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Full text of "Vergleichendes Wörterbuch der finnisch-ugrischen Sprachen"

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• ■■4:-.>! 



^'wglek-heiides Wörterbuch 



inisch-Ugrischen Sprachen 



Dr. O. DOSTNKR 



I- 



HBIBIHOFOKS, 1871. 



. . ft»ntk«lt » **oi Mhi4f|. I Irtfil, r. t «»«tau* . 1 



Vertaileva Sanakirja 



Suomalais-Ugrilaisten kielten alalla 



tohnvt 



Toht. O. DONNER 

SaimkrUiD ja vertailevaa kiolitaikimuksen doHeniti 
Uelaingin yli-opiRtosna. 



I. 



, HELSINKI, 1874. 

Suomal&iMii KirJallUuaden-SeiiraB kirjapainoss«. 

Frenokell Ja pojan klijakauppa. | Leipzig: F. A. Brookhaus. 



Vergleichendes Wörterbuch 



der 



Finnisch-Ugrischen Sprachen 



von 



Dr. O. DONNER 

Doeent des Sanskrit u. der vergl. SprachwiMMnschaft 
an der UniTersii&i Helsiogfors. 



I. 




HELSINGFORS, 1874. -'.''?.,. 

Druckerei der Finnischen Literatnrgesellschaft. 



Frenofcfii fc $on$ bokhandel. | Leipzig: F. A. Broclcliaut. 




Als ich vor neun jähren vergleichende forschungen über die finni- 
schen sprachen begann, gestalteten sich diese zunächst zu wortverglei- 
chungen. Die durchsichtige klarheit des baues der Suomi-sprache führte 
doch allmählich zur aufstellung finnischer wurzeln (vgl. die Zeitschrift 
Suomi Jahrg. 1866), um die mannigfach wechselnden formbildungen auf 
ihren stofflichen Ursprung zurückzuführen, — eine sprachliche aufgäbe die 
man auf diesem spccielleren gebiete noch völlig bei seite gelassen. Es 
leuchtet« aber sogleich ein, dass die so gewonnenen wurzeln, um ihre exi- 
stenz als Finnisch-ugrische oder Uralische behaupten zu können, auch in 
den übrigen zweigen dieser familie belegt werden mussten. In dieser 
weise entstand der vorliegende erste versuch eines etymologischen Wör- 
terbuches der Uralischen sprachen. Ich muss dabei sehr bedauern, dass 
ich aller mühe ungeachtet nicht im stände gewesen bin mir das unga- 
rische Wurzelwörterbuch von Kresznerics (Krcszncries Fer., Magyar szö- 
t4r (fyökerrenddd. I, II. Buddn 1831—32) zu verschaffen. Ein ver- 
gleich der in diesen beiden, bis jetzt am genauesten untersuchten, spra- 
chen aufgestellten wurzeln, die in beiden auf ganz unabhängige weise 
gewonnen waren, würde zugleich eine nützliche controlle abgegeben so- 
wie auch die arbeit beträchtlich erleichtert haben, wenn Kresznerics über- 
haupt wurzeln im sinne der heutigen Sprachforschung aufgestellt hat, was 
ich nicht kenne. 

Ein weit bedeutenderer mangel lag im materiale selbst. Ausser 
für das Magyarische, Finnische und Estnische besitzen wir nämlich für 
die übrigen sprachen dieses zweiges im allgemeinen nur wenig bedeu- 
tende Wortsammlungen ; an einer genügenden bearbeitung der Permischen, 
Wolgaer und Ost-Ügrischen glieder fehlt es fast gänzlich. Wenn ich es 
dennoch gewagt habe eine etymologische zergliedemng des gemeinschaft- 
lichen Sprachstoffes vorzunehmen, so geschah dies in der Überzeugung, 
dass dadurch die speciellere behandlung joder einzelnen spräche beför- 
dert, dass überhaupt die specielleren aufgaben dadurch bestimmter fixirt 
würden. Man könnte sich zugleich der erzielten resultate als fester aus- 
gangspunkte bedienen. 

Eine verwerthung des sprachlichen materials in diesem sinne setzt 
natürlich voraus, dass die in den fraglichen sprachen verwendeten suffix- 



VI 

elcmeiite klar erkannt worden sind. Richtiger, die ermittelung der wur- 
zeln und der ursprünglichen sufflxe, diese in ihren oft äusserst abge- 
schliffenen gestalten, muss mit einander hand in hand auf inductivem wego 
geschehen. Die darstellung der Finnisch-ugrischen suffixe in ihren lautlichen 
verfmderungen ist daher ein nothwendiges formelles complement zu der 
feststellung der materiellen stoffwOrter. Nach Vollendung des zweiten hef- 
tes des Wörterbuchs, was wohl noch innerhalb dieses jahres geschehen 
dürft<?, wird diesem eine Übersicht der suffixe folgen. 

In betracht der vonirtheilsvollen annähme, die in der allgemeinen 
Sprachwissenschaft bisher ziemlicli verbreitet gewesen ist, dass die wurzel 
in den Uralischen oder iiberhaui>t Altaischen spraclien ^ starr** und immer 
unverändert verbleibe, kann ich hier nicht umhin, auf die bei jeder wur- 
zel ziemlich oft eintret-ende vokalsteigerung und die eben so oft vorkom- 
mende Schwächung des wurzel vokals aufmerksam zu machen. Es ist dies 
eine crscheinung, welche mit der indoeuropäischen gunirung und Schwä- 
chung wesentlich vollkommen identisch ist, obwohl sie in den Uralischcn 
sprachen bloss die stammbildung umfasst, noch nicht aber in die vcr- 
balflexion ein viel bewegtes leben eingegossen hat. 

Wenn ich hin und wieder auf analoge oder nach form und inhalt 
identische wurzeln aus dem Indoeuropäischen hingewiesen habe, so ge- 
schah dies ohne daraus etwaige Schlüsse ziehen zu wollen. Noch mehr- 
mals müssen die finnisch-ugrischen wurzeln allseitig gesiclitet werden, 
ehe sie als endgültig festgestellt angesehen werden dürfen. Bei diesen 
schwierigen Untersuchungen kann es ja leicht geschehen, dass man aus 
einer anzahl scharf abgeschliffener oder sonst veränderter lelmwört^r, wel- 
che aus einer weit entlegenen zeit stammen und daher in mehreren spra- 
chen vorkommen, eine wurzel konstruirt, die dem süimme ursprünglich 
nicht zukam. Es genügt dabei auf die ähnlichkeit nur aufmerksam zu 
machen. So lange aber zu warten, ehe man zur feststellung der genui- 
nen wurzeln geht, bis alle in die spräche eingedmngenen fremdwörter 
richtig als solche erkannt worden sind, heisst die Wurzelforschung auf- 
geben. Demi in vielen sprachen giebt es vollständig einheimische Wör- 
ter, welche denen einer anderen spräche sehr ähnlich sind und daher 
verdächtigt werden; und gesetzt, es existiren in zwei verschiedenen sprach- 
stämmcn wurzeln, welche nach form und bedeutung identisch sind, so 
werden gewiss die meisten aus diesen gebildeten worter dem fremden 
stamme zu gute gerechnet, wenn man die eigene wurzel niclit kennt. — 
Übrigens sind alle in den anmerkungcn zum vergleich gezogenen Wörter 
und wurzeln erst nach Vollendung der arbeit aufgeführt vorden. Nocli 
sind aus dem Samojedischen, Türkischen, Mongolischen theils Wörter, theils 



VII 

8. g. wurzeln hie und da in den anmerknngen angeführt. Ich will mit 
diesen, da die betreffenden sprachen noch nicht hinlänglich untersucht 
worden sind, gar nichts beweisen; ich schrieb sie nieder, um nur als 
anknfipfungen einer künftigen forschung zu dienen. Dass solche aus der 
bekannten arbeit des Herrn Schott (Über das AltaiscJic sprachenge- 
schlecht) nicht früher als in den letzten bogen vorkommen, kommt daher, 
dass diese arbeit mir anfangs nicht zugänglich war. — Herrn Hunfalvy 
(Hunfali-y P., Ä Finn es Magyar szok egyhehasonlltdsa. Ertesiti' 
1852) würde ich wie die übrigen öfters citirt haben, die genannte arbeit 
ist aber nicht mehr vorräthig und kein excmplar existirt in der hiesigen 
Universitätsbibliothek. Als schon der druck beinahe vollständig beendet 
war, erhielt ich aus Pest Budenz' Magyar-Ugor Osszcluisoulito szo- 
tür, das ich doch für dies heft nicht mehr benutzen konnte. Ich finde 
mit genngthuung, dass wir in manchen punkten übereinstimmen, wo er 
sich veranlasst gefunden hat, die in seiner früheren arbeit (A Magyar 
es Finn-Ugor nyelvcJcbeli szoeyyezesek 1867, 1868) gemachten ver- 
gleichungen zu modificiren. Wo wir in anderen hinsichten von einander 
abweichen, wird wohl die künftige auf reichhaltigerem materiale beru- 
hende forschung das richtige herausfinden. 

Das von mir gebrauchte transcriptionssystem folgt: h, g, % — ^^S- 
X, arab. f^, deutsch arA, y = £, das weiche in Norddeutschland aus- 
gesprochene g in nagen, tvageyi; ä, j; n = guttural nasal, im d. enge; 
ö = pol. ö, engl, ch, deutsch tsch; c = ts, j = dsch, engl, j, g 
= dz, äf = engl. sh. deut. seh, z = fr. jetinc; f, d, s; z:^iv, zele, 
engl, zedl, 8 — engl, weiches ih in ihy^ das modem-griech d; n; i 
= eine Vereinigung von i und /, wie d — d und l; p, b, f, v, w 
= engl. wCy m; r, /; a, ä = der breite e-laut, der weiche gegensatz des 
a in den finnischen sprachen = magy. e; e — magy. e; i, T = russ. m; 
o, II, o = ein zwischen e, o und ö liegender laut im estn.; ö, ü; w 
= das schwedische u, in huru. Noch ist als monillirungszeichen * ange- 
wendet: «, f, cT, n^ r, /; i, i, d\ 

Helsingfors im januar 1874. 

0. B. 



11 



Berichtigungen. 

Es ist gewiss besser die n:o 9, 10 und 11 mit d:o 1 zu ein 
besonderen wurzel kok, hak mit der bedentong hei^orragen zn vereii 
gen; kokas in n:o 1 ist ans *kokO'kas zusammengezogen. 
8. 19 z. 8 von unten lies: pflücken, 
s. 33 z. 20 „ oben „ kohä, 

8. 35 z. 8 „ das hier aufgenommene st. lap. kor ist zu streiche 
s. 44 z. 19 „ kirjun. 

8. 48 z. 18 „ n:o 372. 

Zu n:o 427 vergl. n:o 568. 

N:o 430 gehört ohne zweifei mit magy. täl zusammen, wie in i 
479 hervorgehoben wird; in welcher weise türtitn, türcün u. a. dan 
zu verbinden sind, ist noch näher zu untersuchen. 

Es mögen noch buchstabenfehler hie und da vorkommen. 



V * 



1. Pin. Tcauka fem, entlegen, adv. Jcauva-n lange. — koka-s 
st. kokJca-ha grossgewachsen. — koko-ta-n = *kokko-ta'n ausdehnen 

V. Lap. gukka entfernt, entfemung. — Sv. kukke, kukka-s, 
kukke-n id. — kukke-s lang. — Utij. kukka lang, kukkl-n lange. 

Erta Mordv. kuvaka lang, adv. kuva-t, kuva-sio lange. 

Ot^. I. %ou, S. koux lang, weit, entfernt, adv. xowa-t, S. 
kawa-t lange. 

N:0 2—13. Wurzel X;aÄ:, A:oÄr, A^Ar; kek, kik gebogen, krumm. 
Mit Vokalsteigerung: kauky kouk, kuok; keik, kiek, kik, kiuk, 

2. Fin. koukJcu haken, bucht, kluger streich. — kouke^ro krum- 
mer gegenständ, kleiner haken. — kuokka hacke. — Vepi. kouk- 
U'ine thürhaken. — Vot. kokka haken, uncus. — Est. kok g. kögu 
haken. — Liv. kuok haken für eimer. 

Sv. Lap. kauk, kauko haken. — kavak krumm = n. lap. gaw-oi^ 
gav^ddel. 

6er. kagak hamus, uncus. 

Magy. kuka hölzerner haken, vgl. kuko-ra bug, krttmmung. 

Ahlqvist kulturord 27 hält f. kuokka für ein lehnwort aus 
schwed. krok, wie f. kuoppa aus grop. Bei entlehnten Wörtern mit 
kr anlautend werden doch wie in West-Finland entweder beide 
beibehalten: krüti sv. krut, kruni sv. gryn, oder wie gewönlich nur 
r: riiti, runi, ruH-niä sv. kryddgärd. Der vokal wird ou oder ö: 
krouvi sv. g^ofy krökka sv. krok. — Vgl. mongl. gho%a, Burjät. goko, 
goio baumkrümmung, thttrhaken. 

3. Fin. kouka re krummer gegenständ, vgl. koukku. — kouke-ro 
id. — kukka-ro geldbeutel. — kekka zurttckgebogen. — keikka, -o, 
-ti krumm, gebogen, Schaukel. — kieka-ra rolle, kastscheibe. — 
hiekka das was sich schwingt, rolle, Scheibe. — kiekka-ra krans, ring; 
rund, rollend. — kikku-ra ring, krause. — inkku Schaukel. — kik- 
ke-rä schlinge. — kluke-ro, kiuku-ra, kinke-roineti, ktuke-lo krumm, 
gebogen. — kiuko-a, kiuka-ha ofen aus stein. — köükkii krummer 
gegenständ. — köüke-lö krumm, zusammengeschrumpft. — kükkä-rä 
biegung, verwickelter knoten. — kükkü-rä der krtippel. — käkke-rä 
krans. — kak-ri-stün sich drehen. — kökä-ri mager und krumm. 

Est. kuk-ne schlänge. — käkk kloss, ballen. — käk-r zusam- 
mengelegt, gedreht. 

1 



Liv. JcukM insect, pitkä-k (langer) schlänge. 

H. Lap. giiogge gebogen, guoggo-t krumm. — goag-la blatter, 
blase. — Sv, Lap. kauke-ste-t biegen. 

Syrj. gögä-r kreis, ring. — gög-räs rund. 

Perm, gögö-r herum. — gögö-ra umliegend. — gög-^aUni 
umdrehen. — gög-rö-sa rund. 

Votg. köki Schaukel, wiege. 

Öerm. kak-Fa-ka krumm, schlau, verschlagen. 

Hagy. kög, cirkel, kreis, mittelpunkt. — kögö-lö cirkel (in- 
strument). — guga drtlsengeschwulst, kröpf. — kohö, kuko, ktiku 
ei (in der kindersprache). — hikora krumm, gebogen. — kuko- 
rek bug, krUmmung. — kükö-r ellipse = körkör. 

Das f. kiukoa geht aus derselben anschauung aus, welche in 
f. kän bogen, käriy keri kreis und ostjak. kör ofen liegt. Ahlqvist 
kult. 102 leitet kiukoa aus f. kivi stein her. Budenz szöegy. 52 
stellt magy. kög unmittelbar zu f. kehä, siehe folgende nummer. 

4. Fin. keh-a, keh-ä) keh-e rundel, ring. — keh-i gestalt, ring 
(um den mond). — keh-rä, kehe-rä rundel, rolle. — kah-a-ra^ 
käh'ä-iäy kih-a-ra kraus. — kaJi'a-r'tH'a kraus werden. — kah-e-ra 
kraus, buschig, s. hangebirke. — kiehk-u-ra rund, inindel, krans. — 
kelik-e-^rä rund, kraus, bauchig. 

Veps. cehk-a-r rund. 

Die obigen formen gehören unzweifelhaft hieher durch ver- 
milderung des ursprünglichen k zu h. Bei kielihira, JceJtkrrä muss 
wohl einschiebung eines h angenommen werden, wie im est. sukul 
= suhkul, fin. fikiä = fihkiä, welches übrigens auch die erweichte 
form fUiiä hat. Es werden dadurch kiekkaray kiuknra und kieh- 
kura, kehhrä wesentlich identisch. 

5. Fin. kakko, -ii, kakka-ra kuchen, bulle. — kokka-ra, kokka-rc 
erdschoUe, klump, kuchen. — kikka-ra, kuchen. — kokoi ger- 
stenbrot. 

Vot. kakku dünner kuchen. 

Est. kok g. kaku brod. — kokka-r klump, kloss. — kükk g. 
kaku kuchen. — kuka-r Samenkapsel. — kukc-l kleines brod. — 
hik g. kögi kuchen. — käk-le kloss, ballen. 

Liv. kok g. kaküdy käk, kok kuchen. — kukl-T^ hikki-l laib, kloss. 

V. Lap. gakko, sv. kakko kuchen. 

Thomsen got. sprogkl. 119 nimmt das an. kaka, in dem ny- 
ländischen dialekt des Schwedischen in Finnland kaku, schwed. in 
Estland kaka-hrc, kako gerstenbrot als das original an, wogegen 



nd Tcdke das original des est. höh, liv. höky kuok Die vielen bü- 
düngen im finnisch-estnischen deuten doch auf wurzelhafte ur- 
sprttnglichkeit. 

6. Fin. kukka blttthe. 
Vot. kukka. 

Est. k^ke g. kukke blüthe. 

Die ursprüngliche bedeutung ist wohl: rundel. 

7. Pin. kauka-lo trog. — karin k. (insel) muschel d. i. etwas 
gebogenes, gedrehtes. 

Vot. kauka-lo trog. — Liv. kaugö-l brottrog, koiige-l, koga-l, 
L. kaugi-l. 

M.Mord. kavi'l id. 

Oitj. kowe-l OS., kewe4 US. holzmörser. 

Est. sä kokk wasser Schnecke; Vgl. f. koukero, kiukelo, und 
wegen der bedeutung kousa, Ahlqvist M.Mordv. gram. 159 ver- 
gleicht schon das mordv. wort mit dem finnischen. Der form nach 
stimmt das lap. goagla blatter zu kaukalo, 

8. Fin. kaula, karel. kaMa hals. 

Vept. kagl — Vot. kagla, — Est. kael. — Liy. kagl, kaggöl, 
L. täi. 

8v. Lap. kaulo bug. — Oiljj. kawoia locke. 

Von Wurzel kaik krumm, gebogen sein, vgl. sv. lap. kaul ha- 
ken. Auch das est. kukcd =■ kukru nacken steht hiemit im eng- 
sten Zusammenhang. Das litt. kaJclas hals, braucht sonach nicht 
der Ursprung der erstgenannten Wörter sein. Vergleiche öer. kok- 
Taka krumm, schlau. 

9. Fin. kokka etwas aufrechtstehendes, spitze des bootste- 
vens. — kokk-ä-n schelmstücke machen (gleichsam Windungen ma- 
chen, vgl. kavala). — kokko kegelförmige erhöhung, etwas auf- 
rechtstehendes von pyramidalischer form. — kiikku kegelförmiger 
gipfel, spitze. — kukku-lu, kukke-lo, kukku-ra gipfel, hügel. — 
kieke^o, kieke-rö runder bergshtigel, rundel; vgl. kikku-ra ring, 
kräuseln. — kiku-li häufen. — köükkä hügel. 

H. Lap. öok spitze, höhe, utsj. öokka, — n. gäööe sv. keöe, 

kedöe spitze. 

Hagy. AflW hügel, höhe. — godo-la kröpf, d. i *gogO'la, 
Schott Alt. stud. 1. 615 bringt lap. öok mit kukkura und lap. 

öoke acervus mit koko in Verbindung, beide mit grundbedeutung 

hochf was auch zu den formen mit o und u-vokal recht gut passt. 

kukkura ist aber nicht leicht von kiekero, kikkura, kikkerä zu tren- 



nen, weshalb auch das kegelförmige wesentlicher bestandtheil der 
ursprünglichen anschauung sein dürfte. Schott führt übrigens, wie 
auch Blomstedt Hai. Bes. 89, magy. häJ zu f. kukkula; die laut- 
ttbergänge wären etwa dieselben wie in magy. jäd = f. jälki. Ich 
ziehe diese Zusammenstellung des häd vor der von Budenz szoegy. 
117 gemachten mit 2er. kozarge cuspidatus, b. kazar, kazarga, syij. 
Md hülse, spreu, wogegen lap. gädöe u. s. w. denselben lautttber- 
gang zeigt wie f. katkki = n. lap. gä/'os, sv. kedo, F. koko n:r 12 
verhält sich übrigens zu lap. öoakke = sv. lap. keura (auch öäura): 
n. lap. öäires otter, und sv. lap. duovot: magy. km^ät-ni folgen, 
vgl. Budenz szöeg. 77. Zu der hier besprochenen wurzel gehört 
wohl auch perm. kok, votj. kuk bein (^s das runde, hervorste- 
hende), wie auch votj. gogo glied. Möglich dass auch magy. tük 
spitze, nagel hieher gehört. 

10. Fin. koka-ste-le-n mit dem köpfe aufgerichtet gehen, stol- 
ziren. 

Magy. gog hochmuth, stolz. — gSgö-S aufgeblasen. 

Dass gog mit dem obigen zusammenzufassen ist, zeigt die 
bedeutung kehlkopf, welche dem worte auch zukommt, und in 
godo-Ja kröpf ihre entsprechende form mit hartem vokal hat. 

11. Veps. kok-in mit dem rtissel hacken (von vögeln). 
Perm, kok-ahni id. 

Ableitungen aus einem verloren gegangenen worte *kok rüs- 
sel, Schnabel. 

12. Fin. koko häufen, Sammlung, adj. ganz, koko iah der ganze 
bauernhof, gesinde, rnmln koko der gesammte körper, ko'olta reich- 
lich, ko'Mnmin mehr. — koko heuschober. — kükä-hä nom. küäs 
garbe. — Tcokö-n, koko-a-n sammeln. 

Veps. kogo häufen. — kego heuschober. — Vot. koko häufen. 

Est. kokk g. kokr kleiner heuschober. — kokk-u-ma zusam- 
menkommen. — kogu gen. kou (kö); kogo gen. koo verein, Samm- 
lung, häufe, menge. — kogu-n = koii-n versammeln. 

H. Lap. cooJck^', Sv. öoke häufen. — n. fokk-i-t, öoagg-i't, Sv 
dokk't'f, {'okk-e-ne-f, öogg-ot, öogg-e-t sammeln, häufen. 

Öer. kogo, kugo gross. 

Vielleicht sind auch perm. gög nabel und konda vog. Kaxs-v 
bauch hierher zu rechnen. Schott Alt. Stud. 1. 615 bringt koko 
mit dem cerem. worte in samklang. 

13. Pin. kükkii, kükkü hockende, kauernde Stellung. — kükkü-ä 
hockend sitzen. — kükki-ä, küki-siäi-dä niederhocken n. a. 



7epf. kuke-rda-n umkehren. — kiki-Sta-nwi sich niederhocken. 

Vot kuke-rrorn kopfüber fallen. 

Eat. hükk g. küki hockende Stellung. — kükki-nia, küka-ta-ma, 
küki-fa-ma sich niederhocken. — kuke-rda-n kopfüber fallen, einen 
Purzelbaum machen. 

Liv. kükk pr. kükü-h hocken, hinhocken. 

MäjT- gwßgO'l-ni, gugga-ni hocken. — kuko-ro-d-ni^ kuko-ro- 
g-ni sich krttmmen, kauern. — kuk-äo-l-ni kauern. 

Budenz szöegy. 85 bringt f. kükküä mit guggani zusammen. 

14. Fin. kok-e-a versuchen, prüfen, streben. — koe-ta-n, koi- 
ta-n fact. versuchen lassen, streben, prüfen = ^koke-ta-n, 

Hagy. ku'tat'niy kai-ta-t-ni stöbern, durchsuchen, schürfen. 

Budenz 73. Wahrscheinlich mit n:o 11 verwandt. 
N:0 15 — 18. Wnrsel kwlk, hink = kok krumm, gebogen. 

15. Fin. konkka, könklcä etwas aufgebogenes, httfte. — konkoy 
kof'tkfy etwas aufgebogenes, erhöhtes. — känkkä-^ä vielgekrümmter 
bäum. — kinka, kinkko hügel, büschel. — kinka-ma hügel, steiler 
abhang. — kuJdco buschel, häufen. — kitike-ri Volksversammlung. — 
käiJcö biegung. — könnärs g. könkän Wasserfall. — kouke-lo, kon- 
ke-ro krümmung an einem bäume od. ast. — kiinkkä kurzer stumpf, 
kw>'ik. ellenbogen. 

Est. kang bogen. — kahg-la, kanne-l achsel. — kanne-r, kan- 
im r, kangu-r hügel aus kies, Steinhaufen. — käng, king kleine mühl- 
rinne. — kang g. kongnu kleine behausung, gefäss aus rinde. — 
kof'ikc krümmung. — kohgo-tanw, krümmen. — konk-s g. kofik-su, 
'si haken, hakenpfiug. — kiiik, g. kingu hügel, hümpel. — kenk 
g. keiigo, hinge g. künke^ künga-s g. künka hügel. 

Liv. könkäy kühkä hügel, düne. — kuhki-l klumpen, kloss. 

Sy. Lap. Uiika fascis, fasciculus. — kaunake-t dependere. 

Votj. kung-ro haken. 

Magy. konja hängend, gebogen. — konji-t-ni biegen, hängen 
lassen. — konjü-l-ni sich abwärts biegen, herunterhängen. — kan- 
ja-r abschnitt, parabel, kegellinie. — kanja-ru bogig, gekrümmt. — 
kaiikn-r Schwengel. — könjö-k der ellbogen, das knie. — könjök-öä 
yorbiegig (vom pferde). — kuiüco-r Sonnenwende. — kunko-ro-d-ni 
sich ranken, schlingen, winden. — kunko-rlt-ni winden, spinnen, 
ranken, vgl. f. käntws ranke. 

Budenz szöegy. 59 vergleicht könjök mit f. küftkkä. 

16. Fin. kanna-stä aus der ferne erhöht erscheinen, sich her- 
vor thun. 



Est. kanga-sta-n id. 

17. Fin. kankku hinkend; schlechtes pferd. — kofJdd-a hinkend, 
wackelnd gehen. 

Est. kunkc^ma humpeln, hinken. 

8v. Lap. konke-le-t hinkend machen, hindern. 

18. Fin. kanke-la schief^ träge, schlecht. — kanke-la schief, 
wackelnd, widerspenstisch. 

Magy. kanöa4 schielend. — kandi-ö schiel. 

Budenz szöegy. 3 stellt kanäal und f. kanhela zusammen. 

19. Fin. kokkoy kofka adler. 

V, Lap. godsske-m, Sv. kokke-m, utsj. kodsski-m, 

Syij. kuö, — Perm, hi^, 

Öer. w. hitku'Z, b. kuöka-z, kuöku-z aquila. 

Ers Mord, kuöka-n, kuöka-n, M. kuckn-n, kucka adler. 

20. Fin. Jciikko hahn, — kiikkua kakeln, wie der kuckuck rufen. 
Vot kukke, — kukuri verb. 

Est kiik, kik, — kukkuma vb. 

Liv. kik. — kukk wie der kuckuck rufen. 

Uts. Lap. kukk-a-t verb. 

Ers. M. Mordv. kuk-a-n vb. — M. kuke-ra-n krähen. 

Magy. kuko-rlkol-ni krähen (vom hahn). 

Vgl. Ostj. Samojed. kök, kük auerhahn. Ahlqvist kult.ord 17 
glaubt dass das gemeinschaftliche indoeurop. wort, welches fr. cog, 
eng. cock, holl. kokke, an. kokkr heisst, das original der oben ange- 
führten sei. Miklosich lexic. palseoslav. 296 fllhrt magy-. knka^ 
zu den slavischen Wörtern: rum. alb. kokoti gallus, ksl. gallina, 
radix kok, kvok glocire, vgl skr käka cornix, kukkutas hahn. Die 
Schallnachahmung ist gewiss in den finnischen sprachen nicht ge- 
ringer gewesen als in den indoeuropäischen, woher also das obige 
wort wie f. käki wohl selbständig gebildet ist. Fick wrtb.* 566 
leitet litt, kuku-ti wie der kukuk rufen aus ku. 

Auch Thomsen got. sprogkl. 125 huldigt die herleitung der 
fin. Wörter aus dem altnordischen. 

21. Fin. käkiy käkö kuckuk. k. kukkü der k. ruft. 

Veps. kcUjL — Vot. öäko, — däkotan schwatzen (elster). 
Est. käko, — Liv. Heg, Heg, L. kicg, Kegg, tegg. Heg ktiküb 
der k. i-uft. 

■ H. Lap. giäka, giekj Uts. Mekka, En. kicha, 
Syrj. Perm. Votj. kök — penn, kök-nl verb. 
Öer. kiiku, vgl. kek vogel. 



X. Mordv. kuku kuckuck. 

Magy. kakuk id. 

Ott]. US. X:a^', kawi, OS. ä;o^', I. Ä;ot<;a. 

Das slav. kukavitsa, lit. Ä:i«A;, lett. kauk, ahd. (/auA, gr. xcxxv^ 
x€9xi;-o. skr ÄöÄe7a, cuculus werden alle zur wurzel kü, ku ein 
geschrei erheben geführt, Miklosich, lex. palseosl. 321. Das Pet. 
Wörterb. erklärt skr iöÄa, köküa als schallnachahniungen, wie auch 
Lottner zeitschr. Il,i69 zwischen an. gaukr, mhd gouck, eng. 
cuckooy hd. kuckuck, lat. cuculus, xoxxv^ nur ein psychologisches 
band findet, da sie ein immer von neuem vorgenommene nach- 
ahmung der stimme des thiers sind. In beiden sprachstämmen 
herrscht unzweifelhaft ein naher Zusammenhang zwischen n:o 20 
und 21. 

22. Hagy* gdffö storch. 

Ostj. käge-rt weisser storch. 
Budenz 78. 

23. Liv* kuoig, koig fahrzeug. 
Xagy. Ao/ö St. hajag, hajav, 

Ahlqvist kult. 151 hält diese für Umbildungen aus dem rus- 
sischen kajuk od. türkischen kaj'ik kahn. Schott alt. stud. 5,89 
bemerkt hierzu: soll man bei dem unslavischen ansehen des Wor- 
tes die benennung der Eskimo kujak boot als reinen zufall gelten 
lassen? 

24. Rn. kakk-a koth (kindersprache). — kakk-ä-pi die noth- 
durft verrichten. — kak-a-ra, kakk-a-ra erdklumpen, pferdekotte. 

Est kakk-a schmutzig, schlecht. — kakk-a-n verb. 

H. Lap. gakk-e-^r koth. 

M. Mordv. kak-a-n kacken. 

Magy. kak-a koth. — kak-ä-l-pii verb. 

Vgl. deutsch kacke, gr. Tcaxxi^, Lönnrot, sanakiija s. 455. 
kakkara und das lappische wort gehören vielleicht zu kakko. 

N:0 25—33. Wurzel kai, kai dumpf tönen, leuchten. Wurzeler- 
weiterung kaik. Mit vokalsteigerung hwL 

25. Fin. kqj-e st. kaj-ehc, kaj-o, kaj-u, kaj-o-s st. kaj-o-kse 
wiederschall, wiederschein, klarheit. — kaj-ea klar, wolkenfrei. — 
kaj-a-Hy kaß'Urn den schall od. das licht zurückwerfen, schallen, 
leuchten, klar werden. — kuj-a-sta-n hell werden, zurückstrah- 
len. — kaj-a-Ma-n, ka^-a-huta-n, h/j-a-Ma-n dumpf tönen, wieder- 
schallen. — kaj-au-s dumpfer schall. — kai-la streif, rand, flamme. 
— ktti'la-'ncn dim. kleiner streif, streifige kuh. — kai-la-s id. — 



8 

kai'lea, kail-a-va streifig. — kai-Uy hai-lio streifige, graiigespren- 
kelte kuh od. ochsen. — km-lo bunt, graugesprenkelt. 

Est. kaj-a-n, kaj-u-riy köj-a-n ertönen, schallen. — kaj-a-sta-n 
etwas licht geben. — kaj-a-ta-n schreien. — kqj-u-s gespenst 
(= ein flüchtiger schein). — foy-o, kuj-ti bild, statue, schatten. 
kuj'U'U-ne adj. eine gestalt habend, s. Schattenbild = varju kuju. 

Li?, kaj'ä-ld wehklagen. 

8v. Lap. kairde-s strahl. — kai-de-ste-t strahlen. — kaj-Orfie-s 
der laut. 

Perm, gaj das echo. 

£n. Mord, kai-te-v adj. laut. 

öer, b. kaj-a-m, kaj-a-lta-m, kaj-e-S-la-ne-m, kqj-ze-kte-m, w. 
kaj-a-m sichtbar sein. — koj-e-de-m freqv., koj-ze-m, koj-zo-kte-m 
frqv. eflf. 

Magy. kaj'ü-Unij rufen, schreien. — kaj-dä-Uni, kaj-dä-s-ni, 
kaj-dä'Z-ni schreien, lärmen. — kaj-sin weisslichgelb. 

Blomstedt Hai. Bes. 200 ist geneigt das magy. kiältani ru- 
fen, schreien, welches nach Rövai, Antiqv. lit. hung. 290, auch 
kajätni gesprochen wird, zu f. kajan zu führen. Ballagi in seinem 
Wörterbuch identificirt kajcUni mit kialtozni, 

26. Pin. kcd-kku, kcU-ku wiederschall, echo. — kat-kk-ä, kai- 
kku-a schallen, wiederschallen. — kai-kkö-n schreien. — kai-koy 
kai-kko flucht durch schreien verursacht. — kai-ko-ta-n durch 
schreien verjagen. — kai-kerrtä wehklagen, jammern. 

8v. Lap. kai-go-te-iy kai-ga-le-t vorw^erfen, vorweisen. — Utsj. 
kai-ka-na-s wiederschall. 

Vo^'. kai-gu betrttbniss, kummer, — kai-gu-a^o traurig werden. 

Ers. Mord, kaj-ga-n, kaj-g-sa-n (Budenz), kai-go-n, kai-g-se-n 
(Wied.) tönen. — kaj-go-mo schall, klang. 

Magy. kaj-koA-ni belfern. — käj-gä ein abstand so weit das 
hundebellen gehört wird = f. peninkulma. 

Blomstedt Hai. B. 200 bringt das nicht gewöhnliche ungar. 
wort käjgä in Verbindung mit f. kajan, kajahdan, kaikua. Die Wur- 
zel kai findet sich mit noch vollerem suffix in f. kai-ska-n knal- 
len, krachen wieder. 

27. Perm, koj-a-l-nt besprengen. — koj das besprengen. 
Voljj. kuj-a-lo werfen. — kuj wurfschaufel. 

Eri. Mord, kaj-a-m werfen, hinauswerfen, kai-ia-n fi'qv. Bu- 
denz, Nyelvtud. közlem. V, 166. 

Auch auf Indoeuropäischem gebiet kommt ein ähnlicher wech- 



sei der bedeutung vor, z. b. wurzel div strahlen, schleudern, wer- 
fen, siehe Böhtlingk Roth's wörterb. vgl. f. heitän, 

28. Fin. kaj-ava wiederschallend, glänzend, möve. — kaj-aJdca 
id. und: nymphsea alba. — kai-ka möve (larus canus). 

Vepi. kaj'Og fischadler. — Vot. kaj-aga möve. 
Bit kaj'Okas id. — Liv. kaj-äg-ös id. 

29. Fin. koi, koi-tto heller streif, morgendämmerung strahlen- 
der schein. — koi-tar morgenröthe. — koi-ttä hell werden. — 
koi-U, kaiHi-^ien nordost. — koirliainen, koi-lkkoinen morgenröthe, 
tagesanbruch. 

Est koi-t gen. koidu, koi-däc morgenröthe. — koi tvcdge abend- 
röthe. — kci-ta dämmern. 

Liv, kuQij koi morgenröthe. — koi-io dämmerung, koiio ka- 
zab der tag bricht an, eig. wächst. 

H. Lap. guO'fso, sv. kuo-kso, uts. km-vssu morgenröthe. 

Syij Perm, kl-a id. — Öer. aj-ar sonne. 

Magy. haj-nal morgenröthe. — Vog. kuj id. 

Os^j. jftt-«^ I., ku-ni S. (idai %- abend-, lodai %, morgenröthe). 

— %^'^^i X^'^ I» ^^'i S. sonne, tag. 

Budenz szöegyes. 92 führt nicht hieher die Wörter, welche 
sonne bedeuten. Jur. Samojed. haj-er^ hatj-ery Mj-ar ; Tay^gy sam. 
io«; jenis. sam. kaij-a; kam. sam. huj-a, welche alle «oie^w? bedeu- 
tend, sind wohl auch stammvei-wandt. 

Über das gleichlautende f. koi motte siehe N:o 34. 

30. Fin. koi'vu birke. 

Vept. koi'V — Est koi-v, — Liv. kö-v, L. kü-u. 

Syij. kl'dz, — Votj. kl-S, 

Die birke hat ihren namen aus der hellen, weissen färbe der 
rinde bekommen, wie ein weisser ochse f. koi-cio, koi-vas genannt 
wird, aus derselben wurzel. vgl. kai-lio. Im Samojedischen liegen 
die benennungen dem finnischen sehr nahe: Jur. 7*ö, Taw. kua, 
Jen. kua, ostj. kwe, kwä, kwät-pu, köel-pu, kanias. kiljiL 

31. Fin. kü fett. — küja fetter fisch, lachs. 

Voy. köi schmier, talg. — kvaj-o fett werden, kvaj-to mä- 
sten, kvaj-em fett, dick. 

M. Mordv. hijä fett, fettig. — kuj-a-n fett werden, kuj-a-fU-m 
mästen. 

Öer. koja fett. 

Magy. häj fett. — M-z-ni fett werden, hl^z-la-l-ni mästen. 

Vog. kö-ie-m fett werden, kö-te-pte-m fact. 



V 



10 

Hunfalvy, Török Magy. ^s Finn szök 124. Ahlqvist, Suomi 
1863, 8. Budenz szöegy. 91 und 125. Für die bedeutung vgl. 
skr ghrta geschmolzene butter, aus würz, ghar brennen, leuchten, 
eig. partic. leuchtend. 

32. Fin. Tcai'he halbdunkel, schattig, düster. — kai-helrma dunk- 
les sehen. — hai-lie-ksu-n dunkel sehen. — kai-mo schwaches licht, 
schwache erinnerung. 

33.' Pin. kai-htty kai-he neidisch, s*chelsttchtig. — kai-he-l-nw, är- 
ger, heimlicher hass. — kai-he-ksu-n dunkel sehen; misstrauen, 
argwöhnen. 

Magy. kaj'än neidisch, schelsüchtig. — kaj-är-no-l-ni neiden. 

Lindström Suomi 1852, 31 stellt kajän zu f. kade neidisch. 

34. Fin. koiy koi-so, koi-lüca, koi-ska motte. 
Veps. kqj-ay kqj-eh pl. kqj-eged. — Est. koi. 
En. Lap. koahjo^ kif-se, 

Ers. Mordv. ki. 

Wegen des Uppenlauts der lappischen formen stellt Lönn- 
rot, Act. soc. Fen. IV s. 229, das wort in Verbindung mit n. lap. 
gopp-aty SV. 1. kcpp-et aushöhlen. Man könnte lieber an f. kaiv-an, 
SV. lap. koiv-et graben, denken, wenn es nich# anzunehmen wäre, 
dass das h, f im lappischen nur gewöhnliche lautverstärkung ist. 

35. Fin. kaima einer der denselben namen hat. 
Vot. kaima, — Est kaim, 

V. Lap. guoibniey sv. kueibnw, en. ktwibnie gesellschafter, 
camerad. 

Dies wort wird im lappischen plural als postposition ge- 
braucht, um den komitativ auszudrücken, und die form desselben 
ist dann gujm. Friis, Lap. gram. s. 29, vgl. Blomstedt Hai. Besz. 46. 

36. Fin koi-na-Uy koi-fiärn koi-ni-n coire cum foemina. 
Est. koi-na-n id., bedrücken, unwürdig behandeln. 
Öer. kuj-a-m — kuj-e-de-m, kuj-e-de-la-m frqv. 

37. Fin. kaiv-an graben. — kaiv-e-lc-n dim., kaiv-e-ifke-le-n, 
kaiv'e-ske'nte'le'Hy kaiv-i-ste-le-ny kaiv-e-ksi-n dim. freqv. — kaiv- 
ertä dim. graviren. — kaiv-o brunnen. — kaiv-anto, -unos, -fines 
grab, kanal. 

Veps. kaiv-an graben, kaiv-e-le-n frqv. — kaiv brunnen. 

Vot kaiv-a-n, — kaiv-o. 

Est. kaev-a-n graben, aushöhlen. — kaev bnmnen, Schacht. 
— kaev-e, kaev-adus das gi*aben. — kaev-and g. -ndu graben, 
kanal. 



11 

Liv. kouv^ L. kou pr. köv-ab graben, aushöhlen. — * kouv, L. 
kouv'i brunnen, born. 

H. Lap. goaivV'O'f, sv. kaiv-o-t, en. koaiv-ud, utsj. kodiw-u-t 
graben. — n. gaivv-o, en. koatv-u, kaiv-u. 

Ostj. I. ^ai-ne-m, S. ki-ne-m graben. 
N:0 38—44. Wurzel kat, kant bedecken. 

38. Pin. katt'ä bedecken, dach legen. — katt-o dach, bedec- 
kung, schauer. — kat-e st. katt-e-he bedeckung, schiflfsdeck, httlle. 

— kat'O-s schauer, Wetterdach, dünger. — kat-vi, kat-ve schat- 
ten, schattiger plats. — kans-i st. kant-e deckel. 

Vcps. katt'ä bedecken. — kat-o-s schauer, brunnendeckel. 
Vot. katt'ä bedecken. — kat-o-s, kat-u-§Si schauer, scheune. 

— kä^-i deckel. 

Est. kat-e st. katt-e decke, bedeckung. — kat-^-s st. kat-u-se, 
kat-u-kse dach, dachförmiger kornschober. — katt joch woran die 
ochsen ziehen. — käs deckel. 

Liv. katt decken. — kat-u-ks dach. 

Perm, kat-ja-l-ni zusammenwickeln, umhüllen. — kat-je-m 
zusammengerollt, umgehttllt, Umschlag. 

vgl. Ahlqvist kulturord 98. Im f. kansi, wie wot. käsi ist 
ein nasal eingeschoben. 

39. Pin. kantete harfe. — Vepi. kandel id. 

Est. kannel g. kamlle. harfe, käsik. guitarre, leier, sörmek. 
die mit den fingern gespielte, klge k., vibu k, mit dem bogen ge- 
strichene. 

Liv. kändla harfe. 

Enare Läpp, kaddelas harfe. Andelin, Acta soc. fenn. VI, 467. 

Diminutiv von kante deckel. Die lappische form bewahrt den 
Suffix vollständiger als die finnische, indem f. kantele = ^kantelese. 

40. Pin. kat-H-kka feil, pferdedecke. — kätt-it feil. — kütt-u-nen 
wollene handschuh. 

Est. kötic hautausschlag, schlämm. 

Liv. L. kat-u-Sy katt wollene weiberdecke, umschlagetuch. — 
kät-u-tiki rockkragen. 

Vo^j. kut feil, ledef* (vgl. kesi st. kete). — kat-a-nci Vorhang. 

ICagy. känd'O das tuch. — könt-ö-s gewand, kleid. — hat-a-g 
ausschlag, das bläschen. vgl est. ket-e-nda-n ausschlagen. 

Im est. köne und ung. köntöSy kändo ist der wurzel ein na- 
sal beigegeben, wie im f. kansi = kate. 



12 

41. Fin. kätio kurze hosen, urspr. vom feil, vgl. hättu feil. — 
kättie-t pl. leinene hosen, Unterhosen. 

Veps. käda-d pl. Unterhosen. — Vot. käca-t. 

SjrrJ. gaö hosen. 

Magy. (/atja leineiiie Unterhosen. 

Vog. kos id. — Ostj. kai id. 

vgl. Ahlqvist Suomi 1863 s. 8, kulturord 129, Budenz szöeg 79. 

42. Fin. kete nom. kesi, kctu die äussere haut. — kett-o feine 
haut. — kett-H fuchs (wegen seines feinen feiles). — kes-iä die 
haut verlieren. — ket-in, ket-än mit haut versehen, die haut ab- 
schinden. — kott'i, kot'C-ro, kot-eAo hülse. 

Est. kcbi g. kee httlse. — kezi hülse, schote. — kes-t gen. 
k<!i>ta dünne haut, balg (an fruchten). — kes-iß^n sich abschup- 
pen, aufspringen (die haut), kea-tu-n sich ablösen. — ket-e-nda-n 
ausschlagen. — kojs-o haut (von schlangen, fruchten). 

Syij. kii feil, leder. — k'id schale, hülse. 

Votj. ku, ku^i haut, feil. — (kut feil, leder). 

Ers. Mord, kcd haut, feil, leder, schale. — ked-cn ledern. — 
m. kcd haut, feil. 

Kagy* Jilj, haj schale, rinde, hülse. 

Budenz szöegy. 118. vgl. Tawgy samojed. &a6't^ schale, rinde. 
Ostj. sani. kä,s, kanias. küza, 

43. Fin. kinna-s .= *kind'a-s pl. kintät handschuh. 
Veps. kitul-a-s pl. kindliad. — Vot. öinn-a-s. 

Est kinn-a-s g. kinda. — Liv. klnd-a-s, khul^ khida, 
Sv. Lap. kamt-e-s, kamt-a, 

Ahlqvist kulturord 13G. Ist wohl mit den vorhergehenden 
in Verbindung zu bringen. 

44. Fin. kot-a^ kot-o haus, hütte, wohnung. — kot-i hei- 
math. — koto-na zu hause, koto-a vom hause, koti-a koü-n nach 
hause. 

Veps. kod'i — Vot. kot-i kot-o haus, heimath, wohnung, 
kota Stube. 

Est. kod-a, g. Aoa, koja haus, gebäude. — kod-u g. kou, kqju 
haus, heimat. — kodu-n zu h. = koju. 

Liv. kod-ay kuod-a hütte. — koda-i, kodd-ö nach h, Äonnö, 
kuanm zu h. 

Sv. Lap. goait'Cj sv. kot-e^ uts. koatt-i. 

Votj. kva hütte. — (gid stall, hof). 

Ers. Vord. kud-o, m. kud haus. — Ers. kudo-so^ m. kut-sa zu h. 



13 

Car. kud'Oy b. hid-a haus, kut-a (Ahlqvist, Matkam. 127). — 
hidf'S nach h., kudo-Sto zu h. 

Magy. häjs haus. — haz-a Vaterland, heimath. — häz-i-kö 
htttte. — haza zu, nach h. 

Ottj. I. läty xot, S. hat haus. 

Vog. hvoly hväl, 

vgl. Jenis. Ostjak. %us, huos. Budenz szöeg. 116, Ahlqvist 
kulturord 95. Thomsen got. sprkl. 40. Eigenthttmlichie ähnlich- 
keit mit skr kuta, kuti, vgl. an. kot^ md kote, aeng. cyie, sv. hytt 
die vielleicht entlehnt sind. — koto, kota wohnung, haus kommt 
auch im Mongolischen vor. Schott Alt. stud. 5,88. 

45. Fin. kätk-e-n verbergen; verhehlen. -^ kätkö, kätkös ver- 
wahrungsort. — kätk-ü-n verborgen werden. 

Est. käik-e-n verbergen, sich verbergen. 

H. Lap. öiekk-a-t, sv. däk-e-t verbergen. — n. öiekko, diekkos 
Verwahrungsort, sv. öäko geheimniss; däkon Je es ist verborgen. — 
kätkef, kätkeiet infantem fascis jndutum cunis immittere. 

En. Mord, keki-e-n, m. käs-e-n verbergen. 

Budenz szoegy. 249, der auch Magy. iitk-ol-ni verhehlen, 
verbergen, verschweigen, Htkoriy titkoS geheim, titok für titkok ge- 
heimniss, hieher führt. Vielleicht ist Zusammenhang mit f. kattä 
anzunehmen durch erweiterung mit ke, wie öfters geschieht. 

46. Fin. kätkiit wiege für kinder. 
Vept. kättud. — Vot. öäßöät 
Eittt. käfkf. 

Sv. Lap. kätka, kätkeni wiege, Uts. keä'ddu. 
Votj. Perm, gir^ö-e-t-m schaukeln. 

Hängt ohne zweifei mit f. kätkm zusammen, wie aus kätkö 
hervorgeht. 

47. Pin. kat'ä umfallen. — kfit-u-a umfallen. 

H. Lap. ga^d-a-te-tj sv. kaföe-te-t, en. kodi^-a-ted, — n. gaf^ö-a-ty 
SV. kadö-e-ty en. kof^ö-e-d umfallen. 

48. Pin. kat'O-a, kat-o-an verschwinden, verloren gehen. — 
kat-o Verlust, Untergang, kad-os st. kculokse das verschwundensein. 
— kad'O'ta-n verlieren, kad-o-tu-s vertust. 

Vept. küd-O'f^ verloren gehen. 

Eft. kad-it-ma, kad-o-tna id., schwinden. — ka-u-ta-n (^ *kat' 
U'ta-n = f. kadotan) vertilgen, verderben, vertieren. — ka-u-tu-s, 
koa-tU'S verderben, vertust. 



14 

LiT. kadd pr. kad-übs (L. kad-ub) schwinden. — kadd-iji 
vergänglich. 

St. Lap. hat-o-t, kai-o-t, uts. kätt-a-t fehlen. — n. 1. gad-o- 
tU'S Untergang, verderben, En. kad-o-tu-s. — Sv. kat-o-te-t verlieren. 

49. H. Lap. guo88-e-t .^r, gtiod-a-m, sv. kvod-e-t lassen, zu- 
rücklassen. — kvodd-o arbor vento evulsa. 

Syij. kot-a verlassen, zurücklassen. — koH-as reliquise. 

Ert. Mord, kad-o-n, m. kad-a-n lassen, verlassen, versäumen, 
abfallen. — ers. kad-na-n, m, kad-e-nda-n frqv. — m. kad-o-mo 
nachlass. — kad-no-vö-v, kad-o-vo-n bleiben. 

Öer. kod-e-m lassen, zurücklassen. — kod-a-m bleiben. — 
kot'$o reliquiae, praeteritus (dies). 

Magy. had-ni lassen, zulassen, zurücklassen. — had-o-nüin 
nachlass, tradition. 

.Ot1|j. S. kij-e-m verlassen. — xaid-e-m verbleiben. 

Vog. kul-e-m, kul-t-e-m verlassen. 

Budenz szoeg. 89 rechnet hieher auch f. jä-n = "^jäd-ä-n 
bleiben und das fact. jütt-a verlassen. Eher könnte mau die obi- 
gen zu n:o 48 stellen. 

N:o 50—51. Wurzel kat band (handhaben), fassen. Steigerung 
knty k^f, kiet. 

50. Fin. käte nom. küsi g. käden hand. 
Yepi. käzi pl. käded. — Vot» öäsL 

Est. k(m gen. ka'e. — Liv. käiz, käz, keiz, kris, kr§y kez, L. fes. 

H. Lap. giei^ givtta, sv. kät, käta, en. ZvW, kiefa, uts. kieffa. 

Syrj. ki, — Perm. Volij. ki hand, arm. 

Ers. Mord, ked, käd, m. Äv?rf, käd. 

Öer. w. ket, b. kid (Budenz), b. kit, küt (Castr^n). 

Magy. fc^, acc. käzä-t. 

Ostj. I. kriy S. köt. — Vog. küt, konda kat (Hunfalvy). 

Budenz szöegy. 34. 

51. Syij. hit-a greifen. — Perm, kut-ni, kut-a-l-ni greifen, fas- 
sen. — kut-an zange, schere. 

Votj. kut'O greifen. 
Öer. koj-e-m. 

Oslj. I. katt-em, S. kif-eni fassen, greifen, halten. 
In Castrens ostj. gram. 80 wird das f. pldün noch hinzuge- 
rechnet. 

52. Fin. kat-a geflochtener uufzug eines gewebes. — kut-o-a 



15 

weben, binden, kutoa verkkoa ein netz binden. — kut-ime Strick- 
zeug. — kut-ehe nom. kud-e einschlag in einem gewebe. 

Yept. kud'O-n weben. 

Vot hu-o-n id. — ku-e einschlag. 

Eft kiid-o-n, — Liv. kud-a. 

H. Lap. goö5'€'ty sv. koö-e-f, uts. kodd-i-t weben, spinnen. — 
n. kodd'O gewebe. 

Syij. ii'-nt flechten. ^- Perm, kij-ni id. 

Vo^j. ku'O weben. — kut-a-lo flechten. 

Öer. ko-e-m weben. 

Ers. Mord, kot gewebe, leinewand, koi-f, — M. Mord, kod-a-n id. 

Magy. köt-ni binden, knüpfen, stricken. — köi-tä band, Stic- 
kerei. 

Budenz szuegy. 67, Ahlqvist kulturord 77. 

53. Fin. kut'ku halfter für rindvieh. ~ kilt-jüs schlinge für ha- 
sen. — küt-kü-n, küt-ke-n in halfter anbinden. 

Est küt'ke g. kätke, -kmc id. — küUe id. — küi-ke-nda-n 
fesseln, binden, anbinden. 

Sjrij. kij-ni fangen. — Perm. =. 

Ist wohl urspr. identisch mit kut-oa, vgl. besonders die per- 
mischen Wörter. 

54. Fin. köüte nom. käust strick aus haar oder weidennithen, 
funis. — köüit'ä fact. binden, zwirnen. 

Est. köizy köiSy keus g. keue strick. — köit-ma binden. 

LIt. kei?z pl. kcd-öd, kevz, — kävt leiten, führen, gängeln. 

H. Lap. keut-e-t mit*einem strick ein boot ziehen. 

S3ni« ffez instr. gf^en (Ahlqvist). — ko (Budenz). 

Votj. gojs^i, — Perm, geji:, 

Magy. köt'ä'l, köt-t-L 

Vog. kuorli strick. 

Ahlqvist kulturord 158. Budenz szöegy. 68 führt noch vot- 
jak. kört'O und öer. keld-etn hieher. Jenes gehört doch zunächst 
zu f. kertän, dieses sieht mehr aus wie eine factivbildung aus käl, 
kel. Übrigens steht köüte in Zusammenhang mit kutoa, 

55. Fin. kontti renzel aus birkenrinde. — kotti sack, hülse. 
Est kott gen., koti sack, beutel. 

St. Lap. kante, 

Syij. kuda korb. — Perm, kud bastkorb. 

Oi^\ laint korb aus birkenrinde: 

Schiefner, Castr^ns ostj. gram. 83. Die obigen Wörter sind 



16 

wohl mit f. hutoa flechten in Verbindung zu bringen. Lindström 
s. 44 fuhrt noch £uv. kanda an. 

56. N. Lap. gadd-e-t denken, sv. kadd-e-t verdacht hegen, an- 
klagen. 

^^gJ* gond'Ol-ni denken, glauben. — gond sorge, obacht. — 
gond'oAat gedanke. 

Budenz 82. Die lappische form liegt dem lap. goddet we- 
ben, spinnen, koddo gewebe ziemlich nahe^ dass man nicht auch 
an die möglichkeit eines begrifflichen Zusammenhanges denken 
würde. Denken wäre sonach = die gedanken gleichsam spinnen, 
flechten. 

67. Fin, ketr-ä-^i, kesr-ä-n, kehr-ä-n spinnen. — keirä pü, kekrä 
pü = kehrä rarsi Spindel, aus ketr-ä = kehr-ä runde Scheibe. 

Vepi. kesej'-da-n, k^zer-da-n spinnen. 

Vot. öedr-ä-n spinnen. — öedrä pü = f. keträ pü = est. 
kedra pü. 

Est. kedr-a-ma spinnen. — keder wirbel, spindel. 

Liv. kedr spinnen. — keddöt- varzy pl. värdö-d, spindel. 

Sv. Lap. kärs'i spindel. 

Syrj. Mrs spindel. ~ Votj. öers id. — ders-o spinnen. 

En. Mord. s((r'e spindel. — äl^e^'d-e-n spinnen. — m. kiätir, 
kätir spindel. — kiäi-i-nda-n spinnen. 

Öer. c4/V//V spindel. — §idr-e-m spinnen. — keSikar cylindrus, 
cui fila texenda involvunt. 

Das spinnen ist bei den Finnen uralt gewesen, Ahlqvist kul- 
tur. 74. Vgl. auch die ausdrucke f. pmion = ung. fonni und f. 
kuosali. Budenz szoegy. 4M rechnet auch ung. päMrtu'y pödömi 
umdrehen hieher. Meines erachtens ist doch die gleichung fin. 
k = magy. jr> noch unsicher. Bedeutende Umgestaltungen des wer- 
tes sind Übrigens eingetreten. Die perm. formen sind wahrschein- 
lich durch Umstellung gebildet, öet-s = desr, im ceremiss. äidr ist 
ö erweicht zu $, in Cer. keäkar und mordv. kistir muss wohl eine 
ungewöhnliche lautverstärkung angenommen werden, wie eine der- 
artige ohne allen zweifei in äöere vorliegt. 
N:o 58—60. kant tragen. 
58. Fin. kant'ä tragen, bringen. 

Vepi. kand-ta. — Vot. kant-ä. 

Est kand-ma. — Liv. künd^a, 

H. Lap. gnodd-e-t, Sv. kuedd-e-t, utsj. kuädd-i-f, En. kuödd-e-ö 
tragen. 



17 

Ers. Mord, kand-o-n, in. kanchi-n tragen. — ers. kand-le-n frqv. 

Öer. b. kand-e m, w. kond-e-m hinbringen. — kond-i-äta-m, 
kond-e-de-m frqv., w. kand-l-äia-m, 

Konda Vogol. lut last, bürde (Hunfalvy, konda vog. 71). 

Budenz szöegy. 140 führt hieher auch magy. hoz-ni bringen. 
Im ostjak samojed. heisst tragen kueyidau. 

59. Fin. kant-a adj. tragend, s. ferse, absatz an schuhen, 
ecke, spitze, grund, herkunft, familie. — kant-o baumstumpf. 

Yept. kand pl. kando-d ferse. — Vot. kant-a ferse. — kant-o 
baumstumpf. 

Est. kand ferse, fiiss, fussgestell, hintertheil. 

LiT. kand pl. kändö-d baumstumpf, L. kän. — künd-ö^ks sporn. 
— knand-a, L. känt ferse, hintertheil des Schiffes. 

Ers. Mord, kand-o umgefallener, faulender bäum (im walde). 

Budenz szöegy. 141 stellt hieher auch die magy. postposi- 
tion hozy hozzü zu, nach, gegen, was die gleichung kantä = hozni 
bestätigen würde. Aus der in Halotti besz^d vorkommenden äl- 
teren form chuz schliesst Blomstedt Hai. b. 162 auf eine ursprüng- 
lichere gestalt *kuzy *kut, die möglicherweise derselben wurzel sei 
wie f. kotOy magy. häz. 

60. Fin. kunta gesammtheit, zusammengehöriges, kansa k. das 
ganze folk, die nation, heimo k. das geschlecht, h'ilä k, dorfschaft, 
mä k. landschaft, sata k. centuria, kümmen k. decade. 

Est kiAid g. konna gesammtheit, zusammengehöriges, ganzes. 
pere k. familie, künvme k. decade. — LIt. gönd, siehe 101. 

H. Lap. godde id. — valdde godde das reich = f. vaJta kunta, 
sokka g. = f. suku k., bärra g. f. perhe k, familie. — St. künde 
hausvolk, Versammlung. — En. käze kodde = f. kansakunta. 

Magy. had famiUe, geschlecht, stamm, häufen menschen, 
kriegsvolk, krieg. 

Yog. kant familie, geschlecht, stamm, Konda xont 

Budenz szöegy. 87. Ahlqvist kulturord 197 führt die aus- 
drücke f. päivä kunta, vuosi kunta, suvi k. an und übersetzt: ein 
tag, ein jähr, ein sommer alt, und meint dass das got. hmds, 
welches ungefähr in derselben weise als ableitungs endung ge- 
braucht wird, das original des fin. wortes sei, welches erst spä- 
ter als selbständiges wort aufgetreten wäre. Auch Thomsen got. 
sprogkl. 126 huldigt diese meinung, indem er unter anderen auch 
des SV. lap. kote-kunde aus der bibelübersetzung von 1811 mit 
got. inna-kunds olxiaxog vergleicht. Das vog. kant verglichen mit 

2 



18 

f. kanta scheint die etymologie dieses Wortes sicher zu stellen als 
ableitung aus der wurzel kant, 
N:o 61—64. kat, kit abbrechen, reissen. Weiterbildung katk, kith 

61. Fin. kat-ko-n, kai-ku-n, kat-ka-i-se-n abbrechen, abreissen, 
schmerz wecken, kat-kea-n intrans. — kat-ko stumpf, etwas abge- 
brochenes, schlechtes pferd. — kat-ku brandgeruch, rauch, staub. 
— kat'ke bruch. — kat-k^Ao venverlBicher mensch. 

Veps. kat-ka-i-äc-n intr. abbrechen. 

Est. kat'ke-n zerbrechen, zen-eissen, entzwei gehen, zerbrö- 
ckem. — kat-kti-n rupfen, ausjäten, ausreissen. — kat-k st. kat-ku 
bruch, morastiges gebüsch, seuche, pest. — kat-ke das zerreis- 
sen. — kaf-ki entzwei, k. min-etna zerbrehen. 

Liv. kaf'k zerbrechen, rupfen, ausreissen. — kat-kä-st zer- 
brechen. — kaf'k wunde, verwundet, entzwei. 

M.Mord, koö-ka-n unkraut ausjäten, sammeln. — koö-ki rei- 
niger. 

Öer. b. kat-e-m avellere. — kat-ka-le-m frqv. 

Ahlqvist, mordv. gram. s. 159 vergleicht mordv. koökan mit 
f. kitken. Die beiden wurzel stehen unläugbar in sehr nahem Zu- 
sammenhang als Wurzelvariation katk = kifk, wie auch aus f. kafku 
= kitkii brandgeruch, katkera, kifkerä herb, bitter, hervorgeht. 
Budenz szöeg. 111 führt läpp. gasskodH, syij. ko^day votj. ke&o 
zu f. kaikca. Wenn auch eine lautstufe tk = sk in mehreren fal- 
len anzunehmen ist, sonach auch die gleichung f. katk, kitk = kisk 
möglich ist, so stimmt doch läpp, gasskit, gasskodet sowohl was 
der vokal als auch die schon eingetretene konsonantenverände- 
rung noch näher zu f. kiskoa. Bei dem letztgenannten worte, wel- 
ches schweriich von lap. gässet kann getrennt werden, ist es zu- 
gleich noch zweifelhaft ab die wurzel ka^, kes sich aus kaf, kit 
entwickelt hat. 

62. Fin. kat'ke-ra, kit-ke-rä herb, bitter. 
Öer. w. koö-Oj b. kaö-a amarus. 

Budenz szoeg. 28 stellt auch magy. käMrü bitter zu den 
obigen, was doch der vermuthung räum geben könnte, es sei in 
kämrü auch das k von katkera enthalten. Aus mordv. koökan = 
f. katkon geht hervor, dass ö mit t gleich zu setzen ist, was wohl 
auch ßlr das magy. ö = s giebt. Wenn kämrü, käsär hieher zu 
führen sind, so gehen sie aus der wurzel kat (vgl. (5er kat-cni) 
hervor, wie auch koöo; sonst könnten sie auch zu magy. ha^adni 
= votj. keS'O gefuhrt werden, n:o 65. 



19 

63. Fin. kit-ke-n ausjäten, rupfen. — kit-ku brandgeruch. — 
kit-k^-rä bitter. 

Yeps. kilt-ki-n id. — Vot. öid-ge-n. 
Est. kit-ke-n. 

64. Fin. kut-i-n, kut-'i-n kitzel empfinden. — kuf-i-se-n trans. — 
kut-ku-n V. n. kitzel empfinden. — kut-ku-ta-n trans., kut-ku-tte-le-n 
frqv. — kut-ri'Cen kitzel empfinden, lüstern sein. 

Veps. kut'SU'ta-n kitzeln. 

Est. kut'i-sta-n, kut-i-sie-le-n, kuf-i-fe-le-n kitzeln = küd-i- 
sta-n. — küd'i'se-n kitzel empfinden. — kut-i, küd-i kitzel. 

Xlts. Lap kud-ai-da-tti-i kitzeln. 

Ers Mord kut-a-n traus. kitzeln. — M. kot-iffa-n id. 

Konda Vog. kujt versuchen, reizen, stacheln (Hunfalvy 48). 

Ostj. Samoj. katt-an NP. jucken. Hier liegt auch nahe an 
f. kui-e-a laichen, kutu das laichen zu erinnern. 
N:o 65 — 66. kas, kis ziehen, abreissen, spalten. 

Weiterbildung: kask, kisk, 

65. Pin. kis'tni'ä ein wenig ziehen. 

H. Lap. gäss'€'t, sv. kes-e-ty en. käss-e-d ziehen. 

Syrj. koS-a-la divello, disrumpo. 

Votj. keS'O reissen, zerreissen. — keS-e-kt-o, kes-i-Sko los- 
reissen. 

Magy. haä-ad-ni spalten, sich spalten. — haä-ub scheit, spalte. 
— hüz-ni ziehen, schleppen. 

Ostj. kes-e-m reissen, ziehen. 

Vog. kas-e-m aufziehen. — kaä-e-m zerreissen. 

Budenz szoegy. 148. bringt hüz-ni mit f. kiskoa, und 111 syrj. 
koi-cUa, votj. keSo mit f. katkea zusammen. 

66. Fin. kiS'ko-a abreissen, spalten, schinden. 

Est. Ms-ku-^nia pr. kiz-u-n reissen, ziehen, spleissen. 

Liv. kis'k, kiss, L. kisk, Riss, tis-k reissen, zerren, beissen. 

H. Lap. gass-ko'de-t, gass-ki-t zersplittern, zerspalten. — sv. 
kas'ke-t pflttchen. — Perm, kis-ka-l-ni ziehen, schleppen. 

Syij. k'iS'ka reissen, ziehen. 

Vo^j. k'iS'ko ziehen, melken. 

Öer. w. ku^-ke-da-m, b. kuS-ke-dä-m, ku^-ke-da-m zerreisen. 

Magy. has-ga-t-fiiy ka^'O-ga-t-ni spalten, reissen verursachen 
(in den gliedern). 

Die obigen sind Weiterbildungen von der wurzel kis mit dem 
verbalsufifix ka, ki. 



20 

67. Fin. kuse nom. kusi harn, urin. — hus-e-n uriniren. - 
hts-e-ske-le-n dim. 

Yeps. kuz'i s. — hiz-e-n vb. — Vot. huz-i s. — hue-e-n vb. 
Est kuse nom. kusi subst. — kus-e-n, kus-i-n vb. 
Liv. kuzj kuiz, L. kuz urin. — t'u^-^ vb. 
H. Lap. ffuj, St. ä;o;, TJU. kujja urin. — N. gujj-a-t, Sv. 
Jcojj-e't, UU. kujj-a-t 

Perm. fei^. — ku^-a-l-ni vb. — Votj. fei 5. — kiz-a-lo vb. 
Öer. feii rw^ urin-wasser. — hiz-a-m vb., hiz-e-de-m frqv. 
Magy. Äörf, Äeöf s. — htidd-ni, hüd-ni, hüd-oz-ni vb. 

Ostj. x^^-^-^* vb. 

Yognl. A«<i s. — D. kunä^e-m vb. 

Budenz szöegy. 143. Nahe an dem Vogulischen liegt ka- 
mas. samojed. khinz-i-tä-m. 

68. J?in* kusi-ainen, kusi-lainen ameise. 

H. Lap. got-kka, god-kka, Sv. koi-ka, TJU. kot-ka, 
Syrj. kot-ko^ü. — Perm, kö^-'ü, — Vo^j. kuz-i'lt 
Öer. b. kut'kuy w. kut-ko. 

Aus f. kusi. Vgl. Ostj. Samojed. Ä^<!?a, keja^keisa, kiöa ameise. 
Budenz szoegy. 104 rechnet hiezu auch magy. handa. 
N:o 69 — 70. Wurzel kac anschauen. 
Steigerung kaic. 

69. Fin. kaC'O-n, dialektisch katt-o-n^ kaht-o-n, kass-o-n be- 
trachten, anschauen. — kac-e-le-n frqv. 

Veps kac-o-nj kac-u-n id. 

•Est. kac-o-fty kaC'U-n anschauen, versuchen, prüfen. — kitc-e 
versuch. — kad-i-ja prtlfer. 

• H. Lap. gäöö-a-tj 8t. käö-e-ty Xltij. käöö-a-t anschauen. 

Syrj. aj-ja, — Perm, a^-iv-m. 

Votj. a^'O sehen. 

Ers. Mord, kmö-e-m blinzeln. 

Magy. kaö-i-nfa-fiij kaö-i-nga-ni, kaä-t-nga-t-ni blinken, lie- 
bäugeln. 

Vog. kaä-kat-e-m sehen, kat ist nach Budenz verbalbiMungs- 
suffix = magy. iod, koz, wie in: ür-kat = vürakoz, 

Ex>nda Vogul. kaö-e-l sehen, hören, wissen. Hunfalvy, Konda 
vog. nyelv s. 41. 

Budenz szöegy. 1 stellt nicht die permischen formen ohne 
anlautendem k hieher. 



21 

70. Fin. kaic-e-n die heerde hüten. — kaic-i-ja hüter, hirt 
Vot kaic-e-n id. — Est. kaic-e-n, kai-c-u-n schützen, behüten. 
H. Lap. gäöö-a-t behüten. -^ gäöö-e hirt, hüter. — St. katt-e-t 

behüten, XIUj. käöö-a-t die heerde hüten. — N. gatt-i-m, goc-e-m, 
8v. kaft-Oy katt-a-r, katt-e-m wacht. 

Öor. kit-e-m pasco. — kit-ö-za pastor. Castr^n. 

Das wort durfte wurzelverwandt mit dem vorhergehenden sein, 
indem hüten aus der bedeutung anschauett entwickelt ist. Es ist 
wohl anzunehmen, dass f. kaic aus der varürten wurzelform ht 
durch vokal Verlängerung hervorgegangen. 
N:o 71 — 73. Wunel kit, kic eng, knapp. 

Steigerung: kait, kaist = kaits, kuisk. 

71. Fin. kic-a-s eng, knapp, geizig. — kic-ä-n eng machen, 
auspressen. — kait-a schmal, eng. — kait-e schmal, dünn, mager. 
— kait-o scharf. — kaisk-e-ra schmal, schlank. — Vot. kic-a-s eng. 

Est. kic-a-s gen. kic-a schmal, eng. — kifs-i, dörpt. dial. 
ki^-i knapp, karg, geizig. — kicAi-s enge, kargheit, angst, noth, 
gedränge. — kic-u-n necken, reizen. 

H. Lap. gäss-Cy, 8v. ke^-e, ke^-e-s, Enar. kacc-e schmal. 

Perm, kiz-ermöm dünn, schwach, mager. 

Magy. kää-ke-n schmal. 

Budenz szöegy. 29. Noch andere verwandte giebt es wie f. 
kaita-le, kmta-re langes stück, landzunge, breite (eines tuches), kaista 
breite eines tuches, ruthe, kaista-le, kaista-re lange ruthe, kaisku 
landzunge, in welchen wie oben t, c, st, sk abwechselt. Auch f. 
katala erbärmlich, elend, kade st. katehe neidisch, gehören wohl 
hieher, wodurch der wurzel die form kat zukonunt. Magy. szötar 
3,618 betrachtet ki$ als würz. 

72. Fin. kit-t4 langwierige kranklichkeit, elend. — kit-ua krank 
sein, wimmern. 

Est. hc-u-s angst, noth. — Perm, kiz-er dünn, kränklich. 

Ostj. I. kej-e, köj-e, S. kid-e krankheit. — kej-en, köj-eh krank. 

Tawgy sam. koifa, ostj. Aod, Jen. sam. kafe krankheit. Bu- 
denz szöegy. 66 bringt die ostjak. Wörter nur mit magy. kösven 
gicht, gliederreissen zusammen, Schiefoer, Castr^ns ostj. gram. 81 
mit f. kipu schmerz, welches letztere doch wegen des inlauts nicht 
passt. Vgl. magy. kiä, n:o 104. 

73. Fin. keiio leicht, von geringene werth, arm. 

Kagy. hitvä-n, alten heit gering, nichtsnutz, schlecht, mager. 
Budenz szöegy. 119. 



22 

N:o 74 — 75. hd abstand. 

Steigerung: haut, kiiovt, kvof. 

74. Fin. kaust st. kaute (in lexicis gewöhnlich: umlauO länge, 
längenmaass. vuostk. verlauf eines Jahres, kük. die zeit eines mo- 
nats. Der pailitiv kauita wiid als postposition in der bedeutung: 
durch, gebraucht. 

Syrj. ktiz lang. — Perm, kuz lang, länge, kuza, weit, längs. 
Yotj. kuz lang. 

Öer. kuza lang, kut längs, zu etwas. 

Magy. hossü lang. — hoss länge, längenmaass. — hoss-i-t-ni 
verlängern, 

Vog. kosä lang, D. kaze, konda dial. xoöä lang. 
Budenz szoeg. 139. 

75. H. Lap. guovddo mitte, in der mitte. — Sv. kuovto, Utij. 
huövtaä mitte. 

Perm. Aa^ zeit, termin. 

Öer w. kot, kod, b. god zeit. — kodo-m, b. goda-m tempore, 
kod'Sen, kod-sek, b. god-sen, god-gie ex tempore. — keda-l mitte, 
leib, taille. 

Ostj. ieif Zwischenraum, abstand, lok. kut-na zwischen, kutte-p 
mitte. 

Vog, Ä^ort, D. kvätl mitte. 

Ohne zweifei ist die grundbedeutung all dieser Wörter: ab- 
stand, Zwischenraum, des raumes oder der zeit, aus welcher sich 
die andere entwickelt, so im cer. wo kedal eine art lokativbildung 
ist. Budenz 69 bringt ostj. kut mit f. keski zusammen^ obwohl es 
näher hegt kut = f. kaute zu fassen, wie überhaupt diese beide Se- 
rien zusammenhören. — Ostjak Samojed. kode heisst Zwischenraum. 

76. Pin. kütü bruder des mannes, schwager. 
Veps. küdiL — Vot. {^Utii. 

Est hädL 

M. Mordv. kefta mannesbruder. 

Ostj. I. klda, S. küdi schwager. 

Ahlqvist kulturord 189 hat nicht das ostjak. wort. — Jakut. 
hutö schwiegerson. 

77. 8v. Lap. käc-kes, käc-kos propinquus. — käcka-net, kos- 
ska-ne-t appropinguare. 

Öer. küdü'l nafee. — küdüA-ne neben, bei. — küduk, küdulnn 
neben, an. 



23 

Magy. JiGzä-l nahe, die nähe der verwandte. 
Budenz 70. 

78. Fin. hüsi tanne, pinus abies. 
Veps. hüs id. 

Liv. küz, küs flehte, pinus abies. — küz-i flehten, tannen. 
N. Lap. guossa, gosa, sv. kuosa, uts. koossa tanne. 
Syrj. köz. — Votj. k'iz flehte. 
Ers. Mord, kuz flehte, kuzon flehten. 
Öer. b. koz tanne, koö id. Castren MS. 
Ostj. I. xüt^ S. Icöi flehte. 

Jurak Samoj. hüdly Ostj. Sara, käde, küt tanne, Kamas. Sam. 
kod id. Burjät. kusa, %u§a ceder. 

79. Fin. kü natter. — ku-hüt dimiu. — kü-tö-läi-nen, kü-nä- 
läi-nen Schlangenbeschwörer, beherrscher. 

Est. kü-mado kupferschlange. — Liv. kü schlänge, otter. 

N. Lap. guavdde, En. kmvte schlänge, Uts. kuövdi. 

Vo^'. köi schlänge, wurm. 

Ers. Mord. kui\ M. kuL 

Magy. kid!öy ktcFö. 

vgl. f. küttö krunun, gebogen, küttürä aufgebogen, s. buckel. 
Budenz szöegy. 3>. Das veps. gäd, vot. gada, welches gut mit 
dem lappischen wort übereinstimmt, führt Ahlqvist vot. gram. 124 
als lehnwort aus dem russ. Fa^*^ schlänge, welches nach Miklo- 
sich lexicon palaoslav. 125 auch im altslav. vorkommt. 

80. Syij. k'id in mw-kida für mil-k, verständig, m'ü = f. mieli 
gesinnung, gemüth. 

Perm, mil-kid, rniv-kid Charakter, sitten, begrifif. 
Volij. mU-kid-vaii lust haben. 

Magy. käd das gemüth. — kädv lust, laune, gefallen. 
Budenz szöeg. 13. 

81. Fin. kuntus vierjähriges rennthier. 

N. Lap. godde, Kuss. kont vildes rennthier. Europaeus. 
En. kodde, 

Yognl. kunna, kunnä. 

Vgl. Ostj. Samoj ed. könd, kündde, kündü, fund, fünd, öönd, 
öütid pferd und syrj. daw, votj. öun füllen. 

82. Vot. kuic'i'kko junger hund. 

Est. kuöy kuö'ik junger hund. — LiT. kuö-ki id. 

8v. Läpp, kuce (Lindström MS.). 

Syrj. kiö-an catulus canis. — kiö-an der rette. 



24 

Votj. hu6a, kuöa. 

Ers. Mordv. kuf-ka das junge, besonders vom hundegeschlecht. 
Magy. kufa hund. 

Ahlqvist 2 sieht hierin ein indogermanisches wort, Budenz 
74 scheint es fttr ursprünglich zu halten. 

83. E«t. kic g. kice ziege* 

Votj. keö ziege, geiss. — Ers. Mord, kafa bock, Ziegenbock. 

Magy. kät'kä ziege. 

Budenz szöeg. 11. Ahlqvist kult. 13 stellt die magy. votjak. 
Wörter im nächsten Zusammenhang mit tat. käjQ, ob durch ent- 
lehnung od. urverwandt entscheidet er nicht, 

84. öer. w. kotan, b. kutan after. 

Ers. Mord, kut-mere, m. kota-n, kofa-nä hintertheil. 
Magy. lüit rtichen. — Vog. kut in kute hinter. 
Budenz szöeg. 114. Im vocabul. öer. s. 23 hält er das ier, 
kotan für ein öuvasso-tatarisches wort. 

N:o 85—92. kos feucht sein, blühen, anschwellen, zuwachsen. 

85. Fin. kas-u-a-n, kas-v-a-n wachsen, zunehmen. — kas-vi 
kraut. — kaS'VOy kas-vu Zuwachs, pflanze, kraut, zins. — kas-vo, 
kas-uo, kaS'U'VO kinn pl. antlitz. 

▼eps. kaz'va-n wachsen. — kaz-vo wuchs, länge. 

Est. kaz'U'fi, kaz-va-n wachsen, zunehmen. — kaz-u^ kcus-o 
Zuwachs, vortheil, nutzen, fincht, zins, — kaz-v, kas-v st. hiz-vo 
wuchs, das wachsen. — kas-o nutzen. 

LIt. kazz prses. kas-äb wachsen, bewachsen, zunehmen. — 
kazy käZj kaZ'U gewächs, frucht, zins, nutzen, vortheil. — kcus-äi 
geschwür. 

M. Mord, kas-a-n, ers. kas-o-n wachsen, zunehmen. — Ers. 
kas'i gewächs, pflanze. — kas-mo wuchs, pflanze. 

Öor. kui'ka-m wachsen. 

Magy. haS'O-n nutzen, vortheil, gewinn. — gaz unkraut. 

Budenz szöeg. 112 verbindet nur hason mit dem 5er. kuäkam 
und mit dem finnisch-estn, liv. küsvan, 

86. Fin. kaS'i feuchtigkeit, thau. — käs-u nebel, dunst, dampf. 
— küs-na-n dampf von sich geben. — kä^-e-a benetzend, gross. 

Vot. kds-e thau. — Est. kaz-i feuchtigkeit. — kaz-i-n reini- 
gen, säubern, besorgen. 

Sv. Lap. kas-a-dy gas-a-i, nebula, nebel. 

Liv, kaz'i-n anfeuchten. — kaiz-i, kaiz, kaiz-i, kaz-i feucht, 
nass, wässerig, saftig. 



25 

Vo^j. kvas Wetter. 

MsLgj. yoz dampf, dunst. — goz-ö-Uni dünsten, dampfen. 
• Budenz szöeg. 84 vereinigt f. käsu mit magy. giz. Die Wur- 
zel ergiebt sieh als kos, kos und die entwicklung der verschiede- 
nen bedeutungen tritt klar hervor in kasi feuehtigkeit, kasea feucht, 
blühend, kastan benetzen, kastun nass werden =^ kostun nass wer- 
den, anschweUen, zuwachsen, wie auch in dem erweiterten oder 
intransitiven (wegen u, v) kasvan, 

87. Fin. kas'ta-n nass, feucht machen, begiessen, taufen. — 

— kas-tu-n nass werden. — kas-te st. kas-te-he nässigkeit, thau, 
taufe. — kos'ta-n (Lönnrot, sanakirja 749) benetzen. — kos-te 
feuchtigkeit, anschwellen, Zuwachs. — kos-ie-a feucht, nass, ange- 
schwollen. — kos'iu-n nass werden, anschwellen, zuwachsen. 

Vept. kas'ta-n benetzen. — kas-te-h pl. kas-t-he-d thau. 
Vot. kas-sa-n für *kas'tarn benetzen. 
Est. kas'ta-n benetzen, begiessen. — kas-te thau, befeuch- 
tung. kelekaste, kurgu k. stärkendes getränk, öhtukaste abendnebel. 

— kaS'tU'S begiessung, befeuchtung. 

Liv. kas't befeuchten. 

H. Lap. gas-ta-i, sv. kas-ta-te-t, utsj. kas-ta-di-t, befeuchten, 
en. käS'tü'S nass werden. — n. gas-ta-s, sv. kas-ta-s feucht. 

Syij. kis'ta ausgiessen. 

M. Kord, gas'fa-n beschmutzen, verunreinigen. 

Kagy. kaä-io-l-ni mit koth beschmutzen. — kaä-t koth, mo- 
rast. — kaä'to-ä beschmutzt. 

Budenz szöeg. 10 führt nicht das syijän. wort hieher, wohl 
aber das mordvinische und magyarische. Das wort ist factivbil- 
düng aus der wurzel kos, 

88. Fin. kas'ki schwendenland (mit laubwald bewachsen), jun- 
ges laubholz. — kaske-llinen id., mit jungem laubwald bewachsen. 

Vot. kah-öi birke, part.plur. kas-kaja. 

Est. kaS'ki id. — Liv. L. kaz-ki feucht, nass, wässerig, 
saftig. 

6er. w. kaä'ka baumstamm, b. käs-kä pfähl. 

Ki ist im livischen ein ganz gewöhnliches diminuüvsuffix ; 
dort wechselt auch die form kaz-ki mit den früher aufjgeführten 
kcdziy kaiz, kaizi, kazi. 

89. Fin. kas-ea, kas-eva feucht, blühend, dick, seicht. 

H. Lap. gasS'Og, sv. kass-a, kass-ok dick. — n. gass-o-t, sv. 



26 

Jcass-a-ne-t dick werden. — Sv. Jcasse gumini. — Tcasseje^ hass^ 
coagulum, quo coit lac. 

Syij. klz crassus. 

Perm, kiz dick. — Mz-öm, kiz-möni das dickgewordene. — 
goz fett, schmalz. — gos-a reich an fett. — gos-alrni, gos-nn-m 
fett werden. 

Öer. küz-go, b. kiz-ge crassus. 

Lindström 36 stellt die obigen in Verbindung mit f. kasun. 

90. Pin. kässä, küssä höcker. — kässi-kkä dick, grob, unförm- 
lich. — küsä kleine erhöhung, höcker, zwerg. 

Liv. kussö4, kiiS'l trächtig. 
H. Lap. gass'ko bauch. 
Magy. has bauch. 

Budenz 110 stellt die obigen zusammen und vergleicht sie 
mit SV. lap. kassok, ßer. küzgo dick. 

91. Pin. käs-nä auch känsä die untere seite eines ßchwammes 
an bäumen, schwamm, walke, Schwiele. 

Est. käs-n gen. käs-na = schwamm, Schwiele, warze, nach 
Widemann. Budenz übersetzt auch: schorf. 

Liv. ka^^'k, L. kassä kratze. 

Votj. giz'lo ausschlag, schorf. — öer. kok§a schorf. — En. 
Mord, k^-nat kratze. 

Magy. kos schorf, kopfgrind. 

Budenz 48. Die form känsä ist durch Umstellung entstanden. 

92. Pin. koso reichlich, überflüssig, zahlreich. 

Ett. koz'un gedeihen, zunehmen, sich erholen, reich werden. 
— koz'U gedeihen. 

Ers. Mord, koza, m. kozä reich. 

^^agy« gaz'da-g, kas-da-g reich, reichhaltig. 

Budenz 80. 

93. Pin. kas-a häufen, menge, etwas emporstehendes, garben- 
haufen. — fcöw-o, kas-na häufen, menge. — kans-a häufen, men- 
sch enmenge, Volk; als postposition kams-a mit. — käs-o aufwär- 
terin einer braut. — russ. karel. kanza kirchspiel. 

Vot. käS'€, käS'irkka brautwärterin. 

Est. käz-a genösse, gatte, gattin; käz, kaza in zusammen- 
Setzungen: käz-kodanik mit-bürger, als postposit. mit, 

Liv. kaz'ä'tn geschlecht, generation, verwandt schaftsgrad, 
wuchs, gestalt. vgl. ersa mord. kas-mo wuchs, pflanze. 

H. Lap. gass-e gefolge, menge, enar. Aäj-t gesellschaft, ver- 



27 

Sammlung. — kru-i begleiter, kazekodde = f. kansakunta. Ande- 
lin, Acta soc. fennicae VI, 46. 

Ahlqvist kulturord 197 bringt mit recht kasa und katisa zu- 
sammen. Es ist nämlich die letztere form entweder durch ein- 
scliiebung des nasals, wie Ahlqvist annimmt, entstanden, in der- 
selben weise wie f. hoto = honio^ magy. ad-ni = f. ant-ä; oder 
man könnte auch an Umstellung eines suffixiven n denken, wie 
f. kän-sä = käs-nä, Thomsen got. sprogkl. 120 sucht für f. kansa 
eine etymologie aus dem got. hansa, altengl. hos ein häufen Sol- 
daten. Die übrigen hiermit in Verbindung stehenden Wörter las- 
sen diese derivation nicht zu; kasa, kansa geht aus der wurzel 
kos hervor, und die anschauung zunehmend, zuwachsend daher 
auch liv. kazüm geschlecht und wuchs. Wenn magy. gaz-da-g 
mit koso in samklang zu verbinden ist, wie Budenz 80 thut, so 
gehört gewiss magy. gaz-da wirth, hausherr hieher und beide zur 
Wurzel kos. 

94. Fin. koski ström. 

Est. kosk g. koze das wasser unterhalb der schwelle, Strom- 
schnelle, Steindamm, schwelle quer durch den fluss. 

H. Lap. godik, St. huoiky kueik, üts. kueikkü, £n. koask ström. 

Öerem. kaäka heftig, schnell. 

Vgl. Ostj. Samojed. kekke fluss. Man könnte an würz, kcus 
feucht sein, anschwellen, denken; vielleicht steht doch das obige 
dem kos — koh sausen, brausen näher. 

95. Fin. kesä sommer, brache, k, pelto brachfeld. 
Yeps. kesa id. — Est keza brache k, pöld brachfeld. 
N. Lap. gässe, 8v. kese, üts. keä^si sommer. 

Syj« goz-e-m sonmier. — Perm, goz, goz-im id. — Vo^j. 
guz-e-m id. 

M. Mord, kiza sonmier, jähr. — Ers. kize id. 
Ibigj. kais frühsommer. 

96. Fin. koS'U'ta-n schnaufen, schnauben. 
H. Lap. gass'ti-t, sv. kas-ne-t niesen. 
Votj. kiz-no niesen. 

Ers. Mordv. keä-na-^ niesen. 

97. Votj. koz-ma-la danken, segnen. 
Magy. köz'ön-ni danken, verdanken. 
Budenz 65. 

98. Fin. käske-n befehlen. — käsk^ befehl. 
▼ept. käske-n — käsk-mine. 






28 

Vot. öäs-e-n, äohs-e-n. 

Est. käSkt-ma pr. A;a>-m befehlen, ersuchen, versprechen. 

Liv. käsk befehlen. — käsky käshirtni befehl. 

Syxj. köi-a versprechen. 

Votj. koS'O befehlen. — kos-em befehl. 

Mag7. ä$kü'd'niy äS-kü-nni schwören. — öäkä-t-ni vereiden. 

Budenz szöeg}'. 825. 

99. Liv. käz zom, wuth. 

Ers, Mord, käz-e-ja-vo-n zürnen. — käz-ev zornig. 
M. käz'i böse, heftig, stolz. — käz-i-a-n böse werden. 
Magy. kääa unruhe, streit. 

Budenz szöegyez. 27 stellt magy. kä$a mit f. est. kisa zu- 
sammen. 

100. Fin. ki^a spiel, tanz, lärm. — kis-ä-n vb. 

Est. kijs-a lärm, geschrei. — kiz-e-nda-ma lärmen, schreien. 

Uts. Lap. kijji spiel, tanz. 

Sjnj. gaz'ö't'ui erfreuen, trösten. — gaz freude. 

Perm. gaz-a-Uni wttnschen. 

Ers. Mord, kiä-le-n, kiä-öe-n tanzen. — kiS-le-me tanz. 

M. kü-na-n, kiä-fa-n tanzen. — ki^-ni tänzer. 

Öoro. kuä-te-m, kuS-ta-lde-m dim., b. kuä-te-m tanzen. — kuä- 
to-maS tanz. 

Verwandt sind wohl auch ers. mord. keöare sich freuen, ke- 
öamo freude. 

101. Fin. kos'ija, kos-io, kos-jo freier, werber. — kos-in freien, 
werben. — kos-iy kos-i-nta Werbung. — Veps. kos-i-öe-n freien, 
werben. 

Est. koz-i'lame freier. — koz-i-n freien. — koz-i.g. koi-ja 
freierei. 

Liv. kuoz'Orliy L. koz-i freier. — kuoi-aly kuozü, kozz freien, 
heirathen. — koz-gönd, kaz-gönd, hochzeit, aus koz gönd = f. kunta. 

Syij. koz-in hochzeitsgeschenk von der braut den gasten gegeben. 

Perm, koz-in geschenk, hemgift. 

Öen kuz-uk donum nuptiale. 

Magy. ho$ jttngling, freier, held. — hoä-öl-ni freien, werben 

Vgl. est. köZ'i'Stus flüstern, köz-a-hta-ma plötzlich rasseln, 
flüstern; auch f. küs-ü-n fragen. Budenz szöegy. 142. Oder ist 
ein Zusammenhang mit ers. mördv. kazen, kaz-nen geben, schen- 
ken, kaine gäbe anzunehmen? Ahlqvist, welcher früher die har- 
leitung des f. kosi-n aus tat. küs mädchen, tochter, braut ange- 



29 

nommen hatte, giebt diese auf und erklärt, kulturord 182, das 
liv. kasgmd aus lett. küsas hochzeit, welches wort sich allmälich 
unter den baltischen finnen ausgebreitet hätte. Lindström 45 ver- 
gleicht mong. küse wünschen, begehren. Zusammenhang mit f. 
küsün ist wohl anzunehmen. 

102. Fin. küS'ü-n fragen. — hüs-e-le-n frqv. 
Yeps. küs-u-n, käz-u-n, — Vot. öüs-ü-n. 
Est. küz'i'fna, kü^-k-ma fragen, verlangen. 
Liv. küzz^ L, kuzz fragen. 

H. Lap. gaöö-a-t, 8v. kaöö-e-i, Uts. kadd-a-t 

Votj. kuS'O bitten. 

M. Mord, kiz'i'fta-n^ kiz-i-fna-n fragen. 

Öer. b. kiö-e-m fragen. — hiö-ä-lä-m frqv. — w. küö-e-m id. 
— küö-e-de-la-m mendicare. 

Ostj. kinj-e-m, kenj-e-m bitten, suchen. 

Vog. kis't-m fragen, kinz-t-m bitten, suchen. — Konda Vog. 
kit fragen. — kiä, kin§ suchen. 

103. Fin. kuts-u-n rufen, nennen. 

Veps. kuts-u-n rufen, einladen. — kuts-le-n frqv. 
Est. kutS'U-n rufen, einladen, nennen. 
Liv. hüls rufen, inladen, L. auch nennen. 
H. Lap. goi^ö-o-t, 8v. koöö-o-t, Uts. koöd-u-t nennen. 
Perm, hits-a-l-ni, his-av-m rufen, nennen. 
Vgl. Ostj. Samojed. kuö-uinan rufen. Blomstedt Hai. Bes. 
99 stellt goööot zu kätsua. 

104. Est. köss gen. A^'^^, köi& gen. kö6&i klein, verkümmert, 
knirps. köi&i minema krumm werden. 

Perm, kiz-er dünn, kränklich. — kiz-er-möm dünn, schwach, 
mager. — Votj. kiz-er dünn, flüssig. 

IKagy. kiäj kiö-i, Mö-in, hiö-id klein, kleinlich. 

Vog. kä§4y käz der jüngere bruder. — kä§'kve dim. 

Vgl. f. hHu, mit dem die obigen in Verwandschaft stehen. 
Bei den penn, votjakischen wird man zweifelhaft, welchen man sie 
zunächst verbinden soll. S. n:o 71. 

105. Fin. keski mitte, keskimäinen, keskeinen, keskuinen, kesko- 
inen in der mitte seiend, keskinäinen gegenseitig. 

Veps. keskmäine der mittlere. 
Est kesk mitte. 

H. Lap. gasky Sv. kaska, euer, kask, kosk id. — N. gaski, 
gasskan, gasskast, Sv. kaska, kaskan zwischen. 



30 

Perm, keztn zwischen, mit. 
Ers. Mord. kunäUa, M. kuöka mitte. 
Ers. kunSkasOj M. kuökasa in der mitte, mitten. 
Magy, köz räum, Zwischenraum, abstand. 
Vgl. f. kausi und Budenz szöegyer. 69, 139. Lindström Suomi 
1852 s. 39 giebt ein syrjänisches kezä in medium, kos, kosti inter. 

106. Enar. Lap.. ko^-ko durst, K. lap. goiJcko, 8v. koiko. — goik- 
kad, 8v. koike, Uts. koikkis dürr, trocken. 

Syrj. kos dürr, trocken. — kos-ia dürr machen. -^ kos-ma 
dttrr werden. — Votj. kvaito dürre. 

Ers. Mord, koi-ke trocken, dttrr. — koS-tan trans-trocknen. 
koS'ken, koS-ke-vo-n, koS-kne-n intr. trocknen. — M. koi-kä troc- 
ken. — koS-ka-n trocknen. — koi-fta-n trocken machen. 

Öer. ku%8e, ku%ze dürr. Caströn MS. 

Vgl. f. kahja, Jur. samojed. häsui trocken, Taw. Äoiwa, Jen. 
kasua. 

107. Fin. kuosali Spinnrad. 

Est. hdzel kunkel, höili jalg stehendes Spinnrad. 
Enar. Lap. kühüü spindel. Lönnrot. 
SjTJ. kozat Spinnrad. — Votj. ku^ spinnrockien. 
Lindström MS. s. 136. 

108. Fin. kas-U'kka langes kleid, pelz. 
Est. kaZ'U'ky kcus-u-ka-s pelz. 
Magy. kcus-a-hi-n kurzes hauskleid. 
Ostj. kus oberpelz. 

109. 9. Lap. guosma-t, Sv. kvosmo-t anbrennen, aduri. 
Magy. kozma, kozmä-s brandgeruch, brandig. 
Budenz 50. 

110. 6er. kize messer. 

Magy. ktS. — Ostj. L Ictje, U.S. kaöe-Xy OS. koö€'%. 

Vog. käsäi. 

Schiefner, Castr^ns Ostj. gram. 81, nimmt den lautwechsel 
* = t? im anlaut einiger fin. Wörter an und vergleicht fin. vcici 
messer. Budenz szoegy. 26 scheint diesen Wechsel nicht zu bil- 
ligan. Das perm. kes-lt-nty kes-tn-nt schleifen hängt wohl mit den 
obigen zusammen. 

111. H. Lap. gafC'O't, Sv. kuoc-e-t aufklettem, steigen. 

Cer. w. kiiö-e-m, b. kuz-e-m, kuz-e-m steigen, schreiten, auf- 
steigen. 

Ers. Mord, kuz-e-n^ M. kud-e-n hinaufsteigen, klettern. 



31 

Magy. küs-ni klettern. 

Budenz 71 führt hieher auch f. kap-ua-n, was wohl bedenk- 
lichkeit erregen muss; denn das lap. f. in gafcot dürfte gegen 
das zeugniss der übrigen sprachen nicht ursprünglich sein. 

N:o 112 — 115. kah = kos, kih sausen, brausen, prasselndes ge- 
räusch machen, frieren, sieden, kochen. 

Steigerung: feeA, klh, ^keih = kei, kt, kie, kl-v, 

112. Fin. kah^aja-n, kah-ä-n, kal^-se-n sausen, brausen. — kah- 
ahtü V. moment. — kah-a saus. — kah-e saus, reif, eisrinde. — 
kah'U saus, röcheln, heiserkeit, gelinder frost. — koli-i-se-n, -aja-n, 
'Ohta sausen, brausen, lärmen. — iöA-rö-w plaudern, eiskruste 
bilden. — kuh-aja-n, -isen, -ahtä sausen, zischen, wimmeln. — 
kuh-e-ra brausend. — kuh-e-riä brausen, frusten. — kuh-u braus. 
— koh'ua rausehen. — kofMi braus, plauder. — keh-aja-n ras- 
seln, sausen, zischen; schwingen. — kifi-o das zischen, sieden. — 
kih'i'Se-n, kth-ahtä frusten, sieden, schwärmen, iiÄ-w zischen wim- 
meln. — käh'äjä-n zischen, wimmeln, heiser sein. — köh-i-se-n 
röcheln. — kos-u-ta-n zischen, brausen, schnauben. 

Estn. kah-i-se-ma, kah-a-ma, kah-a-hta-ma, -htuma sausen, rau- 
schen. — kah-i-sta-n sausen hervorbiingen. — AoÄ-a, koh-in brau- 
sen, rauschen. — koh-a-hta-ma^ -htuna einmaliges rauschen ver- 
ursachen. — koh-a-ma, i-se-ma brausen. — köh-a-ma brausen. — 
kih-a-ma schwärmen, wimmeln. — kih-i-se-ma mit geräusch wim- 
meln, röcheln, zischen. 

koS't-ma schallen, tönen, sprechen. — köz-i-sta-ma -se-ma 
rascheln. 

Perm, gnz saus, prassel. 

113. Fin. kah-o, kah-u gelinder frost, reif an der erde. — kdh-ma 
gelinder frost, ein wenig gefroren. — kah-e saus, reif, schnee- 
kruste. — kah-u-a-n brausen, zufrieren. — kohma, -me Steifheit, 
erstarrung. — koh-va schneekruste. — kohrtnu klump. 

Litr. koz-a gelinder frost, kiiiste auf dem schnee, dünner 
Schorf auf wunden. 

Syij. köS'td kallt. — Votj. ke^-it id. 

Öer. kiz-em frigeo, algeo. — kiz-i-ktc-m congelare. Castr^n. 

Lindström, Suomi 1852, 31. 

114. Fin. kkh'U-n sieden, kochen, porlen. — kieh-a-htä heftig 
brausen, kochen. — kih-a-n zischen, rauschen, sieden, reizen. — 
kih-o des zischen, sieden. — kieh-u-ttä fact. kochen lassen. — 
kei'tü'fi trans. kochen. 



3i 

Tcps. ibfA-nHi :$i«ieiL — kek^-^ta het = kei-iia. 
T«t eik-M^ iiL — ^Hir-m-tm iiL 

Sil i^-m intr. kochiML sprihieis. heiss senu glilMiL — ifcE-m 
kochen. — te-t-ma kodieiL dlimd aachn. — ir-db-« koch- 
speis«. — tt-b geiL kt-ca psirtie. Toa ktmta has». hoclmd. 
JJtw. kü^ hitze. 

dar. bt-^inm kocheiL r^Eefl. — kä^Oe-Hm. km-^-^im-m frqT. 
Magj. 4r-r wärme. — ii^I kiize. ^otk. — i«r-«» kilze. 

VgL 0^. SamiijetL kmtiSt, kmef. kmet Mcze B«deiiz szoegy. 
lil ftiirt est. ifcrru und nugT. ter Tsnne za 1 iriln« wekhes 
em fiictrniiii bt = kkfh-m-ta^, 

NSw fliL kAr4»a. fi44ra dfris. heftig — hk-hy. läk^ eifri- 
ger mensch. — ^^k-^y^t^-m^ tA-hh49^ razen. antrobeB. — klk- 
tw-^i^ ktk-tn-4. fefc if w »^ ^»reitzt. heftig eifrig werda. 

Tal diU^h-m ütKi emptimieB. — ük ßm tm m kitzeln. 

Die obigen stehen gewiss dem 1 Ü t i ■> kiek-^-m sieden, 
am ttdichsten. 
Mk fla^ fir-^ eifrig sein. — ibr-^ eifrig. 

KU ib>ni^ incecessiren. an skh ziehen, eünrstchtig sein. — 
Ür*«k< eiferMhrhcig. — fe r f m i n ma packen. 

Lrr. ii«xf wteschen^ viaiangen. 

■afy. iM^-4ii»-«Hk jCrf>^ni-4M wlBBScheB. Terlaagen. gelösten. — 
Aä'*-^< heiss^ eifrig. — ii»r-<»H» hitzig. tzL ker. kS. käram. 

H^nleni 4L Ein irecgieich mit den estn. nnd Bagrar. Wör- 
tern de<^ Tvvrher^rehe»tett anmmer mache es wahrscheinlich, dass 
iüe v4H^i:en weiCerbiUno^^en ierselhen wnnei sind. 

117. Km. /UicN-iK« verqbL*hen. aniechten. — khu^ Tersnchong, 
Yer\irus$x to$^*n«s<k 

Sit im>>^a*^ id. — bits Ter^vch. 

Ut. i«i^?^ x^^rs^^hen. anfechten. WAä ngen. 

S. Lapk yt»>^-^^^ adli^me. ^exare. — fH^* i^» crueiatus. 

Magy. H>^*-^tMi-<^ wrf^fechen. anfechten. 

l^ideiu $i\yv. s^ nKMtt$en li5 hak das gol kmsan dorn- 
^«i>f«%» an i^wM tülr d;)^ vvrigtnaL da^vm anth aslaT. üimsUi tentare 
koiumou >ftllnKv \\d ^Kvh £ tmsaiii» ineflich. heftig schreien, 
M\^\\, ttt\t. itfM.v heftig. $chiKf4t brvtfw ratzen, irgen. Es wiiie 
«ImuuAoh i^iis^^ntUch i^^>2tr-4i n. ^ w. eiuntheden. 
Mi« Wn. ii^v^ i>wt -- ii^x>M»^ reif werden. — kipsym-tä^ fact. 

Wu, L<^^. A^HrtvNAv reit. 



33 

• 

Syij. his-ma reifen. — kis-mä-da fact. — kis-mä-ma reif. 
Votj. kis-ma-lo reifen. — kü-tna-m reif. 
N:o 119. kas, kos husten. 

Steht mit kos sausen in nahem Zusammenhang. 

119. Fin. kaJi'ja, koh-jo, koh-ko trockener husten. — kaJi-u saus, 
rassei, röcheln, heiserkeit. — käh-n, käh-ö, küh-ä heiser ton, trock- 
uer husten. — käh-ä-jä-n heiser sein. — köh-ä, köh-kä trockner 
husten. — köh-iä trocken husten. 

Vot. <!föA-ä trockner husten. — öök-in husten. 

Est köh-a, köh-i husten. — köh-a-sta-nm, kSh-ä-htä-mä aus- 
husten. — köh-i-ma, köh-u-ma husten. — Liv. Jicr-t husten. 

K. Lap. (/os-a-tak, 8v. koss-oSy koss-o-feSy TSU. kos-a-tak der 
husten. — N. (/oss-a-t, (foss-a-la-tte-fy 8v. koss-e-tj koss-o-tr-t, Ulf. 
kos-a-ti't husten. 

Syij kiz'äm der husten. — Votj. kh-an id. — kiz-o husten. 

Ers. Mord, kojs, koz-a-mo s. — koz-a-n vb. — koz-m hu- 
stend. -- m. koz-a-n husten, ausspeien. — ka^-kl-ma-n heiser wer- 
den. — ka§'k'rpia-n fact. 

Magy. kiih'i'ntä'ni, köh-ötj-ni husten. — köh, käh, köh-öf/tä der h. 

Ahlqvist Suomi 1863, 7 stellt f. köhä und ung. köh husten 
zusammen. N:o 106 ist gewiss derselben wurzel, wie auch n:o 
112 — 116, vgl. f. kaJihen, käfiisen, kohism etc. Ahlqvist, moks. 
raordv. gram. 158 leitet koz-äl husten von Rameib Dies ist wur- 
zelhaft im indoeurop. wie aus ksl. kaäU, lett. küsa tussis, siehe 
Miklosich lexicon pal. 284 litt, kam, kostu inf. kosü fut. kosu, 
gael. casad, Pott wurzelwtb. II, 2, 354, und skr. fo7.s% käsa husten, 
käs vb. Pet. Wörtb. 2,277, ahd huosto, sichtbar ist. Mag}\ szotdr 
3,477 betrachtet sie alle als schallnachahmend. 

120. Fin. hökä trockner husten. — hökk-iä heftig husten. — 
hök-äi'Se-n dimin. 

Öer. kok-ere-m husten. 
Magy. Jiök in hök hurtU keuch husten. 
N:o 121—122. koh, kuh anschwellen = kos. Steigenmg: kouh, hioh. 

121. Fin. koh'O-a, koh-o-ta, koh-oi-Ua, bauschen, schwellen, schäu- 
men, sich erheben. — koh-o bauschiger zustand, schäum, morast, 
netzfloss. — kouh-o lockerer zustand. — kouk-o-ttä bauschen, an- 
schwellen. — kiioh-u-n, kuoh'än bauschen, schwellen, schäumen. 
— kuok-lü-n bläschen bilden. — kuoh-u, kuok-ku, kuok-ku schäum. 

W. Schott altai. sprachen 339 stellt hiermit zusammen das 
Tungus. kökun, kösun schäum, Mongol. köksön, buijät. kohön N. 

3 



34 

T. Ch., 2J0ÄÖ; vgl. Mandschu Jcuxe geschwollen, Mong. hVce an- 
schwellen n. a. Auch turk kühre sich erheben, aufbrausen, gähren, 
Schott Alt. stud. 1,615. 

122. Fin. . kuh'i'laj kuh-i-las, kuh-i-läs garbe. — kulhjo heu- 
schober. 

Veps. kuh'i'las garbe. — Tot. kuh-i-la id. — kuh^a heu- 
schober. 

Est. kuh'e-l'OSy kuh-e-Uk grosser komschober. — kuh-i g. 
kuhja häufen, heuschober. 

Man kann hier passend an die Wörter f. kuh-mu und kuh-lo 
beule, kleiner höcker erinnern. 

123. Fin. käJmiä, kähm-i-ä träge, müssig sein. — kähm-cä 
träge, mUssig. — kä/im-ö-üs, kä/m-üs, träger mensch. — kuhn-u, 
kuhn-U'S id. 

Magy. Mnj-il-ni müssig sein, faulenzen. — hänj-ä mUssig, 
faul, müssiggänger. 

Vgl. liudenz szöeg. 120. Offenbar gehen 123 u. 124 auf 
eifte gemeinsame würz, zurück. Magy. szotär 2,i688 stellt ung. 
hänjä und hanjag lau, nachlässig zu f. huinän, 

124. Fin. kehno schwach, schlecht. 

Vot. kehno schlecht. — Est. köhn gen. -na böse, schlecht, 
s. der böse, teufel. 

Sjrrj. kokn'id leicht. — peim. kokni-f, kokni-d leicht. — kok- 
ne-t-ni erleichtem. — Magy. könnju, kö^nnjä-n, könnjä-d leicht. 

Ostj. I ktn€f US. kanne%, — Vog. kinna-guy konda dial. 
kigne. 

Die von Hunfalvy, konda vog. nyelv 46, aufgeführte form be- 
stätigt die von Budenz ' szöeg. 58 angenommene Verwandtschaft 
der ugrischen Wörter mit den finnischen. Lindström Suomi s. 
40 theilt noch mehrere formen mit: Ostjak. Beresov kenogi^ ken, 
Lumpokol koneg, vogid. Tschusova kunna, Verxotur kunne, Tscher- 
dym kannauky Beresov küna, kinit, ken. 

N:o 125 — 150. Wurzel kar rauh, scharf, zackig, hervorragend. 
Vokalsteigerung: kär, kuoTj kör. — erweiterung kark, karsk. 

125. Fin. kar-ea, kar-ia hart, dürr, grob, straff, rauh, bitter. — 
kar-a-sta-ny kar-ai-se-n härten. — kär-eä rauh, heiser. — karr-i 
etwas mit rauher fläche. — katr-us trockener zweig od. bäum, 
mürrischer mensch. 

Est. kar-e hart, steif, begrast- 

Liv. kar-u, kär-as, kör-as, L. kar-as bitter, herbe. 



35 

H. Lap. gar-as, sv. kar-as scharf. — n. 1. garr-a, sv. karr-üy 
enar. karr-o (Lönnrot) hart, korYy kor-as (Andelin) id. 
Vgl. Votj. klr wüste. 

126. Fin. kar-a etwas hartes, dürrer zweig, pflock, riegel (im 
schloss), thieiTuthe, zacke am fiscbrttcken, dürres nadelholz. — 
auran knra pflugschar, pflugeisen. — kar-as, kar-akkay kar-aJüca 
junge tanne, krüppeltanne. — kar-anko harter, zweigfreier ast. — 
kar-sti harter nadelholzbaum. — Sv. Lap. kor bergs rücken. 

Est kar-a entblösste ruthe der thiere, eiszapfen. 

Syij, gor pflüg. — Perm, gor id. — Votj. gcr-i id. 

Perm, ker balken. — Vo^. kor balken. 

Er». Mord, ker-et pflugmesser, M. kär-at pflüg. 

Öor. kar-a baculus. — Magy. kar-ö pfalil. 

Ahlqvist kulturord 30 hält das syij. wotjakische wort für ur- 
sprünglich. Es zeigt sich aus obiger Zusammenstellung, dass man 
sich wohl anfangs eines harten baumastess zu diesem zwecke be- 
diente, wie es auch früher unter den Finnen sitte var beim pflü- 
gen eines Schwendelandes, vgl. f. kar-hu eine art pflüg, kar-hi 
egge, rechen n:o 137. 

Lindström Suomi 1852, 34 führt magy. göröb riegel mit f. 
kara zusammen. — Jakut. xarlja tanne, Böhtlingk wörtb. 81. 

127. Syxj. gör-ni pflügen. 

Perm. görM-rii, gör-v'i-nl id. — Votj. ger-a-lo id. 

Öer. b. kar-a-la-m, w. kur-a-la-m id. 

Vog. kar-ian-te-m id. 

Dass diese Wörter ableitungen des wortes f. kara = gor sind, 
geht aus vielen analogien hervor: karppu ein stück fichtenrinde, 
daraus kar-pu-sfa-n abschinden, rindenstücke losschinden; karva 
haar, karvün die haare wegnehmen, karvrn schaben, reiben; kuori 
rinde, kuorin abschinden. Jakut x^^^i aufwühlen, pflügen, Böht- 
lingk wrtb. 81. 

128. Pin. kor-va ohr, handhabe, griff. 
Veps. karv. — Vot. kärva, 

Eli. körv ohr, henkel, grifif. — Liv. kuöra, L. kora ohr. 

Syij. kor-pO'tas knospe an bäumen, vgl. f. hiiren korva (mause- 
ohr), so werden die jungen blättchen der birken genannt, wenn 
sie im firühjahr zum Vorschein kommen. 

Vo^'. kvar hlsitt 

Wie korkea aus würz, kar uneben, straff, zackig, hier: her- 
vorstehend. 



36 

129. Fin. kor-sl st. körte halm, stroh. — kor-ttelie nom. kor-te 
flusskraut. 

Vot. kör-sl stroh, halm. — Est kor-s id. — kor-ge gen. korke 
röhr, binse. — kör-yas g. körka röhr, schilf, haliii. 
8v. Lap. kar-e virga. — kar-ek ranius. 
Vo^. kuro Stroh, hahn. 

130. Fin. kär-es st. kärekse ruthe. 
OsQ. ker-einsa, ker-emse id. 
Lindström Suomi 1852, 30. 

131. Syij. klr-im hand, die finger. — Pemu klr-Jm handvoU. 
— kir-l-st-fii kratzen. 

Magy. kör-ötn nagel, hilf. — Vog. kcr-em id. 
Budenz 64. Diese Worten gehen wie f. korva von der au- 
schanung: hervorstehend aus. 

132. Fin. kor-k-ea hoch. — kor-ko erhöhung. 

Veps. kor-g-ed pl. kor-g-ta-d hoch. — Vot kor-k-ea. 

Est kdr-ge, körge hoch, erhaben, höhe. — kör-ga-ta-n erhöhen. 

Liv. kuor-d pl. kuor-dö-d hoch, vornehm. — kuor-da, kuor- 
dö'S, kor-dy L. kor-d, kor-g pl. kuor-di-t, kor-di-t höhe. 

Sv. Lap. kar-as gi'oss. 

Voy. gur-ez berg, hUgel. — penn, i^r-ö^v id. — ker-ösa ber- 
gig. — Öerem. kor-ok, kiir-uk berg. 

Ostj. ier-e*- hoch. 

Urspr. bedeutung: hervorstehend. Budenz szöegy. 46 ver- 
gleicht hiermit mord. koias gemäss, magy. kora in akkora u. s. w. 
so gross, so alt. Das einfache kora bedeutet doch fräfi, frühzei- 
tig, bald. Das wort dürfte aus würz, kar am leichtesten hergeleitet 
werden: etwas hervorstehefides bedeuten, vgl. magy. kar-ö pfalil. 

133. Fin. kar-ä-n =: kar-k-ä-n, kar-k-oa-n springen, laufen, her- 
vorstUrzen, fliehen. — kar-k-c-le-n, kar-k-ai-h-n, frqv. fortwährend 
laufen. — kar-k-e-lo spiel mit tanz. — kar-k-ai-se-n hin und her 
laufen. — kar-ko-ta-n, kar-ku-ta-n veijagen, verfolgen. 

Veps. kar-g-ai-da-n tanzen. 

Est. kar-g-a-Uy kar-g-a-neHy freqv. kar-g-a-te-le-n springen, 
hüpfen, schnell laufen. 

Liv, kar-g pr. kär-g-öh springen, schnellen, (in Kurland auch) : 
anfallen, beessen (hunde), aufgehen (die sonne). — kar-g-l frqv. 
springen. 

H. Lap. gär-g-a-de-ty gär-g-a-le-t eilen. — Utsj, kär-g-i-di-t 
fliehen. 



37 

Öer. b. kor-g-o-l^a-m, w. hir-ff-za-m laufen. — b. kor-g-o-sta- 
la-m, w. kur-g-u-za-kk-m dimin. — w. hur-gu-äta-la-m frqv. 

Magy. Mr-g-ä-f-ni jagen, verfolgen. 

Lindströra Siiomi 1852 s. 35 vergleicht magy. ugorni, ugrani 
springen, einen vorschlagsvokal annehmend. — Budenz szoeg. 23 
stellt kürgätni mit f. karkUn zusammen und rechnet dazu auch 
m. mordv. kraifo verfolgen =r f. karata, — Zunächst hängt karkän 
mit kerkZn und korkea zusammen; derselbe bedeutungsUbergang 
kommt auch in f. karehtiu krausende wellen bilden, schwärmen, 
eilend laufen. 

134. Fin. ker-k'cn, ker-ke-ä-n für ^ker-ke-dä-n; ker-kl-n, schwel- 
len, sich heben, sich auflösen; zeitig kommen, ledig sein; sich 
sputen. — ker-k-cä locker, los, leicht, schnell. — ker-i-fä-n auflö- 
sen, beschleunigen. 

Est. ker-k-i-ma sich erheben, aufsteigen, sich heben, erholen. 

— ker-k-U-n schweben, in bewegung, unzuhig sein. — ker-Jc-ne 
leicht, sich hebend. — kcr-k-vel locker, aufgebläht, aufgeblasen, 
bereit. — kor-e gen. kar-e-da locker, morsch, mager, abgefallen. 

— Liv. korg-iF^ kar-il locker, mürbe. — fcr-dö = *kirkedä fleissig 
sein. — fer-dö, fer-da behende, rasch, schnell, fleissig. 

Ers. Mordv. kur-o-k rasch, schnell, bald. — m. kur-l-k bald. 
Magy. kär-ö morsch. — korh-a verwittert, vcrfaiüt, abgenützt. 

— korh-a-d-tii morschen, verfaulen. — ar-ni reichen, anlangen, errei- 
chen. — ärjä'd-ni gähren. — er-k-ä-z-ni ankommen, zeit zu et- 
was haben. 

Lindström Suomi 1852 s. 39 stellt die mordvin. Wörter zu 
f. kerhä. Budenz szoeg. 47 bringt korha mit liv. korgit in Ver- 
bindung und auch mit estn. korc gen. karcda locker, morsch, ma- 
ger abgefallen; später, szöegy. 823 magy. erni mit f. kerkln und 
liv. ferdö. 

135. Est k^r-ge-ta-n^ kcr-gi-ta-n, ker-gi-sta-n erleichtem, er- 
quicken, stärken, aufheben, höher machen, tragen, sich auflichten. 

Öer. b. xir-i-kte-m excitare. — w. crc-kte-m, b. ir-eje-kie-m 
aufwärmen. — w. efe-m, b. ire-je-m warm werden. 

Magy. gär-jä-d-ni rege werden, entflammen. — gär-jä-stä-ni 
anregen, anschüren. 

Budenz 81 vergleicht die Cerem. und magyar. Wörter. 

136. Fin. ker-sk-ä-n prahlen, gross thun. — kar-sk-i keck, le- 
bendig. 

Est. ker-k'vel locker, bereit, willig zu etwas, aufgeblasen. — 



38 

kork gen. körgi stolz, hochmtithig. — körk-us stolz, Ubermuth. — 
kar-sk gen. kars-u; kar-sk-e frech, wild; keusch, züchtig. 

Magy. kerk-ed-ni prahlen, sich brüsten. — kerk-e-di ein 
prahlhaus. 

Budenz szöegy. 25 führt auch n. lap. goarg-o-ie-t prahlen 
hieher. Obigeich wurzelverwandt, stimmt doch die form zu f. 
kor-o-ta-n für ^korko-ta-n hoch machen. 

137. Fin. kar-liea straff, grob, hart, kleinzackig. — kar-hi egge 
vom zweigreichen tannenbaum, rechen, vgl. syrj. perm. gor. — 
kar-hdkka junge tanne mit Hleinen zweigen — karas, kar-akka. — 
kar-he, kar-hi, kar-ho heuschwaden (samlung von gras). — kar-hu 
Pflugschar von der form eines gänsefusses. 

Sjrxj. kur-an harke, rechen. 
Perm, kur-an id. 

138. Fin. kar-ke-a dürr, hart, grob, uneben, scharf, borstig, 
herbe. — kar-ka-s st. karkkaha bitter, 'herbe. — kar-kai-sia här- 
ten, straff machen. 

Veps. kar-ge-d — kar-ttad bitter machen. — kar-g-tu-s bit- 
terkeit. 

Est. kar-ge hart, steif, spröde; begrasst = fcire st. kar-eda 
rauh, grob, straff, hart, despotisch. — kar-gen fest, hart, spröde 
werden. — kar-gu-s härte, Straffheit. 

Liv. kar-d, kar-dö barsch, strenge, rauh. 

Ena Mordv. kal-go-do, m. kal-gi-da grob, straff. 

8v. Lap. karr-ok grausam. 

Magy. har-a-g zom. — haragoä zornig, haragttni erzürnen, 
böse machen. 

Ahlqvist, Mordv. grammatik s. 155 stellt das letztgenannte 
wort zu f. karkca. Einen ähnlichen lautwechsel rmZ zeigt sich 
im f. kal'sea straff, giob, bitter, hart, haarig, rauh haarig. Blom- 
stedt Hai. Bes. 143 bringt magy. hara^ und f. karkea zusam- 
men. 

139. Fin. kar-a-nka, koski-karanka =^kos\d kar-^a stromstahr, 
wasserstahr. 

Perm. A'/r specht. — Votj, kir, söd k'ir schwartzspecht 
Öer. ker-ge:^. 

Magy. har-kcU specht, baumhacker. 

Budenz szöegyez. 106 führt nicht das finnische vort hieher. 
Die ursprüngliche bedeutung ist wohl: der mit scharfer zacke, 



39 

Schnabel versehen, von würz. Tcar, VgL n:o 126 kar-as =i Jcar-a-kka 
^=z kar-a-fiko. 

140. Fin. kar-me-a bitter, herbe, rauh. — kar-va-s bitter. — 
kär-tü ungeduldig, mürrisch; — kör-i saure milch. 

Vot. kar-me-a grob, rauh. 

Eit kar-tn st. kar-mi rauh, hart, straff, streng (von haaren, 
wolle, flachs, wetter). 

H. Lap. guor-me-s, Uts. kuor-h-mi-s scharf. 

Syxj. kur-id. — Perm. Vo^'. kur-U bitter, vgl. est. kareda. 

Vgl. f. kar-kas n:o 138, karu n:o 149. 

141. Fin. kar-va haar, einzelne haare od. stroh, halm, filz, zotte, 
färbe, vgl. karr-i etwas mit rauher fläche. — kar-vc flechte, moos 
an bäumen. — kar-vän, kar-von gärben, die haare weg nehmen. 

Est kar-u=:kar'V st. kar-va haar, färbe. — kar-u-ne rauh, 
haarig, bärtig, kar-u-sta-n rauh machen. — kar-he st. kar-pe baum- 
moos, flechte. — kar-etan verrasen, vergrasen. 

Liv. kär-Oy kör-a, kar-a (L.) haar, feder, färbe. — kör-i, kür-i, 
karr-i haarig. 

H. Lap, garr-at die letzten haare verlieren. 

Magy. har-a haartuch, pferdedecke. 

142. Fin. karr-u-fa-n nagen. 

K. Lap. gerr-i't, goarr-a-t id. (von thieren). — sv. kar-va-t 
nagen. 

Syij. kur-tS-a beissen. — Vota. hir-tS-o b^issen, die zahne 
knirschen. . 

Öer. kar-em essen. — M. Mord, jar-c-a-n essen. 

Magy. kar-a-p'fü beissen. 

Das wort steht in nahem zusammenliaug mit f kar-vi-n scha- 
ben. Budenz szöeg. 105 vergleicht die ugrisch-permischen Wor- 
ten mit den öerem. mordvinischen, indem er auf den analogen 
ttbergang der bedeutung in f. ptir-e-n beissen und läpp, porr-e-t 
essen, beissen aufmerksam macht. Fttr die fin. Übereinstimmung 
dieses wortes kan noch ostjak. por-e-m nagen, beissen angeführt 
werden. 

143. Fin. kar-i, kar-u, kar-i-ca lamm. — kar-o hammel. — kar-kOy 
kar-kko schaf über ein jähr. — kar^a das vieh, heerde, vieh und 
schafe, (dialektisch wechselt das wort mit den formen kaura, 
kaira). 

Veps. kar^a vieh. — Est kar-i st. kar-ja heerde, hUtung. 
Liv. kor-a, L. kär-a heerde, Viehherde. 



40 

Os^. km-^en schaf. — Vog. Jcar-a-ä id. (Pictet). 

Pictet, les origines Indoeur. I. 363 stellt f. kari mit karja 
troupeau qui päture, zusammen, und erklärt sie aus skr. öari 
animal, öära päturage aus der wurzel dar errare, pabulari, wobei 
er zugleich das hebr. kar agneau als urgemein betrachtet. Lönn- 
rot, sanakirja 503, vergleicht got. har-ji-s beer, menge. Siehe 
Fick vergl. wörterb^ 514 got. harjis =:: pvenss, karjas beer, krieg, 
litt, karas krieg, altslav. kara streit. Wenn man sich aber hier 
des livischen kara haar erinnert, so liegt es nahe auf der band 
die obigen wöiter aus der finn. wui'zel kar herzuleiten, wonach also 
die grundbedeutung des kari, karja =. rauh, haarig wäre. vgl. f. 
karva, karhu, 141, 145. 

144. Fin. kar-vas g. karpä-n; kar-pä; kar-pa-so korb, kleiner 
kahn. -^ kar-appi fahrzeug. 

K. Lap. gar-heSy en. kär-hes kahn. 

Ostj. ker-apy ker-ep L, ker-ep fahrzeug. 

Vog. ktr-tp id. Hunfalvy, Reguly hagyomänyai s. 26. Konda: 
kerep id. s. 45. 

Ahlqvist kulturord 150 betrachtet f. karpä als entlehnt aus 
russ-. KapöacL kleiner kahn, welches wort durch Umstellung aus 
6apKa ~ d. harke gebildet sei. Im Vogul. findet sich auch karä- 
hli aus russ. Kopä6.ib schiff. Es ist wohl möglich dass das wort 
mit f. karvin schaben, karrutan = lap. karvat nagen zusammen- 
hängt und urspr. einen ausgehöhlten baumstamm bezeichnete. 

145. Fin. kar-hu bär, die grundbedeutung ist haarig, vgl. liv. 
kär-a, kar-a haar, feder. 

Vot kar-u bär. — Est. kar-u id. 

Perm, kur-va, kur-la bär, in dem ausdruch kur-van poz bä- 
rengrube = f. karhun pesä. 

Im Ostj. Samojed. bedeutet korg, kucrg, kuerga bär. 

146. Fin. kar-na erstarrener schmutz an der fläche eines ge- 
genständes. — kar-sta-nncy kar-ma-nrns, kar-ppa die gefrorene 
schneerinde. — kar-sta russ (im Schornstein), schlache. — kor-ste 
kruste. — kar-si abgebrannter docht, hart gewordener russ, schla- 
cke; wald, dessen bäume abgehauen und von zweigen frei gemacht 
worden ist. — kär-na, kär-mii, kar-ppu fichtenrinde, ein sttick da- 
raus. — kar-mu stUck fichtenrinde, baummoos, russ. — kär-nä 
äussere rinde. — fr«oi-i st. kuore rinde, kruste. 

Veps. kör rinde. — kör-ud dünne rinde, schale. — Vot. k^r-i 
rinde. — öär-nä schorf, aussatz. 



41 

Est. kär-n st. Jcär-na = Mr-n st. -na kratze, rinde, schorf. 

— kar-p st. kar-pa schorf, kratze. — iö-r st. hü-re schale, rinde, 
sahne. — kör-ik st. kör-iku rinde, kruste. 

Liv. kuor rinde, borke, schale. 

K. Lap. (/arr-a, sv. kar schale, rinde, uts. karr-a — sv. 1. kor-se 
reif. — kär-d-ne schnekruste, kär-d-no-t verb. 

Perm, kor rinde. 

Ers. M. Mord, kar bastschuh. 

Magy. Mr-ta häutchen, menibrane. 

Ostj. kär id. 

Öerem. b. kar-gaS id. 

Budenz szöegy. 24 stellt nur f. kuori mit den gleichbedeu- 
tenden zusammen, und führt mord. kar zu ung. Mrs linde, n:o 109. 

Ahlqvist, Suomi 1857 s. 92 hält kar st a für das russ. Kopocxa. 
Vgl. ksl. kora cortex, nsl. serb. kora^ bulg. kor, welches Miklosich 
lexik. 303, wie Curtius griech. etymol^ 137 aus skr fr, kr =- kar 
verletzen, secare herleiten, und in Verbindung mit litt, karna hast 
bringen. Auch Ascoli Vorles. I,i9i bringt ab. kora neben skora 
mit w. kar zu skar schneiden, schinden zusammen, auch litt, skur-a, 
skr cannan haut. Vielleicht sind die letztgenannten doch passen- 
der mit der würz, kar hart, rauh sein in skr kar-kar-a^s rauh, 
hart, s. knochen, hammer, kar-akas kokosnuss, kar-anka-s schale 
der kokosnuss, schädel, y^ag-vo-v nuss, lat. car-lna schale, kiel, 
in Verbindung zu bringen, vgl. Pictet, les aryas l,i8o. Curtius gi\ 
et}Tn^ 133. Fick, vergl. wörterb* 35. 

147. Fin. kiior-i-n schinden. 

Ostj. x^'-e-m I., kor-o-de-m S. schinden. 
Aus f. kuor-i rinde, ostj. kär id. Ostj. Samojadisch ker-a-p, 
ker-a-m schinden. Siehe kar-na n:o 146. 

148. Fin. kar-ta eisenblech, untiefe von sand oder stein {— kari), 

— vgl. kar-t'ä härten, hart machen. 

Est. kar-d st. kar-da blech, tresse. dUnne schiebt. — katr- 
ane blechern. — karr-a-ta-n aus ^karta-ian mit metallschicht be- 
legen. 

Liv. kär-da blech. 

SjTJ. Perm, kör-t, Votj. kor-t eisen. 

Öer. b. kir-t-ni w. kür-t-fiö id. 

Ostg. kar-ti. — Vog. ker, kier eisen. 

Wie das finnische kartä zeigt, ist das hier aufgeführte wort 
eine Weiterbildung aus der würz, kar hart zein; vgl. auch est. kar- 



42 

edus härte, rauhheit und syrj, kar-td bitter. Ahlqvist kulturord 
63 ven^'irft die Zusammenstellung der ugrischen Wörter mit est. 
kard, welches er aus dem lett. skärde eisenblech derivirt. Man 
hat die permischen Wörter aus dem iranischen herleiten wollen, 
indem zend. kareta messer, huzvar. kart, neupers. kard säbel, aus 
der Wurzel kar schneiden, der metalle ihren nahmen gegeben hätte. 
Im slavischen hat man daraus korda, russ. RÖpTHK'b kleiner säbel, 
wahrscheinlich auch das ungar. kard säbel, degen. Müdosich, die 
slav. elem. im magy. 35, Fremdwort. 100. Was die übrigen be- 
trifft scheint es doch naturlicher, dass man den namen des Schwer- 
tes aus der metalle nimmt, nicht den metallnamen aus dem dinge. 

149. Fin. kar-u, kär-ü, kor-u brandgeruch. — kar-tu, kar-ttu, 
kär-tü id. — kar-su^ kar-sku ttbler geruch. — kär-üttä fakt., kär- 
ve-ntä dim. fakt. anbrennen. — kar-tu-an intr. brennen. — kar- 
su'ttä brandgeruch von sich geben. — kar-ve-ttä, kor-ve-ntä an- 
brennen. 

Est. kär-c st. kärcu das anbrennen, brandgeruch. — kär- 
sa-n, kär-su-n, kär-cu-fi, kär-ca-ta-n anbrennen, brandgeruch ve- 
ranlassen. — körve gen. -ve^-he, kör-b das anbrennen. — kär-d 
geruch. 

Litr. kor-b, kuor-b brennen, anbrennen, versengt, roth wer- 
den. — kuor-bast sengen, brennen. 

H. Lap. goar-dde-t brennen (die sonne), sv. 1. kor-de-t, — 
SV. kuar-b, kuor-ia Waldbrand. — kuor-be-t ardere. — kuar-be-te-t 
schwenden. 

Ers. Mordv. kur-va-ztm brennen, sengen, kur-va-za-n intr. 

Magy. har-ap brand (im rohricht, walde). 

Wurzel kar, die urspr. bedeutung: rauh, bitter, für den ge- 
ruchsinu. Lindström Suomi 1852, 35 giebt ein wort kurt brand- 
geruch im ostjakischen an. 

150. Fin kär-pä-nen, kür-vä-nen fliege. 

Veps. kär-ba-ine pl. — äed. — Vot. där-pä-ne. 

Est kär-b-ne. — Liv. kär-mi pl. kärmis-t, 

K. Lap. öHorr-ok, sv. öur-oky uts. öurr-up. 

M. Mord, kar-u, — Ers. kar-vo. 

Mit kärüitä, kärveniä in Verbindung, also: der anbrennende 
zu beissende. 

N:o 151—164. kar, kor, hir, kir rauh sein, rasseln, schallen, 
schreien, murmeln. Steigenmg kür, kuor, klr, kier (öier). Vgl. n:o 
170 anmerkung. 



43 

151. Fin. kar-i felsen im meere, riff, gerassei, geschnarre, rö- 
cheln. — kar-e brausende welle, Wellenschlag, Windhauch, fisch- 
haufen, entzückung, lichtschnuppe (^ kar-si), häufen von heu (kar- 
he), das frieren, knarschen. — kar-e-hii-a kräuselnde wellen bilden, 
schwärmen, eilend laufen, prasselnd sich bewegen, sausen, lärmen, 
pladdern. — kar-e-htu-a sich krausen, berauscht, entzückt werden 
(ka-re), muthig, böse werden (karea). — kar-i-sta rasseln, schnar- 
ren, knarren, knirschen. — kar-i-stä, kar-i-su-tiä, kar-i-ttä ras- 
seln, schnarren. — kar-a-jan, kar-ün prasseln, rasseln, schnar- 
rend sich bewegen. 

Est kar-i riff, klippe, kari-tiv grober sand. — Perm, yor-a 
klangvoll, durchdringend. 

Magy. har-an glocke, har-an-oz-ni läuten. — har-sa-n-ni 
schmettern, har-s id. subst. — har-^o-g-ni erschallen. — har-ään 
hell klingend. — har-^o-na trompete. 

Die ungarischen Wörter bilden den Übergang zur folgenden 
nummer. 

152. Fin. kar-ju'H schreien — kor-nü-n zanken, eigensinnig 
fordern. — kor-nu-ta-n quaken, zanken (vgl. korrän). — kor-mu- 
ta-n tadeln, brummen. 

Est. kar-i g. karju geschrei. — kar-ju-n schreien. 

H. 8y. Lap. äuor-wo-fj en. äuar-vu-ö rufen, schreien. — sv. 
kair-o-ie-ty en. kor-o-tte-t fluchen. — sv. kärr-o, en. kör-o fluch. 

Syij. gor-za iiifen. — Perm, kar-zi-ni, gor-zi-ni schreien. — 
gor-ö-t-m plötzlich schreien. — kar-zö-m das krächzen. — Volj. 
kar-ga-lo fluchen. 

M. Mord, kor-hna-n, kor-hta-n sprechen. — kor-ua-n lännen, 
tosen. — ers. kar-ta-n, kor-t-lcn sprechen, plaudern. 

Magy. kär-o-g-ni krächzen. — kür-o-m-ko-d-iii fluchen, schel- 
ten. — kär-o-m-Ia-my kär-o-nw-l-ni lästern. — har-v-l-ni schwa- 
tzen, plaudern (harelni karelni). — har-So'lo-d'niy hoi''$0'l<hd'ni 
zanken. — kur-ja das geschrei, der wolf. — kur-ja-nta-ni auf- 
schreien. — kur-jo-nga-ni, kur-jo-nga-t-ni jauchzen, schreien. 

Miklosich, slav. demente im magyar. 30, hält magy. harc 
streit, kämpf für entlehnt aus slav. harc = kroat. Cech. poln., russ. 
garcovath tummeln (ein pferd). Vgl. skr wurzel kar {iakarti rüh- 
men, erwähnen, lat. caleo rufen, erwähnen. 

153. Fin. kir-ju-n schreien. — kir-ka-se-n, kir-ku-n, kir-u-n inf. 
kir-ku-a heftig schreien. — kir-o-n, kir-ö-n fluchen, verwünschen. 
— kir-o fluch. — kir-ka-hdu-n vom schreien keichen. — kir-sku-n 



44 

ktiirKchffii. knarren. — ktr-f^a-hfla-n plötzlich knirschen. — kir- 
nui-n lärmen, spielen. — lir-mae-h-n frqv. 

Est kir-u-n schreien, flachen. — kir-ffu-n, kir-ga-n, klr-fja-n 
krähen, aufschieien. — kn-fja-n schreien. — kir-i-sc-n knirschen, 
»chreien. — kir-ffa-n aufschreien. — kir-i-n, kir-i-^da-n knirschen 
machen, intr. sich kümmerlich forthelfen. — kir-a-ta-n aufschreien. 
— kir-ü'fe'n sich ahqvälen, elendes leben fähren. Irans, qvälen. — 
kir-n-n greinen, wiederholt weinen. 

Liv. kir-g, klr-ga-at krähen, schreien. 

H. Lap. curr-o-t, sv. ccr-o-t, en. cUrr-u-d weinen. — sv. 
kitr-Oy karr-o fluch. 

Perm. (j^r-ja-Um weinen, winseln. — Ers. Mord, ktr-na-n 
röcheln. 

Öer. b. k'ir-l-'nge-m freudig aufschreien. — kir-t-lc-m lascivire. 

Magy. hlr ruf. — hir-dä-t-ui anktindigen. — hlr-c-l-ni laut 
erzählen. — hir-vH, htr-uö-k böte. — hlr-hc-d-ui, hlr-c-är-d-ni ruf 
bekommen. — hir-lä-l-ui verkünden. 

Das läpp, ckfrot wird von Budcnz 349 mit mag)', slrni wei- 
nen zusammengestellt. Wenn sie beide zu f. kirjun gehören, 
wäre hier der auf dem finnisch-ugrischen gebiete nicht sehr un- 
gewöhidiclie Wechsel ki = /•/ — si eingetreten. Im ers. mord. heisst 
siTre.n lirüllen, schreien. Übrigens wäre ein Zusammenhang zwi- 
schen magy. klrni und f. sirUn rieseln nicht unmöglich. 

154. Fin. kar-skii-Uy km-smi-n, kor'.ska'i'lC'Uy kuor-sü-u, kuor- 
SU'H, btor-snä-n, kuor-ska-n schnJirchen, schnaufen. — koir-ä-n 
quaken (frösche). — kor-i-se-n röcheln, kor-i-sta-n, kor-i-ste-le-ti, 
fact. — kor-a röcheln, ra.sseln. 

Vot. kör-sä-n schnarchen. — Est. kor-i-n, korr-i-n das rö- 
cheln, schnarclien. — kor-i-sc-n röcheln, schnarchen. — kor-f-sta-n 
röcheln, schnarchen, trommeln. — kdr-i-sc-u rasseln, röcheln. — 
kor-ska-N schnauben. — kör-cu-n quaken. 

K. Lap. tftwr'sa-ta-k, sv. kaor-se-t husten (meist von thieren 
gesagt). 

Perm, kar-öt-tn schn<irchen. — kor-ö-fö-m das schnarchen. 
-- kiU'ö'tis n. actoris. 

M. Mord. kir-na-H schnarchen. — kor-isa-n schlürfen, löiTel- 

weise essen, 

Magy. hor-fo-fj'iii schnarchen. — hor-ko-I-ni, hor-ka-miu kor- 
kn-iitn-fti schnauben, schnarchen. 

155. Kä. kih^nv st. Adr-wcAc rabe. 



45 

Est. hlr-en g. kär-na id. — Liv. iTir-nös rabe, mandelkrähe. 

Sv. Lap. lar-a-Nes, uts. hir-a-nas rabe. 

Syij. li'r-niff. — Perm, kir-iüs, — Votj. k-ir-niz. 

Era. Mord« krä-us rabe. — in. kra-mlis krähe. 

Öer. b. kur-naz (Castren), kur-Unaz, 

Aus würz, /ar, vgl. f. kar-jun schreien, magy. kär-og^ni kräch- 
zen, käroT Sperber, vogelfalke. Es ist dies eins der wenigen Wör- 
ter, in welchem sowohl wurzel als suflix in den verwandten spra- 
chen identisch ist, denn f. kär-uehe steht fUr urspr. kürnese. — 
Jurak. Samojed. harona, hanm, hariiaes rabe. 

156. öer. kar-ne Wachtelkönig, schnerz, wiesenknarre. 
Ers. Mord, kir-es-tci, m. ker-si. 

Magy. har-lff. 

Budenz 107. Vgl. ung. Iiars, har,sanm n:o 151. 

157. Fin. kur-dn, kur-a-ja-n, kur-i-se-n sprudeln, murmeln, knur- 
ren. — liiir-nif'ste'le-n murren, zanken (vgl. kormutau). — knr-mo 
verdriesslich, zänkisch, gefrässig. — kur-vu muirend, zänkisch. — 
kur-sku-n knii^schen. — kur-ja ann, elend. — kor-a elend, Schwie- 
rigkeit. 

Est. kur-i-se-n girren, gurgeln, sausen. — kur-i-stan factiv, 
kiir-l-stv-le-n frequent. — kur-a-hta-ma ein mal schnuiTen. — kur- 
t-ma klagen, sich grämen, jammern. — kur-v, kur-b gen. kur-va 
traurig, betrübt. — kur-va-sta-n betrüben. 

Liv. kiir-u murren. 

Votj. kur sorge, kummer. — kur-a-^e-m id. — kur-a-^o lei- 
den, sich mühen, sorgen. 

Magy. kurr-an-ni, kurr-og-ni, kHrr'a'nta'Hi, kor-og-ni knurren. 
— liur-o-ga-t-ni ausschelten. — hiir'U'tO'l-ni husten. — hür-os 
drossel, schnarre. 

Oslj. lor-iU-m bellen. — xor-dl-de-m frqv. 

Magy. kurja n:o 152 stimmt der bildung nach vollständig 
mit dem oben aufgeführten fin. worte überein. 

158. Fin. kur-i-sta-n munneln lassen, stricken, zusammenpres- 
sen, erwürgen. 

Vot kur-i-sta-n erwürgen. — Est. kur-i-sta-n id. 
Sv. Lap. kar-ke-U kär-ke-t strangulare. 
Vgl. f. kur-on 1G7. 

159. Fin. kurki kranich. 

Veps. kurg, — Vot, kuröi id. 
Est. kurg, — Liv. kurg, kürgö-s. 



46 

H. Lap. guorg^ Sv. huorg^ üts. kuörgga, 

Ers. M. kargOy M. karga. 

Dies woit. lehnt sich als diminutivform an die in der vorher- 
gehenden nummer 157 aufgeführten. — Im Ostjak. heisst kuruk 
adler, möglicherweise aus derselben würz. 

160. Fin. kur-kku gurgel, kehle, Schlund, hals = hd-kku, — 
ker-o gurgel, Schlund. 

Vot. kur-kku. — Est kur-k g. kur-ku, kur-gu, — kör-i gur- 
gel, kehle. — Liv. kur-k. 

Sv. Lap. kar-aSj kir-s, 

Sjrrj. gor-i-S gurgel. — Perm. gar-S. — Volj. gir-k Schlucht. 

M. Mord, kir-ga hals. — kur-ga mund (kurga-k-stan rülpsen). 
— Enr. kurgo mund. 

Magy. kur-k kehle (in der ältesten spräche). — hör-g kehle, 
nur im plur. hörgök die luftröhrenaste. 

Hunfalvy, utazäs a Balttenger vid. 1,888 führt die form kurk 
an. Budenz szöeg. 250 stellt statt der hier augeführten ung. 
Wörter zu den übrigen ung. torok kehle, Schlund, ostj. für gurgel, 
hals, vog. ttiTy eine gleichung die Blomstedt, Hai. bes. 134 note, 
billigt, obwohl er auch der von Ahlqvist, Suomi n, 1, 8. gemachte 
zusammensteUung von kurkku mit hörg als begründet ansieht. 
Wie aus est. kör-i-se-n röcheln (vgl. ung. hörögni) hervorzugehen 
scheint, hängt das wort mit würz, kar^ kur zusammen und be- 
deutet also: der murmelnde, röchelnde; vgl. f. kur-kio starker 
Strom, kar-i röcheln n:o 151. Bemerkenswerth ist die ähnlich- 
keit mit kslav. krükfi hals = skr. krka kehlkopf. Miklosich lex. 
315, Fick vergleich, wörterb. * 34. 

161. Fin. kur-i Züchtigung, benehmen. — htr-i-ta-n züchtigen, 
strafen. — kur-i-kka ein holz zum schlagen, keule. 

Vot kurikka keule. — Est kar-i rauh, hart, despotisch. — 
kar-i strenger befehl, zucht. — kar-i-n hüten, bewachen, züchti- 
gen. — kar-i'Sta-n züchtigen, strafen. — kar-i-ta-n id. 

Ers. Mord, ker-a-n hauen, strafen. — M. ker-an id. 

Magy. hür-lt-ni ausschelten, hur-o-ga-t-ni. 

R^vai antiquitates 1,76 stellt hüritni zusammen mit hiritan. 
Hängt wohl mit den vorhergehenden zusammen, vgl. kavjun schreien, 
kormutan tadeln, karehdun böse werden. 

162. Fin. kur-as st. ^*akse keule, schwert, messer. 
Vot kur-as messer. -— Ets. kur-aSk id. 

8v. Lap. kor kleiner messer. 



47 

Vgl. Ahlqvist kulturord 67. Im Jurak. Samojed. bedeutet 
hör messer. Siehe kara b:o 126. 

163. Fin. kur-ko der böse. 

Est. kur-i böse, schlimm. ^- kur-at der böse. — Liv. kur-e 
der böse. 

8v. Lap. korr-ok id., bös. 

164. Fio. hir-a link = kura pudi die linke seite, kura käst 
linke band. — kur-i-ttUj hir-i-mus linkhändig. — hur-a link, im 
Suojärwi äialekt, s. Suomi 8,269. 

Teps. hur-a link. — Ett. kur-a, — Liv. kur-a, 
IL Mord, ker-ziy ker-ji, ers. ker-ä link, unglücklich. 
Vgl. f. kurja elend. In mehreren fin. ugr. sprachen herrscht 
die auschauung vom bösen als identisch mit linken, wie auch vom 
rechten = guten, Budenz szöeg. s. 35 note. 

N:o 165—178. kar, kor, ker, kir krumm, rund, kreisförmig. Vo- 
kalsteigerung: käi', kör, kuor, her, kier, kir (dir). Siehe n:o 
170 anm. 

165. Fio. käri bogen. — kär-i-sta-n ein rennthier vorspannen. 
Veps. kür bogen, spant. — Est. kär g. -i, kär g. -u bogen 

und allerlei bogenförmiges, kreis, himmelsgegend, mä-k, krummung 
des ufers. 

Liv. kür, kör bogen, gekrümmtes holz. 

Perm, gar-ö-t-ni, gar-mö-t-nl zwirnen drehen. 

Magy. kar-i-ka kreis, ring, rädchen. — kar-i-ma rand, bord. 

— kar-Tj ranft, bogen, cirkellinie. — kür-tl-ni rädern. 

Vgl. f. kär-a trog, wie f. kau-kdo trog aus w. kuk krumm 
sein, s. n:o 7. 

166. Syij. gur feuerheerd. 

Perm, gor id. — Votj. gur ofen. 

Magy. kür-tö rauchfang, esse. 

Os^. kör L, kSr ofen (Castren), kör, kür (Ahlqvist). — Vog. 
küör ofen. 

Unzweifelhaft aus derselben wurzel wie keri, käri n:o 167. 
Ahlqvist kulturord 102. 

167. Fio. ker-ä knaul, ker-ä-nen dimin. — ker-a folge, gesell- 
schaft. — ker-i umkreis. — ker-ho kreis. — ker-u, ker-ü Sammlung, 
das sammeln. — ker-ä-jä, kär-ä-jä Volksversammlung. — ker-a-mo 
id. — kär-i kreis. — kär-ü, kär-ö knaul. — kär-i, kär-e Umschlag. 

— kär-ä etwas zusammengewickeltes. 

Veps. ker-a knaul. — Vot. öer-ä id. 



48 

Est. ker-a, ker-ä id. — ker-e leib, körper. — kar g. ®a, iv7r 
g. "/ krümmung, wendung. — ker-i rädchen. — ktr-i rädchen, 
Spindelscheibe. — ktr das drehen, steinernes rädchen in der sjjin- 
del, vgl. n:o 172. 

Liv. kcr-a knaul. — kSr rad, kreis. — kor, kür, kövr-ös 
krumm. 

H. Lap. ijär-e-ge-k pl. volksversanindung, enar. kär-i-re-h id. 

Perm, gör-öd knaul. — Sjnj. Vo^'. (/7r holzmörser. 

M. Mord, kir-nä knaul. — ers. kir-e knaul, rund. — kef-as 
honigsscheibe. 

Magy. kör kreis, runde, klm'd um, bei. — kör-däd kreis- 
förmig. — kär-äk kreisrund. — kär-vk rad, die runde. — kär-ü- 
lät umweg, umkreis. — kär-uvk Umgebung. 

0«tj. ker holzmöi-ser für den tabak. 

Budenz szoegy. 62 stellt einige dieser Wörter zusammen, 
damit noch votj. jars Umgebung, umweg, rund, öer. jer kreis, b. 
jirge kreis, Umgebung, j'mjeske rund, verbindend. Siehe doch 
n:o 371. 

168. Fin, ker-in winden, wickeln. — ker-än winden, sam- 
meln, — kär-in winden, einwickeln, kar-ie-Ie-n, kär-i-ske-le-n^ kar- 
äl'tä einwickeln u. s. w. 

Veps. ke^'-in winden. — Vot. övr-in id. 

Est. ker-in aufwickeln, neben einander laufen. 

H. Lap. (/arr-at, kar-at, sv. karr-at, kar-ety uts. kärr-at bin- 
den, zusammenbinden. 

Öer. hr-a-m inserere. — ker-em strick. — k^r-ga-lde-m repli- 
care (manicam). 

M. Mord, ker-sa-n wickeln, binden, fesseln. — kir-i-tufa-n sich 
zusammenwickeln. 

Magy. (ßör-gä-ni rollen, sich wälzen. 

Budenz szoegy. 247 stellt f. kurin mit ung. täkär-ni drehen 
zusammen und erklärt es aus *kädaf'hif welches also eine Ver- 
bindung mit f. kHr-än, kehr-iin spinnen, anzeigen würde. Die vo- 
rige nummer widerspricht doch einer solchen annähme. 

169. Fin. kor-jä'H sammeln. 

Vot. kor-jä-n id. — Est. kor-ja-n id. 

Liv. kuorr pr. kuorr-öb, L. korr pr. kor-id), kor-ch pilUcken, 
lesen. — H. Lap. (tur-me-de-t sammeln. 

Vgl. hr-a-n n:o l(i8, ker-jd-n n:o 184. 

170. Fin. ker-i birkenbast. 



49 

Est. her-e hast. — Syij. k'ir-s rinde. 

Öer. jfcir id. — M. Mordv. her id. 

Magy. ker-äg rinde, schale. — Yog. ker baumrinde. 

Budenz szöegyez. 24 stellt die ugrischen formen unmittelbar 
mit f. kuori zusammen. Sie dürften doch näher zu keri gehören, 
vgl. nämlich f. ker-mi kreis, ring, äussere kruste, ker-ma, ker-tnä 
dünne kruste, schale, sahne. Sonst ist wohl, wie hier angenom- 
men ist, die wurzelform ker = kur in n:o 179, welche eine der wiir- 
zelbedeutungen enthalten dürfte. In dieser weise wäre es möglich 
alle die drei verschiedenen wurzel kar mit einander zu identifici- 
ren, indem die gemeinsame, ursprüngliche bedeutung harfy rauh, zu- 
sammengeschrumpfte gefurcht, gebogen wäre. Aus dieser entwickeln 
sich in verschiedene richtungen alle andere modifikationen. Fin. 
keri und kuon würden sonach sowohl das harte, rauhe, zusammen- 
geschrumpfte als auch das mit ftirctum bedeckte, das den bäum um- 
gcbefule bedeuten. — Tat. keti hast. 

171. Fin. ker-ta mal, reihe, lager, Ordnung. — ker-tä-n zwirnen, 
wiederholen. — ker-to-a id., erzählen. — kei-'ta-us das zwirnen, 
Wiederholung. — ker-ttu etwas zusammengewickeltes = ker-tte-li. 

— ker-tto rolle in der Spindel. 

Veps. kcrd mal, reihe. — ker-ta-n zwirnen. 

Est kor-d, kor-d Ordnung, reihe, schnür, schiebt. — kor-d-ne 

— fach. — kor-da-n, k&r-da-n die reihe halten, durchgehen, wie- 
derholen. — Liv. korda, kür-da mal. 

H. Lap. gär-dde, sv. ker-de, en. kär-de mal, reihe. — sv. 1. 
ker-da-k — fach: akta kerdak simplex. — n. gär-ddo-t, sv. ker- 
do't zwinien, sv. ker-do-te-t wiederholen. — sv. gar-do-t einzäu- 
nen. — SV. 1. kor-to-k tortus. — kar-ts, kar-tsa strick. 

Syij. gar-ta wickeln, umwickeln. — kär-ta-la binden. 

Perm, gar-t-ni, gar-öt-ni zwirnen, winden. — kör-ta-l-nt zu- 
sammenbinden. — kör-tas band. — V0I3. kär-to binden. 

Öer. ker-e-de-m frqv. von ker-a-m inserere. — IL Mord, hr-da 
mal. 

Magy. kör-U-ni umgeben, umzingeln. — kär-i-tä-ni einzäunen. 

— kär-tä-Uni verzäunen. — kär-tä-lät zäun, einzäunung. 

Factiv od. freqventativbildung aus ker, Budenz szöegyez. 68 
führt syrj. karida, votj. körto zu f. köuttu = magy. kötclni aus kö- 
til strick, siehe doch n:o 52 u. 54. Das litt, karten mal acc. karta, 
kart einmal = f. kerran für *kertan, ksl. kratü, wie auch lit. kartä 
reihe, schiebt, ksl. örüta sind wohl lieber zu würz, kart winden, 

4 



50 

drehen, als zu iart schneiden zu ftthren, wie dies Fick wrtb* 
565 thut nach Nesselmann, der Übrigens litt, kartas mit karta 
gleich setzt; sie hängen beide mit skr krt mal in sakrt einmal 
zusammen, zend hakeref vgl. Fick* 1,87. Schwieriger ist die Über- 
einstimmung des lappischen mit got. gairdan, sv. gärda umzäunen, 
zu erklären. Vgl. 175 anm. 

172. Fin. kier-in, kier-u-n sich umdrehen,, kier'i-ske-'le'n firqv. 

— kier-o gedreht, gezwirnt, krumm, schief. — kier-a^ kier-ä hart 
gezwirnt. — kier-u, kier-o Windung, schleunige fahrt. — kier-ic-lc-n, 
Mer-e-le-n dim. frqv. 

Est. kvr-in sich im kreise drehen. — ker das drehen. — kar 
krtlmmung, Windung. — ker-e Windung, faden. 

Liv kier kehren, drehen, wickeln. — kier-ö-mi, kier-i-mi, kier- 
ö'ks Wendung. 

H. Lap. gar-vve-tf gar-we-le-t, sv. kar-re-t herumgehen, vor- 
beigehen, kar-ve-ste-t dimin., kar-va-ta-lle-t frqv. — M. Mord, kc- 
vir-a-n rollen. 

Magy. kär-öUni, kär-ül-ni herumgehen, einen umweg machen. 

— kär-än-gä-niy kür-in-gä-fii kreisen, sich herumdrehen. 

Budenz szoegyez. 22. Vgl. 168, 171, 173. 

173. Fin. kier-tä drehen, zi^imen, rollen, umgehen, kreisen. — 
kier-to drehung, das zwirnen, Umlauf, verstrickendes gras, winde. 

Vot. ötrr-än drehen, zwirnen. — Est krr-du-fna \sirbeln, sich 
drehen. — ktr-i-ta-Uj käi-'U-ta-n umdrehen. 

H. Lap. gir-ddo-t zwirnen. — sv. kir-fe-t herumgehen, sich 
umdrehen, kir-te-le-t frqv. — en. 1. kir-de-Ö fliegen. 

Ers. Mord, kir-te-n zusammenziehen, verkürzen. — ers. ke- 
ver-de-n, m. m. kevir-da-n trans. rollen von keviran = f. kicrin, 
freqventativ u. faktiv bildung von f. kier-in. 

^^SJ' gör-dl-tä-ni trans. rollen. 

Ostjj. ker-e-de-m I., kk-tg-de-m S. zurückkehren. 

174. Fin. kar-tt'ä vermeiden, fliehen. — kär-ta, kar-to krümmung, 
biegung, umweg. — kUr-tä, kär-ra-tt-ä für ^kUr-ta-ttäy biegen, ei- 
nen umweg machen. — kär-tu-a bogenförmig werden. — kär-i-ta-n 
mit bogen versehen, umgehen, dringend verlangen, tadeln. — 
kär-i'tus biegung, umweg = kär-ta. 

Veps. kür-ta-n vermeiden, fürchten. 

Est. kar-t-fna fürchten, sich scheuen. — kUr-d krümmung. 
— kür-e-ta-n bogenförmig werden, mit bogen versehen. — kür-de 
g. ^He unterer rand des daches. 



51 

Liv. kar-t pr. kär-ta-h fürchten, vermeiden — hlr-ta-mi 
furcht. 

Lindström Suomi 1852, s. 35 rechnet hieher niordv. laräan. 
Nach Wiedemann hat aber dies wort im ersadiakkt nur die be- 
deutung: verbieten, hindern. Die obigen formen hängen zunächst 
als factivformen mit f. käri bogen zusammen, n:o 105. 
175. Ein. karta-no hof, hof und gebäude. 

Liv. kär-and, kör-and bauerhof, gehöft, gesinde. 

'S. Lap. gardde ring, kreis. — svl. kiärda, f/arde umgezäun- 
ter platz. — russ. lap. karie-m vorstube vor dem zeit. 

Syrj. karta hof, viehstall. — Perm, karta id. 

M. Mord, kardä Pferdestall, karde-nä dimin. — Ers. m. kar- 
das hof, kardo stall. 

Magy. kärt garten. — K. 0«tj. karta hof, viehstall. — Sotv. 
Vog. karta id. 

Jur. Samojed, Mrad, xürad haus. — Thomsen Gotiske sprogkl. 
121 und Ahlqvist kulturord 105 vergleichen an. yardhr zäun, ge- 
höft, garten, got. r/ardan stall, nhd. garten, litt, gardas bürde, of- 
fener staU für Schafe. Man kann noch hinzufügen got. yard-i-s 
haus, gehöft (ksl. gradu gehege, garten, haus), sowie auch das 
got. verb gairdan gürten. Diese alle, wie auch xOQo-q umgränz- 
ter tanzplatz, xoqxo-s in der bedeutung hofplatz = lat. har-tus 
werden gewöhnlich aus der würz. //Aar, skr. har nehmen, fassen 
hergeleitet. Curtius, griech. etymol* 182, Fick vergl. wörterb* 
440, 570. Die grosse Verbreitung des Wortes in den finnisch 
ugrischen sprachen erweisen es als uralt. Dcazu kommt, dass es 
sich als regelmässige nominalbildung aus der factiven würz, kart, 
kert, kärt umwickeln, umzingeln, einzäunen ergiebt, in derselben 
art wie S)TJ. gort haus gebildet ist, vgl. syrj. garta umwickeln, n. 
lap. garrat, sv. 1. karrat binden, n. 1. gärddet, sv. kerdot zwirnen, 
magy. körltni umzingeln, kärltäni einzäunen. Die endung no in 
karta-no kommt auch sonst im finnischen vor: imeh-no, kupa-no 
Das liv. kära}\d erklärt Lindström MS. 149 aus liv. kära heerde 
mit ableitungsendung nd = f. nto, welche die bedeutung des oert- 
lichen hat (vgl. Ahlqvist, Ableitung der substantiva, Acta soc. 
Fenn. Tom. IX, s. 13). Nach dieser erklärung wäre Awawrf urspr. 
Viehhof, nach anologie des f. karjetta viehstall aus karja, ostj. 
Xuran stall. Die ableitung würde aber dann kärand heissen, und 
sonach giebt die verschiedene bildungsweise einen noch stärkeren 
beweis der ursprunglichkeit dieses wortes, wenigstens auf dem 



52 

ganzen fin. ugrischen Sprachgebiete. Lap. gardde behält noch die 
ursprünglichere bedeutung. 

176. Sjnj. gort, gurt fovea, domicilium subterraneum priscorum 
Syrjaenorum : gort'in domi. 

Perm, gort wohnung. — Vo^. gurt id., jurt zeit. 

Ers. Mord, jurt wohnung, wohnplatz. — IL Mord, jurhia haus, 
wohnung. 

Tatar jört zeit, jurt wohnung. Votj. gurt: syrj. gur = votj. 
jurt: votj. jor-s, ier. jer. gurt, jurt dürfte etwas umgewickeltes, 
kreisförmig gemachtes andeuten, vgl. syij. garta umwickeln, votj. 
jors Umgebung, n. lap. jorr-at herumgehen. — Eigenthümlich ist 
die Übereinstimmung mit skr karia, in jüngerer form garta grübe, 
loch. 

177. Fin. kär-me st. kär-niehe, kär-tne schlänge. — ker-mes ein 
insect. vgl. kür-mü krummgebogen. 

Est vgl. kcr-e g. kür-me Windung, faden. 

Sv. Lap. ker-me-sk, kär-b-ma, kür-b-mas id. — kär-b-nta, 
kur-b-ma, n. 1. gur-b-me schlänge. 

Vgl. f. ker-tni kreis, ker-mi-ttüä sich zu einem kreis bilden, 
ker-i-n winden u. a. Aus kär-ä, kär-ä-mä, kär-ä-möi-nen etwas 
zusammengewundenes, kär-i-n winden, wickeln u. a. geht hervor, 
dass das wort im finnischen ursprünglich ist mit der bedeutung: 
der sich zusammenwindende, ringelnde. Vgl. auch magy. kör- 
mO'ZgäS kreisbewegung, u. a. von kör. Eine eigenthümliche über- 
enstimmung zeigt das litt, kinni-s wurm, skr. krtni-s von würz. 
kar = skar drehen, womit liv. kiermös holzwurm am meisten über- 
einstimmt. Thomsen got. spr. 80, wie AminolT Suomi 9,248 halten 
das litt, wort für das original. — Tawgy samojed. kir wurm. 

178. Fin. kür-mü krumm gebogen. 

Est. kur-m g. kurmu bucht, winkel. — Syij. kur-ja fluss- 
biegung. — Magy. hor-o-g haken. 

Lindström s. 49 vergleicht f. kuru (n:o 179) mit syrj. kurja, 
und es ist in der that eben so wohl möglich dass das wort eig. 
furche bedeutet. 

N:o 179 — 183. Wurzel kor, kur, kir gefurcht, schrumpfig, run- 
zelig, bunt. Steigerung kür, kuor, goar, ktr. Vgl. n:o 151 kare, 
karehtia, 

179. Fin. kor-o, kur-u furche, kleine bucht, spitzige ecke — 
kür-na rinne, welche beim brauen gebraucht wird. — kuor-u et- 
was ausgehöhltes, eine schale. 



53 

Est. kur-ti Winkel, eingang in den keller. 
Perm, k'ir-la, kir-va furche, reihe, ackerfeld. 
Öer. kor-noy b. kor-na weg, Strasse. 
Magy. kor-fi, hor-on furche, — hor-no-k gerunzelte stirn. 
Budenz szöegy. 137 stellt nur horA mit den 5er. Wörtern 
ziLsammen. 

180. Fin. hir-e st. kurehc, kur-o falte, runzel, das schrump- 
fen. — ktir-pput-nm schrumpfig. — kur-ppo-nm haarige schuh (d. 
i. geschrumpft). — ktir-Uu, kur-tti runzel. — kür-ttü falte. 

Est. kur-d g. kur-ru falte. — kür-d zusammeudrehung. — 
kör-c falte. 

181. Fin. kur-o-Uy kur-ä-n, kur-a-se-n falten, schnimpfen lassen. 

— kur-o-fty kur-^i-n zusammennähen, binden. — kur-e-htu-a, kur- 
'B-ntu-a zusammenschrumpfen. — kur-sä-fiy kursa-e-le-ny kursa- 
ste-le-n kraus machen, complimentiren. — kur-ttu-ay kur-ti-stu-a 
schrumpfen. 

Est kor-cu-n schrumpfen, die glätte verlieren. — kw-se-ldany 
kor-ru-ta-Hy kar-cu-ta-n zerknittern. — kör-co-nw, schrumpfen, run- 
zelig werden. — kör-t-mä falten, krausen, bunt nähen. 

H. Lap. goarr-O'ty sv. kor-o-t nähen. — sv. kar-a-se-t per- 
stringi, geschabt werden. — kar-a-sta-tte-t summam perstringere 
cutem. — kar-a-se-m schramme. 

Perm, kor-ni runzeln, schrumpfen. — kör-vi-ni id. — Äwr- 
a-l-m hervorgraben. — M. Mordv. ker-ga-n kratzen, schaben. 

Magy. hor-noUniy hor-noz-ni kerben, falzen. — har-zol-fii rei- 
ben, streifen, wetzen. 

Budenz szöegyez. 597 stellt magy. varr-ni nähen, perm. vur-o 
zusammen mit f. kuor-re. Ahlqvist kulturord 89 billigt dies und 
fügt noch f kurofi hinzu. Möglich dass sie alle zusammenhängen. 
Budenz 138 bringt über dies lap. karaset mit mord. kcrgan, ung. 
horzolni zusammen. — Ostj. Samojed. kurap, kuram flechten. 

182. Fin. kir-ja strich, schramme, zierrath, buntes, 'schrift, 
buch. — kir-jo buntfarbiges, gefleckte kuh, ochsen. — kir-ja-s id. 

— kir-ja-n furchen, striche machen, bunt machen, malen, brodi- 
ren. — kir-joi-ta-n schreiben. — kir-ja buch. — Veps. kir-ja-v bunt 
= f. kirjava. — kir-ju-ta-n bunt machen, schreiben. — Vot. dir- 

ja-va, öir-jä bunt. — öir-ja bunte Stickerei, buch; — Est kir-ju 
bunt. — hr-ju'ta-n bunt machen, schreiben. — kir-jc-s bunte kuh. 

— kir-ja-Vy kir-ja-ka-s, kir-i-va-nc bunt. — kir-i g. kirja buntwerk, 
Zeichnung, Stickerei, bunte fttrbung; schrift, buch. 



54 

Liv. Jcer-a, L. Icir-i Schrift, figur. — Ker-a-bi, L. kir-a-hi 
bunt, Schecke. — ker-a-t, L, kir-i-t schreiben, zeichnen. 

H. Lap. gir-je, gir-ja-Ia-ä, Sv. kir-ja-k bunt. — n. gir-je sv. 
en. kir-je buch, brief. 

Ahlqvist kult. 143 hebt mit recht hervor, dass kirja jeden 
genähten, gemalten od. eingeschnittenen zierrath bedeutet. — Vgl. 
SV. lap. kairaSy kairaves bunt. 

183. Fin. kor-e-a hübsch, prächtig. 

Syij. Perm, gör-d roth. — Perm. gör-da-Ia, gör-da-ma roth 
werden u. w. 

Vo^'. gor-d roth. — gor-d-ma-lo roth färben. 

Lindström 45. Das wotjak. deckt vollständig das f. wort, 
indem gord = f. *k(>reda = Jcorca, Der Zusammenhang mit den 
vorhergehenden Wörtern tritt besonders im est. kör-t-ma krausen, 
bunt nähen, hervor. In der anschauung des volkes ist vorzugs- 
weise die rothe färbe auch die schöne. 

N:o 184 — 185. kor, ker bitten, suchen, sammeln. 

Steigerung: kuor, ker. Es mag dahingestellt werden, in wel- 
chem zusammenhange diese w. zu n:o 169 korjän sammeln, steht. 

184. Fin. ker-jä-n betteln, ker-jä-e-Ie-n frqv. 
Vot. ker-ä-n betteln. — E«t. ker-ja-n, 

K. Lap. gär-jo'dety uts. kcr-ji-di-t id. 

Syrj. kor-a bitten. — Perm, kor-m bitten, fordern, zusammen- 
rufen. — kar-Ii-ni, kor-vim ausbitten, vgl. kel-tnan, kev-man bitte. 

Votj. kur-o bitten. — kur-a-lo, kur-aä-ko betteln. 

Magy. ktr-ni bitten. — ker-ät bitte. — ker-ä-gät-ni betteln. 

Budenz szöegyez. 20. Ahlqvist Suomi 1863, 8 führt kZrtii 
und kerdeni zu f. kärtä-n jammernd bitten, welches doch zunächst 
mit kärtü ungeduldig, als subst. brandgeruch = kärü, karu zusam- 
menhängt. Wurzelhaft dürften sie allerdings verwandt sein. 

185. H. Lap. guorr-aty gtiorr-a-de-t suchen. 

Syij. kor-sa id. — Perm, kor-alni werben. — kora-sem freierei. 
Magy. kär-äs-ni suchen, fordern. 
Budenz szöegy. 21. 

186. Fin. kärs'i-n leiden, dulden. 

Vot. {'ärs'i-n id. — H. Lap. gierdd-e-ty sv. kierd-e-t, uts. 
kierd-a-t 

M. Mord, kird-a-n halten, ausstehen, leiden. 
Öer. kerd'ä'fn, kird-ä-m können, vermögen. 
Magy. hard-a-ni tragen. 



55 

Budenz szoegy. 136 theilt har-da-ni und vergleicht dies mit 
f. kuor-md, 

187. öer. kur-am, kur-mo lebenszeit, alter. 

Magy. kor alter, zeit. — kor um die zeit, um. — kor-a, kor-än 
bei Zeiten, frühzeitig. — kor-äö Zeitalter, jugendliches alter, früh- 
geburt. 

Budenz szöeg. 45, 46 stellt kora mit f. korkea hoch zusam- 
men, indem er auf die ausdrücke ak-kora, äk-kora so gross, so 
alt, und jö'kora ziemlich gross verweist. Der tibergang der be- 
deutung hat aber etwas bedenkliches. Ob est. korraline gehörig, 
gilt, passend, korraldaza zu rechter zeit, in gehör. Ordnung, welche 
doch zunächst ableitungen von kord = f, kerta Ordnung, reihe ei- 
nen Zusammenhang mit den obigen haben? 

188. W. Lap. gar^^e, gar^es, sv. karges, kuröok eng. — n. 
gar^^'O't, sv. karöö-o-t eng werden. 

Magy. karöü schlank, mager, dürftig. — karö-ül-ni, karö- 
üd-ni sclüank werden. 
Budenz szöeg. 9. 

189. Lap. kor-det nocere. 

Magy. kär-ol-ni für schade halten. — kär-oä schädlich. — 
kär-o^-od-ni schaden leiden. — kär-oä-U-ni schaden zufügen. 

Budenz szöeg. 8. Ich habe im Wörterbuch von Lindahl-Öhr- 
ling kein kordet mit dieser bedeutung gefunden. 

N:o 190 — 199. kal, kol, kul, kil rasseln, klappern, klingen, brau- 
sen, heulen, schreien, rufen, weinen. Erweiterung kalk, kcdsk, 
läpp. skil. 

190. Fin kcd-aja-n, kcU-ün, kcd-i-se-n, kal-i-sta-n rasseln, klap- 
pern. — hü-a-htä mom., kaUahu-ttä fact., kal-a-hte-Ie-n frqv. — 
kaU-a-htü plötzlich klappern. — kal-e, kal-i, kd-i-na das rasseln. 
kall'O'ttä laut weinen. — koUi-se-n, koll-a-htü rasseln. — koUo 
dumpfer laut. — hd-ä-n, kul-a-ja-n, kul-i-se-n porlen, brausen, 
klopfen. — ktd-a-htä mom. — kul-Uj kuUi-na braus, porlen. — kd- 
O'ttä t<)nen, schwingen. — kil-aja-n, kil-i-se-n, kil-a-htä klingen. — 
kii-fy kil-i-nä klingel. 

Ett. kaUin rasseln. — kol-a schall. — kel-a-hta-ma einen 
schallenden schlag versetzen. — kol-a-htti-ma plötzlich schallen. 
— koUa-ma schlagen, rasseln. — keU-a-ma schallen, klingen, tö- 
nen. — kil'i'Sta-n klingeln. — kol-i-se-fna, kol-i-sta-ma lännen. — 
koUa-nm tönen, schallen. — köl-a schall. — köl-i-se-ma ertönen, 
klingen. — kötl, köl-u klang, schall. 



56 

IdT. kill klingen, erschauen, ganzen. — kH-t läuten, glän- 
zen. — kol'i rauschen (von wellen). — kol-üjs stark, laut. — kll-^^i 
laut, glänzend. — H. Lap. skUI-a-t klingen. 

Perm. goF rassel. — gol-e-t-nl, got-t-t-ni rasseln. 

Vgl. f. kül-e-n hören. — Skr. wurzel kal sonare. 

191. Fin. kal'kkä, kal-kku-a rasseln, klopfen. — kcd-ku-ta-n faet. 

— kal-kka, kal-kku, kal-kkio, kai-ke das rassehi, hämmern, klopfen. 

— kal-ka-htü vb. mom. — kd-kka-n rasseln, klopfen. — kol-ka-htä 
mom. — kd-ke klang. — kel-ku-ttä, kd-kn-tta etwas klingen. — 
kilrkeä klingenfl, schimmernd. — kil-kka-ise-n rasseln, knirschen. 

— kil-kkäj kil'kkä-n, kil-ka-htä, kil-ka-hie-lla, kH-ka-tiU, kil-ke-tia, 
kilrke-hta, kil-ke-Uä, kil-kc-ie-lhi klingen, klirren. — kil-ke klang. 

Est kil-ga-ma anschlagen (von hunden), klaffen, aufschreien, 
vgl. kil-gu-ta-ma schreien (beccasine); kil-k geröcht, gerede; kil- 
ku-ma ein gerttcht verbreiten. — koUgu-sta-ma anklopfen. — kol- 
ki-ma klopfen, schlagen. — köUgu-ta-ma klopfen. — köl-k lärm, 
Unruhe. — kol-ks schlag. — köUkmu-ma klingen. — köl-ku-ttm 
klatschen. 

H. Lap. skil-kke-t klingen. — n. goal-ko-te-t, sv. kol-ko-tc-t, 
enar. koUku-te-ö klopfen. — utsj. kotH-ku-ti-t, dodl-ku-ti-t klopfen, 
hämmern. 

M. Morrf. kaJtian klopfen, stampfen und magy. koltantaui 
klopfen, zeigen wegen des Suffixes ta, ti grössere ähnlichkeit mit 
litt. Ä-o/e), kdl'ti schlagen, schmieden, hämmern, kal-vis Schmied, 
kalrat-oti hämmern, prügeln, ksl. klati pungere. Miklosich lex. 
288, Fick wörtb^ 565. Man hat sie aus einer europäischen würz. 
kal schlagen, brechen = sk. kar schneiden hergeleitet. 

192. Fin. kal'Skü rasseln, klappern. — kahske subst. — koUskü, 
kol-sku-a, koUska-htä klappern. 

193. Fin. kol'kka, kol-kku stössel, riegel, kurzes rüder, stump- 
fer pfeil; Winkel, ecke. — kal-i-kka stab. — kal-ju dicke Stange. 

Vot. kol'kka ecke. — Est. kolk g. kotgi klotz, klötzchen, 
dreschflegel, klopfbrett. — kol-k winkel, ecke. 

Magy. köl'jü, köl-ii stampfe, hanfmtihle. 

Budenz szoeg. 56. Das est. kolk, welches er auffährt, hat 
doch nach Wiedemann wTtb. 366 nur die bedeutung winkel, ecke 
u. 8. w. 

194. Fin. kal'C-va der name eines mythischen wesens, vater 
Wäinämöinens, Ilmarinens und Lemminkäinens. — Kdeva-la hei- 
math der Kaleviden; namen des finnischen nationalepos. 



57 

Est. Jcal-e-ri. 

Schon Agricola, im Vorwort zum psalterion von jähr 1551, 
nennt die Cdevanpoiat die kalevisöhne. Ganander fasst kaleva 
als namen eines Riesen, vater von Wäinämöinen u. s. w. Castren 
vermuthet, dass die bedeutung ursprünglich Iwld gewesen, wie das 
türk. ähp. Verschiedene deutungen sind seitdem gemacht wor- 
den. Das wort lässt sich doch regelrecht aus der wurzel kal ras- 
seln, glänzen, als adjektiv od partic. praesens herleiten, und 
stimmt somit sehr passend als epitheton fllr IJkko, den höchsten 
gott = der donnernde. Daher heisst auch orion kahran miekka k. 
scliwert, der blitz = k. fuli oder valkm k:s feuer. Vergleiche hier- 
über: 0. Donner, Suomi II, 5 s. Iü8, abhandlung über Kalevi- 
poeg und Kullervo. 

195. Ein. kal-jü-n sausen, heulen. — kal-ja-htä schreien. — kil- 
ju'fi, kil-ja-ise-n laut schreien. — kil-ja-htä schreien, zischen. — 
kil-ju geschrei. — kaU-o-ta-Uy koll-o-ta-n laut weinen. 

Est. kaf-ju-ma schreien. — kil-a-ma aufschreien, kreischen. 

— kil-JH-ma schreien, kreischen. — kll-u-ma schreien, jauchzen. — 
kU-fja-ma, kil-gu-ia-ma aufschreien. — kil-ku-ma ein gerUcht ver- 
breiten. — kil'k gerUcht, gerede. 

8v. Lap. kil'jo'i, enar. kil-jo-ä clamare. — sv. kll-ja-te-f, enar. 
kil-ja-de-Ö laut schreien. 
Ostj. keUe-m weinen. 
Castren ostj. gram. 

196. Ein. kcll'O glocke, das läuten. — kol-o dumpfer ton, glocke. 

— kid'Hy ktd'i glöckchen. — krU-na id. — kiil-ku, kol-kka, kil-kku 
glocke. — kal'kka, kal-kka-la das rasseln, schelle. — kal-kka-lo, 
kal-kka-na, knl-kka-ra, kcd-kka-re schelle. Vgl. kcl-kku hängender 
klingender gegenständ; kdikka ein klingendes stück, eisscholle 
= est. käls, 

Veps. kd-e glocke. — Vot. r-eUä. 

Est. kell glocke, klingel, gerücht. — köl-a hölzerne viehgloche. 

— kid'in, kid'i'Siw, kuT-jus schelle. 

Liv. ktUa, käl-a glöckchen. 

Sv. Lap. kol'k glöckchen. vgl. kolkoUi klopfen. 

Magy. kol-amp blechschelle, vieliglocke. 

Thomsen got. sprogkl. lx>3 betrachtet f. kello als entlehnt 
von an. sk^^lla, ahd. scellä tintinnabulum. Miklosich lex. 287 hält 
sl. klcdxolu durch reduplication entstanden, Fick wörtb* 566 sieht da- 
rin, wie in dem verwandten litt, kankalas glocke, schelle eine inten- 



58 

sivbildung aus kal, wie russ. kolokol, ksl. Uakolü aus einer litto- 
slav. Urform kalkala. Da diese aber mit so vielen nebenformen 
im fin. vorhanden ist, muss man ihm wenigstens einen genuinen 
Ursprung auf diesem gebiete zugeben, wenn man nicht auch die 
slav. Wörter für entlehnt annehmen will. 

197. Fin. kU'kki grille, heimchen. 

Vot. öil-öi id. — Est. kit-k id. vgl kükuma ein gerttcht ver- 
breiten. 

198. Fin. kil'ka böser geist = kil-lo, kilo = kill-i böser geist, 
riese, wild. 

Syij. kut böser geist. — Perm. hiT, kut-a der böse geist. — 
kuta kuta streit, zank. 

Ostj. kut böser geist. — Konda Vog. hd id. (Hunfalvy, 49). 

199. Fin. kiel'i zunge, spräche, saite. 

Veps. öel id. — Vot. öil id. — Est. kel zunge, spräche, saite, 
schlinge. 

Liy^ kcl pl. kiehd, kiel, keil zunge, spräche, glockenschwengel. 

K. Lap. giel, giela, Sv. kiel, kiäl, Uts, kieU-a spräche. — K. 
kiäl^d, Sv. kel'd saite. — K. f/iell-a, Sv. kiäl schlinge. 

Syij. kl instr. kil-än zunge, spräche. 

Perm, k'il, Mv id. — Votj. kil id. 

Ers. Mord, kel, m. käH, käl zunge. — Öer. kd, b. kil saite. 

— Vog. kuall'C saite. 

Turk. kil, tatar. fa7 saite, niong. kele, kelc zunge. Budenz 
cseremisz szötär 21 hält das Cer. wort für entlehnt aus dem ta- 
tar. Die urspr. bedeutung ist ohne zweifei: die schaUetide, Da- 
durch werden in vortrefflicher weise die zwei einander sonst so wie- 
der streitenden bedeutungen vereinigt. 

200. Fin. kiil-e-n hören. — kfä-te-le-n :zr kün-te-le-n frqv. dim. 
gehorchen. 

Veps. kül-e-n hören. — Vot. kül-e-n id. horchen. 

Est. kül-e-n hören. — Liv. kül-ö, kill id. — kül der laut. 

K. Lap. guU-a-t, sv. kull-a-t, uts. kull-a-t id. 

Syij. kila. — Perm, mil-i-nl, kiw-'i-nL — Votj. kil-o hören. 

— k'il'zo horchen. 

Ers. Mord, kul-tso-no-n hören, horchen, m. kut-a-n, kut-hta-n 
hören. — ers. kut-a nachricht, botschaft. — kul-a-vton verkün- 
digen, kut-a-vo-n verlauten. — m. kut-fs'i-nda-n gehorchen. 

Öer. kol-a-n, kol-o-^fa-m hören, gehorchen. 



59 

Magy. haU-a-ni hören. — haU-gat-ni gehorchen. — hall-am 
der laut = f. külana gerücht. 

. Ostj. xüä-e-ml,^ ind-e-m S. hören. 

Vog. hol-, kuol, kül hören. — kvon-tel-, D. kuon-tU gehor- 
chen, konda xoti-tle-m (Hunfalvy). 

Ahlqvist Suomi II, 1, 8. Budenz szöegy. 97. Die finni- 
schen und Ostjakischen formen zeigen eine schöne Übereinstim- 
mung in dem Übergang von / zu w, wie dies öfters im syrjäni- 
schen geschieht. Die ganze vokalisation dieses wortes lässt ver- 
muthen, dass es in Verbindung mit wurzel kal, kil zu bringen ist; 
das ung. hallam laut ~ f. kulcma gerächt, das gehörte, zeigt gleich- 
sam den Übergang. 

N:o 201 — 214. kal, kol, kul, kel kil glatt, glänzend, blass, kalt. 
Steigerung: kül (häl), kxwl, kuel, kil. 

201. Fin. kal'vn glatt, schlüpfrig, kahl. — Aa/-/, kd-ju glatt, 
eben. — kal-in glatt machen, kal-e-un glatt werden. — kal-ja-in 
schlüpfrig. — kal'ja-kJca id., kahl. — kall-a eisbahn (isgata). — 
kal'ja-ma, -nw, -nne eisbahn, Schlüpfrigkeit. — kai-si, kal-ta schiefe 
Stellung. — kal'to, kal-tto eisbahn, haut. — kel-i glatte, ebene 
Schlittenbahn. — kel-eä, glatt, leicht. — kvl-vä glatt (k. tila glatte 
bahn), leicht. — kvl-o in kelo pR abgeschabte führe = glatt. — kol- 
oia schinden. — kol-i kahl, Schlüpfrigkeit. — kil-o sarri bahres, 
haarloses hom. 

Est. köl-e g. kol'f'da glatt, trocken. — kll-as glatt, glänzend, 
vgl. f. kllo, 

M. Mord kol'is nackt, kahl. 

Litt, kd'i-as und kel-ij-s weg, lat. call-i-s weg hängen mit 
TceX-Bv^o-g pfad zusammen, aus w. kal = skr dar gehen, sich be- 
wegen, und ist also nur zufälliger ähnlichkeit. Lat. calrus ~. skr. 
kulva kahl, vergl. mit skr khalaii, khalräta werden auf die w. skal, 
öTcakXa schaben, scharren, zurükgeführt, A. Fick, Spracheinheit 
der Indogemianen Europas, (iöttingen 1873, s. 78. 

202. Fio. kala fisch. 

Vepa. Vot. Est. Liv. kala id. 

K. Lap. giioUe, sv. kuele, uts. kmlli id. 

Mok. Ers. Mordv. kal id. — 6er. kol. 

Magy. AaZ. — Ostj. kid S., xuf, — Vog. kul, konda jrul (Hun- 
falvy). 

Ahlqvist, Suomi II, 1,8. Budenz szöegyez. 93. — Jur. Samojed. 
hule\ hüka, Tawg. kole, Ostj. kuelj kuele, Jenis. kale Ch., kam. kola. 



60 

203. Fin. kda-säski die weihe (glada). 
Sv. Lap. kiiolck id. 

Syij. kala. — Ers. M. Mord, kaval weihe (milvus vulgaris). 
Magy. halä-ska meennöve. 

Aus n:o 202 gebildet. — Vgl. Turkm. xcdu-mergen, Mongol. 
kal'fncrgcn fisch-adler. 

204. Fin. kaU-o himschädel. — koU-o schädel, hUgel. — kall- 
oifieti diin. Schädel, eisbelegt, schltlpfrig, vgl. kaUa eisbahn und 
kaiipä, koUpä kahles köpf. 

Est. kol'U köpf, knöpf. 

Sv. Lap. kaü-o stim, antlitz, enare käl-ti, kall-u stim. 

Ers. Mord, kol-gan schädel. 

Vgl. f. kalea glatt, kahl = kaU, koli, kalju. Lönnrot sana- 
kiija 466, vergleicht lat. calva, sv. skalk, russ. roJiOBäy und für 
die bedeutung hUgel 712 sv. kulle, lat. coUis, Sonst ist der be- 
deutungsttbergang derselbe wie im lat. calva schädel aus cdvus 
kahl, jenes in Übereinstimmung mit skr khal-a-ti-s, kfud-v-ä-ti-s 
kahlköpfig. 

205. Fin. kM-io fels, klippe. 

Veps. kall-i fels. — Est. kat-ju fels, klippe. — dorpt. dial 
kaä g. kailu. 

K. Lap. gall-e, sv. k<Ul-o, en. kalk id. 

Ers. Mord, kal-ac id. 

Lönnrot sanak. 465 vergleicht lat. collis, sv. kulle. Thom- 
sen got. sprogkl. 120 vermuthet an. Mla planus lapis = got. 
*halljö, vgl. got. hcUlus nerga, an. hälk mons, lapis. Am näch- 
sten steht das fin. wort kai-ju = kali, kalea^ glatt. 

208. Fin. kd-vo haut, häutchen, silmän kdvo dünne haut, 
staar im äuge. — kel-me, kel-mu, kel-si häutchen. — kä-mu hell- 
graue lamelle. 

Est. kel-ftie dünne haut, mahl auf dem äuge. — kd-u, kd-e 
mahl auf dem äuge, grauer star — köl-d dttnne haut. — Liv, 
kd-g staar im äuge. 

Sv. Lap. kd-a-t von einer membrane Überzogen werden. 

Perm, kil' häutchen, hülse, ährenspitze. 

Magy. häl'jog der staar im äuge. 

Budenz szoegy. 100. 
207. Fin. kil'cä klar, glänzend. — kil-o schein, glänz. — kll^u 
id. — kil-akka etwas glänzend. — klt-i-atä, kll-o-sfüj ktl-o-tiä glän- 
zen. — kil-to glänz, schein. — klUo-ttua glänzend, läufisch (von 



61 

hunden) werden. — kll-ua glimmen. — kil-iso-ttä sclieinen. — kil- 
Jceä schimmernd. — kil-kn-ttä, kil-ke-ttä klingen, leuchten, funkeln. 
— kll-tä glänzen. 

Est kil-ge leuchtfeuer am ufer. — kä-f/e-nda-n leuchten, fun- 
keln. — kll-a-n glänzen, glatt sein. — kil-as glatt, glänzend. — 
kil^us glänz. — M-U'Sta-n glänzen, schimmern. 

Liv. lat-as glänzend. — klt-ast glattem, glänzen. — kill er- 
schallen, glänzen. — kil^-i laut, glänzend. — kil-t läuten, glänzen, 
vgl. magy. kilim buntfarbiger teppich. 

Schott Alt. stud. 5,88 ist der ansieht, dass kcha wie klltä 
auf dem finn. gebiete genuin sind, so dass k-lt und selbst das ger- 
manische (/elb zu dem (jtilt, gilb der Mongolen in gute glänz, leuch- 
ten (f. kilto), gilbaya und gilbina id. sich so verhalte wie f. roZ- 
hea zu magy. vHüg, 

208. Fin. kal-mu = kal-me-a leichenblass. — kd-tne, kd-nie-u-s 
blasse, bleichheit. — kaUve-a, kcU-va-s, kal-iei-nen kühl, schatten- 
reich, blass, bleich. — kat-va-ka-s, -va-kka etwas Mass. — kal-pe-a 
blass, kalt. — kul-pe-a id. — kul-e-a hellgelb, blass, glänzend. — 
kid-a-hka etwas glänzend. — kut-a-stu-a blass werden. — keUmc-ä 
blass. — (vgl. kil-mu hellgraue lamelle). — keUta gelbe färbe, ÄT//ai- 
nen gelb. — kel-ve blass, leicht, gering. 

Est kol-d g. kolhy koU g. kol-de gelbe färbe. 

Syij. kel'ji'd blass. — Perm, k^t-d-nl blass werden. — ket- 
dö-m blass, verwelkt. 

Öer. kul-a gelb. 

Magy. hal'Vä'U, hal-o-vä-n bleich, blass, kränklich. 

Castren gram. syrj. 143 vergleicht syij. kel-ßd mit f. kelta, 
Ahlqvist kulturord 82 derivirt das letztgenannte aus lett. gelta 
gelbe färbe, geltas, geltonas =z d. gelb, sv. guL Miklosich lex. 
paleoslov, 200 derivirt litt, geltas, ksla. zlütü, nslav. zolf, aus skr 
ghar leuchten, wovon auch xoJii] lat. helus, ahd. gcUla, lit. zelu 
viresco stammen, vgl. d. gil. So auch Pick vergl. wört.* 69, Cur- 
tius u. a., siehe f. kulta. — Vgl. kahna n:o 222. Budenz szöe- 
gyez. 99 stellt nur f. kdvea, syrj. keFid und magy. halvän zu- 
sammen. 

209. Fin. kuUo verwelktes gras. 

Est kul-u altes ungemäht gebliebenes gras. — köl-u hülse, 
verdorbenes heu. — Liv. kul vorjähriges gras. 

Ers. Mord, kul-o, m. kul-u flockasche. 

Konda Vog. xuF-em asche. 



62 

Vgl. f. kuUea hellgelb, blass, est kul-e-n, kul-u-n, hd-e-ha-n, 
kuUe/Uu-nia welk werden, abbleichen, verschiessen. 

210. Fin. hil'U-n abnehmen, sich vermindern. — hul-u-ta-n fact. 
abmetzen, verzehren. — hul-xi abgang. 

Vot. hul-u-n sich mindeni. — hd-u-tn-n fact. 

Est kul-e-n, ktd^-^i, kuUe-Jui-nf kul-e-htu-ma welk werden, 
abbleichen, verschiessen. — kuUu-n sich abnutzen, verbraucht wer- 
den, verschleissen. — kul-u-ta-n verbrauchen. — kul-u abgang, 
verbrauch. 

Liv. kuU p. kul'ub verbraucht werden, sich abnutzen. — hd-t 
fact. — kut-tö-mi, kuUii-mi verbrauch. 

K. Lap. gol-a-t abnehmen. — gol-a-te-t fact. — uts. kol-a-tti-t 
abnehmen lassen, verbrauchen. 

Ers. Mord, kal-a-do-n verfallen. — kaUad-mo verfall, ruin. 

— ers. kol-a-n brechen, m. koUan zerbrechen. 

Magy. köl-tä-ni verbrauchen. — hulUa-ni fallen, herabfallen. 

Vog. koUa-ni abnehmen, sich mindern. — kol-ta-m fact. 

Budenz szoegy. 55. vgl. f. kulo und kuolefi. Es liegt nahe 
hier einen Übergang des begriffes blassj k<dt in den des welken, 
dbbUichen, verfaUen, sfet-ben zuzunehmen, zumal da die wurzel und 
deren Veränderungen damit völlig Uberenistimmt. Budenz 166 
fuhrt magy. hullani zu f. satü, indem er es als assimilirt aus 
*hud-la'ni, wie heszeUeni für heszedleni, üllni für üdleni, erklärt. 
Kein directer beweis dieser assimilation ist doch vorhanden. 

211. Fin. kfwUcfi sterben. — kuol-o, kuol-e-nia tod. — hioUi-ja 
der todte. 

Veps. kol-e-n sterben. — kol-i pl. kol-i-al leichnam. 

Vot. köUe-n sterben. — Est kol-e-n id. — Liv. kuol-ö. 

Syrj. kul-a, Votj. kul-o, Perm, kul-m, kul-al-nl, kuv-av-n7, 
kuv-ni sterben. — Syij. kid-äm, Voy. kulem, kulon tod. 

Ers. Mord, kul-'i-^n sterben. — ; ers. kul-o-mo, m. kid-a-fna 
der tod, kul-a todt, ers. kid-oz todt. — Öer. köl-e-m sterben. 

Magy. hcd-ni sterben. — lud-al tod. — hcd-üs das sterben. 

— hcd-ö sterbend. — hcd-va, hol-t todt. — hidl-a leichnam. 

Ostj. kad-e-m, %ad-e-m I., xad-e-m S. sterben. 

Vog. kal-e-m, D. kcd-etn, kuol-e-m id, Konda xol sterben, ver- 
gehen, xol-t tödten. 

Schott, Das Altaische Sprachengeschlecht 326, Budenz szo- 
egy. 94. — Jur. Samojed. Jmdm sterben, Ostj. sam. kurme todt, 
Jenis. Sam. käro\ kädo' sterben. 



63 

212. Fin. hlhnä kalt. — külmüs kälte. — hlhnä-n, külm-in kalt 
sein, frieren. — hühthe-ne-n kalt werden. — kühne-Ui-n, külme-iü- 
tfi-n fact. — kilbne-ntü'ä allmählig kalt werden. — külmi-sfä-n 
kaltsinnig machen. 

Vot. dülmä kalt, kälte, frost. — öutmä-sä-n kälten. 

Est kühn kalt, kälte, frost. — külma-ma, külme-ma erkalten, 
frieren, külnie-ta-ma fact. — killme-tus frost. — küJmus, kitim-dus 
kälte. 

Liv. kühna frost, kälte, kalt. — külma frieren. 

H. Lap. galbma-f, galbfno-t, sv. kalme-t frieren, kalt werden. 

— n. galma-s, sv. kaltna-s, uts. kcüme-s kalt. — n. galbma kälte. 

— en. kolma kalt.' 

Syij. km fttr *k'inm = *k'fbn kalt. — perra. km gefroren. — 
kium7'7u, klmna-nl frieren, kalt werden. 

Votj. kün id. — kün-mo frieren. 

Ew. Mordv. kehm, m. kehnä kalt. — ers. kcTme-^n, kefm-se-n, 
m. kebna-n frieren, kalt werden. — e. kehtw-t^ie-n, kcffne-vte-n, 
m. kcbni-fta-n abkühlen, erkälten. — ers. keHme-vte-vo-n kalt wer- 
den. — m. kelmi'S reiffrost. 

Magy. kormä'd'ni halb frieren. 

Budenz szoegyer. G3. Die vokaldifferenzierung zeigt sich aus- 
ser im lappischen auch im fin. kaUve-a, kal-pc-a kühl, kalt, blass. 

— koUeUj kol-akka krachend, kalt. — koUo, kol-u kühl, kalt. — 
knl'pea blass, kalt. — Zu derselben würz, gehört wolü auch mag}'. 
luä-ni erkalten, sich erkUhlen; JJuv. kll kälte; mongol. kfd kalt, 
korökö zu eis gefrieren, köldekö erfrieren; burjät. kämiän, xöniep, 
%umepj kurnäp gefrieren. 

213. Fin. kol'U düster, kühl. — kol-kko dumpf tönend, schauer- 
lich, rauh, kühl, störrisch. — kol-e-a, kol-akka rasselnd, kühl. 

— kot-ei-nen adj. moder. — kol-i-siu-n scharf, uneben, kühl 
werden. 

Est. koUe gen. kol-eda schauerlich, öde, wüst. 

Die obigen Wörter wie n:o 212 vermitteln den Zusammen- 
hang der beiden w. kd schallen, tönen und kal kalt, blass, kühl 
sein. Es ist dies eine passende analogie zu w. koi dumpf tönen 
u. schallen, n:o 25. 

214. Fin. kü mond, monat. — küta-ma mond. — küta-mo = kün 
ralo mondschein. 

Veps. kuda-i, kuda-im mond. — Vot. kü mond, monat. — 
Est. Liv. kü id. 



64 

Ers. Mord. Tcov, m. Tcav, kau mond, monat. — ho-voido mond- 
schein. 

Magy. liö = hava monat. — hold mond, weisser streif an der 
Stirn eines pferdes. — lüj-nap = hold-nap monat (eig. mond-sonne). 
— hol-nap der morgende tag. — hol-val (casus comitativ) in der 
frühe. — Iholda-i morgend. 

Ostjj. xoda^ morgen, xodaj-xunt morgenröthe. 

Vog. kolitä der morgende tag, morgen. 

R^vai, antiquitates 1,76, führt ein läpp, wort hold, kdd an, 
mit der bedeutung mond. Hunfalvy, Török magyar es fin szök 124. 
Ahlqvist, Suomi 11, i. 8. Budenz^ szoegy. 127, 128. Die ugri- 
schen formen zeigen unzweifelhaft, dass das wort in Verbindung 
mit würz, kal glänzen, scheinen zu bringen ist. Fin. küta-nw und 
magy. hold sind Weiterbildungen der variirten wurzelform fco/, kid 
mit Suffix ta wie in kll-tä aus kil; kütamo mit doppelter suffixbil- 
dung stimmt vortrefflich zu perm. ket-dmn ^kcUtö-mo blass (n:o 
208). Auch Hunfalvy, utazas a Balttenger videkein l,84i ist der 
meinung, dass kü eigentlich glänzend bedeutet, womit er passend 
ung. hüd Stern vergleicht. Wenn er aber nach Budenz szoegy. 
144 damit noch vog. %us, kus = ostj, %üs, S. kids verbindet, wozu 
noch syrj. ko^-uv, votj. kiz-i-li, perm. A*^^-S stera kommen, so 
kann ich ihm hierin nicht beipflichten. Diese scheinen lieber zu 
der in f. ki^-än, mord. kis-lc-n, Cer. kuB-te-m spielen, tanzen (n:o 
100) liegenden wurzel geführt werden zu müssen, so genannt we- 
gen der unruhigen zitternden bewegung der steine. — Tawgy 
samojed. heisst mond htada. 
215. Fin. kulta gold. 

Veps. ktdd, — Vot. kidia, — Est. kuld gen. kuUa. — Li7. 
külda, 

H. Lap. (jolle, Sv. kolk, kulle, üts. kolli. 

Vgl. Öer. hda gelb u. a. 

Ahlqvist kulturord 64, Thomsen got. sprogkl. 125 betrach- 
ten das got. gulthas als Ursprung dieses Wortes und an. guU als 
original der lappischen form. Sclileicher, Hildebrands Jahrbücher 
f. nationaloek. l,4io hat zuerst got gulth, slav. zlato aus einer 
grundfonn ghar-ta würz, ghar leuchten, brinnen (Pt. Wrtb. 2,881) 
hergeleitet; vgl. Y'ick vergl. wörtb.^ 69,520,747. Curtius ginind- 
züge* 185 stellt zu derselben wurzel auch skr hir-ana-^ny hir- 

anja-m, z. zar-anu, sar-anjaj gr. XQ^^^S* XQ'^^^^'^* ^^^ '^^- ifO ^"" 
tum, wovon lü-teu-s goldgelb. EigenthümUch ist das von den 



65 

übrigen europ. sprachen abweichende suffix im giiechischen, San- 
skrit und zend, sowie der selten zwischen den europäischen glie- 
dern eintretende Wechsel gr. q =: got. slav. 1, vgl Lottner in Kuhns 
Zeits. VII, 19. Wenn hiezu kommt derselbe Wechsel in dem litt. 
(felfas gelb, verglichen mit slav. zr-e-ti, litt, zer-cti glänzen, würz. 
ghar, ist die möglichkeit einer finnischen einwirkung auf die nord- 
europ. sprachen nicht ausgeschlossen. Auf fin. gebiete haben wir 
die Wurzel hol, kil, hui glänzen, gelb, hell scheinen; hul-ta ist mit dem- 
selben suffix wie in magy. liol-d = f. hü = H-ul-ta gebildet. Auch 
nach Asien streckt sich dieselbe wurzel: kam. samojed. Ä7>/a kup- 
fer, siri hola (weisser kupfer) messing; Min. Tatar, hola messing, 
Burjät. güTe messing, hulu hellbraun, vgl f. hulea, kulo. Da aber 
niagy. arany ohne zweifei lehnwoit aus einer eranischen spräche 
(z. zaranjam) ist, und die Ugiier in nicht allzu entfeniter zeit in 
Verbindung mit den Übrigen finnischen völkeni gelebt haben, scheint 
dies eine andeutung der art zu sein, dass die fin. ugrischen stamme 
das gold erst durch berührung mit Indoeuropäern kennen gelernt 
haben. Auch im syrj. kommt das letztgenannte lehnwort vor, das 
gold heisst darin zarn, im mordv. siniä. 

N:o 216—217. hol, hol, kul, hil fliessen, gehen. Steigerung: hül, 
hucH, hül, 

216. Fin. häü-ti gehen, gähren, häv-e-le-n dim. frqv. — häü-üä 
fact. gehen, gähren lassen, anwenden. 

Veps. häu-n gehen. — Vot. öäü-n id. — Est häu-^), hni-n 
gehen, in bewegung sein. — häi-ta-n anwenden. 

K. Lap. gävv-a-t gehen. — gov-di-dct aufstehen (die sonne). 
— fact. N. L. gäv-a-te-t, sv. häv-e-te-t, p]n. haw-a-ted gebrauchen, 
anwenden. 

Perm, hd-ni, hev-ni sich vorwärts schleppen. — Votj. h'iU 
d-e-n aufstehen. 

Ew. Mord, het-a-n, m. hät-a-n gehen, waten. 

Öer. haj-e-m, b. hej-e-m gehen. 

Magy. hcU-ni, kel-ni, höl-ni gehen, sich erheben, aufstehen, pa- 
loczer dial. käu-fii, — häl-tä-ni, köl-tä-ni wecken, ausgeben (geld). 

Osy. hid-e-m aufstehen. • 

Budenz szöegyez. 14. — TUrk. gelmek. 

217. Fin. hul'h-ea pres. hul-je-n gehen, verschwinden. — hul-^u 
tiefes wasser, quellader. — kid-an porlen, heiTorquellen. 

Est hul-ge-n inf. hul-e-ta (kulgeda) sich bewegen, ziehen. — 
hol'i-n suchen, umziehen, auswandern. 

. 5 



66 

H. Lap. goUgg-a-t, gol-ga-det, sv. koUke-t, fliessen, herumirren. 
— enar. kuUke-d fahren, laufen, fliessen. — en. kül-ke-d, küUkod 
fliessen. 

Em. Mord, kot-ge-n, m. koUgl-n, koT-ga-n fliessen. 

Magy. hal-ad-ni fortschreiten, weiterkommen, sich verziehen. 

Vog. kual-a-m aufstehen. — kud-ta-m fact. — Konda dial. 
kval-e-m gehen, aufgehen. 

Budenz szöegy. 96. — vgl. turk. gd, mongol. ghool, burj. 
gol fluss. 

218. Fin. kal'ä'H waten, mtthsam gehen. 

K. Lap. gall'i-t, sv. kcd-ct waten, ttber einen fluss setzen. — 
n. galre-ste-t za waten anfangen, sv. kd-e-te-t fact. 

Syij kej-a waten. — Perm, kel-a-l-nij kev-a-v-nl, id. — kel- 
a-la-Hf kcv-avan fürt. 

M. Mord, kät-a-n gehen, waten. 

Budenz szöegy. 14 fllhrt das läpp, wort zu f. käünj magy. 
kiäni. Beide gehören gewiss zu derselben wurzel, vgl. f. hilkca. 

219. Fin. hija gezäunte gasse. 

Vot. kuja gasse. — Est kuja dorfgasse, räum zwischen den 
häusem. 

En. Lap. küja id. 

Lindström MS 150 bringt hiermit zusammen sv. lap. käja spur, 
mord. ki weg, spur. — Obwohl wurzelhaft verwandt indem ktija 
aus kul, kul (vgl. kulju) = käl hervorgegangen ist, gehören sie doch 
nicht unmittelbar zu einander. Die bedeutung hat sich in derselben 
weise gebildet wie im lat. via, d. weg aus der wurzel va/i = lat. veh-or, 

220. Fin. kei-no ausweg, mittel, art und weise. — ansa-keino 
(schlingen-weg) steig, pfad für vögel, an welchem man schlingen 
ausgelegt hat. 

Sv. Lap. käja spur. — käi-no, käi-not weg, steig, pfad. — 
n. gäjfw nom. gäjdno weg. 

Ers. M. Mord, ki weg, spur. 

Wurzel f. käü, est käi = käl, öer. kej'e-m gehen. Ahlqvist, 
M. Mordv. gram. 157, setzt mordv. ki:=l, tie, Blomstedt Hai. 
Bes. 199 lap? gäjno = f. keino, 

N:o 221 — 223. kol, kul hervorstehen, sich erheben. Steigerung: 
käl, kül, 

221. Fin. koHä-n hervorstehen, erhöht erscheinen. — koll-o 
spitze, hUmpel. — kol-jn höhe, hoher plat;5, querholz am sattel. 
— kol'jo rier.enhaft, langer vagabond. — kol^-mi riese. 



67 

Est. kcl-a-n durch luftspiegeluiig sichtbar sein, erhöht er- 
scheinen. — hol'ju etwas rundes, her\'oiTagen(les, mä k. kleine 
landspitze, saduJa k. vorder u. hinterknopf am sattel. — kolc gross, 
lang, andere tiberragend. 

Magy. hnH-ä-ni welle. 

Vgl. indoeur. wurzel kal erheben in ^akayLo-g, ahd haJam 
zz: halm, lat. columen erhebung, gipfel, as. /lohn =z inagy. haiom 
hUgel, Fick wrtb* 349. 

222. Fin. kaUma grab, die untererde, der heiTScher der un- 
terweit, leichnam, leichnamsgeruch. 

Veps. kal-m grab, grabhUgel. Das wort wird beinahe als 
kaum ausgesprochen. Ahlqvist, Om nordtschudiskan s. 87. — 
kal-nt-äom begräbnisstätte. 

Vot k<iUmO't begräbnissplatz. — Est. kal-m g. kalmu, kcUma 
ungeweihte grabstätte, heidnische opfer od. begräbnisstelle. — kai- 
mu'ii heidnische grabstätte, grabhügel. 

Liv. krd-ma, L. käl-me grab, todtenginift. 

Sv. Lap. kal-me, TJls. kal-mc gi*ab. 

M. Mord, kal-ma grab. — kdma-n begrjiben. 

Im Konda Vogulischen, Hunfalvy GS, heisst grab xomel, wel- 
ches möglicherweise durch Umstellung oder mit neuem suffix ge- 
bildet ist. Der name bezeichnete wohl ursprünglich ein kllhler 
ort, den man für die verstorbenen auswählte. Das es im finn. 
zugleich leichnam bedeutet, hängt wohl mit dem aussehen eines 
leiches zusammen, indem kalma — blass (n:o 208) ist. Derselbe 
eindnick wechselt dann fllr verschiedene sinne, wie die bedeutun- 
gen ki'M =i kalvra und liikhentßtruch = kahna beweisen. Oder ist 
wie oben kalma in der bedeutung gi*ab zur wurzel kol sieh erheben, 
zu führen. Es ist zu bemerken, dass das magy. kalorn grabhUgel, 
w^elches man als lehnwort aus dem gemi. holm herleitet, das flu. 
kol-ma vollständig deckt, indem ma = m ist und ein vokal öfters 
vor dem suffix eingeschoben wird, siehe kollän, kulma, 

223. Fin. kiilma ecke, seite. silmä kulma, otsa kulma schlafe, 
hdmakivi eckstein. — vgl. kolkka stoss, ecke u. a, kola stange 
mit eiserner spitze (= das was stösst). 

Vot. hdmo schlafe. — Est. kulm augenhügel, stirn. — Liv. 
tjülma, kulma. — sllma gülmad die schlafen, vgl. kuf giebel. 
Sv, Lap. ktilbme, russ. kutma. — sv. öalnui kulhme. 
Sto'. k'im stini = sin kirn. — k'im-vs schädel, stirn. 
Perm, k'hm-s stirn. — Vo^j. k'im, kimc-s id. 



68 

Magy. hom-lok stirn, hauptseite, fronte. — Iwni vorderkopt. 
Ostij. hdäm id. — sttn kuHm (Wologodski) schlafe. 
Yog. kuTin, — konda dial. xom wange, gesiebt (Hunfalvy). 
Budenz szöegy. 132 und s. 150. 

224. Fin. kuUä gentige, adv. genug, wohl. — küllü-hien satt, 
der genug hat. — küUä-isüs genUge. 

Veps. külä'ine satt,. fett. — Est. küll menge, reichthura, ge- 
nüge, adv. wold. 

Liv, küll genug, reichlich, adv. freiUch, schon. 

H. Lap. (jalle, galla, sv. kalle, uts. kelli satis — n. gaVa-Sj 
SV. kdla-sats satt. — kaUa-net satt werden, kalh-te-t saturare. 

Votj. k'ite-m übrig. — Magy. äte-g genug, hinreichend. 

Budenz szöegyez. 822; vgl. unten n:o 229. 

225. Fin. külv-ä-n streuen, säen. — kiilvüj kulvö das säen, vgl. 
kai-e, kaJ-ho getraide, äussere schuppen an der spreu. 

Vot. öUlv-ä-n säen. — öülvü z= f. kälvü. 

Est. kulv-a-n säen. — kül-ij külv saat, das säen. 

Liv. küU pr. kul-ab, L. UuU, füll säen. — külami die saat, 
säen. — krda saat, gesäetes. 

H. Lap. gilv getreidekom. — ffilvv-i-t säen, streuen, en. 
kalv-e-S id. — en. kolv-uö gesäet werden = f. killväutüä, 

Ostj. kir-c-m, kir-e-nde-m säen. 

Ein vergleich mit f. kalvea, kelvc, kdvä giebt vielleicht eine 
andeutung der urspr. anschanung. Demnach wäre lap. gdv = glatt, 
leicht. P^ine andere anschauung tritt aber hervor in rnjigy. vit-in 
säen, mordv. r?Vf-a-w, cer. üd-em, vikUein werfen. 

226. Fin. kül-pe-ä sich baden (am rande eines flusses, sees). 
— kül-ii, hiäpü^ kiU'pö bad. 

Veps. kül-he-n sich baden. — kül-be-t badstube. 
Vot. öid've-n id. 

H. Lap. gal-a-äe-t baden. — Perm. klUa-Uni schwimmen. 
Vgl. f. hd'ä-n fliessen. — Jurak samojed. Inll-id-m, öUl-m 
schwimmen. 

227. Fin. kelpä-n inf. kelvafa tauglich, passend, nützlich sein, 
behagen. — k(il2)-o tauglich, nützlich, geschickt, passend. 

Vot. kölpä-n taugen. 

Est. köfb-a-n taugen, tüchtig, brauchbar sein. 
Liv. kölbj kidh taugen, nützen, nütze sein, wohl behagen. 
Syrj. kol'ü necesse est. — Votj. = Perm. Ao/-m7, kor-tu nö- 
thig, nothweudig sein. — kol-iom, kov-täm unnütz. 



69 

Öer. kül-a-m nöthig. — kfll^dömö uniiöthig. 

Magy. kälUä-ni mUsseii, sollen, nothwendig, nöthig sein, ge- 
fallen. — käU'O lieb, angenehm, gehörig, schicklich. — kälUäm 
anniuth, käU-ä-mäs adj. — kälUättä-n unlieb, unnöthig. 

Budenz szöegy. 15. 

228. Fin. kolo dumpfer laut, aushöhlung, das abschälen der 
bäume, höhlung, pl. kol-ot abgeschälte bäume = kälo, käla aus- 
höhlung an bäumen. 

Veps. kolo kleine grübe. — Est. kolii Vertiefung, mtihlentrich- 
ter. — koUc vertiefimg vor der ofenmlindung. — Liv. kuol grübe. 
Magy. hölä leer, hohl. — Ma, holä leer. 

229. *Fin. kiilä dorf, ursprünglich: hof. Ahlqvist. 

Veps. küla dorf. — Vot ötVä — Est. kula — Liv. hVa. 

Magy. häJj plats, ort. — Vog. kfiäl stube, haus. 

Ahlqvist kulturord 95 äussert sich ungewiss, ob das wogul. 
wort mit dem finnischen zu identificiren sei. Vgl. syrj. bräs dorf 
und kerka haus, votj. kar Stadt und korka haus, Ostj. Samojed. 
kara, ktra dorf. Die letzten hängen wohl mit ker- kreis zusam- 
men. Im Suomi II, 1, 8 flihrt Ahlqvist hiezu noch magy. hälj 
ort, platz, eine gleichung die auch Blomstedt, Hai. beszed 208, 
aufrechthält, indem er auf den Wechsel ung. ä (e) = f tt: rädo 
=■ f. rtlttr/, ädj = üksi u. s. w. aufmerksam macht. — Es braucht 
wolü kaum einige bedenken erregen, wenn man knlä mit f. küUä 
n:o 224 in Verbindung bringt; dieselbe anschauung kommt im ung. 
faiii dorf und f. paljo viel wieder, wie schon Budenz szöegy. 480 
treffend bemerkt, indem er auf skr jntp'i = 2)an, gr. 7r6h-ö von 
der w. i>«r füllen nach Curtius, grundzüge* 78, aufmerksam macht. 

230. Rn. külu weib des bruders, weih des mannes bniders, 
Schwester der frau. 

Veps. kWL — Vot. öälü. 

Est käli weib des mannes bniders, mannes bnider, mann 
der Schwester des weibes. — kä'Iis schwägerschaft, pl. käliksed 
weiber von brüdem. — Läpp, kalo-ieduc, kalo-Jicnc, kalo-jevo ge- 
genseitige benennung der frauen mehrerer brüder. 

M. Mordv. a-kläi Schwester der frau, mann der Schwester 
der frau. — Ostj, kili id. 

Ahlqvist kult. 190. Ln türk. tatar. bedeutet kiWu, kilh}, ki- 
Icn Schwiegertochter und eheweib des jüngeren bniders. Manju 
kdi Schwager; besonders nennen einander so die männer zweier 
Schwestern. Schott alt. stud. 5,40. 



70 

231. Fin. l'aWo quelle mit frischeni wasser, quelle, born in 
einem morast. 

H. Lap (jalddo, yaiddo brunnen, quelle. 

Magy. hiit brunnen, born. 

Budenz 72 kennt nicht das fin. wort. 

232. Votj. kutto bund, garbe. 

Öer. w. Jcclda, b. küta garbe, vgl. kddan zusammenbinden. 

Magy kita bündel, bUschel (von hanf). 

Bndenz 40. 

233. Syij. kuil-a cubare. — Perm. kuH-'i-ni liegen. — Votj. 
ivT liegen, krank liegen. 

Magy. hrd-ni Ubeniachten, schlafen. 

Ostjj. I xöd-e-m, S. küd-e-m die nacht zubringen. 

Vog. köl'C-ni, kuol-an, D. kul-e-m übernachten. — D. hd- 
ncmü schla^latz. — konda kuj liegen. 

Budenz 95. 

234. Fin, kul'tehe noni. kidle tiefes netz für lachsen. — kul-ku 
kleines herbstnetz zum ziehen. — kul-küs zugnetz mit ungleichen 
maschen. 

Votj. kal'fon netz, zugnetz. — Magy. hrdo netz. — Ostj. ;gö- 
da-p, — Vog. kulo'P, kuoUp, xid-p (Hunfalvy, konda vog. nyelv. 69). 

Schiefner, Castrens ostj. gram. 84, Budenz szöeg. 98. Hängt 
wahrscheinlich mit kidjen und käün gehen zusammen. 

235. Magy. hoHö rabe. 

Ostj. I %rda%, OS. kdl(ü(, US. kölank. 

Vog. hdax, I). hdln%. 

Castren ostj. giam. 84. Budenz szöeg. 129. 

236. Fin. hi'ha das glied des männlichen Schweines. — hdl-i 
männliches glied. — kolUi brunstige katze. 

Est. koU hode. — Perm, köt männliches glied. — K. Lap. 
gola-k testiculi, sv. kuola hodensack, kuol, kuola testiculus. 

Ostj. kila männliches glied. 

Schiefuer, Castrens ostj. gram. 81, vgl. f. kda, killa, küuy kiltn, 
klla brunst. 

237. Sv. Lap. knIk'C't zum anlehen nehmen. 
Öer. kifS'N'Vy b. /.7/V-/-M anlehen, anleihe. 
Magy. kölc'öfi anleihe. 

Budenz 53. Im cerem. wäre dann ein 1 ausgefallen. 
N:o 238 — 251. kau, koii, kun, km, kin steif, starr, heiTOi-stehend, 
schief, gebogen. Steigerung kön, kuon, kän, köihiy käu, kln. 



71 

238. Fin. km-ä steif, starr, jädä könäkai sterben, d. i. starr 
werden. — kun-c-htu-a, kün-ä-htä steif, starr werden. — kan-i-stä 
widerspenstig sein. 

Est. kön-u kraft, vermögen. 

239. Fin. kln-i fest, befestigt, zugeschlossen. — km-i-tta, kln-tä 
fact. befestigen. — kln-te-ä fest, unbeweglich. 

Est. khUdi, kin-ni fest, anschliessend, nicht offen. — kin-de-l 
fest, zuverlässig. — ktti gekäste milch. 

K. Lap. gidd-a, uts. kitt-a fest. — n. ffidd-e-t, uts. kitt-a-t 
befestigen. 

Votj. kifi'O zuschliessen. 

240. Fin. kon-ia-s g. kofi-itä-n, kön-tü-s einer der steif, träge 
ist — kon-tta Steifheit, Stellung auf den knieen. — kän-ttä, kän-ttü 
steif, staiT in den gliedern. — kän-ttü-rä knollen am bäum, bos- 
hafter mensch. — kön-ttü Steifheit in den gliedern, Stellung auf 
vier fUssen. — kön-ttö, kön-tfü-rä, köti-iu-s steif in den gliedern, 
ungelenkig. — kopi-ttu-ra, ken-ttu-rä, ken-ttü^i steif, träge. — 
kin-tiu-ra widerspenstig, schwer, schlecht, träge. 

Est. kun-t knochenende, stumpf. — kon-c g. cu stumpf, Über- 
rest. — kdn-t stelze, Steifigkeit. 

Lap. kid'dasy en. kl-do-s wiederspenstig. 

Hieher gehören wohl auch fin. keti-ita, keti-ttä, ken-tä, kin-ttu 
harte erdfläche, feld. 

241. Fin. kon-tiy kon-tio bär. — km-ttä-rä der auf den vieren 
geht, epit. für den bär. 

Veps. kon-di plur. kotidia-d bär. — Votjak. gondi-r bär. 

Lindström Suomi 1852 s. 44. Wie aus den vorhergehenden 
zu ersehen ist, geht die benennung aus der Vorstellung: steif, un- 
gelenkig, heiTOr. 

242. Fin. kontti bein, Schienbein. 

Est. kont gen. kondi knochen. — Sv. Lap. conöo-m oberer 
theil des hinterbeines. 

Magy. öo9it bein, knochen. — Budenz szöegy. 386. 

243. Fin. kankea steif, staiT, träge. — kahke-ra träge, unbe- 
qvem, beschwerlich. — kanki^ kanko, kinko Stange. — kanke-ne-n 
steif, stair, träge werden. — kcnke-Iä träge, unbeqvem. — kinkeä 
steif, gespannt. 

Veps. kingcd steif, gespannt. — Est. kang g. kahne Stange, 
hebel. — kangcda, kauge stark, hart, steif. — kohk störrisch, 
närrisch. 



72 



Liv. kafdi steif, starr, stark. — konks ketile. 

H. Lap. fiatjiml steil ga^fad muorra steifer bäum. 

Magy. kohitk haOstarrig. hartnäckig, starrsinnig. — kanka-ld-k, 
hanka-it-k brunnenschwengel. 

Budenz szoegy. 4 führt kaAkaftk zu f. koHki, und szoegy. 43 
kohifk zu f. kaidra. 

244. Kb. ktno steif, schief erhöht, zurOckgebogen. — k.pii 
knuniuer baunistanmi. k. stHtü mit gebogenem rficken. — kcno- 
kos schief aufstehend, mit aufgerichtetem köpf, stolz. — ketio-ta-ti 
zurttckbiegen. steif gehen, stolzieren. — k&no angebogen. — kinu 
krummer vorsteven eines bootes. 

Est kon gen. kvHn zurfickgebi^ene Stellung. — kona-r höcker. 
komitr-mä höckeriger, ungleicher boden. 

M. Mord. hiH'tf rücklings. — 6er. kom^n-k id. — lüigj- 
haA^tt id. 

Budenz 103. 

245. Fin. koH-o etwas hervorstehendes. — homo maul, schnauze. 

— künä rinne, tn^sr. kurzes stfick. 

VoL köHo schnauze. — Brt, tüw rüssel. schnauze. — kfnta 
trog, kleines booi. 

LiT. kHH'j napf aus birkenrinde. 

Perm. kinC^m magen. bauch. — kJn^j^ma mit grossem b. 

M. Mord. kK'HÖ stim. — En. kont id. 
24S. Fm. iuM-M'i-.^ g. k'.iHh i-^.yt'-H enge erdzunge, erdrücken; 
baumstamm. — Ain-^ii-iv diiu. — kuH-ft-A-s hfigeL — hunm-ke 
ilim. — ktu-niK kft*'Hä'< kleiner entrücken. — i>w-M€> honigsceUe, 
bienenhaus. — i'Äii-w<i->* enbückeu. hügel. — Wn-hä-.« g. -ksen 
thürschwelle. — fc"*«-«'^^. t~f<-rN.r^>* ranke. 

Yepe. h*H-<iii;i schwelle. — Est XVii4>»A'.is. kän-HMS klumpen, 
wiirzelslück. — kf^^inis thürschwelle. — Lir. kün-dök^ schweUe. 

M. MordT. ktf\4:^ thüre. pfosten. 

Oetj. S. .vN;-fit-/>. l. iiM-iU^p treppe. — Vej. kafte-lie-p. 
247. Fin. kiiu^fni eile. — k^pr^h-j**! eDenbc^en. — kSnär-pü 
holz von der länge einer eile, 

Vepa. i''hik»r.i.< = kifnmf^t^ eOe. ellenbogen. 

Vot MiiK'tr vonlerami. eile. — Est. kÜMMr Vorderarm, eile. 

— jtmmmJ/ ^-i. tHH,^r jHir.j elleuK^gen. 

Lir. i-M*.ii'.V. k»mhr eile. — .i^tMtsVWi« ;irm- ellenbogen. — 
Ufa. Lap. i:i/i.;(\ 



73 

Öer. henei', kiner eile. — Er«. Mord, ka'nir vorderanii, eile, 
m. krfur. 

Vgl. kintere nom. kimwr hintersehne, kniekehle, welches der 
bildung nach vollständig mit den ohigen Übereinstimmt, est. kin- 
ner g. kimhcy vot. öhwar; im fin. finden sich noch die nebenfor- 
luen khifcre, khüarVj kinttu. Durch die bedeutung kniekehle und 
die oben angef. lap. fonn kannl wird man noch an f. kainalo, ung. 
hönal erinnert. — Oifenbar steht die benennung fUr ulme f. kmmä 
püf kfnnivjtpa, vot. cünua\ est. kiinna pü^ liv. künila hü im innig- 
sten zusammenhange mit kilnärä, obwohl es noch nicht möglich 
ist diesen zu ermitteln. Ebenso bin ich geneigt f. kanerva^ ka- 
narva, veps. kanambr, vot. kanel)ro, est. kanar, kanarep haide- 
kraut zur würz, kan zu rechnen, etwa aus der Vorstellung: der sich 
windende. Aus einer Zusammenstellung mit ung. kanjaru bogig 
(n:o 15) u. a. ergiebt sich die bedeutung gebogen als gesichert, 
obwohl es darüber zweifei herrschen kann, ob die w. kaftk = kanj 
oder kan ist. 

248. Fin. kantn pr. kZinnän wenden, umdrehen. 

Vot. cännä-n. — Est. känan biegen, wenden, lenken, drehen. 
— fo/w, kmi hiegung, Wendung - kand g. kann. — känid aus- 
flucht. — käna-p geschlängelter weg. 

Liv. Henn, kann drehen, wenden. — En. Lap. kanted pflügen. 

Wegen der bedeutung des läpp. Wortes könnte man geneigt 
sein diese nummer in Verbindung mit kuntu (n:o 261) zu stellen. 
Ein vergleich mit est. kon n:o 244 scheint doch die obige herlei- 
tung zu sichern. 

249. Fin. kiton-ta-lo kunkel (zum abspinnen gewickelte rolle). 
Vot. kön-ia-la, — Est. kön-al id. — kpü das holz am Spinn- 
rocken. — Liv. ktin-a viole zum gamwickeln. 

250. Fin. koti-te-lo halmband. 
Magy. kön-to Strohhalm, halm. 

251. Sjrrj. kotur elend. — Votj. kvmur. 

Ost}. I. konar, ÜS. kener, OS. kotier arm, elend. 

Die bedeutung geht wohl aus der Vorstellung des schiefen, 
gebogenen aus. Schiefner, Castrens Ostjak. gram. 82, zählt auch 
magy. hiän mangel, gebrechen hieher. 

N:o 252 — 257. kan, kon, kun, kin faserig, ausgespannt, aus- 
gedehnt. Steigerung: kän, kön, kuon, kcn, kln. 

252. Fin. kin-fw g. kin-te-n faser, fiber. 

Kagy. kun-af faser, fiber. — kan-afo-s faserig. 



74 

253. Fin. kan-a-hka, kan-a-kka, kan-as g. kan-aksen kahm, das 
blüthen des wassers. — kan-a-ppa, kan-a-mn kahm auf bier. — 
kina schäum, der sicli in fasern ziehen lässt; Spinngewebe; Schwie- 
rigkeit, zwitracht. — kin-a-hmi schäum, schäumender ström. — 
kin-o geifer, Spinnengewebe, duft. — kin-os st. kin-o-ksc Schnee- 
haufen, der durch den wind gleichsam ausgezogen ist. 

Est. käne kahm auf bier. — käune g. käuse kahmig. — kan-ajj 
kahm, schimmel. — Liv. kon-ö§ schwamm, kahm. 

254. Fin. kilnä feder. 
Perm, gön flaum, wolle. 

Nebenform zu f. kinUy also eig. das faserige. 

255. Fin kinn-ä-n, kinn-i-tä-n ausspannen, ausdehnen. — 
kinn-i-stä-n, kinn-i-ste-lc-n ausdehnen, schmerz empfinden (Euren), 

— kin-ni der sich ausdehnt, eichhömchen. 

Magy. km pein, quäl. — kln-oz-ni, kln-sa-ni peinigen, pla- 
gen. — km-za-t Peinigung, folter. — km-ta-t-ni foltern, quälen. 

— k'in-la-ni gequält werden. 

Blomstedt Hai. Bes. 194. 

256. Fin. komm, komü-kka frosch, schelm. 

Vot. konna. — Est kon, kann g. konna frosch, kröte; aufge- 
setztes stück. — konna-ke-ne dimin. 

Liv. kuöna, köna, L. kona. 

Hängt wohl mit kina schäum, käuä bosheit, zusammen, also: 
schäumig, kahmig, stolz, boshaft. 

257. Fin. kän-ä Willkür, bosheit. — kän-i-se-n, kän-ku-tä-n aus, 
wuth lärmen. — kan-cä-n zanken. — kin-ä'n streiten, zanken; 
mühsam schleppen. — ken-sti, ä-om-ä^/ zierlich, stolz. — Vgl. kina 
Zwietracht n:o 253. 

8v. Lap. kin-co-r eflfi'enatus. 

Magy. kt'fi willkür, gemächlichkeit. — kenen bequem. — Af- 
neä stolz, aufgeblasen, häkUch, misslich. 

258. Fin. kain-alo armhöhle. 

Vot. kain-al'O, kain-al-n-s id. — Est. kacn-al — Liv. kain-al. 

Perm, kon-ul-t, kon-uv-t. — (Vgl. Mordv. kavM). — Öer. 
koH'la. 

Magy. hön-al, Itön-at armhöhle. — hon achsel, armhöhle. 

Budenz szöeg. 134. Ahlqvist Suomi 18G3 s. 8; in der wot. 
gram. 12G vertheilt er kain-alus = käen-alus das was unter dem 
arm ist. Blomstedt Hai. bes. 89, note, hebt hervor, dass diese 
herleitung gegen die vokalharmonie verstösst, indem eine rück- 



75 

wirkende kraft des zweiten eleiuenles in der zusaniinensetzung an- 
genommen werden müsste. Er vertheilt daher hon (schulter, acli- 
sel) al=^{. ala = das was unter dem achsel ist. Eine analogie 
bietet mag}\ känd-äl Steigbügel. Ein vergleich mit est. kannel 
achsel n:o 15 sowie mit n:o 1247 giebt doch eine ganz andere er- 
klärung, indem geho<jm als grundbcdcutung zu setzen ist. Das 
f. kainalo würde sonach = Tcanjalo, 

259. Fin. kunö, künü, kunel, künelc thräne. 
Veps. künal — Vot. öüncl — Liv. kihuIH, kuniL 

N. Lap. ganal pl. gadnaUak, sv. kadnel, kkhieh uts. kanüL 
Magy. könü, kön, köni, 

Budenz szöeg)'. 57. Auch dieses wort bedeutet wohl urspr. 
das runde^ vgl. en. lap. kanv hervorgebogen. 

260. Fin. künsi st. ki'nife klaue, nagel. 
Veps. küns pl. kibuh-d. — Vot. cüsi nagel. 
Est. kuz g. kmie, kirn g. küne. 

N. Lap. ga^^ sv. Ä«^, uts. ka^ga. — enar. kossc (Andelin). 

Syij. Ic/'z. — Perm, giz, — giz-ja-l-ni kratzen. — Votj. g'i/i, k'izi, 

Öer. b. hj, w. küc. — Ers. m. känä nagel, kralle, klaue. 

M. Mord, kmjij kaijä huf, klaue. 

Ostj. kunö nagel. — Vog. Ä'ö.s*. 

Vgl. Schiefner, Castren's Ostjak. gram. s. 83. — Jurak Sa- 
nioj. hada nagel am finger, Ostj. samojed. kat^ kate, kade, kam. 
sam. kata. 

261. Fin. kimt'ä pflügen. — kun-tc-U-n dim. 

Veps. kihid-a-n. — Vot. dünn-ä-n id. — Est. kund-ma id. 

Öerem. künj-e-ni excavare. — kiinJ-C'dC'm frqv. 

Ostj. hivj'C'tn kämmen, harken. 

Ableitung aus f. kiinm. Ahlqvist kulturord 29 ist geneigt 
anzunehmen, dass das erste geräthschaft der Finnen für ackerbau 
ein klauenförmiges hartes holz gewesen ist, womit das geschwendete 
fehl in unvoUkonmiener weise gefurcht wurde, woher man diesem 
geräthschaft den namen kJaue = f. künsi gab, vgl. den ausdnick 
f. karhu n:o 137. 

262. Sv. Lap. kofino, kotio, kodno weib. 
Magy. kun-ja weibisch. 

Entlehnt aus an. kona, vgl. altpreus. ganna, und ahd. (minä, 
vgl. ywiq, würz, gan, 
' 263. Fin. kuona schlacke, moorerz. 

H. Lap. gudna, sv. kona, kudna, en. kuna asche. 



76 

Sjnj. Perm, kun lauge. — Öer. kon lix, aschc. 
Lönnrot Acta soc. fen. IV, 231. 

264. Fin. ka/iku-hü nom. kangas heide. 
Magy. hanga heide. 

Blomstedt Hai. Bas. 89. — Die würz, ist kaiik (n:o 15, 16) 
und das wort wurde wohl urspr. als benennung einer hügcl od. 
dUne, einer erhabenen waldstrecke, gebraucht. Dagegen scheint 
das gleichlautende f. kangas, vot. kangas, est. kannas gewebe, 
zeug, aufschlag, liv. kühgas, L. hän leinwand, gewebe, n. läpp. 
gagc gewebe, vgl. Alüqvist kulturord 78, sich aus der bedeutung 
steif, ausgespannt (f. kankca steif, kinkeä steif, gespannt, n:o 243) 
entwickelt zu haben. 

265. Ö6r. w. kinde, b. kh%da brod. — Magy. känjcr. — Bu- 
denz szöeg. 17. 

N:o 266 — 285. kap, kop, ku2), kip gebogen, zusammengehäuft, 
gerollt; ausgehöhlt. Steigerung: käp, kap, küp, 

266. Fin. kap-u kleines holzstück, rollholz an welchem netze 
geflochten werden = kap-u-la, kap-la. — käp-ü, käpp-ü tannenap- 
fei, -zapfen, hülse, netzfloss aus rinde, kegel = kupp-a, kup-a-Jm 
nom. kuvas, kip-ru, käp-rü rolle aus birkenrinde zum netzfloss. — 
häpp'ä-^'ä rolle aus birkenrinde, netzfloss, zapfen, hülse, rolle zum 
netzflechten. 

Est. küh-a, käb'i, käb-il netzfloss aus rinde =: käv-i. — köb 
kieferrinde. — knp-a-r Samenkapsel. 

Perm, kah kleines holzstück, an welchem bastschuhe gefloch- 
ten werden. • 
^ Magy. käp'ä mandel. 

Man könnte hier auch an ung. küp kegel, kuppel denken. 
Mit der form käprü hängen f. käpp-ii-rä, kepp-e-rä, käp-e-rä, -rö, 
kip-u-ra, kipp-u-ra, kip-c-rä gebogen, zusammengerollt, vgl. n:o 
272 anm., zusammen, wie in anderer richtung n:o 277. 

267. Fin. käp-ä baumschwamm. 

Est. köh'ja-s harter baumschwamm. ' — Votj. gnh-i schamm. 

Magy. guh'd gallapfel. 

Im fin. bedeutet käpü-Uha das schwammige fleisch unter dem 
pferdehuf, unter die pfote, d. h. das zusammengerollte. Das magy. 
gofnba schwamm, pilz wird von Micklosich, slav. elem. im ungar. s. 
37, als lehnwort aus asl. gamba erklärt; vgl doch gomboT mo 309. 

268. Fin. ktip-e-ra, kup-c-ri-as bauchig, gewölbt, convex. — kup- 
u-ra kleine beule. — kup-u-la id. — htpp-e-lo kleiner höcker, beule. 



77 

Em. Morel hap-o-re, m. hop-e-f rtlcken. 

Magy. hop'O-r, hop-o-rc höcker. — hop-or-t buckel, hligel. 

Budenz szöeg. 135, der die fin. Wörter nicht hieher stellt, 
führt zu den übrigen noch ers. mord. kupor, hiporhsy guhor erd- 
haufen, kleiner hligel, was auch der form nach vollständig be- 
rechtigt ist. 

269. Fin. Icup-u beule, magen der vögel. — kupp-a, -o, -m 
beule, höcker, netzfloss. — kup-ea bauchig, rundlich. 

Veps. kuh'U magen der vögel. — Est kuh-a ball. — kuhu, -o 
magen der vögel. — kt4pp blase, beule, knöpf. — kap-s gen. kop-m 
lunge. 

Liv. kap pl. kapüd bauchhölde der butten. 

H. Lap. gäp-es, sv. kepp-a, kopp-a lunge. 

Ers. Mord. A*op-a beule, stelle unterhalb des leibes. — kop-av 
voll beulen. — m. Äop-a geschwür, beule. 

Magy. guh-a klöschen von brodteig. — käp-a sattelkopf. 

270. Est. koh-a-r st. kohara traube, bUschel, häufen, trupp, 
gruppe. 

Magy. öop-o-r, öop-ihrt häufe, häufen, gruppe. 
Budenz szöeg. 387, Die bildung ist der in n:o 268 ana- 
log. 

271. Fin. kmp'O garbe, bund stroh od. heu. — küp-a-no heu- 
schober. 

Vot. öapp'ä grabhUgel. — Est. kuh-u^ kuh-o bund stroh. — 
käp g. kSha, käha-s g. ka^ya aufgeworfener hligel, grabhUgel. — 
kap-a-h'-ne hügelig. — Liv. kub häufen, menge. 

Vo^. kab-a-n heuschober. 

Magy. käp'ä id. — kup häufen. 

Oi^'. keb-a-n heuschober. 

Vgl. n:o 268 Mord, kupor erdhaufen. Budenz szöegy. 19 
führt das ung. käpä zu f. kavea, und magy. kevä zu f. kupo. 

Miklosich die slav. elem. im magy. 37 und lex. paleosl. 323, 
erklärt ung. kuj) aus dem slav. kupt, was wohl bei ktipac häuf- 
chen, mistgrube, estn. kupic erdhügel wegen des Suffixes mehr be- 
rechtigt scheint, vgl nsl kopka, kqpice häufen heu. Denn obwohl 
die Wurzel häufig in indoeuropäischen Wortbildungen vorkommt, 
wie altlitt, hupa häufen, kiipinas gehäuft voll, kupin häufen, kau- 
pas erdhaufen, siehe Fick wörtb'^ 564. xv^-og buckel, vgl alt- 
pers. hmfa berg u. a., so ist sie doch auch im finnischen hci- 
misclk Dies tritt auch in den Wörtern f. küpa-fw, votj. kaba-n, 



78 

• 

ostj. Jceba-n hervor, welche mit demselben sufflx gebildet sind. 
Est. k</2) häufen dürfte =: sv. Jwp sein. 

272. Fin. knp-io heim. — Mp-ä-rä, -ri, küp-e-^'ä heim, hohe 
mutze. Juslenius giebt in seinem fin. Wörterbuch vom jähr 1745 
nur die bedcutung mutze. — kop-o-pä einer mit hut auf dem köpfe. 

— kop'O-nen kleiner damenhut, leerer räum. 

Vot. öüp'ä-r heim, mutze. — Est. fezi-w, kub-e g. kap-e hut. 

— kub-a-r hut, mutze. — Liv, küh-a-r hut, mutze. 

H. Lap. gapp-e-r, sv. kapp-e-r, en. kapp-er mutze. 

Wurzel kap buckelig, gebogen, gehöhlt sein. Ahlqvist kultur- 
ord 137 sucht das original für f. küpärä und die damit naheste- 
henden est. kübar, lap. kapper in litt, kepurre hut, lett. zeptme. 
Im russ. heisst Kanapt hauptbedeckung. Die fin. nebenformeu 
kip-e-räy kipp-e-iä, kipp-u-ra viel gebogen, zusammengerollt schei- 
nen doch die Priorität der fin. Wörter zu bezeugen. Fin. kapp-i-ra 
mutze der läppen, ist offenbar lehnwoil aus dem lappischen. 

273. kapp-a vordertheil des Schädels, stini; auch: etwas ausge- 
grabtes, schalförmiges, korb, huf, vgl. äo/>-o nmdliches, rund er- 
habenes. 

M. Mordv. kopa-^ka Schädel. — Magy. kopo-na id. 
Budenz 44 kennt nicht diese bedeutung des fin, Wortes. 

274. Fin. kup-Ja wasserbläschen. — kup-lu id., quellader. — 
ktip'la-kka voll von bläschen. — kup-hi-kka dimin. bläschen, glöck- 
chen. Vgl. hq>])-e4o kleine beule. — kup-su, kup-i-na-s fischblase. 

Est. htb'ly kub'luy kub-la, kub-li bläschen, beule. — kup-li-n 
blasen werfen. 

N. Lap. gopp-a-la-s, sv. kopp-a-l, kopp-a-le-ni, kopp-a-le-s, 
kopp-a-la-k blatter. — kapp-a-l, kapp-a-Ja-k, kopp-a-la-k bläschen. 

Magy. (jubb-ad-ni sich aufblähen. — kup-a-la-g kleine beule. 

275. Fin. hip-ehe nom. kuv-e weiche, Seite. 

Est kub-e untertheil des leibes. — Ers. Mord, h^-a beule, 
stelle unterhalb des leibes. 

276. Fin. kop-ea stolz, hochmUthig. 

Est. kob-e gen. kobeda stark, füllig. kräftig. — kob-e-v gen. 
kob-e-va id. 

Magy. käv-et id. 

Budenz szöeg. 32. Der Wechsel der bedeutung findet sich 
in f. keno züruckgebogen, stolz wieder. 

277. Fin. kop-e-ra ausgegraben, ausgehöhlt. — kop-a-re, kop- 
e-ro grübe für rüben, schrank, häufen, Sammlung. — kopp-a^aw^- 



79 

gehöhlter gegenständ. — Jcuopjy-a, -ppo kleine grübe. — hiopp- 
e^'Of kuop-u-ra id. — huopp-ia gruben machen. — kuopp-än, kuop- 
i-ce-n, kuopp-a-e-le-n nieder graben. — Est. kop-e-r unten abgerun- 
det. — kip-er-da-n sich krümmen. — 8v. Lap. kopp-e cavus, con- 
eavus. 

Perm, göp gnibe. — Vo^'. gop thal, grübe. 

Ahlqvist kultur. 27 hält f. kuoppa für entlehnt aus sv. grop, 
Lonnrot lex VI, 811 vergleicht russ. Kont. — Türk. koha höhle, 
mongol. ghaba grübe. 

278. Fin. küppa, kap-ca, kap-io pferdehuf = kav-io, — käpa huf, 
in dem ausdruck kUpaveri blut in dem vom hufe umgeschlossenem 
fleische, daraus auch küva-tan stolpeni. Lönnrot lex. 3, 435, 439. 

— kop-a-ra klaue, huf. — kop-ra die hohle band = koKra, — kopp-o- 
nen band, pfote. — kop-a-ra huf, klaue. — käp-ä-le, ^lä, käp-ü 
pfote. — käpp-ä, käpp'i band. — käppä-rä pfote. 

Veps. kah-i pl. -jad huf. — kop-r die zusammengelegte band. 

— Vot. kap-io huf. 

Est. kalb'i g. kahja huf. — kapp g. käpa klaue, pfote, band, 
käp-a-kene dimin. — Liv. käh-a huf der pferde, rinder. — käpa 
pfote, klaue. 

H. Lap. gucpp-er, sv. kuepp-er huf, klaue, vgl. enar kav-io. 

Ahlqvist, Anteckn. i Nordtschudiskan, betrachtet veps. kahl 
als lehnwort vom russ. kohuto. Das magy. kapta Schuhleisten 
wird von Miklosich, die slav. elem. 34. zu dem leztgenannten ge- 
führt, und KonaTO, kohmto in seinem lexicon palaeo-slovenico-gra'co- 
latinum 302 als altsl. wort aufgeführt = ahd. Jmof, an höfr, cfr. 
Pott 2. 1, 281. Skr. ^aphas verglichen mit den entsprechenden 
reflexen, lassen auf ein ursprüngliches *kapa schliessen, vgl. Ascoh, 
Vorles. 121. 

279. Ein. kapp-a metze (mass). — kepp-u korb. — kepp-o kleines 
gefass. — kop-a-re^ kop-e-ro schrank. — kupp-i schale, tasse. — 
kopp-a ausgehöhlter gegenständ, korb. — kop-sa korb. — kopp-i-lo 
blumenkorb. — kipp-a, kipp-u kleines gefass. 

Est. kopp schale, kleines gefass. — kop-s kleines gefass. — 
kapp schrank, kästchen gen. kapi, — kapp g. kapa schöpfgelte, 
trinkgeschirr, ein mass. — Liv. kumh tasse. 

Syxj. kub lehmgefäss. 

Magy. h'yp'ü butterfass, bienenstock. — käp-ü-lö rUhifass. — 
kup-a trinkschale. Vgl. kop-oAa schiidel, hirnschale. 

Osljj. kupay kuh-a butteifass. 



80 

Fr. Miklosich, die Slavischen elemente im Magyarischen s. 37 
hält das Ungar, hu^ä für entlehnt aus slav. hipa nsl. serb., vgl. 
ku2)aJc blUthenkelch, rura. kup. Miklosich, die fremdwörter in den 
slav. sprachen s. 103. — Lönnrot sanakirja 730 stellt kqi)pa mit 
SV. kopp, kupa zusammen. Lönnrot 573 vergleicht auch keppu 
mit SV. skäppa; zu bemerken ist, dass keppo auch die bedeutung 
schlau, listig hat, welches eine treffliche analogie giebt zu mordv. 
kov'il trog = f. kaukalo im vergleich mit f. kavcäa listig, n:o 298. 

280. Pin. kopp'i kleine hütte, celle, fruchthUlse, ball. — kq^yp-io 
htitte. — kopp'C-li kleines zimmer, hütte, haus für kähne und netze, 
eingehegter platz, ball. — kopp-c-lo htitte. — kopp-e-ro htitte im 
schiff. — kopp-i-lo kajtite, blumenkorb. — köpp-ä kleine htitte. — 
Est. kuh-e-rik id. 

281. Fin. käp-i-üy küpp-i-a schanzen, schaben, nach etwas grei- 
fen. — kap-e-^tü knarpeln, etwas schnitzeln, beschäftigt sein. — 
kuopp'i-a graben. — kop-e-^tü aushöhlen, vom kopera, 

Veps. kdb-i'cm schaben, scharren, von kohl huf. 

Est. küp-a-n scharren, kratzen, stehlen, greifen. — kab-a-n 
zusammenraffen, scharren. — kab-i-n, koh-i-n einharken. — käb- 
li-n einhacken. — kap-a-ta-n scharren, herausscharren. — kap-c- 
rda-n ktimmerlich arbeiten, kleine arbeit verrichten; stolpern. — 
kip-a-n mit dem fusse scharren. 

8v. Lap. kopp'C-t excavare, aus koppe cavus. — Vo^. kop- 
a-lo graben. 

Magy. kap-ar-ni, kop-or-ni scharren. — kap-ar-ga-t-ni, k(q)' 
ar-öä-l-niy kap-arä-S-ni herumscharren, nach u. nach scharren. — 
kap-ä-l-ni scharren, hauen. 

Magy. kapamiy welches Budenz szöeg. 6 zu f. kavertä stellt, 
liegt dem kapertä näher, obwohl die beiden würz, urspr. identisch 
sind. Miklosich, lex. paleosl. 302, leitet sowohl kapälni als kapa 
hacke vom ksl. kopaU fodere, kopiU castrare, litt. kapaSy lett. kaps, 
knpäi ligo, öxanra; vgl. Curtius grundz.* 141. Hierzu auch litt. 
kapotiy xonevg, xonlg^ scabo, scabere, Fick wörtb^ 297. 

282. Fin. Icäpp-ü-n nachgreifen, fortreissen, scharren. — käp-ia, 
kfipp-ia, greifen, n:o 281. — kap-e-roi-tä, kop-e-roi-tä nach etwas 
tappen. — käp-li-n mit der band berühren, est. käWin. 

Est. TcTip-an scharren, kratzen, stehlen, greifen. 

Liv. kapp pr. käpäh tappen (von thieren). 

M. Mord, kap-e-de-n greifen. — Magy. kap-ni greifen. — kap- 



81 

do-ä-ni, k^p-do-z-ni, Jcap-o-z-ni hin und her greifen. — kap-ko-d-m 
hin und her greifen, raffen. 

Budenz szoeg. 5. Lönnrot lex. 3, 435, 439, leitet die finn, 
Wörter, wie auch ein derivatum kävasiella aus dein in käpaveri be- 
findlichen käpa huf. Ein unmittelbarer Zusammenhang mit lat. 
capto, russ. kohätb, sv. kapa ist daher nicht zugleich zulässig. 
Vgl. Curtius grundz.* 131 capio, capidum, capax, xantj, u. a. Fick, 
Spracheinheit s. 67, der diese und noch an. haha, got. habac u. a. 
aufführt, vergleicht arm. ka2)€ni fessle etc., bemerkt aber dass die 
Wurzel kap fassen, halten sonst nicht im arischen nachzuweisen ist. 

— Mit f. käppän ist häpp-ä-n, häpjy-a'ja-n greifen, schnell etwas 
anfassen, tappen, identisch. 

283. Est. kap-el wurfschaufel. 

Liv. k^j^'ll hacke. — küp-ll, L. kip-il schaufei. 
Ma^. kap-a hacke, haue. Vgl. n:o 281 anm. 

284. Fin. kap-ün, kup-ua-n, kav-ü-n klettern, vorwärts eilen. 

— kap-u-e-h-n klettern, herumspringen. — kap-u-ta-n fact. — 
kap-ia klettern. — kap-e-ta-n, kap-i-ia-n leicht vorwärts eilen. 

— kav'un sich erheben. — küp-sa-hda-n sich heimlich vorwärts 
schleichen. — E«t. kah-a-n sich hin und her werfen, zusammen- 
raffen; scharren. — kab-a-lda-n mit den bänden tappen, suchen. 

Er«. Mordv. kap-Sa-n eilen. — kap-sa-i eilig. — kap-Ba-mo eile. 
Magy. kap-a-sko-d-ni klettern, klammem, sich fassen. 
Budenz szöegy. 71 stellt f. kaptian zu magy. küsni = *ktwsni 
klettern. 

285. Pin. kop-u getöse. — kop-u-ta-n klopfen. — k(yp'Sa'n 
klopfen, einen heisemen laut von sich geben. — kopp-a schlag. 

— kcp-a-ja-n lärmen, dumpf tönen. 

Magy. kop-o-g-ni klopfen, poltern. — kop-og-ia-t-ni klopfen. 

— kcpp-a-n^i knacken, knaUen. — kop-a-nta-ni klopfen, krachen 
lassen. — kop-i-nta-ni leicht klopfen. 

Lindström Suomi 1852 s. 45, erinnert an das griech. nonxGi; 
wie dies mit litt, kapoii hauen verbunden \sird, Curtius grundz.* 
141, so gehören auch die fin. Wörter zu derselben würz, wie die 
vorigen. 

286. Fin. kc^-ru wasser-fall, Strudel, vgl. kup-lu quellader. 
Vops. koh-c schäum. — Est. koh-r g. kob-ru schäum. — koh- 

ra-n schäumen. 

Magy. hob schäum, welle. — hab-oS schäumig. — Os^*. I. 
Xump, S. kümp welle. — Vog. kump, D. kump, kup, %umb id. 

6 



82 

Schiefner, Castrens ostjak. Sprachlehre 85 führt magj'. hah 
zu himbay jurak sam. liainba, ostj. s. himp. Vgl. auch Ostj. sa- 
moj. Tconihj hioinha, kümbj Jenis. sam. Jcaha welle, Kamas. sanioj. 
khöwff schäum, TUrk. kabar aufsieden, köbür aufschwellen. Bu- 
denz szöegy. 150 stellt Jiab zu lap. sopi, soff, cer. äom//, ers. ni. 
öov, m. m. äov schäum. 

287. öer. kup morast. — Magy. köp-tt-ii id. 

288. Fin. kave st. kapeJie vortrefdiches wesen. — kajw, kapo- 
nen id. 

Est. kabe-ne g. -sc frau. — kahe-Uvtsc weib. — kdbo gen. 
=,frauenzimmer, mädchen. 

N. Lap. gaba, gapa gen. gappag frau, weib. — gav (Lönn- 
rot) id. — SV. lap. kiiopc-s hexe, venefica. — enar. küva eheweib. 

Volj. kuba altes weib. — Öer. kuba id. — kaha guter geist. 

Magy. kofa hökerin, nach Molnär: anus, vetula. 

Castr^n Finsk Mytologi s. 170 sieht in karc eine allgemeine 
benennung lebender wesen. 

Budenz 42, der doch die finnischen Wörter mit den übrigen 
nicht vergleicht. Diese kommen in den liedern des Kalevala als 
epitheta weibUcher wesen vor. Übrigens ist wohl Zusammenhang 
mit est. kapos gen. kabosa hübsch, schmuck anzunehmen. 

289. öer. w. kap, b. käp körper, statura. 
Magy. kep bild, form, gestalt, antlitz. 
Vog. kep, kiep bild, art u. weise, mass. 

Budenz szöegy. 18.* Miklosich lex. pal. 283 sieht als origi- 
nal des ung. Wortes asl, kapt bild, nsl. kip statue, serb. kip Sig- 
num an, wozu er als würz, skap in got. skapjan, ags scupan be- 
trachtet, welches Jurmann Ztschr. XI, 389, Pictet Origines Ind. 
11,85 u. a. mit öxanta verbinden. Auf finn. bodem könnte man 
diese Wörter mit wurzel kap, käp scharren, schaben, greifen in 
Verbindung bringen, wie andererseits f. käva, kuva bild mit küvia 
~ käpia zu sich raffen, greifen. Oder sind die ugr. fonnen aus 
dem nsl., die cer. aus dem aslav. entlehnt? 

290. Fin. koi2)i st. koipe schenkelbein. 

Est. koib g. koiva bein, kante eines feiles mit den bein- 
stücken. 

Magy. (?()>o = dipä-jä hüfte. 
Budenz szoeg. 385. 

291. Fin. kijm schmerz. 

Votj. keb'cr sorge. — keb-e-ra-lo sich kümmern. 



83 

N:o 292 — 299. kav, koi\ hit\ h'r krumm, gebogen, ausgehöhlt. 
Steigerung: lär, kau, kaur, fjoav, kör, kou (köü), kuo, kua, kuovj 
kcvj keu. Dass diese wurzel mit w. kaj) urspr. identisch gewe- 
sen ist, kann wohl niemand bezweifeln. Eine durchgehende pa- 
rallele herrscht auch in den folgenden Wortbildungen. 

292. Fla. kav-a krumm. — kav-io huf. — kär-in scharren. — 
kav-a-siu-n krumm werden, stolpeni. — kau-sta ein brett am bo- 
den des Schlitten (das gebogene). 

Liv. kdi\ käv Schnecke, muschel, s. n:o 298. 

H. Lap. ffavy gai-dde, sv. lap. kav-a sinus, biegung. — en. 1. 
kav-io huf. — svl. n. lap. gaw-a-f, (jaw-a-sc-fy kav-a-t, kar-a-ste-t 
sich biegen, krumm werden. — sv. kav-a-te-t krumm machen. — 
kav-ak gebogen (mit den enden auf). 

Öer. kav-a magen. — Magy. käv-a einfassung, kränz, reif. 

Hicher dürften auch n. lap. 6ovgji\ sv. f-orjr, en. doavjc bauch, 
magen gehören. 

293. Fin. kav-e, kar-ea korngarbe. 
Magy. kcv'ä garbe. 

Konda vog. kav-nn menge, häufen (Ilunfalvy 43). 
Budenz szöegyez. 19, 31. führt f. kare zu mag. kä2)ä und f. 
ku2)o zu magy. kevä. 

294. Flu. keu-ra krumm, gebogen, klug. — kiv-e-rä gebogen, 
geringelt. — kou-ru gebogen, s. rinne. — kou-ra die hohle band. 
— kav-e-ra, ^rioSy kov-e-la bauchig, ausgehöhlt. — kuv-c-ra aus- 
gehöhlt, gewölbt. — käu-rä krumm, gebogen. — kü-rü krumm- 
gebogen. — köü-rüy köü-rä krumm. 

Veps. kov-er gebogen. — Est. kör-o' krumm, schief. — köv-e- 
rik krumm. 

H. Lap. gavc-ar, gav-rre (mit dem mitteltheile auf), sv. kau- 
var, k^mv-a-res gebogen. — goav-rrat kiiimm werden. 

En. Mord, kav-o-rc beule, käd karoret handwurzel. — mok. 
m. kav-er beule. — er», käv-tre-m sich wälzen, rollen. — ker-i- 
ra-n, m. kev-ä-fa-n rollen. 

Magy. kav-ar-ni, käv-är-ni umrühren, mischen, wenden. 

Fin. koxira ist wohl lieber durch vokaUsirung des p aus kopva 
entstanden; übrigens kommt darin dieselbe anschanung vor wie in 
Sv. lap. koabm-e-r aus würz, kmn n:o 319. Budenz szoeg). 83 
stellt zu f. käürä das magy. gwbä. Bei mehreren Wörtern ist es 
in der that schwer zu bestimmen, ob sie der w. kav + ra gehören 
od. ob sie nicht gesteigerte formen der w. kor sind, tgl. n:o 179. 



84 

So z. b was betrifft f. kuofti (n:o 179), lap. guoros (295) u. 
mehrere. 

295. H. Lap. guar-o-s, sv. kor-o-s, kuor-o-s lehr. 

Öer. w. Jcör-ga-n hohl. — kör-gö, b. kör-ga das innere. 

Magy. ür-ä-s, ür-ä-g hohl, leer. 

Vog. keur-i-n hohl. — keur das innere. 

Budenz 826. 

296. Fin. kav-er-tü schaben, aushöhlen (factiv von ^kar-e-ra 
= kov-e-ra ausgehöhlt), vgl. kämn scharren aus kava krumm, auch 
kamo. 

Veps. kov-er-da-n biegen. — E«t. kav-er-dus krttmmung, beu- 
gung. — Sv. Lap. knov-a-t excavare. 

Ers. Mord, käv-er-de-n fact. rollen, aus käv-e-re-n sich wäl- 
zen, rollen. — m. kev-ä-ra-n trans. rollen. 

Magy. kav-a-r-lt-ni einmahl umrollen, kav-ar-gat-ni frqv. — 
kav'a-ro'd'niy kav-a-ro-g-ni sich wirbeln, sich mischen, herumir- 
ren. — käv-ä-rä-d-ni sich vermischen, verwirren. 

Budenz szöegy. 6 stellt f. kavertä mit ung. kapanü zusam- 
men, vgl. aber küppia n:o 281. 

297. Fin. kuva bild, kuv-ai-ne-n dim. — ktw-ä-n bilden. 
Veps. kuva-haine schatten, — bild. — Vot kuv-ä-n bilden, 

machen. 

H. Lap. gowa, sv. kovej en. kovve (koyre). 

Fin. kära bild, formel, modeile, wie auch käre gespenst, käv-än 
formen, bilden, nachbilden, dürfen wohl von den obigen nicht 
getrennt werden. 

298. Fin. kav-a-Ja listig. 

Vot. kav'ü'la. — Est. kav-aA, — Liv. kav-äl, kav-al listig, klug. 

Sv. Lap. küV'dl listig, en. käv-il, 

für den bedeutungsUbergang vergleiche est. hök haken (n:o 2), 
hökus list, sv. lap. kau-l haken. Diese und die folgende nummer 
können doch auch der w. XraJt, kauk (vgl. n:o 7, 8) entsprossen 
sein. 

299. Fin. keu-la, keu-la-s krummer Vordersteven eines bootes, 
vgl. ketwa n:o 294. — kiu-lu milcheimer. 

Sv. Lap. kau4 haken, fibula. — keti-1e ring, kreis. — keu-lo-t 
von einem ring umgeben werden (der mond). 

Öer. kaV'Ol ferse. 

Thomsen got. sprogkl. 124 erklärt f. keula für ein lehn wort 
aus an. kj6^ ahd. iio7, aengl. cetU celox, carina, und s, 125 f. 



85 

kitdu mulctra aus an. skjöla, sv. in Finland skjula (gesprochen: 
äüla). Der Zusammenhang mit den übrigen Wörtern fin. Ursprungs, 
sowie die ziemlich isolirte Stellung auf dem germ. gebiete scheint 
die oben gegebene etymologie zu sichern. 

300. Fin. kau'sa, kou-si, Tcou-si-hka gefäss zum schöpfen. — 
kau'ha id. 

Veps. Jcau'h id. — Liv. kau-S pl. koSid schale, Schüssel, 
Schneckenhaus, vgl. f. kaukalo n:o 7. 

H. Lap. guf'Se, sv. kok-se, en. kuksi, pl. küv-sch Schöpflöffel. 

— en. lap. kua-se, kuk-se schöpfgefass. 

Mok. Mord, kav-s krug. 

Ahlqvist, venäläisiä sanoja Suomen kielessä, Suomi 1857 s. 
92, erklärt kousa als entlehnt aus dem russ. EOBmi, KOBmnR'B. 
Das litt, hat kausa-s schöpfgefass, lett. kaus-s napf, schale, skr. 
kogOy koSa = *kauäa behälter, gefäss, eimer, knospe, schale, ei ; 
got. husa-s haus, an. fiaus-s schädel. Fick wrtb.* 47. Wegen 
dieser und noch einigen Wörter niAmt er eine würz, kus an, s. 
Fick Spracheinheit 85. Vgl. doch auch f. käü-ssä etwas gebogen 
und kousa = kuosu erhöhung zwischen den ackerfurchen. 

301. Fin. kivi stein. 

Veps. Est kiüi. — Liv. kiv pl. kivld, — H. Lap. gädgge^ sv. 
kedge, en. käögi. 

Votj. kö. — Öer. kü^ küä, b. kü, hü. — Ers. Mord, käv stein, 
fels, mtthle, m. kev pl. keft. — er. Uäven steinern, Kävev steinig. 

Magy. ko st. kövä. — Os^j. keu, S. kau%, kou%, — kevch stei- 
nern. — Konda Vog. kav stein. 

Budenz szöegy. 51. 

302. Fin. kova hart, stark, fest. 

Veps. kova, — Vot Est köva, — N. Lap. goavve, en. kuavve, 
Magy. kova kies = kova ko kieselstein. 
Budenz szöegy. 49. — Lindström 46 vergleicht türk. kevi 
stark, fest. 

N:o 303—305. kev, kep, kav leicht; gering, arm. 

303. Fin. kev-eä, kep-eä leicht. — kep-e-ne-n leicht werden. — 
vgl. kep-e-li schlecht. — hev-eä leicht, leichtsinnig. 

Veps. kehm pl. kehmad leicht. — Est. keb ja. — Liv. kev-üm, 
H. Lap. gäpp-as, gäpp-ad, sv. kepp-es, kepp-esaä, kciv-es leicht. 

— en. käp-a-ne-d leicht werden. 

Sjnj. ktp'ä'da attollo, elevo. — Votj. kap-d leicht. 
Magy. käv-eS wenig. — Ostj. OS. kab-ak leicht. 



86 

Budenz szöegy. 33. Nach Lindström Suomi 1852 s. 40 heisst 
iiu Ostjakischen bei Lumpokol haiäk leicht, bei Vasjuga kahdk. 

304. Fin. hmhä aiin. — köiVi-tü-ä arm werden. 
Vot. ööühä arm. — ööHhüs z= f. köühü-s armuth. 
Est. ÄY'Ära, kchv schwach, ohnmächtig, ann, gering. 

K. Lap. (jäfhe, sv. höve, en. kicTlie, L. kiävhi. — n. gäfho-t, 
en. kierhu'ö, L. kiäv/nitiid (Andelin) arm werden. 

Die estn. formen sind durch Umstellung entstanden. 

305. Est kiur dUnn fallender schnee. 
Liv. K'Ci\ L. kau schneball. 

Magy. hö st. hara schnee. 

Budenz szöegy. 163 stellt liö mit läpp, suovve nasser schnee 
zusammen. 

306. Fin. kerät frllhling. 

Yeps. kvvaz pl. keva-dc-d. — Est kcvade frUhjahr. 
K, Lap. ffidda, sv. kidda, enar. kiööa, 

307. K. Lap. duorv-a-f,^ cuV'U-dC't, sv. öuov-o-t, duoc-o-te-t 
folgen. 

■agy. köv-iit-ni folgen, nachfolgen. 
Budenz 77. 
N:o 308—320. kam, kom, kunu kirn krumm, rund. 

Steigerung kam. hiom. Äriiam, koam erweiterung kumm, kamp. 

308. Fin. kiVH-pH-riu käm-pn-rä krumm, schief, träge. — küm" 
pil-rä träge. — kam-pi knmimer griff, handhabe. — kanhpe-Ia 
krumuu schief, ungeschickt, s. butte. — kam-pe-Qy kam-pe-ne-n 
sich knimm ziehen, sich biegen. — kem-u-ra gedreht. — kim-me-l, 
kim-pv-lä schief. — kim-u-ra krumm, kraus, gerollt. — kom-mc 
erhöhung an einer fläche. — käm-ä-^ä schrumpfig. — kuöm-ä 
biogiuig. — iwiM-/>/H4 kraus, kompliment. — kam-e-Itä sich biegen. 
ktimm-i'-rtäy kamm-t^-itä krumm, schief machen. 

Sit kiim-a-r, köm-;^ kraus, lockig. — kim-a-r id. et schrumpfig. 
— kim-a-i^h-ma schrumpfen, kraus, runzelig werden. — köm-e-I, 
kOmm-i'-t hohlmesser, gebogenes messen — köm-e^dn-s krüm- 
mung, — ki$mm-a. him$H'H-h-.< gebogen. — kumm-a-U-fiey kiun- 
m-ii-miH^ couvex, gewölbt, — irwiMiM-f-r, kumm-e-rik concav. 

H. L%p, «n*iiM-.i*r gebogen, — «lofruHti-i» biegung — it. lap. 
i^m-ii-i\l^i xusauunenn>Uen, 

Hagj, kim-p%^ cJ gelH^gen, mit haken versehen. — ka^i-jM) ha- 
ke«. — k-m-x^ hoUoruer haken. — kam-iÜ'Hi mit haken ziehen. 

Fin verkiek h mit dorn imli^^raianischen zeigt, dass hier 



87 

dieselben wurzelforinen wie dort vorliegen: kam sich wölben, kam}) 
in xccfinra (skr. öäjm bogen, viell. aus kap, kam}) Boehtlingk Roth 
wörtb. II, 990) u. s. w. vgl. Fick spracheinlieit ()7. — Türk. ^äm- 
hur krumm. 

309. Fin. kum-pii hUgel in einem morast, hügelchen. — kupn- 
pa-re, kam-pc-le hügelchen. — kum-xm-a, him-pa-hu-a, kum-pü-n 
anschwellen, sicli erhöhen. — kom-pa-kko hUgel, unebener boden. 

Est. kum-mi'C erdhügel. — küm-p Unebenheit. — kum-mu-ma 
sich häufen, ansannneln. — kam-p g. kam-ha eine aus moorland 
hen'ortretende waldecke. — kom-p hUgelchen, höcker, erhöhung. 

— kämm geschwür. 

Magy. hom-j) httgelchen. — ijum-ö. t/ov^ö, [fifm-S tuberkel, 
höcker, knoten. — tjom-o-t ball, knäuel. — (jorn-ho-T ballen. — 
ijom-hO'S mit knöpfen versehen. — (ji>m-h kugel. — göm-hö-t die 
Sphäre, das nmd. — (jöm-bö-c das kügelchen. 

310. Fin. kam-a-rOy kam-a-ro, kam-c-la Schwiele, walke an der 
haut = kam-a-la walke, falze, fuge. — kam-a-na falze, fuge. — 
kam-a-rfu-a scliwielen bekommen. 

Est kam-m die hölzer des sättelchens, über welche der rie- 
men zu den femerstangen geht. — kam-a-r Schwiele am köpf. 

M. Mordv. kam-b-ras sattel. 

Dieselben formen kommen im indogerman. vor: xafiaga lat. 
cnmurU'S gewölbt, xfiile-^Qo-v =: iikla^Qov dach, wozu Fick. Spra- 
cheinheit 68, die urfonn kamla gewölbt konstruirt = as. himih 
Die Würz, kmar knimm sein, welche er im vgl. wört.* 1,82 auf- 
führt, ist wie Curtius ginmdz.* 130 bemerkt als wurzel unbelegt; 
Fick fühlt daher auch a. jenem orte die angeführten Wörter zur 
w. kam sich wölben. 

311. Fin. kam-pu krummbeinig. 

K. Lap. (f^inn-ppey sv. hmi-pe, en. kum-pe, kum-ppi^ der wolf. 

312. Fin. kamm-a, kamm-o, kam-io, kamm-io Schlafzimmer, kleine 
Celle, hohler räum, lepokammio grab. — kam-e-to, kam-e-tio höhle. 

— kam-a-Uo schrank. — kam-a-no grotte, hölüe. — komm-o kcV 
sten aus holz. — kopu-i, kom-u packlade, schauer. — kom-e, kom-i 
renzel aus birkeririnde. — kom-sio holzkasten, in w^elchem die 
Lappländer ihre kinder venvahren und auf dem rücken tragen. 

— komm-iOj komm-a-na, -no, -nos, koin-po-tü reishtitte im walde. 

— kom-e-fito vorderecke im ofen. — komm-a-kko, kamm-a-kko 
kleines gewölbe, kleiner räum, versteck. — kom-e-ro nische, celle, 



88 

schrank. — kumi-ska gedeckter lappschlitten. — kuom-iy kuom-u 
gedeckter Schlitten. — kuotn-en, kuoni-i-na scheune. 

Est. kumm gewölbe, Wölbung. — kumm-i-ke-ne dimin. — 
kumm-us Wölbung. — kum-o gefäss aus einem ausgehöhlten klotz. 

Sjrij. kum conclave. — Perm, kom ecke. — gum-a-van Schöpf- 
kelle. 

Magy. kam schrank. 

Im Jeuis. Samojedischen bedeutet kamoro haus, kam. sam. 
kam grab. 

313. Fin. kom-o hohl, sorglos, s. kome-ro nische, celle. 
Est. kumm-a-r höhlung. 

Magy. hmn-o-rü hohl. — hom-o-ro-d-ni hohl werden, ein- 
fallen. 

Ostjj. I. xötwa, S. kom-h'h blase. — Siehe n:o 319. 

314. Fin. kofmn-a muschel. 
Magy. ham-ä-r kronschnecke. 

315. Fin. kmn-o umgefallener zustand. — kunt-a-ra, -re, kuni- 
ä-rä pronus, umgeworfen. — kuni-a-Hä sich beugen. — kum-a- 
rrus biegung. — kimm-in, kamm-in gänzlich umgeworfen. 

Veps. kum-a-rda-n biegen. — kum-a-rte-ldorze sich biegen. 

Vot. kumm-o gebückte Stellung. — kum-a-rrorn sich biegen. 

Est. kumm-a-li, kumm'U'h', kumni-u-ti umgekehrt. — kumm- 

a-rda-ma, kurnnha-rde-le-ma beugen. — kumm-a-rdus das beugen. 

— kumm-a-nis bttckling. — kumni-a-ruzi geneigt. — kumm-u-rda-ma 
beugen. — kumm-uta-ma umkehren. — künmi-e'rda'ma bsugen. 

Liv. kun^ä'lis, kum-lis, kum-is umgeworfen, umgesttti-zt. — 
kum-ä-rd sich bücken. — kum-t neigen. 

H. Lap. gom-o, gohm-o-t, sv. kobm-o, kohm-o-t adv. umge- 
worfen. — SV. koni'O evertus. — n. gobm-a-t, gohm-e-rde-t, gobm- 
a-rda-lla-ty sv. ktibm-a-rta-Ilct, uts. kobm-i-rdi-t sich bücken, beu- 
gen. — n. gom-e-tC't, sv. kohu-e-te-t, kom-e-te-tj ktmi-e-te-tj en. 
kofn-e-te-d umwerfen = f. kum-ota. — n. gobm-arne-t, sv. kobm-a- 
fW't, en. kotn-a-ncö umgeworfen werden = f. kumouta. 

Syij. kini-a subverto. — km-iti deorsum. 

Perm. kim-iA^ kim-in mit dem gesicht nach unten gewendet. 

Öer. koffhduk zurückgebogen. — kuni-uk pronus, deorsum. 

— kum-a-la-m sich beugen. — kton-u-kte-fpi evertere. 

Ers. Mord, kam-a-mo bückling, beugung. — kom-a-n, m. = sich 
bücken. — ers. kom-a-iio-n umwerfen, beugen, m. kofn-a-fia-n. 
Jur. Samojed. Mmjüj Mmgü umfallen. 



89 

316. Fin. kofna unebener boden. — kom-ai-sto, kome-hi-Mo id 
mit umgefallenen bäunem. — kotn-pa-kko unebener boden, hügel. 

Est kom-plüc uneben, höckerig. — Sv. Lap. kibh-el uneben, 
mit kleinen erhöhungen. 

317. Fin. kom-pa-htä straucheln, stolpern. — h^n-pe-lo subst. — 
köM-pe-lö einer der strauchelt. — köm-pi-ä straucheln. 

Est. kam-busta-ma stolpern. — käm-pi-fna mtthsam gehen, 
humpeln. — kon^a-htu-ma plötzlich stolpern. — kom-bc-rda-ma 
stolpern, holpern. — kom-i-sta-n, kom-a-sta-ma, komm-a-sta-ma^ 
kum-a-sta-fna straucheln, stolpern. — kon^pi-ma, kom-pa-ma, kum- 
m-a-sta-ma, kumm-a-stu-ma stolpern. 

8v. Lap. kom-peste-t straucheln. — Gleichsam in biegungen 
gehen. 

318. Fin. kom-pa-ile-n ränkevoll sein, anzetteln.. 
Liv. koninv-öd list, tUcke. — komm-ö-li listig. 
Magy. hom-oäj ham-iä falsch, schelmisch. 
Vgl. f. kavala aus kav n:o 298. 

319. Fin. kanud-o, kama-h-lo, ka-h-ma-lo doppelte band voll. — 
kämme-ne nom. kämmeti die flache, hohle band. vgl. kärnnte-r-tü-ä 
krumm, schief werden. 

Veps. käinen pl. kämned, — Vot. Öärnfnä-L 

Est. kämma-l id. — kamcd g. kamorlu beide hohle bände zu- 
sanunengelegt. — Liv. kotna-l, karna-l handvoll. — käm-u-l hand- 
fläche. 

H. Lap. godbme-r, sv. koäbnie-r, en. kuabme-r (Andelin) die 
hohle band. — en. kärnnw-d mittelhand (Lönnrot). 

VgL Perm. kimi-iSan das händewaschen. 

Ers. Mord, komo-ro handvoll, hohle band. 

Budenz szöegy. 133 zählt noch hiezu m. mord. kurn^s, ler. 
kortnuz hohle band, die er durch Umstellung aus *kumr€^, ^kom- 
ruz erklärt, und vergleicht noch magy. homor hohlung. Die würz, 
ist gemeinschaftlich. 

320. Fin. ken-kä schuh. — ken-kiä, ken-gittä mit schuh ver- 
sehen. 

Veps. keh-g id. — Vot. öm-öä. — Est. keh-g, kin-g. — Liv. 
Hen-ga^ känga, Uen, L. kän. 

H. Lap. gam, gen. gama, sv. kabm-ak, uts. käma. — uts. 
kämü'ti't mit schuh versehen. 

Syij. körn schuh, nin-kmn bastschuh = f. nini-kenkä. — kö- 
ma-la, kömä-da mit schuh versehen. — Perm, körn fussbekleidung. 



90 

Er». Mord, kerne Stiefel, m. kämä. — Öerem. w. b. kern cal- 
ceus turcicus. 

Mag^. kän-(f in kämUäl Steigbügel, was wohl aus känd schuh 
+ äl — cd das untere zusammengesetzt sein dürfte. 

08tj. kni'ö Strümpfe von weichem rennthierleder (Castr^n, 
Ostj. gram. 81), ät^/-,s' (Ahlqvist). 

Urspr gestalt kern, kam mit derivationssuffix ka im finn. hat 
die bedcutung: fussbedeckung aus haarigem leder ohne schaft, 
ein s. g. Lappenschuh. Ahlqvist kulturord 13*2 nimmt mit recht 
an, dass sv. känga und niss Kcubra aus dem finnischen entlehnt 
sind, was auch Thomsen got. sprogkl 39 billigt. Schon Öhrling, 
Lindahl-Öhrling, Lexicon Lapponicum Holmiaj 1780 s. XXXV not., 
macht auf die Übereinstimmung mit gi'önländisch kamik, hamahak 
schuh aufmerksam. 

N:o 321 — 331. kam, kom, kum, kirn dumpf schallen, klingen. 
Steigerung kam, kam, hwm, keim, klm. Erweiterung kämm. 

321. Fin. kam-a dumpfer schall =r kam-u, kom-u, kam-i-na. — 
kam-a-htä, kom-äu, kom-aja-n dumpf tönen. — kom-a-kka dumpf 
tönend, stolz. — kam-ea dumpf tönend, prächtig, glänzend. — ätmw- 
a-htä, köm-ä-htä dumpf tönen. 

Vot. kum-u dumpfer schall. — kum-e-a klangvoll. 

Est. kom-e dumpf tönend. — komm-in dumpfes donnern. — 
köm-a-hta-ma einmal dumpf donnern, schallen. — k^rn-in, komm-in 
dumpfes donnern, lännen, undeutliches reden. — köm-i-sc-n, kön^ 
a-ma, kum-a-ma, kum-i-se-n, kum-tima dumpf schallen. — köm-n 
schall, getöse. — kum-a dumpfer ton. — kun^e nachhallend. — 
kum-in, kumm-in getöse, gemurmel. — ktimm-e nachhallend. — 
ktmm schall. 

Perm, gim donner. — gim-a-l-ni donnern. — gm-ghtu schla- 
gen, dumpfes getöse verursachen. 

In mehreren wurzeln vereinigen sich die zwei bedeutungen: 
glänzen, klingen; dass gemeinschaftliche der empfindung ist eine 
unruhige erschütterung, vgl. n:o 52, 201. Auch auf andere Sin- 
nesorgane wird daher die bedeutung übertragen. 

Auch hier giebt es auf indogerm. boden eine obwohl ent- 
ferntere analogie in lat. gemcrc, welches von Fick spracheinh. 69 
in Verbindung mit litt, kimu heiser werden, kamane waldbiene, 
preuss. camus\i\m\mt\, gebracht wird, dabei er skr öam schlürfen 
vergleicht, würz. kam. Curtius^ 160 macht doch andere glei- 
chungen. 



91 

322. Fin. i/wi-a scharf, hell, heiss, glänzend = kim-cä, kim-a-lka, 

— kim-i-se-H, kim-a-hiä, kim-a-jü, kim-a-ta hell klingen. — kirn- 
a-rtä, kim-a-ltä, kim-e-lta, kim-e-lte-le-n glänzen, glimmen. — klm-a- 
se-piy klm-a-ta-n hastig sehimmeni. — kum-a glänzend, schimmernd. 

— kum-ea klingend, leuchtend. — kum-ä-n, kutn-a-hiä tönen, klin- 
gen. — küm-e dunkler glänz, hitze. — kftm-a, -akka heiss. 

Vot. kiim-ea klangvoll. — Liv. kümi heiss, glühend. 

323. Fin. kion-a-kka rother band aus baumwolle. — kamatsu 
baumwollener stotf. 

Est. kum-i-ta-pna eine borte einnähen, eimvirken. 

Kagy. htm gestrickter zierrath. — hlm-ä^ bunt ausgenäht, 
gestickt. 

OsQ. I. klm-ci, S. klm-ei falte, säum. 

Schiefoer, Castrens ostj. gram, vergleicht Tawg. sam kanisa 
falte. 

324. Fin. kim-xm-ra sauer, herbe, den mund in runzeln zie- 
hend. — kim-a-la, kim-a-ra, käm-c-rä herbe süssigkeit. — kom-u 
moderiges geruch (dumpfer schall, gedeckter Schlitten, guter wald). 

Die anschauung auf den geschmack und geruchsinn über- 
tragen. 

325. Fin. künia-la seltsam, wunderbar, widrig, ängstlich. — 
kam-ea dumpf, seltsam. — küm-ca düster, schau<lerhaft. — kamo, 
kammo Schauder, entsetzen. — kam-o-a, kamm^oa, kam-u-ia, kam- 
fim-stu-a, kamm-a-htä schaudern. — kom-i-nc entzücken, Zauberei. 

— katpi-e-hti-a zaubern. 

Magy. kom-o-r düster, mürrisch. — kom-o-F ernst. 
Man führt ein Vogulisches wort kanumm schaudern an. 

326. Fin. kumma wunder, sonderbar, wunderlich. — kumma- 
sta-Hj 'Ste-len, -stu-ny -ksn-n, kummc-lcsi-n erstaunen. 

Vot kumma wunder. — kummi'tte-le'n sich wundern. 

Est. kumniri-ma, -ta-ma spuken, furcht einflössen. — kumm-i- 
iU'S schreckhafte erscheinung, gespenst. — Liv. knm-s, P. kutn 
gespenst. 

H. Lap. gobtno gespenst. — enar. kohme kleine gute geistcr, 
welche man in der erde sich aufhalten glaubte. Im finn. heisst 
man sie keijuiset 

327. Fin. kam^na-kka dumpf, düster, gefährlich. — kem-a sorg- 
los, Unglück, schaden. 

Ers. Mord, kum-o-ka fieber. 

328. Fin. kc^n-u dumpfer schall, nebel. 



92 

H. Lap. guobm-O't dunkel werden. — gtiobfn-o-det verdun- 
keln. — SV. kuobni-e fäulniss. Vgl. kinie «rugo. 

Syrj. kimä-r nubes. — Perm, ktmö-r id. — ktmö-ra wolkig. 

Magy. honm-t dunkel, dunkelheit. 

Der Übergang vom hör- zu dem seh-sinn ist im finnischen in 
einem worte vorhanden. Budenz szöegy. 131 führt die lap. und 
magy. Wörter zusammen und stellt zu ihnen noch sv. lap. kvolnw 
dämmerung, f. kaimo. Das letzgenannte dürfte doch zur w. kai 
gehören, s. n:o 32. 

329. Fin, kem-u geräusch, getöse, feier. — kimo begierde 
(= himo), (Schimmel mit weissen u. rothen haaren), vgl. küme. — 
kima spiel, brunst. 

Est. kimpsa-ta-ma hadern, streiten, zanken. — kömin undeu- 
tliches reden, schallen, lärmen. — kömti getöse. — Äim g. kima 
begierde, bruufet, geilheit. 

Liv. kimp lärm; bündel=:f. kimppu, 

Sv. Lap. kima, kimes, keime catuliens, brunstig. — keime-t 
catulire. 

Magy. hämpo-l-ni ausspotten, vexiren. 

330. Fin. kimalainen, klmatainet^ hummel, wilde biene. 

Vot. öimo wilde biene. — Est kima-la-ne^ küma-linCy kirne- 
line, id. 

Vgl. f. kima-ja-Hy kimän sausen, summen. — N:o 321 anm. 
wird auf die ähnlichen bildungen in litt. Mmu heiser werden, ka- 
mane waldbiene, preuss. camtis hummel, adh. humbal aufinerksam 
gemacht. 

331. Fin. kimm-a zurückstossen, elasticität. — Mmma-kka hüp- 
fen, getöse. — kotmne g. -pjn stolpernd, stoss, Unglück. 

Est. kom-p-ma klopfen, stampfen. — kum-i-kas schaUender 
schlag. 

Magy. komm-an-ni leicht klopfen. 

332. Fin. kamsu eine ait blutwurst. 

Est kama hafermehl, mehl von geröstetem getreide. — Liv. 
käm^ ungesäuertes brot. — Sv. Lap. kam-sa blutwurst. 

Magy. gömböc die magenwurst. 

Lindström, Suomi 1852 s. 33, führt auch das Angermanlän- 
dische wort kams auf. 

334. Fin. kfoni grosser fluss, der Kymmene fluss. — kernt gros- 
ser fluss in Nord Finnland, steiles flussufer. 

Vot däme bach. — Vo^ak. kam fluss, ström. 



93 

Ahlqvist vot. gram. 131 stellt das wotische wort alternativ 
entweder mit f. Tcemi od. mit est. Mm feucht zusammen. Vgl. 
hier doch f. Mmf schäum, est. hüm, und den Zusammenhang mit 
f. kumpua, est. kammuma. Im Ostj. heisst I. ;i;ama, S. kotnlan 
blase, vgl. f. kq^ru schäum, kupla Wasserblase, n:o 274, 286. 

Nach Castr^n, Ethn. föreläsn. s. 104, stammt die tatar. be- 
nennung des Jenisei-flusses ketn aus demselben worte, wie über- 
haupt viele der Nord-asiatischen oilsnamen aus der iin. spräche 
erklärt werden können. Kenii ist auch name eines Wasserfalles im 
fin. kirchspiel Ilmajoki, s. kielitiet. osak. keskustel. 2,63. — Wahr- 
scheinlich hat Wolgas beifluss kama, welcher durch das gebiet 
der Permier und östlich von dem der Votjaken fliesst, seinen na- 
men von Permischen stammen bekommen, oder ist die benennung 
vom brausen des flusses genommen? 

335. M. Mordv. keniä fest, hart, geizig. — ers. käme. 
Kagy. kämt'H hart, fest, spröde. 

Budenz szöegy. 1 fi. — Ostj. Samojed. kl/m, küm^ käm^a hart. 

336. Vo^. kum'ir knoblauch. 

Magy. hadma lauch. — Vog. kuosm wilder lauch. 
Budenz szoeg. 90. 

337. Syij. Perm, komi einheimische benennung des Volkes bei 
den Syrj. u. Penniem. 

Kagy. hlm das männchen (bei thieren). 

Of^'. I. xui mensch, mann, männchen, S. kniy ht. 

Vog. kum mensch, Kond. jrww*, D. kam, kaim, kui männchen. 

Budenz szöegy. 123 stellt die ugrischen formen zusammen. 

338. Perm, kun-tii schliessen (die äugen). 

Öer. kum-e-m schliessen. — Ers. Mord, kon-a-n, m. kon-e-n 
schliessen, sich schliessen. 

Kagy. hün-ni id. — Vog, kuaii-te-m schliessen. 
Budenz 145. 



339. Fin. Mksi, häJiti, hafiti schiff, fahrzeug. 
8v. Lap. hakse, hausa. 

Ahlqvist kult. 152. Thomsen 39 rechnet das wort unter 
denen, welche das schwedische aus dem finn. aufgenommen; es 
konmit dort als hakks, hakksä vor, vgl Rietz, ordbok öfver sv. 
allmogemälet s. 235. 

340. Fin. hefih-i hauch, luft, lufthauch, athem, seele, geist. — 



94 

hefik-ä-n, henh-i-ä hauchen, athem ziehen. — hönk-ä lufthauch, 
meeresluft, aufwallen. — hönk-ä-n leise wehen. 

Vep». heftg athem, seele. — heitg-ia athem ziehen. 

Vot etiö'i athem, leben. — enn-ä-hiä-n athem ziehen = f. 
Jwngähdän, vep». hengaJiian, 

Est. hing gen. hinne athem, hauch, bewegte luft, duft, ge- 
nich. — hihg-a-n athmen, verrauchen, ausruhen, nicht luftdicht 
sein. — hing-a-sia-n schnell athmen. — ong gen. oniiu hausgeist. 

— höng g. höitgii hauch, athem, des riechen. — köng-a-n duften, 
riechen. 

Liv. jehg, L. jän leben, seele, geist, person, athem. — jmg-ö 
athmen, hauchen, ausruhen. 

H. Lap. häg, sv. hägga leben, seele. — En. jiegga geist, 
leben. 

Öer. jing mensch, b. jäng seele, geist. 

Budenz szöeg. 312. Ich habe die Wörter, welche nur geruch, 
gestank bedeuten, unter einer besonderen nummer aufgeftihrt, da 
man solche auch im finnischen findet. Siehe häkä, 

341. Fin. häijü schlecht, böse, gemein. 
Konda Vog. xajev schlecht, feindlich. 

342. Fin. här-kä ochse. 

Vops. här-g, — Vot. är-öä, — Estn. häf-g gen. häfja, härä. 

— Mr-i'k g. häriku ochskalb. 

Liv. är-ga, L. är-g. 

H. Lap. Mr-gge, utsj. här-ggi rennthierochs. 

Syij. kör rennthier. — Perm, kör hirech. 

Ostj. S. kür, %är ochse, kär-fau hengst. 

Vog. Aar, ^öf**, Arr, jr^^r, kir ochse. 

Unzweifelhaft gehören die obigen Wörter zusammen. Das- 
selbe wort streckt sich aber über den ganzen Altaischen sprach- 
stamm: Jurak Samojed. höra rennthierochse, stier; Tawgy sam. 
kurti, ostj. sam. koi- stier, ko2)tc hir ochse; kam. sam. kura ochse, 
Jen. sam. kZre, höre rennthier, kura, kula stier. Im Türk. ist ö-küs, 
o-yt(s ochse, im Burjät. erc kur (männliches vieh) ochse, Tungus. 
Ini'kur, u-kur, ör-gö ochse, vgl. Hunfalvy Vog. föld 285. — Hun- 
falvy, utazäs etc. l,87o ist der ansieht, das ung. ökör aus dem 
tUrk. öküs durch Vermittlung des cuwassischen entlehnt ist. 

343. Fin. hcrp'O'a'n = *herpodan inf. hervota erliegen, betäubt 
werden. — hnp-Oy herm-Oj hcrm-u Ohnmacht. — kirp-o-a, kirv-o-a 
los werden, fallen, abfallen. — A/ty-ö-w, AiVr-ö-w id. 



95 . 

Veps. kerh-(hn fallen, Jccrh-ta-n fact. 

Magy. hän-a-d-ni, Mri-'a-do-s-ni welken, hinwelken. 

Budenz szöegy. 158 stellt Mrvadni zu herpoa. 

344. Fin. hil'ja ruhe, stille; ruhig, still, leise. — hil-jv-ue-n 
ruhig werden. — hil-je-nia beruhigen. — hilU sanft. — hilUi-ce-n 
beruhigen, zähmen, hemmen. — M-ti mässigung, hemmniss. — 
hil-ja-i-se nom. -/wew, hd-ja-kla-ha nom. -kas still, sanft, langsam, 
spät. — hil'ja-kko eben veiHossene zeit. — hil-ja-sfu-n spät wer- 
den. — lul'ä-n, hil-a-ja-n schleppen, streben, sich mühsam vor- 
wärts schleppen. 

Veps. hil'd still, ruhig. — hil-dn-s ruhe, sanfter gemUth. 

Est. Ä/7-/, st. A/7-j«, il'dn, hill-a (Dago) spät, nachfolgend, 
langsam, leise. — hiJ-jn sachte, stille. — hil-ja-n, ll-a-n verspä- 
ten. — hil'ju'ke')ie dim. langsam, leise, sanft, verspätet. — hiP- 
ja-k g. 'ktt neulich, vor kurzem. — hif-ja-ti, hif-ju-ti neulich, spät. 
— hil'ju'H langsam gehen, schleichen. — Liv. 7/-/-// langsam. 

H. Lap. hill'jfj hil-ja-u langsam. — hil-ja-sc-f als langsam 
ansehen. 

Magy. hal'k leise, still, sacht, langsam. — hcd-kl-ta-ul schwä- 
chen. — hcd-a-sta-ni verschieben, aufschieben, zögern. 

Lindström 20. Budenz szoeg. 155. Möglicherweise ist auch 
enar. lap. sucdgai still, leise (Andelin, Acta soc. fenn. VI, 480) 
hieher zu rechnen, obwohl ein ,v in den amleren sprachen nicht 
vorkommt. 

345. Fin. huone haus. 

Est hone. — Sv. Lap. huana. — Magy. Itov, kann heimat, 
Vaterland. 

Lindström, Suomi 1852 s. 22. Blomstedt, Hai. B. 162 note. 

Das tatar tttrk. jurt bereichnet sowohl wohnstelle als hei- 
mischer boden, land. Im pers. bedeutet xä7w haus. Schott alt. 
stud. 5,38. 

346. Fin. huntu weibUche kopfbedeckung, Schleier. 
Hagy. konf haube. 

Lindström 22. Ahlqvist kult. 140. 

347. Fin. hei-tä-n weifen, verwerfen, lassen. 
Veps. im-ta-n verlassen. — Vot. ei-fä-n id. 

Est hei'da-n werfen, legen, sich werfen. — Liv. ei-i pr. Ttaby 
L. e-t werfen, verwerfen. — ei-ta-m, e-ia-m wurf. 
Magy. haj'1-t-uiy hait-l-f-ni werfen, schleu<lern. 



96 

Os^. t-de-m, ei-de-m verlassen. — xai-de-mj xat-ge-m verblei- 
ben. — xat-de-pte-m nachlassen. 

Lindström 19. Budenz 154. Schiefher C. ostj. gram. 77 
bringt das ostjak. wort mit f. jäfän, ier. ködern, syij. kofa zusam- 
men, so auch Linström a. o. Oben n:o 49 habe ich magy. hadni, 
ostj. xaidem zu f. läpp, guodam gestellt; vielleicht ist es doch bes- 
ser sie beide hieher zu führen. Möglicherweise wird es künftighin 
gelingen sie alle zu verbinden. 

348. Fin, jä-n bleiben. — jä-tä-n lassen, verlassen. 
Vept. jä-^i inf. jäda bleiben. — jä-ta-n fiact. 

Vot jä'tä-n fact. — Eit jS-w bleiben. — jä-ta-n lassen, zu- 
rücklassen. 

Liv. jä'd = f. jä'dä bleiben. — pnes. je-tä-bj jä-täb fiact. 

Budenz 89 stellt dies wort zu mag}', had-ni welches ich mit 
den Übrigen verwandten davon scheide, siehe n:o 49. 

349. Fin. hepoj heio-nm st. -se hengst, pferd; stute (Ljungo 
Thomae gesetzes- übei-s.). — russ. karel. hepo-cu, hevo-cu stute. — 
upe hengst. 

Vops. hebo stute. — ubeh hengst. — Vot oppo-nu id. 

Eit hebu g. Imi stute. — hobu-ne gen. hobuse, house, kose 
pferd. — hobti, hobo gen. hclbu, hau, ho pferd, stute. 

H. Lap. häv(hSy sv. Mpo-s^ utsj. Mbu-ä, en. häro-s pferd. 

Ahlqvist kult. 8 erklärt hepo als lehnwort aus dem in sUd 
Schweden dialektisch gebrauchten hä2}pa, häpä stute, dän. hoppe, 
welches vielleicht in Zusammenhang mit sv. hoppa, d. hüpfm steht. 
In ähnlicher weise kan doch das f. hepo auch zu f. hoppu eile, hop- 
puinen eilig geführt werden. Munch, Norskt Maanedsskr. 1,«? sieht 
in f. hepo eine Umstellung des got. aivs = *ehvs (equus), was Thom- 
sen got. sprokl. 68 note als ebenso zweifelhaft wie die herieitung 
vom dän. hoiype betrachtet. Im ostjak. heisst pferd kopt, koi)ta 
(Europa^us), im Jur. Samojed. obfe, üöbfe, ochs heisst Jur. Samo- 
jed. Itäbta, habt, häbfe, Tawgy hiabta'a, Ostj. Sam. köpfe, kfipte, 
kuopte. Da im ostj. sara. kor-hlr sowohl pferd als stier bedeutet, 
lässt es sich denken, dass sich ein Zusammenhang zwischen allen 
diesen findet, obwohl das suffix ta hier schwierigheiten bereitet. 
— Lindström MS 29 erinnert an magy. habökcimi galoppiren, was 
doch nicht gut passt, da ung. h gewöhnlich einem fin. k entspricht. 

350. Fin. humala hopfen. 

Veps. hufnal. — Vot umala. — Bit. humal, umal, — Liv. 
umäl. — H. Lap. ftofnbel. 



97 

Ers. M. JcmnaTa, m. honüä. — Öer. umula, omala, 07tda, umJa, 
— Magy. komtö, — Vog, qmnle'X. 

P. Hunfalvy Nyelvt. közl. III, 22. Thomsen got. spr. 117 
derivirt die finnischen formen ans an. humli, humaJJ. Ahlqvist 
kult. 37 betrachtet dies wort als eins der wenigen, welche dem Indo- 
europäischen und Altaischen sprachstamme gemeinsam ist. Bu- 
denz, Vocab. Cer. 14, hält es für ein ftivaio-tatarisches lehnwort. 
Im tatar. heisst es qumlaq, xomlalc, Cuv. xumJa, Miklosich slav. 
elem. 30 giebt zu, dass bei der annähme der entstehung des 
kotiüoy kanüä aus dem slav. xmeF das k für h Schwierigkeiten 
macht. 

351. Fin. tieimo familie, geschlecht. 
Vot aimo. — Est. öim, 

Liv. aim pl. aimod gesinde, hausgenosse, heimath. 

H. Lap. hämo verwandter (Lönnrot) häimu (Andelin). 

Mong. aimak stammesabtheilung, horde, Burjät. aimak fa- 
milie, Tungus. ainmn horde. — Thomsen got. spr. 116, der mit 
den obigen auch n. lap. aibmo, sv. en. aimo in der bedeutung: 
sevum, Status vivorum, mortuorum, Universum naturse verbindet, 
ist geneigt alle aus an. heimry got. haims herzuleiten. Die lappi- 
schen Wörter welche zunächst laß bedeuten, sind jedoch ohne 
zweifei nebenformen zu albme himmel = f. ilma luft. 

352. Fin. häst-a-n sagen. 

Os^' jäst-e-m id., jäst-l-de-m frqv. 
Schiefher, Castr^ns ostj. gram. 85. 



353. Fin. jakku, jakka-ra kleiner sessel ohne lehne, Schemel. 
— jukkii-ra holzklotz. 

Syij. Perm, jag wald. — Os^j. jux bäum, wald, holz. — Vog. 
ju id. 

Tawgy samojed. j^ika, jenis. juko holzscheit. Europa^us, Suomi 
II, 7,41, der die fin. perm. gleichungen nicht macht, derivirt ju-x 
vom Suvas. jivTs. 

354w Fin. jak-ä-^, ja-a-n, st. jaka theilen, vertheilen. — jak-e- 
le-n, jak-ai-le-^ jak-aeske-le-n allmälich theilen. — jak-o, ja-a-nto 
theilung. — ja-o-ta-n, ja-o-tte-le-n fact. 

Veps. Vot. jag-a-fi theilen. — Est. jag-a-n, jäg-a-n, jag-a-ta-n 
theilen, austheilen, schelten, schimpfen. — joö'-w, g. ja^, jäg-u 
theil, abtheilung, plan, streit. — ja-u-ta-n, eintheilen. 

7 



98 

Liv. jag-ü'by jag-ä-b theilen. — jag-n theil, brach, abgäbe. 

H. Lap. juakk-e-t, sv. jitok-e-t theilen. — n. jfiokk-Oy sv. 
juok'Oy en. jnoh-o theilung. 

SjT]. juk-a theilen. — Vo^\ juk-o, luk-o id. — Syij. Perm. 
juk theil. — Vo^. juk-et, tuk-et id. 

M. Mord, jav-a-n theilen, frqv. jav-hnda-n. — ers. jav-o-n, 
jav-no-n, jav-se-n, jav-to-n, jav-no-kS-ne-ny jav-si-kä-tie-n trennen, 
absondern, theilen, austheilen. — jav-mo trennung. 

Ostj. juk-an loos, antheil, theil. 

Castr^n gram. syrj. 142. Lindström 2G. Ahlqvist mord. 
gram. 153. Schiefner C. ostj. gr. 87 bringt auch magy. sjzak mit 
obigen in Verbindung, welches Budenz 313 zu f. halkTn stellt. 

N:o 355—359. Wurzel jok kommen, gelangen, fliessen; mit 
Vokalsteigerung juok, jouk. 

355. Fin. juok-se-n laufen, eilen, rinnen, gerinnen. — juak-se- 
fe-w, dial. jua-ske-le-n frqv. dim, jok-sa-hda-n niederfallen. — jouk- 
a-hda-n, jucik-a-hda-^i schnell eintreffen, gelangen. 

Veps. jok-se-n laufen, eilen. — Vot. joh-se-n laufen, fliessen. 

Est jdk-se-fif jök-s-ne-n, jöske-n, jö-ze-n inf. jösta laufen, ren- 
nen, fliessen. 

Liv. juok'ä, L. juok-s, pr. -snby -seb laufen, fliessen, rinnen. 

Sv. Lap. jok-s€'t, n. juf-sa-t eintreffen, erreichen, gelangen. 

— SV. jok-se-h-t frqv. schnell en'eichen. — en. jak-sr-d erreichen, 
vermögen. 

Magy. u-z-ni jagen, treiben, nach Budenz ui-spr. nachlaufen. 

— ü-zä-ke-d-^n stieren, rindern. 

MögUch dass auch sUrj. jökia, ostj. jagrm L, jikum S. tan- 
zen zu derselben wurzel g(*hört. Ob man auch f. j«Ä>'rtw ertragen, 
vermögen, hieher rechnen soll, mit derselben Übergang der be- 
deutung wie in f. joudan, dürfte noch unsicher sein. Lönnrot 
Acta soc. fen. IV 225 stellt es mit en. lap. jnksii zusammen, wo- 
gegen Budenz szöeg. 187 f. jaksnn mit sv. lap. jokset, u. jufsat 
verbindet und hält alle drei identisch mit magy. Jozni siegen, kön- 
nen, im Stande sein. Das fin. est. liv. juoh^m stellt er zu uztü 
szöegy. 821. — Der im fin. epos bekannte x\k\\\q jmtkcdiamm stammt 
ohne zweifei aus der obigen wurzel und bedeutet sonach einer 
der schnell vorwärts läuft, rennt, ein charakterzug den er ganzbe- 
sonders bei der begegnung mit Wäinämöinen in den tag legt. 
Vgl Kalev. helpoh. pain. s. 356. 



99 

356. Fin. jon'dii-n gelangen, eilen, reif werden. — jou-da-n 
gelangen, ledig sein, können. — jou-da-hda-n, jov-a-hda-n schnell 
gelangen, hinkommen, ledig sein. — joH-iä-niu-a ledig sein. — 
joh-du-ny jauh'du-ti, juoh-du-n gelangen, hinkommen. — joh-da-n^ 
juoh'da-n leiten, führen. 

Veps. jon'da-n ledig sein, können. 

Est. jöu-a-n inf. jöu-d-ma eilen, ankommen, können, vermö- 
gen. — jöU'U'ia'H beeilen. — juk-a-n gleiten. — juk-a-ta-n zu- 
weisen, leiten. — juk-ti-ma lenken, ftlhren. — joh-tu-n, juk-tu-n, 
juh'U-n sich ereignen, treffen. — juk-u-fa-n fügen, treffen lassen. 

Idv. JH't pr. jii'tüb sich treflFen, ereignen. — juä-da-h, jö- 
da-hj jud-ndd-b führen, leiten. — jua-nd treffen. — jud-n anlauf, 
bewegung. 

H. Lap. joav'dde-t, sv. jou-te-t gelangen, eintreffen. — sv. 
jou'Se-t erreichen. — n. jo-tte-t, jo-Ue-U-t laufen, verfliessen, sv. 
jo-tU't progredi, procedere. 

K. Mord, jo'ta-n, ers. ju-ta-n vorbei gehen, übersetzen. 

Magy. jon'nizzi*jäv-ni pr. jöv-ök kommen. — jöv-es das kom- 
men. — ju't-ni hinkommen, gelangen — f. johdun. — ik-fa-f-vl 
einschalten, einführen = johiatni =: f. johdatan leiten, anführen. — 
do'2-ni siegen, können. 

Ostjj. ßg-e-m US., juc-e-m, juw-e-m, jug-a-m OS. kommen, 
werden, sollen. — jäx-fe-m L, jög-o-de-m US., j?7^-o-cf^-m OS. kom- 
men, eingehen. — Vog. ß-m kommen. — joh-fe-m hinkommen. 

Budenz scheidet xxng.jom \or\jutm szöegy. 175, 17G mit jenem 
nur ostj. jfgetn, jitreni zusammenstellend. Indessen scheinen be- 
sonders die fin. fonnen auf eine gemeinschaftliche wurzel jok mit 
der bedeutung: kommen, gelangen zu deuten, aus welcher einer- 
seits durch Schwächung joh-dun wie f. kaksi kaliden, andererseits 
entweder durch vokalisirung des k joudun, wie f. nauran aus nak- 
ratiy oder lieber durch Wegfall eines h hervorgegangen. Im Lap. 
Mordv. Magy. fällt es vor dem suffixiven t weg. — Blomstedt Hai. 
Besz. 182 ist der ansieht, dass die passivische verbalendung-Jurn/, 
juvUy ovo, ava, ßi, u im Lappischen aus dieser Nvurzel stamme, 
sowie auch die fin. uiu, u, vu, was wohl zunächst auf begriföiche 
Schwierigkeiten stösst. 
357. Fin. joke nom joki fluss. — juka Wasserfall. 

Veps. jogi plur. -ed, jögi, -ed fluss. — jog-ud bach. — Vot. 
joöi bach, fluss. 

Eit. jögi fluss, Strom, bach. — jogev st. jögeva fliessend. 



100 

strömend. — juga gen. joa Wasserfall. — Liv, jog pl. jogüd^ jok, 
joiig, joig, L. jok fluss, bach. 

H. Lap. Joga, jok, uts. jokka, fluss, sv. jok, juk, jokka bach. 
— en. juho fluss. — Syq. ju fluss. — Perm, ju, j\mt\ 

Magy. jö in Ortsnamen wie: §ajd = Sav-jd salzbach, H^ 
= fl^ö warmbach. — Vog. ja, je fluss. 

Ostj. jeaga kleiner fluss, nebenfluss, — joga (Europseus). 

Lindström 26. Schiefher C. ostj. gr. 85. Budenz 172. Die 
magy. Ortsnamen betreifend vgl. Hunfalvy Nyelvt. közl. VI, 351. 
Samojedisch heisst fluss jur. jaha, jen. jaJia,joha, kam. (faga, faga; 
im taigin dial. nach Pallas öaga, motor. Joga. In seinem aufisatze 
„tietoja suomalais-ungarilaisten kansain muinaisista olo-paikoista^ 
erklärt Europaus, Suomi 11, 7,32, eine menge Ortsnamen in der 
weise, dass die endung ja, ia, io im finnischen als rest des ost- 
jakischen joga = f. joki anzusehen sei. Da aber das sufiF. ja im 
finnischen auch sonst ziemlich häufig ist, sehe ich nicht ein wa- 
rum es besonders in Ortsnamen entlehnt sein soll; am allerwenig- 
sten ist sein Ostjakenthum erwiesen, da man noch im lappischen 
eben so nahe liegenden formen hat. 

358. Fin. joukk-o häufen, menge, Sammlung. — jmikk-io ge- 
sammelter häufen. — joukk-oi-le-n, jouk-O'tte'h'n sich haufenweise 
sammeln. 

Est jöuk g. jöugu bände, compagnie, rotte. 

H. Lap. joavkk'O, en. joavkk-ti häufen, menge. 

Votj. juk-a-lo, tuk-a-lo sammeln. — luk heerde, Versamm- 
lung, häufen. — Magy. düA-ni sich sammeln. — dü-jt-ä-ni sam- 
meln. — (Tü'hälj Sammelplatz. 

Budenz 189 verbindet mit den obigen magy. dulni sich sam- 
meln, düjtem sammeln, wie est scheint mit annähme einer Über- 
gang / = w. Indessen dürfte das wort zur wurzel jok gehören, 
dabei regelmässige Steigerung eingetreten. 

359. Fin. jU-sto käse. 
Est JH'St g. JHstu id. 

Ahlqvist Suomi, toin. jaks. VI, 78 und kult. 5 folg., sowie 
Thomsen got. sprogkl. 57, 118, leiten dies wort aus dem an. osity 
indem Thomsen, da das fin. nie ein j vorsetzt, ein gotisches 
*JHst-s construiit, welches sich dem skr ju-üa-tn, lat. jtis, a. sl. 
jucha suppe, litt, jusze (gr. t^fiosy t^M) aus w. ju umrtthren, 
mischen, anschliessen würde. Schon Ihre hatte jüsio mit f. juosta 
laufen, coagulari in Verbindung gebracht und J. Grimm machte 



101 

darauf aufmerksam, dass o.s/ in den nordischen sprachen verein- 
zelt steht, während das wort käse in mehreren indogerm. spra- 
chen vorkommt. Sowohl Ihre als Grimm zogen daraus den schluss, 
dass das woil aus dem finnischen entlehnt sei. Die einwendung 
Ahlqvists, eine derivation aus f. juoksen Verstösse gegen die ge- 
setze der tin. Wortbildung, wird durch mehrere beispiele beseitigt, 
so f. siiökö'in oder silösiävä = *üfwkafävä weberspule von süöksän 
hervorschiessen, juostn sprung, «las gerinnen von demselben verb. 
juoksvih. Auf diese parallele hat Lindström MS aufmerksam ge- 
macht. In seinem Wörterbuch 3,4oo erklärt Lönnrot jüsto einfach 
aus einem verbun jü-n int jü-da zusammenziehen. Von diesem 
wäre dann juok, jok eine sekundäre wurzelbildung. 

360. Fin. jukk-a^ jaukJc-a zank, streit. — jukk-ä-n, juk-i-ta-n, 
juk-u-ia-n, jauk-ii-fa-n schelten, antreiben. — jith-u zank, plap- 
pern, loses geilicht. — juh-ke zank, streit, geräusch. 

Est. juk'i-n antreiben. — Sv. Lap. jok-n laut, geräusch. 

Öer. juk vox, sonus. — juk-a-n sonorus. 
36L Syij. Perm. jokU barsch. — Vo^j. jm. 

Os^. I. jtUy S. jeux. 

Schiefher C. ostj. gr. 85. 

362. Fin. jousi st. -^e, joiici st. — ce, joucin st. -cime bogen 
(arcus). 

8v. Lap. jiik^y juoks bogen ; aca-j. regenbogen. 

Syij Perm, vuj bogen. — Votj. vuj, vn§ id. 

M. En. Mord, jonks; afam j., ers. pirgcne j. regenbogen. — 

Öer. jongez bogen. 

^^ftgy* V aceus. Ijat, Iv ac. Ivät bogen. — jäs, ijäs bogen- 
schütz = fin. jouci-nües, 

Ostj. I. jogot, OS. jögol, US. jaugoi, jogol (Ahlqvist) bogen. 
pai j. regenbogen. 

Vog. jaiit, jajfy D. jag'it (B.), jeüf, joiit (Ahlqv.). 

Die gemeinschaftliche urform scheint jokt und mit erweichung 
des t: jöks zu sein. Europa^us Suomi II, 7, 27 nimmt die letz- 
tere als Urform, aus welcher er jokt hervorgehen lässt. Lind- 
ström 27. Schiefher C. ostj. gr. 86. Budenz 816. Ahlqvist kult. 
213 führt auch votj. vu8, syrj. vij hieher. — Türk. ja/, tai.jayjah. 

363. Vin. joucen st. — ne schwan. 
Est jöugin id. 

H. Lap. fiußy sv. uts. nukäa. 

Syij. isy juSy juS. — Perm, jui, — Vo^*. jus. 



102 

Öer. j/VAv^, jük^ö, b. jf(x^e C. 

Lindström '^7, wie Budenz 115 bringen auch Magy. hattjü^ 
Ostj. xötcH, xöilat'tf OS. koftcHy welche Schiefiier Castrens ostj. 
gr. 84 mit einander und mit Min. Tat. ku vergleicht, mit den obi- 
gen zusanunen, eine Verbindung die wohl möglich, aber noch un- 
sicher ist, so hinge nicht die wurzel gefunden worden ist Bu- 
denz vereinigt das synonyme finnische ßxkiivn st. jot'k.sane mit n. 
lap. je^me schwanenjunge. 

364. Fin. ja eis. — jäisc noni. jäinvn eisig. 
Vepi. }ä, — Vot. ja, — Est. va, jva, ja. 
Liv. jei pl. jeld. — jcu eisig. 

H. Lap. jcH, SV. jäijiui, uts. jUyfia eis. — ^^jegni, %s.jäynas 
eisig. 

Syij. ji eis. — jiäs eisig. — Perm. // eis. 

Votij. ija, — ijaes. 

M. Mordv. jaV, dV, E. jv, /, ie eis. — m. «//, E. jev eisig, 
befroren. 

Öer. ej, l eis. — Ma^. jZy eis. — jeyäs eisig. 

Ostj. jenk. — jenen L, jenken S. eisig. 

Vog. jany, joHf/. 

Lindström 30. Schiefher C. ostj. gr. 85. Budenz 169. Der 
erstgenannte verweist zugleich auf Tungus djuko, mong. dsigektm 
(für jige) und Türk. sag (für jug). 

365. Fin. jilri st. -re wurzel. — jürakko =jurvcui mit den wur- 
zeln aufgezogener baumstumpf. 

Veps. jilr st. -re, — Vot jürL — Est jür st. -re. — tiv. jür 
M. E. Mord. jur. — Ma^^. (Kker, (KL — Vog. jekur^ jegur. 
Lindström 28. Ahlqvist m. gram. 154. Budenz 185. L. 

führt ein ostj. wort jor an neben den gewöhnlichen turt, ior^ welche 

Schiefner C. ost gr. 93 mit jiiri verknüpft. 

366. Magy. deken decke, matte, schilfuiatte. 
O^ti» i^!/^w, OS. jeki Schilfmatte. 

Budenz 181. 

367. Fin. joi-ju-n inf. joikua emförmig, klagend singen (der 
Schwan), tönen. — joi-jn-ta-n fact. — joi-ju-ske-le-n frtjv. — joi- 
te-U-n singen, spielen. 

Liv. juoi'k klagen, wehklagen. 

H. Lap. juoi-gga-t, sv. juai-ke-t Lapponum more canere. 
Magy. jaj'O'l-ni, jal-o-g-ni, jof-ga-t-ni jammern, wehklagen. 
— jaj-di't'Hiy jaj'dü'l-ni in wehklagen ausbrechen. 



103 

368. Fin. joto ein fauler. 
^ti« i«^ i<^tta% faul, träge. 
Jen. samojed. jadu'a, 

369. Fin. jntt-u gespräch, rede, erzählung. — jutt-U-ny jatt-e- 
le-n sprechen, erzählen. — jut-a-ja-n zz-jut-ä-Uy jut-i-se-n dumpf 
tönen, mummeln. 

Vot. jutt-e-le-n sagen, erzählen. — Est jutt g. jutu rede, 
gespräch, gerücht. geschichte, erzählung. — jut-u-n schwatzen. 
— jut-u-sfa-n id., erzählen. 

Liv. jut pl. jittüd geschwätz, rede. — jut-u-b reden, plaudern. 

H. Sv. Lap. jäft'C't sagen. 

M. Mord. iovt'a'H sagen, befehlen, errathen, klagen. — joit- 
a-mo Spruch. — jov-h-n zzzjovt-lt-n sagen, melden, erkläi'en, schil- 
dern. 

Lindström 28. 

370. Fin. jäsen st. -ne körperglied, gelenk. 

Eit. jäse st. jäsenw glied (einer kette* öd. körpers), gelenk. 

£n. Lap. ^äsen glied. 

Syij. jöz Volk, leute ; ein fremder. 

Perm, jös volk, nation; die bUrgerl. gesellschaft. — Volj. joe 
verwandter, gefährte. 

IL Mord, äznä glied. Ahlqvist gr. 151. — ers. ezne gelenk. 

Öor. jezeng, b. ezing gelenk, glied. — Magy. %z gelenk, glied, 
grad der Verwandtschaft, geschlechtsglied. 

Lindström 30. Budenz 820 

371. Fin. jänne, jännet st. jäntehe, jänti st. -te, jänner st. jän- 
tere sehne, bogensehne. — jäntti sehne, kraft. — jäntevä sehnen- 
voll, kräftig. 

Veps. jändeh pl. jätuif^d. 

Magy. idäg neiT, sehne, saite (am bogen). — idäg-eä mit 
sehne versehen. 

Oi^j. Jinda, OS. jünde% zugseil, Zugleine, piot j. bogensehne. 

Vog. jän, D. jantu bogensehne. 

Schiefner C. ost. gram. 86. Budenz 815. — Jur. samojed. 
jien, Tawgy jmtiy Jen. jeddi bogensehne, hanf. Es kann auch das 
liv. jengö flachsfaden, flachsfaser hiermit zusammenhängen mit Über- 
gang des nt zu w</ wie im est. jänglefi = jändlen lärmen. 

372. Fin. jür-äs ackerwalze. 

■. Lap jorr-a-t herumgehen. — n. lap. jor-ha-s kränz. — 
jor-ba-dork kreis, sv. jor-bo-t. — Sv. 1. jorr-e-te-t chwingen. — 



104 

SV. juor-ba rundlich, rund erhaben. — en. 1. jurr-ad umfallen. — 

jür-u-de-d herumrollen. — Syij. Perm, jör sa?pes. — Vo^j. jor-s 

Umgebung, uuiweg, umkreis, rand. — Perm, jur-bi-t-ni sich biegen. 

Öer. jer kreis, umweg. — b. jir-ge kreis, Umgebung, rand. 

— jir-ge-ike rund. — joTy jir adv. mit, um. — jör-em rollen, jör- 
a-la-m id. — jör-la^my jör-la-ldü-m subverti. — jik-ük-te-'m sub- 
vertere, jär-äk-te-la-m frqv. 

Xagy. jär-ni gehen, henuugehen. — jär-da-l-ni, jär-kü-l-ni 
herumgehen, spazieren. — (fur-u ring. 

Budenz szöegy. 62 bringt cer. jer, jirt/v und wotj. jorb- mit 
magy. kör, f. keri zusammen, vgl. n:o 167. 

373. H. Lap. jier-hnie köpf. — jur-d köpf, gedanke. — sv. jur- 
t'Ok gedanke. — en. jur-do meinung. — n. jurdaset, sv. jurtef, 
denken, en. jurd<!d, jurdaöeÜ. 

Syj» iwr köpf. — Votj. jir köpf, ähre. 

Perm, jur, jtir-a köpf. 

374. Kn. jür-ä steiler abhang, biiinnen, tiefes thal. — 
jür-kkä steil, jäh, schroflF, heftig, störrisch, i^iderspepstig. — jur-mu 
jäher abhang, abgrund. — jur-a, jur-o verdriesslich, kühn, stör- 
risch. — jur-a-Jcka verdriesslich. — jär-sä störrisch, widerspenstig. 

Est jär-sk gen. järsu, järse steil, jäh, schroflF, fig. heftig, 
vorschnell, undbedacht. — jär-kla-tie jäh, heftig. 

Sv. Lap. jär-to jäher abgrund. 

Syrj. jir abgrund. — Perm, jir, jir id. — Vo^. jar rand, ufer. 

Oilj. jür-ax rand, Seite. 

Lindström 29. Budenz 184 vereinigt magy. dorä schnell, 
geschwind, hurtig, und vog. jor schnell mit est. järsk, indem er 
diesem worte die bedeutung: eilig, flink, hurtig giebt. — Mong. 
erki, Burj. erge ufer. 
375. Fin. järm st. -ve binnensee, landsee. 

Vepi. järv st. -ve. — Est. järv st. -ve, järi gen. järve land- 
see, aufgestautes wasser. — Liv. jära, L. järu, jora see, landsee. 

H. Lap. javrre, sv. jaure, en. jävre, uts. jäuri, 

Öer. jer, b. jär, — M. Mord, jäfhkä, ärhkäj ers. erke, 
äfke. 

Magy. ör fluth, är-viz inundatio. — är-ad-ui anschwellen, 
steigen, Ruthen. 

Lindström 29. Budenz 811. Vgl. sv. lap. jarrem kleine 
Seen od. wassersanmilungen zwischen strömen, jargn lacus major. 

— Samojed. bei Turuchansk jeuro meer. 



105 

376. Fin. jucr-ü-n, juar-u-e-U-n plappeni, schwatzen. — juor-u 
gescwätz. — jar-a-ja-Hy jor-ä-n, jor-i-se-n murmeln, brummen. — 
jor-o ein murrkopf. — jor-ti das brummen, langsame bewegung. 

— jor-us Schwätzer, träger. — jorr-i, jor-tti ein träger, tölpel. 

— jor-o-ta-^i einen undeutlichen laut machen, träge sein. 

Est. juT'Oy jor-u, jor-o, jör-u gemuimel, geschwätz, Schwät- 
zer, trödler. — jor-in, jor-i^se-n einen wirren ton von sich geben, 
undeutlich sprechen, murmeln. — jor-u-n, jor-u-ta-n, jor-u-te-le-n 
frqv., plappernd seine zeit vertrödeln, säumig, träge sein. 

Liv, jur-u rede. — Syrj. juor gerücht. — juor-a ein gerttcht 
verbreiten. 

Perm, juör^ juvör nachricht, erzählung, gerücht, rühm. 

Castr^n gram. syrj. 142. 

377. Kn. jär-si-nj jür-si-n nagen, benagen. — jär'Si'she-U'n 
dim. 

Est . jär-ä-mä nagen, kauen. — jär-ähtä-mä annagen. — 
jür-a-n, jür-ä-n nagen. 

H. Lap. jur-ssa-t id. — Syij. jira, — Perm, jir-pii, jir-nt — 
Votj. jiV-ö beissen, knirschen. 

Castr^n gram. syij. 142. 
N:o 378 — 380. ja/, jol, jul offen, klar, glänzend. Steigerung 
judy jotd. 

378. Fin. jd-o edel,- vortrefflich. — juUa kUhn, dreist. — 
jucH-i-a prächtig, hübsch. — jul-hi offenbar, öffentlich. — jul-ki" 
ne-n id., vortrefflich. — jul-ke-a offenbar, ins äuge fallend, an- 
sehnlich, stattlich, kühn, dreist. — jul-ke-ne-n offenbar werden, 
wagen. — jul-i-sta-n veröffentlichen. 

Vepi. j(ü'0 dreist. — Est. jd-u ungestüm (Hupel). — jölt 
aufsgespeert, j. süm weit aufgerissenes äuge. — jd-ge kühn, 
dreist, frech, sicher, gefahrlos. — jul-tu dreist, frech. 

H. Lap. jdiro, SV. joi-Oj jd-o-k, jd-o-s dreist. — n. jdl-o-t, 
SV. jd'(ht dreist werden. — sv. jd-ka offenbar. — jdl-os allge- 
mein. 

Syij. ju-gi-d klar, licht, weit. — ju-ga-la leuchten. 

Mägy. jäl-än gegenwärtig, zugegen. — jäUä-S ausgezeichnet, 
vorzüglich. — jälrärnärt das erscheinen, auftritt. — jäl-cMitä-ni 
melden, anzeigen. 

379. VuL joUa kerbe, einschnitt. — jd-o kühl, oSen :=jdk€a. 

— jcl^a-kka kühl. 

Li7. jut-g geblendet sein. 



106 

M. La^ jäll-^ß. s¥. jäU-^, jal-^, ea. jkt-m ritze. — jÄ-o kla- 
rer fleck, lichter streifen im bewöIkteB biamd. — jol^htj jäl-o- 
jt^ rimosus. — jäO-*>-t beraten, sich ^Mhen. — jä-a kalte. 

Magy. /dr/ zeichen. 5i;aiäd. — jäl-a-i-mi bezeiehnai. 

)Iögii€ht^rweL^e könnte man auch syry jol hach, {er. Jul der 
name Volga;^ mit den obigen in Terbindung bringen. — 
Badenz :^z«3eg. 171 Terbindet magr. jaL jäläm^ jäläi mit f. juUd, 

380. 8v. Lapu jfA-^'L /nl-t-L i^jmt-t^ begraben. — jornl-e-te-t fiict. 
6er. jul-t-m ardere. — jml-M-a-m combori. cremari, jul-a- 

Ida-la-m frqT. 

E:^ rroheint in lüesen wörtem ein ganz deutlicher beweis Yor- 
zoliegen. da;^:^ wenigstens einige der finnischen Völkerschaften vor 
ihrer trennnng ihre todteu verbrannten. Nach brieflicher angäbe 
des herm J. R. Aspelin aus Moskva kennt man auf dem gebiete 
der ceremissen und S>7jänen beinahe ausschliesslich gräber mit 
verbrannten leichen: erst später vom liiten jahrh. kommen unge- 
brannte leichen vor. Die Suomifinnen haben ähnliche begräbniss- 
stätte wie die Syijänen. und ein grab in Kümo (Aimälä) enthielt 
gebrannte leichen von den heidnischen Esten und Kuren berichtet 
mehrmals Heinrich der Lette, dass sie ihre todten verbrannten. 
Origines Livoni^e. ed. A. Hausen s. 128. 142, 270. 

381. Fin. jäfke nom. -i spur. — Vap«. jälg pl. -ed, — Vot jäldi. 
Est jälg gen. ßiije, jäle. — M. Lap. JälgaSy sv. jäje. — Votj. 

ja (Liudström). — Magy. jäd zeichen, merkmal; spur O^olnär). 

Lindstrom, Suomi 1853 s. 29 hält jälki mit f. jalka füss 

verwandt, führt aber hieher auch magy. jät. Budenz szöegy. 170. 

382. Fin. jalka fuss. — jaloin^ jalkaisin zu fusse. 
Vepa. jalg, jalgai zu fiisse. 

Vot jalka. — Est jalg. — ja/a, jalgsij jalal zu f. — Liv. 
jälga, — jälgin zu f. — jaloks, joloksy L. jalaks scUittensohle 
:=. Vepa. jalgas, f. jalas st. jalakse. 

H. Lap. jualgge^ j^olgge, sv. jucHke^ uts. juölggi fuss. — n. 
juolgaäi zu f. — IL Mord, jdlga, e. jalgo zu f. — öalga-n treten. 

Öer. jäly jol, b. jaL — jo/ew, b. jalan zu f. 

Xagy. {falog zu fusse, — gehender. 

Lindström 26. Budenz 179. 

383. Fin. jäl'Si st. jälte, jäl-tä, jäl-ttä splint. safl. — jäl-ä 
schleim. 

Sv. Lap. al-os splint, saft. — al-nte birkensplint. — al-mc-s, 
aUm(hk süss, dulcis. 



107 

Syrj. Perm, jöl, jöv milch. — Votjj, jel milch, jel-o milchig. 

Oilj. I. ell-e, el-e, S. iil spIint. 

Lindström Suomi 29. Schiefner C. ostj. gr. 77. 

384. FiiL jäm-C'/Uu-ay jäm-v-htu-ä steif, starr werden. — jäm-e-ä 
steif, dick. 

Est. jäm-C'da nom. jäme dick, grob. — jäm-p in: jämpi mi- 
netna zu gründe gehem. — Liv. jan^d, jam-d^) frech, grob, dick. 

H. Sv. Lap. jabni-e-t, en. jäbm-e-Ö sterben. — n. jabm-o, 
SV. jabn^e-m der tod. — n. sv. jam-e-te-t tödten. — n. sv. jam-a-s, 
en. jänv-a-s todt. — Syij. jam-a imminuor, decresco. 

Ers. Mord, jorn-a-n verloren gehen. 

Öer. joft^a-m, b. jam-a-m perire. 

Lönm'ot Act. soc. Fen. IV, 226 verbindet f. jäviehtua mit 
lap. jabniet. Lindström Suomi 29 stellt syrj. votj. jon fest mit 
jämeä zusammen, was nicht zulässig ist, da m nach abfall des 
endeconsonanten im syij. bleibt: nini = f. nimi, jemz^f, äimä, 

385. Fin. jumcda gott. 

Yeps. jumal, — Vot. junuda, — Est jumal g. jumala. — 
Liv. jumäl pl. juniäld. — jumäl-dö- schwören. 

H. Lap. ibmel, sv. jubmel, ibniel^ uts. ibmä, 

Votj. junuü im ausdrucke: jutrial sion opferspeise = gottes* 
speise. Wiedemann gram. 308. 

Mordv. jam im worte: M. jondil, E. joiidol blitz, was soviel 
als jom-tol gottes feuer ist. 

Öor. w. jumoj b. juma gott, himmel. — jumaUde-m beten, 
anbeten. 

Magy. im-ä-d-ni anbeten. — imä-d-ko-z-ni beten. — imo-la 
=■ itna-häz bethaus, inuinap bettag. 

Auch Budenz szöegy. 817 nechnet das magy. verbum hie- 
her, indem imädni =: imddni = (er. jumvdd- ist. Dagegen steht 
das syij. penn, jew, welches Castr^n syrj. gram. 141 hieher rech- 
net, mit f. üma in nächstem Zusammenhang. Der vollständige 
stamm ist j€ninä=:*jelmä=ilma, wie syrj. sinznf, sUmä ange, 
jumala hat urspr. die bedeutung ort des donners, aus der wurzel 
;Mm, vgl. f. jumujjümü dumpfes getöse. Vgl. Samojed. juw himmel. 

386. Fin. kävä gut. — hüvü-te nom. hüvüs die gute. 
Yeps. hüva, — huvus, — Vot üvä 

Est hea, ha gut adj. und subst., wohl, heil. 
Liv. juva, jöva, jö, L. jua, juo, ju gut, brav, recht (dexter). 
— juvä-^n vortheil, gute. 



108 

Magy. java nom. jö gut. — java-Un-ni, java-lrni gut beissen, 
billigen. — jo-ääg die gute. — jö-säg das gut. 

Oslj. jepn gut, schön. — Vog. jamchs gut, die rechte Seite. 

Lindström Suomi s. 23. Schiefiier G. Ostj. gr. 86. Budenz 
173 stützt sich auf den ausdruch est. hea käsi, liv. juva käiz 
die rechte hand, ostj. jemsaj die rechte seite und est. paha k, 
linke hand, um auch das magy. jog in jog kBz rechte hand mit 
den obigen wenigstens als derivatum zu vereinigen. Es scheint 
doch näher zu liegen jog mit igaz in Verbindung zu bringen (wie 
magy. ih = juh, Uiäs = juhäs) und beide mit f. aikea recht, rectus 
und dexter, zu vereinigen, wie Budenz 756 auch thut was igaz 
betrifft. Schiefner rechnet zu httvä auch votj. umoi gut. 

387. Fin. jauhOf java mehl. — jauhon mahlen. 
Veps. jauh pl. -od mehl. — jauhan mahlen. 

Vot. javo, — javan, — Est. jahu mehl. — jahun, jahvan auf 
der handmühle mahlen. — jaho g. jahva handmühle. 

Liv. jouv, jou, L. jao pl. jaud mehl. — jov pr. javab, jouvy 
L. jav mahlen. — jcwi, jouvi mehlig. 

H. Sv. Lap. jafo, uts. jaffu mehl. 

Syij. iza mahlen. — Syij. tz-ki mühlstein. 

Votj. üo mahlen. — Perm, iz-ni mahlen. — iz-ki. 

M. Ers. Mord, juzan mahlen. — m. jazamkev^ ers. jnzamo 
tiäv mühlstein. — ers. joz-a-n reiben, feilen. 

Öor. jatvgastem, C, jangiätetn B., jofigozem, -goStetn mahlen. 

Oslj. isem, Isendem mahlen. — isen mühle, handmühle. 

Jur. Samojed jea\ tawg. ja, ja, jen. jauja, jäsa. Schiefher 
C. ost. gr. 78 vergleicht die ostj. und perm. Wörter. 

388. Ein. ju'O-n trinken. — ju-o-torn fact. tränken. 
Veps. jo-n, — jo'ta-n, jo-ta-töirta-'n fact: 

Vot. jö-n. — Est. jd-f% inf. jü-a trinken, saufen. — jo-da-^ 
fact. — Liv. juo'd trank. — jüo-d, L. jüa-h — juo-tö-b, L. juo- 
tu'b facf. 

H. Lap. jukk-a-t pr. juyam, sv. jukk-e-t, en. juh-ü-i, uts. 
jukk-ort trinken. — n. juya-te-t, sv. jukk-a-te-t, en. juw-u-te-d fact. 

Syij. ju-a trinken, ju-la frqv., ju-ta fact. 

Perm, ju-nt, — Volj. ju-o trinken, ju-on trank. 

Öer. JM-o-m, b. jü-ä-m trinken, jük-te-m fact. — jü-ä^ jü-kS 
potus. 

Magy. in-ni = *iv'ni trinken. — iv-ö trinkend, trinker. — 
iv'äS das trinken. — i-ta-t-ni tränken. 



109 

Oitjj. je-nde-m, ja-nde-m I., ß-nde-ni S. trinken. — je-nife-fu 
fact. 

Vog. äj'ärnem trinken. 

Lindström Suomi 28 verbindet hiermit auch f. jano durst. 
Schiefiier C. ostj. gr. 85. Budenz szöeg. 818. — Jur. Samojed. 
jäbiemy jubldm^ jabiedm trinken. 



N:o 389 — 411. fäk, toky tuk, tik stossen, klopfen, zustopfen, drän- 
gen, einwickeln, ankleben, häufen, sammeln; hämmern, machen; 
stechen, schärfen, schleifen. Steigerung touk, tuok, coak, toik, 
tu(k. 

389. Fin. tok-än blindlings schlagen, stossen, bl. etwas thun. 

— tokk-ä-^ stechen, picken. — tok-i-n stechen, hacken, picken. 

— tok^'tan antreiben. — touk-ä-n, toukk-ä-n, touh-ü-n blindlings 
stossen, stechen, etwas thun. — touk-i-n fortwährend stossen, 
stechen. — ioikk-ä-n blindlings stossen. — toh-vorn, toh-i-n blind- 
lings stossen, treiben. — tökk-ä-fi stechen, stossen. — tök-äi-se-n 
= tok-aUse-n plötzlich schlagen. — föuk-i-n = toukin. — töukk-a-n 
stossen. — tuk-e-n, tukk-e-n zustopfen, zupropfen. — tuk-i-n id., 
eindringen. — tak-o-n rasch stopfen. — tuk-u-n einstopfen, ein- 
wickeln, verbergen. — tuk-ü-n, tukk-ü-n zusammentreiben, häu- 
fen, sammeln. — tuik-a-n, tuUck-ä-n stossen (mit den hörnen, dem 
schnauze, vgl tangin wühlen), unbemerkt schlagen. — tükk-a-n 
sachte stossen, klopfen. — tük-i-n picken. — tüökk-ä-fiy tüök-i-n 
stossen, stechen, picken. 

Vot toukk-ä-n bertthren, stossen. — tukk-ä-n zustopfen. — 
Est. tog-irfi prttgeln. — töuk-a-n, täuk-a-fie-n stossen, stampfen. 
töuk-Je-n sich drängen, stossen. — tük-i-n drängen. — täk-i-n an- 
hacken. — Ukk-Orn anhauen, anzapfen. 

• H. Lap. coäkk-(ht, cuvkk-i't, sv. cok-e-ne-ty öogg-o-t stossen. 

— n. öuggA'ty sv. cak-e-t stechen. — sv. fak-o-fe-t plagen. 

Syij. tuk-ai-t-ni antreiben. — M. Mordv. fok-a-n bewegen. 

— tch-Sa-n oft bewegen. — ers. tok-a-n berühren, treffen. — 
tok-äe-n anrühren. — tok-a-do-n anstossen. — fik-no-n klopfen, 
pulsiren, tuk^o-mo das klopfen. 

Öer. tük-e-m tangere. — b. tük-a-la-m, tük-e-de-m, w. täk-e-m 
stossen. 

Magy. tuh-ad-ni aufgehäuft werden, vgl f. tuMn, — tök-äd-ni 
stossen. 



110 

Freqventativbildungen, me mordv. tokSan, sind f. tök-sä-hdä-n 
schnell gegen etwas stossen, est. täk-si-n schwach hauen, klopfen, 
hämmern, tuksi-n klopfen, liv. täk-s prUgfeln, sv. lap. tuk-sc-t sam- 
meln. Vgl indogerm. würz, taks^ skr takS hauen, behauen, ma- 
chen, wirken, Fick vergl. wrtb* 1,76, von w. tak, tvak hauen wir- 
ken, hin wirken, zielen, machen. 

390. Fin. tonk-ai-se-n hastig stossen. — toAg-i-n st. touki 
sticheln, wühlen. — tunk-e-n, tung-e-n st. iunke drängen, pressen, 
eindrängen, antreiben. 

Est. tong-i-n st. tmki stossen, stampfen, schlagen. — imtg-i-n 
dringen, vgl. tükin drängen. — Liv. tung, L. tünd verwtthlen, 
wühlen. 

Votj. tung-a-sko drängen. Lindström 97. — dong-o, dong- 
a-lo stossen, drängen. 

M. Mord, tang-a-n einstopfen, eintreiben. — ers. ton-o-n auf- 
stecken, hineinstecken, einfädeln. 

391. Fin. tuk-c n.*-/ stütze. — tu-e-n st. tuke, tuk-c-n stützen, 
aufrechterhalten, schützen. — tuk-e-va fest, stark, zuverlässig. — 
tok-e-he nom. foe dämm, fischwehr im wasser. — tünk-i-ä^ tünk-o-n 
stützen. 

Veps. tug-i stütze. — Vot fög-c fischwehr. 

Est. fng-i gen. toe stütze, tug-e-n stütze sein. — fök-e n. 
föge, tükk-e n. foke stütze, eisbrecher, fischwehr. — Liv. füg, L. 
mr stütze. 

Sv. Lap. cogg-e-f, n. cogg-a-t stützen, einstecken. 

Magy. dug-ni stecken, pfropfen, hineinstecken, (f. hmgcu). 
— dug-ö Stöpsel, pfropf. — dug-du-l-nty dug-do-z-ni, dugg-af-iii 
stecken, verstecken. 

Budenz szöeg. 2G4 stellt dvgni zu f. fungeti; ich halte die 
beiden formen hier auseinander, obwohl sie sehr nahe zusammen- 
hängen. Die perm. benennung dongus für schwein lehnt sich an 
die bedeutung wühlen, f. tongin, auch in tuJnius Wühler, liv. sign 
hVigmöd von Schweinen aufgewühltes land. 

392. Fin. tiikk'ä, tükk-ö, tükk-ü gi'osses stück, klotz, block, 
adj. dick; als adv. ganz, durchaus, in dieser bedeutung = iaki, 
tuki, fukki, fii/ikä. — fök-e-rö kurz und stumpf, klumpen. — 
foukk-i klumpen. 

Veps. tuk'ii n. tuk erdklumpen. — Est. tug-ev fest, stark, 
steif = f. tukeva stützend. — fnk-a das ende. — Liv. tuk-la dick, 
feist. 



111 

8v. Lap. täk-a Stange womit die Lappen das zeit ausspan- 
nen, vgl f. tmkö. 

Kagy. tag glied, stUck. — tok-ä stock, stamm, klotz. 

393. Fin. fönkkä steif, klumpen, Strunk. — tönkä-le stumpf. 
toilköy töttkä Stange zum stützen. — tunke n. -/ abgebrochener 
stumpf 

Est. töf'ik stumpf, verstümmelt, steif. — Liv. tüftk stumpf, 
baumstumpf. 

Öer. w. /fVw/7, b. tnn/, thuj baumstumpf, urspiiing. 

Magy. tönk baumstamm. — tötiko Strunk, stock, stamm. — 
töukä'S dick — tufigo-S dick, fett. 

Oslj. tunk stöckchen, Splitter. 

Budenz szöeg. 234, die cier. Wörter führt er szoeg. 230 zu f. 
tüvij s. n:o 404. 

394. Fin. täkkä das fette, fleischige eines gegenständes. — 
fäku, fäkö köder am angel. 

Sv. Lap. tanko'k fleischig. 

Magy. tok-a kader, unterkamm, läppen (beim bahne). — 
töil^zn töfj euter. 

395. Fin. tak-la, tau-Ia Schwammzunder. 

Vot tatj'la. — Est. tar-l id., muna t. eidotter, tatf-cl — Liv. 
rtof/-/, L. t(uj'l hartcT Schwammzunder. 

H. Lap. duov-Ue, sv. tuov-h. — Syij. öak schwamm. 

Magy. tap'lö, top-lö schwamm, zunder. — Vog. tap-lo-x^ 
tnp-h't id. 

Lindström 94. Budenz 198. 

396. Fin. fak-a das hintere, hinterraum. — tak-a-la hinten ge- 
legener platz. — taka-lo weide. — tak-ti-sta = ta-usta, ta-us hin- 
ten gelegener platz. — /ä.s- ~ tak-a-si, ta-a-ksi wiederum, nochmals. 

Est. tag-a, tag-u hinteri'aum; tcujaaa^ tagasi, /a^m rückwärts. 
— Liv. tag-a hinter, jenseit. 

H. Lap. duokk-c-n, sv. tuok-(Mi, en. tuoMi-e-n hinter, essiv- 
form = f. taka-na. 

M. Mord, tag-a, ers. tag-o nochmals, wieder (Lindström 93). 

Magy. tag hinterhaupt, hinter in täg-nap gestern. 

Ob das ostj. toffa platz hieher zu rechnen ist mag. dahin 
gestellt werden. Der Zusammenhang mit der würz, tak in den 
übrigen Woltern ist durch die bedeutungen stützen^ anhaften, drüc- 
ken veimittelt, tritt im f. takka, takka, vot. täkka last, bürde noch 



112 

deutlicher hervor und wird ausserdem durch f. tukö, tüvi = magy. 
tövä stamm, unmittelbare nähe wiederum gestützt. 

397. Fin. tak-ai-se-ny tak-a-u-ia-n zurückweichen lassen, zu- 
rückziehen, hemmen. — tak-ä-n stütze geben, bttrgschaft leisten. 

— tak-a-u-n zurückweichen, nachgeben; alle diese von taka. — 
tdk'üy tak-ehe n. take bürgschaft. 

Est. fag-a-n sich abwenden, zurückbleiben. — tag-a-ne-n zu- 
rückweichen, abfallen. — tag-a-n bürgschaft leisten, wagen. — 
tag-a-nda-n zurücknehmen. — toJi-e-nda-n zurückziehen. 

St. Lap. tak'i'S bürgschaft. 

398. Fin. tak'i'Stun anhaften, eingewickelt, gedrückt werden, 
ermatten. 

Vot. tok-u-n fallen, sinken, verloren gehen. 

Est töhk-a-n krank, schwach, mürbe werden, verfallen. — 
töhk-e-n, -ke-ne-n id. 

Syrj. öikk'ö-d-ni zerstören, bezaubern. 

Magy. fikk-ad-ni ermatten. 

Das fin. wot. tuftka asche, veps. est. tuJJcy liv. füg hat wohl 
eigentlich die bedeutung: das zusammenfallende. 

399. Fin. tak-i-se-n anhaften. — takk-a-la das anhaften des 
Schnees, klebrigkeit. — tak-e-rra-fiy tak-e-Ua-n einwickeln, ankle- 
ben, klebrig machen, kneten. — tah4-sta-n befestigen, kleben, 
hemmen. — toJi-e-rra-n einwickeln. — tah-^na schleim« 

Est. tak-i-sta-n befestigen, andrücken, anhalten, stocken, hän- 
gen bleiben, anstossen, stottern. 

400. Fin. tekk'ä, t^/ik-i-ä, tehk-ä-sä, tehk-ärse nom. -nen träge, 
langsam, unbegreiflich. 

H. Lap. tokk'O'ne-s unnütz, träge. — Vo^. tek still, uuthätig. 

Magy. toh'O-njay tü-nja faul, träge (A. Molnär). 

Budenz szoeg. 226 verbindet nur die läpp, und ung. Wörter. 

401. Fin. takk-u grobe haare, verwickelte haare eines thieres, 
zusammengeknoUte Schafwolle. — tokk-a bündel, bttschel, häufe. 

— tukk-a haarbüschel, h^ar. — tukk-Oy -u etwas zusammenge- 
wickeltes, bündel. 

Veps. fuk haar. — Est iokk-e häufen. — töt^g häufe, partie, 
stamm, sorte. — iukk g. tukuy -ktt schöpf, zopf. — tukk-a n. iukas 
haarlocke. 

H. Lap. duokk'Oy sv. tuogg-e haarbüschel, ungekämmte haare. 

— SV. tuogg-O't verwickelt werden. 

Syij. tug büschel, zopf, pinsel. 



113 

402. H. Lap. öakk-e, Öakk-a-la-^y sv. Sak-se geschwulst. — sv. 
I^agg-Cj öag-ke bUndel, fasciculus. — n. öakk-a-t, en. öakk-e-d auf- 
schwellen. 

Magy« ddff geschwulst. — dag-a-na-g, -na-t id. — dag-ad-ni 
schwellen, anschwellen. 

Das von Budenz 253 hieher geflUnle syrj. doj bedeutet syrj. 
und permisch nach Savvaitov und llogov: wunde. 

403. Fin. tükö unmittelbare nähe, tflkö-ä von der nähe, tu- 
ki'ß-nä bei. 

Magy. to st. tärä nähe, to-J von, aus = */M>d7, wie bäl-öl, 
hol aus *bäUirol, 

Das wort ist mit dem volgenden identisch. Wenn Budenz szöeg. 
232 mit f. tükö und magy. tU auch mord. te, tej dieser, verbin- 
det, indem er toi aus *täjol, tähol, töhol, töjSl erklärt, so stimmt 
dies nicht mit seiner, wie mir scheint richtigeren, erklärung szöeg. 
837 tiberein, wo m. mordv. tä, ers. te = fin. demonstr. pron. tä-mä 
gesetzt wird, dennsonach wäre f. tükö =z tämä. Kiedl magy. gram. 
159 sieht in öl dasselbe dement, welches noch als partikel d/ = 
von, weg, vorkommt. Gegen seine deutung von töl, toi (s. 160) 
aus iav'äl (tav entfernung) spricht der umstand, dass toi die ur- 
sprungliche form dieses Suffixes ist; durch die oben gegebene er- 
klärung gewinnt man mit der materiellen Übereinstimmung zugleich 
dieselbe anschauung wie im finnischen. 

404. Fin. tüve n. -i dickeres ende eines baumstammes. 
Est. tüve n. -?*, tu, tüin-k id., stumpf. — Liv. töv, 
Kagy. to st. tövä stamm, stock, wurzel. 

Lindström 98 und Budenz 230 führen auch öer. teng hieher, 
was wurzelhaft berechtigt sein dürfte, vgl. n:o 393. 

405. Fin. st. tak-o pr. ta-o-n hämmern, schmieden. — tak-o 
das schmieden. — tak-o-ja, takk-a-ri schmied. 

Yeps. tag-o^n id. — Est. tag-u das hämmern. — tag-u-ma 
pr. ta-u-n schlagen, hauen, schmieden, schärfen. — tag-e, tag-e-me 
hammerschlag. 

Liv. tag pr. tagäb schmieden, hämmern, hacken (von vö- 
geln). 

üti« Lap. täkk'U't schmieden. 

Das von Ahlqvist kult. 56 als möglicheii^^eise verwandt er- 
wähnte 5er.; taganlefn erklärt Budenz cserem. szötär 51 als de- 
nominativ von tagan hufeisen, wie tat. dayalamak von daga; 
tUrk. düyfnek bedeutet nur: schlagen, prügeln. Man kann wohl 

8 



114 

nicht daran zweifeln, dass ung. fag-ad-in, welches jetzt nur ab- 
schlagen, venieinen bedeutet, dieselbe wurzel enthält. 

406. Fin. te-eti st. iek-e inf. teh-dä thun, machen. — tek-o 
werk, handlung, Verstellung. — fck-e-le-n ein wenig machen. — 
it'iä-n = Hek-e-tä-n fact. — tü-ö arbeit. 

Vep». teg-e-n machen inf. tch-ia. — Vot te-n id. — to ar- 
beit. — Est. tl'-n, ie-en st. teg-e thun, machen. — fcg-u, feg-o 
that, werk, arbeit. — to werk, arbeit. — Liv. feg-ii that, geschäft, 
arbeit. — teg gestalt, aussehen, gesicht. 

H. Lap. dakk-a-tf sv. takk-e-t, uts. fakk-ä-f, en. (oh-e-d thun, 
machen. — n. ddkk-o, sv. takk-o, uts. takk-u, en. toJi-o gen. /arr-o 
that, werk, handlung. — n. dakk-e thäter. — n. duogj-e arbeit 
= f. tüö, sv. tuqj-e, en. tnäj-i, 

M. Mord. <y-a-M machen. — tev handlung, sache, angelegen- 
heit. — tif-ta-n fact. = ^tev-ta-n. — £rsa. tej-e-n, tei-ne-n machen, 
thun, verfertigen. — tev-e that, handlung, sache. 

Magy. täV'O der etwas macht, thäter. — tän-ni = täv-ni 
machen, thun. 

Ahlqvist mordv. gram. 17G. Budenz szöeg. 221. 

407. Fin. st. tcJik-o pr. tcJi-o-n^ tafik-ö-n schleifen, glätten, 
abputzen. — tafik-o runder Schleifstein, kante, seite. 

Veps. tahk-ta-n schleifen. — Est. st. taJik-^i pr. tah-u-n glät- 
ten, schleifen, abhauen. — taltk-u n. taM liegender Schleifstein. 
— tcddc st. -w glatte seite, behauene seite eines balkens. — Liv. 
tog-ö-s Schleifstein. 

Öer. tüg-a-ne-m atteri (culter). — tug-a-te-m acuere, de- 
terere. — Outj. I. töx-te-my S. iog-o-de-m schleifen, kauen. 

Vergl. diJycD schärfen, litt, degti stechen, Fick wörtb^ 3(>8. 

408. Fin. tik-U'ta-n in. die äugen stachen (wie rauch, dampf) 
picken, schärfen. 

Est. tikk-a-n anhauen, anzapfen. — tik-i-n sticken, einschnei- 
den, stechen. — tik-u-ta-n picken, klopfen, schärfen. — Liv. ///.: 
unruhig sein, streben. 

H. Lap. öagg-a-lda-tte-t, sv. öokk-o-lda-fte^t, öokk-o-ldc-t kii'/.eh\. 

Öer. öig-a-ld^-m id. — Syij. ük-no-n klopfen. 

Magy. dik-la-ni, öikAu-nda-ni^ ö^ik-lä-nda-ni, dik-la-ndo-z-ni 
kitzeln. 

Budenz 370 nimmt nicht die fin. estn. Wörter im vergleich. 

409. Fin. tik-u dampf, dunst. — tik-ü-n dampfen. 
Magy. tikk-mi-ni zu stinken anfangen. 



115 

410. Fin. tifil'kt, tikku meise. 

Magy. r/wAvV, cimikä. Liiidström 95. 

Zu (lieser wurzelforin gehören auch f. tikka, veps. tik specht, 
veps. vot. //A/, f. i-tikka inlicke, est. ükk, f. iikku spHtter, pflock, 
est. tigi zacken, spreu, vgl. f. est. tikutan picken, klopfen, est. 
tikkan anhauen, anzai)fen; f. tikari dolch könnte mit den obigen 
in Zusammenhang stehen, wenn nicht das suffix es verdächtig 
machte, vgl. doch tokarl mllcke. Die grosse ähnlichkeit mit der 
w. stiff, skr tij scharf sein, im got. stingan, ahd. stlngu, sti/Jm 
stechen, got. sfiks stich, sv. sticka, stinga (Curtius, grundzUge* 
194) vennag diese form auf finnischem gebiete nicht von den 
übrigen zu trennen. 

411. Fin. iäi laus. 

Veps. Vot. Est. tat. — Liv. tei. 
H. Lap. (Ukke, sv. tikke, uts. tikki. 

Syij. Perm. toj. — toje-s voll von lausen = f. täi-se, — 
Volj. täj. — M. Ers. Mord, si, — öer. ^7, ti. 

Magy. tätiL — Ostj. S. tagutem, I. teudem. 
Lindström 98. Budenz 220. 

412. Fin, täh-dä-n^ täh-tü-n wahrnehmen, merken, bezeichnen, 
zielen. — täh-dii-stä-n^ -ste-le-n id. — täh-ü-n wahrnehmen, be- 
trachten, sehen, zielen. — täh-ü-stä-n (= tähdüstän)^ täh-ü-tä-n 
sehen, betrachten. 

Est. täh'€'}ida-n bezeichnen, darstellen, erklären, zielen. — 
täh-ti-ne-n bemerken, wahr werden. 

Liv. tä't bezeichnen, andeuten. 

M. Mord, iäs-ia-n merken, gewahr werden, bezeichnen. — 
Ers. tÜH-k'Se-n bezeichnen, bemerken. 

Magy. fäk-i-nfä-ni schauen, blicken, beachten. 

Ostj. S. hg-e-ife-m schauen. 

Wenn man die analogie der indogerm. wurzelentwickelung 
folgen will, so kann man die n:o 412 u. 413 mit den vorhergehen- 
den leicht verbinden, indem sich aus der bedeutung macJwn die 
des Wirkens, himrirknis, zidcns ganz in derselben weise entwickelt 
wie bei der indoeur. w. tak, vgl Fick* 1,74. Ohne dies giebt auch 
anhaftm ein vermittelndes glied. Vgl doch est. fahicen flimmern, 
verschwimmen, hi einander fliessen (bei undeutlichem sehen). — 
Einige Schwierigkeiten bieten im inlaut das magy. k und mord. ä. 

413. Fiu. fäh'iv nom. tähti steni, punkt, zeichen. — täfi-neJie 
n. tä/tne punkt, fleck. — (äh'nc'llMie'n fleckig, bunt. 



116 

Veps. täh't Stern. — Est. st. Uih-fe n. tähf gen. tähe zei- 
chen, stem, Zettel. — iäh-ni n. tähn fleck. — Liv. ta-cf, fc-(f, 
tei'd pl. tii'död steni, zeichen, bedeutung, beispiel. 

Sv. Lap. fass'te, tiass-te, n. dass-te, vass-fe, en. (ds-t-ne (f. 
fähtinen), sv. /a^-/e, tas-tcs ocuhis ursi, uts. wä;5-f» Stern. 

M. Mord, tää'iä, täz-dä zeichen, stern, täS-tä-tm Sternchen. 

— ers. tä§-k zeichen. — fäs-t-se steni. 

Ahlqvist niordv. gi-am. 176. Ohne zweifei ist. f. täh-h'i, 
veps. täh'k ähre hieher zu rechnen, möglicherweise auch ung. tük 
fleck. 

414. Fin. tuolii birkenrinde. — tuoh-us fackel aus birkenrinde. 

— iujahicn st. tujaise kleine flasche aus birkenrinde. 

Veps. fohl, — foh'iis. — Vot. toho birkenrinde. — Est. foJi-Jc, 
tohi g. tohu weisse birkenrinde. — tuho-kefie dimin. — Liv. tös, 
tuvigös birkenrinde. 

Volj. tuj id. — tujes korb aus birkenrinde. 

Ahlqvist kult. 104 berichtet, dass er bei den ITgiischen Fin- 
nen fackeln aus birkenrinde gesehen. — Jurak samojed. tae, tawg. 
tie, ostj. iik, tö, to, Jen. iä, tc birkenrinde. 

415. Fin. tik-e-Iä eng, knapp. 

Ostj. tek-ncm, S. tak-nein, (ök-nefn eng. 

416. Fin. tcrika kleine münze. 

Est. ten(j g. {eniia kopeken. — Volj. faidca münze — Syij. 
Perm, denr/a id. 

Oslj. I. taita, S. imki eichhömchen, kopeken. — Vog tinkf. 

Ahlqvist kult. 170 derivirt die finnischen fonnen vom russ. 
ÄeffBga (deH(ja)y welches selbst vom tat. tanuja zeichen, Stempel 
käme. Schiefner, C. ostj. gram. 91, vergleicht #a/)a mit türk. /m/, 
M. Tat. fm eichhömchen, welches man im Samoj. tin, din, jak. fh) 
wiederfindet 

417. Magy. iTik henne, das huhn. 
Ostj. tavax huhn. 

Schiefner C. ostj. gr. 91, Ahlqvist kult. 17 deriviren dies 
wort vom tat. tavok, tauq, welches im Jen. ostj. als tavak, im ostj. 
samojed. als tveg, tüego, tüokko, tökh$, tSko gans vorkommt. 

418. Fin. täh-a, fah-to wille. — st. tah-to pr. faJidon wollen. 
Veps. taJi'töi-n wollen. — Vot. tah-o-n. 

Est. fa/i't-nui pr. fahun wollen, nöthig haben. — Liv. (o-d, 
ta-d, L. tä-d wollen. — to-miy fa-mij L. tä-mi wille. 



117 

N. Lap. (la-tfo-f, eii. tä-ffu-d, iits. fa-ftu-t pr fätfum wollen. 
— n. da-tfo, en. fä-ffu wille. 

Syij. cök't'i'Ui befehlen. — tök-tö-m befehl, wille. 

Öer. to-ce-m wollen, ^== */r>///-f'-wf. 

Schiefner Castrens ostj. gr. 91 stellt f. iahdon mit ostj. ta- 
nam wünschen, wollen zusammen. Die würz, wäre sonach tak, 
tag =1 taiiy üüi. 

419. Fin. täia, fdtfo vater. 

Veps. tat. — Est. fäf g. f(i<h; vana t. der alte vater, gott. 

Liv. taf, tau, tof, foti: vana t. grossvater. 

Ers. Mord, täfa, fäfäi vater, Schwiegervater. 

Öer. föfä grossvater. Ahlqvist. 

Magy. tafa vater. — Ostj. fada. 

Lindström 9'i. Budenz 202. Ahlqvist 185. Die genaue 
Übereinstimmung mit skr faia, lata, gr. Tcir«, t£tt«, lat. tata, lit. 
teta, ksl. tata vater, Väterchen, Fick*'* 1,75, kann wohl nicht ohne 
weiteres die entlehnung der fin. Wörter beweisen, obwohl einige 
in sekundären formen auftreten. Mehr beachtung verdient der 
umstand, dass die bedeutung base, muhme, vgl litt. ksl. Ma tante, 
ahd totä nmtter, nsl. thth soror, Miklosich lex. 988, rri^ri gi'ossmut- 
ter, mutterchen, xi}%l^ tante, Curtius grundzUge^ 229, auf dem fin. 
gebiete nur schwach vertreten ist: fin. vot. veps. täÜ tante, est. 
täd% töud, welches nach Ahlqvist 188 entweder aus dem slav. 
feta stammt, oder mit f. tüffö, iütti eine gi'uppe bildet, deren vor- 
auszusetsende urform tüttä dem tat. tuta ältere Schwester ent- 
sprechen würde. Das syij. föt tante fasst Savvaitov, wie Caströn, 
als lehnwort aus dem russischen; dagegen führt Budenz 252 magy. 
dada alte frau mit m. mord. täda, dädü als selbständige verwand- 
ten auf. — Im jurak samojed. heisst ^ö// junges weib, zweite frau, 
tätadm zur frau geben. 

420. Fin. tüitäre n. iiliär tochter. 

Vot. tiitär. — Veps. Est. tütar, — Liv. tihlär, — Mordv. m. 
stir = *sith\ — ers. tehter, tcifer tochter, mädchen. — Öer. cdir. 

Ahlqvist kult. 187 leitet die obigen Wörter aus dem arischen, 
entweder got. dauhfar^ slav. AO^ept (docffr), litt, duktere oder 
ähnlichen formen, wogegen er. f. tüttö, tütti mädchen als genuin 
betrachtet, aus einer älteren form *tüttä, dem tat. ttda ältere 
Schwester entsprechend. Im votj. giebt's ein wort d'Uh' tochter, 
mädchen; das perm. d'f'Jiy dtl'l, welches diesem entspricht, hat doch 
die bedeutung taube. 



118 

421. Fin. Uitüj tä'vii, täkü hinge. 

Vot. Uivii. — Est. täci, täii. — Liv. fäv, 

N. Lap. dadvve, davdde, sv. tahde, tcdni. 

Syij. Votj. t'L — M. Mord, tevla-l, vrs, frvU'a-r. — Öer. .sodo, 
ifoda, — Magy. tiidö. 

Lindström 90. Rudeiiz 244 fllhrt nicht die fin. fonn fäkii 
auf, velche offenbar durch Wechsel des f zu k entstanden ist. 

422. Fin. Mri, teiri, teri, fcuri haj>elhuhn. 

Vot. tedre id. — Est. tcdr g. tedrc ])irkhuhn (tetrao tetrix). 

Liv. tediför-s, ivdrö-a, L. Mri id. — Perm, iar^ Vot. ttir 
birkhuhn. 

Öerem. w. kiidör, b. kuder tetiao tetrix. 

K und t wechsehi wie im inhiut des vorhergehenden Wortes. 
N:o 423—425. tot, tut, td, tit empfinden, wissen, kennen, ver- 
stehen, können. Steigerung toiidy tcad, tivt, tait, tiut; Schwächung 
tan, ton, tun, sod; nasaUrung tupit. 

423. Fin. tied-ä-n wissen, kenneu. — tiet-o kenntniss. — ticd-o-n, 
tiet-oi-le-n, tied-u-sta-n erforschen. — tiet-ä-jä Wahrsager. — taid-a-n 
können, geschickt sein, verstehen. — tait-o kenntniss, geschickt- 
heit, erfahnmg. 

Veps fed-a-n inf. fet-a wissen. — Vot. te-ä-n, tä-n wissen, 
verstehen, vermuthen. — teät-ä-jä, tät-ä-jä Wahrsager. 

Est. tead-ma pr te-a-n wissen, kennen. — teadma-mZs Wahr- 
sager, Zeichendeuter. — tead-u-sta-n, te-a-ta-n zu wissen geben, 
benachrichtigen, bekannt machen. — taid Verständigkeit, achtsam- 
keit. — taid'Sa verständig. — taid-u-ta-n =z tuid-u-ta-n. 

Liv. tied wissen, kennen. — tiet künde, wissen. — tied-ö-mi, 
tied-i-mi id. 

N. Lap. diett-e-t sv. tet-e-t, en. tictt-e-ö, uts. tiett-i-t wissen, 
kennen. — n. daidd-a-t, sv. taid-e-t wissen. — n. dictt-o, diett-c-m, 
SV. tet-e-m das wissen, kenntniss. — n. diett-e, sv. tet-e-jr, tajvt- 
e-je kenner. — sv. tei-o-s bekannt. 

Syrj. Perm, töd-a wissen, erforschen, erkennen. — töd-a-la, 
töd-a-va erkennen, zu wissen bekommen. — syrj. töd-a-n bekannt. 

— p. töd gedächtniss, wissen. — Votj. tal-o, tod-ma-lo erkennen. 

— tod kenntniss, erinnerung. — tod-o-no bekannt. 

M. Mordv. sod-a-n wissen, kennen. — sad-a-i wisser, ken- 
ner = f. tietäjä, — sod-af bekannt. — sod-a-ftü-n räthsel aufge- 
ben, wahrsagen. — ers. sod-a-n kennen, erkennen, wissen, erra- 
then, erfahren. — sod-a-vi, sod-a-vi-ks bekannt 



119 

423. b. Fin. — tHut-e-a, zusaminengozogen inia, pr. ftnmcn 
eniplindeii, fühlen, wissen, kennen. — finm-U'fifa'Pi bekennen, ge- 
stehen. — fHnn'i'üfa-H erkennen. 

Veps. tund-e-n inf. tuta kennen, wissen. — tintd-i-.s(a-n ge- 
stehen. — Vot. (utni'C'H. 

Est. fund-a, tnud-a-uv-da empfinden, fühlen, erkennen, ken- 
nen. — funn'ii-sta'H, tunn'i-.sia-n bezengen, bekennen. — iiii-a-n 
(«lefectives verb, als passiv ergänzung von tiinda gebraucht) er- 
scheinen, bekannt sein. — tntt-av bekannt. — tut-mn-ta = f. iunt- 
e-ma-ton unbekannt. 

Liv. Uind, L. pr. tund-cd), fun-ah merken, flihlen, empfinden, 
kennen, erkennen. — tunt-oh, funt-au bekannt, freund. 

N. Lap. docdd-a-ty sv. tobd-e-t, uts. toudd-a-t kennen. — n. 
dovd'OSy SV. tohd'Os bekannt. 

Magy. tud-ni wissen, denken, meinen, können, verstehen. 

Castren giam. syrj. 101. Hunfalvy, Finn es Magy. szok egy- 
beh. 21 vergleicht mit f. iuntea magy. tudni, welches doch Budenz 
szöegy. 239 zu f. tiedän, taidan und szöegy. 193 f. hiniea zu magy. 
tanülni führt. Budenz 239 rechnet noch Cer. tidtem auflösen, er- 
klären (ein räthsel) hieher, indem er dies wort:=f. tiedustan er- 
forschen setzt; man kann es aber näher mit f. tunnistan verbin- 
den. Blomstedt Hai. bes. 85 derivirt tiedän^ taidan, tiinnen wie 
auch magy. tudni aus einer gemeinschaftlichen wurzel. Eine zweite 
analogie für die gleichung f. ie, i = mord. o hat man in f. sidon 
binden = m. mord. sodan, ers. sodan, wenn nicht das erste sodan 
näher zu der form tud gehört. 

Die tin. Wörter tuttity tuttava, tuta, ttitän werden gewöhnlich 
als zusammengezogene formen = tiinnettu, tunnettava, tuntea, tun- 
netän aufgefasst. Indessen würden sie auch als bildungen der würz. 
tut ganz ähnlich lauten. — Da magy. u im inlaut einem f. u ent- 
spricht, dem f. ie aber magy. ä oder ö zur seite steht, muss man 
wohl tudni mit der form tunt, tund verbinden. Unzweifelhaft ge- 
hört aber auch die folgende nummer derselben wurzel; es scheint 
daher am besten die erklärung anzunehmen, dass tan, tan, tun 
durch s. g. erweichung entstanden haben, wie im fin. pr. tunnen, 
liv. tunah, — Im Samojedischen heisst: jur. tenäu, fimieu, taw. 
fannejcama, ostj. tannaj), Jen. te7uho wissen; jur. tumdau, jen, tud- 
dabo erfahren, ostj. tenam sich erinnern, taw. tnntuama errathen, 
kam. thümnäm wissen, sich erinnern. 

424. Syrj. tun, Votj. tun-o Wahrsager. 



120 

M. Mord, ton-a-da-n, tofi-a-fna-n lernen, sich gewöhnen. — 
ton-a-fta-n lehren. — ton-a-iM-na-n sich allmählig gewöhnen. 

Ers. ion-a-do-n einsehen, erkennen, sich gewöhnen. — ton- 
av'le-n lernen, sich üben. — tona-rto-u lehren, gewöhnen, zäh- 
men. 

Öer. iiln-i-ma-m, tom'C'uä'm, fam-c-Ha-m lernen, sicli ge- 
wöhnen. — tän-fi'kfe'mf tttH'U-ktC'm, tom-de-m, ium-de-m, -hte- 
de-niy 'Jcte-la-m (frqv) lehren. 

Magy. tan lehre. — tan-ol-ni, tan-id-ni, tan-fd-ni lernen. — 
tan-a-lco-d-ni sich berathschlagcn. — fan-äö ratli, rathschlag. — 
taH'U'äl't'ni bezeugen, bestätigen. — tan-l't'ni lehren. — tan-Uy 
tan-H der zeuge. — Kond. Vogul. ion-ux der zeuge. 

Siehe die vorhergehende nunnner. Votj. tuno Wahrsager, 
magy. tanu zeuge = f. tietäjä Wahrsager, wie im griech. ilccvti^ 
Wahrsager, seher aus man denken. 

425. Fin, tied-ü-n bekannt werden, ans licht kommen. 
8v. Lap. tet-o-t percipi posse, sichtbar sein. 

Syij. Perm, tid-al'ni, fid-av-ni sichtbar sein. — s. tUl-a-s 
erscheinung, gespenst. — p. fid-a-lö-m, tld-a-la-n sichtbar. 

Magy. tät'ik^ ältere form ftlr täi-sik sichtbar sein, gefallen. 

Budenz 217 vergleicht nur die syrj. u. magy. Wörter; die tin. 
lappischen sind intransitivformen des v. tiedän wissen. Rir die 
bedeutung gefallen ergiebt sich doch auch im finnischen eine an- 
dere analogie: im n. lap. dutt-at, sv. tudd-et zufrieden sein, sich 
begnügen = f. tüd-ü-n, tüd-ii-n^ als dessen erste bedeutung Ren- 
vall doch: gehemmt, verdämmt werden, satt sein, angiebt. Das 
magy. inlautende ä entspricht sowohl dem fin. ü als /€. 

426. Fin. tote nom. tosi wahr, wirklich, Wahrheit. — tod-i- 
sta-n, tod-iste-lefi zeugen, bezeugen. 

Vot. tös-i wahr, Wahrheit. — Est. töt-e Wahrheit. — töz-i 
gen. töe id. — töt-la-ne ernsthaft. 

Liv. tod nom. toiz, tuoiz, L. tois pl. todüd wahr, gewiss, wahr- 
lich. — tod'li wahrhaft. 

H. Lap. duot, uts. tuott-a wahr. — n. duoö-aiy duod-a-la-s, 
en. tiioö-ai wahrhaft. — sv. tuod-a, tuod-ai-k ernsthaft. 

Yoij.'^tod'i'to zeigen, beweisen. 

Budenz szöegy. 857 ist der ansieht, dass auch magy. ud-an 
zwar, doch, hieher zu rechnen ist; es fehlen doch die mittelglieder 
um dies mit bestimtheit behaupten zu können. 
N:o 427—429. tut, tot spitz sein. 



121 

427. Fin. töft-ö dttte, adj. hoch und spitzig. 

Ostj. I. t^i, S. toi, tui das oberste, spitze, Oberfläche. 

428. Fin. tut-ka spitze, uiitersiichuiig, erforschuug. — tut- 
ka-i-me n. -in spitze. 

Est. tut'ka n. ttä-k, (ut-ke-ma n. tut-ktm ende, winkel. — 
Liv, tut'kä-m, L. tut-k, tut-ka ende, spitze, gipfel, bootsteven. 

N. Lap. tuod-ko-m, sv. tod-ko-m, fud-ko-tn, tud-ko knöpf an 
bäumen. — Syij. Perm. öu§-ka-n zacke. 

Os^j. tüt'xa-ep pfähl, butterstange ; vgl tnt-xa-em fische mit 
einem stock ins netz scheuchen. 

429. N. Lap. curdde, sv. cufi\ en. curdi zehe (auch finger). 
Syij. tun, Perm, d'un, Votj. rirü finger. 

Magy. üj finger, nach Gyarmathi früher auch idijai, uija, 
Vog. tiiCe, — Ostj. I. tui, S. foi finger. 
Schiefner 93. Budenz 858. Kuropa^us Suonii II, 7, 39. 
Wahrscheinlich ist das wort identisch mit ostj. tui spitze. 

430. Fin. täüt4i n. täüai voll. — täütii-ä voll werden, in er- 
füllung gehen, zureichen, müssen. 

Veps. tääs voll. — Est. täiz g. täie, täve, tävve voll, ganz, 
gediegen, schwanger. — täit-sa vollständig, ganz. — täit-ma, täüt-mä 
füllen. — täidi-ma, täiidü-mä vermögen, möglich sein, in fülle vor 
handen sein. 

Liv. tävs pl. tddö-d, L. täus voll, erwachsen. — tävt pr. tä- 
tab füllen, anfüllen, sättigen. 

N. Lap. diei\ dicvas, sv. tävas, tevvas, en. ticvas, ticvva voll. 
— SV. teus, teusa vollgewachsen. — Öer. tif voll. 

Schiefher, Castrens ostj. gram. 92, und Budenz szöeg. 209 
verbinden mit dem f. täüte sowohl ostj. tzt, ßer. tif als auch syrj. 
wotj. tir, magy. tälä, vog. tal, tauJ, tau. Die urspr. form wäre 
sonach *tart, *tärt, im ugrischen durch erweichung Hdt, Hält, aui^ 
welcher f. täiit durch vokalisation des l, wie öfters, hervorgegan- 
gen wäre. Eine derartige erklärung hat nichts befremdendes, an- 
dererseits aber kann man den Zusammenhang mit f. tudiin n:o 
425 anm. nicht vorübersehen, obwohl auch dies wort aus *tüldün 
kann erklärt werden. Ich ziehe doch bis auf weiteres vor das 
syrj. wotj. tir, magy. tälä u. s. w. mit f. türtün zu verbinden, 
s. n:o 479. 

431. Fin. tul-e n. tuli feuer. — tott-o feuerheerd. 

Veps. tid'(; n. -/. — Vot. tul-i, — Est. tul-e n. -i feuer, bren- 
nender kienspan, feuerstelle. 



122 

Liv. fitC, L. iuF'fi, M-ki feuer, licht. 

N. Lap. dotl-a, sv. foll-a, toll-o, toll^ en. tutl-a feuer. — sv. 
toll-em feucrheerd. 

Votg. t'il feuer. — fil-t't-sho brenneu, feuer anmachen. 

H. Ers. Mord, fol feuer. — Öer. /«/, h. /m/, fol. 

Magy. ///r-ä noni. //7^. — Ostj. I. täi, S. iuf/vf. — Vog. ^««/, 
////, toaf, fol, fuol, konda ^ö///. 

Lindströni W verbindet ganz richtig f. foiUf mit inli, die form 
*tut als Urform betrachtend, vgl MS 147. In diesen Wörtern wie 
in tittti scheint ein beweis von der ursprtinglichkeit des t vor- 
zuliegen, wodurch derselbe Übergang auch in anderen «ähnlichen 
fallen stattgefunden haben möchte. Schiefner 94. Budenz 240. 

— Jur. Samojed. tu, Tawg. tui, ostj. tu, tu, jen. tu, tu, kam. sii. 

— Möglich wäre es doch auch, dass das ost. vog. t dem suföx 
angehört und tut = *tult, tat, taut = *talt wäre. 

432. Fin. tutti feuerzeug. Renvall. — tul-u-kse nom. tul-us, 
pl. tuhikset feuerzeug. — tuli-kivi feuerstein, Schwefel. 

Est tul'us gen. tul-u-kse, tul-u-se feuer, brand, pl. feuerzeug. 

— Liv tul'ü'ks feuerstahl. 

Syij. Perm. tU-kärt feuerstahl. — Votg. til-hli feuerstein. — 
Öer. tol'ijü, w. tul'kii, 

Magy. tuz'ko. — Ostj, tüt-keu. — tüd-u-s beutel für feuer- 
zeug. Siehe n:o 431. 

N:o 433 — 441. tcu», tos, tus, tiö-, toh, tuh, tih sausen, dampfen, 
tosen, lärmen; — stossen, streiten; — aufstehen, schwellen. Stei- 
genmg tous, teuh, erweichung nos. 

433. Fin. toh-u-n tosen, toben, poltern, lärmen, duften. — toh-i- 
sc-n sausen, lärmen. — toh-vü-n, toh-i-n blindlings etwas thun, 
schlagen. — tuh-o-ta-n, tuh-o-sta-n schnauben, schnaufen. — tuh-o 
yerderb, Unfall. — tuh-u Staubregen, sausen. — teuh-ä-ii lärmen, 
toben. — ti^-ma, tih-ma, -mo, -mu^ tih-nu Staubregen. — tih-ö-n 
sieden, zischen, hervorsiepem. — tih-i-se-n sachte sausen. — 
tih-u, tüi'ku thau, leichte feuchtigheit, das hervorsiepem. 

Veps. äih-me-r nebel. 

Est. toss-a-H lärmen, tosen, dunsten, dampfen. — toss-u-u, 
tu,sS'U'n fiesten. — tuh-i-sc-H sausen, wirbeln, in bewegung sein. 

— tuh'i'Sta-n bewegen, aufwirbeln. 

Syij. döz-nwg wuth. — Votj. tus-on staub, veifolgimg. 
M. Ers. Mord, ton-ka-n Hüsteni, zischen. 



123 

Magfy. (iiss'iüi'Nt, ftlss-ä-ftfä-nl niesen. -- <Jfih wiith — f. 
fu/io. — düh-ö-d'iii wUtheii. 

Eine merkwürdige parallele zu den verschiedenen hier auf- 
tretenden Ijedeutungen bieten: %v-(o brausen, t<»l)en, opfern, Ou-vco 
toben, rasen, stUnnen, %v vo-g andrang, %1^-^oq leidenschaft, ge- 
müth, skr. (Ihit-wa rauch, (Utti-Ii staub, got. daun-.s odor, ahd. 
foum funius. Curtius, grundzUge- *i:33, welcher die grundbedeu- 
tung dieser wurzel als „heftige bewegung" auffasst. giel)t f(dgende 
drei nioditikationen derselben: 1) brausen, erregen, )1) rauchen, 
3) opfern: aus der ersten hat sich die geistige l)edeutung ent- 
wickelt. Die zwei ersten moditikationen sind in der tin. wurzel 
zahlreich vertreten. Kine ähnliche parallele hat man fllr est. ^/V\v- 
SQH, niagy. f(fsni stossen n:o 4M im litt, dauz'm, dauzti stossen, 
schlagen, Schleicher Litau. grannnatik II *2()5. 

434. Fin. toh-n getöse, geruch, duft. — foh-ui-se sausend, 
staubig, duftvoll. — (iißt-hu geruch, das riechen. — tnh-kä-n^ 
tuh-l-n inf. tnhkia riechen. 

Est. toss g. tossu dampf, hauch, atheni. — foh-u dampf, 
dunst, nebel. — toh-u-nc st. -.sc, -ce dampfig. — Liv. tü-(/ rau- 
chen, dampfen. 

Magfy. doh dumpfiger geruch. — doh-a-t id. — doh-o-s 
dumpfig. 

Budenz 259 stellt doh, dohos zu f. fuukka dumpfiger geruch. 
Mann müsste dann eine Scheidung eintreten lassen, indem einige 
Wörter, etwa f. ttdikuy fiuikka, liv. tü(ß zur wurzel tok stossen n:o 
389 gehörten, die anderen zur fos, wie aus est. tossan, toss und 
f. toßmn zur genllge hervorgeht. 

435. Fin. fus-ka angst, noth. — tus-ka-u-n, tus-kä-nnu-n, ins- 
ka-u-du-n, (us'ku'^^tU'H, tu.S'ki'StH'U ängstlich, verdriesslich werden. 

Veps. (u.S'k angst. — Vot. tus-ka id. 

Est. fKs-k g. fuza Unruhe. — fus-ka-n, fuz-c-lda-n unruhig 
sein, sich ängstigen, quälen. — titz-a-ne, taz-a-li-ne mühsam, be- 
schwerlich, ängstlich. — iäh-ka-n stöhnen, ächzen. 

Syrj Perm. tU-ka-sa streiten, kämpfen. — Votj. f'/s-ka-lo 
schlagen, klopfen. — tU-ka-Sko zanken. — Öer. tU-k-m objurgare, 
increpare. 

Magy. tns-a kämpf. — ius-a-ko-d-ni, tus-a-hja-ni ringen, strei- 
ten. — ius-a-ko-l-ni antreiben. — tm-ä-z-ni kämpfen. — iu$'ka, 
dns'ka trinkgelagc». — difs-kä-t-ni zechen. 



124 

Den fin. Wörtern in bedeutung am nächsten steht ostj. ti§- 
tem traueni, welches Schiefner 92 mit syrj. tözda sich beklim- 
meni, sorge tragen, zusammenstellt (= perm. tözda; tözdöm kum- 
mer). Lindström ISuomi 97 vergleicht zögernd ung. tum mit f. 
tuakuj Ahlqvist ant. i nordtschudiskan 108, Vot. gram. 15G, leitet 
aber das letztgenaimte wort vom russ. TocKa, welches auch dieselbe 
bedeutung hat. Nach Miklosich lex. palaioslav. giebt es aber 
nicht im altslavischen. Ich würde aus allem dies den schluss zie- 
hen, dass es ein lehnwort aus dem finnischen ist, um so mehr 
da lit. dus-as schwerer athem, dausa luft, hauch, athem, welche 
wohl als die nächsten verwandten zu betrachten seien, mit d an- 
lauten tind zur skr wurzel d/tfi schütteln, rasch hin und her be- 
wegen, als Weiterbildung geführt werden, Curtius grundzllge'^ 234, 
Fick* 528, Kuhn Ztschr III, 434. Es giebt wohl auch ein htt. 
tüzba, tüzma kummer; die würz, ist mir nicht bekannt. — Zu die- 
ser wurrelfonn gehören gewiss auch f. iais-ka-n herumwerfen, stos- 
sen und tius-ha-n mürrisch reden, est. iuls-ka-n stöbern, wirbeln, 
toben. 

436. Fin. tüa-i'H riechen, aufspüren, ahnen. — tüS'i'fie'le'n 
ängstlich machen. 

Est. iüz-i'H, iüZ'C'lda-n zaubern, hexen; zausen. 

Öer. tus-man zauberer, vgl Votj. tuS-fno-n Verbrecher. 

Diese Wörter hängen wohl mit der bei ausübung von Zauber- 
künsten gewöhnlichen art des Zauberers sich in eine ausserge- 
wöhnliche erregung zu versetzen, zusammen; angst, toben und 
raserei gehören nothwendig dazu. 

437. Est. tüss-a-n, tus-ka-n, tiU-a-n stossen. 

M. Mord. tos-U-da-n stossen, tos-fi-ji-n id. Budenz. 

Magy. tos-ni, tos-lt-ni, ias-lUni stossen. — tos-o-ga-t-ni frqv. 
— tas-i-gä-l-ni herumstossen. — doss-o-l-ni antreiben. — ins- 
ko4-ni antreiben, stossen. 

Oslij. te^'te-m ordnen. 

Budenz 229 vergleicht nur ung. tosni^ tcmfni mit den mordv. 
Wörtern. In dieser reihe gehören wohl auch fin. ies-mä Ordnung, 
geschick, Uh-mü kraft, Ordnung. Fin. tastin =: tüstin hemmen, 
zähmen ist offenbar Weiterbildung aus täs zurück, wieder von taka 
platz, räum hinter. 

438. Fin. tass-Oy tenö-o, tcss-e-li, tas-ki-me n. taskin krum- 
mer axt. 

Syrj. tu axthammer, streit, schlag; vgl tUkada streiten. 



125 

439. Fin. nous-e-n inf. wo.s*-/fl, votfs-fa aufstehen, schwellen. 

— noiis-e-nto erhebung, gährung. — nos-ta-n erheben. 

Veps. votis-e-n aufstehen. — hous-fa-n fact. — Vot. vöis-e-n 
aufsteigen, gähren. beginnen. — nös-a-n heben. 

Est. tönz-e-ii, tözz-e-v, töz-c-n sich erheben, aufstehen, auf- 
kommen. — füS'fa'}i, ((Is-ta-nC')! heben, aufheben, erregen. 

Liv, nü.T, L. mtS sich erhel)en, schwellen, entstehen, aufge- 
hen. — nnS'ia heben, erheben, erregen. 

M. Mord, tufi-e-nila-n sich aufmachen. 

K. Vog. Uid-e-my tus-e-m, finfs-e-m, Umf^-e-m stehen, auf- 
stehen: 

440. Fin. fuss-a-moi-ne-n bauschig, aufgeblasen. — tuss-ä-n 
bauschen, aufschwellen. 

Est. toh'H'fu aufgeblasen, sehr gross. — iöh-e stolz, aufge- 
blasen. 

Magy. duzz-a-d-ni aufschwellen, trotzig sein. — duz-mo-g-ni 
schnauben, trotzig sein. — duz-ma aufgeblasen; blähung, schäum. 

— diS'lä-ni gedeihen, blühen, prangen. — dis^ dls gedeihen, 
schmuck, zierde. 

Das magj\ dJs, disäs wird von Budenz 258 mit votj. dii 
kleid, diSjalo bekleiden, zusammengestellt. 

441. Fin. foh'di-n wagen. 

Vot. töh'i-n. — Est. toh-i-n st. tohti dürfen. 
Sv. Lap. fuo,s(e-f, uts. fiiossta-t — Votj. di4to wagen. 
Öer. w. tosta-m, b. fosfc-m confidere, andere, toätc-de-m frqv. 
Wohl verwandt mit mord. tostedcn stossen n:o 437 und aus 
der bedeutung toben, lännen entwickelt. 

442. Fin. tüskil, foh-kio schwer, ungelenkig. 
Est. tüZ'€ g. füz-eda, tiiz-i schwer, gewichtig. 

Yoij. tuz sehr. — Öer. tüs prapgnans. — tM-ka menge. — 
Magy. düH sehr reich. 

Ob ers. mord. fusto dick, geronnen, magy. fast körper, leib, 
fÜHtös beleibt mit diesen wörteni in Verbindung steht, wage ich 
nicht zu entscheiden. 

443. Syij. Perm. to§ hart. — Vo1|j. Uis hart. 
Ostj. tn§ hart. — Vog. tus-ptin, tos-pon. 

Schiefner 93 vergleicht das ostjak. und votj. wort. Hunfalvy 
vog. föld 24 erklärt das vog. wort nach Gyrmathi tus mund + pun 
haar = magy. fon^ fan schamhaare. 

444. Syrj. Perm. tu,i samen, koni. — Votj. ti$ keni, kom. 



126 

M. Mord, öitz gerste. — ers. cid, §uz id. 

445. Fin, fasa eben, flach, glatt. 

Veps. fazOy taz-as eben, glatt. — Vot. tasö-im id. — Est. 

taza leise, sanft, gleich, richtig. — taz-a-n ebenen, sanft machen. 

Liv. taza sanft, fromm. — iaz-i sanft, sittsam, langsam, flach. 

— Votj. iuzi weich. 

N:o 446 — 464. tar, ior, tur, ter, tk aufschwellen, brausen, 
schnauben; — aufkeimen, spriessen, hervorwachsen; — hervorra- 
gen, spitz, scharf sein, scharf beobachten; — schnauben, scharf 
sein = streiten, kämpfen, verderben. Steigerung tür, tdr, für, foar, 
taur, tTr, tlr, Her, teir, tiur, 

446. Fin. fur-sa-s, iur-i-la-s, turr-a-s bauschig, aufgeschwollen. 

— tur-pi-a aufgeschwollen, üppig. — tur-su-n, tur-i-stu-n schwel- 
len. — iur-sä-n anschwellen, bauschen. — tun'-i zottig, pudel. 

— tur-a, tur-o weich, voll von wasser, abgehauene tanne, welche 
ins wasser gestellt wird zum fischlaichen. — taur-u mürbe, weich. 

— iaur-u-n, taur-ü-n, taur-o-n mürbe, weich werden, schwellen. 

Estn. tur-su-n aufdringen, aufdunsen, quellen. — tur-sa-ta-n, 
tur-ca-ta-n ausbrechen, ausplatzen, verdriesslich werden. — turr- 
U'ta-n aufquellen, dicht machen, kräftigen. — tur-b g. türm, tnr-d 
g. turra etwas feucht, halb trocken, gequollen. — tur-bu-n, tur' 
du-n quellen, halb trocken werden. — tur-zo-n struppig, verzaust 
werden. — tär-u-n, tür-a-n taumeln. — tür-a tär-a od. tur-a taur-a 
taumelnd. 

8v. Lap. turr-e-t aufschwellen, schwären. 

M. Mord. tar-ge-Sa-Hj ers. far-go-za-n aufschwellen. — tar- 
go-zi geschwollen. 

Magfy. tür-ni graben, wühlen, herumwühlen. — iur-hü-l'}}} 
herumwühlen. — tür-do-gä-l-vi, ftlr-de-s-ni wühlen. — tür-ä-s da.s 
wühlen, aufwiuf. 

Die niagy. Wörter fürni und turJcälni werden von Budenz 
szoegy. 242 mit f. tuhrän im schmutz wühlen, zusammengestellt. 
Es wäre dann hier wie oft ein h eingeschoben. 

447. Fin. fur-ise-n brausen, schnauben, knirschen. — fia- 
sku'H schnauben, prusten, — tär-siki-n, -skü-n schnauben, schnaufen. 

Est. fur-e-le-n, tur-i-sfa-fi, tur-a-lda-n schnauben, prusten, 
niesen. — tur-cn-n sprudeln, ausplatzen, prusten, schnaul)en, brau- 
sen. — für-ski-ma prusten, niesen. 

Perm, iur-zi-ni zischen, zwitschern. 

Osy. tar-e-se-m schnaufen. 



127 

448. Fin. fir-sJcu-n schnauben, knirschen, zwitschern. — tnir-ti-n 
siepern, spritzen. — iür-sJcü das schnauben, brausen, schluchzen, 
lautes lachen. — ür-i-se-n siepeni, sprudeln. 

Est. fir-a-n klirren. — tir-sfi-n prusten, niesen. — fir-e was 
nur eine kurze strecke fliesst, kleines rinnsal. 

Öer. tür-rc-nta-m niesen, prasseln. 

Magy. iir-i-tä'l-ni, th'-i-ho'l-ni schlagen, singen (von der 
lerche). 

449. Est. tär-a n. tär der höchste gott bei den Esten = vana 
t, — vana isa der alte vater. 

N. 8v. Lap. tier-me-s gott des himmels und des donners. 

Vog. tar-om gott, himmel, konda tor-em himmel. 

Ostj. I. tür-um, tür-m, S. H/r-etUy tdr-um gott des himmels und 
des donners. 

Castr^n Finsk mytologi s. 51 hält alle diese Wörter für ver- 
wandt, abwohl er es nicht wagt zu entscheiden, ob sie genuin 
oder aus Indogermanischen sprachen entlehnt sind. J. Krohn ver- 
muthet, dass das f. türi, welches in Kalevala identisch mit pal- 
voinen (wohl = pilvinen der in den wölken wohnende) gesetzt wird, 
dem est. tära od. iuris und sonach wesentlich dem fin. ukko ent- 
spreche, s. Kalevala helppoh. painos 371. Über tära vergleiche 
F. Kreutzwald, über den Charakter der estn. mythologie, in Verh. 
der gel. estn. ges. II, 3, s. 45. Im cuvassischen heisst tora ein 
guter geist, gott des himmels, s. Ahlqvist Bulletin de Tacademie 
de S:t Petersb. fllr das jähr 1857 T. XIV s. 145 und muistelmia 
matkoilta Venäjällä s. 106. — Das magj'. dän-änni donnern, er- 
tönen, fin. toiän streiten, zanken, brausen, turisen brausen, schnau- 
ben, knirschen u. a. machen es sehr wahrscheinlich, dass die obi- 
gen Wörter aus derselben wurzel stammen, ganz in ähnlicher weise 
wie der zweite name des himmlischen gottes juma, jumcda aus 
der würz, jum dumpf ertönen gebildet ist, n:o 385. Vgl auch 
tiirsas n:o 450. Wahrscheinlich gehört hieher auch der alte name 
des kriegsgottes bei den Finnen: turri, turras, turrisas, dessen 
schon Agricola 1551 erwähnt, und welchen Ganander mythol. fen- 
nica 93 aus dem schwed. Tfiijr erklärt. 

450. Fin. tur-sa-Sy tur-so ein meerungeheuer. 

Est. tur-sa-s eine meergottheit; mere f. = fin. meri fursas. 

Castren, Finsk mytologi s. 86, äussert die ansieht, dass tur- 
sas wohl aus dem altnord. thurs riese entlehnt sei; so auch Lönn- 
rot, vgl Kalevala helpp. 370. Indessen kann man wohl kaum eine 



128 

bessere etymologie des wertes finden als aus wiirz. tur in tursun, 
tnrmn, furisoi n:o 446, da gerade das wesen dieser gottheit in 
dem anschwellen und brausen des meeres liegt. Ausserdem spre- 
chen die nebenformen turilas, furras, tursas angeschwollen unwi- 
derlegbar für die hier vorgebrachte etymologie. — Andererseits 
findet sich an. thnrsa, thursi im ags. thy^rs^ ahd. duriSj durs pl. 
tursä, mhd. dilrse, turse wieder, und wird mit der wurzel thars, 
indoeurop. tars, skr. tars dürr sein, lechzen in Verbindung ge- 
bracht, wie an. jotunn mit iian essen, vergl. Fick wörtb.* 706. 
Eine ableitung aus tar^ fru bewältigen würde vielleicht doch bes- 
ser mit der bedeutung übereinstimmen, vgl zend iura feind. 

451. Est. flr drüsenanschwellung. — Liv. dor-ä-d pl. schleim 
aus der nase. — dorr-i rotzig. — Ers. Mord, tar-goi geschwulst. 

Magy. tar-ad geschwUr. — tar-ja-g flechtenausschlag. — 
tar-a-nd schmutz. — iur-ha auswurf, schleim. — tör-ö-ti kopfaus- 
schlag. 

Vgl SV. lap. turret aufschwellen, schwären. 

452. Ein. tar-nia, -mo, -mu, tär-mä kraft, gefUhl, Wohlbefinden. 
tuor-e, tuoi'-es, -« frisch, roh. — ter-ve frisch, gesund. — ter-ne 
das erste hervorgesprossene: ter-ne, -ni, tör-ni biestmilch, tenie 
pilm dünnes, leichtes gewölk, t kai-va der erste flaum. Vgl. t^- 
ska eichel knospe, ter-ho eichel, frisch, gesund, n:o 453. 

Est, tär-ka-n aufkeimen, spriessen, hervorwachsen. — fe^'-ve 
gesund, ganz, unverletzt. — ter-is gesundheit, gruss. — tör-es 
roh, frisch, grün, saftig. — ter-e-nda-n luftspiegelung zeigen. 

Liv. fer-a, -as, L. ter-iiy tär-u gesund, heil, ganz. — tuor-ös 
saftig, frisch, roh. 

N. Lap. dier-vas, en. tier-vas gesund. — sv. tar-a-nm-ite-t 
schnell sich erinnern. 

M. Mord, tor-a-fna-n sich erinnern. 

Magy. tär-äm-ni tragen, bringen, wachsen, erscheinen. — 
tär-tne-ä das wachsen. — tär-mä-t wuchs. 

Vog. teir-me-m wachsen, hervorbringen. 

Budenz 216 verbindet magy. tärämni mit lap. taramattet und 
vog. teirmem. 

453. Ein. ter-ho eichel; gesund; lee, windstille. — ter-ska ei- 
chel, knospe. 

Vot tur-o eichel. — Est tör-u id. — tör-u-ke-ne dim. — 
Liv. tör-fnö-Sy tür-bö-s eichel. 
X. Mord, öer-ä id. 



129 

454. Fin. ter-ä getreidekorn. — ter-ä-vä kornreich, ter-äi-sä 
id., reich an scheiden. 

Est. ter-a, tär-a kom, kömchen, kern. — ter-a-ka-s kömig, 
köraerreich. — ter-a-ta-n auskörnen. 

Liv. ter-a, L. tär-a kom, getreide. — terr-i körnig. 
Möglicherweise gehört auch votj. tari hirse hieher. 

455. Fin. tor-o, tor-to, tor-tto mühlentrichter. — tarr-o aus- 
stehende Stellung. — torr-a-kko seitenstecken am lastwagen od. 
Schlitten. — tur-u mtthlentrichter, ecke. — tür-ä testikel. — 
tör-tö düte, hülse. — tir-so hervorstehendes ende, lange nase. — 
tor-ve nom. -i röhre, trompete. 

Est. tor-i röhre, rinne, dachrinne. — tor-a eisbrecher am 
brückenkasten. — tor-u röhre, bockpfeife, mühlentrichter. — tir-a, 
tür-a männl. glied. — tir-e kleine rinne. — tür-k fichtenzapfen. 

— tör-v Sprachrohr. — Liv. tar-i pumpenröhre. — tor-u zacke 
an der haube. 

Sfir. Lap, öarr-o ecke, winkel. — 6or-ge, cor-ge spitze. — 
tuor-g baumzweige. 

Votj. tör oben, das oberste. 

M. Mord, tar-at zweig. — ers. tar-a-da, -do ast, -dav ästig. 

— m. ers. tar-va-s sichel. 

Öer. t€r-vu-$ spitziger hut, vgl. f. terävä spitzig. 

Magy. tar-at-jü pflugschar. — tar-ö, tar-U) Stoppel. — tar- 
za-d-niy tor-za-n-ni sträuben (haar). — tor-za-sta-ni in die höhe 
richten. — Oslg. tä/r-e^ dach. 

In allen diesen wörtem ist die anschauung hervorragend, her- 
vorstehend gewiss auch die ursprungliche. Ahlqvist mord. gram. 
176 verbindet mord. tarat mit f. hd^a^ welches bekanntlich aus 
sU/ra hervorgegangen ist. Man müsste dann überhaupft die Wur- 
zel tar mit sar identifiiren. Über lap. öorge vgl. n:o 460. 

456. Fin. ter-ä schneide, spitze, ährenspitze, ähre, scheide. — 
ter-ä-vä scharf, ter-ä-s stahl. — ter-ä-n mit schneide versehen. 

— ter-oi-tan schärfen. 

Veps. fer-a-v scharf, schnell. — Vot ter-ä schneide — ter-ä-s 
stahl. — ter-ä-sä-n schärfen. 

Est. ter-a schärfe, schneide, spitze, ähre, stahl. — ter-a-ne 
scharf, schneidig, frisch, munter. — ter-a-v, terr-ä-v scharf, spitz, 
schneidend. — ter-a-s stahl. — ter-i scharf. 

Liv. tär-a scharf. — ter-a schneideschärfe, ährenspitze. — 
ttr-ö-da stahl. — ter-ou-di stählern. 

9 



130 

N. Lap. därr-e, där^we, en. teär4 schärfe, schneide. — en. 
ter-ä-s stahl, ist wohl aus dem fin. entlehnt, s. doch Lönnrot Acta 
soc. fen. IV, 254. 

Syij. cei' axt, beil. — Perm, der id. — Votj. tir id. 

Öer. b. ter, tir, t'ir, dir, w. tür rand. Strand, schneide. 

Magy. t(/r spitze, dolch. — tör-ök pfriem, fallstrick. 

Budenz 235. Das f. wot. terra, veps. tetr, est. törv, liv. 
tära, iura, türo, sv. lap. tarie tlieer, welches Thomsen 152 u. Ahl- 
qvist 160 aus dem au. tjara, aeng. tearo, tyro g. -res mit hinweis 
auf das lett. darva theer, litt, derva kienholz, herleiten, kann eben 
so gut aus der f. wurzel stammen, mit der bedeutung scharf, hit- 
ter, welche besser als dürr, trocken hieher passt. 
457. Fin. tör-mä, ter-ma, ter-rnä ufer eines flusses, abhang. 

Sv. Lap. ter-bme steiles ufer. 

Syrj. Perm, dar ecke, Seite, rand, einfassung. — s. va-dar 
ufer (des wassers). — Votj. dtir rand, ufer. 

Öer. tor-a Seite, rand. — tcr, tir, dir rand, ufer, schneide. 

Ahlqvist kult. 146. Vgl. f. sürjä, 
468. Fin. tur-pa maul, schnauze, rllssel. — tur-sa id. 

Uta. lap. tur-bbi, russ. lap. tfr-p (Europffius). 

Syrj. Perm, t'ir-p lippe. — perm. tir-pa mit grosser lippe 
versehen. 

M. Mord, tur-vä, tir-vä lippe, rand, kante. — ers. tur-va id. 

Öer. tär-vö, ter-vä, tir-va, tir-bä lippe. 

Ahlqvist mord. gram. 177 vergleicht die mordv. und fin. Wörter 
459.. Fin. tür-a brecheisen, eispike, speer in Kalevala 30,86. 

Est. tür g. türa, türe brecheisen mit hölzernem stiele, har- 
pune, eispike. — Liv. tür ecke, winkel, zipfel. 

Das wort tür kommt im estn. schon vom jähr 1300 vor, vgl. 
J. A. Sjögren, Liv. gram. LXVII, vgl Ahlqvist 211. — Im jurak- 
samojed. heisst (ur speer, treibstock beim fahren, stab, dimin. 
turku, furko treibstock. Eine parallele bietet syrj. zor, votj. z/r 
Stange, stock, ostj. §ur Stange, stock, pfähl, ostjak-samoj. cilr, 
tür, für, dir, kamas. sam. äürü stab. 
460. Fin. tur-ja genick, hintertheü des kopfes. — tür-u id. 

Est tur-ja n. turi nacken, schöpf am hinterkopf, rücken. 
tur-i-ko n. turik nacken. 

8v. Lap. öur-o-s nacken. — Öer. tor-ok cerebrum. 

Magy. tar-aj, tar-e, tar-cj, tar-ek hahnenkamm, spomradchen. 
— tar-kö genick. 



131 

Budenz 199 bringt statt curos das lap. wort corge spitze, 
apex mit den übrigen in Verbindung. Dies wort steht mit votj. 
iör das oberste in näclister Verbindung, gehört doch,] obwohl wur- 
zelverwandt, wegen der bedeutung zu n:o 455. 

461. Fin. tar-kka, far-ka-s scharl, genau, achtsam. — tar- 
kkä-n, tar-ka-sta-n genau behandeln, untersuchen. — tar-km- 
ta-n genau wornach zielen, im sinne haben, beabsichtigen. — t^r- 
kö-tä-n id. 

Est tar-ka n. tar-k klug, besonnen, weise, s. zauberer. — 
tar-ka-n zu verstehen geben, andeuten. — tar-ku-s klugheit, deut- 
licher begriff. 

Magy. tür-d gegenständ. — tär-da-l-ni zielen, anhandein. 

Vergl. die indogerm. wurzel dark, skr darg sehen, gr. üq- 
xofiaty got. tarh-j(m% caus. (sehen lassen) auszeichnen, welche Pott*' 
n, 938 und Curtius grundzUge^ 125 als Weiterbildung mit skr 
dar berücksichtigen, litt, divan gaffen, lauem, verbinden 

462. Fin. tor-a zank, streit, verweis, rüge. — tor-u-n rügen, 
verweisen, zanken. — tor-e-lc-ny tor-u-skc-le-n frqv. — tor-ü-n, 
tor-a-ja-^i tadeln, zanken, streiten, winseln, brausen. — tlh'-ö keck, 
grimmig, verdriesslich. 

Veps. tor-a-da-n zanken. — tor-a-da-j einer der zankt = f. 
toräja. 

Est. tor-i-n keifen, schelten, zanken. — tor-u länn, zank, 
aufruhr. — for-i-se-n brummen, summen. — far-t gesumme, ge- 
brumme. — för-a, tör-ii aufruhr, Zwietracht, zank, streit. — tör- 
e-le-n zanken, streiten, vorwürfe machen. — tör-i-n wüthen. — 
tor-Uy tor-a-ka-s, tor-c, torr-c stolz, übermüthig, rauh, roh. 

Liv. t(h*'g, tilr-g zanken. 

N. Lap. doarr-O't, sv. toi^-o-t, en. toarr-o-ö kämpfen, strei- 
ten, sich schlagen. — n. daarr-o, sv. tor-o, en. toarr-o streit, 
zank. — sv. tor-e-k quer, schief, trotzig. — tor-e-s einer der quer 
vor liegt. 

Vo1|j. tar-ga-lo verhöhnen. — tar-ga-Sko anfeinden, verfolgen. 

M. Mord, fur-a-n, ers. tur-e-n sich schlagen, kämpfen. — 
m. fur-ga-da-n, ers. tur-ga-do-fi in streit gerathen. — m. far-a-n 
störrisch, eigensinnig sein. 

Öer. toi-h-m rügen, zanken, schmähen. 

Magy. tor-o-l-ni rächen, schmausen. — tor-o-z-ni schmau- 
sen. — tor-lä-s räche. — tor schmaus, mahl (wohl urspr. streit, 
wie aus tor-lnäk trauerlied, hervorzugehen scheint). — tor-za- 



132 

Iga-ni zanken, hadern. — tor-ko-l-ni ausschelten. — dor-gä^-ni 
rügen, auszanken. — :- dor-u-so-t-ni brummen, trotzen, — dör-mo- 
g-ni brummen. — dur-ca trotz. — dur-va rauh, grob. 

Vog. iar-i feindzzf. toräja. — bei Tschussova: taur streit 
(Lindström). 

Lönnrot Acta soc. Fen. IV, 255 verbindet lap. doarrot mit 
f. torata, Ahlqvist's (mordv. gram. 177) herleitung des mord. 
turan aus russ. apatbca ist sehr gezwungen, und wird nicht von 
Budenz szoegy. 261 gebilligt. Budenz f&hrt doch nur die mord. 
(er. und fin. Wörter, nebst einige der lappischen, mit magy. dor- 
gälni zusammen; ohne zweifei gehören doch auch die anderen 
hieher. Blomstedt Hai. besz. 193 stellt magy. tcrzaigani zu f. 
tarua, n. lap. doarredaUat — Das ostjak-samojed. hat far streit, 
jur. sam. torinädmy torhianudm schreien. — Im zend giebt es ein 
wort türa, iura Schädiger, feind, welches mit w. tar, tan\ tru 
bewältigen, peinigen, in Verbindung gebracht wird. Fick wörtb.^ 78. 
463. Fin« tür-jä-n lärmen. — törr-ü-tä-n schallen, krachen. 

Ell tör-ku-ma knallen. — tör-use-n lärmen, poltern. — tär- 
use-n klirren, rasseln. — tär-i-sta-n id., mit geprassel anschlagen. 

Liv. tar-z lärmen, poltern. 

Perm, tor-skö-ta poltern. 

Magy. dör-dü-Uni donnern, ertönen lassen. — dör-äj, dörr- 
ä-nä't donner. — dor-gä-ni, dör-ög-ni, dörr-än-ni donnern, ertö- 
nen. — dör-gä't-ni pochen, poltern. — durr-an-ni knallen, kra- 
chen. 

484. Fin. tur-ma verwegen; verderben, schade. — tur-mio das 
verderben. — iur-^ne-le-n verderben. — tär-rS-n, tär-ve-le-n ver- 
derben, beleidigen, schimpfen. — tär-viö verderbniss. — iaur-io id. 

Est. to^-mi nom. torm Verwirrung, betäubung. 

Ers. Mord, tuf-me kämpf, krieg. — tur-mH'Ska-dO'n sich wer- 
fen, schief werden. . 

Vergl. die germanische würze! dar spalten, reissen, zerstö- 
ren = indoeuropäisch tar. Fick wörtb.* 754, 88. Siehe i surma. 
N:o 465—475. tar, tor, tur, ter, tir (dir) stossen, treiben, an- 
häufen, schmieden, brechen, theilen, ziehen, reiben, reissen; zit- 
tern.. Steigerung tuor. 

465. Fin. iur-ki-n, tur-kkä-n schieben, stossen. — tür-kka-n 
hervorschieben, stossen. 

Est tor-ka-n stossen, stechen. — M-gi-n stechen, stacheln, 
treiben. — tof-k stechen, Werkzeug dazu. 



133 

Magy. tür'kö'l-ni herumstossen. — tür'kö'Z'ni öfters herum- 
stossen. 

Auf indogermanischem gebiete hat man die europäische Wur- 
zel tark drehen, drängen, drücken = slavo-deutsch trayik, s. Fick 
vergl. wörtb.* 363, 525, german. thru<f drücken s. 770. 

466. Fin. tor-ju-n abwehren, vertreiben. 
Est, for-ju-n zurtlckscheuchen, abhalten. — iör-ju-s schutz- 
wehr. 

Syij. Perm, for-ja abgetrennt, theilbar. — syrj. tor-je-da ab- 
getrennt werden. 

467. Fin. tar-po-a-n, iar-vo-n fische mit einer stange ins netz 
scheuchen, das boot hervorschieben. — tar-pa, tar-pi-me nom. 
tarvin, tar-poi-mc n. tarvoin contus piscatorius, Stange zum scheu- 
chen, zum vorschieben des bootes. 

Est. tar-ht Störstange der fischer. — tar-as latte, stange. 
Sv. Lap. tiiar-po-t fische ins netz scheuchen. 
Votj. dur-ha-sto kämpfen. 

Magy. tur'bo'ko'l-niy tKr-bi-ko-Uni das wasser aufrühren. — 
iur-bo'klö stöi-stange. 

Budenz 243 vereinigt f. farjwa mit turbokolni. 

468. Fin. ter-mo-n wegstossen, wegschaffen. 
Syij. fer-me-da, tör-mö-da antreiben, beschleunigen. — Perm. 

tör-nW'ta antreiben. — syr. (er-nm-sa^ tor-inö-sfi^ penn, tör-morla^ 
tör-ma-Sa eilen, sich sputen. 

Ers. Mord, tar-mo-do-n springen, hüpfen. 

Maafy. dor-mä-n treibstange. 

Ostj. ier-ma-de-m eilen. V>'?* .-" V 

469. Syrj. Perm, dor-ni schmieden. — dor-ti schmied. '"<> i.' «.i^ ^* 
V0I3. duT'O, dur-i-lo schmieden, fesseln. — dur-et fessel. — 

dur-i'S Schmied. 

M. Mord, iär-dc'da-n fesseln, ers. tür-de-de-n. 

470. Est. tör-t-ma zusammenballen, anhäufen. — tar-di n. toH 
klumpen, stück, büschel. 

Magy. tar-la-ni, ior-ko-Ua-ni sich anhäufen. — for-la knaul. 
— tor-la-s barricade. 

471. Est. ter-i-n ziehen, durch zaubermittel entdecken. — tor- 
u-ia-n aufschieben, in die länge ziehen. 

Sv. Lap. tuor-e-t ziehen, zu sich ziehen. 
M. Mord, tar-ya-n ziehen, aufziehen. — ers. tar-f/a-n ziehen, 
dehnen, spannen. — tar-ga-mo zug, ziehen. 






134 

Vgl indogerni. wui'zel tar Über etwas hinfahren, europ. = rei- 
ben, gr. TsiQ-a^ TQV'fOy rgi-ß-a, Tfp-a-o), lat. tcr-o, lett. tri^u rei- 
ben, kslav. trv'ti. Curtius grundz.* 201, Lottner in Kuhns Ztschr. 
7,178, Miklosich lexic. 1013, Fick wörtb.* 363, 78. 

472. öer. tur-za-pn reiben. 

Magy. ilör-zö'l'iiiy tör-zö-l-tn, där-f/S-l-ni reiben. — tor-zo-Um 
ausreiben. 

Budenz 2G3. 

473. Fin. tän''ii'tä'H reissen, schmerzen. 

M. Mord. far-kM-n rücken, reissen. — ers. tar-gse-pi, tar- 
gne-n ausziehen, zerren, zucken, ausnähen, brodiren. 

474. Fin. tar-nuy tHr-nu fetzen an kleidem. 

Syij. Perm, tor sache, köi-per, stück, theil, fetzen. — penn. 
tor-ja-la theilon, brocken. 

Vo^. dir zeit, stunde. — syij. penn, dtr lange. 

Magy. tör-ä-f brueh. — för-mä bruchstück. — för-ni brechen, 
stossen, stampfen; sich brechen. — för-ö-d-Hi sich brechen. — 
rfar-a-6 stück, weile, zeitfrist. — dar-a-ho-Uni^ dar-zä-Uni, dir-i- 
bä'I'Ui zerstückeln. — dir-i-b dar-a-b Stückwerk. 

Vgl indogerm. wurzel dar zerbersten, zerreissen, skr dar, 
gr. dsQ-a, dal^a, ksl. dra-ti schinden, auf germanischem boden 
= tar zerstören, auflösen, zerreissen, got. ga-tair-an, as. ter-an 
zerreissen, Fick wörtb.* 88, 754. S. die vorigen nummem. 

475. Fin. tär-t-se-ny tär-ä-jä-ny tär-ä-n zittern, erschütteni. 
Liv. dör-S, dilr-S beben, erzittern. — Sv. Lap. tor-gc-stc-t 

zittern. — Vo^. dir-e-Jca-lo zittern. 

M. Mord, tär-na-n^ tlr-na-n zittern. — tlr-na-fta-n schütteln. 
Öer. tör-ge-äte-n^y tir-ge-Me-m springen, hüpfen. 

m 

Vog. tor-e-m, tar-gc-m, tar-i-e-m zittern. — Konda tor-ne-m 
sich bewegen. 

Ver^. die indoeurop. wurzel tras, skr tras erzittern, beben, 
gr. xQt6 in 'i'XQt6-6a zittern, fliehen, lat. terr-oTj ksl. trcs-a er- 
schüttere, s. Curtius grundzüge* 203. Miklosich lex. 1013 hält 
lat. &emo = trcsmo, Curtius sieht darin aber eine gräco-italische 
bildung. Fick vergl. wörtb.* 1029 führt als urwurzel tar schwan- 
ken, in skr tar-ala schwankend, auf, aus welcher sich sowohl 
tar-s, tra-s zagen, zittern, als tra-m hervorgehe; er identifiirt diese 
Wurzel sogar mit tar hinüberfahren über. — Vergl. f. temion, penn. 
törmäla n:o 468. 
N:o 476—481. tar, tor^ tur, ter, tir darreichen, hervorhalten, 



135 

«lufhalteii, ankleben, enthalten, räum haben, voll sein, sich sam- 
meln, gesammelt, steif, staiT. Steigening /är, toar (doar), ttr. 
Siehe n:o 481. 

476. Fin. tar-fu-n anhaften, ankleben, anstecken, anfassen. — 
far-jo-n, (ar-jö-n anl)ieten, (hirrcichcn. — iär-i-tä-n begreifen (= 
fassen). 

Vot. tar-tn-n anhaften, anstecken. 

Est. tar-i-n aufnehmen, zusammennehmen, zusammenfassen. 
tar-i-se n. -ne bürden enthaltend, daraus bestehend. 

H. Lap. (loar-jo-f, (loar-ja-le-f, sv. ior-jo-t aufhalten, stützen. 

Perm, tor-a enthalten, räum haben. — Votj. tcr-to fassen, 
annehmen. 

Magy. far-fa-ni halten, enthalten, erhalten, auferziehen, mei- 
nen, sich an etwas halten, dan-eichen, dauern. 

Das fin. tartun ist reflexivform eines vorauszusetzenden */ar- 
tan halten, welches genau dem magy. worte entspricht. Budenz 
szöegy. 201 verbindet dies letztere nur mit den lappischen Wör- 
tern; szoeg. 215 führt er wotj. ferto mit magy. t^rin u. a. zu- 
sammen. 

477. Fin. tcr'Sä'nnu'H anhaften, ankleben. — tcr-stu-n, ter-si- 
stu-n kurz, nothwendig werden. — ter-si-kkä kurz, zwerghaft ge- 
wachsen. — tur-ha, tur-kka armseliger, krtippelhaftcr mensch. 

Sv. Lap. tarr-e-nc-t zusammenschrumpfen. — tor-nw ruga. 
Magy. tar-js entstellt. — tör-pä zwerg, zwerghaft. 

478. Est. Vot. tar-c wohnhaus, stube, halle. 
Sv. Lap. tarr-ot ausgetreckt. 

Votj. tar-lau feld. — ic^^-o fasslich sein. — ter-i-Sko platz 
finden. 

Ers. Mord, tar-ka ort, platz, räum. — Öer. für grundlage. 

Magy. iir räum, platz, plan; frei, weit, eben. — tcr-äS weit, 
geräumig. — fär-üi) räum, ausdehnung. — tär-ü flächenraum. — 
tär-l-tä-ni ausbreiten. — tär-ä-gä-t-ni, tcr-ä-tigä-t-ni ausbreiten, 
aufhängen. — tär-v plan, entwurf. — ttr-ni räum, platz haben. 

Vog. tar-e nm ebene. — Ostj. tJ-r-c-mde-m eine haut aus- 
breiten. 

Einige dieser Wörter bringt Budens szöeg. 214 und 215 zu- 
sammen. 

479. Fin. tilr-tu-n, tür-pä-nnü-n mehr als satt werden, ekel 
vor speise bekommen. — tir-niä-^i stark trinken. 

Syij. Votj. t'ir voll, satt. — iir-o füllen. — syij. ür-ma voll 



136 

sein, tir-ö'da, tir-ta fällen. — tör-sa sich sättigen. — penn, iir-a 
sich sammeln, flUIen. — ttr-Sa-Ia üppig, reif werden. — ttr-ta-la 
anfüllen. 

Magy. täl, tat die fülle. — täl-ä, täU, täUjä-ä voll, gefällt. 

— tcU-ni voll werden. — töl-tä-ni fällen. 

Vog. td'iy tajl, taul, tal voll. — tal-e-m, j^-u-te-m voll wer- 
der. — tat-te-m fällen. — 0»^". td-t voll. 

Vgl. Lindström 98. — Im Ostjak samojedischen bedeutet 
ttr voll, tlrap, tirram fallen. — Auch im indogermanischen hän- 
gen die Wurzel tatp näliren und tat*p starren zusammen, lat. tor- 
p^e, litt, tirpti, tirpstu^ slav. ierp^ trüp erstarren u. a. sind näm- 
lich eine abzweigung des indogerm. tarp sättigen, in: y&Xa rgi- 
tpetai die milch gerinnt, wird fest, dicht, tgotp-ig dick, tgafp-ego-g 
starr u. a., Fick wörtb.* 364. Miklosich lex. 1007 führt mit dem 
slav. trvp nach Corssen got. staurkjan zusammen. Das zend. dar 
= skr dhar erhalten, ernähren, welches ein urspiUnglicheres iar 
voraussetzt, wird von Fick 1. c. s. 1029 mit tnr-p nähren vergli- 
chen, und mit anderen zu der urform ^ar = hinüberfahren, über- 
konmien, durchdringen geführt. Ganz in derselben weise lassen 
sich die hier aufgeführten wurzeln vereinigen; sie zeigen auch 
mehrfach dieselben bedeutungsübergänge wie im indoeuropäischen. 

— S. n:o 430. Ich ziehe jetzt die gleichung f. täüte = *iälte vor. 

480. Fin. tür-mä^ tür-mi-ä, -i-äs steif, starr, unbeweglich. — 
tür-mä-n fact. — tür-mä-ürn erstarren, — iör-i-stü-n erstarren, 
anhaften. — tör-hi-ä plump, grob, verunstaltet. 

Xagy. där-mä-d-ni erstarren, fallen. — 0»^'. iär-am stark, fest. 
Lindström 98. Budenz 255. 

481. Fin. tör-sö erstarrter klumpen, eis-oder blutklumpen. 

H. Lap. dur-iSui dick, plump. — sv. tor-ssoh dick, fett, 
mächtig. — Magy. tör-zö-k stamm, block, rümpf des leibes. — 
tär-i stamm, stab. 

Budenz 238 rechnet nicht das fin. wort hieher. 

482. Fin. tar-ke-ne^ vor kälte aushalten, wagen. 

Est tar-ge-n sich getrauen, wagen, aushalten (bes. gegen 
kälte). — Sv. Lap. tar-je-t vermögen, können. 

Öer. tur-ke-mj tur-xe-m, tir-xe-m dulden, ertragen, leiden. 
Magy. tür-fii dulden, leiden, sich aufschürtzen. 
Budenz 245. 

483. Fin. ttr-ki-ä klar, bliu/end, flink, rasch. — tir-i-tä-n blin- 
zen. — ttr-U-stä-n blicken, blinzen. 



137 

Magy. där-ü die helle. — där-ü-Uni sich ausheitern. — dar- 
i-f-ni aufhellen, aufheitern. — där-ä-figä-ni heiter werden, dämmern. 

Vog, ä-/är, ärter klar, brennend. — Ostj. I. e-der, e-der, S. 
tf-ter. a-ter klar, hell. 

Budenz bringt szöeg. 256 die ugrischen Wörter zusammen. 

484. Magy. tar-ka, tar-kä-n bunt, scheckig. — far-kä^l-ni, 
tar-kä-z-ni bunt machen, sprenkeln. — tor-da-ö wolfsgrau, gestreift. 

Oi^'. S. tär-ax grau. — für-um das gestreifte eichhörnchen. 

Budenz szöeg. 200, der nur tarka und türa% vergleicht, sagt 
von dem ostj. stir^ dass es nur der bedeutung nach diesem ent- 
spricht. 

485. 8v. Lap. tur-ge-te-t trübes, dunkles wetter werden. 
Syij, Perm, tur-öb schneewetter. 

486. Fin. tör-kü, tör-kkä unkraut, kehricht, abfall des heues 
1. Strohes, schlechtes futter. 

Perm, tor-k werg, hanfwerg, fetzen. — Xagy* tör-äk spreu. 
Budenz 237 hat nicht das perm. wort. 

487. E»t. tar-na n. tarn verfilztes, vorigjähriges gras; klumpen, 
hartes land. — Syrj. Perm. V0I3. inr-un, tur-in kraut, gras, heu. 

488. Syij. Perm, dör-a leinwand. — Votj. dir-a. 
Vog. tar. — Konda vog. tor id. 

Ein derivatum von diesem worte ist wohl syrj. döröfn, votj. 
derem hemd. 

489. Syij. Perm. Votj. turi kranich. 

Magy. dam id. — Vog. täri. — Ot^'. I. töra, S. tärax. 

Schiefner C. ostj. gram. 93 vergleicht noch M. Tatar, tura, 
tuma. Budenz 254. Das wort ist wohl mit 484 wurzelhaft ver- 
wandt. 

490. Fin. tuira weisser Schleifstein. 
Oalj. far runder Schleifstein. 

491. Fin. tier-on wälzen. 

Perm. tar-la-Unl etwas mit den bänden wälzen. 

492. Fin. törr-i faul. — tur-ha eitel, unnütz. 
Liv. tur-d verfaulen, verwesen. 

Perm, tör-ma verwesen. — tör-mö-m verfault. 
Magy. tor-hü-n faul, träge. — ior-ha-d-ni verfaulen. 

493. Fin. tor-es Schlummer. — torr-vrs schlaftaumel. — tor- 
kküy tor-kku nicken mit dem köpfe beim Schlummer, Schlummer 
eines sitzenden. — tor-ku-n schlummern, nicken. — tur-hi-ta-n 
einschläfern. 



138 

Perm, tur-n-si-t das sprechen im schlafe. 
Man könnte etwa hier an die indoeurop. wurzel dar denken, 
welche in skr drä, gr. Äap-Oavo), lat. dor-m-l-re. kslav. dreniati 
schlafen, ahd. traiimjan, an. dreynia hen'ortritt, Miklosich lex. 
18(), Fick wörtb* 88. Das wort hat doch im finn. eine ganz deut- 
liche etymologie aus tar hen'orragen; besonders klar tritt dies 
hervor in f. iar-ko-tan mit etwas ausgestrecktem zeigen, anwei- 
sung geben, hervorreichen, welches zugleich nebenform zu f. tar- 
koian vorauf zeigen, beabsichtigen, nachstreben ist, n:o 461. 

N:o 494 — 501. icd, toi, tu flach sein, platt, stumpf. Steigerung 
(uol, tuäl. Vgl. magy. ter u. a. n:o 478. 

494. Fin. tal-o bauemhof, wohnung. — toUi platz, minun to- 
Uni meinetwegen. — ttlru platz, räum, läge, Stellung, schütten 
bahn; hof und gut, ama tilani — taioni; gelegenheit, zeit 

Vot. tcdro haus, hof. — tü-a bahn im winter. 

Est. talru gen. -t/, -o bauerhof, gesindestelle. — tdra zeit 
des schlechten weges, kothiger weg, platz. 

LiT. tal und tcd mies bauer = f. talon mies besitzer eines 
bauemhofes. — tal-i^nä brache. 

H. Lap. daU'O, sv. tal-o bauemhof, en. tül-u wohnplatz, haus. 
— SV. toUe via nive cooperta. — n. dtS-e, sv. til-je, en. til-e, tiU-e 
gelegenheit, zeit. — Syij. Vil-a neuer acker. 

Magy. iaU(y boden, fussboden. — tcdt samenboden. 

Durch die obige Zusammenstellung ist der ansieht Tbom- 
sen's got. sprogkl. 153, es sei das f. vot. tüa, lap. diäe^ iüje aus 
dem got. tu, welches er mit Grimm D. Gram, in, 602 als op- 
portunitas tibersetzt, ihrer stütze beraubt. Dieselbe wurzel und 
zwar in derselben Schwächungsformen geht doch durch das ganze 
gebiet der indoeurop. sprachen: skr tda fläche, boden; xriXla flä- 
che, brett; litt, tilja brett auf dem boden eines kahnes = an. 
tUja ruderbank (entlehnt in f. teljo ruderbank, lap. tUja^ vgl. Ahl- 
qvist 155), ahd diUa = dilja diele, c?i7, dUo fläche, diele, ags. tlieU, 
thil; lat. teU-üs erdfläche, erdboden; kslav. Üo grund, boden, nsl. 
tlo pavimentum, tJu solum, nserb. tJa tenne, ir. tdum terra. Mi- 
klosich lex. pal. 992, Fick vgl. wTtb« I, 80, 365. Von der ge- 
schwächten wurzelform kommt im liv. das verb tiU ausgebreitet 
sein, vor. 

495. Fin. Hl-ka läppen, fetzen, keil. — tiJrkkOj til-kku Stück- 
chen, läppen, holzspan, tropfen. — teUJcku unterläge. 



139 

Veps, til-ga n. tily läppen, leiste. — Vot. itl-ke tropfen, eis- 
zapfen. — Est. til-k g. ülya tropfen, keim. — Liv. tiUka tropfen. 

Magy. täUkä nom. täläk grundstück, boden, das freie feld, 
Session. 

Budenz szoegy. 210 führt hieher auch f. t'da platz, tilus pos- 
sessio; sie gehören gewiss derselben wurzel, aber einer anderen 
Serie von Wörtern, vgl n:o 494. 

496. Fin. tall-a^ tall-o, taU-a-s schiene, unterläge, brettcrlap- 
pen, klotz, schlitten-schiene, eisklösschen unter dem pferdehuf. 
— tal'ka schiflFskiel, axthammcr = ÄVr rcw talla. 

Est tal-a-a gestell. — fall, tal-d gen. falla sohle. 

Liv. tal-a, toUa, ial-u fussfläche. 

H. Lap. duol'ba-s, sv. tuoUpay iuol'P,fuol'pe'S flach, platt. 

liagy, tal'P solde, radfeige, fuss, gestell, floss. — fal-a-i) 
fussgestell, Untersatz. — tal-a-dv-k gestell. — UU-ä-p sitz, nieder- 
lassung, flöss, lager. 

Einige dieser Wörter werden von Budenz szoegy. 192 zu- 
sammengestellt. Nach Ahlqvist 154 bedeuten tdka u. talla urspr. 
fiiss-sohle. 

497. Fin. taJUus socke, fetzen unter dem fusse. — tal-^-s, 
tiU'U'S, toll'U'kka socke. — till'U-kka halbstrumpf. 

Vot. taU'U'Jdca id. — Est. taH-o-k id. — tcUl-u-ka-s leinenes 
fusstuch, kurzer strumpf, socke, sohle. 

Vgl Ahlqvist 132; er leitet veps äuüc, votj. öulok, mordv. 
cuVcäy cer. ceJJcä strumpf aus dem russ. ^y^OKt. 

498. Fin. taU-ä-n, taü-a-n niedertreten, unterdrtlcken. — täU-ä-n 
stampfen, treten. 

Vot tall-o-n treten. — Est. taH-a-n treten, keltern, ver- 
sohlen. 

H. Lap. diioUb-nw-t, sv. tnol-mo-ty Uü-mo-t, en. tuol-bmo-d, 
uts. tuol'hfna-t, tucU-bmi-t treten. 

Syij. Perm. iat-ja-Ia, tal-ja-va niedertreten. — perm. tal-a id. 

Castr^n gram. syij. 160. 

499. Fin. toU-a hütte. — töU-i, töU-i-kkü, mi-ü-kkä kleine 
hütte. — td-as, tal-a kleiner schauer aus rinde od. reis, ebener 
bretterboden in einem bäume, läppen, fetzen. 

Votj. m-i'S hütte. 

500. Fin. td-ja, td-jo feil (des baren, rennthieres od. hir- 
sches). 

H. Lap. duol'je, sv. iuol-je, en. tüöl-je feil. — Vog. foul id. 



140 

Ahlqvist kult. 90. 

501. Fin. toU'Oy toU-e-ro bttudel, dummkopf. — tott-a-kka, -i-tta, 
'i^skOf tol-va-na, toUve-lo, töU-ö, tön-i-skö, toU-i-stä-jä duminkopf. 

— täl'pä^ tal-ppä, tiU-sä, töl-piä, tol-ppä stumpf. — Vept. HU-^a 
n. tiUc. 

Est. toU g. toüu, tcHr-va-n, tol-va-ka-s, tcHro-ik tölpel, dumm- 
kopf. — iülrk stumpf. — iül-ba n. tulp, tül-c id. — JAr, M-Py 
tüt-py iöl'jga id. — En Lap. tul-öe, tul-de-s. 

Ot^'. I. ttUj S. tuUpu'l dumm. 
N:o 502 — 504. toi, hU, td, tu stossen. 

502. Fin. tuU-a, tuU-u holzpflock am boote beim radern. — 
tülrppa keil, zapfen. 

Est tult g. tuTti der vordere krumme rudeipflock. — ioTt 
pflock, Stange, ruderpflock. — tairb g. talva keiL — iel-p g. -ha 
eingeschlagener pflock od. keil. — töUa stei^ plump. — iölt steil 

— töUv keule. — Liv. tot! pl. tolid ruderpflock, holz am Steuer- 
loider. — tßlrpa, tüUpa pfähl, pfosten, säule. — tSl-^ tSrn klöp- 
fei, Schlägel, keule. 

Syij. Perm, tul, tuv spitze, nagel, keil. — Vo^. 1ml kdL 
IL MordT. tuUa keil, zapfen. — tul-nä hohpflocL — ers. 

tuUo keil, pflock. 

Thomson got. sprogkl. 154 derivirt das £ csL toflSa» Ivff aus 

dem dasselbe bedeutende sv. tuU, tuOe, und wcigk i thl ahn. tkcOr; 

dies wort bedeutet doch pfähl. Ahlqyist 155 huUigl derselben 

meinung. 

503. Fin. tel-a rollholz, walze, gebraiiBie banastiHBe an ei- 
nem Schwendeland. — tei^ rolle, ndHidz = faWhL — taV-o roDe, 
bttndel, vgl toUo, — tul-kku kloti, tjI lala. — ini-44im kurzer, 
stumpfer gegenständ. 

ÜB. td-ki-n mit keil antreft^m. |iAjick«B. — itiH i m m zu- 
pflöcken. — til-ki-n stopfen, z» gt < |i fc m . tnAiai. — 1 ä - Ü4m m , M- 
ki-^^e^ id. — iel-kiy tet-OL I^rf4»^ ^hr^^ Tiepia. — «1^ keO, 
fetzen, läppen. — tct-kti slds$<i 

S«t iet-yi-n f cr ri c p et a> — ftt^ isml irfy^ *Äf JK^ise. Stange, 
riegel, zunge in der spoiee. virswcisfr ^mnt Iväaeii. — te« g. 

m»mi |v^-«#-j-*'« )ii9r^^i4H^^ l!tt^Olqflra; - ^01^ idtfln mstufv- 



141 

Die magy. toUni stossen, schieben, drängen, toUakodni, toU 
akozni sich drängen, toUdani anstücken, hinnähen, zusetzen (=f. 
tallHin)^ tol'uJni andringen, tul-izni stossen (mit den hörnern), 
tidok der junge ochs, gehören ohne zweifei zu derselben wurzel 
wie die obigen. Schwieriger, und von umfangreicheren wörter- 
sammlungen abhängend, wird es sein zu bestimmen, ob ein Zu- 
sammenhang mit f. tulm in der bedeutung antreffen, anstossen 
anzunehmen ist, oder ob sich diese aus der bedeutung stumpf 
entwickelt haben. 

504. Est til-a kleine röhre, pfeife an einer kanne, eiszapfen. 
— Liv, til-a röhre, rinne. 

Magy. tU-i-nka pfeife, hirtenflöte. 

505. Fin. tel-ppä-liä nom. tel-pä-s hain, kleiner wald. 
Perm, fei junger, dichter wald. — Volj. tet wald. 

N:o 506—511. tat, toi, tul bewegen, kommen, zukommen, leiten, 
bringen, tragen, ertragen, dulden. Steigerung tuol, tül. 

506. Fin. tnl-e-n kommen, werden, reifen, zukommen. 

Vep». Vot. tul-e-n, — Est iul-e-n kommen, werden, zukom- 
men, gebühren. — tul-e-ta-^n, iul-ga-ta-n fact. kommen lassen, 
führen, erinnern. — tul-gu-ta n pflegen, warten, erhalten. — Liv. 
ttU-da, inf. L. tul-la pr. tül-ub kommen, zukommen, obliegen. — 
tul'b, tul'bö, tul-mi künftig, kommend. 

Öer. tol-a-m kommen. — toUe-de-m frqv., tol-o-kte-m etl. 

Magy. tal-al-ni finden, antreffen, auf etwas stossen od. ge- 
rathen. — tcd'ül-ko'Z-ni sich finden, einem begegnen. — Kond. 
Vog. tuUe-m laufen, rennen. 

Budenz szoegy. 191 macht mit recht auf den analogen be- 
deutungsübergang in lat. in-umirc, slav. na-xoditi darauf kommen 
= finden, aufmerksam. — Samojedisch: jur. tddm, taw. tu' am, ostj. 
tüan kommen, tulena/i, kam. thulam erreichen. 

507. Sv. Lap. tuol, tuoUa legitimus, genuinus, justus. 
Magy. tul-aj'don proprius, genuinus, eigenthum. 

Budenz 240 erklärt diese Wörter aus der im f. tulen kom- 
men, zukommen, gehören befindlichen wurzel tul. 

508. Fin. tal-u-n, toJ-ü-n, tal-vä-n langsam gehen, sich nä- 
hern, vorwärts führen. 

Est tal-u-n tragen, bringen; ertragen, dulden; säen. — foZ- 
U'ta-n leiten, fülirerr, ertragen, dulden. 

H. Lap. doal'vvo't, sv. tol-vo-t, en. toal-vu-H führen. 

Konda Vog. tul-e-m tragen, bringen, führen. 



142 

Blomstedt Hai. besz^d 195 stellt docUwot mit talun zusam- 
men. — vgl die indogerm. wurzel ial heben, tragen: skr tul, gr. 
xXii'Vai dulden, lat. tuli, toUo, got. thula, 

509. Fin. tU'O-n bringen, holen. — Vep§. to-n bringen. 
Est. tö-n inf. tü-a, tuvv-a holen, bringen, herbeibringen. 
IL Mord. tHJ-a-n aufbrechen, fortgehen, holen. 

Ottj. tu-e-m führen, leiten. 

Schiefher 93. Ahlqvist mord. gram. 177 stellt tujan mit f. 
tuon und tulen zusammen. 

510. Fin. tu weg. 

Vot Est Liv. ^?. — Syrj. Perm, tui, tuj, 

Castr^n gr. sjTJ. 160. Ahlqvist 112 stellt zu den obigen 
sowohl mordv. ki, (vergl. doch n:o 220) als auch ung. üt, durch 
Umstellung entstanden. — Jur. sam. heisst fu Wegzeichen. — Die 
bedeutung geht aus derselben anschauung aus wie im lat. via ver- 
glichen mit veh-ere, s. Curtius grundztige^ 175. 

511. Fin. tül-e nom. tüli wind, wetter. — tül-e-n wehen. 
Veps. dol wind. — dol-da-n wehen. — Vot tül-i wind. — 

Est tül-e n. tut wind, freie luft. — tül-a-n, tul-e-ta-n windigen, 
dem winde aussetzen. — Liv. tut wind. — tüld lüften, windigen. 

Syij. Perm, töl, töv wetter, wind. — töl-ja, töv-ja windig. — 
p. töl-a, töv-a wind, windig. — töl-al-ni wehen. 

Magy. säl'ä nom. sdl wind, dumpfes gerUcht. 

Castr^n gram. syij. 161 verbindet syrj. tM mit f. tüli und 
tdvi. 

512. Fin. tcd've nom. talm winter. 

Vepi. tcU-v — Vot td'vi. — Est tcd-ve n. tatv winter, 
Schnee. — Liv. toUa, tcU-a, tal-u winter. 

H. Lap dal-vve, sv. tcd-ve, en. täl-vi. — n. dal^a-sa-S winterlich. 

Syij. to = töl. — töl'O winterlich. — Perm, täv, töl wind, 
wetter, winter. — töl-ia winter. — Votj. tol-cUt, 

M. Mordv. fal-a, ers. tel-e winter. — ers. tet-me Schneege- 
stöber. 

Öer. td-e winter. — td-e-se, tel-em-se hibemus. 

Magy. täl-ä nom. t^l winter. 

Ostj. I. ted-a, ted-e, tet-a, tet-e, S. tül-e-x tüd-e-i, — Vog. 
tvdj ttl, Konda tal^ td. — Ostj. Vog. tcd jähr. Ahlqvist 229. 

Castr^n gram. syrj. 161. Schiefner 92. Budenz 208. Lind- 
ström 93 vereinigt mit den obigen sv. lap. ^e2e schnee, und hält 
auch f. tüli fUr verwandt. 



143 

513. H. Lap. dälle^ sv. tele harter schnee. 

Perm, tola, tova vom winde zusammengehäufter schnee. 
Thomsen got. spr. 155 leitet die läpp. Wörter wom altn. iJuli, 
norw. tele. Vgl. doch est. faFv winter, schnee n:o 512. 

514. Syij Perm, töl'is, fövis mond. — Votj. (ohz. 

Öer. ielje, b. iihe, t/ha mond, monat. — 0»tj. I. ftlis, S. te- 
des id. 

Schiefner 92. 

515. Fin. töll'on sterben, stllrzen. 

Perm, tuld-t-ni, tuciWi-ni sterben, ermatten, steif werden. 
N:0 516—517. tan^ tun, ten, tin steif, fest, hart, unbeweglich, 
träge. Steigerung tän, tun, tln. 

516. Fin^ tan-i-a stark, steif. — tan-i-kka stark, fest, steif, 
zuverlässig. — ten-o, ten-ho kraftäusserung, Wirkung, Zauberkraft, 
Zauberei. — ten-ä widerstand. 

Perm, tun-da unbeweglich werden. 

Ma^. tttn-ja, tün-ja träge, faul. 

Das fin. tantere n. tannei' harter boden, feld, getretener platz, 
welches Renvall lex. 218 mit grasboden, grasfeld übersetzt und 
Budenz szoegy. 211 mit magy. tänärä n. täner die flache band 
vergleicht, dürfte doch aus der anschauung fest, steif hervorge- 
hen. Dies scheint deutlich aus verbum tannerran n:o 517 her- 
vorzugehen. 

517. Fin. tan-ne-rra-n =• *tant^tan, tanne-rte'le'n treten, tau- 
meln, den grasboden abschaufeln, schwendenland von neuem bren- 
nen, ringend zu boden werfen. — tin'nc'frä'n =: *tintertän den 
boden hart treten. 

M. Mord, tan-da-da-n galoppiren. — Er§. tan-da-do-n er- 
schrecken (intr.) — tan-da-vio-n fact. — tan-da-dmo schreck. 
Magy. tän-to-r taumel. — tän-to-ro-g-ni taumeln, wanken. 
Ostj. tün-e-m hüpfen. 

518. Fin. tan-o langer streifen von birkenrinde. 
Oetj. tan-da-x birkenrinde. 

Aus dem fin. worte wird ein factivum gebildet tan-o-ta-n 
mit birkenrinde umwickeln, ausstrecken, sehnen, begehren, mit 
welchem im nächsten zusammenhange die fin. tanno weibliche 
kopfbiode, tanu, tano, est. tanu^ tano weisse weibermütze ste- 
hen. Ahlqvist kulturord 141 giebt diesem worte die bedeutung 
Schleier. 



144 

519. Syij. Perm, don preis, werth. — don-a theuer. — Vo^. 
dufiy dufi'O. 

M. Mord, taj, — Magy. dlj. — Vog. tin, — Oitj. tin. — tin-en 
werth, adj. 

Schiefiier 92. Budenz 257. Für eine Umstellung wie Ahl- 
qvist kult. 166 annimmt, indem er f. hinta mit den obigen ver- 
bindet, hat man sonst keine belege. Boller, analyse des magya- 
rischen verbums s. 23, verbindet die obigen Wörter mit f. lun-a- 
sta-n lauskaufen, durch kauf etwas erwerben, lap. lon-e-ste-t, was 
lautlich keine bedenken hat; doch muss erst erwiesea werden, dass 
hier die urspr. bedeutung ist: den preis für etwas geben. Vgl 416. 

520. Fin. tinn-i-tä-n hell, laut klingen. 

Perm, tan-ö-ta in die obren klingen. — tan das klingen. 

521. Fin. tan-hu-a, tanhut weg fUr das vieh zwischen zwei zäu- 
nen, Viehhof, schauer. 

Vept. tannas pl. tanha-d viehstall. — Est tanava n. tanav, 
tanuva n. tannv, tanume n. tanum, tanu gasse, weg zwischen zäu- 
nen oder häusem. 

Magy. tanllrok, tanörok gehäge, heck, feldgehäge, umzäunter 
grund. 

Budenz 194. Ahlqvist kultur. 106 leitet die fin. Wörter aus 
dem in der schwedischen Volkssprache vorkommenden taun, täun, 
tun =: altn. tun, d. mun gehege, eingehegter platz. 

N:o 522 — 534. Wurzel top, top, tup, tep schlagen, streiten, 
klopfen, stossen, stampfen; — stopfen, füllen; — treffen, greifen, 
berühren, rupfen; — abgestumpft, verstümmelt, krank. Steige- 
rung tüp, iuqp. 

522. tap-a-n schlagen, tödten, schlachten, dreschen. — tapp- 
ui-tne n. tapuin waschholz. — tap-u-ta-n, tep-u-ta-n klopfen. — 
tapp'O mord. — tap-a-nto das dreschen. — tapp-e-le-n sich schlagen, 
dreschen, allmählich tödten, kämpfen. 

V6p§. tapp-a-n, öapp-o-n schlagen, dreschen, brechen (hanf). 

— tapp-i-n, öapp'i-n flachsbreche. 

Vot tap-a-n schlagen, tödten, dreschen, brechen (hanf, flachs). 

— tapp-e-le-n sich schlagen. 

Est. tap-a-Uy tapp-a-ne-n tödten, schlachten, blutig schlagen, 
stechen. — tapp g. tapa das schlachten. — tap-e g. tappe •mord, 

— tap-eAda-n ringen, kämpfen. — tap-le-n zanken, streiten, kämp- 
fen. — tap'i'k g. -0 mörder. 

Liv. tapp erschlagen, schlachten, L. auch prügeln. — (ap-l 



145 

pr. tap'lö'b, L. tap-i-ldj tap-u-ld pr. taphib schelten, zanken, sich 
schlagen. — tap-ä-ji, tap-äi niörder = f. tappaja. 

Sv. Lap. fuap'C't walken (tuch). — ihw^ip-e-t^ n. duopp-a-t, 
duopp-a-le-t abhauen, abschneiden. 

Syij. top'ö'da zusammenpressen, belagern. — Perm, top-ö-ta 
zusammenschlagen. — Syrj. top-'i-d, p. top-'i-t eng, dreht, fest. 

Votj. öap'ko schlagen. 

M. Ers. Mord, tap-a-n schlagen, prügeln. — m. tap-ü-va-n 
geschlagen werden. — fap-u-Je-n, m. dep-a-de-n schlagen. — m. 
öep'i-je-n id. — ers. cav-o-n, m. ^av-i-n id. 

Öer. täp-ta-re-m bedrängen, beunruhigen. 

Mag^. tap-so-i-ni klatschen. — tap-§ der handeklatsch. — 
dob-üfj-ni, döb-öy-ni pochen, klopfen, stampfen. — öap-ni schlagen. 
— öäp'ül-ni prügeln. — cZp dreschtiegel. — öcp-äl-ni dreschen, 
prügeln. 

Ahlqvist mordv. gram. 17G stellt niord. und f. tapan zusam- 
men. Budenz 197 verbindet das mordv. woit mit magy. tapodni 
treten, zertreten, was wurzelhaft wohl berechtigt ist, und gilt dies 
besonders was die bedeutung dreschen im finnischen betrifft. Der 
bedeutung nach hat doch tapodni einen näheren verwandten im 
f. topsin n:o 524. Auch Blomstedt Hai. Besz. 139 verbindet dö- 
bögni mit f. taputayi, Budenz szöeg. 381 stellt zu finn. est. liv. 
tapan nur die im lappischen, mordvinischen und votjackischen 
mit fj tr, s und 6 aidautenden Wörter mit der bedeutung scldagen. 
Dass doch diese erst durch Schwächung des ursprünglichen /-lau- 
tes enstanden sind, leuchtet von selbst ein. — Miklosich slav. el. 
83 hält das ung. tapni für entlehnt aus dem slovak. öapiti ala- 
pam infligere. 

Auch bei dieser wui-zel ist ehie durchgehende analogie mit 
dem indoeuropäischen vorhanden: skr tup^ /«(/>/* verletzen = tump, 
tumph, tumbu durch einen schlag verletzen, tödten, tumb beun- 
ruhigen, quälen, siehe PW. III, 359 flf. Mit dem erstgenannten 
verbindet Cuitius grundzüge^ 205 gr. ru^-rio, tvic-og ryn-rj rv/A-fu« 
schlag, rv^ijc-avo-v pauke, ahd stumpf mancus, asl. tamp-ii obtu- 
sus, und Pictet in Kuhns Zeitschr. V, 333 aslav. tup hebes, russ. 
tupoi aus tupiti obtundere, lat. stupeo, stupidus. Die skr. wurzel 
stambh, stdbh fest machen, stossen, stützen wird dagegen mit 
ore/i^-io erschüttern, stampfen, ahd. stamph-ün stampfen vereinigt, 
Curtius 1. c. 193, lit. steban hemmen, caus. stab-d-y-ti hemmen, 
bleiben machen, engl, stop^ und die variirte form stubh, stunibh 

10 



146 

staunen mit "a-tafp-ov staunte, 9a(iß'og staunen, lit. steb-ju-s staune 
Fick wörtb* 210, mhd. stumb, stunq) mutus, wie an. ihumbi dum- 
mer, stumpfer mensch, xvtpoq stupidus mit der wurzel tuhh^ Zeits. 
V, 333. Fick s.. 214 fUhrt skr stup als urspr. form auch fUr tup 
auf und vereinigt damit oruy-cAo-g, xvn-xa^ lat. stup-ru-Wy wo- 
gegen er asl. tepam auf eine grundfoim tap schlagen zurückfuhrt. 
Vgl die folgenden nummer einzeln. 

523. Fin, fapp-u-ra leinspreu, spreuvolles schlechtes werg; 
prttgel. — iäpp-ü schlechtes werg. 

Magy. öäp'ü, ööp-ü werg. 

Budenz 383. Vgl. magy. öäpfdni prügeln, schelten. — Das 
f. tappara Streitaxt, est. taper, tapris g. tapi'i kleines heil, ung. 
tapor breitaxt wage ich, obwohl es sowohl der bedeutuWg als dem 
suf&xe nach sehr passend aus wurzel tap hergeleitet werden könnte, 
doch nicht wegen der grossen Verbreitung des wortes auf indo- 
europ. gebiete damit vereinigen. Ahlqvist, kult. 26, leitet die fin- 
nische wie Miklosich, slav. elem. 855, die mag}'arische form aus 
dem slav. rum. topor, welches auch im armen, tapar, pers. tabar, 
tavar, arab. tabar-^in vorkommt, Miklosich lex. pal. 997. Auch 
das ßerem. hat das wort in der form iavar. Nach Schimkewitsch 
verbindet Ahlqvist das inis. wort mit verbum lenaxB, xanaxi» schla- 
gen, hauen. 

524. Fin. top-si-^i treten. — tap-a-nto diele des fussbodens 
(nto = Suffix welches platz, räum andeutet). 

8v. Lap. tep-öe-iy täp-ce-t unterdrücken. 

Ers. Mord, tonib-a-n stampfen, klopfen, stossen. — toinb-a- 
vo-n anstossen. 

Magy. tap'O-d-niy tap-o-s-my tip-o-d-ni treten, zertreten, — 
tap-o-g-ni, top-o-g-ni stark auftreten. — tap-o-r-nty tip-o-^-ni tre- 
ten. — iopp'-a'n'niy topp-a-nia-ni. dobb-a-nia-ni stampfen, mit ge- 
töse erscheinen. — top'O'r'zi'hä-l-ni stampfen. — tomb-o-l-ni stamp- 
fen, toben, jauchzen. 

Vgl. rus. TOUTäTL (Tonq^) treten, stampfen. 

525. Ein. toj^'i zapfen, pfropf. — tupp-ü, tüpp-i, tüpp-e-he n. 
tüpe stumpf, pfropf, ende. — tup-i-ny täpp-ä-n verstümmeln, mit 
stumpf versehen, zustopfen, pfropfen. — täpp-ä-n füllen, stopfen, 
packen. — tupp-ä-n stopfen, schieben, packen. — tup-i-n oft 
stopfen, stossen. — täp-i-tä-n packen, treiben, füllen. 

Est. taj^ g. tapi zapfen, zugebautes ende eines balkens. — 
tap'i-n zapfen, abfüllen. — Liv. tapp zapfen. 



147 

Sv. Lap. tapp-a^ en. iap pfropf. — n. dapp-a-t, sv. tapp-e-t, 
en. topp'P'd (L.) tapp-n-d (A.) zuschliesscn. — sv. tapp-e-ta-ite-t 
occludi posse. 

Syij. fup'jc'd, penn, inp-jv-t pfropf = f. tiippiä = *tüppedä 
abgestumpft. — syrj. tup-ka, tup-ka-la zupfropfen. — penn, iup-ja, 
tup-ja-la zustopfen. — syrj. tip-a packen, ballen. 

Magy. cap zapfen, liahn. — döf-ni stossen, stechen, bocken. 

Es scheint nahe bei der band zu liegen mit Ahlqvist kult. 
127 das f. est. liv. /a/>2>/, magy. öap aus dem schwedisch-deut- 
scheu tai)p, zapfen^ an. tappi und wie Miklosich slav. elem. magj'. 
94 öap aus nsl. rum. öcp, herzuleiten, da dies wort auch im an- 
gelsächsischen und anderen dialekten vorkommt. Indessen kan 
man jene formen ' schwerlich aus dem nahen verbände mit den 
übrigen finnisch-ugrischen ablösen. Budenz 2G2 verbindet f. tup-in 
mit magy. döfni^ Lönnrot Acta soc. Fenn. IV, 25G f. tüppiä und 
lappisch dappaty tappet, — Mit f. tiqypl vereinigt Schott I, 130 
ttlrk. tüp baumstumpf, manj^u dubc unterster theil. 

526. Ein. top-a-sta-n begierig essen, fressen. 

M. Mord. top'T't'Sta satt. — ers. top-o-do-n genügen, aus- 
reichen. — top'O'Vto-n befriedigen. — Magy. tap nahrung, milchsaft. 

Ostj. I. täp-te-m, S. flp-te-m ernähren. 

Die urspr. bedeutung ist wohl stopfen, zustopfen, füllen s. 
n:o 525, also ung. täp das was füllt, wie auch f. tappi. 

527. Fin. tap-a-n treffen, geschehen, nach etwas greifen. — 
tap-ae-le-n, tap-ai-sc-n treffen, nach etwas tappeln, trachten. — 
tap-a-Mu-n eintrelTen, geschehen. — tap-a-u-dti-n sich einfinden. 

— tav-ai-ta-n nach etwas trachten, tappeln. 

Est. tab-a-n finden, erlangen, bekommen, ergi-eifen, erha- 
schen. — ta-o-ta-n, ta-u-ta-n = f. tavoitan bedrohen, angreifen, 
nach etwas greifen, streben. — Liv. tabb errathen, ein räthsel lösen. 

Sv. Lap. tap-a-te-t en'eichen, assequi. — n. dapp-a-tti-wa-t^ 
en. tap-a-iti-d geschehen, eintreffen. — n. dopp-i-t, sv. tap-o-t 
nehmen. — sv. tuobb-e-h-t nach etwas greifen. — tuobb-e-la-ste-t 
dimin. — tuobb-c-le-t nachjagen. — Magy. ta^y-ni tasten, betasten. 

— tap-i-nta-ni leicht anfühlen, betasten. — tip-ä-S-ni herumtap- 
peln. — ta])'0'ga't'm,^tap-asta'l'ni (Molnär) berühren. 

Einige der oben gegebenen Wörter stellt Budenz szöeg. 196 
zusammen. — Boller Sitzungsb. XVII, 378' verbindet mit dem f. 
tapün das tatar. tap-maq trouver, saisir, Schott Alt. spr. I, 127 
türk. tap. 



148 

528. Fin. tap-a g. tavan sitte, gewohnheit. — tav-a-sta-n als 
Sitte haben, pflegen. 

Veps. tab-a sitte. — Vot. tap-a id. — Est. fah-a g. tava 
gewohnheit, gebrauch, weise. 

Sv. Lap. tap-e, n. dapp-e, en täp-i (Lönurot), tap-e, iüp-e 
(Andelin) sitte, gewohnheit. — Liv. dab-a gewohnheit, weise, natur. 

Dies wort steht init dem vorigen in nächstem Zusammen- 
hang, so dass die anschauung hier ist tapa = das was sich zu- 
trifft, was geschieht. Wenn Thomsen got. sprogkl. 151 dies wort 
als aus dem germanischen entlehnt betrachtet, so scheint diese 
annähme zu gewagt. Dem got. gadahan tvfißaivsiv, alteng. ge- 
dafan decere, got. gadöfs, ae. gedefe tibereinstimmend stehen 
keine einfachere bildungen zur seite. Andererseits hätte man im 
votjak. tupalo passen, sich sclücken, gleichen, fupato passend ma- 
chen, nähere verwandten, wenn Überhaupt diese bedeutungen zu 
verbinden sind. 

529. Fin. tetnp'ä-n, tefum-ä-n, temm-o-n st. tetpqw raffen, rupfen, 
wegreissen. 

Vot. tömp-a-^i raffen, spannen. 

Est. tönib-a-n ziehen, sich ziehen. 

Liv. fänih. tünib ziehen, schleppen, reissen, raffen. — töm-s-ly 
tüm-S'l hin und her ziehen, zucken. 

Magy. tip-ni rupfen, zupfen, zerreissen. — tep-dä-Uni^ tep- 
dä-gä-l-my iep-ä-gä-f-ni frqv. — tep-ä-z-nif tib-ä-z-ni herumzausen. 

Budenz szöegy. 212. 

530. Fin. tempp-u, tep-u-li tact, griff, kniff, streich. 
Est. tefup g. fendm böse gewohnheit, tUcke, streich. 
Magy. tap, top tact. 

531. Fin. töppä, töpä'kkö stumpf. — täpö Stutzschwanz. 

Est. töh-üy tob'i stumpf, abgestumpft, schwach. — ti/mp g. 
tönihi stumpf, abgestutzt, ungeschickt, schwach. 

Magy. täp'ä tup-a unntitz, schlecht. — täbä unförmig, dick. 
tätnp'ä zwerghaft. — tomp-a stumpf, dumpf, blöde. — tamp-ü-l-ni 
stumpf werden. 

Die bedeutungsentwicklung in n:o 531 — 533 ist klar, wenn 
man sich der Wörter verstümmeln, schlagen, stossen, zusammen- 
pressen, erinnert. Vgl n:o 525. Miklosich, slav. elem. im Ma- 
gyarischen 84G, hält magy. ianpa fllr entlehnt aus asl. tamp = nsl. 
tdp, vgl doch auch die folgende nummer. 

532. Fin, tüp-C'ä, tüp-e-iä, tüpp-ü-^ä kurz, abgestumpft, elen- 



U9 

dig, mürrisch. — tCip-ü-rä kurz und dick, kurzgewachsen. — tüp- 
ä'le id. — tüp-e-rrä-n verstttnimeln, zusammenziehen. — täp-ä-rä 
eng, knai)p. 

Est. fah-a-ra n. fahar, täh-a-ra n. -r eng, knapp, zu kurz, 
ängstlich, unsicher. 

Magy. top-o-ra zwerghaft. — topp-a-d-ni erstanl sein, stumpf 
werden. — t^^p-ör schrumpfig. — töp-ö-rö-iUni, töp-ö-rl-t-ni schrump- 
fen. — töp-rä-ngä-ni sich beängstigen. — fiip-^i zwerg. — öäp-ro 
klein, spärlich. 

Budenz szöegy. 241 verbindet f. tilpcrn mit magy. /«^/ und 
^•a)>ro, mit diesem noch lap. ^-aur nanus, exigna? statura; verbin- 
dend. Dagegen scheint die von ihm szöegy. 251 gemachten Zu- 
sammenstellung des magy. föpärödni mit est. hiprase iiinzelig, 
schrumpelig etwas bedenklich, da dieses wort wohl näher zu f. 
kiperä viel gebogen, zusammengerollt gehört, aus der wurzel kap, 
kip vgl. n:o 272 anmerk. Auch die öer. kupturycm, kupUirtem 
stehen wohl mit der leztgenannten wurzel in Verbindung. 

533. Fin. tep'C'dii'ä ermüdet niedersinken. — tox>-i krankheits- 
anfall. 

Est. iöh-i'H kränkeln. — töh-e-h-n erkranken. — töh-i g. 
töve krankheit, seuche. 

Magy. täp-är-ni niedenverfen, niederreissen. 

Budenz 213 bemerkt mit recht dass die finnische passiv- 
form ein factivum *hp<}rtä voraussetzt mit der bedeutung pro- 
stemere. Übrigens stehen wohl hiennit und mit n:o 522 u. 524 
magy. fop-ni hinunterdrücken, abwerfen, tob-niy doh-ni werfen in 
Zusammenhang. 

534. 8v. Lap. täpp-O't anhaften. — n. dopp-o-t id. 

Magy. tap-ad-ni kleben, ansaften. — tap-a-s lehm, pflaster. 

Budenz 195 verbindet mit diesen noch syrj. slhda haften, 
.s'ibdäda festmachen. 

N:o 535—536. Wurzel täp, tcp, tip fleck, tropfen; tröpfeln. 
Diese wurzel ist wohl mit der worhergehenden identisch, indem 
fleck, punct = das was man trifft, wonach man zielt, tropfen = das 
die erde treffende, berührende. 

535. Fin. f//;/;-«, -le der tropfen. — tip-u-n, fipp-ä-n, tip-a- 
koi-ce-n tropfen, triefen. 

Est. üh-a g. Hha, tiva tropfen, regentropfen. — tib-a-n 
träufeln. — Votj. sap-i-k tropfen. 

Öer. öev-e-m, öcv-a-ldc-m tröpfeln. — öev-a-lde-ä tropfen. 



150 

Magy. öäpx), ööpp der tropfen. — öäp-äg-ni tröpfeln. 

Budenz 382. Vgl indoeurop. wurzel tip, sfip träufeln, net- 
zen, skr fip träufeln, lat. ttpfda wasserspinne, lit. tejm schmieren. 
Fick wörtb* 81. 

536. Fin. täpp'ä, täp-lä, tip-la fleck, punct. — tip-lo-ka-s fläckig. 
Est. tapp g. täpi fleck, punct. — täp-e g. tappe grosser re- 

gentropfen. — tip-e g. tippe fleck, punct, bischen. — tipp g. tipu 
punct, spitze, zacke. — tipi täpiline gefleckt, punctirt. 

537. Fin. tipp-ä-n, tip-a-koi-ce-n, tijf-sii'tte-k-n trippeln. 

Est. tipp-a-n id. — tipsa-n trippeln, unsicher gehen, sich 
niederlassen. 

Magy. tip-äg-ni trippeln. 

Vgl an. tif kleiner schritt, mhd zipfen trippeln, sowie auch 
ahd. zahcUdn zappeln; zu jenen setzt Fick vergl. wörtb^ 756 tibä 
als gennanische grundfomi. 

538. Fin. tip'O-n rasch hüpfen. — tep-i-n, tep-i-st^'k-n, tepp- 
ai'le-n leichtflissig gehen. — tep-ase-n mit kurzen, leichten schrit- 
ten gehen. — tcp-si-n schütteln, mit leichten tritten gehen. — 
fipp-ö-n schaukeln 

Magy. tev'ä'd'fu irre gehen. — t<iv irrthura. — tl'V'ä'dä'Z'nij 
tcv-ä-t-ä-y-ni herumirren. — teb-o-Fo-g-ni herumirren, wahnsin- 
nig sein. — täb-ni wanken, schwanken. 

Vog. tip-c-m irre gehen. — Osij. tcb-e-m id. — teb-e-tte-m 
irre führen. 

Schiefner 92 und Budenz 222 vergleichen einige der ugri- 
schen formen ; vgl f. topsin n:o 524. — Boller Anal. d. Magy. verb. 
63 mong. tabarame, 

539. Magy. äv-ä-z-ni nidern, steuern. 

Vog. tov-a-nte-m rudern. — Ostj. tav-o-ttc-m id. — I. tüp, 
S. iup rüder. 

Schiefner, C. ostj. gram. 93. Budenz 845. Ahlqvist 156. 
Schiefner, der zuerst diese Zusammenstellung macht, scheint die 
verba als Weiterbildungen zu betrachten. In derselben weise wird 
im fin. fnelastan rudern aus nwla gebildet. Dagegen gehört das 
f. soiitä einer anderen wortserie, wie aus der veps. form soUlan 
hervorgeht. — Ostj. Samojed. heisst tuiva/t, tuan rudern, kam. 
sam. thu'btam, 

540. Fin. tüpp-ü-rä, tüp-ä-k hügel. 

Perm. tup-i-H, tup-i-ta rund. — Syij. tup-i-t knauel. — tup- 
ta-la einwickeln, umwinden, rund machen. 



151 

Votj. tjb'h' lücken, höcker. 

E. Mord, tap-a-ra-n wickeln, winden, schlingen. — ta2)'a' 
rde-n umhüllen, umwinden. — Öor. tnp rücken. 

Wie sich aus der wurzel tak stossen n:o 389 die bedeutung 
anhaften, einwickeln, häufen, bündel, geschwulst entwickelt, n:o 
398 — 402, so dürfte auch diese nummer aus der wurzel tap stos- 
sen n:o 522 hervorgegangen sein. — Boller, Zur magy. etymol. 
in Sitzungsb. XVII, 231, erklärt magy. dofnb hügel als wurzelver- 
wandt mit mong. dobo hügel, jak. toni-toi sich erheben, aufschwel- 
len, türk. tepe, tübe, dcbe hügel, welche dem. f. tüppürä näher 
liegen. Vgl. magy. dob-za-ni schwellen, est. temp-a-n auftauchen, 
sichtbar werden. — Schott Alt. sprachengeschl. I, 128, der f. tü- 
päle mit f. üpälcj üpukkä hügel, kurzes ding gleichsetzt, verbin- 
det damit sv. lap. täva^ türk. tepe, depe, tiibc^ mong. dobo hügel, 
doboi hervorragen. 

541. Est. top-a-ka-s socke. 

Syij. tob'ö'k Stiefel aus hirschleder. 

Magy. top-a-itka^ top-ä-n, top-ä-n, top-a-nö halbstiefel. 

542. Fin. täpö, täpi^ tepo, tupo^ Ulpö adv. ganz, gänzlich. — 
tippo fort, gänzlich. — Perm, top in Wahrheit. — topa wahr, wirklich. 

543. N. Lap. daive^ sv. en. /arrc Nord; n. davve-ld, sv. tavve-ld 
vom N., n. davvc-le, en. tavve-la weiterhin als. — n. dawa-ne-t, sv. 
tava-ne-f, tave-te-t sich vom strande aufs meer begeben. 

Magy. tävo'l ferne, distanz. — tüv-oz-ni, tä-vo-lod-ni sich 
entfernen. — tov-a weit, ferne. — tav-fd jenseits, ferne. 

Budens 204. 
N:o 544 — 550. Wurzel tarn, tom, tum, tetPi, tim stampfen, 
schlagen, stopfen, geräusch machen; — fest, dick, dicht sein. 
Steigerung ttwm, tarn, ton, 

544. Est. tamm-ti'H, tamm-u-ia-n hämmern, stampfen. — 
tomm-i-n schlagen, puffen. 

Öer. tem-e-m, tem-a-m füllen, sättigen. — tem-e-kte-m frqv. 
— tem-dc-m drücken. — tem-de-Sta-m, ten^da-la-m unterdrücken. 

Magy. töm-ni, döm-ni, töm-ö-l-ni stopfen. — töm-e-S das 
stopfen. — döm-ö-dkö-l-ni zerstossen, zerstampfen, abprügeln, 
stopfen. 

Wenn Budenz 234 mit dem (erem. und magyar. worte sv. 
lap. tälnwt schlagen, unterdrücken, n. lap. duolbmat, duolbmot^ sv. 
tuohnet, tuolmot conculcare, verbindet, so scheint diese gleichung 
wegen des estnischen Wortes unsicher. Übrigens verhält sich 



152 

tömni stopfen: teitwm sättigen wie f. täppan, tupin stopfen n:o 
525: topltsta satt n:o 526. 

545. Fin. tom-ä-fi, -a-ja-n, -i-sc-n dumpf tönen. — tom-n ge- 
töse. — fofth-i-koi-ce-th anschnauben, heftig schelten. — toM-c-ra 
heftig redend. — fin^o-n sich auslassen. — tan-n-PL -ö-w lärmen. 

Est fufH-i-se-n geräusch machen, donnern. — iüm-ise-n don- 
nern, krachen. — iüm4'Sia'n donnern machen. — tSm-i-ptä n. 
tümmin donner. gekrache. 

Liv. ihn-h-lö streiten, kämpfen, ringen. 

Magy. dunon-o-f/'tii (hirnnt-ö-g-ni brummen, vgl. döbihrwjni, 
dühöröijni donnern, dröhnen. 

546. Fin. tam-i-a, tam-j^-^i-a kräftig, fest. — tim-a-kka stark, 
fest, aushaltend. 

Est. flm-u-kn-s stark, kräftig, beleibt, eigensinnig. 

Liv. tilm-a, fümm-i starr, unempfindlich, stumpf. 

Sv. Lap. titom-c, ftfotH-ts träge, langsam. 

Perm, tum-a hinreichend. 

Magy. iöm-ö-r massiv, untersetzt, klein, bündig. — töm-ö- 
rl't'ni verdichten. — töm-u-s dicht. — töm-ä-ij masse, pöbel. — 
töm't'U grosse menge. — iöm-l-r sehr viel, eine million. — döm-ä 
dick, untersetzt. 

Das magy. töpn-lr ist der bedeutung nach ganz klar, ächwie- 
riger zu erklären sind liv. fiim zehn, fum fum hundert und vot- 
jak. fam-t-s acht, wenn diese aus derselben wurzel hervorgegan- 
gen sind. — Mongol. U\mir festigkeit, stärke, tllrk. iinmr, dcmir, 
mong. temtlr eisen, türk. tafnitr wurzel, vgl Schott I. 128. 
547- Ein. tamm-e n. -/ eiche. 

Vot. tamm-i — Est« tamme n. tamm. 

Liv tamfH, tämm, 

IL Mord, tiun-a. ei"S. ttun-o eiche. — m. tuma-pial, iumi-nal 

eichenwald. — Öer, (mn-o, C. tarn eiche. 
Ahliivist niordv. gram. 177. 

548. Fin. tuM-a, ttun-e, -i kern. 

Vot. tfim-i kern, samen. — Est. tum, tfun-t. -es, tum g. 
tilmt\ -d kern, innoivs» inhalt. 

Öer. tom körn, mandol eines nussos. 

Wenn ostjak. ttbtt weich mit est. timä zu vereinigen ist. so 
gehört ostj. l, tiht\ S. Utjhi das innere mit tum zusanmien. Je- 
nem zur Seite steht wotjak. ttp eichel, tlpt pu eiche. 

549. Fin* ttim-ö leint 



153 

Eit tilm-a, tihn-ä weich, pech. — tüm'C'ta'U, 'i-fa-n weich 
machen, derb abprttgeln. 

Sv. Lap. fvH'C'S, tim-O'k weich. — n. dabm-c, sv. fahm-Cy 
en. tam-e leim. — sv. tab^n-e-t leimen. 

Lönnrot Acta soc. Fen. IV, 254 vereinigt f. tiwiä und lap. 
tarne. Möglicherweise ist hiermit noch zu vereinigen ostjak. tebet 
weich, welches Schiefher mit votj. neb'it zusammenstellt, C. ostj. 
gram. 92. Übrigens ist zwischen est. tamniun stampfen und sv. 
lap. tabniety tarne dieselbe analogie wie zwischen f. tapan schlagen, 
magy. tapodni stampfen und tapadni kleben, ta2)as lehm. 
550. Fin. tuom-e n. -i traubenkirsche, prunus padus. 

Vot. föm-U't, töfH'i'ka'S id. 

Est. tum g. -a, töm-ihijas, ti/m-pü id. 

N% Lap. duobm-o, utsj. tuobm-a id. 

Schiefher C. ostj. gram. 87 vereinigt f. tnomi mit dem gleich- 
bedeutenden ostj. jüm, Jörn, damit noch votjak. Wfn pu zusam- 
menstellend. Dies dürfte doch in den fin. ausdrücken lemnien pü, 
lemmen leJiti ein weicher schöner bäum, ein schönes blatt, ihre 
nächsten verwandten haben, obwohl auch noch zu bestimmen ist, 
ob hier überhaupt erweichung stattgefunden hat, wie in f. toimi 
= loimi aufzug im gewebe. 



551. Fin. süksfiy sifkilail, sus (sus-kü) herbst. 

Vot. sHöüsH. — Est. siiküse n. siikils gen. angüsc; sugise n. 
aüfjis, sCujise herbst, — sruß-sta-n herbst werden. — Liv. sügS. 

N. Lap. cavcy sv. uts. caköa^ en. öohöe herbst. — n. daßay 
im herbst. 

Votj. slzi'l. — Ers. M. Mord, soks herbst. — m. sohi-o-n 
herbstlich. 

Öor. w. äezCy b. size herbst. — sizem im herbst. 

Magy. OS herbst. — Ostj. I. aus, S. sugus id. — Vog. täksi, 
t(iffus, D. t<ikus id. 

Castr^n gram. 5er. 71. Lindström 90. Hunfalvy vog. föld 
284. Budenz 856 Man könnte das wort passend mit der würz. 
sak trübe in Verbindung bringen, wenn nicht die vog. foiin mit 
anlautendem t dagegen spräche. In den fin. ugrischen sprachen 
kommt mehrfach der Übergang eines stammhaften t zu s zum Vor- 
schein. Diese lautbewegung wird auch was den anlaut betrifft 
von Boller, Die finn. sprachen s. 44 u. a. o., Hunfalvy utazäs a 



154 

Balt-tenger videkein I, 339 u. a., und im allgemeinen von Schott, 
Altaische sprachengeschecht I, 132, angenommen. Dagegen will 
Europteus, Suomi II, 7 ss. 17, 22, 28, 36, 109, mit rQcksicht auf 
das in den meisten anderen gliedern dieses Sprachstammes vor- 
kommende s eine erhärtung im ugrischen geltend machen von s 
zu tj j zu ty f und / zu /, f. Der vielfache Wechsel : t=:s, h, l, 
l vgl zum beispiel n:o 557 u. 5G2, machen es doch zehr wahr- 
scheinlich, dass man mit Boller und Hunfalvy überhaupt diese ent- 
wicklungsserie annehmen muss ; Verstärkung in einzelnen fallen ist 
dadurch nicht ausgeschlossen z. b. j zu f, g n:o 553. 

552. FiiL stüis-e nom. -i Schneeschuh. — suks-i-n auf Schnee- 
schuhen gehen. 

Vopt« siiH-e n. suk^ Schneeschuh. 

Vot« sühs'i id. — Est suks-e nom. suksy sukse Schneeschuh; 
trittbrett am Webstuhl. 

En. Mord, soks-t pl. Schneeschuhe. — m. sok^ Schneeschuh. 
— Ot^. föj. 

Lindstrom 87, bringt mit den obigen auch sv. lap. öuoiket 
=. n. 1. duoiggat auf Schneeschuhen laufen, zusammen, was doch 
nicht sicher ist. Ahlqvist kult. 113 vermuthet dass das wort 
ursprünglich die bedeutung imrm gehabt hat und mit ers. m. 
üitkif wurm identisch sei. Im Tungusischen bedeutet Schneeschuh 
suk^ilda. — Eine Zusammenstellung mit f. silök^föH schnell vor- 
wärts eilen scheint wegen des ostj. t nicht zulässig, wenn es sieh 
nicht erwiesen würde, dass auch dies wort auf eine wurzelform 
mit t zurückginge. 

553. FuL hka, hin. hija ärmel. 

Vops. hia-m id. — Vot ika, — Est ika hemdärmel. 

E. Lap. soaga partit. soqja-idy en. soaja, sv. sasse littig, 
ärmel. uts. Sikitja, 

Syij. .«ojf, pemi. siku ärmel. — syij. soj arm. — V«^. saes^ 
sajas ärmel. — En. ■. ■ord. oza id. — 6er. ^<)Av<. 

Magy. öj ärmel. — üjas mit ärmel versehen. 

Yof. tajL tant ärmel. — Oi^. taget ärmel. beifluss. 

Boller Magv. Verb. M. Budenz 859. Europa^us Suomi II, 7, 
109 eridärt den fibergang im ungar. aus tarnt, ^aue, *ae. freilich 
aber in dem er wie gewöhnlich die entwicklung des ugrischen t ans 
s annimmt Die urspr. form saget glaubt er in mehreren Ortsna- 
men des inneren Rnsslands, den früheren Wohnsitzen der Ugrier, 
zu finden, wie Wjftschegda, SudcgdOy Sckaegda. Petiiegda. Wdcgda. 



155 

554. Pin. sü'ö-n essen. — aü-ö-mä das essen. — su-ö-tä-n 
fact. füttern, essen geben. 

Veps. sö-n essen. — sö-ta-n füttern. — sö-ske-nda-n inchoat. 

Vot so-n essen. — so-tä-n füttern. — Est. so-n inf. sva. — 
Liv. sö-öd, L. Sä'ö'd essen. — sö-ö-mi das essen. 

Syij. So-ja. — VoQ. si-o. — Perm. So-j-ni. — Ers. sev-e-n, 
m. sev-Orti. 

Magy. *äü'm = än-ni essen. — ä-tä-t-ni fact. 

Ostj. I. ttw-e-m, S. ttiv-e-m, — Vog. tt-m, Kond. teg-e-^i, 
fcxv-e-m. 

Hunfalvy vog. föld 289. Budenz 843. Schott I, 81 jak. se, i\i- 
vas. si Lindström 91 Cuv. Se^ türk. Ji, jak. se, manj Je, 

555. Pin suv-e n. siwi sommer, thauwetter, Süden. — suv-e-n 
thauen. 

Vot. suv'i Sommer. — Est. suv-i id. — suv-i-li-ne = su-i-li-ne 
den Sommer über während. — Liv, säv, L. situ sommer. — söw-i 
sommerlich. 

Sv. Lap. suvv'O'l dampf durch die Sonnenhitze in bergen nnd 
Wäldern hervorgerufen. 

Ostj. I. tun, S. loh sommer. 

Schiefher, Castr^ns ostj. gram. 93, macht die Zusammen- 
stellung von tun mit f. sun und vergleicht noch ostj. sam. tagi, 
tawgy sam. taha, syij. hin tag. Der lautttbergang wäre derselbe 
wie in k. vog. tegeni, ostj. teivem, ers. mord. sevm, f. süön essen, 
n:o 554. An einer anderen stelle s. 91 verbindet er aber ostj. 
sam. tagi mit ostj. I. fäiven, S. taux, magy. tavas, syrj. itdts 
frUhling, wodurch also ostj. tun mit allen diesen und auch mit 
f. siivi identisch wäre. Budenz szöeg. 203 beschränkt sich auf den 
vergleich der ugrischen formen (vog. tauen, tovan) mit syrj. tutis, 
votj. tidus, zu welchen auch das perm. ttd^s, tu vis, tul'issja, tu- 
vissja frtthling gehört. Wenn in den permischen formen das l 
ursprünglicher ist, gehört gewiss das ostj. tun nicht dieser reihe. 
Andererseits hat man, wie Boller Die finn. sprachen s. 44 be- 
merkt, das est. töug g. töuu, tövvo Sommersaat, sommerkora (er 
übersetzt: sommer), f. touko frühlingssaat als passender vergleich 
zum ostj. tun. Das f. suvi, welches Boller hiermit vereinigt, ist 
wohl dadurch nicht aus der möglichen Verwandtschaft mit tun und 
touko ausgeschlossen, bemerkenswerth ist aber in anbetracht der 
bedeutung der fin. lap Wörter der nahe Zusammenhang mit f. savu 



156 

rauch, dampf. Ich halte daher die Verwandtschaftsverhältnisse 
aller dieser Wörter noch nicht genügend sicher gestellt. 

556. Fin. har-va undicht, selten, pl. wenige. — harv-a-s un- 
dichter zustand. — harv-e-ne-n, harv-e-nnu-n undicht werden. — 
Juirv'i'kko Schleier. — harv-u-s eine art von netz. 

Vot. arv-a undicht, selten. — Vops. karv undicht. — harv-as 
adv. selten. 

Est harv selten, spärlich, undicht, dünn. — hm-v-ti, harv-u-ti 
selten, dünn, undicht. — harv-e-nda-ti undicht machen. — harv-i-k 
ein stück dünn stehendes getreide. 

Liv. ar-a-s pl. arr-ö-d; ar-a pl. ar-a-d selten, undicht, wenige. 

N. Lap. Sierrv-e dünn. — SioT-e-de-t dünn machen. — utsj. 
härv'i undicht. 

Vo^*. §er selten. — M. Mord, sur-a undicht, selten. 

Magy. d^r. der-ä-n dünn, licht, weitschichtig, selten, rar. 

Os^j. tür-ajff tür-up licht, undicht. 

Lindström 19. Budenz 182 nimmt statt des lap. ^iervve n. 
lap. narbbad, sv. narbe dünn, selten, zum vergleich mit den übri- 
gen. — Schott Alt. Sprachengeschlecht I, 146 verbindet f. harva 
mit manju seri, seri-ken dünn stehend, selten, türk. sejrek, — Vgl 
die Wurzel sar^ sir n:o 635. 655. 

557. Ein. hlre nom. hlri maus. 

Veps. hir st hlre, — Vot tri ratte. — Est hlr g. hlre, hlri, 
hirti maus. 

Liv. Ir st rrö maus. — Sv. Lap. anära 

SjTJ. ^h\ — Vo^\ ^ir, — Perm. sfr. — Ers. Mord, öeir, m. 
äejer. 

Magy. ä(/er. — Vog. tänger, Klapr. tangir, F. Innhlr. — Ostj. 
teher, 

Schott Alt. Sprachengeschlecht I, 57. Lindström Suomi 20. 
Hunfalvy vog. fold 28, 285. Budenz szoeg. 838. Schott hat 
zuerst die lap. form snära durch vermittelung der Zwischenglieder 
*sinjera, *singera mit dem manju singgeri verbunden, und so ge- 
langt man leicht zu dem ostjak. teuer. Er vergleicht dann auch 
das türk. si-öan =z *air'öaH mit dem lap. dimin. snära-öa manschen, 
ost-türk. ir-lan ratte = *inir, *igir = mag. äger = f. 7*7/7*, liv. Ir. 
Boller, magyar. etymologie s. 70, verbindet ostj. teuer und magy. 
äger. Lindström giebt auch die Tungus. Wörter SiugeiHkan, öin- 
gir-kan, Europseus Suomi II, 7, 36 führt nach Pallas aus den 
Östlichen Ostjak-dialekten die formen jaunur, junker an. Hier 



157 

sieht er in ähnlichen Übergängen eine Verwandlung von f, l, zu j^ 
wogegen er im Samojed. (aga = f. joki s. 34 den Übergang von 
j zu f annimmt, beides durch einfluss der tatar. sprachen, vgl. 
tat. jüz, jih = f. sata, jedi, fcdi, öeili = f. seitse^nän, 

558. Sv. Lap. sär meer. 

Vo^*. zar-iz id. — Osy. sör-ol, sör-ef I., S. far-as meer (Ga- 
st r^n), nord-ostjak. aär-es (Ahlqvist). 
Ahlqvist kult. 145. 

559. Fin. siw sumpf, morast. 

Veps. 60. — Vot. sä, — Est. so wiesenmoor, sumpf, morast. 

Liv. sito morast. — stio-i sumpfig. 

Syrj. Perm, t'i binnensee. — Votj. fi see. — M. ICord. M-j 
morast. 

Magy. iö = tava see. In einigen Ortsnamen kommt sä = tö 
vor: Szikszö, Szarszo, Berekszo = Szik-to etc. Siehe Czuczor Fo- 
garasi szötära VI, 1J32. 

Os^. teu, S. tO'X, tou-x. — Vog. tuo, tür R., tut, tu Gyarm. 

Schie&er 92. Lindström 87. Budenz szöeg. 224. — Jur. 
Samojed. to, ostj. sam. to, tu, kam. thu see. Hunfalvy vog. föld 
284 vergleicht türk. 6«, cuv. Su, $w, Mong. usun, s. Magyar 
nyelv szötära. Europams Suomi II, 7, 51 sucht die Ostjak. form 
toU'X, tox in finn. ortsnamen-endungen auf te, to, ti, welche doch 
auch in anderen Wortbildungen als suffixa vorkommen. 

560. Fin. aü mund mtindung, Öffnung. — sü-las, sü-kko wor- 
treich, vielredend. — sü-kko-nen, sü-ppo-neti kleiner nmnd. — sü- 
ta-n in den mund stopfen, füllen, hinreichen. — sü-te-he nom. 
süde aus dem munde verschüttetes futter; keil, propf. — sui-ce-t 
das gebiss, zäum. — sui-ce-ta-n das gebiss anlegen. — su-t-sta-n 
zügeln, lenken. 

Veps. SU mund. — Vot sü. — Est sü mund, öflhung. — 
su'i'la-s viel sprechend. — sü-d-nie nom. sü-de mündung. — sü- 
da-n, sü-a-n verkeilen. — su-e g. sü-de, sü-e kleiner keil. — su-i- 
sta-n das gebiss anlegen. — Liv. sü, — su^-ksu-d zäum. - sü-ki, 
L. sü'fi mündchen. 

N. Lap. äO'd, sv. öo-d, öo-dde-k kehle. — n. sv. Öuv id. 

Votj. öO'kta-n sp.und. 

Öer. sä hals; Öffnung im ausdruck: inie-Su, b. im süz na- 
del-öhr. 

Magy. sä'j mund, öifnung, mündung. — sä-da mündung. — 
sä'd Spundloch. — sä-do-l-ni spunden.. 



158 

Vag. tusy fuos mund (Reguly). — so-p (Hunfalvy vog. fold 
283). — Konda dial. tus. 

Oi^'. fu't, S. lu't mund. — tuMa I. stumm = f. sütofi ohne 
mund. 

Lindstrom Suomi 1852 s. 89. Hunfalv}* a Vogul fold 283. 
Budenz 206 erinnert beim lapp. dod an den Wechsel der bedeu- 
tung im lap. nalhtie mund und vog. nelme zunge. Europseus Suomi 
II, 7, 17 fllhrt hieher ein syrj. rMja schnauze, welches wort doch 
weder bei Castr^n noch bei Sawaitov zu finden ist. Er stellt 
aber zugleich vog. to,% toz, tus, Tschenljm dial. sus mund in Ver- 
bindung mit den übrigen, das ostj. tut als eine erhärtung dieser 
urspr. form annehmend. An einem anderen orte II, 7, 94 erklärt 
er nach HunfahT Vog fold 24 sjTJ. tos hart, vog, tos, ostj. tuä 
als rest einer Zusammensetzung tos-pun = mundhaar. 

561. Pin. SH^te-h'-H küssen. — sü-te-lo, sN-te^u-kse, SH-de^mn- 
kse u. -PNus kuss. — sü-ko-ste^e-M um den mund streichen. 

V* Lap. rw-fr-iMii-^ sv. ni-i-iwa-^ cif-te^ste-t, rw-Miio-f, ^m- 
nur-t, dU'HHa-te-t (von kindem) küssen. — n. m-bma. sv. du-la- 
sta-k kuss. 

Vo^. ('H-pa-iiko küssen. Lindström. 

6er. ^H-p^a-l kuss. — ^u-p^a-h-m osculari. 

Magy. fv4:o-l'ni küssen. — dö-k kuss. — ^fa>-/-ito-rf-Mi, <^ö- 
ko^-ko-^-ni einander küssen. — ^«^-io-fö-rf-iii sich schnäbeln. 

Vgl. Lindstrom Suomi 89, der das wotj. wort anführt, cuv. dop, 

562. FiB. siä-e nom. silU schooss, foden, klafter. — snl-tä 
klafter. — sühi-uen ein foden lang. — shI-c-h, shI-t-m. .«ii/-t-w, 
sül-e-^t-Hy :nH-ri-ie-H umarmen. 

Tops. smI. — Vot sül-L — Est. sal-e n. siUi schooss. — 
.^t-il g. SMÜe faden, klafter. — .s^m/häi-m messen. 

Liv. siil pL sulml schooss. — siil pl. säd Ceiden. klafter. 

V. Lap. sah stdl-a^ sv. sal^ enar, s(dl-a, soaU-o. uts. sidl-a 
klafler. 

8yij. ^^l klafter. — Pom slK slr id. 

Sit. Mord. sa'f. m. sei id. — ers. W/c, t-test^ m. al schooss. 

— Ö«r. shl-o. b. Jrf klafter. 

Magy. fV klafter, schooss. — CJ-d-s eine klafter hoch, breit. 

— a/-ä-/-iti umarmeiL 

Voj. /W, D. tat Eiden. — tat-je^e-m umarmen. 

Oi^. L tet, S. füi id. — lal id. (AUqvist). 

Castren graoL syij. 158. Lindstrom 90. Hunfolvr. Vogul 



159 

fold 283. Budenz 854. AMqvist 174. Im Samojed. heisst jur. 
stwaeiy Üivie, ostj. ü, jenis. tle, fihe, Hunfalvy macht zugleich auf 
ttlrk. öl (öUmäk) aufmerksam. Boller, Zur magyar. etymol. Sit- 
zungsb. XVII, 305, vergleicht moug. dl-da klafter und magy. sfd 
faden; was dies betrifft siehe doch wurzel fid. 

563. Fin. suUka feder vom flügel; spitze, kante. — fndka-i-nen 
mit federn geschmUcht. — sul-i-ta-n befiedern. 

Vepi. suv-g feder. — sttrg^i'ka-s mit federn versehen. — Vot. 
sul-ka. 

Est. sut-ge nom. suty feder. — sutgi-ne federn habend. — 
sul-i-ta-n fedeni hervorbringen. — Liv. tür-yö n. türgös feder. — 
tür-gi'S nom, türgi federig. 

N. Lap. dol-gge, sv. tol-lr, uts. fol-ggi. — Votj. til-'i. — Perm. 
m, tlv feder. 

Ers. M. Mord. toUga. — Öer. cal-ko feder. — f//*, tel in den 
Worten: pis-t'il, pes-tel lange feder. 

Magy. toU-a nom. toll, tol-u feder, gefieder. — tahi kurze 
feder. — toU-a-z-ni mit federn schmücken. — Vog. faul flügel, 
fittig. — Ostj. tö-go-t feder. 

Lindström 87. Schiefner 93. Hunfalvy Vog. föld 285. Bu- 
denz 227. Im Samojedischen heisst jur. tu, to, Ostj. tu, tu fe- 
der. Hunfalvy führt noch osmanli tiij, Cuvas. ftlk an, wie auch 
Vambery nebst dem cagat. tüg, 

564. Fin. sal-a, scd-ai-ne-n heimlich, geheim. — sal-ä-n ge- 
heimhalten, verbergen. — sal-a-u-n sich verstecken. 

Vot. sal-a-mt ohne zu wissen. — Est saJra heimlichkeit; 
geheim, verstohlen. — sd-a-ja heimlich, verstohlen, verborgen. — 
sd-a-liy sd-a-li-zc geheim. — sd-a-li-k heimlich, heimtüchisch, 
heuchler. — sd-a-ta-n, sd-ga-n, saf-ja-n läugnen, verläugnen. — 
sd-a-sta-n verheimlichen. 

Li7. sd-a, sd-a-i, heimlich, verstohlen. — sd-a-i dieb. — 
sd'ä-ndö stehlen. 

N. Lap. n. suol'e-nie'S, sv. moU-e, uts. suäli, geheim, heimlich. 
— n. .9woZ, SV. suolj suol'€'kj en. sual-a, suoUoh dieb. — n. stwl-a-de-t, 
sv. siioUa-te-t stehlen. — Sjnj. /?'5 tacitus. — öt'öl-a-la taceo. — 
Perm, öel-a-l-ni verbergen. — ^el verschwiegen. — del-a-lö-m 
heimlich. 

Ers. Mord, sd-a-n, m. sd-a-n stelden, berauben. — ere. 
sd-a-mo, m. sd-a-ma diebstahl. — ers. sd-i, sd-i-^a dieb. — 
ers. m. sd-a-va heimlich. 



160 

Ö6r. SoUa dieb. — äol-a-äta-mj äol-i-äta-m stehlen. 

Magy. tol-^aj dieb, diebisch. — Vag, tol-ma-x dieb. — td- 
ma-nte-m stehlen. — Os^. töt-me-fu, S. tüt-me-m stehlen. — föt-ma 
heimlich. 

Lindström 81. Budenz 228. Ahlqvist kult. 204. Im Sa- 
mojedischeu kommt die \iiirzel in der ugrischen form in zahlrei- 
chen bildungen vor: jur. tälien, Taw. tolami, Ostj. tudam, jen. 
talibo, kam. ihoterKm stehlen; jur. tutei^ Taw. tclea, kam. thcli 
dieb; jur. tätiesi heimlich u. s. w. Boller, Zur Magy. etym. 94, 
vergleicht magy. tolvaj mit mong. talQ%o^ tat. talamag^ jak. tat 
etwas rauben, jemanden berauben. 

565. Fin. suon-e nom. suoiii sehne, ader. — suim-i-n sich 
kramphaft zusammenziehen, mit Spinngewebe überzogen werden. 

Vept« son-e nom. son ader. — son-u-de n. sonui dim. — 
Vot sön-i ader. — smipü sparren. — Est stm-e nom. «ö» ader, 
sehne, muskel, fig. Wasserader, Aussehen. — sön-i-n, sön-i-ta-^y 
sön-i-te-le-fi streifig machen, adem. 

H. Utt. Lap. suodn-a, suodn, suoidne, sv. suon-a^ suon^ en. 
sHon-a sehne. — Syij. söti ader. — san-ä-s venosus = f. suanüe. 
— Perm, sän sehne, ader. — Vo^\ söfi sehne. — vir s. ader = 
f. veri suani. — Ers. ■. Mord, san sehne, ader. — Ert. san-av 
sehnig. — öar. äön, b. Mn sehne. 

Magy. In sehne. — m-a-ä nervosus. — Vog. tän, D. tän. — 
fon (Europaeus). — Os^'. I. ton, S. län sehne. 

Lindström 88 vergleicht auch türk. sinir, (uv. äinir. Taw^. 
samojed. tätl, ostj. teti, öän, Europseus Suomi II, 7, 51. Budenz 
846 ftthrt hieher auch liv. stior, zuof, welches doch mit der Wur- 
zel 8or zusammenhängt und dem ers. mord. iure faden, zwirn am 
nächsten liegt, siehe n:o 646. Boller, Magy. etym. s. 70 ver- 
gleicht tttrk. slnlr, jak. inir, magy, in, f. suoni 



566. Fin« Icukko pferd. — Liv. Iqju stute. 

Magy. lö = lov pferd. — Vog. /w, /o, for. 

Of^. L tau, S. lau%, lo%. 

Schiefoer Castr^ns ostj. gram. 91, Budenz szöeg. 694 und 
Ahlqvist 12 anm. führen nicht das fin. und liv. wort hieher, wel- 
ches doch von Lindström MS 12, 43 mit hinweis auf ostj. toi, 
fou% = f. lü knochen, ostj. todek = f. lüde geschieht; vgl tat. im 
= vog. l'm eichhörnchen. 



IGl 

567. Fin. lü bein, knochen. 
Ostj. I. tcti, S. iou'X' 

Schiefher 92. Ob das von Budenz szoegy. 218 aufgeführte 
n. lap. daffe, sv. takte knochen, welches er mit magy. tätäm ver- 
bindet, mit den oben erwähnten in Zusammenhang steht, ist schwer 
zu entscheiden; der vokal im fin. passt nicht gut zu dem ung. 
Worte. 

568. Fin. latra gipfel. 

Veps. Iadi\ -— Vot ladvn spitze, gipfel. 

Est hidv oberes ende, gipfel, spitze, köpf. — Liv. Inda. 

Magy. täto gipfel, dach, Scheitel. — Os^'. I. tei, S. toi, tui 
das oberste, spitze, Oberfläche. 

Budeiiz 210. Bei nummer 427 habe ich das ostj. wort mit 
f. töttö hoch und spitzig zusammengestellt. Durch das obige winl 
diese Verbindung nicht aufgehoben, sie scheint sogar neue stütze 
im magy. täto gefunden zu haben. 

569. Fin. lut'C'he nom. lüde, lut-i-kka wanze. 

Veps. lud-e-ge n. ludeh. — Est. lutA-ka n. -has, lui-i-ke n. 
lutik id. 

Syrj. lud'i'k, Perm, lud-i-k, vtid-i-k. 

Ostj. tod-e-k wanze. 

Schiefher 93. Lindström Suomi 57. Das wort hat im syrj. 
penn, ein verwandtes wort in lud-ni jucken i= f. lus-i-n nagen, an- 
fressen. Wahrscheinlich ist das auf der insel Oesel vorkommende 
est. wort lurs g. lursu wanze nur eine stark erweichte form des- 
selben Wortes, wie im Täwastländischen dialekt des fin. Iure ge- 
sagt wird. Auch im suffixe stimmen die obigen Wörter vortrefflich 
überein. 

570. Fin. Untu vogel. 

Veps. Est. Und. — Vot. Untu, — Liv. Und, tinda, L. Unn. — 
Uti'ki vögelchen. 

N. Sv. Lap. lodde, russ. lap. lant vogel. 

Öer. ludo, b. loda anas. — Magy. lud acc. luda-t gans. 

Vog. lonta, lunt gans. — Ostj. I. tunt, S. tönt (Castr^n), 
lonf, lunt, lunkta (Pallas) id. 

Europseus, Suomi, II, 7 s. 80, wie auch Blomstedt Hai. Besz. 
85 verbinden die oben angeführten Wörter mit einander, was auch 
durch die läpp, formen ganz berechtigt erscheint. Budenz, der 
die ugrischen formen für sich aufführt szoegy. 702, stellt dagegen 
die übrigen nebst f. lentä mit magy. led fliege, lädalni fächeln, 

11 



162 

wecfeln zusammen, theilweise nach Hunfalvy vog. föld s. 292, wel 
eher f. lennhiMhien coccinella septempunctata mit ItJ, vog. ftiw, 
und. f. lenta mit mag}', hind-l-tni leicht bewegen, anschlagen ve- 
reinigt. Wenn diese werter überhaupt aus derselben wurzel stam- 
men, gehören sie doch nicht zunächst zu IhUu, vgl. f. Inüa. — 
Wahrscheinlich ist auch der name des dompfaflfes im Ostjakischen 
I. Umla, S. h'hUi mit den obigen zu verbinden. 

571. Fin. lötV'U warmer dampf, dunst, wasserdampf. — läüJ-ü 
heisses dampf bad. 

Vops« löill dampf. — Vot. HUll-tl heisser dampf. 

Est leil gen. leih% leili dunst, dampf, atheni, leben. — Liv. 
lävl hauch, geist. — Ä. Lap. Iterl, /iVt-rfrf-c dampf, dunst. 

Syij. loi\ lö seele, geist. — lola-Io athmen. 

Perm, /o/, /o«\ lor seele, geist, leben. — lot-al-nl, lov-av-ni, 
vov-av-pu athmen. — Vo^. lul geist, leben, win<l. — luUja-lo we- 
hen, hauchen. 

Magy. Uil'iä nom, Mäk seele, geist. — Vog. /// seele, le- 
ben. — hl'in beseelt. — kond. UL 

08^\ fii geist, athem. — ild-en lebendig. 

Schiefner 92. Budenz G84. Blomstedt Hai. Besz. 167 lei- 
tet wie Schott Alt. spr. I, 119 und Magj-. Szotär B, 1387 Milk 
zz *l(Viälük aus Wi-ni athmen, welches B. mit f. Idhötän stöhnend 
athmen zusammenstellt. Unmöglich ist dies gewiss nicht, da die 
verschiedene vokallänge sowohl Steigerung als ersatzdehnung sein 
kann; die meisten formen scheinen doch nur jenes zu bezeugen. 
— Schott 1. c. verbindet mit magy. leläk und ostj. üü das türk. 
jd wind. 

N:o 672 — 586. Wurzel saky sok, suk, sik zackig, spitz sein„mit 
nimm spitzigen gegenstände stossen, reizen, jucken, brünstig sein. 
Kii?ig«rung siwk (öuok), sank (hauk), slk, sSk. 
672. Fin. sak-a-ra, sak-a-ri hervorragende spitze, äusserer rand. 
hak-a-ra Stachel, zacke, anreizung. — hak-a-rtä stechen, rei- 
/i*n, Kchinerzen. — hak-a-na (usnea hirta) flechte. — hak-o reis, 
ii'ji^biuid, Strauch. — hak-u-la, hak-u-n flaum, railchbail. — Mk-u-U 
\iUi\\\m*x\i um eine stadt, vorstadt. — hak-e-ri schauer aus zaun- 
ItfuhUiU. - hdkk'U'la kreutzweise stehende pfählen. — sa/i-ra, saJi- 
fU'in ^ahelförmigcr pflüg. 

Vot. mk-a-ra tliUrangel, hängeisen. • 

Kit. fifu/"fM* g. -ra, sfig-a-ra-s hölzerne thürhänge. — scum' 



163 

g. -f'i buschiges, struppiges. — sak-i-li-ne zackig, gezai^kt. — sak- 
a-rt ästiges stück holz, ästiger verwachsener bäum. — saJc-a-s g. 
sakka alter bauinstumpf. — hac/'U g. Iiau, haju reisig (strauch). 

— hag-n g. haa rispe, wipfel eines landbaumes. — hag-a-ni-k^ 
hag-a-ri-k g. -ku scheune mit wänden von Strauchwerk. — hakk 
gestreuch. — aif-u-U vorstadt. — vak-aj hackeisen. 

Liv. ag nadel an bäumen. 

Sv. Lap. cuogg-a hacke zum giaben od. stechen. — suagg-e-l 
durchbohren. 

Ers. M. Mord. snk-a1 hart. — Öer. <og-oi malleus. 

Magy. ,sak-al hart. — sak-är—a-s, sak-ä-lla-s doppelhaken. 

— sak-O'S herb. — sak-ö-ra eine art kleine axt. — sak-a-savar 
das langblätterige salzkrant. — sög-ä-llä-m ein eck bilden, in ein 
eck auslaufen. 

Vog. mg-ur die geöffnete band mit den zum fassen ausge- 
spreizten fingern. — sag-ar-fa-xte-m sich ausspreitzen. — sag-ar- 
ta-%te-m sich sträuben (das haar). 

Die Wurzel sak ist im finnischen unzweifelhaft. Im Magyar 
Nyelvör 11, 529 sucht Budenz die Wörter f. Aära, mordv. mr u. a. 
als verkürzte formen aus *sagar = vog. sagur zu erklären. Die 
beiden verschiedenen wurzeln sind doch zahlreich vertreten, vgl. 
sar u:o C35. — Schott Altaische sprachenges. 1, 135 verbindet 
ttirk. sok stechen, mong. coy-ol durchbohren mit dem lap. suogget. 

— Mongol. sük^ axt, Burjät. hukiij huke, hi%e, m%e axt, beil. 

573. Fin. sokka schliessbolzen, nagel. 
Sv. Lap. sagge Splitter, holznagel 
Volg. dag nagel. — Magy. säg. säg id. 

Budenz 277 scheint nicht das fin. wort zu kennen. Vgl 
n:o 575. 

574. Fin. suk-a bürste, Striegel. 
Veps. sug-a. — Vot. suk-a. 

Est. sug-a g. soa bürste, Striegel, hechel, weberkamm. — 
sug-a-r stock, prügel, Striegel. — Liv. sug-a, 
N. Sv. Lap. cokk-o-t bürsten = f. sukän. 

575. H. Lap. r^ickj sv. Ccik ecke, winkel. — sv. öäk-e-k angu- 
latus. 

Magy. säg, säg, sag ecke, winkel. 
Oslg. su/i ecke, ende. 

Boller, Zur Magy. etymol. 70. Schiefner Castr. ost. gr. 97. 
Budenz 278. 



IM 

576. Fin. slk-ai-ne-n ährenspitze des korns. spreu. — sfik-Ii 
Schabeisen. 

Est sik'i siak/lhip zackig. — sikk g. sika haspel. — Votj, 
sik gebüsch. 

Magy. si(f-oti harpune. dreizack, stechgabel. — sik-ä scalpell 
(eine art schneidewerkzeug). 

577. Fin. hakk-ü-n hauen, schlagen. — sökk-a-n stechen, stopfen. 
Est. (ntf-a-n hacken, behacken. — hnkk-n-u ergreifen, fassen, 

anbeissen. anfangen, anhaften. — sutf-a-nh-n holz zu kienspä- 
nen abspalten. 

LiT. ak pr. aknh anfassen, ergreifen, angreifen, packen, stot- 
tern. — sak'l-sk zerschmettern, zerreissen. 

H. Lap. htofj-d'Sfr'f, sv. cnoijg-n-t hacken, stechen. — n. 
takk-e-f, sv. rak-e-t stechen. — aikk-o-f, nkk-tsfe-f zerschneiden. 

Syij. c-'d// spahn, Splitter. — hy-a brechen. — zufj-n-Ut 
frangor. 

Vofl. ng-o, cig-l-lo zerbrechen. — cig-o-no zerbrechlich. — 
Sukk-o schlagen. — Öer. ^ek-s laterum punctio. 

Magy. sak-a-d-m zerreissen, brechen. — sak abschnitt, theil, 
Schicht. — sak-a-s section. — sak-ga-f-tii, sagg-a-t-ni reissen, zer- 
reissen, päticken. — sak-a-sta-m reissen, zerreissen, auskneeten 
(brod). — sak-l-t-ni zerreissen. — säg-ni schneiden, hacken, bre- 
chen; einsäumen, bordiren. — sak-U-l-ni brechen, reissen. — ä?^*- 
ä-nö holzspan, Splitter. 

Ostj. sag-a-de-m zerbrechen. — sag-n-m US, sog-ri-m OS, 
seu-re-tn I. hauen. — .sek-e-r schlag. — söx-te-m raufen, zupfen. 

Vog. scik-e-m, säk-e-m schneiden, hacken. (Europa^us Suomi 
n, 7, 76). 

Die obigen Wörter sind aus der Vorstellung einer Wirksam- 
keit mit einem scharfen spitzigen gegenstände hervorgegangen. 
Man könnte in zweifei gerathen, ob nicht auch das lap. cok spitze 
lieber hieher als zu f. kokka n:o 9 gestellt werden mUsste. Bu- 
denz 276 verbindet nur die perm. votjak. öega, cigo mit magy. 
sägni, dagegen stellt er n:o 313 magj'. sakadni sak zusammen 
mit f. halkean, n. lap. cuvkit, sv. citoukef zerbrechen, n. cnarkka- 
net, sv. cuoukanet id. verletzen. Die letztgenannten dürfen zu- 
nächst mit f. haukkän, est. haukan beissen, f. haukf, est. hang 
hecht zusammenhängen; ob sie der wurzel sak enstanmien ist mir 
nicht ganz klar. — Mongol. cok-exo, Burjät sok-cMam, sok-enap, sex- 
enai)y cox'cnap hauen, schlagen, klopfen. — Vgl wurzel fok n:o 



165 

3ft9. — Miklosich, Die wurzeln dos Altslovenischen in Denkschr. 
(1. Akademie pbilos. bist, cl, VIII, s. 175. flthrt eine slav. wurzel säk 
= .sec-arf: auf, vgl lex. pal. 1)71. Diese ist belegt durch litt, sy- 
k'iü, ksl. sckam, sci-ti schlagen, bauen, spalten, sck-mHti secare, 
sek-ha securis wie auch in litt, si^kis schlag, hieb, ansatz, ksl. 
sedi, Sfjca (=z sckjaj schlag, hieb, lat. sev-are, svc-ürhs beil, svg- 
rnen, slc-a dolch, scv-nJa sichel, ahd. scy-ansa sense, saya, saye 
säge, Fick wörterb.*^ Ol -2. 400. 

578. Fin. hnukv noni. -/ hecht; hauki-nc-n st. haukisc reich an 
hechten. 

Veps. haxuf. — Vot. anci gen. miß. 

Est. haxKj gen. hauL hauvi, haci. — Liv. a/// pl. älyöd, — 
N. Lap. Ä«r//, sv. /tank. 

Miklosich, slav. eleni. 8:23, leitet das niagy. cuka hecht, 
mordv. ^ukä aus dem nsl. scuka, welches serb. stuka, nun. iifuk, 
neugr. örovxa heisst. Vgl. vorige n:o anm. 

579. Fin. sifk-ä-ny üük-n-iä'U stossen, klojifen, schütteln. — 
üiik'ä-hk'li'-n frqv. 

Est sfhj-a-H kratzen, reiben, schlagen, prUgeln. — sfif/'e-h-n 
jucken. 

Sv. Lap. sokk-e-i gestossen, geschüttelt werden, rudeni. — 
sokk-a-te-t agitare, (piassare. 

Syij. zöfj-ö't-ul schütteln. — Votg. b-akk-o, tfidk-'i-lo schlagen, 
schleudern. — suy-o schlagen, geissein. 

Öer. .v/M'-e-w/, kuk-p-m, b. sik-e-m protrudere, promovere. — 
gfik-e-de-m, Hilk-e-da-Ja-iit iri\v. 

580. Fin. siiök'Se'U, siiök-sä-n^ bilök-su-H, nHÖk-si-n, mök-fiü'H, 
b'tiö'Stä-Hj ifHö-sfu-n, süö'.s'tä'i'H hervorstürzen, — schiessen, eilen. 
hnökk'ä-n, küökk-o-n hers'orstürzen, überfallen, sich über etwas 
hin werfen. 

St. Lap. däkk-e-f fliehen. 

Magy« sa{/'U'lda-ni, säy-n-lda-ni schnell reiten, dahinjagen. 

— sök-ni springen, entlaufen. — sök-dä-l-ni leicht hüpfen. — sökk- 
ä-nni einen leichten spiomg thun, plötzlich in die höhe steigen. 

Budenz 303 verbindet nur lap. öäkk^it mit ung. sökni. 

581. Fin. säikk-ü-ä, säükk-ü-ä erschrocken, scheu werden. 

— säikk'ü scheu, gemüthsbewegimg. — säik-ä-Mä-n, -hdun scheu 
empfinden, auffahren. 

Magy. hökk-än-ni stutzen. 
Budenz '164. 



1'66 

582. Fin. sukk-u zerquetschter, zerbrochener zustand. — hukk-a 
verderben. — hukk-ä-n verlieren, verderben. — huk-u-n verlo- 
ren gehen. 

Syrj. Sog trauer. — Votj. mg traurig, betrübt, — Sug-io pei- 
nigen, quälen. 

Schott Alt. spr. 1, 56 stellt f. hukkan und tivkun mit dem 
mong. nk verderben, welches jetzt nur ü gesprochen wird, und 
ftku sterben, zusammen und findet dieselbe wurzel im türk. jik 
zerstören, j7k;fl zerstört werden, zu welchen sich noch lap. javka 
verlieren, türk. jok nicht-sein anreihen. Vgl. n:o 595. 

583. Fin. sük-ä'ldi'tä-n reizen. — süh-ün jucken. — süh-ü 
tä-n, sSh-ü'tä'n fact. reiben, jucken. — süh-tä-n schaben. 

Est sih-i ta-n jucken. 

Sv. Lapu sagg-e-t ziehen. — sag-nas das jucken. — sag- 
ni-te-t jucken. 

Schott Alt. spracheng. 136 vergleicht lap. sagget mit türk. öek 
ziehen. 

584. Flu. sfkk-ttj sikk-o brunst bei thieren. — sikk-ii-ri brünstiges 
thier. — sik-o-ta-n brunstig sein, sich paren. — sik-l-n, si-i-tüpi 
zn^sik-i'tä'H zeugen, gebären, hervorbringen. — sik-i-ö brut, lei- 
besfrucht. 

Eit b'ig-u-.s g. -A« zeugungsfähig, fi'uchtbar. — sikk g. siku^ 
sika bock, Ziegenbock. — sig-i-n gedeihen, sich erzeugen, fnicht- 
bar sein. — slg-i das gedeihen. — sig-i-ihi-s gedeihen, frucht. — 
sig-i^ta-n erzeugen, befruchten, gedeihen lassen, erziehen. 

Liv. sik'ty aig-t hecken, sich vermehren. 

N. Lap. sakk-a-na-fte-f, sv. sakk-e-te-t zeugen. — sv. scJck- 
a-ne-t zeugen, empfangen. — sakk-a-ne-m, seik-o das empfangen. 
— sdkk'O, saJck'U-s proles. 

Votj. snk begierig. 

Schott 1, 134 verbindet f. sikln mit manju seki-e-n quelle, 
Ursprung. 

585. Fin. sik-a Schwein. 

Veps. ifig-a. — Vot. sik-a. — Est. sig-a. 

N. Lap. sokk-ey en. soh-e. 

Ahlqvist kulturord 14 vergleicht siku mit einem schwed. dia- 
lektwort sigge = sugga sau, welches der Ursprung des lap. sokke 
wäre. (?er. ^o^wa und magy. disnö sieht er als entlehnt aus dem 
tatar. aisna an. — Mit einander identisch sind wohl auch uiagy. 



167 

$i§k<i, Schwein mit herabhängenden ohren, Ostjak sainojecl. soaka, 
kam. so^ka und tat. susla scliwein. 

586. Fin. häkäy hökil gestank, stich. — häk-ü-rä brunst, brand- 
geriich, unangenehmer nebel. 

Sv. Lap. ha(f(/-o-f geruch von sich geben. — Sjrij. z'in geruch. 
— zin-a-l-a beriechen. — Perm, zln geruch. — zm-a-l-nt stin- 
ken. — Votj. zin gerucli. - - zift-e-na-lo rieclien. — zin-ja-lo be- 
riechen. 

Ers. Mord, vin-f, ni. .sin-ä geruch. — e. din-e-vo-n, öiH'C'ja'n^ 
m. mi-i-a-n geruch verbreiten. — e. (^ht-if] m. Hm-tf dampf. 

Magy. sag acc. sag-o-t geruch. — mg-o-^ riechend. — sag- 
o-hui, sag-la-ni riechen. 

Vgl. Budenz szöeg. 312, der nicht mir est. höng geruch f. 
hönkä hifthauch, sondern auch liv. jeug, lap. hägga, f er. jing geist, 
athem mit den obigen verbindet, siehe n:o 340. 

N:o 587—589. Wurzel säk, sfik zusammengewickelt, zugemacht. 
Man darf wohl amiehmen dass diese wurzel mit der vorhergehen- 
den identisch ist, obwohl die entwickelung eine andere richtung 
eingeschlagen hat. 

587. Fin. sükk-ä, .sükk-ü, stUk-i, ankk-H-rä, .sük-ii-rä, sük-ä-rä 
zusannnengewickelter ball, zwirn. — sük-ö-rö haaiüechte — sük- 
e-rö die gabel an pflanzen, zusammeng(»wickelter haarputz. 

Magy. rnk-o-r kokarch^ l)üschel. — cuk-ro-s kraus. — cttk- 
ro-z-ui kräuseln. — rnk-ra verscldossen, zugemacht. 
Vgl Budenz 37tL 

588. Fin. sük-i-itü sich zusammenwickeln. — silk-e-htn-ä id., 
erlöschen. 

H. Lap. lokk-a-t, sv. (okk-a-he-t sitzen. — n. cokk-a-ne-t, 
SV. iiokk't'-fC't niedersitzen. 

Magy. /'ök'Hi verkümmern. — ('ökk-än-ni fallen, sinken, in 
abfall kommen. 

Budenz 370. 

589. Fin. siikä, süke nom. säki, säk-ehe n. säe erhöhung auf 
den schultern. — säekkä-hä nom. säekäs s(Jiulterbreit, Renvall; 
Schulterblatt, Euren. 

Sv. Lap. cak-sc, rok-lv geschwulst, beule. — dak-se-k, cok- 
Ic'k voll von beulen. 

Magy. cög knoten, knöchel. — siuK, swfä nom. stid, säd 
vorderbug. 

Hiermit steht f. säkö häufen, menge im nächsten Zusammenhang. 



168 

Budenz 375 bringt nur cö<j mit lap. i^dkse^ coMe und 309 f. 
säkä mit südä in Verbindung. 

590. H. Lap. sHofs wurm. 
Sv. Lap. auoks, stwksa id. 

Ers. M. Mordv. suks wurm, raupe. 
Öer. mk^ id. — sUyö holzkäfer, holzwurm. 
Magy. sü holzkäfer, holzwunn. — Vog. sau id. 
Lindström 92. Budenz 305. 
N:o 591—594. Wurzel sak, sok dicht, dick, fest, trübe; an- 
haften, bedecken. 

591. Fin. sak-e-a dicht, dick, träge fliessend, trübe. — ifak-o, 
scikk-a das dicke, bodensatz. — sak-ö-n, sak-o-u-n, sak-ä-ntu', 
sdk't'HfU' dick werden, sich mischen. — sak-o-sa trübe, ernährend. 

— sank-a, sank-e-a dick, dicht, stark, wohl eniährt. — saitk-a-ri 
held. — mnkk-a dicht. — saiih-e-H adv. viel, sehr. — sik-e-ä zähe. 

— sik-i-stü-n zähe, dicht werden, zusammenschrumpfen. 

Veps. sag-e-d, sany-e-d dick, dicht. — sany-i-Hu-n dick 
werden. 

Est. say-e-da n. say-e; sak-e n. aaye dick, dicht, häufig. — 
say-o bodensatz, grundsuppe. — slkk-e zäh, elastisch, anklebend, 
geizig, engherzig. 

Liv. say-dö dicht. — saiiy-dö nom. tfanyd dicht, dick, trübe. 

— saity-du-s dicke. — »Ik-st zähe, geizig, karg, kärgUch. 

N. Lap. suokk-a-d n. sukk-i-s, sv. snok-e-s, uts. s^uokk-ä-t dick. 

— n. sagy-a = f. aanym, sv. sak-c-t abundanter. — sv. öak-to-k 
dicht, fest. 

Syij. suk dicht. — suk-ta dicht machen. — suk-ma d. werden. 

Perm, suk, nuk-a dicht, dick. — Votj. sok-e-m so viel, so 
gross, so sehr. 

Öer. äuk'O, b. Suk-a viel, mancher; adv. viel, sehr. — öok-a 
dicht. 

Magy. sok mancher. — Vog. say-u, sau, D. $au id. 

Lindström 81. Budenz 352 rechnet hielier auch ers. mord. 
sejede, m. sidä dicht. Ostj. samoje<l. saki fest, unbeweglich. Schott 
Alt. Sprachengeschlecht 1, 134 verbindet f. sakea mit mong. siya 
einschlagen, einstossen, pressen, quetschen, slyoi dichtes gesträuch, 
tUrk. sik pressen, drücken, adv. gedrückt, häutig, oft. Vgl n:o 
572, 577 u. 584. 

592. Fin. sok-e-a blind. — sok-e-n, sok-t^-nt'-u, sok-e-u-u, sok- 
e-n/Hr blind werden, trübe w. 



169 

Veps. say-e-da noni. i<oijrd blind. — sofz-e-m-riy .sog-e-nau-n 
blind werden. 

Vot. sök-e-a, — Est. say-e-da noni. söge; söy-a, adk-e blind, 
verkehrt, thöricht. — sög-e-ne-n blind werden. — sög-e-nda-n 
blenden. 

LiT. sog-dö nein, sog-d, aog-dö blind. — sog-dii-s blindheit. 

— N. Lap. ^ieg-O'S blind. 

Vo^. ftuk-i-r. — Ers. Mord, sok-o-r, ni. sok-i-r blind. — ers. 
^ok-or-ga-dmo blindheit. — sok-o-r-ga-do-ti erblinden. — sok-o-r-ga- 
vto-n blenden. 

(^agat. tttrk. sokm- blind, Vanibcry cag. stud. s. 7. Tungus. 
sokor, Buijät. so%or. — Schott I, 135 verbindet niong. soxor blind 
mit niordv. sokor, f. sokea. 

593- Fin. fiäk'C'hdü'H, ifäk-c-nnH-n, ' mk-e-il-n haften, fes>t- 
stecken. 

Sv. Lap. sak-te-t adh.Trere. 

Magy. sik'ä't klebrige niasse. — nik-ä-to-k klebrig. 

Vgl die indogerni. wurzel sag hängen, anhängen, haften: skr * 
sajj hängen, haften, zögern, Cay-ri rUstung, lat. seg-nis träge, 
sng-um kriegsrock, litt, scg-ti schnallen, anbinden, Fick wörtb*. 
192. 

594. Fin. säk-c-n, aäk-e'ue'n, sä-e-n inf. säkeä bedecken, hlH- 
len, vertuschen. 

N. Lap. säkk'O't mit reiszweigen bedecken. — n. diekk-a-tj 
sv. öäk'€'t verbergen. — sv. l-äk-a latebra, versteck. 
Öer. öek-e-m inserere, condere. 

595. H. Lap. snon-ar strahl, Sonnenstrahl. * 
Öer. Son-a-r, b. äan-a-l regenbogen, Sonar pU, 
Magy. itig-ä-r strahl, Sonnenstrahl. — Vog. sanga id. 
Budenz 360. Die ganze bildung der hier gegebenen Wörter 

spricht ftlr eine wurzelgestalt sug n:o 596, vgl doch n:o 565. 

596. Fin. snikk'O, suik-o, snikk-i langer und biegsamer gegen- 
ständ. — snik-a-le, suik-e-lo id. — snik-e-a lang und schlank, ge- 
schmeidig. — suikkrxi-la, suik'U-la oval. — siiik-e-ra schlank^ kiie- 
chend. — huikk-u spitze, ftirth. — httikk-a leicht, dünn (zz heikko 
599). — huipp-u spitze, gipfel. — huitt-u, ImitUi spitze. 

Magy. stig-ä-r, ^üg-ä-r strahl, schlank, schmal. — Sud-ä-r, 
äud-a-r wipfel, peitschenende, schlank. — öüö gipfel, wipfel, spitze. 

— öüp id. 

Budenz vereinigt szöegy. 361 f. auikca mit Sugär und 380 



170 

f. huikku, huittu mit 6ü6, — Mit f. suikea verbindet Schott 1, 135 
mong. mixa dünnes reis. — Der lautwechsel f. huikku, huippu, 
huittu findet im magy. Suf^ür, düp, $udär seine vollständige analogie. 

597. Pin. soiiM-aj soMn, schmal, eng, dünn. — sauJc-e-ne-n, 
soik-e-ne-n schmal und dünn werden. 

Syij. cig-ä-m schmal, dünn. 

Magy. svVA-, suk eng, knapp, schmal; mangel, noth. — silk- 
ü'l'Ui sich verengen, dürftig werden. — Awi-ti-/-»/ darben, ent- 
behren, sich fürchtend zusammenkauern. 

Budenz szöegy. 310 verbindet soitkka und ^ük. Es ist was 
diese und die vorhergehende nummer betrifft schwierig zu bestim- 
men, ob sie der wurzel sak, suk in der bedeutung zusammenpres- 
sen angehören (vgl n:o 595) oder ob sie nicht lieber zu wiirz. 
sal schlank, dünn, \gT salko stange, zu zählen sind. Die formen 
ö'oiikka, aoikkaj .suikko scheinen für die letztere ansieht zu spre- 
chen, wie auch sonst eine vokalisation eines inlautenden l oft 
eintritt: sv. lap. saik facile = f. solkc-na facile, plane, f. sondan 
rudern = veps. soldan. Die steigenmg mit / kommt doch auch 
ziemlich häufig vor: f. sukajan, huhun = sidhitn säuseln n:o 609, 
Mkkänni = säilkkM, säikküä n:o 581. 

598. Fin. heikk-o schwach. — Vot. cikk-o mager. — N. Lap. 
säyg-e^ cägf/e, sv. .vr/y//^, set/f/e-s, seg^fo-k dünn. — n. häf/jo, sv. 
Äö/o, utsj. hddju schwach. — Magy. säge-n arm. 

Bu<lenz Hl 7 verbindest hcikko u. sägc/t mit den läpp. Wör- 
tern. — Einerseits ist der nalie zusannnenhang mit mag)', sfik in 
der bedeutung dürftig anzuerkennen, andererseits fällt wieder die 
Übereinstimmung "init f. ifukk^ n:o 582 klar ins äuge. Überhaupt 
zeigt sich auch hier die Unmöglichkeit die beiden wurzel sak stos- 
sen und sak dicht streng aus einander zu halten; diese entwickelt 
sich natürlich aus jener, indem dicht = zusammengepresst ist. Auch 
die dritte wurzel sak zusammengewickelt n:o 587 gehört derselben 
ursprünglich einen wurzel. 

599. Pin. Jtoh'ku flamme. — hoh-kn-a flammen, leuchten. — 
hoJ^de, hoh-fo glänz, flamme. — hoh-tä flammen, glänzen, leuch- 
ten. — hok'kH-i-ne-v, hoi-ku-i-um leuchtend. — Iwli-ku flamme, 
gluth, lust. — heh-ku-a glühen, von begierde brennen = hek-ku-a, 
he-kua. — hek-kc-k-W) aus verlangen glühen. — hoh-ka, hUh-ka 
gluth. — hrh-kä-n glühen, brennen, begierig sein. 

Est öh'kwn glühen, glimmen. — öh-H-ta-n glühen, glimmen 
machen, anfachen. — öh-k g. öh-u gluth, glühen, glimmen. 



171 

N. Lap. öuov'ff, ^ttov-ffa-s, sv. öuon-ka, ^Hon-ke-s licht, glantz. 
— n. öuov-gady cKr-gi-s, sv. ciwH'ke-s hell, glänzend. — n. ÖHov-gga-t, 
duo-ffffit, SV. duoii'kc't leuchten. 

Budenz 332 vereinigt mit diesen noch roagy. §älni backen, 
braten, Süfni scheinen, braten und mehrere andere wie cer. SokSo 
wärme, votj. smid- leuchten, syrj. tiondi sonne, mordv. äi sonne 
u. a., derer etymologie noch zweifelhaft ist. Beim vergleich mit 
f. ^Ikän schütteln n:o 579, sühihi, est. sUtitan jucken n:o 583 und 
sikko brunst 584 wird man veranlasst die obigen Wörter aus der- 
selben würz, herzuleiten, dabei sich die anschauung an der un- 
ruhigen, zitternden bewegimg gehalten hätte. Unzweifelhaft aber 
st^ht diese nummer mit n:o ()00 in nächster Verbindung. S. n:o Gl 8. 

600. Pin. heh-kOy heh-vo, hivli-o junge kuh, färse. 

Vot. öh'va. — Est. öli-a; öh-v gen. öA-ia, öh-ve. — LIt. öt\ 
N. Lap. ('iv'(j^ SV. hi-k <las junge. 

601. Pin. sil'i Schweinigel, Stachelschwein. 

Vot. $~d-i id. — Est. .v7/ st. .v7//. — LIt. cd, — Uts. Lap. sdl-i, 

Ers. Mord, svvf^ säjef, m. svjel id. — Mag^. sid das stachel- 
thier, sid distw Schweinigel. 

Budenz 363. Dies wort scheint zur würz, sak, .sik spitz sein 
gehören, s. n:o 576. Die urform wäre dann *sikli. 

602. Pin. .sidä warze, geschwulst. 

Vot. sfu'l-nto warz(\ — Liv. söt/fföl, sihj}, süfßl, L. ,sit[/l warze. 

Sjrij. ^ö/* Verruca. — Ers. Mord. s'dd(ji\ m. ^v7</ö, riUfä id. 

Magy. sid, niU schaHxxk, scorbut. 

Lindström 91. Budenz 364. Das finnische hat auch die 
form silplä, welche wahrscheinlich eine variirende bildung fltr silklü 
ist. Vgl n:o 589. 

603. Pin. seul-a, karel. siegl-a, sieU-a sieb. — setd-o-n sieben. 
Veps. se(/l sieb. — Vot sigla. — sigl-o-n sieben, seihen. 
Est söl-a n. söl, sögla sieb. — söl-u-n sieben, sichten, erör- 
tern, durchhecheln, lügen. 

Liv. sögl, söf/fföl^ L. am///, sugl sieb. — siUfl-ö, siUjlö sieben, 
sichten. 

Ers. Mord, sul-e-n sichten, durchsieben. 

Ahlqvist kult. 41 nimmt an, dass das obige wort aus dem 
litt. seMa saat herstammt und dass man das letzte in der be- 
deutung saatkorb gebraucht hat. 

604. N. Lap. coakk-e, sv. vok-e untiefe. — n. eoay-e-s, sv. 
cok'V-a seicht, untief. 



172 

Magy. ^äk't'l untiefe; seicht, untiel 
Bnclenz 343. 

605. Xagy- sm-^ni^ so-ni weben, flechten. — *(>r-5 weber. 
Oftj. L .y^r-f-iw, S. stv-gc-m binden, flechten. 

Yog. :iätj'€-m, D. ifä't-fHy säf^e-je-m flechten. 
Bndenz 301. 

606. Flu. sficä tief. 

Vept. sfica. — Vot ^rwrä. — Eit .sRijaca^ u. i<Hgac; mcä tief, 
tiefe, tief lautend, dunkel. — N. Lap. cuuja-l tief. 

607. FiB. Jüh'ta pr. lüh-dä-n auf Schneeschuhen gehen; Ren- 
vall: eilen. Lonnrot: schleppend gehen. 

Vept. his'ta-n id. 

Ers. Mord. cij-e-Pt,- ci-Hi-n laufen, eilen, sich stürzen, fliehen. 

Magy. Hi'€'t'Hi eilen, sich tummeln, sich sputen. 

Budenz 3i8. 

608. Fin. hahko gabel, heugabel, gabel am webestuhl. — hahka 
haken, gabel. 

Vepfl. hanyö-i-ne mistgabel. — Vot. anJco heugabel, mistga- 
bel. — Bit han(j gen. hannu, hanni gabel, heugabel. 

LiT, afig pl. antjöd gabel, heugabel, mistgabel, stecheisen. — 
antji'j-s pl. atigöd fischergabel, stecheisen. 

Läpp. ntfj. haithi gabel, heugabeL — VoQ. sanik heugabel. 

Ers. Mord, saiujo, m. öanga heugabel. — Öor. senik id. — 
OsQ. senak id. 

Gewiss muss das kslav. smiku, litt, aiaka ast, zweig, bzake 
gabel, skr ^anku zweig, vgl. skr räkliä zweig, Fick vergl. wrtb. 
620, als original dieses wertes angesehen werden. Die allgemeine 
Verbreitung dürfte doch hohes alter bezeugen. 
N:o 609—610. sah säuseln. Steigerung suih, 

609. . Pin. suh-a-ja-n, suh-i-se-n flüstern, säuseln. — suh-a, 
suh-a-kka, suh-ki, suh-n das säuseln, zischen. — suh-nü-pi zischen, 
sieden. — stiili-i-n, suth-ki-n, snih-u-n inf. suihkua fortwährend 
säuseln. — sidh-kä-n säuseln, zischen. — huh-u-ny huh-ü-n säu- 
seln, flüstern, huhu rufen, ein gerücht ausbreiten. — kuh-u das 
flüstern, geiücht. — huhu-i-le-n, huhu-ske-le-n frqv. — huh-korn 
wie eine eule rufen, heulen. — htih-ka, huh-ka-ja bergeule (strix 
bubo). 

Est. uJ^a-n sausen. — uh-i-se-n sausen, brausen. — ü-ka-tna 
*ein mal rufen, schreien. — hü-k g. hü-gi weisse eule. 
LIt. ü-g pr ü-gö'h rauschen, heulen, sausen. 



171". 

Magy. Hiih'O'if'ui säuseln. — suh-n-T olireuh». — ^Fi-tj-m ein- 
sagen, flHstem. 

610. Fin. hiihta schwendenland. 
En. Mord, nufta bäum. 

Derselbe tibergang der bedeutung findet hier statt wie im 
f. hashi schwendenland = est. hasl^i birke n:o 88. Übrigens aus 
der w. .s?/A, also der bäum = der säuselnde. 

N:o 611—614. Wurzel sat kommen, eintreffen, fallen, entste- 
hen, geboren werden. 

611. Fin. sat'ä pr. sad-an herabfallen, regnen; sain vciiä, hmfa 
es fallt Wasser, schnee herab — regnet, schneiet. — saf-e-lr-n regnen. 

— saf-che nom. sade regen. — saf-l-m^ n. sadin vogelfalle. — 
saf-o jahrwuchs, ernte, das verlieren der feder bei den vögeln. — 
saf-a-nia hafen = platz, woWn man anlangt. 

Vot. sa-a-n herabfallen, regnen, schneien. — Est. sad-a-nia 
pr. sa-ati, säv, .saja-n fallen, spec. regnen, schneien; anlegen, 
landen. — sad-u g. sau, sajxi; aad-o g. sao fall, sp. regen, im 
walde faulendes holz. — sad-u-ma fallen. — sad-in zerfallen. — 
sad-a-ma nom. sadam Wasserfall, landungsplatz, hafen, mausfalle. 

— sad-a-mu-s gefalle, mtindung eines flusses. — sad-a-nff abgrund. 

— satt-a-n fallen machen. 

LiT. sadd pr. sadab fallen, anfallen. — sad regen, — fiod- 
a-mo, -ma hafen. — St. Lap. sedd-er Staubregen = f. sadc. Lind- 
ström, Öhrling lex. 397. 

Lindström 80. Budenz szöeg. 166 Jiält magy. htdJani = 'At/rf- 
lani = sat-e-lc-n; vgl f. kul-un, — Schott I, 134 verbindet f. satä 
u. mong. sata regenwetter. 

612. Fin. satt-u-a stossen, treffen, sich ereignen. — sat-u-nto, 
= *sattunto berührung, stoss, zufall. — sat-u-na, satt'U'tnU'S zufall, 
ereigniss. 

Est. satt-u-ma wohin gerathen, fallen, gelangen, sich bege- 
ben, anstossen. — satt-u-ma beregnet werden. — sat-u-ta-n ge- 
rathen, fallen lassen, instr. stossen. — satt-e-ma zerfallen. 

N. Lap. ^add-a-t, sv. Sadd-e-t sich ereignen, treflfen. — n., 
SV. en. sadd-o fnicht. 

Syij. sed-a mihi contingit. — Votj. Sed-o gelangen, stossen 
auf etwas, befallen. 

Lindström 82. Blomstedt Hai. Bes. 15 L Der form nach 
ist das wort eine art reflexiv od. intransitivbilduug von sadan, 

613. Fin. sibit'ü'ä geboren werden, entstehen, sich ereignen, 



174 

werden. — sünt-ü Ursprung, entstetiung, geburt. — suniS-mü\ 
sup%}i'U'Vtä\ -ntö, siüit'ü'fni'nen entstehung, geburt. 

Vot. ,<iünf'ü geburt. — siow-ün .geboren werden. — Kit. 
sund'ii'nWf süfid-i-ma pr. sibhutt entstellen, geboren werden, sich 
ereignen. — süNd g. sihhu das entstehen. — SHMd-sa n. ,9iiNdis 
passend, schicklich. — .v/iww-i-^a-w erzeugen, gebären. 

Liv. sioid'iK L. sumi geboren werden, entstehen, passlich 
sein. — sfni'tö, L. sun-fu gebären. 

N. Lap. Hüdd-n-t, sv. sadd-v-t, uts. sadd-a-f, en. *rar/rf-f-d, 
Hodd'C-ö werden, sich ereignen, entstehen, gebohren werden. 

Öer. w. dod-a-fu, soc-a-m nasci, b. sac-a-m, saj-a-m C. nasci, 
provenire. — w. roc-u-kte-m, b. sai^-e-lie-m parere. — sar-i-ts 
progenies. 

M. Mord, sar-a-)! geboren wenlen. — snc-u-flfa-^j »a«!f-7-/?a-M 
gebären. 

Magy. ffül-ni gebären, erzeugen. — .svV7-ri-w*-W-ii/, .w7-(i-«i- 
js/i-m geboren werden. 

Lindström 90. Hunfalvy vog. fftld 289 verbindet noch vog. 
frlefn geboren werden, tvl-tc-m =: f. sihnnVän, welche doch schwer- 
Uch mit den tlbrigen zu verbinden sind; magy. $rdni könnte aus 
*.s-w/h/ erklärt werden. — Boller Zur mag}*, etymol. 85 nimmt .w als 
Wurzel an und vergleicht f. sü-nfü, magy. ,sv7-/-w?, lap. ita-dda-f. 

614. Fin. sä-n konnnen, anfangen, erhalten. — sä-itä bringen, 
begleiten, vennögen, können. 

N. Lap. satf-e-f pr.^ sat-a-fn können, vennögen. 

Öer. kef-a-m können. 

Magy. 'hat' verbalsuffix mit bedeutung: im stände sein, kön- 
nen. Vgl. hat-ni dringen, reichen, wirken, welches wohl ursprüng- 
lich damit identisch gewesen ist. 

615. Fin. snf'H sage, mährchen. 
Oilg. .sad-c-m sagen. 

Schiefiier, Castrens ostj. gram. 9(), vergleicht das f. san-o-^n, 
in welchem falle hier der nicht ungewöhnliche Übergang von t zu 
n eingetreten wäre. Satu ist offenbar urspr. identisch mit safu-na 
ereigniss n:o G12. Vgl. jur. samojed. hrafau sagen. 

616. Fin. soUke-n treten, erweichen, kneten. 

M. Mord, mf-a-n treten. — mf-a-ma steege, treppe. 
Magy. mt-H-l-ni keltern. — saji-o-Um pressen, keltern, — 
mjt-d, Hot-u, sot'ü presse, kelter. 
Budenz 350. 



175 

617. Fin. sad-a-ta-n, sad-a-tte-le-n duchen, verwünschen. 
Veps. saf-a-tc-lf-v schimpfen. 

Est. sa-a-ta-Vy sa-a-fe-le-fi veiüuchen, verwünschen, drohen. 
— sa-a-iu-se noni. saatus ttudi. 

Ers. Mord, sud-o-v, n\. sud-a-n fluchen, verfluchen. — m. 
sHd'H'f] sud'i'f verfludit, arm. — md-i-ßi, sud-u-ßi armuth, 
elen<l. — mc-a-n fluchen. 

Öer. w. stld-e-m, h. siid-e-m, sud-e-m befehhMi. — w. siid-a- 
la-m, b. sud-a-Ja-m ivi\s scliimpfen, schmähen, fluchen. 

Magy. sid-ni, ,s/rf-a-/-w/f/-.r-;// schmähen, schelten. — sid-o- 
(fU't-ni frqv. 

Budenz 287. 
N:o 618—621. Wurzel so, sn, .v/V, sl brennten, leuchten. Stei- 
gerung soa, 

618. Fin. sH'tii'H angezündet werden. — sü-fttl mittel zum 
anzünden. — sü-ti't'fä'n anzünden. 

Veps. sii'ffH'fa-n anzünch^n. — sü-ftu-de n nfitUtd zündroit- 
tel. — Vot sü'tä'H zünden. — sii-fii-te-s = f. sü-fü-ke zündmittel, 
schUrholz. 

Est. sil'fa-n, sii-ti-ta-ii, su-ta-n anzünden, entzünden. — sü-ff 
g. silti brand. — sH-ffi-ma entbrennen, sich entzünden. — sü- 
ti'hi n. s^üfik schürholz. — sil-fc n. sfide breunmaterial. 

Syrj. sO'fa brennen. — Perm .so-ia-Ja anzünden. — so-t-la 
verbrennen. — Votj. sn-to id. — sn-fi-^ko leuchten, brennen. 

M. Mord, .s/, ers. ci sonne, tag. 

Öer. so-ta glänzend, klar. 

Magy. §üA-ni backen, braten. — sü-Uni scheinen, brennen, 
braten. 

Castren giam. syrj. 157. Lindström Suomi 90. Schott Alt. 
spr. 1, 135 vergleiclit f. sutiln u. mong. sita in brand gerathen, 
so aucli Boller Magy. etymol. 73, indem er sütni und öer. sota 
damit vereinigt. Pudenz szr>eg\\ 332 stellt aber Hülni^ mtni zu 
f. hohtä, lap. cHor(j licht, cer. sokno warm und anderen Wörtern 
mit der grundform *.s7>;/^, *sind. Wie aus der volgenden num- 
mer zu ersehen ist, können alle diese mit einander leicht ver- 
bunden werden, wenn man die wurzel als .so, .stc, si auflfast; aus 
dieser kann auch der form nach f. ho-htü eine freqventativ bildung 
sein ho — so, vgl doch n:o 509. Wie aus dem votischen und est. 
hervorgeht ist f. s'dtün ein reflexivum aus einer factivform *süfän, 
welche in diesen sprachen noch erhalten ist, gebildet mit der ge- 



17fi 

wohnlichen factiv-eudung ta, tcL Das indoeurop. bat bekanntlich 
die Wurzel su, sir glänzen: skr sav-i-far Sonnengott, sjona schon, 
sonne, got. ,wi-ni schein, sunn<»i sonne, vgl Fick wörtb* 198. 

619. Syrj. So-m-d wann. — so-na-Ja wann werden, so-tiä-da 
fact. — so-ndt sonne. 

Vo^. iin-ni-t wann. — m-va-la intr., Su-n-fa fact. — äu-n-da 
leuchten. — su-n-dl sonne. — m-mVi-sho sich wannen. 
Öer. HO'k$Oy b. .so-Me, .so-ksa gluth, glühend, wann. 
Vog. ^oa-n-fe-m brennen, braten. 
Vgl Budenz 882 und die vorige numiner. 

620. Fin. su-te n. süsi kolde. 

Vot. sü'Si. — Est. sfl-fc n. .v?V.?/ gen. siie kohle; sütte-auh 
kohlengnibe, meiler. 

N, Lap. Cn-d-n, sv. {:a-dd^ uts. öi-d-na, en. ci-d-fii kohle, 
russ. — SV. f^a-ddo-t russig werden. 

Syij. Perm. ..va russ. — En. Mord, sä-d, se-de-t-may m. se-d 
kohle. — ers. m. so-d russ. 

Öer. äüy b. §u kohle. — .sfw-<? russ. — Magy. se-n kohle. 

Lindström 90. Ahlqvist mord. gram. 172. Der bildung nach 
würde das wort so viel heissen als das angezündete. — Grosse 
ähnlichkeit mit dem mord. sod hat litt, sodi-s pl. sodzei russ, 
sod'inti benissen, welches Fick wörtb* 613 mitksl. scäda = sadja 
russ verbindet aus der wurzel sad sitzen, also urform *sädja sich 
ansetzend. Nach Miklosich lex. 818 lautet dies wort öech. saze, 
poln. sadza, serb. sazy, nslav. saje und saza; er giebt doch keine 
Wurzel an. 

621. By, Lap. öäd-a dämmening, diluculum. — öäd-o-te-t däm- 
mern. 

Syij. Perm. §öd schwarz, dunkel. — Vo^'. söd id. 
Magy. SlH'vt finster, dunkel, düster. 

Budenz 359 bringt mit recht die obigen in Zusammenhang 
mit f. SUSI u. a. 

622. Fin. sot-a kämpf, krieg. — sot-i-a streiten, krieg führen. 
Vot. söt-a krieg. — Est. söd-a gen. söa krieg, kämpf, ge- 

tümmel. — söd-i-n, söd-a-fi krieg führen. 

LiT. sod-a, suod-a, L. sod-a krieg. — pr. sod-l-ksö-b krieg 
führen. 

N. Lap. soatf-e, sv. sot-a krieg. — n. soatf-a-t, sv. sot-e-te-t 
kriegen. 



177 

Magy. cat-a sclilacht, streit. — ('at-ü-z-ni streiten, ein tref- 
fen liefern. 

Ilunfiilvy vog. fiild 295.- Alilcpist 20S vergleieht sota be- 
dingungsweise mit hnd oder iaia: haä gehört docU zu f. knuia n:o (>0. 
In der bedeutung Inmpf, streit wird das fin. wort liisweilen von 
den altnordischen dichtem gebraudit, vgl 'llionisen, den got. 
sprogkl. 40. — Möglich das dies wort mit der wurzel so n:o r>18 
in Verbindung steht, wodurch der krieg also =: das angezündete, 
aufgeschUrte wäre. 

623. Fin. heit-ü-ä schwindeln. — hrld-ft-tä-v fact. 
Vot. eit'f(-n erschrocken werden. — rit-if-tä-H fact. 

Est. hnt'i-ma, hvit-ü-mä erschrecken, aufi'ahren. — hit-u-s 
schreck. 

Magy. sT'd'tf-l'Ul, sal-ä-lä-fß-in', sTfl-ä-l-f/ä-ni schwindeln, her- 
umschweifen. — s?fl-l't-pii schwindelig machen. 

Boller Anal, des magy. verb. 59. lUidenz SIT». 

624. Fin, sutr nom. snsl wolf. 

Vot. .s'?/.v/. — Est. su::! gen. soc wolf, ein kU^iner steni im 
grossen hären. 

LiT. stiiz pl. sudu'd, suz, sus wolf. 

Vo^. 3?V/, ^iiri fuchs. — Vog. seS wolf. 

Hunfalvy Vog. föld 27. Europieus Suomi II, 7, 02 hält diese 
und auch das erste dement in Sic-ouja, ein ttuss in Hussland, für 
verwandt. 

625. Fin. sit'O-a pr. .v/{//);/ binden, verbhiden. — sit-e-le-tiy sit- 
O'V'le-n freqv. — sit-c-hv nom. sidc band. 

Veps. sid'O'H binden. — sid-v-le-n frqv. — sUJ-v-ge nom. sld-e-h 
band. — Vot. siv-o-u binden. 

Est. sid'U-ma pr. se-u-n binden. — sid-e-mv nom. sidc band. 
— LiT. sidd pr sidä-h, L. md-a- binden, knüpfen. — sid-mö nom. 
sidmös band. 

N. ST. uts. lap. {-ad-na-t binden. 

Ers. Mord, sod-o-u, m. sod-a-n bhulen. — ,sod'ks, m. sot-ls band. 

Magy. öat-ol-ni anschnallen, beifügen, verbinden. 

Blomstedt Hai. Besz. 185 verbindet f. sitoa mit den lappi- 
schen u. magyar. Wörtern, Ahlqvist mord. gr. 172 das mord. wort 
mit dem fin. — Schott Alt. sprachenges. I, 135 mong. side zu- 
sammenheften. 

626. H. Lap. srtt-ul, sett-i4'S ruhig, langsam, sv. sädd-o-s fried- 
lich, ruhig. — SV. sädd'O ruhe, stille. 

12 



178 

Eri. Mord, stef-mc ruhe, stille. — in. scf-mä, sät-a-r ruhig. 

— ei*s. spf-nw-n still werden. 

Magy. c(ühI stille, ruhe. — rihui-ä-fs, nhul-ö-s still, sachte. 
Budenz 3(>8. 

627. Fin. .siidü-mr nom. sial-m}, sfiö-mc n. -/, suä-mc n. sHän 
herz, mitte, mark. — süfl'ä-wii'ksc n. -//.v die eingewehle der 
hrusthöhle, gedanke, Sehnsucht. — sHtl'ä-mi'kkö eigensinnig, böse. 

— süd'ä'fitH'ä, sil'ä'Utii'ä passionirt, böse werden. 

Veps. sihl'Cn st. sihlfimc luM'z, eingeweide, das innere. — 
sä-mhi'U höse werden. 

Vot. .v/V-a herz; .v//(7/// piäh er ist böse. — .W'ä'ftC'lc-n 
h(K*hmilthig sein. — sii-ä-fü-n böse werden. 

Est. siid-a-me nom. stlda herz, gendlth, nnith. — stiUl-a-ka-s 
mnthig, markreich. — süd-a-v wagen. — siida-wi-kit n. -mik das 
innere, das herz im holze. — sild'ft'nc'n wagen, trotzig werden; 
in sich zcM'gehen. — sUd-i brav, tüchtig, muthig. 

Liv. sf(d'ä-my L ftml, sitd-a herz, gemlith, nuith, mitte, keni 
im holze. — siid-ä-li nuithig. — sfid-ä-ini adj. mittlere. 

Syrj. söl'ö-m, söl-ä-ju herz. — Perm, srl-ö-m, scr-ö-m herz". 

— scI'Viö'S, s('l-ö-mö'S\ sö'hiö'S mark im holz. — Votj. kd-ä-m 

Ihm'Z. 

Ers. Mord, säd-rj (säd-t), m. srd-i herz. 

Öor. w. sit'M, 1). sii-m, su-m herz. — b. .v/V/-// das mark 

im h<dze. 

Magy. .s'7-r st. .svV/i, sh st. sfirä herz, gemUth. 

Ostj. sr-m. — Vog. sl-m, 1). sf-m herz, mark. 

l'astren gram. syrj. 157. Lindström 81). Hunfalvy Vog. f. 
283. Hudenz szöegy. t2J)4 erklärt das r im magyarischen als rest 
des Suffixes w^ w/c, so dass .s/r// fllr *.^(jra\ *.s7;V/r// und dies für 
*s7'rfmr stünde, wie dasselbe suftix auch in anderen Wörtern mit 
mr wechselt: nffdv = vog. ftclni, cer. Jihnc, lap. nahne. So auch 
f. niiifr -= magy. /?///// n. nTr, — Vgl. jur. samojed. smt\ stet, Taw. 
soa, Jen. .sco, kam. .v7 herz. — Schott Alt. spracheng. I, 134 stellt 
f. st'idmi mit mong. sed-kd herz aus svd-ki denken zusammen, wie 
mord. sod wissen, sedi herz; so auch Boller magy. verb. (»0. 

628. Fin. sisn das innere. — stsu-kifr, sisük'.sc nom. sisus, sisä;i 
eingeweide. 

Vot ,v/.s//-.s' eingeweide. 

Est. .siss(\ si'.:ry sizi gen. ,src; siza das innere. 

Liv. ,si.:ä-ll innere, innerste. 



179 

H. Lap. sisa, sv. sisa, si.<t, utsj. sis-ii dfts innere. 
Magy. s7'l\ sl'fc inodulla. Mohuir. 

Budenz 21 \). iSthott Alt. spr. I. 13r> vorpfleidit nianju sisi 
ein ding in ein anderes stecken. 

629. Fin. sast'C noni. -?. si'iks-c noni. -/ mUcke; weilie, niilvns 
rcgalis. 

Veps. sä.sk-c noni. säsk niUcke. 

Est. sask gen. .sn.>e inUck(», kaln s-. fischadler. — sast-lii-ve, 
sdz g. mtl, sdz'ik g. -ko niüeke. 

Liv. säsk 1)1. säsknä niüeke, rcd-s. Wasserjungfer. 

H. Sv. Lap. cuoik, uts. lap. cHiiikka niürke. — n. rnikki, 
SV. cHoik'f'S voll von niUcken. — uts. ciäkca weilie. 

Ers. Mord, säske, ni. säskä niUcke. 

Magy. söckä heupferd, bauinhUpfer (eine grille). — sökrä, 
sökcö grasshllpfer. — süska id. — sas adler. 

BUdenz 302 fllr die hedeutung müeke, 330 f«r <lie bedeu- 
tung weilie: doeli fllhrt er zu jener nur ung. .sörka\ nieht mska, 
zu dieser aber ostj. sircs fisclmdler. 

630. Fin. shfsfa-rc, s^iesfa-inie n. siesfaiv, sivsta-ma, sirltta-rr 
schwarze Johannisbeere. — hicsta-mc, hiosta-va id. — Veps. sesf-ri- 
kuine, — Vot. sössn-r Johannisbeere. — sössar pU id. 

Est sösie-r st. sösfra id. — Liv. znstar, — Syij. sätür, — 
Perm. söilW id. 

Ers. Mord. ,snksfr-m schwarze Johannisbeere. — Magy. sädär 
bronibeere, hinibeerstrauch, schwarze maulbeere. 

Im mordv. ist wie öfters ein unorganisches k eingeschoben. 

631. Fin. huh-to-a, hui-fo-a hauen, hieben, klopfen; spUlen. 
Vot. uh-t-a ausspülen. 

Magy. suh'l't-ni, suli-i-nta-ni schmitzen, schleudern, werfen. 
— Suj'ta-ni schlagen, treffen, werfen. 

Mur das letztere ung. wort wird von Budenz 331 hieher ge- 
rechnet. 

632. Fin. huhmar, hühmar, huhmari, huhmaro holzinörser, 
stampftrog. 

Veps. humhar. 

Vot. uhmar holzmörser. — Est. uhmer grosser, hölzerner mör- 
ser (zum kornstanii)fen). 

Ers. Mord, rorar, in. «ovar. — Öer. tinar, 
Ahlqvist mordv. gram. 175. 

633. Votj. m^ ried^ras. 



180 

Kagy. säs biiise. 

Boiler Anal. il. ^Mugy. v. 55. Biulcnz 340. 

634. Fin. .v7.s7/a hinger stlnnaler streifen. — hifma rieuieii. 
Est. ihn g. ihna rieuieii, lederner gUrtel. 

Liv. siksihis, stksNÖ^ pl. siksönd, niksnöd, 

Ers. Mord. ksHu, ni. sna rienien. — Öer. w. Silsfö, b. Siste^ 
sista. — Magy. slj rienien, letlerband. 

Ihulen/ s/oeg. :>ll> note macht anf die entsprechende laut- 
Veränderung in ers. nuud. sfa, k^fa = cer. söstüy S'tsfa wachs, auf- 
nierksani. In dersell>en weise ist niord. kstia aus siLstia, in ge- 
nauer Uhereinstinunung mit dem liv. :>iksnö und f. slsva, hen'or- 
gegangen. 

N:o 635 664. Wurzel sar, sor, sur, sIr hervorspriessen, wach- 
sen, sich ausbreiten; - hervorsiepern, rieseln; — hervorragend, 
lang, schlank, geracle sein. Steigerung: .svTr, .sv'/r, suor, .sw, sor, 
sih\ .s7/\ srlr, 

635. Fin. sar-a, har-n ast, zweig, richtung. — sor-ju^a ast (ei- 
nes gabeis u. a.). — hm-o zustand des auseinandersperrens. 

Vot. ur-a ast. — Est hur-u abzweigung, zweig, zacke, Schen- 
kel (eines winkeis), bein. — dr g. ar-u, är-u abzweigung, arm, 
zweig, zacke. 

Liv. (w plur. ar-tnl richtung, knoten, vorspringender ast, zacke, 
spitze. 

H. Lap. N// (>*'-<///<•, SV. sttnr-(/Vf .^Mo/'-r, utsj. .vz/mr-/, enar. 
,säöi\(fr (Andelin) zweig, tlussarm. — n. sur-i/tfo zacke. 

M. Mordv. snr-ii ästig. — Ers. .sar-do splitter, Stachel. 

Magy. aär-thi n. sdnt tlügel. — .sdr-m(i-.r-w/ sich abzweigen, 
abstammen. 

lUidenz szoegy. 314 vergleicht die meisten der obigen Wör- 
ter. Im ilagvar Nvelvör II 520 verbindet er mit diesen noch f. 
sonne tinger, dessen suftix identisch ist mit dem suff. pna in niagy. 
*sürma, welches in siinmuHi hervortritt. Wenn er aber hiermit 
noch Vog. ituf/nr die geiiffnete band mit ausgespreizten üugem, 
als ursprünglichere form verbindet, kann ich dieser ansieht nicht 
beistimmen. Vog. säffur gehört meines erachtens zur wui*zel scJc 
n:o 57-^, und gegen das zeugniss aller übrigen verwandten spra- 
chen kann man hier nicht Umstellung des ursprünglichen //r zu 
rff annehmen, zumal da laj). sitotyi,, son/v der form nach mit f. 
sfrt'kka übereinstimmt. Überhaupt darf man eine inetathesis nur 
mit grosser vorsieht gelten lassen; so hängt f. /<i//(V/ wichtig wohl 



181 

zuiiiuiist mit turkha scharf, giMKUi zusanunei), wodurch eine ety- 
mologie aus ^täf/ralä verdäclitig wird. Die Verlängerung des wur- 
zelvokals, der sonstigen Steigerung entsprechend, ist genügend als 
charakteristischer zug der Wortbildung gesichert, dadurch aber die 
Verlängerung als ersatzdehnung in anderen fällen nicht verneint. 

— Vgl indoeurop. würz, sar: skr. .sar gehen, fliessen, sar-nta das 
gehen, sal gehen, saUila wasser, og-^fi eile, andrang, ak-kofiat 
springen, lat. sal-lrv springen, .sal-t-air tanzen, litt, fid-ti kriechen, 
Fick wörtb- 195, Cui-tius'^ 312. 

636. Fin. sar-a riedgras. — .^ar-ka id. — sar-pa, sar-pio, 
^w-va, tiar-vo Schilfrohr, binse. — sir-ka Salix glauca. 

Est. sar-a pn haselstrauch (corylus avellana). — .sar-a-lik, 
aar-a-pik haselgebüsch. 

Magy. fiar-j, sar-au spross, sprössling. — ftar-ju-d-ni, mr- 
ja-^-nl, sar-an-o-z-ni sprossen, treiben, hervorspriessen. — sar-jR, 
sar-HH nachgras. 

637. Fin. sor-me n. sonni fingcr. — sonn-ukse n. sonntts ring. 

— sonn-i-khi'ha n. -kas handschuh. 

Veps. sor-mc n. isorm. — Vot. .sör-mi — .sarm-u-ff ring. — 
aönU'i'kas handschuh. 

Est. .sör-mc n. .sörm linger. - sörm-u-se, ^sörm-u-ksc n. -«*• ring. 

Liv i<uor-mj L. sor-m finger. — sonn-ö-hs, .suünn-o-ks ring. 

H. Sv. Lap. .suor-m, utsj. snör-h-ma finger. — n. sKonn-a-s, 
S'ii&rm'C-.s ring. 

Ers. M. Mord, sur finger. — ers. sur-ks, ni. stir-ks ring. 

Öer. Sir-f/ä'^, kär-ya-s, scr-ya-k ring. 

Ahlqvist kult. 144. 

638. Fin. sar-ve noni. sarvi honi, geweih; Sprachrohr. 
Veps. sar-c st. sarvc, — Vot. sar-vi 

Est. i>ar'V gen. iiarve, — Liv. aar-Gy sor-a, L. sar-u hörn, 
geweih. 

H. Lap. coar-cre, sv. öor-vc, utsj. dodr-wi, cuor-vc (Europams 
II, 7, 97). 

Syij. .<«/•. — Sur-a cornutus. — sur-ä-s comuum pleuus. 

— sur-iäm = lap. coarvietäl/itie, f. sarvi-ttoma ohne hörner. Ca- 
stren gram. syrj. 157. — Votj. §ur hom. — Perm. &or. 

Ers. M. Mord. mr-a. — Öer. sur, 
Magy. mr-v st. bor-ra, sar-u hom, geweih. 
Lindströni 82. Budenz szöeg. 274. Ahlqvist kult. 209 hält 
f. torvi Sprachrohr, düte fllr eine ältere form desselben wortes. 



838w Ka. /«r-'*' -sr. ä«--*-*? »?lenrfaier — hir-^-'i—i tirpijäkrigrr 
nirhraesrhnirtener rennrhierofiLse. 

/#//•-♦• -if. A/rr^ reh. — Hf. /r-^'f. ^r^i n*lL 
r. Lop. ^or^\ v^i'-^n hirs^rfa. »»n. sor-^*: .v//i-w. 
Miord. ^ur-^itK m. ^ar-^ia hirsch. elenrhier. 

Linilsrn)in iL Bmlenz ^ztieü. :Uo retrhnet nii'ht iBe monlT. 
luul «'ereni. worter hiefaer. Ean)pti»us. ri^aomi IL 7. *)Jr. macht auf- 
merksam aiif ilie an;ili)tne. £ sarri hom: him-i {-^irrii hiiüch = 
ni^^ hom. kit. 'V)r»M. «zot. htuiini: Toqaö^ izehiimlL lot. '.'cmtjf. 
ah«L /#/r^#-. aj??. I^'t^rot hir^rh. ?. Cnrriui* izrmnlztijie* l'5H. Pictct 
les orijiines I. 43'^. clem «lie tin. worrer bekannc war. sieht darin 
wie in ilem pali ^arihha hirsch -ime analotne tn>iiipease*- 

S49. T«pa. .^ihr-mn-kkri webersohiifcheiL — Sit. -inr-wu-k kl. — 
FiVB. .^nr-i iil. 

64L Ka. Mor-kka ilie ire^^paltene klane. 

Eflt. .^nir-ifn q. vör^. sUr-kti XL .^^Irf/n.'* klaae. 

Mmgy. 'vV-*;-i. *}''t!-o-4c vielfiiclier hut — .'*/ü--& fer?e. — T«^, 
fffnr-^i'k. Vd lap. iHtjr'jH ILO t>3.j. 

642. Kb. .'iftor'*} dieil der tfaiere. 

Ett. .y«> i«i. 

Vgl. taw. samojeil. .^anol. 0»t|. sam. 'J'^rv. Atyrs ui, 
843. Ka. ^'fi'-'i eszge aus astreicher tanne. ^^rr-^t-^, kar-i4:kOy 
hrw-U'kka, kfir-'i'fU'H ilim: kleine eige. — kar-ä-n eggen, rechen. 
— har-a-ra rechen. — Ä/ir-'i-r»;-'-<r-M rechen. 

Tcpa. har-'i'O'fi-^tf'H. — Tot. ar-o der rechen. — or-o-o-ii 
rechen. 

644. Kn. Aar-^'a börste, mahne, giebel. — A*i/*-j'«-.s börste. — 
har':/H erdkamm. 

Tips. Aar-;) börste, börste. — Tot. xr-j^i mahne, der kämm 
reines hahnes). — ar-ja-s borste. 

Eft har-i g. har-ja — sar-i bärste, hechel. kämm: firist, dach- 
kamm. — har-ja-s gen. -se, -kse horste. 

Liv. o/-a. a/-a börste, giebel. — Ä. Lap. hfir-jj^. st. har-ja^ 
f:v. har-je mahne, giebel. — Ö«r. ar-ra (Castreni, or-sa mahne. 

Kagj. ior-^a, ^^/iV-^ä börste, hart. — si^r-^-u. .^«r-e-ii kamm- 
haar, mahne. 

Lind.ström 18. Bndenz szoegy. 330. 



183 

645. Fin. sar-a-ua, sär-ä-nä thttrangel. 

Perm. 5/r — Magy. kir-Tc thllrangel haspe. - - Vog. ^/r-i, 
aui H, = f. Oven sarana, 
Biideiiz 387. 

646. Liv. sf(ory zuo/' seliiie, Jider. — .sitor-ki iiderchen. — .v//V 
ader im holz. 

Ers. Mord, sitr-v, m, sitr-ä faden, zwirn, gani. 
Magy. hnr saite. — hnr-ka wiirst. 
Siehe f. suotii, n:o 505. 

647. Fin. sär-mi, mr-ti kante, ecke. 

Vot sir-rä kante, seite. — Est. .sTr-m, uTr-nw n. sZrc strei- 
fen höheren landes im morast. 

Sv. Lap. con-o ecke, kante. — rare c, bergkamni. — corr-o-k 
mit ecken, kanten versehen. 

Votjj. .srr-f'-A ecke, winkel. — Magy. .sar-o-k id. 

Bndenz 388. Die finnischen fonnen sind ohne zweifei ver- 
wandt. 

648. Fin. ,s7/r-jä rand, kante, seite, erdzunge. — sür-ja-n rän- 
dern, seitwärts abweichen. 

Est. sör-ca, sör-ve noni. mr-v rand, kante, änsserste grenze. 
— aor-va-n, sör-vi-n bekanten, behauen. — sör-int-ta-u berändem. 

Syij. cvi'-a höheres flussufer. — Ers. Mord, dir, cir-c, sir-c, 
m. sir, sir-ä rand, kante, seite. 

Öer. sir rand (Ahlqvist), sör, sor ecke, winkel. — .wrim an 
seiner seite. 

Magy. stl rand, bord, säum, lippe, gi'enze. 

Vog. sei, sil, I). ,sil rand. — Ostj. sil id. Ahlqvist. $uf rand. 
Castrcn. 

Bu<lenz 280. Ahlqvist kult. 146 bringt mit ostj. sil, Cer. sir 
auch cer. dir, votj. dur zusammen, vgl Lindström 90. Die letjsten 
dürfen zu f. tlhmä flussufer n:o 457 gehören. Boller anal. d. magy. 
verb. 59 verbindet magy. sTl mit ostj. Sui; wenn dies richtig ist, 
muss man hier tibergang von / zu l annehmen. S. vorige n:o. 

649. Fin. sor-c-a, sor-ke-a gerade, lang, schlank, hübsch. — 
sar-o-n, sar-i-sfa-n, sor-i-ste-le-n gerade machen, schmücken. — 
suar-a gerade, ordenthch. — suor-e-a ordentlich, genau. — snor-i-n, 
SHor-i-ta-n gerade machen, ordnen, ausrichten. 

Est. .vär-a richtig. — sör-i-ta-n bestellen, besorgen. — sör- 
a-ja-s schlank. 

Das von Boller Fin. spr. 54 mit suora zusammengestellte 



184 

cer. im-, tor aufrecht, gerade wird von Budenz cerem. szötär 56 
als tatar. angesehen. 

650. Fin. soT'O^ sor-Tco langes und gerades stttck. 
Syrj. zar Stange. — Perm, sor id. — Votj. zir. 
Ostj. sur Stange, stock, pfald. 

Schiefner, Castrens ostj. gi-. 88, vergleicht das ostjak. wort 
mit dem syijcänischen. Übrigens f. swko -= salko, 

651. Fin sar-i, bur-ja, sar-jo strecke, reihe, sprosse, leiste, rand. 

— sar-ka längliches ackerstUck, wollenes gewebe, riedgi'as. 

Vot. sar-ka längl. ackerstück. — Liv. sar^ sor beet (im kar- 
tüffelfelde). — Magy. sor reihe, zeile, linie. 

Budenz 353. Lindström 88 vergleicht magy. ^or mit f. stiora^ 
was nur mit beiücksichtigung der gemeinsamen wurael berechti- 
gung hat. 

652. Est. sir-a-n ordnen, neu einrichten, exerciren, 
Liv. sTr aufstecken (getreide in der riege). 

Syrj. sör-ti gemäss, nach. — sör-öy sör-as zu sich, mit sich. 

Magy. sür reihe, Ordnung, mal. — sor id., k^t sär, harom sor 
zwei, drei mal. — sär-int gemäss, laut, nach. — sär-ä-z-tti schaf- 
fen, verschaffen, zu stände bringen. — sär-kä-z-ni, sär-kä-d-ni, 
sär-kä-n-ni, sär-kä-stä-ni ordnen, leiten, redigiren. 

Vog. sir mal, mänc sir welcherlei art. 

Budenz ii80 vergleicht nur sär, särint mit dem vog. und 
syrj. Worte. 

653. Fin. sär-e n. sari Schienbein. 

Vot. sär-i id. — Est. sär-e n. sur, ser Schienbein, landspitze, 
Sandbank, untiefe. 

Liv. sär, scr Schienbein. — Syij. Perm, öör, ö^ör id. 

Ers. Mord. seir-kSy m. säjär id. — 6er. Sulu-ks scapus calcei. 

Magy. sär bein, röhr, stiel, Schaft, Stengel, halm. 

Vog. sar Schienbein. — Ostj. siir id. 

Lindström 92. Boller Anal. d. magy. verb. 58. Budenz 271. 
Wurzelhaft verwandt ist das f. sär-kkä, sär-ä-kkä, sär-kä reihe 
von sandhligeln, Sandbank, vgl 651, 652. 

654. Fin. sir-kiä, sir-kka keimblatt der pflanzen, gerade, auf- 
recht, lebhaft. — sir-o gerade, wohlgewachsen, zierlich, lebhaft. 

— sir-u pinne, pflock. — slr-o ausgebreiteter zustand, lehdet tu- 
levat siirollensa die blätter entwickeln sich. — slr-o-ta-n sich aus- 
breiten. 

Est. sir-fju-n wachsen, sich strecken, aufrichten. — sir-e-da 



185 

nom. ifir-e; sir-ge gerade, gerade ausgestreckt, sdilank. — air-e- 
ia-n strecken, gerade machen. 

Ers. Mord, ser-e höhe, wuchs. — ser-v-v hoch, tief, voraehm. 
— ers slr-ga-n, m. .slr-h-Jca-n sich erheben. — m. sir-ye-san 
aufwachen. 

Magy. sir-mo noni. sir-o-m kronblatt. blunienblatt. — sir-no 
n. siron schmales leder od, pergament. — sär-dü-l-ni aufspros- 
sen, heranwachsen. — sär-kä-d-ni hervorsprossen, aufquellen. — : 
dir-ä-s-ni keimen, hervorsprossen. — cir-ü-tj der spross einer 
pflanze. — öir-a-lävtl das herzblatt. 

Budenz 346 vergleicht nur magy. särdülni mit est. siryun, 
dagegen n:o 292 sirom membrana colorata mit sv. lap. öarva 
Schneekruste. Vgl. M. Nyelvör II, 530 wo Budenz die suftixe mo 
mit HO und ma mit na identitiirt. 

855. Fin. sir-kö-n siepem, ausgestreut werden, scharten be- 
kommen. — sier-o scharte. — sior-a-u-n, sier-a-tu-n, sier-o-u-n 
scharten bekommen. 

Magy. öar-bü-l-ni schartig werden. — cor-hl-t-ni fact. — tar-ha 
scharte, schartig. 

656. Fin. sir-o etwas hastig hervorkommendes, splitter. — air- 
i-tä-n schleudern. 

Est. sir-e-le-n schwirrend fliegen. 

Öer. b. sil-a-m fliehen. — Magy. sal-a-d-ni laufen, rennen, 
fliehen. 

Budenz 269. — Vgl die gräco-italische wurzel s(d (— ig. sar) 
springen: aU.ofiai. = ak-jo^ca, lat. saUire springen, Fick wörtb* 494. 

657. Syrj. sir fliesseudes pech. — Perm, sir harz, pech, kle- 
berig; ulme. — Votj. sir pu ulme. 

Öer. b. sirä pech. 

Magy. sur-O'k id. 

Von der wurzel sir siepera, fliessen, rinnen. Das Votj. sir 
Schwefel, welches Budenz 308 aufführt ist das russ. cipa, ßech. 
sira, poln. siarka, lit. stra, siehe Miklosich lex. 972. Im permi- 
schen steht sir in der bedeutung ulme offenbar für sir-pu der 
klebrige bäum. 

658. Fin. sor-o, sor-ko fallendes tröpfchen, Wasserblase. — 
sor-e-he n. sore luftblase. — sor-o-ta-n tröpfeln, rinnen, sprudeln. 

Est. sa/'-ja nom. sari traube, eierstock. (V) 
Syrj. Perm, zer regen. — Syij. zer-a, p. zer-a-la regnen. — 
Vo^. zm- regen. 



186 

Magy. .^or blase, perle (im wein). — dor-o-y-ni, Öor-ga-ni rin- 
nen, rieseln. — Öor-dü-l-ni, öor-do-gä-Unt, öth^'i-gä-l-ni langsam 
rinnen. 

Saniojedisch lieisst regen jur. süru^ saro, safu, jen. sare. sdlc^ 
Ostj. .säro, soro, kam. snrnu, 

659. Est sord-u-ma pr. sörnn milchen, milch geben. 
Magy. sVrd'C'k, scrd-ä-k die saure od. gestockte milch. 
Faetivbildung aus w. sor, sir siepeni, iiiessen. Vgl. est. *i/- 

kunia tropfenweise milch geben. 

660. Est. sör-a-n getreide sieben. — sar-ja-n sieben, sichten. 
Ers. Mord, sur-a-vto-n, m. .ser-a-ßi-n zerstreuen, verstreuen. 

— m. scr-a-di-n zerstreut werden. 

Magy. sör-ni herumwerfen, streuen, wannen, schwingen, wor- 
feln. — sör-D worfelnd, kornschwinger. 

Ostj. üVr-e-H getreideschwinge. — slr-e-ndc-m worfeln. 
Budenz 299. Vgl. f. simn siepern, sirkön ausgestreut werden. 

661. Fin. sor-o-ia-n mischen. — sor-o-iu-k^c n. -us misebung. 
Veps. ser-di-n rühren in etwas. — Est ,sof-/-n rühren in 

etwas, durchwühlen, verwirren. — .sor-ni-n durchsuchen, kramen. 

— sor-pu-ma wühlen, verwirren. 

Syij. b'or-a mischen. — sar-la-la frqv. — Perm, sor mischung, 
Vereinigung. — Votj. sur-a-lo mischen, verwirren. — stir-a-lto 
umrühren. 

Ers. Mord, cocor-a-n, cavor-a-n, m. sor-a-n umrühren. 

Magy. zcivar-ni, zür-ni verwirren, stören, trüben. — zavar- 
ii-l-ni in Verlegenheit gerathen. 

Die penn, mordv. Wörter sind von Budenz 391 mit den ma- 
gyarischen zusammengestellt. 

662. Fin. .v/V-ä-n, sir-a-ja-u, sir-i-se-n siepern, rinnen, rieseln. 

— slr-u-n siepern, rinnen. — sir-kö-n hervor siepern, in Splitter 
gehen. — sor-ä-n, sor-a-ja-n schnarren, brummen. — sär-ä-n^ 
sär-i-se-n prasseln, zittern. 

Vot sir-i'Se-n rieseln. — Est. sir-i-sc-n rieseln. — sär-i^se-n 
prasseln, knan'en, brummen. — sor-i-n rieseln, murmeln. 

663. Fin. sota griessand, schnarrendes geräusch. 
Sv. Lap. sor griessand. — Magy. cor-va sand. 
Lindström 86, welcher doch wohl mit unrecht das russ. copb 

kehricht hieher führt. 

664. Fin. sir-kka heimchen, grille. — sir-kku lebhaft, finke, 
ammer. 



187 

Vot sir-kku id. — Est. sir-e id. — sir-k g. sirgu vogel, heu- 
schrecke. — Penn, dir-k heimchen. 

Magy. dir-i-pä-l-ni öir-i-po-Uni zwitschern (von spatzen). 

Vgl. Tawgy sainoj. sintku, jen. sam. sifuku, suluku schwalbe. 
N:o 665 — 668. Wurzel vor, sur, sär drücken, stossen, brechen, 
spalten. 

Steigerung sär, *cÄr, sur, säur. 

665. Fin. sor-tä unterdrücken, beihUcken, fällen (bäume). — 
sor-iu-a unterdiiickt werden, untergehen, umfallen. — sor-io druck, 
holzfällen, zäun von geföllten bäumen, an welchen die zweige noch 
geblieben sind. — sor-ta id. — sar-ttä-n bäume zum zäun fällen. 

Est sur-H-n, sur-f/u-n unterdrücken, demUthigen. 

H. Lap. car-i'vi't, öar-rro-f, cor-ma-sic-t, sv. cuor-ge-tj ca- 
hr-e-t drücken, pressen. — uts. stkir-di-t unterdrücken. 

Magy. sor-l-ta-ni drücken" pressen, zwingen, stopfen. — sor- 
H-Uni gedrückt werden, sich verengen; mangel, noth leiden. — 
sor-O'S enge, eng, fest, gepresst. 

Vog. sor-l-ng eng. 

Budenz 300 führt nicht <Iie fin. Wörter hieher; vgl f. salmL 

666. Fin. sur-vo-n stampfen, stossen. — siir-m-n schieben, 
stossen, schlagen. — sur-ro, sur-vl-nw n. ötnrin stössel, stampf- 
werkzeug. — sHr-va-i-se-n, silr'rä'i'Sc-n hastig stossen, schlagen. 

Veps. Vot. sur-vo-n stossen stampfen. 

Est. ser-ra-n stossen. — .sur-u-n unterdrücken, beugen, zwin- 
gen, pressen, keltern. — sur-ti druck, presse, stampfen. — stir-m 
das stampfen. — Liv. surr zerstossen. 

Syij. sir-a, frqv. sir-a-la stossen. — Perm. sir-ja-Uni stos- 
sen, prügeln. 

Öer. Sur-e-m stossen, schieben, schlagen. 

Magy. sür-ni stechen, in die äugen stechen, aulfallen. 

Das est. servan bedeutet auch behauen, kant'uj zuhauen, vgl 
f. särvi, vot. sei'vä kant, Seite, vgl 647, 648. Budenz 307 vergleicht 
nur magy. surni mit ?er ^ureni, 

667. Fin. sär-k/j'ä pr. sär jen, särcn zerbrechen, brechen, spal- 
ten, schmerzen, wehthun. — sär-e-he nom. säre zersplitterter zu- 
stand,- ritze, spalte. — sär-ke-Ie-nj sär-kie-le-n, sär-je-ske-le-n ein 
wenig zerbrechen, fortwährend schmerzen. 

Veps. sär-ge-n spalten. — sär-es holzsplitter welcher zur be- 
leuchtung gebraucht wird. 

Sv. Lap. sär-e-t, sar-e-t spalten. — sar-ge-t zerschneiden. — 



1^8 

II. sar-jt. jjv. ^aiT'jf'S wiinfle. — .^ot-ji-ff-t srhint?rzen. schmerz 
(MiipHiuien. — n. .Wir-fjffo-t einschnitte machen. 

Syrj. sf/r-a-fa reij^sen. — Votj. .ytr-o, ».r-^^ brechen, zer- 
hieclieii. — .sr:i''f'('.U'o zerbrochen werden. 

En. Mord, .xtt-do Splitter, Stachel. — ^ar-do-c i^tackelig. rauh, 
vgl doch fi35. 

Öer. b. Hrr-tnc-m >tossen. verwunden. 

Magy. .-irr-ii/' schmerzen, wehthun. — .v7r-<y-W m beleidigung. 
beschwerde, scliadc. — .>r/-/"-.> Verletzung, schmerz. — ^tr-R-l-m 
verwundet werden. — ^Kt-ftl-Ht verletzen, verwunden, beleidigen. 

Vgl. Lindahl iilirling lex. 451. Lindström \)\. Budenz 345 
bringt die niordvin. und magjar. werter in Verbindung mit f. *n. 
rvH u. s. w.; ich ziehe mit Blonistedt, Hai. Bes. 17. die obige 
zii.saramenstellung wegen des vokals vor. Budenz 236 steUt da- 
gegen f. fiärkm zu niagy. törni- Sie gehören doch alle zu der- 
selben Wurzel. Thomsen got. spr. 146 betrachtet lap. sarje wie 
auch f. üaii'a.s als lehnwörter vom altn. sai\ got. .><</>. ahd svr und 
das ccrem. votj. tvr Krankheit vom cuv. tat. tVr, vgl Hunfal\y, 
Xvelvt. közlem. 111. 41^i. Hunfalvv 1. c. 111, '^4 und voff. fold 
30*2 vergleicht noch türk. .sajru krank, eine zusannnenstellung die 
Thomsen wegen der grossen ähnlichkeit zweifelhaft findet. — Die 
folgende würz. n:o M\) ist wohl mit der gegenwärtigen identich. 
— Schott 1. 134 f. sär-L'fä\ mag}'. .^Tt\ mong. sir-xa Verletzung, 
wunde, manju .s/V-/tVr anhaltende krankheit; Boller mag}*, verb. 56 
ung. ^tr = f. mrh' u. a. 

668. Fin. .sah-n-ha nom. -«.s krank. — i>ait'-u-stu-n krank sein. 
Vot. .smn-u-n schmerzen, wehthun. — Est. ^ar-na-nt schwach, 

kränklich, schwanger. 

Vgl. die vorige nummer annierk. Schott Alt. sprachenges. I, 
134 sieht in ttirk. sar-xan und aalr-n dieselbe wurzel wie im iin., 
welche in f. aär-kHi ihre entsprechende weiche fonn hat. 

N:o 669—672. sar, sor, ^i/r, sir betrübt sein, schmerz emp- 
finden, sterben, verwelken, verschrumpfen, dürr werden. 
Steigerung sär, sör, acar. 

669. Fin. sur-t'-n betrübt sein, schmerz empfinden, schmer- 
zen. — ifKt'U, sur-hn, sitr-lo sorge, kummer, mitleid. — .vur-M-w, 
tiur-ht-a, sttr-ii-le-n, bitr-e'/isi-n, .siu-v-h betrübt sein, mitleid emp- 
finden. — iiitr-ke-a elend, beklagenswerth. — nar-c-ta-n schmerz 
zufügen. — üiW'ku-ta'ti beklagen. — sur-n-sfa-n betrüben. 

Vot. ,siir'C'H sterben, ohnmächtig werden. 



189 

Est. mtr-e-n id. — sui^-e, s^w-i das sterben. — sur-u-n, s^itr- 
gu-n unterdrücken, demUthigen, beschwiclitigen (auch: auspressen, 
keltern). — sur-e-ta-n, sur-e-te-lc-n sterben lassen, pflegen. 

Sv. Lap. sur'(fo, en. sar-o sorge, betrübriss. — surr, snir-ciy 
surr-e-k, kummer, unruhe. — surr-v-t geplagt werden. — sur-go-t 
betrübt sein. — svar-ke schmerz. — svar-ge-t schmerz empfinden. 

Votj. öcr krankheit. — cei'-es krank. — Ers. Mord. sn-'C-tTe-n, 
m. sär-ä de-n schmerz haben, krank sein. — e. ser-e-ifme, ser- 
e-tks, m. sär-ätf schmerz, krankheit. 

Perm, s'ir'lca-lö'm todesseufzer. — Vog. sur-e-m verwundet 
werden. — Htn-fe-m vei*wunden. 

Vgl die obige n:o OOl und Budenz szoegy. 345. P^s ist 
ziemlich schwer hier mit Sicherheit die zunächst zusammen hö- 
renden Wörter zu verbinden. Dass magy. sV-nü nicht unmittelbar 
mit f. suren zu verbinden ist, scheint daraus hervorzugehen, dass 
es äusserst wenige beispiele eines magy. e = f . « giebt: f. iüH 
= sei i\:o 511, f. kupo = nach Budenz szoeg. 293 = klrä, welches ich 
mit f. kavea verbunden hal)e. Dagegen ist f. u sehr oft =^ magy. 
u. Andererseits stimmt f. ä, e mit magy. e uberein: f. kerjun 
= kemi 184, käün = kähii, kehl 210, känä = ken 257, ja = jeg 
364, käsi = kez 50, kesi = hej 42 u. s. w. Übrigens thut man 
auch besser die beiden wurzeln sar n:o 6G5 u. 069 zu einer zu 
vereinigen, wie die in einander übergehenden bedeutungen es be- 
zeugen. Magy. iörni, syrj. tor, gehört der w, iar n:o 4()5. 

670. Fin. sur-ma plötzlicher, gewaltsamer tod, Untergang. — 
sur-mä-n mördeni, verderben. 

Veps. sur-ma nom. sur-m plötzl. tod. 

Vot. sur-ma tod. — Est. sur-m der tod, das sterben. — sur- 
ma-n, sur-ma-ta-n tödten. — Liv. sur-m tod. 

H. Lap. sar-hme, uts. sor-hml das verderben. 

Os^j. sär-am der tod. 

Schiefner, Castrens ostj. gr. 95. Lindström 88 flihrt auch 
ein vog. sar'lm aus der Beresov gegend an. Im estn. heisst der 
wolf hohuste surmaja pferdetödter; vergleiche damit jurak samo- 
jedisch sarmik, särmik wolf. — Ahlqvist kult. 203 leitet f. simna 
aus sxirm betrübt sein, verwelken, sterben. — Schott Alt. spra- 
chenges. I, 130 manju suri-ia abgestorben, (von bäumen), türk. 
türü faulen. 

671. Ein. sur-ka-shi-n^ sitr-kü-ntu-y sur-ka-ma-stu-y sur-ke-ne-n^ 
sur-ke-nfu-, sur-e-htU' verwelken, schrumpfen, verfallen. 



192 

Magy. söni ungeheuer. — sörAu schrecklich, entsetzlich, un- 
geheuer. — sarn-c-n schrecklich. — soni-ä-fi schreckbild = lap. 
hirhmo <joi\ — söin-ä-d-ul erschrocken. — sikn-l-i-ni fact. 

Budenz 321. — Schott I, 115 niong. .sfVV furchtbarkeit, über^ 
legenheit. • 

679. hrnja verrückt, rasend, leichtsinnig. — htirjä-n rasend 
machen. — hurja'e'h'-n, hurja-nfe-h'-n sich rasend benehmen. 

Ers. Mord. Iri-dc-n, iri-di-k-sm-n saufen, sich betrinken. — 
m. irl-da-n betrunken werden. — iri-cia berauscht. 

Magy. (/rj(Miff(i')ii rasen, wüthen, wahnsinnig herumirren. — 
i/rjü'l-ni wahnsinnig werden. — Ihil'l'ni wahnsinnig, rasend Mrerden. 

Lindström Suomi 22. Budenz szoeg. 855. 
N:o 680—682. var, .vor, .sv/r, ser, s-ir aufwachen, nmnter sein, 
sich regen, beschäftigt sehi, zittern, mischen. 

Steigerung suor (sarar), süär (hülk), sdr, sor (liSr, JuH, hSr, 

680. Fin. her-än wachwerden, geweckt werden. — he^'-ä-tä^t er- 
wecken. — here st. hnv wacher zustand. — hr-khüj Jm'-kkä leicht 
beweglich, bereit. 

Veps. hei'ä-stä'ta'U aufwecken. — Vot. ör-^'d-fi, är-öä-htä-n 
wach werden. 

Est är-f'-n aufwachen. — är-a-ta-n, är-e-fa-n, ür-a-teAe^ \ 
är-e-tida-n erwecken, anregen. — är-rje g. ärke wacher zustand.^ 

— är-fjU'S gen. är-ka munter, aufgeweckt, wjichsam. — är-^a- 
ta-fi, är-fia-sia-n aufwecken, emiuntem. — ärki-ma auffahren im'^ 
schlafe. — Liv. (^r-k pr. vr-kd-h aufwachen. 

Sv. Lap. jer-r-te-t aufwachen. — jer-c-te-m das erwachen. — 
jer-a-ne-t klug werden. 

Ers. Mord, sur-f/u-ze-n, sir-gO'Ze'yi, m. s'ir-ge'.^e-n aufwachen. 

Magy. sär'kä'ii'ni aufwachen. — Mr-c-u fleissig, arbeitsam, 
munter. 

Budenz szoeg. 327 — Im mongolischen heisst serikö er- 
wachen, serikölö aufwecken, Burjät. hercnämj herenej), serenep auf- 
wachen. 

681. Fin. hüör-i'U, Mör-ü-n, här-i-n, här-ä-nj Jidr-tä hin und 
zurück laufen, geschäftig sein. — luil-i-n, hal-ä-n id. 

Vot. ar-ä-n id. — Est. hSr-a-n sich begeben, hinüberziehen. 

— Iwr-u-n sich bewegen, sich nicht ruhig verhalten. — JiSr-i^ta-n 
im gehen sich drehen, schwanken. 

Magy. ffih'-ö'ff-Hf, .vlr-f/ö-d-ni, sflr-ffö-lö-d-ni sich regen, um 
etwas beschäftigt sein. — Budenz szoeg. 333. 



fVergioicbcudcs Wörtorlmcli 



Finnisch-Ugrischen Sprachen 



Dr. a OONNGR 



epiiubB iMoi mcbait. 



II. 



HELsmOFOES, 1876. 

tnockrll 4 Sunt (•■kh*lidrl ) Ulp*l»: r. A. ii« 



l 



\ 



Vertaileva Sanakirja 



Suomalais-Ugrilaisfen kielten alalla 



tehnyt 



Toht O. DONNER 

Sauikritin ja verUileran kiolitutkimukien ylimiftriinen 

profe««uri. 



II. 



HELSINKI, 1876. 

SuninalaiAcn Kiijalliiuudeii-Si'urau kiijapainoisa. 

Frenokeil Ja pojan kirjakauppa. | Leipzig: F. A. Brookhaut. 



Vergleichendes Wörterbuch 



der 



Finnisch-Ugrischen Sprachen 



0^ 

\ von 



Dr. O. DONNER 

auBierordl. Professor des Sanskrit a. der rergl. 
Sprachwissenschaft. 



n. 



HELSINeFORS, 1876. 

Druckerei der Finnischen Literatnrgesellschaft. 



Frenokeli k Sons bokhandel. | Leipiig: F. A. BrookhMit, 








Wurzel Sar. 

Schwächung: sor snr sär sör sür ser &ir har her, 
Steigenmg: sür sar suw (coar) sör sor sür säur sür ser seir sir. 
Da ich schon im ersten theile des Wörterbuchs einige zu 
dieser wurzel gehörenden Verzweigungen aufgenommen habe, lasse 
ich hier eine Übersicht der verschiedenen wortreihen folgen. Der 
bedeutung nach zerfällt die wurzel in nachstehende Verzwei- 
gungen : 

a) hervorspriessen, hervorsickem, rieseln, hervorragen, lang, 
schlank, gerade sein, siehe das Wörterbuch I n:o 635—664. 

b) sich regen, beschäftigt sein, aufwachen I n:o 680—81; zit- 
tern II n:o 682. 

c) reiben, wischen, schleifen, scheeren II n:o 683. 

d) umrühren, mischen I 661, bunt machen, mahlen 11 n:o 684, 
verunreinigen n:o 685. 

e) an den rand schieben, wegschieben II n:o 686; stossen, drüc- 
ken, verengen, brechen, spalten, verwunden, schmerzen I 
n:o 665 — 668; bedrückt werden, verschrumpfen, sterben I 
n:o 669—672. 

/) sprechen, erzählen 11 n:o 687; die bedeutung lehnt sich zu- 
nächst an die der abtheilung a) an. 

Die nahe beziehung zur würz, säl ist unten angegeben. 

In den anmerkungen zu n:o 683 sind die vielfach hervor- 
tretenden berührungspunkte mit der würz, tar erörtert. Es sind 
diese: aufkeimen, spriessen, hervorragen n:o 446, stossen, reiben, 
reissen, ziehen n:o 475, stossen n:o 502, bewegen, ertragen, dul- 
den n:o 506, zittern n:o 475 u. s. w. 

Auch im indoeuropäischen hat die wurzel sar mehrere der 
oben gegebenen bedeutungen : gehen, eilen, fliessen, in Zusammen- 
setzungen auch aggredi, irruere, excitare. Curtius Griech. etymo- 
logie* 349, Fick Vergl. Wort.« 195. 

1 



682. Veps. ser-ai-da-n zittern, beben. 
En. Mord, sor-no-n beben, schaudern. 

Os^j. ser-e-m, ser-e-je-m zittern, serA-dc-m frqv. — ser-ge-m 
geschüttelt werden, ser-ge-tie-m schütteln. 

Vgl. f. tär-i-se-n, Vog. torem zittern u. a. wörterb. n:o 475. 

683. Fin. sier-a Schleifstein, Wetzstein = hier-a, Jüer-ta. — 
hier-o-a reiben, glätten, unterhandeln, verunreinigen. — hier-i-ä 
V. moder. schaben, radiren. — hier-a-ltä frqv. heftig reiben. — 
hm-'tä reiben, schaben, umrühren. 

Veps. Ser-a Schleifstein, vgl. ser-da-n bewegen. — Jicr-a-lda-n 
wischen. — her-o-n coire. 

Est. hör g. höru reiben. — Iwr-u-n reiben, sich reiben, ära 
h. abreiben, zerreiben. — Liv. ör, ur reiben; ördöb kiv reibstein. 

Syij, Perm, sir-^ii scheeren. — sir-an scheere. — Vo^j. äer-o 
drehen, schleifen. 

Vog. sär-te-m reiben, schmieren, bestreichen. — särr-ha-Uj 
ser-ka-t sich beschmieren, sich beschmutzen. — L. sär-te-m rei- 
ben, schmieren, ser-te-m feilen: särtu-ker raspel. — Konda: Sar- 
te-m schmieren, bestreichen, sar-ti-te-m anrühren. 

Dass die Vorstellungen „wischen, abwischen*^ und „scheeren" 
mit einander in naher verwandschaft stehen, hat Budenz szotar 
244 nachgewiesen, indem er auf indogerm. strig- streichen, strei- 
fen (stringerv) z=: slav. strig scheeren venseist. Die Zusammen- 
stellung von Magy. t(h'-ö4, tör-ü-ly tör-Jä wischen, abwischen, sich 
abwischen, tör-zö-l-m fricare, cer. tur-za-m reiben, Ostj. tar-d^^-in 
scheeren, Ber. lor-ü-m scheeren, rasieren, mit mehreren der oben 
angeführten scheint doch zunächst etwas zu weit zu führen. Im 
wörtb. 472 bin ich wie früher Budenz selbst, szöegj'. 263, bei den 
mit dental anlautenden stehen geblieben. Es scheint dies um so 
mehr berechtigt, da sich in allen venvandten sprachen eine fülle 
von Wortbildungen sowohl aus w. sar als tar darbieten. Will man 
die beiden wurzeln als mit einander identisch ansehen, so bieten 
sich dazu mehrfache Übereinstimmungen in der bedeutungsentwicke- 
lung der wurzel: f. tar-i-yi ziehen wörtb. 471, färr-u-tä-n reissen 
n:o 472, tuir-a weisser Schleifstein = ostj. far n:o 490, est. tär- 
ka-n aufkeimen, spriessen, f. tlr-ki-stä-n blicken, tir-ki-ä klar, blin- 
zend, flink n:o 483, tär-i-se-n zittern n:o 475, torvi Sprachrohr, düte 
und andererseits hier-o-n reiben, Mer-i-n schaben, sier-a schleif- 



stein, sir-ki-ä lebhaft n:o 654, sir-ko-n hervorsiepern n:o 655, 
weps. ser-ai-da-n zittern n:o 682, sar-vi hörn, Sprachrohr n:o 638 
u. s. w. Ich fasse aber diesen parallelismus nicht in dem sinne, 
dass die wurzel sar sich aus iar entwickelt hätte, d. h. dass al- 
len bildungen aus jener eine ursprünglichere fonn mit anlauten- 
dem dental vorangegangen sei. Es genügt, die offenbare Ver- 
wandtschaft der beiden wurzeln hervorzuheben und in den einzel- 
nen wortvergleich ungen ihre specielle entwicklung zu verfolgen. 

Die aus dem f. hier- von Budenz erschlossene ältere form 
*/^^r, welcher eine noch ursprünglichere t^gr- entspräche, finde 
ich hier wenig begründet. In keiner anderen der vei*wandten spra- 
chen ist irgend eine spur eines verschwundenen g vorhanden, nicht 
einmal im ostjakischen, wo doch die formen sonst so voll und 
breit auftreten. Dies ist auch in betreflf des zum vergleich ange- 
zogenen f. tai'ta posse, scire, welches mit Mag}', dia-da-lo-m vic- 
toria (dia = *daja, *dqjo), div-a-t valor, pretium (diva = *d(yvo) 
verglichen wird aus einem ugi\ t^g = f. tat szötar 259, der fall. 

Betrachtet man f. her-ä-tä-n, est. är-e-ta-n ., erwecken" im 
verhältniss zu Sv. lap. jer-e-te-t „aufwachen", so scheinen N. lap. 
jär-kko-t „schleifen" und Sv. lap. jer-de-t, jar-de-t „scheeren" mit 
ebenso gutem rechte zu f. hieron u. Syrj. slr- geführt werden zu 
können. 

Dass das Magy. ^ar-lö sichel, dial. ^xMd d. i. ^or-lö^ wie das 
davon abgeleitete äar-ol-ni schneiden, abschneiden, .sar-ah-oUni mit 
der gangscheere abmähen, sowie die Syrj. t'ar-la, Penn, car-la^ 
öer-la sichel, Votj. kir-lo id. s. Budenz szöt. 340, hieher zu rech- 
nen sind, scheint sehr wahrscheinlich. 

N:o 684 — 685. Würz, sar d) umrühren, mischen s. wörterb. I 
661, bunt machen, malden n:o 684, verimreinigen n:o 685. 

684. Syij. perm. ser-a bunt. — ser-c-dla mahlen. — Perm. 
scr-am-m bunt werden. 

Öer. sir-em mahlen. — M. Mord, sar-ma Stickerei, Schrift, 
brief. — sar-ma-da-n schreiben. — sor-ma-ja-n bunt werden. 

Magy. tr mahlen, schreiben. 

Boller Fin. Sprachen 55. — Der Zusammenhang mit den vor- 
hergehenden geht deutlich aus Vog. sär-te-m „reiben, schmieren, 
bestreichen" hervor, n:o 683. 



Ahlqvist kulturwöit. 159 macht darauf aufmerksam, dass die 
beuennungen für Stickerei, bunt, schrift, brief in mehreren fin. 
sprachen aus derselben quelle stammen: fin. i*tr;a jetzt buch, frü- 
her ausgenähte, gemalte oder eingeschnittene zierrathen, kirjava 
bunt, kirje brief, Vgl. oben das wörtb. n:o 182, Vog. qopiä Sticke- 
rei, qanäen bunt, qanäantem schreiben, Ostj. %anjan bunt, %aStem 
schreiben. — Schott Altai. Studien 3,ii8 fuhrt ausser den syrj. 
magyarischen Wörtern noch ßuvas. sira strich u. schreiben, wel- 
ches jedoch auch unmittelbar aus dem türk. jas entstanden sein 
könne, wie cer. sir aus dem cuvas. entlehnt, noch Mong. Jor, gar, 
sor (für jor oder jar) zeichnen, jiru für jiru linien ziehen^ zeich- 
nen, malen; dagegen seien jakut. sur schreiben, mruk schrift, buch 
(vgl. mongol. Jiruk) entlehnt, weil sie nur die überfühile bedeu- 
tung haben. Alle, sowie mordw. sjor leitet er aus jor, jarj mög- 
licherweise eine entwicklung aus türk. jas schreiben und neben- 
fonn zu jar ritzen, spalten. — Eine andere Verbindung der be- 
deutungen bunt, betleckt, schmutzig und zeichnen, buchstabe zeigt 
türk. kirli fleckig, schmutzig, kork zeichnen, mandsch. xer-gm 
Zeichnung, buchstabe. 

685. Veps. her-e-h pl. herkcd koth. 

Ers. Mord, scr-ne-n seine nothdurft venichten. — m. säi'-a-n 
pissen. 

Öer. sor koth. — sor-a-m verb. — sor-e-de-m id. frqv. 

Magy. sar-ni id. — sar koth. — sar-a nom. Mr koth, mo- 
rast, schmand. — sir-to-s, sur-to-s schmutzig, garstig. 

Fin. hicr-o-H ,,reiben'*, aber auch ., verunreinigen", sowie vog. 
sär-te-m reiben, „schmieren" geben die besten anhaltspunkte für 
die Verbindung mit den ursprünglicheren bedeutungen der wurzel; 
vgl. f. sorofan mischen n:o G61, und syij. siröd- wegschieben n:o 686. 
— Budenz szot. 278 verbindet magy. sar mit cer. sor und perm. 
stir-t-nl farzen, surtöm furz, dagegen stellt er magy. surtoS, sirtoä 
in Zusammenhang mit sürkä gran, szöt. 325,329 aus ursprting- 
licherem sj-r^ und noch älterem s„(/r„. 

686. Fin. slr-tä allmälich von einer stelle bewegen, verrticken. 
Veps. sir-da-n bewegen. — Sv. Lap. sir-te-t, sir-de-t trans- 

ferre, transportare. — sir-a-te-t separari. 

Syij. sir-öd-ni wegschieben, verschieben. 



Sjögren ges. sehr. I, 430. — Die obigen Wörter zeigen sich 
als factiva mit dem fact. suff. /a, da aus dem einfachen &ir ge- 
bildet, wie auch f. sir-i-tä-n schleudern wörtb. 656 (intrans. frqv. 
est. sir-e-le-n schwirrend fliegen) und die intrans. syij. sir-Uf frqv. 
Sir-a-la stossen, penn, sir-ja-la stossen, prügeln. Was den lan- 
gen vokal im finnischen betrifft, hat man treffliche parallele in der 
wechselnden länge bei: f. hur-o auseinander sperren, Iiar-a egge, 
sär-a, här-a ast, zweig, vot. är-a, liv. ar ast, zacke; f. sär-i Schien- 
bein, liv. sär, ser^ magy. sär, vog. sar wörtb. 653; f. ^iV-ib-ä keim- 
blatt, slr-o das auseinander sperren, sir-o gerade, wohlgewachsen 
wörtb. 654, estn. scr-an (=: f. *üier) ordnen, magy. säfy vog. sir 
reihe, Ordnung wörtb. 652; f. sir-kö-n :=z sier'o-u-n scharten be- 
konunen 655 u. a.; so auch z. b. magy. sei rand, vog. sd^ sü, 
ostj. sü, Budenz szot. 288. 

Wie eng sich die verschiedenen bedeutungen der wurzel an 
einander anschliessen und allmälig in einander tibergehen, zeigt 
u. a. ein vergleich des f. sarja reihe, rand wörtb. 651 (hieher 
auch est. seran ordnen) mit f. sürjä rand, kante, Seite wört. 648, 
welches das primitivum zu dem perm. frqv. sirja-la „stossen", 
gleichsam „an den rand bringen", abgibt. Diese bedeutung haben 
gerade die oben angeführten. — Das fin. sann hom stimmt der 
bildung nach mit f. särvi kante, ecke n:o 647 gänzlich überein, 
so wie mit est. sörva rand, kante, äusserste grenze, vot. servä 
kant«, Seite, und man kann wohl kaum alle diese von est. ser- 
va-n, fin. veps. vot. survo-n „stossen, stampfen" trennen, beson- 
ders da die vermittelung noch näher durch n. lap. öarwi-t, öarv- 
vO't drücken, pressen und öoarwe, sv. Ip. öorve zz f. sarvi n:o 638 
angegeben wird. Die genannten lap. Wörter haben aber als ne- 
benform unter anderen auch öorma-ste-t n:o 665, durch welches 
wir an f. sämii =: särvi n:o 647 und weiter noch f. sormi, liv. 
u. lap. suorm finger n:o 637 erinnert werden. Mit suflf. ta, da 
gebildet haben wir ers. mord. sardo Splitter, Stachel, Sardo, m. 
mrda hirsch, ier. sert-nc-m stossen, verwunden, vog. Surte-m ver- 
wunden zz f. sureta-n schmerz zufügen, est. sureta-n sterben las- 
sen, durch welche wir wiederum mit f. sartä unterdrücken, be- 
drücken, magy. sofita-ni drücken, pressen n:o 665 in Verbindung 
kommen, so dass der scheinbar grosse abstand der bedeutung in 
den lautlich so ähnlich gebildeten f. särmi kante, ecke, sormi 
finger — hervorstehende spitze, vgl. auch magy. skmo kronblatt 
(f. siro hervorkommender gegenständ, splitter), und f. surma^ lap. 



192 

Magy. sörfi ungeheuer. — särAu schrecklich, entsetzlich, un- 
geheuer. — sörn-e-n schrecklich. — sörn-ä-g schreckbild = lap. 
hirhmo gor, — sön'i-ä'd-fii ersclirecken. — sikH-l-i-m fact. 

Budenz 321. — Schott I, 115 mong. .viVV furch tbarkeit, Über- 
legenheit. 

679. hurja verrückt, rasend, leichtsinnig. — hirjä-n rasend 
machen. — hurja'e'le'H, hirja-nte-le-n sich rasend benehmen. 

Ers. Mord. Iri-de-n, irMli-l'ttne'n saufen, sich betrinken. — 
m. iri-da-n betrunken werden. — iri-cta berauscht. 

Magy. ärjö-ngiMii rasen, wüthen, wahnsinnig herumirren. — 
(kjii'l-ni wahnsinnig werden. — önl-l-nl wahnsinnig, rasend werden. 

Lindström Suomi 22. Budenz szöeg. 855. 
N:o 680—682. sar, sor, sur, ser, sir aufwachen, munter sein,, 
sich regen, beschäftigt sein, zittern, mischen. 

Steigerung suar (mrar), süöi' (hiUk), savy sar (Mr, häU hSrH 

680. Fin. Iier-än wachwerden, geweckt werden. — hei-'ä-tä^n er- 
wecken. — here st. herv wacher zustand. — hrr-kJca, her-kkä leicht 
beweglich, bereit. 

Veps. her-ä-sfä-ta-u aufwecken. — Vot. (h'-öä-^iy ör-öä-htä^n 
wach werden. 

Est. ät-r-n aufwachen. — är-a-fa-n, är-e-ta-ny ür-a-ieAe^ 
är-e-nda-n erwecken, anregen. — är-gc g. ärkc wacher zustand. ^ 

— är-ga-s gen. är-ka nmnter, aufgeweckt, wachsam. — är-gor 
ta-n, är-ga-sta-n aufwecken, ermuntern. — ärki-ma auffahren im 
schlafe. — Liv. er-k pr. cr-kö-b aufwachen. 

Sv. Lap. jer-e-te-t aufwachen. — jer-e-te-m das ei*wachen. — 
jer-a-ne-t klug werden. 

Ers. Mord, sur-gti-ze-n, sir-go-ze-tt, m. sir-ge-^e-n aufwachen. 

Magy. sär-kä-n-ni aufwachen. — äär-e-n fleissig, arbeitsam, 
munter. 

Budenz szöeg. 327 — Im mongolischen heisst smkö er- 
wachen, serikölö aufwecken, Burjät. herenäm, heraiep, serenep auf- 
wachen. 

681. Fin. hüör'i'Uj huär-ii-n, här-i-n, här-ä-n^ hur-tä hin und 
zurück laufen, geschäftig sein. — hül-i-n, häUiUn id. 

Vot. (ir-a-n id. — Est. Iwr-a-n sich begeben, hinüberziehen. 

— hor-U'fi sich bewegen, sich nicht ruhig verhalten. — hdr-i-ta-n 
im gehen sich drehen, schwanken. 

Magy. kilr-ö-g-ni^ sär'gö'd'ni, silr-gö-lö-d-m sich regen, um 
etwas beschäftigt sein. — Budenz szöeg. 333. 



t^erglcicliciidcs Wörtorbudi 



I Finnisch-Ugrischen Sprachen 



Dr. a DONNEH 



11. 



HEIiSlNOFORS, 1876. 



12 

Öer. seha-m, Sul-a-m schneiden, spleissen. — Sd-ä-m zer- 
schneiden. — sul'dO'§ stück, abschnitt. 

Magy. säl-ni schneiden, schnitzeln. — säJ-ä-t stück, abschnitt, 
spalte. -— säl-dü'Um frqv. zerschneiden. — säl-ka splitter; sälka 
lävälil mit worZei-formigen blättern versehen. 

Vog. B. ml-o-ni lange holzspleisse. — Vog. siU spalten, auf- 
schlitzen, aufschneiden. — sü-ä-nt- fiqy, id. — Vog. L. äü-t- ac- 
kern, spalten. 

N. 0«tj. äuF'P hälfte. Hunfalvy, fijszaki ostjäk nyelv s. 120. 

Gyarmathi Demonstratio s. 82 verbindet Ip. scdet mitm. ^ 
lät, Budenz szotär 289,300 vereinigt m. sälnij Ip. ödet, £ säe 
und m. silänk u. s. w. mit f. sale, silu, halJco, vgl. n:o 701 sila. 
In der annähme einer finnisch-ugrischen (ugrisch, wie B. will) 
wurzelform mit bald weichen, bald harten vokalen stimme ich ihm 
ganz bei: magy. säl, sil, sd, fin. säl, sd, hd-g, 2er. Sdj äuly vog. 
sil, §il, sd. Die magy. form mit sd tritt in sdu hervor, n:o 699. i 
Die \Mirzel wäre sonach ä„?-, .9„Z-^ secare, scindere, indem die 
zweite fonn aus dem fin. hdg und aus sdva-n, n:o 699, erschlos- 
sen wäre, wozu in betreff des magy. ddu hobel, neben sdu, Bu- 
denz noch eine ursprünglichere wurzelgestalt t„lg„ als gemein- 
schaftliche quelle angenommen haben will. Ich bleibe bei der 
wechselnden wurzelform sd, säl, sil, sul stehen und fasse das in 
einigen Wörtern auftretende Jca, ho, ke als nominalsuffix, um so 
mehr, da es zuweilen mit anderen Suffixen wechselt, nämlich mit 
p, pa, pu und sh, sma. Neben dem lap. cdlet steht mit verlän- 
gertem vokal SV. Ip. öuolet; ich zweifle daher nicht, dass auch 
magy. sälka nur vokalverlängerung zeigt und die beste parallele 
zu magy. sal neben sälag u. sdag n:o 694 bietet. Dann verhal- 
ten sich f. sde, sälö: Ip. ctiolet, magy. sälka =i f. salko, saJevOj 
solea: Ip. öuolgo, mag}\ säl Diese Verlängerung dürfte um so 
viel melu* gesichert sein, wenn mag}^ säl extremitas, margo, ora, 
latitudo, sclä§ breit mit ostj. B. sil rand, säum, Verbrämung, ein- 
fassung, vog. B. sei rand und mit f. helma säum des kleides, auf- 
geschUrzter untertheil des kleides, scliooss zusammenzustellen ist, 
wie dies Budenz szöt. 288 thut, indem er auch diese aus der 
Wurzel sei herleitet; f. fielnia wäre so viel als ostj. B. sTtlm auf- 
getrennt, aufgeschnitten, und die vermittelnde anschauung zu „rand, 
kante" sei „schnitte". Vielleicht sind ni. sei, vog. sei, ostj. sil, 
die Budenz früher szoegy. 280 und auch ich, wörterb. 648, mit 



13 

t 

f. sufjä vereinigte, von diesem zu trennen; es mag doch dahin 
gestellt bleiben, ob nicht etwa f. helma mit f. solniu n:o 706 in 
Zusammenhang stehe. 

Ein vergleich der n:o 694, 96 und besonders f. salko z= hälko 
zwingt beinahe zur annähme einer gemeinschaftlichen wurzel, die 
dann nicht sjg — t„lrf (B. 300), sondern einfach s-l mit abwech- 
selndem vokal sein kann. Was die bedeutung betrifft, liegt wohl 
in allen Wörtern der gnindbegriff: „schlank, schmal, dünn", in den 
verben: diese eigenschaft durch verschiedenartige thätigkeit her- 
vorzurufen, d. i. schinden, spalten, schneiden. Dass ein Zusam- 
menhang zwischen dieser wurzel und der in n:o 708 — 09, 713 her- 
vortretenden, w. saly sei, Sil glänzen, blass, glatt, aus der viele 
in der form sehr nahe mit ähnlichen übereinstimmenden bildun- 
gen aus jener hervorgehen, anzunehmen ist, scheint sicher zus ein; 
welche bedeutung dabei als ursprünglicher zu setzen sei, ist aber 
schwieriger zu bestimmen. Es können f. sdleva, vot. salea, f. sa- 
tfißama, solo, wie andrerseits liilpu, hüsu, einen Übergang darbieten. 
Formell ist hil-pu, sil-pu = votj. &elep, ostj. Sut-p, 

697. Pin. sal'O waldbewachsene insel, hain, lichtstreifen (päivän s, 
lichtstreifen am horizont); grosse unbewohnte Waldgegend = sel-ko. 

Est. sdl'U morastinsel, hUgel im morast (vgl. n:o 694 salu 
gebttsch, traube). 

Liv. sal-a insel. 

N. «V. Ip. suol-o, enar. suol-oi, sual-oi insel. — sv. sucl-oi 
insulis abundans, siiol-o-tak absque insula. 

Das fin. nomen sel-ko, dim. sel-ko-nm entfernter wald, wüste 
scheint den Zusammenhang der obigen Wörter mit der wurzel noch 
näher zu befestigen. Die allgemeine bedeutung des sah als „in- 
sel" hat sich wohl in der weise entwickelt, dass man den läng- 
lichen landstreifen, welche sich in den Aussen bilden, diesen na- 
men gab, ungefähr wie man den namen sigät im magyarischen für 
„insel" braucht, obwohl die grundbedeutung sicher „spitz, eckig" 
ist, von der würz, sak, zik (Donner, wörtb. n:o 572—586), aus wel- 
cher unter anderen auch magy. säg, sug ecke, winkel, sigon stech- 
gabel u. a. kommen. Diese Übereinstimmung begegnet uns auch in 
den lappischen sv. sol-oi alpis, n. sauho bergspitzc, wenn nicht das 
letztere für *saglo und sonach zur eben genannten w. sak gehört. 
Noch näher giebt die anschauung: „hervortretend, sich hervorhe- 



14 

• 

behd, sich öffnend (vgl. selkeän, päivän scUo), sich in die länge od. 
höhe ziehend** den grundbegriff wieder. — Ahlqvist kulturord 148 
bemerkt, dass solo jetzt mehr nur in der bedeutung „insel** vor- 
kommt, wogegen es früher als benennung unbewohnter, waldbewach- 
sener inseln scheint gebraucht worden zu sein. Es kommt auch im 
lettischen in der form salla vor, dorthin wohl, wie A. annimmt, aus 
den finnischen sprachen eingeführt, weil es nur vereinzelt in jener 
Sprachgruppe auftritt. Es gibt wohl ein Ut. sola, doch dürften beide 
kaum, Curtius etymoL* 375, mit dem lat. in-sula zu vergleichen 
sein, da dieses eigentlich „im wasser befintlich" bedeutet, Corsseo 
ausspräche^ II, 71. Auch Fick wörtb.^ 403 hat für ein von ihm 
construirten europ. sola „wasserland, gaue" nur das lat u. litt 
wort zum beweis. 

698. Fin. sal-mi meerenge, fretum. — soUa schmaler weg zwi- 
schen häusem, enger pass, dach-absatz. — sol-u-kka schmaler^ 
pass, allee. — sol-a-nm bezäunter weg. — sul-ka-va landspitzdA, 
adj. scharf, gespitzt 

Est. sat-mt nom. safm, saline kleine meerenge zwischen zwei 
inseln, kettenglied. 

K. Ip. öoal'b-me, sv. öol-me, en. cual-mi, cuoUmi, utsj. doal- 
b'tni meerenge. — Sv, Ip. §al-jo, en. ^il-jo, n. ^ill-jo ho^latz, be- 
zäunter weg. 

Castr^n, gram. syrj. 158. Lindströni, Suomi 81. Ahlqvist, 
kulturord 147. Das wort salmi, welches man vergeblich in un- 
mittelbaren Zusammenhang mit f. sala „geheim" zu bringen ver- 
sucht hat, zeigt sich ganz zwanglos als eine nominalbildung aus 
der würz, sd schlank, lang, eng, also: ein enges wasser zwischen 
inseln od. erdflächen. Die übrigen hier aufgenommenen Wörter zei- 
gen dieselbe Anschauung in anderer weise verwendet — In be- 
tracht des magy. sar-aä enge, enger pass, vog. sar-i enge, syrj. aar 
fretum könnte man veranlasst sein hier einen näheren Zusammen- 
hang zu vermuthen. Zunächst gehören doch diese Wörter zur würz. 
sor drücken (f. sorta =1 magy. sotit), wie Budenz szöt 312 und 
auch ich selbst früher wörtb. 665 angenommen. Nur wenn eine ur- 
sprüngliche identität der beiden, in ihren grundbedeutungen und 
auch in vielen derivaten so überraschend übereinstimmenden, wur- 
zeln angenommen wird, kann man auch diese an einander reihen. 
Eine dergleicbe identität zeigt sich auch sonst vielfach; es brauchen 



» 



15 

deshalb nicht alle l aus r oder umgekehrt entwickelt zu sein, sie 
können als mit einander abwechselnd aufgefasst werden. — Noch 
auf weitere lautUbergänge deuten die Samojedischen sprachen: 
„landspitze" (f sulkava, vgl. sola) heisst im Jurak samojedischen 
saFa, satea, sataku, im Jenissei samojed. soro, sodo, 

699. Fin. sal'va-n zimmern, eig. schneiden. — scd-vo, salrvu 
das zimmern, das gezimmerte, jüvä s. komkasten. — scd-va-i-me 
nom. salvain = saUpo =: sal-ma beim zimmern gemachte ecke. 
— saUve-n, soi-ve-a-n, sal-ve-n kastriren. — aal-vo, sal-vii, säl' 
vi'O, sät-üi-kko kastrirtes thier. 

Veps. salva-n zimmern. — sal-va-ia-n kastriren. 

Est. sat-va-n ein haus aufhauen, aufzimmem. — sai-va-n 
(dorpt.) beissen, stechen. 

Liv. soll pr. sola beissen. 

Magy. sal'U hohlhobel, sz^kl. dial. salu-lni, salv-dni falzen, 
uskehlen. 



vgl. Budenz szöt. s. 298. Das f. wort sal-ma, mit dem suffix 
der vollendeten handlung gebildet, zeigt recht eigentlich den Zu- 
sammenhang mit der wurzel sal; nach Ahlqvist kult. 96 ist die 
ursprünglichere bedeutung des salvan schneiden. 

700. Fin. sel'kä gen. seljän, selän rücken, bergrücken, flord , 
od. längliches wasser, offene see. — sel-kä-mä, seUä-ke, sel-ä-nne 
st. 'tehe, sel'ä-nge st. -ä-nke-Iie landrücken. 

Veps. sel-ga n. selg, — Vot. seJröä. — Est. seü-g g. selja, D. 
säl-g rücken, landrücken, wuchs, taille. 

Liv. säl-ga, sel-ga, sel-ga, scl-g, L. säl-ga rücken. 

N. lap. säl-gge, öiel-gge, sv. sel-ke, Öavel-k rücken, bergs- 
rücken. 

Schon die durchgehende analogie mit f. salJco lange Stange, 
Ip. öuolgo, f. halko langes holzscheit, solakka lang und schlank 
leitet zu der vermuthung, dass auch selkä in diese reihe gerech- 
net werden muss. Eine nähere betrachtung des wortes führt 
ebenso zu derselben auffassung, dass nämlich die anschauung: 
„lang, ausgedehnt"* die grundbedeutung ist. Fin. selkä-aUa heisst 
der zäun an der längeren seite eines feldes; üön selkän in die 
nacht, gleichsam „längs"' der nacht, die nacht „entlang""; lankesi 



16 

seUcosen (selkonen dini.) selällensä er fiel ausgestreckt auf den 
rttcken, vgl. katü solkefiansa fällt ausgestreckt. Auf der anderen 
Seite fällt der zusammeuhang mit f. selkeä, selvä klar, hell, deut- 
lich, sel'ke-nen, sel-ke-ä-n klar werden n:o 709 offenbar in die äu- 
gen in der bedeutung: „offene see", sowie in den ausdrücken: ovi 
on selällänsä die thttr ist offen, sü sclällän der mund weitoffen 
u. a. Durch diese kombination gelangt man wieder zu hdüco^ sciko 
und den verben sdlin^ halkcan spalten. 

Wenn die obige herleitung als gesichert angesehen werden 
darf, muss sdkä gänzlich vom f. taka, Budenz MU. szdtär 208, 
geschieden w^erden. B. nimmt hier für selkä zu *selgä eine Um- 
stellung des lg aus ursprünglicheren gl an, wie er es auch in an- 
deren Wörtern thut, (z. b. sulka, sulga aus sugla = ostj. togl^^ 
kulg aus ky^gl), und kommt dadurch zu einer form *segläy *segdä, 
welches nur mit weicheren vokalen dasselbe wäre wie Ip. öavdrk 
= *öäv€l'k und wesentlich dasselbe als f. takdla aus *tagala lo- 
cus posticus, mit dem lokativsuffix la aus taka hinterseite gebil^R 
det. Im magy. entspräche diesen das wort Bägg st. 8äggä po^^ 
dex, culus, dessen gg wie im lappischen auf ein früheres ng hin- 
deute. Wie so oft im magyarischen und auch im finnischen, be- 
sonders an Wörtern mit weichen vokalen, hätte hier erweichung 
eines urspr. t zu s eingetreten, d. i. 8äggä, Sängä aus einem ugr. 
^n9vy tv^ig^ hervorgegangen, und in dieser weise wäre der nahe 
Zusammenhang mit ßer .^eng in soigal quod post tergum est, äep^ 
galan, sengak rctro, ostj. teg, S. kx cauda, vog. B. tcj schweif, 
täjäh nachher, L. fagd später, wie mit der ganzen reihe f. teiö, 
magy. U'ig u. s. w. dargestellt. — Obw^ohl möglkh, scheint mir 
diese deduktion doch gar nicht so einfach, wie die obige, wes- 
halb es bis auf weiteres am besten sein dürfte f. taküj m. tag 
für sich zu halten, vgl. oben das wörtb. n:o 39G. Dass magy. sägg 
mit den Ceremissischen wörteni zusammenhängt, scheint offenbar 
zu sein, vgl. szöt. 341. 

Die mannichfaltige cntwicklung dieser wurzel nach verschie- 
denen richtungen der bedeutung wUrde wohl die festsetzung der- 
selben als salkf selk begünstigen, hätte man nicht zugleich eine 
menge bildnngen, wo kein anlass vorhanden ist zui* annähme eines 
ausgefallenen wurzelhaften k oder g. Dies wird auch durch eine 
neue Verzweigung derselben wurzel n:o 701 bestätigt. 

Schott Altai. Studien 2,i6o macht aufmerksam auf die Über- 
einstimmung von f. i>dkä rücken und sü*kä landrUcken, türk. sirt 



lei 



17 

rOckgrat und magy. sirt nacken, mandsch. sejre rückgrat und 
mong. sUi nacken. Als einen schlagenden beweis des gemein- 
samen Ursprungs der betreffenden sprachen führt er zugleich die 
analogie an z\flschen mong. sili rücken: fin. selkä =: mong. sili 
reinigen: fin. selkiü rein, klar. Vgl. Alt. sprachengeschl. 133. — 
Mandsch. sdgijembi ausbreiten, verkündigen, erklären, sehjijcn be- 
kanntmachuug, v. d. Gabelenetz mandsch. wörtb. 

701. Fin. sil-a^ sil-u dUmie Scheibe, fliese, spleisse, plättchen. 
— sil-e-lie nom. sile fliese, feine schlacke. — sil-tu-va flockichte 
haut. — sil'pa Stückchen der äussersten fichtenrinde, schlacke. — 
sü-pu flehte mit dünner glatter rinde. — hil-pu, hil-su die feine 
hellgraue membrane an der inneren seite der birkenrinde. — 
hü-s-ma kleine schuppen, flocke. — hil-ve flocke, splitter von 
birkenrinde. — hil-pa flocke, schölle. — heUve st. -pehe dünnes, 
leichtes Stückchen, flöckchen. — sil-vi-n die äussersten lamellen 
r fichtenrinde abschälen. — sil-pä-n, siUpd-n, sil-vo-n abschä- 
n, die hülse abnehmen, schnell biossiegen (vgl. selkeä), furchen. 
Est. hil'p gen. hil-bu lumpen, läppen, flick. — M-ve gen. 
helbe; heX-ve-s flöckchen, fäserchen, blättchen. 

Magy. sil-a-k, sU-a-g stück, fetzen. — sil-ä-nlcy sil-ä-nj ho- 
belspan, holzspan. — sil-ä-ö splint, holzspan. — sil-o-nj gespal- 
tene rute (zum fassbinden), szekl. dialekt. — siv-ö (in s. kez reif- 
messer, s. sek schnitzbank). — siv-ä-Ö, si-ä-c m sil-ä-c — si-a-t 
streifen ackerland (wie dialektisch silähk). 

Die hier aufgeführten Wörter und die der folgenden nummer 
bilden tibergang zu sücä n:o 713. Budenz szötär 300 verbindet 
die magy. Wörter mit f. sale, silu, halko, vog. sal und cer. sul, 
eine auffassung, der auch ich beistimme, vgl. n:o 696. Der form 
nach stimmt das dort aufgeführte votj. §elqj spahn vorzüglich zum 
f. s^ilpa. Ich habe die beiden Verzweigungen der gemeinschaft- 
lichen Wurzel besonders aufgeführt, da der wurzelhafte Wechsel 
des a und /-vokals so überaus häufig in den finnisch-ugrischen 
sprachen vorkommt, dass er als eigenthümliche eigenschaft der 
urperiode anzusehen ist. In der aufstellung der wurzelform weiche 
ich von Budenz ab. 

Fin. hel-pe-ä leicht, schnell, lebhaft, voD mit acheln (halrpi, 
helrve); hd-po, M-ppo leicht, gelinde, billig, schlaff, nachgelassen, 
klein :=: M-vä reihen sich an die obigen und n:o 702, wie auch 



18 

hel'Sto los, mürbe, hel-ta loser, schlafiFer zustand = hd-ti, hd-te-ä 
los, mürbe, hei- (tu franze, verzärtelt, die so nahe mit heUä u. a. 
710 stehen. So auch hil-pe-ä lebhaft, schnell; munter, hil-pai-sta 
schnell etwas thun. 

702. Fin. hil-e-he nom. hile dünne und leichte eisschoUe. — 
hil'se flocke, Stückchen schlacke, dünne eisscholle. — hill-o eis- 
schoUe, schneebrei, eingemachte fruchte. — hill-a schneebrei, rei- 
fer rubus chama?morus (gelbglänzend). — hil-ste flocke, feine eis- 
kruste. — vgl. den ausdruck ja silu eisscholle, ja sulju eisge- 
misch. stil'ka feder, dünne eisscholle, rand. 

- Sv. Ip. SeU-e eisig. 
Magy. sil-ö'H glatteis, nach Täjszötär: schneekruste. 

Die oben gegebene Zusammenstellung bestätigt Budenz' ver- 
muthung szötar 302, dass süön zur wurzel sil in der bedeutun^^ 
„secare, scindere" gehört. Wenn aber magy. sirom, siron (säB 
sirmo, sirno) schneekruste durch Übergang des Z zu r daraus ent- 
standen, vgl. f. kohne^ für älteres kolma, lap. mord. kolma = magy. 
härom st. harma, so dürfen diese Wörter kaum mit perm. far-öm, 
Ip. öar-v schneekruste, fin. här-mä reif aus einer w. 6'„r zu ugr. 
t^r rigere (fin. furmiä, magy. därmädni) verglichen werden. Das 
estn. Mrmä'k st. -ko „Schneedecke, grauer sommerrock" scheint 
eben durch die letztere bedeutung härniä =. liv. drma reif, glatt- 
eis mit einem anderen vorstellungskreis zu verbinden zu sein. 
Vgl. oben wörtb. n:o 676. 

703. Fin. ffil-ta brücke, zuweilen in Ost-Finland bretterboden, 
so auch: Kalevala 36,267. 

Vep«. sil'd brücke. — Vot, sil-ta brücke, bretterboden. -- 
Est. sil'da n. sild id. 

Liv. stl'da, L. sU-d brücke, trumme, chaussee. 

N. lap. äal'dde bretterboden. 

Er«. Mord, sä-if, se-dc, m. se-d brücke, fussboden, holzbe- 
kleidung. — m. se-d-al keller unter dem fussboden. — se-d-af 
brett, Steg. — sed-a-n denomin. mit brücke od. brettern belegen. 

Öer. b. söl'dö-ra, se-de-rä das gediele, Zimmerdecke. 

Magy. lü'd st. hi-da brücke. — hi-da-s fähre, adj. gedielt, 
brücke habend. — hi-da-l-ni mit brettern belegen, eine brücke 
{schlagen. 






19 

Gyarmathi demonstr. 82. Hunfalvy Vog. föld 296. Budeiiz 
szöegy. 160. Ahlqvist kulturord 99 betrachtet silta als entlehnt 
aus dem littauisch-lettischen tilts, tiUas brücke, dabei das mord. 
sed u. magy. hld zu einer besonderen gruppe führend. Seine frü- 
here Zusammenstellung von silta mit Md verlassend, nimmt Bu- 
denz szötar 124 Ahlqvist's erklärung an und sucht sie ausführ- 
lich zu begründen. Das litt, tütas brücke hat nämlich in skr. 
ürtha landungstreppe, aus würz, tar (tar-a-ti, tlr-ja-ti) „über- 
setzen" ihr etynion. Dass silta aus tilta hervorgehen könne, be- 
weisen f. sind aus *tiHä\ wie plur. tc angiebt. Aber auch das 
mord. sade kann in derselben weise erklärt werden, indem auch 
hier zuweilen s aus t entwickelt wird, so M. mord. stir aus *si' 
tir :=z ers. tejter mädchen. In solcher entlehnung aus dem littaui- 
schen liege nichts ungereimtes, weder in bezug auf das finnische 
noch auf das mordwinische, da sich mehrere solche lehnwörter 
aus dem littauischen in jenen beiden sprachen finden, wie f. harn- 
aha zahn, paimene hirt, morsiame braut, kirvehe axt, hertiehe erbse, 
metsä wald, tarha garten, Jianhe gans; mordw. tejter, stir mädchen, 
odar euter. Hiezu käme noch der umstand, dass man von jenem f. 
silta, mord. sede, nur im cer. sederä spuren finden könne, nicht aber 
in syrj. wotjakischem oder ostjak-vogulischem. Vogulisch bedeutet 
nämUch hajtep brücke = „laufbrette", aus kajt laufen, eine Weiter- 
bildung aus ugr. k^<j' fluere, currere, dem ein magy. haj in hajt 
agere, peDere entspräche (das letztere mit freqv. suflix d == ugi\ nd 
gebildet). Aus diesem hajd sei ein verbalnomen hajdö oder ohne 
suffix hajda, hajd gebildet, mit der bedeutung: „laufendes, stei- 
gendes" zir „etwas auf dem man zu laufen, vorwärts zu schreiten 
pflegt", welches dem lud vollständig entspräche. Dies wort selbst 
sei aber übrigens nichts als eine dergleiche wechselform des ur- 
sprünglicheren hajd, wie kiält, kiabäl des älteren kajält, kajabäl. 
In ermangelung historischer Zwischenglieder in der entwick- 
lung der finnisch-ugrischen sprachen ist es öfters äusserst schwie- 
rig den richtigen weg zur erklärung dunkler Wörter zu finden. 
Die oben gegebene beweisftthrung Budenz' zeigt uns ohne zweifel 
die möglichkeit einer entwicklung, wie er sie wissen will. Den- 
noch scheinen die giünde einer Zusammenstellung mit wurzel sal 
hier mehr entscheidend. Erinnert man sich der vielen bildungen 
sale, säle spleisse, Scheibe u. s. w., sila, sile spleisse, fliese, süpa 
äusserste fichtenrinde, siltuva sich abspaltende haut, und daneben 
die einer andern reihe zugehörenden f. säi, süevä, sileä aus *si- 



20 

ledä -=. est. süeda (n. s^ile), n. Ip. siUad^ SaUad eben, glatt, so 
scheint es im hohen giade sonderbar, wenn man sUta aus die- 
ser Sippe losreissen wollte, um so mehr, da in den letztgenann- 
ten auch dasselbe suffixelement vorkommt und silta demnach nur 
als nebenform zu betrachten ist. Das suffix ta wird häufig im 
finnischen zu ähnlichen bildungen aus der wurzel verwendet: vtr-ia 
Strom aus w. vir „beweglich, lebhaft", eine bedeutung die im adj. 
vir-eä = ^vir-e-dä sich wiedeiiindet; pir-ta = pirto zupir-pa we- 
berkamm aus w. ptr, in pir-ä-n in splittern gehen, pir-sta spleisse; 
sühtä fadenmass aus sCdi faden (= partitiv aus sali) u. s. w. 
Es stehen unter den genannten vir-ta: mr-eä, ^vir-e-dä genau in 
demselben verhältniss wie sil-ta: sä-eä, ^sil-e-dä. Das lappische 
sddde, welches genau dem f. silta entspricht, steht übrigens in 
direkter Opposition gegen die annähme einer entlehnung aus tüta. 
Es wechseln wohl a und i in lappischen und finnischen Wörtern 
öfter mit einander ab, dabei muss aber, wenn irgend einer von , 
beiden, jener vokal als der ursprünglichere angesehen werden; so. IJL 
verändert sich auch im fin. lehnwort akkuna aus russ. obho a zu 
i in der nebenform ikhuna, weps. ihm, — Das verschwinden des 
l im magy. hld hat seine analogien in: f. sümä = magy. säm, 
f. mlke = m. öuk vgl. Budenz szöt. 378, f. sükka = magy. ^ u. a. 

Noch schwieriger wäre die nebenbedeutung des liv. süda als 
Chaussee zu verstehen, wenn wir keine Verwandtschaft mit f. ^- 
Uä, liv. sil-a-stä glätten annehmen dürften. Diese ursprüngliche 
bedeutung als geglättetes holzstück, brett tritt sogar im Samoje- 
dischen uns entgegen. Im Ostjak-samojedischcn heisst sdda poj 
salje po fussboden, eigentlich pfosten-baum, mit derselben vokali- 
sation wie im lappischen. 

Als weiterer beleg für die richtigkeit der obigen darstel- 
lung dient noch das fin. kil-o aus *sil'0 steg über einen sumpf, 
brücke, fähre, hil-o-a mit fähre überfahren, welche direkte der 
würz, sal, sil entstammen, nie aber aus einem tUias erklärt wer- 
den können. 

N:o 704—707. w. sal h) schmal machen, zusammenpressen, 
schliessen. 

704. Fin. std'ke-a pr. suljeu versperren, zumachen, zuschliessen. 
— sxd-ku versperrung, dämm, mühlendamm. — sul-ke-fie u. stitje 
versperrter zustand. — scU-pa gen. salvan riegel. — saUpä-n ver- 



21 

riegeln — Vot. sul-Jcu mühlendamm. — Est. sul-gu n. sulg Ver- 
stopfung, Stauung, eingezäunte stelle, vgl. sötge stange, riegel. — 
sul-e-nffu n. -ng (lamm, wehr. — sul-e-n, suUu-n, sul-ga-n, suUgu-n 
verstopfen, schliessen, sperren, dämmen, verbieten, dämpfen; in- 
trans. sich schliessen, sich stauen. — sal-ga-n verläugnen. 

En. lap. std-ka-d verschliessen, sperren. — sv. suhgi-ie-t 
wiedersprechen, vgl. estn. sulgun verbieten, salgan verläugnen. — 
sv. sol'ke-t claveis ligneis compingere, aus sol-ke klotz, stock, 
siehe n:o 694. 

Ers. Mord. Sol-go-n, m. Sol-ga-n zumachen, zuschliessen, ver- 
schliessen. — ers. Sol-go-vt Stauung, teich. 

Lindahl-Öhrling lex. lappon. 449 vergleichen Ip. solket und 
f. sulkea claudere. Die von Budenz szötär 226 gemachte ver- 
gleichung des f. sulke mit magy. til-ni prohibere, vetare, u. s. w. 
ist wenigstens nicht unmittelbar anzunehmen. Zunächst steht wohl 
dies von Mätyäs (M. Nyelvtud. U, 47) nachgewiesene wort, nebst 
tü-o-S verboten, UUd-d-ni sich zurttckhalten, sich enthalten, tu- 
ta-ni (nicht causativ, sondern intensiv, wie Budenz bemerkt) pro- 
hibere, arcere, interdicere, mit magy. tol-ni schieben, stossen, 
drängen, tol-a-ko-d', toUa-ko-z- sich drängen, tol-ti-Uni andringen, 
tul-i-z-ni stossen (mit den hömeni) in Verbindung, dabei der von 
Budenz dargelegte begriffszusammenhang des „prohibere, arcere, 
vetare" und „claudere" seine volle giltigkeit hat. Alle finden ihre 
nächsten verwandten in f. til-ki-n stopfen, zustopfen, treiben, sjTJ. 
tul^chl-ni zustopfen, ers. mord. t'il'ka'do'n stossen u. a. siehe 
wörterb. I, n:o 503. Budenz selbst szöt. s. 231 bringt tolni in Ver- 
bindung mit einem verb. tj- t-l- premere, aus welchem mord.. 
täfa- dreschen, frqv. täUSe-, wie möglicherweise auch magy. täl-ä- 
pä-d-ni considere, subsidere (siehe szötär 215) als Verzweigungen 
ausgehen. — Wenn man urverwandschaft der beiden wurzeln tol^ 
tul stossen (siehe mein Wörterbuch I, n:o 502—504) und sol, sul 
zusammenpressen, verschliessen (s. oben) annehmen will, so fin- 
den sich dazu mehrfache, nahe stehende analogien : f. tuVcku klotz 
neben sulku; f. telkiy ielkki riegel, töUcki stössel, est. telg stange, 
riegel, zange in der spange neben f. solki, est. sölg; f. tolikka u. 
lap. sölka klotz. 

705. Pin. soUki st. -ke gen. soljen, solen brustspange; lang und 
schlank, dünn = soleva. 



22 

Est. söUg gen. söle spange, brustspange; Stange, riegel. — 
Liv. suot-gi nom. suoTy brese, brustschnalle der weiber. — H. lap. 
soll'jo schnalle. 

Ers. Mord, kihga-mo haisschmuck der weiber. — Öer. §ol- 
ka-ma brustschnalle der weiber. 

Thomsen got. sprogklasse 148 und Ahlqvist kult. 144, welche 
die mordv. cer. Wörter nicht in betracht ziehen, halten solki für 
ein lehnwort aus sv. sölja, sölga, altn. ffyUgo, Da das wort in 
den übrigen germanischen sprachen nicht vorzukommen scheint, 
dürfte es lieber aus dem finnischen aufgenommen worden, wo es 
sich sehr passend dem verb f. sulke an die seite stellt. Dass es 
hier zu hause ist, beweisen noch die zweite bedeutung des Wor- 
tes im estnischen: Stange, riegel, das lappische solke, ^o/X;a klotz, 
stock, sowie die nebenbedeutung des finnischen Wortes. Hieraus 
ergiebt sich, dass solki ursprünglich eine art nadel war, um damit 
die kleider zusammenzuhalten. Daraus erklärt sich auch die be- 
deutung des ganz ähnlich gebildeten livischen soF-kiy mä s. regen- 
wurm. — Mit der grossen Vorliebe der finnischen Völker für Span- 
gen und schnallen, die auch Ahlqvist 1. c. bezeugt, wäre es auf- 
fallend, wenn sie keinen einheimischen namen dafür hätten. Aus 
den Volga-sprachen führt er, kulturord 142, das wort äülgeme an 
als benennung der in ihnen gebrauchten, mit angenähten mttnzen 
verzierten, brustlappen der weiber. Wenn dies der fall ist, hät- 
ten wir hier eine erklärung des abweichenden Suffixes im mord- 
vinischen, indem hilga-mo = sülgefne als nomen verbale aus Sol- 
ga-n zuscliliessen, also etwa „das zuschliessende", aufzufassen 
sei. — Was die lappische form betrifft, findet sie ihre verwandte 
im fin. soUu =: solki — Übrigens kann hier passend daran er- 
innert werden, dass das läpp, noch ein anderes wort aus dersel- 
ben Wurzel besitzt: sol-j^ orbiculus argenteus aut orichalceus, cui 
foeminae forfices, cultellos etc. affigunt. Unzweifelhaft steht dies 
wort mit f. sal2)a riegel in Zusammenhang. — Lindström 86 ver- 
gleicht noch mongolisch seike, süike ohrschmuck. 

706. Fin. sol-mUy sol-me n. -mi knoten, halmknoten, gelenk. — 
sol-mu'kse n. -us oehr, schlinge. — sol-mi-n, sol-mi-e-le-ti, sol-mi" 
ske-le-n knoten machen, knüpfen, binden. 

Vep«. sol-me n. solm knoten. — Vot. söl-mti knoten. — söU 
nüi-n binden. 



23 

Eft söl-me n. söFm knoten, schleife, schlinge. — sol-ma-n, 
söl-mi-n knoten, knüpfen. — söl-iu-s bindeband, schnür zum auf- 
hängen. 

Liv. suot'fni n. suot-m, soT-m knoten, gelenk. — snot-niö^ 
sot-nw knoten, knüpfen, verbinden. 

K. lap. öuol-bm, sv. ötioUm, cuol-ma, uts. duöl-b-nia knoten. 
-— n. öuoUb-fna-t, sv. f:uohma'te't knoten machen. — sv. cuol-me- 
tä'St€'t dim. — öuol'nte'ta'öC't inchoat. 

Ers. Mord. Sul-ma-n knUpfen, binden, stricken. — mUma-mo 
band. — suUmo knoten, bündel, m. iuUma knoten. 

Kagy. öo-niö knoten, knollen, bündel. -^^io-fnö-S nodosus. 
öiMnö-js-ni schürzen, knoten machen, zusammenpacken. 

Lindström 86. Budenz szöegy. 374, szötar 395. Was das 
verschwinden des l im magyarischen betrifft, vergleiche f. silmä 
= m. säm^ f. kulma =: m. hom-lok. In der bildung mit zwei Suf- 
fixen, oder richtiger als abgeleitetes verbalnomen, stimmt m. öomö 
= *cohmO'Vo mit mord. sul-nia-mo, wobei der auch sonsf vor- 
konmiende Wechsel des Suffixes vo mit mo, ma, zu bemerken ist. 
— Gegen die identificirung des öom =: solm mit magy. täm-ni 
stipare, Jer. tem-e-m implere, satiare, womit Budenz lap. tälmot 
calcare, opprimere verbindet (szotär 240), indem er sie insge- 
sanunt aus tjm (m. tofu) premere, einem aus dem einfacheren 
t^l mit momentansuffix gebildeten verb, herleitet, hege ich noch 
grosse bedenken. Es scheinen in den hier betreffenden sprachen 
Wörter genug zu sein, um die annähme einer wurzel tarn, siehe 
wörterb. I, 544 — 550, als nebenform der wurzel tap ^schlagen, 
stossen, stampfen, stopfen", wörtb. I, 522 — 534, zu rechtfertigen. 

707. Fin. suH-o-n zusammenpressen, drücken, stampfen, auf- 
dringen. — snU-o-ske-le-n frqv. 

Vep8. sul'ci-n waschen indem man die wasche mit einem 
Schlägel klopft. 

Sv. lap. sul'ko'te-t packen, stopfen. 

Magy. äul'jo'k Schlägel, klopfholz, waschbläuel. — Sul-j-ko-Uni, 
sulrj-ko-z-ni mit einem Schlägel schlagen, prügeln. 

Lindahl-Öhrling lex. 438 vergleichen suUon u. mlkotei; Bu- 
denz szöegy. 362 verbindet stdlon u. äuJjok; vgl. die ähnliche be- 
deutung des f. survoti, est. servan, wörtb. I, 666. — Im szötar 



24 

369 erklärt Budenz sowohl magy. Stiljko — *suljoko, *sfijloko, als 
f. sulh =r *suglOy *suMo aus einer ugr. wurzel s„g „caedere", mit 
l Suffix gebildet. Da im fin. d und Z mit einander wechseln, 
vermußiet B. einen Zusammenhang zwischen diesem *sühlo und 
einer form *suhdo als ältere gestalt för das gewönliche huhdo, 
huhto tundere, valide ferire, welches mit mord. 5ar-7-n, ers. öav-o-n 
schlagen, erschlagen, prügeln, treffen, öer. ki-e-m jacere, magj. 
Suj'ta-ni ca^dere, percutere, penn, suji-t-ni hauen, peitschen, zu- 
sammengestellt wird, vgl. szot. 369 aber auch wört. 702. Über 
f. huhtoa vgl. wörUL 631. — Was suUoa betrifft, ist die annähme 
einer assimilatioiÄn^ suglo zu gewagt, da gegen den Zusammen- 
hang mit f. sulkea n:o 704 nichts erhebliches angeführt werden 
kann; hier könnte auch an estn. std-i-sc-n plätschern, sul-psa-n, 
sul-psa-ta-n plumpen, plumpsen, erinnert werden. 

N:o 708—717. Wurzel sal c) glatt, glänzend, klar, warm, rein, 
fliessend, schmelzen. 

708. Fin. sal'O = lichtstreifen in: päivän sah lichtstreifen am 
horizont. — sal-a-may scd-a-va, sal-a-sma blitz; scdava bedeutet 
auch eine weidenart, ein schlankes pferd. — hahe-ttj hcd-i-aj hei- 
e-va, hd-ja hellgrau, blass, lau; nach Ahlqvist auch: hellgrün. — 
füH-e-a id. — hal-ja-ha-s, hal-ja-JcJca id., s. hellgrauer Überrock bei 
den nissisch-kareliern; Ahlqvist gibt die bedeutung: blau, welche 
färbe auch in Kalevala 18,9 u. 696 gemeint sei, vgl. kulturord 83. 

— häl-n-kka hellroth, (Lönnrot) dim. von hrdea, — fmH-a reif- 
frost. — haU-a-va hellgrau, blass, hellbraun, hellroth, hellgrttn 
(Lönnrot). 

Vot. all'i grau = f. hallt : halliparta graubart. — att-a-s gras- 
grün. — Est. haT'ja-s blank, glänzend, glänzend grün. — hdt-ja-lc^ 
hal-ja-ka-s id. hellgrün. — hart grau. — hatt-i-se-n grau werden, 
hatt-i-ta-n schimmeln, grün werden, haF-ja-sta-n glänzend machen. 

Liv. ot-a-Sy OLl-a-s pl. altöd, L. aTt, al-e-s pl. alljed grau, grün, 

— al-a, ol-a reif, uachtfrost in warmer Jahreszeit. — Vepi. hal-a 
reiflfrost = Est. hall g. haUa, haJlae, hal-e g. halge reif auf der erde. 

Sv. Ip, ^uol'C ultima lux diei ==: f. salo, 
Öer. §61 glühendes feuer, vgl. f. sila^ stda n:o 709. 
Kagy. sal-jo-g-ni splendere. — Vog. B. §al'i weiss, glän- 
zend. — sal' blitzen, vog. K. sal-i, säl-ne-x^^ blitz, vog. L. sal- 
blitzen. 



25 

Ahlqvist kult. 83 stellt f. haUa sehr passend zusammen mit 
hakttj wie f. hämiä „reif" u. hamm „grau"; vielleicht ist auch 
magy. zöl-d grün, unreif, das laub, welches er s. 82 aus slav. 
seigHKj (setonij) hervorgehen lässt, in derselben weise zu erklären. 
Das fin. heleä = *sel€dä „klar, bunt" (s. folgende n:o), verwandt 
mit halea und sikä, verhält sich nämlich genau zu m. s^öld, wie 
f. kcUvea Mass zu syrj. M'id, vgl. auch f. JieHä, est. Aek?e = magy. 
sälid; sogar die bedeutung unreif kommt im wot. alias unreife 
frucht wieder. — Thomsen got. sprogk^ 79 leitet holla aus dem 
litt szalna reif, welches mit szaltas kalt, ßjU^i friereir in Ver- 
bindung steht, s. Schleicher litt, spräche ül^Jfeo. Das lap. ^- 
dldne thau = "^salna (vgl. hiezu n:o 716 fin. s\üa u. a.) könnte für 
diese ansieht sprechen, wäre nicht hdla durch so viele verwandte 
bildungen als einheimisch bezeichnet; dadurch verfallen auch die 
beziehungen zu schwed. hall, pers. khal, russ. xöJiOAt, Lönnrot 
lex. s. 100. 

Bei den Wörtern f. solo, salama, salava könnte man leicht in 
zweifei gerathen, ob sie nicht näher zu f. salko, sah und den übri- 
gen in den n:o 694 u. 696 angeführten Wörtern zu rechnen seien. 
Fin. sdama stimmt in der form vollständig Uberein mit vog. sahm 
„lange holzspleisse" und salava ziemlich gut mit prses. partic. sa- 
liva aus salin spleissen, spalten, wodurch ihre grundbedeutung 
etwa: „das spaltende, lange spalte" wäre. Bei einem vergleich mit 
£ süeä = Ip. saUady Mla glatt, glänzend, sowie mit selkeä, sei- 
kenen u. s. w. sammt den übrigen hier oben aufgeführten, zeigt 
sich doch diese richtung der wurzelbedeutung als die vorwiegende. 
Der enge Zusammenhang zwischen f. seVcenen klar werden und 
halkenen spalten, selkä rücken, weite längliche Wasserfläche, aber 
auch oifene see, est. sah dünn, schlank, aber zugleich undicht: 
sale mets = undichter d. i. „lichter" wald = f. selko u. a. beweist 
doch das Vorhandensein der beiden anschauungen : „gespalten" und 
„klar, offen, glänzend" bei vielen bildungen aus der wurzel sal^ 
und so möchte es auch hier der fall sein. Budenz szöt. 390 weist 
mit recht hin auf die häufige abwechselung des a mit i in fin- 
nisch-ugrischen wurzeln, wodurch seine Zusammenstellung des sd- 
keä, lieleä mit vog. ^a//, magy. ^äljogy ö-iUog u. s. w. ganz in der 
Ordnung ist. Wenn ich die hier in betracht kommenden Wörter 
dennoch auf zwei verschiedene nummern vertheile, so geschieht 
dies wie auch sonst oft, um grössere Übersichtlichkeit der beiden 
wortreihen zu gewinnen. Wie bekannt, ist dieser Vokalwechsel in 

3 



26 

demselben worte zwischen finnisch und lappisch sogar die allge- 
meine regel: f. rinta Ip. radde, f. siUa Ip. äcUdde^ f. isä Ip. aöäe u. a. 
In bezug auf Cer. öol{i, f. selkj Ip. öälg, äälg gibt Budenz s. 
369 dem urspr. verb oder der wurzel diese gestalt und erklärt 
sogar f. scdama aus *salgama: selke = f. valo licht: volke. Nimmt 
man salg als sekundäre wurzel, analog mit sdlg aus sdl in n:o 694, 
so finden ^ch in der that genug beweise einer solchen in den 
verwandten sprachen und zwar in allen verschiedenen Verzweigun- 
gen der Wurzel mit star}| modificirter bedeutung; anderseits aber 
hat man sowohl b^.iuo 709 als hier oben so viele bildungen mit an- 
deren Suffixen, w^|{3ie natürlicher und einfacher als Verzweigun- 
gen aus sal dastehen. Um so weniger dürfte es daher gerathen 
sein hier noch eine Umstellung der form sdga^ selge aus sagla^ 
segle anzunehmen (nach B. mit la suffix gebildet wie f. sulga aus 
sugla = ostj. toglt, m. toUa), um dadurch zu eine nebenform des 
angenommenen tag „splendere'' zu gelangen, zu welchem unter 
anderen auch magy. tätsik apparet, takintäni schauen gehörten 
(szöt. s. 211). 

709. Fin. sel-vä, sej-ke-ä, sel-i-ä klar, hell, durchsichtig, still 
(serenus). — sel-ke-tie-n, seUke-ä-n klar etc. werden. — sd-ko klar- 
hcit. — sü-a (vgl. n:o 701 s^ilu u. a.) dünne Scheibe, lamelle, spleisse, 
stille stromfreie stelle in Aussen. -- std-a fliessend, geschmolzen, 
rein, klar; Öffnung im eise. — heUe-ä, hel-i-ä, lieUe-vä (= selvä) 
klar (vom licht od. schall), bunt, leuchtend. — JisUa-kka hell, klar, 
freudig. — hel-o glänz, klang. — heUa glänzender beschlag. — 
hel-a, helrUy heUu, hel-ka nächtliches frühlingsfest bei den altfin- 
nen, mit glänzenden feuern (heia valkeat) und tanzen gefeiert. — 
het-te-he nom. Mle Sonnenhitze, Öffnung im eise durch die frtth- 
lingssonne gewirkt; adj. warm, s. Zartheit, Weichheit. 

Vdpi. sel-ge-d klar, deutlich. — seUgi-stii-n klar werden. — 
sd-gi-da-n erklären = f. sel-i-tä-n. 

Eit sel-ge rein, klar, lauter, hell, heiter. -- sel-e-d^ söl-e-d 
plur. strahlen in: päeva söled Sonnenstrahlen, aus selg, sölg. — 
het'k glänz, metallschmuck, schall. — hd-ki-as hell, funkelnd, glän- 
zend. — het-ki-n schimmern, glänzen. — liel-e gen. hd-c-da, fteü-^ 
klar, hell (für äuge oder ohr). — hel-e-n, M-e-nda-n leuchten, 
scliimmern, glühen. — M-e-ndu-s schein, luftflpiegelung. — het-, 
In-ta-n glimmen, lodern. 



27 

liv. iel'd, M'dö, L. säUd rein, klar, hell, gediegen, deut- 
lich. — iet'tä ordnen, läutern, aufklären, erklären. 

H. Ip. ääll-O'ty Säl-ggo-ty Sel-gu-de-t glimmen. — n. iäUgga-d, 
öid-ga-s, öieUgga, öiel-g, sv. öäl-g, öäl-ga, öäl-ges, öäl-ge-t, utsj. 
dieUkn-s klar, rein. — n. öiel-gga-t, öiel-gga-ne-t, sv. öäl-ge-t, öal- 
ga-ne-t klar werden. — n. öil-ggi-ty öiel-ga-de-t, sv. öät-ge-te-f, döJ- 
ge-da-tte-t klar machen. — enar. HUgi-S, SU-gi-d (yrklären = f. 
sditä- für *selgiiä'. 

Votj. öel-e-kja-Joy del-e-k-to blitz^, leuchten. — öel-e-k-jan 
blitz. — cä'ki't rein, unschuldig. v 

Öer. äol-gu-za-m, b. öol-gl-za-m glänzenyplitzen. 

Magy. öül-o-g-ni, öilUo-nga-ni funkeln, -schimmern, prangen. 
— diU-ä-m Schimmer. — öill'ü-m-la-ni coruscare, micare. — dill-a-g 
st. öHla-go Stern, gestirn. — öily HU schillernd, in: <!?/?-H schiller- 
stein, öäl'kovag schillerquartz, öHI-homok flittersand. 

Oslg. sely sei dünn, fliessend, glänzend (Ahlqvist kult. 58); 
auch in sel-vox Silber, das glänzende, helle metall. — Sul-hta glän- 
zen, leuchten. — M-c-m-ta mom. id. — Sul-'i-p-sa das schimmern, 
glänzen. 

Vgl. n:o 713. Budenz szoegy. 371, szöt. 390. — Im ostjak 
samojed. heisst 6el, fiel, fei, dim. fel-ga sonne; öelenha, felenba 
hell werden; vgl. jur. samojed. sear, kamas. «ir/, jeniss. 5i7ot weiss, 
D. wörtb. I, 675. Tatar, soloni, scdam flammen, solkaJem vibrare. 
Burjatisch sailganam, cailganap weiss werden (f. selkenen), selmek 
klar, hell, seltne schwert = mong. seltne, mandsch. sele eisen, tung. 
öürnar klar. — Schott Alt. spr. 133 führt zu f. selkeä türk. sil 
klar machen, mong. sili auswaschen, reinigen, silgha auslesen, prü- 
fen, mandsch. selgie erklären, obrigkeitlich bekannt machen. 

Die bedeutungen „glänzen"" und „klingen"" sind schon öfters 
als zusammengehörig nachgewiesen. Es gehören daher zu der obi- 
gen reihe die klomplettirenden fin. heUe-ä, hel-i-ä klar schallend, klin- 
gend, klangvoll, bunt, leuchtend, zierlich, vgl. f. sileä glatt, hileä 
glatt, klingend n:o 713, hel-i-sc-^ klar klingen, schallen, hel-hka 
schall, hel'kkä id. und leicht beweglich, los, hel-ke schall, laut, 
klang, leicht beweglicher zustand, schaukeln, vgl. n:o 722. Nach 
dieser richtung begegnen wieder hel-ju-^ leicht beweglich sein, 
heilun, heUup, Jniljun, hüllen, vgl. sülkf, hülki n:o 721 und svJa 
n:o 716. 



28 

Mit wenig modificirtem vokal gehören hielier noch f. kiUa 
etwas abgetragenes, lumpen, aber aucli pforte, gallerwerk, hiUa-htä 
schwach und sclinell klingen (schwacher als helä/itu), hil-a-stä stim- 
men, spielen, sich vergnUgen, hil-i-sc-n schwach klingen, hä-kka 
feiner metallischer klang; leichte bewegung; Schleier, hil-kkä-n 
wie metalle klingen, und noch zahlreiche andere. 

710. Fin. Iiel-lä klar, warm, zart, mild, weichlich. — hcH-ja mit- 
leidig, barmherzig, sanft.. — hal-a-kka betrübt, traurig. — hel-lä-n 
zärtlich sein, gelincjg, weichlich behandeln. — lieUtu, M-ttu weich- 
Hcli, verzärtelt — '• hd-iü-ä los, zart, weich werden. 

Vot. eUlä zaiS, — Est. huUe gen. haleda, hai-Cj hai-le weh- 
mUthig, mitleidig, barmherzig, traurig, bleich. — hd-e-ta-n, luü-a- 
sta-n, hal-a-ta-n traurig sein. — hal'C'U'k mitleidig, jämmerlich. 

— M'h nom. Ml, licl-U nom. hctt zart, stumpf, sanft-, weichlich. 

— hel'le freundlich, mild. — hd-l&n pflegen. — hel-de gütig, mild, 
gelinde. — hehdeAi-k, hehde-ne gen. -se, -ce id. — hel-di-n mUd, 
empfindlich, schwach werden. 

Liv. el'd tugendhaft, freundlich. — el-dö-m, el-du-s freund- 
lichkeit. 

Sv. lap. helrle, heUlc-s sanft, zart. 

Magy. ^ä/-/-J zahm, sanft. 

H. Oßtj. sal-'i'd'ta bemitleiden, bedauern. — sd-hti-p-sa mit- 
leid, bedauern. 

Budenz szöegy 318 verbindet m. .sälid mit f. MW, est. /w??/a, 
heJde. — Fin. h^lta, heUta, hM, /«7fm los, beweglich, hdtu franse; 
weichlich und viele andere formen, die mit den oben angegebe- 
nen in nächster vei*>^^andtschaft stehen, geben eine grundform hcltay 
lieltä = *keldä, welche sich vollständiger als im f. hcllä (vgl. f. 
nom. tielle aus heldc, st. lieltche) im est. hehle, liv. eld und noch 
ursprünglicher im f. seliä = "^selidä, magy. sälid = *säld und ostj. 
äcdid = *sald aufbewahrt hat. Es ist dieselbe form, die uns im 
liv. seid hell, magy. zöld grün, est. saleda n. sair dünn, scldank, 
aber auch undicht, „licht**, vot. salea = *salcda hübsch begegnet. 
In betracht dieses vielfachen Vorkommens des rf, / in nächster Ver- 
bindung mit der wurzel, könnte mau mit eben so gutem rechte 
eine wurzel scdd, seid annehmen, als salf/, sehfy sie müssten aber 
dann als mit einander identisch gesetzt werden. Da al»er oben bei 
den genannten wöiteiii, wie auch sonst so oft, die suffixe ka, ta 



29 

mit anderen abwechseln: hel-sto los, zerhrechlich, hcl-vä = lid-ppoy 
hel-po leicht, billig, klein, schlaff, hcl-pc-ä leicht, schnell, lebhaft; 
voll von Wiesen, acheln, spreu (vgl. hcUpch^^^ siUpu fliese, achel 
n:o 701), hcl-po-ia erleichtern, weicher, gelinder machen, vgl. n:o 
701 anra., so ergeben sich bald die abwechselnden zusätze Tca^ 
sa, 2)a, va^ sfa mit verschiedenen vokalen als primärsuffixe, durch 
welche aus der einfachen wurzel sal primäre wortstilmme in ver- 
schiedenster weise und mit stark modificirter bedeutung gebildet 
werden. Das sinnliche naturgefühl des finnischen ist aber noch 
so stark, dass der gegenseitige Wurzelzusammenhang der verschie- 
denen bildungcn noch hinlänglich durchsichtig ist, um eben die- 
sen Zusammenhang noch auffassen zu können. Daher vereinigen 
sich noch in demselben woiie mehrere bedeutungen, deren be- 
ziehungen gar nicht zu begreifen wären, hätte man nicht die alle 
vermittelnde wurzelbedeutung. 

Das unter n:o 344 aufgeführte f. hil-ja iiihe, ruhig, still, leise 
u. f. gehört gewiss hieher. In der bildung verhält sich hal-ja: 
hif-ja = est. hfldc: f. hil-ti = f. hcl-Iä, hil-Ii sanft, sacht, nach- 
giebig: est. hel'la, heUti Auch Budenz szötär 157 stellt hilja zu 
magy. halle und leitet sie nebst dem nlap. sHolga sachte, gemach, 
langsam, syrj. ööl schweigsam, still, nihig, penn, cvl id. aus einer 
ugrischen form s-U(j tacitus, lentus, der hal in haUk entspräche 
wie magy. jäl dem f jälkv, d. h. haUk sei mit diminutivsufßx ka 
ausgebildet; so erklärt er auch magy. dalog zu fusse = Ip. jual- 
f/ak szöt. 178. 

Schott Alt. spr. 55 vereinigt f. halja mit lap. uljo wämie, 
welches doch näher dem fin. ulia blass liegt, und dazu noch tttrk. 
jeli, ilL 

Vgl. mandsch. sclamhi sich freuen, vergnügt sein: selgijembi 
ausbreiten, erklären = f. IiHlä, hellun: selkm, selitän n:o 709. 

711. Fin. hcl-mi gen. lielmm perle, kleine blase; helmi-kü fe- 
bruarii, d. i. reif-monat. — hel-me st. JwlmcJie id., reif an bäumen. 
Est. Ärf-m, el-m pl. elmed, liel-mc-s perle, koralle, tropfen. 
Liv. el-yn, cl-ma-s pl. ehmd bemstein, perle aus bemstein. 

Grewingk, Das Steinalter der Ostseeprovinzen, Dorpat 1865, 
s. 95 vergleicht das liv. wort mit dem in den russischen, kurdi- 
schen, arabischen und persischen sprachen vorkommenden oilmas, 
bei den komanem jdlmaSy und scbliesst daraus, wie auch Wiberg, 



80 

De klassiska folkens förbindelse med norden och inflytande p& 
dess civilisation, Stockholm 1865 s. 28, dass die am sttdöstlichen 
ufer wohnenden Völker, unter ihnen die liven, eine selbständige 
kenntiüss des bemsteins gehabt, und dass der bemsteinhandel 
von der Ostsee und den dort wohnenden Völkern nach Süd-Europa 
und hinein in Asien gegangen ist. Diese ansieht scheint dadurch 
bestätigt zu werden, dass man in den südlicheren sprachen ver- 
geblich eine etymologie des wortes gesucht hat, während diese 
ganz einfach in den finnischen sich kund gibt. Wie das altskand. 
(jlys, altgenn. glces = „glänzend", geht auch lielmi aus einer ¥air- 
zel hd =^ sei (sal) hervor, welche „glänzen, leuchten, durchsich- 
tig sein** bedeutet und zu der unter anderen f. sd-vä, sd-keä klar, 
hell, durchsichtig, fid-o glänz, Jud-a-kka hell, klar, Jid-e-ä klar, 
leuchtend vgl. n:o 709 gehören; Lönnrot lex. 136 stellt es zu- 
nächst zu Mo. Da sich in dieser weise der eine der viel ver- 
breiteten namen des bemsteins unter finnischen stammen ausge- 
bildet hat, darf wohl Grewingk's weitere Schlussfolgerung als rich- 
tig bezeichnet werden: die liven hätten früher am westkurlän- 
dischen ufer, wo bemstein häufiger vorkommt, gewohnt, an lit- 
tauer und lettcn grenzend, von welchen die zweite benennung 
des bemsteins: litt. gentaraSf jentaras, gintaras, lett. dsinters, dann 
russisch jantar herstammt. Vgl. hierüber meinen aufsatz: Meri- 
kiven kaupasta Itämerellä, kielit. osak. keskustel. U, 46. 

Auch Lönnrot lexik. 1 36 stellt helmi zunächst mit tidoj glänz, 
klang in Verbindung. liier ist übrigens daran zu erinnern, dass 
der in Kalevala vorkommende ausdruck hdmUetku = helmimo- 
ska, welchen man gewöhnlich mit „perlenpeitsche, mit perlen ge- 
schmückte peitsche" tibersetzt, wohl eigentlich dasselbe als hdä- 
ruoska „die klingende peitsche" bedeutet. 

712. Fin. siUmä äuge, gesiebt, Öhr, quellader, blatt- oder 
blumenknospe. — sü-mi id., in Zusammensetzungen. — sU-mä-kkö 
quellader. — sü-mi-kko Schleier, fruchtauge. — sil-mu das neun- 
auge. — sü-mu-s st. sümukse^ sä-mu-kka, sä-mu-ke st. -kkehe, 
sä-mu'Sta Öhr, masche, knoten. — sil-fnä-n^ sU-mäi-le-n betrach- 
ten, anschauen. — sil-mi-n id., mit den äugen bezaubem. — sd- 
ai-le-H nachlässig etwas ansehen, erblicken. 

Vdps. sil-nui n. sUm äuge. — Vot. sil-nui id. — sä-mo das 
neunauge. — Est. sil^rna n. silm äuge, pl. antlitz. — sü-mu n. 
säm, sUrmi'k neunauge. — sU-niu-s st. -se, kse schlinge, ose. loch. 



81 

schleussöShung. — siUma-Hy sü-mi-n, sü-ma-ne-n blicken, erblic- 
ken, sich umsehen. 

Liv. sll-ma, L. Sll-m, siUm äuge, gesiebt, schlinge, masche, 
Öhr, meeresarm. — sil-m-ki äuglein. 

H. Ip. öal-b-nie, sv. öal-me, utsj. dal-b-mi äuge. — n. ^ai-h-me, 
SV. äal-nie äuge an nadeln, mUhlsteinen u. s. w. 

Ers. Mord, set, sei-me, sel-mä äuge. 

Öer. Sifi'za, äin-^a^ b. Sin-za^ sin-zä id. 

Syij. sin (abl. sin-mi-S, instr. sin-mö-n) äuge. — Volj. sin 
id. — sin-mo sehend, sin-teni blind = f. silmätön, — Perm, sin 
äuge. — sin-a mit äugen versehen. — sin-nvorl-nl schauen. 

Magy. se-m, sö-m st. sc-nie, sö-mö äuge, masche, körn, knospe, 
glied (einer kette). — se-me-s oculatus, perspicax. — se^mü äugig. 
— se-m-lt-l-ni anschauen, betrachten. 

Osljj. I. se-m äuge. — H. Ostj. sc-m id. — se-mi-je dim. — 
Vog. sä-m id. — sä-mi-n äugig. — sä-me-l-te-m erblicken, wahr- 
nehmen. — L. P. Sä-My sc-m äuge, konda vog. «a-m id. — ^a-m- 
ta-l blind. 

Einer, der nur ein äuge hat, heisst f. silniäpudi = „auge- 
hälfte^ = I. Ostj. sim pelek (f. puolikko), N. Ostj. sem pelakj 
Votj. pal'siny Magy. fel-semü. 

Lindström, Suomi 85. Hunfalvy Vog. föld 283. Budenz szöegy. 
282, szöt. 290. In den permischen dialekten wechselt zuweilen 
Im mit nm: f. külmä = syrj. k'in st. k'inmö, f. ilrna = syij. jen 
st. jmmä. Budenz erklärt passend das öer. äin-za = Sim-Sa (vgl. 
iev. kum = f. kolme) aus Sim-subo, SimrSiba infans oculi, d. i. 
pupilla, wie das lat. pupiüa, gr. xogi^ (mädchen und pupille), est. 
süma tat pupille, tat puppe, kleines kind. — Dass in dem wort 
silmä in der that eine bildung aus der würz, sal, sil vorliegt, ob- 
wohl sämmtliche verwandte sprachen wenigstens spuren eines und 
desselben ^ufiixes tna aufzeigen, geht aus den nahe liegenden si- 
leä^ siloy süa, selvä, helo, sula ziemlich deutlich hervor. Noch di- 
rekter beweist dies das f. sd-ai-len, welches ein frequentativum 
ist wie f. sil-mäi-le-n, perm. sin-ma-l-ni und magy. se-m-U-l-mj 
aber doch nicht gern als kontraktion aus silmä angcseheu wer- 
den kann. Die richtigkeit dieser auffassung wird auch durch an- 
dere bildungen aus derselben wurzel mit dem verwandten suffix 
muy mi bestätigt : f. solmu^ solmi hat eine nebenform sohnus „Öhr, 
schlinge^, wie sümus „Öhr, masche, knoten^, im esin. „schlingey 



32 

loch, schleussöifnung^; das liv. §ibn »äuge, schlinge, masche"^, 
aber zugleich „meeresarm", zeigt sich durch diese bedeutung als 
dem f. salm nahe stehend. Wenn wir hierdurch an die Vorstel- 
lung: „sich spalten, öffnen" erinnert werden, führt uns f. t^elmi 
„perle" zurück zu der anschauung des „hellen, durchsichtigen, 
glänzend klaren, des fliessenden", welche ohne zweifei bei diesem 
Worte die vorwiegende ist. In jene reihe möchte ich noch f. licUma 
„unterer säum der kleidung bei den weibeni, schooss" stellen (ent- 
weder dem f. est. luivc flöckchen, blättchen als „zipfel" oder .solmu 
als zuschliesscnde öftiiung, „schlinge" am nächsten verwandt), und 
auch f. hcd-nwy est. hal-c „rödung, abgehauenes gebüsch", wel- 
ches sich durch den genitiv haltje mit halketmi spalten in näch- 
ster Verbindung kund gibt und an f. selko lichtung im wähle, est. 
sale niets lichter wähl u. a. erinnert. 

In den Samojedischen sprachen heisst jurak samojed. sacuj 
haem, tawgy saittw, jenissei sei, ostjak sam. sai, hai, sei, kamas- 
sinisch sima äuge. Schott Altai, sprachenge^chl. 134 führt sü 
= sei als Wurzel des Wortes silmä an, welches „ein glänzen, etwas 
helles" bedeutet. Dahin scheinen ihm auch mandschu s^ihnen Sper- 
ber (wohl von der schärfe seines gesiebtes so genannt) und meng. 
siH-giisun luchs, welchem f. ilves st. üvcksc entspricht, zu gehören. 

713. Fin. sil'C'ä, sil-e-vä, ^il-i glatt, eben. — sil-o glätte, Schlüpf- 
rigkeit. — sil-ü-n glänzen, blühen. — sil-c-ä-lücä etwas glatt. — 
hil-e-ä, hil-a-kka glatt (auch: klingen). — hil-a-s glatt, schlüpf- 
rig. — siUe-ne-yi, sil-c-n-n glatt werden. — s^il-lcka glatt, rein, 
lauter. — sil-kktt-n schlüpfen, ausgleiten. — sul-ja glatt, eben, 
schlüpfrig. 

Eit sil-e-da n. sile glatt. — sil-i-n, sil-i-ta-n, sil-e-sia-Hy sil- 
e-rda-n, sil-i-cc-n glätten, streicheln. 

Liv. stUa-stö' glätten, streicheln, schmeicheln. 

H. Ip. ^aU-a-d, sv. Ml-a glatt. — sv. ^oZ-ft, s6l-k gute, glatte 
bahn im winter. — Sal-ke-t glätten. — sv. M-jo, n. Sill-joy en. 
äil-jo ebene, hofplatz um das haus. — äaUde marktplatz. — n. 
sUl-ad blank, glatt. 

Obwohl die analogie eines schwindenden l vor k im magyari- 
schen nicht gesichert zu sein scheint (das magy. äikö, welches Bu- 
denz szöeg. 369 mit f. sälkd verbunden hatte, gehört wahrschein- 
lich einer anderen wortreihe s. n:o 725; es ist nicht im MU. szötar 



33 

aufgenommen), könnte man doch geneigt sein hier das magy. ^-Jc 
,,ebeny flach, glatt; ebene** wegen des sonst im magyarischen vor- 
kommenden verschwindens eines: l mit den übrigen aufeuführen; 
80 auch Budenz szöegy. 347. Die Verbindung des Stk ~ Sl-k mit 
magy. SiMani prolabi, äikamlani, äikämlani prolabi, gleiten, aus- 
gleiten, SiJcärolni, SikäUani polire, MU szötär 353, ist doch zu an- 
gemessen, um eine vertheilung auf verschiedene wurzeln zuzulas- 
sen. Dagegen scheint die Zusammenstellung von sik, sik mit mordv. 
.^ova-n schleifen, f. kijo-n, hiv-o-n und noch magy. sij- in ^ija-t" 
ää-^ glätte, si-fuaj si-ma glaber, tevis. siv^ä^n abgetragen, ver- 
schlissen, alle aus einem ugr. s^g, s„v „schleifen, reiben**, zu wel- 
chem auch magj'. .^ovän =: mord. suva gehörte (vgl. MU szöt. 
161, D. wörtb. n:o 788), nicht Über allen zweifei gehoben. Dörpt- 
estn. higo deutet wohl auf eine form hig = sig, dagegen hat man 
fin. siv-a-s glatt, schlüpfrig, welches sowohl dem fin. hivon, mord. 
äavan, Jer. §uva, als anderseits auch f. sileä eben so nahe kommt. 
Schott Altai, sprachengeschl. 145 verbindet f. sikäy silo, silkka 
und bedingungsweise siln-va speck mit mong. silün n. silii-sün 
Speichel. 

7I4, Fin. sil-a-kka, sü-a-hka Strömling (clupea sprattus L.). 
Est sil-k gen. silgu id. — Liv. sit-ka, sit-k id. 

V. Hehn, Das salz, s. 67 betrachtet nicht nur f. silli bering, 
sondern auch est. silk gesalzener Strömling als lehnwörter, welche 
die Ostseefinnen theils von den Schweden, theils von den Letten 
entnommen. Die altn. slld^ dän. süd, schwed. siU^ preuss. sylecke, 
lit. silke^ lett. Silkis seien „dunkle bildungen, in denen nur der 
Zusammenhang mit dem salz fühlbar ist**; die slaven empfingen 
den fisch aus skandinavischer band: altsl. und russisch ^e{(^, pol- 
nisch iledz. Dies scheint die zweite bedeutung des fin. silakka: 
„eingesalzenes essen** (fisch, fleisch, pilze) zu bestätigen. Indes- 
sen muss hier in betracht gezogen werden, erstens dass nur die 
finnischen sprachen eine wortform sil = salz aufzuzeigen haben 
(wotj. süd, jenissei samojed. süo, siro, vgl. n:o 724), und zwei- 
tens, dass fin. silakka nur eine nebenform zu fin. salaJcka weiss- 
fisch (cyprinus albumus) n:o 694 ist. Jenes reiht sich, wie die 
nahe liegenden f sükka, Mokka glatt, süeähkä etwas glatt, als 
diminutivbildungen an f. süeä = *siledä, sili, hileä. Was f. sUli 
betrifft, welches schw. Ip. süda^ n. Ip. südde heisst, muss hervor« 



84 

gehoben werden, dass das norw. lappische noch die form saUad 
hat, welches in n. Ip. äallad, siüad glatt, glänzend eine äusserst 
nahe liegende wortform hat. Wttrde sich daher der indogerma- 
nische urspning aller dieser Wörter bestätigen, muss doch eine 
Umbildung des entlehnten Wortes im sinne der Volksetymologie 
in den finnischen sprachen angenommen werden. Vgl. n:o 724 stwla. 

715. Fin. Ifd'i st. h'de glühende kohle. — htUa-kka^ hH-a-va 
gluthgefärbt, schinmiernd, heiss. — Jül-o-s glühfeuer. — ful^-n glü- 
hen, glimmen. — hll-i-sto, hU-i-kko glühhaufen. — hlUo schwar- 
zer ochs, gebrannte rübe. — hlUa heiss, im Olonetz' dial. — 
hll-u-ta-n das feucr anfachen. 

Veps. hll kohle. — Est. hll-e, hiUe uferfeuer als zeichen flir 
die fischer od. schiffer = hilgc. — hiUg g. Ifila glänz. — hil-ga^, 
hlt-gu-n^ hil-a-ta-n, lül-a-n glänzen, leuchten. — htUa-sta-n erhel- 
len, glänzend machen. — hiUe-nda-n leuchten, schimmern. 

H. lap. hiU-a, sv. A<7-a, fiUa gluth. — n. hil-ai-du-tte-t, sv. 
SU-a-te-t glühend machen. — sv. ^il-a-I^-t gl. sein. 

Magy. äil-ä'h glimmende kohle. 

Schott Altai, sprachengeschl. 115 verbindet fin. At/r mit ttirk. 
kül glühende asche. Die wurzel kal = kil^ kll „glatt, glänzend, 
blass" ist wohl sehr verbreitet im finnisch-ugrischen, vgl. n:o 201 
— 14, sogar die mit hll-a-kka äusserst ähnliche moderativform kll- 
a-kka etwas glänzend (n:o 207); doch deuten anderseits die lap- 
pischen und magyarischen Wörter auf einen anlaut 5, wie in der 
that magy. äU-ä-k mit f. hll-a-kka auch formell übereinstimmt. 

716. Fin. suUa aufgethaut, geschmolzen, flüssig, lauter, klar; s. 
öflFnung im eise. — sul-a-n, sul-a-u-n, sul-ä-n flüssig werden, schmel- 
zen. — sulr-a-ta-n fact. — suUja leicht fliessend, glatt, geschmeidig. 

Veps. sul-a-n intr. schmelzen. — std-a-da-n fact. 

Vot sul'ä-n, sul-a-ta-n schmelzen. 

Est. sul-a weich, locker, zart; flüssig, fliessend, schmelzend; 
rein, lauter. — sul-a-n schmelzen, thauen. — sul-a-ta-n trans. 

Liv. sul-a geschmeidig, flüssig, offenbar, recht (f. sdvä). — 
std-ä'tö', L. std-a-ta- schmelzen, aufthauen, trans. — sid-ü-^ L. 
sid-a- intr. 

H. lap. äoUgi-de-t, sv. M-ke-te-t intr. schmelzen. — n. äol'^gi'4, 
Sd-ke-le-t trans. — sv. suol-dne thau. — suol-dno-t humescere. 



85 

Syij. stl-a schmelzen. — Pem. siU-l-ni id. — sll-ö-m, stv-ö-m 
geschmolzen. — sU, sio der nicht zufriert. 

Ers. IL Mord, scl-a-n schmelzen, abmagern. — Ers. sol-a-ßl-n, 
m. sd-a-vio-n trans. — m. scl-a fliessend, angefroren. 

Öer. 8oUa-m schmelzen. — w. äoUde-m, b. ^oUte-m trans. 

Magy. ol-va-d-ni schmelzen. — Vog. suUe-m, kond. sul-e-m 
id. — Oitj. sei dünn, fliessend, glänzend, Ahlqvist kult. 58, 60; 
vgl. selvä. 

Lindahl-Öhrling lex. 406. Lindström Suomi 87. Budenz szöegy. 
851. Einerseits ist die Verwandtschaft mit sUa, sUeäy selvä nicht 
zu übersehen, andrerseits aber gibt es, wie schon Budenz 1. c. 
bemerkt hat, im Vogulischen die Wörter tdem^ tolenh schmelzen, 
welche den mit s anfangenden an der seite stehen. Da dem worte 
suJka nicht nur die bedeutung: „feder, spitze^ sondern auch dünne 
„eisscholle'^, vgl. hile, häse, hilste, JüUo n:o 702, zukommt und 
f. süli, Ip. sal, scJia faden, klafter, schooss an f. saJe und hdma 
erinnert, beide aber mehrere verwandten mit beginnenden t ha- 
ben, s. wörterb. I, n:o 562 u. 563, so entsteht eine gewisse Schwie- 
rigkeit das gegenseitige verhältniss, resp. den Ursprung dieser 
Wörter zu erklären. Wie auch diese erklärung ausfallen mag, 
scheint doch die wurzel sd, (sol, sul, sü) durch ihre reichhaltige 
entwicklung gesichert zu sein. 

Schott Altai, sprachengeschl. 136 stellt f. sula mit mongol. 
stUa locker, ledig, frei, türk. siUp-ük schlapp, hangend zusammen. 



717. Pin. sU-a-va speck. 

H. lap. säl'ba-s fett, feist. — sv. sal-g pinquitudo. 

Syij. s'ily slv fett, speck. — Vola. sit fleisch. — sit-o fleischig. 

Öer. ^e2, 01^ SÜ das fett. — ^d-ä-n fleischig, fett. 

Ers. Mord, sivel fleisch, m. sivd^ sivü id. 

Magy. sal'O-nna, soUa-nna speck. 

Lindström, Suomi 85 führt einige dieser Wörter an. — Im 
mordv. ist sivel wohl aus *süel entstanden, wie öer. süvdam spuere 
aus *Süldam = syij. iöld- n:o 721, oder es sei hier eine Um- 
stellung aus *süev = 1 süava eingetreten. Sonst könnte man 
diese formen mit f. sivas glatt, eben in Verbindung bringen, da- 
bei es dennoch unsicher bleibt, ob nicht auch dies wort aus *sp' 
las entstanden ist. — Es verhält sich übrigens süava : süeä, sdvä 



36 

=: f. kü fett: würz, kaj, koj leuchten, glänzen, vgl. oben n:o 31 
des Wörterbuchs. 

Tawgy samojedisch sela, kam. sil bedeutet geschmolzenes fett 
von fischen. Mandschu silja, sija weichgekochtes fleisch, sile fleisch- 
brUhe, silda jali fleisch vom hals der thiere, v. d. Gabelenz wörtb. 
Schott Altai, spr. 145 erinnert an mong. sihln u. s^üü-sün Speichel. 

Grosse ähnlichkeit in den bedeutungen, theilweise auch in 
den fonnen zeigen gr. ölaX-o-v Speichel, öla).-0'S fett, schmalz, 
öako-g Speichel, ötorA-oiÄjy^ speichelartig, fett, lat. scU-iva, ahd. 
slt-m, ksl. sUna, lit. seilte speichel, geifer. Es stehn nämlich auch 
im finnischen sül-ki speichel, sül-M, hiü-ku verächtlicher gegen- 
ständ, anderseits aber std-a fliessend, geschmolzen (n:o 716), sBl- 
kkiiä sich hin und her bewegen, schwanken s. n:o 721 mit den 
obigen in Verbindung. Curtius etymol.* 375 setzt für die eben 
angeführten indogenn. Wörter eine besondere w. sä, verstärkt sjai 
voraus, für öak-o-g, öal-rj schwanken, öak-ev-Oy öak-aöö-o schwenke 
u. a. eine w. swal, verschieden von dem in sdl-ila-m wasser, wel- 
ches Bopp mit saliva verbunden hatte. 

N:o 718—721. w. sal d): gelähmt werden, gering, schlecht; lä- 
stern, schimpfen, hinwerfen, spucken, speichel. 

718. Fin. hal'pa gen. halvan gering, wohlfeil. — hal-va id. — 
hat-pe-ne-n, hal-ve-ne-n, hat-ve-ntti-a, haUve-tu-n, hal-vi^stu-n wohl- 
feil werden. — hat-ve-ksi-n gering schätzen. — haUpä-n schlecht, 
wohlfeil machen, verringcn, verachten. 

Est. hal'h, hal'V gen. hdva gering, schlecht, verachtet, wohl- 
feil. — hal'ba-n gering schätzen. 

Liv. (d-u kompar. rd-vi-m wohlfeil, billig. 

N. Ip. kd-bbe, sv. al-be-s, en. häUbt (Lönnrot), kal-be (Ande- 
lin) wohlfeil, gering. — n. hal-bbo-t, sv. al-bo-t wohlfeil werden. — 
n. hal'bbe-de-t, sv. al-bc-te-t fact. 

Öer. §ol-do, hd-da wohlfeiler, geringer preis. 

Magy. SH-a-n gering, unbedeutend, schlecht. 

Budenz szöegy. 329, szötär 354 konstruirt mit recht die Wur- 
zel Äa?, sol, s^il, aus welcher die obigen Wörter mit hülfe der Suf- 
fixe ba = va und da hervorgehen, obwohl er es schwierig findet 
die ursprüngliche bedeutung dieser wurzel festzustellen. Dass sie 
keine andere als die schon mehrfach bekante sal spalten n:o 696 



37 

sein kann, geht aus manchen wörtem hervor. Nach dieser rich- 
tung entwickeln sich est. sah dUnn, hager, m. mord. solan schmel- 
zen, abmagern, f. halki entzwei, aber ganz besonders f. solvän lä- 
stern, schmähen, halvän lähmen u. a., vgl. die folgenden uummer. 
Was das cer. äol-do betrifft, bieten die mord. Sal-do-n lästern, liv. 
sot'do vorwerfen und est. hcU-da-n lähmen dazu sehr passende 
vergleichungen, und im Säkkjärvi dialekt findet man sogar das 
Suffix wieder: hcd-ta-ttu = halvatiu, siehe Kielitiet. osakunnan kes- 
kustel. U, 2; zu magy. §äün finden sich magy. sä-o-n gespaltene 
ruthe, sil'ä-nk holzspan, votj. äel-e-p span, fin. sil-pa fliese, dünne 
spleisse, sü-pür-n, sil-^w-n, sil-vo-ti die rinde od. hülse abschälen, 
furchen, pflücken, verstümmeln, als begrifflich nahe stehende ver- 
wandten, da in ihnen die Vorstellung dünn, fein sehr nahe an jder 
des geringen streift. — Lönnrot lex. 102 erinnert bei f. halpa au 
russ. xojiöu'B. 

719. Fin. hal'Vä-n, hal-pä-n lähmen. — hal-vü, hcd-va-u-s läh- 
mung, schlag, schlaganfall. 

Est hal-va-Hy hal-va-ta-n lähmen, gelähmt werden. — hol- 
va-iu-s lähmung, schlag. 

8v. lap. äol'by äoUba, äol-be-s das lispeln. — äol-be-ste-t li- 
speln, schnarren. 

Magy. §äl'P st. ääl-pä, mt-p lispend, stotternd. — ääl^ä-g-nif 
ääl-pä-g-ni lispen, stottern, lallen. 

Fin. hal-ttä-n inf. haltata =: est. hal-dorn inf. haldada, hcU- 
lata lähmen ist nur nebenform des anderen Wortes; vgl. den Zu- 
sammenhang mit fin. sal'va-n einwirken, schneiden, sal-ve-n, scU- 
ve-n kastriren, soh-kkä-n, sel-kkä-n zusammenmischen, soUvä^i lä- 
stern. Budeuz szöegy. 344, szöt. 348 verbindet die lappischen u. 
magyarischen Wörter, was die form betrifft, auf magy. talp fiiss- 
sohle = Ip. tuol^ya flach hinweisend, szöt. 195, vgl. wörtb. 49G. 
Es darf wohl hier nicht näher ausgeführt werden, wie nahe die 
bedeutungeu der fin. estn. Wörter zij^ denen der übrigen stehen. 

720. Fin. sol-vä-n lästern, schmähen, schimpfen. — std-niü-fif 
sul-mo-n, sul-mi-n vorwürfe machen, schmähen, ausschelten. — 
stU-vä-n stossen, treiben, hinwerfen; vgl. suUon n:o 707. 

Liv. sot'dö' vorwerfen. 

Ers. Mord, id-do-n, m. ial-da-n lästern, tadeln, rügen. 



38 

Syij. ööl'ta werfen, wegwerfen, hinwerfen. — Pwin. öd^ta id. 
und verwerfen. 

Ostj. B. seUta- werfen, hineinwerfen. 

Budenz szöt. s. 170 stellt die syrj. ostjak. Wörter in nähere 
Verbindung mit f. sülki, vgl. est. siilitan fact. spucken. Indessen ge- 
ben die livisch-mordvinischen formen einen recht deutlichen hin- 
weis nach anderer richtung. F. solvän = *solvadan stimmt in der 
form mit est. halvatan und est. haldan mit mord. icUdan, liv. soläö. 
Möglicherweise gehören hieher noch fin. ^oi-wtä-tf, est. söt-mcHn 
schimpfen, ausschelten, mit derartigen vokalisirung des ursprüng- 
licheren l wie in f. hoime rz holme schütz gegen wind, geschützte 
stelle; so auch wot. soi-ia-n zanken, schelten, schimpfen = liv. 
8ot-dö. Vgl. doch f. soin n:o 797. 

721. Fin. siil-ki gen. süljen Speichel. — säl-ke-ä prses. s^jen 
spucken. — sul-ki-e-U-n, siU-ke-i-le-n, snUkä-i-se-n^ stÜ-je-skeAe^n^ 
stU-je-ksi-n, svl-je-kse'le'n, sül'je'Ske'nteAe'n frqv. — sül-hü ver- 
ächtlicher gegenständ. 

hül'hii verächtlicher gegenständ. — htHrjä-n verlassen, ver- 
werfen, verachten, verweigern. — hüh-kä-n id. zurttckstossen. 

Vepi. sul-ge n. sül-g Speichel. — sül-ge-n spucken. — Vot 
sül'öi Speichel. — ül-kä-n aufhören, verlassen. 

Eit. siiF-ge n. sütg Speichel. — süt-ga-n, süt-gp-n, stU-i-ta-n 
speien, spucken. — ül-ga-n ekel, überdruss haben, ära U. verach- 
ten. — ül-ga-sta-n fact. ekel erregen. 

Liv. sHt-g, L. ätü-^ Speichel, schleim, geifer. — sül-gö-, L. 
Sül'^i' speien, ausspucken. 

H. Lap. öol-g, öol-ga, sv. äol-g, öol-go Speichel. — n. dot-gga-t, 
öcaU-o-ty öol-ga-de-t, sv. ^ol-ge-t, doU-e-t ausspucken, ausspeien. — 
enare äuol-ge-d, öud-ge-d, utsj. öol-ga-t id. 

Ers. Mord, set-ge, m. sel-gä Speichel, schleim. — ers. set-ge-n, 
set-ge-de-n, sel-g-ne-n, m. sel-ga-n, sel-gi-nda-n speien, ausspucken. 

Öer. Stlv-ä-la-m, b. Siv^la-m, Sev-e-m (Castr^n) spucken. — 
w. §üV'ä'Ume Speichel. 

Syij. Söl-a-la spucken, speien. — Söl-i-sta id. verb. mom. — 
Söl'Se-g Speichel. — Perm, scha-l-ni spucken. — sel-t-äta-nt mom. 
^ehze-g Speichel. — Votj. Sal-za-lo, ial-zo speien. 

Vog. sätt-e-m spucken. •— sät-i-m id. verb. moment. — L. 
säU-e-m speien. — Konda; sal-ge-m speien, spucken. 



39 

Castr^n gram. syrj. 157. Lindström Suomi 90 ftlhrt noch 
votj. difdi, jakut. sü, mongol. silün u. a., nebst dem russ. cjinna, 
CJnoHa, gr. ölaXov an. Ich wage nicht mit Budenz, szötar 189, 
die obige reihe mit magy. ctülolni, diUölni, düolni hassen, dülol- 
Joödni hass hegen, einander hassen, zu verbinden. Unter den fünf- 
zehn mit d (magy. gy) anlautenden Wörterreihen, die er im MU. 
szötar aufgenommen, kommen nur zwei nummem vor, die im fin- 
nischen nähere verwandten mit anlautendem s (h) zeigen: dir 
undicht, selten = est. söre dünn, undicht, höre los, undicht ge- 
webt, harv selten, spärlich, undicht, dünn = f. harva (MU. szötar 
186, vgl. auch mein wörterb. 556) und magy. dakor creber, den- 
SU8, frequens, vgl. est. sagarik dickicht, sogar regenwolke, regen- 
schauer; f. saura indefessus, impiger, assiduus, nicht aus derselben 
grundform wie f. scikea (szötar 184, vgl. wörtb. 591) sondern sap 
n:o 778; magy. did-ni accendi, inflammari könnte man, statt einer her- 
leitung aus ugr. /„6, f„t; splendere, ardere, calere (szöt. 188), mehr 
unmittelbar mit der wurzel jul offen, glänzend (f. julkea offenbar, liv. 
jutg geblendet sein), wörterb. 378, verbinden. Der gewöhnliche 
repräsentant des finnischen für das magyarische d (gy) scheint aber j 
zu sein: m. ddog = f. jalka szöt. 178 =:= wörtb. 382, m. dök^ :=: 
f. jüri szöt. 180, wörtb. 365, m. dozni =: f. jaksan szöt. 181, vgl. 
wörb. 355 anm., m. dtilni =: f. Juan, joudan, juoksen aus einer 
Wurzel jog, jok szötar 182, wörtb. 358. Dies scheint übrigens 
auch aus dem häufigen verbleiben des j in beiden sprachen oder 
im finnisch-ugrischen hervorzugehen: f. jakku ostj. jux wörtb. 353, 
f. jakän ostj. jukan 354, f. joki magy. jö 357, f. jmUsi magy. jäs 
362, f. ja magy. jeg 364, f. jäiki magy. jäd 380 u. s. w., vgl. f. 
jüräs magy. durü 372. Aus diesem gründe möchte ich lieber 
magy. dfdölni mit fin. jüUe-ä rauh, jül-hä rauh, wild, dunkel, jül- 
keä ungewöhnlich gross, schauderhaft, jütt-ä-tä, jülUäi-llä lärmen, 
in Verbindung bringen. 

Dass Cer. ^üväU offenbar aus äiiläU als eine momentanform 
des einfachen sül- entstanden ist, hat Budenz schon früher dar- 
gethan, Nyelvtudom. közlem. IV, 5]gp 

Was den Zusammenhang des sülki mit übrigen bildungen der 
wurzel betrifft, bieten wohl f. sula fliessend, sulja id., schlüpfrig, 
sulju gemisch, solkkän, seVckän mischen, sv. lap. sähe eluvies, $oU 
sei verunreinigen die nächsten vergleichungen. Im worte sülki 
liege demnach die Vorstellung einer „schlüpfrigen, unreinen flüs- 
sigkeit^; die nebenbedeutung von etwas verächtlichem tritt in vie- 



40 

len Wörtern hervor: f. hcdpa gering, hälvän lähmen, solväny std- 
man lästern, schmähen, sülvan stossen, treiben, hinwerfen u. s. w. 
Ein dem süVci formell identisches wort ist f. hul-ki gen. kuUnj 
huljen, auch hiU-je st. hülkehe = est. hüUge^ ül-ge-jä^ iU-gä^ä See- 
hund, phoca. Zunächst steht es wohl mit f. hül-kkä, stU-kkü, sul-hü 
das schuttein, hüIrWi-ä, siH-Jckä-ä schütteln, sich hin und her 
bewegen, sül-Jcä-hdä-n plötzlich bewegt werden, in Zusammenhang. 
Diese sind aber anderseits auch mit f. hul-kJcu-a, hoUJücu-aj hol- 
hkä'ä (Lönnrot lex. 211, 247), hul^u-a und weiter mit soJrju-nj sotn 
kä-n, soUp-Jco-i-ny sol-a-n, soU-i u. s. w. in Verbindung zu bringen, 
indem sula „fliessend, leicht beweglich"" das vermittelnde band 
zwischen allen ist. — Siehe n:o 717. 

Schott Altai, spracheng. 134 nimmt eine wurzel f. sOlk = 
tttrk. siUcj mong. silg in der bedeutung „schütteln"" an, die er in 
Verbindung mit dem mong. siU durchsieben und türk. sü abwi- 
schen stellt. Das naheliegende f. soUlckä-n mischen, zusammen- 
schtttteln (nebenform zu f. sel-kkä-n verwirren, unklar reden) ver- 
bindet er mit mong. soli durch einander mischen oder werfen s. 
135. Im livischen heisst äola Unordnung, getUmmel. 

N:o 722 — 724. w. sal e), a), c) sich vorwärts bewegen, rudern, 
fliessen, schleichen; darm, salz? 

722. Fin. sou-ta prses. sou-dan rudern. 

Tops. Sol-da-n, — Tot söv-va-n id. 

Est. söU'd-ma pr. söu-a-n rudern, schweben, schwankend ge- 
hen, sich bewegen, anstrengen. — söu-d g. söuu das rudern, fah- 
ren. — söu'de rüder, schwinge. — Liv, söu-da, so-da rudern. 

Magy. sal-ad-ni laufen, rennen, fliehen. — sal-a-sta-ni lau- 
fen machen. — säl-la-ni sich auf und nieder bewegen, fahren (intr.), 
überkommen, sich niederlassen. 

Schiefner C. Ostj. gram. 93 und Ahlqvist kulturord 157, k. Wör- 
ter 174, verbinden mit den haitischen formen ostj. tovotteiny vog. 
tovantem rudern, zu welchen Budenz szöegy. 845 noch magy. äväzm 
rudern, steuern fügt. Dass l hier ursprünglich ist, beweist das 
wepsische; es müsste dann tovanteni zunächst aus Hölantem ent- 
standen sein, wodurch es in näherer beziehung zu vog. tdem 
schmelzen käme. Wir hätten dann vog. iolein schmelzen: f. stilan^ 
mord. Solan = vog. tovantem, Hotantem: f. soudan. Sonst könnte 



41 

das vog. wort vielleicht näher aus der w. fap stossen n:o 522 herge- 
leitet werden. — Ahlqvist vergleicht sehr passend mag}', äväzni mit 
f. evä Schwimmflosse, eine Zusammenstellung, die ohne zweifei mehr 
begründet scheint als die mit tovotiem, woher auch oben n:o 539 zu 
berichtigen ist. So ist auch saladni, welches in n:o 056 zu estn. 
sirelen schwirrend fliegen, cer. silam fliehen geführt worden ist, mit 
dem letzteren in die hier gegebene Verbindung einzureihen. 

Budenz szötar n:o 27G vereinigt saladni und süllani mit dem 
von mir im wörterb. n:o 614 zur wurzel sat geführten f. 5ä kom- 
men, bekommen, erhalten, und leitet sie aus einer ursprünglichen 
w. sagl durch en^eichung des gutturals: .<?„///, s^vl, sjl = saü^ 
wie auch nach seiner auifassung hdlad, hallad und hdl aus einem 
hy^gl =: ostj. %u(ßl^ f. kulge zu leiten sind. Die deutlichsten verwand- 
ten im finnischen seien suk-aun fortgang haben, gedeihen, geschehen 
u. a. welche er scharfsinnig in Verbindung mit f. suhi gesclüecht 
stellt, aus der urspr. anschauung geschlechts-/b/r/ß, est. suyu g. äo'm 
generation, familie, art, suye- geschehen, sich fügen, wachsen. Mir 
scheinen die letztgenannten vielmehr zu f. sük-än stossen, 5er. 
Suk-em, Säk-em protrudere wörterb. n:o 579, f. süök-sän hervor- 
stürzen, magy. scuj-id-da-ni und mit langem vokal süg-td-da-ni da- 
hinjagen, sök-ni springen n:o 580, zu führen zu sein. 

Vielleicht wäre es angemessen eine besondere abtheilung der 
Wurzel sd aufzuführen mit folgenden bedeutungen, die theilweise 
mit denen der n:o 718—21 und 722 in berührung stehen: 

sei a) rasseln, rieseln, schütteln, sich vorwärts bewegen: f. 
säl-i-se-Uy säl-ä-jä-n, säl-i-stä-n, säl-ä-hdä-n rasseln, rauschen, 
sol-i-se-n, soUa-ja-n, sol-ä-n id. rieseln, sprudeln; — soUu-n sich 
vorwärts mit getöse bewegen. — sohi-sta-n, sol-u-ia-n, sol-o-ta-n, 
sol-a-hda-n, soUa-hti-ta-ny sol-ju-n mit geräusch geschüttelt werden, 
gleiten (vgl. std-ja glatt, sul-ja-hda-n ausgleiten), säU-ö-ü-s geräusch; 

— sul'kü-n, hül-kü-n schütteln, sich hin und her bewegen, sid- 
kä'hdä-n vb. moment., htd-ku-n^ hol-ku-n^ JiSl-kü-n, Jiul-ju-n schau- 
keln, geschüttelt werden ; — hil-e-ä klingend, glatt, hd-e-ä klar schal- 
lend, klangvoll, heUo klang, glänz u. a. wörtb. n:o 709. 

syij. perm. iful-al- fliessen, fliegen, gehen, vorübergehen (zeit). 

— gul'ö-ia hinführen, weiterführen, fordern, die zeit vertreiben. 
Budenz szöt. s. 277 aus Sj,gl, — Cer. äü-a-m fliehen. 

vog. Sul-i-mte-m kriechen, Sul-e-nie-m schleichen, die Budenz 
gleichfalls 1. c, mit verweis auf konda vog. öovlet beginnen, wer- 
den, aus einer ugrischen form Sj^gl = vog. L. iul- herleitet. 

4 



42 

b) Stossen, vorwerfen, schimpfen, lästern, zulassen : f. sot-vä-^^ 
säl-vä-n u. a. n:o 720, hal-vä-n 719, säl-ü bttrde, last, sat-ü-tä-n 
aufbürden, sal-U-n zulassen, dulden, sal-li-nta Zulassung, ereigniss, 
Unglück. 

Die oben dargestellte auffassung gewinnt noch mehr Wahr- 
scheinlichkeit, wenn man sich der in der anmerkung zur vorigen 
nummer angeführten siU-vä-ü, sül-kä-hdä-n, siU-ku-n, hät-kä-ny sei- 
hl-^i, sol-a-n, sol-ju-ft u. a. erinnert. Mit ihnen verbinden sich 
wiederum meines erachtens magy. StU-jä-d-ni sinken, einsinken, 
untersinken, ärd-jä-siä-ni, snU-jä-stä-ni versenken, untersenken, 
welche Budenz szöt. 376 aus einem s„g, s^J premere, intrans. de- 
mergi deducirt. Der name des Seehunds im fin. hülje würde so- 
nach recht passend eig. „der fliessende" aber zugleich „der sich 
in's Wasser liineinsenkende, tauchende" oder „der schleichende" 
bedeuten.. — Eigenthttmlich ist auch hier die berührung mit griech. 
ölkaxoQy öslaxlccg meersäugethier, an. selr, ahd. selah robbe, See- 
hund, als dessen europ. urform Fick wörtb.* 402 salaka ansetzt, 
von sal fliessen (schwimmen?). 

Jurak samoj. hülldm, hufodadm schiffen, schwimmen, strom- 
abwärts faliren; mandschu solonihi stromaufwärts fahren. 

723. Fin. suol'i darm, weiche, aufeug zu einem netze. — suci- 
i-kka, -ikkainen, -inkamen Spulwurm, springwurm. 

Est. söl gen. söIe darm. — söl-i-ka-s darm, Spulwurm. — Liv. 
suot pl. siioUd, L. suol-ke n. suolk darm. 

N. lap. öoaü-e, sv. öoll-e^ en. öocd-e, utsj. codll-i id. 

Syij. suly m, Votj. sid darm. — Ers. Mord. Std^o, m. Std-a 
pl. hd'it id. — Öor. sol-o eingeweide. — Ostj. I. sut, S. sot darm, 
B. sul pl. stdet, s-iifj/l im pl. aj-sug-let kleine därme; sol, sul (Hun- 
falvy). 

• 

Lindström, Suorai 88. Budenz szöeg}. 167; szöt. 165 rech- 
net er, weil man jenseits der Donau ötir-ka = hur-ka braucht 
und der Wechsel von /: r nicht selten vorkommt (härom f. kolme, 
nur föld u. niel-f., ero- u. eW-mha), hieher auch magy. hür darm, 
saite, hur-ka dann, wurst, die ich wortb. 046 mit mord. Sur-e fa- 
den, zwini, liv. siwr sehne, ader, suof-ki äderchen zusammen- 
gestellt habe, aus einer reihe zu der auch fin. snaro gehört, wörtb. 
642. — Aus dem Beres. Ostjak. sugl, verglichen mit fin. suci^ 
est. soly leitet sich Budenz zu einem ugrischen 6'„„?„ = «„^„7„ 



43 

darm, d. h. er nimmt die ostjakische fonii <ils die noch am treue- 
sten autbewahrte an und sieht in den übrigen nur mehr oder 
weniger verstümmelte reste der ursprünglich „ugiischen" ~ fin- 
nisch-ugrischen wortgestalt. Diese deduktion geht von der Vor- 
aussetzung aus, (lass fin. «o, est. ö sich aus früherem 'Uvo-, -ara- 
-=: ugoy aga entwickelt hätten, eine ansieht, die Budenz öfters bei 
der erklärung langer vokale in den hier betreifenden sprachen 
huldigt. So erklärt er f. hmr-l-n, est. hor-i-n =z magy, sür-ö-y-ni 
aus s^gr^ = •s^.//«^'- (^*^' •'';;>'->), in dem der vokal des magy. w^ortes 
sich verkürzt hätte, szotar 377; ebenso f. suora := das verkürzte 
magy. sor, szöt. 359; f. suo, est. so = infxgy. tö =z tarn aus /„//„, 
szot. 229; f. tuo-n ^ magy. foj-ni, vog. frqv. //!-/-, tuo-l = /„^, 
vgl. szot. 1G4, 230; vor allem aber die wechselnden fin. ki(r,hlr, 
käur, ker, est. irr, lc('h\ leer — magj'. Jcär, kör aus ugrischem k;;(jr, 
h;;(j;;r (vgl. f. hülhi-pnön = niagy. Hürög-forog), szotar n:o 25; so 
auch vog. kiwt- sich neigen, fact. kuf-cl-f ttectere, est. köla, f. Zw- 
lema aus würz. Z*„</ fluere, szot. 97. 

Da die auffassung derartiger hiutveränderungen von wesent- 
licher bedeutung für die finnisch-ugrische etymologie überhaupt 
ist, mögen hier einige bemerkungen zur aufliellung eines theils 
der schwierigen frage platz finden. Was zunächst die sehr um- 
fassende Wurzel kar, kvr, kir „krumm, kreisfönnig" anlangt, so fin- 
det man unter den vielen Wörtern, die ungezwungen dazu gerech- 
net werden können (vgl. verf. Wörterbuch n:o 105 — 178), in allen 
verwandten sprachen viel mehr bildungen mit kurzem als langem 
vokal; es müsste also hn allgemeinen eine abschleifung des voka- 
lischen elements angenommen werden. Die sprachen, welche eine 
vollere vokalisation, nach B:s ansieht also grössere ähnlichkeit mit 
der ursprünglichen zeigen, sind die lappische, finnische, livische 
und die ostjakisch-vogulische. Wenn sie nun, alle zugleich oder 
die meisten, übereinstimmend in denselben Wörtern diphtongen 
aufzuzeigen hätten, dann würde man wohl berechtigt diese als 
ältere anzusehen; sie kommen aber gewöhnlich nur in einer oder 
zwei sprachen vor, wogegen die entsprechenden bildungen der ver- 
wandten sprachen einfache vokale haben. Die vokalerweiterung 
bekommt dadurch gänzlich den Charakter eines allgemeinen prin- 
cips, welches vollständig den phonetischen erscheinungen auf an- 
deren Sprachgebieten entspricht. Wenn ein finnisches a oder o 
fast regelmässig (zuweilen auch u)^ unter dem einfluss des ersten 
starken accents der ersten silbe, im lappischen als uo, ue, uö, oa 



44 

erscheint, so zeigen sich ähnliche Übergänge sowohl im livischen 
als in den ost-ugrischen (ostjakischen u. vogulischen) sprachen, 
zuweilen mit langen vokalen abwechselnd ; zugleich aber bekunden 
sich diese lautübergänge als fonetische erscheinungen derselben 
art, wie wenn lat. bonus im itahenischen buono, novus ital. nuovo 
werden. Als beispiele dienen: f. kdla Ip. kuelCy guoUe wörb. 202; 
f. kamu Ip. guobmot wörtb. 328; f. karmea Ip. guormes w. 140; 
f. tcJka magy. talp Ip. tuolpa 496; f. tälja Ip. iuolje 500; f. sakea 
Ip. suokkad 591; f. kuron Ip. korot^ goarrot 181; f. kopara Ip. gucp- 
per 278; f. tote Ip. tuotta 426; f. sota Ip. soatte 622; f. sormilBp- 
pisch und livisch stiorm wörb. 637. Ebenso wechselt e, i mit ie: 
Ip. kirtet f. kie^'tä wtb. 173, vgl. f. kerä^ kerin 167, 168. Beispiele 
aus den ugrischen sprachen sind: f. tora Ip. toarro vog. faur 462; 
magy. tarka ostj. fära^ 484; magy. daru syrj. ^tin ostj. ^öra 489; 
f. kolnie magy. härom, vog. körom, kürum, ostj. külem, %ulim szöt 
111; f. <erve Ip. tiervas vog. fe/r wörtb. 452; f. /*frt;i magy. «orro^ 
vog. äorp, §oaip 638; f. stirma ostj. säratn 670; Ip. sorvot vog. 
^ren> ostj. Hörern 672; f. ftttZÄTa vog. ämoZ 217; magy. hälö vog. 
ämZojp, kuolp 234; f. joifc* liv. jog^ joug ostj. j'^o^a 357; f. tutka ostj. 
tüt%aep 428. Budenz selbst nimmt öfters diese Veränderungen 
einfach als Vokalwechsel an: magy. käl Ip. kal-et^ vog. AtioZ, AtoI 
szöt. 17; f. kaJite Ip. ÄMÖif, Jm^A:^ szöt. 31; f. käte ostj. fe/, Ax/^ 34; 
magy hat f. Ä-ö/e Ip. kot syrj. Ära/', A-ra;Y 116; magy. kop-ä^y est. 
Äoia Ip. kxiop 46; mord. ÄofZ Ip. kvode^ guodde 91, n. m. a. Ein 
ähnlicher lautUbergang wird auch wenigstens theilweise von Ahl- 
qvist angenommen: er erklärt z. b. fin. huopa aus so2)a kulturw. 85. 
Es gibt wohl im finnischen beweise genug für den Übergang 
eines konsonanten in vokal: kakla = kaula, ostj. kavala wörterb. 8; 
takla = taula, Ip. tuovh 395; kakra =: kaura; veps. nagran =. f. 
nauran; siegla =z seula; kcila = schwed. kägla; f. seili, peilt = 
schwed. segelj spegel n. a.; anderseits aber beweisen mehrere 
lehnwörter, welche ins finnische aufgenommen worden sind, die nei- 
gung der spräche zur diphtongisirung: schwed. mor, stol, domare^ 
lod, skola =: nmoii\ tuoli^ tuoniariy luoti, kouht. Dazu kommt noch, 
dass man ein uo (ue, oa) aus wro, ngo, oder ic aus iir, ige (vgl. 
szöt. 16 ostj. kity vog. Icict nach B:s auflfassung aus *k;;gj) bisher 
äusserst selten nachzuwiesen im stände gewesen ist. Wenn nun 
auch im finnischen einige ä, a nach abfall eines konsonanten durch 
zusammenziehung zweier vokale entstanden sind, so folgt daraus 
doch nicht, dass alle lange vokale in dieser weise zu erklären 



45 

seien. Zufolge des gesagten betrachte ich daher iio (üö, ue, 
oa) und ie als vokalsteigeruiigen eines einfachen a, o oder u (ä, 
öj ü) und e, /, Steigerungen, welche zuweilen durch lange vokale 
ersetzt werden, wie die stetige wiedergäbe eines fin. uo, ie mit 
estn. ö, e, der htäufige Wechsel ähnlicher art im ostjakisch-voguli- 
schen (vgl. ostj. Aw, kür, kor ofen zu vog. Icüör^ wörtb. 166) und 
die abwechselung langer und kurzer vokale im magyarischen be- 
weisen. Auch Budenz nimmt wie schon gesagt in vielen fällen 
eine sekundäre Verlängerung des vokals im magyarischen an: liäj 
fett aus *haja szot. 92; kvz st. kiUä =z vog. kät, k. kat, ostj. ket, 
S. köt band aus einer grundform *k(idä szöt. 34; hüd acc. hüda-t 
und huda-t grundform "^kude szöt. 145; dir undicht, selten =:: votj. 
5cr, f. harva aus einem ugrischen ^„r„, t;;r;; szöt. 186; tel = f. 
tcdvi winter szöt. 213; häz = f. koto szöt. 120; clp aus öip szöt. 
391; slü aus aiv szöt. 310; nwz = f. mesi; so auch tv^ = f. 
t?m, u. a. 

Ich kann es daher nicht anders als eine sichere thatsache 
betrachten, dass die finnisch-ugrische vokalisation einer Steige- 
rung ähnlicher art, wie sie in den indo-europäischen sprachen vor- 
kommt, unterworfen ist, zumal da sich ganz entsprechende Ver- 
änderungen im germanischen und italienischen zeigen. Das goti- 
sche ö = urspr. ä, und nach Schleichers auifassung Compend.' 
149 zweite Steigerung eines kurzen a, tritt gewöhnlich im althoch- 
deutschen als uo, zuweilen als oa auf, ja, man findet sogar die aus 
dem lappischen bekannten lautverbindungen ua und ue, die letzte- 
ren als sekundäre Schwächungen der ersteren, Holtzmann Altdeut- 
sche gramm. I, 244 flf. Es wechseln also got. ö und ahd. uo wie 
estn. ö und fin. uo: got. blönia mhd. bluojan, lat. flös aus der würz. 
bhur; ahd. pruotan, mhd. bruot aus würz, bhra, vgl. J. Schmidt, 
Gesch. des vokalismus II, 224. So auch lat. o i= ital. uo in bo- 
nus =: ital. buono, novus = nuovOj franz. neuf, noveUus = fr. 
nouvel, lat. bene = fr. bim u. s. w. In derselben weise müssen 
gewiss auch die ostfinnischen pronominalformen mie z= mi-nä, plur. 
mäö = me; sie zu si-nä, plur. tilö :=: te, pl. hüö = Jie erklärt 
werden. Es wäre auch gewiss sehr auffallend, wttrde man nicht 
in der fysiologischen entwicklung der finnisch-ugrischen sprachen 
ähnliche Steigerungsverhältnisse der vokale vorfinden, da auch die 
vokalschwächung überhaupt derselben abstufungsreihe folgt, wie in 
den indogermanischen sprachen, und auch die Übergänge der kon- 
sonanten, obwohl im allgemeinen leichter und flüssiger, doch im 



46 

ganzen denselben fysiologischen gesetzen unterworfen sind. Über 
die Vokalsteigerung der wurzel im finnischen vergleiche übrigens 
meinen aufeatz: „Über die wurzelbildung in den finnisch-ugrischen 
sprachen" in Zeitschrift der D. Morgenl. Gesellschaft B. XXVII. 

Was die ostjakischen formen stif, sot betrifft, muss wohl hier 
ein Übergang des ursprünglicheren l zu t angenommen werden, wie 
es unzweifelhaft in ostj. 6a/, Beres. soF =: f. suola salz der fall 
ist; so fasst auch Budenz szötdr 98 das auslautende t bei ostj. I. 
Xuf, s. kui = f. Jcala, ostj. pet, s. pvi =■ vog. pcF, mordv. pilä, 
vgl. ostj. xüdem, magy. härom z=, f. kolme. Sonst ist wohl häu- 
figer t zu l geworden. 

Schwieriger ist ostj. sugl zu erklären. Betrachten wir nä- 
her andere Wörter ähnlicher bildungsart, so fasst Budenz szot. 
233 auch hier das ostj. B. toffol, I. tdgot, vog. taid flügel als ur- 
sprüngliche form, aus welcher sowohl die magyarischen, mordvi- 
nischen, Ceremissischen, permischen, lappischen, als auch finnisch- 
estnischen Wörter durch Umstellung des (jl zu lg hervorgegangen 
wären. Zur annähme einer ähnlichen Umstellung in betreff des 
Wortes f. kulke-, magy. hala-d-, halla-d (mit freqv. suffix d) u. s. w. 
kommt er szötar 101 auf grund des alleiue stehenden ostj. Ber. 
X**^'-> X^oolr „laufen", obwohl es sich zahlreiche Wörter in allen 
verwandten sprachen finden, die eine wurzelform äöZ, hd angeben 
(wörtb. 216, 217), höchstens mit dem zuffix ge erweitert. So gibt 
er auch für f. tuli (wörtb. 431), dem ostj. I. tut, s. tüget, vog. 
taut, tat, toat, toi, tuol entspricht, die nur aus den letzten erschlos- 
sene grundform Hugeda, t„g„d, aus welcher sich magy. tujs durch 
Vermittlung eines t„j„z„ entwickelt hätte, szöt. 250. Es scheint 
mir zu weit zu gehen, diesen einzelnen ugiischen wortfonnen so 
viel gewicht gegen das übereinstimmende zeugniss der übrigen 
sprachen beizulegen, besonders da es andere bildungeu gibt, wo 
die vielleicht ältere ostjakische form viel deutlichere spuren in 
den übrigen sprachen gelassen hat. So ist ostj. h jögot, US.jaii- 
goi, vog. jaut, jag'it, jajt, jout zu mord. jonks, ier.jongez, lap.juks, 
juoks und fin. jousi, jouci, wörtb. 362; ostj. I. teudem, s. tagutem^ 
B. tevtm'ini laus m magy. tätü, lap. tikke, f. est. täi, votj. täj, 
syrj. toj, aus Hägätwnä wie Budenz szöt. 223 annimmt, vgl. wörtb. 
411; ostj. taget, vog. taut, tajt ännel, beifluss =, JSer. §ok§, n. lap. 
soagja, utsj. soatja, f. hUia, hija, syij. soj, wörtb. 553; ostj. I. to- 
bet, s. labet, B. lahit sieben, vog. aät, magy. Jict = f. seitscmä 
aus * tobet, säbet, säbte, sävte szöt. 161; ostj. mugot = f. maksa 



47 

u. a. Man würde daher für f. sulJca und tuli etwa *iolst\ *tul'si^ 
*tousiy *üokai, *sousi oder wenigstens ''soja, *hoja erwarten, wenn 
bei ihnen wirklich s^g, t^g die wurzel wäre. Es liegt deshalb hier 
näher anzunehmen, dass z. b. vog. taid entweder aus tdu ent- 
standen, wie fa^l ==. magy. fabi, oder dass es eine Steigerung aus 
*tul ist. Wie aber das ostjakische zuweilen eine neigung zur 
konsonantenverstärkung am wortende zeigt (s. oben siit ^^ siioU)^ 
80 könnte man auch g als inlaut aus «/, v entstanden ansehen, 
nachdem die vokalst eigerung eingetreten war. In dieser weise 
tritt regelmässig im lappischen 6, d als verstärkender inlaut vor 
m, »: f. kumo =:: Ip. kohno, f. sana = Ip. sadne, f. Mrnä z= Ip. 
kärdne, ja das tin. suffix se bildet eine ganze klasse, in welcher 
es regelmässig als kse auftritt =: lap. se. Ostjak. sugl wäre dem- 
nach ::= suol d. h. Vokalsteigerung des einfachen sid^ soL 



724. Fin. suoUa salz. 

Yeps. soUa, — Tot. söUa, — Est. sol st. sola, — Liv. suoL 
Syij. sol^ sov, b'ö. — Perm, sol, sov, — Totj. sil-a-l, sla-l. — 
En. Moks. Mord. sal. 

Öor. b. §an-zal, w. äin-zal, 

Magy. 8ö. — $aj in saj-talan z=l Sd-tcdan ungesalzen. 

0§y. L saty B. sol. — Vog, B. sol-vd. 

Lindström, Suomi 87. Budenz szöegy. 350. Ahlqvist kul- 
tur. 48 betrachtet dies als eins der den arischen und turanischcn 
sprachen gemeinsamen Wörter, da es in den beiden sprachstäm- 
men so grosse Verbreitung hat. Budenz szot. 357 scheidet die 
übrigen von magy. §ö (mit suffix §ava ejus sal), welches er mit 
äaj in äajtalan wegen des oft wechselnden v : j aus einer älteren 
form Ä„(/„ herleitet, wodurch er zu den vogulischen K. öax L. Mx 
(nach Ahlqvist sex) kommt. Die ttbrigen fasst er als lehnwörter 
aus dem germanischen und slavischen: skand. sali, d. scd^ und 
sdlCy slav. soty in uralter zeit, wie f. sata, magy. säz hundert. — 
V. Hehn in seiner reichhaltigen abhandlung: Das Salz, Berlin 1873 
s. 16 nimmt an, dass die Finnen in der östlichen hälfte des welt- 
theils den namen dieses minerals (f. suohy est. soly syrj. sol, magy. 
soy mit vokalisirtem l) von den slaven, also in späterer zeit, erborgt 
haben und daher es nicht früher zu ihrer nahrung gebraucht hätten. 
Weil das wort in dieser bedeutung bei den ariem in ganz Asien 



48 

« 

unbekannt ist, bei allen europäischen gliedern dieses Stammes aber 
vorkommt, schliesst er, dass sie auf der Wanderung nach westen 
in den steppen um den Aralsee und das Kaspische meer auf salz- 
sümpfe, trockene und halbtrockene seen voll kochsalz-krystalle 
gestossen und das für nioor, sumpf gebrauchte wort sal zur be- 
Zeichnung des neuen minerals angewandt haben (s. 20). Wenn 
nun auch diese annähme richtig ist, so scheint es doch auffal- 
lend, dass die finnischen Völker das wort in so vielfacher gestalt 
brauchen. Gewiss werden zuweilen genuine Suffixe auch den leho- 
wörtern angehängt: n. lap. salt<!k, sv. Ip. salte =z schwed. sdt; 
hier treten aber solche formen auf wie votj. sllcd (vgl. die er- 
schlossene mordv. fonn *silel für fleisch, eig. das „glänzende"), 
Cer. sanzaly vog. solvd und auch Säx, welches sogar im ostjak. 
samojedischen sak, $ak, seak, sealc, seäk aufiiahme gefunden und 
das ich, wie so viele andere Wörter des ostjakischen, mit x, k aus- 
gebildet betrachte, vgl. ostj. pclck hälfte, samojed. ^cfc, läpp. bcUle^ 
fin. puoli, Castren, ostjak. Sprachlehre s. 23. Wenn hiezu kommt, 
dass noch andere altajische volkstämme eigene namen für das 
salz ausgebildet haben: türk. tuz, jakut. tüs, JSuv. tuvar; mongol. 
dabasun^ burj. dahaso, dabaJian, mandschu dahsun, tungus. davusun, 
davuhun (vgl. Budenz szöt. 357), wie auch die Samojeden: jurak. 
sear, ser, sor, tawgy. ser, ser, jenis. st gen. siloy siro salz, jur. 
searatan, tawg. scrutd*ama, jenis. sirutaho, sulutabo salzen; dass 
die letzten benennungeu trefflich eine erklämng des Wortes ge- 
ben, indem jurak samojed. sear, sera'a, jenis. siloi, kamas. siri 
weiss bedeuten, so geht aus dies allem eine uralte selbständige 
bekauntschaft der altajischen Völker mit dem salze hervor. Noch 
muss bemerkt werden, dass eine wurzel sar und auch scd weiss, 
hell, glänzend in mehreren der finnisch-ugrischen sprachen vertre- 
ten ist, s. wörterb. 675 u. besonders 708. Vgl. silcMa Strömling 
n:o 714. 

725. Fin. sälkö dreijähriges füllen. — scäJce-vä zweijähriges füllen. 
Tot ScUko. — Est. sälg, — Liv. sal^^ sälg, — mk§i. 

Lindström, Suomi 91, Budenz zöegy. 369 vereinigen hiermit 
magy. cücd, öitkö füllen, welches Schott Altai, spracheng. 87, 145 
und Altaj. Studien I, 692 als eine bildung aus dem wortstamm 
magy. öik klein erkannt hat, mit einem zugegebeneu langen vokal, 
der vielleicht ein Überbleibsel von fö pferd sein könnte, wie im 



49 



tangus. morin-öikan ^{enl-cJien, junges pferd. Dies öik (csik-szemil 
kleinäugig) stellt er übrigens in Verbindung mit der türk. diminu- 
tiv-endung Jak, jäk. — Die finnischen Wörter dürften sich der be- 
deutung „schlank*^ anreihen. 



Wurzel San. 

N:o 726-734. 

Schwächung und Wechsel: san sän ään Öän son öon §ön sun §un 

sün öün seti sin ein. 

han hän hon hon h^m hin; — an ön. 
Steigerung: sän sän huon hön sün sien hien. 
Bedeutung: a) mager, abgezehrt werden, siechen, verkümmern 

n:o 726. 

b) lahm, hinkend, schiel, gebrechlich, schlecht n:o 727, 728. 

c) dünn, fein, schwach, schlaflf, mild, sanft n:o 729—30, 733—34. 
* d) winken, nicken, nachlassen, schlummeni, ruhen, sich verkrie- 
chen n:o 731. 

e) schmutzig n:o 732. 

726. Pin. huofh'O, hun-no sieh n:o 728. 

Est. hdfi gen. hönu mager, abgezehrt. — hön-u-tu-s mager- 
keit, Schwächlichkeit. — ön-du-ma misslingen, verunglücken, an 
seuche sterben, vgl. sant. 

Syij. ötn- Verlust erleiden, abnehmen. — öTn-ö-m vertust, 
schaden. — äin-tl' vermindern, verringen. — Perm, öin- sich ver- 
mindern, abnehmen, geringer werden, öin-ti- frqv. — Öin-ö-m Ver- 
lust, abnähme. — din-ti^ vermindern. — To^. öon-do mager wer- 
den, sich abzehren. 

Syij. $en'i'd, p. ^ön-t-t kurz. — syij. ^en-dö-dy p. ^ön-da-ma 
verkürzen. — syij. p. $in hälfte, Totj. ^in-'i hälfte, halb. 



50 

M. Mord, sin-da-n zerbrechen, trennen, sin-na-n frqv. — 
shi'l'va-n, sin-ü'va'n zertrUmmert werden. 

Magy. §ann'j venvelkung, abzehrung, sann-ja-d-ni abzehren 
verwelken. — san-ja-r elend, plage, San-ja-r-ni, San-ja-n-t-ni pla- 
gen, quälen. — san-ja-ro-d-ni, san-ja-ro-g-ni verkümmern, küm- 
merlich leben. — san-ja-rü hart, strenge, elend, kümmerlich. — 
Sän-j-v siechheit, Verwesung. — mn-j-vä-d-ni siechen, verwesen. — 
sin-lä-ni, sin-lä-ni, km-j-lä-ni siechen, kränkeln. — Sin-dä-ni hin- 
siechen. — sin-dä-ve s-ni kränkeln, hinsiechen, Sz^kl. — öün-niy 
i^un-ni matt werden, im wachsthum zurückbleiben, verkümmern, 
siechen. 

Budenz szöt. 409 stellt die mit ^/w, öün anfangenden ma- 
gyarischen mit den syrj. pemiischen wörteni zusammen und setzt 
die ursprüngliche bedeutung als: „abnehmen, schwinden, enden". 
Hier wie sonst nimmt er den langen vokal des öSn, ätn als aus 
älterem d„;n, sjn = B. ostjak. sogan, sogni hervorgegangen (so 
auch syrj. t'll, magy. toll = ostj. B. togol), wie auch f. huono, est. 
hön mit ostj. sogon nach seiner annähme trefflich stimmt. Szöt. 
328 verbindet B. das ostj. sogon- sich enden, zu ende gehen, 
sogonta, soxnipsa ende, beendigung, so%nlpt' vollenden, mit magy. 
siln-ni, son-ni cessare, desinere, dabei er türk. sön erlöschen jetzt 
in auderei: weise aufgefasst werden will. Es stehen doch f. huotio 
neben hmno, f. hieno neben hetito n:o 729, some im magy. sänta 
neben ^anda n:o 727, sänakozni neben f. hannoa n:o 729, alle 
wie es scheint aus der wurzel san entwickelt, so dass die vokal- 
steigerung wohl als sicher angesehen werden dürfte. 

727. Ein. han-ttciy han-fc-la, han-te-ra gebrechlich, gelähmt an 
der einen seite, wackelnd, unsicher; beschwerlich, unbequem. — 
haii-ka-la, Imn-ke-la ungelenkig, unbequem, beschwerlich, hinder- 
lich. — hoh'ke-lo ungeschickt. — hun-ka-la id., zz: hankala = 
häh-Tce-lä, — htm-na-kko, hun-ni'7iko nachgelassener zustand. — 
hon-ttii einer der sich unsicher bewegt. — hon-ta-lo, hon-te-lo, 
hun-ta-lo nachgelassen, nichtsnutzig, elend. 

Est. san-t gen. sandi schlecht, schlimm, gebrechlich, krüp- 
pel, arm. — ön-ga-Hy ön-du-n etwas hinken, vgl. Liv. san-t pL 
santid, L. san-d schlecht, lahm, schwach, elend. 

Syrj. ö'o't, ö'o'ta-l-, votj. öu-t- hinken. — Votj. du-t lahm, 
krüppel. 



51 

Magy. $än-ta lahm, hinkend. — mn-fä-l-ni, §nn-ti't'ni schlär 
geln, hinken, lähmen. — ^an-da, non-da, san-da-l schiel, schel. — 
San-da-lo-ff-ni schielen. 

Budenz szöegy. 323 vergleicht mnfa mit f. hantta, hantela, 
est. liv. saut, und Ugi*. Sprachstud. I, 38 noch syrj. cot, cotcd, 
votj. cuty indem er auf die entschiedene neigung dieser sprachen, 
die Verbindungen nt, ns zu vereinfachen, hinweist. — Bei haukala, 
honkkoj honkelo könnte man auch an einen Zusammenhang mit f. 
kankea steif, träge, kankcra träge, beschwerlich u. a. wörtb. n:o 243 
denken, aus der würz, kan n:o 238. — Die bedeutung „wackeln" 
führt zu cer. saualo winken, nicken, sonalto schütteln n:o 731 über, 
vgl. vielleicht auch .sofnjo n:o 737. 

728. Fin. Jmon-o schlecht, elend, arm, schwach. — hun-no 
schlecht, elend. — han-na blödsinnig. — hön-itö id. — hän-ni 
elend. 

Vot. öH'O schwach, vgl. est. hon mager, abgezehrt. 

Magy. liän-jä müssig, faul. — hän-je-n müssig, unthätig. — 
hän-jt-'Uni faulenzen. — han-ja-g lau, nachlässig. 

Vgl. n:o 731, 732 besonders hän-je-n = öinn-ja-n still, hau- 
ja-g = suH'jä'k faul, träge. 

729. Fin. hm-to dünn, nachgiebig, schlaff, schwach, zart, weich, 
zärtlich. — hen-tu, hen-tto id. — Imi-ttu, lien-ttü id., s. geliebter. 
— han-no-ay hen-no-a, hen-to-a Zärtlichkeit, mitleid hegen. — 
hin-to, Jun-tu, hin-no schwach, fein, dünn, glatt, abgenutzt. — 
hin-te-rä, hin-tc-lä schwach, zart, schlaflf. 

M. Mord, son-ga-r dünn, flüssig. 

Öer. 8ön avarus, tenax. — sm-la-ne-m geizig sein. 

Magy. sän-}H bedauern, bemitleiden. ~ sän'a-ko'Z'ni, sän-Or 
ko-d-ni sich erbarmen, mitleid haben. — sän-dä, sän-dc-n gelas- 
sen, mild, gelinde. — sän-du-l-ni besänftigt werden. — sän-dl-t-ni 
besänftigen. 

Die bedeutung „geizig" (ßer. sön) kann leicht aus der Vor- 
stellung „dünn, fein" entwickelt werden. — Schwieriger ist ganz 
sicher zu bestimmen, in wie weit auch syrj. Sonid, votj. suntt 
warm, syrj. §onala warm werden, Bonäda, Sonöda, Sont'i wärmen, 
perm. $unala warm werden, Sunt'i erwärmen, Sunda leuchten, §un- 



52 

d^iiko sich wärmen, syij. §ondf, p. §un(ti sonne, welche ich oben 
wörtb. 619 zu einer wurzel 6o, su (vgl. m. niord. 5*/, ers. ^i sonne, 
tag, f. sü'tün angezündet werden n:o 618) geführt habe und die 
Budenz szotar 187 mit einer wurzel t„b-, t„v- splendere, ardere, 
calere durch vennittelung eines soVy,n, sob„n (vgl. f. huon nach 
seiner auflfassung aus hov^n-, kob^n-J verbindet, mit den oben 
aufgeführten in Verbindung zu bringen sind. Es findet sich näm- 
lich im finnischen ein wort bunta =: mildes, warmes wetter (adj. 
sunta-va mild), welches nach form und bedeutung treflflich zu syij. 
,^omd, pemi. sunU und auch zu äond'iy sund'i stimmt; im estni- 
schen hat man sonne gen. sande höhenrauch, der bläuliche nebel 
welcher sich an warmen tagen verbreitet, foimell = fin. hofiea, 
d, i. *homda, *soneda mild, lau. Alle die letztgenannten stehen 
sowohl der bildung als der bedeutung nach sehr nahe den fin. 
Aen/o, hintOy hinno, magy. sände sändi, und auch die tiefere vo- 
kalisation ist im f. hanno- =i *hanto, *santo vertreten; vgl. auch 
ostj. B. mn'lt ruhig, u. a. n:o 733. 

730. Fin. hin-a strick aus hast. 

Syij. sun-is zwirn. — Votj. sin-'is id. 
Ostj. I. sen-K, sen-f, S. sin-f lindenbast. 

Vgl. n:o 729 f. hieti-o zart, fein, hm-to, hin-to schwach, fein, 
dünn. Für die ostjakischen suffixe geben die eben angeführten, 
wie ostj. sän-a = sän-exy' votj. sen-hi, f. skn-i passende analo- 
gien. — Was die Verbindung der syrj. votj. Wörter mit den übri- 
gen betriflft, zeigt das f. laiika zwirn denselben Übergang, indem 
es sich an das m. mordw. le^iga, ers. lenge hast, vgl. Verf. Fin. 
Vet. soc. bidrag h. 24 s. i24, anschliesst. Übrigens haben su- 
nis, sinis die form eines adjectivums wie syrj. dimlöz hellgrau 
aus cim. 

Würden nicht die ugrischen formen mit anlautendem dental 
(ostj. ton, vog. tan, tän) auf einen anderen Ursprung hindeuten, 
könnte man geneigt sein die in n:o 565 aufgeführten f. suoni sehne, 
adcr, veps. sone, syrj. perm. sön u. s. w. als nahe verwandten an- 
zusehen, besonders da auch das türkische sink hat. Auf der an- 
deren Seite zeigt wieder das Samojedische anlautenden dental. 

731. Fin. hiefi'Oy zart, fein, dünn, weich. — kim-a unstät, ver- 
änderlich. — hin-no :=z hin-to s. n:o 729. schwach, fein, dünn. 



53 

Veps. hen-o, hen-o-kai-ne klein, fein. 

Est« son-ne g. smi-de höhenrauch. 

Syij. sln-ö-d hift. — Votj. ein rauch. — syrj. san-j hübsch, 
angenehm. — sen-äc-g wunder. 

Kagy. öin niedlichkeit, httbschheit. — öin-o-s hübsch, nett, 
niedlich, sauber. — öin-jfMi sachte, sanft, behutsam, manierlich, 
fein; vgl. öinnjan, öänni n:o 732. 

Vgl. 729 anmerk. Die magy. öinn-j, öinn-ja-n (732), wie 
auch hän-jä faul (728) zeigen dieselbe bildung wie syrj. San-jj 
während anderseits das magy. Sann-j verwelkung den entspre- 
chenden lautübergang des anlauts in syrj. örn- abnehmen bietet. 
— Budenz szötär 270 stellt syrj. s'inöd luft mit syrj. p. js'in ge- 
ruch, votj. zln id., f. heiiki athem, seele, leben, hönkä ventulus, 
Jwnka pinus silvestris als der „sausende" (Verf. wört. 340), und 
diese noch mit magy. ,sag geruch, lap. soggot evanescere, zu 
nichts werden, brandgeinich bekommen, zusammen. Im wörtb. 
I n:o 586 habe ich magy. sag zunächst mit f. häkä^ hokü gestank 
vereinigt, dabei votj. zin den Übergang zu S)TJ. z'in vermittelt. 
Diese können aber nicht vom ers. mordv. 6ine, m. sind geruch, 
ers. öinevon, m. sinian geruch verbreiten und e. öintf, m. sintf 
dampf getrennt werden. Da ein mordv. f öfters einem finnischen 
h entspricht (wie im carit. suff. ftwia — ttonm hier iz: *ht(mia), 
so ist sintf formell :.:: est. s(ynde d. i. *s(mde}i€. 

Jurak. sam. sun aufsteigender rauch, jen. Suddo, ostj. siimde 
id.; jurak. sino^ sinn, slno nebel. 

732. Syij. äin-i-tö-l ruhig, fiiedlich. 

Perm. sim-a-Uni, stm-a-v-ni, sun-a-n-ni schlummerny träu- 
men; eintauchen. — stin-a-S-ni id. — sun-'i-st-ni v. mom. id. — 
sun-a-lv-m Schlummer, träum. — Votj. son-a-lo winken, nicken, 
Son-al'to schütteln. 

Öer. b. san-a-Ue-m obdormiscere. 

Magy. sun-jä-l-ni, sunn-ja-d-ni (nach M. Nyelv szötär .9ww- 
jadni, sünjadni), frqv. sun-di-kü-hni^ sun-jd-kü-l-ni schlummern. — 
sun-jä'k schläfrig, faul, träge. — sun-jä-ta, sun-ji somniculosus, 
somnolentus. — sän-dä-r Schlummer, leichter schlaf. — sän-dä- 
rü-l-ni schlummern. — sän-dä-rä-d-ni, sän-dä-rä-g-ni id. — sän^ 
dä-n-t-ni einschläfeni. — äun-j-ni sich verkriechen, verschliefen. 
sün-ä't stillstand, ruhe. — sün-ido ruhezeit. — sän-ni aufhören, 



ft4 

nachlassen. — himn-jä-s still, demütbig. — hun-jo-ga-t-ni winken, 
nicken, blinzeln. — cinn-j stille, rube. — öinn-ja-n, öimi-jo^ä ru- 
hig, still. — öän-d, cön-d stille, rulie. — düpi-dä-S still, ruhig, 
gelassen. — cäti-ni mausen, schmuggeln. 
Oslj. B. snii'i't ruhig. 

Das magy. sändär Schlummer scheint eben in der weise mit 
ra Suffix aus sändä gelind, gelassen ausgebildet zu sein, wie magy. 
äanja-r aus San-nj^ f. hinte-rä schwach, schlaflf aus hinto; vgl. die 
estn. liv. sant schwach, lahm n:o 727. Die ursprüngliche bedeu- 
tung der obigen Wörter wäre sonach: „erschlaffen". Lautlich stimmt 
cer. San-a-Itc-m zu votj. son-a-lto schütteln, welches anderseits, 
wie das intransitive Son-a-lo winken, nicken, in beziehung zu f. 
han-te-la, Jiantta mit umgekehrter suffixstellung steht. — Budenz 
szöt. 320 rechnet nicht sändär zu den übrigen, er sieht aber auch 
in dem langen vokal oder doppelten n der magjarischen Wörter: 
sünj, sunnj den rest eines assimilirten v, so dass diese formen 
aus 5„t7„w, Wurzel s\,v hervorgegangen wären. Der durchgehende 
parallelismus in der bildung mit den übrigen Wörtern aus wurzel 
san scheint die hier gegebene auffassung zu begünstigen. Das 
magy. sün-ni führt Budenz szöt. 328 zu ostj. sogon sich enden, 
vgl. doch n:o 726. 

Türk. sm erlöschen, süjiln verlöschen, mongol. sünü verlö- 
schen, süni nacht; mandschu myi-tc zerstören. 

733. Fin. son-ia mist, dünger. — sim-ii-ä etwas schmutzig. 
Est. sön, sön-e unreinigkeit. — sön-c-ne schmutzig, unrein. 

— sön-e-ia-n schmutzig werden. — sönn-i-k gen. söntUku mist, 
dünger, misthaufen. 

Magy. siin-da hässlich, garstig, abscheidich. — äon-d-ra hure. 

— sännj schmutz, makel, schmach. — sänn-jü, sänn-jä-s schmutzig, 
unrein. — sänn-jä-z-ni schnuitzen, verunreinigen. — sän-dä-k 
schamtheil. 

Budenz szöt. 292 verbindet magy. sämij aus *sämnjä, *sä- 
mänjä mit mord. mnmi rost, cer. senic schwarz, syrj. sim rost, 
f. himiä etwas dunkel, hämil, lüimärä crepusculum u. a. Fin. sien- 
tiä, welches er früher, szöegy. 284, mit sännj und mit nlap. sävd- 
Aad, SV. Ip. seiidneSy sievdnes dunkel, nebelig, wotj. sinem rost, 
sinme rosten sowie mit übrigen „rost" bedeutenden Wörtern ver- 



55 

bnnden hatte, hält er jetzt wie estn. sön unreinigkeit für wesentlich 
verschieden von sännj. Die ähnlichkeit in der bildung des letzten 
und magy. äannj das verwelken und Verwandtschaft der bedeutung 
mit: „schlecht, nichtsnutzig, elend" n:o 727 hat mich bestimmt die 
obigen in Verbindung mit w. san zusammenzustellen; vgl. auch 
magy. äännjädek kratze n:o 73G und f. si/^ii =: ier. $en n:o 735. 

734- Fin. son-nu'S schooss an kleidem, säum. — hun-tu Schleier, 
hängender kop^utz von leinwand. — liän-tä schweif. — Vops. Mn-d. 
Vot. än-tä, — Est. hän-d g. hänna schwänz, schweif, das 
letzte. — hun-t g. hundi wolf, pl. hundid die beiden enden des 
zugnetzes, vgl. mere h. raubmöwe, struntjäger (lestris parasitica), 
änn g. äiini struntjäger (larus parasiticus). 

Die obigen stehen alle mit f. Iien-to, Imi-tu, hin-to dttnn, 
schlaff n:o 729 in Zusammenhang. -- Jurak. samojed. sana\ sane' 
schwänz, Tawg. santu (beim vogel), jen. soddaki id. 



735. Fin. mm-e n. simi schwamm. — sicn-a id. 

Vops. sen-e n. sen. — Vot. sln-L — Est. scn-e n. sin pilz, 
schwamm. — Liv. sTrl pl. sTnö-d^ sien-d id. 

H. lap. öadn-a, sv. äan-a birkenschwamm. — n. sägn-e-s 
schwamm. 

Voy. sen-ki zunder, feuerschwamm. 

Öer. im, b. i/w. Sin zündschwamm. 

Ostj. I. sän-a, S. sän-e% birkenschwamm. — H. os^. san. 

Lindström 84, der doch auch magy. sivaö hieher rechnet. 

736. H. lap. Sanas, sadnas, sanaöa kratze. — sidnac id. 
Magy. §ännjädeky sönnjädck kratze. 

Die lappischen Wörter können nicht von sv. Ip. sidne-t, sid- 
nje-t, sa(jni'te-t prurire jucken getrennt werden. Lindahl-Ührling 
lex. 401 verbinden diese mit f. stViün, vgl. wörtb. n:o 580. 

737. Fin. hon-ho füllen (in kindersprache). — hunnu id. — 
sann-i stier. 

Est sonn gen. sonni hengstfüllen. — sö/ui g. sömi bull, stier, 
hengstfüllen, widder. 

I^J. ö'anj füUen. — Vo^j. öuni id. 



56 

Lönnrot lex. 216 erinnert bei hunnu an die lat. hinnus, griech. 
iwo$. — In welchem Zusammenhang die bedeutungen „stier^ und 
^füllen" mit einander stehen, ist schwer zu ermitteln. Für die 
letztere kann man f. htinno, hunnu schlecht, elend, werthlos, vgl. 
huonoy anführen und die^analogie des f. vasa kalb: vähä klein 
hervorheben. Doch können sie eben so wohl aus würz, san tö- 
nen, brummen n:o 739 derivirt werden, vgl. 5er. sinzalam hinnire. 

738. Fin. hoH'kko einer der sich unbequem, ungeschickt bewegt 
Öer, äori-gOj b. smi-ga setate provectus, senex. 

Diese Wörter erinnern sehr an f. sanlca^ saiikea dick, dicht, 
fest, stark, wohl ernährt, sarücka dicht = säkea^ welche oben 
wörtb. 591 zur wurzel sdk geführt worden sind. Für diese wur- 
zelform spricht auch magy. Smik^ sanc bodensatz, schlämm, wel- 
ches in f. soiko^ sakka bodensatz seine nebenfoim ohne nasal hat 



.'^'N.-^ -S. 



2) Wurzel San. 

N:o 739-41. 

Schwächung n, Wechsel: nan zan sän zän son zon sm »ün sin 

§in zin. 

han hon hün hin. 
Steigerung: sün hüön, 
Bedeutung: a) sausen, summen, tönen, schallen n:o 740 — 41. 

h) sprechen, rühmen n:o 739. 

Nur die vereinzelt stehenden f. tinn-i-tä-n, penn, tan-ö-ia 
hell klingen, wörtb. n:o 520, können mit dieser wurzel verglichen 
werden. — Eine parallele aus dem indogermanischen bietet die 
skr.. wurzel svan tönen: svan-a-s^ svän-a-s ton, altlatein. ^oti^e-re, 
gewöhul. san-a-re, per-son-us durchschallend, durchtönend, Cors- 



57 

sen Aussprache^ I, 482, altirisch son (a-sta!nm) wort =, svana, 
Fick wörtb.2 219. 

739. Fin, san-a, wort, nachricht. — san-o-n sagen. — san-e- 
le-n, san-o-e-lc-n, san-c-ske-lc-n frqv. sfjpechen, reden, erzählen. 

VepB, san-u-n sagen, san-u-sJce-le-n frqv. 

Est. sön-a, san-a wort, rede, Spruch, befehl. — sön-a-n be- 
sprechen, heilen. — • sön-a-lda-n erzählen, besprechen. — sön-u-m, 
san-u-m gen. -me nachricht, botschaft ~ f. san-o-ma. 

Liv. sm-a, P. L. süyi-a wort, nachricht. — sön-Sl-j sün-Sl- 
streiten, sich zanken. 

H. lap. sadn-e, utsj. sSdn-i, en. sän-e wort. 

M. Mord. Sn-a-n rühmen, preisen, Sn-a-M-na-n frqv. 

Öen äan-e-m meinen, äussern. Castr^n MS. — äin-za-la-m 
hinnire, äin-za-le-de-fn frqv. 

Magy, zan-a mürrisches weib. 

Das mordvinische woil ist ohne zweifei aus *Äfan-a-n ent- 
standen, wie mord. sna riemen, ers. khia = liv. siJcsäns, f. slsna 
n:o 634. Für cer. sinzalam vergleiche liv. sünäl-. Budenz szot. 
158 verbindet f. saua und magy. hang, vergl. folgende nummer. 

740. Fin. mi-JcH-a zischen, sausen. — hin-Tcu-a zischen, pfei- 
fen. — hhi-hu-n pfeifen. — hün-ä-n stöhnen, summen, sausen. — 
Mn-i-se-n^ hon-i-sc-n dumpf tönen. — hon-o, hon-ho einer der in 
der nase spricht. — hfut-lcu-n sachte lachen. — Jum-kü verwor- 
renes getöse. 

Est. sin-nu-n inf. singuda winseln, weinerlich sprechen, sum- 
men, brummen, brausen. 

Syij. zin-ja-n glocke. 

Magy. han-g schall, ton, stimme. — öan-gö schlecht klin- 
gend. — cän-gä-ni schellen, gellen. — öän-go schelle. — zän-ä 
musik. — zäfi'd ton, zän-dü-l-ni ertönen. — zän-ä-g-ni, zän-gä-ni 
klingen, tönen, schallen. — zän-go schallend. — zön-gä ton, zön- 
gä-lü-m melodie. — zan-g ton, zon-ga-ni summen. 

Vog. B. sam-gi er tönt. — Os^'. B. son-dt-ta ertönen. 

Die von Budenz szötar 158 gemachte herleitung des magy. 
hang st. hangOj aus lian -f- sufif. go^ wie magy. fts-k st. fts-kä •=: f. 
pesä^ gewinnt durch die obige Zusammenstellung noch grössere 

5 



58 

Wahrscheinlichkeit, denn es kommen formen mit ä und g suffix 
ausgebildet neben einfacheren vor; vergl. votj. «m-Ä:/ feuerschwamm 
= cer. scn^ veps. sen, f. sieni n:o 735. Wie das magy. hang zeigt, 
sind die bedeutungen „ton" und „stimme" nahe verwandt, um zu 
derselben wurzel gehörei* zu können, so auch magy. so stimme, 
woi-t, vog. suj laut, stimme, gerücht u. a. vgl. Budenz szot. SOG. 
Zunächst gehören doch die, welche sich auf die menschHche stimme 
beziehen, zusammen. 

Vielleicht steht auch f. henU hauch, lufthauch, athem, geist, 
wörtb. n:o 340 mit den oben aufgeführten in Verbindung. 

Jurak. samojed. scana, siena, sena, dimin. seanako, tawg. 
sanhu, Jen. segga glockc. 



741. Fin, Mön-ü-ö insect. 

Magy. sfm-jo-g mücke. schnacke. 

Ich leite diese beide aus der würz, san in der bedeutung 
sausen, summen. Das fin. wort steht auch dem verb. kün-S-n 
sehr nahe, indem man nur gewöhnliche Steigerung des wiu-zelvokals 
und vielleicht fcictive fonn anzunehmen braucht, um hüm-ti-ö etwa 
zu *hü(hi'fä-jä „einer der das summen verursacht" zu bekommen. 
So heiftiö nachlässiger mensch von heitän lassen, verlassen. — Ob 
perm. zon-j dompfaflf mit diesen etwas zu thun hat, ist unsicher. 

742. Fin. sifi'tti kleiner fisch, nors. 
Syij. sin id. sarf. 

743. Sv. lap. Öin-O'l', öin-o-s compactus, durus. — cin-o-f dure- 
scere, öin-o-fc-t fact. 

sen-ja-öe-s nix granosa. — sän-ja-ca nix conipacta. 
Perm, zin fest, hart. 

744. Fin. sini blau, blaue färbe. — sin-e-äy sin-i-nen blau. 
Veps. sin-l-ne, — Vot. sin-i-ne. — Est. sin-i-nc. — Lir. 

sin-fii blau. 

Öer. sini'Ze. — Ers Mord, sen, sene, m. scn-an, — Vog. sin-iti, 

Ahlqvist 84 leitet alle diese aus slav. cnni,, chhüI (sin^ sinlj). 
und Budenz cserem. szötar 02 das Cer. sen färbe aus dem tatari- 
schen. Magy. sin schein, anschein, färbe, obei-fläche leitet Budeni 



59 

szot. 301 aus einer würz, sej — iirspr. /«// splendere, zu welcher 
er auch mag}', su-l- backen, braten, sü-f- braten, niord. si sonne, 
f. ui-nfä' schwach erscheinen n. a. rechnet, szcit. 374; vgl. doch 
wörtb. n:o 618. 

745. Fin. säni schütten. 
Vepg. san, — Vot. säni. 

Est säni nom. .9^7//. — säni-ce-n im Schlitten fahren. 
Liv. sofiö n. so/i; san, zan Schlitten. 

Magy. San, sänj, sän-ka. — Vog. sutij Sun, Hunfalvy, Re- 
guli Hagyom. 

Hunfalvy Vog. föld 295. Miklosich lexic. 822, die slav. elem. 
im magj'. 52, betrachtet das ihm nur im magy. bekannte wort 
als entlehnt aus nslav. serb. sani, bulg. saniy sanije, neugriech. 
Cavia, So auch Ahlqvist kult. 115 was die übrigen formen be- 
trifft. — Jurak. samojed. hcisst han Schlitten. 



Wurzel Sap. 

N:o 746-795. 

Schwaohunff n. Wechsel: säp öäp sop sup sep öep sip dp öip. 

hap häp hop häp hup hup 1^ hip. 

ap äp up; — fap, 

sav zav säu sov äov öov söv suv sev siv. 

hav häv hov hev hiv, 
Steigerung: säp zäp ääp 8oap suip sep siep 61p, 

hoap huip hüp hiep hlp; — uop. 

sov suov äuov stv siev slv. 

häv häv hiev hlv; — öv. 
Bedeutung: a) zusammenziehen, drücken, pressen, eng machen, 

saugen; dünn, schmal, spitz n:o 746, 747, 749. 

b) zusammengezogenes, abfall, schmutz, besudeln n:o 748. 

c) eng, sackig, gespitzt, in einen zipfel auslaufen n:o 750—756, 
n:o 761. 

d) leicht berühren, schnappen, zupfen, kneipen n:o 75 1 = k). 

e) umwickeln, hüllen, flechten, weben n:o 757—704; sich zu- 
sammenziehen, verbergen n:o 754, 780. 

f) umwühlen, mischen, verwirren, verworren sprechen, anhaf- 
ten, flüstern, stottern n:o 765, 766. 

g) abnehmen, magern, verfallen, vergehen, verdorren, schmel- 
zen; scheu, geschämt werden n:o 767 — 771. 

h) einsinken, ertrinken n:o 772. 

i) sauer werden, gähren, faulen, vermodern n:o 773 — 775. 

k) sich zusammenraffen, haschen, greifen, tappeln, eilig arbei- 
ten, hin u. her laufen, tanzen, in schneller bewegung sein; — 
schnell, lebhaft; — gefrässig, lüstern n:o 776—779. 

l) schlagen, schneiden, kerben, verwunden; schmieden n:o 781 

—783. 
m) fügen, passen, versöhnen, ordnen; dulden, lieben, wünschen; 
— passend, gefällig, niedlich, hübsch, still, sanft, sittlich 
n:o 784—787. 



61 

n) schleifen, reiben, gleiten, schleppen, kehren; — schaben, schar- 
ren, graben n:o 788—793. 
o) sammeln, trUb, dunkel n:o 794, 95. 

Eine ganz eigenthümliche Übereinstimmung in der entwick- 
lung der wurzelbedeutung tritt an der nahe liegenden wui-zel tap, 
wörtb. n:o 522 — 34, hervor. Besonders sind die folgenden bedeu- 
tungen zu beachten: schlagen, klopfen, -stossen,'tödten; — stam- 
pfen, treten; — zusammenpressen, walken n:o 522-24; — treffen, 
geschehen, erreichen, nachgreifen, leicht berühren n:o 527, sitte 
n:o 528; — rupfen, ziehen n:o 529; — trippeln, httpfen, tropfen 
n:o 535 — 538; — niedersinken, anhaften n:o 533—34; — winden, 
schlingen n:o 540; Stiefel n:o 541, rüder n;o 539. Trotz dieser 
analogie schimmert doch die wesentlich verschiedene grundan- 
schauung, welche „schlagen, stossen" sein dürfte, in den meisten 
bildungen durch. Schwieriger ist jede einzelne bildung der er- 
weichten form sav (zz fiav) auf die nahe einander stehenden wur- 
zeln sap, sak, tak richtig zu vertheilen, da sich jede derselben wie 
auch tap durch allmälig eintretende lautübergänge, die zu den ge- 
wöhnlichsten erscheinungen innerhalb der finnisch-ugrischen spra- 
chen gehören, zu sav verändern kann. Ich füge zum besseren 
vergleich eine Übersicht über die beiden wurzeln tak und sak zu. 
Würz, tah wörtb. n:o 389—411 hat folgende hier in betracht kom- 
mende bedeutungen: schlagen, stossen, klopfen, drängen, berühren 
n:o 389, 390; — zurückweichen lassen, hemmen, anhaften, ein- 
wickeln, stottera, fallen, sinken, verloren gehen n:o 397 — 99; — 
hammern, schmieden n:o 405; — schleifen, glätten n:o 407. Die 
würz, sak wörtb. n:o 572 — 586 u. f. verzweigt sich nach folgen- 
den richtungen: spitz, ecke, winkel n:o 572, 575; — hauen, schla- 
gen, brechen n:o 577; stossen, reiben, kratzen n:o 579; — her- 
vorstürzen, eilen n:o 580; scheu, erschrocken werden, verder- 
ben n:o 581, 82, fallen, sinken n:o 588; — reizen, jucken, be- 
gierig n:o 583, 84; — zusammenwickeln, flechten n:o 587, be- 
decken, hüllen n:o 594; — dick, trübe, blind n:o 591, 92; haften 
n:o 593. 

Es können hier nicht die berührungspunkte ausser acht ge- 
lassen werden, welche die obige wurzel mit mehreren bildungen 
der indogermanischen sprachen aufzuzeigen hat, da zuweilen wirk- 
liche entlehnung statt gefunden und möglicherweise einige formen 
durch einwirkung der Volksetymologie nicht mehr ermittelt wer- 



62 

den können. Die skr. wurzel sap, nach Grassmann wört. RV. 1472 
verehren, heiliges werk betreiben, verbindet Curtius grundzUge"^ 
453 mit BTC'O'fiai begleiten, STC-a um etwas beschäftigt sein, aus 
urspr. saö, saJc, vgl. fin. sap k). Dagegen trennt er grundz.** 576 
davon öeß-o-fiat verehren und verbindet dies wort mit skr. sev 
=: *$a'Sav in der bedeutung „verehren"; Grassmann wört. 1578 
gibt nur die bedeutung : gemessen, gebrauchen (vgl. f. stw-än lie- 
ben, sü-ön essen). Aus der litt, slavischen wurzel sup zu europ. 
svap bewegen, schwingen, werfen, leitet Fick wörtb.- 614 lat su^ 
pare werfen, streuen, lit. stip-ti schaukeln, wiegen, kslav. supu 
cumulus, sypati fundere, spargere, svepiti agitare; auf germani- 
schem boden svip drehen, bewegen: an. svipr schnelle bewegung, 
svipan, sveifan \sinden, an. sopa fegen, kehren wörtb.^ 921; vgl. 
f. sap n), an. sveipta wickeln, ahd. sveif band, schweif, drehende 
bewegung, sveipr haarlocke, gekräuseltes haar s. 919. Eine an- 
dere Wurzel sap kommt nach ihm in lat. sapere schmecken, ein- 
sehen, sapidus, das altlat. sibus callidus, gr. öoq>6g wört.^ 401 
und an. süpa schlürfen, trinken, ags. supan, ahd. sufan versinken 
(= sich voll trinken, von schiffen) wörtb.* 888. Diese ist wohl 
mit sip pfeifen, hohl sein in : ags. sipan, engl, sip saugen, wörtb.* 
495, identisch; vgl. fin. sap a). Noch ist zu bemerken die skr. 
wurzel siv = s'i fest zusammenfügen, zusammenwickeln, nähen 
Grassmann s. 1521, = lat sno, gr. Haö-öv-co flicken, got. siu-ja, 
Curtius grundz.-* 3S5. 

H:o 746—749. Wurzel sap: a) zusammenziehen, saugen, pres- 
sen; eng machen; zusammengezogen, dünn, schmal. 

h) zusammengezogenes, schmutz, besudeln. N:o 748. 

746. Fin. supp'ü'H zusammenziehen, zus. gepresst werden. — 
sup-i-sta-n zusammenziehen, eng machen. — sup-i-stu-n, supp^- 
ne-n, supp-c-nnu-n (st. supp c-ntu) intrans. — sup-u-ta-n zusam- 
menschrumpfen lassen. — htipp-u das sammeln der kleider über 
das haupt, hauptbedeckung. — huiyp-u-ne-n dim. hauptbedeckung, 
Wickelkind. 

Est. sab-ra-n leicht drücken, plätschern. — sab-ri-ku nom. 
sabrik kraus, krauses; kü^e s, fichtendickicht, d. i. Verengung zwi- 
schen flehten. — säp-a-r das zusammenziehen, in säprase minema 
sich zusammendrehen (zwirn). 

Liv. sqiJ'i'da zügeln, zurück .od. zusammenhalten, sich zu- 



63 

rüekhalten, sich auflialten. — sap-a-n st. sapanu sammeln. — 
sqp-ä-gi-nt sich versammehi. — sav-a-r sammeln, eniten. 

8v. lap. sop-he-t, snop-kv-ie-t vereinigen, vgl. f. sop-i n:o 784. 

Er». Mord, suv-or-da-n zusammendrücken, pressen, kneifen. 
— siv-er-Ja-n veniageln. 

Öer. sup'sa-m^ b. sup-sa-m, sox)'sa-m ziehen, X)q)ka s. pfeife 
saugen. — sup-sc-dc-m fiqv., Siip-äa-la-m moment. 

Magy. sop-ni saugen. — sop-ta-t-ni caus. lactare. — sip-ni 
saugen, ziehen. — sip-a-i prise Schnupftabak. — sip-ä-l-ni, stp-ä- 
JcO'l-ni frqv. — *m- in .siv-ü, slv-ö saugend, der heber zz sojj-ö, 
und hi-slv-ni aussaugen, hä-slv-ni, hä-sop-ni einsaugen. — *(2>i>- 
a-nta-ni uno haustu sugere, attrahere (Kreszn). — sij), sip-ka sugi- 
bulum (id). — cip-ü-l-ni zerren. 

Vog. sip-ge-m saugen. — sip-ge-nte-m frqv. — H. ostj. §q^-ta 
saugen. — seb-i-psa das saugen. 

Die verschiedenen sprachen zeigen vielfach auf verwandte 
bildungen, die in den folgenden nummem aufgeführt worden sind. 
Grundbedeutung ist „zusammenziehen, zusammendrücken, eng ma- 
chen". — Im szötiir 310 verbindet auch Budenz die mit so ab- 
weichenden vokalen vorkommenden sop^ sip, indem er eine ur- 
sprünglichere form soh, sib annimmt, aus welcher sich noch sov, 
siv entwickele. Da er die westfinnischen Wörter nicht mit den 
übrigen zusammenstellt und cer. mp-sa-m durch einwirkung des 
folgenden s aus sub-sa entstehen lässt (vgl. fin. sip-so-n n:o 747), 
so findet er auch für cip-ül die nebenform vib-al raufen, reissen 
als der urform näher stehend. Bei dem überaus häufigen und 
regelmässigen Wechsel der tenues, mediiie und liquida3 in den fin- 
nisch-ugiischen sprachen, einem Wechsel der oft innerhalb dessel- 
ben Wortes vorgeht, und bei der allgemeinen entwicklung nach 
erweichung des lautes, nicht nach Verstärkung, scheint es mir 
richtiger sap als wurzelfoim anzunehmen, d. h. dieselbe wurzel 
sap = sup, sip, welche Budenz szöt. 321 für supjm konstruirt 
hat. Dies ist um so mehr berechtigt, ja ganz unerlässlich, da die 
medialen laute überhaupt in den finnischen sprachen nur sekun- 
däre entwicklungen sind und daher in den meisten idiomen nicht 
am anfang des wertes geduldet werden, in einigen gar nicht vor- 
kommen. — Dem magy. sop-ni nähern sich die finn. ausdrücke 
su2)pU'Sü zusammengezogener mund, vielleicht auch süpponen klei- 
ner mund. Fin. sejj-a-kko hat ähnliche bildung wie magy. sip-ka. 



64 

Es scheint nicht fern zu liegen das fin. äm-ö-m essen = mord. 
sev-a-n, sev-e-n u. a , welche oben bei n:o 554 aufgeführt wurden, 
hieher zu rechnen. Nur die mit t anlautenden ostj. vogulischen 
formen machen dabei Schwierigkeit, sonst würden alle die übrigen 
vortreflflich hieher passen. 

747. Fin. scp-a-kkoj sev-a-kko zugseil. 

8v. lap. suopp-e-nje, Suopp-e-nje restis, funis. 

H. Ostj. Sib-a-t strick zum ziehen des netzes. 

Vgl. magy. sip-a-t prise n:o 746 und f. sq}iä n:o 757. 

748. Fin. sup'H, supp-u, suv-u-ksc nom. sucus etwas zusam- 
mengezogenes, das stockende, stockendes eis in bächen und Aus- 
sen. — supp'O brei, schneebrei, mehltrank mit heu für das vieh, 

— hap-a-ra brocken, abfall. 

Est supp gen. supa, siqm eis oder schnee mit wasser ge- 
mischt. — sopp g. sopa schlämm, dünner koth, gemisch von was- 
ser und schnee; niederung, nasse wiese. — sop-a-ne schmutzig. 

— sop-a-sta-n beschmutzen. — sob-ni nom. sobr eisgebröke, auf- 
gehäuftes eis. 

8v. lap. suopp^ SHopp-e-m nix vento cumulata, qua^ pontis 
instar nonnullis in locis in alpibus super tluvios remanet, etiam 
«estate (Lindahl), eisgebröke. 

H. Osy. sob-tld'ta, sob-la-ld-ta, sop-la-lihta besudeln, be- 
schmutzen. — sop-la-Uta begiessen, benetzen. 

Vgl. die nahestehenden Wörter in n:o 776 und uppu 772. — 
Der bedeutung „schmutz" begegnen entsprechende anschauungeu 
in f. häp-e-rä trüb, dunkel n:o 795 u. hap-e-ä-n sich schämen 
n:o 770. 

749. Fin. supp-e-a, supp-i-a zusammengezogen, zusanunenge- 
drückt, eng. — sup-e-a herunter gedrückt, nachgiebig. — kuop-e- 
f^e-n inf. huoveta erleichtert, gelinde, mild, weich werden; gewalkt 
werden. — hiev-u-Jcka schwach, dünn. — hiep-u-ra id. 

Est sop'i'li-ne gen. -ze sackig, buchtig, faltig, in einen zip- 
fel auslaufend. — sop-U-k gen. sopUku id. — suv-a-ka-s, slv-aka-s 
schlank, langgestreckt. 

8v. lap. stiop-e-s, suop-o-k, nHop-c-^ flexilis, lentus. — suap-a- 
ne-t weich werden. — mop-o-te-t fact. 



65 

M, Mord. suV'Uy änv-a-na, ers. öav-a, öor-i-ne dlinn, schuial, 
fein, eng. — m. äuv-a-lffe-da-n, e. öav-i-Tga-da-n dünn werden. 

Magy. sup-o-t-ka gracilis, tenuis, non dilatatus. — sujy-o^'ko 
oval gespitzt, schmal vorlaufend. 

Budenz szötar 321, der f. suppea, suppn und auch sopxn 
(n:o 754) mit magy. supofkn, supojko verbindet, leitet sie aus 
einer „ugrischen** form *„;>„ mit der bedeutung ^arctare, compri- 
mere" und intransitiv „arctxiri, sich zusammenziehen"* vgl. indo- 
germ. angh^ lat. ang^ aus welcher angus-iu-s, Wir stimmen also 
hier was die wurzelform betrifft vollständig mit einander überein, 
nur dass ich mehrere derselben reihe angehörenden Wörter auf 
verschiedene nummeni vertheilt habe, den modifikationen der be- 
deutung folgend. Der von ihm gesetzten gleichung stipotka = 
supo-lo-ka, dabei supo-lo durch erwcichung des dentalsuffixes ta, 
da zu l vollständig dem fin. suppea d. i. supc-da entspräche, kön- 
nen doch die fin. formen suj^ii-lay suppi-lo und supi-kka (n:o 748) 
entgegengestellt werden, um das vorkommen der beiden suffixe, 
obwohl in verschiedenen wörteni dieser wurzel, auch im finnischen 
zu beweisen. Übrigens dürfte ein Übergang des Suffixes ta, da 
zu 7a, lo im magyarischen noch unsicher sein. Vollständig aber 
findet sich die magy. form im est. sop-U-ku wieder. 

Was niordv. Suva, ers. öova betrifft, vereinigt Budenz szöt. 
361 diese mit magy. sovänj sterilis, aridus, macer, ein wort wel- 
ches seine nebenform in sivänj „abgetragen, verschlissen" habe 
und aus einem magy. *siv, .sij = ugr. s-g „reiben, schleifen, 
wetzen" stamme. Die bedeutung „eng" scheint zunächst auf Ver- 
bindung jnit der obigen reihe hinzudeuten; wenn aber auch die 
von B. gemachte zusammenstelhmg sich als richtig erweist, was 
ich gar nicht bezweifle, so dürften doch auch diese der weiteren 
entwicklung der wurzelbedeutung angehören, daher auch f. hiv-o-n, 
m. mordv. äov-a-n schleifen, schärfen n:o 788, der wurzelform sap 
=• sav und nicht s-g zugerechnet werden. 

N:o 750—756. Würz, sap: c) eng, sackig, gespitzt, in einen 
Zipfel auslaufen (zacke, stachel, ähre, ruthe, fingerspitze, düte, ta- 
sche, Stab, flügel, schweif, rüder (n:o 761). 

d) leicht berühren, schnappen, zupfen, kneipen n:o 751. Vgl. 
h:o 776—779. 



66 

750. Fin. sup'i-lcka aus birkenrinde gemachte dUte oder fäss- 
chen fllr beeren = marja-suppu zusammengezogenes gefäss für 
beeren. — supp-i-lo mlllüentrichter, düte. — sipp-ti spitzige düte, 
trichter. — sav-i-ita spitze. — hip-e-ä zacke, Stachel. — hipp-u 
spitze. — huipp'U^ snipp-u id. — hflpjM, liüpp-ii, liüpp-ö^ hüp-e 
st. MppeJie, hüv-e st. hüpelie fingerspitze. — hüpp-ü-ri kleine er- 
höhung. — hüp2)'H'lä, hupp-ä spitziger hUgel. — säii-ä-le Splitter, 
spleisse. — sSp-ä-h id. — sip-a-h, siiy-a-hka, sip-ru Scherbe, fliese, 
Splitter. — hip-a-le, hip-e st. hipehc id. 

Syij, Votj. ^cp^ penn, söp ähre. — Syrj. sip-u-it degen, 
Schwert. 

Öer. sap^ säp hafer. 

M. Mord, iuv-a spreu, ers. id. — m. säv, ers. 6cv kienspan, 
' zum fackel gebraucht. — m. Mv-ks, er. öev-i-ks, öev-ks das ma- 
terial dazu. 

Magy. äup-ra ruthe. — öij^-kä spitze, zacken. — Konda Vog. 
äop-e-n Säule, pfeiler. — sup Stückchen. — Vog. sup stttck, hälfte, 
sup'i entzwei, durch. 

H. Ostj. Sup, äopy Sab, Soh stUck, läppen, theil, hälfte. — äqp-a 
in stücken. — supp-a, sopp-i in die quere. 

Die finnischen landbewohner brauchen theilweise noch lange, 
schmale und dünne kienspleisse zur beleuchtung im winter; ihr 
name ist päre plur. pärct aus würz, par, pir zersplittern. Magy. 
Hp'kä (vgl. cer. sep-ka n:o 754) ist ähnlich wie fin. si})'U-kk<i 
„Scherbe, fliese" gebildet; es steht auch mit dieser reihe in näch- 
ster Verbindung, da es sich an fin. .sipaUen n:o 751 und magy. 
sahnt u. s. w. n:o 781 anlehnt. Vgl. letztgenannte nummcr, sowie 
Budenz szöt. 269 über sup, suh. Andere ähnliche bildungen sind 
das oben erwähnte stip-i-kka, sop-u-kka (ostj. sam. f^ap-a-ky scpp-a 
tasche =: f. sipp-ti), sv. lap. napp-e-k, u. s. w. vgl. f. säp-U'kk<i 
n:o 76Z. 

Das syrj. sip-u-rt ist ein nomen verbale, das mit dem fin. 
verbalthema hüp-e-rte übereinstimmt und auch das tscher. cep-c-rta 
deckt. 

751. Fin. sip-ai-sc-n schnell anschlagen, schneiden, vorbeige- 
hend berühren. — siepp-ä-n schnappen, reissen, zugreifen. — siep-o- 
ta-Hj siep'O'ttc-Ie-n, sicpp'a'Se'n frqv. — siepp-a, siejyp-o, sicpp-a-ri 
einer der zugreift. — mpp-i-ä flink, eilig, händig. — hüp-istärny 



67 

frqv. hüp'i'Ste'le-n mit den fingerspitzen berühren, reiben. — Mp~ 
ei-le-n, hüp-e-rtä-, hüp-e-rie-le-n id. 

Sv. lap. dab-re^t premere, torquere. — cah-re-stc-t dim. — 
dab-re-m das pressen. — Öab-ro-t frqv., öab-ro-ta-llc-t intens. — 
cip-co't, cijy-ce'Ste't, n. cav-ci-t, clf-ci-t, cik-ci-t mit den fingern 
kneipen. — sv. cap-ce-ste-t premere, torquere. 

Syij. {'ep'C-rta, öcp-ra-la mit den fingern kneipen. — ccp- 
le-d-ni, öip-le-dM-ni, perm. öq^-taA-, öep-le-lt-, cep-ö-tt' kneipen, 
zwicken. — peim. ^<?/>-ci-/' prise. — Syrj. sib-di- sich an etwas klam- 
mem, anhaften, berühren, verwickelt werden. — sib-ö-d-, sib-ö-si- 
id. — sib-da-ni-n untiefe (stelle wo man haftet). 

Öor. öcb-e-sta-la-m id. — cip-ta-lma-s das kneipen. 

Hagy. Fip-ni kneipen, zwicken, stechen, schnipfen. — dlp-ä-t 
so viel man zwischen den fingern fasst, prise. — öip-ä-d-ni zwicken, 
zupfen. — öip-kä-d-ni kneipen, zupfen; beissen, sticheln. — cip-ä- 
kä-dni sich an etwas klammem, hängen. — öip-dä-Uni, Öip-dä-z-ni 
frqv. öfter zwicken, sticheln. 

Die mit h anfangenden fin. Wörter sind derivaten aus f. Mppu^ 
htlpe, hüve fingerspitze n:o 750. Bemerkenswerth ist die über- 
einstinunung der suftixe in: f. hUpi-ste-k-n = öer. cebe-sta-la-m 
und f. hflpe-rtä ~ syrj. ccpe-rta. Budenz stellt szöt. 391 mehrere 
der oben gegebenen Wörter mit f. htippu, huppi, hupe und hüpi- 
stän zusammen. Als „grundform" (verbalthema) nimmt er ä;;6- 
und s^b' (finnischer verbalstamm hiipc = urspr. *hi'd)e), dabei der 
lange vokal im magy. ap nur eine spätere verlängung sei. wie 
iflv aus ursprünglicherem siv, s. 308. 

752. Fin. sijyp-u spitzige dUte, trichter. 
Veps. hav-a-d sack. 

Est. sop Zipfel. — Syrj. votj. scjy-T'S kleiner sack, tasche. 
M. Mord, stp'äy ers. zepy sep-e id. — Magy. zäb. — Ostj. 
stpj n. sep id. — Vog. §(p^ säp id. 

Öor. §ev'0'}c§, sev-e-kä Saccus frumentarius e corio factus. 

Vgl. soppi n:o 754. Hunfalvy fijszaki Osty. 103, welcher die 
ugrischen formen zusammenstellt, scheint wenigstens einige als 
lehnwörter aus dem türkischen aufzufassen. Ahlqvist kult. 134 
vergleicht die ostfin. Wörter, unzweifelhaft gehört doch auch das 
finn. wort hieher. — Im jur. saraojed, heisst tasche seap^ ostj. 



68 

sam. >'?/>, sepQj seppa, sc^ak. Das letzte erinnert an f. scpuika, 
süpukka u. a. 

753. TuL hipp-Qy hipp-a männliche od. weibliche kopfbedeckung. 
hohe mtttze, bischofemütze. — hipp-i weiberiiaube. — hSpp^ 
spitzige mfitze, spitziger hfigel, Wiedehopf (vanellas cristatos). — 
küppäHen dim. 

% hlc-ä-g mfltze, kappe. 



Budenz szoeg. 334. Ahlqvist kult. 141 leitet hippa ans dem 
altn. hvif. ^^^i/fy ^f^it^ Schleier, weibliche kopfbedecknng. Es ist 
doch zu bemerken, dass in diesem falle das f, v im finnischen 
za r übergegangen wäre, wie es auch thatsächlich in 1 Au in tuch 
für weiber geschehen ist. Übrigens hängt das wort mit f. kSppi 
u. s. w., hiippH, suippu spitze auf das engste zusammen. Das 
letztgenannte hat noch den sibflant bewahrt : f. su^afpu-iaUi spitzige 
mtttze steht dem ungar. worte noch näher. 

754. Fin. scpp^ nom. -i sop-e-ie nom. sore innere ecke, win- 
ke!, angulus sedium interior, meren s, meerbusen. — so€^ st. so- 
prhe zu s^jppi — sop-H-üa dim. — .«««/Mi grotte. — soj^-a^io 
anus vetula. winkelbewohner. Rnss. Karel. dupp-a ecke. winkeL 

Est so^yp g. S0pi\ ifopa zipfel. sack-z., ecke, land'-ecke (zwi- 
schen zäunen), Vertiefung, mere-s, meerbusen. — ^op-i-ii-ne sackig, 
buchtig. faltig, in einen zipfel auslaufend. 

Syij. selMi verhehlen. — 3t*-a-/a, seihta-ta frqv. verhehlen, 
begraben. — Pom. ^fft-M?, ^t-h^i-l-hJ id. — Vgl. syrj. ^eb-ra-S-ui 
sich eiuhftUen. verborgen werden, f. i<ev-i-H umhOllen n:o 757. 

M. Mord. sop^'H verbergen, iop-f verborgen, geheim. — 
er>. ^op-a-Hy SKJt-4>-H verbergen, verhehlen, läugnen. — sop-o-i^- 
/itf-M firqv. 

Ö«r. S9!p. sip lente, ckun. — ^epin wiege. 

Die obigen stehen in nächster Verwandtschaft mit supa. suppu 
n:o 74S, und ;^pu n:o 75"^. Mit f. sop-n-üta stimmt in der bO- 
düng das sv. lap. ^-^/Mf-i ^Schneeschuhe", fin. sit-<hika Schnee- 
schuhe des rechten fusses: sie gehen aUe von der anschauung 
,in einen zipfeL eine spitze, ecke auslaufend'^ aus. Wahrschein- 
lich ist das cer. ^epia urspribighch ein kleiner sack od. zipfel, 
in welchem das kind eingehillt. verborgen wurde, wie auch fin. 



69 

kät-kü, SV. Ip. küt'ka mege mit lap. kät-ke-t einwickeln, f. kät- 
ke-n verbergen aufs engste zusammenhängt, wörtb. 45, 46. Vgl. 
auch f. hupp-u-ne-n Wickelkind n:o 746. 

755. Fin. sauv-a stab, stock. — sauv-a-kko, sav-a-kko stab, 
tretschemel im Webstuhl. 

Est sau gen. saita, savva stab, stock; schlag mit dem stocke. 
— sauchka nom. sauakas stock, knttttel. — san-k gen. sau-ga hi 
den meeresboden gestossene Stange des setznetzes. 

Idv. sov-a stock, knüttel, Speichen am rade. 

H. lap. soabbcy sv. sobbc^ en. soahe, utsj. soabhi stab. — Syij. 
jsnb id. 

Öer. säb'ä zweig. — sov-e ruthe, gerte. — Mord, öov stab. L. 

Ostj. I. scu, S. 5a?ra, sowa stab, stock. — H. Ostg. suv-c-t id. 

Vog. k. «i, n. 5f/, Ä?7 id. — Konda sav gebttsch, stock. 

Castr^n, gram. syrj. 155. Lindström 82. Schiefher, Castr^ns 
Ostj. gr. 96. Hunfalvy vog. fold 295 u. Lindström führen das tUrk. 
sopa langer stock an. Europseus, Suomi II, 7, 29 erinnert an jur. 
samojed. feb, fieb, ostj. sam. tiby übe, Hpe, Ölbä, Kam. fa2)SH stöck- 
chen. Ahlqvist kulturw. 126 fasst lap. sobbe, soabbe als dem f. sampa 
entsprechend, welches ein ring am unteren ende des Stabes, um ihn 
vom einsinken in den schnee zu verhindern bezeichnet; ervennuthet 
nämlich dass sompa früher die benennung des ganzen Stabes war. 

756. Fin. slp'C nom. slj)!, gen. slvm flügel. 
Vot. slp-i id. kalä' s. fischflosse. 

Est. flb gen. (Iva, sib gen. slvo, srv-a-s g. s7ba flUgel. kala s, 
fischflosse. — slv flügel, rockzipfel. — slv-u-ta-n die flUgel aus- 
breiten od. bewegen. 

Ers. Mord. Sov, sov-o-ne, Sov-no flügel. — sov-a-S Wagen- 
deichsel. 

Magy. zäp schwinge (an einem leiterwagen), radspeiche. 

Ohne zweifei ist die grundanschauung: „spitz auslaufen", 
wie auch magy. sur-nj flügel mit f. Jüir-a zweig u. a. aus der 
würz, sar hervorspriessen, hervor-ragen sich herleitet, wörtb. n:o 
635. Budenz, der szot. 281 die letztgenannten Wörter verbindet, 
nimmt eine andere wurzelgestalt an. Das ers. mord. iol-fno flü- 
gel verzweigt sich aus der w. saJ mit ähnlicher bedeutung wörtb. 



70 

n:o 694. Anderseits liegt auch die weitere entwicklung im est. 
siban, sipeldan u. s. w. n:o 775 sehr nahe. Die hier gegebene 
erklärung der ursprünglichen bedeutung zeigt sich recht deutlich 
in est. slv-a-ku-s, süV'a'ka'S gen. -ka schlank, lang gestreckt, so- 
wie in sriv-u-li-ne „geflügelt", aber zugleich „mit bunten keilen 
(= streifen) versehen". Est. sapeldan „mit den flügeln schlagen", 
f. lüppo schnell, leicht beweglich, hiepale flatternd u. a. geben als 
nahestehende formen neben der schon angeführten die sehr natür- 
liche auifassung: „sich leicht bewegend, was sich schnell zusam- 
menzieht". — Vielleicht ist Ostj. I. sives fischadler, N. ostj. slfis 
id. mit slpi in Verbindung zu bringen. 

Schott Alt. spracheng. 135 vergleicht sipi mit tung. 6ip in 
öip'kan (geflügelt) vogel, mong. siba-yon (sira-yon) id.; auch f. 
»ivu Seite könne verwandt sein. — Die Verbindung mit samojed. 
Ühe^ vorige n:o 755, ist augenscheinlich. 

N:o 757 — 764, Wurzel sap e) umwickeln, winden, hüllen, flech- 
ten, weben, sich zusammenziehen; hals, kragen, rücken, hülse, 
kleid, Stiefel (schweif, rüder n:o 761 gehört näher zu c)^ 

757. Fin. sev-i-n inf. sepiä umwickeln, um^vinden; s, auki ab- 
wickeln. — sep-ä-n inf. sevätä umarmen, umwickeln. — sq^-ä-e-le-n 
frqv. — suv-a-kko holz, an welchem der aufzug des gewebes ge- 
wunden wird. 

Est sev'i-n, seh-t-n inf. sebida zusammenlegen, zusammen- 
falten: kannat maha sebima fertig gewordenes gewebe vom Web- 
stuhl abnehmen u. zusammenlegen. — seb-a-du-s, seb-T-du-s zu- 
sammenlegen, — gelegtes. ~ seb-a gen. seba, seva (Zusammen- 
fassung), heunetz welches das heufuder umschliesst; plur. seba-d, 
seba-vitsad ruthen vom am bauerschlitten, zur Verbindung der 
Seitenstangen, s. n:o 559. 

Syij. svö'lö-k das rollholz am Webstuhl. 

Magy. sov'O weber. — so-ni = *söv-ni weben. — söv-ö-it, 
so'it gewebt. — söv-ä-t gewebe, stoff, zeug. — söv-ö-d-ni sich 
verwickeln. 

Ostj. I. sev-e-nty S. sev-ge-m flechten. — Ber. sev-i-ni, sei^-t^i-m 
flechten, stricken. — sev-i-ti-ni frqv. — sev-i gewebe. — I. stu^ 
S. seu'X flechte, N. sev-^i haarflechte. — Vog. säu zopf. — säu- 
mi-l geflechte. — N. sip'i-ka'tC'fn sich umarmen (sich umhalsen, 
aus ^ip hals). 



71 

Hunfalvj^ fijsz. Osty. 103. Schott Alt. Stutl. V, 38 verbin- 
det magy. söv mit vog. säg. Budenz szot. 313 vereinigt mit den 
übrigen iigrischen formen vog. ,syVV/- flechten, .milf- flechten las- 
sen, säu zopf, säumü geflecht, sä- inf. säux flechten, Konda sag 
id., syij. cül-hi weben, zusammenflechten (= *öö'sk mit freqiient. 
Suffix sk gebildet) aus einer wurzel säg, sag. Ist diese herleitung 
die richtigere, so gehören sie nebst den fin. sükhä „zusammen- 
gewickelter ball", sükörö „haarflechte" zu der im Verf. wörterb. 
n:o 587 angenommenen wurzel sah „zusammenwickeln", die nur 
eine modifikation derselben w. sah „spitz, hervorragend, stos- 
sen" ist, welche in den n:o 572— 8G aufgeführt ist. Obwohl der 
Übergang eines /:, g zu u im ugrischen wohl gesichert ist (s. fin. 
sdk^a = magy. soh, vog. sagu, sau wörtb. n:o 591), so habe ich 
es doch vorgezogen die meisten dieser wortreihe hier aufzuführen. 
In betracht der reichen entwicklung der wurzel sap = sav, und 
da die ugr. nebenformen mit guttural suffix sehr wohl das auf- 
kommen derjenigen Wörter, die ehie wurzelgestalt sag aufweisen, 
begünstigt haben können, (so erklärt Budenz szötär s. 350 das 
B. Vogi sät-em dämmerung aus älterem *säh-t, wie vog. not »tas 
= Ostj. B. nuhit, vog. ät, L. ät = ostj. ulU u. s. w.), ist wenig- 
stens eine vertheilung auf beide wurzeln nicht unstatthaft. In 
ihren verschiedenen bedeutungen berühren sich nämlich die wur- 
zeln sah und sap öfters: sah spitze, zacke, thürangel (= f. säppi) 
n:o 572; ecke, winkel n:o 575 m soppi; schlagen, hauen, schnei- 
den n:o 577; sich zusammenziehen n:o 587 u. s. w. Man muss 
sie daher meines erachtens als selbständig neben einander beste- 
hend annehmen; freilich ist dann bei der grossen ähnlichkeit der 
bedeutungen ein Übergang aus der einen zur anderen leicht er- 
klärlich. Magy. säv-ni ist mit den verwandten ugrischen Wörtern 
ohne weitere etymologie schon im wörtb. n:o 605 aufgeführt worden. 

Budenz szötär 365 geht noch weiter von der wurzelform säg 
zu einer ursprünglicheren tag. Er verbindet nämlich mit säg das 
magy. §öv-c-nj zäun, (nach der analogie von slav. plot „zäun" und 
plet „flechten"), wozu er im finnischen ein Überbleibsel in seiväs 
st. seipä (vollständig *seipäm) „zaunstange, zaunpfahl" findet, wel- 
ches ein primitivum *seibä zäun voraussetze. Im fin. sei sieht er 
nun dieselbe wurzel säg^ die noch eine andere bildung in f. seir-tti 
„Spinngewebe" aufzuzeigen hätte. Da aber f. seiväs dem estn. 
teivas entspricht, kommt Budenz hiedurch zu der noch ursprüng- 
licheren form der wurzel: td^ täg^ welche noch vorhanden ist in 



72 

Ostj. I. tej, Ber. ttj stricken, vog. P. täj-, tä- inf. tä%u stricken, 
weben. 

758, Fin. sepp-eAe-lie nom. -fc kopfbinde, kränz. — sep-a-l, 
sep-e-l, sep-a-le, sep-e-le-s rand um den hals. — sep-o, sep-e-li der 
einen weissen rand um den hals hat (z. b. hund). — sep-xi-kka 
hund mit weissem hals. — sev-e-l-nm-Jcse die halsöflfnung des hem- 
des. — säp'ä'ly säpp-ä-le kopfschmuck junger mädchen. — siepp- 
u-ra kragen aus bärenfell. 

Est. sep-e-l gen. -li mit münzen verziertes kopfband der 
braute; hölzerne schraube oder klammer. 

K. lap. öäpp-a-t, öäb-a-t, öävv-e kragen. — sv. lap. sep-e-s juba, 
M. Mord, siv-ä, ers. m'-e hemdkragen. — m. .sw-^-r-fohemdsaum. 
Vog. sipj Sfp hals, kragen. — K. Ostj. §ip id. 

Thomsen Got. sprogkl. 147 leitet f. seppde, säpäl, est. sep-- 
pd haarbinde aus dem altn. sappel, scppol, ciapel, altdän. süpel, 
seppelj mhd. schapel, altfranz. chapel kränz. Das letztgenannte er- 
klärt Diez Etymol. wörtb.' 110 aus franz. cAopc mantel, ital. capa, 
cappa, — Ahlqvist kult. 140 gibt die ursprüngliche bedeutung 
des fin. scppele als „kopfband, haarband" an und hält es für ge- 
nuin. Betrachtet man die hier aufgeführten Wörter in ihrem Zu- 
sammenhang mit den in folgender nummer, welche hals bedeuten, 
so kann wohl kaum bezweifelt werden, dass sie gemeinschaftlich 
der würz, sap zugehören und in nächster Verbindung mit sep-i-ä 
umwinden n:o 757 zu fassen sind. Das suffix Je bildet nämlich 
substantiva konkreter oder diminutiver bedeutung, wie Jcüncle ne- 
ben Mnö thräne, sävele ton neben sävä, und im magy. kötälä nom. 
kötel strick von kötni binden. Die nebenbedeutung des estn. se- 
pel: „hölzerne klammer" gibt hinlängliche erklärung über die ur- 
sprünglichere bedeutung: „das sich umwindende, das umgewickelte" 
und zugleich „das zusammenhaltende", vgl. n:o 759. — Im tsche- 
remissischen gibt es noch das wort sobaJa, b. savafa halsband, 
welches doch Budenz vocabul. G2 als lehnwort aus dem tatari- 
schen auifasst. 

759. Fin. scp-i, sepp-i, sep-ä Vordersteven eines Schlitten. 
Est. seb-a plur. seba-d, seba vitsad ruthen vom am bauer- 

schlitten zur Verbindung der seitenstangen. — Liv. sep pl. sepä-d 
ein holz um Stangen zu biegen. — sv. sep-Cy srp-e-t jugum dorsi, 



73 

n. lap. säpp-e id. — säpp-e-da-k rücken zu der stelle, wo der 
hals beginnt. 

K. Lap. {'äpp-e, öap-a-t, öäv-e, sv. öäp-o-t, Öäp-e-t hals. 

Syij. siAl hals. — Pann. fn-Ti, m-rl hals vom rücken aus, 
genick, unterer theil der mahne. 

En. Mord, ^or (Reguly), öav-o-ne (Wiedemann), m. sov rücken. 
— 8er. Sü hals. 

Ot^. L säb-e-t, S. süp-e-l hals, nacken. — N. sah-l-l id. — 
sab-ti-n, sap'ti-n mit hals versehen. 

Vog. B. f^ip hals, kragen. — L. K. ^ip hals. 

Die gi'undbedeutung der wurzel: „schmal auslaufen, sich zu- 
Bammenziehen^ tritt bei allen diesen sehr deutlich zum Vorschein, 
in den estnisch-livischen auch die active seite der wurzel: „zu- 
sanimenziehen, zus. halten''. Jene bedeutung findet man auch in 
den fin. säpp-i thürhaken, säpAä loser pfannenstiel, sap-i geizig, 
vorwitzig, sowie in sav-i-tta spitze, welches sich der weicheren 
wurzelform anreiht. Beachtenswerth ist die durchgehende erwei- 
chung im mordwinischen, wo wir sov rücken, sivä kragen n:o 758 
nnd äuva dünn, schmal n:o 749 neben einander finden. Diese 
parallele und daneben f. savitia machen es unzweifelhaft, dass 
auch f. sivu „seite'^ hieher gestellt werden muss, um so mehr da 
das derivatum siv-u-i-ne-n „mit Seiten versehen" noch die sonst 
unerklärlichen nebenbedeutungen „schmal, schlank*" hat und also 
mit mord. mva est. süvakas übereinstimmt. — Bei den syij. perm. 
Wörtern ist das v vor dem /-suffix abgefallen. Über einige der 
hier gemachten Zusammenstellungen, die Budeuz szöt 392 etwas 
anders vertheilt, siehe n:o 761. 

760. Magy. Imv-ät scheide, hülse, schote. — hUv-cä^ä-S adj. 
Vog. K. sip-el scheide. — B. sip-ä-l, L. sip-e-t messer- 
scheide. 

Budenz szöt. 166; die szöegy. 149 gemachte gleichung mit 
mord. kufful, vog. kamtul hat er aufgegeben. Im letztgenannten 
sieht er ein zusammengesetztes wort kam-ful, kam = magy. häm 
haut, schale, ier. kofn, votj. körn (szöt. 106). — Die form der 
obigen stimmt vorzüglich zu f. sepaley sepde = das umgebende, 
bedeckende = zusammengezogene. 

761. Fin. sap'sa, sap-so, sap-su, sap-si hintertheil eines tbieres, 



74 

bugmuschel, weiche. — häpp-ä-hä notn. häpäs^ häp-ä-hä nom. häväs 
schul terblattknochen. — sapp-a-ha nom. sa2)as kurzer schweif. — 
mp-U'kka mutze mit oder aus schweifen. 

Est. sap'So, sap'Su nom. sap-s vorderbug der pferde bis zum 
knie, oberann, dickbein, schinken. — sqp-si nom. sop-s auswuchs, 
schössling. — sap-m nom. sap-s Steuerruder. — scp-i-t^a n. so- 
pits id. — sah-a gen. sava schwänz, schweif, ende, ausgang. — 
sav'O-ga geschwänzt, herabhängend. — sav-a-s zuritckgeblieben. 

Liv. sap'S plur. sapsü-d Steuerruder. 

Magy. öip'Oy tip-ä hüfte. 

Ostj. I. setc-e-s hinthertheil eines bootes, rüder. — N. sev-l-s id. 

Da die lappischen formen: n. lap. säibbe, sv. säipe, seipe 
schweif, n. säibbai, sv. seipeg, seipek geschwänzt, wolf, sehr grosse 
ähnlichkeit mit altn. svipa, ahd. sveif band, schweif zeigen und 
diese ihre erklärung in den verwandten idiomen finden (Fick vergl. 
wörtb.* 919 ftthrt sie zurück auf eine german. urform sva^a Win- 
dung, Wickel), so habe ich sie als lehnwörter im lappischen ange- 
sehen. Anderseits nähert sich aber est. sdba dem griech. tfo/Ji} 
schweif, Curtius grundzUge* 341, welches Kuhn Zeits. IV s. 18 
nebst q>6(ifi mahne aus der form svdbü hervorgehen lässt; vgl. doch 
Curtius* 383. Die verschiedenen Wortbildungen dieser und der 
früheren wie der folgenden nummer sichern doch ihren Ursprung 
aus der fin. ugrischen würz, sap „sich zusammenziehen, spitz aus- 
laufen, schmal werden". 

Budenz szöt. 392, welcher f. sapsa, Mpäsy Ip. (äpot, Cer. 
^H, vog. »ip, ostj. sal)et, N. säbll hals, mord. sivä kragen in eine 
reihe vereinigt, sucht aus dem estn. saps = „vorderbug, ober- 
arm", aber zugleich „dickbein, Schinken" die grundbedeutung als 
„rund herausstehender, herausschwellender körpertheil" („kidudo- 
rodo testr^szt") zu bestimmen, und findet damit magy. 6^ = 
älteres *öipävä gut übereinstimmend. Nach der oben gegebenen 
herleitung ist die auifassung etwas zu modificiren. Nur dadurch 
kann man auch die ursprüngliche identität solcher benennungen 
wie „Steuerruder" und „schweif" mit den übrigen verstehen. Bu- 
denz deducirt sehr richtig f. häpäs = *Mpäsä (od. Mhäsä nach 
seiner allgemeinen auifassung über die Priorität der medialen buch- 
staben) und dies als nur nebenform des sapsa. Noch näher steht 
aber sapas schweif, wie im estnischen die Wörter für „bug" und 
„rüder" formell zusammenfallen. Diese urform sapsa^ scg^asa, sä- 



75 

päsä ist auch im ostjakischen setves, sevis vollständig vertreten, 
weshalb man nicht zur erklärung des fin. Suffixes sa zum ostjak. 
Suffixe fa greifen und mit Budenz einen Übergang von slAet ei- 
nerseits zu sabTl, andrerseits zu sapsa annehmen muss, wie mugot 
(aus *mugodo) theils mugoly theils f. maksa = *magasa wird. 
Auch das lappische öäi)at, öäpot scheint eine sonderung der bei- 
den Suffixe zu befllrworten. — Im ersten bände n:o 290 habe ich, 
wie auch Budenz frtther, öipo mit f. kaipi verbunden. Da keine 
etymologie für diese Zusammenstellung angegeben ist, scheint die 
hier versuchte erklärung den vorzug zu haben. 

Bei der in vielen bildungen mit sap übereinstimmenden würz. 
<ap finden wir tscher. tup rücken neben ostj. tüp rüder, Verf. 
wöitb. 539, 540. 

762. Fin. sap-a-s st. sappaJia Stiefel. — sap-u-tj säpp-ai-ne-n 
dim. — sap'i'kka Stiefel von rennthierfelle. — sap-a-tto kleine 
Stiefel. 

Veps. sap-u-g Stiefel. — Vot. säpp-o^a id. 

Est. säh-a-s gen. säpa Stiefel. — säp-a-ne st. -se, -tse ge- 
stiefelt. 

Liv. sap-k, sap-kö-s, sop-kö-s Stiefel. 

Syij. penn, sap-ö-g Stiefel. — Vo^j. sap-e-g id. 

Magy. cip'ä, cip-o schuh. — cip-o-kä dimin. calceolus (Kreszn.) 

K. Ottj. sqp'C'ky sob-e-ky Sap-o-k Stiefel. — sap-a-ke-n ge- 
stiefelt. — Vog. sap-a-ky sap-e-k Stiefel. 

Lindström, Suomi 79. Mit hindeutung daran, dass der ge- 
brauch der Stiefel beim finnischen volke nicht alt sei, betrachtet 
Ahlqvist kult. 133, kult.wörter 149, säpas^ sapugy sapkös als lehn- 
wörter, sei es aus dem russ. canopb (sapog) oder aus dem litt. 
sopagasy lett. säbaks. Savvaitov und Rogov halten ebenso die 
permischen formen, wie auch Hunfalvy die ugrischen, fijsz. Oszty. 
nyelv s. HO, aus dem russischen entlehnt. Miklosich lex. pa- 
Iffioslav. 822 versucht wohl eine etymologie aus der skr. wurzel 
sap ligare, das wort steht aber im slavolettischen vereinzelt. Ich 
finde es daher viel mehr wahrscheinlich, dass die slavoletten das 
wort von den finnischen Völkern entlehnt haben, bei denen es in 
mehreren gestalten auftritt. Das sufif. g tritt öfters in derselben 
weise auf: syrj. ser-ö-g ecke, winkel = votj. ser-e-g, magy. Sar-o-k, 
s. Budenz szöt. 339, Donner wörtb. 647, wie es überhaupt zahl- 



76 

I 

reich im syrjänischen vorkommt: kor-ö-g bitte, toät-ö-/; Untergang, 
Verlust, pol-ö-g furcht, pi^-je-g flucht, döz-me-g wuth. Sehr ähn- 
lich ist auch (las niss. cep6ra, welches unzweifelhaft aus dem sjrrj. 
öerih stammt. Wenn man aber noch zum vergleich aufführt die 
nahestehenden f. säp-u-ika mutze mit od. aus schweifen, säp-ä-ke 
st. säpäkkehc, säp-ä-kM fusslose beinbekleidung aus rennthierfell 
von den beinen, sup-i-kka dttte, sop-u-kka ecke, winkel, und andrer- 
seits, obwohl mit modificirter bedeutung entwickelt, f. sy^^u-kka 
Scherbe, fliese, magy. öip-kä spitze, und das mit säpäJücehe d. i. 
*säpäkkese tibereinstimmende liv. sapkös, welches sowohl „Stiefel* 
als dialektisch „mühlentrichter'' bedeutet; so kann man wohl daran 
nicht zweifeln, dass alle hier in betracht gezogenen Wörter aus 
derselben ehiheimischen wurzel stammen. Überhaupt ist die di- 
minutivform auf -kka im finnischen sehr beliebt zur bezeichnung 
der fussbekleiduug: fin. tdlUu-kka, taU-u-kaSf tall-u-s (st. taUiJcse) 
socke, flicken unter der schuh von taUa schiene, läppen; toU-n-hka, 
tolUn-ka-s socke, schuh aus läppen od. feil; tan-i-kka^ tan-o-ka-s 
schuh aus birkenrinde; lap-i-ka-s lappischer schuh, up-chka-s id., 
lip-o-kn-s frauenschuh. 

Wie öfters wortformen und wurzeln mit anlautendem t und s 
nahe mit einander tibereinstimmen, so auch hier die in Verf. wörtb. 
541 aufgeführten est. top-a-ka-s socke, syrj. toh-ö-k Stiefel aus 
hirschleder, magy. tcp-ä-nka, top-ä-n, top-ä-nö halbstiefel. Wie 
hier mit sep, sop „umwickeln", stehen jene mit ers. mord. /ö^)-a- 
fa-n „wickeln, winden*^, tap-a-r-de-n „umhüllen'* in Verbindung. 

763. Fin. sqp-a hemd, kleid; sota s. kriegshemd, hämisch, plur. 
savat kleider. — Imop-a filz, filzhut. — huopp-a id. 

Veps. sob-a-d plur. kleider. — Vot. söp-a pl. sötmt id. — 
söV'C'ta-n kleiden. — Est. söp-a kleider. — söb-a wollene weiber- 
decke, regendecke, bettdecke. 

Syij. äeb-ra-Uni, Seb-ra-v-nl einwickeln, httllen. — seb-ra-S-nl 
sich einhüllen, verborgen werden. 

Perm, ^öb-ra-l-ni bekleiden, bedecken. — sob-ra-s decke, das 
decken. — Votj. sob-i-r-to bedecken. 

Öer. äov'U-r, b. Mv-a-r leinenes weiberkleid. 

Ostj. I. §ab'U'r ein mantel der alltäglich getragen wird. 

Ahlqvist kulturwört. 85 betrachtet sopa als ältere gestalt von 
f. huopa filz, eine gleichung die gewiss richtig ist, hält aber das 



77 

litt, ttiba, lett. tüba ,,filz, filzmantel'' als original derselben. In- 
dessen scheinen diese ziemlich vereinzelt vorzukonunen, während 
die verwandten Wörter zahlreich auf finnisch-ugrischem gebite auf- 
treten. Ahlqvist bemerkt auch selbst, dass die filzbereitung we- 
gen der einfachheit und des reichlichen Vorhandenseins des ma- 
terials bei den steppenvölkem sehr allgemein ist, weshalb auch 
die finnischen Völker schon frühzeitig diese bereitung gekannt zu 
haben scheinen. Ich fasse daher die oben stehenden Wörter auf 
als bildungen aus der würz, sap und zwar in nächster Verbindung 
mit f. sep'i'ä umwickeln, umhüllen n:o 757. Der Vokalwechsel 
e = = ö ist sehr gewöhnlich und findet sich in den nahelie- 
genden f. sopjn innere ecke, mord. Sqpan verborgen, syrj. ^eba 
verhehlen n:o 751 wieder. Die grundanschauung wäre also „das 
was man zusammenzieht, das hüllende, bedeckende'', vgl. est. seba 
„Zusammenfassung'' und „heunetz'', doch auch passivisch aufge- 
fasst „das zusammengezogene, zus. geschrumpfte", in welcher be- 
ziehung das estn. adj. sopiline belehrend ist. Es bedeutet näm- 
lich nicht nur „sackig, buchtig", sondern auch „faltig, gewalkt": 
s. rie „gewalktes wollenzeug", und dies ist eben das f. huopa^ 
s. n:o 749. Übrigens kann auch fUr lett. tüba eine etymologie 
im schwed. lap. tuop-e-t „walken" (tuch), syrj. top-ö-da „zusam- 
menpressen" aus der würz, tap n:o 522 leicht gefunden werden. 
Tscher. Sovur, ostj. Sabur sind mit dem in den permischen 
formen gebrauchten ra- suffix ausgebildet, ganz in derselben weise 
wie dem estn. sög-a, sök-e blind im votjak. suk-i-ry m. mord. sok-'i-r, 
ers. sok-o-r wörtb. n:o 592 entspricht. Formell ist dasselbe wort 
auch im fin. sop-e-ro „undeutliches reden, lispeln, stottern" vor- 
handen, das „zusammenziehen, -— schrumpfen,- das hüllende" ist 
aber hier auf ein anderes gebiet überführt worden. Das daraus 
gebildete derivatum sop-e-r-ta lispeln, stottern deckt vollständig 
die votj. form Sob-i-r-to, 

764. Russ. Karel. öäp-sä. 
Syrj. öep-e-ts samschuren. 
Sjögren ges. sehr. I, 439 note. 

N:o 765—766. Würz, sap: f) umwühlen, mischen, verwirren, 
verworren sprechen, anhaften, flüstern, stottern. 

765. Fin. sop-o verworrenes sprechen, atfectirte u. unnützige 
geschäftigkeit. — sopp-u Verwirrung, Sprachverwirrung, undeut- 



• c» 



liclKf:^ 5i«nprheo. — «>p-*>-/a-ii, s^^p-^H^-le-m Teiviiin. Tenüschen, 
«wkatlkli s p rec h e n . — s^yp^-fth^^ .«^»^-t-*?-«- *i^p-+-#e-«. s^i-se-m 
listeiii. li5peliL plappmt mmniiielB. — «'ff^-^-ii. ^f-^-Zo-n flu- 
stdiL — ^ip-^-rt<^€-m fttsteriL zappdn. — jij p y ■ n halhscUnm- 
■enider nsund. ;<^ ^mta HeiMiifir — «^^-^v Ams aakaften des 
sckBces an sdilineiisdikiieB. — iK^i^-m anhiftaL — ^^^p-t-ro Ter- 
wo n eag ^^ sprechen. KspefaL stottem. — Aüp-^-^rni sL «'Op-^-rfo, 
fct|T. «5(K^-rf4f'4r'-ii, *»^p-f-#>?*-fi-». W|p-<-#\>4-<*f-n lanwim spre- 
chen. KspefaL stoCIcnL — Imp-rt-m^ k«-r>-« albcim, »»»iMig re- 
den. — A^p-f-rvc Ac^p-tf-f^--. fc-^^^-fc, icw-ni. Atfr-^-b. («r-^^iL A0p4a, 
iifM». hm^"^:^. inffk-^-fV-. hmff^-i'^^ ^"^T^- h gy iiv, iiy a-Jtfay 
fa|p-j-£k\ Ai^f;p-^-«j. A^pp->-«j. 4ty-f-^r. JWp-iWv. Anft^-JS. A^ 
^\ iiiy^\ 4.^-4. kyy-^: aDe diese ^mi wxh ag hiei e andere for- 
nMB vie 4t'f-<v. v^-^^. i^.^p^-^f-ri-5 n. a. hedcnten: «leiniHien 
redend. bkSisinnk. vahnvnzäe. albem. pbppend* nnd gAtm toü 
der TecsfeDu^: ,^er»«TeBKr nsu^i*^ = itff-?-^5, 
Seher cehevt »1x2^ ecne ftüe ^nn dertriien. 
T«|pB« **y-^r*^«. Ä'f-/-r>^ festere 

dendich sprechen, p&ipfyrz. — .<;»?-v-f7A-*. 

liehen. — 5.7«*-'>-* rsivtiKSeiL. knoKs. — nTf^-^-Jt-^ ach recht 
asssfiechesL p!Li£&3ers: .ciff^e^ = iei^-?-.j[^-4L .<^ y f ü j ■. — .*«/>- 









M. 1.9. 






i^Mo;? NT.'n. fo-i. !:.5. 'Wx m.i 3:i /c^io. i^ifrÄ. 661 ge- 
n 5v « ]>fe xh ^ nakjk:*fa$c ^sfi^vrfcibfüpofs "irciKS in 



79 

estnischen dort nachgewiesen habe, müsste man auch für sie eine 
zerschmelzung des sar aus *saver, ^sqper annehmen, um die iden- 
tität aufrecht zu erhalten. Möglich dass es sich so verhält; mitt- 
lerweile kann man die zusammengehörigket der hier aufgeführten 
als entwicklungen aus der Vorstellung: „sich zusammenziehen'^ 
nicht verkennen, dabei die verschiedenen suffixe die wurzelgestalt 
als sapj sav deutlich erweisen. Dagegen muss das estn. tub-ra-ft, 
tub-rir-n „quirlen, unter einander mischen od. rühren", welches 
sich in dieser bedeutung mit subran berührt, wie tub-ra, tub-rcj 
tub-fi nom. tubr „maischholz, maischquirl", aus der gegenwärti- 
gen reihe abgesondert werden. Es verhält sich nämlich sob-ra-n 
plätschern: est. sab-ra-n plätschern, säp-ra das zusammenziehen 
(n:o 746) = tub-ra-n: est. iab-a-ra, täb-chra eng, knapp, fin. 
täp-ä-rä, tüp-ü-rä kurz, tüp-e-r-tä- zusammenziehen, magy. töp-ö- 
rö-d-ni zusammenschrumpfen (n:o 532). Mit den letztgenannten 
finnisch-estn. Wörtern identificirt Budenz szöt. 245 auch magy. 
törpä zwerg, klein, kurz, niedrig (welches ich mit f. tur-ka krttppel- 
hafter mensch, ter-si-Tckä kurz, magy. tor-z entstellt wörtb. n:o 477 
verbunden), in betracht dessen, dass es noch andere verwandte 
formen wie öäp-ro, tup-ri gibt, alle aus einer einfacheren t;;b;; 
„parvus, brevis" (= B. ostj. Zep kurz). Szötar 253 sind aber magy. 
töp'ö-rö'd'niy döp-ö-rö-d-ni „zusammenschrumpfen", töp-ni und das 
freqv. töpp'ä'd-ni „einschrumpfen" nicht mit fin. tüp'e'r'iä- (vgl. 
magy. töp-ö-r-to) u. s. w., sondern mit dem im Sz^kler dialekte 
vorkommenden köp-ö-rö-d-ni „zusammenschrumpfen" und weiter 
mit f. kip-e-rä „krumm, zusammengerollt", est. kip-ra-se runzelig 
u. a. verbunden, indem ein ugrisches *Aö&e, *käbä mit bedeutung: 
„krumm, gewunden; krümmung, falte, runzel" als urspr. stanmi- 
form angenonunen wird. So sehr ich nun der letzteren erklärung 
vollständig beistimme, nur dass ich den tenuis älter halte, (vgl. 
wörterb. n:o 266—285 würz, kap = „gebogen, zusammengehäuft, 
gerollt, ausgehöhlt" und besonders käpe-räy kipe-rä 266, kupe-ra 
268, küpä-rä 272, kqpe-ra 277), so scheint es mir doch zu ge- 
wagt die angeführten formen mit einander zu identificiren. Ob- 
wohl in den mit demselben suffix gebildeten kipe-rä „krumm, zu- 
sammengerollt", *iöpö'i'ö „zusammengeschrumpft" neben topo-ra 
„zwerghaft" und ^sub-ra „gemisch", sob-ru „eisgebröke" und «o- 
pe-ro, hqpe-ro, höpe-rö „verworrener zustand", die letzten zu „zu- 
sammengezogenes", vgl. estn. *s(^cHr das „zusammenziehen", sab- 
ra- „drücken", obwohl sich hier alle diese bedeutungen verhält- 



80 

Dijssmässig nahe berühren, so springt doch die verschiedenirtige 
aoffassnng klar an den tag, wenn man die wurzel kqp = „knunm*', 
/<9i = „schlagen"" und sap r= „zusammenziehen, sich zus. zidi^i"" 
mit einander ver^eicht Erklärtich ist auch, wie aus den ver- 
schiedenen wurzeln tap „schlagen, stopfen, stampfen, füllen"' ein 
magy. täbä dick, tämpä zwerghafl, topora id., ttipri zwerg, töpri 
zusammengeschrumpftes, Verl wörtb. 531, 532 und aus tir ^i 
haften, sich sammeln, zusammenfassen'" ein f. turkoy magy. 
„zwerghaft (lap. torrenet zusammenschrumpfen), 1 törsö erstarrter 
klumpen, magy. iörz^ stamm, block, f. tersikkä kurz, zwer^bafl 
wörtb. 477, 461, sich ganz selbständig entwickeln können, ohne 
dass man eine doch seltener vori^ommende metathesis zur erUi- 
rung anzunehmen genöthigt wäre. 

786. Fin. hupp-u muss, brei. — A^pp-ä, happ^, happ-e-rä los, 
mürbe, aus muss bestehend; verworrener zustand. — h^^ vci 
schlecht bereitete butter. — kap-e^o mürbe, spröde. — Aajp-e-r-tö 
mürbe machen, zerbrochen. — hap^-^i schlechte, „schaumige"' 
butter. 

Est hub-a mürbe, locker, spröde; angenehm ^ f. kupa. 

LIt. zäp-ü-mi gallig, trübe ; z, aiga wetter, das trübe zu wer- 
den droht 

St. lap. iov-a-t, äcv-a^ regenschauer, n. sav-d Staubregen. 
— n. sav-dda-i staubig regnen. — sop-i schäum, scp-Uht schäu- 
men. — SV. sof't schäum. — «cWa, söbAa tabes nivis. — 8ou4e 
wasser auf dem eise. — habAe loser schnee. 

IL Mord. $ov schäum, ^ov-n schäumig. — sov-i-a-n schäu- 
men. — Bn. dov schäum, iov-o-v schäumig. — hl äav-ja-n (Re- 
guly), Sav-i-a-n (Ahlqvist), ers. dav-i-ja-n schäumen. 

Kagy. hab-o nom. hab schäum. — hab-o-ä schaumig, fuüh 
ßthni schäumen. 

Wie nahe verbunden mit der wurzelbedeutung: „sich zusam- 
menziehen, sich mischen"" die hier angefahrten sind, leuchtet einem 
jeden beim vergleich der vorigen nummer und n:o 748 ein. Fin. 
suppu stockendes eis, est. sobru id. sind in der that nur neben- 
formen. — Budenz szöt. 152 vereinigt hab, §ov, sopt in der be- 
deutung „schäum"", und trennt sie von hab = ostj. lumb^ vog. 
%ump „welle"", aus welcher magy. hab-o-z-ni undare, szöt. 88, aus 
einem ngr. *k^4nbf wie magy. oft = ostj. vog. amp^ amb. Ich theile 



81 

diese auflfassung im wört. 286, wo hob = kump zu f. kop-ru Stru- 
del, estn. kob-ru schäum, würz, kop „getöse machen, strudeln^ 
geführt worden ist. Für den suffix im lappischen scp-t neben 
mord. 8av führt B. die analogie von Ip. öäp-o-t hals (ostj. I. 
sob-e-t) neben vog. sip an. Hiezu stimmt noch Ip. iav-a-t, sathd^ 
während Ip. suopp eisgebröke und änav-e-t immiscere die ein- 
fachere Stammbildung zeigen. Es begegnen sich öfters formen 
mit anlautendem k, h und anderseits s; die erklärung ihres ge- 
genseitigen Verhältnisses muss auf weitere Sammlung des mate- 
rials beruhen. 

In betracht des zusammengezogenen magy. zür-ni = siavar-ni 
stellt Budenz szöt. 154 auch f. sür-u-kse nom. -rus mehlbrühe 
zur suppe, frühstück = est. sür-u-kse, sür-u-se n. -rus mehltrank 
des Viehes zum heu, frühstück mit magy. hah-ar-ni (siehe vorige 
n:o) zusammen. Die gleichung f. sü-ru-kse := *suv'ru'ks€ (Bu- 
denz gibt subrukse) mit demselben suf&x und wesentlich dieselbe 
form als magy. hab-a-r-ö gemisch (so auch magy. hop-o-r-ö, hop-o-r-t 
tuber = ers. mord. kup-o-f-ks szöt. 139, vgl. Verf. wörtb. 268), 
würde was den vokalischen bestandtheil betrifft in f, kü =z mord. 
kaVf kou, magy. Imvu (hö) wörtb. 214 eine analogie finden. Vgl. 
stg^o n:o 748. 

Ostjak. samojed. si, St, Sibo-kare schäum, jur. sabu blase. 

N:o 767 — 771. Würz, sap: g) abnehmen, mageni, verfallen, ver- 
gehen, verdorren, schmelzen; scheu, geschämt werden. 
h) einsinken, ertrinken n:o 772. 

767. Fin. hap-ra-ha, n. -ras, hap-ra-lcka, hap-ra-kka-ha, n. -kos, 
hau-rij hau-re-a, hau-ra-s mürbe, spröde, gebrechlich, undicht, los, 
leichtfertig. — hap-a-ra brocken, abfall. 

Est. hap-ra, hoinray ab-ra nom. habraSj abras brüchig, ge- 
brechlich, morsch. 

Vot ab-ra-s mürbe. — LIt. abb-är-s, ab-rö-s spröde, brüchig, 
locker, bröckelich, zart, schwach. 

Kagy. ap-rö klein, spärlich. — ap-rä-nj das winzige. — ap-n- 
t-ni brocken, zerstücken. — ap-rö-ka klein, winzig. — ap-rö-S klein. 

Vgl. K. Ostj. äob Stückchen. 

Was den anlaut betrifft, haben bildungen dieser wurzel im 
magyarischen den ursprünglichen Sibilant verloren, wie eg^tkim ge- 



■ m 

* 

gen hupenen n:o 769, äp neben hapqn n:o 774, ajpä neben sappi 
n:o 775. Von dem langen vokal abgesehen, stimmt magy. ap-rö^i 
vortrefflich zu estn. ab-ra-s, f. hap-ra-s. Die einzige einwendung 
gegen die hier gegebene Zusammenstellung, dass die bedeutongen 
etwas weit aus einander gehen, wird durch das vermittelnde fin. 
hap-e-r-ta „mGrbe machen, zerbröcken'^ beseitigt Das darin ent- 
haltene Stammwort ^hap-e-ra begegnet sich mit hap-a-ra und mit 
dem einfachen ostj. §6b. 

768. Fin. hep-e-nä leibesfrucht, kind. — hupp-u-ne-n haupt- 
bedeckung, Wickelkind. 

M. Mord. Sab-a pl. -at kind, zab-a id. (Ahlqvist). — äab-a-nä 
dimin. (Reguly). 

Öar. äub'O kind. 

Wenn man die in voriger nummer angeführten f. hap-a-ra 
brocken, ostj. $ob Stückchen und noch (er. äab-a imbecillus, debilis 
vergleicht, scheint die etymologie der obigen auf eine grundbe- 
deutung: „klein, winzig'^ hinzudeuten. Diese wäre dann eine bil- 
düng entweder unmittelbar aus der wurzel als etwas „zusammen- 
geschrumpftes", oder wie aus huppimefi hervorgeht durch die an- 
schauung: „das eingewickelte, eingehüllte''. — Dem mordvinischen 
diminutivum steht im finnischen eine art essivische substantivbil- 
dung an der seite, verwandt mit den adjektiven auf na-i-se z. b. 
haja-na-i-nen^ und anderseits nicht fem von dem formell und der 
bedeutung nach nahe liegenden f. hup-e-ne-n. Hier ist auch die 
mit e-vokal ausgebildete wortreihe im finnischen zu vergleichen, 
zu welcher unter anderen gehört: hip-lu zart, dünn, klein, weich, 
hip-a-le und hip-e fliese, brocken, hipp-u-sa aus kleinen Stückchen 
bestehend, hipp-o leicht beweglich u. s. w. 

769. Fin. hap'la sommerdürre im gras od. moos. — hup-e^ie-n 
abnehmen, abfallen, verschwinden; leicht, angenehm werden. — 
hup'i-a magern, abnehmen. 

Syij. $up'ö'd-ni, penn. Sup-a-l-nl dürr, trocken werden. — 
syij. äup-ö-d-st-nl id. 

Kagy. ap-a-d-ni abnehmen, fallen, verdorren. — ap-ö-? ebbe. 
— ap-a-sta-ni abnehmen lassen, vermindern, trocknen. 

Auch hier ist die wurzelbedeutung „zusammenziehen, zus. 
schrumpfen" ganz klar. Die fin. hupenen, hupia sind gewöhnliche 




' 



83 

derivaten aus hupa, dessen l)edeutung sich doch in eine verschie- 
dene richtung entwickelt hat: „flüchtig, vergänglich, angenehm, 
verschwänderisch, schlecht**, während das entsprechende estn. huba 
zu der in voriger nummer aufgeführten reihe gehört. — Vom gros- 
sen interesse ist die verschiedene bedeutung der formell identi- 
schen: f. hap'la sommerdürre, s. lap. hab-le loser schnee (vgl. 
lap. säbla Schneeschmelzen, est. habüik id.) und magy. ap-ät ebbe, 
d. i. abnehmen des wassers. Ohne der hier versuchten wurzel- 
erklärung würde man kaum ihre nahe Verwandtschaft ahnen können. 

770. Fin, säp'Sü-H scheu werden. — säp-sä-häfi-n plötzlich er- 
schrocken werden. — säü-kä-n, säi-kü-n scheu, erschrocken wer- 
den. — säi-M-hdä-n auffahren, scheu werden. — säv-ä-hü-iä-n, 
säv-ä-ü-tä-n, säi-Tcä-hü-tä-n plötzlich erschrecken, scheu machen. 
— - häp'€'ä, häp'ü schände, Schamgefühl. — häp-e-n sich schä- 
men, erröthen. — häp-sä-hdä-n zusammenfahren, geschämt, er- 
schrocken werden (aus häpsä = hapsu, hopsa unordentlicher, vor- 
eiliger mensch). — Mp-ä-kkä (~ häppö) eile; bescheiden, schamhaft. 

Est. Juib-i, häb-e st. häbeda, D. häb-u schände, schäm. — 
hau id. — häb-e-ne-n, häb-i-n sich schämen. — Mb-i-li-k g. -Am, 
häu-li-k schamhaft, blöde, bescheiden, anspruchslos ; h, lumi schnee, 
welcher beim ersten Sonnenschein vergeht — äb-a-r st. -ra blöd- 
sinnig, Uchtscheu. 

Liv. äb'i schände, schimpf. 

K. lap. häpp-a-d, sv. häpp-a, häpp-a-ne-m schände, schäm. 
— n. SV. häpp-a-ne-t sich schämen. — 8v. säb-la, seb-la das 
schmelzen des schnees, n:o 766. 

Im fin. häpsäMän „zusammenfahren, auffahren'* liegt schon 
die Wurzelbedeutung klar ausgesprochen. Ich kann daher nicht 
Budenz szöt. 364 beistimmen, wenn er „schände, schäm** (häpeä) 
zunächst mit u. lap. öappad, sv. öappet „schwarz** verbindet und 
sie dann mit K. Vog. öapt- „verbergen**, ostj. Samj- „bewahren** 
aus der würz, sab „bedecken, bergen** herleitet. Lap. h entspricht 
in mehreren fällen fin. A, und aus den nahe einander liegenden 
est. Mb'üik zusammenfallend (schnee), lap. säb-la schmelzen, ver- 
glichen mit f. häv-e-ne-n verfallen, hup-e-me-n abnehmen n:o 769 
u. a., scheint deutlich hervorzugehen, dass die nächste grundbe- 
deutung dieser wortreihe ist: „sich zusammenziehen, zus. fallen**. 
Freilich gehört, wie oben angenommen ist, auch «ob „decken, ber- 



*- k" 



84 

gen"" oder wie ich sie angegeben habe sq^ „omwickeln, lifillen'' 
n:o 757 = sep, sop „verhehlen, verbergen'' n:o 754 als eine 
besondere onterabtheilung zu derselben allgemeinen würze! sap^ 
welche sich in so mannigfacher und abweichender weise entwickelt 
hat Vgl. 780. 

Ebenso wenn n. Ip. öapp-ad, öapp-iSf sv. öappet^ öappesj di^ 
pes schwarz in entfernterer worzel-verbindong mit vog. ^q»(- ver- 
bergen, begraben (vgl. wörtb. 780) steht, so ist es wohl doch 
zunächst mit ers. mord. öopoda „dunkel; schatten, dunkelheit*", m. 
Sobda „dunkel, finster"" zu der weiter unten aufgefllhrten reibe: 
f. sumea vl f. einzureihen. 

771. Fin. häc-i'ä-n, häv-e-m-n verfallen, vergehen, elend wer- 
den, aufhören, verschwinden. — häv-i-ö, häv-i, häv-i-n verCedl, Zer- 
störung. — häv'i'iä-n zerstören. 

Ett häv'i-n inf. habiäüj häb-t-ne-ti, häv-i-ne-n ausgehen, auf- 
hören, zu gründe gehen, wOst werden. 

H. lap. häw-a-ne-t, sv. häv-a-ne-t zu gründe gehen. — sv. 
häv-e-te-t verderben. — häv-o exitium pecudum. 

Vgl. n:o 789. hiv-u-n gereibt, abgemetzt, abgezehrt werden, 
abmagern. 

772. Fin. upp-u-a, upp-o-a, up-u-ta, up-o-ta sinken, einsinken. 
— tip-o-to-n versenken, tränken. — up-a, upp-a bodensatz. — 
upP'U sumpfige stelle, tiefer schnee. — uop-a-ja tiefer, schmaler 
meerbusen, — upp-o Versenkung, bodensatz, adv. gänzlich. — 
up-a-kko sumpf, morast. 

Est. sup'U-ta-n senken, versenken. — ÄMp-w-ti, up-u-n er- 
trinken, überschwemmt werden. — up-u-ia-n ertränken, versenken, 
überschwemmen. 

LiT. sap'lü-d fiberschwemmen. — upp pr. upüb ertrinken. — 
up'Chtö-, up'ä-ntö' ertränken, P. auch: ertrinken. 

St. lap. sapp-a-te-t ersticken. 

Kagy. Supp-a-d-ni einsinken. — Supp-a-n-ni platzen, plump- 
sen. — hipp-a-nta-ni fallen lassen, dass es plumpt. — Suv-a-d-m 
= Suh-a^d-ni herabfallen, plumpsen. — süpp-ä^-ni einsinken, ver- 
sinken. — $üpp'ä'8tä-ni senken, versenken. — Stlpp-ä-de-k sumpf, 
morast. 

In trefflicher Übereinstimmung finden sich magy. äupp-a-nta- 
und liv. up'ä-ntö, wie anderseits m. äupp-a-d- und syrj. Sup-ö^ 



85 

n:o 769. Mit jenen kommt fin. upp-ö-ntu- „versenkt werden" über- 
em, welches als intrans. form ein transitives *upp-ö'nta voraussetzt. 
Die ursprüngliche bedeutung tritt in ähnlichen ausdrücken hervor 
wie: uppu ilma schwerer Schneefall, uppo-sa sinkend; trübe, uppo, 
uppa bodensatz. Sie finden in fin. suppu das stockende, suppo 
schneebrei, lap. suopp eisgebröke n:o 748 ihre nächsten verwand- 
ten mit noch beibehaltenem anlaut. Sonst ist eben bei jenen fin. 
Wörtern das verschwinden des sibilants zu bemerken, welches öf- 
ters im magyarischen, livischen, estnischen statt findet, meines 
Wissens aber im finnischen bisher nicht nachgewiesen worden ist. 
Solche bildimgen sind: liv. ahi == est. höbt n:o 770, magy. apäl 
= f. hapla n:o 769, magy. aprö = f. hapara n:o 767, liv. app, 
vot. apo m f. happa n:o 773, magy. äpä = f. sappi n:o 775, liv. 
öv =2 Sov n:o 782 und noch fin. apara n:o 773. 

N:o 773—775. Würz, sap: c) sauer werden, faulen, gähren, 
vermodern; galle. 



773. Pin, happ-a, happ-o^ happ-a-ma säure, Säuerlichkeit. — 
happ-e-he (nom. hape), happ-i, happ-u Säuerlichkeit. — hap-a-hko 
id. — happ-a-me, happ-o-me nom. hapan, hapon; hap-a-hka hap-o- 
ka-s, hap'O'Sa, happ-o-sa sauer, säuerlich. — hap-a-Jcke-he n. -Je, 
hap-a-tte-fie n. -te Säuermittel, hap-o-kse n. -os id. — hap-a^ta^ 
hap-a-nto das säuern. — hap-ro Säuerling (oxyria digyna). — hap- 
a-ia pr. happ-a-ne-n, happ-ä-nfu-a, hap-a-ntu-a sauer werden, fau- 
len, vermodern. — hap-a-ttä, hap-o-Uä, hap-e-itä säuern. — stipp- 
U'la unreife frucht. — ap-a-ra hefe. 

▼ept. hap'tne n. hap-a-n sauer, vermodert. — Aop-we-w, hap- 
a-nsu-n sauer werden, verfaulen. — hap-a-nsö-i-ta-n fact. 

Vot. ap'O sauer, säure. — app-a-ne-n sauer werden. — ap-a- 
go-i-ta-n fact. 

Est happ-iij hap'U sauer, säure, widerlich, unangenehm, böse. 
— happ-U'Se, happ-u-tse nom. -ne säuerlich. — hap-ne-n sauer 
werden, gähren. — hap-a-ia-n^ hap-e-nda-n säuern, gähren las- 
sen. — Sepp st. seppa hefe. — sep-a-se hefig. 

Liv. app-ö-Hj L. app sauer. — app-ö-m säure. — app praes. 
apüb sauer werden. — ap-a-ndö sauer, gähren machen. 

Syij. som Säuerung, Sauerteig. — äom-a sauer, scharf. — 
äom-ä-s säure. — som-ö-s backtrog. — som-mt-ni sauer werden, 
Som-mö-d-nl säuern. — Pttrni. $öm säure, sauer. — Söma sauer. — 



86 

Söm-ö-s backtrog. — äöm-mt-ni sauer werden, Söm-mö-Um säuern. 

— Su-z-m sauer werden, Su-ze-t-ni säuern. — Vo^. Sum-e-s trog. 

M. Mord, sap-a-ma, sap-a-m sauer, ers. öap-a-mo sauer, bit- 
ter, scharf (vom geschmack). — ra. äoff-a-ks teig, Sauerteig, ers. 
öap-a-ks teig. — ers. cap-a-n sauer, bitter sein. — m. ^ap-a-morn 
id. — m. ^ap-a-fta-n^ e. öap-a-ska-vichn säuern, gähren lassen. 

— e. öap-a-ska-dü-n sauer werden, gähren. — m. sap-a in Sapa 
räps rettig. 

Öer. ^op-o, b. äap-a sauer, bitter, säuermittel. — äop-e-m^ 
b. iap-e-m sauer werden. — Sop-o-kta-re-fn, b. äap-e-mde-m fact. 

Magy. Sav-a-njü^ äüv-a-^ijö sauer. — äö-njöf §(M/yü id. — 
Sav-a-njo-d-ni sauer werden, Sav-a-nfi-t-ni säuern. — Sav-d mol- 
ken, käsewasser. 

Oitj. B. §um sauer werden. — äum-ml-m sauer. — äum-ml-n 
säuerlich. 

Vog. Säu-m sauer. — M-je-m, säu-le-m sauer werden. 

Nach der analogie von ostj. sem, sam, vog. sim = f. ^- 
däme erklärt Budenz szot. 341 das syrj. äom, votj. SuMj ostj. Sum 
= die vollständige und nach ihm ursprünglichere form mord. Sa- 
pama, f happame, dem auch magy. *Savanjo, mit dem nicht sel- 
ten eintretenden Wechsel des Suffixes m zu ly, entspricht. Der 
lange vokal ö sei der Überbleibsel eines zweiten Suffixes: Saran- 
JO'VO, während in savö aus *äavO'VO z=z äapania das urspr. ma- 
Suffix sich in das verwandte vo verwandelt hätte. Theils nun in 
betracht der angenommenen zusammenziehung in ^oni, theils aus 
den mit weicherem konsonant auftretenden Wörtern (Sava^ Sau, 
$u), zieht B. die Schlussfolgerung, dass die „ugrische" form v-/>- 
gewesen, aus welcher die finnischen mit einfachem od. doppel- 
tem p durch kousonantenverstärkung hervorgegangen seien. Mir 
scheint diese folgerung nicht wohl begründet. Die zum vergleich 
angezogenen f. hüvä, lap. cal)bc, mag)\ sepä n. s?p szot 293, 
welche B. aus respective: sävä^ stlhä, sümbä =i l'ahbe = s-fnbj 
seh (im compar. seh-b) erklärt haben will, deuten meines erach- 
tens durch das noch hieher gerechnete ers. mord. Supa-v reich, 
d. i. „bona habens" lieber auf eine urform mit tenuis, während 
ausserdem die zahlreichen bildungen dieser wurzel ohne zweifei 
sap als Wurzelelement erscheinen lassen. 

Das wechseln des v und m in mehreren bildungen: mag}*. 
nev =: f. nimi, sowie p, b mit m: m: mord. äob-düf ers. öop-u-da 



87 

= fin. sum-e-a für *sum'e'da gibt noch veranlassung zu der an- 
nähme, dass das m in den permisehen formen nicht das suffix 
ma, sondern der veränderte auslaut der wurzel ist. Nicht nur 
die einfachen formen im (eremissischen ohne ma deuten dies an, 
sondern auch die verbalformen äom-mt-nX u. a. mit doppeltem m, 
vfo eben diese Verdoppelung das Vorhandensein des wurzelaus- 
lauts und des suf&xes andeuten, scheinen dies zu bestätigen. 

Samojedisch heisst „sauer": jur. tibei, jen. ß&ö, saibe, s. wer- 
den jur. fimieni, jen. tlmero; jur. hedbt ist Sauerklee. 

774. Kn. happ-a-me n. hapan sauer, faul. — hap-a-ta-^ säuern, 
vermodern lassen. S. n:o 773. 

Öer. Sü-a-rn, freqv. äü-e-de-m faulen. — äu-käö putrefactus. 

Magy. zäp faul, stinkend. — äp id. — züp-u-l-ni faulen. — 
zap-^'t-ni fact. = f. hap-a-ta-n, — äp-o-ro-d-ni faul, stinkend, 
ranzig werden, vgl. n:o 767. 

Vog. B. süp gemodertes, morsches, nicht mehr festes. — 
säp'i-n weich, morsch. — P. §äp, L. Soap id. — Konda §iv faul- 
heit, trägheit. 

Budenz sz6t. 332 verbindet die magy. und vog. Wörter ausser 
Siv, Gegen die ^annähme des p in vog. säp als suffix eines no- 
men verbale scheinen alle die übrigen formen zu sprechen, und 
die verschiedene art den wurzelvokal zu steigern tritt ganz regel- 
mässig in magy. zäp, lap. suop und den doppelten vog. Säp, äoap 
neben dem einfachen fin. happ hervor. In der bedeutung halten 
sich ttbrigens die lap. formen näher zu der wurzel, wesshalb sie 
sich auch mit mord. Suva dünn, fein n:o 749 berühren. — Für 
das ier. Sä-käö findet man in (er. Se-kS galle n:o 775 eine ganz 
analoge bildung. — Jenis. samojed. saibe sauer, verfault. 



775. Pin, sapp-e n. sappi galle; päivän s, nebensonne. — sap-e-n, 
sapp-e-a-n gallicht werden, zomen. 

Yeps. sap-u n. sap. — Vot. sapp-i galle. 
Est. sapp g. sapi — sap-i-se gallig. — sap-i-n gallig ma- 
chen. — sap-i'lli'Se bunt =r fin. id. galle habend. — Liv. zäp-u 
nom. zäp galle, windgalle, nebensonne. — zäpp-i gallig. 

H. SV. lap. sapp-e, en. uts. säpp-i galle. — sv. lap. säp-te-t 
venenum. 

j. sep galle. — P«m. Yo^. säp id. 



88 

En. Mord, iäp-e^ m. 6äp-ä id. 

J^Sy« «P-^ gaHe. — zäp-o-r-ko-d^i sich ärgern od. giften. 

Gyarmathi affinitas 82. Lindström, Suomi 82. Budenz szoegy. 
840. — Hieher ist wohl auch ier. sa-kä, Se-k^, §ä-%^ galle zu 
rechnen, indem der auslautende wurzelkonsonant vor dem schwe- 
ren suf&x entweder unmittelbar oder erst nach eingetretener er- 
weichung wegfiel; auch könnte hier Wechsel von p zu k eingetre- 
ten sein, wie in n. lap. cik-cit = sv. c^-cot wörtb. 751 und monl. 
iok'On = Sop-an 754. Den Zusammenhang mit der w. sap ver- 
mittelt magy. zäp-ar-kod-, mit freqv. suifix ko-d aus zU^or = 
zäp-ro gebildet. Dies wort ist nur mit Steigerung des wurzel- 
vokals dasselbe als fin. hap-ro n:o 767. 

H'M 776 — 779. Würz, sap: k) sich zusammenraffen, haschen, 
greifen, tappeln, eilig arbeiten, hin und her laufen, in schneller 
bewegung sein, tanzen; gefrässig, gierig, lüstern; schnell, lebhaft. 



776. Kn. hap-i-sta-n sich schütteln. — hap-u greifende Stel- 
lung. — hap-u-e-k-n nach etwas tappen, haschen. — hap-lu-^ 
tappeln, suchen. — hap-u-ra, hap-u-la einer der tappelt, vgl. 
hap-e-ro mürbe, spröde; tappelnd. — hap-a-ro-i-tse-n nach etwas 
tappen, sammeln. — hav-i Wetteifer, s. havia n» 777. — Imp-a 
flüchtig, vergänglich, leicht vorübergehend, angenehm, verschwen- 
derisch; Zeitvertreib =: Jiup-i^ hiw-i; schlecht, elend. — sop-sa 
schnell, lebhaft. — hopp-u eile, zank. — hop-n-n eilig sein. — 
happ-ü-n eilen, zanken. — hop-ii-ta-n beschleunigen, antreiben — 
hop-sä-n flattern, geschäftig sein. — hop-a-^i einer der etwas un- 
ordentlich thut. 

Est. säb-i-Hj sav'i-fi, sab-i-sta-n eilig arbeiten. — sap-e-lda-n^ 
sap-e-^da-n, sop-u-ta-n mit den flügeln schlagen. — sah-e-lda-n^ 
sib-e-lda-n viel bewegung machen. — sup-le-n, sup-e-lda-n, sup-i- 
tse-Hj stip-li-tse-n zappeln, plätschern, baden. — liap-sa-hda-n gie- 
rig schnappen, schnell u. gierig zu erwischen suchen. 

H. lap. hoapp'Oy en. hoapp-u eile. — n. hopp-u-i, sv. happ-e-l 
eilig, schnell. — sv. fapp-e-l schnell, lebhaft. — n. hoap-o-te-t 
eilen. — sv. öab-öe-t mit eile sich bemühen. 

K. vog. sav-eta-xte-m sich beunruhigen. — sov stem. 

Die zahlreichen Verzweigungen der wurzel, welche hier ange- 
fühlt worden sind, gehen aus der anschauung: „zusammenziehen, 



89 

reissen, schnapfen, leicht bertthren, zupfen" und weiter „schnell 
anschlagen, in unruhiger bewegung sein" hervor. Sie beziehen sich 
daher aufs innigste zu den in n:o 751 verzeichneten, ja eigentlich 
wären die n:o 776, 778 mit diesen in eine reihe zu verkntlpfen, 
nur der verschiedenen vokalisation gemäss theile ich die hier an- 
geführten auf verschiedene nummem. 

Vog. Sov stem = „flatternd, sich unruhig bewegend" scheint 
sich in derselben weise zur wurzel sap =: hap, hav verhalten, wie 
votj. kiz'i4i, syrj. ho^-ut stern zur wurzel kis tanzen, s. Verf. 
wörtb. 100, 214. Budenz szöt. 130 nimmt zwar für die letzteren 
eine würz, h-g lucere an, indem Mzüi = "^kü-kse-lia sei, vgl. lap. 
kuokso. Indessen scheint mir jene auflfassung viel mehr zutreffend; 
sie kehrt auch bei f. hüperö, hiepale n:o 779 auf anderem ge- 
biet wieder. 

Zu beachten ist das schwed.- lappische Yaj^eZ schnell. Die 
lappische spräche hat den labialen Spirans theils aus h, theils aus 
V der verwandten sprachen entwickelt: fuonuitet z=z fin. huomata 
wahrnehmen, fuonot =i fin. huonontua schlecht werden, en. Ip. 
ßttid = hättid — SV. fatiatet nachstreben, fuora = f. huora (aus 
dem schwedischen entlehnt), faskot u. vaskot schaben aus vasko =:: 
f. huiska (ebenfalls entlehnt), fatte = f. vaita, vatsa magen, faums 
schön = f. vauras kräftig, gesund, fierva Strand = f. vierevä, 
vieru abhang u. s. w. In derselben weise entwickelt sich der 
lappische labial-spirant auch im inlaut aus h (urspr. k) oder v : 
n. Ip. okta, okt, en. ohta = n. Ip. ofta\ n. 1. cav-cit =: cif-cit = 
SV. Ip. cip'Cot n:o 751. 

777. Fin. hav-e-a gefrässig, schlingend. — hav-i-n wetteifern, 
eilig nachstreben, nachhaschen, eifrig sich bemühen. =^ hav-e-lo 
gefrässige person ; äusserst albern. — hav-a-kka lüstern, gierig. — 
essen, schlingen. — hau-kko das öffnen des mundes. — Juiu-kko-a 
nach etwas haschen. 

sap'i geizig, vorwitzig. 

Bit. ab'la-Sy ah-le, hab-le gen. oJte, apfe; ab-le-s gierig, ge- 
frässig; windbeutelig, flüchtig. 

Magy. äov'ä-r schmachtend, lüstern, gierig. — äGv-ä-r-ga-ni, 
äcv-ä-ro-g-ni, sich sehnen, schmachten. 

Vgl. f. havi Wetteifer, hcgpero tappelnd n:o 776. — Schott 

7 



90 

Alt. spracheng. 56 erinnert bei havin an das Mong. ava treibjagd, 
aväla treibjagd halten, tUrk. av, avla, 

778. Fin. häpp'ö, Mp-ä-kkä eile. — häpp-ä-ri einer der sich 
ohne noth schnell bewegt, beschäftigt, vgl. hop-a-ri, — hep-a-lcka^ 
hep-a-kko, — ke flüchtig, leichtsinnig, — hep-sa los, flatternd. — 
hap'Su, hop'Saj hop-so, hup-sa, höpsä unordentlicher mensch, 
albern, wahnwitzig, vgl. hopero u. a. no. 765 sowie hov-elo, Iiop-e-lo 
zusammenhanglos redend. — hep-sä-n flattern, unbeständig sein. — 
hep-U'U fluchtiger mensch. — hip-a-Jcka = Jiepakka, hap-a-kka 
schnell, beweglich. — hipp-ü-n leichtfüssig laufen. — hip-e-ta-n 
leicht laufen. — hipp-a, hipp-e-ä weich, biegsam ; schnell, lebhaft, 
munter, geschickt. — hipp-o leicht beweglich. — hlpp-o schnell, 
lebhaft. — hipp-u weich, schnell; spitze; brocken. — hiep-a-le 
flatternd. — hiepp-a, heipp-a unstätige person, einer der sich hin 
und her bewegt. — sep-li-ko-i-n nach etwas haschen. — hüp-e 
fingerspitze, tanz, hüpfen. — hüpp-e-le-n tanzen, laufen. — hüpp-ä, 
hüpp'ä, hüpp'ü Mp-ü-kkäy hUp-i-ntä springen, laufen. — hUöpp-ä 
das hin und her laufen. 

Est. säb-ra-s, säp-a-r gen. sa'2)ra hurtig, munter, rührig rz 
fin. sau-ra, sau-ra-s fleissig, rasch, rührig, sv. lap. sau-re assi- 
duitas. — sib-a-n sib-un, frequ. sib-e-le-n davon laufen, hin und 
her laufen, zappeln, mit dem schweife schlagen. — sip-e-lda-n, 
sip-e-rda-n, sip-h-n, söp-e-Ma-n, söp-e-rda-n zappeln, baddeln. — 
sip-u-ta-Hy sip'U-te-le-n zappeln. 

Magy. ääb Schnelligkeit, eile. — ääb-ä-n schnell, eilig, hurtig. 
— ääb'ie-n plötzlich, hurtig. — säb-tä-s flüchtig. — zib der 
trödel, herumziehender comödiant, taschenspieler. — zib-aj, ziv-aj 
lärm. — ziv'ä-nj räuber. 

Wie bei n:o 773 hervorgehoben wurde, gehen diese zahl- 
reichen Wortbildungen aus der Vorstellung „sich zusammenziehen, 
in unruhiger bewegung sein" hervor. — Budenz szöt. 343 sieht im 
lap. *6ab = *öäb aus öabdet (n:o 773) — wie überhaupt ein weicher 
explosivlaut des lappischen (g d b), in der regel der Vertreter 
einer bildung mit vorhergehendem nasal ist — die andeutung einer 
älteren form mit nasal, hier also *öämb. Das ugrische grund- 
wort s„nJ), durch Verkürzung = magy. Mb und mit urspr. be- 
deutung „drehen, im kreise sich bewegen", finde daher im B. Vog. 
^ewp rollen, kugeln, semp-e-r-le-m , semp-e-rAe-m id. und: „ball 



91 

spielen^ einen ganz entsprechenden verwandten. Da aber Ip b nicht 
immer für mb steht: Ip öäbat, öäppat, öävve =: f. sepai, seppde^ 
vog. sip n:o 758, und auch sonst magy. b gerade in dieser wurzel 
zuweilen einem vog. fin. p entspricht; magy. zäb = vog. säp, 
§ep = f. sippu n:o 752, scheint es gerathener vog. semp in eine 
andere, wenn auch vielleicht verwandte reihe einzuführen, vgl. 
n:o 757. Fin. hamppu, fahrt, eile, hampsin eilen, zusammenraffen, 
hampsu = hapsu u. v. a. deuten wohl auf eine wurzelbildung mit 
eingeschobener nasal, andererseits ist aber die bedeutung auch 
mit der würz, sam in einigen fällen noch näher übereinstimmend. 
OstJ. samojed. 8äpe1c, sepka, sepukka, seäpka, Jen. sam. sebi, 
sdnde^ sebire leicht. 

779. Vot ^ipp-e-U-ka-s ameise. 

Est. sip-el-ga-s, sip-er-lä-ne , sip-la-ne, sip-le-ne, sip-li-k, 
sip-lu-ka-s, sip-lu'ke-ne id. 

Liv. sip-ri'ki, sip-ä-r-ki, sip-ä-r-öi ameise. 

Die obigen stehen den est. sibel^n, siplen, siperdanj sipeldan 
so nahe, dass kein zweifei über die grundbedeutung: „was hin 
und her läuft, zai)pelt, das schnelle, lebhafte*" obwalten kann. 
In dieser beziehung ist das fin. häp-e-rö „kleines ding das sich 
bewegt, dreht" sowohl formell als in bedeutung nahe verwandt, 
wie es andererseits auf hipp-ä-n leichtflüssig laufen, hi^-a-le flat- 
ternd u. s. w. hinweist. 

N:o 780. a) — g), Wurzel sav, saj = sap. 

Wechsel: sav säv sai soi sä sea sij. 
hai hoi hui hij he; — au av ou oi. 

Steigerung: suoi söi hej. 

Bedeutung: bewahren, hüten, schützen, begraben. — pflegen, 
wärmen, bähen. — schonen, sparen; — hüten, bewachen, nach 
etwas richten; — anpassen, biegen. 

780. a) Fin. säü-lü-n, sm-lü-n verwahrt, aufbewahrt werden. — 
8äü4ü, säi'lüy säi'lö Verwahrung. — hoi-da-n pflegen, bewahren, 
schützen, leiten, verwalten. — hai-io, hai-tto fttrsorge, pflegung, 
bewachung, Verwaltung. — hai-mi-n schützen, bewahren, pflegen. 
— hoi-me, hoi-me-he nom. hoime schütz, fttrsorge, Verwahrung. — 
hut-mey hui-me-^ie n. huimen id. — hci-va hülfe. — ha^va-ta fttr- 



9-2 

sorgen, leiteiL — sucj-ä-n schätzen; mild werden. — smof-a-e- 
le-n, suoj-e'Ie-n schützen, beschützen. 

Tot (hda-n pflegen, aufbewahren, sparen. 

Eft hoi'd-ma pr. hoi-a-n behüten, bewahren, schitzen, 
schonen, aufbewahren. — hoi-d gen. hoiu bewahrung, hQtung, 
schütz, hut, scheu. 

■. lap. suogj-a-Ie't beschützen. 

Syij. saj-e-da schützen. — naj-mo-r-ta hehlen. — sof-mö-v^a 
sich verstecken. — penn. sa-e-I-ta, sa-e-v-fa, sa-e-I-t-la zumachen, 
beschatten. — sa-eUda zugemacht, bedeckt, beschattet werden. 

En. Mord, saj-e-^i nehmen, annehmen, erhalten, verdienen. 

■. O1I3. saj'la-ta schützen, beschützen. — sac-l-fi-ta be- 
wahren, verwahren, hüten; begraben. 

K. Vog. öap'ta bergen, hüllen, verstecken; begraben. 

Castren syrj. gram. 155 verbindet sajeda mit snajata. Lind- 
ström Suomi 87. 

780. b) Pin. sai-ne st. sai-ne-he karg, sparsam. — sai-ta 
knauserig, karg, neidisch. 

sä'Stä-n sparen, schonen, — sä-atö besparung. 

Eft sea-sta-n schonen, sparen, aufbewahren; bestimmen, an- 
ordnen, einrichten. 

Sv. lap. sai-ge parcus, tenax. — sai-re, sai-re-s, sai-ro^ id. 
— sai-go'i parcum fieri. — H. lap. sä-ste-i sparen. — sä-ste-m 
das sparen. 

780. c) Fin. soj'O neigende Stellung. — stij-u-n nach etwas ge- 
bogen werden, sich nach etwas richten, passend sein. — suj-u-va 
biegsam, geschmeidig. — suj-u-ta-n biegen, anpassen. 

■• lap. soi\ sv. soj'O biegung. — soj-o-k gebogen. — n. 
soui-gga-m, soad-gga-m das biegen. — u. sogj-a-f, sagj-a-Ie-t, soj- 
a-le-t, sv. soj-e-f, soj-o-f sich biegen. — n. soj-a-ie-t, sagj-a-la-tte-t, 
sv. scj-o-ie-t, suj'U'te-t biegen. 

Magy. haj-la-d-ni sich biegen. — haj-oA-ni, haj-la-fii sich 
biegen, krümmen; geneigt sein. — haj-la gebogen. — hctj-lä-ä 
bug, biegung, gelenk. — haj-ta-ni biegen, beugen; jagen, treiben, 
fahren, lenken; einbringen, eintragen. 

Magy. haj-O'l „sich biegen, geneigt sein"" und hqj-ta „lenken, 



93 

eintragen'' nähern sich, obwohl die bedeutungen schon ziemlich 
von der ursprünglichen offenbar entfernt sind, dem fin. hoi-ta 
„pflegen, leiten** und mord. saj-e „annehmen, verdienen". Ich 
halte hier die von Budenz szoegy. 153 gemachte Verbindung des 
fin. sujun und magy. hajlani aufrecht, die er szöt. 337 einer Zu- 
sammenstellung des f. sujim mit magy $ajtö torcular, prelum, 
N. ostj. Sujit" versenken, f. sukelta, sv. lap. sokei untertauchen, 
votj. zu-mal untertauchen u. a. zu gunsten aufgegeben hat. Er leitet 
diese sämmtlich aus einem grundverb ä„^-, suj- mit der bedeutung 
„premere", während magy. hajlani, hajtani szot. 97 aus einem 
ursprünglichen verb k^g- „fluere, currere" deducirt wird, zu dem 
unter anderen das vog. kuof- sich neigen, kajl- id., kusä- sich 
beugen = k^g-if, k^g-sk, syrj. kus'ina gebogen, geneigt, votj. 
kO'Ska-l krümmen, est. hö-la biegen, fin. kü-le-ma ofengewölbe, 
lap. kai-vo-t deflectere gehören würden. 

Betrachtet man die syrj. ostj. saj schützen, fin. hoi id. 
pflegen, wie die durch vokalsteigerung entstandenen f. lap. suoj^ 
und anderseits die ganz entsprechend [auftretenden votj. saj 
schatten, fin. suoja neben mag}\ haj^ wie auch lap. saje platz 
neben f. s^ija, magy. hija, so scheint der Übergang von der Vor- 
stellung „bewahren, schützen" zu „biegen" durch die vermittelnde 
„zusammenlegen, bedecken" nicht aus der ferne genommen. Dass 
die letztgenannte in der that dem magy. haj-la zukommt, geht 
aus den verwandten hajla-k, haj n:o 780 d) hervor. 

780. d) Fin. sucj-a schauer, regendach; warm, s. folgende n:o. 
— suqj'uk'Se n. suojus schütz, hütte, zäun aus tannenzweigen. 

N. lap. suoi'Vva-n, sv. stioi-ve-n, stioi-ve-ne-s schatten. — 
n. suagj-e, sv. suoj-e, en. sucj-ey utsj. suäddj-i schütz, schirm. 

Votj. saj schatten. 

Magy. haj st. haja rinde, schale, hülse, dach. — hej id. — 
haj'la-k, haj-te-k, haj-lo-k obdach, wohnung. hütte. 

« 

Als gnmdbedeutung halte ich „hüllen, bedecken", aus welcher 
sich die übrigen ähnlich entwickeln wie lat. tectum, fugurium, an. 
thak dach aus tego =: skr. sthag tego, occulo, skr. guhä versteck, 
höhle aus w. guh verhüllen, verbergen, oder gr. ökbvij kleidung, 
önv-to-g, xv-To-g haut, ags. scü-va umbra, caligo, hü-d — lat. 



94 

cu-ti-s haut aus einer wiirz. sJcu bedecken. Cartins gnmdzllge^ 
8. 185, 259, 168. 

Auch das zuletzt angefahrte hat seine analogie auf finnisch- 
ugrischem gebiete. Bei n:o 799, 801 ist f. hiv-us = magy. hqj 
haar und f. hiv-iä z.- magy. fu^-a rinde, vog. sau haut, feil zu- 
sammengestellt als wahrscheinliche bildungen aus würz, sap = 
sav „bedecken, hüllen''. Lautgestalt und bedeutung passen vor- 
züglich zu der gegenwärtigen nummer, und diese Zusammenstellung 
gewinnt noch dadurch stütze, dass die entsprechenden bildungen: 
liv. kat'US decke, fin. kä-ti-o = magy. gat-ja hosen, f. keie haut 
= votj. kut feil, f. kot-a haus ebenfalls aus einer wurzel kat 
„bedecken" wörtb. 38 — 44 sicher hervorgehen. 

780. e) Fin. sij-a, si-a platz, räum, stelle. — stj-a-va geräumig. 
— si-a-ta sich aufhalten. — si-ai-se-n platz machen, nehmen, 
sich aufhalten. 

8v. lap. saj-e^ n. sagj-e räum, platz. — n. sagj-a-du-vta-t 
platz bekommen = f. siautua, — sv. snaj-e-t, sei-vo-t volatu 
subsidere, d. i. platz nehmen. 

Syij. saj'€, saj-a-s vor, hinten. — saj-e-sa wohnen, nisten. — 
perm. saj-e, saj, sa-e hinten. — saj-i-n, sa-i-n id. 

M. Mord, äav-a, ers. öav-o leer, vacuus; m. öav-s eitel, 
ohne zweck. 

Kagy. hij, hej, hl st. hija mangelhaft ; bodenraum unt^r einem 
dache. — hij-ä-ba, ki-ä-ha vergeblich, ohne zweck. — Ai-m, Wiener 
cod. hij'ü leer, eitel, bodenraum. 

he-za-g cavus, concavus, inanis. — he-la leer, hohl. 

Der nahe anschluss an f. suoja = haj ist offenbar, vgl. 
n:o 780 d). 

Mit Budenz szöt. 162 stimme ich ttberein in Verbindung der 
obigen Wörter, und gebe die Zusammenstellung des heia mit f. kdo 
wörtb. n:o 228 auf, zumal da dort keine etymologie gefunden 
wurde. Vielleicht gehört auch sv. lap. ^aive^ n. öoavgje (d. i. öoavje 
aus öoaive) „bauch" in diese reihe, da, wie Budenz bemerkt, das 
ier. körgö = vog. keur „inneres" und kähr, vog. k. kaxr bauch; 
formell wäre lap. öoive = fin. sijava, welches dem magy. Mjü aus 
*füjovo entspricht. Dagegen weiche ich in der erklärung der 
ursprünglichen form von B. ab. Gestützt auf den mordvinischen 
Wörtern und der gleichung mord. javt, ers. javo =: £ jaga (nach 



96 

meiner auffassung jaka), nimmt er nämlich auch hier eine urform 
Svffn (saga) rz f. sija^ m. hija an. Ich betrachte hier saj, sai als 
wechselfoimen der älteren gestalt sav^ welche mit der allgemeineren 
Wurzel sap identisch ist. Gegen die entwicklung eines j oder v 
aus ursprünglicherem Tc ist nichts im allgemeinen einzuwenden, 
der besonderen gtiltigkeit in diesem falle scheinen doch eine menge 
Wörter der obigen wurzel reihe in den weg zu treten. Nächste 
Übereinstimmung zeigt die in den n:o 587 — 594 entwickelte wurzel 
sak „zusammenwickeln, bedecken, hüllen**. Die Schwierigkeit einer 
richtigen vertheilung wird aber noch durch den häufigen Wechsel 
des k und p vermehrt: f. talda = magy. taplö wört. 395, f. vaksa 
zz SV. lap. vuopse, fin. &iidn, süötti z=: lap. septe (sehr wahrschein- 
lich mit sup, magy. sip wörtb. n:o 746 verwandt) neben magy. 
äv-ni^ ostj. tevem, vog. tegem n:o 554. 

Wie aus syrj. saje^a wohnen hervorgeht, ist saje hieher zu 
führen und nicht als lehnwort aus dem niss. aadh zu betrachten. 
Perm, sajin^ sain ist inessiv- und syrj. sajas elativ-inessiv-bildung, 
beide in einer weise, die jetzt nicht mehr in der deklination vor- 
kommt, aber spuren in verschiedenen postpositionen gelassen hat. 

780- f) Fin. suoja schauer, regendach; warm. — sucj-e-nta 
wärmen. — soi-pi-a^ soi-mi-a lau, mild. — suij-a zahm, mild, 
schmeichelnd. 

säü-sü, säi-sü still, friedlich. 

Vot söj-a warm, wärme. — f. söj-e-ta-n wärmen. 

Est. soj-a, söj-a nom. soe warm, liebreich, eifrig; wärme, fig. 
noth, Verlegenheit. — scj-u-s wärme rz f. suqjus schütz. — scj- 
e-nda-n, sö-e-nda-n, sö-e-ta—n, söj-a-ia-n erwärmen, heizen. — 
sö-e-ne-n warm werden. — soi-k gen. soigu stille, ruhe, Schlummer. 

Sv. lap. suoi-ma-k spät zum zom, still. — suai-me-n langsam. 

Syij. äoj-tSe-da beruhigen. — $aj'tsa sich beruhigen. 

Ers. Mord, oi-ma-n ruhen. — oi-m-se-n sich beruhigen, 
erholen. 

Ganz anders als oben erklärt Budenz szötar 205 das fin. 
suqja. Die bedeutung nach Renvall als „tempestas tepida tempore 
hiemali, pluvia hiemalis; umbraculum, domus, tutela** angebend, 
stellt er dies wort wie das entsprechende est. scja^ sqja mit vog. 
töja frtihling, L. tu(^a frühling, tuj sommer, P. tuje frtthling, Eonda 
tujmax sommer, mord. tundä, tunda frühjahr, ers. tundo id., N. ostj. 



96 

tovl id., magy. tavas id. und noch (er. §ok§o calidus, ^ojfo yer moks. 
Sokia^ äoMe calidus, calor, soäa ver zusammen. Er betrachtet 
dabei vog. tuoja, töja als mit einem nomen verbale suffix ja == 
fin. ja, ursprttnghcher //a, gebildet^ wodurch tuo-, tö = ostj. tavly 
magy. iava, me vog. lü, lu dem ostjak. lovi, magy. lova (tö)^ eot- 
spräche. In dieser weise bekommt er als ursprünglich ugrischen 
verbalstamm f„r„ „splendere, calere, ardere"", aus welchem er so 
viele andere bildungen hervorgehen lässt. 

Wie aus den übrigen abtheilungen gegenwärtiger n:o hervor- 
geht kann ich seine auffassung hier nicht theilen. Fin. hoi-me schütz, 
hoi-vQ hülfe und besonders die in hau-to-a in derselben weise 
hervortretende entwicklung der wurzelbedeutung : wärmen scheint 
eine viel einfachere und unmittelbarere etymologie zu geben. Ich 
trenne daher magy. tavas und vog. töja ganz von dieser reihe. 

780. g) Fin. hau-ta graben, grübe; terva h. theergrube. — 
hau-tä-n begraben. — hau-to-a bähen, brühen, durch wärme er- 
weichen. — haU'tO'ja bäher, Wächter an einer theergrube i= est 
ati-tu'ja ein „ wartender ** (Hupel). — hau-te-le-n, hati-to-i-le-n, 
hau-doske-le-n frqv. allmählich bähen. 

Veps. hau'd grübe, graben. — hau-do-n brühen, bähen. — 
haurdu-n durch wärme erweicht werden. 

Vot. au-tä-Hy begraben. — av-vo-n bähen, brühen. 

Est. hau-u-ta-n, au-u-ta-n id. 

Liv. saV'O'd'lö' erwarten. — oii-tö pr. ötab bähen, seihen. 

Sv, lap. sau'de picaria = f. hauta. — n. hav-dde, sv. hau-te^ 
en. häv-di graben. 

Voljj, $aj grab; s, pides hölle (p'ides zz boden). 

Magy. ^äj't bienenzelle, homgzelle, zelle. 

H. Osljj. äav'i-j'i'ta bewahren, verwahren, hüten; begraben. 

Vog. öap'ta bergen, hüllen, verstecken; begraben. 

Ueber das von Budenz szöt. 364 mit vog. Öapt-, ostj. Sarnj- 
zusammengestellte fin. Jiäpeä siehe n:o 770. 

Als grundbedeutung der ganzen hier gegebenen reihe sehe 
ich „hüllen, bedecken "" an, eine auffassung die noch klarer an 
den tag tritt, wenn man fin. säu-lu-n, hoi-da-n, ostj. saj-la-ta u. s. w. 
n:o 780 a) hiemit vergleicht. 

Vog. öap'ia (= einem ostjakischen *mv'ta) entspricht vor- 
trefiFlich dem lap. sau-de, f. hüurta und auch hau-to, in welchem 



97 

derselbe ttbergang der bedeutung stattfindet wie im f. suqj-a 
mo 780 f) d. i. „bedecken, schützen, hüten i= wärmen". In der- 
selben weise entwickelt sich est. au-tu-ja wartender = f. tutu-to-ja 
hüter und liv. sav-öd warten. Sie gehören demnach alle zu der- 
selben entwicklungsreihe wie fin. sev-i-n inf. sepiä umwickeln, 
hüllen n:o 757 und syrj. ^eb-a verhehlen, mord. iop-a-n verbergen 
n:o 754. — Das suffix ta in hau-ta bezeichnet zunächst ein nomen 
actionis, wie in f. vir-ta „ström" aus der würz, vir lebhaft, schnell, 
beweglich (vgl. f. vir-e-ä, vir-ki-ä, vir-ma), pir-ta weberkamm aus 
der würz, pir tropfen, splitter (vgl. pir-pa, pir-sta), hter-ta Schleif- 
stein aus w. hier reiben = sier, sar wörtb. n:o 683. Die beiden 
Suffixe ia und to wechseln mit einander ab sowohl in der nominal- 
bildung: pir-ta =: pir-to als auch im verbstamm: vir-ta n: vir-to^ 
wesshalb f. hau-to-a auch formell dem hau-ta an der seite steht • 
Die bedeutung ist demnach das „hüten, bedecken, hüllen, ver- 
wahren", dann das „gehüllte" u. s. w. 

Magy. Säj't lehnt sich an votj. $aj wie lap. häu-di an 
f. hau-ta, so auch votj. saß neben magy. Aaj, A^*. 

Ich habe früher wörtb. 380 im anschluss an das £er. jukUdam 
comburi, cremari die vermuthung ausgesprochen, dass in diesem 
wort ein beweis für die auch historisch bestätigte sitte einiger 
der finnischen Völker ihre todten zu brennen vorliege. In den 
obigen Wörtern scheint vielleicht eine andere art der beerdigung 
sich kundzugeben. Möglicherweise ist das bei n:o 380 aufgeführte 
lap. juletj jaulet als lehnwort aus dem schwed. jarda beerdigen, 
welches dialektisch jäla, jüla (wie gdl aus gärd^ al aus ard) aus- 
gesprochen wird, aufzufassen. Wir hätten hier nach dem sprach- 
lichen Zeugnisse eine vertheilung der finnischen Völker, die auch 
mit sonstigen nachrichten übereinstimmt. Von den Syijänen, 
Tscheremissen , Esten und Liven wird erzählt, dass sie ehemals 
ihre todten verbrannt haben. Bei ihnen allen fehlt, soviel jetzt 
bekannt ist, die wurzel sav in der bedeutung „beerdigen", kommt 
aber bei den meisten der übrigen Völker vor. Die Magyaren 
haben zwar ausser dem türkischen lehnwort Sir ein genuines wort 
iämät-ni „beerdigen", welches mit 5er. temde-m „drücken, unter- 
drücken" in Verbindung zu stehen scheint (s. wörtb. n:o 544 würz. 
tarn). So kann man auch für J. ostj. lattem „beerdigen" das fin. 
lahii „bucht" als verwandt ansehen (wie ostj. lattem =i fin. lähden), 
nach der analogie von fin. sappi „winkel, ecke", welches mit 
mordv. iqpan „verbergen" nahe verwandt ist; dies dürfte um so 



98 

mehr der fall sein, da die Ostjak-Samojeden einen s. g. tschuden- 
grab laed nennen, wahrscheinlich von selbigem stanmi als lottern^ 
während ein gewöhnliches grab se oder korbe heisst. — Durch 
die obige etymologie des hauta aus einer wurzelbedeutong „um- 
hüllen, bedecken^ ist aber nichts bestimmteres über die art der 
bestattung ausgesprochen, wenn man nicht in der nebenbedeutung 
„wärmen, bähen "" eine andeutung an ,, brennen "" sehen will. Offen- 
bar ist das wort nicht in der weise aufzufassen wie das aus einer 
wurzelform sep = sap, sak gebildete lat. sep-dire -=• nominal- 
stamm *sepdo, welches die begräbnisstätte als „umfriedigter, ver- 
machter, umschlossener"^ Verwahrsam bedeutet, Corssen aus- 
spräche^ II 154. Es steht aber im trefflichen einklang zu der 
alten sitte der läppen, ihre todten in birkenrinde zu „hüllen'' und 
dann in die erde, und in sand zu „bergen'', vgl. Verf. Lieder der 
Lappen s. 77. Von hautoa zu schliessen (vgl. noch f. savu rauch 
n:o 802) hätte man vielleicht zugleich an eine art Verbrennung 
zu denken, wobei die leiche bedeckt war. 

Ob das hüllen, begraben der leiche und das verbrennen der- 
selben verschiedenen Völkern des finnischen Stammes oder nur 
verschiedenen epochen ihrer entwicklung angehört hat, geht hieraus 
nicht hervor. Oben n:o 222 ist auf ein anderes wort für „grab^ 
aufmerksam gemacht worden, welches bei allen baltischen finnen 
vorkommt, und dazu noch bei den Mordvinen. Das wort kalma, 
unzweifelhaft mit hUmä kalt u. a. n:o 212 verwandt, wurde dort 
als kalter ort, wo die leiche aufbewahrt wurde, aufgefasst, be- 
zeichnet aber auch die grahhägei Aus den verschiedenen be- 
nenuungen scheint daher der schluss hervorzugehen, dass bei den 
Ostseefinnen, noch ehe sie sich von den Mordvinen trennten, eine 
besondere art der bestattung ausgebildet hatte, die an eine ähn- 
liche sitte bei den übrigen verwandten Völkern erinnerte, vgl. 
nämlich das syrj. perm. sebal-, V. gebav-, ^eb- „begraben" = 
hüllen (f. soppi) n:o 754. Neben dieser existirte aber wahrschein- 
lich auch theilweise das ältere verbrennen. — Das lautlich nicht 
fem liegende m. mord. ^uvan, ers. duvan u. a. mit der bedeutung 
„graben" scheint einer anderen wortreihe anzugehören, da die 
nebenbedeutung „scharren" ist. — Kam. samoj. ist hom grab, 
tttrk. küm begraben. Ostjak samojed. heisst hepkannap, hepkedbap 
verbergen, kam. ^abdeHim id. 

In betracht dessen, dass das vogulische zuweilen ein in- 
lautendes ft, V vor i verschwinden lässt: vog. ^lat aetas = ostj. B. 



99 

nuKt, vog. ät, L. ät crinis = ostj. ubU, und da „dunkel*^ (däm- 
merung) wohl mit „decken, verbergen, verhüllen** zu verbinden 
sei, sucht Budenz szöt. 364 magz. Sötet finster, dunkel, vog. säteni 
däninierung vor der nacht, finster, L. Sät dämmerung nüt k. vog. 
ö<q)t' verbergen, lap. kappet schwarz und noch mit fin. häpeä zu 
vereinigen. Er lässt dabei jene ugfischen Wörter aus einer ur- 
sprünglichen form *säbt hervorgehen, welche in der weicheren 
gestalt Sj^vid auch dem verwandten syrj. Söd schwarz, dunkel, 
trüb zu gründe liege. Wenn auch kein Zusammenhang zwischen 
diesem Söd und f. süte kohle anzunehmen ist (vgl. doch Budenz 
szöegy. 359 und Verf. wörtb. 621), so kann doch nicht sv. lap. 
däda „dämmerung" aus der reihe: vog. Sät, sätem dämmerung, 
magy. Sötet^ syrj. Söd ausgeschlossen werden (wörtb. 622). Ich 
scheide daher bis auf weiteres alle diese von den hier aufge- 
führten. — Ganz anders als ich oben gethan habe erklärt Budenz 
szöt. 204 auch das fin. hauta. Vom f. hau-kko-a „das maul auf- 
sperren** ausgehend, setzt er die grundbedeutung als „öffnen** und 
verbindet hiemit n. lap. öoavddet, sv. öouM aufschliessen, auflösen, 
mordv. Suvt-, ers. öavoti graben, sowie magy. tätni, tätani öffnen, 
aufsperren. Jene leitet er aus s^v- r= s„g-, so dass hauta ein 
nomen verbale sei, wie f. kaute, est. kauda mit te, da suffix aus 
k„g' szötär s. 74 und jou^a aus j„^- s. 156; so auch mord. äuv'i 
aus s„g' wie mord. javo = fin. jaga. Dies s^g- entspräche einem 
ugrischen t^g- ^aperire, patefacere**, welches durch die mittel- 
glieder tyj^t- oder t^v^t- dem magy. tat zu gründe liege. Hierbei 
ist doch zunächst daran zu erinnern, dass die lappischen Wörter 
nicht eigentlich aus der Vorstellung „öffnen**, als vielmehr aus 
der des „auflösens** hervorgehen. Dann kommt das wort hauta 
selbst in den verschiedenen dialekten des lappischen vor und 
braucht nicht als lehnwort aufgefasst zu werden, da es im lap- 
pischen mehrere mit h anlautende Wörter gibt, welche im finnischen 
sogar nicht existiren : hable, hakko, hakketet, höhtet, halketet, hanes, 
höre u. s. w., im schv. lap. findet sich sogar die ältere fonn saude. 
Was f. haur-hko' betrifft, ist die grundbedeutung nicht das maul 
„aufsperren"', sondern „tappeln, nach etwas haschen**, wie es zur 
genüge aus einer grossen menge verwandter Wörter hervorgeht: 
f. hau'ka-ta beissen, abbeisen, schnell essen, hav-a-kka lüstern, 
hav-e-a gefrässig s. wörtb. n:o 777, häu-hä-n, heki-ni-n beissen, 
nach etwas haschen. Noch bestimmter tritt diese aus würz, sc^ 
entwickelte bedeutung in hap-u-e-le-n, hap-lu-n tappeln, haschen, 



100 

hap'U greifende Stellung, hap-u-ra, hap-u-la, hap-e-ro tappelnd 8. 
wörtb. 776, vgl. liv. sap-a-n sammeln, und in den vielfach wech- 
selnden hav-e-lo gefrässige, alberne person, hov-e4o, hou^u, hcp- 
e-ro, hap-e-ro wörtb. n:o 765 hervor. Noch ist daran zu erinnern, 
dass die intransitiven hati-du-n gebäht werden, warm, weich 
werden, hau-fu-a-n in wärme liegen, vermodern, wenig mit öff- 
nen zu thun haben, dagegen au „faul, sauer^ erinnern, wörtb. 
n:o 774. 

N:o 781—783. Würz, sap: l) schlagen, schneiden, kerben, ver- 
wunden, schmieden. 

781. Fin. hap'la-n nach etwas schlagen. — hep-äi-se-n zu 
schlagen drohen. — hep-u-a im begriff sein etwas zu thun. 

Est. sap-si-n einzelne hiebe geben. 

H. lap. capp-a-t pras. cavam, sv. cap-e-t zerschneiden. — 
SV. cc^-a-ste-t dimin., cap-a-je-t, cap-a-gö-te-t inchoat. 

M. Mord. Sc^-a-n, ers. öap-o-n zubacken, einkerben. — 
ers. öap-na-n frqv. aushacken, kerben. — m. Sap-a, ers. öap-o 
einschnitt, kerbe. 

Magy. sab-ni schneiden, verschneiden, zuschneiden; aus- 
messen, bestimmen. — sab-da-Uni zerstUcken. 

Budenz szötar 269, der doch nicht die finnisch -estnischen 
Wörter aufführt. 

Eine fülle verwandter formen verbindet die obige reihe mit 
anderen: f. sip-ai^se-n schnell anschlagen, schneiden, siepp-a-n 
schnapfen, zugreifen wörtb. 751, siv-ä-n schnell etwas thun, greifen, 
reissen, schlagen, säv-ä-hdä-n schnell machen, geschehen, säv-ä-üs 
schlag, est. sib-a-n, sip-le-n, sip-u-ta-n zappeln n:o 7T8, sqp-sa-n, 
sop-sa-Ma-n ein mal rauschen, quatschen machen, schlagen, sop-s 
st. sopsi rauschen, geplätscher; schlage, Züchtigung. Das viel- 
fache wechseln der suflfixe zeigt sich auch in den benachbarten: 
fin. hap'lu-n tappeln, suchen, hap-u-la, hap-u-ra tappelnd, sv. lap. 
happ-e-l schnell wörtb. n:o 776, welche mit demselben suffixelement 
gebildet sind wie hap-la-n^ und andererseits fin. sop-sa schnell, 
lebhaft neben estn. sop-sa-n, schlagen, sopsi schlag und sap-si-n 
schlagen neben sah-ün, sav-i-n, sab-i-sta-n eilig arbeiten =: f. 
hap'i'Sta-n sich schütteln Es tritt in allen diesen die fortgehende 
Weiterentwicklung der wurzelbedeutung klar zum Vorschein, wie 



101 

auch die iu den meisten sprachen hin und wieder eintretende 
erweichung des wurzelauslauts : sap = scJ), sav. Ich kann daher 
nicht mit Budenz den weichen explosiva b als den ursprünglicheren 
laut auffassen, welcher bald in den spirans, bald in den harten 
explosiva p übergangen wäre. Vgl. hierüber die folgenden n:o. 
782—83. 

Im wörtb. 522 sind n. lap. öu(^p-a-t, sv. öuapp-e-t abhauen, 
abschneiden, nebst sv. Ip. tuop-e-t walken mit fin. tapp-ä, magy. 
öap-ni u. a. verbunden; so auch Budenz szöt. 380. Das dort 
aufgeftthrte mord. Sav-a-n^ ers. öav-a-n schlagen scheint doch 
besser mit f. häva übereiu zu stimmen. 

Jurak samojed. sap'au hauen, sappadau antreffen, sabkau 
graben. 



782. Fin. Jtäv-a wunde, hieb, mal. — häv-ä-n, häv-chta-n ver- 
wunden, nachlässig schlagen oder etwas thun; vgl. säv-ä-kü-tä^ 
hieben. 

Eit. Mv-a nom. häv hieb, wunde. — hav-a-n verwunden. 

Liv. §av, äov pl. Sovö-d beilhieb, wunde. — öv pl. övö-d 
wunde. — äov4umi, ^av-li-mi, in P. auch dv-li-mi angehauen, mit 
beilhieben gezeichnet, verwundet. 

H. lap. havv-e, sv. hav-e, en. häv-i wunde. — n. hav-a-de-t, 
SV. hav-e-te-t verwunden. 

M. Mord. SaV'ü'Pi schlagen, tödten. — Sav-t-nda-n frqv. — 
ers. öav'O-n schlagen, erschlagen, prügeln, treffen. — öav-no-n id. 
frqv. — öav-mo schlag, mord. 

Magy. Säb-ä nom. Sab wunde. — ääb-ä-S wund, ääb-ä-e-ni 
verwunden. 

H. Oitj. sev'l-r-ta schlagen, schneiden. — sev-t-ra-fid-ta frqv. 

Liv. Sav, Soi\ welches in dv ihre nebenfonn hat, scheint mir 
in Übereinstimmung mit den übrigen die vokallänge des fin. häva 
als spätere dehnung anzugeben, wie magy. ^äp, vog. säp, soap = 
f. happatne n:o 774 neben den verwandten magy. Savanjü = f. 
happame n:o 773 und magy. äpä = f. sappi, aber daneben magy. 
zäporkodni n:o 775. — Budenz szöt. 342 stellt magy. Sab wunde 
zu fin. hempeä weich, weichlich, zärtlich, nachgiebig, die frühere 
gleichung mit häva szöegyez. 325 aufgebend, da er als regel- 
mässigen Vertreter eines magy. b jetzt ein ursprüngliches mb 
setzt: hob im vog. hump, dob = vog. tun^ szöt. 263, ab = ostj. 



102 

amb^ komparativsuffix hh, h = fin. mb. Das vielfache wechseln 
des p, pp, b, V in den verwandten sprachen machen es doch kaum 
möglich, auf finnisch-ugrischem gebiete eine so konstante regel 
aufzustellen. So wechseln innerhalb des n. lappischen die formen 
däpp-a-t, öäh-a-t und öäw-e „kragen" mit einander ab, dem fin. 
sep-a-le, vog. sip^ mord. siv-ä entsprechend n:o 758, bei denra 
noch öäbat und sepde nach B.s auffassung auch formell identisch 
seien. Gerade in der hier behandelten wurzel bieten sich eine 
menge beispiele, in welchen einem finnischen p oder pp im ma- 
gyarischen theils p, theils b und auch v entspricht, mit ähnlichem 
Wechsel in den benachbarten sprachen: magy. sab = läpp, cagppy 
f. hap n:o 781, magy. Aa6 = mord. ^ew, f. hapero n:o 766, magy. 
äpä •=. i. sappi n:o 775, magy. zäp = f. happame n:o 774, magy. 
Savanjü = f. happame n:o 773, und noch mehr stimmen magy. 
iöb, vog. säp = f. sippu n:o 752 und das in bedeutung nahe 
liegende, formell identische magy. §äb eile = fin. hii^ä n:o 778. 
Nach der in liv. 8ov enthaltenen etymologie: „beilhieb" und 
„wunde" liegt es auch näher §äb in derselben weise aufzufassen, 
nicht als : weiche, empfindliche stelle. Und wie man kein bedenken 
dagegen hat magy.' äavanjü mit f. happame zu verbinden, so dürfte 
es auch keine Schwierigkeit sein in häva einen verwandten des 
ääb zu sehen, um so weniger da v im fin. die regelmässige er- 
weichung des p ist, und die vorhergehende nummer die hieher- 
gehörigen formen mit starkem explosiva aufzuzeigen hat; vgl. i 
säv'ä-üs, säV'ä'hdä-n^ siv-ä-n. F. hempeä s. 841. 



783. Fin. sepp'ä schmied, handwerker, meister. — sepp-o 
dimin. — sepp-i-ä schmieden. — sep-i-tä-n schmieden lassen, ver- 
fertigen, bilden. — sep-ä-n verfertigen, ausarbeiten. 

Vepi. sep-a n. sep kttnstler. — Vot. sepp-ä id. 

Eit. Sepp St. seppa schmied, handwerker. — sep-i-se n. sqns 
Schmiedearbeit. — sep-i-sta-n, sep-t-ce-n schmieden, verfertigen, 
basteln, betreiben. 

Liv. sep'ä schmied, kttnstler. 

N. lap. öäpp-e, sv. öepp-e, en. Öäpp-e geschickt, flink; meisten 

Magy. sab-ö Schneider; sartor, aptator (Kresznerics), vgl. 

n:o 784. 

Vog. sep'ä-^ geschicklichkeit, tüchtigkeit. — H. Oi^j. ifefr-a-n 
bezaubernd, bezaubern. — äeb-a-ni-psa das zaubern. 



103 

Schott Alt. stud. 5,86 vergleicht f. seppä mit mag}\ sabniy 
säbö und erinnert an Mongol. sobi, subi eisen strecken, Cuv. seb 
hämmern, eskimo sabbi schmied. So auch Lindström Suomi 84 
und MS. 120, wo er noch tttrk. sap stossen, §api Werkstatt, 
samojed. sap'au schlagen, burjät. sapsenam hauen anführt. — 
Ahlqvist. kulturw. 56 hält die grosse kunstfertigkeit der Finnen 
im schmieden und den rühm, den die finnischen Schwerter in den 
skandinavischen sagen genossen, als einen beweis des hohen alters 
dieses handwerks hervor. Ausserhalb der westfinnischen gruppe 
komme doch das wort seppä nicht vor, wenn man nicht das iet, 
äpääi Schmied für dasselbe wort ansehen will. 

Die westfinnischen Wörter lehnen sich unmittelbar an f. 
sep-i-ä umwinden, est. seb-i-n zusammenlegen u. s. w. n:o 757, 
zugleich aber an est. seb-i-mä geschäftig sein, sich beeilen, f. 
A^-a schnell, lebhaft, geschickt n:o 778, f. siepp-i-ä flink, eilig, 
händig n:o 751, welche grundbedeutung sich zunächst auch im 
lappischen kundgibt. Wie sich die anschauung des „eilens, der 
schnellen, lebhaften thätigkeif' zu der des „schlagens, Schneidens^ 
allmählich entwickelt ist n:o 781 hervorgehoben; aus „zusammen- 
legen, verfertigen "" kommt man dann leicht zu „anpassen, fügen, 
versöhnen" n:o 784. Magy. sahö = ^saba-va entspricht formell 
dem liv. sepä und dem pras. partic. seppä-vä aus f. sepän. Wie 
aus den vorhergehenden nummem zur gentige erhellt, macht die 
gleichung: inlautendes fm, pp ■=: p zu b und sogar v keine 
Schwierigkeit. Es stehen nämlich magy. zab-ar-ni z=: zuv-ar-ni = 
hab-ar-ni neben f. sop-e-ro, hop-e-ro, höpp-e-rä wörtb. 765; magy. 
äav-a-^jü, §av-ö neben f. happ-u, est. happ-u, hap-u n:o 773; 
magy. dob-og-ni neben f. tap-u-ta n:o 522; magy. dobb-a-nta, 
tapp-a-nta neben f. top-si-n n:o 524 ; magy. täb-ni neben f. tep-iMi 
n:o 538; magy. täb-ä neben f. töpp-ä n:o 531 u. s. w. Die ganze 
Wurzel zeigt ähnlicher lautübergänge die fülle. 

N:o 784 — 787. Würz, sap: m) fügen, passen, versöhnen, ord- 
nen; — zulassen, dulden, lieben, wünschen; — passend, gefällig, 
niedlich, hübsch, still, sanft, sittUch, sitte. 

784. Fin. sop-i-a pr. sov-i-n passen, sich an etwas fügen, über- 
einkommen, sich versöhnen; sop-i-va prses. partic. und adj. = 
sopivainen passend, versöhnlich. — sop-u g. sav-un eintracht, Über- 
einstimmung, Zusammenstellung. — sov-i^o eintracht, Versöhnung. 



104 

— sov-e-Uu-n st. soveliu sich passen, fügen. — sop-e-u-n passend 
werden, sich fügen. — sov-i-ta-n passen, versöhnen. — sov-e^-a-s 
passend, bequem. — suop-u-a pr. suovun sich gut vertragen. 

Vot, SHW-i-ta-n zufrieden stellen. 

Eit. soh'i-n sich vertr^en, verstehen mit jemand, sich ver- 
einigen, abmachen, theilen, sich fügen, passen, gelingen. — sothi- 
ta-n abmachen, sich mit einem befreunden. — soh-i-ü'-hu nom. 
sohilik verträglich. 

Liv. sap-a-ga-t sich unterreden. — sav-e-d st. saveda ver- 
einigen, versöhnen, in P. auch : zusammenziehen, vgl. f. supp-un 
n:o 746. — sav-a-li-ks massigen. 

H. lap. soapp-a-t, sv. sop-a-te-t^ en. soapp-e-d passen, sich 
versöhnen. — n. soav-a-te-t trans. aufpassen. — sv. sop-ke-t, sucp- 
kete-t vereinigen. — sop-a-te-t reconciliari, sop-i-te-t aptare, con- 
ciliare. — enare sav-a-l verträglich = f. savdias. — äuv-e^e-i 
lust haben. 

M. Mord, suv-a-n kommen, eintreten. — suv-a-fia-n fact. — 
ers. sov-a-n hineingehen. — sov-a-vfo-n einlassen, hineinbringen. 

Magy. sab-ni sich nach etwas richten, in etwas fügen. 

Vog. B. Sob'i'l' sich vergleichen, abmachen. — äöb-i-t in 
Ordnung bringen, zurichten, bereiten, ausstatten. — Sab-i-ia-xte-m 
mit jemandem übereinkommen. — L. §oap-t€-m bereiten. — k. 
öop-e-l-ta-xte-m sich versöhnen. 

Wie das liv. saved mit den beiden bedeutungen : „versöhnen" 
und „zusammenziehen^ sehr deutlich zeigt, ist die obige wortreihe 
nur eine modifikation derselben wurzel sap, sop, sup zusammen- 
ziehen, die wir in n:o 746 kennen gelernt. Wir brauchen daher 
nicht mit Budenz szöt. 307 einen neuen stamm s,yV„ „convenire, 
aptum esse, inire, se ingerere" annehmen, welcher sich in einigen 
formen durch lautverstärkung zu s„p umgebildet hätte. Wenn 
das von Budenz hieher geführte magy. sokni sich gewöhnen, wie 
er annimmt, aus sov-k entstanden ist, so wird dadurch doch nicht 
sab-ni aus der obigen reihe ausgeschlossen; vielmehr gibt es nur 
neue stütze für die hier auseinander gesetzten etymologien und 
erklärt den sonst schwierig zu fassenden Zusammenhang der beiden 
bedeutungen. 



785. Pin. suv'ä-n, suv-a-Ma-n^ suv-ai-ce-n, dulden, zulassen, 
behagen. — su-chn gönnen, verstatten, wünschen, behagen. 



105 

Vot suv'ä'fi lieben. — suv-ä-mi-m* liebe. 

Eit. Si/v-a-n, sm^i-n gönnen, wünschen, anpreisen. — sdv-i 
n. söv wünsch, wohlwollen. — söv-e-lda-n sich vertragen, liebreich 
behandeln, gönnen. 

H. lap. miOfT-a-t, sarv-a-f, sv. sar-a-f, sar-e-t, en. suarv-e-d 
gönnen, verstatten, wUnschen. — uts. lap. stiorr-ä-t duhlen. 

Syij. s'ib'ä'da dulden, leiden. 

Lindström 89 rechnet auch magy. sänrädni leiden, dulden, 
ertragen hieher. — Der form nach stimmt est. söi- zu fin. lap. 
suov (f. suovun). 

786. Fin. säv-i-ä niedlich, nett, gefällig, nachgiebig. — sär-ü 
gemtithsart, laune; ton. — siv-i-ä sittsam, sittlich. — sü-i-stä-fi 
gebildet, sittsam machen. — sh'O-ka-i'ne'n =: mia\ — swv-ä 
niedlich, nett, gefällig, sittsam. — siev-i-stä-n nett, hübsch machen. 
— slV'O Ordnung, geschick, sittsamkeit; adj. sittsam, nachgiebig, 
still. — stv-ö-n, slv-e-le-n ordnen, putzen, reinigen. 

suop'e-a hold, gutmüthig, vgl. sup-e-a herunter gedrückt, 
nachgiebig n:o 749. 

hiev'ä, heiv'ä schwach, matt. — hiev-e-rä schwach, zart. — 
hiet^'ii'kka schwach, dünn, fein, zart. 

Sv. lap. sirv'O gemüth, willen. — .vw-o-la-c wünschend. — 
MiV'C'S, sxiV'O'h lust habend, willig. 

K. Vogf. sov't, san't sanft. 

H. OsQ. sav'€'P sittlich. — soi'-i sitte. — Hev-l-n still, nihig. 

Die nahe beziehung dieser Wörter zu est. häb-i-li-k, f. luip- 
ä'kkä schamhaft, f. Mv-e-tä sich schämen n:o 770, f hup-a flüchtig, 
angenehm = hur4 n:o 776 u. a. ist unverkennbar, obwohl sie 
zunächst zu 784, 785 gehören. Vgl. folgende nummer. — Wörtb. 
n:o 528 f. tapa sitte, gewohnheit aus w. tap treffen, urspr. schlagen. 
Sonst entspricht vog. sav-t einem fin. *sop-€'ta, ^sop-e-a, welches 
dem f. suopea und dem verbstamm sopi sehr nahe kommt; die 
form betreffend vergleiche noch f. hipp-e-ä =• "^hipiietü günstig, 
geneigt. 

787. Fin. hiep-ra fein, hübsch, zierlich. 

Sv. lap. dabb-e-s, dabb-e, öabb-a-k, n. öabb-a hübsch, compar. 
dabbab. 

8 



106 

Vo^*. öeb-e-r, id. — Öer. ceh-e-r, öev-e-r, w. cev-e-r, cih-er 
schön, glücklich. 

Magy. sejij st. sepä hübsch, schön, comp. sähb. 
Oilj. ceb-a-ra gut. 

Budenz szogy. 285 vergleicht sep, öabhe und f. sie^% szot. 
293 aber slp^ öabbe und f. hävä, est. hea, hilva samt est. säma: 
das Öer. öever hält er Cserem. szötdr 38 fUr lehnwort aus dem 
tatarischen. — Europseus Suomi II, 7 s. 60, welcher noch kiepra 
hieher rechnet, sieht im seenamen Ciprinki aus dem nördlichen 
russisch-karelien ein Überbleibsel des betreffenden wortes, dabei 
noch ans deutsche sauber erinnernd, welches möglicherweise lehn- 
wort sein könnte. — Wie aus der vorhergehenden nummer er- 
sichtlich ist, halte ich die Wörter hier mit auslautendem tenuis 
nur als nebenformen der dort aufgeführten. Zugleich aber kann 
man nicht eine gewisse beziehung zu scpän n:o 783 (vergleiche 
das adv. sepästi „geschickt, künstlerisch^) ausser acht lassen. 
Die mit ra suffix gebildeten finden ihre analogien in f. hiep-u^a 
schwach, dünn, f. hap-ra-s spröde, gebrechlich, hap-a-ra brocken, 
magy. §up-ra nithe, ap-rö klein, sowie in den verbalstämmen t 
hüp-e-r-tä :=: syrj. ätp-c-r-ta mit den fingern leicht berühren, 
reiben, syij. cep'ra('la) id, sv. lap. cab-^re premere u. m. In allen 
diesen liegt zugleich die Vorstellung von etwas „niedlichem, nettem, 
feinem". Zu n:o 78G gehört wohl auch das von Budenz ange- 
führte f. härä, est. /ulva^ hea, welches ich früher wörtb. 386 mit 
liv. juva^ juo und nuigy. jö verbunden hatte; das verhältniss zu 
den letzteren ist noch aufzuklären. 

788—793. Würz, nap: n) schleifen, reiben, wischen, gleiten, 
langsam vorwärts gleiten, schleppen, kehren; — schaben, schar- 
ren, graben. 

788. Fin. hiv-o-n, hij-o-n^ hüi-o-n, hi-o-n schleifen, wetzen, 
glätten. — hiv-a-ta streichen, leicht berühren. — siv-a-s st. siraha 
glatt, eben. — siv-a-kka id. — siv-e-le-n lei'cht berühren, streichen, 
glätten. 

Vot. ih'O-n wetzen. 

Eit ih'ku-ma pr. ihun; ih-u-ma schleifen, wetzen; sich ab- 
nützen, abwetzen, verschleissen. 

Liv. jövv st. jövii^ jitvv wetzen, schärfen, schleifen. 



107 

H. lap. sagj'€'t, sv. satj-e-t, sij-e-t, utsj. sadj-i-t^ en. sajj-eS 
schärfen, schleifen. 

IL Mord, ^or-a-n schleifen, schärfen, ers. öov-a-n schleifen, 
wetzen, reiben. — m. äotSa-n reiben. 

Magy. üv-ä-nj abgetragen, verschlissen. — mj-ä-t glatt, eben. 
— Si'k, st. slko glatt, eben, schlüpfrig. — si-k-la-ni, si-ka-m-Ia-ni, 
Si-kä-m-la-ni gleiten, ausgleiten. — si-kä^o-l-ni glätten, poliren. — 
äi-kä4la-^i id. 

Vog. B. st-e-tn wischen. — sej-se-le-m abwischen, abreiben. 
sl^-ka-te-m sich abwischen. — L. sie-m wischen. 

Ahlqvist mord. gram. 175. Budenz. szcSt. 353. — Gestutzt 
auf den ganz gesicherten Übergang eines k, g zu v in mehreren 
finnischen sprachen: vgl. f. hako = havo gen. hoLOii od. havan^ 
suka aus welchem sunn u. m. siehe Verf. über die er^^eichung 
des k in kielitiet. os. keskust. 2,80, so auch mord. javo =:z f. jarja 
fjaka) und in betracht der dorpat-estnischen form hig-o-n schleifen, 
wetzen, setzt Budenz die „ugrische" wurzel der oben gegebenen 
Wörter als s^g- „reiben, schleifen", aus welcher sich ganz regel- 
mässig: est. ih-ku z= *hih'ku =: *hig'kii, lap. sagj-e, vog. st :=z sej, 
aber auch magy. si-k st. m-ko hüvis, lubricus, tequus, si-k-la-ni, 
Sukä-m-la- , si-ka-m-la- gleiten , ausgleiten , si-kä-ro-l- glätten, 
poliren u. m. denominative entwickelt hätten. Für die magyar. 
Wörter wäre sl zu die ursprüngliche w. sj-, s^g-. So sehr auch 
die erklärung der magy. Wörter einleuchtend ist (magy. Siko ent- 
spricht vollständig dem fin. sivakka, beide mit der bedeutung 
„glatt, eben"), hege ich doch einige bedenken, was die form der 
Wurzel anbetriflft. Die hier angenommene s„g- „reiben, schleifen" 
würde wohl wesentlich mit «„//- „ire, fluere", Budenz n:o 406 
(s. wörtb. 789), zusammenfallen. Man kann aber nicht leicht 
magy. dovad- von 67/>äi- und den fin. himm st. hipu und hiepu-, 
hJpo'y sipö-, sipso' trennen, welche alle den tenuis zeigen, wie 
auch magy. 8äpär- n:o 791. Ueberhaupt steht das estn. higo 
ziemlich vereinzelt gegen die ganze hier entwickelte unterabtheilung 
der Wurzel sap; es kommen nämlich im finnischen nur hikeä und 
hihja „träge, langsam, faul" aus einer wurzelform 5„^, «„fc vor, 
welche mit f. sähün jucken, lap. sagget ziehen, wörtb. n:o 583, 
aus der allgemeinen w. sak 572 hergeleitet werden könnten. Doch 
spricht die anologie auf indogermanischem gebiete für Budenz' 
erklärung, z. b. vln-ra %iQ-vi(^-a neben altir. nig-eSy skr. nij aus 



108 

einer würz, nig, Curtius gnindzüge* s. 318; sv. draja aus *dröga, 
trog, böja neben bog und d. biegen, hug. 

In die obige reihe gehören auch magy. Sir-ö, Str-d saud, 
vgl. Budenz szot. 356, und M. niord. suv-a-r sand. B. erinnert 
beim ersteren sehr passend an magy. sov-ä-nj dürr, mager, mordv. 
liuv-a, suv-a-nä dünn, fein, ei*8. dov-a szot. 301, welche wie Siv-ä-nj 
abgetragen, verschlissen aus der wurzelbedeutung „reiben, schlei- 
fen** als „abgeriebenes, abgeschliffenes** hervorgehen, vgl. wört. 749 
aber auch iev. sav-e ruthe n:o 755, — Mit den übrigen habe ich 
auch die livischen fonnen mit anlautendem j. verbunden, und es 
zeigt sich auch hier eine dem mordv. -magyarischen analoge bilduug 
in jöv-g pl. jör-gö-d, L. jü-g sand. In welchem verhältniss aber 
die liv. Wörter zu den naheliegenden: liv. jov, joui\ jav mahlen, 
fin. jauho, java mehl stehen wörtb. n:o 307 will ich jetzt nicht 
näher erörtern, obwohl es nahe zu liegen scheint die bedeutung 
„mahlen** aus „reiben** herzuleiten. 

789. Fin. hiv-a leichte bewegung. — hic-u-n inf. kipua gereibt 
werden, sachte gleiten, langsam vorwärts schreiten. — hiet^-u-n 
inf. hiepua sachte bewegt werden. — hlv-i-n inf. hlpiä sich sachte 
vorwärts bewegen, schleichen, sacht berühren, glätten, kämmen. 

— hw'O-n, st. h^po id. — hir-u-n inf. hivua langsam vorwärts 
schreiten, gereibt, abgenutzt werden, abmagern, abgezehrt werden. 

— hiv-u schleppende bewegung, das reiben. 

Magy. suv-a-d-fü von statten gehen. — öor-a-d-ni gleiten, 
ausgleiten. — öd-d-ni id. — öö-sta-ni ausrutschen lassen. 

Budenz leitet das szot. 398 aufgeführte äuvadni, Öof^adnu 
wie auch öüsni serpere, repere labi szötär 406 aus einer würze! 
<^„r, älter .9„r/- = „ire, fluere*', aus welcher unter anderen auch 
fin. sä' venire, se confene, sünta directio viae hervorgegangen 
wären; anders ich wörtb. 614. 

790. Fin. dp-o-n, sip-fto-n schleppend gehen. — Mp-e-r-ta 
langsam vorwärts schreiten. — hip-e-ro langsamer, träger mensch. 

Magy. cip-ä'Uni schleppen. — cip-ä-lö-d-ni sich schleppen. 

Lönnrot lex. 69 verbindet hiperö mit hipua. Sipön ~ *.*^- 
o-da-w ist in der bildung dem liv. sap-i-da sich authalten n:o 746 
ähnlich; was sip-so-n angeht, ist öer. äup-Sa-m mit demselben 



109 

Suffixe ausgebildet. IHpartä- ist nebenforin zu f. hup-e-r-tä 11:0 751, 
welches ausser: leicht berühren, auch ^reibeii"^ bedeutet. 

791. Fin. hiv-a-i-se-n in leichte beweguiig setzen, anschlagen; 
abwischen, ke/iren; wetzen, schleifen. Verb, subit. aus hivata. 

Magy. säp-är-ni kehren, fegen. — säp-rä-yä-t-ni freqv. — 
säp^ä-de-k kehricht, niist, hefe. — mp-ro besen; hefe, neige, 
salz. — säp-rö, Mp-rü id. — säp-rii-ke besenpflanze, pfriemenkraut. 

Of^\ seh-e-r-ga besen. 

Schiefner, Castrens gram. 96, vergleicht tat. sibirtke, M Tat. 
sihirye mit magy. säprö, 

792. Fin, hiep'H'ia-H schwingen machen, schaben, scharren, 
reiben, abnutzen. — hicpsa-u sachte bertthren, streifen, reiben, 
schaben. — hitp-si-n id. — htp-al-n sachte bewegt werden, leicht 
schaben, reiben. 

Vepi. üib'i'ta-n jucken. 

Eit. sib'i-n schanen. — sib-U-n scharren, kratzen; schnell 
laufen. 

Liv. söü-i^ kä'l jucken. — sövv, snvv, L. ht-a-t kratzen, 
schaben. 

M. Mord. Hnv-an, ers. cuv-a-n graben. — ni. suv-c-nda-n 
frqv. — ers. $uv das grab, grübe. 

Vgl. n:o 780 g). 

793. Fin. nav-e nom. navi thon, lehni. 

Veps. bav'C n. -* id. — Est. sau g. aaue; .sati-a, sav-i lehra, 
thon. — aau'C'H mit lehm schmieren. — sav-i-n lehmig werden. 
Liv. aäi\ L. sai thon, lehm. — säw-i lehmen, irden. 
Syrj. soj, thon. — penn, soj, — Votj. iuj, 
Ers. Mord, sov-o-n, m. sov-i-n thon, lehm. 
Cor. so'H^ m-Hy su-n id. 
Konda Vogf. su-ü thon, lehm. 

Castr^n gram. syrj. 15G. Lindström suomi 82. Budenz 
szoegy. 295, szötar s. 190 leitet aaci aus einer wurzel auo =^ suv, 
üor, huo :=: hob und in ugrischer form tuoy tj^v-, t^b- mit der 
bedeutung calere, ardere, splendere. Es wäre nach ihm dann in 



110 

f. savi thon und kopea Silber dieselbe entwicklung wie in lat. 
arffilla, gr. agyikog „weisse thoneixlc** und aoyvQog argentum aus 
w. artj glänzen. Die beziehung zu magy. sivö^ m. mord. §uvwr 
sand, wie auch zu mordv. §uva^ suvanä dttnn, fein, vgl. wdrtb. 
n:o 788 anm., scheint doch zunächst auf eine Verbindung mit 
Mvoa schleifen zu zeigen. Eine derartige etymologie ist hier 
deshalb vorzuziehen, da es meines Wissens keine fomi mit an- 
lautendem t gibt, in der bedeutung ^thon"". Auch dürfte es kaum 
nöthig sein syrj. Soj aus Sy,vJ^, formell == f. suo-ja, zu erklären, 
da V mit h und j so häufig wechselt: f. hiv-on^ hih-on, hiyon, 
magy. siv-änj, sij-ät n:o 788; niagj'. so ^=z sava, vog. suj, ostj. sej; 
f. säü-lii d. i. *sät>lii zzz säi-lü n:o 780 a). 

Ostj. samojed. ist sii, süe thon, jenis. töbo, 

794. Fin, sapra, dim. nap-ra-se nom. -t*e#», sap-ra-i-me n. 
sapraiuy sau-ra heuschober. — suai-a id. 

Veps. sah-ro n. sali' id. 

Dass dies wort der würz, sap gehört, geht zur genüge aus 
liv. .savaru „sammeln, ernten" hei*vor. Es ist nämlich sap-rcu 
sau-ra =i ^sav-a-ra = das gesannuelte, zusammengehäufte, ge- 
erntete (formell = f. hap-a-ra brocken, abfall, käp-e-rä trüb, 
sop-e-ro stottern, hop-e-ro plappernd, hou-rn albern) und mit dem- 
selben suffix gebildet wie est. sab-ra- drücken, mp-ra zusammen- 
gezogen, ers. mord. siir-o-r zusammendrücken n:o 746. Vergleicht 
man noch f stip-ti, bupiy-u „zusanunengehäuftes, wehr von ge- 
häuftem eis in Aussen und bächen" u. m. n:o 748, liegt es sehr 
nahe auch m. mordv. aup-a anhöhe, hügel hieher zu rechnen, 
obwohl es mit dem von Fick wörtb.* (514 angeführten ksl. supi( 
cumulus, aus der litt. slav. würz, bup, europ. srap bewegen, 
schwingen, werfen, zusammenfällt. Auf dem slavischen gebiete 
steht es nämlich vereinzelt. 

Zur Wurzel sap, sav in der bedeutung „sammeln" shid wohl 
auch Fin. hava-kka reichlich, hap-e-a gi*oss, ansehnlich und K. Vog. 
sav viel, öuv grosse zu rechnen. 

795. Fin. sip-a-la trüb, dunkel. — sip-a-hka id. — häp-e-rä 
trüb, dunkel, unklar; süf on sUmäni sipaiat, näkimeni näin 
häperät d. i. daher sind meine äugen trüb, mein seevennögen 
verdunkelt. Kautel. II, 111. — häp-e-r-tä, häp-e-l-tä dunkel, uu- 



111 

klar sein. — häp-ä-kkä bescheiden, einer der die äugen nieder- 
schlägt, trüb. 

Liv. jsäp'U'mi gallig, aber auch: trübe. 

H. lap. säv-dna-d finster, dunkel, dunkelheit. — sev-dni-s 
dunkel. — sv. seu-dne-d dunkelheit, schatten. — seu-dne-s dunkel. 

M. Mord, soh'da dunkel, finster. — ers. dop-o-da dunkel, 
schatten. 

Lönnrot. sanak. 275 erinnert bei häperä an die Verwandt- 
schaft mit f. Mp-e-ä-n n:o 770, Budenz szot. s. 352 stellt lap. 
säv-dna-d = *säb'na'd neben f. aäü-lu n:o 780 und sob-da neben 
ers. niord. sop-a-n verbergen, verhehlen. Ohne zweifei sind die 
genannten als nächste verwandte zu betrachten, die gemeinschaft- 
liche anschauung ist wohl doch die allgemeinere der wurzel: „sich 
zusammen ziehen"". Eine weitere entwicklungsreihe ist in n:o 798 
aufgeführt worden. 



.^ . ^~ -^ . 



1. Wurzel Sav. 

N:o 796-797. 

Wechsel: sti so sau süv sai soi sui si. 

hav hä hea hü; — uv iiv 5 iiö. 
Staigemng: suai soai, 
Bedentnng: sausen, tönen, klingen; — sprechen, reden, singen; 

— schreien, drohen. Vgl. n:o 786. 

796. Fin. hav'i'se-n sausen, zischen, summen, flüstern. — 
hä-sta-n sprechen, erzählen, übennüthig sprechen, drohen, aus- 
fordeni, vor gericht fordern, verbieten, schelten. — säv-ü gemüth, 
ton, laune. — säv-e-lc nom. sävel^ säv-e-ne n. säveii laut, ton, 
strofe. — säv-e-l-lä-n st. säv-e-l-tä einen leisen laut geben, me- 
lodisch singen. 

Eit. söu-e st. söu'de rede. — söu-d-ma sprechen. — M-le 
nom. hat 1= J^ea-le n. heaf stimme, ton, laut, schall. — hea-le-ta-n 
klingend machen, eine stimme von sich geben. 

Liv. O'l, L. üö'l stimme. 



112 

Syrj. isn-a reden, sagen, nennen. — ^u-se-y Sprichwort. — bu-om 
ausi^age. — Votj. hu-o sagen. — Cer. äo-nta-k, b. sa-t^M-k wort, rede. 

Magy. .sar-a noni. aö laut, stimme, wort. rede. — sö-l-ni 
sö-lh-m. klingen, erschallen, tönen, sprechen. — sav-a-to-S. sor- 
a-to-H gewährsmann. — mv-ö-Utä-ni ^ süv-l-t-ni heulen, brausen, 
sausen, pfeifen mit dem nmnde. — süv-ö-l-to pfeifend, pfeife. — 
Hv-ii'l'tä'ni heulen, schreien, sausen. 

H. Oitj. uf>hl-ta id. Hunfalvy £jsz. ostyak szöt. 30. 

Fin. hav stinnnt ganz besonders zum mag}', sav und der 
verbalstamm f. säv-c-I-tä ist vollkonmien identisch mit magy. äüv- 
ö'l-tä. Betrachtet man das est. M-/c, welches dem f. säv-e-ie = 
*säv'l€ entspricht, so scheint es sehr wahrscheinlich, dass auch 
<las unter n:o 35'^ aufgeführte f. hü-bta-n sprechen, sagen hieher 
zu rechnen ist. IIa wäre nämlich = ^hav-a-sta- und sonach eine 
factivbildung aus der wurzel oder noch besser uz *hac-i'S-tcL, was 
ein ganz gewöhnliches factivum von haciscn wäre. Dadurch tritt 
die Verwandtschaft mit dem mag}'arischen noch deutlicher hen'or, 
indem f. hd- =^ m- dem magy. so noch vollständiger entspricht. 
Ilievon sind die syrj. penn. Wörter nur verkürzte fonuen, auf 
welche auch est. aov hinweist; est. liea ist eine später eingetretene 
lautmoditikation, die in der tin. Savo-mundart ihre analogie findet: 
IH'ä = gew. f. [xi^ trärä zur: varä u. a. Die gleichung Aä -"- hat: 
wird auch durch andenveitige analogien gestützt, so: f. hWi .- 
aüii, hnhiH — hanutn, mtfttn, vielleicht auch mistan m saniun, 
sälliin n:o 780. 

Ueber den zusannnenhang mit not und die gestalt der wurzel 
siehe die folgende nummer. 

796. h, Fin. hn-da-n rufen, schreien. — liu-to ruf, schrei. 

Est. hü'da rufen, tönen, nennen. — hä-c gen. hüde laut, sylbe. 

Syij. Hl wort, stinmie. — si-la^ perm. id. et si-la singen; 
vgl. folg. nununer. 

Magy« hiv-ni, lü-ul mfen, fordern, heissen, nennen. — hic-o- 
f/a-t-ni frqv. öfter rufen, einladen. 

Das magy. Itir, kiv lehnt sich wie das estn. Am = "^Imv sehr 
nahe an das nmgy. ilV'ö'l'tä' schreien, siic-ö-l-tä' pfeifen, heulen, 
mit welchen andererseits auch syrj. ^7, si-la und fin. mv-ü, säv- 
t'l'tü sich verbinden. Und gleichsam um der besonderen leich- 



113 

tigkeit, mit welcher in der foriuenbildung harte und weiche vokale 
luit einander abwechseln, eine probe abzugeben, treten auf dem 
ganzen Sprachgebiete ebenso zahlreiche formen mit tiefen vokalen 
hervor: fin. hav-i- neben säv-ä, f. hü-tä neben est. hu-da, syrj. 
iJ-a neben äu-a, magj'. sat-a neben Mv-ö, ostj. tiv-'i neben 
magy. üv-ö, 

797. Fin. soi-n tönen, lauten, schallen, singen (die vögel). 
sai'Hto, soi-nti, soi-ntu klang, glockenspiel , spielen, hannonie. — 
soi-ta-n, soi-tte-le-n spielen, läuten. — soi-tto spiel, nmsik. — 
soj-a-u-ta-n plötzliches sausen hervorbringen. — suj-a-lula-n plötz- 
lich sausen, vorbei eilen. — mi-nüi-n beschuldigen, verläumden, 
schimpfen. — soi-mi-n fortwährend vorwerfen. — soi-mu be- 
schuldigung, vonauif, schimpf; lohe. 

Eit* söi-ma-n schini])fen, ausschelten. — böi-m, söi-m-tu-s 
schimpf, Schimpfwort. — nöi-i-le-n schelten, bedrohen. 

M. lap. diioyj'a-tj ^iioj-a-te-t , sv. cuoi-e-t, cu^j-a-te-t , en. 
suoi'tt€'d, utsj. soai-ti-t, cuof-a-ti-f, öuodj'a-t läuten. — n. tuogj' 
a-m, SV. ciioj-ein laut. 

Syij. ä'i wort, stimme, meinung. — si-öd gerücht, rede. — 
äi-a-hy Hi'ö'da als gerücht verbreiten. — si-la^ perm. hi-la^ il-la 
singen. — il4öm gesang. 

Öer, B. sai'sta-m sprechen. — kaj-a colloquium. 

Vog. stij laut, stimme, gerücht, wort. — suj-te-m ertönen, 
verlauten. — k. suj laut, stimme, ruf, gerücht, nihm. — suj-p 
berühmt. — sai-n schallend, berühmt. — .suj-te-l-t verkünden, 
rühmen. — s^nj-m-te verkünden, als gerücht verbreiten. 

J. Oitj. sej stimme, laut. — N. s'ij stimme, laut, gerücht, iiif, 
länn. — siyi'H laut tönend. — stj-a-l-th als gerücht verbreiten. 
— siymi-l-t' verkünden, predigen, rühmen. 

Castren gram, tscher. 71. Lindström 81, der auch türk. 
soile^ mandschu se sprechen anführt. Schiefner Castrens ostjak. 
gram. 96 vergleicht ostj. sej mit magy. sö^ welches Budenz 
szöegy. 296 billigt, mit aufiiahme von säv-e-le und est. Mk. 
Szötar 308 stellt aber B. eine wurzelform s^^y auf, aus welcher 
er die meisten der oben aufgeftthiten und noch andere herleitet. 
Magy. Äö, sava sei aus Sy,y^ hervorgegangen, wie jö aus f. *jo(/6 
(nom. joki fluss); so auch f. soi, Ip. öuoje^ syrj. sml (wie syrj. 
kujöd neben twerf, votj. Med)\ vog. sujt „verlauten'* mit mom. suff. 



lU 

t wie vog. tujt' verstecken = magy. tit: vog. sujfmt- entweder 
momentane form mit soflL mi oder caosativnm aas dnewi iatr. 
Jinjm; aach fin. kü-tä mfen, schreien, yerkttnden, welches nebst 
dem entsprechenden estn. hä-da auf eine ursprün^idiere fDm 
Ali; z=z sei hinweise, wie f. kaj, kqj, kmj (kaje reHex^ koi OMMgen- 
röthe, koinu birke, kuiea dttrr) neben kä in ku-ma heiss, s. szdiar 
s. 102. Zar sttltze dieser herleitang ans einer worzel s„g bringt 
er mit den übrigen in zasammenhang fin. hok-e-a plaodcn, 
schwatzen, sprechen, erzählen (hok-u geschwätz hat im genithr 
ho'un a. kov-uk) — estn. hatj-e^a schreien, aa£H!hreien^ schreieBd 
sprechen, zanken, hag^-le-^ zanken, schreien, wie aach fin. hak-e-a 
suchen, welche bedeutang aus der des „rufen, fragen, bitten'^ sich 
entwickelt hätte. In derselben weise erklärt er auch t kä-sta 
aus *hag€'Htaj ha'e^sta mit ursprünglicher bedeutang clamare, roci- 
ferari, und rechnet noch hieher cer. äoktem, b. iaÜem fidibus 
canere, sonare, welches causatiy mit suff. ia = f. soita wäre. 

(legen die Verbindung der n:o 796 u. 797 dürfte zunächst 
nichts einzuwenden sein; auch zeigt sich derselbe Übergang der 
bedeutung in n:o 739, 40 würz, san sausen, schallen, sprechen. 
Anders ist es was die wurzelfonn betrifit. Wie in diesem falle 
erklärt Budenz den häufig vorkommenden lautwechsel v:j:k meines 
Wissens überall durch annähme eines ursprünglicheren £^-lautes, 
so z. b. f. hivan, hijan szötar 353, f. kivus == magy. haj szöt. 156, 
f. hihtä =: mord. öije szöt. 352 u. a. Die zulässigkeit einer ähn- 
lichen lautentwichlung ist, wie schon früher bemerkt worden ist, 
über allen zweifei gehoben: f. hako, gen. hacon, haot^, f. hake- 
priES. haen, dial. hajen, f. ieke- inf. tehdä zu mord. f//, magy. tec 
wörtb. 406, f. jaka = mord. java wörtb. 354, mag}', iot ==: vog. 
sagu, sau, und langer vokal: f. jüri = magy. dSfer wörtb. 365, 
magy. .vw = vog. sau, lap. suoks 590. Doch tritt dieser Wechsel 
auch da ein, wo der ursprüngliche laut ein harter labial gewesen: 
f. hiviä, hipiä — i/io und niöglichenveise rz mag)'. Aö/, fwj, vog. 
sau n:o 801; f. häpü schände, säpsün scheu werden zz säiikün, 
säikün; sävä/Mtän = säikähütän erschrecken n:o 770; estn. avi- 
tan, Ott an = f. autan helfen von apu hülfe, wenn nicht hier 
lieber a-i- = aW-, a-w- m avti- einzutheilen ist. Fin. Mvon 
wörtb. 788 betreffend, deuten Mvua, hipua, welche als dessen 
neutrale nebenformen aufzufassen sind, auf einen auslaut p, so 
auch hivus = veps. hibus n:o 799. Als stütze dieser auflfassung 
mag noch darauf hingewiesen werden, dass auch t, d nicht selten 



115 

zu j erweicht wird und zuweilen mit v^ h abwechseln kann: est. 
koda gen. Jtoa, koja^ kodu g. koju, wrtb. 44; mord. kadopt, ostj. 
kijem, magy. haif ^Tt. 49; syij. kuta, öer. kojepn wrt. 51; est. 
sadu gen, saju wrt. Gll; f. sidon, vot. s^icon wrt. 625; f. silödä, 
iuoda, suojärvi dial. liuiä, tuva, nordfin. säjä, f. ^äda = nordfin. 
säja, säha, magy. fäher =: fäjer u. a. siehe Verf. Kielit. osak. 
kesk. II, 32. Demgemäss herrscht ein ähnlicher Wechsel bei einem 
aus l hervorgegangenen v (u): f. käihty est. käun, käin m magy. 
au wrtb. 216, f. täii^i^ est. täiz gen. täte, tävve, liv. ^fiV^ = magy. 
m wrtb. 430. 

Hieraus geht zur genüge hervor, dass es in jedem einzelnen 
falle geprüft werden muss, welcher laut ursprünglich den mit 
einander wechselnden j, A, v vorangegangen ist. Auch kann kein 
ao&chluss aus der analogie magy. jö, java = f. joki gewonnen 
werden, da magy. ko, kövä =: f. kive ist. Aus allen diesen gründen 
halte ich daher zunächst fest an der wurzelgestalt sav^ möglicher- 
weise als entwicklung aus sap. Fin. säoü bedeutet nämlich sowohl 
„ton*" als „gemüthsart, laune"", zu derselben reihe als säviä u. a. 
n:o 786 gehörig. An f. liaviaen reihen sich wieder f. hivahdan 
eine schnelle, gelinde bewegung machen, leise wehen, flüstern, 
hire leichte bewegung, hauch, hivana id., feiner laut, welche 
andererseits doch mit havi n. havin 776, 777 in Verbindung stehen. 
Nach dieser herleitung wäre also die urspr. bedeutung des sävü^ 
sava =r „leiser hauch, laut", was vorzüglich zu dem f. säveUän 
passt, nicht aber so gut zu den übrigen. 



3. Wurzel Sap* 

N:o 798-801. 

Wechsel: hap hip hio haj. 

sav 80V sak si sij au siiL 

ah üb ib üp iv ih. 
Steigerung: ruop, 
Bedentnng: haar, faser, fiber, haut; eigentlich fein, weich vgl 

n:o 778, aber auch hüllen, bedecken n:o 780. 



116 

798. Fin. hap-sc iiom. Iiap^i pilus, einzelnes haar, langes un- 
dichtes haar; stroh: pdto hapsiksi hajota lass den acker mit stroh 
überall bedeckt werden. — luip-e-na, hap-e-n od. luiv-e-n gen. 
hapenen einzelnes haar, bauraflechte. 

Est. hah-e gen. habenie, hab-e-ne hart. — hab-e-n, hap-e-n g. 
habma id. — hab-e-ka-Sy Juib-e-li-k, hab-e-mi-k^ tutb-e-ni-k bärtig. 

Liv. abb'ö-n pl. abbön-d^ ab-nö-s pl. äbnöd hart. — ab- 
ni'ki bartig. 

H. lap. vuof-t pl. vuoV'ta-k, sv. en. vuop-t, vuop-ta haupthaar. 

H. Ostj. ub-'i-t pl. übtet pilus, einzelnes haar. — Vog. ä-t, 
K. ä-t id. 

Budenz szöt. seite 130 stellt einige der obigen zusammen, 
trennt sie aber von fin. hius, magy. haj; vergleiche doch folgende 
nunnner. Die saniojedischen sprachen verbinden durch ihre wech- 
selnden formen die beiden Verzweigungen noch näher mit ein- 
ander: jurak samoj. üöbta, tawg. nabta, ostj. sam. qpty opte^ uptc, 
kamas. öfcrfc. — Das lappische zeigt den in vielen fällen vor vokal 
gebrauchten anlaut o, welcher nicht wurzelhaft ist, so: mala = 
f. alttj vuoppa = f. apj^i, vuojet = f, ajä, vuokset = f. oksentä u. s. w. 

799. Fin. hiv'H'kse nom. hunis, hius, hiukai haupthaar, capillus, 
coma, börste an ähren, pferdehaar. 

Veps. hib'U'S haar. — Vot. k-H-s einzelnes haar. 

Est. hi-U'S gen. A/mac, läukse kopfhaar. — jü-a gen. jüse, 
jukse id. 

Liv. ib'U'S, ib'U'kö' haar, kopfhaar. 

H. lap. sov-ü, eu. sar-sa, sdk-sv'fn thierhaar. 

Syrj. si einzelnes haar, jur-.si kopfliaar. — perm. si id. — 
si-a, nij-a haarreich. — Votj. ai haar, jir-sl kopfliaar. 

Öer. üp haar. — b. üp, üp capillus, pilus. 

Magy. haj-a noni. liaj haar, haupthaar. — liaj-a-s haarig. 

Ich fasse die in voriger nummer verzeichneten Wörter, welche 
aus der grundform *hapte, *upte und hapsc = *sapte, *sapsc 
hei*vorgehen, nur als nebenfonuen der hier aufgeführten. Cer. üp 
und veps. liv. hibus, ibus deuten nämlich auch hier auf einen 
urspr. auslaut der wurzel auf jr>. Budenz szot. 156 verbindet mit 
den übrigen I. Ostj. suyom zwirn, faden, draht, N. Ostj. sogotn, 
^oijum, mffum faden, da perm. ai ausser „haar'' auch „faden, 



117 

&ser'' bedeutet, vgl. n:o 800. Er nimmt daher eine ugrische 
gnindform 9^^^ an, aus welcher sowohl die mit r als j gebildeten 
spätere er^eichungen wären, dabei ostj. sogom mit m-sufüx aus- 
gebildet wie ostj. teudem = niag>'. täiü: cer. ilp ftthrt er zu f. 
hig^. Gegen das zeugniss der übrigen Wörter dürfte doch sogom 
nichts beweisen ; wenn es dennoch hieher gehört, würde ich darin 
lieber lautverstärkung oder Wechsel annehmen, wie es ohne zweifei 
im lap. sak-sc-m für *sap-se-m der fall ist. In ähnlicher weise 
wechseln ps u. ks in lap. vuopse =z f. lähsa spanne. 

Mit dieser auffassung ergibt sich auch eine genügende ety- 
mologie aus der würz. .vap. Es bedeuten nämlich hap^iu (in hap,^i 
lania), hipffu, hepm franze. hrpsa etwas loses, flatterndes, hapisen, 
hepsan schaukeln, flattern, hippa paria = hipftu parta spitzbart 
(vgl. Mpe, hipale fliese, flocken). Andererseits verbinden sich hier- 
mit hippa, liippcä schnell, lebhaft, munter, günstig, geneigt, aber 
auch: weich, geschmeidig vgl. n:o 778. Die letzte bedeutung, 
welche dann in f. säviä, .sierä, hievä n:o 786 und f. hiviä ^ hipiä 
haut n:o 801 verwandte nach dieser richtung hat, ist wohl dann 
ebenso gut wie die ei-ste in hapsi, hius und den anderen ver- 
treten. In allen diesen wortreihen herrscht die Vorstellung: fein, 
weich, geschmeidig. — Möglicherweise ist auch flu. jouhi pferde- 
haar, welchem im estnischen die wechselnden formen jöhv gen. 
jöhri, jöhve; ihr gen. ehri entsprechen, mit J^vhs in Verbindung 
zu bringen. 

Noch ist aber, innerhalb derselben wurzel sap, die bedeutung 
„bedecken, hüllen** zu beachten, welche in n:o 780 an verwandten 
bildungen sich kundgibt. Wir finden sonach überall spuren der- 
selben grundbedeutung , welche sich in verschiedene richtungen 
so mannigfach entwickelt hat. 

Schott Alt. spracheng. 56 vergleicht mit Utis mong. t#,<^f7, 
öuv. süs, türk. saö, jak. as, das letzte durch ein vermitteln- 
des *has, 

800. Fin. süv-e-he n. süve; sü, süi, fiber, faser, gam. — su-li 
Jahresring, su-li-se mit Jahresringen, adem versehen. — hiv-i-ä 
faser von flachs od. hanf. — hiv-i-äi-se faserig. 

Est. Sil gen. sü, gewöhnl. su-d g. süi Jahresring (in bäumen), 
ader (im holze), faser: penikeze süidega Ulia feinfaseriges fleisch. — 
sä'i'h'fie viele Jahresringe, adem enthaltend. 

Perm, si faser, fiber, gam, schlinge, haar. 



118 

Die selten vorkommende fin. form suve neben den anderen 
zeigt in schlagender weise wie leicht sich der auslautskonsonant 
verändert. 

801. Fin. hip'i-ä haut, gesichtsfarbe ; Olonetz dial. korper; 
zacke, Stachel. — hiv-i-ä haut, gesichtsfarbe; faser von flachs od. 
hanf. — hir-e st. hi reite das nächste fleisch unter der haut; leichte 
bewegung, hauch; geschliffener zustand. — hiv-i-ö haut. 

ih-o gesichtsfarbe, haut des körpers; pl. fiber, fasern von 
flachs oder hanf. 

Yot. üi'O leib. — Veps. hib-ja nom. hibj leib = f. Jtipia'. 

Est. ih-u gen. ihn, iho leib. 

Magy. Juij-a nom. liüj; htj-a nom. hej rinde, schale, hülse. 

Vog. sau haut, feil. — sau-jä id. — L. sau-a haut, feil. — 
finj-e leder. — saj-a abgetragener pelz. 

I. Oslj. sd'%, SO'X haut, rinde. — S. so-x, soti-x id. — Nord 
so-g, so-x haut, feil. 

Im wörterb. n:o 42 habe ich, wie Budenz früher szöegy. 118, 
unrichtig das magy. A^', haj zu f. Tcete „äussere haut** geführt. 
Wie er szöt. 155 l)emerkt, wird im magj'arischen anlautendes 
k vor weichen vokalen gewöhnlich beibehalten. Nach analogie 
von f. häte = hez^ f. vete = lüz, f. üiinie ■= välo, f. täütä = 
tälä, w^rde man also hier f. kete = k;;z' oder k;:l' erwarten 
müssen. 

Budenz vereinigt nur die ugrischen Wörter mit einander. In 
der n:o 797 habe ich auf den häufig vorkommenden Wechsel des 
r, h. j mit einander sowohl im an- als inlaut aufmerksam gemacht. 
Besonders lehrreich ist n:o 788, wo hiv, hij, hih mit einander 
abwechseln, denen est. iA, liv. jöv, magy. §iv, $ij entsprechen. 
Aehnlich steht hier fin. hiv neben ih. B. hält das ostj. sog = 
vog. sau als grundform. Dagegen muss doch die neigung des 
Ostjakischen mehreren Wörtern ein g, k zu geben in betracht 
gezogen werden : I. ostj. keu, S. kau-x = f- **H magj. kd = kavä. 
Ich nehme daher als wurzel sav = ursprünglichere sap in der 
bedeutung „hüllen, bedecken" vgl. n:o 780 d). 

Mit vog. sau, ostj. sou nahe verwandt ist das wörtb. n:o 700 
aufgeführte magj'. Mv-ät scheide, hülse. Noch näher steht aber 
magy. sm^'ä-Ula-ni^ ^ov-ä-ro-l-ni abschälen, enthülsen, welche ein 



119 

^iat^ä-l, *§ov'ä'r „schale, hülse" voraussetzen, während das be- 
treffende wort Sovar jetzt nur ,, schmachtend, lüstern" bedeutet 
und wie magy. äor-ä-nj hager, mager, unfruchtbar, Sov-ä-rog-^ii 
sich sehnen, schmachten ohne zweifei in dieselbe entwicklungsreihe 
wie f. här-i'ä-n verfallen, und f. hir-o-n n:o 788 gehört; vgl. auch 
mord. i^uv-a dünn wörtb. n:o 749. 



2. Wurzel Sav. 

N:o 802—803. 

Wechsel: sav sev süv si sij, 
hü hur hu hiv; — u ü. 
Steigerung: mov suer, 
Bedeutung: erstarren, erfrieren, kühl werden. 

802. Fin. sev-ä hart gewordener schnee. 

Est sati'U-n etwas erfrieren, verklammem, erstarren. 
H. lap. sav-a-da-k schnee in kömem. — öav-a-da-k frost: 
6. dolkke frostwetter. — n. stiow-e, sv. sf^ev-e nasser schnee. 
Magy. hav-a nom. Aö schnee. — hav-a-S schneeig. 

Auch hier weist die zweite estn. werbform saunn sich sam- 
meln, vgl. n:o 804, auf eine wurzelform i^av hin, in welcher be- 
ziehung f. si€ppo eisbrei n:o 748 zu vergleichen ist. — Im wörtb. 
n:o 305 stellte ich hö zu est. käve dünn fallender schnee, doch 
mit wenigen belegen. Budenz szöt. 1G3 findet lap. suavve dem 
magy. Jw st. hava = älter hova vollständig entsprechend, vereinigt 
aber hiermit noch das fin. est. suve nom. suvi, welches im fin. 
sowohl Sommer als auch „tauwetter im winter" bedeutet. Im 
wörtb. n:o 555 habe ich das letzte mit sv. lap. i>^uvvol „dampf bei 
Sommerhitze" vereinigt und auf einen mögUchen Zusammenhang 
mit f. savu rauch n:o 804 hingewiesen. Auch lap. öavadak, wel- 
ches Budenz szöt. 167 zu f. sltcJie und hü führt, gehört zunächst 
in die obige reihe, da im norwegischen dialekte das entsprechende 
sava-dak vorkommt, dessen erstes glied, mit dem angehängten 
nominalsuCGx-(2a^' vereinigt, ganz besonders dem magy. hava ent- 



120 

spricht. Es können doch alle aus der wurzel sap = sav y^sam- 
meln, sich zusammenziehen^ hervorgegangen sein, in welcher be- 
ziehung noch die n. lap. siev-l, siev-la-da-k „weicher schnee" mit 
SV. lap. souAe wasser auf dem eis, seb-la, säb-la tabes nivis, 
hah'le loser schnee, n. 1. sav-d Staubregen (aus derselben reihe 
wie magy. hob schäum wörtb. n:o 766) zu vergleichen sind. 

jurak samojedisch heisst hmva, hatia, hauwa bröckeliger 
Schnee. 

803. Fin. hü eis&chlacke, reif, schneebrei. — hu-Ul-ä, hü-pü-ä 
erfrieren, erstarren. — hu-tä frieren lassen, mit eis belegt werden. 
— hü't€'he noin. hmle = hü. — hü-hä-rö-i-se st. gelindes zu- 
frieren. — hü'tä-mö, hü-M-mi) mytisches wesen, der das frieren 
verursacht. — hü-hä kälte. — hü-h-mä, hü-h-mä schneebrei, mit 
wasser gemischter schnee. — hil-te-lte reif, nom. hüde. — Jm-de- 
ffu-a mit reif überzogen werden. — hü-r-te-he nom hurre reif, 
dunst = hü-r-te-lhc, — /m-ra, hü-ru dunst, dampf, nebel, thau, 
reif; Schwindel = h&tim. — hü-ro dampf = tmt-rü, — hü-r-to 
reif. — hü-r-tii-a mit reif überzogen werden. 

s7't€-he nom. sah Staubregen, welcher sogleich friert, schnee- 
schlacke. — st'tü'ä frieren, kalt werden. 

Vot ü eisbrei. — ü-h-mä = fin. hühm. 

Est. stlv-e-le-n erstarren vor kälte, erfrieren. — sür-r-nde-le-ti 
durch kälte schmerz empfinden. — hü-ht-n, hü-vi-n^ hü-hü-mä 
gerinnen, zu gallerte werden. 

Vo^". slf-a-lo frieren, kalt werden. — s^j-a-m kalt. 

Magy. hür-ä'S, hh'ä'S, hü-s kühl, hür-ö-s kühl, frisch. — 
hüv-ü'Uni, hü'Uni kühl werden. — hür-l-t-ni^ hS-tä-ni abkühlen, 
erfrischen. — hü-de-g^ hi-de-g kalt, frostig; kälte, frost 

Auf die von Aminoif, Suomi II, 9, 245, nachgewiesene iden- 
tität der fin. endung ehe mit einer ursprünglicheren ege hinweisend, 
und da lap. a mit fin. /, ü öfter wechselt, setzt Budenz szöt. 167 
das n. lap. dava-da-k = f. hü-tc-he. Dem letzten entspräche das 
magy. hu-de-gä, hi-de-gä, wie dem fin. jäntelie d. i. *jändege das 
S. Ostj. ßhuJex = magy. idegä, ideg. Obwohl dies alles fonnell 
vollkommen richtig ist, führe ich doch öava-da-k = sava-da-i 
wegen der näheren Übereinstimmung der bedeutung mit hnva und 
sevä zusammen. Magy. hitdogä steht hier für *hüv'de'gä oder 
*hä'd€'gä, wie aus hür-öSy hä-Uni hervorgeht. Auch die übrigen • 



131 

Wörter haben sich, wie Budenz bemerkt, aus einer form süve, sive, 
kihej Mve = hü, st entwickelt. Ich kann aber nicht wie B. mit 
stütze des votj. sij = st alle diese aus einem ugrischen s;;g;; als 
Ursprung hervorgehen lassen, d. i. eine wurzel säg, süg annehmen. 
Vielmehr lassen sich die hier in betracht kommenden Wörter 
(n:o 804 u. 805) auf eine wurzel sav zurückführen, die vielleicht 
ursprünglich dieselbe als sap ist. Diese auifassung gewinnt be- 
deutend an wahrscheintichkeit, wenn man noch die von Budenz 
nicht berücksichtigten fin. hü-de und hü-rre, hü-ru, ^hü-rre (neben 
kü-de) u. a. in betracht zieht. Lönnrot lex. 239, 260 verbindet 
alle die letztgenannten mit einander, und ein eigen thUmlicher 
Übergang sowohl in der bedeutung als in der wurzelform zeigt 
f. hü^ru reif, dunst, aber auch „Schwindel" = hou-ru = hov-e-lo, 
hqp-e^o aus würz, sap n:o 765. 

Wie ich in n:o 797 und öfter zu zeigen versucht habe, 
zwingt das vorkommen eines auslautenden j der wurzel keines- 
wegs zur annähme eines ursprüngUcheren g, im gegentheil wechselt 
j mit v, ü, i sehr oft in bildungen, welche sonst keine spur eines 
gutturallautes zeigen, wohl aber häufig eines labials. Zuweilen 
tritt der schwache gutturalspirans an die stelle , wie f. ih-o = 
hiv-iö n:o 801, und dieser Wechsel findet dialektisch im finnischen 
und sehr oft im estnischen bei erweichung eines dentals statt: 
f. sä'da, dial. sä-ja, sä-ha, f. sää-dä, dial. sü-vä. 

804. Fin. sav-u rauch. — sav-u-fa-n, sar-ü-n, sav-u-sta-n 
räuchern. 

Yapt. sav-u id. — sav-ti-sta-n räucheni. 

Vot savV'U rauch. — sarv-u-ta-n räuchern. 

Eit. sau gen. sawu rauch, qualm. — sau-fie gen. sau^e 
rauchig. — saw-u-fi rauchen. — saw-u-ta-n räuchern. 

Liv. souj souv, sau rauch. — sou-tö-, sau-tö- räuchern. — 
sow'i rauchig. 

H. lap. suov, SV. suov, suov-a, stiv-ol, uts. suov^v-a rauch. — 
n. SHOv-a-ste-t , sumj-a-da-tte-t , sv. snov-a-ste-t, snov-a-sta-tte-t 
räuchern, dim. suar-a-sta-ste-t, — sv. suGv-a-ie-t, snav-e-te-t fumare. 

M. Mord, suf'ta-n beräuchern. — Öer. se-M, sl-is rauch. 

Estn. sau-n-n „sich sammeln, sich bewölken, neblig werden" 
könnte auf einen Zusammenhang mit würz, sav, sap deuten. — 
Verbindung nach anderer richtung mit derselben wurzel, und zwar 

9 



122 

näher und natürlicher, zeigt liv. soutö, sautö ^räuchem^ neben 
liv. <mtö ^bähen, seihen", wie auch t savuta neben haulo, vgl. 
n:o 780. — Im wörtb. 610 leite ich f. huhta schwendenland ~ 
mord. siifta bäum aus einer würz, suh säuseln. Mord, suflau 
„beräuchem", verglichen mit den übrigen stammen derselben 
bildung (savuta, hauto u. m.), scheint doch eine bessere etymo- 
logie zu geben, nach welcher huhta ursprünglicher *huvta wäre, 
und sonach das durch räuchern, bähen, seihen hervorgebrachte 
bedeuten wtlrde. Dies stimmt vollkommen zu der art, in welcher 
ein schwendenland von alters her von den Finnen bereitet wurde. 
Neben huhta kommt auch huhta vor. 

Fasst man f. huh-ta, d. i. *huv-ta = '^suv-ta, als ein mit 
sav-u verwandtes wort, so scheint es auch sehr nahe zu liegen 
den namen eines theils vom Ost-Finland, nämlich Savo oder 
Savoti maa, als das „rauchige, durch schwenden rauchende land"* 
aufisufassen. Einem jeden Finländer sind die durch das häufige 
schwenden im sommer überall aufsteigenden rauchsäulen wohl- 
bekannt, und es lässt sich wohl denken, dass man diese benen- 
nung einer gegend, die sich dazu besonders passend zeigte, als 
stehenden namen gab. 

805. FuL sau-na badestube. 

Vot. sau-na. — est. saun, — liv. sona, L. ^a«, soun: fa 
leM sounö er ging in die badstube. 

H. lap. sav-ngodaUam goatte, sav-nga goatic (haus zum baden), 
SV. sav-gfw, enar. sav-ne badestube. 

Ahlqvist kult. 96, kulturwört. 105, leitet das wort vom fin. 
savu rauch, indem er als vollständige gestalt *savuna aufführt. 
Es wäre also eine lokativbildung, was mit der art des badens bei 
den Finnen sehr gut übereinstimmt. Anders Genetz, welcher 
sauna wie das russisch-karelische stoanu id. aus dem russ. stau 
„zufällige Wohnung im walde** herleitet. 

806. Fin. sai'ho Staubregen. 

Est soj-u-ta-n ein wenig regnen. 

H. Ostj. §ij nebel. — Vog. se-n, Sc-üy äe-nh, §e-h id. 

Budenz szöt. s. 265 vereinigt vog. sen, L. siehu, P. seh 
nebel, sengun nebelig, sepigm es dampft, setigtiK es nebelt, mit 



123 

N. Ofttj. ^oftJl* in derbedeutung: dunst, ausdttnstung, transpiration, 
I. Ostj. öetik hitze, heiss und magy. vg aer. Neben dem ostj. 
sank „schweiss*" stellt er dann f. hiki schweiss, welches wider 
eine nebenform zu f. henke sei; hieher gehöre auch f. haju aus 
Ä„(7, vgl. n:o 807. 



Wurzel Sajt 

N:o 807—818. 

Wechsel n. schwaehang: säi soj sij s7, 

hai hat hoi hei; hav hüf hap, 

cd aj vai oi cj ui rj 7 /. 
Steigerung: oai, 
Bedentnng: 

a) stinken, riechen, duften; geruch, geschmack n:o 807. — 
eiter, luder n:o 808. — bitter, schlecht, böse, schrecklich 
n:o 809. 

b) geruch, dampf, rauch; schwacher schmerz, beunruhigendes 
gefühl, bedauern, verlangen, sich sehnen; vorgefUhl, ahnung, 
bewusstsein, erwachen, verstand, geist, gehim, n:o 810—812. 

c) ahnen, schimmeni, flüchtiger schein n:o 813, 814. 

d) verbreiten, sich verbreiten; gerücht n:o 817, 818. 

807. Fin. haj-ti geruch, duft; urtheil, verstand. — haj-a-fa, 
haj^'ta riechen, duften. — hai-s-ta prces. haisen riechen, stinken. 
— hai-S't^-n riechen, spüren, bemerken. — Iiai-su geruch, ge- 
stank. — häi'ke-iä, häi-ske-rä rauchgeruch, geruch vom brand. 

Vot. ai'Se-n riechen. — Veps. hai-äe-n stinken. — hai-S geruch. 

Est. hai-ze-n stinken, riechen. — hai-z st. haizu geruch, duft, 
gestank. — hai-sta-n riechen trans., an etwas riechen, durch den 
geruch erkennen. 

Liv. ai-st-lu- riechen, geruch empfinden. — a/-.^M- riechen, 
geruch geben. 

H. lap. haf'Se-t, sv. hap-se-t pr. iMvsam riechen. — n. hagj- 
i'tj hqj'i'de-t, hav-si-de-t^ sv. hap-si-te-t, hap-so-t geruch ver- 
breiten. — sv. hap'S^ hap'Se-s, hap-se-m, halj-a, n. hagj-a, haf-se, 
af'Se geruch. 



124 

Sjrj. i'S geruch, gestank. — i-sa-la an etwas riechen. — 
i-sa-lö-m geruchsinn. 

Magy. l'Z geschmack. — l-zä-l-ni kosten, schmecken. — 
l'Zä'§ Schmeckhaft. 

In betracht der bei n:o 810 angeführten f. hai-ka u. f., welche 
nur nebenformen des liaju und Imisu sind, kann f. hcü-ke-rä nicht 
leicht von den übrigen getrennt werden. Lönnrot lexic. 267, 270 
verbindet dies wort mit f. häkärä brandgeruch, brunst und ver- 
gleicht dies mit f. luikara Stachel, zacke, reizung. Wenn diese 
Verbindung richtig ist, muss also die hier gegebene wurzel saj 
aus saJc entwickelt sein, d. h. dieselbe wurzel, welche ich oben 
wörtb. n:o 572—586 mit der grundbedeutung „zackig, spitz** auf- 
geführt habe. Fin. häk-ä gestank, stich wörtb. n:o 586 = magy. 
sag = SV. lap. hagg-o-t geruch von sich geben wären nur neben- 
formen der obigen. Die lappischen Wörter können sowohl aus 
der wurzel sak als sap erklärt werden, indem hap-se-t, haf-se-t 
wohl aus hak-se-t wie sv. lap. vuopse, n. vuofse aus fin. vüksa 
durch Übergang des k zu p hervorgehen kann, in welchem fall 
auch hagjü eine spur des ursprunglichen gutturals aufbewahrt 
hätte. Indessen ist auch der entgegengesetzte entwicklungsgang 
zu berücksichtigen, bei welchem aus haj durch lautverstärkung 
hagj ::= hadj wie im ungarischen sich leicht herausbildet. Für 
die letztere auffassung scheinen die syrj. magy. Wörter sprechen, 
in dem syij. i-s =: f. hai-su wie syrj. bi feuer = f. päi-rä sonne, 
tag, pai'Stü brennen; magy. 7/ = {. jou-sc bogen, mag)', l-z = 
f. jä'Se-n glied, gelenk. 

Im Magyar Ugor szötar s. 265 erklärt Budenz f. Aa/w, wie 
haise- und hmsu aus dem verbalstamm //„</-, welcher unter ande- 
ren den Ursprung des fin. henke athem, hauch, leben, hönkä lufl- 
hauch, honka flehte, magy. sag geruch u. s. w. sei. Vgl. wörtb. 
n:o 340 u. 586. Ich bleibe bis auf weiteres bei der wurzelgestalt 
saj stehen. 

808. Fin. hai-s-ka^ hai-s-kii = lüi-s-ka leiche, luder, abschaum. 
Sv. lap. .sr/7, säj-a eiter. — säj-a-k voll von eiter. 
Syrj. soj leiche, lader. — penn. id. 
M. Mord. s7, ers. s'i eiter. — s/j-a-v eiterig. 
H. Ostj. s'ij'ta faulen, verwesen, eitern. — s/j-hn verfault. 
Vog. säj eiter; stinkend. 



125 

Die hier zusammengestellten Wörter gehen aus der Vorstel- 
lung „stinkend" hervor. Das tin. häska ist wohl Stammwort des 
verbums häska-ta „verderben, zerstören, verpfuschen, verschwen- 
den", wie haiska zu hmska-ta „zerstreuen, herumwerfen**; sie 
werden daher gewöhnlich als „weggeworfenes" aufgefasst, vgl. 
n:o 817. Indessen hindert nichts die genannten auch in activer 
bedeutuug aufzufassen, also die „geruch, stank verbreitenden". 

Vielleicht ist auch mag)-, säi-kä sumpf, m. mord. säi sumpf, 
morast, ers. Öci nasse wiese, dej-e-da-lks morast zu den übrigen 
mit grundbedeutung „stinkenden ort" zu verbinden. 

809. Pin. häj'üy hälj-ü schlecht, böse, gemein. — häij'ü'lä'i- 
ne-n böse, abscheuliche person. — häi-ki-ö böser geist. 

Yot öj-e4a schlecht. 

8v. lap. Aö/'-o arm. — hüj-o-s, häj-e-s id. 

Ers. Mord, aj-o^n abscheulich, widerlich, ungerecht. 

^r. qj-e-m erschrocken werden. 

Kagy. ij-ä-d-ni erschrecken. 

K. Vog. xaj'C'V schlecht, feindlich. 

Ich fasse die obigen Wörter als entwicklungen aus der Wahr- 
nehmung eines bitteren, unangenehmen geftthls. Formell verhalten 
sich f. hai-m: magy. l-z ^zz f. hüj-ii: magj'. //-ä-. — Im wörtb. 
n:o 341 habe ich Mjü mit vog. xajev verbunden, dort aber keine 
etymologie angeben können. 

Was den Übergang der bedeutung im magy. ij-ä-d betritil, 
hat er seine analogie im f. häi-kä etwas die äugen beschwerendes, 
etwas erschreckendes. 

810. Fin. hai'ka schwacher geruch, dampf; unsicheres gerlicht. 
— hai-ku schwacher, unangenehmer geruch, dampf; bitteres, be- 
unruhigendes geftihl. — hai'ke-a, hm-ki-a bitter, schwer, kläglich; 
scharf, streng. — hai-ke-ra id. vgl. häi-ke-rä n:o 806. — hai-ka-ra 
unwohl, krank. — hai-ki-sc-n erbitteni, betrübt machen. — hai- 
ku-a pr. haijuH oder haikun riechen trans.; vermissen, verlangen, 
sich sehnen. 

Veps. halk-e-r pl. hai-k-ra-d rauch, dampf. 

Est. hai'f/e krank, schmerzend, leidend; schmerz, kummer, 
schade. — hai-ge-nc-n krank, leidend werden. — hai-yc-sta-n 
klagen. — hai-gu-s krankheit, kummeVt 



136 

Kagy. saj'O-g-ni, Saj-ya-ni subdolere, schmerzen, brennen. — 
saj'ijö schmerzend, beissend. — Baj-ga-t-ni schmerzen verursachen; 
ahnen. — Si-ka-t-ni an etwas schmerz empfinden. 

Ost), ai'^a^ oi-da sauer. 

Budenz szöt 336 verbindet magy. äajog-, Stkat-y iajnal- und 
iajol' mit f. haiku, haikea, est haige und fasst Sajog- als fre- 
quentativform eines grundverbums Saj- „dolere, weh thun"^. Wie 
nahe diese auifassung mit der hier entwickelten Übereinstimmt, 
liegt auf der hand. Wenn er aber, die älteren stufen weiter ver- 
folgend, f. haige- aus einem früheren ^hange- und dies aus einem 
ugrischen ^„n^„ hervorgehen lässt, finde ich dafür keine hin- 
länglichen beweise. Es kann wohl richtig sein, dass das suffix 
'Hg (nk) zuweilen den nasal verliert und der vorhergehende vokal 
als ersatz mit / verlängert wird (aika =: atJca-ra dttrfte doch 
kaum gesetzt werden können), hieraus ist aber nicht erwiesen, 
dass der veimuthete ugrische stamm s^ng^ dolere sich durch 
ersatzdehnung zu f. Imiku und durch einfachen Übergang des ij^ 
zu j, wie magy. /o/ä = /o = ugr. p:;ng\; (f- P^h im magja- 
rischen zu sajog verändert hätte. Man müsste nämlich dann die 
magy. nebenform Bajga- als ursprünglich = *$angaga auffassen, 
während das auffallend nahe liegende finnische wort haika nur 
einfach mit einem *Jiatiga = *sawja identisch wäre. Ich setze 
daher f. hai-ka =^ *iiai'ka = magy. äaj-ga, und finde für diese 
auffassung vielfache stütze in den folgenden nummem, wo das- 
selbe Wurzelelement saj mit anderen suftixen verbunden auftritt. 
— Das syrj. Bog leid, kiuumer. gram. votj. Bug traurig, betrübt, 
welches Budenz in Verbindung mit diesem a^ng^ stellt, habe ich 
oben n:o 582 zu f. bitkkn zerquetschter zustand geführt; B. hat 
das letzterwähnte mit magy. sakadni rumpi verbunden. Sie schei- 
nen alle zusammen zu gehören. 

N. Ostj. oi-ga sauer gehört gewiss hieher mit ähnlicher Ver- 
änderung der bedeutung wie ers. mord. cap-a-fno sauer, bitter, 
scharf n:o 773, aus derselben wurzel .va/> spitz, die in den num- 
mem 746, 747, 749 hervortritt. 

Ganz eigenthümlich ist die nahe ttbereinstinmmng des f. 
kai-ka mit n. ostj. aj-k gerücht = das was sich verbreitet, s. 
n:o 818. 

811. Fin. säi-ii'H schmerzen. — häi-kä etwas was die äugen 



127 

beschwert, etwas erschreckendes. — häi-cä häutchen im äuge; 
hechtangel. 

■iigy. Saj'la-fii, Saj-o-l^ii bedauern, bemitleiden. — saj-Jo-tt 
geplagt. 

Im Mag}'ar Nyelvör II, 425 werden die formen scyla-, sqjol- 
aus Alfold angeführt. Budenz szöt. 336 stellt sie neben saj-näA 
zu f. hai^u, s. n:o 810 und auch folg. nununer. 

812. Rn. hai-no-n sich sehnen, nachstreben. — hai-no das 
sehnen. — hai-fw-e-le-n freqvent. 

Eft. ai-ne schmerzhaft; vgl. hai-ge krank, schmerzend. 
Magy. saj-nO-l-ni bedauern, bemitleiden, sich leid sein lassen. 

Budenz szöt. 336 fasst saj-nä-l als eine freqventativbildung, 
die durch dissimilation aus sajAä4 entstanden sei und also mit 
dem in vorhergehender numiner aufgeführte saj-la identisch wäre. 
Was die etymologie betrifft, föhrt er sie beide mit f. hauhn zu- 
sanmien. Dass aber auch f. Ihai-no- mit dem letztgenannten aus 
derselben wurzel entstanden ist, beweisen die bedeutungeu: ver- 
langen, sich sehnen. Ich linde es daher berechtigt, das sufBx -na 
auch für die hier betreffenden verbbildungen in der gemeinschaft- 
lichen finnisch-ugrischen periode anzunehmen, wenn auch l mit n 
sehr oft sowohl im suflixe als sonst abwechselt: f. aino = ailo =- 
ainüy aiJa, 

813. Fin. hai-nut-n schwachen geruch verbreiten. — hai-mi 
st. hainve schwacher geruch, duft, ahnung, flüchtiger schein. — 
hai-mi'O id. 

Vepi. hoi-ve-tö-i-n gefühllos. — Vot. ai-^mo dunst (schwed. os), 
8t. lap. hei've schein. 

Penn, saj-mi-ni erwachen. — saj-mö-m das erwachen. — 
saj-mö-t-ni erwecken. 

Vgl. n:o 814. Das veps. hoivetöin setzt ein *koi'ce „geftthl" 
voraus, welches sehr nahe mit f. hai-me übereinstimmt, dasselbe 
suffix aber wie lap. hei-rc hat. In den auseinander gehenden be- 
deutungeu ist eine leichte Wahrnehmung, Sensation überhaupt das 
vermittelnde band. 



128 

814. Fin, ai-nw-ta-n schimmern, dunkel leuchten. 

Est. ai-ma-n undeutlich schimmern; ahnen, meinen, bewusst- 
sein haben. — ai-m gen. aimu Schimmer, schwacher schein. 

Es ist nicht leicht möglich est. ai-tna-n vom f. hai-me 
„schwacher geruch, duft, ahnung, flüchtiger schein"" n:o 813 zu 
trennen; die bedeutung „bewusstsein haben*" führt ebenso leicht 
zum penn, saj-mi- erwachen, d. i. bewusstsein bekommen, das- 
selbe welches in est. aim Schimmer und oi-m verstand u:o 815, 
oder überhaupt: „Wahrnehmung, empfindung"" sich kund giebt. 
In nummer 816 ist derselbe giiindbegriff mit anderen Suffixen noch 
weiter entwickelt. 

Bei n:o 826 sind f. Awom-a-n wahrnehmen, erwachen, hav-chn 
id., ham-ä-n wahrnehmen, ahnen, und noch f. häm-o-tan schwach 
schimmern, scheinen, leuchten n:o 827 zusanmuengestellt. Vgl. 
die genannten nummem. 

815. Fin. ai'vo, dialektisch ai-tm gehiiii, Scheitel, schlafe; ver- 
stand, gedanke. — aj-u gehirn, verstand, urtheilskraft. — aj-u-a-n 
fassen, begreifen, verstehen. — aj-a-tte-le-n = ä-tte-le-n denken, 
überlegen, nachsinnen, sich vorstellen. 

Veps. ai'vo nom. aiv mark, gehirn. — aj-a-te-le-moi sich be- 
sinnen, denken. — aj-a-tu-s gedanke. 

Vot. aj'ii mark. — üj'a-ttC'le'n denken. 

Est. aj'ti gehirn, verstand. — aj-ii-n sich über etwas auf- 
halten, wundern, missbilligen, übel nehmen, — ai-mii nom. oim 
verstand. — oi-d gen. oju id. — ui-d gen. tiiu gedanke, einfall. 

Liv. vai-nw nom. raim geist. 

H. lap. oai'vve, sv. oi-ve haupt, gehirn. — n. cuoi-ha-s gehiiii. 

M. Mord, ui mark, gehirn. — ers. oi-me athem, geist, seele. 

Wie f. hehhi hauch, luft, athem, geist, leben wöitb. n:o 340 
mit f. häkä^ hökä gestank = magy. sa(/ geruch n:o 586 aufs 
nächste verbunden ist (Budenz szöt. 270 vereinigt hetikl mit 
sag u. a.), so haben sich auch hier die begriife: „verstand, ge- 
danke, geist'" und dann „gehirn, haupt, mark"" aus dem mehr 
sinnlichen „geruch empfinden"" entwickelt. Dies geht zur evidenz 
aus dem fin. wort k(yu n:o 807 hervor, welches nicht nur die 
ursprüngliche bedeutung „geruch, duft"", sondern auch die mehr 
abstracte: „urtb^il, verstand"" hat. Dies wort ist durch den nicht 



139 

seltenen abfall des anlauts zu aju geworden, wie f. halsen = vol. 
(dsen ist. 

Ganz in derselben weise wie die obigen entwickelt sich f. 
löülä dampf, dunst = est. leä dunst, dampf, athem, leben, liv. 
lad hauch, geist u. a. siehe wörtb. n:o 571. 

816. Fin. sai-so-ta-n gelinde schmerzen, Vorgefühl einer krank- 
heit geben, vorbedeuten. 

Est oi'd gen. oju verstand. — ui-d gen. um gedanke, einfall. 

Syij. sai'da verständig. — Vo^'. saj-ka-lo erwachen. — saj- 
horto^ sqj'Sto aufwecken. 

Magy. äaj'di't'm kleinen schmerz empfinden, ahnen, muth- 
massen. — ^äj-di-t-ni, Säj-tä-ni ahnen, muthmassen, Vorgefühl 
haben. — i^j-te-Sj Säj-dä-lü-^n, säj-lä-t ahnung, Vorgefühl. 

Aus den wechselnden formen säj-dä-lä-m m säj-lü-t, welches 
letztgenannte einen verbalstamm säj-lä ~ sqj-la zu f. säi-li 
„schmerzen^ voraussetzt, ergibt sich die wurzel saj^ aus der auch 
f. scUsotan als ein denominatives factivum gebildet ist. sai-so 
entspricht nämlich ganz dem in n:o 807 angeführten hai-su „ge- 
ruch, gestank", und das damit nahe verbundene fact. hai-s-ta-n 
„riechen, spüren, bemerken'' zeigt sich sowohl nach form als auch 
bedeutung als eine nebenbildung des sai-so-ta-n. 

Für Magy. Säj-dä, saj-di findet man entsprechende bildungen 
im syij. sai'da und est. oi-d. Betrachtet man also die verschie- 
denen Verzweigungen der hier behandelten wurzel saj i= Äq;, so 
vertheilen sich die hauptgruppen wie folgt: 
suflf. a, u: f. haj-a-ßa), haj-u, liäj-ü, 
„ ka: f. hai-ka^ hai-ku, häi-kä, magy. saj-ga, ostj. oi^ga aj-k. 
„ ka-ta, ke-ta: est. hai-ge-da, f. hai-ke-a, syrj. saj-ka-to, 
„ jfco-ra, ka-la: f. hai-ka-ray hai-ke-^ra, veps. hai-ke-^r, syrj. 

saj-ka4o, 
^ S'kUy S'ke-ra: f. Imi-s-ka, häi-s-ke-rä. 
^ ta, da: syrj. sai-da, magy. äaj-di, ^äj-dä, est. oi-du, 

ui'du, magy. ij-ä-d. 
^ ma: f. hai-ma, hai-nie, syrj. saj-fnö, sc^-ml, est. ai-ma, 
ai-mii, oi-mu, f. vot. ai-mo, m. mord. oi-me, Cer. oj-e-m. 
«, va: f. Mi'Vä, ostj. xa^-e-v^ veps. hoi-ve (töin), lap. hei-ve. 
.. na: f. hai-no, magy. saj-na (4), est. ai-ne, ers. m. aj-o-n, 
., ra: f. hai-ra, häi'ri'(tä). 



130 

suff./a; magy. §aj-la, Säj-lä, f. säi-li, vot. öj-e-la. 
„ 6a und sekundär-suffixe : f. hai-su, veps. hai-S, vot ai-se, 
liv. ai-äu, f. sai'SO'(ta)y syrj. saj-s-ßo)^ liv. ai^S'(t4u), 
syrj. isQ'O'd), magy. t-zä-ß). 
Ob das von Budenz früher szöegy. 322 mit magy. Stgdltam 
verbundene f. Juiv-a-ja-n ngewahr werden, erwachen", hieher zu 
rechnen ist, lasse ich unentschieden. Der lautwechsel j = v ist 
bekannt und könnte hier noch, um Wechsel mit f. haj-o-a-^ dis- 
pergere zu vermeiden, hervorgerufen worden sein. 

817. Fin, haj-a ausgebreiteter, verbreiteter, zerstreuter, zer- 
brochener zustand. — haj-o-a-n verbreitet, zerstreut werden; sich 
verbreiten, zerstreuen, zerbrechen; verfallen. — hai-s-ka das zer- 
streuen. — hai'Ska-ta zerstreuen, herumwerfen. — hai-ra das 
irren, verirren, fehlen. — hairra-ta nach etwas haschen, verfehlen, 
unsicher thun. — hai-ra-htä unversehens sich verirren, fehlen, 
gleiten, ausgleiten. — häi-ri-tä stören, beunruhigen, verwirren. — 
hai'htä, hai-htu-a verwirren, zerstreuen, verflüchtigen, verdunsten 
lassen. — hai-like-ta pr. haikkenen abnehmen. — häi-ke-tä pr. 
häikefien sich hemmen, abnehmen, sich beruhigen, zerstreut werden, 
verschwinden. 

Veps. haj-O'ta-n verlieren. 

Sv. lap. häi-re-t, Mi-re-te-t verändern. 

Syq. Soj't'Sa sich beruhigen. — ^oj-t-Se-da beruhigen. 

Ostj. sai-ye-m herum gehen, wirr werden. — ui-de-n breit. 

Wie lap. so(j(j-0't evauescere, „zu nichts werden, brandge- 
ruch bekommen" sich aus der Vorstellung ,,geruch, dampf" ent- 
wickelt hat, vgl. Budenz szöt. 270, so bilden sich hier besonders 
im finnischen eine reihe Wörter, welche denselben entwicklungs- 
gang zeigen. Auf mehr abstractem gebiete geschiebt dies an den 
Wörtern der folgenden nummer. 

818. Fin. hai'ka schwacher geruch, dampf; unsicheres gerttcht. 
Öer. oj wort, rede. 

N. Ostj. aj'k gerttcht, ruf. 

Aus dem begritf „sich verbreiten" entwickelt sich sehr leicht 
„gerttcht" = das verbreitete, verkttndete. 



131 

819. FiB. sm4ä schwertklinge, schneide. — säi-lä-hdä-n glim- 
men, sich schnell bewegen. — sei-ka-ha, sei-ke-he nom. sei-ja-s, 
seines klar, wolkenfrei. — soi-mu flamme, lohe. — sai-mü-n 
flammen. — sai-ni-o, sai-cu fackel. — sai-vo glänzende stelle 
im See. — Vergl. soi-mu beschuldigung n:o 797. 

Eft. häi'li-n glänzen, funkeln; trans. schleifen. — soi-d-ra 
nom. soi-de-r: mere s. offene stelle im eise auf dem meere. 

8v. lap. sai-v, sai-va heilig. 

Syij. H lanze, pfeil. — V0I3. §i lanze, spiess, Stachel, schwert. 

öer. äj-e-p funke. — äj meissel. 

Die herleituug der hier zusanmiengestellten Wörter ist schwierig. 
Einerseits hat man die naheliegenden m. mordv. si, ers. 6i sonne, 
tag, welche zunächst aus einer wurzel sii, si „brennen, leuchten" 
hervorgehen vgl. wörtb. n:o 618, und welcher auch die einheimischen 
benennungen des silbers beideuWolgavölkem anzugehören scheinen: 
m. mord. ^/'ä, sijä^ ers. &ija, cer. ^, wenn nicht das wort eine 
erweichte gestalt der wurzel sal, sei = „glänzen'* ist, welcher 
sich die Ostjaken in sel-vo% benutzt haben, Ahlqvist kulturw. 67, 
verf. wöitb. n:o 709. Dies scheint noch durch eine menge anderer 
Wörter, in welchen die bedeutung „glänzen" mit „schweben, in 
leichter bewegung sein" abwechselt, so: f. hai-ha-n schweben, 
sich leicht bewegen, luil-la-ta-n , Jm-la-ta-n, liei-lä-n schweben, 
wehen, schwanken, säi-häütän schwingen, schleudern, häi-lü-n 
schwanken, flattern, welches fonnell mit est. äi-lu-n schaukeln, 
aber auch mit Mi-li-n glänzen, funkeln ttbereinstimmt. Die zweite 
bedeutung des letztgenannten verbs: „schleifen" führt zu einem 
vergleich mit f. hij-on^ hiv-an = lap. sai-je-t cote acuere wörtb. 
n:o 788. 

Budenz szöt. 374 setzt für mord. H sonne, tag, magy. Sü-Uni 
intr. backen, braten, sü-t-ni id. trans., f. si-n-tä von ferne schim- 
mern, schwach erscheinen, si-me-kse diluculum, K. vog. sa% sonne, 
Sonnenschein, ein „ugrisches** stammverb t;;g' lucere, splendere 
voraus. Für f. suaja, magy. tavas^ N. ostj. tov'i^ syrj. Ud'ii frlihling, 
5er. sokso calidus, sowie eine menge andere, wie f. sumi gönnen, 
sütun unwillig werden, lioMan splendere, Jiokkua flammen, glänzen, 
savi argilla u. s. w. gibt er einen in vielen Verzweigungen hervor- 
tretenden stamm f„6- calere, ardere, splendere s. szötär 205 anm., 
und schliesslich für f. hijon, hivofi schleifen, glätten, mord. So van, 



iiiagy. s'ik u H. w. eine uyrische giuudfona a„y- (■■i„g,.-) szöt. 353. 
Nach unserer wurzelbezeichnung wären dies etwa die wurzeln tak 
(uiodif. tüg), iap (modif. t(A) und saic (sag). 

Die zweite verwandschaftsreihe für f. säUä, est. }uiiUn u. f. 
scheint sich aus einem vergleich mit f. säihkün, säihkän knlBtern, 
funkeln, blitzen, säitkiä pr. stihin prasseln, funkeln, säkä funke, 
sffkenen bedecken, hüllen, glimmen, schimmern, sakthe nom. säcs, 
a<k, säje funke u. a. zu ergeben. Vielleicht könnte man die ver- 
sfhietleneu wurzeln und Wortbildungen der n:o 587 — 602 des Verf. 
wörterb. auf eine gemeinschaftliche wurzel sah (säk) zurückfuhren, 
mit der grundbedeutung : „sich zusammenziehen". AufFiülend ist, 
dass f. säkä sowohl „erhöhung auf den schultern" als „funke" 
bedeutet, wie sä&enen, säkSti „in einen häufen versammeln, hüllen, 
bedecken" und „glimmen, schimmern, flimmern"'. Die zweite be- 
deutung könnte sich aus der momentanen erscheinung entwickelt 
haben. Hält man aber die zwei bedeutungen aus einander, ohne 
etwa die letztere auf würz, so (sü, ni) wörtb. n:o 618 zu bezieben, 
so bekommt man die w. s<Jc „glänzen, funkeln". Aus dieser ent- 
wickeln sich f. sähk-i-ä wie sä'Jtk-ä-n durch eine art lautver- 
stärkung, die nicht ganz ungewöhnlich im flunischen ist. Es 
werdeu uänilich li und l, zuweilen auch u, ü vor k eingeschoben : 
f. suh-a-ja-ii, suih-ki-n, mag}'. Suh-o-g-m wörtb. n:D 609; magy. 
mVA, s3k = f. tioukka, soikka (u. weiter noch f. hoikka, hoüikaj 
ii:o 597; magy. sätf-S-ü, Iap. siü/ffe == f, heikko n:o 598; magy. 
.iiiyär, f. suike-ra n:o 596; magy. Itökk-ä-n-ni =: f. saikk-ü-ä. 
säiikk-ü-a n:o 581, so auch f hoihata = hoi'Jikata, huikata = 
huUikata, kaik» ^= kaüiku, sogar vor d, t: f. hoidc =z hoUt^e, 
luritdcn =^ lioihtelen, und wie es scheint vor wi: hämo =: lidiimo. 
ßudenz fasst i als crsatzdelmung des vorhergehenden vokals für 
einen verschwundenen nasal auf, so dass im finnischen „ig fUr 
ursprtlnglicheres „ng stände, daher z. b. tin. suUtera = älteres 
*tiuHgera sziit. 368, f. reikä foramen, apertura = f. rmke Status 
apertus, f. aika adj. indecl, ausgewachsen, völlig, tüchtig = f. 
ntika-ra stark, tUchtig, eifrig, f. ai-ko-a mente moliri, pnemeditaii 
= magy. agg- besorgt sein, sich um etwas kUmmem, szöt. 336. 
Ich halte doch die letzteren noch etwas unsicher, und was die 
herleitung der in gegenwärtiger numiner zusanmiengestellteu Wörter 
aus einer wurzel sak od. nang betrifft, so gibt es, ausser svijts, 
gar keine spuren eines wurzelhaften /-, (g, wie B. will), um das ( 
als ei'satzdehnung für das verschwundene n auH'asseu zu können. 




A 



133 

Zu f. säkä flinke gehört magy. sik-ra funke; vgl. tungus. 
sakägan blitz. 

820. FiB. saitta spiess, Stange, pfähl. — saikka stange, netz- 
stange. 

H. lap. saittey sv. saite spiess. — scdtta pertica. 
H. Ostj, Sojt Stange. 

Ahlqvist kulturwört. 239 betrachtet saitta als genuines wort 
und zwar benennung des ältesten spiesses, welcher eine zuge- 
spitzte Stange aus irgend einem festen holze war, wie man sie 
vor nicht langer zeit bei bärenjagden gebrauchte. Diese auffassung 
seheint das ostjak. wort zu bestätigen; f. saikka ist wohl durch 
einfachen lautwechsel entstanden, oder es gehört derselben reihe 
wie £ saikara ruthe, säikkä Sandbank, düne, haikka, haikale land- 
spitze, erdzunge, sailuke schmale erdzunge, häikkä sanddttne, lärm, 
rasseln, vielleicht noch säikä kleiner zwirn. 

821. Fin hopea silber. 

&11M. Karel. hohie, Olonetz hohiu, 
Vaps. höbed. — Vot. opea, öpea. 
Est. höbey hÖ2)e st. höbeda, höpeda. 
Liv. Öbdiy ühdi, 
Oslj. bei Lumpokolsk: uppuh silber. 

Sjögren Ges. Sehr. I, 634 vergleicht die finnischen formen 
mit dem persischen scpid weiss, kurd. sif und hält die mordv. 
sia, J5er. ft, §ii als verstümmelte reste desselben wortes. Vgl. 
oben n:o 819 anm. — Ahlqvist kulturw. 67 scheint das wort als 
genuin zu halten; er macht darauf aufmerksam, dass sich die 
west- und ostfinnischen Völker in der benennung des Silbers streng 
von einander unterscheiden. Die letzteren brauchen votj. azvei, 
syij. eziS, magy. äzü§t, welches wort auch in den vogulischen 
benennungen des bleies atves und des zinnes qaim-atveS ange- 
troffen wird. — Da „blei, zinn" im jurak samojedischen hübf 
heisst und dies wort sehr nahe mit der finnischen urform *hobeda, 
*hqp€ta übereinstimmt, so scheint dies alles auf eine sehr alte 
bekanntschaft der finnischen Völker mit diesem metalle zu deuten. 

Im ostjak-samojed. sebandessa vermuthet Castren ein lehn- 
wort aus dem russischen sviAets. 



134 

Um eine etymologie zu finden könnte man das magv. §äp 
blässe, mp-a-d-ni, süpp-a-d-ni blass, bleich werden, säp-ä blond, 
weiss, falb vergleichen, dabei der verbstamm mpad vortrefflich zu 
Iwpeda stimmen würde. Da doch meines wissens jene Wörter auf 
finnisch-ugrischem gebiete etwas vereinzelt stehen, wage ich nicht 
den vergleich. Budenz szöt. s. 189 setzt f. Aop^-^-o^ -3 hov = 
einem ugrischen f„r- splendere lucere, einen stamm, den er fttr 
viele Wortbildungen (vgl. wörtb. 819 anm. und 826) als ursprüng- 
lich annimmt, wonach die benennung sich also ähnlich entwickelt 
hätte wie lat. argentutn^ agyvQog -= skr. rajatam silber, raJcUas 
weiss aus würz, raj = opy glänzen. Wenn aber auch eine wurzel 
SU, 8. Verf. wörtb. 618. oder sav angenonmien wird, so folgt 
daraus doch nicht, dass sie aus tav hervorgegangen wäre; fttr 
den dentalen anlaut spricht meines wissens nur das von Budenz 
berücksichtigte magy. ictvas = ostj. taii frtthling, die er mit f. 
suqja vereinigt, vgl. wörtb. 780 f). 

822. Fin. häpa gen. hävan espe. — hav-i-kko, häv-i-sto espen- 
wald. — häpio espener kahn. 

Vop«. häh, — Vot. äpa espe. — äpa-sikko espenwald. 
Est hob espe. — hah-ja-s gen. häbja; hab-ju kleines boot, jolle. 
Liv. ohös, st. oho; ob, ab, L. ab espe, pappel. 
H. «V. lap. suppe, en. supe, utsj. suppi espe. — sv. Aapi boot. 
Öor. sop-ke^ §ap-ki espe. 

Ostj, qäp boot, kahn. — Vog. kZp id. — ostj. qäp-jh^ vog. 
Icep-jiv espe, eig. bootholz. 

Ahlqvist kult. 149, kulturw. 165, hält die benennung für boot 
älter, woraus sich die des baumes entwickelt hätte. Die ent- 
gegengesetzte entwicklung vom namen des baumes zu dem daraus 
gemachten gegenständ scheint im ostj. poi, pai „espe", aber 
auch „seitenbrett eines bootes'', vorzuliegen. Im türkischen und 
tatarischen heisst boot kebe, die Ostjaksamojeden benennen die 
eberesche saipa, saitpo, saiba. In Finnland wählt der bauer noch 
immer geiii das leichte holz der espe, wenn er kähne macht. 

823. Fin. smira gesellschaft =z seuro, sepro, — seurü gefolge. 
— smro-n rasch folgen. — smrä-n folgen. 

Vot. söbra fieund r= est. söbcr, 
Liv, söbbörs kamerad, freund. 



135 

Sv. lap. s^e, säbre gesellschaft, n. särvve, en. säiTe. — 
SV. sebret participem esse. 
M. Mord. Sah-a nachbar. 

Formell ist diese bildung dem sapra n:o 794 identisch. Mit 
Ahlqvist kulturw. 218 halte ich aber das lit. sehra-s gefährte, 
theilhaber an einem geschäft fUr original des livischen wortes, da- 
gegen finden die ttbrigen formen ihre erklärung aus dem kslav. 
scbru bauer = serb. croat. sehar^ Miklosich lex. 834, = russisch 
im pleskauischen iahra freund, kamerad. Fick wörtb.* 195 ver- 
bindet die kslav. litt. Wörter mit skr. sahM gemeinschaft, Ver- 
sammlung, ahd. sippi^ sihbi, verbündet, verwandt, d. sippc bluts- 
verwandten u. a. Was aber diesem lehnwort ein gewisses Interesse 
verleiht, ist dass es ausser den finnischen sprachen an der Ostsee 
nur bei den Mordvinen vorkommt. Dies ist auch bei vielen 
anderen lehnwörtem der fall. 



'. .'^ -N^ ■•. -. 



Wurzel Sam. 

N:o 824— 85L 

Wechsel n. Bohw&chimg : sam säm som zom söm zöm sum 

sunt sim 

sam zam öam Säm zom $om §öm ^öm Sum Sem §im zim. 

Jiam häm hom hum hüm hem him. 

oni um am im. 
Steigerung: säm §äm som suom öuom scm zem siem. 

Mm Iwni huom him, 

am dm uofn, 
Bedeutiing: a) trüb, duukel, trüben, verdunkeln, n:o 824, uebel 

831; — mischung, dämmenmg, duukelroth, schwarz; morgen, 
schwach leuchtend, schatten, gestalt, antlitz 825 — 827; — 
Schimmel, rost, schwarz 828, schuppe, linde 829, bekleiden 
830; — feucht, sumpf, wiese 832. 
h) begierde, trieb, verlangen, hunger, durst 834; — trunk, 
trinken, meth, milch 835; — schwacher geruch, riechen 836; 
— fahrt, schritt, streben, beschäftigung, arbeit, eile 837; — 
sehr, all 838; — heizen, entzücken, lüstern, süss, lieb- 
lich 839. 

c) gemisch; Verwirrung, Verlegenheit, trüben, erstaunen, ver- 
stecken, begraben 842; — trüb, traurig, verzagt, dehmüthig, 
ernst 840; — unbeholfen, narrheit 843; — flüstern, stolpern, 
stumm, lahm, hinken 844; — moos, sand, menge, zahl 845 
bis 847; — zusammenpressen, schrumpfen, gedrungen 848, 849. 

d) sausen, geräusch, getöse machen, zanken, streiten 851. 

Bei einem vergleich mit der wurzel sap n:o 746 — 795 zeigt 
sich an verschiedenen nummem eine sehr nahe Übereinstimmung, 
so besonders : f) mischen, verwirren, verworren sprechen, flüstern, 
stottern 765, 766, e) zusammenziehen, verbergen 754, 780, 
o) sammeln, trüb, dunkel 794, 795; ja die ginindbedeutung dieser 
Wurzel: „zusammenziehen** kann eigentlich auch für sam als die 
allgemeine angenommen werden. Besonders sind die n:o 765 und 



137 

843 := „verwirre»,- mischeir* sehr schwer von einander zu scheiden 
und man möchte sogleich den stamm *sampa^ sanibla, sompelo^ 
sommdo, sumbi-a u. a. als bildungen aus einer mit nasal er- 
weiterten Wurzel samp ansehen. Indessen kommen, wie bei 842 
näher erörtert wird, viele bildungen vor, die unmittelbar aus der 
wurzelform sam hervorgehen und in keiner weise von den übrigen 
getrennt werden können. Ich nehme daher eine sekundäre aus- 
bildung mit labial sufifix an, die auf finnischem gebiet physiologisch 
noch mehr begründet ist durch die neigung einen auslautenden 
labial durch verwandte laute zu verstärken: sumii. = sohmo u. s. w., 
eine erscheinung welche auch Budenz theilweise anerkennt: f. ^wm, 
tum durch lautverstärkung = summ, tumm. 

Budenz szötär 309 u. 292 stellt für die dort behandelten 
f. sumu, stimea, magy. somcyrü u. f. himm, hämü, hämärä,, syij. 
Wi», mord. sämen, cer. semc u. s. w. vgl. wörtb. 824, 825, 840 
einen ugrischen stamm .v„iw- = /„w- auf, den er im f. tumma 
fuscus, haud clarus, iummava subfiiscus, est. iumeda w. turne 
unklar, dunkel, trübe, glanzlos wiederfinden will. ¥.r führt die 
parallele weiter: f. sammu- verlöschen (durch lautverstärkung und 
später assimilation aus sjmi- entstanden) = f. tummene- obscurari, 
^sich verdunkeln" und „erlöschen". Zu diesen führt er auch f. 
home, sammalc, est. aamme. Bei magy. zi^mok robustus, welches 
Budenz szöt. 335 mit f. tuma, tüma aus einem /„.</- valere her- 
leitet, ich aber wörtb. 849 zunächst mit mord. mmhra gesund 
und mit der gegenwärtigen wurzel verbunden habe, wurde auf die 
Wurzel tarn fest, dick u. s. w. wörtb. 544 aufmerksam gemacht. 
Diese wurzel zeigt vielfache ähnlichkeit mit sam, auch in der Ver- 
zweigung n:o 545 f. tom-ä-n, tom-i-se-n dumpf tönen, est. tum- 
i'Se-n geräusch machen, vgl. 851 f. homisen, humisen, est. samisoi, 
sumisen. In szot. 308 aber fasst B. den stamm des f. hitno = 
magy. sam als s^tn- cupere, appetere auf, den ich als eine unter- 
abtheilung der würz, sam trüb, dunkel gesetzt habe. Obwohl sie 
sich vielfach nähern, halte ich doch die beiden wurzeln tam und 
sam von einander geschieden. 

Für die bedeutung: „trüb, schwarz" lässt sich im indo- 
germanischen ksl. sm(üli schwarz, serb. smido, nun. smäd pallidus, 
poln. smiady, hiiady, cech. snwdy, suedy vergleichen, Miklosich 
lex. 866. 

N:o 824—832. Würz, sam trüb, dunkel; — mischung, däm- 

10 






138 

merung, dunkelroth; — morgen, schwach leuchtend, schatten, 
gestalt, antlitz; — schimmel, rost, schwarz, schuppe, rinde, be- 
kleiden; — nass, feucht, nebel, sumpf, wiese. 

824. Fin. ^am-i-a, sam-e-ro, sam-a-ska trüb, unklar. — sum-e-a 
trüb, dunkel, düster, ängstlich, traurig. — sunv-^ia dunkel, miss- 
lich. — sum-ma-n verdunkeln, kraftlos, misslich machen. ••- som- 
mu-n erlöschen; intrans. form = dunkel werden = est. sonibun. 
— sam-mu'ta-n fact. auslöschen. — sam-niu-kse n. sammus er- 
löschter zustand. 

um-e-a dunkel, nebelig. 

Veps. sam-bti-n erlöschen. — sam-bti-ta-n auslöschen. 

Est. siim-e-da nom. sume; sum-e-ja-s, sum-a-se n. suniane 
trübe, undeutlich; sanft, mild. — sum-bti-n verdumpfen, trttb 
werden. — som-bu-n verdumpfen, sich verlieren, verzetteln. — 
siim-mu-ta-n dumpf, trüb macheu. — sofn-pi-a-s trttb. 

um-se nom. um-ne, um-h-ne dunkel. — um-nii-se unerklärlich. 

8v. lap. om-a-ke-s, um-kes trüb, dunkel. 

Syij. Perm. §om kohle. — p. Som-mt-nt kohle werden. — 
Hom-mo-t-nl zu kohlen machen. — üom-mö-m gebrannt. 

M. Mord, mm-b-ra (Ahlqvist), Sem-b-ra, sim-b-ra^ sim-hl-ra 
(Reguly) trübe. — sum-bir-ga-fla'n trüben. 

Magy. Jmm-va n. ham-u asche, in Hai. Beszed. xom-u-v. — 
ham-va-d-ni zu asche werden. — ham-u-ho-d-ni vermodern. — 
ham-va-s aschig, bereift, weisslich grau. 

Wie nahe niord. sum-b-ra den übrigen steht, ergibt sich aus 
einem vergleich mit mag)\ som-o-rü, som'O'rO'(d-) tristis, moestus, 
die Budenz szöt. 309 in eine reihe mit f. sumu, sunvea, lap. sobnw 
aufführt, vgl wörtb. 840. Auch mordv. hun-b-ra gesund n;o 849 
und magy. *iäm-ö-rö- runzel 848, gleichsam „zusammengedrungen", 
geben nebst anderen mehrere beispiele einer bildung mit ra-suffix 
ab. Im wörterb. 328 habe ich magy. hom-ü-t dunkel, dunkelheit 
mit f. kam-u nebel, syrj. kim-ä-i' nubes zusammengestellt, so auch 
Budenz szöt. 134 k'imör =ii hmnäF; vielleicht wäre mehr ange- 
messen dies wort mit «len obigen in Verbindung zu bringen, wie 
folg. n:o magy. him-lo mit syrj. ^öim-lö- blaugi*au (roth, Schwarz), 
vog. sem-e-l schwarz, sim-e-l rost, f. häm-ä-hi, mit denselben 
Übergängen der bedeutung wie in f. kam-u nebel, n. lap. guobm-o-t 



189 

dmikel werden, f. kim-e aerugo, sv. lap. kuolm-e fäulniss n:o 328. 
Ldi dem Wechsel der bedeutung der eben genannten, wie durch 
das syij. perm. Sam, sehe ich die veranlassung magy. tuimu asche 
li^)er hieher zu rechnen, als zu vog. kufm, xufm, I. ostj. xcjem, 
Budaiz szöt 107. 

Im wortb. 795 ist m. mord. Sobdü, ers. öopoda, öapuda finster, 
dunkel; schatten zur wurzel sap gestellt; zu diesen gehört auch 
syij. iob trübe, unrein; schmutz, unreinigkeit. Mit dem häufigen 
Wechsel des p, b, v und m (vgl. 839 anm.) wäre es nichts be- 
fremdend, wenn mord. Sobda für *§om-da =: est. sum-e-da stände. 
VgL hiertlber wörtb. 844 anm. das lap. sammotet flüstern. Ein 
beispiel dieser art der rückgängigen lautentwicklung schemt 
wenigstens m. mord. Sobdava morgens, ers. öopolgadmo dämmerung 
n:o 836 zu sein. 

Ostj. samoj. heisst Sime, Slwa asche, suama, suma, sü, 
Jmama ruhig, still. 



Fin. häm-ä dunkel, mischung. — häm-ü dämmerung. — 
hätm-4irn dämmern. — häm-ü-tä^ dunkel werden. — häm-ä-n trüb, 
dunkel machen, verwirren. — häm-ä-rä dunkel, undeutlich, trüb, 
unklar; morgen- od. abend-dämmerung, undeutlichkeit. — häm-är-tä 
verdunkeln, beschatten, dänmiem. — häm-cMr-tü-ä dnnkel werden. 

— häm-ä-lä heimat des dunkeis. — hüm-ü-lä dunkle ecke. — 
häm-ehri'Ucö dämmeruugsstunde. 

^tm-i-ä, him-e-äy him-e-he n. hime, him-me-he n. hhnmey htm- 
me-ä dunkel, unklar, schwach, undeutlich. — him-me n. -m» 
dunkelheit, dunkel, schwachsichtig u. a. n:o 840. — Atiw-e-n€-n 
dunkel, schwach, glanzlos werden. — him-e-n-täy him-e-r-tä, him- 
i-Uä verdunkeln. 

Vops. häm-a-r dunkel. — häm-ä-ra-i-ne dämmerung. 

Vot äm-a-ri-kko dänmierung. 

Est häm-a-ra n. hämar dunkel, trübe, düster; dämmerung. 

— häm-a-r-da-n dämmern. — häm-a-ri-ku n. hämarik dämmerung. 

— häm-a-ru-s id., dunkelheit. 

im-i schwach glänzend. — im-i-n glimmen. 

Liv. äm-ä-r dämmerung. — äin-ä-r-dö dämmern. 

Syij. ^iw blaugrau; dunkel: ^iw^örrf purpurroth d. i. dunkel- 
roth (görd = roth). — öim-lö-z hell blaugrau. — Perm. Öim, jiw 
Vollkommenheit, ganz roth, schwarz. 



140 

Öer. äem-e, b. Sim-ä, Sim-a, Sim schwarz. — Sem-a-Upe sub- 
niger. — ; sem-e-ma-m nigrescere, äem-em-dorm schwarz machen. 

Vog. seni^'l, L. K. Sem-e-l schwarz. — sam winkel, ecke. 

Castren gram, tscher. 71. Budenz szöt. 292 veremigt f. hinten', 
hämü, hämärä mit den „rost" und „schwarz" bedeutenden Wörtern 
und auch mit magy.. sännjä (szenny) sordes, squalor, macula, 
welches er als ursprünglich zu *8ämänjä und daher dem mordv. 
Samen, ers. öenten vollkommen entsprechend auffast. Die nahe 
ttbereinstinmiung des sännjä (s. n:o 733) mit §annja verwelken 
wörtb. n:o 726, hänjä müssig, faul n:o 728, sunnju- schlummern. 
hunnjä' still, dehmüthig n:o 732, bestimmten mich dies wort zur 
Wurzel san n:o 726 zu führen. Die vei-schiedenen bedeutungen 
werden keine Schwierigkeiten machen. 

Die ursprünglichkeit des Zischlautes im finnischen weist ganz 
evident f. sim-i-ä, dem das sjtj. 6hn, perm. öim, ^im in derselben 
weise entspricht wie syrj. öig-ä-m = mag)', sük, f. smiJcka n:o 597, 
votj. äu-iya-sko zu f. sü-te-le-n n:o 561, votj. sici, j^üd zz t susi 
n:ö 624. Ein vortreffliches mittelglied für den bedeutungsübergang 
gibt est. ini'i schwach glänzend, vgl. n:o 826. — Derselbe suffix 
ra, In kehrt in vielen bildungen wieder: f. häm-ä-rä, Mm-ä-lä, 
syij. tim-U-Zy Cer. sem-a-Uge, vog. sem-e-l schwarz und sim-e-l, 
sim-i-l rost, so auch magy. hom-ä-t dunkel u. a. n:o 824, vielleicht 
auch in magy. him-lo die bhatter. üeber die wurzelgestalt siehe 
vorige nummer. 

826. Fin. haom-e-no, nom. huoffwn, huom-e n. hnoml, humn-e" 
ne-he n. huomene morgen, morgentag, morgenstuiide. — Imom-i-sc 
n. 'inen, Imom-ma-se was morgen geschieht od. den morgen- 
tag betriflft. 

äm-u morgen. — äm-u-i-se aty. 

Vops. honi-ne n. homen, honi-e-se n. honws morgen. — hom- 
nC'U'Se zum morgen gehörig =: f. Imomenellise, 

Vot äm-ni-kko morgen. 

Est. hmi-me der morgende tag, morgen. — /wm-e, hom-e-u 
id. — hom-nie-n morgen. — Jwm-ne, hom-me-ne morgend, was 
morgen ist. — hofn-mi-ku, hotn-mi-k, hom-mi-hg, hom-mu-ng, lühn- 
i-ng morgen, osten. 

Liv. uam-ö-g, L. uom-u-g, umn-ti-k der morgen, osten. — 



141 

uam-dj uam-dö, uom-de morgen. — uofn-äU, «o/i-J/-/, uon-^ö-l 
am morgen. 

Volj. ^om-i't dämmerung. — ^om-l-te-n früh am morgen. 

M. Mord, äob'da-va morgen8. — ers. dop-o-Uga-d-mo däm- 
menmg. 

Das f. huomen fasse ick nicht wie Budenz szöt. 205 anm. =: 
huiMne-n^ d. i. aus dem von ihm angenommenen verbalstamm suo 
=i ugr. tnV„ calere, ardere, splendere, vgl. wörtb. 618. Ich stelle 
es vielmehr mit f. häm-ii, häm-ä-rä dämmerung n:o 825, sum-e-a 
trüb, dunkel, magy. ham-ä-t dunkel n:o 824 in dieselbe reihe 
zusaromen, und verweise noch auf est. im-i schwach glänzend (f. 
A/m-e, him-e-ä, sim-i-ä), syrj. öim blaugrau, penn, öim, s^m dunkel- 
roth, schwarz. Diese auffassung erhärtet das fin. huam-ä-n „wahr- 
nehmen, entdecken, bemerken; erwachen, zu sich kommen", 
welches im C ham-ä-n „wahrnehmen, ahnen*' eine nebenform ohne 
gesteigerten vokal hat. Auch fin. hav-ä-n, hav-ai-tse-n wahr- 
nehmen, vemimmen, erwachen möchte ich hierher rechnen mit 
Übergang des m zu v (vgl. magy. lävä nom. Ze = fin. Herne, magy. 
njät-vä •=. f. *niel'e'mä), sowie f. haJ^-m-ä-n nachstreben, nach 
etwas haschen, vgl. 819 anm. Budenz will nicht f. huofnene = 
est. hömene, sondern =: hommefie aus *hovtn€ne, *hobmene setzen. 
Beide sind doch nur lautverstärkung aus dem einfachen Aom, wie 
fin. huommase und auch der vergleich mit f. hom-e n:o 828 be- 
weist. Noch stelle ich zu den übrigen das im finnischen sonst 
einzeln vorkommende äm-u morgen. £s reiht sich zunächst an 
f. tiäm-ii, fklm-o schatten, gespenst :=: haJ^m-o; häm-o-ta-n dunkel 
scheinen, schimmern 827, und findet im wotischen a^n-o gestalt, 
gespenst beinahe aucli die identische form. — Ob man mit allen 
diesen die in n:o 813, 814 aufgeführten f. aimotan schimmern, 
est. aiman undeutlich schimmern, ahnen, pemi. sajma erwachen, 
lap. fwive schein lieber als mit der würz. Ao/, sai vereinigen wird, 
scheint mir noch nicht ausser frage gestellt. 

Was das suffix ne betrifft begegnet uns dasselbe in mord. 
Mm-e-n rost, dessen ursprünglichere bedeutung: ., dunkel, dunkel 
schinnnernd, dunkelrotlr' auch in anderen bildungen hervortritt. 
Ohne vokalsteigenmg ist est. uni-ne dunkel mit Vkuom-e-ne formell 
identisch, obwohl der stamm anders lautet. 

Das syij. ^om-l-t dämmerung stimmt vortrefflich zu fin. 
^unhe-a -- *sum-e'taj suni-e-da, wie syij. kaljfd blass zu fin. kileä 



142 

wörtb. 207, 208, syrj. gördj votj. gard roth zu f. korea httbsch 183 
und syrj. jugtd klar, licht, für *juvgtd, *julgtd zu f. juUeea 378. 
Dasselbe su£Sx tritt im liv. uom-de, uam-dö zum Vorschein« Auf 
diesen gründen kann ich nicht wie Budenz sz<^t 188 anm. ^o-nü-t 
zu einem stamm ^u (votj. s^cdo brennen, ^uato anzünden) führen, 
um so weniger, da es sehr fraglich bleibt ob das zum ver^eicb 
angezogene syrj. römtd dämmerung, mit ru dampf, nebel in Ver- 
bindung gebracht, als wurzelelement nur rö, ru gibt Man kann 
nämlich syij. römdini dunkel werden , rönUtnt etwas eine helle 
färbe geben nicht vom perm. rämötni färben, schminken und röm, 
röma „klar, deutlich, hübsche farbe^ trennen. Vgl. 831. 

Ueber mord. äobdava vergleiche mord. Sobda, votj. ^ob 
n:o 824. 

827. Fin. häm-u körperlose gestalt, schatten, schein, gespenst, 
bild, abbild, gesiebt; fig. scheinbar, elend. — häm-o, hähm-o, 
hahm-o, hahm-u id. — häm-o-tchn schwach scheinen, schinunem, 
leuchten. — häm-e-a dunkel hervorleuchtend, schattenähnlich, er- 
schreckend. — fhäm-i'O Schattenbild. 

Vot äfn-o gestalt, gespenst. 

H. lap. habm-e, häm-e schatten, Schattenbild. — enar. sabm- 
(ht schwach hervorscheinen. 

M. Mord. $afn-a, äam-ä gesiebt. — ers. 6am-a gesiebt, ant- 
litz, person. 

Lönnrot Acta soc. fenn. V, 574 verbindet hämotan mit lap. 
säbmot Vielleicht ist auch magy. sämSl person hierher zu rechnen. 
Vergleiche fin. kämea, kamo, kammo, kumma wörterb. 325, 326, 
sowie 830 anm., wo f. hame als wahrscheinliches lehnwort ange- 
führt wird. Zu bemerken ist doch, dass an. ham-r „hülle" und 
„äussere gestalt"" bedeutet = schw. hamn Schattenbild. Man 
müsste dann zufallige ähnlichkeit oder enüehnung aus dem fin- 
nischen annehmen, da die obigen auf diesem gebiet sicher gestellt 
scheinen. 



828. Fin. hom-e-he n. home Schimmel, oxid, rost : vasken, tinan, 
hopean h, rost de§ kupfers, zinnes, Silbers. — hom-e-htu-a schim- 
melig werden. 

Vot. öm-e Schimmel. — öm-e-htu-n schimmelig werden. 

Syij. sim, sjim rost. — sim-a, s^jim-a mit rost überzogen 



143 
werden. — penn, sjim, .?;7m id., sjima. — Volj. sin-mo rosten. — 

IL Mord, ääm-e-n^ ers. äen^e-A rost. — m. häm-e-ni^ e. 
öem-^ne-v rostig. — m. Mm-e-ni-an, e. öem-e-ni-ja-n rosten. 
H. Oslg. sam-t rost. — sam-l-jl-ta rostig werden. 
K. Vog. 8im44 rost. — Vog. sim, sim-e-l. 

Im vokalelement stimmen syrj. penn. vog. sim^ sjim näher 
mit f. sim-e-ä^ wie mord. ääm-e-n mit f. Ää/n-ä n:o 825 übereiu. 
N. Ostj. sam-t wie f. hom-e zeigen doch die harte vokalreihe als 
die ursprünglichere an, wenn überhaupt zwischen den auf dem 
ganzen finnisch-ugrischen Sprachgebiet wechselnden a und i-lauten 
eine Priorität angenonmien werden soll. — Votj. sin-mo, sin-e-m 
sind ohne zweifei durch Umstellung oder dissimilation entstanden. 



Fi». stiOfH'U'kse n. suonius schuppe. — sumn-u-s-ta-n 
schuppen. — snofH-i-n schuppen, reinigen, prügeln. — snom^-lo-i-n 
vb. mit schuppen versehen. 

Tops. sofH'U'Se, n. somus schuppe. 

Est söm-u-s st. sömukse, sömusc, söm-c schuppe; schindel; 
tig. prügel, Schläge. — säm-a-n, sUfn-i-t^e-n, som-u-s-ta-n schuppen, 
abschuppen; figerl. prügeln. 

H. lap. öuabm-o, s\, öuam, utsj. ö^uobfn-a schuppe. 

Syij. iam, Söni, perm. Sem, säm schuppe. — p. Sem-a schuppig. 

Öer. Sem hast, schale, rinde: tcol s. squama = f. kalan 
SHomus; pOks S. putamen nucis n: f. pähkinän kuori, — b. si^m 
schuppe. 

Magy. fiam balg, schale. — häm-la-ni sich schälen, sich 
schuppen, sich häuten. — häm-o-z-ni schälen, häuten. 

Ost). 8. sämj I. sdm schuppe. — Vog. sam id. — N. ostj. 
80tn rinde, schuppe. 

Castr^n gram. syij. 156, Ostjak. gi-am. 97. Lindströni 88. — 
Die Vokalsteigerung: ostj. säm, magy. häm r= f. snom-, lap. öuom, 
est. söm ist dieselbe wie in f. hämo, vot. ämo neben lap. sam 
(sabrn), mord. Sama n:o 827 und f. huameti, est. liömen, liv. nomd, 
vot. ömnikko, f. ümu neben votj. ^om-, veps. homne n:o 826; 
vgl. 847. 

Syrj. Sum-ö-d birkenrinde, perm. sim-ö-t id., slm-ö-ia aus 
birkenrinde gehören wahrscheinlich hierher, obwohl sie grosse 



144 

ähnlichkeit mit I. Ostj. sümet, S. sügmet birke haben. Der form 
nach stimmen sie ttberein mit f. swn-e-a = *sum-C'da und «m-e^*, 
*sim'e-dä, wie auch syrj. iam-i-t zu sumea, ketrj'i-d = f. kä-e-^i, 
*kü'e''dä, S. 826 anm. 

Budenz szöt. 106 stellt magy. ham haut, schale an fruchten, 
Julmtani, Mntani decortieare, händani sich schälen, hänö^ hänöu 
abgeschälte baumrinde zu £er. kom cortex, crusta, kumuz cortex 
betula;, b. komos id., votj. koni rinde und verbindet damit noch 
Ip. kvolnies cortex, f. julmukse membrana corticis betulina exterior, 
indem er für die ersteren an die lautveränderung magy. säm äuge 
= f. sihnä, für die folgenden an {er. kum drei == f. kolme er- 
innert. Ueber kom vergleiche syij. k'iniär, penn. Mmör nubes, 
n. lap. guohnwt dunkel werden, f. kamu nebel wörtb. 328. Das 
iin. julmus dürfte seine benennung aus der hell glänzenden färbe 
der birkenrinde bekommen und gehört somit zu der auch von 
Budenz szötar 172 angenommenen ugrischen Stammform ßly jäl 
scheinen, glänzen = wurzel jal (jäl, jol, jul) wörtb. 378. Mit 
ähnlicher auifassuug wird im finnischen koivu birke (n:o 30) aus 
der würz, koi dumpf tönen, leuchten wörtb. 25 genannt Vgl. f. 
Jiämo schatten 827. 

830. Vot. uni-nii-kko langes hemd. 

M. Mord, sim-a-na kurzer Überrock. — sein-a-n, sum-a-n 
lauger rock, kaftan. — ers. sum-a-n id. 

N. Ostj. sum-a kappe am oberkleid. — sum-id-ia kleiden, 
bekleiden. 

Die obigen scheinen sich neben cer. sem hast, rinde, schuppe, 
perm. &em, Sötn, veps. soni-us einzureihen; doch gibt es ein ers. 
mord. cap-a-n kurzer tiberrock, welches näher zur würz, sap, sep 
bedecken, hllllen n:o 757 stimmt. 

Durch die oben angeführten könnte man sich vielleicht ver- 
anlasst fühlen auch f. harne Unterrock für weiber, dim. Imnwfien, 
est. hanie hemd, liv. amm rock, in P. auch frauenhemd in der- 
selben weise zu erklären. Thomsen, got. sprogkl. 116, wie 
Ahlqvist, kultunv. 154, fühi'en doch die vielfachen ähnlichen 
bildungeu in den germanischen sprachen an: got. hamon = kleiden 
in Zusammensetzungen : af-hamon, ufar-, ana-, and-, -ga; an. hawr 
gen. hams (nicht nom. hams) hülle, äussere gestalt, altschw. hamr, 
hafnber kleider, tracht, und hält die letztgenannten als das 



145 

original. Auch im anglosächsischen kommt das wort vor: Aam, 
kamOf homa, altsächsisch hämo, ahd. hämo in lihhamo hülle, kleid, 
Fick vergl. wörterb.* 720. Delbrück vermuthet, Zeitschr. Vergl. 
Spr. XVn 238, dass gr. öäiia dem alts. hämo hülle, ahd. Wi-hamo 
leichnam entspreche; doch scheint die herleitung des öäiuc aus 
*6M&iMt und somit aus der \siirzel ska bedecken, hüllen (vgl. öxc-a 
schatten, skr. öhajä id. Schimmer, alts. aki-mo schatten, an. sky 
Wolkendecke, öxö-to-g tinsterniss) etwas gewagt. C'urtius grund- 
zttge^ 685, 167. — Thomsen 1. c. weist auf eine mögliche Verbindung 
des f. harne mit f. humu, hahmu, vot. ämo species, umbra, vgl. 
wörtb. 827. 

831. Fin. sum-u nebel. — siim-e-he n. sume nebel, dampf, 
Staubregen. — sum-e-tto nebUges wetter. — sum-e-sta-n staubig 
regnen. 

ufH-e-he nom. ume nebel. 
Bat. sum-me trübe, nebel. 
H. lap. sobtn-o nebel. 
Bn. Mord, su nebel. 

Mord. si4 hat das auslautende m verloren, wie vielleicht syrj. 
ru dampf, nebel, wenn nämlich dies wort mit syrj. römid däm- 
merung, römdini dunkel werden in Verbindung gebracht werden 
kann, vgl. n:o 826. — Budenz verbindet szöt. 309 f. sumu, est. 
sun^^ stimme, samhun und lap. sobmo mit magy. somorü. Dies 
wort, formell ~ f. sam-c-^ro, mord. sam-h-ra n:o 824, gehört 
doch der reihe n:o 840 suinea an, obwohl es aus derselben 
Wurzel stammt. 

832. Fin. Mm-e-i-se n. hämeinen dunstvoll. 

Est Mmme, n. kämm nass, feucht. -— Mm-me-n nass machen, 
benetzen, befeuchten. — häm'mü'S feuchtigkeit. — häm-me-Ul-s 
feuchtigkeit, milchtunke. 

Est. som-p g. sotthbi sumpf, lache. — som-mi-n auf sumpfigen 
stellen gehen. 

Magy. zorn-bo-k, zom-bl-k moorerdc. — mm-le-k, t^äm-jt-k 
sumpf, wiese. 

Schon längst ist die beuennung eines theils von Finland: 
Häme (zzz scliw. Tavastland) als das .,sunipfige, nasse"" land auf- 



146 

gefasst worden. — Aus einer form *sam-pa = est. somp, magy. 
zambo entwickelt sich finnisch sani-ma-kko frosch, eine diminutiv 
oder qualitätsbildung = zum sumpf gehörig, sich dort aufhaltend, 
wie f. venakko eine russin, aus dem stamm vena, venäj der in 
venä-lä^i-ne-n, venä-jä vertreten ist. 

833. Fin, Suom-e nom. suomi Finland = suamen mä, — suom- 
a-la-i'Se n. -nen ein Finländer. 

Est. Sofn-e n. söm id.; some mä, 

Liv. 8äm-e mo die insel Oesel. — säfn-U Oeselaner. 

H. lap. Sahm-e, sv. Säm-e Lappland. — sabm-e-la-Sj sv. 
säm-e-la-ä, -la-ts Lappländer. — suam-a-la-^ Finländer. 

Ein einfacher vergleich dieser Wörter zeigt schon, dass sie 
ursprünglich identisch sind. Es verhalten sich nämlich lap. säme: 
est. säme, f. suome = os^. S. säm schuppe: L som, est säme, 
sämus, f. suomus, alle vokalsteigerungen des einfachen sam^ som, 
s. n:o 829. Nach dieser etymologie wäre also die grundbedeutung 
„trttb, dunkel^ (f. samia, sumea n:o 824), oder wohl lieber wie 
die benennung für Hänie = «dunstvoll, sumpfig, nass^, n:o 832. 
Wenn daher auch, wie J. Krohn Kiij. Kuukauslehti 1869 n:o 4 
vermuthet, der name Suami vorzugsweise die gegend zwischen 
den Neva- und Vuoksenflüssen bezeichnete, so haben sich doch 
die benachbarten verwandten Völker dieses namens in viel all- 
gemeinerem sinn benutzt. Die vollkommene identität des namens, 
welchen sich die Baltischen Finnen sammt den Lappen gegeben 
haben, zeugt unwiderleglich, dass sie sich vor der trennung als 
eine Volkseinheit gegenüber anderen stammen gefühlt haben. 
Schon F. M. Franz^n in seiner dissertation : De Bircarlis, Abose 
1786 § 1 macht auf die Übereinstimmung der namen Same und 
Suomi aufmerksam, indem er zugleich aus der sprachlichen ver- 
wandschaft der beiden Völker den schluss zieht, dass nicht das 
eine volk von dem anderen abstammen könne, sondern dass für 
sie beide eine gemeinschaftliche herkunft angenommen werden 
muss. H. G. Porthan, Opera selecta IV, 123. 

N:o 834—841. Wurzel sam. 

h) dunkler trieb, begierde, verlangen, lust; — hunger, durst, 
schwacher geruch, schwachsichtigkeit; — das ersehnte =: trunk, 
honig, meth, milch, weingeruch; — trinken, riechen; kitzeln, 



koseiL — verlangen, schneUe fahrt, eile, arbeit, kraft ; — dunkel, 
matiUos, verzagt, trauiig, ernst; — weichlich, zärtlich, httbsch. 

834. Fin. him-o begierde, lust, trieb, heftiges verlangen; das 
verlangte. — him-o-n, Mm-d-n, him-o-i-tse-n verlangen, lust, be- 
gierde nach etwas haben. 

Tot tfw-o begierde, verlangen; das verlangte. — im-o-a-n 
nach etwas verlangen. 

Eft him-o, hm-u lust, begierde, verlangen, antrieb, appetit. 

— him-u-n^ hwi-u-sta-n begehren, sehnlich wttnschen, verlangen. 

— him-u-Tca-Sj him-u-U-ne begierig, lüstern, wollüstig. — höm-mün 
gierig essen, schlingen. 

Ut. im-u lust, begierde, neigung, appetit. — im-u-li be- 
gierig. — im-^-ni-ka id., Ittstling. — im-ü-tö lüstern sein. 

H. lap. hibm-o, sv. ham-o lust, begierde. — n. him-o-i-du-wcht^ 
SV. ham-O'Sta'Ue't verlangen haben. — en. him-o (Lönnrot), hlm-o 
(Andelin) lust. — him-mo-d verlangen. 

Syij. ium-a-la, ium-a-va esslust haben. — ium-a-lö-m, ess- 
lust, appetit. — Perm. sim-a4a hungrig sein. — sim-a-lö-m, 
sim-a-vö-m hunger. — Totj. ium-a-lo, §uhnaSko = * mm'a'l-Sko 
hungern, dursten. 

M. Mord, sim-ma durst. — ers. sitn-e-me, sini-me id. 

Magy. sonhjohf sam-jü, som-eh durstig, durst. — som-jchS 
durstig. — som-jchz-ni, sofn-juko-z-ni, som-eho-z-ni durst haben, 
dürsten. 



Budenz szöt. 308 verbindet die meisten der obigen, nicht 
aber die lappischen, livischen und est. hömmin. In den magy. 
formen sieht er, nach der darstellung von Mätyäs, Magy. Nye- 
Ivtud. n, 76, eine Zusammensetzung, deren zweites glied jü, joh^ 
janhy zusammengezogen ih, eh „viscera, cor, stomachus'* bedeutet. 
Dies wort sei dasselbe als fin. jano durst, beide von einem 
ngrischen stamm j^ng,, , zu dem auch £er. jongo amplus , va^uus 
a labore gehöre. Die bedeutung des finnischen wertes wäre gänz- 
lich verändert nach der analogie von: f. vatsa venter, stomachus 
= mord. vaöa hungrig, mord. iavo, ers. öavo vacuus = lap. öaive 
venter, s. szötar 175. 

Was die erste hälfte des wertes betrifft, fasst Budenz som 
als nomen verbale eines „ugrischen" verbstammes 5„fn- = „cupere, 
appetere". Fttr diese und folgende numm^r ist es genügend bei 



148 

der genannteu bedeutung stehen zu bleibeu, ich verbinde aber die 
Wurzel sam (som, sim. Um) „verlangen'^ mit der allgemeinen in 
n:o 824 ff. entwickelte, deren grundbedeutung: „trüb, dunkeP ist. 
Durch f. kirnen „schwacher geruch" kommt man ohne Schwierigkeit 
zu f. himmi dunkelheit, schwachsichtigkeit, Verzagtheit, Mn^ 
dunkel, zaghaft, hompo unbeholfen, magy. äofnpologni dehmttthig 
herumschleichen, somor trauer, vgl. n:o 840, und weiter zu f. 
himn^ä, himeä, simiä 825. Im wurzelvokal stimmt magy. som mit 
syrj. votj. sum und est. hörn, lap. hap)io ttberein. Vgl. n:o 837. 

835. Fin. $im-a honig, meth. — sim-o-tte-le-n meth trinken, — 
siem-e n. -mi trunk, athemzug. — siem-ü-t dim. id. 

Est. sim-a extract, das aus den haaren triefende wasser. — 
im-a extract. — sem-e n. stm trunk, schluck. — sem-e-li-ne 
triDkgefäss. 

Liv. säm trunk. — sem-d, stm-da milch. — sem-di milchig. 

M. Mord, setn-a-n, sim-a-ny ers. sim-e-n trinken, saufen. — 
m. sem e-mla-n, sim-'i-nda-n frqv. — sim-da-n, ers. sim-de-n fact. 
trinken lassen, ers. sim-i-ma, sim-e-v-ks trunk, s^im-i trinken. 

Fin. him-o bedeutet nicht nur „begierde, verlangen", sondern 
auch „das begehrte, verlangte". In dieser weise kann man es 
erklären, wie die bedeutung zum „trinken, trunk" übergeht und 
dann weiter zu dem besonders angenehmen getränk: meth, milch. 
In der folgenden nummer dient ein wort dieser wurzel zur be- 
zeichnung des augenehmen geruchs, geschmacks des weines. — 
Thomsen got. sprogkl. 147 sieht in sima ein lehnwort aus au. 
seimr, ahd. säm. Lindström Suomi 84 vergleicht f. siefni mit 
mord. siman, simeth. 

m 

836. Fin. him-e-ne n. himm diift, dunkler, schwacher geruch. 
Magy. sim-a-to-Uni wittern, herumriechen, aufstöbeni. — 

sam-a-t, zam-a-t der aromatische geruch, geschmack des weines. 

Vgl. 835. Der fonn nach stimmt sima-fo-l- vollkommen zu 
f. simo'ttc-k' und, wenn man von der vokalsteigeiiing absieht, 
mag. sama-t zu f. siemii-t, liv. stm-d. Jene formelle gleichung 
zeigt zugleich wie sich die bedeutung vom ursprünglicheren 
„wittern, herumriechen", d. i. =: verlangen, nachstreben, zu dem 
Überführten „meth trinkeir ^^ verlangtes trinken entwickelt. 



Fhi. sam-o schnelle fahrt, verlangen, streben. — sam-ö-n 
eflm, streben. — sam-o-i-le-n dira. — satn-o-ta-n vertreiben. 

hom-^na streben, beschäftigung, zuthun; etwas welches eilig 
vorwärts geht. — hom-mä-n beschäftigt sein, zurllsten, ermuntern. 

Est. sam-mu-ii, sam-mu-ta-n schreiten, treten, stark auf- 
treten. — sam-mu-mh-n durchschreiten. — sam-b, sam-m g. 
sammu schritt. 

LiT. sam pl. samü-d schritt, tritt. 

Öer. soni'U'l, b. sam-l-l arbeit, gelegenheit. 

Mftgy« ham-a-^ geschwind, schnell, rasch. — ham^a-rt-i-ni, 
ham-a-r^a-Uni beschleunigen. — ham-a-ro-l-m für zu eilig halten. 
— ham-Orr-ko-d-ni eilen. 

äüm schritt, tritt. — Imm-o-ti zum zuge abgerichtet. 

H. Ostj. Som, Sum kraft. 



Das fin. samo „verlangen" scheint der anfang der weiter 
entwickelten bedeutungen dieser Wörter zu sein, wie es auch 
formell die ursprünglichste gestalt der mehr veränderten mag}\ 
sam, lap. hämo, f. himo „verlangen" n:o 834 zeigt. Vom „streben" 
zu „kraft" ist der weg nicht weit. Mehrfache analogien bieten 
die indogerm. sprachen: skr. sprli-ä desiderium, .^pTh-a-jä-mi 
appetere, invidere, önigX'O-fiaL eilen, Cjtigx-CD drängen, önigx'vo-g 
eilig, heftig, wo doch der grundbegriff hastige bewjegung ist, 
Gurtius grundz.* 195. In anderer richtung lässt sich vergleichen 
skr. hup'jä-mi in bewegung, wallung gerathen, zürnen, lat. cup-io 
begehren, aus der muthmasslichen wurzel h^ap, die aus lit. hvapa-s 
hauch, kvep'ti hauchen, riechen erschlossen werden muss, und 
von der mit verlust des v auch gr. xan-vo-g, skr. hap-i-s Weih- 
rauch u. a. stammen, Curtius 1. c. 114, 141. 

Magy. ham-a-r hat dieselbe form wie f. häm-ärrä dunkel 
n:o 825 und entspricht auch dem in f. him-a-r-ta vorkommenden, 
aber sonst nicht gebräuchlichen stamm ^him-a-ra (= f. im-a-ra) 
= „verlangen", vgl. 839. 

Fin. homma „was sich eilig vorwärts bewegt" gibt genügenden 
aufschluss über den in der kindersprache vorkommenden ausdruck 
f. kumma nz est. homma , sv. lap. ^omp pferd, welches doch im 
lappischen auch tomp heist. 



838. Pin. hnm-a Verstärkungswort in beziehung auf entlegenheit 
in zeit und räum; fahrt, weg, kunstgriff, kniff: hamaMa mcnhnav 



150 

ciusta vom anfang der weit, missä hamassa wo in der weit, mann 
hamaan wohin der teufel, huka hdojen haman tietää wer kennt 
die wege der fische. 

Est am^ma-h bis zu, ant-mti, am-mu-st längst, seit. 

LiT. am-a all, ganz, aller. 

Yoljj. iam art, weise. 

M. Kord, sem-ä^ sem-bä all. — Öer. sem-e-n gemäss. 

H. Oslg. öam-a recht, gerade. — Yog. $um'e'n all, ganz. 

839. Fin. him-ch-r-ta pr. himarran kitzeln, reizen, entzücken; 
— im-a-r-ta pr. imarran schmeicheln, kosen, durch die finger 
sehen; sich rtihmen. — im-a-^a süss, angenehm, lieblich. 

Est. im-e-Uda-n durch loben schaden. 
Liv. imm pr. imü lecker sein, lüstern sein. 
To^j. Sum-e-to scherzen. — äum entzücken: §um poto sich 
freuen (poto herauskommen, meinen, woUen). 
Magy. äim-o-ga-t-ni streicheln, kosen. 

Votj. Sum „entzücken'* = begierde entspricht sehr genau 
dem magy. som in sonhjoh, som-eh n:o 834, wie auch dem f. 
samo 837. Das finnische und magyarische wort, obwohl zunächst 
mit verschiedenen Suffixen gebildet, sind beide factivbildungen, 
jenes aus einem nicht gebräuchlichen *him€Mra = f. ima-ra^ 
Lönnrot lex. 165 (vgl. f. hämä-räj magy. Aam-a-r), dieses mit dem 
freqventativ-suffix ga aus einem stamm *§imo = f. himo gebildet. 

Vielleicht könnte noch est. säm-b-lä-ne kleine schwarze 
Stechfliege mit den übrigen verbunden werden, aus einer grund- 
bedeutung „reitzen^. 

In bezug auf die bedeutung „entzücken'' könnten sonst viel- 
leicht fin. somaj somas passend, nett, zierlich, russ. karel. äoma, 
veps. öoma, n. lap. soamdaS aptus, commodus, decorus hier an- 
geführt werden, wenn sie nicht eine noch grössere Übereinstimmung 
mit f. sovin sich fügen, passen n:o 784 zeigten. Man muss hier 
wohl Wechsel des v zu m annehmen, wie es der fall zu sein 
scheint in f. happa = Cer. Sapa, Bopo = syij. soma^ penn, äöma 
773 und auch sonst zuweilen: f. sapüa r= hamila heubahre. 
Blomstedt Hai. Beszed 153 stellt f. sima glatt, fein, mild, gelind 
(vom betragen) mit f. siveä sittsam wörtb. 786 zusammen. 

840. Fin. sum-e-a trüb, dunkel, düster, traurig, ängstlich. 



151 

him^ n. himpi dunkel; antrieb; zaghaft, verzagt; Jungfrau. 
»6-ä dunkel. — him-tne n. himmi dunkel, unklar, trttb, 
verzagt; dunkelheit, Verzagtheit, schwachsichtigkeit. — htm-me-ä 
dunkel, unklar. — hüm-me n. hummi Jungfrau, vgl. hütnü, — im-pe 
n. impi Jungfrau. 

Eft. im-h niedergeschlagen, muthlos. 

8v. lap. som suspicio ; satneb adnet suspicari. 

lEagy. säm-t-rä-m schäm, schamhaftigkeit, zucht. — som-o-rü 
traurig, betrübt. — som-o-ro-d-ni traurig werden. — som-o^-ga-ni, 
sam-tHro-g-ni, som'O-r'kO'd'ni trauern, betrübt sein. — som-o-rt-i-m 
fact. — som-po-to-d-ni ernst werden. — Som-po-To-g-ni dehmttthig 
herumgehen, herumschleichen. — som-po-r-dä-l-ni id. 

Tog. sim-te- zürnen. 

Budenz szöt. 309 verbindet unmittelbar soniorü mit f. sumu, 
lap. sohmo s. n:o 831. Ich vertheile überall die Wörter mehr 
nach der modificirung der bedeutung, wodurch öfters die in der 
form zunächst verwandten auf verschiedene nummer kommen. 
Sonst gehört mag)\ som-o-ro der form nach zu fin. sam-e-ro trüb, 
unklar n:o 824, som-e-ro 846, wie es in sume-a trüb, düster, 
traurig, ängstlich einen verwandten nach der bedeutung hat. Auf 
das letztgenannte bezieht sich auch lap. sofft, wie magy. säm-t- 
rä(-m) auf f häm-ä-rä 825, soni-po-lo auf f sotn-pe-lo 842. 

Fin. himpi vereinigt mehrere richtungen der wurzelbedeutung; 
es gibt zugleich eine anmuthige erklärung des wertes für Jungfrau 
= impi =: est. imb verzagt. Liv. inib, welches der form nach 
mit diesen übereinstimmt, reiht sich doch einer anderen wortserie 
an; es bedeutet nämlich „Säugling", vgl. f imen saugen. 

841. Fin. hem-pe-ä, liem-nii-ä weich, weichlich, empfindsam, 
zärtlich; neugierig, zierlich, hübsch; Schönheit, anziehung, woUust. 
— hetn-i-ä zierlich, klar. — hem-pä-n inf hemmata an etwas 
wehleidig sein, schmerz empfinden. — Mm-ü das lächeln; sausen. 

Est. sim-a-ne freundlich, süss. 

Budenz szot. 342 stellt hempeä zusammen mit magy. 5äl)ä 
n. ääh vulnus, vgl. wörtb. 782. Er macht nämlich geltend, dass 
inlautendes magy. h in der regel für ursprünglicheres nib steht, 
was doch nicht immer der fall ist. Abgesehen aber davon weist 



152 

schon Jiem4-äj welches nicht gern von hein-pe-ä getrennt werden 
kann, auf eine wurzel hem, sim == satn, und hem-pi steht him^i 
n:o 840 äusserst nahe. Sie finden aber in f. him-a-r-ta, im-a^a 
n:o 839 ihre nächste etymologische erklärung, in derselben weise 
wie est. sim-a-ne schon auf f. sim-a honig, meth =: das nach- 
geselinte, verlangte n:o 835, deutlich hinzeigt; die bedeutung 
„wollüstig" ist ein ähnlicher hinweis. 

Neben den angeführten gibt es im finnischen noch eine reihe 
Wortbildungen, welche damit augenscheinliche Verwandtschaft haben: 
imchJcka, ima-^a, ima-nte-he n. imanne od. in^nnes sttss, sttsslich, 
wohlschmeckend, lieblich, ima-nto sttsslichkeit u. m. a., die ich 
doch hier nicht aufnehmen will. Man könnte sogar veranlassung 
imanne „gesund" zu hna-^-a mit m. mord. mm-b-i-a gesund zu- 
sammen zu stellen, es fehlen aber die mittelglieder. 

N:o 842—850. Wurzel sann 

Bedeutung: dunkel machen, verwirren, mischen, verwickeln, ein- 
wickeln, bUndel, einstecken; — unbeholfen; — undeutUch reden, 
stottern, stolpeni, hinken, lahm; — moos, sand, bodensatz, 
brei, kehricht; — menge, zahl; — zusammenpressen, drängen, 
schrumpfen; — fest, stark, mark, gesund. 

842. Fin. Imm-ä gemisch , • dunkel. — Juim-ä-n trüb , dunkel 
machen, verwirren. — häm-i, häm-mi bestUrzung, ver>virrung, Ver- 
legenheit. — häm-mä mischung, Verwirrung. — Mm-mä-stü-n be- 
stürzt, erstaunt, verlegen, verworren, erschreckt werden. — Mm- 
nte-ntä mischen, zusammenmischen, umwühlen, trüben, verwinen, 
verwickeln; stören, hemmen, hindern. — hüm-mi-stü-n erstaimen, 
erschrecken. 

sam-pe-h verwickelter knoten. ~ som-me-lo knäuel, bündel. 
— som-mi'tteAe-n winden, wickeln, versuchen, fügen, scheinbar 
etwas machen. 

Est. sani'P g. samba, sanibi verwinamg. — säm-p g. sätnbüy 
sänibi id. — sam-2>-5, sam-s g. sampsu, sampm vei'^^'irrung, Ver- 
wickelung, zwist. — säm-p'S id. — sam-p-si-n, sam-si-n verwirren, 
verwickeln, vermischen. 

som-p g. sombf, sonihn; som-p-s, soin-pu-s verwiri'ung. — 
som-he g. sotnpe verwirning. — som-hi-n verwiiTen, verstecken, 
verthun. — sum-hi-n unkenntlich machen, verschleppen. 

om-p'Sj öm-p'S Verlegenheit. 



153 

äm-me-l-da-n irre werden, in Verwirrung sein, langsam un- 
sicher thun. — äm'ine-l'dU'S Verwirrung, streit. 

8v. lap. Jietn-se Verwirrung, Unordnung. — liem-se-t confundere, 
turbare. — tiefn-sa-no-ve-t, hem-sa-ne-t confundi. — hom-ba-le-t id. 

Öer. sani'l'/i, sam-a-n errans. 

H. Oiti. Sam-'i4'd'ta einstecken, begraben. — sum-p unsinn, 
dummes zeug. 

Wie sich die hier auftretende mehr abstracte bedeutung aus 
der des „trüben, dunklen" entwickelt, geht aus vielen Wörtern 
hervor, in welchen sie beide vereinigt sind. Damit hängt auch 
„verwickeln, bündel" zusammen, wodurch n. ostj. Sam-i-l-d-ta ein- 
stecken, begraben, mit den übrigen vereinigt werden kann. Es 
ist theilweise mit denselben Suffixen gebildet wie f. som-mi-tteAe 
und hatte daher wahrscheinlich eine ursprünglichere bedeutung: 
„winden, einwickeln", und steht in naher beziehuug zu n. ostj. 
sum-i'd-ta bekleiden n:o 830. 

Budenz szöt. 154 verbindet f. sompelo, est. smnp, ostj. sump, 
mord. sumbra mit magy. haborü turba, motus, tumultus, hab-o- 
ro-g-ni litigare, tumultuari, hüh-o-n-t-ni conturbare, Mb-o-ro-d-ni 
conturbari. Er setzt für sie alle eine ugrische grundform s„mb„r„. 
Wenn dies auch richtig ist, so gehören doch die magy. Wörter zu- 
nächst zu magy. zimb zank, streit, est. sam-p-s Verwickelung u. a. 
n:o 851 in dieselbe reihe, obwohl ein naher Zusammenhang mit 
magy. zab-a-r-mi, zav-a-^'tii, hab-a-r-ni zzi f. "'sop-e-i-o, hop-e-ro 
u. m. n:o 765 nicht zu verleugnen ist. Vgl. 851. 

Wie sich syrj. öujfnöm furcht, öujmeda, öujmedla furcht ein- 
flössen zu f. hämmästün verhält, lasse ich unabgemacht. 

Vergleicht man mit den oben angeführten und mit 844 die 
n:o 765: f. sopo verworrenes sprechen, soppu Verwirrung, sopisen 
flüstern, lispeln, sqperran stottern, hqperOy huppelo, höppö u. a., 
sopsan anhaften u. s. w., in welchen eine durchgeführte parallele 
was die bemerkungen betrifft wahrzunehmen ist, so wird es äus- 
serst schwierig, das gegenseitige verhaltniss dieser formen zu 
bestimmen, zumal da in mehreren die jetzt auftretende wurzel- 
gestalt wechselt: lap. sap, sav, sam. Könnten nun alle Wörter 
der jetzigen und der folgenden nummem auf eine grundform sampa 
direkt oder indirekt durch abfall der labialen explosiva (samtne = 
sambe; f. sammal = est. satnbla; mord. samer, votj. samiTy f. 
sommer ^= sombet; vgl. sammdo z=. sompelo; lap. hemse zz: est. 

11 



154 

sämps u. a.) zurückgeführt werden, so wäre dies vielleicht eine 
hinlängliche anzeige um die wurzel als sap mit eingeschobener 
nasal anzunehmen. Nun gibt es aber viele formen ohne p und 
mehrere wo an einen abfall des ursprünglichen p schwer zu 
denken ist: f. hämä gemisch, dunkel, f. senia, sama, magy. säm, 
f. samo, himo u. s. w. Hierzu kommt noch, dass nicht nur diese 
Verzweigung der wurzel, sondern die wurzel sam überhaupt, jenen 
Wechsel mit doppeltem m oder mit mp, mb zeigt: f. sumca, summa, 
f. samero =i mord. sumbra 824, f. himeä, himmeä 825, f. huomise, 
huommase 826, f. käme, est. hämme 832, f. himo, mord. simma 834, 
f. samo, est. samh, samm 837, f. hcmiä, hempiä, hemmiä 841, 
magy. somorod, sompoTod 840, f. hämä, hämmä; hämi, hämmi, 
veps. liv. samal, f. sammal = *sambal 845. Man kommt hierdurch 
zur annähme einer besonderen neigung der finnisch-ugrischen 
sprachen einen auslautenden labial der wurzel noch durch einen 
verwandten laut zu verstärken, wie es thatsächlich obwohl in 
anderer richtung im lappischen geschieht, so dass m durch vor- 
gesetztes 6 gestützt wird: habme =: f. hämu, sobmo =: f. *9mw?/, 
hibmo = f. himo, öuobmo = f. suamus und wovon es spuren auch 
im estnischen gibt: umne ~ umhne. Diese neigung, welche phy- 
siologisch leicht zu erklären ist, tritt sogar in lehuwörtern an den 
tag: f. simpsükka = ksl. zemötig gemma, margarita, let. zemöngas, 
cfr. fafivl, Sa/i/3t;|, wo dieselbe erscheinung hervortritt. Miklosich 
lex. 194. 

Ein ähnlicher bezug findet sich zwischen di^ im Verf. wörtb. 
aufgestellten wurzehi kap gebogen, zusammengehäuft n:o 200 — 285, 
Icav krumm, gebogen n:o 292—299 und kam, er\veitert kämm, 
kamp krumm, rund n:o 308 — 320. Auch hier tritt der Wechsel 
und das eingeschobene p, b häufig auf: magy. kamv, kampd 308, 
f. kamara, mord. kamh-as sattel 310, f. kumo, vot. ktimmo, lap. 
kobmo 315, f. koma, kompäkko 316, f. kamälo, mord. komoro, lap. 
koabmer 319. 

Der lautliche Übergang aus der würz, sap zu sam in ein- 
zelnen fällen ist hierdurch nicht bestritten. Sowohl aber aus sap 
umwühlen, mischen = sich zusammenziehen n:o 765, als aus 
sam trüb sein n:o 824 können die hier in betracht kommenden 
bildungen mit leichtigkeit gebildet werden. Es sei denn, dass 
man die beiden äusserst verbreiteten wurzeln sap und sam als 
mit einander identisch ansehen will. 



155 

843. Fin. hom-po, hom-ppa unbeholfen, ungeschickt, einfältig. ■ 
höm-ppä id. — hum-ppa, hum-ppi, hum-pi-o, hum-pe-lo id. 
H. Ostj. sum-p geringheit, narrheit. 



Diese Wörter schliessen sich nahe an est. samp, somp Ver- 
wirrung, Verlegenheit an, n:o 842. 

844. Fin, st. sam-ma-l-ta, pr. sammaUan lispeln, schnarren, 
undeutlich reden. — sotn-lä-n id. — soni-me-r-ta pr. sommerran 
plappern, schwatzen. — hom-o Schwätzer. — hom-su nachlässig, 
unachtsam. '— hom-sä-n, hom-si-n nachlässig sein. 

hem-pä-n hinken, schwanken. — hem^-sä-n sich unachtsam, 
nachlässig bewegen. 

Est. som-i-n undeutlich reden. 

Vgl. 8V. lap. sam-he-le-tj sam-mo-te-t flüstern. 

Syrj. penn, ^änt-da-la straucheln, stolpern. 

Voti. som-'i-r, som-i-ro stumm, d. i. undeutlich redend. — 
öeni-il'&ko stolpern. — Öem-to stossen. 

M. Mord, sam-c-r, äam-'i-r, ers. öam-o-r, öam-ö-r-di lahm. — 
m. ^am-'i'r'da-n^ ers. cam-o-r-da-n^ öam-u-f-da-n hinken. 

Bemerkenswerth ist der Übergang der bedeutung aus „ver- 
worren sprechen" zu „sich unachtsam bewegen, stolpern, hinken''; 
die grundbedeutuug ist dabei „verworren, verwickelt", eine an- 
schauung, welche in den folgenden nummem noch auf andere 
gebiete übei'fllhrt wird. 

Die SV. lap. formen sam-ke-le-t, sam-mo-te-t wechseln, wie 
in n:o 765 hervorgehoben wurde, mit anderen, in welchen p, v 
als Wurzelauslaut auftritt: sapp-a-te-t^ sap-ke-U-t^ n. sav-kka-le-t, 
sav-ke-ste-t. Da sich zugleich die bedeutungen vielfach berühren, 
wird es schwierig die sekundären lautveränderungen zu verfolgen 
und die ursprüngliche wurzel zu ermitteln, vgl. 842. 

Fin. homo wie est. somin stehen in nächster verwandschaft 
zu f. homisen, est. somisen 851 = dumpf sausen, geräusch machen, 
und dadurch hat man für votj. sonur, somiro stumm : f. sonimerta- 
schwatzen, homo Schwätzer dieselbe analogie wie in skr. mü-kors 
stumm: lat. mä-tu-s mussare murmeln, munkeln und mit wurzel- 
enveiterung skr. muj sonare, (lix-a-o-fiaL, lat. mügio brüllen, 
Curtius gi-undz.* 338. 



156 

845. Fin. sam-ma-le n. sammdl, sam-ma-le-he n. -le moos. — 
sam-ma-lo-i-tse-n mit moos versehen, überziehen. 

Veps. sam-a-l moos. — sam-lt-ha-s mit moos bewachsen. — 
Vot sam-ma-l moos. 

Est. sam-b-la nom. sammdl moos. — sam-me-l-da-n be- 
moosen, mit moos bewachsen. 

Liv. sam-a-l, sam-a-l moos. — som-a-Utö bemoosen. 

H. lap. seim-o-l, sv. sem-o-l, säm-oA moos. 

Magy. Söm-ö-r zitterig, flechte. 

Fin. sam-ma-l hat jetzt nur die bedeutung „meos^, obwohl 
dieselbe form der stamm des in n:o 844 besprochenen sammaUtä 
ist; für beide ist die ursprünglichere bedeutung „verwickelt, ge- 
misch, mischung" d. i. — trüb, dunkel. Zu derselben grund- 
anschauung gehört „verhüllen, bedecken", welche Budenz szöt 
8. 307 als grundbedeutung für f. sammdl moos, est. samme boden- 
satz n:o 846 und home Schimmel 828 angibt. Noch näher zu der 
hier gegebenen deutung steht aber magy. Söm-ö-rö-g-ni „runzelig 
werden, zusammenschrumpfen^^ n:o 848, zu dem das hier gehörige 
äömör der form nach als Stammwort zu betrachten ist. 

Wie sammal mit f. sam-e-a trüb, dunkel zusammenhängt, so 
vereinigt das gr. (^o/iqpd-^ die bedeutungen „schwammig'' und 
„dumpf". Curtius grundzüge* 384. 

846. Fin. som-e-ro, sam-e-ri^ som-e-r grus, griessand. — hofn-pu, 
hom-ppu starapfbrod. 

Est. söm-e-ra n. sömer kies, grober sand. — söm-e-ri-ku g. 
sömorik grusig, kiesig. — sam-me bodensatz. 

Magy. sätn-ä-t, säm-e-t mist, kehricht, unrath. — zam-i-ska 
mehlbrei. — hom-o-k sand. 

Wurzelbedeutung ist „mischen, zusammenhäufen", entwickelt 
aus „trüb". Ueber die form vergleiche n:o 844. Magy. zam-i-Ska 
stimmt vollkommen zu f. sam-a-ska trüb, unklar 824. 

847. Ein. sem-a^ som-a menge, anzahl. 

Est. söm-a schwärm, menge. — sion-b, stim-m, g. summa 
häufen, gedränge. — sum-ma-n sich • anhäufen, zusammen kommen. 
— lUim-m g. hämma, hämmu kleiner häufen (heu, getreide). 

Magy. säm zahl, nummer, anzahl, rechnung. — säm-o-Uni 
rechnen. 



157 

Magy. säm verhält sich zu f. som-a wie magy. häm: syij. 
Som, ostj. som, veps. som'(us) n:o 829. 

848. Perm. Stm-ra-la mit den händen zusammenpressen. — 
Sam-t-r-ta, Sim-t-r-ta zusammenpressen. 

Ers. Mord, öem-e-^-de-n bedrängen. 

Magy. Söm-ö-r-gä-ni, äöfn-ö-rö-g-ni runzelig werden, zusam- 
menschrumpfen. — Söm-ö-r-gö-ä, ääm-ä-r-gä-ä runzelig. — äöm-ö- 
n-t-ni, äöm-ö-r-gä-t-ni fact. — söm-ö-rö-d-ni, söm-ö-rö-g-ni runzelig 
werden, zusammenschrumpfen. — söm-ö-r-gS runzel. — söm-ö-r-ö, 
söm-ö-lrö warze. 

In der form stimmen penn, äam-t-fy Sim-t-r vollständig über- 
ein mit m. mord. Sam-e-r, Sam-i-r, ers. öam-o-r lahm, votj. sam-i-r 
stumm n:o 844, so auch magy. äöm-ö-r; sie finden alle die ihr 
entsprechende bildung im fin. som-e-ro 846, sam-e-ro 824. Viel- 
leicht ist hier noch eine beziehung zu f. häm-me-ntä zusammen- 
mischen, verwickeln, stören, hemmen, hindern 842 anzunehmen. 

Fin. hümü das lächeln, hümiUlen lächeln kann nicht mit 
obigen als etwa „zusammenziehung des mundes'* vereinigt werden, 
da es ohne zweifei aus lett. slavischer quelle stammt. Skr. smi 
sfnaje subrideo findet sich nämlich in ahd. smie-le-n, smie-re-n 
lächeln, ksl. smi-ja-ti, lett. snie-t lachen, Bopp vergl. gram. I, 232, 
Curtius^ 330, Miklosich lex. 863. Es steht auch im finnischen 
vereinzelt. 

849. Syij. zum-'l'd fest, stark, hart. — iöm-ö-s mark der bäume. 
M. Mord. 8Uf)i-b-ra gesund. — äum-b-ra-H gesundheit. — 

ers. $um'h-ra gesund, gesundheit, heil. 

Magy. zon^o-Jc, sz^kl. dial. zörn-ö-k untersetzt, gedrungen. — 
zörn-ö-k robustus. — zam-ö-ö-kö-^ gedrungen, stark, dickleibig. 

Mord, sunir-b-ra führt zu dem nahe stehenden magy. äöm-ö- 
rö-(g-ni) zusammenschrumpfen, d. i. zusammengedrängt, also die 
nächste verwandschaft mit 848, vergleiche aber auch mord. sum-b-ra 
trübe wörtb. 824. — Sv. lap. öb-des integer scheint hieher zu 
gehören mit Übergang des m zu 6, also = ^om-de-s, vgl. 824 
mord. äobda. 

Budenz szöt. 335 vereinigt zomok, zömök, syrj. zum'id mit f. 
tüma, tuma nucleus (nucis), tümen über, est. tüma^ tümen kern, 



158 

inneres, (Sew tom nucleus, und nimmt als ugrisches grundverb ein 
ty,(j' „valere" an, wie nach seiner erklärung f. Tiüma aus hy^g- 
lucere, ardere stammt. Ich leite die letztgenannten aus der wurzel 
tarn stampfen, schlagen; fest, dick wörtb. n:o 544, zu der u. a. 
f. tamia^ tampsia kräftig, lap. tuome träge gehören, und trenne 
sie von der obigen reihe. 

850. Fin. sampo. 

Vot. sammas Säule; wettergalle. 

Est. sammas säule, pfosten; päeva s. sonnengalle, wettergalle. 

In einer besonderen abhandlung: Der Mythus vom Sampo, 
Acta societ. scient. Fennica) T. X, habe ich eine ausführliche 
darstellung der verschiedenen ansichten über das in der Kalevala 
gebrauchte dunkle mytische wort Sampo gegeben. Ich kam darin 
zu der aufTassuug, dass sich das wort auf die sonne bezogen hat 
und etymologisch aus einer wurzel sap zz samp „sich herum- 
drehen, herumrollen" stamme, s. 160. Nach der näheren Unter- 
suchung der wurzel sap im wörterb. 746 — 795 dürfte eine modi- 
fikation der angegebenen bedeutung nöthig sein. Mit „drehen*^ 
steht wohl „umwickeln" u:o 757 in nächstem Zusammenhang, die 
grundbedeutung dürfte aber: „sich zusammenziehen" sein, dieselbe 
welche die durchgehende der wurzel sam ist. Vertheilt man daher 
sam-po oder aus würz, sap mit uasaleinschiebuug samp-o^ so gelangt 
man in beiden fällen zu demselben resultat, dass das wort „etwas 
zusammengezogenes, etwas trübes, dunkles" bedeute. Dies stimmt 
gut zusammen mit der estnisch-wotischen benennuug für „wetter- 
galle" sammas, eine form, welche zuweilen im finnischen für sampo 
gebraucht wird, siehe 1. c. 158. Nach ähnlicher auffassung wird 
im est. .ein dunkler regenbogen ammtirgas genannt (am :zi Mw, 
vgl. hämarik dämmerung). Durch diese etymologie braucht sampo 
nicht ausschliesslich „wettergalle" zu sein, sondern in Überein- 
stimmung mit der my tischen auffassung von der sonne, die in 
einen berg verschlossen wird, iz: „die sonne, welche verdunkelt, 
trüb wird, die sich in wölken verbirgt, hüllt". 

851. Fin. ham-u getöse, geräusch. — ham-i-se-n knaiTen, 
knirschen. — hom-i-se-n dumpf sausen, tönen. — hum-ä-n, hum- 
a-ja-n, htim-i-se-n sausen, brausen, tosen, geräusch machen. — 
hum-u, hum-i-na geräusch. — hüm'ü'ä'H, hüm-i-se-n sausen, 



159 

mummeln, tosen. — hüm-i-stä-n, hüm-mi-stä-n sausen, getöse, 
geräusch machen. — him-i-sc-n, him-a-ja-fi dunkel, schwach tönen. 
— häm'ü'ä'n beschäftigt sein, arbeiten, tosen, geräusch machen. 

Vot. siwi'i'se-n tosen, geräusch machen. 

Est. som'i-sC'7i brummen, munneln, besprechen, zaubern. — 
siwi'l-s€'7i summen. 

um-i-se-n murmeln, dumpf tönen, schreien. — äm^ne-Udu-s 
Verwirrung, streit (von äm-me-Uda-n in Verwirrung sein, unsicher 
thun wörtb. 842). — sam-p-s g. sampsu, sampsi Verwickelung, zwist. 

Öer. mm'e-ktC'm fremere, tumultuari. — suma-m defatigari. 

Magy. zum-mo-g-ni murmeln. — hiim'mö-g-in hummen. — 
zcm-b, zrm-b zank, streit. — zcm-hä-Uni zanken, mun'en. 

N. Ostj. Hum das sausen, geräusch. — Hum-i-d-ta sausen. 

Ahlqvist vot. gi-am. fasst das vot. sunmen als lehn wort aus 
russ. myMHTt, was «auf den ersten blick um so mehr berechtigt 
scheint, da ausser sirisen =: f. sirisen geräusch machen (wasser) 
alle mit .s^ anlautenden wotischen formen lehnwörter sind. Dies 
wort kommt schon im altslavischen vor: Sumäfi resonare, sumt 
sonus, nsl. serb. suma, nsl. sum sonitus, dejectus aqua*. Miklosich 
lex. paUxjosl. 1138 gibt doch keine verwandten in den übrigen 
indogermanischen sprachen, und die wurzelform sum ist auf diesem 
gebiet äusserst selten vorkommend. Möglicher\veise können skr. 
sumna und gr. v^vo-gy welche Fick wörtb. ^ 198 zweifelnd mit 
einander vereinigt, und d. summm damit verbunden werden. Auf 
unserem gebiet sind die ohne zweifei auf Schallnachahmung be- 
ruhenden formen reichlich vertreten; auch kommen analoge bil- 
dungen aus der wurzel kam dumpf schallen wörterb. 321—331 zahl- 
reich vor: kama^ kamu, komu dumpfer schall, himahti^ kämähtä 
dumpf tönen, kimajan id. u. s. w. — Vgl. f. homo Schwätzer, est. 
somin undeutlich reden n:o 844. 

Die sehr nahe liegenden Wörter mit der bedeutung: „ver- 
wiiTung" sind 842 behandelt. 

Ostjak. samojed. sumhan singen, zaubern, somhernau zaubern. 



852. Fin. ftammio kufe. — mmmu kröpf. — ammio = mmm 
grosse kufe. — ammc-ne schöpfnapf, eimer. — amme-ntä, amme-Uä^ 
ammti-ntä, ammu-ltä schöpfen, aufsammeln. 



160 

Vepi. am-u-da-n schöpfen. 
M. Mord. SumUf sima trog. 

Ahlqvist kulturw. 140 verbindet amme und sammio^ die er 
als genuin betrachtet, vielleicht mit dem räthselhaften f. sampo 
verwandt. — Wie Budenz szöt. 341 habe ich oben wörtb. 778 
syrj. $ofms, perm. äönws backtrog, votj. Sumes trog mit syrj. perm. 
§am, §öm säure, sauer = f. happa als „gefäss zur Säuerung des 
teiges" aufgefasst. Das est. Jmmmi „brot", wenn es als „ge- 
säuertes" angenommen werden darf, wäre lautlich ein verbindunga- 
wort zwischen jenen und f. sammio. 

Offenbares lehnwort ist f. sumatäni mantelsack, est. sum- 
madan =: 5er. öemodan mantelsack, feileisen. Dies mag auch der 
fall sein mit f. slina feine schnür, vot. slma, sv. en. lap. sima 
(nach dem finnischen) welche Lindahl-Oehrling lex. 403 u. Lind- 
ström MS 179 mit einander verbinden, der letzte noch magy. sg 
hieher rechnend, aus an. simi, aeng. sima vgl. Thomsen got 
sprogkl. 147 und Ahlqvist kulturw. 176; verwandt sind l^g^ ksl. süo 
laqueus, alle aus würz, si sinofm binden, Curtius ginindzUge^ 396. 
Das syrj. Sum'is riemen, schnür, welches vereinzelt vorkonunt, 
stammt wahrscheinUch aus anderer quelle. 









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Vfii'Älöit^hianlos Wfirt»fi'bi|ph 



jnnlsch-Ugri'3rhpn Sprachen 



III 



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Vertaileva Sanakirja 



Suomalais-Ugrilaisten kielten alalla 



tehnyt 



Toht. O. DONNER 

Sanskritia ja vortaileYan kielitatklmuksen ylim&ilräinen 

profesBori. 






III. 



HELSINKI, 1888. 

Snomalaiscn Kirjallisuaden-Soaran kirjapainossa. 



Helsinki: G. W. Edlund. | Leipzig: F. A. Brocichaus. 



Vergleichendes Wörterbuch 



der 



Finnisch-Ugrischen Sprachen 



von 



Dr. O. DONNER 

ansterordl. Profestor des SantkrU a. der vergl. 
Bprachwittentchaft. 



in. 



o ü ni. : L I B R 

F' O f-> r I c \ 

[PRO G R e: s s, 



HELSINGFOBS. 1888. 

Druckerei der Finnischen Literaturgetelltchaft. 



Helsingffors: G. W. Edlund. | Leipzig: F. A. Broclcliaus. 



Erst nach langem aufenthaltc erscheint jetzt die dritte liefe- 
rung vorliegender arbeit, da vielerlei auftrage im öflFentlichen dien- 
ste d(»n Verfasser an der ausarbeitung derselben verhindert haben. 
Während dieser zeit erschien vollständig Budenz' Magyar-Ugor 
összehasonlitö szüt«ar (das hetzte heft im jähre 1881), sowie dessel- 
ben verfassiTS vergleichende Zusammenstellung der verbalsuffixe im 
XVIII bände der Nyelvtudomänyi Közlemenyek 1884. Die bedeu- 
tenden Verdienste dieser beiden arbeiten für die Zergliederung des 
finnisch-ugrischen wortmaterials können nur diejenigen gebührend 
schätzen, welche sich eingehender mit der schwierigen crforschung 
der s. g. sprachwurzeln beschäftigt haben. In den meisten fallen 
führt Budenz die von ihm zusammengestellten wortfonnen auf eine 
„ugrische" grundform zurück, die er gewöhnlich in doppelter ge- 
stalt als tieflautig oder hochlautig, jede mit wechselnden vokallau- 
ten innerhalb ihrer reihe, annimmt. Es entstehen in der weise 
Verbalstämme, welche sehr häufig mit unseren wurzeln sowohl laut- 
lich wie begrifflich zusammenfallen, wenn man den veränderlichen 
Stammesauslaut jener abscheidet. Z. b. die grundform sj- und 
s:;l' d. h. ^oZ-, säl-, sil- scindere, secare, aus welcher unter ande- 
ren fin. sälö spleisse, votj. Selep span und fin. helma säum des 
klcides ableitungen sind, vergl. B. sz6t. 288, 289, entspricht der 
von mir aufgestellten wurzel sal spalten Vergl. wörtb. II n:o 694 
— 724, nur mit dem unterschiede, dass ich es versuchte die Ver- 
zweigungen der Wurzel nach verschiedenen richtungen in einem 
zusammenhange zu entwickeln. Mit diesem ausgangspunkte der 
Untersuchung ergab es sich öfters, dass eine meiner wurzeln meh- 
rere der von Budenz aufgestellten grundformen umfasste, wie z. 



II 

b. die Wurzel nak einerseits (woi, wofc, nuk) „einschlummern" = 
^ich vorwärts beugen, nicken" bedeutet = Budenz' grimdform 
n„sh (= magy. nag aus w„n^) quiescere, cessare B. 451, anderer- 
seits aber als nak, nuoky nik „sich biegen", D. wörtb. 872, 874, 
und nau, noi „sich strecken, erheben", D. 879, dem von Budenz 
angenommenen stamm «„^- moveri, currere entspricht, B. szöt. 
430, und weiter noch als nak. nik = n;;g' binden B. 459, 4G0, 
D. 876. 

Die nähere feststellung des wurzelelements ist für den fort- 
schritt der sprachlichen Untersuchung unerlässlich. Nur dadurch 
wird es gelingen sich eine bestimmte auffassung zu bilden einer- 
seits von den ursprünglichen Stoffelementen der spräche, anderer- 
seits von den mannigfach verschlungenen suffixverbindungen, in 
welcher beziehung die etymologische Zergliederung des vorhandenen 
Wortmaterials band in band mit der unt(;rsuchung der gemeinschaft- 
lichen finnisch-ugrischen suffixe gehen muss. Beide dienen hierbei 
zur gegenseitigen controle und zur berichtigung der gewonnenen 
resultate. Wie schwierig es dennoch im einzelnen ist das richtige 
zu treffen, zeigen u. a. die im gegenwärtigen hefte von Seite löO 
an behandelten wortreihen, wie auch viele andere. Die leicht ig- 
keit, mit welcher sich besonders in den westfinnischen muudarten 
die bedeutung nach verschiedenen richtungen spaltet und entwickelt, 
macht die schwierigheit noch grösser bei dem aufsuchen der ur- 
sprünglichen bedeutung, welche die quelle dieser entwieklungen 
gewesen ist. Bei n:o 1060 und folgenden z. b. ist eine abteilung 
der Wurzel Iah, lahk mit dc^r bedeutung „sich spalten, ablösen, ab- 
fallen, verfallen, sinken, welken" aufgestellt, die sich ungezwungen 
der allgemeinen wurzel Idk „spalten" anschliesst. Verteilt man aber 
lan-ky kann man jenes in der form lan mit anderen Wortbildungen 
verbinden, die ihrerseits „niedrig, sinken, schwach" u. s. w. be- 
deuten. Bei jener auffassung ist magyar. lank-a-d zu verteilen, 
bei dieser muss man mit Budenz Nyelvt. Közl. XVIII s. 68, szot. 
733 u. 734 lan-ka-d als glieder der zusammenfUgung ansetzen; 
beide sind in betreff des suftixelementes in gleichem grad(» nir»g- 



III 

lieh. Der noch unvollständig gesammelte Wörtervorrat aus den 
östlicheren sprachen macht eine endgültige entscheidung auch in 
dieser beziehung öfters unmöglich. 

Da die von mir in den früheren heften gemachten hinweise 
auf wurzeln ähnlicher bildung und bedcutung in den indoeuropsei- 
chen sprachen zuweilen irrthtimlich in der weise aufgefasst worden 
sind, als wollte ich damit einer ursprünglichen einheit das wort 
reden, habe ich solche hier fortgelassen. Von anfang an habe ich 
es betont, dass sie nur als veranlassung näherer Untersuchungen 
über die natur der wurzclbildung in der spräche, wie über die 
bcdeutung der lehnwörter für die entwicklung neuer anschauungen 
dienen können. 

Auf einem gebiete, so gänzlich neu wie das gegenwärtige, 
muss sich ein jeder forscher der Wahrscheinlichkeit zahlreicher 
versehen und fehlgriflFe bewusst sein. In der Überzeugung, dass 
solche gegenwärtig unvermeidlich waren, von der künftigen for- 
schung aber beim fortschreiten der Wissenschaft leichter berichtigt 
werden können, übergebe ich die gegenwärtige Untersuchung der 
Prüfung einsichtiger mitarbeiter. 

Ilelsingfors, Januar 1886. 

0. Donner. 



Wurzel Nake 

N:0 853—893. 

Schwächung n. Wechsel: ficJc nok nok nuk Auk nük Aük nök näk 
nek nik. 

nag nag nog nog nug Aug nüg näg neg. 
nav nau Aav nov nou Aov Aou nuv Auv Aüv näv nev neu Am 
niv Aiv, 

nah nahk noh nuh nüh nohk. 
nai Aai noi nui Aui näi nei nöi. 
no nu Au nä Aä nö Aö nü nü ne Ae Ai. 
Steigerung: nuok nauk nouk nük nük nüök noik, 

nuig Aoig nuqj noaj Auov. 
Bedeutung: vorragen, sich vorwärts biegen. 
a) hammer, zapfen, pflock, zahn, scharf, beissend; schlagen, 
hacken, klopfen, stossen, werfen n:o 853—56. 
vorragend, Schnabel, rüssel, nessel, flaum, franse, feil, stolz 
n:o 863 — 69; reissen, stossen, züchtigen, schneiden, schin- 
den, anbeissen n:o 884. 
h) haschen, schnappen, saugen, kauen, zausen, beissen, hobeln, 
nagen, abschälen, schneiden, schaben, schinden, mähen, 
ernten n:o 857 — 61; n:o 888, 889; marder, motte, hase 
n:o 862, 890—92. 

c) mit hängendem Schnabel dasitzen, mit dem köpfe nicken, 
einschlummern, schlafen, schläfrig werden, faul, träge, sich 
beugen, neigen, hinkend, Vertiefung, thal, krümmung, ge- 
dreht, biegsam, glied, nacken, zusammenbiegen n:o 870 — 75. 

d) binden, befestigen, halfter, fessel, sich biegen, anlehnen, 
stützen n:o 876—77. 

e) sich erheben, anschwellen, ausdehnen, wanken, schwanken, 
zaubern, rathschlagen, mittel, rath, absieht, n:o 878—81; 
lachen 882, schluchzen 893, sehen 883. 

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über die berech tigung der aufstellung einer wurzel wai, 
welche ihr anlautendes n mit A wechselt, ohne dass diese eigen- 
thümlichkeit in den tieflautigen formen die verth eilung der finnisch- 
ugrischen sprachen in zwei verschiedene gruppen („nord-ugrisch* 
und „stid-ugrisch") begründet, siehe des verf. Untersuchung über 
„Die gegenseitige verwandschaft der Finnisch-ugrischen Sprachen" 
s. 44—50. Die hauptgründe sind: dass n vor tieflautigen vokalen 
nicht so regelmässig wie man es angenommen in den ugrischen, 
permischen und der lappischen spräche vorkommt als gegensatz 
zu anlautendem n in den übrigen sprachen; n und A wechseln oft 
dialektisch oder in verschiedenen Wortbildungen innerhalb dersel- 
ben spräche, und in einer grossen menge von wortstämmen kann 
man den Ursprung des n bis in das samojedische verfolgen. Der 
Wechsel gehört daher schon der Ursprache. Schliesslich, wenn auch 
eine neigung zur ähnlichen behandlung des anlautenden n in eini- 
gen sprachen vorliege, muss diese aus dem allgemeinen gesichts- 
punkte der lautverhältnisse der betreffenden spräche beurtheilt 
werden und kann für sich keinen genügenden eintheilungsgruud 
darbieten. 

858. Fin. nakk-a kleiner hammer, hirvln n, axthammer. — 
ndk'i näkk-a bolzen. 

Vot. nak-a zapfen. 

Est. naga gen. naja, na'a zapfen, pflock. — nakJc-i nora. nakk 
pflock, schuhzweck. 

Syij. nah zapfen für bretter, mutterbrust, zitze. 

Das von Euren und Lönnrot angeführte f. nak-a „abzapfloch 
im boden eines nachen"* steht wahrscheinlich als erstes gliecl eines 
compositums = estn. na'a auk mit derselben bedeutung, wenn 
nicht hier gerade ein missverständniss vorliegt. Der form nach 
stimmt es vollständig mit den übrigen überein. Über syrjänisch 
t» = n der anderen sprachen vergleiche des Verf. „Die gegenseit. 
Verwandtschaft d. finn.-ugrischen sprachen" s. 44 — 50. 

854. Fin. näk'ä bauscherde. — näk-ä-rä-i-se wespe. — näk-ä- 
le-sey nom. -les; näk-ä-le-he, nom. -le einer der sich bald beleidigt 
fühlt, unfreundlich, mürrisch = nokkava n:o 863. 

nikk-a eisenstange. — nik-a-la, nik-e-lä scharf, steil. 

Est. näkk'U, nom. näkk pflock. — näk-a-li, nom. -al; näkk-i, 
nom. näkk hauer, picker; pü näkk wandmotte, so näkk eine art 



ameise. — näk-su^ näk-si, nom. näks kinderzahn, das hacken, 
picken. — näk-su, nom. näks; näk-si-ja-s beissend, scharf, em- 
pfindlich. — näg-a-ra, nom. nägar kleine erhöhung, pustel, pflock, 
stechendes insect. 

nekk-a, nekk-i, nom. nekk hervorragende spitze. — nekk-u, 
nom. nekk rachgier. 

Überaus häufig zeigt sich im finnischen, gelegentlich auch 
in den übrigen sprachen, der Wechsel eines stammhaften a mit ä: 
kahara käherä kraus, karu kärü brandgeruch, sarana säränä thttr- 
angel, tarma tärmä kraft, gefühl. Dies findet statt auch bei laut- 
verbindungen, die den oben angeführten am nächsten liegen: ha- 
kara Stachel, reiz, Jiäkärä brunst, stechender dampf, pakka buckel 
an der ranke, etwas dickes, pähkä dickes fleisch, estn. noksu 
näksü knallen, klappern. Beinahe eben so häufig kommen wech- 
selformen mit a und i vor : kahara Mhara kraus, taUus tillus socke, 
naksatia niksaita n:o 856 klopfen, knacken = estn. niksata 
neben naksa. 

855. Fin. nakk-ä schlagen, werfen, treiben, knacken. — nakk-a 
dial. id. — nakk-i freqv. werfen, knacken, picken. — naJck-e-le 
frqv. werfen. — nakk-e-lo das werfen. — naJck-e-le-hta hin und 
her werfen. — nak-i-tta, nak-i-tte-le, nak-u-tta knacken, picken. 

Est. nak'i-tse picken. — nak-i-ta anpflöcken. 
näkk-tty näk'i hacken, kerben, schnitzen, picken, rupfen. — 
näk-e kerbe, hiebstelle. 

Läpp. SV. nakk-e-le propellere, hervorstossen. — naJck-e-te id. 
Vog. nak treten. — nax-^e-ta-pte mit den füssen treten. 

Nahe verbunden mit n:o-864. In der form stimmen tnaJcka 
und est. näklca, f. nakitta und läpp, nakkete; vog. Aaxöeiapte ist 
formelle Weiterbildung aus einer form = f. naksatia. 

Jen. samojed. nd'äbOj ostj. nugudap, nogomam, nogonnam, 
nokananiy nokkunnam, nokkonnau stossen. Vgl. 864 anm. 

856. Fin. nak-sa leise klopfen, knipfen, knipfendes geräusch 
machen. — nak-si frqv. — naJc-sa-tta, nik-sa-tta klopfen, knacken. 
— nak-su-ita knappern, schmatzen. 

Est. nak-sa knacken machen. — naJc-su knacken, knallen, 
klappern. — näk-su id. 



mk^ knickeiL — nik-sa-ta knacken. — nifit-^ff amstossen, 
etwas eracbttUern. 

Obwohl Dicht häufig, kommt doch im finDisch-estnischen das 
contiDuati? oder intensi? suffix sa bisweilen vor, verwandt mit 
dem momentan suffix se^ ise: piek-sä^ piek-se schlagen, prOgeln, 
est pek-sa = m. mordv. pik-ia. Im mordvinischen dient das 
snffix zur regelmässigen freqventativ- oder intensivbildang : m. 
mordv. palia oft kdssen von pala kfissen, jak-Sa spazieren von 
jaka gehen« Wie oben in Weiterbildungen nak-sa-tta^ nak^su-tta^ 
mk-sa-iia, so auch von der wurzelform nok: estn. troU-o, nok-su- 
ta mo 864. 

857. Fin. nak-o nach etwas baseben. — naukk-ü nach etwas 
schnappen, lecken. — naukk^ das schnappen. 

nak-e-ro eine art ameise. — nak-u-ri Schmarotzer. 

Est nakk-a nippen, nehmen. — nak-a-ske-U frqv. mehrmals 
einen kleinen anfang machen. 

näg-a-ra, nom. nägar; näg-a-la, nom. nägd lüstern, gierig, 
gefrässig. — näg-e-da, nom. nage id. 

Liv. nak-u greifen. — näg-Ur-r gefrässig, hungrig, unmässig. 
— näg-är-stö begierig essen. 

Syij- AcJc-a-la saugen, an der brüst saugen. — nak-ö-da 
säugen. 

Perm. Adk-a-la saugen. 

Yog. kond. na wegschnappen. 

Der begrififsUbergang von „schlagen, knacken" zu „schnappen, 
haschen" tritt bei n:o 864 deutlicher hervor: f. nokk-i mit dem 
Schnabel hacken, picken, nappen,- noukk-i pflücken. Fin. ndk-o 
wie liv. nok'U ist freqventativ- oder continuativ-form, was mit der 
bedeutung gut übereinstimmt 

858. Fin. nalc-e-r-ta beissen, haschen, nagen. 

nuk-e-r-ia reiben, knarren, begehren, betteln. — Karel. nuh 
e-r-da betteln, eindringlich bitten. 

Est nuk-e-r-da reiben, knittern, erbitten, sich an einander 
reiben. 

Syij. tiak-ra-la, tiak-rö-da zausen, raufen. — nak-Ta-la kauen, 
zerkauen, im munde bewegen. — nak-ta'&a gekaut werden. 



H. ostj. nog-o-re hobeln. — nog-o-r-ta, noh-ri-ta (Hunfalvy) 
schnitzeln, hauen, hobeln. — nog-o-r-t-ie, Aog-o-r-ie (Ahlqvist) 
hobeln, schnitzeln. — nog-re-m, noh-re-m (Hunf.) geschnitten, ge- 
hobelt. — noh-re-p (Hunf.) messer, hobel, nä-ri-p (Ahlqv.) Schab- 
eisen, messer, k. nox-fi-p. — Castr^n: J. no%'re^ s. nög-re schni- 
tzen. — nänx-re nagen, nänx-ri-de freqv. 

Die obigen Wörter gehen zurück auf eine gi'undform nak-e- 
rUj nuJc-e-ra, nog-o-ra mit ra-sufHx, das im finnischen als adjectiv 
vorkommt: ima-ra = ima-kka süss, saka-ra, sdka-ri vorragende 
spitze, noJcke-ra vorragend, und zuweilen mit re, ro wechselt: 
huhma-re, huhma-ro. Zu derselben form gehört auch fin. nake-rOy 
naku-ri n:o 857. Aus der ursprünglich adjectivischen bedeutung 
„vorragend, reibend, beissend" sind dann die verba mit gewöhn- 
lichem factiv sufiBx ta gebildet. — Da, k, g leicht in v übergeht, 
besonders in dieser wurzel, scheint es nahe zu liegen auch fin. 
naveria bohren, durchnagen, knappem, nävertä mit naber bohren, 
schaben, näivertä id., nuvertu geschabt werden, hieher zu rech- 
nen. Offenbar sind sie jedoch aus dem scüwed. nafvare, norweg. 
navar entlehnt, welches im finnischen als naveri, näveri^ lap. na- 
var gebraucht wird, vgl. Ahlqv. kulturw. 76. — Budenz szöt. 447 
venbindet ostj. tiogor hobeln mit magy. nir scheeren, m. e. mord. 
nara rasieren, scheeren, indem er die grundbedeutung nicht als 
„schneiden", sondern als „glätten, reinigen" au£fasst 

Juv. samojed. nohoadm, taw. nigutm, jen. nihutadOj nuhu- 
iaro bitten. 



859. Fin. nak-e-Uta sieh zanken, streiten. — nuk-e-ro unwilli- 
ger mensch. 

Est. nag-e-le, nag-e-Uda sich zanken, streiten. — näk st. 
fiäku streit, Wortwechsel. — nak-e-r, nik-e-r geräusch der weber- 
schäfte beim weben. — nuk-e-r st. -ra verdriesslich, unwillig, 
unfreundlich. 

Liv. nukk-ö-r-s verdriesslich, unwillig. 

H. Lap. nagg-u streit, zank, zwang. — nagg-a-ta-Ua zanken, 
disputiren. 

Vog. Tiog-re kraft. 

Ein vergleich mit vorhergehender nummer stellt unmittelbar 
ihren nahen Zusammenhang in das licht 



II 



860. Fin. nukk'i abkneipen, abschneiden, abschälen. — niikk 
nük4 abreissen, haschen, zausen. — nük-i-stä zusammendrücke 

— nüJc'ä kleines messer, messerendchen. 

Est nug-a gen. noa messer. — nug-i Schmarotzer; puh 
nugija ungebetener hochzeitsgast. — nüg-i schnitzen. — nuk'i-\ 
wühlen, zausen. — nuk-i-sta id. 

Vgl. est. nokka, nukka spitze, Schnabel, liv. nük rüssel i 
863. — Schiefher nimmt Zusammenhang an zwischen est. nui 
f. nükä mit russ. H03K'b messer, bedingungsweise aber auch n 
HoroTb nagel, Ahlqv. kulturw. 75. Die finnisch-ugrischen spi 
chen scheinen indessen genug von verwandten bildungen genuin 
Ursprunges zu bieten. 

861. Est. nag-i'Se knacken, knarren, rascheln. 
St. lap. Aag-ja schneiden. 

Hagy. nagg-a-t martern, trillen. 

J. oslrj. näg-a-se, Aäx-se abschälen. — H. nag-a-s-te (ein 
fisch) reinigen oder ausnehmen, Ahlqvist. — an-näx-sitn nie 
abgeputzt. 

Dem estn. wort würde ein finnisches näk-i-se entsprccb 
welches zwar nicht vorkommt, aber durch das nahe liegende nc 
sa n:o 856 vertreten ist. Ostjak. Aäga-se gehört hieher wie es 
tare-se schnaufen = perm. tur-za, fin. tur-i-se. 

862. Est. nug-i'Se nom. ntigis baummarder (mustela marte 

— nug-i-ja, nug-i-ze-ja id. 

Perm, ni-za^ wotj. ni-i, lia-i zobel. 
Hagy. nu'S'to nom. nust id. 

Osljj. J. ndg-O'S, N. Aog-o-s, nox-s zobel. — nox-o-s, nox- 
(Ahlqv.) id. 

Vog. noX'S id. 

Caströn, Ostj. spr. 90, Hunfalvy, Ejszaki osty. ny., Bude 
sz<5t. 454. Die form nug-i-ja im estnischen, welche ein nomi 
actoris des verbalstammes nug-i ist, giebt die ursprüngliche b 
deutung als „der Schnapper, hascher, nager" an, vgl. n:o 85 
Was das sufiix betrifft, sind fin. nak-sa knipfen, leise klopfen, es 
nag-i'Se knacken, knarren, est. näk-su, näk-si kinderzahn; d 
hacken, n:o 856, 861 zu vergleichen. Zu magy. nu-sto stimi 



fin. ndk'Sa-ta^ est. näk-i-sta. Badenz fasst das t in Atist als di- 
minutivsuffix an der stelle von ka, kä auf und vermutbet in nu- 
ska, welches in Baranya vorkommt, obwohl es „hase" bedeutet, 
dasselbe wort wie nust Vgl. hierüber n:o 892. Noch klarer zeigt 
sich die abstammung des wortes im ostjakischen Aogos, dem das 
verb Aagase „abschälen*^ an der seite steht. 

863. Fin. nokk-a vorragendes, Schnabel, nase, spitze; adj. 
spitz, klug, rasch. — nokk-a-va mit langem Schnabel versehen, 
mürrisch. 

nok'O vorragend: noko nokka langer Schnabel. 

noukk-a Schnabel . — nuokk-a Schnabel, das nicken, Schlummer. 

nüökk-ä, nüokk-ü id. 

R. Kard. nokk-a Schnabel, spitze. — nokk-o id. — Veps. 
nok^ nok-a id. 

Yot. nokk-a Schnabel, rüssel, schirm. 

Est. nokk-Qf nokk-i nom. nokk Schnabel, insektenrüssel, spitz, 
vorragendes. 

nukk-a, nukk-u, nukk-i nom. nukk^ gen. nuka u. s. w. vor- 
stehendes ende, spitze, schnauze, zipfel. 

Liv. nük rüssel. 

Ostj. 8. wofc, i. no% oben, aufwärts. — Nord. no% obere seite, 
nach oben (Ahlqv.) — S. wox, noux^ i. neu zweig, ast — N. nü, 
nuv id. 

Vog. noh das obere, non-o hinauf. — Konda no%^ nou% id. 

Dass ostj. vog. nok, nox hieher gehört, zeigt die ähnliche 
Verwendung des fin. pä köpf, ende, vorragende spitze, welches in 
mehreren kasus als postposition vorkommt: pä-Uä auf, oben an, 
pä-Ue hinauf, und adj. pä-Ui-se das obere, äussere. Noch mehr 
tritt die Verwandtschaft im ostj. nogem = f. nokin picken n:o 866 
zum Vorschein, da dies ein wort nok, nog in der bedeutung Schna- 
bel, spitze auch für das ostjakische voraussetzt. 

864. Fin. nokk-ä mit dem Schnabel schlagen. — nokk-a-i-le 
etwas übel nehmen. — nokk-a-u, noJck-ä-ntu lange nase bekom- 
men, mümsch, zornig werden. — nokk-i napfen, mit dem Schna- 
bel hacken, picken. 

nok'O'tta den Schnabel vorwärts hängen. 



8 

noukJc'i fortwährend pflücken. — nauhJc-e-le, noükk-i-e-U^ 
nouk-i-ske-le frqv. — notJck-äj noukk^a-se schnell pflücken. 

nuokk'ä mit dem Schnabel picken, nicken. — nüökk-ä id. 

R. Karel tioJch-i hacken, picken. — nokk'(ha mit dem scliDa- 
bel picken. 

Yeps. nok-i picken (die vögel). — Vot nokk-ä leise klopfen. 

Est. nokk-a, nokk-i, nokk-u hacken, picken, klopfen. — nok- 
a-sta picken, nippen. — noÄr-c-J-da, nok-e-r-da mit dem Schnabel 
hacken. — nok-i-sta picken, hacken. — nok-u-ta leise klopfen, 
langsam auf und ab bewegen. 

nok'SU'ta hacken, fig. necken. — nok-su^ nom. nohs das 
hacken. 

St. Lap. nokk-e-te terere, atterere, abnutzen. 

OsQ*. i. nog-e picken = f. nokin, Castr6n, ostj. gram. 89. 

H. ostj. nox'fe, noxie picken, hinken (Ahlqvist). 

Die verschiedenen suffix-elemente sind leicht zu erkennen, 
darunter mehrere freqventativbildungen mit le, welches im ost- 
jakischen als ie auftritt: n.pon-le stellen, setzen, in v. choat. /lon- 
a-m-fe = fin. pan-e; evT-ie glauben, aus ev'i glaube. Im finni- 
schen sind die variirten formen ableitungen aus nokk-a, noakk-a, 
nuokk-a, nüökk-ä^ in vorhergehender nummer. 

Die hier aufgeführten stehen in engster Verbindung mit n:o 
855 nokka u. s. w. — Vgl. die samojedischen nokonnam u. m- 
Schott, Alt. spr. 123 verbindet f. nokka^ nokki mit mandschu nuka 
stechen, nuki, reizen, necken, in zorn setzen. 

865. Fin. nokk-e-ra, nokk-e-la, nok-e-lo vorragend, spitz, witzig, 
klug, schnell. — nokk-e-lo kleine spitze. — nolüc-u-ri pflugegge 
mit drei oder mehreren schneiden. — ntik-e-ro das ende der 
rückenknochen, unwilliger mensch; vgl. est. nuker verdriesslich 
n:o 859. 

Ostj. nüg-a-r cedernuss. — Nord, nog-o-r zapfen, schuppe 
von tannenzapfen ; Ahlqvist: nög-o-r cederzapfen. 

Die ostjakischen Wörter sind mit dem viel verbreiteten Suf- 
fix ra, r gebildet, welches adjektiva und daraus entwickelten sub- 
stantiva bildet: s. ostjak. ögo-r hoch von öx, ox köpf, fege-r gei- 
zig, J. hona-r, S. köne-r arm, elend = syrj. kone-r id. Vgl. syrj. 
nuk'T-r krumm, perm. nok-^i-r biegsamkeit, schwanken und freqv. 



nok-ra-la biegen, beugen, schaukeln, sowie mit überftthrter be- 
deutung sv. lap. ncück-a-r schlaf. — Ohne zahlreichere formen ist 
schwer zu ermitteln, ob n. ostj. nank, natik jux pinus larix, vog. 
nänk, nan lerchenbaum, sowie syrj. nija id. in etymologischem 
Zusammenhang mit den obigen stehen. 

866. Fin. nokk-o-se^ nom. nokkonen nessel. — nok-e-Ja-i-sey 
nok'U'la-i'Se, nok-o-l-va-i-se, nokk-o-va-i-se id. 

nuk'U'la, nuk-u-l-ma, nuk-u-l-va, nuk-u-la-i-se verschiedene 
arten von nesseln. 

muk'U'la nessel. — niukk-o-se = nukk-o-se nessel. 

nökk'ö'Se von bauern gepflanzter tabak. 

Vot. nök'ö-nt nessel. 

Est. nög-e-se nom. nögene, nöges id. — nög-e-s-ti-k mit nes- 
seln bewachsener platz. 

Grundbedeutung: mit spitzen versehen, wie das Adynokk-a- 
i'Se, im engen anschluss an das vorige; vgl. noch f. näk-ä-rä-i-se 
wespe, näk'ä'k'se unfreundlich, n:o 854. Den lautwechsel n:m 
nimmt auch Budenz szöt. s. 389 in einigen fällen an. 

867. Fin. nukk-a flaum, feines haar, franse. — nukk-u id. 
— nukk-a-i'Se mit flaumen versehen. 

nuh-a hervorstehende spitze, ecke, beule, geschwulst. — 
nüh'ä ecke. 

nöhk'ä, nöht-ä flaum. 

Est. nukk-a nom. nukk ecke, winkel. 

Sv. Lap. navy naw-a flaum. — nav-a-je-s voll von flaumen. 

Einerseits f. nokk-o tropfen, nok-o hängend und andererseits 
nukk'O-se, nokk-o-se nessel, verbinden obige Wörter mit den übri- 
gen. Der lautübergang A; : t; im lappischen entspricht f. nukk-u: 
liv. now, nau schlafen, ruhen; sv. lap. naJck-a-r = enar. woM-a-r, 
nav-e-r schlaf. Fin. noKk-ä ist wechselform fttr nöJck-ä, vergl. n:o 
901 und diese = nokk-a spitze, nach dem sehr gewöhnlichen 
Wechsel o: ö: konkka, könkkä hüfte, tollo, töUö bündel, kohko, köhkö 
trockener husten. Auch k : t wechseln zuweilen im wortschluss. 

868. Fin. nukk-a flaum, franse, puppe. — nukk-i, nukk-e puppe. 
Est. nukk'U nom. nukk puppe, kleines kind, zierlicher mensch, 
adj. hübsch, niedlich. 



10 

Brt. moFd, ^ak-a puppe. — m. fiak-a-nä id. 

Eigentlich ist f. ntücka dasselbe wort als d:o 867, wie est 
nukku auch die bedeutung: vorstehendes ende, spitze, zipfel, 
n:o 863 hat. 

869. Fin. nek-O'Sa zierlich, stolz. — ntk-o-tta vergnügt, zu- 
fneden sein. — nek-o-tte-le in aufrechter Stellung vergnügt dasitzen. 

nök'ö der für sich alleine und stramm sitzt. — nök-ö-ttä, 
nök'O'tte-le alleine, steif dasitzen. 

Est. nik'i'S aufrecht. — nag-u-ta verspotten, vorwürfe machen. 

Liv. ftäg-a-nt, neg-a-nt böse, boshaft, abscheulich. — nik 
eigensinn. — nikk-än boshaft. 

H. Lap. nägg-a-r rechthaberisch. — nägg-u-de auf etwas 
rechthaberisch sein. 

Magy. näg-e-d hochmuth, hoflfahrt — näg-e-lj id. — näg-e- 
därl sich hochmüthig benehmen. 

Die hier verbundenen Wörter schliessen sich zunächst an 
est. nekk gen. neka, neki vorragende spitze n:o 854, ferner an f. 
nokk-e-la, nok-e-h vorragend, spitz, witzig; vgl. übrigens f. nukk-ä 
träumend sitzen n:o 870. In der Stammbildung trifft magy. nage- 
da mit f. nökö-ttä und näge-däAä mit f. nökö-tte-le überein, noch 
näher aber mit est. näg-e-da lüstern, gierig, welches die neben- 
form näg-a-ra nom. nägar hat = liv. näg-ä-r n:o 857, sowie magy. 
näg-e-d mit liv. näg-a-nt. 

870. wwÄÄ-i* schlaf, träges geschöpf; flaum, flocke. — niihk-u 
träger mensch. — nukk-u präs. ntikun einschlummern, einschlafen, 
schlafen. — nuk-u-fta einschläfern. — nukk-ä schlafend, träumend 
sitzen. — nvk-a-hta schnell einschlafen. 

nok'O'tta, nok-u-tta mit dem köpfe nicken, mit hängendem 
Schnabel dasitzen. — nok-ö-ttä id. 

Bu88. Karel. nukk-u^ nuk-a-hta einschlummern. 

Vot. nuk'U einschlafen. — Veps. nuk-u id. 

Est. nuk'U schlummern. — nok-u-ta leise klopfen, langsam 
auf und ab bewegen, nicken: pead n. mit dem köpfe nicken. — 
nög-u sich nickend bewegen, n:o 872. 

Liv. now präs. novüj L. nau sich erholen, ruhen. — novv- 
i-mi ruhe, erholung. — nov-ä-iö ruhen, sich ruhen, sich erholen* 



11 

H. Lap. naJck'O ruhe, tiay-e-r st woÄÄ-a-ra, sv. näkk-a-r, 
CD. nahh-a-r, nav-e-r schlaf. 

n. nokk-a pr. woÄife-am, sv. nokk-e, nokk-e-te^ en. nohh-a-de 
einschlafen, einschlummern. 

n. nokk-a pr. ttoyam, sv. nokk-e zu ende gehen, vergehen, 
verschwinden. — sv. nokk-e-m ende. — sv. nokk-e-ste ein wenig 
einschlummern. — nokk-e-sta-ste^ nokk-e-ta-ste, en. nuh-a-sta-ste 
dimin. — sv. nakk-a-r-da-tte, nakk-a-r-tu-tte sopire, einschläfern. 

H. Mord, nuv-a schlummern. — nnv-Sa freqv. 

ers. nuv-Sa id. — ww-ia, nu-ie = *nuV'Se schlummern, träge» 
schläfrig sein. — nu-ie-vo schläfrig werden. — nu-ia-ks schläfrig, 
faul, träge, nachlässig. 

Hagy. nug-o-d ruhen, zur ruhe gehen, sich zur ruhe legen. 

— nug-o-da-lo-m, nug-a-lo-m ruhe. — nug-o-t, nug-a-t, nug-a-sta^ 
nug-o-sta ruhen lassen, zur ruhe bringen, beruhigen. — nug-ta-t 
beruhigen. — nug-a-to nom. ^Augat Untergang (der sonne), west. 

Vog. L. nu-nt-la-xte ruhen. — Ostij, nuig-e ermüden (von 
thieren). — nt-nde ruhen. 

Lindahl-Öhrling 274. 294: lap. nakkarj nokkestet = t nukun, 
miokka. Ahlqvist, Mordv. gram. mord. nuvan = nukun. Beson- 
ders die fin. est. lappischen formen geben Über die herleitung 
dieser wortreihe genügende aufklärung, indem die bedeutung 
„ einschlummern '^ sich aus der neigenden bewegung des kopfes, 
dieser ausdrucksvollen Stellung eines schlummernden, entwickelt 
hat. In anderer richtung, aus derselben grundanschauung aber, 
ist lap. nokket „zu ende gehen, vergehen ** entstanden; ein zu 
gründe liegendes *nokke vereinigt, wie f. nuokka^ die zwei bedeu- 
tungen: etwas vorragendes, ende (schnabel) und Schlummer (kopf- 
neigen). So ist lap. nakk-a-r schlaf mit demselben suSix gebildet, 
wie perm. nok-t-r das schwanken und f. nokk-e-ra vorragend, spitz. 

— Dass ostj. m-nde-m hieher gehört, geht aus einem vergleich 
mit est. niv-e-nda-n „biegen, einbiegen" n:o 875 hervor, mit dem 
es formell identisch ist. In ähnlicher weise wird ostj. nuig-e-m 
von dem fin. noikkä-n „mit dem köpf nicken, sich beugen** treff- 
lich beleuchtet. Was vog. nu-nt-la-xte-m betrifft, ist Budenz un- 
sicher, ob man es aus einer grundform n„g„nt, n„v^nt = magy. 
nugodj oder aus einem noch mit n (ng) versehenen stamm, der 
nur durch ^suffix ausgebildet wurde, ansehen wird. Mir scheint 
die erstere auffassung die mehr wahrscheinliche, wodurch ausser 



12 

dem letzten element sich nu-nt-la- nicht sehr vom f. nuk-u-tte^ 
unterscheidet. 

Budenz szöt. 451 verbindet die mit n anlautenden hieber 
gehörigen Wörter noch mit est. tuJcku pr. tukun schlummern, fin. 
taukoüj taukua pr. tauvon^ tauvun subsistere e motu, cessare a 
labore, desinere, me auch syrj. dugdi- aufhören, dugöd- aufhören 
machen, abbrechen, hemmen, endigen, votj. dugd'l' einhalten, auf- 
hören, stehen bleiben, dugdil-, dugdcd- freqv., dugdit- aufhören 
machen, hindern, einhält thun. Ich verbinde diese mit fin. tuk-a- 
hu'ta-n ersticken, hemmen, dämpfen, ttik-a-u-n^ tuk-a-hdu-n intr. 
ersticken, tuk-u-n einstopfen, einwickeln, verbergen, tok-ä-ny touk- 
ä-n, ioukk'ü-n blindlings stossen, stechen und vielen anderen, die 
in n:o 389 aufgezählt sind, zu welchen auch magy. tök-ä-d-ni 
stossen, im Sz^kler dialekt auch: hängen, stechen bleiben, ge- 
rathen, sich treffen = fin. tak-i-stu-n anhaften, eingewickelt, ge- 
drückt werden, ermatten, wörtb. 398, tak-i-se-n anhaften n:o 399 
gehört. Die syrj. wotj. formen schliessen sich dabei zunächst an 
das magy. dug-ni stecken, propfen, hineinstecken, dug-da-l-ni 
stecken, verstecken, das letzte formell identisch mit wotj. dug-da-l-, 
wie est. tuk-u-n schlummern = f. tuk-n-n einstopfen, einwickeln. 
Die ganze reihe gehört der von mir im Vergl. Wörterbuch n:o 
389—411 entwickelten wurzel tak, die auch nasalirt als ^anX; (^o/<jr, 
tuTik) n:o 390, 393 vorkommt. 

Was die gegenwärtige wurzelform anlangt, fasse ich sie nur 
als nak (nok, nuk = Budenz n„g-J, nicht zugleich oder ursprüng- 
licher als nank (B.n^ng-). Die formen f. nukku, lap. nokka (präs. 
nokkam) kann ich nicht als = nug-ku, nog-ka, d. i. mit ka, ku 
Suffix gebildet ansehen. Es giebt sich in diesen und ähnlichen 
bildungen dieselbe lautverstärkung kund, welche Castrdn in seiner 
abhandlung: „Über den einfluss des accents in der lappischen 
spräche^ näher erörtert hat und wovon zahlreiche beispiele aus 
mehreren sprachen vorliegen: f. tik-u-ta-n = lap. öagg-a-l-da-ttc-t 
= ßer. öig-a-l-de-m wörtb. 408, f. tek-o = lap. takk-o = mord 
tev'C 406, f. tukk-a, est. iukk, lap. tuogge = syrj. iug 401, f. fak- 
i'Stu-n = magy. tikk-a-d-ni 398, f. tok-ä-n = tokk-ä-n = iotikk-ä-n 
= magy. tök-ä-d-ni 389, f. kcäc-i = lap. kiekk-a, giekk-a 21, t 
kota = lap. goatte 44, f. ket-e^ ketUo 42, f. kät-e = lap. kiett-a 
50, syrj. kut-a = ostj. katt-e-m 51 u. s. w. Zu derselben erschei- 
nung gehört ohne zweifei die schon mehrmals erwähnte Verstär- 
kung im finnisch -estnisch -lappischen durch ein eingeschobenes h 



13 

vor h, vgl. die formen : magy. Icukora, f. koukero^ hkkura^ hiekkara 
wörtb. ii:o 2, 3, kehkerä, JäehJcura n:o 4. 

Ostjak. samojed. heisst nünan, nünnan, nunan, nw'tin^aA:, 
nüne^an ermüden; niAatif nigan, niggah ausruhen. 

871. Fin. nuokk-a^ nUökk-ä das nicken. — nuokk-u, nüökk-ü id. 
— nuokk'U-va neigend. — nükk-a neigende Stellung. 

Est. nöuk'U gen. nöugu Vertiefung. — nöuk-a-s niedrig, voll 
niederungen. — nög-u gen. nöu Vertiefung, niederung. —- nög-u-s 
id. — nög-u-sa niedrig, vertieft 

nök gen. ndgu haken. 

Liv. nouk niederung, thal. 

Syij. nuk, Auk-hl krümmung. ausbucht, adj. biegsam, dünn, 
gebogen. — nuk-i-r krumm, buckelig. — nuk-t-s thal, hohl weg. 

Perm, nok-i-r biegsamkeit, schwankheit. — nok-i-ra biegsam, 
schwankend, unstät. — Auk hügel. — Adk-i-re-s biegsam, ge- 
schmeidig. 

Votj. fiuk hügel. 

H. 08I3. AöY'O'i hinkend, Ahlqv. — Aog-o-l niedrig, Hunfalvy. 

Vgl. veps. noj'€'la biegsam, schwankend, und verwandte n:o 
877. Zur Wurzel nak in der bedeutung „sich biegen, neigen" 
gehören noch einige bildungen mit verändertem wurzelvokal: ntk- 
a-ra kleiner Wasserfall, Stromschnelle = nik-a-l-mo^ wo sich der 
früher erwähnte Übergang a : i kundgiebt, wie auch in den damit 
verwandten f. niv-a-ra^ niv-a-la gedreht u. a. n:o 875. 

Noch gibt es in den baltischen sprachen eine menge Wörter, 
die nach form und bedeutung hieher passen würden, wenn nicht 
andererseits die grosse ähnlicbkeit mit dem altgermanischen miss- 
trau gegen ihre genuinität erregte. Solche sind : f. nikka neigende 
Stellung, nikkä nicken, und daraus gebildet nikotta, nikutta, ni- 
kutfele fortwährend nicken; niekka neigende Stellung, niekko nei- 
gend, niekku das nicken, nükkä nicken, sich beugen, nikutta = 
nikuita; est. nikuta knicken, einbiegen, sich beugen, kuixen; sv. 
lap. neikkele biejjen, neigend machen, neikasej neikese zittern, sich 
bewegen. Sie erinnern nahe an ahd. hmgan, nlgan, an. hmga 
hneig sich neigen, sinken. 

872. Fin. nuokk'ä, nüokk-ä mit dem schnabel hacken, nicken, 
sich beugen. 



u 

nüJck'ä nicken, neigen. — nük-u-tta id. — nükk-ä, nukk-^ 
nicken. — nük-ü-ttä factiv. — nük-ä-kse, nora. nüküs neigende, 
herabgebogene Stellung. — nük-i-siü sich niederbeugen. 

noikk-a, noikk-a sich beugen, mit dem köpf nicken. — noikk-i 
frqv. id. — nakk-i kriechen, lauem (nach wild). 

Vot. nük'ä stützen, sich anlehnen. — nöikk-u schaukelbrett. 

Est, nög-a sich anlehnen. — nogu sich nickend bewegen. — 
ndg-ti-ta mit einem haken ziehen, beugen, nicken, den köpf auf 
und ab bewegen, vergl. f. nok-o-tta n:o 870, nök-ö-ttä, nek-o-Ua 
n:o 869. 

Liv. nuok sich neigen, geneigt sein. — nnok-tu biegen, beugen. 

H. Lap. nakk-a-le sich biegen. — nag-a-ga-tte biegen. — 
nag-a-ga-tte-m biegung. — sv. nakk-a-he iuclinare, propendere. — 
Adk-e, nak-e-le kriechen, lauem. — n. nUkk-a pr. nüYam nach- 
schleichen, auflauern. 

Syij. nuk-le-^d-la biegen, zusammenbiegen. — nuk-ta-la bie- 
gen, krümmen. — nuk-ta-ia sich biegen, krümmen. — fiuk-i-lta 
beugen, neigen, krümmen. 

Perm, nak-i-r-ta biegen. — nok-ra-la biegen, neigen, schau- 
keln. — ^ok-ra-le-m biegung. — tloh-ra-Sa sich beugen, bewegen, 
schwanken. — Ttok-i-^-ta zusammenbiegen. 

Hagy. nak'la (volksdial.) sich beugen, verrenkt werden, sich 
an die seite wenden. — näk-i-nia mit dem köpf nicken. — nak- 
i-nga-t wackeln, hinken. 

Ostj. i. nog a-tte schaukeln. — nög-o-l-^e stützen. 

n. nog-o-me laufen. — nog-o-le, nug-o-le jagen. — nox-o-l-te 
bewegen, erschüttern. — nog-a-l-te schaukeln, wiegen. — nog-a-ie, 
nox-a-ie (Ahlqvist) wanken, gerüttelt werden. — Yiof-a-l-t-ie^ nox- 
ta-ie, liox-a-ita-te rühren, bewegen, schwanken. 

Vog. K. fiov-m-ta (verb. moment.) bewegt werden, wackeln. 

Die mannichfach vokalisch gesteigerte wurzelgestalt dieser 
und vorhergehender nummer: nuok, nüök, nük, nilk, nouk, nök 
zeigt sich noch als noik, tioik, wohl unter einwirkung des n in 
den östlicheren sprachen, oder nur als wechsellaut wie fin. joke 
fluss im livischen nach abfall des Schlussvokals joig und dsLunjoug, 
jag wird. Übrigens liegen die verbalbildungen in ihren suiffix-ele- 
menten ziemlich klar: la, le, im ostjakischen ie, freqventativ-suflfix, 



15 

welches einem einfachen verbalstamm oder factiv- und anderen 
Stämmen angefügt wird. Daraus ist mit factiv-sufifix ta, te, nox- 
O'l'te gebildet wie Ser. kod-a-l-de remittere aus kod-e lassen und 
einem nicht gebrauchten ^kod-a-le. 

K. vog. nov-m-ia lehnt sich unmittelbar an dem n. ostj. ver- 
bum neutrum nog-o-me laufen. Das continuativ-sufiix sa erscheint 
im perm. nok-ra-Sa neben dem nok-hr-ia mit factiv-suflTix ta aus 
nok'ir; syrj. nuk-'i-l-ta ist factivbildung aus nukil, 

Ostj. samojed. nogantj noggam, nonam, nowau, tioau jagen; 
nogolbam, nugudap stützen. 

873. Fin. nokk'O tropfen, kleiner heuschober. — nokk-o-se 
dim. — nokJc'U'va-i-se triefelnd. — nok-u tropfen. — nok-o hängend. 
— nok-o-tta^ nok-u-tta fact. tropfen lassen. 

Sv. lap. noig-O' tropfen. — noig-o-te-, tioik-o te- tropfenweise 
giessen. 

Wie bei nukku n:o 870 deutlicher hervorgeht, entwickelt sich 
aus der Vorstellung ,,sich vorwärts neigen^ die nahe liegende 
„vorwärts hängen, fallen'', daher „tropfen''. Die Identität des 
einfachen und gedehnten consonantismus tritt besonders in noko, 
nokko klar zum Vorschein. 

874. Fin. nik-a-ma kleine steile anhöhc, buckel, glied, gelenk 
an pflanzen. 

H. lap. nakk-e, sv. nakk-o geneigt. — n. sv. niekke der nacken. 
Magy. 7iak'a nom. Aak nacken, hals. — Aük-a-B halsstarrig, 
hartnäckig. — nak-o das wolfskraut, der krummhals. 
N. est], nak glied, knie oder knoten an gewachsen. 
Vog. näk glied, gelenk. 

Vgl. est. näk'U'S krümmung. Magy. uyelv szötär lenkt die 
aufmerksamkeit an das in der Volkssprache vorkommende nak4a 
n:o 872 „sich biegen, verrenkt werden", aus dem für ung. nak 
der begriff „biegung" sich als der ursprüngliche kundgibt Ver- 
gleiche hiermit ung. nak-i-nta mit dem köpf nicken, syrj. fiuk 
krümmung, gebogen, sv. lap. nak-e, nak-e-le = fin. näkk-i krie- 
chen, n. lap. nakk-a-le sich biegen, 7iakka nachschleichen, auf- 
lauem. Die grosse Verbreitung dieser formen scheinen den 
obigen Wörtern eine genuine Stellung zu sichern. Es verbindet 



16 

daher auch Budenz szot. 430 Aak mit seiner wurzel n^g mo- 
veri, currere, hierbei an die von Curtius Grundz/ 196 jedoch 
als fraglich dargestellte Verwandtschaft des griech. t^dx-^Xo^ 
hals, nacken mit tqix-oa verweisend. Wie aus der früheren 
darstellang hervorgebt, fksse ich die wurzel nah allgemei- 
ner. Eine der modificirten bedeutungen ist zwar „moveri*' 
n:o 871, hier scheint mir jedoch die des „biegens'' näher zu lie- 
gen. Dass die ostjak-vognlischen Wörter mit den übrigen zu 
verbinden sind, zeigen einerseits n. ostj. nög-o-i hinkend, nog-a-ie 
wanken neben syrj. Auk-'l-l gebogen, andererseits i. ostj. no^-e, 
fin. nohk'i = russ. karel Aohk-i picken; ostj. nuig-e ermüden, magy. 
Aug-O'd ruhen, fin. nukk-u = russ. karel nukk-u einschlummern; 
voj. neg binden, magy. nüg ftissfesseln, sowie f. nik-a-ma^ welches 
dem vog. näk entspricht, nur mit dem suffix eines nom. verbale 
eiweitert. 

Üben*aschende ähnlichkeit zeigen ostjak. samojed. nug^ nog, 
tsch. nuga, k. nukküy alle in der bedeutung „nacken'^. 

875. Fin. niv-a-la, niv-a-ra gedreht, gewunden, kraus. 

niv-e-räf niv-e^e nom. -n gedreht, maserholz. — niv-e^ 
maserholz. — niv-a-ska gewässert (seide), moirirt. — niv-a-ri 
kuh mit krausem haar. — niv-e-l-tä, niv-e-llü-ttä verrenken. — 
niv-e-lrtü verrenkt werden, aus dem gliede gehen. — niv-u-kse 
nom. nivus hüfte, weiche. 

niv-e-lä, niv-e-le nom. nivel glied, gelenk. 

Vot. niv-e-l gelenk. — niv-u-t das rückenkreuz, weiche. — - 
russ. kar. nk-e-le n. 4 gelenk. 

Est. niv'C'H'day niv-e-r-da zusammenziehen, biegen, einbiegen. 
— nik-a-sta, nik-a-ta verstauchen. 

Liv. nik-ä-r-dö verrenken. 

Vom Wechsel a : i ist schon öfters die rede gewesen und in 
ähnlicher weise verändert sich häufig auch k : g : v: wie sv. lap. 
nakkary en. nahhar und naver schlaf, f. nukku, liv. novu, nau, m. 
mord. nuva einschlummern, wrtb. n:o 870, f. nukka flaum = s. lap. 
nav, nawa 867, vog. novm-ta wackeln, formell aus n. ostj. nogome 
laufen, f. teke = m. mord. tija machen, tev handlung und im fin. 
nmlay rus. karel. nieglüy vot. nigla nadel, kaula = rus. karel. kagl<i, 
Vergl. Verf. in Kiel. osak. keskustel.II, s. 31. Die früher n:o 871 



17 

angeführten nikara, nikaUmo Wasserfall, welche an syrj. AuMl, 
nuk'ir krumm, gebogen, erinnern, bilden den tibergang zu liv. 
nikär-dö. Der bedeutungswechsel ist nicht befremdend, da fin. 
nivelä glied = das gebogene oder was sich biegt, bewegt: niv, nik 
= magy. nak nacken, ostj. nah glied: ndk sich beugen verhält 

876. Fin. nak-a-lo-i-tse, nak-e-lo-i-tse binden, befestigen. 

niv-o binden, zusammenfügen, niv-e-le^ niv-o-ske-le frqv. — 
niv-e-he n. nive band aus wurzeln, heft, band. — niv-u-li getreide- 
garbe, garbenband = nik-uAi. 

Est. nuk'i zusammendrehen. 

Lap. n, nagg-i^ sv. nagg-e drängen. — n. nagg-o, sv. nagg-o, 
nagg-as drängsei, zwang, noth, angustise. — nagg-e-m zwang. — 
en. nagg-i zwingen. 

Syij. nuk-rö'da zusammen ziehen, vgl. nuk-le-da biegen, 
krümmen, zusammen biegen, neigen. 

Votj. nuk'to halfter. 

Mordv. m. nok-ta halfter. — ers. nov-ta halfter, trense, zäum 
(aus stricken). 

Magy. Mg-ö, fiüg-ö, nom. nüg, nug fussfesseln aus stricken, 
last, besch werde. — näg-ö-Sä, nom. ilägöS gefesselt. 

Yog. Konda. neg binden. 

Budenz sz6t. 459, 460 betrachtet magy. Aüg als wurzelver- 
wandt mit vog. neg, doch durch vermittelung mehrerer zwischen- 
formen, so dass Mg = nüvägä zu setzen wäre und Aüv = einem 
ugrischen nüg, näg mit der bedeutung ,;binden". Nach seiner 
erklärung ist nämlich g in 7iüg dasselbe suffix wie in magy. idä-gä 
= f. jäntC'he. Wenn dies nun auph der fall wäre, so kann man 
die w. nüg, vog. neg nicht gern von est. nuki und den übrigen 
scheiden. Die bedeutung „binden" scheint sich sonach aus „zu- 
sammenbiegen, zusammenziehen" zu entwickeln, wodurch Verbin- 
dung mit der allgemeinen wurzel gewonnen wird, vgl. zunächst 
n:o 875 est. niverda. Die wurzelform tritt verschieden auf: wai, 
nok, nuk\ lap. nagg gewöhnlich = f. *wanÄ; und noch f. niv eben- 
so geschwächt wie liv. novu ruhen, m. m. nuva schlummern = f. 
nukku. Den Zusammenhang zwischen f. nak, magy. nüg, vog. neg 
und f. niv zeigen recht deutlich die Varianten nik-u-U, niv-u-li. 
Vog. neg hält die mitte, wie est. nögese = vot. nököse^ f. nokkose. 
— Das rus. kar. niv-o-iu-käe nom. -uS = f. ni-e-to-kse, ni-e-tto, 



\ 



18 

ni-e-tte-he, ni-a-Tcke-he n. -he Schneewehe gibt die ursprünglichere 
bedeutung dieses wortes an als das zusammengezogene. 

877. Fin. noj-a anlehnende, stützende Stellung, stütze. — naj-o 
neigung, biegung; adj. sich lehnend, stützend. — nty-ä, rioj-o-a sich 
gegen etwas lehnen, stutzen. — woj-w, nqj-o-Ua sich lehnen, stü- 
tzen, biegen, schwanken. 

nuqj'U sich biegen, krumm werden. — nnj-a-hta vorwärts 
fallen. — nui-sko neigende Stellung, schief. — nuisto id. — nui- 
SU hinterwärts hängend. — nui-sta schief machen, stellen. 

E. Earel. nt^-o-a sich stützen. — ficj-a-u-du = f. rioj-a-u-tu 
sich anlehnen. 

Veps, noj-e4aj nom. nojel biegsam, schwankend. — naj-e-l-su 
biegsam, schwankend werden. 

Yot, naj-a augelehnte Stellung, biegung; isuh seltä nojal sitzt 
mit gebogenem rücken. 

Est. nög-a gen. nöa das anstützen, angelehnte Stellung. 

Sv. Lap. naj-o ruhe. — naj-e ruhe geniessen. — naj-e-ste 
dim., naj-e-gö-te inchoat. 

Os^'.-Irtisoh. tioj-e-se schaukeln. — n. noi-tü-le (Ahlqv.) sich 
schaukeln. — noi-ü-p Schaukel. 

Die estn. form nöga zeigt den Zusammenhang mit der Wur- 
zel nakj dessen auslaut in so vielen sprachen erweicht vorkommt, 
vgl. est. naga gen. najaj nda = f. *naka n:o 853. Die wurzel- 
gestalt naj, noj, nuj, nuoj verändert sich wie nalc, noJc, nuk, ntwk 
n:o 853, 862, 870. Fin. nui-sta ist causativform eines neutralen 
*nui'Se schief sein, gebogen, daraus das mediale nui-suy ganz wie 
f. noU'Se schwellen, aufstehen und nou-su das schwellen, aufstehen, 
von jenem nuisto das schiefmachen, schiefe Stellung. 

878. Fin. noi-ta zauberer, hexe. — noi-ti, noi-di-tse verzau- 
bern. — noi-du-ske-le zauber ausüben. — noi-du-ksc verzauberter 
zustand. — noi-tu verzaubern, schwören, wahrsagen. — noi-tii-ri 
Zauberer, hexe. 

Vot nöi'to Zauberer. — E. Earel. noi-da id. 
Veps. noi'd zauberer. — noi-di-öe zaubern. 
Est. nöi'd gen. nöia hexe, zauberer. — nöi-da hexen, zaubern. 
N. Läpp, noaj'dde, sv. noi-te, noi-de zauberer, hexe. — n. 
noai'du verzaubern = fin. noi-tu. — n. noi-da-sta-lla, sv. noi-ta- 



19 

sta-üa, noi'txk zaubern, hexen. — n. noai'dde-vuot^ noüi-da-sta- 
lla-m, noat-de-lu-äSa-m zauber. 

Syij. nö'd, nöi-d, nöd Jcll räthsel, Sprichwort. — nö-dö-m, 
nö-da-n id. — nö-da in räthseln, unverständlich sprechen. 

Voy. no'do^ nO'de-s weise, klug. 

Vog. nai't Zauberer, Wahrsager. — kond. naj-t id. — Aüj-te- 
X'le wahrsagen, voraussehen. 

Da die ausübung des zaubers mit hoher erregung, angst 
und heftigen bewegungen des körpers verbunden war, scheint die 
herleitung dieser Wörter in Verbindung mit f. nqj-u, rtoj-o-tia 
schwanken, nuya-hta vorwärts fallen, n. ostj. noi-ttt-le sich schau- 
keln zu bringen zu sein. Vgl. Verf. wrtb. 436. Syrj. nö-d Teil 
entspricht f. noidan kieJi zaubersprache ; syrj. nöi-d = est. nöi-d 
stellt die Übereinstimmung ausser zweifei. Dagegen erklärt Bu- 
denz szöt. s. 788 das votj. nodo = vog. namt verstand, syrj. 
nöd'kil = Verstandes wort, weises wort. 

879. Fin. noti-se sich erheben, anschwellen, aufstehen. — nou- 
SU erhebung. aufstehen. — nou-so id. — no-s-ta = *woM-5c-/a, 
factiv zu nouse heben, in die höhe bringen, hervorheben. — no- 
sia-ita heben lassen. 

nav-i'Se stolpern, wackeln. 

E. Earel. nou-ze aufheben. 

Veps. nou'Se sichjerheben. — nou-ä-ta erheben. 

Vot nöi'se sich erheben, schwellen, anfangen. — nd-5a heben. 

Est nö'ze sich erheben. — nö-ze-iigu aufgang, aufsteigen. 

Liv. nü-jsö, L. nü-äu sich erheben, schwellen, entstehen, auf- 
stehen. — nu-S'tä heben, erheben, aufheben. — nu-stä-tö heben 
lassen. — nu-s-t-Ju fqv. 

Lap. n. nuof'öa zähe werden. — nuof-öa-s, nnov-öe-l zähe 
(d. i. ausgestreckt). 

Syrj. nu'za-la sich strecken, dehnen, zaudern, verzögern. — 
wM-i-wa-sa, nö-z-ma-Sa zögern, säumen, zaudern. — nu-z-mö-da, 
nö-z-mö'da id. — nw-iö-c?a, p. nu-zö-ta ausstrecken, ausdehnen, 
verzögern. — p. nu-z-la-la ausdehnen. — nu-zö-öi sich strecken, 
sich recken. — syrj. nw-i, nöz, nu-z-mi-d, nö-z-mi-d gedehnt, 
säumig, langsam, trag. — liu-za-s ausdehnung. 

Magy. nü'l sich strecken, greifen, langen. 



20 

Vog. Aü-nse, Auo-sse sich dehnen, sich ziehen. — nü-nse-ta" 
Xte sich ausstrecken. 

Eonda« Aou-se bewegt werden, wanken. 

Budenz szöt. 453 verbindet die syrjänischen Wörter mit den 
ugrischen und zählt mit recht hieher auch n. lap. nuoföasy nuov- 
öel zähe, nuoföa zähe werden, die er aus einer grundform Anokö-, 
wie n. lap. öaßa, öaköa = fin. säksü, mit dem continuativ-sufHx 
sk (ks) herleitet. Er ' huldigt übrigens der auffassung, dass die 
wurzelform Au der bei ndk collum, szotär n:o 430 entwickelten 
wortreihe verwandt sei, daher mit ugr. n„g (vog. «or, nau) ^mo- 
veri^ in Zusammenhang stehe. Vgl. meine wenig modifiirte auf- 
fassung bei n:o 874. — Die hier angeführten Wörter aus den 
baltischen sprachen scheinen die art der bewegung näher zu be- 
stimmen, indem f. nou-se, liv. nü-^ö mit vog. nuossc und f. no-sia 
mit syrj. nu-zöda, perm. nu-zöta identisch sind, sonach die gntod- 
bedeutung = „sich vorwärts bewegen, erheben", lautlich in naher 
Verbindung steht mit n:o 877 nojä und begrifflich sowohl mit die- 
sem als mit nako haschen, nokki napfen, nukhu einschlummern, 
d. i. sich vorwärts biegen, nuokkä, noikka sich beugen, die aus 
derselben wurzel hervorgehen. Der Übergang k : v,u vor ä tritt 
mehrmals zum Vorschein: s. lap. juks, juoks bogen, mord. jonks 
= fin. jouse; lap. nuköa, Auß schwan = f. joutsen; mord. suks, 
s. lap. suoks, n. suofs = vog. sau wurm. Was das suffix se be- 
trifft, welches hier als intransitiv suffix durchgehend verwendet 
wird, fällt es zusammen mit dem gewöhnlichen intensiv oder con- 
tinuativ suffix, das so überaus häufig in anwendung kommt: f. 
käh'i'Se heiser sein, zischen, töri-se röcheln, brausen, zischen, 
tir-i'Se id., n. lap. kuor-se husten (meist von thieren), ers. mord. 
nalkse spielen von nalko u. s. w. 

Hieher müssen wohl auch lap. nHok-öa-ntj n. nuov'C, en. nu- 
ov'öa zunge = ostj. nox-se-m gezählt werden, in der bedeutung: 
das sich ausstreckende, dehnende. 

880. Fin. nou-ta holen, herbeiführen, gewähren, erreichen. — 
nou'to das holen. — nou-da-tta holen lassen, nachfolgen, gewäh- 
ren, nachahmen. — nou-te-le öfter abholen, gewähren. 

Est. nöH-da trachten, streben, fordern, untersuchen. — nöu- 
d'li-ku, nom. -lik,^ nöu-d-ja-s betriebsam, strebsam, bedacht. 

Syxj. nog-ma entstehen, sich gestalten. 



21 

Votj. nui'tOj nu-to ausdehnen, ausspannen. 

Magy. riuj'ta, nüj-ta ausdehnen, ausziehen, darreichen. — 
nüj'tO'^ sich strecken, sich recken. 

Ostj. i. nog-o-dej s. nox-te von der stelle bewegen. — Ahl- 
qvist: nox-ta-llc^ Hoy-a-l-t-le rühren, bewegen, schwanken, schütteln. 

K. Vogul. nou-i'te, nau-ie schaukeln, wiegen, schwenken. — 
Hov-e sich bewegen. — nou-l-te bewegen. 

Der in vorgehender nummer entwickelten reihe intransitiva 
stehen die obigen als transitiva oder causativa entgegen. In bei- 
den tritt der auslaut der wurzel teils als t, j teils als ti, v, f zum 
Vorschein, beide aus (/, ^*, welches noch im ostjakischen geblieben. 
Syrj. nog-ma ist zunächst neutrales denominativ aus nog sitte, 
weise, dies wort stimmt aber vollständig überein mit liv. növ, neu, 
f. neu'O Vorsatz = streben und wird vom wurzelelement des vog. 
nov-e sich bewegen vortreflFlich gedeckt. Wog.Aou-lte ist mit dem 
bei n:o 872 angeführten ostj. nox-o-lte bewegen identisch. 

881. Fin. neu-o, neu-v-o mittel, rath, anschlag, Werkzeug. — 
neU'O, neu-V'O rathen, unterrichten, mahnen, anzeigen. — neu-v- 
O'tta unterrichten lassen, rathschlagen, herbeiführen lassen, be- 
stellen. — neu-V'O'tte-le rathschlagen. — neu-v-o-lcsi rathen, an- 
zeigen. 

Bus. Earel. «ew-o, 'Aeu-v-o rath, geräth. — Aeu-o rathen. 

Veps. nev-o unterrichten. — nev-v-u-o rathgeben. — Tot. nev-v-o 
rathen, mahnen. — nev-v-o rath. 

Est. nöU'U, nom. nöu; nöu-du, nom. nötid Vorsatz, absieht, 
mittel, rath, Werkzeug. — nöu-v-u, nom. nöuv id. — nöu-ta rath 
schaffen, besorgen, erstreben. — nöu-ie-le hin und her sinnen. — 
nöu'tu-se, nom. nöutus das streben. 

Liv. növ, L. neu rath, Vorsatz, Überlegung. — növ-ü rathen. 
— növ'iö rathschlagen. 

Sv. Lap. neU'V'O netz, geräth zum fischen; südlicher: rath- 
schlag. — neu-to pflegen, warten, besorgen. — neu-to pflege, 
Wartung. — neu-to-m id. — n. näv-v-o geräth, Werkzeug. — näv-a 
gen. nävvaga rath. 

Syij. nog weise, mittel, sitte, exempel. — nog-Jcu-ta, nog-sfh 
Jcu'ta nachahmen (vgl. fin. noudatta). 

Die obigen scheinen sich der wurzel nak anzuschliessen, zu- 
nächst in der intransitiven fassung: was sich erhebt, bewegt, v^l. 



22 

nau'Se n:o 879, wie f. aivo getairn, gemttth und aju gehirn, ver- 
ßtand mit aivon, inf. aikoa die absieht hegen, auf etwas zielen, 
aja treiben in Verbindung stehen. Formell stehen fin. neuvoUa^ 
neuottele, est. nöuta, nöutele dem fin. noudatta, noutele sehr nahe. 
Syrj. nog verhält sich : liv. növ, neu, f. twuvo = f. nuAJtu, läpp. 
nokküj pr. noYam, magy. nugod: liv. now, nau, mord. nuva n:o870. 

882. Fin. nok-ra, nau-ra lachen, spotten. — nau-ru^ nau-ro 
gelächter, spott. — nau-ra-tta fact zum lachen bringen. 

Vot. nag-ra lachen. — Veps. nag-ra id. — nag-r gelächter. 

Est. nau-ra, nae-rra lachen, scherzen, spotten. — nae-ru, 
nom. nau-r gelächter. — nae-^ru-ta fact. 

Liv. nag-rö, L. nüg-ru scherzen, lachen, spotten. — nag-r 
spott, scherz, spass. 

Sp. läpp, nau-ro-te irridere. 

Magy. näv-ä't lachen. — mäv-ä-t id. 

Irt. Os^j. näg-a lachen. — nax, nax gelächter. — nord. Aax- 
ta, nox'ia lachen. — nax-a-l-ta laut lachen, höhnen, spotten, 
Hunfalvy. — nax-fe lachen, nax lachen, nax-kaS spiel, scherz, 
(lachen-vergnügen), nax-'i-n lachend, lächerlich, Aag-a-t-le, ndg-a- 
t'ta-le zum lachen bringen. 

K, Vog. mag-i-nty n. mü-i-nty L. mä-i-nt lachen. 

Ahlqvist mord. gram. 170 vergleicht mit f. ndkran noch m. 
mord. rakan laut auflachen, wo dann dissimilation von n : r wie im 
mordv. und estn. nekriit, liv. nehüt für rcJcrut anzunehmen wäre, vgl. 
jedoch f. raJclä, — Budenz szöt. 425 stellt magy.wäv-ä-/ lachen, des- 
sen nebenform mäv-ät auf Vog. L. mä-i-nt, N. mü-i-nt, K. mag-i-ni 
zurückgeht, nur mit diesen zusammen, ohne die übrigen zu be- 
rücksichtigen. Schon im vogulischen ist aber der doppelte vokal 
vertreten: mag-i-nt, mä-i-nt = *mäg-i-nt, freqv. suffix nt wie 
magy. t enthaltend, wodurch diese sprachen wie oft sonst einen 
gegensatz gegen die baltisch-lappischen mit r-suffix bilden. Der 
Wechsel n : m kann in mehreren fällen nicht bestritten werden: 
f. nukula miikula, 7iukkonen mukkoncn nessel, est. nägar mägar 
stechendes insekt, läpp. Aigndis mineles weibchen, m. mord. net- 
kas ers. metkas eidechse. — Zusammenhang mit w. nak sich bie- 
gen, neigen kann wohl durch die schwankende bewegung des 
körpers beim lachen der naturvölker angenommen werden. 



23 

883. Fin. näk-e pr. näen^ näjen sehen, wahrnehmen, betrach- 
ten. — näk-ü sichtbar sein. — näk-ä, näh-ö aussehen, anblick, 
angesicht. — näk-üsä, näk-ö-sä sichtbar, ansehnlich. — näk-ü-lä 
langwierig. — nä-e-ske-le frqv. — nä-ü-ttä zeigen, hervorheben, 
darstellen, sich zeigen. 

Vot. näk-e sehen. — näk-o angesicht. — näö-i-jä-s zeuge = 
f. näk-i'jä zeuge, Wahrsager. 

Veps. Tiäg-e sehen. — E. Kar. näg-e id., näg-ü erscheinen, 
fiäg-ö aussehen. 

Est näg-e inf. näha, nähja sehen, gewahr werden, merken. 
— näg-i erscheinen, sichtbar sein. — nä-i id. — näg-Uj näg-o 
ansehen, aussehen, antlitz. — näg-i, näg-i-se sichtbar, anschau- 
lich. — nä'i'ta zeigen, anzeigen. — nä-i-de das zu zeigende, 
muster. — näg-u-sa, nom. nägus auffallig, in die äugen fallend, 
hübsch. — näh-e, nähk schein, Schattenbild. 

Liv. nä-e inf. nädö sehen. — nä-e-mi erscheinung. — näg-u 
aussehen, erscheinung, gestalt, angesicht. — näg-u-s ansehnlich, 
hübsch. — nä-e-dö'b sichtbar. — näk-tö^ L. nä-e-tö zeigen, an- 
weisen, scheinen. 

N. Lap. niekk'O, sv. wöfc-o träum. — n. nisy-a-de, sv. woÄ- 
e-te träumen. 

M. Mord, näj-a sehen. — näi-va, näi-va erseheinen. — näi 
sehend, zeuge. — nä-f-ta zeigen, hinweisen. 

Ersa M. nq-a sehen, erblicken. — nej-e^o erscheinen, sich 
zeigen. — naj-e-vi sichtbar. — fuj-e-v-ks erscheinung, zeichen. — 
nä-f'ta zeigen. 

Magy. ne-z sehen, schauen, anschauen. — ne-zärl beschauen. 
nc'Zo Zuschauer. 

N. Osljj. ni sehen. — ni-la sichtbar. — iM-la-je erscheinen, 
sichtlich sein (Ahlqvist). 

E. Vog. neg4e, nq-le, nig-le erscheinen, sich zeigen. — nig- 
le-pe id. — ne-l-te hervorholen. — N. ny-le erscheinen. — we;- 
la-py n(j4ä-p, sich zeigen, plötzlich hervorkommen. — tuy-Ute^ 
nej'l'ta-x^e sich vorübergehend zeigen. 

Budenz szöt. 426. — f. näküsä sichtbar, ansehnlich, näkiilä 
langwierig (= was sich lange zeigt) scheinen mir Verbindung mit 
est. näkal hauer, picker, näldc pflock, nekk hervorragende spitze 
zu bezeugen, wodurch näk sehen in Zusammenhang mit der Wur- 
zel nak kommt. Sehen (näkj würde sonach ursprünglich „sich 



24 

hervorstrecken sein und findet in den verschiedenen bedeutungen 
eine passende analogie in lat. spec-i-o, spec-to, ahd. spcJii prudens, 
d. späh-en, Curtius Grundz.* 1 67. In trachten und betrachten liegt 
dieselbe anschauung ganz deutlich. — Die läpp. Wörter gehören 
gewiss hieher: 7iäko ist mit vot. näko, f. näkö, est. nägo identisch; 
was die bedeutung betrifft, bieten die ausdrücke f. unta näkCj ers. 
mord. onov neje träumen (eig. schlaf sehen) genügende aufklärung. 

884. Fin. nak'jä reiben, sich schleppend bewegen. — näh-jä 
kreuz und quer hauen, quetschen, zerlumpen. — näli-jä gehauen, 
zerlumpt. 

nuh-jä stossen, zögern, sich tölpelhaft bewegen. — nuh-a-ja, 
nuh'ä sich in ecken auflialten, elend leben, schleichen. — nuoh-ki 
in ecken schleichen, reiben. — nuh-te-he, nom. nuMe verweis, 
mahnung, Züchtigung. — nuh-te-le zurechtweisen, tadeln, bestra- 
fen. — nuh-e-r-ta eifrig reiben, arbeiten. 

nüh-jä, nüh'käy nüh-ji, näh-lci schieben, stossen; schluchzen. 

nüh'tä zupfen, reissen, abziehen, schluchzen. 

Est. nuh-a reiben. — nuh-t-le strafen, züchtigen, peinigen. 

näh'i reiben, scheuern, abreiben, prügeln. — nüh-Tci reiben, 
scheuern. — nüh-Jca sich schieben, schleichen. — wmä-u schieben, 
fortschieben. 

Veps. nüh'tä'i'öe ausreissen. 

N. Lap. nuv'dde, s. M-ie stossen, quetschen. — s. nü-fc-ie 
fact., M'to muss. — enar. nah-e-de stechen. — nuh-tc-le, nuh-ta- 
IIa tadeln. 

IL Mord, nef'te rupfen (ein huhn), reissen (an den haaren). 

Öer. nük-ta^ nök-ta schinden, die haut abziehen. 

Osy. N. noh'ta schlägein, lähmen, hinken (Hunfalvy). — nnh-ta 
anbeissen, schneiden. 

Ostj. nohta, nuhta bietet ein beispiel des ersten lautwcchsels 
kt : ht wie im fin. näke^ inf. nähdä, daher auch fin. nühtä, nuhde. 
Fin. nuherta steht nukerta, karel. nukerda 858 nahe, wie f. naJijäy 
nuhjä denselben lautübergang zeigt, als est. nage inf. na'Äa, nähja. 
In der bedeutung schliesst sich diese nummer an die reihe 858 
bis 860. Weiterbildungen und parallelformen gibt es mehrere im 
finnischen, wie noh-ko blödsinniger mensch, tölpel ; — fioh-va, noh- 
o-va grober, klumper mensch; — nöA-to' id.; — nah-ku4i, nah-ju- 
kse^ n. -jus^ nuh-ku, nuh-ku-ja, niih-ke-ro, nuh-ku-ro, nuh-ju, ntih- 



25 

ju-kse träger, unbeholfener mensch. — Öhrling lex. verbindet lap. 
nute mit f. nuijä (n:o 888), was doch nicht stimmt, da dem f. m 
auch läpp, ui entspricht, ausnahmsweise oai: f. suitta = läpp. 
stiite, soaite; f. kuja = Ip. guje; f. muista = Ip. mtdte. Qvigstad, 
Vergl. d. wortvorraths d. läpp. u. fin. spr. 12 u. a. 

885. Fin. nil-lü stumpf werden, sich abnutzen. — nu-lä stumpf 
machen, schwach machen. — nfi-lä stumpf. — nü-lä id. 

fiä'2)fi ermüden, schwach werden. — nu-pe-ä schwach. — 
na-n-tü ermüden, schmachten, absterben. — fiä-n-iä, nä-n-nü-ttä 
ermatten. — na-vä ermüdung. 

Mord. m. nev-i-la, ers. nev-i-Fa abtragen, sich abnutzen. 

m. ncv'i'I'de, ers. nev-e-t-de ausreissen, ausrupfen. 

m. nav'la hast. — e. nav-o-lo, no-la, m. no-lä splint. 

Magy. lio-l abtragen, raufen. 

7UiV'ö, növ-ö int. nü-ni, no-ni abwetzen, abtragen, raufen; 
sich abwetzen, — niiv-ä-d sich abreiben, sich abwetzen. 

Buudenz szot. 458 vereinigt, magy. Mvd^ nol, nüväd u. a. 
auch mit fin. nülke schinden, und nimmt hier dieselbe lautum- 
stellung an, durch welche er f. kulge (kulke) aus kugle erklärt, 
wie auch f. salko aus saglo^ sulka aus sugla^ selkä aus seglä, stüko 
aus suglo. In allen diesen fällen finde ich sie zweifelhaft, vergl. 
wörterb. 694, 700, 707 u. a. F. nülke scheint besser mit übrigen 
verwandten aus würz, nü glatt n:o 944 erklärt zu werden; vergl. 
andere bildungen mit Äe-suflTix wie n. lap. sol-ke-te intr. schmelzen, 
sol-gi trans., dem in allen übrigen sprachen mit ausnähme des 
magy. ol-va-d, formen ohne diesem suffix entsprechen: fin. sul-a 
u. s. w. wörterb. 716. — Mit magy. ?lol= növ-ö-l stimmt in laut 
und bedeutung mord. nev-i-la, fin. nü4ü. 

886. Fin. nuV'i'Stu welken. — nü-ta ermatten, entkräften, ab- 
wärts hängen. — nü-tu ermatten, verwelken. — nü schmerz füh- 
len. — nü-ru krank sein, schmerz fühlen, abmatten, klagen. 

£n. Lap. nuhh-u präs. nuwu abgenutzt werden. 

Magy. nav-a-l-ja krankheit. — nnv-a-d ersticken. — nuv-a- 
S'ta fact. ereticken machen. — Tiov-a-d ersticken, ertrinken, Magy. 
Nyelvör VII, 332. 



26 

H. Ostj. noy-a-le ersticken, erwürgen. — nnv-e-l-ta sich schla- 
gen, raufen. 

Nebenformen zur vorhergehenden nummer. — Budenz szot. 
455 verbindet 7iuvad mit fin. jü-pu, jü-tiu ermatten, die vielleicht 
auch im f. ü-pu eine verwandte bildung haben. Die hier ange- 
führten scheinen noch näher zu liegen und geben eine passende 
Verbindung mit der wurzel nak nach zwei richtungen, in der form 
nuk, nuv einschlummern, träge sein, n:o 870, und naJc, nav^ nuv 
schaben, reiben, nagen. Was die bedeutung in Auv-a-sta betriSt, 
ist fin. nik'i'Stä „ersticken machen"* zu vergleichen, welches mit 
demselben suffix gebildet ist wie nuv-i-stu von einem factivam 
*nuV'i''Sta aus *nuv-i'Se. — Liv. nav, nou, nä tod, novo tödter 
schliessen sich eng an den hier angeführten, stammen jedoch un- 
zweifelhaft entweder aus dem got. nam, nom. naus der todte, 
naus st. nava adj. todt, oder aus dem lett. nave der tod, ist 
navi der todte. 

887. Fin. nui-ja, nuh-ja keule, kartoffelhacke, adj. mühsam, 
langweilig. — nui-va herb, rauh, unfreundlich. 

Est. nuua knttttel, keule. — nah-ja keule, prügel. 

liv. nuj-ä stock, knttttel. 

Syij. nihä klopf el. — Vo^j. nu-äi Schlägel, hölzerner hammer. 

888. Rn. nui-jä d. i. *nni'ja'da mit einer keule schlagen. — 
nuj-e^'ta schlagen, bezwingen, dämpfen. — nuj-u mit den speisen 
wählerisch sein, abmagern. — niij-o ekel gegen das essen. — 
nuj-a-U'ksej nom. nujaus stoss. — nui-ska abschneiden, scheeren. 

Est. nui-a schlagen, dreschen, drängen, in jemanden dringen. 

8v. Lap. naj-aste abschaben. — na-ske die haut abziehen. 

M. Mord, nuj-a ernten. — nui ernter. — nu-se-nde frqv. 
ernten. — ers. nuj-e ernten, schneiden. — nu-mo ernte. 

Magy. nü'Z schinden, abhäuten. 

Vog. B. nuj'i schinden. — nuyi-mt^ nu-i-mt vb. mom. schin- 
den. — Huj-ga-l, Huj-ge-l id. 

Mord. wMJa, nuje fordern ein f. *«!(;a, aus welchem in der 
that das neutrale wu/w, sowie das subst. nujaus und auch nujata 
gebildet sind. „Stossen, schlagen, schneiden, schinden, reiben, 
abstreichen = wählen" entwickeln sich hier wie in n:o 855 — 60. 



27 

Fin. nakka schlagen, knacken, nako nach etwas haschen, liv. naku 
greifen, f. nakerta beissen, nagen, ostj. nogorta schnitzeln, hobeln, 
f. nukhi abschälen, ostj. nagase id., sowie est nokka hacken, klo- 
pfen, lap. nokkete reiben, f. nakaioitse binden, lap. nagge drängen; 
vgl. noch 884 ostj. nohta schlägein, nuhta anbeissen, schneiden, 
5er. nükta schinden, fin. nühtä retssen, abziehen. — Die zahlrei- 
chen formen der n:o 888, 9 gehen zurück auf eine wurzel najy 
nuj, nij, welche wahrscheinlich identisch mit der vorhergehenden nak 
und deren Varianten nah, naj, nav ist. Budenz szöt. 442 verbin- 
det mord. nujcy lap. Aaske mit 5er. Aäkt, Mz, b. nöi, magy. näS, 
fin. nlttä und n:o 456 magy. nüjs mit lap. liuove, vog. nw;, fiujgel, 
ostj. näxs, Aägas, indem er jene aus einer ugrischen grundform 
n ~ g mit weichem, diese aus n-g mit hartem vokal herleitet 
Dieser letzten grundform komme die bedeutung ,,streifen, reiben^ 
zu und stehe mit nüv, növ = Aüg „conterere, abreiben^ in ähn- 
licher weise in Verbindung, wie indogerm. strig streichen, streifen 
(lat. stringere) = slav. strig scheren, indog. strug streichen, rei- 
ben = slav strüg rädere, tondere. Meine auffassung ist nur et- 
was allgemeiner. Ich verfolge die Weiterentwicklung der wurzel- 
bedeutung, und da die verschiedenen lautformen nak, nah, naj, nav 
in den meisten sprachen vorkommen, schien eine vertheilung nach 
derselben mit berücksichtigung der suflfixelemente passender, als 
nach dem leicht wechselnden vokallaut. Über magy. MS u. a. 
siehe n:o 918. 



889. Fin. ni'ttä des heu mähen, ernten. — m-tto das mähen* 
— nt'ttü wiese. 

Earel. nl-ttä, m-ttä mähen. 

Vot nai'ta verschneiden. — nt-tä mähen, scheren. — w7- 
Uü wiese. 

Veps. n74a das heu mähen. 

Est. ni'ta scheren, abschneiden, mähen. — nt-tu heuschlag 
wiese, das gemähte. 

Liv. nl-iö, L. nl-tu mähen, ernten, abschneiden. — m-ti-ji 
mäher, Schnitter. — nt-t wiese. 

nai'de, nai-d streit, Zwietracht. 

£n. Läpp, nhtte mähen, ernten. — H. Läpp, ne-tta schneu- 
zen. — nie-tta-m das schneuzen. 



28 

s. niei'te opprimerc, ii. niäi-dde. — en. Mi-dde umwerfen, 
umfallen. 

Syij. nöj't schlagen, knittern, zerknittern, zucken. — Fenn. 
ncQ't kneten, treten. 

Nebenform zu ru-ttä ist fin. ni-stä den docht eines lichtes 
abscheren, von den gröberen reinigen = vot. tü-ssä für nl-stä^ 
est. ni'Sta sich gegen etwas reiben, schneuzen (ein licht, einen 
kienspan). Diese setzen ein *m-sä, mse voraus, aus welchem in 
der that das intrans. nl-su wählerisch gegen das essen, gebildet 
ist Fin. m-ttä ist intensivbildung und entspricht liv. m-tö. Das 
verhältniss des syrj. nöj-t zu fin nut-i-sta^ ostj. Tiofe n:o 904 ist 
näher zu untersuchen. Vgl. übrigens vorgehende nummer. 

890. Fin. nä-iä Steinmarder (mustela martes). 
Bus. Earel. fieäd-ä id. 

Lap. n. nä'tte, sv. tie-te, enare nä-te mardcr. 
Magy. fiä'S'te, nom. näSt mustela martes. 

Magy. nyelv. szöt. IV, 921. Budenz szot 443 erinnert was 
das suflTix betrifft an f. nei-de (nei-te) = magy. no und fasst sie, 
welches in no-He-nj u. a. vorkommt, als diminutivsufiix = sJc. 

Ohne zweifei ist diese bildung auf dieselbe wurzel naJc, näk, 
näv „beissen, nagen", vgl. f. nak-u-ri Schmarotzer, liv. näg-a-r 
gefrässig n:o 857, zurückzuführen wie das est. nugis^ ostj. nogos n:o 
861. Auffallend ist hierbei, dass das finnische und lappische Dicht 
die formen mit ^-sufiix, die übrigen sprachen nicht die mit ^8uffix 
haben; nur das magyarische vereinigt beide in nu-s-to n-o 862 
und liä-S'ie, aus welchem verhältniss, verglichen mit /m-Z, nu-s-ka 
n:o 892 zur genüge hervorzugehen scheint, dass nä-^-te zu ver- 
theilen ist. Was nu-s-to betrifft, vergleicht B. selbst die bildung 
ara-s neben ara-s-t, Anderson Stud. 312 verbindet magy. nä§t 
marder mit 7iää schneiden, was der obigen erklärung nicht im 
wege steht, wenn dies wort aus der wurzel nak, nav hergeleitet 
wird, vgl. jedoch bei n:o 918 meine abweichende auffassung. 

891. Lap. SV. nav'a'la'k made, motte. — n. niv'dna-la'g^ nom. 
nivn motte. 

Magy. nüv'ä^ nom. nü fleischmade. — näv-ä-s voll Würmer. 
Osljj. J. niü'k made. — N. nin-k motte. 



29 



Vog. nin wurm. — Ain-k-ve dimin. 



Caströn Ostj. spr. 87. Budenz szot. 457. Die grundbedeu- 
tung geht aus dem Zusammenhang mit n:o 862 hervor. Fin. naJc- 
e-i'-ta „nagen, schaben" geht auf ein *nak'e-re n:o 858 zurück, eine 
form die auch in nav-a-la und im magy. uu-la = nnv-a-la n:o 
892 auftritt. 

892 Lap. n. enar. noamm-e-l^ sv. nomm-e-l hase. 
Mord. m. num-'i-l hase. — ers. num-o-lo id. 
Magy. nü'la, nu-la, nom. nül, nul hase. — Baranya: nu- 
S'ka hase. 

Budenz szot. 452 hat, auf den lautttbergang m = v hin- 
weisend, als ursprüngliche form n^v^la angesetzt In der that 
finden wir sie auch im ostjak.-samojedischen nom-a^ neiv-a^ dem 
in den verwandten sprachen jur. naw-a, dimin. naw-a-ku, tiaiv-a-ko, 
taw. nom-u, jenis. 7iab-a, dim. näfha-hu entsprechen, wie auch la 
in den finnischen sprachen als diminutiv- oder freqventativzeichen 
auftritt. Wurzelhaft ist das wort mit est. niißis n:o 861, f. nätä 
und lap. navalak n:o 891 verwandt, mit dem letzten sogar im 
suflBx-element, indem nomm'C'l = nav-a-laß) ist. Im kam. sa- 
mojedischen finden wir mw-ä'-fä nagen. 

893. Fin. nauk-ii^ pr. nauvun, naukun miauen, winseln, wim- 
mern. — nauk'U das miauen. — nauk-u-e-le frqv. — nauh-a- 
i'Se subit. 

niuk'U winseln. — nikk-a das schluchzen. — nik-o-tta, näc- 
U'tta schluchzen erwecken. — nik-o-Ue-le freqv., nik-chtu-tta, 
nik'O'S'tU'tia factitiv. — nihk-a, nihk-u schluchzen, weinen, hicken. 

Est. näug-u, näug-i miauen. — näg-Uf nä-u id. — nig-u 
schluchzen, hicken, das schluchzen. 

Liv. näuv miauen. 

H. Lap. nakk-a-stCj nakk-a-na-ste, in kautok. nalhakaste 
schluchzen, sv. nakk-ßj tiakk-e-ste id. — » n. nakk-a-s, sv. nikk-a, 
nikk-e-nes das schluchzen. 

Magy. nav-o-g miauen, wimmern. 

N. Ostj. nak-a-S-le schluchzen. 

Fin. nauk ist entweder Steigerung eines einfachen nak, wie 
n:o 857 nako und naukkä, denn die lappische form stimmt nicht 



so 

mit ^lauk, welchem ein *navgc entsprecben würde (dagegen ist n)p 
nak^ SV. nik = fin. nUt), oder ist nau-hu zu vertheilen, dabei das- 
selbe Suffix Tcu hier anzunehmen wäre, wie im fin. kai-ku, tir-km 
und sonach fin. nau = magy. tiäv, {niu in niuku), ostj. lioi, 
vgl. est. nuks schluchzen. Ich ziehe die erste erklärung vor, denn 
ähnliche Verstärkung zeigt f. naftka = n. ostj. nuka baut, felL 
D. 868. u. a. Sonst wäre auch tibergang oder vertust eines in- 
lautenden Z-s denkbar, in welchem falle syrj. ;iaZ--s'7, nav-zl^ huI-zI^ 
ntiV'Zt miauen zu vergleichen sind. 

894. 8. Lap. nakk-a-he valere. — nakk-a-ha-dde frqv. 
Magy. nadj gross. 

Mit hinweis auf den häufigen Übergang eines anlautenden n 
zu m stellt Budenz szöt 415 magy. nadj mit votj. mod herr, obe- 
rer, modes vornehm zusammen, In der bedeutung verhalten ae 
sich wie lat. magnus, magister, russ. bcjary älter boljar und boläje 
mehr. Dies unter der Voraussetzung, dass sich das dj in nadj 
wie öfters aus ursprünglichem t entwickelt hat. Der Übergang 
eines ursprünglichen g in dj kommt doch auch vor, wie aus magy. 
edj für älteres ig (Hai. Besz^d) = cer. ik hervorgeht; ähnlich 
fadj frieren = ostj. pegme^ idjäkcz conari, niti = s. lap. vigge 
eniti, Budenz szöt. 889, adj haupt = fin. in Suojärvi agja ende, 
nase. Wie dem letztgenannten das irt. ostj. 0%, surg. og köpf 
entspricht, so kann magy. nadj gross = irt. ostj. wox, surg. tioi 
oben, n. nox das obere, vog. non n:o 862 zur w. nak gehören 
und daher was die bedeutung anlangt, als verwandt mit den obi- 
gen Wörtern aufgeführt werden. Mit annähme nadj = nat scheint 
Zusammenhang vorzuliegen mit f. nat-c-va fest, stark aus nati, 
welches jetzt nur in der bedeutung fachwerk, brückenkasten n:o 
910^b) vorkommt, ursprünglich aber etwas zusammengefügtes be- 
deutet hat. Noch schwächere formen davon sind f. naseva, na- 
sakka fest, stark, nohova, nohva grob, kräftig, gross n:o 913, 14. 

895. Fin. nauhk-e-a, nav-e-a dicht, fest, stark. 
Liv. nuk'ä dickes stück brot. 

Syrj. nök sahne, rahm. — nök ganz, sämnitlich. — nög-l-t 
dick, trüb (hier). 

Vo^. nök'i sahne- 



31 

Cer. w. nug-O'do, b. nug-u-da, nog-o-da crassus, spissus (li- 
qvor). — w. nug-n-de-ma, b. nug-u-de-mä condensari. 

Die adjectivenduDg do^ da im ceremissischen = fin. da für 
ta ist ziemlich häufig: (er. volgodo leuchtend, glänzend = fln. 
valkea, und gegenüber 5er. u kommt gedehnter vokal öfters im 
finnischen vor: Jculo, fin. kuole sterben. Fin. nauhk kann aus nauk 
hervorgegangen sein (vgl. fin. naJika haut = ostj. Tiuki n:o 901) 
und dies durch vokalsteigerung aus einer form nakj wie nako, 
naiikkä n:o 857, obwohl kein begrifflicher Zusammenhang wahr- 
zunehmen ist. Durch Schwächung bekommt man fin. nav entweder 
direkt aus nak oder wie nauku, präs. nauvun^ liv. näuv miauen. 
Der Vokalwechsel u : o im (eremissischen deutet ebenfalls auf fin. 
a, wie öer. Son, §un thon = fin. save D. 793, Sopo sauer = fin. 
happa 775; nugodo wäre sonach = f. *nakata, *nak€a. 

Jur. samojed. nanota, Tiawota, kam. nannu dick. 

896. Sv. Lap. nauk-a grex minor pecudum. 
Syij- j(y fleisch. 

Magy. näj-a, nom. näj herde. — näj in mind-näjan alle ins- 
gesammt. — ni viel: anni i. e. az-nyi so viel, egy marok-nyi eine 
handvoll, anyänyi leäny erwachsenes (muttergrosses) mädchen. 

Vog. nau'l fleisch. — k. nou-l, nov4 fleisch, leib, körper. 

OstJ. i. nog-o^ nog-a, s. nog-o-j fleisch. — n. nö^-a, nog-'i-j 
fleisch, leib, körper. 

Die obigen, ausser dem lappischen wort, hat schon Budenz 
szöt. 428 verbunden, dabei auf mord. lama, lamo viel (ers. lamo- 
nesk ihrer viele, eine menge) = fin. lauma herde, häufen, und aus 
dem indogerm. gebiete auf slav. ploü fleisch, körper, daraus plotnij 
dicht, fest, stark, fleischig, plünü voll und plükü volk, häufen, 
verweisend. In derselben weise berühren sich fin. nauhkea dicht, 
fest, cer. nugodo. 

897. Est. nüg-e gelbbraun, schmutzig gelb, dunkel blond. 
Ostj. s. nog-i, new-i weiss. — irt. now-a, n. nov-'i id. 
s. naj feuer. — nord. nag, naj feuer, obd. sonne. 
Vog. näj feuer, glänz. 

Vgl. Kam. Samojed. AanneKm feuer. 



32 

898. Fin. nagris, nauris rübe. 

Vot. nagris rübe. — nagris mö = t nauris ma rübeDfeld. 

Veps. nagrü rübe. 

Est. nagre, nom. nagr; nalre, nom. nakr; nairis, g. nairi; 
näris rübe. 

Liv. naggörSy nagrös, L. nägr. kartoffel, rübe. 

Sv. Läpp, naura, naurcJm, naurak rübe. — n. nauraä, en. 
navris id. 

Ahlqvist kulturw. 35 hält das wort für ursprünglich finiiiscb, 
wie überhaupt nach ihm rübe und gerste die einzigen pflanzen 
waren, die von den alten Finnen kultivirt wurden. 



899. Fin. nai'Se frau, mädchen, weib. — nai uxorera ducere. 

— nai'pa raaturus conjugio. — nai-ma heirath. — nai-tta verhei- 
rathen. — nai-ii-o puella nubilis = nai-ta-va. — nai-se'ka'S vcr- 
heiratheter mann. 

Vot nai'Se weib. — nai-si-kko frau. — nai sich heirathen. 

Veps. nai'se frau, weib. — nai sich heirathen. — nai-sc-ka-s 
verheiratheter mann. 

Est. nae-ze weib. — nae-zi-k gefallene dime. — nae-zi-ne 
weiblich. — nai-da heirathen lassen. 

Liv. nai st. nai-ze weib, gattin. — nai-s-ki dim. 

N. Lap. n. nai-ite verheirathen. — nai-tta-h sich heirathen. 

— nai-tte-m, nai-iia-lä-hme heirath. — cfnar. najj-e heirathen. 

s. ni'S'U, ni'S-un^ n. ni-ss-un frau, weib. 
E. Mord, ni-z-ana Schwiegermutter. 

Magy. nä'S hochzeit. — nä-so-lö zur hochzeit hörend, n. 
leänj brautjungfer = sz^kl. nii-sü Icänj. 
N. Ostj. nai frau. 

Sehr verlockend scheint die herlcitung des naise aus w«, 
welches in nCt-ra weib unter den thieren und dann in Zusammen- 
setzungen näras koira canis femina = nais koira vorkommt, ähn- 
lich* gebildet wie koira hund, koiras mas. Von nä wäre dann 
na-ise, wie aus mä ma-ise^ pä pä-isc und der verbalstamm na-i 
wie mun-i aus muna, pes-i aus pcsä mit denominativsuftix i ge- 
bildet, siehe Budenz szöt. 418. Indessen spricht das von Ahlqvist 
später im nordostjakischen gefundene nai für die wurzelhafti^keit 
des i, wie andererseits das nur hochlautig modifiirte mi in vielen 



33 

sprachen dieselbe form angiebt. — Das lappische nisu, nissun, 
welches Bndenz mit den übrigen verbindet, stimmt nicht ganz 
gut mit diesen Uberein, obwohl es der sz^klerform tiüsü nahe 
kommt. Dem finnischen ai entspricht nämlich anch läpp, ai : nlp. 
haike = f. paikka^ Ip. maiste = f. maista. Ich würde es daher 
lieber mit f. nisä weiberbrust verbinden, da finnischem i häufig 
lappisch i entspricht und die bedeutung sich in derselben weise 
entwickelt hätte, wie lat. mamma brüst und dann mutter, vergl. 
bei Curtius* 335 mater. Gegen diese herleitung spricht jedoch 
ers. mord. nü-ana Schwiegermutter, das wohl nicht als „brust- 
mutter*" zu erklären ist, sondern zu nai heirathen gehört, niz-afia 
sonach = eine durch heirath erworbene mutter. Mordv. t = 
fin. ai kommt auch sonst vor: si laus f. täi, si eiter f. hairika. 
Die Zusammensetzung ist übrigens dem fin. an-oppi Schwieger- 
mutter = n. lap. vuön-ama nom. vuöne, s. vuon-av nom. vuodna 
analog. Lap. nis-un wäre also gleich *nais-anaj Avie magy. «ä^ 
= /lüsü; im magy. assonj = älter ahsin, ohsun weib entspricht un 
demselben anja, vgl. Bud. szöt 824. 

900. Fin. nei'fe nom. neiti; nei-to mädchen, Jungfrau. — nei- 
tse nom. neitsi; nei-tsü, nei-ttü Jungfrau. — nei-tsü-e nom. wei- 
tsüt id. 

Vot nei'f^ü-t Schwiegertochter, braut — S. Kar. nei-öü-t 
mädchen. 

Vepi. nei'öe nom. neiSne Jungfer, tochter, braut. — nei-öu- 
ka-i-se Jungfer = fin. nei'tsü-kä'i'Se niedliches mädchen. 

Est. nd'd gen. nem, neio Jungfrau. — nei-di-se nom. neidis 
braut. — nei-tsi, nei-tsi-t Jungfrau, Jungfer. 

Liv. nei'tsö nom. neitst mädchen, Jungfrau, magd. — nei- 
ö'ki dim. 

N. Lap. niei'da nom. nieid^ en. niei-ta^ niei-d mädchen, Jung- 
frau, tochter. — sv. nei-ta^ nei-t id. 

SV. ni-gna-la-s^ ni-gna-li-s Weibchen. — n. mi-ne-le-s id. 

Syrj. ni'-?, ni-v tochter, mädchen. — Penn, ni-l id. — ni-l-ka 
mädchen. — m-K jungfrauschaft. 

M. Mord, ni frau, weib. — ers. ni id. 

Magy. no, ne weib, frau. — nd-ä-td-nj Weibchen. — no-s ein 

weib nehmen. — nB-S verheiratheter. — nd-nä ältere Schwester, 

ne-ni-kä dim. 

3 



34 

Oitjj. s. ne, ni weib, frau. — irt ne-n id. — nord. w^, ne-n 
weib, Weibchen. — ne-ni-n verheiratheter. — ni tante mütterlicher 
Seite. — na-nna nichte. — i. ne-na, s. Ae-ni jüngere Schwester. 

Vog. n. ne, ne, neu weib, Weibchen. — ne-e-w, ne-u-n ver- 
heiratheter. — ne-lal ohne frau = magy, no-telen. — Kond. ne 
weib, nc'tä sein weib. 

Budenz szöt. 427 fasst, in betracht desK. vogul negi QaÜY: 
zum weihe, als weib), verglichen mit läpp, nignalas, mineles, als 
ugrische grundformne ne, nege auf, aus welcher sich einerseits neve = 
magy. no, vog. neu, andererseits neje = magy. ne, vog. ostj. mord. 
ne, ni und f. nei-te entwickelt hätten, nach der analogie magy. 
ßf f^^ ß = ugr. penge = f. pä, mord. pe köpf und magy. vo, 
veje = ostj. ven, öer. venge gener. F. neite sei mit deminutiv- 
suffix zusammengesetzt, gleichwie syrj. nV-Z, indem f. d (t) = syrj. 
l : f. südäme = syrj. iolöm herz, f. köüde = syrj. iöi fusUs. — 
Man kan doch auch das ostj. vog. n mit Castr^n, Ostjak. Sprach- 
lehre s. 23, als einen dem vokalisch auslautenden stamme ange- 
fügten laut betrachten. Jedenfalls sind nai-se und nei-te offenbar 
doppelformen. Sie gehören zu den frühesten bildungen der spräche 
und besonders die hier angeführten haben verwandte mit entspre- 
chenden Suffixen in allen samojedischen mundarten: jur. ne, nie, 
nie weib, n^eru mädchen, neAu, nienu, nienu tochter, tawg. ne 
weib, nua tochter, jen. ne weib, kam. ne, ne, ne-Tcusa weib, näkä 
frau, ostj. sam. näl-gum, näi-gum, nei-kum weib (eig. weib-mensch), 
näl, nel-gum, nei-kum, neä frau, nädek, nitteii, nittih, nitan, neteh 
mädchen, ne, nie, natä, neteti tochter. Ostj. sam. fWia, neAa äl- 
tere Schwester, jur. neAa, nieAa, ostj. AaAa, Aena, nena jilngere 
Schwester ist sogar in das irt. ostjak. als Aena, surj. Aeni jüngere 
Schwester eingedrungen. 

Schott, Alt spr. 123 verweist auf mongol. 7iaid§i gefährtin, 
freundin, naidäi-nar weib. 

901. Fin. nahk-a haut, feil, leder. — K. karel. id. 

Veps. naJik id. — Vot. nahk-a id. 

Est naMc gen. naha haut, balg, feil; fig. hast, Samenschale, 
getreidespelzen. Wiedemann. 

Liv. nog, nag, L. näJc haut, feil, leder. — nagi, nogi ledern. 

Sv. Lap. nakk-e haut, feil. 



35 

N. og^. Auk'i haut, feil, riemen. — Auk-Uj AuJc-i, Aug-a^ Aug-i 
sämisch, leder. Ahlqvist. 

Hunfalvy, Ejsz. osztyak nyelv 97. Der form nach stehen die 
westfinnischen Wörter den f. nukk-a, nukk-u flaum, feines haar 
sehr nahe. Schon liv. nog bildet den Übergang zu ostj. Atüca, 
was wohl andererseits durch die wechselformen f. nukk-a, nöhk-ä 
neben läpp, nawa n:o 867 bestätigt wird. Die gleichung kk = hk 
ist eine in der lappischen ausspräche überall vorkommende eigen- 
thUmlichkeit: aJika neben akka weih = f. akka, kaihk nom. kaik 
all, kuhke nom. kukke lang, jufiko und jukko welcher, tihk-e tikk 
laus, pahka päka wärme u. a., welche auch anderswo beobachtet 
werden kann, so fin. nukku schlaf, träges geschöpf = nuhku trä- 
ger mensch. In betreff der bedeutung und des näheren Zusam- 
menhanges mit nukka flaum wäre dann eine Verschiebung anzu- 
nehmen, indem das wort ursprünglich wohl die aufstehenden 
spitzigen haare des felis bezeichnet haben dürfte, wie aus der- 
selben veranlassung f. kar-va ursprünglich das zottige, mit haaren 
versehene feil bedeutete, dann überhaupt nur „färbe des felis"" 
und einfach „färbe'*; fin. kar-hu aus derselben wurzel bedeutet 
„bär" = der zottige, Verf. vergl. wörterb. 141. Das seh. läpp. 
Aok'O'k comtus scheint diese auffassung zu bestätigen. Das wort 
kann jedoch auch in anderer weise aus derselben wurzel erklärt 
werden, wonach in betracht des f. nak-erta beissen, nagen, est. 
ntikerda reiben, n. ostj. nogorta schnitzeln, hobeln, f. nukki ab- 
schälen, i. ostj. nägase id., nahka als das abgeschälte, abgezogene 
aufzufassen sei, eine deutung, die einfacher und natürlicher scheint. 

902. Fin. ni'ska nacken, hals; kosken n., vuoren n. der steile 
abhang eines Stromes, berges. 

Vot. niska nacken. — Eusg. karel. Ai-ska nacken, weiche, 
schlafe, hUfte. 

N. Lap. ni'Sk€j s. niska nacken. 

Budenz szöt 430 leitet niska aus m*, niv = dem von ihm 
aufgestellten nordugrischen stamm fi-g moveri, currere, welcher 
auch in magy. nak-a cervix, collum enthalten sei. Es verhielte 
sich sonach niska : n-g = f. koske flumen rapidum : k-g fluere, 
currere, das letztgenannte zunächst aus ko, kau. Läpp, kueikke 
neben fin. koske und lap. niekke nacken neben fin. niska liefern 



36 

jedoch keine beweise für eine wurzelform kog^ nig^ resp. hoh^ nü, 
da auch in anderen fällen einem ffnnischen -sk lappisches kk ent- 
spricht, wo der Sibilant ganz entschieden zur wurzel gehört, wie 
läpp, veikke = fin. vaske kupfer = magy. vas eisen. Wichtiger 
ist das fin. niv-a enger bach, Stromschnelle = n. lap. navv-e mit 
den variirenden formen nik-a-ra, nik-a-l-mo kleiner Wasserfall, 
Stromschnelle, nik-a-ma kleiner steiler abhang, buckel, knie, ge- 
lenk an pflanzen, welchen offenbar die ursprünglichere bedeutung 
„biegung"^ zu gründe liegt. Sowohl magy. nak nacken, ostj. nak 
glied, knoten an pflanzen = fin. nik-a-ma n:o 874, wie fin. nir- 
e-lä gelenk, niv-a-ra, niv-a-la gedreht, gewunden, niv-e-l-tü verrenkt 
werden, est. niv-e-r-da zusammenziehen, biegen n:o 875 und fin. 
niv-a Stromschnelle, als andererseits f. m'-ska nacken und ni-se-l-tü 
verrenkt werden n:o 903, würden sich sonach zeigen als nach 
verschiedenen richtungen gegangene entwickelungen derselben 
Wurzel nak = nik, niv, ni „vorragen", „sich vorwärts biegen', 
die wir schon früher kennen gelernt haben. — Vgl. hierüber nock 
fin. tur-ja genick, est. tur-i nacken, rücken. Verf. wrtb. 460, wel- 
ches aus einer wurzel tar, tor „voiTagen^ gebildet ist. 

908. Fin. ni'Iiko pr^s. nüwon, nihon hervorziehen, schleppen, 
ziehen. — nie-hä zupfen. 

ni'Se-l-tü ausgestreckt, verstaucht werden, sich verrenken. — 
ni'se-l'lü'kse, n. -üs Verstauchung. 

Est. ni'hi verdrängen, wegschieben. — ni-hu, ni-Jiku rutschen, 
rücken, schleichen, sich schieben. — ni-hu-ta schieben, schleifen, 
schleppen. 

ne-zi tragen, schleppen. — ni-ze-l-da, ni-ze-r-da verstauchen. 

— ni'ze-Udüj -r-dw verstaucht werden. 

8. Lap. ni'Sko, ni-ske heimlich wegschnappen. — ni-sko-m 
diebstahl. — ni-sko-je dieb. 

Syij. nö'Si'la tragbahre, trage. — ni-^u-l, p. -ni-^i-l regen- 
wurm. 

Votj. nö'Si'la tragbahre. — nisi-l-ja ziehen, recken. — ni- 
zi'li wurm. 

M. mord. ne-ze-de, ne-ze-le stützen, drängen, sich drängen. 

— ne-zc stütze. 

N. oglg. ni'S'le sich dehnen, Ahlqv. — ni-s-la-ia sich dehnen, 
ni'8-l'ta-ta strecken, ausdehnen, Hunf. 



37 

Fin. niseltü setzt ein actives *niseltä ausdehnen, aus *nis€lä 
ausgedehnt; ausgestreckt voraus, welches sich aus der wurzel nak 
durch die formen nik, niv in derselben weise entwickeln kann, 
wie liv. nü'Zö = f. nou-se sich erheben, aufstehen, syij. nu-zö-d 
ausstrecken, magy. nü-l sich strecken, greifen. Wie letztgenannte 
Avurzel mehrfach die bedeutung „sich biegen, greifen" hat, so 
tritt dieselbe anschauuug hervor im nord-ostjakischen nis, niäi 
flschangel, Ahlqv., /^i», nizi haken, Hunfalvy, Votjak. nizili ist 
adjektivbildung wie syrj. votj. nösila. Oben genannte entwicke- 
lung des fin. niseltü gibt Budenz szöt. 430, itfdem er dies wort 
als nebenform des nivelti^ und niukahta au£fasst, daher niseltü 
= *mv'Se'ltü aus würz. n„g, n„v moveri. Andererseits giebt es 
jedoch eine reihe wortformen der wurzel nat oder nas „zusam- 
menziehen, sich zus. ziehen, biegen" vgl. n:o 917, aus welcher sich 
nach verschiedenen richtungen mehrere wortreihen entwickeln, 
denen sich auch niseltü anreihen konnte. 

Jur. samojed. nü*Uy nuhitieu, Audernadm, ostjak. ladkkanap^ 
neJcemam, näkänam, kam. iie^btäm ziehen. 



* '. . • *. i 

>3 ^'^ ■ • cV 
Wurzel Nat><*Vj:}> 

N:0 904—918. 

Schwächung n. Wechsel: 720^ nu^ not nui nät not nüt nit, 

nad nod nud ned nid nüd. 

ndl Aal näl nüL 

nats 7iaö nag nnö nu^ nöö ni$. 

na§ naS nos ntz nä§ nüS nüz nöz ncS nes nis. 

nas naz naz nos näs näz näh nüz nis niz. 
Steigerung; nuot nuot not noad nuöd nad ned nict nicd nät fiäl, 

näs nü§ nuoö. 
Bedentnng: zusammen ziehen. 
aj zus. ziehen, zupfen, rupfen, drücken, schlagen 904: zupfen, 

greifen, saugen, melken 917; wegführen, sparen, schonen, 

geizig sein 905, 
h) knarren, lärmen, schreien, sich schlagen, fluchen, weinen 

906; leise tönen 916. 
c) binden, anheften, fussschlinge 907. 
dj biegsam, schlank, kraus, krumm, schwach 908; biegung, 

bucht, knoten 909; zusammengefügtes, bUndel, fachAverk. 

stütze, blockfeuer, jacke, fetzen, haube, zitze, schAvager, 

bündniss 910. 
c) stiel, Schaft, stock, handhabe, röhr, stumpf, stumme!, buckel 

911, 912; stumpfer gegenständ, endstück, knollcn, ballen, 

bienenkorb, bückel, drüse, warze, blase, zotte 913 — 15; mit 

stumpfem messer schneiden, schneiden 918. 

904. Fin. nat-i-se, nut-i-se, nüt-i-se, nit-i-se knattern, knarren, 
lärmen. — nut-i tödtlicher schlag. — ntä-i-sta drücken, fest zu- 
ziehen, erwürgen, langsam schleppen. — nut-ku gezupft werden, 
reiben. — nüt-hi sacht rupfen, zupfen, nüt-hii gezupft werden. 



39 

schaukeln, schwanken. — nut-i-ko-i-tse misshandeln, züchtigen, 
mit der faust, einer keule schlagen. — nut-i-stu hinsinken. — 
nüUü'Ste-le drücken, zusammenballen, etwas langsam machen. ~ 
nüt'ü'Stä langsam essen. 

Est. nad'i'Se knarren. — noftW knü£feln, schlagen. — not-i-s 
pü klotz, kntittel. — nod-i zausen, raffen, schlagen, puffen. — 
niUs'ij nu^'i saugen. 

Syij. naö'M stechen, tödteu, schlachten. 

Oitj. s. nof-e, nac-i zupfen, rupfen. — n. not-le zugeben, 
helfen. 

Die ostj. syrj. Wörter entwickeln sich aus einer grundform 
not'i, nat'i (est. noff-i), nat-ki, welche nebenformen der im finni- 
schen vorkommenden sind. Übrigens herrscht eine nahe analogie 
zwischen f. nuhjä stossen; nuhtele verweisen, n. lap. nuvdde stos- 
sen, n. ostj. nohta schlägein n:o 884. — Est. nota stehlen, syrj. 
nuöd wegführen und ostj. nofe zupfen, welche einander am näch- 
sten stehen, entsprechen einem fin. *nuot, welches belegt ist in 
nuotio blockfeuer n:o 910 a). 

Jur. samojed. nadornau, taw. ncUuruniy nadu'atna, Jen. noru- 
naro schaben, ostj. natkannam, nadkannam, norbannau, Aorpalnam 
abschaben. 

905. Eit. ndt-a stehlen. — naii-i^ näSs4 nom. naSi, näii 
zäh, fest, geizig, eigensinnig. 

S. Lap. linot-e-te sparen, Auot-e-ta-ke-s sparsam, massig, nu- 
ot'U gespart werden. 

Syij. na^ geizig, sparsam, geiz. — na^-mt geizig werden, 
nas'i'i geizig sein. — nuöd wegführen, hervorbringen. 

N. Oilj. natS-a-le schonen. 

Est. mta stehlen, syrj. nuöd wegführen, lap. 7iuot sparen 
lehnen sich zunächst an das ostj. /lofe zupfen und entsprechen 
einem fin. *nuo^, welches belegt ist in nuotio blockfeuer n:o 910a. 
— Est. naSi, näiS stimmt lautlich vortrefflich zum syrj. na^; in 
der bedeutung lehnt es sich an f. nateva n:o 910&, welches ad- 
jectivbildung aus nati ist. 

906. Fin. nut-a-ja fechten, lärmen. — nüt-i-se murren, knar- 
ren. — nütt-ü-rä mürrisch, boshaft. — niet-ä zanken, schmähen. 



40 

Veps« nut-a bellen. 

Est nut-a^ nut-e-le^ nut-sku weinen winseln. — nutt-u nont 
nutt gewinsel. — nut-^-ri n. -r weiner. — ned-a, net-a fluchen. 
— ned-e fluch. 

Liv. nuUa rufen, schreien. 

Sv. lap. nitt-e drohen. 

Ostj. nut-toe-de sich schlagen. 

Die bedeutung ist wohl zunächst aus drucken, stossen, lär- 
men entwickelt, wie in n:o 904 nat^ not, nut, nit ziehen, drücken, 
lärmen, erwürgen. Ostj. nuttcede stimmt nahe mit f. nutaja aus 
*nutada. 



907. Fin. nit'O binden, anheften, flechten. — nit-e-he n. nide 
band, heft — nit-e-le frqv., nid-o-tta fact — nätt-i-nie n. nätin 
ring, oehr am ende eines fehmerstanges. 

Est. .nidru binden, bewickeln. — nid-u g. nidu^ neu band. 
— nüHi'S seil zum beschlagen eines leesegels. 

S. lap. nodd'U knäuel. — nod-u-te, n. noade eine last an- 
binden, aufbürden. — s. nod-c, n. noadd-e last. — s. nodd-u-U 
glomerare. 

Syxj. nöt'i'S fuss-schlinge am Schneeschuh. 

Fin. nätin ist wohl aus nätlcin hervorgegangen, wie die 
nebenform „rother klee" = nätin, nätJcin und nätkä; so auch 
mord. nud'ka aus nut-ka = f. not-ka. — Est. nas-ta, näs-fa n. 
nast band, naS-ti n. -t zugseil am netze, wie f. näs-tä nähen, 
stricken, können Weiterbildungen sein nach analogie von f. estn. 
nes'te, est. nes-e feucht, f. nät-ä thauwetter = s. lap. nats-u; 
syrj. nait, p. 7iaf, na^ koth, schmutz = Ishma dial. naS-ti. Vgl. 
fin. nat-a schleim, m. mord. naö-ka feucht, nass. — Obwohl finni- 
schem i gewöhnlich lap. i oder a entspricht, findet man jedoch 
sporadisch o : lodde fogel = f. lintu, cer. ludo Verf. wrtb. 570; 
vgl. mord. soda, lap. öadna = f. sito binden, wrtb. n:o 625. — 
Budenz szöt. 433 verbindet f. nito, est. nidu mit magy. ncU-ä-b 
bündel mit Übergang von d zu 2, und nimmt an, dass sowohl nito 
wie auch fin. sito binden, mit welchem er szöt. 275 magy. sal-a-g 
vinculum zusammengestellt hat, aus einer älteren form t-d- ent- 
standen, in dem einen fall durch austausch des /, d mit n, im 
anderen mit s. 



*1 

908. a) Fin. not-he-a biegsam, weich, schmeidig. — not-he-U 
tna, -mo kleine biegung, bucht, thalsenkuDg. — not-hi-sta biegsam, 
weich machen, not-ko-tta biegen, werfen, schaukeln, not-hu sich 
biegen, schaukeln. 

net'ka gebogen, net-ka biegen, net-ke-le sich beugen. 

B. Kar. not-ko biegen, feucht machen. 

Est. nöt'ke biegsam, geschmeidig, nöt-ku sinken, schwanken, 
sich biegen, schwach werden. 

Liv. nöt'k, nüt'k sich neigen, beugen, ndt-kö-mö-s gelenk. 

Sjri. nu^ dünn, biegsam, schlank, schwach, vgl. f. natukka 
zart, schlank. 

bj Fin. nut-rä krausen, knittern. — nutt-u-^a höckeriger, 
knolliger zustand. — natt-u-ra Unordnung, gewirr. — nuot-re-a 
biegsam, schmeidig. 

Vot nöd-ra biegsam, schwach. 

Est. nöd-ra n. nödr schwach, nöd-ru-s schwäche. — nöd-r- 
mu bogen an der armbrust 

S. Lap. nitt-e-r krumm. 

Offenbar gehen die oben stehenden aus der Vorstellung „zu- 
ziehen, drucken, biegen^ aus und sind daher nur Weiterbildungen 
derselben wurzel. Syrj. Au^ verhält sich zu fin. not wie syij. 
na^ : Ip. ritiot oder perm. Aaf, Aa^ n:o 919 : f. naia. 

909. Fin. not-ka biegung, bucht. — not-ko biegung, Vertiefung, 
tbal; gebogen (nach unten). — S. Karel. not-ka biegung, wässe- 
rig. — Vot. nöt-ka abschüssig. 

Est nöt'ku, nöt-k Senkung, niederung. 
M. Mord, nuö'ka oehr, knoten. 

Die angeführten gehören zur n:o 908 als nebenformen. Fin. 
nus'ka ecke, winkel, welches dialektisch vorkommt, zeigt ähnli- 
chen lautwechsel wie das mordvinische wort. 

910. aj Fin. nuot-i-o blockfeuer im walde, dial. nuol-i-o. — 
K. Kar. nuod-i-vo id. 

S. Läpp. nuoö'U blockfeuer, feuerheerd. 

h) Fin. nat'% brückenkasten, kreuzwerk, fachwerk. — nai-e-va 
steif, fest. — natt-u das ende eines saugehoms. — nat^u-IAa 



4St 

zut, %A\taiäL — wiM-tHi konfefi, litseüg. — wm^A^t^ 
fdUrMM \mmid, pickdwii. saelie iiiMI dj. 

ma^4UhMie am bkchca = csL mat-m-bt-i^e da 

Liw. maf stfaiiecke. mnscbeL 

tj ThL fmii-H rocktben. jicke, hnnpeiL fefzea. äasscrste ende 
etoes zugnetzes, UUigerer rock, Ahlqr. koU. 15a — ftiil-«-tta 
wriberfdnib tos renstbierbeniluiiit — nöff-i schkiar, haabe. 
T«t Mof^^ lompeii, fetzen. 

if> ÜB« itdi^^^ zosammeneeirickelies büiidd, pirkcheiij stötze. 
- nüUrC'he n, -U^ iMrtrke iL fmfe stütze, 
f. Lap. mV^ stfitze. 

e) Via« no^o sefawester des manDes, schwi^erin. — iHfol-e4e 
n* 'de id, — nuo^t pL scbwiegereltern. 

K. Kar. luuf-o scbn^iegerin, TOt. nodro^ est nad-o, nad-u ü 

f) IIa. nj^ä, ffSI-a; nar-ä bnider des weibes, scbwager. 

Vot. nd^ä, rus. kar. neat-ä, est. na/-a, iia(-u d. noI scbwager. 

Jurak Bamojedisch nädo^ nado der jüngere bmder der fiia, 
Hcbwager, kam. nado id.; jar. nenado, tienadu frau des älteres 
bruders, Schwägerin {ne weib). 

g) Ffn« nit'U, dimin. wY-m-^c zitze, weiberbrust. — fns-äy diaL 
ni>-a id. 

Vot. nis-ä weiberbrust. — Veps. nis-a id. 
Est. nü-a zitze, weiberbrust, Zäpfchen; kada n., fcele n., 
kuryu n. Zäpfchen im hals. — niz-a-ke-ze dimin. 
8. Lap. ni,a'e, n. ni^^-e weibliche brüst. 

Alle die vorstehenden sind wohl aus w. nat, nut, nät, nüt 
in der bedeutung „zusammenziehen, -biegen, -fügen^ entwickelt: 
nuotio = ein feuer, welches von zusammengebrachten baumstäm- 
men gemacht ist u. s. w. In derselben weise ist wohl auch fin. 
nuotta^ vot. nötta^ veps. est. not g. nödfa, lap. nuotte zugnetz ge- 
bildet, OS scheint aber aus dem altn. not entlehnt zu sein, vergl. 
Thomsen, got. sprogkl. 137. Est. natt g. nata handnetz stimmt 
mit got. nati netz überein. — Dass die Wörter mit der bedeutung 
„Schwager, schwiegerin'^ hieher gehören und sich die benennung 
aus der Vorstellung „verbinden, zusammenziehen" entwickelt hat 
beweist fin. nuoteute n. nuoteus „schwagerschaft" aber auch ^bund, 
bündniss'*. Die wechselformen nato, nuodc bieten eine trefOiche 



43 

Illustration der vokaldehnung im fiDoiscben. In f. nätä wechselt 
das t sowohl mit r als 2; gewöhnlich verbindet man damit das 
wort mies mann. Es erweist sich dadurch noch deutlicher als 
zusammengesetztes wort, wie so viele andere benennungen, be- 
sonders Verwandtschaftsnamen. Diese etymologische erkläning 
wird durch das samojedische, vgl. oben f), bestätigt. 



911. Fin. nütt-ö handhabe am sensenstiel. 

Est. nod-i stock, klotz, knöpf am stocke. 

S. Lap. nadd-a, nad, n. nadd-a, en. novt-a stiel, schaft. — 
s. nadd-a-te, nadd-a-ta-ste stiele machen. 

M. mord, ned, ned, e. ned schaft, stiel. — m. neö-ks stiel. 

Syij. i. nud, p. nod stiel, griff. — vclj. nid schaft, stiel. 

Magy. Tiäl, fiel st. nälä Schaft, stiel. 

Ostj. 8. nül messerstiel, n. nalf nal (Ahlqv.) stiel. — n. nal-le 
mit stiel versehen = k. vog. nalrte. 

Das est. nud-i abgerundetes ende, stumpf, welchem nod-i 
sehr nahe steht, dürfte aufschluss über die grundbedeutung geben. 
Obwohl der Übergang eines anlautenden n zu Z, wie Budenz her- 
vorhebt, auf finnischem gebiet zuweilen stattfindet (f. nime = 
mord. ?em, öer. lüm; vgl. auch est. noii = loSS häufe, menge), 
scheint jedoch est. nodi wie f. nüUö den übrigen noch näher zu 
liegen als die von ihm szotär 437 angeführten f. lüte nom. lüsi 
= est. liizi gen. Iffe handhabe am sensenstiel. Sie können aber 
auch als verschiedene bildungen derselben wurzel aufgefasst wer- 
den. Mord, neöks ist aus *netks entstanden, wie hoöJca neben fin. 
katko wTtb. 61, kuökan adler neben fin. kotka n:o 19 beweisen. 
Est nuff keule, f. nutii, 7iuitti spitze ist mit den übrigen zu ver- 
binden, doch entspricht dem syrj. nud das fin. nuti, welches nur 
in der bedeutung „schlag" vorkommt (904), dann „roUscheibe, 
buckel (912)." 

Im samojedischen bedeutet schaft, stiel am messer: T. mV, 
Jen. wf, ostjak. wer, mV, nire, Aer, kam. nirze; jur. nirtea mit 
Schaft versehen. 



912. Fin. nut'i roUscheibe am schiessbogen, beule, buckel. 
Est. nud'i abgerundetes ende, stumpf, stummel. 
Liv. nied'ö'f'S röhr. 



44 

M. nuird. nud-i rohrpfeife, nud-i-ks röhr. — e. m. nud-ei 
Schilf, röhr, rohrflöte. 

Hagy. näd röhr, Schilfrohr, md-a-s mit röhr bewachsen, 
röhricht 

Budenz szöt 414 scheidet magy. näd von mord. nudi und 
verbindet jenes mit manda, e. mando stock, indem er darauf hin- 
weist, dass magy. ä ausfall eines Konsonanten bezeugt, wie auch 
d einem ursprünglicheren nd des mordvinischen entspricht. Wenn 
dies auch oft der fall ist, so finden sich doch auch beispiele eines 
magy. d = d in den Wolga-, t in den finn. sprachen : magy. ktd 
aus *köd hactenus = fin. kotva, cer. kotj kod zeit. Budenz szöt 
13, magy. hüdäg fiigus = fin. slde st. sitehe, lap. cavadak szot 
] 67 (neben idäg = f. jäniehe 884), magy. ijäd = mord. ävede 
terreri szöt. 891, magy. tud = mord. soda, f. tunte szöt. 246, 
magy. tädö = 5er. soda szöt. 248. Ich verbinde daher näd mit 
nudi und betrachte die obigen als nebenformen zu n:o 911; vrie 
die bedeutung kein hindemiss ausmacht zeigt B. durch hinweis 
auf fr. canne schilf, röhr, rohrstock, stab. 

918. Fin. nas-a axtbammer, stumpfer gegenständ, kleiner 
knabe; nasa-kuja axt mithammer, nasa-^ienä stumpfnase. — nas- 
ku'lOj nttS'ku'la keiner knabe. — nas-e-va fest = nat-e-va. — 
nas-a-kka fest, stark, schwer beweglich. 

näs'ä knöpf, knoUen, endstück. — näa-ü blatter, blase. — 
naJi-e-ä stumpf 

nüS'äf niis-i endstück, pfeifenstummel. — nüh-ä ecke, buckel. 
knorre, warze. — nüh-e-r-mä, nüh-e-r-vä etwas buckeliges, knor- 
riges. 

Est naz-e nom. nazi httgel. — nas-va n. nasv sandbank. 
— naz'U id. — naz-a-ra n. nazar Schnabel. 

näjs-a vorragendes stück, endstück, Schwengel, warze. — 
nöjS'U gewächs am leibe, knorre, maserstelle. — näz-i-ja-s knor- 
rig, maserig. — näz-u-U-se maserig. 

nüss-a nom. nüss ballen, knöchel: peüa n. ballen am dau- 
men, sörme n. knöchel am finger. 

M. mord. neä-kä bienenkorb, n. perä bienenhaus. — e. neä-ke 
bienenkorb. 

Öer. b. niS'ke stumpf. — niS-ke-mä stumpf werden. — av. 
nüS'kö stumpf. 



45 

Syij. nas-e-Jca spitzhammer. — niz stumpf. — ntz-mt stumpf 
werden, 7iiZ't'i abstumpfen, mz-dt, niz-dö-d id. 

Votj. ntz stumpf. — niz-a-mo stumpf werden, niz-o-ml-to fact 

N. 08tj. naS stumpf, Ahlqv. — neS stumpf, Hunfalvy. — irt. 
nes stumpf. — nes-me stumpf werden, neS-me-tte fact. 

Castren, ostj. gram. 90 vergleicht die syij. öerem. votjaki- 
schen mit den ostjakischen Wörtern. Der Vokalwechsel a : «, 
welcher öfters innerhalb des finnischen vorkommt und fast regel- 
mässige lautvertretung zwischen lappisch und finnisch ist, findet 
auch in den übrigen sprachen statt, vgl. Verf. Verwandtschaft der 
fin,-ugr. spr. 24, 53. Besonders ist fin. a oft im syijänischen durch 
secundäres t, i vertreten, wie das syrj. überhaupt für diesen laut 
Vorliebe zeigt: f. kasta syrj. kista, Verf. wörtb. n:o 87, f. tasso 
syrj. t'is, n:o 438, f. tätü syrj. t'i n:o 421, f. käte syrj. ki Cer. keU 
kit, vog. kat n:o 50. — Der vokalübergang a : ä ist überall häu- 
fig: f. tarma = tärmä, ndlva = nälvä, est. naksu = näksu, magy. 
kavar = kävär u. s. w. 

914. Fin. noS'O endstück. — noh-o-va^ noh-va grob, kräf- 
tig, gross. 

Est. noz'i stumpf, stummel. — noSSi nom. noSS stumpf, Stum- 
mel; 2^it>^ ^* pfeifenstummel ; nosi-nina stumpfnase. 

M. mord. no$-ka stumpf, ers. id. — m. noS-ki-may er. noS- 
ka-l-ga-do stumpf werden. 

Syij. nöd'-ml stumpf werden. 

Die obigen sind lauter wechselformen zu den in n:o 913 
aufgzählten, ebenso die folgenden fin. nasta, nisu mit ihren ver- 
wandten. 

915. Fin. nas'ta blase, spange, knöpf, schmuck, beschlag. — 
naS'ta-kke-Jie nom. ncLstdke knospe, blase, blatter, beule. — nas- 
te-he nom. naste hervorstehender schmuck, nagel, beule. — nas-to 
kleiner buckel, erhöhung. — nas-tu-ra buckel, auswuchs. 

näs-tü blatter, blase. 

nüs'tüf nüS'tö buckel, drüse. — nüs-tü-rä buckel, beule. — 
nüs-te-l-mä, nüs-te-^-mä buckel, auswuchs am körper, warze. 



46 

Eit. nas'tu nom. nast warze im gesiebt. — näs-tu id. — 
näS'ta^ näS'tu nom. nast metallplatte, beschlag, buschel, hornarti- 
ger auswuchs. 

nöS'te blatter, pocke. 

Liv. nüä'tö nom. nüst zotte, büschel. 

Noch eine menge Wörter mit derselben grundbedeutung „zu- 
sammenziehen^ gehören hieher, wie est. nas-ta, näs-ta n. -t band, 
naS't'li n. nastel id., näs-ti-ko n. nästik schlänge, otter = nas- 
ti'kOf 'ku nom. nastik Otter, naS-ti n, -t zugseil am netze. VergL 
n:o 910. 

916. Fin. nas'ä knarren. — nas-a-hta schnell dumpf tönen. 
Est. najS'i-na n. na^in leises geräusch (beim essen). — nas-i 

mit leisem geräusch essen. 

Magy. näs leises geräusch, gerücht. — ms-o-l wittern, leise 
geräusch machen. 

Diese und die folgende nummer bilden eine vollständige 
analogi zu n:o 904 knarren, zupfen. 

917. Fin. nät-ä pr. nädän heimlich fassen, greifen, sich gegen- 
seitig zupfen, tändeln. 

Est. näZ'i zupfen, rupfen, mummeln, zerrend saugen. — nä:- 
€'k sich (im scherz) gegenseitig zupfen und necken, spielen, tän- 
deln. — näz-u-ri kind welches nicht ordentlich saugt. 

näh-ma packen, greifen. — nüs-ä (d) melken, nüs-ko n. -Ä*, 
nüSS'i'ko n. -k melkgefäss. 

8yij. Aaä^^i, na^-jö-d zausen, rupfen, reissen. — Viaz-ö-d 
zausen, reissen, ziehen. 

Votj. nas-il-ja ziehen, recken. 

Vielleicht hängt mit obigen noch ostj. nas-amde gleiten zu- 
sammen, welches dem jur. samojed. nenzadädm gleiten entspricht 

918. Fin. nüS'i, nüss-i mit stumpfem messer oder axt schnei- 
den, stumpf machen. — ncs-ta kerbe in einem bäum, stein. 

Bat. nÜB'i mit einem stumpfen messer schneiden. — w^r-/ 
tragen, schleppen. 



47 

N. lap. näss'ke schaben. — sv. nes-ke feile bereiten, gerben. 

Öer. w. nüz-a schaben, nüz-e-de frqv. — b. woi-a, niz-a rei- 
ben, abstreichen. — niz-i-kte abscheren. 

Magy. näs beschneiden, behauen, schneiteln. — näS-de-l, 
näs'dä-ge-l, näS-ä-gä-l, Mä-ä-gä-t frqv. schneiteln. — tiäS-ä-te-l, 
näs'ä'tö'l frqv. schlecht schneiden. — ww-ö-Z, nis-oA schlecht 
schneiden (mit stumpfem messer, scheere). 

Ein vergleich mit n:o 913 zeigt, dass die hier angeführten 
verba denominativa aus einem wort mit bedeutung „stumpfer 
gegenständ*" sind. So fasse ich auch magy. nM auf wegen der 
nebenbildungen liää-ä-tdl, nis-ol^ während Budenz szot. 442 nä^ 
mit cer. nüz scabere und s. lap. naske deglubere aus einem ugri- 
schen stamme n-^'-g^ w-"-5' „streichen, streifen" herleitet, davon 
auch mord. nuje ernten, fin. n'Utä mähen abstammen, vgl. n:o 888. 
Es scheint mir nicht gern möglich, f. nüsi^ nüssi vom (er. nüza, 
niza zu trennen, die andererseits dem magy. itiisäl so nahe stehen. 
Zu derselben wortreihe gehören ohne zweifei auch die fin. nuss-i^ 
est. nusS'i, liv. nuä-u coire, f. ntiss-i, est. nuSs coitus, sowie est 
noff-i n. noff männl. glied (vgl. n:o 911, 904, est. nodi stock und 
schlagen), und wohl auch s. lap. nüt-se pudendum muliebre, ob- 
wohl aus anderer vorstellunng hervorgegangen. Vgl. 903. 



.- ,->. "^- -.>..->.-. V.-^^ N 



Wurzel Nat 

M:o 919-923. 

Schwächnng u. weohiel: Aat not nät; näd nöd nid. 

nats naö naö noö niö; AaS noz nuz i\ui niz; nas nos Aoz 

noh nus nes neh nis niA, nö, 
Steigerung: nät nät not, nait nuit neit niet neid, nuos nuos 

nos ms. 
Bedentang: feucht, nass. 

schleim, Schimmel, koth, schmutz, schlämm, rost 919; feucht, 

nass, fischmilch, thauwetter, moos 920 — 23. 



48 

819. Fin. nat-a schleim im munde, häutchen am saatkeim. — 
natt-a schleim, Schimmel, kahm an den wänden eines gefässes. — 
nat-e-u sich ankleben. 

nätt-a, nätt-ü Schimmel, kahm auf milch. 

Syij. nait^ p. Aat^ Aa^ koth, kehricht. schmutz. — syij. 
fiot^a, nait'ö-ij p. nat-a, naf-e-s kothig, schmutzig. 

syij. naö-a, naS-a schäum, ausgekochtes. — Auz, Ans rost 
oder algen auf dem wasser. 

s. fluit, p. nu^ weicher boden, schlämm, s. //ufV-a, nuiUö-i adj. 

H. ostj. not-a rennthiermoos. 

Den lautwechsel t : s findet man in allen den verwandten 
sprachen, so auch in der vorhergehenden wurzel. Nicht so häufig 
ist der ttbergang d : ai und u : ui, welcher entweder als epenthese 
durch einfluss eines folgenden i oder als vokalisiruug des palata- 
lisirten konsonanten entstanden ist. Ähnliche sind f. nutti = nuitti 
spitze, liv. jag = joig fluss, f. joki, liv. Miz = est. kcLsri hanl 
est. feil, paüu = f. paljo viel, est Jcail st. kaüu felsen = f. kaßio, 
est. fellin. kaits = reval. kaksy f. kaksi zwei. Im syijänischen ist 
dieser Wechsel zahlreich vertreten, dort muss aber in mehreren 
fällen die vollere form als ursprünglicher angesehen werden, wie 
in n:o 878 nöid, nöd = läpp, noidey f. noita. Bei f. neit^ niei 
n:o 920 ist gewöhnlicher vokaldehnung vorhanden aus einfachem 
?, e wie f. kidi zunge, spräche = syrj. kil, ra. mord. käl, e. ket, 
cer. kel, kä n:o 199. 

jur. samojed. näd rotz. 



920. Fin. neit'C n. 4 feuchtigkeit. — neit-i-ü, niet-i-ä feucht, 
mild. — neid-ü-ttä befeuchten. 

nät'ä thauwetter, schneeschlacke. — näi-ä-vä feucht. 

8. Lap. nec-e-s, n. nec-a-s nass, feucht. — s. nec-e, n. necc-a 
feucht werden. 

Syi]. nid, votj. nöd (= perm. naf) koth. — votj. nöd-e-m 
kothig, nöd'i einsinken, stecken bleiben im koth (= fin. nateu). 

syrj. Mtd' moos, niö'-a moosig, vgl. fin. nihkeä mä feuchte 
stelle. 

Magy. näd-^ä n. nädv feuchtigkeit, flüssigkeit. — näd-vä-s 
feucht, nass. 

Tog. niö'i moos. 



49 

Budenz szöt 419, der magy. nädv mit votj. ned und 1 neite 
(z= *nende, wie er f. reikä apertura = renke, f. aika = anka-ra 
setzt szot. 336) verbindet, scheidet von diesen ab f. nestäj estn. 
nese, lap. neces und auch f. nuoska, mord. naöka, lap. Auoska, weil 
in beiden reihen das lap. wort mit n anfängt, was nach ihm ein 
magy. n fordern wttrde. Vergl. jedoch magy. üü made, vog. ntVi, 
ostj. nink 891; s. lap. neüa neben liignalas 900; magy. näSte 
marder, lap. näUe, r. kar. neädä 890; magy. ^ugod ruhen, n. lap. 
nakko ruhe 870 u. m. — Für den Wechsel t, f, ö vgl. n:o 887. — 
Fin. nät-ä'vä stimmt in der bildung mit magy. näd-vä ttberein, ist 
aber damit nicht identisch, wenn nicht nät durch zusammenziehung 
entstanden ist. — Schott, Alt. spr. 123 vergleicht f. neüeä, magy. 
nädv mit mong. noüan feucht. 

921. Fin. neS'te-he n. neste feuchtigkeit, saft, flttssigkeit. — 
nes'tü feucht, nass werden, nes-tä, nes-tä-ttä befeuchten. 

neh'ke-ä feucht, ermattet, träge. — nih-ke-ä feucht, dumpfig, 
ermattet, träge. 

7eps. nes'ka-nda eiterig werden. 

Est. nes-ßj nez-e feucht. — nes-ü-tä befeuchten, einweichen. 
— nes'te feucht — nls-ke feucht — nts-ku pr. nijzun feucht wer- 
den. — ntS'tu id. — ms'ku-ze n. -us feuchtigkeit — nU-a-ka-s 
etwas feucht. — nljs-a-se milchig (von fischmilch). — nlz-u-ta 
feucht machen. 

Syij. J. nas'ti kehricht, koth, schmutz. — nai-ti-üj naS- 
ti'€'S adj. 

Über die bildung der obigen vergleiche n:o 913 und 915 f. 
nasa, näsä, nüsä und nasta, nästü, nüstü; für den lautwechsel 
t : s der so überaus häufig ist, bieten f. nateva, naseva fest und 
f. nätä, est näzi zupfen die zunächst liegenden beispiele. 

922. nlS'ka fischmilch. — nis-ka id. 
Est. ntS'ka n. ntsk, g. niisa id. 
Sjrj. nö'k fischmilch. 

N. ostj. nis'i-n milch der fische, Ahlqvist. — niz-i-n id. 
Hunfalvy. 

Bildung und bedeutung scheinen auf est nis-ke feucht zu- 
rück zu gehen. 

4 



50 

928. Fin. fiuos-ka^ nucs-Jce-a, nuoh'ka, nuah-ke-a feucht, weiclt 
— noh-ke-üj noh-ko-se n. -ew feucht 

Euss. Karel. not-ke-a biegsam; wässerig, feucht — not-ko-a 
feucht machen. 

nuoS'ka feucht, nuoS-tu feucht; werden. 

Tot nös-ka feucht. 

Sv. Lap. fiat$-u thauwetter. — Aats-u-s thauend, mild, ncUs-u 
thauen, liats-u-ste dimin., nats-u-^ö-te inch. 

8. nuos-ke'S^ Auos-ka, ^uos-ke-s roh, rauh. — n. nuas-ka-s 
nass, roh. 

Syij. noz'tnif no^-mi feucht werden, AösS-di feucht werdeo, 
sich bewölken. — Aoi-d'i sich auflösen, schmelzen, "iioi-dä-d auf- 
weichen, aufquellen. — nos^ noS-a eine art moos. 

K. Mord, naö'ka feucht, nass; feucht werden. — naö-u-fla 
befeuchten. — ers. naö-ko feucht. — nac-ta^ nac-f-na befeuchten. 

Öer. w. noö'ko feucht. — noö-ke-ma feucht werden, noö-b- 
m-de fact — b. naä-ka feuchtigkeit 

Die seltenere form notkea liefert einerseits den beweis der 
Zusammengehörigkeit mit nata^ neue n:o 919, 920, während sie 
zugleich den ausgangspunkt bildet zu den mordvinisch-Seremissi- 
schen Wörtern. Lap. tiatsu^ welches in bedeutung mit fin. nätä 
zusammenfällt, ist formell = perni. lia^. — Ob veps. noz-e-l düno, 
fliessend, nos-e-l-su fliessend werden, hieher zn ziehen sind, scheint 
sehr zweifelhaft, da das entsprechende fin. nos-e-la feurig, leben- 
dig bedeutet 

Tawg. samojed. natehea^ jeu. midahä, nudarai nass, vgl. f. nata. 



Wurzel nar. 

N:o 924—940. 

Schwächung n. wechiel: nar nor iior nur nur nir när Aar nör 
nör nur ner ner nir nir, 
näl nol nul näl nöl nül nel, 
not Tiol nul näl nöl fiel Aü. 

Steigenmg: nur iiar nuor nuor nör nur ntr nier. 
nuöl nöl tial nöl nül nuol. 

Bedeutung : a) dttnn, schmal, schlank, schwach, schmächtig, kurz, 
klein, matt, mager, welk, eng, arm, dürftig, mangel n:o 924, 25. 
spitze, spiess, rüssel, nase, Schnabel^ scharf, mürrisch, klug- 
heit, schlau, franze, faser, pflock, ruthe, zweig, weide n:o 
926 — 28; ecke, winkel, bug, knorpel, buckel, krumm, krttm- 
mung, fledermaus, wiesei (dünn) n:o 929, 30 ; biegen, schwe- 
ben, hängen, wiegen, schaukeln, Schlitten n:o 937. 

b) knarren, knurren, brummen, murren, mürrisch, zorn, streng, 
unfreundlich, zürnen, böse sein, schmähen, stöhnen, klagend, 
verzagt, weinen, schluchzen, summen n:o 931, 32. 

c) schrammen, wunden, stossen, drücken, reiben, pressen, schmä- 
hen, necken, nagen, beissen, schaben, streichen, scheeren, 
rasiren, betteln, schmieren, kauen, hecheln, feilen, rechen, 
flachs brechen; roh, frisch, kahl, nackt n:o 933 — 35. 

d) geizig, sparsam, gewinnen, ziehen, reissen, wegnehmen 936. 

e) vorragend, stumpf vorragen, stumpf, httgel, knabe, ecke, 
löffel, nase, Schnabel, spitze, pfeil; abgetragen, träge, mager^ 
kraftlos, einfältig, faul, tolpel n:o 938—40. 

924. Fin. nar-a, nar-ka^ nar-Jcka eng, arm, dürftig; dürftiger 
zustand, mangel. — nar-i-Jcka kurze, dicke person. 

ner 'ho ^ ner-kko schwach, zart, schlank, gering. 

nir-ka-sa nom. nir-kas schlank, mager. — nir-ssi schlank, 
dürr und mager. 

nür-ä ein schwacher, missmuthiger. — nür-ü schlank, 
schwach, missmuthig. 



52 

Est när-la n. -i, när-be, nä^-bi-hu n. -Ä welk, flau, unlustig, 
weichlich. — när-va schlaff hängend, när-va schwach, welk werden. 

Liv. när-bö ohnmächtig, schwach werden. 

S. Lap. flar-be, ^iar-be-s, nar-bu-k, n. nar-ba-d dtinn. — s. 
liar-bu, n. nar-bu-de dttnn werden, s. ikir-bu-te, n. nar-bu-da-tU 
fact. — nir-va-ne, nir-ve-ke schwach, krank werden. — n. finor-a-t 
schwach. 

B. Mord. nif-H-ne kurz. — ro. nir-h-kä klein, kurz, ntr-h- 
kä-nä demin. 

Öer. ner-e obdormiscere. 

Syij. Aar matt, schwach, entkräftet — nar-mt matt werden, 
sich abquälen. — nor-o-l schwach. 

ner-mi, tiör-mi kraftlos, schwach, mager werden. 

Vergleiche n:o 939 f. norko^ nörkkö hängende, abschtlssige 
Stellung und damit verwandten, sowie n:o 936 f. närä knausere! 
närvä geizig, gierig, die nur Varianten zu f. nara, est. narva sind. 
Ger. nere steht mit dem letztgenannten in nächster Verbindung. 

925. Fin. nor-kka eng, schlecht, schwach, schmächtig. 

Bst. nör-k g. -ga schwach, matt; nör-ka, nör-ku schwach 
werden. — nör-ga-sta schwach werden, welken. — nör-gu-ta 
schwächen, biegen, geschmeidig werden. 

Liv. nof-kö verwelken. — nor-u sich verkriechen, verziehen. 
nör-kö, nür-k ermatten, ermüden. 

Syi]. tiur-k, tiur-s mager, hager. 

Magy. nur-ga mager, schmächtig. 

Yergl. n:o 939 f. norkko hängende Stellung. 



926. Fin, nir-kko spitze. — nir-kka spitz, scharf, boshaft, 
mürrisch. — ner-o^ ner-u^ ner-e-he n. nere klugheit, verstand, genie. 

Vot nir-ko, nil-ko rüssel, schnauze. 

S. Lap. när, när-a, när-a kinn, mensch. — n. nier-a-s kinn. 
— n. Aar-g, s. nar-g^ nar-ga landspitze, landzunge. 

£. Mord, nef Schnabel, rüssel, spitze. 

Öer. ner^ b. r^er^ wer, ner nase. 

83rxj. fiir nase, Schnabel. — Votj. nir id. — syrj. n7r-ö-^i 
schnauze, rüssel, antlitz. 

Magy. ni7 bolzen. 

Vog. nol nase. — N. Ostg. nol, i. no^, s. nol^ nal nase, Schnabel. 



53 

Syrj. fiirls, nörts, nofis scharfsinnigkeit, das offenbare Weiter- 
bildung aus mr ist, giebt den nächsteii beweis für denselben Wech- 
sel der bedeutung im fin. nero = f. *niraj welches in der dimin. 
form, nirkka vorliegt. Syrj. niröm ist Weiterbildung mit demsel- 
ben Suffix wie ostj. nerem ruthe = vog. nir. Ostj. nal^ nol^ i. 
not = f. nuole und "^nira^ nero = magy. nü, nir und noch *Aär^ 
verbindet alle die verschiedenen bedeutungen, vgl. nuole pfeil n:o 
940. Auf grund der vielfach wechselnden formen in den ver- 
wandten sprachen ist wohl dies not nicht als gemeinschaftliche 
Urform zu betrachten, vielmehr dürften auch ursprünglich mehrere 
wechselformen anzunehmen sein, was ebenfalls aus den übrigen 
ostjak. Wörtern iiary nor, Aer hervorzugehen scheint. 

Hieher gehören noch fin. nür-kkä steil, mürrisch, knarrig; 
nür-kke-he n. nürke steile stelle. 



927. a) Est. nar-h g. -t;e, nar-ma-s^ nar-me franze, faser. 
Sv. Lap. nar-a-n pflock. 
Sjnj. nar-vi pflöcke. 
N. Ostj. nar-a reif zu fässem. 

h) Est. nir-a faser, fetzen, lumpen. 

Syij. fiör, p. lier ruthe, gerte, Stab. — s. Aör-Orla mit ru- 
then binden. 

Votj. nör^ nur zweig, ruthe. 

Magy. Titr, Air birke. 

Vog. nir^ Mr ruthe. — k. nir zweig, reis. 

Ostj. i. Aer-e-m ruthe. 

Die obigen reihen scheinen nahe mit einander verbunden zu 
sein. Der Vokalwechsel findet statt wie in oslj. nal^ mord. no!, 
syrj. votj. nöl = magy. Ail^ f. nuole pfeil. Est. narme stimmt im 
Suffix mit ostj. nerem überein, wie auch mit syij. ntröm schnauze, 
rüssel. Budenz, welcher im szöt. 446 magy. nir birke mit den 
ostfinuischen Wörtern verbindet, erklärt dies als „ruthenbaum^, 
ähnlich wie die benennungen magy. härä-fa .linde aus Jiarä id. 
und fin. mni'pu linde, ntni hast 

Bei Rietz dialektlex. 461 kommt schwed. nara, nar in der 
bedeutung pflock, querbalken vor, norw. narve, norve, wobei er 
an das läpp, naran erinnert. Die betreffenden bildungen scheinen 
jedoch auf finnischem gebiete heimisch zu sein. 



Samojeiliscb bcdeatet jar- Aero, Aeru rodw vade. da 
Aerka, ^erkako, Aerkaku, ostj. Aarg, narga, kam. noryL V^i 

Mcrem rathe. 



928i Fin. ner-oi-sc, ner-oi-na schUu, TersUndig, gcEchkkL 

S71J. nör-i-s, uör-ö-s, nor-t-s vorragende spitse, Uanei bi 
rUcken. — lür-'i-s Hcharfsinnigkeit, »itteiung; mm^« ^on spiita 
— nST'i-m Hcharfsinnig. 

Hftgjr. liär-Sa nom. Aärä spicss, bratspiess. 

Tog. riar-Si in: it. iju junger ausachlag im walde, reäig. 

Os^'. i. liar-tia, s. tlar-se eine weidenart. — n. Aor-M, 1 
vi 8UlJX. 

Die u|,'i'iüchcii fonncn sind von Budeoz szöt. 436 mit 
ander Vürltundun. Syrj. norix ist doeb ein sicheres zwischenj 
XII dun Übrigen, Tgl. f. aero, nirkka n:o 996. Die fla. «örter, 
wobi formell de» syrjäntscben identisch, können jedoch auch 1 
hildiingcn Hein. 

.Iiir. s&mojod. narea spccr. 



929, Pin. nur-kka ecke, winkel. — Tot mtr-!A'a id. 

Est. niir-k g. iiuri/a winkel, ecke, kante. — nur--« holzi 
kleines hol/gcücbirr mit deckel. 

LjT. wir-ka, L. ntir-k Winkel, ecke. — nür-ka-li niokelit 

S, Lap. üor-iia ücapula, bug. scbulter, knorpel. — nnoi 
kiiorpel, cartilago. — imnr-a, n»or untiefe von steinen. 

ÖBr. nör-yä-z cartilago. 

Syij. iior krftmmung, buckel, /ior*a krumm, schief. — no 
(Iriisig. — Toy. Hor-e-i drllsig. 

H. Oi^. nor knorpel. 

Der form nacb sind mebrere der obigen dcminutiTa, di( 
deutung lehnt sich an die Vorstellung in n:o 926 bolzen, rO 
nase, noch mehr vtelleicbt an die des biegens n:o 937. 

Jur. samojed. t'ier knorpel (bei fischen, rennthieren). 



980. a) Fin. nar-kko fledermaus. 
Syij. Hor bord äederinaue. 



9 b) Fin. nir-ppa wiesei (mustela nivalis). 
II Est nir-k g. nirgi wiesei (must yulgaris). 

Liv. nir-t st. -ti wiesei. 
Ostj. samojed. närga, närmäk feuermarder (mustela Sibirica). 

1. Syrj. höi'd bedeutet flUgel. Budenz szöt. 441 stellt nar mit 

ft ostj. vog. nar roh, frisch, nackt, bloss zusammen und erklärt 
■I darnach nar-bord = der mit nacktem, d. h. federlosem (meztelen, 
azaz tollatlan, sziirnyü) flügel. Es ist wohl aber jedoch kein Zu- 
fall, dass sich die benennung der flcdermaus auch im finnischen 

■ aus der wurzel nar ausgebildet hat Nun giebt es im syijän. ein 
(. anderes nar matt, schwach = f. nara, narkka arm, dürftig, nerkko 

schwach, zart n:o 924. Ich fasse daher nar in der mehr ur- 
sprünglichen bedeutung „dünn, schmal", nar bord also = „der 
^ mit dünnem flügel versehene" vogel. — Aus derselben anschau- 
t ung geht auch f. nir-ppa wiesei hervor = „das dünne, schlanke, 

■ magere" thier, vgl. f. nirkas schlank, mager. EigenthümUchen 
' Wechsel des sufFixelementes zeigen die unter b) aufgeführten. — 

In der einen oder anderen weise hängen wohl hiermit auch zu- 
sammen : 

Fin. nur-vc lintu eine vogelart (mrn^e sonst unlust, nieder- 
geschlagenheit, wie f. nirppa wiesei, aber auch verdriesslich), 

S. Lap. nur-go das schwarze Wasserhuhn. — nar-te-l eine 
' art wasservogel. 

K. Mord, nar-ml-n, nar-mo-A vogel. 

Öer. nur-gu-to schwalbe. — Syq. Aar schwarze schwalbe. 

Noch sind zu beachten f. nor-ppa = s. lap. nuar-ju, n. Auor- 
jju, enare lap. Auor-ju seehund. 

981. Fin. nar-u, nar-i-na das knarren. — nar-i-se, nar-a-ja, 
nar-ä knarren. — nar-a enger, knarrender zustand, n:o 924. — 
nar-ska knarren, knirschen, nar-sku subst — nar-ski empfindlich. 

när-i, när-ü, när-e-ä mürrisch, störrig. — närr-i mürrisch. 
— när-i'Stä knurren, murren. — när-kä härm, verdruss. — när- 
kkä zorn, Ungeduld. — när-ke-ä zornig. — när-kki ungeduldig, 
empfindlich. — när-ski empfindlich. — när-sü verdruss. 

nör-ö, nör-kö verzagt. — nör-kö-ttä verzagt, unlustig sein. 

nür-i'se murren (schwächer als nurise n:o 932). — när-e-ä' 
niedergeschlagen, ängstlich, stumpf. — nürr-ü verzagter mensch. 



58 

durch abfall eines mitlauters entsteht, findet jedoch zuweilen auch 
nur zuweilen als euphonische dehnung statt: natta = nätta schleim; 
narka eng, arm, dürftig und näraJcka missvergnügt : lattia = lättia 
fussboden ; Jcärme = kämie schlänge (aus litt, kirmis) ; est nastu 
= nästu warze, f. nasta; est. nasta = nästa band. Im livischen 
ist diese vokaldehnung überaus häufig. Ich fasse daher f. norme 
als die ursprünglichere form. Übrigens ist es wohl nicht mög- 
lich, die nur vokalisch abwechselnden formen nur, när, nor, nur, 
nüTj nir anders als Varianten derselben wurzel zu betrachten, be- 
sonders da die bedeutungen sich gegenseitig vervollständigen. — 
Da fin. nar-me, när-ma offenbar participialbildung ist von einem 
verb. *nara, *nare ritzen, ergiebt sich ein natürlicher Zusammen- 
hang mit dem mordvinischen und syrjänischen ; mit den ugrischen 
Wörtern: magy. närs roh, frisch, vog. tiar, n. ostj. när roh, kahl, 
nackt ist vielleicht Zusammenhang anzunehmen, vgl. n:o 941. 



984. Pin. nur-a schramme. — nur-ä schrammen ziehen. 

Lap. n. nor-dda, s. nor-te-te, no^'-tu-te stossen. — n. nor- 
dda-m, s. nor-te-te-m stoss. 

Syij. nur bissen. — nur-ja-s imbiss nehmen, eilig essen. — 
nir-a drücken, pressen, reiben, kneten, auspressen. — nlr-kJ 
drücken, pressen. 

Votjj. nur-ja drücken. — nor-dhvu molken. 

Ostg. iiör-de, nör-o-de diiicken. 

Vog. K. nur-e-m gebrochen, gebogen. — nw-i-tc schmähen, 
schelten. 

Syrjänisches / hat sieh oft aus anderen lauten entwickelt und 
entspricht nicht nur fin. i, ü sowie zuweilen a, sondern oft auch 
M, da es den Charakter eines gutturallautes behält: t'lrp = f. turpa; 
tim — f. lunie; Tl = f. lü; s'lla = f. sida u. s. w. Anlautendes 
n wechselt öfters mit n: votj. nirjan, nirjan spaten. 



985. Pin. när-i, när-hi ein wenig nagen, plappern. — när-hä 
schlecht hauen, zerfleischen. — när-kki nagen, beissen, reizen. — 
när-sä nagen. 

nir-o nagen, saugen, quälen. — nir-ha nagen, schaben, nir- 
hai-me n. -in schabwerkzeug. — nir-ha-ma schabwunde. — nir-hi, 
nir-hai'Se ein wenig schaben, wunden. 



59 

nüf'Sif nür-sä nagen. 

Est. när-i, när-e-le beissen, nagen, kauen. 

Liv. när-u, nör-u nagen. 

8. Lap. nar-ke coire cum meliere. 

Syij. nir-a reiben, scheuem, abreiben. — nir-a-la hecheln, 
schwingen (flachs, hanf), nir-a-n schwinge. — nir-ta abreiben, 
perm. nir-ta feilen, nir-ta-n feile. — nir^si, nir-döi sich abreiben, 
abwischen. 

ner-a verhöhnen, necken, reizen. — ner-si einander necken. 

Vo^. ntr-ja schaben. — nir-ja'n = litr-ja-n spaten. 

Magy. nlr scheeren, abschneiden. — tiir-a-^, Alr-e-s das 
scheeren. — nir-kä-l scheeren, nir-bä-l id., betteln. 

Vog. K. ner-ge-se arbeiten. — ner-ge-sa-p arbeitend. 

N. Ostjj. ner-le schmieren, reiben. — iier-ta-t salbe. — mr- 
i'P färbestoff. 

iier-i-tl-lc reiben, einreiben. — ner-i-ma-le einmal streichen. 

Die vokallänge des magy. nlr halte ich, wie in nir = nir 
birke und nars spiess = i. ostj. narsa eine weidenart, für secun- 
däre dehnung. Budenz 447 anders, vgl. n:o 927, 28. 



986. Fin. när-ä knauserei. — när-vü geizig, gierig. 
nir-u ein geiziger, geiz, nir-u-sta schmarotzen. — nir-kku spar- 
sam, wenig essend. 

Magy. när gewinnen, bekommen, siegen. — tiär-e-S, när-e- 
se-g der gewinn. — Aär-^-kä-d gewinn suchen, wuchern. — när- 
ä-me-nj ausbeute. 

Vog. n. wtV-6 herausziehen, -reissen. — fUr-m-te reissen, aus- 
ziehen. — nir-e-se auseinanderziehen. — L. lUr-m-te nehmen. — 
K. nir-e raufen, ausreissen. — nir-i-s-k raffen, rauben. — nir- 
e-m-te nehmen, wegnehmen. 

Ostj. i. ner-e-mc wegnehmen. — n. ner-e-me^ tiir-'l'm'te weg- 
nehmen, rauben. — ner-t-S-ti händel suchen. 

Budenz szöt. 440 vereinigt die ugrischen Wörter mit 5er. 
7iala, ncüa nehmen, mord. nelge^ fiälge wegnehmen, rauben und 
fasst die grundbedeutung als „ziehen, reissen^ auf. Dies ist ohne 
zweifei eine der Wurzelbedeutungen, die sich auch im mordv. wort 
wiederfindet. Da aber neige vom fin. nülkej est. nülge n:o 951 



60 

nicht zu trennen ist, andererseits die ganze wortreihe bei 11:0 935 
nagen, reiben aufs nächste verwandt ist mit f. nora, narka eng, 
dürftig n:o 924 und närkä barm, verdruss n:o 931, vgl. auch est. 
nuru = syq. nurdl eindringlich bitten n:o 932, so erweiseB sich 
auch fin. närä, närvä, niru derselben reihe zugehörig. Dies wird 
noch durch die fin. variirenden formen bestätigt: nor-ppo geizig, 
begierig (vgl. nurea, nurppa unwillig), nor-ppä schmarotzen; itor- 
kka^ nor-khi schmarotzen (von norkka eng, dürftig, schlecht n:o 
925), nor-kko Schmarotzer, nor-ke-hü, nor-ve-hti schmarotzen. — 
Übrigens scheint ein gemeinschaftliches r schon in der finnisch- 
ugrischen grundsprache vorhanden gewesen zu sein. 

987. Fin. nor'ko^ nor-kko hängende Stellung. — nar-kku hängen. 
nör-kkö nach der seite hängende, abschüssige stellong. 
Bst. nör-e das herabhängen, triefein. 

M. Kord, fiur-a, e. nu^-a, nuf-se schaukeln, intr. — m. nm- 
a-m^ e. nuf-a-mo Schaukel, m. nur-a-m-nä^ e. nuf-Orm-ne hänge- 
wiege. — m. nur-a-fta, e. nur-a-vio, nur-a-v-ne wiegen, sehaukeln, 
trans. — m. Aur-ga hängen, schweben (= e. m. nuf-ge triefen 
n:o 938). — m. tiwr-da, e. nur-do Schlitten. 

Syrj. nor-t schütten. 

N. Os^'. tior-i-m-le biegen, bücken. 

Auch in den obigen Wörtern zeigt sich der zusammenhaDg 
mit übrigen bildungen aus der wurzel nach mehreren ricbtungen. 
Zunächst mit f. noro u. f. in m. m. nurga hängen = e. m. nurgt 
triefen, welche sich dann an f. norkka mager, schwach, syij. tluri, 
magy. nurga n:o 925 anlehnen, dann mit nuru knarren u. a. n:o 
932. Von „rinnen, fliessen, triefein" und e. m. nurfa „fliessen 
lassen^' ist der Übergang leicht zu mord. nura ,,schaukeln" und 
nurda^ syrj. nort schütten. Mit ostj. nor'lmle vergleiche n. ostj. 
/lor knorpcl, syrj. nor krümmuug, buckel n:o 930. 

988. a) Fin. nal-i vorragende Stellung. — nal-i-kka zapfen.— 
nal'kki keil, poika n. kleiner knabe; nal-kki keilen, klopfen. — 
woH-i junger bär, kleiner junger mann. — nall-i-kka, -kko kleiner, 
junger mann. 

nol'va baumende, das am zimmerwerk vorragend gelassen 
wird. — nol'kki membrum virile; vb in grossen tropfen fallen = 
nolrpo'tta. — nol'ppu tropfen. 



61 

nutt'i nuUkki pflock, Schlingel. 

nöll'i, nöl'ldci, nöl'i)pi stumpf, Stummel. — nöUkkÖ ftsschen. 

— nöl-kä'htä als ein klumpen herabfallen. 

nül-kkä hügel, erhöhung am wege. 

Est. noP-ki n. tiotk knabe, junger mensch. — nol-pi n. -p id. 

— nol-ge-n-da in flocken herabhängen. 

nöl-va n. -v, nöt-vi rand, kante. 

md'ka n. nulk ecke, winkel, zipfel, 

H. Lap. nuhke hausecke. -— s. ndl-t kleiner runder hflgel. 

Os^. i. nüt-a, n. ncd-i löifel. 

h) Fin. nol-o^ nol-ja einfältiger, träger mensch, faulenzen — 
noUa-kka lau. 

nuha narr, einfältiger; muthlos = nul-Oj nul-vo. — nuUva- 
kka abgefallen, mager, verwelkt. — nul-ka-mo kraftlos. — nuU 
kka-na einfältiger, träger. 

nölrö einfältig. 

Est. not-ki n. -k,^not-pi n. -p einfältig, unbedeutend, leicht- 
fertig, vgl. oben. — nöl-p-su n. -ps dummkopf. 

M. Mord, nol-a faul. — nol-ga-da faul werden, müssig gehen. 

939. Fin. näUä-kkü, näl-jä-kkä abgetragenes, stumpfes Werkzeug. 
nül'ä stumpf, unwissend. — näl-ä stumpf machen, abnutzen. 

— nüöl-ä tölpel, nachlässig. 

Est. näl'P g. -fea, nät-p g. -bi spitze, hervorragendes ; niü-pa, 
nül'p-sa, nät'pi die zunge ausstrecken, die lippen lecken. 

näl'va n. -v stumpfes ende. — ncU-va-ka-s stumpfendig. 

S. Lap. näl-U'S hebes. — nul-u stumpf werden. 

Syij. nat-a, naf-e-da, nat-da stumpf machen. — nat-si, naf- 
e-d'^i, p. nal'd'i'sa stumpf werden. 

Magy. näll'ä abdttrren, abfallen. 

N. Oslj. nela-m-le sich auflösen, zergehen. 

Die ugrischen Wörter zeigen in ihren bedeutungen dieselben 
Übergänge wie f. nuh, nulvakka, nulkamo 938 b). Budenz szöt. n:o 
458 verbindet f. nälä und nüüce mit mord. nevile sich abnutzen, f. 
nülä stumpf werden, nühtä, nükki evellere, die ich in n:o 884 mit 
f. naJijä, nähjäj nuhjä, nuhtde, (er. nükta u. a. verbunden habe. 
Über nülke vergleiche n:o 951, f. nülü^ näväj mord. nevile^ magy. 
7iövö, nüvöj 7iol n:0 885. 



62 

940. Fin. nuoUe n. -U pfeil. 

Est. ndZ-e, d. n^i nom. ndl pfeil, bogen; pükse n., perkun 
n. donnerkeil. — höUi-Agi n, -ng bogenschUtze. 

H. Lap. nuolj ritioß-a, s. nuolj nual-a, uts. nuoU-a pfeil. — 
n. fluol-a-ste sagittare. 

K. E. Kord, näl pfeil. 

Syij. nöly fiöv pfeil; üol-doz köcher. — Votj. noi pfeil. — 
M wurfpfeil. 

ICagj. 4ü-a n. tiü pfeil ; n/Za^ !o ni sagittare, tMlai vetmi sor- 
tem jacere. 

Vog. n. ndlj L. niü; nd (Ablqv.) pfeil. — w. taut köcher. 

Ofti. i. not, Aaly s. /lo/^, n. nol nase, schnauze, Schnabel, 
spitze, pfeil, vordertheil eines bootes, landspitze. 

Budenz szöt. 444. Ahlqvist Kulturw. 241. Schott, AlUL 
Sprachengeschi. 123 vergleicht tungus. nur, niru, noru pfeil. Dv 
nahe Verbindung mit f. nir-kko spitze, e. mord. ner, Aer nast 
vog. nol nase n:o 926 ist einleuchtend, i 



Wurzel nah 

N:o 941-954. 

Schwächung u. Wechsel: nol nul näl nöl nül nel nil. 
nal nad nol nul näl nol nel nü. 
nur nor nur nör nir nar nor nur Air. 

Steigerung: näl näl näd iiodl nuol nöl nuol nal niel 
niior mr itär nuor noar. 

Bedeutung: a) feuchte stelle, sumpf, wiese, grasboden, acker, 
thal, feuchtigkeit, nass, roh, jung, frisch, weich, fliessen, 
triefen, rieseln, rinnen, sprudeln. n:o 941 — 43. 

h) schleim, schüpfrigkeit, Speichel, geifer, rotz, schweiss, splint 
944; schlüpfrig, schleimig, feucht, glatt, kahl, glatte, ab- 
schüssige stelle, ausgleiten, schlüpfen, wackeln, gleiten, tra- 
ben, laufen, schlüpfen 945, 46 ; scherz, spiel, spass, scher- 
zen, freundlich, sich freuen, süss, angenehm 947. 

c) sich lösen, die rinde verlieren, sich mausen, ablösen, ab- 
ziehen, abschälen, lassen, loslassen 949; lösen, hörner ab- 
hauen, ausziehen, wegnehmen, rauben, tragen, führen 950; 
schinden, abschälen, wegnehmen, rauben, plündern 951. 

d) lecken, naschen, schnappen, gefrässig sein, stehlen 948; 
schlingen, schlucken, fressen, gefrässig, raubgierig 952; 
Schlund, gurgel, mund, zunge, Öffnung 953 ; hunger, hungern, 
mangel leiden, kauen, nagen 954. 

941. Fin. nor-Oj nor-a feuchte, sumpfige und niedrige stelle, 
thälchen, bächlein. — nor-a-nw längliches thälchen. — nar-o-Jcka-ha 
n. 'kas Wässerich. — nor-ä, nor-i-se sanft fliessen, triefen, rieseln. 

— nor-a-hta, nor-e-hti plötzlich triefein. — nor-u triefen, triefein. 

— nor-skä, nor-sku triefen, rieseln, brausen. 

nir-a kleines rieselndes bächlein. — nir-a-hta sprudeln, her- 
Yorspritzen. 

Est. nör-e-nda^ nör4 triefein, abträufeln, sanft fliessen. — 
nör-gu n. nörg wasserabfluss, kleiner bach. 



64 

nir-u, nir-gu rieseln, träufeln. 

H. Lap. noarr-a rinnen. — s. nor-i-te ablaufen, rinnen. — 
nor-Uy flor-u-te sacht oder allmälig giessen, — nor-ku-te giessen, 
ausgiessen. 

£. Mord, nur-ge triefen. -- nur-fa^ nur-f-se frqv. zapfen, 
seihen. 

Öer. w. nör-e, b. nör-e feucht, nass werden. — w. nör-e-de 
frqv., nör-a-l-da nass werden. — w. b. nör-te nass machen. 

Syq. Tiar-jn nass werden. 

Magy. nir-ko n. Tiirk, nirok feuchtigkeit, saft. — nir-io-i 
feucht, nass. — Mr-ää n. närS roh, frisch. — ntr-i-n schlQpfrigo^, 
feuchter weg. 

Vog. nar roh, frisch. — N. Ostj. /iär, när-a feucht, nass, roh. 

Über die Verbindung des magy. nirko mit vog. liurm wiese, 
ostj. Tturum sumpf, vgl f. nurme n:o 943. Die beiden bedeutoi- 
gen „feucht^ und „wunde"", sowie daneben „schramme, ritze, kakL 
bloss*", berühren sich in mehrfacher weise: fin. nurme wiese = 
vog. nurm; fin. närme, nartne wunde, ritze, vgl. vog. fiarme kabL 
bloss werden; votj. narzem wunde, vgl. syij. narzi nass werden. 
Dieser häufige Wechsel der nahestehenden formen und bedeutun- 
gen lässt sich wohl nur durch den gemeinschaftlichen Ursprung 
aus derselben wurzel erklären. Ostj. nar vereinigt daher auch 
die beiden sonst unerklärlichen bedeutuugen des einen wertes: 
feucht, nass, roh und nackt, bloss, kahl, vgl. folgende nummer. 

942. . a) Fin. nuor-e n. -ri jung, frisch, zart. — nuor-e-a^ fmor- 
te-a geschmeidig, biegsam. — nuor-tu jung, frisch, weich werden, 
sich biegen. — nuor-u-ka-i-se jüngJing. — tiuor-i-so Jugend. 

Vot, nör-i jung. — nw-i-kko braut, junges weib = f. nuor- 
i'kko. est ndr-i-ku n. -ik. 

Est. nör-e n. -r jung, frisch. — nör-ti-s, nor-dn-s = vot. nör- 
u-5, fin. nuor-ü'te n. -^s junges alter, jugend. 

Liv. nuor jung. — nuar-ki jung, junger mensch. — nuar-i-li 
jängling. — nuoMö, L. nuor-tu sich verjüngern. 

N. en. Lap. auor-a-s, s.nuores zart, weich, jung. — n. nworr-a, 
s. wwor-a, nuor jung — n. nuorr-a'S'me, s. nnor-a-ne jung werden. 
— n. nuorr-a'S-ma'U€f s. nnor-e-te verjüngern. — nuor-a'k Ju- 
gend = fin. nuorikiko. — n. nuorr-a-vuo-t^ s. nwm'-a-rtio-f id. = 
fin. nuorü'te. 



65 

b) Magy. när-sä n. närS roh, frisch, saftig. — när-Sd-S gereutete 
stelle (irtas hely. Nyelvör II. 280). 

Vog. Aar roh, frisch, kahl, bloss, uackt. — tiär-me kahl, 
bloss werden. — när-me-l-te kahl schaben. — k. war, nar-i nackt. 

H. Ostj. när, när-a kahl, nackt, bloss. — i. nar-a bloss, 
nackt. — nur-a kahl, leer. 

Mit bezug auf die ugrischen Wörter in der vorigen nummer 
halte ich auch die hier unter bj aufgeführten als zunächst aus 
der Vorstellung „feucht" hervorgegangen. Wenigstens muss dies 
der fall sein, was die bedeutung „roh, frisch, saftig** angeht. 
Budenz szot. 441 stellt die Wörter bei b) zusammen, indem er 
darauf hinweist, dass der Vokalwechsel a : ä auch sonst auf ugri- 
schem gebiete vertreten ist: magy. nälv zunge = ostj. nal7m, 
magy. kejs, st. Jcäzä band = vog. Jcat, magy. ket zwei = ostj. 
hat Die hervorgehobene Verwandtschaft der bedeutungen „frisch, 
feucht** und „bloss, nackt, kahl" leitet uns zu n:o 934 f. nurä 
schrammen ziehen, m. mord. nara rasireu, andererseits zu n:o 
928 vog. nar§i reisig, ostj. nar$a weide. 

Übrigens finde ich keine veranlassung, lap. nuorra mit ab- 
leitungen als lehnwort zu fassen, wie Budenz szöt. 441 wegen des 
anlautenden n neben der anderen mit n, da ähnlicher Wechsel 
auch sonst vorkommt: s. lap. najo ruhe = f. ncja wrtb. n:o 877, 
s. lap. rioigu tropfen = f. noikkä 873, n. Ip. nakkäle sich biegen 
= f. nuokJcä, n. lap. ncMo ruhe = f. nuJcku 870, s. lap. nii^e 
weiberbrust = n. lap. ni^^e 910. Auch kommt nuorra in vielen 
Weiterbildungen vor. 

Möglicherweise könnte vog. Aaurem kiud, k. Aaur junges 
thicr, füllen = ostj. nauretn jung, s. fieurem jung, n. ostj. Aauram, 
naur'im^ navlrem kind, das Budenz szöt. 190 mit magy. därmek 
kind, knabe verbindet, während Hunfalvy Vog. föld 346 das letzt- 
genannte mit vog. kärty ostj. x^^^ X^ mann, mensch zusammen- 
gestellt hat, hieher zu ziehen sein. Das u, welches gewöhnlich 
Schwächung eines g ist, wäre dann entweder durch Umstellung 
wie vog. faul = magy. fälu, oder durch vokaldehnung entstanden, 
ungefähr wie k. vog. pal = n. poal seite, k. mos = n. mos, maos 
ende. — Tawgy samojedisch heisst numa jung, Aua kind. — Schott, 
Alt. spracheng. 123 vergleicht f. r^uore mit mong. nirai frisch, neu. 

948. Flu. nur-me grasboden, gras, wiese. 



66 

Est nur-me n. -nurm hochland, dorp. feld, acker. — nur- 
mi'Jc demin. 

Liv. nur-mö, nür-mö n. nurm, nürm feld, acker. 

M. Mord, nar gras. — nor-mar, nor-mar gartenerdbeere, aus 
nor + maf = f. marja beere, daher nor = garten, acker. 

Öer. nur ager. 

Syij. nur sumpf, morast. — nur-a. -ja, nur-ö-d, tiur-ö-S, 
nur-sö'd sumpfig. 

V0I3. nur sumpf, nur-e-s sumpfig. 

Vog, L. nur-m wiese. — fiür nasses land. 

Oslj. i. nor-o-m sumpf, morast. — n. mr-i-m, mir-üm^ nar- 
i*m sumpf, nur-mi-ii sumpfig. 

Budenz szöt. 448 verbindet die ugrischen und permischen 
fonnen mit fin. noro, nore u. s. w., siehe n:o 938. Der Zusammen- 
hang mit diesen ist einleuchtend, die westfinnischen Wörter sind 
aber mit jenen identisch, da sich die bedeutung „wiese, grasboden, 
gras" erst aus „feucht, feuchte stelle, fliessend** entwickelt hat 
nar, nur, mir in den wolga- und perm. sprachen hat wohl nicht 
das Suffix me verloren, sondern ist als wechselform = fin. noro 
aufzufassen. 

Ostj. samojed. nar, narre sumpf, moorgrund, tundra, jen. nara, 
kam. nor moos, jur. narso isländisches moos, jen, naracfgo moosig. 

944. Fin. nal'pa, naUva schleim; nal-vä-niu schleimig werden. 

näl'Vä, näl'jä, näUä schleim. — vgl. niil-vi kauen, nagen 
n:o 954. — näUvi-skc-le schleimig kauen.. 

nul'ja schleim, Schlüpfrigkeit. — nul-ja-Jcka, nul-ja-skay nul- 
ja-sko schleim, schlüpfrige flüssigkeit. 

nil-a schleim, etwas schlüpfriges; hast, im plur. pfUtze. — 
nil'ja schleim. 

Est näl'va n. nälv schleim; näl-va schleimig werden. — 
näl'Va-se schleimig. 

nöUge n. nöig rotz (der pferde); nöUga den rotz haben. 

nil'h g. 'va, nit-b g. -vi, nil-v g. -va schleim. — niH-p g. -&j 
schleim, geifer. — nüt-p id. 

Liv. noT-g schleim. — not-gi pl. nolgist schleimig. 

H. Lap. ni'V'l-e schleim. — s. na-u-Ue schlämm. — nil-ja vadum 
lapidosum, vgl. fin. nil-o-s kivi glatter mit moos bedeckter stein unter 
dem wasser in einer Stromschnelle, nil-o-s glattes felsenufer. 



67 

E. Mord. nol-gOj m. nol-ga rotz. — e. nol-go-v, m. nol-gu 
rotzig. — e. nol-gi-ja rotzig werden. 

Syij. nir-e-g, nit-ö-g^ p. nil-i-g schlüpfrige Schleimsubstanz, 
Schlüpfrigkeit. — nit-e-s, nit-ö-s id. — nü-a-l schwitzen intr., 
nil-a-Irt fact. 

nil'ö-m schweiss. — nil-ö-d schwitzen, feucht werden. 

nol'ii schwitzen, feucht werden, bähen. — nuUt das grün 
auf stehendem wasser. 

V0I3. nul-a-m, nul-e-m schweiss, nul-e-fne-S schwitzig. — 
mil-a schwitzen. 

Magy. /fäl-a n. näl Speichel, schleim. — näl-a-z mit Speichel 
befeuchten. — näl-ka feuchtigkeit. — ncU-a-ä, tiäl-kä-s schleimig. 

H. Ostj. no-m-l schleim, rotz. — nul hochwasser, Über- 
schwemmung. 

Budenz szöt. 431 hat eine menge der hier angeführten zu- 
sammengestellt und noch syrj. dut Speichel, loU schleim, votj. 
dild'i Speichel, sowie B. ostj. nonil schleim, rotz. Ahlqvist gibt 
für n. ostj. nonil nur die bedeutung „Schnecke** an. Obwohl dies 
wort n vor l hat, kann ich jedoch aus diesem gründe und mit 
bezug auf die läpp. Wörter nicht mit Budenz auf eine urform 
nong-l'^ n-g-l-, n-vl schliessen, aus welcher dann auch der lange 
vokal in Mla zu erklären wäre. Diese deutung könnte vielleicht 
auch gegen das zeugniss der übrigen sprachen annehmbar sein, 
wenn die betreflfenden formen alle mit g-^ j- oder v-suflRx gebildet 
wären, nun kommt aber auch p-, t-suffix abwechselnd mit bloss 
vokalischem auslaut vor. Ich betrachte daher läpp. Aaule, nivle 
lieber als Umstellung des est. nüva und in ähnlicher weise wenn 
ostj. fiafiil hieher gehört, dies aus nolm = mord. nolgüy liv. noUg, 
ungefähr wie s. lap. jaure, n. javre = fin. järve, liv. jära, järu 
landsee, oder vog. paul dorf = magy. fdu; n. ostj. sugl, std 
darra = i. ostj. sut, sot, syrj. Sul, wo alle verwandten sprachen 
nur sul oder gesteigert suol haben, vgl. D. wrtb. 723. 

Schott. Alt. spracheng. 123 vergleicht f. nila schleim, nilv- 
akka schleimig mit mongol. nilmu spucken, nümu-sun Speichel, 
nilbusun thräne. — Jur. samoj. heisst wäffw saft. Ostj. samoj. Aäl- 
^ak, nelta/ij neltan schwitzen. 

945. Pin. ncd'jä scherzen, wackelnd und unsicher gehen. — 
nal'ju beweglich sein, wackeln, geschüttelt werden. 



68 

nul-jo, nul-jti schlüpfrig, glatt; nul-jo pä, ntd-i pä = nü-ia 
pä, nil-ko pä kahlkopf. — nul-ja-kka, -kka-ha n. -kos schlüpfrig. 
— nul'ja schlüpfrige stelle, vgl. ii:o 944. — nul-ja aus^^eiten, 
nul^ä fact. — nul-ju beweglich sein, wackeln. 

nül'jü beweglich sein, wackeln, geschüttelt werden. — «iil- 
jii'ttä rütteln, schütteln, herumwanken. 

niUo glatt. — nil-pa, niUpa-kka, nü-ppu schlüpfrig, glatt — 
nil'pa-hta ausgleiten, sich ablösen. — nil-ve n. -t, nü-te-ä, nil-- va-kka, 
nil-va-kka-ha nom. -kas schlüpfrig. — nil-ka glatt, bahr. — nü-t 
n. -I, nil-ke n. 4 gen. m7;e, nile reiner zustand, hautlosigkeit — 
nü-a schlüpfrig, schleimig, glatt. — nil-ja-kka id. — nä-kka-ha 
n. 'kas schlüpfrige, glatte stelle. — ml-kka id., rist am fasse, 
fusswurzel. — nil-kku schlüpfrig, hinkend. — nil-kku hinken. — 
nil-ka-sfu hin und her drehen, ausgleiten. — ml-ka-hta schnell 
hinken. — nil-ja-stu ausgleiten, verrenkt werden. — nil-va-sta 
schlüpfrig, glatt sein. 

Est nül-gü gleiten (d.) 

nil'he schlüpfrig, glatt; schleim. — nil-hii ausgleiten. — iii7- 
he-sta, nU-va-sta, nil-vi-sta, nil-ve-stu glätten, schlüpfen machen, 
ausgleiten, schlüpfen. — niUva-ka-s glatt, schlüpfrig, schleimig. 

S. Lap. nal-ke-s lubricus. — nal-ke-ste ausgleiten. — n. nol- 
ka-sa n. -s, naUa-ka-s glatt, schlüpfrig. 

E. mord. nol-a-za glatt. — nol-a-z-le gleiten, glitschen. 

Syij. naT-e-g schlüpfrig. 

nit'Zi schlüpfrig, glatt, feucht werden. — niF-ö-gö-S schleimig, 
schlüpfrig. — p. niF'd'i gleiten. 

nil'k abschüssig, abhang. 

Votj. tial'mt't abschüssig. 

Es stimmen vortrefflich mit einander überein f. niljakas = 
8. Ip. üalkes, n. Ip. ndlakas und syrj. niHögöi schlüpfrig, glatt. — 
Jur. samojed. najuholta, nensahalmi schlüpfrig. 



946. Fin. nul'kka langsamer trab. — nuhkkü ein wenig traben, 
laufen. — nul-ku-tta id. — nul-kka-ri trabcr. 

H. Lap. nol-ge trab. — nol-gi-de zu traben anfangen. — s. 
Aol-ke-ste ein wenig laufen, traben. 

s. nul'Se, nul'öe hüpfen, salire. — nnol-tni auf Schneeschuhen 
schnell laufen. — nal-ga-ne sich auf den weg machen. 






69 

Bei läpp, nolge erinnert Schott, Alt. spr. 124 an türk. jal 
in jalah at reitpferd, jcUki pferd und mandsch. jalu reiten. 

947. a) Fin. nd-ja scherz, spiel. — nul-ja id. — nal-jä scher- 
zen. — nal-ju-ri scherzhafte person, gaukler. 

nü'ä scherzen, spass treiben, plappern, faulenzen, glatt oder 
falsch sein. 

nil-kka-na gaukler, narr (aus nilkka glatte, schlüpfrige stelle). 
— nil'Wcä zu besten haben, gecken. 

Est. nal'ja nom. ndi scherz, spass. — ncU-ja-se spasshaft. — 
nd'i, naF-ja, naF-ja-ta, -sta scherzen. — nöt-pi necken, zum be- 
sten haben. 

Liv. nal-a, noü-a, L. nal-ja scherz, scherzhaft, lächerlich, 
freundlich. — nat-a-s, not-a-s freundlich. — nat-a-tö^ not-a-iö 
scherzen, spassen. 

S. Lap. nai'je-s freundlich, lächelnd. 

M. Mord, nal'hka spielen, nalrkk-ia frqv., nalhksim pcUnä 
Spielsache. — Ers. nal-ko, nal-k-se spielen, scherzen. — nalrkse-me 
spiel. — nal-ko-mo, -m-ne Spielzeug. 

Magy. nä-ja-s freundlich, angenehm, lieblich. — nä-ja-S-ko-d 
sich freundlich benehmen. 

Ostj. i. lial-ka sich freuen. 

hj Fin. nau'ke-a stlss, angenehm. 

H. Lap. nd-güy nal-gi-s süss. — s. nd-ge^ lid-ge-s, nd-go-k 
süss, angenehm. 

Im szot. 429 verbindet Budenz f. ndja und naukea mit lap. 
fidge^ magy. näjas^ indem er auf lat. suavis süss, lieblich, ange- 
nehm, gr. ^dvg (von personen: heiter, freundlich, liebenswürdig) 
= skr. svädiis süss verweist. Die form magy. iiäjaS aus ndjaS, 
nddjas, wie magy. jädjä = f. jälke^ magy. nedjä vier — f. ndjä. 
Diese auffassung wird durch das liv. nalas bestätigt, welches ad- 
jectivbildung aus naFa, ndja und mit lap. Aaijes, magy. näjaS 
identisch ist. Die mordv. und ostjakischen Wörter stimmen so- 
wohl in suiTix als bed'eutung genau zu den übrigen. 

948. Fin. nil'O sich lösen, abtrennen (baumrinde). — nü-o-u 
sich zu lösen anfangen. — nil-pa-hta sich abtrennen. 

Veps. nil-a-da abschälen. 



70 

H, Lap. ndlrde abbalgen (baumrinde), abziehen (das häut- 
chen an der inneren seite eines feiles), abreissen. 

8. Lap. Aal'le, nil-le die rinde verlieren. — nal-la-se hautlos 
werden. — ncd-la-te deglubere. — näl-da-se das haar verlieren, 
hautlos werden. — nöZ-de, näl-de-ste das haar wegnehmen. 

nol-juy nol-pu renthier ohne hömer. 

M. Herd, nol-na, nol-da loslassen. 

E. Mord, nöl'da, noUda-JcS-ne lassen (gestatten, absphieden, 
verzeihen). — nol-da-mo entlassung, Urlaub. 

Vog. n. nol'i'p sich abtrennen, lösen (baumrinde). — nol'ä'te 
sich lösen ("rinde, haut). 

0»tj. n. nolri-mte sich mausen. — nol-te zermalmen, zer- 
reiben. 

Mit f. nüa schleim, etwas schlüpfriges, hast n:o 944, dann 
schlüpfrig, glatt = nüo n:o 945, steht das verb nüo auf das eng- 
ste in Verbindung, indem „sich lösen und los machen'^ an „glatt, 
bloss, bar^ anlehnt. Ebenso scheint die nahe Verwandtschaft mit 
ncHe und nülke^ niUco n:o 949 u. 950 ausser zweifei zu sein. Syij. 
nollöd, votj. nuldi stimmen auch in der form mit dem lap. ncdde^ 
Aälde, mord. nolda, veps. nilada tiberein. Budenz szöt 924 ver- 
bindet magy. old, old solverc mit s. Ip. nuöle^ nuoUe solvere, n. 
nuoUa ausziehen, nalla lösen und mord. nolda. 

Tawg. Samojed. nelfu'am loskommen, nelfadd'ama loslassen. 



949. S. Lap. ncU-e die hörner abhauen, überwinden. 

nuoUe lösen, auflösen. — nual-u-se solvi. — nnol-e-m solutio. 
— nuaUe-te sich entkleiden. 

H. Lap. nuol-a ausziehen, entkleiden, abladen. — en. nuoll-o 
entkleiden. 

Öer. ^laha, b. naH-a, nal-ä nehmen, kaufen; vergL e. mord. 
neüge wegnehmen, rauben. 

Syij. nol-a, nol-lö-d, p. nol-je-d tragen, bringen, führen. 

Votj. nul'i, nul'Vl, nul-di id. 

Fin. nüo sich ablösen setzt ein actives *n?7a voraus = lap. 
wafe, Cer. nala, syrj. nola, zu welchen n. lap. nuoh^ s. ntiole nur 
die gesteigeile form ist. 



71 

950, niU-Jce pr. nül-jen schinden, abschälen. — nül-hu^ nül-kö 
das schinden. — nül-ke-ü-tü geschunden, abgeschält werden. — 
nül'jä etwas zerstören. 

nil'ko abziehen (häutchen), abschaben, schinden. — tiil-ke 
id. — nil-kko-a genau auspressen, aussaugen. — nil-ko-a abziehen, 
abschaben, aussaugen. 

Vot. nill'le schinden. 

Est. nül-ga, nüf-gi schinden. — nül-ge schinden, abreiben, 
ausziehen. — niil-ge, nül-g g. nüli das schinden. 

Liv. nül-gö, L. nül-gu schinden, die haut abziehen, vgl. est. 
nül-gü gleiten. 

S. Lap. iial-ge glacie liberari. — n. nal-ka-i-de hautlos werden. 

E. Mord. ncF-ge, neü-g-se wegnehmen, rauben, plündern. 

Die von Budenz szot. 458 gemachte Zusammenstellung des 
f. niUke^ sowie nü-lü stumpf werden, sich abnutzen, nülä stumpf 
machen, nühtä, nükki stossen, reissen mit mord. nevile sich ab- 
nutzen, magy. nu, nüvöy növö^ nSl abwetzen, abtragen, ist schon 
bei n:o 884, 85 besprochen. Die hier angeführten stimmen so- 
wohl im Suffix als in der bedeutung, denn schinden, abziehen, 
wegnehmen und die neutrale bedeutung der läpp. Wörter grenzen 
nahe an einander. Vergleiche übrigens die zwei vorhergehenden 
nahestehenden nummem. 

Jur. samojed. neläu, nieläu schnitzen, abschälen. 

951. Fin. nuoUe lecken, belecken. — nualre-ske-le frqv., nuoU 
a-i'Se mom. — nuol-u das lecken, nuolu sormi der Zeigefinger 
(lecken-finger). 

Veps. nol-e lecken. 

Est. nöl'i lecken, belecken, naschen. — liol-i n. not lecker, 
naschhaft, leckermaul. 

noU'P g. 'hi gefrässig, gierig. — nol-pa^ nöl-pa einen gieri- 
gen biss thun, schnappen, stehlen. — nol-pe das zu leckende, 
gesöff. — not-pi^ nöt-pi lecken. 

Liv. nüol'ö, L. niiöl-u lecken. — not-pö schmatzen, lecken. 

S. Lap. nol'U lecken, nol-u-te frqv. — fiol-u-m linctus. — 
n. noall'U pr. noalum lecken. 

E. Mord, nol-a, m. nol-a lecken, saufen. — e. nol-sej m. 
nol'ia frqv. 



72 

Öer. w. b. nul-e liugere, lambere. — w. nul-e-de frqv., md- 
a-la mom. 

Syij. nulra, nuv-a^ p. nol-a lecken, belecken. — s. nuUsi 
sich lecken. — p. nuJrt'i ablecken, — Vo^'. nuho lecken. 

Magy. nal lecken. — nal-ä-nk naschhaft, leckerbaft. — nol- 
i-nta leckerhaft, leckermaul. — nal-a-t, nai-a-de-k leckerei. — 
nal'ä'S das lecken. — nal-o-ga-t frqv. lecken. — nd-a-ko-d^ nal- 
do-gorl lecken, schlecken. 

Vog, nal'U'je lecken. — nät-e-nte, L. Tial-nte dauernd lecken. 

Oslj, n. nol'Y'je, noll-e (Ahlqy.) lecken, belecken. — nol-l-le 
frqv. — i. nad-a-je, s. naä-e lecken. 

Budenz szöt. 432 nimmt nicht die est.-liv. formen mit /)- 
sufifix auf. Sie lehnen sich in form und bedeutung an est. nälpa 
die zunge ausstrecken, die lippen lecken, schmatzen, begierig sein, 
von nälpa n. nälp spitze, hervorragendes. Zu est. nolpa gehört 
der form nach f. nolva hervorragendes baumende, nolppu tropfen. 

Kam. samojed. nüläm lecken. 

962. Fin. niel-e schlingen, schlucken, verschlingen. — nid-a- 
i'Se subit., nielre-Jcsi dim., niel-e-ske-le frqv. — nieUu-kse schluck. 

— niel-a^ niel-o schlucken, was auf ein mal verschlungen wird. 

nä've-hti kleine schlucke nehmen, schlürfen. 

Est nel-a schlingen, schlucken. — ml-ä-htä mom., nel-i-ske-h 
frqv. — nel'U'Se nom. nelus schlucken, schluck. 

Liv. niel'ö schlucken, schlingen. — niel-dö-ks schluck, trank. 

S. Lap. näl-e schlucken, verschlingen. — näl-e-te fact. ~ 
ncU-e-m schlucken. — näl-a-nje, näl-a-ta-ke-s gefrässig, raubgierig. 

nal-ge-le mit hülfe einer flüssigkeit verschlingen. 

H. Lap. niel-a schlucken, verschlingen. — niel-a-ste mom. — 
en. neU'ü verschlucken. 

H. Mord. niJra^ e. nü-e schlucken, schhngen, verschlingen. 

— m. nü-e-nda frqv. 

Öer. nd-a schlucken, verschlingen. — nel-e-de frqv. 

Syij. nü-a-la schlucken, verschlingen. — nil-i-Ha mom. ver- 
schlucken. — nil-i-Stö-m schluck. — nil-a-s anbeissen (der fische 
an die angel). 

Votjj. nü'i schlucken, verschlucken. 

Magy. näl schlingen, verschlucken. — näl-e-s das schlucken. 

— näl'ä't schluck. — näl-dä-gä-l frqv. — näUdä-ke-l id. 



73 

Vog. L. nal-e-le schlucken. — k. naUte verschlucken. — n. 
nal-e-je schlucken. 

Oflj. n. fiel'le fressen, verschlingen. — nel-e-ma-le auf ein- 
mal verschlingen. — i. ^iet-te verschlucken. 

Budenz szot. 438 bemerkt, dass das irt. ostjakische ein in- 
lautendes ursprüngliches / grösstentheils mit d austauscht (fin. 
kolme, n. ostj, x««?^^ = i« ostj. xüdeni), weshalb mt-te hier oben 
aus ned'te entstanden ist und sonach dem k. vog. nai-te mit mom. 
Suffix t entsprechend, wie i. ostj. kämetta = s. kamelta. 

Jur. samojedisch nalnau, taw. ndtami'ema, jenis. noddoabo 
schlucken; vgl. schlüpfrig n:o 945. — Schott, Alt. spr. 90 ver- 
bindet t nieU mit magy. näl^ sowie f. nielu Schlund mit magy. 
uälv zunge, und lap. 7\olu lecken mit magy. noZ, dabei bemerkend, 
dass an die bedeutuug kehle oder Schlund sich die des Schluckens 
knüpfe und an die bedeutung zunge die des leckens. Mit diesen 
vereinigt er noch türk. jal lecken, mongol. J^oZ-^fi für ja/^r-i schluc- 
ken, beide aus nah 

958. Fin. nieUi-me n. nidin Schlund, gurgel. — nielru Schlund, 
gurgel, Öffnung einer fischreuse, gefrässigkeit. — nieUu-kke-he n. 
'ke kleiner Schlund, öfifnung. 

Est. nel'U, d. ncl-o n. nel das schlingen, schlupd. 

H. Lap. naJrh'ine^ s. nd-me^ utsj. n^-fr-nti, en. näl-ine mund. 
— s. nal-mu-t öffiaung. — s. nal-mu-ge-s zänkisch. — ;id7t4, näl- 
a-ta-k Schlund, gurgel. — n. nieU-u schluck, Schlund. 

H. Mord, niü've schluck. 

Öer. jü-me, b. jü-mä zunge, spräche. 

Syij, nil-a-n, p. nll-a-n, votj. ntl-o-n Schlund, gurgel. 

Magy. näl'Vä n. -v zunge, spräche. — /w^-va-i geschwätzig. 

Vog. nel-m, L. nUm, K. m7-m, nU-e-m zunge, spräche. 

Oölj. i. mld-c-w, näd-a-m, s. näl-e-m, n. näl-'i-m zunge, 
Sprache. 

Budenz, welcher szöt. 439 nur lap. nähne, (er, jäme mit den 
magy. vog. und ostjak. Wörtern verbindet, hebt hervor, dass magy. 
vä im wortende mehrfach dem me der anderen sprachen ent- 
spricht: magy. tätvä nom. tätü laus = i. ostjak. teudem B. 223, 
magy. slvä, sivä, siivä herz = vog. sim^ ostj. sem^ t südäme B. 
304, magy. nävä namen = f. nimej magy. lävä nom. fö sappe =: 



74 

m. m. läm, s. Ip. läma, f. lienw B. 741, Offenbar gehören aber 
auch die übrigen formen hieher: f. nielime mit dem suffixum in- 
strumenti me gebildet, ist dem läpp, nodnie, nalbmi identisch, wie 
f. niele dem s. lap. näle, Aalr^ n. Aiela entspricht und f. nielu dem s. Ip. 
iiälu, n. niellu. Die entwickelung der bedeutung ist wohl: schluck, 
schlingen, das schlingende = womit man schlingt, zunge, schluDd, 
und dann mund, Öffnung. In diese reihe gehört wohl auch 

magy. nil sich öffnen, nil-o-nga frqv., nil-ä-S Öffnung, kluft, 
Schlund, nH-a-de-k Öffnung, spalte u. s. w. 

die Budenz szot. 445 aus einer grundform n-v, n-j^ n-g er- 
klärt, indem m7, tiil und ntt intransitive und causative form = 
niv-l, Aiv-t sei. Diese auffassung wird noch durch herbeiziehuDg 
des vog. nit gebären, n. fiolip sich abtrennen, n. ostj. nolimt sich 
mausen, und 1. vog. nulmin verwundet, n. ostj. nulum^ Auttm^ L ostj. 
firdem wunde gestützt. Die letzten habe ich in n:o 933 mit f. 
närma verbunden, jene mit f. nilo u. a. zusammengestellt; daoD 
ist „gebären" doch nicht identisch mit „sich öffnen". — Bemer- 
kenswerth ist der bedeutungsunterschied: zunge, spräche im ma- 
gyarischen, vogulischen, ostjakischen und öeremissischen, währeDd 
in den übrigen: Schlund, mund. Die letztgenannten gebrauchen 
dagegen für zunge, spräche das wort hiele^ kil, welches den ugri- 
sehen sprachen wenigstens in dieser bedeutung unbekannt ist 
vgl. n:o 199. 

Im samojediscben heisst mund: jur na\ nah, jen. na\ wel- 
ches mit schlucken: jur. nalnau in etymologischer Verbindung 
steht; zunge ist jur. samojed. nämi 

954. Fin. näl-kä g. näljän, näl-än hunger. — näl-hü pr. fiälü\^ 
ncUvün hunger leiden. — näl-hi pr. näl-jin id. — näl-ä-stü hung- 
rig werden, verhungern, schleimig werden. — näUätt-ä hunger 
verursachen, schleimig machen. 

ncU'vi schlecht kauen, nagen. — näUve-htä ekel haben. — 
ncU'ü-ttä kauen, schleimig machen. 

Vot. näl'öä hunger. — Veps. näl-g, nal-g hunger. — nat-gi- 
$tu hungrig werden. 

Est. näl-ga n. -g, gen. nätja, d. ncU-ä hunger, mangel. — 
näl-ga, näUge^ näl-gi, d. näl-gü hungern. — nät-ja-ta, nät-ju-U, 
nät'ja-nda hungern lassen. — nälrä-ko n. -ä, näl-ä-fsi n. -fs ein 
hungerleider. 



75 

Liv. näl-ga, L. näUge^ iiäJrg huDger. — näl-ga-li hungrig. — 
näl-ga-ndö mangel leiden. 

8. Lap. näl'ke, neUge hunger. — neUga-^, neUga-r-v hungrig. 
— nel-gu, hungrig sein, verhungern. — neUgu-m esuries. — nel- 
gu'fe aushungern. 

H. Lap. näl-ge hunger. — tuU-gu hungern. — en. näl-gc 
hunger. 

E. Hord, nul-gu-de ekel haben. — nul-gu-de-nhc ekel. 

Oflg. n. nel-'i-n hungrig, gefrässig. 

Die fin. >vörter zeigen den Zusammenhang mit niele n:o 952, 
aber auch mit ncäjä, nälvä, ncUä schleim n:o 944; nälja ist in der 
that nur die geschwächte form des näUcä. Mordv. ntdgude lehnt 
sich an e. mord. nolgo, liv. noFg = f. ntc^'a. 



955. öar. nol-u-ga-z Silbertanne (pinus picea). 
Syij. nll, p. nil sibirische tanne (abies Pichta). 
Votj. nil pu id. 

H. Ostj. nol-ya, nol-yi Silbertanne (pinus picea). — i. tial-xa, 
s. nat-ka-i id. 

Im votjakischen bedeutet nulo pu ulme = öerm. noUgo, 
welches in der form mit den ostjakischen Wörtern übereinstimmt 
Die grundbedeutung ist schwer zu ermitteln. 

Ostjak. samojed. nulg^ nolg, ntüge^ nulgo weisstanne (pinus 
abies), kam. nelga id. 

956. aj Fin. nen-ä nase, ende, spitze, verstand. — nen-i-kkä, 
nen-ä'kä'Sä n. -Ms gegenständ mit spitzen, stacheln. — nen-ä-U 
mä spitze, Stachel. — nen-u-kse n. -us, nen-u-st-me = ntn-tt-si- 
nie n. -in schnauze. — nen-ä-i-le, nen-ä mit der nase berühren, 
naseweise sein, disputiren. 

Eft. nin-a nase, vorstehendes ende, spitze, landzunge. — d. 
nan-Uy nön-a, nen-a id. — nin-a-ka-s grossnasig, naseweise. — 
nin-a-se n. -ne landspitze. — d. nen-a-i-ki, nön-a-i-ki n. -ik^ nön- 
u-ni'ku n. -ik Vordermann, erster im zuge (bei vögeln, fischen). 

Liv. nan-a nase, schnautze, Vorgebirge. — nan-ä-li pl. -ist, 
nann-i pl. -ist nasig. 

hj Fin, nunn-u bluroe, brustwarze, zitze. — nunn-u-se dim. 



76 

nänn-ä, nänn-e n. -t brustwarze, zitze, pl. auch geschwüre 
im mund, nase (bei pferden). — nän-ttä amme. 

nunn-a^ -o weichliches weib, schmeichelwort, kuh- und ziegen- 
name. — nunn-o-i-tte-le liebkosen. 

Eft nänn-Cy nenn-e n. nänn, nenn, d. nänn-ä mutterbrust — 
nänn-e-ke-ze, nenn-e-ke-jue dim. 

ninu'i n. ninn blume, nin-dsi blümeben. — ninn-i-lco n. -ä* 
kuhname. 

Liv. «aw-a, nBn-a, L. nm pl. mnd weibliche brüst, zitze. 

S. Lap. nuan-e^ nuonn-e nase, nnon-a-ts dim. — nuan-e-n, 
nuan-a-sta-k landspitze, Vorgebirge. — nnon-a-k, -ek scharf- 
sinnig, spitz. 

wuow-M, nuoH'U'te, frqv. nuan-u-ta-lle sagire. — nuon-u, 
Tiuon-U'ha primus ordine. 

H. Lap. nudn-e nase. — nunn-ai grossnasig. — utsj. nunn-i 
nase. — en. nunn-e id. 

Syij. p. naii-a, nana jur (haupt) zitze, biiistwarze. 

fioA zapfen, mutterbrust, zitze; m. pom (ende) id. — non-a 
zapfig, brüstig. — non-a-la saugen, non-a-Sa saugen, Säugling sein, 
AoA-e-da säugen. 

Votj. nan-t zitze, mutterbrust. — non-i saugen, non-ttj non- 
hti saugen. — nan-'i-S Säugling. 

nun-o, tiun-'i kleines kind. — nun-i'ja'S'kc'm zärtlich. 

Bemerhenswerth ist, dass von den zwei stammbildungen der 
form n-n, welche gemeinschaftlich bei den westlichen und östli- 
chen verwandten Völkern vorkommen, nur die permischen finnen 
so nahe mit den übrigen übereinstiramnn. — Ostj. samoj. heisst 
nüAo^ nunu, nunoka, nunukka klein, welches dem jur. sam. nötoku. 
noFoko, nuderka, nüdea entspricht und dadurch auf eine Stamm- 
form n-t hinzeigt. In derselben weise wechseln r, /, n in den 
folgenden: ostj. samojed. nänneä, nänneäl, nännü, nanneät^ /lännc- 
naty nannel, nannei, namei, tawg. tlarä, narabtä, jur. ;i€r, nerl 
vorderer. 

Ähnlich verhalten sich e. mord. ner, öer. ner, ner, syrj. nlr 
und vog. nol nase, i. ostj. not nase, Schnabel, f. nirkko spitze n:o 
926 zu f. nenä, nännä. 

957. Fin. nin-e hast, lindenbast, nlni pü linde. — nln-i-sc 
von hast. 



77 

nin-tä hast abstreifen. 

Est, n~in-e n. nln lindenbast, ntne pu linde. — nln-e-se von 
bast, nm-e-li-ze einer der bast abstreifen geht. 

Liv. nln pl. nlnd sehne, bast, w. pü linde. — nln-i pl. -?>< 
sehnig. — nln-ö n. n7n gurt, gürtel (von leder). 

6er. ni, m bast zum flechten der bastschuhc. 

Syij. nin bast, junge linde, nin pu linde, n. körn bastschuh. 
— nin-a von bast. — nin-a-la bast abziehen, nach bast gehen. 

Votj. nin lindenbast. — ninn-l bast abschälen. 

Im szot. 458—60 stellt Budenz mit dem magy. liS, A5 = 
nüvö, novo abwetzen, abtragen, sowohl f. nülüj nühtä, nülke, die 
ich n:o 855, 950 anders vertheilt habe als f. nlte licium textorum 
und nlne bast, und sz6t. 442 f. nlttä mähen, mit einer ugrischen 
grundform nüge, nüve, nüje ursprünglich „streichen, streifen, ab- 
wetzen, schinden"" und dann „binden'' zusammen. Ich lasse es 
dahingestellt bleiben, ob f. nlte, welches Ahlqvist kult. 83 aus 
dem russ. nif faden herleitet, mit magy. iiüät zu verbinden ist, 
da sie auf dem ganzen gebiete noch vereinzelt vorkommen. Da 
andererseits Wörter von der form n-n überall äusserst spärlich 
vorkommen, ist entweder Budenz' deutung die richtige oder der 
Übergang des auslautes von einem anderen laute anzunehmen. 



'S *-..->».'-», '^w'-* -'^.'' 



Wurzel Nap. 

N:o 958—962. 

Sehwächmig n. wechselt nap nap mip näp nar. 

nam nom nim nem uam tionL 
Steigemng: näp näv. 
Bedentung: a) geizig, begierig, lüstern, (hündin) n:o 958. 

bj anhaften, drucken, pressen, greifen 959. 

c) mücke 960, fest, dicht, hart, steif, dick 961, moos 962. 

958. Fin. näp-ü-lä-sä n. -las geizig, begierig. 

8. Lap. näp-e-ly näp-wJc begierig, cupidus, avarus. 
Syij. nom-sa-la lüstern sein. 
Volj. vap'Se lust, begier. — nap-se-U-k gier. 
J. Oslg. nap-e anbeissen (von fischen). 

Dem fin. näpüläs sehr nahe stehen f. näpeä^ näppeäj näp- 
akkäy näpsä^ näpseä, näpsäs alle in der bedeutung: eng, knapp, 
sparsam; zierlich, nett, spitz, lebhaft, schnell, geschickt, in letz- 
terer hinsieht = est. nahe st. nabcda nett, sauber. Die erste 
bedeutung entspricht dem estn. napp g. napi knapp, sparsam, 
mangel, napik sparsam, napilize etwas knapp = schwed. dialekt 
napper, napp eng, knapp, sparsam, gering, altn. knapper, hncppr. 
Im fin.-estnischen gibt es eine grosse menge verba von der form 
nap^ nop, näp^ nip, nüp in der bedeutung schnappen, raffen, knei- 
fen, pflücken. Da sie aber in den übrigen sprachen gross tentheils 
fehlen, in den germanischen aber viel verbreitet sind, wage ich 
sie wenigstens vorläufig nicht als genuine zu betrachten. 

Die benennung der hündin im finnischen napi^ navi\ näppa, 
näppo = est. nabi lehnt sich wohl zunächst an die bedeutung 
„lüstern". Was den Wechsel p : w betrifft vergleiche n:o 961. 

959. 87. Lap. nom-w, noni-ke-te adhaerere. — nom-ke-le zu- 
sammenfügen. — nom-U'te amplecti. — nom-ku-s der leicht 
stecken bleibt. 



79 

Syrj. nam-ra-h drücken, pressen. — Aam-rö-da zerdrücken, 
zerbiegen. 

Mag^. nom drücken, drängen, pressen, treten, /lom-o-d, nom- 
ko'd, nom o-ga-t frqv. — nom fussstapfe, fusstritt, spur. — riom- 
o-z spüren, forschen. — nom-u-l dringen, sich drängen, — nom- 
a-s beschwerer. — nom-a-sta drücken, lasten, beschweren. — 
nom-ü'S das drücken, treten. — nom-O'r-ga't, -gl-t plagen. — 
nom-a-t gepräge, druck. 

Das niagy. nom u. m. stellt Budenz szöt 450 mit vogul. 
/lolm-ie quetschen zusammen und fasst beide als wechselformen 
zu magy. <ow-premere = ugr. t- Im- oder d- Zm-premere (läpp. 
tiwl-tne, duolbma conculcare, syrj. votj. dow, dum ligare), welches 
mit verbalem nominalsuffix m von toi schieben, drängen gebildet 
sei, vgl. szut. 235 und töin 240. Zu tom, töm gehören aber zu- 
nächst est. tammi schlagen, vgl. D. wrtb. 544, f. tamia 546, dann 
f. ta2)pa schlagen, syrj. topöda zusammenpressen, wrtb. 522, und 
magy. top hinunterdrücken, abwerfen, tob, dob werfen. Dass übri- 
gens anlautendes t mit n wechselt, ist eine nicht seltene erschei- 
nung: est. tibi, tibu — nibi, nihti hühnchen, tipp = nipp spitze, 
zacke. 

In ermangelung der Zwischenglieder ist es unsicher, ob fin. 
nam-i-tta ermahnen, est. nömi ermahnen, warnen, verweisen und 
s. Ip. uuom, uuoma crettcr zum kahn mit den obigen zu verbin- 
den sind. Wie die bedeutungen „drücken, pressen" und „anhaf- 
ten" mit einander in Verbindung stehen, zeigen magy. roi setzen, 
stellen, packen und ragad kleben, haften, raffen, reissen. — Mit 
den oben angeführten stehen wohl noch in Verbindung: syrj. nop 
last, tracht, nöb bündel, last, tracht, votj. nupiet last, nlpl bürde, 
tracht, last, joch und dessen ableitungen syrj. nöbala tragen, 
schleppen, ertragen, stöbern, wehen = öer. numala, namala tra- 
gen, bringen, numökte, b. namekte fact. 



960. S. Lap. nam-e-k plur. kleine mucken. 
Syij. nom mücke. — Vo^'. ntm-t id. 

Offenbar stehen diese Wörter etymologisch dem s. lap. waw- 
M-Ä, nam-e-s spitz, acutus sehr nahe, sowie den in vorhergehen- 
der nummer aufgeführten nam, tiom drücken, beschweren. 



80 

Jur. samojed. Alberu kleine mücke mit grossen flflgeln. VA 

jur. fitbea, nibea nadel = ostj. sam. nimarä, nimer^ nimere. 

961. Fin. nav-e-a fest, dicht, hart, steif, stark, dick. — fior-o- 
kJca kraftvoll, stark. — nav-i-sta anstrengen, fest machen. 

Syxj. nem-sa-la steif, gelähmt werden. 

Votj. nap dick, dickflüssig. — wap-jt, nap-si, nap-Jä diek 
werden. 

Im finnischen ist der Wechsel p : v gewöhnlich, über p : m 
vergleiche votj. napse, syrj. nomsala n:o 958 und niagy. nap n:o 
965. Sonst wechseln m : v im anstaut nicht selten, vgl. magj. 
nävä = vog. näm n:o 966. 

,962. Fin. nav-a, näv-a baummoos, moosflechte. 
E. Mord. nup'O'H moos. — nup-o-ne-v bemoost. 

Die eigentliche bedeutung ist wohl das was sich anheftet, 
anklebt, vgl. s. lap. namu. Möglich, dass fin. neva sumpf, moor 
damit in Verbindung steht. 



968. Pin. nep'Se-ä feucht, dumpfig. — nep-sa, nep-si wohl- 
schmeckend. 

Est. nep'Si n. neps feucht. — nep-si-ja-s id. — näb-re feucht 
— näb-ru, nab-ra-ste anfeuchten. — nap-ra, nap-ri n. naper mürbe. 

Liv. nüp-stä sehr weich und biegsam. 

Syij. neb'l'd weich, zart. — neh-zl weich werden, neh-ie-da 
erweichen. 

Votj. neb'i't weich. — neb-zi weich werden, yieh-zi-t er- 
weichen. 

J. Ot^. teb-e-t weich. — n. tcp-'l-t, leb-T-t id. 

Budenz szöt. 880, welcher die fin. est. liv. Wörter nicht mit 
den übrigen verbindet, führt dagegen e. mord. öcv-ie weich, milde, 
krume im brot, f. heveä mollis, lascivus und magy. ev, iv über- 
reif, mehlig werden zu den übrigen. Wenn hier auch gemein- 
schaftlicher Ursprung anzunehmen wäre, so kann jedoch heveä 
nicht von f. hippeä weich, biegsam, lebhaft, hepsa los, flatternd, 



81 

hepdkka flüchtig, leichtsinnig n:o 778 getrennt werden. Ich verbinde 
daher zunächst die mit s = ö, h anlautenden in eine reihe, auch 
wenn dieser anlaut aus ursprilnglichem t entstanden ist, und finde 
f. ncp'SC-ä was das erste suflfixelement betrifft dem syrj. neb-z'i 
ziemlich nahe stehend. Vielmehr könnte man mit syrj. neh'ld das 
fin. nevcä (= *neveta) verbinden, welches die nebenformen net^a, 
näiveu, näivä hat mit bedeutung: feucht, schlaft*, matt, verwelkt, 
und Verbindung mit f. neva^ vergl. vorige nummer, da fin. v auch 
sonst syrjänischem h entspricht : fin. ove syrj. clbez thür. 

964. Fin. nam-i-tta ermahnen. 

Lap. n. nam-a-s, namm-a-s, nam-a-s-gas acutus, alacer. — 
nam-a-s-me acutum fieri. — nam-a-s-ma-tte fact. — nam-o-ni-ste 
sequi, instare, acerrimo studio in aliqua re versari. 

t. nam-e-s, nam-o-Jc acutus. — nam-o acutum fieri. 

Vog. ngm-e erwähnen, sich erinnern. — n^im-erlrmä'te einen 
erinnern. — ngm-i-sej ngm-e-se denken, verstehen. — ngm-t, L. 
ngm-e-t gedächtniss. — nfftn-e-s id. — ngm-thn verständig. — K. 
num-e-l-ma-te gedenken, sich erinnern, verstehen. — num-le^xte ver- 
stehen, einsehen. — num-se denken, gedenken, sich erinnern. — 
num-t gedanke, verstand, sinn. — num-te-n verständig, klug. 

Ost]. 1. nam-a-s verstand, gedächtniss. — nam-a-se^ s. nam- 
a-X'Se denken, sich erinnern. — i. num-e, s. nam-e sich erinnern. 
— i. nam-a-tte erinnern. 

n. nont-e sich erinnern. — nom-^i-psa gedächtniss. — nofn-h 
l-ma sich an etwas erinnern. — nom-ls, nöm-ts (Ahlqv.) gemüth, 
verstand, gedächtniss. — nom-si-n verständig, klug. — nontrhrn-le 
denken, sich erinnern. 

Budeuz sz6t. 855 führt die vog. ostjakischen Wörter als fer- 
nere verwandte des magy. äm-ti-t erwähnen, äm-?e-Ä:c-^ meminisse, 
ostj. n. am froh sein, i. äm-d sich freuen an, in betracht dessen, 
dass auch in anderen verwandten sprachen anlautender nasal ab- 
genutzt ist, wie in perm. nimal saugen, lap. namme = ostj. i. ew, 
magy. d>w, fin. ime saugen, vergl. sz6t. 849. Von den hier ange- 
führten fin. lappischen formen steht jedoch fin. nam-i-tta ermah- 
nen dem irt. ostj. nam-a-tte erinnern, d. h. in erinnerung bringen 
sowohl nach form wie inhalt sehr nahe, was in letzter beziehung 
auch mit dem lap. nam-o-nuste der fall ist. Die Vermutung liegt 
dann nahe, dass die bedeutung „scharf^ sich ähnlich wie im latei- 

6 



82 

nischen acutus zu ^scharfsinnig'', von da zu „verstand'' entwickek 
hat. Vergl. fin. neroisa 928. 

965. H. Lap. miomm-iHr infirmus, invalidus. — nuchm-e-r ii 
— s. neni'O-'k mollis. 

Syij. num-^'d träge, matt. — num-a-Ja träge werden. 
Magy. lianim-o-g, 'fiämm-o-g faul oder langsam essen. — fic«- 
ä-ndi dumm, einfältig. 

Ot^. n. Aüm-i-Tc weich. — i. nam-c-Jc schwach, locker, schlaf 

Die ostjakischen Wörter stimmen sehr gut mit dem schw.h|f. 
nanok überein. Damit hängt auch ostj. samojed. nüniagel^ mmA- 
get weich zusammen. 

966. Fin. nime nom. nimi name. — nime-hä-sä nom. -käs nan- 
haft. — nimi-kko, nimi-kkö namenverwandt. — nime benenne«. 
äussern. — nimi-ttä benennen, namen geben. 

Veps. nime nom. -i name. — nime-da nennen. — Vol. nm 
name. 

Est nime n. nimi name, benennung, ruf. — nime-ka-s na» 
haft. — nimi'ko n. nimik namenverwandt. — nimc-ta nennen, e^ 
nennen, erwähnen. 

Liv. nim pl. nimüd name. — nim-tö-m, nim-ti-mi namenlos = 
f. nimi'ttö-mä nom. nimitön. — nim-tö nennen. 

Lap. n. nahma, nähme, sv. nam^ namma, uts. namfna, et 
nomma name. — n. nam-a-te nominare, attribuere. — sv. nammor 
t€'S namenlos. — namma-tc attribuere. 

r. nam, warn, nämä name. — nama-de dicere, loqui. 

M. Mord. ?ftw, lem name. — lem-de nennen. 

E. Mord, lem^ lerne, läm name. — lem-te-me namenlos. - 
lem-de nennen, benennen, taufen. 

Öer. liim name. — lümä-n namhaft. — lüm-de nennen. — b. 
liim, lim name. — lim-de nennen. 

Syij. nim name, benennung, rühm. — nim-a genannt. - 
nim-a-la heissen. — nim-ö-d nennen. 

Vo^. nim name. — nim-a-n rühm. — wmi-a, nim-ja nennen.- 
nim-o namig. — nim-ö-d nennen. 

Magy. nävä nom. nZv name, ruf. — nävä-s namhaft. — m- 
vä-z nennen, benennen. 



83 

Vog. k. nam name. — nam-pa benannt. — nam-te benennen. — 
nam-e-n namhaft. — n. näm, nam name. — näm-p^ näm-i-fi be- 
nannt, namhaft. — näm-te nennen. 

Ottj. i. ncm name. — n. ncm id. — nem-i-t nennen. — neni- 
•i't'Ie id. — ncnM-tsa-fe sich nennen. — ncm-pa benannt. 

Ahlqvist kult. 254 findet die Identität dieser Wörter mit dem 
indogermanischen offenbar, ohne eine erklärung darüber zu geben. 
Thomsen got. sprogkl. 2. führt sie als beispiel einiger Wortüberein- 
stimmungen an (wie auch mete = madhu, veie = wda, Mle = 
hru), die möglicherweise ursprüngliche Verwandtschaft mit den in- 
dogerm. sprachen andeuten könnten. Budenz sz6t. 424 zeigt erst 
die Zusammengehörigkeit der angeführten Wörter innerhalb des fin- 
nisch-ugrischen, da me auch sonst mit vä wechselt: magy. lävä (le) 
= f. lieme, raagy. hivä = mord. keme^ magy. jovo {jö bonus) = 
vog. jomas u. a., so auch anlautendes n mit l. Da keine spräche 
das dem indogermanischen charakteristische schluss-w aufweist, nicht 
einmal das finnische, welches sonst in lehnwörteni die älteren for- 
men aufbewahrt, wie fin. paimen hirt = lit. pcmü (urspr. stamm 
paimen)^ und die gemeinschaftliche grundform hochlautigen vokal 
hat, könnte hier nur zufälliges zusammentrefifen angenommen 
werden. Fasst man es dennoch als lehnwort auf, so liegt das 
slavische imen (*nimen) am nächsten, die entlehnung muss aber 
dann schon in der zeit der finnisch-ugrischen grundsprache oder 
schon früher geschehen, da das wort auch im samojedischen allge- 
mein ist, jedenfalls hat die finnisch-ugrische grundsprache ein ge- 
meinschaftliches wort für „name" besessen, in betracht dessen, dass 
sowohl der türkische, der mongolische, der man^u-tungusische und 
der samojedische zweig ein ähnliches aufzuweisen hat. 

Jurak-samojed. heisst name w/w, nim, num, /iCfUj Tawgy 7am, 
Jeniss. ruj nu, Kamass. nim, Ostj. Samoj. wa», nep, nim, nitne, 
nein; daraus ist das derivat nennen: Jur. nimdieu, nimdicu, Tawg. 
nimtrenia, nimtijienia, Jenis. nlddibo, liiddebo, Ostj. Sam. nimde- 
nam, nimnembam. Kam. nimeitäm. 



Wurzel rak. 

N:o 987— 8L 

Dehnung oder Steigerung: ruok roäk roug rank raJüc rtiajruom. 
Wechsel und Schwächung: roh ruk rik rek rök raff rog rüg r^ 
reg rig ron. 

ra% roll roh reh ruh ruh roh ruh. 
rai roi rui räi rei. 
rau rav rou rov räu röv. 
rä ra rd ro ro ru ri ri rc ru. 
Bedeutung: a) aufplatzen, sich spalten, risse bekomnien, ab- 
schlagen 9G7, 974; ausschlag, blatter, pocke 995; scholl 
anstecken, kleben, sich nähern, anrühren 976 ; verwandt 977. 
geliebt 978; schäum, eiter, schleim, schorf, kratze 973. 

b) schlagen, hauen, hacken, scharren, reissen, zerren, arbeitet 
969; spalte, furche, kerbe 968; schaben, zerren, stosseo. 
schleudern 970; reissen, rauben, schütteln, zerstören, verder- 
ben, erschlaffen, kränklich, klein, knapp 971. 

c) zerquetschen, zerbrechen, zerstossen, kauen, gebrochen, mürfe. 
spröde, kurz, fein 979, 980; abhauen, zerbrechen, verletz«, 
fehler, sttnde, hader, streit 982; zerbrochenes, abschabseL 
schlämm, schmutz, gerümpel 972; graben, wühlen 981. ' 

967. Fin. rak-o gen. ravon, ra'on spalte, ritze, riss. — roiw-- ; 
sich spalten. — rak-o-e-le frqv. — ra^o-siu risse bekommen. 

rok'O-lo mauer voll rissen. 

rav'i'Sta, rav-i-su-tta undicht machen, spalten, risse verur 
Sachen. 

rav'i'Siu undicht werden, risse bekommen. 

Vot, rak-o riss, spalte. 

Est. rag-H g. ra'u id. — rag-c-ne platzen. 



85 

S. Lap. rak'€rin ritze, spalte. — rak-e bersten, platzen, sich 
spalten. 

H. Lap. räkk-a pr. räyam bersten, risse bekommen. — rakkr 
a-nc disrumpi. — rahk-o gen. myo riss, spalte. 

Syrj. ri wuhne, loch im eise. 

Fin. rouko,'U riss im meereise, wuhne steht den obigen 
sehr nahe und könnte aus rav-e-kko, ro'rJcko entstanden sein, 
damit stimmt auch n. lap. roavkko foramen sub glacie überein. 
Möglich ist jedoch dass sie aus dem schwedischen vräk wuhne ent- 
lehnt sind. — Auslautendes * verschwindet zuweilen im syrjä- 
nischen wie syrj. ju fluss : f. jokc, syrj. zu bürste : f. suka. In 
der vokalisation verhält sich * wie in syrj. k'ij3 crassus: f. kasea 
D. 89, syrj. k'ik zwei : fin. kahte. — Budenz szot. 710 verbindet 
fin. rako spalte, sowie rahtu parvulum quid, rahna segmcn ligni 
fissum, rata labore colere, vi lacerare, rästa scabere, lacerare 
mit magy. rö, rav kerben, cer. ru hauen, vog. rät schlagen. Ob- 
wohl aus derselben wurzel stammend, gehören sie jedoch nicht in 
diese reihe, da inlautendes fin. k nach a im magyarischen teils 
bleibt wie f. sakea = magy. $ok B. 591, f. pakoa = magy. faJcad 
B. 517, f. pcAka = magy. hoka B. 491, (vgl. jedoch fin. pukä), 
teils in anderer weise verändert wird : f. pcdcsu = magy. poc B. 
467, f. pakotta = magy. ßj B. 516, f. maksa = magy. mäj B. 
633. Nur ein sicheres beispiel eines fin. ok = magy. ö liegt im 
f. jokc fluss = m. jö vir; magy. so wort, welches Budenz 306 mit 
f. hoke und hütä verbindet, habe ich D. wörtb. 796 mit fin. havise 
verbunden. Fin. rav-i-sta und folgende sind ableitungen, stehen 
aber sonst denen bei n. 969 sehr nahe. 

968. Pin. rci'kä g. reijän loch, apertura. — reirma ganz offen. 

rch'ko oflfen, baar, nackt. — rciJce n. renki halboffen. — 
reh-go-tta etwas offen, nackt sein. 

rai'to^ rai-ro, rai-lo spalte, loch im eise, wuhne. — rai-vo id., 
lange spalte. — rai-no etwas zerbrochenes, fragment, spalte, riss. 
— rai-nio zerrissener zustand, wuhne. 

roi'la spalte, wuhne im eise. — roi-lo furche, kerbe, rad- 
spur, spalte, wuhne. 

Veps. rei'ffu nom. reig loch. 

Est. rei-ga n. reig, gen. reia wunde, bes. frische, blutende 
wunde. 



86 

re-k g. regu (NW) offene stelle im eise. 

Lap. n. rai-gge^ rai-ge, s. rai-ke loch. — n. rai^gga-ne^ s. 
rai'ka-ne seindi, löcher bekommen. — n. rai-gga pr. raigam durch- 
löchern, durchbohren = fin. rei-ki-ä, 

cn. rät-gi loch. 

n. roti-ro loch, Öffnung. 

Cer. ro-z, h. ra-z foramen, furche. 

Syij. r(hii, ru'i^ rw-^, Ish. rui-i loch. 

Magy. re-5 ruptura. rima, hiatus. — rc-scs rimosus. 

Gegen Budenz' auffassung im szot. 703, dass die lappischen 
raigge, raike als lehnwörter aus dem finnischen zu betrachten 
seien, spricht das vorkommen anderer formen wie raiskas, raisko 
n. 971; Qvigstad, Vergl. wortvor. 12, führt gerade raige = f.reikä 
als beispiel eines läpp, ai = fin. ei, da sonst im lappischen äi dem 
finnischen ei entspricht. 

Das finnische raito spalte, riss hat auch die bedeutung „lange 
spur, reihe von renntieren", womit viele andere bildungen zusam- 
menhängen: rai'ta rand im zeugstoff; rai-tta reihe bilden, nach 
einander gehen, laufen; rai-ti schmaler, dünner kiel eines kahnes; 
rai'ii'O schütten- oder Wagenspur, lange spur oder recke, renntier- 
reihe, gewöhnlich zehn nach einander gebunden, dorfweg; rai-Ü- 
me n. raidin zug; rai-te-he n. raide lange spur, renntierreihe ; rot- 
to prüs. raidon einer reihe, linie folgen, einen renntierzug leiten; 
rai'tti schmaler pfad, fussweg zwischen häusern oder feldern. Die- 
selbe entwicklung der bedeutung findet sich teilweise auch im lap- 
pischen: n. lap. rai'ddOy rai-do series vchiculorum et tarandorura. 
reihe von renntieren und schütten nach einander gebunden = 
fin. raito. 

969. Fin. rav-ä inf. ravata die getreideären gegen die wand ' 
schlagen. — rav-ai-sta heftig schlagen, werfen. 

rov'i schlagen ; rovia riihtä die getreideären gegen die wand 
schlagen. 

rä-ko prajs. rävofi oder rä'on sclilagcn, hauen, poltern. 

rä'ta pr. rädan arbeiten, roden, gewaltig zerren, zerreissen. 
— rä'to arbeit. 

rä'bta pr. rästan reissen, zerren, losreissen, scharren, raspeln. 

rü'Stä pr. rtistän scharren, schaben. 

rai'vo reinigen, weghauen, roden, wühlen. — rai-vo wuhne. 



87 

riss, (las roden, arbeit. — rai-vä inf. raivata reinigen, roden, be- 
reiten. 

roi'Vä inf. roivata schleudern, mit lärm oder getöse schlagen. 

roi'skä id. — rai-nä lärmen. — roi-mä schleudern, lärmen. 

roi'kä schleudern, lärmen. 

Est. rai'U praßs. rat'un hauen, hacken, verwunden. — rau 
uze nom. raius einschnitt (am unteren säume des hemdes). — 
rai-g gen. raiu schlag, hieb, schramme. 

rai'tna n. raim das hauen. 

roi-ma schwenken, fig. prügeln. 

roi'da sich anstrengen, abmühen. — roi-du = roi-gu er- 
schlaiTen, matt, ohnmächtig werden. 

N. Lap. row-a interimere, delere. 

rav-gga schlagen, klopfen. — rav-ggo schlagen, reissen, zerren. 

roai'Vva prajs. roaivam verberare. — romva-n einer der 
schlägt. 

roüi-ska-da-lla virgis vehementer oederc. — roai-ske, roa-Ske 
ruthe mit der man schlägt. 

ra-ööa pr. rS-öam streiten, arbeiten = f. rä-ta. Qvigstad. 
— rä-öa-te = f. rä-da-tta. 

Cer. ru-e hauen. — ru-e-Ste freqv. — rn-a-le mom. 

b. ro-e hauen. — ro-aAe mom. — rcj-c-ktc abhauen lassen. 

Magy. rö, rov pra5S. rovok kerben, einkerben. — rov-ä-s, rav- 
ä'S einschnitt, kerbe. 

Vog. rä't schlagen, k. ra-t id. 

Obwohl die bedeutung des fin. roiva und der folgenden Wör- 
ter sich beteutend diflferencirt, gehören sie jedoch hieher, da die 
grundbedeutung „schlagen, hauen** sich in dem entsprechenden 
lappischen roaiva (mit regelmässiger Vertretung lap. oai = fin. oi) 
noch erhalten ist; so auch im fin. raivo = est. raiu. Bei n:o 967 
sind die gründe angegeben, warum ich nicht mit Budenz szöt. 710 
das magy. rov und cer. nie unmittelbar mit fin. rako verbinde. 
Dazu kommt noch der umstand, dass auch in den westfinnischen 
sprachen einfache formen mit rav, rovj rä, ra% rot zahlreich vor- 
handen sind. Cerem. ru-e „hauen^^ verhält sich zum fin. rai-vo, 
roi-va, wie cer. ku-e : fin. kai-va graben, und 5er. ku-^ : fin. koi-vu 
birke, in derselben weise noch syrj. ku aushöhlung, graben : fin. 
kai'vo brunnen. Übrigens ist die vollständigere form noch in der 
faktivbildung roj-ekte im Seremissischen erhalten. Auch im ma- 



88 

gyarischen kommt nach Budenz' auifassung szot. 138 wenigstens 
ein beispiel eines magy. ö = fin. ai in hon = fin. iain- {alo). 
Was die wurzelgestalt anbetrifft schlicssc ich mich Budenz' anscbau- 
ung an, dass die explosiva k in verschiedener weise umgebildet 
wird, wodurch die ursprüngliche wurzelform rak als rai^ roi, rei, 
rav, rov, rä, ru erscheint, wie älmliche lautentwicklungen ganz 
zweifellos vorliegen im finnischen hk-o, hij-o, hih-o, Mo schleifen 
= liv. jövvj jiiw, läpp. saij'C, sagj-e, mord. sov-a D. wörterb. 788, 
oder cer. sai-sia sprechen = fin. hä-sta D. 796, welches letztge- 
nannte Budenz szöt. 30G aus * hage-sta herleitet, verwandt mit est. 
hage, fin. hoke. Über inlautendes ä = ai innerhalb des finnischen 
vergleiche die folgende nummer. Das est. ra-c-ndi-k (d) abge- 
holzte stelle im walde gehört wahrscheinlich auch hieher, aus * rag- 
endik. 

Mit recht hebt Budenz den Zusammenhang von ca^dcre „hauen** 
mit fissura, rima „spalte, riss" hervor; dieser wird in fin. rai-vo 
„wuhne, riss, das roden, arbeit" noch weiter auf andere anschau- 
ungen hinübergeführt: raivo weghauen, roden, raivä roden, rata 
arbeiten, roden, zerren, msta scharren, zerren u. s. w. Mit die- 
sen steht dann in naher Verbindung f. roiikki graben, in etwjis 
wühlen, welches formell identisch ist mit n. läpp, rogg-a federe, 
excavare, rogg-c specus, cavcrna, fossa, rogg-ai fovcis abundans, 
rogg-a-s foveis refertus und s. läpp, rogg-c graben, rogg-ai voll 
graben. In der form liegen auch fin. roukko und magy. rag sehr 
nahe. — Wie die bcdeutung „roden, arbeiten*' in f. raivo und rata 
mit „reissen, brechen, zerschlagen*' zusammenhängt, zeigt fin. rikko 
welches unter anderem auch „das erste pflügen, brache" bedeu- 
tet, aus rikko brechen. Vergl. n:o 981, 982. 

970. Fin. rak-a-i-tse werfen, schleudern, stossen. 
ritk-a-i-sc werfen, schleudern. 

rok-a-sta zerren, abreissen. 

N. lap. ruokk-a prajs. rtwkam fricarc, scabere. 

Die obigen stehen sicher in naher Verbindung zur vorherge- 
henden und folgenden nummer, wie daraus hervorgeht, dass meh- 
rere derselben bedeutungen in einem werte vorkommen. 

971. Fin. rai'ko pra3s. raijon einen zittern, schütteln, schau- 
dern machen. 



89 

rai-na knapp, klein, vgl. rai-no etwas zerbrochenes, spalte, 
riss n:o 9(58. — rai-ne-ne vermindert, klein werden, abnehmen. — 
rai-nasa n. -as zerrissen, verwundet, zerbrochen. — rai-ni-o zer- 
rissener zustand. — rai-h-na-sa n. -as kränklich, gebrechlich. — 
rai-na-sta zerren, reissen, verwunden. 

rai-nä inf. rainata zerstören, verderben, verheeren = rai-h-na. 

rai'ska stäubchen, abschabsei, schlacke, schlechtes. — rai-skä 
inf. raiskaia schaden, verderben, zerstören. — rai-ski-o verdorbe- 
ner zustand. 

rai'Sto, rcd-stc-he nom. -stc reissen, schmerz in den gliedern. 
— rai'Sta pr. raistan schmerzen, schmerz verursachen. 

rUö-stä zerren, losreissen, zu sich reissen, rauben, plündern. 

riu'Sta gewaltsam reissen, sich gewaltsam gebärden. 

rl'Stä losreissen, abkleiden, rauben, plündern. — ri-su ab- 
kleiden, berauben, plündern. 

Est. rai-ska pr. raiskan verschwenden, verderben, zu gründe 
richten. — rai-ak gen. raku verderben. — rai-sk gen. raijsa un- 
brauchbares, aas. 

rai'za-ta verschwenden, verprassen. 

rai-da verderben. — rai-du vernichten, verschwenden. 

n-JM, rl'^ (d.) raffen, zusammenraffen,rechen, berauben, plün- 
dern. — n-su nom. riz raub. 

Liv. rai'Sk verschwenden, verschleudern, zerstören. 

ri-z plündern. 

H. Lap. rai'sko zerrissen. — rai-ska-sa n. raiskas rimosus, 
voll löchern, zerrissen. — rai-ske-de zerreissen = fin. raiskä für 
* raiskada. — rai-skt-dc zerrissen werden. 

Syij. rU'Zgij ru-zji verthun, verschwenden, lüderlich sein. 

Magy. rä'Z quassarc, concutere, vibrare, agitare, schütteln, 
rütteln. 

rä-nta hastig und heftig ziehen, reissen; einbrennen, backen 
s. n:o 996 f. räkki, 

rä-ndü'l abripi, dimoveri. — rä-ndi-ta schnell ziehen, zücken. 

rä-nga zucken. — rä-nga-t zucken machen, zerren, zupfen, 
reissen. 

Vog. räi'le stossen. — räi-l-te stossen, schütteln. 

L. rex't'le rütteln. 

Osljj. B. rak-i-ne plötzlich erwachen, zu sich kommen. — 
rak-ni'in erwacht. — rak-m-psa das erwachen. 



90 

Wie bei n:o 969 entspricht syrjän. u einem finnischen a», 
welches im magyarischen mehrfach als ä auftritt: näs = fin. nai 
B. 418, bän = fin. vaino B. 479, vergl. bätnül = votj. paimo B. 
480. — Fin. ai wechselt öfters mit ä und es verhält sich f. rai- 
sta'-rä'Sta 969 wie f. hai-ska leiche, luder, abschaum n:o 808: f. 
hä-ska; wie f. rai-von n:o 969:rä-t?ot* inf. räkoa; wie f. rai-ni: 
rä-ni, rä-na melkkübel ; wie f. rai-ma-kas, rai-tna wild, heftig, feu- 
rig: rä-ma-kas, rä-ma-kka geschäftig, flink, kühn, heftig, rä-ma 
grob, rasch n. m. In derselben weise ist wohl auch f. rä-ta 969 
= * rai'ta zu erklären, da die bedeutung so nahe an der des f. 
rä'Sta und rai-vo liegt; vergleiche noch f. rä-ma-sta öffnen, die 
eingeweide ausnehmen. — Magy. rä-nt ist formell = vog. rä-t 
schlagen n:o 969. Über die ugrischen formen vergleiche Budenz 
szot. 690—692, wo er ostj. rakni plötzlich erwachen als = {ilötz- 
lieh aufl'ahren, zusammenzucken oder sich schütteln erklärt. Nach 
anderer richtung bietet f. räkittä heftig auflodern n:o 996 eine 
passende analogie. 

972. Pin, raj^ plunder, gerümpel. 

rai-no-ma verlassenes ding, plunder, vergl. raino 971. 

rqi'U plunder, gerümpel. — roj-a moder, schlämm, schmutz. 
— yoyo gerümpel, unreinigkeit, schmutz. 

roi-na gerümpel, gerölle. — roi-ka gerümiKjl, schmutz. 

fuj-Oy ruj'ti zerbrochenes. — mj-o zerquetscht, ausgenutzt. 

ruqj-a schlämm, koth, moder, abschabscl; schlammiger bach, 
meeresbusen, moor. 

ruo-na schlämm, moder. 

Est. raj'U schmutz, abgenutztes, unbrauchbares stück. 

rai'(j gen. raja^ st. raiya schorf, Wundschorf, kratze. — rai-gu 
Schorf bekommen. 

ro-jay roj-a nom. roc schmutz, koth, aas. 

roi'sk g. roizu kehricht, schmutz, aas. — roi-st g. -sin 
schmutz, unreinigkeit, nichtsnutziges, abgemattetes goschöpf, verpl. 
roidu erschlafl'en n:o 969. 

Cer. ru fajx. 

ro-n pituita. 

Ein vergleich der oben stehenden Wörter mit f. rai-ska stäub- 
chcn, abschabscl, schlechtes, rai-na klein 971, raino, rai-to^ roi-la 
spalte, riss 968 und den damit verbundenen verbcn, lässt 



91 

sie als bildungen der wurzel rat, rat = r(Jc, sich spalten, risse 
bekommen, reissen, scharren, verwunden, zerrcisscn, erscheinen. 
Cer. ro-n stimmt besonders zu fin. rutHta, wie ru zu fin. und est. 
raj-u mit dem häufigen Übergang des ai in u, siehe n:o 969. Man 
könnte sonst verwandschaft einiger der genannten mit est. ruju 
schwach, matt = rudu gen. ruju und liv. ruja krank, schlecht 
annehmen, aus der reihe rut, roty n:o 1009, welcher die letztge- 
nannten offenbar gehören. Noch schwieriger ist es f. rcju und 
ruju von den gleichbedeutenden f. rohju und ruhju zu trennen, 
die ich in betracht der vielen verwandten formen aus der Wur- 
zel rus herleite, siehe n:o 1023. Jene liegen aber andererseits so 
nahe an f. raju, roina, ruona, nioja und der wörterscrie bei n:o 
971, dass man auch diesen Zusammenhang nicht übersehen darf. 
Die finnische spräche hat offenbar ihren wortvorrat durch über- 
wuchernde ncubildungen der art vermehrt, dass es schwer hält die 
älteren demente zu entdecken, resp. den verschiedenen epochen 
der Sprachbildung näher zu verfolgen. 

973. a). Fin. rah-ka schäum, hefen, bierhefen. 

Est. rah'ka nom. rahk, g. raha kahm, eiter (besonders von 
äugen). — rah-e-ta kahmig, eiterig werden. 
rag-a g. raga schleim, unreinigkeit. 
Syij. rok'ö-s bodensatz, träber, hefe. 
Magy. roh-a nom. roh fäulniss. — roh-a-d verwesen. 

b). Fin. räk'ä rotz, schleim. 

räh'kä augenfluss. — räJhjä unreinigkeit, schmutz. — räk-jä 
unrein, schmutzig werden. 

räh-kä unreines, böses, sünde, last, ansteckung. 

räi'vä böses, unreines, abscheuliches, verbrechen, last, anstec- 
kung; adj. hässlich, unanständig. 

ri'C'Sta schorf, kratze. — ri-e-tta, ri-e-ttä unreinigkeit, schmutz ; 
adj. garstig, hässlich, unrein, unanständig. — ri-e-ta-ha nom. -tos 
adj. idem. 

ri-e-nä unreinigkeit, schmutz. — ri-e-na, ri-e-na-ha nom. -nas 
tadelwerth, verächtlich. — ri-e-nä schmähen. — ri-e-nu gebrech- 
lich, schwach. 

Vept. reg-a rotz. 

Est. räg-a schleim, unreinigkeit.— raV/-a-5c schleimig, schmut- 
zig. — räg-a-sta schleim auswerfen. 



92 

rek-a-se nom. -ne unsauber, schmutzig. — rekkinom.rekkiA. 
rcJJc'U'Se nom. rekkus schmutz, unsauberkeit. 
räh'ka unrein sein, eitern. 

N. Lap. räk'tsc nom. rävtse crusta situ obducta. — räk-iso 
kruste bekommen. 

Votj. ^i'si schmutzig. 

c). Fin. räh'tnä eitcr im äuge. — räh-mä, räli-tni in scbDee 
oder schlämm waten. 

räh'tä-mäy räh-tä-mö klebrige unreinigkeit. 

räiHü fischabfall. — räü-stc-hc n. -sie schmutz, unreinig- 
keit, abfall vom essen. 

rä-mä eiter im äuge. — rd-mc n. -m/, rä-mc-hc n. ränie id. 

— rä-mi-ttü eitern, eiterig werden. — rä-mi in schlämm waten. 

rä'ppä eiter im äuge; lumpen, träger mensch. — ra-pti schnee- 
schlacke, schäum; schamgefül. 

rä-ttä klebrige, schleimige unreinigkeit, eiter im äuge, träger 
mensch. — rä-tü-hkä schmutziges, hässliches weib. 

Est. räh-ma, räh-mu nom. rühm schmutz, unreinigkeit, silnia 
rahm eiter im augc. — räh-ma-sc unrein, schmutzig, eiterig. — 
räh'tnä^ räh-ma-sta unrein sein, eitern. 

d). Fin. räh-nc'he nom. rähne schleim, unreinigkeit, schmutz. 

— räh'Hü-stC'le in schmutz wühlen, besudeln. 

rch'fiC'he n. rchnc kratze, schorf. 
röh-nä hautausschlag, schorf. 

Magy. rüh'ä nom. ruh kratze. — rüh-ä-s krätzig, räudig. — 
rüh'ä'd schorf bekommen. 

Im finnischen ist die reihe der hierher gehörenden bildun- 
gen überaus reichhaltig, dabei die wurzel verschiedenen lautlichen 
Veränderungen unterworfen ist. Fin. räkä verglichen mit vei>s. 
rcga machen es sehr wahrscheinlich, dass fin. ri-c-sta, ri-c-tta^ ri- 
e-na aus '"" riy-c-sta, ''' rig-c-tta, "'^ rig-e-na entstanden, wie f. W-c-wW 
eilen = vcps. rig-c-nda ist. Dass die anschauungen „schmutz, schleim, 
eitcr, schorf mit einander wechseln und also hier zusammenge- 
stellt werden können, beweisen mehrere formen, welche sie teil- 
weise vereinigen: f. ruhka abschabsei, sclnnutz, schorf, f. räJimä 
eiter = est. rähma schmutz, f. rähne schleim, schmutz, f. ricsia 
schorf, kratze, ridta schmutz. Alle die oben angeführten stehen 



93 

in nächster Verbindung mit den bei n:o 972 zusammengestellten. 
Die Veränderung der wurzelbedeutung geht hervor aus: „risse bekom- 
men, platzen, sich spalten, ausschlagen, reissen, verwunden" zu „riss, 
wunde, das was reissen verursacht" (vergleiche n:o 979 f. rou-kko 
zerquetschen, unwohl verursachen und f. rauska fractum, inu- 
tile), bei anderen Wörtern" zerrissenes, abschabsei, abfall, boden- 
satz, hefen, schäum, ausschlag, schorf '. Magy. roha faulniss folgt 
der analogie von syrj. rabmt faul, muffig werden, rupmi faulen, 
verwesen : votj. ^ob für * rob schmutz, adj. unrein. — Fin. räppä, 
rapü verbinde ich mit den übrigen, obwohl andererseits Zusam- 
menhang mit fin. räp'ä'kkä, räp-ä-skä schneeschlacke aus der Wur- 
zel rap, räp angenommen werden könnte. — Budenz szöt. 726 
verbindet magy. ruh Scabies, ruhäs, rühäd mit fin. rehne und röhnä, 
die er als ableitungeu eines grundstammes rag- adhajrere auflfasst, 
aus welchem sich auch f. ruohtUy rohtu entwickelt hätten. 

974. Est. räk-e-^da ausschlagen, sich belauben. 
Öer. reg-e-n^e moos. 
Syrj, rot lungenmoos. 
Vo^. ^Mi, zui moos. 
Mag^. ridj-a (rigyä) knospe. 

"i^dj (rügy) knospe, äuge, austrieb von bäumen, — rildj-ä-z 
knospen ansetzen. 

H, Ostj. rix, re% beere. 

Die entwicklung dieser Wörter aus wurzel rak "platzen, bersten, 
sich spalten, ausschlagen" scheint deutlich zu sein, indem die anschau- 
ung „ausschlagen" sich hier auf pflanzen bezieht, nicht auf flüssig- 
keiten (schäum, kahm, schleim) oder „ausschlag, schorf* an menschen 
oder thieren. Im syrjänischen geht k inj über oder verschwindet, wie 
syrj. vij Willkür, belieben, nach Budenz s. 590 = f. vake. — Wotjaki- 
sches ^ entspricht in zahlreichen bildungen syrj. r im anlaut: ^tY, 
^U = syrj. rU abend, wotj. ^ornit dämmeruDg= syrj. römid^ wotj. ^uk 
brei = syrj. rok, (vgl. Budenz szöt. s. 640), wotj. $u kohlenglut, 
hitze = syrj. r«, so auch 5, sf, z: wotj. ^uöu, 51W, siöi fuchs = 
syrj. ruöj und hier oben zui. 

975. Fin. räkk-o blatter, blase, bläschen. — rakk-u-la kleine 
blase. — rakk'O'Sa blatterig. — rakk-a-i-se voll blättern, bläschen. 
raM-o blatter, beule, ausschlag, pocke. 



94 

rokk'O blatter, blase, pocke. — roJc-a-ltaj roh-a-htay r6k'a4iiu 
kleine blatter bekommen. — roJc-o-hiu id. — rok-a-ma ausschlag, 
blatter. 

rökk'ö blatter, blase. 

Est. rakk gen. rahi blase, bläschen, blatter; kleines gefäss. — 
rak'U'Se voll blasen. 

rahk-ti, rahk-i aufspringen, risse bekommen. 

rauh gen. ranni trog. 

roug-e pocke, blatter. 

Liv. rcJcru nom. rak kanne, trinkgefäss. 

Lap. n. rakk'O gen. rako urinblase, hodensack. 

s. rah-re Unebenheit. — rak-re-k uneben. 

n. roak'öe umbo, tuber, cavatura. — rodk-öa-ne uinbonibos 
affici. — roak'do umbones impingere. — räk-öo id. 

Magy. radj-a {rayya) blatternarbe,' brand, mehlthau, r^en 
beim Sonnenschein. 

Ks scheint wohl befremdend liv. rak kanne, trinkgefäss und 
est. rank trog mit den übrigen zu verbinden, diese Zusammen- 
stellung findet aber im est. rakk blatter, blase und zugleich klei- 
nes gefäss ihre erklärung, da wohl die letztere bedeutung sich auf 
die form eines solchen gefässes bezieht. 

976. Fin. ruk-a-ttu — ru-o-hiu^ ro-htu ausschlag, schorf bekom- 
men; anstecken. — ro-htu-ma schorf, kratze. 

N. Lap. roakk-a-se an etwas haften, kleben. 

Magy. rag-a-d an etwas haften, kleben oder stecken bleiben; 
trans. fassen, raffen, reissen. — rag-a-do-z raptare. — rag-a-l noch 
mit den fusspitzen grund fassen beim durchwaten eines wassers. 

— rag-a-sta kleben, kitten. 

Vog. B. rgu'la-xte sich nähern. — rgu-la-u hinzugelasseo 
werden. — K. rov-e-la-nie hinzulassen. 

Ottj. B. rag-'i-Uc anrühren, berühren. — rag-i-le herantreten. 

— rag-e passen, geziemen, taugen. — n. ra%'ic taugen, erlaubt 
sein, gehören. 

Hier wie öfters stehen die Wortbildungen der ugrischen 
sprachen formell wie materiell einander näher als die der übrigen. 
Lap. roak entspricht einem fin. rnk wie n. lap. ruobbe = f. rupe, 
und fin. u tritt mehrfach im magyarischen als a auf: f. puske = 



96 

magy. hos Bud. 482, f. kuppu = magy. habo D. 766, f. pü = 
magy. fa st. /S. So auch Budenz szot. 687, der mit diesen noch 
fin. rühtu verbindet, was jedoch gegen die gewöhnlichen gesetze 
der Vokalveränderung stösst, da fin. u = magy. ü oder ö ist. 
Fin. rühtü wie das trans. rühtä habe ich bein:o 1021 in Verbindung 
mit ras zerren gebracht. 

977. Magy. rok-o-n, ältere formen rök-o-n, rokk-o-n, rak-o-n, proxi- 
mus; prope, proximo, juxta; verwandt. — rok-o-n-Sä-g Verwandt- 
schaft. 

Vog. B. rau-ne verwandt. 

Ogtj. B. rax't'i, rax-ta verwandt, angehörig, verwandt. — rag- 
V-m id. — s. räg-a-m bekannt. — n. rag-i-m, rax-'i-m verwandt 
(Ahlqvist). 

Da im magyarischen nach Budenz g nicht mit k, XrA; wechselt 
und jenes einem ursprünglichen ng, nk entspricht z. b. magy. fog 
dens = i. ostj. penk, s. pank, vog. pänk^ päuj k. pank, syrj. pin^ 
m. mord. pej, e. pej^ pev, f. pT szöt. 554, trennt er szöt. 687 u. 
713 die magyarischen Wörter von den übrigen. Er giebt jedoch 
ihren gemeinschaftlichen Ursprung zu (alapszö kozösseg)^ wie bei 
den ähnlich gebildeten foga nom. fog dens und foko nom. fok 
Promontorium B. 557, und stellt sie in Verbindung mit dem stamme 
rag- „haerere, hajreseere" = rang-^ aus welchem auch f. lanko 
Schwager hervorgegangen sein könnte. Dass mehrere bildungen 
einer wurzel rag oder vielmehr rok in dem ugrischen zweige die 
bedeutung adhserere hat, kann nicht verläugnet werden. Da aber 
formell nahe liegende vogulisch-ostjakische Wörter auch „sich nähern, 
herantreten" bedeuten, mit derselben wurzelform rag^ ra%^ rau 
wie hier, scheint keine veranlassung vorhanden zu sein, diese von 
den obigen zu trennen. Budenz szöt. 687 führt gerade ostj. raxti, 
raxta zu magy. ragad. 

978. Fin. rakk-a-ha nom. -as lieb, geliebt. — rak-a-sta lieben. 
~ rak-a-sfu sich verlieben. — rakk-a-u-kse nom. us liebe. 

Sv. lap. rakk-a-s carus. — n. rak-i-s lieb, geliebt. — rak-i-ste 
lieben. — rak'i-stä'gje geliebter = f. rakastaja, — rak-i-s-vuc-tta 
liebe. — rak-l'-sta-Ua liebkosen = f. rakastele frequ. 

En. Lap. rdh-i-s lieb, geliebt. — rah-i-s-tmo-t liebe. — 
riVi-e-ste lieben. 



96 

H. Ogtjj. ragi lieb. — rag-i-l-sa-lc verliebt werden. — rag- 
1-P'Sa liebe. 

Ahlqvist nordostj. gi\ 127 stellt ostj. ragi mit f. rakas Zu- 
sammen. Da das Wurzelelement im ostjakisch-vogulischen mit n. 
976 und 977 zusammenfällt, stelle ich die obigen in nächste Ver- 
bindung mit den vorhergehenden, besondere da die sonst verein- 
zelt stehende bedeutung dadurch ihre erkläning gewinnt : „das was 
einen berührt, einem nahe liegt", vergl. 977. 

979. Fin. rau-ska, rau-siä zerquetschen, schmettern. — rau-do 
mit knisterndem getöse zerbrechen, zerquetschen. — rau-ski zerquet- 
schen, knistern, knisternd kauen ; koira rauskii luiia der hund kaut 
an knochen. 

rou-sküj rou'Sku quetschen, knistern, knaken. — rou-ski fort- 
während knistern, knisternd kauen. 

rou'kko praes. roukkoan zerquetschen, unwohl verursachen. — 
rou'ka-ttu gequetscht, von heftigem unwohl betroffen. — 

rmi-hä inf. rouhata zerquetschen, stossen, grob hauen oder 
schneiden. — rou-he-nta ein wenig quetschen, reissen, klein stos- 
sen. — roti'hai'Se hauen, schlagen. 

Est ro-/m, rö-hu-ta drücken, quetschen, drängen, nieder- 
schlagen, zerstossen. — rö-hu druck, last. 

rö'Uc drücken, quetschen, zerstossen. — rö-hk g. röhku graus, 
Schutt, gerülle. 

Magy. rä-g rodere, mandere. — rä-gö-d^ rn-go-lö-d an etwas 
kauen, herumkauen. 

Vog. rri-g inf. rrt-g-nu-x kauen. 

Mit den ugrischen und estnischen Wörtern vergleicht Budeuz 
szüt. 686 nur fin. rouhä, rouM und roukca; die übrigen hier ange- 
führten können jedoch lautlich und begrifflich von diesen nicht ge- 
trennt werden. Mit recht bemerkt er, dass est. röhu^ röhve genau 
den fin. rouha, rauhe entsprechen, in derselben weise wie cst.johr 
pferdehaar = f. jouhc, est. jahva malen = f. jauha und est. jahu 
mehl = f. jauho. Siehe die folgende nummer. 

980. Fin. rau-ska fractum, tritum, inutile, rejectaneum ; brüchig, 
spröde. 

roii-ke-a mürbe, spröde. 



97 

roti-Jw-aj rou'hu was sich leicht zerquetschen lässt, spröde. — 
roti-lic-he pl. rouhet desectum quid. 

rän-slcä brüchig, mürbe, spröde. 

Egt. ro-h-v-e pl. röhved zerkuittertes, zerbröckeltes. 

Magy. röv'i'd kurz, kompar. rövidäbby rövähb, — röv-Mli-tä, 
röv'i'ttä verkürzen. 

Vog. rau, rau kleines Stückchen. — rau-tCj rgu-te klein stossen. 

0«tj. B. rav'7'ie zerstosscn. — rav-'i in: rav'ije senkta klein 
stossen, zerstossen. — i. rau fein. 

Diese nummer gehört vollständig mit der vorigen zusammen ; 
die meisten finnischen und estnischen Wörter sind substantivformen 
neben der verbalen bei n:o 979. — Budenz sz6t. 723 stellt die 
ugrischen Wörter zusammen. Aus n:o 971 und 979 erhellt der 
Zusammenhang mit den (mtsprechenden finnischen wie überhaupt 
mit der Wurzel roA, rau. — Die von Budenz szot. 719 gemachte 
Zusammenstellung von f. rauska und raiska, sowie est. raisk, raiska, 
erst mit fin. roska^ rosku res minuta rejectanea scruta, quisquilia», 
und dann mit magy. ross st. rossa schlecht, unbrauchbar, nichtsnutz, 
bös, übel, scheint lieber in der obigen weise aufgefasst werden 
milssen, da sowohl f. roska wie magy. ross viele noch näher ste- 
hende verwandte aus der wurzel ras, rus „zerren, zerquetschen" 
haben, vergleiche n:o 1023 rusenia und n:o 1021 rasa. 

981. Fin. roH'kki praes. ronkin graben oder in etwas wühlen. 
ro-kki graben, wühlen, nachlässig furchen ziehen. 

H, Lap. rog-ga, fodere, cxcavare. — rog-ge specus, cavema, 
fossa. — rog-ga-i fovcis abundans. — rog-ga-s foveis refertus. 
S. rog-ge graben. — rog-ga-i voll graben. 

Die obigen sind offenbar wechselformen zu fin. roukko n. f. 
979, die bedeutung hält sich nahe an f. rata arbeiten, roden, zer- 
ren, rästa reissen, scharren, raivo reinigen, roden, wühlen n:o 969. 
In jener formellen beziehung sind unter anderen n:o 983 und 984 
zu vergleichen, wo zahlreiche bildungen mit und ohne nasal vor- 
kommen. 

982. Fin. rikk-o gebrochener zustand, bruch. —rikk-o brechen, 
zerschlagen. — rihk-u, rikk-o-u gebrochen, zerschmettert werden. — 
rik'O'kse nom. -os bruch, verbrechen. — riklc-i adv. entzwei, 
gebrochen. — rikk-e-he nom. rike zerbrochenes, streit, verbrechen. 

7 



98 

Sft rik-e gen. rfkke fehler, fehlerhafte stelle. — rftt gen. 
rikif -€ verderben. — rikk-u verderben, beschädigen, verhexen. — 
rik'U'iU'ze intr. verderben. 

LiT. rikk prses. rikü venlerben, beschädigen. 

Veps. rik'O mördem. — rik-o-nda nom. -nd mord. 

F. Up. rikk-u brechen, verletzen, sich vergehen. — rikk-o-a 
peccatum, delictum. — rikk-a-m id, — rikk-i striare, ritzen. — ml 
rikk-o verletzen, verbrechen, sündigen. 

Kagy. riff-a-lja hader, streit, zwist. — ridj-ä-z abhauen (äste), 
ausschlagen, austreiben. — ndj-a (i. c. rigj-a) verhau; knospe. 

Die obigen sind wechselfonnen zu f. rciko u. s. w. und in 
dieser bezichung sind mit einander zu vei^glcichen magy. ridja 
knospe und est. rakenda ausschlagen 974. 

Möglieherweise sind magy. rog schuld, n. ostj. rag-a-p lüge, 
räx-pa-H lügenhaft, rä%-p€-ja lüger, rög-l-p trug, lüge, röx-pl-n lü- 
genhaft, rd%-^'le lügen, in Verbindung mit den obigen zu bringen. 

Im finnischen kommt eine reihe bildungen vor, die offenbar 
mit rik brechen, zerschlagen in Zusammenhang stehen : rikk-a kleiness 
nichtsnutziges, stroh, kehricht, rikk-ase halm, rikk-a-le, riek-aAf. 
rekk-a-le zerrissenes, lumpen, renk-a-le lumpen, nachlässigei menst^h, 
rüök'ä'le lumpen, widerwärtige person = rök-ä-l^, mk-a-le lum- 
l>en, nachlässiger mensch, rük-ä-mä zerrissenes kleidungsstuck. 



Wurzel rak. 

N:o 983-992. 

Dehnung und Steigerung: rauTc rank runh rävk röük rink. 
rauk ravk raug röug räük röük rüök. 
rak röy rö% reg rak rag rok ruh 
rauh, 

renk ruik räOi riuk riek reik. 
ruovk röhk. 

Vokalwechsel und Schwächung: rok ruk räk rök riik rik. 
rah roh räh roh ruh räih. 

Bedeutung: a) schreien, brüllen, krächzen, lärmen, rasseln, röcheln, 
lachen 983; blöken, heulen, schreien, lärmen, krachen, röcheln, 
grunzen, lachen, zanken 984; brausen, grunzen, wiehern, bellen 
985; krachen, schreien, brüllen, schluchzen 986; grunzen, heiser 
husten, brunfttm 987. 

h) bitten, plaudern, sprechen 988; wimmern, winseln, bitten, elend, 
alt, hinfällig, verstorben 989; schlaff, ohnmächtig werden, nie- 
dersinken, ermüden, umfallen 990; friede, ruhe 991; einen auf- 
schnauzen 992. 

983. Fin. rank^ schreien, brummen. — rang-e-l-ta murmeln, 
quäken, wimmern. — rank-e-lo quäkcr. 

räk'U pr. rävun, rUkk-u schreien, lärmen, krächzen (rabe, krähe). 

ronk'U krächzen, schreien, brummen, pochen. — roiikk-ä 
krächzen, brummen, pochen. — rong-e-Üa = rangelta. 

rak'Iä knallen, schmettern. — rak-la-tta gackern. 

rak'sa ticken, rasseln. — rak-sa-hta schnarren, schmettern. 

rok-lo'üa röcheln, räuspern. 

ruk'O-tta quaken. 

rah-a-ja^ rah-i-se rasseln, geräusch machen. 

roh'i'Se grobes geräusch machen, heiser husten, rossein, 
grunzen. 

Est. rauk-a einen rauhen ton von sich geben, grunzen, krächzen. 



100 

roitk s. rr/itpa rabe. — fT-Q-^-s ackerkrfihe. — rvg g. rm 
krächzenfier ton womit da> kräben schliesst. 

fihik ff. rOnga rabe. 

rag-a, rag-i-se lärmen, rasseln, knistern. — raf^M/a fart, — 
ragi-na lärm, Geprassel. 

rak'Sii, rak-sa-ia, frequ. rok-sa-ieAe prasseln, rasseln, kracbeiL 
belfern. — rak-^u n. -ks krach, stoss, hieb, schlag. 

rok'ün pr. rogma d. röcheln, keuchen, knacken. 

rog-i'Se röcheln, keuchen, kränkeln. — roy-üy rog-a-e-le ü 

rög-i'Se röcheln, rasseln. — ruk-su lärmen, plaudern — ruk-i 
viehglocke. — rOkk-a schreien, brüllen. 

F. Lap. rokk-o pr. royom ira incitatom latrare. — r&f-i^U 
vehementer latrare. 

ruuk-a rabe. — ruük<'St€ krächzen, schreien. — rtitikk^i id. — 
ruttk-a-s querimonia. 

£. Mord, raüg-a schreien, brüllen, laut lachen. — rok-a laut 
lachen. — m. rak-a lachen. 

Öer. roiig-e da rülpsen. 

Syij. rak-a krähe. — rug-ai-cci sich schimpfen. 

Votj. rak'ü'i froh. — rak-a-i-la fröhlich sein, sich freuen. - 
rak-a-i'ti'k freude. 

In der nächsten nummer sind die hochlautigen formen der- 
selben biidun^sweise zusammengestellt. Man beachte besonder 
die Übereinstimmung: f. rah-i-se — est. rag-i-sc, f. roh^i-sc = er^. 
rog-i-sc, rOff'i-se, wie andererseits f. räk-ä-jäj räJi-ä-jä^ räJi-ise = 
est. räfj'i'Sc. Sonst hält es schwierig die durch die ganze vokal- 
reihe durchgeführte serie rcJi, r-h =. ursprünglich rak von der wurzel- 
form ras n:o 1020 zu scheiden, da in beiden die grundbedeutunc 
dieselbe ist und diese sich in bildungen mit wechselndem vokal 
wiederfindet, wie ras^ ros, rus, res, ris, rus. F. rah-a-ja^ rah-i'^t 
scheint daher mit eben so gutem rechte mit ras-a-ja als mit est 
rag-i'Sc zusammengestellt werden können. Über die verbinduni: 
des f. rank-u mit rauk-u vergleiche n:o 989. 

984. Fin. räk-i-se schwatzen, plaudern, siehe 988. 
ränk-ü blöken, brüllen. 

räk-sü, rah'ü-itä, räk-sn-itä bellen, belfern, kläffen. 
rak ü'jä kniclien, laut lachen. — räk-ä-ttä id. 
rük'ii pr. ravün schreien, heulen, wimmern, wehklagen. 



101 

räkk-ü pr. räkün id. — räkk-i knarren, wimmern. 

räük'ü sclireien, heulen, wimmern, wehklagen. 

rönk'ü brüllen, grunzen, schreien, jammern. 

rökk-ö das röcheln, vgl rokki 987. 

rüök'ä rülpsen, sich widerwärtig betragen. 

riuk'U pr. riukun, riuvun laut schreien, heulen. 

räh'ä'ja schnarren, lärmen. — räh-i-sc heiser tönen, krachen, 
räuspern, knarren, murren, zanken. — röh-i-sc röcheln, räuspern, 
husten, heiser grunzen. — röh-i^ röhk-i id. — Hih-i-se brausen, 
pochen, lärmen, getöse machen, grunzen. — rüh-ä-htä husten, 
räuspern (= ruk-ä-i-se), 

räih-ä lärmen, schreien. — röh-nä inf. röhnätä röcheln. 

Vot. rä(/'a krachen, schreien. — räfj-u lärmen. — rä(/-i röcheln. 

Est. räiß'i se prasseln, krachen, röcheln. — räy-i-sta fact. 

rök-i-ta leise wiehern. 

rok'i, roff'U'ta brüllen, schreien. — ro^-e gen. roke das brüllen, 
heulen. 

Liv. rdk'$u lieulen, schreien lärmen. 

Magy. raV/ froschgeschrei. — räy-ä-t quaken. — räy-ä-l quac- 
kern. — räk'ä-g quaken. 

röh'ö'tj laut lachen, grunzen. — röh-ö-fi, röh-ä-ntä ein mal 
autlachen. 

Vergleiche die vorhergehende nummer. — Bemerkenswert!! ist 
im magyarischen das wechseln des g und k: räg-ä-t und räk-ä-g, 
dieses dann magy. rök-ö-l nahe stehend, während m</-ä-J mit hoch- 
lautigen vokalen fin. ^rang-c-le entspricht, welches noch im factiven 
rang-C'l'ta murmeln, quäken, wimmern und subst. rank-c-lo quä- 
ker aufbewahrt ist. 

985. Fin. röhki pr. röhkhi, röhjhi, röhiUj rohk-ii pr. röhkün^ röh- 
vün, röhiin grunzen. — rönk-ü grunzen. 

Est. ruk-ä grunzen. — röhk-i grunzen. — röh-ü-tä aufgrun- 
zen. — roik-a grunzen. 

ruig-a^ frqu. ruig-e-le quicken, grunzen, anhaltend bitten, for- 
dern, vgl f. rtiikkä 989. 

Liv. rok-s, rök-ä grunzen. 

Sv. lap. rok-ti, rok-u-te bellen. — rok-e-m das bellen. 

movk-e brüllen (die renntierkuh, wenn sie das kalb lockt). — 
n. ruovgg-a giiinnire. 



102 

M. Kord, roh-a grunzen. — ers. rok-a grimzen, wiehern. 
Syij. ruh'Slj rtk-si grunzen. 

Alle die obigen sind nur hoch- und tief lautige nebenformen 
der beiden vorigen nummer. — Qvigstad 104, XII stellt norw. 1^ 
ruavga grunzen (vom rennthier) mit fin. röhki zusammen. Der 
form nach entspricht jedoch ruovga näher einem activischen Vodb, 
welches im neutralen rauhi wehklagen aufbewahrt ist. Danut 
hängen zusammen f. raukk-o, raiik-u einer der wehklagt, rauH-^ 
elender mensch u. s. w. vgl N:o 989. Wegen der spcciellen be- 
deutung habe ich es jedoch in die obige reihe gestellt. — Ahl- 
qvist, mordv. gram. 170 vergleicht mord. roha mit fin. röhkä bö- 
ser husten. 

986. Fin. rik-si krachen. 
rik-a-sta wie die elster schreien. 
rink'U schreien, brummen. 

riek'ä, riekk-ä lärmen, laut schreicji, lachen. 

reik'ä, reij-äy rei-ska schnarren, lärmen, rasen, sinelen. - 
reij-u brunft. — rdski lärmen, spielen. 

Egt. rikrsu =: rak-su krachen, belfern. 

ri(j-i'Se raschehi, prasseln. 

H. Lap. ricgj-a g. rieja clamor, strepitus. — riegj-a pr. rw- 
jam vocem clamosam edere = f. rcijä (Qvigst.). — ricgj-a-i einer 
der schreit, lärm macht. 

Syrj. rik'Si brüllen, laut weinen, schluchzen. — rik-ö-sia brüllen. 

Magy. ridj-ä't {rigyei) brüllen, brujiften (stier). 

rik'O-l'ta, rik-ö-ta heftig schreien. — rikk-a-n, rikk-a-tit^i, rik- 
o-ga-f, rik-O'l'tO'Z frequ. 

Magy. ridj (rigy) aus rik, wie hcdj (bcgy), hödj {bögy) = f. 
päkiä B. szöt. 483, oder cdj (cgi/) in Hai. Beszed ig = f. wivM 
st. nh'ie aus *Hk'te. Im sufiix-element sclieidet sich hier das ma- 
gyarische wie oft von den nordfinuischen si)rachcn, doch ist zu 
vergleichen f. räk-ä-ttä krachen, laut lachen, räk-ü-ftä bellen, est. 
rök'i'ta wiehern n:o 984. Über magy. rl weinen, nVarf aufschreien 
vergleiche 1031 magy. ripcücod. Budenz alakt. 69 erklärt rikkan aus 
riv'kan, M. Ny. Szöt. vom „naturlaute" rik. 

987. Fin. rlik-i heiser husten, brunsten (vom remitier). — rük-ä 
trockner husten. — rük-ä-i-se husten, räusiHirn. 



103 

rök'ä brunst des Schweines. — rök-ä-stä brunsten. 

röhk'i heiser husten, grunzen. — röMc-ä heiser husten, katharr, 
brunst des Schweines. — röhk-ö schwein, fetter mensch od. tier. 

röh'ö dicker und fetter mensch od. tier. — röh-ö-ttä, roh- 
lö-ttä mit trocknem husten lachen. 

rokk'i die sau. 

räk'i aufliusten. 

H. lap. rakk-a in der brunst sein, laufen. — rakk-am brunst. 
SV. raklc-e laufen, venere aestuare. — rakk-e-m brunst, coitus. — 
rak-a-d brunstzeit der renntiere. 

Magy. riih'ä-t brunsten, brähen (von Schweinen). 

Die bedeutung steht in nächstem Zusammenhang mit n:o 985 u. 
986 f. rühise, röhkäy röhkij m. mord. roha grunzen ; nur in fernerer 
Verbindung ist f. rökä mit f. räkki hitze, reistä stark brennen, m. 
mord. rä'i:e braten (intr.), rästa braten (act), wie dies Budenz sz6t. 
s. 660 thut, zusammenzubringen. Für iin. rüki steht mit ganz 
regelmässiger Vertretung fin. ü = lap. a im lappischen rakka, wie 
f. süksä = lap. öcAöa. Die nebenformen mit o, ö stimmen zu 
mord. rokaj liv. roM, rökä grunzen. Fin. rökä sestus scrofaB vener- 
eus, welches Budenz 705 zusammen mit f. räkki hitze, qualm u. 
m. a. aus einem stamme rög calcre herleitet, verhält sich zu f. 
röhki^ rönkü grunzen, schreien, winmiern 985, ränkü blöken u. a. 
984, rauku schreien, brummen 983, wie f. reiju brunst zu reijä, 
reikä^ rciskä lärmen, rasen, spielen. 

988. Fin. mk-o^e-le beten, bitten. — ruk-o-u-kse gebet. 

räk'i'se plaudern. 

Est. räk'i sprechen, reden. 

Liv. rökf rük rede; sprechen. 

H. lap. rokk-a-da-lla bitten, beten. — rokk-a-du-sa nom. -s 
bitte, gebet = f. ruk-o-u-a, — rokk-u-sa, rog-u-sa nom. -s ge- 
bet. — SV. rokk'C bitten; rokk-o-le, rokk-e-le frequ, rokk-o-gö-te 
inchoat. — rokk-e-le-s^ -(hlos, -o-Uva-s gebet. — rokk-o-le-je be- 
tender = f. mk'O'i'li'ja. — enar. rüh-o-da-Ua beten, rüh-o-do'S 
gebet. 

Magy. räg-ä märchen, sage, — räg-c l erzählen. 

Schon das finnische zeigt formen mit tief- und hochlautigen 
vokalen. Diese schliessen sich zunächet an fin. räk-ä-jä, magy. 



104 

räV/, jene an f. ruk-o-tta quaken n:o 983, rauk-u id., betteln n:o 
989. Rst. nik-i entspricht der form nach f. räuk-ü^ räk-ü pr. rä- 
vtln, räükk'ü pr. räükün heulen, lärmen n:o 984. 

989. Fin. rukk-a arm, bedauerlich, verstorben. 

raukk-a ann, bedauerlich, elend, ein verstorbener der sich 
bösen geistern versprochen hat; lieb, geliebt. — raukk-o ein win- 
selnder. — rauk-u wimmern, wehklagen, winseln, bitten, betteln. — 

rauk'U'tta, rauk-o-tia jammern, beklagen. 

ruikk-a klagen, jammern, einer der winselt, jammert. — ruikk-u^ 
ruikk'ä jammern, winseln. 

rökk'ö das röcheln; armselige, beklagenswerthe iKjrson. 

Vot. raukk-a armselig. — Veps. rattk st. rauka id. 

Egt. rauk g. rawja schwach, armselig, armer schelm, armseli- 
ger mensch. 

ruiff-a quicken, grunzen, anhaltend bitten, fordern. 

S. Lap. rauk-e, utsj. rokk-i verstorbener. 

n. roUc-Cj rokk-je defunctus, beatus, miscUus. — rokk-ai 
demin. 

en. rokk-e verstorben, selig. 

s. raklc-c alt. — ronk altes rennticr, zum fahren viel ge- 
braucht. 

n. ravldc-a vocare, pctcre, postulare. — s. raukk-a, rauk-c 
exigcre. — rauk-o-tc postulare. 

Syrj. ruh hinfällig, altersschwach. 

Magy. rc(j lange. — rvij-i alt. 

rök'ö'l wehklagen, jammern. — ruk-ü-l röhren, schreien. 

Fin. rökkö zeigt den allmäligcn Übergang der bedeutung die- 
ser Wörter von „heulen, schreien*' zu „wimmern, klagen kläghch 
sein** u. s. w., wie auch bei anderen formen sich dies zeigt, ver- 
gleiche n:o 983 f. rangelta murmeln, quäken, wimnioni, sowie kn 
n:o 984 f. räiikii, rukü schreien, heulen, wimmern, wehklagen. — 
Das magy. m/ lehnt sich an eine form *reik, "^räik, die wohl nicht 
in der bedeutung „alt, hinfällig" vorkommt, die aber als nebenforui 
des f. ranku, ränkü zahlreich vertreten ist: raikk-u^ raik-ti laut, 
hell tönen, wiederschallen, räikk-ii, räik-ü hellen, krachenden laut 
hervorbringen, krachen, vergleiche bei n:o 984 f. riuk-ti^ räilk-il 
räk-ü laut schreien, heulen, wehkUigen, und bei 986 rif'iku. Siehe 
übrigens n:o 995 rankka. 



105 

990. Fin. rauk-ea umfallen, sinken, ermüden, aufgelöst werden; 
— ratik-a-sc auflösen, matt machen. — rauk-e-ne allmälich ermat- 
ten, verfallen, ermüden. — rauk-c-a ermüdet, hinfällig, auflösend. — 
rauk'O pr. rau-voti matt, schwer, müde machen. 

ritik-e-a ermatten, verfallen. 

Vot. rauk'C schlaff werden, ermüden. 

Est. rau(/-a, raug-c, raug-e-ne veralten, schwach werden, er- 
müden, hinschwinden. — raug-c-nda schwächen, überwinden. — 
raug-a-bta id. 

rauk'C ersterben, erlöschen. 

Sv. lap. ruldc-a-d, rokk-a-ta-k tabes. 

ragg-c-nc, ragg-e-tc inclinari. — ragg-c-le inclinare. 

Syrj. ruk-mi betäubt, ohnmächtig werden, erstarren. 

Votj. ^ok-a intr. ersticken, ertrinken. — ^ok-'i-t schwül, er- 
stickend. 

Magy. rodj stürzen, niedersinken (aus *rog). — rodyä-s das 
stürzen. 

roh-a-n stürzen, ruere. — rokk-a-n desidere, lahm werden. 

H. Ogtj. röx-a-n-le einstürzen. — rox-nc um-, zusaunuenstür- 
zen. — rox-ni-psa nom. act. — rox-ni-mte einstürzen. — rog-a-n- 
Ti'je id. 

K. vog. räg-e-t fallen, umfallen, stürzen. — n. räg-ä-i fallen. 

Obige reihe ist einfache Weiterbildung der in der vorigen num- 
mer liegenden anschauung. Budenz szot. 711 verbindet vog. raget 
mit magy. rodj {fogy\ fin. raukea und erklärt dies aus ranlcca, 
rangea (i. e. rangeda)^ so dass ränge = magy. rogya sei und rok- 
kan = roh-kan oder rov-kan für ursprünglicheres rog-kan. Ich 
fasse rdk^ rank, rank, rohk^ rö% als einfache und erweiterte fonnen 
der Wurzel, ohne darin Zusammensetzung mit einem A:a-suffix oder 
bestimmte reihenfolge in der entwicklung der wurzelform anzuneh- 
men. Der ziemlich ungewöhnliche lautwechsel magy. o : vog. ä in 
rogy, raget hat obwohl in entgegengesetzter weise seine analogie 
in magy. rätteg trepidare, vog. roxte erschrecken, Budenz szöt. 708. 
In bctracht dessen ist vielleicht auch syrj. rök Schicksal, geschick, 
loos hieher zu bringen, in der bedeutung : das was einem überfällt, 
trifft tvxrj» — Nimmt man erst das fin. rauk = rank, rang an, so 
wird s. lap. ragg-ene mit f. rauk-e-ne identisch, während Ip. ruk- 
kad sich mehr der fin. form nikka entspricht, die sich auch im syrj. 
ruk hinfällig = votj. Sok- als verbstamm wiederfindet. 



106 

991. Fin. rawAa ruhe, friede. 

Est, rdhoy rahu ruhe, friede. — rahu-ta, rahu-sta beruhigen. 

rauv geu. ravvu friede, ruhe. 

H. Lap. rafhe pax, quies. — rafho in quietem reduci. — raf- 
hoste dem. id. — rafho-te fact. beruhigen, friede verschaffen. 

s. ra/i?, rauhe friede. — rapte id. 

Votj. u»7, urjan friede, ruhe. — urja versöhnen, frieden machen, 
befreunden. — urja-Vi id. 

Est. rahu entspricht finnischen rauha wie est. jaJiu mehl dem 
fin. jauho oder wie est. röhu dem f. rouhä n:o 979. Votj. uri ge- 
hört hieher mit vorschlagsvokal, nach der analogie: Votj. urod 
schlecht = est. rudu schwach, f. rutu kränkliches kind n:o lÜOÖ, 
oder votj. urdi zusammendrücken = f. ruto zerdrücken n:o lÜOi 
In derselben weise gebrauchen auch das ceremissische und mord- 
vinische mehrmals einen vorschlagsvokal: siehe die genannte num- 
men und: f. rutto^ mord. arda^ ardo = syrj. rodti laufen. 

992, Fin rank-a-i-se strafen, bestrafen, züchtigen. — rank-o id. 
ränk'ä'i'se einen anfahren, anschnauzen, aufschreien. 

Est räng-a-sta erschweren, beschweren, hart züchtigen. 

Liv. rany-a-s pl. rangöd halfter, pl. zäum, zügel. 

H. Lap. rang-a-He punire. — rangg-o castigare, i)unirc. — 
rangg-O'le subit. schnell züchtigen. — rang-o-ste dem. — rang-o- 
ta-Ua castigari. 

Magy. rong-ä-l fustigaro, castigare, affligere. 

Im finnischen scheinen rankka heftig, scharf, hart, rafikkenc 
heftig, hart, scharf, reissend werden nahe zu liegen, andererseifc 
auch ranku schreien, brummen, est. rauka rauh schreien u:o 983, 
in welcher beziehung fin. rus-ku, rus-kä krachen, rasseln, jeman- 
den anschnauzen n:o 1020 zu vergleichen ist. Formell ist aber ra/*- 
kaise regelmässige ableitung einer Stammes ranka^ der gegenwärtig 
nur baumstamm bedeutet. Die nahe Verbindung mit der wurzel 
rak, rauk bezeugen auch die est. Wörter rau//-a6^<a schwächen, über- 
winden, röuka besänftigen, beschwichtigen. — Budenz szöt. s. 667 
erklärt roiigäl aus rom-gäl, wie rotiöol zerschlagen, stark verlet- 
zen, beschädigen = rom-sol (freqv. suffix fiol\ verwandt mit rom- 
hol diffringere, dissecare, disiimipere, alle aus *rohom = *rovom, 
stamm rov- = ugr. r-g- hauen, schlagen. Sonst stimmt magy. ron- 
gäl auch im suffixelcment zum läpp, ranggole. 



107 

993. a) Fin. rank-a^ rank-o baumstamm, stamm ohne äste, lan- 
ges holzscheit. 

ronkk-a, runkk-a hüfte. — runk-a id. — rofikk-a vorragende 
Stellung. 

ruiüC'O rümpf, stamm. 

Est. roag gen. ronna stutze für die wagcnleiter. 

ruiig gen. runha leiterstütze am bauernwagen, runder eckturm. 

Liv. rüng-a^ L. rung knittel, Stange, stütze für die leitern am 
bauernwagen. 

H. Lap. rungg-o gen. rungo corpus animalis quadrupedis. 

M. Mord, rong-a körper. — ers. rung-o körper, rümpf, leiche, aas. 

h) Fin. rünk'ä brüst, bauch; adj. stark, kraftvoll. — riink-ä 
drängen, anstossen, heftig schütteln, rütteln, anklopfen. — rünk-i 
drängen, stossen. 

rmkk'ä ungelenkes, klotziges geschöpf. 

Est. rühk gen. rilnga hügel, fels, schölle, etwas hervorragendes. 

rank gen. ränga grosses, schweres; adj. schwer. — ränki sich 
anstrengen. 

Magy. ränk'ä'S untersetzt, klein und dick. 

rög-ö nom. rög erdscholle, erdkloss. — rög-ö-i schollig, klum- 
pig, holperig, uneben. — rög-zä sich klumpen. 

Vergleiche Budcnz 720, der magy. rög mit f. ruf'iko, mord. 
ronga, rungo verbindet. Den hier verzeichneten sehr nahe steht 
die folgende nummer f. rakka, sowie est. rank dicke wölke = f. 
rankka. Fin. runto u. f. scheinen nur wechselformen zu sein. 

994. Fin. rakk-a Steinhaufen, sieinsammlung auf den bergen, 
im meere. 

ruk'O gen. ruon heuschobcr, häufen, Sammlung. — ruk-o-a in 
schobern sammeln. — ruk-c-va dicht, dick. 

roukk'O grosser stapel, häufen. — rankh-iOy mok-i-o id. 

röükk'ö holzhaufen. — röükk-i-ö häufen, menge. — röfikk-ii 
in häufen gesammelt werden. 

Vot. roukk'O grösserer heuschober. 

Egt. rtig-a gea roa kleiner hcuhaufen. 

röuk gen. -gu, -ga^ -ge aufrecht stehender stab, pHock, plur. 
Stäbe zwischen welchen die feldfrüchte zum trocknen aufgeschichtet 
werden; kornhaufen. 



108 

röig-a-s Strohschober. 

Veps. rouk-a nom. rouk Strohschober. 

Öer. rok terra, humus. 

Bemerkenswert ist die nahe beziehung dieser Wörter zu f. 
rova stein- oder holzhaufen, waldbewachsene berg- oder hügelstrecke 
mit kahlen, vom feucr verheerten stellen = n. lap. roawe g. roat€. 
s. lap. rovc, en. roavc steiniger ort, f. rovf\ rovio, ropivo häufen, 
Sammlung von gebranntem holz, gefärliche stelle, rovi in hänfen 
sammeln, routo^ routtOj rouhto aufrechtstehende stabc um darauf 
heu zu trocknen, röuskä Steinhaufen, est. rava unter dem wasser 
verborgener stein, rann g. rauna Steinhaufen, stelle wo steine zu- 
sammen geworfen sind, liv. rova pl. roväd stein, kliiipc unter dem 
Wasser, pl. riff, n. lap. ravdna g. ravna colliculus, tin. ravio^ roM- 
nio, roumio, rounio grösserer Steinhaufen. 

995. a) Fin. rankk-a heftig, scharf, hart, feucht und kalt, herab- 
platzend, r. sadc platzregen. — raukk-o-a platzend herabströmen. 

Est. rank gen. rannu dicke wölke, regenwolke. 

rätj'U trübes wetter mit feinem schnee. 

räuf/'a-se trübes, feuchtes wetter (deminutiv vom raVii g. 
rän(/a grosses, schweres, adj. schwer, n:o 993 b.). 

S. Lap. rxiok-c-nc-s wasserdunst. 

0«tj. B. r'iüH-m, rink-i-m nebel, dunkelheit. 

h) Fin. rak-c-he nom. ra'c hagel, körn. — rak-i-sta, ra-e-hü 
hageln. 

Est. ra(/'C körn, köriichen. 

rahk'C nom. rahe, gen. ra/ike, rahe hagel. — rah-e-ta hageln. 

Durch die bedeutung „heftig, scharf' des f. rank/^a =^ est. 
rage st. ragcda (vergl. est. raksijas nuinter) stehen wenigstens die 
linnisch-estnischen formen zunächst in Verbindung mit f. raitku 
schreien, rakJä knallen u. s. w. n:o üHo, dabei noch zu vergleichen 
ist est. räfdc schwer, röy-a dichtes gebüsch, dickicht, liv. ränk-a 
wüst, wüste wo schwer durchzudringen ist im walde. Budenz szöt 
Gi)4 stellt ostj. r'hvfnn mit dem magy rcg-väl, reg-gäl „morgens, 
der morgen" zusammen, welches in älterer gestalt mit langem l 
angetroffen wird und daher mit reg lange, = „tempus priscum vcl 
antiquum, zusammenfalle; ähnlichen Übergang zeige cagat. turL 



109 

irie früh, zeitlich, der morgen, morgens und iricki alt, vergangen; 
f. ämu tempus matutinum und ammo tempus pristinum (ammoin 
olim, pridem). Mir scheint regväl morgen näher mit vog. rig hitze, 
schwüle, f. ricTck'U glühen übereinzustimmen, also etwa der „auflo- 
dernde", vgl 997. 

996. Fin. roi-hu feuer, brennendes bloss, flamme, gluth. — roi- 
hu-a inf. roihtita lodern, flammen. — roi-hti stark auflodern, hef- 
tig flammen. 

roi-mu-a inf. roimuta auflodern, stark aufflammen. — roi- 
ma-liia hastig aufflammen. 

roi'tto starkes flammenfeuer, grosse flamme. 

Syrj. ru hauch, dampf, dunst, nebcl. 

Votj. ^u kohlenglut, hitze. — i«-a, ^w-ta brennen, lodern, 
in flammen stehen. — ^u-a-l brennen. — ^u-a-t anzünden — 
^u-a-n flamme, lohe. 

Magy. radj'O-g (ragyog) glänzen, schimmern, prangen, 

rä-nta einbrennen, backen. — ra-ta, rä-tta id. 

Ogtjj. B. ru'U hitze, wärme, schwüle, dunst. — ru-fi-ti heiss, 
schwül. 

Die obigen sind nur tieflautige formen zu den hochlautigen 
der folgenden reihe. Fin. o in rot, rog, rok entspricht magyarischem 
a wie in f. sopi = magy. sab D. 784, f. kotpe z= magy. harap 
Anderson 211, und syrjän. wotjakischem u: f. Äi)/iea = votj. suklr^ 
f. koika = syrj. kuö, f. juo = syrj. jua. Sonst trift't die bedeu- 
tung des syrj. rw näher mit lap. ruokenes wasserdunst, ostj. ruiim 
nebel, dunkelheit n:o 995 überein. 

997. Fin. räkk-i hitze, qualm; in den Sprichwörtern: sonne. 
— nik'i'ttä hitze geben, glühen, bähen, heftig flammen, lodern. 

rek-O'tia hitze geben, bähen. 

rik'i'ttä zünden, anzünden. — riekk-u glühen. 

rei'Stä mit grosser flamme prasselnd, stark brennen. — rei- 
sti grosses, prasselndes feuer. 

rei-mä auflodern, aufflammen. — rei-ma-siu hurtig, flink wer- 
den, aufflammen. 

rä'fä hitze geben, bähen. — rä-tü intr, niederbrennen. 

Vop». räk-e nom. räki flamme, gluth. — räk-i-ta scheinen, 
hitze von sich geben. 



110 

Est. räi-di intrans. bähen, halb gar kochen. — räi-^-ta^ räi^tt 

= rei'ta trans. bähen, halb gar kochen, aufquellen. 

IL M. rä'Ze intr. braten. — rä-sta trans. braten. — rä-sta-f 
braten, gebratenes. 

E. M. re-ze intr. braten. — re-ste Reg., rä-sta Wied. trans. 
braten. — rä-sta-mo gebratenes. 

Öer. ere^ w. irej calesccre. 

Magy. reg^ rög in: reg-vcU, reg-gäl morgens, der morgen, 
reg-miSe früh-messe (vgl. B. 694). 

Vog. K rig hitze, schwüle. 

B. rtff, re wärme. — re-i-tl heiss. — rci-l warm werden, sidi 
wärmen. — rei-l-te wärmen, erwärmen. — rej-ti-l sich erwärmen. 

L. re-n warm. — re brennen. — rei-ti-l sich erhitzen. 

Eine überaus zahlreiche menge Wörter kommt im finnischen 
vor, die mit einander nahe ver])unden sind und zugleich nur ne- 
benformen der obigen ausmachen : räkäjtä anhaltend krachen, kraxen, 
lärmend lachen; räkise schwatzen, plaudern; rekla Schwätzer, reke- 
lehtä baumeln, rekkaele schwingen, sich brüsten, rckkulehlxi baumeln, 
sich nachlässig hinwerfen; rieka, riekka, riekko lärmend, wild, leb- 
haft; riekä, riekka lärmen, laut schreien, lachen ; Wiea, rt/:et;ä hastig, 
schnell, lebhaft n:o 998; rikasta wie die elster schreien; reikäy reijü, 
reiskä krachen, lärmen, rasen, spielen; rei^ki lärmen, spielen; rds- 
kutta nachlässig, müssig herum gehen, schlendern; räiskä das kni- 
stern, krachen, klirren; räiskü knistern, krachen, zischen; räthrn 
stark tönend, schmetternd, gellend, scharf: päivä paistaa räikeästi 
die sonne brennt scliarf, heiss; räimä schlagen, lärmen, stimmen; 
roihä schwingen, sich schwingend bewegen; roijä stark wanken; 
roikku hangen, baumeln, hin- und zurück schwingen; roimäj roivä 
schwingen, schleudern ; rotskä schwingen, schlagen, etwas mit ge 
rausch machen; vergleiche noch mehrere 969. Offenbar ist die grund- 
bedeutung dieser aller: „mit knisterndem, krachendem ^etöse et- 
was thun, sich heftig, prasselnd bewegen", wodurch der Übergang 
leicht ist zu: „prasselnd brennen, heftig aufflammen, glühen", wie 
in andere riclitung rako 967 „mit geräusch bersten, aufplatzen" oder 
982 rikko „brechen, zerschlagen". Hierdurch erklärt sich auch der 
Zusammenhang mit 995 rankka „heftig, scharf, herabplatzend". Da 
das Wortmaterial in mehreren der verwandten sprachen so unvoll- 
ständig bekannt ist, sind die Wortbildungen in ihrer etjinologie 
nicht so durchsichtig wie im tinnischen. — Budenz 705 verbindet 



111 

die ostjakisch-vogulischen Wörter mit syrj. rw, votj. Bttal^ sowie niagy. 
re-sä-g ebrius, temulentus, rt-sä-gä-d, re-sä-gü-l inebriari und fasst 
sie als bildungen eines Stammes rüg- rz rev^ rej „calere, calor" auf, 
aus welchem sich noch f. räkki hitze, rökä brunst (vgl 987), rästä, 
sowie est. räidi) mord. räze, rästa, f. roitto, rohkea (vgl. 102G) Cer. 
rtista inebriari und magy. ränt entwickelt hätten. — Öerem. ere, 
irej gehören hieher mit vokalischem Vorschlag, wie w. fer. crdu 
medulla arboris = rädvä das morsche am holze, öer. erde femur = 
f. reite n:o 1015. 

998. Fin. rik-e-vä hastig, schnell, eilig. — rtk-e-ä id. — rik-e-ne 
nom. rijen eile, Schnelligkeit. — ri-e-ntä pl. rietinän eilen, schleu- 
nig etwas thun, streben. 

ruk-a-tta eilen, nach wild jagen, erreichen. 

Veps, rig-e-nda eilen. — rig-e-hti id. 

K. Lap. riekk-a pr. riekam eniti, moliri, magno conatu promovere. 

s. ruV'O'k, ru'O-k, ru-e-s celer. 

Syrj. rcg-i-d, rcg-i-d sogleich, schnell, eilig, plötzlich; Schnel- 
ligkeit. — reg-'i-d-Sa schnell. 

Votj. ^og, ^og-e-n sogleich, schnell, plötzlich. 

Magy. rög-tö'f), rö-ttö-n sogleich, plötzlich. — rögv-ä-St, rög- 
ve-H sofort, auf der stelle. 

Mit den obigen in naher Verbindung stehen noch im finni- 
schen riek-a-s wild, lebhaft, ausgelassen, flink, rasch, riekk-a^ riekk-o 
lärmend, wild, lebhaft, riekk-e-ä wild, lebhaft, bunt, riek-a laut 
lachende, lärmende pcrson, riek-ä lärmen, laut schreien, lachen. 
Budenz sz6t. 721, der die lappischen Wörter und f. rukatta nicht 
hierher zieht, scheidet aus den magyarischen formen einen stamm 
*rög' mit der bedeutung „schnelles gehen, Schnelligkeit", indem 
rög-tön in derselben weise gebildet sei wie män^tän, fo^-ton (foly- 
ton) und rög-veSt wie nez-veU^ tep-vest^ foJj-väSt, blz-vüät, Fin. 
ruk-a-tta gehört jedoch in dieselbe reihe wie die übrigen, in be- 
tracht der häufigen Wechsel des inlautenden ?, u: f. rikk-a-le^ rek- 
k-a-hj riek-a-le = ruk-a-le zerrissenes, lumpen, vgl 982 anm. Mit 
der form ruk stimmt auch syrj. ^og = *rog besser ttberein. 

999. Fin. rok-e-nta bauen, bereiten, zubereiten; anspannen. — 
roi-c-w/o, rak-e^nu'kse n. -us bau, gebäude. — röM-i-se^schlechtes 
bauschen, hütte. 

Vot. rak-e-ta anspannen. 



112 

Est. rak-e-nda anspannen, anjochen, einfassen, flicken, venuv 
beiten. — rak-c-ndu-se n. -tis anspannen, einfassung. — rak-e-stü 
anspannen, anjochen. — rak-e-lda sich abmühen, abarbeiten. — 
rak-e g. rakke einfassung. 

Liv. rak-ä-ndö fische ausnehmen, reinigen. 

K. Lap. rak-a-de bereiten, zubereiten. — rak-a-du-s = f . ra- 
kennus ; rak-a-dä-bmc Zubereitung. — rakk-a-ne sich bereiten. — s. 
räkk'U arbeit, fleiss. — räkk-a-r laboriosus. — en. rSh-ii (Lonnrot 
Acta Soc. Fen. IV, 249 vermuthet = rdh-e-de) bereiten, banen. 

Syij. rck'ü auslehren, reinigen, ausräumen, ordnen. — rdhii 
leer werden, sich leeren. — rek-ta-n zum reinmachen dienend, 
haspel, weife. — rek-ta-la haspeln, wickeln, weifen. 

Votj. ^ok-il haspeln, abwickeln, ausleeren, ausladen. — ^ot 
te-m leer. — ^ok-to-n pti haspel, weife. 

Magy. rak legen, setzen, stellen, packen, laden ; ßszket r. 
ein nest bauen. — rak-ü-s das setzen, häufen, menge. — rak-thä, 
rak'Chl aufladen, abladen. — rak-a-t häufen, eingelegte arbeit 
fracht, ladung. 

Ahlqvist kultw. 106 fasst in betracht des magy. rak die u^ 
sprünglichc bedeutung als „aufreihen, stapeln". Die liv. syrjäni- 
sehen wöiter, welche jedoch auch hicher gehören (liv. rakändo = 
fin. rakenta = magy. rakod) deuten auf ein allgemeineres ,^unH*ht- 
machen, verarbeiten, bereiten**, liudenz szut. 689 stellt mit recht 
syrj. rcktt = votj. ^okt'i, da anlautendes r mit $ wechselt: syrj. 
rit = votj. ^U abend, syrj. röfnld = votj. ^omU dämmeining, wa? 
noch in mehreren Wörtern der fall ist. — Thomson got. sprogkl. 
142 vergleicht f. rakenta mit altsachs. ramd, racod, aeiig. reced 
domus, verwandt mit got. rikan aufliäufen was jedoch kaum die 
Zusammenhörigkeit und ursprünglichkeit der oben angeführten Wör- 
ter zu entkräftigen vermag. Wenn „aufreihen, häufen* die grund- 
bedeutung ist, kann man die hier zusammengestellten Wörter wohl 
kaum von 994 f. rakka Steinhaufen u. s. w. scheiden. 

1000. Fin. ränk-e nom. -i kummetholz. — räiik-i-tiä die kum- 
methölzer anlegen, anspannen. 

länk-e nom. -i kummetholz. — länk-ä gebogen wie ein kum- 
met. — läntj-i'ttä kummet anlegen. — länkk-ü biegung. 

Vot. rang-e-i plur. die kummethölzer. 



113 

Est rang pl. raunid kummet, kummetholzer, rauken am gc- 
schiiT, joch der schweinc. 

Liv. rank rankenhölzer, kummet. 

Magy. räk-ä-njo der rauken, die schliuge, die rauke. 

Vergleiche 998 vot. räketa, est. rakenda auspanuen, aujocheu, 
eiufasseu. Der fiunisclic ausdruck ränki-puu = holzrahmeu um 
den ofen der badstube, holzrahmen auf dem dache einer hütte 
der als stütze der dort gelegten steine dient, scheint die Verbin- 
dung mit länkkü zu bestätigen. Vergl. 992 liv. rangas. 

1001. Fin. rchk-a ackerwalze. 

K. Ostj. rang-i-tle wälzen, rollen. 

Vielleicht können die obigen mit f. ranke in Verbindung ge- 
bracht werden, in der bedeutung: was sich bieget, wälzt, rollt. 

1002. Fin. ruoko röhr, schilf. — ruoho gras, kraut. 

roMo gras, kraut, futter. — ruohottu mit gras überzogen 
werden. 

Veps. roho schilf. 

Vot. röko schilf. — rökosikko schilfreicher platz = fin. ruo- 

hokko. 

roho gras. — rohotu = f. ruohottu. 

Est. rüg gen. röw, roo schilf, röhr, binsc. — rögse von röhr. 

rohi gen. rohu gras, kraut, gewächs. — roh id. 

Liv. ruogös pl. ruogöd, L. ruog pl. ruogod röhr, schilf. — 
ruogi von röhr, schilf. 

ruoi pl. ruqjcd gras. 

S. Lap. ruoko röhr. 

Syij. rö3 kraut. 

Die westfinnischen formen zeigen deutlich, dass ruoh aus ruok 
hervorgegangen, nicht umgekehrt etwa aus einem ruos = syrj. 
r6>. Das suffix dieses Wortes entspricht daher dem i in syrj. roii, 
ruz loch, cer. roz furche, magy. res n:o 968, oder k'i^ birke = 
f. koivu. 



8 



Wurzel rat. 

N:o 1003-1011. 

Dehnimg oder Steigerung: ruot roat rilöt riet riüt rtioi. 
räd räö ruod ruoö roaö roxL 

Vokalwechsel und Schwächung; roi nd rät rot ritt ret rit, 
rad rod rudd ridd. 
ard ort urd urod ei'd. 
rnö ru^ ruj rci re räc. 

Bedeutung: a) krachen, rasseln, schmettern, schlagen, mit gctos*^ 
fallen, schaukeln, wackeln n:o 1003; lärmen, brummen, schwat- 
zen, zanken n:o 1004. 

* 

li) pressen, zusammendrücken, zerdrücken, quetschen 1005; zu- 
sammenziehen, zerknittern, zusammenschmieden, falten, sclileclit 
nähen, falten, runzel, uneben, knollig lOOG, 

r) reissen, zerren, raffen, abbrechen, rütteln, auftrennen, auflösen, 
zerstücken, schleudern, wegwerfen 1007. 

d) abfall, auswurf, schmutz, sumpferde, schlämm, schleim, rotz. 
feucht, morsch, verfault, hässlich, abscheulich 100«^; verfallen, 
abnehmen, abmagern, gebrechlich, schwach, kränklich, schlatf. 
schlecht, dünn, klein, locker, einsam 1009. 

c) fürchten, scheu sein, erschrecken 1010; eilen, laufen, fahren, 
schnell 1011. 

1003. Fin. rat-a-ja, rat-i-se knarren, krachen, knirschen, rasseln. 

rat-liä schmettern, schlagen. — rat-hi-tta mit rasselndem laute 
klopfen. 

rat- sä knirschen, rasseln, schnarren. 

rot'ä, rot-a-ja, rot-i-se krachen, rasseln, schnarriai, sclnvatzen. 

rot-hu mit gckrache schaukeln, wackeln. — rot-ka-Jifa mit ge- 
töse bewegt werden, fallen. — rot-ko-tta, rot-ko-ttc-Ic glucken (von 
hühnern). 

rot'Sä krachen, knallen, mit gekraclie fallen. 



115 

rut'ä rut-a-ja^ rut-i-sc kraclien, knarren, knirschen. — rut-ti 
gekrachc. 

riit'lca kraclien, nachlässige Stellung; tölpel. 

ruf-Jcä mit gotöse hinwerfen, hin und her schleudern. — rut-Jcu 
sich knarrend bewegen, wackeln. 

ri(-ä, rit-a-ja, riUi-se knarren, prasseln, knistern. — rit-u 
das knistern. 

rit'lm^ rit-ka-i'Se knarren, klirren. 

rit-sa-hia leichtes prasselndes geräusch machen. 

rät'ä, räi-ü, rät-e-he nom. -c das knistern, rasseln. — rät-ä-jä, 
rät'i-sc knistern, prasseln, krachen. 

rät'kä mit knackendem, prasselndem geräusch etwas machen. 

röt'ä'jä, röt'i'Se dumpf knarren, krachen, grunzen. 

rilt'ü krachen, lärm, Zänkerei. — ^7^M-/d•ä lärm, geräusch. — 
riit'i'Se krachen, prasseln, winseln. — rüt-i-stä fact. 

rüt-ku knacken, mit krachen gerüttelt oder gerissen werden. 

— rüt-ka krachen vemrsachen. 

Est. rad-i'sc rascheln, brummen, zanken. — rad-u-se stürmisch, 
radused ihnad stürmisches wetter. — rad-ti rod-u knarrendes ge- 
räusch. 

rod-i'Se knarren, knacken. 

rud'ju'V-li'k st. -m knarrend. 

Liv. rut'S brüllen, brausen, brummen, summen. 

K. Lap. rätt-a pr. radam strepere. — rad-a-te krachen ver- 
ursachen. 

ratt-a-le tumultuari. 

roadö-a pr. roaöam insonare, strepere (imber), fragorem edere. 

— road-a-na-s fragor. 

S. rud'ja tonare. — rnot-e crepitare, celeriter currerc. 
K. rtwöö-a gen. ruoöa fragor. — ruoöö-a strepere, crepare. — 
rnocö-a-le demin. 

S. räcöe fragorem edere, tonare. 
Magy. nt'jä-g, rot-jo-g prasseln, blasen, werfen. 
ritt'jä-g schnalzen. — rüt-jä-ntä id. 
rott'ja-n mit geprassel aufkochen. 

Das finnische besitzt bei dieser Wurzel wie bei vielen ande- 
ren eine durch die ganze vokalreihe gehende bildungsweise, wo nur 
das feinste Sprachgefühl die modifikationen der bedeutungen zu 
unterscheiden vermag, eine bildungsweise die sich nur teilweise in 



116 

den übrigen sprachen wiederfindet. Das fehlen entsprechender for- 
men in den ostfinnischen sprachen darf nicht zu sehr befremdeo, 
da der mitlauter r im anlaut überhaupt sehr wenig vertreten ist. 

1004. Fin. rot-a-ja krachen, rasseln, schnarren, sclitcatzen^ plq^ 
pem. — rot-i'Se id. — rot-i-lo schwätzen 

ret'U muntere erzählung. — ret-u-sa munter, gesprächig. 

rüi'ü krachen, lärm, Zänkerei. 

Est. rad'i'Se rascheln, brummen, zanken. 

K. Lap. ruocld'O gen. ruodo sermo, nur in Zusammensetzun- 
gen. — ruod'O'S eloquens. 

Magy, rät'jä-g schwatzen. 

Die bedeutung dieser Wörter ist nur Weiterbildung der bei 
n:o 1003 rat-i-se angefühlten, wodurch zugleich die vokalisation 
im magyarischen an mannigfaltigkeit gewinnt : rot-jo-g, rit-jä-g, 
rät'jä-g. 

1005. Fin. rut-o quetschen, zerdrücken. — rut-a-i-se quetschen, 
zerdrücken, mit geräusch schlagen, werfen, reissen. — rut-i zer- 
quetschter zustand, adv. entzwei. — rut-i-sta zusammen pressen, 
drücken, knittern, zerquetschen. — rut-jä niedertreten, quetschen. 

— rut'jo quetschen, zerquetschen, krachen, reissen, 

nit'Sä Unzucht treiben. 

Est. rud-u, rtid'iy rud-ju, rti-ju drücken, pressen, zerquetschen. 

— rud'ju'ia id. — rud-i gen. rud-ja holz zum drücken. 

rud'Su, rut'Su id. — rud-su presse. 
Liv. rut'S niederdrücken. 

N. Lap. roö-a-Sf roö-c-s, s. roö-o-s contractus, coarctatus, com- 
pressus. — roöc-a pr. roöam uno loco extenuarc, tenuiorem redderc. 

— roö-a-s-te dem. etwas zusammendrücken, -pressen, -schnüren. 

— roö-a-ge zusammengedrückt werden. — roöö-e coarctatio, con- 
tractio. — rodö-o pr. roöom comprimcre, constringere. — rodö-i 
verb. mom., roöö-o-le subit., roö-u-de cont., roö-o-te fact. 

S. rodö-e-s-te comprimcre. — roöö-o compressus, cacuminatus. 
N. rudd'i depsere. — nidd-i-tc fact., rudd-e-le subit., rfidd- 
C'S'te dcmin., rudd-e-de cont. 

Votj. urd-'l zusammendrücken. 

Das wotjakische hat hier vokalischcn verschlag angenommen 
wie auch in wotj. urod schlecht = est. mdn^ rtiju schwach, matt, 



117 

liv. f-uja krank, schlecht n:o 1009. Die meisten der lappischen 
formen zeigen einen palatallaut, der sich durch einfluss eines fol- 
genden s entwickelt hat und noch im estnischen und livischen vor- 
kommt. 

Fin. runto zusammenpressen, kräftig drücken, mit gewalt bre- 
chen, zerquetschen, schleudern scheint nur nebenform zu rut-o zu 
sein, ebenso wie ruht-o zerquetschen, brechen, zerschlagen, mit 
gewalt oder anstrengung etwas thun. Jenes kann man aber nicht 
von runto „grosser, schwerer körper, klumpen, rümpf" trennen, 
welchem eine reihe verwandte bildungen zur seite stehen: f. runt-e-he 
nom. runne zerquetschung, runn-a-kko (aus runta) körperstärke, 
-kraft, kräftiger körperbau, zerquetschung, rtinn-a-mo Unglücksfall, 
runf-e-va korpulent, gross, runtt-ä heftig, zerquetschend werfen, 
schleudern, sowie ferner noch f. rtink-o rümpf, stamm, runder kör- 
per, vergleiche 993 a. Fin. ruhto scheint wiederum einer anderen 
wortreihe zuzuhören = f-uhjoj ruhmo zerquetschen, wesshalb ich 
sie mit f. rus-i^ rus-e-nta „zerquetschen, zerdrücken" n:o 1023 zu- 
sammengestellt habe, das Wurzelelement als ruh = rus annehmend. 
Offenbar ist aber die Wurzel rat, rut nur ältere stufe der w. rus, 
ruh, wodurch die ganz identischen bedeutungsentwicklungen dersel- 
ben erklärlich werden: ras 1. rasseln, krachen; 2. zerquetschen, 
zerdrücken; 3. zerren, reisscn, raifcn, schneiden, . schlagen ; 4. zer- 
lumpt, u. s. w. Dabei muss aber runh von diesen allen getrennt 
werden. 

1006. Fin. rutt-a etwas zusammengedrücktes, zusammenge- 
schrumpftes, unansehnliches. — ruit-u. zusammengepresstes, -ge- 
schnürtes, zerquetschtes, zerknittertes, runzel. — rutt-e-lo schrumpfig, 
runzelig. — rui-u-sta zerknittern, zusammenschnüren, knüllen. 

roi'O-sta zerknittern, zusammenziehen, übel zurichten. 

rüit'ä zusammengedrücktes, -geschrumpftes, unansehnliches. — 
rütt-ü zusammengedrückter zustand, falte, runzel. — rüt-ü-ttä mit 
falten, runzeln versehen, schrumpfen lassen, zerknittern. — 
rüt-ii'Stä zusammenpressen, -drücken, knittern, quetschen, falten 
machen. — rüt-sä-kkä krumm, gebogen, geschrumpft, runzelig. 

röt-ö-stä alte fetzen, lumpen zusammenflicken. 

K. Lap. ruot-e-s, rxioit-a-s iniquus, asper, nodosus. — ruot- 
a-s-mc, ruot'ü'S-mu'Vva uneben, knollig werden. — uwl-a-s-ma-tte 
uneben machen, knittern. 

roat-e-s, roatt-a-s rudis, scaber, asper. 



118 

Syrj. tut, rut'ti, rot-U schlecht od. überhin nähen, pfuschcD, 
grob flicken, stopfen (strumpfe), zusammen stoppeln. — rut-i-t fest 
schnüren. 

Magy. räd-o falte, runzel. — räd-ä-s, räd-o-S faltig, ranzlig, 
schnunpfig. — räd-o-l^ räd-o-z falten, runzeln. 

Über magy. d im verhältniss zu fin. /, U vergleiche fin. rutu 
= est. rudu n:o 1009. 

1007. Fin. rat'ja-sta raffen, rcissen, zen'cn, rauben. 

rat-küj rat'Jco abreissen, abzcrrcn, auftrennen, öffnen. — rat- 
ko-a, rat-ka-i'Se auftrennen, abscheiden, abbrechen, zerren, abmachen. 
— rat'ko aufgebrochenes, abgezehrtes, grosse Öffnung. — rat-lci voll- 
kommen, gänzlich. 

rot-ki schleudern, baumeln. — rot-u gerümpel, gcrttlle. — 
rott'i läppen, fetzen. 

rut'Ori'SC reissen, schleudern, knittern. 

rtit-jo zerquetschen, krachen, rcissen. — riii-ja steinliaufeii, 
läppen, fetzen. 

rut'kti mit krachen gerüttelt werden. 

rät'kä mit krachen gerüttelt werden. — r?V7-7« reisscMi, rüttcjlu. 

rüt-kä zerren, mit getöse werfen, schleudern. — rüt-kö lai>- 
pen, schmutziges kleidungsstück. 

riU'ä'lc-he nom. -le läppen, lumpen. 

rätt-i, rätt-ü lumpen, fetzen. — rätt-ü-nä lumijcn. 

röt'kü'ttC'le schnell zerren, sich schaukeln, schwankcMi, wac- 
keln. — röt'kü-lä massige persou, nachlässiger, lump. 

Vot. rat-kä abreissen. 

K. Lap. ratt-a pr. radäm auftrennen, aufreissen, resuero, dis- 
suere. — rai-ke-se luxari. — rad-a-te fact. — rutt-ä-sc sutura 
resolvi. 

rat'Jce separarc, scgregare. — rat-ka, rat-ka-m segrcgatio, <e- 
junctio. — ral'kc-te fact. — rat-kc-lc, rat-kc-ste subit., rafka-^c contin. 

rott-i rapcre, trahere, decrescere. — rott-i-m das ziehen, zer- 
ren. — rott-e-ste, rott-t-stä-ste dem., roti-c-sta-ite fact., roit-il'fita-Ua 
dem. frcqu. 

roti-a-sU'Vva extrahi, exciderc, abripi, in exstasin porduci. 

riti-a g. rida dimidia pars corporis aninuilis mactati. — riü-'i 
cadaver rangifcri in longitudiuem dissecarc. 

K. ridd'O'de negligenter mactare. — K. riätt-c mactare. 



111) 

S. rat'ko-fe nervum luxare. 

E. M, ort'O, ort-le werfen, schleudern, wegwerfen, ausstreuen. 
Öer. rtid-e solvere, resolvere. — rud-ka-le frequ. 
Syrj. rot vertragenes zeug, lumpen. — rut id. 
rot'ki abgerissen, zerlumpt. 

rut'ki zerlumpt, armselig, lumpen. — ruö-ka griÖ*. 
rit'ki, rt'S'i abgerissen, zerlumpt. 

Magy. rad'ö händclsucher, raufbold, ruha-radö der seine klei- 
der zerreisst. 

Dass die bedeutung „reissen, zerren^ allmälich in „scheiden, 
werfen, streuen" übergehen kann, wird aus den finnischen Wörtern 
klar ersichtbar. E. Mord, orto hat vokalischen anlaut angenom- 
men, wie e. mord. ardo laufen = wot. rufa, est. riiitaj syrj. röd-t'L 
Im magyar. radö ist zweifelsohne „reissen, zerren" die grundbedeu- 
tung, wie aus ruha-rado hervorgeht, wesshalb dies wort nicht un- 
mittelbar mit f. runtOj runta vi frangere, contundere zusammenge- 
stellt werden kann (vergl. Budenz 685), auch wenn es mit ruto 
identisch wäre. Vergleiche hierüber n:o 1017. Möglicherweise ge- 
luhen aber in diese reihe magy. rot-jo-g^ rü-jä-g, die nicht nur 
„prasseln, blasen" sondern auch „werfen" bedeuten, ähnlich wie f. 
rut-a-ja krachen, knarren und rut-kä mit getöse hinwerfen, schleudern. 

1008. Fin. rot-jä beschmutzen, besudeln. 

rid-a halbverfaultes reisig, altes schilf, auswurf, abfall, schlämm, 
koth, morast; schleim, rotz. — rut-a-kka schlannn, sumpferde, nie- 
der. — rid-e-a feucht, roh. 

rut'ju feucht, nass. — rut-ju feucht, nass werden. 

röt'ö schmutz, graus, staub, bodensatz, kehricht; Windbruch. — 
röt-il stäubchen, Überbleibsel, plunder. — röt-c-hi-kkö Waldgegend 
mit sumpfigen, morastigen stellen. 

röt-kö sumpfige stelle, sumpfiges thal, bergkluft (= rot-ko). 

rät'ö-siä auHösen, weich, schwammig machen. 

ret'ii schmutz, lumpen. 

Veps. rcd'U schnuitz. — red-u-sta besudeln. 

Est. rod'U g. roju, roxi verfaultes, abfall. — rod-n-sc unrein. — 
rod'i morsch. 

röd-i-se, red-i-se feucht. — re(( schlecht, garstig. 

re-u-ta, rc-u-sta {= *red'H-ta, *rcd'U-sta) besudeln, beschmut- 
zen, verläumden. 



120 

N. Läpp, radd-a irabcr. — radd-a iinbre permadescere. — s, 
radd-a nivis exigua qvantitas, impriinis tempore autumnali. 

rudd-a-s voll feuclitigkeit. 

E. M. rud-as koth, schmutz. — rud-a-schv schmutzig. — 
rud-a-sJca-da schmutzig werden, rud-a-ska-vta fact. 

M. M. ard-a-s A., erd-a-s R. schmutz. — ard-a-su^ erd-a-zu 
schmutzig. — ard-a-si-a A., erd-a-zja, erd-a-sJce-da R. sclmiutzig 
werden, ard-a-si-a-fta A., erd-a-zj-a-fta, erd-a-ske-ßa R. schmutzig 
machen. 

Öer. erd'ä medulla arboris. 

Syij, rod'ö-g rost auf dem wasser. — p. rod-ö-g unrecht, Un- 
reinheit. — rod-ö-ga, rod-ö-gö-d garstig, schmutzig, abscheulich, un- 
redlich, ruchlos. 

Magy. roi-ha-dä-S das faulen, verwesen. — rot-Jia-sta verfau- 
len, verwesen lassen. 

räd'Vä nom. rädv das morsche, faule am holze. — räd-vä-'i 
morsch, faul. 

Das e. mord. rudas = m. m. ardasy erdas liefert unzwei- 
deutige bestätigung der vielen fälle, wo anlauteudes r in den Volga- 
und Permischen sprachen einen vokalischen verschlag angenom- 
men hat, so auch bei cer. crdä, welches Budcnz 693 mit ostj. ra- 
dax und magy. rädv, rädväs, rcv, räv putredo, humor putridus^ 
räväs = rädväS zusammenstellt, dabei er die endung t?ä (räd-vä 
aus "^rädä'Vä) wie in näd-vä humor, succus, käd-vä lust, laune mit 
dem fin. suffixe mc idcntificirt, vcrgl. magy. st-vä nom. slv herz = 
f. südä-me^ magy. tät-vä nom. tätü, tätö laus = ostj. i. tcudr-m. 
Die Veränderung der bedeutung verhält sich wie magy. näd-v hu- 
mor, succus = wotj. ncd koth. Ostj. radax habe ich zu der reibe 
f. riitea geführt. 

1009. Fin. rtit-e-a gebrechlich, kränklich. — rut-u kränkliches, 
mürrivschcs kind. 

rot'ki'Stu verfallen, abnehmen, verschlimmern. — rot-t-kko, 
rot-i-sko verfallenes haus, elende schlechte hütte. 

röt'i-stü verfallen, einstürzen. — röt-ö Windbruch. — röi- 
ä-kkö, röt'ö-kkö wald mit Windbrüchen. — röt-ü-kkä, rüt^i-kkö = 
rotikko, — röt-i-kkö elendes, schlecht ^^emachtes ding. 

rüt-ä-kkä schlecht, schwach, elend. — rilt-ö, rüt-ä Windbruch. 



121 

rüt'Sü sclileclites, verfallenes ding. 

ret'va schlaff, matt. — ret-va-kka weich, schwankend, unsicher. 

rit'ii'Se schlaff, zart, schwach. 

Est. rud-u gen. rwdw, mju schwach, matt. — fuj-u id. 

roid'U erschlaffen, matt werden. 

rit'i'kc^se sehr klein. 

Liv. rvj-a krank, schlecht; der teufel. 

Syrj. rus-a-l abmagern, kraftlos werden, erstarren. — rti^-mi 
welk werden. 

Votj. urod, uröd missgeburt, ungeheuer; schlecht. 

Magy. rät'jä'S klein und niedlich, flink. 

rit'ka locker, dünn, selten, seltsam, rar. — rit-kl-t lichten, 
verdünnen. 

rid'ä-g einsam. 

Ostj. i. rad'U'X locker, zerbrechlich. 

Auffallend ist im magyarischen das wechseln eines tonlosen 
und tönenden lautes, da überhaupt magy. d einem lappischen d, 
finnischem nt entspricht: magy. äd, ad = {, aw^a, lap. t'adrfc;magy. 
lud = Ip. loddcj f. liniu, vog. ost. lunt; magy. odü = Ip. viiovd^ 
f. onte u. s. w. Eine nicht unbedeutende anzahl Wörter gibt es 
jedoch, wo dieser regel nicht gefolgt wird. Budenz führt z. b. 
folgende an: magy. hihlos foetidus, putridus = f. mätä^ est. mäda; 
magy. fäd, föd tegere = vog. pänt^ aber f. peittä^ lap. bäitte; magy. 
nädvä humor, succus = votj. ned, f. neitc; magy. hüdäg, hidäg 
frigus = f. sitehe; vergleiche noch lap. öadna = magy. öatol; s. 
lap. cäda dämmerung, syrj, Söd dunkel = magy. söüt u. a. Als 
beispiclo ähnlichen wechseis bei guttural- und labial-lauten führe 
ich aus seiner Zusammenstellung nur magy. väg =: f. vako; magy. 
iga^ = f. oikca; magy. bog = f. puka; magy. läbäg, läväg, syrj. 
leb, vog. lap = f. Uppu; magy. npad = f. rupe, lap. ruobbcj an. 
In der that findet man in den meisten der finnisch-ugrischen sprachen 
Wechsel eines einfachen und verlängerten lautes, wie auch eines 
tonlosen und tönenden, ohne dass diese erscheinung nur durch den 
einfluss des accentes erklärt werden kann. So stehen neben ein- 
ander im magyarischen ritjäg und rittjäg, rotjog und rottjan n:o 
1003, robog und ropog krachen, prasseln, robban und roppan verb. 
mom., räbbän aufgeschreckt werden, fortfliegen = räppän aufflie- 
gen, im estnischen radise, rodise gegen fin. ratise, rotise; s. lap. 
rudja und ruotCy n. lap. ^ettus = s. Ip. säddos friedlich, ruhig; m. 



122 

inord. Icut und Icudu = f. kota; cer. ket^ w. kid = f. käte; in ähn- 
licher weise hier oben raagy. rätjäs^ riika und ridäg^ welches, 
sonst der analogic miigy. idätj^ ostj. Jinda = f. jäntche folgend, 
ein finnische riniche voraussetzen würde. 

1010. S. Lap. radd-ahe metuere, timere. 
rudd-a-stu'vva pr. ruddastuvam vereri, timidum esse. 
Syrj. rod fürchten, scheu sein. 

Magy. rätt'ä-g trepidare, pavere. — rätt-ä-n erschrecken, in 
furcht geraten. 

Vog. roxt-c sich schrecken lassen, erschrecken, scheu werden. 
— roxt'C'ptc schrecken, scheuclien. — k. ro%t-c crschreckeu. 

Budeiiz szüt. 708 stellt die ugrischen formen zusammen und 
erklärt uiagy. rättän mit mom. suffix n aus der frequeutiitivfomi 
rätUuj, stamm rättu pavere für "^rä'xtä (eine hochlautige biklung = 
vog. roxt)^ älinlich wie magy. kätto aus '^käxt, *käkt = f. kahU, 
Ip. kuckte zwei. B. 31. Auch irtvz horrescere sei durch die zwi- 
schenformen irty Irt = rlt, roß aus roxi entstanden. Im allgemei- 
nen entspricht einem lapi)ischen (?, dd magyarisches r7, wie aber 
zuweilen bei gutturalen und labialen, so wechseln aucli bei denta- 
len tonlose mit tönenden lauten, vergl. 1001); ich habe daher tue 
hippisch-syrjänischen Wörter von den übrigen nicht scheiden 
wollen. 

1011. Fin. ru(t-o heftig, phitzlicli, sclinell, eilig; jäher tod, ikM. 
Seuche. — rutt-o pr. ruton etwas schnell thun. — rutt-o-sa luu^ti-i, 
heftig, schnell. 

rut-ma-i-sc wmun]. 

rct'ki reiste,- fahrt, gang, ' gelcgenlicit, Seitenweg, a]>weg. — 
rcNä pr. rdkin ziehen, fahren. — rd-ka-i-se schnell vorwärts steu- 
ern. — rct-ka-hta sich schnell werfen, schleudern, hastig fallen. 

Vot. rut-a eilen. 

Est. ruH-a, ruft-u eilen. — ru((-u nom. riitt eile. — rut'H'i>(\ 
rut-a-kas, rut-u-ka-s, rut-ii-li-sc hastig, eilig. — rutt-u-r schneller, 
gewandter mensch. — rut-a-nta antreiben. 

Liv. ruoi'kö eilen. — riioi-kö-mi eile. — ruoi'k'tü'b eilig. 

rc-k pl. reküd^ L. rä-kk weg, Strasse, bahn, reise. 

Lap. 8. rott-o festinatio. — n. roaft-a festinanter. 

n. riiot-a saltuatim. — riiot-a-dc hin und her laufen. — rwA- 



123 

a-ta-k spur von tieren. — riiott-a, s. ruot-c eilen. — rut-c-ste pro- 
pellere. 

rci'Jcki vagari. — rci-Jclci-dc fortwälircnd hin und zurück gehen. 

M. Mord. a7'd-a laufen. 

E. Mord. ard'O^ ard-ne, ard-ni-M-ne sich aufmachen, abreisen, 
fahren, laufen, reisen. 

Syij. rod't'i^ röd-ti laufen, traben. — röd, röd-ta-s^ röd-jö-s trab. 

Wie fin. npcra, üjypera assiduus, diligens und vog. ajyreü eilig, 
behend, aptcr sclniell mit magy. iparkod niti, adloborare zusam* 
nienzuhängen scheint, vergl. Budenz 902, so gehört wohl auch n. 
lap. rud've cniti mit den übrigen zusammen. Im szotar IX)3 stellt 
liudenz mordv. arda^ ardo mit fin. ura semita minor, ostj. 1>. «r, 
vor linie, strich, syrj. 'irsal^ Irmas eilen und magy. iramla rennen, 
irünjj eränj, arävj richtung, Ziellinie zusammen. Mordvuiisches a 
entspricht wohl in einigen fällen fin. u; da aber syrj. rorf sich zum 
mord. ard verhält wie syrj. rodö(/ schmutzig : m. mord. ardas = 
e. mord. rudas; est. roduse oder votj. urod schlecht : est. rudu; votj. 
urd'i zusammendrücken : est. rudu^ f. ruto^ halte ich die mordvini- 
schen Wörter um so eher mit est. rutta verwandt, da dem fin. «rä, 
urJccnc sich entfernen (und dazu gehört auch f. ura) das e. mord. 
orgodc^ oryole flüchten, sich zurückziehen zur seite steht. 

1012. Fin. ruot'O fischknochen; latte, leiste, Stachel, stengel. — 
ruot'C'he n. ruode latte, sprosse. — ruot-i pflugeisen, blätterstiel. 
— ruott'i pflugeisen. — ruot-Jcu angelrutlie. 

riiott-a, rnot-a fischknochen. 
ruott-o gerippe, skelett. 
Liv. ruod'ö nom. ruod messerschneide. 
Öer. rüd'ö dorsum nasi. 

Der finnische ausdruck rnoto-naida „nagel mit ecken und 
spitze**, im gegensatz zur schraube oder rundem nagel, gibt 
die grundanschauung in den finnischen Wörtern als „rand, 
kante** an. 

1013. Fin. rot-a, rot-o abgrund, unterweit l)ei den läppen; rota- 
mcri tiefes meer. 

rof'ho erdhöhle, kluft, bergkluft. — rot-kc-l-ma bergkluft. 
Est. rcd-u Schlupfwinkel. 



124 

Läpp, rot-a dsomon malignus, sub terra habitans, roia-aibmo 
vcl rota-aimo domicilium Rote subterraneum. 
Syrj. rot'S wiukel. 
^u, ^u loch in der erde, Vertiefung, grübchcn. 

Als lehn wort aus dem lappischen kommen im finnischen Tor 
rotaitno und rotimo höUe, heimat der verdammten = Ip. rota-aimo. 
Auslautendes t verschwindet oft im syrjänischen: äo^ äo = f. sata^ 
vo jähr = f. vuote^ va wasscr = f. vete, ma honig = f. mdt. 
Da anlautendes r im wotjakischen gewöhnlich in ^ übergeht oder 
vokalischen verschlag annimmt, kann man es wohl auch für das 
syrjänische annehmen, wie in ^ui-g'l zischen, summen, brausen, 
^uz-a, ^iz-a das summen, sü-gl, ^iz-gi zischen, summen, brausea 
verglichen mit syrj. ruz-i-st^ rus-i-U schlürfen, p. rii geprassel. 
riz-ga prasseln. 

1014. öer. ur-dc sustentare, conservare, retinere. 

Votj. ^U'ü aufheben, aufrichten, erheben, errichten, anstiften. 
— Su't'i'ik'i^ ^U't'ski aufstehen, sich erheben, sich aufrichten. — 
^tt-iy, ^u-za sich erheben, aufgehen. — $U'Zht, ^u-zi^d hoch. — 
^U'Zi'i'l'i'k hölie. 

Syrj. ^u-^ höhe, tiefe, abgrund. — ^u-^^i-d hoch, tief. — 
^U'^'dö'd erhöhen, vertiefen, versenken. 

^u-m tiefe stelle im wasser, Strudel. — ^u, ^u loch in der 
erde, Vertiefung, grübchen. 

Cor. urdc kann einem ursprünglicheren *rudc eiiti>prechen. 
dessen rii sich im syrj. wotjakischen ^u wiederfindet. 

1015. Fin. rcit-c nom. rcisi Schenkel, lende. 

Veps. rcis-he nom. rcisch id. — Vot. rcdj-c nom. rciin id. 
Est. reiz, rciz-i gen. rcic schenke!, lende. 
N. Lap. ruoidd-a gen. nwida pars inferior corporis humani 
a cüxendicibus deorsum; s. lumbus, fennir. 
Cer. m'd'Cj w. ärd-e fennir. 

Wie es bei mehreren Wörtern der fall ist, hat auch hier dio 
cereni. form einen vokalischen verschlag angenommen: cer. crc, v. 
ircj caicscere = f. rci-ma, est. rci-ia n:o 9D7, w. cer. erdä medulb 
arboris = magy. rädvä das morsche am holz. 



125 

1016. Fin. ritva laubreicher zweig an der hängebirke, ruthe. — 
ritva-la mit ruthen bewachsener platz. 
Est. ridva nom. ridv Stange, latte. 
Sjrij. ritva tanz, spiel. Sjögren I, 439. 

Die von Gottlund, Otava II s. 9—47, beschriebene pfingst- 
feier Rüvalan heüca od. ritvala feier wurde von uralten Zeiten im 
dorfe Ritvala^ kirchspiel Sääksmäki, von jungen mädchen mit ge- 
sang und tanz um ein feuer gefeiert. Der Ursprung des namens 
ist unbekannt, möglicherweise hängt er mit dem syrjänischen zu- 
sammen. 



--•s^-^ -•N.-'N^'N.. ^-'V-'N 'V "«^ 



Wurzel ran. 

N:o 1017—1019. 

Dehnung oder steigening: ruon rön. 

Vokalwechsel: ron run rän rön Hin ren. 

Bedeutung: a) stossen, andrängen, werfen, schleudern, klotz, klum- 
pen, knüttel, rümpf, brüst 1017. 

V) sich schwerfällig bewegen, kriechen, schleppen, vorwärts wac- 
keln, schwach, matt, langsam, träge, faul, nachlässig, zerris- 
sen, lumpen 1018. 

c) abfall, unbrauchbares, schmutz, schmutzig 1019. 

1017. rxin-to grosser, schwerer körper, klumpen, rümpf; vergl. 
runko 993 a. 

rün-tä'hä n. rünnäs brüst, brustknochen, leiterstütze am heu- 
korbwagen = est. rung. 

run-te-va korpulent, gross. — run-te-he nom. runne zerquet- 
schung. 

run-na-Jcko (aus rtintä) körperkraft, kräftiger körperbau, zer- 
quetschung. — run-na-mo^ ron-na-mo schwerer Unglücksfall. — 
run-itä heftig, zerquetschend werfen,'schleudem. — run-no zerbrechen. 

riln-tä, rün-nä-stä^ rün-ni-stä sich brüsten, anstrengen, ge- 
waltig anstürmen. — rtm-tiä heftig stossen, andrängen, anstünnen. — 
rün-nä-Jckö bruststärke, heftiger anfall, anstürmen. 



12G 

rün-nö, riin-nü zerbrechen = runno. — rün-ni drängen, stos- 
seu = rilnld. 

Est. roH't g. rondi klotz, holzstück, dicker knüttel. 
rxiH-ni-lce-ze derb, etwas kurz und dick. 
rün-d g. ri'nma brüst, brustgegend. — riin-de d. an sich raffen. 
Lap. n. run-ddo pr. rundom vi vcllere. 

Im szot. 085 vereinigt Budenz fin. runto, rutita, rxmtch mit 
magy. rado zerreissen {ruha rado der seine kleidcr zcrreisst), nach 
der analogie f. anta — magy. örf, f. tuntea = magy. tud^ und bei 
n:o 720 fasst er f. nmlco^ welches mit magy. rög gleba, rögös schol- 
lig, klumpig, holperig identificirt wird, als wechselform dieses mnio. 
Der bedeutung nach schliesst sich magy. rad näher der seric ni 
„reissen" an, vergleiche n:o 1007 und f. runka steht mit viekn 
anderen in nächster Verwandschaft, wenn sie andererseits auch ak 
wechselformen gelten kiinncn, siehe bei n:o 993. Noch näher lit^t 
es mjigy. ronta destruere, rumpere, frangere, verderben, zei^stim 
mit fin. runto zu vereinigen, da aber neutrale verbalfonneu auf 
ml im magyarischen öfters wie Budenz nachweist in transitiva auf 
nt übergehen: hdml sich schälen von hdm haut, schale, Jidmi,ha»t 
decorticare szöt. 85, szdml sich ackern lassen, 5^ciw^ arare szöt.2i»'^. 
loml trans. bont, himl trans. hint, oml trans. ont, kann man auch hier 
nicht Budenz' Zusammenstellung im szot. 715 von rout = row*/au>