
worden ist Im Gen. PI. mußte eine urspr. kurze Silbe vor der 
Endung gedehnt werden und bekam eine steigende Int. (vgl. 
S. 193). Aus ^ wurde q bez. q und die Nasale drangen, aller- 
dings als Kürzen, auch in die anderen Kasus ein, was sich bei 
s^to nicht wiederholt hat Daß der Einfluß des Gen. PI. bei 
tys^Sta größer war als bei sfbto, ersehen wir aus p. tysiq6, b. tisüc 

Vondr&k, Vgl. dar. Onunm. 1. 22 



338 

(alt), tüic, slov. Ü8(id, das ist eigentlich der urspr. Gen. PI., der 
eben infolge des häufigen Gebrauches dieser Form erstarrte und 
als ein Nom. äg. dann gebraucht wurde und zwar als ein Mas- 
kulinum, im SloY. noch Fem. und Mask. Für die erwähnte Er- 
starrung spricht auch, daß das Wort im Slov. meist indeklinabel 
wurde: dva {dve) tiaoö, tri tisoö u. s. w. Desgleichen auch häufig 
im Ab. (Gebauer III, 1, S. 129). Die Länge in böhm. tisk, 
poln. tysiqc ist hier demnach eine Eigentümlichkeit des Gren. PI., 
über die 8. 194 gehandelt wurde. Für den Gen. PI. spricht auch 
der Akzent im Slov., wo das tüqd sonst nicht recht begreiflich 
wäre. PleterSnik gibt allerdings an, daß auch tisoö vorkomme, 
das aber nicht ursprünglich sein kann. Das tu war lang, mußte 
eine gest. Int ergeben, im B. war es daher ursprüngUch lang ^y-, 
aber vor der folgenden Länge mc- wurde es verkürzt, daher tisüc 
(wegen ti aus ty- siehe S. 29 u. 112), imS. regelrecht eine Kürze: 
tl in ÜauSaK 

Daß das slav. Wort für «Taasend' eine Entlehnunf? aus dem Germ, 
w&re, wie ja auch behauptet wurde (IF. 6, S. 344 — 349), ist undenkbar. 
Man würde nicht recht das t für germ. p (vgl. got. püsundi^ sonst wird 
es im Slav. durch eh wiedergegeben vgl. S. 261) im Anlaut und dann das 
t im suffixalen Teile für das Germ, d begreifen; es muß beachtet werden, 
daß auch im Preuß. das t in beiden Fällen enthalten ist: iüsimioru 
«Tausend*. Femer wären die Doppelformen tysc^ta und tya^ta unbegreif- 
lich. Ebensowenig ist auch 8^ eine Entlehnung aus dem Iranischen. 

Wenn nur im Auslaut -os, -on durch -as, -tin zu -« geworden 
ist, so ist die Erklärung der Präp. vb ,in^ aus *on unmöglich, da 
sie mit dem zugehörigen Worte eine Einheit bildete. Das zeigt 
sich auch in akzentueller Hinsicht im S., Slov. und R Ich 
glaube daher, daß m auf |^ zurückgeht und daß es mit lit. in, f 
identisch ist, nur daß es im Slav. zu *zxjk, nicht »^ geworden ist^ 
d. h. es bekam das ^ im Slav. eine dumpfe Färbung. Yor- 
vokalisch hat sich das n noch vielfach erhalten: vzn-^ ,wahr- 
nehmen, verstehen^ vgl. auch t^n-jemt ,in ihm' u. s. w. War 
dagegen das ^ lang und das ist in Zusammensetzungen mit 
Subst. der Fall, erscheint es wieder als q, z. B. aksl. qspo2y ,8emi-'; 
qdolz, qdolt ,vallis'; qvozh ,vallisS qtzkh ,WeberzettelS im B. muß 
sich ebenfalls die gestoßene Länge zeigen: üdol, Moli, üvoz, ütek, 
üäast ,Schicksal^ Im P. ebenfalls ihr Ileflex: wqdd, toqtek, toqtor, 

1. Es kann daran gedacht werden, daß auch die abweichenden 
Längen im p. miesü^, «ojVi P^^iqdz einfach den Beflex des Gen. Fl. 
verraten. Im B. auch fni$ie, zqfie, peniz (ygl. S. 



339 

wqooz; im S. müßte eine Kürze vxm Voivdieine kommen, doch 
liegt kein sicheres Material vor (iUroba ^Eingeweide^ kann auch 
anders erklärt werden). In aksL (muHa ^Schuhwerk, FoBfetzen' 
liegt nicht das angebliche on^vb 4n' vor, weil ja die Beschuhung 
nicht ,im' Fuße (vt mit Lok. bezeichnet den Baum ^i^^^^^ 
dessen etwas geschieht, mit Akk. den Baom, in den hinein die 
Handlung strebt) angebracht wird, sondern ,am' Fuße oder ,um 
den Fuß hemmS Es liegt hier offenbar die Pi^p. o vor (das n 
ist analogisch). 

Analog mit vt ist auch gh ,mif aus ^ herrorgegangen, ygL 
griech. afia aus »qitna (ai. z. B. sa-kft, gr. a-fta^y eine andere 
Vokalstufe in gr. o/ioi; ^zugleich', laLsemd, elg axis^OBfig u.s. w.). 
Im lit haben wir auch entsprechend 9Ü (auch mit Instr. ^mit' 
und in Zusammensetzungen z. B. sArvedu fäbie zusammen), das 
aus 9tf entstanden ist und zwar nach Fortunatov (Alsl. Phil. 
11, S. 572) nach dem Gesetze, auf welches Leskien hingewiesen 
hat (ib. 5, S. 188). Entsprechend dem Slav. entwickelte sich im 
Lit ein «-Vokal, nicht ein i wie bei in, f abweichend vom Slav. 
War das 8^ lang, führte es im Slav. wieder zu einem Nasal: sq 
z. B. aksl. sqloffb ,consor8 ton'; sqsedb ,Nachbar'; sqptrt ,adver- 
sarius^ Im B. wieder soused, soübar, sauloz u. s. w.; im 8. 
regelrecht mmrak ,Abenddämmerung^, dagegen gasjed, älter süsjed, 
süsjeda (die Länge vor dem Akz.), slov. sq^^, 909^a (r. sosedz, 
isk. sused, Gen. suseda). Hierher vieUeicht auch die Präp. kb 
(vgl. S. 324). 

In Zusammensetzungen mit Subst erscheint die Prilp. häufig 
gedehnt, vgl. slav. pa-mqtt neben po; pra-didz jproavus' neben 
pro (auch im Lit eine analoge Erscheinung). 

In Übereinstimmung mit dem Slav. hat sich das u auch im 
lit. dünUi, dumiü ,trachten' entwickelt, slav. dqti (aus ^dfpti), b. 
dauti aus dtUi, dzmq (aus *driimq) yblasen, wehend Im Ai. da- 
gegen dhem in dhdmati ,er bläsf . Das Part Prät. pass. dqtb ist 
wohl hinsichtlich des q vom Inf. beeinflußt, da man in demselben 
eine ursprünghche Länge nicht nachweisen kann. 

Ein ^ aus ijfi (bez. ^) wohl auch in aksl. chr>Ut% neben ekotHi 
,wollen'; die o-Stufe, also chont-, liegt dagegen vor in p. chqc, b. 
chui (aus *chqtb) ,Lust^ Man vergleicht arm. xind jFreude' {x 
imd slav. (A aus ursprachl. qh), gr. x^rig, x^^ ,verlange'. Der 
Wechsel zwischen ckztäi und chatifi ist auch wohl urspr. auf 
Akzentverhältnisse zurückzuführen. Alter ist aber jedenfalls über- 



340 

all » und ' nur dort, wo der Akzent auf die Silbe mit ^ kam, 
wurde schon im Urslay. das ^ za o (vgl. S. 146). Urspr. wäre 
konjugiert worden: 1. P. Sg. *d^^tjq (r. diodü, s. hd6u, 6u), 2. P. 
*ch6tje8h (r. ch6deH), 3. P. *chotfett (r. dtöSe^), Inf. eh^täi. Es 
konnten dann Ausgleichungen stattGnden. Das erklärt uns auch 
warum die Formen neben einander vorkommen. 

Man hat auch das o in aksl. ognb »FeuerS lit ugnU, alit. ungnit 
auf ein ^t zurückfuhren wollen, wobei allerdings auch b. vyh§h ,£88e, 
Schmiede' in Betracht käme. 

Mit dem o in aksl. ehoiteii^ eventuell auch in ognb wäre das o in 
ohüf ohi «beide' zu vergleichen, aA,ubhäu : gr. ä/Kpa> (ygl. Wackernagel, 
Ai. 6r. 8. 21, beachte hier den Labial vor u, o\ s. oba, obfe, Iba, r. ^ba, 
dbi, das o war also betont, was mit unserer Theorie Übereinstimmen 
würde. Man müßte annehmen, daß die halt. Sprachen das Wort aus dem 
Slav. entlehnt und es jeweilig nach dem Zahlworte für ,zwei' umgeformt 
haben: lit. abä, M ,beide' nach du, dvl, so auch ab^l nach dv*fl, preuß. 
abbat u. s. w. Dieses ijt liegt auch noch vor in ipbhi (neben ^ainbhi ,auf 
beiden Seiten, um', griech. d/npi, lat am, amb), ahd. umbi, vgl. ai. abki-tas 
,auf beiden Seiten'. 

Mitunter wechselt im selben Worte « mit <; ab: r. toskd 
,Harm' (aus thskd), tosldivyj ,bekümmert^ neben p. t^lditcy, t^skniö 
(aus "^tv^gskä, Mikkola BB. 22, S. 254, Berührungen S. 171). 
In solchen Fällen hat man es mit Beeinflussungen von Worten, 
die ursprünglich verschiedene Ablautsstufen aufweisen, zu tun. 
So z. B. aksl. fflqbokb ,tief neben ghbokb. Die erstere Form war 
offenbar beeinflußt vom Subst *glqblja, b. hloub (ab. hloube), 
hloubka ,Tiet&f p. glqb (neben gl^), slov. glqb, R auch glubdkb, 
s. dubok. 

Der regelrechte Reflex des lit. a9Urai, preuß. antars ,der andere', 
got. anpar, ahd. andar wäre aksl. *q<or-, ♦q<«r-. Dem entspricht wirk- 
lich b. ülery, üUrek ,Dienstag', eig. ,der zweite (Tag)', os. vutora, s. 
idörntk, fitorak ,Dienstag\ War das *ofi- unbetont, entstand ursprachlich 
hier wahrscheinlich auch ein ^-, also *{i tor und das dürfte in aksl. V'T>tor^ 
,der andere, zweite', r. vioröj vorliegen, vgl. noch r. poUorä (aus poh 
Vbtord) ,ein und ein halb', dann vtomikb ,Dienstag'. Mit ai. u-bkäü ,beide* 
hängt es wohl, wie man meinte, nicht zusammen, und man darf üierek 
von vbton nicht trennen. 

Zu den aus *m(md' im Aksl. vorliegenden Doubletten fnqditi 
und muditi ^cunctari' gehörte auch die Schwundstufe m^, die 
fmd' ergab in tmdth, tmdüiti z. B. ar. motdcmie st rmdr^danie 
yVerzögeruug^y durch Yokalassimilation dann mbdüüi^ mecUäi, 
mtdütm (vgl. Sobolevskij S. 89). 

Das ^ der 1. Pers. Sg. der sigm. Aoriste aksl. p^, ve^, 



341 

daeh^ u. 8. w. könnte zwar auch auf ein ^ zurückgehen (vgl. gr. 
Siei^a). E8 ist aber wahrBcheinlicher, daß hier das -on {-om) des 
starken Aoristes angetreten ist^ wie wir es analog auch bei der 
1. P. Dual, und PL bemerken: visave nach vidavi, visarm nach 
vedofm. Auf diese Art sind also die Formen themavokalisch 
geworden. 

Nun jene Falle, in denen sich aus % ^, igt, ^ ein t^, t^, 
tnp,, ^ entwickelt hat Nach dem Früheren erwarten wir bei 
ti^, »9 ein ^ und bei tn^i, ^ ein ». Die Fälle mit t sind sehr 
selten, indem häufig dafür der Nasalvokal zum Vorschein kommt, 
auch wo keine urspr. liLnge im Slav. nachgewiesen werden kann. 
In den meisten Fällen kann man freilich Parallelformen mit be- 
rechtigtem Nasalvokal nachweisen. Diese konnten auf die anderen 
einwirken und in ihnen auch den Nasalvokal hervorrufen. 

Ein « taucht auf in aksl. hgikb Reicht', aL laghü^ ,flink, 
leicht', gr. ihxjjuq ,klein, gering^, ahd. lungar ,flink', lit. lefiffvas 
Reicht'. 

Weiter könnte hierher ksl. gnbSb jayog^ scelus^ und gnesb 
woU aus gntsb, allerdings in einer s. Quelle des XV. Jhd. in 
der Bed. ,8orde8S wie auch gntriti ^nquinare' und gntsivb ,8ordi- 
dus' gehören. Es würde auf gw^s- zurückgehen und würde die 
Schwundstufe zu *gnon9' in gnqsüi neben gnusiti s^ ,abominari^, 
gnun ,Schmutz^, gnqsbm und gnusMiz ,abominandu8' repräsen- 
tieren. 

Für den Anlaut vielleicht aksl. %m^ ,NameS s. Ime, imena, 
slov. ime, im^na (woraus sich ein schleifend betontes kurzes % im 
Anlaut ergibt) aus t^ntett- (das ^ aus -in und rührte nicht aus den 
anderen Kasus her wie z. B. b. nehe st nebo\ vgl prenß. emna 
aus *enrinna. 

Für den Auslaut haben wir den Akk. Sg. der m. kons. St, 
wie aksl. kamem, gr. axfiova^ lit äkmen\ ,Stein', lat homin-^m; 
weiter bei den u-Stämmen, die hier Feminina sind: akshwekt^vb 
,Schwiegermutter*, weiter krzpb ,Bhjif. 

Ein t^, t/fji führte zu {.« aksl. p^i ,spannenS ab. pieti, ptti, 
s. abweichend pAi (vgl kUti ,fluchenO, doY.p^i, lit jp/n^t ,flechten^ 
Das Präs. dazu ptnq aus *p^nq, lit pinü. Vom Inf. war hin- 
sichtlich des Nasals wohl auch das Part p^ jgespannt' beein- 
flußt Hierher gehört noch eine Beihe von analogen Verben, wie 
na-^i ,anfiEmgen', Id^i ,fluchenS j^i ,nehm6n' (aus *^i, *tmti. 



342 

Wie das Part, p^z ist auch das jetzige Adjekt aksl. c^z «häufig', 
s. C99t ,dichtS iesto ,h&ufigS bIoy. c^ito^ aber auch cm^, b. otutjfy cMto 
ehemals ein Partizipiom Prät. pass. gewesen, vgl. lit. kinmUu »gestopft* 
zu kemnü »stopfe*. Wir müssen allerdings Yoraussetzen, daß das zuge- 
hörige Verbum, dessen Inf. den Nasalvokal des Partizipiums eben herbei- 
gef{ihrt hat» im Slay. verloren gegangen ist. 

Hierher gehört weiter aksl. des^ ^der zehnte', b. desätj, & 
disStl, sloY. dea^ij lit. deszimtaa, got. taihunda, gr. diyuxTog. Hin- 
sichtlich des Nasals steht damit in Zusammenhang aksl. des^ 
^ehnf, h. deset, aber in den obliquen Kasus kommt die Länge 
zum Vorschein: desüi u. s. w., p. dzieai^ (dagegen dziesiqty wie 
b.), sloY. des^, s. dhet neben deset. Wo die Länge ursprünglich 
aufkam oder ihre Berechtigung hatte, ist nicht ganz klar, vielleicht 
auch im Oen. PL TgL b. padesät jbfY, p. pi^ziesuft u. s. w. (vgl. 
S. 337). Ganz analog auch aksl. dev^ ,der neunte' und dev^ 
»neun', s. div^i und devSt neben devet, b. devät^, devM, Qen. 
devtti, p. dziewiqttf und dzietoi^, lit devifUas, devynl, preuß. 
newlnU. 

AksLj>^» ,Fausf, %,pe8t also ausnahmsweise eine gestoßene 
Länge bei einem i-Stamme, im B. schon pid, slov. auch p^, %, 
ahd. füst, Ln Lit. hat der Nasal eine andere Färbung ange- 
nommen, nämlich um: Mmste, das also auch eine gestoßene Länge, 
entsprechend dem S., aufweist (aus *kump8txS, ^punkstj^). In 
aksl. pam^ ,Gedenken, Gedächtnis', s. pamH, LoL pamüi, slov. 
pdmet, im b. pamH, lit. miMas, at-mintls, got gortnundi, lat com- 
mentus, aL mati^ würde es sich um eine Länge handeln, die wohl 
erst auf slav. Boden entstanden ist. Ln j^k ,Zunge' muß es 
wohl eine Länge gegeben haben, bevor das Wort durch das Sufßx 
-hh erweitert wurde, s. jizik, jizika, öak. zajtka, slov. jizik, ßztka. 
Sie wurde verkürzt nach S. 212. 

Auch die Negation t^ könnte vorliegen in ne-J^sytb ,PelikanS ne-jf- 
vh^, wie Meillet vermutet (Stades S. 168), wobei das j^ später nicht 
mehr verstanden worden wäre, so daB man die Negation noch einmal in 
der Form n# vorgesetzt hätte. Tatsächlich heiBt das Wort im B. nur 
nesytb eig. also »unersättlich*. Andererseits möchte ich auch aksl. q-rodz' 
yStulttts' eig. als ,incuriosus' deuten, allerdings hätte sich das ^ hier 
anders, nämlich zu ^f• entwickelt. Man müBte voraussetzen, daß das {»- 
Element dieser Zusammensetzungen ebenso gedehnt worden ist wie dio 
oben erwähnten Präpositionen /»a-, pro-, «q-, q-. Tatsächlich liegt bei der 
Negation in Zusammensetzungen schon ursprachlich ein f vor z. B. dor. 
vi-moiroe »straflos*, yi^Mioe .unverständlich, unmündig*. 

Der Nasalvokal der 3. Pers. FL der themavokallosen Yerba 



843 

akd. dad^ ^ie werden gebend ai. dddati aus *dSdvti, gr. >U- 
hoyxaoi ^ie besitzen', ebenso 3. P. PL der Aoriste vis^ p^, dcii^ 
u. s. w. (ursprünglich -ti^ vgl. as. dedun ^ie taten', W. dhs) kann 
verBchiedenartig beurteilt werden. Am nächsten liegt es, an eine 
Beeinflussung seitens der Verba, wie jad^z ^e essen', aL adanti 
(mit der Endung -enti), vedqtz aus *vedonH und Aor. vedq aus 
*vedont zu denken. 

Ein vorvokalisches »?, ^ oder «fi, 9?^ aus kurzem oder 
langem ^, 'q, bleibt natürlich, ebenso vor einem %, da dieses zur 
nächsten Silbe gezogen wurde: pmq ,spanne', lit pinü, inuf aus 
*wnq, *JMiUf (*ii^Mq); -öbnq in pihdtffUf, nordtnq ,werde anfangen'; 
mtnjq, mtneti ^meinen', lit mitUti; dzmq, dqti ,wehen, blasen', lit 
dumiü, dumti ,wehen, treiben' aus dkqi gegen ai. dhem in dhdmaH 
,er bläsf. Oben haben wir auch kbrüga aus *khninga, *kbniga 
und dieses ans *kQninga angeführt Ebenso gfmaii ,treiben' aus 
gtfnati wie hwati aus *brrati. 

Dagegen kann man aksl. znajtff znati ,kennen' nicht mit 
Bücksicht auf das lit Hniti, zinaü ,wissen' (aus *§t^näti, dazu 
als Part. -Hntas) als *ztnati auffassen, weil ein Schwund des so 
entstandenen t sonst nicht nachgewiesen werden kann. Es ist 
vielmehr ein Aoristpräsens, dem also ein Aoriststamm vgl. gr. l'^T'an', 
vgl. ahd. inäen zu Grunde liegt, wie wir bei der verbalen Stamm- 
bildung weiter unten sehen werden. 

Über das »m^ zm, tn, »n dann ^ q aus ^; V' ^uid fp, f vgl. 
Verf. in BB. 29, S. 207 ff., wo einiges nach dem Vorliegenden 
zu modifizieren ist 

Hier muß noch erwähnt werden, daß sich im Unlav. aus ^i 
ausnahmsweise auch nt (oder ni, woraus dann nt wurde), ent- 
wickeln konnte, vgl. aksl. nbzq (siehe oben S. 161). Etwas ana- 
loges haben wir auch bei r bemerkt, z. B. aböhm. brdu aus brtdq 
(oben S. 160). 

Die dentalen Affrfeatae c, dz (6, d£) und dentalen Spiranten 

s, z (ä, £). 

Ursprung dieser Laute. Sie sind von verschiedenem 
Alter. Das c entwickelte sich erst auf slav. Boden aus k vor 
diphthongischem e und i, dann in bestimmten SufiSxen wie 'tch 
und Bildungen wie -ricaü u. dgl. (s. S. 265). Es war urspr. 
weich, ist fdso eigentlich als 6 aufzufassen und ist dann zu c 



344 

geworden, das mit 8, z ging. Aus diesem Grunde kommt hier 
auch d£f i und i in Betracht. Die phonetische Seite dieser 
Laute kann erst bei ö, i u. s. w. erörtert werden. 

z kann ursprachlich sein, aber nur in den Verbindungen Jgd{h) 
und zg(h) z. B. kleinr. pezd'üy, slov. pezdeti ^ten^ b. bzdüi, lat 
p^o aus *pezdö, gr. ßdew aus *ßzdiio (also zd); aksl. mtzda 
yLohn'y got. mizdö, gr. fjua^oq^ ai. midhdm yKampfyreis, Kampf 
{zdh); aksl. rozga ,Zweig^, \\i.rezgü ^ich stricke^ ai. rcf)^ ^Strick^; 
aksl. mozg^ ,Him, Mark^, preuil. musgeno, ahd. mar^; av. nMzga. 

Meist entspricht jedodi das z einem palatalen ^ oder §h, so 
z. B. einem §: brSza ,Birke', lit. birzas, ahd. bircha; aksl. fit/«^ 
4ch melke', lit määu, ahd. mädiu, gr. äfiHyu), lat mulgeö; aksL 
2rna^i Jkennen', lit iituS^i ,wissen', got. &ann, ahd. A:n<Zen ^kennen', 
lat gnöscö, nöscö, gr. yiYvciayuo^ ai. jänäti ,er erkennt, kennte ; 
aksl. 2r5no (aus *ztmo) ,Kom', lit i/mi«; le. /«mw jErbse', preuß. 
syme ,Kom', got A;aiirn ,Eom', lat gränum; aksl. 2U)f69 ,ZahnS 
ahd. chanib, kamb, gr. ydfjupog ,Pflock' (Ablaut zu *zevnbf zffh). 

Einem §h: aksl. qzbkb ,enge', lit afüesztas, got aggwus ,engeS 
gr. a/x^ ^ich schnüre', ayxi ,nahe', lat an^O; ofi^or, ai. qhuS 
,enge'; aksl. j<izh, az (wohl aus ez, €zb) ^ch^ lit esz, fisz, preuß. 
es, got iA;, gr. €/cJ, aL ahdm (slav. kann auch auf ^ zurückgehen); 
aksl. jezb aus ^jezjo-, lit eeiy^S; ahd. t$ff7; gr. ^Ivog; aksl. {i2^t 
,lecken', lit. Uziü ,ich lecke', got. bi-laigö ,ich belecke', gr. A^/^^, 
lat lingo; aksl. t?«2!f 4ch führe, fahret lit veiü, got. ga-wiga ,ich 
bewege', gr. o^os {^oxog)^ lat t?«Äo, ai. t?(£%a^i ,er führt, fahrf ; 
aksL vrtzq ,ich binde', lit verzü ,ich schnüre', ahd. würgen ,wür- 
gen'; BksLzdije ,olera', zdem ,grün', lit eelti ,grünen', alatA^^ti«, 
hdusa, klass. holus, holera, W. ^A«/; hierher auch aksl. eUüo (aus 
*zol4o) ,Gold', daim «foÄ ,Galle' (aus *zbldb), durch Assimilation 
auch iZ^dfft/ aksl. zemlja ,Erde', lit i^lm^, got guma ,Mann', gr. 
xcr/iat ,am Boden', lat humus, hämo; aksl. zejq ,gähne, klaffe', 
lit ziöpi, ahd. gUn, ginön ,gähnen', lat hiärCj hiscere; aksl. zima 
,Winter, Kalte', lit e^ä, gr. x^W ,Schnee', xeiiidv jWinter*, lat 
hiems, ai. himäs; aksl. 2fot?<f, zbvati »rufen, nennen', lit iare^» ,be- 
sprechen, incantare', ai. hdvanam ,Ruf, Anrufen', lat havSre (,Gru6 
empfangen'); aksL zvert ,Tier', lit zperis, le. /wer«, preuß. Akk. 
PI. swirins, gr. ^^, lat ferm; aksl. 2^!« ,böse', Ut pa-zvinua 
,schräg, abschüssig', aL hrunäti ,er geht irre', apers. zurah^kara 
,Ränke, Verrat übend'; aksl. zUza ,glandula' (aus *gdza), arm. 
gdj, lat glans, glandtUa. 



346 

Manchmal ist es nicht möglich zu entscheiden, ob § oder §k anzu- 
setzen ist, z. B. aksl. hltasna ,NarbeS hlii^ ,nahe', blitbkb ,propinquus* (eig. 
,anstoßend'), ^gl- got,hliggvan ,schlagenS \^t. fligerex aksl. ^asra ,yulnusS 
pr. eyawo {aizwo) ,Wunde*, le. aiza ,8palte im Eise*. 

Eine media statt der tenuis (s st. s) im Wurzelauslaut nimmt man 
an in aksl. paziti ,acht gebenS ai. päiyati ,er sieht' zur Variante mit be- 
weglichem 9 in ai. $pai' ,8p&herS lat. $peeio, gr. tmhnofuu, ahd. ipShdn, 

Sowohl das ursprachl. als auch das ans g und §h entstandene 
z war hart Weich war dagegen jenes z, das sich im Slav. aus 
älterem d£ entwickelt hat, z. B. aus d£äo ^sehr^, d£äh ^vehemens' 
(vgl. lit. gailüs jähzornig, bissig^, ahd. geil ^ausgelassen, üppig^) 
ist später zäo, zeh geworden. Es hat sich erst im Slav. aus 
jedem g entwickelt und zwar analog wie e aus k, z. B. Imper. 
modzi, modzüe zu mcgq^ moHi ,könnenS Dat Lok. Sg. nodzi zu 
noga ^Fuß'; Nom. PL hodzi zu hog^ ,Ootf ; ktn^zt ^Fürst' (Zogr.) 
u. s. w. Später ging das d£ in £ über, welches erst in den ein- 
zelnen slav. Sprachen hart werden konnte. In den aksl. Denk- 
mälern finden wir noch Belege für die Weichheit z. B. poluizS 
Nom. Sg. im Psalt sin. 

Die älteren glag. Denkm., wie Zogr. Mar. und Assem. gebrauchen 
noch ein eigenes Zeichen für diesen Laut, doch wird es schon ab und zu 
ffir ein einfaches s falsch gesetzt, in anderen Denkm. wird es nur als 
ein Zahlzeichen gebraucht, wie im glag. geschriebenen Euch. sin. und im 
cyrill. geschriebenen Supr. 

8 kann im Slav. dreifachen Ursprungs sein: 1) ist es ur- 
sprachlich: Sesaii ,kämmen', aksl. iasa ,Haar^, air. cir ,E[amm^; 
JMent ,Esche', lit. ü'ais, lat ornus (aus *08enu8, orenus); aksL 
m^o ,Fleisch', got. mimz, ai. mäs-, mi^m (urspr. ^mims); aksL 
sedmt ,sieben', lit septyni, got sibun, lat sepiem, ai. saptd; aksl. 
sestra ,Schwester^, got swistar, ai. sväaar; aksl. sHüi ,sitzen', 
8i9ti ,sich niedersetzen', lit. sesti, got sUan, gr. tdog^ lat sedeöf 
ai. sddas-; aksl. sijq ,ich säe', lit seju, lat Omen, gr. ^/ua ,Wurf, 
got saian, ßhä.8aen ,8äen'; akshslabz ,schwach', ahd.8laf ,schlaff, 
got sUpan, ahd. alafan ,schlafen'; aksl. slqh ,hinkend, krumm', 
Üt slenkü ,ich schleiche', ahd. slingan ,hin- und herziehend 
schwingen'; smejq 8^ ,lache', ai. smdyate; aksl. amykati 8^ ,schlüp- 
fen, gleiten', lit smunkä 4ch rutsche gleitend', mhd. smiegen 
,schmiegen', aisl.^miii^a ,durch etwas kriechen'; aksl.«n^ ,Schnee*, 
lit 8fi£ga8, got snaiws, gr. vl'g>a ,nivem'; aksl. Oam ,Stand', lit 
stAnas, got staths ,Stätte', lat Oatio; aksl. struja ,Strömung', 
o-stroth Jnsel', lit sraväi ,sickemd fließen', srave^ strave ,Strö- 



346 

mnng^, siid. straum ,Strom'y gr. ^el ,er fließt^, alsrdvati ,er fließt'; 
stffTq, sträi und strana, lat. stemö, gr. atögvvfUy ai. strnämi; 
aksl. aym ,SohnS lit «ünä^^ gr. viog^ ai. 9iZnt2^. 

Hierher gehört auch das Bildungssufi&x -es- der 5-Stämme^ 
z. B. Gen. Sg. nebes-e zu ne&o ,HimmelS lit debesAs ,WolkeS 
gr. z. B. yeyc(s)-os, lat. generis. 

Über das sog. bewegliche « im Anlaute der Wurzeln, die bald 
mit ihm, bald ohne solches erscheinen, handelte Siebs KZ. 37, S. 277 ff. 
Nach dorn Vorgänge anderer dentet es Siebs als ein Präfix, dessen Be- 
deatang und Ursprung nicht mehr klar sei. Er kommt zur Regel: Lautet 
die Wurzel mit idg. media an, so beginnt die parallele «-Form mit idg. 
«+ entsprechender tenuis; lautet die Wurzel mit idg. media aspirata 
an, so beginnt die parallele «-Form mit idg. « + tenuis oder tenuis 
aspirata. 

2) ist es ein palatales Je und Jeh: aksl. nesq, nesti ^tragen', 
lit. niszti, le. nest, gr. iveynLÜv; osrnt ^cbt^, lit asztüni, got 
ahtau, gr. oxvci ; aksl. praaq ^Schwein, FerkelS lit pafszas, ahd. 
farh, farah, lat porcus; prosüi ,bittenS lit praszßi, got fraihna 
yich frage^y lat precSs; phsati, püq schreiben', ptstra ,buntS gr. 
TtovAiXoQj ai. pisas ^Gestalt^; aksl. tHana ,Beif, lit szdüi ,fnerenS 
szdltas fkMj szalnä ^Reif, le. sa'Us ^alt', preuß. saUa ^alt'; aksl. 
srtdtce (setzt ein *8rdi' voraus) ,HerzS lit szirdls, lat Gen. Sg. 
card-is, gr. yuxqdia; aksl. srhäent ^Horniß', lit szirazu, let sirsis, 
preuß. drsilis; aksl. 8v^^ ^eilig', lit szvefltas, preuß. swints, got. 
hunsl yOpfer'; Sbto ^bundert^, lit szimtas, got. hund, ai. satdm; 
aksl. 8tf ydieser^, lit szls ^dieser^, got hi-mtna ^diesem', gr. TLeivog^ 
Ti^vogy lat. eis, ce-do, ht-ce; aksl. vhsh ^vicus^y lit väszeti ^ Gast 
sein, weilen', got toeihs, Gen. tceihsis ,Flecken', gr. oiyuog^ lat 
vicus. Ein Ich liegt auch vor in aksl. sirz ^verwaist', gr. %fiqog 
yverwitwet*, lat herJSs ,Erbe* (eig. ,verwaisf ), wobei man von ß ; I 
ausgeht (Pedersen, KZ. 38, S. 396). Das lit szeirys ,Witwer' 
weist allerdings ein ei auf. 

Da eine Doppelkonsonanz nicht bestehen konnte, so führte 
sowohl sk als auch Jcs über ss zu 8. Ein sk liegt vor in aksl. 
s^t ,SchattenS gr. ayua^ ai. chäyd ,Schatten, Schimmer', hierher 
wohl auch got. skeinen, ahd. sclnan; aksl. sujq, sovati ,werfen, 
stoßen' und ptisq, pouii ,weiden' werden noch angeführt werden. 
Ein 1c8 haben wir in aksl. desm (desbm) ,dexter' (aus *deJc8no*, 
*deJe3o), lit deazihe, got taihtca, gr. de^iog^ lat. dexter; aksl. osb 
,Achse', tesaH ,zimmem' und mesüi ,mischen' werden noch zur 
Sprache kommen. 



347 

Biitanter zeigt sich ein Wechsel Ton palatalen und 
Velaren Gattorallaaten und zwar bemerken wir den Velarlaut 
im Slav. und lAt z. B. aksl. drida (aus *kerda) ,HerdeS lit 
k^dzius ^Hirif, dagegen ai. sdrdhas ,Herde, Schar'; aksl. ludt 
^chVy lit latÜMS yblässig', ai. rdcßtg ,er leuchtet', dameben aber 
auch ai. rüSaiü- ^^chtfarbig^; aksl. kamy ^Stein', lit akmd, da- 
gegen aL äiman ^Donnerkeil' (die Wurzel scheint identisch za 
sein mit der von ai. dirif ^scharfe Kante', aksl. ostrt ^scharf); 
vgl. noch aksL krtnb ^verstümmelt', ai. krndti ,er verletzt, tötef , 
klrnds ,verletzt, getötef, gegen ai. irndii ,er zerbricht', iirnas 
izerbrochen'. Der Velarlaut ist nur im Slav., nicht aber im Lit 
(bez. Preuß.) z. B. aksl. gt^sb^ ,(jkn8S gegen lit iqsis, ai. hqsäa 
,6an8'; aksl. l^gq ,ich lege mich nieder', sq^ogh ,con8ors tori', da- 
gegen preuß. Umnt 4%en', lit llzda» ^esf {zd aus zd); aksl. 
mogq 4ch kann', gegen preuß. mcissi ,er kann', ai. mah- ,groß'; 
aksl. skokh ,Sprung' gegen lit szöku ,ich springe'; aksl. stekr^ 
,socer' gegen lit szeszuras^ ai. svdsums ,socer'. 

Äußerst selten bemerken wir den Palatallaut im Slav. und 
lit im Gegensatze zu anderen Sprachen: aksl. ostrh ,scharf, lit 
aaztrüs, aL dsrif ,scharfe Kante' gegen lit akä'tas ,6ranne', preuß. 
ackana Akk. ,6rannen', lat acus. Desgleichen im Slav. und AL 
im Gegensatze zum Lit: aksl. duchh ,Gehör', ai. srdäamanas 
^willfährig' gegen lit klausyti ,horen'. 

Schon hier sahen wir, daß oft innerhalb derselben Sprache 
Abweichungen vorkommen. So ist es weiter nicht unmöglich, 
daß das oben (S. 344) erwähnte aksL zdem ,grün', zdije ,olera', 
lit ÜUi ,grünen' zur selben Sippe gehört wie aksl. ilUb ,gelb^, 
lit. geUas. 

Dem aksl grad^ ,muru8' (aus *gard^) entspricht im Lit 
gafdas ,Hürde', dameben kommt hier aber auch iardis ,Weide- 
platz' vor, vgl noch lat hortus, gr. xoQ^og ,Gra8, Futterplatz*, got 
gards ,Hof, Haus, Familie', ahd. ^arte. Der fremde (germ.) Ein- 
fluß kann sich bei diesen Worten nur auf einzelne Laute erstreckt 
haben. Wegen des t im Lat und Griech. müßte man annehmen, 
daß selbst im lit zardis das d dem germ. Einflüsse zuzuschreiben 
sei, dieser äußere sich am intensivsten beim lit gafdas, aksl. gradh. 

£b erkl&rt sich fiberhaapt dieser Wechsel zwischen Palatalen und 
Velaren am besten durch Sprachmischungen, die sich hier zunächst durch 



1. Meillet erkl&rt es auch durch Dissimilation ans *Kqjn. 



348 

lautliche BeeiBflussangen äußerten. Hiebei ist es uns aufgefallen, daß 
das Lit. mit dem Slav. einerseits Yelarlaute im Gegensatze zum Altind., 
andererseits aber das Slav. eine Beibe von Yelarlauten im Gegensatze 
zum Lit. aufweist, so daß dieses hinsichtlich unserer Laute n&ber zum 
Altind. steht (wie es ja mitunter sonst auch älteres bewahrt hat). Um- 
gekehrt gelingt es uns nicht eine Beihe von slav. und lit. Worten zu- 
sammen zu stellen, die im Gegensatze zum Altind. den Palatallaut ent- 
halten würden, wie z. B. aksl. myn »Yorgebirge', das man mit ai. mükham 
(ßvz^) vergleicht. So bemerkte schon Brugmann, daß es sich hier 
um Dialektmischung handle, insofern die ostidg. Sprachen vielleicht 
schon in der Urzeit bei den westidg. zahlreiche Anleihen gemacht haben. 
Auch Znpitza hebt hervor, daß in solchen Fällen von Wechsel auf den 
Westen des «a/9m-Gebietes ein ungleich stärkerer Prozentsatz von Guttu- 
ralen (also scheinbaren alten Yelaren) entfällt, als auf den Osten (KZ. 
37, S. 400). Die geographische Lagerung der Doubletten weise darauf 
hin, daß sie durch eine Beaktion des Westens auf die Palatalisierung 
des Ostens entstanden seien. Die Träger dieser rückläufigen Bewegung 
wären vielleicht westidg. Stämme oder doch kleinere Gruppen gewesen, 
die sich über die Palatalgrenze nach Osten au^reiteten. 

Hierher gehört wohl auch aksl. Moniti ,neigen' und sionäi s^ 
Jehnen^ Miklosich meint zwar, gegen die Verwandtschaft des 
klonüi mit sUmiti, lett. sBt, slinu anlehnen' könne schon die Ver- 
schiedenheit der Bedeutungen eingewendet werden (Etym. Wtb. 
S. 121), aber S. 308 sagt er: i^slani anlehnen kann von klont 
^beugen' nicht wohl getrennt werden c und das ist jedenfalls rich- 
tiger. Hierher gehört auch lit. at-szlainia ^Erker^, sdaUas ,Ab- 
hang*, got Jdains ,HiigeP (aus oi- eine W. ^Jdei lehnen, neigen*), 
ahd. Klinen lehnen', ai irdyaJti ,er lehnt an' und wohl auch gr. 
x^Vcu 4ch lehne, beuget lat dlvus. 

Schwierig ist nur die Erklärung der Vokalreihen. Man wird hier 
erinnert an dlÜz ,Teir, got. daih, gegen dola ,Teir, p. ,dola (aus' dolja) 
,Schicksar, r. dolja ,TeilS lit. daXki ,Teil, Erbteil*. Man könnte es aus 
*dojfß durch Dissimilation erklären {dala könnte ein Lehnwort sein). In 
einer späteren ksl. Quelle lesen wir allerdings tri doly %lata^ das der r. und 
p. Form widerspricht. 

Man könnte auch daran denken, daß bei »l manchmal ein k einge- 
schoben wurde: Miklosich führt v^aljat^ati neben v^Jdat^ati an; sludäi 
neben skludüi, c^s^|^aii neben tshskUpati, »Ihb slov. »klht; slov. soka und 
skuta aus skha (Vgl. Gr. P, S. 283). Vgl. auch die deutsche Wiedergabe 
slav. Worte mit sl durch ikli Sklave aus Slave, Analog wird auch bei 
xl manchmal entsprechend ein g eingeschoben: p. tgiohieiij zgloha, tgi6bi6, 
ebenso hg. raxglobi se (ib. S. 281). Diese Erscheinungen sind natürlich 
durch das volare i zu erklären. So wäre neben sionäi auch ein skhnäi 
aufgetaucht und weil es an ein Kompositum mit n erinnerte, wäre dann 
ein khniti abstrahiert worden, aber sehr wahrscheinlich wäre eine solche 



349 

Erklärnng nicht, denn der erw&hnte Prozeß datiert wohl aas einer 
sp&teren Zeit. 

Man hat auch aksl. sint, tUnt ,Schatten* auf diesen Wechsel zurück- 
geführt: sinb entspräche einem *$iinb und «tibi» wäre aus *Bkin durch 
die Vermittlnngsstufe »chib entstanden. Das ist aber nicht möglich: im 
Glag. Cloz. kommt »c aus sk ausschließlich vor (nicht d), so sollte hier 
auch das Wort *$ehtt noch heißen, es kommt hier aber viermal «tibi» vor 
(Z. 327, 828, 329 und 335). Ein »d führte ferner im B. zu iei und dann 
iUj das Wort müßte also im B. *itUn, *Uin heißen, es lautet aber $Un. 
Ich lasse daher zwar eint aus *sUtib bestehen, leite aber Unt aus ^tem-m 
(tem z. B. in Uma aus *t^ima ,Fin8temisO ab (vgl. oben S. 117). ursprüng- 
lich war es wie d^nb wahrscheinlich ein Mask. (vgl. auch ognb), wie ei&ii 
jetzt noch im P. und Un in Mähren ein Mask. ist SUtib ist wohl eine 
Kompromißbildung von «In» und iinb, wobei vielleicht auch sdna maß- 
gebend gewesen sein kann. 

Wir haben auch noch slov. zaidn ^Sonnenuntergang', serb. 
sü-tan ytiefe Dämmerung^ und Slovak. t&fia, tdni — ^Schatten' (und 
to^va) und auch noch tdn, -e f. ^Schatten'. Hier liegt wahrschein- 
licb die Ablautsstufe *toM der Wurzel *iem vor mit dem Suffixe 
m: *tomm. In dieser Stellung vor einem n konnte offenbar kein 
Nasal aufkommen, weil das m früher assimiliert wurde, bevor 
Nasalvokale entstanden. Es kommt hier auch keine Ersatz- 
dehnung vor, weil diese erst zur Zeit der Bildung der Nasale 
auftauchte. 

Bezüglich der Bedeutung vgl. man ahd. scato, got akadus 
,8cbatten' und gr. OTioiog »Dunkelheit' (vgl. BB. 29, S. 173 f.). 

3) entstand ein 8 erst im Slav. aus ch wie aus g ein di, aus 
k ein c geworden ist, z. B. Nom. PI. dusi von duchz ,Atem, Geist'. 
Während das unter 1) und 2) angeführte 8 hart war, ist dieses 
weich gewesen (also eigentlich d) und ging daher im B., P. u. s. w. 
in S über: socha p. ,Hakenpfiug', Dat 8082e (Kaiina I, S. 158), 
b. 8086, aksl. 808S. Im Slovak. ist s, freilich drang hier vielfach 
auch das ch wiederum analogisch ein: Dat. muche neben inu8e 
von mucha ,Fliege^ Diesen Wandel des « in i finden wir noch 
in den westslav. Sprachen in b. äedy (ab. SHy), äedivy ,grau', p. 
82edziwy, kaä. äady, os. iediiwy gegen aksl. 8ed^; ab. 8ery, nb. 
sery, p. 8zary, os. itr%6, ns. iery, gegen aksl. serh yglaucus'. 
Daraus kann man auf einen diphth. Ursprung des e schließen. 
So auch aksl. vtst ,omnis' Gen. waego gegen b. vieho, weil das 4 
aus dem Instr. PI. vtaemt, Gen. PI. vh8ichz u. s. w. verschleppt 
wurde. 

8 wird zu ch. Da sich das zuletzt behandelte 8 aus dem 



360 

ck entwickelte, so mufite urspr. 8 in gewissen Fällen früher in 
ch übergehen. Dieser Wandel soll uns nun beschäftigen. Zu- 
nächst handelt es sich darum, welches 8 in ck übergehen kann. 
Im allgemeinen ist es das ursprachliche 8, 

Wir haben aber doch auch Fälle , in denen ein aus % herror- 
gegangenes « za eh geworden ist. Es ist zanäehst das oben S. 260 er- 
wähnte rieh- in rlüUi ,binden, lösen', das verwandt ist mit lit. riKtü^ 
rkafoU ,binden', got. wruggo f. ,Schlinge'. Dann aksl. chrana ,cibusS ehra' 
nUi »bewahren* (urspr. wohl ,füttem*), lit. steriü^ tzirti ,fiittem' and vt» 
»omnisS das ein vbcho- voraussetzt, lit. rt«a«, ai. dagegen viiva.- Einige 
mal ist also das aus i entstandene • ins Fahrwasser des ursprachlichen 
• geraten und zwar bei dem zuletzt erwähnten Worte schon im ürbalt.- 
slav. Da jenes «, das im Slav. zu eh wurde, vor diesem Übergange höchst 
wahrscheinlich, wie wir sehen werden, schon früher modifiziert war, das 
aus I entstandene s seine ältere Nfianzierung (vgl. lit. «2, siehe oben 
S. 251) im Slav. verloren hatte und einfach zu « wurde, so konnte natür- 
lich dieses s in der Begel nicht zu eh werden. Wir werden aber sehen, 
daß das ursprachliche s nicht selten in Stellungen zu eh wird, die nicht 
eine ältere Affektion desselben voraussetzen lassen, also z. B. in anderen 
Stellungen als vor den t- und w- Vokalen, und so ist es von vorne herein 
möglich, daß auch einzelne «-Fälle, die auf 1i zurückgingen, zu cA werden 
konnten, zumal wenn für sie dieselben Bedingungen vorlagen, die bei 
dem urspracblichen « zu eh führten. Man denke an u-ehraniti, prhehramU 
(urspr. per-^ hier also dann r«) u. s. w. 

Der Übergang fand statt nach den u- und i-Yokalen, femer 
nach r und k. Es gibt aber zahlreiche Fälle mit ch aus 8, bei 
denen diese Bedingungen nicht vorhanden sind. So können wir 
auch hier die Erscheinung beobachten, daß ein neu aufgekommener 
Laut über die Grenzen seiner ursprünglichen Berechtigung greift 
Das zahlreiche Material läfit sich so gruppieren, daß man zu- 
nächst A) antevokalisches und B) antekonsonantisches s unter- 
scheidet Bei A) kann es sich um den Inlaut oder Anlaut 
handeln, dann auch darum, ob das 8 allein oder in Begleitung 
eines vorhergehenden Kons. war. Bei B) kommen versdiiedene 
Gruppen in Betracht, darunter ist 8r die wichtigste; sie führte 
zu str, vereinzelt taucht aber dafür auch zdr auf. 

A. Antevokalisches 8. a) Nach den w-Vokalen: 
Zy u, y. 1) Aksl. hhchay r. blockd, lit. blusä ,Floh<; ab. *drimcha, 
trfyncka, nb. tremcha ,Traubenkirsche', p. trzemcha, trzemucha id. 
u. ,Allium ursinum', r. derämcha, derSmucha, ursl. also *kenm8a, 
*kerfnti8a, lit kermüsze ,wilder Knoblauch' ; khchnqti, kychati (ab. 
auch küti) ,niesen^ Rozwadowski vergleicht damit le. küsat 



351 

auftauen' und ,wallen, tiberwallen' (IF. 4, S. 409); aksl. rmcha 
yculex'y r. möcha, b. müee und aksl. mudui ,FliegeS r. müdui, lit 
muse yEliegeS lat muscay gr. fivla\ aksl. ntTtdib, r. moc&i ^MoosS 
lit müsas (gew. PI. mtiaal) ,SchimmelS ahd. mos, lat tmi^ct»; 
aksl. smcha ^nurusS r. anodhd^ ai. snuSd, lat nurus, gr. i^tn?^; d. 
&Anur; aksl. vethchh ^if, lit vetuszas, gr. eVo^, lat re^ua. 

Der Lok. PI. bei den u-Stämmen : ''^ch^J im Aksl. belegt bei 
den o-Stänunen, wo er eingedrungen: damchz (von darh ,6e- 
achenk'), woraus dann auch darodib, zidockb. Im Part praet. act 
V€d%, vedzia u. s. w. geht das i auf sj zurück, vgl. lit Gen. Sg. 
v^zuaio u. s. w. 

2) AksL dudih ,Athem', duia ^Seele^, r. duid, lit daüsos 
Plur. ^bere Luft', vgl. oben S. 162; dagegen blieb das urspr. 8 
in b. dusUij p. duM (auch wruss.) ,würgen' offenbar weil ein *du- 
chäi auf dudiz hätte bezogen werden müssen (vgl. S. 96). Aksl. 
jueha, r. uchd ,Brühe, Suppe', lit jiisze, lat jäa, gr. ^v/äki ,Sauer* 
teig', ai. yO^-ya^am] aksl. kruchh ,fi*ustum', kncha ,mica', r. krochd 

-, Stückchen', kniHth ,brechen', lit kriuszä ,Hagel' kriusziü kriüszti 
,zermalmen', man vergleicht auch lat crusta ,Rinde', TiQvog, ahd. 
rosa, ro80 ,Eis'; aksl. pazucha ,8inus', r. pdzuchaj slov. pazuha 
neben pazduha \ analog wie z. B. paznogUb ,Klaue' aus ^ + 
noffhh» entstanden ist, soll unser Wort als zweiten Bestandteil 
•ducha == ai. dö$ ,Vorderarm' enthalten (MikL Et Wtb. 52); 
aksl. sluchi ,Gehör', ai. drafa-mänas ,willfährig', sru^fi^ ,Gehor- 
sam', an. hlust ,Ohr', ags. hlosnian ,horchen', lit paklustü paklu- 
saü paldüsti ,gehorchen', Idausaü klausiaü Idausyti ,gehorchen'; 
aksl. siAchh ,trocken', lit saüaciSj gr. aloq\ tuch- in bg. rastuia 
,trösten', b. ttuHti ,ahnen', p. tuszyd ,ahnenS potucha ,Muth' vgl. 
ai. töSdyati ,er beschwichtigt, stellt zufrieden' (BB. XXV, S. 101); 
aksl. ucho ,Ohr', lit ausls, gr. ovg (aus *ou808)y lat aus-cuUo, 
Quris, got au8ö. Weiter der Aor. pluckb zu pluti-plovq ,schwimmen, 
schiffen' und Suffixe -udiz, ucka^ z. B. aksl. kozuchb ,Pelz', athduchb 
,Stiefvater'. 

3) myäb ,Maus' (aus *inychb), gr. §Ävg, lat mu8\ der Aor. 
kryehz zu kryti ,decken' bydi zu byti ,werden, sein'. 

Man hat mehrere Fälle mit $ scheinbar gegen die Begel, zum Teile 

1. d kann mitunter in zd verloren gehen: neben b. drazd »DroBser, 
lit tirastdaa haben wir auch drozen (so auch serb. und bg.), dann grqgiüi 
»einsinken machen' und lit. grimstä, grimzdad, grifiUti »sinken' und gramz- 
dyU »sinken machen*. 



352 

sind jedoch hier andere Bedingungen, znm Teile sind es etymologisch 
noch dunkle Worte. So z. B. 6rM«ls .testaS br^tnqti ,radere, corrnmpere*, 
wo ä$ wohl vorliegt, wenn das lat. /rau$ hierher gehört. Die mit » er- 
wähnte Form wäre in frustum; tnaa^ tr^ina ,8eta' (lit trusai^ truio» 
,Federbu8ch') ; b. brunna ,Frei8elbeere< ; b. r. u. s. w. brun »Schleifstein, 
Balken'; kljus^ jumentum'; b. klu$ai% ,traben'; müusb ,alteme' (ai. mUhu 
jabwechselnd', mühuf ,yerkehrt, falsch*), odriMs, b. u. s. w. ubruM ,8uda- 
rium*; r. susdit ,Blattgold'. 

B. b. krysa ,Batte*; ky$eh ,sauer* wird wohl in erster Beihe von 
kvas9 und kvaiiti hinsichtlich des s beeinfluBt sein ; man meint auch, dafi 
es ursprünglich ein t» enthalten habe, und vergleicht ai. kvathaii ,kocht*, 
got. Avo^ö , Schaum*, was wohl kaum dazu gehört; my«» , Vorgebirge', man 
vergleicht ai. mükham^ gr. fJtvxog (Wechsel in der Gutturalreihe); in 
tyaqita, iy$^ia »Tausend* liegt kein urspr. 9 vor (vgl. S. 337); in $ysat% 
»zischen*, ai. iusaii »zischt* könnte s aus eh entstanden sein. Aksl. gnu9h 
,Schmutz' enthält nicht den urspr anglichen Vokal (in ii), dieser ist viel- 
mehr in der Nebenform gm^n zu suchen (S. 126). 

In germ. Lehnwörtern ist das < geblieben: ku9iii ,gustare*, uMr^s 
»inauris*. 

b) Nach den i-Vokalen: «, i und dem diphthon- 
gischen e. 1) jehcha, r. dlhcha, ahd. dira, erüa ,ErleS l^t. elksnis 
(aus *eli8ni8)f lat almis (aus *ali8n%i8?)] aksl. tnhäelh ,turpis 
quaestusS r. tnSdh ^Gewinn', obmichniät sja ^ich irren', ai. mi^am 
,Betrug'; ptchati stoßen', lit paisyti, gr. 7t%iaawj lat pinaö^ ai. 
jnnaimij ygL b. pich und pech ,Stößel', pechovati ^stampf en^ pichati 
,stechen^; Lok. Fl. der i-St: pqttchh, ko8tbch^. 

2) tidib yStill'y U'techa ^Trost^, teäüi ,con8olari' vergleicht man 
mit lit ieisüs «gerecht', tesh ,die Wahrheit', taisaü taisyii ^bereiten, 
bessern' (Brandt, Buss. fil. vestn. XXY, 1891, S. 28); aksL 
vic^i^rb ,turbo' vgl. ht vesulas ,Wirbelwind', dem entspricht auch 
ab. vicher (nicht vichrj Gebauer I, S. 163). Aoriste: hickb zu 
büi'btfjq ,schlagen', ^ich^ zu züi-zivq ,leben' u. dgl. 

3) ledia ,Area', r. licha ,Furche', lit. l^se ,Beet', lat Ura^ 
d. Gleis (mhd. gdeis); mechh ,Schlauch', lit mdiszas ,ein aus 
Schnüren gestricktes Heunetz', preuß. moasis ,Blasebalg', ai. mi^ds 
,Widder'; 8me(A^ ,Lachen', durch 8 erweitert (smejq'Stnhjati sq 
Jachen'), das s auch im lat mlru8; Aksl. Lok. Fl. der o-St 
rocich^ v. rokb ,Termin'. 

Bei his9 »Dämon* denkt man an foedusy so daß eigentlich d» vor- 
liegen würde, lit. haisu» »fürchterlich* (auch hU-Ua hat man verglichen 
BB. 25, S. 147); in ja9w%z ,licht, klar* war ursprünglich» wie das lit. 
nüzkuB ,deutlich* zeigt, ein «A;, man vgl. riibnt^ ,veru8, certus* und lit. 
raütkus »offenbar, sichtbar, klar*; Unn^ ,angustu8* und tlski> ,angUBtu8, 



353 

torcalar*, tükati ,premere*; prisbm »frisch, ungesäuert*, lit. preskas »un- 
gesäuert*, d. f/risch* (sowie weiter in pruvn^ ,genuinu8* ein t nach « aus- 
gefallen sein soll, wenn wir es mit m/», i$toct ,Terus* vergleichen). 

Schwierigkeiten bereitet aksl. 09b99 ,Hafer', r. ovesu, lit. aviia, let. 
a^fa8, lat. aclna, Pedersen nahm an, daß im Slav. » irgendwie aus s, 
am ehesten im Auslaute entstanden ist (Il!\ 5, 8. 42 — 43). Allein das 
ist wohl nicht recht wahrscheinlich, vielmehr wird man im Slav. ein z» 
ansetzen können (z aus § mit Blicksicht auf acizä)^ zumal auch im Lat. 
diese Lautgruppe mit einem * avA^fna angesetzt werden kann; erst später 
hätte sich hier der Einflufi des Suffixes -intM, -Sna geltend gemacht. Man 
müßte aber dann unbedingt annehmen, daß auch in ovm» ursprünglich 
der suffixale Ausgang anders geartet gewesen sei, wofür ja übrigens auch 
die Gennsänderung dem Lit. und Lat. gegenüber spräche. Hinsichtlich 
des erweiternden » vergleiche man auch hrahno ,cibus* aus *homno^ vgl. 
lat. far, got barizeins ,gersten*. 

Etym. dunkel ist bübrb ^Perle^ lish ^chs', ar. leso ^acns^, 
aksl. Usa ,crates^, tigb ^taxus^, visäi ^hangen', r. visökb ,Schläfe'. 
In Fremdworten wie aksl. klisura ^Engpaß' bleibt natürlich auch 
hier das 8. 

In fMsmisati 8^ ist das 8 erst aus ch entstanden. 

Nach anderen Vokalen bldbt in der Kegel 8. So nach e: 
aksl. ßsenb ^Herbsf, r. ösent, got Mons ^mte'; gen. deso fmusf 
zu Mo-, aksl. öesati ^kämmen', kosa ^Haar^, lit. kasä ^Haarflechte' 
(entlehnt?); aksl. desüi, dositi {p erst sekundär) ^den' wird mit 
dixo/Äai verglichen; femer die es-Stämme z. B. Gen. Sg. slavese, 
ai. 8rava8a8, jesi ,bist' kann auch aus *je8-8i gedeutet werden. 
Nach : bosfb ybarfuß^ lit bäsa8 (entlehnt?), ahd. bar\ r. hose 
^SichelS aksl. kosom ^Sense^ lit kasä ,grabe'; nosfb ^ase', lit nösisj 
ahd. nasa, lat nareSj abweichend näsus mit 8; ro8a^ r. rosa ,Tau'y 
lit rashj ai. ra8d Feuchtigkeit'. 

Nach e aus E: aksl. mes^cb ,Monaf, ai. mo^-; aksl. pes^kb 
,Sand', r. pesäkb, ai. p^sü-f ,Staub, Sand'. • 

Nach ä (aus ö, ö oder ^ : aksL öasb ^Zeif zu da-jati ^warten, 
hoffen', vgl preuß. Akk. Sg. kisman ,die Zeit' (i «» i, AM. Ph. 
XVI, S. 385); -jtMz in pojasb ,Gürtel', lit fö'siu, fö'sti ,gürten', 
tdwviÄL ^wcrrog; r.jitwenft , Esche', Aoy. jasen, jesen, b. j(»an neben 
jctsen^ ab. auch jesen, lit ü'sis und vielleicht lat omus (aus 
*08enu8, *orenus)] gasnqti ,exstingui', gasüi ,exstinguere', W. zges- 
enthalten in Ut gesaü, ge8yti Röschen' und aßivwfii. Das a im 
Slav. geht auf ö zurück, vgl. YMraoßuioai, wozu das S in eaßip^ 
und nach Pedersen im slav. uz(ip ,Schrecken', zasüi ,schrecken' 
enthalten ist (vgl. jedoch oben S. 117). Got noch fra-qistjan 

Vondrfck, Vg^. sUt. Gnmm. I. 23 



354 

jverderben' und fra-qistnan ,verdorben werden' (aus *fra-qisn(m). 
Es wird Schwund des anlautenden z im Slay. und Vorgermani- 
schen angenommen. R Icisyj jgierig', lit apylasus ^wählerisch'. 

In einigen Fällen scheint ch gegen die Regel aufgekommen 
zu sein. Meist aber lassen sie sich anders erklären. So geht das 
ä in kfiälh^ kaäüt ,Husten' nicht auf ch zurück, sondern es ist 
ein *qä8li<h anzusetzen, lit kostdys, an. hösti, ahd. haosto, ai. 
käsate ^hustet'. Dunkel ist p. pctcha, klr. podpacha ^Achselhöhle, 
Schenkelhöhle', r. pcu:h^ (vgl. ai. pajasydm ,Bauchgegend, Weichen'), 
b. pochva u. poäva ,Scheide'. In strcuJiz ,Schrecken' könnte wohl 
das ch auf gs od. ks zurückgehen, aber mit dem lat sträges (zu 
stemo) kann es durchaus nicht verglichen werden; vgl. auch r. 
strastt ,Purchf , das von strasth ,Leiden' getrennt werden muß. 

Es ist klar, daß das ch als ein Bildungselement verallge- 
meinert werden konnte. Hierher gehören alle Aoriste auf -cä : 
däachz, videchz, vedochz; in der 2. P. Sg. die Endimg -äi {äh) : 
vedeÜ, imaäi. Neben aksl. duchati ,respirare', dychati ,fiare', 
usmichati s^ ,ridere', naamechati sq ,irridere' (vgl. smijati s^) haben 
wir auch aksl. machcUi ,vibrare', r. machdth neben aksl. majati 
,vibrare', manqti ,innuere', lit mößt, möti ,winken'; aksl. ja6hati 
jvehi' neben aksl. pre-ja-vzäe, lit. jöju, jöti ,reit€n'; slov. bahati, 
bahati se ,prahlen', r. bachorüh ,reden', r. dial. bacharh ,Arzf neben 
aksl. bajati ,fabulari'. So konnten noch andere Verba auf -achati 
entstehen. Hierher gehört vielleicht auch pachati ,arare', r, pa- 
chdth, womit man lat. pastinum ,Hacke', päla ,Spaten' vergleicht, 
und aksl. pachati ,agitare, ventilare' (dazu auch b. pächnouti, p. 
pachnqS ,riechen'). 

.Ans *pichz in aksl. plehota ^pedites^ pUb neCos^ speehz «Studium* 
(zu 9pU% ,proficere\ lit. spiii, ahd. apuoen) und v^ktt^ .peniculus', r. veeha, 
b. vich ,Bü8cher zu vejati ,wehenS vHvt> ,AstS gewinnt man den Ein- 
druck, als ob nach e aus e das « in ch verwandelt würde. Aber die 
Sache verhält sich wohl doch anders. Bei *pecht>, pechota muß man von 
*ped'$h ausgehen (lit. ph-ezas, dial. pUz-ezas aus *ped-tio8 ,zu FuB\ also 
ein anderes Suffix, vgl. noch pedä ,FuB-stapfe\ ai. päd-). Wegen des Aor. 
vesh aus * ved-n zu veda, vesti «führen* ist das ch in pech- wohl nur durch 
eine Anlehnung an ein anderes Wort entstanden. So käme in erster 
Beihe aksl. pbchaii ^stoßen', insbesondere mit den ,Ffißen* (s. oben S. 352), 
vgl. auch b. pechovati «stampfen* in Betracht, da es ja begrifflich nahe 
liegt. Mikkola setzt ein *ped98o$, ped98io8 an (IF. 16, S. 97), allein das 
ist kaum möglich. Der Beflex des 9 (richtiger 6, t>) hätte müssen wegen 
des lit. pUeza8 schon im IJrbaltischslav. ausfallen, sonst würden wir das 
lit. e und slav. e nicht begreifen. Vor dem Ausfalle hätte aber schon 



365 

das 9 in eh übergehen milssen, also im ürbaltiaohslav. Es spricht auch 
dagegen lit. p6dä. Das i mvS hier zum mindesten ebenso alt sein wie 
in pU-czoB und peh. Aach in $peehb ist das ch offenbar unter der Macht 
der Analogie entstanden (« war hier schon ursprachlich , vgl. lat. spes^ 
speräre). Man vgl. die nomina actionis aksl. smeeh^ sluehh, duchz^ ab. 
eiteh ,8inn, sensus^ nb. cieh meist ,Geruch8inn' von cU4i ^wahrnehmen' 
(nach Znpitza vgl. gr. kret. dxivopreg, dxtvn jiiQiP und axovn aus 
4xxovaim, got hau^fan ,hören* KZ. 87, S. 399 und IF. X, S. 151); p. b. rueh 
^Bewegung*. So muß schließlich auch vechh, veeh^ib beurteilt werden. 
Die nähere Bestimmung des e ist allerdings mitunter recht schwer. So 
z. B. in aksl. »treeha «Dach*, aksl. greehb ,Sünde' (Pedersen denkt an 
greii^ grejati ^e^fiaiveiv, goreti ^ardere', gorj€ ,Gram' und vergleicht ai. 
tdp€t8 ,Schmerz*, dann h&tten wir es hier auch mit einem analogischen 
eh zu tun) ; oreehö ,NußS lit. allerdings rUzutM, was wohl kaum ein Lehn- 
wort ist, preuß. r^UU : bueea-reües ,Buchnuß*; bei pliehz, aksl. ple» 
,Kahlheit' denkt man zwar an lit. phkas ,kahl', das aber entlehnt ist 
(vgl. b. piehy); loiadb r. »Pferd*, klr. ioia, loiyea »Füllen*, loiuk, ioiun^ 
p. ioszak ,kleines tatarisches Pferd* ist aus dem Türk. entlehnt: alaia 
^Bücken, Last, Pferd* ; offenbar ist auch aksl. mohna »Beutel* ein deutsches 
Lehnwort: bair. Mosehe ,Hängek(f^b* wie auch b. ploehy ,flach*, ploeha 
,£bene', r. ploehöj »schlecht* aus dem ahd. ßah, 

Dunkel ist z. B. aksl. doehT>torb, nQoaxttpalaiov »Kissen*, Jeia ,utinamS 
Masa, kaiiea ,Brei*, koehati »lieben* {raa-koh ,voluptas*), koäuffa (easula?); 
reieio »Sieb* (vgl. oben S. 301), troeha »mica*. 

Die Annahme, daß das Suffix -cho- verallgemeinert wurde, 
ist unbedingt notwendig. Ohne diese Annahme sind Worte wie 
8pich^, tkkb u. s. w. gar nicht zu erklären. Analog verhielt es 
sich auch bei den Yerbis -achati und so gibt es noch andere 
Fälle, die anders nicht zu erklären sind. 

b) Antevokalisches s im Anlaut Wie man aus vielen 
Belegen ersieht, bleibt das 9 unverändert. Dameben taucht aber 
doch auch ch auf und diese Fälle sind zu erklären. AksL chodz 
jGang', chodüi gehen, Part, praet act ähch ist zu vergleichen mit 
ai. 8€uiy das identisch ist mit der W. sed ,sitzen' und nur in Ver- 
bindungen mit Präfixen wie ä- die Bedeutung einer Bewegung 
erlangte: ,gelangen'; hierher gehört auch griech. id : odog. 

Das ch ist zuerst in solchen Kompositis, deren Präfix einen 
i- oder n-Yokal enthielten, wie yri-ckodüi, uchodüi aufgetaucht, 
und von hier aus ist es dann verallgemeinert worden. Wie bei 
choditi könnte es sich auch bei anderen analogen Fällen ver- 
halten. Wo sonst im Anlaute ch vorkommt, muß man es, wenn 
es sich nicht um Lehnworte handelt, auf ks (qs) und kh (qh) zu- 
rückführen; bezügl. chUh ,Brotf vgl S. 261. 



366 

Zumeist sind es freilich Lehnwörter wie akd. ehqdoffb ^er- 
fahren^, got handugs; aksl. chliv^ yStaUf, got hlaiv ,6rab^ (S. 261); 
chorqgy ^ahneS got. hrungay hrugga ,Stange'; b. ehvtte^ got 
hweüa; aksl. chyzb ^aus', got ahd. hüs ^Haus' und and. 

c) Antevokalisches 8 mit Yorhergehendem Kons. In 
der ursprünglichen Verbindung rs wurde s zu ch: aksl. brahno 
ySpeise'y lat far, gen. farris, got. barizeins ,von Gerste^; aksl. 
grackb ^aba', r. goröch^, b. Ar^ yErbse', lit. garszvä ^Giersch'; 
aksl. prcukb ,Staub', r. p6roch^^ b. prachf vgl. aksl. pnsth ^umus, 
pulvis^ 9i.pürifam ,Erde, Schutt» Kot'; aksl. ania yYespBfj^srhiem, 
strhienb »crabro^ r. äeräenh, aksl. strhähl^, lit szirszä, szirsdys 
,Wespe', szirszlnis ,die Wespe betreffend', lat cräbröj ahd. homaz 
(im Slay. urspr. vielleicht srhchy arhSene . . . Zubaty, Afsl. Ph. XY, 
S. 502); vrhchq, vriiti »dreschen', lat verro {* versa) y ahd. tvirru 
jverwirre'; aksl. vrbchz ,cacumen', r. verch^, lit virszks, lat Ver- 
ruca yWarze', gr. %qiia. Hierher auch zredvhj mrichb u. s. w. 

Eine Ausnabme bildet aksl. cretb neben crezb ,durcbS r. cerwh, lit. 
ikersai »qüer*, prenß. kirsa «Über*, gr. inixägaiog ,Bobr&g*. Unter dem 
Einflüsse von skvoze, das andererseits aucb zu skoze, skose und skvozb 
wurde, ist das z eingedrungen. Das dominierende z erhielt das mebr 
verwandte s in *cBm, und ließ es nicht in eh libergehen. Die gegen- 
seitige Beeinflussung von *cer89^ eren, erezh und skvoxe, $koze u. s. w. 
führte zu mannigfachen Kompromiß formen überhaupt Das b. skrze (dial. 
krz\ bg. krhz erklären wir am besten aus einem auch durch das preuß. 
kirseha nachweisbaren ^kfs-^ das im Slav. zu *khrs, bez. durch den Ein- 
fluß von ikraze zu («)A;%rx- statt des erwarteten ^hrs (vgl. oben S. 828) 
führte. Auch Berneker läßt preuß. kirseha jüber', aus einem kfs ent- 
stehen (Die preuß. Spr. S. 168). Das seh aus s (infolge des vorhergehen- 
den r) zeigt sich in diesem Worte wohl zwanzigmal, nur einmal a (S. 167). 

In r. noroab ^Laich der Fische^ Erösche^ norostt f. ^Laichzeit', 
lit nafszas u. dgl. geht 8 wohl auf Je zurück (vgl lit. ne-nerszcia 
,nicht laichend*. B. trs (,Wein)-stock* wurde mit gr. dvQaog ver- 
glichen (Matzenauer, Cizf slova S. 354), dann dachte man an 
it torso (Afsl. Ph. XVI, S. 369). R derero, der«;w ,GürtelS p. 
trzos, ar. dresz setzt nicht ein *öer8y *kers voraus, vielmehr zeigt 
sich hier der Einfluß der Präp. öeres^, derezb, vgl. ai. crias (KZ. 
37, S. 399). Auch das slov. vris ,Heidekraut', r. veres^^ veresH 
und Aksl. vreshnh ,September^ setzt kein rs voraus, wie Ut virzis, 
virziu menü zeigt. Im K. haben wir neben morasith ,fein regnen' 
morochz ,feiner Begen' und im Klr. prochaty = r. prosttt ,tragen'. 
Hier waren die anderen Yerba auf -ckati maßgebend. 

In der urspr. Gruppe Is blieb dagegen das s: aksl. glash 



367 

Stimme', r. gdlosh, lat gaüus aus *galso$\ aksl. Uash ^Ähre'; über 
aksl. Usb ,WaIdS vgl. oben S. 301. 

ks (qs) führte über hch, chck zu ch z. B. akd. lichb ,über- 
fiüssig^ hängt offenbar mit Xdipca^ov zusammen, dagegen lid^^ 
yböse, schlecht', r. lichij ^schlecht, Teufel' findet sich offenbar in 
lit lesas ,magei^ wieder. Man muß hier wohl von zwei Themen, 
die zusammenfielen, ausgehen (vgL oben S. 26). Weiter gehört 
hierher der Aor. rich^ (aus *rSk8b) zu rekq, reüi ,sagen'. 

Auch im Anlaute: chud^ ,parvus, miser', r. chudy ,mager, 
schlecht, der Kompar. chuzdhj deckt sich mit ai. k^diyaS' zu 
k^rd ,klein' (auch ,böse'). Weiter aksL chlad^J r. chäodh ,Ealte' 
(aus *chold(h)j lit szäUas ,kalf (von aksl. slana fieifj lit szalnä 
,Reif, an. häa ,Reif zu trennen, Pedersen, KZ. 38, S. 391). 

Hierher gehört yielleicht aach aksl. seaU ,8exS das i wäre aus eh 
und dieses aus kw entstanden (Zupitza, BB. XXV, 1899, S. 94, vgl. 
kymr. ehveeh ,sex* und ehufont ,Begierde' aus anlautendem Awr, sl. ehifh»)- 
Der Ausfall des v wftrde hier keine großen Schwierigkeiten machen, weil 
wir ihn sonst auch in ehvo auf slar. Boden hemerken z. B. h. ehory aus 
älterem chvory. Bei ^kaveJcB könnte man auch annehmen, daß k wegen 
des nachfolgenden £ in einer Gruppe von Sprachen leicht abfallen konnte ; 
vom Slav. kann es natürlich nicht gelten. 

In anderen Gruppen bleibt in der Regel das 8. So in ns 
und ms z. B. aksl. m^o ,Pleisch', got mimz^ aL mos-, nUfsam-, 
gr. f^ijviy^, urspr. mims; aksl. dr^kb ,tristisS lit drqsüs ,dreiBf , 
gr. d-QaavQy ai. dhr^u-f (bezügl. der Bedeutung vergleicht man 
ahd. ihnsti ,dreist' und lat tristis), dann noch aksL dr^elh axv- 
d-Qwnog^ dr^elavati arvypa^eiVf dameben aber auch dr^dUz, r. 
drjdchlyj ,alter8schwach'. Was hier maßgebend war, ist schwer 
zu sagen; vielleicht truchly, falls es gemeinslavisch war. Im Aksl. 
ist dr^b jedenfalls das ältere (im Zogr. nur dr^b Mark. 10. 22 
und Luk. 24. 17, Mar. kennt nur dr^chh^ das auch im Supr. 
ausschUeßlich ist. Dagegen weisen auch die Wiener Blätter noch 
das ältere dresdb Fol. A b. Z. 17 auf). 

Aksl. gqsb, lit. z(^9is, d. Gans; aksl. qsb ,barba, mystax^, 
preuß. fvanso; aksL tr^, tr^i, tr^qti aeiead'ai, r. trjasU, trja- 
chatt, vstrjcuAivatt wohl nach den anderen Yerbis auf -achati 
und darnach auch weiter trjachnütb, trusüt, ai. irasämiy gr. TQewy 
lit triszeti ,zittem, schaudern'; Aor. p^ zu ptnq ,spanne', erst 
später unter dem Einflüsse der anderen Aoriste auch p^b. Ab. 
Lok. PI. der fi-Stämme: Folas, Lubdaa aus ^Lubdans (od. eig. 
^Lubööna). Diese Formen wie Lubdas und p^ müssen jedenfalls 



368 

henroigehoben werden, da sie uns zeigen, wie lange sich das 8 in 
dieser Stellung behauptete. 

AksL qchati ,duftenS ai. aniti ,atmet^ ist offenbar eine Ana- 
logiebildung etwa nach duduUi. Nach der Analogie kann auch 
das schon erwähnte r. trjachnütt und trucknütt ^fürchten^, femer 
utqchnqii ^cessare^, chqchnqti ^munnurare' erklärt werden. 

Intervok. ss führte auch zu s: Oten. Fl. aksl. nasb, vag^ aus 
*nö8'8h, ^vös-n, so auch der Lok. PL 

Desglddien ps : aksL kosb ,Amsel', gr. %6\pixoqj aksl. hresb 
yXQOft^j Sonnenwende', fMÄrftsik^t ,auf erstehen', AT^9tft,auf erwecken', 
r. hresh jErholung', lit kreipti, kraipßi ,kehren', an. kreifi ,Hand- 
wurzel'; aksl. osa yWespe', lit vapsä ,Bremse', ahd. wafsa, lat 
vespa; r. ostna ,Espe', lit apuszis, ahd. aspa; aksl. vysokh, r. ry- 
sökij ,hoch', gr. vxpog, vip^kogf urspr. *äp»)*. Nachträglich wurde 
die Gruppe ps dial. durch die Metathese zu sp umgewandelt. 
Natürlich handelt es sich um sekundäres, durch den Verlust des 
Halbvokales entstandenes p8\ so ^pana Zogt. Joh. 21, 26 aus 
phsana zu pbsati ,schreiben'; ^pano ib. Luk. 7. 27; ^pahmhskyck 
st p'sahm ... ib. Luk. 20. 42 ; vgl. auch aspinfb aus a^pivd-og 
(Tgl. AM. Phil. 13, S. 344); akr. spavati, vgl. aksl. ptsovati 
schimpfen'. Mit dieser Metathese ist lat. vespa und mhd. Wespe 
B ahd. toafsa aus wapsa zu vergleichen. Der Aor. gresh aus 
^grd>8^ zu greb% greti ,graben'. 

Wie man sieht, ist der Übergang des « in cA älter als der 
Schwund des Labiales vor 9, denn das s blieb hier auch in Fällen, 
wo ein t- oder M-Yokal vorherging. 

Ta und ds führte auch zu «: 2. Fers. Sg. dasi zu dati ,geben' 
Jl^d jasi zu jasti ,essen'; Aor. bä«b aus *böds^ zu bodq, boati 
,stechen'; h^ ,daemon' vgL S. 362; aksl. rush ,flavu8', lat russus 
(vgl. ai. rudhirdm)\ aksl. hraea ,Schönheif, an. hröa ,Ruhm' und 
hrödr. Wollte man daher L^^ mit einem l^t (vgl. magy. 
lengudj das etwa einem *lendli entsprechen sollte) in Zusammen- 
hang bringen, also etwa ein ^lendso-, dann *l^0', so könnte es 
nur analogisch gebildet sein, etwa nach Cech u. s. w., wie p^ 
zu p^z analogisch geworden war (vgl. Afsl. Phil. 22, S. 463). 

Desgleichen ^ : aksl. ost ,azis', lit (MsziSj ahd. ahsa, gr. 
a^wv; aksL tesati ,zimmem', lit taszyti, ai. tdkfati ,behaut^, gr. 
rixrtav; hierher rechnete man auch aksl. mesiti ,mi8chen, kneten', 
lit maiazßi ,mischen', ai. mik^dyati ,mi8chf , im lat mieceo wäre 
eine Metathese von ks (auch im Genn.); es ist mir aber Brug- 



369 

manns Erklärung wahiBcheinlicher: auf *mik^8^ ^ck mische' 
(aL mis-räs ^Termischt') beruhe lat misceo, ir. con-tnescatur ^mis- 
centur*, ahd. miskCiJu (Kurze vgl. Gr. S. 519). Im Slav. hätten 
wir ein *fnh80', in mesüi dagegen werden wir nicht in «£ suchen, 
mag es ein Denominativurn oder Deverbativurn sein, sondern nur 
ein *fnoik, wqU hier sJc nie vorkommt; analog in lit. maiszaü, 
maiszyti, vgl. auch preoß. maysotan ^gemengt'; r. mechatb ist 
nach anderen Verben. 

Aor. nesh aus * nsi:sb zu nesq^ lit neszü, gr. ^veyyux. Wahr- 
scheinlich auch semhja ^FamilieS lit. szeimyna ,das Gesinde' ai. 
k^emas ^Wohnsitz, Heim'. 

B. Antekonsonantisches 8. Bei m war wohl zunächst 
der vorhergehende Laut maßgebend: nach i-, u- Vokalen, nach k 
oder r ging 8 in di über: difchnqti ,blasen', lichnqti ,abundare', 
r. trüchnutb ,faulen', s. truhnuti, truhliti ,{aulen'. 

Vielfach ist freiUch das ch analogisch, wie z. B. in machnqti, 
r. trjachnutb, aksl. utqchnqti ,cessare', chqchnqti ,murmurare'. 

War vor dem s noch ein Kons., so ist es schon vorslav. aus- 
gefallen: aus *loi4k8na entstand *lauknä und daraus luna ,Mond', 
lat lüna, altlat losna, pr. lauxnos ,Gestime', gr. Xvxvog. Ebenso 
aus ^kirsTUh : *kirno : crhm ,schwarz', preuß. Jdrsnan, ai. kr^ds. 

DaB aber vor dem n alle Verscblaßlaute schwinden mliBten, wie 
Mikkola (BB. XXII, S. 246) behauptet, wird wohl kaum richtig sein. 
Pedersen ließ aas *luk9na : ^luchna und luna, ebenso aus ctrsm : 
*cbrchnb und cfhm> entstehen (IF. Y, S. 66—67). Es ist aber nicht ein- 
zusehen, warum das eh in *luehna schwinden sollte. 

Wenn vor dem 8 andere als oben angegebene Laute vorher- 
gehen, so bleibt es: basni» ,fabula', ai. bha'8, nach diesen und 
ähnlichen auch pesni» ,cantus' zu pojq-peti ,singen^ (das e ist 
diphth., daher sollte es *pSchnb heißen); gasnqti ,exstingui^, das 
schon oben erwähnt wurde; aksl. 808na ,abies^ aus *zo8na, ahd. 
chien (aus *ken, ^kizn); ve8na jEVilhling*, lit. va8arä jSonmier'. 

Im anlautenden 8n ist 8 geblieben : snegz ,nix^, smcha ,nurus^ 
und and. 

Analog verhält es sich bei sm : r. suchin4nh ,Dürre', gluch' 
mint hautlose Nachts Daraus folgt, daß aksL usrm, usma 4n- 
dumentum, corium' nicht zur W. %e8 ,kleiden^ gestellt werden 
kann, aber auch nicht zu lit audziu ,webe^ (wozu aber jedenfalls 
r. dial. u8lo ,textura^ gehört), denn im Zogr. haben wir uswnem 
(also U8^mb). Aksl. utm ,mens' hat mit lat ömen, altlat osmen 
nichts zu schaffen (got gaumjan, ^gchaumjan ,sehen, wahrnehmen). 



360 

Sonst bleibt 8 in sm analog wie oben : jesmh ^ch bin' ; hmm 
^aar'; b. pdsmo ,Fitze, ZoneS ahd. fasa ^Faser' u. s. w. Lok. 
Sg. der pronom. DekL tomtj lit tamb gegen ai. täsmin, femer 
Dat Sg. tomu, lit. tdmui gegen ai. tdsmäi, wohl unter dem Ein- 
flüsse anderer Kasus ohne 8, z. B. Instr. Sg. timby lit. tämi. 

Im Anlaute: smijaH 8^ ^^hen', arnndeti ,stinken', lit smir- 
d&i. Immerhin scheint hier auch die Möglichkeit eines Wandels 
in ch vorzuliegen: r. smüryj ,dunkelgrau', dameben aber auch 
chmüritt ,die Brauen zusammenziehen', nachmura und naämura; 
vgl. 8v {chv). 

Man kann annehmen, daß die Behandlung bei 8V analog war. 

Da nun nach l das s bleibt, könnte man aksl. vUehv9 ,yate8S r. 
volehtrh nicht auf ^vblsvo- zurückführen. Man kann es aber in Zusammen- 
hang bringen mit an. v^ha, wenn dessen Iv aus Ipv entstanden ist (Mik- 
kola, IF. y, S. 66). p ist im Slav. bei der Entlehnung durch eh wieder- 
gegeben worden, vgl. aksl. chniitb ,scarabaeu8\ got. pratnsUi, vplva würde 
mit Wald, Wild zusammenzustellen sein (vgl. Hexe), 

Im Anlaut bleibt zwar 8 : svoj ,seinS svekrb ^Schwiegervater', 
8vinhja jSchwein'. Es sind aber auch Fälle mit ch vorhanden: 
aksL chvala ,LobS chvalüi ^oben', vgl. ai. 8värati ,tönt, besingt'; 
aksL chvorovati daTcavSv, lit. 8verti ,wägenS svarüs ^schwer*; mit 
8varÜ8 könnte auch chvorh ,aegrotus^ verwandt sein (man vgl. ahd. 
8veran ,Schmerz verursachen^ 8vSro ,Schmerz, Krankheit); diyra 
,debilitas' wäre von chvarz, chytäi ,rapere' von chvatüi beeinflußt 

Bei sm bemerkten wir diesen Übergang insbesondere vor dem Vokal 
u; so könnte auch hier zunächst ein nachfolgender dunkler Vokal maß- 
gebend sein. Bei «vo; müßte « bleiben wegen »ebe, sq; evatt ,affinis' deutet 
Miklosich aus svojati^ (Etym. Wtb. S. 332). 

Sl stellt sich zu sn, sm, sv : aksl. u^chh ,aridus', klr. ruchto 
Oruchome dobro^) ^Ladung* und rucho, ruchlo; natruchlüi ,gravi- 
dare^ b. truchlj ^traurig^, das auch westslav. ist (vgl. r. truchnüth 
,furchten% tmsb , Feigling, Hase^ trüsitt ,fürchten*); b. rychly 
^schnell* zu ruck in ruäüi; aksL *dhchlz {d^chnqti)y r. izdochlyj, 
b. zdechly ,verreckf ; aksl. puchh ,cavusS r. tüchlyj ,faul, verfaulte 

Wenn demnach -u/-, -u«^, -rsl- vorkommt, so liegt teils U vor, teils 
sind es unerklärte Worte: cielo ,Zahl' aus *cii'8lo', mysU ,Gedanke, Sinn' 
aus *tnf/d-^h, vgl. got. gamaudjan ,erinnern^ 

Geht vor dem 8 noch ein Kons, vorher, so ist 8 schon urslav. 
ausge£allen: glnalä führte zu glrüä und daraus entstand züa 
»Ader^, Ut gysla, eig. g^la (Mikkola BB. 22, S. 246). 

Nach anderen Vok. und unter anderen Bedingungen bleibt sonst «: 
aksl *^»^ Axt* (*^»), ve$lo ,Ruder* aus ^vez-slo (vgl. lat. velum); maelo 



361 

,öl* zu mazati ^schmieren' (^maZ'»lo); jatU ,Krippe* {*jad'sli zu jamh ^esse). 

Aksl. ceehlz ,velameii* bringt man mit preuß. kekulü ,BftdelakenS 
got. hakuU ,palliam' zusammen. 

Im Anlaut bleibt s: r. dimakh ^SchneckeS preuß. daix, lat 
Umax (man vgl. fSchleim^); aUpt» ,blind' zu lit sUpti ^verbergen'. 
Nur neben alepati ,salire' haben wir auch iacUhpati ^catu- 
rire*. 

Die Gruppe sr bietet große Schwierigkeiten mit Bücksicht 
auf tn^zdra ^Membrane, Fleischhaut, Bast^, cf. m^o ^Fleisch', lat. 
membrum, membräna und aksl. nozdri PL ^Nasenlöchei^, lit. nas- 
rat ^Rachen' vgl. nosh ,Nase'. Diesen beiden Worten zu liebe 
nahm man an, sr habe im Inlaute zu zdr geführt, allein das 
kann nicht richtig sein. Sonst führt ja ^ zu str, im Inlaute 
auch sr aus hr, z. B. ostrh^ lit. CLSztrus, ai. dsri^ ,scharfe Kante', 
gr. ai^og ,spitz'; pbstrh ,bunt^ vg. ptaati und noiydXog; urspr. sr : 
sestra ,Schwester', lit. sesü, Oen. sesers, got. svistar, ai. sväsar. 

M^ra und nozdri kann nun nicht lautlich erklärt werden. Es 
muß hier offenbar die Beeinflussung ron anderen Worten vorliegen. Bei 
m^ra könnte man an *m^a ,succn8, Saft in den Bäumen, Splint' 
denken (Miklosich geht von mhga ans Etym. Wtb. S. 196, wogegen 
die Eefleze des Wortes in den einzelnen slav. Sprachen, insbesondere das 
Buss. ein — wohl sekundäres — nu^a aus *tneiU'ga voraussetzen. Aus 
m^a drang wegen der begrifflichen Verwandtschaft m^z- in ^m^a ein, 
woraus m^-ra, m^-d-ra wurde. Wie beide Worte im innigen Kontakte 
mit einander stehen, zeigt uns das P. : beide haben hier nämlich ia: 
miazdra und miasga. Beachte hier aber auch noch miazd» tniaidzu. Auch 
ans dem Ksl. wird ein mezdra Mise. §af. S. 160, das den Einflufi eines 
mezga voraussetzt, zitiert. Nozdri wird meist von Tieren gebraucht, der 
Zusammenhang mit non ging verloren, vgl. russ. nozdr^vdtyj, notdrjdvi/J 
,por58, schwammig*, nozdrina ,Höhlung' (auch im P.), nozdrjd .Nasenloch\ 
«durchgebrannte Stelle in Öfen'. Man brachte daher offenbar das Wort 
in Zusammenhang mit -nozüi^ pro-noxäi ,durchbohren' (vgl. auch nof» 
,Mes8er'); so entstand nozri, nozdri aus nosri. Vgl. auch r. nozhtna so 
viel als nord (nort) ,Höble, Loch, Grube, Fistel*. Auch im Lit. ist, wie 
die Bedeutung zeigt, der Zusammenhang mit n6$is verloren gegangen. 

Wenn wir im Aksl. Izdraih 'Jagarii und dgl. finden, so entscheidet 
es in unserer Frage nichts, denn hier handelt es sich uro ein Fremd- 
wort, in dem das s mehr tönend ausgesprochen wurde ; man vgl. b. z. B. 
Izaidi u. and. 

Gegen die allgemeine Begel spricht auch nicht viehr^ ,turbo', denn 
älter ist viehar^ (vgl. oben S. 352). 

Auch im Anlaute haben wir str : aksL struja ,fiumen' und 
(hstrof^h ,InseP, lit. sravä ,Fließen, Bluten', srave, strave ,Strömung', 
lett. strätce, ai. srdvati ,er fließt^. 



362 

Man wird daher ehrom^ ,hinkend' nicht mit ai. grämd- ,lahm' (srama 
,Seuche, Krankheit*) zusammenstellen können. 

Aus sJc ist im Slav. 8, im lit. sz und Lei 8 geworden: pasq, 
pasti yweiden'y \BX,pä8co. Im Anlaut: sujq, 80vati ,werfen, stoßen^ 
aksl. sülica ^Wurfspieß' aus *8udla, lit szduju, szdudau, an. skjöta 
schießen', ahd. 8ciozan ^hießen^ Über 8ini> S. 349. 

Vor den übrigen Verschlußlauten, insbesondere vor 
k, t bleibt das 5, mochte ein f-, ti- Vokal oder ein r, k vorher- 
gehen: aksl. iskati ,suchen', lit jeszkoti ,suchen<, ahd. eiscön, ai. 
icchati. 

Die Entlehnung ist bei jestkotiy slav. iskati, wie auch Berneker 
richtig bemerkt (Afsl. Ph. XXY, S. 491), unwahrscheinlich, weil ahd. 
eiscön nur ,fragen* bedeutet, lit. jeszkoti und slav. iskati aber nur ,Buchen'. 
So muß man hier eine Nebenform -sqo' zu sio ansetzen (das sz im Lit. 
wird als eine Wirkung des k gedeutet, Pedersen, IF. V, S. 80). 

Aksl. piskati ^pfeifen^, ai. picchörä ^Pfeife'; r. treskd ,Stock- 
fisch' (*trbska\ an. ßorskr, d. Dor8ch, W. ters ,trocknen'; 2. Pers. 
PI. Aor. teste zu tekq, teäti ,laufen, fließen'; aksl. prtstt, r. perstt 
yhumus' zu aksl. prackh^ r. p&roch^ ,Staub'; aksl. usta ,Mund'; 
aksl. isto ,ren, testiculusS lit InkstaSj le. tkstis, preuß. inxcze 
^iere*. 

Insbesondere ist das in ^+^ oder d+t entstandene s nie zu 
ch geworden: mesto jOrtf, W. müh; aksl. vn>8ta ^tadium, aetas^ 
aus *vtfrt4ä. Wo ch vor t zu stehen kam, ist es analogisch erst 
später geschehen z. B. Inf. *verchtij woraus wie aus kt im Aksl. 
St geworden ist: vreäti, lat. verro. 

Vor d wurde s za z: aksl. uzda ,Zügel' von einem Thema, 
das auch in usta vorliegt. 

Allgemeines über den Übergang des s in ch. Im 
Slav. ist nicht erst s zu ch geworden, sondern wahrscheinUch in 
den älteren Fällen zunächst ein ^-Laut Es ist nämlich auffallend, 
daß im Ai. # wie auch Iran, ä Vertreter von idg. s hinter anderen 
Vokalen als ä (d. h. nach urspr. *, ü) und hinter k, r, 9 ist, z. B. 
im Lok. PI. auf -su : agnisu, dhi^, 8ünv4u gegen äsvasu. Nun 
haben wir gesehen, daß aksL ch für einen Sibilanten ursprünglich 
immer und nur hinter idg. f, ü, Gutturalen und r-Lauten eintrat, 
also genau in denselben Fällen wie die indoir. if-Laute (J. Wacker- 
nagel, Ai. Gr. I, S. 230-231). 

Pedersen kam zum Schlüsse, daß das angesetzte i älter sein 
muß 1) als die Monophthongierung von oi und at, 2) als die Anaptyxis 
in der Gruppe tort, tert, 3) als der Ausfall von p und t vor s, 4) als der 



363 

ZaBammenfall von s und ^ (IF. Y, S. 74 ff.). Das urslav. i stimmt also 
überein mit dem ar. i und zwar war dieses vielleicht beschränkt, wie P. 
vermutet, auf den Osten des idg. Gebietes. Es wurde nun im Slav. in 
der Kegel zu cA, vor YerschluBlauten blieb es aber und wurde später zu 
8. Möglich, daß auch gleichzeitig das dem i entsprechende i (lit. sz) zu 
t geworden ist. Die Frage, wann ans diesem urslav. oder besser uridg. 
i im Slav. ein eh geworden ist, beantwortet P. dahin, daß jedenfalls vor 
der ersten slav. Palatalisierung, denn von dieser ist auch eh betroffen 
worden (1. c. S. 86). Aksl. srt^Sem muß auf * strchenb zurflckgefnhrt werden. 

Hinter 9 trat idg. die Umwandlung von 8 in ä (und z in i), 
wie Wackernagel bemerkt (L c. S. 231), gewiß nicht ein und 
wenn sie sich voi^det, so liege eine Weiterführung des betr. idg. 
Lautwandels vor. Dementsprechend könnte das 8 in nesodi^ nacli 
einem o, das dem 9 entspricht, lautgesetzlich nicht zu ch geworden 
sein, wenn man schon ne80ch^ mit Kern dem ind. Aor. dbödhi- 

I 8ham zur Seite stellen wollte (Afil. Ph. 17, S. 629), was kaum 

I richtig wäre. 

i Man muß überhaupt mit Bücksicht auf die verschiedenen 

Aoriste und Lokalendungen wie -achh u. s. w. annehmen, daß 
nach Vokalen in der Flexion das ch schon in alter Zeit meist 
verallgemeinert worden ist Viel später macht es sich auch nach 
Kons, geltend. Dial. entwickelt sich das di bisweilen auch noch 
in jüngerer Zeit. So ist z. B. unter dem Einflüsse der Intensiva 
auf -chati das klr. prochaty gegen pro8Ui aufgekommen. So mag 
es auch in einigen anderen Fällen, deren ch wir lautUch nicht 
erklären konnten, zu beurteilen sein. 

Auch im Lit. erscheint k lautgesetzlich nach r, k und nach t, u 
z. B. triszetiy W. tret-, vttuszas « veti^h^ (Zuhaty, AfsLPh. XVI, S. 404, 
Anm.), hinter schleifend betontem t, u wurde es jedoch zu s {säJisag «» 
such», ma»a8y aksl. m&cA», 3. Pers. Sg. kUiuso und and. Pedersen, IF. 
V, S. 78). 

Das 8 im Slav. behandelte eingehender H. Pedersen in dieser 
Hinsicht i. J. 1896 (IF. 5, 8. 33—87), dem wir vielfach folgen konnten. 
Einige Korrekturen gab Mikkola in BB. XXII, S. 245 ff. Dasselbe 
Thema erörtert auch Uhlenbeckim Afsl. Ph. XVI (1894) S. 368—384, 
wo sich in den Hauptresultaten so manche Berührungen mit P. ergaben. 
Beide folgten der Anregung Brugmanns, daß es besonders viele sichere 
Belege ffir ch nach ti- und t-Vokalen gibt (Grundr. I, S. 444). 

Es gibt noch einen jüngeren Übergang des 8 in ch z. B. 
dial. im B. in der Stellung vor einem c : chdpati ^verenden' aus 
8cipati aus sh^cep . . (vgl. S. 269); chcdt aus 8cdtij aksl. stcati 
,mingere'; vgl. auch r. 8mumyj ^dunkelgrau' neben chmura, poch- 
muryjj b. chmura, chmumij; im B. kann dial. 8 auch vor 6 in 



364 

ch übergehen: chdesU, fiechöesU ,Glück, Unglück^. Hier ist noch 
von söesiie und nicht vom jetzigen ätesH (aksl. *8bd^thje) auszu- 
gehen. 

Weitere Veränderungen des c, » und s. Vor einem 
j geht c m öj z in z und 8 irxS über; das z und 8 kann welchen 
Ursprungs immer sein. Da nun k und g auch zu ö und z flihrten, 
so kann man nicht immer leicht entscheiden, ob ein urspr. c oder 
k^ z oder g vorliegt 

Das Adjekt othdb kann z. B. aus ^othcjo- ottcje- oder aus 
^otbkjo entstanden sein. Man wird sich hierfür die zweite Mög- 
lichkeit entscheiden, denn das Adjekt ist jedenfalls schon damals 
gebildet worden, als der Nom. noch *€tbkh hieß. Zu naricati 
und dgl. haben wir ein zweifaches Piü«.: naricajq (Vi) und nor 
ridq, narUieH (Vt). Wie uns jedoch die aksl. Denkmäler zeigen, 
sind die letzteren Formen jünger; so auch bei -dvizati u. and. 
Hier liegt also die Gruppe cj, zj vor. Dagegen stammen die 
Vokative ottöe, ktn^ aus einer Periode, als es noch im Nom. 
etwa "^otbkhf *ktn^ hieß. Auch die Adjekt (iithdb8kbj kbn^ih8kb 
u. dgl. sind jedenfalls gleichzeitig mit otraöbskh von otrokb, &o- 
zb8ki von bogh entstanden, und die Basis war auch hier *ottJch, 
km^ und nicht ot(>cb, kbt^zb, 

Beispiele für y: 1. Pers. Sg. Präs. vüq ^^ange* zu visäi 
fangen'; Part Prät pass. noiem aus *nosjem zu no8iti ,tragen^; 
1. Pers. Sg. Präs. teäq aus ^tesjq zu te8ati ,zimmem, behauen'; 
Part. Put bgä^y byiqiti von dem ehemaligen Fut ^bydq aus 
'^bysjq; aksl. Hti ,nähen' aus *8jütij lit siüti; äuj ^ink' aus *8juj 
(S. 98), ai. 8avyä8 jluiksf. Für zj : Präs. kazq, kazeäi zu kazati 
^weisen'; nozb ,Me8ser' aus ^nozjo, *nozjej vgl. nhznqti ,infigere', 
fihzeti 4nfixum esse' und pro-noziti ,perfodere'; Kompar. brtze aus 



In «n;, slj, 8kj, stj und znj, zlj, zdj wurde nicht selten auch 
das 8 imd z affiziert: okloänjq ,mancum reddam' aus oMosnjq; 
Part. Prät pass. mySlem von mgsliti ,denken, fühlen'; i^ ,suche' 
aus *i8kjq, *i8ö<f, *iSöq zu ükati ,suchen'; Part. Prät. pass. pre- 
Ihitem aus ^prähs^äiem, *prätäitem zu prSlbstüi Ttlcev^aai ,sedu- 
cere'; sbblaznjati s^ zu Shblaznüi 8^, tntxxV'dakiCuv; prigvozdem 
,angenagelf aus *prigvoZ'zdem, ^prigvoz-zdem zu prigvozdüi. 

z geht vor einem tonlosen Kons, in 8 über: ve8ti ,vehere' aus 
vezti'^ ra8chodäi 8^ ,aus einander gehen'; be8 piry axBq mfjQas 
Luk. 22. 35 (Zogr. Mar. u. s. w.). 



365 

zc wird za sc und dann kann es dieselben Schicksale er- 
leiden wie das sc aus sk vor diphth. i und i (vgl. S. 268); es 
kann bleiben z. B. iscäüi ^eilen^, es kann zu st werden: isteliti 
dass. Hier kommt aber noch eine Möglichkeit hinzu: es kann 
auch die vollständige Assimilation eintreten: icUäi, icäeti nicht 
selten in der Sav. kniga. 

zs führte infolge der vollständigen Assimilation zu s: bese- 
mene aus bez-simene; ab. krev srdce tede st z srdce (Alx. Vit 1759); 
volkstüml. b. besebe st bez sd>e ^außer sich, ohnmächtig'. 

zd wurde zunächst zu sd, das wir im Aksl. häufig fiuden: 
besöintfm aus bez-öinbm (Supr. 54. 17). Das so konnte entweder 
zu ö führen: bed^tm atsKvosy oder zu id, das zu it {iö etwa 
gleich — itii) wurde: beH^bm. Aus zz ist durch vollständige 
Assimilation zz, z geworden: b. rozihati aus rozzthati, aber auch 
zd (vgl. oben S. 265): aksl. vhzdeläi ini9viAsiv\ b. zd'dr, Orts- 
name aus zzär (das z entweder aus iz oder aus «% assimiliert, 
AM. Phil. 3, S. 76). za zunächst sä, das zu is, i führte: übd^ 
aus iz-stdb, ab. vid ,ascendit^ aus vziel. Es konnte aber auch 
daraus zd werden, dann id und aus diesem durch Vereinfachung 
der Lautgruppe (M = etwa iti) M : ütuh aus iz-iuh; ar. üöblo 
aus iz-ihlo; ap. weszczdto aus ivez-szdlo (AM. Fhil. 16, S. 527), 
analog auch im Ab. (Geh au er I, S. 494). 

Wie aus sr ein str wird (s. S. 361), so fuhrt zr (auch sekun- 
däres) häufig zu zdr: p. und klr. zdrada aus zrada ,y errate ab. 
vzdradavati si st vzradovcUi se ^n Freude geraten', auch im Aksl. 
Vhzdradavavh s^ (Supr. 112. 2); ksl. (später) zdräh ,maturus', b. 
dial. auch zdral^ ,reif st. zraly. 

Hierher auch mqzdra und nozdfi (s. S. 361); b. dial. noch 
mdzra, ar. auch nozri (Sob. S. 113). Über sl ist oben 8. 348 
und 360 gehandelt worden. Mitunter geht hier auch s in c über : 
b. dial. zd-clona yVorhang' st zdslona. 

Die palatalen Spiranten i, Zjj und die palatale AflMcata 

ö (d, ä, £). 

Ursprung der Laute. Nur das j geht auf ein urspr. i 
(event j) zurück; die anderen Laute entwickelten sich erst im 
Slav. Über <5, rf, £ vgl. S. 343 u. f. und weiter unten. 6 ent- 
stand aus k (vgl. S. 261); femer aus c vor j (S. 364). 

Ebenso entwickelte sich aus g ein dz, das zu z vereinfacht 



366 

wiutle; dazu konnte auch ein dzj durch die Mittelstufe dz und 
ein zj fuhren. 

Analog gilt es auch von §y das aus ch und dann aus sj ent- 
standen ist 

Das j entwickelte sich aus i , einem nichtspirant Laut, den 
wir auch schon als den zweiten Bestandteil von Diphth. ei, Oj|*u.s.w. 
kennen gelernt haben. 

Es steht noch nicht fest, ob es schon in der Ursprache das spirant. 
j gegeben hat. Man vermutet diesen Laut dort, wo sich im Griech. im 
Anlaut ein C entwickelte. 

Das j kommt im Anlaut vor: beim Relativpronomen urspr. 
*ib-, aksl. neutr. je-ze aus *J0'ze ,quod*, Gen. Sg. jeg(hze, lit. ß 
,eiusS aus diesem und anderen Kasus drang das j auch in den 
Nom. lit jls ,er' für *i8, got is ,eT^, lat is; das slav. i jcr*, i-ze 
,welcher^ könnte zwar auch auf is zurückgehen, wegen des Neu- 
trums je-ze (aus *jo-ze) kann man eher von *ios ausgehen; daraus 
*A *i* ^?d schließlich i. Dieses Pron. ist auch in anderen 
Sprachen vertreten: got jabai ^wenn', gr. og, rj^ o, ai. yds, yä, 
yäd. Weiter aksl. jucha ,Suppe, Brühe^ lit füsz^ schlechte 
Suppe', lat ßls, ai. ya§am ,Briihe', gr. ^ö^ij jSauerteig*; p(hja9h 
^Gürtels vgl. Ht. ß'stas ,gegürtet', gr. ^warog. 

Im Inlaut (intervokalisch): vhjq 4<^h winde, drehe', lit. iv/u, 
ai. väyätni 4ch webe' (*?*^iö-); Nom. PI. der m. t-Stämme: aksl. 
gosthje, gostije aus *gosteies, got gasteU ,Gäste', vgl. ai. matdyaa, 
ebenso aksl. trhje ,drei' aus treieSj ai. trdyas, got ßreia; aksl. 
spejq ,ich habe Erfolg', lit spepi ,habe Muße, Baum', ai. sphäyatS 
,er nimmt zu, wächst'; bei den Verbis der V. B3. 1. Gruppe: 
Iqkajq, Iqkajeäi zu Iqkati ,täuschen, betrügen', lit. lanköju ,biege 
hin und her'. 

Im Auslaute und antekons. kam es ursprünglich nur in 
den Diphth. ei, oi u. s. w. vor, die im ürslav. monophthon- 
giert wurden. Einzelsprachlich entwickelte sich dann aus o-i, 
a-i, e-i u. s. w. ein -o;, -aj, -ej u. s. w. So entstand aus urspr. 
*boios ein *h(hjh, *boß, bot, woraus später wieder boj ,flagellum'. 
Analog im Akk. Sg. 

Oh dieses j schon im Aksl. hier und in ähnlichen Beispielen vor- 
handen war, ist nicht aus den Denkm. ersichtlich, da diese einfach nur 
ein t schreiben (nach dem Vorbilde der griechischen Graphik]: bot. 
TJrslav. ist ein boJ natürlich nicht, da hier ein Diphthong überhaupt ge- 
mieden wurde. Infolge dieser mangelhaften Graphik der aksl. Denkm. 
Bind wir auch nicht im Stande zwischen der Silbe Ji und t zu unter- 



367 

scheiden, da hier nur t geschrieben wurde. So wird z. B. der Nom. 8g. 
Tom späteren kraj einfach krai geschrieben, was ja eventuell noch der 
damaligen Aussprache entsprechen konnte. Nun wird aber auch der 
Nom. PI. als krai geschrieben, da ist es aber weniger wahrscheinlich, 
daß wir es mit dem Kefleze der wirklichen Aussprache zu tun haben. 
Nach derselben hätte man jedenfalls kraji schreiben sollen. So genau 
die aksl. Denkmäler in der Wiedergabe vieler Laute sind, so hilflos zeigt 
sich ihre Graphik dem slav. j gegenüber. Das ist allerdings ein großer 
Nachteil. 

Postkons, hat sich % im Slav. nicht erhalten, indem es die 
vorhergehenden Eons. wesentUch alterierte und zwar geht: 

1) k, g, ch in 6, z, S über: aksl. pladb ,Weinen' aus *plakjo, 
*plakj[o; hzq ^^ge* aus *fofl;o-; duia ,Seele* SLUs^duchja (S. 264). 

2) das t, d wurde zunächst erweicht, was dann in den ein- 
zelnen slay. Sprachen zu verschiedenen Besultaten führte: aksl. 
bulg. z. B. sveäta ,Licht^, s. svißöa, slov. sv^cia, r. svida, p. äwieca, 
b. svtce (S. 275). 

3) p, b, V mit nachfolgendem i (j) wurden erweicht und 
führten zu pT, bV, vl\ Dieselben Schicksale hatte auch m 
(S. 285). 

4) aus ri, Ix, ni ging r^, V, n' hervor. 

Im Aksl. wurden diese Erweichungen entweder durch ein Häkchen 
oder durch einen jotierten nachfolgenden Vokal bezeichnet : voU (^ = ja) 
,voluntas% ptrli ,q>ilovButla' , dieses in der glag. Schrift nur bei^a und^ti, 
da sonst f&r die anderen präjotierten Vokale, insbesondere für je keine 
eigenen Zeichen bestanden. Wo man also nicht Häkchen anwendet, 
bleibt die Erweichung insbesondere bei e unbezeichnet : more ,Meer' (S. 313). 

5) s, z, c wurden zu S, z, d: duSq ,würge' zu dusiti; noäq 
ytrage' zu nosüi; vozq fahi& (trans.) zu vozüi; nariöq zu naricati 
,benennen' (S. 364). 

Bei vok. Anlaut pflegte sich in bestimmten Fällen ein i, j 
zu entwickeln z. B. j^i ,nehmen', ursprünglich ohne / im Anlaut 
wie noch aksl. sm^i zeigt, sonst müßte es ja *8hn^i lauten, vgl 
auch lat emere. Auch im Präs. war urspr. nur imq ,werde 
nehmen' wie SMiwnq wieder zeigt; dann wurde daraus *i'WUf, 
^j-wnq, woraus imq (vgl. S. 180 u. 142). 

Über das intervok. j^ wie in dajati, wurde S. 179 f. gehandelt 
In bestimmten Fällen ist auch das intervok. j ausgefallen, wo- 
durch Kontraktionen der Silben angebahnt wurden: Gen. Sg. m. 
n. dobra-^go, daraus auch dobraago, dobrago. 

Im Anlaut wurde ß, mochte es aus urspr. ß-, tf oder p- 
entstanden sein, zu i: aksl. igo ,Joch' aus *pgo, *jbgo, ai. yugam 



368 

,Joch', gr. ^vyov (S. 142). Dagegen konnte das t vor einem j zu i 
und das z za f/ gedehnt werden: Nom. Sg. Mask. des best Adj. 
ishnnij aus *wArftn5-» ,o 7clijaiov^; dobryj ,o äyad^og^ aus 
*dobrb'i. 

Es ist die Form *jbgo aus *J9go angef&hrt worden. Daraus ersehen 
wir, daB nach einem i(j) kein » stehen kann; das gilt ron den palatalen 
Lauten Überhaupt, da sie in dieser Hinsicht mit demj auf gleicher Linie 
stehen. Ebensowenig kann nach diesen Lauten ein y stehen. Instr. PL 
der o-Stämme z. B. roky von rokb ,TerminS aber kraji^ tncfMi^ poti u. s. w. 
Später änderten sich freilich diese Verbältnisse, um aber diese Eigen- 
tümlichkeiten überhaupt zu verstehen, müssen wir auf die phonetische 
Seite unserer Laute näher eingehen. 

Phonetische Bemerkungen. Zwei Tatsachen müssen 
wir gehörig würdigen, wenn wir den einstigen lautlichen Wert 
des S, z, d näher bestimmen wollen: 1) nach diesen Lauten war 
im ürslav. kein o, y und s möglich, o wurde zu «, y zu i und 
« zu ft. 2) in aksL Denkm. finden wir häufig die Schreibweise 
öja, ija für öa, da u. s. w., desgleichen cju für du u. s. w. Man 
sucht es dadurch zu erklären, daß man sagt, diese Laute wären 
weich gewesen, was man aber darunter zu verstehen habe, darauf 
geht man nicht näher ein. Aus dem Obigen ersehen wir, daß 
diese Eons, dumpfe Laute nach sich nicht yertrugen. 

Sievers hob allerdings als das Wesentliche bei allen «-Artikula- 
tionen die Bildung eines größeren kesseiförmigen Kaumes im Yorder- 
munde hervor ; in diesen werde der Ezspirationsstrom hineingetrieben, so 
daß sich die S von den entsprechenden Spezies des • stets durch eine 
dumpfere Eesselresonanz unterscheiden (Grundzüge der Fh. 4. Aufl. S. 122 ff.). 
Das ist aber leider nicht das Wesentliche bei allen i-Artikulationen, 
vielmehr ist es nur ein Nebenfaktor. Uns handelt es sich zunächst 
darum, wie überhaupt ein «-Laut entsteht und dann wollen wir jene 
Faktoren untersuchen, die ihm bestimmte Nüanzierungen verleihen konnten. 
Da hat Sievers das Bichtige also nicht gefunden. Schon besser ist die 
Darstellung bei Storm: »Wenn ich aber nur die Zungenspitze hebe, so 
entsteht nur supradentales oder kakuminales a; erst wenn ich zugleich 
einen Teil des Zungensaumes ins Niveau bringe, entsteht «, indem sich 
unter dem Gaumendach ein gewölbter Baum bildet, der einen tieferen 
Eigenton und ein mehr zusammengesetztes Geräusch hervorbringt« (Engl. 
Phil. S. 72). Während nach Sievers sich die Kesselresonanz vor der 
Artikulationsstelle zu bilden scheine, scheine ihm die Vorderzunge eine 
ausgehöhlte löffeiförmige Gestalt anzunehmen (S. 73). 

Richtiger hat Techmer die Sache aufgefaßt; nach ihm ist 
i>die Enge bei ä frontal breiter und gleichzeitig sagittal länger, 
bei 8 und seinen Abarten schmäler und gleichzeitig kürzer« (IZ. 



369 

I, 180 und Tab. lY, IZ. II, S. 377). Die flauptsache ist, daß 
die Enge (BinnenöfiEhong) bei i größer ist als bei «. Wir haben 
nämlich auch diese Laute als solche aufzufassen , die durch 
Schwingungen (Vibration) der Zungenpartie in der Enge ent- 
stehen und nicht durch das ESneintreiben des Exspirationsstromes 
in einen »kesselfönnigen Baume. Das ersehen wir aus Folgen- 
dem. Bei r ist die Vibration der betreffenden Zungenpartie 
ganz klar; aus dem r entsteht im Slav. ein r, wobei sich die 
Qualität der Schwingungen ändert, und ganz analog aus dem f 
dann ein z oder i unter bestimmten Bedingungen, wobei es sich 
immer noch um Schwingungen handeln muß, denn sonst würde 
eben kein Laut hier zu Stande kommen. Die Bänder der Enge 
in unserem Falle bilden nun vom physikalischem Standpunkte aus 
eine Zungenpfeife. Es kommt vor allem die betreffende Zungen- 
partie in Betracht, aber auch die Palatalwand; sie bilden hier 
das, was man in der Akustik die Zunge einer Zungenpfeife 
nennt Durch die Schwingungen dieser Bänder (Wände) wird 
der *- und «-Laut hervorgerufen. Je größer nun die Enge, 
öfiEnung, desto lockerer sind die Bänder (oder Seitenwand der 
Zunge), desto geringer ist die Anzahl der Schwingungen in einer 
bestimmten Zeit, so daß tiefe Laute entstehen und der Gesamt- 
effekt derselben ist das 8. Die Länge dieser ÖfiEnung mag auch 
größer sein (bei Techmer: sagittal länger). Wird die Öfihung 
mehr verengt, so sind die Bänder (Seitenwand) mehr gespannt, 
die Anzahl der Schwingungen ist größer und so entsteht das viel 
höhere 8. Es ist ein fast analoger Vorgang, den wir auch beim 
Pfeifen mit den Lippen beobachten. Es kann eine Skala von 
8 — ^^-Lauten geben. So wird man bemerken, wenn man allmäh- 
lich die Artikulationsstelle durch Hebung der Zungenspitze von 
den Alveolen bis zum harten Gaumen und an demselben noch 
weiter verschiebt, daß die i-Laute auch dumpfer kUngen. Dieser 
dumpfe EQang rührt offenbar daher, daß die bewußte Öfifnung 
frontal breiter wird. Auch der postdentale Hohlraum könnte 
hier eine Bolle spielen. 

Da nun im Urslav. nach den i-Lauten dumpfe Vokale nicht 
geduldet werden, so folgt daraus, daß bei ihrer Aussprache alle 
die Faktoren entfallen mußten, die eben denselben einen dumpfen 
Klang verleihen. Insbesondere war die Artikulation nicht so 
hoch am Gaumen, wie eben geschildert wurde. Die Öffnung, 
welche die Zunge zum Entweichen des Luftstromes bildete, war 

Vondr&k, Vgl. sIat. OiBinin. I. 24 



370 

mehr eine flache, breite Spalte, nahezu so, daß sie fast der 
Engenbildung bei i und j entsprach (der vertikale Durchmesser 
dieser Engen war allerdings verschieden). Die Zunge trat femer 
mit einer breiten Fläche in Aktion, wie es bei der Aussprache 
des j der Fall ist. Es handelte sich also nicht um eine schmale, 
rinnenförmige öfinung, deren vertikaler Durchschnitt ein Dreieck 
ist, wie es jetzt in der Begel der Fall ist. Dadurch erklärt sich 
am meisten die Weichheit der einstigen slav. Laute (was von ä 
gilt, gilt auch von z und d). 

Die Zungenspitze muß hiebei in Aktion gewesen sein, weil wir 
sonst nicht die späteren Veränderungen begreifen würden, von denen 
gleich die Bede sein wird. Es muß dies auch deshalb hervorgehoben 
werden, weil bei dem jetzigen i, i die Zungenspitze im Slav. meist nicht 
beteiligt ist, so z. B. beim b. i, sondern nur der vordere Zungenrücken. 
Auch muß bemerkt werden, daß die Artikulationsstelle sich mehr bei den 
Alveolen und oberen Zähnen befand. Diese mehr vordere Artikulation, 
die flache, breite Spalte der Zungenoffnung und die Flächenaktion der 
Zunge waren für die in Bede stehenden Laute damals wohl charakteri- 
stisch; diese Eigentümlichkeiten sind für die ursprüngliche Phase der 
Laute auch durch ihren Ursprung wahrscheinlich gemacht: bei c, i waren 
f und d" die Übergangslaute, die von einem ^', g dazu führten. Bei « 
ist die flache Spalte für die älteste Phase auch einleuchtend, denn von 
ch kam man einfach durch Hebung der Zungenspitze dazu. 

Auch das j (i) muß eine von der jetzigen teilweise ab- 
weichende Artikulation gehabt haben und zwar war bei seiner 
Aussprache die Zungenspitze wahrscheinlich mehr gegen den 
G-aumen gehoben als es jetzt der Fall ist, wo sie mehr unter den 
oberen Zähnen liegt und etwas hervorragt oder sich überhaupt 
ganz senkt; damit haben wir auch oben S. 287 den Übergang 
des j in V in kausalen Zusammenhang gebracht. Femer spricht 
dafür der Umstand, daß nach dem ; und den ihm in dieser Hin- 
sicht verwandten Kons, gewisse Vokale nicht nachfolgen konnten. 
Schließlich ist zu beachten, daß im ürslav. das f, das aus k vor 
palatalen Vokalen entstand und worin ein / stak, zu t'S (später 
c) führte, während später sich in gewissen Fällen aus t' worin 
wieder ein j stak, ein tä und daraus c entweder allgemein oder 
in der westslav. Gruppe entwickelte. An einen Unterschied in 
dem Sinne, daß es ein spirantisches j und ein nicht spirantisches 
i gegeben hätte, kann man hauptsächlich wegen der Reaktion der 
folgenden Vokale nicht denken. 

Versuchen wir nämlich ein derartiges / unter Beteiligung der 
Zungenspitze mit nachfolgendem y, das nach der oben S. 102 



371 

angegebenen Weise artikuliert wurde, auszusprechen, so werden 
wir sehen, daß es nicht möglich ist Wohl aber geht es, wenn 
wir das j mehr oben am Oaumen artikulieren. Dort wurde aber 
dasselbe ursprünglich im Slav. nicht artikuliert Dasselbe gilt 
auch von j mit nachfolgendem «. Wurde weiter bei dieser Aus- 
sprache des / die Zunge von der /-Lage in die o-Lage gebracht, 
so erklang zunächst der Übergangslaut e, der schließlich so Yor- 
wiegte, daß er dem o gegenüber siegte. So ging also schon im 
ürslav. das jo in je über (S. 841). Ebenso do, io, zo in öe, 
ie, ze. 

Später konnte sich die Artikulation unserer Laute mannigfach 
modifizieren. Eine Abart war die, daß man die Laute mit noch mehr 
gehobener Zungenspitze auszusprechen begann. Das hatte zur Folge, daß 
die Zunge, sobald die Artikulation gelöst wurde, mehr in die f- und •- 
Lage kam, da sie mehr gespannt war. Statt eines urspr. «a, /a, sa, Ja 
erklang jetzt mehr ein ^a, «^a, Ha, j*a und wenn die o-Lage schließlich 
nicht mehr erreicht wurde, ein cV«, he, i'e,j'e oder ci, «2, Mi,ji (dann 
nach Schwund der Jotation: c«, ie u. s. w.), wie es der Fall war z. B. 
im Ab. (Tgl. oben 8. 79). Analog verhielt es sich nun bei der Aussprache 
des urspr. eu, iu u. s. w., das nun zu cv'fi, im und schließlich zu et, ii 
u. 8. w. f&hrte (S. 100). Die Aktion der Zungenspitze rerschuldete jeden- 
falls den Umlaut. 

Die dumpfen i-Laute, von denen wir oben sprachen, ent- 
wickelten sich nun auch im Slav. und zwar wohl dadurch, daß 
die Artikulationsstelle am Gaumen ein wenig nach rückwärts ver- 
schoben wurde. Sie näherte sich der Grenze zwischen dem harten 
und weichen Gaumen (mixed), wobei auch die Zungenspitze zurück-, 
geschoben wurde und gespannt blieb. Infolge dessen nahmen 
auch manche Vokale, die nach unseren Lauten folgten, je nach 
den einzelnen slav. Sprachen, einen dimipferen Klang an: so 
näherte sich das { dem y, das t dem z und das e dem ö. Bei 
dieser Entwickelung konnte das j überall nicht gleichen Schritt 
mithalten, sondern nur in einzelnen Sprachen, so z. B. im B., 
daher z. B. das e nach j dieselben Schicksale erleidet wie nach 
den anderen Palatalen 3, z, d. Diese Änderung der i-Laute ver- 
rät sich schon in einigen aksl. Denkm., ist demnach sehr alt 

Zu diesen Denkm. gehört Glag. Cloz., Sav. kn., Supr. und Euch, 
ein. Wir finden hier nämlich nach i, i, e, it, lUi ein s statt » mit größerer 
oder kleinerer Konsequenz angewendet. Es hat schon P. Lang konsta- 
tiert, daß im Euch. sin. nach i in der Begel s statt b gesetzt wird, so 
im Worte naib ^unserS im Gen. PI. itii» von duia ,SeeleS wodurch sich 
das Denkmal mehr der Sav. kn. und dem Cod. Supr., wo konsequent nach 

24* 



372 

i ein s geschrieben wird, nähere (Progr. des Bealgymn. in Pfibram, 1886, 
S. 8). Bezüglich des i vgl. auch 8. 10. Leskien yerroUständigte diese 
Wahrnehmung dahin, daß hier zwar nach i, a ein s, aber nicht nach c, 
H, id erscheint (Afsl. Phil. 27, S. 31—32), es wäre nämlich i, ¥ zunächst 
hart geworden, während c, it^ id wie auch c, dz noch weich geblieben 
seien. Mit der Sav. kn. beschäftigte sich näher SSepkins. Er konsta- 
tierte, daß hier nach i, i, c, H, id das » in » übergehe (Razsuldenie o 
jaz. Sav. kn. S. 150—169). Er meint, es hätte hier eine Labialisation 
des ft stattgefunden. Dieselbe Erscheinung wollte er bei » nach «, z be- 
merkt haben, wogegen aber das von Leskien (ib. S. 15 — 16) angeführte 
Material spricht. Diesen dumpfen «-, i-, e-Lauten ging wohl ein mehr 
neutrales «, ^, c voraus. 

Weiter haben wir etwas Analoges nach den erwähnten Lauten 
auch im Ab. beobachtet: y st i (vgl. oben 8. 30) und im P. 
und Sorb. (S. 31). Im P. entstand dabei auch i aus l, daher 
zlob, czhn vl s. w. (S. 306). Wenn wir nun fanden, daß z. B. im 
B. auch nach 8, z und nach anderen Lauten ein y geschrieben 
vnirde (S. 30), so folgt daraus, daß sie damals, mit der nach 
oben gegen den harten Gaumen gerichteten Zungenspitze arti- 
kuliert wurden. 

Die Artikulation der ^-, i-, d-Laute war aber noch weiteren 
Veränderungen unterworfen. Meist wurde ein Zustand erreicht, 
der jetzt vorwiegend in den slav. Sprachen besteht und bei dem 
sich die Zungenspitze senkte und die Artikulationsstelle am harten 
Gaumen verblieb. Es wird auch nicht so sehr mit der Zungen- 
spitze, als vielmehr mit dem vorderen Teile des Zungenrückens 
artikuliert. Im R werden die z- und ^-Laute jetzt auch nicht 
zu den weichen Lauten gerechnet. Dial. kommen hier freihch 
mannigfache Abweichungen vor. Vom jetzigen Standpunkte ist 
im allgemeinen Storms Bemerkung, daß die Zungenartikulation 
für 5 weiter rückwärts liegt als für » (Engl. Phil. S. 71), richtig. 
Es wird nämlich bei der Aussprache des s der äußerste Zungen- 
rücken (nicht die Zungenspitze)^ gegen die obere Zahnreihe so 
gehoben, daß eine breite, schmale Spalte entsteht, durch welche 
die Luft strömt (der Querschnitt äußert sich als ein sehr in die 
Breite gezogenes Dreieck). Bei ^ wird die etwas mehr nach rück- 

1. Sweet hat dafGr den Namen ,Zungenblatt* eingeführt. Der 
äußerste Zungenrand ist ein wenig nach unten gesenkt (,nmgeknickt*j, 
so daß die eigentliche Enge mit einem dicht hinter dem Zungensaume 
gelegenen Teile des Znngenrückens gebildet wird. Auf diesen Teil der 
Zungenspitze bez. des Zungenrückens bezieht sich der Name Zungen- 
blatt (Sievers, Grundz. der Phon., 4. Aufl., S. 58, § 143). 



373 

wärts liegende Partie des Zungenriickens gegen den Gaumen 
derartig gehoben, daß eine schmalere, dafür aber höhere Spalte 
entsteht Der Querschnitt derselben ist ein gleichschenUiges 
Dreieck mit der Basis auf dem Gaumen: das ist eben der Quer- 
schnitt der Binne, welche der Zungenrücken bildet Die Zungen- 
spitze selbst liegt ziemlich tief untoo und mehr rückwärts als bei 
s, bei dessen Aussprache sie auch höher zu liegen kommt Diese 
Vorgänge kann man mit Hilfe zweier Spiegel, von denen der 
kleinere ein wenig unter die oberen Zähne eingeführt und der 
größere ihm gegenüber gehcdten wird, zum großen Teile noch 
beobachten. 

Die Artikulation des z und i ist ähnlich jener des 8 und i, 
nur findet sie immer mehr vom statt. Außerdem scheint die 
Spalte, welche die Zunge bildet, bei z etwas größer zu sein als 
bei 8 und bei z größer als bei i. 

Vom polnischen d (8z) und z, wozu auch rz (phonetisch -• i, 
i) gehört, sagt Bozwadowski, daß bei ihrer Aussprache die 
Zungenspitze ein wenig gehoben ist (Materyaly 1 1, zesz. 1, S. 111). 
Das ist sehr wichtig, denn durch diese Hebung der Zungenspitze 
bekommen die ^-Laute nach unserer Darstellung den dumpfen 
Klang, der im F. tatsächlich noch besteht Ich glaube daher 
auch, daß diese Hebung im F. in einem noch höheren Grade 
bestehen müsse als hier angegeben wird. 

Die Artikulationsstelle des ä liegt in der Mitte zwischen jener 
des 8 und des i^ die Zungenspitze wird nicht so stark gehoben 
wie bei 8 (nicht präzisiert bei Bozwadowski 1. c. 8. 111). Das- 
selbe gilt auch von £ im Verhältnisse zu z und i. Im F. wird 
ä, £ auch durch 8%, zi wiedergegeben: 8iano ,HeuS ziamo ,Kom^ 
Analog ist auch das Verhältnis von 6 zu ö. Die Artikulations- 
stellen von ä, £, 6 liegen demnach etwas mehr vorn (tiefer) als 
jene von §, z, c, dagegen hinter jenen des s, z, c (also etwas 
höher). Diese Veriiältnisse blieben womöglich gewahrt, wenn die 
Artikulationsstellen verschoben wurden, d. h. wenn z. B. eine Ver- 
härtung eintrat Es konnten sich aber die Verhältnisse so ändern, 
daß einzelne Beihen dieser Laute verloren gingen, d. h. sie fielen 
mit einer anderen Beihe zusammen. Da es sich hier mitunter 
um sehr feine Nüanzierungen handelt, so kann sehr leicht ein 

1. Storm meint, das r. palatale i in tnigz ,Schnee* sei ein mity 
verschmolzenes 8 und habe einen viel milderen, zarteren Laut als das p. 
i in demselben Wort. 



374 

Laut in einen anderen, zunächst verwandten, übergehen. So sahen 
wir oben S. 349, daß schon in einer älteren Periode und zwar 
zum großen Teile schon im Gtemeinwestslav. das ä in 3 über- 
gegangen ist. So finden wir weiter Dialekte, die s, z, c für ä, z, 
ö aufweisen, aber es tritt auch der umgekehrte Fall ein, daß 3, 
z, ö zvL 8, z, c wurden. In solchen Fallen weisen dial. Grenz- 
gebiete häufig Mischformen mit i- und 8-Lauten auf. 

c kann man natürlich nicht ak is und ö nicht ak tä auffassen. 
Die Artikulationsstelle des c ist an der Innenfläche der oberen 
Zahnreihe, von welcher sich die Zungenspitze im Momente seiner 
Aussprache derartig löst, daß im Querschnitt ein in die Breite 
gezogenes, hohles Dreieck entsteht (Zungenrinne), wobei aber von 
der Zimge zunächst jene Partie die Bewegung antritt, die am 
weitesten zu gehen hat (zum Gipfel des langgestreckten Dreieckes), 
während die anderen Partien sukzessive nachfolgen. Bei der Aus- 
sprache des ts löst sich gleichzeitig jene Partie der Zunge von 
der Zahnreihe, die bei der Aussprache des t überhaupt in Aktion 
kommt, dann erst nimmt die Zungenspalte jene Form an, die wir 
schon bei der Aussprache des 8 kennen gelernt haben. Dadurch 
unterscheidet sich also wesentUch die Aussprache des c von jener 
des t8. 

Die Artikulationsstelle des d liegt vor jener des ä; sie trifft 
noch in der Begel teilweise die obere Zahnreihe. Die Zunge löst 
sich wieder so, daß die dabei entstehende Spalte identisch ist mit 
jener, die bei der Aussprache des ä entsteht Auch hier geht die 
Bewegung so vor sich, daß sich die in Aktion tretende Zungen- 
partie nidit gleichzeitig loslöst, sondern sukzessive, wenn es auch 
das Werk eines Momentes ist Bei der Aussprache des ti löst 
sich wieder gleichzeitig die ganze entsprechende Zimgenpartie auf 
einmal und dann erst wird die entsprechende Spalte gebildet 

6 liegt in der Mitte zwischen c und d, die Artikulation findet 
schon an den Zähnen statt Im P. wird es auch durch ci dar- 
gestellt 

Das Mazurieren. Wir haben den Wechsel der «- und «-Beihen 
berfthrt Am meisten ausgepr&gt liegt dieser Prozeß in den poln. and 
in den mit ihnen mehr verwandten nsorb. Dialekten vor. Es handelt 
sich hier um das sog. Mazurieren, da es vorwiegend in den mazurischen 
Dial. vorkommt Dieser Prozeß besteht darin, daß an die Stelle von «, 
i, c, di die Laute t, s, e, dz treten. Man nennt es auch Dzetacismus 
z. B. syö st. 9zyö »n&hen' der Schriftsprache, aksl. iiti; dusa st. duna^ 
aksl. ({tfla ,Seele*; wna st. «oft«, aksl.S«na ,Fraa'; zaba st. kaba^ aksl. fo&a 



375 

,Fro8ch'; elowiek st. exiowük, akgl. c2op|A;& »Mensch* ; ^mc« %t, jeszeze, aksl. 
jeite »noch*; m&idzek st. mozdzek ,Gehimchen'. Der Kons, rz (r) Terlor 
in vielen p. Dial. seine spezifische Eifj^entfimlichkeit, nämlich das inten- 
sivere Erzittern der Zangenspitze, wurde zu z. Dasselbe unterliegt aber in 
der Begel nicht dem Mazurieren, weil dieses älter ist als die erwähnte 
Veränderung des rz. Nur auf einem eng begrenzten Gebiete taucht auch 
bei diesem Laute das Mazurieren auf. Über das Mazurieren handelt St. 
Dobrzjcki: ,0 tak zwanem mazurowaniu w j^z. p.' (in den Bozprawy 
der Krak. Ak. Bd. 32, S. 208—235 mit einer Karte). Es wird darnach 
»mazuriert« im westl. Galizien (also die kleinpoln. DiaL: Krakifli, 
Sandomierz, Sieradz u. s. w.) und im Königreich Polen (hier auch die 
mazovischen Dialekte); nicht mazuriert wird hauptsächlich in den groß- 
polnischen (Provinz Posen) und knjavischen Dialekten und sonst im 
Kulturdialekt. 

D. möchte darin den Einfluß eines fremden Yolkes, das die be- 
treffenden Laute nicht hatte, sehen, er denkt an die alten Preußen und 
Finnen; zu einer weiteren Entscheidung zwischen diesen beiden Völkern 
ist er freilich nicht gekommen. Man wird aber kaum mit ihm überein- 
stimmen können. Schon wenn man sich seine Karte anschaut, sieht man, 
daß der äußerste nordöstl. Zipfel mit erhaltener alten Aussprache (das 
Gebiet um Suwalki herum) dagegen spricht. Eher wird man an eine 
fortschreitende Verhärtung der Laute denken können. Aus i, f, c, dU 
konnte zunächst nach dem Früheren ein /, z, d, di werden und solche 
Dialekte haben sich noch tatsächlich erhalten. So finden wir diese Mittel- 
stufe vertreten in den Dialekten aus der Umgebung von Jablunkau, wo 
man z. B. iqda6, kazdega n. s. w. antrifft (S. 3, bez. 210). In Zakopane: 
ctyre und ityre, koduPa (für kosztU'a^ bei Oppeln: dum für tzum, bei 
Tarnobrzeg: zaba für iaha u. s. w. Bei weiterer Verhärtung entstand 
dann f, z, c, dz. Für einen aus dem P. selbst hervorgegangenen Impuls 
zu diesem Prozesse spricht die Tatsache, daß sich die alte Aussprache 
ausschließlich in vier Grenzgebieten, von ungleicher Größe, noch erhalten 
hat, und die Übergangsstufe treffen wir ebenfalls in einem Grenz- 
dialekte an. 

Ein merkwürdiges Produkt des Mazurierens finden wir in den Dia- 
lekten des Gouv. Lublin: für c, #, z (c, /, i) kommt hier cc, *», iz vor: 
karezema, piszae, poduBzska, ozzog. Da es ein Grenzdialekt des mazur. 
Gebietes ist, so könnte man hier an Mischungen denken. Die sich 
kreuzenden Einflüsse zeitigten hier auch Produkte wie ca$z für c:<m, v 
szeasz (für w ezas) u. s. w. 

Man findet die Spuren des Mazurierens im XV. Jhd., ganz unzweifel- 
haft im XVI. Jhd. Die Erscheinung selbst dürfte jedoch etwas älter 
sein. Im Kasub. bleibt c\ », i, das c aus k; kann allerdings auch zu c 
werden. 

Im Nsorb. ist ohne Zutun der Preußen oder Finnen an die Stelle- 
des c ein e getreten : jtineu aus piacu ,weineS eakat aus cakad ,warten', 
cas aus cas ,Zeit\ Dagegen bleiben die Kons, i, i, di (ein hier seltener 



376 

Laut) un?erändert. Den Wandel des c in e im Ksorb. wollte D., da hier 
also an die Preußen oder Finnen nicht gedacht werden kann, dem Ein- 
flüsse des Deutschen zuschreiben, indem dieses nur selten den Laut c 
{Ueh) habe (I.e. S. 19-20, bezw. 226— 227), womit wir freilich nicht über- 
einstimmen können. Im Osorb. bleibt auch das e trotz des deutschen 
Einflusses unverändert. 

Nebenbei bemerkt, kommen im Sorb. noch die Laute 6, d£, /, i vor, 
aber sie haben sich erst hier entwickelt und zwar aus t, d vor weichen 
Yokalen. Es wird nämlich aus t im Os. ein d, im Ns. ein i; aus d im 
Os. ein d£^ im Ns. ein i. Es ist somit im Ns. das dentale (explosive) 
Element in den Lauten verloren gegangen, z. B.: 

OS. SerA, ns. deni ,Dorn*, aksl. trbm, 
» <^i^y, n 'opiy ,warm*, „ Uph, 
„ dzeiadt „ iasei ,zehn*, „ des^b 
(vgl. Mucke S. 197—201). Im XIII. Jhd. war dieser Lautwandel noch 
nicht eingetreten. 

Im Po lab. gab es nach Schleicher kein c, i, i, sondern dafür «, 
«, z. Solche Laute verrät auch das von Job. Parum-Schulz herrührende 
Vokabular. Es wurde zunächst c und di und dann i und i »mazuriert« 
(vgl. auch Jagic, Afsl. Phil. 23, S. 122). Andere meinen wieder, daß 
hier dialektisch doch auch c\ «, i vorkamen (vgl. Kali na, Bozpr. 21, 
S. 112-114). 

Im WeißruBs. gibt es abgesehen von Grenzdialekten auch einige 
sog. cokavische Dial. {eokajuicije govory), in denen c von c und umge- 
kehrt e von c vertreten wird (im P. nennt man diese Erscheinung btm- 
dzienie) und zwar im Gouv. von Vitebsk, Smolensk und Tver (Sobo- 
levskij, Opyt, S. 73). 

Cokavischen Dial. begegnen wir auch im Großruss., so im Gouv. 
von Bjazan, Kazan u. s. w. Die nördlichen cokavischen Dial. sollen 
ein Überbleibsel des einstigen Novgoroder Dial. sein, wo wieder diese 
Eigentümlichkeit durch den Einfluß einer fremdem (finnisch^) Sprache 
hervorgerufen sein soll (Sobolevskij, 1. c. S. 43). Sie beschränkt sich wie 
auch im Weißruss. auf den Laut c (man findet schon in den Denkm. aus 
dem XI. Jhd. Spuren dieses Lautwandels), seltener kommt auch i in Be- 
tracht, und im Gouv. Yjatka wird auch 9 für i gesprochen. 

Seltener im Eleinruss.: lemkisch cu^ und duiu, huzulisch ^tco, 
podolisch deßj caiavik^ nordukrainisch eerez st. cerez, auch tnez st. meif, 
im Gouv. Grodno: cornyj st. cornyj, lezala st. Maia. 

Unter den südslav. Dial. ist es zunächst das Öakavische um 
Fiume, wo c, I, i zu c, z, s geworden ist. Im kajkavischen Dial. der 
Fudki in Istrien fielen i, i und «, 2 in i und i zusammen. Sonst bemerken 
wir im Serb. in der Gruppe er ein c z. B. crv ,der Wurm*, erevlja ,der 
Schuh', cfn ,schwarz*, crpsti, crpati ,schöpfenS erven ,rot', erljep ,ScherbeS 
so im ganzen itokavischen und dem südl. 2aka vischen Dialekt 
(Dalmatien), dagegen behauptet sich im Kroat. das er: crn, crida (vgl. 
auch Polanski, Die Lab. S. 59); das nördl. öakavische Gebiet (Kroa- 



377 

tieiii Küstenland), in Istrien, auf den Quarneroinseln weist noch über- 
iLaopt vielfach das alte er auf. Die ältesten Belege f&r er datieren aus 
dem XII. Jhd. Das Slo?. hat wie das Kajkarische überhaupt noch er. 
Ebenso bleibt im Bulg. er und zwar wird hier zwischen diese beide 
Laute meist ein t eingeschoben cvm^ certa^ eerv (vgl. b. cerny^ cerv, cert 
n. s. w.); die maced. Dial. weisen jedoch nach s. Art ein er auf (Jagic, 
Afsl. Phü. 23, 8. 122). 

i wird r. Einen schönen Beleg für die einstige Artikulation 
des i durch die nach oben gegen die Alveolen und den Gaumen 
gerichtete Zungenspitze, welche Artikulation, wie wir sahen, gleich- 
bedeutend war mit der Verhärtung dieses Lautes (und analog 
auch bei den anderen), bietet uns das Südslav. Hier geht näm- 
lich das z, namentlich wenn es intervok. ist, in r über. Das r 
wird, ¥de wir S. 289 herrorgehoben haben, mit der Zungenspitze 
hervorgebracht Wird der Luftstrom bei einem derartig artiku- 
lierten z, wie wir es für das Südslav. voraussetzen müssen, 
schwächer, so kann nicht mehr ein Beibungsgeräusch hervor- 
gerufen, d. h. das z ausgesprochen werden, wohl aber kann noch 
die Zungenspitze zum Anschlagen gebracht werden, wodurch eben 
statt des z ein r erklingt Wir konstatierten auch, daß die 
Zungenspalte bei z großer ist als bei ä, offenbar entspricht sie 
auch jener bei r nach dem jeweiligen Zungenanschlag. Die 
Hauptbedingung aber war die, daß die Zungenspitze bei der 
Aussprache des z gehoben wurde, was eben auch bei r der Fall 
ist So finden wir z. B. im Slov.: vendar ,tamen^ aus vem da ze 
(aksl. vemb da ze); kdar aus kdoz(t>), kir allgem. Bei. {kbde zb), 
das Verbum marem, moreä, vgl. aksl. moffq, mozeü zu moäti 
,könnenS po-more ,adiuvat'. Die Freis. Denkm. haben allerdings 
noch moseU (— mozeU), wie sie sonst auch noch das z bewahren. 
Damit hängt auch kroat marati zusanmien. Vom S.-kr. zeigt 
insbesondere das Kr oat zahlreiche Belege menikadare, dorinuti, \ 

dörenem zu dbgnati ,adpellere^, daher selbst auch renSm st. zenim 
,treibe*. 

Ln Bulg.: dori, duri ^hisf aus doze i. Hier entsteht übrigens 
auch j aus z: map ,po88imi< (moze). j 

Was hier bezüglich der Aussprache des z im Südslav. er- | 

örtert wurde, muß natürlich auch von den übrigen hierher ge- I 

hörigen palatalen Lauten gelten. Bezüj^ch des i muß insbe- j 

sondere hervorgehoben werden, daß es noch heutzutage vorwiegend j 

mit der emporgerichteten Zunge höher am Gaumen artikuliert j 

wird. i 



378 

Welche Wirkungen das / in der slav. Lautiehre hervor- 
gerufen hat, haben wir an mehreren Stellen gesehen. Man kann 
sie zusammenfassen mit den Worten: Palatalisierung ganzer Kon- 
sonantengruppen, Umlaut von dumpfen Vokalen, die nachfolgten. 
Dazu kommt noch seine Bolle im Anlaut (vgl. S. 180) und inter- 
vokalische Funktion (dajati neben davati) überhaupt Ja, man 
kann sagen, daß die ganze slav. Lautlehre von diesem Laute 
beherrscht wird; auf Schritt und Tritt begegnet man sieinen 
Wirkungen. 

Eine Wirkung müssen wir hier noch anführen: es ist die dissi- 
milatorische Wirkung zweier j in einem und demselben Worte. Es 
kann unter ihrem Einflüsse das ersteh verloren gehen. Das aksl. tuidt 
,fremd* müssen wir aus *tjudjo- (vgl. dameben ituidb) erklären. Hier 
wirkte das zweite ^ dissimilierend auf das erste, so daß daraus auch 
tudfO' entstand, dessen Beflex eben das aksl. iuidb ist (vgl. Verf. : püvodu 
kijevsk^ list& u. s. w S. 4, Anm. 3). So auch Meillet in seinen Etudes 
sur Tetym. S. 175. Er sucht hier auch noch andere Fälle auf diese Art 
zu erklären, aber sie sind zumeist wenig wahrscheinlich. Dagegen gehört 
hierher wohl sicher aksl. pljuita (aus *pljutja) neben pluita (aus ^plutja)^ 
das durch Dissimilation aus ^pljutja entstanden ist (vgl. oben S. 97). 

Konsonantenasslmllatioii. 

Je nach der Beschaffenheit der Kons., die zusammentreffen^ 
haben wir verschiedene Fälle zu unterscheiden. 

I. Explosivlaute allein, mit Spiranten und anderen 

Dauerlauten. 
A) Es treffen Explosivlaute zusammen: zunächst muß ein 
stimmloser Kons, vor einem stimmhaften ebenfalls stimmhaft 
werden und umgekehrt, dann muß es aber zu einer voUständigen 
Assimilation kommen, d. h. der vorhergehende Kons, muß sich 
vollständig angleichen. Da aber im Urslav. jede Silbe offen sein 
mußte, so wurde die auf solche Weise entstandene Doppelkonso- 
nanz beseitigt, z. B. aus lekto- entstand *leUo und daraus letb 
,Flug^ (vgl. S. 270); folgte ein palataler Vokal nach kt, so war 
das B.esultat teilweise ein anderes (ebendort). Wo jedoch ein 
älteres, vorslavisches tt entstand, führte es zu st, z. B. aus *ued'ti 
wurde "^yietti und daraus vesti ,führen, heimführen'; veglan ,peri- 
tus* aus *vidglash, *vegglash (vedeti)] teti aus *tepti, Präs. tepq 
,schlagen' (S. 289); gräi aus *grepti, *grebti zu grehq ,grabe*; 
dlato ,Meißel' aus *doÜo und dieses aus *delbto, *dolbto (bt zu 
pt, tt, t); sedmt ,sieben' aus *sebdmis (d aus bd, dd). 



379 

Diese Regel der Tollständigen Angleichang galt nur fürs ürslav. 
Als später in den einzelnen slav. Sprachen durch den Aasfall der Halh- 
Tokale YerschlnBlante wieder zusammentrafen, da wirkte diese Begel 
nicht mehr, sondern es wurde nur einfach assimiliert, d. h. es kam ein 
stimmhafter Laut vor einen stimmhaften, ein stimmloser vor einen stimm- 
losen, z. B. p. Ukki aus *legki gegen aksl. ltg^k9 ,leicht'; p. ffdy {kiedy) 
aus *kidy ,wannS ns. gdy\ b. kdo ,wer*, so wird es geschrieben, ausge- 
sprochen aber gdo, 

B) Es kommen Verschlußlaute (Explosivlaute) mit Spi- 
ranten zusammen: 

a) vollständige bei Verschlußlauten mit s: aksl. Aor. vegb 
^uxi< aus *vHgh, *vSdsb; aksl. kqffb ^Bissen, Stück' aus ^kondso- 
(vgl S. 358); vezy ^vehens' aus *ue§hont8, lit. vezqs (im Slav. war 
vielleicht auch einmal *^ezas, *vezys); aksl, osa ^Wespe', vgl. Ut 
vapsä 3^^^') vysokb ^och' aus *9/p8o1co^ vgl. gr. vxpc (S. 358). 

Ebenso wenn das $ zwischen zwei U (auch aus dt) entstand: 
mesti ,werfen' aus *inetsti und dieses aus *meUi Präs. metq (ib.) 

ß) bei Verschlußlaut und ch: aksl. red^^ ,dixi' aus ^rSkdi^ 
und dieses aus *rik8b (vgl. 8. 357); ochodäi ,weggehen* aus *o^ 
choditi (ot- war ursprünglich, dann erst wurde daraus otb, vgl. 
S. 296). 

y) bei Verschlußlaut mit ä tritt unvollständige Assimilation 
ein: ksl. opMeno-zütcb ,yLOtv6ßiog^ aus obhHeno-; älter ist jedoch 
oHh aus (utihh (vgl. oehodüi). 

Aus TP + z wird hz: lat pHo, gr. ßdiw aus *bzdeö, b. 
bzdina ^Gestank, Schleicher' aus *pzdina (Schwundstufe, vgl. 
slov. pdzdfti). 

C) Eine voUsländige Assimilation trat auch ein, wenn be- 
stimmte Verschlußlaute mit einem Nasal (m, n) zusammen- 
trafen. So zunächst Labiale: u-shn^i ,einschlafen' aus *U'8^pnqti, 
ebenso innb ,8chlaP aus ^sbpno-; dtno ,Boden' aus *dibno, vgl. 
lit. dügnas ,Boden, Grund' (aus *dii6no-) zu dubüs ,tief, hohl'; 
zaJdenqti ,claudere', vgl. zaMept ,claustrum'; gynqti ,perire' neben 
gyhati, gtfbljq ,perire'. Weiter Dentale: osvtmqti ,hell werden' 
zu swtiti ,leuchten'; krqnqti ,deflectere' zu krqtüi ,drehen'; damt 
,werde geben' aus *dödtni, rumem ,rof aus ^rudm^no-, vgl. ruda 
,Erz, Metall' (vgl. S. 279). Dann Gutturale: lono ,sinus' aus 
*lokn(h, W. leq ,biegen'; aksl. plesnqti aus ^plesknqti gegen ple- 
skati ,klat8chen' (also sk vor n). 

Bei Gutturalen ist jedoch diese Assimilation selten. So 
bleibt die Gruppe^; ognt ,Feuer'; sttgna ,platea'; gnetq ,kneten'; 



380 

dvigtufti ,heben', b. zdvUinauti, s. dlgrOfn, spezifisch r. ist dagegen 
dvfnutb. 

So scheint auch kn in der Hegel zu bleiben. Neben dem 
oben angeführten Falle haben wir aksl. u-ndtknqti ,verstummen^, 
s. nmknuti, r. mdlknutb, b. tt-ndknauti, p. inilknq6; dann wäre 
lono aus *lokno jedenfalls älter. 

Brugmann hält mit Mikkola (BB.22, S. 246) daran fest, 
daß der Verschlußlaut vor einen Nasal verschwinden müsse; wo 
er in bist Zeit erscheine, handele es sich um analogische Neue- 
rungen oder um Wegfall von ^ zwischen den Lauten, z. B. ksl. 
pri'ltpnq — Itnq, dvignqti, okno (Kurze vgl. Gr. 8. 227, Fuß- 
note). Es scheint, daß dieses Gesetz wirklich für eine gewisse 
Phase hindurch wirkte vgl. z. B. r. dtdnutt; es ist aber jedenfsdls 
frühzeitig imd zwar schon im Urslav. vielfach aufgehoben worden. 
So ist also in solchen Bildungen im allgemeinen der Guttural 
geblieben. Meillet meint, man müsse die verschiedenen Ver- 
schlußlaute unterscheiden, denn allen wäre nicht eine gleichartige 
Behandlung zu teil geworden (Etudes sur l'etym. S. 130 — 131). 

D) Verschlußlaut mit einem L Hier kommen nur die 
Dentale in Betracht Ü und dl konnten im Urslav. bestehen und 
wurden erst im Südslav. imd R. assimiliert, daher b. modlüi^ p. 
madli6, aksl. dagegen moläi, slov. molüi (Freis. Denkm. noch 
modlüi, dann vsedli, in kärntnerischen Dial. jetzt auch noch dl), 
s. MÖläi ,bitten, beten'; b. pleil, p. plati, aksl. dagegen plel^ zu 
fieUf, plesti ,äechten' (vgl. S. 279). Hier überall wurde zunächst 
zu U assimiliert, woraus dann l wurde. Analog auch z. B. im 
lat. seUa aus *8edla zu sedlo (got siUs ,Sitz'), gr. lak. hkH ,Sitz^ 

Die Gruppen kl, gl; pl, bl bleiben bestehen. Ebenso bleibt 
Verschlußlaut und r, also kr, gr; tr, dr; pr, br. 

U. Assimilation bei Spiranten. 

Dazu gehören hier natürlich auch die Afiricatae. 

A) Spiranten untereinander. 1) Die zweite ist tonlos: die 
vorhergehende stimmhafte wird zunächst in die entsprechende 
tonlose derselben (in unserer TabeUe: horizontaler) Reihe ver- 
wandelt, jedoch nie in eine der Affricatae d und c. Dann kann 
es zu einer vollständigen Assimilation kommen. Innerhalb der 
tonlosen muß der zu assimilierende Laut auch zunächst in die 
Artikulationsreihe des assimilierenden Lautes rücken, z. B. aus 
8ö wird iö (siehe weiter unten z. B. bei bedqdtm). 



381 

Durch die folgende TabeUe soll der Prozeß besser veran- 
schaulicht werden: 

Spiranten (mit Affricatae). 



Tonlos 

1 


Tönend 


Guttural 


ch 




Palatal 


i 1 i 


i 


Dental 


C 8 


z(dz) 


Labial 


f 


V 



Es kommen folgende Gruppen in Betracht: 

z + 8 gibt 88, 8 z. B. aksl. biztstvo ^uga', woraus *bei8tvo, 
dann *beä8tvo, hesstco (so z. B. im Assem. Matth. 24, 20) und 
schließlich bestvo (Mar. Zogr. u.s. w. Matth. 24, 20; Marc. 13, 18). 

Anders mitunter in einigen r. Dialekten : aus i -{- 9 wird z 4- 4 und 
daraus dann z: knjazMtvo (lies knfaztvo), rnzestvo (lies raävo) aus roitstvo 
aksl. roidbstvo ,6eburt, generatio'; ja hier kann an das z auch das t 
assimiliert werden: klruss. ritdvd , Weihnachten* (vgl. Sobolevskij, 
Lekc. S. 106 und 104). Das bemerken wir aber nur hier. Es kann dem* 
nach das in einigen aksl. Denkm. auftauchende roz^Hva nicht auf dieselbe 
Art erklärt werden, vielmehr ist es als ein Bohemismns aufzufassen (Vgl. 
Verf. püvodu Kijevskych listü ... u s. w. S. 40—41). Wäre auch im 
Aksl. bez. Sudslav. dieselbe Regel möglich gewesen, so müßten wir z. B. 
auch ein ^bizbttco, *b&Uvo finden, allein das kommt in der damaligen 
Periode nicht vor. Übrigens wäre bei roidbstvo wegen des d eine derartige 
Assimilation gar nicht möglich. Wir könnten höchstens ein roiMvo, 
rostco erwarten. 

Wie im Aksl. war der Prozeß auch im Ab. und P.: aus 
*hozt8ky entstand hosky, so auch dialektisch, schriftböhm. jetzt 
wieder hozsky; ebenso prasky ab. und dial., schriftb. prazsky 
,Prager'; vgl. auch f.bo8ki, bozki .göttlich', prazki ,Prager' u.8. w. 

z + S gibt S z. ß. %Z'8U^^, woraus i8'&hd^ (so z. B. im Supr. 
470, 7), dann *ü'Hd^, woraus i-std^, ebenso v^8'ätd^ (Supr. 
236, 23) neben v^äbd^ ('äbd^ ist das Part. Prät. act. I zu Ui, idq 
,geben*), aber auch M, H (S. 365). 

z + 6 gibt infolge der vollständigen Assimilation 6, oder H 
(durch Vereinfachung der Gruppe äc) z. B. aus bez'^^dtm>^ aveTL- 
vog wird zunächst *b€8'ö^di>m, daraus beä-^tm, das kann wieder 
entweder vollständig assimiliert werden: *bed'C^ifm, beö^i^m, oder 
die Gruppe ic wird vereinfacht (indem aus Hs ^ §d ein H wird): 



382 

beSt^dtm. So auch bedtstü ixTifiog Zöge. Matth. 13, 57, im Mar. 
dagegen hier beHtstii, aber Marc. 6, 4 hat Mar. becbsti und Zogr. 
beHhsti; Marc. 12, 4 beide Quellen beättstna. 

Hierher gehört iSi^cgti ,erane8cere* aus iz-c^nqfi; iHuti aus ii-cisti 
,namerare*; ütuiiii aus iz-cistiti ,mandare'; heübsUje du/^ia aus hez'CbiUje; 
ü^die ,genimen' neben is-c^te aus *iz'C^ie. Letzteres Beispiel zeigt 
uns, daß die Präp. immer vom neuen in solche Bildungen eindrang. So 
erklärt sich noch hes-dimm Supr. 2%, 10; hes-cMttije i\i.2^\^ 29; hes-cbttije 
ib. 54, 17; via-cudUi »^ ib. 220, 27; bes-c^bm ib. 182, 9. 

z + c ergab zunächst sc, das auch bleiben konnte, oder es 
führte durch die vollständige Assimilation zu c, oder durch Ver- 
einfachung der Gruppe sc (» sts, das zweite s fiel ab) zu st: 
icUüi ,heilen' aus iz-cäiti neben is-cUüi und istäUi; bes-c&Mm^ 
aTifxfjTog Glag. Cloz. 940; vgl. auch i-cnkbve =- iz-cnlave ,aus 
der Kirche*. 

z + s gibt s (durch ss hindurch): i-selem anotyLog (Prager 
JEVagm. n, B 15); m-stati aus vbZ'Stati ,au&tehen'; be-szfnrtfttfm 
junsterblich'; vgl. be-stracha = bez stracha ,ohne Furcht*. 

z + dl gibt seh: vöschodüi jOtvaßaivuv^; fybsctu>teti ßovXead-ai; 
vgl. aus is dUSba Supr. 447, 11; is chrama ib. 16, 23. 

2) Die zweite Spirans ist tönend: 

z + z gibt zd in dem zunächst zz daraus wird und zwischen 
zwei zz wird ein d eingeschoben : vbzdeUti €Tti&vfislv aus v^z-zeliti; 
vzzd^ati ditpav aus vzz-z^ati. 

Leskien meint, das d sei noch das alte des di^ aus g, das sich 
hier nach der Präp. erhalten habe (Handb., 4. Aufl., S. 58). 

B) Spiranten vor Verschlußlauten. Tönende müssen 
vor tonlosen auch tönend werden: 

z + t gibt st z. B. istodmikb TttjyT] aus iz-todtnikz; is4^zati 
i^erdaai aus iz-t^z . . .; vgl. auch bes togo Supr. 7, 29. 

^ + P gibt sp z. B. isprositi alTelv aus iz-prosüi; ispovidati 
i^ofjLoXoyeia&ai; rusp^i ,crucifigere'; vgl. auch bes pravhdy Glag. 
Cloz. 640. 

z '{' k gibt sk z. B. is-koni an agxijg aus iz-koni; is-kusüi 
neigd^siv. 

Ebenso tonlose vor tönenden zu tönenden: 

Aus s + d wird zd z. B. aus aksL s^drav^ wird r. zdarov^, 
b. zdrdv, slov. zdrav. 

s + b gibt zb z. B. aus istdba ,Stube^ entsteht *isba, woraus 
izba (doch kann auch *izdba aus *istba hier vorausgesetzt 
werden). 



383 

i + d müßte zd ergeben, doch ist das in Miklosichs Aus- 
gabe des Supr. 322, 12 enthaltene mnogazdi aus tmnogaitdi un- 
richtig, die Hds. enthält tnnogaädi; dameben allerdings auch 
mnogoHi (ib. 206, 24), ebenso im 61ag. Cloz. 489. 

Es kann also ohne Veränderung bestehen: sk, st, sp^; zg 
(mozgb), zd (mtzda), zb u. s. w. 

C) Spiranten vor Liquidae und Nasalen. Die Gruppe 
d bleibt bestehen: nesh Part Prät. act. 11. Geht aber vor dem 
s noch ein Kons, vorher, so ist 8 schon im Urslav. ausgefallen: 
zOa ,Ader' aus ""gifda, ^ginsla (vgl S 360). 

Ebenso bleibt cht: us^chl^ Part zu usbchnc^i ,trocken werden, 
verdorren*. 

9r führte zu str (vgl. 8. 361). 

sn und chn blieben bestehen, ging aber vor dem 8 noch ein 
Eons, vorher, so ist das s schon vorslav. ausgeüedlen: aus *Umlcma 
entstand ^louknä und daraus luna ,Mond' (8. 359). 

sm und chm blieben ebenfalls. 

Waren die Liquidae und Nasale erweicht, so wurde 
auch die Spirans erweicht und zwar mitunter selbst auch außer- 
halb der Komposition: bez negoze (lies riegoze) Kiev. Bl. VI, 
Z.14— 15; iz nego (Iflego) Glag. Cloz. 51 ; iz nego Supr. 348, 22; 
iz nejq ib. 97, 20; dameben allerdings auch iz nego ib. 8, 27, 
weil die Präp. aus anderen intakten Verbindungen immer ein- 
drang. Weiter mzljublenii Kiev. BL Vb, 5; vhUjublenyj^ ib. V, 3. 

Ebenso sV zu iV: myäljaaSe Imper£ zu tnyslUi dialoyi^ea&at 
Mar. Luc. 12, 17. 

IIL Nasale unter einander. 
Schon teilweise vielleicht vorslav., teilweise urslav. führte mn 
wohl zu n (vgl. S. 322), dagegen ist aus nm durch vollständige 
Assimilation ein m geworden (S. 323). 

Femasslmilation von Kons. 

Es handelt sich meist um den Übergang des 8 in i und c 
in ö infolge eines meist schon in der nächsten Silbe enthaltenen 
ä und d. 

Aus dem Bulg. kann angeführt werden iulejäi aus 8uUjH; 



1. Diese Gruppe wurde mitunter aus pi durch Metathese herbei- 
geführt, vgl. oben S. 358. 



384 

oäirofnaäanath st osiromaSavatt (hier enthält die 4. Silbe das s); 
iaStisatm sa ,sich betrüben' st. stzMisatm sa; sluäali st. sluäali 
(vgl. Lavrov», Obzor», S. 95). 

Aus dem Böhm.: ab. iodovice st sodovice nach aksl. 8o6ivo 
^ensy legumen', p. soczewica, soczka, nb. aus äoiovice durch weitere 
Assimilation öodovice, öodka, r. auch dedevica und ar. socevica; 
dial. irieü ^HomlB' st sräeti, p. auch szerszeA neben «iers^^eTi; 
sorb. äersen, r. Seriem; dial. (5t7tä^ ,üben' aus cmöiti; dvrcek st. 
(?rröfeÄ; ,6rille' (vgl. Gebauer, I, 8. 481 und 502—503). 

Im Buss.: schon im Ostr. Ev. 79ob. lesen wir zizoUfHei st. 
zizdqätei, vgl noch chudozbstvo Hzitdtsko; Sasa aus Saäa, aber 
auch zdezo st zelezo ,Eisen', klr. zolizo (vgl. Sobolevskij, S. 141). 
Neben aksl. srtsth ,pili*, slov. srst, b. srsi, vgl. lit szertis ^haaren-* 
haben wir im B. Serstt, das ist aber wohl unter dem Einflüsse 
von äerSavyj ,rauh', das wieder sein ä den Bildungen wie äeraäüt, 
wruss. Seräiö u. s. w. entlehnt hatte; p. sier^ö neben $zerd6, dieses 
wohl unter dem Einflüsse des folgenden 46. 

Anderes bei r und l vgl. oben S. 318 f. 

Metathesis ron Kons. 

Die Metathesis, die bei liquidae beobachtet wird (sofern es 
sich um die or^-6ruppe handelt), ist schon S. 297 zur Sprache 
gekommen. Desgleichen ist auch die Umstellung von ps zu sp 
erwähnt worden (S. 358). Neben dem s. vas für aksl. vbsb ,om- 
nis' auch schon sav: aus ^hsega im Gen. entstand *usega, dann 
*suega, svega, Dat svemu, Nom. PI. m. svi (aus ut>8i, usi); kroat 
sfa aus fsa, aksl. ptsa ,Hunde8' zu Nom. pas aksl. pb9b; slov., 
s.'kr.goinila gegen ksl. moyy/a ,Erdhaufen*; netopyrt ,Pledermaus* 
erscheint auch als nepUyrt, nepotyrt. In den einzelnen slav. 
Sprachen können noch zahlreiche Fälle beobachtet werden. 

Abfall auslautender Kons. 

Der Abfall auslautender Kons, ging wohl im lit und Urslav. 
selbständig vor sich; das gilt von d, t: Gen. Sg. der o-Stämme: 
lit. vi^, aksl. vhka, ai. f>rkäd; 3. P. Sg. Opt aksl. ptfni, vezi, 
lit te-pine, ai. vcthet. Dafür spricht das q aus -ont im Aor. vedq, 
ebenso ^ aus v^. Im Slav. ist man aber weiter gegangen, was 
auf die allgemeine Begel zurückzuführen ist, daß jede Silbe ofifen 
sein mußte. So ist im Slav. auch das s abgefallen, während es 



385 

im lÄt blieb, z. B. Nom. Sg. der o-Stämme aksl. vhkh ans *ulko8, 
lit vilkas ,Wolf . 

Haplologle. 

Zwei unmittelbar auf einander folgende Silben, die identisch 
oder fast gleichlautend sind, wobei es sich hauptsächlich auch, 
jedoch nicht ausschließlich, um den gleichen kons. Anlaut handelt, 
können leicht in eine zusammenfließen. 

Aus dem Aksl. gehört hierher wohl kamim ,steinem' aus 
kamenem, wie es noch in einzelnen slav. Sprachen heißt Weiter 
s. bremenoäa ,Lastträger^ aus bremenanaäa; s. ihmos ,Heiligenbild- 
trägei' aus ikovuhnos. Im Gen. Sg. fem. des best. Adj. ist schon 
im ürslav. aus ^dcbry-jej^ (vgl den Gen. Sg. jej^ ein dobryj^ 
entstanden. Ebenso im Dat und Lok. Sg. 1 dobr^ aus dobr^ 
jejiK Ahnlich ging es auch noch bei einigen anderen Kasus 
dieser Dekl. zu (vgl. z. B. den Instr. Sg. f. dobrojq und dobrqjq 
aus *dobrq'jejq). Hierher gehört auch z. B. b. koäte ,Besen' aus 
koitüte (und dieses aus chvoitüti, vgl. Gebauer I, S. 554). 

Man kann die Haplologie auch als Silbenellipse auffassen. 
Von der Kontraktion wie z. B. dobrägo aus dobraago (und dieses 
aus dobrajego) unterscheidet sie sich dadurch, daß bei ihr zu- 
nächst die Kons, der Silben in Betracht kommen, während es 
sich bei der Kontraktion um Vokale handelt. Bei der Kontrak- 
tion gehen zwar Vokale auch verloren, aber sie werden in quani 
Hinsicht ersetzt, da die kontrahierte Silbe (dobrägo) lang wird, 
was natürlich bei der Haplologie nie der Fall sein darf. 

SandU-Erselieiiiiuigen. 

Wir haben bis jetzt das Wort in der Regel an und für sich 
betrachtet Aber schon bei der Untersuchung des vok. Anlautes 
mußten wir hervorheben, daß im Urslav. jedes Wort nur mit 
einer offenen, also vok. auslautenden Silbe endete, und daß in- 



1. Die Form dobrij\ die oben 8. 61 als ein Produkt der Haplologie 
hingestellt wurde, ist erst später entstanden (aas doMJi), So kann aach 
der Dat. kosti nicht durch Haplologie aus kosteiei entstanden sein, viel- 
mehr führte dieses durch Kontraktion, wobei auch der Lok. *kostex vom 
gewissen Einfluß sein konnte, zu *k(jstei, so daß ei als Langdiphthong 
eine gest. Int. hatte, wie sie sich auch noch im Inf. zeigt. Später wurde 
sie unter dem Einflüsse der Dative wie rtj^i zu einer geschleiften. Dar- 
nach ist einiges auf S. 61—62 zu berichtigen. 

Vondrftk, Vgl. daT. Oninm. I. 25 



386 

folge dessen, wenn ein Wort mit vok. Anlaut folgte, ein Hiatus, 
der vielfach gemieden wurde, entstand. So sind die Erschein- 
ungen, welche wir bei dem urspr. vok. Anlaute bemerkten, eigent- 
lich auch schon Sandhi-Erscheinungen. Diese beruhen darauf, daß 
das Wort in der gesprochenen Sprache eigentlich selten allein 
vorkommt, sondern meist in zusammenhängender Bede, im Satze, 
in zwei- oder mehrgliedrigen Ausdrücken und daß es infolge 
dessen in lautlicher (insbesondere auch in akzentueller) Hinsicht 
von seiner Umgebung, von dem was vorhergeht und unmittelbar 
nachfol^ beeinflußt werden konnte. Das Wort konnte unter 
diesen Umstanden bestimmte Yemnderungen erleiden, dann aber 
auch in dieser veränderten Form, unter anderen Bedingungen, 
selbst auch selbständig, gebraucht werden. So ist das Meiden 
des vok. Anlautes vorwiegend diesem Einflüsse der Umgebung 
— dem vok. Auslaute des vorhergehenden Wortes — zuzu- 
schreiben. Hat sich dann bei einem Worte mit urspr. vok. An- 
laute ein kons. Element im Satzinnem entwickelt, so konnte es 
auch haften bleiben, wenn das Wort als erstes im Satze, in der 
Sede, vorkam, d. h. dort, wo kein vok. auslautendes Wort vorher- 
ging, wo also eigentlich kein Hiatus zu tilgen war. Die Ver- 
änderungen an Worten, die wir als Sandhi-Erscheinungen charak- 
terisieren, müssen sich natürlich in jenen Bahnen bewegen, in 
welchen auch die lautlichen Veränderungen im Wortinnem vor 
sich gehen. Tatsächlich haben wir gesehen, daß bei der Meidung 
des voL Anlautes dieselben Mittel angewendet wurden, mit denen 
auch der Hiatus im Wortinnem getilgt wurde. 

Am deutlichsten können wir die Sandhierscheinungen an 
den Fräpositionalausdrücken beobachten, weil die Fräp. in der 
B.egel nicht aUein vorkommt. Der Fräpositionalausdruck wird 
auch, wie wir schon hervorgehoben haben, als eine sprachliche 
Einheit aufgefaßt, daher dieselben lautlichen und akzentuellen 
Bageln, als ob es überhaupt nur ein Wort wäre. So haben wir 
schon bei der Assimilation von Kons. Fälle angeführt wie be- 
stracha = bez Hracha, i-crhkbve st. iz crbkbve Zogr. Assem. 
Hierher auch: bez-d-razuma ,ohne Verstand' Mar. Matth. 15, 16 
(st bez razumä). 

Wie wir wissen, war *v^n^'j€mt ,in ihm' berechtigt, ge- 
schrieben vrird es rs njemt, es ist aber dann auch pri njemt und 
andere derartige Formen aufgekommen (vgl. S. 324). Berechtigt 
war vz domu ,im Hause', vb grculi ,in der Burg, Stadt', dagegen 



387 

sollte es *vzn'Ogni ,iin Feuer* heißen (aus *x^nogni); es ist hier 
aber die Form, welche vor Kons, gebraucht wurde ^ yerallge- 
meinert worden, daher tn ogni, und nur bei dem erwähnten Pro- 
nomen und sonst noch in einigen vereinzelten Fällen hat sich das 
107m (analog auch s^n) erhalten. 

Andere Sandhi-Erscheinungen aug dem Aksl. sind z. B. pridamij aus 
pridamt i ^aQad<ooio a^6y' Glag. Cloz. 172; proilaüüfp aus proslavüb i 
dofdoti a(n6v Mar. Jo. 13, 32; dyiaehamyj aus thfiaekom^ % ^jxof^aafMv 
avtov Mar. Marc. 14, 58; npaaetoj aus $bpa$et9 i Fsalt. sin. 21, 9; 
pcMrichomoj aus poiriSehom^ % xaxenlofier abt6v ib. 34, 25 (vgl. S. 139). 
In dieselbe Kategorie gehören auch die Ausdrücke wie mirotb aus mtir» 
9b; rodosb aus rod^ tb Akk. 8g. r^v ywsa» xavttjy Mar. Matth. 11, 16 und 
sonst noch häufig. 

Andererseits darf man aber nicht glauben, dafi das Wort seine Ge- 
stalt nur aus der zusammenhängenden Bede haben konnte. Wenn aus 
-08, 'On im Slav. ein -s geworden ist, wird es auch unter die Sandhi- 
Erscheinungen gerechnet. Das ist aber eigentlich nicht richtig. Diesen 
Lautwandel hat nicht die Umgebung hervorgerufen. Das «, bez. das n 
hat das o zunächst in u Terwaudelt und dann ist aus -im, bez. -im ein 
-a entstanden. Man könnte höchstens zugeben, daß hier zunächst jene 
PäUe, in denen nach dem -o«, -an ein Wort mit kons. Anlaut folgte, 
maßgebend waren. Es darf hier aber auch die selbständige Stellung 
«olcher Worte, die gewiß auch eine Bolle spielte, nicht außer acht ge- 
lassen werden. Das gleiche gilt natfirlich von allen analogen Fällen, in 
denen wir es überhaupt mit sog. Auslautgesetzen zu tun haben. 



388 



Stammbildungslehre. 

Einleitung. 

Abstrahieren wir in ucUeta^ ucäeTu (Nom. ueäeTt^-die Kasussuffixe 
«, ti, welche ans die Beziehung des Wortes zu seiner Umgebung (sjnt. 
Bez.) ausdracken, so bleibt ueÜeF' übrig: das ist der Stamm, welcher der 
Dekl. zu Grande gelegt wird, und daher nennen wir ihn hier speziell 
Nominalstamm. Die Formenlehre wird freilich darstellen, daß er 
eigentlich eine Erweiterung zu uciteljo- erfahren hat. Analog verhält es 
sich bei den Yerbalbildungen z. B. nedeSi^ vedet^j vedqh : -•», -fo, -n/o sind 
Personalendungen und vede, vedo ist der Yerbalstamm. Die Stamm- 
bildungslehre untersucht nun vor allem, wie solche Stämme gebildet 
wurden. So haben wir auch jioch andere Nominalstämme, die das Ele- 
ment 'Uljo- gemeinschaftlich haben, wie z: B. mqeitelfo' (Nom. mqciterb) 
peiniget, Tyrann', dilaUf/o- ,ArbeiteT^ Das 'teffo- ist demnach ein stamm- 
bildendes Suffix und die Stammbildungslehre muß nach seiner Prove- 
nienz fragen und untersuchen, ob sich auch hinsichtlich der Bedeutung 
irgend welche Normen aufstellen lassen. Da mit unserem Suff. Sub- 
stantiva gebildet werden, so ist es ein substantivisches Suffix. Es 
kann sich auch um Adjektiva, Pronomina, Nuroeralia, Adverbia handeln 
und wir sprechen da überhaupt von nominalen Suffixen. 

Abstrahieren wir das Suffix 'tef-, so bleiben die Yerbalstämme ua-, 
mqii-f dila- übrig, die zu den Inf. uet-ti ,lehren', mqciti ,peinigenS dilati 
,machen* gehören und t bez. a ist hier ein verbales Suffix. So sehen 
wir, daß es sich mitunter bei einem und demselben Worte sowohl um 
nominale als auch um verbale Suffixe handeln kann. 

Die Yerbalstämme uci, mqci^ dila entstanden, indem das Suffix i bez. 
a an die subst. Stämme uko- (Nom. ukb ,doctrina'), mqka ,Pein', d^ 
,Werk' angehängt wurde. Abstrahieren wir in uko- das Suff, -o, so bleibt 
uk übrig, das wir auf diese Art nicht mehr weiter zergliedern können. 
Wohl aber gewinnen wir analog aus vtfknqti ,sich gewöhnen' das letzte 
Element vyk, das zu uk in einem Yerwandtschaftsverhältnisse steht. Aus 
der Lautlehre wissen wir, daß v-yk- auf unk zurückgeht (vgl. S. 119), 
vgl. got. bi'ühii ,gewohnt* und lit. jünktaa ,gewohnt', junkstü, -jünkti ,ge- 
wohnt werden'. Neben diesem * unk^ das offenbar ein Nasalinfix aufweist, 
haben wir im Slav. das oben gewonnene uk-, das auf euk oder ouk zu- 
r'' -»nn, vgl. auch lit. jaukxnii »gewöhnen', jaukus ,zahm'. Wenn 



389 

wir nun nach jener Form, die allen diesen Bildungen zu Grunde liegt, 
fragen, so kann es wohl nur euk sein; daraus konnte auk und uk (vgL 
lett. yuA^ ,Bich gewöhne') und mit Xasalinfix unk entstehen'. Vgl. ai. 
fieyati. Wir nennen nun tuk eine WurzeL 

unter der Wurzel verstehea wir demnach jenes sprachliche 
Gebilde, das einer Reihe von etym. zusammengehörigen Worten 
zu Grunde liegt und mit den uns zu Gebote stehenden Mitteln 
nicht weiter zergliedert werden kann. In der Sprache kommen 
nur Worte, nicht Wurzeln vor, aber in etym. zusammengehörigen 
Worten mußte doch etwas als der gemeinschaftliche Träger der 
Grundbedeutung empfunden werden. Dieses gemeinschaftliche 
Element wies zwar hinsichtlich der Vokale in der Begel einen 
Wechsel auf, aber wir können uns ganz gut eine Phase der 
Ursprache vorstellen, wo dieser Wechsel noch nicht vorkam, so 
daß die Wurzel gewissermaßen doch auch mitexistierte. 

Durch ähnliche Analysen, wie wir ohen unser mik gewonnen hahen, 
kam man schließlich immer zu sprachlichen (jebilden, die einsilbig waren. 
Man sagte daher, die Wurzel m&sse einsilbig sein; das wäre aber 
auch ihre einzige Eigenschaft. Später modifizierte man diese Lehre, man 
sprach auch von zwei- und mehrsilbigen Wurzeln und zog dafür den 
Namen Basis vor. Vgl. H. Hirt, Der idg. Ablaut, 8. 2: „Wir können 
aber gewisse Abstraktionen aus mehreren zusammengehörigen Worten 
nicht gut entbehren, doch wollen wir diese nicht Wurzeln, sondern mit 
Fick G6A. 1881, 1427 Basen nennen. Die idg. Worte sind ein-, zwei-, 
drei- und mehrsilbig gewesen, und dementsprechend sind auch die ab- 
strahierten Basen ein-, zwei-, drei- und mehrsilbig'^ Freilich geht man 
auch hier wieder zu weit, man setzt häufig eine zweisilbige Basis als 
Wurzel an, wo noch eine einsilbige Wurzel anzunehmen ist. In der Lehre 
vom Ablaute empfiehlt es sich, wo möglich auch von zwei und mehr- 
silbigen Gebilden, die man allerdings immer nur aus fertigen Worten 
erschließt, auszugehen, weil man dann nur auf diese Weise darin die 
Wirkungen