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Full text of "Verhandlungen der Deutschen physikalischen Gesellschaft"

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f. 



Berichte 

der 

Dentschen Physikalischen Gesellschalt 

SC 

im Jahre 1903 

enthaltend 

V 

Yerhandliingcii 

der Deutschen Physikalischen Gesellschaft 
Im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Scheel 

und 

Halbmoiiatlichcs Literaturverzeichnis 

der „Fortschritte der Physik", dargestellt von der 
Deutschen Physikalischen Gesellschaft 

redigiert vod 

Karl Scheel Richard Assmann 

Beine Physik Kosmische Physik 



BraunschTfeig 

Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn 
19 03 



Sei /08S,Sf 




^0 o 




NOV 2 1912 



/O 



Inhalt*). 



Seite 
J. Stabk. Der abnormale Kathodenfall des Glimmstroznes ... 1 23 
L. Zbhndbb. Über neue Wirkungen von Kathodenstrahlen und 

Lichtstrahlen. (Vorläufige Mitteilung.) 1 36 

A. WsHNSLT. Eine BsAimsohe Röhre für elektrostatische Ab- 
lenkung 1 29 

Th. Gross. . Über molekulare Induktion 1 39 

H. Stabke. Die magnetische und elektrische Ablenkbarkeit reflek- 
tierter und von dünnen Metallblättchen hindurchgelassener 

Kathodenstrahlen 2 14 

O. LuBCHEB u. E. Fbütosheim. Die strahlungstheoretisohe Tempe- 
raturskala und ihre Verwirklichung bis 2300^ abs 2 3 

W. Jaeoeb u. H. von Stbinwbhb. Bestimmung des Wasserwertes 
eines Bebthelot sehen Kalorimeters in elektrischen Einheiten. 
(Mitteilung aus der Physikalisch-Technischen Reiohsanstalt.) 49 50 

E. GiEBE. Über die Bestimmung des Wärmeleitvermögens bei 

tiefen Temperaturen 49 60 

J. Zachabiab. Über neue magnetische Untersuchungen und die 

Mechanik der magnetischen Erscheinungen 49 

K. Mby. Über das Kathodengefälle der Alkalimetalle 67 Ti 

K. Stögkl. Das FEDOBOWsche Universalgoniometer in der Kon- 
struktion von FuESB. Anwendung dieses Instrumentes zur 

Auflösung sphärischer Dreiecke 67 75 

G. Anobnheisteb. Beiträge zur Kenntnis der Elastizität der Metalle 67 80 
Vorschläge des wissenschaftlichen Ausschusses der Deutschen Physi- 
kalischen Gesellschaft für einheitliche Bezeichnungen, Be- 
nennungen, Definitionen und Regeln in der Physik .... 68 
Kabl Schbbl. Bericht über den internationalen Katalog der wissen- 
schaftlichen Literatur 81 83 

J. Stabk. Über eine eigenartige Erscheinung am Quecksilberlicht- 
bogen im Magnetfeld 81 87 

F. DoLBZALEK. Über die Energieänderungen bei Konzentrations- 

verschiebungen in konzentrierten Lösungen 82 90 

Edoab Meteb. über die Absorption der ultravioletten Strahlung 

in Ozon. (Auszug aus der Berliner Dissertation 1908.) . . 82 ltS4 

*) An den durch die fettgedruckten Seitenzahlen bezeichneten Stellen finden sich 
ausführlichere Mitteilungen über den betreffenden Gegenstand. 



IV Inhalt. 

Seite 

G. Quincke. Über Kristalle 101 102 

F. Neesen. Bestimmung der Geschoßachsenrichtung am Ende der 

Flugbahn 101 110 

E. Hagen u. H. Rubens. Über Beziehungen zwischen dem Reflexions- 

vermögen der Metalle und ihrem elektrischen Leitvermögen 101 113 
Karl Scheel. Über die Ausdehnung des amorphen Quarzes. (Mit- 
teilung aus der Physikalisch -Technischen Reichsanstalt.) . . 101 119 

F. F. Marxens. Über ein neues, tragbares Photometer für weißes 

Licht 129 149 

W. Biegon von Czudnochowski. Flammen- oder Effektbogenlicht 129 157 
M. Thiesen. Zur Theorie der Diffusion. (Zweite Mitteilung.) . . 129 190 
P. Drude. Bemerkungen zu der Arbeit von Hagen und Rubens: 
,,Über Beziehungen zwischen dem Reflezionsvermögen der 

Metalle und ihrem elektrischen Leitvermögen'^ 141 142 

A. Wehnelt. Ein einfacher Oszillograph 141 178 

E. Hagen und H. Rubens. Das Emissionsvermögen der Metalle 

für Strahlen großer Wellenlänge 141 145 

K. Gehecke. Das MicHELSONsche Stufengitter und das ZEEHANsche 

Phänomen 177 

Alexander Gleichen. Die Blendenstellung bei zentrierten opti- 
schen Systemen endlicher Öffnung 177 193 

E. Dorn. Beseitigung elektrostatischer Einflüsse bei Wägungen 

durch Radium 186 189 

F. Kohlbausch. Beobachtungen an Becquerelstrahlen und Wasser 186 261 
F. Dolezalek. Meßeinrichtung zur Bestimmung von Selbstinduk- 
tion und Energie Verlust in Wechselstromapparaten .... 186 

K. Prytz. Eän Verfahren zur Darstellung größerer Mengen von Argon 206 206 
R. ZsiGMONDY. I. Über kolloidale Goldlösungen und Goldrubingläser 205 209 
H. Siedentopf und R. Zsigmondy. II. Über Größenbestimmung 

ultramikroskopischer Goldteilchen 205 213 

Fr. Heusler. Über magnetische Manganlegierungen 217 219 

Fr. Heusler, W. Starck und E. Haupt. Magnetisch - chemische 

Studien 217 220 

I. Über die Synthese ferromagnetischer Manganlegierungen 

von Fr. Heusler 217 220 

n. über die magnetischen Eigenschaften von eisenfreien 

Manganlegierimgen von W. Starck und E. Haupt .... 217 224 
J. Traube u. G. Teichner. Zur Theorie des kritischen Zustandes 218 235 
K. V. Wesen DON K. Einige Bemerkungen über die Bestimmung der 

kritischen Temperatur 233 238 

H. Starke. Über die elektrische und magnetische Ablenkung 

schneller Kathodenstrahlen 233 241 

E. Warburg und B. Strasser. Zum Verhalten sogenannter un- 

polarisierbarer Elektroden gegen Wechselstrom 233 209 

F. Neesen. Bemerkungen zu den Vorschlägen des wissenschaft- 

lichen Ausschusses der Deutschen Physikalischen Gesellschaft 

für einheitliche Bezeichnungen 234 251 

Ewald Rasch. Flammen- und Eifektbogenlicht. Erwiderung auf 
den gleichnamigen Aufsatz des Herrn W. Biegon v. Czud- 
nochowski 234 276 



Inhalt V 

Seite 
Kabl Schebl. über die Spannkraft des Wasserdampfes unter 0^ 284 287 
£. Gbhbcke. Über die Elektrolyse der Schwefelsaure bei g^ofier 

Stromdichte 234 263 

A. WsETNBLT. Über Kathodenstrahlen an glühenden Kathoden. 

(Vorläufige Mitteilung.) 266 

A.Wehnblt. Über eine Röntgenröhre mit veränderlichem Härte- 
grad 269 

Sur les OBciUographes. Aus einem Briefe des Herrn Prof. A. Blondel 

in Paris an die Redaktion 267 

A. Wbhkblt. Bemerkung zur Mitteilung des Herrn Prof. A. Blondel 

„Sur les oscillographes'* 268 

H. Rubens. Demonstration einiger Versuche mit Reststrahlen von 

Quai-z und Flußspat . 291 

H. Rubens und E. Hagen. Über die optischen und elektrischen 

Eigenschaften der Metalle 291 

W. Nebnst. Zur Bestimmung hoher Temperaturen 291 

M. Petzold. Diapositive mit stereoskopischer Wirkimg 291 347 

P. Dbüde. Demonstration von Meßapparaten für elektrische Schwin- 
gungen 292 294 

H. Th. Sihon und M. Rbich. Über Erzeugung hochfrequenter 
Wechselströme und ihre Verwendung zur drahtlosen Tele- 

graphie 292 

F. Neesen. Über die Frage der Beeinflussung von Kathodenstrahlen 292 296 

F. Neesen. Demonstration einer Quecksilberpumpe 292 296 

J. Gl ASSEN. FBESNELsche Interferenzen an zwei planparallelen 

Platten als Vorlesungsversuch 292 297 

R. Wachsmuth. Schneidentöne und Labialpfeifen 292 299 

E. Grimsehl. Analyse und Synthese von Schwingungen .... 292 308 

E. ZscHiMMER. Über neue Glasarten von gesteigerter ültraviolett- 

durchlässigkeit 292 312 

F. F. Mabtens. Demonstraticm zweier Photometer 292 

0. Pasche. Über ein Verfahren zur Elimination der Sekundär- 
strahlung in der Röntgentechnik 292 

Hilbebt. Über Mechanik der Kontinua 292 

Minkowsky. Über Kapillarität 292 

L. BoLTZMANN. Über die Ergänzung, deren die Lagbange sehen 

Gleichungen für nicht holonome Koordinaten bedürfen . . 293 
C. Runge. Über die spektroskopische Bestimmung des Atomgewichtes 293 313 

E. Gbimsehl. Neue physikalische ünterrichtsapparate 293 316 

Leon Asheb. Ein neuer spektraler Farbenmischapparat .... 293 326 
E. Raehlmann. Weitere Mitteilung über ultramikroskopische 
Untersuchung von Farbstoffmischungen und ihre physikalisch- 

physiologische Bedeutung 298 330 

P. Ostmann, tj ber die praktische Anwendung des objektiven Hör- 
maßes 293 340 

Prof. Dr. Julius Lange f ... 351 

M. Thibsen. Über stationäre Flüssigkeitsströmung 351 

W. Jaegeb und H. v. Steinwehr. Erhöhung der kalorimetrischen 
Meßgenauigkeit durch Anwendung von Platinthermometem. 
(Mitteilung aus der Physikalisch-Techuischeu Reichsanstalt.) 351 353 



VI Inhalt. 

W. BiEaoN YOK GzüDNOCHOwsKi. Bemerkungen über das Elek- 

trolytbogenlicht 362 

E. Wabbubg. Über die galvanomagnetischen und thermomagne- 
tisohen Effekte in Antimon und Wismut (nach Yersuchen 
von Guy Bablow) 863 

H. Stabkb. Über den Potentialverlauf bei der Elektrizitatsleitung 

durch Gase, insbesondere der Flammenleitung 363 964 

H. Stabke. Über die unipolare Leitung in Gasen 363 377 

E. Wabbübg. Zur Theorie der Siemens sehen Ozonisierungsappa- 

rate 381, 416 382 

E. Goldstein. Über einige Versuche mit dem Giebel sehen Ema- 
nationskörper 381 392 

R. BöBNSTEiN. Einige Versuche über Elektrizitätszerstreuung in 

Luft 381 404 

0. LuMHEB. Beitrag zur Klärung der neuesten Versuche von 

R. Blondlot über die n-Strahlen 416 416 

A. Wehnelt. Über die Phosphoreszenzerregung durch langsame 

Eathodenstrahlen 416 423 

E. Wandebsleb. Über einen neuen Apparat zur Betrachtung von 

Photographien vom richtigen Standpunkte aus 416 

F. Kuklbaüm und Günthbe Schulze. Pyrometrisohe Unter- 

suchungen an Nernstlampen und Hohlkörpem aus Nemst- 

masse . 427 428 

F. F. Mabtens. Über einen neuen Beleuchtungsmesser 436 

E. Mabx. Zur Kenntnis der Flammenleitung (Bemerkung zu der 

Arbeit des Herrn Stabke) 427 441 

Mitteilung, betreffend die 76. Versammlung Deutscher Naturforscher 

und Ärzte in Kassel 1903 291 

Geschäftliches 81, 129, 186, 427 

Wahlen des Vorstandes und des wissenschaftlichen Ausschusses . 186 
Vermögens - Bilanz der Deutschen Physikalischen Gesellschaft am 

31. Dezember 1902 187 

Gewinn- und Verlust-Konto am 31. Dezember 1902 188 

Aufnahme von Mitgliedern ... 49, 82, 129, 186, 206, 218, 352, 363, 381 
Mitgliederliste 466 

Alphabetisches Namenregister 463 



1903 HeH 1 

Berichte 

der 

Deutschen Physikalischen (üesellschaft 

enthaltend 

Yerhandlnngeii 

der Deutschen Physikalischen Gesellschaft 
im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Scheel 

und 

Halbmonatliches LiteratnrYerzeichnis 

der „Fortschritte der Physik", dargestellt von der 
Deutschen Physikalischen Gesellschaft 

redigiert von 

Karl Scheel Bichard Assmann 

Beine Physik KosnÜBche Fhyaik 



BraanBchweig 

Dtuok und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn 
19 03 



Monaäich zwei Nummern, — Ahonnementspreis pro Jahrgang S Mark, — Zu beziehen 
durch aüe Buchhandlungen und Postanstalten (Postzeitungsliste Nr. 104^ a). 



Inhalt. 



8ett« 
1. Yerhandlungen der Deutschen Physikalisohen GtosellBohaft. 

Bericht über die Sitzung vom. 9. Januar 1908 1 

0. Lamm er vmd E. Pringsheim, Die strahlungstbeoretische 

Temperaturskala und ihre Verwirklichung bis 2300^^ abs. . . 3 

H. Starke, Die magnetitche und elektrische Ablenkbarkeit reiSek- 
tierter und von dünnen Metallblättchen hindurohgelassener 
Kathodenstrahlen ' 14 

J. Stark, Der abnormale Eathodenfall des Qümmstromes .... 23 

A. Wehnelt, Eine Braunsche Röhre für elektrostatische Ablen- 
kung 29 

L. Zehnder, Über neue Wirkungen von Kathodenstrahlen und 

Lichtstrahlen. (Vorläufige Mitteilung.) 35 

Th. Groß, Über molekulare Induktion 89 

a. Halbmoxiatliohefl Literaturverseiolmie der Fortsohritte der 
Fhyvik. 

I. Allgemeine Physik 1 

II. Akustik 3 

in. Physikalische Chemie 8 

rV. Elektrizit&t und Magnetismus 6 

V. Optik de« gesamten Spektrums 8 

VI. Warme 9 

Vn. Kosmische Physik 11 



Verhandlungen 



der 



Deutschen Physikalischen Gesellschaft 



Im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Scheel 

5. Jahrg. 15. Januar 1903. Nr. 1. 

Sitzaiig vom 9. Jannar 1903. 



Vorsitzender: Herr E. War bürg. 



Hr. E. Warburg legt eine Mitteilung von Herrn J. Stark: 

Der abjnormale Kathodenfall des 
Glimmstromes, 

vor und stellt eine Arbeit von Hrn. L. Zehnder: 

Über neue Wirkungen von Kathodenstrahlen und 
Lichtstrahlen, 

in Aussicht, deren Veröffentlichung in den Verhandlungen der 
Oesellschaft beschlossen wird. 



Ferner legt Hr. M. Planck eine Mitteilung von Hrn. 
A. Wehnelt: 

Eine BRAUNsche Röhre für elektrostatische Ablenkung, | 

vor. j 



Sodann trägt Hr. Th. Grofs vor: 

Über molekulare Induktion. 



2 Yerhdl. d. Beutsohen Physik. GeseÜBch. vom 9. Jan. 1908. [Nr. L 

Weiter spricht Hr. H. Starke über: 

Die magnetische und elektrische Ablenkbarkeit 
reflektierter und von dünnen Metallblättchen hindurch- 
gelassener Kathodenstrahlen. 



Endlich berichtet Hr. E. Pringsheim über: 

Die strahlungstheoretische Temperaturskala und ihre 
Verwirklichung bis 2300<^ abs. 

(nach gemeinsam mit Hm. 0. Lummer angestellten Unter- 
suchungen). 



Die straMufiggthearetische OBemperaturskala wad ihre 

Verwirklichung bis 2300^ abs.f 

von O. Lummer und M. Pringsheim. 

(Mitteilung aus der Physikalisch-TeohniBchen Reichsanstalt.) 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 9. Januar 1903.) 

(Vgl. oben S. 2.) 



Die absolute, von Sir William Thomson definierte thermo- 
dynamisclie Temperatarskala hat bisher nur eine rein theoretische 
Bedeutung; tatsächlich beruht die wissenschaftliche Temperatur- 
messung auf der Ausdehnung der Gase. Bei hohen Temperaturen 
aber stößt die Anwendung des Gasthermometers auf große 
Schwierigkeiten und es [ist bisher noch (nicht gelungen, exakte 
Messungen nach der gasthermometrischen Skala bei Temperaturen 
über llöQo C. auszuführen. Andere thermometrische Methoden, 
z. B. die thermoelektrische, lassen sich zwar bis zu erheblich 
höheren Temperaturen mit großer Genauigkeit durchführen, sind 
aber nur durch Extrapolation einer empirischen Formel an die 
gasthermometrische Skala angeschlossen. Dabei ist hervorzuheben, 
daß die bei relativ niedrigen Temperaturen gewonnene Beziehung^) 
zwischen der Thermokraf t und der Temperatur sich in einem über- 
raschend großen Intervall als gültig erwiesen hat. Auch hat die 
experimentelle Meßbarkeit der Thermokraft eine Grenze nicht bloß 
an dem Schmelzpunkt der benutzten Metalle, sondern auch in 
dem Umstand, daß alle als Isolatoren dienenden Substanzen bei 
hohen Temperaturen gute Leiter der Elektrizität werden. Dadurch 
wird die Messung der elektromotorischen Kräfte bei hohen Tempe- 
raturen untunlich. Es fehlte somit bisher für das Gebiet der 
hohen Temperaturen eine brauchbare Meßmethode, deren An- 
gaben auf die gasthermometrische Skala bezogen sind. 

Durch die Verwirklichung der schwarzen Strahlung und die 

») Vgl. u. A.: Avenarius, Pogg. Ann. 119, 406, 1863; Tait, Trans. 
Roy. Soo. Edmb. 27, 125, 1872—1873 und Pogg. Ann. 152, 427, 1874; Knott 
und Mac Gregor, Trans. Roy. Soc. Edinb. 28, 321, 1898; Holborn und 
Day, Wied. Ann. 68, 817, 1899 und Ann. d. Phye. (4) 2, 606, 1900. 

1* 



4: Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 9. Jan. 1903. [Nr. 1. 

experimentelle Festlegung ihrer Gesetze ist ein neuer Weg zur 
Erreichung dieses Zieles eröffnet. Jedes der als richtig erwiesenen 
Strahlungsgesetze ist geeignet, als Grundlage einer Meßmethode 
innerhalb des Temperaturintervalls zu dienen, für welches das 
betreffende Gesetz experimentell bestätigt ist. Hier kommen zu- 
nächst drei für die 'schwarze Strahlung gültige Gesetze in Betracht: 

00 

1) {EidX^=6T* (SxEFAN-BoLTZMANNsches Gesetz) 



2) kn^T = A I (enthalten im WiENschen 

3) En,T-^ =^ B\ Verschiebungsgesetz). 

Hier bedeutet iJ/dA den zwischen den Wellenlängen k und k-\-dk 
enthaltenen Anteil der schwarzen Strahlung für die nach der 
gasthermometrischen Skala gemessene absolute Temperatm* T, 
während X^, die Wellenlänge ist für welche bei dieser Tempe- 
ratur das Emissionsvermögen E,, im Normalspektrum sein Maxi- 
mum Ern hat; ö, A und 7? sind genügend genau bestimmte Kon- 
stanten. 

Ob diese Gesetze auch oberhalb der Grenze gelten, bis zu 
welcher die direkten luftthermometrischen Messungen reichen, ist 
eine sehr wichtige Frage, deren Beantwortung auf direktem Wege 
wenigstens vorläufig unmöglich erscheint. 

Aber diese Gesetze sind nicht nur Resultate des Experiments, 
sondern die Beziehungen zwischen der schwarzen Strahlung und 
der absoluten Temperatur sind auch theoretisch so wohl begründet, 
daß man berechtigt ist, sie als Naturgesetze zu betrachten, die 
nicht bloß für das Temperaturintervall gelten, für welches sie 
experimentell als richtig erwiesen sind, sondern für alle Tempe- 
raturen überhaupt. Wenn dies richtig ist, muß sich für die 
Temperatur eines schwarzen Körpers nach allen drei Methoden der 
gleiche Wert ergeben, me hoch diese Temperatur auch sein mag. 

Außer den oben genannten Gesetzen gibt es noch beliebig 
viele Beziehungen, von denen jede zur Grundlage einer Meß- 
methode gemacht werden kann; diese Beziehungen ergeben sich 
aus der Spektralgleichung, welche die Abhängigkeit der schwarzen 
Strahlung von Wellenlänge und Temperatur^darstellt. 

Unter diesen ist besonders günstig und auch durch die Theorie 
gestützt die spektralphotometrische Methode, bei welcher aus der 



Nr. 1.] 0. Lämmer und £. Pringsheim. 5 

Helligkeit innerhalb eines kleinen Bezirks im Spektrum der 
schwarzen Strahlung auf die Temperatur geschlossen wird. 

Wir haben uns die Aufgabe gestellt, nach den verschiedenen 
genannten Methoden die Temperatur des schwarzen Körpers mög- 
lichst weit oberhalb der bisher erreichten Temperaturgrenze zu 
bestimmen, um zu sehen, ob die Extrapolation der verschiedenen 
Gesetze zu dem gleichen Resultat führt. 

Der schwarze Kohlekörper. Zu diesem Zwecke haben 
wir einen schwarzen Körper konstruiert, bei welchem ein durch 
den elektrischen Strom geglühtes dünnwandiges Kohlerohr die 
Strahlung aussendet^). 

Von allen hoch zu erhitzenden Substanzen konnte hier allein 
die Kohle in Frage kommen, da der gleichtemperierte Hohlraum 
genügend große Dimensionen haben muß, um die Apertur der zur 
Strahlungsmessung benutzten Apparate auszufüllen. Der strahlende 
Hohbaum wurde dargestellt durch ein Kohlerohr R (Fig. 1, a. f. S.) 
von 1,2mm Wandstärke, 34 cm Länge und 1cm innerem Durch- 
messer. Diese Rohre, von der Firma Gebr. Siemens u. Co. 2) in 
Charlottenburg für diesen Zweck besonders angefertigt, zeichnen 
sich durch ihre genaue zylindrische Form und gleichmäßige Wand- 
stärke aus. Infolgedessen erhitzt der das Rohr durchfließende, 
elektrische Heizstrom die Wandung überall auf nahe die gleiche 
Temperatur. Die Enden des Kohlerohres sind schwach konisch aus- 
gebildet und galvanoplastisch verkupfert. Über diese konischen 
Enden sind dickere, 7 cm lange Kohlezylinder Ä mit entsprechender 
Bohrung übergestülpt, welche innen und außen verkupfert sind. 
Diese Ansatzstücke ruhen in starken metallischem Klemmbacken B^ 
welche die Stromzuführung vermitteln. Die vordere Klemme B ist 
auf der Schieferplatte S des Stativs fest montiert, die hintere 
ruht mit einer Gleitfläche auf dem Metallklotz E lose auf, so 
daß das Rohr der Ausdehnung durch die Wärme frei folgen 



S. auch Sitzungsber. d. Berl. Akad. S. 711, 1901; Verh. d. Ges. 
Deutsch. Naturf. u. Ärzte zu Hamburg 2 [1], 31—36, 1901; Zeitschr. f. 
Instrkde. 22, 119 f., 1902; Phyeikal. Zeitschr. 3, 97—100, 1901; Arch. d. 
Math. u. Phys. (3) 3, 261—281, 1902. 

*) Der genannten Firma, welche auch sämtliche Chamotte- und Kohlen- 
teile des schwarzen Körpers angefertigt hat, sprechen wir für die freund- 
liche Bereitwilligkeit, mit der sie allen unseren Wünschen nachgekommen 
ist, auch an dieser Stelle unseren besten Dank aus. 



6 



Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 9. Jan. 1903. [Nr. 1. 



kann. Die Hinterwand des strahlenden Hohlraumes wird durch 
einen Kohlepfropf Pj gebildet, der in der Mitte des Eohlerohres 
sitzt und dieses möglichst luftdicht abschließt. Die aus der 
Figur ersichtliche Form des Pfropfens wurde gewählt, um die 
durch ihn bewirkte unvermeidliche Ungleichmäßigkeit in der 
elektrischen Heizung möglichst zu verringern. Hinter Pj sitzt ein 
eben solcher zweiter Pfropf (Pj), welcher die noch vorhandenen 
Lücken zwischen dem ersten Propfen und der Rohrwand möglichst 
unschädlich macht. An der Rückseite ist das Rohr durch einen 

Fig. 1. 



I Cliamotte 




dritten Pfropfen (Pj) hermetisch verschlossen, um den Zutritt des 
Sauerstoffs der äußeren Luft abzuschneiden. Um die Kohle außen 
vor der Verbrennung zu schützen, ist das Heizrohr mit einem 
System Yon Hüllen umgeben, deren Montierung aus der Figur' 
ersichtlich ist. Da die aus Chamotte bestehenden scheibenförmigen 
Träger T der Hüllen fest auf den dicken Kohlezylindern A auf- 
sitzen und durch die Kupferringe C dicht an die hervorspringen- 
den Nasen der Kohlezylinder angepreßt werden, so kann die Luft 
an die äußere Seite des Heizrohres nur auf dem Umwege durch 



Nr. 1.] 0. Lumiuer und £. Pringsheim. 7 

die äußeren Hüllen gelangen. Das innerste Schutzrohr ü besteht 
aus Kohle, welche den doppelten Vorteil bietet, temperatur- 
beständig zu sein und zugleich die etwa eintretende Luft yon 
Sauerstoff zu befreien. Die übrigen Schutzrohre sind teils aus 
Chamotte, teils aus Asbest, ein Bohr Q ist aus Nickel gefertigt. 

Bei den hohen Temperaturen gerieten selbst die dicken 
metallenen Klemmbacken in Rotglut. Um dies zu verhindern, 
wurden große Kupferscheiben D angebracht, die fest auf den 
Kupferringen C aufsitzen und die Wärme nach außen ableiten. 

Der Heizstrom wurde von Akkumulatoren geliefert Bei An- 
wendung eines Stromes yon 160 Amp. wurde eine Temperatur 
von etwa 2300® abs. erreicht, auf welcher sich der Körper einige 
Stunden ziemlich konstant erhalten ließ. Da aber die äußere 
Luft durch die Strahlungsöffnung freien Zutritt zum Heizrohr hat, 
80 wird dieses allmählich an seinem vordersten Ende oxydiert 
und glüht an dieser Stelle heller als auf der ganzen Länge des 
Kohres. Dieser Übelstand bewirkt die allmähliche Zerstörung des 
Heizrohres. Gelingt es, ihn zu vermeiden, so wird man nicht nur 
die Lebensdauer des Rohres verlängern, sondern zu noch höheren 
Temperaturen gelangen können. Vorversuche haben gezeigt, daß 
diese Verbrennung wesentlich vermindert wird, wenn man durch 
die vor der Mündung des Kohlerohres angebrachte Kappe J^ in 
Richtung des Pfeiles einen Stikstoffstrom langsam hindurchstreichen 
läßt Dagegen erwies sich das zuerst angewandte Verfahren, käuf- 
lichen Stickstoff durch das Heizrohr hindurchzuschicken, als schäd- 
lich, da der käufliche Stickstoff nicht frei ist von Sauerstoff. 

Versuchsanordnung. Um die Temperatur des Kohlekörpers 
nach den verschiedenen Methoden schnell hintereinander bestimmen 
zu können, ist folgende Versuchsanordnung getroffen worden. Der 
Kohlekörper ist auf einem Wagen montiert, der auf eisernen 
Schienen rollt. Längs der Fahrbahn sind die verschiedenen Meß- 
apparate, Flächenbolometer, Spektralbolometer und Spektralphoto- 
meter so aufgestellt und justiert, daß durch bloße Verschiebung 
des Wagens der schwarze Körper vor jedem Apparat in die rich- 
tige Position gebracht werden kann; das will heißen, daß bei 
jedem Apparat nur solche Strahlen zur Wirkung kommen, welche 
aus dem gleichmäßig glühenden Hohlraum stammen. 

a) Flächenbolometer. Das benutzte LuMMER-KuRLBAUMsche 



8 Yerhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 9. Jan. 1909. [Kr. 1. 

Flächenbolometer hatte vier Zweige, von denen je zwei so an- 
geordnet waren, daß die Streifen des einen die Lücken des 
anderen gerade deckten und somit eine Bolometerwand Yon 
3,0 X 3,5 cm bildeten. Das Bolometer konnte längs eines Maß- 
stabes verschoben werden ; die bei den Entfernungen 90 cm, 60 cm 
und 40 cm vom Meßdiaphragma angestellten Strahlungsmessungen 
zeigten, daß das Entfernungsgesetz erfüllt war, ein Beweis für 
die Richtigkeit der Justierung und das gleichmäßige Glühen des 
Hohlraumes. Das kreisförmige Meßdiaphragma hatte einen Durch- 
messer von 5 mm und wurde ebenso wie die Klappe mit Wasser 
gespült. Der Hauptstrom des Bolometers wurde meßbar so ge- 
ändert, daß trotz der großen Verschiedenheit der zu messenden 
Strahlungsmengen das Galvanometer stets nahe den gleichen Aus- 
schlag gab. Dazu war eine Variation des Ballastwiderstandes von 
50 Sl bis 4000 Ä erforderlich. 

b) Spektralbolometer. Zur Bestimmung der Energiekurven 
diente das früher von. uns beschriebene Spektralbolometer von 
Fr. Schmidt u. Haensch, welches in ein Gehäuse aus Metall und 
Glas nahezu luftdicht eingebaut war; die in dem Gehäuse be- 
findliche Luft wurde so gut als möglich von Wasserdampf und 
Kohlensäure befreit. Die Einstellung und Ablesung am Teilkreis 
konnte von außen bewirkt werden. Der aus dem Gehäuse heraus- 
ragende Spalt war mit einer Flußspatplatte verschlossen und durch 
wassergespülte Diaphragmen gegen die enorme Strahlung genügend 
geschützt. Als Prisma diente das vorzügliche Flußspatprisma der 
Straßburger Universität, welches uns von Herni Prof. Braun freund- 
lichst leihweise überlassen worden war; es hatte einen brechenden 
Winkel von 60® und seine Kathetenfläche betrug 3 X 3 cm. 

Das zu bestrahlende Linearbolometer nach Lummer-Kurlbaum 
nahm einen Winkelraum von etwa 5' ein, während das Spektrum 
von 0,6 fi bis 7 fi eine Ausdehnung von 5<> besaß. Statt der 
früher benutzten astatischen Spiegelgalvanometer fand hier, ebenso 
wie beim Flächenbolometer, eines der neueren Kugelpanzer -Gal- 
vanometer nach DU Bois- Rubens mit JuLiusscher Aufhängung 
Verwendung. 

c) Spektralphotometer. Die spektralphotometrischen Mes- 
sungen wurden mit dem Lümmer -BRODHUNschen Spektralphoto- 
meter ausgeführt, bei welchem die beiden Kollimatorrohre zu- 



Nr. 1.] 0. Lummer und E. Pringsheim. 9 

einander senkrecht stehen. Dieser bei Absorptionsmessungen un- 
bequeme Umstand ist hier gerade von \'orteil. Während die 
strahlende Öffnung des schwarzen Körpers dicht vor den einen 
Spalt gebracht werden kann, ist für die Montierung der Vergleichs- 
lichtquelle und des rotierenden Sektors genügend Raum vor dem 
anderen Spalt vorhanden. Die Messungen selbst wurden in der 
schon früher beschriebenen Weise ausgefühit. 

Eichung der Meßapparate. Die verschiedenen Meßappa- 
rate wurden mit Hilfe eines absolut schwarzen Körpers von be- 
kannter Temperatur geeicht. Als solcher wurde der elektrisch 
geglühte Porzellankörper benutzt und seine Temperatur durch 
ein LE CHATELiERsches Thermoelement gemessen. Auf diese Weise 
erhielt man den Wert der Konstanten für die benutzten Meß- 
apparate, welche unter ganz den gleichen Verhältnissen zur Tem- 
peraturbestimmung des Kohlekörpers dienten. 

Als Konstante der Gleichung 2 benutzten wir den früher ge- 
fundenen Wert 2940, welcher sich auch aus den früheren spektral- 
photometrischen Messungen ergeben hatte. 

Diese Eichung ist im wesentlichen eine gleichzeitige, teil- 
weise Wiederholung unserer früheren Arbeiten, in denen wir die 
Gesamtstrahlung, die Energieverteilung im Spektrum und die 
Änderung der spektralen Helligkeit der schwarzen Strahlung als 
Funktionen der Temperatur eingehend untersucht hatten. In 
Bezug auf die Einzelheiten der Ausführung sei daher auf jene 
Arbeiten verwiesen i). 

Zur Erzielung der viel höheren Temperaturen beim Kohle- 
körper waren jedoch stärkere Ströme nötig, wozu erst neue Ein- 
richtungen getroffen werden mußten; dazu gehörten eine Akku- 
mulatorenbatterie von 64 Volt, welche Ströme bis zu 200 Amp. 
zu entnehmen erlaubt, und die entsprechenden Regulierwiderstände. 

Nach beendeter Eichung wurde die Temperatur des Kohle- 
körpere abwechselnd an den vei-schiedenen Meßapparaten be- 
stimmt, so daß auch bei einem unvermeidlichen Gange dieser 
Temperatur die nach den verschiedenen Methoden gewonnenen 
Besultate miteinander vergleichbar sind. 



») 0. LuMMEE u. E. Pbingshbim, Wied. Ann. 63, 395--410, 1897 und 
Ann. d Phys. (4) 3, 159—160, 1900; diese Verh. 1, 23—41, 216—235, 1899; 
2, 163—180, 1900; 3, 36—46. 1901. 



10 



Verhdl. d. Deatschen Physik. GesellBoh. vom 9. Jan. 1903. [Nr. 1. 



Resultate. Es wurde der Kohlekörper bei verschieden 
hohem Glühzustande der Messung unterworfen, wobei sich stets 
zeigte, dals die Unterschiede der nach allen genannten Methoden 
bestimmten Temperatur innerhalb der Versuchsfehler blieben. Wir 
beschränken uns hier auf die Mitteilung der Resultate bei der 
höchsten gemessenen Temperatur. Da die Werte aus der Ge- 
samtstrahlung bei den verschiedenen Entfernungen 90 cm, 60 cm 
und 40 cm stets miteinander übereinstimmten, sind hier der 
Zeitersparnis wegen nur bei den Entfernungen 90 cm und 60 cm 
Beobachtungen angestellt worden, bei denen die Justierung eine 
viel leichtere ist als bei der kleinsten Entfernung von 40 cm. 

„. ^ Die Werte der maximalen 

Flg. 2. T-. • . -I T 1 

Energie sind direkt aus den 
auf das Normalspektrum 
reduzierten Energiekurven 
abgelesen worden; auch 
wurde die Korrektion wegen 
der endlichen Breite des 
Bolometers und Spaltes nach 
RüNGES Formel angebracht, 
trotzdem sie auch bei diesen 
sehr steilen Energiekurven 
am Maximum nur etwa 
1 Proz. beträgt und mit der 
fünften Wurzel in das Re- 
sultat eingeht. 

In Fig. 2 ist eine solche 
Energiekurve des Kohlekör- 
pers für die absolute Tem- 
peratur 23200 wiedergege- 
ben, die beobachteten Punkte 
sind durch Kreise bezeichnet 
Außerdem sind im gleichen 
Maßstab einige zur Eichung 
des Spektrobolometers benutzte Energiekurven von niedrigerer 
Temperatur eingetragen, welche mit dem schwarzen Porzellankörper 
gewonnen sind. 

Wie die Betrachtung der Figur zeigt und wie wir schon 



90 



BO 



70 



60 



60 



40 



30 



20 



10 





A 








M 








r 


2320^ 










\ 


\ 










\ 










\ 






j 




\ 


V 




/ 


14. 


m« 


\ 




/ 


^ 


1215<' 
93go 


^ 


^ 



5/t 



Nr. 1.] 



0. Lammer und E. Pringsheim. 



11 



mehrfach heirorgehoben haben, ist die Bestimmung der Lage (A«») 
des Energiemaximums relativ ungenau; und zwar um so unge- 
nauer, je näher das Maximum an das sichtbare Gebiet rückt; da 
der Fehler von k^ mit seiner ganzen Größe in die Temperatur- 
bestimmung aus A^ T = 2940 eingeht, so kann diese Methode der 
Temperaturbestimmung mit den anderen Methoden nicht kon- 
kurrieren. Vielmehr sollte man umgekehrt aus der mittels E^ ge- 
fundenen Temperatur die Lage von A^ bestimmen und danach 
die Kurve genauer zeichnen. Der aus A» gefundene Wert der 
Temperatur ist daher in der Tabelle nicht aufgeführt 

Die spektralphotometrischen Messungen beziehen sich auf 
verschiedene Wellenlängen, welche nahe regelmäßige Intervalle 
des Spektrums umfassen und für welche die benutzten Absorp- 
tionsplatten möglichst wenig selektiv sind. Bei der enormen 
Helligkeit des so hoch temperierten Kohlekörpers waren fünf Ab- 
sorptionsplatten zur Lichtschwächung notwendig, welche zusammen 
die Helligkeit auf 1/8000 reduzierten. 

In der Tabelle sind die Resultate einer Beobachtungsreihe in 
zeitlicher Aufeinanderfolge mitgeteilt. 



S> ■,! P, 


, 


, 






1 Methode ', H 


90 cm 1 60 cm 


0,62^ 0,69^ 


0,55^ 


1 
0,51^0,49^ 


:2 ■: s 
=2, li < 


1 


' 




! 


1. Helligkeit. . . . '12310 


- - 


2294 * 2315 


2309 


2312 


2320 


2. ; Geeamtstrahlung . ll 2325 


2317 1 2336 


_> _ 


— 


— 


— 


3. HeUigkeit. . . . I'2320 


___ 1 ___ 


2307 2307 


2315 


2331 


2339 


4. Gesamtstrahlung. '2330 


2330 1 2330 


— — 


- - ! - 


5. Jcmergiemaxiniuni { 2ufiU 


_- __ 


— — 


-_ 1 _ — 


6. Helligkeit .... 1 2330 


— — 


2325 2327 


2325 1 2339 2333 


7. Geflamtstrahlung . !| 2345 


2348 1 2339 


— ' — 


— — — 


3. Emergiemazimum 1 2320 


1 


— : — 


_ 


— 


— 



Die spektralphotometrisch gewonnenen Temperaturen sind in 
den Zeilen 1, 3 und 6 enthalten, wobei der unter „Temperatur'' 
angegebene Wert der auf 5° abgerundete Mittelwert aus den für 
die verschiedenen Wellenlängen [gefundenen und in der Tabelle 
aufgeführten Zahlen ist. 



12 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 9. Jan. 1903. [Nr. 1- 

Die Zeilen 2, 4 und 7 enthalten die mit dem Flächen- 
bolometer gewonnenen Temperaturen als Mittel der für die beiden 
Entfernungen 90 cm und 60 cm gesondert angegebenen Zahlen. 

Die Zeilen 5 und 8 geben die aus der Intensität des Energie- 
maximums erhaltenen Temperaturen wieder. 

Die Übereinstimmung der nach den verschiedenen Methoden 
gefundenen Temperaturen ist eine so gute, daß damit die Gültig- 
keit der zu Grunde gelegten Strahlungsgesetze bis zu 2300^ abs. 
als bestätigt gelten darf. Die vorhandenen kleinen Abweichungen 
sind nicht nur^ durch die unvermeidlichen Beobachtungsfehler zu 
erklären, sondern zum Teil durch einen nahe regelmäßigen Tem- 
peraturgang des Kohlekörpers hervorgerufen. Die Messungen 
mußten nach Beendigung der Energiemessung Nr. 8 abgebrochen 
werden, weil der Kohlekörper durchbrannte. 

Da die unseren Versuchen zu Grunde gelegten Strahlungs- 
gesetze auf der gasthermometrischen Temperaturskala aufgebaut 
sind, insofern ja die Konstanten der Apparate auf diese Skala 
bezogen wurden, so kann man schließen, daß man für die Tem- 
peratur des Kohlekörpers den gleichen Wert finden' würde, wenn 
es gelänge, sie direkt mit einem idealen Gasthennometer zu 
messen. Damit ist die Grenze der exakten Temperaturmessung 
um fast 10000 erweitert. 

In diesem Sinne sind die Gasthermometrie und die Strahlungs- 
messung am schwarzen Körper gleichberechtigte Methoden, die 
sich in praktischer Beziehung ergänzen, insofern die eine bei den 
niederen, die andere bei den höheren Temperaturen voll zur 
Geltung kommt. Soweit der schwarze Kohlekörper reicht, ist für 
die Eichung der verschiedenen empirischen Pyrometer eine festere 
Grundlage geschaffen worden. 

Geht man aber weiter und definiert die absolute Temperatur 
direkt durch die schwarze Strahlung, etwa indem man die Tempe- 
ratur als eine bestimmte Funktion der Gesamtstrahlung definiert, sa 
gewinnt man eine neue, strahlungstheoretische Temperatur- 
skala. Diese ist in demselben Sinne eine absolute, wie die 
thermodynamische, da die schwarze Strahlung nicht von der Natur 
irgend eines Stoffes abhängt, sondern den stabilen Gleichgewichts- 
zustand der reinen Temperaturstrahlung darstellt. Wälilt man 
als diese Funktion die vierte Wurzel aus der Gesamtstrahlung 



Nr. 1.] 0. Lnmmer und E. Pringsheim. 13 

und nimmt man die konventionelle Festsetzung hinzu, daß die 
Temperaturdifferenz zwischen dem Siedepunkt und dem Gefrier- 
punkt des Wassers 100^ beträgt, so stimmen die Angaben der 
neuen Skala mit denen der thermodjnamischen und der gas- 
thermometrischen Skala überein. 

Dieses experimentelle Resultat folgt auch aus der Theorie, 
da BOLTZMANN das STEFANsche Gesetz als Folgerung aus dem 
zweiten Hauptsatz der Thermodynamik hergeleitet hat. Will man 
die Beziehungen auf die Fundamentalpunkte vermeiden, um die 
Definition von den Eigenschaften irgend welcher Substanzen un- 
abhängig zu machen, so kann man z. B. festsetzen, daß die in 
«inem Kubikzentimeter der schwarzen Strahlung von der absoluten 
Temperatur 1 enthaltene Energie eine festgesetzte Größe besitze. 
Die Temperaturgrade dieser Skala würden gleich denen der 
CELSiüSschen Temperaturskala werden, wenn man diese Größe 
gleich 7,06.10-^^ Ergi) setzt. Vor der älteren thermodynamisch 
<lefinierten Temperaturskala hat die strahlungstheoretische den 
Vorzug, daß sie nicht bloß eine theoretische Bedeutung besitzt, 
sondern daß man gemäß der Definition die Messung auch prak- 
tisch ausführen kann. 



Vgl. F. KuRLBAUM, Wied. Ann. 65, 746—760, 1898 und M. Planck, 
Ann. d. Phys. (4) 4, 562, 1901. 

Charlottenburg, den 4. Januar 1903. 



14 



Die magnetische und elektrische 

Ablenkbarkeit reflektierter und von dünnen MetaU" 

blättchen hindurchgelassener Kathodenstrahlen; 

von H. Starke. 

{Vorgetragen in der Sitzung yom 9. Januar 1908.) 
(Vgl. oben S. 2.) 



1. Die magnetische Ablenkung von Kathodenstrahlen nach 
der Reflexion an festen Körpern oder dem Durchgang durch Metall- 
folie ist des öfteren zum Gegenstand von Untersuchungen gemacht 
worden. Im Gegensatz zu den älteren Untersuchungen von 
R Merritti), Ph. Lenard2), W. Seitz^) ist es den Herren 
E. Gehrcke*) und G. Leithäüser*) gelungen, eine Änderung 
dieser Eigenschaft gegenüber den direkten Kathodenstrahlen nach- 
zuweisen. Sie zeigten, daß die von einem abgeleiteten Reflektor 
bezw. Metallblättchen ausgehende diffuse Strahlung inhomogen ist, 
d. h. aus Kathodenstrahlen verschiedener Ablenkbarkeit besteht, 
auch wenn das erzeugende Kathodenstrahlenbündel von einer In- 
fluenzmaschine erzeugt wird und bei m^^gnetischer Ablenkung als 
scharfes Bündel bestehen bleibt, d. h. sich als homogen erweist. 

Nach der Vorstellungsweise der Emissionstheorie ist für die 
Ablenkung eines Kathodenstrahlenbündels, welches eine gewisse 
Strecke in einem gegebenen magnetischen Felde zurücklegt, außer 
der Geschwindigkeit v der sich bewegenden Teilchen noch der 

Quotient aus Ladung und Masse derselben maßgebend. Aus 

den GEHRCKE-LEiTHÄüSERschen Versuchen würde demnach auf 

eine Änderung von v und — oder einer dieser beiden Größen bei 



^) E, Mbbritt, Phys. Rev. 7, 217, 1898. 
•; Ph. Lenaed, Wied. Ann. 32, 27, 1894. 
») W. Sbitz, Ann. d. Phys. 6, 29, 1901. 
*) E. Gehrcke, Berl. Ber. 1901, 18. Aprü. 
*) G. Lfithäuser, Berl. Ber. 1902, 13. März. 



Nr. 1.] H. Starke. 15 

dem Auftreffen auf feste Körper zu schließen sein. Da bisher für 

Kathodenstrahlen jeder Ablenkbarkeit der Wert als der 

gleiche gefunden worden ist, so liegt es zwar nahe, auch für 
die Strahlen, deren Ablenkbarkeit durch den Anprall an feste 

Körper modifiziert worden ist, ein gleiches anzunehmen und 

daher nur von einer Geschwindigkeitsveränderung bei der Re- 
flexion bezw. dem Durchgang durch dünne Metallblättchen zu 
sprechen. Indessen bedarf diese Interpretation noch der experi- 
mentellen Bestätigung. Die im folgenden mitgeteilten Versuche 
wurden zu diesem Zweck unternommen. 

2. Für die Ausführung der Versuche wählte ich die meines 
Wissens für diesen Zweck einzig mögliche Methode, welche Herr 
W. Kaufmann*) angegeben und für die gleichen Messungen an 
Becquerelstrahlen verwendet hat. Dieselbe beruht darauf, daß 
man gleichzeitig in zwei auf einander senkrechten Richtungen 
eine elektrische und eine magnetische Ablenkung erfolgen läßt. 
Bei homogener Strahlung würde man ein einziges abgelenktes 
Strahlenbündel erhalten, welches auf einer photographischen Platte 
ebenso wie das unabgelenkte Bündel einen scharfen Fleck er- 
zeugen würde. Bei inhomogener Strahlung ^hingegen wird wegen 
der verschiedenen Ablenkbarkeit der einzelnen Strahlengattungen 
kein scharfer Fleck mehr entstehen können, sondern man erhält 
als Bild eine gewisse Kurve, aus deren Verlauf man den Quotienten 

und die Geschwindigkeit der Strahlen einzeln berechnen kann. 

Der Kunstgriff, nach der Aufnahme der Kurve eine zweite bei 
umgekehrtem elektrischen Felde zu machen, vereinfacht die Aus- 
messung, und man hat den Vorteil, die doppelte elektrische Ab- 
lenkung beobachten zu können. Fig. 1 (a. f. S.) zeigt die für die 
Versuche mit durchgelassenen Strahlen benutzte Röhre. Eine 
hohlspiegelförmige Kathode sendet ein konvergentes Kathoden- 
strahlenbündel auf das mit dünner Aluminiumfolie beklebte Messing- 
diaphragma (Loch 1 mm Durchmesser). Die die andere Seite diffus 
verlassenden Kathodenstrahlen passieren zwischen den Platten 



*) W. Kaufmann, Gott. Nachr. 1901, Heft 1; 1902, Heft 5. 



•€ 



^r 



jL 



^; 



16 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 9. Jan. 1903. [Nr. 1. 

(3,5 cm lang, 0,5 cm Abstand) eines eingeschmolzenen kleinen 
Kondensators. Dicht hinter demselben befindet sich die photo- 
graphische Camera, bestehend aus zwei ineinander genau passenden 
pj 1 Messingcylindern. Die 

Verschlußplatte des 
_ äußeren enthält die 

)da8 Strahlenbündel 
ausblendende Öffnung 
von 1 mm Durchmes- 
ser; auf die Ver- 
schlußplatte des inne- 
ren wurde die photographische Platte mit Wachs aufgekittet. 
Der weite Teil der Röhre für die Versuche mit reflektierten 
Strahlen, enthaltend Kondensator und Camera, war von gleichen 
Dimensionen. Das Entladungsrohr war hier aber unter rechtem 
Winkel angeblasen. Reflektor war das schief abgeschnittene 
Ende eines mit Schliff einzusetzenden , 1 mm starken Kupfer- 
drahtes; er war von der ihm zugewandten Seite des Konden- 
sators gleichweit entfernt (5 mm), wie das Aluminiumblättchen 
bei der anderen Röhre. 

3. Theoretisches. Die Formeln, mit deren Hülfe aus zwei 
aus den photographischen Kurven zu entnehmenden zusammen- 
gehörigen Werten von elektrostatischer und magnetischer Ab- 
lenkung die Größen v und zu berechnen sind, hat Herr Kaüf- 

MANN abgeleitet. Die beiden aufeinander senkrechten Ablenkungen 
setzen sich nicht einfach gemäls dem Parallelogrammsatz zu- 
sammen, so dals man aus der beobachteten Gesamtablenkung 
ohne weiteres jede der beiden Ablenkungen, wie sie für sich ohne 
Existenz der anderen stattfinden würde, ablesen könnte. Dies 
wäre nur der Fall, wenn das Hinzukommen der senkrecht ge- 
richteten Ablenkung die andere nicht beeinflussen würde. Dies 
ist für das Hinzukommen der elektrischen zur magnetischen 
Ablenkung allerdings der Fall, die Größe der letzteren ist von 
ersterer vollkommen unabhängig. Nicht aber umgekehrt. Wie 
eine leichte Ueberlegung zeigt, muß die elektrische Ablenkung 
um so größer werden, je mehr der Strahl in senkrechter Richtung 
magnetisch abgelenkt wird. 



Nr. 1.] 



U. Starke. 



17 



Fig. 2. 



In Fig. 2 befindet sich bei a die diffuse Strahlenquelle (Re- 
flektor, Blättchen), bei h das Diaphragma der Camera, bei c trifft 
ohne jede Ablenkung das Strahlenbündel die Platte. Seine Rich- 
tung sei X, Wird das magnetische Feld erregt, so geschehe die 
Ablenkung in der Zeichnungsebene 
nach unten (jgr- Richtung). Der Ver- 
lauf des die Platte treffenden Strah- 
lenbündels sei dann der durch a, i, d 
gehende Kreis. Tritt eine senkrecht 
zur Zeichnungsebene gerichtete elek- 
trische Kraft hinzu, so wird an der Figur 
nichts geändert; der gezeichnete Kreis 
bleibt die Bahnprojektion in der zz- 
Ebene, weil ja die elektrische Ablen- 
kung keine Geschwindigkeitsänderung 
in der Kreisbahn abc veranlaßt, und 
der Krümmungsradius q derselben nur 
eine Funktion der Bahngeschwindig- 
keit in der a;^- Ebene ist. Die elektri- 
sche Ablenkung in der f/- Richtung senkrecht zur Zeichnungs- 
ebene wird aber um so größer werden, je stärker die Kreisbahn 
in der x^- Ebene gekrümmt ist; denn für die elektrische Ablen- 
kung ist direkt maßgebend die Zeit, welche das Teilchen im 
elektrischen Felde verweilt. Diese Zeit ist aber um so größer, 
je stärker die Kreisbahn gekrümmt ist, weil ja die Geschwindig- 
keit in der kreisförmigen Bahnprojektion konstant und der Weg 
länger ist Wir können nach dieser Betrachtung ohne Schwierig- 
keit die Gröfse des Krümmungsradius der Kreisbahn und der 
elektrischen Ablenkung berechnen. Es ist, wenn v die Geschwin- 
digkeit in der Kreisbahn ist, der durch das Magnetfeld /f erzeugte 
Krümmungsradius q gegeben durch die Beziehung: 

1) 





1 ~^b X. 




'"^ 


;\ 


2o 


t 


// 


L 




/ / 




// 
// 




V 





m— = BVxH oder p = -^7- 



Für die Berechnung der elektrostatischen Ablenkung bestimmt 
man die Tangente des Winkels a, unter welchem der aus dem 
Diaphragma b tretende Strahl gegen die xjst- Ebene geneigt ist. 
Derselbe berechnet sich in ähnlicher Weise wie der Elevations- 
Winkel eines ohne Luftwiderstand fliegenden Geschosses. Es ist 



18 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsoh. vom 9. Jan. 1903. [Nr. 1- 

im Punkte b die Geschwindigkeit -^ in der y- Richtung gleich 

der Beschleunigung des Kathodenstrahlteilchens im elektrischen 

eF 
Felde , multipliziert mit der Zeit, während welcher das Teil- 
chen das halbe Kondensatorfeld durchläuft: 

^^ dt - m^' 2 

Wenn man mit ds ein Bahnelement der Kreisbahn in der 
.2;^ -Ebene bezeichnet, ferner mit s^ die kreisförmige Projektion 
des halben im elektrischen Felde zurückgelegten Weges und mit 
Sa die Länge bd der kreisförmigen Projektion der Bahn zwischen 
Diaphragma und photographischer Platte, so ist die Kreisbahn- 
geschwindigkeit 

ds s, , j^ ds ^ ti Si 
Vx =^ -n = "T"? also dt = — und ^ = - • 
dt _^ Vx 2 Vx 

2 
Die Tangente des zu bestimmenden Winkels ist tanga = -—; 
daher kann man schreiben: 

^ dy sFsi 

Die elektrische Ablenkung ist daher: 

4) y, = s^tanga = ^^^^^ • 

Bisher ist also q und j/o bestimmt. Zwischen der magnetischen 
■ Ablenkung und q kann man aus der Fig. 2 leicht die angenäherte 
Beziehung aufstellen: 

_ ^.? + ^2 + ^1 ^2 , ^'£o_ 



^ ^- 2z, ^ 4«^ + a:-^ -{- ^^x,) 

Ferner sind aus derselben Figur für die Größen Si und s^ die 
Beziehungen zu finden: 

6) s^ =^. Q arcsin -^ , 

wo h die Länge der Kondensatorplatten (hierfür kann man 
ohne in Betracht kommenden Fehler Si = - schreiben), und: 



Nr. 1.] H. Starke. 19 



/) So = 2 p arcstn ' ^ ^ — ^ • 

"^ ^ 2p 

Nachdem aus der magnetischen Ablenkung und den Dimensionen 
des Apparates nach 5), 6), 7) die Größen p, Si, Sj ermittelt sind, 

bestimmen sich v und nach den aus 1) und 4) sich ergeben- 
den Formeln: 

8) «« = ^ 

9) *=^- 
^ m pl? 

Die berechnete Geschwindigkeit v^ ist die Projektion der wirkliclien 
Bahngeschwindigkeit auf die x;8^- Ebene. Die wahre Geschwindig- 
keit ergibt sich daraus als v = Vx(l + V2 2 )• Sie ist für die 

beobachteten Ablenkungen von Vx nur um 1 Proz. bis im ungün- 
stigsten Falle 3 Proz. verschieden. 

4. Messungen: a) Dimensionen des Apparates. Die 
Strecke x^ vom Reflektor bezw. dem Metallblättchen bis zum Dia- 
phragma der Camera betrug 4,5 cm, die Entfernung x^ des Dia- 
phragmas von der photographischen Platte 4 cm. Die Länge h 
und der Abstand d der Platten des für die elektrische A^blenkung 
dienenden Kondensators w^areu h =-- 3,5 cm bezw. d = 0,508 cm. 

b) Potentialmessung. Das Entladungspotential wurde mit 
einem geeichten BRAUNschen Elektrometer gemessen. Die einige 
hundert Volt betragende Potentialdifferenz der Kondensatorplatten 
wurde durch einige Kästen einer Hochspannungsbatterie hergestellt. 
Die Spannung jedes einzelnen Kastens wurde mit Galvanometer und 
großem Widerstand mit der Spannung einer großen Akkumulatoren- 
batterie verglichen, letztere mit einem Präzisionsvoltmeter gemessen. 

c) Messung des Magnetfeldes. Da es mii* weniger auf 
die Bestimmung absoluter Werte als auf die Konstatierung vor- 
handener Änderungen der die Ablenkung bestimmenden Größen 

- und V ankam, so umging ich die genaue Auswertung des 

Magnetfeldes und seiner Inhomogenität, indem ich für eine ge- 
wisse beobachtete Stromstärke in den Spulen mit reflektierten 

2* 



20 Verhdi. d. Deutschen Physik. Gesellsoh. vom 9. Jan. 1903. [Nr. l. 

Strahlen eine Aufnahme bei nur magnetischer, ohne elektrische 
Ablenkung machte. Das photographische Bild besteht aus dem 
unabgelenkten Fleck und einem auf ihn zu gerichteten Streifen. 
Der wenigst abgelenkte Teil dieses Streifens hat nach Gehrcke^ 
die gleiche Ablenkung, wie sie der direkte (nicht reflektierte) 
Strahl haben wüi'de. Aus der Größe derselben kann man daher 

unter Annahme des SiMONschen Wertes für - (= 1,865) und eines 

m 

Geschwindigkeitswertes, wie er dem beobachteten Entladungs- 
potential entspricht, einen Mittelwert für das Magnetfeld rück- 
wärts aus Formeln 5) und 1) auf S. 18 und 17 berechnen. Für 
jede andere Stromstärke in den Spulen ändert sich das Feld 
proportional. Auf diese Weise ist es erreicht, daß ohne eine 
umständlichere, mit Berücksichtigung der Feldinhomogenität aus- 
geführte Berechnung doch der aus den photographischen Kurven 

entnommene Wert von — dem SiMONschen nahe kommt 
m 

d) Die Ausmessung der Kurven geschah mit Zirkel und 
fein geteiltem Lineal, was an Genauigkeit nicht viel hinter der 
Benutzung der Teilmaschine zurückstand. Eine Exposition ohne 
Ablenkung war nie nötig, weil die stets entstehenden Röntgen- 
strahlen den direkten Fleck lieferten. Die Ausmessung war 
auf etwa 5 Proz. Genauigkeit möglich, obwohl die photographi- 
schen Kurven wenig kontrastreich waren, so daß sie für den Druck 
auch nicht reproduziert werden konnten. 

e) Die Erzeugung der Kathodenstrahlen geschah mit 
Hilfe einer äußerst kräftig wirkenden eingebauten 20 plattigen 
Influenzmaschine von 0. Leüner, Dresden. Der von dem Draht- 
ende gebildete kleine Reflektor befand sich im Vereinigungspunkt 
der von einer Hohlspiegelkathode kommenden Strahlen. Ebenso 
bei den Versuchen mit durchgelassenen Kathodenstrahlen die 
Aluminiumfolie (bezogen von J. Trump, Nürnberg, 0,002 bis 
0,003 mm dick). Es wurden zwar vor den eigentlichen Versuchen 
erst starke Induktorentladungen einen, manchmal zwei Tage lang 
durch die Röhre gesandt, dann erst für kurze Zeit Luft eiu- 
gelassen, schnell die Camera mit der Platte eingeführt und wieder 
ausgepumpt. Dennoch war die Gasabgabe im Innern des Rohres 
nie völlig beseitigt, und es wurde daher das Entladungspotential 



Nr. 1.] H. Starke. 21 

darch Pumpen mit einer KAHLBAUMschen ' Quecksilberluftpumpe 
während der Dauer der Exposition annähernd konstant erhalten. 
Das Versuchszimmer war selbstTerständlich nur mit rotem Licht 
während der Dauer eines Versuches erleuchtet 

5. Resultate: Von den erhaltenen Resultaten teile ich die 
Ausmessung an je einer Platte für Versuche mit reflektierten und 
mit durchgelassenen Eathodenstrahlen mit Die Ausmessungen 
anderer Platten weichen nur wenig von den mitgeteilten ab. 

L Reflektierte Katho[den8trahi;en. 

Kupferreflektor. Abstand der Kondensatorplatten d =7 0,508 cm. 

h 
Länge der Kondensatorplatten h = 3,5 cm, [also s^ = ^ = 1,75. 

Abstand Reflektor — Diaphragma Xi = 4,5 cm; Abstand Dia- 
phragma — Platte x^ = 4 cm. 
^ Potentialdifferenz der Kondensatorplatten V = 605 Volt; 

V 

Intensität des elektrischen Feldes 2^=-^- = 119. lO^rC.-G.-S. 

Strom in den Magnetspulen e7^= 4,49 Amp. Ihm entsprechende 
mittlere Intensität des magnetischen Feldes H = 19,9. 
Entladungspotential der Kathodenstrahlen 8000 Volt. 
Expositionszeit sechs Minuten. 



^\ 


3/0 


Q 


1 


».10~* 


! -i.io-' 
1 '" 


1,2 


0,52 ! 


15,00 


• 4,19 


5,64 


1,90 


1,4 


0,73 1 


13,01 


1 4.24 


4,69 


l,öl 


1,6 


0,94 


11,67 


1 4,30 


4,11 


1,77 


1,8 


1,12 


10,54 


' 4,40 


3,90 


1,87 


2,0 


1,32 


9,74 


1 4,47 


3,66 


1,88 



I 

IL Kathodenstrahlen nach dem Durchgange durch 
0,002mm dicke Aluminiumfolie. 

Gleiche Dimensionen wie in I. 

Intensität des elektrischen Feldes, auch wie in I, F= 119.10^. 

Spulenstrom 4,38 Amp. 

Intensität des magnetischen Feldes H= 19,4. 

Entladungspotential der Kathodenstrahlen 12000 Volt. 

Expositionszeit zehn Minuten. 



22 



Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. rom 9. Jon. 1903. [Nr. 1. 



-"o 


ya 


Q 


St 


».lo-^ 


1.10-' 
m 


1,05 


0,42 


16,95 


4,14 


6,26 


1,90 


1,2 


0,56 


15,0 


4,19 


6,38 


1,84 


1,4 


0,78 


13,01 


4,24 


4,42 


1,75 


1,6 


0,98 


11,67 


4,30 


4,03 


1,76 


1,8 


1,19 


10,54 


4,40 


3,8 


1,86 



Aus den Tabellen ist ersichtlich, daß die Größe — für 

Kathodenstrahlen durch das Passieren eines Metallblättchens oder 
durch Reflexion an einer Metallfläche nicht verändert wird. Die 
sich zeigende Inhomogenität der Strahlen beruht daher allein auf 
einer Geschwindigkeitsänderung. Die photographischen Kurven, 
aus welchen die in obigen Tabellen enthaltenen Zahlen für ;e^o 
und ^0 entnommen sind, sind mithin sehr angenähert Parabeln. 
Sie wären es genau, wenn niclU^ die geringe Beeinflussung der 
elektrischen durch die magnetische Ablenkung bestände; dann 
wäre das Quadrat der magnetischen dividiert durch die elektrische 
Ablenkung eine Konstante. 



Berlin, Physikalisches Institut der Universität. 



23 



Der abnormale KathodenfaU des GUmmstromes; 
von J. Stark. 

(Vorgelegt in der Sitzimg vom 9. Januar 1908.) 
(Vgl. oben S. 1.) 



§ 1. Einleitung. — Vor längerer Zeit (Phyg. Zeitschr. 3, 
88, 1901) stellte ich zahlreiche Messungen über den abnormalen 
KathodenfaU K des Glimmstromes an; sie ließen sich durch die 

Formel darstellen: JT = Zi, H rn^ (* — ^ •!>•/)*'*; hierin ist j[) 

der Gasdruck, / die von negativem Glimmlicht bedeckte Fläche 
der Kathode, % die Stromstärke, K^ der normale KathodenfaU, 
k und X eine Konstante. 

Nach der Theorie der Ionisierung durch lonenstoß kommt 
für die schnellen ionisierenden Ionen an der Kathode bis zur 
Hellrotglut ledigUch die Zahl der neutralen Moleküle in der 
Volumeneinheit, die „spezifische Molekülzahl" w^i, in Betracht 
(Ann. d. Phys. 8, 829, 1902). Man tut darum besser, in die 
obige Formel an Stelle von j? die spezifische Molekülzahl n^ ein- 
zuführen, gemäß der Beziehung 2}=C.nm.T, worin C eine 
Konstante, T die absolute Temperatur bedeutet. Man erhält so: 

Krrz Kn-\ ^M/j yi "7^ ) > tierin sind a und «Konstanten. 

Meine ersten Messungen waren nicht in einem fettfreien 
Vakuum ausgeführt; von anderer Seite wurde, allerdings auf 
Grund einer geringen Anzahl von Messungen, eine Uneare Be- 
ziehung zwischen KathodenfaU und Stromstärke behauptet. Diese 
Gründe veranlaßten mich, neue Messungen des abnormalen 
Kathodenfalls des Glimmstromes in trockener, fettfreier Luft an 
Platin unter Beobachtung jeder Vorsichtsmaßregel anzustellen. 
Da sich die VeröffentUchung der ausführlichen Abhandlung noch 
längere Zeit verzögern dürfte, seien hier die bisher gewonnenen 
Resultate kurz mitgeteilt. 



24 Verhdl. d. Deateohen Physik. GesellBch. vom 9. Jan. 1903. [Nr. 1. 

§ 2. Einflnfs der Temperatur bei seknndftrer Er- 
hitzung der Kathode. — Als Kathode diente ein dünner Platin- 
draht, der zwischen zwei dicken Kupferdrähten gespannt war und 
sekundär galvanisch erhitzt werden konnte; aus seiner Widerstands- 
änderung wurde angenähert seine Temperatur berechnet. 

Bei konstantem Gasdruck nimmt die normal,e Strom- 
dichte an der Kathode (jn = ~~Y) *^» wenn die Tempe- 
ratur erhöht wird. Die Grundfläche des negativen Glimm- 
lichtes wächst nämlich unter Konstanz der Stromstärke, wenn die 
Kathode erwärmt wird, wie auch bereits G. C. Schmidt») ge- 
funden hat 

Der normale Kathodenfall ist unabhängig von der 
Temperatur (G. C. Schmidt, a. a. 0.). 

Bei konstantem Gasdruck steigt der abnormale 
Kathodenfall, wenn die Temperatur der [Kathode er- 
höht wird. Bei Hellrotglut gilt dieser Satz scheinbar nicht 
mehr; doch erklärt sich diese Abweichung aus einer Erhöhung 
des Druckes durch Entwickelung von Gas aus der erhitzten 
Elektrode. 

Die Länge des Kathodondunkelraumes nimmt zu, wenn unter 
sonst konstanten Umständen die Temperatur an der Kathode steigt. 

§ 3. Einflufs der Temperatur bei Selbsterhitzung der 
Kathode. — Die elektrische Arbeit zwischen der negativen 
Glimmschicht und Kathode, also im ganzen Kathodendunkelraum, 
ist gleich dem Produkt aus dem Kathodenfall und der gesamten 
Stromstärke K.Jg = K.(Jp -(- e7„). Die an den negativen Ionen 
geleistete Arbeit ^.«7« kommt an den Gasteilchen der negativen 
Glimmschicht zur Entwickelung; die an den positiven Ionen 
geleistete Arbeit K.Jp wird zum Teil an der Kathode und in der 
ersten Kathodenschicht in Wärme verwandelt. Dank dieser Arbeit 
erwärmt sich die Kathode des Glimmstromes und die an ihr 
liegende Gasschicht von selbst. 

In der Fig. 1 sind zu den einzelnen beobachteten Werten 
von Kathodenfall und Stromstärke die zugehörigen Temperaturen 



G. C. Schmidt, Ann. d. Phys. (4) t, 625, 1900. 



Nr. 1.] 



J. Stark. 



25 



(gerechnet Yom Eispunkt) eingetragen, welche die Kathode infolge 
der Selbsterhitzung annimmt. Wie man sieht, ist die Temperatur 
um so höher, je größer die Fläche des Rechteckes aus Eathoden- 
fall und Stromstärke ist 

Durch die Selbsterhitzung erhöht der Glimmstrom 
Ton selbst seinen Kathodenfall. Bei kleinen Stromstärken 
ist indes dieser Einfluß gering; Stromstärke und Kathodenfall 
behalten die Werte unverändert bei, welche sie unmittelbar nach 
Stromschluß annehmen. Ist jedoch die Stromdichte an der 



Fig. 1. 



o 

> 



c 



US 



1000 



900 



800 



700 



600 



500 



400 



300 



/-il30' 



^^96° 






>'2100 



Tnöö^ 



4.300° 



-^'40°— 



>680<' 



)*'390° 






'§00° 



^160° 



--'"2O! 



50 



,-y-' 



2730 



-364° 



.,'i< 



D-S.,A 



-' 520° 



0,5 1 1,5 2 2,5 .3 3,5 

Stromstärke in Milliampere. 



4,6 



Kathode beträchtlich größer als die normale, so zeigt sich der 
Einfluß der Selbsterhitzung; Stromstärke und Kathodenfall be- 
halten die Werte, welche sie unmittelbar nach Stromschluß haben, 
nicht unverändert bei, sondern sie ändern sich mit steigender 
Temperatur an der Kathode erst schnell, dann immer langsamer, 
und zwar nimmt die Stromstärke ab, der Kathodenfall zu. Ein 
Beispiel hierfür gibt die nachstehende Tabelle: 



26 



Verhdl. d. Dentachen Physik. Gesellsch. vom 9. Jan. 1903. [Nr. 1. 



Zeit 
in Sekiindfiii 


Druck 0,127 mm 


Druck 0,071 mm 


nach Schluß 


i K 


i ! A- 





825 1 1695 


1085 


1470 


15 


745 • 1718 


1020 


1500 


30 


730 1724 


1006 


1510 


45 


724 1727 


1 999 


1515 


60 


723 1729 


1 996 


1518 


75 


722 - 1730 


995 


1520 



§ 4. Einflnfs der Stromstärke. — Die Beziehung zwi- 
schen Kathodenfall und Stromstärke ist nicht eine 
lineare. Dies haben sämtliche Messungen ergeben. Als Beispiel 
mögen die Kurven der Fig. 2 dienen. 

In den nebenstehenden Kurven ist der Einfluß der Selbst- 
erhitzung an der Kathode nicht berücksichtigt; es sind vielmehr 
die stationären Werte längere Zeit nach Stromschluß eingetragen. 
Aus diesem Grunde sind die Werte des Kathodenfalls für größere 
Stromstärken größer, als der Voraussetzung konstanter spezifischer 
Molekülzahl entspricht. Die Krümmung nach unten ist um so 
kleiner, je gi'ößer das Produkt K.Jg ist; für höhere Drucke, 
bei welchen jenes Produkt grols ist, kann darum die Selbst- 
erhitzung der Kathode eine geradlinige Beziehung zwi- 
schen Kathodenfall und Stromstärke vortäuschen, wie 
aus Fig. 1 ersichtlich ist. 

§ 5. Einflufs des Gasdruckes. — Die Temperatur an der 
Kathode sei konstant; die Stromdichte an der Kathode sei viel 
größer als ihr noimaler Wert; in der obigen Formel soll also 

'^'' neben i vernachlässigt werden können; geändert werde 

der Gasdruck. Nach der obigen Formel gilt unter diesen 



Voraussetzungen: 



i'l^ 



Um die vorstehende Beziehung zu prüfen, muß man einer- 
seits Werte der Stromstärke wählen, welche beträchtlich größer 

sind, als diejenigen (— 7/— )» für welche der Kathodenfall normal 

wird; andererseits dürfen die Stromstärken nicht so groß sein. 



Nr. 1.] 



J. Stark. 



27 



daß der Einfluß der Selbsterhitzung bemerkbar wird, daß also die 
Stromstärke unmittelbar nach Stromsohluß nicht konstant bleibt, 



1^W\ 








Fig. 


2. 












IMV) 












^<^ 


/■ 




















< 


^ 










i(«oo 












/ 










/ 


lAnn 










/ 






y 


^ 












/ 






^ 


/ 






loUU 






/ 


7 




y 


'/ 








^ 






/ 




/ 


/ 










^O 1 l\AJ 




/ 






/ 














^a 




/ 




/ 
















|1000 

1 

o 




/ 




y 


















/ 


/ 


/ 












^ 


:2 800 

es 

80O 


y 


yi 


/ 




^ 


^^ 


_og> 


^ 






700 


fi 


/ 


^ 


^ 


^ 











^e- 


600 
80O 


i\ 


/ 

..^t^ 




^ 




^ 











400 




^ 


















300 


1( 


X) 21 


oo » 


30 44 


30 


6( 


X) 6( 


X) 7( 


X) 8< 


[K) 9( 


X) 



Stromstärke in Mikroampere. 



28 



Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 9. Jan. 1903. [Nr. 1. 



sondern langsam zurückgeht Diesen Forderungen ist in der 
nachstehenden Tabelle genügt. 



Druck 


i 


= 400 


i = 800 


1 
i 


= 200 


• 


= 100 


in mm 


K 


(A:-395).J5 


K 


(ä:-395).|? 


K (Zi:-395).p 


K 


(ä:-3;5).p 


0,794 


615 


85,3 


490 


75,4 


— 1 — 


— 


— 


0,425 


610 


91,4 


575 


76,5 


530 57,3 


_ 


— 


0,313 


695 


93,9 


650 


79,8 


595 62,6 


515 


37,6 


0,234 


800 


94,7 


740 


80.7 


665 1 63,2 


565 


37,4 


0,141 


1050 


92,3 


965 


80,4 


850 


64,1 


690 


41,6 


0.108 


1245 


91,8 


1135 


79,9 


1020 


70,2 


845 


48,6 


. 0,089 


— 


— 


1280 


78,9 


1100 


62,7 


910 


46,8 


0,075 


— 


— 


— 


— 


1230 


62,6 


1030 


47,6 


Mittel 


— 


91,5 


- 1 78,8 


1 — 


63,2 


- 


43,3 


(K-S9b).p\ 


— 


4,57 


— 


4,55 


1- 

1 


4,49 


1 


4,33 



Es ist zu fragen, ob nicht die elektrische Strömung 
die spezifische Molekülzahl an der Kathode bei kon- 
stanter Temperatur dadurch vergrößert, daß sie positive 
Ionen an der Kathode abscheidet und neutralisiert. Eine 
zur Entscheidung dieser Frage erdachte Versuchsanordnung ergab 
bisher Folgendes. Bei Stromdichten, die nicht sehr viel größer 
sind als die normale, ist die Zunahme der spezifischen Molekül- 
zahl infolge der elektrolytischen Abscheiduug positiver loneu an 
der Kathode zu vernachlässigen im Vergleicli zu der Zahl ohne 
elektrischen Strom; bei sehr großen Stromstärken wird allerdings 
die spezifische Molekülzahl an der Kathode durch Elektrolyse 
merklich vergrößert, an der Anode verkleinert. 



Göttingen, Dezember 1902. 



29 



Eine Brau tische Möhre für elektrostatische 
Ablenkung; 

von A. Wehnelt. 

(Yorf^legt in der Sitzung vom 9. Januar 1903.) 
-[Vgl. oben S. 1.) 



So vorteilhaft die bRAUNsche Köhre sich für die Untersuchung 
des Verlaufes von Stromkurven mittels elektromagnetischer Ab- 
lenkung des Fluoreszenzfleckes verwenden läßt, so ist doch ihre 
Anwendung, wenn es sich um Untersuchung von Spannungskurven 
handelt, recht beschränkt 

Verwendet man zur elektrostatischen Ablenkung der Kathodeu- 
strahlen außen am Kohr anliegende Kondensatorplatten, wie es 
H. Ebert^), H. Th. Simon und M. Reiche) und viele andere 
taten, so treten Ablenkungen nur bei schnell wechselnden elektro- 
statischen Feldern ein. Langsam wechselnde Felder geben Ab- 
lenkungskurven, die nicht den wahren Feldänderungen proportional 
sind. Konstante Felder geben nur beim Entstehen und Ver- 
schwinden einen momentanen Ausschlag, während derselbe beim 
Bestehen des Feldes fortfällt Der Grund hierfür liegt, wie unab- 
hängig voneinander die Herren W. J. Milham ') und Schneider^) ge- 
funden haben, in der Leitfähigkeit des durch die Kathodenstrahlen 
ionisierten Gases im Bohr. Unter dem Einfluß des Feldes wandern 
die positiven und negativen Ionen zu den entgegengesetzt geladenen 
Platten und bilden an den Innenwandungen der Glasröhre elek- 
trische Doppelschichten, durch die das Feld vernichtet wird. 



') H. Ebbbt, Wied. Ann. 64, 242, 
*) H. Th. Simon und M. Rhich, Phys. Zeitschr. 2, 284, 1900/1901.; 
*) W. J. Milham, Dissertation Straßbarg 1901. 

^) ScHNBiDXB, Dissertation Erlangen 1902 (erscheint demnächst im 
Drook. 



30 Verhdl. d. Deutschen Physik. GeseUsch. vom 9. Jan. 1903. [Nr. K 

Verwendet man Innenelektroden, wie J. J. Thomson i), 
W. Kaufmann «), W. Wien s) und P. Länard *), so tritt bei höheren 
Drucken eine leuchtende Entladung zwischen den Platten ein. 
Die hierdurch wesentlich veränderte Verteilung des Potentials 
zwischen den Platten bedingt, daß die Ablenkungen keineswegs 
mehr proportional den angelegten Potentialdifferenzen sind. Nur 
bei sehr tiefen Drucken wurden länger anhaltende Ablenkungen 
erzielt*), die, wie J. J. Thomson durch eingehende Versuche fest- 
gestellt hat, proportional dem angelegten Felde sind. Bei so 
tiefen Drucken können zur Erzeugung der Kathodenstrahlen nur 
Induktorien benutzt werden, deren intermittierende Ströme sich 
aber nicht zur Darstellung von kontinuierlichen Kurven eignen. 
Um nun doch bei höheren Drucken und solchen Entladungs- 
potentialen (5000 bis 10000 Volt), bei denen Influenzmaschinen 
noch kontinuierliche Entladungen liefern, rein elektrostatische 
Ablenkungen der Kathodenstrahlen zu erhalten, habe ich das 
Rohr nach Grundsätzen konstiniiert, die sich aus Versuchen von 
R WiEDEMANN®) Und mir selbst 7) ergaben. Die Versuche hatten 
j,.^ gezeigt, daß das Entladungspotential in verdünnten 
Gasen außerordentlich hoch ansteigt, sobald man die 
Anode so in den dunkeln Kathodenraum bringt, daß das 
positive Licht gezwungen ist, durch den dunkeln Kathoden- 
raum hindurch zum Glimmlicht zu gehen. Hat man z. B. 
eine plattenf örmige , den Ausschnitt des Rohres aus- 
füllende Kathode K (Fig. 1), deren Rückseite und Zuleitung 
sorgfältig isoliert, und eine bis zur Spitze isolierte draht- 
förmige Anode A so weit genähert, daß dieselbe sich im 
dunkeln Kathodenraum befindet, so steigt das Entladungs- 




») J. J. Thomson, Phil. Mag. 44, 296-316, 1897. 

*) W. Kaufmann, Wied. Ann. 62, 591, 1897, benutzt zur elektrostati- 
schen Ablenkung den Potentialgradienten im dunkeln Kathodenraume leuch- 
tender Entladungen. 

•) W. Wien, Verhandl. d. physik. Ges. BerUn 16, 171—172, 1897. 
(Elektrostatische Ablenkung der Lenardstrahlen.) 

*) P. Lenard, Wied. Ann. 64, 283, 1898. 

*) Vgl. J. J. Thomson, 1. c, und W. Kaufmann, Verhandl. d. D. physik. 
Ges. 1, 88, 1899. 

•) E. WiEDEMANN, Wied. Ann. 20, 767, 1883; 63, 242, 1897. 

A. Wehnelt, Wied. Ann. 65, 511-542, 1898. 



Nr. l.J A. Wehnelt. 31 

Potential außerordentlich stark, und man sieht das -f"'Li<^^ ^^ 
rückwärts von der Anode umbiegen und dem Glimmlichte zu- 
streben. Wird die Anode nun auch von einer den Querschnitt 
des Rohres ausfüllenden Scheibe gebildet, so kann das positive 
Licht nicht mehr nach rückwärts, es kommt in diesem Falle über- 
haupt keine Glimmentladung mehr zu stände, es herrscht also 
zwischen den Platten ein rein elektrostatisches Feld. 

Auf Grund dieser Versuche habe ich das in Fig. 2 gezeich- 
nete Rohr konstruiert K ist die Kathode, -4 die Anode, die zu- 
gleich als Diaphragma dient. Über die 1,5 mm große Öffnung ist 
ein feiner Draht gespannt, der als horizontaler Schattenstrich im 

Fluoreszenzfleck erscheint. ^. ^ 

Fiff. 2. 
C ist der Kondensator. Der . .\ 

Abstand der Platten beträgt f " OU— f — ^ 

0,9 cm. Die Zuleitungen ^^ /T|~^ 

und Rückseiten der -1,9 cm 

X 8 cm großen Platten sind sorgfältig isoliert. Unmittelbar vor 
und hinter den Platten befinden sich Diaphragmen aus Glimmer, 
von denen dasjenige, durch welches die Abstrahlen in den Raum 
zwischen den Platten treten, nur wenig größer durchbohrt ist als 
das Anodendiaphragma, dasjenige, durch welches die Kathoden- 
strahlen austreten, eine Öffnung hat, die nur wenig kleiner ist 
als der Abstand der Platten voneinander. Zwischen diesen so 
eingebauten Platten kommt nun erst bei etwa 10000 Volt eine leuch- 
tende Entladung zu stände, bei einem Druck, wo der Strom der 
Influenzmaschine noch völlig kontinuierlich ist. Man hat also ein 
rein elektrostatisches Feld zur Ablenkung der JT- Strahlen zur 
Verfügung. 

Schaltet man an die Platten, während das Rohr im Betriebe 
ist, eine elektromotorische Kraft, z. B. einige Zellen einer Hoch- 
spannungsakkumulatorenbatterie an, so wird der von den 
-K-Strahlen erzeugte Fluoreszenzfleck abgelenkt und bleibt es, so- 
lange die elektromotorische Kraft wirkt. Hebt man die Ver- 
bindung auf, so wandert der Fleck ziemlich rasch zurück. 
Schaltet man hingegen einen gut isolierenden Kondensator von 
z. B. 0,1 MF an, so vergeht eine Zeit von etwa drei bis fünf 
Minuten , ehe der Fleck völlig in die Nulllage zurückgekehrt 
ist Dies deutet darauf hin, daß ein schwacher Strom zwischen 



32 Verhdl. d. Deutschen Physik. GesellBch. vom 9. Jan. 1903. [Nr. 1. 

den Platten übergeht Ich habe diesen Strom für einige Potential- 
differenzen gemessen und gefunden, daß die Stromstärke der an- 
gelegten Potentialdifferenz proportional ist Zahlen gebe ich hier 
nicht, sondern in einer ausführlicheren Abhandlung, die dem- 
nächst in den Annalen erscheint Die Stromstärken haben die 
Größenordnung 10"^ Amp. Ihr Vorhandensein ist ohne weiteres 
erklärlich aus der Ionisation des Gases zwischen den Platten 
durch die Kathodenstrahlen. 

Die Ablenkungen des Fluoreszenzfleckes sind, wie besondere 
Versuche zeigten, proportional den angelegten Potentialen, wodurch 
das Rohr zur Untersuchung von Potentialkurven geeignet wird. 
Durch Variation des Druckes im Rohre läßt sich leicht erreichen, 
daß eine Spannungsdifferenz von 80 Volt zwischen den Kon- 
densatorplatten einen Ausschlag von 40 mm gibt, d. h., daß 
einem Ausschlag von 1 mm 2 Volt entsprechen. Da man nun 
leicht bei geeigneter Ablesevorrichtung [z. B. bei Benutzung eines 
Fernrohres, in dessen Gesichtsfeld eine nach V. Wellmann i) be- 
leuchtete Skala mit hellen Strichen auf dunkelm Grunde pro- 
jijiert ist] noch Vi ™di schätzen kann , so können noch Unter- 
schiede in der Spannung von ,Va Volt beobachtet werden. Will 
man größere Potentialdifferenzen messen, so muß man durch Er- 
niedrigung des Druckes in der BRAüNschen Röhre die Kathoden- 
„. g strahlen starrer machen. Man kann dann Spannungs- 
differenzen bis zu 250 Volt messen. Beabsichtigt man 
Spannung über diesen Wert zu verwenden, so muß 
man mit Hilfe von hintereinandergeschalteten Konden- 
satoren eine Spannungsteilung vornehmen, wie z. B. 
Fig. 3 zeigt, worin K vier Kondensatorplatten mit ver- 
änderlichem Abstände bedeuten, C den Kondensator 
im BRAUNschen Rohre und Pj und Pa die Klemmen 
zum Ausschalten der zu untersuchenden Potential- 
schwankungen. 
Mit Hilfe dieses Rohres war es mir möglich, eine Reihe 
interessanter Spannungskurven zu beobachten, von denen ich an 
dieser Stelle nur einige wiedergebe. 



\\^ 



') V. Wbllmann, Aatr. Nachr. 127, 3040, 226—270, 1891; vgl. auch 
F. F. Martens, Verhandl. d. physik. Ges. Berlin 16, 144, 1897. 




Nr. 1.] A. Wehnelt. 33 

1. Spannungskurve an einer Wechselstrombogenlampe. 

Benutzt wurden Dochtkohlen. Die Klemmenspannung an den 
Kohlen betrug 35 Volt. Die ausgezogene Kurve in Fig. 4 zeigt 
den Verlauf des Poten- ^ig, 4. 

tials an den Kohlen, ^'-n, 

die punktiert gezeich- / \ 

nete den fast sinoidalen 
Verlauf des benutzten 
Wechselstromes von etwa 
60 Volt Spannung. Man 
sieht, daß die Spannungs- 
differenz am Lichtbogen 
trotz variabler Strom- \ / 

stärke fast konstant ist 

Das zum Einsetzen des Stromes erforderliche Potential ist 
€twas höher als das während des Stromdurchganges, wie die 
kleine Erhöhung am Anfange der Kurve zeigt. 

2. Spannungskurve an einem mit hochgespanntem 

Wechselstrom gespeisten Entladungsrohre bei nicht 

völliger Bedeckung der Kathode mit Glimmlicht 

Die Kurve zeigt einen ähnlichen Verlauf wie Fig. 4. Es 
werden dadurch die auf ganz anderem Wege gewonnenen Re- 
sultate des Herrn W. Lessing ^) aufs beste bestätigt. 

Die Form der Kurve ist verständlich, da ja bei nicht völlig 
mit Glimmlicht bedeckter Kathode der Kathodenfall unabhängig 
von der Stromstärke ist und der Potentialgradient im positiven 
Lichte sich nur sehr wenig mit der Stromstärke ändert. 

3. Form der Spannungskurven beim Betriebe 
eines Geißlerrohres mit einer kleinen Influenzmaschine. 

Bei ganz langsamer Umdrehung einer kleinen Influenzmaschine 
erhält man Spannungskurven, welche bequem im rotierenden 
Spiegel zu beobachten sind. Fig. 5 (a. f. S.) zeigt dieselben. 



*) W. Lbssino, Dissertation Erlangen (erscheint demnächst im Druck). 

3 



34 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellech. vom 9. Jan. 1903. [Nr. 1- 

Der langsame Anstieg stellt den Verlauf des Anwachsens des 
Potentials dar. Ist das Entladungspotential erreicht, so sinkt 

das Potential außerordentlich schnell 
^^' auf 0. Es erklären sich hieraus die 

sehr scharfen Entladungsbilder, die 
man von einem GeiJJlerrohr im schnell 
rotierenden Spiegel erhält. 

Erlangen, Physik. Institut der Universität, Dezember 1902. 



35 



Vber neue Wirkungen 

von Kathodenstrahlen und Lichtstrahlen; 

von L. Zehnder. 

(Vorläufige Mitteilung.) 

Vorgelegt in der Sitzung vom 9. Januar 1903. 
(Vgl. oben S. 1.) 

Bekanntlich hat Goldsteik gefunden, daß viele Salze unter 
der Einwirkung von Kathodenstrahlen gefärbt werden, durch nach- 
herige Lichtbestrahlung ihre Farbe aber wieder verlieren. Im 
Anschluß an seine Untersuchungen über die „Nachfärben^ hat er 
in einem Aufsatz: „Über umkehrbare Lichtwirkungen" i) auch eine 
Regenerierung des durch Kathodenstrahlen geschwärzten Brom- 
silbers und Chlorsilbers durch eine gewisse Behandlung mit 
Sonnenlicht und mit diffusem Tageslicht nachweisen können. Nach 
€twa dreiviertel Stunden Sonnenbestrahlung war nämlich eine 
Schwärzung der in eine zugeschmolzene Glasröhre eingeschlosse- 
nen Bromsilber- bezw. Chlorsilbersalze nur noch an der freien 
und an der besonnten Oberfläche der Salzmasse vorhanden. Die 
Rückseite und namentlich das ganze Innere der Masse war voll- 
ständig regeneriert und von frisch hergestelltem Salz im Aussehen 
nicht zu unterscheiden. In diffusem Tageslicht waren zur Re- 
generierung des Bromsilbers etwa zwei Sommertage, bei Chlor- 
silber aber einige Monate erforderlich. — Die Vei-suche gelangen 
auch mit Bromsilber- oder Chlorsilberpräparaten, die nicht durch 
Kathodenstrahlen, sondern durch Tageslicht an freier Luft ge- 
schwärzt worden waren. — Bei dauernder Belichtung an freier 
Luft erhielt Goldstein fortschreitende Schwärzung und Zersetzung 
des Bromsilbers ohne Regenerierung. 

Zum Teil damit übereinstimmend, zum Teil aber abweichend 
von den genannten sind einige Ergebnisse, die ich an gewöhn- 
lichen, photographisch empfindlichen Schichten gefunden habe: 



*) E. Goldstein, diese Verhandlungen 3, 182, 1901. 

3* 



36 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 9. Jan. 1903. [Nr. 1. 

Läßt man auf einer Trockenplatte durch Kathodenstrahlen 
ein deutliches Bild eines in den Weg der letzteren gebrachten 
Gegenstandes hervorrufen und nachher noch Licht auf die ganze 
Platte einwirken, so kann nach der Entwickelung unter Umständen 
die von Kathodenstrahlen getroffene Stelle heller erscheinen als 
der übrige Teil der Platte, was an eine Solarisation erinnert. 

Daß aber die Wirkungen der Kathodenstrahlen und die- 
jenigen der Lichtstrahlen auf photographische Schichten nicht 
gleichartig sind, erkennt man namentlich leicht bei der Bestrah- 
lung von Kopierpapier, etwa von Celloidinpapier. Schwache Ka- 
thodenstrahlen färben das Celloidinpapier braun, während dasselbe 
durch Tageslicht violett gefärbt wird. 

Celloidinpapier, das einmal von Kathodenstrahlen getroffen 
wurde, ist dadurch für Lichtwirkungen unempfindlicher geworden. 
Durch die Kathodenstrahlen wird die Lichtwirkung auf dieses 
Papier gehemmt Setzt man von Kathodenstrahlen getroffenes 
Papier diffusem, weißem Licht aus, so färbt sich namentlich der- 
jenige Teil desselben dunkler, der nicht von Kathodenstrahlen 
getroffen worden ist, und zwar ist dieses um so ausschließlicher 
der Fall, je intensiver die Kathodenstrahlen gewirkt haben. Da- 
her entsteht merkwürdigerweise bei andauernder Lichtwirkung 
auf dem Papier ein Negativ des vorher durch die Kathoden- 
strahlen allein erzeugten positiven Bildes. 

Andere Kopierpapiere, wie Aristopapier, Soliopapier, Rem- 
brandtpapier, lassen analoge Wirkungen erkennen; sie unter- 
scheiden sich voneinander nur durch eine größere oder geringere 
Empfindlichkeit für Kathodenstrahlen und für Lichtstrahlen. Das 
Papier von Wynnes Expositionsmesser ist für Kathodenstrahlen 
schätzungsweise etwa zehnmal unempfindlicher, für Lichtstrahlen 
aber etwa zehnmal empfindlicher als Celloidinpapier; dasselbe 
zeigt die oben beschriebene Erscheinung der Bildung eines Nega- 
tivs nur bei ganz schwachen Bestrahlungen. 

Waren die Kathodenstrahlen sehr wirksam, so daß eine starke 
Bräunung der Chlorsilberschicht zu stände kam, so verblassen 
bei Belichtung die getroffenen Stellen sehr deutlich, die Schwär- 
zung macht einer helleren Färbung Platz. Eine durch Kathoden- 
strahlen getroffene Kreisfläche z. B. wird zuerst am Rande, wo 
vermutlich die Kathodenstrahlen weniger intensiv einwirkten, 



L. Zehnder. 37 

blasser, so daß ein dunkler Kern, umgeben von einem hellen Hof, 
erscheint Nach und nach entfärbt sich auch die Mitte und die 
ganze Kreisfläche yerblaßt. 

Die von Kathodenstrahlen getroffenen Stellen photographi- 
scher Papiere mit glänzender Oberfläche zeigen nach der Licht- 
bestrahlung, sobald ein deutliches Negativ entstanden ist, eine 
andere Oberflächenfarbe und sie spiegeln intensiver als die nicht 
von Kathodenstrahlen getroffenen Stellen. 

Wird das Kopierpapier nach solcher doppelter Bestrahlung 
in Fixiernatron gelegt, so verblassen die von Kathodenstrahlen 
getroffenen Stellen viel rascher als die übrigen Teile der empfind- 
lichen Schicht, so daß das vorher kaum oder noch gar nicht 
sichtbare Negativ sofort deutlich erscheint. Aber in kurzer Zeit 
verschwindet das Negativ durch Änderung des Tones wieder mehr 
oder weniger vollständig. • Je nach der Dauer der Einwirkung der 
Kathodenstrahlen, des Lichtes und des Fixiematrons kann man 
das durch Doppelbestrahluiig erhaltene negative Bild wieder in ein 
positives verwandeln. Nach dem Auswässern der halb fixierten oder 
der ganz ausfixierten Papiere ist von solchen Bildern nichts oder 
nur wenig mehr zu erkennen. — Auch durch genügend lange Belich- 
tung kann das Bild vollständig zum Verschwinden gebracht werden. 

Wenn durch magnetisch abgelenkte Kathodenstrahlen ein 
Gegenstand auf dem Kopierpapier abgebildet wird, so beobachtet 
man die genannten Erscheinungen ebenso, wie wenn das Bild 
durch nicht abgelenkte Strahlen erzeugt worden wäre. 

Vom Elektrodenmaterial scheinen jene Wirkungen nicht ab- 
hängig zu sein. Wenigstens ergaben eine Platinkathode und eine 
Kupferkathode ganz ähnliche Wirkungen wie die Aluminium- 
kathoden. Auch von der Elektrodenform sind die Wirkungen 
ihrem Wesen nach nicht abhängig. Durch eine Kältemischung 
habe ich die Quecksilberdämpfe von der Versuchsröhre abzuhalten 
gesucht, ohne eine Änderung der Resultate zu bemerken. Auch 
der Sauerstoff, der beispielsweise nach Warburg schon in seinen 
kleinsten Resten noch einen so großen Einfluß auf das Entladungs- 
potential ausübt, verschuldet jene Negativbildung nicht; denn 
nach Warbürgs Verfahren ^) elektrolytisch in das Rolirinnere ein- 



») E. Wabburg, Wied. Ann. 40, 1, 1890. 



38 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 9. Jan. 1903. [Nr. 1. 

geführtes Natrium nimmt wohl alle Sauerstoffreste auf, ohne in- 
dessen das Zustandekommen jener Negative zu verhindern. 

Wenn man Celloidinpapier bis zur Verfärbung erwärmt, so 
kann dadurch die weitere Färbung desselben durch Belichtung 
gleichfalls gehemmt werden. Man könnte also die durch die 
Kathodenstrahlen bewirkte Erwärmung des Kopierpapieres für die 
beschriebenen Wirkungen allein verantwortlich machen wollen; 
indessen werden durch solche Erwärmungen doch wieder ganz 
andere Färbungen erzeugt. Auch nahm ich nie ein Verblassen 
der durch Erwärmung hervorgebrachten Bräunung des Kopier- 
papieres wahr, wie solches bei den durch Kathodenstrahlen her- 
vorgerufenen Färbungen leicht zu beobachten ist. 

Wirkungsvolle, in Gläschen eingeschlossene Radiumpräparate, 
die mir zur Verfügung standen, schwärzen ähnlich wie Licht das 
oben erwähnte Wynnepapier rascher als Celloidinpapier. Die üm- 
kehrung des positiven Bildes in ein Negativ durch nachherige 
Lichtbestrahlung konnte ich bei Celloidinpapier deutlich beob- 
achten, nicht aber bei Wynnepapier, auch nicht bei sehr schwacher 
Schwärzung desselben. 

Die von mir beschriebenen Wirkungen scheinen ein neues 
brauchbares und bequemes Untersuchungs- und Unterscheidungs- 
mittel für verschiedene Strahlenarten zu sein, das vielleicht auch 
auf das Wesen solcher Strahlen neues Licht zu werfen geeignet ist. 

(Nachtrag bei der Korrektur:) Nach sehr intensiver 
Schwärzung durch Kathodenstrahlen habe ich jene Oberflächen- 
farbe und Spiegelung der Celloidinpapieroberfläche sofort, schon 
vor der Belichtung, wahrgenommen, aber keine deutliche Negativ- 
bildung durch Belichtung mehr erhalten können. 

Nach der Bestrahlung mit Kanalstrahlen findet man gleich- 
falls sofort jene Oberflächenfarbe und die Spiegelung der Celloidin- 
papieroberfläche, ebenso eine starke Negativbildung bei nachheriger 
Belichtung. — Auch nach der Bestrahlung mit ultraviolettem 
Licht starker Brechbarkeit habe ich im diffusen weißen Licht 
jene Negativbildung wahrnehmen können. 

München, Physikal. Inst. d. Univ., 9. Jan. 1903. 



39 



tJber molekulare Induktion; 
von Th. Orofs. 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 9. Januar 1903.) 
(Vgl. oben S. 1.) 

Durch theoretische Betrachtungen, auf die ich heute nicht 
eingehen will, wurde ich bestimmt, den folgenden Versuch an- 
zustellen. 

Ich füllte ein parallelepipedisches Glasgefäß von etwa 23 cm 
Länge, 13 cm Breite und 14 cm Höhe 12 cm hoch mit reiner kon- 
zentrierter Kupfersulfatlösung und hängte in die Mitten seiner beiden 
schmalen Seiten zwei nicht bis auf den Boden reichende 1 mm starke 
Kupferdrähte, die durch einen Multiplikator mit 12000 Windungen 
und astatischem Nadelpaar untereinander verbunden waren. Hierauf 
nahm ich eine rechteckige Platte aus 0,7 mm starkem, blankem 
Zinkblech, die höher als das Gefäß und einige Millimeter schmäler 
als dessen innerer Querschnitt war, und stellte sie rechtwinklig 
zu seiner Länge und etwa 2 cm von der einen Elektrode entfernt 
in demselben in fester Stellung auf. 

An der Zinkplatte wurde dann Kupfer aus der Flüssigkeit 
abgeschieden, und es entstand ein bei minutenlanger Beobachtungs- 
zeit dauernder Strom, der nach anfänglich stärkerer Ablenkung 
etwa 10® betrug und in der Flüssigkeit von der der Zinkplatte 
näheren zu der von ihr entfernteren Elektrode ging. Wurde die 
Zinkplatte dann aus der Flüssigkeit herausgenommen und in der- 
selben Stellung wie vorhin nahe bei der anderen Elektrode 
wiederum in sie eingesenkt, so ging auch der Strom von dieser 
letzteren zu der entfernteren Elektrode ; also umgekehrt wie vorhin. 

Diese Stromrichtung wurde bei mehreren Versuchen beob- 
achtet, doch bleibe vorläufig dahingestellt, ob nicht doch Ab- 
weichungen von ihr vorkommen können. 

Unmittelbar beim Einsenken der Zinkplatte in die Flüssigkeit 
wurden zuweilen momentane entgegengerichtete Ausschläge der 
Nadel beobachtet. Ferner wurde die Stromrichtung unsicher, wenn 



40 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 9. Jan. 1908. [Nr. 1. 

ich die Zinkplatte, ohne sie herauszuheben, in der Flüssigkeit von 
der einen zu der anderen Elektrode hinüberführte. 

Es entsteht nun die Frage, wie diese Ströme zu erklären 
sind. Man könnte ja an Thermo-, Konzentrations- oder lokale 
Ströme denken, doch auch diese Annahmen bedürfen der näheren 
Untersuchung; ich unternahm es daher, den Versuch auf ein- 
fachere Bedingungen zurückzuführen. 

^ I. Um die Elektrodendrähte vor Flüssigkeitsströmungen zu 
schützen, hing ich sie in Tonzellen von 6 cm Durchmesser, die 
ebenfalls Kupfersulfatlösung von ganz gleicher Beschaffenheit wie 
die in dem Glasgefäße befindliche enthielten, und die ich an die 
Mitten seiner schmalen Seiten stellte. Die Höhenunterschiede 
zwischen den Flüssigkeitsspiegeln in den Tonzellen und dem Glas- 
gefäße wurden ausgeglichen; übrigens entstand, wie ein direkter 
Versuch zeigte, durch geringe Höhenunterschiede kein merklicher 
Strom. 

Um femer den chemischen Prozeß der Kupferausscheidung 
auf eine Seite der Zinkplatte zu beschränken, überzog ich die 
letztere auf einer Seite mit einer dünnen, heiß aufgetragenen 
Mischung von Kolophonium und Wachs, während ihre andere 
Seite blank blieb und nötigenfalls von etwa vorhandenem Oxyd 
gereinigt wurde. 

Wurde dann die so hergerichtete Zinkplatte wiederum recht- 
winklig zur Längsrichtung in das Glasgefäß gestellt, so entstand ein 
Strom, der den Zeiger des Multiplikators dauernd um 90^ ablenkte 
und von der isolierten zu der blanken Seite der Zinkplatte ging. 

Durch Umdrehen der Zinkplatte, so daß ihre blanke Seite zu 
derjenigen Elektrode gerichtet war, der vorhin ihre isolierte Seite 
gegenüberstand, wurde auch der Strom umgekehrt; er ging also 
wiederum von ihrer isolierten zur blanken Seite. 

Der relative Abstand der Zinkplatte von den Elektroden war 
auf die Stärke und Richtung dieser Ströme ohne Einfluß; sie 
blieben ungeändert, gleichgültig, ob die Zinkplatte nahe an die 
eine oder die andere Tonzelle gestellt wurde. 

Dagegen war der Strom gegen Bewegungen der Zinkplatte 
und Erschütterungen der Flüssigkeit sehr empfindlich, und zwar 
konnten sie bald verstärkend, bald schwächend auf ihn wirken, 
worüber weiter unten noch einij^es bemerkt werden wird. 



Nr. 1.] Th. Groß. 41 

Die elektromotorische Kraft dieser Ströme wurde nach der 
Methode yoq du Bois Reymond bestimmt, nachdem ein etwa 
zwischen den Elektroden vorhandener Strom vorher ausgeglichen war. 

Dabei ist jedoch darauf zu achten, daß die Intensität des 
kompensierenden Stromes stets etwas unter derjenigen des kom- 
pensierten bleibt, so dafs kein dem letzteren entgegengerichteter 
Strom durch die Kupfersulfatlösung fließt; weil sonst der kom- 
pensierte Strom fortdauernd abnehmen konnte. Auch begann die 
Kompensation zweckmäßig erst einige Minuten nach Schluß des 
Stromes, weil er dann erst stationär wurde. 

Bei Berücksichtigung dieses Verhaltens war die elektro- 
motorische Kraft bei ein und demselben Versuche, während einer 
Beobachtungszeit von 15 Min. und mehr, sehr konstant. Bei ver- 
schiedenen Versuchen war sie dagegen verschieden, und zwar lag 
sie zwischen 0,3 und 0,6 Volt. 

Konzentrationsunterschiede hatten auf die elektromotorische 
Kraft keinen merklichen Einfluß, sofern die Flüssigkeit nur so viel 
Kupfersulfat enthielt, daß sie tief blau war. Auch wurde die 
elektromotorische Kraft durch Beseitigung der Tonzellen nicht 
merklich geändert. 

Störungen können jedoch entstehen, wenn die Zinkplatte mit 
dem abgeschiedenen, am Boden des Glasgefäßes liegenden Kupfer 
in metallischer Berührung ist; um dieses zu vermeiden, hing ich 
daher meistens die Zinkplatte in das Glasgefäß ein, so daß sie 
einige Millimeter von seinem Boden abstand. 

Auch ist die Zinkplatte bisweilen von dem auf ihr abgeschie- 
denen Kupfer zu reinigen. 

Durch die Verwendung der einerseits isolierten Zinkplatte 
wurden also sehr viel stärkere Ströme erhalten als durch die 
beiderseits blanke Platte und sie waren auch in ihrer Richtung 
ganz sicher bestimmt. 

n. Um die Beziehung der elektromotorischen Kraft zu dem 
chemischen Vorgange weiter zu untersuchen, wurden dem vor- 
stehend beschriebenen analoge Versuche angestellt, bei denen die 
Flüssigkeit in dem Glasgefäße verschiedene zwischen 4 und 12 cm 
liegende Höhen hatte; eine Abhängigkeit der elektromotorischen 
Kraft von der Größe des chemisch wirkenden Querschnittes ließ 
sich jedoch hierdurch nicht feststellen. 



42 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 9. Jan. 1903. [Nr. 1. 

Dagegen wurde sie sehr bedeutend verringert, wenn die 
chemisch wirksame Oberfläche der Zinkplatte viel kleiner als der 
Querschnitt der Flüssigkeit war, oder wenn auch auf der isolierten 
Seite der den Querschnitt der Flüssigkeit bis auf einige Millimeter 
ausfüllenden einerseits blanken Zinkplatte eine kleinere Fläche, 
etwa ein kreisrunder Fleck von einigen Zentimeter Durchmesser, 
von dem Wachsüberzuge befreit wurde, so daß der chemische 
Vorgang der Kupferabscheidung auf beiden Seiten, aber in ver- 
schiedener Quantität, erfolgte. 

III. Die hier beschriebenen Ströme ließen sich als wirkliche 
elektrolytische Ströme feststellen. Zu dem Zwecke wurden die 
als Elektroden dienenden, genau gewogenen Kupferdrähte mit 
dünner Leinwand umwickelt in die Kupfersulfatlösung gehängt, 
und der durch die einerseits isolierte Zinkplatte zwischen ihnen 
erregte Strom mehrere Stunden hindurch mit größerem oder 
kleinerem Widerstände geschlossen gehalten. Zwei Versuche er- 
gaben dann die folgenden Zahlen: 



-- , ii Gewichtsabnahme I Gewichtszunahme 
I der Anode der Kathode 

1 ' 0,0004 , 0,0004 

2 0,0173 0,0171 

Daß bei Nr. 2 der Gewichtsverlust der Anode etwas größer 
war als die Gewichtszunahme der Kathode, erklärt sich leicht 
durch die Bildung von basischem Salz. 

Bei Nr. 1, wobei der Widerstand groß war, zeigt sich dieser 
Unterschied nicht, da die abgeschiedene Kupfermenge dazu zu 
klein war. 

IV. Nachdem das Vorstehende festgestellt war, schien es an 
der Zeit, zu untersuchen, aus welchem Arbeitsäquivalent die er- 
haltene elektromotorische Kraft entsteht 

Wird von Induktion und elektrodynamischen Wirkungen ab- 
gesehen, so rühren nach der üblichen Auffassung sämtliche Ströme 
entweder von chemischen oder Temperaturunterschieden der Leiter 
her, wenn unter chemischen Unterschieden auch diejenigen der 
Konzentration bei den Konzentrationsströmen verstanden werden. 
Denn auch die beim Schütteln und Drücken oder ungleichzeitigen 



:Nr. L] Th. Groß. 43 

Eintauchen der Elektroden entstehenden Ströme sucht man nicht 
^urch diese Bewegungen selbst, sondern durch chemische von den 
letzteren bewirkte Unterschiede der Oberflächen der. Elektroden, 
wie Änderungen von Gasschichten u. dergl., zu erklären. 

Das Äquivalent der Stromenergie ist hiernach entweder durch 
<len Arbeitswert chemischer Vorgänge gegeben, die an den Be- 
rührungsflächen der verschiedenartigen Leiter erfolgen, oder durch 
unmittelbare Wärmearbeit 

Sehen wir zuerst, ob die hier beschriebenen Ströme als 
Thermoströme aufzufassen sind. 

Die wirksame Wärme konnten nur die chemischen Vorgänge 
■an der Zinkplatte liefern, man müßte demnach annehmen, daß 
durch sie die Flüssigkeitsschichten oder die Elektroden ungleich 
-erwärmt wurden. Der Thermostrom geht nun, wie durch einen 
Versuch festgestellt wurde, zwischen Kupferelektroden in Kupfer- 
sulfatlösung von der kalten zur warmen Elektrode; also mußte, 
wenn die hier betrachteten Ströme Thermoströme waren, zufolge 
ihrer oben angegebenen Richtung stets diejenige Elektrode stärker 
-erwärmt werden, die der blanken Seite der Zinkplatte gegenüber- 
stand. Aber die Tonzellen mußten doch den Übergang der Wärme 
auf die Elektroden hindern. Ferner mußte auch die Richtung 
eines Thermostromes, mochte er von ungleich erwärmten Flüssig- 
keitsschichten oder Elektroden entstehen, sich umkehren, wenn 
die einerseits isolierte Zinkplatte in die Nähe der einen oder der 
hinderen Elektrode gestellt wurde, während, wie oben angegeben, 
-die vorliegenden Ströme hiervon unabhängig waren. 

Außerdem wurde, um die Frage nach etwa vorhandenen 
Thermoströmen zu erledigen, der folgende Versuch angestellt. 

Die als Elektroden dienenden Kupferdrähte wurden ohne 
"Tonzellen in die Kupfersulfatlösung gehängt, und dem einen 
Drahte wurde in einem Abstände von nur etwa l cm eine Kupfer- 
platte gegenübergestellt, die den Querschnitt des Gefäßes fast 
ausfüllte. Wurde dann der über der Flüssigkeit befindliche Teil 
der Platte mittels eines Bunsenbrenners weit stärker erwärmt, als 
sich die Zinkplatte durch den chemischen Prozeß erwärmte, so 
-entstand kein Thermostrom, wenn unmittelbare Erwärmungen der 
Leiter durch die Flamme vermieden wurden. 

Femer wurden bei den hier beschriebenen Versuchen etwa 



44 Verlidl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 9. Jan. 1903. [Nr. 1. 

vorhandene elektromotorisch wirksame Unterschiede der Elek- 
troden zuvor ausgeglichen und auch durch die Versuche konnten 
sie nicht veranlaßt werden. Denn da die Elektroden in unver- 
änderter Stellung blieben, hätten sie nur durch die Flüssigkeits- 
strömungen entstehen können, die infolge der Ausscheidung von 
Kupfer und Auflösung von Zink an der blanken Seite der Zink- 
platte stattfanden, etwa indem dieselben vorhandene Gas- oder 
Oxydschichten änderten. Solche Strömungen mußten aber durch 
die Tonzellen von den Elektroden abgehalten werden, oder ihre 
Einwirkung auf die Elektroden und eine etwa dadurch bedingte 
elektromotorische Kraft der letzteren hätten sich doch wenigstens 
ändern müssen, je nachdem die blanke Seite der Zinkplatte sich 
in größerer oder geringerer Entfernung von der gegenüberstehen- 
den Elektrode befand. Das war jedocli keineswegs der Fall, und 
selbst die Beseitigung der Tonzellen änderte die elektromotorische 
Kraft nicht wesentlich, obgleich nun die Flüssigkeitsströmungen 
unbehindert auf die Elektroden wirken konnten. 

Die elektromotorische Kraft der vorliegenden Ströme kann 
also auch nicht aus chemischen, durch Flüssigkeitsströmungen 
bewirkten Unterschieden der Elektrodenoberflächen entstehen. 

Somit bleiben von bekannten Ursachen nur die Konzentra- 
tions- und chemische Änderung der Flüssigkeit an der blanken 
Seite der Zinkplatte übrig, indem sich daselbst eine Mischung 
von Kupfer- und Zinksulfat bildet. Diese gemischte Flüssigkeits- 
schicht reichte aber nicht bis zu den Elektroden, die sich in den 
mit Kupfersulfat gefüllten Tonzellen befanden, sie konnte daher 
nicht elektromotorisch wirken, wie sich auch durch einen Versuch 
nachweisen ließ. Wurde nämlich eine Tonzelle, die gemischte 
Lösungen von Kupfer- und Zinksulfat enthielt, in die Kupfer- 
sulfatlösung des Glasgefäßes nahe an die eine oder die andere 
Elektrode gestellt, so entstand allenfalls bei dem Hineinstellen 
ein jedoch nur momentaner Strom, dessen Richtung sich auch 
durch keine Regel bestimmen ließ. Auch erhielt ich keinen sicheren 
Strom, als ich in die Tonzelle aus einer Pipette Zinksulfatlösung 
fließen ließ. Dagegen entstanden sofort dauernde Ströme in der 
oben angegebenen Richtung, wenn in die Tonzelle ein einerseits 
durch Wachs isolierter Streifen Zinkblech gestellt wurde. 

Ferner würde die elektromotorische Kraft eines lokalen 



Nr. 1.] Th. Groß. 45 

Stromes zwischen der blanken Seite der Zinkplatte und dem aus- 
geschiedenen Kupfer unyerändert geblieben sein, wenn die erstere 
Tiel kleiner als der Querschnitt der Flüssigkeit war, und dieselbe 
elektromotorische Kraft würde zu beiden Seiten der Zinkplatte 
gleich gewesen sein und sich somit aufgehoben haben, wenn auf 
der isolierten Seite der Platte ein Teil metallisch frei gelegt 
wurde. Dagegen nahm die beobachtete elektromotorische Kr^t 
im ersteren Falle wesentlich ab und war im letzteren in meß- 
barer Stärke vorhanden^). 

Das Äquivalent der hier betrachteten Stromenergie wird also 
nach dem Vorstehenden weder durch chemische oder Konzentra- 
tionsunterschiede der Leiter, noch durch die Wärme selbst ge- 
liefert; ich schloß daher, da andere Arbeitsäquivalente nicht 
vorhanden sind, daß es in der lebendigen Kraft der molekularen, 
chemischen Bewegung besteht, die unabhängig vom Strome durch 
die Ausscheidung von Kupfer und Auflösung von Zink entsteht, 
indem diese Bewegung unter den gegebenen Bedingungen in Bezug 
auf beide Elektroden ungleich ist. Denn da sich Kupfer an der 
blanken Seite der Zinkplatte ausscheidet, wird sich Kupfer des 
Sulfates zu ihr hinbegeben, und es ist demnach in der Flüssigkeit 
von der Elektrode, die der blanken Seite der Zinkplatte gegen- 
übersteht, zu der letzteren eine molekulare Bewegung des Kupfers 
anzunehmen, an der das Kupfer in der übrigen Flüssigkeit in 
geringerem Maße teilnehmen wird. 

Die lebendige Kraft dieser Bewegung mußte nach meiner Auf- 
fassung das Äquivalent der Stromenergie hergeben. 

Wird die Intensität der chemischen Bewegung geringer, in- 
dem die Zinkplatte nicht den ganzen Querschnitt der Flüssigkeit 
ausfüllt, oder wird die Bewegung gleichmäßiger auf beide Elek- 
troden verteilt, indem man einen Teil der isolierten Seite der 
Zinkplatte freilegt, so wird dementsprechend auch die elektro- 
motorische Kraft geringer. 

Sind beide Seiten der Zinkplatte frei metallisch, und steht 
sie der einen Elektrode beträchtlich näher als der anderen, so 
ging der Strom nach dem oben erwähnten einleitenden Versuche 
von der ersteren zur letzteren Elektrode, es wird somit nach Ana- 



') Vers. II a. E. 



46 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 9. Jan. 190b. [Nr. U 

logie der mit eineraeits isolierten Zinkplatten erhaltenen Ströme 
die chemische Bewegung zwischen der Zinkplatte und der ihr 
nahen Elektrode weniger intensiv anzunehmen sein, als zwischen 
der Zinkplatten- und der von ihr entfernten Elektrode. 

War die im vorstehenden entwickelte Auffassung der hier 
betrachteten Ströme richtig, so war zu erwarten, daß auch zwi- 
sehen zwei einerseits isolierten und gleichgerichteten Zinkplatten 
Ströme entstehen, indem dann die chemische Bewegung von der 
einen zu der anderen Elektrode gerichtet ist. 

Ich stellte daher an die Querseiten des unter I angegebenen, 
mit konzentrierter Kupfersulfatlösung gefüllten Glasgefäßes zwei 
seinen Querschnitt fast ausfüllende Zinkplatten von der ebenda 
angegebenen Beschaffenheit in der Weise, daß ihre isolierten Seiten 
gleich gerichtet waren, und erhielt so in der Tat dauernde Ströme,» 
die wiederum von der isolierten zur blanken Seite der Zinkplatte 
gingen. Ihre elektromotorische Kraft betrug bei verschiedenen 
Versuchen 0,3 bis 0,6 Volt. Die Annahme von Thermo- oder 
Konzenti*ations- oder irgend welchen anderen Strömen, die von 
chemischen Verschiedenheiten herrühren, fällt hier sofort weg, da 
die thermischen und chemischen Änderungen an beiden Elek- 
troden gleichartig sind und jedenfalls nicht die beobachtete regel- 
mäßige Stromrichtung ergeben könnten. 

Diese Ströme waren äußerst empfindlich gegen die gering- 
sten Erschütterungen: ein in weiterer Entfernung vorüberfahrender 
Wagen, ein leichtes Anschlagen des Glasgefäßes mittels eines 
Bleistiftes u. a. m. änderten sie beträchtlich. Noch weit stärker 
wirkten die geringsten Bewegungen der Elektroden. Es lag ja 
zunächst nahe, dieses Verhalten dadurch zu erklären, daß die 
Elektroden bei ihrer Bewegung mit frischen Flüssigkeitsschichten 
in Berührung kamen, aber eine genauere Untersuchung ergab 
die Unzulässigkeit einer solchen Erklärung. Die geringste Ver- 
schiebung oder Erschütterung der Anode schwächte nämlich die 
elektromotorische Kraft wesentlich, während eine derartige Be- 
wegung der Kathode sie ebenso verstärkte. Diese Änderungen 
hielten nach Aufhören der Bewegung nicht an, waren aber 
dauernd bei sehr schwacher dauernder Bewegung der Elektroden. 

Diese sehr große Abhängigkeit ber betrachteten Ströme von 
geringen Erschütterungen dürfte es zum Teil erklären, daß ver- 



Kr. 1. Th. Groß. 47 

schiedene Versuche für die elektromotorischen Kräfte sehr ver- 
schiedene Werte ergaben, außerdem wird dafür die Ungleichmäßig- 
keit des vom Strome unabhängigen chemischen Prozesses in 
Betracht zu ziehen sein. 

Wurden die beiden gleichen in einem Glasgefäße befindlichen 
Elektroden aus Zinkblech entgegengesetzt gestellt, so daß ihre 
isolierten Seiten entweder beide nach innen oder nach außen ge- 
richtet waren, so wurden, indem die Wirkung der einen Platte 
überwog, auch Ströme erhalten, aber die elektromotorische Kraft 
betrug dann wenige Minuten nach dem Stromschlusse nur etwa 
0,1 Volt und nahm noch weiter ab. 

Einen weiteren Beweis für meine Auffassung der hier be- 
schriebenen Ströme gibt nach meiner Meinung der folgende 
Versuch. 

Ich stellte zwischen die beiden als Elektroden dienenden 
Zinkplatten und ihnen parallel eine ebenfalls auf einer Seite iso- 
lierte, ihnen gleiche Zinkplatte in die Kupfersulfatlösung, so daß 
die isolierten Oberflächen der drei Platten nach derselben Seite 
lagen. Die mittlere Zinkplatte war dabei mit den Elektroden 
nicht metallisch verbunden. Alsdann war die elektromotorische 
Kraft beträchtlich stärker, als wenn die mittlere Platte fehlte, 
und zwar betrug ihre Zunahme im Mittel 20 Proz. 

Eine noch stärkere Zunahme der elektromotorischen Kraft 
wurde durch Einsetzen von zwei Zwischenplatten der angegebenen 
Art und in dem angegebenen Sinne erhalten. 

Durch solche Zwischenplatten muß die chemische Bewegung 
offenbar stärker gerichtet werden, und daher geben sie auch eine 
Verstärkung der elektromotorischen Kraft. 

Der so erhaltene Strom führt aber Kupfer von der blanken 
Seite der Zinkplatte zu der ihr gegenüberliegenden Elektrode, 
während durch die chemische Bewegung Kupfer zu der blanken 
Seite der Zinkplatte geht; der Strom ist folglich der chemischen 
Bewegung entgegengerichtet. 

Die betrachteten Ströme entstehen also nach meiner Auf- 
fassung durch eine von ihnen unabhängige chemische Bewegung 
und] sind so gerichtet, daß sie dieselbe zu hemmen suchen. 

Diesen Vorgang möchte ich als molekulare Induktion be- 
zeichnen. 



48 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 9. Jan. 1903. [Nr. 1. 

Weiter zu untersuchen dürfte u. a. auch die Frage sein, in- 
wiefern dabei molekulare Schwingungen im Innern der Zinkplatten 
mitwirken. Für eine solche Mitwirkung scheint mir das entgegen- 
gesetzte Verhalten der beiden Elektroden gegen geringe Erschütte- 
rungen*) zu sprechen, und ferner das Verhalten der Zinkplatte 
in dem einleitenden Versuche 2). 

Statt der Zinkplatte konnte auch eine einerseits isolierte 
Platte aus dünnem Eisenblech genommen werden, indem alles 
andere ungeändert blieb. Es wurden dann ebenfalls dauernde 
Ströme in der angegebenen Richtung erhalten, doch war ihre 
elektromotorische Kraft sehr viel geringer als die der mittels der 
Zinkplatte erhaltenen Ströme. 

Zum Gelingen des Versuches ist aber notwendig, daß die 
freie Oberfläche der Eisenplatte von Oxyd rein ist, so daß sie 
kräftig angegriffen wird. 

Die Beschreibung weiterer bereits unternonmiener Versuche 
bleibt vorbehalten 3). 

^) Man Yfirl. oben S. 46. 

'') Man vgl. oben S. 40. 

^) Die von mir beschriebenen Ströme , die zwischen Eisenelektroden in 
Eisensalzlösung entstehen, wenn die eine Elektrode magnetisiert wird, sind 
nach meiner Auffassang analog wie die vorliegenden zu erklären. Man 
vergl. über sie Sitzber. d. Kais. Akad. d. Wiss. zu Wien, II. Abt., Dez.-Heft 
1885, Verhandl. d. Physik. Ges. zu Berlin 4, 38, 1885, auch Wied. Elektr., 
IV. Aufl., enthält ein Keferat, das aber den Inhalt der Abhandlung durch- 
aus nicht erkennen läßt. 



Berichtigung. 

In Heft 18 des vorigen Jahrgangs ist zu lesen: 
Seite 390, letze Zeile ... (1) statt (B). 
„ 391, Zeile 3 v. 0. . . 1 „ B. 



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BMdltaii ■. •• w., ja fast für die ganzsii NatnrwIusMoliafleii wegen des 
darin niedergelegten werthvoUen Materials ftlr die Physik der Atmosphäre 
Ton der höhten Bedeutung und kann als ein „ttmutmrd wtrk" bezeichnet 
werden, wie es bisher nodi nicht existirt sowohl wa» die Zahl und Sicherheit 
der Beobachtungen selbst, wie auch die strenge Methode der Bearbeitung 
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nach Angabe und Zeichnungen. 



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1903 HeU 2 





Berichte 

der 

Dentschen Physikalischen Gesellschaft 

enthaltend 

Yerhandlnngen 

der Deutschen Physikalischen Gesellschaft 
im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Scheel 

und 

Halbmonatliches Literaturyerzeichiiis 

der „Fortschritte der Physik", dargestellt von der 
Deutschen Physikalischen Gesellschaft 

redigiert von 

Karl Scheel Richard Assmann 

Beine Physik Kosmisclie Physik 



Brannschweig 

Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn 
19 3 



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durch oMe BuchhancUtmgen und PostanstaUen (Postzeitungsliste Nr. 1042 a) 



Inhalt. 



Seite 

1* Verhandlungen der BentBclien PhTsikalisolien OeseUsohaft. 

Bericht über die Sitzimg vom 23. Januar 1903 ......... 49 

W. Jaeger und H. von Steinwekr, Bestimmung des Wasser- 
wertes eines Berthelot sehen Kalorimeters in elektrischen 
Einheiten. (Mitteilung aus der Physikalisch - Technischen 
Reichsanstalt.) 50 

E. Giebe, Über die Bestimmung des Wärmeleitvermögens bei 

tiefen Temperaturen 60 

2. HalbmonatliolieB Literaturverzelohnis der Fortsohritte der 
Physik. 

I. Allgemeine Physik 17 

n. Akustik 19 

m. Physikalische Chemie 19 

lY. Elekti*izitat und Magnetismus 23 

V. Optik des gesamten Spektrums 25 

VI. warme 27 l 

Vn. Kosmische Physik 29 | 



Verhandlungen 

der 

Detttschen Physikalischen Gesellschaft 



Im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Scheel 
Sltzmiif: Tom $K8. Jannar 1908. 



Vorsitzender: Herr K Hagen. 



Hr. W. Jaeger berichtete über die 

Bestimmung des Wasserwertes eines BERTHELOTschen 
Kalorimeters in elektrischen Einheiten 

(nach gemeinsam mit Hm. H. y. Steinwehr angestellten Messungen). 



Femer tmg Hr. E. Giebe (a. G.) vor: 

Über die Bestimmung des Wärmeleitungsvermögens bei 
tiefen Temperaturen. 



Endlich sprach Hr. J. Zacharias (a. G.) 

Über neue magnetische Untersuchungen und die 
Mechanik der magnetischen Erscheinungen. 



Als Mitglieder wurden in die Gesellschaft aufgenommen: 

I Hr. Prot Gerhard Schmidt, Erlangen 

(vorgeschlagen durch Hrn. K Wiedemann), 

Hr. Schulamtskandidat L. Lewent, Berlin W., Motzstr. 87 
I (vorgeschlagen durch Hm. M. Planck). 



50 



Besti/m/mv/ng des Wasserwertes eines 

B er thelot sehen Kalorimeters in elektrischen 

Einheiten; 

von W. Jaeger und H. von Steinwehr. 

(Mitteilung aus der Physikalisoh-Teohnischen Reiobsanstalt.) 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 23. Januar 1903.) 

(Vgl. oben S. 49.) 



Die Kenntnis von Verbrennungswärmen chemischer Elemente 
und Verbindungen ist bekanntlich für die physikalische Chemie 
von großer Wichtigkeit; man hat sich daher schon vielfach mit 
der Messung dieser Größen beschäftigt, doch weichen die Angaben 
über die absoluten Werte der Verbrennungs wärmen teilweise er- 
heblich voneinander ab, wie ein Blick in die Tabellen von Landolt- 
BöRNST£iK lehrt. Im hiesigen Chemischen Institut ist deswegen unter 
Leitung des Herrn Prof. Emil Fischer die nochmalige sorgfältige 
Bestimmung von Verbreimungswärmen einer größeren Anzahl che- 
misch gut definierter Stoffe in Angriff genommen worden, wobei 
besonderer Wert auf die Reinheit der verwendeten Stoffe und, was 
ebenso wichtig ist, auf die Reinheit des zur Verbrennung benutzten 
Sauerstoffs gelegt wui-de. 

Die Reindarstellung der Substanzen und die Messung der 
Verbrennungswärmen mit dem BERTHELOTschen Kalorimeter ist 
von dem Assistenten am Chemischen Institut, Herrn Fr. Wrede, 
ausgeführt worden. 

Zur Ableitung des absoluten Wertes der Verbrennungswärmen 
in Kalorien ist es nun notwendig, den Wasserwert des Kalori- 
meters in der Anordnung, wie es zu den Versuchen gedient hat^ 
sorgfältig zu bestimmen. Auf Ersuchen von Herrn Prof. Fischer 
hat sich die Reichsanstalt mit dieser Aufgabe befaßt, und es soll 
im folgenden die dabei benutzte Methode beschrieben und die 
hinsichtlich der erreichbaren Genauigkeit gesammelte Erfahrung 
mitgeteilt werden. 



Nr. 2.] 



W. Jaeger und H. von Steinwehr. 



51 



BERTHELOT'sches Kalorimeter (Fig. 1). — Der Yon Bbr- 
THELOT zur Bestimmung von Yerbrennungswärmen angegebene 
Apparat besteht aus dem eigentlichen Wasserkalorimeter K und 
der Bombe jB, in der die Verbrennung vorgenommen wird. Die 
Verbrennungsbombe ist ein starkes Gefäß aus Nickeleisen yon 
etwa 300 ccm Inhalt mit einem luftdicht aufschraubbaren Deckel. 



Fig. 1. 




Der Sauerstoff wird durch ein Ventilrohr eingeführt und auf einen 
Druck von 20 bis 25 Atm. gebracht Die zu verbrennende Sub- 
stanz befindet sich in einem kleinen Platintiegel P und wird durch 
einen isoliert eingeführten Eisendraht mittels eines kurz an- 
dauernden elektrischen Stromes entzündet. Die Bombe steht in 
einem mit einer abgewogenen Wassermenge gefüllten Blechgefäß K 
von zwei bis drei Liter Inhalt, welches die in der Bombe ent- 

4* 



52 Yerhdl. d. Deateohen Physik. Gesellsoh. vom 23. Jan. 1903. [Nr. 2. 

wickelte Wärme aufnimmt; die Füße der Bombe sind unten spitz, 
um eine direkte Wärmeleitung zum Gefäß K möglichst zu yer- 
hindem. Das auf einem Ebonitgestell G- stehende Kalorimeter K 
ist umgeben von einem doppel wandigen, mit Wasser gefüllten 
Kupfermantel W mit Ebonitdeckel 2>. Der Zwischenraum zwischen 
der Bombe und dem Kalorimetergefäß ist mit einem ringförmigen, 
mit Löchern versehenen Rührer R ausgestattet, der durch einen 
Elektromotor mit Übersetzung in mäßigem Tempo auf und ab 
bewegt wird. Der Rührer läßt Platz für ein Quecksilberthermo- 
meter T. 

Die Verbrennung geht, wenigstens bei gut verbrennlichen 
Substanzen, in sehr kurzer Zeit Yor sich, die entwickelte Wärme 
teilt sich den Wänden der Bombe mit und geht allmählich in 
das Kalorimeterwasser über. Wenn man die auf diese Weise bei 
einem Verbrennungsversuch erhaltenen Temperaturen als Funktion 
der Zeit aufträgt, erhält man Kurven von der Form in Fig. 2; 
dieselben zeigen zuerst einen gleichmäßig starken Anstieg, der 
einige Sekunden nach Einleitung der Verbrennung einsetzt; nach 
einiger Zeit verlangsamt sich die Temperaturzunahme und geht 
schließlich in eine gleichmäßige Temperaturänderung über. Dieser 
Temperaturgang vor und nach dem Versuch (sogenannte Vor- 
und Nachperiode) ist eine Folge des Wärmeaustausches des Kalori- 
meters mit der Umgebung und muß zur Berechnung der an den 
beobachteten Anfangs- und Endtemperaturen anzubringenden Kor- 
rektion sorgfältig gemessen werden. In Fig. 2 ist die Vor- und 
Nachperiode in vergrößertem Maßstab oberhalb der Kurve des 
eigentlichen Versuches gezeichnet. Die horizontale Linie Wo der 
letzteren Kurve entspricht der konstanten Außentemperatur bei 
diesem Versuch. 

Nach diesen für das Verständnis notwendigen Erläuterungen 
sei zunächst kurz die hier befolgte Methode beschrieben. 

Bestimmung des Wasserwertes auf elektrischem Wege. 
— Zur Messung des Wasserwertes des Kalorimeters benutzten wir 
die schon öfter zu ähnlichen Zwecken angewandte elektrische 
Methode, indem wir die Erwärmung des Kalorimeters durch eine 
bekannte elektrische Energiemenge bestimmten. 

Von anderen Methoden käme in Betracht die Bestimmung 
des Wasserwertes durch die Mischungsmethode oder durch Aus- 



Nr. 2-] 



W. Jaeger und H. von Steinwehr. 



53 



wägung der Wassermenge und Metallmassen und Berücksichtigung 
der letzteren nach ihrer spezifischen Wärme. Doch erscheint dies 
besonders in Anbetracht der relativ großen Metallmassen (etwa 



Fig. 2. 



Nachpenode 



Orad' 



3,3 kg Metall bei 2,4 kg 
Wasser) als unsicher, 
auch ist man im Zwei- 
fel, wieweit man die 
Metallmassen zu rech- 
nen hat. Da anderer- 
seits die elektrischen 
Einheiten jetzt in so 
großer Zuverlässigkeit 
Yorhanden sind und 
die elektrische Methode 
80 bequem und ein- 
wandsfrei ist, wurde 
diese hier angewandt 
Es war dabei wün- 
schenswert, den durch 
die Verbrennung in der 

Bombe erhaltenen 
Temperaturverlauf zu 
kopieren, um mög- 
Uchst dieselben Ver- 
hältnisse zu erhalten 
wie bei den Verbren- 
nungen selbst, obwohl 
bei Berücksichtigung 
aller Faktoren der 
Wasserwert unabhän- 
gig vom Temperatur- 
Verlauf sein muß. Um 
dies zu erreichen, ist 
es nicht nötig, auch die 

Entwickelung der elektrischen Energie auf eine so kurze Zeit, wie 
die Verbrennung, zu beschränken und sie im Innern der Bombe 
zu erzeugen. Es würde auch in diesem Falle die elektrische Energie 
kaum mit der gewünschten Genauigkeit von etwa 1 Prom. gemessen 




:Mm 



54 Yerhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsoh. vom 28. Jan. 1903. [Nr. 2. 

werden können. Wir erreichten dieselbe Wirkung auf die Weise, 
daß auf die Zylinderfiäche der Bombe ein Metallband aufgewickelt 
wurde, das ein elektrischer Strom von einer oder mehreren Mi- 
nuten Dauer durchfloß. Die in diesem Falle erhaltenen Kurven 
entsprechen vollständig dem Typus der Fig. 2. (Diese Kurve ist 
auf elektrischem Wege gewonnen.) 

Die bei den Verbrennungen auftretenden Wärmemengen er- 
reichten im Maximum etwa 6000 g-Kal., welche das mit etwa 
2,4 Liter Wasser gefüllte Kalorimeter samt den Metallmassen um 
etwa 20 erwärmen. Um diese Energiemenge in einer Minute, die 
als untere Zeitgrenze gewählt wurde, hervorbringen zu können, 
benutzten wir eine Batterie von rund 70 Volt Spannung und 
wählten dementsprechend den Widerstand zu 11 Ohm. Die Lei- 
stung beträgt in diesem Maximalfall rund zwei Drittel Pferdekraft 
und die Belastung des Widerstandsbandes etwa 30 Amp./mm». 
Um möglichst konstante Energieverhältnisse zu erzielen, wurde 
als Material für den Widerstand Konstantan gewählt. Letzteres 
hatte eine Dicke von 0,05 mm, eine Breite von 4 mm und eine 
Länge von etwa 5 m und bedeckte gerade die Zylinderfläche der 
Bombe in eng aneinandergelegten Windungen, die durch einen 
dazwischen gewickelten Seidenfaden getrennt waren. Um das 
Konstantanband gegen die Bombe und das umgebende Wasser zu 
isolieren, was eine wesentliche Bedingung ist, wurde zunächst die 
Zylinderfläche der Bombe mit einem seidenen, mit Schellack ge- 
tränkten Bande umwickelt und darauf mit dem Konstantanband. 
Nach dem Trocknen wurde über dieses wieder ein nachträglich 
mit Schellack getränktes Seidenband gelegt; die an den Enden 
des Widerstandes angelöteten Drahtzuführungen wurden durch 
übergeschobene Gummischläuche geschützt Die Einrichtung hat 
sich vollkommen bewährt Es war dadurch möglich, die ganze 
Energiemessung auf die Ermittelung der Spannung an den Enden 
des Widerstandes während des Versuches zu beschränken; der 
Widerstand wurde vor und nach dem Versuch im Wasser des 
Kalorimeters gemessen. 

Versuchsanordnung. — Die Versuchsanordnung ist aus Fig. 3 
ersichtlich. A ist die Akkumulatorenbatterie von 70 Volt, R der 
Regulierwiderstand für die Stromstärke, U ein Umschalter, mittels 
dessen entweder die Bombe B oder der gleich große Ersatzwider- 



Nr. 2.] 



W. Jaeger und H. von Steinwehr. 



55 



lg- 

A 

|l|l|l|l|l|lll|llhAAAAAAn 

70 Voll 



a 



stand E eingeschaltet werden kann. Der letztere dient dazu, um 
vor dem Versuch die Stromstärke konstant werden zu lassen. Durch 
den Schlüssel S wird gleichzeitig der Heizstrom und der Strom- 
kreis eines Chronographen geschlossen und geöffnet, um die Zeit- 
dauer des Stromschlusses zu bestimmen. Zur Messung der Span- 
nung an den Enden des auf die Bombe gewickelten Widerstandes 
benutzten wir in bekannter Weise den Kompensationsapparat K 
mit dem Vorschaltwiderstand TT, wobei die zu messende Spannung 
einen Strom von genau 0,001 Amp. lieferte. Diese Stromstarke 
wurde mit dem zur Kompensation dienenden Normalkadmium- 
element N einreguliert. Ein Präzi- 
sionsYoltmeter G von Siemens und 
Halske mit aufgehängter Spule und 
Zeigerablesung, wie es zu pyro- 
metrischen Zwecken benutzt wird 
(1 Skalenteil = 2 X 10~^ Amp.) 
reichte für den vorliegenden Zweck 
aus, da ein Ausschlag von einem 
Skalenteil durchschnittlich Va Prom. 
der Spannung entsprach und da 
auf etwa ^/^o Skalenteil abgelesen 
werden konnte. 

Messung. — Zunächst wurde 
der Gang der Kalorimetertempera- 
tur nach Eintritt des Gleichgewichts- 
zustandes von Minute zu Minute abgelesen, während der Strom durch 
den Ersatzwiderstand E geschlossen war. Wir bedienten uns zur 
Temperatürmessung eines in Zehntelgrade geteilten Thermometers, 
das in der Vor- und Nachperiode mikrometrisch abgelesen wurde. 
Die Genauigkeit ist in diesem Falle etwa die gleiche wie bei den 
sonst meist benutzten, in Hundertstelgrade geteilten Thermometern; 
andererseits bietet es den Vorteil, daß in der weiteren Kapillare 
die Quecksilbersäule nicht so leicht hängen bleibt. Nach etwa 
10 Minuten dauernder Beobachtung wurde der Strom durch um- 
legen von U und durch den Schlüssel S in das Kalorimeter ge- 
leitet und dann von V4 zu V* Minute die Temperatur des Wassers 
angenähert abgelesen, um die für die Korrektion wegen des 
Wärmeaustausches mit der Umgebung notwendige Temperatur- 




56 Yerhdl. d. Denttchen Physik. GeaeUsoh. yom 23. Jan. 1908. [Nr. 2- 

kurve zu erhalten; gleichzeitig wurden von einem anderen Beob- 
achter die kleinen Abweichungen des Galvanometers von der 
Nulllage beobachtet, die dann als Korrektion an der während der 
Versuchsdauer ungeänderten Einstellung des Kompensationsappa- 
rates anzubringen waren. Nach dem Unterbrechen des Stromes 
wurde die gleichmäßige Änderung der Kalorimetertemperatur in 
der Nachperiode abermals mikrometrisch abgelesen. Aus der 
Spannung E in Volt an den Enden des Konstantanwiderstandes 
von w Ohm, der am Chronographen abgelesenen Zeit des Strom- 
schlusses t in Sekunden und dem beobachteten korrigierten Tem- 
peraturanstieg des Kalorimeters u (in Graden der H-Skala) be- 
rechnet sich dann der Wasserwert des Kalorimeters 

W -= Wattsekunden/Grad. 

Korrektion wegen des Wärmeaustausches. — Die Kor- 
rektion wegen des Wärmeaustausches geschieht vielleicht am ein- 
fachsten in folgender Weise. 

Ist u die jeweilige Temperatur des Kalorimeters, Uo die als 
konstant angenommene Außentemperatur, i die Zeit und a eine 
von den Dimensionen des Apparates u. s. w. abhängende Kon- 
stante, so ist unter Annahme des NEWTONschen Abkühlungs- 
gesetzes zu setzen 

dujdt = — a(u — Uo). 

Die Größen a und Uq berechnen sich aus der Vor- und Nach 
Periode, in denen du/dt konstant ist (Fig. 2). Bezeichnet man 
die Werte für die Vor- und Nachperiode mit dem Index 1 und 2, 
so erhält man 

1 /dtia dt*! \ 

Wj — Ui\ dt dt J 

Für die gesamte vom Kalorimeter abgegebene bezw. auf- 
genommene Wärmemenge ergibt sich dann 

tt' = — aUu — Uo)d^, 

h 
wobei das Integral von irgend einem Punkt der Vorperiode bis 
zu einem Punkt der Nachperiode zu erstrecken ist Sind die 



Nr. 2.] W. Jaeger und H. von Steinwehr. 57 

entsprechenden auf den Geraden du^ldt und du^ldt bei den Zeiten 
^ und ^ abgelesenen Temperaturen u^ und u^, so ist die korrigierte 
Temperatur u == % — Wi — u'. 

Das obige Integral stellt die Differenz der Flächen Fi und ^3 
in Fig. 2 dar. 

Die bekannten Formeln von Regnault, Pfaundler u. s. w. 
beruhen auf denselben Voraussetzungen und kommen auf eine 
mechanische Quadratur der Fläche hinaus; die obige Korrektion 
läßt sich leicht allen Verhältnissen anpassen. Die Größe der 
Konstante a betrug bei dem beschriebenen Apparat etwa 0,002 
für ^ = 1 Min., d. h. die Temperaturänderung des Kalorimeters 
bei 10 Differenz gegen die Außentemperatur betrug etwa 0,002 «^ 
pro Minute. 

Genauigkeitsgrenze. — Der Genauigkeit wird bei den 
Torliegenden Messungen in erster Linie eine Grenze gesetzt durch 
das Thermometer. Man braucht nur zu bedenken, daß bei einer 
durchschnittlichen Temperaturerhöhung des Kalorimeters von 2« 
die Ablesungen auf Viooo^ richtig sein müssen, wenn man eine 
Genauigkeit von 1 Prom. verbürgen will. Eine größere Temperatur- 
differenz würde zwar die Ungenauigkeit des Thermometers ver- 
ringern, aber andere Nachteile mit sich bringen. • Wenn das 
Thermometer auch noch so sorgfältig kalibriert und fundamental 
bestimmt oder an ein Normalthermometer angeschlossen ist, eine 
Genauigkeit von 1 Prom. für 2® Temperaturdifferenz wird man 
niemals garantieren können. Dazu kommt, daß die nicht unerheb- 
lich herausragenden Fäden der Thermometer Fehler mit sich 
bringen, die man ja zum Teil korrigieren und durch Anwendung 
von Fadenthermometem verringern kann, die aber doch noch 
eine größere Unsicherheit zur Folge haben. Femer ist auch 
noch die Trägheit des Thermometers zu berücksichtigen. Diese 
oft nicht genügend beachteten Mängel des Quecksilberthermo- 
meters bei kalorimetrischen Messungen sind wohl auch die Ur- 
sache dafür, daß diese Messungen im allgemeinen so schlechte 
Übereinstimmung zeigen und daß kalorimetrische Messungen des- 
halb zum Teil als ungenau angesehen werden. Wir sind der An- 
sicht, daß man durch Anwendung von geeigneten elektrischen 
Platinthermometem oder Thermoelementen eine beträchtlich 
größere Genauigkeit wird erzielen können, als es hier möglich 



58 



Yerhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 28. Jan. 1908. [Nr. 2. 



war, zumal man dann kleinere Temperaturdifferenzen und ent- 
sprechend größere Wassermengen verwenden und dadurch die 
Fehler des Wärmeaustausches mit der Umgebung yermindem 
kann. Doch mußten die Versuche äußerer Umstände halber vor- 
läufig abgebrochen werden. 

Resultat — Bezüglich der in der folgenden Tabelle zu- 
sammengestellten Resultate sei bemerkt, daß verschiedene Gruppen 
von Versuchen angestellt worden sind, bei denen die Stromstärke, 
die Zeitdauer des Stromschlusses und damit zum Teil auch die 
Größe des Temperaturanstiegs variiert wurde. Die Versuche be- 
wegen sich zwischen den Temperaturen von 12<> und 22 ». Die An- 
zahl der Versuche in den einzelnen Gruppen variiert zwischen 
fünf und neun. 



Nr. 


Volt 


Zeit 


Grad 


Anzahl 


Watt- 
seo/Grad 


1 Abweichung 
1 Prom. 


I 


67 


r 


20 


ö 


11626 


1 +^'^ 1 A 
1 -1,5 J "^ 


II 


48 


2 


2 


7 61 


III 


48 


2 


2 


9 46 


-0,2 




IV 


38 


3 


2 


7 56 


-1,0 


\ B 


V 


•48 


3 


3 


6 1 81 


H-M 




VI 


27 


4 


1,4 


7 1 44 


J 




Gesamtmil 


tel 11644 





Die Übereinstimmung der Versuche ist am schlechtesten innerhalb 
der Gruppe VI, bei der die Temperaturerhöhung nur 1,4^ betrug, wie 
es auch nach den früheren Bemerkungen über die Fehlergrenzen 
der Quecksilberthermonjeter zu erwarten war. Ein systematischer, 
die Beobachtungsfehler übersteigender Einfluß der Kupferzulei- 
tungen zu dem Widerstand, welche einen Durchmesser von 0,4 mm 
besaßen, ist nicht zu erkennen. Hinter den Werten sind die Ab- 
weichungen vom Mittel in Promille angegeben; die größte Ab- 
weichung beträgt 1,5 Prom., der mittlere Fehler des Gesamtmittels 
ist 0,5 Prom. Zwischen den mit Ä und B bezeichneten Messungen 
ist der Widerstand neu gewickelt worden. 

Die Genauigkeit des Gesamtmittels, das 11644 Wattsec/Grad 
beträgt, ist auf etwa 1 bis 2 Prom. zu schätzen. An diesem 
Mittelwert ist wegen der auf die Bombe gewickelten Seide und 



Nr. 2.] W. Jaeger und H. von Steinwehr. 59 

des Eonstantanbandes noch eine Korrektion von etwa 9 g-Eal. an- 
zubringen, 80 daß man schließlich als Wasserwert des untersuchten 
Kalorimeters bei der benutzten Wassermenge von 2421 g den 
Wert erhält: Tr=11606 Wattsec/Grad (oder rund = 2780 g-Kal.- 
Grad, wenn 1 Wattsec = 0,2394 g-Kal. gesetzt wird), d. L P Er- 
wärmung des Kalorimeters entspricht rund 2780 g-Kal. 

Die unter Zugrundelegung dieses Wertes erhaltenen Ver- 
brennungswärmen einer größeren Anzahl reiner organischer Ver- 
bindungen werden von selten des Chemischen Instituts an anderer 
Stelle veröffentlicht werden. 

Es besteht die Absicht, für einige besonders ausgewählte 
Stoffe die Versuche mit größerer Genauigkeit zu wiederholen, 
vielleicht unter Anwendung von Platinthermometern oder Thermo- 
elementen und mit einigen Verbesserungen am Apparat, auf die 
hier nicht näher eingegangen werden soll. 

Diese Substanzen können dann auch als Normalverbrennungs- 
substanzen zum Eichen von Kalorimetern dienen, doch wird es 
sich für grundlegende Messungen immer empfehlen, die hier vor- 
geschlagene elektrische Eichung vorzunehmen. 

Charlottenburg, Januar 1903. 



60 



Vher die BesMm/mtMtg des Wärmeleitvemiöffens 

bei Hefen Temperaturen; 

von JE. Giebe. 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 23. Januar 1903.) 
(Vgl. oben 8. 49.) 



§ 1. 

Den Ausgangspunkt für die im folgenden kurz beschriebene 
Methode zur Bestimmung des Wärmeleitvermögens Ä bezw. des 

Temperaturleitvermögens a* =^ — (c spez. Wärme, q Dichte) der 

CQ 

Metalle bei tiefen Temperaturen bildete das von Herrn Grün* 
EISEN 1) für diese Messungen bei Zimmertemperatur ausgearbeitete 
Verfahren; dasselbe beruht im Prinzip auf der Messung des 
variablen Temperaturzustandes in einem nur durch eine Ebene 
begrenzten Medium, an dessen Grenzfläche, durch Bespülung mit 
einem Wasserstrahl von konstanter Temperatur u von einem be- 
stimmten Augenblicke ^ = an, bis zu welchem das Medium 
überall die gleiche Temperatur Uq hatte, eine senkrecht zur 
Grenzfläche sich ins Innere fortpflanzende Wärmebewegung hervor- 
gerufen wird. In einer von Hr. Grüneisen allerdings nur durch 
wenige Versuche erprobten Modifikation der Versuchsanordnung 
wurde diese Wärmezuführung an der Grenzfläche? durch Bestrah- 
lung mittels eines elektrisch geglühten Platinbleches bewirkt. In 
dieser Form schien das Verfahren auch bei anderen Temperaturen 
als der des Zimmers anwendbar. Auf Vorschlag von Herrn Prof. 
Warburg habe ich diese Messungen ausgeführt, und zwar bei 
tiefen Temperaturen. 



^) £. Gbükbisbn, Ann. d. Phys. (4) 3, 48 ff., 1900 und Dissertation 
(Berlin) 1900. 



Nr. 2.] K Giebe. 61 



§2. 

Die Wiederholung der Versuche des Hr. Grüneisen in der 
letztgenannten Anordnung lehrte indessen, daß die gemachten 
theoretischen Voraussetzungen nicht streng genug erfüllt waren, 
um eine sichere Berechnung der Konstanten a^ zu gewährleisten. 
Unter Beibehaltung prinzipiell der gleichen Anordnung gelangte 
ich zu einer anderen theoretischen Grundlage durch folgende Vor- 
aussetzung: 

Es sei, bezogen auf den absoluten Kulipunkt, vi die Tempe- 
ratur des glühenden Platinbleches, u die yariable Temperatur der 
Endfläche des Mediums, dann wird die der letzteren durch Strah- 
lung zugeführte Wärmemenge für blankes Platin in jedem Augen- 
blicke proportional sein u'^ — u^. Ist nun u' hinreichend groß 
gegenüber den während der Versuchsdauer nur geringen Ände- 
rungen von ti, so kann man praktisch u'^ — w* = const setzen, 
d. h. durch die Grenzfläche fließt eine während der ganzen Ver- 
suchsdauer konstante Wärmemenge. Unter dieser Voraussetzung 
ist mit Hilfe der Wärmetheorie das folgende Problem zu lösen: 

Das Wärme leitende Medium ist durch eine Ebene begrenzt, 
die wir zur rr,y- Ebene eines rechtwinkeligen Koordinatensystems 
machen, derart, daß die positive Richtung der ;er- Achse in das 
Innere des Mediums zeigt. Das Medium habe'anfangs die Tempe- 
ratur NulL Von einem bestimmten Augenblicke ^ = an wird 

der Grenzfläche ^er = eine konstante Wärmemenge — k— = C 

zugeführt Innerhalb einer der Grenzfläche parallelen Ebene 
z = const wird alsdann zu jeder Zeit die Temperatur überall die- 
selbe sein. Die Differentialgleichung der Wärmeleitung lautet für 
diesen Fall: 

dt ~^ dz^' 
Sie ist zu lösen unter den Grenzbedingungen : 

_fc|^= C für j? = 0, 

dz 

u = für ^ = 0. 



62 Yerhdl. d. Deutsohen Physik. GesellBch. vom 23. Jan. 1903. [Nr. 2. 

Die Lösung ergiebt den folgenden Ausdruck: 



.0 ' 



äV« 



2 Ä 



2«V< nk 



1) 



Sind also die obigen Grenzbedingungen in der Praxis erfüllt, so muß 
die in einer beliebigen Entfernung beobachtete Temperatur als 
Funktion der Zeit u z=f(t) sich durch die Gleichung 1) dar- 
stellen lassen, wenn man nur der gesuchten Konstanten a^ den 
passenden Zahlenwert gibt, der somit durch versuchsweises 
Rechnen gefunden werden kann. Dabei braucht man, wie leicht 
ersichtlich, nicht die wahre Temperatur, sondern nur eine der 
Temperatur proportionale Größe q> zu kennen. 

§3. 

In praktischer Vereinfachung der Theorie erhielt das zu 
untersuchende Material die Form zylindrischer Stäbe. Vollständige 
Messungen wurden zunächst nur an einem Stabe aus reinem 
Wismut von 15 cm Länge und 1,8 cm Durchmesser vorgenommen, 
und zwar bei +18® Geis., bei — 79*^ (Gemisch von Kohlensäure- 
schnee mit Äther) und bei — 186® (flüssige Luft). In drei ver- 
schiedenen Entfernungen von der Endfläche (^1 = 1,05, 0^ = 2,04, 
jßfg = 3,05 cm) wurde mit Thermoelementen, deren elektromotorische 
Kraft der stets nur kleinen Temperaturdifferenz (einige Grade) 
proportional gesetzt wurde, u =f{t) (Versuchsdauer etwa 40 sec) 
bestimmt. Die Thermoelemente brauchten nicht geeicht zu sein, 
daher diente der Stab stets selbst als Elektrode. Die Zeiten 
wurden mit Hilfe eines Chronographen, die Thermoströme durch 
ein DuBOis-RuBENSsches Panzergalvanometer gemessen, das, gegen 
mechanische Erschütterungen und magnetische Störungen völlig 
geschützt, in Parallelschaltung seiner beiden Spulen einen Wider- 
stand von 3,25 Ohm und eine Empfindlichkeit von etwa 6 . 10-® Amp. 
pro Skalenteil hatte; dabei war die Skale in Millimeter geteilt 
und war 2,25 m vom Spiegel des Galvanometers entfernt. Dämpfung 
und Schwingungsdauer konnten so klein gemacht werden (Zeit 
zwischen zwei Umkehrpunkten T= 1,30 sec, Logarith. Dekrem. 



Nr. 2.] E. Giebe. 63 

^ = 0,090), daß für das in Bewegung befindliche System der 
Ausschlag (f in jedem Augenblick proportional der elektromotori- 
schen Kraft gesetzt werden konnte. 



§4. 

Der Stab selbst wurde in einem zylindrischen Glasgefäß von 
44 cm Länge und etwa 4 cm lichtem Durchmesser in vertikaler 
Lage festgelegt Eine auf sein oberes Ende aufgeschobene Scheibe 
aus Speckstein verhindert es, daß die Oberfläche des Stabes außer 
bei j^ = von der Bestrahlung des Platinbleches getroffen werde. 
Die Zuleitungen für die Thermoelemente wurden durch seitlich 
am Gefäße angesetzte Glasröhrchen luftdicht ausgeführt. Oben 
war das Gefäß mittels eines geeignet konstruierten Deckels, 
durch welchen auch die Zuleitungen für den Heizstrom des Platin- 
bleches (12 bis 22 Amp. Stromstärke) eingeführt wurden, luftdicht 
verschließbar. Li 2 bis 3 cm Entfernung von der in der Regel 
berußten Endfläche wurde ein Platinblech von 18 mm Breite, 
25 mm Länge und y^Q^mm Dicke ausgespannt Zwischen Blech 
und Endfläche war ein elektromagnetisch schnell entfembarer 
Schirm angebracht, der es gestattete, den Beginn der Bestrahlung 
als wohldefinierten Zeitpunkt ^ = am Chronographen zu markieren. 

Um bei den tiefen Temperaturen die Bedingung u = const = 
für die ganze Länge des Stabes bis zum Moment ^ = zu be- 
friedigen, mußte das Gefäß etwa 35 cm tief in das Kältebad ge- 
taucht werden. Ob der Stab auch wirklich die Temperatur des 
Bades angenommen hatte, wurde durch ein besonderes Thermo- 
element festgestellt. 

du 
Zur Erfüllung der Bedingung — fc -— = const während der 

c ^ 

ganzen Yersuchsdauer wurde vor allem der Heizstrom für das 

Platinblech konstant gehalten, femer das Gefäß zur Vermeidung 

von Luftströmungen bis zu einem Druck von etwa Viooc^^™ Hg 

evakuiert, nachdem das Platinblech durch wiederholtes Glühen 

von okkludierten Gasen nach Möglichkeit befreit war. 

Die Messungen bei — 186^ lieferten nur bei ganz geringen 
Drucken unterhalb Vioo ^^ Hg brauchbare Resultate. 



64 Verhdl. d. Deutsohen Physik. Gesellsch. vom 23. Jan. 1908. [Nr. 2. 

Die äußere Wärmeleitimg wurde, da der Stab gut poliert 
und von hinreichend großem Durchmesser^) war, nicht berück- 
sichtigt Durch das hohe Vakuum wurde überdies ein Wärme- 
yerlust vermöge der Luftleitung sowie durch Konvektion, die 
insbesondere bei vertikaler Lage des Stabes von störendem Ein- 
fluß hätte sein können, vermieden. 

§5. 
DieBechnung zeigte, daß der Idealfall der Theorie in der Praxis 
nicht völlig verwirklicht ist. Durch Einführung einer weiteren 
Konstanten g konnte man jedoch zu einer Berechnung des Tempe- 
raturleitvermögens gelangen, wenn man statt des Ausdrucks 1) 
den folgenden setzte: 



Man konnte alsdann stets einen Wert: 



1 e *«*« 

2" ^ + e 



I e-"*da 



2) 



so bestimmen, daß sich für jede Entfernung e die beobachtete 
Kurve q> =f(t) in ihrem ganzen Verlaufe durch Gleichung 2) 
darstellen ließ. Wie die Einführung einer solchen Konstanten 
theoretisch zu rechtfertigen ist, hat Hr. Grüneisen ^) eingehend 
erörtert. Ist für mehr als zwei Entfernungen isA bestimmt, so 
berechnet sich aus 3) a und t nach der Methode der kleinsten 
Quadrate. 

Wodurch in der geschilderten Anordnung die Abweichung von 
der Theorie des § 2, die übrigens bei 18<^ sehr gering ist, bei den 
tiefen Temperaturen aber immer beträchtlicher wird, bedingt ist, 
blieb unaufgeklärt. 

§6. 

Es ergaben sich die folgenden Resultate: 
bei +18« a = 0,266 bei — 790 a = 0,291 bei — 186« a = 0,434 

C = 0,05 om C = 0,126 cm C = 0,35 cm 



*) Vgl. hierüber L. Lobenz, Wied. Ann. 13, 597. 
«) 1. o. 



Nr. 2.] 



E. Giebe. 



65 



Zur Bestimmung yon k aus a ist noch die Kenntnis von q 
und c erforderlich. Die Dichte q wurde im hiesigen Institut an 
einer Probe des gleichen Materials von Herrn Marcus bei + 18<> 
und — 1860 gemessen und für — 79^ durch lineare Interpolation 
berechnet. Die mittlere spezifische Wärme c^^^ zwischen -|-18<^ 
und — 186® wurde nach der von U. Behn ^) angegebenen Methode 
ermittelt. Unter Zugrundelegung einer parabolischen Beziehung 
für die Abhängigkeit des c von der Temperatur wurde aus c^^^^ 
und den von anderen Beobachtern 2) für andere Temperaturinter- 
valle gefundenen Zahlen die wahre spezifische Wärme bei -\- 18®, 
— 790 und — 186® berechnet 

Alle Zahlen sind in absoluten Einheiten [cm, g, sec, g-kal. 

(18®)] in der folgenden Tabelle zusammengestellt, die auch die 

den Beobachtungen von Dewar und Fleming 3) entnommenen 

k 
Werte des elektrischen Leitvermögens x, sowie die Verhältnisse — 

enthält. 



Tem- 
peratur 



Dichte 



Spezif. 
Wärme 



a = f 



k 
e.Q 



Wärme- 
leitvermögen 
k 



Elektr. Leit- 
vermögen 
x.lO* 



.10- 



+ 18^ 
— 186« 



9,67 I 0,0303 
10,04 0,0296 
10,44 I 0,0284 



0,256 
0,291 
0,434 



0,0192 
0,0252 
0,0558 



0,861 
1.196 
2,452 



223 
211 
228 



Die Zahlen lassen erkennen, daß das LoRENZsche Gesetz 

k 
über die Abhängigkeit des Leitverhältnisses — von der Tem- 

k 
peratur für reines Bi nicht erfüllt ist. — bleibt nahezu kon- 
stant, während jenes Gesetz Proportionalität des Leitverhältnisses 
mit der absoluten Temperatur verlangt. 



») ü. Behw, Wied. Ann. 66, 236, 1898; Ann. d. Phys. (4) 1, 257, 1900. 
■) Kopp, Phil. Trans. London 155, I, 71; Schütz, Wied. Ann. 46, 
177, 1892. 

•) Dbwab u. Flbmino, Proc. Roy. Soc. 60, 72—75, 1896. 

5 



66 Yerhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 23. Jan. 1908. [Nr. 2. 

Dasselbe Ergebnis fanden auch Jaeger und Diesselhorst i) 
für reines Bi zwischen -|- IS* und + 100<>, nämlich 

bei 18» —.10-1 = 231, bei + 100« —.10-* = 258. 



*) W. Jabgsb und H. Diesselhobst , Wissensch. Abh. d. Phys.-Tecbn. 
Reichsanstalt 3, 1900. 

Berlin, Physika! Institut der Universität, 23. Januar 1903. 



Verlag yür Friedr« Vieweg & Sohn in Brannschwdg« 

JPie If^rtsohritte der JPliyslfc. Dargestellt von der 

Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Jeder Jahrgang in drei 

Abtheilangen. gr. 8. geh. 

BmnndfOnfiBigster Jahrgan^^. 1896. 

I. AbtheOung, enthaltend: Physik der Materie. Redigirt von Biehard 

Bamstein. 1896. A 20,^. 

n. Abtheflang, enthaltend: Physik des Aethers. Redigirt von BicJiard 

Bamstein. 1896. A 30,—. 

m. Abtheflnng, enthaltend: Kosmische Physik. Redigirt von Biehard 

Assmann, 1896. A 25,— . 

ZweinndffinfiBigster Jahrgang. 1896. 

L Abtheilnng, enthaltend: Physik der Materie. Redigirt von Biehard 

Bämstein. 1897. A 20,— . 

n. Abtheünng, enthaltend: Physik des Aeihers. Redigirt yon Biehard 

Bömstein. 1897. A dO,— . 

m. Abtheünng, enthaltend: Kosmische Physik. Redigirt von Biehard 

Assmann. 1897. A 21,— . 

BretundffinMgstQr Jahrgang. 1097. 

L Abtheilung, enthaltend: Physik der Materie. Redigirt von Biehard 

Bömstein. 1898. A 28,—. 

n. Abtheünng, enthaltend: Physik des Aethers. Redigirt von Biehard 

Bömstein. 1898. A 32,—. 

m. Abtheünng, enthaltend: Kosmische Physik. Redigirt von Biehard 

Assmann. 1898. A 21,—. 

Vierandfünfisigster Jahrgang. 1898. 

I. Abtheünng, enthaltend: Physik der Materie. Redigirt von Biehard 

Bömstein. 1899. A 26,—. 

IL Abtheünng, enthaltend: Physik des Aethers. Redigirt von Biehard 

Bömstein. 1899. A 84, — • 

IIL Abtheünng, enthaltend: Kosmische Physik. Redigirt von Biehard 

Assmann. 1900. A 22,— . 

TünfündfOnfidgater Jahrgang. 1899. 

L Abtheünng, enthaltend: Physik der Materie. Redigirt von Biehard 

Bömstein und Karl Scheel. 1900. A 26,—. 

n. Abtheünng, enthaltend: Physik des Aethers. Redigirt von Biehard 

Bömstein und Karl Scheel. 1900. A 34, — . 

in. Abtheünng, enthaltend: Kosmische Physik. Redigirt von Biehard 

Assmann. 1900. A 20, — . 

Beohsundfünfidgster Jahrgang. 1900. 

I. Abtheünng, enthaltend: Physik der Materie. Redigirt von Karl Sched. 

1901. A16,-. 

n. Abtheünng, enthaltend: Physik des Aethers. Redigirt von Karl Scheel. 

1901. A27,— . 
m. Abtheünng,* enthaltend: Kosmische Physik. Redigirt von Biehard 

Assmann. 1901. A 18,—. 

Siebennndffinfidgtter Jahrgang. 1901. 

I. Abtheünng, enthaltend: Physik der Materie. Redigirt von Karl Scheel. 

1902. A 17, -. 
IL Abtbeüoiig, enthaltend: Physik des Aethers, Redigirt von Karl Scheel. 

1902. A30,— . 

in. Abtheünng, enthaltend: Kosmische Physik. Redigirt von Biehard 

Aumann. 1902. A 2'i,— . 

Aehtiindfflnflrigtrter Jahrgang. 1902. (In Vorbereitung.) 



Zu beziehen durch alle Baohhandlungen. 



S. SeyboU's Kaeh|olp: 



» Mechanisclie und optische Werkstätten *■ 



Cöln a. Rhein 



gegründet 1853 



übernehmen die Oonstruction von 



Präcisions- Apparaten 

nach Angabe und Zeichnungen. 



Zahlreiche Jteferenzen und Jlnerkennungen. 




m^* Dieser Kummer sind beigegeben: Berioht Nr. 8 über Apparate und 
Anlagen, ausgeführt von Leppln & Masche in -Berlin S.O., Engelufer 17. — 
Femer ein Prospekt der Verlagsbuchhandlung von Alfred Schall in Berlin W. 30, ' 
betreffend lÄnkef „Moderne Luftschiffahrt^^ 



1903 HeH 3 





Berichte 

der 

Deutschen Physikalischen Gesellschaft 

enthaltend 

Yerhandlnngeii 

der Deutschen Physikalischen Gesellschaft 
im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Seheel 

und 

Halbmonatliches Literatnryerzeiehiils 

der „Fortschritte der Physil^", dargestellt von der 
Deutschen Physikalischen Gesellschaft 

redigiert yon 

Karl Seheel Bichard Assmann 

Beine Physik Koemiaohe Physik 



Brannschweig 

Druck und Verlag Yon Friedrich Yieweg und Sohn 
1903 



^onoöid^ 9wei Nunvmem. — Äbonnementspreis pro Jahrgang 8 Marh — Zu heziehen 
ämtk äOe Buckhandlungen und PostanataUen (Postzeitungsligte Nr. 1042 a) 



Inhalt. 



Saite 

1. Verhandlungen der Deutschen FhysikaliBohen Gtosellsohaft. 

Bericht über die Sitzung vom 6. Februar 190S 67 

Vorecbläge des wissehscliäftlichen AusscIinsBeB der Deutschen 
Physikalischen Gesellschaft für einheitliche Bezeichnungen, 
Benennungen, Definitionen und Regeln in der Physik ... 68 

ELfMey, tber das Kathodengefälle der Alkalimetalle ..... 72 

E. Stöckl, Das Fedorowsohe Universalgoniometer in der Kon- 
struktion von Fuels. Anwendung dieses Instnunentes zur 
Auflösung sphärischer Dreiecke 75 

G.Angenheister, Beiträge zur Kenntnis der Elastizität der Me- 
talle 80 

2. HalbmonatUohes LiteraturverBeiohnis der Fortsohritte der 

Fhjvlk. 

L Allgemeine Physik 35 

IL Akustik 37 

m. Physikalische Chemie 38 

IV. Elektrizität und Magnetismus 39 

Y. Optik des gesamten Spektrums 42 

YI. Wärme 43 

Vn. Eosmische Physik 45 



I 



Verhandlungen 



der 



Detttschen Physikalischen Gesellschaft 



Im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Scbeel 

9. Jnhrg. 15. Februar 1908. Nr. 3. 



Sitzung Tom 6. Februar 1908. 

Vorsitzender: Herr E. War bürg. 

Hr. K. Mey (a. G.) trägt vor: 
Über das Kathodengefälle der Alkalimetalle. 

Ferner bespricht und demonstriert Hr. E. Stöckl 

Das FEDOROWsche Universalgoniometer in der Kon- 
struktion von FuESS. Anwendung dieses Instrumentes 
zur Auflösung des sphärischen Dreiecks. 



Endlich berichtet Hr. E. Warburg über eine Arbeit von 
Hm. 6. Angenhelster: 

Beiträge zur Kenntnis der Elastizität der Metalle. 



5* 



68 



Vorschläge des tvissenschafttichen Aiissch/usses 

der Deutschen, Physikalischen Gesellschaft fUr ein- 

heitliche Bezeichnungen, Benennungen, Beßnttionen 

und Begeln in der Physik, 



Auf der Naturforscherversammlung zu Düsseldorf im Jahre 
1898 hat die Abteilung für Physik, einer Anregung seitens des 
Herrn Boltzmann entsprechend, sich mit der Frage einheitlicher 
Bezeichnungen für die wichtigeren in der Physik vorkommenden 
Größen beschäftigt und zur Beratung dieses Gegenstandes eine 
Kommission, bestehend aus den Herren Boltzmann, Planck^ 
RiECKE, E. WiEDEMANN, gewählt Im weiteren Verfolg dieser An- 
gelegenheit ersuchte der wissenschaftliche Ausschuß in seiner 
Sitzung vom 21. September 1901 zu Hamburg die Herren Drude 
und M. Wien, sich mit den Mitgliedern der Düsseldorfer Kom- 
mission in Verbindung zu setzen und in der nächsten Sitzung 
des wissenschaftlichen Ausschusses ausführliche Vorschläge zu 
machen. 

Dies ist in der Sitzung des wissenschaftlichen Ausschusses 
zu Karlsbad am 19. September 1902 geschehen, an welcher die 
Herren v. Lang, Lecher, Planck, Pringsheim, Simon, Warburg 
und M. Wien teilnahmen. Bei der anschließenden Beratung des 
Ausschusses über die gemachten Vorschläge wurde zunächst die 
prinzipielle Frage erörtert, ob man nicht lieber ganz radikal vor- 
gehen und unabhängig von dem Bestehenden auf Grund im vor- 
aus aufgestellter allgemeiner Regeln ein gänzlich neues System 
von Bezeichnungen ausarbeiten solle. Der Ausschuß hat diese 
Frage einstimmig verneint, und zwar hauptsächlich in der Er- 
wägung, daß bei dieser Art des Vorgehens eine Reihe von Bezeich- 
nungen, die sich durch ihre Zweckmäßigkeit bereits bewährt und 
bis zu einem gewissen Grade eingebürgert haben, fallen müßte, 
wodurch zunächst jedenfalls ein dem beabsichtigten gerade ent- 
gegengesetzter Erfolg erreicht werden würde, während der schließ- 
liche Gewinn immerhin noch fraglich bliebe. Vielmehr erschien 



Nr. 3.] Einheitliohe Bezeiolmimgen etc. in der Physik. 69 

es dem Ausschuß zweckmäßig, an das bereits Vorhandene anzu- 
knüpfen und nicht sowohl neue Vorschläge zu machen, als viel- 
mehr unter den schon gebräuchlichen Bezeichnungen eine geeig- 
nete Auswahl zu treffen. 

Von diesen Anschauungen ausgehend, hat sich der Ausschuß 
auf Vorschläge für die Bezeichnungen Yon 33 Größen geeinigt 
(liste I). Es wurden auch andere Größen besprochen, bezüglich 
deren man jedoch zu einer Entscheidung zwischen verschiedenen 
gemachten Vorschlägen nicht gelangte (Liste II). Ferner wurde 
eine Reihe von Benennungen, Definitionen und Regeln ange- 
nommen (Liste III). Endlich wurde beschlossen, den Fachgenossen 
zu empfehlen, am Anfang oder am Schluß jeder größeren Ab- 
handlung die darin gebrauchten Symbole mit ihrer Bedeutung 
zusammenzustellen. 

Die Listen I, U und III werden hierunter veröffentlicht und 
zum probeweisen Gebrauch empfohlen bezw. zur Diskussion ge- 
steUt 

Der Ausschuß ist sich völlig klar darüber, daß die gemachten 
Vorschläge für die Bezeichnungen bestenfalls nur dem augenblick- 
lichen Entwickelungsstande der Wissenschaft entsprechen können, 
und daß, da eine dauernde Weiterentwickelung im Wesen unserer 
Wissenschaft liegt, eine definitive Lösung der Aufgabe, welche für 
alle Zeiten zutrifft, von vornherein unmöglich sein dürfte. 

Wir empfehlen die vorgeschlagenen Bezeichnungen auch nur 
in dem Sinne, daß wir die Fachgenossen bitten, sie anderen Be- 
zeichnungen vorzuziehen, falls kein besonderer Grund dagegen 
vorliegt 

Wir hoffen, daß auf diesem Wege über diesen wichtigen 
Gegenstand eine Einigung unter den Physikern und womöglich 
auch unter den Vertretern verwandter wissenschaftlicher und 
technischer Disziplinen angebahnt werden möge. Etwaige Meinungs- 
äußerungen über die mit den Bezeichnungen gemachten Er- 
fahrungen bitten wir an Herrn Prof. M. Wien- Aachen einzusenden. 

Liste L 

1. Lange l 15. Radius r 

2. Masse m | 6. Fallbeschleunigung ff 

3. Zeit t 1 7. Druck (Kraft dui-cli Flache) . p 

4. Volumen v 8. Arbeit A 



70 



VerhdL d. Deutschen Physik. GeselUoh. vom 6. Febr. 1903. [Nr. 3. 



9. Kraft F 

10. Trägheitsmoment K 

11. Absolute Temperatur . . . . T 

12. Wärmeausdehnungskoeffizient 
der Gase k 

13. Gaskonstante (auf das Mole- 
kulargewicht bezogen) ... 22 

14. Wärmemenge Q 

15. Innere Energie U 

16. Entropie S 

17. Wellenlänge A 

18. Schwingungszahl (in 2n Se- 
kunden) n 

19. Schwingungsdauer (der gan- 
zen Schwingung) r 

20. Lichtgeschwindigkeit (im luft- 
leeren Raum) c 

21. Magnetische Feldstärke . . . ^ 



22. 



23. 
24. 
25. 
26. 
27. 
28. 
29. 
30. 



31. 
32. 
33. 



Magnetische Induktion (Ge- 
samtzahl der Kraftlinien ge 
teilt durch Fläche) . . . 
Magnetische Permeabilität 
Intensität d. Magnetisierung 
Magnetische Suszeptibilität . 
Elektrische Feldstärke . . . 
Elektrische Induktion . . . 
Dielektrizitätskonstante . . 

Kapazität 

Induktionskoeffizient . . . 
(falls gegenseitige Induktion 
vorhanden, Selbstinduktions- 
koeffizient X|i, gegenseitiger 
Induktionskoeffizient Xj^) 
Elektromotorische Kraft . . 

Stromintensität / 

Widerstand II 



3 



E 



Liste n. 



1. Geschwindigkeit u, g 

2. Dichte cf, A, 8, () 

3. Spezifische Wärme .... y, c 

4. Verhältnis der spezifischen 
Wärmen Cp/cv^=k 

5. Mechanisches Wärmeäqui- 
valent 5i j, *Ä 

6. Brechungsquotient v 



7. Fläche / 

8. Flächendichte <^y s, ^ 

9. Horizontalkomponente des 
Erdmagnetismus //, $ 

10. Magnetisches Moment . My ^ 

11. Magnetismusmenge m 

12. Elektrizitätsmenge .... e^ q 

13. Potential V, (p 



liste ni. 

1. Die absoluten Dimensionen einer Größe werden durch 
[Imt] mit den betreffenden Potenzen ausgedrückt. Bei Zahlen im 
[CGSJ-System brauchen die Einheiten nicht angegeben zu werden. 
Im Bedarfsfalle ist [em] oder [est] hinzuzufügen. 

2. Das Molekulargewicht ist auf = 16 zu beziehen. 

3. Das Wort ^Gewicht" ist stets im Sinne einer Kraft zu ge- 
brauchen. Unter mg, g, kg sind stets Massen zu verstehen, falls 
nicht das Wort „Gewicht" hinzugefügt wird. 

4. Der Buchstabe mit höherem Zahlenindex bezeichnet in der 
Regel eine Größe mit höherem Wert, z. B. r^ innerer Radius, r^ 
äußerer Radius. Die Indizes sind unten anzubringen. 



Nr. 3.] Einheitliche Bezeiohnangen etc. in der Physik. 71 

5. Als Achse einer Drehung wird diejenige zur Ebene der 
Drehung senkrechte Richtung bezeichnet, welche durch die fort- 
schreitende Bewegung einer sich in fester Mutter drehenden 
Rechtsschraube bestimmt ist. 

6. Ein rechtwinkliges Koordinatensystem soll in der Regel so 
gewählt werden, daß die positive z- Achse (Nr. 5) die Achse der- 
jenigen Drehung ist, durch welche die positive x- Achse mittels 
einer Vierteldrehung in die positive y-Achse übergeht. 

7. Die Achse eines Doppelpols geht in der Richtung vom 
negativen zum positiven Pol. 

8. Fläche, die der Radiusvektor während der Zeiteinheit 
zurücklegt (Flächengeschwindigkeit). 

9. Linien gleichen Druckes (Isobaren), gleichen Volumens (Iso- 
pyknen), gleicher Entropie (Isentropen), Linien ohne äußere 
Wärmezufuhr (Adiabaten), Linien gleicher Temperatur (Iso- 
thermen). 

10. Um die Vektoreigenschaft einer Größe hervorzuheben, 
wird sie mit großen deutschen Buchstaben bezeichnet, die auch 
in der obigen Liste I nur für Vektoren gebraucht sind. 

11. Komponenten von Vektorgrößen sind durch angehängte 
Indizes zu bezeichnen, z. 6. ^^, ipy, ^s. 



72 



Über das Kat/iodengefäUe der Alkalimetalle} 
von K. Mey. 

Aus der Berliner Dissertation 1902. 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 6. Februar 1908.) 

(Vgl. oben S. 67.) 



Infolge einer Beobachtung von Prof. Warburg i), die darauf 
hinzuweisen schien, daß die Alkalimetalle ein sehr kleines nor- 
males Kathodengefälle besäßen, habe ich die Eathodengefälle an 
reinen Oberflächen dieser Metalle in Stickstoff, Wasserstoff und 
Helium bestimmt. 

Als Kathoden wurden verwandt Kalium, Natrium und eine 
bei gewöhnlicher Temperatur flüssige Legierung von beiden, welche 
die Metalle im Verhältnis ihrer Atomgewichte enthielt 

Unter dem Einfluß des elektrischen Stromes bildeten sich an 
den Alkalikathoden in Stickstoff und Wasserstoff chemische Ver- 
bindungen >). In Stickstoff entstand das bekannte Kaliumnitrid 
K3 N und das entsprechende Natriumnitrid Na^ N, und zwar wurden 
an der Kalium-Natriumlegierung durch ein Milliampere in einer 
Minute regelmäßig 0,000033 g Stickstoff zur Bindung gebracht. 
In Wasserstoff entstehen wahrscheinlich die Verbindungen NaH 
und KH. 

Das Entstehen dieser Körper gab ein gutes Mittel, das Helium 
zu reinigen, indem man es elektrischen Entladungen in einer 
Bohre mit Kalium - Natriumkathode aussetzte: Stickstoff und 
Wasserstoff, die am schwersten zu beseitigenden Beimengungen, 
wurden zur Bindung gebracht und ein reines Heliumspektrum 
erhalten. 



») E. Waebübo, Wied. Ann. 40, 1, 1890. 
«) Vgl. Zbhndbr, Wied. Ann. 52, 56, 1894. 



Nr. 3.] 



K. Mey. 



73 



Die von mir gemessenen normalen Kathodengefälle betragen 
in Volt: 



I Quecksilber 



Natrium- 
amalgam 



Natriam i Kaliam 



Kal.-Natr.- 
Legierung 



Stieksioff . 
Wasserstoff 
Helium . . 



226 



185 



178 

185 

80 



170 
172 



125 
169 

78,5 



Das Eathodengefälle des Quecksilbers in Stickstoff, 226 Volt, 
wird demnach durch einen geringen Natriumzusatz um ungefähr 
40 Volt erniedrigt, auf 185 Volt; reines Natrium hat einen noch 
kleineren Wert. Gleichwohl sind in Stickstoff und Wasseratoff 
die Kathodengefälle der Alkalimetalle nicht so niedrig gefunden 
worden, wie vermutet wurde, sie liegen zum Teil noch etwas über 
demjenigen des Magnesiums in Wasserstoff. Jedenfalls ist die 
chemische Reaktion zwischen Gas und Metall hierbei von großem 
Einfluß. 

In Helium aber, gegen welches sie chemisch indifferent sind, 
zeigen die Alkalimetalle die niedrigsten bis jetzt konstant her- 
gestellten Kathodengefälle. 

Man konnte in diesem Gase unter Verwendung von Alkali- 
metallen als Kathoden bereits mit der Spannung der städtischen 
Zentrale, 110 Volt, die Glimmentladung hervorbringen. 

Eine Zusammenstellung der bisher für die wichtigsten Gase 
und Metalle gemessenen normalen Kathodengefälle i) scheint die 
Behauptung zu bestätigen, daß die Reihenfolge der Metalle nach 
abnehmendem Kathodengefälle in jedem Gase dieselbe ist. Platin 
hat stets das höchste. Aluminium ein niedrigeres. Magnesium 
noch ein geringeres Gefälle; dann folgt Natrium und mit dem 
kleinsten Gefälle Kalium. Dieselbe Reihe tritt auf, wenn man 
die Metalle nach ihren spezifischen Gewichten ordnet oder 
nach der Verwandtschaft zu Sauerstoff oder nach der Voltaschen 
Spannungsreihe. 



») Vgl. E. Warbubo, Wied. Ann. 31, 546, 1887 und 40, 1, 1890; 
J. W. Capstick, Proc. Roy. Soc. 63, 366, 1898; R. J. Strutt, Phil. Mag. 
März, 1900. 



74 Yerhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsoh. vom 6. Febr. 1908. [Nr. 3. 



I 




1 










g 


a 




ü 






1 


1 

:3 


1 







M 

fi 


p>« 


1 

1 


1 
1 




B 



'-3 




Ph 


O» 


CO 


M 


S3 


< 


^ 


Jz; 


M 


w 


Sauer8to£E . 


369 
















__ 


310 


1 




Wasserstofif 


800 


— 


295 


280 


230 


213 


190 


168 


185 ,169 


172 


Stickstoff . 


232 


226 


— 


— 


— 


— 


— 


207 


178 ' 125 


170 


Helium . . 


226 


— 


— 


— 


■"■ 


— 




— 


80 1 78,5 


69 


Argon . . 


167 


— 


— 






"" 


100 


"" 




— 


— 



Eine ausführlichere Mitteilung wird demnächst in den Ann. 
d. Phys. erscheinen. 



Berlin, Physik. Inst. d. Univ. 



75 



I>€is FedoTowsche Universalgoniometer in der 
Ktmstruktion von Fuefs^)* Anwendung dieses In- 
strumentes zur Auflösung sphärischer Dreiecke; 
von S. Stifckl. 

(Vorgetragen in der Sitzung yom 6. Februar 1903.) 
(Vgl. oben S. 67.) 



L Das zweikreisige Goniometer als Apparat zur Messung 
der Kristallwinkel. 

1. Um einen beliebigen Punkt im Innern eines, Kristalls 
denken wir uns mit willkürlichem Radius eine Kugel beschrieben. 
Von diesem Punkte werden die Normalen auf die Kristallflächen 
gefällt und bis zum Schnittpunkte mit der Kugeloberfläche yer- 
längert. Diese Schnittpunkte heißen die Pole der Flächen. Die 
Pole sämtlicher Flächen, die einer und derselben Zone angehören, 
liegen auf einem größten Kreise. Die Flächenwinkel des Kristalls 
werden als Bogen auf den größten Kreisen gemessen. 

Kennt man nun die sphärischen Koordinaten dieser Flächen- 
pole nach Maßgabe der geographischen Bestimmungsstücke — 
der Länge und Breite — ^ so sind die Elemente, welche die Grund- 
lage der Kristallographie bilden, eindeutig festgelegt. 

Die Ermittelung der sphärischen Koordinaten geschieht durch 
das zweikreisige Goniometer; ein solches hat de Fedorow») ent- 
worfen und FüESS konstruiert. 

Die Ebenen des horizontalen und vertikalen Teilkreises sind 
senkrecht zueinander justiert. 

Bei den einkreisigen Goniometern mußte jede Zone für sich 
zentriert und justiert werden, was bei flächenreichen und polyzo- 
nalen Kristallen eine sehr zeitraubende Arbeit ist Das zwei- 
kreisige Goniometer dagegen macht jede Justierung überflüssig. 



*) Eine ausführliche Beschreibung wird nächstens in Groths Zeitschrift 
für EristaUogp'aphie erscheine d. 

•) DE Fedorow, ZS. f. Krist. 32, 464, 190. 



76 



Yerhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsoh. vom 6. Febr. 1903. [Nr. 3. 



Nachdem man den Kristall auf das Meßtischchen aufgesetzt hat, 
sucht man der Reihe nach die Reflexe der Flächen auf und liest 



Fig. 1. 




-M.h,!^f]jL!m3t:iu;ii|]wi: 



;,Jjy,;ik;;.,;j.H^iWN"' 



die zugehörigen sphärischen Koordinaten der Pole auf dem hori- 
zontalen und vertikalen Teilkreise ab. Die Berechnung der 
Kristallelemente gestaltet sich sehr einfach. 



Nr. 3.] K. Stöokl. 77 

Macht man sich die Mühe, eine einzige Kristallzone zu 
j astieren, so ist jede größere Rechnung nachher bei der Aus- 
wertung der Resultate erspart, indem man die Flächenwinkel durch 
Addition und Subtraktion erhält Die Herstellung des Kristall- 
netzes in stereographischer Projektion ergibt sich auf Grund 
dieser Messungen ohne weiteres. 

2. Das zweikreisige Goniometer soll femer das Studium der 
facettierten und Vizinalflächen erleichtem. Hierbei mag folgende 
Vorrichtung gute Dienste leisten, die auch bei der Einstellung mangel- 
haft ausgebildeter KristaUfiächen sich wohl bewährt (Fig. 1, IV). 

Handelte es sich früher um die Einstellung einer schlecht 
spiegelnden Fläche, so blendete man die nicht brauchbaren Teile 
der Fläche dadurch ab, daß man sie mit Tusche überzog und nur 
den gut ausgebildeten Teil frei ließ, der dann spiegelte. Den- 
selben Effekt kann man nach Czapski-Pulfrich auf rein opti- 
schem Wege folgendermaßen erreichen: Man schaltet vor die 
Kollimatorlinse einen Abblender, Fig. 1, IV, der aus nichts weiter 
besteht, als aus einer Irisblende «, die auf einem Kugelgelenk ß 
drehbar ist. Dadurch wird es ermöglicht, den Strahlenzylinder 
beinahe punktförmig einzuengen und auf einen ganz kleinen Teil 
der Kristallfläche zu richten, auf jenen, den man gerade zum 
Spiegeln bringen will. 

In Fig. 1 zeigt H den Kristallträger mit Zentrier- und Justier- 
vorrichtung in der alten bekannten Form. HI stellt die WuLFFsche 
BeleuchtungSYorrichtung dar. Dieselbe kann auf das Kollimator- 
rohr C aufgeschraubt werden; der Spiegel y wirft die Strahlen 
einer Lichtquelle auf das Signal. 

n. Auflösung sphärischer Dreiecke. 

In sehr geistreicher Weise hat de Fedorow gezeigt, wie man 
mit dem zweikreisigen Goniometer Rechnungsoperationen, welche in 
der Kristallographie immer wiederkehren^ rein mechanisch durch- 
führen und sphärische Dreiecke ohne jede Rechnung auflösen kann. 

Solche Aufgaben sind: 

1. Die Bestimmung der sphärischen Koordinaten des Poles 
einer Zone, wenn die sphärischen Koordinaten von zwei zu der Zone 
gehörigen Flächenpolen gegeben sind. 



78 



Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 6. Febr. 1903. [Nr. 3. 



Fig. 2. 



2. Die Messung des Bogens zwischen zwei Polen, deren 
sphärische Koordinaten gegeben sind. 

3. Die Messung des Winkels am Schnittpunkt zweier Zonen- 
kreise. 

Bei allen diesen Aufgaben handelt es sich darum, zwei Punkte, 
deren sphärische Koordinaten gegeben sind, einzustellen. Um den 
Schnittpunkt der Achsen des horizontalen Teilkreises H und verti- 
kalen Teilkreises F, ^den Mittelpunkt des Apparates^, sei eine 
Kugel mit beliebigem Radius beschrieben und die zwei Punkte 
auf der Oberfläche eingezeichnet. Dieselben werden mit dem 
Mittelpunkt verbunden und die Ebenen konstruiert, welche auf 
den Verbindungsgeraden senkrecht stehen. Als solche Ebenen 

nimmt DE Fedorow zwei Metall- 
spiegelchen M und N (Fig. 1 u. 2). 
Die Einstellung dieser Flächen nach 
gegebenen sphärischen Koordinaten 
erfolgt nach dem umgekehrten 
Prinzip, welches die Koordinaten 
der Flächenpole eines Kristalls ab- 
zulesen gestattet Dazu ist es not- 
wendig, die Spiegel nach allen 
Richtungen beweglich zu machen. 
Dies ist ermöglicht durch das Hilf s- 
kreissystem, zwei zueinander senk- 
rechte Kreisbögen 1 — 1, 2 — 2 in 
Fig. 1, I. Diese Figur zeigt das zweikreisige Goniometer in Ver- 
bindung mit dem Hilfskreissystem; die beiden Spiegel M und N 
sind mit ihrem Träger in Fig. 2 noch besonders herausgezeichnet. 
Handelt es sich z. B. um die Messung des Bogens zwischen 
zwei Flächenpolen, so wird diese Größe nach Einstellung der 
beiden Spiegel dargestellt durch den Winkel, den die Ebenen 
dieser zwei Spiegel miteinander bilden. 

Bei der Entwickelung der sphärischen Dreiecke denkt man 
sich eine Ecke stets in den Pol des Äquators fallen, d. i. jener 
Ebene, welche durch den „Mittelpunkt des Apparates" parallel 
zur Ebene des horizontalen Teilkreises gelegt ist. Die beiden 
anderen Ecken sind durch ihre sphärischen Koordinaten bestimmt 
und werden mittels der zwei Spiegel eingestellt. Wir nehmen 




Nr. 3.] K. Stöckl. 79 

folgendes Beispiel: „Gegeben sind zwei Seiten eines sphäri- 
schen Dreiecks b und c und der eingeschlossene Winkel a; 
gesucht ist die Seite a und die Winkel ß und y.^ 

Die Koordinaten der Ecke B sind: 
Längenkoordinate o, 
Breitenkoordinate 90— c; 
jene der Ecke C sind: 

Längenkoordinate a, 
Breitenkoordinate 90 — b. 

Hat man die beiden Spiegel nach diesen Koordinaten fest- 
gelegt, so gibt ihr Winkel die gesuchte Seite a; der Winkel, um 
welchen man das Hilfskreissystem drehen mußte, bis die Schnitt- 
linie der Ebenen beider Spiegel (Fig. 1, I) mit der Achse des 
Hauptteilkreises V zusammenfällt, bestimmt den Winkel /3, wie 
sich aus der Entwickelung der stereographischen Projektion des 
Dreiecks sofort ergibt 

Die ausführlichen Einstellungsvorschriften werden nächstens 
mit weiteren Beispielen in Groths Zeitschrift für Kristallographie 
yeröffentlicht werden. 

Die Genauigkeit, mit der sich die Seiten und Winkel be- 
stimmen lassen, liegt im allgemeinen zwischen Vs' ^^^ l'i ^^ für 
kristallographische Zwecke in den meisten Fällen mehr wie hin- 
reichend ist 



94 Yerhdl. d. DeutBchen Physik. GeseUach. vom 20. Febr. 1908. [Nr. 4. 

zeigt Die Messungen von Gerlach über die Siedepunktserhöhung 
bei konzentrierten Salzlösungen i) bestätigen diesen geradlinigen 
Verlauf. 

Man kann also Ton der genannten Eonzentrationsgrenze an 
in Gleichung 3) näherungsweise 
dlnp 
av 
setzen, worin a eine für den gelösten Stoff charakteristische Kon- 
stante darstellt. 

Nach Einsetzung dieses Wertes in Gleichung 3) wird dieselbe 
integrierbar, und man erhält durch Ausführung der Integration 
die einfache Beziehung: 

A = aRTln'^ 4) 

Handelt es sich bei der Konzentrationsverschiebung nicht um 
den gelösten Stoff, sondern um das Lösungsmittel (Wasser), so 
vereinfacht sich Gleichung 3) für die Arbeitsleistung in 

dlnp 



A' = —BT f' 
oder, wenn wir wieder 



dv 
cv 



dlnp 
dv 
setzen, so wird 

Ä' = aRT{v, — vg) 5) 

Die Arbeitsleistung, welche mit dem Transport von 1 Mol. 
Wasser aus einer Lösung in die andere verbunden ist, ist also 
in äußerst einfacher Weise aus der Konstante a und der Konzen- 
trationsdifferenz der Lösung berechenbar. Es gelten also für die 
Arbeitsleistung bei Konzentrationsverschiebungen in hoch konzen- 
trierten Lösungen ebenso einfache Näherungsgesetze wie in den 
ideal verdünnten Lösungen, nur daß für jeden Stoff ein spezieller, 
durch Siedepunktsbeobachtungen leicht zu bestimmender Faktor a 
hinzutritt. 

In nachstehender Tabelle 1 sind für eine Reihe von Salzen 
die aus den Messungen von Tammann, Dieterici u. a. berechneten 
Werte von u in wässeriger Lösung wiedergegeben. Die Zahlen 



') Landolt-Börnstein, PhysikaliBch-chemische Tabellen. 



Nr. 4.] 



F. Dolezakk. 



95 



zeigen einen dentlichen Zusammenhang mit den Lföslichkeiten, in- 
dem bei chemisch ähnlichen Salzen das löslichere stets den 
größeren Wert yon a besitzt 

So befolgt z. B. bei den Halogenverbindungen der Alkali- 
salze die Größe a die Reihenfolge Fluorid, Bromid, Jodid, Chlorid, 
also die gleiche Eeihenfolge wie die Löslichkeiten. 

Die Konstante a ist streng genommen eine Funktion der 
Temperatur, die Änderung mit der Temperatur ist jedoch, wie 
aus den Messungen von Tammann hervorgeht und sich auch leicht 
ans der EiRCHHOFFschen Formel für die Verdünnüngswärme ab- 
leiten läßt, meist geringer, als die Genauigkeit der angegebenen 
Werte, so daß ihre Berücksichtigung vorläufig wenigstens un- 
möglich ist. Die abgeleiteten Beziehungen ermöglichen eine sehr 
große Anzahl praktischer Anwendungen, von denen nachstehend 
einige wiedergegeben werden mögen. 







Tabelle 


1. 








a 




1 a 




a 


H,SO, . . . 


1 84 


KJ . . . 


2.5 


NaNOa . 


1,6 


HCl ... . 


7,9 


KBr . . 


1,8 


LiBr . . 


5.8 


H3PO, . . . 


3,0 


KCl. . . 


1,8 


LiCl . . 


4,6 


NaOH. . 


7,4 


KNO3. 


1,2 


NH.Br . 1 


2,1 


KOH . . . 


3,9 


NaJ . . 


4,1 


NH,C1 . 


1,7 


K,C03 . . . 


7,1 


NaBr . . 


1 3,5 


ZnCl, . . 


8,4 


KF . . . 


1 4,8 


NaCl . . 


1 2,6 


C.H3O« . 


1,01 



2. Partialspannungskurve des gelösten Stoffes 
in konzentrierter Lösung. 

Aus Gleichsetzung von Gleichung 1) und 4) ergibt sich für das 
Verhältnis der Dampfspannungen des gielösten Stoffes über den 
Lösungen sogleich die Beziehung: 



In— ^= a In 



oder 



^^ 



^1 Vv,/ 



6) 



Die Konstante a erlaubt mithin auch, in einfachster Weise 
die Kurve für die Partialspannung des gelösten Stoffes ihrem 



96 



Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 20. Febr. 1903. [Nr. 4. 



relativen Werte nach für die verschiedenen Konzentrationen zu 
berechnen. 

Kennt man die Dampfspannung des gelösten Stoffes % für 
irgend eine Konzentration, z. B. für die gesättigte Lösung, so läßt 
sich die Berechnung natürlich auch dem absoluten Werte nach 
ausführen. 

Als Beispiel der Anwendbarkeit dieser Gleichung sei die Be- 
rechnung der Ghlorwasserstoffspannungen über verschieden konzen- 
trierten Salzsäurelösungen wiedergegeben. Bei einer Konzentration 
von r = 0,173 (achtfach normal) beträgt die Salzsäurespannung 
nach meinen früheren Messungen bei 30^ C. 4,10 mm Quecksilber. 
Nach obiger Tabelle ist zu setzen a = 7,9. 

Für die Chlorwasserstoffspannung konzentrierter Salzsäure- 
lösungen ergibt sich dann aus Gleichung 6) die Beziehung: 

log^^it = 6,6421 — 7,9 log^^v, 
ausgedrückt in Millimeter Quecksilber. 

In nachstehender Tabelle 2 ist für Salzsäuren verschiedener 
Konzentration ein Vergleich der mittels dieser Gleichung be- 
rechneten Werte mit den gemessenen Werten wiedergegeben. 

Derselbe zeigt, daß in der Tat die Konstante a den ganzen 
Verlauf der Spannungskurve mit guter Annäherung wiedergibt, 
obgleich sich die Spannungen von 0,09 mm bis 277 mm, d. h. um 
ihren dreitausendfachen Betrag, ändern. 

Tabelle 2. 









HCl -Spannung n 


Normal- 
gehalt 


Proz. HCl. 


y 


mm Hg, 30» C. 


gemessen 


berechnet 


12,0 


36,8 


0,288 


277 1 230 


11,0 


34,2 


0,257 


112 1 95 


10,0 


31,4 


0,226 


31,5 1 34 


9,0 


28,6 


0,198 


11,2 12 


8,0 


25,8 


0,173 


4,10 4,1 


7,0 


22,9 


0,146 


0,96 , 1,1 


6,0 


19,8 


0,122 


0,52 0,6 


5,0 


16,8 


0,100 


0,09 \) 


0,06 



Dieser Wert ist den Messungen von Gahl (ZS. f. phys. Chem. 33, 
178--214, 1900) entnommen und bezieht sich auf 25® C. 



Nr. 4.] F. Dolezalek. 97 



3. Elektromotorisclie Kräfte in konzentrierter Lösung. 

Eine gute Prüfung für die Gültigkeit der abgeleiteten Be- 
ziehungen und ein ausgedehntes Anwendungsgebiet derselben er- 
gibt auch die Berechnung der Änderung der EMK. eines galva- 
nischen Elementes mit der Konzentration seiner Lösung. Am besten 
eignet sich hierzu das Kalomelelement wegen der großen Löslichkeit 
des Zinkchlorids und der vorzüglichen Konstanz seiner EMK. In 
dem Kalomelelement findet bei Stromentnahme ein chemischer Prozeß 
statt, welcher gegeben ist durch die Gleichung: 

VaZn + HgCl = V2 ZnCl, 4- Hg. 

Die Stoffe Zn, Hg Cl und Hg gelangen in fester Form zur Reaktion, 
ihr Energiewert ist daher unabhängig von der Lösung. Die EMK. 
des Kalomelelementes bei verschiedenen Konzentrationen der Zink- 
chloridlösung unterscheidet sich daher nur durch den Energie- 
unterschied, den das Zinkchloridmolekül in Lösungen verschiedener 
Konzentration aufweist. Die Differenz der elektromotorischen 
Kräfte {E^ — E^) zweier Kalomelelemente, welche mit Zinkchlorid- 
lösungen von den Konzentrationen v^ und Vg gefüllt sind, ist 
daher berechenbar durch die Arbeit, welche gewonnen werden kann, 
wenn 1 g-Mol. Zinkchlorid aus einer Lösung in die andere über- 
geführt wird. 

Gleichung 4) liefert unmittelbar für die Differenz der elekti-o- 
motorischen Kr^te die Beziehung: 

E. — Ei = a In — , 

worin m die Elektrizitätsmenge bedeutet, welche bei Bildung 
von lg -Mol. Zinkchlorid von dem Element geliefert wird. Bei 
einem chemisch zweiwertigen Stoff, wie ZnClj, ist bekanntlich 
tn = 2.96540 Coulomb. Drückt man R in elektrischem Energie- 
maß aus und verwendet an Stelle der natürlichen BRiGGsche 
Logarithmen, so wird: 

1,983. 10-* T , , Vi 
E^ — E, = a.-' X log^'z"' 



98 



Yerhdl. d. DeatBohen Physik. Gesellsch. vom 20. Febr. 1908. [Nr. 4. 



Nach Tabelle 1 ist für Zinkchlorid a = 8,4 zu setzen. Nach 
Messungen von Intosh i) beträgt die EMK. bei der Konzentration 
V = 0,1024 und 15o C. 0,983 Volt. Für die Abhängigkeit der 
EMK. von der Konzentration gilt daher die Gleichung: 
JS; = 0,745 — 0,240 %iov. 

Tabelle 3 enthält den Vergleich zwischen den nach dieser 
Gleichung berechneten Werten und den Messungen von Intosh. 







Tabelle 3 






Dichte 


Proz. ZnCl, 


" 


E 15« C. 


15° C. 


gemessen 


berechnet 


1,747 
1,580 
1,469 
1,333 


60,4 
50,8 
43,6 
83,44 


0,2017 
0,1367 
0,1024 
0,0664 


0,914 
0,956 
0,983 
1,028 


0,912 
0,953 
0,983 
1,028 



Die nach der einfachen; logarithmischen Formel berechneten 
Werte stimmen mit den Messungen vorzüglich überein, obgleich 
es sich hier um außerordentlich hoch konzentrierte Lösungen 
handelt 

Das CLARK'sche Normalelement eignet sich leider nicht zu 
einer eingehenden Prüfung der obigen Gleichung, da die Löslich- 
keit des Zinksulfates zu gering ist. Aus Fig 1 ist jedoch deutlich 
zu erkennen, daß bei Salzen geringerer Löslichkeit, die, wie oben 
erwähnt, auch einen kleinen Wert von a besitzen, die Konstanz 
von a noch ein beträchtliches Stück unterhalb v = 0,1 hinab- 
reicht. Aus diesem Grunde ist es möglich, auch für die EMK. 
des Glarkelementes bei wechselnden Zinksulfatkonzentrationen eine 
einfache logarithmische Beziehung anzugeben. Die ganz analog 
wie oben ausgeführte Berechnung ergibt für 15^ C. die Gleichung 
(a = 2,2): 

E= 1,355 — 0,062 log^^v. 

In nachstehender Tabelle ist ein Vergleich der Berechnung 
mit den Messungen von Callendar und Barnes wiedergegeben: 



•) Journ. phys. ehem. 2, 185, 1898. 



Nr. 4.] 



F. Dolezalek. 
Tabelle 4. 



99 




1,440 
1,372 
1,248 
1,190 



Als drittes Beispiel sei die Berechnung der EMK. der Chlor- 
wasserstoffkette bei Verwendung verschieden konzentrierter Salz- 
säurelösungen wiedergegeben. Bei einer Konzentration von t; =0,10 
und einer Temperatur von 30oC. beträgt die EMK. 1,19 Volt. Nach 
Tabelle 1 ist für HCl a = 7,9 zu setzen. Für die EMK. folgt 
dann die Gleichung: 

E = 0,725 — 0,474 log^^v. 

Den Vergleich zwischen Messung und Berechnung enthält 
nachstehende Tabelle: 



Normal- 


y 


E 3(^C. 


gehalt 


gemessen 


berechnet 


5,00 

6,43 

11,20 

12,14 


0,100 
0,133 
0,263 
0,294 


1,19 
1,15 
1,01 
0,98 


1,20 
1,14 
1,00 
0,98 



Besteht der stromliefernde Prozeß in dem betrachteten galva- 
nischen Element nicht in der Bildung bezw. Zersetzung des ge- 
lösten Stoffes, sondern in einer solchen des Lösungsmittels (Wasser) 
selbst, wie dies z. B. bei der GROVEschen Gaskette und der elektro- 
lytischen Zersetzung sehr vieler wässeriger Lösungen der Fall ist, 
so ist die Änderung der elektromotorischen Kraft bezw. der Zer- 
setzungsspannung nach Gleichung 5) gegeben zu: 



E^ — Ei = a. 



0,861 



2 ■.10-*T(i/2 — 1/0 Volt. 

Der Faktor 2 erscheint im Nenner, weil das Wassermolekül chemisch 
zweiwertig ist. 



122 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 6. März 1903. [Nr. 5. 
Ausdehnung in ft = 0,001 mm. 



Intervall 


^ = 0,3281 


0,2890 


0,2730 


0,2431 


Mittel 


15 bis 100» 
15 „ 56 
15 „ 56 
15 „ 100 


0,589 
0,261 
0,266 
0,602 


0,607 
0,270 
0,252 
0,603 


0,595 
0,226 
0,242 . 
0,615 


0,592 
0,256 
0,261 
0,611 


0,596 
0,253 
0,255 
0,608 



Korrektion wegen Luftzwischenraum 

zwischen lö« und 100» — 0,005 ft 
zwischen 15^ und 56o — 0,003 ft, 

somit Ausdehnung 

Mittel zwischen 15» und 100° 0,597 ft 
Mittel zwischen 15» und 56^ 0,251 fi, 

woraus sich berechnet 

Jt = 1^(1 -f 0,322.10-«.^ + 0,00141. 10-«. ^2). 

Die an beiden Versuchskörpern erhaltenen Resultate stimmen 
soweit überein, daß man sie zu dem Mittel 

It = Zo (1 4- 0,322 . 10-« . e + 0,001 47 . 10-« . t^) 

vereinigen kann. 

Es ist bemerkenswert, daß entgegen dem, was man aus den 
Beobachtungen aus dem größeren Temperaturintervall und bei 
höheren Temperaturen erwarten sollte, in dem Intervall 15 bis 
100<> die Ausdehnungskurve des amorphen Quarzes eine starke 
Krümmung aufweist, welche von derselben Größenordnung wie 
bei Metallen ist und nahezu denselben Betrag wie bei Platin hat, 
während der lineare Teil der Ausdehnung nur wenig mehr als 
Vso des gleichen Gliedes bei Platin beträgt. 

Kurz vor Abschluß der vorliegenden Untersuchung erschien 
eine Mitteilung von Herrn P. Chappuis i) über Beobachtungen, 
welche er ebenfalls nach der FiZEAUschen Methode, aber mit 
Platiniridium als Normalkörper, an einem selbstgefertigten Zylinder 



^) P. Chappuis, Über einige Eigenschaften des geschmolzenen Quarzes. 
Verh. Naturf. Ges. Basel 16, 173—183, 1903. 



Nr. ö.] Karl Scheel. 123 

amorphen Quarzes von 14,8 mm Länge und 10 mm Durchmesser 
im Intervall bis 80^ anstellte. Der von Herrn Chappüis ge- 
fundene, auf die von mir angegebene Ziffernzahl gekürzte Wert 

Z^ = l, (1 + 0,385 . 10-« . t + 0,001 15.10-«. t^) 

stimmt mit dem hier gefundenen in Ansehung der verschiedenen 
Yersuchsbedingungen und der geringen absoluten Größe der 
Koeffizienten befriedigend überein. 

Charlottenburg, den 3. März 1903. 



124 



tJher die Absorption der ultravioletten Strahlung 

in Ozon; 
von Bdgar Meyer. 

(Auszug aus der Berliner Dissertation 1903.) 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 20. Februar 1903.) 

(Vgl. oben 8. 82.) 



Schon Elster und Geiteli) haben die photoelektrische 
Empfindlichkeit der Natrium -Kaliumzellen zur Vergleichung von 
Lichtstärken benutzt, aber ihre Anordnung ist für spektrale 2jer- 
legung zu unempfindlich. Dadurch, daß H. Kreüsler ^) die licht- 
empfindlichen Metalle bis nahe an das Entladungspotential auf- 
lud, steigerte er die Empfindlichkeit der Elster und GEiTELschen 
Methode so weit, daß man auch bei spektraler Zerlegung des 
Lichtes arbeiten kann. Der Wirkungsbereich seiner photoelektri- 
schen Zelle liegt zwischen A = 185fift und X ^ 300 ftfi. Auf den 
Vorschlag von Herrn Geheimrat Warbürg verwandte ich die 
KREUSLERsche Methode, um das Absorptionsvermögen des Ozons 
für ultraviolette Strahlung zu untersuchen. 

Die Versuchsanordnung war kurz folgende. Als Strahlungsquelle 
diente die Funkenstrecke eines großen Liduktoriums (44 cm Spulen- 
länge) mit parallel geschalteter Kapazität. Die Elektroden bestanden 
aus Aluminium, Kadmium oder Gold. Vermittelst einer Quarzlinse 
wurde ein Bild des Funkens auf den Spalt des Spektrometers ge- 
worfen. Kollimator- und Fernrohrlinsen waren einfache Quarz- 
linsen, doch konnte durch Skalen, die an den Auszügen der Spektro- 
meterröhren angebracht waren, für die verschiedenen Wellenlängen 
fokusiert werden. Das Prisma war ein GoRNUsches Quarzprisma. 



Elstbb und Geitbl, Wied. Ann. 48, 626, 1893. 
*) H. Kbbüslbb, Verh. Phys. Ges. Berlin 17, 86, 1898; Dies. Berlin 1901; 
Ann. d. Phys. (4) 6, 398, 412, 1901. 



Nr. 5.] 



Edgfar Meyer. 



125 



An Stelle des Femrohroknlars war ein Bilateralspalt angebracht, 
hinter dem dann die KREUSLERsche Zelle Platz fand. Das Ab- 
Borptionsrohr, dessen Länge 19,35 cm betrag und das mit 4 mm 
dicken Quarzplatten verschlossen war, befand sich zwischen Prisma 
und Fernrohr und konnte vermittelst eines Schlittens abwechselnd 
in den Strahlengang gebracht und daraus entfernt werden. Die 
Anode der Zelle war durch einen sehr großen Widerstand (10^ Ohm) 
mit der Erde verbunden, und mit einem THOMSONschen Quadrant- 
elektrometer wurde die Potentialdifferenz an seinen Enden ge- 
messen. Die Ausschläge des Elektrometers (ballistisch gebraucht) 
sind dann proportional der auffallenden Lichtintensität. 

Das Ozon wurde durch stille Entladungen eines Induktoriums 
erzeugt, und wegen des grolsen Absorptionsvermögens nur sehr 
geringe Konzentrationen angewandt. Die quantitative Bestimmung 
des Ozons geschah durch Titrieren einer V40" Normal -Natrium- 
arsenitlösung mit Jod, das ebenso wie das Ozon das arsenigsaure 
Natrium zu arsensaurem Natrium oxydiert. 

Die Absorptionskoeffizienten, wie sie sich aus der Formel 
,7= Jic"""** berechnen, worin d die Schichtdicke in Zentimetern 
des reinen Ozons bei 0^ G. und 760 mm Druck bedeutet, sind 
folgende (2. Kolonne): 



X 


a 


Jo 


r 


X 


a 


Jo 


J' 


185 





12,77 


— 


250 


284,0 


58,94 


10,28 


193 


26,9 


16,76 


14,21 


260 


291,0 


67,54 


11,28 


200 


17,9 


20,75 


18,59 


270 


267,0 


76,07 


14,73 


210 


26,4 


27,19 


23,11 


280 


169,0 


84,40 


29,86 


220 


44,3 


34,39 


26,19 


290 


88,9 


92,41 


53,50 


230 


112,0 


42,20 


21,19 


300 


69,8 


100,00 


65,10 


240 


241,0 


50,43 


11,46 











Graphisch dargestellt ergeben diese Zahlen das Bild Fig. 1 (a.f. S.). 
Man sieht sofort das ausgesprochene Absorptionsminimum bei 
A = 205 iiii und das starke Absorptionsband, dessen Maximum 
etwa bei A = 256 /x/i liegt ^). 



^) Schon W. N. Hartlbt hatte dieses Absorptionsband gesehen, als er 
durch ozonisierten Sauerstoff photographierte. Chem. News 42, 268, 1880. 



126 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 6. März 1903. [Nr. 5. 



Es wurde auch untersucht, ob sich eine Abhängigkeit der 
Absorptionskoeffizienten von der Konzentration ergebe. Die Ver- 

Fig. 1. 



250 
200 
150 
100 
60 














/ 




N 


>v 
















/ 


f 






\ 
















/ 








\ 


L 












1 


/ 










V 




\ 








/ 












\ 


^ 


\ 


V 




y 


r 

















= 190 



200 



210 



220 



230 240 



250 280 270 280 290 800 

suche wurden alle bei [derselben Wellenlänge X = 220f(ft aus- 
geführt Das Resultat ist folgendes: 



Volumprozent 
an Ozon 



0,09 Proz. 
0,22 „ 
0,31 „ 



Extinktionskoeffizient 
des Ozons für X = 220fjt/u 



44,91 
45,24 
43,95 



Wie man sieht, eine sehr befriedigende Übereinstimmung. 

n. 

Auf die Tatsache, daß das Sonnenspektrum etwa bei 
A = 298^^ mehr oder weniger plötzlich aufhört, und nicht nach 
allmählicher Schwächung unsichtbar wird, hat zuerst Cornü^) 



') A. CoKNö, C. R. 88, 1101 u. 1285, 1879; 89, 808, 1879; 90, 940, 1880. 



Nr. 5.] Edgar Meyer. 127 

aufmerksam gemacht und gezeigt, daß die Strahlung der Sonne 
in der irdischen Atmosphäre stark absorbiert wird. Habtley*) 
hat dann zuerst ausgesprochen, daß die absorbierende Substanz 
wahrscheinlich das Ozon sei. Auf Grund der vorliegenden An- 
gaben über den normalen Ozongehalt der Atmosphäre und den 
von mir gemessenen Absorptionskoeffizienten des Ozons läßt sich 
ein Urteil über die Wahrscheinlichkeit der HARTLEYschen Hypo- 
these abgeben. 

A. Levy^), der seine ozonometrischen Messungen über ein 
Intervall von 20 Jahren ausdehnte, gibt den Ozongehalt in 100 cbm 
Luft im Mittel zu 1,65 mg Ozon an; in Volumprozenten würde 
sich der mittlere Ozongehalt zu 0,7696. 10 "•Proz. ergeben. Ver- 
mittelst dieser Zahl (die von der Strahlung zu durchdringende 
Schicht ist beim höchsten Stande der Sonne 7,989 km Luft von 
der Dichte 0,001293) kann man die Schwächungskoeffizienten 
der Atmosphäre für die einzelnen Wellenlängen berechnen, unter 
der Annahme, daß nur das Ozon absorbiere. Berechnet man 
femer aus der PLANCKschen Formel') für die Energie Verteilung 
im Spektrum eines schwarzen Körpers 

^ STtch 1 

die an der Grenze der Atmosphäre auffallende Strahlungsenergie, 
indem man die Sonnenstrahlung als schwarze Strahlung ansieht 
(die bei k = 300/i|[t auffallende Energie = 100 gesetzt), so er- 
hält man die Zahlen, die in der 3. Kolonne der Tabelle angegeben 
sind. Aus diesen Zahlen in Verbindung mit den Schwächungs- 
faktoren der Atmosphäre ergibt sich dann auch leicht die Energie- 
verteilung im Sonnenspektrum auf der Erde, nachdem also die 
Strahlung die Atmosphäre durchlaufen hat. (4. Kolonne der 
Tabelle.) Graphisch dargestellt sind .diese beiden Intensitäts- 
verteilungen in Fig. 2 (a. f. S.). Es ist ersichtlich, daß bei A = 300 fijii 
bis A = 290/A|[i, wo das Ende des beobachtbaren Sonnenspektrums 
liegt, die Intensität der durch die Atmosphäre hindurch gelangen- 



') W. N. Hartley, Chein. Nows 42, 268, 1880. 
«) A. Levt, Ciel et Terre 19, 291—296, 1898. 
') M. Planck, Ann. d. Phys. (4) 4, 561, 1901. 



128 Verhdl. d. Deutschen Physik. GeseÜBoh. vom 6. März 1903. [Nr. 5. 

den Strahlung stark abnimmt, wodurch also die HARTLEYsche 
Hypothese an Wahrscheinlichkeit gewinnt Ferner ist zu erkennen, 

Fig. 2. 



100 
90 
80 
70 
60 
60 
40 
80 
20 
















1 






> 


/ 




















y 


/ 




















/ 


/ 




















/ 


r 






/ 














/ 








) 


f 










> 


/ 




















y 


/ 












1 








^ 


-^ 


"N 


k_ 








j 






^ 


<^ 








\ 






^ 


/ 







X=190 200 210 220 



240 250 



270 280 



280 800 



daß bei etwa A = 220 /ifi mehr als die doppelte Intensität als bei 
X = 250 ft^ sich findet. 

Berlin, Physika!. Institut der Universität. 



Yerlag Ton Friedr. Yieweg & Sohn in Braonsehwelg. 

— -^* 

-*— Soeben erschienen: — 

Mermann pon Melmholtz 



mfm0mm0m 



£eo Jtoemssberger. 

=B 2. Band. s=: 



Gr. 80. XVI n. 38B Seiten. Mit 2 Bildmssen in Heliogravüre. 
Preis geh. Jk 8.— ; geb. in Lnwd. J6. 10.—; in Hlbfrz. Ji, 12.—. 



m 



»er erste Band der grossen Helmlioltz-Biographie, welcher den 
lisbensgang und die Wirksamkeit des genialen Fortcbers bis in 
die überaus fruchtbare Heidelberger Zeit führt» hat' sieh nach 
dem einstimmigen Urtheile der Presse als eine biographische Leistung 
ersten Banges erwiesen. 

Die Entwicklung, das Leben und Wirken und die Bedeutung einer 
Persönlichkeit zu schildern, die durch den Umfang und die Tiefe des 
Wissens und die Macht des Könnens die meisten ihrer Zeitgenossen 
überragt, aUe Welt durch das Product ihrer Arbeit während mehr als 
eines halben Jahrhunderts in Staunen und Bewunderung versetzt und 
der Wissenschaft neue fundamentale Lehren geschenkt und neue Wege 
zu fruchtbarer Thätigkeit gewiesen hat, war eine ebenso reizvolle wie 
schwierige Aufgabe, deren Durchfuhrung dem Verfasser, welchem nicht 
nur die Feder, sondern auch die auf eingehender Sachkenntniss ruhende 
Theihiahme für Person und Stoff zu Gebote stand, in yollendetem 
Maaase gelungen ist. 

In dem hiermit vorliegenden zweiten Bande des Werkes, welches 
für die gesammte wissenschaftliche Welt und weite Kreise des gebildeten 
Publikums von dem grössten Literesse ist, wird die Heidelberger Epoche 
des grossen Naturforschers fortgesetzt und seine Thätigkeit als Pro- 
fessor der Physik in Berlin von Ostern 1871 bia Ostern 1888 ge8(dtuldert. 

Ein dritter Band von geringerem Umfange wird das Werk ab- 
■ohliessen und unmittelbar nachfolgen. 



Zn beziehen durch alle Bachhandlangen. 



i. Seybold's Naehf olger 

Cöln a. Rhein 

Mechanische und optische Werkstätten. 



♦ "»- 



Preis Mark 15.—. 



JCbsorptionsplatten 

y^l <-»<-»€-» nach Professor Wood 

welche alle sichtbaren Lichtstrahlen absorbieren und 
nnr die nltravioletten Strahlen durchlassen. 

Diese Absorptionsplatten gestatten unter anderen, 
folgende zwei Vorlesangsyersuche anzustellen: 

Die Strahlen eines elektrischen Lichtbogens werden 
durch die Kondensorlinsen eines Projektionsapparates 
vereinigt und in den Brennpunkt ein Fläschchen mit 
Urannitrat gehalten. Bringt man dann zwischen Kon- 
densor und Urannitrat die Absorptionsplatte, so leuchtet 
dasselbe intensiv hellgrün au£ 

Entwirft man auf dem Schirm das Spektrum des 
elektrischen Lichtbogens und hält die Absorptionsplatte 
vor den Spalt oder vor die Objektivlinse, so erscheinen 
gar keine Linien mehr auf dem Schirme; bringt man nun 
einen Fluorescenzschirm an die Stelle des ultravioletten 
Teiles des Spektrums, so leuchtet dieser hell auf. 

Bei beiden Versuchen ist dafiir zu sorgen, dafs alles 
fremde Licht abgeblendet wird. 



< 




S^^ Dieser Nammer Bind beigegeben: Ein Prospekt der Yerlagsbnchhand- 
long von Gebrüder JAnecke^ Hannover, betreffend Bus9ner, ^^hrbuoh 
der Fhysik^^ — Ferner ein Prospekt von Siemens & Halske, betreffend 
^aohrioht Nr. 7<<. 12. 2. 1903. 



1903 Heft 6 





Berichte 

der 

Dentschen Physikalischen Gesellschaft 

enthaltend 

Yerhandlungen 

der Deutschen Physikalischen Gesellschaft 
im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

▼on 

Karl Scheel 

and 

Halbmonatliches Literaturyerzeichiiis 

der „Fortschritte der Physilc", dargestellt von der 
Deutschen Physikalischen Gesellschaft 

redigiert von 

Karl Scheel Richard Assmann 

Beine Physik Kosmische Physik 



Brannschirelg 

Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn 
19 03 



^omfUch zwei Nummern, — Ähannementspreis pro Jahrgang 6 Mark. — Zu heziehen 
äureh alle Buchhandlungen und PostanstaUen (Postzeitungsliste Nr, 1042 a) 



Inhalt. 



Saiia 

1. Verhandlungen der Deutsohen PhyBikaUschen GesellBCliaft. 

V 

Bericht über die Sitzung vom 2Q. März 1903 129 

M. Thiesen, Zur Theorie der Diffusion. (Zweite Mitteilung.) . 130 

2. HalbmonatliolieB LiteraturrerBßiohnig der Fortsohritte der 

PhyBik. 

I. Allgemeine Phjrsik 85 

n. Akustik . 88 

in. Physikalische Chemie 88 

lY. EHektrizität imd Magnetismus 91 

y. Optik des gesamten Spektrums 94 

VI. Wärme 95 

Vn. Kosmische Physik 97 



Verhandlungen 



der 



Detttschen Physikalischen Gesellschaft 



Im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Scheel 

& Jahrg. ao. Min 1908. Nr. «. 

SltKung Tom 20. Härs 1908. 



Vorsitzender: Herr M. Planck. 

Der Vorsitzende teilt mit, daß bei der schriftlichen Abstimmung 
über die geplante Statutenänderung (vgL S. 81) 132 Stimmen ab- 
gegeben sind, welche sämtlich im bejahenden Sinne lauten. Die 
Statutenänderungen sind damit von der Gesellschaft genehmigt 
und bedürfen jetzt noch der Genehmigung durch das Königliche 
Amtsgericht. 

Hr. F. F. Martens spricht sodann 
Über ein neues tragbares Photometer für weißes Licht 
und demonstriert das Instrument. 

Ferner trägt Hr. W. B. von Gzudnoehowski vor 

Über Flammen- oder Effektbogenlicht. 

Endlich legt Hr. M. Thiesen eine zweite Mitteilung 

Zur Theorie der Diffusion 
vor. 

Als Mitglied wird in die Gesellschaft aufgenommen: 
Hr. Dr. BosE, Göttingen 

(vorgeschlagen durch Hrn. W. Kaufmann). 



130 



Zur Theorie der IHffuHan; 
von M. Thiesen. 

(Zweite Mitteilung.) 

(Vorgelegt in der Sitzung vom 20. März 1903.) 

(Vgl. oben S. 129.) 

1. Die Theorie der Diffusion, welche ich in einer ersten Mit- 
teilung 1) entwickelt habe, läßt sich auch auf solche poröse Medien 
anwenden, in denen keine Richtung vor einer anderen ausgezeichnet 
ist. Natürlich sind die Verbreitungskonstanten in einem solchen 
Medium andere, als bei freier Diffusion; ein anderer Unterschied 
besteht darin, daß man in porösen Medien nicht mehr, wie früher 
vorausgesetzt wurde, einen augenblicklichen Druckausgleich an- 
nehmen darf. 

Näher ausgeführt soll die Theorie nur für (iase werden, da 
sich für diese die Beziehung der Verbreitungskonstanten zu denen 
bei freier Diffusion angeben läßt, und da auch genaue Versuche 
vorliegen, die wenigstens den Weg für eine Anwendung der Theorie 
zeigen. Bei Gasen wird sich der konstante Widerstand des 
porösen Mediums dem der einzelnen Gase zufügen, so daß also 
bei zwei diffundierenden Gasen an Stelle der früheren Gleichung 
(25) die folgenden treten: 

4 62^ = tta -[- ttai 9, + Oja 92 I 
Wir nehmen femer an, daß die Strömung der Gase in dem 
porösen Medium allein von der Diffusion herrührt Dies braucht 
allerdings bei grobporigen Medien und großen Druckunterschiedeu 
nicht unbedingt zuzutreffen, doch schließen wir diese Fälle von 
der Betrachtung zunächst aus. Es treten demnach an die Stelle 
der früheren Gleichungen (20) und (21) die Gleichungen: 

? 1 dtpi öqPi 

dx 4tb'l dx ~ dt 

'd \ d(p^ Ög)2 

ex ^hj dx et 

*) M. Thiksen, Verhandl. Deutsch. Physikal. Ges. 4, 348, 1902 



2) 



Nr. 6.] M. Tfaiesen. 131 

Die Bedingung, daß die Summe der q> konstant sei, fällt jetzt 
natürlich weg. 

2. Die Torstehenden Gleichungen sollen auf die Vereuchsbedin- 
gungen angewandt werden, unter denen Hansemann die Diffusion 
TOD Sauerstoff und Wasserstoff durch einen Gipspfropfen be- 
stimmte ^y Hansemann selbst legte der Berechnung die yon Kirch- 
hoff >) ausgeführte Diffusionstheorie von Stefan zu Grunde, fand 
aber keine Übereinstimmung der Theorie mit den Versuchen, 
namentlich fand er für den Koeffizienten der freien Diffusion 
noch nicht ein 2jehntel des Wertes, den man aus direkten Ver- 
suchen gefolgert hatte. Die Versuche Hansemanns, falls sie ein- 
wandsfrei sind, widerlegen also die Theorie Stefans. 

Bei diesen Versuchen schied der Gipspfropfen, dessen Länge 
21 sei, zwei nahezu gleich große Kammern voneinander, deren 
Volumen Zylinder vom Durchmesser des Pfropfens und von den 
Längen l^ und l^ ergeben hätte. Am Anfang des Versuches war 
die erste Kammer und der Pfropfen mit dem Gase 1, die zweite 
Kammer mit dem Gase 2 gefüllt; die Diffusion fand im Gips- 
pfropfen statt, während in den Kammern die Gase gut durch- 
gemischt wurden; beobachtet wurde zu bestimmten Zeiten nach 
Einleitung des Versuches der Druck in jeder der beiden Kammern. 

Es seien if^ und 1^21 ^^^ Moleküldichten der beiden Gase in 
der ersten, ^la und ^22 ^^ der zweiten Kammer zur Zeit t nach 
Einleitung der Diffusion. Der Querschnitt des Pfropfens sei gleich 
der Einheit, die Gesamtzahl der Moleküle jeder Art im Appa- 
rate ^1 und N^. Rechnen wir x von der Mitte des Pfropfens nach 
der ersten Kammer hin positiv, so ist zu jeder Zeit 

V 



— z 



JVj = liifii + ktu + j <P2dx 



3) 



In dem Pfropfen sei der Teil a von den Poren eingenommen. 
Die Moleküldichten der Gase in den Poren sind qpj/a und 92/a; 
an den Enden des Pfropfens muß zwischen diesen Dichten und 

*) G. Haksbmank, Wied. Ann. 21, 546, 1884. 

*) G. KiBCHHOFF, Wied. Ann. 21, 563, 1884. Beide Arbeiten auch in 
6 Kirchhofe, Abhandlungen, Nachtrag, S. 60 und 78, 1891. 



132 Verhdl. d. Deatschen Physik. GeselUcli. vom 20. März 1903. [Nr. 6. 



den Dichten in den Kammern Kontinuität bestehen; es ist also 
(abgesehen von t = o) 

Hierzu kommt noch die Bedingung, daß die Strcknung durch 
die Endflächen des Pfropfens die Zahl der Moleküle in den Kam- 
mern entsprechend ändert Es wird 



1 8yi 
46? 



dx 



= -k 



dt 



_1 8^ _ _7 ^^21 

4.bi dx ~ ' dt 



für ic = l 



für a; = — l 



5) 



1 dq>i _ , d^x^ 

^hl dx ^ ' dt 

1 dj)2 _ , dj^ii 
4ft| dx —'^ dt 

Die Gleichungen 1) bis 5) enthalten die Theorie der Versuche 
Hansemanns nach der hier durchgeführten Auffassung. 

Statt der qp und ^ führen wir jetzt zwei neue Größen O^ 
und 4>2 ei^ durch die Beziehung 

TF = 9^- "0^ = 9^» ^> 

Bei passender Wahl einer noch unbestimmt gebliebenen, 
additiv in den O^ 0.2 enthaltenen Funktion, erhält man dann durch 
Integration der Gleichungen 2) 



dx» ~ ' dt 

dt 






7) 



Eliminiert man die linken Seiten zwischen diesen Gleichungen 
und den Gleichungen 5), integriei*t und ersetzt die ip mittels 4) 
durch die 9 und diese mittels 6) durch die O, so erhält man 
die Grenzbedingungen, in denen (7x, Cg, Ai ^9 Konstanten be- 
zeichnen, 

'^ ■ 8) 






dx 



; a 0j = C2 — Zj 



dx 



dx 



a 02 = -02 + ^2 -^ f ^ ^ = — ^ 



Nr. 6.] M. Thieeen. 133 

Zwischen den vier Konstanten bestehen, wie sich aus 3) 4) und 
8) ergibt, noch die Beziehungen 

aN^ = Ci—Di\ aJVa = C^ — D^ .... 9) 

Fügen wir noch die Bedeutung der Größen b^ und 6/ hinzu, 
wie sie sich aus den Gleichungen 1) und 6) ergibt , so ist das 
Problem auf die Auflösung der nicht linearen Differentialglei- 
chungen 7) unter Berücksichtigung der Bedingungsgleichungen 8) 
zurückgeführt 

3. Zur Lösung lassen wir eine sukzessive Näherung eintreten 
und gehen dabei von dem Zustande aus, der lange Zeit nach 
Einleitung der Diffusion eintritt 9. 

Die erste Näherung erhalten wir aus dem Endzustande, in 
dem die Gase durchaus gleichmäßig verbreitet sind. <Z>j und ^2 
sind dann lineare Funktionen von a:, wir setzen unter Fortlassung 
von additiven Konstanten 

Oi=piX 0^=p2^ 10) 

und erhalten aus 8) und 9) die Werte 

g-Ni «.^2 TIN 

Die Fortlassung der Konstanten ist nur erlaubt, wenn zwischen 
den C und D noch die folgenden Beziehungen bestehen, die in 
Verbindung mit 9) diese Größen vollständig bestimmen 

Ci + A = ftGi-^); c,-{-D,=p,{i,-i,). .12) 

Zwischen den ^ und ^ gelten dann die Beziehungen 



C C 

h ^n =^ — ^i'j ^ *2i = ^ — <Pa; a; = Z 



13) 



Da die t und stetig sind, so gelten diese Beziehungen 
auch für t = 0, wo die 9 unstetig sein können. 

4. Eine zweite Näherung ergibt sich, wenn bi und fr, mit 
den Werten der ersten Näherung berechnet werden. Man erhält 
dann die konstanten Ausdrücke 



^) Die MethodOf welche Eibchhoff in dem analogen Problem anwendet, 
die Strömung im Gipspi&opfen als stationär anzunehmen, beschränkt von 
vornherein die Näherung, ohne bei gleicher Näherung eine einfachere Rech- 
nimg zu gewähren. 



134 Yerhdl. d. Deutschen PhyaUc. GeseUsch. vom 20. März 1903. [Nr. 6. 
^a = ai + aiiPi + Oi,A | ^^. 

als Näherungswerte für 4 b^ und 4 6./. Mit diesen Werten werden 
die Gleichungen 7) linear und ergeben die partikulären Lösungen 

Ol = Acos[tx — s]€'-^** 

Oi = jB cos [tx— «je-'*** 
falls 

t = gl = Ö^ 15) 

gesetzt wird. 

Aus den Bedingungsgleichungen 8), in denen die schon durch 
die erste Näherung berücksichtigten Konstanten fortzulassen sind, 
ergeben sich nun die Beziehungen 

acos[Tl — s] = lixsin[rl — «] | -^. 

a cos [rl-^'s] = l^zsin[Tl-\'6]l ' ' ' ' ^ 

Diese Gleichungen ergeben für r unendlich viele Lösungen. 
Man übersieht leicht, daß es genügt, nur die positiven Lösungen 
zu berücksichtigen; diese denken wir uns nach der Größe auf- 
steigend geordnet und mit einem Index versehen. Erteilen wir 
denselben Index auch den andern Konstanten, soweit sie sich mit 
t ändern, so erhalten wir die vollständige Lösung in zweiter 
Näherung 

Ol = p^x -]- ^ Ai cos[xiX — £.] e "" V * 

•17) 

O^ =PiX -\- ^BiCOs[ziX — cje""^»* 



Die Koeffizienten Äi und Bi ergeben sich aus den Werten 
von Ol und <I>a für < = 0. Es ist dazu die Aufgabe zu lösen, 
eine gegebene Funktion von x nach den cos[rx — «] zu ent- 
wickeln 1). Das geschieht wie bei den FouRiERschen Reihen mittels 
der folgenden beiden Sätze, die sich leicht, der erste unter Be- 
nutzung der Gleichungen 16), ableiten lassen. Es ist 

+ « 
j cos [ti X — f J cos\x^x — fix] d ^ = 0; % und x verschieden 18) 






VgL G. KiRCHHOPK, Wied. Ann. Sl, 567, 1884; Abhandlangen, Nach- 
trag, S. 82, 1891. 



Kr. 6.] M. Thieseu. 135 

Ist nun Fix] = lLAiCOs\xiX — «,] 20) 

80 wird 

Ai[2xil -(- sin2xilcos2Bi] ~ 2zi\F[x^cos\XiX — e^dx . 21) 

Dabei ist die Möglichkeit der Entwickelung voraasgesetzt 
5. In dritter Näherung denken wir zunächst die Werte 
Ton 6, und h.^ aus den Daten der zweiten Näherung berechnet. 
Allerdings dürfen bei gewissen Anfangsbedingungen die Gleichungen 
17) für < = und rr = Jr l nicht differentiiert werden. Wir be- 
schränken aber die Betrachtung auf größere Werte von t und 
berücksichtigen dabei noch den Umstand, daß die Größen 
e—^t und e—f^^t für größere Werte des Index % und nicht zu 
kleine Werte von t sehr klein sind. In dritter Näherung be- 
schränken wir uns daher darauf, « =r zu setzen, und lassen 
diesen Index fort. 

Setzt man nun die Werte von ^b\ und 46^, wie sie sich 
hiernach ergeben, in 7) ein, so erhält man als Lösung dieser 
Gleichung Ausdrücke von der Form 

a>, = i>, X + 2; c«,n e-(«^' + -•)* I 

WO die C und D Funktionen von x sind. Diese Form ändert sich 
auch nicht, wenn wir in gleicher Weise weitere Näherungen be- 
rechnen. Wir sehen sie daher als endgültig an und erhalten daraus 






23) 



dx 

Führt man in 7) die Werte aus 22) und 23) ein und setzt 
die Koeffizienten der verschiedenen Zeitfunktionen für sich gleich 
Null, so erhält man die Bedingungen 



+ 2:{ik-> + x^2)i),> l'^ [at^ C„-i,^-^ + a,,!)«. ,,„_,} 



24) 



136 Yerhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 20. März 1903. [Nr. 6. 

Da für niedrige Indices die C und D durch die zweite Nähe- 
rung gegeben sind, so lassen sich die C und D mit höheren 
Indexsummen hieraus der Reihe nach berechnen. 

Wirklich ausgeführt soll die Rechnung für die vier Größen 
C'aoi C^iii Ai» -^02 werden. Es wird 



^Jl^ + „<c„ + ^,„cJ^ 



Führt man hierin die früher gefundenen Werte ein 

Cio = äcos[tx — s]\ Dqi = Bco8[tx — f], 
so erhält man die Lösungen 

Cjo = ÄiQC0s[rxY2 — ^ao] ^^ sin\2xX'^2B\ 

4t X 



25) 



26) 



Die vier neu eingeführten Konstanten ^201 ^aoi ^id ^n lassen 
sich aus den Bedingungsgleichungen 8) bestimmen. Man findet 
unter Benutzung von 16) 

Ai{acös[9Z VA«+^»-£n]-9?i VA^+/*»5tn[pJVA2+^2— «,,]} ' 
= «"^^ 3r2":=y«72 l,cos^[tl-B\, 

Etwas einfacher werden die Gleichungen zur Bestimmung 
von ^,0 und £20 ^^^^ erhält sie, wenn man in vorstehenden 
Gleichungen -4 für 5, ^ für ft und a^ für a^a setzt. Die Glei- 
chungen für Dil u^d Aa lassen sich unter entsprechenden Ver- 
tauschungen aus den vorstehenden abschreiben. 

Durch das Hinzutreten weiterer Glieder zu denen der zweiten 
Näherung verliert die früher gegebene Bestimmung der Konstanten 
Äi und Bt aus dem Anfangszustande ihre strenge Gültigkeit. 
Doch gehen wir auf diesen Umstand, der für die Anwendung 
meist von untergeordneter Bedeutimg sein wird, nicht näher ein. 



Nr. 6.] M. Thiesen. 137 

6. Erhebliche Vereinfachungen der abgeleiteten Formeln er- 
geben sich, wenn die Räume der Kammern, wie es bei Hanse- 
MANK8 Versuchen der Fall war, gegen das GasYolumen im Pfropfen 
groß und außerdem untereinander nahe gleich sind. Wir setzen 

^ = ß-^r f = ß-y 27) 

und nehmen an, daß ß^ und y gegen Eins zu yernachlässigen 
seien. Dann folgt aus 16) 

Femer darf man ohne Widerspruch setzen 

Ist nun für ^ = das Gas 1 mit der Dichte ni -f" Pi ^^ 
Pfropfen gleichmäßig verteilt, so ist im Anfang 

01 — PiX = m^^ -{- n^x 30) 

wo die Konstanten m^ und n^ auch aus den Gleichungen 13) ab- 
zuleiten sind. Die rechte Seite von 21) wird dann gleich 

^misintilcosii -| — sin6i[sinTil — Tilcoszil] 

und man erhält nach Einsetzen der Werte aus 28) und 29) in 
genügender Näherung 

mi(l+-|)- Van^Zy, t = 0; 



^ = 



8wi/J , Snjy , 



31) 



Der Ausdruck für JB,- ist ganz analog. 

7. Die vorstehend gegebenen Entwickelungen ermöglichen es 
prinzipiell, aus Versuchen, die denen Hansemanns gleichen, die 
Diffusionskonstanten zu berechnen. Diese Versuche gaben im 
wesentlichen den Unterschied der Drucke in den beiden Kammern, 
also eine mit ^^ + i^ji — ^19 — ^29 proportionale Größe als 
Funktion der Zeit. Die Beobachtung des Druckes bietet gegen- 
über der bei freier Diffusion meist angewandten Gasanalyse so 



138 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 20. März 1903. [Nr. 6. 

bedeutende Vorzüge, daß der Nachteil einer größeren Zahl der 
zu bestimmenden Konstanten dadurch weit überwogen wird und 
die Methode ein vorzügliches Mittel zur Bestimmung der Diffusions- 
konstanten bieten würde, wenn ihre Voraussetzungen zuträfen. 
Zu diesem Zwecke müßten allerdings die Anfangsbedingungen 
etwas anders gewählt werden, als es von Hansemann geschah, 
der von der Voraussetzung einer einzigen Diffusionskonstante 
ausging. 

Bei den Beobachtungen Hansemanns wird nach längerer 
Zeit der Ausdruck für die beobachtete Größe im wesentlichen auf 
zwei mit e^^** und e-"** proportionale Glieder reduziert sein, vor- 
ausgesetzt, daß k und ft von derselben Ordnung sind. Die 
Koeffizienten dieser Ausdrücke sind bekannt. Hat man nun k 
und fi hieraus annähernd gefunden, so findet man auch, da r be- 
kannt ist, Q^ und öK Wollte man nun die einzelnen Glieder 
dieser Größen, wie sie durch 14) gegeben sind, trennen, so müßte 
man aus den Beobachtungen zu früheren Zeiten die Koeffizienten 
von c-*^*', e^(^* + "*^' und e^*"** bestimmen und so fortfahren. 
Dies ist prinzipiell möglich, aber, wie fast immer die Bestimmung 
einer größeren Zahl von Parametern aus einer einzigen Kurve, 
unsicher und schwierig. Dagegen würde der folgende Weg zum 
Ziele führen. 

Man wähle die Anfangsbedingungen so, daß das eine Gas 
überall dieselbe Dichte hat, dann wird nach unseren Voraus- 
setzungen auch diese Dichte dauernd erhalten bleiben, und die 
beobachteten Druckänderungen werden nur von dem zweiten Gase 
herrühren. Die Tenne, welche die Exponentialkoeffizienten (i^ 
enthalten, fallen fort, und nach einiger Zeit werden diese Ände- 
rungen durch eine einfache Exponentialfunktion dargestellt werden, 
deren Koeffizienten man jetzt sehr leicht genähert und, sobald 
man genäherte Werte für die drei jetzt allein zur Geltung 
kommenden Diffusionskonstanten hat, scharf berechnen kann, in- 
dem man alle anderen Terme als Korrektionsgrößen behandelt 
Die Trennung der drei Konstanten erfolgt aus den linearen 
Gleichungen 14), indem man verschiedene Versuche bei verschie- 
dener Dichte entweder des diffundierenden oder des indifferenten 
Gases anstellt. Läßt man dann die Gase ihre Rollen tauschen, 
so erhält man die drei anderen Konstanten. 



Nr. 6,] M. Thiesen. 139 

8. Eine summarische Berechnung des HANSEMANKschen Ver- 
suches legt die Vermutung nahe, daß auch die hier entwickelte 
Theorie auf diese Versuche nicht zutrifft. Es wäre aber sehr 
wohl möglich, daß infolge von Spalten zwischen Gips und Metall 
oder der groben Struktur des Gipses selbst neben der eigentlichen 
Diffusion auch eine Strömung des Gasgemisches stattfand. Die 
Berücksichtigung dieses Umstandes würde noch eine weitere Kon- 
stante erfordern, also die Diffusion zweier Gase in porösen Medien 
von sieben Konstanten abhängig machen. Die Berechnung würde 
auch in diesem Falle durchführbar sein. 

Nach den Versuchen Grahams dürften sich die verschiedenen 
porösen Medien in dieser Beziehung sehr verschieden verhalten, 
wie die quantitativ verschiedene Trennung von Gasgemischen in 
ihre Bestandteile beim Durchpressen durch solche Medien zeigt. 
Es wird daher vielleicht auch leicht fallen, Medien zu finden, für 
welche die von der Diffusion unabhängige Strömung verschwindend 
klein ist. Andererseits liegt die Gefahr nahe, daß gerade bei 
solchen Medien die von der Theorie nicht berücksichtigten kapil- 
laren Kräfte eine merkliche Rolle spielen, indem sie eine erheb- 
liche mit der Zusammensetzung des Gases variierende Verdichtung 
der Gase in den Poren herbeiführen. Doch dai'über könnten nur 
Versuche entscheiden. 



152 Verhdl. d. Deutschen PhyBik. Geselleoh. vom 3. Aprü 190S. [Nr. 7. 

geschlossen, in dem sich das Galvanometer E^ das Normalelement K 
und der beiden Stromkreisen gemeinsame Widerstand to befinden. 
w ist so reguliert, daß das Galvanometer keinen Ausschlag zeigt, 
wenn der Hauptstrom gerade 0,29 Amp. beträgt Diese Strom- 
stärke wird durch den kleinen Eurbelwiderstand 22 einreguliert, 
dessen Widerstandswert kontinuierlich, nicht sprungweise geändert 
werden kann. 

Fig. 3. 




Auf diese Weise kann eine Änderung des Hauptstromes um 
weniger als Viooo bemerkt, die Lichtstärke der Vergleichslampe 
also etwa auf Va Proz. konstant gehalten werden. 

Etwas weniger genau und kostspieliger ist es, den Strom 
direkt durch ein Präzisionsamperemeter mit Nebenschluß zu 
messen. 

4. Messung einer Llohtstärke J. 

Um mit dem Photometer die Lichtstärke J einer Lampe zu 
messen, richtet man zunächst den drehbaren Tubus T auf die 
Lampe, indem man 1. das ganze Photometer um die Säule als 



Nr. 7.1 F. F. Martens. 153 

Achse, 2. den Tubus um seine horizontale Achse dreht ; bei dieser 
Justierung setzt man den Deckel mit zentrischer Öffnung in das 
untere Tubusende y. 

Nach der Justierung setzt man den Deckel mit Gipsfläche in 
den Tubus ein, kontrolliert die Stromstärke der Vergleichslampe 
und stellt auf gleiche Helligkeit der Vergleichsfelder ein. Das 
Licht der Vergleichslampe ist völlig ausgelöscht, wenn der Index 
des Analysatornicols auf dem Teilstrich steht; von da an werden 
die Drehungswinkel a des Nicols gerechnet. 

Am besten stellt man in allen vier Quadranten ein und findet 
a nach folgendem Schema. Bei Bestimmung der Konstante C^ 
wurden folgende Einstellungen abgelesen: 

19,6 161,8 199,8 342,0 



19,8 162,3 
20,0 161,8 


200,1 
200,0 


341,4 
342,0 


19,80 161,97 
180,00 ^^ 199,80 


199,97 
180,00 


341,80 
379,97 


199,80 "^ 37,83 
38,17 


379,97 ^ 


38,17 


Mittel: 38,00 




« = 19«0' 



Ist jß der Abstand des Gipsschirmes von der zu messenden 
Lampe in Zentimetern, so ist die Beleuchtung auf dem Gipsschirm 

^.10000 Meterkerzen (MK). Der Beleuchtung ist die reflektierte 

Lichtmenge, diese ist nach dem bekannten tg^- Gesetz proportional 
tg^oc Also ist 

J= C.R^.ig^u 1) 

Die kleine Milchglasscheibe, welche die Öffnung b nach 
Fig. 2 bedeckt, ist in einer Revolverscheibe befestigt und kann 
so durch eine andere ersetzt werden, welche mit einer geschwärzten 
photographischen Platte verkittet ist; in beiden Fällen hat die 
Konstante C verschiedene Werte. Diese Werte Ci und C^ findet 
man, indem man das Photometer auf eine HEFNERsche Amylacetat- 
lampe, die r cm vom Gipsschirm entfernt ist, richtet; dann ist 
1 == C.r^.tg^a, 

Für das Photometer Nr. 1 sind folgende Konstanten er- 
mittelt: 



154 Verhdi. d. Deutschen Physik. GesellBch. vom 3. April 1903. [Nr. 7. 



r 


CK 


Konstante 


31,21 cm 
31,21 „ 
60,20 , 


19» 0' 
64* 33' 
36« 67' 


C, = 0,008659 
Cg = 0,0005204 
C, = 0,000524 6 




Mittel 


C, = 0,000522 6 



Als Beispiel werde die 
Petroleumlampe mitgeteilt. 



Messung der Lichtstärke J einer 



B 


a 


Eonstante 


J 


106,26 cm 
106,26 „ 

64,58 „ 
64,58 „ 


19«>21' 
64M3' 
29« 46' 
66<>36' 


Ci=: 0,008659 
C, = 0,000 522 6 
Ci = 0,003 659 
C, = 0,000 522 5 


\2fißUK 
11,78 , 
11,81 „ 
11,62 , 




Mittel e/ = 


= 11,82 ifA' 



Die Lichtstärke der Lampe scheint während der Messungen 
etwas abgenommen zu haben. 



5. Messung einer Beleuchtung E* 

Die Beleuchtung E in einer Ebene ist natürlich ganz unab- 
hängig davon, ob in der Ebene ein weißer Karton oder ein 
schwarzes Sammetstück befindlich ist. Von der — durch Tages- 
oder Lampenlicht hervorgerufenen — Beleuchtung ist der Wert 
eines Arbeitsplatzes in Fabriken und Schulen in hohem Grade 
abhängig. 

Um mit dem Photometer die Beleuchtung in einer Ebene zu 
messen, setzt man den Deckel mit Milchglas in das untere Ende y 
des Tubus T und verschließt das andere Ende mit dem durch- 
bohrten Deckel. Dann stellt man den Tubus so ein, daß das 
Milchglas in der zu untersuchenden — wohl meistens horizontalen 
— Ebene liegt. Nun ermittelt man den Drehungswinkel a des 
Analysatornicols, welcher gleiche Helligkeit der Vergleichsfelder 
hervorruft und berechnet die Beleuchtung, 



Nr. 7.] 



F. F. Martens. 



155 



Die beiden Werte der Konstanten C* ermittelt man, indem 
man durch eine r m vom Milchglas entfernte Hefnerlampe die 
Beleuchtung 

1 = C'.tg^a 
herstellt und a mißt. 

Für das Photometer Nr. 1 wurde beobachtet: 



r 


« 


Konstante 


0,2122 m 
0,2122 „ 


17« 27' 
5P54' 


C\ = 224,75 
Ci= 13,653 



Die Petroleumlampe wurde nun so aufgestellt, daß ihre Ent- 
fernung vom Milchglase 0,4849 m betrug. Hieraus berechnet sich 



die Beleuchtung auf dem Milchglase JSber. = 
Die Beobachtung ergab folgenden Wert: 



11,82 
0,4849« 



= 50,27 MK. 



W 51' 
62« 21' 



Eonstante 



C; = 224,75 
C;= 13,653 



E= atg^a 



48,21 MK, 
49,74 „ 



Mittel £b«ob. = 48,98 3f^. 



6. Messungen bei ungleloher Färbung 

des untersuchten und des von der Verglelolisllolitquelle 

kommenden Idclites. 

Die hier beschriebene, von Prof. L. Weber in Kiel ausgearbeitete 
Methode der Photometrie bei ungleicher Färbung muß wohl gegen- 
wärtig als diejenige bezeichnet werden, welche am meisten dem 
praktischen Bedürfnis Rechnung trägt Insbesondere ist sie da- 
durch wertvoll, daß, wenn einmal die Tabelle für die Werte des 
Faktors it entworfen ist, alsdann die Messungen und Rechnungen 
von allen unsicheren physiologischen Einflüssen befreit sind. 

Die Methode ist folgende. Um die Lichtstärke einer Lampe 
oder die Beleuchtung einer Fläche zu bestimmen, stellt man das 
Photometer genau so auf, wie es in den Abschnitten 4 bezw. 5 
beschrieben ist Erscheinen dem Beobachter die beiden Vergleichs- 



156 Verhdl. d. Deuteohen jPhysik. Gesöllßch. vom 8. April 1903. [Nr. 7. 

f eider erheblich verschieden gefärbt, wie es z. B. bei Messung 
einer vom Tageslicht bewirkten Beleuchtung der Fall ist, dann 
schaltet er 1. ein rotes, 2. ein grünes Glas vor die Okularöffnung 
und macht in beiden Fällen genau dieselben Einstellungen und 
Berechnungen, wie es in den angeführten Abschnitten beschrieben 
ist. Es sei R das im roten, G das im grünen Lichte erhaltene 

Resultat Dann bildet der Beobachter den Quotienten ^, sucht in 

der nachstehenden Tabelle den zugehörigen Wert Je auf und findet 
als Resultat der ganzen Messung 

J oder JE = k . B 3) 

Dieses so gewonnene Resultat gibt an, wie viel 
Hefnerkerzen resp. Meterkerzen dem untersuchten Licht 
in Bezug auf SehsoMrfey also auch speziell für die Ver- 
wendung beim Lesen oder Arbeiten, äquivalent sind. 





Tabelle nanh L. ' 


VSTebeb 


zar Photometrie gefärbten Lichtes. 




a 




G 




G 




G 




G 




G 






k 




k 




k 




ifc 




Ä; 




k 


B 




B 




IT 




H 




E 




R 




0,0 





1,0 


1,00 


2,0 


IfiO 


3,0 


2,02 


4.0 


2^ 


bfi 


2,60 


0,1 


— 


1,1 


08 


2.1 


65 


3,1 


05 


4,1 


86 


.5,1 


62 


0,2 


— 


1,2 


15 


2,2 


70 


3,2 


08 


4,2 


39 


5,2 


64 


0,3 


0,60 


1,3 


22 


2,3 


76 


3,3 


11 


4,3 


41 


5,3 


67 


0,4 


56 


1,4 


2d 


2,4 


80 


3,4 


15 


4,4 


44 


6,4 


69 


0,5 


0,64 


1,5 


1,34 


2,5 


1,84 


3,5 


2,18 


4,5 


2,47 


5,5 


2.71 


0,6 


72 


1,6 


40 


2,6 


88 


3,6 


20 


4,6 


49 


6,6 


— 


0,7 


80 


1,7 


46 


2,7 92 


3,7 


24 


4,7 


52 


6.7 


— 


0,8 


87 


1,8 


50 


2,8 


96 


3,8 


27 


4,8 


55 


6,8 


— - 


0,9 


94 


1,9 


55 


2,9 


99 


3,9 


30 


4,9 


67 


6,9 


— 



Über die Größe der Einstellungsfehler und die Freiheit des 
Instrumentes von systematischen Fehlerquellen soll an anderer 
Stelle näheres mitgeteilt werden. 



157 



Mammen' oder JEffektbogenUcht; 
von W. Biegoh von C»udnochowski. 

(Vorgetragfen in der Sitzung vom 20. März 1903.) 
(Vgl, oben S. 129.) 



Wenn es auch trotz vielfacher sorgfältiger Bemühungen bisher 
nicht gelungen ist, genau festzustellen, wann und von wem der 
elektrische Lichtbogen entdeckt ist, so ist doch mit ziemlicher 
Bestimmtheit anzunehmen, daß die wirkliche Entdeckung einer 
Entladungserscheinung, welche einen Lichtbogen nach der gegen- 
wärtig geltenden Definition eines solchen darstellt, in das Jahr 
1802 fällt, so daß seither ein volles Jahrhundert verflossen wäre i). 
Nach 0. Lehmann ist jede elektrische Entladung eine der folgen- 
den vier Formen: Glimm-, Büschel-, Streifen- oder Funkenent- 
ladung, und ist die Lichtbogenentladung nur als andauernde 
Funkenentladung in erhitzter und chemisch veränderter Luft zu 
betrachten^). — Für die Praxis hat als Kriterium für das Vor- 
handensein eines Lichtbogens zu gelten: 1. die Art, die Entladung 
hervorzurufen durch Berühren zweier Elektroden miteinander und 
darauf folgendes Entfernen auf kurzen Abstand voneinander s), 
2. das Andauern der Erscheinung ; ferner ist man im allgemeinen 
gewöhnt, unter einem Lichtbogen schlechthin einen solchen zwi- 
schen Eohlenstoffelektroden zu verstehen. An einen solchen knüpft 
auch die ganze Entwickelung, welche die Bogenlicht-Leuchttechnik 
bis zur Gegenwart genommen hat, an, gleichwohl ist auch auf 
diesem Gebiete die Vollendung des ersten Jahrhunderts seit seiner 
Begründung durch einen bedeutungsvollen Umschwung gekenn- 
zeichnet, bestehend in der Anwendung neuer Grundsätze, wozu 
allerdings schon weit zurückreichende Vorarbeiten getan waren. 



*) Stlvaküs Thompbok, Joam. of the Soc. of Arts Oct. 1895. — E. Voit, 
Der elektrische Lichtbogen. Stuttgart, Encke, 1896, S. 1—2. — H. Aybtok, 
The Electric Are. London 1902, 8. 21 ff. 

*) 0. Lehmann, Die elektrischen Lichterscheinongen oder Entladungen. 
Halle, W. Knapp, 1898. S. 6 ff. 

*) H. Atbton, 1. c, S. 20. 



158 Yerhdl. d. Deutsohen Physik. Gesellsch. vom 8. April 1903. [Nr. 7. 

1. Oescliiolitliolies. 

Während Davy, der ja zuerst den Lichtbogen genauer unter- 
suchte, sich zur Erzeugung eines solchen der Holzkohle als Elek- 
trodenstoS bediente und seine Zeitgenossen und nächsten Nach- 
folger das gleiche taten, führte Foücaült 1843 hierfür die weit 
dichtere, daher langsamer verbrennende Betortenkohle ein. Da 
diese aber nach [der Art ihrer Entstehung niemals gleichmäßig 
in ihrer Beschaffenheit sein kann, anderseits die Vorteile bereits 
erkannt waren, welche die Verwendung dichterer Elektroden bot, 
so lag der Gedanke sehr nahe, die Retortenkohle verbessert 
künstlich nachzuahmen, d. h. künstliche Kohle herzustellen aus 
sehr kohlenstofireichen, möglichst reinen Stoffen, wie Ruß, Koks, 
Sirup, die sorgfältig gemischt, geformt, schließlich durch geeignete 
Weiterbehandlung voü allen fremden Elementen befreit und in 
feste, dichte, fast vollkommen reine Kolilenstäbe verwandelt wurden. 
In solcher Weise hergestellte nenne ich 

Bogenlichtelektroden erster Art. 

Die ältesten Verfahren zu ihrer Erzeugung stammen von 
W. K Staite (1846) und Le Molt (1849); namentlich das erste 
ist in seinen Grundzügen das Vorbild aller späteren ähnlichen 
Verfahren gewesen. 

Nun hatte Grove 1840 bereits gefunden, daß Tränken der 
Kohle mit K- und Na -Salzen unter sonst gleichen Umständen 
dem Lichtbogen eine gröfiere Länge zu geben gestattet, und war 
zu der Ansicht gekommen, daß die Wirkung des Lichtbogens eine 
elektrolytische sei, abhängig von der Beschaffenheit des strom- 
durchflossenen Mittels. Bald darauf (1843) stellte Casselmann 
in eingehender Untersuchung fest, daß auch die Helligkeit des 
Lichtbogens cet. par. sich durch Metallsalze beeinflussen läßt 
Eine praktische Anwendung dieser Tatsachen läuft also darauf 
hinaus: statt reiner Kohlenstäbe solche mit absichtlichen Ver- 
unreinigungen in Gestalt von Metallsalzen zu erzeugen; man er- 
hält so: 

BogenUohtelektroden sweiter Art. 

Watson und Slater benutzten hierzu (1852) Kaliumkarbonat 
und Alaun, sowie Quarz und Kalk; Lacassaqne und Thiers 



Nr. 7.] W. Biegon von Gzudnochowski. 159 

(1857) yerwendeten Ealiuinkarbonat oder Ätznatron. In der 
ersten Hälfte des achten Jahrzehnts beschäftigten sich vomehmlich 
Cabr£ und Gaudoik mit eingehenden Versuchen über den Gegen* 
stand i). Ersterer fand eine Erhöhung der Leuchtkraft durch 
Pottasche oder Soda um 25 Proz., durch Kalk, Magnesia oder 
Strontium um 40 Proz., wobei das Licht stark gefärbt war; durch 
Eisen oder Antimon um 60 bis 70 Proz. Gaudoin untersuchte 
phosphorsauren, borsauren und kieselsauren Kalk, Ghlorcalcium, 
Kieselerde, Tonerde, kieselsaure Tonerde, Magnesia, Magnesium- 
phosphat und Boracit; von diesen Stoffen verdampfte die Kiesel- 
säure unzersetzt, während Tonerde und kieselsaure Tonerde nur 
bei starkem Strom und hoher Spannung, die übrigen stets zer- 
setzt werden; an den Elektroden entwickeln sich dabei reichliche 
Schlacken, außerdem treten starke Bauchmassen auf, so daß Gau- 
doin, was auch Carr^ bereits getan, seine Versuche in dieser 
Richtung aufgab"). Weiter ist hier zu erwähnen, daß Jablochkoff 
(1876) bei seinen elektrischen Kerzen das Licht durch Beimischung 
Yon Metalloxyden zur Isolierschicht färben wollte, sowie ein Patent 
nachsuchte auf eine besondere Einrichtung seiner Kerzen: es 
sollten nämlich die beiden Kohlenstäbe, jeder für sich, in geringem 
Abstände yon einem Asbestmantel umgeben werden und sodann 
sowohl der Zwischenraum zwischen jedem Stab und seinem Mantel, 
als auch der zwischen den beiden fertigen Stäben mit einer 
Metalloxyde enthaltenden Masse ausgefüllt werden 3). Durch 
D. R-P. Nr. 663 Tom 14. August 1877 ließ sich dann Jabloch- 
koff den Ersatz der Kohlestäbchen durch solche aus Metall, 
Graphit oder anderem Material schützen, welche röhrenförmig und 
mit einer der zur Isolierung benutzten ähnlichen Masse ausgefüllt 
waren, z. B. einer Mischung von kieseligen oder erdigen Stoffen, 
während Archereau in demselben Jahre Elektroden aus mit 
Magnesia gemischten, gepreßten Kohlenagglomeraten herstellte^). 
Im Jahre 1879 ließen sich Gebr. Siemens, nachdem ein Gesuch 



H. Fontaine, Eclairage ä Peleotricite. Paris 1877. S. 53—57. 

*) Beide ließen sich 1876 Verfahren zur Herstellung von Bogenlicht^ 
elektroden erster Art patentieren. 

•) H, Fontaine, Eclairage ä l'electricite. S. 44—46. • 

*) Das erwähnte Patent von Jablochkoff hat seiner Zeit im „Docht- 
kohlenprozeß'' Gebe. Siemens contra Habdthüth -Wien eine Rolle gespielt 
VgL Elektrotechn. ZS. 12, 317, 1891. 



160 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 3. April 1903. [Nr. 7. 

(D. R.-P.-A, V. 15. April 1879) betr. die Anwendung von Kohlen- 
röhren mit einem leicht verdampfendeu Docht in zwei Instanzen 
zurückgewiesen War, ein „Verfahren zur Tränkung roher Kohlen- 
stäbe" (D. R-P, Nr. 8253) schützen, welches eine verbesserte 
Anwendung der Ergebnisse Gasselmanns darstellt, und eine ganze 
Reihe namentlich englischer und amerikanischer Patentschriften 
aus den Jahren 1878 bis 1898, z. B. Werton, Amer. Pat Nr. 210380 
(betr. Einführung verdampfbarer Silikate in röhrenförmige Kohle) 
zeugen davon, daß man ununterbrochen an der Brauchbar- 
machung von Elektroden zweiter Art arbeitete. Es ist dann 
hier auch zu gedenken der „Lampe Soleil" von Le Clerc und 
Bureau, von Violle „Drummond electrique" genannt, die in Paris 
1881 ausgestellt war. Bei dieser Lampe brannten zwei schräg 
gegeneinander stehende Kohlen in einem Kalkblock, der durch 
den Bogen erhitzt und verflüchtigt wurde, was sich im Spektro- 
skop durch das Auftreten der Ca -Linien zu erkennen gibt^). 
Im Jahre 1892 meldete E. Rasch ein „elektrobengaUsches Bogen- 
licht" zum Patente an (113594), später als „Elektrolytbogenlicht" 
bezeichnet, das aber bis heute es zu einem bedeutsamen Hervor- 
treten nicht gebracht hat und auf Verwendung einer dritten Art 
von Elektroden beruht, welche hauptsächlich aus Metalloxyden 
bestehen. Nach dieser langen Reihe von Vorversuchen war es 
der Pariser Weltausstellung von 1900 beschieden, die praktische 
Lösung der Aufgabe: brauchbare Bogenlichtelektroden .zweiter 
Art herzustellen, der Allgemeinheit bekannt zu geben durch die 
Vorführung der Bogenlampe von H. Bremer (Neheim a. d. Ruhr), 
welche durch ihre Helligkeit und die von der aller bisher ge- 
bräuchlichen Bogenlampen ganz abweichende Farbe ihres Lichtes 
allgemeines Aufsehen erregte. Die ersten BREMERschen Patente 
(118464, 118867, 127333, 114314, 114242, 113993, 133703) 
stammen aus 1899 und beziehen sich hauptsächlich auf die Her- 
stellung von Elektroden. Es werden danach verwendet: 

Um einen langen, stark leuchtenden Bogen zu erhalten: Ca-, 
Sr- und Mg- Verbindungen zu 20 bis 50 Proz. 



*) Nach brieflicher Mitteilung von Herrn Prof. HAOBNBACH-BiscHOFF 
in Basel. Herr Prof. Haobnbach spricht sich geradezu dahin aus, daß diese 
Lampe „als eine Art Vorläufer der Bremerlampe betrachtet werden kann". 



Xr. 7.] W. Biegon von Gzadnoohowski. 161 

Zur Erzielung einer angenehmen (?) gelblichen Farbe: Fl-, 
Br- und Ga*Yerbindungen zu mindestens 5 Proz. 

Zur Beruhigung des Lichtbogens: Bo-, K- oder Na-Salze. 

Zur Erleichterung des Schmelzens und Abfallens der Schlacken: 
Flußmittel, wie NaCl, NajCOj, K,COj, SiO^ und andere. 

Zur Versteifung der abfließenden Schlackentropfen: ein Mantel 
aus Ca-, Mg- oder tonhaltigen Stoffen. 

Femer sollten die Yerbrennungsgase durch einen dicht ober- 
halb des Bogens angebrachten Schirm, einen sogen. ,,Sparer^, 
zusammengehalten und die Rauchmassen dadurch abgefangen 
werden, daß die Gase in einen besonderen Baum eintreten, in 
dem sich die festen Verbrennungsprodukte ablagern können und 
aus dem die so gereinigten Gase wieder zum Bogen gelangen. 

Weiter verwendete Bremer die in der Praxis ungewohnte, 
wenn auch schon vielfach (z. B. von Staite 1846, Rapieff 1878, 
Zerener bei seinem Lötapparat 1889, zuletzt Hacel 1898) ver- 
suchte Anordnung der Elektroden im Winkel gegeneinander mit 
der Spitze nach unten, und zwar in einer Yierkohlenlampe, welche 
nach den bekannt gewordenen Angaben anscheinend sehr große 
Ähnlichkeit in ihrer Einrichtung mit dem sogen, „oruleur^ von 
Gl&RABD [1881] ^) hatte. Aus dieser Vierkohlen- entstand die- sehr 
viel einfachere Zweikohlenlampe, wie sie. in einigen 100 Exemplaren 
hier in Berlin in Gebrauch gekommen ist, und dieser ist dann 
neuerdings ein.e sehr verbesserte „Modell C7" gefolgt, die sich 
durch verschiedene recht sinnreiche Vorrichtungen auszeichnet. 

Wenn auch, wie aus den vorausgeschickten Angaben erhellt, 
von Bremer zunächst keine bedeutsamen grundsätzlichen Neue- 
rungen zur Anwendung gebracht sind, so hat er doch das große 
und unbestreitbare Verdienst, einer schon lange schwebenden imd, 
wie die Arbeiten von Carrä und Gaudoin zeigen, wiederholt als 
aussichtslos aufgegebenen Angelegenheit durch energisches Vor- 
gehen' zum Erfolge verhelfen zu haben. Daß es sich wirklich um 
einen Gegenstand von Bedeutung handelt, beweist die rasche 
Ausbreitung der neuen Lampen, sodann aber auch der Umstand, 
daß die bedeutendsten Firmen sich beeilt haben, als Mitbewerber 



^) Eine Abbildung dieser Lampe siehe: A. y. Ubbai^itzkt, Die Elek- 
trizität im Dienste der Menschheit. Wien, Hartleben, 1885. S. 693. 



162 YerhdL d. DeatBchen Physik. Gesellsoh. vom 3. April 190S. [Nr. 7. 

auf diesem neuen Gebiete des Bogenlichtes aufzutreten. So werden 
gute Elektroden zweiter Art, kurz „Flammenlichtkohlen^ genannt, 
auch Ton Gebr. Siemens u. a. hergestellt, neben den Bremer- 
lampen sind hier in Berlin an anderen Lampen für Flammen- 
bogenlicht, bei denen die Elektroden im spitzen Winkel zueinander 
stehen, solche von K. Weinert, der Allgemeinen Elektrizitats- 
Gesellschaft und Siemens und Halske in Gebrauch. 

2. Der Flammenbogeii. 

In den gewöhnlichen Bogenlampen stehen die beiden Elek- 
troden senkrecht, übereinander und ist bei Gleichstrom die obere 
eine Docht-, die untere, eine Homogenkohle, bei Wechselstrom 
sind beides Dochtkohlen. Beim Brennen nehmen die einander zu- 
gewandten Enden der Elektroden ganz charakteristische Formen an, 
die -(- Dochtkohle brennt stumpf mit einer flach muldenförmigen 
Vertiefung in der Mitte: dem Krater; die — Homogenkohle da- 
gegen bildet eine Spitze. Ist die Lichtbogenspannung klein, stehen 
sich also die Elektrodenenden sehr nahe, so nimmt das der 
— Kohle eine sehr merkwürdige Gestalt an: die sehr schlank 
endende Spiize setzt sich aus zwei Stufen zusammen. Das dünne 
Endo ist kalt sehr hart und fest, seine Entstehung führt man 
auf die Ablagerung von der -|- Kohle stammender Teilchen zu- 
rück; es bietet aber den Vorteil, daß vermöge seines Vorhanden- 
seins der lichtaussendende Krater freier liegt, als wenn die — Kohle 
mehr oder weniger stumpf abbrennte, wobei dann weit mehr von 
ihm ausgehende Strahlen abgefangen würden i). Wächst die 
Lichtbogenspannung, somit auch die Bogenlänge, so wird die 
Spitze immer kleiner, die Stufentrennung immer weniger scharf, 
bis schließlich die — Kohle in einfacher stumpfer Wölbung ab- 
brennt Beistehende Fig. 1 und 2 stellen für die gleiche Strom- 
stärke von lOAmp. die Elektrodenform dar bei 35 Volt — Nieder- 
spannungs- oder Dreischaltungslampen — und bei 45 Volt — 
Lampen mit erhöhter Lichtbogenspannung — . Die Figuren zeigen, 
daß der eigentliche Bogen, d. h. die Gasstrecke zwischen den 
Elektroden, nur schwach leuchtet (in Fig. 1 ist der Bogen kaum 



*) Ausführliches darüber siehe in H. Aybton: The electrio Are. Lon- 
don 1902. 



Nr. 7.] W. Biegen von Gzudnochowski. 163 

sichtbar), während die Elektrodenenden hell weißglühend sind; 
unter gewöhnlichen Umständen sind an der Gesamtstrahlung be- 
teiligt: 

die positive Kohle mit 85Proz. 

die negative Kohle mit 10 „ 

der Lichtbogen selbst mit 5 „ 

Wächst nun die Spannung weiter, so ändert sich auch das Aus- 
sehen des Lichtbogens recht erheblich, er wird nicht nur länger, 

Fig. 1. Fig. 2. 




10 Amp. 35 Volt. 10 Amp. 45 Volt. 

sondern auch sein Umfang wächst, und außerdem beginnt er eine 
deutliche Struktur zu zeigen; Fig. 3 (a. f. S.) zeigt einen solchen 
Lichtbogen bei 75 Volt und 6,5 Amp. (im Negativ). Auch hier sind 
die Elektrodenenden weißglühend, die — Kohle ganz stumpf; im 
Bogen selber aber haben wir jetzt zwei deutlich voneinander ge- 
trennte Lichtbüschel zu unterscheiden: das positive a6, einen 
hellen, oft vollkommen kugelförmigen Kern enthaltend, bläulich, 
von ihm durch einen auch schon in Fig. 2 erkennbaren dunkeln 
Kaum cc getrennt, das negative Büschel d, rosa. Beide Licht- 
büschel sind umgeben von einer hier sehr ausgedehnten Aureole 6, 
welche als mantelf örmige, gegen Luftzug sehr empfindliche Flamme 
(grün oder rotgelb) das Ende der -|- Kohle umspielt; wir können 
also einen solchen langen, gewöhnlichen Lichtbogen als einen 
Flammenbogen bezeichnen i). Ein solcher Bogen ist nun für Be- 



*) Stark vergrößerte, von den beistehenden etwas abweichende Dar- 
stellungen siehe H. Ayrton, 1. c, Fig. 3 bis 6 (Tafeln). Vgl. auch 0. Lehmann, 
die elektr. Lichterscheinungen od. Entladungen, S. 242 u. 243, Fig. 160 a bis c. 



164 VerhtQ. d. Deutschen Physik. Gesellsoh. vom 3. April 1903. [Nr. 7. 



leuchtungszwecke nicht verwendbar: wegen der großen Länge sind 
die beiden Büschel sehr gut ausgebildet, deswegen die Gesamt- 
strahlung weit ausgeprägter blau als die des normalen Bogens 



Fig. 3. 



(bei üblicher Spannung); wegen der 
großen Länge ist auch der Widerstand 
sehr groß, der dadurch veranlaßte 
vermehrte Energieaufwand steht aber 
in keinem guten Verhältnis zu dem 
erzielten Mehr an Licht Dazu kommt 
noch die große Empfindlichkeit gegen 
Luftbewegungen ; anderseits liegt aber 
bei einem solchen Bogen der die 
Hauptlichtquelle bildende Krater viel 
freier als unter gewöhnlichen Um- 
ständen. Die Figur zeigt jedoch, daß 
man eine außerordentlich günstige 
Lichtausstrahlung, d. h. sehr geringe 
Schattenwirkung der — Kohle dann 
erhielte, wenn der Bogen selber stark 
leuchtend wäre; dies läßt sich, wie 
schon gesagt, durch Anwendung von Elektroden zweiter Art er- 
reichen, wobei der Lichtbogenwiderstand und damit die bei gleicher 




Fig. 4. 



1500 1000 



1000 1500 




60» 70» 80« 90 80» 70« 60» 
Gleichstrom: 7 Amp. 40 Volt. 

Bogenlänge erforderliche Spannung kleiner wird. Die durch An- 
wendung solcher Elektroden bewirkte Veränderung der Helligkeit 
unter verschiedenen Winkeln gegen die Horizontale zeigen Fig. 4 



Nr. 7.] 



W. Biegon von Czadnoohowski. 



165 



für Gleichstrom und Fig. 5 für Wechselstrom (nach mir freund- 
lichst zur Verfügung gestellten .Messungsergebnissen von Körting 
und Mathiesen). Nun bilden aber die Metalloxyde enthaltenden 



Fig. 5. 





1500 1000 


600 






600 


1000 1600 




1 11^ 








t^i^ 1 ! 


10« 


yv^C 


^y<^ 






5^C/7 


20« 
30» 


J^ 






hkO 




^w! 


400 


^W 


4r^ 


7^ 


^mt 


A>^ 


W^ 



0« 
100 

20« 
30» 

40« 



60» 60» 70« 80» 90 80« 70« 60» 60» 

Wechselstrom: 12 Amp., — 30 Volt, 34 Volt. 

Elektroden reichliche Schlacken, welche, von der oberen auf die 
untere Elektrode herabtropfend, zu groben Störungen im Licht- 
bogen Anlaß geben; man muß deshalb entweder nur geringe 
der Beimischungen verwenden, oder aber, wie dies 
Fig. 6. 




Bremer von vornherein getan hat, eine andere, diesen Übelstand 
ausschließende Elektrodenanordnung wählen; die den Lichtbogen 
der Bremerlampe „C darstellende Fig. 6 zeigt deutlich die an 



166 Verhdl. d. Deutaohen Physik. GesellBch. vom 8. April 1903. [Nr. 7. 




Gleichstrom: 9 Amp., — 60 Volt, 4ö Volt. 

FiR. 8. 



aOOO 1600 1000 600 



600 1000 1600 2000 




70» 80« 90 80» 70« 
Wechselstrom: 9 Amp., 47,5 Volt; — weiß, -•- rot, gelb. 



Nr. 7.] 



W. Biegon yon Czudnochowski. 



167 



den Elektrodenenden sich bildenden Schlackenränder. Die bei 
dieser Anordnung naturgemäß gänzlich andere Lichtverteilung ist 
in Fig. 7 für Gleichstrom — wobei der Bogen mit gewöhnlichen 
Elektroden übemormale Spannung erforderte — und Fig. 8 für 
Wechselstrom und gleiche Zusatzmengen verschiedener Stoffe für 
gelbes, rotes und weißes Licht nach Messungen von Herrn Wed- 



Fig. 9. 



60 



50 



40 



I ' 

1^30 

4 



DING dargestellt; ein 
hierbei mögliches Wan- 
dern des Lichtbogens 
aufwärts wird verhin- 
dert: 1. durch den 
schon beschriebenen 
Sparer, 2. durch das 
vom Strome selbst er- 
zeugte und den Bogen 
nach unten treibende 
magnetische Feld, wel- 
ches sich, wie dies von 
Bremer, Weinert u. a. 
sowie auch schon frü- 
her von GiRARD ge- 
schehen, noch durch 
einen Blasmagneten 
verstärken läßt. Die 
Wirkung des letzteren 
ist aber, wenn zu 
kräftig , sogar von 
Nachteil, wie Fig. 9 
nach Messungen von 
Gebr. Siemens er- 
kennen läßt; deswegen verzichtet die Allgemeine Elektrizitäts- 
GESELLSCäAFT bei ihren „Litensivflammenbogenlampen" voll- 
kommen auf einen Blasmagneten, was indessen nur bei Elektroden- 
winkeln zwischen 15 und 45^ zulässig ist. 

Über die bei senkrecht übereinanderstehenden Flammenlicht- 
kohlen sich ergebende Bogenlänge gibt nachstehende Tabelle Auf- 
schluß (nach Körting und Mathiesen). 



20 



10 







^^_^ 












ISOO 




Lenob 


t^ 


N^ 


HK. 




^ 










> 


>< 










_,^ 




^ 




N 


N, 


1000^ 




^Sp, 


nnuD^ 


in \ 


olt. 






n 
















r 


L^ 


tboge 


lüsei 




ohbjeii 


lend. 




^n 






a 
















500 


















Li 


ofatbof 


enfläc 


le in 


mm^. 










^ 














Stroi 


istärk 


) in j 


imp. 



























100 200 300 

Errogang du Blumagneten in AW. 



400 



168 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 3. April 1903. [Nr. 7. 



Stromstärke 


Spannung 


Ges. Elek- 
trodenlänge 


Lichtbogen- 
länge 


Stromart 


7 Atm. 
9 r, 
12 , 


40 Volt 

41 n 

42 „ 


400 mm 
400 „ 
400 „ 


9 bis 10 mm 

11 n 12 n 
13 „ 14 „ 


Gleichstrom 


8 Atm. 
10 » 
12 , 


32 Volt 

34 ; 

34 „ 


400 mm 
400 „ 
400 „ 


7 mm 
• 10 n 
11 n 


Wechselstrom 

n 



Die angegebenen sind die Lampenspannungen, in den Elektroden 
selber findet ein Spannungsabfall Ton 1 bis 2 Volt auf 100 mm 
statt, was eine Veränderlichkeit der Lichtbogenspannung z. B. bei 
einer Gesamtelektrodenlänge von 2 X 325 um 5 bis 6 Volt zur 
Folge hat. Femer ist bei bestimmter Stromstärke die Spannung 

Fig. 10. 




abhängig von der Lichtbogenlänge; in Fig. 10 sind hierfür zu- 
sammengestellt die Kurven E = UL) für: Easchs Elektrolyt- 
bogenlicht, normale Wechselstromlampe, Flammenbogenl^mpen von 
Körting und Mathiesen und der Allgemeinek Elektrizitäts- 
Gesellschaft [nach von Herrn Zeidler veröffentlichten Vierten] *), 
die beiden Kurven für 12 Amp. beziehen sich auf 400 bezw. 600 mm 
Elektrodenlänge. Die Figur zeigt, daß' bezüglich der mechanischen 
Regelung die Anwendung eines Flammenbogens große Vorteile 



') Elektrotechn. ZS. 24, 170, 1903. 



Nr. 7.] W, Biegen von Gzudnochowski. 169 

bietet, weil sie innerhalb der praktisch zulässigen und vorkom- 
menden Spannungsschwankungen ziemlich beträchtliche Längen- 
ändenmgen des Bogens gestattet, während anderseits der sehr 
steile Anstieg der Kurve für das Ilaschlicht erhebliche Bedenken 
gegen dessen Verwendbarkeit erweckt wegen der sich daraus er- 
gebenden Notwendigkeit, ein ganz außerordentlich fein arbeitendes 
Begelwerk hierfür herzustellen. Wenn Herr Rasch dem entgegen 
behauptet >) : ^Die Ökonomie eines Lichtbogens ist um so größer, 
die Lichtbogenbildung um so günstiger und stabiler, je rascher 
der Anstieg der Spannung mit der Lichtbogenlänge ist^, so ist 
dies schwer verständlich und widerspricht den in Fig. 10 zum 
Ausdruck kommenden Ergebnissen der Praxis, denn dann müßte 
ja auch die Ökonomie eines gewöhnlichen Eohlebogens größer 
sein als die des Flammenbogens, während das Umgekehrte der 
Fall ist. 

Bezog sich das bisher Gesagte auf den im wesentlichen durch 
Ca gelb gefärbten Bogen, so kann man auch, wie schon eingangs 
gesagt, andere Färbungen durch andere Stoffe erzielen, wie z. B. 
Rot durch Sr und Weiß durch Ba, die hiermit erhaltenen Ergeb- 
nisse sind aber viel ungünstiger (vgl. Fig. 8). Aus diesem Grunde 
finden auch diese beiden Färbungen fast gar keine Anwendung. 
Anderseits ist a priori anzunehmen, daß verschiedene Zusatz- 
mengen desselben Stoffes auch verschiedenen Einfluß auf die 
Helligkeit haben werden; die Ergebnisse hierüber von Herrn 
Wedding angestellterMessungen, Fig. 11 (a.f.S.), zeigen, daß, wenn 
auch der erzielte Effekt mit wachsender Menge des Zusatzes fort- 
während steigt, doch ein Optimum vorhanden ist, dessen Über- 
schreitung Übelstände — verstärkte Rauch- und Schlackenbildung 
— zur Folge hat, welche die noch mögliche Verbesserung der 
Lichtausbeute mehr als aufwiegen. Der Vorteil des mittels Elek- 
troden zweiter Art erzeugten Flammenbogens beruht aber, wie 
schon gesagt, nicht nur auf dem geringeren Wattverbrauch gegen- 
über dem gewöhnlichen Bogen, sondern auch in der bis auf 
25 Proz. der gesamten gesteigei-ten Lichtausstrahlung des Bogens 
selbst Letzteres könnte den ersteren erklären, wenn man an- 



*) E. Rasch, Ein neues Verfahren zur Erzeuf^ung von elektrischem 
Ijcht. Elektrotechn. ZS. 22, 155—157, 1901. S. 156, Sp. 2. 



170 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsoh. vom 3. April 1903. [Nr. 7. 



nähme, daß die Emission im Bogen eine weitaus ökonomischere 
sei als die der Elektroden. Das Spektrum des Bremerlichtes, 
y. j^ Fig. 12, ist ein beson- 

ders im Gelb und Grün 
sehr lichtstarkes Banden- 
spektrum i), eine reine 

Temperaturstrahlung 
liegt daher keineswegs 
vor. Wir haben es mit 
selektiver Emission auch 
der Elektroden zu 
tun, doch liegen genaue 
Untersuchungen hier- 
über noch nicht vor; daß 
dabei die im Lichtbogen 
höhere Temperatur als 
an den Elektroden auf 
die Strahlung der im 
Bogen leuchtenden Stoffe 
ohne Einfluß sein sollte, 
ist nicht gut anzunehmen. 
Anderseits können auch die Beimengungen die Temperatur der 
Elektrodenenden beeinflussen. In nachstehender Tabelle sind 



0,4 



0,3 



0,2 



0,1 



1 
































u 
















V 


\^ 














f^ 




'Kohl 


m übi 


ireinai 


der 






1 


\ 














r 




\b 


ohlen 


neboi 


einaiu 


er 










^< 


































Fluor 


Mdciu] 


DZUBal 

1 


t in < 


/o 





10 



20 



30 



40% 



il 















Fig. 


12. 










r 




1 
















1 




1 

1 1 

""I 1 



rot gelb grün 



blau 

Spektrum des Bremerlichtes. 



violett 



unter Zugrundelegung der Normalspannung von 110 Volt bei An- 
nahme eines Verlustes in den Zuleitungen von 5 Volt für Licht- 



*) Die Figur 12 ist mangels geeigneter anderer Apparate erhalten durch 
Nachzeichnen des vollkommen scharf auf eine matte Glasplatte in dieser 
Größe entworfenen Spektrums auf durchscheinendem Papier , wobei mich 
Herr Ereüsler in dankenswerter Weise unterstützt hat. 



Nr. 7.] 



W. Biegon von Czudnochowski. 



171 



bögen verschiedener Art Werte des absoluten wie des unter 
Berücksichtigung der Verwendung sich ergebenden praktischen 
spezifischen Wattverbrauchs zusammengestellt: 







1, ^ 




Watt 


Watt 




Strom- und Lampenart g 


•% 1 Kerze 


Kerze 


Bemerkungen 






^ abs. 


prakt. 




Gleichstrom, NiederspannuDgslampe . 


9 


35 0,6415 


0,6415 1 Dreischaltung *) 


„ HochBpannuDgslampe . . 


9 


45 0,578 


0,6740 


Zweischaltun«; *) 


„ normale Lampe . . 




7 


4OO,10iX) 


0,6024 


**) 


j» » n • • 




12 


4H (K3718 


0,4535 


♦♦) 


Wechselstrom, normale Lampe . 




12 


3(M»31H1 


0,4318 


♦*) 


7} n n ' 




il2 


30,n,S181 


0,9545 


Drei Lampen 


Gleichstrom, „Jandus^ 




1 ^ 


78' 1.9756 


2,7902 


Eine Lampe ♦♦♦) 


„Regina*^ . . . . 




^ 


iio' -^ 


1,075 


n » 


„ Flammenbogenlampe f) . 


' 7 


4(Mf,2075 


0,2722 


Zwei Lampen ♦♦) 


t). 


1^^ 


43'ü,2511 


0,3063 


7) n ß 


Wechselstrom, „ t) • 


; 12 


340,3040 


0,4694 


» n / 


Gleichstrom, „ ft) • 


9 


45 


0,187 


0,2184 


n 7t 


„ Bremerlampe tt) • • • • 


9 


48 


0,1309 


0,1432 


n Tt 


n n tt) • • • • 


56 


89 


0,1003 


0,1183 


Eine Lampe zu 






1 
il 








vier Bögen 



*} Seillampe von Siemeks und Halske, Elektrotechn. ZS. 20, Heft 25, 1899. 
— **) Nach Messungen von Köbtiko und Mathiesen. — ♦*♦) W. Weddino, 
Elektrotechn. ZS. 18, 763—768, 1897. — t) Elektroden senkrecht über- 
einander. — tt) Elektroden gegeneinander geneigt. 

Die bei der Zahl und Verschiedenheit der in den Elektroden 
enthaltenen Stoffe jeden Falls sehr mannigfaltigen und ver- 
wickelten cheniischen Vorgänge im Flammenlichtbogen sind eben- 
falls noch nicht genauer untersucht. Über die möglicherweise 
neu entstehenden Verbindungen läßt sich gar nichts Genaues 
sagen, zumal da die Entstehungsweise sehr verschieden sein kann. 
Sicher ist zunächst nur das sehr lästige Auftreten von NO2 in 
größeren Mengen, welches bisher eine Verwendung des Flammen- 
bogenlichtes in geschlossenen Räumen durchaus verbot; hier- 
gegen verwenden Gebr. Siemens neuerdings Ammoniumkarbonat 
[(NH4)jC08] in Mengen von einigen Gramm puc Tag und Lampe. 
Die sich dabei abspielenden Vorgänge lassen sich ungefähr durch 
folgendes Schema veranschaulichen: 



172 Verhdi. d. Deutschen Physik. Gesellsoh. vom 3. April 1903. [Nr. 7. 




3 NO, HaO 

(NH,)iCOs 2 HNO:, 

1 ^^^^^^^ 1 
H,0 2NH4NO8 

Das der Luftfeuchtigkeit entstammende Hg 0- Molekül wirkt 
hier gewissermaßen nur katalytisch. Von Beimengungen kommen 
im wesentlichen hauptsächlich Borax, NagB^Oy, und Flußspat, 
CaFlj, in Betracht. Aus dem Flußspat „könnte" durch Zer- 
setzung freies Fluor entstehen: 

CaFla 4- — -► CaO + 2F1 
und weiterhin Calciumcarbid: 

CaO + 3C — -^ CO + CaC,. 

Das Bor besitzt besondere Neigung zur Vereinigung mit FI 
zu Borfluorid, BFI3, welches sich bei hoher Temperatur aus Bor- 
sesquioxyd, B^Oj, mit Flußspat bildet nach dem Schema: 

BaOs + 3CaFlj ► 3 CaO + 2BFI3. 

Danach konnte allerdings, wenn, was an sich etwas unwahr- 
scheinlich erscheint, der Borax im Flammenlichtbogen nicht be- 
ständig ist, Borfluorid in erheblicher Menge entstehen, der Vor- 
gang würde sich etwa so darstellen lassen: 

NaaB4 07 
NajjO 2Bj|08 6 Ca Fla 

4BFI3 6 CaO 

In diesem Falle würde vermutlich durch die entstehenden 
Oxyde ein Teil des sich bildenden Kohlendioxydes gebunden 
werden; anderseits kann aber aus dem Borfluorid unter Ein- 
wirkung der Luftfeuchtigkeit weiter Fluorwasserstoff oder Bor- 
fluorwasserstoff entstehen: 

2BF18 + 3H2O ► BjOs + 6HFI 

4BFI3 -f 3HaO — > HsCOs + 3HBFI4. 



Nr. 7.] W. Biegon von Gzudnochowski. 173 

Die letztgenannte Verbindung kann aber auch auf folgende 
Weise entstehen: 

Hn + BFI3 > HBFI4. 

Wie ersichtlich, hängt das Auftreten der höchst gesundheits- 
schädlichen Stoffe BFls, HFl, HBFI4 von dem, wie schon gesagt, 
sehr unwahrscheinlichen Zerfall des Borax ab; dem entspricht 
auch, daß Untersuchungen von Herrn Arndt über das Auftreten 
dieser Verbindungen vollkommen negative Ergebnisse lieferten 1). 
Die vorstehenden Ausführungen zeigen aber, wie sehr verwickelt 
die chemischen Vorgänge im Flammenbogen sein müssen, 

3. Flammenbogenlampen. 

Die im vorstehenden eingehend besprochenen besonderen 
Eigenschaften eines mit Elektroden zweiter Art erzeugten Flammen- 
bogens verlangen nun bei Herstellungen von Vorrichtungen zur 
nutzbringenden Erzeugung und Gleicherhaltung eines solchen 
Bogens besondere Berücksichtigung. Eine Erörterung der techni- 
schen Ausführungen ist hier nicht am Platze, als interessantes 
Beispiel für eine geschickte Bewältigung der in der physikalischen 
Natur des Flammenbogens liegenden Schwierigkeiten sei hier aber 
die neueste Bremerlampe „C7^, nach mir bereitwilligst von der 
Gesellschaft für Bremerlicht übermittelten Angaben und Zeich- 
nungen schematisch dstrgestellt in Fig. 13 (a.f.S.), kurz besprochen. 
An derselben sind folgende Einrichtungen zu unterscheiden: 

1. Nachschub der Elektroden. Ein Laufwerk L wird 
mittels Kette von einem in senkrechter Führung laufenden 
Schlitten bewegt, der an einer Querstange die beiden Kohlenhalter 
trägt; diese werden in zwei um 36® gegeneinander geneigten 
Stangenpaaren geführt, welche den Teller T mit Reflektor jB 
(Sparer) tragen. 

2. Regelung des Lichtbogens. Die Betätigung des Lauf- 
werkes L geschieht durch ein Differentialwerk 2), welches ferner 
durch Hebel mittels der Regulierstange R S die Spitze der — Kohle 
bewegt; am Teller befindet sich ein im Hauptstrom liegender 
Blasmagnet J3, welcher je nach der Stromstärke den Bogen mehr 
oder weniger nach unten treibt. Die Schraube S dient dazu, um 



») Elektroteehn. ZS. 23, 709, 1902. 



174 Verhdi. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 3. April 1903. [Nr. 7. 



durch Änderung der Spannung der Feder F die Lampe auf eine 
bestimmte Spannung einzuregulieren. 

3. Die Zündeinrichtung. Da wegen der Schlackenbildung 
am Rande ein Zusammenführen der Elektroden zur sicheren 

Bogenbildung nicht aus- 



Fig. 13. 



I ^ - -^ 'r ^^ 




Bremer-Lampe, Modell C. 



reicht, so ist ein beson- 
derer, im Nebenschluß 
liegender Zündmagnet 
ZM angeordnet, welcher 
beim Einschalten durch 
seinen Anker A die mit 
der -{-Klemme der Lampe 
über eine zweite Wicke- 
lung des Blasmagneten 

verbundene Zünder- 
stange ZS mit dem 
Ende der — Kohle zur 
Berührung bringt; der 
zwischen dieser Kohle 
und dem Zünder Z sich 
bildende Bogen wird 
durch die erwähnte zweite 
M&gnetwickelung nach 
der -|- Kohle hinüber- 
gezogen. Sobald der Bo- 
gen zwischen den Koh- 
len übergeht, wird der 
Zünderkreis stromlos. 

4. Verhütung un- 
gleichen Abbrandes 
der Elektroden. Zu 
diesem Zwecke sind inner- 
halb des Reflektors B ab- 
kühlend auf die Elektro- 
den wirkende Metallmas- 
sen Jf, M angebracht. 

5. Selbsttätiger 
Kurzschließer. Der 



Nr. 7.] W. Biegon von Cxudnochowski. 175 

Zöndennagnet ZM ist noch mit einer zweiten Vorrichtung K ver- 
sehen, welche, wenn die Lampe wegen zu kurzer Elektroden er- 
lischt, ohne wieder zünden zu können, einen der Lampe gleich- 
wertigen Ersatzwiderstand {EW) statt ihrer einschaltet. [In 
Fig. 13 sind der Übersichtlichkeit wegen die Teile des Werkes in 
von der wirklichen Ausführung etwas abweichender Lage zuein- 
ander gezeichnet, während ihre Funktion unverändert zur Dar- 
stellung gebracht ist; die Stange BS besitzt in Wirklichkeit statt 
der Winkelhebel oben und unten wagerechte Arme und ist um 
ihre Achse drehbar.] 

Die schon erwähnten Flammenbogenlampen — mit geneigten 
Kohlen — von Siemens und Halske, der Allgemeinen Elektri- 
ziTATSGESELLSCHAFT und K Weinert besitzen die Werke der 
normalen Lampen der genannten Firmen, sowie mit Ausnahme 
der von Weinert, bei welcher die Kohlenhalter einzeln an be- 
sonders geführten Seilen hängen, die beschriebene Kohlen- 
bewegung (1). Der Blasmagnet fehlt bei der A.-E.-G.-Lampe, die 
besondere Zündeinrichtung bei allen dreien; letzteres ist ermöglicht 
durch Anwendung von Elektroden, welche die Beimengungen nur 
im Dochte enthalten, daher keine die Zündung durch Zusammen- 
führen der Elektroden erschwerenden Schlackenränder erzeugen. 

Zum Schluß möchte ich nicht verfehlen, an dieser Stelle 
den Firmen Körting und Mathiesen, Leutzsch bei Leipzig, 
Deutsche Gesellschaft für Bremerlicht, Neheim und Berlin, 
und K. Weinert, Berlin, für das mir bereitwilligst zur Verfügung 
gestellte Material meinen Dank auszusprechen. 



Literaturverzeichnis. 

1. W. Weddivo, Das neue elektrisclie Licht von Bbbmsb. Elektrotechn. 
ZS. 21, 646—649. 1900. 

2. £. RüHMBB, Das Bremerlicht. Physikal. ZS. 1, 623—624, 1900. 

3. Ebich f. Huth, Ein neues elektrisches Licht. Prometheus 11, 
705—707, 1900. 

4. Bebmbach, Der elektrische Lichtbogen. Mektrot. Rundsoh. 18, 164, 
177, 189, 1901. 

5. Die Bogenlichtlampe von Bbbmeb. Elektrot. Rundsch. 18, 192, 1901. 

6. über die Bogenlampe von Bbemeb. Elektrot. Anzeiger 18, 2760—2761, 
1901. 

7. W. Wbddcto. Elektrotechn. ZS. 22, 304^ 1901. 



206 



Ein Verfahren zur Darstellung gröfserer Mengen 

von Argon; 
von K. Prytz, 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 22. Mai 1903.) 
(Vgl. oben S. 206.) 



Um das Argon zu isolieren, muß man bekanntlich den Sauer- 
stoff und den Stickstoff der trockenen und kohlensäurefreien 
atmosphärischen Luft absorbieren. Der Sauerstoff wird ohne 
Schwierigkeit mittels glühenden Kupfers vollständig entfernt. Für 
die Absorption größerer Mengen von Stickstoff ist wohl das glü- 
hende Magnesium am besten geeignet; doch wird lange nicht 
aller Stickstoff durch einmaliges Passieren des Magnesiums fort- 
genommen. Um eine, vollständige Absorption zu bekommen, muß 
das Gas viele Male hindurchgesandt werden. 

Darauf habe ich, in wirksamer Weise von Fräulein B. Trolle 
unterstützt, das folgende Verfahren gegründet Es wird ein ge- 
schlossener Kreis von Röhren gebildet; in den Kreis sind ein- 
geschaltet: 1. ein Kolben mit zwei entgegengesetzt angebrachten 
Tuben, 2. ein größeres, mit Magnesiumspänen (ca. 130 g) gefülltes 
Stahlrohr, 3. ein kleineres, auch mit Magnesiumspänen versehenes 
Rohr, 4. eine von mir konstruierte Schlauchpumpe, welche ohne 
Ventile arbeitet und einen kontinuierlichen Strom erzeugt. Außer- 
dem waren Absorptionsröhren für Wasserdampf, Kohlensäure und 
Wasserstoff eingeschaltet. Die beiden Magnesiumröhren sind in 
Verbrennungsöfen angebracht. 

Der Röhrenkreis steht an einer Stelle durch ein in einem 
Verbrennungsofen angebrachtes, metallisches Kupfer enthaltendes 
Stahlrohr mit der freien Luft in Verbindung. Zuerst werden 
dieses Rohr und das große Magnesiumrohr erhitzt, und die Pumpe 
wird in Gang gesetzt. Hierdurch wird das den Kolben und die 
Magnesiumröhre erfüllende Gas immer in Zirkulation durch das 
glühende Magnesium gehalten; der im voraus anwesende Sauer- 
stoff verschwindet bald im Magnesium, und es findet eine immer 



Nr. 10.] K. Prytz. 207 

fortdauernde Absorption von Stickstoff statt Im selben Verhält- 
nisse, wie letzteres geschieht, strömt neue atmosphärische Luft 
hinzu; der Sauerstoff wird im Cu-Rohr zurückgehalten, und der 
eintretende atmosphärische, also argonhaltige, Stickstoff mischt 
sich mit dem zirkulierenden Gas und tritt alsbald in das glühende 
Magnesium hinein; das Gas des Röhrenkreises wird somit bei kon- 
stantem Volumen immer reicher an Argon. Endlich wird, um 
die letzten Spuren von Stickstoff zu entfernen, die Verbindung mit 
der Außenluft unterbrochen und die Zirkulation im geschlossenen 
Kreise aufi-echt erhalten; dabei wird das kleinere Magnesiumrohr 
verwendet, während das größere ausgeschaltet ist, nachdem das 
in ihm befindliche Argon in den Kolben hineingezogen war. 

Mit den von mir gewählten Dimensionen kann man in weniger 
als acht Stunden 50 Liter Luft verarbeiten, also V2 Liter Argon 
isolieren. 



Verlag von Priedr. ^eweg & Sohn in Braiinschweig. 



Neu ersohienen: 

Vorlesungen 



über 



Experimentalphysik 

von 

August Kundt, 

weiland Professor an der Universität Berlin, 
heraasgegeben von 

Karl Scheel. 



Mit dem Bildnis Kundts, 534 Abbildungen und einer farbigen 

Spelctraüafel. 

gr. 8. Preis geh. 15 M., geb. 17 M. 



Die Vorlesungen Kundts verdanken ihre Veröffentlichung dem viel- 
fach ausgesprochenen Wunsche früherer Schüler des großen Experimen- 
tators, die Vorlesungen nicht der Vergessenheit anheimfallen zu lassen. 

Der Umstand, daß das Manuskript ein einheitliches Ganzes darbot, 
mußte jeden Versuch zurückweisen, durch Einfügung neuer Kapitel 
die Fortschritte der Wissenschaft im letzten Jahrzent zu berücksichtigen 
und dadurch die Vorlesungen zu einem Lehrbuch der Physik auszu- 
gestalten, um so mehr, als dieselben hierdurch sehr an ihrer Originalität 
eingebüßt haben würden. 

Kundts Vorlesungen geben ein Bild des klassischen Bestandteils 
der physikalischen Wissenschaft und sind vermöge der überaus anschau- 
lichen und leicht verständlichen Sprache so recht geeignet, nicht nur 
dem Studierenden der Physik als Leitfaden neben den gehörten 
Vorlesungen zu dienen, sondern auch dem Schüler die Einführung 
in die physikaUschen Erscheinungen zu erleichtem. Vor allem wird 
aber auch derjenige, welcher mit den Lehren der Physik vollkommen 
vertraut ist, sich der eleganten und originellen Darstellung der ihm 
bekannten Tatsachen stets aufs neue freuen. 



Zu bedehen durch alle Buchhandlinigen. 



S. Seghold's Kaehfolger 

Cöln a. Rhein 

Mechanische und optische Weitstätten. 

y • — ( 



en 

Wood 



^bsorptionsplatt 

\^ Icvtocvtoc^^? nach Professor W 

weiche alle sichtbaren Lichtstrahlen absorbieren und 
nur de ultravioletten Strahlen durchlassen. 

Diese Absorptionsplatien gestatten unter anderen, 
folgende zwei Vorlesungsversuche anzustellen: 

Die Strahlen eines elektrischen Lichtbogens werden 
durch die Eondensorlinsen eines Projektionsapparates 
yei'eiiiigt und in den Brennpunkt ein Fläschchen tstit 
Urannitrat gehalten. Bringt man dann zwischen Kon- 
densor und Urannitrat die Absorptionsplatte, so leuchtet 
dasselbe intensiv hellgrün au£ 

Entwirft man auf dem Schirm das Spektrum des 
elektrischen Lichtbogens und hält die Absorptionsplatte 
vor den Spalt oder vor die Objektivlinse, so erscheitien 
gar keine Linien mehr auf dem Schirme; bringt man nun 
einen Fluorescenzschirm an die Stelle des ultravioletten 
Teiles des Spektrums, so leuchtet dieser hell auf. 

Bei beiden Versuchen ist dafür zu sorgen, dais alles 
fremde Licht abgeblendet wird. 



Preis Mark 15.—. 






1903 Heft 11 

( 

Berichte 

der 

DentecheH Physikali^hM (jesellsckft 

enthaltend 

YerhaHdlnngen 

der Deutschen Pt^yeika tischen Gesellschaft 
im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Scheel 

and 

Halbmonatliches LiteratnrTerzeichnis 

der „Fortschritte der Physil<", dargestelit von der 
Deutschen Physikalischen Gesellschaft 

redigiert von 

Karl Scheel Eichard Assmann 

Beine Physik Kosmisohe Pliysik 



Braanschweig 

Drnok and Verlag von Friedrich Yieweg and Sohn 
1903 



^omUbc?! zwei J^ummem. — Äbonnementaprets pro Jahrgang 8 Mark, — Zu beliehen 
durch äÜe Buchhandlungen und Postanstalten (PosUeitutrgaUde Nr. 1^2 a) 



Inhalt. 

Seite 

1. Verhandlungen der Deutsohen Phyaikaliflohen Gtosellsehaft. 

R. Zsigmondy, I. Über kolloidale Goldlösimgen und Goldrubin- 
gläser 209 

H. Sie den topf und R. Zsigmondy, Ü. Über Größenbestim- 
mung ultramikroskopiecher Goldteilchen. (Vorgetragen von 
R. Zsigmondy in der Sitzung vom 22. Mai 1903.) ..... 209 

2. Halbmonatliohes Literatorverzelohni« der Fortacbxitte der 

Physik. 

L Allgemeine Physik 178 

n. Akustik 174 

in. Physikalisohe Chemie 174 

lY. Elektrizität und Magnetismus 177 

y. Optik des gesamten Spektrums 179 

VI. Wärme 180 

Vn. Kosmische Physik 182 

JLnkündiffung'. 



Den Abonnenten der ,J^ortscbritte der Physik" können wtr die erfreu- 
liche Müteüung machen, da/s nach langen VoHereitungen im Anschlufs an 
das im Jahre i8gy im Verlage von Georg Reimer in Berlin erschienene 
General 'Register mu den ,^onsctrittea derPItysik", Band XXI OS^s) 
bis XLIII O^Jf das in Anlage und Ausführung übereinstimmend mit 
diesem Registerbande bearbeitete 

Namen ^Register nebst Sacii - Brginzungsregisier zu den 
..Fortschritten der Physik'', Band XLIV (i888) bis Uli 
(i8g7), unter Mitwirkung von Dr, E, Schwalbe bearbeitet 
von Dr, G, Schwalbe, 
eur Ausgabe gelangt ist. 

Nach einer Einleitung , welche dasu diente den Gehrauch des Werkes 
8U erleichtem y wird eine Übersicht über den Umfang der Bände , sowie über 
die Redakteure und Referenten ^ welche während der fahre x88$ bis iS^ 
tätig waren, gegeben. Der Hauptteil selbst zerfällt in awei Teile: Das 
Namenregister, in welchem sämtliche in den sehn fahrgängen der ttEort- 
schritte^' erwähnten nicht anonymen Titel in alphabetischer Reihenfolge der 
Autorennamen sich vorfinden, und das StLch' Ergänzungsregister , in wei- 
chem die anonymen Titel in sachlicher Weise geordnet sind. Wie aus der Ein- 
leitung sich ergibt^ ist durch umfassende Vergleiche für die Richtigkeit der 
einseinen Titel nach Möglichkeit gesorgt worden. Ebenso ist dem Bedürfnis 
nach Vollständigkeit in weitestem Mafse Rechnung getragen. 

Für alle, welche auf den Gebrauch der „Fortschritte*^ in ihren wissen* 
schaftlichen Untersuchungen angewiesen sind, dürfte das, vorliegende Re- 
gister SU einem wichtigen, wenn nicht unentbehrlichen Nachschlagewerk 
werden. Auch für Bibliotheken, welche die „Fortschritte der Physik" 
halten, erscheint dasselbe als notwendige Ergänsung su denselben. 

Der Preis des stattlichen Bandes beträgt M, 6o, — , worauf den Mtt- 
gliedern der Deutschen Physikalischen Gesellschaft die bekannte Ermafsigung 
gewährt wird. 

Die Verlagsbuchhandlung Priedr. Vieweg 6t Sohn 
in Braunscbweig, 



Verhandlungen 



der 



Detttschen Physikalischen Gesellschaft 



Im Auftrage der Geseltechaft herausgegeben 

von 

Karl Scheel 

6. Jaltff. 15. Jonl 1908. Nr. 11. 

I. Über kolloidale Goldlömi/ngen und Goldrubin^ 
gläser; von JB. Zsigmondy. 

IL Über Oröfsenbestimmung ultramikroskopischer 

OoldteUchen ; 
von H. Siedentopf und JB. Zsigmontly. 

Vorgetragen von R. Zsigmondy in der Sitzung vom 22. Mai 1903. 
(Vgl. oben S. 205.) 



I. 

Es sei mir gestattet eine Reihe von Präparaten Yorzufiihren, 
welche geeignet sind, als Versuchsobjekte für die Sichtbarmachung 
ultramikroskopischer Teilchen nach der kürzlich von Herrn Sieden- 
topf und mir^) beschriebenen Methode zu dienen. 

Weitgehende Zerteilungen des Goldes in verschiedenen Medien 
sind schon seit langem als Goldrubingläser, kolloidale Gold- 
lösungen, Gassius scher Purpur u. s. w. bekannt 

Die vorliegende, von mir hergestellte Serie enthält das Gold 
in mehreren Abstufungen bis an die molekularen Dimensionen 
heran oder diese vielleicht erreichend. 

Eine kolloidale Goldlösung, deren Beschreibung ich zuerst im 
Jahre 1898 gab^), erscheint bei gewöhnlichem Tageslichte klar, 

») Ann. d. Phys. (4) 10, 1-89, 1903. 

•) LiBBios Ann. 301, 29—54, 361—387, 1898. 



210 Verhdl. d. DeuUohen Physik. Gesellsch. vom 22. Mai 1903. [Nr. 11. 

im auffallenden Lichte bemerkt man an ihr eine schwache diffuse 
Zerstreuung, die bei Anwendung des FARADAY-TYNDALLschen Licht- 
kegels besonders auffällig wird. In dieser diffusen, polarisierten 
Zerstreuung, welche, wie Spring u. A. zeigten, bei allen kolloidalen 
Lösungen auftritt, erblickten einige Forscher i) einen Beweis für 
die Heterogenität kolloidaler Lösungen, während ich, gestützt auf 
meine Versuche, die Anschauung vertrat, daß die kolloidalen 
Lösungen im wesentlichen homogene Mischungen seien und ihre 
Heterogenität einer Verunreinigung durch suspendirte trübende 
Teilchen verdanken, eine Anschauung, die derjenigen verwandt ist, 
die neuerdings von Konowalow zum Ausdruck gebracht wurde*). 

Meine Ansicht stützte sich zunächst auf die Beobachtung, daß 
die von mir hergestellten Hydrosole des Goldes (kolloidalen Gold- 
lösungen) meistens zwar von der vorhin beschriebenen Beschaffen- 
heit, zuweilen aber sehr klar 3), zuweilen sehr stark getrübt waren. 

Alle diese Flüssigkeiten enthielten trotz ihres vollständig ver- 
schiedenen Aussehens die gleiche Menge metallischen Goldes, wie ich 
mich durch Analyse wiederholt überzeugen konnte, waren rot gefärbt 
und zeigten auch annähernd dasselbe Verhalten gegen Reagentien. 

Da also diese Flüssigkeiten im allgemeinen die gleichen 
Eigenschaften ujitereinander aufwiesen, sich fast nur durch ihre 
größere oder geringere Trübung voneinander unterschieden, durfte 
ich annehmen, daß die Trübung ein zufälliges, nicht aber ein 
wesentliches Merkmal kolloidaler Goldlösungen sei. 

Die Trübung erwies sich stets mehr oder weniger stark po- 
larisiert, ein Beweis für die Kleinheit der trübenden Teilchen 
selbst bei stark getrübten Flüssigkeiten. 

Von den grob mechanischen Suspensionen, welche von selbst 
absetzen, will ich vorläufig absehen. 

Eine weitere Stütze erhielt die erwähnte Annahme durch die 
quantitative Prüfung der Empfindlichkeit des Nachweises von zer- 
teiltem Golde durch den Lichtkegel, welche ergab, daß man in 
stark getrübten Flüssigkeiten (nach entsprechender Verdünnung) 



^) LiNDBB u. PiCTON, Joum. Ghem. Soc. 61, 38, 1892 ; Bbedig, Anorgan. 
Fermente, Leipzig 1901; Speino, Bull, de Bel^. 1899, 174. 

«) Anu. d. Phys. (4) 10, 891, 1903. 

') So klar, d&Q der Lichtkegel kaum stärker bemerkbar war, als in 
destilliertem Wasser. 



Nr. ll.J K. Zeigmondy. 211 

auf diesem Wege noch weniger als 10"^ mg Gold mit bloßem 
Auge an der deutlichen Spur des Lichtkegels erkennen konnte, 
also geringere Substanzmengen, als Kirchhoff und Bünsen mit 
Hilfe der Spektralanalyse nachgewiesen hatten. Stark getrübte 
Goldflüssigkeiten von 0,0005 Proz. Gehalt wurden auf das 100- 
bis 1000 fache Volumen verdünnt; die farblosen, verdünnten Flüssig- 
keiten zeigten immer noch einen intensiveren Lichtkegel, als die 
unverdünnten, ungetrübten Flüssigkeiten von 0,0005 Proz. Gehalt. 

Da nun das Hinzufügen einer geringen Menge der stark 
getrübten Flüssigkeit zu der ganz klaren genügte, um ihr die 
mit dem Lichtkegel nachweisbare polarisierte Zerstreuung des 
erstgeschilderten Hydrosols zu erteilen (Versuch), so war damit 
der Nachweis erbracht, wie klein die Menge gröber zerteilten 
Goldes zu sein brauchte, um in einer als homogen vorausgesetzten 
Goldlösung die erwähnte diffuse Zerstreuung hervorzurufen. 

Ich mußte mir aber eingestehen, daß die genannten Tat- 
sachen zwar für meine Anschauung sprachen, aber immer noch 
keinen Beweis für das Vorhandensein einer optisch leeren kol- 
loidalen Goldlösung erbrachten. Ich hoffte der Wahrheit näher 
zu kommen durch mikroskopische Betrachtung des Lichtkegels 
und durfte mit Rücksicht auf die FiZEAü-AMBRONNsche Beob- 
achtung der Wahmehmbarkeit sehr enger Lichtspalte unter dem 
Mikroskope erwarten, noch recht kleine Teilchen sichtbar machen 
zu können. 

Tatsächlich konnte ich in einer stark getrübten Flüssigkeit 
bei Sonnenlicht unter Anwendung einer etwa 100 fachen Ver- 
größerung die Anwesenheit von Tausenden blitzender Goldteilchen 
nachweisen, deren Größe, wie eine Überschlagsrechnung aus den 
Teilchenabständen und der vorhandenen Goldmenge ergab, kleiner 
als die Wellenlänge des Lichtes sein mußte. Bei gewöhnlicher 
Beleuchtung waren sie selbst mit den besten Objektiven nicht 
wahrnehmbar. Die mittleren und feineren Zerteilungen konnte 
ich damals mikroskopisch nicht auflösen. Dies wurde erst ermög- 
licht, nachdem Herr Siedentopf die optischen Prinzipien der 
Sichtbarmachung angegeben und die entsprechenden Einrichtungen 
am Mikroskope geschaffen hatte ^). 



') Ann. d. Phys. (4) 10, 1—16, 1903. 



212 Verhdi. d. Deutschen Physik. Geeellsoh. vom 22. Mai 1903. [Nr. 11. 

Die Unterauchung in Gemeinschaft mit Herrn Siedentopf 
ergab nun: 

1. daß fein zerteiltes Gold den Rubingläsem oder Flüssig- 
keiten keine bei gewöhnlichem Tageslichte bemerkbare Trübung 
erteilt, sobald die Goldteilchen kleiner sind als etwa 20 fi^; 

2. daß in Rubingläsern zwar Teilchen von yerschiedener 
Größe vorhanden sind, in einem bestimmten Präparate sich aber 
vorwiegend solche von annähernd gleicher Größe befinden; 

3. ähnliches, wenn auch weniger ausgesprochen, gilt auch 
von kolloidalen Goldlösungen. 

4. Die Teilchen in kolloidalen Goldlösungen weisen — im 
Gegensatz zu den größeren, suspendierten Goldteilchen — eine 
lebhafte translatorische und oszillatorische Bewegung auf, die im 
allgemeinen um so lebhafter ist, je kleiner die Teilchen sind; 

5. zwischen Farbennüance der Rubingläser und der Größe 
(Masse) der Einzelteilchen ist zunächst kein erkennbarer Zusammen- 
hang aufzufinden. Es scheint die Gestalt der Einzelteilchen Ton 
wesentlichem Einfluß auf die Farbe zu sein^). Dagegen besteht 
zwischen Absorptionsfarbe des Rubinglases oder Hydrosols und der 
Farbe der Einzelteilchen der bekannte Zusammenhang, daß die von 
den letzteren abgebeugten Strahlengattungen oder, was dasselbe 
ist, die Farben der Beugungsscheibchen im mikroskopischen Bilde 
dieselben sind, welche von den Rubinglasstücken absorbirt werden. 

6. Es existieren kolloidale Goldlösungen und Goldrubingläser, 
deren Teilchen kleiner sind, als die kleinsten einzeln sichtbar zu 
machenden Goldteilchen, aber auch diese weisen einen schwachen, 
polarisierten Lichtkegel auf, die Teilchen sind also entg^en 
meiner ursprünglichen Annahme nicht in färbendem, optisch 
leerem Zustande in der Flüssigkeit enthalten. 

Diese außerordentlich kleinen Massenteilchen sind nur des- 
halb nicht einzeln wahrnehmbar zu machen, weil es uns an Licht- 
quellen von genügend großer spezifischer Intensität fehlt 2). Es 
wurde ja auch neuerdings von Lord Rayleigh ausgesprochen, 
daß ein Teil des polarisierten blauen Himmelslichtes auf die 
Beugung an den Molekülen der Atmosphäre zurückgeführt werden 

^) Näheres darüber siehe S. 35 und 36 der zit. Abhandlung. 
') Vgl. die approximative Grenzbestimmung unter Yoranssetzung der 
spezifischen Helligkeit der Sonnenstrahlung S. 15 unserer Abhandlung. 



Nr. 11.] H. Siedentopf und R. Zsigmondy. 213 

kann, femer hat Lobby de Bruyx darauf aufmerksam gemacht, 
daß die aus dem Molekulargewicht der löslichen Stärke berechnete 
Lineardimension der Stärkemolekel (etwa 6 (i(i) ausreiche, den 
diffusen, polarisierten Lichtkegel der Stärkelösung zu erklären^). 
(Es wurden einige in der Glasfabrik Zombkowice hergestellte 
Gegenstände aus gepreßtem Goldrubinglase, welche das Gold in 
verschiedenen Arten der Zerteilung, teils färbend, teils trübend 
enthielten, Yorgezeigt, auch ein Gegenstand, der in den schwächer 
erhitzten Teilen farblos geblieben, in den stärker erhitzten aber 
durch Ausscheidung ultramikroskopischer Goldteilchen rot ge- 
färbt war.) 

IL 

Zwei voneinander vollständig unabhängige Wege führen zu einem 
Urteile über die relative, resp. absolute Größe der Goldteilchen. Der 
eine durch Vergleich der Helligkeit der Beugungsscheibchen ^), der 
andere, auf geometrischer Grundlage ruhend, durch Auszählung 
der in einem bestimmten Volumen enthaltenen Goldteilchen. 

Durch Vergleich der Helligkeit der einzelnen Beugungs- 
scheibchen konnten wir uns auf den ersten Blick davon über- 
zeugen, ob die Teilchen an vergleichbaren, 'schlierenfreien Stellen 
eines Präparates annähernd gleich oder verschieden groß waren. 
Auf Seite 29 unserer Abhandlung (1. c.) ist ausdrücklich auf die 
enormen Helligkeitsunterschiede von Teilchen aufmerksam ge- 
macht, welche durch Auszählung als verschieden groß bestimmt 
worden waren. 

Zeigten sich Abweichungen von dieser Regel, so konnten sie 
mit Sicherheit auf eine sehr unvollständige Ausscheidung des 
Goldes zurückgeführt werden, die auf zwei Wegen einer Prüfung 
zugänglich ist: 1. durch kolorimetrischen Vergleich mit einer 
Goldflüssigkeit von bekanntem Gehalte, 2. durch längeres Erhitzen 
des Glases, wobei eine Zunahme der Helligkeit oder der Zahl 
der Beugungsscheiben eintritt. 

*) Wir haben verauclit, den Lichtkegel einer Lösung l()slicher Stärke in 
unserem Apparate in Einzelteilchen aufzulösen, wir konnten jedoch nur die 
gprößeren, suspendierten Verunreinigungen nachweisen, die Einzelteilchen selbst 
aber nicht wahrnehmbar machen. Der polarisierte Lichtkegel erschien selbst 
unter dem Mikroskop homogen und nicht auflösbar. 

*) Dieser Weg führt nur zu einem Urteil übei* relative Größen. 



214 Yerhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 22. Mai 1903. [Nr. 11. 

Die Untersuchung zahlreicher ßubingläser hatte nun ergeben, 
daß die Goldteilchen in einem Glase bestimmter Zusammensetzung 
(wenn dasselbe an allen Stellen der gleichen Temperaturerhöhung 
ausgesetzt worden war) meist Beugungsbilder gleicher Farbe und 
annähernd gleiche Helligkeit zeigten. Daraus konnten wir schließen, 
daß die Teilchen sich in annähernd gleicher Größe ausgeschieden 
hatten. 

Es erwies sich demnach eine Vermutung, welcher 
auch von G. Quincke^) kürzlich Ausdruck verliehen 
worden ist (unter Hinweis auf Verhältnisse, wie sie beim 
kupferhaltigen Aventuringlas vorliegen), daß nämlich 
die Goldteilchen in einem ßubinglaspräparate sehr ver- 
schieden groß seien, als nicht zutreffend. 

Eine plausible Erklärung für die annähernd gleichmäßige 
Ausscheidung der einzelnen ultramikroskopischen Goldteilchen im 
Goldrubinglas kann man darin finden, daß erstens die Zeitdauer 
für die Ausscheidung dieser Goldteilchen aus der optisch leeren 
Form beim Anwärmen eine sehr kurze ist im Verhältnis zu der 
Zeit, die notwendig ist, um die Bildung der Kupferkriställchen 
im Aventuringlas zu ermöglichen. Zweitens ist in letzterem Falle 
der Kupfergehalt der Volumeneinheit ein viel größerer als der 
Goldgehalt in den Goldrubingläsern, so daß der Inhalt des Glases 
an färbendem Metall erheblich langsamer erschöpft wird. 

Der zweite vorhin erwähnte Weg, welcher zu einer direkten 
Bestimmung der oberen Grenzen der Massen der Goldteilchen 
führt, ruht ebenfalls auf einer recht einfachen Grundlage, auf 
ihrer Beobachtung und Auszählung unter dem Mikroskope. 

Mit dem Okularmikrometer läßt sich ein Teil des Strahlen- 
kegels bei dd vom und rückwärts scharf abgi-enzen, womit Länge 
und Breite des ausgezählten Volumens bekannt werden. Die 
Tiefe des auf diese Weise abgegrenzten, erleuchteten Glas- 
volumens V läßt sich mit der Mikrometerschraube des Mikro- 
skopes bestimmen. [Vgl. nebenstehende Figur 2).] 

Die Gesamtmenge des Goldes, welche dem Glase zugesetzt 
wurde, war in unserem Falle bekannt; die auf das Volumen V 



*) G. QaiNCKB, diese Verhandlungen 5, 108, 1903. 

') Ausführlichere ^Mitteilung siehe S. 17, 21 u. 22 unserer Abhandlung. 



Nr. 11.] 



H. Siedentopf and R. Zsigmondy. 



215 



entfallende Menge Goldes sei M. Nun ist bekannt, daß ein Teil 
des Goldes in den Rubingläsern in optisch leerer Form, ein an- 
derer Teil, der färbend ^drkt, in Form ultramikroskopischer 
Teilchen im Glase enthalten ist Nennen wir letzteren M\ so ist. 




wenn » die Zahl der im Volum V enthaltenen Teilchen ausdrückt, 
die durchschnittliche Masse eines Teilchens a = M'jn << M/n 
und damit haben wir die obere Grenze der Massen der Teilchen 
bestimmt, wenn wir die Gesamtmasse in die Gleichung einsetzen. 
Unter Annahme einer würfelförmigen Gestalt der Teilchen und 
voller Raumerfüllung derselben mit metallischem Golde vom spez. 
Gew. s ergibt sich aus der Masse die Lineardimension { eines 

8 

Einzelteilchens und zwar aus: l = ya/s. Diese Werte von l sind 
zum Zwecke der übersichtlichen Darstellung in der Tabelle 11 
unserer Abhandlung angeführt. 

Um ein Urteil über das Verhältnis von ilf zu M zu gewinnen und 
damit den wahren Teilchengrößen näher zu kommen, wurde durch 
kolorimetrischen Vergleich *) mit einer kolloidalen Goldlösung (in 
dieser läßt sich der Gehalt an färbendem, metallischem Golde 
leicht analytisch bestimmen) die Menge des in den Rubingläsem 
in färbender Zerteilung enthaltenen Goldes annähernd festgestellt; 
wir fanden dabei, daß meist ungefähr die Hälfte des Gesamt- 
goldes als färbendes Metall in den Rubingläsern enthalten war. 

Übrigens wird, wie ein Blick auf die Tabelle zeigt, das Re- 
sultat wenig beeinflußt, wenn man an Stelle des Gesamtgold- 
gehaltes den kolorimetrisch gefundenen in die Rechnung einsetzt. 

') Auch bei Gläsern mit gröberer ZerteUung, bei welchen Kolorimetrie 
anmöglich ist, kann man sich durch Vergleich des trüben Glases mit einer 
durch Eisenvitriol gefällten Lösung von Goldchlorid leicht davon überzeugen, 
ob der größere Teil des Goldes aus dem Glase ausgeschieden ist oder nicht. 
Man muJS selbstverständlich die Reduktionsbedingung des Goldes etwas 
variieren, um die gleiche Art der Trübung auch in der Flüssigkeit zu erhalten. 



216 Yerhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsoh. yom 22. Mai 1903. [Nr. 11. 



8^ 



Aus der Formel l = Y^ ergibt sich aber unmittelbar, daß 
Fehler in einer unrichtigen Bestimmung der Massen im Verhältnis 
der dritten Wurzel verkleinert werden. Selbst wenn nur der zehnte 
Teil des vorhandenen Goldes ausgeschieden wäre, was man an 
der zu geringen Färbung oder Trübung des Glases sofort erkennen 
müßte, so würde das Endresultat dadurch bloß im Verhältnis von 
etwa 1:2 beeinflußt werden; wir haben aber in den Goldgläsem 
gröbster Ausscheidung Teilchen beobachtet, deren berechnete 
Lineardimension etwa 100 mal größer ist, als diejenige der fein- 
sten noch auflösbaren Zerteilung in guten Bubingläsern. 

Gegenüber diesen Größenunterschieden würde selbst der vor- 
hin erwähnte Fehler im Verhältnis 1 : 2 kaum von Bedeutung sein, 
ein solcher Fehler wäre aber im Sinne der obigen Ausführungen 
nur dann möglich, wenn man, wie Quincke i) annimmt, wirklich 
keinerlei Anhalt über die Menge des ausgeschiedenen Goldes hätte, 
eine Annahme, die jedoch bei Goldrubingläsem nicht zutrifft 

Aber selbst wenn man über die ausgeschiedenen Metallmengen 
nichts wüßte, bliebe die Richtigkeit unserer Angaben bestehen, 
denn wir haben ja in unserer Abhandlung ausführlich hervor- 
gehoben, daß die gegebenen Lineardimensionen — schon aus 
anderen Gründen — als obere Grenzen anzusehen sind. 

Man kann ja von der vorliegenden Methode nicht die Ge- 
nauigkeit einer physikalischen Messung erwarten, es darf aber 
nicht übersehen werden, daß wir hier einen ersten Schritt in ein 
völlig unbekanntes Gebiet getan haben, und daß sich wohl keine 
der bekannten Methoden der Größenbestimmung mit größerer 
Aussicht auf Zuverlässigkeit auf ultramikroskopische Goldteilcheu 
wird anwenden lassen. Erst die mikroskopische Untersuchung 
hat uns die Mannigfaltigkeit der Verhältnisse kennen gelehrt. 

Wir erlauben uns, Ihnen die von uns benutzten Präparate 
und mikroskopischen Einrichtungen vorzuführen und sprechen 
gleichzeitig der Firma C. Zeiss in Jena für die dabei uns zuteil 
gewordene Unterstützung unsem aufrichtigsten Dank aus. 

•) Diese Verhandl. 6, 108, 1903. 



Verlag von Friedr. Vieweg & Sohn in Braunschweig. 



Neu erschienen: 



Vorlesungen 



über 



Experimentalphysik 

von 

Augrust Kundt, 

weiland Professor an der Universität Berlin, 
heraasgegebsn von 

Karl Scheel. 



Mit dem Bildnis Kundts, 534 Abbildungen und einer farbigen 

Speictraltafel. 

gr. 8. Preis geh. 15 M., geb. 17 M. 



Die Vorlesungen Eundta verdanken ihre Veröffentlichung dem viel- 
fach ausgesprochenen Wunsche früherer Schüler des großen Experimen- 
tators, die Vorlesungen nicht der Vergessenheit anheimfallen zu lassen. 

Der Umstand, dafi das Manuskript ein einheitliches Ganzes darlx)t, 
mußte jeden Versuch zurückweisen, durch Einfügung neuer Kapitel 
die Fortschritte der Wissenschaft im letzten Jahrzent zu berücksichtigen 
und dadurch die Vorlesungen zu einem Lehrbuch der Physik auszu- 
gestalten, um so mehr, als dieselben hierdurch sehr an ihrer Originalität 
eingebüßt haben worden. 

Kundts Vorlesungen geben ein Bild des klassischen Bestandteils 
der physikalischen Wissenschaft und sind vermöge der überaus anschau- 
lichen und leicht verständlichen Sprache so recht geeignet, nicht nur 
dem Studierenden der Physik als Leitfaden neben den gehörten 
Vorlesungen zu dienen, sondern auch dem Schüler die Einführung 
in die physikalischen Erscheinungen zu erleichtem. Vor allem wird 
aber auch derjenige, welcher mit den Lehren der Physik vollkommen 
vertraut ist, sich der eleganten und originellen Darstellung der ihm 
bekannten Tatsachen stets aufs neue freuen. 



Zu bedehen durch alle Buchhandlnngen. 



S. £egbolil's Nachfolger 

Cöln a. Rhein 

Mechanische und optische Weitstätten. 
. < 

JCbsorptionsplatten 

Y lc-toc-»c-ö nach Professor Wood 

welche alle sichtbaren Lichtstrahlen absorbieren und 
nur die ultravioletten Strahlen durchlassen. 

Diese Absorptionsplatten gestatten unter anderen, 
folgende zwei Vorlesungsversache anzustellen: 

Die Strahlen eines elektrischen Lichtbogens werden 
durch die Kondensorlinsen eines Projektionsapparates 
vereinigt und in den Brennpunkt ein Pläschchen mit 
Urannitrat gehalten. Bringt man dann zwischen Kon- 
densor und Urannitrat die Absorptionsplatte, so leuchtet 
dasselbe intensiv hellgrün auf. 

Entwirft man auf dem Schirm das Spektrum des 
elektrischen Lichtbogens und hält die Absorptionsplatte 
vor den Spalt oder vor die Objektivlinse, so erscheinen 
gar keine Linien mehr auf dem Schirme; bringt man nun 
einen Fluorescenzschirm an die Stelle des ultravioletten 
Teiles des Spektrums, so leuchtet dieser hell auf. 

Bei beiden Versuchen ist dafür zu sorgen, dab alles 
fremde Licht abgeblendet wird. 



Preis Mark 15. 



1903 Heft 12 

r~ 

Berichte 

der 

Deotschen Physikalischen Gesellschaft 

enthaltend 

Verhandlungen 

der Deutschen Physikalischen Gesellschaft 
im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Scheel 

and 

Halbmonatliches Literaturverzeichnis 

der „Fortschritte der Physik", dargestellt von der 
Deutschen Physikalischen Gesellschaft 

redigiert von 

Karl Scheel Richard Assmaini 

Reine Physik Kosiuische Pbysik 



Braunschweig 

Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn 
19 3 



VifmaJOich zwei Nummern, — ÄbofinetneyUspreis pro Jahrgang H Mark, — Zu hezitlien 
durch aUe Buchhandlungen und PoHtanstalten (Postzeitungsliste AV. 1042 a) 



Inhalt. 

~ Seite 

1. Verhandlungen der Deutsohen PhysikaliBchen GtosellBOhaft. 

Bericht über die Sitzung vom 12. Juni 1903 217 

Fr. Hausier, Über magnetische Manganlegierungen. (Nieder- 
gelegt im Archiv der Deutschen Physikäiachen Gesellschaft 
am 18. Juni 1901, der Öffentlichkeit übergeben in der Sitzung 

vom 12. Juni 1903.) 219 

Fr. Heusler, W. Starck und E. Haupt, Magnetisch -chemische 

Studien 220 

1. Über die Synthese f er romagneti scher Manganlegierungen 

von Fr. Heusler . 220 

n. Über die magnetischen Kigenschaften von eisenfreien 

Manganlegierungen von W. Starok und £. Haupt 224 

2. HalbmonatlicheB LiteraturverzeiohnlB der Fortsoliritte der 

Phyaik. 

1. Allgemeine Physik 187 

II. Akustik 190 

in. Physikalische Chemie 190 

lY. Elektrizität und MagnetiBmus 193 

y. Optik des gesamten Spektrums 196 

VI. Wärme 198 

Vn. Kosmische Physik 201 

A^nkündiffunff. 



Den Abonnenten der „Fortschritte der Physik" können wir die erfreu- 
liche Miiieüung machen j da/s nach langen Vorbereitungen im Anschlu/s an 
das im Jahre i8^ im Verlane von Georg Reimer in Berlin erschienene 
Qeaeral' Register su den „Fortschritten derPbysiic", Band XXI (i86s) 
bis XLIII {i8&^)i das in Anlage und Ausführung übereinstimmend mit 
diesem Regisierbande bearbeitete 

Namen ^Register nebst Sach - Ergänzungsregiater zu den ' 
„Fortschritten der Physik'*, Band XLIV (i888) bis LIIl 
(iSgj) , unter Mitwirkung von Dr. E, Schwalbe bearbeitet 
von Dr. G. Schwalbe, 
zur Ausgabe gelangt ist. 

Nach einer Einleitung, welche dasu dient, den Gebrauch des Werkes 
SU erleichtern, wird eine Übersicht über den Umfang der Bände, sazvie über 
die Redakteure und Referenten , welche während der Jahre i888 bis iS<^ 
tätig waren, gegeben. Der Hauptteil selbst zerfällt in zwei Teile: Das 
Namenregister, in welchem sämtliche in den zehn Jahrgängen der „Fort- 
schritte'^ erwähnten nicht anonymen Titel in alphabetischer Reihenfolge der 
Autorennamen sich vorfinden, und das Sacb ' Brgänzuagsregiater, in wel- 
chem die anonymen Titel in sachlicher Weise geordnet sind. Wie aus der Ein- m 
leitung sich ergibt^ ist durch umfassende Vergleiche für die Richtigkeit der 
einzelnen Titel nach Möglichkeit gesorgt worden. Ebenso ist dem Bedürfnis 
nach Vollständigkeit in weitestem Mafse Rechnung getragen. 

Für alle, welche auf den Gebrauch der „Fortschritte^* in ihren wissen- 
schaftlichen Untersuchungen angewiesen sind, dürfte das vorliegende Re- 
gister zu einem wichtigen, wenn nicht unentbehrlichen Nachschlagewerk 
werden. Auch für Bibliotheken, welche die „Fortscliritte der Ptiysili'* 
halten, erscheint dasselbe als notwendige Ergänzung su denselben. 

Der Preis des stattlichen Bandes beträgt M. 6o. — , worauf den Mit- 
gliedern der Deutschen Physikalischen Gesellschaft die bekannte Ermdfsigung 
gewährt wird. 

Die Verlagsbuctihandlung Friedr. Vieweg & Sohn 
ia- Braunsctiweig, 



Yerhandlungen 



der 



Detttschen Physikalischen Gesellschaft 



Im Auftrage der Geeellschaft herausgegeben 

▼on 

Karl Scheel 

6. Jalirg. ao. Juni 1908. Kr. 12. 

Sltsnng vom 12. Juni 1008. 



Vorsitzender: Herr M. Planck« 



Vor Eintritt in die Tagesordnung verliest Hr. H. Starke auf 
Wunsch des Hrn. Fr. Heasler eine von diesem durch Vermitte- 
lung des Hm. F. Bieharz am 18. Juni 1901 bei der Gesellschaft 
niedergelegte Notiz: 

Über magnetische Manganlegierungen 

und macht weiter Mitteilung über zwei im Zusammenhang hier- 
mit stehende Arbeiten von Hrn. Fr. Heusler^ W. Starck und 
£. Hanpt: 

Magnetisch-chemische Studien: 

L Über die Synthese ferromagnetischer »Mangan- 

legierungen; von Hrn. Fr. Heusler 
und 

n. Über die magnetischen Eigenschaften 

von eisenfreien Manganlegierungen; von Hrn. W. Starck 

und E. Haupt. 

Alle drei Mitteilungen gelangen weiter unten zum Abdruck. 



218 Yerhdl. d. DeatBohen Physik. GeBellloh. vom 12. Jani 1903. [Nr. 12. 

Sodann sprechen die Hrn. J* Traube und Teiehner über die 
Theorie der kritischen Erscheinungen 
mit gleichzeitiger Demonstration einiger Erscheinungen. 



Als Mitglieder werden in die Gesellschaft aufgenommen: 
Hr. Dr. G. Bkrndt, Breslau, Physikalisches Institut 

(vorgeschlagen durch Hrn. F. Henning), 
Hr. Prof. Dr. L. Austin, Charlottenburg, Berlinerstr. 80 A 

(vorgeschlagen durch Hrn. L Holborn). 



219 



Über nnignetische Mo/nganlegierungen; 
van Fr. JETeusler. 

(Niederii^elegt im Archiv der Deutschen Physikalischen Gesellschaft am 
18. Juni 1901, der Öffentlichkeit übergeben in der Sitzung vom 12. Juni 1903.) 

(Vgl. oben S. 217.) 



Ich habe gefunden, daß im Gegensatz zu den unmagnetischen 
Eigenschaften des Manganmetalles sowie des Mangankupfers ge- 
wisse andere Legierungen des Mangans stark magnetisierbar sind 
und diese Eigenschaft auch behalten, wenn man den Legierungen 
Kupfer und andere an sich unmagnetische Metalle zusetzt Die 
folgenden Metalle und Metalloide geben auf solche Art eisenfreie 
mehr oder weniger stark magnetisierbare Manganlegierungen: 



Zinn 


Antimon 


Aluminium 


Wismut 


Arsen 


Bor. 



Die erforderlichen quantitativen Messungen hat Herr F. Richarz 
durch die Herren Dr. W. Starck und cand. E. Haupt im physi- 
kalischen Institut zu Greifswald ausführen lassen. Bisher liegt 
eine umfangreiche Versuchsreihe über die Manganaluminiumkupfer- 
legierungen Tor, welche von mir durch Legieren von wechselnden 
Mengen von Aluminium mit technisch eisenfreiem Mangankupfer 
von 30 Proz. Mangangehalt hergestellt wurden. 

Die Messungen haben, in Bestätigung der von mir qualitativ 
beobachteten Erscheinungen, einen wesentlichen Einfluß der Vor- 
geschichte auf den magnetischen Zustand der Legierungen er- 
kennen lassen, so daß nunmehr die Herstellung magnetischer 
Bronzen von anscheinend geringer Hysteresis mit einer rund 
zwei Drittel von derjenigen des Gußeisens betragenden Magneti- 
sierungsfähigkeit technisch durchführbar ist. 

Die Untersuchung der anderweiten oben erwähnten mag- 
netischen Manganlegierungen ist im Gange. 

Bonn, chemisches Laboratorium der Isabellenhütte, G.m.b.IL 
23. April 1901. 



220 



Magnetisch -chemische Studien; 
van Fr. Heusler, W. Starck und JE. Haupt. 

(Vorgelegt in der Sitzang vom 12. JudI 1903.) 
(Vgl. oben S. 217.) 



I. Über die Synthese fepromagnetlsolier Mangan- 

legierungen; 

von Fr. Heusler. 

Indem ich die vorstehende vor zwei Jahren bei der Gesell- 
schaft deponierte Notiz der Öffentlichkeit übergebe, möchte ich 
an dieser Stelle noch die folgenden Bemerkungen mir erlauben. 

Um die Gesetze zu ergründen, welche die magnetischen 
Eigenschaften der Manganlegierungen beherrschen, erschien es 
zweckmäßig, ein für allemal von dem gleichen Bohmaterial, dem 
von der Isabellenhütte, G. m. b. H., zu Dillenburg fabrizierten 
30 Proz. Mangan enthaltenden Mangankupfer des Handels auszu- 
gehen und dieses mit wechselnden Mengen derjenigen Metalle zu 
legieren, welche die magnetischen Eigenschaften hervorrufen. Da 
das Mangankupfer stets Spuren von Eisen enthält, so wurde zu- 
erst festgestellt, daß selbst ein absichtlich mit erheblichen Mengen 
von Eisen verunreinigtes Mangankupfer nicht magnetisierbar ist. 
Sodann wurden die in der Versuchsreihe I näher bezeichneten 
Proben von Mangaualuminiumkupfer hergestellt und in Greifswald 
gemessen (vergl. die folgende Abhandlung der Herren Starck 
und Haupt). Die Resultate ergeben zwar im allgemeinen ein 
Ansteigen der Magnetisierung mit steigendem Aluminiumgehalt, 
im einzelnen aber große Unregelmäßigkeit Nun hatte ich, als 
mir die magnetischen Eigenschaften der frisch gegossenen Stücke 
von Versuchsreihe I von Herrn Starck übermittelt wurden, be- 
reits kupferreichere Manganaluminiumbronzen hergestellt und ge- 
funden, daß deren in manchen Fällen ursprünglich verschwindend 
kleine Magnetisierbarkeit durch Erhitzen bis zum Auftreten ge> 
wisser Anlauffarben kräftig hervortritt Da man Eisen zwecks 
Steigerung der magnetischen Eigenschaften ausglüht und die er- 
wähnten Anlauffarben bei Temperaturen um 200<> aufzutreten 



Nr. 12.] Fr. Heusler. 221 

schienen, so wurden die in je drei Exemplaren aus je einem Guß- 
stück herausgearbeiteten Proben 37 und 38 teils auf etwa 400 
bis 5000, teils auf etwa 200o, teils auf 150 bis 160^ erhitzt Die 
erstgenannte Temperatur ließ die magnetischen Eigenschaften fast 
verschwinden; die wechselnden, bei niederen Temperaturstufen er- 
haltenen Resultate haben sich erst allmählich entwirren lassen. 
Es muß genügen, hier zu erwähnen, daß als Resultat jahrelanger 
Arbeit die unerwartet niedere Temperatur des siedenden Toluols 
(1100) als die zur künstlichen Alterung von Manganaluminium- 
kupfer geeignete sich erwiesen hat. Als aber schließlich sämtliche 
Proben der Versuchsreihe I, welche eine sehr verschiedenartige 
Vorgeschichte hatten, bei 110« gealtert worden waren, stellte sich 
heraus, daß dieselben großenteils nicht mehr in den magnetischen 
Zustand zurückverwandelt werden konnten, in welchen sie hätten 
gebracht werden können, wenn man sie unmittelbar nach dem 
Guß auf 1100 erhitzt hätte. 

Altem bei 110® führt also die frisch gegossenen Mangan- 
aluminiumkupferlegierungen in den der höchstmöglichen Mag- 
netisierbarkeit entsprechenden Zustand stabilen Gleichgewichts 
über; dauernde und insbesondere starke Überhitzung aber kann 
den der höheren Temperatur entsprechenden Zustand dauernd 
festlegen. 

Hiernach war also Versuchsreihe I zur Erreichung des ein- 
gangs erwähnten Zieles ungeeignet, und es wurden die Proben der 
Versuchsreihe II unmittelbar nach dem Guß zwei Tage auf lioo 
erhitzt Die erhaltenen Resultate lassen keinen Zweifel, daß bei 
gleichem Mangangehalt die Magnetisierbarkeit bei steigendem 
Aluminiumgehalt zunimmt bis zu einem Maximum, welches er- 
reicht ist, wenn der Aluminiumgehalt rund die Hälfte des Mangan- 
gehaltes beträgt, mit anderen Worten, wenn* auf 1 Atom Mangan 
1 Atom Aluminium kommt 

Dieses Resultat gewinnt an Interesse, wenn man sich ver- 
gegenwärtigt, daß nach den Untersuchungen von G. Wiedemann, 
Quincke, Du Bois u. A. i) wässerige Mangansalzlösungen eine 
etwas größere magnetische Suszeptibilität besitzen als Ferrisalz- 

*) G. WiBDBMANH, Lehre von der Elektrizität III, 968 ; St. Meteb, Wien. 
Monatshefte 20, 797, 1899; Liebkkkcht und Wills, Ber. d. deutsch, ehem. 
Gee. B3, 448, 1900. 



222 Yerhdl. d. Deutschen Physik. GeseÜBch. vom 12. Juni 1903. [Nr. 12. 

lösungen. Die molekulare Suszeptibilität im beträgt nach Lieb- 
knecht und WiLLS für 



Chrominitrat . . 


. 0,00629 






Manganonitrat . 


. 0,01636 


ManganoBulfat . 


. . 0,01514 


Ferrimtrat . . . 


. 0,01352 


Ferriflolfat , . . 


. . 0,01516 


Ferrojodid . . . 


. 0,01282 




. 


Kobaltonitrat . . 


. 0,01052 






Nickelonitrat . . 


. 0,00443 






Guprinitrat . . . 


. 0,00163 







Es besteht eine unverkennbare Analogie darin, daß einer- 
seits die Salze, anderseits gewisse Legierungen des an sich nicht 
ferromagnetischen Manganmetalls relativ stark ferromagnetische 
Eigenschaften zeigen. Man könnte versucht sein, die Mangan- 
aluminiumbronzen mit einer Salzlösung zu vergleichen, in welcher 
das Kupfer als Lösungsmittel, die erwähnte Kombination gleicher 
Atome Mangan und Aluminium als gelöstes Salz anzusehen sein 
würde. 

Die Umwandlungspunkte, jenseits welcher die Mangan- 
aluminiumbronzen unmagnetisch sind, liegen relativ niedrig, und 
dieser Umstand erklärt die beim Erhitzen der Proben beobach- 
teten Erscheinungen. Genauere Messungen der Umwandlungs- 
punkte liegen noch nicht vor; ich habe indes feststellen können, 
daß die Umwandlungspunkte steigen mit steigendem Mangan- 
gehalt und bei konstantem Mangangehalt mit steigendem Alu- 
miniumgehalt So ist eine Legierung von rund 16 Proz. Mn und 
8 Proz. AI bei 160® unmagnetisch, Guß 43 bei 310<> noch mag- 
netisierbar. Da Zusätze anderer Metalle die Lage der Umwand- 
lungspunkte stark herabdrücken, so ist man in der Lage, für die 
magnetisierbaren Bronzen die Umwandlungspunkte innerhalb eines 
Temperaturintervalls von SlO® abwärts bis zu etwa 60^ nach Be- 
lieben zu variieren. 

Die Manganaluminiumbronzen sind schlechte Leiter der 
Elektrizität Proben von der Zusammensetzung von Guß 32 
hatten ungefähr das gleiche Leitvermögen wie Manganin. 

Ich bemerke noch, daß auch Legierungen von Mangan und 
Aluminium allein magnetische Eigenschaften haben. Doch ist 
dies nicht regelmäßig der Fall und es scheinen Verunreinigungen 
der legierten Metalle das Hervortreten der magnetischen Eigen- 



Nr. 12.] Fr. Heueler. 223 

Schäften zu verhindern. Dieser Umstand erklärt auch wohl, daß 
die zahlreichen Chemiker, welche Legierungen dieser beiden Me- 
talle herstellten, niemals magnetische Eigenschaften beobachtet 
haben. Umsomehr verdient die kurze Mitteilung von Hogg ^) 
Beachtung, welcher Ferromangan mit Aluminium zu einer aller- 
dings unhomogenen und stark eisenhaltigen Legierung vereinigte 
und diese im Gegensatz zu dem unmagnetischen Ferromangan 
magnetisierbar fand. 

Eine erheblich geringere Magnetisierbarkeit als die Legie- 
rungen von 30 proz. Mangankupfer mit Aluminium besitzen die 
in analoger Weise mit Antimon, Wismut und Zinn hergestellten 
Legierungen. Nur das Zinn ergab unter diesen Umständen noch 
Induktionen, welche nach dem Altern der Proben bei 110® ge- 
messen werden konnten (vgl. Tab. III). Stärker magnetisierbar 
sind aber Legierungen von Mangan und Zinn bezw. Mangan und 
Antimon allein bei richtiger Wahl des Mischungsverhältnisses. 
Indes lassen sich derartige Legierungen meist nur in Pulverform 
untersuchen, was bisher nur qualitativ geschehen ist 

Die vorstehende Untersuchung konnte nur dank dem Ent- 
gegenkommen des Herrn F. Richarz nach Überwindung erheb- 
Ucher experimenteller durch die weite Entfernung unserer Wohn- 
orte anfangs noch gesteigerter Schwierigkeiten erfolgreich durch- 
geführt werden. Ihm sowie seinen ehemaligen Assistenten, den 
Herren W. Starck und E. Haupt, danke ich auch an dieser Stelle 
für ihre Mühewaltung. 



») Hooo, Chem. News 66, 140, 1892; Beibl. 17, 224, 1893. 

Dillenburg (Hessen-Nassau), chemisches Laboratorium der 
Isabellenhütte, G. m. b. H. 



224 Yerhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 12. Juni 1908. [Nr. 12. 



IL Über die znagnetisohen Eigensohaften von eisenfireien 

Manganlegieningen ; 

von W. Starck und E. Haupt. 

Die Untersuchung der magnetischen Eigenschaften der Mangan- 
legierungen wurde von Sommer 1900 bis Ostern 1901 im physi- 
kalischen Institut zu Greif Bwald, von da ab in dem zu Marburg 
angestellt. Es wurde die magnetometrische Methode gewählt, und 
zwar befand sich die zu untersuchende Probe stets in der ersten 
Gauss sehen Hauptlage zum Magnetometer. Die magnetische Wir- 
kimg der Magnetisierungsspirale wurde durch eine möglichst gleiche» 
symmetrisch auf der anderen Seite der Magnetometemadel befind- 
liche, von demselben Strome im entgegengesetzten Windungssinn 
durchflossene Spule kompensiert. Die Kompensation wurde zu- 
nächst für die Nullstellung der Nadel und bei derjenigen höchsten 
Stromstärke vorgenommen, welche später bei der Untersuchung 
der Probe voraussichtlich angewendet werden mußte, um trotz 
der Rück\s'irkung des magnetisierten Stabes eine gewisse effektive 
Maximalfeldstärke zu erreichen. Hierauf wurde, wie dies auch 
R. Manni) tat, durch einen permanenten Magneten, der in ver- 
schiedene Abstände von der Nadel gebracht wurde, das Magneto- 
meter um beliebige Winkel abgelenkt und für jede Ablenkung 
untersucht, um wieviel sie sich bei verschiedenen Stärken des in 
den Spulen fließenden Stromes änderte. Diese Änderung betrug 
selbst bei den kleinsten im Laufe der Untersuchungen benutzten 
Abständen vom Magnetometer nur sehr wenige Skalenteile; es 
konnte daher für jede Ablenkung und Stromstärke die an dem 
Ausschlag anzubringende Korrektion hinreichend genau berechnet 
werden. Daß die bei der Nullstellung der Nadel erreichte Kom- 
pensation nicht auch für beliebige Ablenkungen erhalten bleibt, 
kann in zwei Umständen seinen Grund haben. Einmal wird in- 
folge der unvermeidlichen Ungleichheit der Spulen zur Erreichung 
der Kompensation in der Nullstellung der Nadel die schwächere 
Spule der Nadel näher gebracht worden sein als die andere. 



^) R. Mank, Über Entmagnetisierungsfaktoren kreiszylindrischer Stabe. 
Diss. Berlin 1895, S. 7. 



Nr. 12.] W. Starok und E. Haupt. 225 

Wird nun die Nadel dorch einen Magneten abgelenkt, so ändern 
sich die Kräfte für die näher befindliche Spule stärker als für 
die entferntere, und die ablenkenden Wirkungen heben sich bei 
der neuen Nadelstellung nicht mehr auf, sondern ändern dieselbe. 

Stehen anderseits die Magnetisierungs- und die Kompensations- 
spule nicht genau senkrecht zum Meridian, so wirkt eine Kompo- 
nente des Spulenfeldes auf das am Untersuchungsorte wirkende 
Erdfeld ein, und zwar je nach Feldrichtung verstärkend oder 
schwächend. Dieser Orientierungsfehler wird leicht daran erkannt, 
daß, wenn sich in der Magnetisierungsspirale ein magnetisierbarer 
Stab befindet, die absolute Größe der Ablenkung verschieden ist 
je nach der Richtung des Feldes. Bleibt die absolute Größe der 
Ablenkung nach dem Kommutieren der Stromrichtung die gleiche, 
80 stehen die Kraftlinien der Spulenfelder senkrecht zum Meridian. 
Dieses Kriterium ergibt sich bei der magnetometrischen Methode 
von selbst und wird daher immer beachtet sein; die Befürchtung 
Erhards 9, daß infolge Nichtberücksichtigung dieser Fehlerquelle 
viele magnetometrische Messungen nicht einwandsfrei seien, scheint 
uns ungerechtfertigt zu sein. Durch obige Methode der Feld- 
prüfung wird übrigens beiden Orientierungsfehlern gleichzeitig 
Rechnung getragen. 

Die zu untersuchenden Proben wurden in den meisten Fällen 
in der. Gestalt kreiszylindrischer Stäbe der Messung unterworfen. 
Die an den Enden eines magnetisierten Körpers auftretenden Pole 
wirken dem Felde im Innern des Stabes entgegen, so daß die 
wirksame Feldstärke kleiner ist als die aus den Amperewindungen 
der Spule berechnete. Bei einem homogen magnetisierten EUipsoid 
läßt sich die entmagnetisierende Wirkung pro Volumeinheit dar- 
stellen durch das Produkt N.J^ wo J die Intensität der Magne- 
tisierung und N einen allein vom Dimensionsverhältnis m (Ver- 
hältnis von Länge zum Durchmesser) abhängigen Faktor bedeutet. 
^ ist für w> 1 durch die NEüMANNsche Formel gegeben: 

J^= -^^ r-=^L= . Zn(m + V^i^^ - ll^ 

m'—l Lyw-i— 1 ^ ' ' ^ ] 

Zylindrische Stäbe werden auch im homogenen Felde nicht 
homogen magnetisiert; aber man kann sich die gesamte Wirkung 

») Ebhabd, Ann. d. Physik (4) 9, 724, 1902. 



226 Verhdl. d. Deutaohen Physik. Gesellsoh. vom 12. Juni 1908. [Nr. 12. 

hervorgebracht denken • durch eine homogene Magnetisierung von 
mittlerer Stärke. Dann ist die mittlere Entmagnetisierung pro 
Volumeinheit ^= J-N. 

Nach der Theorie ') ist für kreiszylindrische Stäbe N umgekehrt 
proportional dem Quadrate des Dimensionsverhältnisses, also: 

Für Stäbe, deren Dimensionsverhältnis größer ist als 100, ist das 
Gesetz experimentell bestätigt. Die Konstante C wurde zu 45 
bestimmt Für kleinere Dimensionsverhältnisse ist C < 45 und 
nimmt mit dem Dimensionsverhältnis ab. Für eine größere Zahl 
von Dimensionsverhältnissen sind diese Werte experimentell fest- 
gestellt »), und es läßt sich für jedes beliebige m der Wert von 
W interpolieren. Für hohe Magnetisierungen fällt die Unsicher- 
heit von N allerdings ziemlich stark ins Gewicht, und für genaue 
Messungen ist es nötig, daß das Material in ellipsoidische Form 
gebracht wird, da nur für diese Form der Entmagnetisierungs- 
faktor genau bekannt ist Für die Messungen der vorliegenden 
Arbeit stand der etwas geringern Sicherheit der Messung der 
große Vorteil der leichteren Herstellbarkeit der kreiszjlindrischen 
Stäbe gegenüber. Kam es auf sehr genaue Messungen an, wie 
z. B. bei der Festlegung der Hysteresiskurven von Guß 41 und 43, 
so wurde ellipsoidische Form gewählt 

Das Abdrehen der Stäbe war in den meisten Fällen mühsam 
und zeitraubend, da es sich um sehr harte und spröde Materialien 
handelte; einige Proben waren selbst durch einen mit Diamantspitze 
versehenen Drehstahl nicht zu bearbeiten und mußten geschliffen 
werden, was bei den härtesten Stäben mit Hilfe einer schnell 
rotierenden Schmirgelscheibe geschah. 

Die in Greifswald als Magnetisierungsspiralen benutzten Spulen 
litten an dem Übelstande, daß sie bei Anwendung größerer Strom- 
stärken beträchtlich erwärmt wurden und sie daher durch Wasser 
gekühlt werden mußten. Die Marburger Spulen, bei denen infolge 
zweckmäßigerer Dimensionierung eine störende Erwärmung nicht 



^) Du Bois, Magnetische Kreise, S. 87. 

*) Du Bois, 1. c, S. 45 und Ann. d. Phys. (4) 7, 942, 1902; Ribobo 
Miim, 1. c; Bbnbdicks, Ann. d. Phys. (4) 6, 726, 1901. 



Nr. 12.1 W. Starok and E. Haapt 227 

auftrat, waren aus 2 mm starkem Draht yon elektrolytischem 
Kupfer auf Glasröhren gewickelt und besaßen eine Länge von 
300 mm und einen inneren Badius von 15 mm. Bei den längsten 
gemessenen Stäben (200 mm) betrug die Inhomogenität des Feldes 
an den Enden des Stabes i) nur 0,6 Proz. 

Als Magnetometer wurde in Greifswald ein Edelmann sches 
älterer, in Marburg ein solches, neuester Konstruktion benutzt; 
die magnetisierenden Stromstärken wurden mit einem Präzisions- 
amperemeter (nach Raps) tou Siemens u. Halsee gemessen. 

Vor Aufnahme einer Magnetisierungskurve wurde die zu 
untersuchende Probe in den magnetisch neutralen Zustand ver- 
setzt Es geschah dies in der Weise, daß man von höherer Feld- 
stärke ausgehend den magnetisierenden Strom schnell kommutierte 
und gleichzeitig seine Stärke allmählich auf Null abnehmen ließ. 
Bei Verwendung von kontinuierlich veränderlichen Flüssigkeits- 
widerständen war es so möglich, die Proben vollständig zu ent- 
magnetisieren. Auch bei der Aufnahme der Magnetisierungskurven 
wurde die Feldstärke mit Hilfe der Flüssigkeitswiderstände kon- 
tinuierlich verändert. 

Das magnetische Moment des untersuchten Stabes wurde be- 
rechnet nach der Formel 

worin H die Horizontalintensität des Erdmagnetismus, R den Ab- 
stand der Stabmitte vom Magnetometer, das TorsionsverhältDis 
des die Magnetometemadel tragenden Fadens, L den Polabstand 
des Stabes, d. h. Ve söii^er Länge, und A den Polabstand der 
Nadel, tp die Ablenkung des Magnetometers bedeuten. 

Besondere Sorgfalt erfordert die Bestimmung der Größe R, 
welche in die Formel mit der dritten Potenz eingeht Der Ab- 
stand der Nadelmitte von der Mitte der Spule war leicht meßbar; 
es kam daher darauf an, die Probestäbe möglichst genau in die 
Mitte der Spule zu bringen. Bei den Marburger Spulen war an 
beiden Enden der Röhre je eine Strecke von 1 cm unbewickelt 
gelassen und auf diesen Stücken eine Marke angebracht, deren 



^) F. KOBLBAÜSCH, Handbuch S. 464. 



228 Yerhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 12. Juni 1908. [Nr. 12. 

Abstand von der Spulenmitte genau gemessen wurde. In das 
Spulenrohr ließ sich genau passend eine zweite Glasröhre hinein- 
schieben, die an beiden Enden mit Millimeterskalen versehen war. 
Nun wurde zunächst durch zwei in die zweite Glasröhre passende 
Glasstäbe der Stab mit Hilfe der Teilung genau in ihre Mitte 
gebracht und dann diese zweite Röhre in dem Spulenrohr mit 
Hilfe der Markenstriche zentriert 

In nachstehenden Tabellen ist die Anzahl der Induktionskraft- 
linien für einige Feldstärken angegeben; die Diskussion der Resul- 
tate im Zusammenhang mit der chemischen Zusammensetzung und 
der thermischen Vorbehandlung ist im Teil I enthalten. Die an- 
gegebenen Zahlen beziehen sich auf die sogenannte jungfräuliche 
Magnetisierungskurve; es wurde aber stets auch die abfallende 
und dann die wieder ansteigende Kurve bestimmt und so die 
Hysterese ermittelt. Diese ergab sich in einigen Fällen als sehr 
gering; indessen hat sich gezeigt, daß, wie die Magnetisierbarkeit 
überhaupt, so auch die Hysterese starken Veränderungen unter- 
worfen sein kann. 



Die ausführliche Mitteilung der ganzen Untersuchung wird 
demnächst in den Schriften der naturforschenden Gesellschaft zu 
Marburg (Verlag von N. G. Elwert) erfolgen. 



Nr. 12.] 



W. Starck und E. Haupt. 



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230 Yerhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsoh. vom 12. Juni 1903. [STr. 12. 



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W. Starck und E. Haupt. 



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232 Verheil, d. Deutschen Physik. Gesellsoh. vom 12. Juni 1903. [Nr. 12. 



Manganzinnkupfer. Versuchs reihe IIL 



Guß Nr. 



Ungefähres 
Atomyerhältnis 



^ = 20 



= 40 



l& = 100 



^=150 



9 
13 
10 
11 



1 Sn : 2 Mn 
1 Sn : 3 Mn 
1 Sn : 4 Mn 
1 Sn : 6 Mn 



220 

70 

I 



fast unmagnetisierhar 



— 


1140 


1500 


420 


815 


1000 


170 


460 


610 



Verlag von Friedr. Vieweg & Sohn in Braunschwelg. 

Neu erschienen:. 

Vorlesungen 



über 



Experimentalphysik 

von 

August Kundt, 

weiland Professor an der Universität Berlin, 
herausgegeben von 

Karl Scheel. 



Mit dem Bildnis Kundts, 534 Abbildungen und einer farbigen 

Spektraltafel. 

gr. 8. Preis geh. 15 M., geb. 17 M. 



Die Vorlesungen Kundts verdanken ihre Veröffentlichung dem viel- 
fach ausgesprochenen Wunsche früherer Schüler des großen Experimen- 
tators, die Vorlesungen nicht der Vergessenheit anheimfallen zu lassen. 

Der Umstand, daJB das Manuskript ein einheitliches Giinzes darbot, 
mußte jeden Versuch zurückweisen, durch Einfügung neuer Kapitel 
die Fortschritte der "Wissenschaft im letzten Jahrzent zu berücksichtigen 
und dadurch die Vorlesungen zu einem Lehrbuch der Physik auszu- 
gestalten, um so mehr, als dieselben hierdurch sehr an ihrer Originalität 
eingebüßt haben würden. 

Kundts Vorlesungen geben ein Bild des klassischen Bestandteils 
der physikalischen Wissenschaft und sind vermöge der überaus anschau- 
lichen und leicht verständlichen Sprache so recht geeignet, nicht nur 
dem Studierenden der Physik als Leitfaden neben den gehörten 
Vorlesungen zu dienen, sondern auch dem Schüler die Einfülirung 
in die physikalischen Erscheinungen zu erleichtern. Vor allem wird 
aber auch derjenige, welcher mit den Lehren der Physik vollkommen 
vertraut ist, sich der eleganten und originellen Darstellung der ihm 
bekannten Tatsachen stets aufs neue freuen. 



Zu beziehen duixh alle Buchhandlungen. 



S. £eybold's Xaehf olger 

Cöln a. Rhein 

Mechanische und optische Werkstätten. 



^ * ^ 



JCbsorptionsplatten 

y Ic-toc-toc-ö nach Professor Wood 

welche alle sichtbaren Lichtstrahlen absorbieren und 
nur die ultravioletten Strahlen durchlassen. 

Diese Äbsorptionsplatten gestatten unter anderen, 
folgende zwei Vorlesungsversuche anzustellen: 

Die Strahlen eines elektrischen Lichtbogens werden 
durch die Kondensoflinsen eines Projektionsapparates 
vereinigt und in den Brennpunkt ein Fläschchen mit 
Urannitrat gehalten. Bringt man dann zwischen Kon- 
densor und Urannitrat die Absorptionsplatte, so leuchtet 
dasselbe intensi? hellgrün auf. 

Entwirft man auf dem Schirm das Spektrum des 
elektrischen Lichtbogens und hält die Absorptionsplatte 
vor den Spalt oder vor die Objektivlinse, so erscheinen 
gar keine Linien mehr auf dem Schirme; bringt man nun 
einen Fluorescenzschirm an die Stelle des ultravioletten 
Teiles des Spektrums, so leuchtet dieser hell auf. 

Bei beiden Versuchen ist dafür zu sorgen, dafs alles 
fremde Licht abgeblendet wird. 



Preis Mark 15.—. 




Wtt^ I)ie^^em Ileite ist beigegeben: Bericht (IL Jahrgang» Nr. 1) über 
Apparate und Anlagen, iiusgeiüliit vnu Lepplu k Masche iu Ilttrliii 8.0*. 

Eugelufer 17. 



t903 Heft 13 

Berichte 

der 

Deutscbeo Physikalischen Gesellschaft 

enthaltend 

Yerhandluiigeii 

der Deutschen Physikalischen GeseHschaft 
Im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Scheel 

und 

Halbmonatliches Literaturverzeichnis 

der , .Fortschritte der Physik", dargestellt von der 
Deutschen Physikalischen Gesellschaft 

redigiert von 

Karl Scheel Ricliard Assmann 

Reine Physik Kosmische Physik 



Brauüsch weig 

Druek und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn 

19 3 



MnnaÜich zwei Nummern. — Ahont^emeMsipreAs pro Jahrgang S Mark. — Zu becifhen 
durch äUe Buchhandlungen und Posftwsfalten (Posi:i'itungsliyitt' Ar. 1042 a) 



Inhalt. 

Seite 

Verhandlungen der Deutschen Physikalisohen G^sellsohafL 
Bericht üher die Sitzung vom 26. Juni 1903 23:^ 

J. Traube und G. Teichner, Zur Theorie des kritigchen Zu- 

standBB 235 

K. V. Wesendonk, Einige Bemerkungen über die Bestimmung 

der kritischen Temperatur 238 

II. Starke, Über die elektrische und magnetische Ablenkung 

schneller Kathoden strahlen 241 

F. Neesen, Bemerkungen zu den Vorschlägen des wissenschaft- 
lichen Ausschusses der Deutschen Physikalischen Gesellschaft 
für einheitliche Bezeichnungen 251 

Halbmonatliches LlteraturverzeiohniB der Fortschritte der 
Physik. 

I. Allgemeine Physik 207 

II. Akustik 209 

in. Physikalische Chemie 209 

IV. Elektrizität und Magnetismus 211 

V. Optik des gesamten Spektrums 214 

VI. Wärme 215 

Vll. Kosmische Physik 218 



A.nkündiffung'. 



Den Abonnenten der „Fortschritte der Physik" können wir die erfreu- 
liche Miiieüung machen ^ da/s nach langen Vorbereitungen im Anscklufs an 
das im Jahre i8q^ im Verlage von Georg Reimer in Berlin erschienene 
Qeneral' Register su den „Fortschrittea der Physik*', Band XXI (1863) 
bis XLIII (iSSy), das in Anlage und Ausführung übereinstimmend mit 
diesem Registerbande bearbeitete 

Namen 'Register nebst Sach - Ergänzungsregister zu den 
„Fortschritten der Physik", Band XL/V (1888) bis LIII 
(i8gj), unter Mitwirkung von Dr. £, Schwalbe bearbeitet 
7wn Dr. G. Schwalbe, 
zur Ausgabe gelangt ist. 

Nach einer Einleitung, welche dazu dient, den Gebrauch des Werkes 
zu erleichtern , wird eine Übersicht über den Umfang der Bände, sowie über 
die Redakteure und Referenten, welche während der Jahre 1888 bis 18^ 
tätig waren j gegeben. Der Hauptteil selbst zerfällt in zwei Teile: Das 
Namenregister, in welchem sämtliche in den zehn Jahrgängen der „Fort- 
schritte" erwähnten nicht anonymen Titel in alphabetischer Reihenfolge der 
Auiorennamen sich vorfinden, und das Sacij'Ergäazangsregister, in wel- 
chem die anonymen Titel in sachlicher Weise geordnet sind. Wie aus der Ein- 
leitung sich ergibt^ ist durch umfassende Vergleiche für die Richtigkeit der 
einzelnen Titel nach Möglichkeit gesorgt worden. Ebenso ist dem Bedürfnis 
nach Vollständigkeit m weitestem Mafse Rechnung getragen. 

Für alle, welche auf den Gebrauch der ,tFortschritte** in ihren Wissen- 
schaft liehen Untersuchungen angewiesen sind, dürfte das vorliegende Re- 
gister zu einem wichtigen, wenn nicht unentbehrlichen Nachschlagewerk 
werden. Auch für Bibliotheken, welche die „Fortsciiritte der Pbysili" 
halten, erscheint dasselbe als notwendige Ergänzung zu denselben. 

Der Preis des stattlichen Bandes beträgt M. 60. — , worauf den Mit- 
gliedern der Deutschen Physikalischen Gesellschaft die bekannte Ermäfsigung 
gewährt wird. 

Die Veriagsbuctitiandiuag Friedr. Vieweg 6t Sobn 
in BraunaciMweig, 



Verhandlungen 



der 



Deutschen Physikalischen Gesellschaft 



Im Auftrage der .Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Scheel 

6. Jahrg. 15. JuU 1908. Nr. 13. 



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SltEnng vom 26. Juni 1908. 



Vorsitzender: Herr E. War bürg. 



Hr. H. Starke legt eine Mitteilung von Hm. K. v. Wesendonk: 

Einige Bemerkungen über die Bestimmung der kritischen 

Temperatur 

vor und berichtet sodann über eigene Untersuchungen: 

Über die elektrische und magnetische Ablenkung 
schneller Eathodenstrahlen. 

Femer spricht Hr. E, Warburg über die Mitteilungen der 
Hm. Fr. Heusler, W. Stark und E. Haupt : 

Über die Synthese ferromagnetischer Mangan- 
legierungen und die magnetischen Eigenschaften von 
eisenfreien Manganlegierungen, 

welche bereits im vorigen Hefte veröffentlicht sind, sowie: 

Zur Polarisation umkehrbarer Elektroden 

(nach Versuchen von Hm. B. Strasser). 



234 Verhdl. d. Deutsoben Physik. GeBellsoh. vom 26. Jani 1903. [Nr. 13. 

Weiter macht Hr. F. Neesen: 

Bemerkungen zu den Vorschlägen des wissenschaft- 
lichen Ausschusses der Deutschen Physikalischen Gesell- 
schaft für einheitliche Bezeichnungen. 



Sodann legt Hr. Karl Scheel eine von Hm. Ewald Rasch 
in Potsdam verfaßte: 

Erwiderung auf den Aufsatz des 
Hrn. W. Biegon Ton Gzudnochowski über „Flammen- 
oder Effektbogenlicht" 
vor und gibt eine Übersicht: 

Über die Spannkraft des Wasserdampfes unter 0®. 



Endlich berichtet Hr. E. tiehrcke : 
Über die Elektrolyse der Schwefelsäure bei großer 
Stromdichte. 



235 



Zur Theorie des kritischen Zustandes; 
von J. Traube und G. Teichner. 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 12. Juni 1903.) 
(Vgl. oben S. 218.) 

Von DE Heen, Galitzine, Battelli u. a. sind früher eine 
Reihe von Beobachtungen gemacht worden, welche mit der Theorie 
des kritischen Zustandes von Andrews nicht im Einklang standen. 
DE Heen hat il a. durch direkte Dichtebestimmungen für Kohlen- 
säure nachgewiesen, daß oberhalb der kritischen Temperatur bei 
konstanter Temperatur und konstantem Drucke Dichteverschieden- 
heiten bis zu 100 Proz. in demselben Rohre vorhanden waren. 
Galitzine hat aus der Versbhiedenheit des Brechungsindex in den 
verschiedenen Teilen eines mit Äthyläther gefüllten und bis über 
die kritische Temperatur erhitzten Rohres Dichteunterschiede von 
mehr als 40 Proz. berechnet. 

Der eine von uns, J. Traube, hat in einer früheren Mit- 
teilung *) diese Versuche, sowie eine Reihe anderer Erscheinungen, 
welche mit Andrews' Theorie im Widerspruch stehen, ausführlich 
besprochen .und darauf hingewiesen, daß die Bemühungen von 
Kamerlingh-Onnes, Küenen u. a., diesen Widerspruch zu be- 
seitigen, nicht ausreichen. 

Da immerhin die experimentellen Bedingungen, unter denen 
die direkten Dichtebestimmungen von de Heen ausgeführt wurden, 
gewissen Zweifeln unterliegen konnten, so hatte es Interesse, nach 
einer neuen einwandfreien Methode die Ergebnisse von de Heen 
und Galitzine zu prüfen, und diese neue Methode ergab sich in 
einer Methode der Dichtebestimmung unterhalb und oberhalb der 
kritischen Temperatur mittels kleiner Glasballons, welche man in 
dem betreffenden Rohre aufsteigen ließ. 

Es wurde eine vollständige Dichteskala kleiner Glasballons 
hergestellt. Die Dichten der Ballons wurden bestimmt durch Er- 
wärmen in Äther. Man stellte die Temperatur fest, bei welcher die 



») J. Tbaubb, Ann. d. Phya. (4) 8, 267, 1902. 



236 Yerhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsoh. vom 26. Juni 1908. [Nr. 13. 

Ballons gerade in der Flüssigkeit schwebten. Eine größere Anzahl 
dieser Ballons wurde in ein zugeschmolzenes Rohr eingeschlossen, 
welches luftfrei mit reinstem Chlorkohlenstoffe gefüllt war. Dieses 
Rohr wurde erhitzt in einem Thermostaten, in welchem ein inneres 
Paraffinrohr von einem äußeren Siederohr umgeben war, in welchem 
Diphenylamin unter vermindertem Druck siedete. Dieser einfache, 
im wesentlichen von Galitzine angegebene Thermostat gewähr- 
leistete eine Temperaturkonstanz auf einige hundertstel Grade. 
Die Versuche ergaben nun, daß die Ballons sich noch 10® ober- 
halb der kritischen Temperatur stundenlang in verschiedenen 
Höhen, entsprechend ihrer Dichte und derjenigen der Umgebung, 
schwebend erhielten und Dichteunterschiede anzeigten von 50 Proz. 
und darüber. Es herrschte vollkommenes Druck- und Tempe- 
raturgleichgewicht i). Wie DE Heen gefunden und hervor- 
gehoben hat, sind bei demselben Druck die verschiedensten 
Dichten vorhanden. Das ist eine Tatsache, an welcher 
Andrews' Theorie scheitert Die früheren Einwände von 
Temperaturungleichheiten, Unreinheiten der Substanz, Wirkungen 
der Schwere u. s. w. versagen hier vollständig. Im Einklang mit 
DB Heek wurde bestätigt, daß die weitaus größten Dichte Ver- 
schiedenheiten in einer mittleren Zone bestanden, dort wo der 
Meniskus verschwunden war. Danach zeigen diese Versuche, daß 
es bei der kritischen Temperatur zwei verschiedene 
Materien gibt, eine flüssige und eine gasförmige, und daß 
die kritische Temperatur aufgefaßt werden muß, als diejenige, 
bei welcher jene beiden Materien in jedem Verhältnisse 
miteinander mischbar werden. Auch unterhalb der kriti- 
schen Temperatur besteht bereits eine teilweise Mischbarkeit, 
denn u. a. zeigt sich, daß bei konstanter Temperatur die Dichte 
der Flüssigkeit sowohl mit der Höhe im Röhrchen sich erheblich 
ändert, wie auch mit der 2^it und beim Schütteln, und der eine 
von uns, J. Traube, hat bereits früher (1. c.) darauf hingewiesen, 
daß voraussichtlich diese Mischbarkeit sich auch auf weit von der 
kritischen Temperatur entfernte niedere Temperaturen erstreckt 



^) Natürlich ist das Gleichgewicht nur ein Druckgleichgewicht. Wie 
zwei bei gleichem Druck übereinandergeschichtete Gase allmählich sich 
durohmischen , so kann man auch hier mit Hilfe eines elektromagnetischen 
Rührers eine Durchmischung herbeiführen. 



Nr. 13.] J. Traube und G. Teichner. 237 

In Bezug auf die Natur der beiden Materien, welche hier an- 
genommen werden, stehen zwei verschiedene Hypothesen einander 
gegenüber. 

P. DE Heen nimmt an, daß die Molekeln im flüssigen Zu- 
stande allgemein komplexerer Art seien, als im Gaszustande. 

Der eine von uns, J. Traube, nimmt dagegen an, daß die 
Molekeln im Gas- und Flüssigkeitszustande sich nicht durch ver- 
schiedene Masse, sondern durch den verschiedenen Raum unter- 
scheiden, den sie einnehmen. 

Die Hypothese von de Heen ist nicht aufrecht zu erhalten, 
da die Flüssigkeiten, mit denen besonders experimentiert worden 
ist, Äthyläther, Chlorkohlenstoff u. s. w. zweifellos nicht assoziiert 
sind. 

Die Hypothese von J. Traube nimmt an, daß bei der Ver- 
gasung eine erhebliche Yolumvergrößerung der Molekeln statt- 
findet Im Sinne von van der Waals' Zustandsgieichung kommt 
diese Annahme darauf hinaus, daß die Größe h von van der Waals 
keine Funktion der Temperatur, sondern des Druckes ist, sowohl des 

Affinitätsdruckes, des Kompressions- und des inneren Druckes -^• 

Da dieser innere Druck sich bei der Vergasung plötzlich ändert, 
so führt die Hypothese zu zwei 6-Werten, und somit zu einer Ver- 
schiedenheit der flüssigen und gasförmigen Materie. Diese Hypo- 
these ist von Bedeutung nicht nur für die kritischen Erscheinungen, 
sondern auch noch für eine ganze Reihe anderer Tatsachen, auf 
welche zum Teil in dem früheren Aufsatze des einen von uns 
schon hingewiesen wurde, zum Teil demnächst in ausführlicheren 
Mitteilungen noch hingewiesen werden soll. 

Berlin, Technische Hochschule. 



238 



Einige Betnerkungen über die Bestimmung 

der kritischen Temperatur; 

von jBl. V» Wesendonk. 

(Vorgelegt in der Sitzung vom 26. Juni 1903.) 
(Vgl. oben S. 233.) 



Im Interesse einer eventuellen Wiederholung der betreffenden 
Versuche mit unanfechtbar reinen Substanzen, erlaubt sich Ver- 
fasser im Anschluß an die Mitteilungen der Herren Traube und 
Teichner kurz auf seine in der Naturw. Rundsch. 9, 210—212, 1894 
beschriebenen Beobachtungen ») hinzuweisen. Hierzu diente eine 
mit angeblich reiner Kohlensäure etwa zur Hälfte gefüllte aus 
Wien bezogene sogenannte NATTERERröhre , die in einem recht 
gleichmäßig erwärmbaren Wasserbade, dessen Temperatur recht 
konstant erhalten werden konnte, um eine mittlere Querachse 
drehbar angebracht wurde. Es ergab sich da (unabhängig von 
GouT und in Übereinstimmung mit seinen Resultaten), daß bei 
öfterem Umkehren das sonst variabel erscheinende Volum der 
Flüssigkeit einem für jede Temperatur bestimmten Dauerzustande 
zustrebt. Oberhalb 30,95® zerfiel die Flüssigkeit beim Umkehren 
in Nebel, der nicht wieder zu einer flüssigen Masse zusammenfloß, 
sondern sich sehi* lange in der Röhre resp. einem Teile derselben 
schwebend erhielt, so daß also ein Herabsinken desselben nicht 
zu beobachten war. Durch häufiges Umkehren der NATTERERröhre 
gelingt es, den Nebel gleichmäßig zu verteilen, jene erscheint dann 
durchweg blaugefärbt im reflektierten Lichte (Farbe trüber Medien). 
Dieser blaue Nebel kann bei konstanter Temperatur unbegrenzt 
lange bestehen bleiben 2), bei erhöhter Temperatur vergeht er erst 
über 31,7® und ist sein Auftreten bei 32® nicht mehr sicher zu 



^) Man sehe ferner VerfaBsers YeröfEentlichungen : ZS. f. phys. Cham. 15, 
262—266, 1894; Wied. Ann. 55, 577—582, 1895; ZS. f. komprim. u. flüss. 
Gase 3, 113—116, 1899. 

*) Soweit die Dauer der Versuche einen solchen Schluß erlaubt natürlich. 



Nr. 13.] K. V. Wesendonk. 239 

konstatieren. Bei öfterem Umkehren vergeht auch eine sonst 
hartnäckig sich zeigende perlende Erscheinung, so daß dann von 
32«) an also man einen tatsächlich homogenen Inhalt in der 
NATTERERröhre erhält. Ramsay i), welcher durch die vorliegenden 
Versuche veranlaßt, mit reinem Äther experimentierte, erklärte, 
solange solch blauer Nebel sich zeige, sei die kritische Tempe- 
ratur noch nicht erreicht Dann müßte man aber wohl die kri- 
tische Temperatur erheblich höher annehmen, als dies bisher 
geschehen. Zur Zeit, da Verfasser seine Versuche anstellte, nahm 
man wohl allgemein die kritische Temperatur von CO, zu 30,92 
bis 31,1^0. an 2), erst später fanden wohl Werte wie sie Amagat 
und Chappüis erhielten (31,35 und 31,4«) weitere Anerkennung. 
Wenn man aber mit Herrn Ramsay annimmt, die kritische 
Temperatur sei erst erreicht, wenn kein Nebel mehr zu bemerken, 
so käme man auf etwa 32^, eine Temperatur, die aber mit den 
Beobachtungen über das Verschwinden des Meniskus kaum harmo- 
nieren dürfte. Allerdings ist zu beachten, daß zu einwandsfreier 
Bestimmung der Temperatur des Verschwindens des Meniskus es 
nötig ist, genau das kritische Volum in der NATTERERröhre zu 
haben. Aber selbst die sorgfältigen Versuche des Herrn YouNG 
über Normalpentan ergeben, daß it is no doubt true, that the 
appearance of mist is not confined to the exact critical tempera- 
ture itself, but that it is visible through a very small ränge of 
temperature. Therefore, heißt es weiter, some mist would iirst 
appear at a slightlj higher temperature, when the temperature 
was falling, than when it was rising. Es erscheint daher Ver- 
fasser wahrscheinlich, daß der theoretische kritische Punkt in 
Wirklichkeit nicht existiert, sondern der Übergang der Flüssigkeit 
in den Gaszustand erfolgt durch ein Nebelstadium hindurch, in 
dem ganz kleine Flüssigkeitströpfchen noch bestehen können bei 
einer Temperatur, bei der eine zusammenhängende größere Flüssig- 
keitsmenge nicht mehr existenzfähig ist. Die übrigens auch von 
Herrn Duhem als tatsächlich anerkannten Anomalien bei der 
kritischen Temperatur, wie sie die Herren de Heen, Galitzixe 
und andere beobachteten, kann man wohl mit Herrn Mathias als 



») W. Ramsat, ZS. f. phys. Chem. 14, 489-490, 1894. 

*) Man sehe z. B. Heilbork, ZS. f. phys. Chem. 7, 605, 1891. 



240 Yerhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsoh. vom 26. Juni 1903. [Nr. 13. 

falsche Gleichgewichte >) auffassen. Bei dem häufigen Wenden 
einer NATTERERröhre werden diese falschen Gleichgewichtszustände 
aufgehoben, und man erreicht einen Zustand der eingeschlossenen 
Materie, der bis auf das neblige Übergangsstadium den Forde- 
rungen der klassischen (Andrews u. s. w.) Theorie entspricht. 
Vollständig sind die Forderungen dieser klassischen Theorie viel- 
leicht nur durch ein strikte unendlich langsames Erwärmen resp. 
Abkühlen zu erreichen, also praktisch kaum jemals. 

Verfasser möchte mit diesen kurzen Bemerkungen wesentlich 
nur auf eine recht sorgfältige Wiederholung seiaer resp. ähnlicher 
Versuche hinwirken unter Verwendung möglichst weit gereinigter 
Substanzen. Solche Beobachtungen haben vielleicht auch noch 
eine besondere Bedeutung neben solchen unter Anwendung eines 
elektromagnetischen Rührers. 

^) Bekanntlich entscheidet die durch die Thermodynamik konstatierte 
Möglichkeit eines Prozesses noch nicht immer über sein wirkliches Eintreten 
und auch nicht über die Geschwindigkeit seines Verlaufes. So können 
Hindernisse für die Umlagerung der kleinsten Teilchen falsche Gleich- 
gewichte liefern. 

Berlin, den 24. Juni 1903. 



241 



tiber die elektrische und magneUsche Ahlenk^iny 
schneller Kathodenstrahlen; 

von JET. Starke. 

(Vorgetragen in der Siiznng vom 26. Juni 1903.) 
(Vgl. oben S. 233.) 



Vfird aus der diffusen Strahlung eines Radiumpräparates 
ein Strahl herausgeblendet und einer magnetischen Ablenkung 
unterworfen, so breitet sich der Strahl bekanntlich fächerartig 
auseinander. Es ist dies ein Zeichen dafür, daß der Strahl in- 
homogen ist, aus einer ganzen Beihe von Strahlen verschiedener 
Ablenkbarkeit besteht Dieselbe Erscheinung zeigt sich in noch 
größerem Maße bei der Ablenkung des Strahlenbündels durch ein 
elektrisches Feld. Durch geeignete Kombination beider Ablen- 
kungen hat W. Kaufmann!) die Geschwindigkeit und den Quo- 

tienten — für die in den verschiedenen ablenkbaren Strahlenarten 

sich bewegenden Teilchen gemessen. Es zeigten sich dabei Ge- 
schwindigkeiten von etwa 2,2 bis 2,8.10^®cm/sec., und femer stellte 

sich das interessante Eesultat heraus, daß - sich nicht, wie man 

es von den Kathodenstrahlen her kannte, als konstant, sondern 
als in hohem Maße von der Geschwindigkeit abhängig erwies, in- 
dem es stark abnimmt, je mehr sich die Geschwindigkeit der 
Strahlen derjenigen des Lichtes nähert. 

Diese Abnahme von - mit wa-chsender Geschwindigkeit ist 

einer Zunahme der Masse ft des Teilchens zuzuschreiben. Die 
Trägheit des im Radiumstrahl sich bewegenden Elektrons muß 
daher entweder ganz oder wenigstens teilweise einer anderen als 
der gewöhnlichen mechanischen Masse zuzuschreiben sein. Diese, 
von der Greschwindigkeit abhängige Masse ist elektrodynamischen 
Ursprungs; das Teilchen besitzt dieselbe vermöge seiner Ladung, 

Gott. Nachr. 1901, Heft 2; 1902, Heft 5; Phya. ZS. 4, 64, 1902. 



242 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 26. Juni 1903. [Nr. 13. 

welche in Bewegung befindlich elektromagnetische Energie besitzt, 
deren Betrag von der Geschwindigkeit der Bewegung abhängt. 
Es ist deshalb eine Geschwindigkeitsänderung mit einer Energie- 
änderung verbunden, wie es bei einem Massenteilchen der 
Fall ist. 

Herr M. Abraham i) hat eine elektrodynamische Theorie des 
bewegten Elektrons aufgestellt. Er kommt zu folgendem Resultat: 

Ist /3 = — das Verhältnis der Geschwindigkeit des Elektrons zur 
c 

Lichtgeschwindigkeit, /io der Wert der elektromagnetischen Masse 
für kleine Geschwindigkeiten, so ist der Quotient - aus Ladung 
und elektromagnetischer Masse des Elektrons: 

'i = ±i 1 1) 

wo t{ß) folgende Funktion Ton ß ist: 

4 
Für unendlich langsame Strahlen (/J = 0), wird tif(ß) = - 

£ S 

und - nimmt den Grenzwert — an. Für Strahlen mit Licht- 
geschwindigkeit (ß = 1) wird q)(ß) =z oo, - = 0. 

Besitzt das Teilchen keine materielle Masse, sondern ist seine 
Trägheit nur durch sein elektromagnetisches Feld bedingt, so 
muß sich das Produkt aus den experimentell zu ermittelnden 

Größen - und tlf{ß) als konstant erweisen. 

Für den Bereich von Elektronengeschwindigkeiten, wie man 
sie in der Radiumstrahlung vor sich hat, ist durch Kaufmann 

völlige Konstanz des Produktes - ^ (/3) nachgewiesen, also der Be- 

weis erbracht worden, daß die Masse der Elektronen rein elektro- 
magnetischer Natur ist. 



») Gott. Nachr. 1902, Heft 1. 



Nr. 13.] 



H. Starke. 



243 



2. Im folgenden ist die Frage der Untersuchung unterworfen, 
ob auch in dem Bereiche von Elektronengeschwindigkeiten, wie sie 

die Kathodenstrahlen besitzen, die Konstanz des Produktes -if(ß) 

besteht. Um eine Anschauung von der Größe der hierfür zu er- 

wartenden Änderung der Größe - zu geben, folgt hier eine Ta- 

belle, welche den Verlauf der Funktion i^(/J) für verschiedene 
Geschwindigkeiten q darstellt: 



q . 10-10 


ß 


•K« 


s/f. 


q . 10-10 


ß 


Hß) 


6/u 


3 


1 


00 


. 


1,5 


0,5 


1,493 


1,70 










1>2 


0,4 


1,430 


1,77 


2,96 


0,98 


3,74 


0,678 


0,9 


0,3 


1,384 


1,83 


2,88 


0,96 


3,14 


0,807 


0,75 


0,25 


1,368 


1,85 


2,7 


0,9 


2,42 


1,06 


0,6 


0,20 


1,365 


1,87 


2,4 


0,8 


1,95 


1.30 


0,45 


0,16 


1,347 


1,88 


2,1 


0,7 


1,727 


1,46 


0,3 


0,10 


1,339 


1,89 


1,8 


0,6 


1,586 


1,60 








1,333 


1,90 



Die - der letzten Kolumne sind unter der Annahme von 
- = 1,87 für q = 0,6 , lO^^ cm/sec. und - ^(/J) = const. be- 

rechnet 

Bisher untersucht sind Kathodenstrahlen im Bereich von 
q = 0,4 bis etwa 0,7. Wie aus der Tabelle ersichtlich, ist in 

diesem Intervall - nur um einen Betrag sich verändernd, welcher 

s 
als innerhalb der Beobachtungsfehler bei den --Bestimmungen 

li^end anzusehen ist Und in der Tat ist - auch als Konstante 

angesehen worden. Bei den im folgenden mitgeteilten Messungen 

habe ich mich bemüht, relative --Bestimmungen bis zu möglichst 

hohen Kathodenstrahlgeschwindigkeiten auszuführen. Dies ist mir 
aber nur in recht beschränktem Maße gelungen. Oberhalb q 
= 1,17, und des dabei beobachteten Entladungspotentials von 



244 Yerhdl. d. Deutschen Physik. Qesellsch. vom 26. Juni 1903. [Nr. 13. 

88000 Volt verloren die EnÜaduBgen ihren kontinuierlichen 
Charakter und wurden so unruhig, d^ß präzise Bestimmungen 
nicht mehr möglich waren. • 

3. Experimentelles. Zur Erzeugung der Kathodenstrahlen 
hohen Entladungspotentials wurde eine zwanzigplattige eingebaute 

Influenzmaschine von 0. Leuner verwendet - wurde durch 

Messung der elektrischen und magnetischen Ablenkung bestimmt 

Das Entladungsrohr (siehe Figur) war eine von Geissler in 

Bonn angefertigte Braun sehe Röhre, deren Glimmerschirm von 

8,5 cm Durchmesser zwei aufeinander senkrechte, an der Teil- 



I 



-^ 



i^^^ 




maschine hergestellte Millimeterteilungen besaß. Durch zwei 
Schliffe war der Eohrteil, welcher den Kondensator für die elek- 
trische Ablenkung enthielt, drehbar, so daß derselbe leicht so 
orientiert werden konnte, daß die Ablenkung längs einer der 
Skalen erfolgte. Das Diaphragma, aus einer durchbohrten dünn- 
wandigen Messingkapsel bestehend, welche in den Rohrteil, in dem 
die Entladung stattfand, gesteckt wurde, hatte eine Öffnung von 
1mm, bei einigen Messungen auch 0,5 mm Durchmesser. Ka- 
thodenstrahlen erzeugten durch dasselbe auf dem Schirm einen 
bei jeder Ablenkung scharfen Fleck. Die Rohrdimensionen waren 
folgende : 

Abstand Kathode-Diaphragma 30 cm 

„ Diaphragma-Schirm 42 „ 

f, Sohirm-zugewandtes Ende des Kondensators 37 „ 

Kondensatorlänge . 3 „ 

Kondensatorbreite ^fi n 

Abstand der Platten 0,8 „ 



Nr. 13.] H. Starke. 245 

Die aus der Figur ersichtliche Anordnung des Schliffs, welche 
ich bereits früher verwendet habe, bewährt sich selir gut Es ist 
dabei vermieden, daß Fett sich im Entladungsraum befindet oder 
von Kathodenstrahlen getroffen wird. Zur Erzielung konstanten 
Vakuums ist dies erforderlich. Die Spulen zur Erzeugung des 
Magnetfeldes waren die seinerzeit von Herrn S. Simon ^) be- 
nutzten und waren so angeordnet, daß die magnetische Ablenkung 
senkrecht zur elektrischen erfolgte. Beide Ablenkungen wurden 
unmittelbar hintereinander bestimmt, und zwar in ihrem doppelten 
Betrage durch Stromkommutieren bezw. Austauschen der Konden- 
satorplatten. Der eine Pol der spannungliefernden Akkumulatoren- 
batterie (zwei, manchmal vier Kästen ä 68 Zellen) war dabei 
ständig, von den Kondensatorplatten abwechselnd die eine oder 
die andere zur Erde geleitet Die Spannung jedes Kastens wurde 
gemessen, indem man sie mit Galvanometer und großem Wider- 
stand mit der Spannung einer Starkstromakkumulatorenbatterie 
verglich, welch letztere mit einem Siemens sehen Präzisionsvolt- 
meter ermittelt wurde. 

4. Methode der relativen Geschwindigkeits- und 

--Bestimmung. Ist l die Länge des Kondensators, D der 

Abstand des Schirmes von der ihm zugewendetpn Kondensator- 
seite, d Distanz, V die Potentialdifferenz der Kondensatorplatten, 
so ist die elektrische Ablenkung gegeben durch die Formel: 

Hierbei ist das elektrische Feld als homogen und nur zwischen 
den Platten befindlich angenommen. Ist dies nicht der Fall, so 
bleibt doch jedenfalls für alle Strahlgeschwindigkeiten die Ab- 
lenkung proportional der Größe — ^ • Daß sie auch für einen be- 

stimmten Strahl proportional der Potentialdifferenz V ist, vnirde 
für Ablenkungen bis an den Schirmrand durch den Versuch ge- 
prüft. Ist Ä eine Konstante, so kann man daher die elektrische 
Ablenkung gleich setzen: 



S. Simon, Wied. Ann. 69, 589, 1899. 



246 



Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 26. Juni 1903. [Nr. 13. 



y = ^-:rV.-^- 



s 

Die magnetische Ablenkung ^, welche durch Kontrollversuche 
auch als völlig proportional der magnetischen Feldstärke, d. h. 

dem Spulenstrom J gefunden wurde, ist proportional — Sie ist 
daher, wenn S eine andere Konstante bedeutet: 

z =B—J. 

Unmittelbar aufeinanderfolgende Bestimmung beider Ab- 
lenkungen ergibt daher die Quotienten: 

z _BJ 

y ~ ÄV'^ 

zi _ B[J^ e 

als Größen, welche bei konstant gehaltenem elektrischem und 
magnetischem Felde der Strahlgeschwindigkeit q, bezw. der Größe 

— proportional sind. 

Eine Änderung von - muß sich also in einer gleichprozen- 

tigen Änderung des Quotienten — kenntlich machen. 

5. Versuchsresultate. Die folgenden beiden Tabellen sind 
zwei aus einer größeren Reihe von Beobachtungsserien heraus- 
gegriffene. Die Beobachtungen sind angestellt, während fort- 
dauernd mit einer Kahlbaum sehen Pumpe langsam evakuiert 
wurde. Die Feststellung zweier zusammengehöriger Werte von y 
und erfolgte mittels bequemer Kontaktanordnungen so schnell, 
daß eine Änderung in den Entladungsverhältnissen inzwischen 
nicht eintrat. Die Messungen der letzten Horizontalreihe bei 
wieder niedrigem Entladungspotential sind zur Kontrolle aus- 
geführt, nachdem das Rohr von der Pumpe abgesperrt und durch 
längeres Hindurchfließen des kräftigen Entladungsstromes wieder 
der Druck im Rohr etwas gestiegen war. Die erste Vertikalreihe 

zeigt das beobachtete Entladungspotential, es folgen z und y, -, 



Nr. 13.] 



H. Starke. 



247 



z ist die magnetische Ablenkung bei einem Spulenstrom von 
3 Amp., y die elektrische Ablenkung bei 265 bezw. 279 Volt Po- 
tentialdifferenz. Die sechste Kolumne gibt die Werte für -, be- 

rechnet mit Hilfe von — unter Annahme des von S. Simon ce- 

y 

fundenen Wertes 1,87 für die Geschwindigkeit q = 0,6. 10^® cm 
(Entladungspotential etwa 9500 Volt). 

In der siebenten Vertikalreihe sind die Geschwindigkeitswerte 
angegeben, berechnet aus der Proportionalität mit dem Quotienten 

^ , indem für 9300 Volt (in Tabelle II 9500 Volt) Entladungs- 
potential q = 0,6.10^^ gesetzt wurde. Die letzten drei Vertikal- 
reihen zeigen den Vergleich der Resultate mit der AßRAHAMschen 
Theorie, erst die aus q berechneten Größen ß und ^(/5) und end- 
lich die Werte von - , wie sie sich unter Annahme der Beziehung 

-^(/J) = const = [-?('(/3)l = 1,87. 1,355 = 0,253 ergeben 
(vgl Tabelle auf S. 243). 

I. {J=S Amp., V= 265 Volt.) 



Beob. 
tladepot. 
Volt 


e 


y 


y 


z^ 

y 


-10-7 


2.10-10 


ß 


H?) 


JlO^eV 


« 1 


















5800 


34 


35,5 


0,96 


32,6 


1,91 


0,48 


0,16 


1,349 


1,88 


6500 


32 


32 


1 


32,0 


1,87 


0,50 


0,17 : 1,350 


1,88 


9800 


26,5 


22 


1,20 


32,0 


1,87 


0,60 


0,20 


1,355 


1,87 


10000 


25,5 


20 


1,276 


32,5 


1,90 


0,63 


0,21 


1,358 


1,87 


15000 


20,6 


13* 


1,58 


32,4 


1,89 


0,79 


0,26 


1,368 


1,85 


17000 


19,5* 


12* 


1,63 


31,8 


1,86 


0,81 


0,27 


1,874 


1,84 


26 600 


16* 


8,25* 


1,94 


31,2 


1,82 


0,97 


0,32 


1,393 


1,82 


36000 


13,5* 


6,0* 


2,25 


30,4 


1,78 


1,12 


0,37 


1,416 


1,79 


6000 


34 


„ 


0,95 


32,0 


1,87 


0,47 


0,16 


1,349 


1,88 



* Siehe Anmerkung auf folgender Seite. 



248 Verhdl. d. Deatoohen Physik. GeseUsch. vom 26. Juni 1908. [Nr. 13. 



11. (J=3Amp. F= 279 Volt) 



^ 
















• 




Beob. 

Entlade; 

Volt. 


z 


y 


z 
V 


z^ 

y 


ll0-7 
u 


5.10-10 


ß 


Hß) 


^^»-. 


7 400 


33 


31,5 


1,05 


34,5 


1,85 


0,52 


0,17 


1,350 


1,88 


8 300 


31 


27,5 


1,13 


35,0 


1,88 


0,56 


0,19 


1,354 


1,87 


9 500 


29 


24 


1,21 


34,9 


1,87 


0,60 


0,20 


1,855 


1,87 


12 000 


26 


19.3 


1,85 


35,0 


1,88 


0,67 


0,22 


1,360 


1,86 


21000 


19,5 


11,2* 


1,74 


34,0 


1,82 


0,86 


0,29 


1,880 


1,83 


24 000 


18,6* 


10,2* 


1,81 


33,6 


1,80 


0,90 


0,30 


1,384 


1,83 


30000 


16,2* 


8,0* 


2,02 


82,9 


1,76 


1,00 


0,33 


1,400 


1,81 


36000 


14,5* 


6,5* 


2,23 


32,5 


li74 


1,10 


0,37 


1,416 


1,79 


38000 


14,0* 


6,0* 


2,33 


82,8 


1,75 


1,15 


0,38 


1,421 


1,78 


8400 


31 


27,5 


1,13 


35,0 


1.88 


0,56 


0,19 


1,854 


1,87 



Die mit * bezeichneten y Bind aus der mit doppelter Spannung be- 
obachteten doppelten Ablenkung durch Division mit 2 erhalten; ebenso die 
mit * bezeichneten z aus angenähert doppelten mit größerem Spulenstrom 
beobachteten Ablenkungen durch Reduktion auf den Spulenstrom 3 Amp. 
Die durchweg etwas größeren magnetischen Ablenkungen in Tabelle 11 
trotz gleichen Spulenstroms erklären sich durch etwas andere Lage der 
Spulen. 



Die Tabellen zeigen, daß in dem bisher untersuchten Inter- 
vall bis etwa 15000 Volt Entladungspotential - keine beobacht- 
bare Änderung aufweist. Bei dem höchsten Entladungspotential, 
bei welchem noch gute Beobachtungen möglich waren, ist - da- 

gegen bereits um etwa 5 Proz. kleiner. Es ist dies eine 
Änderung, welche der AßRAHAMschen Formel und der An- 
nahme rein elektrodynamischer Masse der Elektronen 
entspricht. 

6. Fehlergröße. Die Genauigkeit der Resultate läßt sich, 
da jede Ablenkung sehr oft gemessen und der Mittelwert ge- 
nommen wurde, nicht recht angeben. Die Ablesungsgenauig- 
keit betrug bei beiden Ablenkungsarten etwa Vi Skalenteil; 



Nr. 13.] H. Starke. 249 

bei einer Ablenkung von 25 mm also 1 Proz. Das Quadrat der 

Ablenkung ist daher auf 2 Proz. bestimmt; im Quotienten — ist 

daher bei 25 mm ungefährer Größe der Ablenkungen durch Ab- 
lesefehler im ungünstigsten Fall 3 Proz. Fehler möglich. Durch 
Multiplikation der Beobachtungen wird dieser Fehler viel geringer. 
Ungleichartigkeiten im Fluoreszenzschirm, z. B. verschiedene Dicke 
des aufgetragenen wolframsauren Kalkes, machen an einigen Stellen 
die Ablesung um ein unbedeutendes ungenauer. Bei hohen Ver- 
dünnungen tritt leicht ein geringes Hinundherwand'ern des Fleckes 
ein, welches bis zu einem halben Skalenteil betragen kann. Es ist 
dies durch Ungleichartigkeiten in der Entladung verursacht. In 
solchen Fällen gemachte Ablesungen wurden nie zur Berechnung 
benutzt, sondern nur ganz einwandfreie, bei welchen der Fluore- 
szenzfleck absolut still stand. Wenn ich den Fehler in der rela- 

tiven —-Bestimmung auf 2 Proz. veranschlage, so ist dies eher 

zu hoch als zu tief gegrifFen. Die Zahlen der Tabellen zeigen 
auch etwa diese Ungenauigkeit. 



Von allergrößtem Interesse wäre es, die Untersuchung auf 
höhere Entladungspotentiale auszudehnen. Trotz vieler Bemühungen 
mit verschieden geformten Entladungsröhren (Kathoden, Elektroden- 
distanzen und Rohrweiten verschiedenster Größe) ist es mir in- 
dessen nicht gelungen, bei höheren Potentialen als den angegebenen 
kontinuierliche Entladungen zu erhalten. Bei etwa 40000 Volt 
fing unter allen Verhältnissen die Entladung zu flimmern an. 
Dies erfolgt schon viel eher, falls nicht sorgfältig Spitzen- 
ausströmungen aus der Spannungsleitung, am besten durch Um- 
geben derselben mit Glasrohr oder Gummischlauch, vermieden 
werden. 

Diskontinuierliche Entladungen sind für Messungen nicht 
brauchbar, weil wegen des oszillatorischen Charakters derselben 
keine Erdleitung ihren Zweck, den geerdeten Leiter auf Potential 
Null zu halten, erfüllt; selbst wenn die Erdleitung aus breitem 
Kupferband, welches an die Wasserleitung gelegt ist, besteht 
kann man doch aus ihr kleine Fünkchen ziehen. Da die für 



250 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 26. Juni 1903. [Nr. 13. 

elektrostatische Ablenkung benutzten Spannungen nur 200 bis 
300 Volt betragen, so ist ersichtlich, wie derartige Ladungen 
störend wirken müssen. Wegen eben dieser Störungen ist es mir 
auch nicht gelungen, Induktor- oder Teslaentladungen mit Erfolg 
für die Versuche anzuwenden, mit deren Hilfe man ja leicht zu 
sehr hohen Entladungspotentialen gelangen kann. 

Berlin, Physikalisches Institut der Universität. 



251 



Bemerkungen zu den Vorschlägen des vdssenschaft- 

liehen Ausschusses der JDeutschen Physikalischen 

Gesellschaft filr einheitliche Bezeichnungen; 

von F. Neesen. 

(Yorgetragen in der Sitzung vom 26. Juni 1903.) 
(Vgl. oben S. 234.) 



Etwa vor einem Jahre konnte ich der Gesellschaft Vorschläge 
mitteilen, welche von einer Kommission des Elektrotechnischen 
Vereins für einheitliche Bezeichnungen gemacht wurden i). In- 
zwischen sind nun auch die auf der Naturforscherversammlung in 
Karlsbad von unserem wissenschaftlichen Ausschusse empfohlenen 
Benennungen und Leitsätze erschienen, so daß diese wichtige Frage 
einigermaßen in Fluß gekommen ist. 

Auf die von elektrotechnischer Seite gemachten Anregungen ist 
eine große Zahl von Äußerungen eingegangen, deren Zusammen- 
stellung sich in Bearbeitung befindet. Fast durchweg erklären 
sich diese (herrührend von Einzelpersonen und Korporationen) 
einstimmig mit dem Bestreben, die Bezeichnungen zu regeln, 
einverstanden, so daß trotz der vielen Abweichungen in. Einzel- 
heiten die Hoffnung Berechtigung hat, daß ein positives Resultat 
erzielt wird. 

Ich halte es für sehr zweckmäßig, daß zunächst von ver- 
schiedenen Seiten getrennt die Frage angefaßt wird und bestimmte 
Vorschläge gemacht sind. Später, wenn erst eine Klärung der 
Ansichten unter den engeren Fachgenossen eingetreten ist, wird 
es allerdings nach meiner Auffassung nicht allein zweckmäßig, 
sondern sogar notwendig sein, in gemeinsamer Beratung alle ver- 
wandten Kreise zu vereinen. 

Die beiden vorliegenden neueren Vorschläge stimmen in 
vielen Einzelheiten überein; allerdings scheint ein prinzipieller 
Gegensatz darin zu bestehen, daß die Vorschläge des elektrotech- 
nischen Ausschusses von bestimmten Grundgedanken ausgehen. 



») Diese Verhandl. 5, 68, 1903. 



252 Verhdl. d. Deutschen Physik. GeselUch. vom 26. Juni 1903. [Nr. 13. 

während in den Erläuterungen zu den Karlsbader Vorschlägen 
systematische Festsetzungen abgelehnt werden. Indessen dürfte 
dieser Punkt keine großen Schwierigkeiten bei Erzielung einer 
Verständigung ergeben, da von elektrotechnischer Seite wohl 
kaum auf einer strikten Durchführung der systematischen Be- 
nennung bestanden wird und andererseits zugegeben werden kann, 
daß die Aufstellung bestimmter Gesichtspunkte, nach denen in 
der Hauptsache verfahren werden soll, nur Nutzen gewähren kann. 
Es findet sich im Leitsatz Nr. 10 der Karlsbader Vorschläge selbst 
ein solcher allgemeiner Gesichtspunkt 

Bei den Abwägungen der Gründe für und wider eine Be- 
zeichnung macht vor allem Schwierigkeit die Feststellung dessen, 
wofür der bisherige Gebrauch spricht. Es ist ja ein durchaus 
berechtigter Standpunkt, an dem, was im langjährigen Gebrauch 
geheiligt ist, nicht zu rütteln, und so wird auch in der Mehrzahl 
der Äußerungen zu elektrotechnischen Vorschlägen gefordert, daß 
die bisher in der Technik gebräuchlichen Bezeichnungen unter allen 
Umständen beibehalten werden müssen. Da ist nun eine Zu- 
sammenstellung sehr lehrreich, welche vom Verein Deutscher In- 
genieure veranlaßt ist Für etwa 200 Größen sind die in den 
gebräuchlichsten Lehrbüchern der technischen Mechanik benutzten 
Bezeichnungen aufgesucht Bei etwa sechs, wie Wirkungsgrad, 
Erdbeschleunigung, Geschwindigkeit, ergab sich Übereinstimmung, 
bei deii übrigen, darunter die Begriffe Kraft und Arbeit, herrscht 
die größte Mannigfaltigkeit. Wie soll nun hier entschieden werden, 
was althergebrachter Gebrauch ist! 

Ich darf vielleicht noch aus den erwähnten Äußerungen 
hervorheben, daß sich darin ziemlich häufig eine merkwürdige 
Abneigung gegen den Gebrauch unserer deutschen Buchstaben 
ausspricht, und zwar mit der Begründung, daß die Benutzung 
derselben eine internationale Verständigung ausschließe. Diesen 
Grund halte ich nicht für stichhaltig. Denn schon jetzt ver- 
wenden ausländische Autoren, z, B. Duhem, deutsche Zeichen. 
Die Kenntnis derselben können wir doch mindestens mit dem- 
selben Recht voi-aussetzen, wie die der griechischen Buchstaben, 
namentlich in Anbetracht der Bestrebungen, das Griechische mehr 
und mehr aus dem Unterrichte zu entfernen. 

Weitere Einwendungen, für welche internationale Erwägungen 



Nr. 18.] F. Neesen. 253 

maßgebend sind, beziehen sich auf die Beibehaltung yod w für 
Widerstand. Hiermit komme ich auch auf Einzelheiten der 
Karlsbader Beschlüsse. Bekanntlich wird meistens in ausländi- 
schen Veröffentlichungen hierfür r gesetzt. Ich habe den Ein- 
druck, als wenn man in Bezug auf diesen Punkt schließlich nach- 
geben könnte, um eine allgemeinere Regelung zu ermöglichen. 
doch halte ich es zunächst für besser, an unserem w festzuhalten. 
Anders für die Bezeichnung der Fläche und Geschwindigkeit, 
für welche die Vorschläge / resp. w, q allerdings erst in Liste II 
setzen. 

Nimmt man für Fläche, entsprechend einem in der Technik 
und im Auslande meist gepflogenen Gebrauch, das Zeichen S, so 
wird das Zeichen / wieder frei für Kraft, was ich dem Gebrauch 
von F vorziehen möchte, da für die Kraft auf die Flächeneinheit 
auch ein kleiner Buchstabe {p) gewählt ist und weiter die Kraft 
meistens mit Größen in Verbindung gebracht wird, die mit kleinen 
Buchstaben bezeichnet werden. 

Der Buchstabe v ist von Alters her für Geschwindigkeit benutzt, 
nach Liste I soll er für Volumen gelten; indessen kann V hierfür 
ebensogut gesetzt werden. 

Ich vermisse in den Karlsbader Beschlüssen eine Wahl für 
die Fundamentalgröße, Beschleunigung; soweit ich übersehe, wird 
dafür meistens c gesetzt 

Nicht glücklich erscheint mir die Festlegung des Wortes 
Schwingungszahl nach Nr. 18. Bisher wurde wohl allgemein unter 
Schwingungszahl die Zahl der Schwingungen in einer Sekunde 
und nicht in 2 ä Sekunden verstanden. Ich glaube nicht, daß man 
sich im Gegensatz hierzu daran gewöhnen wird, die Schwingungs- 
zahl eines Tones, bei welchem der Ton 100 Schwingungen in der 
Sekunde macht, mit einer inkommensurablen Größe 15,92 zu be- 
zeichnen. Was nach Nr. 18 bezeichnet werden soll, würde zweck- 
mäßiger Periodenzahl genannt werden. 

In Bezug auf den Begriff Temperatur scheinen die Karlsbader 
Vorschläge der Festsetzung eines Zeichens für die gewöhnliche 
Temperatur aus dem Wege gegangen zu sein wegen der Kollision 
mit dem Zeitzeichen. Der letztere Umstand spricht meines Er- 
achtens sehr für Annahme der viel in englischen Werken benutzten 
Benennungen d* und 6, wenn man nicht daran denkt, überhaupt 



254 Verhdl. d. Deutschen Physik. Geßellsoh. vom 26. Juni 1903. [Nr. 13. 

allgemein an Stelle der gewöhnlichen Celsius -Skala die absolute 
einzuführen. 

Von den im Abschnitt III gegebenen Leitsätzen befdaure ich 
den dritten. Es ist ja ein alter Streit um das Wort Gewicht. 
Die Entscheidung zu Gunsten: „Gewicht als Kraft" wird wohl mit 
Rücksicht auf den Gebrauch in der Technik gefallen sein. Der 
Technik gegenüber stehen aber andere, für den Physiker ebenso 
wichtige und umfassendere Gebiete. Da ist vor allem die Chemie 
und das tägliche Leben. Bekanntlich steht auch die gesetzliche 
Bestimmung in unserem Maß- und Gewichtsgesetz dieser Benutzung 
des Wortes Gewicht entgegen. Wir müßten also erwarten, daß, 
um die jetzt vorkommenden Konfusionen aufhören zu lassen, der 
Chemiker nicht mehr von Gewichten spricht und Gewichtsmengen 
ermittelt, da ebenso das tägliche Leben beim Tausch von Waren nur 
nach Massen rechnet, nicht nach Gewichten, schließlich die ge* 
setzlichen Bestimmungen geändert werden. Ich glaube nicht, daß 
dieses zu erreichen ist, wenigstens nicht, solange wir das Instru- 
ment zur Bestimmung der Masse Wage nennen. Was mit der 
Wage bestimmt wird, wird man auch fernerhin Gewicht nennen. 

Sehr lehrreich ist für mich in Bezug auf diesen Punkt eine 
wiederholte Erfahrung, die ich bei praktischen Übungen über das 
Trägheitsmoment gemacht habe. Auf Grund der Festsetzung: 
Masse ist Gewicht durch Erdbeschleunigung wurden bei Ermitte- 
lung des Trägheitsmomentes fast durchweg die mit der Wage er- 
mittelten Massen erst mit g dividiert in Rechnung gestellt. 

Mir scheint es das beste, das Wort Gewicht überhaupt nicht 
in physikalischen Veröffentlichungen zu gebrauchen. Wir haben 
doch für das, was nach Satz 3 bezeichnet werden soll, ein voll- 
kommen erschöpfendes Wort in „Schwere". Mit dieser Bezeich- 
nung vermeidet man wenigstens einen Widerspruch mit einem 
nicht auszumerzenden Gebrauche. 



Verlag von Friedr. Vieweg & Sohn in Braunschweig. 



Neu erschienen: 



Vorlesungen 



über 



Experimentalphysik 



August Kundt, 

weiland Professor an der Univerj<ität Berlin, 
herausgegeben von 

Karl Scheel. 

Mit dem Bildnis Kundts, 534 Abbildungen und einer farbigen 

Spei^traltafel. 

gr. 8. Preis geh. 16 M., geb. 17 M. 



Die Vorlesungen Kundts verdanken ihre Veröffentlichung dem viel- 
fach ausgesprochenen Wunsche früherer Schüler des großen Experimen- 
tators , die Vorlesungen nicht der Vergessenheit anheimfallen zu lassen. 

Der Umstand, daß das Manuskript ein einheitliches Ganzes darbot, 
mußte jeden Versuch zurückweisen, durch Einfügung neuer Kapitel 
die Fortschritte der Wissenschaft im letzten Jahrzent zu berücksichtigen 
und dadurch die Vorlesungen zu einem Lehrbuch der Physik auszu- 
gestalten, um so mehr, als dieselben hierdurch sehr an ihrer Originalität 
eingebüßt haben würden. 

Kundts Vorlesungen geben ein Bild des klassischen Bestandteils 
der physikalischen Wissenschaft und sind vermöge der überaus anschau- 
lichen tmd leicht verständlichen Sprache so recht geeignet, nicht nur 
dem Studierenden der Physik als Leitfaden neben den gehörten 
Vorlesungen zu dienen, sondern auch dem Schüler die Einführung 
in die physikalischen Erscheinungen zu erleichtem. Vor allem wird 
aber auch derjenige, welcher mit den Lehren der Physik vollkommen 
vertraut ist, sich der eleganten und originellen Darstellung der ihm 
bekannten Tatsachen stets aufs neue freuen. 



Zn beliehen durch alle Bnchhandltingen. 



€Xeybol(l'$ nacMolger 

Cöln a. Rbein 

jVIechanidche und optldche Werkstätten. 






Rene Scbn^ungmascMne mit Electromolor 




zum Hnschluss an eine Starkstromleitung. 

Mit dem Hpparat lassen ei* sHmtUd^c Versuche bequem 
anstdlen. Die Hbbildutig zeigt die Cetitrifygalmasd>in< in 
Verbindung mit dem Hpparat nad) 8lotte zur Bestimmung 
des med^antsd^en ^ärmeäqulvalentes« 

Preisliste über Neue Hpparate und Versuche auf Verlangen. 



1903 Heft 14 

i 



Berichte 

der 

DentscheB Physikalls«]«« Clesellsehaft 

enthaltend 

YerhandlHngen 

der Deutschen Physikalischen Gesellschaft 
im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

Karl Seheel 

nnd 

Halbmonntliehes Liter atttryerzeichnis 

der „Fortschritte der Physik", dargestellt von der 
Deutschen Physikalischen Gesellschaft 

redigiert von 

Karl Seheel Richard Assmann 

Beine Physik Koimische Physik 







Braunsehweig 




Druek 


und 


Verlag von Friedrich Vieweg 
1903 


und Sohn 



MonnUUck zwei Nummern. — Äbonnementspreis pro Jahrgang S Mark. — Zu beziehen 
durch äüe BuchhcmdLungen und FostanstaUen (Postzeitungsliste Nr. 1042 a) 



Inhalt. 

Seit« 

L Yerhaadltmgen der Deutschen FliysikaliBohen Gesellflohaft. 

A. Wehnelt, Über Eathodenstrablen an glühenden Kathoden. 

(Vorläufige Mitteilung.) 255 

A. Wehnelt, Über eine Röntgenröhre mit yeränderlichem Härte- 
grad 259 

2. HalbmonatliolieB IdteratnrvenelohniB der Fortschritte der 
Physik. 

I. Allgemeine Physik 225 

n. Akuatik 227 

in. Physikalische Chemie 228 

lY. Elektrizität und Magnetismus 231 

Y. Optik des gesamten Spektrums 234 

VI. Wärme 287 

Vn. Kosmische Physik 239 

A^nkündiffung. 



Den Abonnenten der „Fortacbritte der Physik" können wir die erjreu- 
Uche Mitteilung' machen, da/s nach langen Vorbereitungen im Anscklu/s an 
das im Jahre i8^ im Verlage von Georg Reimer in Berlin erschienene 
Oenen!' Register mu den „Fortschritten der Physik**, Band XXI (i86s) 
bis XLIII (i8^)t das in Anlage und Ausführung übereinstimmend mit 
diesem Registerbande bearbeitete 

Namen "Register nebst Sach^Ergänzuttgsregister zu den 
„Fortschritten der Physik", Band XLIV (i888) bis Uli 
(i8g7)y unter Mitwirkung von Dr. E, Schwalbe bearbeitet 
von JDr, 6r. Schwalbe, 

sur Ausgabe gelangt ist. 

Nach einer Einleitung^ welche dasu dient, den Gebrauch des Werkes 
SU erleichtem, wird eine Übersicht über den Umfang der Bände, sowie über 
die Redakteure und Referenten , welche während der Jahre t88S bis iSpy 
tätig waren, gegeben. Der Hauptteil selbst verfällt in swei Teile: Das 
Namenregister, in welchem sämtliche in den sehn Jahrgängen der „Fort- 
schritte** erwähnten nicht anonymen Titel in alphabetischer Reihenfolge der 
Autorennamen sich vorfinden, und das Saclt'Brgäazuttgsregiater, in wel- 
chem die anonymen Titel in sachlicher Weise geordnet sind. Wie aus der Ein- 
leitung sich ergibt^ ist durch umfassende Vergleiche für die Richtigkeit der 
einseinen Titel nach Möglichkeit gesorgt worden. Ebenso ist dem Bedürfnis 
nach Vollständigkeit in weitestem Mafse Rechnung getragen. 

Für alle, welche auf den Gebrauch der „Fortschritte'* in ihren wissen- 
schaftlichen Untersuchungen angewiesen sind, dürfte das vorliegende Re- 
gister au einem wichtigen, wenn nicht unentbehrlichen Nachschlagewerk 
werden. Auch für Bibliotheken, welche die „Fortaciiritte der Pliysik** 
halten, erscheint dasselbe als notwendige Ergänaung su denselben. 

Der Preis des stattlichen Bandes beträgt M. öo. — , worauf den Mit- 
gliedem der Deutschen Physikalischen Gesellschaft die bekannte Ermdfsigung 
gewährt wird. 

Die Veriagsbuchtiandlung Friedr. Vieweg & Solta 
in Braunsciiweig, 



Verhandlungen 



der 



Deutschen Physikalischen Gesellschaft 



Im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Sckeel 

& Jalurg. 80. JnU 1908. Nr« 14. 

über Kathodenstrahlen an glühenden Kathoden; 
von A. Wehnelt 

(Vorläufige Mitteilung.) 



Gelegentlich von Untersuchungen über das Leuchten sehr 
heißer Gase hatte Herr Professor E. Wiedemann gefunden, daß 
Ton hellglühenden Kathoden bei sehr kleinen Potential- 
differenzen helle blaue Kathodenstrahlen ausgehen, so 
daß also sehr heiße Gase eine Lichtemission besitzen. 

Diese eigenartigen Kathodenstrahlen traten meist nur an 
einem, selten an zwei oder mehr Punkten eines hellglühenden 
Platin- oder Platiniridiumdrahtes als ganz feiner, dünner, scharf 
begrenzter Strahl auf, der auf Strecken von mehreren Zenti- 
metern Länge zu sehen war und bei tiefen Drucken dort, wo 
er die Glaswand traf, helle Fluoreszenz erregte. Die Ausgangs- 
stelle der Strahlen schien in nichts von der übrigen Oberfläche 
des Drahtes verschieden zu sein. Je tiefer der Druck, desto 
glänzender waren die Strahlen; sie erwiesen sich als magnetisch 
leicht ablenkbar; ihre Geschwindigkeit konnte daher nicht sehr 
groß sein. Das Eigentümlichste an ihnen war, daß sie trotz 
eines sehr niedrigen Kathodenfalls eine sehr große Helligkeit 
besaßen. 



256 Verhdl. d. Deutsohen Physik. GesellBoh. vom 26. Joni 1908. [Nr. 14. 

Einer eingehenderen Untersuchung schienen diese Strahlen 
leider nicht zugänglich, da sie nicht an jedem Platindraht auf- 
traten und auch dann nach kurzer Zeit wieder verschwanden. 

Ich habe nun die Bedingungen für das Auftreten dieser 
Strahlen untersucht und gefunden, daß sie sich unter geeigneten 
Yersuchsbedingungen stets wieder gewinnen lassen. 

Während bisher nur unter Anwendung hoher Potential- 
differenzen der Messung zugängliche sichtbare Kathodenstrahlen 
erzeugt werden konnten, sich die Messung der Geschwindigkeit, 
des Verhältnisses Ton Ladung der Masse und der Energie also 
nur auf Strahlen von relativ großen Geschwindigkeiten erstreckte, 
so boten die Strahlen an hellglühenden Kathoden eine Gelegenheit, 
unsere Kenntnis der eben angegebenen Größen bis zu sehr kleinen 
Kathodenstrahlgeschwindigkeiten zu erweitem. 

Ich habe nun Messungen der Geschwindigkeit und des Ver- 
hältnisses von Ladung zur Masse für die neuen KsLthoden- 
strahlen angestellt und gebe hier kurz die bisher erhaltenen 
Resultate: 

1. Die magnetische Ablenkbarkeit der Strahlen wächst 

a) bei konstanter Temperatur der Kathode mit steigendem 
Druck; 

b) bei konstantem Druck mit steigender Temperatur der 
Kathode. 

2. Die Kathodenstrahlen treten auf bei Rotglut und hören 
bei Weißglut auf, als scharf begrenztes Bündel zu existieren. 

3. Mit Zunahme der Temperatur sinkt der Kathodenfall von 
einigen hundert Volt bis auf einige Volt herab. (Bei nur 5 Volt 
Kathodenfall ist noch ein ziemlich scharf begrenztes kurzes 
Strahlenbündel sichtbar.) 

4. Das Verhältnis von Ladung zur Masse, bestimmt aus 
Messungen des Kathodenfalles und der magnetischen Ablenkbar- 
keit, ist von derselben Größenordnung, wie bei den durch hohe 
Potentiale erzeugten Kathodenstrahlen. Die Geschwindigkeiten 
sind, wie zu erwarten war, sehr klein. 

Folgende Tabelle gibt für nahezu konstanten Druck die 
für verschiedene Potentialdifferenzen (F = Kathodenfall) ge- 



Nr. 14.] A. Wehnelt. 257 

messenen Geschwindigkeiten (v) und das Verhältnis von Ladung 
zur Masse (-): 



Druck 

in mm 

Hg 


KathodenfaU 
(V) in Volt 


Geschwindig- 
keit 
(v) in ocm 


Lt 

1 


Bemerkungen 
über die Temperatur 


0,028 


8,5 


0,016.10»« 


1,4.10' 


Helle Weißglut 


0,022 


30,0 


0,020 


1,34 


V 


0,023 


85,0 


0,066 


1,81 1 




0.027 


161,0 


0,068 


1,37 i 


Temperatur langsam 


0,025 


171,0 


0,070 


1,42 


abnehmend bis zur 


0,020 


192,0 


0,075 


1.45 i 


Rotglut 


0,022 


242,0 


0,082 


1,37 




0,020 


842,0 


0,107 


1,67 





Die Werte von — liegen zwischen dem Werte von S. Simon i) 

{— = 1,865. 107^ und denen von Lenard «) f— = 1,16. loA. Die 

Werte sind nur als vorläufige, erhalten aus wenigen orientierenden 
Messungen, zu betrachten. 

Während Ph. Lenard s) bei Strahlen, deren Geschwindigkeit 
noch höher gewesen ist, als die der obigen, keine Phosphoreszenz 
und eine ziemlich starke Diffusion beobachtete, ist hier die erstere 
sehr groß, die letztere klein. Es beruht dies wohl darauf, daß 
die Intensität der Strahlen, gemessen durch die pro Sekunde durch 
den Querschnitt bewegte Elektrizitätsmenge, bei meinen Versuchen 
viel größer ist 

Das Auftreten der Strahlen bei den hohen Temperaturen er- 
klärt sich vielleicht aus den von 0. W. Richardson *) entwickelten 



») S. Simon, Wied. Ann. 69, 589, 1899. 
«) Ph. Lbnard, Ann. d. Phys. (4) 2, 368, 1900. 
») 1. 0. 

*) 0. W. RiCHAEDsoN, Cambridge Proc. (2) 11, 286-295, 1902 (Referat 
Beibl. 26, 801, 1902). 



258 Verhdl. d. DeuUchen Physik. Gesellsöh. vom 26. Juni 1908. [Nr. 14. 

Anschauungen zusammen mit der Tatsache, daß die von der 
glühenden Kathode selbst ausgehenden ultravioletten Strahlen die 
Erscheinung bedingen. Der sehr kleine Kathodenfall beruht wohl 
auf der Ionisierung durch die Kathodenstrahlen selbst 

Mit der weiteren Untersuchung der neuen Strahlen bin ich 
beschäftigt und werde später darüber eingehender berichten. 

Erlangen, Physik. Institut der Univ., Juli 1903. 



25Ö 



tJber eine Röntgenröhre 

mit veränderUchem Härtegrad^); 

von A. Wehnelt. 



Den Härtegrad einer Röntgenröhre beurteilt man gewöhnlich 
nach der Größe des Entladungspotentiales , wobei man dasselbe 
in Ermangelung absoluter Werte durch die Funkenlänge zwischen 
einer Spitze als positivem und einer Platte als negativem Pol 
ausdrückt. 

In einer früheren Arbeit*) habe ich gezeigt, daß das Ent- 
ladungspotential eines Entladungsrohres nicht nur vom Drucke 
und dem Abstände der Elektrode, sondern auch in hohem Maße 
von der Lage der Kathode in bezug auf die Glaswände des Rohres 
abhängt 

Befindet sich z. B. eine Kathode K (Fig. 1 a) das eine Mal 
frei in einem kugelförmigen Entladungsrohr, das andere Mal 
unter sonst gleichen Bedingungen ^ia, i. 

in einem sie eng umschließenden ^ — ^^ /^""^ 

Glasrohr B (Fig. 1 b), so ist im ^ A \a k/^ \ ^ 

zweiten Falle das Entladungs- "^ y \J~ y 

Potential wesentlich höher. a b 

Ordnet man das Glasrohr ^ 

mechanisch verschiebbar an, so Fig. 2. /^'""^<!^ 

ist man imstande, das Entladungs- 

Potential einer solchen Röhre ohne K Qc^-:^- 
Änderung des Vakuums innerhalb 
weiter Grenzen zu verändern. 

Diese Tatsache hat auf meine Anregung Herr Ingenieur 
E. Berger für die Regulierung des Härtegrades von Röntgen- 
röhren verwendet. 

Fig. 2 zeigt das von ihm konstruierte Röntgenröhre). Das- 
selbe xmterscheidet sich von den bekannten Röhren durch die 



^-AK 



^) Auszug aus einer demnächst erscheinenden ausführlichen Mitteilung. 
•) A. Wbhnblt, Wied. Ann. 65, 520 u. 535, 1898. 
•) Das Rohr wird von der Firma Rbinigeb, Gbbbeet u. Schall, Er- 
langen, in den Handel gebracht. 



260 Verhdl. d. Deutechen Physik. Gesellsoh. vom 26. Jani 1903. [Nr. 14. 

Anbringung eines über die Kathode schiebbaren Rohres R. Der 
Durchmesser von R ist nur wenig größer als der der Kathode. 
Nach hinten läuft dasselbe in ein engeres Rohr 8 aus, welches 
auf dem den Kathodenstiel umhüllenden Glasrohr gleitet 

Durch Neigen des Rohres und sanftes Klopfen an dem Kathoden- 
hals läßt sich das Rohr R vor- und rückwärts bewegen, so daß 
die Kathode entweder ganz frei oder mehr oder weniger vom 
Rohr bedeckt ist. 

Die zum Betriebe des Rohres notwendige Funkenlänge kann 
mit Hilfe dieser einfachen Vorrichtung je nach dem Evakuations- 
grade um das doppelte bis achtfache geändert werden. Ein und 
dasselbe Rohr kann daher ohne Änderung des Vakuums zur 
Durchleuchtung dünner wie auch dicker Körperteile verwendet 
werden. 

Erlangen, Physik. Institut, Juli 1903. 



Verlag von Friedr. Vieweg & Sohn in Braunschweig. 



Nea ersohienen: 

Vorlesungen 



über 



Experimentalphysik 

von 

Augrust Kundt, 

weiland Professor an der Universität Berlin, 
herausgegeben von 

Karl Scheel. 



Mit dem Bildnis Kundts, 534 Abbildungen und einer farbigen 

Spektraüafel. 

gr. 8. Preis geh. 16 M., geb. 17 M. 



Die Vorlesungen Kundts verdanken ihre Veröffentlichung dem viel- 
fach ausgesprochenen Wunsche früherer Schüler des großen Experimen- 
tators, die Vorlesungen nicht der Vergessenheit anheimfallen zu lassen. 

Der Umstand, daß das Manuskript ein einheitliches Ganzes darhot, 
mußte jeden Versuch zurückweisen, durch Einfügung neuer Kapitel 
die Fortschritte der "Wissenschaft im letzten Jahrzent zu berücksichtigen 
und dadurch die Vorlesungen zu einem Lehrbuch der Physik auszu- 
gestalten, um so mehr, als dieselben hierdurch sehr an ihrer Originalität 
eingebüßt haben würden. 

Kundts Vorlesungen geben ein Bild des klassischen Bestandteils 
der physikalischen Wissenschaft und sind vermöge der überaus anschau- 
lichen und leicht verständlichen Sprache so recht geeignet, nicht nur 
dem Studierenden der Physik als Leitfaden neben den gehörten 
Vorlesungen zu dienen, sondern auch dem Schüler die Einführung 
in die phy«i Italischen Erscheinungen zu erleichtern. Vor allem wird 
aber auch derjenige, welclier mit den Lehren der Physik vollkommen 
vertraut ist, sich der eleganten und originellen Darstellung der ilnn 
bekannten Tatsachen stets aufs neue freuen. 



Zn beziehen durch alle Bachhandlangen. 



€Xeybol(l $ ßacbfolaer 

Cöln a. Rhein 

jMechaniscbc und optische Werkstätten* 

neue $cbwtitidiiia$cl)lii^ mit ElectroiMor 




zum Hnschluss an eine Starkstromleitung« 



Mtt dem Hpparat bsecn steh eämtHcbc Tcreud^e bequem 
anetellen* Die Hbbildung zeigt die Ceiitrifugalma6d){n< in 
Verbindung mit dem Hpparat nadi 81otte zur Bestimmung 
des mechanischen ^ärmeäquivatentes* 

i«VF99999^^|ipWV^WIV^ 

Preisliste über ]^eue Hpparate und Versuche auf Verlaiigtn« 



1903 Heft 15 

< 11 I I >■■■■■ I. II« ■ III I • , 

Berichte 

der 

Deutschen Pbysikaliscben CJesellschaft 

enthaltend 

Yerhandlungen 

der Deutschen Physikalischen Gesellschaft 
im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Scheel 

und 

Halbmonatliches Literatiirverzeichiiis 

der „Fortschritte der Physik", dargestellt von der 
Deutschen Physikalischen Gesellschaft 

redigiert von 

Karl Scheel Richard Assmaiin 

Keine Physik Kosmische Physik 



Braunschweig 

Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn 

1903 



ManatUch zwei Nummern. — Ähonnementspreis pro Jahrgavg 8 Mark, — Zu beziehen 
durch äüe Buckhandlungen und PostanstaUen (Postzeitungsliste Xr, 1042 a) 



Inhalt. 

S«ito 

Verhandlungren der Deutsolien Physikaliflohen Gtosellsohaft. 

F. Kohlrausch, Beobachtangen an Becqaerelstrahlen und 

Wasser. (Mitgeteilt in def Sitzung vom 8. Mai 1903.) ... 261 
E. Gehrcke, Über die Elekircrlyse der Scbwefelsäure bei ^ofser 

Stromdichte. (Vorgetragen in der Sitzung vom 26. Juni 1903.) 263 
Sur les oscUloffraphes. Aus einem Briefe des Hen*n Prof. 

A. Blonde! in Paris an die Redaktion i ... 267 

A. Wehnelt, Bemerkung zur Mitteilung des Herrn Prof. 

A. Blondel „Sur les osoillograplies" *. . . 268 

StklbmotuBlAiahftB Iäil«Mtttr#erBelQ3müi d«r VortafttniHe dev 

I. Allgemeind Physik 245 

n. Akustik .248 

in. Physikalisohe Chemie 248 

IV. Elektrizität und Magnetismus 251 

V. Optik des gesamten Spektrums 255 

VI. warme 257 

Vn. Kosmische Physik 259 



^jiJnStiidigriixigr. 



Den Abonnenten der „Fortacbrltte der Physik** können wir die erfreu- 
liche MUteüung machen , dafs itadk langeH Viprhereiiungen im Anscklu/s an 
das im Jahre iSg^ im Verlage von Georg Reimer in Berlin erschienene 
Qeneral' Register su den ,J^ortsäbritten der Physik", Band 7CXI (i86s) 
bis XLIII O^Jt das in Anlage und Ausführung übereinstimmend mit 
diesem Regisierbande bearbeitete 

Nameu' Register nebst Sach ' Ergänzungsregister zu den 
^^ottBcbHiten 4er P^sik'\ Band XLIV (i888) bis Uli 
(i8g7)^ unter Mitwirkung von Dr. £, Schwalbe bearbeitet 
von Dr. G. Schwalbe, 

sur Ausgabe gelangt ist. 

Nach einer Einleitung, welche dasu dient, den Gebrauch des Werkes 
SU erleichtem, wird sine übersieht über den Umfang der Bände, sowie über 
die Redakteure und Referenten, welche während der Jahre i888 bis tSg^ 
tätig waren, gegeben. Der Hauptteü selbst serfällt in swei Teile: Das 
Namenregister, in welchem sämtliche in den sehn Jahrgängen der „Fort- 
schritte^* erwähnten nicht anonymen Titel in alphabetischer Reihenfolge der 
Autorennamen sich vorfinden, und das Sacb'BrgMazuagsregister, in wel- 
cftem die anonymen Titel in sachlicher Weise geordnet sind. Wie aus der Ein- 
leitung sich ergibt^ ist durch umfassende Vergleiche für die Richtigkeit der 
einseinen Titel nach Möglichkeit gesorgt worden. Ebenso ist dem Bedürfnis 
nach Vollständigkeit in weitestem Mafse Rechnung getragen. 

Für alle, welche auf den Gebrauch der „Fortschritte'* tn ihren wissen- 
schaftlichen Untersuchunghi angewiesen sind, dürfte das vorliegende Re- 
gister SU einem wichtigen, wenn nicht unentbehrliciten Nachschlagewerk 
werden. Auch für Bibliotheken, welche die „Fortscltritte der Pltyaiic" 
halten, erscheint dasselbe als notwendige Ergänsung su denselben. 

Der Preis des stattlichen Bandes beträgt M. 6o. — , worauf den Mit- 
gliedern der Deutschen Physikalischen Gesellschaft die bekannte Brmäfsigung 
gewährt wird. 

Die Veriagsbucliltandiung Friedr, Vieiveg & Solia 
in Brauüscbweig. 



Verhandlungen 



der 



Deutschen Physikalischen Gesellschaft 



Im Auftrage der Qesetlschaft herausgegeben 

von 

Karl Scheel 

6. Jalirg. 15. Anlast 1908. Hr. 15. 

Beobachtungen an Becquerelstrahlen und Wasser; 
von F. Kohlrauseh. 

(Mitgeteilt in der Sitzung vom 8. Mai 1908.) 
(Vgl. oben S. 186.) 



Herr Rubens veranlaJite diese Beobachtungen, zu denen ein 
dem Physikalischen Institut der Technischen Hochschule gehören- 
des Präparat diente. 

Ein Gemisch von etwa V2g Radiumbromid mit 2 g Baryum- 
bromid in einer flachen Kapsel war mit einem 0,1mm dicken 
Aluminiumblech bedeckt; die Strahlen durchsetzten die etwa 18 mm 
dicke Wasserschicht eines Widerstandsflaschchens von gebräuch- 
licher Form aus Jenaer Thermometerglas 16 mit eingeschliffenem 
Thermometer. Die Wanddicke betrug etwa 1mm. Die Platin- 
elektroden waren blank Das Fläschchen hatte seit seiner Her- 
stellung zwei Jahre lang mit Wasser gestanden; es war zu dem I 
Versuch mit etwa 25 ccm destillierten Wassers vollständig gefüllt j 
worden. ' 

Plötzliche Wirkungen der Bestrahlung zeigten sich nicht. 

Fortgesetzte Einwirkung ließ aber vermöge sorgfältiger Be- 
stimmung des zeitlichen Ganges, den das Leitvermögen alternierend 
ohne und mit Bestrahlung zeigte, unzweifelhaft erkennen, daß im 
letzteren Falle das Wachstum vermehrt war. Von dem Ausgangs- 



262 Verhdl. d. Deutsohen Physik. GeBeUsoh. vom 8. Mai 190S. [Nr. 15. 

werte 1,1 . lO-* wuchs in je zwei Tagen das bei 16,00® gemessene 
Leitvermögen: 
bestrahlt um +0,0265 0,0160 0,0188 0,0118.10-« 
nicht bestrahlt um + 0,0069 0,0033 0,0028.10-«. 
Das bei der Bestrahlung sich ergebende Mehr beträgt durch- 
schnittlich etwa -|- 0,01 . 10—«. Mit der Zeit vermindert es sich. 

Die Hinzunahme eines zweiten, von der Gegenseite strahlen- 
den Präparates vermehrte den Einfluß erheblich, aber nur zu 
Anfang. Nach einigen Tagen schien die Wirkung im Gegenteil 
kleiner zu sein. 

An einem ähnlichen, schon alten Fläschchen aus etwa IVsmni 
dickem Gehlberger Glase, welches alternierend mit dem vorigen 
bestrahlt wurde, fand sich eine deutliche Wirkung in demselben 
Sinne, aber nur von etwa halbem Betrage. Die Glaswände an 
sich bewirkten hier einen stärkeren Gang des Leitvermögens. 

Rechnet man das Wachstum des Leitvermögens von 25ccm 
Wasser um -|- 0,01 . 10"« in eintretende Ionen von gewöhnlicher 
Beweglichkeit um, so kommt als Ordnungszahl ^Aooo^g- 

Sicher deuten wird man dieses sehr kleine Leitvermögen nicht 
können. Die Bestrahlung könnte erstens direkt im Wasser Ionen 
entwickelt haben; ebenso aber kann man die Annahme machen, 
daß durch die Strahlen die Auflösung der Glaswand beschleunigt 
wurde. 

Eine dritte mögliche Annahme, nämlich daß die das Präparat 
umgebende Luft etwas aufgenommen habe, etwa Brom, was neben 
den eingeschliffenen Stöpseln eingedrungen wäre, ist unwahr- 
scheinlich; denn ein Versuch, welchen Herr Grüneisen in der 
Weise ausführte, daß ein Luftstrom, der über das Präparat ge- 
gangen war, durch Wasser mit Elektroden geleitet wurde *), gab, 
auch bei längerem Durchleiten, ein negatives Resultat 

Herr Dorn teilt mir mit, daß auch im Physikalischen Institut 
Halle Beobachtungen über Becquerelstrahlen und Wasser aus- 
geführt worden sind. 



') Über die Anordnung vgl. ZS. f. physik. Chem. 42, 195, 1902. 



263 



Über die Mektrohjse der Schwefelsäure 

bei grofser Stromdichte; 

von B. Gehrcke. 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 26. Juni 1903.) 
(Vgl. oben S. 284.) 



E. Warbürg ^ beobachtete, daß verdünnte Schwefelsäure, 
welche durch einen elektrischen Strom in die normalen Produkte 
Sauerstoff und Wasserstoff zeraetzt wird, bei höherer Temperatur 
Schwefel und Schwefelwasserstoff an der Kathode abscheidet. 
Vorher hatte bereits A. Geüther ») gezeigt, daß bei der Elektrolyse 
konzentrierter Schwefelsäure neben Wasserstoff noch Schwefel 
gebildet wird, und daß dieser Vorgang augenscheinlich yon der 
Temperatur stark beeinflußt wird. — Im folgenden mögen einige 
Versuche beschrieben werden, welche mit den genannten Er- 
scheinungen im Zusammenhang stehen und dieselben von einer 
anderen Seite her beleuchten. 

Gelegentlich einer Untersuchung des Wasserstoffspektrums 
beobachtete ich zufällig, daß der aus verdünnter Schwefelsäure 
elektrolytisch dargestellte Wasserstoff nicht ganz rein war, sondern 
Spuren von Schwefelwasserstoff beigemengt enthielt Es stellte 
sich dann heraus, daß unter gewissen, näher anzugebenden Be- 
dingungen aus verdünnter Schwefelsäure auch bei gewöhnlicher 
Temperatur der Lösung Schwefelwasserstoff, Schwefel und 
schweflige Säure als elektrolytische Produkte (neben Wasserstoff 
und Sauerstoff) erhalten werden können. Man beobachtet die 
genannte Erscheinung passend mit folgender Versuchsanordnung 
(vgl. umstehende Figur). 

Ein mit Schwefelsäurelösung gefülltes Becherglas enthält eine 
Elektrode E^ welche aus einem Stück Platinblech gebildet ist, 
und ferner eine zweite, spitzenförmige Elektrode e, die aus einem 
in ein umgebogenes Glasrohr eingeschmolzenen Platindraht besteht. 



») E. Wabbubo, Pogg. Ann. 135, 114—120, 

■) A. Gbuthbr, Ann. d. Chera. u. Pharm. 109, 129—136, 1859. 



264 



Verhdl. d. Deatsohen Physik. Gesellsch. vom 26. Juni 1908. [Nr. 15. 




Über die Spitzenelektrode e ist ein Glasrohr RS gestülpt, das 
am unteren, erweiterten Ende S ein kleines, abgeschlossenes 
Reservoir bildet, wie aus der Figur ersichtlich ist Dasselbe hat 

den Zweck, die Herstellung einer be- 
liebigen Stromdichte bei e zu gestatten. 
Beim Beginn jedes Versuchs ist das 
Reservoir S als mit Flüssigkeit gefüllt 
vorauszusetzen. Als Stromquelle diente 
meist die Lichtzentrale (110 Volt), wo- 
bei noch ein geeigneter Ballastwiderstand 
vorgesehen ist 

I. e Kathode, E Anode. 

Schließt man den Strom, so tritt 
die gewöhnliche Elektrolyse ein, indem 
Wasserstoff bei e, Sauerstoff bei E ab- 
geschieden wird. Die Stromstärke be- 
trägt mehrere Amperes. Bald aber ist das 
kleine Reservoir S soweit mit Wasserstoff gefüllt, daß der in ihm 
befindliche Platindraht in den Gasraum hineinragt und auf diese 
Weise seine Oberfläche verkleinert wird. Die Stromstärke sinkt 
dann beträchtlich und beträgt, nachdem die Vorrichtung bei einem 
gewissen Stadium einen summenden Ton von sich gegeben und wie 
ein WEHNELT-Unterbrecher gewirkt hat, nur noch einige Tausendstel 
Ampere. Bei diesem schwachen Strom ist nur eine sehr geringe 
Gasentwickelung an den Elektroden bemerkbai\ 

Überläßt man die Anordnung in diesem Zustande sich selbst 
einige Zeit hindurch, etwa 20 bis 30 Stunden lang, so findet man, 
daß folgende Veränderung vor sich gegangen ist : Die Lösung hat 
ein trübes Aussehen erhalten; am Boden befindet sich ein fester 
Niederschlag; in der Nähe der Kathode e, besonders an der inneren 
Wand des Glasrohrs S, hat sich eine gelblichweiß bis rötlich ge- 
färbte Haut abgesetzt. Diese erweist sich, wie auch der Boden- 
satz und die Trübung, als Schwefel. Ferner besitzt die Lösung 
einen ausgesprochenen Geruch nach Schwefelwasserstoff; besonders 
enthält der Gasraum S über der Kathode größere Mengen dieses 
Gases. Aufsteigende Gasblasen schwärzen eine blanke Silbermünze. 



Nr. 15.] E. Gehrcke. 265 



n. e Anode, E Kathode. 

Bei dieser Schaltung läßt sich unter denselben anfänglichen 
Versuchsbedingungen wie oben folgendes beobachten: Die Strom- 
stärke sinkt auch hier beim Schließen des Stromes infolge der Sauer- 
stoffabscheidung bei e schnell auf einige Hundertstel Ampere; 
Stromstärken, die kleiner wären als 0,005 Amp., wurden aber im 
allgemeinen hier nicht beobachtet. An der spitzenförmigen Anode 
zirkulieren in dem Gasraum S unausgesetzt neblige, stark nach 
schwefliger Säure riechende Dämpfe. 

Bereits nach wenigen Stunden beginnt die Flüssigkeit sich zu 
trüben und nimmt ein schmutzigbraunes Aussehen an. An der 
Kathode E aufsteigende Gasbläschen riechen stark nach Schwefel- 
wasserstoff. Die Schwefelausscheidung findet auch hier statt, doch 
pflegt sich der Schwefel meist nur als Bodensatz und in feiner 
Suspension in der ganzen Lösung abzuscheiden, die Oberfläche der 
Kathode E bleibt im allgemeinen blank. 

Die beschriebenen Erscheinungen sind nicht an eine bestimmte 
Konzentration der Schwefelsäure gebunden. Benutzt wurden meist 
Verdünnungen im Verhältnis 1:4 bis 1:6, da dann die Erschei- 
nungen am deutlichsten waren. In dieser Gegend mittelstarker 
Konzentration hat auch das elektrische Leitvermögen ein Maxi- 
mum 1). — Bei geringerer und stärkerer Konzentration treten die 
oben beschriebenen Erscheinungen auch auf, erfordern jedoch eine 
längere Zeitdauer. Bei den großen Verdünnungen , z. B. 1 : 25, 
konnte jedoch auch bei mehrtägiger Dauer des Versuchs keine 
der oben beschriebenen Erscheinungen wahrgenommen werden. 

Als Stromquelle wurden außer der meist angewandten Licht- 
leitung (110 Volt) auch Akkumulatoren benutzt. Schon mit zwei 
Akkumulatoren ließen sich, wenn auch nur in sehr schwachem 
Maße und bei tagelanger Versuchsdauer, die genannten Phäno- 
mene beobachten. Die Stromstärke betrug hierbei weniger als 
0,0001 Amp. 

Was die Erklärung der Beobachtungen anlangt, so mag dahin- 
gestellt bleiben, ob diese lediglich auf Rechnung der an der 



*) Vgl. F. EoHLBAüsCH, Lehrbuch der praktischen Physik, 9. Aufl., 
S. 696, 1901. 



266 Yerhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 26. Juni 1903. [Nr. 15. 

Stelle der größten Stromdichte eintretenden Temperaturerhöhung 
zu setzen ist. Wenngleich bei allen Versuchen die Temperatur 
der Lösung diejenige des Zimmers nicht wesentlich überstieg und 
höchstens 25^0. betrug, so findet doch an der Stelle der Strom- 
einschnürung augenscheinlich eine Temperaturerhöhung statt Es 
ist indes auch denkbar, daß das unter den beschriebenen Ver- 
suchsbedingungen gegebene hohe Potentialgefälle am Orte der 
maximalen Stromdichte ebenfalls eine Rolle spielt In diesem 
Falle würde vielleicht eine Analogie bestehen mit den bei Ent- 
ladungen in Gasen auftretenden Erscheinungen. 

Charlottenburg, Juni 1903. 



267 



Sur lea osciUographea. 

Aus einem Briefe des Herrn Prof. A. Blondel in Paris 
an die Redaktion. 



Paris, le 16 Juillet 1903. 

J'ai eu Toccasion de lire demieremenl un compte-rendu d'une 
commimication de M. le Dr. Wehnelt ä Tune des recentes seances 
de la Societe allemande de Physique, dans laquelle il a decrit 
un nouyel Oscillographe simple. Dans cette occasion M. Wehnelt 
a attribue par erreur Tinvention des Oscillographes ä M. DüDDELL. 
Permettez-moi de revendiquer moi-meme cette invention, 
ayant decrit ces appareils dans les Comptes-rendus de notre Aca- 
demie des Sciences de 1894. M. Düddell, dans son premier tra- 
vail sur les Oscillographes presente au Congres de la „British 
Association" ä Toronto, en 1898, a declare lui-meme que 
son appareil etait execute suivant les indications donnees par 
moi. J'ai donne la theorie dans le „Journal de Physique" 1902, 
et dans les Comptes rendus de Tacademie en 1894. 

Je tiens aussi ä faire connaitre ä votre societe que mes 
Oscillographes sont construits industriellement, sous plusieurs 
formes en particulier par la maison reputee de J. Carpentier, 
et il est facile ä n'importe qui de s'en servir avec succes pour 
toute espece d'application, gräce aux perfectionnements nouveaux 
que j'ai apportes dans Texecution des 6quipages mobiles depuis 
3 ans. Les objections faites par M. le Dr. Wehnelt contre les 
difficultes de ces appareils sont donc maintenant ecartees. 



268 



Bemerkung zur Mitteilung des Herrn Trof. A. Blondel 
„Sur les osciUographes^^ ; 

von A» WehnelU 



In meiner Abhandlung über „einen einfachen Oszillographen^ 
habe ich meines Erachtens nach nicht Herrn Düddell als Er- 
finder des Oszillographen bezeichnet, sondern habe auf S. 178, 
um eine Anhäufung von Zitaten zu vermeiden, auf Herrn A. Blon- 
del s Mitteilung in den „Rapports present. au congres Internat, 
de Phys." 3, 264, 1900 hingewiesen, aus welcher zu ersehen ist, 
daß Herr A. Blondel der Erfinder des Oszillographen ist 



Verlag von Friedr« \^weg & Sohn ia Bnuinschweig. 


Ken erschienen: 




Vorlesungen 


\ 

\ 


über 


iTgy^tr 



Augrust Kundt, 

weiland Professor an der Universität Berlin, 
heraasgegeben yon 

Karl Scheel« 



Mit dem Bildnis Kundts, 534 Abbildungen und einer farbigen 

Speictrattafel. 

fr. 8. Preis geh. 15 M., geb. 17 M. 



Die Vorlesungen Kundts verdanken ihre Veröffentlichung dem vlel- 
fach ausgesprochenen Wunsche früherer Schüler des großen Experimen- 
tators , die Vorlesungen nicht der Vergessenheit anheimfallen SU leiten. 

Der Umstand, daß das Manuskript ein einheitliches Qttamm darbet, 
mußte jeden Versuch zurückweisen, durch Einfügung neuer Kapitel 
die Fortschritte der Wissenschaft im letzten Jahrsent su herücksiobtigen 
und dadurch die Vorlesungen zu einem Lehrbuch der Physik auszu- 
gestalten, um so mehr, als dieselben hierdurch sehr an ihrer Originalit&t 
eingebüßt haben würden. 

Kundts Vorlesungen geben ein Bild des klassischen Bestandteils 
der physikalischen Wissenschaft und sind vermöge der überaus anschau- 
lichen und leicht verständlichen Sprache so recht geeignet, nicht nur 
dem Studierenden der Physik als Leitfaden neben den gehörten 
Vorlesungen zu dienen, sondern auch dem Schüler die Einführung 
in die physikalischen Erscheinungen zu erleichtem. Vor allem wird 
aber auch derjenige, welcher mit den Lehren der Physik vollkommen 
vertraut ist, sich der eleganten und originellen Darstellung der ihm 
bekannten Tatsachen stete aufs neue freuen. 



Ztt berlehen durch alle Bachhandlangen. 



EXeybold $ ßacMolger 

Cöln a* Rhein 

jMechaniecbe und opttscbc^erketätteti* 

Deue ScftwundtnascMne mit Electrotnotor 




zum Hnscbluss an eine Starfestromleitung. 



Mit dem Hpparat Ueeen eich eämtUcbeTersucbe bequem 
atistcUen* Die Hbbildutig zeigt die Centrifugalma9d>ine in 
Verbindung mit dem Hpparat nad> Slotte zur Bestimmung 
dc9 med)ani9d)en ^ärmeaquivalentee* 

preieliete über Neue Hpparate und TcrsuAe auf Verlangen. 



t903 Heft 16 

{ 

Berichte 

der 

Deutscben Physikalischen Gesellschaft 

enthaltend 

Yerhandlnngen 

der Deutschen Physikalischen Gesellschaft 
im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Scheel 

nnd 

Halbmonatliches Literaturyerzeichiiis 

der „Fortschritte der Physiii", dargestellt von der 
Deutschen Physikalischen Gesellschaft 

redigiert Yon 

Karl Scheel Richard Assmaun 

Reine Physik KosmiRche Physik 



Braunschweig 

Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn 
1903 



UanaÜich zwei Nummern. — Äbonnementspreis pro Jahrgang 8 Mark. — Zu beziehen 
durch aüe Buchhandlungen und PostanstäUen (Postzeitungsliste Nr. 1042 a) 



Inhalt. 

S«ite 

Verhandlungen der Deutschen Physikalisohen GtesellBOhafU 

, E. Warburg und B. Straaser, Zum Verhalten sogenannter 
unpolariflierbarer Elektroden gegen Wechaelstrom. (Vor- 
getragen in der Sitzung vom 26. Juni 1903^ 269 

Ewald Rasch, Potsdam, Flammen- und Effektbogenücht. 
Erwiderung auf den gleichnamigen Aufsatz des Herrn 
W. Biegon v. Czudnocnowski. (Vorgelegt in der Sitzung 
vom 26. Juni 1903.) 276 

HalbmonatUoheB läteraturrerzeiehnis der Fortaohritte der 
Physik. 

I. Allgemeine Physik 265 

II. Akustik 266 

in. Physikalische Chemie 266 

IV. Elektrizität und Magnetismus 268 

V. Optik des gesamten Spektrums 269 

VI. Wärme 270 

Vn. Kosmische Physik 272 



JLnkündiffunff. 



Den Abonnenten der pfFortscbritte der Physik" können wir die erfreu- 
liche Mitteilung machen , da/s nach langen Vorbereitungen im Anscklufs an 
das im Jahre i8gy im Verlage von Georg Reimer in Berlin erschienene 
General' Register bu den ,J^ort8cbritten der Pbystk**, Band XXI O^sJ 
bis XLIII (t88j), das in Anlage und Ausfuhrung übereinstimmend mit 
diesem Registerbande bearbeitete 

Namen 'Register nebst Sacb ' Ergänzungsregister zu den 
„Fortschritten der Physik**, Band XLIV (i888) bis LIIl 
(i8g7), unter Mitwirkung von Dr. E. Schwalbe bearbeitet 
von Dr. G. Schwalbe, 
sur Ausgabe gelangt ist. 

Nach einer Einleitungj welche dasu dient, den Gebrauch des Werkes 
eu erleichtern f wird eine Übersicht über den Umfang der Bände, sowie über 
die Redakteure und Referenten, welche während der Jahre i888 bis i8py 
tätig waren, gegeben. Der Hauptteil selbst serfällt in swei Teile: Das 
Namenregister f in welchem sämtliche in den sehn Jahrgängen der „Fort- 
schritte^* erwähnten nicht anonymen Titel in alphabetischer Reikenfo^e der 
Autorennamen sich vorfinden, und das SaciE'Brgäazangsregister, in wel- 
chem die anonymen Titel in sachlicher Weise geordnet sind. Wie aus der Ein- 
leitung sich ergibt y ist durch umfassende Vergleiche für die Richtigkeit der 
einsreinen Titel nach Möglichkeit gesorgt worden. Ebenso ist dem Bedürfnis 
nach Vollständigkeit in weitestem Mafse Rechnung getragen. 

Für alle, welche auf den Gebrauch der „Fortschritte^* tn ihren wissen- 
schaftlichen Untersuchungen angewiesen sind, dürfte das vorliegende Re- 
gister SU einem wichtigen, wenn nicht unentbehrlichen Nachschlagewerk 
werden. Auch für Bibliotheken, welche die „Portacbritie der Physik" 
halten, erscheint dasselbe als notwendige Ergänsung su denselben. 

Der Preis des stattlichen Bandes beträgt M. 6o, — , worauf den Mit- 
gliedern der Deutschen Physikalischen Gesellschaft die bekannte Ermäfsigung 
gewährt wird. 

Die Verlagsbuchhandlung Priedn Vieweg & Sobn 
in Brauascbweig. 



Verhandlungen 

der 

Deutschen Physikalischen Gesellschaft 



Im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Scbeel 

ft. Jnhrg. ao. Ausrast 190S. Nr. 16. 

Zum Verhalten sogenannter unpolarisierbarer JElek- 
troden gegen Wechselstrom; 

von E. Warburg und B. Strasser. 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 26. Juni 1903.) 
(Vgl. oben S. 233.) 



§ 1. Das Verhalten sogenannter iinpolarisierbarer Elektroden 
(z. B. Zink in Zinksulfat und analoge) gegen Wechselstrom ist 
nur in einzelnen Fällen^) der Theorie 2) entsprechend gefunden 
worden. In den meisten Fällen zeigen sich die theoretischen 
Forderungen auch nicht annähernd erfüllt, insbesondere ergibt 
sich bei der nach M. Wien und E. Orlich vorgenommenen Unter- 
suchung in der Wheatstone sehen Brücke die kompensierende 
Selbstitiduktion viel größer als berechnet. 

§ 2. Mit der Ursache dieser Abweichungen hat sich Herr 
Strasser beschäftigt. Er fand z. B. bei flüssigem Zinkamalgam 
in Zinksulfat gleich nach Ansetzen der Zelle ein der Theorie ent- 
sprechendes Verhalten, nämlich nahezu die Polarisationskapazität 
umgekehrt proportional der Quadratwurzel aus der Schwingungs- 
zahl, direkt proportional der Konzentration, und der absolute 



^) E. Neumann, Wied. Ann. 67, 500, 1899. 
«) E. Warbürg, Wied. Ann. 67, 493, 1899. 



270 Verhdl. d. Deutschen Physik, Gesellsch. vom 26. Juni 1903. [Nr. 16- 

Wert der Kapazität war ungefähr zwei Drittel des theoretischen 
Wertes; die kompensierende Selbstinduktion betrug 2 ,100 cm. 
Aber nach 14 Stunden war diese auf 30.108cm gestiegen, und 
die anderen Gesetze trafen auch nicht annähernd mehr zu. 

§ 3. Diese Veränderung war nun begleitet von einer erheb- 
lichen Zunahme des Ohm sehen Widerstandes der Zelle, wie sich 
durch Untersuchung sowohl mit Gleichstrom als mit Wechselstrom 
ergab. Ein ähnliches Verhalten zeigten Elektroden aus Kupfer- 
draht in Kupfersulfat und aus Kadmiumblech in Kadmiumsulfat. 
Die Widerstandsvermehrung nahm zu, wenn man die Zelle längere 
Zeit sich selbst überließ, zugleich die kompensierende Selbst- 
induktion; es wurden Widerstände von mehr als 70 Ohm der ein- 
zelnen Elektrode pro Quadratzentimeter beobachtet 

Solche Widerstandsvermehrungen sind bereits von Herrn 
R. Lohnstein 1) an derartigen Zellen gefunden worden, welcher 
auch zeigte, daß die Widerstandsvermehrung an der Elektroden- 
oberfläche ihren Sitz hat, also von schlecht leitenden, dort sich 
bildenden Schichten herrührt. Herr M. Wien*) bestätigte diese 
Beobachtungen. Herr Strasser fand außerdem, daß mit wachsen- 
der Stromstärke der Widerstand erheblich abnimint») und zugleich 
die kompensierende Selbstinduktion. Die hierbei angewandten 
Veränderungen der Stromstärke waren in dem Anfangszustande 
der Zelle, als sie sich den für unendlich kleine Stromoszillationen 
geltenden Gesetzen entsprechend verhielt, noch gänzlich ohne Ein- 
fluß auf die Kapazität 

§ 4. Es besteht nach dem Gesagten kein Zweifel, daß die 
Bildung dieser schlecht leitenden Schicht und die Abnahme der 
Polarisationskapazität in ursächlichem Zusanmienhange stehen; es 
fragt sich, in welchem. Die elektromotorische Kraft an der Be- 
rührungsstelle mit dem Elektrolyten wird durch die Schicht nicht 
merklich geändert, wie schon aus dem Verhalten der Normal- 
elemente hervorgeht. Es ist daher schwer einzusehen, weshalb 



») R. LoHUSTEiN, Wied. Ann. 47, 299, 1892. 

*) M. Wien, Wied. Ann. 58, 56, 1896. 

^) Ein ähnliches Verhalten zeigen elektrolytisch gebildete dünne Kiesel- 
säureschichten (E. Wabburg, Wied. Ann. 21, 636, 1884), sowie der Bcrg- 
kristall (E. Wabbubo und F. Teoetmeyer, Wied. Ann.. 35, 461, 1888 und 
F. Tegetmeyee, Wied. Ann. 41, 34, 1890). 



Nr. 16.] E. Warburg und B. Straseer. 271 

die elektrolytische PolariBationskapazität durch die Schicht ge- 
ändert werden sollte. 

Sofern indessen die Schicht eine gewisse Dielektrizitätskonstante 
hesitzt, repräsentiert sie, worauf schon Herr M. Wien hingewiesen 
hat, einen leitenden Kondensator, dessen verhältnismäßig kleine 
dielektrische Kapazität die große elektrolytische verdecken kann. 

§ 5. Wird nämlich ein Kondensator mit leitender dielek- 
trischer Schicht, dessen Ohm scher Widerstand TT, dessen dielek- 
trische Kapazität C, ist, von dem Wechselstrom J=:a. sinnt 
durchflössen, und ist V die dadurch hervorgerufene Potential- 
differenz der Belegungen, positiv gerechnet, wenn sie außerhalb 
des Kondensators der positiven Stromrichtung entgegen wirkt, so 
hat man 

dV V 
J= a. sinnt = C' -jj -]- y^ - - - - (l) 

Das dem stationären Zustande entsprechende Integral ist, wenn 
man W als konstant ansieht, 

r=a.W.sinil;.sin\nt—(^ — i^)l | 

\ ^2 ^J . . . (2) 

^^"^ = 0:7^^ J 

Bei den beschriebenen Versuchen würde sich an jeder der 
beiden als gleich angenommenen Elektroden ein solcher leitender 
Kondensator bilden, und die beiden hintereinander geschalteten 
Kondensatoren wie einer von der halben Kapazität wirken, an 
dessen Belegungen der Strom die Potentialdifferenz 2 V hervor- 
ruft. Setzt man wie üblich 

r=^.™ [.,_(!-♦)] .... (3) 

80 wird 

^= 2W.n.sin.r*^'''=C-^V:^ .... (4) 

Die Zelle wirkt wie ein elektroljtischer Kondensator von der 
Polarisationskapazität C und der durch (4) bestimmten Phasen- 
verschiebung. 

Wird also die Zelle nebst meiner regulierbaren Selbstinduktion 
in den Zweig 1 einer Wheatstone sehen Brückenkombination ein- 
geschaltet, und bringt man den an einem optischen Telephon oder 



272 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellach. Tom 26. Jnni 1903. [Nr. 16. 



Vibrationsgalvanometer gemessenen Strom in der Brücke auf Null, 
dann ergeben sich der Widerstand W und die dielektrische Kapa- 
zität eines der Kondensatoren 

2 ■ V + tf W«, 
IL 






(5) 



^^rO + w) 

W 
wo Ä Wi = TxT- • ^^4 — ^19 W{ den im Zweige 1 außer dem 

leitenden Kondensator vorhandenen Widerstand bedeutet, und der 

1 gegenüberliegende Zweig 3 genannt ist. Daraus findet man die 

kompensierende Selbstinduktion 

j W . ^ ^ 2TF2.C. ,^. 

L=_.sm2^=.^-p^^-^ .... (6) 

2 
Ist W unendlich groß, so ist L = -^tt' umgekehrt proportional 

mit der dielektrischen Kapazität (7«. Nimmt man an, daß das 
spezifische Leitungsvermögen und die Dielektrizitätskonstante der 
Schicht von der Dicke unabhängig sind, so ist auch C, . W, die 
Relaxationszeit, von der Dicke unabhängig und L nach (6) mit 
TF, also mit der Dicke der Schicht, proportional. Da indessen 
der Widerstand nach § 3 von der Stromstärke abhängt, so kann 
man nicht erwarten, diese Beziehung bestätigt zu finden. Die Di- 
elektrizitätskonstante hingegen ist eine Größe, welche sich stets 
als unabhängig von der Stromstärke bezw. der elektrischen Kraft 
ergeben hat; wenn also die beobachtete Kapazität wirklich dielek- 
trischer Natur ist, so sollte man erwarten, daß (7. sich konstant, 
d. h. unabhängig von der Stromstärke zeigt. 

§ 6. Herr Strasser hat nun für die von ihm untersuchten 
Zellen unter der Annahme, daß die ganze beobachtete Polarisations- 
kapazität dielektrischer Natur ist, den Widerstand W und die di- 
elektrische Kapazität C, nach (.5) berechnet i). 

^) Es scheint ein Widerspruch darin zu liegen, daß man nach einer 
Formel rechnet, welche auf das Ohm sehe Gesetz gegründet ist (Gleichung 1), 
während doch der Widerstand W von der Stromstärke abhängig gefunden 



Nr. 16.] 



E. Warburg und B. Strasser. 



273 



Die folgende Tabelle enthält einige seiner Ergebnisse. Die 
angewandte Schwingungszahl betrug 89 pro Sekunde, also n = 2 ;r . 89. 
Die erste Kolumne enthält den in den Primärkreis des Indukto- 
riums eingeschalteten Ballastwiderstand B in Ohm, durch dessen 
Veränderung die Stromstärke verändert wurde. C, ist in Mikro- 
farad angegeben. 

Zinkamalgam, flüBsig. 14 Stunden nach Ansetzen der Zelle. 
0,021 qcm Oberfläche der einzelnen Elektrode. 



B 


SW, 


L.W 


2W 


v«c- 


H> 


5 


45,1 


1,8 


45,1 


0,89 


89» 


10 


63,6 


4,1 


63,7 


1,01 


88 


25 


107,6 


9,2 


107,8 


0,79 


87 


50 


126,6 


16,4 


127,2 


1,03 


86 


100 


216,6 


29,5 


217,9 


0,63 


86 



Kadmiumblech. 3,5 qcm Oberfläche der einzelnen Elektrode. 
1 Stunde nach Ansetzen. 



10 
20 
30 



10 
20 
30 



12,7 


0,1 


13,6 


36,3 


16,0 


9,3 


17,7 


32,9 


17,6 


11,0 


19,7 


31,6 



24 Stunden nach Ansetzen. 

20,7 I 7,0 

34,2 ! 7,4 

43,2 I 7,8 



20,6 


3,0 


33,5 


3,5 


41,7 


14,0 



75 
72 
71 



85 
82 
79 



Die Konstanz der Werte yon C, innerhalb einer Versuchs- 
reihe läßt zwar zu wünschen übrig, doch zeigt sich kein Gang in 
diesen Werten, und während der angenäherten Konstanz von C« 
-wächst mit abnehmender Stromstärke die kompensierende Selbst- 
induktion auf das 2- bis 16 fache. 



wird. Gleichwohl kann für eine bestimmte WechBelstromstarke die Schicht 
ein Verhalten zeigen, wie es einem bestimmten Ohm sehen Widerstände ent- 
spricht. Dies trs^e z. B. genau zu, wenn das Sinken des Widerstandes mit 
wachsender Stromstärke von Joule scher Wärme herrührte, so daß die Ab- 
weichung vom Ohm sehen Gesetz nur eine scheinbare wäre. Allerdings scheint 
die Veränderlichkeit des Widerstandes bei den § 3 erwähnten Kieselsäure- 
echichten nicht von Joule scher Wärme herzurühren (F. Teoetmeyer, 
L c, S. 38). 



274 Yerhdl. d. Deutiohan Physik. GesaUsoh. vom 26. Juni 1903. [Nr. 16. 



Ln 



ver- 



Die Phasengröße ^ nähert sich 90«, j^ ist also klein; 

nachlässigt man das Quadrat dieser Größe gegen 1, so erhält man 
anstatt (5) die Näherungaformeln 



W = 



2 ^'~ dW^ —~2Wi 



Im Falle des Kadmimnblechs ist der Widerstand der Schicht 
24 Stunden nach Ansetzen der Zelle ungefähr doppelt so groß 
gefunden als 1 Stunde nach dem Ansetzen, zugleich mit der Zu- 
nahme des Widerstandes ist die dielektrische Kapazität C, auf 
den fünften Teil gesunken; beides erklärt sich dadurch, daß die 
Dicke der Schicht mit der Zeit wächst. 

§ 7. Insoweit sind die Versuchsergebnisse der gemachten 
Annahme, daß die Polarisationskapazität hier rein dielektrischer 
Natur sei, nicht ungünstig. Zu Bedenken könnte indessen die 
sehr kleine Dicke Anlaß geben, welche man nach der gegebenen 
Theorie den Schichten beilegen muß. Ist b die Dielektrizitäts- 
konstante, C<,i die dielektrische Kapazität in Mikrofarad pro 
Quadratzentimeter, so ist 



d = 



36 3r . C,^ i 



10-* cm. 



Aus den Daten der Tabelle ergibt sich für 



Zinkamalgam 



Kadmium 



nach 1 Stunde nach 24 Stunden 



%C. im Mittel 

Cm 

d 



0,87 
82,9 
0,107. 10-T cm 



33,3 

19,0 

0,466. 10--7 cm 



7,4 

4,23 

2,09. 10-» cm 



wenn man den Schichten die hohe Dielektrizitätskonstante 10 
beilegt. 

Lord Rayleigh i) findet die Dicke kohärenter Ölschichten auf 
Wasser 2 bis 1,10-' cm. Röntgen«) 1,8 bis 0,56. 10"' cm. Sind 
demnach Kondensatoren mit einer dielektrischen Zwischenschicht 



^) Lord Ratlbioh, Scientifio Papers 3, 349, 1890. 
*) W. C. Röntgen, Wied. Ann. 41, 327, 1890. 



Nr. 16.] E. Warburg und B. Strasser. 276 

Yon einer Dicke kleiner als ein Milliontel Millimeter nicht als 
eine physische Unmöglichkeit anzusehen, so erscheint doch ein 
direkter Beweis für die Existenz solcher Kondensatoren wünschens- 
wert. 

Aus den mit £ = 10 berechneten Werten ergibt sich das spe- 
zifische Leitungsvermögen der Schichten von der Größenordnung 
10-" bezüglich des Quecksilbers. 

Berlin, Physik. Institut, im Juli 1903. 



276 



Flammen- ti/nd JS^ektbogenlicht. 

Erwiderung auf den gleichnamigen Aufsatz des Herrn W. Biegon 

V. CZÜDNOCHOWSKI; 

von Ewald Itasch, Potsdam. 

(Vorgelegt in der Sitzung vom 26. Juni 1903.) 
(Vgl. oben S. 234.) 



Da Herr v. Czüdnochowski in seiner Arbeit über „Flammen- 
und Effektbogenlicht^ nicht nur die physikalische Seite dieses 
Themas behandelt, sondern auch die wirtschaftlich - technische 
Bedeutung einiger neuer Erscheinungen auf dem Gebiete des 
elektrischen Lichtbogens kritisch streift, so glaube ich einzelnen 
unzutreffenden Ausführungen dieser Arbeit durch eine sachliche 
Richtigstellung in Kürze entgegentreten zu müssen. 

Fig. 1. 




9 10 11 12 



Herr v. Czüdnochowski i) yerzeichnet in seiner Flg. 10 (die 
hier als Fig. 1 wiedergegeben wird) den Anstieg der Lichtbogen- 
spannung (E) mit der Lichtbogenlänge (L) für drei Lichtbogen- 
arten, nämlich für den ;,RASCHlichtbogen'^ von rund 2,35 Amp., 



^) Diese Verh. 5, 160 u. 168, 1903. Die Abhandlung des Herrn v. Czttd- 
NOGBOWSKI kommt mir verspätet und durch Zufall zu Gesicht, so daß ich 
erst jetzt darauf zu entgegnen vermag. 



Nr. 16.] Ewald Rasch. 277 

für den gewöhnlichen „Wechselstromkohlelichtbogen^ und 
für den sogenannten ^Flammenlichtbogen^ von 8 bis 12Amp. 

Herr v. Czudnochowsei zieht nun im Hinblick auf die hier 
wiedergegebene Figur eine Reihe weittragender Schlüsse, die als 
unzutreffend angesehen werden müssen. 

Es heißt nämlich dort: 

„Die Figur zeigt, daß bezüglich der mechanischen Regelung 
die Anwendung eines Flammenbogens große Vorteile bietet, weil sie 
innerhalb der praktisch zulässigen und vorkommenden Spannungs- 
schwankungen ziemlich beträchtliche Längenänderungen desBogehs 
gestattet, während andererseits der sehr steile Anstieg 
der Kurve für das RASCHlicht erhebliche Bedenken gegen 
dessen Verwendbarkeit erweckt, wegen der sich daraus er- 
gebenden Notwendigkeit, ein ganz außerordentlich fein arbeitendes 
Regelwerk hierfür herzustellen." 

Die Annahme des Herrn v. Czüdnochowski, daß beim Rasch- 
lichtbogen der Anstieg der 9 (L)- Kurve abnorm groß sei, steht 
nun mit dem Inhalte meiner von ihm zitierten Arbeit in aus- 
drücklichem Widerspruch und erklärt sich nur durch eine mathe- 
matisch und physikalisch unzulässige Interpretation der Fig. 1. 

Herr v. Czüdnochowski übersieht nämlich, daß die von 
ihm in Vergleich gezogene Neigung der Geraden, d. h. also 

dE 

der Differentialquotient ^-^, eine Funktion der hier in 

sehr weiten Grenzen variierten Stromstärke (J) ist. 

(2,1 bis 12Amp.) 

ZE 
Der Anstieg der 9 (I»)-Kurve oder der Differentialquotient ^j 

wird nämlich bei allen von Herrn v. Czüdnochowski in Vergleich 
gezogenen Lichtbogenarteu , wie der Verlauf der Fig. 2 (a. f. S.) 
erkennen läßt, für die Stromstärke J^= unendlich groß, für 
J =1 Amp. gleich einem Koeffizienten 6 und für J" = 00 gleich 0. 

Es darf also nicht Wunder nehmen, daß für den 2,35 Amp.- 
Lichtbogen (RASCHlicht) der Anstieg sehr viel größer ist, als der 
für Lampen von 12 Amp. (FlammenbogenUcht). 

Die Abhängigkeit dieser drei Größen, der Lichtbogenspannung £, 
der Stromstärke cT'und der Lichtbogenlänge L ist bekanntlich durch 
die Charakteristik des Lichtbogens gegeben, für welche man in 



278 VerhcQ. d. Deutschen Physik. GeeeUsch. vom 26. Juni 1903. [Nr. 16. 

der Lichtbogentechnik ^) mit ausreichender Annäherung die yon Stl- 
v^ANUS Thompson 2) herrührende Gleichung E=Jc-\-b'-j benutzt 

Fig. 2. 



20 


n 


ffl 






























' 


























_ 






























1 






1 


























l^) 




1 


























xo 




























1 




























\ 








n 














1 

1 




1 






















' 1 

1 1 

■ I 1 

L : 1. . 




1 


in 






1 


1 










; 










lU 








\ 










1 1 ■ 
















\ 












1 


















\ 


k 








1 

1 








' 






9|!ä 






\ 


)/K( 


hleU 


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1 

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1 


1 

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: 


laset 


licht 


^^ 


s. 

























^^^ 


^ 


V 


































N^ 


^ 


S - 






1 


























--^ 


'^ 


^ 














>^s 


;rom£ 


tärkt 


J 






















































( 


3 












) 








1 











1 



löAmp. 



^) KÖRTING und Mathibsxn: „Das Bogenlicht*' S. 3. Für den Kohle- 
lichtbogen gibt Frau Hbbta Aybtok die etwas feiner gebaute Formel mit 

y -I- dL 



vier Konstanten E — a -\- ßL -}- 
*) The Electrician 29, 460, 1892. 



./ 



Nr. 16.] Ew»ld Rasch. 279 

Die Konstanten k und b bewegen sich bei den bisher be- 
kannten Lichtbogenarten in nicht sehr weiten Grenzen und sind 
durch die Materialeigenschaften der Elektroden imd die geo- 
metrische Form des Lichtbogens bestimmt 

Hieraus folgt durch Differentiation ohne weiteres für den 

„Anstieg** der 9(L)-Kurve (Fig. 1), d. h. also für ^ a :^ ^,. 

dE b 

dE . 
Der Differentialquotient ^-y ist also um so größer, je kleiner 

die Stromstärke ist (Fig. 2). Für die Theorie des Lichtbogens 
ist es übrigens von Interesse, daß diese Beziehung neuerdings von 
Herrn J. Stark i) auch für den Glimmstrom bei sehr kleinen 
Stromstärken {J = 14,4 bis 62 Milliampere) bestätigt worden ist. 

Ohne die Tatsache in Betracht zu ziehen, daß in Fig. 1 der 
RASCHlichtbogen sich auf 2,35 Amp., der Flammenlichtbogen sich 
jedoch auf 8 bis 12 Amp. -Lampen bezieht, durfte also Herr 
y. GzüDNOCHOWSKi nicht einen Schluß ziehen, der geeignet ist, 
unberechtigte Bedenken gegen die Verwendbarkeit meines Licht- 
bogens wach zu rufen. 

Will man dieser Frage nach dem Einfluß des Spannungs- 

dE 
koeffizienten ~f auf die Begulierfähigkeit näher treten, so muß 

Ö Li 

man zum mindesten die vollständige Charakteristik des Licht- 
bogens heranziehen. 

Ich habe die Charakteristik für den RASCHlichtbogen in der 
von Herrn v. Czudnochowski zitierten Arbeit >) ausdrücklich fest- 
gestellt. Es heißt dort nach Vorausschickung der Gleichung für 
die allgemeine Charakteristik des Lichtbogens: 

„Für die zu den Versuchen JB 94 — 96 benutzten Elektroden 
wurde gefunden 

Ä = 31,35, h = 30. 

Die Konstante Je bedeutet hierbei den Spannungsabfall an den 
Grenzen der beiden Elektroden. Für den Gleichstrom-Kohlelicht- 



^) „Zar Charakteristik des GlimmstromeB''. Phys. ZS. 4, 236 ff., 1903. 
') E. Rasch: „Ein neues Verfahren zur Erzeugung von elektrischem 
Licht". Elektrot. ZS. 22, 155 ff., 1901; vergl. Fig. 4. Versuch B 94—96. 



280 YerhdL d. Deutochen Physik. GeseUflch. vom 26. Juni 1903. [Nr. 16. 

bogen ist etwa ifc = 43; 6 = 32. Bei anderen etwas härteren 
Elektrolytelektroden fand ich ft = 42 bis 43. Man erkennt hier- 
aus ohne weiteres, daß die Spannungsverhältnisse am Elektrolyt- 
lichtbogen praktisch genau die gleichen sind, wie die am gewöhn- 
lichen Kohlelichtbogen.^ 

Im Gegensatz zu der Voraussetzung des Herrn v. Czüdno- 
CHOWSKi hat also die von ihm zitierte Arbeit ergeben, 

daß der Anstieg der 9 (L)- Kurve, d. h. der Differential- 

quotient 5-^ = -^ beim Rasch lichtbogen ceteris paribus 

eher kleiner, praktisch jedoch genau von derselben Größen- 
ordnung ist, wie der des gewöhnlichen Kohlelichtbogens. 
Fig. 2 veranschaulicht die Größenordnung und den raschen 

dE 
Abfall des Differentialquotienten — y mit wachsender Stromstärke (J) 

für den gewöhnlichen Kohlelichtbogen (6 = 32, nach Körting 
und Mathiesen) und den Lichtbogen zwischen Leitern zweiter 
Klasse (6 = 30). 

Aus Obigem erhellt also, daß die Voraussetzung des Herrn 
V. CzuDNOCHOWSKi, daß mein Lichtbogen schlechthin einen ab- 
norm steilen Anstieg der g?(L)- Kurve bzw. einen abnorm großen 
Wert der Konstanten h^) zeige, nicht zutreffend ist 

Die Schlüsse des Herrn v. Czüdnochowski bezüglich der 
Verwendbarkeit und Regelungsfähigkeit dieses Lichtbogens, die 
sich auf dieser Voraussetzung aufbauen, werden somit ebenfalls 
hinfällig. 

Eine eingehendere Prüfung der weiteren Begründung dieser 
Schlüsse erweist sich daher als überflüssig und kann an dieser 
Stelle keinen weiten Raum beanspruchen. 

Jedoch möchte ich auch hier Zweifel aussprechen, daß ein 

dE 

großer Spannungsfaktor :ry , wie Herr v. Czüdnochowski annimmt, 

^) Hiermit ist jedoch nicht gesagt, daß es unmöglich ist, bei den Yon 
mir angegebenen aus festen oder flüssigen Leitern zweiter Klasse (Elektro- 
lyten) bestehenden Elektroden der Eonstanten h größere oder kleinere Werte 
zu geben. Man hat es vielmehr völlig in der Hand, den Leitungswiderstand 
der Dämpfe des Flammenbogens — denn dieser wird durch h charakterisiert 
— durch Wahl entsprechender Elektrodenmassen in Grenzen zu variieren, 
wie es bei den bisher bekannten Lichtbogenarten nicht möglich war. 



Nr. 16.] . Ewald Rasch. 281 

die praktische, elektromagnetische Regelungsfähigkeit i) 
und die Lichtausbeute eines Lichtbogens schlechthin ungünstig 
beeinflussen müsse. 

Die elektromagnetische Auslösung des Laufwerkes muß dann 
erfolgen, wenn die vorgeschriebene Lichtbogenlänge überschritten 
ist: sie kann jedoch nur erfolgen, wenn in diesem Momente in 
das elektromagnetisch betätigte Sperrwerk elektrische Energie 
abfließt, hinreichend, um dieses in Tätigkeit zu setzen. Mit an- 
deren Worten, es muß mit der Änderung der Lichtbogenlänge 
(dL) eine Änderung der Lichtbogenspannung {dE) Hand in Hand 
gehen; und letztere bildet gewissermaßen einen Indikator dafür, 
daß ein zu lang gewordener Lichtbogen eine Korrektur seiner 
Länge bedarf. Immerhin aber bildet, wie man sieht, das An- 
wachsen der Lichtbogenspannung (E) bzw. die reziproke Ände- 
rung der Stromstärke {J) das ursächliche Moment, durch welches 
die Betätigung des elektromagnetischen Kegelwerkes überhaupt 
erst zustande kommen kann. Ist beispielsweise der Faktor h in 
der Charakteristik 

oE 
mithin auch ^-y gleich Null, so ändert sich die Lichtbogen- 
spannung selbst bei den größten Änderungen der Lichtbogenlänge 
überhaupt nicht. Es steht also auch kein Indikator zur Ver- 
fügung, der diesen zu großen Abbrand der Elektroden korrigieren 
kann: eine elektromagnetische* Regelung des Nachschubes der 
Elektroden wäre hier völlig unmöglich. 

Die (ölektromechanische Regelung erfolgt also um so sicherer 
und häufiger, nähert sich also einem kontinuierlichen Regulier- 
vorgang um so mehr, je größer die Elektrodenkonstante h ist. 

Auch die Anschauung des Herrn v. Czüdnoch.owski, daß die 

. dE 

Ökonomie eines Lichtbogens nicht mit ^-y zunehmen könne, da 

ö Li 

„sonst die Ökonomie eines gewöhnlichen Kohlelichtbogens größer 

sein müßte, als die des Flammenbogens, während das Umgekehrte 

der Fall ist", vermag ich nicht zu teilen. 

^) Die praktische Regulierfähigkeit eines Lichtbogens ist keineswegs 
mit dessen „Stabilität" im theoretisch-physikalischen Sinne identisch. 



282 Verhdl. d. DeutBcben Physik. Gesellsch. vom 26. Juni 1903. [Nr. 16. 

Selbstverständlich kann man drei heterogene Dinge wie den 
reinen Kohlelichtbogen, den Lichtbogen zwischen Leitern zweiter 
Klasse und die Verschmelzung beider, den ^Effektlichtbogen^ 
bezüglich der Ursache ihrer Ökonomie nicht ohne weiteres in 
Vergleich stellen»). 

Der Lichtbogen zweiter Art, nämlich der zwischen über- 
wiegend aus Leitern zweiter Klasse (Metalloxjden, Metallsalzen, 
Karbiden u. s. w.) bestehenden Elektroden (Rasch 1899) hat die 
Lichtausbeute selbst an kleinen Lampentypen in kaum geahnter 
Weise dadurch erhöht, daß er die selektive Emission der Licht- 
bogenflamme und die — enorm große Differenzen aufweisende — 
Reizempfindlichkeit (^ = 0,535 A. König) der Retina zweck- 
bewußt ausnutzt, während er gleichzeitig bei hoch feuerfesten, 
selektiv strahlenden (weißen) Metallozyden usw. erreicht, daß 
die Elektroden entsprechend ihrer hohen Verdampfungstemperatur 
sich ebenfalls in ökonomischer Hinsicht an der LichtbUdung besser 
als Kohleelektroden beteiligen. 

Sieht man nun von der physiologisch zu erklärenden Tat- 
sache ab, daß mit Hilfe selektochromatischer Emission (Linien-, 
Bandenstrahlung) gewonnenes grüngelbes Licht — etwa von der 
Wellenlänge A = 0,535^ — eine weitaus intensivere photometrische 
Reizkraft besitzt, als rotes oder violettes Licht >), so bleibt für 
Licht gleicher spektraler Zusammensetzung die von mir erwähnte 
Beobachtung bestehen, daß für den Elektrolytlichtbogen, auf den 

dE 
sich diese bezog, die Lichtausbeute mit ^-y bzw. mit b im all- 
gemeinen zunimmt 

Letztere Tatsache darf kaum Wunder nehmen. Auch Herr 
V. CzüDNOCHOWSKi betout, wenn auch im Widerspruch zu dieser 

^) Meine diesbezüglich zitierten Ansführungen bezogen sich, wie der 
Zusammenhang dort deutlich erkennen läßt, lediglich auf vergleichbare 
YerBuchsergebnisse an Lichtbogen mit Elektroden aus Leitern zweiter Klasse. 
Vgl. Elektrot. ZS. 22, 155 ff., 1901.' 

') In eingehenderer Weise habe ich dieses physiologische Moment der 
„selektochr omatischen Lichterzeugung'' in folgenden Arbeiten behandelt: 
„Licht und Energieverbrauch", ZS. f. Beleuehtungswesen 1894, 1 ff. u. 13 ff.; 
„Zur Ökonomie der Beleuchtung", Bayer. Gewerbezeitg. 12, 1897; „Über die 
Grundbedingungen einer ökonomischen Lichterzeugung", Bayer. Ind. u. Ge- 
wer bebl. 1900 ; „Fortschrittliche Prinzipien der Lichttechnik", ZS. f. Elektrot. 
und Maschinenbau, Heft 4—10, 1903. 



Nr. 16.] Ewald Rasoh. 283 

Stellungnahme, es liege im Interesse der Lichtökonomie, daß der 
Lichtbogen als solcher mit seinen leuchtenden Gasen einen 
nennenswerten Anteil an der Gesamtstrahlung nimmt. 

Die vorhin erwähnte, von mir an Elektrolytlichtbogen ver- 
schiedener Elektrodenmischungen gemachte Beobachtung kommt 
jedoch auf dasselbe hinaus. 

Die Gesamtarbeit S in kalorischem Maß für die. Zeit t ist 
S = 0,24 EJ = 0,24 (Ä J* + 6X) < in Kalorien, 
eine Gleichung, die aus der Charakteristik folgt. 

Die Eonstante h kennzeichnet den Übergangswiderstand an 
den beiden Elektroden; TcJ ist als die elektrische Arbeit, die zum 
Teil auf die Verdampfung und die Emission der Elektroden, zum 
größten Teil jedoch auf die Wärmeableitung durch die Elektroden 
entfällt So hat neuerdings G. Granquist^) nachgewiesen, daß 
beim Eohlelichtbogen durch die Wärmeleitung der Anode 42 Proz., 
durch die Kathode 37 Proz., insgesamt also 79 Proz. der Gesamt- 
energie des Lichtbogens verloren gehen. 

Die elektrische Energie, die im eigentlichen Lichtbogen, der 
glühenden Dampfsäule, in Strahlung umgesetzt wird, ist gleich 

6L, bzw., da 6 = J" -^-y ist, 

Sbo^ui = L J 5-7 • 

Hieraus erhellt, daß der Anteil der ökonomischen Licht- 
strahlung des eigentlichen Lichtbogens ceteris paribus, wie ich 

dE 
beobachtet hatte, mit ^-y zunimmt. 

Was die Ausführungen des Herrn v. Czudnochowski anlangt, 
welche die historische Entwickelung des farbigen Lichtbogens 
(;,Flammen- und EfEektbogenlicht**) zum Gegenstande haben, so 
glaube ich es mir schuldig zu sein, einige Angaben über meine 
Arbeiten auf diesem Gebiete zu machen. 

Ich habe das Prinzip der selektochromatischen Lichterzeugung, 
das nunmehr auf die Bogenlichtbeleuchtung in einem Zeitraum 



*) „Über die Bedeutung des Wärraeleitungsvermögens der Elektroden 
bei dem elektrischen Lichtbogen". Phys. ZS. 4, 537, 1903. 



284 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 26. Juni 1903. [Nr. 16. 

Yon wenigen Jahren umwälzend gewirkt hat, bereits im Jahre 1892 
in die Praxis einzuführen mich bemüht. 

Die Patentansprüche der diesbezüglichen Anmeldung (R 7687 
Vni/21c Tom 5. Dezember 1892) lauten: 

1. Farbiges Bogenlicht, bewirkt durch Versetzen der Koble- 
körper mit zweckentsprechenden Metallsalzen resp. Metallen. 

2. Erhöhung der Intensität des elektrischen Bogenlichtes durch 
Versetzen der Kohlenstäbe mit Substanzen von ausge- 
sprochenem Lichtemissionsvermögen. 

Überdies habe ich auch ein Jahr vor den ersten Bremer sehen 
Patenten, nämlich am 21. November 1898, gelegentlich eines 
öffentlichen Experimentalvortrages i) zwei farbig brennende Bogen- 
lampen vorgeführt, die mit Metallsalzen gedochtete Kohleelektroden 
besaßen. 

Ohne weiteres kann man also nicht behaupten, daß der oben 
definierte Flammenlichtbogen des Verfassers (1892) an sich „es 
bis heute nicht zu einem bedeutsamen Hervortreten gebracht hat". 
Jedoch gebe ich gerne zu, daß Herrn Bremer das Verdienst zu- 
kommt, dieser Angelegenheit durch energisches Vorgehen zum 
Erfolge verhelfen zu haben. 

Andererseits muß ich der Meinung des Herrn v. Czüdnochowski 
entgegentreten, daß der „Elektrolytlichtbogen" (1899) gewisser- 
maßen nur durch eine geänderte Benennung des von mir im 
Jahre 1892 angegebenen „Flammen- oder Effektlichtbogens" ent- 
standen ist. 

Der Elektrolytlichtbogen des Verfassers wird am besten seinem 
heuristischen und technologischen Inhalte nach durch die dies- 
bezüglichen Patentansprüche definiert Diese lauten: 
D. R.-P. Nr. 117214 (1899). Verfahren zur Erzeugung von elek- 
trischem Bogenlicht, dadurch gekennzeichnet, daß der 
Lichtbogen statt zwischen bei gewöhnlicher Temperatur 
leitenden Elektroden zwischen vorgewärmten Elektroden 
aus Leitern zweiter Klasse hergestellt wird. 
D. R.-P. Xr. 137 788 (1899). 1. Verfahren zur Erzeugung von elek- 
trischem Bogenlicht nach Patent Nr. 117 214, dadurch 



*) Bayerisches Gewerbemuseum, Nürnberg. „Über die Erzeugung hoher 
Temperaturen." 



Nr. 16.] Ewald Rasch. 285 

gekennzeichnet, daß die zur eigentlichen Lichterzeugung 
dienenden Elektrolytelektroden durch einen zwischen Hilfs- 
elektroden aus relatiy besser leitendem Material gebildeten 
Flammenbogen vorgewärmt werden. 

2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, 
daß ein oder mehrere relativ besser leitende Hilfselektroden 
an schlechter leitenden Elektrolytelektroden derart an- 
geordnet sind, daß sie den elektrischen Strom bis an die 
Verbrauchsenden der Elektrolytelektroden zuführen und 
hierdurch den Glühprozeß der Elektrolytelektroden örtlich 
auf deren Polenden beschränken. 

Wie man sieht, stützt sich der Lichtbogen des Verfassers auf 
ein physikalisch wohl definiertes Verfahren mit breiter prinzipieller 
Basis. 

Wie nämlich auch Herr v. CzuDNOCHOWSfKi betont, hat bei 
den bisher bekannten Lichtbogenarten als Kriterium für das Zu- 
standekommen eines Lichtbogens in erster Linie 

„die Art zu gelten, die Entladung hervorzurufen durch 
„Berührung zweier Elektroden miteinander und darauf- 
„folgendes Entfernen auf kurzen Abstand voneinander". 

Mit anderen Worten, die Kontaktgebung der Elektroden ist für 
eine sichere Lichtbogenbildung ausreichend. 

Demgegenüber habe ich nachgewiesen, daß man vor der 
schlechten Leitfähigkeit von Elektroden nicht Halt zu machen 
braucht, imd daß man auch die hohe Lichtökonomie dieser, die 
mit dem Gehalt an Leitern zweiter Klasse bis zu einem Maximum 
für reine Leiter zweiter Klasse zunimmt, nutzbar machen kann, 
indem man zur Erzeugung des Lichtbogens eine andere Hilfs- 
operation hiuzunimmt: die Zündung durch gesonderte Hilfsflammen 
(Flammenbögen, Funkenstrecken etc.). 

Diese Hilfszündung erhitzt die Leiter zweiter Klasse 
(„Schlacken") bis zur Leitfähigkeit und Verdampfung, so daß 
sie dann als selbständige Lichtbogenbildner an der Unterhaltung 
des Lichtbogens und an der Lichtemission teilnehmen. 

Nach den Angaben des Herrn v. Czudnochowski scheint es 
übrigens einem Zweifel nicht zu unterliegen, daß in den neueren 



286 Verhdl. d. Deutschen Physik. GMeilsch. vom 26. Juni 1903. [Kr. 16. 

l^KEMGRlampen genau dasselbe YerfahTen des Verfassers ^) in An- 
wendung kommt 

So betont Herr t. Gzudnochowski, ;,dafi ein Zusammen- 
führen der Elektroden zur sicheren Licfatbogenbildung 
nicht ausreicht'' wegen der an den Elektrodenenden sich an- 
sammelnden, den eigentlichen Herd des Lichtbogens bildenden 
Schlacken (Leiter zweiter Klasse). 

Herr Bbemer ordnet daher zwischen relativ gut leitenden 
Elektroden, nämlich zwischen der metallischen Hilfselektrode Z 
(ygL Fig. 13) und der negativen, besser leitenden Elektrode einen 
Hilf sflammenbogen an, der gegen die schlecht leitenden Elektroden- 
enden der positiven Elektrode zwecks Vorwärmung und Initial- 
zündung geblasen wird. 

Also auch hier kann man kaum behaupten, daß mein Bogen- 
licht schlechthin „es bis heute zu einem bedeutsamen Hervortreten 
nicht gebracht hat**. Andererseits stimme ich gern zu, daß letzteres 
in kommerzieller Richtung nicht für meine Persönlichkeit Gel- 
tung hat. 



») D. R.-P. Nr. 1172U (1899); D. R.-P. Nr. 137788 (1899). 



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Verbindung mit dem Hpparat nad> 81otte zur Bestimmung 
des med>ani9d>en ^ärmeaquivalentes« 

Preisliste über Neue Hpparate und Tersud>e auf Verlangen* 



1903 Heft IT 

( 

Berichte 

der 

Dentechen Physikalischen Oesellscbaft 

enthalteud 

Yerhandlnngen 

der Deutschen PF\y8ikali8chen Gesellschaft 
im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Scheel 

und 

Halbmonatliches Literaturyerzeichnls 

der „Fortschritte der Physik", dargestellt von der 
Deutschen Physikalischen Gesellschaft 

redigiert von 

Karl Scheel Eichard Assmann 

Beine Physik Koemische Physik 



Brannsehwelg 

Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn 
19 03 



M.omMush swei Nummern, — Äbonnementspreis pro Jahrgang 8 Mark, — Zu hexieliev 
ditrch äüe Buckhandlungen und PostanMaUen (Postzeitungsliste Nr. 1042 a) 



Inhalt. 

Seite 

1. Verhandlungen der Beutsolien PhyaüEalisohen OesellBohafU 

Karl Scheel, Über die Spannkraft des Wasserdampf es unter 0^. 

(Vorgelegt in der' Sitzung vom 26. Juni 1903.) 287 

2. HalbmonatliclieB Iiiteraturverseiolmia der Vortsohritte der 

Physik. 

I. Allgemeine Physik 277 

n. Akustik 278 

m. Physikalisclie Chemie 278 

lY. Elektrizität und Magnetismus 280 

Y. Optik des gesamten Spektrums 281 

VI. Wärme 282 

Vn. Kosmische Physik 284 

A.nJkündiffung'. 



Den Abonnenten der ,J^ori8cbritte der Physik" können wir die erfreu- 
liche Mitteilung machen, da/s nach langen Vorbereitungen im Anschlufs an 
das im Jahre iSg^ im Verlage von Georg Reimer in Berlin erschienene 
Qeneral' Register su den „Fortschritten derPbysiic", Band 7CKI (i^s) 
bis XLIII (i88^), das in Anlage und Ausführung übereinstimmend mit 
diesem Registerbande bearbeitete 

Namen' Register nebst Sach'Brgäazungsregister zu den 
„FortscbHtten der Physilc*', Band XLIV (i8S8) bis LIII 
(i8gj) , unter Mitwirkung von Dr. E, Schwalbe bearbeitet 
von Dr, G. Schwalbe, 

Mt&r Ausgabe gelangt ist. 

Nach einer Etnlettung^ welche dasu dient, den Gebrauch des Werkes 
8U erleichtem, wird eine Übersicht über den Umfang der Bände, sowie über 
die Redakteure und Referenten, welche während der Jahre i888 bis i8^ 
tätig waren, gegeben. Der Haupiteü selbst aerfällt in gwei Teile: Das 
Namenregister, in welchem sämtliche in den sehn Jahrgängen der tfPort- 
schritte** erwähnten nicht anonymen Titel in alphabetischer Reihenfolge der 
Autorennamen sich vorfinden^ und das Sach'BrgättZungsregister, in wel' 
chem die anonymen Titel in sachlicher Weise geordnet sind. Wie aus der Ein- 
leitung sich ergibt^ ist durch umfassende Vergleiche für die Richtigkeit der 
einseinen Titel nach Möglichkeit gesorgt worden. Ebenso ist dem Bedürfnis 
nach Vollständigkeit in weitestem Mafse Rechnung getragen. 

Für alle, welche auf den Gebrauch der „Fortschritte** in ihren wissen- 
schaftlichen Untersuchungen angewiesen sind, dürfte das vorhegende Re- 
gister SU einem wichtigen, wenn nicht unentbehrlichen Nachschlagewerk 
werden. Auch für Bibliotheken, welche die „Fortschritte der Plgysik*' 
halten, erscheint dasselbe als notwendige Ergänzung su denselben. 

Der Preis des stattlichen Bandes beträgt M. 6o, — , worauf den Mit- 
gliedern der Deutschen Physikalischen Gesellschaft die bekannte Brmdfsigung 
gewährt wird. 

Die Verlagsbuchhandlung Friedr. Vieweg 6t Sohn 
in Braunschweig. 



Verhandlungen 

der 

Deutschen Physikalischen Gesellschaft 



Im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Scheel 

6. Jahrg. 15. September 1008. Nr. 17. 

Vber die Spannkraft des Wasserdampfes unter O«; 
von Karl Scheel. 

(Vorgelegt in der Sitzung vom 26. Juni 1903.) 
(Vgl. oben S. 234.) 



Die Spannkraft des Wasserdampfes unter 0® ist kürzlich von 
Hrn. Thiesen i) zum Gegenstand einer interessanten theoretischen 
Untersuchung gemacht worden. Als Schlußresultat seiner Be- 
trachtungen findet Hr. Thiesen, daß sich die Spannkraft des 
Wasserdampfes p in Millimetern darstellen lasse durch zwei For- 
meln, nämlich über Eis durch: 

über Wasser durch: 

^ iisllä = 273 + i (^'•^^^ ~ ^'^^"'^* • ' + 0,000002 (« ), 

worin durch Log der gemeine Brigg sehe Logarithmus bezeichnet 
wird und t die Temperatur nach der Celsiusskala bedeutet. 



») M. Thiesen, Wied. Ann. 67, GOO-fiir), 18{)9. 



288 VerhdI. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 26. Juni 1903. [Nr. 17. 

Nachdem ich die Neubearbeitung der Spannungstafeln für 
die 8. Auflage der Lavdolt*Börnstein sehen Tabellen übernommen 
hatte, habe ich Veranlassung genommen, die obigen theoretischen 
Formeln mit den bekannten besten experimentellen Daten zu ver- 
gleichen. Dabei ergibt sich eine bemerkenswerte Bestätigung der 
theoretischen Formeln, welche hier mitzuteilen einiges Interesse 
bieten dürfte. 

Sieht maA virni den älteren YersHchen ab und betrachtet nur 
neuere einwandfrei ausgeführte Messungen, so kommen für den 
vorliegenden Zweck nur folgende Beobachiungen in Frage: 

1. Die umfangreichen Messungen Regnaülts*) über die 
Spannung des Wasserdampfes über Wasser, welche später u. a. von 
Brogh^) eingehend diskutiert und zu endgültigen Tafeln ver- 
arbeitet wurden. 

2. Beobachtungen von Fischer ») gleichzeitig für Wasser und 
Eis, welche sich nur auf ein sehr geringes Temperaturintervall 
beziehen, die aber zuerst den experimentellen Beweis dafür lie- 
fern, daß die Spannung über Eis und Über Wasser bei 0^ die 
gleiche ist. 

3. Messungen von Juhlin*) über Eis zwischen Qo und — 50oC. 
und über Wasser zwischen -[-20o und — IS^C, welche gleicher- 
weise für beide Fälle bei 0^ nur einen geringen Unterschied 
liefern. 

4. Untersuchungen von Marvin^) bezüglich der Spannung 
des Wasserdampfes über Eis. 

Die von den vier Beobachtern direkt erhaltenen Resultate 
sind hierunter zusammengestellt: 



') V. Regnault, Relations des experiences 1, 465—633, Paris 1847. 

•) 0. J. Baoob, Trav. et Mem. du bureaa intern, des Poids et Mesures 
1, A, 22, Paris 1881. 

»). Wilhelm Fischer, Wied. Ann. 28, 400—432, 1886. 

*) Julius Juhlin, Bih. tili K. Svenska Vet.-Akad. Handl. 17, Afd. I, 
Nr. 1, 72 S., 1891. 

*) C. F. Marvin, Extract Nr. 10 from Annual Report of the Chief 
Signal Ofiicer 1891, 351— 3b3, Washington 1892. 



Nr. 17.] 



Kad SokeeL 



289 



Tempe- 
r&tar 


Spannung über Wasser (mm) 


Spannung über Eis (mm) 


Regnaült- 
Bbooh 


FlSCHEE 


JUHLIN 


Fischer 


JOBLIN 


Mabvik 


— 600 





^^ 


^_ 


-mm 


0,050 


0,030 


— 45 


— 


— 


— 


— 


0,077 


0,057 


— 40 


— 


— 


— 


— 


0,121 


0,100 


— 36 


— 


— 


— 


_- 


0,194 


0,165 


— 30 


0,380 


— 


— . 


— 


0,312 


0,284 


— 25 


0,606 


-^ 


— 


— . 


0,506 


0,478 


-20 


0,944 


— 


1,006 


— 


0,806 


0,781 


— 15 


1,439 


— 


1,492 


— 


1,279 


1,246 


— 10 


2,151 


2,25 


2,197 


2,03 


1,999 


1,961 


— 5 


3,161 


3,22 


3,203 


3,06 


3,068 


3,009 





4,569 

1 


4,63 


4,618 


j 4,64 

1 


4,602 


4,568 



Die Übereinstimmung der Zahlen ist für gleiche Tempera- 
turen bereits eine zufriedenstellende zu nennen, sie wird aber 
noch erheblich besser, wenn man die Annahme macht, daß die 
Zahlen eines jeden BeabachtM*s noch mit konstanten Fehlem be- 
haftet sein können, die etwa durch eine falsche Nulllage des 
benutzten Manometers hervorgerufen sein könnten. Daß eine 
solche Annahme erlaubt ist, beweist eine Äußerung Regnaults i), 
daß bei seinen Versuchen die verschiedenen Reiben häufig um 
Beträge voneinander abwichen, welche durch die ganzen Reihen 
hindurch konstant blieben. 

Es liegt nun am nächsten, als einen Wert, auf den alle 
Reihen zu beziehen sind, denjenigen anzunehmen, welchen Herr 
Thiesek und ich>) als Mittelwert aus zahlreichen Messungen bei 
O^' mit Hilfe eines Differential -Quecksilbermanometers gefunden 
haben, dessen Schenkel abwechselnd dem zu bestimmenden Drucke 
ausgesetzt werden konnten. Reduziert man alle Reihen durch 
Addition von Konstanten auf diesen Wert, 4,579 mm, so erhält 

folgende Tabellen: 



») 1. c, S. 580; v^l. Pogg. Ann. Erg.-Bd. 2, 171, 1848. 
•) M. Thiesen und K. Scheel, Wissenschaf tl. Abb. der Physikalisch- 
Technischen Reichsanstalt 3, 71—94, 1900. 



290 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsoh. vom 26. Juni 1903. [Nr. 17. 
1. Spannung über Wasser (mm). 



Tempe- 
ratur 


Rbgnault- 
Bboch 


Fischer 


JUHLIK 


Mittel aus 

Regnault-Bboch 

und'JcHLiN 


Thiesen- 
Formel 


— 30» 


0,390 


— 


— 




• 


--25 


0,616 


— 


— 


. — 


— 


-20 


0,954 


— 


0,966 


0,960 


0,939 


— 15 


1,449 


— 


1,453 


1,451 ( 


' 1,432 


— 10 


2,161 


2,19, 


2,158 


2,159 


2,145 


— 5 


3,171 


3,16, 


3,164 


3,167 


« 3,162 





4,579 


4,579 


4,579 


4,579 


4,581 • 





2. 


Spannung über Eis (mm). 




Tempe- 
ratur 


FlSCHEB 


JüHLIN 


Mabvin 


Mittel aus 

JüHLIN und 

Marvin 


Thiesen- 
Formel 


— 50° 





0,027 


0,041 


0,034 


0,029 


— 45 


^ 


0,054 


0,068 


0,061 


0,054 


— 40 


— 


0,098 


0,111 


0,104 


0,096 


-35 


— 


0,171 


0,176 


0,173 


0,167 


— 30 


— 


0,289 


0,295 


0,292 


0,284 


-25 


— 


0,480 


0,489 


0,484 


0,473 


— 20 


— 


0,783 


0,792 


0,787 


0,772 


— 15 


— 


1,256 


1,257 


1,256 


1,237 


— 10 


1,96, 


1,976 


1,972 


1,974 


1,946 


- 5 


2,99, 


3,045 


3,020 


1 3,032 


3,010 





4,579 


4,579 


4,579 


4,579 


4,581 



Bildet man unter Nichtberücksichtigung der Beobachtungen 
Fischers, die sich ja nur auf ein kleines Intervall beziehen, die 
Mittelwerte aus Regnault-Broch und Jühlin einerseits, sowie 
JuHLiN und Marvin andererseits, so gelangt man zu Resultaten, 
welche mit den aus den oben mitgeteilten Thiesen sehen Formeln 
berechneten selir nahe übereinstimmen. 

Meinen Berechnungen für die Landolt-Bürnstein sehen 
Tabellen habe ich die Mittelwerte in den fünften Spalten der 
beiden vorstehenden Zusammenstellungen zu Grunde gelegt 



Verlag von Friedr. Vleweg & Sohn in Braunschweig. 

Nen erschienen: 

Vorlesungen 

über 

Experimentalphysik 

von 

August Kundt, 

weiland Professor an der Universit&t Berlin, 
herausgegeben von 

Karl Scheel. 



Mit dem Bildnis Kundts, 534 Abbildungen und einer farbigen 

Spektraltafel. 

gr. 8. Preis geh. 15 M., geb. 17 M. 



Die Yorlesangen Kundts verdanlcen ihre Veröffentlichung dem viel- 
fach ausgesprochenen Wunsche früherer Schüler des großen Experimen- 
tators , die Vorlesungen nicht der Vergessenheit anheimfallen zu lassen. 

Der Umstand, daß das Manuskript ein einheitliches Ganzes darbot, 
mußte jeden Versuch zurückweisen, durch Einfügung neuer Kapitel 
die Fortschritte der Wissenschaft im letzten Jahrzent zu berücksichtigen 
und dadurch die Vorlesungen zu einem Lehrbuch der Physik auszu- 
gestalten, um so mehr, als dieselben hierdurch sehr an ihrer Originalität 
eingebüßt haben würden. 

Kundts Vorlesungen geben ein Bild des klassischen Bestandteils 
der physikalischen Wissenschaft und sind vermöge der überaus anschau- 
lichen und leicht verständlichen Sprache so recht geeignet, nicht nur 
dem Studierenden der Physik als Leitfaden neben den gehörten 
Vorlesungen zu dienen, sondern auch dem Schüler die Einführung 
in die physikalischen Erscheinungen zu erleichtem. Vor allem wird 
aber auch deijenige, welcher mit den Lehren der Physik vollkommen 
vertraut ist, sich der eleganten und originellen Darstellung der ihm 
bekannten Tatsachen stets aufs neue freuen. 



Za beziehfiii durch alle Bnchhandlnngea. 



296 



tJber die Ftage der Beetnßusgu/ng von KaOiOden^ 

Htrahlen; 
von F. Neesen. 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 22. September 1903.) 
(Vgl. oben S. 292.) 



Um ZU zeigen, daß das Fehlen einer Einwirkung von ver- 
schiedenen Kathodenstrahlen aufeinander nicht von einer ent- 
gegenwirkenden elektrodynamischen Wirkung abhängt, werden in 
einer Bohre zwei Eathodenstrahlen Yon getrennten Entladungen 
in entgegengesetzter Richtung in unmittelbarer Nähe aneinander 
Yorbeigeführt. Auch dann tritt keine Einwirkung ein, obgleich 
jetzt die elektrodynamische Wirkung die elektrostatische unter- 
stützen muß. 



Demonstration einer Quecksttberpumpe; 
von F. Neesen. 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 22. September 1908.) 
(Vgl. oben S. 292.) 



Die Pumpe ist eine doppelwirkende Kolbenpumpe, welche ein 
andauerndes Aussaugen bewirkt. Zwei gleiche Pumpenhälften 
werden durch einen Hahn abwechselnd mit der äußeren Luft be- 
züglich einer Vorpumpe in Verbindung gesetzt* Die Steuerung 
des Hahnes erfolgt durch eine Hilfspumpe. Der glastechnische 
Aufbau ist von Herrn Bürger wesentlich vereinfacht 



297 



Freanelsehe Interferenzen a/n zwei planparaUelen 

Flauen ala Varlesu/nggvereuch f 

von J. Classen. 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 22. September 1908.) 
(Vgl. oben S. 292.) 



Fallt licht durch zwei nahezu parallele Platten von gleicher 
Dicke,* 80 entstehen Interferenzstreifen; dieselben sind leicht zu 
beobachten mit auf unendlich eingestelltem Auge oder Femrohr 
und sind als BREWSTERsche Streifen bekannt. Unter bestimmten 
Verhältnissen sind diese Streifen auch objektiv zu projizieren und 
ergeben dann eine außerordentlich schöne und glänzende Inter- 
ferenzerscheinung, die als Grundversuch in einer Vorlesung für 
die Einfuhrung in die Wellenlehre des lichtes sehr geeignet er- 
scheint Die Entstehungsweise dieser Streifen veranschaulicht die 
nachstehende Figur. Von einem Lichtpunkte L werden von den 



Jii--. Li 



La 
Flächen der Platte I die Bilder L\ und 1!% erzeugt Li gibt an 
der Hinterfläche Ton II das Bild Xj und Li, an der Vorderfläche 
von n das Bild L^. Die beiden lichtaussendenden Punkte L^ und 
Ls lassen sich nun vollständig wie die beiden Bilder in Fresnels 
Zweispiegelversuch betrachten und müssen genau das gleiche 
Interferenzstreif ensystem geben. Die Mitte dieses Streifensystems, 
also der in der Projektion allein sichtbare Teil, muß in der zu 
der Strecke L^L^ senkrechten Symmetrieebene liegen. Sendet 
man daher ein schmales lichtbündel aus einer Projektionslampe 
auf die Platte, so kann man diese Mitte des Streifensystems in 
dem zweimal reflektierten Bündel aus leicht zu übersehenden 



298 Yerhdl. d. DeatBchen Physik. Geselhoh. y. 22. Sept. 1908. [Nr. 18/19. 

geometrischen Gründen nur dann haben, wenn der reflektierte 
Strahl zwischen den beiden Platten senkrecht zur Halbierungs- 
linie des Winkels zwischen beiden Platten verläuft Genügt man 
dieser Bedingung, so erhält man leicht auf dem Projektionsschirm 
neben dem Lichtfleck, der von dem direkt durchgehenden Licht 
herrührt, den yon dem zweimal reflektierten Lichte herrührenden 
Fleck und in diesem, wenn der Winkel zwischen den Platten 
hinreichend klein ist, deutliche und breite Interferenzstreifen. Ist 
die Ebene des Neigungswinkels der Platten imd des Lichtstrahls 
horizontal, so ist notwendig, da man nahezu senkrechte Inzidenz 
hat, das zweimal reflektierte Licht sehr schwach. Wählt man den 
Neigungswinkel größer, so wird zwar das reflektierte Licht heller, 
aber gleichzeitig wird der Streifenabstand enger, so daß die Streifen 
bald aus einiger Entfernung nicht mehr beobachtet werden können. 
Bis zu sehr großen Neigungswinkeln und Fernrohrbeobachtung 
und homogenem Licht ist diese Erscheinung von Lummer verfolgt 
worden. Für die objektive Darstellung kann man die gleiche 
Erscheinung in beträchtlicher Lichtstärke erhalten, wenn man die 
Ebene des Neigungswinkels der Platten senkrecht stellt bei hori- 
zontalem Lichtstrahl; man kann dann das Licht sehr schräg auf 
die Platten auffallen lassen, ohne den Neigungswinkel zu ver- 
größern, indem man in der Figur den Lichtpunkt gewissermaßen 
senkrecht nach vorn aus der Papierfläche heraustreten und die 
Lichtstrahlen schräg durch die Papierfläche hindurchtreten läfst 
Man kann dann auch noch die. Platten bedeutend voneinander 
entfernen und erhält eine Aufstellung, die äußerlich ganz der- 
jenigen im Jamin sehen Interferenzrefraktometer ähnelt, nur daß 
in ihr die Schnittlinie der Platten horizontal, während sie bei 
Jamin vertikal ist Man kann dann das direkte Licht abblenden 
und erhält ein lichtstarkes Interferenzstreifensystem, in dem man 
durch Ändern der Plattenneigung den Streifenabstand beliebig 
variieren kann. 

Die Erscheinung wurde vorgeführt, indem dabei das Bild, 
das das Kondensorsystem einer Projektionslampe von der positiven 
Kohlenspitze entwirft, dicht an die Platte I gelegt wurde. Zum Ge- 
lingen des Versuchs in dieser Anordnung ist nur ein gutes Platten- 
paar erforderlich. Die Platten müssen gut plan und aus einem 
Stück geschnitten sein, damit sie genau die gleiche Dicke haben. 



299 



Schneidentßne und Labtalpfeifen; 
von R. Waehsmuth. 

(Vorgetragen in der Sitznng vom 23. September 1903.) 
(Vgl. oben S. 292.) 



Zum Verständnis der Tonbildung bei Labialpfeifen muß man 
die Vorgänge zwischen Kemspalt und Mitte der Pfeife genau 
kennen. Um diese zu studieren, tut man gut, zunächst von dem 
Resonanzrohr abzusehen und die Erscheinungen zu untersuchen, 
welche auftreten, wenn in einen blattförmigen Luftstrom eine 
Einlage gebracht wird. Um den Pfeifenteilen zu entsprechen, 
wird der Luftstrom aus einem Windkasten mit rechteckiger Öffnung 
austreten und gegen die scharfe Schneide öines der Spaltöffnung 
parallelen Keils anschlagen müssen. Auch bei dieser Anordnimg 
treten Töne auf, die sogenannten Schneidentöne. Sie sind im 
allgemeinen höher aU die Töne von Orgelpfeifen mit der gleichen 
Maulweite. 

Bringt man zunächst die Schneide vor die Spaltöffnung, so 
erhält man gar keinen Ton. Bei Vergrößerung des Abstandes 
und möglichst axialer Führung der Schneide tritt jedoch schon 
bei ziemlich kurzen Entfernungen ein hoher Ton auf. Die Ton- 
höhe ist bei gleichem Abstand abhängig vom Luftdruck. Mit 
wachsender Entfernung wird der Ton tiefer — entsprechend einem 
abnehmenden Luftdruck — bis zu einem gewissen, vom Blase- 
druck und der Spaltweite abhängigen Abstand. Hier springt der 
Ton plötzlich um eine Oktaye in die Höhe, wird bei weiterem 
Wachsen der Entfernung wieder tiefer, bis ein zweiter Sprung 
erfolgt, diesmal um eine Quint in die Höhe. Jetzt verliert der 
Ton schnell an Reinheit, doch gelingt es manchmal, noch einen 
dritten Sprung zu hören. ScUießlich tritt noch ein Sprung, 
diesmal um eine Oktave, in die Tiefe auf, wenn man in der Lage 



300 VeAdL d. Deutschen Physik. GeseUsoh. v. 23. Sept. 1903. [Nr. 18/19. 



zwischen erstem und zweitem Sprung mit dem Keil aus der Mitte 
auf die Seite geht (Vgl. hierzu die yerschiedenen Lagen des 
Keils in der Figur.) 

Eine Erklärung dieser Sprünge wurde auf photographischem 
Wege gesucht. Ein an anderer Stelle näher zu beschreibender 
Apparat besaß in einem lichtdicht verschlossenen Kasten eine 
große, sehr schnell rotierende Trommel, auf welche ein Film auf- 
gespannt war. Die Belichtung des Films erfolgte durch eine 
schmale Öffnung in dem KastendeckeL Über dieser Öffnung war 
auf dünnster Glimmerplatte der zu photographierende Teil der 
Pfeife oder die Windlade mit Keil aufgebaut 40 bis 50 cm über 
dem Film war die Funkenstrecke angebracht Die Beleuchtungs- 
funken wurden durch die Partialentladungen einiger Leydener 
Flaschen gebildet Wenn nun der Luftstrom der Pfeife mit 
Ätherdampf versetzt war, so erhielt man durch jeden Funken als 
Schliere auf dem Film ein Bild von dem 
augenblicklichen Zustande des Luftstroms. Der 
Film rotierte so schnell, daß jede 4000 tel bis 
6000 tel Sekimde eine Aufnahme erfolgen konnte, 
eine einzelne Schallschwingung sich also in 
mlBhrere Phasen zerlegen ließ. 

Auf diesem Wege wurde nachgewiesen, 
daß das Luftband, welches aus einem recht- 
eckigen Spalt austritt, sich schon von vorn- 
herein in einem labilen Gleichgewichtszustande 
befindet und daher praktisch schon eine kurze 
Strecke von der Öffnung entfernt abwechselnd 
nach beiden Seiten pendelt Unter Wirkung 
der widerstehenden, weil ruhenden Umgebung 
entsteht dadurch ein Luftstrom von der hier- 
neben abgebildeten Gestalt. 
Die in die Figur hineingezeichneten verschiedenen Keillagen 
I bis IV soUeü eine Erklärung für die verschiedenen Höhen und 
Sprünge der Schneideiitöne bieten. Der Ton entsteht durch An- 
schlagen dor sich vorwärts bewegenden, dabei aber quer gestellten 
Blatt£äcfaen. Geht man mit dem Keil aus Stellung I langsam in 
Stellung U über, so kommt der Augenblick, wo wegen der Krümmung 
des Bandes statt eines Anschlages deren zwei in nahezu derselben 




Nr. 1€^9.] R. Waohflmnth. 301 

Zeit erfolgen 1). Das entspricht also dem ersten Tonqirung um 
eine Oktaye in die Höhe. Analog erhält man bei der dritten 
Stellung drei Anschläge statt zwei und dadurch den Quinten- 
sprung. Bückt man schließlich von 11 zur Seite in Stellung IV, 
so schlägt jetzt nur noch die gewöhnlich in einem Wirbel zu- 
sammenhängende gemeinsame Kante zweier Luftschichten an den 
Keil, und es muß ein Oktavensprung in die Tiefe erfolgen. Die 
Entfernung der Sprungstellen voneinander und von dem Spalt 
ist von der Stärke des Winddruckes abhängig. (Diese Erklärungs- 
weise wird durch eine Reihe von projizierten Filmaufnahmen in 
den verschieden Gebieten belegt) 

Aus der Bewegungsgeschwindigkeit des Films und dem Ab- 
stand zwischen zwei Bildern gleicher Phasen läßt sich die Ton- 
höhe direkt berechnen. 

Weitere Versuche betreffen die Resonanz. Hält man in die 
Nähe des Keils in Lage II eine verstellbare Besonanzröhre, so 
läßt sich nicht nur der vorhandene Schneidenton verstärken, 
sondern auch durch Verdoppelung der Länge die tiefere Oktave 
erzwingen. 

Geht man jetzt von den Schneidentönen zu den Pfeifentönen 
über, so wird der Unterschied lediglich im Besonanzraum liegen. 
Ist der anblasende Luftstrom stark genug, um die Eigenschwingung 
des Besonanzraumes lebhaft zu erregen, so kommt der Zerfall in 
die einzelnen Schichten nicht mehr zustande, vielmehr unter- 
stützt dann der Besonanzraum die ursprüngliche Schwingung der 
Lamelle so kräftig, daß jetzt das Luftband nicht mehr abbricht, 
sondern in ganzer Länge in der schon vielfach dargestellten 
Weise um die Lippe pendelt. Dabei gehört zu einer beliebigen 
Schwingungsperiode offenbar jedesmal ein ganz bestimmter Luft- 
druck. Einen gewissen Spielraum gewährt die Besonanz. 

Wird aber der Druck zu klein, so bietet diese keine Unter- 
stützung mehr, und das Blatt zerfällt wie bei dem Keil allein. 
Es treten Schneidentöne auf. Man kann bei kleinen Pfeifen 



^) Diese Annahme ist, wie die Disknssion ergeben hat, in der vor- 
liegenden Form unhaltbar. Die kinomatog^aphischen Aufnahmen der Luft- 
schwingungen vor und nach dem ersten und zweiten Sprung ergaben jedoch 
ganz der Figur entsprechende Bilder, so daß in dieser Richtung nach dem 
noch unbekannten Zusammenhang gesucht werden muß. 



302 Yerhdl. cL Deatsohen Physik. Geeellaoh. y. 2S. Sept. 1908. [Kr. 18A9. 

durch vorsichtiges leises Anblasen leicht eine ganze Reihe von 
ihnen erhalten. Von diesen werden, die einem Oberton der Pfeife 
entsprechen, durch Resonanz verstärkt, behalten aber ihre Gestalt 
als Schneidentöne genau wie in der Figur. 

Wird der Luftdruck größer, als für die dem Resonanzraum 
entsprechende Grundschwingung nötig ist, so zwingt auch hier 
der Resonanzraum eine Zeitlang seine Periode auf, dann aber 
springt der Ton plötzlich in den nächsten Oberton der Pfeife, 
jedoch wieder als Grundschwingung und ohne Zerfall, weil eben 
dem gesteigerten Luftdruck die erhöhte Periode entspricht und 
die Resonanz der Pfeife den Zerfall verhütet 

Auch von den Orgelpfeifen werden Filmaufnahmen projiziert, 
die Grundton, sowie die Obertöne bei Über- und Unterdruck 
demonstrieren. 



303 



Analyse und Syn^iese von Sehwi/ngungen; 
van JE. GrtmsehL 

(Yorgeira^en in der Sitzung vom 23. September 1908.) 
(Vgl. oben S. 292.) 



Zur Eonstraktion des Urnen heute Yorzuffihrenden Apparates 
zur Analyse von Schwingungen veranlaßte mich der Wunsch , bei 
der Bestinunung der Schwingungszahl eines Tones mit der ge- 
wöhnlichen Lochsirene ein Zählwerk zu benutzen, das vollständig 
unabhängig von der Umdrehung der Sirenenscheibe ist, um den 
Übelstand zu yermeiden, daß durch die Einschaltung des Zähl- 
werks eine Störung der Umdrehungsgeschwindigkeit erfolgt. Zu 
dem Zwecke versuchte ich, einen durch die Lochreihe der ge- 
drehten Sirenenscheibe fallenden Lichtstrahl auf eine bewegte 
photographische Platte fallen zu lassen. Die Unterbrechung des 
Lichtstrahls mußte sich dann auf der photographischen Platte 
durch eine Reihe dunkler Punkte bemerkbar machen. Wenn man 
die Zeit kennt, während welcher die Platte bewegt wird, so ist 
.eine Abzahlung der dunklen Punkte, also auch eine unmittelbare 
Bestimmung der Unterbrechungen, d. h. der Schwingungszahl des 
Tones, ausführbar. Die einfachste Art der Bewegung schien mir 
die zu sein, daß ich eine photographische Platte vor dem unter- 
brochenen Lichtstrahl frei vorbeifallen ließ. In der Tat erwies 
sich dieses Verfahren als gut ausführbar, und so kam es nur 
darauf an, eine bequeme Versuchsanordnung zu treffen. Dieses 
ist durch den vor Ihnen stehenden Apparat Fig. 1 (a. f. S.) voll- 
kommen erreicht 

Der Apparat besteht aus einem auf einem Stative aufgestellten 
astronomischen Femrohr. - An der Stelle, wo das reelle Bild des 
Gegenstandes erzeugt wird, ist eine Hülse angebracht, durch welche 
hindurch eine photographische Platte von 3 cm Breite in einem 
beabsichtigten Augenblicke hindurch fallen kann. Zu dem Zwecke 
ist auf die obere und untere Seite der Hülse eine flache, durch 
einen Schieber verschließbare Kassette aufgesteckt In die obere 
Kassette wird vor Beginn einer Beobachtung eine photographische 



304 VerhdL d. Deutschen Physik. Gesellsoh. v. 23. Sept. 1903. [Nr. 18/19. 

Platte in einen passenden Metallrahmen eingebracht. Zieht mau 
dann den Eassettenschieber heraus, so fällt der Metallrahmen mit 
der Platte auf einen in der mit dem Femrohr verbundenen Hülse 
befindlichen Haltestift, der entweder durch einen Druckknopf oder 
auf pneumatischem Wege durch Drücken auf einen GummibaU 

Fig. 




zurückgezogen werden kann, wodurch der Metallrahmen mit der 
photographischen Platte frei wird. Die Platte fällt herunter, 
durch das Femrohr hindurch in die untere Kassette, die nun yer- 
schlossen wird. In der Dunkelkammer kann dann die Platte 
entwickelt werden. 



Nr. 18/19.] £. GrimsehL 305 

Um mit dem Apparate Beobachtangen zu machen, stellt man 
zuerst das Okular des Fernrohres so ein, daß man das Korn 
einer in die Hülse eingesetzten Mattscheibe oder die Zeichnung 
eines eingesetzten photographischen Negativs oder DiaposiÜTS 
möglichst scharf sieht Zur Einstellung eignet sich gut ein altes 
photographisches Negativ, auf dessen Schicht man mit einem 
scharfen Messer ekiige scharfe Striche gezogen hat. Das ein- 
gestellte Okular des Femrohres dient jetzt als photographische 
Einstelllupe, die man ohne Mattscheibe zur Einstellung des 
OlgektiTB benutzen kann. Dann stellt man das Objektiv^ ohne 
das Okular zu verschieben, scharf auf den zu beobachtenden 
Gegenstand, also in dem oben beschriebenen Falle die Locher- 
reihe der Sirenenscheibe, ein, nachdem man die beiden Kassetten, 
die obere mit Platte versehen, eingesetzt hat Jetzt ist der 
Apparat zur Aufnahme vorbereitet Man setzt die Sirenenscheibe 
in Bewegung und drückt in dem Augenblicke, wo der erzeugte 
Ton die verlangte Höhe hat, auf den Ball. Die Aufnahme ist 
vollendet, und nadi Entwickelung der Platte kann die Zählung 
der Schwingungen erfolgen. Um die Fallzeit der Platte zu be- 
stimmen, macht man denselben Versuch mit einer gleichartigen 
photographischen Platte, auf der man die Schwingungen einer 
Stimmgabel von bekannter Schwingungszahl photographisch fixiert 
Aus einer größeren Zahl Ton Beobachtungen hat sich ergeben, 
daß die Fallzeit der photographischen Platte mit nur minimalen 
Abweichungen immer dieselbe ist. Das ergibt sich daraus, daß 
die verschiedenen photographischen Stimmgabelkurven vollständig 
zur Deckung gebracht werden können. Bei dem vorliegenden 
Apparat beträgt die Fallzeit, d. h. die Zeit, während welcher die 
Platte vor einem Punkte des reellen Bildes vorbeifällt, annähernd 
0,05 Sekunde. 

Beim Arbeiten mit dem Apparat, der von der Firma A. Krüss, 
Hamburg, gebaut wird, hat sich ein außerordentlich ausgedehntes 
Anwendungsgebiet desselben geboten, von denen ich Ihnen einige 
kleine Proben vorführen möchte. 

Bevor ich Ihnen jedoch die Aufnahmen vorführe, möchte ich 
noch eine Yersuchsanordnung zeigen, die sich zum Studium der 
Schwingungen tönender Stimmgabeln, Saiten u. a. als brauchbar 
erwiesen hat: Sie sehen hier den leuchtenden, horizontalen Leucht- 



306 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. v. 28. Sept. 1903. [Nr. 18/19. 

körper einer Nemstlampe, Modell B 1902, von der ich die Vor- 
wärmespirale entfernt habe, die also zum Brennen mit einem 
Streichholz vorgewärmt werden muß. Der Nernstkörper ist eine 
für viele Zwecke bequem brauchbare Lichtquelle, die den Spalt 

Fig. 5. 




bei Tielen Versuchen ersetzen kann, wie ich übrigens gestern bei 
einem Apparate, den ich in Abteilung XII vorgeführt habe, schon 
gezeigt habe. 

Vor dem leuchtenden Nemstfaden habe ich eine Stahlsaite 
vertikal ausgespannt. Richte ich nun den photographischen 



Nr. 18/19.] K Grimsehl. 307 

Apparat auf den Nemstkörper und stelle auf die Saite scharf 
ein, so sehe ich eine helle Linie mit einem dunkeln Fleck dort, 
wo die Saite ist. Nun setze ich die Saite in Schwingungen, 
drücke auf den Ball, und die Aufnahme der Saitenschwingung ist 
beendet. 

Der leuchtende Nemstfaden hat auf der Platte einen schwarzen 
StSreifen erzeugt, auf dem sich beim Entwickeln eine Wellenkurve 
zeigt, die daher rührt, daß die durch die Saite hervorgerufene 
Unterbrechungsstelle des leuchtenden Fadens sich infolge der 
Schwingung der Saite hin und her bewegt hat Aus der erhal- 
tenen Schwingungskurve ist der Charakter des von der Saite er- 
zeugten Tones mit Klarheit zu erkennen. Ich werde die eben 
ausgeführte Aufnahme heute noch entwickeln, um sie Ihnen am 
Schlüsse der heutigen Sitzung zu zeigen. Jetzt möchte ich 
Ihnen die Resultate von Versuchen vorführen, die ich zu Hause 
gemacht habe. 

Fig. 2 zeigt eine Aufnahme des durch eine rotierende Sirenen- 
scheibe fallenden Lichtstrahls. Daß diese Aufnahme wohl geeignet 
ist, die Gesetze des freien Falles der fallenden photographischen 
Platte aus dem zunehmenden Abstände der aufeinander folgenden 
Lichteindrücke abzuleiten, mag nur nebenbei bemerkt werden. 

Fig. 3 zeigt die Schwingungskurve, die dadurch erzeugt ist, 
daß die Zinke einer schwingenden Stimmgabel von 435 Schwin- 
gungen vor dem Nemstkörper in Schwingungen versetzt ist. 

Fig. 4 ist die Aufnahme einer frei von Obertönen schwin- 
genden ausgespannten Saite. In Fig. 5 sehen Sie das Mitklingen 
der Oktave des Grundtones als Oberton. 

Figg. 6 und 7 (a. f. S.)' zeigen noch andere Obertöne, deren 
Schwingungszahl sich durch einfaches Abzählen der Schwingungen 
ergibt. 

Die oben gezeigten Kurven erinnerten mich an die schon 
früher von Raps und Krigar-Menzel ausgeführten Photographien 
von schwingenden Saiten. Tatsächlich ist das Grundprinzip der 
Anordnung bei meinen Aufnahmen dasselbe wie bei den Raps- 
schen Versuchen. Nur ist die Versuchsanordnung und die Aus- 
führung der Versuche bei meinem Apparat so einfach, daß, wie 
Sie eben gesehen haben, kaum eine Vorbereitung für eine Be- 
obachtung nötig ist 



308 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellich. v. 28. Sept. 1908. [Nr. 18/19. 

Bei der Leichtigkeit der Aasfühning der Versuche lag es 
nahe, auch andere oszillatorische oder schnell verlaufende Vor- 
gänge mit dem Apparate zu untersuchen. So wurde denn auch 
versucht, elektrische Entladungen zu studieren, um vielleicht elek- 
trische Wellen aufzunehmen, obwohl die hohe Schwingungszahl 

Fig. 6. Fig. 7. Fig. 8. Fig. 9. 



der elektrischen Wellen wenig Aussicht auf Erfolg versprach. Bei 
diesen Aufnahmen, die von stud. phys. Westphal in Hamburg 
gemacht sind, ergab sich das in Fig. 8 dargestellte Bild. Das 



Nr. 18A9.] E. Grimsehl. 309 

Bild stellt die Funkenstrecke eines 30 cm-Induktors dar, in dessen 
Zuleitung eine große Kapazität in Gestalt großer Leydener Flaschen 
eingeschaltet wurde. Zwischen der einen Leydener Flasche und 
der Funkenstrecke wurde eine Selbstinduktion eingeschaltet, deren 
Größe aber ohne wesentlichen Einfluß auf das Auftreten der Er- 
scheinung zu sein schien, wenn sie nur eine gewisse Größe 
überstieg. Die bei dem Entladungsfunken auftretende Aureole 
wurde, weil sie zu störenden Schleiern der Platte Veranlassung 
gab, mit dem Munde fortgeblasen. Offenbar sind die eigentüm- 
lichen Wiederholungen der Entladung Teilentladungen, die der 
ersten Hauptentladung folgen. Die geringere Stärke der nach- 
folgenden Entladungen rührt dayon her, daß durch den ersten 
Entladungsschlag der Flaschen die zwischen den Spitzen befind- 
liche Luft leitend wird, daß also demnach zu den folgenden 
Entladungen nur ein geringeres Entladungspotential nötig ist 
als zu der ersten Entladung. Daß diese wiederholten Entladungen 
keine elektrischen Schwingungen sind, ergibt sich außer aus der 
für elektrische Schwingungen zu geringen Schvdngungszahl daraus, 
daß an den Elektroden keinerlei Polwechsel zu beobachten ist 
Die Teilentladungen folgen der Hauptentladung in Zeitzwischen- 
räumen Ton ungefähr 0,0003 Sekunden. 

Fig. 9 endlich zeigt die Aufnahme einer singenden Bogen- 
lampe. Die Helligkeitsschwankungen des Lichtbogens finden einen 
genügend deutlichen Ausdruck in dem Bilde. 

Ich glaube, daß die gezeigten Beispiele genügen, um das aus- 
gedehnte Anwendungsgebiet des Apparates zu yeranschaulichen, 
wenn auch mit den gebotenen Beispielen das Gebiet noch lange 
nicht erschöpft zu sein scheint. Ich denke, daß Aufnahmen von 
Insektenflügelschlägen, ähnlich wie sie Herr Prof. Lendenfeld, 
Prag, ausgeführt hat, auch mit diesem Apparat ausführbar sind. 
Die Bestimmung der Geschwindigkeit schnell verlaufender Be- 
wegungen muß ebenfalls ausführbar sein, indem man eine Kurve 
erhält, deren vertikale Komponente durch die Fallräume der 
Platte, deren horizontale Komponente durch die beobachtete Be- 
wegung erzeugt wird. 

Im Anschluß an diesen Apparat, der die Schwingungen und 
die schnell verlaufenden Erscheinungen gewissermaßen analytisch 



310 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. v. 23. Sept. 1903. [Nr. 18/19. 

aufnahm, möchte ich nun eine Wellenmaschine vorführen, die die 
Synthese der Schwingungen ausführen solL 

Der Apparat, dessen Grundidee in der bekannten Pfaündler- 
schen Wellenmaschine schon yorhanden ist, besteht aus einer 
Anzahl von Sinusschwingungen, die durch ihre Ordinaten in Ge- 
stalt von Stablstäben mit aufgesetzten Knöpfen dargestellt wer- 
den (Fig. 10). Das wesentlich Neue an dieser Wellenmaschine 

Fig. 10. 




ist, daß man die einzelnen Sinusschwingungen in beliebiger Wahl 
mit beliebiger Phasenverschiebung dadurch zusammensetzen kann, 
daß man die Ordinaten addiert. Das geschieht einfach dadurch, 
daß man die einzelnen Stahlstabsysteme aufeinander setzt und 
die Stahlstäbe bis zur Berührung mit den unteren Reihen her- 
unterschiebt 

So erhalten wir z. B. hier (Fig. 11) in der mittleren Reihe 
ein Bild, das dem einen vorhin gezeigten Bilde der Saitenschwin- 
gung, bei der der Grundton mit der Oktave zusammenschwingt. 



Nr. 18A9.] 



K GrimsehL 



311 



entspricht Hier ist die Amplitude des Obertons halb so groß 
wie die Amplitude des Grundtons. Füge ich dieser Schwingung 
noch die Quinte der Oktave mit einem Drittel der Amplitude des 
Grundtons hinzu, so erhalte ich das Bild Fig. 11 in der obersten 
Reihe. 

Man kann nun in derselben Weise beliebige Obertöne in be- 
liebiger Zahl den schon gezeigten Schwingungen hinzufügen. Dabei 

Fig. 11. 




kann man auch jede beliebige Phasendifierenz benutzen. Es kann 
also jeder beliebige Klang durch die Summation der Ordinaten 
der Einzelkurven synthetisch zur Darstellung gebracht werden. 



812 



tJher neue Olaearten von geeteigerter TTUra/Holett^ 

durehläsätgkeUf 

van JE. Zschimmer. 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 23. September 1903.) 
(Vgl oben S. 292.) 



Die bisher bekannten Gläser von bester Durchlässigkeit ab- 
sorbieren in 1 cm Dicke etwa bei der Wellenlänge 306 nii 100 Proz. 
der ursprünglichen Intensität (nach Abzug der reflektierten Strah- 
lung). Dem Vortragenden ist es gelungen, ein Verfahren zu 
finden, nach welchem sich in großem Maßstabe verschiedene 
optische Glasarten herstellen lassen, deren Ultraviolettdurchlässig- 
keit bei derselben Wellenlänge (305 ^iii) in 1 cm Dicke etwa 
50 Proz. beträgt; bei A = 288 fifi beträgt die Durchlässigkeit 
ebenfalls 50 Proc. für etwa 1 nun Schichtdicke. Die wichtigsten 
optischen Konstanten dieses bis jetzt im großen vom Jenaer 
Glaswerk dargestellten Glases sind für den sichtbaren Teil an- 
nähernd folgende: 



Ni, 


(J'-C)IO» 


F-C 


Fabriknuminer 


Bezeiobnung 


1^8 
1,633 
1,663 


781 

963 

1270 


64,4 
66,4 
61,4 


0.8199 
0.3248 
S. 249 


„Ü.V.-Kpon« 
„Ü.V.-Flint« 
„Schwentes 
ü. V.-Flint« 



Astrophotographische Versuchsaufnahmen haben gezeigt, 
daß man durch Objektive aus diesen Gläsern eine erheblich 
größere Stemzahl und feineres Detail gewinnt als durch gleiche 
Objektive aus den gewöhnlichen Glasarten. Der Vortragende hat 
femer ein „Filterglas für kurzwellige Strahlen^ dar- 
gestellt, welches von Bot bis Blau stark absorbiert, Blau, Violett 
und Ultraviolett etwa bis 280 fift in 1 mm Dicke gut durchläßt 



313 



tfber Me spekiroskapisehe BesHmtnung des Aiam- 

gewichtes; 
von C. JRunge, 

(Yorgetragen in der Sitiung vom 22. September 1903.) 
(Vgl. oben S. 298.) 



Daß zwischen den Linienspektren der Elemente und ihrem 
Atomgewicht Beziehungen bestehen, ist schon seit langem bekannt. 
Man sieht es z. B. unmittelbar, wenn man die Spektren der 
Alkalien miteinander vergleioht Die Linien rücken, im ganzen 
genommen, mit wachsendem Atomgewicht nach dem roten Ende 
des Spektrums. 

Projektion: Die Spektren der Alkalien. 
Bei genauerer Untersuchung zeigt sich sogar, daß jede Linie 
des einen Elementes einer bestimmten Linie des andern Elementes 
entspricht Man erkennt nämlich, daß der Bau eines jeden Spek- 
trums ein ganz regelmäßiger ist Man muß nur die Linien 
gruppenweise in sogenannte Serien zusammenfassen. Wir erhalten 
dann bei jedem Element dasselbe Bild und können je zwei Bilder 
Punkt für Punkt aufeinander beziehen. 

Diese Beziehung der Spektren auf einander ist nun noch nicht 
bei allen Familien chemischer Elemente gelungen. Ueberall, wo 
Serien angefunden sind, wie bei MgCaSr, ZnCdHg, AlLiTl, 
CuAgAu, können wenigstens die Serienlinien aufeinander bezogen 
werden. Für die zahlreichen anderen Linien, die sich nicht zu 
Serien haben ordnen lassen, muß man sich nach anderen Kriterien 
umsehen, um sie von Element zu Element aufeinander zu be- 
ziehen. Solche Kriterien liefern: 

1. das Verhalten und Aussehen der Linien, ob sie leicht 
umkehrbar, ob verbreitert oder scharf, wie die Wellen- 
länge sich unter Druck ändert, die Intensität bei yer- 
schiedenen Temperaturen in der Bunsenflamme, im 
elektrischen Bogen, im Funken, bei Einschaltung von 
Selbstinduktion, Yon Kapazität; 



314 Verhdl, d. Deutschen Physik. GöSellsch. v. 22. Sept 1903. [Nr. 18/19. 

2. das Gesetz konstanter Schwingungsdifferenzen; 

3. das Verhalten der Linien im magnetischen Felde. 
Besonders das Verhalten im magnetischen Felde ist vorzüg- 
lich geeignet, uns über das Eiitsprechen der Linien Aufschluß zu 
geben. 

Projektion: Verschiedene Typen von Zerlegungen. 

Wenn man die entsprechenden Linien einer Familie von 
Elementen gefunden hat, so sind die Schwingungszahlen eine glatte 
Funktion des Quadrats des Atomgewichtes. 

Projektion: Tafel von Ramage. 

Es wird auf diese Weise möglich, das Atomgewicht eines 
Elementes aus den Atomgewichten verwandter Elemente zu be- 
stimmen, graphisch oder durch empirische Formeln. 

Natürlich darf man dabei die Linien nur auf Grund der 
auseinandergesetzten Kriterien einander zuordnen. Wollte man 
in der Zuordnung willkürlich verfahren, so verliert man bei der 
großen Anzahl von Linien jeden festen Boden. So hat Watts 
meiner Ansicht nach ganz vergeblich gearbeitet, indem er ohne 
Rücksicht auf die Kriterien Linien einander zuordnet, um ein 
vorher bekanntes Atomgewicht damit herauszukonstruieren. Bei 
ihm erscheinen Linien einander zugeordnet, von denen wir mit 
Bestimmtheit wissen, daß sie nichts miteinander zu tun haben. 

Wenn man die Funktion analytisch kannte, nach der die 
Wellenlängen entsprechender Linien mit dem Atomgewicht zu- 
sammenhängen, so würde das zu einer sehr genauen Atomgewichts- 
bestimmung führen können. 

Bei den sich entsprechenden Linienpaaren konstanter Schwin- 
gungsdifferenz läßt sich eine empirische Formel aufstellen, die 
mit großer Genauigkeit den Abstand der beiden Linien eines 
Paares in der Skala der Schwingungszahlen als Funktion des 
Atomgewichtes darstellt Es ist nämlich der Abstand innerhalb 
einer Gruppe chemisch verwandter Elemente proportional einer 
Potenz des Atomgewichtes, oder, was dasselbe ist, die Loga- 
rithmen sind lineare Funktionen voneinander. 

Projektion: NaKRbCs, 
Cu Ag Au, 
AI Ga In Tl. 



Nr. 18/19.] C. Runge. 315 

Precht und ich haben yersucht, dies Gesetz auf die Atom- 
gewichtsbestimmung von Radium anzuwenden. Man findet näm- 
lich, daß die stärksten Radiumlinien Paare mit konstantem Ab- 
stand bilden. 

Projektion: Tabelle der Paare von Radiumlinien. 

Diese entsprechen nach dem ZEEMAN-Effekt gewissen Paaren 
im Spektrum von MgCaSrBa. 

Projektion: Tabelle der entsprechenden Linien. 

Der Abstand der beiden Linien eines Paares wächst von Ele- 
ment zu Element mit dem Atomgewicht. 

Projektion: Tabelle des Abstandes als Funktion des Atom- 
gewichtes. 

Wenn man die Logarithmen aufträgt, so ergibt sich die Figur. 

Projektion: Logarithmus des Abstandes als Funktion des 
Logarithmus des Atomgewichtes. 

Die Verlängerung der Geraden gibt für Radium das Atom- 
gewicht 257, während Mad. GüRiE 225 gefunden hat. Es bleibt 
Yorläufig dahingestellt, ob unsere Zahl die richtigere ist. Mad. 
CüRlE hält einen so großen Fehler ihrer Bestimmung nicht für mög- 
lich. Für die Reinheit ihres Materials spräche Desmar^ays 
spektroskopischer Befund. 

Dagegen ist zu erwidern, daß erstens der spektroskopische 
Befund kein sicherer Beweis der Reinheit ist, und zweitens, daß 
sich unter den von Desmar^ay aufgeführten Linien zwei Linien 
von beträchtlicher Litensität befinden, die nach unseren Unter- 
suchungen unzweifelhaft Baryumlinien sind. 



316 



Neue physikalische Unterrichtsapparate; 
von JE. Grimsehl. 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 21. September 1903.) 
(Vgl. oben S. 293.) 



Der Unterricht verlangt einfache Apparate und einfache Ver- 
suchsanordnungen, damit die durch die Apparate vorzuführenden 
Erscheinungen und die zu entwickelnden und bei den Schülern 
festzulegenden Begriffe nicht verdunkelt und verdeckt werden 
durch die Apparate selbst. Der Unterrichtsapparat muß immer 
Beiwerk bleiben, er darf sich niemals durch seinen Aufbau oder 
durch seine auffallende Form in den Vordergrund drängen. Die 
Versuchsanordnungen müssen so durchsichtig und klar sein, daß 
der Schüler nicht erst nötig hat, den Hauptteil seines Scharfsinnes 
auf die Entwirrung der Anordnung zu verwenden. Auch die An- 
forderungen an den mathematischen Verstand müssen möglichst 
niedrig gehalten werden, wenn es sich um die Entwickelung der 
physikalischen Begriffe handelt Damit soll durchaus nicht ge- 
sagt sein, daß mathematische Entwickelungen aus dem Physik- 
unterricht völlig zu verbannen sind. Vielmehr setzen die mathe- 
matischen Entwickelungen dann ein, wenn die physikalischen 
Grundbegriffe sicher fundiert sind. 

Das sind die Grundlinien, die mich bei der Konstruktion 
physikalischer Unterrichtsapparate, die von der Firma A. Krüss, 
Hamburg, gebaut werden, geleitet haben, von denen ich Ihnen 
heute einige vorführen möchte. Der erste Apparat soll dazu 
dienen, die Polstärke eines Magneten in absolutem Maße zu 
bestimmen, und dann mit Hilfe der bekannten Polstärke die 
Messung der Horizontalintensität des Erdmagnetismus auszuführen; 
der zweite Apparat soll die Aufgabe lösen, die optischen Erschei- 
nungen bei Spiegeln, Prismen und Linsen, sowie bei den optischen 
Instrumenten zu demonstrieren; der dritte Apparat dient zur Be- 
stimmung des mechanischen Wärmeäquivalents. 



Nr. 18/19.] 



£. Grimsehl. 



317 



Die Polwage. 

Der Apparat besieht aus drei yerschiedenen Teilen, der 
eigentUchen Polwage« A, dem Vertikalmaßstab B und dem Stativ 
für die abstoßende Magnetnadel C. Außerdem gehört noch ein 
Satz kleiner Beitergewichte aus Aluminiumdraht dazu, die die 
Größen yon 10 bis 50 Dyn haben, damit die Größe der zu 

Fig. 1. 




j 

, 

j 
j 

i 



^- tv"^^^ 



messenden Kräfte direkt in Dyn ausgedrückt wird. Als Magnet- 
nadeln werden Stricknadeln verwandt, die möglichst gleichartig 
und gleich magnetisch sind. 

Die eigentliche Polwage Ä besteht aus einem Messingstativ, 
an dessen oberem Ende die Lager für die Schneiden einer Messing- 
hülse angebracht sind, welche auf der einen Seite zum Hinein- 
stecken einer der Stricknadeln, auf der anderen zum Hineinstecken 
eines gleich schweren messingenen Reiterlineals dient Nach unten 
ist an der Hülse eine lange Zunge angebracht, deren untere 
Spitze einer auf dem Fuße des Stativs befindlichen Spitze der 
Gleichgewichtslage gerade gegenüber stehen muß. Oberhalb der 
Schneide sind noch zwei kleine Balanciergewichte zum Ausgleich 



318 Verhdl. d. Deuteohen Physik. Geaellsch. v. 21. Sept. 1903. [Nr. W19. 

geringer Abweichungen aus der Gleichgewichtslage und zur Ver- 
schiebung des Schwerpunktes der Wage angebracht 

Der Vertikalmaßstab B besteht aus einem an einem kleinen 
Stativ auf und ab verschiebbaren Spiegelstreifen, von dem längs 
der einen Hälfte die Belegung entfernt und durch einen Milli- 
metermaßstab ersetzt ist 

Das Stativ C dient zur horizontalen Befestigung einer zweiten 
Magnetnadel, welche in eine federnde, auf der Stativstange ver- 
schiebbare Hülse eingesteckt ist 

Bestimmung der Polstärke. Nachdem man eine der 
Stricknadeln in der Polwage befestigt und Gleichgewicht her- 
gestellt hat, stellt man hinter dem freien Pol der Nadel den 
Vertikalmaßstab so auf, daß der Pol vor dem Nullpunkt der Teilung 
liegt, und lenkt dann diesen Pol durch den gleichnamigen Pol 
einer zweiten in dem Stativ C befestigten Stricknadel von oben her 
ab. Durch Keitergewichte auf dem Reiterlineal wird darauf das 
Gleichgewicht wieder hergestellt Aus der Größe des Reiter- 
gewichtes und dem Verhältnis der Hebelarme läßt sich die ab- 
stoßende Kraft der Pole sofort bestimmen. Die Entfernung der 
Pole wird am Vertikalmaßstabe abgelesen. Nach dem Coülomb- 
schen Gesetze kann das Produkt der Polstärken der abstoßenden 
Pole berechnet werden. Wenn man den Abstand der Pole inner- 
halb der Grenzen 6 bis 15 cm wählt, so ergibt sich für das Pro- 
dukt der Polstärken stets derselbe Wert. Für größere oder geringere 
Entfernungen ergibt sich ein zu kleiner Wert aus Gründen, die 
ich hier im einzelnen aus Zeitmangel nicht ausführen kann. 
Bleibt man aber innerhalb der angegebenen Grenzen, so kann 
die Polwage zur Verifikation des CouLOMBschen Gesetzes dienen. 

Wenn man die Annahme machen kann, daß die beiden be- 
nutzten Polstärken gleiche Größe haben, so kann man die ein- 
zelne Polstärke unmittelbar durch Wurzelausziehen finden. Ist 
diese Annahme nicht zulässig, so muß man noch eine dritte Nadel 
zu Hilfe nehmen und kann aus drei Bestimmungen die Werte 
m^ms, mifn», m^mi herleiten. Aus diesen Werten lassen sich dann 
die einzelnen Polstärken sofort berechnen. 

Bestimmung der Horizontalintensität des Erdmagne- 
tismus. Hat man die Polstärke eines Magnetstabes bestimmt, 
so ist die Bestimmung der Horizontalintensität des Erdmagnetis- 



Nr. 18/19.] 



R Grimsehl. 



319 



mus nach folgendem Verfahren leicht und rasch, ausführbar. 
Fig. 2 zeigt die ganze Versuchsanordnung. Man braucht dazu 
einen Spiegel B, auf dem eine Reihe paralleler Linien die Rich- 
tung des magnetischen Meridians angeben. Parallel mit diesen 
Linien ist ein Millimetermaßstab an einer Kante des Spiegels 
unter dem Spiegel an einer von Belegung befreiten Stelle angebracht. 
Außerdem ist längs einer dazu senkrechten Seitenkante ein Strich 
senkrecht zur magnetischen Meridianrichtung gezogen. Femer 
braucht man eine auf einer niedrigen Spitze mittels Glashütchens 
aufgesetzte Doppelhülse, welche einerseits zur Aufnahme der 
magnetisierten Stricknadeln, andererseits zur Aufnahme eines als 

Fig. 2. 




Gegengewicht dienenden Messingdrahtes dient Endlich ist noch 
das schon vorhin benutzte Stativ mit der horizontalen Magnet- 
nadel erforderlich. 

Man legt nun den Spiegel so auf den Tisch, daß die Meri- 
dianlinien wirklich in die Richtung des magnetischen Meridians 
fallen. Die auf der Spitze schwebende Nadel dient zur Einstellung. 
Hierauf lenkt man diese Nadel mittels der festen Nadel um 90^ 
ab, also so, daß sie mit der vorhin bezeichneten Senkrechten 
zusammenfällt An dem Spiegelmaßstabe liest man dann die 
Entfernung r der beiden gleichnamigen Pole ab. Die abstoßende 



320 Yerhdl. d. DeutBchen Physik. Gesellsoh. v. 21. Sept. 1903. [Nr. 18^9. 

Kraft der beiden Nadeln, von denen die drehbare die Polstärke 
m^ die ablenkende die Polstärke m^ haben mag, beträgt 

Der freie Pol 'der abgelenkten drehbaren Magnetnadel wird durch 
das erdmagnetische Feld, dessen Horizontalintensität H betragen 
mag, in entgegengesetzter Richtung mit der Kraft K =z m^.H 
gezogen. Die Gleichheit der beiden Kräfte K ergibt die Gleichnng 

♦»>-^=^' 

woraus H = —^ folgt. Man braucht also nur die Polstärke der 

ablenkenden Magnetnadel und die Entfernung der beiden Pole 
zu kennen. Die Bestimmung nimmt so wenig Zeit und auch 
so wenig Aufwand an mathematischen Berechnungen in Anspruch, 
daß man innerhalb einer Unterrichtsstunde eine sehr große Zahl 
von Bestimmungen ausführen kann an verschiedenen Orten des 
Zimmers oder des Gebäudes. Das hat den praktischen Wert, daß 
man auf die große Verschiedenheit des erdmagnetischen Feldes 
innerhalb eines modernen Gebäudes mit seinen Eisenkonstruktionen 
in gebührender Weise aufmerksam machen kann. 

Bemerken muß ich noch, daß die Polwage auch zur Bestim- 
mung der Größe von elektrischen Ladungen in absolutem Maße 
geeignet ist, wenn man an Stelle der magnetisierten Stricknadeln 
dünne Glasstäbchen anwendet, an deren äußersten Enden leichte 
Kugeln, z. B. aus Holundermark, angebracht sind. Die Bezie- 
hungen zwischen Elektrizitätsmenge, Spannung und Kapazität sind 
ohne weiteres experimentell nachzuweisen. Die Polwage ist also 
zugleich ein absolutes Elektrometer, das in seiner Behandlung 
sehr einfach ist. 

Die Glühlampenlateme. 

Der zweite Yorzuführende Apparat ist eine optische Laterne 
mit einer Glühlampe als Lichtquelle. Die eigentliche Laterne 
(Fig. 3) besteht aus einem zylindrischen Gehäuse aus Messing- 
blech, dessen eine in dem Zylinder drehbare Endfläche in der 
Mitte die Fassung für eine Glühlampe zentrisch und axial trägt 



Nr. 18/19.] 



E. Grimsehl. 



321 



Das Gewinde für die Glühlampe liegt innerhalb des Blechzylinders, 
dagegen der Ausschalter und die Klemmen für die Stromzufüh- 
rung außerhalb des Zylinders. Die der Lampenfassung gegen- 
überliegende Grundfläche des Zylinders ist durch eine Kapsel 
yerschlossen, in welche mittels passender Nutenführyngen Blenden 
und Spalte, sowie andere Hilfsapparate eingeführt werden können. 
Die zylindrischen Flächen sind noch mit zwei Durchbohrungen 
▼ersehen, in welche mittels Nutenführung eine einfache Spaltyor- 
richtung eingesetzt werden kann. Der Blechzylinder, der im 

Fig. 8. 




Inneren mit Asbestpappe ausgekleidet ist, damit die brennende 
Glühlampe die Außenwandungen nicht zu stark erhitzt, ist mit 
einer Stativstange versehen, welche in einem passenden Hülsen- 
stative oder einer kleinen optischen Bank aufgestellt werden kann. 
Eine Reihe yon Blenden, Schirmen, Hülsen und Tischen, sowie 
Yon passenden Linsen und Prismen gestattet die Ausführung jedes 
in der Schulphysik vorkommenden Versuches in höchst einfacher 
Weise, so daß ich glaube, mit der Glühlampenlateme einen be- 
quemen und billigen Ersatz für die umfangreiche und kostspielige 
Projektionslampe mit Bogenlicht geschaffen zu haben. 



322 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. v. 21. Sept. 1908. [Nr. 18/19. 

Die mir zur Verfügung stehende knappe Zeit gebietet, nur 
eine beschränkte Auswahl von Versuchen und Versuchsanord- 
nungen auszuführen. 

Spektralerscheinungen. Als Lichtquelle verwende ich in 
der Laterne eine Nemstlampe Modell B 1902, von der ich die 
Vorwärmespirale entfernt habe, die ich also durch eine künst- 
liche Erwärmung mittels Streichholz oder Bunsenbrenner erst 
zum Brennen bringen muß. Der leuchtende Nemstlampenfaden 
dient unmittelbar als Spalt, von dem ich mittels eines in der 
Vorderseite der Lampe eingeschalteten Systems aus zwei Eonvex- 
linsen ein reelles vergrößertes Bild auf dem Schirme erzeuge. 
Vor der Lampe, die auf der kleinen optischen Bank aufgestellt 
ist, ist ein kleines Tischchen zur Aufnahme eines Flintglasprismas 
angebracht Drehe ich nun die Laterne auf dem Stativ so, daß 
die Strahlen der Lampe durch das Prisma gehen, so erhalte ich 
ein Spektrum, das so lichtstark ist, daß Sie es hier bis auf den 
letzten Platz deutlich sehen werden. 

Jetzt zeige ich Ihnen einige Absorptionsspektren, welche 
durch vorgesetzte Gläser und Gelatinefolien erzeugt werden. 

Will ich die Erscheinungen schärfer machen, allerdings auf 
Kosten der Lichtstärke, so setze ich in die Laterne die verschieb- 
bare Spaltvorrichtung ein, wodurch ein Teil des Nemstlampen- 
fadens bis auf einen engen Spalt abgeblendet wird. Ich kann 
den Spalt beliebig eng machen, aber denselben andererseits bis 
auf 1 mm dem leuchtenden Nernstkörper nahem, erhalte also 
trotzdem eine Helligheit, die für Schul- und Unterrichtszwecke 
den weitestgehenden Anforderungen genügt 

Ich bringe jetzt in den Strahlengang zwischen Linsensystem 
und Prisma einen Löffel mit brennendem Natrium an. Sie sehen 
die ümkehrung der Natriumlinie. 

Objektive Darstellung des Strahlenganges bei der 
Brechung und Reflexion des Lichtes. Zur objektiven Dar- 
stellung der Reflexions- und Brechungserscheinungen, sowie des 
Strahlenganges bei Prismen und Linsen drehe ich die Lampen- 
fassung so, daß der Nernstkörper horizontal liegt, und verschiebe 
das eingesetzte Linsenrohr so, daß der Nemstfaden in der Brenn- 
ebene des Linsensystems liegt. Dadurch erhalte ich einen Strahlen- 
komplex, der in seinem vertikalen Querschnitt nahezu unver- 



Nr. 18/19.] K GrimseW. 323 

änderliche Breite behält, der allerdings im horizontalen Querschnitt 
aus diyergierenden Strahlen besteht; da aber der Beschauer in 
horizontaler Richtung sieht, so erscheint ihm der Strahlenkomplex 
wie ein paralleles Strahlenbündel, aus dem ich jetzt durch eine 
vorgesetzte Blende mit drei breiten horizontalen Spalten drei 
Strahlenbündel herausblende. Sie können die Strahlenbündel noch 
weithin getrennt beobachten. 

In diese Strahlenbündel werden Spiegel oder Linsen ein- 
gesetzt, wie ich hier vorführe. Der Strahlenverlauf ist auch jetzt, 
wenn ich Tabaksdampf in denselben hineinblase, weithin sichtbar. 

Da ich die ganze LEuerne wegen ihres geringen Gewichtes 
schief stellen liann, so kann ich das Strahlenbündel ohne Spiege- 
lung in ein Gefäß mit ^Yasser leiten, um hier die Brechung zu 
beobachten. In der Liichtigkeit und Beweglichkeit der Laterne 
liegt ein Hauptvorzug vor der Bogenlampenlaterne, abgesehen da- 
von, daß man die Laterne wegen ihres geringen Stromverbrauches 
in jede beliebige Glühlampenfassung einschalten kann. 

Wirkungsweise der optischen Instrumente. Zum Schluß 
gestatten Sie bitte die objektive Vorführung der Wirkungsweise 
der sogenannten optischen Instrumente. 

Ich ersetze die bisher benutzte Nemstlampe durch eine ge- 
wöhnliche Nernstlampe Modell B, 1902, mit mattierter Glaskuppel 
oder durch eine mattierte 32 kerzige Kohlefadenglühlampe und 
setze in die vordere Kapsel der Laterne eine Blende mit einem 
durch Löcher dargestellten JP, dessen einzelne Löcher den gegen- 
seitigen Abstand von 0,5 bzw. 1 cm haben; die Lochgröße beträgt 
2 mm. Vor die Laterne setze ich in geeignetem Abstände einen 
großen Blendschirm mit eingesetzter Konvexlinse und erzeuge 
auf diesem Schirme, der mit einer horizontalen und vertikalen 
Millimeterteilung versehen ist, ein reelles Bild. Sie erkennen, daß 
man die Größe des Bildes, also demnach auch die Vergrößerung 
der Linse, unmittelbar ablesen kann. 

Als Linsen verwende ich gewöhnliche, nach Dioptrien geord- 
nete Brillengläser, die alle auf denselben Durchmesser abgeschliffen 
sind und demnach alle in jede der einfachen Linsenfassungen 
passen. 

Stelle ich nun in geeigneter Entfernung dieses aus Konvex- 
linse und Mattscheibe bestehende normalsichtige Augenmodell 



324 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. v. 21. Sept. 1903. [Nr. 18A9. 

auf, Bo erkennen Sie das deutliche, reelle, aufrechte Bild auf der 
Netzhaut des Auges. Letzteres ist das reelle Bild des von der 
ersten Konvexlinse erzeugten umgekehrten reellen Bildes. Der 
so zusammengesetzte Apparat ist ein nur aus einem Objektiv be- 
stehendes Fernrohr. Setze ich vor das nonnalsichtige Auge dieae 
Konvexlinse, so muß ich das Auge der ersten Linse nähern, um 
ein scharfes Bild auf der Netzhaut zu erzeugen. Dadurch erreiche 
ich aber wegen der verringerten Entfernung des Gegenstandes 
(nämlich des ersten reellen Bildes) von der Augenlinse ein stark 
vergrößertes Bild auf der Netzhaut Die vor das Auge gesetzte 
Konvexlinse kann ich aber auch mit der ersten Konvexlinse fest 
verbinden. So erhalte ich das astronomische Fernröhr oder bei 
anders gewählter Brennweite von Objektiv und Okular das zu- 
sammengesetzte Mikroskop. 

Die Darstellung des terrestrischen Femrohres ist dadurch 
leicht möglich, daß zwischen Objektiv und Okular noch eine Um- 
kehrungslinse eingesetzt wird. 

Das galileische Femrohr ist nach meiner Auffassung in seiner 
Wirkungsweise am leichtesten durch folgende Darstellung ver- 
ständlich : Das Netzhautbild eines Auges kann auf doppelte Weise 
vergrößert werden. Erstens dadurch, daß man die Brennweite 
der Augenlinse durch eine davor gesetzte Konvexlinse verkürzt» 
dadurch also ermöglicht, daß man den betrachteten Gegenstftod 
nahe an das Auge bringen kann; es wird hier die Bildweite un- 
verändert gelassen, aber die Gegenstandsweite verringert Das 
ist die Wirkungsweise der Lupe. Zweitens könnte man die Bild- 
weite ohne Ändemng der Gegenstandsweite vergrößern, wenn 
man die Augenlinse nach vom aus dem Auge verschieben und 
durch eine Konvexlinse von größerer Brennweite ersetzen könnte. 

In Verfolg dieses Gedankens setzt man vor das Auge em» 
Konkavlinse, wodurch das reelle Bild hinter die Netzhaut fällt 
Um nun das Bild wieder scharf auf die Netzhaut zu bekommen, 
setzt man in geeigneter Entfernung von der Konkavlinse eine 
Konvexlinse, welche die in das mit der Konkavlinse versehane 
Auge eintretenden Lichtstrahlen schon konvergent macht, wodurdi 
wieder eine Vereinigung der Lichtstrahlen zu einem reellen Bilde 
auf der Netzhaut stattfindet Man kann nun, ohne einen bedeu- 
tenden Fehler zu machen, den Abstand der letzteren Konvexlinse 



Nr. 18/19.] E. Grimaehl. 325 

von der Netzhaut als die neue vergrößerte Bildweite ansehen, 
wodurch sich die Vergrößerung des Netzhautbildes erklärt 

Meines Erachtens sollte man bei der schulgemäßen Dar- 
stellung der Wirkungsweise der optischen Instrumente niemals 
bei dem virtuellen Bilde des Okulars, das bei den Femrohren im 
Unendlichen liegt, stehen bleiben, sondern das auf der Netzhaut 
entstehende reelle Bild betrachten. Dadurch wird das Verständnis 
der Wirkungsweise der optischen Instrumente wesentlich erleichtert. 
Außerdem ist diese Darstellung frei von dem sonst der Erklärung 
zugrunde gelegten subjektiven physiologischen Wirken des Auges, 
das doch bis zur Entstehung des Bildes auf der Netzhaut rein 
physikalischer Natur ist 

Apparat zar Bestinunang des meoliauisolien 
WärmeäquivaleiiteB. 

Der Apparat ist schon beschrieben in der Physikalischen 
Zeitschrift 4, 568—569, 1903. 



j 



326 



Bin neuer spektraler Farbenmischapparatf 
von Leon Asher (Bern). 

(Vorgetragen in der Sitzung yom 22. September 1903.) 
(Vgl. oben S. 293.) 



Die vorzüglichen Reproduktionen des RowLANDschen Gitters 
durch Thorpe gaben mir Veranlassung, den Versuch machen zu 
lassen, einen spektralen Farbenmischapparat unter Benutzung 
dieser recht billigen Gitter herzustellen. Die Firma Schmidt und 
Haensch hat die Ausführung desselben übernommen und in ihrer 
rühmlichst bekannten Weise einen Apparat gebaut, welcher sowohl 
allen wesentlichen Anforderungen an einen spektralen Farben- 
mischapparat gerecht werden, als auch eine für vielfache prak- 
tische Anwendung erwünschte Handlichkeit besitzen soll. Das 
Prinzip des Apparates sowie seine Verwendungsweise wird un- 
schwer aus den beiden folgenden Zeichnungen ersichtlich, von 
denen die eine den Apparat im Aufriß, die andere denselben in 
der Seitenansicht wiedergibt. 

In A befindet sich eine Auerlampe, in C^ und (7, zwei Re- 
flektoren, welche das von der Auerlampe aufgenommene Licht 
nach den Spalten Si und S^^ bezw. S^ und S^ reflektieren. Das 
durch die Spalten S^ und S, getretene Licht wird durch die Ob- 
jektive Ol und Oa parallel gemacht und tritt so durch das in 
G aufgestellte Gitter. Die Strahlen treten dann durch ein Ob- 
jektiv Os und ein Zwillingsprisma Z. Die beiden entstehenden 
Spektren gelangen im Okularspalt S zur Abbildung. Vor diesem 
Okularspalt befindet sich (von Os bis l) ein Femrohr zur Be- 
trachtung der Spektren; im vorderen Teile desselben ist eine 
Lisblende angebracht zur eventuellen Verkleinerung des Gesichts- 
feldes. Durch die in der Figur angegebene Schrägstellung der 
Spalte zum Gitter ist erreicht, daß nur je ein Spektrum erster 
Ordnung in das Auge gelangen kann. Zur Einstellung der ver- 
schiedenen Wellenlängen sind die Spalte im ganzen in einer sehr 
genau gearbeiteten Schlittenführung verschiebbar; die Verschiebung 
ist an einer Längsteilung mit V2o-Nonius ablesbar. Zwei von 



Nr. 18/19.] 



Leon Asher. 



327 



den yier Verstellschrauben der vier Spalte sind auf der Seiten- 
ansicht sichtbar. Die Dimensionen des Apparates sind derart, 
daß der in das Okular des vorderen Femrohres blickende Beob- 
achter sitzend bequem die Spalte mit Hilfe der Schraube ver- 
schieben kann. Die Spalte sind in ihren Offnungen variabel und 




828 Yerhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. v. 22. Sept. 190S. [Nr. 18/19. 

durch Trommelteilung ablesbar (siehe den Aufriß). Im Aufriß ist 
durch die ausgezogenen Linien der Gang der violetten Strahlen, 
durch die gestrichelten derjenige der roten angedeutet Es ist er- 
sichtlich, daß man durch die beiden unteren Spalte S^ und 8^ je 
nach ihrer Stellung zwei beliebige homogene Spektralfarben zur 
Mischung bringen kann, ebenso durch die beiden oberen 8} (nicht 
abgebildet) und S}, Jeder Spalt besitzt ein eigenes Verschluß- 
stück. Durch das Zwillingsprisma Z werden die oberen und 
unteren Spektren im kreisförmigen Gesichtsfelde durch eine 
scharfe, gerade Mittellinie abgegrenzt. Das kreisförmige Gesichts- 
feld kann also folgendermaßen angefüllt werden: oberes Halbfeld 
eine homogene Farbe, unteres Halbfeld eine homogene Farbe 
(nach Verschluß je eines Spaltes oben und unten); oberes Halb- 
feld homogene Farbe, unteres Halbfeld eine Mischfarbe und um- 
gekehrt; oberes und unteres Halbfeld je eine Mischfarbe. Schließ- 
lich kann durch ein oben angebrachtes Zusatzrohr mit Spiegel 
und Objektiv O4 weißes Tageslicht zugespiegelt und das eine 
Halbfeld damit erfüllt werden. Die Zylinderspiegel Ci und C^ 
sind so angeordnet, daß bei jeder einzelnen Spaltstellung Strahlen- 
büschel nahezu aus dem Zentrum der Auerlampe kommen. Der 
benutzte Auerbrenner ist der stärkste zur Zeit vorrätige und liefert 
schöne, lichtstarke Spektren. 

Zwischen Z und S befindet sich ein abschließbares, kasten- 
förmiges Zwischenstück, um event. einen Sektor eines rotierenden 
Episkotisters aufzunehmen. 

Die Vorzüge dieses neuen Apparates bestehen in folgenden 
Punkten: 1. Die Benutzung nur eines lichtstarken Auerbrenners 
für alle vier Spalte. 2. Die Vorteile, welche das Gitter mit sich 
bringt. Man erhält ein natürliches und in keiner Weise verzerrtes 
Spektrum; man bedarf einer weniger komplizierten Optik, wodurch 
die Lichtschwächung geringer wird und der mechanische Aufbau 
des Apparates sich wesentlich vereinfacht. Die Bestimmung der 
Wellenlänge ist sehr einfach und, einmal ausgeführt, bleibend 
gültig. Zur Bestimmung der Wellenlänge wird die Auerlampe 
durch einen zur Verdampfung von Salzen passenden Brenner er- 
setzt und in bekannter Weise werden die Skalenteile in Wellen- 
längen umgewertet. Auf besonderen Wunsch liefert die Firma 
Schmidt und Haensch die Längsteilung nach Wellenlängen ge- 



Nr. 18A90 Leon Aeher. 329 

eicht. 3. Die Handlichkeit des Apparates. Dieser Punkt ist ganz 
besonders wichtig, weil derselbe yor allem auch bestimmt ist, der 
praktischen Anwendung in den Augenkliniken usw. zu dienen. 
Ich habe mit diesem Apparat bisher acht Farbenblinde ver- 
schiedenen Bildungsgrades untersucht und mich überzeugt, daß 
sie ohne Mühe die gewünschten Gleichungen selbst einstellen, da 
sie nur bis zur Gewinnung eines bestimmten Farbeneindruckes 
mit einer bzw. zwei Stellschrauben die Spalten zu verschieben 
brauchen. Auch Physiologen und Physikern wird es nicht un- 
erwünscht sein, an einem Apparat zu arbeiten, welcher die Di- 
mensionen eines gewöhnlichen Spektralapparates besitzt und an 
welchem ohne Mitwirkung einer zweiten Person alle Einstellungen 
vom Sitz aus bewerkstelligt werden können. 4. Im Vergleich zu 
den klassischen Farbenmischapparaten von Helmholtz und Hering 
sind die Herstellungskosten nicht unwesentlich geringer. Dieselben 
belaufen sich auf etwa 600 M. Der Apparat wird in zwei For- 
men geliefert Für streng exakte Versuche, wie sie von Physio- 
logen und Physikern benötigt werden, erhält der Apparat sym- 
metrische Bilateralspalte zur Einstellung der Wellenlängen und 
einen meßbar variablen Spalt am Zusatzrohr. Für die Unter- 
suchung der Farbenblinden und für die Zwecke der Demonstration 
und der praktischen Kurse genügt die oben beschriebene Aus- 
führung mit einfachen Spalten^). 

Die Ergebnisse meiner Untersuchungen an Farbenblinden 
werde ich an einem anderen Orte veröffentlichen. 



*) Der Apparat ist von der Firma Schmidt und Haeksch zum Muster- 
schutz angemeldet. 

Bern, Oktober 1903. Physiologisches Institut. 



330 



Weitere Mitteilung über ultramikroskopische 

Untersuchtmg von Farbstoffmischungen und ihre 

physikalisch ^physiologische Bedeutung; 

von JE, Haehlmann^ 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 23. September 1903.) 
(Vgl. oben S. 293.) 



In Nr. 16 der „Ophthalmologischen Klinik" habe ich über 
Untersuchungen an Farbstoffen berichtet, die mit dem neuen 
Mikroskop von H. Siedfntopf und Zsigmondy im Laboratorium 
der Firma Carl Zeiss in Jena angestellt wurden i). 

Ich habe inzwischen die Untersuchungen fortgeführt und 
dabei einige neue Resultate über die physikalisch -physiologische 
Farbenmischung gewonnen, welche mir wichtig genug erscheinen, 
um hier in Kürze berichtet zu werden. 

Unter den von mir in Nr. 16 der „Ophthalmologischen Klinik" 
besprochenen mikroskopisch untersuchten Farbstoffen waren zwei, 
welche sich durch besondere Reinheit ihrer kleinsten Bestandteile 
auszeichneten, nämlich das Preußischblau und das Naphtholgelb. 

Beide Farbstoffe schienen sich deshalb zur Erforschung des 
Zustandekommens und des Charakters der Mischfarben besonders 
zu eignen. 

Beide Farbstoffe vermischen oder suspendieren sich im Wasser 
so, daß man dieselben im gewöhnlichen Wortsinne als gelöst be- 
trachten kann. 



^) Das Prinzip der fokalen seitlioben Beleuchtung, welches diesem 
Mikroskop zugrunde liegt, ist zuerst von Zsiomondt („Über kolloidale Gold- 
lösungen und Goldrubingläser *^, Yerhandl. d. Deutschen Physik. Gesellsoh. 5, 
209 — 216, 190S) bei Betrachtung eines intensiven Lichtkegels mittels eines 
gewöhnlichen Mikroskopes angewandt worden. 

Mittels dieses Verfahrens gelang es Zsiomondt, in Goldlösungen Teilchen 
von etwa der Größe der Wellenlänge des Lichtes zu sehen. Feinere Teilchen 
waren nicht nachweisbar. 

Letzteres wurde erst möglich, als Siedentopf (Ann. d. Phys. (4) 10, 
1 — 16, 1903) die optischen Prinzipien der Sichtbarmachung entwickelt und 
die entsprechenden Einrichtungen am Mikroskop geschaffen hatte. 



Nr. 18/19.] £. Kaehlmann. 331 

Mit dem neuen Mikroskop sieht man aber in dieser wässerigen 
Lösung die Farbstoffpartikel bis zu einer Feinheit 1 bis lOfift, 
also his auf ein GröJBenvolumen von etwa 0,000001 mm. Diese 
Partikel, welche ihrer Größe nach unserer Vorstellung von den 
Molekülen sehr nahe kommen, leuchten in der fokalen Beleuch- 
tung durch direktes Sonnenlicht oder eine starke Bogenlichtflamme 
in ihrer Eigenfarbe. 

Die kleinsten Teilchen des Preußischblau erscheinen violettrot, 
die des Naphtholgelb messinggelb. Die Teile führen in der 
wässerigen Lösung fortwährend Bewegungen aus, die nicht zur 
Ruhe kommen und für jeden Farbstoff eigenartig zu sein scheinen. 
Diese Bewegungen sind bei den kleinsten Teilchen, die das Licht 
noch polarisieren, also unter 1/40 f* groß sind, vibrierend bis pen- 
delnd, andere Teile scheinen Bogen zu beschreiben. Die Bewegungen 
sind in ihrer Exkursion und wohl auch in ihrer Form abhängig 
von der relativen Größe der Teile, dann aber auch von der Sub- 
stanz selbst, d. h. von der Eigenbeschaffenheit des Farbstoffes. 
Diese Bewegungen scheinen nach beiden Richtungen ihrer Ab- 
hängigkeit bei verschiedener Konzentration der Lösungen ver- 
schieden zu sein, also auch durch den Abstand der Teilchen 
voneinander beeinflußt zu werden. 

Welche Kräfte diese Bewegungen hervorrufen und welche 
Beziehung sie zu den Brown sehen Molekularbewegungen haben, 
läßt sich zunächst nicht sagen — doch scheint die Verteilung 
der Farbstoffpartikeln in der wässerigen Lösung, die Form der 
Bewegung und ihre Abhängigkeit von der Masse des Teilchens 
dafür zu sprechen, daß wir es mit Anziehungen bzw. Abstoßungen 
der Teile unter sich zu tun haben, welche elektromagnetischer Natur 
sind; dafür spricht namentlich das Verhalten der Teile dem kon- 
stanten Strom gegenüber, von dem noch weiter die Rede sein soll. 

Mischt man die beiden obengenannten Farbstoffe, indem man 
eine Mischung von Preußischblau und eine Lösung von Naphthol- 
gelb in dem Verhältnis zusammengießt, daß die Mischung eine 
deutliche und intensive grüne Farbe zeigt, so zeigt die Mischung 
unter dem Mikroskop jetzt ganz veränderte Teile. 

Die violettroten Teile des Preußischblau sind gelbrot geworden 
und die früher messinggelben Teile des Naphtholgelb sind jetzt 
intensiv grün. 



332 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. v. 23. Sept. 1903. [Nr. 18/19. 

An den Bewegungen der Teile scheinen keine wesentlichen 
Veränderungen eingetreten zu sein und auch die Größen- und 
Mengenyerhältnisse sind anscheinend die gleichen, nur die Farbe 
hat sich rerändert Die Mischung, welche makroskopisch eine 
gesättigte grüne (etwas gelbgrüne) Farbe besitzt, besteht aus 
lauter kleinsten, gelbroten und grünen Teilchen, deren Abstand 
voneinander höchstens etwa 4 ft ist, also so gering, daß sie — 
in der Mischung — zu mehreren auf einer Seheinheit der Netz- 
haut, einem Zapfenquerschnitt, sich abbilden. 

Es entsteht also im Auge eine physiologische Farbenmischung 
aus unendlich kleinen Lichtkomponenten, im beschriebenen Falle 
aus der gelbroten Preußischblaukomponente und der grünen 
Naphtholgelbkomponente. 

"Wie aber kommt die Farbenveränderung der beiden Kompo- 
nenten in der Mischung zustande, d. h. welche Kräfte sind wirk- 
sam, wenn das blauviolettrote Preußischblauteilchen in der Mischung 
mit Naphtholgelb gelbrot und das Naphtholgelbteilchen in der- 
selben Mischung grün wird? 

Denkbar wäre eine gegenseitige Beeinflussung der Teile durch 
Keflexion, indem das von gelben Teilchen reflektierte Licht von 
seiner Eigenfarbe dem violettroten mitteilte und umgekehrt. Aber 
die Einrichtung der Beleuchtung im Verhältnis zu dem Öfifnungs- 
winkel der Objektive ist eine solche, daß die gegenseitige Beein- 
flussung benachbarter Teilchen durch reflektiertes Licht so gut wie 
ausgeschlossen ist, indem das auf ein Teilchen a von einem Teil- 
chen b durch Reflexion treffende Licht nur etwa Vaooo der 
Leuchtkraft des Teilchens b sein kann, wie durch Rechnung leicht 
festgestellt wird. 

Man könnte zweitens an eine Kontrastempfindung von seiten 
des Auges denken, indem in einem wesentlich roten Felde ein 
gelbes Teilchen grünen Farbenton zeigen muß, und umgekehrt 
— Allein für eine solche Kontrastwirkung ist die farbige Fläche 
(d. h. das Gesichtsfeld des Mikroskopes) nicht einheitlich farbig 
genug, so daß an eine Beeinflussung der Farbe durch Kontrast- 
wirkung in diesem Falle nicht zu denken ist. 

.Eine dritte Möglichkeit, die Farben Veränderung der Teilchen 
zu erklären, wäre die Annahme einer chemischen Reaktion der 
gemischten Farbstoffe durch materielle Umsetzung in Körper mit 



Nr. 18/19.] E. Rftehlmann. 833 

anderen Farbeneigenschaften. Gegen diese Annahme spricht 
speziell bei der Mischung der gewählten Farbstoffe der Umstand, 
daß die Teilchen in der Mischung dieselbe Form und Bewegung 
behalten zu haben scheinen, dann aber das Resultat der später 
zu erwähnenden elektrolytischen Trennung der Farbstoffe in die 
ursprünglichen Komponenten. 

Eine vierte Möglichkeit, welche in Betracht kommt, wäre die, 
daß die einzelnen Komponenten der Mischung, d. h. die einzelnen 
Preußischblauteilchen und die Naphtholgelbteilchen sich mit einer 
dünnen Hülle von der Substanz der anderen Komponente um- 
geben haben, so zwar, daß das Preußischblauteilchen eine Stoff- 
hülle aus Naphtholgelb und das Naphtholgelbteilchen eine solche 
von Preußischblau um sich herum entwickelt hat 

Bei dieser Veränderung würde das Licht des Kernes des 
Preußischblauteiles durch die ganz dünne gelbe Naphtholgelb- 
hüUe durchschlagen, immerhin aber würde die violette Farbe 
des Kernes durch Zumischung der Eigenfarbe der Naphtholgelb- 
hüUe in Gelbrot umgewandelt werden. Ganz ebenso würde das 
gelbe Licht des Naphtholgelbteilchens durch die dünne Einhüllung 
mit Preußischblau ein Blau zugemischt erhalten und darum grün 
erscheinen. 

Bei dieser Farbenveränderung der Teilchen handelt es sich 
also nicht um eine Mischung der Substanz, sondern um eine 
physiologische Mischung der Farben, die der Kern des Teilchens 
einerseits und der Reflex der Hülle andererseits liefern. 

Es wäre das physiologisch eine Farbenmischung aus zwei 
gesonderten Lichtem, welche auf dieselben Seheinheiten der Netz- 
haut einwirken. Physikalisch wäre diese Wirkung dieselbe, wie 
sie in der Malerei bei den sogenannten Lasuren beobachtet wird, 
wo die eine Farbe des Grundes durch eine dünne, oberflächliche, 
durchsichtige Farbe durchschlägt, sich aber im Auge mit der von 
der durchsichtigen Schicht reflektierten Farbe mischt. 

Um die Richtigkeit dieser Erklärung der Farbenänderung, 
welche die Preußischblauteilchen und die Naphtholgelbteilchen in 
der Mischung zeigen, zu prüfen, habe ich das spektroskopische 
Verhalten der beiden Komponenten, also des Preußischblau und 
des Naphtholgelb einzeln und dann auch das spektroskopische 



334 Yerhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. ▼. 23. Sept. 1903. [Nr. 18/19. 

Verhalten des aus beiden Farben gemischten Grün mit folgenden 
Besultaten bestimmt: 

1. Preußischblau zeigt bei durchfallendem Licht: das äußerste 
Rot von der Wellenlänge 0,71 bis 0,64 fi, dann Grün von 0,52 fi 
an; dann das ganze Blau und Violett 

Das Gelb fehlt vollständig, Grün ist geschwächt; Blau und 
Violett ist sehr hell. 

2. Naphtholgelb zeigt das ganze Rot, femer Gelb und Grün; 
löscht aber das ganze Blau und Violett aus. 

3. Grün aus Preußischblau und Naphtholgelb löscht das 
äußerste Rot bis etwa 0,63 fi aus, ebenso das meiste Blau und 
Violett, zeigt aber Gelb und starkes intensives Grün. 

Aus diesem spektroskopischen Verhalten der angewandten 
Farbstofflösungen erklärt sich in der Tat die Farbenveränderung 
der einzelnen Molekularteile jedes Farbstoffes, wenn man eine 
Hülle aus feiner Substanz des anderen Farbstoffes um jedes Teil- 
chen herum annimmt. 

Es wäre nun, um die Veränderung der Farbstoffe in wässeriger 
Lösung zu verstehen, noch zu erklären, wie die Stoffhülle um 
jedes Teilchen herum zustande kommt. 

Wir begeben uns damit auf das Gebiet der Theorien, welche 
die elektromagnetischen Kräfte der Moleküle betreffen und welche 
in der Neuzeit durch die Aufstellung der lonentheorien eine 
greifbare Gestalt angenommen haben. Denken wir uns in den 
einzelnen Teilchen der beiden gelösten Farbstoffe die Moleküle 
elektrisch geladen, entsprechend der Vorstellung von MiEi) oder 
denkt man sich mit Faraday und Nernst*) die elektrisch ge- 
ladenen Moleküle als Ionen, welche elektrische Kräfte auslösen, 
so würden wir den Vorgang der Stoffumhüllung sofort verstehen, 
wenn wir den Molekülen des einen Farbstoffes positive, den Mole- 
külen des anderen Farbstoffes negative elektrische Eigenschaften 
zuschreiben könnten. 



^) Mie: Die neueren Forschnngen über Ionen und Elektronen. Samm- 
lung elektrotechnischer Vortrage von Ernbt Voit, Bd. IV, 1903. 

*) Nernst: Über die Bedeutung elektrischer Methoden und Theorien 
für die Chemie. (Vortrag auf der 73. Naturforscherversammlung zu Ham- 
burg. Göttingen, Vandenhoeck u. Rupprecht, 1901.) 



Nr. 18/19.] E. Raehlmann. 335 

Der Spannungsausgleich würde erfolgen durch eine gegen- 
seitige Anziehung, welcher die kleinsten Teilchen der Farbstoffe 
am leichtesten folgen würden. 

Da wir mittels des neuen Mikroskopes bzw. bei der neuen 
Beleuchtung kleinste Teilchen bis zur Größe von etwa Ift^ noch 
zu sehen vermögen, dürfen wir die Vermutung hegen, daß außer 
den kleinen und kleinsten Teilen, welche wir noch zu sehen ver- 
mögen, noch kleinere Teilchen im Wasser aufgelöst bzw. suspen- 
diert sind, welche auch bei unserer mikroskopischen Untersuchungs- 
methode unsichtbar bleiben, aber denselben physikalischen Gesetzen 
wie die größeren unterworfen sind. Ob man sich unter diesen 
kleinsten Teilchen freie Ionen vorstellen darf, bleibt dahingestellt, 
jedenfalls ist es in hohem Grade wahrscheinlich, daß diese Teile bei 
Voraussetzung der erwähnten elektromagnetischen Eigenschaften, 
im Wasser zu wandern (Eohlrausoh) und sich um die größeren 
Teilchen, die wir mit dem Mikroskop direkt sehen, so zu grup- 
pieren vermögen, daß eine feine Hülle um die letzteren gebildet 
wird, welche Hülle dann die erwähnten physiologisch - optischen 
Eigenschaften der Farbenmischung herbeiführen könnte. 

Wir hätten dann hier bei der Veränderung der Farbstoffe 
ganz denselben physikalischen Vorgang, wie wir ihn nach Thomson 
und TowNSEND als Ursache der Nebel- und Wolkenbildung auf- 
fassen müssen. 

Nach den genannten Forschem kommt die Nebelbildung 
durch Dunst- bzw. Nebeltröpfchen zustande, welche sich um feine, 
in der Luft vorhandene Staubpartikelchen als den Kern herum 
entwickeln. — Aber auch in völlig staubfreier Luft kommt nach 
den Verfassern um freie Ionen herum Nebelbildung zustande. 

MiE (1. c. S. 26) schätzt die Thomson sehen Versuche gerade 
deshalb hoch, „weil in ihnen die kleinsten Teilchen der Materie, 
wenigstens im lonenzustande, direkt sichtbar gemacht werden da- 
durch, daß man sie mit Hilfe einer Wasserhülle vergrößert. Sie 
liefern also einen direkten Beweis für die Atomtheorie". — Was 
MiE hier von den Ionen sagt, trifft auch für die kleinen Farb- 
stoffpartikelchen zu, welche wir mit dem Mikroskop direkt wahr- 
nehmen, und gleichzeitig sehen wir hier die „Nebelbildung" um 
den Kern des Farbstoffpartikels herum in Form der Farbstoffhülle 



336 Veriidl. d. Deutschen Physik. GeBeÜBch. v. 23. Sept. 1903. [Nr. 18/19. 

auftreten bzw. sich unter unseren Augen bilden, von der ich ge- 
sprochen habe. 

Haben wir es aber bei diesen Farbstoffnebelbildungen mit 
elektromagnetischen Kräften der einzelnen FarbstofEmolekiile zu 
tun, so würde die weitei'e Frage entstehen, wodurch die Abstände 
und die Bewegungen der einzelnen Teilchen reguliert werden. 

Ob hier elektromagnetische Kräfte mit bestimmter dynamischer 
Spannung eine Rolle spielen, ob die Newton sehen Gesetze der 
Gravitation und Anziehimgskraft von Masse zu Masse mitwirken, 
muß der Entscheidung berufenerer Forschung vorbehalten bleiben, 
jedenfalls aber spricht der regelmäßige, ich möchte sagen gesetz- 
mäßige Abstand, den die kleinen, farbig leuchtenden Partikelchen 
der Farbstoffe in wässeriger Lösung zeigen, und welcher bei ver- 
schiedener Konzentration der Lösung, so weit es das Auge zu 
beurteilen vermag, immer regelmäßig und gesetzmäßig bleibt 
für eine Abhängigkeit von elektromagnetischen Kräften, welche 
zwischen den verschiedenen Teilchen besteht, und welche dwi 
einzelnen Teilchen ihre Lage und auch wohl ihre Bewegung be- 
stimmt. 

Die letztere ist, wie schon erwähnt, nicht allein von der Masse 
des Teilchens, sondern auch von der Stoffbeschaffenheit des Farb- 
stoffes abhängig und in letzterer Beziehung offenbar auch von 
der Gesamtheit der in Wasser gelösten Teile. 

Die Lage und Bewegung der Teile würde nach dieser Auf- 
fassung also durch Anziehung bzw. Abstoßung, welche die einzelnen 
Teilchen aufeinander ausüben, bedingt sein, so daß jedes Teilchen 
in einer Art von labilem Gleichgewicht zwischen den übrigen 
verharren würde. 

Für einen solchen Zustand sprechen auch die vibrierenden 
und pendelnden Bewegungen, welche die Teilchen fortdauernd 
ausführen, und welche sehr wohl der motorische Ausdruck der 
fortwährend veränderlichen Spannung der Kräfte sein k<mnt6n, 
Qut welchen sich die Moleküle bzw. deren lon^i gegenseitig be* 
einflussen. 

Diese elektromagnetischen Kräfte haben wir auch als wirksoon 
erkannt bei den Farbenveränderungen, welche die einzelnen Teil- 
chen des Preußischblau und des Naphtholgelb lin dex Mischuag 
ihrer wässerigen Lösungen zeigen und welche wir darauf zurück* 



Nr. 18A9J £. Baehlmann. 337 

führten, daß die einzelnen Farbstoffteilchen sich mit einer dünnen 
Hülle der Mischlingskomponente umhüllen. 

Wenn diese Auffassung richtig war, muJßte man, wenn es 
sich um eine einfache, durch Attraktion bedingte An- oder Um* 
lagerung kleinster negativ geladener Teilchen um positive herum 
handelt und umgekehrt, die angelagerten bzw. die vermischten 
Teilchen elektrolytisch wieder zu trennen vermögen. 

Der Versuch bestätigte diese Voraussetzung vollkommen. 

I. Durch eine bogenförmige Glasröhre, die mit der grünen, 
aus Preußischblau- und Naphtholgelblösung gemischten Farb- 
flüssigkeit gefüllt war, und in welche die mit den beiden Polen 
verbundenen Platinbleche eintauchten, wurde zunächst ein Strom 
von 35 Volt und etwa Vio Amp. geleitet. Am negativen Pol 
sammelte sich sehr bald eine gelbe Flüssigkeit an, während am 
positiven Pol eine intensiv grüne Flüssigkeit sich ablagerte. Gleich- 
zeitig findet Wasserzersetzung statt. Beide Flüssigkeiten wurden 
mit einer Saugpipette herausgehoben und jede für sich mit dem 
Mikroskop untersucht. 

Die am negativen Pol angesammelte gelbe Flüssigkeit zeigte 
lauter messinggelbe Naphtholgelbteilchen und so gut wie keine 
Beimischung von Preußischblauteikhen. Die Napht^iolgelbteilchen 
sind aber zum großen Teil jetzt zu kleinen Häufchen oder zu 
kurzen Ketten geballt, zum Teil finden sie sich einzeln, vide in 
frischer Naphtholgelblösung. 

Die tiefgrüne Flüssigkeit am positiven Pol zeigt mikroskopisch 
vorzugsweise gelbrote Teilchen des Preußischblau (mit gelber 
Hülle) und wenige zugemischte grüne Naphtholgelbteilchen, nicht 
geballt, sondern in einzelnen Partikelchen, wie in der grünen 
Mischung, bevor sie der Elektrolyse unterworfen wurde. 

11^ Eine Lösung von Preußischblau in Wasser wird auf die- 
selbe Weise der Elektrolyse unterworfen. 

Am positiven Pol sammeln sich sämtliche Partikel des 
Preußischblau an, die andere Hälfte der Flüssigkeit am negativen 
Pol wird wasserklar. 

UI. Eine Lösung von Naphtholgelb in Wasser wird auf die- 
selbe Weise behandelt. Außer Wasserzersetzung ist selbst nach 
2V» Stunden an der Flüssigkeit keine Veränderung zu bemerken- 



338 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. v. 23. Sept. 1903. [Nr. 18/19. 

Aus diesen Versuchen folgt, daß Naphtholgelb ein vorzüg- 
licher Leiter der Elektrizität ist, daß die Preußischblauteile negativ 
elektrisch geladen sind, sowie daß die Naphtholgelbteile in der 
Mischung mit Preußischblau elektrisch positive Eigenschaften ge- 
winnen. Durch das elektrolytische Verhalten der Farbstoffe wird 
unsere Annahme über das Zustandekommen der Verfärbung der 
einzelnen Farbstoffteile in Mischungen in hohem Grade gestützt 
bzw. bestätigt. 

Bei der vorstehenden Betrachtung über die Entstehung der 
Mischfarben habe ich mich an den einfachsten Fall gehalten, daß 
zwei Farbstoffe, welche je ein charakteristisches Teilchen enthalten, 
zur Mischung verwandt werden. 

Bei vielen anderen Farbstoffen, auch bei solchen, die in der 
Chemie für chemisch rein gelten, besteht der einzelne Farbstoff 
mikroskopisch aus zwei, drei oder mehr verschiedenfarbigen Teil- 
chen, welche dann dadurch, daß die letzteren wegen ihrer 
Kleinheit gemeinsam auf ein und derselben Netzhautstelle, event. 
einem Zapfenquerschnitt sich abbilden, die Mischfarbe hervor- 
bringen. 

Wenn solche aus mehreren verschiedenfarbigen Molekular- 
teilchen zusammengesetzte Farbstoffe mit anderen Farbstoffen in 
wässeriger Lösung gemischt werden, so tritt häufig der Fall ein, 
daß ein Teilchen von ganz bestimmter Färbung, welches vor der 
Mischung einem der Farbstoffe als charakteristischer Bestandteil 
angehörte, scheinbar aus der Mischung verschwunden und dafür 
ein neues andersfarbiges aufgetreten ist. 

Nach dem, was oben über die Veränderung der beiden Farb- 
komponenten in der Mischung des Preußischblau und Naphtholgelb 
ausgeführt worden ist, scheint es berechtigt zu sein, in solchen 
Fällen kein Verschwinden, d. h. keine chemische Auflösung des 
Teilchens, sondern eine Umhüllung derselben und dadurch be- 
wirkte Farbenveränderung anzunehmen. 

Bei diesen Stoffwanderungen bzw. Umlagerungen ist es im 
höchsten Grade auffallend, daß bei den neuen Gruppierungen der 
Teilchen, wie wir sie mit dem Mikroskop direkt zu sehen ver- 
mögen, keine Trübungen der wässerigen Lösung bzw. keine Nieder- 
schläge auftreten. 



Kr. 18/19.] E. Raehlmazin. SS9 

In dieser Beziehung scheint das neue Mikroskop berufen zu 
sein, auf dem Grenzgebiete zwischen Physik und Chemie bedeut- 
same Aufklärung zu schaffen. 

Nur auf einen Funkt muß ich besonders hinweisen, nämlich 
auf die Anwendung der Farbstofflösungen bei der Färbung der 
Gewebe und Gewebszellen in der Histologie. Wir gewinnen durch 
unsere EbqperimdQte eine neue Vorstellung von dem Zustande- 
kommen der Färbung dieser Teile. Bisher haben wir dabei an 
einen stofflosen Vorgang gedacht, an eine Einwirkung der Farb- 
lösung auf das Protoplasma oder den Kern, resp. die Ghromalin- 
körper der Zellen, wobei diese Teile dAdurch, daß sie gefärbt 
werden, ihre histologische Struktor genau erkennen käsen. Jetzt 
mössen wir uns das etwas anders Torstellen und annehmet^ 
daß hier durch Verbindung resp. Umhüilung der Zellteile mit 
materiellen Teilchen des Farbstoffes eine stoffliche Änderung, 
wenigstens ein stofflicher Zusatz zum Gewebe hergestellt wird. 
Dabei kann die Moglicfakeit, ja die Wahrscheinlichkeit nicht be- 
stritten werden, daß es sich dabei um die Entstehungen ¥on 
morphologischen Gestaltnngen handelt, welche durch die in die 
Zelle dnwandemden Farfastoffteile herbeigefühii werden. Der 
Vorgang der Reaktion, speziell der Zelle auf den Farbstoff, ist 
dann nnzweifelhaft so mibufassen, daß bei Attraktion der Farb- 
stoffteile durch die Teile des Gewebes, dieselben elektromagne- 
tischen Kräfte maßgebend sind, wie wir sie bei den Wirkungen 
der Farbstoff lösungen in Miscfaung studieren konnten. 



340 



ifber die praktische Anwendung des objektiven 

Hörmafses; 

von P. Ostmann. 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 23. September 1903.) 
(Vgl. oben S. 293.) 



Für die Ohrenheilkunde ist es von grundlegender Bedeutung, 
Umfang und Form einer Hörstörung mit objektivem Maß messen 
zu können; denn die Höranalyse ist eine der wesentlichsten, nicht 
selten die einzige Stütze für die differentielle Diagnose zwischen 
den Erkrankungen des schallleitenden und schallempfindenden 
^Apparates des Ohres. 

Telephon und Stimmgabel schienen zur objektiven Hörmessung 
brauchbar; von Seiten der Ohrenärzte — Bezold - Edelmann, 

SCHMIEGELOW, PaNSE, GrADENIGO, JAeOBSON-COROL — ist im 

letzten Jahrzehnt ausschließlich versucht worden, mit Hilfe von 
Stimmgabeln verschiedener Tonhöhe zu einer objektiven Hör- 
messung zu gelangen, weil die Stimmgabel als das zur objektiven 
Hörmessung handlichste und praktisch brauchbarste Instrument 
erschien. 

Bisher war es jedoch nicht gelungen, unbelastete Stimm- 
gabeln verschiedenster Tonhöhe als objektive Hörmesser zu eichen, 
weil die Messung auf der normalen Abschwingungskurve der 
Gabeln fußen muß und diese bisher nicht oder nur sehr unvoll- 
kommen dargestellt werden konnte. 

Es fehlte demnach bisher eine objektive Hörmessung, was 
eine sehr verschiedene Bewertung der Analyse der Hörstörungen 
zur Folge haben mußte; denn man erhielt nach der bisherigen 
Methode nach v. CoNTAschem Prinzip wohl untereinander ver- 
gleichbare, aber objektiv unrichtige Bilder der bestehenden Hör- 
störungen. 

Durch die in meiner Arbeit: „Ein objektives Hörmaß und 
seine Anwendung" — Verlag von J. F. Bergmann, Wiesbaden, 
1903 — geschilderte Methode gelansf es, für die unbelasteten 



Nr. 18/19.] P. Ofltmann. 341 

Edelmann sehen C- und 6r- Gabeln von der großen bis zur vier- 
gestrichenen Oktave die normale Abschwingungskurve bis zum 
Verklingen des Tones für das normale Ohr — d. h. bis zum 
normalen Schwellenwert — mit der Genauigkeit zu bestimmen, 
daß für die ganze Dauer des Abschwingens die Größe der Ampli- 
tuden, sofern sie nicht direkt unter dem Mikroskop gemessen 
waren , im Sekundenintervall durch Rechnung gefunden werden . 
konnte. 

Dies geschah durch Interpolation der Werte für alle zwischen 
gemessenen Amplituden gelegene Strecken, durch Extrapolation 
für diejenigen Abschnitte der Abschwingungskurven der höheren 
Gabeln, deren Amplituden wegen der außerordentlichen Kleinheit 
der Exkursionen nicht mehr meßbar waren. Die Extrapolation 
war anwendbar, weil sich herausstellte, daß die Abschwingungs- 
kurven Exponentialkurven darstellten. 

Als Ordinate der Exponentialkurve ließ sich nun auch für 
die höheren und höchsten Gabeln die Größe derjenigen Amplitude 
bestimmen, bei der ihr Ton für das normale Ohr im Mittel ver- 
klingt, d. h. es ließ sich die Größe der Normalamplitude 

finden. Dieselbe beträgt für: 

C G 

der großen Oktave 0,0711 mm 0,0118 mm 



kleinen 

t gestrichenen Oktave 

2 

3 

4 



0,00474 „ 0,00079 

0,000316 „ 0,000053 

0,0000211 „ 0,00000363 

0,00000141 „ 0,0000002353 

0,000000094 „ 0,0000000157 



Wie ich in meiner vorerwähnten Abhandlung und insbesondere 
in meiner Mitteilung: „Schwingungszahlen und Schwellenwerte" 
— Archiv für Anatomie und Physiologie, physiologische Ab- 
teilimg 1903 — dargelegt habe, läßt sich die Größe der nicht 
mehr meßbaren Normalamplituden der höheren Gabeln auch aus 
den gemessenen Normalamplituden der tieferen Gabeln und 
schließlich auch aus den Schwingungszahlen selbst bestimmen. 
Auf die sich hierbei ergebenden Größenunterschiede und ihre 
Ursachen habe ich in den vorerwähnten Arbeiten hingewiesen. 

Nachdem es gelungen war, die normale Abschwingungskurve 
der unbelasteten C- und 6r-Gabeln von einem Moment möglichst 
ausgiebiger Schwingung bis zum Verklingen für das normale Ohr 



342 Verhdl. d. Deutschen PhyÄ. GeMllseh. v. 23. Sept. 1903. (Nr. 18/19. 

mit der erforderUchen Genauigkeil f estamteUen , konnten zum 
praktiftcheii GelHrattch AmpUtudeo- and HörprüfungstabeUen für 
}ede der untersuchten Gftbehi aufgestellt werden; aas diesen 
Tabellen kann für die game Dauer der Scbwingung im Sdomden- 
interrall abgelesen werden: die Zdit des Abschwingens; die Größe 
der Amplitude; die Größe, um welche die Amplitade Ton Sekunde 
au Sekunde sieb verideinert, und schließlich , sofern die Größe 
der Normalamplitude = 1 gesetzt wird, die Zahl der Normal- 
amplituden ^ wekbe in jeder Toriiergehenden größeren Amplitude 
der AbecbwingiingskurTe enthalten ist 

An der Hand dieser Hörprifun^stabeBen ist eine objektive 
Hörmessung ebenso leicht und admell wie exakt dnrchführbar 
unter der Voraussetzung, daß man Gabeln benutzt ^ welche die 
gköehen Absehwingungskurfen wie die von mir geeichten besitiaen. 

Die Anwendung des objektiven Hörmaßes auf Grund do^ von 
mir entworfenen HörprüfungstabeUen setzt also den Besitz von 
unbelasteten Ei>ELMANKschen 0- und Cr-Gabeln voraus, und zwar 
von solchen, welche den in letzter Zeit von diesior Firma ge 
lieferten ecntsprechen. 

Ein jeder, der die Entwickelung der v(m dieser Pinna in den 
letzten zehn Jahren gelieferten Stimmgabeln verfolgt hat, wird 
den großen Fortschritt erkannt haben, der hinsichtlich der Ver- 
längerung der normalen Peraeptionsdauer durch Auswahl des. 
Materials und Entwickelung der geeignetsten Form der Gabeln 
gemacht ist. 

Je länger aber bei gleicher Erregung eine Gabel für das 
normale Ohr hörbar schwingt, d. h. je weniger sie vcm Sekunde 
zu Sekunde an Schwingungsweite verliert, um so brauchbarer 
wird sie zur objektiven Hörmessung sein; denn um so kleiner 
werden die durch subjektive Tauschung, Unachtsamkeit und aadere 
Bedingungen hervorgerufenen tatsächlichen Fehler sich geBtaUeu. 

Die Perzeptionadauer der in der letzten Zeit von Epklmajkn 
geliefertun unbelasteten Gabel ist,, wie die Darstellung <ier nor- 
malen Abschwingungsknrven gezeigt hat^ bei kräftiger Err^ung 
so gro&y daß diese Dauer allen praktischen Bedürfnissen der 
objektiven Hörmessung genügen dürfte, und es handelt sich des- 
h^b nunmehr in erster Linie darum, Reihen unbelasteter Stimm- 
gabeln herzustellen, welche, soweit kleine Abweidlungen des 



Nr. 18/19.] P. Ovtoium. 34S 

Materials usw. es zulassen, dieselbe Abechwiugungskurve besitzen, 
wie die tod mir geeichten, neuesten Edelmann seben Gabeln. 
Herr Profeflsor Edelmann hat mir freundlichst zugesagt, die £r- 
raebung dieses Zieles dadurch zu fördern, daß von mir nach 
meiner Tonreihe eine zweite geeicht wird, welche dann den 
weiteren^ zu Hörprüfungsaweckeu zu liefernden Reihen als Maßstab 
zugrunde gelegt wird. 

Ist diese für unsere praktischen Zwecke wohl hinreichende 
Übereinstimmung in der Absehwingungskurve der Gabeln erreicht, 
dann werden auch die Resultate der Messungen yerschiedener 
Untersucher miteinander vergleichbar werden; wir werden auf 
einheitlicher Basis an die Lösung so wichtiger Fragen, wie die 
Analyse der Hör&törungen eine ist, herangehen können. 

Die objektive Messung einer Hörstörung an der Hand meiner 
Hörprüfungstabellen ist um so weniger zeitraubend, je geringer 
die Hörstörung ist 

Die Messung vollzieht sich: 

1. bei normaler Hörfähigkeit des Arztes; 

2. bei Schwerhörigkeit des Arztes auf beiden Ohren in folgen- 
der Weise: 

Ad 1. Bei beliebigem Anschlag der Gabel, welcher nur so 
stark sein muß, daß das zu untersuchende, schwerhörige Ohr den 
Stimmgabelton überhaupt noch wahrnimmt, sucht man in der 
bekannten Weise den Schwellenwert des kranken Ohres und 
mißt von dem Augenblicke an, wo dieser überschritten 
wird, die Zeit bis zum Verklingen der Gabel vor dem 
normalen Ohr. Diese Zeit nenne ich „Differenzzeit*. 

Es kommt nun darauf an, die Lage des Schwellenwertes des 
schwerhörigen Ohres innerhalb der Absehwingungskurve der Gabel 
zu bestimmen, um an der Hand der Hörprüfungstabellen die 
Größe derjenigen Amplitude zu finden, bei der der Stimmgabelton 
für das schwerhörige Ohr erlosch. 

Hierbei gehen wir von dem mittleren Schwellenwert des 
normalen Ohres aus, oder was dasselbe ist, von der Größe der 
Amplitude, bei der der Stimmgabelton für das normale Ohr unhör- 
bar wird. Die Größe dieser Amplitude, der sogenannten Normal- 
amplitude, ist als Mittelwert bekannt und bildet den Endpunkt der 
Absehwingungskurve; somit brauchen wir nur die Abschwingungs- 



344 Verhdl. d. Deutschen Physik. GeselUch. v. 23. Sept. 1903. [Nr. 18/19. 



kurve um so viel Sekunden aufwärts zu verfolgen, als die ge- 
fundene Differenzzeit betrug, um in den Hörprüfungstabellen die 
Größe der Amplitude und die Zahl der in ihr enthaltenen Normal- 
amplituden ablesen zu können, bei der der Ton für das kranke 
Ohr verklang. 

Das Größenverhältnis der für das kranke und normale Ohr 
gefundenen Schwellenwertsamplituden gibt die Grundlage für die 
objektive Hörmessung. Wir gewinnen einen unmittelbaren Aus- 
druck für die Hörschärfe des kranken Ohres als Bruchteil der 
normalen, wenn wir die Hörschärfen umgekehrt proportional setzen 
dem Quadrat der Amplituden. 

War also z. B. bei Messung mit G -der großen Oktave die 
Schwellenwertsamplitude des kranken Ohres dreimal so groß als 
die Normalamplitude gefunden, so beträgt die Hörschärfe des 
kranken Ohres ^/c, der normalen. 

Da die Hörprüfungstabellen für jede Amplitude die Zahl der 
Normalamplituden, welche in ihr enthalten sind, angeben, so läßt 
sich die Hörschärfe des kranken Ohres ohne weiteres als Bruch- 
teil der normalen Hörschärfe berechnen. Man hat nur nötig, die 
Zahl der Normalamplituden, welche in der Schwellenwertsamplitude 
enthalten sind mit sich selbst zu multiplizieren und das Produkt 
als Nenner eines Bruches zu setzen, dessen Zähler 1 ist. 

Die Untersuchung Schwerhöriger verschiedenen Grades hat 
mir gezeigt, daß bei wirklich störender Schwerhörigkeit die Ein- 
buße, welche das normale Hörvermögen erlitten hat, eine über- 
raschend große ist, und daß andererseits Herabminderung auf ^ 2 
und i/s nicht selten gar nicht als Störung empfunden wird. 

Das Ausmaß der Abschwingungskurven gestattet, für die C- 
und 6f- Gabeln eine Herabminderung der Hörschärfe noch zu 
messen, welche für 

der normalen beträgt, für: 



' V35372/ 



'"(3600)' 



^' V20377J 

''' ( 15166") 



V 63830/ 
\ 95745/ 



Nr- 18/19.1 



P. OBtmann. 



345 



Ad 2. Für den schwerhörigen Arzt ist das objektive 
Hörmaß ebenso wie für den normal Hörenden anwendbar, 
wenn er zunächst seine eigene Hörstörung von einem 
normal Hörenden quantitativ bestimmen läßt 

Ist dies geschehen, so hat er bei der Prüfung Ohrenkranker 
in gleicher Weise wie der normalhörende Arzt vorzugehen, nur 
hat er, sofern der Patient schwerhöriger ist als er, der 
gefundenen Differenzzeit zwischen seinem und des Patienten Ohre 
seine eigene Differenzzeit hinzuzuaddieren, um die Differenzzeit 
seines Patienten gegenüber dem normal Hörenden und damit an 
der Hand der Hörprüfungstabellen die Größe der Schwellen werts- 
amplitude und die Hörschärfe als Bruchteil der normalen zu 
finden. 

Die nachstehende Kurve macht dieses Vorgehen anschaulich: 



V 












•• 












\ 


V 




























-- 
























b 






> 

a 




1 


i 


3 


4 


5 


6 


7 


8 


9 


1( 


X) 1 






Sek. 

an stelle die Abschwingungskurve der Gabel G dar, und es 
bezeichne: 

a: Lage des Schwellenwertes für das noimale Ohr in der 
Abschwingungskurve ; 

b: Lage des Schwellenwertes des schwerhörigen Ohres des 
Arztes in der Abschwingungskurve; 

c: Lage des Schwellenwertes des schwerhörigen Ohres des 
Kranken in der Abschwingungskurve; 
dann ist: 

ab = Differenzzeit des schwerhörigen Arztes; 

bc = Differenzzeit zwischen schwerhörigem Arzt und schwer- 
hörigem Patienten; 

ab -^ bc = Differenzzeit des schwerhörigen Patienten gegen- 
über dem normal Hörenden. 

Ist dagegen der Arzt schwerhöriger als der Patient, 
so muß der erstere bei der Prüfung der flörsohärfe des letzteren 



S46 Verhdl. d. Deutschen Physik. GaeeU«ch. v. 23. Sept 1903. (Kr. i%19. 

ttcigekefart ron seinem Schwellenwert auflgehea und die Di&renz- 
zeit zwi0cli6n seinem und des Patienten Ohr von der für sein 
Ohr festgestellten Difiteienzzeit abziehen. 

Die Aufzeichnung der Hdrprüfungsreeultafce geschieht 
«o, daß man entweder die Größe der Schwelienwertsamplitude, 
durch die Zahl der in ihr enthaltenen Normalamplitnden aus- 
gedrückt, notiert oder die Hörschärfe des kranken Ohres als 
Bruchteil der normalen berechnet 



347 



ZHaposittve mit stereoskopischer Wirkung; 
von M. jPetzold, 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 21. September 1903.) 
(Vgl. oben S. 291.) 



Ducos DU Hauron hat das Verdienst, durch seine vor etwa 
fünf Jahren erschienenen Anaglyphen auf eine außergewöhnliche 
Axt der Stereoskopie hingewiesen zu haben. Es waren dies blaue 
und rote, stereoskopische Autotypien, derart übereinander gedruckt, 
daß sich die entferntesten Bildpunkte, die nicht mehr körperlich 
wirken, deckten, während die näherliegenden nicht zur Deckung 
gelangten und so ein Wirrwarr von roter und blauer Zeichnung 
hervorriefen. Dieses Wirrwarr wurde aufgelöst beim Betrachten 
mittels einer rot-blauen Brille, und der Effekt war ein Bild mit 
plastischer Wirkung. 

Die gemeinsame Eigenschaft eines stereoskopischen Bildes 
einerseits und eines Projektionsbildes andererseits, ein vorzügliches 
Anschauungsmittel zu sein, ließen den Wunsch rege werden, beide 
zu vereinigen. 

Versucht wurde z. B., polarisierende Prismeil zu verwenden; 
man brachte solche vor den Projektionsapparaten, deren natürlich 
zwei nötig waren, an, während die so übereinander projizierten 
Bilder mit Prismen betrachtet wurden, deren Polarisationsebenen 
parallel zu denjenigen der Prismen vor den Apparaten waren. 
Es ist aber wohl einleuchtend, daß eine solche stereoskopische 
Projektion an Mängeln leiden mußte, die ihre praktische Durch- 
führung in Frage stellte. 

Ein anderer Vorschlag basierte auf dem oben angedeuteten 
Verfahren von Ducos du Hauron, und zwar wird empfohlen, zwei 
stereoskopische Bildhälften (Diapositive) mittels zweier Projektions- 
latemen in geeigneter Weise übereinander auf den Schirm zu 



348 Verhdl. d. DeutBchen Physik. GeBeUsoh. v. 21. Sept 1903. [Nr. 18/19. 

werfen, dabei ein rotes bzw. ein blaues Filter einzuschalten und 
das entstehende Wirrwarr durch eine rot-blaue Brille aufzulösen. 
Es liegt aber auf der Hand, daß ein derartiges Verfahren mangel- 
haft sein muß, weil in diesem Falle das Bild selbst sehr licht- 
schwach ausfallen muß. 

Sehr nahe lag wohl der Gedanke, die beiden Hälften des 
stereoskopischen Bildes in zwei Farben zu kopieren, und hierzu 
bietet das Verfahren mit Ghromgelatine günstige Gelegenheit. Es 
ist nur nötig, daß man sich zwei Farben sucht, die sich gegen- 
seitig möglichst vollkommen verschlucken, ohne aber einen ge- 
wissen Grad der Intensität und Durchlässigkeit zu überschreiten. 
Diesen Anforderungen entsprechen sehr gut ein bläuliches Grün 
und ein gelbliches Bot, die sich komplementär gegenüberstehen. 
Unter den vorhandepen Teerfarbstoffen ist uns eine reichliche 
Auswahl geboten von solchen, die unseren Bedingungen vollauf 
genügen; es gibt eine ganze Reihe Blaugrüns und Gelbrots, die 
sich gegenseitig vollkommen verschlucken, so daß die Lösung der 
einen durch die der anderen betrachtet intensiv schwarz erscheint 
Von diesen Farbstoffen zeichnen sich für unseren Zweck infolge 
ihrer Brillanz die Ponceaus und Scharlachs einerseits und die 
Säure-, Brillant- und Malachitgrüns andererseits aus. Selbstver- 
ständlich sind aber andere Farbenzusammenstellungen nicht aus- 
geschlossen. 

Je genauer die komplementäre Gegenüberstellung der zwei 
Farben, um so ausgesprochener die Wirkung. Wenn man sich 
nun Brillen herstellt mit Gläsern in möglichst denselben Nuancen 
und der Farbenstärke der farbigen Kopien, so muß die rote Kopie 
durch das rote Glas und die grüne durch das grüne Glas be- 
trachtet unsichtbar werden. 

Wie schon gesagt, ist für die praktische Durchführung vor 
allem eine möglichst gleiche Intensität der Farben maßgebend; 
ist eine der beiden dunkler als die andere, so ist die stereo- 
skopische Wirkung beeinträchtigt und wird unter Umständen 
überhaupt aufgehoben. Aus weiteren, praktischen Gründen 
ist darauf zu sehen, daß möglichst hell gefärbte Kopien und 
Brillengläser in Anwendung kommen, um an die Lichtquelle nicht 
allzu große Anforderungen stellen zu müssen. Was nun die Her- 



Nr. 18/19.] M. Petzold. 349 

Stellung von Projektionsdiapositiven mit plastischer Wirkung an- 
belangt, so verfahre ich folgendermaßen: 

Gelatineplatten werden mit. einer einprozentigen Lösung von 
doppeltchromsaurem Kali, der einige Kubikzentimeter Ammoniak 
zugesetzt sind, etwa drei Minuten lang bei Gas-, Petroleum- oder 
sonstigem gelben, künstlichen Licht gebadet, kurz abgespült und 
zum Trocknen in einen dunklen Baum gestellt, welch letzteres 
sechs bis zehn Stunden in Anspruch nimmt. 

Kopiert wird unter einem spektroskopischen Negativ für Grün 
etwa eine Stunde, für Rot anderthalb Stunden. Das Bild muß 
deutlich braun auf gelbem Grunde sichtbar sein. 

Nach Wässern der Chromgelatinekopie nimmt diese an den 
belichteten Stellen Farbstofflösung infolge Beizwirkung des durch 
Reduktion entstandenen Chromdioxydes an, die zweckmäßig kon- 
zentriert gehalten wird, und es entsteht nach einem Negativ ein 
Positiv. 

Zu beachten ist, daß die Weißen der Kopien möglichst rein 
erhalten bleiben ; denn wenn auch sie gedeckt sind, wird die Klar- 
heit des Bildes mehr als bei jeder gewöhnlichen Kopie beein- 
trächtigt und damit auch die plastische Wirkung. 

Die beiden »Farbenkopien werden nun derartig übereinander- 
gelegt und verklebt, daß nicht mehr stereoskopisch wirkende, 
korrespondierende Punkte übereinander fallen, was präzis nicht 
eingehalten zu werden braucht. Ebenso wenig ist Erfordernis, daß 
die Distanz der Objektive am Aufnahmeapparat derjenigen der 
Augen entspricht, weil die Bildhälften nicht nebeneinander ge- 
klebt werden. Jedes Augenpaar empfängt sofort den körperlichen 
Eindruck, was beim Prismenstereoskop durchaus nicht immer der 
Fall ist 

Dem Gesagten zufolge benötigt man natürlich zum Pro- 
jizieren solcher Diapositive mit plastischer Wirkung nur einen 
Projektionsapparat, dessen Lichtquelle Kalklicht, Acetylen, am 
vorteilhaftesten aber elektrisches Bogenlicht sei. Namentlich bei 
Anwendung des letzteren gibt es fast keine Beschränkung in bezug 
auf Entfernung und Zahl der Beschauer, wie auf Größe des pro- 
jizierten Bildes; die körperliche Wirkung ist in allen Fällen voll- 
kommen. Unterlassen will ich nicht, zu bemerken, daß die 



350 Verhdl. d. Deutschen Physik. GeseUach. v. 21. Sept. 1903. [Nr. Ifi^'ig. 

Wirkung naturgemäß am stärksten ist, wenn das Beschauen recht- 
winklich zur Schirmfläche erfolgt, sie ist aber auch noch hin- 
reichend, wenn der Beobachter in spitzem Winkel zum Schirme 
steht 

Ein wesentlicher Vorteil der Diapositive ist, daß sie nicht, 
wie beim Stereoskop, an gewisse Größen gebunden sind. Man kann 
sie vielmehr in jedem beliebigen Format herstellen, so daß auf 
Einzelheiten im Bilde mehr Rücksicht genommen werden kann. 



Verlag von Friedr. Vieweg & Sohn in Braunschwdg. 



Vorlesungen 



über 



Experimentalphysik 

von 

Augrust Kundt, 

weiland Professor an der Universität Berlin, 
heraasgegeben von 

Karl Scheel. 



Mit d^m Bildnis Kundts, 634 Abbildungen und einer farbigen 

Spektraltafel. 

gr. 8. Preis geh. 16 M., geb. 17 M. 



Die Vorlesungen Kundts verdanken ihre VeröfEenÜichnng dem viel- 
fach ausgesprochenen Wunsche früherer Schüler des großen Experimen- 
tators, die Vorlesungen nicht der Vergessenheit anheimfallen zu lassen. 

Der Umstand, daß das Manuskript ein einheitliches Ganzes darbot, 
mußte jeden Versuch zurückweisen, durch Einfügung neuer Kapitel 
die Fortschritte der Wissenschaft im letzten Jahrzent zu berücksichtigen 
und dadurch die Vorlesungen zu einem Lehrbuch der Physik auszu- 
gestalten, um so mehr, als dieselben hierdurch sehr an ihrer Originalität 
eingebüßt haben würden. 

Kundts Vorlesungen geben ein Bild des klassischen Bestandteils 
der physikalischen Wissenschaft und sind vermöge der überaus anschau- 
lichen und leicht verständlichen Sprache so recht geeignet, nicht nur 
dem Studierenden der Physik als Leitfaden neben den gehörten 
Vorlesungen zu dienen, sondern auch dem Schüler die Einführung 
in die physikalischen Erscheinungen zu erleichtem. Vor allem wird 
aber auch derjenige, welcher mit den Lehren der Physik vollkommen 
vertraut ist, sich der eleganten und originellen Darstellung der ihm 
bekannten Tatsachen stets aufs neue freuen. 



Za beziehen durch alle Bachhandlongen. 



€Xeybol(l'$ßacbfolaer 

Cöln a- Rhein 

IMecbantsche und optische ^erketätten« 

Deue ScbwuitdmascMite mit Electromotor 




zum Hn9cbtuss an eine 8tarkstronitdtung. 

Mit dem Hpparat taeeeti sidy eämtUcbe Vevsmfce beqiiem 
anstclten« Die Hbbtldung zeigt die CentHfiigaimaed^ine in 
Verbindung mit dem Hpparat na* 8fotte zur Bedtfmfifttng 
des med>ani6d>en {Danneä<|uii^aUnted« 

Preisliste über )Seue Hpparate und Verswthe atif Verfangen. 



1903 Heft 20 

f ^ 

Berichte 

der 

Oeotschen Physikaliscben (üeseMaft 

enthaltend 

Yerhandlungen 

der Deutschen Physikalischen Gesellschaft 
im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Scheel 

und 

Halbmonatliches Literaturyerzeichnls 

der „Fortschritte der Physil<", dargestellt von der 
Deutschen Physil^alischen Gesellschaft 

redigiert von 

Karl Scheel Richard Assmann 

Beine Physik Koamiiiche Physik 



Braunschweig 

Dmok und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn 
1903 



^ 



MonaUii^ zwei Nummern. — Äbonnementspreis pro Jahrgang 8 Mark, — Zu beziehen 
durch aUe Buchhandlungen und Fast anstauten (Postzeitungaliste Nr. 1042 a) 



Inhalt. 

" Seite 

1. Verhandlungen der Dentsohen Physikalischen Gtesellschaft. 

Bericht über die Sitzung vom 16. Oktober 1903 351 

W. Jaeger u. H. v. St ein wehr, Erhöhung der kalorimetrischen 
Meßgenauigkeit durch Anwendung von Platinthermometern. 
(Mitteilung aus der Physikalisch -Technischen Reichsanstalt.) 
(Vorgetragen in der Sitzung vom 16. Oktober 1903.) .... 353 

2. Halbmonatliches Llteraturverzelohnis der Fortschritte der 

Physik. 

I. Allgemeine Physik 323 

IL Akustik 324 

in. Physikalische Chemie 324 

lY. Elektrizität und Magnetismus 326 

Y. Optik des gesamten Spektrums 328 

YI. Wärme 329 

YIL Kosmische Physik 381 



Ankündigung. 



Den Abonnenten der „Fortschritte der Physik** können wir die erfreu- 
liche Mitteilung machen t da/s nach langen Vorbereitungen im Anschlufs an 
das im Jahre i8g^ im Verlage von Georg Reimer in Berlin erschienene 
Qeneral' Register su den ,J^ortschrätea der Pbysiic** , Band XXI 086$) 
bis XLIII (i^J, das in Anlage und Ausführung übereinstimmend mit 
diesem Registerbande bearbeitete 

Namen 'Register nebst Sacli 'Ergänzungsregister zu den 
^^Fortschritten der Pljysilc'% Band XLIV (i888) bis Uli 
(i8gy) , unter Mitwirkung von Dr. E, Schwalbe bearbeitet 
von Dr. G, Schwalbe, 
jBur Ausgabe gelangt ist. 

Nach einer Einleitung ^ welche dazu dient j den Gebrauch des Werkes 
SU erleichtern f wird eine Übersicht über den Umfang der Bände, semne über 
die Redakteure und Referenten t welche während der Jahre t88S bis tSgy 
tätig waren f gegeben. Der Hauptteil selbst serfdllt in swei Teile: Das 
Namenregister, in welchem sämtliche in den aehn Jahrgängen der ,JFort- 
schritte" erwähnten nicht anonymen Titel in alphabetischer Reihenfolge der 
Autorennamen sich vorfinden, und das Sacb'Ergänzuagsregister, in wei- 
chem die anonymen Titel in sachlicher Weise geordnet sind. Wie aus der Ein- 
leitung sich ergibt^ ist durch umfassende Vergleiche für die Richtigkeit der 
einseinen Titel nach Möglichkeit gesorgt worden. Ebenso ist dem Bedürfnis 
nach Vollständigkeit in weitestem. Mafse Rechnung getragen. 

Für alle, welche auf den Gebrauch der „Fortschritte'* in ihren wissen- 
schaftlichen Untersuchungen angewiesen sind, dürfte das vorliegende Re- 
gister SU einem wichtigen, wenn nicht unentbehrlichen Nachschlagewerk 
werden. Auch für Bibliotheken, welche die „Fortschritte der Physik" 
halten, erscheint dasselbe als notwendige Ergänsung zu denselben. 

Der Preis des siatilichen Bandes beträgt M. 6o. — , worauf den Mit- 
gliedern der Deutschen Physikalischen Gesellschaft die bekannte Ermäfsigung 
gewährt wird. 

Die Verlagsbuchhandlung Friedr. Vieweg & Sohn 
in Braunscbweig. 



Verhandlungen 



der 



Deutschen Physikalischen Gesellschaft 



im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Scheel 

6. Jahrg. 80. Oktober 1906. Nr. 20. 

SltBuns Tom 16. Oktober 1903. 



Vorsitzender: Herr E. War bürg. 



Der Vorsitzende macht der Gesellschaft Mitteilung von 
dem am 22. August erfolgten Ableben ihres langjährigen 
Mitgliedes 

Prof« Dr. Julius Lange, 

Direktor des Eönigstadtisohen RealgymnasiumB zu Berlin. 

Die Anwesenden erheben sich zu Ehren des Dahin- 
geschiedenen von den Sitzen. 



Sodann sprach Hr. M. Thiesen 

Über stationäre Flüssigkeitsströmung. 



Femer berichtete Hr. W. Jaeger über 

Erhöhung der kalorimetrischen Meßgenauigkeit durch 
Anwendung von Platinthermometern. 

(Nach gemeinsam mit Hrn. v. Steinwehr angestellten Versuchen.) 



352 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsoh. vom 16. Okt. 1908. f^r. 20. 

Endlich macht Hr. W. Biegen ?on Gzudnochowski einige 
Bemerkungen über das Elektrolytbogenlicht. 



Als Mitglied wird in die Gesellschaft aufgenommen: 
Hr. H. Regener, Potsdam, Margaretenstr. 33 

(vorgeschlagen durch Hm. E. Warburg). 



S53 



Erhöhti/ng der kcUortmetrißßhen Mefsgßnau4g1^ßU 

durch Anwend/ui/ng van PlaUnOiernianhetern; 

van W. Jaeger und H. v. Steinwehr» 

(Mitteilung au8 der PhysikaliBch -Technischen Reichsanstalt.) 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 16. Oktober 1903«) 

(Vgl. oben S. 351.) 



Im Anfaage dieses Jahrganges (S. 60) haben wir berichtet 
über Messungen zur Bestimmung des Wasserwertes eines Bkrthslot- 
sehen Verbrennungskalorimeters in elektrischen Einheiten. 

Die verschiedenen Versuchsreihen zeigten eine Übereinstim- 
mung von etwa 1 bis 2 Promille, eine Genauigkeitsgrenze, die 
durch die Anwendung von Quecksilberthermometem bedingt war; 
es war schon damals die Hoffnung ausgesprochen worden, daß 
man durch Anwendung von Platinthermometern eine wesentlich 
größere Genauigkeit erreichen würde. Dies ifit in der Tat ge- 
lungen, und es soll über das hierbei benutzte Platinthermometer 
und die damit erzielte Genauigkeit berichtet werden. 

Der Grund für die angegebene Genauigkeitsgrenze bei den 
Quecksilberthermometem liegt hauptsächlich in den Kaliberfehlern, 
die sich nicht hinreichend genau ermitteln und interpolieren 
lassen, um ein kleines Temperaturintervall — bei den früheren 
Versuchen 2® — genauer zu messen. Auch durch Anwendung 
von Thermometern mit feinerer Teilung kann man nicht weiter 
kommen. Benutzt man beispielsweise ein in i/ioo^ geteiltes Thermo- 
meter, so kann man der Skala vielleicht eine Länge von 10<^ 
geben. Der Gradwert dieses Thermometers muß durch Ver- 
gleichung der Endpunkte der Sksda mit fundamental unter- 
suchten Thermometern ermittelt werden, die nur in Vio^ geteilt 
sein können. Vioo^ Fehler kann diese Vergleichung audb bei aller 
Sorgfalt leicht erreichen, so daß der Gradwert auch in diesem 
Fall nur auf etwa ein Promille bekannt ist; bei Anwendung von 



354 Yerhdl. d. Deutschen Physik. GeseUsoh. vom 16. Okt 1903. [Kr. 20. 

fundamental untersuchten Thermometern ist es nicht anders. Das 
einzige Mittel, um weiter zu kommen, wäre die Anwendung 
größerer Temperaturintervalle; man müßte das Kalorimeter statt 
um 2^ um 15 bis 20<^ erwärmen, um die Genauigkeit wesentlich 
weiter zu treiben. Doch würden dadurch andere Unsicherheiten 
entstehen, die zum Teil den erzielten Vorteil wieder illusorisch 
machen würden. Bei kleineren Temperaturintenrallen als 2^ war 
bei Quecksilberthermometem die Genauigkeit noch geringer als 1 
bis 2 Promille. 

Die* Plätinthermometer dagegen sind frei von solchen Un- 
regelmäßigkeiten der Temperaturkurven, wie sie die Quecksilber- 
thermometer besitzen; es läßt sich daher sogar bei noch kleineren 
Temperaturdifferenzen eine bedeutend größere Sicherheit der 
Messungen erzielen, so daß die Genauigkeit auf etwa den zehn- 
fachen Betrag steigt 

Ein kleines Temperaturintervall ist aber zweifellos an und 
für sich beim Arbeiten mit Kalorimetern wünschenswert, weil nur 
in diesem Falle das zur Ermittelung des Wärmeaustausches mit 
der Umgebung benutzte Newton sehe Abkühlungsgesetz streng 
gilt; hauptsächlich aber deshalb, weil man dann mit relativ 
großen Wassermengen arbeiten kann. Dadurch wird der Wärme- 
austausch mit der Umgebung geringer, und die Korrektion wegen 
der Mötallmassen des Kalorimeters wird relativ kleiner und 
dadurch sicherer. 

Zum besseren Verständnis der von dem Platinthermometer 
zu verlangenden Eigenschaften bei einer angestrebten Genauig- 
keit von etwa einem Zehntausendstel möge zunächst kurz er- 
läutert werden, in welcher Weise die Temperaturerhöhung des 
Kalorimeters bestimmt wird; wir beschränken uns hierbei auf die 
von uns befolgte Methode (vgl. auch die frühere Mitteilung L c), 
die sich aber prinzipiell nicht von den anderen Ausführungs- 
weisen unterscheidet 

Das Hauptgewicht ist auf die Ermittelung der Anfangs- und 
Endtemperatur des Thermometers zu legen, aus denen sich die 
Erwärmung des Kalorimeters ergibt Diese Temperaturen be- 
stimmen wir in der Weise, daß wir vor Beginn und nach Ablauf 
der Erwärmung während einiger Minuten den Temperaturgang 



Nr. 20.] W. Jaeger und H. y. Sieinwehr. 355 

TOD Minute zu Minute beobachten und die so erhaltenen Punkte 
durch eine gerade Linie darstellen. Irgend eine Stelle dieser für 
die Vor- und Nachperiode erhaltenen Linien wird als Anfangs- 
bzw. Endtemperatur' angenommen; dann muß auch die Korrektion 
wegen des Wärmeaustausches des Kalorimeters mit der Umgebung 
für die zwischen diesen willkürlich gewählten Zeitpunkten liegende 
Zeit berechnet werden. 

Ist die Temperatur des Kalorimeters u zur Zeit t^ die kon- 
stante Umgebungstemperatur Uq, die Abkühlungskonstante des 
Kalorimeters a und die Anfangs- bzw. Endtemperatur Ui bzw. tia, 
entsprechend den auf den beiden Geraden der Vor- und Nach- 
periode (dui/dt und dui/dt) gewählten Zeiten t^ und t^^ so er- 
hält man nach dem Abkühlungsgesetz zwei Gleichungen von der 
Form du/dt = — a{u — Uo), aus denen sich a und Uq, sowie 
der gesamte Temperaturverlust in der Zeit (t^ — *i) als: 

w' = — a \(u — Uq) dt 
ergeben. 

Die korrigierte Temperaturerhöhung ist dann (u^ — u^) — u'. 
Das Integral u' erhält man durch eine nur roh auszuführende 
Beobachtung des Temperaturverlaufs während des Versuchs; es 
stellt die bei der graphischen Aufzeichnung des Temperaturganges 
zwischen u und Uq liegende Fläche dar (vgl. d. Jahrg. S. 57). 
Diese Korrektion läßt sich bei kleiner Abkühlungskonstante leicht 
mit der gewünschten Genauigkeit ermitteln. 

Die Genauigkeit der Anfangs- und Endtemperatur u, und u^, 
auf die es hauptsächlich ankommt, hängt davon ab, wie genau 
sich die einzelnen Punkte bei der Vor- und Nachperiode messen 
lassen. In unserem Falle dürfen die einzelnen beobachteten 
Punkte von der hindurchgelegten Geraden nur um wenige Zehn- 
tausendstel abweichen, was auch stets erreicht wurde. 

Femer ist aber nötig, daß das Temperaturintervall ü=th — th 
selbst sich mit dieser Sicherheit absolut bestimmen läßt. Auch 
dies ist bei dem regelmäßigen Verlauf der Widerstandsänderung 
des Platins, der zwischen und 100® zudem wenig von einer 
Geraden abweicht, durch Eichung des Thermometers in einem 



356 Verhdl. d. Dett«Mh«ii Physik. OeMUacb. vom 16. Okt. 1903. [Kr. 30. 

größeren Temperaturinteryall auch für kleine Temperaturerhöhungen 
Ydn etwa 1* zweifellos zu erreidien. 

Es darf indessen noch ein anderer Umstand nicht außer 
acht gelassen werden, nämlich die Trägheit des Thermometers, 
welche die Temperaturangaben mitunter fälschen kann. Zur Er- 
mittelung des Temperaturganges der Vor- und Nachperiode ist 
die Trägheit des Thermometers allerdings gleichgültig, weil nach 
einiger Zeit das Thermometer stets den konstanten Temperatur- 
gang des Kalorimeters annehmen muß. Zur Aufrechterhaltung 
dieses Ganges muß aber ein bestimmter Temperaturunterschied 
zwischen dem Thermometer und dem Kalorimeter bestehen, der 
von der Trägheit des Thermometers abhängt. Durch diese not- 
wendigerweise vorhandene Temperaturdifferenz müssen die Tempe- 
raturen Ui und i«2 eine gewisse Korrektion erfahren. 

Bezeichnet man die Temperatur des Thermometers zur Zeit t 
mit u' (bzw. Ui und w^' zu den Zeiten ^i und <,), die des Kalori- 
meters mit u und die Abkühlungskonstante des Thermometers mit 6, 
so ist wieder nach dem Abkühlungsgesetz dui /dt=z — b (ui' — u^) 
und dtij' /dt z= — b (uj' — Wj). 

Da aber, wie erwähnt, du^' /dt = du^/dt, du^' /dt = du^/dt 
ist, so erhält man, wenn J7' = Uj' — i*i', 17= u, — u^ gesetzt 
wird: 

Da aber andererseits du^/dt — dui /dt = — aU ist, so er- 
gibt sich: 

CT- tr _ g 
u — b' 

d. h. die prozentische Vergrößerung der wirklichen Temperatur- 
erhöhung U durch die Trägheit des Thermometers ist gleich dem 
Verhältnis der Abkühlungskonstanten des Kalorimeters und des 
Thermometers. Diese Größe kann durch Bestimmung von a und b 
als Korrektion an der beobachteten Temperaturzunahme U' an- 
gebracht werden; sie wird um so kleiner, je kleiner a ist Auch 
aus diesem Grunde ist es Ton Vorteil, große Wassermengen zu 
verwenden. 

Bei den früheren Messungen war a = 0,002, d. h. das Kalori- 
meter kühlte sich bei V Temperaturüberschuß über die Umgebung 



Nr. ».] W. Jaeger und H. ▼. Steinwehr. 357 

am 0,002^ in der Minute ab. Bei den neueren Messungen mit 
bedeutend größeren Massen ist a nur halb so groß. Soll die 
Größe a/b den Wert I0~^ nicht übersteigen, so muß b also hier 
(auf die Minute berechnet) etwa 10 sein. 

Die Bedeutung der Konstante b ist ersichtlich aus der Ab- 
kühlungsformel für das Thermometer: 

u' — u =■- Äe-^*^ 
worin Ä eine Konstante bedeutet und t in Minuten anzugeben 
ist. In der Sekunde müßte sich der Temperaturüberschuß des 
Thermometers über das Kalorimeter also um den Faktor 1,2 ver- 
ringern, d. h. z. B. von 10^ auf etwa 8,5 o fallen. 

Dies entspricht aber etwa der Trägheit guter Quecksilber- 
thermometer; bei einem Quecksilberthermometer haben wir beispiels- 
weise b = 4,4, bei einem anderen b = II gemessen. 

Aber auch aus einem anderen Grunde ist eine möglichst 
große Abkühlungskonstante des Thermometers wünschenswert, 
nämlich wegen der Erwärmung des Platindrahtes durch den Meß- 
strom. Bei der von uns angestrebten Meßgenauigkeit von Vioooo 
darf die Stromstärke nicht zu gering sein, da Vioooo® einer Wider- 
standsänderung von etwa nur Vs Milliontel entspricht. 

Bei diesen großen Ansprüchen an die Widerstandsmessung 
ist auch eine sehr vollkommene elektrische Isolation des Instru- 
ments notwendig. 

Bei einem nach den Angaben von Callendar konstruierten 
Platinthermometer, bei dem der Platindraht auf ein Glimmer- 
kreuz gewickelt ist, und das in einem Glasrohre von etwa 1,5 cm 
Durchmesser eingeschlossen ist, haben wir eine Abkühlungskonstante 
b = 3,6 gefunden ; die Trägheit derselben ist für unseren Zweck 
zu groß. 

Platinthermometer. — Zur Erreichung einer großen Ab- 
kühlungskonstante beabsichtigten wir ursprünglich, umsponnenen 
feinen Platindraht in ein enges Metallröhrchen einzuziehen i). 
Da uns kein umsponnener Draht zur Verfügung stand, benutzten 
wir, um schneller zum Ziel zu kommen, ein fein ausgezogenes 



*) Mittlerweile ist ein solches Thermometer hergestellt worden, das 
auch eine etwas andere Montierung besitzt, als in Fig. 2 (a. f. S.) angegeben ist 



358 



Verhdl. d. Deutschen Physik. GeseUsch. vom 16. Okt. 1903. [Nr. 20, 



Glasrohr, wobei dann der Draht blank eingezogen werden konnte. 
Bei dem im Tätigkeitsbericht der Reichsanstalt vom Jahre 1894 
und 1895 (ZS. f. Instrk. 14 u. 15) erwähnten Platinthermometer 
benutzt Herr Thiesen ebenfalls, was dort allerdings nicht an- 
gegeben ist, dünne Glasröhren; die Versuche sind damals ab- 
gebrochen und später nicht weiter fortgesetzt worden. Das von 

uns benutzte Thermometer 

HB 



besteht aus einem Platin- 
draht von etwa 0,01 mm« 
Quei-schnitt und 30 cm 
Länge (Widerstand etwa 
4,5 Ohm), das in ein fein 
ausgezogenes Glasröhrchen 
von etwa 1,5 mm Durch- 
messer eingeschlossen ist. 
Die Enden des Platindrahtes 
(Fig. 1) sind je an einen 
in der Mitte zusammen- 
gelegten isolierten Kupfer- 
draht k angelötet, der sich 
zum größten Teil auch noch 
innerhalb des Glasrohres 
befindet, und dessen eines 
Ende zur Stromzuführung, 
das andere zur Potential- 
abnahme benutzt wird. Bis 
zu den Lötstellen e ist das 
Glasrohr von den Enden her 
mit Schwefel vollgegossen 
und die austretenden Kupfer- 
drähte sind in der aus der 
Figur ersichtlichen Weise 
noch mit Schellack isoliert. 
Zur Vorsorge wird der 
Schellack noch mit Öl angefeuchtet, damit keine Isolationsfehler 
durch Wasser entstehen; besonders beim Eichen des Instruments 
in Wasserdampf muß man sehr voraichtig verfahren. Das Glas- 
rohr ist in der Mitte umgebogen (Fig. 2), so daß seine beiden 




Nr. 20.] W. Jaeger und H. v. Steinwehr. 359 

Schenkel mit den Kupferenden aus dem Wasser herausragen; die 
Lötstellen befinden sich etwa 10 cm unterhalb der Wasseroberfläche. 
Zum Schutze gegen mechanische Eingriffe ist das Instrument von 
einem Metallkäfig umgeben und in der aus der Figur ersicht- 
lichen Weise montiert Das Thermometer ist auf diese Weise 
handlich und wenig zerbrechlich. 

Strombelastung des Thermometers. — Die Erwärmung 
des Thermometers durch Strom wurde mittels Widerstandsmessungen 
bestimmt Wir benutzen eine Meßstromstärke von 0,01 Amp., für 
welche sich eine dauernde Temperaturerhöhung des Thermometers 
von 0,002^ ergibt. Da der Platindraht stets vom Strom durch- 
flössen wird, so kommt diese Größe als Konstante zu der Anfangs- 
und Endtemperatur hinzu und fällt bei der Differenz heraus, so 
' daß man auch noch größere Belastungen anwenden könnte. Es 
muß nur gefordert werden, daß die Erwärmung durch den Meß- 
strom stets konstant ist, und es wird sich empfehlen, dieselbe 
deshalb nicht zu groß zu wählen. Die Belastung mit 0,01 Amp. 
ist ausreichend zur Erlangung der angestrebten Meßgenauigkeit 

Trägheit des Thermometers. — Die Trägheit des Thermo- 
meters ist so außerordentlich gering, daß wir sie nur schätzungs- 
weise angeben können, da es beim Eintauchen in eine anders 
temperierte Flüssigkeit fast momentan die Temperatur des Bades 
annimmt Die Konstante b dürfte etwa 10 bis 20 mal so groß 
sein als bei den empfindlichsten Quecksilberthermometern. Auch 
ist der Wasserwert infolge der geringen Masse sehr klein, er be- 
trägt noch nicht eine g-Kalorie. 

Meßanordnung. — Zur Widerstandsmessung wurde die 
Methode des übergreifenden Nebenschlusses von F. Kohlrausch 
benutzt unter Verwendung eines differential gewickelten du Bois 
und Rubens sehen Kugelpanzergalvanometers. Als Vergleichs wider- 
stand dient ein fester Widerstand W (Fig. 3) mit einem variablen 
Nebenschluß N (Widerstandskasten). Die Figur zeigt die An- 
ordnung mit dem sechsnäpfigen Kommutator K\ durch geeignete 
Kombination der Ausschläge bei verschiedenen Kommutator- 
stellungen fallen die Ungleichheiten der Wirkung der beiden 
Galvanometerhälften und ihrer Widerstandswerte heraus. Es 
wurde immer nur mit ganz kleinen Ausschlägen gearbeitet, was 



360 Verhdl. d. DeutBchen Physik. GeeeUsoh. vom 16. Okt. 1903. [Nr. 20. 

durch Abänderung des Widerstandes der einen Galranometer- 
hälfte mittels Nebenschlusses erreicht wird. Zu dem Platin- 
thermometer P führen lange, dünne Drahte, deren Widerstand bei 
dieser Methode eliminiert wird. 

Bei unserer Anordnung entsprach ein Skalenteil (einseitiger 
Ausschlag des Galvanometers) durchschnittlich etwa 0,005*; diese 
Meßgenauigkeit ist ausreichend, da die Nulllage des aufgehängten 
Galvanometers (mit schwerem System) sehr gut ist Bei derselben 
Belastung des Thermometers könnte die Meßgenauigkeit durch 
günstigere Schaltung leicht noch etwas erhöht werden. 

Mit dieser Einrichtung wird nur der Temperaturgang der 
Vor- und Nachperiode, also auch die Temperaturerhöhung IT des 
Kalorimeters bestimmt, während zur Messung des Temperatur- 
verlaufs während des Versuchs ein in i/jo® geteiltes Quecksilber- 
thermometer dient. Für die Größe U und den Temperaturgang 
sind die verschiedenen Nebenschlüsse N maßgebend, aus denen 
sich mit Hilfe von Tabellen bequem die gesuchten Größen be- 
rechnen lassen. Die Berechnung gestaltet sich auf diese Weise 
einfacher als mit Quecksilberthermometern, an denen man zur 
Erreichung der letzten Genauigkeit bis zu sieben Korrektionen 
anbringen muß. 

Eichung des Platinthermometers. — Die Eichung wurde 
in der Weise vorgenommen, daß der Fundamentalabstand 0® bis 
100^ direkt in Eis und Wasserdampf bestimmt und die Krümmung 
der Widerstandskurve — das zweite Glied der Parabel — durch 
Vergleichung mit fundamental untersuchten Quecksilberthermo- 
metem an mehreren Punkten ermittelt wurde. Die Abweichung 
der beobachteten und berechneten Werte betrug im Maximum 
2 X lO-*^, entsprechend einer Temperaturdifferenz von 0,005^ so 
daß also die Eichung genügend genau ist. Als Formel für die 
Widerstandskurve fanden wir ► 

wt = tt;o (1 + 0,0039648 f — 0,0000005835 «»> 

Die Temperatur des Platinthermometers jp ist nach dieser 
Formel von der Wasserstofftemperatur t verschieden um die Größe 



P-t = omm{t-^), 



Nr. 20.] W. Jaeger und H. v. Steinwehr. 361 

also im Maximum bei 50® um 0,373" höher. Dies Ergebnis stimmt 
mit den sonst gefundenen Zahlen gut überein i). Bei 20® ist daher 
eine mit dem Platinthermometer bestimmte Temperaturdifferenz 
um 0,0090 größer als die wahre Differenz. Dieser von dem 
zweiten Glied herrührende Unterschied braucht bei der angestrebten 
Genauigkeit nur auf etwa 1 Proz. bekannt zu sein, der Fundamental- 
abstand 0® bis 100® nur auf Vioo^ so daß sich die Eichung leicht 
mit der erforderlichen Genauigkeit hei-stellen läßt. 

Versuche. — Die Messungen, welche wir mit diesem Thermo- 
meter vorgenommen haben, zielen darauf hin, die Kalorie in 
elektrischen Einheiten mit einer Genauigkeit von wenigen Zehn- 
tausendsteln auszuwerten; es scheint, daß dies auch gelingen wird. 
Wir verfolgen dabei das Prinzip, mit möglichst großen Wasser- 
mengen und geringer Temperaturerhöhung zu arbeiten. Das Ge- 
wicht des Wassers beträgt etwa 10 kg, der Wasserwert der Metall- 
massen infolgedessen nur etwa 1 Proz., so daß dieser selbst nur 
auf 1 Proz. bekannt zu sein braucht. Die zugeführte elektrische 
Energie beträgt etwa 250 Watt in der Sekunde und läßt sich 
mit Hilfe eines Kompensationsapparates und eines Kadmium- 
elements auf etwa Vioooo bestimmen. Dies ist ja zur Zeit über- 
haupt die Grenze für die Sicherheit der gesetzlichen elektrischen 
Einheiten, da der Wert der Spannung von Normalelementen bzw. 
der des Silbervoltameters nicht genauer definiert ist. 

Die beobachteten Abweichungen der einzelnen Messungen 
sind deshalb nicht im ganzen Betrag auf Rechnung des Thermo- 
meters zu setzen. Die Rührwärme ist gegenüber der elektrischen 
Energie minimal, da wir einen Zentrifugalrührer verwenden, der 
nur etwa eine bis zwei Umdrehungen in der Sekunde machte. 
Die entwickelte Wärme geht in den Temperaturgang ein und ist 
für das Resultat unschädlich, wenn sie konstant bleibt. Wir 
haben eine Anzahl endgültiger Messungen mit dieser Einrichtung 
vorgenommen mit einer Temperaturerhöhung von etwa 1,3® bei 



*) Siehe L. Holborn, Ann. d. Phys. 6, 251, 1901. Für einen ebenfalls 
von Heraus gelieferten Platindraht findet Holborn: u'f^= /ro(l + 0,003966 f 

— 0,000000582*") und dementsprechend p — t = 0,01489 (t — ^^ in sehr 

guter Übereinstimmung mit den oben angegebenen Zahlen. 



Yerhdl. d. Deutaohen Physik. Gesellsch. vom 16. Okt 1903. [Nr. 20. 

einer Versuchsdauer von drei Minuten. Die Abweichung der ein- 
zelnen Versuche vom Mittelwerte betrug durchschnittlich noch 
nicht Vi 0000* ^ür die Güte des Platinthermometers und die Ge- 
nauigkeit der damit ausgeführten Messungen kommt ja allein 
diese relative Übereinstimmung in Betracht Diese Genauigkeit 
ist aber die zehnfache der mit dem Quecksilberthermometer bei 
einem fast doppelt so großen Temperaturinteryall erreichten, so 
daß also begründete Aussicht vorhanden ist, die beabsichtigten 
Messungen mit einer Genauigkeit durchzuführen, die derjenigen 
der praktischen elektrischen Einheiten gleichwertig ist 

Gleichzeitig folgt aber hieraus auch, daß sich kalorimetrische 
Messungen unter günstigen Bedingungen mit einer erheblich 
größeren Genauigkeit ausführen lassen, als man ihnen im all- 
gemeinen zuzugestehen geneigt ist 



Verlag von Friedr. Vieweg & Sohn in Braunschweig. 



Vorlesungen 



über 



Experimentalphysik 

von 

Aug^ust Kundt, 

weiland Professor an der Universität Berlin, 
heraasgegeben von 

Karl Scheel. 



Mit dem Bildnis Hundts, 534 Abbildungen und einer farbigen 

Spelctraltafel. 

gr. 8. Preis geh. 16 M., geb.' 17 M. 



Die Vorlesungen Kundts verdanken ihre Veröffentlicliung dem viel- 
fach ausgesprochenen Wunsche früherer Schüler des gi*oßen Experimen- 
tators, die Vorlesungen nicht der Vergessenheit anheimfallen zu lassen. 

Der Umstand, daß das Manuskript ein einheitliches Ganzes darbot, 
mußte jeden Versuch zurückweisen, durch Einfügung neuer Kapitel 
die Fortschritte der Wissenschaft im letzten Jahrzent zu berücksichtigen 
und dadurch die Vorlesungen zu einem Lehrbuch der Physik auszu- 
gestalten, um so mehr, als dieselben hierdurch sehr an ihrer Originalität 
eingebüßt haben würden. 

Kundts Vorlesungen geben ein Bild des klassischen Bestandteils 
der physikalischen Wissenschaft und sind vermöge der überaus anschau- 
lichen und leicht verständlichen Sprache so recht geeignet, nicht nur 
dem Studierenden der Physik als Leitfaden neben den gehörten 
Vorlesungen zu dienen, sondern auch dem Schüler die Einführung 
in die phyRikalischen Erscheinungen zu erleichtem. Vor allem wird 
aber auch derjenige, welcher mit den Lehren der Physik vollkommen 
vertraut ist, sich der eleganten und originellen Darstellung der ihm 
bekannten Tatsachen stets aufs neue freuen. 



Zo beziehen diiixh alle Bttchhandlnngen. 



EXeybold's ßacMolger 

Coln a. Rhein 

IMechanidcbe und optische Qlerkstätten* 

ßeue Scbwttttgnidscbine mit Elecfrotnotor 




zum Hnschluss an eine Starkstromleitung. 



Mit dem Hpparat laescti sid) eätntlicbeTersudie bequem 
anstcUen* Die Hbbildung zeigt die Centrifugalmaecbitie in 
Verbindung mit dem Hpparat nad) Slotte zur Bestimmung 
des med>aniddien aiärmeaq(ii\>alente8« 

preieltste über ]N[eue Hpparate und Tereud>e auf Verlangen. 



1903 HeH 21 

( 

Berichte 

der 

Dentschen Physikalisehen OeseUscIiaft 

enthaltend 

Verhandlungen 

der Deutschen Physikalischen Gesellschaft 
im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Scheel 

and 

Halbmonatliches Llteraturyerzeichnis 

der „Fortschritte der Physik", dargestellt von der 
Deutschen Physikalischen Gesellschaft 

redigiert von 

Karl Scheel Richard Assmann 

Reine Physik Kosmische Physik 



Braunschwelg 

Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn 
19 3 



^onaXUtih zwei Nummern, — Äbonnementspreis pro Jahrgang 8 Mark. — Zu heziehe^i 
durch aüe Buchhandlungen und PostanstaUen (Poetzeitungsliste Nr, 1042 a) 



Inhalt. 



Seite 

Verhandlungen der Deutschen PhysikaliBchen OeseUsohaft. 

Bericht über die Sitzung vom 30. Oktober 1903 363 

H. Starke, Über den Potentialverlauf bei der Elektrizitätsleitun^ 
dui'ch Gase, insbesondere der Flammenleituug. (Vorgetragen 
in der Sitzung vom 30. Oktober 1903.) 364 

H. Starke, Über die unipolare Leitung in Gasen. (Vorgetragen 

in der Sitzung vom 30. Oktober 1903.) 377 

Halbmonatliches Llteraturveraeichnis der Fortschritte der 
Physik. 

I. Allgemeine Physik 337 

II. Akustik 339 

III. Physikalische Chemie 339 

lY. Elektrizität und MagnetismuB 341 

V. Optik des gesamten Spektrums 344 

VI. Wärme 345 

Vn. Kosmische Physik 347 



AnJkündiffunff. 



Den Abonnenten der „FortscbriUe der Physik" können wir die erfreu- 
liche Mitteilung machen, da/s nach langen Vorbereitungen int Anschlu/s an 
das im fahre i8^ im Verlage von Georg Reimer in Berlin erschienene 
Qeoeral' Register zu den „Portscisritten der Physik", Band XXl (iSös) 
bis XLIII (tSSy), das in Anlage und Ausführung übereinstimmend mit 
diesem Registerbande bearbeitete 

Nameo' Register nebst Sach ' Brgänzungsregister zu den 
..Fortschritten der Physik*', Band XLIV (i888) bis LHI 
(i8g7) , unter Mitwirkung von Dr, E, Schwalbe bearbeitet 
von Dr, G, Schwalbe, 
aur Ausgabe gelangt ist. 

Nach einer Einleitung^ welche dazu dient, den Gebrauch des Werkes 
SU erleichtern t wird eine Übersicht über den Umfang der Bände ^ sowie über 
die Redakteure und Referenten, welche während der fahre tSSS bis t8py 
tätig waren, gegeben. Der Haupiteil selbst aerfällt in zwei Teile: Das 
Namenregister, in welchem sämtliche in den zehn fahrgängen der „Fort- 
schritte** erwähnten nicht anonymen Titel in alphabetischer Reihenfolge der 
Autorennamen sich vorfinden^ und das Sach'Brg&nzungsregiater, in wel- 
chem die anonymen Titel in sachlicher Weise geordnet sind. Wie aus der Ein- 
leitung sich ergibt^ ist durch umfassende Vergleiche für die Richtigkeit der 
einzelnen Titel nach Möglichkeit gesorgt worden. Ebenso ist dem Bedürfnis 
nach Vollständigkeit in weitestem Mafse Rechnung getragen. 

Für alle, welche auf den Gebrauch der ^^Fortschritte** in ihren wissen- 
schaftlichen Untersuchungen angewiesen sind, dürfte das vorliegende Re- 
gister zu einem wichtigen, wenn nickt unentbehrlichen Nachschlagewerk 
werden. Auch für Bibliotheken, welche die „Fortscinitte der Piiysiic" 
halten, erscheint dasselbe als notwendige Ergänzung zu denselben. 

Der Preis des stattlichen Bandes beträgt M. 6o, — , worauf den Mit- 
gliedern der Deutschen Physikalischen Gesellschaß die bekannte Ermäfsigung 
gewährt wird. 

Die Veriagsbucitiiandiung Friedn Vieweg & Sofia 
in Brauasciiweig. 



Verhandlungen 



der 



Deutschen Physikalischen Gesellschaft 



Im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Scheel 

5. Jahr;. 15« NoYember 1908. Nr. 21. 

Sitzung Tom 80. Oktober 1908. 



Vorsitzender: Herr E. Warbürg. 



Hr. E. Warburg berichtet: 
Über die galTanomagnetischen und thermomagnetischen 

Effekte in Antimon und Wismut 
(nach Versuchen von Hm. GyY Barlow). 



Ferner spricht Hr. H. Starke: 

1. Über den Potentialverlauf bei der Elektrizitätsleitung 

durch Gase, insbesondere der Flammenleitung. 

2. Über die unipolare Leitung in Gasen. 



Als Mitglieder werden in die Gesellschaft aufgenommen: 
Hr. Dr. FoRCH, Privatdozent an der Technischen Hochschule zu 
Darmstadt. 

(Vorgeschlagen durch Hrn. K. Schering.) 
Hr. Dr. A. Byk, Berlin W., Lützowstr. 97. 

(Vorgeschlagen durch Hrn. M. Planck.) 

Hr. Dr. Anton Weber, Professor am Lyceum in Dillingen (Bayern). 

(Vorgeschlagen durch Hrn. L. Graetz.) 



364 



Vber den JPotentialverlauf bei der JElektrizitätslettung 

durch Gase, insbesondere der FltMfnmenleitung; 

von H. Starke. 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 30. Oktober 1903.) 
(Vgl. oben S. 863.) 



Der Potentialverlauf zwischen zwei Elektroden, welche, auf 
eine gewisse Spannungsdifferenz aufgeladen, sich in leitendem 
Gase befinden, ist für eine Reihe von Fällen experimentell er- 
mittelt worden. Die genauesten Messungen liegen wohl über den 
Potentialgradienten bei der Glimmentladung durch verdünnte Gase 
vor. Indessen sind bei dieser Form der Elektrizitätsleitung, wie 
überhaupt bei den elektrischen Selbstentladungen, d. h. den Ent- 
ladungen, welche ohne ein von außen einwirkendes Mittel sich 
selbst den leitenden Weg durch das Gas schaffen, die Verhält- 
nisse so kompliziert, daß ihre theoretische Behandlung auf große 
Schwierigkeiten stößt. Dies liegt in der Erklärungsweise der 
lonentheorie daran, daß die Ionisation, d. h. die pro Zeiteinheit 
erfolgende lonenbildung, nicht unabhängig von der Stromstärke, 
sondern eine komplizierte, unbekannte Funktion derselben ist, in- 
dem jedes Ion vermöge seiner Geschwindigkeit fähig ist, neue 
Ionen zu bilden. Als ein weiteres, die Rechnung erschwerendes 
Moment kommt hinzu, daß bei geringen Gasdrucken zufolge der 
verringerten Reibung die Geschwindigkeit der Ionen nicht mehr 
der jeweiligen Feldstärke proportional gesetzt werden kann, son- 
dern die Ionen im elektrischen Feld eine Beschleunigung erfahren. 
Diese Beschleunigung tritt um so mehr hervor, je geringer der Gas- 
druck wird. Die negativen Ionen, welche z. B. an der Oberfläche 
der Kathode bei der Glimmentladung sich bilden, behalten die in 
dem großen elektrischen Felde an der Kathode erlangte Geschwin- 
digkeit mit abnehmendem Druck bis auf eine immer weitere Weg- 
strecke bei, das negative Glimmlicht, welches sie erzeugen, dehnt 
sich dabei immer weiter aus. Bei einem gewissen niedrigen Druck 
ist der Zustand erreicht, in welchem die Teilchen die ganze 
potentielle Energie, welche sie in dem elektrischen Felde besaßen. 



Nr. 21.] H. SUrke. 365 

in Form kinetischer Energie behalten, ohne Energie an die Gas- 
teilchen abzugeben. Die Reibung ist dann unendlich klein ge- 
worden, die Teilchen fliegen als Kathodenstrahlen durch beliebig 
weite Strecken ohne ein elektrisches Feld. Wärmeerzeugung 
findet in der Umgebung der Kathode dann nicht mehr statt, sie 
findet sich erst außerhalb wieder an den Stellen, wo die Kathoden- 
strahlen ihre kinetische Energie abgeben. Im folgenden sollen 
nur solche Fälle von Gasleitung besprochen werden, in welchen 
die Ionisierung unabhängig von dem das Gas durchfließenden 
Strom, und ferner die Reibung des Gases so groß ist, daß man 
die lonengeschwindigkeit stets proportional der Intensität des .elek- 
trischen Feldes setzen kann. Hierher gehören sämtliche Fälle 
unselbständiger Elektrizitätsleitung in Gasen bei nicht zu niedrigen 
Drucken, wobei unter unselbständiger Elektrizitätsleitung diejenige 
verstanden sein soll, bei welcher das Gas seine Leitfähigkeit nur 
durch ein von außen einwirkendes Mittel (ionisierende Strahlen, 
Temperatursteigerung usw.) besitzt. Bei höheren Spannungs- 
differenzen der Elektroden verliert in der Regel die Leitung ihren 
rein unselbständigen Charakter, indem durch lonenstoß Neubil- 
dung von Ionen stattfindet. 

An anderer, demnächst zu veröffentlichender Stelle habe ich 
den Potentialverlauf zwischen zwei großen, plattenförmigen Elek- 
troden für verschiedene Arten unselbständiger Strömung berechnet, 
unter der Annahme, daß der das Gas durchfließende elektrische 
Strom der Sättigungsstrom ist, oder, wie man dies anders aus- 
drücken kann, daß keine spontane Wiedervereinigung von Ionen 
stattfindet. Dies ist der Fall für eine genügend groß gewählte 
elektromotorische Kraft. Man hat, wie ich dort zeigte, zwischen 
zwei Hauptgruppen unselbständiger Strömungen zu unterscheiden, 
bei denen der Potentialverlauf ein gänzlich verschiedener ist. Die 
eine Gruppe enthält die Fälle, in welchen die Ionisation im ganzen 
Volumen des Leitungsraumes stattfindet, die andere diejenigen, in 
welchen die lonenerzeugung nur an der Oberfläche der Elektroden 
vor sich geht.» Der Potential verlauf ist durch folgende Angaben 
charakterisiert: 

Volumenionisation. Der Potentialgradient hat zwischen 
den Elektroden ein Minimum. Die Kurve, welche den Verlauf 
des Potentialgradienten zwischen den Platten darstellt, ist eine 



366 Verlidl. d. Deutschen Physik, Gesellsoli. vom 30. Okt. 1903. [Nr. 21. 

Hyperbel, deren Scheitelpunkt die Stelle des Minimums ist An 
dieser Stelle hat die Kurve, welche den Verlauf des Potentials 
angibt, demnach einen Wendepunkt. Die Abstände dieses Wende- 
punktes von der Anode bzw. Kathode verhalten sich wie die Be- 
weglichkeiten des positiven und negativen Ions, wenn gleichviel 
positive und negative Ionen per Kubikzentimeter und Sekunde 
erzeugt werden. Ist demnach die Geschwindigkeit des einen, z. B. 
des negativen Ions, bei weitem überwiegend, so rückt der Wende- 
punkt in der Potentialkurve dicht an die positive Elektrode, und 
das Gefälle nimmt von der Kathode zur Anode daher stetig ab, 
nur dicht vor der Anode noch einmal etwas zu. In ähnlicher 
Weise verschiebend auf den Wendepunkt wirkt ein Überschuß 
der einen oder anderen lonenart. Ein Überschuß positiver Ionen 
wirkt wie eine größere Geschwindigkeit der negativen, verschiebt 
den Wendepunkt nach der Anode. Sind nur positive Ionen im 
ganzen Volumen stetig neu entstehend (durch irgend welche Zu- 
fuhr wie etwa Einblasen von außen), so liegt das größte Gefälle 
an der Kathode, der Potentialgradient nimmt von Kathode nach 
Anode hin ab. Die ihn darstellende Kurve ist die eine Hälfte 
einer Hyperbel. 

Oberflächenionisation. Der Potentialgradient hat an 
keiner Stelle zwischen den Elektroden ein Minimum. Werden an 
beiden Elektroden pro Quadratzentimeter und Sekunde gleich viel 
Ionen erzeugt, so ist der Potentialgradient bei gleicher Beweg- 
lichkeit beider lonenarten im ganzen Raum konstant; das Poten- 
tial nimmt also linear von Anode nach Kathode hin ab. Ist die 
Beweglichkeit des einen Ions größer, so wird die Kurve des Po- 
tentialgradienten ein Parabelast, welcher in seiner Form sich 
immer mehr von der einer geraden Linie unterscheidet, je größer 
die Geschwindigkeitsdifferenz wird. Der Potentialgradient nimmt 
von der Anode nach der Kathode hin zu, wenn die Geschwindig- 
keit des negativen Ions die größere. Dasselbe bewirkt ein zahl- 
reicheres Freiwerden positiver Ionen, so daß ein Vorhandensein 
von nur positiven Ionen einen Potentialverlauf veff'anlassen kann 
gleich demjenigen bei Vorhandensein positiver und negativer bei 
größerer Geschwindigkeit der letzteren. 

Den gleichen Verlauf wie im Fall von Oberflächenionisation 
an nur einer Elektrode hat das Potential zwischen zwei Platten, 



Nr. 21.] H. Starke. 367 

an deren einer in unmittelbarer Nähe Yolumenionisation statt- 
findet Dieser Fall ist zu realisieren durch ein schmales Bündel 
von Röntgenstrahlen, welches streifend an einer Platte entlang 
geführt wird, oder durch Bedecken der einen Elektrode mit einer 
radioaktiven Substanz, welche sehr stark absorbierbare Strahlen 
aussendet. In diesen Fällen übernimmt die Leitung zwischen den 
Platten auch nur das Ion, welches das Vorzeichen der Elektrode 
hat, aus welcher die Ionisierung stattfindet. 

Experimentell ermittelt sind bisher, so viel als ich gefunden 
liabe, Kurven, welche den Verlauf des Potentials darstellen im 
Fall gleichförmiger Ionisation im ganzen Volumen durch Röntgen- 
strahlen (C. D. Child, Wied. Ann. 65, 152, 1898), sowie im letzt- 
genannten Fall unsymmetrischer Volumenionisation nahe an einer 
Elektrode durch Röntgen- und Becquerelstrahlen (E. Rutherford, 
Phil. Mag. (6) 2, 210, 1901) und durch eine Flamme (C. D. Child, 
Phys. Rev. 12, 65, 1901). Letztere Untersuchungen geschahen 
zum Zweck einer Geschwindigkeitsbestimmung der Ionen. End- 
lich sind Potentialkurven mehrfach ermittelt worden für die Lei- 
tung in der Flamme, in betreff welcher die Meinungen noch aus- 
einandergehen, ob vorwiegend Volumen- oder Oberflächenionisation 
Ursache der Leitfähigkeit ist. (E. Warburg, Ann. d. Phys. (4) 2, 
302, 1900; E. Marx, Ann. d. Phys. (4) 2, 768, 1900; H. A. Wilson, 
Phil. Trans. Roy. Soc. London 1899.) 

Im folgenden soll über einige Versuche berichtet werden, 
welche die Ermittelung des Potentialverlaufes in einer Reihe 
weiterer Fälle unselbständiger Gasleitung zum Zweck hatten. 
Einige Beobachtungen über die Flammenleitung seien zugleich 
mitgeteilt, weil in der Literatur ein Irrtum bezüglich des Vor- 
handenseins eines gewissen Elektrodeneinflusses verbreitet ist, 
welcher in Wirklichkeit nicht besteht. 

1. Photoelektrisolie Leitung. 

Einer vor jedem Versuch frisch zu putzenden Zinkscheibe von 
10 cm Durchmesser in 6 cm Abstand gegenüber steht als Anode 
ein Rahmen mit ausgespannten dünnen Platindrähten. Durch die 
Anode hindurch wird die Zinkscheibe mittels einer Bogenlampe 
belichtet. Das Potential wird mit einer Wassertropfelektrode ge- 



368 



Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 30. Okt. 1903. [Nr. 21. 



messen. Zinkscheibe auf — 640 Volt, Anode geerdet. Der ohne 
Bestrahlung annähernd geradlinige Potentialverlauf nimmt je nach 
der Intensität der Belichtung die mehr oder weniger abweichende 
Form der Kurven in nachstehender Figur an. Bei intensiver Be- 
strahlung befindet sich bei geerdeter Anode der ganze Zwischen- 
raum zwischen den Platten mit Ausnahme des Teils nahe der 
Anode auf hohem negativen Potential. Ist die Kathode geerdet 



60 



50 



5.40 

M 
N 30 



20 



10 



K 
















V 


^. 














\ 




^ 














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\ 


^ 


V 












X 


\ 


^ 


\, 












1 




\\ 














"^ 


"^ 


'V; 


^ 



8 cm 



und die Anode auf + 640 Volt geladen, so ist der Zwischenraum 
wesentlich auf dem Potential Null. Der Hauptabfall des Potentials 
findet an der Anode statt, der Potentialgradient nimmt nach der 
Kathode hin stetig ab. 



2. Leitung zwischen zwei Elektroden, deren eine glüht. 

Die experimentelle Anordnung ist die gleiche wie zuvor. Die 
Zinkscheibe wurde ersetzt durch eine gleich große Messingscheibe, 
um photoelektrischen Strom auszuschließen. Die Platindrähte des 
vorher erwähnten Rahmens konnten elektrisch geglüht werden. 
Bei Rotglut findet lonenerzeugung nur statt, wenn der Rahmen 
Anode ist. Negative Teilchen werden aus rotglühendem Platin- 



Nr. 21.] H. Starke. 369 

draht in Luft nicht erzeugt. Bei Weißglut findet elektrische 
Strömung statt, mag der flahmen Anode oder Kathode sein. Im 
ersteren Fall findet die Leitung durch positive, im letzteren durch 
negative Ionen statt. Der Potentialverlauf hat dieselbe Form wie 
im Falle des photoelektrischen Stromes. Der Hauptfall des Po- 
tentials findet an der dem glühenden Körper gegenüberstehenden 
Platte statt, nach diesem hin stetig abnehmend. 

3. Leitung zwisohen zwei Elektroden, 

an deren einer das Oas durch Röntgenstrahlen oder 

eine Flamme ionisiert wird. 

Zwei Messingplatten von 10 cm Durchmesser in 8 cm Ab- 
stand einander gegenüber stehend. Röntgenstrahlen fallen von 
der Seite in den Zwischenraum, durch eine Bleiplatte derart ab- 
geschirmt, daß eine Schicht von etwa 1 cm Dicke an der einen 
Platte bestrahlt ist. Der Potentialverlauf ist derselbe wie in den 
bisher besprochenen Fällen. Das Gefälle nimmt von der be- 
strahlten Platte, wo es seinen kleinsten Wert hat, ständig nach 
der gegenüberliegenden Platte hin zu. Denselben Fall hat, wie 
ich erst nach Ausführung dieser Bestimmung sah, E. Rutherford 
mit gleichem Resultat untersucht, wie auch den ähnlichen, daß 
die eine Platte mit einer dünnen Schicht a-Strahlen aussendender 
Substanz bedeckt ist. Ebendieselbe Art des Potentialverlaufes 
erhält man, wie auch von Child bereits ermittelt wurde, wenn 
die nächste Umgebung der einen Elektrode durch eine längs der- 
selben hingleitende Flamme ionisiert wird. 

4. Leitung zwischen zwei Elektroden in den heifsen 
Oasen über einer Bunsenflamme. 

Zwei quadratische Messingplatten von (3 cm)» Größe , einige 
Zentimeter über der breiten, nichtleuchtenden Flamme dreier 
nebeneinandergestellter Bunsenbrenner. Der Potentialverlauf, mit 
einer Sonde aus dünnem Platindraht ausgemessen, hat dieselbe 
Form wie zwischen Elektroden, deren Zwischenraum durch Röntgen- 
strahlen ionisiert wird. An beiden Elektroden großes Potential- 
gefälle, welches zwischen den Platten ein Minimum hat. 



370 Yerhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 30. Okt. 1903. [Nr. 21. 



5. Innere Flammenleitung in der nichtleuolitenden 
Bunsenflamme. 

Zur Untersuchung der inneren Flammenleitung befinden sich 
beide Elektroden in der eigentlichen blauen Flamme. Als Elek- 
troden dienten teils dünne Platindrähte, teils dünne Platinbleche, 
quadratisch, mit 1,5 cm Seitenlänge. 

Der größte Potentialfall befindet sich unter allen Um- 
ständen an der Kathode. Er ist um so steiler, je kleiner deren 
Oberfläche ist. Ist ein dünner Draht Kathode, so ist bereits in 
etwa 1mm Entfernung das Potential merklich konstant; ist das 
(1,5 cm)^ große Platinblech Kathode, so dehnt sich diese Entfernung 
auf etwa 1 cm und mehr aus. Die Anode ist vollkommen 
einflußlos^). Sie kann beliebige Größe haben, hell oder gar- 
nicht glühen, der Potentialverlauf ist der gleiche. Auch auf ihre 
Lage in der Flamme kommt es gamicht an. Die Temperatur 
der Kathode hat auch keinen Einfluß auf die Kurve des Poten- 
tialverlaufes. Einführung von Bromkalium ändert auch nichts 
an derselben, gleichviel ob der Dampf desselben beide Elektroden 
oder nur eine derselben umspült. 

Die Stromstärke wird dagegen, wie bekannt ist, durch die 
Einführung von Bromkalium auf das etwa 100 fache verstärkt; vor- 
ausgesetzt ist dabei nur, daß die Einführung so erfolgt, daß der 
Dampf desselben an die Kathode gelangt. Es braucht nur die 
Umgebung der Kathode mit dem Salzdampf erfüllt sein. Sobald 
dies nicht der Fall ist, ist die Einführung des Salzes wirkungslos. 
Ob die Anode vom Salzdampf berührt wird oder nicht, ist auf die 
Stromstärke ohne Einfluß. Die Stromstärke, welche in der nicht- 
leuchtenden Flamme eines gewöhnlichen Bunsenbrenners bei 
240 Volt Spannungsdifferenz der Elektroden und Benutzung des 
Brenners als Kathode etwa 2,5 . 10"* Amp. beträgt und sich über- 
aus in einer eigentlich kaum zu erwartenden Weise konstant zeigt, 
ist vollständig unabhängig von Lage, Größe und Temperatur der 



^) Dies experimentelle Ergebnis steht ganz in Übereinstimmung mit 
Beobachtungen, welche Herr E. Warbübo (1. c.) über die Flammenleitung 
gemacht und gelegentlich einer Arbeit über die Spitzenentladung mitge- 
teilt hat. 



Nr. 21.] H. Starke. 371 

Anode. Nur der Zustand der Kathode ist maßgebend. Der Strom 
wächst stark mit der Größe und der Temperatur der Kathode an. 
Wenn z. B. als Kathode ein Eisenzylinder yon 8 mm Durchmesser 
benutzt wurde, so betrug der Galvanometerausschlag 210 Skalen- 
teile (Strom etwa 4,0. 10-*^ Amp.). Wurde der Eisenzylinder er- 
setzt durch einen solchen von 2 mm Durchmesser, so sank der 
Ausschlag zuerst wegen des kleineren Querschnittes auf etwa 
80 Skalenteile. Wegen der Erhitzung stieg er aber sofort wieder 
an, und bei beginnender Bothglut ging der Lichtzeiger aus der 
Skala, d. h. der Ausschlag ging weit über 500 Skalenteile hinaus. 

Das verschiedene Verhalten von Anode und Kathode beweist, 
daß man es leicht erreichen kann, daß die Stromstärke je nach 
der Richtung des elektrischen Feldes außerordentlich verschiedene 
Werte zeigt (unipolare Leitung der Flamme.) 

Ganz anders ist das Verhalten, sobald eine der Elektroden 
sich außerhalb der eigentlichen Flamme befindet. Der 
gesamte Potentialfall findet dann immer außerhalb der Flamme 
statt, und zwar steil an der äußeren Elektrode, wenn diese klein 
ist, flacher, wenn diese größeren Flächeninhalt besitzt. Folgender 
Versuch kann gut zur Demonstration dieses Verhaltens dienen: 
Kathode sei der Brenner, Anode ein Platindraht, der sich zunächst 
einige Zentimeter über der Flamme befinde. Mit einem Exner- 
schen Elektroskop ist eine Platinsonde verbunden, welche man in 
dem Raum zwischen den Elektroden bewegen kann. Das ganze 
Potentialgefälle ist am außenliegenden Anodendraht; ist dieser 
zur Erde geleitet, so ist daher die Flamme und der Raum 
über ihr bis zur Anode negativ geladen. Senkt man jetzt den 
Anodendraht, so daß er in die Flamme ragt, so rückt das ge- 
samte Gefälle an die Kathode und die Flamme nimmt das Po- 
tential Null der Anode an. Wird jetzt die Erdleitung vom Anoden- 
draht genommen und an den Brenner gelegt, so ist der ganze 
Raum zwischen den Elektroden positiv geladen, das Potential fällt 
aber auf Null, sobald der Anodendraht wieder aus der Flamme 
entfernt wird. Das Übersiedeln des Potentialfalls von einer 
Elektrode an die andere geschieht hierbei örtlich allmählich, so 
daß es einen Zwischenbereich von Stellungen des Anodendrahtes 
gibt, in welchen an beiden Elektroden größere Potentialgefälle 
auftreten, die Kurve des Potentialverlaufes zwischen den Elek- 



372 Verlidl. d. Deutschen Physik. Gesellsoh. vom 30. Okt. 1903. [Nr. 21. 

troden also ähnliches Aussehen zeigt, wie im Falle durch Röntgen- 
strahlen leitend gemachter Luft. 

Diesen Übergang des größten Potentialgefälles von der Ka- 
thode zur Anode beim Entfernen der Anode aus der Flamme hat 
bereits Herr E. Marx (1. c.) festgestellt, aber ihn fälschlich als durch 
die Temperatur der Anode bedingt angesehen, welche bei dem 
Herausnehmen aus der Flamme natürlich sinkt. Daß die Anoden- 
temperatur hier gar nicht mitspielt, davon kann man sich leicht 
überzeugen, indem man als Anode dünne Drähte, welche in der 
Flamme hell glühen, oder dickere Metallstücke nimmt, welche gar 
nicht ins Glühen kommen. Sobald sich beide Elektroden in der 
Flamme befinden, zeigt sich dabei kein unterschied, weder im 
Potential verlauf, noch im Strom, der durch die Flamme fließt. 
Die Erscheinung kann mithin nicht auf die Anodentemperatur 
zurückzuführen sein. Sie ist vielmehr lediglich dadurch veranlaßt^ 
daß die Art der Leitung eine vollständig andere wird, sobald eine 
Elektrode aus der Flamme herausrückt Herr Marx hätte die 
Anodentemperatur nicht dadurch geringer machen dürfen, daß er 
die Flammenhöhe reguliert, bis das Anodendrahtnetz nur noch 
schwach rot glüht; dadurch rückt die Anode ja aus der Flamme 
heraus! Dann haben wir aber nichts anderes vor uns als den 
Fall, welcher in seiner einfachen, berechenbaren Form — 2 Platten, 
an deren einer eine Flamme entlang streicht — unter Nr. 3 be- 
handelt ist. 

Die irrtümliche Meinung, die Anodentemperatur habe Einfluß 
auf die Leitung in der Flamme, findet sich auf Grund der Marx- 
schen Messungen mehrfach in der Literatur wieder i). Deshalb 
betone ich besonders die vollständige Einflußlosigkeit der Anode 
sowohl bei der Leitung in der reinen Bunsenflamme wie in der 
salzerfüllten Flamme. Sobald die Anode nicht im eigentlichen 
Flammenkegel sich befindet, hat man vollständig unreine Versuchs- 
bedingungen, ein Gemisch zweier ganz verschiedener Ai-ten von 
Leitung. Die Erörterungen, welche in der Abhandlung des Herrn 
Marx an den Einfluß der Anodentemperatur sich lehnen, bedürfen 
somit der Korrektion; ebenso muß das Mittel, für die Messung 



^) Vgl. z. B. J. Stark, Elektrizität in Gasen, S. 159; J. J. Thomson, 
Conduction of Electricity through Gases. Cambr. Univ. Press 1903, 190 u. a. 



Nr. 21.] H. Starke. 373 

des Halleffekts die Flamme so zu regulieren, daß die Anode nur 
schwach rot glüht, und dadurch an der Stelle der Hallelektroden 
ein Gefälle zu forcieren, bedenklich erscheinen. 

Die Stromstärke verhält sich in nach vorigem voraussehbarer 
Weise. Während sie, wenn beide Elektroden in der Flamme sind, 
nur von dem Zustand der Kathode, an welcher der Potentialfall 
sich befindet, abhängt, ist jetzt die Größe der äußeren Elektrode 
maßgebend. Die Stromstärke wächst mit der Größe der außen 
befindlichen Elektrode, mag diese nun Anode oder Kathode sein. 
Einführung von Bromkalium ändert die Stromstärke nicht. 

Alle genannten Erscheinungen bei der inneren und äußeren 
Flammenleitung sind als die gleichen gefunden worden für Span- 
nungsdifferenzen von einigen wenigen Volt bis zu 480 Volt zwischen 
den Elektroden. Der Potentialverlauf ist allerdings nur für Span- 
nungsdifferenzen von 110 Volt an gemessen worden. Indessen 
aus dem gleichen Verhalten der Stromstärke bei kleiner wie bei 
großer Spannungsdifferenz ist auf die Gleichheit auch des Poten- 
tialverlaufs zu schließen. Daraus z. B., daß auch bei 6 Volt 
Potentialdifferenz zwischen den Elektroden die Stromstärke ganz 
unabhängig von dem Zustande und der Lage der Anode ist, muß 
geschlossen werden, daß an derselben und im Flammenraum das 
Potentialgefälle nur ganz klein sein kann, und auch bei dieser 
Potentialdifferenz wie bei den größeren das ganze Gefälle an der 
Kathode liegt. 

(Zusatz bei der Korrektur: Inzwischen habe ich bis herab 
zu einer Elektrodenspannung von 20 Volt denselben Potential- 
verlauf konstatiert. Dabei wurde ein Quadrantenelektrometer 
.Warbürg scher Konstruktion benutzt.) 

Diskussion der Versuchsergebnisse. 

Die Kurven des Potential Verlaufs zwischen zwei Elektroden 
in leitendem Gas lassen sich ihrem äußeren Ansehen nach in 
zwei Gruppen teilen, deren eine dadurch charakterisiert ist, daß 
die Kurven, die ihr angehören, einen Wendepunkt besitzen; die 
Kurven der anderen Gruppe haben keinen Wendepunkt Die 
Kurve des Potentialgradienten hat in der ersten Gruppe ein Mini- 
mum, in der zweiten nicht. Die Anwendung der PoissoN sehen 



374 yerhdl. d. Deutschen Physik. Gesdlsch. vom 90. Okt. 1903. [Nr. 21. 

Gleichung, welche sich im Falle eines einseitig gerichteten Kraft- 
feldes auf die einfache Form 

-3—- = — Ang 

reduziert, ergibt für die Fälle der ersten Gruppe einen Über- 
schuß freier Elektrizität an den Elektroden, welche an jeder 
Elektrode das entgegengesetzte Vorzeichen der Elektrodenladung 
hat In den Fällen der zweiten Gruppe ist im ganzen Räume 
zwischen den Elektroden freie Elektrizität eines Vorzeichens, 
und zwar des Vorzeichens, welches demjenigen der Elektrode, an 
welcher der größere Potentialfall sich befindet, entgegengesetzt ist. 
Die meisten Fälle dieser zweiten Gruppe sind auch dadurch ge- 
kennzeichnet, daß sich in dem Räume zwischen den Elektroden 
überhaupt nur Ionen eines Vorzeichens bewegen. Das sind die 
Fälle, welche unter 1 bis 2 oben erwähnt sind. Indessen kann, 
wie eingangs gesagt ist, dieser einionige Charakter der Leitung 
auch nur vorgetäuscht werden, nämlich dann, wenn entweder: 
Oberflächenionisation an beiden Elektroden vorliegt und eine kleine 
oder große Geschwindigkeitsdifferenz der lonenarten oder: Volumen- 
ionisation mit einer sehr großen Geschwindigkeitsdifferenz des 
positiven und negativen Ions. Einer dieser beiden Fälle oder eine 
Verbindung beider liegt nun offenbar vor bei der inneren Flam- 
menleitung, und es besteht ein Zwiespalt der Ansichten darüber, 
welcher der Fälle. 

Entscheiden ließe sich die Frage durch eine genaue Messung 
des Potentialgradienten zwischen zwei größeren Platten. Indessen 
bietet eine solche Arbeit wohl zu große Schwierigkeiten. Wie 
eingangs erwähnt, und wie ich an anderem Orte näher ausgeführt 
habe, würde im Fall des Sättigungsstromes die Kurve des Poten- 
tialgradienten im Falle der Volumenionisation eine Hyperbel, im 
Falle der Oberflächenionisation eine Parabel sein. 

Mir scheinen einige Gründe für eine starke Volumenionisation 
verbunden mit einer großen Geschwindigkeitsdifferenz der Ionen 
zu sprechen. Das Hauptgefälle liegt an der Kathode, keine — 
oder wenn überhaupt, so doch nur eine ganz geringe Zunahme 
des Gefälles — an der Anode. Es ist also wesentlich nur freie 
positive Elektrizität zwischen den Elektroden vorhanden. Bei 
Annahme einer Oberflächendissoziation müßte diese aus der Anode 



Nr. 21.] H. Starke. 375 

kommen. Nun ist letztere aber für die Flammenleitung vollständig 
belanglos, sie kann beliebige Größe haben, glühend oder kalt sein. 
All dergleichen sollte aber auf eine Oberflächenionisation seinen 
Einfluß nicht verfehlen. Es ist demnach äußerst unwahrscheinlich, 
daß die positiven Ionen aus der Anode kommen. Glühendes 
Platin löst zwar positive Ionen, aber nur in Luft, nicht z. B. in 
Wasserstoff. In Wasserstoffatmosphäre ist glühendes Platin als 
Anode wirkungslos, indem es nur negative Ionen abgeben kann. 
Dasselbe findet wohl in den Flammengasen statt. Bleibt also nur 
die Annahme einer Yolumenionisation mit weit überwiegender 
Beweglichkeit des negativen Ions. Diese letztere ist auch in der 
Tat experimentell festgestellt worden, indem von Wilson die 
Geschwindigkeit des negativen Ions zu 1000 cm/sec pro Volt- 
zentimeter, die des positiven Ions nur zu 50 cm/sec bestimmt 
wurde. Sind beide Elektroden kalt, so haben wir daher in der 
Flamme nur eine Volumenionisation vor uns, ebenso wenn die 
Anode glüht Glüht die Kathode, so kommen neue negative Ionen 
durch Oberflächenionisation hinzu; diese verstärken den Strom 
durch die Flamme, ohne indessen den Potentialverlauf bedeutend 
beeinflussen zu können, wozu erst eine sehr starke Produktion 
negativer Teilchen imstande wäre. 

Zum Schluß noch einige kurze Bemerkungen über die Ver- 
wendbarkeit der PoissoNschen Gleichung zur Berechnung 
des Potentialverlaufs aus der räumlichen Dichte freier Elektrizität. 
Die Verwendbarkeit der Formel hat Herr J. Stark angezweifelt. 
(Ann. d. Phys. (4) 5, 98, 1901.) Die Gründe, welche er dafür an- 
gibt, entbehren meines Erachtens der Berechtigung. Die Formel 
bedarf natürlich einer Änderung, wenn sie für Medien angewendet 
werden soll, welche dielektrisch inhomogen sind. So etwas liegt 
aber doch in leitenden Gasen sicher nicht vor. Nun aber der 
zweite Einwand. Herr Stark setzt den Fall, wir hätten einen 
Körper mit räumlich variabler Leitfähigkeit vor uns, von einem 
stationären Strom durchflössen. Dann erhält man eine gewisse, 
aus den Leitfähigkeiten berechenbare Potentialverteilung und für 

jede Stelle ein gewisses -j-^- Herr Stark fragt: Wollen wir hier 

die Größe ;; ^ - als freie innere Dichte bezeichnen? 

4;r dx^ 



376 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 30. Okt. 1903. [Nr. 21. 

Aber ganz gewiß wollen wir das! Warum denn nicht? 
Grenzen zwei Medien mit verschiedener Leitfähigkeit aneinander, 
und fließt ein Strom durch die Grenzfläche, so bildet sich eine 
wahre Flächenladung auf derselben. Wird die Grenze unscharf, 
d. h. springt nicht die Leitfähigkeit, sondern geht durch eine ge- 
wisse Schichtdicke hindurch kontinuierlich aus dem einen Wert 
in den anderen über, so verteilt sich die vorherige Flächenladung 
als räumliche Ladung durch die ganze Schicht, in welcher die 
Leitfähigkeit variiert. Das ist es ja gerade, was wir im Falle des 
leitenden Gases vor uns haben. Die räumliche Dichte, die Po- 
tentialverteilung und die Verschiedenheit der Leitungsfähigkeit 
des Gases von Stelle zu Stelle gehen ja Hand in Hand. Gewiß 
mid man „nicht annehmen dürfen, daß der Einfluß der Variation 
der Leitfähigkeit vernachlässigt werden kann^. Das tut auch 
niemand. Die Größen von Leitfähigkeit, räumlicher Dichte und 
Potentialgefälle sind eng miteinander verbunden und finden durch- 
einander ihre Erklärung. Vernachlässigung des Einflusses der 
Leitfähigkeit findet bei Anwendung der PoissoN sehen Gleichung 
nicht statt. 

Besultate: 

1. Das Potentialgefälle hat ein Minimum zwischen den Elektroden 
im Falle gleichförmiger Volumenionisation (Elektroden in 
röntgenisierter Luft oder in den Gasen über einer Flamme). 

2. Das Potentialgefälle hat kein Minimum, sondern nimmt von 
einer Elektrode zur anderen hin nur ab oder nur zu in allen 
Fällen von Oberflächenionisation (photoelektrischer Strom, Strom 
zwischen glühenden Elektroden, Ionisation nahe an einer Elek- 
trode durch Röntgenstrahlen, Becquerelstrahlen oder Flamme). 

3. Bei der Leitung im Inneren einer Flamme ist die Anode einflußlos. 

4. Die Leitung in der Flamme bei nichtglühenden Elektroden und 
auch bei glühender Anode entsteht durch Volumenionisation 
und verdankt den eigentümlichen Verlauf des Potentialgra- 
dienten dem Umstand, daß die Beweglichkeit des negativen 
Ions viel größer ist, als die des positiven. Bei glühender Ka- 
thode kommt Oberflächenionisation an derselben hinzu. 

Berlin, Physikalisches Institut der Universität, Oktober 1903. 



377 



tJber die unipolare Leitung in Gasen; 
von Ä Starke* 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 30. Oktober 1903.) 
(Vgl. oben S. 363.) 



Mit dem Namen unipolare Leitung hat man die Erschei- 
nung bezeichnet, daß der durch einen Leiter fließende Strom je 
nach der Richtung der elektromotorischen Kraft verschiedene Stärke 
besitzt Ausgeschlossen sind dabei die Fälle, in denen eine solche 
Abhängigkeit des Stromes von der Feldrichtung durch Kontakt- 
potentialdifferenzen oder Polarisation verursacht ist. Seit langer 
Zeit ist die auffallend starke Unipolarität der Flammenleitung so- 
wie der Leitung an glühenden Körpern bekannt. In neuerer Zeit 
hat man auch an Gasen, welche durch Röntgen- und Becquerel- 
strahlen leitend gemacht sind, sowie in der Umgebung einer 
Flamme polare Unterschiede der Leitung messend verfolgt, welche 
indessen in diesen Fällen von weit geringerer Größe sind. Im 
folgenden soll erörtert werden, unter welchen Umständen Unipo- 
larität der Leitung eintritt. Gleich von vornherein sei bemerkt, 
daß die weitaus meisten Fälle von Elektrizitätsleitung in Gasen 
unipolaren Charakter haben, und die Fälle, in denen der Strom 
bei Umkehr der Feldrichtung seine Stärke nicht ändert, nur Aus- 
nahmefälle sind. Ausnahmefälle sind naturgemäß alle diejenigen 
Fälle, in welchen in jeder Beziehung vollkommene Symmetrie 
herrscht Solcher Fälle sind indessen nur sehr wenige vorhanden. 
Beispiele sind: Röntgen- oder ähnliche Strahlen gleichmäßig 
zwischen zwei gleich großen Elektroden, Leitung zwischen zwei 
gleich großen, gleichtemperierten glühenden Elektroden; Leitung 
zwischen zwei gleich großen Elektroden über einer Flamme; 
ebenso bei gleicher Temperatur derselben in einer Flamme an 
einer Stelle derselben, wo sie homogen ist. 

Im folgenden sei eine, wie ich glaube, alle Fälle unipolarer 
Leitung umfassende Gruppierung derselben gegeben. 

Man kann zwei Gruppen unipolarer Leitungsvorgänge unter- 
scheiden. 



378 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 30. Okt. 1903. [Nr. 21. 

I. In den Fällen, welche zur ersten Gruppe zu rechnen sind, 
liegt die Ursache der Unipolarität direkt in der Verschiedenheit 
der lonenerzeugung mit der Feldrichtung. Es sind die Fälle, 
in welchen positive bzw. negative Ionen an der Elektrodenober- 
fläche selbst frei werden, aber nur frei werden können, wenn die 
betreffende Elektrode Anode bzw. Kathode ist. 

II. Die zweite Gruppe enthält alle übrigen Fälle unipolarer 
Leitung. In ihnen wird die Uuipolarität bedingt durch die 
Unterschiede in der Beweglichkeit des positiven und des negativen 
Ions. Es muß aber außerdem noch eine Unsymmetrie in den 
äußeren Versuchsbedingungen hinzukommen. Dieselbe kann ver- 
ursacht sein durch: 

a) eine Unsymmetrie in der Ionisierung, indem dieselbe nur 
oder vorzugsweise an einer Elektrode stattfindet, oder 

b) verschiedene Größe oder Zustand der Elektroden. 

Die einzelnen Fälle mögen nun näher erörtert und durch 
Beispiele illustriert werden. 

Beispiele zur Gruppe I. 

Photoelektrischer Strom, Strom zwischen zwei Platin- 
elektroden in Luft, deren eine rot glüht. Es ist überhaupt 
nur Strom vorhanden, wenn die lichtelektrisch empfindliche Elek- 
trode Kathode, bzw. im zweiten Beispiel, wenn die rotglühende 
Platinelektrode Anode ist. Andernfalls ist der Strom Null 

Strom zwischen einer weißglühenden und einer 
anderen kalten Elektrode, ist bei beiden Feldrichtungen, 
aber mit verschiedener Stärke vorhanden. 

Glüht auch die zweite Elektrode, so tritt Stromgleich- 
heit nur ein, wenn beide Elektroden gleich groß und gleich 
temperiert sind. Sonst nehmen zwar beide lonenarten an der 
Leitung teil, aber in verschiedener und mit der Feldrichtung ver- 
änderlicher Zahl. 

Beispiele zur Gruppe IL 

a) Unsymmetrie in der Ionisierung, Röntgenstrahlen, 
Becquerelstrahlen oder eine Flamme ionisieren die Luft 
nur in der Nachbarschaft der einen Elektrode. Es be- 
wegen sich im Raum zwischen den Elektroden nur die Ionen des 



Nr. 21.] H. Starke. 379 

einen Vorzeichens. Tritt Stromverschiedenheit bei Umkehr der 
Feldrichtung auf, so ist sie nur der verschiedenen Beweglichkeit 
der Ionen zuzuschreiben. Es kann Stromverschiedenheit nicht ein- 
treten, sobald der Sättigungsstrom erreicht ist. Dann werden näm- 
lich alle Ionen nach der anderen Elektrode befördert, und da 
gleich viel positive und negative Ionen erzeugt werden, müssen die 
Ströme gleich sein. Für niedrige elektromotorische Kräfte, wenn 
also Rekombinationen eintreten können, ist die Stromstärke größer, 
wenn das schnellere (das negative) Ion sich bewegt. Und zwar 
müssen für starke lonenkonzentration an der einen Elektrode und 
schwache Ströme, d. h. also dann, wenn die lonenmenge an der 
Elektrode wesentlich durch die Stärke der Rekombination bedingt 
und nicht in merkbarer Weise durch die Fortführung der Ionen 
im elektrischen Felde beeinflußt wird, die Ströme bei Umkehr der 
Feldrichtung sich direkt verhalten wie die Geschwindigkeiten der 
sich bewegenden Teilchen. (Vgl. die Beobachtungen von E. Rüther- 
ford, Phil. Mag. (6) 2, 210, 1901 und C. D. Child, Phys. Rev. 
12, 65, 1901.) 

b) Unsymmetrie durch die Größe der Elektroden be- 
dingt. In den hierher gehörigen Fällen wirkt die verschiedene 
Geschwindigkeit der Ionen primär auf das Potentialgefälle an 
den Elektroden. Dasselbe wird an der Kathode größer als an 
der Anode, wenn die Geschwindigkeit der negativen Teilchen 
größer ist, und umgekehrt. Querschnittsvergrößerung der Elek- 
trode, an welcher das Potentialgefälle größer ist, setzt den Wider- 
stand der Gasstrecke mehr herab als eine Vergrößerung der 
anderen Elektrode. Sind daher die Elektroden verschieden groß, 
so ist die Stromstärke dann größer, wenn das größere Gefälle an 
der größeren Elektrode sich befindet. Dies hat sein Analogen in 
der Hintereinanderschaltung eines sehr dünnen und eines dicken 
Leiters. Das Hauptgefälle ist längs des dünnen Drahtes; ver- 
größert man dessen Querschnitt, so steigt die Stromstärke, 
während sie weniger beeinflußt wird durch eine gleiche Ver- 
größerung des Querschnitts des dicken Leiterstückes. Die Uni- 
polarität wird natürlich um so ausgeprägter, je größer die Diffe- 
renz der Gefälle an den beiden Elektroden, also je größer die 
Geschwindigkeitsdifferenz der beiden lonenarten ist. Daher er- 
klärt sich die sehr starke Unipolarität der Flammenleitung. Das 



380 Verhdl. d. Deutschen Physik. GeseUsoh. vom 30. Okt. 1903. [Nr. 21. 

ganze Gefälle liegt bei ihr an der Kathode, fast gar keines an der 
Anode. Macht man daher eine Elektrode sehr klein, die andere 
sehr groß, so wächst die Stromstärke auf ein hohes Vielfaches 
an, wenn der Strom so gewendet wird, daß die große Elektrode 
zur Kathode wird. Dadurch, daß man an der großen Elektrode 
noch weitere die Leitung verbessernde Mittel wirken läßt, als 
Glühen derselben oder Einführen von Kaliumsalz an ihr in der 
Weise, daß nur die große Elektrode, nicht die andere vom Dampf 
desselben berührt wird, kann man es leicht erreichen, daß die 
Stromstärke bei der einen Feldrichtung den vieltausendfachen 
Betrag derjenigen bei der anderen Feldrichtung erreicht. Das^ 
Analogon der großen Wirkung des Salzdampfes an der Kathode 
ist der Fall, daß ein guter und ein schlechter Leiter hinterein- 
andergeschaltet sind. Das Hauptgefälle liegt im schlechten Leiter. 
Wird dessen Leitfähigkeit vervielfacht, so vervielfacht sich auch 
die Stromstärke, während sie durch eine starke Vergrößerung der 
Leitfähigkeit des bereits guten Leiters kaum beeinflußt wird. 

In diese Gruppe unipolarer Leitung gehört auch der Strom 
der Glimmentladung durch verdünntes Gas, welcher — voraus- 
gesetzt, daß eine der Elektroden vom negativen Glimmlicht bereits 
ganz bedeckt ist — bekanntlich sehr viel stärker ist, wenn die 
Elektrode, welche selbst größer ist, oder in deren unmittelbarer 
Nähe der Rohrquerschnitt größer ist, zur Kathode gemacht wird, 
als wenn er in umgekehrter Richtung fließt. 

Berlin, Physikalisches Institut der Universität, Oktober 1903. 



Verlag von Friedr. Vieweg & Sohn in Brannschweig. 

Vorlesungen 

über 

Experimentalphysik 

von 

Aug^ust Kundt, 

weiland Professor an der Universität Berlin, 
herausgegeben von 

Karl Scheel. 



Mit dem Bildnis Kundts, 634 Abbildungen und einer farbigen 

Spektraltafel. 

gr. 8. Preis geh. 15 M.« geb. 17 M. 



Die Vorlesungen K u n d t s verdanken ihre Veröffentlichung dem viel- 
fach ausgesprochenen Wunsche früherer Schüler des großen Experimen- 
tators, die Vorlesungen nicht der Vergessenheit anheimfallen zu lassen 

Der Umstand , daß das Manuskript ein einheitliches Ganzes darbot, 
mußte jeden Versuch zurückweisen, durch Einfügung neuer Kapitel 
die Fortschritte der Wissenschaft im letzten Jahrzent zu berücksichtigen 
und dadurch die Vorlesungen zu einem Lehrbuch der Physik auszu- 
gestalten, um so mehr, al» dieselben hierdurch sehr an ihrer Originalität 
eingebüßt haben würden. 

Kundts Vorlesungen geben ein Bild des klassischen Bestandteils 
der physikalischen Wissenschaft und sind vermöge der überaus anschau 
liehen und leicht verständlichen Sprache so recht geeignet, nicht nur 
dem Studierenden der Physik als Leitfaden neben den gehörten 
Vorlesungen zu dienen, sondern auch dem Schüler die Einführung 
in die physikalischen Erscheinungen zu erleichtem. Vor allem wird 
aber auch derjenige, welcher mit den Lehren der Physik vollkommen 
vertraut ist, sich der eleganten und originellen Darstellung der ihm 
bekannten Tatsachen stets aufs neue freuen. 



Za beziehen durch alle Buchhandlungen. 



400 Verhdl. d, Deutschen Physik. GeseUsch. vom 13. Nov. 1903. [Nr. 22. 

in unveränderter Weise jenseits der Biegungen, falls die flüssige 
Luft daselbst einwirkt. 

8. Wenn die bisherigen Versuche für die Annahme einer 
Aussendung und Kondensierung ponderabler Massen nooh keine 
hinreichenden Unterlagen geben, wenn also für scheinbares Ver- 
schwinden von Masse bei Aufhebung der Kühlung nicht Rechen- 
schaft gegeben zu werden braucht, so ist doch die Frage zu be- 
antworten, was aus der Energie wird, die während der Kühlzeit 
von dem Emanationskörper ausgesandt wird, und die, nach der 
gleichzeitigen Schwächung des Leuchtens der Blende in y (Fig. 2) 
zu schließen, sich in dem gekühlten Schenkel konzentrierte. Die 
nähere Untersuchung hat hierbei folgendes ergeben: Die Glas- 
wand nimmt bei der tiefen Temperatur große Mengen Emanations- 
energie auf und gibt dieselben als induzierte Aktivität all- 
mählich, namentlich bei gestiegener Temperatur, wieder aus. Man 
kann sich hiervon leicht überzeugen. Bei 
einer Röhre wie Fig. 4 befindet sich die 
Blende zunächst in dem Schenkel ßi des 
senkrecht zur Zeichnungsebene gebogenen 
Rohres ß. Der leere Schenkel ßi wird unter 
Zutritt der Emanation z. B. eine Viertelstunde 
lang gekühlt, dann H gesperrt und die flüs- 
sige Luft entfernt. Die Glaswand von /Jj 
ist jetzt lichtlos, analog die Blende in ßi 
ganz oder nahezu lichtlos. Schüttet man nun aber die Blende 
durch geeignete Drehung des Rohres nach ß^^ so leuchtet sie 
hell auf und behält ihr Leuchten (obwohl aus a keine Ema- 
nation hinzutreten kann) Stunden hindurch. Wird die Blende 
nach ßi zurückgebracht, so ist sie nach wenigen Sekunden 
wieder dunkel, leuchtet aber von neuem auf, so oft sie wieder 
nach ß2 gebracht wird. Läßt man die Blende in /J, dem Rohre 
entlang wandern, so bemerkt man, daß das Leuchten der Blende 
weitaus am hellsten in derjenigen W^andzone ist, die während 
der Kühlung das Leuchten des Glases zeigte. Das Leuchten vard 
besonders stark, wenn die Blende einige Sekunden auf dieser Zone 
liegen bleibt. 

Das in diesem Versuche erzeugte Leuchten der Blende be- 
ruht nicht etwa auf gewöhnlicher Phosphoreszenz durch optische 




Nr. 22.] E. GoldBtein. 401 

Erregung, die man vielleicht auf schwaches, dem Auge unsicht- 
bares Nachleuchten der Glaswand zurückführen könnte. Dies 
folgt mit Sicherheit daraus, daß das Leuchten szintillierend 
ist. (Bringt man zur Kontrolle noch Blende in eine infolge elek- 
trischer Entladungen nachleuchtende Röhre, so ist ihr Leuchten 
sehr viel schwächer und durchaus gleichmäßig, ohne Szintillation.) 
Die Ausgabe der induzierten Aktivität erfolgt auch schon bei sehr 
niedriger Temperatur. Sie wird aber beschleunigt, wenn die Tem- 
peratur der Glaswand nach Entfernung der flüssigen Luft wieder 
ansteigt. Daß die während einer Viertelstunde zugeführte Energie 
als induzierte Aktivität ein viel länger dauerndes Leuchten erregt, 
ist nicht paradox, weil 1. die Energie, welche sonst auf das ganze 
Böhrensystem sich verteilt, in einer kleinen Zone konzentriert 
wurde, und weil 2. die induziert aktiven Stellen nur auf relativ 
geringe Entfernungen die Blende kräftig erregen, also wohl 
Energie mit geringerer Intensität emittieren. Daraus erklärt sich 
zugleich, weshalb die Blende in /Ja der Fig. 4 und früher in der 
Röhre Fig. 2 nach Aufhebung der Kühlung keine Verstärkung 
des Leuchtens zeigte. 

Bestäubt man die Wandung von ß^ schon vor der Kühlung 
mit Blende, so wird die Leuchtzone über dem Flüssigkeitsniveau 
sehr hell und in allen Beziehungen bequemer beobachtbar. 

9. Die obigen Ermittelungen über die induzierte Aktivität 
sind unabhängig von der Entscheidung der Frage, ob bei den 
tiefen Temperaturen das Glas unmittelbar die Emanationsenergie 
stärker anzieht und absorbiert, oder ob die letztere durch einen 
kondensierten materiellen Träger, dessen Kondensationspunkt dann 
der Temperatur der leuchtenden Wandzone entsprechen würde, in 
verstärktem Maße auf ihr abgelagert wird. — 

Die Versuche, einen etwaigen materiellen Träger in Spektral- 
röhren zu konzentrieren, sollen unter Verlängerung der bezüg- 
lichen Versucbszeiten fortgesetzt werden. Ihr bisheriges negatives 
Resultat gestattet natürlich nicht eine definitive Verneinung einer 
ponderabeln Emanation bei dem GiESELschen Präparat, sondern 
liefert nur eine obere Grenze für die Dichte der in den Spektral- 
röhren etwa kondensierten Gase. Mit Berücksichtigung der Rohr- 
dimensionen kann, wenn man annimmt, daß die betreffenden 
Röhren die Entladung bei der angewandten Spannung bis etwa 



402 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellech. vom 13. Nov. 1903. [Nr. 22. 

VsoHim Druck hindurchlassen, angegeben werden, daß innerhalb 
sechs Stunden, auf gewöhnlichen Druck bezogen, nicht mehr als 
Vas cmm Gas von durchschnittlichen Widerstandsverhältnissen in 
der gekühlten Spektralröhre kondensiert wurde. 

10. Geprüft wurde noch, ob die Aussendung der primären 
Emanation aus dem Emanationskörper auch bei der Temperatur 
der flüssigen Luft fortdauert. Ein evakuiertes Glasröhrchen, 
welches am Boden eine Schicht des Emanationskörpers von einigen 
Millimetern Höhe enthielt, zeigte, in flüssiger Luft gekühlt, helles 
Leuchten der Glaswand, soweit diese den Emanationskörper um- 
gab. Das Leuchten hielt an, wie lange auch die Kühlung unter- 
halten wurde, z. B. eine Viertelstunde oder länger. Da nun, wie 
oben (Nr. 7) erwähnt, das durch die Emanation erzeugte Leuchten 
der Glaswand binnen einigen Sekunden erlischt, wenn kein neuer 
Zufluß von Emanation stattfindet, so folgt, daß im vorliegenden 
Falle ein solcher Nachschub dauernd erfolgt, d. h. daß die Giesel- 
sche Substanz auch bei der Temperatur der flüssigen Luft Ema- 
nation aussendet. 

11. Die Frage, ob die hier behandelte Emanationsenergie 
identisch ist mit der Energie der Radiumemanation, kann, wie 
mir scheint, verneint werden. Die Kapillarröhren, in welchen 
Kam SAT die Radiumemanation aufsammelte, wurden durch die 
Emanation gefärbt. Sie nahmen, wie ich durch Prof. Ram- 
SAYs Freundlichkeit mich in Cassel überzeugen konnte, eine kräf- 
tige Heliotropfarbe und zwar in der ganzen Dicke der Wandung 
(etwa 2 mm) an. Es handelt sich also bei der Radiumemanation 
um eine Energie, welche relativ dicke Schichten eines Körpers zu 
durchdringen vermag. Demgegenüber ist schon eingangs erwähnt 
worden, daß nach Giesel die Emanation seines Präparates sehr 
geringes Penetrationsvermögen zeigt. — Die Farbe, welche die 
Ram SA Y sehen Röhren angenommen hatten, glich derjenigen, welche 
manganhaltiges Glas unter längerer Einwirkung dichter Röntgen- 
strahlung annimmt. 

Unter den schon untersuchten Energieformen scheint die 
Emanationsenergie der GiESELschen Substanz am ehesten der- 
jenigen vergleichbar zu sein, die in den Strahlen der ersten 
Schicht des Kathodenlichtes induzierter Entladungen auftritt, 



>>. 22.] E. Goldstern. 403 

und die ich als iS^ -Strahlen Yorläufig bezeichnet habe^). Diese 
Strahlen sind ausgezeichnet durch ihre sehr große Empfindlich- 
keit gegen elektrostatische Einwirkungen, indem sie durch geringe 
negative Ladungen stark angezogen, durch positive Ladungen 
stark abgestoßen werden. Ihre Empfindlichkeit ist so groß, daß 
es schwer ist, ihren Gang durch einen in sie eingeführten Leiter 
nicht zu alterieren. Die geringste Abweichung des letzteren vom 
elektrisch neutralen Zustande bewirkt sehr merkliche Ablenkungen 
und Deformationen der Strahlen. 



Goldstein, Verh. d. D. Phys. Ges. 4, 64; 4, 228, 1902. 



404 



Einige Versuche über JElektrizitätszerstretiung 
in Luft; 

von JB. Börnstein. 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 13. November 1903.) 
(Vgl. oben S. 381.) 



Die elektrische Leitfähigkeit der Luft hat sich bei neueren 
Untersuchungen abhängig von mancherlei Einwirkungen gezeigt, 
die ihrerseits wiederum durch örtliche Besonderheiten beeinflußt 
erscheinen. In der Absicht, solche Einzelheiten am hiesigen Orte 
zu untersuchen, wurden die im nachfolgenden beschriebenen Be- 
obachtungen unternommen. 

Zu den Messungen diente der bekannte Zerstreuungsapparat 
von Elster und Geitel mit Bernsteinisolirung, hergestellt von 
0. Günther in Braunschweig, dessen Gehäuse, Schutzzylinder 
und Deckel stets zur Erde abgeleitet wurden. Um störende 
Ladungsvorgänge in der Isolierungsvorrichtung zu vermeiden, wurde 
sorgfältig darauf geachtet, daß das Instrument vor jeder Ablesung 
eine Viertelstunde lang mit Ladung desjenigen Vorzeichens ver- 
sehen war, welches für die bevorstehende Messung in Betracht 
kam. Die vortreffliche Isolierung gestattete es, die ohne Zer- 
streuungskörper etwa geschehende Abgabe von Elektrizität zu 
vernachlässigen und die Beobachtungsergebnisse durch die Größen 
darzustellen : 

E = lOOhg Fo/K; a = JE;/ 15. 0,4343 (1—w), 

worin Vq die in Volt ausgedrückte Ladung des Elektrometers bei 
Beginn der Messung bedeutet, V dasselbe 15 Minuten später, 
E die inzwischen vom Zerstreuungskörper neutralisierte Elektri- 
zitätsmeiige, n das Verhältnis der Kapazitäten des Elektroskopes 



Nr. 22.] R. BöruBtein. 405 

ohne und mit 2^rstreuungskörper. Dann ist a das übliche Maß 
für die Zerstreuung. 

Zunächst untersuchte ich die Leitfähigkeit von Kellerluft. 
Die Herren Elster und Geiteli) fanden in der Baumannshöhle 
die Elektrizitätszerstreuung neunmal gegen die Außenluft vermehrt, 
in einem Wolfenbütteler Keller sechsmal, während von anderen 
Orten größere [München] 2) und kleinere [Clausthal und Zinno- 
witz]8) Unterschiede gemeldet, im Kalisalzbergwerk bei Vienen- 
burg3) sogar eine geringere Leitfähigkeit als außen gefunden 
wurde. Neuerdings hat Herr Gockel*) in Freiburg (Schweiz) 
einen in Süßwasser -Molasse -Boden liegenden Keller untersucht 
und dort die Leitfähigkeit wenig größer als im Laboratorium und 
bedeutend schwächer als in der freien Luft gefunden; dagegen 
wies Herr Himstedt^) in Freiburg (Baden) fünf- bis sechsmal 
stärkere Zerstreuung in der Luft eines seit drei Wochen ver- 
schlossenen Kellers, verglichen mit Zimmerluft, nach. 

Von den meinerseits untersuchten beiden Kellern ist der eine 
gegen 20cbm groß und an mein im Berliner Vorort Wilmersdorf 
gelegenes Wohnhaus derartig herangebaut, daß sein mit Ziegeln 
belegter Fußboden sowie drei seiner Seitenwände in dem um- 
gebenden Sandboden liegen, während die vierte Seite an das 
Haus grenzt und hier durch Treppe und Falltür mit den höher 
gelegenen Räumen verbunden ist. Leider ist der Luftabschluß 
von dieser Seite recht unvollkommen, und außerdem trägt die 
Decke des Kellers, welche in Höhe des äußeren Erdbodens liegt, 
zwei mit Ventilationsöffnungen versehene Erhöhungen. Diese 
Offnungen sowie die Eingangstür wurden drei Tage lang ver- 
schlossen gehalten, ehe die Versuche begannen. Die Messungen 
fanden abwechselnd im Keller und in meinem, im hochliegenden 



*) Elbtbe und Geitel, Denkschr. d. luftelektr. Komm. f. d. Verßamml. 
d. karteil. Akad. München 1903. Phys. ZS. 4, 522, 1903. 

■) Ebert, Denkschr. d. luftelektr. Komm. f. d. Versamml. d. kartell. 
Akad. Göttingen 1802. 

■) Elster und Geitel , Denkschr. d. luftelektr. Komm. f. d. Versamml. 
d. kartell. Akad. München 1903. Phys. ZS. 4, 522, 1903. 

*) Gockel, Phys. ZS. 4, 604, 1903. 

*) F. HiMSTEDT, Ber. d. Naturf.-Ges, Freiburg 13, 101, 1903. Ann. d. 
Phys. (4) 12, 107, 1903. 



406 Verhdl. d. Deutachen Physik. GeseUach. vom 13. Nov. 1903. [Nr. 22. 

Erdgeschoß desselben Hauses befindlichen Arbeitszimmer nahe an 
dem geöffneten Fenster statt. Die erste Versuchsreihe vom 24. 
bis 26. April d. J. zeigte, sehr geringe Unterschiede, sogar etwas 
kleinere Zerstreuung im Keller. Eine zweite Reihe vom 12. bis 
14. Mai ergab als Mittel: 

im Keller 0,68 0,56 

im Arbeitszimmer . . . 0,46 0,43 

Die Anfangsladungen des Zerstreuungskörpers lagen dabei 
zwischen 210 und 220 F, der Ladungsverlust in 15 Minuten 
betrug durchschnittlich: 

im KeUer — 11,4 V + 9,6 F 

im Arbeitszimmer . . — 8,8 F 4" '^i^ 1^ 

Hierauf setzte ich die Messungen im Gebäude der Landwirt- 
schaftlichen Hochschule fort, und zwar in einem Keller von etwa 
19cbm Größe, der mit einer Wand an den äußeren Boden (fein- 
kömiger Talsand), im übrigen an Nachbarräume grenzte; der 
Fußboden ist gleichfalls mit Ziegeln belegt Eine Tür, ein Fenster 
und ein Yentilationsschacht wurden vier Tage lang möglichst gut 
verschlossen gehalten, und dann die Messungen ausgeführt und 
sogleich im physikalischen Laboratorium im zweiten Stockwerk 
der Hochschule unmittelbar neben dem offenen Fenster wieder- 
holt Die Messungen vom 15. Mai ergaben: 

im Keller 0,84 0,84 

im Laboratorium . . . 0,64 0,49 

Die Ladungsverluste betrugen im Keller — 15 und -|- 15» ™ 
Laboratorium — 12 und -f- 8 F. 

Ganz ähnlich verlief eine im Juli ausgeführte Beobachtungs- 
reihe, welche noch etwas mehr Überschuß der Zerstreuung im 
Keller ergab, und hieraus darf wohl gefolgert werden, daß auch 
in hiesiger Gegend die Luft in Kellern größere Leitungsfähigkeit 
hat als in anderen Räumen. Freilich ist der Unterschied recht 
gering, und es bedarf noch weiterer Untersuchung, ob vielleicht 
ein besserer Abschluß der Keller nach außen hin und ein weniger 



Nr. 22.] R. Bömetein. 407 

dichter Fußboden größere Zerstreuungswerte in der Kellerluft 
hätten auftreten lassen. 

In Ergänzung dieser Versuche wurde nun Luft aus dem 
Boden gesaugt und auf Leitfähigkeit geprüft. Solche Versuche 
sind zuerst von Elster und Geiteli) ausgeführt, welche im ton- 
und kalkhaltigen Gartenland von Wolfenbüttel zwischen 16- und 
4 mal, in Einzelfällen bis zu 30 mal größere Elektrizitätszerstreuung 
in Bodenluft, wie in reiner Zimmer luft fanden. In München 
maßen Ebert und Ewers 3) eine auf das 22 fache erhöhte Leit- 
fähigkeit der Bodenluft und fanden dabei stets die Zerstreuung 
der positiven Ladung etwas kleiner, als diejenige der negativen.^ 
Die in verschiedenen anderen Gegenden angestellten Versuche 3) 
ergaben Zahlen, welche zwischen den genannten und 1,01 für 
Wilhelmshöhe (Basalt) liegen; Gockel^) fand in Freiburg (Schweiz) 
in einem Boden aus Süßwasser-Molasse, stellenweise mit Diluvial- 
geschiebe bedeckt, etwa dreimal so große Leitfähigkeit wie in 
Zimmerluft 

Zum Ansaugen der Bodenluft benutzte ich ein für geolo- 
gische Zwecke hergestelltes Stahlrohr, dessen Höhlung durch einen 
Stahlstab ausgefüllt wird. An der Außenseite des unteren Endes 
trägt das Rohr ein Gewinde, dessen Spitze durch das herausragende 
Stabende gebildet wird, oben wird durch einen aufgeschraubten 
Griff das Rohr verschlossen und der Stab an seiner Stelle fest- 
gehalten. Ist das Rohr in den Boden geschraubt, so kann nach 
Abnehmen des Griffes ein zweites Rohr gleicher Art mittels 
passender Gewinde an das erste gesetzt und eine Tiefe von 2 m 
erreicht werden. Entfernt man dann den inneren Stab und setzt 
ein Schlauchstück an das obere Rohrende, so liefert der Apparat 
in Verbindung mit einer Flasche, aus welcher Wasser ausfließt, 
Bodenluft, und zwar aus der unmittelbaren Umgebung des unteren 
Rohrendes; denn das Ganze ist so glatt in die Erde gebohrt, daß 
ein Festtreten oder Angießen nicht erforderlich ist. Diese Vor- 
richtung, deren Benutzung ich der Freundlichkeit meines Kollegen, 



*) Elsteb und Gbitbl, Phys. ZS. 3, 574, 1902. 

•) Ebert und Ewbbs, Phys. ZS. 4, 162, 1902. 

') Zusammengestellt bei Elstbb und Gbttel, yergl. Zitat aus 1903. 

*) Ä. Gockel, Phys. ZS. 4, 604, 1903. 



408 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 13. Nov. 1903. [Nr. 22. 

des Herrn Professor Grüner verdanke, wurde im Hofe der 
Landwirtschaftlichen Hochschule, nahe bei dem vorerwähnten 
Keller benutzt, um mehrere Glasflaschen von etwa je 10 Liter 
Inhalt mit Bodenluft aus 1 bis 2 m Tiefe zu füllen. Auch hier 
besteht der Boden aus feinkörnigem, steinfreiem, sogenanntem 
Talsand. 

Zur Untersuchung der Luft diente ein Glaszylinder von etwa 
12 Liter Inhalt, 18 cm Durchmesser und 47 cm lichter Höhe, der 
aufrecht stehend oben und unten mit luftdicht schließenden und 
je einen Stopfen tragenden Deckeln versehen, sowie innen mit Draht- 
netz ausgekleidet war. Jeder der Stopfen enthielt ein Glasrohr 
zum Ein- und Ausfüllen der Luft, ferner eine Drahtleitung, welche 
unten dauernd die Erdleitung für das Drahtnetz und das Gehäuse 
des Zerstreuungsapparates bildete, oben nach Bedarf die Ladung 
des Zerstreuungskörpers ermöglichte. In diesem Zylinder war der 
Zerstreuungsapparat ohne Schutzzylinder und Deckel aufgestellt 
und konnte durch das Drahtnetz hindurch beobachtet werden. 
Durch ein Bleirohr von etwa 3 m Länge war der Versuchszylinder 
mit der Wasserluftpumpe verbunden. Mit deren Hilfe wurde am 
5. Juni der Zylinder bis auf etwa 90 mm Quecksilberdruck ent- 
leert und sodann mit Bodenluft gefüllt, die unmittelbar vorher 
aus dem Boden entnommen war und deren Raum in den Flaschen 
durch Wasser ausgefüllt wurde. Zu den nachfolgenden Messungen 
wurde dem Zerstreuungskörper jedesmal eine Ladung von nahezu 
-|- oder — 200 V erteilt. Die Zerstreuung wird angegeben durch 
die Größe a, daneben in Klammern durch die Anzahl der in einer 
Viertelstunde neutralisierten Volt. Es fand sich: 





a_ 


a + 


am 5. Juni .... 


— 


3,71 (70 F) 


IV? Stunden später 


5,54 (95 V) 


— 


am 6. Juni .... 


4,68 (84 V) 


— 


\^2 Stunde später . 


— 


4,84 (88 V) 


am 8. Juni .... 


— 


2,56 (52 V) 


i/'a Stunde später . 


2,62 (51 V) 


— 



An den folgenden Tagen nahmen die Beträge stetig ab, und die 
mit Ausnahme des 7., 9. und 14. bis zum 20. Juni täglich aus- 
geführten Messungen von a_ und a^ lassen erkennen, daß die 



a_ 


a+ 


2,71 (52 F) 


2,68 (47 V) 


1,61 (31 F) 


1,39 (28 F) 



Nr. 22.] R. Börnstein. 409 

Leitfähigkeit zuerst erheblich vermehrt war und am ersten Tage 
noch stieg, dann aber langsam sank, bis nach etwa zwei Wochen 
der gewöhnliche Wert für Zimmerluft mit a = 0,2 bis 0,3 (5 bis 
6 F) wieder erreicht war. Die größte beobachtete Leitfähigkeit 
der Bodenluft erwies sich etwa 20 mal so groß, als diejenige der 
Zimmerluft Dies ganze Verhalten entspricht den vorher ge- 
nannten, in München gewonnenen Beobachtungen. Ob hier auch 
Unipolarität in der Bodenluft herrscht, kann aus den Einzel- 
messungen nicht entnommen werden, weil in den dazwischen 
liegenden beträchtlichen Zeiten zweifellos erhebliche Änderungen 
der Leitfähigkeit stattfanden. Vereinigt man aber die ersten 6 
(5. bis 12. Juni) und die ersten 12 (5. bis 20. Juni) Beobachtungs- 
tage zu Mittelwerten, so findet sich: 

Durchschnitt der ersten 6 Tage . 
Durchschnitt der ersten 12 Tage . 

Da an den einzelnen Tagen immer abwechselnd mit positiver 
oder mit negativer Ladung begonnen wurde, beziehen sich die 
Mittelwerte nahezu auf den gleichen Zeitpunkt und können in 
der Tat dahin gedeutet werden, daß in der untersuchten Boden- 
Inft eine stärkere Zerstreuung der negativen Elektrizität stattfand. 

Am 22. Juni wurde der Versuch nochmals begonnen. Boden- 
luft, aus Im Tiefe an der nämlichen Stelle entnommen und in 
den Versuchszylinder gebracht, lieferte folgende Zerstreuungswerte : 

am 22. Juni .... — 4,53 (80 F) 

Va Stunde später 6,02 (98 V) — 

am 23. Juni .... 5,07 (92 F) — 

Va Stunde später — 5,08 (88 F) 

Hierauf wurde der Versuchszylinder mit Zimmerluft ausgespült 
und von neuem mit Bodenluft gefüllt, die am Vortage aus etwa 
1,70 m Tiefe gesogen und in einer Glasflasche aufbewahrt war. 
Es wurde zunächst nur die Zerstreuungsgeschwindigkeit positiver 
Ladungen gemessen, um den zeitlichen Verlauf einigermaßen un- 
unterbrochen zu verfolgen, und dabei ergaben sich Werte, die 
mit a^ == 4,78 (87 F) beginnend innerhalb dreier Stunden bis 



410 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 13. Nov. 1903. [Nr. 22. 

a^- = 6,87 (99 V) stiegen. Bei derselben Füllung des Zylinders 
wurde am 24. Juni a+ = 6,62 (96 V) und vier Stunden später 
a+ = 6,88 (101 F), am 25. Juni a+ = 5,11 (78 F) gefunden. 

Die hierauf neu in den Zylinder gefüllte Bodenluft hatte sich 
drei Tage lang in den Glasflaschen befunden, zeigte aber auch 
noch deutlich vermehrte Leitfähigkeit, namentlich für negative 
Elektrizität. Es ließ also auch dieser zweite Versuch erkennen, 
daß die aus dem Boden geholte Luft an Leitungsfähigkeit zuerst 
noch zunahm, und daß die Negativzerstreuung überwog. Der er- 
reichte Maximalwert betrug hierbei fast das 30 fache der für 
Zimmerluft ermittelten Größe. 

Schreibt man diese Erscheinungen dem Einfluß der auf die 
Keller- und Bodenluft wirkenden Erdmassen zu, so erscheint 
es denkbar, die wirksame „Emanation" des Bodens auch im 
Grundwasser zu finden. Demgemäß untersuchte ich den Ein- 
fluß des Wassers, welches einer in Wilmersdorf neben dem Hause 
stehenden Pumpe entnommen war, auf den Zerstreuungsapparat 
Durch vorausgehendes Abpumpen wurde das in der Röhre be- 
findliche Wasser entfernt und mit dem hierauf ausfließenden 
Wasser Fließpapierstreifen benetzt, die sogleich an die Innenseite 
des Schutzzylinders gelegt wurden. Der nach oben durch den 
Deckel abgeschlossene Innenraum dieses Zylinders und somit die 
unmittelbare Umgebung des Zerstreuungskörpers erfüllte sich nun 
mit dem Dampf jenes Wassers. Es gelang aber nicht, eine 
deutliche Änderung der Zerstreuungsgeschwindigkeit hierbei zu 
bemerken. 

Um auch an der zweiten Beobachtungsstelle eine etwaige 
Beeinflussung der Versuche durch das Grundwasser zu berück- 
sichtigen, setzte ich dort die Beobachtungen fort. Drei Glasgefäße 
wurden mit durchbohrten Stopfen und je zwei Glasröhren so ein- 
gerichtet, daß Luft in kleinen Blasen hindurchgesaugt werden 
konnte und dabei insgesamt eine Wasserschicht von 90 cm durch- 
laufen mußte. Diese Gefäße wurden mit dem zu untersuchenden 
Wasser gefüllt, der Versuchszylinder durch die Wasserluftpumpe auf 
80 bis 100 mm Quecksilberdruck (bei Untersuchung des Brunnen- 
wassers auf 40 mm) evakuiert und hierauf mit Zimmerluft ge- 
füllt, welche langsam in kleinen Bläschen durch die Wassergefäße 
perlte. Es ergab sich durchaus keine Zunahme der Zerstreuungs- 



Nr. 22.] R. Bömetein. 411 

geschwindigkeit, gleichviel ob die Gefäße mit Leitungswasser ge- 
füllt waren oder mit dem Wasser einer Pumpe, in deren unmittel- 
barer Nähe die vorher erwähnten Luftproben aus dem Boden 
entnommen waren. Ebenso verliefen Versuche, bei denen der 
Yersuchszylinder einerseits mit der Pumpe, andererseits mit den 
Wassergefäßen verbunden war, und Luft bis zur Dauer von zwei 
Stunden hindurchgesaugt wurde. Ihre Leitungsfähigkeit unter- 
schied sich nicht merklich von den vorher und nachher gemesse- 
nen Beträgen. 

Während diese letztere Wahrnehmung mit den Angaben von 
HiMSTEDT 1) nicht übereinstimmt, verlief ein anderer Versuch hier 
genau so, wie bei diesem und einigen anderen Beobachtern, näm- 
lich die Vermehrung der Leitfähigkeit von Luft, die mittels eines 
Wassergebläses in sehr innige Berührung und Mischung mit 
Wasser gebracht wird. Von J. J. Thomson«), Pocchettino und 
Sellas), Ebebt*) und Himstedt wird berichtet, daß auf solche 
Art die Leitfähigkeit bis auf den zwanzigfachen (Thomson) Wert 
gesteigert werden kann. Bei Thomson erscheint die Positiv- 
zerstreuung größer, bei den anderen Beobachtern wird ein solcher 
Unterschied nicht angegeben. Es wurde nun an derselben Wasser- 
leitung, die zu den eben beschriebenen und negativ ausgefallenen 
Versuchen das Wasser geliefert hatte, eine GEissLERsche Wasser- 
luftpumpe angebracht und mit ihrem Saugrohr eine Bleiröhre 
von 3 m Länge verbunden, die zu dem vorher beschriebenen glä- 
sernen Versuchszylinder führte und aus dessen oberer Zuleitung 
die Luft heraussog. Der untere Teil der Geißlerpumpe war mit- 
tels Stopfen luftdicht in eine Glasglocke von etwa 3,5 Liter Größe 
geführt, welche in einer flachen Glasschale stand, so daß das aus 
der Pumpe in die Glocke tretende Wasser über den Rand der 
Schale abfloß. Vom Oberteil der Glocke führte ein zweites Blei- 
rohr die in der Glocke zusammengedrückte Luft nach dem unteren 
Zuleitungsrohre des Versuchszylinders. Es war also die in den 
Apparaten (Versuchszylinder und Glocke) eingeschlossene Luft in 



') Himstedt, 1. c, 105; Ber. d. Naturf.-Ges., Freiburg 14, 181, 1903. 
«) J. J. Thomson, Proc. Cambr. Phil. Soc. 11, 505, 1901 — 1902 j Phil. 
Mag. (6) 4, 352, 1902. 

■) A. PocCHBTTiNO und A. Sella, Rend. Line. (5) 11 [1], 527, 1902. 
*) H. Ebebt, Münch. Sitzber. 33, 133, 1903. 



412 Verhdl. d. Deutschen Phyaik. Ge«eU»oh. vom 13. Nov. 1903. [Nr. 22. 

dauerndem Kreislauf und wurde dabei in der Pumpe selir innig 
mit beständig erneuertem Wasser gemischt 

Ein mit dieser Vorrichtung ausgeführter Versuch lieferte fol- 
gende Zahlen. Nachdem alle Apparatteile miteinander verbunden 
waren, betrug im Zylinder die Zerstreuung der jetzt darin befind- 
lichen Zimmerluft: 

0,29 (7,5 V) 0,28 (7 V) 

Als hierauf ohne sonstige Änderung die Pumpe anderthalb 
Stunden in Gang gewesen war, fand sich: 



a_ 


«+ 




2,38 (49,5 F) 


eine halbe Stunde später . . 3,44 (63 V) 


— 


am folgenden Tage .... 4,11 (70 F) 


— 


eine halbe Stunde später . . — 


3,39 (57,5 F) 


noch eine halbe Stunde später 3,67 (63 V) 


— 


noch eine halbe Stunde später — 


3,00 (53 F) 



Also Zunahme der Leitfähigkeit auf ungefähr das Zehnfache 
des Anfangswertes, Erreichung des Höchstbetrages am zweiten 
Tage und anscheinend etwas stärkere Vermehrung der Negativ- 
zerstreuung. 

Ein zweiter Versuch verlief an einem anderen Tage ganz 
ähnlich; die Pumpe wirkte eine halbe Stunde lang und hob die 
Leitimgsfähigkeit auf den drei- bis vierfachen Wert. 

Um diesen Vorgang weiter zu verfolgen, wurde nun versucht, 
durch inniges Berühren und Mengen der Luft mit Wasser auch 
auf andere Weise die gleiche Wirkung zu erzielen. Eine gläserne 
Flasche von etwa 1 Liter Inhalt wurde mit doppelt durchbohrtem 
Stopfen, Zuflußrohr und Heber versehen. Durch das Zuflußrohr 
und einen Schlauch wurde aus der Wasserleitung beständig Wasser 
zugeführt, durch den Heber ebensoviel entfernt, so daß eine fort- 
während erneuerte Wassermenge von etwa 200 bis 300 ccm sich 
in der Flasche befand. Durch kräftiges Schütteln mit den Händen 
brachte man die in der Flasche vorhandene Luft in innige Be- 
rührung mit dem Wasser und sog, als diese Bewegung 20 Minuten 
gedauert hatte, die Luft in den Versuchszylinder. An einem an- 
deren Tage wurden drei Literflaschen zu etwa einem Viertel mit 



Nr. 22.] R. Börnstein. 413 

Wasser gefüllt, fest yerschlossen und nun anderthalb Stunden 
lang in einer für chemische Zwecke gebauten Schüttelvorrichtung 
lebhaft bewegt In den Versuchszylinder übergeführt, bewirkte 
die aus diesen Flaschen kommende Luft ebensowenig eine ver- 
mehrte Zerstreuungsgeschwindigkeit, wie das in dem vorigen Ver- 
suche geschehen war. 

Mehr Erfolg brachte ein anderes Verfahren. Eine Glasfiasche 
von nahezu 10 Litern Inhalt wurde mit doppelt durchbohrtem 
Kork, Zufluß- und Heberrohr versehen; das Zuflußrohr endete dicht 
unter dem Kork und trug hier mittels eines kurzen Stückes Kaut- 
schukschlauch ein in senkrechter Stellung befindliches Messing- 
rohr von etwa 1 cm Weite und 5 cm Länge, in dessen Wand nahe 
über dem verschlossenen unteren Ende zwölf feine Öffnungen ge- 
bohrt waren. Wurde das Zuflußrohr mit der Wasserleitung ver- 
bunden, so konnte man in zwölf dünnen Strahlen Wasser in die 
Plasche treten und gleichzeitig durch das Heberrohi* eine ebenso- 
große Wassermenge ausfließen lassen. Der stationäre Zustand 
war leicht zu erreichen durch passende Höhenlage des äußeren 
Heberendes, welches mittels eines Schlauches an das im Stopfen 
befestigte Heberrohr angesetzt war. Der Wasserspiegel wurde in 
nahezu gleich bleibender Höhe deraii erhalten, daß die Austritts- 
öffnungen des Wassers sich etwa 15 bis 20 cm darüber befanden 
und die Strahlen teils die Wasserfläche, teils auch die innere 
Glaswand trafen. Auch hier war also die Luft der Flasche mit 
fortwährend erneuertem Wasser in Berührung, und wenn nach 
etwa zweistündiger Einwirkung diese Luft in den Versuchszylinder 
übergeführt wurde, fand man daselbst die Zerstreuungsgeschwin- 
digkeit gegen vorher auf den zwei- bis dreifachen Wert erhöht. 
Dabei schien die negative Ladung verhältnismäßig rascher als die 
positive zerstreut zu werden. 

Zusammengefaßt lauten die Ergebnisse dieser Versuche also : 
Durch Berührung mit Wasser konnte die Leitungsfähigkeit der 
Luft nicht merklich beeinflußt werden, so lange eine abgeschlossene, 
begrenzte Wassermenge zur Wirkung kam. Wenn aber eine fort- 
während erneuerte Wassermasse auf die Luft wirkte, wuchs deren 
Leitfähigkeit deutlich. 

Dies sowie die große Leitfähigkeit der Bodenluft lassen die 
Meinung zu, daß in dem untersuchten Wasser die „Emanation", 



414 Verhdl. d. Deatoohen Physik. Geselltch. vom 13. Nov. 1903. [Nr. 22. 

welcher man die beobachteten Wirkungen zuzuschreiben pflegt, 
in sehr geringer Menge vorhanden ist, daß sie an Luft abgegeben 
werden kann und in dieser merkliche Änderungen erst hervor- 
bringt, nachdem die Luft mit einer ausreichend großen Wasser- 
menge in Berührung war. 

Ausdrücklich sei noch bemerkt, daß eine Beeinflussung der 
Versuche durch Radium oder eine ähnliche Substanz aus- 
geschlossen ist, denn dergleichen Körper sind in meinem Labora- 
torium noch niemals benutzt worden. 



Verlag von Friedr. View^ & Sohn in Braunschweig. 



Vorlesungen 

über 

Experimentalphysik 

von 

August Kundt, 

weiland Profesior an der Universität Berlin, 
herausgegeben von 

Karl Scheel. 



Mit dem Bildnis Kundt«, 634 Abbildungen und einer farbigen 

Spektraltafet. 

gr. 8. Preis geh. 16 M., geb. 17 M. 



Die Vorlesungen Slundts verdanken ihre YeröffentUchung dem viel- 
fach aasgesprochenen Wunsche früherer Schüler des grollen Experimen- 
tators, die Vorlesungen nicht der Vergessenheit anheimfallen zu lassen. 

Der Umstand, dafi das Manuskript ein einheitliches Ganzes darbot, 
mußte jeden Versuch zurückweisen, durch Einfügung neuer Kapitel 
die Fortschritte der Wissenschaft im letzten Jahrzent zu berücksichtigen 
und dadurch die Vorlesungen zu einem Lehrbuch der Physik auszu- 
gestalten, um so mehr, als dieselben hierdurch sehr an ihrer Originalität 
eingebüßt haben- würden. 

Kundts Vorlesungen geben ein Bild des klassischen Bestandteils 
der physikalischen Wissenschaft und sind vermöge der überaus anschau- 
lichen und leicht verständlichen Sprache so recht geeignet, nicht nur 
dem Studierenden der Physik als Leitfaden neben den gehörten 
Vorlesungen zu dienen, sondern auch dem Schüler die Einführung 
in die phyBikalischen Erscheinungen zu erleichtem. Vor allem wird 
aber auch derjenige, welcher mit den Lehren der Physik vollkommen 
verirant ist, sich der eleganten und originellen Darstellung der ihm 
bekannten Tatsachen stets aufs neue freuen. 



Zn beriehen durch alle Bnchhandfaingen. 



eXeybold's ßacMolger 

Cain a. Rhein 

)VIecbamsd)e und optietbe^nerkstätten. 

Heue ScbwuitdmascMne mit Ekctromctor 




zum Hnscbluss an eine Starkstromleitung. 

Mit dem Hpparat Useen eid> eämtticbeTereuche bequem 
anstellen* Die Hbbildung zeigt die Centrifugalma9d){ne in 
Verbindung mit dem Hpparat nad) 81otte zur Bestimmung 
dee med>ani9d)en ^ärmeaquivalentee* 

preistiete über JHeue Hpparate und Tereud^e auf Verlangen. 



1903 Heft 23 

f ^ 

Berichte 

der 

Deutschen Physikalischen GeseUschaft 

enthaltend 

Yerhandlungen 

der Deutschen Physikalischen Gesellschaft 
im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Scheel 

and 

Halbmonatliches Literaturverzeichiils 

der „Fortschritte der Physik", dargestellt von der 
Deutschen Physikalischen Gesellschaft 

redigiert von 

Karl Scheel Richard Assmann 

Beine Physik Kosmische Physik 



Braunschweig 

Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn 
19 03 



UonaJ(\i<^ zwei Nummern. — Abonnementspreia pro Jahrgang 8 Mark. — Zu beziehen 
durch aUe Buchhandlungen und Postanatalten (Postzeüungaliste Nr. 1042 a) 



Inhalt. . 

Seite 

1. Verhandlungen der Deutschen Physikaliflohen Ghesellsohaft. 

Bericht über die Sitzung vom 27. November 1903 415 

Prof. Dr. 0. Lummer, Beitrag zur Klärung der neuesten Ver- 
suche von R. Blondlot über die n-Strwilen. (Vorgetragen 
in der Sitzung vom 27. November 1903.) 416 

A. Wehnelt, Über die Phosphoroszenzerregung durch langsame 
Kathodenstrahlen. (Vorgelegt in der Sitzung vom 27. Novem- 
ber 1903.) ..423 

2. Halbmonatliches Literaturrerzeichnis der Fortschritte der 

Physik. 

L Allgemeine Physik 375 

n. Akustik 377 

in. Physikalische Chemie 378 

IV. Elektrizität und Magnetismus 380 

V. Optik des gesamten Spektrums 384 

VI. Wärme 385 

Vn. Kosmische Physik 387 

Den Abonnenten der „Fortschritte der Physik'* kdnnen wir die erfreu- 
liche Mitteilung machen, da/s nach langen Vorbereitungen int Anschlufs an 
das int Jahre x8gy int Verlage von Georg Reimer in Berlin erschienene 
General -Register su den „Forischrittea der Physiic", Band XXI OS^s^ 
Ä^ XLIII (i8Sy)j das in Anlage und Ausführung übereinstimmend mit 
diesem Registerbande bearbeitete 

Namen 'Register nebst Sach ' Ergänzungsregister zu den 
..Fortschritten der Physik*'. Band XLIV (x888) bis Uli 
fiSgyJf unter Mitwirkung von Dr. E. Schwalbe bearbeitet 
von Dr, G. Schwalbe, 
Mur Ausgabe gelangt ist. 

Nach einer Einleitung, welche dasu dient, den Gebrauch des Werkes 
SU erleichtern, wird eine Übersicht über den Umfang der Bände, sowie über 
die Redakteure und Referenten, welche während der Jahre t88S bis i8g^ 
tätig waren, gegeben. Der Hauptteü selbst zerfällt in gwei Teile:, Das 
Namenregister, in welchem sämtliche in den eehn Jahrgängen der »fPort- 
schritte*' erwähnten nicht anonymen Titel in alphabetischer Reihenfolge der 
Autorennamen sich vorfinden^ und das Sacli ' Ergänzungsregister , in wel- 
chem die anonymen Titel in sachlicher Weise geordnet sind. Wie aus der Ein- 
leitung sich ergibt, ist durch umfassende Vergleiche für die Richtigkeit der 
einzelnen Titel nach Möglichkeit gesorgt worden. Ebenso ist dem Bedürfnis 
nach Vollständigkeit in weitestem Mafse Rechnung getragen. 

Für alle, welche auf den Gebrauch der „Fortschritte*' in ihren wissen- 
schaftlichen Untersuchungen angewiesen sind, dürfte das vorliegende Re- 
gister zu einem wichtigen, wenn nicht unentbehrlichen Nachschlagewerk 
werden. Auch für Bibliotheken, welche die „Fortschritte der Physik" 
halten, erscheint dasselbe als notwendige Ergänzung zu denselben. 

Der Preis des stattlichen Bandes beträgt M. 6o. — , worauf den Mit- 
gliedern der Deutschen Physikalischen Gesellschaft die bekannte ^^mäfsigung 
gewährt wird. 

Die Verlagsbuchhandlung Frledn VIeweg A Sohn 
in BrmunsGhweig. 



Verhandlungen 



der 



Deutschen Physikalischen Gesellschaft 



Im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Scheel 

& Jahrgr« 15. Dezember 1908. Nr. 28. 

Sitzung Tom 27. November 1903. 



Vorsitzender: Herr E. Warbürg. 



Vor Eintritt in die Tagesordnung legt Hr. E. Warburg eine 
Mitteilung des Hrn. A Wehnelt: 

Über die Phosphoreszenzerregung durch langsame 
Kathodenstrahlen 

vor und geht dann näher auf seine eigene, in der Sitzung vom 
13. November bereits vorgelegte und im vorigen Heft dieser Ver- 
handlungen, S. 382, veröffentlichte Mitteilung: 

Zur Theorie der SiEMENSschen Ozonisierungsapparate 
ein. 

Ferner spricht Hr. E. Wandersieb (Jena): 

Über einen neuen Apparat zur Betrachtung von Photo- 
graphien vom richtigen Standpunkte aus 

und demonstriert diesen Apparat. 

Endlich gibt Hr. 0. Lnmmer einen 

Beitrag zur Klärung der neuesten Versuche von 
R. Blondlot über die n-Strahlen. 



416 



Bettrag zur Klärung der neuesten Versuche van 
jB. Blondlot^) über die n^ Strahlen; 

van JPraf, JOr, o. j^ummer^ 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 27. November ;1908.) 
(Vgl. oben S. 415.) 



Bei seinen Versuchen über die Fortpflanzungsgeschwindigkeit 
der Röntgenstrahlen entdeckte der französische Akademiker, Herr 
R. Blondlot, eine neue Art von Strahlen, welche er nach dem 
Ort Nancy, in welchem si^ sieb Wß^ pfEenbarten, die n^Stn^Uen 
nannte. Diese Strahlen sollen von einem AuerbFenner und noek 
besser von einer Nernstlampe bei 200 Watt Stromverbrauch aus- 
gesandt werden. Sie sollen wie die Röntgenstrahlen leicht das 
Aluminium durchdringen, dagegen von der geringsten Wasserschicht 
absorbiert werden wie die längeren Wärmewellen. Während sie 
angeblich vom kalten Platin absorbiert werden, durchdringen sie 
Platin leicht bei Rotgluthitze. 

Neuerdings hat nun Blondlot gefunden, dafi diese ii^Strahlea 
von dem Faden der Nernstlampe ausgestrahlt werben, ^uch nach- 
dem diese mehrere Stunden erloschßn isty und daß sogar von der 
Sonne beleuchtet gewesene Kieselsteine eine deutliche Wirkung 
im Sinne der n-Strahlen ausüben. 

Bei allen diesen Beobachtungen Blondlots besteht die Wir- 
kung der n- Strahlen im allgemeinen in einer Aufhellung einer 
Lichtquelle bei Bestrahlung oder vielmehr in einer Verdunkelung 
bei Aufhebung der Bestrahlung, sei es, dass man einen Blei- 
schirm oder die Hand zwischen die analysierende Lichtquelle und 
die strahlende n- Quelle bringt Als analysierende Lichtquelle 
dient ein kleiner Funken, eine bläulich brennende Flamme, eine 
phosphoreszierende Fläche, ein dunkelrot glühendes Platin- 
blech oder eine von einer Lichtquelle schwach beleuchtete Papier- 
fläche. Die Dimensionen aller dieser analysierenden Leuchtquellen 
sind sehr klein (das beleuchtete Papier a. B. ist 2pim X 16mm 
groß) und die Beobachtung geschieht im dunkeln Zimmer. 

^) R. Blondlot, Sur de Qouvelles aotions produites par les rayonB n: 
generalisation des phenomenes precedemment observ^B. G. R. 137, 6Ö4, 1908. 
— Sur reiumagasinement des rayons n par certains corps. C. R. 137, 729, 1908. 



Ih». 2Ä] 0. liWtamer. 417 

Obgle^ dto HelliglmtsätHlerttii^ eine ziemlich große sein soll, 
i«t 66^ his^tff wectei» ÄLOirDtol' »)v Aoch Bütbek«») utid Anderen») 
gehlAgeü, die 6nts{>i'ecliend!e Energieäuldlerung objektiv nachzu- 
weisem Aber Äueh die von Blondlot subjektiv beobachteten 
?&älnome]ie konnten von ItuBfiNS und Anderen bei dei" Wieder- 
holung det neuesten Versuche mit schwach beleuchteten od^^ 
phosphoresäerenden- FTächen ilicht wahrgenommen' werden. 

Ohne die objekti<ve Existenz dieser n- Strahlen vorläufig in 
Abrede süelleU' zu Wollen, möchte ich im folgenden darlegen, daß 
sich' eiM ganze Reihe der BLOKDLOTS(^en Versuche in ihrem 
Effekte fast vollkommen nachahmen lassen ohne ßeüutzung 
irgend einer Strahlungsqüelle bzw., daß Gestalts-, Hellig- 
keits- und Färbuligsaüdeitungen der analysierenden Leuchtfläche, 
wie sie Blondlot bei Bestrahlung und Abblendting beobachtet 
hat, sieh zürilekführeH' lassen a^ Vorgäüge in unserem Auge, und 
zwai* aiuf den Wettstreit der Stäbchen* und Zapfen unserer 
Netzhaut beim Sehen- im D^unkeln. 

Seit latigem weiJi* nkm, daß die Netzhautarchicht dier Zapfen 
und Stäbchen die' lichtempfindlichen Gebilde sind, in denen die 
von außen kommende Energie umgesetzt wird in Nervenreizüng. 
Während man aber aus den Versucheü über die Sehschärfe schließen 
zu müssen glaubte, daß den Zapfen allein die Vermittelung des 
Sehe&B zufalle, ließ' der fast gleiche aiiatomische Bau immerhin 
darauf schließen, dkß wohl auch die Stäbchen eine Rolle beim 
Sehen spielen. Darüber hinaus weiß aber auch die neueste Auf- 
lage der HELMabLi^zscheü physiologischen Optik nichts zu melden. 
Erst auf Grund der neueren physiologiöoheii Forschungen über 
das^ Sehen bei geringer Helligkeit und den Einfluß des Sehpurpurs 
in den Stäbchen bei der Farbenperzeption gelang es mehr und 
mehr, die Wirkungsweise unserer beiden Nefzhaütorgane von- 
einandei« ^ trennen und ihre gesonderten Aufgaben zu ergründen. 
Schon Av K<Jnio*) hatte das Farblossehön der Tötalfarbenblinden 
bei jeder Helligkeit^, das farblose Sehen der Farbentüchtigen bei 
sehr geringer Helligkeit und' die Empfindung des Blau den Stab- 



") C. Ri IST, 167, 1908. 
«) Ebenda. 

•) Phy». ZS. 4, 73fl und 768, 190S. 

*) A. Köitio, Über den mensehlKilien Selipnrptii« und' sein^ Bedeutung 
beim Sehen. Sitzber. d. Berl. Akad. d. Wisse&flch. S. 577, 1894. 



418 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsoh. vom 27. Nov. 1903. [Nr. 23. 

chen zugeschrieben. J. v. Kries i) ging weiter und löste die noch 
bestehenden Schwierigkeiten und Widersprüche, indem er die 
Hypothese aufstellte, daß die Zapfen unseren färben tüchtigen 
„Hellapparat" und die Stäbchen unseren total farbenblinden 
„Dunkelapparat" bilden. Dieser KRiESschen Theorie gemäß 
vermitteln die Zapfen das Sehen bei großer Helligkeit und ihre 
Erregung durch die Lichtwellen erweckt im Gehirn die Empfin- 
dung der Farbe, während die purpurhaltigen Stäbchen total 
farbenblind sind, erst bei sehr geringer Helligkeit in Wirksamkeit 
treten und mit der Fähigkeit ausgestattet sind, ihre Empfindlich- 
keit im Dunkeln ganz bedeutend zu steigern. „Dunkeladaptation" 
nennt Kries diese Eigenschaften der Stäbchen. Ehe die Zapfen 
farbiges Licht empfinden, vermitteln die Stäbchen zum Gehirn 
den Eindruck farbloser Helligkeit. 

Aus der Anatomie der Netzhaut^) unseres Auges folgt zu- 
nächst, daß auf der Netzhautgrube oder fovea Centralis nur Zapfen 
und gar keine Stäbchen vorhanden sind, während die übrige 
Netzhaut sowohl Stäbchen wie Zapfen enthält, und zwar in der 
Anordnung, daß nach dem Rande der Netzhaut zu die Stäbchen 
an Zahl die Zapfen überwiegen. Wie wir wissen, ist nun die 
Netzhautgrube die bevorzugte Stelle, mit der wir sehen, wenn 
wir einen Gegenstand fixieren und scharf ins Auge fassen. Beim 
Fixieren oder beim direkten Sehen (foveal) sind daher 
die Stäbchen ausgeschaltet und nur beim indirekten 
Sehen (peripher) treten außerdem noch die Stäbchen in 
Tätigkeit. Hier treten also bei geringer Helligkeit die beiden 
Sehapparate in einen scharfen Wettstreit ein, der, wenn nur die 
Helligkeit gering genug ist, zugunsten der farbenblinden Stäb- 
chen ausfällt, so daß dann alles „Grau in Grau", d. h. in farb- 
loser Helligkeit erscheint. 

Mit Hilfe dieser Theorie erhielt man eine zwanglose Deutung 
für vorher unerklärliche Erscheinungen, wie z.B. das PüRKiNJKsche 
Phänomen, das Wandern des „neutralen Punktes" im Spektrum 
der Rotgrün - Verwechsler mit abnehmender Intensität und die 



*) J. V. Kries, Über die Funktion der Netzhautetäbchen. ZS. f. Psych, 
u. Physiol. d. Sinnesorgane 9, 81—123, 1894. 

*) R. Greep, Die mikroskopische Anatomie des Sehnerven und der 
Netzhaut. Aus dem Handbuch der Augenheilkunde von Gbabfe u. Sähisch. 
2. Aufl., I. Bd., V. Kap. Berlin, 1901. 



Nr. 23.] 0. Lummer. 419 

Abhängigkeit der Farbengleichungen von der absoluten Intensität 
Und in meiner Arbeit „Grauglut und Rotglut" konnte ich zeigen '), 
daß sian die merkwürdige und „gespensterhafte" Erscheinung der 
Grau- und Rotglut erklären kann, wenn man den beiden licht- 
empfindlichen Apparaten die Rolle zuschreibt, welche ihnen 
y. Kries beigelegt hatte. 

Beobachten wir im Dunkelzimmer die allmähliche Tempe- 
ratursteigerung eines Körpers von der Zimmertemperatur bis zur 
Glühtemperätur, so meldet unser Auge laut meiner Ansicht einen 
zweimaligen Sprung, erst vom Dunkel zum Gespenstergrau 
(Grauglut) und später von der Grauglut zur farbigen Glut (Rot- 
glut). In beiden Fällen entsteht der „Sprung" durch das Über- 
schreiten der Reizschwelle unseres Sehnerven ; nur die vermitteln- 
den Organe sind in beiden Fällen andere: die Grauglut entspricht 
der Reizschwelle der Stäbchen, die Rotglut der Reizschwelle der 
Zapfen' unserer Netzhaut. Demnach haben vrir die Grauglut 
als eine Empfindung der Netzhautstäbchen und die Rot- 
glut als die Empfindung der Netzhautzapfen aufzufassen. 

Das „Gespenstische" des Stäbchensehens tritt erst ein, wenn 
man eine genügend kleine Fläche betrachtet, deren Netzhautbild 
an Ausdehnung höchstens gleich der Stelle des deutlichsten Sehens, 
der Netzhautgrube, ist und deren Helligkeitssteigerung man im 
Dunkeln von Null an verfolgt. Am besten bedient man sich dazu 
eines elektrisch geglühten Platinbleches, welches man durch ein 
Diaphragma begrenzt und dessen Lichtentwickelung man mit gut 
ausgeruhtem Auge im Dunkeln verfolgt. Hat das Platinblech 
die Temperatur von etwa 400<> C erreicht, so werden zunächst nur 
die Stäbchen des im Dunkeln umherirrenden Auges erregt und 
im Gehirn wird die Empfindung farbloser Helligkeit (Grauglut) 
ausgelöst Gewöhnt, das zu fixieren, was uns „Licht" zusendet, 
wenden wir unser Auge in die Richtung, von der wir glauben, 
daß die Lichtstrahlen gekommen sind. Da aber die Zapfen noch 
nicht in Erregung geraten, sendet die Netzhautgrube auch keine 
Lichtmeldung zum Gehirn, also können wir auch die „fixierte" 
Stelle nicht sehen! Es tritt hier somit der merkwürdige Zustand 
ein, daß wir etwas sehen, was wir nicht fixieren, während es un- 



») 0. Lummer, Über Grauglut und Rotglut. Wied. Ann. 62, 14—29, 
1897. Yerh. Phyg. Ges. Berlin 16, 121—127, 1897. 



420 Yerhdl. d. Deutschen Physik. OeseHBoh. vom 27. Not. 1908. {¥h. 29. 

sichtbar wird, weim wir es näher ins Auge fassen Wolfen. Und 
da wir beim direkten Sehen nichts sehen können, so bewegen wir 
unwillkürlich unser Auge weiter, wodurch die Strahlen wiederum 
auf extrafoveale Netzhautstellen fallen; wiedierum erhalten wir den 
Eindruck von Licht und ron neuem beginnt die Suche nach dem 
Orte, von wo das merkwürdige Licht kommt So entsteht in: vmA 
der Eindruck eines Lichtes, welches hin und her haB<^t, bald 
Torhanden ist, dann wieder entflieht, und uns* gleich einem* ^irr- 
licht" neckt Erst wenn die Helligkeit so groß geworden ist,- daß 
auch die Zapfen erregt werden und dem Gehirn ^Licht^ am 
melden im stände sind^ schwindet dieser ungewohnte Zustand; 
dann sehen wir das, was wir fixieren, ganz wie wir es gewöhnt 
sind, und das Gesehene flieht nicht mehr unseren prüfenden Blick. 
Dies tritt beim Glühen erst ein, sobald der Körper die Temperatur 
etwas über bOO^ C erreicht hat; erst dann werdlsn die Zapfen 
erregt und wir empfinden außer der Helligkeit auch* noch Farbe: 
Die ^Grauglut" geht über in y,Rotglut". 

Aber bei noch viel höherer Temperatur (bis TOO® C und 
darüber) treten die Stäbchen mit den Zapfen in starke Konkurrenz 
und die beim Fixieren des Platinbleches gesehene hellrote Farbe 
verwandelt sich beim indirekten Sehen in ein- eigentümliches, 
farbloses Weiß, das „Stäbchenweiß^, während die Helliglmt des 
Platinbleches gleichzeitig bedeutend zunimmt. 

Bei einigen Versuchen Blondlots befindet man ^ch gana in 
der Lage wie bei der Beobachtung des soeben geschilderten 
^Gespenstersehens^. Man beobachtet im Dunkeln- und be- 
trachtet eine sehr kleine schwachleuchtende Fläche,. z.B. 
ein dunkelrot glühendes Platinblech. Ehe man seine ganze Auf- 
merksamkeit auf dasselbe richtet, wird man es mit extrafovealen 
Stellen der Netzhaut betrachten, weil das Auge unwillkürlich das 
meiste Licht aufzufangen sucht, so daß also Zapfen und Stäbchen 
am Sehen teilnehmen. Sobald man jetzt den Bleischirm oder die 
Hand zwischen die Strahlungsquelle und die leuchtende Platinfläche 
einschaltet, um dessen Veränderung zu beobachten, wird 
man das Plaünblech möglichst schürf fixieren und damit also* die 
Stäbchen ausschalten. Die notwendige Folge wird- sein, dfetß^ das 
Platinblech weniger hell und rötlich erscheinen wird, da das 
peripher mitwirkende Stäbchenweiß fortfällt Aber diese Fixation 
kostet Zeit und Anstrengung. Die beobachtete Verdunkelung undt 



tfr. ».] O. LuxuMT. 421 

BetfiirlMEUig vird also mnA gewme Zeit in AoBpnich nehmen imd 
4m Auge wird, sobald maa die Hand oder den Sdbinn fortnimmt, 
baldmögüehst zur «Ktrt^orealen Beobachtung zurückkehren, bei 
der es mehr Licht empfängt Nach Fortnahme des Schiimes 
nimmt also die Helligkeit des Platinbleches wieder zu. Und falls 
die Helligkeit der beobachteten Leuchtfläche sehr gering ist, wird 
mit dem Dunkelwerden beim Fixieren zugleich eine Verundent- 
liehung der Begrenzung eintraten, ja eyentuell das vollkommene 
Verschwinden des Platinblecbes, falls die Energie unter der Reiz- 
lehvelle der Zapfen gelegen und die beobachtete Fläche klein 
genug ist 

Zum Beweise, daß die hier geschilderten, von mir nicht nur 
subjektiv beobachteten, sondern in meiner Vorlesung einem größeren 
Zuhörerkreise vorgeführten Phänomene den neueren, von Blondlot 
geschilderten Beobachtungen außerordentlich ähneln, will ich zwei 
Sätze aus seiner Abhandlung vom 2. Nov. 1903 (G. R. 137, 685, 
1903) wörtlich anführen. Nachdem er die Anordnung bei der 
Beobachtung eines schwach beleuchteten Papierstreifens be- 
sehrieben, fährt er fort: ! 

^6i maintenant on intercepte les rayons en interposant une 
kme de plomb ou la main, on voit le petit rectangle de papier 
s'assombrir, et ses contours perdre leur nettete; l'eloignement de 
Fecran fait reparaitre Teclat et la nettete: la lumiere diffusee par 
la bände de papier est donc accrue par Taction des rayons n.^ 

Und in dem Falle, wo Blondlot das an einer Nähnadel ge- 
spiegelte transparent leuchtende Papier beobachtet und nun die 
Nähnadel mit den n-Strahlen bestrahlt, schildert er die Wirkung 
mit folgenden Worten: „II fut alors facile de constater que l'action I 

de ces rayons renforce Timage, car si Ton vient ä les intercepter, 
cette image s'assombrit et devient rougeätre. J'ai repete cette | 

experience avec le meme succes en employant, au lieu de Taiguille 
a tricoter, un miroir plan en bronze.^ 

In dieser Abhandlung heißt es auch: „Toutes ces actions des 
rayons n sur la lumiere exigent un temps appreciable pour se 
produire et pour disparaitre^; also ganz wie bei den Erscheinungen 
der Grauglut und Rotglut beim Sehen im Dunkeln. Bei den in 
dieser Abhandlung geschilderten Versuchen ist nicht die Rede 
von dem Verhalten der verschiedenen Substanzen gegenüber den 
n-Strahlen. Es versteht sich von selbst, daß das Sehen im Dunkeln 



422 Yerhdl. d. Deutsohen Physik. Gesellsch. vom 27. Nov. 1903. [Nr. 28. 

durchaus nicht im stände ist zu erklären, warum einige Substanzen 
die n- Strahlung hindurchlassen, andere nicht Wohl aber läßt 
sich ohne weiteres aussagen, daß weder eine Aufhellung, noch 
eine Verdunkelung, noch eine Färbungsänderung eintreten wird, 
wenn man während der Operation bei gedachter Strahlungsquelle 
die analysierende Leuchtfläche andauernd fixiert, so daß ihr Bild 
immer auf die Netzhautgrube fällt und nur die Zapfen wirksam 
sind. Tatsächlich hat Herr Professor Rubens, wie er mir auf 
meine Frage freundlichst mitteilte, in dieser Weise beobachtet tmd 
selbst bei Anwendung einer sehr kräftigen Nernstlampe keine 
Aufhellung bemerken können. Übrigens ist dieses andauernde 
Fixieren im allgemeinen und besonders bei Betrachtung einer 
sehr schwach leuchtenden kleinen Fläche im dunkeln Zimmer aus 
den schon oben angeführten Gründen mit großer Anstrengung 
verbunden. Ist doch, wie man aus den hypnotischen Ekperimenten 
kennt, das andauernde Fixieren kleiner heller Objekte das wirk- 
samste Mittel, um eine Person in hypnotischen Schlaf zu versetzen! 
Aber trotzdem man nicht alle Versuche des Herrn Blondlot 
durch rein subjektive Empfindungsvorgänge auch ohne An- 
wendung einer Strahlungsquelle nachahmen kann, glaubte ich 
doch auf diese neueren physiologischen Erkenntnisse hinweisen 
zu sollen, umsomehr, als Herr Blondlot in keiner Publikation 
darauf Bezug nimmt, und weder angibt, mit welchem Sehapparat 
man beobachten soll, noch vor den Täuschungen warnt, denen 
man bei seinen Versuchen verfallen kann. Mindestens aber sollen 
diese Darlegungen allen denjenigen, welche sich bemühen, die 
Blondlot sehen Versuche zu wiederholen, die Tatsache ins Ge- 
dächtnis zurückrufen, daß beim Sehen im Dunkeln Helligkeits-, 
Gestalts- und Färbungsänderungen auf rein subjektivem Wege 
eintreten können. Diese rein subjektiven Veränderungen aber 
beruhen auf keiner optischen Täuschung, sondern sind wie die 
„gespensterhaften" Erscheinungen der „Grauglut" und „Rotglut" 
durch den Wettkampf der beiden Sehapparate begründet und 
entsprechen objektiven Vorgängen in unserer Netzhaut Sobald 
die von Herrn Blondlot beobachteten Phänomene auch durch 
objektive Meßinstrumente einwandsfrei nachgewiesen sein werden, 
ist natürlich die liier gegebene Darlegung nur noch von sekundärer 
Bedeutung für die w-Strahlen. 



423 



tfber ä4e Pho9phore9Z€n»^ 

erreftunff durch langsame Kathodenstrahlen; 

von A. WehnelU 

(Vorgelegt in der Sitzung vom 27. Noyember 1908.) 
(Vgl oben S. 416.) 



In einer Abhandlung ^Über die Beobachtung langsamer 
Kathodenstrahlen mit Hilfe der Phosphoreszenz" teilt Herr 
P. Lenard^) mit, daß Kathodenstrahlen unter einem bestimmten, 
für yerschiedene phosphoreszierende Substanzen yerschiedenen 
Werte der Geschwindigkeit (der Schwellengeschwindigkeit) keine 
Phosphoreszenz zu erregen yermögen, wie groß auch ihre „Strahl- 
dichte", d. h. die in der Sekunde durch die Einheit des Quer- 
schnittes bewegte Elektrizitätsmenge, sei. 

In einer Tabelle 3), in der die Schwellengeschwindigkeit (aus- 
gedrückt durch die von den Kathodenstrahlen durchlaufenen 
Potentialdifferenzen) vieler phosphoreszierender Substanzen auf- 
geführt sind, ist für Thüringer Glas die 6000 Volt entsprechende 
Geschwindigkeit als niedrigste Fluoreszenz erregende Geschwindig- 
keit mitgeteilt. 

In einer vor kurzem erschienenen vorläufigen Mitteilung „TTber 
Kathodenstrahlen an glühenden Kathoden" >) teilte ich mit, daß 
Kathodenstrahlen von sehr niedrigen Geschwindigkeiten (ent- 
sprechend 300 Volt und weniger) helle Fluoreszenz auf Thüringer 
Glas zu erregen vermögen. Da es nach den Lenard sehen Ver- 
suchen scheinen könnte, als ob meine Beobachtung über Fluoreszenz 
unrichtig wäre, so habe ich einige Substanzen Kathodenstrahlen 
mit niedrigen Geschwindigkeiten ausgesetzt, um die untere Grenze 
der Fluoreszenzerregungsfähigkeit der von mir verwandten Strahlen 
festzustellen, wobei ich besonders darauf achtete, daß die Fluoreszenz 



») P. Lbwabd, Ann. d. Phya. (4) 12, 466, 1903. 

^ Ebenda, S. 469. 

") A. Wehublt, Verhandl. d. D. phys. Ges. 5, 257, 1903. 



424 Verhdl. d. DeutBchen Physik. Gesellsch. vom 27. Nov. 1905. [Nr. 23. 

sofort ohne merkliche zeitliche Verzögerung i) beim Auftreffen der 
Eathodenstrahlen auftrat 

Folgende Tabelle I enthält die Versuchsergebnisse: 

Tabelle I. 



Unterauchte Substanz 


Spannungsgrenze der 

Fluoreszenz 
für meine Strahlen 


Schwellenwert 
^ nach Lbnabd 


Thüringer Glas 

BALMAiNsche Leucht- 
farbe 

Zn8 


etwa 260 Volt 

« 300 , 
» 146 , 
» 670 „ 


etwa 6000 Volt 
« 1700 „ 


Uranglas ... 


, 6800 „ 



Da nicht alles fremde Licht von den fluoreszierenden Sub- 
stanzen femgehalten werden konnte, so liegt wohl der wahre 
Beginn der Fluoreszenz für die von mir verwandten Kathoden- 
strahlen bei noch niedrigeren Potentialen. 

Die Versuche zeigen jedenfalls, daß die von Herrn Lenard an- 
gegebenen Schwellengeschwindigkeiten keine allgemeine Gültigkeit 
haben, sondern sich nur auf seine äußerst geringe Elektrizitäts- 
mengen transportierenden Strahlen beziehen. Wahrscheinlicher ist 
wohl, daß die erregte Fluoreszenzhelligkeit (H) proportional der 
Energie der Kathodenstrahlen (Vs^^O ^^^ Unterhalb eines be- 
stimmten Wertes der Energie wird dann die Fluoreszenz nelleicht 
verschwinden, oder so schwach werden, daß sie für unser Auge nicht 
mehr wahrnehmbar ist, es wird also für die Fluoreszenzerregong 
vielleicht einen Schwellenwert der Energie, aber nicht der Ge- 
schwindigkeit geben. 

Da die Energie mit dem Quadrat der Geschwindigkeit wächst, 
wird man bei schnellen Kathodenstrahlen mit sehr kleinen, bei 
langsamen Strahlen hingegen nur mit sehr großen Elektrizitäts- 
mengen wahrnehmbare Fluoreszenz erhalten. 

Die Strahldichte, die Herr Lenard >) anwendet, ist außer- 
ordentlich gering, nämlich nur 

0,57 . 10-10 CouL/sec-cm«. 

') Vgl. P. Lbnaed, Ann. d. Phys. (4) 12, 466, 467, 1903. 
*) Vgl. P. Lbkabd, Ann. d. Phys. (4) 12, 470, 1903. 



Nr. 28.J 



A. Wehnelt. 



425 



Um die Striihldichte bei den Yon mir rerwandten Kathoden- 
strahlen zu bestimmen, fing ich dieselben in einem Farad at sehen 
Zylinder aul Die Strahlen worden erzeugt Ton einer 20 plattigen 
Influenzmaschine, die einen konstanten Strom Ton 0,35.10~~'Amp. 
gab. Folgende Tabelle II gibt die bei verschiedenen Potentialen 
Ton den Strahlen mitgeführten Ladungen. 

Tabelle 11. 



Druck 




f 




in mm Hg 


Volt 


in 10— »Amp. 


Ck)cil./B6o.-om* 


0,03 


78,5 


0,009 


0,046. 1(HB 


0,024 


107 


0,245 


1,24 .10-8 


0,021 


110 


0,26 


1,32 .10-8 


0,019 


165 


0,305 


1,55 .10-8 


0,025 


199 


0,32 


1,62 .10-8 


0,027 


207 


0,34 


1,72 .10-8 


ojm 


215 


0,34») 


1,72 .10-8 


0,022 


227 


0,34») 


1,72 .10-^ 


0,026 


300 


0,305 


1,55 .10-8 


0,028 


310 


0,305 • 


1,55 .10-8 


0,014 


500 


0,296 


1,52 .10-3 


0,016 


700 


0,26 


1,32 .10-8 


0,022 


900 


0,197 


1,08 .10-8 


0,019 


1100 


0,192 


0,98 .10-8 


0,020 


1500 


1.165 


0,84 .10-8 



In der ersten Spalte der Tabelle 11 stehen die Drucke, in 
der zweiten die von den Kathodenstrahlen frei durchlaufenen 
Potentialdifferenzen, in der dritten Spalte die mitgeführten Elek- 
trizitätsmengen und in der vierten die Strahldichten (CouL/sec-cm»). 
Das Diaphragma, durch das die Strahlen in den Faraday sehen 



») Diese Yersache bestätigen das Resultat von Herrn Leininoeb (Disser- 
tation. Würzbarg, 1902), daß die Kathodenstrahlen bis zu 100 Proz. des er- 
zeugenden Stromes führen können, d. h. daß sie unter gewissen Bedingungen 
die Bahn des Stromes selbst darstellen. Letzteres folgt auch aus früheren 
Versuchen von Herrn E. Wiedemann, welche zeigten, daß bei Ablenkung 
von Kathodenstrahlen durch einen Magnet gegen die Rohrwand einer zylin- 
drischen Entladungsröhre das positive Licht stets zur Auftreffstelle der 
Kathodensti-ahlen wandert (E. Wiedemamn, Wied. Ann. 20, 780, 1883). Ob 
und wieweit man aber aus solchen Versuchen überhaupt auf die von den 
Kathodenstrahlen überhaupt mitgeführten Elektrizitätsmengen einen Schluß 
ziehen kann, bedarf einer eingehenderen Untersuchung. 



426 Verhdl. d. Deutschen Physik. GeseUsch. vom 27. Nov. 1908. [Nr. 23. 

Zylinder eintraten, hatte 5 mm Durchmesser. Bei kleinen Poten- 
tialen war das Kathodenstrahlenbündel diffus, so daß nicht alle 
Strahlen in den Zylinder gelangten. Bei mittleren Potentialen 
war das benutzte Strahlenbündel viel dünner als die Öffnung des 
Diaphragmas, so daß die Strahlen, ohne die Wände desselben zu 
streifen, in den Zylinder gelangten, die Strahldichte war also hier 
noch viel größer, als sie in der Tabelle aus dem Diaphragmen- 
durchmesser (5 mm) berechnet angegeben ist. Bei den höchsten 
Potentialen traten wiederum nicht sdle Strahlen in den Zylinder, 
die Strahldichte nimmt wieder ab. 

Wie man sieht, ist die von mir benutzte Strahldichte (rund 
10~' CouL/sec-cm') unvergleichlich viel größer, als die von Herrn 
Lenard benutzte und ich glaube daher, meine abweichenden Be- 
obachtungen auf die von mir oben erörterten Gründe zurückführen 
zu können. 

Eine eingehendere Beschreibung der Erzeugungsart dieser 
weichen Strahlen, sowie der mit ihnen angestellten Versuche ge- 
denke ich demnächst mitzuteilen. 

Erlangen, Physik. Inst. d. Univ., November 1903. 



Terlag yon Friedr. Yieweg & Sohn in Braunschweig. 



Neu erBchienen: 

Die Dissoziierung und Umwandlung 
chemischer Atome. 

Von 

Dr. Johannes Stark, 

Privatdozent an der Universität G'öttingen. 
Preis seh. M. 1.50. 



Die vorliegende Schrift gibt auf beschränktem Räume für den Physiker, 
Chemiker und jeden naturwissenschaftlich Interessierten die Prin- 
lipien der immer mehr an Boden gewinnenden lonentheorie, speziell der 
elektrischen Dissoziier.ung, und berichtet über die bahnbrechenden Unter- 
suchungen Rutherfords und Soddya über die Natur und Ursache der Radio- 
aktivität sowie über Ramsays und Soddys epochemachende Entdeckung der 
Umwandluog Ton Radium in Helium. Die Darstellung ist übersichtlich und 
gemeinverstündlich. 



= Zn beziehen durch alle Bnchhandliingreii* ^rz 



l Verlag von Gustav Fischer in Jena. 



Soeben erschien: 



\ Wissenschaft und Buchhandel. 

Zur Hbwebr. 

DemtKbrift der DeutscDen UeriegerMMiKr 

unter mitwirituitg | 

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beai'beitet von 



Dr. Karl TrUbtier, 

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dee med)ani9d>en Qlärmeaquivalented« 

preieliete über Neue Hpparate und VersuAe auf Verlangen. 

81^ Diesem Hefte ist beigegeben: Ein Prospekt der Verlagsbuch- 
handlung von B. 0. Teabner in Leipzig, betr. „Wissenschaftliche Werice'^ 



f903 Heft 24 

r — 

Berichte 

der 

Dentsehen PhysiJLaliscben 6esellscbaft 

enthaltend 

Yerhandlungen 

der Deutschen Physikalischen Gesellschaft 
Im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Scheel 

und 

Halbmonatliches Literaturyerzeichnis 

der „Fortschritte der Physik'^ dargestellt von der 
Deutschen Physikalischen Gesellschaft 

redigiert von 

Karl Scheel Richard Assmann 

Böine Physik Kosmische Physik 



Brannschwelg 

Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn 
19 3 



MoncUUch anoei Nummern, — Äbonnementspreis pro Jahrgang 6 Mark, — Zu beziehen 
durch aUe BuchhandltDigen und Postanstalten (Postzeitungsliste Nr. 1042 a) 



Inhalt. 



Seit« 

1. Verhandlungen der Deutsohen Physikalisolien GtoBellaohaft* 

Inhalt m 

Bericht über die Sitzung vom 11. Dezember 1903 427 

F. Kurlbaum und Günther Schulze, Pyrometrjsche Unter- 
suchungen an Nematlampen und Hohlkörpern aus Nernst- 
masse. (Vorgetragen in der Sitzung vom 11. Dezember 1903.) 428 

F. F. Martena, Über einen neuen Beleuchtungsmesser. (Vor- 
getragen in der Sitzung vom 23. September 1903.) 436 

Erich Marx, Zur Kenntnis der Flammenleitung. (Bemerkung 
zu der Arbeit des Herrn H. Starke.) (Vorgetragen in der 
Sitzung vom 11. Dezember 1903.) 441 

Mitgliederliste der Deutschen Physikalischen Gesellschaft .... 455 

Alpha>)etisches Namenregister zu Jahrgang 1 bis 5 (1899 bis 1903) 

der Verhandlungen der Deutschen Physikalischen Gesellschaft 463 

2. HalbmonatUohes Literaturveraeiolinis der FortBohritte der 

Physik. 

L Allgemeine Physik 391 

n. Akustik 394 

III. Physikalische Chemie 394 

IV. Elektrizität imd Magnetismus 397 

V. Optik des gesamten Spektrums 400 

VI. Warme 401 

Vn. Kosmische Physik 403 



Verhandlungen 



der 



Deutschen Physikalischen Gesellschaft 



Im Auftrage der Gesellschaft herausgegeben 

von 

Karl Scheel 

6. Jahrg. HO. Dezember 1908. Nr. 24. 

Sitzung Tom 11. Dezember 1908. 

Vorsitzender: Herr W. v. Bezold. 

Die SitzuDgstage der Gesellschaft werden für das Jahr 1904 
wie folgt festgesetzt: 

8. und 22. Januar, 3. und 17. Juni, 

5. und 19. Februar, I 1. Juli, 

4. und 18. März, i 14. und 28. Oktober, 
15. und 29. April, 11. und 25. November, 

13. Mai, 9. Dezember. 

Hr. F. Knrlbaum berichtet über: 
Pyrometrische Untersuchungen an Nernstlampen und 
Hohlkörpern aus Nernstmasse 

(nach gemeinsam mit Hrn. Günther Schulze angestellten Unter- 
suchungen). 

Hr. E. Marx spricht ferner: 

Zur Kenntnis der Flammenleitung 
(Bemerkung zu der Arbeit des Hm. Starke). 



428 



Pyrometrische Untersuchungen an Nemstlampen 

und Hohlkörpern aus Nemsttnasse; 

von F. JKurlbaum und Günther Schulze. 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 11. Dezember 1903.) 
(Vgl. oben S. 427.) 



Die Messung hoher Temperaturen ist durch die theoretischen 
und experimentellen Arbeiten auf dem Strahlungsgebiete inner- 
halb des letzten Jahrzehnts außerordentlich gefördert Auf Grund 
dieser Arbeiten sind optische Pyrometer konstruiert, welche auch 
die höchsten Temperaturen leicht und schnell zu messen gestatten. 

Die wesentlichste Grundlage für diese Apparate bildet die 
Wien-Planck sehe Formel in der für pyrometrische Zwecke be- 
quemen Gestalt: 

loa ^^ — J^U^ — M 

wobei Jo und J\ die bei den absoluten Temperaturen T^ Und Tj 
vorhandenen Strahlungsintensitäten für die Wellenlänge k be- 
deuten, während c im sichtbaren Gebiete stets gleich 14 500 ist 

Auch bei Elektrikern und Chemikern hat das Vertrauen in 
derartige Messungen so zugenommen, daß Anfragen bei der Physi- 
kalisch-Technischen Reichsanstalt über die Temperatur einer ein- 
gesandten Glühlampe, sei es mit Kohle-, Nemst- öder Osmium- 
faden, nicht mehr ungewöhnlich sind. 

Da nun die obige Formel nur für schwarze Körper, d. h. für 
Körper mit dem größtmöglichen EmissionsveimÖgen gilt, so kann 
zunächst auch nur die Temperatur schwärzet Körper oder von 
Hohlräumen, die wie schwarze Körper strahlen, gemessen werden. 

Will man auch die Temperatur von Körpern mit unbekann- 
tem Emissionsvermögen angeben, so muß man eine neue Tem- 
peraturskala, die sogenannte schwarze Temperatur einführen. 

Als schwarze Temperatur eines Körpers ist diejenige Tem- 
peratur definiert, bei welcher für eine bestimmte Wellenlänge 



Nr. 24.] F. Kurlbaum und Günther Sobulze. 429 

der schwarze Körper die gleiche Strahlungsintensität besitzt, wie 
der untersuchte. 

Bestimmt man mit einem optischen Pyrometer i) die schwarze 
Temperatur der Nernstlampe, so findet man yerschiedene Tempe- 
raturen, je nachdem man mit rotem, grünem oder blauem Licht 
arbeitet Die Nernstlampe ist also jedenfalls nicht schwarz, sie 
könnte aber immerhin noch grau sein, d. h. für jede Temperatur 
und Wellenlänge den gleichen Bruchteil der Strahlung des schwarzen 
Körpers aussenden. 

Im folgenden möchten wir zeigen, daß die Nernstlampe auch 
nicht grau ist, sondern selektiv emittiert '). Dabei haben wir eine 
spektralphotometrische Methode benutzt, welche sehr einfach und 
für orientierende Versuche zu empfehlen ist, da sie einen großen 
Teil des Spektrums gleichzeitig photometrisch zu übersehen ge- 
stattet und relativ empfindlich ist. 

Auf den Spalt eines Spektrometers wird das Bild eines hori- 
zontalen Nemstfadens 3) geworfen, während unmittelbar hinter dem 
Faden ein schwarzer Körper steht, so daß auf dem Spalt zugleich 
das diffuse Bild des schwarzen Körpers erscheint. Man sieht da- 
her im Fernrohre das Spektrum des schwarzen Körpers, durch 
welches sich als schmales Band das Spektrum des Nemstfadens 
hindurchzieht. Die beiden Spektren berühren sich daher unmittel- 
bar und gestatten eine photometrische Vergleichung der Intensität 
gleicher Wellenlängen. 

Reguliert man nun die Temperatur der Nernstlampe so, daß 
im Grün die Lampe ebenso hell wie der schwarze Körper er- 
scheint, so ist die Lampe im Gelb und Rot, also bei längeren 
Wellenlängen, viel dunkler, aber auch bei kürzeren benachbarten 
Wellenlängen etwas dunkler, sie wird aber bei ganz kurzen Wellen- 
längen wieder heller. 

Der Nernstfaden hat also für gewisse Temperaturen im Grün 
eine selektive Emission. Von welchem Stoff dieselbe ausgeht und 



*) HoLBOBN und KuBLBAüM, Ann. d. Phye. (4) 10, 225—241, 1903. 

■) W. Nebnst und KBose, Phys. ZS. 1, 289—291, 1900; LeChatelikb 
et BouDOUABD, C. R. 126, 1861, 1898; Bunte, Ber. d. D. ehem. Ges. 31, 
7, 1898. 

■) Zum Schutz gegen Luftzug und fremdes Licht war die Nernstlampe 
von einer innen und außen geschwärzten HüUe umgeben, welche kleine Öff- 
nungen besaß. 



430 Verhdi. d. Deutschen Physik. Gesellsoh. vom 11. Dez. 1903. [Nr. 24. 

ob es sich dabei um reine Temperaturstrahlung handelt, darüber 
möchten wir uns heute noch nicht äußern. Es sei nur erwähnt, 
daß Erbium- und Didymoxyd bei Erhitzung ein Emissionsspektrum 
mit hellen Bändern geben, die mit den Absorptionsbändem der 
entsprechenden Lösungen identisch sein sollen i). 

Ersetzt man bei dem vorigen Versuch den schwarzen Körper 
durch ein Platinblech, so ist die Erscheinung ähnlich, wenn auch 
nicht so ausgesprochen. Der Nernstfaden zeigt auch hier größere 
Intensität der kürzeren Wellenlängen und geringere Intensität 
der längeren Wellenlängen. Da nun Platin, verglichen mit dem 
schwarzen Körper, einen ähnlichen Gang der Intensitäten zeigt 
wie der Nernstfaden, verglichen mit Platin, so liegt die Emission 
des Platins innerhalb des sichtbaren Spektralgebietes und der 
angewandten Temperaturen zwischen der Emission des schwarzen 
Körpers und der des Nemstfadens^). 

Die Eigentümlichkeit der Emission der Nernstlampe, welche 
hier am Spektrometer zu sehen ist, tritt auch deutlich hervor, 
wenn man den Versuch macht, eine Nernstlampe als schwarzen 
Körper zu eichen. 

Bekanntlich hat es große Schwierigkeiten, einen schwarzen 
Körper für sehr hohe Temperaturen herzustellen. Der von Lümmer 
und KuRLBAUM konstruierte, elektrisch geglühte schwarze Körper 
ist zwar, abgesehen von den Stromverhältnissen, bequem, er 
gestattet aber nur Temperaturen bis wenig über 1500° C herzu- 
stellen, da sich bei höherer Temperatur die benutzte Porzellau- 
masse durchbiegt. 

Lümmer und Pringsheim haben nun einen elektrisch geglühten 
Kohlekörper konstruiert, mit welchem sie eine Temperatur von un- 
gefähr 2000° C erreichen konnten , und zwar wurde diese Tempe- 
ratur übereinstimmend bei Benutzung der verschiedenen Strahlungs- 
gesetze gefunden. Der Kohlekörper besitzt jedoch keine lange 
Lebensdauer und bietet in der Handhabung Schwierigkeiten dar. 



^) Die beiden Stoffe bilden also eine Ausnahme von dem Satz, daß 
glühende feste Körper ein kontiuuierliches Spektrum geben. J. Bahb, Um- 
kehrung der Absorptionsatreifen im Erbinspektrum, Ann. Chem. u. Pharm. 
135, 376, 1865. 

*) Vgl. betreffs Silber und (told Holborn und Kurlbaum, Ann. d. Phys. 
(4) 10, 1>3'6 unten, 1903. 



Nr. 24.] F. Eurlbaum und Günther Schulze. 4SI 

Es ist deshalb bei häutiger wiederkehrenden Messungen sehr 
erwünscht, einen bequemen Ersatz für den schwarzen Körper bei 
hohen Temperaturen zu haben, und dies ist in folgender Weise 
möglich, da man die Temperaturskala, welche durch Extrapolation 
der Strahlungsgesetze gegeben ist, als sicher fundiert ansehen darf. 

Auf den Spalt des Spektrometers wird wieder gleichzeitig der 
Nemstfaden und der schwarze Körper, dessen Temperatur durch 
ein Thermoelement bekannt ist, projiziert i). Dann werden bei 
konstanter Temperatur des schwarzen Körpers diejenigen Strom- 
stärken der Nernstlampe bestimmt, bei welchen die Konturen des 
Fadens für verschiedene Wellenlängen auf dem spektralen Hinter- 
grund verschwinden. 

In dieser Weise sind die nachstehenden Kurven in Fig. 1 (a. f. S.) 
bei den Temperaturen des schwarzen Körpers 1090, 1187, 1286 
und 1434® C gefunden, indem horizontal die Wellenlänge, vertikal 
der Lampenstrom aufgetragen wurde. Man sieht deutlich, wie die 
Kurven bei der Wellenlänge 0,52 fi einen Sattel haben, dessen 
Tiefe mit steigender Temperatur abnimmt. Bei den höheren 
Temperaturen, die zuerst untersucht wurden, verschwindet der 
Sattel immer mehr, so daß sein Auftreten zunächst als Messungs- 
fehler betrachtet wurde. Die Einsenkung erschien aber beim 
Variieren der Versuchsanordnung, beim Arbeiten mit Prisma und 
Gitter mit wechselndem Einfallswinkel stets wieder. 

Die gewonnenen Beobachtungsresultate können aber auch für 
eine konstante Wellenlänge durch eine Kurve dargestellt werden, 
indem man horizontal die Temperatur und vertikal die Strom- 
stärke aufträgt, so daß die Nernstlampe für die betreffende Wellen- 
länge als schwarzer Körper geeicht erscheint. 

Die Temperaturen, welche über löOO^ C liegen, wurden in 
folgender Weise bestimmt. Eine geeichte Lampe wurde bei be- 
kannter Temperatur, ungefähr löOO^C, auf eine andere ungeeichte 
Nernstlampe projiziert, dann beide auf den Spalt, so daß die eine 
Lampe die andere zur Hälfte bedeckte. Darauf wurde die Grenz- 



*) Es wird vorteilhaft zunächst der schwarze Körper auf die Nernst- 
lampe projiziert uud dann werden beide auf den Spalt projiziert, wobei der 
Eänfloü der reflektierenden Linse auf die Helligkeit des schwarzen Körpers 
and eine etwaige Erwärmung des Nemstfadens durch das Bild des schwarzen 
Körpers zu berdcksiohtigen ist. 



432 Verhdl. d. Deutschen Physik. GeseÜBch. vom 11. Dez. 1903. [Nr. 24. 



kante beider Lampen für eine bestimmte Wellenlänge zum Ver- 
schwinden gebracht, indem man den Strom in der ungeeichten 
Lampe variierte. Diese Einstellung auf gleiche Helligkeit wird 
nun einerseits durch Einschaltung eines rotierenden Sektors zwischen 
beiden Lampen gestört, andererseits aber durch Erhöhung der 
Stromstärke in der geeichten Nernstlampe wieder hergestellt. 

Milli-Amp. ^^«' 1- 

100- 




0,70 0,65 

Vertikal ■' Lampenstrom 
Horizontal '. Wellenlänge 



0,40 ju. 



Aus der bekannten Lichtschwächung des Sektors erhält man 
mit Hilfe obiger Formel die unbekannte schwarze Temperatur der 
Nernstlampe, welche dem gemessenen Lampenstrom entspricht 

Auf diese Weise erhält man eine für verschiedene Wellen- 
längen als schwarzer Körper geeichte Nernstlampe, welche für 
manche Versuche als Ersatz des schwarzen Körpers gelten kann. 



Nr. 24.] F. Kurlbaum und Günther Schulze. 433 

Die Lampe bietet den Vorteil, .daß sie leicht zu handhaben ist, 
wenig Strom verbraucht und schnell hintereinander auf Tempe- 
raturen bis zu 21500 C gebracht werden kann. 

Der Nachteil der Lampe besteht dariu, daß sie auch nur eine 
begrenzte Lebensdauer besitzt und wegen einer möglichen Ände- 
rung wiederholt geeicht werden muß. Diese Eichungen haben je- 
doch ergeben, daß die hier verwandten Nemstlampen, welche nach 
Probebelastungen unter vielen ausgesucht waren, trotz häufiger 
Benutzung innerhalb mehrerer Monate sich kaum geändert hatten. 

Über die wahre Temperatur der Nemstlampe ist hiermit 
natürlich noch nichts bekannt, doch sind Versuche auch hierüber 
im Gange. Der Widerstand der Nemstlampe wird hierbei einer- 
seits gemessen, während sie brennt, andererseits während sie sich 
stromlos mit zwei symmetrisch angeordneten Thermoelementen in 
einem elektrisch geheizten Platinzylinder befindet. Die Messung 
der Temperatur durch den Widerstand ist allerdings mit einer er- 
beblichen Fehlerquelle behaftet, da die Temperaturverteilung an 
den Enden der Nemstlampe in beiden Fällen sehr verschieden ist. 
Up die Größe des Fehlers herabzudrücken, haben wir uns einen 
möglichst langen Nemstfaden verschafft, dessen Widerstand mit 
dem kürzerer Fäden verglichen werden soll. 

Wäre die wahre Temperatur der Nemstlampe bekannt, so wäre 
damit auch das Emissionsvermögen in bezug auf den schwarzen 
Körper bekannt. 

Um auch ohne Kenntnis der wahren Temperatur der Nemst- 
lampe einen ungefähren Überblick über die Eigenschaften derselben 
geben zu können, haben wir willkürlich das Emissionsvermögen 
für rotes Licht, k = 0,671 fi, für alle Temperaturen gleich 100 
und die schwarze Temperatur gleich der wahren gesetzt. 

Unter diesen beiden willkürlichen Festsetzungen sind die nach- 
stehenden Kurven (Fig. 2 a. f. S.) gezeichnet, indem horizontal die 
Wellenlängen aufgetragen sind und für rotes Licht eine Gerade 
im Abstände 100 von der Abszissenachse gezogen ist. Ferner ist 
vertikal das Emissionsvermögen aufgetragen, welches sich aus den 
zu den anderen Wellenlängen gehörigen schwarzen Temperaturen 
nach obiger Formel ergibt. 

Wenn auch durch den willkürlichen Maßstab die Darstellung 
stark verzerrt sein mag, so leuchtet doch ein, daß das Emissions- 



434 Verhdl. d. Deutschen Physik. GeseUech. vom 11. Dez. 1903. [Nr. 24. 



vermögen des Nernstfadens von dem des schwarzen Körpers sehr 
verschieden ist. 

Es könnte nun scheinen, daß die Nernstmasse aus diesem 
Grunde zur Herstellung eines schwarzen Hohlkörpers nicht ge- 
eignet ist. 

Wie man sieht, verschwinden aber die Unterschiede in der 
Emission der Nernstmasse und des schwarzen Körpers immer mehr, 
je höher die Temperatur wird. 

Fig. 2. 
600- 



500 



400 



300 



200 



100 



V 


















\ 


















\ 


\ 






■ 












N 


\ 
















A=0,689 


— 




::r: 




■ . 








A=0,671 

















1100° 



1300" 



1500" 



1700' 



1900" 2000" C 



Horizontal : Temperatur 
Vertikal : Intensität 



Durch die Freundlichkeit der Allgemeinen Elektrizitätsgesell- 
schaft haben wir einen Hohlzylinder aus Nernstmasse erhalten, 
dessen Länge 22 cm und dessen lichte Weite 1,3 cm beträgt 

Der Körper befindet sich, in Zirkonoxyd gebettet, in einem 
eisernen Zylinder. Bei 1930 o C gebraucht der Körper 99 Volt 
und 7,68 Ampere. 

Die von den inneren Wandungen des Nemstzylinders aus- 
tretende Strahlung ist schon von 1400® C ab schwarz im optischen 
Gebiete, da das optische Pyrometer für rote, grüne und blaue 
Strahlung die gleiche Temperatur anzeigt. Dies gilt um so mehr 
für höhere Temperaturen. 



Nr. 24.] F. Kurlbaum und Günther Schulze. 435 

Während also die Emission der Nemstmasse als strahlende 
Oberfläche nicht schwarz ist, wird sie durch die im Inneren des 
Zylinders hinzukommende Reflexion schwarz. 

Das gleiche Resultat wurde erhalten, wenn man in die Mitte 
des Nemstzylinders einen Stempel aus schlecht leitender Substanz, 
in diesem Fall aus Zirkonoxyd, einschob. Der Stempel bestand 
aus zwei dünnen kreisförmigen Platten, welche durch eine dünne 
Querstange verbunden waren. Der Körper ist seit einem halben 
Jahr mehrfach in Gebrauch gewesen und verträgt Temperaturen 
bis 20300 C. 

In der letzten Zeit hat er sich allmählich schwach durch- 
gebogen, so daß der Zylinder kaum noch eine gerade Durchsicht 
gestattet. 

Ob die Messung der Gesamtstrahlung des Hohlzylinders unter 
Benutzung des Stefan sehen Gesetzes die gleiche Temperatur wie 
das . optische Pyrometer ergeben würde , haben wir noch nicht 
untersucht. 



436 



ifber einen neuen JBeleucJitungsmesser ; 
von F, F. Martens. 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 23. September 1903.) 
(Vgl. oben 8. 292.) 



§ 1. Der nachstehend beschriebene Apparat ermöglicht es, die 
Beleuchtung eines Platzes schnell und ohne Rechnung zu 
finden; um diesen Zweck zu erfüllen, hat derselbe folgende Ein- 
richtung erhalten. 

Als Vergleichslichtquelle dient eine Benzinkerze {B in Figg. 1 
und 2) von 20mm Flammenhöhe; letztere wird durch Drehen der 
Lampe eingestellt und durch ein Visier kontrolliert. 



Fig. 1. 




Die Schwächungsvorrichtung beruht auf dem Entfernungs- 
gesetz. Ein Milchglas m (Fig. 1) wird von der Benzinkerze B 
nach Reflexion der Strahlen an den Spiegeln Si und Sa beleuchtet 
Die Weglänge der Strahlen zwischen B und m sei fj. Wird das 
Spiegelsystem um die Strecke d nach rechts verschoben, so ist 
die Weglänge ra =r r^ -|- 2 d. Die Entfernungen Vi und r^ können 
an einer in Millimeter geteilten Skala abgelesen werden, und sind 



Nr. 24.] 



F. F. MartenB. 



437 



immer in Zentimetern anzugeben, 
auf m hervorruft, ist gleich 

Konst 



bzw. 



Die Beleuchtung, welche B 



Konst. 



Die GipsiBiäche F wird in die Ebene gebracht, deren Be- 
leuchtung gemessen werden soll. Die von F ausgehenden Strahlen 
(s. Fig. 2) treten in die obere Öffnung h des schräg liegenden 
Beobachtungsrohres ein, während die untere Öffnung a von den 

Fig. 2. 




Strahlen der Benzinkerze durch das Milchglas m und Reflexions- 
prisma p hindurch Licht erhält. Die beiden Lichtbündel durch- 
laufen nun das Zwillingsprisma Z mit den beiden Hälften 1 und 2 
und gelangen schließlich durch eine Blende ins Auge. Das eine 
Lichtbündel beleuchtet die Hälfte 1, das andere die Hälfte 2 des 
Zwillingsprismas; die Trennungslinie der beiden Vergleichsfelder 
wird vom Auge scharf gesehen. Der Beobachter ändert 
nun die Stellung des Spiegelsystems SjSj, bis die Ver- 
gleichsfelder 1 und 2 gleich hell erscheinen. 



438 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 23. Sept. 1903. [Nr. 24. 

Durch Verschieben des Spiegelsystems kann der Abstand r 
von 9 bis 32 cm variiert werden. Um den Meßbereich zu ver- 
größern, kann ein Rauchglas g^^ entweder vor die Öffnung a, oder 
vor die Öffnung b geschlagen oder ganz aus dem Strahlengange 
entfernt werden; die Stellung wird durch einen kleinen Zeiger 
angegeben, der bzw. auf Ci, Cz oder Ca zeigt. Wird außer dem 
Rauchglas g^ noch ein weiteres Rauchglas vor die Öffnung h 
gebracht!) und dadurch in den Gang der von F kommenden 
Strahlen eingeschaltet, dann ist die Konstante C^ zu benutzen. 
Je nach der Konstante, auf die man eingestellt hat, findet man 
die Beleuchtung E der Fläche F aus der Formel 

E = ^ bzw. % bzw. -% bzw. ^ • • ■ (1) 

Um die Konstanten zu bestimmen, wurde senkrecht über dem 
Gipsschirm F in der Entfernung Em eine Glühlampe angebracht, 
deren Lichstärke ^ HK betrug. Die Beleuchtung auf F ist dann 

| = ^;alsoC = i^(^y (2) 

Nach Formel (1) ist dann eine Tabelle berechnet, welche aus 
den abgelesenen Werten r für jede eingestellte Konstante die Be- 
leuchtung E abzulesen gestattet. 



I Ci r= 209 



C^ = 1350 



Cs = 8850 ! G^ = 44400 



9 cm ' 2,58 MK. 

10 „ ' 2,09 „ 

11 » 1,73 „ 
32 „ I 0,204 „ 



16,7 MK. 109,0 MK. 548 MK. 

13,5 „ 88,5 „ i 444 

11,2 „ 73,2 „ 367 

1,32 „ 8,65 „ 43,4 



Um die photometrische Messung auch dann ausführen zu 
können, wenn F mit Licht beleuchtet ist, dessen Färbung von der 
der Vergleichslichtquelle stark abweicht, wird das Weber sehe 
Verfahren eingeschlagen (s. diese Verh. 5, 155, 1903). Die Blende 
D des Rohres B kann mit einem roten oder grünen Glase be- 
deckt werden. Ist JR das Resultat bei rotem, G das bei grünem 



^) Das ursprÜDglich für diesen Zweck vorgesehene Rauchglas g^ gab 
zu Reflexen Veranlass ang und mußte deshalb verworfen werden. 



Kr. 24.] F. F. Martens. 439 

Glase, so bildet man G ü, sucht man in der Weber sehen Tabelle 
den hierfür geltenden Faktor /t auf, und findet als Resultat 

E = fc.iJ. 
Für eine Reihe von Lichtquellen wurde der Färbungsgrad G/R 
ermittelt. 



G/R 



Hg-Lampe nach Hewitt ! 13 — 

Tageslicht (bedeckter Himiuel) . . i 4,5 2,47 

AüER-Lampe |' 2,9 1,99 

Bogenlampe 2,6 1,88 

NERNST-Lampe 1,6 1,40 

Elektrische Glühlampe 1,4 1,28 

Talglicht 1,2 1,15 

Petroleumlampe 1,06 i 1,07 

§ 2. Nach einer kleinen Änderung kann das Photometer zur 
Messung von Lichtstärken eingerichtet werden. Man braucht 
(s. Fig. 2) nur eine vertikale Milchglasplatte außen vor die Öffnung 
zu stellen, durch welche die von F kommenden Strahlen in den 
Photometerkasten eintreten. 

Ein horizontales kurzes Rohr schützt das Milchglas vor dem 
von F reflektierten Lichte. Man findet die Lichtstärke der unter- 
suchten Lampe 

j=?:r W 

Wurde eine Hefnerlampe in der Entfernung R = 0,408 m 
aufgestellt, während auf die Konstante C2 eingestellt war, so war 
bei r = 23,8 cm gleiche Helligkeit der Vergleichsfelder vorhanden; 
also ist a = 3400. Die gesamten Konstanten sind: 
Gl C2 Cs C/4 

525 3400 22200 111200. 

Wird der Abstand der zu untersuchenden Lichtquelle vom 
Milchglase R = 0,630 m gewählt, so kann man die Lichtstärke 
direkt der obigen Beleuchtuugstabelle entnehmen; ist R = 2 m, 
so hat man die für die Beleuchtung angegebenen Zahlen mit 10 
zu multiplizieren, um die Lichtstärke zu finden. 

§ 3. Zum Schlüsse seien dem Verfasser einige Bemerkungen 
gestattet in bezug auf die photometrische Untersuchung einer Schule. 



440 Verhdl. d. Deutachen Physik. Gesellsoll, vom 23. Sept. 1903. [Nr. 24. 

Es erscheint zweckmäßig, durch den Apparat hindurch in 
derselben Richtung auf die Gipsplatte F zu blicken, wie bei der 
wirklichen Benutzung des Platzes der Schüler auf sein Buch. Nur 
so ermittelt man wirklich das Licht, welches der Schüler ins Auge 
bekommt. 

Die Messung in den einzelnen -Schulzimmern sollte femer bei 
vollständig bedecktem Himmel vorgenommen werden. So erhält 
man die Verteilung der Helligkeit im Schulzimmer. Schulen in ver- 
schiedenen Städten würde man hiernach nicht ohne weiteres mit- 
einander vergleichen können, weil die Helligkeit des Himmels bei 
den Messungen eine ganz verschiedene gewesen sein kann. Die 
Messungen in den Innenräumen werden erst dann vergleichbar, 
wenn man gleichzeitig etwa auf dem Dache der Schulgebäude die 
Beleuchtung gemessen hat. Erst dann kann man die Beleuchtung 
des Schulzimmers als reine Eigenschaft seiner Bauart und un- 
abhängig von der Helligkeit des Himmels, die zufällig während 
der Messungen herrschte, angeben. 

Berlin, Physikalisches Institut der Universität, Dez. 1903. 



441 



Zur Kenntnis der Flammenleitung 

(Bemerkung zu der Arbeit des Herrn H. Starke); 
van Erich Marx. 

(Vorgetragen in dei? Sitzung vom 11. Dezember 1903.) 
(Vgl. oben S. 427.) 



In seinem Vortrage „Über den Potentialverlauf bei der 
Elektrizitätsleitung durch Gase, insbesondere der Flammenleitung", 
werden von Herrn Starke *) experimentelle Bestimmungen des 
Potentialverlaufes beschrieben für den Fall der unsymmetrischen 
Ionisation. Die Methodik der Starke sehen Untersuchung, ihre 
Theorie und die Hervorhebung ihres Anwendungsbereiches auf 
alle Fälle äußerer lonisationsquellen ist von Rutherford *) und 
Child ') vor zwei Jahren gegeben und vielfach verwendet worden. 
Auch haben elementare Darstellungen (Riecke, Experimental- 
physik 2, 364) für ihre Verbreitung Sorge getragen. 

Für den Fall der Flammenleitung wurden von Herrn H. A. 
Wilson *) und dem Vortragenden *) Messungen des Potential- 
verlaufes gemacht, und es wurde aus den Potentialkurven auf die 
Natur der Flammenleitung geschlossen und das Resultat erhalten, 
daß neben der Oberflächendissoziation, deren Existenz Herr Wilson 
zeigte, auch Volumendissoziation stattfindet, und daß diese in ge- 
wissen Fällen bedeutend die erste Art der Dissoziation überragen 
kann. Wie hier die Diskussion über die Potentialkurven zu 
führen ist und schon früher geführt wurde, dies hat Herr Starke 
in seinem Vortrage ausgeführt. — Herr Starke befindet sich 
auch hier in Übereinstimmung mit schon vorhandenen Ergeb- 
nissen anderer Forscher. 



H. Stabke, Verb. d. D. Pbys. Ges. 5, 372, 1903. 

*) E. RuTHERPORD, PhiL Mag. (6) 2, 224, 1901. 

») C. D. Child, Phys. Rev. 12, 65, 1901. 

^) H. A. Wilson, Phil. Trans. London (A) 193, 499, 1899. 

*) E. Marx, Ann. d. Phys. (4) 2, 768, 1900. 



442 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 11. Dez. 1903. [Nr. 24. 

1. Ich komme nun zu dem Falle, in welchem dies nicht 
mehr statt hat. Und zwar ist dies die Frage der Abhängigkeit 
der lonenerzeugung in der Flamme von der Temperatur. 

Daß die Erzeugung der negativen Ionen in der Flamme 
von der Temperatur der Kathode abhängt, das war längst be- 
kannt und ist so augenfällig, daß es gleich in den ersten Arbeiten 
in diesem Gebiete von Hittorf i) festgestellt wurde. Es wurde 
zu gleicher Zeit auch die bekannteste Erscheinung der Flammen- 
leitung entdeckt, die sogenannte negative unipolare Leitung. 

Hittorf zeigte , daß in der Flamme für Potentialdifferenzen, 
die über dem Bruchteil von einem Volt liegen, der Wert des Stromes 
unabhängig von Temperatur und Ort der Anode in der Flamme 
ist, daß er nur abhängt von Lage und Beschaffenheit der Kathode. 
Trotz dieser Einflußlosigkeit der Anode, deren Nachweis für 
den beschriebenen Fall sich an Hittürfs Namen knüpft, hat 
zuerst Herr H. A. Wilson auf Grund seiner Experimente und 
nachher der Vortragende aus der mathematischen Diskussion 
seiner Potentialkurven den Schluß gezogen, daß die lonenproduk- 
tion in der Flamme nicht nur Funktion der Temperatur der 
Kathode, sondern auch der der Anode ist. Dieser Ansicht 
haben sich die Herren J. Stark 2) und J. J. Thomson s) in ihren 
Werken angeschlossen. 

2. Sowohl Herr H. A. Wilson wie der Vortragende haben 
Experimentalanordnungen verwendet, bei denen gleichzeitig zwei 
Parameter, Temperatur und Elektrodenentfernung variiert wurden ; 
es ist klar, daß, um Schlüsse über die Abhängigkeit der Er- 
scheinungen von nur einem der Parameter zu ziehen, die Einfluß- 
losigkeit des anderen zuvor erwiesen werden mußte. — Herr Starke 
hat übersehen, daß dieser Beweis erbracht ist; daraus erklärt sich 
der erste Teil seiner Ausführungen. — Der zweite Teil derselben 
(c. f. unten), die Bemerkung über die Anordnung bei der Halleffekt- 
messung, ist erledigt, sobald die Haltlosigkeit des ersten Teiles 
erwiesen ist. Wie hinfällig aber Herrn Starkes Kritik auch hier 
ist, soll unabhängig aus Messungen gezeigt werden, die imstande 



') Hittorf, Pogg. Ann. 136, 197, 1869; Jubelband S. 4S0, 1874. 
*) J. Stark, Elektr. in Gasen, S. 159. 

") J. J. Thomson, Conduction of Electricity through Gazes. Gambr. 
Univ. Press. 1903, S. 190, 205 ff. 



Nr. 24.] Erich Marx. 443 

sind, nicht nur prinzipiell, sondern zahlenmäßig den Genauig- 
keitsgrad der kritisierten Arbeit anzugeben. Diese Messungen 
sind der Arbeit des Herrn Moreaü entnommen; sie ist, ohne Über- 
treibung sei es gesagt, für die Physik der Flamme fundamental, 
luid sie ist es dank einer Gesetzmäßigkeit, die klar und deutlich 
zuerst in der Halleffektarbeit gefunden und ausgesprochen war. 
Die theoretische einfache Deutung ist dem Vortragenden seinerzeit 
entgangen, aber zugeben wird, wie ich glaube, am Schlüsse des 
Vortrages auch Herr Kollege Starke, daß seine experimentellen 
Bedenken hier zahlenmäßig widerlegt sind. 

Herr Starke sagt: „... Diesen Übergang des größten Potential- 
gefälles von der Kathode zur Anode beim Entfernen der Anode 
aus der Flamme hat bereits Herr E. Marx (L c.) festgestellt, 
aber ihn fälschlich als durch die Temperatur der Anode bedingt 
angesehen, welche bei dem Herausnehmen aus der Flamme natür- 
lich sinkt. Daß die Anodentemperatur hier gar nicht mitspielt, 
davon kann man sich leicht überzeugen, indem man als Anode 
dünne Drähte, welche in der Flamme hell glühen, oder dickere 
Metallstücke nimmt, welche gar nicht ins Glühen kommen. So- 
bald sich beide Elektroden in der Flamme befinden, zeigt sich 
dabei kein Unterschied, weder im Potentialverlauf, noch im Strom, 
der durch die Flamme fließt. Die Erscheinung kann mithin nicht 
auf die Anodentemperatur zurückzuführen sein. Sie ist vielmehr 
lediglich dadurch veranlaßt, daß die Art der Leitung eine voll- 
ständig andere wird, sobald eine Elektrode aus der Flamme 
herausrückt. Herr Marx hätte die Anodentemperatur nicht da- 
durch geringer machen dürfen, daß er die Flammenhöhe regulierte, 
bis das Anodendrahtnetz nur noch schwach rot glüht; dadurch 
rückt die Anode ja aus der Flamme heraus! Dann haben wir 
aber nichts anderes vor uns als den Fall, welcher in seiner ein- 
fachen, berechenbaren Form — zwei Platten, an deren einer eine 
Flamme entlang streicht — unter Nr. 3 behandelt ist. 

Die irrtümliche Meinung, die Anodentemperatur habe Einfluß 
auf die Leitung in der Flamme, findet sich auf Grund der Marx- 
schen Messungen mehrfach in der Literatur wieder. Deshalb 
betone ich besonders die vollständige Einflußlosigkeit der Anode 
sowohl bei der Leitung in der reinen Bunsenflamme wie in der 
salzerfüllten Flamme. Sobald die Anode nicht im eigentlichen 



444 Verhdl. d. Deutschen Physik. GeselUch. vom 11. Dez. 1908. [Nr. 24. 

Vlammeiikegel sich beünclet, hat man yoUständig uureine Ver- 
NsUchsbediDgungen , ein Gemisch zweier ganz verschiedener Arten 
v6n Leitung. Die Erörterungen , welche in der Abhandlung des 
Hdrrn Marx an den Einfluß der Anodentemperatur sich lehnen, 
bedürfen somit der Korrektion; ebenso muß das Mittel, für die 
Messung des Halleffekts die Flamme so zu regulieren, daß die 
Ano^e nur schwach rot glüht, und dadurch an der Stelle der 
Hallelektroden ein Gefälle zu förzieren, bedenklich erscheinen — " 

3. Soweit Herr Starke. Das Experiment, das Herr Starke 
hier anführt, ist nicht ein Starke sches Experiment, es ist das 
Experiment, das bereits erwähnt wurde, das der englische Meister 
in seinem prächtigen Werk als „the old experiment of Hittorf" 
bezeichnet hat Wir halten es aber aus dem trivialen Grunde 
nicht für beweisend für die Frage der lonenerzeugung in der 
Flamme, weil eine Größe, die als integrierender Bestandteil von 
der dritten Größenordnung ist, auch dann noch außerhalb des 
Beobachtungsbereiches fällt, wenn sie zweiter Ordnung wird, wir 
aber bereits die zweite Ordnung nicht mehr beobachten können. 

Sobald zwei Elektroden in der Flamme sind, und es liegt 
mehr als der Bruchteil von einem Volt an den Elektroden, so 
entsteht ein Potentialgefälle an der Kathode, das das Vieltausend- 
fache des Gefälles an der Anode ist. Die negativen Ionen wan- 
dern im Gefälle Eins im Mittel (Konzentration!) zehnmal schneller 
als die positiven. Der Strom setzt sich additiv aus beiden lonen- 
gesch windigkeiten zusammen; betrug, um den Fall zu fixieren, das 
Gefälle an der Kathode das lO*^ fache desjenigen der Anode, so 
ist der integrierende Bestandteil der negativen Ionen in bezug 
auf den Strom (von Beschleunigungen abgesehen) das 10^ fache 
des positiven; bei einer Genauigkeit der Strommessung von 
0,1 Prom. kann sich also die positive lonenproduktion um das 
1000 fache ändern, ohne bemerkbar zu werden. 

Bei einer Experimentalanordnung, bei der eben der Strom 
keine Funktion der Anzahl der positiven Ionen ist, kann man 
natürlich auch bei Änderung der Anzahl keinen Einfluß erwarten. 

4. Nun aber gibt es Mittel, die Experimentalanordnung so 
zu treffen, daß der Strom eine Funktion der Anzahl der ihn mit- 
tragenden positiven Ionen wird , und zwar ist eines dieser Mittel 
das zuerst von Herrn H. A. Wilson und nachher zu anderem 



Nr. 24.J 



Erich Marx. 



445 



Zwecke von mir benutzte. Sowie man die Elektrodenentfernung 
zweier übereinander liegender Elektroden ändert, werden die 
poBitiyen Ionen von Einfluü. Hierbei ändert man allerdings gleich- 
zeitig zwei Parameter, Temperatur t und Entfernung r. 

Herrn Starkes Bedenken kann man so formulieren, daß er 
behauptet: alsdann wird 

i{r,t) = f(r,t) oder =f{r), 
während durch Herrn Wilson gezeigt ist, daß trotz der gleich- 
zeitigen Änderung von r und t 

i(r,t) = f(t)^fir,t), 
ist Beweis ist folgende Tabelle, die der Arbeit des Herrn Wilson i) 
entnommen ist: 



Entfemimg jl 
der ! 
Elektrode 



1,3 
3,0 
4,2 
6,2 
8,0 



Strom 
Obere positive Obere positive 

Elektrode Elektrode 

nicht geheizt geheizt 



235 
236 
180 

18 
10 



235 
234 
230 
227 
236 



Bei 6 cm Entfernung war die obere Elektrode nur noch im 
Zentrum rot, und blieb bis 10 cm „noch sichtbar heiß". 

Also bei der gleichzeitigen Änderung von Elektroden- 
entfernung und Temperatur ist die Entfernung so lange 
unwesentlich, als die entfernte Elektrode die Flamme 
berührt. 

Das gleiche Resultat wie für den Strom erhält man für das 
Gefälle. 

Es ist also unrichtig, daß durch das Verschieben der 
Anode allein hier neue Verhältnisse in bezug auf Größen ge- 
schaffen sind, um die es sich hier handelt. 

Das ist die erste Widerlegung des Herrn Starke. 



») H. A. Wilson, 1. c. S. 504. 



446 Verhdl. d. Deutschen Physik. Geselisoh. vom 11. Dez. 1903. [Nr. 24. 

5. Es ergibt sich die Frage: Was ändert sich hier bei der 
Änderung der Temperatur der Anode? Verfolgt man den Poten- 
tialverlauf bei Änderung der Temperatur der Anode, so erhält 
man aus diesem mit Hilfe der PoissoN sehen Gleichung, über 
deren Berechtigung zu diskutieren mir durchaus müssig erscheint, 
das Resultat, daß bei Sinken der Temperatur der Anode die 
positive Elektrizität in der Flamme abnimmt, während die 
negative wächst *). 

Es ist also die in der Flamme vorhandene positive 
lonenmenge eine Funktion der Temperatur der Elek- 
troden. 

Das ist das, was behauptet war. 

Vielleicht hat Herr Starke, als er die Experimente und Rech- 
nungen von Herrn Child wiederholte, übersehen, daß wir eben 
nicht die Anode außerhalb der Flamme hatten wie im Falle 
des Herrn Child, sondern als Begrenzung der Flamme. Das 
ist ein Unterschied! 

6. Hiermit und freilich auch erst hiermit sind die not- 
wendigen und hinreichenden Stützen der Wilson sehen These be- 
reits gegeben. (Nachdem gezeigt ist, daß sie richtig ist, darf ich 
auf die mir von Herrn Starke zugedachte Autorschaft zugunsten 
ihres ersten Vertreters verzichten.) 

Ist es dann aber nicht möglich, auch innerhalb der Flamme 
den Einfluß der Temperatur der Anode auf die Dissoziation in 
der Flamme nachzuweisen? — Gewiß ist das möglich; es ist nichts 
erforderlich als eine Experimentalanordung, bei der ein Gefälle 
an der Anode stattfindet, das nicht gegenüber dem an der Kathode 
verschwindet — Wie das große Gefälle an der Kathode sich 
ausbildet, das kann man leicht zergliedern, und dann ergibt sich 
unschwer, wie der Nachweis zu führen ist. 

Die 10- bis 20 mal, je nach dem Partialdruck, schneller als 
die positiven wanderden negativen Ionen haben, das lehrt die 
Wahrscheinlichkeitsrechnung, erst nach Weglängen Rekombinations- 
gelegenheit, die beträchtlich größer ist als die Rekombinations- 
möglichkeit der positiven Ionen. Die so durcheilten Strecken 
füllen sich mit positiver Elektrizität, da ja die positiven Ionen 



') E. Mäex, Aun. d. Phys. (4) 2, 177, 1900,- Ber. d. Gött.Akad. 1900, 51. 



Nr. 24.] . Erich Marx. 447 

nicht durch Zusammenstoß neutralisiert werden. So wird gleich 
bei Beginn des Prozesses ein größeres Polarisationsgebiet an der 
Kathode als an der Anode entstehen. 

Ist ein solches Gebiet anfangs nur allein wegen der Ge- 
schwindigkeitsdifferenz beiderseitig verschieden, so muß aus der 
eingetretenen Verschiedenheit sofort eine sich noch steigernde 
herausbilden, da nun die stärkere Polarisation an der Kathode 
ihrerseits den ankommenden positiven lonenfluß stärker staut als 
die geringere negative Polarisation den negativen lonenfluß. So resul- 
tiert eine weitere Abschwächung des positiven Gefälles. So ent- 
steht im stationären Zustande bei verhältnismäßig geringen elektro- 
motorischen Kräften ein Polarisationsgebiet an der Kathode, das in 
dem Hittorf sehen Falle bis zur Anode reicht und dort die Ionen, 
die austreten wollen, zurückhält. Will man diese Stauung vermeiden, 
so ist nur nötig, dafür zu sorgen, daß die Polarisation an der 
Kathode nicht erst entsteht, daß also die Str(Bcken, welche die nega- 
tiven Ionen zurücklegen, ohne auf positive zu treffen, hinreichend 
klein sind. Das aber ist der Fall bei geringer Potentialdifferenz 
der Elektroden, denn bis zu 1/20 Volt, das zeigte schon Arrheniüs 1), 
gilt das Ohm sehe Gesetz und das Gefälle bleibt linear. 

Diese einfache Überlegung hätte Herrn Starke gewiß ver- 
anlaßt, das Hittorf sehe Experiment nicht nur zu wiederholen, 
sondern zweckentsprechend zu modifizieren. Legt er an seine 
Elektroden eine Potentialdifferenz von V20 Volt und er- 
hitzt die Anode, so wird er sehen, daß die negative uni- 
polare Leitung verschwunden ist. Ich habe vorgestern den 
Versuch bei uns in Leipzig gemacht. 

Die Anode bestand aus einem Platinblechstreifen und konnte 
durch 30 Volt auf Weißglut gebracht werden. Es ergab sich so- 
fort ein beträchtliches Ansteigen des Stromes bei V20 Volt, während 
bei gleicher Anordnung bei 10 Volt absolute negative unipolare 
Leitung stattfand. 

7. Also: 

a) Der Nachweis des Herrn Wilson, daß 

i(r,t) = at)^f{rt) 
ist; 



^) Arrheniüs, Wied. Ann. 42, 18—76, 1891. 



448 Verhdl. d. Deutschen Physik. Qesellsch. vom 11. Dez. 1903. [Nr. 24. 

b) der Nachweis des Vortragenden, daß gleichzeitig mit t 
sich die lonenproduktion ändert; 

c) das Aufhören der negativen unipolaren Leitung, sofern ein 
gegen das Eathodengefälle beträchtliches Anodeugefälle 
auftritt, auch innerhalb der Flamme 

sind Beweise genug, daß nicht Herr H. A. Wilson, der Vor- 
tragende, Herr J. J. Thomson oder Herr Stark sich geirrt haben, 
sondern Herr Starke. 

Es ist die positive lonenproduktion in der Flamme 
zum Teil Funktion der Temperatur der Anode. 

Mit sinkender Temperatur der Anode wird also Entlastung 
der Flamme von positiver Elektrizität eintreten, und es wird ein 
stärkerer Potentialfall an der Anode resultieren, und die positiven 
Ionen können nun, dank der Entlastung von positiver Polarisation 
sich wesentlich an der Stromleitung beteiligen. Während der 
Charakter der Fiammenleitung durch das Ausschalten der positiven 
Ionen getrübt war, tritt er jetzt klar in Erscheinung. Während 
vorher, durch das steile Gefälle, Beschleunigungen der negativen 
Ionen eintreten mußten, die undefinierbare Verhältnisse in bezug 
auf die Geschwindigkeit schufen, ist jetzt das Gefälle weniger 
steil, und die freie Elektrizität krümmt nicht mehr das Gefälle in 
der Mitte; man möchte sagen, ein Depolarisator hat hier gerade 
reine Versuchsbedingungeu geschaffen; das hat eben Herr Starke 
mißverstanden, als er dieses wertvolle Mittel als „vollständig 
unreine Versuchsbedingung" charakterisierte. 

8. Daß hier aber wirklich durch die niedrigere Temperatur 
der Anode, welche die Flamme begrenzt, auch bei der Untersuchung 
des Halleffektes keine Störungen hineingekommen sind, die nicht 
außerhalb dessen liegen, was berücksichtigt und berechnet werden 
sollte, d. h. eben, daß die Versuchsbedingungen nicht ^unreine** 
waren, das konnte so lange nicht bewiesen werden, als die noch 
unerklärten Gesetzmäßigkeiten, die sich bei dieser Untersuchung 
ergaben, nicht quantitativ aus direkten Geschwindigkeitsmessungen 
sich wieder ergaben. Das aber ist jetzt vollständig erfüllt 

Hat man ein elektrisches Feld X und senkrecht hierzu ein 
magnetisches Ä, so entstellt senkrecht zur Ebene XH ein elek- 
trisches Feld Z und 



Nr. 24.] Brich Marx. 449 

^- H.X 

ist alsdann die als Hall scher Rotationskoeffizient von drei variabeln 
Parametern unabhängige Konstante. 

Diese Unabhängigkeit hatten meine Messungen ergeben ^), und 
der Größenordnung nach, konnte ich femer zeigen, daß die 
Größe jB, wie es die Theorie fordert, 

B= C{u — v) 
ist, wo 

1>C>0,5 

sein muß, wenn w, v die Wanderungsgeschwindigkeiten bedeuten. 
Nicht befriedigend erklärt aber war bei diesen Messungen, 
warum die Größe der Halleffekte von der Konzentration der zer- 
stäubten Lösung abhing, und noch weniger vermochte ich ein- 
zusehen, warum für die Salze 

Cäs, Rb, K, Na, Li, 
deren Atomgewicht A zwischen 132,9 und 7,03 liegt, der Hall- 
effekt R so variierte, daß 

jR.y^ = IconsL 
war. 

9. Die Hypothese, die ärrhenius seinerzeit aufstellte, um 
die von ihm entdeckte fundamentale Eigenschaft der Flammen- 
leitung, daß alle K- und Na- usw.- Salze unabhängig vom Radikal, 
nach Gruppen, gleich gut leiteten, ist bekanntlich die gewesen, 
daß die Salze sich hydrolytisch dissoziierten. Es ist dies damals 
auch gewiß die einzig mögliche Erklärung gewesen. Eine 
Theorie der Gasentladung existierte zu dieser Zeit noch nicht. 

Die Aufklärung der Erscheinungen der Gasentladung, und die 
Bestimmung der Größenordnung der Wanderungsgeschwindigkeit 
des negativen Trägers, der nach direkten Messungen Herrn Wilsons 
16 mal, nach indirekten des Vortragenden ») unter anderen Um- 
ständen etw^a 10 mal so schnell wanderte als der positive, zeigte, 
daß dem negativen Träger Geschwindigkeiten zukommen mußten, 
die von anderer Größenordnung waren als die der positiven. 



») VgL E. Marx, Ann. d. Phys. (4) 2, 812 ff., 1900. 
«) Vgl. J. J. Thomson, 1. c. S. 205. 



450 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom IL Dez. 1903. [Nr. 24. 

Diese Größenordnungsunterschiede forderten aus kinetischen 
Betrachtungen heraus auch eine andere Größenordnung für die 
Masse des Trägers. 

Herr Lenard^) und Herr J. J. Thomson ») und gleichzeitig 
Herr Moreau*) zeigten, daß die Masse des negativen Trägers 
wesentlich kleiner sein müsse als die des OH-Ions, das man bis- 
her als den negativen Träger betrachtet hatte. 

Ist D der Diffusionskoeffizient des K-Ions gegen Gas, p der 
Druck senkrecht zur Diffusionsrichtung, N die Anzahl der Ladungen, 
so ist die Geschwindigkeit 

u = ^.e^N (1) 

p 

Nimmt man als Diffusionskoeffizient des K-Ions in das Gas 
bei der Temperatur T© = 0» C 
cm 2 

Z>o = 0.1*2^ (CO, gegen Luft, A.-Gew. == 36, K = 39) 
und setzt n 

SO ergibt sich für 2000<* die Geschwindigkeit des K-Ions 

u = 44 — i-- 
sek. 

Die Geschwindigkeit des positiven Ions stimmt nun mit der 
experimentell gefundenen Größenordnung, die des negativen nicht, 
sondern fordert eine Größe, die einem Bruchteil der Atomgröße 
gleichkommt 

Die Arbeiten von J. J. Thomson, Lenard, Rütherford, Tow n- 
SEND und vor allem von Langevin*) haben gezeigt, daß es Ionen 
^ibt, deren Größe und Geschwindigkeit mit dem Druck variiert 
von Elektronengröße bis zur Molekulargröße. 

Lag hier bei Flammengasen ein gleicher Effekt vor, wie 
Analogieschlüsse zum photoelektrischen Effekt, z. B. die Reihen- 
folge der Leitfähigkeiten Cäsium bis Lithium nahe legten, so war 
auch hier eine Änderung der Wanderungsgeschwindigkeit mit dem 
Druck zu erwarten. — Daß diese existiert, das hat Herr Mo read 



Ph. Lbnard, Ann. d. Phys. (4) 9, 649, 1902. 

*) J. J. Thomson, Conduction of Electricity 1903, S. 204. 

») G. MoRBAU, Journ. d. Phys. (4) 2, 560, 1903. 

*) M. Langbvik, Recherches sur les gaz ionis^s. Paris 1902. 



Nr. 24.] Erich Marx. 451 

bewiesen. Er zeigte, daß die WaBdemngsgesch windigkeit des 
positiven Trägers unabhängig von der Konzentration 

= 80 ^ ^^ 
sek. cm 

ist, daß aber das gleiehe mcht gilt für den negativen Träger. 
Hier ändert sich die Wandemngsgeschwindigkeit mit der 
Konzentration nm 200 Proz. und verschieden für die Gruppen 
der K- und Na -Salze. Aber konstant bleibt durch alle äqui- 
valenten Konzentrationen für K und Na auch bei Änderung 
der Wanderungsgeschwindigkeit v der Ausdruck 

v.^A^konst (2) 

wo A das Atomgewicht des Metalles ist ^). 

Nun ist von Loschmidt empirisch gefunden, daß 

Do yjA = Jconst (3) 

ist, wo Do den Diffusionskoeffizienten bedeutet. Nimmt man diese 
Regel auch bei der Temperatur der Flamme als gültig an, so 
folgt nach Formel (1) direkt die Formel (2) v,^A = Jconst., das 
aber heißt: Für das negative Ion ist das Metall in der Flamme 
selbst maßgebend. Das negative Ion ist also ein vom Metall 
emittierter, der Masse desselben proportionaler, negativer Teil, 
analog dem photoelektrischen Effekt. 

10. Die Größe des Halleffektes, die vor drei Jahren bestimmt 
wurde, muß sich nun, wie vorhin bereits erwähnt, aus den neuen 
Bestimmungen der Wanderungsgeschwindigkeit quantitativ er- 
geben, da 

R = c {u — v) 
1>^>0,5 
sein muß. 

Genauere Grenzen kann man so lange für c nicht angeben, als 
man nicht weiß, wie viele der vorhandenen Metallatome sich dis- 
soziieren, doch läßt sich im Zusamenhang mit der Menge des 
zerstäubten Salzes mit Sicherheit schließen, daß der Dissoziations- 
grad weit ab von vollständiger Dissoziation, die c = 0,5 ent- 
spräche, liegen muß 3). 



*) G. MOREAÜ, 1. c. 

*) C. f. E. Marx, 1. c. S. 820. 



452 Verhdl. d. Deutschen PhyBik. Geeellsch. vom 11. Dez. 1903. [Nr. 24. 

Nehmen wir c = 0,7 als einen Mittelwert, so ergeben die 
Messungen des HeiTn Moreau die Größe 

0,7 (u — v). 
Die Messungen des Vortragenden ergeben R. Die Konzentration 
der zerstäubten Lösung wird nach der Normalität N angegeben. 
Man erhält folgende Tabelle ^). 



Reine _A^ K 

Flamme ' 8 ! 4 



2 



2iS^ 
K 



2X 

Na 



4,4 .10-6 

I 



^^^'' ^^ ' 8,54 5,7 I 4,9 4,3 I 3,6 

Moreau ,1 I 

JR nach dem | ^^^ .3 I ^^ 3Q ; 33 , ^^^ ^^-e 

Halleffekt , 1 ! 

Hier ist keine innere Berechnung oder künstliche 
Darstellung; es sind oben und unten nackte Beob- 
achtungen! 

Wenn man berücksichtigt, daß nicht an der gleichen Flamme 
die Messungen ausgeführt wurden, daß bei der Halleffektbestimmung 
ein weit offenes magnetisches Feld von 10000 Einheiten auf eine 
Flamme einwirkte, bei der die obere Elektrode nur rotglühend, 
die untere weißglühend während Stunden gehalten werden 
mußte, in der Zuleitungen zu einem hochempfindlichen Quarz- 
fadenelektrometer sich befanden, wobei nacheinander erst das 
Potentialgefälle an der Stelle der Elektroden, dann der magne- 
tische Transversaleffekt, und dann wieder der Potentialfall ge- 
messen wurden, so wird jeder Experimentator zugeben, daß keine 
noch so gewissenhafte Technik des Arbeitens diese flbereinstimmung 
erzielen konnte, wenn nicht prinzipielle Fehler ausgeschaltet ge- 
wesen wären. Diese Tabelle redet für sich, sie erspart mir 
weitere Ausführungen über die von Herrn Starke geübte Kritik. 

Ich komme zum Schluß. Für die Alkalisalze hatte ich ge- 
zeigt, daß der Halleffekt umgekehrt proportional der Quadrat- 
wurzel aus dem Atomgewichte des Metalles ist. Folgende Tabelle 
ist der Arbeit entnommen. 



*) In der Tabelle, Ann. d. Phys. (4) 2, 81G, 1900, müssen die Zahlen 
™i^ "/i7 gemäß der auf S. 818 bestimmten Korrektion für Reduktion der 
Beschleunigung der negativen Ionen auf reine Geschwindigkeiten multipliziert 
werden. 



Nr. 24.] Erich Marx. 453 



I 



Atomgewicht ' Rotationskoeffizient '^A . R 



Gas I 132,9 —1,72.10-« 19,83 

Rb j 85,4 —2,6 .10-6 24,95 

K ' 39,14 —3,78.10-« 23,64 

Na I 23,05 —5,06.10-« 24,8 

Li 7,03 —7,86.10-« 20,79 

Hier wurde bei größerem Potentialfall gearbeitet, so daß die 
negativen Ionen etwas beschleunigt wurden, infolgedessen muß 
der Einfluß der positiven Ionen, der an sich nicht groß ist, für 
den Rotationskoeffizienten weitgehend unwesentlich werden,, und da 

R = C {u — v), 
ich aber gefunden, hatte, daß 

u 

ist, so ergibt sich für sehr kleines u gegen t;, wie dies hier zutrifft, 

v.'^A = honst. 

Es hat sich also fiir alle Erdalkalien ergehen, was Herr 
HOBEAü drei Jahre später für E und Na gezeigt hat. — Es 
ist die Wanderungsgeschwindigkeit des negativen Trägers 
durch eine Eigenschaft des Hetalles gegeben. 

v,\A = konstA Ein merkwürdiges Gesetz! Es zeigt, daß 
der negative Träger in der Flamme vom Alkalimetall abhängt, daß 
er abgesplittert ist vom Metall, wie beim photoelektrischen Elster- 
und GEITEL-Effekt. Es beweist, daß die Herren J. J. Thomson 
und Lenard recht hatten mit ihrer Ansicht, daß der negative 
Leiter der Flamme hier ähnlich dem negativen Träger sein muß, 
den J. J. Thomson und Lenard beim photoelektrischen Effekt 
nachwiesen, und es eröffnet der Hypothese neue Perspektiven 
über die Gestaltung der Materie. 

Das Alkalimetall selbst ist es, das den negativen Träger 
emittiert wie im photoelektrischen Effekt; liier wie dort ist 
Größe und Geschwindigkeit des Trägers eine Funktion des Par- 
tialdruckes! Der Vortragende hat als erster empirisch das 
MoREAUsche Gesetz gefunden und ausgesprochen, er hat aber 
vergeblich durch Bemülmngen, welche seine Arbeit dokumentieren. 



454 Verhdl. d. Deutschen Physik. Gesellsch. vom 11. Dez. 1903. [Nr. 24. 

die Brücke zum photoelektrischen Effekt gesucht. Das ist Herrn 
MoREAü gelungen. 

Wird man die Bedeutung der Konstanten 

näher untersuchen können? Die Bedingungen scheinen erfüllt. 
Die Herren Smithells, Wilson und Dawscn^) haben gezeigt, 
daß der Strom in der Alkaliflamme sich durch die bekannte 
Thomson-Rütherford sehe Formel ausdrückt: 

wo J den Sättigungstrom bedeutet. Die drei Herren fanden in 
der Nähe des Sättigungsstromes füi' Cäs, Rb, K, Na und Li: 

K^= CA. 
iTj hat aber streng definierte physikalische Bedeutung. Aus 
ihr ergibt sich in der Nähe des Sättigungsstromes (wo u wesentlich 
gegen v zurücktritt) direkt aus den Messungen der drei Herren: 

V . ^A = Jconst. 

*) A. Smithblls, H. A. Wilson, H. M. Dawson, Phil. Trans. London 
(A) 193, 89-128, 1899. 



Mitgliederliste 

der 

Deutschen Physikalischen Gresellschaft. 

Im Jahre 1908 yerlor die Gesellschaft durch den Tod: 
Dr. y(. Dtttehbeboeb, Prof. Dr. Julius Lange. 

Am Ende des Jahres 1903 waren Mitglieder der Gesellschaft : 

A. Berliner Mitglieder. 

1. Herr Dr. M. Abbamczyk*), W., Regensburgerstraße 32. 

2. „ Dr. M. AiiTSCHUL, N., Badstraße 67. 

3. „ Dr. K Apt, N., Oranienburgerstraße 8. 

4. „ F. S. Abchekhold,^, Treptow, StemwartCi Eöpenioker Landstraße 49. 

5. „ Prof. Dr. H. Abon, W., Lichtensteinallee 3 a. 

6. j, Dr. L. Abons, NW., BrückenaUee 3. 

7. ., Dr, E. AscHKiNASS, W., Achenbachstraße 2. 

8. „ Prof. Dr. R. Assmann, N., Seestraße 61. 

9. „ Prof. Dr. L. Austin, Charlottenburg, Berlinerstraße 80 a. 

10. „ 0. Baschin, N., Eichendorfifstraße 2. 

11. „ Dr. W. Bein, W., Emserstraße 25. 

12. „ Dr. G. Benisch KE, Pankow, Eavalierstraße 9. 

13. n A. Bebbebich, SW., Linden straße 91. 

14. „ Dr. A. Beblineb, N., Schlegelstraße 22. 

15. y, Prof. Dr. W. v. Bezold, W., Lützowstraße 72. 

16. „ W. BiEOON V. CzüDNOCHOwsKi, NW., Klopstockstraße 38, 

17. „ Prof. Dr. E. Blasiüs, Charlottenburg, Knesebeckstraße 96. 

18. „ Oberlehrer A. Blümel, SO., Melchiorstraße 22. 

19. „ H. Boas, 0., Krautstraße 52. 

20. „ Prof. Dr. R. Böbnstein, Wilmersdorf, Landhausstraße 10. 

21. „ Prof. Dr. H. Böttqeb, NW., Lessingstraße 10. 

22. „ A. DU Bois-Retmond, NW., Schiff bauerdamm 29 a. 

23. „ Dr. E. Bolle, NW., Hanno verschestraße 13. 

24. . „ Dr. F. Bbemeb, NW., Schleswiger Ufer 16. 

25. „ Dr. W. Bbix, Steglitz, HohenzoUemstraße 1. 

26. „ Prof. Dr. K Bbodhün, Grunewald, Hubertusbaderstraße 32. 

27. „ Dr. C. Bbodmann, NW., Paulstraße 13. 

28. „ Prof. Dr. E. Budde, Charlottenburg, Berlinerstraße 54. 

29. „ Dr. A. Byk, W., Lützowstraße 97. 

30. „ Dr. A. Denizot, Charlottenburg, Schlüterstraße 7. 



♦) Berlin ist in dem Verzeichnis weggelassen. 



456 Mitgliederliete. 

31. Herr Dr. H. Diesbelhobbt, Charlottenburg, Marchstraße 25a. 

82. „ Dr. F. DoLEZALEK, Halensee, Friedrichsmlierstraße 23. 

33. ^ Dr. B. Donath, Charlottenborg, Stuttgarterplatz 16. 

34. „ Dr. A. Ebeldto, W., Regenebargerstraße 3. 

3Ö. „ Prof. Dr. Th. W. Engelmann, NW., Neue Wilhelmetraße 15. 

36. „ F. Ernecke, SW., Königgrätzerstraße 112. 

37. „ Dr. C. Fäbbbb, S., Fichtestraße 2. 

38. „ Dr. Fblobntbägsb, Friedenau, Kaiserallee 86. 

39. „ Prof. Dr. K. Feubsneb, Charlottenburg, Leibnizstraße 1. 

40. „ Dr. H. W. FiBCHER, NW., Albreohtstraße 13/14. 

41. „ Reg.-Kat Dr. A. Fbanke, W., Augsburgerstraße 7. 

42. „ Dr. A. Feankb, Groß-Lichterfelde, Stemstraße 28. 

43. „ Dr. F. FBANKBNHÄrsEB, Friedenau, Rembrandtstraße 18. 

44. „ Dr. G. A. Fbeund, NW., Unter den Linden 69. 

45. „ Dr. 0. Fbölich, Wilmersdorf, Berlinerstraße 41. 

46. „ R. FüEss, Steglitz, Düntherstraße 8. 

47. „ Dr. E. Gehbcke, S., Gneisenaustraße 55. 

48. „ Dr. H. Gebstmann, Charlottenburg, Enesebeckstraße 70/71. 

49. „ Dr. A. Gleichen, SW., Halleschestraße 7. 

50. „ Prof. Dr. E. Goldstein, W., Bambergerstraße 6. 
61. „ Dr. A. Gbadenwitz, SO., Michaelkirchplatz 13. 

52. „ Prof. Dr. Th. Gboss, Westend, Königin-Elisabethstraße 1. 

53. „ Dr. E. Gbüneiben, Charlottenburg, Marchstraße 25, 

54. „ Prof. Dr. L. Gbunmach, W., Bayreutherstraße 9. 

55. „ Oberlehrer Dr. R. Güntsche, W., Hohenstaufenstraße 7. 

56. „ Prof. Dr. P. Gübbfeldt, NW., Beethovenstraße 1. 

57. „ Prof. Dr. E. Gümlich, Charlottenbiu*g, Schlüterstraße 71. 

58. „ Stabsarzt Dr. Guttmann, NW., Friedrichstraße 140. 

59. „ W. Haenbch, S., Prinzenstraße 71. 

60. „ Prof. Dr. E. Häntzschel, W., Gleditschstraße 43. 

61. „ Prof. Dr. E. Hagen, Charlottenburg, Werner-Siemensstraße 7. 

62. „ Oberlehrer H. Hahn, Grunewald, Bismarckallee 24. 

63. „ Prof. Dr. G. Hauck, W., Bülowstraße 6. 

64. „ Dr. 0. Hauseb, NW., Marienstraße 2. 

65. „ Dr. F. V. Hefnbr-Alteneck, W., Hildebrandstraße 9. 

66. „ P. Hbitchen, Charlottenburg, Bismarckstraße 77. 

67. „ Prof. Dr. G. Hellmann, W., Margarethenstraße 2/3. 

68. „ Dr. Fb. Henning, Charlottenburg, Marchstraße 25. 

69. „ Prof. Dr. R. Heyne, W., Zietenstraße 8. 

70. „ Prof. Dr. J. Hiusciiwald, Grunewald, Kunz Buntschuhstraße 16. 

71. „ Dr. VOM Hofe, Groß-Lichterfelde, Stubenrauchstraße 5. 

72. „ Prof. Dr. J. H. van't Hoff, Charlottenburg, Uhlandstraße 2. 
78. „ F. Hoffmann, SW., Belle Aniancej)latz 6a. 

74. „ Prof. Dr. H. Hohnhorst, SW., Großbeerenstraße 24. 

75. „ Prof. Dr. L. Holbobn, Charlottenburg, Schloßstraße 3. 

76. „ Dr. K. Hollefbkund, S., Alexandrinenstroße 86. 

77. „ Dr. W. Howe, Westend, Kastanienallee 4. 

78. „ Oberlehrer Dr. A. Hupe, Charlottenburg, Kantstraße 76. 



Mitgliederliste. 457 

79. Herr Dr. M. Ikle, Charlottenburg, Savignyplatz 18, Gth* 

80. „ Prof. Dr. W. Jabobb, Friedenau, Handjerystraße 90. 

81. „ Dr. £. Jahvkb, W., Ludwigskirchstraße 6b 

82. „ Oberlehrer 0. Johanksbson, N., Schönhauserallee 169. 

83. „ Reg.-Rat Dr. K. Kahle, Westend, Akarienallee 20. 

84. „ Prof. Dr. S. Kalischeb, W., Ansbacherstraße 14. 

85. „ Prof. G. Kiesel, 0., LangeatraJJe 31. 

86. „ 0. KiBWBL, W., Schinkelplatz 6. 

87. „ Dr. 0. Knöflbb, Gharlottenburg, Kantstraße 151. 

88. „ Dr. A. Köpsel, Charlottenbarg, Kantstraße 69. 

89. „ Prof. Dr. F. Kötteb, S., Annenstraße 1. 

90. „ Prof. Dr. F. Kohlbausch, Charlottenbarg, Marchsti-aße 25 b. 

91. „ Prof. Dr. M. Koppe, 0., Königsbergerstraße 16. 

92. „ Prof. Dr. G. Kbech, S., Brandenburgstraße 48. 

93. „ Prof. Dr. V. Kbemsbb, NW., Spenerstraße 34. 

94. „ Dr. H. Kbeüblee, NW., Reichstagsufer 7/8. 

95. „ Prof. Dr. 0. Kbigab-Mensel, W., Sigismundstraße 3. 

96. „ Prof. Dr. F. Kurlbaüm, W., Meinekestraße 5. 

97. „ Dr. Ebich Ladbnbubo, Charlottenbarg, Goethestraße 6. 

98. „ Prof. Dr. E. Lampe, W., Fasanenstraße 82. 

99. „ Prof. Dr. H. Landolt, NW., Albrechtstraße 14. 

100. „ Dr. G. Lanobed^, Charlottenbarg, Schillerstraße 119. 

101. „ Oberlehrer Dr. W. Leiok, Groß-Lichterfelde, Dahleroerstraße 89. 

102. „ G. Lbithäüsbb, NW., Reichstagsafer 7/8. 

103. „ Dr. E. Lbss, NW., Bachstraße 11. 

104. „ Dt. L. Lbvy, W., Steglitzerstraße 85. 

105. „ Schulamtskandidat L. Lewent, W., Motzstraße 87. 

106. „ C. Liebbnow, W., Fasanenstraße 51. 

107. „ Prof. Dr. 0. Libbbeich, NW., Xeastädtische Kirchstraße 9. 

108. „ Prof. Dr. St. Lindeck, Charlottenbarg, Goethestraße 77. 

109. „ Prof. Dr. E. Loew, SW., Groß beer enstraße 67. 

110. „ Prof. Dr. 0. Lummeb, W., Nürnbergerplatz 1. 

111. „ Dr. F. F. Mabtens, NW., Reichstagsufer 7/8. 

112. „ Dr. 0. Mabtienssen, W., Würzburgerstraße 21. 

113. „ Kapitän z. See a. D. A. Mebsinq, W., Karfnrstenstraße 99. 

114. „ Reg.-Rat Dr. E. Meyeb, Friedenaa, Wielandstraße 10. 

115. „ Dr. M. W. Meybb, Charlottenburg, Grolmannstraße 36. 

116. „ Dr. Edoab Meyer, NW., Reichstagsufer 7/8. 

117. „ Dr. C. Michaelis, Potsdam, Schützenplatz Ic. 

118. „ Dr. Michaelis, W., Kurfürstenstraße 149. 

119. „ Ministerialdirektor a. D. Dr. P. Micke, W., Kleiststraße 15. 

120. „ Prof. Dr. Miethe, Charlottenbarg, Techn. Hochschule. 

121. „ Dr. E. MüLLEB, S., Roßfitraße 7. 

122. „ Dr. R. Müller, S., Schleiermacherstraße 11. 

123. „ Prof. Dr. H. Munk, W., Matthäikirchstraße 4. 

124. „ Dr. R. Nahbwold, C, Nieder wallst raße 12. 

125. „ Prof. Dr. Fr. Neesen, W., Ansbaoherstraße 31. 

126. „ Prof. Dr. A. Paalzow, W., Wilhelmstraße 50. 



458 Mitgliederliste. 

127. Herr Prof. Dr. M. Planck, W., Achenbachstraüe 1. 

128. „ Prof. Dr. F. Poske, Friedenau, Hauffatraße 2. 

129. „ Prof. Dr. E. Pbinoshedc, NW., Flensburgerstraße 14. 

130. „ Prof. Dr. A. Raps, Westend, Ulmenallee 14. 

131. „ Dr. Fbitz Reiche, W., Bendlerstraße 35. 

132. „ Prof. Dr. 0. Reichbl, Charlottenburg, Bismarckstraße 126. 

133. „ Dr. ing. H. Reissner, W., Rankestraße 22. 

134. „ Dr. L. Rellstab, Schöneberg, Nene Culmstraße 5 a. 

135. „ Dr. £. RiCHTEB, Charlottenburg, Enesebeckstraße 90. 

136. „ Dr. H. RoHEBBCK, NW., Karlstraße 24. 

137. „ Prof. Dr. 0. Rosenbach, W., Victoriastraße 20. 

138. „ Prof. Dr. fi. Rttbens, Charlottenburg, Knesebeokstraße 29. 

139. „ Dr. ScHAFHEiTLiN, W., Schaperstraße 17. 

140. „ Dr. Kabl Scheel, Wilmersdorf, Güntzelstraße 43. 

141. y, Dr. R. ScHELSKE, NW., Beethovenstraße 3. 

142. „ Dr. £. ScHENCK, Charlottenburg, Eantstraße 27. 

143. „ Prof. M. Schlegel, W., Bellevuestraße 15. 

144. „ Dr. Ebich Schmidt, W., Pariserstraße 9. 

145. „ Dr. 0. Schönbock, NW., Jagowstraße 10. 

146. „ Prof. Dr. P. Scholz, Steglitz, Fichtestraße 34. 

147. „ Dr. R. Scholz, Charlottenburg, Luisenplatz 3. 

148. „ Prof. F. Schotte, SW., Großbeerenstraße 27 a. 

149. „ Dr. W. ScHULEE, Charlottenburg, Friedbergstraße 16. 

150. „ Dr. G. Schwalbe, Charlottenburg, Bismarckstraße 114. 

151. „ Reg.-Rat a. D. R. Seebold, Charlottenburg, Fasanenstraße 13. 

152. „ Frhr. v. Seherr-Thoss, W., Hohenzollemstraße 16. 

153. „ Prof. Dr. G. Sieben, Groß-Lichterfelde, Stemstraße 9. 

154. „ Prof. Dr. A. Siebert, Groß-Lichterfelde, Bellevuestraße 30. 

155. „ WiLH. V. Siemens, SW., Askanischer Platz 3. 

156. „ Dr. S. Simon, Charlottenburg, Windscheidstraße 21. 

157. „ Prof. Dr. W. Sklarek, W., Landgrafenstraße 7. 

158. „ Prof. Dr. A. Slaby, Charlottenburg, Sophienstraße 4. 

159. „ Dr. W. Starck, Charlottenburg, Rönnestraße 24. 

160. „ Dr. H. Starke, NW., Reichstagsufer 7/8. 

161. „ 0. Steppens, NW., Scharnhorststraße 2. 

162. „ Dr. H. V. Stein wehr, Charlottenburg, Marchstraße 25. 

163. „ Prof. Dr. K. Strecker, W., Keithstraße 20. 

164. „ Schulamtskandidat Jon. Theel, Groß-Lichterfelde, Ringstraße 58. 

165. „ Prof. Dr. M. Thiesen, Friedrichshagen, Ahomallee 10. 

166. „ Prof. Dr. J. Traube, W., Pariserstraße 55. 

167. „ Prof. Dr. E. Warburg, NW., Neue Wilhelmstraße 16. 

168. „ Reg.-Rat Dr. C. L. Weber, SW., Yorkstraße 19. 

169. „ Prof. Dr. W. Wedding, Groß-Lichterfelde, Wilhelmstraße 2. 

170. „ Prof. Dr. B. Weinstein, Charlottenburg, Kantstraße 148. 

171. „ Dr. K. VON Wesendonk, NW., Reichstagsufer 10. 

172. „ Ingenieur J. H. West, SW., Halleschestraße 20 

173. „ Prof. Dr. H. F. Wiebb, Charlottenburg, Goethestraße 87. 

174. „ Prof. Dr. W. Wolff, W., Fasanenstraße 78. 



Mitgliederliste. ^59 

175. Herr Dr. B. A. Wobinger, Grunewald, Hagenstraße 3. 

176. „ Dr. R. WuRTZEL, NW., Philippstraße 6. 

177. Versuchsabteilung der Verkehrstruppen, W., Wilhelm straße 101. 

B. Auswärtige Mitglieder. 

178. Herr Prof. Dr. R. Abegcx, Breslau, Kaiser-Wilhelmstraße 70. 

179. „ Dr. M. Abraham, Göttingen, Nicolausbergerweg 17. 

180. „ ' A. Ackermann-Tecbner, Leipzig, Poststraße 3. 

181. „ Prof. Dr. K. Angström, Upsala. 

182. „ Prof. Dr. F. Auerbach, Jena. 

183. „ Dr. ü. Behn, Frankfurt a. M., Sachsenlager 13. 

184. „ Dr. 0. Berg, Greifswald, Roßraarkt 8. 

185. „ Dr. G. Berndt, Breslau, Physikal. Institut, Kl. Domstr. 3. 

186. „ Dr. G. Berthold, Ronsdorf. 

187. „ Dr. F. Bidlingmaier, Potsdam, Meteor.-Magn. Observatorium. 

188. „ Prof. Dr. H. du Boia, Utrecht, Universität. 

189. „ Prof. Dr. L. Boltzmann, Wien XVHI/l, Hainzingergasse 26. 

190. „ Dr. E. Böse, Göttingen. 

191. „ Prof. Dl'. F. Braun, Straßburg i. E., Physik. Institut. 

192. „ Prof. Dr. IL Bruns, I^eipzig, Sternwarte. 

193. „ Prof. Dr. F. Burckhardt, Basel, Elisabethstraße 30. 

194. Exzellenz Prof. Dr. 0. Chwolson, St. Petersburg, Universität. 

195. „ Prof. Dr. A. Coehn, Göttingen, Herzberger Chaussee 35. 

196. „ Prof. Dr. E. Cohn, Straßburg i. E., Schweighauserstraße 19. 

197. „ Dr. S. CzAPSKi, Jena. 

198. „ Dr. A. Dahms, Leipzig, Thalstraße 35. 

199. „ Dr. A. Day, Washington, DG. US. Geologial Survey. 

200. „ Dr. R. Defregüer, München, Königinstraße 43. 

201. „ Prof. Dr. C. Dieterici, Hannover, Alleestraße 7 k. 

202. „ Prof. Dr. E. Dorn, Halle a. S., Paradeplatz 7. 

203. „ Prof. Dr. Drecker, Aachen, Louabergstraße 26. 

204. „ Prof. Dr. P. Drude, Gießen, Nahrungsberg 8. 

205. „ Prof. Dr. E. v. Drygalski. 

206. „ Prof. Henry Dufour, Lausanne, Universität. 

207. „ Prof. Dr. H. Ebert, München, Techn. Hochschule. 

208. „ Dr. J. Edler, Potsdam, licipziger straße 9a. 

209. „ Dr. Joh. Ehlers, Jena, Berggasse 3. 

210. „ Prof. Dr. J. Elster, Wolfenbüttel, Lessingsstraße 7. 

211. „ Dr. R. Emden, München, Gabelsbergerstraße 77. 

212. „ Dr. K. T. Fischer, München-Solln 47. 

213. „ Dr. K. Forch, Darrastadt, Technische Hochschule. 

214. „ Dr. J. Friedländer, Neapel Vomero, Via Luigia Sanfelice, Villa 

Hertha. 

215. „ Prof. Dr. ('. Fromme, (iießen. 

216. „ Prof. Dr. J. Gad, Prag. 

217. „ Dr. H. (iÄDEKE, Müncheu, Barerstraße 88. 

218. „ Dr. A. Galle, Potsdam, Geodät. Institut. 



460 Mitgliederliate. 

219. Herr IVof. Dr. H. Geitel, Wolfenbüttel. 

220. „ Prof. Dr. J. Ritter von Geitler, Prag II, 1594, Physik. Institut 

der Deutschen Üniyersität. 

221. „ Prof. Dr. D. Goldhammer, Kasan, Universität. 

222. „ Prof. Dr. L. (trätz, München, Arcisstraße 8. 

223. „ Prof. E. Grimsehl, Hamburg, Wagnerstraße 74. 

224. „ Prof. Dr. 0. Grotrian, Aachen, Theresienstraße 13. 

225. „ Prof. Dr. G. Grus», Smichow bei Prag. 

226. „ Prof. Dr. S. Günther, München, Akademiestraße 5. 

227. „ Dr. S. Guggenheimer, München, Briennerstraße 14. 

228. „ Realgymnasialdirektor L. Hacker, Brandenburg a. H. 

229. „ Dr. A. Hagen bach, Bonn, Breitestraße 28. 

230. „ Prof. Dr. E. Hagenbach-Bischoff, Basel, Missionsstraße 20. 

231. „ Prof. Dr. W. Hall wachs, Dresden-A., Münchenerstraße 2. 

232. „ Prof. Dr. Hermann Hammerl, Innsbruck, Müllerstraße 28. 

233. „ Dr. H. Hauswaldt, Magdeburg-Neustadt. 

234. „ Dr. Hecker, Potsdam, Geodät. Institut. 

235. „ Prof. Dr. A. Heydweiller, Münster i. W., Physik. Institut. 

236. „ Prof. Dr. F. Himstedt, Freiburg i. B., Goethestraße 8. 

237. „ Georg Hirzel i. Fa. S. Hirzel, Verlagsbuchhandlung, Leipzig, 

Königstraße 2. 

238. „ Dr. Christ, von Hofe, Jena, Erfurterstraße 4. 

239. „ Dr. M. W. Hoffmann, Potsdam, Neue Königstraße 47. 

240. „ Prof. Dr. D. Hurmtzescu, Jassy, Universität, Rumänien. 

241. „ Prof. Dr. Georg W. A. Kahlbaum, Basel. 

242. „ Prof. Dr. W. Kaufmann, Bonn, Physik. Institut. 

243. „ Prof. Dr. H. Kayser, Bonn, Humboldstraße 2. 

244. „ Dr. H. Kellner, Buffalo NY. US. 

245. „ Prof. Dr. J. Kiessling, Hamburg. 

246. „ Prof. Dr. L. v. Klecki, Krakau, Karmeiickastraße 44. 

247. „ Prof. Dr. F. Klein, Göttingen, Wilhelm Weberstraße 3. 

248. „ Prof. Dr. 0. Knoblauch, München, Haydnstraße 8. 

249. „ Prof. Dr. K. R. Koch, Cannstatt bei Stuttgart, Taubenheimstraße, 

Villa Koch. 

250. „ Prof. Dr. W. König, Greifswald, Physik. Institut. 

251. „ Dr. J. Königsbergek, Freiburg i. B., Stadtstraße 20. 

252. „ Prof. Dr. W. Kohlrausch, Hannover, Nienburgerstraße 3. 

253. „ Dr. A. Korn, München, HohenzoUernstraße la. 

254. „ C. Krall, Elberfeld, Roonstraße 54. 

255. „ Prof. Dr. H. Kronecker, Bern. 

256. „ Dr. H. Krüs.s, Hamburg, Adolfsbrücke 7. 

257. „ Prof. Dr. Kühnen, Potsdam, Geodät. Institut, Wilhelmsplatz 2. 

258. „ Prof. Dr. V. von Lang, Wien IX, Türkenstraße 3. 

259. „ Prof. Dr. E. Lecher, Prag II, 1594, Physik. Institut. 

260. „ Prof. Dr. 0. Lehmann, Karlsruhe, Techn. Hochschule. 

261. „ Dr. A. Lkssino, Göttingen, Walkmühlenweg 27. 

262. „ Prof. Dr. Tir. Ltebisch, Göttinp:en, Wilhelm Weberstraße 17. 

263. „ Prof. Dr. (\ Linde, München, Prinz Ludwigshöhe 44. 



Mitgliederliste. 461 

264. Herr Dr. A. Lindemann, Hamburg, Bundespassage 4. 

265. „ Dr. Fe. Linke, Göttingen, Herzberger Chaussee 19. 

266. „ Prof. Dr. H. A. Lorentz, Leiden. 

267. „ Dr. LüDELiNO, Potsdam, Meteor. Institut. 

268. „ Dr. B. Luyken, Potsdam, FranzÖBiscbestrafie 1. 

269. „ Prof. Dr. K. Mack, Hohenheim bei Stuttgart. 

270. „ Dr. A. Mahlke, Leutzsch b. Leipzig, Hauptstraße 87. 

271. „ Dr. E. Marx, Leipzig, Physik. Institut. 

272. „ A. Meiner i. Fa. J. A. Barth, Verlagsbuchhandlung, Leipzig, 

Boßplatz 17. 

278. „ Dr. (t. Melander, Helsingsfors, Skarpskyttegatan 17. 

274. „ Prof. Dr. Georg Meyer, Freiburg i. B., Dreisamstraße 3. 

275. „ Prof. Dr. 0. E. Mbyeh, Breslau, Göppertstraße 1. 

276. „ Prof. Dr. G. Mie, (ireifswald, Domstraße 30. 

277. „ Dr. James Moser, Wien VUI/l, Laudongasse 25. 

278. „ Prof. Dr. K. von der Mühll, Basel, Universität. 

279. „ Prof. Dr. W. Müller-Erzbach, Bremen, Ostertor-Steinweg 33. 

280. „ Prof. Dr. A. Müttrich, Ebers walde. 

281. „ Prof. Dr. W. Nernst, Göttingen, Herzberger Chaussee 13. 

282. „ Prof. Dr. (-. Neumann, Leipzig, Querstraße 10/12. 

288. „ Dr. A. Nippoldt, Potsdam, MeteoroL-Magnet. Observatorium. 

284. „ Prof. Dr. A. v. Okttincjen, Leipzig, Mozartstraße 1. 

285. „ Prof. Dr. W. Ostwald, Leipzig, Linnestraße 3. 

286. „ Prof. Dr. L. Pfaundler, Graz, Haibarthgasse 1. 

287. „ Dr. A. Pflüger, Bonn, Koblenzerstraße 176. 

288. „ Prof. Dr. R. Pictet, Berlin N., Wattstraße 2. 

289. „ Dr. M. von Pirani, Aachen, Hof 22/23. 

290. „ Prof. Dr. Precht, Hannover, Techn. Hochschule. 

291. „ . £. Pri'^mm, Braunschweig, Humboldstraße 6. 

292. „ Prof. Dr. K. Prytz, Kopenhagen, Falkoneergaardsvej 12. 

293. „ Dr. C. Pilfrkh, Jena. 

294. „ Prof. Dr. (J. Quinckk, Heidelberg, Hauptstraße 47. 

295. „ Prof. Dr. (i. Hecknacjel, Augsburg. 

296. „ H. Rk(}Ener, Potsdam, Margarethenstraße 38. 

297. „ Dr. W, Ukiss, Schloß Könitz (Thüringen). 

298. „ Ingenieur H. Renisch, Essen a. Ruhr, Ostfeldstraße 5. 

299. „ Prof. Dr. F. Rk^harz, Marburg i. H. 

300. . „ Prof. Dr. E. Riecke, (iöttingen. 

301. ^ Prof. Dr. W. (\ Röntgen, München, Physik. Institut. 
802. „ Dr. M. v. Roiiu, Jena, Wagnergasse 11. 

303. „ Prof. Dr. J. Rosknthal, Erlangen. 

304. „ Prof. Dr. R. Rihlmann, Döbeln i. Sachsen, Kgl. Real-Gymnasium. 

305. „ Prof. Dr. C. Ringe, Hannover, Techn. Hochschule. 

306. „ Dr. K. Schaum, Marburg a. L., Frankfurterstraße 22. 

807. „ Prof. Dr. J. Scheinek, Potsdam, Astrophysikal. Observatorium. 

808. „ Dr. R. Schknck, Marburg i. IL, Universitätsstraße. 

809. „ Gerhard Schendell, Stettin, Preußischestraße 11. 
310. „ Prof. Dr. K. Sch krinc;, Darmstadt, Saalbaustraße 85. 



462 Mitgliederliste. 

311. Herr Prof. Dr. A. Schmidt, Potsdam, Telegraphenberg. 

312. „ Prof. Dr. Gerhabd Schmidt, Erlangen. 

313. „ Prof. Dr. Schubekt, Eberswalde, Forstakademie. 

314. „ Dr. F. A. Schulze, Marburg i. H., Steinweg 31/S2. 

315. „ Dr. Max Seddio, Marburg i. H., Physik. Institut. 

316. „ Dr. H. Siedentopf, Jena, Oberer Löbdergraben 11. 

317. „ Prof. Dr. P. Silow, Warschau, Universität. 

318. „ Prof. Dr. H. Th. Simon, Göttingen. 

319. „ Dr. P. Spies, Posen, Neue Gartenstraße 5. 

320. „ Prof. Dr. A. Sprung, Potsdam, Meteorol.-Magnet. Observatorium. 

321. „ Dr. Jon. Stark, Göttingen, Herzberger Chaussee 19. 

322. „ Dr. K. Stöckl, Würzburg, Eichhornstraße 20. 

323. „ Dr. R. Straubel, Jena, Beethovenstraße 2. 

324. „ Prof. Dr. V. Strouhal, Prag, Clementinum. 

325. „ Dr. R. Süring, Potsdam, Meteorol.-Magnet. Observatorium. 

326. „ B. Tepelmann, Braunschweig, vor der Burg 18. 

327. „ S. Tereschin, Petersburg, Nicolaewskaya 40. 

323. „ Dr. M. Toepler, Dresden-A., Reichenbachstraße 9. 

329. „ Prof. Dr. W. von Uljanin, Kasan. 

330. „ Dr. ÜSENER, Kiel, Muhliusstraße 5. 

331. „ Dr. Henri Veillon, Basel, Eulerstraße 27. 

332. „ Dr. Fr. Vettin, Dessau, Antoinettenstraße 14. 

333. „ Prof. Dr. H. C. Vogel, Potsdam, Astrophysik. Observatorium. 

334. „ Prof. Dr. W. Voigt, Göttingen. 

335. „ Prof. Dr. P. Volkmann, Königsberg i. Pr.-Tragheim, Kirchenstr. 11. 

336. „ Prof. Dr. A. Voller, Hamburg, Physik. Staatslaboratorium. 

337. „ Prof. Dr. R. Wachsmuth, Rostock, Prinzenstraße 4. 

338. „ Prof. Dr. Anton Weber am Lyceum in DiUingen (Bayern). 

339. „ Prof. Dr. H. Weber, Braunschweig, Techn. Hochschule. 
.340. „ Prof. Da H. F. Weber, Zürich, Techn. Hochschule. 

341. „ Prof. Dr. L. Weber, Kiel, Physik. Institut. 

342. „ Dr. A. Wehnelt, Erlangen, Luitpoldstraße 6. 

343. „ Prof. Dr. E. Wieciiert, Göttingen. 

344. „ Prof. Dr. E. Wiedemann, Erlangen. 

345. „ Prof. Dr. M. Wien, Aachen, Techn. Hochschule. 

346. „ Prof. Dr. W. Wien, Würzburg, Physik. Institut. 

347. „ Prof. Dr. (). Wiener, Leipzig, Thalstraße 35. 

348. „ Prof. Dr. J. Wilsing, Potsdam, Astrophysik. Observatorium. 

349. „ Prof. Dr. A. Winkelmann, Jena. 

350. „ Dr. Wright, Wien III, Apostelgasse. 

351. „ Prof. Dr. A. Wüllner, Aachen, Techn. Hochschule. 

352. „ Prof. Dr. W. v. Zahn, Leipzig-Plagwitz, Carl Heinestraße 33. 

353. „ Dr. W. Ziegler, Santiago de Chile, CassiUa 1389. 

354. Die mathem.-physik. Sammlung des bayrischen Staates (Direktor: 

Mechaniker W. Sinz, München, Neuhauserstraße 51. 

355. Das Physik. Institut der Universität Leipzig. 



Alphabetisches Namenregister 



Jahrgang 1 bis 6 (1899 bis 1903) 

der 

VerhaDdlongen der Dentseheo Physikalischen Oeselkhaft"). 



Abraham, M. PriDzipien der Dynamik 
des Elektrons 4, (260). 

Almy, J. Über die £ntladungRpoten- 
tiale iu festen und tropf bar -flüssigen 
Dielektricis 1, (81), 95. 

Ahoenheister, O. Beiträge zur Kennt- 
nis der Elastizität der Metalle 5, 
(67), 80. 

Archenhold, F. 8. Über den Swift- 
schen Kometen 1899a 1, (145). 

— Eine neue Darstellung des Einflusses 
der ßonnenflecke auf die Erdatmo- 
sphäre 4, (260). 

Arons, L. Lichtbogen zwischen Metall- 
elektroden 1, (211). 

AsCHKiNASS, £. Über anomale Disper- 
sion im ultraroten Spektralgebiet 1, 
(211). 

— Ein Vorlesungsveräuch mit flüssiger ; 
Luft 2, (11). 

— Die nachträgliche Wirkung der 
Becquerelstrahlen auf die Haut 3, ' 
(101). 

— sh. Rubens, H. 1,(1), 11; 2,(11), 13. | 

— u. Caspari, W. Über den Einfluß | 
der Becquerelstrahlen auf organisirte 
Substanzen 3, (150). 



A8CHKINA8S, E. u. SoHAEFBR, Cl. Über 
den Durchgang elektrischer Wellen 
durch Besonatorensysteme 3, (77). 

AsHER, Leon. Ein neuer spektraler 
Farbenmiachapparat 5, (293), 326. 

Aübel, Edh. van. Sur les conducti- 
bilit^s ^lectriques et thermiques des 
m6taux 2, (1), 3. 

— Ri^ponse aux observations des Mes- 
sieurs W. JÄGER etH. DiESSBLHORST 2i 
(54), 77. 

Austin, L. u. Starke, H. Über die 
Beflexion der Kathodenstrahlen und 
eine damit verbundene neue Erschei- 
nung sekundärer Emission 4, (77), 106. 



B. 



Berger, E. Über stereoskopische Lupen 
und Brillen 2, (145), 160. 

Bergholz, P. Tropenorkane 1, (212). 

Bezold, W. von. Über den gegen- 
wärtigen Stand der erdmagnetischen 
Forschung 1, (123). 

— Nachruf auf Max Eschenhageh 4, 
(77), 79. 

Biegon von Czudnochowski, W. Be- 
merkungen über das Elektrolytbogen- 
licht 5, (352). 



*) Die fettgedruckte Zahl gibt den Jahrgang an, die in Klammern bzw. ohne 
Klammern stehenden Zahlen weisen auf die Seiten innerhalb des genannten Jahrganges 
hin, auf denen ein kürzerer oder länjjerer Bericht über die betr. Mitteilung abgedruckt ist. 



464 



Alphabetisches Namenregister. 



BiEOON VON CzuDNOOHOWBKi, W. Flam- 
men- oder Effektbogenlicht 5, (129), 
157. 

Bjebknes. Über die Mechanik der 
Zyklone 1, (212). 

Bjebknes, V. Versuche über die schein- 
baren Wirkungen in der Feme zwi- 
schen pulsierenden und oszillierenden 
Kugeln 4. (251). 

BiLLiTZEB, O. Kolloidale Metalle 4, 
(259). 

Blondel, A. 8ur les oscillographes 5, 
267. 

Boas, H. Ein Polarisationsphotometer 
zur Messung der Kontrast Intensität 
der Röntgenstrahlen 1, (214), 242. 

— Verfahren und Apparate zur Er- 
zeugung stereoskopischer Röntgen- 
bilder auf dem Leuchtschirm 2, 
(41). 45. 

— Eine automatische Sprengelpumpe 
2, (93). 

— Eine Bemerkung zur "Wirkung der 
Spbenobl sehen Quecksilberluftpumpe 
2, (211), 246. 

BöRNBTBiN, R. über Luftdruck Vertei- 
lung 1, (212). 

— Zur Erinnerung an Hans Babtsch 
V. SlOSFELD 4, (77), 78. 

— Einige Versuche über Elektrizitäts- 
zerstreuung in Luft 5, (381), 404. 

Bois, H. Du. Umwandlungstempera- 
turen im elektromagnetischen Felde 

1, (2). 

— u. Liebknecht, O. Molekulare 
Suszeptibilität der Salze seltener Er- 
den 1, (214), 286; 2, (12), 19. 

— u. WiLLS, A. P. Zur thermometri- 
schen und kryogenen Verwendung 
des Kohlensäureschnees 1, (153), 168. 

BoLTZMANN, L. Über die Ergänzung, 
deren die Lagbanoe sehen Gleichun- 
gen für nicht holonome Koordinaten 
bedürfen 5, (293). 

Bband, A. Über die elektromotorische 
Kraft des Ozons 4, (245), 246. 

Bbix, Philipp Wilhelm f- 1, (102, 123), 
126. 



Cady, Walteb. Über die Energie der 
Kathodenstrahlen 1, (105), 181. 

Caspabi, W. sh. Aschkinass, E. 3, (150). 

Caspaby, F.f 3, (129). 

Cebebotani. Typend ruck telegraph 1, 
(211). 

Classek, J. Fresnel sehe Interferenzen 
an zwei planparallelen Platten als 
Vorlesungsversuch 5, (292), 297. 

D. 

Denizot, Alfbed. Über ein Pendel- 
problem von Eüleb 3, (191), 213. 

Dessaueb, Friedbich. Über einen Ver- 
such , die Burchdringungsföhlgkeit 
der X-Strahlen unabhängig vom Va- 
kuum zu regulieren 4, (260), 821. 

Deutsche Physikal. Gesellschabt. 
Vorschläge des wissenschafü. Aus- 
schusses für einheitliche Bezeich- 
nungen, Benennungen, Definitionen 
und Kegeln in der Physik 5, 68. 

Diesselhobst, H. Über die bisherigen 
Bestimmungen der Wärmeleitung 2, 
(236). 

— , sh. Jaegbb, W. 1, (241, 245); 2, 
(37), 39. 

DiETEBici, C. Über die Zustandsglei- 
chung von van beb Waals 1, (211). 

Dolezalek, f. Über ein einfaches 
und empßndliches Quadrantenelektro- 
meter 3, (9), 18. 

— Über die Energieänderungen bei 
Konzentrationsverschiebungen in kon- 
zentrierten Lösungen 5, (82), 90. 

— MelSeinrichtung zur Bestimmung 
von Selbstinduktion und Energiever- 
lust in Wechselstromapparaten 5« 
(186). 

DoBN, E. Beseitigung elektrostatischer 
Einflüsse bei Wägungen durch Ba- 
dium 5, (186), 189. 

Dbüde, P. Zur Theorie der magneto- 
optischen Erscheinungen 1, (105), 107. 



Alphabetisches Namenregister. 



465 



Bbube, P. Demonstration von Meß- 
apparaten für elektrische Schwin- 
gungen 5, (292), 294. 

— Bemerkungen zu der Arbeit von 
Hagen und Rubeks : „Über Beziehun- 
gen zwischen dem Reflexionsvermögen 
der Metalle und ihrem elektrischen 
Leitvermögen** 5, (141), 142. 

Dwbl8Hatjvers-Dery, f. V. Eine neue 
Theorie der Wimshurst sehen Ma- 
schine 4, (260), 276. 

— Über einen Fall von Induktion 4, 
(260), 278. 

E. 

Ebert, H. Rückstoß Wirkungen elektri- 
scher Wechselstromentladungen 1, 
(140), 141. 

— Nekrolog auf E. v. Lümmel 1,(210). 

— Die Dimensionen des dunklen Ea- 
thodenraumes bei verschiedenen Gasen 
2, (93), 99. 

Edler, J. Untersuchungen des Ein- 
flusses der VHgabundirenden Ströme 
elektrischer Straßenbahnen auf erd- 
roagnetiscbe Meßapparate 1,(146), 174. 

Elster, J. Elektrizitätszerstreuung in 
der freien Atmosphäre 1, (210). 

— Über Becquerelstrahlen 2, (1), 5. 

— u. Gbitel, H. Über den Einfluß 
eines magnetischen Feldes auf die 
durch die Becquerelstrahlen bewirkte 
Leitfähigkeit der Luft 1, (123 u. 139), 
136. 

Emden, R. Demonstration eines sehr 
rasch rotierenden Spiegels 1, (210). 

— Schlieren in einem Luftstralil 1, 
(211). 

— sh. Haoenbach-Bischofp, E. 1, 
(211). 

Esohenhagew, M. Über erdmagnetische 
Intensitätsvariometer 1, (146), 147. 

ESCHENHAOEN, MAXf 3, (163); 4, 79. 

Exmbe, Felix M. Zur inneren Lei- 
tung von Quarz bei 100 bis 150^ und 
von Olas bei Zimmertemperatur 3, 
(25), 26. 



Falleb, O. Eine neue Anschauung über 
die Reibung 1, (210). 

FiNKENER, R.t 4, (335). 

FOERSTER, W. Bemerkung zu dem 
„Nachruf für Johannes Pernet* von 
M. Thiesen 4, (191), 225. 

Fomm, L. Photographien der Struktur 
trockener Hölzer 1, (210). 

Friedenthal, Hans. Wieviel von der 
Verbrennungawärme von Brennstoffen 
läßt sich in mechanische Arbeit um- 
setzen? 4, (386), 387. 
I Fuchs, L.f 4, (189). 

G. 

Gehecke, E. Die Geschwindigkeits- 
änderung der Kathodenstrahlen bei 
der Reflexion 3, (100). 

— Das MicHELSONsche Stafengitter und 
das ZEBMANRche Phänomen 5, (177). 

— Über die Elektrolyse der Schwefelsäure 
bei großer Stromdichte 5, (234), 263. 

— sh. LüMMEB, O. 4, (336), 337. 

— u. LoMMEB, 0. Neuere Ergebnisse 
über die Auflösung feinster Spektral- 
linien 4, (2). 

Geitel, f. Über Radium und Polo- 
nium 1, (210). 

— sh. Elster, J. 1, (123, 139), 136. 
Gebstmann, Heinbioh. DieBestimmung 

des absoluten Gewichtes der Mole- 
küle nebst Beschreibung eines neuen 
Kalorimeters 1, (193), 194. 

Giebe, E. Über die Bestimmung des 
W arm eleitungs Vermögens bei tiefen 
Temperaturen 5, (49), 60. 

Giesel, J. Einiges über Badium-Ba- 
ryumsalze und deren Strahlen 2, (l), 9. 

Gleichen, A. Grundznge einer Diop- 
trik der Atmosphäre 1, (246); 2, 24. 

— Über eine Eigenschaft eines Systems 
von Wellennormalen 2, (41), 249. 

— Erweiterung der Laplace sehen 
Extinktionstheorie des Sternenlichtes 
2, (221), 222. 



466 



AlphabetiBches Namenregister. 



Gleichen, A. Die Scheitelkrümmung 
der Bilder auf der Netzhaut des 
Auges unter Berücksichtigung der 
Linsenschichtung 4, (3), 13. 

— Die Blendenstellung bei zentrierten 
optischen Systemen endlicher Öffnung 
5, (177), 193. 

Goldstein, E. Über Spektra von Gas- 
gemengen u.V. Entlailungsbüllen 2,110. 

— Über den sogenannten dunklen Ka- 
thodenraum 2, (114), 142. 

— Über umkehrbare Lichtwirkungen 
3, (181), 182. 

— Über das Phänomen der „Fliegenden 
Schatten" 3, (181), 189. 

— Über sichtbare und unsichtbare Ka- 
thodenstrahlen 3, (191), 192. 

— Über Kanalstrahleu 3, (191), 204. 

— Über den Einfluß der Lichtbrechung 
auf Beobachtungen an GEissLERschen 
Röhren 4, (3), 4. 

— Über die erste Schicht des Kathoden- 
lichtes induzierter Entladungen 4, 
(45, 76), 64. 

— Über Kathodenstrahlen von geringem 
Entladungspotential 4, (191), 204. 

— Über die Kanalstrahlengruppe 4, 
(227), 228. 

— Über einige Versuche mit dem 
GiESEL sehen Emanationskörper 5, 
(381), 392. 

Gbaetz, L. Über mechanische Bewe- 
gungen unter dem Einflüsse von Ka- 
thodenstrahlen und Böntgenstrahlen 
2, (54), 58. 

Gbimsehl, E. Über den Volta sehen 
Fundamentalversuch 4, (259), 262. 

— Analyse und Synthese von Schwin- 
gungen 5, (292), 303. 

— Neue physikalische ünterrichi sappa- 
rate 5, (293), 316. 

Gross, Th. Über molekulare Induktion 
5, (1), 39. 

Grunhach, Leo. Experimentelle Be- 
stimmung der Oberfläcljen Spannung 
von Flüssigkeiten aus geschmolzenen 
Metallen durch Messung der Wellen- 
länge von Oberflrtch<»n wellen 1, (2), 13. 



Gbunmach, Leo. Über den Einfluj» 
des Streckens duixh Zugbelastung 
auf die Dichte des Materials 1, (2). 

— Neue experimentelle Bestimmungen 
der Oberflächenspannung von Flüssig- 
keiten durch Messung der Wellenlänge 
der auf ihnen erzeugten Kapillar- 
wellen 4, (259). 279. 

Guericke, Otto von 4, (361), 362. 

Guggenheimer, Siegfried. Zur Kennt- 
nis des Puten tialgradienten bei der 
Entladung durch Röntgenstralilen 1, 
(207), 272. 

H. 

Hagen, E. sh. Rubens, H. 5, (291). 

— - u. Rubens, H. Das Reflexionsver- 
mögen von Metallen für ultraviolette 
Strahlen 3, (164), 165. 

— — Die Absorption ultravioletter, 
sichtbarer und ultraroter Strahlen in 
dünnen Meiallschichten 4, (45), 55. 

Über Beziehungen zwischen dem 

Reflexionsvermögen der Metalle und 
ihrem elektrischen Leitvermögen 5, 
(101), 113. 

Das Emissionsvermögen der Me- 
talle für Strahlen großer Wellenlänge 
5, (141), 145. 

Hagenbach. Reduzierende Wirkung 
elektrolytisch abgeschiedener Metalle 
1, (212). 

Hagenbach-Bischoff, E. u. Emden, R. 
Versuche mit Druckluft 1, (211). 

Hansemann, Gustav voNf 4, (227). 

Haupt, E. sh. Heüslee, Fr. 5, (217), 
220. 

— sh. Starck, W. 5, (217), 224. 
Heinoke, C. Über Wechselstromenergie 

1. (210). 

Heuse, W. Über den Potentialgra- 
dienten in Gasgemischen 1, (257), 269. 

— Über die Glimmentladung im Helium 

2. (12), 16. 

Heusler, Fr. Über magnet. Mangan- 
legierungen 5, (217), 219. 

— Über die Synthese ferromagnetischer 
Manganlegierungen 5, (217), 220. 



Alphabetisches Namenregister. 



467 



Heüslbb, Fb., Starck, W. u. Haopt, E. 
Magnetisch-chemische Studien 5, (217), 
220. 

HiLBERT. Über Mechanik der Eontinua 
5, (292). 

Hill, Bruce. Über die kalorimetrischen 
Eigenschaften der ferromagnetischen 
Körper 3, (101), 113. 

— Über das msgnetische Verhalten der 
Nickel-Kupfer- und Nickel-Zinnlegie- 
rungen 4, (191), 194. 

Holzknecht, Guido. Über die Erzeu- 
gung von Nachfarben durch Röntgen- 
strahlen 4, (3), 25. 

Hoppe, Reinhold f 2, (113, 181), 183. 



Jaeoer, "W. Beitrag zur Thermochemie 
der Normalelemente mit verdünnter 
Lösung 3, (47), 48. 

— u. DiESSELHOBST, H. ÜberWärmc- 
leitung und Elektrizitätsleitung in 
Metallen 1, (241 u. 245). 

Bemerkung zu einer Mitteilung 

des Herrn Edm. van Aübbl über 
Wärmeleitung 2, (37), 39. 

— u. Lindeck, St. Über Normalele- 
mente 3, (25). 

— u. Steinwehr, H. von. Bestimmung 
des Wasserwertes eines ' Bebthelot- 
Bchen Kalorimeters in elektrischen 
Einheiten. (Mitteilung aus der Phy- 
sikalisch-Technischen Reichsanstalt) 
5, (49), 50. 

Erhöhung der kalorimetrischen 

MeiJ;5enauigkeit durch Anwendung 
von Flatlnthermometern. (Mitteilung 
aus der Physikalisch - Technischen 
Reichsanstalt) 5, (351), 353. 



K. 



Kahlbaük, H. Metalldestillation 1, 

(211). 
— , G. W. A. Erwiderung an Herrn 

F. Nbesen 4, (45), 72. 
Karsten, Gustav f 2, (71), 160. 



Kaufmann, W. Über eine Methode 
zur direkten Bestimmung magneti- 
scher Momentanwerte 1, (8, 49), 42. 

— Demonstration der elektrostatischen 
Ablenkung der Kathodenstrahlen 1, 
(81), 88. 

— Versuch einer Erklärung des dunklen 
Kathodenraumes 2, (114), 137. 

— Über die magnetische Masse des 
Elektrons 4, (260). 

Ketteler, Eduard t 2, (235). 

Klemencio, J. Versuch über das Mit- 
schwingen nach BOLTZMANN 1, (211). 

KÖNIG, Arthur! 3, (150), 149. 

KoENiGSBBROER, J. Über die Abhängig- 
keit der optischen Konstanten der 
Metalle von der Temperatur 1, (246), 
247. 

KoHLRAüSCH, F. Nachruf auf G. Wiedb- 
MANN 1, (153), 155. 

— Über die Temperatur Verteilung in 
einem elektrisch geheizten, zusammen- 
gesetzten Leiter 1, (241). 

— Über einige durch die Zeit oder 
durch Belichtung hydrolysierte Lö- 
sungen von Chloriden 1, (257), 259. 

— Beobachtungen an Becquerelstrahlen 
und Wasser 5, (186), 261. 

Kotzauer. Ursächliche Entwickelung 
der Naturerscheinungen und der Ent- 
wickelung derselben im Weltall aus 
zwei Grundstoffen 4, (261). 

Krebs. Über Luftdruckbeobachtungen 
in Britisch-Indien und Luftwogen 1 
(212). 

KuRLBAUM, F. Über das Emissions- 
und Absorptionsvermögen von Platin- 
schwarz und Ruß 1, (66). 

— Über Temperatur und selektive 
Emission leuchtender Flammen 4, 
(29). 

— Demonstration des Holborn -KuRL- 
BAUM sehen und des Wanner sehen 
optischen Pyrometers 4, (347). 

— , sh. LUMMER, 0. 2, (79), 89. 

— u. Rubens, H. Über die Emission 
langer Wellen durch den schwarzen 
Körper 2, (181). 



468 



Alphabetisches Namenregister. 



KuRLBAüM, F. u. Schulze, Günthbb. t 
PyrometriscUe Untersuchungen an 
Nernstlanipen und Hohlkörpern aus 
Nernstmasse 5, (427), 428. 



Lampb , E. Zum Gedächtnis von 
Philipp Wilhblm Brix 1, (123), 
125. 

— Nachruf für Prof. Dr. Beinhold 
Hoppe 2, (181), 183. 

— Georq Bernhard Schwalbe f 3, 
(57), 58. 

— Bemerkungen zu der Frage nach 
der günstigsten Form der Geschoß- 
spitzen gemäß der Newton sehen 
Theorie 3, (lOl), 119. 

— Weitere Bemerkungen zu der Frage 
nach der günstigsten Form der Ge- 
schoßspitzen gemäß der Newton sehen 
Theorie 3, (150), 151. 

Lange, C. f 1, (139). 

— . Prof. Dr. Julius t 5, (351). 

Lecheb, E. Schirmwirkung der Gase 
gegen elektrische Schwingungen 4, 
^259), 307. 

Lehmann, 0. Üher Struktur, System 
und magnetisches Verhalten flüssiger 
Kristalle 2, (71), 72. 

Leithäuseb, G. Über den Geschwin- 
digkeitsverlust der Kathodenstrahlen 
beim Durchgang durch dünne Metall- 
schichten 4, (251). 

Levy , M. Quecksilberstrahl - Unter- 
brecher 1, (211). 

Lewis, P. Über den Einfluß kleiner 
Beimengungen zu einem Gase auf 
dessen Spektrum 2, (93). 

LiEBBNOW, G. Thermodynamische Be-' 
rechnu n g thermo-ele k tromotori scher 
Kräfte metallischer Leiter 1, (66, 81), 
74, 82. 

Liebknecht, O. sh. Bois, H. du 1, (214), 
236; 2, (12). 19. 

— sh. WiLLS, A. P. 1, (154), 170. 
Lindbck, St., sh. Jaegeb, W. 3, 

(25). 



LoHMEL, Bügen von t- 1» (153, 
210). 

LowNDS, L. Zur Kenntnis desthermo- 
magnetischen Longitudinaleffektes in 
Wismut 3, (2), 3. 

LüHMEB, O. Zueinander komplementäre 
Interferenzerscheinungen im reflek- 
tierten Lichte 2, (79). 

— Geschichtliches über das DBAPBBsche 
Gesetz und den schwarzen Körper 2, 
(221). 

— Eine neue Interferenzmethode zur 
Auflösung feinster Spektrallinien 3, 
(77, 99), 85. 

— Ein neues Interferenz - Photo - und 
Pyrometer 3, (130), 131. 

— Hypothese über den Vorgang bei 
der Totalreflexion 4, (40). 

— Beitrag zur Klärung der neuesten 
Versuche von R. Blondlot über die 
n-Strahlen 5, (415), 416. 

— sh. Gehbcke, E. 4, (2). 

— u. Gehbcke, E. Über die Interferenz 
des Lict>tes bei mehr als zwei Millio- 
nen Wellenlängen - Gangunterschied 
4, (336), 337. 

— u. Kublbaum, f. Über das Fort- 
schreiten der photometriscben Hellig- 
keit mit der Temperatur 2, (79), 89 

— u. Pbingsbeim, E. Die Energievertei- 
lung im Spektrum des schwanen 
Körpers 1, (3), 23. 

Die Verteilung der Energie im 

Spektrum des schwarzen Körpers 
und des blanken Platins 1, (214), 
215. 

— — Temperaturbestimmung fester 
glühender Körper 1, (214), 230. 

Über die Strahlung des schwanen 

Körpers für lange Wellen 2, (87), 
163. 

— — Temperaturbestimmung hoch- 
erhitzter Körper (Glühlampe usw.) 
auf bolometrischera und photometri- 
schem Wege 3, (24), 86. 

Die strahl ungs theoretische Tem- 

peraturskala und ihre Verwirklichung 
bis 2300' abs. 5, (2), 3. 



Alphabetisches Namenregister. 



469 



M. 

Maeckwald, M. Über Phototropie 
1, (212). 

— , W. Über das radioaktive Wismut 
(PolODium) 4, (251, 259), 252. 

Mabtens, f. f. Neues Polarisations- 
photometer für weißes Licht 1, (193), 
204. 

— Neues Polarisationsphotometer für 
weißes Licht 1, (211). 

— Neues Vergleichskolorimeter für 
Spektroskope 1, (211). 

— Über eine neue photometrische Ver- 
gleichsvorrichtung mit Zwillings- 
prisma 1, (258), 278. 

— Über eine Neukonstruktion des 
KÖNIG sehen Spektralphotometers 1, 
(258), 280. 

— Neuer Flammenmesser für Hefner- 
lampen 2, (107), 108. 

— Über ein einfaches Spektrometer 
und die wichtigsten direkten Me- 
tboden zur Bestimmung v. Brechungs- 
exponenten 3, (9), 10. 

— Über die Dispersion ulti-a violett. Strah- 
len in Steinsalz und Sylvin 3, ( 25), 31. 

— Ein großes Präzisionsspektrometer 
mit Einrichtung zur Spektralphoto- 
graphie 3, (130). 

— Die Brechungsindizes von Quarz 
und Flußspat 3, (130). 

— Ein Vorlesungsversuch über sphä- 
rische Aberration 4, (39), 43. 

— Erzeugung von Fresnel sehen Inter- 
ferenzstreifen mittels eines recht- 
winkligen Prismas 4, (39), 43. 

— Über den Einfluß des Atomgewichtes 
auf die Eigenschwingung, Dispersion 
und Farbe von darchsichtigen Ele- 
menten und Verbindungen 4, (137), 1 38« 

— Über ein Prismenspektroskop mit 
konstanter Bichtang des austretenden 
Strahles 4, (245), 255. 

— Über ein neues, tragbares Photo- 
meter für weißes Licht 5, (129), 149. 

— Demonstration zweier Photometer 
5, (292). 



Mabteks, f. f. Über einen neuen 
Beleuchtungsmesser 5, 436. 

Marx, fi. Zur Kenntnis der Flam- 
meuleitung. (Bemerkung zu der Ar- 
beit des Herrn Starke) 5, (427) 441. 

Maurer, H. Erd magnetische Beob- 
achtungen in Deutsch • Ostafrika 1, 
(212). 

Met, K. Über das Eathodengefalle der 
Alkalimetalle 5, (67), 72. 

Meter, Edgar. Über die Absorption 
der ultravioletten Strahlung in Ozon 
5, (82), 124. 

— , Stefan. Bemerkung zu der Ab- 
handlung der Herren H. du Boib 
und O. Liebknecht : Molekulare Sus- 
zeptibilität der Salze seltener Erden 
1, (257), 275. 

MiCHELi, J. Über den Einfluß der 
Temperatur auf die Dispersion ultra- 
violetter Strahlen in Steinsalz, Fluß- 
spat, Quarz und Kalkspat 3, (181). 

Miethe, A. Versuche mit radioaktiver 
Substanz 3, (2). 

MiNKOWSKY. Über Kapillarität 5, (292). 

MOLLIER, B. Daten, -welche die Eigen- 
schaften der Gase und Dämpfe be- 
stimmen , insbesondere spezifische 
Wärme, latente Dampfwärme und 
Dichte 1, (211). 

MÜLLER • Erzbach , W. Der nach der 
Verdunstung dynamisch gemessene 
relative und absolute Dampfdruck 
des Quecksilbers und anderer Flössig- 
keiten 2, (114), 127. 

— Neue Beobachtungen über den Ad- 
sorptionsvorgang 4, (29), 85. 



N. 



Neesen, f. Ein mechanischer Wider- 
stand beim Auftreten von Kathoden- 
strahlen 1, (66), 69. 

— Vereinfachungen an der selbsttätigen 
Kolben - Quecksilberluftpumpe u. ver- 
gleichende Versuche über die Ge- 
schwindigkeit der Wirkung verschie- 
dener Luftpumpenarten 1, (81), 90. 



470 



Alphabetisches Namenregister. 



Nbeskn, f. Bemerkung zu der Mitteilung 
von Herrn H. Ebert 1, (246), 253. 

— Vorführung einer Kolben-Quecksilber- 
luftpumpe 2, (81), 82. 

— Die während der dänischen Ex- 
pedition, welche unter Leitung von 
Adam Paulsen im Winter 1899/1900 
nach Island zur Erforschung der 
Nordlichtei-scheinuDgen entsandt war, 
vom Maler Grafen Moltke aufge- 
nommenen Bilder und die allgemeinen 
vorläufigen Ergebnisse 2, (211), 218. 

— Bemerkung zu einem Aufsatz von 
Herrn Kahlbaüm über Queckailber- 
luftpumpen 4, (29), 30. 

— Erwiderung an Herrn G. W. A. Kahl- 
baüm 4, (127), 136. 

— Mitteilung über Vorschläge einer 
vom Ausschuß d. elektrotechn. Vereins 
niedergesetzten Kommisaion in betreff 
einheitlicher Bezeichnungen 4, (227). 

— Bestimmung der Geschwindigkeit 
und Umdrehungszahl eines Geschosses 
am Ende der Flugbahn 4, (379), 380. 

— Bestimmung der Geschoßachsenrich- 
tung am Ende der Flugbahn 5, (101), 
110. 

— Bemerkungen zu den Vorschlägen 
des wissenschaftlichen Ausschusses 
der Deutschen Physikalischeu Gesell- 
schaft für einheitliche Bezeichnungen 
5. (234), 251. 

— Über die Frage der Beeinflussung 
von Kathodenstrahlen 5, (292), 296. 

— Demonstration einer Quecksilber- 
pnmpe 5, (292), 296. 

Nebnst, W. Zur Bestimmung hoher 

Temperaturen 5, (291). 
Neumakn, ELSEf 4, (335). 

0. 

Obekbeck, Anton t 2, (235). 

Ostmann, P. Über die praktische An- 
wendung des objektiven Hörmaßes 
5, (293), 840. 

Ostwald, W. Periodisch veränderliche 
Keaktion»geschwindigkeit 1, (212). 



p. 

Pasche, O. Über ein Verfahren zur 
Elimination der Sekundärstrahlung 
in der Röntgentechnik 5, (292). 

Pernbt, Johannes t 4, (38), 128. 

Petzold , M. Diapositive mit stereo- 
skopischer Wirkung 5, (291), 347. 

Pictet, Raoul. Beitrag zur Klärung 
der Theorie der Linde sehen Luft- 
Verflüssigungsmaschine 4, (336). 

Planck, M. Irreversible Btrahlungs- 
vorgänge 1, (211). 

— Deduktion der Strahlongsentropie 
aus dem zweiten Hauptsatz der 
Thermodynamik 2, (37). 

— Über eine Verbesserung der Wien- 
schen Spektralgleichung 2, (181), 202. 

— Ein venneintlicher Widerspruch 
des magneto - optischen Farad ay- 
effektes mit der Thermodynamik 2, 
(205), 206. 

— Über das sogenannte Wien sehe 
Paradoxon 2, (235). 

— Zur Theorie des Gesetzes der Energie- 
verteilung im Normalspektrum 2, 
(235), 237. 

— Vorlegung einiger von H. Haga und 
0. H. Wind angefertigten Photo- 
gramme zum Nachweis der Beugung 
von Röntgenstrahlen 4, (379). 

PosKE, F. Zum Gedächtnis Otto von 

GUERIOKEs 4, (361), 362. 
Pringsheim, E. Berichtigung 1, (102), 

104. 

— Referat über Lord Kelvins Ab- 
handlung: The Age of the £arth as 
an Abode fitted for Life 1, (145). 

— Verteilung der Energie im Spektrum 
des suhwsrzeu Körpers 1, (211). 

— Einfache Herleitung des Kibchhoff- 
schen Gesetzes 3, (77), 81. 

— sh. LUMMER, O. 1, (3), 23; 1, (214), 
215; 1, (214), 230; 2, (37), 163; 3, 
(24). 36; 5, (2), 3. 

Prytz, K. Ein Verfahren zur Dar- 
stellung größerer Mengen von Argon 
5, (205), 206. 



Alphabetisches Namenregister. 



471 



Q. 

Quincke, G. Über Oberflächenspan- 
nung und flüssige Niederschläge 4, 
(45), 46. 

— Über Kristalle 5, (lOl), 102. 

R. 

Baehlmann, E. Weitere Mitteilung 
über ultramiki'oskopische Unter- 
suchung von Farbstoffmischuogen 
und ihre physikalisch-physiologische 
Bedeutung 5, (293), 330. 

Eamsay , W. Über die neuentdeckten 
Gase Argon, Helium, Neon, Krypton 
und Xenon 1, (212). 

Rasch, Ewald. Flammen- und Eflfekt- 
bogenlicht. Erwiderung auf den 
gleichnamigen Aufsatz des Herrn 

W. BlEGON V. CZÜDNOCHOWSKI 5, 

(234), 276. 

Beich, M. sh. Simon, H. Th. 5, (292). 

BiCHABZ, F. Bemerkung über das Ge- 
setz von DULONG und Petit 1, (3, 
49), 47. 

BüBENS, H. Demonstration der Ein- 
richtungen seines neuen Hörsales 
unter Vorführung einiger Versuche 
2, (11). 

— Demonstration einiger Versuche mit 
Beststrahlen von Quarz und Flußspat 
5, (291). 

— sh. Hagen, E. 3 (164), 165; 4, (45), 
55; 5, (101), 113; (141), 145. 

— sh. KüRLBAUM, F. 2, (181). 

— u. AscHKiNASS, E. Isolierung lang- 
welliger Wärmestrahlen durch Quarz- 
prismen 1, (1), 11. 

Vorlesungsversuch über die magne- 
tische Ablenkbarkeit der Becquerel- 
strablen 2, (11), 13. 

— u. Hagen, E. Über die optischen 
und elektrischen Eigenschaften der 
Metalle 5, (291). 

BüNOE, C. über die spektroskopische 
Bestimmung des Atomgewichtes 5> 
(293), 313. 



S. 



Schaefeb, Clemens. Über den Ein- 
fluß der Temperatur auf'die Elasti- 
zität der Metalle 2, (114), 122. 

— sh. A8CHKINA88, E. 3, (77). 

Schaum, Kabl. Über den photogra- 
pbischen Negativprozeß 4, (259), 292. 

ßCHEBL, Kabl. Bericht über den inter- 
nationalen Katalog der wissenschaft- 
lichen Literatur 5, (81), 83. 

— Über die Ausdehnung des amorphen 
Quarzes. (Mitteilung aus der Physi- 
kalisch - Technischen Beichsaustalt) 
5, (101), 119. 

— Über die Spannkraft des Wasser- 
dampfes unter 0* 5, (234), 287. 

— sh. Thiesen, M. 1, (140). 
Schmidt, G. C. Über den Einfluß der 

Temperatur auf das Poteutialgefälle 
in verdünnten Gasen 1, (257), 265. 

— , N. Eine Beobachtung an sensiblen 
Flammen 2, (12), 22. 

Schönbock, O. Über die Abhängigkeit 
der speziflschen Drehung des Zuckers 
von der Temperatur 2, (81). 

— sh. Wachsmuth, B. 4, (137), 
183. 

Schrötteb, Hbbmann V. Demonstration 
eines Apparates zur Bestimmung der 
chemischen Lichtintensität 4, (261), 
296. 

Schulze, A. Über die Wärmeleitung 
von Wismut im magnetischen Felde 
1,(49). 

— Über eine Methode zur Bestimmung 
der Wärmeleitfähigkeit fester Körper 
1, (49). 

— , GüNTHEB sh. Kublbaum, P. 5, 
(427), 428. 

Schumann, V. Photographische Auf- 
nahme mit neuen, ultraviolett - emp- 
findlichen Platten 3, (9). 

Schwalbe, B. H. W. Vogel f li (3), 
60. 

— Nachruf auf G. Kabsten 2, (145), 
147. 

— , GEOBG BERNHABDt 3, (57), 58. 



472 



Alphabetisches Namenregister. 



81EDBNTOPF, Q. u. ZsiGMONDY, R. Über 
Größen besÜDimuDg ultramikroskopi- 
scher Goldteilcben 5, (205), 213. 

SiosFELD, Hans Bartsch v. f 4, (99), 88. 

Simon, H. Th. und Reich, M. Über 
Erzeugung hochfrequenter Wechsel- 
ströme und ihre Verwendung zur 
drahtlosen Telegrapfaie 5, (292). 

Spiss, P. u. Wehnelt, A. Über den 
elektroiy tischen Unterbrecher 1, (3), 53. 

Stabck, W. und Haupt, B. Über die 
magnetischen Eigenschaften von eisen- 
freien Manganlegierungen 5,(217), 224- 

— sh. HeüSLEK, Fe. 5, (217), 220. 
Stark, J. Über elektrische Wirkungen 

einer partiellen Erhitzung eines durch- 
strömten Oases 2, (81), 84. 

— Kritische Bemerkungen zu der Mit- 
teilung der Herren Austin u. Starke 
über Kathodenstrahlreflezion 4,(137), 
167. 

— Der abnormale Kathodenfall des 
Glimmstromes 5, (1), 23. 

— Über eine eigenartige Erscheinung 
am Quecksilberlichtbogen im Magnet- 
felde 5, (81), 87. 

Starke, H. Ein Refraktometer zur 
Bestimmung des Brechungsexponenten 
von Flüssigkeiten mit dem Mikroskop 
1, (102), 117. 

— Über die Reflexion der Kathoden- 
strahlen 2, (107). 

— Ein Unterbrecher hoher Schwingungs- 
zahlen zur Anwendung bei der Be- 
stimmung^ von Leitfähigkeiten usw. 
mittels Wheatstone scher Brücke und 
Telephon 3, (100). 

— Über einen Wehnelt sehen Unter- 
brecher für ganz schwache Ströme 
3, 125. 

— Berichtigung 3, 148. 

— Erwiderung auf die kritischen Be- 
merkungen des Hrn. J. Stark bezüg- 
lich der Arbeit: Austin- Starke, Über 
Kathodenstrahlreflexion 4, (191), 212. 

— Über eine Interferenzbeobachtung 
an Lippmann sehen Spektralphotogra- 
phien 4, (361), 377. 



Starke, H. Die magnetische u. elek- 
trische Ablenkbarkeit reflektierter 
und von dünnen Metallblättchen hin- 
durchgelassener Kathodenstrahlen 5, 
(2). 14. 

— Über die elektrische und magnetische 
Ablenkung schneller Kathodenstrahlen 
5, (233), 241. 

— Über den Föten tialverlauf bei der 
Elektrizitätsleitung durch Gase, ins- 
besondere der Flammenleitung 5, (363), 
364. 

— Über die unipolare Leitung in Oasen 
5, (363), 377. 

— sh. Austin, L. 4, (77), 106. 
Steinwehr, fi. v., sh. Jaeqbr, W. 5, 

(49), 50; (351), 353. 

Stevens, E. H. Über Schallgeschwin- 
digkeit in Luft bei hoher Temperatur 
3, (25), 54. 

Stöckl, K. Das FEDOROwsche üni- 
versalgoniometer in der Konstruktion 
von FüESS. Anwendung dieses Listru- 
mentes zur Auflösung sphärischer 
Dreiecke 5, (67), 76. 

Strasser, B. sh. Warbürg, E. 5, (233), 
269. 

Straübel, R. Über die Energiebahnen 
des gebeugten Lichtes 1, (211). 

— Zusammenhang zwischen Absorption 
und Auflösungsvermögen 4, (260), 323. 

— Über einen allgemeinen Satz der 
geometrischen Optik und einige An- 
wendungen 4, (260), 328. 

— Demonstration eines Literferenzmeß- 
apparates 4, (261). 

T. 

Teichner, G. sh. Traube, J. 5, (218), 

235. 
Thiesen, M. Über das Gesetz der 

schwarzen Strahlung 2, (87), 65. 

— Über allgemeine Naturkonstanten 2, 
(114), 116. 

— Über die angebliche Anomalie des 
Sauerstoffs bei geringem Drucke 3, 
(57). 



Alphabetisches Namenregister. 



473 



Thissen, M. über die Bohb sehe Ano- 
malie 3, (77). 80. 

— Über den Keibungswiderstand des 
Lichtäthers 3, (164), 177. 

— Über die gegenseitige Zuordnung der 
Elemente zweier Scharen nach den 
Gesetzen des Zi^falls 4, (77), 98. 

— Nachruf für Johannes Pbenet 4, 
(127), 128. 

— Zur Theorie der Diffusion 4, (347), 
348. 

— Dasselbe. (Zweite Mitteilung.) 5, 
(129), 130. 

— Über stationäre Flüssigkeitsstrom ung 
5, (351). 

— u. Scheel, K. Über eine Bestim- 
mung der Spannkraft des Wasser- 
dampfes bei und in der Nähe von 0^ 
1, (140). 

Tbaube, J. Theorie der kritischen Er- 
scheinungen und der Yerdampfaug. 
Beitrag zur Theorie der Lösungen 4, 
(137). 

— Beitrag zur Theorie von van der 
Waals 4, (259). 

— u. Teichnee, G. Zur Theorie des 
kritischen Zustandes 5, (218), 235. 



YiBCHOW, Rudolf t 4, (335). 
Vogel, H. W.f 1, (3), 60. 
Voigt, W. Über pleochroi tische Kri- 
stalle 4, (379). 

— Über eine neue Methode, die opti- 
schen Konstanten von Metallen im 
ultravioletten Lichte zu bestimmen 
4, (379). 

VOLLEB, A. Demonstration der Slaby- 
schen und Braun sehen Apparate zur 
Wellentelegraphie 4, (261). 

w. 

Wachsmüth, R. Schneidentöne und 
Labialpfeifen 5, (292), 299. 

— u. Schönrock, 0. Beiträge zu einer 
Wiederholung des MASCARTschen Ver- 
suches 4, (137), 183. 



WANDSB8LEB, E. Über einen neuen 
Apparat zur Betrachtung von Photo- 
graphien vom richtigen Standpunkte 
aus 5, (415). 

Wabbübg, E. Bemerkung über die 
Temperatur der Sonne 1, (49), 50. 

— KiOHi Scherversuch über das optische 
Verhalten des Natriumdampfes im 
magnetischen Felde 1, (67). 

— Über die Wärmeeinheit 1, (211). 

— Über die Wärmeleitung verdünnter 
Gase 2, (55). 

— Bemerkungen über den Nickelstahl 
2. (145). 

— Über die Wirkung der Strahlung 
auf die Funkenentladung 2, (211), 212. 

— Über die Polarisationskapazität des 
Platins 3, (101), 102. 

— Über leuchtenden elektrischen Wind 

4, (259, 361), 294. 

— Über die galvanomagnetischen und 
thermomagnetischen Effekte in Anti- 
mon und Wismut (nach Versuchen 
von Guy Barlow) 5, (363). 

— Zur Theorie der Siemens sehen Ozo- 
nisierungsapparate 5, (381,415), 382. 

— und Strabser, B. Zum Verhalten 
sogenannter un polarisierbarer Elek- 
troden gegen Wechselstrom 5, (233), 
269. 

Weber, C. L. Vorschlag zu der Auf- 
gabe, Kompaßablesungen zu über- 
tragen 3, (47). 

Wehnelt, A. Einige neuere Versuche 
über den elektroly tischen Unterbrecher 
1. (146). 

— Eine Braun sehe Röhre für elektro- 
statische Ablenkung 5, (l), 29. 

— Ein einfacher Oszillograph 5, (141), 
178. 

— Über Kathodenstrahlen an glühen- 
den Kathoden. (VorläufigeMitteilnng.) 

5, 255. 

— Über eine BöntgenrÖhre mit ver- 
änderlichem Härtegrad 5, 259. 

— Bemerkung zur Mitteilung des Herrn 
Prof. A. Blondel „Sur les oscillo- 
graphes*" 5, 268. 



474 



Alphabetisches Namenregister. 



Wbhnblt, A. Über die Phosphores- 
zenzerregung; durch langsame Ka- 
tbodenstrahlen 5, (415), 423. 

— sb. Spies, P. 1, (3) 53. 
Wesendonk, K. V. Einige Bemerkungen 

über die Betttimmung der kritischen 

Temperatur 5, (233), 238. 
West, J. Über den Telephonographen 

von POULSEN 2, (205). 
WiEDEBURG, O.t 3, (129). 
WlBDBMANN, GUSTAVf 1, (101, 153), 155. 

Wien, Max. Über die Empfindlichkeit 
des menschlichen Ohres für Töne ver- 
schiedener Höhe 4, (260), 297. 

— Demonstration eines mechanischen 
Modelle« zur Bbaun sehen Methode 
der Wellen telegraphie 4, (261). 

WiLLS, A. P. sh. DU BOIS, H. 1, (153), 
168. 

— und Liebknecht, O. Molekulare 
Suszeptibilität paramagnetischer Salze 
1, (154), 270. 



I Wood, E. W. Cyaninprismen 3, (9). 

I WüLLNEB, A. Über Spektren der Ka- 
thoden- und Kanalstrablen 1, (210). 

I Wulff. Methoden der künstlichen Kri- 
stallzucht 1, (212). 

z. 

I Zachabias, J. über neue magnetische 
I Untersuchungen und die Mechanik 
der magnetischen Erscheinungen 5, 
(49). 
, Zehndeb, L. Über neue Wirkungen 
I von Kathodenstrahlen u. Lichtstrahlen 
i (Vorläufige Mitteilung.) 5. (l), 35. 
ZSCHIMMEB, E. Über neue Glasarten 
von gesteigerter ultra violettdurch- 
lässigkeit 5, (292), 312. 
ZsiOHONDY, B. über kolloidale Gold- 
lösungen und Goldrubiugläser 5, (205), 
I 209. 
; — sh. SiEDBNTOPF, H. 5, (205), 213. 



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geb. in i-lalbfranz M. 31. — . 



Leo Koenlgsberger's große Helmholtz -Biographie ist 

nach dem einstimmigen Urteile der Presse als eine biographische 
Leistung ersten Banges anerkannt worden und für die gesamte 
wissenschaftliche Welt imd für weite Kreise des gebildeten PubK- 
kums Ton dem größten Interesse. 

Die Entwickelung, das Leben und Wirken und die Bedeu- 
tung einer Persönlichkeit zu schildern, die durch den Umfang und 
die Tiefe des Wissens und die Macht des Könnens die meisten 
ihrer Zeitgenossen überragt, aUe Welt durch das Produkt ihrer 
Arbeit während mehr als eines halben Jahrhunderts in Staunen 
und Bewunderung versetzt und der Wissenschaft neue fundamen- 
tale Lehren geschenkt und neue Wege zu fruchtbarer Tätigkeit 
gewiesen hat, war eine ebenso reizroUe wie schwierige Aufgabe, 
deren Durchführung dem Verfasser, welchem nicht nur die Feder, 
sondern auch die auf eingehender Sachkenntnis ruhende Teil- 
nahme für Person und Stoff zu Gebote stand, in yoUendetem 
Maße gelungen ist. 

Dem großen Naturforscher und Gelehrten ist mit 
dieser meisterhaften Darstellung seines in der Geschichte 
der Wissenschaft wohl einzig dastehenden Entwicke- 
lungsganges und seiner unvergleichlichen Lebensarbeit 
ein würdiges biographisches Denkmal errichtet worden, 
wie es der Mit- und Nachwelt nicht schöner überliefert 
werden konnte. 



Zu betUehen durch aUe Buehhanähing0n, 



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