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Full text of "Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich"

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THE UNIVERSITY 

OF ILLINOIS 

LIBRARY 

506 
zu 

V- 12-15 



Yierteljahrsschrift 



der 



Natnrforschenden Clesellschaft 



jwii^a. 



IRedig-irt 



J3r. DRudolt" "Wolf, 

Prof. der Astronomie in Zürich. 



ZwTÖlfter Jahrgang. 



in Comission bei Salomon Höhr. 

1867. ] 



SOQ> 
Z-U. 



Inhalt. 



Seite. 
Baltzer, über die Einwirkung von Chloracelyl auf Zucker- 

säureälher und Anissäure 303 

Dybkowsky und Fick, über die Wärmeentwickelung beim 

Starrwerden des Muskels 321 

Egli, die Entdeckung der Nilquellen .... 16 

Eulenburg, zur Frage über die Zuckerbildung in der Leber 232 
Fritz, über die Häufigkeit und die Richtung der bichl- 

barkeit des Polarlichtes ...... 350 

Graberg, geometrische Millheilungen .... 391 

Mayer, Mollusques tertiaires du Musee föderal de Zürich 241 

Slädeler, über die Constitution der Phenylschwefelsäure 221 

Stahl, über die Theorie der Gasabsorption ... 1 

Wartlia, Beiträge zur qualitativen Analyse . 151 
Wislicenus, Mitlheilungen aus dem Universitätslaboralo- 

riura Zürich 166 

Wolf, astronomische Mittheilungen . . . . . 109 



Fritz, Mittheilung über eine Erdbebenperiode . 209 

— Beitrag zur krilischen Untersuchung der alleren Ko- 

inetenverzeichni.sse . .311 

Hohl, Auszug aus dem Wochenrapporte des Telegraphen- 
Bureau Zürich ....... 106 



625819 



IV 

Seite. 
Weilemann, das IVI eor vom 11. Juni 1867 .... 211 
Wolf, Nolizcn zur i hweiz. Kulturgeschichte 106 218 401 

— Abweichung der Magnetnadel in Zürich .... 399 

— Generalregisler über die Bände 1 — 12 .... 403 
V. Wyss, Naturereignisse ........ 399 



lieber die Theorie der Uasabsorption 



von 
Josef Stahl. 



Wenn gasförmige Körper mit i'esten oder flüssigen 
in Berüiirung kommen, so tritt in Folge der Moleciilar- 
wirkung der Oberflache der festen oder flüssigen Körper 
die Erscheinung auf, die man Gasabsorption nennt; 
ausserdem müssen sich an der Oberfläche der festen 
und flüssigen Körper die Gase condensiren. Die Er- 
scheinung der Absorption der Gase ist schon frühe 
von den Piiysikern untersucht worden und Henry hat 
zuerst das Gesetz gefunden, dass bei gleichbleibender 
Temperatur die von einem Körper absorbirten Gas- 
mengen dem äussern Drucke des Gases proportional 
sind. Hierauf hat Dalton Sätze über die Gasabsorp- 
tion und über die Absorption von Gasgemengen aus- 
gesprochen, aber dieselben haben keine rechte An- 
erkennung finden können. Um das He nry'sche Gesetz 
und die Dalton'sche Theorie zu prüfen, haben in 
neuester Zeit Bunsen, Carius, Schön feld, Ros- 
coe und Ditmar und Andere Versuche angestellt und 
sie sind zu folgenden Resultaten gelangt: Für Körper, 
welche nicht sehr beträchtliche Gasquantitälen ab- 
sorbiren, gilt das He nry'sche Gesetz strenge; was 
aber die andern Körper anbelangt, welche beträcht- 
liche Gasquantitäten absorbiren, so können Abweich- 
ungen von diesem Gesetze stattfinden, ja es kann der 
Fall eintreten, dass wenn der äussere Gasdruck von 
einer gewissen Grenze an vermehrt wird, gar kein 

XII. 1. i 



•y ' stahl, über die Theorie der Gasabsorption. 

Gas mehr absorbirt wird. Tritt aber die letztere Er- 
scheinung ein, so wird sie nur bei niederen Tempe- 
raturen beobachtet, mit der Erhöhung der Temperatur 
treten wieder Aenderungen in den absorbirten Gas- 
mengen mit dem Drucke ein, welche sich bei fortge- 
setzter Erhöhung der Temperatur dem Henry-Dai- 
ton'schen Gesetze gemäss zu verhalten anfangen, 
und von einer gewissen Temperatur an hinauf, gilt 
das Henry -Dal ton 'sehe Gesetz wieder strenge. 
Es ist ferner beobachtet worden, dass sich diesem Ge- 
setze gemäss alle permanenten Gase verhalten, dass 
aber für niedere Temperaturen oder sehr beträcht- 
liche Drücke diejenigen Gase Abweichungen von 
diesem Gesetze darbieten, welche durch Druck oder 
Erniedrigung der Temperatur in den flüssigen Zustand 
übertreten können. Die Erklärung dieser Erschei- 
nungen liegt nahe. In Folge der Molecularanziehun^ 
der Oberfläche des Absorbenten dringen in den von 
den Körpermolecülen des Absorbenten leer gelassenen 
Raum die Gastheilchen ein und das Gas erleidet da- 
selbst eine Verdichtung. So lange das Henry 'sehe 
Gesetz statt hat, ist man sicher, dass auch die ab- 
sorbirten Gase sich im Gaszustande beflnden. Ist das 
Gas ein condensirbares, so kann in Folge der Mole- 
cularwirkung der Oberfläche des Absorbenten und 
durch Steigerung des Druckes des äussern Gases der 
Druck des absorbirten Gases so gross werden, dass 
das Gas dem Zustande nahe kommt, in welchem es 
in den flüssigen Zustand übertritt; für diesen Fall be- 
obachtet dasselbe, obgleich noch im gasförmigen Zu- 
stand, das Mariotte'sche Gesetz nicht mehr, und es 
treten Abweichungen vom Henry'schen Gesetze ein. 



Stahl, über die Theorie der Gasabsorplion. 3 

Bei einem gewissen Drucke aber geht alles absorbirte 
Gas in den flüssigen Zustand über und es scheint, 
dass dabei plötzlich eine sehr beträchtliche Zunahme 
der absorbirten Gasmenge eintreten muss; dieser Mo- 
ment liesse sich daher sehr leicht beobachten. So- 
bald aber das Gas in den flüssigen Zustand überge- 
treten ist, darf dann, so lange keine anderwärtigen 
Veränderungen stattfinden , bei einer weiteren Ver- 
mehrung des Druckes der äussern Gasmasse kein 
Gas mehr absorbirt werden. 

Prof. Stefan ist, wie mir scheint, der erste und 
der einzige gewesen, der die Absorption der Gase der 
Rechnung unterworfen hat. Seine Theorie, die sich 
inden Abhandlungen der Wiener Akademie vom Jahre 
1858 befindet, erstreckt sich auf den Fall, wenn ange- 
nommen werden darf, dass das absorbirte Gas sich 
im Gaszustande und weit genug von dem Funkte der 
Verdichtung entfernt befindet, für weichen dasselbe 
flüssig zu werden beginnt. 

Es wird ferner der Act des Einströmens des 
Gases in den Absorbenten der Rechnung unterzogen 
und bei der Aufstellung der Dilferenzialgleichung dafür 
angenommen : 1) Dass dieses Einströmen in den Ab- 
sorbenten so erfolge, wie in einen für das einströmende 
Gas leeren Raum; 2) dass im Innern der absorbiren- 
den Substanz durch die anziehende Wirkung der 
Körpermolecüle die Elastizität des Gases verändert 
wird; 8) dass das im Differenziale der Zeit in den 
Absorbenten übergetretene Difi'erenzial der äussern 
Gasmasse der Differenz zwischen den Drücken des 
äussern und des absorbirten Gases oder einer Function 
dieser Differenz proportional ist, und dass die Ab- 



4 Stahl, über die Theorie der Gasnhsorption 

Sorption aufhört, sobald diese Drüclve einander gleich 
geworden sind ; 4) dass vvalirend der Absorption 
keine Temperalurveränderung eintrete und für den 
ganzen Vorffang der Absorption das Mariotle'sche 
Gesetz gültig bleibe. Ich glaube aber nicht, dass es, 
um die von Henry und Dalton aufgestellten Gesetze 
der Gasabsorption theoretisch abzuleiten, nothwendig 
sei, den Act der Absorption der Rechnung zu unter- 
werfen, ich glaube auch nicht, dass das Gas im Ab- 
sorbenten durch die Einwirkung der Molecüle des- 
selben seine Elastizität verändere, dass es ferner 
während der Absorption eine Temperaturänderung 
nicht erleide und dabei das Mariotte'sche Gesetz 
befolge. Wenn man nämlich annimmt, dass die Ab- 
sorption wie ein Einströmen in einen leeren Raum 
zu betrachten sei, alsdann muss das Gas in den Zwi- 
schenräumen des Absorbenten in Folge der dabei 
stattfindenden Condensation desselben eine Temperatur- 
erhöhung erfahren; ein Theil der freigewordenen 
Wärme wird sich den umgebenden Molecülen des Ab- 
sorbenten mittheilen, welches in Verbindung mit dem 
Drucküberschuss des innern über das äussere Gas 
eine Ausdehnung des Absorbenten bewirkt und den 
Druck des innern Gases etwas vermindert, worauf 
eine neue Gasquantilät absorbirt wird, und dies wird 
sich wahrscheinlich so lange wiederholen, bis das 
Gleichgewicht zwischen innerem und äusserm Gas- 
druck am Ende des eigentlichen Actes der Absorption 
hergestellt ist. Dies scheint auch mit der wahren 
iN'alur des Vorüanires übereinzustimmen, wenigstens 
ist es Thatsache, dass während der Absorption, auch 
wenn das absorbirte Gas nicht in den flüssigen Zu- 



Stahl, über die Theoiie der Gasabsorptioti. 5 

stand übertritt, eine Wärnieentwiclielung im Absor- 
benten stattfindet. - Auch scheint für den Fall der 
Absorption eines Gasgemeng-es dieselbe nicht so vor 
sich zu gehen, als ob für jedes einzelne einströmende 
Gas die anderen gar nicht vorhanden waren ; das 
Dnlton'sche Gesetz über die Ausbreitung- eines Gas- 
oemenges in einem abaeschlossenen Raum hat erst 
statt, wenn einige Zeit seit dem Acte der Absorption 
verflossen ist und die Gase Zeit gefunden haben sich 
wechselseitig zu durchdringen und ihre Ungleichheiten 
auszugleichen. Es scheint daher das Problem, den Act 
der Absorption der Rechnung zu unterziehen durchaus 
kein einfaches zu sein, ich glaube vielmehr, dass man 
vornehmlich den Punkt in's Auge fassen müsse, wenn 
der Gleichgewichtszustand zwischen innern und äussern 
Gasdrücken eingetreten ist und kein Gas mehr absor- 
hirt wird. 

Das Dalton'sche Gesetz über die Ausbreitung 
eines Gasgemenges in einem abgeschlossenen Räume 
gibt die Lösung des Problems der Absorption eines 
Gasgemenges, wenn die Absorptionsgesetze für ein 
Gas bekannt sind, ich habe daher geglaubt nur die 
Absorption eines Gases der Rechnung- unterwerfen 
zu dürfen. Dabei habe ich geglaubt, dass das absor- 
birte Gas seine Elastizität nicht nolhwendig verandern 
müsse, und habe angenommen: 1) das:> die Anziehung- 
des Absorbenlen auf das seiner Oberflache benachbarte 
Gas sich nur auf unmessbare Entfernungen erstrecke, 
für alle messbaren Entfernungen aber verschwinde; 
5) dass in Folge der Molecularv, irkung- eine geg-en 
die Oberflache des Absorbenlen zu, an Dichte sehr 
rasch zunehmende Gasschichte sich anlegt, welche sich 



C Stahl, über die Theorie der Gasabsorption. 

auch in das Innere des Absorbenten hinein mit einer 
sehr rasch bis zu einer constanten Grösse zunehmen- 
den Dichte fortsetzt, dass aber die Gasmasse im Innern 
der absorbirenden Substanz nicht wie ausserhalb der- 
selben als stetig betrachtet werden darf, sondern durch 
die dazwischenlieg^enden Molecüle dieser Substanz 
vielfache Unterbrechungen erleidet. Ich habe ferner 
geglaubt, dieselbe Anschauung von der Gasabsorption 
annehmen zu dürfen, wie die von der Absorption ge- 
pulverter Substanzen, worüber Jamin und Bertrand 
schöne Versuche angestellt haben : dass nämlich das 
Volumen , welches von einem Körper eingenommen 
wird, nur zum Theil von den Molecülen desselben 
ausgefüllt werden würde; dieser Raum, welcher von 
den Molecülen des Absorbenten ausgefüllt werden 
würde, darf als mit der Temperatur und wahrend der 
Absorption als unveränderlich betrachtet werden; der 
übrige Raum aber, vermehrt um die Volumzunahme 
des Absorbenten in Folge der Temperatur und der 
Absorption, ist derjenige, welcher vom absorbirten 
Gas ausgefüllt wird. Nach diesen Einleitungen kann 
die DifFerenzialgleichung für das Gleichgewicht des 
Gases innerhalb und ausserhalb des Absorbenten auf- 
gestellt werden; die Integration derselben setzt die 
Kenntniss des Abhängigkeitsverhältnisses zwischen 
Dichte und Druck des absorbirten Gases voraus. Es 
kann nun bewiesen werden, dass, damit die absorbirte 
Gasmenge bei derselben Temperatur dem jedesmaligen 
Drucke des äussern Gases proportional ist, es noth- 
wendig sei, den Druck der Dichte proportional an- 
zunehmen; es müssen daher auch die absorbirten Gase, 
falls sie das Henry 'sehe Gesetz beobachten, das 



Stahl, über die Theorie der Gasabsorplion 7 

Mariotte'sche Gesetz befolgen. Nimmt man nun das 
Mariotte-Gay-Lussac'sche Gesetz als auch für 
die absorbirten Gase geltend an, so führt die Inte- 
gration der vorhergehenden DilTerenzialgleichung auf 
eine Gleichung zwischen den Dichten oder Drücken 
des innern und äussern Gases, der Temperatur und 
einer Grösse, die sich auf die Anziehung der Ober- 
fläche des Absorbenten auf das Gas bezieht und die 
man passend totale Anziehung nennen kann. Ist diese 
Grösse nicht sehr beträchtlich, was bei allen Sub- 
stanzen der Fall ist, welche nicht sehr betrachtliche 
Gasquantitäten absorbiren , alsdann ändert sich das 
Verhältniss zwischen innerem und äusserem Druck mit 
der Temperatur nicht sehr beträchtlich und alsdann 
wird, wenn z. ß. ein flüssiger Absorbent mit einem 
schwer absorbirbaren Gase bei niedriger Temperatur 
in einem gut verschliessbaren Gefässe gesättigt wird, 
das Gleichgewicht zwischen freiem und absorbirtem 
Gas durch eine Erhitzung des so verschlossenen Ge- 
fässes nicht bedeutend gestört; dies stimmt auch mit 
der Erklärung überein, welche Dal ton von dieser 
Erscheinung gegeben hat, und die man anfangs, als 
die Physiker mit der Gasabsorption sich zu beschäftigen 
begannen, als der Dal ton 'sehen Theorie der Gas- 
absorption widersprechend angesehen hat. Nachdem 
das Verhältniss zwischen den Dichten des innern und 
äussern Gases gefunden war, habe ich unter Zugrunde- 
legung der Bunsen'schen Definition des Absorptions- 
coefficienten eine Formel für denselben abgeleitet, in 
welcher die Temperatur, die totale Anziehung und eine 
Grösse erscheint, die sich auf den vom absorbirten 
Gas ausgefüllten Raum für den Fall der Einheit des 



3 Stahl, über die Theorie der (iasabsorptioii. 

Volumens des Absorhenten vor der Absorption bezieht 
und die man der Kürze wegen den MoiecuJarzwischen- 
raum des Absorbenten nennen kann. Das von der 
Volumeinheit des Absorbenten bei einer beliebigen 
Temperatur absorbirte Gas-Volumen hängt aber von 
der Dichte oder dem Druck des äussern Gases nicht 
ab, welches das Henry 'sehe Gesetz ist, und dasselbe 
hat so lange allgemein statt, als für das absorbirte 
Gas das 3Iariotte'sche Gesetz als gültig angenommen 
werden darf. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die 
totale Anziehung und der Molecularzwischenraum mit 
der Temperatur sich ändern, es ist aber nothwendig, 
wenigstens eine von den beiden Grössen, z. B. den 
Molecularzwischeiiraum, als mit der Temperatur ver- 
änderlich anzunehmen, um die theoretische Formel mit 
der von Bunsen aufgestellten empirischen vergleichen 
zu können. Die Bestimmung der in der Formel für 
den Absorptionscoeflicienten vorkommenden Grössen 
würde übrigens die Beantwortung noch einer andern 
Frage gestatten, nämlich derjenigen, die sich auf die 
Verdichtung des an die Oberfläche der Körper sich 
anlegenden und des von ihnen absorbirten Gases und 
auf die Grösse des Molecularzwischenraums der Körper 
z. B. bei 0°C. bezieht; dies würde einen schönen 
Einblick in die Erscheinung der Absorption, in die 
Constitution der Körper und in die Art der Molecular- 
wirkungen erlauben. Uebrigens ergibt sich aus der 
zuerst aufgestellten DifTerenzialgleichung, dass die Ver- 
dichtung des absorbirten Gases gleich ist dem Quadrate 
der Verdichtung der an die Oberfläche des Absorbenten 
sich anlegenden Gasschichte. Dass sich an die Ober- 
fläche der Körper eine verdichtete Gasschichte an- 



Stahl, über die Theorie der Gasabsorption. 9 

leg^t, ist man schon durch die Erscheinung- der Mo- 
se r'schen Bilder anzunehmen gezwungen worden; 
aber es ist dies noch durch directe Versuche von 
Chiozza, Magnus, Sims und Andern direcl nach- 
gewiesen worden. So hat z. B. Chiozza (Con- 
densation des gaz ä la surface des corps solides) ge- 
funden, dass 317,517 (Juadratmillimeter Giasoberfläche 
ungefähr 5 Kubikmillimeter Kohlensäure condensiren. 

äussere Wirkungsgrenze Sei Iiun MN die 

Oberfläche des Ab- 
sorbenten in einer 



M 



-?-, N 



////// |/////P//7////////////////////////////// unmerklichen Aus- 
ß' dehnung- und R^ die 

' Wirkungsgrenze 

innere Wirkungsgrenze derselben. Sei fer- 

ner MP=Z und M ein Punkt innerhalb der Wirkungs- 
grenzen der Oberfläche, auf welchen dieselbe an- 
ziehend wirkt. Das Gesetz dieser Anziehung sei durch 
f{Z) gegeben. Unter diesem ist, wenn (p,^i) den Druck 
und die Dichte des Gases in einem beliebigen Punkte 
innerhalb der Wirkungsgrenzen, (joq po) "nd (p> 9') 
dieselben Grössen für das äussere und das absorbirte 
Gas bedeuten, die Differenzialgieichung' für das Gleich- 
gewicht des Gases folgende: 

dp=Q. f{Z). dZ-, 
von f{Z) wird vorausgesetzt, dass es nur für unmerk- 
liche Worte von Z einen merklichen Werth hat, für 
alle merklichen Z aber verschwindend klein wird. 
Ich behaupte nun zuerst, dass das Gesetz von Henry 
nur dann statt haben kann, wenn der Druck des nb- 
sorbirten Gases der Dichte proportional ist. Dann 

wird ^j^Z) dZ=K gesetzt, so hat man: 



q' 



XO Stahl, über die Theorie der Gasabsorption. 

= K. 

Ferner habe der Absorbent das Volumen Eins vor 
der Absorption und M sei derjenige Raum, welcher 
vom absorbirten Gas im Absorbenten ausgefüllt wird, 
und welchen ich „Molecularzwischenraum" genannt 
habe. Es ist daher das Volum des absorbirten Gases, 
auf die Dichte qo bezogen 

M 

Qo 
Soll nun dieses Volumen mit dem Drucke des äussern 

Gases sich nicht ändern, so muss — bei derselben 

Qo 
Temperatur eine Constante sein, und da auch K eine 

Constante ist, so darf \— nur eine Function von — 

\q Qo 

sein. Wird nun 1— = log. F{q) gesetzt, was er- 

laubt ist, und wobei F(..) eine noch unbekannte Func- 
tion ist, so ist folgende Aufgabe zu lösen: Wie muss 
F{..) gewählt werden, damit 

— — r = einer Function voni — ), welche gp(..) sein mag? 

Die DifFerenziation der vorhergehenden Gleichung 
nach Q^ und p^ gibt folgende Gleichungen: 

HQo) \Qof Qo 

FiQ')-FM' _ //£_n Q^ 
[FiQo)y ^ ^Qo>'Qo' 

[wenn tp^..) und F'(...) statt ^^ und ^^^ ge- 
schrieben wird]. 



Stahl, über die Theorie der Gasabsorption. 11 

Aus beiden Gleichungen folgt folgende: 

1 ^:v) _ , IM 

Man muss daraus schliessen, dass jede Seite der 
vorhergehenden Gleichung eine Constante ist. Heisst 
diese 17, alsdann ist: 

f\q) _ n 

V {q) q 

Da aber — = -7^ ist, so folgt: 

dp = 77. dQ. oder p = Tl. q^ 
welches das Mariot te'sche Gesetz ist. 

Da nun das ahsorbirte Gas das Mariot te'sche 
Gesetz befolgt, so ist es sehr wahrscheinlich, dass 
es auch das G a y - Luss ac 'sehe Gesetz befolgt. 
Wählt man daher das Mariotte-Gay-Lussac'sche 
Gesetz als Bestimmungsgleichung zwischen Dichte und 
Druck des Gases, so kommt man auf folgende Glei- 
chung : 




Po Qo 
Hier ist « der Ausdehnungscoeffizient des Gases, 
t die Temperatur und e die Grundzahl der natürlichen 
Logarithmen. Diese Gleichung bestimmt das Verhält- 
niss zwischen den Dichten und Drücken des freien 
und des absorbirten Gases. Die Verdichtung der an 
der Oberfläche unmittelbar anliegenden Gasschichte 

K 

aber ist gegeben durch e^il+ar ^^^ daher gleich der 
Quadratwurzel aus der Verdichtung des absorbirten 
Gases. Für die Dichte in einem beliebigen Punkte 
innerhalb der Wirkungsgrenzen hat man: 



12 Stahl, über die Theorie der Gasabsorplion. 

1 ^ at 

Q = Qq e = 9ü • ^'('^M wenn die Temperatur 

nicht berücksichtigt wird. 

Hier muss g? (Z) für merkliche Worte von Z : I 
werden: Berechnet man nun die Masse der an der 
Oberfläche eines Körpers verdichteten Gasschichte, 
und ist die Oberfläche desselben, so hat man, wenn 
M die Masse bedeutet: 

dM = O.Qq ' (pZ. dz-^ 

und daher: M= O-q^K^ wenn |qp (Z) dz = K^ gesetzt 

wird. 

Die Verdichtung ist daher: Oqq[K^ - 1), und daher 
stets der Dichte des Gases proportional. Die Formel 
für den Absorptionsconffizienten aber ist folgende: 



K 



\.-\-at 



(«) 



1 + af I 

Dieselbe ist streng gültig und sie setzt die Kenntniss 
des Gesetzes voraus, nach welchem sich M und K mit 
der Temperatur ändert; auf der andern Seite erstrecken 
sich die Bestimmungen des Absorptionscoeffizienten 
auf keine beträchtliche Anzahl von absorbirenden 
Flüssigkeiten und auf geringe Temperaturen (Nach 
Bunsen von 0^-20" C, nach Carius von 0-25'^ C). 
Es scheint daher weniger notinvendig zu sein, nach- 
zuweisen, dass die Formel (a) mit den bisher be- 
kannten Erfahrungen übereinstimmt; — denn dies 
scheint sie zu müssen; die empirischen Formeln von 
Bunsen für den Absorptionscoeffizienten haben näm- 
lich alle die Gestalt: A-Bt hCt^^ und es ist nicht schwer, 
M und K mit der Temperatur so als veränderlich an- 



Stahl, über die Theorie der Gasabsorplion. 13 

zunehmen , dass die Formel [a) nach den Potenzen 
von i entwickelt mit der empirischen übereinstimmt; — 
ich werde daher dasjenige darüber sagen, was ich 
darüber gefunden habe. 

Wird angenommen, dass derjenige Raum, welcher 
von den Molecülen eines Körpers ausgefüllt wird, ein 
für allemal constant ist, alsdann darf der Molecular- 
zwischenraum gleichgesetzt werden demjenigen Raum, 
welcher von den Körpermolecülen z. B. bei der Tem- 
peratur 0° C. nicht ausgefüllt wird, vermehrt um die 
Volumzunahme des Absorbenteii durch die Temperatur 
und in Folge der Absorption, üeber die letztere 
Grösse liegen nun einmal keine Messungen vor und 
anderseits werden dieselben für den Fall, dass vom 
Absorbenten keine sehr beträchtlichen Gasquantitäten 
absorbirl werden, wahrscheinlich vernachlässigt wer- 
den dürfen. Der Molecularzwischenraum bleibt unter 
dieser Voraussetzung, so lange der Absorbent derselbe 
bleibt, immer derselbe, und ist die Volumzunahme des 
Absorbenten in Folge der Temperatur in der Formel 
l—ßt-i-yi^-]''.-- ausgedrükt, so ist (wenn der Absor- 
bent bei 0° C. die Volumeinheit besitzt) der Molecular- 
zwischenraum folgender Ausdruck, wenn derselbe 
für 0^ mit M° bezeichnet wird : 

Mo - ßt -i-yt' ^ . -^ 
Damit sich nun dieser Ausdruck auf die Einheil des 
Volumens (vor der Absorption bei der Temperatur /) 
bezieht, muss dieser Ausdruck noch durch 1-ßf+y/^H-.- 
dividirt werden. 

Die Formel für den Absorptionscoeffizienten hat 
eine ziemlich complizirte Gestalt ; sie vereinfacht sich 
aber für solche Gase, bei denen in Folge der Ab- 



14 Slabl, über die Theorie der Gasabsorption. 

Sorption eine zu vernachlässigende Voliimzunahme 
des Absorbenten eintritt, durch folgenden Umstand: 
Es haben nämlich Bunsen für die Absorption durch 
Wasser und Carius für die durch Alcohol den Ab- 
sorptionscoeffizienten einiger Gase (für Wasser: 
Wasserstoff, für Alcohol: Sauerstoff und Kohlenoxyd) 
constant gefunden. Heisst nun ein solcher constanter 
Absorptionscoeffizient für einen Absorbenten a^, und 
wird der Absorptionscoeffizient eines andern Gases 
durch diesen dividirt und die Summe der Exponenten 

von e mit -. bezeichnet, wenn noch der Aus- 

dehnungscoeffizient für die Gase als derselbe ange- 
nommen wird, so ist die Formel für den Absorptions- 
coeffizienten eines beliebigen Gases durch Wasser oder 
Alcohol : 

D 

a = Gq e 
Berechnet man nach dieser Formel die Worte von 
D z. B. für / = 0, so findet man, entgegen dem, was 
man erwarten würde, dass, das Moleculargewicht des 
Wasserstoffs als zwei angenommen, die Worte von 
D sich nicht wie die um 2 verminderten Molecular- 
gewichte der Gase verhalten. Es ist dies bemerkens- 
werth, denn es scheint von vorneherein nicht sehr 
natürlich für die gegenseitigen Actionen der Molecüle 
ein anderes Gesetz anzunehmen, als das, welches 
Newton für die Weltkörper gefunden hat (einfache 
Proportionalität der Wirkung mit dem Producte der 
Massen). Als Beispiel — für den Fall, dass W^asser 
der Absorbent ist, — von den Verhältnissen, in welchen 
bei demselben äussern Gasdruck und bei 0° C. die 



Stahl, über die Theorie der Gasabsorption. [5 

absorbirten Gase mehr gepressl sind als Wasserstoff 
führe ich folgende Zahlen an: 



Aethyl 


1.7 


mf 


Stickstoff 


11.0 


n 


Sauerstoff 


2.2 


'? 


Grubengas 


2.9 


jj 


Kohlengas 


1.77 


?? 


Methyl 


4.7 


57 



Die Grössen M^ und K habe ich direct nicht be- 
rechnen können; die Kenntniss derselben würde aber 
sehr vorlheilhaft sein, einmal für die Gasabsorption, 
und, weil auf eine einfache Art ungeheure Drücke 
zur Compression der Gase entwickelt werden können. 
Wahrscheinlich lässt sich aber M^ beobachten und 
zwar auf folgende Art: Jener Moment, bei welchem 
das absorbirte Gas flüssig wird , erscheint für die 
BeoT)achtung dadurch ausgezeichnet, dass dabei plötz- 
lich eine grosse Quantität Gas mehr absorbirt wird, 
und dass, wenn der äussere Gasdruck z. B. durch 
Compression vermehrt wird, kein Gas mehr absorbirt 
wird. Kennt man nun das absorbirte Gas-Volumen 
in diesem Momente und die Dichte des condensirten 
Gases aus einer directen Beobachtung, so Hesse sich 
die Grösse M und daraus M^ berechnen. Um aber 
eine beiläufige Idee von der Grösse M^, K und der 
Verdichtung eines Gases zu bekommen, nehme man 
1 
-^ z. B. = 520,000 an. Man erhält da für Wasser- 

Stoff (Absorbent-Wasser): ff = 9.2 und die Verdich- 

tung im Absorbenten 1 — = 10.000. 

Ich behalte mir den Gegenstand zu weitern Unter- 



16 Stahl, über die Theorie der Gasabsorpliou. 

siichung^en vor; derselbe scheint auch eine genauere 
experimentelle Untersuchung, für weitere Temperatur- 
intervalle, und namentlich bei condensirbaren Gasen 
zu erfordern, als dies bisher geschehen war. 



Die Entdeckung der Nilquellen. 

Von 
Dr. J. J. Egli. 



,Die Erde tritt nur allmälig aus dem Dunkel her- 
vor.' Dieses Wort' bestätigt kein Erdtheil voll- 
kräftiger als Afrika und in Afrika kein Gegenstand 
mehr als die Quelle des Nils — dieses grössten der 
afrikanischen Ströme, des ,werkthätigen2', dieses 
historischen Stroms, in dessen Gebiet wir, ,wie an 
keinem andern Flusslaufe hinaufwandern zu den dun- 
kelsten Fernen der Vergangenheit.' 

Das dritte Jahrtausend seiner Geschichte war schon 
zur Hälfte über dem Wunderslrom weggezogen, als 
über dessen Ursprung noch keiner der Aegypter, 
Libyer noch Hellenen Bescheid wusste und ein In- 
haber ägyptischer Weisheit jenes Märchen von Krophi 
und Mophi vorbrachte, welches dem Vater der Geo- 
graphie ein ungläubiges Lächeln entlockte^. Die 
Vorstellungen, welche durch die Expeditionen der 
Lagiden so glücklich der Wahrheit sich näherten, 
bedurften noch zwei weitere Jahrtausende, um die 
eine Thatsache vom Nilursprung festzustellen. 

') Riller, Geschichte d. Erdkde., heiausg. v. Daniel 1861 p. 1. 

2) Ilerod. II. 11. 

■') Hör od. II. 28. Vergl. übri-roiis Tarilus. Annal. II. 61 



Egii, die EnldeckuDg der Nilquellen. 17 

Wer sich unterfängt, dieses Auf- und Unter- 
tauchen gewonnener Erkenntniss in einen engen 
Rahmen zu bringen, läuft — von der StofFmasse fast 
erdrückt — Gefahr, nur die nackten Thatsachen an 
einander zu reihen. Das würde jedoch dem Zweck 
der vorliegenden Schrift nicht entsprechen , und sie 
zieht es vor, jene Klippe auszuweichen, indem sie 
viel Material über Bord wirft. 

I. ALTERTHUM. 

Am Nil auf und ab pulsirte früh das Leben der 
Völker. Die Invasion , welche der alte Thron von 
Memphis unter Sesortosis (—2300) ausführte, machte 
die Nubier zinspflichtig. Die obere Nilregion gew^ährte 
der durch Hyksos vertriebenen (13.) Dynastie ein Asyl 
und bildete auf Jahrhunderte das eigentliche Reich der 
Pharaonen, bis es gelang, die nomadischen Usurpatoren 
aus Aegypten zu vertreiben. Ob im Verlauf Nubien 
an Emancipation dachte? Wenigstens erneuerte sich 
der frühere Kriegszug unter Ramses Miamen, den die 
Griechen als Sesostris aufführen (—1400). Der be- 
rühmteste Eroberer , welcher je den Herrschersitz 
Thebens eingenommen , zog hinauf in jene Gebiete, 
wo, von Barbaren umgeben, ein Ableger ägyptischer 
Cultur seine Blüthen trieb. In der Folge aber stiegen 
die äthiopischen Könige von den Kataraklenländern 
herab: auf dem Throne, dem sie einst tributär ge- 
wesen, herrschten sie, bis die Dodekarchie den Weg 
bahnte zu Psammetichs folgenschweren Reformen 
(—650), welche die Anhänger des Alten nach Nubien 
trieben und so eine neue Wanderung ägyptischen 
Wesens veranlassten. 

XII. i. 2 



\^ Gglif die Entdeckung der Nilquellen. 

Von all diesen Fluctuallonen des Völkerlebens 
zog die geographische Kenntniss wenig dauernden 
Gewinn. Noch im homerischen Zeitalter (—950) ist 
Thebae am Aigyptos die äusserste Südstadt. Jenseits 
wohnten, als südlichstes Grenzvolk der Erde, jene 
Aithiopes , welche durch ihren (griechischen) Namen 
an die Sonnenglut erinnern: dort , färbt", um mit 
dem alten Tragiker* zu reden, ,der Gott in seinem 
Laufe mit des Busses finsterm Glänze die Haut des 
Menschen und kräuselt ihm dörrend das Haar'. Wie 
alle Quellen und Flüsse, so sollte auch der Nil dem 
Okeanos entströmen, und noch der Geograph von 
Milet2 führt die Argo durch den Nil in das mare 
inlernum zurück. Verschiedene Versuche sollten die 
Nilschwelle erklären ; dass aber in Homer selbst der 
Fluss der anschwellende heisst^, lässt aus Analogien 
schliessen, dass man früh auch der wahren Ursache 
auf der Spur war. 

So ist denn der Halikarnassier ,von klassischer 
Bildung und feinem ßeobachtungssinn der erste wich- 
tige Augenzeuge', der Aegypten bis Elephantine be- 
reiste (ca. —445) und uns vom Nil Bericht gibt. Noch 
vier Monden weit reiche der bekannte Theil des Strom- 
laufs. Bei Syene fangen die Aethiopen an, unter 
denen die Leute von Meroe und die Makrobier zu 
unterscheiden seien. Die ersten vier Tagereisen (durch 
die kleinen Katarakten) müsse das Fahrzeug an Leit- 



') Theodectes von Phaseiis in Prichard I. p. 431. 

2) Hekatäos (ca. — 500), Schollen zu Äpollon Rhod. Argon. 
IV. 259. 

3) Homer, Od. IV. 477 u. 581. Vergl. auch Strabo I. 2, 30 
u. XVII. 1, 5 (Pariser-Ausgabe von Müller elc). 



Egli, die Entdeckung der Nilquellen. 19 

seilen g-ezogen werden. Nachher komme man in 
ruhiües und seearti"- breites Gewässer mit der Insel 
Tachompso' (unser Derar). 

Weilerhin sei der Strom völlig unfahrbar (die 
grossen Katarakten); erst nach 40 Tagmärschen längs 
des Flusses komme eine schiffbare Strecke, auf wel- 
cher man nach 12 Tagen Meroe erreiche. Wo aber 
die Quellen liegen, sei nicht zu erfahren gewesen, 
weil Niemand es wisse. Jedenfalls entspringe der 
Nil nicht aus dem Okeanos, sondern komme sehr weit 
her aus dem libyschen Westen^. Die herodotische 
Annahme einer Verschwisterung von Nil und Niger 
hat zwei Jahrtausende weit überdauert 3; erschüttert 
jedoch wurde sie zur Zeit der Lagiden, wie schon der 
indische Zug des Mahedoniers ( — 330) in anderer Hin- 
sicht Licht auf die physische Geographie, speciell für 
den Nil, geworfen halte*. 

Die Streifzüge nach Inner- Afrika befriedigten 
ein Hedürfniss des Kriegs und des Luxus: sie waren 
Elephaulenjagden in grossem Maassstab , theils aber 
auch lormliche Entdeckungsreisen, durch meteorolo- 
gische Speculalionen über die fernen Ursachen der 
Nilschwelle veranlasst und auf Kosten der Regierung 
unternommen, weil^ Ptolemäus PhUadeJphus (•{• — 273) 
, wegen Wissbegier und Körperschwäche immer neue 



') D. h. Krokodileninsel, s. Ghampollion, L'Egypte sous les 
Pharaons I. p. 152. 

2) Hcrod. II. 31. 

3) Vergl. Bullelin de la S. d. G. Mars 1829; Ritter, Erdkde., 
2. Aufl. I. p, 523—528 u. RüppelJ, Reise in Abessinien I. p. 381. 

^) Strabo, XV. 1, 25. 
5) Strabo, XVII 1, 5. 



20 Egli, die Entdeckung der Nilquellen. 

Zerstreuungen und ErL^ötzlicIikeiten suchte'. Gewiss 
drangen die Jäger — wie zun) Rns Fellis (= Cap der 
Elephanten), also dem Cap Aromaliim der Alten oder 
Gardafui der Portugiesen oder Ras üscliard Hal'un der 
Araber so auch bis zu dvn äquatorialen ()uelire- 
vieren des Nils vor. Die alexandrinisclien Gelehrten 
waren in der Lage, alles zu sauimein, was sich auf 
die damalige Kenutuiss der Erde bezog. 

Aus dieser Schule ging Eratosthenes (—200) 
hervor, der grösste Gelehrte seiner Zeit, der durch 
Messung eines Breitengrades zuerst den umfang der 
Erde zu bestimmen versuchte'. Ihm folgte Straho 
(50), dem Tyrier Marin us 2 hingegen Claudius 
Ptoiemäus (140). 

Die Vorstellungen des Geographen von Pelusinm, 
wie sie in seiner Geographie entwickelt und die durch 
den Alexandriner Agathodämon (5. Jahrh.) carto- 
graphisch niedergelegt worden sind, nähern sich der 
Wahrheit auf überraschende Weise. Ptoiemäus^ keimt 
die afrikanische Ostküste bis zur Handelsstadt Hhapia 
(an der Lufijimündung?) und hat von SchilTern gehört, 
dass weiter nach Süden die Küste zu einem Vorue- 
birge vortrete, das er Praswn promonlnrium (Cap Del- 
gadü?) nennt. In dieser Geoeiid lie<)e die Insel Menu- 
thias (Zanzibar?j; auf der festländischen Küste aber 
wohnen die nienschcnfressmdm Aelkiopen (etwa die Aiiia- 
kua? diese wohnen freilich heutzutage viel südlicher) 
und weiter im Innern erheben sich seine Lunae Monies 



') Cleomedes, Circ. insp. IIb I. 

-] Niich Masudi ZeKgenossc Neros (GO). 

^) CI. Ptolcm. Geogr. IV. 8, 3. l. 1. p. 283 ed. Nobbe. 



Egli, die Entdeckung der Nilquellen. 21 

oder Mondberge (Unyainuesi oder aber Kilimandscharo- 
Kenia?), die mit iliren Schneemassen zwei See'n 
speisen';, einen ISili palus orienialis (Nyanza?) und 
einen Mli pnlus occidenialis (Luta Nzige Lake?). Hier 
seien die Quellen des Mls, und in der That, diesem 
Slroni geji^eniiber, den Ptolemäus freilich zu weit nach 
Süden (12 30' S. ßr.) verlegt, erscheinen die abes- 
sinischen Flüsse, sowohl der Asiaboras (Atbara) als 
der Aslapus (blauer Fliiss), der deiü Coloesee (Zana) 
entspringt, als blosse Nebengewasser, während sie 
nach Slrabo's Vorstellung dem Hauptstrom mindestens 
ebenbürtig waren. 

Vor Ptolemäus war von Norden her auch die 
mittlere Region unsers Bahr el Abiad besucht worden 
— ein Ziel, das bis zur ägyptischen Expedition nie 
wieder ein Europäer erreicht hat. Nero (60) hatte 
zwei Haiiptleute abgesandt, die Nilquellen zu suchen. 
Auf der Fahrt2) kamen sie zu so ungeheuren Sümpfen, 
dass deren Ausdehnung selbst den Anwohnern un- 
bekannt war. Zu Laude konnte man jene Reviere 
gar nicht und zu Schilfe nur schwierig passiren , da 
sie mit hohem Grase und Röhricht durchwachsen 
waren. 

Hält man die Berichte des Ptolemäus und der 
neronischen Centuriouen zusammen, so ist unverkenn- 
bar, dass in den Hauptzügen unsere Kenntniss der 
obersten Nilrei>ionen ungleich vollständiger war vor 
17 Jahrhunderlen als vor einem 'A Jahrhundert. 



') ro r>7S Stlrifi^g oQog «qp 'ov vnoSi-xovxai r«s Xiövaq al zov 
NtiXov li^vni. ib 

2) Sencca, Quaest. nal. üb. VI. 8. 



22 Eg''. die Entdeckung der Nilquellen. 

II. MITTELALTER. 

Die Flnsterniss der nachrömischen Zeit (476 u. ff.) 
wurde kaum vom Schimmer der MorgenröUie ge- 
troffen, als sich eine gewaltige Barriere zwischen 
Orient und Occident legte (640). Von den Christen, 
welche in das Innere Afrikas flohen oder, wie in den 
obern Nilliindern , dem Andrang des Islam widerstan- 
den, war Europa abgeschlossen. Der Nil verödete mit 
Alexandria, dessen Gelehrsamkeit in Bagdad und an- 
dern Kalifenstadten eine Zuflucht fand. Die meisten 
Schriften der Griechen und Römer wurden in's Ara- 
bische übersetzt, und das europäische Mittelalter lernte 
früher den „Batolema" als den Ptolemaus kennen. 
Mit Wehmuth bemerken WMr auf den Carfen jener 
Zeit, z. B. der Florentiner Seekarte von 1351', den 
den Rückgung in der Kenutniss der Erde. lu den 
arabischen Geographen hauptsächlich in Edrisi (1150), 
Abulfeda (1320), Ebn ßatula (1350), Leo Afri- 
kanus (1520) und wohl noch weit vollständiger in 
lange unediert gebliebenen^, finden wir die damalige 
Kenntniss des Orients und insbesondere der obern 
Nilgebiete. 

Die vielgereisten Araber, Edrisi voraus, sc!iliessen 
sich in der Hauptsache Ptoleuiäus an : Unter 16° Süd- 
breite seien, am Djbel el Komri, zehn Nilquellen, die 
je 5 und 5 in zwei See'n sich sammeln ; jeder 
dieser See'n sende 3 Abflüsse in den einen grossen 
unter dem Aequator gelegenen See Cura, welchem 



') S. Peschel, Geschichte d. Erdkde. p 177. 

2) lieber Bloqaddazy s. Peleriuanus MUUieilgen. 1864. p. 355. 



Egli, die Entdeckung der Nilquellen. 23 

nach Norden der Aegypii Mus, nach Westen der Nilus 
nigrorum entströmen. Abnifeda gibt ibm sogar einen 
ösllichen Ablauf zum indischen Ocean, unsern Makadsch 
oder Zebee. Von den Arabern hat unsere Erdkunde 
u. a. die Bezeichnungen Bahr el Abiad weisses Wasser 
und Bahr el Azrek blaues Wasser angenommen. So 
waren die Araber des Mittelalters auf der richtigen 
Fährte, während Europa, durch eine irrige Deutung- 
der adulitanischen Hafeninschrift verleitet", lange den 
Albara für den Ouellfluss des Nil hielt. Man begegnet 
diesem Irrthum noch im 15. Jahrhundert; er spuckt 
selbst noch in dem bekannten Projekte Albuquer- 
que's, der, um Aegypten auszuhungern, den Atbara 
in das rothe Meer ableiten wollte 2. 

Die ersten, welche — den Rechtgläubigen zum 
Schrecken — Freundschaftsverhältnisse mit den Sara- 
cenen anknüpften, waren die Venetianer; aber directen 
Zugang in die obern Nilreviere verschafften uns die 
Seefahrten der Portugiesen. 

Nachdem Marco Polo (1298) die seit den Kreuz- 
zügen datirende Annahme von der Existenz eines 
priesterlichen Christenkönigs in Mittel-Asien unhalt- 
bar gemacht und von dem Lande Abasch und seinem 
christlichen ISeguz Neguschi {= König der Könige) er- 
zählt hatte, gelangten die von Johann IL ausgesandten 
Mönche an den Hof des vermeintlichen Preste Joam 



') Der ägyptische Mönch Kosmas (f 547) bezog nämlich 
die Eroberungen in Semene , »jenseits des Nils« (Tacazze) , auf 
Ptolemäus Euergetes anstatt auf den abessiniscben König Aizomas. 
S. in Fabr. Bibl. Gr. lib. III. c. 25 § 32. 

2) S. Europa 1861, Nr. 7. 



24 Egl> > (lie Entdeckung der Nilquellen. 

(1490). In dem wirren Jahrhundert ihres Aufent- 
halts* bereisten die Jesuiten 2 das Land, die östlichen 
Theiie wenig-stens, überlieferten uns auch Erkun- 
dig^ungen über die westlichen Gebiete und — auf 
astronomische Beobachtungen gestützt — jene Carten, 
welche die Grundlage für alle seitherigen geworden 
sind 3. Mit Ausnahme des Arztes Poncet'* und 



*) unter der Regierung des Neguz Socinios (1632) wurden die 
Portugiesen theiis ermordet, Iheils verjagt, und das Land verscbloss 
sich für die Fremden. 

2) So insbesondere die beiden Patres Peter Paez und Jerome 
Lobo. Der erstere hielt sich Iß^^^j, also bis zu seinem Tode, in 
Abessinien auf. Er hinterliess eine portugiesisch geschriebene 
Relation, in welcher er das Land und dessen Geschichte beschrieb 
Diese Schrift wurde durch den P. Franz de Carvalhao nach Rom 
gebracht und scheint verloren gegangen zu sein bis auf das Bruch- 
stück, welches Äthan. Kircher in seinem Oedipus AegypUacus 
mitlheill. Die , Nilquellen' finden sich hier (in lateinischer Ueber- 
setzung) beschrieben Synt. I, c. 7, pp. 57 ff. — Lobo war später 
(iG'Vii) 'D Abessinien und verliess das Land zu Folge dem Decret 
Socinios (Note 1). Seine Reisebeschreibung wurde zuerst durch 
Legrand in's Französische übersetzt: Voyage historique d'Abyssinie, 
1728. Auch er hatte die , Nilbrunnen' besucht und beschreibt sie 
(in der französischen üebersetzung) p. 105 ff. 

3) Und sich wiederholt gegenüber neuern Angaben als riditig 
erwiesen haben, namentlich auch gegenüber Bruce, der (Travels 
III, pp. 615 ff.) sich die Ehre der Entdeckung der ,Nilbrunnen' 
zuschrieb und [Tr. I, p. 237) seine Vorgänger Paez und Lobo 
für Betrüger erklärte (die die Nilquellen und den Alatalall nie ge- 
sehen hätten) und ihrer Carte eine absichtlich falsch gezeichnete 
entgegensetzte, S. auch J. R. G. S. XVII, p. 5. 

^) Dieser französische Arzt, an den Hof des abessinischen 
Königs berufen, reiste 1698 durch Sennaar nach Gondar und kehrte 
1700 auf derselben Route zurück. Siehe seine Relation abrig&e 
d'un voyage en Elhiopie. 



Egli, die Entdeckung der Nilquetlen. 25 

einer Franciscanermission (1750) war der Schotte 
Bruce' der erste, der (17''V72) das kühne Wagstück 
einer abessinischen Reise wieder ausführte. 

Was durch diese Pioniere ätliiopisclier Kenntniss 
und was durch die Neuern: Salt-, RüppeP, 
Cailliaud'*, Isenberg^^ Krapf^, Beke^, 



') Er war über Svene nach Kosseir gegangen , vom rolhen 
Meer nach Abessinien und kehrte über Scnnaar nach Aegypten 
zurück. Vergl. seine Travels to discover the sources of tlte Nile, 
5 Bde. 1790. Seine Beschreibung der ,Ni]bruiinen' findet sich 
im dritten Band pp. 595 und weiter. 

2) Der Engländer Henry Salt hat sich namentlich um die 
Beschreibung y.ahlreicher Denkmäler verdient gemacht. Siehe s. 
Account of a voyage to Abyssiiua etc. 1814. 

^) Eduard Rüppel, ein Deutscher, vorzugsweise Zoolog, 
hielt sich zwei Jahre (iS-^'/ss) '" Abessinien auf. Vergl. seine Jleise 
in Abessinien^. 2 Bde. IS-^y^o. 

^] Ein französischer Juwelier , der in die Dienste Mehemet 
Alis getreten war und mit dem äjjvptischen Heer durch Nubien 
und weiter vorrückte. Er hat unter Aiiderm auch die berühmten 
Smaragdgruben der Alten wieder entdeckt. Siehe seine Voyage ä 
Meroe, 1823 fl". Wilkinson, der Abessinieni eisende, nennt ihn 
(in J. R. G. S. 1851, p. 154) tliat indcfaliyable travcUer und spricht 
mit viel Anerkennung von seiner (larte. 

^) K. W Isenberg ein Wüi Iteniberger, der als Missionär in 
den Dienst des Church Missionary Society trat und zwei Mal 
(18^''^3) in Abessinien etc. sich aufliiell. Er war 1839 vom IlaTcn 
Tajurrah aus in das Innere gelangt. Siehe seine Schrift: Abessinien 
und die evangdisclie Mission, 1844. 

^) L. Krapf, Landsmann, Berufs- und Reisegenosse Isenbergs, 
war 18 Jahre in Abessinien, Schoa und der Kilinia Njaro-region. 
Vergl. seine Travels, researclies and missionary lubours 18G0 (sind 
den früher erschienenen .Reisen in Osl-Africa' vorzuziehen). 

^} Ein Engländer, der 1811 mit Krapf in Schoa war und längere 
Zeit für den Sobat als wahren Nil plädirte. Vergl. seine in Yejubbi 



26 Egli , die Entdeckung der Nilqiicllen. 

Schlmperi. Heuglin2, Miinzinger-^ und andern 
zu Tage gefördert worden, kann iiiei* nur angedeutet 
werden. 

III. ABESSINIEN. 

Dem Chaos entstieg in lebensvoller Gestalt ein 
herrliches Alpenland mit Volk und Reich. Ein Reich, 
dessen Sagenzeit die Königin von Saha zur Stamm- 
multer einer salomonischen Dynastie erhebt und dessen 
Geschichte heller wird seit Frumenlius, dem ersten 
Bischof Abessiniens (827). 

Dauernder als eine über 300jährige Entthronung 
wurde den Neguz die Gefahr, als zur Innern Zer- 
rüttung die Kämpfe sich gesellten gegen den von 
Nord und Ost andringenden Islam und gegen die von 
Süd und West einfallenden Neaer. Solchem Stoss 



9. Febr. 1843 entworfene Carte von KafTa etc. im J. R. G. S. 
XVII, p. 84. 

') Ein deutscher Arzt, der länjtere Zeit für naturhistorische 
Zwecke in Tigre und andern abessiiiiscben Landschaften zubrachte 
(1838 und \\ieder 1840). 

2) Tlieod. V. IltMiglin, hauptsächlich Zoolog, hat in Abes- 
sinien und den Uferländern des rolhen Meeres eine Menge von 
Kreuz- und Querfiihrlen gemacht. Wurde österreichischer Consul 
in Charlura. 

3) Werner Munzinger, ein Schweizer, der nach längerem 
Aufenthalt unter den christlichen Botjos seine Schrift: Ueber die 
Sitten und das Rvcht der Bo:jos 1859 crsclieineii liess. Vor 1852, 
wo die Lazaristerimönche Stella und Sapeto hinkamen', war das 
Land der Bogos so viel wie unbekannt geblieben. Zu Anfang 1854 
wurde es von Plowden, d(>m englischen Consul in Massaua, im Mai 
desselben Jahres von Munzinger besucht, der 1855 dort seiueo 
bleibenden Aufenthalt nahm. 



Egli, die Entdeckung der Nilquellen. 27 

konnte nur ein kräftiger, thätiger Menschenschlag 
widerstehen. Sinnreich vergieicht sich das abessini- 
sche Volk mit der Denguelat, der prachtvollen von 
stachli<ier Hülle umgebenen Ciiicusblume '. So auch 
das Land. Von dem Meere trennt es der glühende, 
wasserleere Küslensaum der Samhara; über Enarea 
und KalTa läuft es in wilde, wenig bekannte Berg- 
reviere aus, und im Norden und Westen liegt eine 
8 — 12 g. Meilen breite, feuchte Waldregion vor, 
wo ein fetter, schwarzer Boden (Mazaga) mit flies- 
senden und stehenden Wassern wechselt, wo in 
hochschatligen Wäldern Elephanten, Nashörner und 
Eber, Büffel und Carnivoren sich tummeln, im Laub- 
werk Affenheerden und Vögelschaaren schreien, und 
wo im Kampfe gegen die Bestien, die Aelpler und 
ßischarin , wie gegen die schwüle, fieberdrohende 
Lult die verachteten Schangalla (= die Schwarzen 
der Tiefe) wohnen: die Elephantophagen und Stru- 
thiophagen oder — wie am Takazze — die Hylo- 
phagen und Ichthyophagen, die zur Zeit der Ueber- 
schwemmung in die zahlreichen, selbstgegrabenen 
Sandsleinhöhlen der Vorberge — als Troglodyten2 
— sich zurückziehen. 

Ko\la (= Tiefland) heisst dieses äthiopische ,Ta- 
rai', und richtiger als wir, die wir den Namen der 
alten Küslenstadt Abassia^ auf das Binnenland über- 



*) Rilter, Erdkunde I, p. 207. 

2j Vergl. Herod. Hb. IV. 183 und Lyon: A narrative of 
travels p. 189. 

^} Latinisirt aus dem arabischen ,Habesch'. 



28 Egli, die Entdeckung der Nilquellen. 

tragen 1, nennt — im Gegensatz zur Kolla — der 
Abessinier sein Land Alberegran (= Hochland) oder 
Daga (Bergland). Dort oben, auf der wohlbewässer- 
ten , fast waldlosen , stellenweise trefflich bebauten, 
sonst aber von Alpweiden eingenommenen, vieh- 
reichen Hochterrasse, wo der ewige Frühling nur 
durch die gewitterüppigen Tropenregen unterbrochen 
vsrird, wo Schneegebirge die Plateaux umstehen und 
so vieles mangelt, was in Thier- und Pflanzenwelt 
an Afrika erinnern könnte2, wo wir, dem Aequalor 
so genähert, die Agrumen und die Weinrebe — wohl 
durch die Portugiesen importirt — wieder finden: 
dort ist die Geburtsstätte der rechtseitigen Tributären 
des Nils. In dem reizenden Alpenlande Gojam, Be- 
zirk Saccala, dem Sitze unvermischter, heidnischer 
Autochthonen, die noch jetzt den Landesgöttern, dem 
Genius des Nils und dem Bambus, alljährlich opfern, 
auf grasreicher Höhe im halbmondförmigen Thale, 
angeblich 9900' üb. M. , fand zuerst Paez die drei 



^) In der unrichtigen Form Abyssinia (anstatt Abassinia oder 
Abessinia) schon von Johnson in seiner Ucberselzung von Lobo's 
Voyage to Abyssinia 1735 angenommen. S. Isenberg, Abessinien 
und die evangelische Mission, 1844, I, p. 1. « 

2) Die grossen afrikanischen Iluftliiere — wie Elephant, Nas- 
hörner, Dromedar, Büffel, Antilopen — und die grossen Steppen- 
raubthiere fehlen, ebenso Zebra und Giraffe (die Zebra's, welche 
einst als kostbare Geschenke von llabesch an die europäischen 
Höfe gesandt wurden, stammten ans den Waldungen der Galla- 
länder). Im Zana gibt es noch Flusspferde (angeblich jedoch sind 
sie dort kleiner), aber keine Krokodile. Zahlreich ist die Zubbee 
(Hyaena crocuta), die allnächtlich die Strassen von Gondar besucht 
und bis 12000' üb. M. vorkommt. Rüppel, Neue Wirbellhiere 
1832, p. 40. 



Egli, die Entdeckung der Niiquellen. 29 

wasserreichen ,Nilbrnnnen', nach seiner wie Bruce's 
Meinung die Quellen des wahren Nüs i, wie sie durch 
ein sumpfiges Terrain sich winden, um hierauf in 
felsigem Bett als rauschender Mühlbach hervorzu- 
brechen, und im Zickzack über Felstrümmer stürzend, 
zum Plateau des Zana (60Ü0' üb. M.) hinunter zu 
rauschen. 

Dieser, der Bahr Zena der Portugiesen^, der 
Tana der Amhara, ist ein gegen 10 Meilen langer 
und bis 7 Meilen breiter, herrlicher, mit grünen, be- 
wohnten Inseln übersäeter Alpensee, dessen klare 
von Schilfkähnen belebte Flut den tiefblauen Himmel 
wieder spiegelt. Von den kühnen Trachyt- und 
Basaltgebirgen, die die Uferebene umkränzen, stürzt 
eine Fülle warmer Quellen in mehr als 30 Berg- 
strömen herab. Ohne mit dem Seewasser sich zu 
mischen, zieht der ungestüme Gebirgssohn hindurch, 
bricht mit Gewalt aus dem südöstlichen Winkel des 
Sees hervor , bildet 2 Meilen weiter den 40' hohen 
^/a/a-Fall3 und stürzt sich dann durch seine Via 
Mala, über welche die Portugiesen die Brücke Deliei 
— ,die einzige, die der Nil trägt' - gesprengt haben. 
Weiterhin die Bergwasser sammelnd, beschreibt der 
Abai (= Riese) seine Spirale um das Land Gojam, 



') Dass diese Ansicht lange die herrschende blieb; zeigt sich 
weiter unten. 

2) Jellez, Historia general de Aethiopia a Alta 1660, p. 14. 

3) Eigentlich Tis Esät = Feuerrauch (•/. R. G. S. XIV, p. 49). 
Den gebräuchlichen Namen gab ihm P. Lobo (s. in Legrand's 
Uebersetzung, p. 108) nach einem unbedeutenden Fluss, der ober- 
halb des Wasserfalls in den Abai mündet. Vergl. darüber Bruce, 
Travels, III, p. 425! 



30 Eg'' ) ^'c Entdeckung der Nilquellen. 

die Peninsula der Portugiesen, und briclit endlich, als 
Bahr ei Azrelv', in 3 KatnralUen, deren ol)erste 
280' hoch ist, hinaus in das Land der Schwarzen, 
beruhigt, Goidwäsciien unterhaltend, Sennaar ent- 
gegen, zur Vereinigung- mit dem weissen Nil. 

IV. BELLET-SUDAN. 

Es liegt nicht in meiner Aufgabe, zu zeigen, 
wie und warum das Stulenland der Nilkatarakten so 
aufTailend spät bekannt wurde. Bekanntlich kam noch 
die französische Expedition von 1798 nicht über Aegyp- 
ten hinauf. Indem sie aber an der , Marke der Civi- 
lisation' stehen blieb, sorgte sie wenigstens für ein 
genaues Kartenbild der Cataractes minor 2. Was 
Mehemet Ali seit 1812 in Ünter-Nubion begonnen, 
das vollendete er 8 Jahre später in der obern Hälfte 
des Landes. Sie waren gezählt, die Tage des mäch- 
tigen Reiches, welches drei Jahrhunderte i'riihi;r auf 
dem Duab zwischen dem weissen und blauen Nil 
durch einen Schangallaslamm gegründet, die Fungi 
(= Sieger) zum Islam übergeführt hatte, ganz ähn- 
lich wie , einst durch siegende Germanen christliche 
Reiche gestiftet wurden'. Noch träumt man im , Ost- 
Sudan' so gerne von jenen Zeiten, wo die zu Sen- 
naar, FazokI und Roseires, zu Berber und Ilalfai sich 
ihre Häuptlinge wählten und mit der königlichen 
Würde bekleideten, wo auf der Insel Argo noch 
tausend Schöpfräder kreisten, wo die Frauen goldene 



^) Eine Discussion über den Aba'i, als Oberlauf des Bahr el 
Azrek, s. im J. R. G. S. XVII, p lo ff. 
2) Descript. de l'Egypte Ant. I, 30. 



Egli, die Entdeckung der Nilquellen. 31 

Ringe in Nasen und Ohren, an Händen und Füssen 
trugen und in seiner Heimat auch der dunkle Mensch 
sich seines Lehens freuen durfte <. 

Allein selbst jene berühmten Reiterschaaren, die, 
in Schiippenlvürasse gekleidet und mit Lanzen be- 
wafTnet, auf Donoolahengsten zu fechten pflegten, 
die niebesiegten Scheikie unlerlagen auf dem Blutfelde 
von Korii, und die ßrandnacht, in welcher der kühne 
Melik, zubenannt el Nimmr (= Tiger), Mehemet Ali's 
jüngsten Sohn Ismael Pascha den Flammen über- 
lieferte 2, wurde durch den von Kordofan herbei- 
eilenden Mohamed Beij el Drfterdnr schrecklich gerächt. 
Er wurde el Djelad (= Henker) des Landes ; aber 
Bellet-Sudan war der ,Civilisalion' geöffnet, und in 
der That, die Vervollständigung unserer Kenntniss 
der obern Nilländer ruht ganz wesentlich auf dem 
Kriegsylücke des Sesoslris der ägyptischen Neuzeit. 

Dort wo der blaue Fluss sein durchsichtiges, fast 
meergrünes Wasser zu den angeblich drei Mal stär- 
kern, trüben, milchähnlichen Fluten des weissen Nils 
gesellt, um noch weithin gesondert neben ihm hin- 
zufliessen% also zwischen der Confluenz zweier 
Ströme, deren jeder die majestätische Breite des 
Rheins bei Köln hat', lag, von Urwald umgeben. 



') Andree's Globus III, p. 247. 

') Im Oclober 1822. 

3) Murray, Life of Bruce 1808, p. 418. Vergl. auch Linant 
in ./. /?, G. S. II, p. 185 u. a. ra. Dass die Superiorilät, wenigstens 
hinsichtlich des Volumens, dem weissen Nil gehört, ist seit Russ- 
egger {Reisen in Europa, Asien und Afrika 18 ''/,s, 2. Bd. th. I, 
p. 515 und ausführlicher ib. th II, p. 82) entschieden. 

*) Russegger, Beisen etc. 2. Bd. I, p. 516. 



32 Egli, die Entdeckung der Nilquellen. 

ein Fischerdorf. OI)erhnll) desselben, dicht am blauen 
Flusse we<>en des Trinkwassers, baiile man (1853) 
für die tiirhischen Soldaten Tag als , landesübliche, 
runde Slrolihüüen mit überhäniiendem Spitzdach, 
später wegen wiederholter Feiiersbrünste Thanka, 
einstöckige Lehmgebäude mit Plaltdach ; es kam hie- 
zu eine Wohnung für den Befehlshaber, es entstan- 
den Gefängnisse, Bazars , Moscheen u. s. f. Nach 
dem Ras el Charliim (= Finde des Rüssels), jener 
Landspitze, die seilher ein Zeughaus bekommen und 
daher in Mandscheva (= Arsenal) umgetauft wurde, 
nannte sich die neue Stadt Charlüm. 

Diese , Königin des Bellet-Siidan' wurde, wie 
der Stützpunkt der neuen Macht und das Centrum 
einer neuen Verkehrswelt, so auch der Ausgangs- 
punkt für eine vielgliedrige Kelle geographischer 
Enldeckungsreisen. Diejenige LinanCs^, Ehrenberys-, 
Rüppels^, Russpyfjer's'» hielten sich noch innerhalb der 
arabischen Welt und des türkischen Sceplerbereichs; 



*) Ein Ingonieur, der im Auflrage der brilisoh-afrikanischen 
Gesellsrhafl roisle und auf dem weissen Nil 1827 bis El Ais 13"43' 
N B. vordrang. Er heinülile sirb, über den Ursprung des Bahr 
el Abiad zuverlässigere Uericiile zu erhiillen. Siehe sein Journal 
of a voyage ou the Bahr el Abiad im J. li. G. S. II (1832). 

2) Der dculsibf Naturforscher, der IS^'/jc mit Dr. He ni pr i ch 
Aejjyplcn, Nubii-n elc. bcreisle, und dann seine ,AaturgeschichlUchen 
Reisen durch IS'ord-Afrika und West-Asien' 1828 erscheinen liess. 

3) Siehe [lag. 25, Note 3. 

'») Joseph V. Bus segger, ein Oeslerreicher , kam 1837 mit 
The od. Külschy bis El .\is. Durch seine ,l{eisen' (vide pag. 31, 
Note 3) wurde er ,eine der ersten Auloritäteu für die Geographie 
und Naturgeschichlc der Niliänder'. 



Egli, die Entdeckung der Nilqueilen. 3B 

dann folgten die grossen Expeditionen, welche von 
Mehemet Ali ausgesandtO und von mehrern Eu- 
ropäern, namentlich auch, dem altern Werne^), be- ^ 
gleitet wurden. 

V. JVIEHEMET ALL 

Wie die durch Prunkliebe und Herrschsucht der 
Lagiden veranlassten Elephantenjagden, so sollten 
auch diese neuzeitlichen, von Herrsch- und Geldgier 
zunächst dictirten Sendungen zu geographischen Ent- 
deckungen führen. Diese drei Expeditionen, mit 
bedeutenden Flotten und viel Mannschaft unternom- 
men^), fanden statt: 



') Nach Russegger war Mehemet Ali (Januar und Februar 
1839) persönlich am blauen FIuss binnufgedrungen und bis über 
Fazokl gekommen {Bullet, de la S. d. G., 2. ser. XI, pp. 253 — 257). 
Der Anblick des weissen Nils gab ihm die erste Idee zu den spä- 
tem Expeditionen. 

2) Wissenschaftlicher Chef der zweiten dieser Expeditionen war 
einer der europäischen Experten, welche Mehemet Ali nach 
Fazokl begleitet hatten: der französische Ingenieur D'Arnaud, 
der seine Berichte im Bullet, de la S. d. G., 2. ser. XVlIl. pp. 367 
— 384, ib. XIX, pp, 89 — 95 niederlegte. Wir folgen dem Rapport 
Dr. Friedr. Werne' s (der als Militärarzt im Bellet-Sudan war) 
in Ritter ,Blick auf das Nilquellland', pp. 42 ff. Weitere europäi- 
sche MKglieder dieser Expedition waren der Ingenieur Sabatier 
und der Sammler Thibault. Der Bericht im Bullet, steht — an- 
geblich weil bei einem Schiffbruch auf der vierten Cataracte alle 
Sammlungen (doch nicht das Journal) verloren gingen — an Werth 
unter demjenigen Wer ne's, bringt es aber nicht über sich, diesen 
Mann unter den ,Europeens associes au chef egyptien' zu nennen. 

3) Nach pag. C2 der Ritter 'sehen Schrift bestand die erste 
Expedition 'unter Selim Bimbaschi's Commando) aus 400 Manu, 
12 grössern Kanonenbooten und 15 kleinern Proviantbarken. Unter 
dem Namen Ibrahim Effendi war auch Thibault dabei. Das 

XII. 1. Q 



34 B?ii) <l>ß Entdeckung; der Nilquellen. 

a) 16. Nov. 1839 - 30. III. 1840. 

6) 28. Nov. 1840 - 18. IV. 1841. 

c) 26. Sept. 1841 - 1. II. 1842. 
Die Bergfahrt dauerte jeweilen etwa 3 Monate 
und führte in bisher unbetretene Gebiete, zu neuen 
Gewässern und Gebirgen , in den Bereich einer für 
uns neuen Negerwelt, zu den heidnischen Flusscor- 
saren der Shilluks <, den Sumpfhirten der Dinkas'^, den 
ackerbauenden Nuerres'^ und Kyks^ und zuletzt zu dem 
hochgewachsenen Bergvolke der Bari^. Man sah 
den isolirten Auli (= ersten Berg), die Sandstein- 
und Hornsleinbiidung des Djebel Musa, die Syenit- 
gruppe von Mandera (= wasserlosen Höhen) , die 
Granite des Djebel Jemati und jene Barre von Gneiss 



Bullet, de la S. d. G. 2. ser. XIV, pp. 54 — 57 enthält einen bezüg- 
lichen Brief Capit. Selim's und XVllI, pp. 5—30, 81—106 und 
161 — 185 der Uebersetzung des amtlichen Rapports. Selbst Jo- 
mard, der ,in dieser Reise eine der ersten Früchte der neuen, 
seit V4 Jahrhundert in Aegypten eingeführten Civilisation' erblickt, 
nennt die Resultate incomplets et imparfaits (pag. 6). 

^) Ein kräftiges, nacktes Volk, das in leichten, sehr langen 
Piroguen, öfter in Flolillen von mebrern Hunderten derselben, bis 
zur Confluenz des weissen und blauen Nils herabgekommen war. 

^) Ein weniger stark gebautes, durch die Sumpfluft kränk- 
liches, hässlich aussehendes Nomadenvolk, dessen Rinder die 
colossalen Hörner der allägjplischen haben. Sie verehren in jeder 
Heerde einen Apis. 

■') Von mehr röthlicher Hautfarbe und schlichtem, glattem 
Haar. Wohnen in umhegten Hütten. 

') Mehr auf der Westseite des Nils, Ton Fischen, Milchspeisen 
und Vegetabilien lebend. 

^) Ein Volk, das aus Hirten, Fischern, Ackerleuten und Krie- 
gern bestand und in Landbau und Gewerben höher stand, als es 
jetzt geschildert wird. 



Egli, die Entdeckang der Nilqnellen. 35 

«nd Glimmerschiefer, welche quer durch den Tubiri 
setzt und dem Vordring-en der Flotte ein Ziel steckte*. 
Aus lOOÜjnhrigem Schlaf erstand, als der Sobat der 
Araher, der Astasobas der Alten, der seine blauen 
Gewässer aus Ahessinien brin<>t und deswegen von 
den Anwohnern auch Bahr el Makdda = Fluss von 
Hnbesch^ genannt wird. Man sah den Keilak und den 
Bahr el Ghazal, und im Gebiete ihrer Vereinigung mit 
dem Kir — denn so heisst hier der weisse Nil — 
ein endloses Sumpf- und Seen- und Flussgewirre 3, 
alles Dinge, von welchen die neronischen Centurionen 
sowohl, als die arabischen Geographen berichtet 
habend. 

Unter 14° N. halte die Pracht der Tropen be- 
gonnen. Weiterhin dehnte sich der Fluss auf eine 
Stunde Breite, mit blühendem Lotos bedeckt und 



') So bei der zweiten Expedition, welche ca. 4°42' N. erreichte, 
während die erste (angeblich bis 3° 35', in Wirklicbiieit aber nur) 
zu Q'/2° gekommen war. Die dritte kam etwas weniger weit als 
die zweite (Ritter, Blick etc. p. 42). 

-j Auch der letzte rechtseilige Nebenfluss des Nil, der Albara 
= Astaboras des Ptolemäus, heisst so bei den Anwohnern der 
Niederungen von Sennaar und Albara (Beke im J. R. G. S. 1847, 
p. 2, Note). 

^) In dem Nosee, dessen blaues, klares Wasser angenehm gegen 
das schmulzige Weiss des Bahr el Abiad abslicht, hatle die erste 
Expedition dib Strömung erst nach dreitägigem Suchen geTunden 
(18.— 21. Dcc 1839). — Mit dem Nosee ist nicht zu verwechseln 
der westliclier gelegene See Rek. Derselbe wurde erst 13 Jahre 
später durch Petberick und Poncet besucht und spielte dann 
als Kendez-vous der Elfenbcinliändler des Westens eine Rolle in 
der Gcschiclite der Entdeckung jener Reviere (Insel Kyt). 

'') Vergl. Aeschylos, l'rometh. solut. Fr. 67, p. 191. 



36 EgU, die Entdeckung der Nilqxiellen. 

durch eine Welt lang-gedehnter, hebuschter oder be- 
waldeter Inseln ' gelheilt. Wir glauben uns in einem 
unter Wasser gesetzten Kiesenparke, so üppig-, so 
märchenhaft voll und frisch wird die Vegetation. 
,Wie grosse aufgehangene Teppiche weht und leuchtet 
es in allen Farben ; die prächtigen , laubenarligen 
Gewebe von Lianen bilden ßlumenhügel mit Guirlan- 
den'. Aus acacienartigem, vollsaftigem, schilfgrünem 
Laube schauen in Menge die über zolllangen, gelben 
Bohnenblüthen des Ambak, der Aedemone mirabilis 
Kotschy2, jenes merkwürdigen Baums, der, nach- 
dem er in der trocknen Zeit bis auf die Wurzel 
abgestorben , seinen spindelförmigen, schwammigen 
Stamm zur Mannsdicke aufbrüstet — wunderbar 
schnell, da er den steigenden iVil im Wachslhum 
überholt. Aber auch den Schwarzen ging eine neue 
Welt auf. ,Die zahlreichen, heranschwimmenden 
Holzberge mit den Klettermatrosen auf Segelstangen 
und buntbewimpelten Mastbäumen, die gewaltige 
Wirkung der nie erhörten Donnerbüchsen, die bunten 
Tücher, blauen Hemden und farbigen Glaskorallen, 
die man freigebig austheilte^, waren neue Erschei- 
nungen'. 



') Deren im Lande der Shillnks mehr als 200. 

2) Siehe Oesterreichische botan. Monatsschrift 1858, Nr. 4. Schon 
Werne hat von ihr berichlet. 

•5) Ganz im Sinne des Befehls, gegen die nenen Völker nichts 
feindseliges zu unlcrnehnien, sondern durch Wohllhun ihr Ver- 
trauen zu erwerben Die erste ExpeiJilion, nur von Türken ge- 
leitet, halle sich des Todlschiessens nicht erwehren können; da- 
durch wurden die Eingebornen verscheucht, die Expedition in ihrer 
Vereinsamung konnte keine Erkundigungen mehr einziehen und 



Egli, die Entdeckung der Nilquellen. 37 

Für die exacte Geographie lagen nun, von den 
oben theilweise genannten Einzelheiten abgesehen, 
zwei Hauplresuitate vor, wir können sagen: ein 
negatives und ein positives, namiich mit Bezug auf: 

a) das Mondgebirge und 

b) den JSilquellstrom. 

Seit D'Anviile« hatten unsere Garten das 
Mondgebirge unter 5—7' N. verlegt. An dieser 
Stelle konnte nun das Quellgebirge des Nil nicht 
sein. Endlose Blachfelder halten sich vor den Augen 
der Reisenden ausgebreitet. Auf dem ganzen un- 
geheuren Raum, den die Expedition mittel- und un- 
mittelbar erschlossen, war nichts zu sehen, das auch 
nur entfernt einem Massen- und insbesondere einem 
Schneegebirge 2 ähnlich war. Noch weiter ab lag 
die Position, die ihm Ritter in seinem grossen Werke 3 
gegeben, nämlich 20 Tagereisen , gerade nach Süden 
von Bornu', unter IT 0. P. und zwar zwischen 7 
und 8° N. Br. Somit war selbst die Existenz des 
Mondgebirges in Frage gestellt, sofern man es nicht in 
die Aequatorialgegend oder noch südlicher zurück- 
schieben wollte. D'Arnaud selbst vermuthete es 
gegen Kaffa hin (S'^ N. Br. und 33 0. P.) ; verführt 



ranssle vorzeitig umkehren (vide Note 1, pag. 35). Thibault 
(Note 2, pag. 33) klagte in seinem Briefe [Bullet, de la S. d, G. 
2. ser. XVl , pag. 127) über jene dimonstrations hostiles , welche 
allen Erfolg beeinlräcliligen. Vergl. Bullet. 2. sör. XVIII, pag. 374. 
^) Memoire sur le Nil 1745. Vergl. seine Dissertation sur les 
sources du NU 1759. Die lehrreiche Africa-Carte in Atlas Tabularum 
Eomannianarum 1737 hat das Mondgebirge gar nicht. 

2) Siehe pag. 21. 

3) Erdkunde 1822, 1, pag. 516 



38 ^?lii ^'t^ Entdeckung der Nilquellen. 

durch die übertreibenden Angaben, die er über derr 
heutigen Äsua vernommen, iiess er seinen Scboa Berry 
in einem Bogen umwenden zu den Felsengen, an 
deren unterm Eingange seine Expedition stehen ge- 
blieben war*. 

Im Mittelalter hatte man, verleitet durch Kos- 
mas 2, den Aibara für den wahren Nil gehalten. Seit 
Lobo3 und dann neuerdings durch ßruce^ war die 
Ehre dem blauen Fluss zu Theil geworden. Man hörte 
zwar wiederholt von der Existenz des weissen 
Flusses; schon Delisle^ und spater die Ho mann i- 
schen Erben^ zeichneten den Albus ßumen, und be- 
stimmter wies auf ihn D'Anville''. Er wies nach, 
dass die Alten, z. B. Ptolemäus , unsern Bahr el 
Abiad allein als ,Nil' ansahen; er behauptete nament- 
lich auch, dass dieser die stärkere Wassermasse 
führe, und selbst Bruce wollte dies nicht ganz in 
Abrede stellen; er gab zu, der weisse Nil behalte 
immer eine bedeutende Wassermenge, da er in 
Breiten entspringe, wo es fortwährend regnet, 
während der Bahr el Azrek in der sechsmonallichen 
Dürre beträchtlich zusammenschwinde. Allein bis 
zur Gründung von Chartum schwebte doch unsere 



*) Siehe seine Carte du Bahr el Abiad etc. im Bullet, de la S. 
d. G. 2. ser. XIX, pag 176. Sie ist eine Roduclion der Zehnblalt- 
Carte, die er für den Vicekönig gezeichnet halte. 

2) Siehe pag. 23, Note l. 

3) Siehe pag. 24, Note 2 und weiter. 

•*) In seiner Carte de l'Egypte, de Nubie et de l'Abissinie 1707. 
*) Siehe pag. 37, Note 1. 
6) Ib. 



Egli, die Entdeckung der Nilquellen. 39 

Kenntniss von Bellet-Sudan und seinen Flüssen in 
nebelhafter Unklarheit. Erst durch die Vorläufer der 
Mehemet Ali'schen Expedition, namentlich Russ- 
egger, wurde entschieden, dass dem weissen Nil 
wenigstens hinsichtlich seines Volumens die Supe- 
riorilät gehört*, und was die Ausdehnung und Rich- 
tung seines Laufes oberhalb El Ais betraf, war auch 
noch 1S39 völlig ungewiss. Nun ergaben die ägyp- 
tischen Expeditionen, dass der Bahr el Abiad einen 
viel längern Lauf habe als der blaue Fluss, und dass 
sein oberster bekannter Punkt, die Insel Janker, unter 
29V2° 0. P., also östlicher als C^iro, liege. Es war 
somit entschieden, dass der weisse Fluss der Quells trom 
des Nils sei und aus Süden (statt aus Südwesten) komme^. 

VI. NEUEEE EXPEDITIONEN. 

Wir dürfen zugeben, dass — entsprechend ihrem 
Charakter als blossen Recognitionen — die Mehemet 
Ali'schen Expeditionen nicht gerade eine dem Auf- 
wand entsprechende bedeutende Zahl exacter und 
abgeschlossener unmittelbarer Resultate aufzuweisen 
hatten 5. Allein in dem urplötzlichen Auftauchen aus- 
gedehnter Gebiete und namentlich eines gewaltigen 
Quellstroms, dessen Ursprung in noch weitern Fernen 



•) Siehe oben pag. 31, Note 3. 

2) Ce qui change totalemenl la direction donnee jusqu'ici au 
Nil blanc — sagt die äusserst magere Correspondenz D'Arnaud's 
und Sabatier's in den Comptes Rend. XV, p. 1207. 

•') Die ethnographischen resümirt das Bullet, de la S. d. G. 
3. ser. I. pp. 154 — 158. Von der ersten Expedition sagt Jomard 
ib. X, p. 305: Aucune position ne fut determinee geometriquement. 



40 Egli , die Entdeckung der Nilquellen. 

immerhin veriiüllt blieb, wirkte eine wunderbar an- 
regende Kraft. Die Expeditionen wurden bahnbrechend 
für neue Entdecliungen , die in dem sofort sich ent- 
wickelnden Elfenbeinhandel ihren natürlichen Stütz- 
punkt fanden. 

Was seither durch Forscher und Elfenbeinhänd- 
ler weiter geschehen, das kann hier nicht eingehend 
erörtert werden. Schien es doch, ,als wären die 
Zeiten Mungo Park's wieder gekehrt!' Es möge 
genügen, an Malzac und Vaissiere', Brun- 
Rollet-, Heuglin3, Petherick"*, die Gebrüder 



*) Siehe Esquisse de la partie du bassin du Bahr^el-Abiad 

und Catte du cours du Mareb .... im Bullet, de la S. d. G. 1855. 

2) Ein SaYO}'arde, sardinischer Censul in Chartum. Hatte seit 
1844 in Belenia, einem 5 Stunden vom weissen Nil entfernten 
Bariorte, seine Station für den Elfenbeinhandel aufgeschlagen. 
Siehe sein Buch: Le Nil blanc et le Soudan, 1855. Er befuhr, 
allerdings nach Petherick und Poncet, nämlich 1856, kurz vor 
seinem Tode, den Bahr el Ghazal und ist der erste, der über diesen 
Fluss genaue Nachrichten gab. Er nannte ihn fälschlich auch Keilak 
(und Misselad) und hielt ihn für drei mal wasserreicher als den Bahr 
el Abiad. So schloss er — vorläufig wenigstens — die Liste der 
Pseudo-Nile, die kurz vorher (1846) durch die Gebrüder D'Abba- 
die um den Gibbe (pag. 46) und 1843 durch Dr. Beke um den 
Sobat (pag. 25) bereichert worden war. Vergl. pag. 35. 

^) Siehe pag. 26, Note 2. 

^) John Petherick war 1845 als Bergingenieur in die Dienste 
des Vicekönigs von Aegypten getreten, dann aber Kaufmann ge- 
worden und hat in den obern Nilländern eine rastlose Thätigkeit 
entwickelt. Im Jahr 1853 befuhr er (siehe Note 2) den Bahr el 
Ghazal of which — wie er Proceed. V, p. 27 sagt — I had been 
Ihe first navigator. Im folgenden Jahr etablirte er bei dem Djur 
einen Handelsposten, und so schob er seine Unternehmungen Jahr 
für Jahr vor. Er war einer der ersten unter den Händlern des 



Egii, die Entdeckung der Nilquellen. 41 

Poncet', an Lejean^, Lafargue^, Peney^*, 



Obern Nilgebiets und wurde englischer Consul in Charlum. Seine 
grosse Reise von IS^'/ss ging auf dem weissen Nil zum See No 
(pag. 35, Note 3), dann zu Lande weiter nach Süden, ungefähr in 
der Richtung des Gazellen- oder Djurflusses, kreuzte diesen unter 
5V2*' und endete im Lande der Njam-Njara, ,near the Equator'. 
Den fernsten Punkt, Mundo, versetzt jedoch die Carte im J. R. G. 
S. XXXV unter ca. 3^40'. Der vorgeschobenste (permanente) 
Handeisposten war Lungo im Lande der Dör. Vergl. die Schrift: 
Egypt , the Soudan and Central Africa, 18G1, sowie eine Stelle in 
Abschnitt XVI, wo wir wieder aufPetherick zu sprechen kommen- 
^) Siehe pp. 35 und 40. 

2) Wilhelm Lejean ist Franzose. Wir haben weiter unten 
Gelegenheit, ihn nach Gondokoro reisen zu sehen. Zu Anfang 1861 
nahm er den Bahr cl Ghazal auf, den die Eingebornen Nam Aith 
nennen. Seine ,Esquisse' reducirte den Nosee, wie ihn nach den ägyp- 
tischen Expeditionen D'Arnaud gezeichnet (pag. 38), auf Vi der 
frühern Ausdehnung. Siehe Annales des voyages, 1862, I. pp. 257 — 268. 

3) Ferd. Lafargue, ebenfalls ein Franzose, hatte lange als 
Arzt in den Dependenzen der Paschaliks Aegyptens gelebt. Mit 
einem kleinen Dampfer besuchte er 1858 Gondokoro, und ging 
selbst noch etwas weiter, musste aber wegen Krankheit und andern 
Hindernissen umkehren [Bulletin de la S. d. G. 1861, L p. 469). 

'■*) War ein französischer Arzt in türkischen Diensten. Ging 
im Februar 1861, begleitet von Debono (s. unten), über die Strom- 
schnellen oberhalb Gondokoro, zunächst über diejenigen von 
Dschendoky-Garbo, dann über die beschwerlichem 750'" langen 
von Teremo-Garbo und nach Passirung der zahlreichen, beider- 
seits hereinfallenden Nebenflüsse /u den Catarncten von Makedo, 
zwei Fällen von je 1V2"' Höhe Da bei der Flussreise die Baiken 
und das Tauwerk zu Grunde gegangen waren, so setzte Peney seinen 
Weg zu Fuss fort bis zu dem Punkte, wo der südöstliche Eck- 
pfeiler der Regohetle, der Pik Gniri, steil aus dem Flusse sich er- 
hebt. Wie er vor dieser Flussreise nach dem Westen , Jambara, 
gegangen und dabei an den Iliey = Jeji gekommen war, so drang 
er später auch östlich von Gondokoro in das Land der Liria vor 



42 Egii, die Entdeckung der Nilquellen. 

Miam'i und hauplsächlich auch an die Missionäre der 
österreichischen Stationen Gondokoro und Heilig- 
kreuz 2 zu erinnern. So lichtete sich das Dunkel 



und starb, nachdem er 22 Jahre in Africa gewesen, den 26. Juli 
1861 ara Fieber in Anwesenheit seiner Frau und Kinder. 

') Sielie später. 

2) Wie einst zur Zeit der portugiesischen Küstenfahrten, so 
sollte auch in dem neu entdeckten Nilgebiet die angenehme Täu- 
schung der Eingebornen nur zu bald vor einer schlimmen Wirk- 
lichkeit zurückweichen. Als die Absicht des türkischen Gouver- 
neurs Churschid Pascha, bezüglich der Vergrösserung des 
Paschaliks, auf Schwierigkeileii stiess , so begnügte man sich, all- 
winterlich Truppen auszusenden, dass sie unter den Negern Steuern 
eintrieben: Gold, Elfenbein, Straussfedern, vorzugsweise aber starke 
Negerjünglinge, die als Rekrulen nach Aegyplen geschickt wurden. 
Gegenwehr «urde mit Gräueln aller Art bestraft. Diese Züge 
nannte der Türke selbst Gaswa (= Sklavenjagden). Siehe Milthei- 
lungen der k. k. Geogr. Gesellschaft, 1858, , Abhandlungen', pag. 76. 
So begann jene Reihe von Misshandlungen, welche die Eifenbein- 
händler und die türkischen Beamten zu Charlum an den afrikani- 
schen Völkern ungestraft bis auf den heuligen Tag sich erlauben, 
und früh schon geschah, dass des Barikönigs Bruder Niguello 
von den Türken geraubt und nach Charlum geführt wurde. Dort 
traf ihn sein Freund Brun-Rollet (pag. 40, Note 2), befreite ihn 
und gab ihn seiner Heimat wieder. Niguello erzählte seinen Lands- 
leuten Wunder von der grossen Stadt, wo ganze Häuser mit Glas- 
perlen angefüllt seien, und wo die Menschen auf , Zebras' und 
.Giraffen' ( — Esoin und Kameelen — ) reiten. Diese Berührung 
Cburlums und der Bari gab den nächsten Anlass zur Gründung der 
österreichischen Missionsstation bei den Bari, zunächst in Vlibari 
am weissen Nil, unweit Bellenia , von 1853 an, V2 Meile weiter 
oben, in Gondokoro. 

Die Gründung wurde durch ein päpstliches Breve vom 3. April 
1846 ausgesprochen. Unter der Leitung P. Ryllo's kamen die 
Priester am 11. Februar 1848 in Chartum an, und als der genannte 
Vorstand schon am 17. Juni 1849 starb und wegen der Wirren in 



Egli, die Entdeckung der Nilquellen. 43 

ob einem Chaos widersprechender Nachrichten, in 
kurzer Frist zwar, aber sehr ailrnälig- im Vergleich 



Europa die Gelder ausblieben, ging P. Ignaz Knoblecher den 
13. November 1849 nilauf, eben mit der Gelegenheit, die ihm 
Brun-Rollet verschaffte, zu den Barinegern, die ihn freundlich auf- 
nahmen. In der Zeit, wo Knoblecher in Europa neue Mittel suchte 
(iS^Vii)» ersetzte ihn der Venetianer Angelo Vinco, der uns 
wiederholt auf dem Entdeckungsgebiete begegnet. Auch dürfen 
wir Martin Hansal, den Lehrer der Mission, nicht vergessen, 
denselben, der die Aedemone mirabilis Kotschy zuerst nach Europa 
gebracht hat (siehe pag. 36, Note 2). Anfänglich hatte der Pro- 
vicar seine Arbeit zwischen der obern und untern Station 
(Gondokoro und Chartum) zu theilen; später kam die Zwischcn- 
stalion Santa Croce (= Heiligkreuz) hinzu; dieselbe liegt unter 
ßVi" N., ebenfalls am weissen Nil, im Lande der Kyks und ist 
durch P. Mos g an gegründet (Siehe Mittheilungen d. k. k. G. G, 
1857. p. 158). 

Im Jahr 1860 hiess es in Europa, dass die beiden obern Stationen 
aufgegeben seien, dass auch der Veronese Beltrame, der zu An- 
fang 1858 in Chartum angelangt und auf dem Missionsschiff Stella 
matutiiia nach Heiligkreuz abgegangen war, vom Sobat sich zurück- 
gezogen habe, sowie endlich , dass selbst die Mission zu Chartum 
anter Knoblechers Nachfolger, dem Provicar Kirchner, nach 
der Insel Shellal (gegenüber Philae) verlegt worden sei. Die 
schlimmen Nachrichten waren in Bezug auf Heiligkreuz verfrüht. 
Die Mission ging 1861 an die Dominicaner über, deren 60, Geist- 
liche und Laien, in Chartum anlangten. Ein Theil blieb unter 
10'/2° N. unfern der Muhammed;inerniederlassung Uellel-Kaka; ein 
anderer Theil wanderte weiter stromauf, Ileiligkrcuz zu. In wenig 
mehr als Jahresfrist starb von den erstem die Hälfte weg, und der 
Rest floh nach Chartum; auch in Heili^kreuz ging es so schlimm, 
dass im November 1862 nur noch P. Franz Morlang, der 
Pionier von Jambara, mit zwei Laien dort war, auf Erlösung hoffend. 
Eine Verlegung zu den Bari von Kich konnte nicht abwenden, 
dass endlich doch die Mission aufgegeben wurde. Als Speke im 
Februar 1863 von Nyanza her in Gondokoro ankam , traf er den 



44 I^^I>i die Entdeckung der Nilquellen. 

ZU der Fülle publicirten Materials. Die fabelhaften 
Angaben der Eingebornen, die Unziiverlässigkeit und 
die Irrthümer mancher Reisenden und das Missge- 
schick, welches die begründetsten floR'nungen knickte, 
verzehrte einen beträchtlichen Theil der aufgewandten 
Kräfte. 



P. Morlang, der gerade der obern Missionsmetropole einen Ab- 
schiedsbesuch machte, um über Ghartum zurückzukehren. Er war 
als der Letzte zurückgerufen, weil aUe Versuciie fehlgeschlagen. 

In seinem Journal of the discovery of t/ie source of Ihe Nile 
pp. 604 und 605 gibt Spcke an, dass innert 13 Jahren von den 
20 Missionären, die den weissen Nil heraufgekommen, 13 am Fieber, 
2 an der Djssenterie gestorben und 2 mit gebrochener Gesundheit 
zurückgekehrt wären — und nicht eine einzige Seele war bekehrt 
worden! Man hatte zwar wiederholt gegenlheilige Versicherungen 
vernommen, und noch in einem Briefe, d. d. Gondokoro 28. Febr. 
1857, spricht Hansal von den Jugendlichen Zöglingen aus dem 
Barivolke', die die beiden Patres und ihn umgaben {MUtheilungen 
d. k. k. G. G. 1857, , Abhandlungen', p. 169). Wohl sahen die 
Bari die Bilderbücher an, warfen sie aber weg, sofern kein hand- 
greiflicher Gewinn hinzu kam. Sie sagten, ihr Magen sei leer und 
rannten fort, Nahruni^ zu suchen. Das kleine "Korn, welches sie 
bauten, assen sie, bevor es reif war und suchten dann Fische im 
Flusse oder Schildkröten im Innern. Morlang erinnerte sich noch 
an die Zeit, wo sie Lebensmittel zum Verkaufe brachten; jetzt 
aber, seitdem die Hetzjagden der Sklaven- und Elfenheinhäiidlcr 
alltäglich geworden, kehren sie allen Fremden den Rücken und 
werfen den Missionären vor, sie seien die Vorläufer des Laudes- 
unglückes gewesen. Die Missionäre selbst, sagt Speke, verbrachten 
aus Langeweile den Tag mit Essen, Trinken, Rauchen und Schlafen. 
Es war der Mangel an Thätigkeit, was sie tödtete oder ,sie starben 
am Zuschnellleben'. 

So bildet denn die Glocke auf dem Kirchlein zu Gondokoro 
und das Kreuz auf dem First einer nach Landessilte gebauten Hütte 
die einzigen Ueberhleibsel, welche Zeuguiss ablegen von den lang- 
jährigen christlichen Bemühungen unter diesen Heiden. 



Egli, die Entdeckung der Nilquellen. 45 

Wie die neronischen , so wurden auch unsere 
modernen Entdecker , vielfach durch anthropoide Ge- 
spenster geäfft'. Petherick^ hörte hei dem Wadi Koing- 
von einem Volke mit vier Augen, zwei vorn und 
zwei hinten ; ein anderes hahe die Augen in der 
Acliselgrube und müsse also den Arm heben, um zu 
sehen; dem nächsten sciirieben sie Affengesichter 
und ellenlange Schwänze zu; das ausserste aber sei 
ein Zwergvolk mit körperlangen Ohren, die beim 
Ausruhen Matraze und Decke zugleich versehen. 
Besonders wurden die völlig nackten, kupferfarbigen 
Njam-\jam, welche Menschenfüsse als Delikatesse 
schätzen 2, Gegenstand der alten Sage geschwänzter 
Menschen und damit mehrjähriger Bemühungen, haupt- 
sächlich der Franzosen-', bis Lejean'* den Schwanz 
auf einen Lederriemen reducierte , der, vorn durch 
einen Gürtel festgehalten, zwischen den Beinen 
durchgeht und am aufwärts gekrümmten Hinterende 
sich fächerartig ausbreitet. 

Mehrere Nilreisen erinnern unwillkürlich an Dou- 
ville, dem für seine voyage au Congo die geographi- 
sche Gesellschaft zu Paris die goldene Medaille, die- 
jenige zu London die Ehrenmitgliedschafl ertheilte, und 
dem Cooley nachher bewies, dass er die Zeit seiner 
Congo-, Reise' in London zugebracht hattet. ,Nach 



') In seiner Schrift: Egypt , the Soudan and Central- A fr ica, 
1861, p. 234. 

2) Ib. p. 455. 

•') Peter mann, Geogr. MUtheilg., 1858, p. 77 und 1861, p. 234. 

'*) In Le Tour du Monde, 18G1 abgebildet. (Die Seitenzahl 
kann nicht mehr revidirt werden. 

^) Petermann, Geogr. Mittheilungen, 1860, p. 243. 



46 Egli > <lic Entdeckung der Nilquellen. 

neunjährigen Gefahren und Schwierigkeiten hatten', 
wie sie erzählen, die beiden Franzosen', Gebrüder 
Anloine und Arnaud cfAbbadie endlich das Glück, am 
19. Januar 1846 ,die französische Flagge an der 
Hauptquelle des wahren Nils aufzupflanzen' 2. Und 
war diess ein Zufluss des Sobat! 

Unter dem Namen ,Commission scientifigiie interna- 
tionale pour la recherche des sources du Nil et l' exploralion 
rfw 5oMrfan' kündete Graf Es cayrac deLauture seine 
grosse durch Said Pascha ausgerüstete Expedition an. 
Sie sollte direct zu den Nilquellen gehen und dort 
sich in zwei theilen: zum indischen Ozean und in 
den Sudan. Zwei Dampfer, zahlreiche Barken und 
38 Leiterwagen, 300 Mann Escorle, Lebensmittel auf 
fünf Monate genügten nicht. Zu den zwei Kanonen 
verlangte der Nilquellenentdecker in spe vier Stück 
Haubitzen, 500 Stück Shrepnells, 500 Kanonenkugeln, 



*) Eigentlich französisirte Irländer, die schon IS-'Vja '^ Abes- 
sinien gereist waren (Bullet, de la S. d. G. 2. ser. XI, pp. 200 — 
217). Der Nil entspringe — so hijrle Antoine d'Abbadie schon 
1844 {Bullet, de la S. d. G. 3. ser. III, p. 314) — unter einem 
grossen Uaume. Die QueUe gelle bei den Eingebornen für heilig, 
und sie opfern ihr jedes Jahr feierlich. Beiderseits von der Quelle 
erbeben sich zwei bis zum Gipfel bewaldete Berge: Boschi und 
Doschi. Gegenüber den Angriffen auf die Glaubwürdigkeit Ant, 
d'At)badie's (Beke, An Enquiry into M. Ant. d'Abbadie^s journey to 
Kaffa, 1851, vergl. Europa, 1861, Nr. 7) spricht nun — seil Er- 
scheinen der ,G6odhie d'Etltiopie' IS^'^/es — ein Fachmann mit 
grosser Anerkennung von seinen Reisen und Arbeiten (Peter- 
mann, Geogr. lUittheilungen, 1864, p. 117). 

2) Compt. Rend. XXV, p. 485 und XXIX, p. 657. Vergl. auch 
Bullet, de la S. d. G. 3. ser. VIll, pp. 94—97 und die Carte ib. 
XII, p. 233. 



Egli , die Entdeckung der Nilquellen. 47 

200 Handgranaten, 1000 Stück Raketen und — weni- 
ger todverkündend — eine schwarze Musikbande 
zur Aufheiterung unter dem Aequalor. Die arabi- 
schen Schech's zu Cairo, welche derartige Zumu- 
thungen nicht fassen konnten, nannten spoltweise 
den Grafen ahu memba ii bahlier (= Vater der Nil- 
quellen). Das Unternehmen hat weit über eine Mil- 
lion Franken verzehrt; ,nie war eine wissenschaft- 
liche Expedition mit reichern Mitteln ausgestattet'. 
Sie hat aber Aegypten nie verlassen i. 

Wie ganz anders der Venelianer Giov. Miani, 
welcher, der wissenschaftlichen Bildung entbehrend, 
lange am obern Nil gewesen, eine vielfach aben- 
teuerliche Carte publicirte 2 und nach vielen Schwie- 
rigkelten endlich die Unterstützung Debono's 3 fand! 
Von Gondokoro zog er, nachdem eine Flussfahrt bei 
den Makedocalaracten ihr Ende gefunden^, zu Lande, 
östlich vom Nil, , durch Wälder, Berge, Thäler und 



*) Peterniann, Geogr. Millheilungen, 1856, p. 342 und 1857, 
p. 50. 

2) Nouvelle Carte du bassin du NU indiquant la commune ori- 
gine de ce fleuve avec les riviöies du Zanguebar. 1857. Vergl. 
Petermann, Geogr, Mittheilungen, 1858, p. 5G7. 

3) Andr. Debono, ein Malleser Elfenbeinhändler, der 1853 
bis über die Cataracten von Makedo und 1855 den Sobat aufwärts 
gefahren war bis ins Land der Bondschaks. Siehe Andree, 
Globus I. pag. 374. 

'*) Für Segelschiffe ist die Cataractenreihe unpassirbar, da das 
Wasser, so lang die Nordwinde wehen, zu seicht ist und umge- 
kehrt, zur Zeil des Uochwassers der Wind beständig aus Süden 
weht. So könnten nur Dampfer die Passage zu bewerkstelligen 
suchen; allein der VicekÖnig erlaubt den Zugang nur denjenigen 
der Regierung {Proceed. /?. G. S. V, p. 27). 



48 B?'i • <]i6 Entdeckung der Nilqaellen. 

feindliche Völkerschaften' gen Süden und erreichte 
am 28. März 186Ü den Fluss wieder oberhalb der 
Mericaiaracien, bei Galuffi, unter 2V2° N. Br. , wie er 
glaubte, in Wirklichkeit aber unter 3V2°- Also war 
er viel weiter als jeder seiner Vorgänger gekommen 
und halte damit seinem Gönner vorgearbeitet zur 
Gründung der noch südlichem EH'enbeinslation FaYoro*. 
Durch Mangel, Krankheit und die Regenzeit zur Um- 
kehr gezwungen , schnitt er seinen Namen in den 
grossen Tamarindenbaum, unter welchem sich die 
Aeltesten des Dorfes versammeln. 

VII. NYANZÄ. 

Während man so von Norden her unaufhaltsam 
vordrang, fand eine merkwürdige Annäherung von 
Süden und Osten her statt. Die Zanzibarküste war 
zur Basis einer andern Reihe von Entdeckungsreisen 
geworden. 

Seit den Tagen des Historikers Joaö de Barros^ 
zeichneten unsere Garten in unsichern Umrissen einen 



') In Madi 3° 10' N. 

2j In seiner Äsia, Dec. I. X, sagt er von einem grossen See, 
der, im Centrura Africa's gelegen, den Nil, Zaire. Zarabesi und 
andere speise. Es sei ein See von solcher Grösse, dass viele (See-) 
Segelschiffe ihn befahren könnten, und unter seinen Inseln sei eine 
Tähig, eine Armee von 30,000 Mann auszusenden. Schon vor De 
Barros (1552) erzählt übrigens Fernando de Encisco in 
seiner Suma de Geographia, fol. 55. b , dass man von den Einge- 
bornen in Conijo gehört hätte, der Zaire entspringe aus demselben 
See, wie ein ahdercr grosser, nach entgegengesetzter Richtung 
abfliesscndcr Strom (Nil?). 



Egli^ die Entdeckung der Nilquellen. 49 

Morawisee als langgezogenes, inselreiches Becken'. 
Erst Cooley publicirte in der Edinburgh Review (IH^b) 
neue Nachrichten von jenem grossen Binnenwasser, 
das ein Decennium später anfing, Form und Leben 
zu bekommen, indem es sich in mehrere Seen auf- 
löste. Gleichzeitig entdeckten die Missionäre von 
Rabai Mpia^ die äquatorialen Schneeberge 3, gegen 
w^elche derselbe , obstinate geograph' * ankämpfte und 
für w^elche Von der Decken^ so ritterlich sein Leben 



') Siehe u. a. Atlas minor XXXVI Tab. Homannian. fol. 33. 

2) In der Gegend von Morabaza, 1844 gegründet. 

5) Zuerst war es ein Gefährte des schon pag. 25, Note 6 ge- 
nannten Dr. Krapf im Missionsdienste zu Rabai Mpia, der Deutsche 
J. Rebmann, welcher auf seiner Reise nach Djagga den Kilima 
Ndjaro erblickte. Dies war am 11. Mai 1848. Er übernachtete 
am Fusse des Berges. Später (18'Vso) sah auch Krapf wiederholt 
das Schnechaupt und entdeckte zudem von Kitui aus, in einer 
Entfernung von sechs Tagereisen, einen zweiten zweigipfligen Berg- 
riesen, den Kenia (3. Dec. 1849). Die Missionäre gaben die Kunde 
ihrer Entdeckung in der unbefangensten, aber bestimmtesten Weise, 
nicht ahnend , welche Zweifel sich gegen jene erheben würden. 
Hatte man ihnen doch schon an der Küste von einem Berge er- 
zählt, der wie mit weissem Mehle bedeckt sei, und am Fusse er- 
fuhren sie, dass das Weisse droben bisweilen mit grossem Lärm 
den Berg herabfalle, und dass es in einem Gefäss herabgeholt zu 
Wasser (Kibö) werde. Siehe Calwer Missionsblatt, 1855, p. 80. 

•'') Cooley, Inner Africa laid open down. Lond. 1852. 

^) Baron K. von der Decken, ehemaliger hannoverischer 
Officier, wollte, durch Barth bestärkt, sich Dr. Röscher an- 
schliessen und reiste, mit Geld und Instrumenten wohl versehen, 
im April 1860 nach Zanzibar ab. Nachdem der (zweite) Entdecker 
des Nyassasee's dem Pfeil eines Meuchlers erlegen war, wandte 
sich von der Decken gegen Mombaza und landeinwärts gegen 
die .Schneeberge'. Im Herbst 1861 bestieg er, in Begleitung des 
englischen Geologen Rieh. Thornton, den Kilima Ndjaro bis zu 
XU. 1. 4 



50 Bs''i <^i6 Entdeckung der Nilquellen. 

in die Schanze schlug. Südwestlich von dieser Ki- 
lima Njaro-Kenia-Region , auf dem Wege zum Tan- 
ganyikasee, lag 4000' über Meer nicht zwar das Mond- 
gebirge des Ptolemäus , aber Uniamuesi, das Mond- 
land', von welchem aus der Begleiter Rieh. Bur- 
ton's-, Capitain J. H. Spekes, nach Norden reisend 
an den Nyanza gelangte. 



8000' (engl.). Die Berichte der Missionäre bestätigten sich voll- 
kommen. An Laven und Gesleinsproben zeigte sich die vulcani- 
sche Natur des Berges; der Reisende sah mehrere Lawinen fallen, 
bestimmte die Schneegränze zu 17000', die Gipfelhöhe zu 20000', 
und nach Nord und Nord-West zeigten sich noch andere Schnee- 
gipfel, die einem wahrhaften Alpenlande anzugehören schienen. 
Ein Jahr später gelangte von der Decken, begleitet von Dr. O. 
Kersten, am Kilima Ndjaro bis zu 13000', übernachtete im 
Schneegestöber und hatte am Morgen die Genugtbuung, den Schnee 
rechts und links unter seinem Standpunkte zu sehen. Auf dieser 
Tour waren die Reisenden an die Gränze der Masai gekommen, 
mussten sich jedoch zurückziehen. Vielfältig von der Ungunst 
des Schicksals verfolgt, entschloss sich von der Decken, die 
Flüsse Dana und Juba hinaufzufahren und dafür zwei Dampfer anzu- 
schaffen. Für diese neue Exploration engagirte er in huropa selbst 
eine Anzahl Gehülfen. Der Dana erwies sich als gänzlich unbrauch- 
bar. An der Barre des Juba ging (Juli 1865) der kleinere Dampfer 
unter; die Fahrt des grössern war unglücklich, da das Schiff leck 
wurde und nicht mehr von der Stelle kam. Als, um sich aus der 
schlimmen Lage zu helfen, der Baron mit einem Theil seiner Be- 
gleiter um Hülfe ausging, wurde er (2- October 1865) von den 
Somali ermordet und mit ihm ein Theil seines Gefolges. Siebe 
Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, 1866, pp. 97-- 
114 und pp. 160 und 161. 

*) Von dem Namen ,üniamesi' sagt Krapf im J. R. G. S 
1853, p. 117: Literally it signifies ,country of Ihe moon'. 

2) Ein Officier der indischen Armee, der schon in Ostindien 
verschiedene Reisen ausgeführt, dann aber 1853, als afghanischer 



Eg;li, die Entdeckung der Nilquellen. 51 

Zuerst war die von hüg-eligen Ufern eingerahmte 
südliche Bucht voll felsiger Waldinselchen, die den 
Bengalarchipel bilden, in Sicht gekommen; vier Tage 
später, in der Frühe des 3. August 1858, erblickte 
von Somerset Hill aus Speke die blassblauen Ge- 
vv^ässer des offenen Sees und darin die grosse Insel, 
angeblich zeitweilige Halbinsel, Kerewe, nach der die 
Araber den See benennend Endlos dehnte sich der 
Wasserspiegel. Niemand, sagten die Eingebornen, 
kenne seine Länge nach Norden; wahrscheinlich er- 
strecke er sich bis an's Ende der Welt. Die Inseln, 
mit sanften Abhängen in abgerundete Gipfel an- 
schwellend, mit Wald bedeckt zwischen den rauhen, 
kantigen, dichtgedrängten Granitfelsen, spiegelten 
sich in der ruhigen Fläche , auf der das Auge hie 
und da einen kleinen schwarzen Punkt, den winzigen 
Kahn eines Muanzafischers, entdeckte. Von der sanft 
geneigten üferhalde wirbelte blauer Rauch zwischen 
den Bäumen auf; Dörfer und Weiler blickten hervor, 
deren braune Dächer angenehm contrastirten gegen 
das Smaragdgrün des Milchbusches. Und zu diesem 
Anblick der Genuss jener Empfindungen , welche 
durch die glückliche Entdeckung geweckt wurden! 

In der That, diese war vielverheissend. Wie 



Derwisch verkleidet, Mekka und Medina besucht hatte und 2 Jahre 
später als der erste christliche Europäer nach Somal und Härrär 
vorgedrungen war. 

•') EbenfaUs von der indischen Armee und ebenfalls durch 
Reisen vorgebildet Hatte mit Burton die Gefahren der Härrär- 
reise getheilt und war dort, Nachts von 350 Sonialbeduinen über- 
fallen, mit genauer Nolh dem Tode entgangen. 

*) Nämlich U kerewe, wo u = Stelle, Ort. 



52 E?Ii) ^ie Entdeckung der Nilquellen. 

einst den Elephantenjägern arabische Kaufleute den 
Weg- zu den Quellsee'n des Nil weisen konnten — 
offenbar als eine Frucht ihrer Handelsbeziehungen 
zum Innern -- so fand auch Speke noch tief im 
Continent die arabischen Comptoir'si. Erinnerte man 
sich, dass den Barinegern durch .rothe Männer* 
Baumwollenzeuge aus Surate zugekommen2, und dass 
mehrfache ethnographische Analogieen am obern Nil 
und der Ostküste zu Tage getreten 3, so drängte sich 
die Vermuthung auf, dass nun einer der Quellsee'n 
des Nil erreicht sei '». 

Die Beziehungen zu dem in Kazeh krank zu- 
rückgelassenen Chef der Tanganyika-Expedition er- 
laubten nicht, die Entdeckung sofort nach Norden hin 
zu verfolgen. Speke musste sich begnügen, mög- 
lichst viele Erkundigungen einzuziehen , und eben 
diese, sowie seine meteorologischen und hypsome- 
trischen Bestimmungen bestärkten ihn in seiner Ueber- 
zeugung. Auf einen Raum von fünf Breitengraden 



^) Scheich Snay, ein vielgereister Kaufmann in Kazeh, 
hatte den Reisenden erzählt, wie er am Westufer des Nyanza bis 
zur Hauptstadt Vganda's gekommen sei. Auch beschrieb er ihnen 
die anliegenden Länder und deren Flüsse. Ein Suabclikaufmann 
halte von einem Volksstamm Bary gehört, der am Kivira (= Tu- 
biri?) leben sollte. Siehe Burion, Lake Regions of Equatorial 
Africa, I. pp. 324 ff. Ob die merkN\ürdigen Berichte von Seeleuten, 
die Logbücher und Sextanten gebrauchen, auf die Mehemet Ali'sche 
Expedition sich bezogen? 

2) Ritter, Blick in die Nil-Quellenlande, pp. 28 und 50 und 
Bullet, de la S. d. G. 2. ser. XVIII, p. 375. 

3) Peter mann, Geogr. Mittheilungen, 1859, p. 380. 

^) 76. p. 348 in dem Briefe Speke's d. d. London, 14. Mai 
1859. 



Egii, die Entdeckung der Nilquellen. 58 

war die terra incognita von Norden her durch die 
ägyptischen Expeditionen, die katholische Mission 
und einzelne Elfenbeinhändler, von Süden her durch 
die protestantische Mission und Capt. Speke zusam- 
mengedrängt worden. Auf diesen Zwischenraum 
richteten sich nun die Augen der Welt. 

VIII. SPEKE. 

Von der britischen Regierung ausgerüstet , von 
Zanzibarschwarzen', Wanyamuesi2 und Hottentotten- 
soldaten 3 begleitet, brachen die beiden Captains 
Speke und Grant von dem Küstenort Bagamoyo, 
Zanzibar gegenüber, auf zu der neuen Nilquellen- 
reise*. Es war am 1. October 1860. 



•) Theils frei gelassene , sog. Wanguana , theils Sklaven , die 
Sultan Majid mitgegeben hatte. Die Zanzibarschwarzen, einst im 
Innern des Gonliiients geraubt und als Sklaven verkauft, dienen 
gewöhnlich selbst dazu, Sklaven und Elfenbein zusammenzutreiben; 
frei geworden, verdingen sie sich als Träger so lange, bis sie selber 
Handel treiben können — zuerst in Sklaven, weil diese leichter 
zu erlangen sind, und dann in Elfenbein. ,Slavery begets slavery.^ 

2) Trägern aus ünyamuesi. Es ist eine Eigenthümlichkeit der 
südafrikanischen Sprachfamilie, Land, Volk, Individuum und Sprache 
durch die Präfixe U, Wa, M und Ki zu bezeichnen. So heisst: 

Usaramo = Land Saramo. 
Wasaramo = Leute von Saramo. 
Msaramo = einer von Saramo. 
Kisaramo = Sprache von Saramo. 

3) Die der Gouverneur der Capcolonie, Sir George Grey, 
dem Reisenden mitgegeben hatte. Waren den Strapazen nicht ge- 
wachsen und mussten theils schon in Usagara, theils in Ünyamuesi 
zurückgesandt werden. Man hatte grosse Uoffnungen auf sie ge- 
setzt {Proceedings R. G. S. V, p. ll). 

•*) Der Zug bestand a) aus den Hottentotten, angeführt von 



54 l^gli ' ^*^ Entdeckung der Nilquellen. 

Die Expedition nahm , der berüchtigten Masa'i* 
wegen, den Umweg über Kazeh, wo sie bei dem be- 
freundeten Scheich Musa M'sani gastliche Aufnahme 
fand. Da begannen trübe Aussichten: Die Desertion 
der Träger, die Hungersnolh, die unter den Einge- 
bornen Kämpfe hervorrief, und eine heftige Regen- 
zeit verzögerte die Weiterreise acht Monate lang. 
Erst Ende October 1862 langte in Europa ein 15 
Monate alter Brief an, die Besorgnisse, welche der 
frühere Bericht geweckt, etwas mildernd 2, Endlich, 
am 15. Februar 1803, zwei Jahre und fünf Monate 
nach der Abreise von Zanzibar, kam die Expedition 
in Gondokoro, Ende März in Chartum an, und bald 
zitterte auch durch Europa die telegraphische Kunde: 

Das grosse Räthsel ist gelöst! Dem Nil ist das 
Geheimniss seines Ursprungs entrissen 3! 

Die Reise war vom Mondland aus nordwärts, 
auf der Westseite des Nyanza, durch lauter Hoch- 
länder gegangen. Eingebettet zwischen die Plateaux 
und Gebirge, breitet sich der Nyanza {— das Wasser) 



einem Corporal, b) 25 Beludschen unter ihrem Djemadar , c) 75 
Waoguana unter dem Kafilabaschi, d) 100 Trägern unter dem 
Kirangozi. 

^) Die wie die Galla, Somal und andere ostafrikanischen No- 
maden — ungleich den halb ackerbauenden Wakamba, Wanika, 
Wasumbara etc. — der Schrecken ihrer Nachbarn wie der Reisen- 
den sind. 

2) Siehe Proceed. R. G. S. VI, p. 17G und VII, p. 20. 

3) Petermann, Miltheilungen 1863, p 229. Wir fügen hier 
an, dass die beiden Reisenden am 4. Juni 1863 mit dem Dampfer 
Pera Alexandrien Yerliessen und am 17. in Soulhampton ankamen. 
Der Council der R. G. S. veranstaltete auf den 22. ein Empfangs- 
meeting (Proceed. VII, p. 204 und p. 212). 



Egii , die Entdeckung der Niiquellen. 55 

b'us, ein ungeheurer Hochlandssee, dessen Oberfläche, 
sofern sie wirklich eine einzige zusammenhängende 
Masse bildet, vielleicht das hundertfache derjenigen 
des Bodensees beträgt und somit alles weit übertrifft, 
was Europa an Süsswassersee'n aufzuweisen hati. 
Von den umgebenden Hochländern eilen dem 
Nyanza die Bergwasser zu, damit er den jungen Ni|2 
speise. Unter diesen Zuflüssen ist, soweit unsere 
Kenntniss reicht, der Küangule von Karagwe am 
mächtigsten, ein schöner, starker, wohl 80 Yards 
breiter Strom , der, zwischen tiefe Ufer wie ein 
ungeheurer Canal eingebettet, heftig strömend nach 
Osten zieht. Der Nil verlässt sein Reservoir am Nord- 
ufer ^ und zwar in mehrern Armen, die eine nörd- 



^) Beim ersten Auftauchen dachte man sich ihn noch weit 
grösser. Der Missionar Rebmann begleitete seine Berichte im 
Calwer Missionsblatt vom 1. October 1855 mit einer Carte , welche 
den ,Ukerewe See' von '/^^ N. — 13'/2° S. und über 12 Längen- 
grade reichen lässt. Dieser Carte zufolge wäre der See 13600 
Quadratnieilcn gross, also nahezu doppelt so gross als die Ostsee 
oder das schwarze Meer. Und noch ist unermittelt, ob das auf 
'/lo — '/i2 jener Fläche reducirte Binnenmeer uns nun auch in 
dieser Reduction bleiben soll [Proceed. IX, pp. 6 — 14). 

^) Vorläufig nÄg es erlaubt sein, im Sinne Speke's zu sprechen 
und bezüglich abweichender Ansichten auf die beiden letzten Ab- 
schnitte (XV und XVI) zu verweisen. 

3) Also ganz anders, als noch 1860 J. Macqueen in seinem 
Aufsatze Eilimandjaro and the White Nile wollte (J. R. G. S. p. 136). 
Auf seiner Carte: Central Africa showing the route of Silva Porto 
from Benguela to cape Delgado IS'^/si. also the sources of the 
Nile and the countries around them macht er den Nyanza zum 
Sleppensee , der nordwärts den Aequator nicht erreicht; bei den 
Garbocataracten biegt der Tubiri scharf nach Süd-Osten um, da er 
am Kenia entspringt; zwischen seinem Quelllauf und dem Nyanza 



56 Egii, die Entdeckung der Nilquellen. 

liehe und nordwestliche Richtung nehmen, und sich 
so zu einem einzigen Strom vereinigen. Sie bilden 
somit, wenn man so sagen darf, ein Ausflussdella. 
Die Arme, von Westen nach Osten aufgezählt, 
heissen: 

a) Kafu auch Mwerango genannt, 

b) Luajerri, 

c) Kart. 

Der letztere ist der stärkste. Er bildet unmittel- 
bar, nachdem er den See verlassen, den Riponfall. 
Dies ist der östlichste Punkt, den Speke am See er- 
reicht hat; er liegt ungefähr in der Mitte des dem 
Aequator parallelen Nordufers. Den Luajerri hat 
unsere Expedition ein Mal, den Kafu zwei Mal passirl; 
zuerst nahe dem Ausfluss aus dem Nyanza und später 
bei der Vereinigung mit dem Kari. Den vereinigten 
Strom überschritt sie bei dem Karumafall, um den 
grossen Bogen des Flusslaufes abzuschneiden. Hier 
wendet sich nämlich der Nil nach Westen um, mündet 
in einen zweiten grossen See, den Luta Nzige Lake 
(== der See der todten Heuschrecken), verlässt den- 
selben unfern der Einmündung wieder, um nordost- 
wärts zu fliessen und den Jsua River aufzunehmen, 
den man als den Abfluss des Baringo {^ Bahr Ingo?), 
eines dritten grossen See's des Nilquellenbassins, 
betrachtet. Wie der Luta Nzige Lake im Nord-Westen, 
so läge der Baringo im Nord-Osten des Nyanza, und 



erhebt sich als Wasserscheide eine bedeutende Gebirgskette, an 
deren Vorbergen der Kivira der Eingebornen (siehe p. 52, Note 1) 
entspringt, um nördlich neben dem Nyanza vorbei — unbekannt 
wohin — nach Westen zu fliessen. 



Egli , die Entdeckung der JN'ilquellen. 57 

die beiden letztem sollen durch eine Enge unter sich 
zusammenhänoen. Der Abfluss des Baringo erreicht 
den Nil gerade da, wo derselbe, aus seiner nord- 
östlichen Richtung scharf umwendend zur nördlichen, 
an Miani's Tamarinde vorbei rauscht, also bei Galuffi^, 
an der Pforte jener das Quellbassin abschliessenden 
Felsengen, welche der Strom unter Bildung der Ka- 
tarakten von Meri, Makedo und Garbo passirt, um Gon- 
dokoro und damit sein zweites Stufenland zu erreichen. 

IX. NYANZALÄNDER. 

Ueber die Masailänder, im Osten des Nyanza, 
besitzen wir noch immer nur mangelhafte Berichte. 
Den Raum vom See bis zu den Schneebergen hat 
noch kein Europäer betreten 2. Nach den Aussagen 
der Araber dehnen sich dort weite, hügelige Salz- 
ebenen, dürre Steppen mit Salzsee'n, so dass sie 
auf ihren Reisen Wassermangel gelitten hätten. Auch 
falle vom Südende des Nyanza bis zu der Enge, 
welche ihn mit dem Baringo verbindet, nicht ein 
einziger grösserer Fluss in den See. Wohl aber 
hörte Dr. Krapf, dass vom Kenia her der Nil einen 
Zufluss erhalte; dadurch freilich wird der Wasser- 
mangel an der Westseite der Kilima Ndjaro-Region 
um so auffallender 3. Es bleibt späterer Ermittelung 

') Siehe pag. 48. Speke, p. 592, nennt den Ort Apuddo und 
will nur undeutliche Einschnitte M. I. (in Miani's Tamarinde) ge- 
sehen haben. Nach pag. 579 scheint es . unser Nilreisende habe 
von Miani nichts gewusst. 

2) Siehe pag. 54, Note 1. 

■') Könnte bei den Behauptungen der Araber nicht auch die 
Furcht, dass die Europäer ihnen Conciirrenz bereiten möchten, 
im Spiele sein? {Ännales des voyages, 1866, I. p. 222.) 



58 Egii, die Entdeckung der Nilqaellen. 

überlassen, ob von dieser Bergwelt her, die dem 
indischen Ocean beträchtliche Gewässer zusendet, dem 
Nyanza wirklich kein bedeutender Zufluss zugehe. 

Bleiben wir somit über die Ostseile des Binnen- 
meeres in üngewissheit, so haben uns die neuesten 
Reisen über die südlichen, westlichen und nördlichen 
Umgebungen Aufschlüsse gebracht. Unyamuesi kennen 
wir schon seit der Burton'schen Expedition IS^Vss 
als ein wohlangebautes Plateau, welches sich nord- 
wärts zum Nyanza senkt, als einen friedlich schönen 
, Garten Africas', mit Wäldern, Feldern, Grastriflen, 
Brunnen, Viehherden, Dörfern — alles doppelt an- 
genehm für den, der aus der Wüste i kommt. Seine 
Wälder sind belebt von Affen, Leoparden, Hyänen, 
Löwen und Katzen , die Grastriften von Elephanten, 
Nashörnern, Giraffen. Capbüffeln und Kuduaniilopen, 
die Gewässer von Flusspferden und Krokodilen 2. 

Vsinsa, Karagwe, Uganda und Ungoro, also die Län- 
der der Westseite, sind für unsere Kenntniss voll- 
ständig neue Gebiete. Ihre Namen wurden erst seit 
der Tanganyikaexpedition bekannt. Man schildert 
sie 5, zum grossen Theil wenigstens, als eben so 
schöne Gegenden, von Hügelmassen und grössern 
Gebirgen durchzogen, deren reizende Thäler ihre 
Fiuss- und Seespiegel gegen den Nyanza hin ent- 
laden. Den Usinsadistrict Usui nennt Speke^ a most 



') Mgunda Mkhali = feuriges Feld, eine Wüste, die nur in 
der Regenzeit Wasser hat. 

2) Andree, Globus, II. p. 171. 

^) Speke, Journal of thc discovery of the source of the Nile, 
pp. 154 ff. 

^) Ib. p. 164. 



Egii, die Entdeckung der Nilquellen. 59 

convulsed-loolving- counlry , dessen wohlgeformte 
Berge theils bebaut, theils mit Busch wald bedeckt 
seien; die ideinen Grashüttendörfer seien nicht mit 
einer ßoma umzäunt, sondern behaglich in grosse 
Pisangfelder versteckt. Das Thal von Ui'igi, am Ein- 
gang nach Karagwe, mit seinen saddleback hüls 
ringsum, versetzte den Reisenden in eine Gegend des 
Himalaya'. 

Der Preis der Schönheit gehört dem Bergland 
Karagwe, dessen gereistem König es selbst aufge- 
fallen war, dass seine Berge die prächtigsten der 
Well seien. In den Gebirgslhälern lagern herrliche 
See'n , und im fernen Westen, da, wo die Araber 
ein beständig in Wolken gehülltes, angeblich kaltes 
Hochland gesehen, erblickte man bei schönem Wetter 
kühne, himmelanstrebende Kegel, welche einer be- 
deutenden Gebirgswelt angehören. Diesen Mfumbiro- 
bergen gibt Speke lOOOO' engl. Er hält sie für den 
grossen iVngelpunkt in der centralafrikanischen Was- 
serscheide und ist sehr geneigt, die Lunae montes des 
Ptolemäus hieher zu versetzen 2. Sie seien nicht nur 



') ,lch erinnerte mich an jene glücklichen Tage, die ich einst 
mit den TtTlaren im tübetanischen Industhale verlebt hatte, nur 
dass dies letztere malerischer war; Denn obgleich beide Gegenden 
wild und sehr schwach bewohnt aussahen, so war die heutige mit 
Gras übergrünt und an den höhern Abhängen mit dickem Acacien- 
gebüfch punktirt, den Schlupfwinkeln der Rhinoceros, während im 
Thalgruiide Herden von Hartebeesls und schönem Vieh herum- 
streiften, wie der Kiyang und der zahme Yak von Tibet'. 

2} Dies ist doch wohl eine unhaltbare Hypothese. Nach allem, 
was wir über die Lage der Schneelinie äquatorialer Regionen und 
speciell durch Von der Deckeu's Ermittelung am Kilima Ndjaro 



60 KRli> <]ie Entdeckung der Nilquellen. 

,das Quellgebiet des edeln Kilangule, sondern sen- 
den auch einen Zufluss zum Tanganyika, also zum 
Zambezisystem'i. 

In Uganda passirle der Reisende wiederholt 
förmliche Gartenlandschaften, wo alles gedeiht, was 
heissfeuchte Lagen liebt, , vollkommene Negerpara- 
diese', wo man nur zu säen braucht, um mühelos 
zu ernten, während von den Höhen aus das sumpfige 
Waldufer des Nyanza oder der gränzenlose Wasser- 
spiegel selbst zu sehen war. Es gab einzelne Punkte, 
die von keinem Theil Bengalens oder Zanzibars über- 
troffen werden , und wo Speke ausrufen kann : A 



wissen (pag. 50), bleiben die Mfumbiroberge 6 — 7000' unter der 
Scbneegränze, und doch spricht Ptoleniäus unbe/weifelt von Scbnee- 
bergen, wenn er sagt : Lunae montes a quibus Nili paludes nives 
suscipiunt. Von der Rüste aus gehend, gelangt Plolemäus über- 
dies zuerst an die Schneeberge und dann zu den Quellsee'n, welche 
Reihenfolge, sofern man den Mfumbiro als Mondgebirge adoptiren 
wollte, sich geradezu umkehren müsste. Wir geben also lieber 
mit Dr. Beke, dem Äbessinienreisenden und Verfasser der be- 
rühmten , Essays', wenn er in der Kilima Ndjaro-Kenia-Region die 
Lunae montes wieder findet. Proceed. R. G. S. VII, p. 110. Vergl. 
auch Peter mann, Mittheilungen 1866, p. 76. — Die Zweifel, 
welche Cooley an der Aechtbeit der , Mondgebirge' für den pto- 
lemäischen Text erhoben hat [Proceed. R. G. S. VII , p. 194 und 
195), bleiben hier unberücksichtigt. Ebenso die ,Lunar Mountains', 
welche Speke auf seinen frühern Garten an eine ganz andere Stelle, 
nämlich hufeisenförmig das Nordende des Tanganyika umfassend, 
verlegt hatte und die von seinem Begleiter Burton als a mere in- 
vention erklärt wurden (Proceed. IX, p. 7). 

') üeber den Tanganyika und seine Beziehungen zu südlichen 
und nördlichen Stromgebieten siehe Proceed. R. G. S. IX, pp. 6 — 14. 



Egli , die Entdeckung der Nilquellen. 61 

wonderful coiintry, surprisingly rieh in grass, culti- 
valion and trees ! Von einigen Tiiaigriinden rühmt 
er besonders die prächtigen Bäume, die giattstämmig 
wie Pfeiler aufstreben und oben ihre langen Aeste 
zu einem Traghimmei ausbreiten. In ganz Uganda 
wächst der Cafe als grosser buschiger Baum, die 
Zweige über und über voll Beeren wie an der 
Stechpalme. 

Das Nordufer des Nyanza gehört theilweise, 
nämlich bis zu dem Riponfall , ebenfalls zu Uganda; 
östlicher folgen Usoga und Vvuma. Hier gibt es neben 
fruchtbaren und wohlgepflegten Gebieten auch weite 
Junglen und hochgrasige Steppen, bevölkert mit 
Nsunnaantilopen, Elephanten und Löwen, während in 
den jungen Nilarmen Flusspferde schnauben und 
Krokodile auf Klippen sich sonnen. In einem wild- 
romantischen, eng- und tiefumrahmten Schlund drängt 
sich der Nil, die hambaschneUen bildend, über und 
zwischen einem Damm bewaldeter Inseln. Wahrhaft 
reizend aber ist die Scene ,bei den Steinen' der 
Waganda. Kaum dem See entströmt, stürzt hier eine 
durch Klippen getheilte, 500' breite Wassermasse 
über den 12' hohen Felsendamm und rauscht und 
schäumt in den Kessel hinunter, dessen Seitengehänge 
Gärten, Wald und Weiden über einander tragen. 
Flusspferde und Krokodile liegen schläfrig am Wasser; 
Wanderfische springen mit aller Macht den Fall hin- 
an; Wasoga- und Wagandaboote fahren hinaus, und 
auf allen Klippen fassen die Männer Posto mit Angel 
und Ruthe; oberhalb des Falles geht die Fähre hin 
und her, und von der Weide kommt das Vieh zur 



52 Egii, die Entdeckung der Nilquellen. 

Tränke herbei. So ist der Riponfall^ , der oberste 
Wassersturz des jungen Nil. 

Wo die Reise durch Vngoro ging, war das Land 
ein unendlicher Niederwald mit hohem Grase und 
spärlich eingestreuten Dörfern niedriger Hütten. 
Zwischen der Confluenz des Kafu und Kari lag die 
schmutzige Residenz des Königs, der die Reisenden 
einen vollen Monat zurückhielt. 

Nach Norden hin folgt Chopi, das theils aus Mar- 
schen, theils aus wohicultivirtem und starkbevölkertem 
Lande besteht. Hier zwischen niedrigen, papyrus- 
umsäumten Ufern behäbig fliessend , dehnt sich der 
Nil stellenweise seeartig aus; dann verengt er sich 
wieder, und in tiefer Schlucht braust der vorher so 
friedliche Strom zwischen syenitischem Gestein da- 
hin, in schiefgezogener Ebene etwa 10' fallend. 

An dieser Stelle, dem sog. Karumafall^ , kreuzte 
die Expedition den Fluss, um durch Kidi vorzudringen. 
Die Kidiwildniss ist eine hochgrasige, grosseiilheils 
sumpfige Steppe, menschenarm, ohne Obdach, ungern 
von Reisenden durchzogen , da die jagenden Einge- 
bornen alle Fremdlinge ergreifen, plündern und als 
Sclaven verkaufen. 

Desto angenehmer contrastirt Gani mit seinen 
hübschen, bewaldeten Granitbeygen, seinen conischen 



*) Von Captain Speke so genannt nach einem HauptTÖrderer 
seiner Expedition, dem Earl of Ripon (seither Eail de Groy and 
Ripon), damaligem Präsidenten der G. G. zu London (f 1859). 

2) Von den Eingebornen so genannt. Sie glauben, Karuma, 
der Familiarius eines gewissen grossen Geistes , habe die .Steine' 
in den Fluss gesetzt. 



Egli, die Entdeckung der Nilquellen. 58 

Grashütten mit Bambiisg^estell und seinen gastfreund- 
lichen Bewohnern. Diese Geschöpfe, barbarisch in 
ihrer vöMigen Nacktheit, gleichen hierin ihren Nach- 
barn, den Madi, bis zu welchen die Eifenbeinhändler 
von Norden her vorgedrungen sind«. 

X. KLIMA. 

Der Nyanza liegt unter dem Aequalor, zum 
grössteii Theil auf der Südseile desselben. Er dehnt 
sich, abgesehen vom Baringo, von ca. 0°25' N. Er. 
bis 2^45' S. und von 32° bis über 35'/2° 0. L. von 
Gr. 2, also über mehr als drei Breitengrade und 
mehr als drei Längengrade. 

Das grosse Bassin dagegen , aus welchem die 
Qnellsee'n des Nil die Gewiisser sammeln, hat noch 
eine weit bedeutendere Ausdehnung, nämlich gegen 
8 Breiten- und mindestens 9 Längengrade. Es ist 
ziemlich gleichmässig auf beide Seiten des Aequator 
vertheilt. 

Die Höhenlage des See's und der ihn umschlies- 
senden Hochländer ist nicht mit Sicherheit festgestellt. 
Als Speke zum ersten Mal den Nyanza erreichte 
(1858), bestimmte er -^ die absolute Erhebung des 
Spiegels zu 3740' engl. Später fand er am Nordende* 



*) Siehe pag. 48, Note 1. 

2) Setzen wir seine Milte annähernd in 1° S. und 31° 0. von 
Par., so finden wir den See 9^^ südlicher und volle ld° östlicher, 
als vor 40 Jahren Riller Grund hatte, die Nilquellen zu ver- 
muthen. Erdkunde I. p 516. 

3) Mittelst des Kochthermonieters. 

^) Bei dem Kiponfall, auf dieselbe Weise bestimmt. Journal 
p 623. 



54 Egli> die Entdecknng der Nilquellen. 

3308'. Es scheint jedoch», dass beide Zahlen zu 
niedrig sind und die letztere auf mindestens 41 — 4200' 
engl., also auf ca. 4000' Par. erhöht werden müssen. 
Die Seehöhe des Luta Nzige Lake wird zu 2720' engl, 
angenommen 2. Demzufolge bewegt sich also das 
Gebiet der ,Nilquellensee'n' auf einer Stufenleiter 
von 2720—20000' engl., und ihr Mittel käme nahezu 
der Gipfelhöhe unsers Tödi gleich 3. Die meisten der 
ihm angehörigen Gegenden bleiben jedoch weit unter 
diesem Betrage zurück, und selbst für das ßergland 
Karagwe sind nur 5100' engl, angenommen, welche 
Zahl nach dem Maassstabe obiger Correction auf 
55—5600' Par., also die Höhe des Rigiculm, zu er- 
heben wäre^. 

Während der Speke'schen Expedition sind im 
Nyanzagebiete meteorologische Beobachtungen ange- 
stellt worden. Unter Francis Galton's Redaction 
berechnet, haben die Zahlen zu recht beachtens- 
werthen Resultaten geführt^. Dieselben sind von 
hohem Interesse für die Klimatologie Afrika's. ,Die 
Thermometeraufzeichnungen', sagt Galton, , wider- 
sprechen ganz den gewöhnlichen Vorstellungen von 
afrikanischen und äquatorialen Temperaturen' , wie 



') Siehe Peterraann, Mittheilungen 1864, p. 391 und 1866, 
p. 120. 

2) Ib. 1864, p. 391. 

3) J. M. Ziegler, Hypsometrie der Schiceiz. 1853, p. 272. 
^) Ib. p. 225. 

5) Proceedings R. G. S., 1863, p. 225—228, Speke's Journal, 
p. 624. Eine Relation enthalten auch Pet e r raa nn's MUtheilungen, 
1863, p. 388. 



Egii, die Entdeckuug der Nilquellen. 55 

ja auch das ünyamuesiplaleau < nicht unerträglich 
heiss gefunden wurdet, ,Die Zanzibarleute', erzählt 
Speke-', , zitterten bei den kalten Winden und glaubten, 
wir wären schon ganz nahe bei England , da dies 
das einzige kalte Land war, von welchem sie gehört 
halten*. 

Das Jahresmittel von Karagwe beträgt 68'^ F. 
= 16- R. , ist also 6,7^ niedriger als zu Gondokoro 
und noch mehr, für den Sommer wenigstens um 10°, 
niedriger als zu Chartum •. Nur ein Mai stieg das 
Thermometer auf 85'^ F. Um 9 Uhr Abends bewegte 
es sich zwischen 60 und TT", in den kühlsten Nacht- 
stunden zwischen 57 und 65 . Auch in Uganda, 
1700' niedriger, ist es erträglich; hingegen ist Ungoro 
entschieden heisser. 

Regen fällt beinahe in allen Monaten. Eine fast 
unmerkliche Zunahme findet im April und November 
statt; allein sie erlaubt nicht, von einer Regenzeit 
zu sprechen 5. Eine jährliche Regenmenge von 49" 
ist auffallend gering für ein Aequatorialgebiet; aber 
sie wird erklärlich, weil die herrschenden Ostwinde 
ihre Feuchtigkeit an dem wallähnlichen Schneegebirge 



') Unter 5^* S. Br. 

-) Petermann, Mittheilungen, 1859, p. 510. 

3) Journ. p. 200. 

^) Siehe ,Sitzungsberichte d. k. k. Academie der Wissenschaften, 
malhematisch-nalurwissenschaftl. Classe' 1857, XXV, pp. 476—488 
und .Denkwürdigkeiten', XV, p. — Beobachtungen des P. Dovyak 
zu Chartum (Juni bis November 1852) und zu Gondokoro (Januar 
1853 bis Januar 1854). 

') Damit steht im Einklang die Geringfügigkeit der periodi- 
schen Schwankungen des See's. 

XII. l. K 



65 ^g[l>> <]ic Entdeckung der Nilquellen. 

derKüstenreviere abgeben, ehe sie den See erreichen K 
Es haben zwar 2/3 aller Tage Regen, aber die Hälfte 
davon nur mit unmessbaren Schauern. Heftige Güsse 
von 1" und mehr kommen etwa ein Mal per Monat 
vor; sie liefern ca. V3 der ganzen Regenmenge. 
Hält man mit diesen Reobachtungen zusammen, dass 
in dem Stufenland von Gondokoro bis gegen Chartum 
hin die Zeiten scharf geschieden sind, so ergibt sich 
die Thatsache , dass die Nilschwelle überwiegend durch 
die Regen jener nördlichen Gebiete, weit mehr als durch 
die des Quellreviers, bedingt wird. 

Wenn nach dem oben mitgetheilten die Ansichten 
des Posidonius, Eratoslhenes und Polybius'^^ bezüglich das 
temporirte Klima der äquatorialen Nilregion sich buch- 
stäblich bew^ährt haben, so kennen wir nun auch das 
ungefähre Maass dieser Erscheinung und können sie 
uns aus verschiedenen Factoren erklären — Factoren, 
die freilich theilvveise noch nicht genau festgestellt 
sind und deren resp. Antheile wir noch nicht be- 
stimmen können 3. Diese Factoren sind zunächst die 

*) Weniger wiU mir die erste Ursache, die in obiger Relation 
(siehe p. 64, Note 5) angeführt -wird, einleuchten: die nördlich 
vorliegende Sahara. In dem über 20 Breitengrade einnehmenden 
Zwischenraum gibt es ungeheure Ländereien mit acht tropischer 
Regenzeit. 

2) Siehe Slrabo üb. XVII. l, 2. 

3) Müller, Grundriss der Physik und Meteorologie, 4. Aufl. 
p. 475, nimmt die mittlere Jahrestemperatur für den Erdäquator 
zu 27,5° C. an. Wenn nun, wie aus einer grössern Zahl von Be- 
obachlungsreihen Studer, Lehrbuch der physischen Geographie, II, 
p. 286, findet, für je .550' (Par.) Erhebung die Temperatur um 
1° C. auch hier abnähme, so müsste für Karagwe ein Abzug von 
mindestens 10" in Rechnung kommen. So ergäbe sich theoretisch 



Egii, die Entdeckung: der Nilquellen. 57 

Höhenlage, deren Effect durch Umgebung, Windrich- 
tung und Niederschlag noch beträchtlich verstärkt 
wird. Der Umstand, dass der Nyanza von weiten 
Hochländern, selbst von Schneegebirgen umrahmt ist, 
den Wind vom Ocean her und zwar über eben diese 
Schneegebirge erhält und eine auffallend grosse Zahl 
von Regentagen hat, muss die Temperatur seines 
Gebietes merkbar erniedrigen. 

In der That, ein so ausgedehntes, bestimmt um- 
schriebenes und reichbewässertes Hochlandsbassin 
kann nicht angethan sein, unsere gewohnten, den 
glühenden Küstensäumen und Wüsten entnommenen 
Vorstellungen afrikanischen Klima's durch eine neue 
Thatsache zu bestärken. Der Gegensatz einer Tierra 
caliente und einer Tierra fria ist unsern Ideen geläufig 
geworden: hier bietet sich eine analoge Erscheinung. 
Was die neue Welt unter 20° N. Br. verlegt, auf 
den Abstand einer Tagreise zusammendrängt und 
in verticaler Richtung 8000' auseinander rückt, das 
wiederholt — wenn wir die Suahiiiküste und die 
Nyanzaländer vergleichen — Ost-Afrika in der Ae- 
quatorialregion, in einem Abstand von sieben Längen- 
graden und mit nur der halben Verticaldifferenz. 

XL NATUEGESCHICHTE. 

Die botanischen Ergebnisse der Nilquellenexpedi- 
tionen sind dem Sammelfleisse Captain Granis zu 
verdanken und dürfen in der That, sollten sie auch 



eine Mitleltemperalur von höchstens 17, j^ C. = 14° R. , also 2° 
weniger als die Beobachtung (eines einzigen Jahres freilich!) her- 
ausstellt. 



58 ^?Ii) ^^^ Entdeckung der Nilquellen. 

nicht g-erade von grosser Bedeutung sein, mit Dank 
entgegengenommen werden. Zu den gewöhnlichen 
Widerwärtigkeiten einer afrikanischen Reise geseilte 
sich bei Grant noch ein hartnäckiges Leiden, welches 
ihn an das Zelt fesselte und wahrend eines bedeu- 
tenden Theils der Reisedauer selbst hinter dem Gros 
der Expedition zurückhielt. 

Grants Sammlung macht keine andern Ansprüche, 
als denjenigen eines Beitrags zur botanischen Kennt- 
niss der Nilquellenländer und Osl-Afrika's. Wir 
haben hier nicht eine jener Leistungen, wo ein vor- 
her unerforschtes Gebiet mit Einem Schlag botanisch 
erschlossen vor uns steht, uns befähigend, es nach 
Maass und Zahl mit bekannten Regionen zu verglei- 
chen i. Die durchwanderten Länderstriche sind zu 
ungeheuer, als dass selbst ein Botaniker von Beruf 
unter gegebenen Umständen mehr als einen , Beitrag' 
hätte leisten können. 

Grants Pflanzensammlung 2 wurde zu Kew durch 
Dr. Thomson geordnet und erntete das Lob des 
berühmten, nun verstorbenen Botanikers Dr. Hooker. 
Sie enthält, sofern wir nur die numerisch stark ver- 
tretenen Familien hervorheben : 

111 Leguminosen, 

67 Compositen, 

55 Gramineen, 

36 Cyperaceen, 



') Siehe z. B. die Hooker'schen Arbeilen in James Clark 
Ross, Ä voyage of discovery and research in the Southern and ant- 
arctic regions during the years 18-'%3. London 1847. 

2) Speke, Journal, p. 625 ff. 



Egii , die Entdeckung der Nilquellen. g9 

80 Rubiaceen, 

27 Acanthaceen, 

26 Labiaten, 

23 Euphorbiaceen, 

21 Malvaceen, 

20 Convolvulaceen, 

17 Cucurbitaceen, 

17 Scrophularineen, 

15 Asclepiadeen, 

15 Liliaceen, 

13 Capparideen, 

12 Solaneen, 

M Combretaceen, 

10 Verbeiiaceen, 

10 Urticeen, 
u. s. f.i. 

Es sind im Ganzen etwa 750 Species, meist ein 
einziges gutes Exemplar, sorgfältig- ettiquetirt, mit 
Nummern, die sich auf ein Notizenbuch beziehen. 

Etwa 420, vielleicht 450, gehören zu bekannten 
Arten; also ist V5, vielleicht Vs des Ganzen schon 
publicirt. Von den 250—300 unpublicirten Arten sind, 
ungefähr geschätzt, wenigstens Vs von frühern Rei- 
senden gesammelt, so dass nicht mehr als 80 — 100 
Species ganz neu sind. Und selbst diess ist wahr- 
scheinlich überschätzt. 

Lassen wir die ägyptischen Pflanzen ausser Be- 
tracht , so zeigt eine allgemeine Ueberschau der 
Sammlung die grosse Einförmigkeit tropischer Afrika- 
vegetation. Die kleine Zahl von Pflanzen deutet auf 



') 77 weitere Familien mit je 1 — 9 Arten. 



70 ^S^i, <^ie Entdeckung der Nilquellen. 

eine arme Flora und darum wahrscheinlich auf ein 
relativ trockenes Klima. Wir finden darin eine grosse 
Zahl weitverbreiteter Tropenhölzer, deren meiste 
Indien und Afrika gemeinsam sind. Die Culturpflanzen, 
sorgfältig gesammelt oder notirt, sind eben so all- 
gemein verbreitet. 

Die neuen Pflanzen gehören dem grössten Theile 
nach zu afrikanischen Genera; doch sind zwei {Har- 
risonia und Soymida), die vorher nur als indische be- 
kannt waren. Die Umbelliferen', welche sehr Be- 
achtung verdienen, gehören zu abessinischen Typen. 
Verschiedene Capgenera sind repräsentirt, z. B. Arc- 
totis und Cullumia, Hebenstreitia , Protea, Gnidia. Die 
Melastomaceen , und manche Labiaten, erinnern an die 
Flora von Madagascar, und in den Anona, Lophira und 
Landolphia haben wir westindische Formen bemerkt. 

Ohne ein sehr sonderbares neues Genus von 
Leguminosen und ein anderes von Cyperaceen, welche 
schon von Dr. Kirk2 und Welwitsch eingesandt 
wurden, sind allem Anschein nach neu und bemer- 
kenswerthe Genera von Amarantaceen , Scrophularineen, 
Labiaten und Asphodeleen. 

Die zoologische Ausbeute, gewissermassen garantirt 
durch die Schussfertigkeit unsers Nimrod^, bereicherte 
unsere Kenntniss um zwei Species von Wirbelthieren*, 
nämlich : 



*) Nur sechs an Zahl! 

^) Mitglied der Livingstone'scben Expedition zum Nyassasee 
1859/61. 

•') Speke, Journal, p. 230. 

^) Eine Aufzählung der gesammten Jagdausbeute ib. XXIII und 



Egli, die Entdeckung der Niiquellen. 71 

a) Eine neue (Nzoe-) Antilope, Tragelaphus Spekii, 
von Dr. Sclater benannt, dem Wasserbocke des 
Ngamissee's ähnlich, aber mattgefleckt anstatt ge- 
streift, mit schön geschweiften Hörnern. Am Sumpf- 
ufer des Little Windermere. 

b) Einen hübschen Ziegenmelker , Cosmetornis 
Spekii, ebenfalls von Dr. Sclater genannt. Die 7. 
Schwinge ist doppelt so lang als die gewöhnlichen, 
die 8. doppelt so lang als die 7. und die 9. misst 
20". In der Gegend von Urondoganii geschossen. 

Die beiden Novitäten sind im Reisetagebuch 2 ab- 
gebildet. 

XII. ETHNOGRAPHIE. 

Die Entdeckung des Nilquellenbassin erweiterte 
die Erdkunde auch in ethnographischer Beziehung. 

Die Watiyamuesi^ kannte man zwar schon, da sie, 
erblich die grössten afrikanischen Händler und ,das 
einzige Negervolk , welches aus Liebe zum Verkehr 
und Tausch seine Heimat verlässt', als Träger sich 
verdingen und so die Suahiliküste und Zanzibar be- 
suchen. Die Tanganyikaexpedition ■' führte nun den 
ersten Europäer in die Heimat der , Mondleute', nach 
Unyamuesi, und auf seiner zweiten Reise hatte Speke 
noch einmal Gelegenheit, sie zu beobachten. 



XXIV, diejenige der Fauna in Proceeditigs of the Zoological Society 
of London, 1863, pp. 1 ff., 105 ff. 

1) Unterhalb der IsambaschneUen (p. 6l), also am Kari , dem 
Hauptarm des Nil. 

2) Journal, p. 223 und p. 462. 
^) Siehe oben pag. 53. 

^) Siehe pag. 50. 



72 Kgli, die Entdeckung der Nilquellen. 

Die Wanyamuesi sind viel dunider^ a!s die der 
Küste genäherten Wazaramo und Wagogo, manche der 
Männer ansehnlich von Gestalt, aber leidenschaftliche 
Raucher und Trinker, auf der Reise wie im Felde 
allzuw^enig bedeckt 2, zu Hause mit einem Lendenzeug- 
gekleidet, wie auch die Weiber sich blos ein Baum- 
wollzeug rund um den Leib legen und im übrigen 
nur noch Zieraten anbringen 3. Im Vergleich zu den 
meisten übrigen Negern sind die Wanyamuesi ein rüh- 
riges, thäliges Volk. Sie pflanzen Holcus als Haupt- 
getreide , halten sich Herden kleiner, kurzgehörnter 
Buckelrinder, auch Ziegen % brauen ein schmackhaftes 
Bananenbier, Pembe genannt, weben Baumwollzeuge, 
schmelzen Eisenerz und fertigen Geräthe und Waffen. 
In den einen Gegenden bestehen die Dörfer aus 
Strohhütten, in andern aus einer einzigen grossen 
Lehmbaute, welche man Tembe nennt: ein Viereck, 
dessen Seiten durch Zwischenwände in die einzelnen 
Hütten, in Wohnungen und Ställe, getheilt sind und 
dessen Plattdach zur Aufbewahrung des Holzes und 
zur Darre für Getreide, Kürbisse etc. dient. Die 
unternehmenden Araber, die als Kaufleute nach Unya- 



') Semitisch weniger angestreift? Siehe Andree, Globus, II, 
pag. 171. 

2) Ein Ziegenfell, von der Schulter herabhängend, dazu noch 
Messing- und Kupferringe am Handgelenk. 

2) Ein Halsband von Perlen , grosse Armbänder von Messing- 
oder Kupferdraht und namentlich ein Cebermass dünner Ringe, 
die aus den |Schwanzhaaren der GiraiTe gemacht und mit dem 
dünnsten Draht umwunden werden. 

•*) Nicht aber Schafe, da diese, im centralen ünjamuesi wenig- 
stens, nicht fortzukommen scheinen. 



Egii, die Entdeckung der Nilqiiellen 73 

muesi kamen, haben seit kurzem angefang-en, Gross- 
farmer zu werden und dem Wohlstand der Einge- 
bornen bedrohliche Concurrenz zu bereiten K 

Verlassen von mündlichen und schriftlichen Ue- 
berüeff^runoen, bleiben wir über die frühern Geschicke 
des Mondlandes im Dunkel. Durch die Hindus, welche 
früh an der Ostküste Handel trieben und in Elfenbein 
und Sciaven mit dem Innern verkehrten, kamen, 
vielleicht etwas vor Christi Geburt, die Bezeichnungen 
Mondland 2 und Mondleute und in Verbindung damit 
auch der Name Mondgebirge auf. Einst ein grosses 
Königreich bildend , ist das Mondland heute in viele 
kleine Staaten getheilt. 

Einer eigenthümlichen Welt begegnen wir in den 
Völkern, welche an der Westseite des Nyanza 
wohnen, also in Vsinsa, Karagwe, Uganda und IJngoro'^. 
Hier sind zwei ganz verschiedene Bevölkerungs- 
elemenle zu unterscheiden: Unter den Wanyambo, den 
eingebornen , plebejischen , ackerbauenden Negern, 
herrscht ein eingewandertes Hirtenpatriciat von Wa- 
huma. Diese letztern, von hellerer Farbe, ovalen 
Gesichtern, grossen nussbraunen Augen und hohen 
Nasen, lässt Speke von den Gallas abstammen, die 
wie ihre Verwandten, die Abessinier, als Mischlinge 
semitisch-hamitischer Eltern anzusehen wären ; die 
Wahuma hätten einst, nach Süden und Süd-Westen 
auswandernd, weile Gebiete erobert und so den An- 



') Speke, Journal, p. 150. 

2) Chandristan in der von Spelie raitgelheilten Carte Rwer 
Call or Great Krishna, from Ihe Purans by Lieul. Francis Wilford. 

3) Pag-. 58. 



74 Egii, die Entdeckung der Nilquellen. 

lass zur Gründung des mächtigen Reiches Kittara 
gegeben, das später in seine heutigen Bruchstüclie 
zerfallen sei. Noch heute lassen die Wahuma, ob- 
gleich sie Negerinnen heiraten , ihre Töchter keinem 
Wanyambo, um der völligen Vermischung vorzu- 
beugen K Die Amalgamalion scheint jedoch in Usinsa 
schon ziemlich vollständig erfolgt zu sein. 

Die Hauptgetreide sind Mais und Durrha. Von 
Bananen wird vorzüglich Bier gebraut. Der Haupt- 
reichthum besteht in dem kleinhöckerigen, grosshor- 
nigen 2 Rindvieh, dessen Milch und Fleisch zur Nah- 
rung dient. Die Männer trinken nur süsse, die 
Weiber nur saure Milch. Mit Milchbrei mästen die 
Vornehmen ihre Mädchen und Frauen 3. Die Natio- 



') Weit verbreitet trifft man unter ihnen die Sage, ihre Vor- 
fahren seien zur Hälfte weiss und schlicbthaarig, zur andern Hälfte 
schwarz und kraushaarig gewesen. 

2) Ein Kuhborn, das sich Speke vom König von Karagwe aus- 
bat, war 3' 5" (engl.) lang und halte am Grunde 18^*" Umfang. 
{Journ. p. 227.) Vergl. Herod. IV. 183. 

3) Nöthigenfalls mit Gewalt; for as falteniny is the first duly 
.of fashionable ßmale Ufe , ü must be duly enforced by the rod if ne- 

cessary. Ein Bruder des Königs zeigte am 14. L)ec. 1861 unserm 
Reisenden eines seiner fetten Weiber. Sie konnte nicht anders 
stehen als auf allen Vieren und halte (in engl. Mass) folgende 
Dimensionen: Oberarm l' 11" 

Brust 4' 4" 

Schenkel 2' 7" 

Wade 1' 8" 

Höhe 5' 8" 
Letztere Messung sei ungenau, da man die Frau nicht auf- 
stellen und auch nicht wohl auf den Boden legen konnte (p. 231). 
Vergl. übrigens den Araber el Bekri nach dem Journ. As., 
Juin 1859, p. 474. 



Egli , die Entdeckung der Nilquellen. 75 

nalkleidung besteht aus einem ärmellosen Hemd aus 
Mbugu^, weiterer Schmucii aus Schnüren von Glas- 
perlen. Man wohnt, Vornehm und Gering, in halb- 
kugeligen Grashütten. Die ganze Bevölkerung ist 
— acht afrikanisch 2 — tief in Aberglauben aller Art 
versunken. Wer Schweinefleisch, Fische, Geflügel 
oder von der Maharaguebohne 3 isst, darf nicht von 
der Milch ihrer Kühe trinken ; sonst werden diese ver- 
hext. Zwerge, die auf Bäumen leben, kommen un- 
bemerkt vor die Hütten der Menschen, rufen einen 
der Bewohner heraus, schiessen einen Pfeil in sein 
Herz und verschwinden wieder, wie sie gekommen. 



') Ein Leder, aus der Rinde einer Feigenart, Ficus Ecotschyana 
Miq , bereitet (Speke, Journal, p. 647). Der Baum wird oben 
und unten rundum eingeschnitten und die Rinde abgeschäU, in 
Wasser eingeweicht und hernach mit eignen Hämmern tüchtig be- 
arbeitet, dass der Stoff corduanartig gerippt wird. Zu einem Kleide 
näht man die erforderliche Anzahl von Stücken so zusammen, dass 
es unter der linken Achsel durchgeht und auf der rechten Schulter 
zugeknöpft wird. Die Zubereitung und Verarbeitung des Mbugu 
bildet namentlich in Uganda einen bedeutenden Industriezweig, und 
das Fabrikat ist oft von überraschender Feinheit und Sauberkeit 
[Journal, pp. 164, 285, 290). — Wenn man den geschälten Baum 
sogleich in Pisangblätter einwickelt, so bekleidet er sich mit 
frischer Rinde und nimmt keinen Schaden [Journal, p. 154). 

2) Speke, Journal, p. XIIJ : Whilst the people of Europe and 
Asia were blessed by communion with God through the medium 
of His prophets, and obtained divine laws to regnlate their ways 
and keep Ihem in mind of Him who made them, the Africans were 
exciuded from this dispensalion, and consequently have no idea of 
an overruling Providence or a future State; they therefore trust 
to luck and to charms, and think only of self-preservation in this 
World. 

3) Labiab vulgaris Sav. (Speke. Journal, p. 631). 



76 Eg[l>i die Entdeckung der Nilqaellen. 

Aber schrecklicher sind die üng^eheuer, die nicht mit 
Menschen zusammenleben können und sich nie zeig^en, 
als wenn sie Weiber vorbei gehen sehen; dann 
drücken sie diese in wollüstiger Erregung zu Tode. 

Der Myanga {== Zauberer) ist eine hochwichtige 
Person. Auf ihn hört die Menge; er leitet, wie einst 
die Päpste Europa's, den Sinn der Könige. Er ent- 
scheidet durch grauenhaften Hocuspocus über Krieg 
und Frieden 1. Er besitzt den Schlüssel des Landes ; 
denn für den Fall , dass der und der Reisende es 
betrete, hat er nur Trockne, Hungersnoth, Krankheit, 
Krieg und dergleichen Calamitäten voraus zu sagen, 
so werden Häuplling und Volk alle ihm glauben. 
Sein Divinationsgeräth ist das Uganga, ein Kuh- oder 
Antilopenhorn voll Zauberpulver, ebenfalls Uganga 
genannt. Dieses ,Wunderhorn', angesichts des Dorfes 
in den Boden gesteckt, wehrt den Angriff des Fein- 
des ab; in des Zauberers Hand verhilft es zur Ent- 
deckung alles dessen , was verloren oder gestohlen 
wurde. Die Stimme gewisser Vögel und anderer 
Thiere verkündet Glück oder warnt vor Gefahr. Um 
den bösen Geist zu versöhnen'^, wird etwa beiseit 
ein winziges Hüttchen gebaut und Korn darauf ge- 
legt; das ist der Opferaltar, die Kirche, das , Uganga' 
des Afrikaners. 

Als geweihte Personen sieht er auch die Wich- 
wezi an , Weiber in äusserst phantastischem Mbugu- 



') Speke, Journal, p. 21. Vergl. Cäsar, Bell. Gall. I, 50. 

2) ,Der Geist dieser Religion — wenn noan so sagen darf — 
ist nicht sowohl Anbetung eines höchsten und wohllhäligen Wesens' 
als ein Opfer an gewisse feindselige Furien' (Journal, p. 441). 



Cgli, die Entdeckung der Nilquellen. 77 

gewande , bedekt mit Perlen, Muscheln und Stäben. 
Ihre V^errichtungen sind eben so dunkel wie die Ne- 
^erreligion überhaupt. Sie scheinen ein wanderndes 
Leben zu fuhren und begleiten ihren Tanz mit komi- 
schem Gesang-, dessen Refrain ein langandauerndes, 
schrillrollendes Kuru-Kuru, Kuru-Kuru bildet. 

XlII. ETHNOGEAPHIE. (Fortsetzung.) 

Dem Character der socialen Zustände entspricht 
vollständig die Culturstufe dieser Afrikaner. Die 
plebejischen Wanyambo sind so viel wie Hörige; sie 
zahlen monatlich ihre Abgaben in Elfenbein, Lebens- 
mitteln und Sklaven. Der König ist der grosse, der 
Dorf- oder Districtshäuptling der kleine Despot'. 

Der Häuptling hat folgende Einkünfte: 

a) Frei Getränk'^ von dem Bier, welches die Dorf- 
leute abwechselnd brauen; 

b] Jagdsteuer, nämlich von jedem getödteten Ele- 
phanten Fleisch und einen Stosszahn, sowie alle 
Leoparden-, Löwen- und Zebrahäute; 

c) Ho7igo-\ d. i. die Erpressung für transitirende 
Güter, ganz in der Willkür des Häuptlings; 

d] Conßscation der Güter solcher, die für Zauberei, 
Diebstahl oder Mord gelödtet werden. 



!) Schon die Beinamen, unter dem manche Häuptlinge bei 
Ihresgleichen und Untergebenen bekannt sind, lassen auf ihr Wesen 
und Treiben schliessen. Da kommen z. B. vor: Khombe la Simba 
= Löwenkralle, Manua Sera = Zecher, Mukia ya Njani = A(Ten- 
schwan/., Pongo = Holzbock u. a. m. 

-j Vergl. Homer Od. XI, 184—187, sowie Herod. I, 192. 

•') Im plur. lUahonyo geuannl. 



78 ^S^', <)>c Entdeckung der Nilquellen. 

Seiner Natur nach lastet der Hongo nicht nur 
auf der Handelswaare der Kaufleute, sondern auch 
auf der Equipirung der Forschung-sreisenden. Die 
Häuptlinge halten durch Ausflüchte und Gewalt den 
Europäer Monate lang- zurück, um möglichst viel von 
ihm zu erpressen, selbst Thermometer, Sextanten, 
Chronometer u. dgl., gewöhnlich aber Baumwollzeuge, 
Messingdraht und Perlen, die gewöhnlichen Zahl- 
mittel in jenen Gegenden. 

Die absolute Macht , welche dem König einge- 
räumt ist, wird verhängnissvoll durch die rohe Ge- 
müthsart des Herrschers, sei dieselbe von mürrischem, 
misstrauischom und filzigem Wesen, wie Kamrasi, der 
König von Ungoro', oder ein rasch auflodernder, 
heftig-ungestümer Despot, wie Mtesa, der König von 
Uganda. Wie die Waganda überhaupt wegen ihrer 
Lebhaftigkeit, wie wegen ihres guten Geschmackes 
im Benehmen, Anzug und Häuserbau ,die Franzosen 
Inner-Afrikas' genannt v^^erden-, so hat sich während 
des langen Aufenthalts, zu dem sich die Speke'sche 
Expedition an seinem Hofe gezwungen sah^, der 



') Sir Rod. Murchison's Annuary Address vom 25- Mai 
1863 in Journal R G. S. 1863, p. CLXXVII: The procraslinalion 
of Ihe kiiig Kamrasi and Ihe troubles of the travellers when they 
were gcUing^ lo Ihe end of their jouruey, were uiost ennoying, 
the barbarian succeeding in taking from Ihem their only remaining 
Chronometer. 

2) Ib. p. CLXXVI. Ein anderes Vergleichsmoraent hebt Speke 
hervor, wenn er (p. 378) sagt: for all Wayanda, instrucled by the 
vourl, know the art of flattery better than any people in the world, 
even including the French. 

3) Vom 19. Februar bis 7. Juli 1862. 

f 



Egli, die Entdeckung der Nilquellen. 79 

Landesherr als unstäter, jähzornig-er, lebensfroher 
Nimrod erwiesen. 

Als er von Speke's Ankunft hörte, so tanzte 
er vor Entzücken und schwor, nicht mehr zu essen, 
bevor er den Mzungu {— den Weissen) g^esehen hätte. 
Ist es möglich? fragte er immer und immer wieder 
den Boten. Diese Freude verhinderte jedoch nicht, 
die Ankömmlinge lange warten zu lassen ; denn es 
regnete , und bei Regen darf der König Niemand 
empfangen. Als dann aber die Geschenke ausgelegt 
wurden, benahm er sich wie ein närrisches Kind und 
machte an einem der folgenden Tage bei all' seinen 
Verwandten die Runde, die schönen Dinge zu zeigen. 
Am meisten Vergnügen machte ihm die Flinte, die 
Whitworth's rifle. Mit ihr schoss er nach Laune 
Kühe nieder, die in der Nahe weideten, oder auch 
Leute, die er zufällig vorbei gehen salii. Einmal 
gab er seinen Beamten, die vor ihm lagen, einen 
blinden Schuss in's Gesicht und lachte dann hellauf 
über das Kunststück. Als er den ersten Vogel auf 
einem Baume traf, gerieth er ausser sich vor Freude. 
Kaum fähig, an so viel eignes Geschick zu glauben, 
stand er zuerst wie versteinert und rannte dann wie 
toll auf den gefallenen Vogel hin. Hu hu hu! ist das 
möglich? hu hu! Er hüpfte hoch auf, während sein 
ganzes Gefolge mit ihm laut aufschrie. Dann stürzte 
er auf seinen Gast los, schüttelte diesem die beiden 
Hände, hu hu! rannte hierauf zu seinen Weibern, 
dann zu den Höflingen, unter hu hu! allen die Hände 
zu schütteln. 



*) Vergl. Herod. III. 35. 



so £gli> die Entdeckung der Nilquellen. 

Mtesa's Erkenntlichkeit ging indess nicht so weit, 
dass er lur die gewöhnlichsten Bedürfnisse seiner 
Gaste gesorgt hätte. Er versah sie nicht mit Lebens- 
milteln, und den Waganda ist verboten, königlichen 
Gästen etwas zu verkaufen. So biieb trotz alier 
Reciamationen Speke nichts übrig, als von Plünde- 
rung zu leben i. 

Fast täglich geht der König, begleitet von einem 
Schwärm von Weibern-, auf die Jagd. Die allzeit 
flinken Boten seiner Laune sind die Pagen, kleine 
Knaben, deren Kopf bis auf zwei seitliche Quasten 
rasirt ist. Seine Beamten sind bei Gefahr der Con- 
liscation an Gehorsam gebunden, wie sie umgekehrt 
als Gnadenbezeugung confiscirte oder erbeutete Wei- 
ber von ihm geschenkt erhalten. Mtesa hält Volk, 
Hof und Harem •^ durch tätliche Hinrichtunjjen im 



') , Uganda is before you' {Journal, p. 376). 

2) Deren er 3 — 400 hat. 

^) .Fast jeden Tag, seit ich hier bin, sah ich — so unglaublich 
es scheinen mag — 1,2 oder 3 der unglücklichen Palaslweiber 
gebunden zur Hinrichtung wegführen. Und wenn sie so in äus- 
serstem Jammer unterwegs schrieen: Hai Minange! Kbakka! Hai 
N'yawo! {= O mein Ilerrl mein König! meine Mutter !) war kein 
Mensch, der die Hand für ihre Befreiung zu erheben wagte' {Jour- 
nal, p. 358). Auf einer Jagd bot eines seiner Weiber, offenbar 
hoffend, ihm damit besonders zu gefallen, Mtesa eine Frucht an; 
da gerieth er wie ein Verrückter in äusserste Wuth. Das sei das 
erste Mal, dass ein Weib die Unverschämtheit habe, ihm etwas 
anzubieten. Er befahl, sie zu binden und zur Hinrichtung abzu- 
führen. Als dann alle vor ihm niederfielen und um Vergebung 
für die Sünderin baten, wurde er so brutal, dass er einen Stock 
ergriff und auf das Opfer losschlug. Dies Mal fiel ihm Speke in 
den Arm und rettete die Frau (p. 394). 



Egii, die Entdeckung der Nilquellen. 31 

Zaum. Niemand darf unbefragt zu ihm sprechen i, 
Niemand ausser königlichen Personen das Fell der 
Leopardkalze (Felis Serval) tragen, Niemand ausser 
dem König anders als auf dem Boden sitzen, Niemand 
in seiner Gegenwart stehen, Niemand die Hoffrauen 
oder Hofvisite anschauen, Niemand von des Königs 
Stammbaum sprechen u. s. f. Die gewöhnliche Strafe 
für diese Vergehen ist der Tod. Für die geringste 
Gunst muss man niederknieen und dabei die Hände 
verwerfen, dann sich platt auf den Bauch legen und 
so wie ein Fisch auf dem Lande umher wälzen und 
während all' dieser Bewegungen fortwährend die 
Worte n'yanzig, n'yanzig, ai n'yanzig Mkahma 
wangi .... wiederholen. So ,n'yanzigen' z. B. seine 
Pagen, wenn er die Bissen, die ihm zu zähe sind, 
aus dem Munde nimmt und ihnen zuwirft 2, und nicht 
minder ,n'yanzigen' die Statthalter seiner grössten 
Provinzen, wenn sie bei Hofe erscheinen 3. 

XIV. ETHNOGRAPHIE. (Fortsetzung.) 

Von Seite dieses gewallthätigen Herrschers hatten 
sich unsere Reisenden ziemlicher Gunst zu erfreuen; 
andere hingegen benahmen sich als habsüchtige Räu- 
ber. Kamrasi wollte durchaus Speke's letztes Chro- 
nometer annexiren und fiel durch beständige Bettelei 
sehr lästig. Kolossal waren aber die Erpressungen, 
welche sich die Usinsa-Häuptlinge Lum^rezi und 5m- 



') No one can speak at this court tiU he is spokeu to , and 
a Word put in out of season t$ a life lost (p. 324). 

2) Speke, Journal, p. 392. 

3) Ib. p. 429. 

XU. 1. Q 



32 Eglii die Entdeckung der Nilqaellen. 

warora erlaubten. Waren ihre übertriebenen Wünsche 
befriedigt, so verdoppelten und vervielfachten sie 
ihre Forderungen. 

Gegenüber solchen Erfahrungen musste eine Er- 
scheinung wie Rumanika, der König von Karagwe •, 
äusserst wohlthuend sein. Sie harmonirte mit der 
Cultur seiner Felder und mit der Anmut seiner 
Thäler und See'n. Sobald der Reisende den Boden 
von Karagwe betrat, wurde er von den Häuptlingen 
als Gast behandelt und mit Lebensmitteln und vor- 
züjjlichem Tabak reichlich beschenkt: er konnte sich 
frei bewegen und war der zudringlichen Bettelei los. 

Als er dann die grünen Weranhaiijeberge her- 
niederstieg, erblickte er in der Tiefe des Thaies, 
friedlich zwischen die gefurchten Anhöhen gebettet, 
jene Seefläche, welche Grant mit dem reizenden 
Linie Windermere Englands verglich, und auf einer 
weilblickenden Terrasse den Hain, welcher die 40-50 
Hütten der königlichen Residenz umschloss. Die 
Reisenden wurden zu einer schrägbedachten Baraza 
geführt, einer Art Staatsgebäude, das die Araber für 
diesen Zweck gebaut halten. Drinnen empfing sie 
der König, auf dem Boden sitzend mit kreuzweis 
übergeschlagenen Beinen, in eine iarabische schwarze 
Choga gehüllt, mit Staatsslrümpfen reichgefärbter 
Perlen und mit hübsch gearbeiteten, kupfernen Ge- 
lenkbändern geschmückt, zur Seite sein Bruder, beide 
Männer von edler Erscheinung und Gestalt, und im 
Hintergrunde hockten mäuschenstill, in lederne middte- 
coverings gekleidet, die sämmtlichen Söhne des Königs, 

*) Siehe pag. 58. 



Egil, die Entdeckung der Nilquellen. 83 

ihrer 6—7 Jung^en. Die erste Begrüssung des Königs, 
in gutem Kisawnhili ' gesprochen, war herzh'ch warm. 
,Er bat uns, ihm gegenüber i^latz zu nehmen, fragte, 
was wir von Karairwe, seinen schönen Bergen und 
seinem wundervollen See denken? Dann unter Lachen 
erkundigte er sich — er wusste schon die ganze 
Gesciiichte — nach unserm Empfang bei Suwarora 
und wünschte zu erfahren, wie wir den Weg über 
die ganze Weit fänden? Und als wir ihm die Erd- 
oberflache in ihrer Vertheilung von Land und Wasser 
beschrieben und die gewaltigen Schiffe, in denen wir 
die Waaren , selbst Elephnnten und Nashörner, ja 
alle Thiere der Well, über das Meer führen ; als er 
hörte, dass wir im Norden zu Hause seien und diesen 
Weg nur eingesclilagen hätten, weil uns sein Freund 
Musa2 versicherte, er würde uns für die Weiterreise 
behüinich sein: da war sein Erstaunen gross, und 
sein Geist wurde so erregt, dass er über hundert 
Dinge Auskunft verlangte. Die Stunden flohen wie 
Zauber dahin. Als der Abend nahte, liess er uns 
die Wahl, in oder ausser seinem Palast unsern Auf- 
enthalt zu nehmen. 

Eiimial sah mich einer der jungen Prinzen — sie 



') Die Sprache der Eiistenbewohner oder Sawähili (gesprochen 
Saweili, da das h in der Aussprache dieser Stämme verschwindet), 
TOiu arabischen sahil (Plur. sawähil) = Küste, also sawaluli = 
von den Küsten, zu den Küsten getiörig oder Küslcnbewohner. 
AHe Neger, welche aus den verschiedenen Gegenden des Ifinern 
zur Küste gebracht werden, lernen als Sclaveu das Kisawähili; 
darum eignen sich die Wanguana (siehe pag. 53, Note l) so vor- 
züglich als Dolmetscher für die Reisen im Coutinent. 

2) Siehe pag. 54. 



§4 ^gl>> die Entdeckung der Nilquellen. 

hatten Befehl, beständig unsers Dienstes gewärtig z« 
sein — auf meinem eisernen Feldstnhl sitzen. So- 
fort rannte er zu seinem Vater und versetzte so den 
ganzen Hof in Erstaunen; denn alles wollte sehen, 
wie die Könige der Wazungu* auf dem Throne 
sitzen. Oieses Ereigniss führte Rumanika wieder 
zu einer Menge Fragen 2, und hefriedigt über die er- 
haltene Auskunft, rief er unter ausdrucksvollem Kopf- 
schütteln : Ihese Wazungu, tfiese Wazungul They Iknow 
and do every thing! 

Dann fragte ich ihn, warum die Wahuma uns 
weder für Geld noch zu Gefallen Milch geben? Er 
werde doch nicht auch in jenem abgeschmackten 
Irrthum 5 stecken? Schnell antwortete der König, 
nur die Armen glauben so, und er setzte für unsern 
Bedarf eine Kuh bei Seite (sie!). Ja, bei einer an- 
dern Gelegenheit bekannte er rund heraus, dass in 
air diesen Gegenden er am wenigsten abergläubisch 
sei*. Auch bezüglich des Heiratens schien er die 
Ansichten eines Freigeistes zu haben, indem er auf- 



*) Siehe png. 53, Note 2. 

2) Z. B. ob es wahr sei, dass die Wazungu einen Menschen- 
schädel öffnen, das Gehirn unlersnclien und jenen wieder schliessen 
können? Ob wir die Welt durchfahren bis zu den Gegenden, wo 
zwischen Tag und Nacht kein Unterschied mehr sei? Ob das die- 
selbe Sonne sei, die jeden Tag wieder erscheine oder ob täglich 
eine frische aufgehe? Ob der Mond, uus zu Spoil, der Erde so 
Gesichter zuschneide? 

3) Siehe pag. 75. 

*) ,You must not expect ever to find again a reasonable man 
like myself (Speke, Journal, p. 233}. 



Egii, die Entdeckung der Nilquellen. S5 

lachend es ein Geldgeschäft nannte«. All' das hin- 
derte indessen nicht, dass der um seinen Thron sehr 
besorgte Mann uns einen wunderbaren Beweis seiner 
Legitimität erzählte 2 — freih'ch nicht von sich aus, 
sondern erst auf Anregung seines Zauberers. 

Rumnnika anerbot mir, erzählt Speke3, eine 
grosse Decke, die in ausgesucht hübscher Weise 
von den ganz kleinen Häuten der N'yeraanlilope zu- 
sammengenäht war. Ich lehnte sie ah, weil ich 
wusste, dass er sie seihst geschenkt erhalten, und 
fügte hei, in Europa gehe man nichts weg, was man 
von Freunden bekommen. Diese Bemerkung prickelte 
ihn so, dass er erklärte, er werde nie etwas von 
dem weggehen, was ich ihm geschenkt. Es war 
übrigens ein Genuss, ihn zu beschenken. Einmal, 
da ich ihn wieder mit eiuiiren Sachen erfreut hatte. 



^) Ib. p. 240: ,Mariiage in Karagwe is a mere matter of mo- 
ney'. Vergl. Hom. Od. XV, 16. 17. 

') Unter andern Proben, denen ein Thronerbe in Karagwe 
sicli /u unterwerfen habe, sei auch die, dass er sich irgendwo auf 
den Boden setze, der sich dann allmälig bis zum Himmel erhebe 
und hierauf entweder 

a) elastisch sanft sich wieder senke, oder 

b) urplötzlich einstürze, um den unglücklichen Candidaten 
zu zerschmettern. 

Diese Probe will Rumanika glücklich bestanden haben. Als 
er auf Speke's Fraj;e, ob er droben kalt gehabt, mit Ja anlworlete 
und diesen ob dem ZiisammentrelTen auflachen sah, ^^urden er und 
sein Zauberer Kijengo verdulzl; sie meinten, es wäre etwas ver- 
kehrt. Darum kehrte Kyengo die Sache um, behauptend: es 
müsse droben heiss sein, da man ja, je höher man steige, der 
Sonne desto näher komme {Journal, p. 222). 

3) Journal, an verschiedenen Orten. 



^5 Bgli , die Entdeckung der Nilquellen. 

äusserte er die Besorgniss, dass er mich so um alles 
bringe. 

Er hörte gern von der Verwaltung der weiten 
Besitzungen des britisclien Reichs erzählen und 
fand, die Feder habe mehr Gewalt als das Schwert, und 
der elektrische Telegraph und die Dampt'masciune 
seien die wundervollsten Kräfte, von denen er je 
gehört habei. Unbegreiflich blieb ihm, wie ein so 
weites Reich durch ein Weib regiert werden könne. 
Und als ich ihm von der Erschaffung der Menschen 
erzählte, hörte er aufmerksam zu und fragte, was 
wohl das grösste aller erschaffenen Dinge sei; denn 
während der Mensch höchstens hundert, ein Baum 
viele Jahre lebe, so sei doch die Erde das grösste, 
da sie nie sterbe'. 

Diesen wenigen Zügen aus der Charakteristik des 
Herrschers von Karagwe lässt sich kaum ein würdi- 
gerer Schluss beifügen, als die folgenden Worte: 

Life is never taken in Karagwe, either for murder or 
cowardice, as the value so much their Wahuma hreed; tut, 
for all offences, fines of cows are exacted according to the 
extent of the crime ^. 

XV. RÜCKBLICK. 

Bevor wir erörtern, inwiefern die Resultate der 



') Befragt, womit ein allfäUig späterer Besurher ihn am mei- 
sten erfreuen könnte, verlangte er neben Spieluhren u. a. nament- 
lich auch Modelle von Pferden, Kutschen und Eisenbahnen. Mlesa 
und Eamrasi hingegen verlangten vor allem mit Vehemenz Reiz- 
mittel; die Familie sei nicht hinreichend gross, um die Würde 
aufrecht zu halten {Journal, pp. 446 und 520). Welcher Absland' 

2) Speke, Journal, p. 240. 



Egii , die Entdeckung der Nilquellen. 87 

Speke'schen Expedition in den drei seither verflos- 
senen Jahren ergänzt wurden, fassen wir jene kurz 
zusammen. 

Die Expedition von 186%3 hat 

a) den Plan, Afrika von der Zanzibarküste bis Aegypten 
zu durchreisen, glücklich ausgeführt; 

b) 104 Punkte astrononäsch fixirt, davon 71 auf der 
Südhalbkugei, und zwar 20 auch hinsichtlich der 
Länge; 

c) auf thermohypsometrischem Wege 72 Punkte bestimmt; 

d) die Hochländer am West- und Nordufer des Nyanza, 
die durch die Tanganyikaexpedilion erst dem Namen 
nach bekannt geworden, orographisch beschrieben; 

e) den Nyanza wiederholt gesehen und seine unge- 
fähre Ausdehnung mappirt, ebenso die Systeme seiner 
westlichen Zuflüsse und seiner Abflüsse mit deren obersten 
Fällen und Stromschnellen incl. des Karumafalls; 

f) die magnetische Variation von 17 Punkten angegeben, 
meteorologische Beobachtungen angestellt und dadurch die 
Erklärung der Nilschwelle ihrem Abschluss entgegen- 
geführt; 

g) einen Beitrag zur botanischen und zoologischen 
Kenntnisse des Nyanzaheckens und seiner südlichen Nach- 
barschaft geleistet — mit einer Zahl von Novitäten; 

h) Licht über die elhnographisch-social-culturhistorischen 
Zustände verbreitet; 

i) manche Erkundigungen verschiedener Art über die 
umliegenden Regionen eingezogen. 



^) Das Journal enthält allerdings auch geologische Angaben, 
aber so spärlich und allgemein gehalten, dass es nicht gelingen 
will, ein Bild daraus zu construiren. 



88 Egii, die Entdeckung der Nilqaellen. 

Was aber von Anfang an allen andern Zielen 
vorangestellt, ja ojeichsam als einziges grosses Ziel 
aufgesteckt wurde, das war die Feststellung der 
Thatsache, dass unser Bahr-el-Abiad, der Strom von 
Galuffi-Gondokoro, aus dem Nyanza kommet, also der 
Beweis für die Behauptung, welche Speke bei Ent- 
deckung des Nyanza schon aussprach 2. 

Hat die Expedition diesen Beweis geleistet? 

Strenge Kritiker haben diese Frage verneint und 
in gewissem Sinne mit Recht. Die Expedition hat 
denKivira^ da verlassen, wo alles darauf ankam, ihn 
weiter zu verfolgen^, und sie hat den Strom von 
Galuffi erst 1° 20' nördlicher erreicht. Mit andern 
Worten: es fehlt alle Autopsie über 

a) den Stromlauf vom Karumafall bis zum Luta 
Nziffe Lake, 



*) Oder wie Speke von Alexandrien aus an Sir Rod. Mur- 
ebison, den Präsidenten der Londoner Geogr. Gesellschaft, tele- 
graphiren Hess: The Nile is settled. Siehe J. R. G. S. 1863, p. CLXXIII 
in der ,Anniversary Address' vom 25. Mai 1863. Die erste De- 
pesche an Herrn Layard hatte nur die glückliche Ankunft der 
Expedition gemeldet. Proceed. R. G. S. VII, p. 109. 

2) Siehe p. 52, 

3) Wir werden einstweilen den Abfluss des Nyanza mit dem 
Namen bezeichnen, welchen ihm, zufolge der zur Zeit der Tanga- 
nyikaexpedition eingezogenen Erkundigungen, die Eingebornen 
geben sollten. Im vorliegenden Abschnitt ginge es nicht an, ihn 
Nil zu nennen; auch Karl und noch mehr Luajerri oder Mwirango 
oder Rafu scheint unpassend (pag. 56). Von ,Somerset River' kann 
aus einleuchtendem Grunde noch keine Rede sein (pag. 102). 

') Es ist wohl selbstverständlich , dass wir das einer Expedi- 
tion gegenüber, die das Menschenmögliche geleistet, nicht im Tone 
des Vorwurfs sagen. 



Egli, die Entdeckung der IVilquellen. ^9 

b) den Luta Nzige Lake selbst, 

c) den Stromlauf vom Lnla Nzige Lake bis Gaiuffi, 
und so bestimmt auch die Aussagen der Ein^ebornen 
hierüber lauten und unter sich im Einklang stehen, 
so ist hinwieder nur zu bekannt, dass andere Rei- 
sende gerade in Afrika vielfach durch derartige 
Wegleitung irre geführt worden sind. Könnte der 
Kivira nicht etwa die bei dem Karumafall angenom- 
mene Westrichtung im Ganzen beibehalten und ent- 
weder 

a) als Steppenfluss im Innern des Continents sein 
Ende nehmen, oder 

b) an der Küste von Nieder-Guinea, etwa als einer 
der Tributären des Zaire, seinen Ausweg zum Ocean 
finden ? 

Zufolge Petherick's Erkundigungen' soll zehn 
Tagereisen südlich von , seinem' Mundo 2 ein breiler 
und tiefer, westwärts fliessender Strom die Südgränze 
der Nyam-Nyam bilden 3. , 

Es ist wahr, damit würde eine alte Annahme 
beslätifft*. Dieser Annahme — es ist vorläufig nur 



1) Siehe Peter mann und Hassenstein, Zehnblattcarte von 
Inner- Afrika, Blatt 8. 

2) VicUeicht unter 1—2° N. Br. 

3) Uml damit steht eine aridere, freilich zweifelhafte Erkundi- 
gung Morlangs eher in Einklang als in Widerspruch. Siehe 
Peterraann und Hassenstein, Hlalt 8. 

') Duarte Lopez, der von 15 78 an längere Zeit in Nieder-Guinea 
sich aufhielt, halle von Händlern, die den Erdlheil quer durch- 
zogen, in Congo gehört, dass der Zaire aus einem ,IMeer' des 
Innern komme. Siehe Pigafelta, Relalione del lleame di Congo, 
1591, p. 79. 



90 Egii. die Entdeckung der Nilquellen. 

vom Kivira die Rede — steht in der That, soweit 
unsere Kenntniss reicht, kein Hinderniss, namentlich 
kein orographisches, entgegen ; denn westlich von 
50 — 49° 0. L. von Ferro ist die Aequatorialregion 
Africa's eine vollständige terra incogfnita. 

Es lässt sich also die Möglichkeit zugeben, dass 
der Kivira einen ganz andern Weg als über Galiiffi 
nehmen könnte, und dass somit der Strom von Ga- 
luffi nicht absolut als Abfluss des Nyanza betrachtet 
werden muss. Allein dann entsteht die Frage: Wo- 
her kommt jener zweite (GalufFi-) Strom? 

Miani und Speke, sonst nicht sehr harmonirend, 
antworten übereinstimmend , dass sie ihn bei GalufFi 
scharf aus seiner Nurd-Sudrichtung umwenden i und 
aus Süd- Westen kommen sahen, und Speke hat ihn 
zwischen Karuma und GalulTi nie getroffen. So muss 
denn der Galuffistrom kommen entweder 

a) aus Süden oder 

b) aus Süd-Westen oder 

c) aus Westen. 

Die erstere Richtung, etwa von den Mfumbiro- 
bergen her, kann er nicht haben, ohne mit dem 
eigensinnig westwärts fliessenden Kivira zu kreuzen. 
Aus Westen kann er nicht kommen, da er 2 auf 
ebenso fatale Weise mit dem Jeji zusammenträfe. 
So muss er wohl die Mittelrichtung haben. In diesem 
Fall aber gönnen der west- oder südwestwärts ab- 



') Indem wir so sprechen, denken wir uns, wie es bei Miani 
(p. 48) der FaU war, Ton Gondokoro kommend und den Strom 
aufwärts mit dem Blicke verfolgend. 

2) Zwischen 3 und 4° N. Br. 



Egli, die Entdeckung der Nilquellen. 91 

fliessende Kivira einerseits., der nordwärts gewendete 
Jeji anderseits dem problematischen Oberlauf des 
Galiiffistromes so wenig Stromentwickeiung, dass man 
billig fragen darf, wie er denn eine solche VVasser- 
masse nach Galuffi bringen könne. Es ist offenbar 
— nicht nolhwendig allerdings, aber — weil natür- 
licher, die beiden <> rossen, auf l'/s Breitengrade sich 
nähernden Stromslücke als zusammengehörig anzu- 
sehen, anstatt sie auseinander zu zwingen, zumal 
mit jener Annahme nicht nur die Zeugnisse der Ein- 
gebornen, sondern auch die hypsometrischen Ver- 
hältnisse harmoniren. 

So darf man wohl aussprechen: Die Speke'sche 
Expedition hat den Zusammenhang des Galuf/istromes und 
des Kivira nicht bis zur Evidenz bewiesen, aber sehr wahr^ 
scheinlich gemacht. 

Die Aufgabe, welche die Expedition zu lösen 
unternommen, wurde ziemlich allgemein mit der Auf- 
findung der ^'ilqueUen indenlificirt. Als sich dann die 
hohe Wahrscheinlichkeit eines Zusammenhanges der 
beiden Stromstiicke ergab, war demnach auch die 
Frage der Nilquellen so viel wie enlscliieden, und 
der Reisende selbst bekennt sich offenbar zu dieser 
üeberzengiingi. Es lässt sich nun freilich mit dieser 
Auffassung, als einer Vermengung zweier verschie- 
dener Fragen, streiten. Denken wir uns Miltel- 



*) Gibt er doch seinem Reisetagebuch den Titel: Journal of 
the discovery of Ihe soiirce of ihe Nile. In gleichem Sinne spricht 
er an vielen Sicllen, z. B. p 279 bei der Passage des Mwerango, 
p. 459 und 460, wo er den Kari bei Urondogani betritt oder p. 466 
bei dem Riponfall. 



92 Egli , <^ie Entdeckung der Nilquellen. 

Europa als unbekannt, und wir waren vom adriati- 
schen Meere her an den Bodensee und län<?s des 
Rheins bis Rotterdam gelangt: iiesse sich dann be- 
haupten, die Rheinquellen seien gefunden? OlFenbar 
nicht. So — kann man sagen — sei auch die wahre 
Quelle des Nils noch nicht bekannt; es handle sich 
erst noch um Auffindung, resp. Feststellung desje- 
nigen Nyanzazuflusses, der nach seiner Wassermasse, 
wie nach Richtung, Länge und Gebietsareal, das 
Recht hat, als Quellfluss angesehen zu werden. In 
dieser Hinsicht huldigen wir der Ansicht Peter- 
mann 's, wenn er' sagt: ,Bei der, wie es scheint, 
so bedeutenden Grösse des ükerewe-See's ist es 
sehr fraglich, ob sich ein ähnliches Verhalten wie 
bei Boden- oder Genfer-See wird nachweisen lassen. 
Man denke nur an die grossen nordamerikanischen 
See'n und den St. Lorenzslrom' 2? 

Hingegen dürfte es für diejenigen, welche , durch- 
aus einen Überlauf haben' wollen 3, doch gerechtfer- 
tigt sein abzuwarten, bever sie den Kitangule als 
solchen ansehen*. Wohl ist dieser nach Speke der 
bedeutendste von ihm angesehene Zufluss des Nyanza; 
aber kennen wir denn s die Ostseite des See's? 
Während dem Kitangule blos ly^ Längengrade zur 
Stromentwickelung eingeräumt sind, stände einem 



') Siehe Mittheilungen, 1864, p. 120. 

^) Analoge Verliältiiisse biclcl auch das europäische Seitenstück 
des St. Lorenz, die Newa, ferner die Molala u. a. 
■') Pelermann, Mittheilungen, 1864, p. 120. 
^) Dieser Ansicht ist auch Peschel Ausland, 1863, p. 720. 
') Siebe pag. 57. 



Egii, die Entdeckung der Mlquellen. 93 

oder mehrern östlichen Zuflüssen das 3 — 4fache dieses 
Abstandest zur Verfügung. Und diess bei einem 
Quellenrevier, das doch, soweit die Ermittelungen 
reichen, offenbar eher als die Mfumbiroberge fähig 
sein sollte, einen grossen Strom zu speisen. Ueber- 
dies hat in der Hauptsache der alte Ptolemäus sich 
so glänzend bewährt, dass wir wohl, so lang uns 
nicht Beweise vom Gegentheil nöthigen, auf der Hut 
sein dürfen, sie bestimmten Versicherungen entgegen^ 
die Nilquellen anderswohin als in eine Schneegebirgs- 
region zu verlegen. 

Verzichten wir nun aber vor der Hand auf einen 
entschiedenen Quellfluss, der sich zum Kivira-Galuffi- 
strom etwa verhalte wie der Graubündner-Rhein zu 
demjenigen von Schaffhausen-Basel, so haben wir 
doch im Nyanzabassin das Kilquellenremer? Oder sollte 
der Kivira etwa nur ein Nebenfluss der wahren Nil- 
quellen sein , vielleicht der Tribular eines grössern 
Stroms, der in den Luta Nzige Lake mündet? Speke's 
Carte selbst führt diesem von den Mfumbirobergen 
her einen problematischen Fluss zu, und ist nun auch 
— ihr zufolge — dieser Zufluss kaum angethan, dem 
Kivira bedrohliche Concurrenz zu bereiten, so ist da- 
mit noch keineswegs entschieden, dass nicht am Süd- 
West-Ende oder am Westufer, vielleicht selbst am 
Nord-West-Ende, dem Ausfluss nahe, ein starker 
Quellstrom einmünden könne. Diese Unsicherheit 
wird erhöht angesichts jener ungeheuren Terra inco- 
gnita, welche sich von der angeblichen Kiviramün- 



') Nämlich von ca. 4° S. Br. bis mindestens zum Acquator. 
2) Siehe pag. 21. 



94 £?!■> <l>c Entdeckung der Nilquellen. 

diing ' auf ca. 20 Läng^engrade nach Westen hin und 
von 3, 4, 5° N. Br. his ca. 5' S. Br. erstreckt. In 
Einer Beziehung- freilich — und man darf belonen: 
in einer Beziehung- von höchstem Beiaiig^ — wird 
die Existenz eines solchen Lula Nzige Lake-Quell- 
Stroms sehr unwahrscheinlich: Die Wassermasse zu 
Galuffi müssle dann derjenigen von Karuma hedeulend über- 
legen sein, und diess ist nach Speke keineswegs der 
Fall 2. Auch ohne zu übersehen, dass dieser Be- 
hauptung keine Messung- zu Grunde liegt, und dass 
die Jahreszeiten das Aussehen der Flüsse wesentlich 
niodificiren, darf dieses Zeugniss uns hesliuimen, 
vorläufig- dem Kivira keinen andern Quellfluss über- 
zuordnen. 

Auf solche Weise mag- man zu der Ansicht g-e- 
langen : Durch die Spcke'sche Expedition hat sich höchst 
wahrscheinlich der Galuffistrom mit dem Kivira in dem Sinne 
identificirl, dass der Nyanza das oberste Reservoir der JSil- 
quellen bildet^. 



1) Ca. 49° 0. L. von Ferro. 

2) Journal, p. 567 und p. 598. 

3) So sayle schon Sir Rod. Mnrcliison in spinom ,Anni- 
versary address' von 1803 zuversirhliich : Speke jmd Granl Jtave 
determined ttiat Ifie great fresfi-waler luke Vicloriu I\'yanza is tlie re- 
servoir from wfiicfi tfie sncred Batir-cl-Abiad, or Wfiile Nile, mainly 
descends to Gondotcoro , and thetice by Efiartum inlo Eyypte^ (J R. 
G. S. 1863, p CLXXIV). Freilich ein J.ihr später spricht er (Pro- 
ceed. R. G. S. VIII, p. 249) vorsichtiger von einem .pruof thut a 
great slream ßoived out from its (des Nyanza) northeni exlremity, 
which Speke and Grant foltowed, and sliowed a I m o s t c o n c I n s i v e I y 
to be tlie White Nile . . . ." Und am 22. Mai 1865 rückte die ver- 
meinlliche Enläcbeidung in noch weitere Ferne (I'rocced. R. G. S. 
IX, p. 265). 



Egli , die Entdeckung der Nilquellen. 95 

In wiefern wir seitiier dem Ziele unserer Kennt- 
niss näher gerückt sind, wird sicii im folgenden 
zeigen. Wir haben dabei an den Schluss der Ex- 
pedition anzuknüpfen. 

XVI. SCHLUSS. 

Es war am 3. December 1862, bei Sonnenunter- 
gang — so berichtet der Reisende • — als wir Fa- 
loro erblickten. Unsere Leute 2, so glücklich wie 
wir selbst, baten um die Erlaubniss zu schiessen und 
die , Türken' für unsern Empfang vorzubereiten 3. 
Krach, bang! machten die Flinten, und gleich nach- 
her krach, bang hallte es aus dem Lager der Nörd- 
lichen. Wie mit einem Bienenschwarm war jede 



*) Speke, Journal, p. 578. 

2) Von den 76 Znnzibarleulen, die man an der Küste und den 
22 Wanyamuesi, die man im Innern des Conlinenis enj;aj;irt hatte, 
waren in Aegyplen nocii 18 Mann übrig (bezüglich der Hotten- 
totten veri^l. p. 53, Note 3); die übrigen waren grossenlheils de- 
sertirt, zum Theil auch weggejagt, entlassen, umgekommen elc. 
Die Getreuen nennt Speke , seine Kinder'. Er Hess sie in Cairo 
zusammen pholograpbiieti {Journal, p. 610) und in die öffentlichen 
Concerle, Menagerieen etc. führen. Drei jener Photographieen erhielt 
der Anführer der Heimkehrenden, als Erkennungszeichen vorzu- 
weisen bei den britischen Consuln zu Suez, Aden und Zanzibar. 
Dann erhielten sie einen dreijährigen Sold, eine Anweisung, dass 
ihnen in Zanzibar ein grosser freenians garden gekauft werde, und 
dass jeder auf seine Heirat 10 Dollar Braulgeld empfan;;en solle. 
Dazu halten sie freie üeberfahrt nach Suez, Aden, den Seychellea 
und Zanzibar. 

3) Mit dem Namen , Türken' bezeichnet man am obern Nil das 
jLewaffnele Gesindel', welches im Dienste der Eifenbeinhändler 
steht. 



96 ^gli . <lie Entdeckung der Nilquellen. 

Anhöhe mit Leuten bedeckt. Unsere Herzen klopften 
in freudiger Erregung-, die nur denen bekannt ist, 
welche, lange unter Barbaren festgehalten, wieder 
zu civilisirlen Leuten kommen und mit alten Freunden 
sich vereinigen. Jede Minute wuchs die Erregung. 
Wir saiien drei grosse rothe Flaggen einer militäri- 
schen Procession vorang-ehen, welche unter trommeln 
und pfeifen aus dem Lager sich herausbewegte. Ich 
machte Halt und Hess sie näher kommen. Da befahl 
auch ein ganz schwarzer Mann , Mahamed , völlig 
wie ein ägyptischer Regimentsoberst und mit ge- 
krümmtem Schwert, seinem Regiment zu halten. 
Ich suchte mich seinem stürmischen Willkomm zu 
erwehren und fragte ihn, wer sein Herr sei? 

Petrik. 

Und wo ist Pethericki jetzt? 

Oh, er wird kommen. 

Warum habt ihr nicht englische Farben? 

Die Farben sind Debono's2. 

Wer ist Debono^? 

Derselbe wie Petrik. Doch kommt nur in mein 
Lager und lasst uns dort ausreden. 

Mit diesen Worten befahl er seinem Regiment 
— einer Gesindelmischung von Nubiern, Aegyplern 
und Sclaven aller Sorten — rechtsum, und unter 



1) Siehe pag. 40. 

2) Siehe pag. 47. 

3) Diese Frage ist auffaliend im Munde des Nilreisenden. 
Vergl. pag. 47, Nole 3 und p. 57, Note 1 (Miani) und die noch 
weit auffaliendere Stelle in Proceedings R. G. S. V, pag. 16, Zeile 
1 und 2. 



Egli , die Entdeckung der Nilquellen. 97 

beständigem trommeln und pfeifen, Gewehr präsen- 
tiren und schiessen, führte er uns in die Hütten des 
Dorfes, das ganz aussah wie diejenigen der Einge- 
bornen. Dann setzte uns Mahamed auf Betten, be- 
fahl seinen Weibern i , sich uns knielings zu nähern 
und Cafe aufzutragen, während andere Pombe (!) 
brachten und ein Diner zubereiteten. 

Es ergab sich, dass Mahamed der Agent Debono's 
war. Er sollte auf Speke warten und unterdessen 
Elfenbein kaufen 2. 

Als die Reisenden nach Gondokoro kamen, zeigte 



*) Die , Türken' der Station waren alle verheiratet mit Lan- 
destöcblern, die sie in Zeuge und Perlen kleideten. Sie hatten 
viele Kinder und Aussicht auf mehr. Die Heiraten sind gewöhn- 
lich nur vorübergehende, da die Weiber, wenn die , Türken' nach 
Gondokoro abreisen, wieder in das elterliche Haus zurückkehren. 

2) Auch hier hatten die Gewaltthätigkeiten der Elfenbeinhänd- 
1er (pag. 42) schon begonnen. Jeden Tag sah man die Madi (pag. 
63) mit aller Habe nach entlegenen Gegenden auswandern. Am 
31. December 1862 kehrte Mahamed mit seiner , siegreichen Armee' 
zurück, reich an Elfenbein, auch 5 Sclavenmädchen und 30 Stück 
Vieh eintreibend. Diejenigen Eingebornen, welche auf den Raub- 
zügen verschont werden, bringen nachher Elfenbein als Geschenk. 
Als Speke nach Pangoro kam, flohen die Dörfler, weil sie die 
Seinen für , Türken' hielten {Journal, pp. 588 — 590). Mit dem ge- 
plünderten Vieh kaufen die , Türken' Elfenbein und zahlen damit 
auch die Träger durch das Bariland {Journal, p. 599). ,Der Handel 
am (obern) Nil', bestätigt Baker (siehe Zeitschrift der Gesellschaft 
für Erdkunde zu Berlin, 1866, p. 195), , besteht nur in Viehdicbstal, 
Sclavenjagd und Mord'. Und anstatt dieser allgemein bestätigten 
Tbatsachen nennen die Annales des voyages, redigirt von dem be- 
rühmten Malte-Brun, 1866, I. p. 228 Gondokoro ,un Slablissement 
dans lequel on regoit les noirs qui imigrent , o^ Von veille ä leurs in- 
tir6ts et ou on les prot4ge contre les attaques de leurs ennemis'tü 

XII. 1. 7 



^g Egli, die Entdeckung der Nilqnellen. 

sich, dass Petherick abwesend war. Er, der von der 
Londoner Geographischen Gesellschaft 1000 Pfd. St. 
erhallen und dafür sich verpflichtet hatte, im Novem- 
ber 1861 zwei wohlbewaffnete Boote mit genügendem 
Proviant in Gondokoro zu slationiren und , sofern 
Speke in genanntem Monat nicht dort eintreffe, ihm 
nach dem Nyanza hin entgegen zu gehen <, hatte 
keineswegs Wort gehalten. Sein Agent war auf 
Sclavenhandel ausgegangen, und er selbst verliess 
Chartum erst am 20. März 1862, begleitet von seiner 
Frau , von Dr. James Murie und dem Botaniker Dr. 
Brownell". Auf Umwegen langte er endlich am 20. 
Februar 1863, also fünf Tage nach der Expedition, 
in Gondokoro an 3. 



*) Siehe Proceedings R. G. S. V, pp. 20 und 21, p. 40. 

2) üulerwegs gestorben. 

3) Proceedings R. G. S. VIII, p. 122. Auch diese Reise (vergl. 
pag. 40, Note 4) förderte unsere Kennlniss des obern Nilgebietes. 
Denn als Petherick auf dena Weissen Nil bis 7° N. Br. vorgedrungen 
■war (Juli 1862), mussle er sich nach Westen wenden. Er kam an 
den Jeji und weiter an den Rohlfluss, dann nach Süden und Süd- 
Osten, wobei der Jeji wieder zu überschreiten war, bis in die 
Breite von Gondokoro und endlich nach Osten, zur Vereinigung 
mit der Speke'schen Expedition. Beide Flüsse kommen aus der 
Gegend von i^ N. Br. Nach Petherick muss man also drei grosse, 
dem Haupistrom ziemlich parallel von Süden nach Norden fliessende, 
linkseilige Nebenflüsse des Bahr-el-Abiad unterscheiden und zwar 
von Osten nach Westen oder nach der Reihenfolge ihrer Gonfluenz 
aufgezählt, folgende : 

a) Jeji, auch Ayi oder Amin im Unterlaufe, mündend unter 
7° 20'. 

b) Rohl, auch Kado oder Yalo mündend unter 8° 25'. 

c) Djur, weiterhin Bahr el Ghazal genannt, mündend unter 
9° 20'. 



Egii, die Entdeckung der Nilquellen. 99 

Auch drei andere Hülfsexpeditionen, die von Char- 
tum aus den Weissen Nil hinauf «ehen wollten , er- 
reichten ihr Ziel nicht, nämlich diejenige der Madame 
Tinnei, von Miani^ und Lejean^. Dagegen war 



^) Eine reiche Holländerin, begleitet von ihrer Tochter 
Alexine und ihrer Schwester, der Baronesse Van Capellen, 
balle für 25000 Frs. das Dampfbool Halim Pascha's, des eliomajigen 
Gouverneurs in Charlum und Bruders des Vicekönigs, gemielhet 
(vergl. pag. 47 , Note 4) und war damit im Juni 18(52 nach Gon- 
dolioro gefahren und wegen Krankheil und andern Hindernissen 
wieder nach Charlum zurückgekehrt (19. November 1862). Siehe 
Proceed. R G S. VII, p. 78 oder ausfülirlicher in ,Lady Travellers 
on the White Nile'. Die drei Damen hatten auch Belenia (p. 40) 
besucht und 5 Slumlen oberhalb Gondokoro den Strom zu seicht 
gefunden. Am 25. Januar 18C3 fuhren sie, von Heuglin und 
Steudner begleitet, mit einem Dampfer und vier andern Schiffen 
und mit einem Gefolge von gegen 200 Personen wieder von 
Charlum flussanf, zunächst auf dem IJal'.r el Ghazal bis zum See 
Rek, um von hier aus zu Lande to unhnown countries vorzudringen. 
Diese Reise ist durch den Tod Dr. Stoudner's allgemeiner be- 
kannt geworden (f in Wau, einem Dschurdorfe, 10. April 1863). 

2) Er halle schon 1860 vom Vicekönig von Aegyplen die Mllel 
zu einer neuen Reise (pag. 47) erlangt. Siehe Fe t ermann, Mit- 
theilungen, 1861, p. 119 Woran die Ausführung gesclieilert , ist 
uns unbekannt. Hängt dieses Projpcl etwa mil demjenigen zu- 
sammen, das er nach Speke's Rückkehr noch zu realisiren hoffte? 
und zu wehhem der Vicekönig nicht .die Mittel", aber unter Vor- 
behalt einer Betheiligung Oeslerreichs einen Beilrag zugesagt hatte, 
Im Onseivalore Triestino vom 5. und 17. August 1863 — so meldet 
Pelermann, 1863, p. 338 — kündigte er an, dass er eine neue 
Reise nach dem obern Nil antrete. Er hatte die Hoffnung, dass 
ihm die österreichische Regierung dazu behülflich sei und nament- 
lich zwei Offlciere mitgebe, welche die astronomischen Bestim- 
mungen zu besorgen hätten. In der Thal war Scitt.'ns des Mini- 
steriums eine Subvention bei dem Reichsralhe boanlragl. Da ver- 
weigerte das Abgeordnetenhaus den Credit, unter anderm durch 



100 Elgli, die Entdeckung der Xilquellon. 

Sam. Baker 1 getreulich seinem Freunde entg-egen 
gekommen 2. Er liatle drei Schiffe l)ei sich und eine 
ganze Ausrüstung nut Bewaffneten , mit 29 Last- 
thieren^, mit Perlen, Messingdraht und allem Bedarf 
für eine grosse Reise'». So war er im Begriffe, dem 
Nyanza zuzusteuern, Speke suchend — in der Hoff- 
nung, wie er spassend hinzu setzte 5, die Expedition 



den Umstand bewogen, dass — wie der Berichterstatter, Prof. 
Herbst, referirte — die k. k. Geographische Gesellschaft zu Wien 
sich entschieden gegen den Vorschlags ausgesprochen habe. iNach- 
träglich sleUle sich freilich heraus, dass dieses Gutachten, immer- 
hin im Namen der Gesellschaft, nur von deren Ausschuss abge- 
geben worden war. Vert;!. Pelerraann's Mitlheiluhgen, 1864, 
pp. 81—83 und Ausland, 1864, p. 190. 

3) Lejean (pig. 41, Nolo 2 und 4) woIUe, unterstützt von Na- 
poleon lil , von Chartuio aus am Nil vordringen und stiess hiebei 
wegen der Erl>ilterung der Negerslämme auf so starke Hindernisse, 
dass er über die Route lange Zeit hin und her schwankte; er 
meinte bald westlich, bald östlich vom Nillhal gegen den Aequator 
gelangen zu können. Gej^en Schluss des J.ihres 1860 endlich wollte 
er auf seiner Barke La Bretagne den Weissen Nil hinaufgehen (Pe- 
termann, 1861, pag. 119). In Gondokoro augokoraraen und schon 
im Begriffe, sich Dr. Peney anzuschliessen, verschlimmerte sich 
das Fieber, welches er sich auf der Heise n.ich Kordofan geholt, 
in dem Grade, dass er umkehren niussle {ib. 1861, p 317). Er 
wandte sich nach dem Bahr-el-Ghazal und wurde später französi- 
scher Viceconsul in .\bessiiiien {ib. 1863, p. 336). 

*) Ein englischer Civilingenieur, berühmt durch seine Elephan- 
tenjagden auf Cejlon und Erhauer der Eisenbahn Czernawoda- 
Kuslendje. Er hatte 1862 einige Monate in der Atbaragegend mit 
Jagen zugebracht, l'roceed. It. G S. Vil, p. 21. 

2) In Charlum abgegangen am 18 December 1862. 

3) Nämlich Pferden, Eseln und Kameelen. 

^) Alles wie Baron Von der Decken auf eigene Kosten. 
5) Journal, p. 601. 



Egii, die Entdeckung der Nilquellen. 101 

irg^endwo unter dem Aequator In einer heillosen 
Klemme zu finden, damit er das Vergnügen habe, 
sie zu erlösen. 

Während nun die Speke'sche Expedition Aussah 
ging, verharrte Baker hei seinem Entschluss, die 
Nyanzaregion zu besuchen und dadurch zur Ausfül- 
lung einer wesentlichen Lücke in der neuen Ent- 
deckung das Seinige beizutragen. Nach Ueherwin- 
dung vieler Schwierigkeiten i gelang es ihm, den 
Karumafail und M'ruli, Kamrasi's Residenz, zu er- 
reichen 2. Durch einen Abstecher nach Westen ^ 
wurde festgestellt: 



•) Siehe Baker's The Albert- Ntjanza etc. 1866 oder Zeitschrift 
der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, 1866, pp. 193 (f. In Be- 
gleitung seiner heldennjüliiigen Frau nsussie er von Gondoitoro 
■weit nach Osten durch Liria in das schöne Land der Latuka reisen, 
bevor er über Obbo südlich zum Asua und Kivira vordringen konnte. 
Alle Transporllhiere waren uinu^okonimen, die Führer deserlirt, 
die Vorräihe an Lebensmilleln , Kleidern und Chinin ausgegangen 
und die Reisenden f.ist fortwährend Oeberkrank. Den Alabbi nennt 
Baker um seiner Permanenz willen einen wichti;;en Zufluss des 
Asua, während dieser selbst (9. Januar 1864) fast trocken durch 
sein felsiges Bell lief — derselbe Fluss, der zur Regenzeil einen 
solchen Wassersch\^all bringt, dass er bei dem starken Gefäll in 
Booten nicht traversirt werden kann! 

2) Da kurz vorher Debono's Leule nach üngoro gekommen 
waren und viele Leute gelödlel oder geraubt halten, so wurde Baker, 
dem vermeintlichen , Türken', ein schlimmer Empfang. Erst als 
eine Abordnung königlicher Beamten durch Untersuchung conslatirt 
halle, dass er Speke's Urnder sei , von , demselben Vater und der- 
selben Mutler' (indem er j.i einen ganz <;leicben Bart habe), Gngeu 
die Dinge an, zum bessern sich zu wenden. Uebrigens benahm 
sich auch diessnial Kamrasi als derselbe feige Filz wie früher. 

3) Zu Lande erreichte Baker den Luta Nzige Lake bei dem 



102 Egii, die Entdeckung der Nilquellen. 

a) dass der Strom unterhalb dem Karuma eine 
Reihe mächtiger Stromschnellen und dann einen 
grossarligen 120' hohen Wasserfall bildet', 

b) dass derselbe 25 Miles weiter abwärts und zwar 
unter 2° 16' N. Br. in einen grossen See mündet, 

c) dass dieser See wirklich der Luta Nzige Lake^ 
ist und ungefähr die ihm von Speke gegebene Lage hat. 

Baker nannte die von ihm bereiste Flussstrecke 
Somersetßuss ^ und den grossen Cataract derselben 
Mure hison f all '^. An der Mündung des Somersetflusses 
sah Baker, gerade nach Norden hin, wie, in einer 
Entfernung von 15 — 20 Miles, der Strom dem See 
durch ein 4—5 Miles breites Thal entfliesst. Bei 
Miani's Baum war ihm vergönnt, die Flussstrecke 
9 (deutsche) Meilen weit aufwärts mit dem Blicke 
zu verfolgen. Da nun das ganze Slromstück von 
Luta Nzige Lake bis Galufl'i 15 (deutsche) Meilen 
misst, so ist nur ein wenige Meilen langes Stück des 
Flusses bis jetzt ungesehen geblieben. Mit Zuver- 
lässigkeit darf man also behaupten, dass der Kivira 
den Luta Nzige Lake passirt und nach Galuffi fliesst. 



üferort Vacovia (l° 14' N. Br.); dann fuhr er in Ganoes nördlich 
der Küste entlang und kam nach 13 Tagen an die Mündung des 
Kivira (2** 16' N. Br.). Dort liegt auf einer Uferterrasse, 250' über 
dem See , Magungo und war das Wasser nur noch 16 — 20 Miles 
breit. Von hier fuhren die Reisenden flussaufwärts bis zu dem 
grossen Wasserfall und folgten dann seinem Laufe zu Lande. 

*) Wie schon Speke sagt, dass unterhalb Karuma noch an- 
dere kleinere , Falls' und in Gehörweile ein sehr grosser Fall sein 
soll {Journal, p. 567). 

') Nach Kamrasi's Correclur sollte er JM^wuta Nzige heissen. 

3) Siehe pag. 88, Note 3. 

•) Siehe pag. 88, Note 1. 



Egli, die Entdeckung der Nilquellen. |03 

Im übrigen erfuhren unsere Reisenden, dass der 
See mindestens 65 deutsche geographische Meilen 
lang und bis 15 breit sei, dass er bis zur Polhöhe 
von Karagwe reiche, um dort (zwischen 1 und 2° 
S. Br. !) mit unbekannter Ausdehnung (!) nach Westen 
umzuwenden, und dass er jährlich um ca. 4' an- 
schwelle von dem zehnmonatlichen Regen seines 
Gebiets 1. Am östlichen Ufer werde viel Salz ge- 
wonnen — der einzige Handelsartikel der Anwohner 2. 
Der See liegt 27*20' (engl.) über Meer und ist von 
steilen Granit- und Gneiswänden eingeschlossen, die 
an der Ostseite zu 12 — 150Ü', an der westlichen bis 
zu 7000' sich erheben-^. Nach Nord-Westen hin er- 
weitert er sich zu einer Bucht, deren Ende nicht 
abzusehen war; sie ist von undurchdringlichem Bin- 
senwuchs eingefasst und scheint ganz das Aussehen 
eines Delta zu haben (sie!). Sollte wohl in diese 
ein grosser Fluss einmünden? Oder in der Nähe der 
obern Extremität des See's? Diese Fragen konnte 
Baker nicht beantworten; ausser dem Somersetfluss 
(== Kivira) hat er keine grossen Zuflüsse gesehen*. 



*) Sofern diese bloss die Intensität derjenigen des Nyanza- 
beckens haben (pag. 65), ständen die beiden See'nreviere unter 
ähnlichen Niederschlags Verhältnissen. 

2) Früher hätten Rumanika's Waarenboote den See befahren, 
Elfenbein gegen Kanri und Kupferringe von Zanzibar einzutauschen, 
und mit ihnen seien arabische Eaufleute gekommen. Seitdem in 
einem Streit einige Araber getödtet worden, seien die fremden 
Handelsleute ausgeblieben. 

3) Wahrscheinlich ist die letztere Höhe als absolute zu nehmen. 
■*) Mit Ausnahme zweier grosser Wasserfälle, welche, von den 

hoben Gebirgen des Westufers herabstürzend, durch das Fernrohr 
zu erkennen waren. 



104 ^S^i, die Entdeckung der Nilquellen. 

In dieser Beziehung ist also das orosse Problem 
keineswegs seiner Lösung näher gekommen; im 
Gegentheil, die nach dem unbekannten fernen Westen 
gerichteten Ausbuchtungen des See's an den beiden 
Extremitäten wecken unwillkürlich die Ahnung, es 
könnten uns noch grosse Dinge von dem geheim- 
nissvollen Strom verborgen sein. 

Doch für die Aufstellung und Verfolgung von 
Hypothesen in dieser Richtung fehlen alle weitern 
Anhaltspunkte. Vielleicht zum Glück für den End- 
entscheid ; denn in der Geschichte ,der Entdeckung 
der Nilquellen' erwiesen sich die hypothetischen An- 
sichten für den Fortschritt mindestens so oft hinder- 
lich wie förderlich. Es gibt Kritiker — und zwar 
sehr competentei — die im Eifer selbst den Tanga- 
nyikn zum obersten Bassin machen und in den Luta 
Nzige Lake ausmünden lassen. Abgesehen davon, 
dass in Zeiten der Rathlosigkeit kühne Hypothesen 
immer etwas bestechendes haben, würde so mit Einem 
Schlag nicht nur dem ptolemäischen Ostsee ein 
palus occidentalis2 zur Seite treten, sondern auch 
das gemeinsame Reservoir beider, welches die Araber 
als Cura-See unter den Aequator versetzten, mit 
dem Namen Luta Nzige oder M'wula Nzige Lake vor 
unserm Auge stehen. 

Um zu diesem hypothetischen Schlüsse zu kom- 



') Vor allen Burton, der Entdecker des Tanganyika und da- 
maliger Chef des spätem Nyanzaentdeckers (pag. 50). Siehe Pro- 
ceed. R. G. S. IX, pp. 6—8. 

2) Und zwar in annähernd richtigerer Lage, nämlich 3 — 8° 
S. Br. Vergl. pag. 21. 



Egii, die Entdeckung der Nilquellen. 105 

men, müsslen die hypsometrischen Verhältnisse des 
Tanganyika und des Luta Nzige Lake geradezu um- 
gekehrt werden. Burton selbst bestimmte thermo- 
hypsometrisch die Seehöhe des erstem zu 1844' 
engi.i; der Luta Nzige Lake liegt 2720' üb. M.2. 
Wie kann da, sofern die Bestimmungen correct, der 
Tanganyikaabfluss in den Luta Nzige Lake münden? 
Burton nennt zwar nachträglich — und Gallon be- 
stätigt es 3 - das Instrument, dessen er sich bedient, 
,a most imperfect one'] allein was müsste man von 
einem Entdecker denken, der so unsichere Angaben 
wissentlich als zuverlässig ausgibt und nach sieben 
Jahren erst, wenn er sich in einen leidenschaftlichen 
Streit verwickelt, zugibt, die Zahl von 1844' könne 
um mindestens lüOO' zu niedrig sein!? 

Es widerstrebt all' unserm Zutrauen auf die 
Sendlinge der R. G. S., an derartige Täuschungen 
— man kann nicht sagen: Irrthümer — zu glauben. 
Wir lassen also, so weit von den Quellgebieten des 
Nil die Rede ist, den Tanganyika ausser Betracht 
und halten einstweilen noch fest an der Annahme, 
dass wir in dem Nyanzabecken das oberste Reservoir der 
Nilquellen haben. 



') Siehe Proceed. R. G. S. IX , p. 7 (Band XXIX des J. R. G. 

S. , cnthallend: ,The Lake Regions of the Central Equatorial Africa' 
ist uns leider gegenwärtig nicht mehr bei Händen). 

2) Siehe pag. 103. 

3) Proceed. R. G. S. IX, pp. 7 und 10. 



Notizen. 



Ausziig aus dem Woclienrapporte des Telegraphen- 
Bureau Ziiriehi »Am 25. April 1867, um 5 Uhr Abends Luft- 
elektrizilät auf der Linie Zürich-Einsiedeln-Scliwyz-Gersnu. 
Die Nadel ging bis 22 Grade rechts, darauf langsam zurück, 
dann bis auf 24 Grade links, darauf wieder zurück bis aut 
2 bis 4 Grade links. Da war es 5 Uhr 30 Minuten. Vorher 
war auf der Linie Zürich-Hichlerschw yl-Glarus (sie laufen 
zwischen Zürich und Richterschwyl neben einander) nichts 
von Luftströmung bemerkbar. Um 5 Uhr 30 Minuten zeigte 
sich auf der Boussole eine Ablenkung von der nämlichen 
Grösse und Richtung wie auf der Schwyzerlit)ie. Um 5 Uhr 
35 Minuten war die Ablenkung auf beiden Roussolen '/i Grad 
rechts. Unser Batteriestrom (Zink mit Erde verbunden) lenkt 
beide Nadeln rechts ab. Es war ein Gewitter in jener Gegend.« 

[J. Hohl.] 



IVotizen zur Schweiz. Kultiirg^eschichte. (Fortsetzung.) 

152) Ueber den schon früher (IL 243 und Noiiz 77) kurz 
besprochenen Zürcher-Geogra[)hen Heinrich Keller ist nach- 
träglich noch auf das ausführliche, sehr interessante und iheils 
mit einem von Esslinger gi^zeichneten und von Meyer gesto- 
chenen guten Porträte, theils mit einer gelungenen Nachbildung 
einer der Keller'schen Aufnahmen gezierte Lebensbild zu ver- 
weisen, welches die Zürcherische Künstlergesellschaft auf Neu- 
jahr 1865 von ihm herausgab. Es ist darin sowohl Kellers 
Leidensgeschichte als Knabe, seiner ersten Versuche im Zeichnen 



Notizen. 107 

von Landschaften und Karlen, seiner Wanderungen über Berg 
und Thal, auf denen die ersten seiner zahlreichen und rnusler- 
gUltigen, von ihm mit dem passenden Namen Panorama 's 
versehenen, und überhaupt so zu sagen von ihm erfundenen 
Rundsichlen entstanden, etc. ausführlich und zum Theile nach 
eigenen Aufzeichnungen Kellers gedacht, — als dann auch 
seiner spätem, für die Kenntniss unsers Vaterlandes, und die 
Erleichterung und Belehrung der sich immermehrenden Freunde 
unserer Naturschönheiten so bedeutenden spatern Arbeilen, 
welcfie sich in den so sehr gelungenen und bis jetzt, trotz den 
ausserordentlich vermehrten Hulfsmitteln, noch kaum über- 
trofTenen und Keller's Namen eine seltene Pof)ularität ver- 
schaffenden Schweizer-Reisekarlen gegipfelt haben, deren erste 
1813 von Scheurmann (s. IV 330) in Aarau gestochen wurde. 

153) Die von dem unermüdlichen und nach allen Bich- 
tungen um die Schweizer, nalurforsch. Gesellschaft hochver- 
dienten Quästor J. Siegfried von Zürich herausgegebene und 
mit einem gelungenen Bilde von Gosse gezierte »Geschichte 
der Schweizerischen nalurforschenden Gesellschaft zur Erinne- 
rung an den Stiftungstag den 6. Oclober 1815 und zur Feier 
des fünfzigjährigen Jubiläums in Genf am 21., 22. und 23. Augst- 
monal 1865. Zürich 1865 (98 S.) in 4« enthält zwar, wie der 
geehrte Verfasser selbst in freundlichster Weise erwähnt, gar 
Vieles, das ich in meinen Biographien bei Wyttenbach, Gosse, 
etc. erzählte, aber auch zahlreiche mir damals theils unbe- 
kannte, theils über den mir gesetzten Rahmen hinausreichende, 
theils die neueste Zeit betrelFende Notizen, welche ein späterer 
neuer Bearbeiter unserer Gelehrtengeschichte mit Dank und 
Nutzen beralhen wird. 

154) Als ich die verschiedenen Cykeln meiner Biographien 
anordnete, dachte ich mehrmals daran, in denselben auch dem 
nach verschiedenen Richtungen hochverdienten Vadian ein 
kleines Denkmal zu errichten; aber während für andere 
Männer da und dort sich mir reiche Fundgruben öfTiielen, 
blieb Vadians Platz in meiner Sammlung zufällig so leer, dass 



108 Notizen. 

ich weder wagen durfte mit dem Wenigen hervorzutreten, noch 
den iVlulh erhielt, nach Mehrerera zu suchen, und mich schliess- 
lich darauf beschränkte, nur beiläufig (IV 2, Notiz 53, etc.) 
einige Male auf ihn hinzuweisen. Es freut mich um so mehr, 
dass der um die Schulen VVinlerthur's so verdiente Rector 
Georg Geilfus mit s. Schrift »Joachim von Wall, genannt Va- 
diaiius, als geographischer Schriflsleller , Winlerlhur 1865 
(29 S ) in 4« seither diese Lücke nicht nur wesentlich ausge- 
fülll, sondern auch noch eine ziemlich reiche Literatur zu wei- 
lerer Verfolgung der Arbeilen dieses Mannes beigefugt hat. 

155) Die »Berichte über die Thäligkeit der St. Gallischen 
naturwissenschaftlichen Gesellschaft während der Vereinsjahre 
1863—1866. Red. von Prof. Dr. Wartmann« enthalten neben 
viden werlhvollen naturwissenschaftlichen Abhandlungen auch 
einen Nekrolog des um die schweizerische Naturgeschichte 
und Meteorologie, sowie auch ganz speziell um die naturfor- 
scheiiden Gesellschaften St. Gallens und der Schweiz sehr 
verdienten Apotheker Daniel Meyer, am 11. Januar 1778 zu 
Sl. Gallen geboren, und am 22. Januar 1864 eben daselbst 
verstorben. (Vergl. Nr. 138.) 

156) Die in meiner Biographie von Jakob Rosius (I, 119 
— 132) auf Pag. 131 als mir nicht in Sicht gekommene Schrift 
verzeichnete Arbeit »vom Visirstab« isl mir kürzlich in die 
Hände gefallen. Sie führt den Titel »Ein newer kurtzer 
Bericht von Zubereytung eines Visierslabs auss einem ge- 
eychten Weinfassz, und wie derselbig zu gebrauchen. Auss 
dem Ganone Trigoriomelrico hergenommen. Von Jacobo Rosio 
Biberac. Liebhabern der malhemalischen Künste, Basel 1627 
(15 S.) in 4«, und ist »Biel die II Aprilis, A. 0. R. 1627« 
dalirl. Ein im Aidiange erwähntes Manuscripl über Sonnen- 
uhren, zu dem er nur noch wegen der vielen Figuren keinen 
Verleger gefunden habe, scheint nie in Druck gekommen 
zu sein. [ß. Wolf.] 



Astronomische Mittheilunsren 



,von 
Dr. Rudolf Wolf. 



XXIII. Vortrag über Wilhelm Herschel, am 28. Februar 1867 
vor gemischtem Publikum gehalten; Beobachtungen 
der Sonnenflecken im Jahre 1866 und Berechnung der 
Relativzahlen und Variationen dieses Jahres: Ueber- 
sicht des Fleckenstandes der Sonne in der ersten 
Hälfte des vorigen Jahrhunderts und neue Bestimmung 
der betreffenden Epochen; Aufstellung einer Varia- 
tionsformel für Berlin ; Vergleichung der Häufigkeit 
der Kometen mit der Sonnenflecken-Periode; Beob- 
achtung der partialen Sonnenfinsterniss am 5, März 
1867; Fortsetzung der Sonnenfleckenliteratur. 

„Wilhelm Herschel wurde am 15. Nov. 1738 zu 
Hannover geboren. Ein älterer Bruder von ihm hiess 
Jakob, — der Vater Isaak, — der Grossvater Abra- 
ham i. Abraham Herschel war Pächter in der Nähe 
von Leipzig und wünschte, dass ihm sein Isaak als 
solcher nachfolge ; Letzterer zog aber vor, Musiker 
zu werden, — siedelte sich in Hannover an, heirathete 
Anna Ilse Moritzen und erhielt von ihr ausser den 
genannten zwei Söhnen noch zwei Söhne und vier 



') Nach Ärago (Oeuvres III. 382) hiess der Vater Jakob, — 
der Grossvater Isaak, — der (Jrgrossvater Abraham. Ich folge je- 
doch der Angabe John Herschers in dem Nekrologe seiner Tante 
Caroline fA. N. 629), nach welcher Isaak der Vater war. 

XII. 2. 8 



110 Wolf, astronomische Mittbeilungen. 

Töchter.' Isaak war arm, wie es Musiker meistens 
sind, — konnte somit wenig auf die Erziehung: seiner 
Kinder verwenden, und auch sein Wilhelm erhielt, trotz 
ungewöhnlicher Wissbegierde und Fähigkeit, nur dürf- 
tigen Schulunterricht, wurde dagegen, wie alle Söhne, 
ein tüchtiger Musiker2 und trat schon im 14. Jahre in 
eine Regimentsmusik ein. Im Jahre 1757 begleitete 
Wilhelm als Hautboist mit Bruder Jakob Truppen nach 
England, und entschloss sich dort zu bleiben. Im An- 
fange hatte er sehr magere Zeiten ; dann wurde er 
Musikinstruktor bei einem englischen Regiment, suchte 
sich später einige Zeit in Leeds als Musiklehrer diirch- 
zubringen, — wurde dann Organist in Halifax, und 
konnte endlich 1766 diese Stelle mit einer bessern in 
dem Badeort Bath vertauschen, wo er nun eine Reihe 
von Jahren als Organist und Mitglied der Kapelle 
lebte, und nebenbei noch Privalstunden gab. Sobald 
seine Existenz auf solche Weise gesichert war, wandte 
er, statt Vergnügungen nachzulaufen, alle freie Zeit 
darauf, sich weiter auszubilden : Deutsch, Französisch 
und Enslisch waren ihm damals schon ziemlich be- 



1) Nach Arago (1. c.) halte Vater Herschel vier Töchter und 
sechs Söhne, von denen Wilhelm der dritte war. Ich folge der 
Angabe eines unmittelbar nach Herschel's Tod von befreundeter 
Hand in das Phil. Mag. eingerückten Nekrologes, von dem mir 
John Herschel gütigst eine Copie mittheilte. Fonrier hielt in seinem 
Eloge historique de Sir William Herschel (Mem. de l'Acad. des 
Sciences 1823) das Mittel, indem er Herschel als zweiten von fünf 
Söhnen aufführt. 

2) Herscbei soll ein ganz ausgezeichneter Virtuos und nament- 
lich auf der Orgel ein Meisler gewesen sein; auch als Gomponist 
fand er Anerkennung. 



Wolf, astronomische Mittheilungen. Hl 

kaiint; er versuchte nun ohne Lehrer, mit blosser 
HiiH'e von Wörterbuch und Grammatik, sich auch noch 
Lateinisch und Italienisch anzueignen; dann begann er 
die Theorie der Musik zu studiren, wurde dadurch auf 
die Mathematik, deren Elemente er sich schon früher 
anjdeeignet hatte, sowie auf die Physik geführt, blieb 
auch der Astronomie nicht fremd ', und machte dabei 
nach allen diesen Richtungen nicht etwa nur ober- 
fiachliche, sondern ganz gründliche Studien, — Be- 
weis dafür, dass er sich 1780 mit Erfolg daran wa- 
gen konnte, eine Preisfrage aus der Schwingungs- 
lehre der Saiten zu bearbeiten. 2 

„Wahrend Herschel so studirte, hatte er einmal 
Gelegenheit bei einem Bekannten durch ein zweifüs- 
siiies Spiegelteleskop- den Sternhimmel zu betrachten. 
Dieser Anblick machte einen grossen Eindruck auf 
ihn, und es war sofort sein sehnlichster Wunsch, ein 
ähnliches, wo möglich noch grösseres Instrument zu 
besitzen. Zu gutem Glücke katn aus London, wohin 
ei" dafür schreiben Hess, die Antwort, ein solches 
Teleskop komme so theuer zu stehen, dass ein armer 
Musiker es schwerlich bezahlen könnte; denn weit 
entfernt, hiedurch entmuthigi zu werden, entschloss 
sich [lerschel, selbst Studien und Proben über Spie- 



^) Für die Theorie der Mnsik soU Herschel namcnllich Hob. 
SmiUi's »llarmonics er the piiilosophy of rausical souiids«, für die 
Asirohomie Jaiii. Ferguson's »Aslroiiomy, explaiiied upon Sir Isaac 
Ne^^lol^s priiiciples« l>eiui(zl Iwiboii. 

2j Aul' HcMschel's optische, namcnUich auch die Keniilniss des 
Spekliums so ungemein fördernde Arbeilen kann liier nicht ein- 
gelrelen «erden. Ich verweise dalür auf die erwähnten Biogra- 
phien von Arago und Fourier. 



112 Wolf, astronomische Mittbeilungen. 

g^elmassen, ihr Schleifen und Pohren zu machen, und 
1774 hatte er, allerdings erst nach zahlreichen miss- 
lung-enen Versuchen, die grosse Satisfaction, durch 
ein eigenhändig erstelltes fünffüssiges Teleskop Sa- 
turn und seinen Ring zu sehen, — ja bald darauf war 
ein Siebenfüsser gelungen. Nun begannen die Be- 
obachtungen mit derselben Energie, — ja Herschel 
soll sogar an schönen Abenden, wenn er im Concert 
oder Theater zu spielen halte, die Pausen benutzt 
haben, um denselben obzuliegen. Die ersten Früchte 
legte Herschel in zwei Abhandlungen über die Mond- 
berge und über den veränderlichen Stern Mira Ceti 
nieder, welche er 1780 der Royal Society einreichte ; 
aber noch wichtiger war sein im Jahr zuvor in Aus- 
führung gekommener Entschluss, eine consequenle 
Durchmusterung des Himmels auszuführen, um alles 
Bekannte zu sehen und allfällig Neues zu finden. Als 
er in Verfolgung dieses Planes im März 1781 das 
Sternbild der Zwillinge vornahm, fand er am 18. März 
einen ihm sofort etwas verdächtig vorkommenden 
Stern, und konnte noch am gleichen Abend consla- 
tiren, dass sein scheinbarer Durchmesser bei stärkerer 
Vergrösserung entsprechend zunehme, und dass er 
seine Stellung gegen die übrigen Sterne merklich ver- 
ändere : Es war also kein Fixstern, sondern ein Wan- 
delstern, — mulhmasslich ein Komet. Herschel machte 
natürlich seine Entdeckung sofort bekannt, damit auch 
Andere Positionsbestimmungen machen, und die Rech- 
ner darauf gestützt seine Bahn bestimmen können, — 
und bald wiesen nun Lexell und Laplace nach, dass 
dieser Wandelstern keine parabolische, sondern eine 
Kreisbahn von grossem Durchmesser verfolge, also 



Wolf, astronomische Mittheilungeii. WS 

kein Komet, sondern ein oberer Pianet sei, für wel- 
chen sodann nacli Bode's Vorscfilai»^ der Name Ura- 
n u s o^ewälilt wurde. — Man hat oft gesagt, Herschel 
habe Uranus zufällig gefunden, und damit das Ver- 
dienst seiner Entdeckung schmälern wollen. Ist das 
ein Zufall, wenn Einer bei systematischem Suchen 
etwas findet? Hätten Flamsteed und Lemonnier, welche 
Jahrzehnte vorher, wie man seither ganz genau nach- 
weisen konnte, Uranus wiederholt im Fernrohr hatten, 
ja als vermeintlichen Fixstern beobachteten, densel- 
ben gefunden, so könnte man zur Noth noch von Zu- 
fall sprechen, denn sie suchten nicht, — aber eben 
weil sie nicht suchten, so fanden sie auch nicht. 
Ueberhaupt ist es gegenwärtig mit dem Zufalle schlecht 
bestellt; denn die Mathematiker und Naturforscher 
gehen ihm mit aller Macht zu Leibe, und gar manches 
Gebiet, das ihm in vorigen Jahrhunderten noch unter- 
than war, ist ihm in neuerer Zeit abgenommen wor- 
den, und zwar mehr als Eines durch unsern Herschel. 
Ja, wenn uns auch trotzdem gegenwärtig noch viele 
Erscheinungen und Begebenheiten unerklärlich sind, 
so fühlen wir doch immer mehr, dass diess nur mit 
Lücken in unserm Wissen zusammenhängt, dass auch 
sie einer gesetzmässigen Nothwendigkeit unterworfen 
sein müssen, dass es muthmasslich gar keinen Zu- 
fall gibt, und wenn dieser Glaube einst allgemein 
geworden sein wird, dann, aber dann erst darf man 
hoffen , die hässlichen Zwillingsbrüder Unglaube und 
Aberglaube von der Erde verschwinden, und eine 
dauernde Versöhnung zwischen Glauben und Wissen 
entstehen zu sehen. 

„Die Entdeckung des Uranus machte grosses Auf- 



[14 Wolf, astronomische Mitlheilungen. 

sehen, und Herschel wurde durch dieseihe plöt/Jich 
berühmt J Um Ihnen diess begreiflich zu machen, 
muss ich Sie daran erinnern, dass man von den äl- 
testen Zeiten her die sieben Wandelsterne kannte, 
welche unsern Wochentagen die Namen gegeben ha- 
ben, — dass auch bei der Verdrängung des Ptole- 
mäischen Weltsystemes durch das Copernicanische 
diese Anzahl unverändert blieb, indem dadurch bloss 
Erde und Sonne ihre Rolle wechselten, — dass die 
nach Erfindung- des Fernrohrs aufgefundenen Begleiter 
einzelner Planeten zu untergeordneter Natur erschie- 
nen, um sie den alten Wandelsternen beizuzählen, 
zumal sie das Sonnensystem in seinen alten Grenzen 
beliessen, — und dass man dagegen nun nach Auf- 
findung des Uranus plötzlich gezwungen wurde, theils 
definitiv von jener Zahl sieben abzugehen, theils 
dem Sonnensysteme eine weit grössere Ausdehnung- 
als bisher zuzuschreiben. — Sehr wesentlich war es, 
dass auch Georg III. von England sich ungemein für 
Herschel's Entdeckung interessirte, und sich den mit 
so g-rossem Erfolge debütirenden Astronomen vor- 
stellen Hess. Der bescheidene, aber muntere und mit- 
theilsame Mann machte einen selir günstigen Eindruck 
auf ihn, und treu seinem Grundsatze, dass es besser 
sei, Geld zur Förderung der Wissenschaften 
zu verwenden, als um Menschen todtschla- 



^) Vor Entdeckung des Uranus war HerschePs Name ganz un- 
bekannt. So schrieb Bode noch im September 1781 (s. Astronom. 
Jahrb. für 1784), der Entdecker des neuen Wandelsternes werde 
bald Mertshel, bald Hertscbel, bald Herthel , bald Herrschen, bald 
Hernistell genannt, und frägl: »Wie ist nun eigentlich sein Name? 
Er soll von Geburt ein Deutscher sein.« 



Wolf, astronomische Mittheilungen 115 

gen zu lassen', setzte er ihtn einen schönen Ge- 
halt aus., so dass er seine Stelle in Bath aufgehen, 
und sich ausschliesslich seinen optischen und astro- 
nomischen Arheiten widmen konnte. Herschel zos;- 
sich nun nach Datchet und später nach Siough bei 
Windsor zurück, und nahm ausser der Schwester 
Caroline, welche ihm schon seit 1772 sein kleines 
Hauswesen besorgt hatte, auch noch seinen Bruder 
Alexander zur Hülfe zu sich. — Alexander Herschel 
besass nicht unbedeutendes mechanisches Talent, und 
war so ganz geeignet, bei Oonstruclion der Teleskope 
mitzuhelfen, für welche mehrere hundert Spiegel von 
7, 10, 20 und mehr Fuss Brennweite zur Ausw^ahl 
geschlilTen wurden 2, bis endlich in den Jahren 1785 
bis 1789 mit Aufmunterung und Unterstützung des 
Königs das bekannte Riesenteleskop entstand, dessen 
Spiegel von nahe 41/2 Fuss OefFnung am einen Ende 
eines vierzigfüssigen eisernen Rohres etwas schief 
zur Axe eingesetzt war, um am andern Ende das Bild 
unmittelbar mit einer Loupe betrachten zu können, — 
und eine so hohe Politur besass, um unter günstigen 
Umständen über 6000 fache lineare Vergrösserung zu 
ertragen. Trotz kunstvoller Aufstellung blieb jedoch 
natürlich der über 50 Centner wiegende Coloss etwas 
ungefügig, und auch der Spiegel verlor an der Luft 



^) Georg III. (1738 — 1820) sprach diesen Grundsatz z. B. gegen 
Lalande aus, der ihm 1792 vorgestellt wurde. Gewiss ist, dass er 
und sein Nachfolger Georg IV. Herschel ausserordentlich ehrten, 
so z. B. 1816 zum Ritter des Hosenbandordens ernannten. 

2) Alexander Herschel construirte auf Bestellung auch für An- 
dere Spiegelteleskope; so schrieb Wilhelm 1785 an Bode, dass sein 
Bruder für 100 Guineen gut aufgestellte Siebenfüsser liefere. 



X16 Wolf, astronomische Mittbeilungen. 

bald seine ursprüngliche Schönheit, so dass Herschel 
in der Regel zum Gebrauche seine bis auf Vergrös- 
serung 2000 gehenden Zwanzigfüsser vorzog, und 
seine meisten Entdeckungen, von denen wir sofort 
hören werden, mit diesen kleinern Instrumenten, da- 
gegen aber mit dem Fleisse machte, der ihn zur Con- 
struction des Vierzigfüssers geführt hatte. — Herschel 
arbeitete überhaupt Tag und Nacht rastlos : War er 
am Tage mit dem 10 — 14 Stunden in Anspruch neh- 
menden Poliren eines Spiegels beschäftigt, so verliess 
er die Arbeit nicht einmal zum Essen, sondern Hess 
sich von seiner Schwester das Nölhigste verabreichen, 

— war Nachts der Himmel zum Beobachten günstig, 
so verliess er oft bis zum Einbrechen der Morgen- 
dämmerung sein Rohr nicht, während Caroline als 
Assistent an der Uhr sass, notirte und rechnete, — 
ja einmal soll Herschel drei Tage und drei Nächte 
ununterbrochen fortgearbeitet, nachher freilich auch 
26 Stunden lang continuirlich geschlafen haben. Den- 
noch blieb er rüstig bis in's höchste Alter, das er auf 
84 Jahre brachte, indem er am 23. August 1822 starb, 

— ja hätte er die Gewohnheit angenommen , seine 
Abende in Soireen zuzubringen, so wäre er wahr- 
scheinlich früher eingeschlafen. — Aber Caroline, eine 
zarte Dame, hat die solche häufige Nachtwachen aus- 
gehalten? — höre ich Sie fragen. Sie hat es in der 
That ein Bischen bunt getrieben, da sie nicht nur 
haushallete und assistirte, sondern noch, wie z. B. 
ihre acht Kometen -Entdeckungen und ihre von der 
Astronomical Society mit einer Gold-Medaille ausge- 
zeichneten Sternverzeichnisse beweisen , auf eigene 
Rechnung beobachtete und studirte, — und sie ist 



Wolf, astronomische Mittbeiluii^en. 117 

auch wirklich wenig mehr als 5000 Wochen alt ge- 
worden. t Nach dem Tode Wiiheim's war sie nach 
Hannover, wo sie 1750 geboren worden war und ihr 
einzig noch lebender Bruder Johann Dietrich residirte, 
zurückgekehrt, und starb daselbst 1848. Sie blieb mun- 
ter und geistesfrisch bis in's höchste Alter, und soll 
nur 1846 höchst ärgerlich über die Entdeckung Nep- 
tun's geworden sein, welche ihr den Ruhm des un- 
vergesslichen Bruders zu schmälern schien. 

„Dass Wilhelm Herschei bei seiner Energie, die 
von entsprechender Begabung begleitet war, Ausser- 
ordentliches leistete, brauche ich kaum zu sagen, und 
es würde auch die Zeit nicht hinreichen, Ihnen nur 
die Titel der zahlreichen Abhandlungen vorzulesen, 
in welchen er seine Beobachtungen und Speculationen 
der Royal Society vorlegte. Ich muss mich begnügen, 
Ihnen einige seiner wichtigsten Arbeilen kurz anzu- 



') Caroline Herschei ist nicht die einzige Dame, welche sich 
um die Astronomie verdient machte: Ich erinnere an die Frauen 
Hevel und Kirch, welche sich einen nicht unbedeutenden Theil der 
Arbeiten ihrer Männer zu gut schreiben können, — an Maria 
Cunilia, die Berechnerin zur Zeit sehr geschätzter astronomischer 
Tafeln, — an die Marquise du Chatelet, die Ueberselzerin von 
Newton's Prinzipien, — an Madame Lepaute, welche die Störungs- 
Bechnungen für den Halley'schen Kometen ausführte, — an Wil- 
belmine Böttcher, spätere Hofräthin Witte, der man ein vorzüg- 
liches R lief des Mondes verdankt, — an die Reinhard, Rümker, 
Sommervilie, Scarpeliini, Dudley, Matt, etc., die sich als Beobach- 
terinnen, Rechnerinnen, Schriftstellerinnen etc. wirkliche Verdienste 
um unsere Wissenschaft erwarben, — und diesen wären noch zahl- 
reiche Namen von Töchtern, Schwestern und Frauen beizuHigen, 
ohne deren geräuschlose Mitwirkung sich die Leistungen manches 
Gelehrten ausserordentlich reducirt hätlen. 



118 Wolf, astroDoniische Mittheilungen. 

deuten, und eine Einzige, auf welche Sie in einem 
der ersten Vortraoe dieses Winters' hingewiesen wor- 
den sind, zum Schlüsse etwas eiiilässlicher zu behan- 
deln : Unser Planetensystem verdankt Herschel ausser 
Uranus und einigen Monden die genauere Kenntniss 
der Gestalt, x\xendrehnng und physischen Beschaffen- 
heit fast aller zugehörigen Körper; so ist es z. B. 
Herschel, der strenge n :;chwies, dass auf dem Pla- 
neten Mars Schnee lallt, und dass überhaupt dieser 
Planet so ähnliche Beschaffenheit mit der Erde hat, 
dass dort ganz gut Menschen leben könnten und viel- 
leicht auch leben. HerscheTs Studien über die Be- 
schalTenheit der Sonne habe ich Ihnen vor einigen 
Jahren einlässlich aus einander gesetzt 2, und seiner 
Ermillluiig ihrer fortschreitenden Bewei>ung- werde 
ich (,'iitsj, rechend dem vorhin Bemerkten zum Schlüsse 
gedenken. Dagegen darf ich hier nicht zu erwähnen 
vergessen, dass die genauere Kenntniss des Fixstern- 
himmels, die sog. Slellarastronomie, sogar erst von 
Herschel her dalirt: Ihnj verdankt man die jetzt schon 
wiederholt mit Erfolg angewandte Methode zur Be- 
stimmung der Fixsterndistanzen. Durch seine Ab- 
zahlungen der nach bestimmten Richtungen stehenden 
Sterne, seine sog. Aichungen, — seine Ermittlung- 
ihrer relativen Helligkeit, und seine darauf gregrün- 

^) üeber die Polarländer von Dr. Oswald Heer. Vortrag, ge- 
hallen den 6. Dezember 1866 auf dem Ralhhaus in Zürich. Zürich 
1867 in 8. 

') Die Sonne und ihre Flecken. Ein Vortrag vor gemischtem 
Publikum, gehallen am 10. Januar 1861 von Rudolf Wolf. Zär'uh 
1861 in 8. (Auch in Nro. 12 der Slittheilurigen über die Sonnen- 
flecken abgedruckt.) 



Wolf, aslionoiuische Mitlbeiluiigen ^"19 

deten Studien über den Bau des Himmels, sind die 
Muthmassungen der Kant und Lambert über das zu- 
nächst durch die Milchstrasse gebildete Sternsystem, 
zu welchem wir gehören, zum Theil erwiesen, zum 
Theil rectificirt worden. — Während man endlich vor 
Herschel nur wenige Dutzende von sog. Doppel- 
sternen, Sternhaufen und Nebelflecken kannte und 
nicht zu deuten wusste, hat er nicht nur fast ebenso 
viele Tau sende derselben aufgefunden, sondern ihrer 
Lage und Beschaffenheit nach durch Messung, Zeich- 
nung und Beschreibung förmlich catalogisirt, — hat 
einzelne dieser Doppelsterne durch Nachweis ihrer 
Bewegung um den gemeinschaftlichen Schwerpunkt 
als physisch zusammengehörige Weltkörper, als Dop- 
pel-Sonnen, characterisirt , — ja bereits die sog. 
Nebel in ähnlicher Weise in ferne Sterusysteme und 
werdende Welten abgetheilt, wie es die neuesten 
Forschungen mit Hülfe der Spektralapparate, über die 
sie kürzlich einlasslich unlerhalten v^'orden sind', zu 
thun zwingen. 

„Als Herschel einmal so, es war im Jahr 1788, 
nach Doppelsternen und Nebeln suchte, ging es ihm, 
wie es schon oft Astronomen gegangen ist, — er 
richtete sein Rohr so tief, dass es statt dem Himmel 
die Erde traf, und da fand er auch einen Doppelstern, 
der ihm so anuuilhig vorkam, dass er ihn nicht mehr 
los werden konnte. 2 Es war ein Irrlhum, aber ein 



') Von Hrn. Prof. WisUcenus in sfinem am 7. Febr. gehaUenen 
Vortrage über »Spektralanalyse und Chemie der Himmelskörper«. 

2) Wilhelm Herschel verheirathele sich nämUch 1788 mit Mary 
Baldwin (1750—1832), verwittwete Pitt, und hatte das seUene Glück, 



120 Wolf, astronomische Mittheilungen. 

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heilsamer ; denn aus diesem Doppelsterne ging 1792 
sein Sohn John Herschel hervor, dem die Astronomie 
ebenfalls unendlich viel verdankt, und der namentlich 
die Arbeiten, welche sein Vater am nördlichen Him- 
mel mit so grossem Erfolge gemacht hatte, während 
einem mehrjährigen Aufenthalt am Cap auch auf den 
südlichen Himmel ausdehnte. Dieser würdige Mann, 
der sich nun selbst wieder der astronomischen Er- 
folge seines Sohnes Alexander erfreut, war so freund- 
lich, mir für den heutigen Abend verschiedene Notizen 
mitzulheilen, und würde sich gewiss herzlich freuen, 
wenn er die ansehnliche Versammlung sehen könnte, 
welche hier heute der Erinnerung an den unvergess- 
lichen Vater eine Stunde widmet, — eine Erinnerungs- 
feier, der allerdings das Eigenthümliche abgeht, wel- 
ches eine Familienfeier in der Neujahrsnacht ^ von 
18B9 auf 1840 hatte, von der ich im Vorübergehen 
noch einige Worte sagen muss : Zu jener Zeit wurde 
nämlich das Rohr des Riesenleleskopes, dessen Spie- 
gel längst erblindet war, im Garten zu Slough auf 
einen steinernen Sockel niedergelegt, um als Monu- 
ment seines Verfertigers zu dienen. 2 Ehe es beid- 
seitig verschlossen wurde, stieg die ganze Familie 
in dasselbe, um ein Gedicht abzusingen, das John 



trotz so später Verehelichung sich seiner Wahl noch lange Jahre 
zu erfreuen. 

') »On New years Eve 1839 — 40«. nicht am l. Januar 1840 
»ä midi precis«, wie Arago sagt. 

^) Die sich in einigen Biographien Herschers findende Notiz, 
das Riesenteleskop sei nach seinem Tode von Lucian BonapHrte 
angekauft worden, ist falsch; das an Letztern verkaufte Instrument 
war ein Zebnfüsser von 24 Zoll Oeffnung. 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 121 

Herschel auf diesen Anlass verfasst hatte , und das 
nach Minna Mädler's Uebersetzung' foigendermaassen 
lautete ; 

»Wir sitzen im alten Tubus gereiht 
Und Schalten umzieh'n uns vergangener Zeit. 
Sein Requiem singen wir schallend und klar 
Indem uns verlässt und beerUsset ein Jahr. 

»Wohl fünfzig Jahr trotzt' er der Sturme Gewalt, 
Nicht beugte der Nord seine hehre Gestalt, 
Nun liegt er gesunken, wo hoch er einst stand, 
Das suchende Auge zum Himmel gewandt. 

»Die Wunder, die lebendem Blick nie gestrahlt, 
Sie waren hier einst in den Spiegel gemalt. 
Nicht deutet, nicht zählt sie der ird'sche Verstand, 
Sie sind nur allein ihrem Schöpfer bekannt. 

»Hier wacht' unser Vater in eisiger Nacht, 
Hier hat ihm vorweUIicher Lichtstrahl gelacht, 



^) Vgl. A. N. 405, wo auch die Originalverse mitgetheilt wer- 
den, welche wie folgt lauteten: 

„In the old Telescope's tube we sit, 

and the shades of the past around us (lit. 

His Requiem sing we with shout and din, 

while Ihe old year goes out, and the new coraes in. 

»Füll üfty years did he laiigh at the storm, 

and the blast could not shake his luajeslic form. 

Now prone he lies, where he once stood high 

and searched Ihe deep hcaven with his broad bright eye. 

»There are wonders no living sight has seen, 
which with in Ihis hollow have pictured been ; 
Which uiortal record can never recall 
and are known lo liira only, who made them all. 

»Here watched our Father the wintry night 

and his gaze has been ted with pre-Adamite light; 



122 Wolf, astronomische Miüheilungen. 

Hier half ihm die Schvveslerh'eb treulich und mild. 
Sie zogen vereint durch das Sternengefild. 

»Dann legi er ihn nieder, so sanft er gekonnt, 
Dass seine Kraft er im Sternenlichl sonnt. 
Hier liegt er, ein harter Bissen, geweiht 
Dem eisenverzehrenden Zahne der Zeit, 

»Sie wird ihn verzehren, ihr fällt er zum Raub 
und sein Eisen und Erz wird Host sein und Staub. 
Doch ob auch Jahrhunderte rauschend vergehn , 
Sein Ruhm wird doch in den Trümmern beslehn.« 

„Es ist gewiss Allen von Ihnen bekannt, wie man 
die Lage eines Ortes auf der Erde durch geographische 
Breite und Länge in Beziehung auf Equalor und ersten 
Meridian bestimmt, — und ganz in entsprechender Weise 
wird die Lage eines Sternes an der scheinbaren Him- 
nielskugel durch Breite und Länge in Beziehung auf 
Ekliptik und Frühlingspunkt gegeben. Während, aber 
die geographische Länge eines Ortes zu allen Zeiten 
gleich gross gefunden wird, so sind dagegen die Län- 
gen der Sterne, welche in entgegengesetztem Sinne 
zur Drehungsrichtung eines Uhrzeigers gezählt wer- 
den, gemeinschaltlichen Veränderungen durch das so- 
genannte Vorrücken der Nachtgleichen, die sogenannte 



His labours Meie lightined by sislerly love 
and uniled they strained tbeir visions above. 

»He bas strelched him quietly down et length 
lo bask in the starUghl bis gianl slrenglb 
And time shall here a tuugh morsel Qnd, 
for his sleel-devouring leeth to grind. 

»He wiU grind it at last, as grind it he must, 
and its brass, and its iron shall be clay and rust. 
Buth scalhless ages shal roll away, 
andn urture its fame in its forms decay.« 



Wolf, astronomische Mittheilungen. J23 

Abirrung des Lichtes, etc., unterworfen, — und wenn 
man die zu verschiedenen Zeilen bestimmten Lnijen 
eines Sternes auch für diese Veränderungen corrigirt, 
so stimmen sie erst noch nicht ganz überein, sondern 
es bleiben lileine, für verschiedene Sterne wesentlich 
verschieden ausfallende Differenzen übrig, welche 
man als Eigenbewegungen dieser Sterne bezeich- 
net hat. — Schon Lambert ahnte nun, es möchten 
diese Eigenbewegungen ztim grossen Theile nur 
scheinbar sein, nämlich zum grossen Theile nur 
davon herrühren, dass die Sonne, wie es schon ihre 
in dem Sonnenflockenphänomene zu Tage tretende Ro- 
tation wahrscheinlich macht, sich mit ihrem ganzen 
Gefolge von Planelen und Monden durch den Raum 
"vorwärts bewege, — aber erst Herschel war es 
1783 vergönnt, den Beweis dafür zu leisten, und zwar 
nach folgendem Gedankengange: Denken Sie sich, 
Sie stehen auf einer Lichtung mitten in einem Walde, 
so sehen Sie die umgebenden Bäume in einer ge- 
wissen gegenseilioen Lage. Bewegen Sie sich aber 
nach einer bestimmten Seite hin, so scheinen die Bäume 
zur rechten Hand sich im Sinne des Uhrzeigers zu 
bewegen, — ihre Länge nimmt also ab; die links 
dagegen zeigen eine enlgegengeselzle Bewegung, — 
ihre Länge nimmt zu. Aehnlich bei den Sternen, 
wenn wir uns mit der Sonne in unserm Sternhaufen 
nach einer beslimmlen Richtung fortbewegen ; auch 
da müssen in diesem Falle Verschiebungen solcher 
Art vorkommen, — und wenn diese Verschiebungen 
im Allgemeinen für eine gewisse Richtung mit den 
besprochenen Eigenbewegungen übereinstimmen, so 
wird umgekehrt der Schluss zu machen sein, dass 



X24 Wolf, astronomische Mittbeilungen. 

sich die Sonne wirklich nach dieser Richtung bewegt. 
Herschel itonnle nun in der That diese üebereinstim- 
mung unter der Voraussetzung nachweisen, dass sich 
die Sonne gegen das Sternbild des Herkules hin be- 
wege, — ja sein Beweis hat sich nicht nur durch 
ähnliche Untersuchungen neuerer Zeit als ganz rich- 
tig bewährt, sondern es ist sogar wahrscheinlich ge- 
macht worden , dass die Bewegung der Sonne und 
ihres Gefolges per Stunde nicht weniger als etwa 
4000 Meilen beträgt, — und es ist bereits mit Sicher- 
heit abzusehen, dass man in folgenden Jahrhunderten 
die Veränderung der gegenwärtigen Bewegungsrich- 
tung erkennen, daraus auf die eigentliche Bahn der 
Sonne schliessen , und ihre Umlaufszeit um einen 
fernen Schwerpunkt, d. h. das grosse Sonnenjahr, 
berechnen wird. 

„Erlauben Sie mir zum Schluss noch eine kurze 
Betrachtung : Es geht aus dem Ebengesagten hervor, 
dass wir zwar mit unserer Sonne auf noch unbekannter 
Bahn in das unbekannte All hinausrollen; aber wir 
wissen, dass dadurch seit Jahrtausenden die Gesetze 
unserer Bewegung um die Sonne nicht gestört worden 
sind. — Wir wissen zwar nicht, woher wir kommen, — 
wir wissen noch nicht, wohin wir gehen, und was die 
Räume bergen mögen, in denen wir uns in den näch- 
sten Tagen befinden werden : aber unser Blick er- 
weitert sich, unser Reiselagebuch wird inhaltsreicher 
und richtiger. Während wir z. B. vor hundert und 
mehr Jahren in einem Meteoriten einen Stein zu er- 
kennen glaubten, den uns ein hoshafter Nachbar zu- 
geworfen, und in einem Kometen eine zu unserer 
Bestrafuno- bestimmte feurige Ruthe, — sahen wir 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 125 

später in den erstem eine Art Zugvögel, von denen 
zuweilen Einer zu Grunde gehe und herunterfalle, 
und in den zweiten eine Art Touristen, von denen 
der Eine oder Andere sich bei uns so gut gefallen 
habe, um sich da bleibend niederzulassen, — und jetzt 
scheinen wir dazu zu kommen. Beide als Ureinwohner 
ferner Welträume ansehen zu müssen und uns als die 
Reisenden, welche sich herausnehmen, zuweilen so 
einen Stein im Vorübereiien als Reiseandenken ein- 
zustecken, während einzelne Kometen der an ihnen 
v,oriiberschwebenden Sonne zufliegen, wie Mücken 
einem Lichte. — Wir können noch nicht bestimmen, 
wie viele Jahrtausende abfliessen werden, bis unser 
Fahrzeug wieder da angelangt sein wird, wo wir es 
bestiegen haben, — noch nicht, wo es vielleicht das 
gegenwärtige Menschengeschlecht wieder aussetzen 
wird ; aber wir müssen vermuthen, dass dieses grosse 
Sonnenjahr auch eine Art Jahreszeilen haben werde, 
und damit die sog. geologischen Perioden zusammen- 
hängen dürften, welche schon so viel Kopfzerbrechens 
machten. — Wir haben endlich, mögen auch Einzelne 
darüber sprechen und schreiben, noch keine Ahnung 
davon, wann und wie unsere Erde, unsere Sonne 
und alle die Sterne geschaifen wurden, was ihr Zweck 
und ihre Zukunft ist; aber wir fahren doch getrost 
auf dem grossen Weltmeere, denn wir haben im- 
merhin die Ueberzeugung gewonnen, dass unser 
Schiff gut ist, und dass wir einen treuen Fähr- 
mann haben." , 

Die Häufigkeit der Sonnenflecken konnte von mir 
oder meinen Assistenten, Herren Weilenmann und 
Fretz, im Laufe des Jahres 1868 an 298 Tagen mehr 

XII. 2. 9 



126 



Wolf, asironomische Miltheilungen. 



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128 Wolf, astronomische Mittheilungen. 

oder wenlg^er vollständig beobachtet werden, und 
ausserdem erhielt ich von den Herren Hofrath Schwabe 
in Dessau, Weber in Peckeloh (s. 289 der Litt.) und 
Direktor Schmidt in Athen (A. N. 1657) eine grosse 
Zahl werthvoller Ergänzungen, so dass ich schliess- 
lich für 862 Tage über vollständige Beobachtungen 
verfügte und nur bei B Tagen in gänzlicher ünkennt- 
niss über den Fleckenstand der Sonne blieb. — Wie 
bei den Berichten über 1863 bis 1865 habe ich in der 
ersten der beistehenden Tafeln für jeden Tag in 
altgewohnter Weise die Anzahl der gesehenen Grup- 
pen und Flecken eingetragen, und bei jeder Beob- 
achtung, mit einziger Ausnahme der entweder von 
mir selbst oder von den Herren Weilenmann und Fretz 
nach ganz entsprechender Art mit Vergrösserung 64 
meines Vierfüssers erhaltenen Normalbeobachtungen, 
durch ein beigefügtes Zeichen den Beobachter markirt, 
um bei Berechnung der Relativzahlen den ihm zuge- 
hörigen Reductionsfaktor anwenden zu können: Ein 
beigesetztes -j- bezeichnet Beobachtungen meines ge- 
ehrten Herrn Hofrath Schwabe (mit Reductionsfactor 
5/4), der 1866 nach seiner neulichen Einsendung in 
die astronomischen Nachrichten im Ganzen in den 12 
Monaten 

Beobachtungstage 80 27 26 28 27 80 31 81 30 81 80 28 
Fleckenfreie Tage 1 4 2 8 6 14 5 18 28 
Gruppen 576586182481 

erhielt, also bei 849 Beobachtungstagen die Sonne 
76 mal ohne Flecken sah (während die zweite der 
beistehenden Tafeln auf 862 Tage 82, die erste so- 
gar 86 oline Flecken hat), und während des ganzen 
Jahres 46 Gruppen (47 weniger als 1865, und 90 



Wolf, astronomische Mittbeilungen. 129 

weniger als 1864) zählte. — Ein beigesetztes *'^ be- 
zeichnet Beobachtungen, welche ich (vergl. Nr. XII) 
mit dem kleinen Instrumente machte, und mit V2 in 
Rechnung brachte. — Ein beigesetztes w bezeichnet 
Beobachtungen von Weber, die ich mit 74 in Rech- 
nung brachte, — und ein beigesetztes s endlich Be- 
obachtungen von Schmidt, welchen ich, gestützt auf 
mehrere correspondirende Beobachtungen, am besten 
den Werth 1 beilegte. — Mit HüHe dieser Beobach- 
tungen und Reductionsfactoren wurden nun für die 
erwähnten B62 Tage die Relativzahlen berechnet, 
und daraus theils die in die Tafel eingetragenen Mo- 
natsmittel, theils 

R = 17,5 

als mittlere Relativzahl des Jahres 1866 gefunden. — 
Die zweite der beistehenden Tafeln gibt für jeden 
derselben 862 Tage die ihm zukommende Relativzahl, 
— jedoch (entsprechend den Berichten seit 1868) mit 
dem Unterschied, dass letztere sich nicht allein auf 
die in ersterer Tafel gegebene Beobachtung gründet, 
sondern dass für sie ausser der Wolf-Schwabe'schen 
Serie sämmtliche 817 Weber'sche Beobachtungen be- 
nutzt wurden, welche in Nr. 289 der Literatur ver- 
zeichnet sind. Ferner gibt die zweite Tafel die fünf- 
tägigen Mittel dieser mittleren täglichen Relativzahlen, 
sowie für jeden Monat das Mittel der 6 (oder im Au- 
gust 7) auf ihn fallenden fünftägigen Mittelzahlen. 
Diese 12 letzteren Zahlen stimmen natürlich mit den 
Monatsmitteln der ersten Tafel nicht ganz überein, und 
so ist auch das aus ihnen gezogene Jahresmittel 
R' = 16,6 

etwas von dem aus der ersten Tafel für R erhaltenen 



ISO 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 



Werthe verschieden. — In den Jahren 1856—1866 
wurden somit erhalten. 

R = 4,2 21,6 50,9 96,4 98,6 77,4 59,4 44,4 47,1 32,5 17,5 
ß' = 4,0 22,3 55,8 94,2 96,0 82,2 57,0 45,7 45,6 30,4 16,6 

und es zeigt sich also aus beiden Reihen noch immer 
ein zu meiner Fiecitenperiode von IIV9 Jahren auf das 
Schönste entsprechendes Absteigen der Fleckencurve, 
die nun wohl im Laufe des Jahres 1867 oder späte- 
stens 1868 (nach der von mir 1861 aufgestellten For- 
mel: 1868, 271) ihren tiefsten Punkt erreichen wird. 
— Mit Zugrundelegung der soeben für 1866 ermittel- 
ten Werthe von R und R' erhalte ich nach den von 
mir aufgestellten Formeln folgende magnetische Decli- 
nationsvariationen : 



1866 


nach 
Formel 


bei 

Anwendung von 

R 1 R' 


Prag 


VIII 


6', 57 


6', 53 


München 


XXXIII 


7,74 


7,71 


Christiania 


XXXVI 


5,64 


5,61 


Greenwich 


'^XXXX 


4,94 


4,92 


Rom 


XXXXVI 


6,42 


6,37 


Utrecht 


XXXXVIII 


6,47 


6,41 



Zur Vergleichung liegt mir leider noch kein aus 
directer Beobachtung hervorgegangener Werth einer 
dieser Variationen vor, und ich kann nur nachträg- 
lich zu Nr. XXI anfuhren, dass die dort für 1865 zu 
7', 22 berechnete Prager- Variation sich durch directe 
Beobachtung = 7', 80 ergeben hat, so dass die Differenz 
zwischen Beobachtung und Rechnung wenigstens für 
voriges Jahr noch nicht gross genug ist, um eine 



Wolf, astronomische Mittbeilungen. 13j[ 

Abänderung der die Beobachtungen von 1851 bis 1859 
darstellenden Formel VJII nolhwendig zu machen. — 
Mein Assistent, Hr. Weilenmann, hat nach meinem 
Wunsche im Jahre 1866 begonnen, regelmässig an 
jedem schönen Tage am Refractor Zeichnungen der 
auf der Sonne befindliciien Flecken aufzunehmen und 
ihre Positionen abzumessen. Es ist dadurch bereits 
ein nicht unbedeutendes Material zum Studium dieser 
merkwürdigen Bildungen erhalten worden, das nach 
und nach in verschiedenen Richtungen ausgebeutet 
werden soll. Für heute beschränke ich mich darauf 
auf zwei Flecken hinzuweisen, welche als Repräsen- 
tanten der zwei Hauptarten, ich möchte sagen der 
oberflächlichen und der vertieften dienen kön- 
nen : Der Eine (a) wurde während einer Erscheinung 
von 1866 VII 11 — 28 wiederholt beobachtet, — der 
Andere sogar während zwei Erscheinungen, nämlich 
zuerst (b) von 1866 VIII 22—1X4, und dann wieder 
(c) von 1866 IX 19 — X 1. Die beigegebenen Zeich- 
nungen stellen jeden dieser Flecken während jeder 
seiner Erscheinungen je fünfmal dar, und die folgende 
Tafel, in welcher a und b die von der Erde aus ge- 
messene Rectascensions- und Declinationsdifferenzen 
F'leck-Sonnencentrum geben, während B die hieraus 
berechneten heiischen Breiten des Fleckens, und A 
seine vom aufsteigenden Knoten (75° 8') des gegen 
die Ekliptik um (7° 9') geneigten Sonnenequators ge- 
zählten heiischen Längen bezeichnen, gibt die diesen 
Zeichnungen entsprechenden Positionen: 



132 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 



Datum. 

1866. 


« 


d 


B 


A 




VII. 


11.092 


910". 4 


-166". 3 


-7° 10' 


136° 31' 






14.102 


585". 6 


-201 ".7 


-6° 38' 


176° 52' 






17.110 


-12". 6 


-183". 4 


-6° 38' 


219° ir 






20.114 


-6 12". 8 


-105". 6 


-6° 37' 


261° 27' 






23.120 


-932". 6 


-2". 2 


-6° 23' 


303° 58' 




VIII. 


22 981 


926 ".6 


-127". 9 


11° 56' 


174° 29' 






26.111 


575". 1 


-91". 6 


11° 59' 


220° 8' 






29.085 


12". 6 


79". 4 


11° 33' 


262° 13' 




IX. 


1.071 


-548", 8 


332". 


11° 55' 


306° 13' 






4.082 


-790."0 


5 14". 3 


12° 7' 


348° 3' 




IX. 


19.074 


910". 1 


-213". 5 


12° 48' 


203° V 






22.108 


595". 1 


-142". 


12° 50' 


244° 36' 






24.101 


252". 8 


6". 4 


13° 24' 


272° 30' 






28.075 


-460". 9 


386 ".2 


14° 2' 


328° 45' 




X. 


1.089 


-730 ".9 


577". 


13° 30' 


369° 16' 





Beide Flecken zeigten also in der Mitte der Sonne 
eine ganz centrale Stellung- zum Hofe ; aber während 
bei dem zweiten Flecken (6, c) der Raum vom Flecken 
zur Halbschattengrenze beidseitig von einem Sonnen- 
rande bis zum andern sich immer gleich blieb, zeigte 
sich bei dem ersten Flecken (a) das Wilson'sche 
Phänomen sehr schön, — ja es tritt dieser Unter- 
schied auf den Originalzeichnungen noch bedeutend 
deutlicher hervor, als er in der auf V2 reducirten, 
beiliegenden Zeichnung (bei der 1 Theil = 15 Bogen- 
secunden ist) zu sehen ist. 

Um einzelne und sogar unvollständige Flecken- 



Wolf, astronomische Miltheilungen. 133 

beobaclitungen zum Studium des Verlaufes der Periode 
nutzbar zu machen, gibt es verschiedene Methoden : 
Entweder kann man aus jeder vollständigen Beob- 
achtung in der schon oft besprochenen Weise eine 
Relativzahl ableiten, jede durch Multiplication mit dem 
entsprechenden Erfahrungsfactor 

7» für Weber, Jenzer, Honistein, und im Mittel etwa auch 

für Schmidt 
*/* für Carringtoti , Seslini, Spörer , Hagen, und etwa auch 

für Galilei und Feuillee. 
7* für Schwabe, Tevel, Schott, PastorfT, Heinrich, und etwa 

auch für Scheiner und Böse. 
74 für Fritsch, v. Ende, Messior , Greenwich, und etwa auch 

für Harriot, Celsius, Hevei, Tarde, Cassini und die übri- 
gen altern Pariser-Astronomen 
V* für Adams, Bode, Horrebow, Zucconi, und etwa auch 

für Blanchini und Wiedeburg 
7* für Arago, Flaugergues, Lorenz und etwa auch für 

Kirch, Rost, Planlacle, Weidler, Manfredi, Derh.un und 

Stannyan 
74 für Staudacher und Mallet 

auf die gewählte Grundeinheit (Vergrösserung 64 
meines Vierfüssers) zurückführen, und das Mittel aus 
den sämmtlichen auf diese Weise für einen gewissen 
Zeitraum erhaltenen Zahlen ziehen, — oder man kann, 
wenn v, u, f der Reihe nach die vollständig oder un- 
vollständig beobachteten Fleckentage und die flecken- 
freien Tage zählen, und r die aus den v Beobach- 
tungen berechnete mittlere Relativzahl ist, die dem 
gesammten Zeitraum entsprechende mittlere Relativ- 
zahl 

n _ (v + u) r 

V+U-ff 

setzen — oder endlich, wenn man für r zu wenige 
Bestimmungen hat, den Zeitraum durch 



134 Wolf, astronomische Mittheilangea. 

v + u-{-f 
charakterisiren, d. h. durch die Procente der flecken- 
freien Tage. Nach den beiden letzten Formeln er- 
hielt ich in Revision der in Nr. XI getroffenen Be- 
stimmungen aus dem zwar noch immer sehr unvoll- 
ständigen aber doch immerhin in der neuesten Zeil 
durch die mir von den Herren Schönfeld und Förster 
gütigst verschafften Kirch'schen Beobachtungen (s. 
Litt. 240) wesentlich angewachsenen Material aus der 
ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts die in neben- 
stehender Tafel verzeichneten Zahlen, wo *"' beson- 
ders zuverlässigen, ? besonders unzuverlässigen oder 
interpolirten Zahlen beigesetzt ist. Die im Mittel aus 
beiden Zahlenreihen folgenden Epochen fijr Maximum 
und Minimum sind neben den Alten beigeschrie- 
ben, und es zeigt sich, dass sie durch die neuen 
Beobachtungsreihen kaum ernstlich verschoben wer- 
den, dass dagegen allerdings letztere die Unsicher- 
heit wesentlich vermindert haben. Interessant ist, 
dass das kleinste Maximum auf 1705,5, d. h. gerade 
110 = 2.55 Jahre vor dem niedrigen Maximum von 
1816 fällt, und mit ihm fast gleiche Höhe annimmt; 
denn obschon die Unsicherheit des Maasstabes nicht 
vergessen werden darf, so liegt doch hierin ein neues 
Belege für die Existenz der grössern Sonnenflecken- 
periode von 55 Jahren, welche sich so schön in der 
Häufigkeit des Nordlichtes abspiegelt. 

Den mir durch die Güte des Herrn Professor 
Förster zugekommenen 4 Bänden der „astronomischen 
Beobachtungen auf der Sternwarte zu Berlin", und 
einer seitherigen verdankenswerthen weitern Mit- 



Wolf, astronomische Miltheilungen. 



1S5 



o - 

o 



+1 

o 



-H 



-H 

o 



M 



M 

o 



cd 



OOOOOOOOOOOOOIOOOMSOOOOOCOO'MOS 



a*o=^ooloOlC»raoooeol'^ooo•f50o■^*lr500»ooolrooo 



f0O»flO»0Oe0OOOOiflO»0O»0l>0SOOO»0OOC<I"5 



t^ l>i t^ t» t- I> I> I> t^ I> l-^ I> t> l> t> t> I> 1> t> t-. |> t^ t^ 1> I> I> 



M 



-H 

o 



ei 



o 
o 



+1 

o 



+1 

o 



OOOO.=*SD0000t>-^>'SOOC<IC0l>0iC»?OOW00OO'^»O 






C00~000000 — -^ — — — — ••^ — — — 0^iMC>JiMCJ©l 
l>l-^l>l>I>l>l>t^t->.l>t>l>J>l-l>t>l>I>I>t»l--l>l--t>.t-.l> 



136 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 



theilung- entnehme ich folgende Reihe von mittlem 
jährlichen Berliner-Declinations-Variationen v, denen 
ich zur Vergieichung- die entsprechenden Sonnen- 
flecken-Relativzahlen r beischreibe: 



Jahr 


V *) 


V - m 


r 


v' 


v-v' 


v" 


v-v" 


1839 


10/9 


1,96 


68,5 


10,23 


0,67 


9,83 


1,07 


1810 


10,3 


1,36 


51,8 


9,38 


0,92 


9,07 


1,23 


1841 


8,7 


-0,24 


29,7 


8,26 


0,4i 


8,07 


0,63 


1812 


7,4 


-1,54 


19,5 


7,74 


-0,34 


7,61 


-0,21 


1843 


7,4 


-1,54 


8,6 


7,19 


0,21 


7,12 


0,28 


1844 


6,6 


-2,34 


13,0 


7,41 


-0,81 


7,32 


-0,72 


1815 


8,4? 


-0.54 


33,0 


8,43 


-0,03 


8,22 


0,18 


1846 


9,4? 


0,46 


47,0 


9,14 


0,26 


8,85 


0,55 


1847 


9,5 


0,56 


79,4 


10,78 


-1,28 


10,32 


-0,82 


18i8 


11.1 


2.16 


100,4 


11,09 


0,01 


11,37 


-0,27 


1849 


11,0 


2.06 


95,6 


10,89 


0,11 


11,05 


-0,05 


1850 


10,5 


1.5(5 


64,5 


9,59 


0,91 


9,64 


0,86 


1851 


8,9 


-0,04 


61,9 


9,48 


-0,58 


d,53 


-0,63 


1852 


8,6 


-0,34 


52,2 


9,08 


-0,48 


9,09 


-0,49 


1853 


8,7 


-0,24 


37,7 


8,48 


0,22 


'8,43 


0,27 


1854 


7,2 


-1,74 


19,2 


7,71 


-0,51 


7,60 


-0,40 


1855 


7,4 


-1,54 


6,9 


7,20 


0,20 


7,04 


0,36 


1856 


7.4 


-1,54 


4,2 


7,08 


0,32 


6,92 


0,48 


1857 


8,0 


-0,94 


21,6 


7,12 


0,88 


7,71 


0,29 


1858 


9,2 


0,26 


50.9 


8,70 


0,50 


9,03 


0,17 


1859 


11,8 


2,86 


96,4 


11,15 


0,65 


11,09 


0,71 


1860 


10,8 


1.86 


98,6 


11,26 


-0,46 


11,19 


-0,39 


1861 


10,6? 


1,66 


77,4 


10,13 


0,47 


10,23 


0,37 


1862 


8.5 


-0,4'l 


59,4 


9,1§ 


-0,65 


9,41 


-0,91 


1863 


8,2 


-0,74 


44,4 


8,25 


-0,05 


8,74 


-0,54 


1864 


7,6 


-1,34 


47,1 


8,49 


-0,89 


8,86 


-1,26 


1865 


7,4 


-1,54 


32,5 


7,70 


-0,30 


8,20 


-0,80 



*) Die mit ? bezeichneten Variationen sind unvoUsländigen 
Jahrgängen entnommen. 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 137 

Um ZU sehen, inwiefern (sich diese Variationen, 
deren mittlerer Werth m = 8,94 ist, durch die Formel 

t' = a -j- 6. r 

darsteilen lassen, theiite ich sie zuerst in drei Gruppen, 
und erhielt so 

V' = 6',75 + 0',0508. r füi- 1839 bis 1847 

= 6,91 + 0,0'H6. r für 1848 bis 1856 XXXXIX 

== 5,96 -f 0,0538. r für 1857 bis 1865 

und damit die in der Tafel eingeschriebenen Werthe 
und Differenzen. Es geht hieraus hervor, dass sich 
auch die Berliner- Variationen im Allgemeinen ganz 
gut durch eine Scalenänderung aus den Sonnenflecken- 
Relativzahlen ableiten lassen, da 

S {v-my = 56,3272 isl. wahrend 2 (v - v')"" = 9,0561 

wird, — dass aber die Fehler der beidseitigen Beob- 
achtungen den muthmasslich regelmässigen periodi- 
schen Wechsel der Constanten a und b noch verdecken, 
und es somit zweckmässiger ist die drei Formeln 
XXXXIX, statt sie durch Einführung der Zeit zu ver- 
binden, für einstweilen durch die Eine dem ganzen 
Complex der 27 Jahre entnommene Formel 

v" = 6,73' + 0,0452. r L. 

zu ersetzen, für welche sich auch der nur wenig 
grössere Werth 

2 {v-vy = 10,4012 

ergiebt. Die aus letzterm Werthe folgende mittlere 
Abweichung 



•e> 



¥■ 



^v-^'V = o',62 
27 



zwischen Beobachtung und Rechnung ist schon absolut 
genommen nicht sehr beträchtlich, und überdiess ist 
nicht zu vergessen, dass auch die an verschiedenen 



138 Wolf, astronomische Mittheilungen. 

Orten der Erde ermittelten Variationen gar nicht son- 
derlich unter einander stimmen : Während z. B. in 
den Jahren 1841 bis 1860 die Berliner -Variationen 
durchschnittlich um 0'14 grösser als die Münchener, 
und letztere noch um r,97 grösser als die Chrislianier 
sind, so schwanken erstere Differenzen zwischen den 
Grenzen -0',8S und ^ 0',93, und Letztere zwischen 
den Grenzen + l',37 und + *2',71, und man darf 
somit wohl schliessen, dass auch ein beträchtlicher 
Theil der obigen Abweichungen auf Bechnung der 
Unsicherheit der Variationsbestimmungen zu setzen ist. 
Herr Professor B r u h n s in Leipzig machte in 
Nr. 1631 der astronomischen Nachrichten darauf auf- 
merksam, dass wenigstens im laufenden Jahrhundert 
(abgesehen von den periodischen Kometen) zur Zeit 
der Sonnenfleckenminimas weniger Kometen gefun- 
den worden seien als sonst. Eine Zusammenstellung 
der Periheldurchgange nach dem Galle'schen Ver- 
zeichnisse ergab mir jedoch ein hiemit nicht sonder- 
lich übereinstimmendes Besultat: 

Auf 198 (124) Kometen, welche die 255 (66) Jahre von 

1609 (1798) bis 186:5 beschlagen, fallen 
51 (33) auf 69 (18) fleckenarme Jahre (je das Jahr der 
Miiiimumsepoche das vorhergehende und folgende), 
oder 0,74 (1.85) per Jahr 
38 (27) auf 48 (11) ihnen folgende miltlere Jahre, oder 0,79 

(2,45) per Jahr 
45 (23) auf 69 (18) letzteren folgende fleckenreiche Jahre 
(je .das Jahr der iMaxiraumsepoche, das vorhergehende 
und folgende), oder 0,65 (1,28) per Jahr 
64 (41) ouf 69 (19) ihnen folgende milKere Jahre, oder 0,93 

(2,16) per Jahr 
also zwischen 1609 und 1863 die grösste durchschnittliche 
Zahl auf die den Sonnenfleokenmaximas folgenden Jahre, 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 



139 



ohne class ich jedoch etwa desswegen zu der vor alten 
Zeilen von M;iriiis geäusserten Ansicht zurückkehren möchte, 
es seien die Kometen von der Sonne aiisge? peile, für uns 
zuvor als Sonnenflecken sichtbare Schlacken. 

Die für die Nordkiiste von Afrika, die Südspitze 
von Italien, etc. ringförmige, für Zürich aber nur 
partifile Sonnenfinsterniss von 1867 III V6 konnte auf 
der hiesigen Sternwarte, wenn auch durch zeitweise 
Bedeckung etwas gestört, doch so ziemlich durch alle 
Piiasen verfolgt werden. Mein Assistent, Herr Wei- 
lenmann, benutzte dafür das 4füssige Fernrohr mit Ver- 
grösserung 64, während ich auf einem Schirme das 
durch den Kometensucher erzeugte Bild auffing. Da 
die Sonne fleckenfrei war, so konnten nur Anfang 
und Ende der Zeit nach bestimmt werden, und zwar 
erhielten nach minierer Zeit Zürich 

Anfang 1867 III 5, 20*^ 50'" 18' Wt-ilenraann (etwas unsicher) 
1 23 37 18 Wolf 
' • • 123 37 2't Weilenmann (gut). 

Die grösste Phase betrug nach meiner Messung 
in dem 27,0""" haltenden Sonnenbilde 22,5""", oder 
also 10,0 Sonnenzolle. — Herr Meyer, Assistent der 
nieleoi-ol. Centralanslait, beobachtete nach meinem 
Wunsche unterdessen zwei Thermometer, von denen 
das Eine im Schatten, das Andere an der Sonne hing, 
und erhielt foloende Daten: 



Zeil 


Schallen 


^onne 


Zustand 


• T»" 0-" 


— 2°,9 


— 1,6 


wo 


8»^ 45- 


— ()°,8 


4- 16,3 


he 


gh Qm 


— 0°.4 


+ 8,8 


wo 


9» 15'» 


-f 0",2 


+ 13,3 


he 


9'' 30" 


+ 0°,5 


f 8,6 


va 



140 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 



Zeit 


Schalten 


Sonne 


Zustand 


gh 45m 


— 0°,2 


+ 4,8 


wo 


IQV» 0™ 


— 0°/t 


-f 4,5 


he 


lOh IS" 


— 0^,4 


4 4,3 


wo 


lO*» 30° 


— 0°,4 


-t- 4,4 


he 


lO'-^ 45-" 


— 0°,4 


+ 2,4 


\Vo 


11" 0™ 


— 0°,4 


-1 7,9 


wo 


Ijh 15m 


— 0°,0 


+ 8,8 


he 


11" 30» 


-f 00,4 


+ 18,3 


he 


Ih Qm 


+ 1°,1 


+ 20,3 


he 



WO in der letzten Zeile der Zustand des Himmels 
gegen die Sonne hin durch die Ahkürzungen: he hell, 
WO wolkig-, va variabel, angedeutet ist. Diese Beob- 
achtungsreihe litt natürlich unter der Ungunst der 
Witterung; aber dennoch zeigen namentlich die an 
der Sonne bei he erhaltenen Zahlen den Gang der 
Sonnenbedeckung sehr deutlich. 

Zum Schlüsse lasse ich noch eine Fortsetzung 
der Sonnenfleckenliteratur folgen: 

239) Wochenschrift für Astronomie, etc., heraus- 
gegeben von Professor Heis in Münster. Jahrg. 1866 
bis lb67. (Fortsetzung zu 225) 

Herr Weber in Peckeloh hat in Forlsetzung seiner Be- 
obachlunosreihen im Jahre 1866 folgende Zähiunoen erhalten: 



1866. 



1866. 



1866. 



1866. 



1866. 



- 9 

- 12 

- 13 



2 56 


I 16 


2.29 


I 29 


1.3 


11 10 


2.10 


3.19 


- 17 


2.35 


- ' 30 


1.9 


- 11 


4.18 


3.18 


- 19 


2.37 


- 31 


1.11 


- 13 


4 23 


3.17 


- 20 


245 


11 3 


1.16 


- 14 


3.41 


3.11 


- 22 


1.11 


- 4 


2.14 


- 15 


3 45 


2.5 


- 23 


1.12 


- 5 


3.21 


- 18 


2.104 


1.47 


- 24 


2.5 


- 6 


3.18 


- 19 


2.101 


1.34 


- 27 


0.0 


- 8 


2.14 


- 20 


2.119 


2.35 


- 28 


1.2 


- 9 


1.7 


- 22 


2.47 



I 24 


1.7 


- 25 


0.0 


- 26 


0.0 


- 27 


1.7 


- 28 


2.11 


11 1 


2.14 


- 2 


2.9 


- 3 


1.2 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 



141 



1866. 



1866. 



1866. 



1866. 



1866. 



1 1 


IV 26 


1.36 1 


VI 13 


0.0 1 


VII 29 0.0 


1X16 


0.0 


1.1 


- 27 1,27 


- 14 0.0 


- 30 0.0 


- 17 


0.0 


1.1 


- 28 1.13 


- 15 0.0 


- 31 0.0 


- 18 


0.0 


1.1 


- 29 


- 16 1.5 


VIII 1 


- 19 


1.1 


1,1 


- 30 0.0 


- 17 1.21 


- 2 0.0 


- 20 


1.1 


2.4 


V li 0.0 


- 18 1.17 


- 3 0.0 


- 2li 


1.1 


2.7 


- 2 0.0 


- 19' 1.9 


- 4 0.0 


- 22] 


1.1 


3.13 


- 3 


0.0 


- 20 1.7 


- 5; 1.17 


- 23 


1.1 


3.11 


- * 


0.0 


- 2li 1.5 


- 6 1.19 


- 24 


1.1 


2.7 


- 5' 


0.0 


- 22 2.6 


- 7, 1.38 


- 25 


1.1 


2.5 


- 6 


0.0 


- 23 2.13 


- 8 1,33 


- 26i 


1.1 


2.4 


- 7 





- 24 2.15 


- 9 1.13 


- 27S 


1.1 


2.9 


- 8 0.0 1 


- 25 1.14 


- 10 1.8 


- 28 


1.1 


3.6 


- 9 


2.11 


- 26 1.7 


- 11 1.9 


- 29 


2,13 


2.17 


- 10 


2.17 


- 27 


0.0 


- 13 1.1 


- 30 


2.9 


3.37 


- 11 


1.39 


- 28 


1.1 


- 14 1.1 


X 1 


211 


3.30 


- 12 


1.47 


- 29 


2.11 


- 15 0.0 


- 2 


1.8 


2.27 


- 13 


1.51 


- 30 


2.21 


- 16 1.16 


- 3 


1.7 


2.31 


- 15 


1.23 


VII 1 


2.19 


- 17 1,25 


- 4 


1.5 


2.15 


- 16 


1.15 


- 2 


2.15 


- 18 1.21 


- 5 


1.3 


3.13 


- 17 


2.9 


- 3 


2.14 


- 21 1,9 


- 6 


1.3 


2.— 


- 18 


1.10 


- 4 


2.10 


- 22 1.11 


- 7 


1.2 


1.1 


- 20 


2.7 


- 5 


2.9 


- 23 2.3 


- 8 


0.0 


1.3 


- 21 


2.6 


- 6 


1.4 


- 24 2.3 


- 9 


00 


1.7 


- 22 


1.1 


- 7 


1.1 


- 25 1.1 


- 10 


0.0 


1.16 


- 23 


1.1 


- 8 


1.1 


- 26 1.1 


- U 


0.0 


1.9 


- 24 


1.1 


- 9 


1.1 


- 27 1.1 


- 12 0.0 


2 2 


- 25 


1.1 


- 10 


1.1 


- 28 1.1 


- 13 0.0 


2.7 


- 26 1.1 


- 11 


1.1 


- 29, 1.1 


- 15; 1.1 


2.9 


- 27 1.2 


- 12 1.1 


- 30 1.1 


- 16 2.2 


2.7 


- 28' 1.2 


- 13 1.1 


- 311 1.1 


- 17 


3.5 


2.6 


- 29 1.2 


- 14' 1.1 


IX 1 1.2 


- 18 


3.5 


3.15 


- 30 12 


- 15 1.1 


- 2 1.1 


- 19 


2.3 


2.13 


- 3l! 1.2 


- 16 1.1 


- 3 1.1 


- 20 


3.11 


2.15 


VI 1] 2.5 


- 17; 1.6 


- 4' 1.1 


- 21 


3.10 


2.14 


- 2, 1.9 


- 181 »-3 


- 5: 0.0 


- 22 


3.5 


2 15 


- 3 1.19 


- 19 1.1 


- 6 0.0 


- 25 


1.1 


2.11 


- 4 1.14 


- 20 1.2 


- 7 0.0 


- 26 


1.1 


1.21 


- 5' 1.19 


- 21 1.1 


- 8 0.0 


- 27 


1.1 


1.23 


- 6; 1,15 


- 22 1.1 


- 9 0.0 


- 28 


1.1 


1.7 


- 7{ 1.13 


- 23 0.0 


- 10 00 


- 29 


2.7 


1.3 


- 8' 1.23 


- 24 


0.0 


- U' 


- 31 


1.8 


2.3 


- 9. 1.11 


- 25 





- 12 0.0 


XI 1 


1.7 


2.14 


- 10 1.6 


- 26 


0.0 


- 13 0.0 


- 4 


0.0 


1.23 


- 11 


I ^-1 


- 27 


0.0 


- 14 


- 5 


0.0 


1.31 


- 12 


i 1.1 


- 28 


' 0.0 


- 15| 0.0 


- 6 


0.0 



XU. 8. 



10 



14*2 



Wolf, astronomische Mittbeilungen. 



1866. 



1866. 



1866. 



1866. 



XI 7 
8 

- 9 

- 10 

- 12 

- 13 

- 14 

- 15 



0.0 


XI 17 


0.0 


XI 30 


1.1 


XII 11 


0.0 


XII 22 


0.0 


- 18 


1.1 


XII 1 


0.0 


- 13 


00 


- 23 


0.0 


- 19 


2.2 


- 2 


0.0 


- li 


0.0 


- 28 


0.0 


- 20 


2.2 


- 3 


0.0 


- 15 


0.0 


- 29 


0.0 


- 22 


2.3 


6 


0.0 


- 17 


0.0 


- 30 


0.0 


- 23 


2.5 


7 


0.0 


- 18 


0.0 


- 31 


0.0 


- 26 


1.7 


- 8 


0.0 


- 19 


0.0 




0.0 


- 28 


1.3 


- 9 


0.0 


- 20 


0.0 




0.0 


- 29 


1.1 


- 10 


0.0 


- 21 


0.0 





1866. 



0.0 
1.7 
1.7 
1.6 
0.0 



240) Sonnenfleckeii-Beobachtungen von Gottfried, 
Christfried, Cliristine und Margaretlia Kirch aus den 
Jahren 1700 bis 1748, und von Bode ans den Jahren 
1774 bis 1821. 

Herr Professor Schönfeld in Mannheim halle im vorigen 
Jahre die grosse Güte, die ihm von Herrn Professor Förster 
in Berlin zur Durchsicht anvertrauten Beobachtungsbücher der 
Kirch und Bode theils selbst für mich in Beziehung auf Sonnen- 
flecken-Beobachtungen auszuheulen, theils mir zum Auszuge 
zu übersenden. Es ging hieraus folgende höchst wichtige 
Beobachtungsreihe hervor , in der Fl eine nicht genau be- 
stimmte, wohl aber nicht sehr grosse Anzahl von Flecken, 
F12 eine sehr grosse Anzahl andeulet, während von den Zahlen 
nach von mir fortwährend befolgter Regel die erste die Anzahl 
der vorhandenen Gruppen, die zweite aber die Anzahl der in 
ihnen gezählten Flecken bezeichnet: 



1700. 

XII 12 
- 311 Fl. 



1701. 



I 21 

XI 26 

XII 13 



Fl. 
0.0 
0.0 



1704:. 



13| 



23 

Fl. 



1704. 



1704. 



1704. 



I 15 


Fl. 


II 


4 


Fl. 


IV 8 


0.0 


VII 9 


- 16 


» 


- 


5 


0.0 


V 9 


0.0 


- 10 


- 22 


00 


- 


9 


0.0 


- 12 


Fl. 


X 14 


- 23 


0.0 


- 


11 


Fl. 


- 13 


» 


- 15 


- 24 


0.0 


_ 


12 


)) 


- 14 


0.0 


- 16 


- 25 


Fl. 


- 


15 


)) 


- 17 


0.0 


- 20 


- 20 


)) 


- 


17 


00 


- 18 


0.0 


- 2! 


- 27 


» 


- 


27 


(1.0 


VI 8 


0.0 


- 31 


- 28 


» 


- 


28 


0.0 


- 23 


Fl. 


XI 4 


II 1 


» 


III 


1 


00 


VII 21 


0.0 


- 5 


- 2 


» 


- 


18 


Fl. 




- 7 


- 3 


» 


- 


20 


» 






- 11 



1705. 

~F\. 



0.0 
0.0 
0.0 
0.0 
Fl. 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 



143 



1705. 



1709. 



1707. 



1707. 



1709. 



XI 12 


Fl. 


11 


18 


0.0 


V 


11 


0.0 


XII 16 


Fl. 


III 


1 


0.0 


XII 1 


0.0 


- 


19 


0.0 


- 


12 


0.0 


- 


17 


» 


- 


2 


0.0 


- 8 


0.0 


- 


23 


0.0 


- 


19 


0.0 


- 


20 


» 


_ 


3 


0.0 






- 


24 


0.0 


- 


26 


0.0 


- 


21 


0.0 


- 


4 


0.0 


17 


06. 


- 


25 


1.4 


VI 


6 


0.0 








- 


5 


0.0 






- 


26 


Fl. 


- 


16 


0.0 




170S. 


- 


7 


0.0 


I 1 


00 


III 


1 





- 


20 


0.0 


-_ 




1 


- 


15 


0.0 


- 29 


0.0 


- 


2 


» 


_ 


21 


0.0 


I 


9 


0.0 


_ 


20 


0.0 


II 4 


0.0 


_ 


4 


» 


_ 


29 


0.0 


IX 


11 


Fl. 


— 


24 


0.0 


IV 2 


0.0 


- 


6 


)) 


VI! 


2 


0.0 


XI 


29 


» 


_ 


25 


0.0 


- 3 


0.0 


- 


7 


» 


_ 


3 


0.0 


- 


30 


» 


_ 


31 


0.0 


VI 19 


1.3 


- 


10 


0.0 


- 


19 


1.1 


XI 


1 


» 


IV 


6 


0.0 


- 29 


0.0 


- 


14 


0.0 


- 


20 


0.0 


- 


2 


» 


- 


8 


0.0 


V1125 


0.0 


- 


17 


1.3 


- 


21 


0.0 


_ 


12 


0.0 


_ 


9 


0.0 


Vlll 5 


0.0 


- 


18 


Fl. 


VIII 5 


0.0 


- 


19 


0.0 


- 


10 


0.0 


- 13 


0.0 


- 


19 


» 


- 


12 


0.0 


_ 


22 


0.0 


- 


11 


0.0 


- 29 


0.0 


- 


20 


» 


- 


23 


0.0 


- 


27 


0.0 


- 


13 


0.0 


IX 13 


0.0 


- 


21 


» 


- 


31 


0.0 


_ 


31 


0.0 


_ 


14 


0.0 


X 11 


0.0 


- 


22 


» 


IX 


27 


1.1 








- 


16 


0.0 


- 13 


00 


- 


24 


» 


- 


28 


Fl. 




17( 


09. 


- 


19 


0.0 


XI 2 


0.0 


- 


29 


» 


_ 


29 


» 


,-_ 






_ 


21 


0.0 


XII 11 


1.5 


- 


30 


» 


- 


30 


» 


I 


6 


^ 


_ 


22 


0.0 


- 12 


Fl. 


IV 


1 


» 


X 


1 


» 


- 


7 


» 


_ 


26 


0.0 


- 13 


1.7 


- 


3 


0.0 


- 


3 


» 


- 


9 


» 


_ 


30 


0.0 


- 14 


Fi. 


- 


4 


0.0 


_ 


4 


» 


- 


10 


» 


V 


1 


0.0 


- 16 


)) 


- 


7 


0.0 


- 


5 


» 


- 


11 


0.0 


_ 


2 


0.0 


- 17 


» 


- 


8 


0.0 


_ 


6 


» 


- 


19 


0.0 


_ 


4 


0.0 


- 31 


0.0 


- 


9 


0.0 


- 


8 


» 


- 


22 


0.0 


_ 


7 


0.0 






- 


11 


0.0 


- 


10 


0.0 


- 


25 





_ 


9 


0.0 


17 


07. 


- 


12 


0.0 


- 


20 


0.0 


- 


26 


Fl. 


_ 


10 


0.0 






- 


14 


0.0 


_ 


2i 


0.0 


- 


27 


)) 


_ 


13 


(»0 


I 3 


0.0 


- 


20 


0.0 


- 


22 


0.0 


- 


28 


» 


_ 


15 


0.0 


7 


0.0 


- 


21 


0.0 


- 


24 


0.0 


- 


29 


» 


— 


19 


0.0 


- 10 





- 


22 


0.0 


- 


25 





- 


30 


» 


- 


20 


0.0 


- 21 


0.0 


- 


23 


0.0 


_ 


27 


0.0 


- 


31 


)) 


_ 


25 


0.0 


- 27 


1.1 


- 


24 


0.0 


- 


29 





II 


3 


)) 


_ 


27 


0.0 


- 28 


1.4 


- 


25 


00 


XI 


1 


0.0 


- 


5 


» 


_ 


31 


0.0 


- 29 


0.0 


- 


26 


0.0 


- 


14 


Fl. 


- 


6 


» 


VI 


2 


0.0 


- 30 


0.0 


- 


28 


0.0 


- 


19 


» 


- 


9 


0.0 


_ 


6 


0.0 


II 1 


0.0 


- 


29 





_ 


26 


» 


- 


12 


o;o 


_ 


11 


0.0 


2 


0.0 


- 


30 


0.0 


_ 


30 


)) 


- 


17 


0.0 


_ 


13 


0.0 


3 


00 


V 


1 


00 


Xll 


1 


» 


- 


20 


0.0 


_ 


16 


0.0 


6 


0.0 


- 


4 


0.0 


_ 


2 


» 


_ 


23 


0.0 


- 


20 


0.0 


- U 


0.0 


- 


5 


0.0 


- 


4 


)) 


- 


2'1 


0.0 


- 


23 


0.0 


- 15 


0.0 


- 


6 


0.0 


_ 


14 


» 


- 


25 


0.0 


_ 


28 


0.0 


- 17 


0.0 


- 


10 


0.0 


- 


15 


» 


- 


28 


0.0 


VII 


4 


0.0 



144 



Wolf, astronomische Mittheilun^en. 



1709. 



1709. 



1714. 



1716. 



1716. 



VIll 



Villi 

- 12 

- 13 

- 18 

- 21 

- 23 

- 26 

- 30 
31 

4 

6 

8 

9 

12 

17 

18 

20 

21 

22 

23 

24 

25 

26 

27 

28 

29 

30 

31 

1 

5 

6 

11 

12 

14 

15 

17 

18 

24 

27 

4 

7 

11 

15 

19 

21 

28 



IX 



X 



0.0 


X 29 


0.0 


V 1 


0.0 


I 29 


0.0 


XI 5 


0.0 


- 5 


0.0 


- 30 


00 


- 8 


1.1 


- 25 


00 


11 1 


0.0 


- 10 


1.1 


VI 2 


0.0 


2 


0.0 


- 12 


1.1 


- 3 


0.0 


4 


0.0 


- 14 


1.3 


- 24 


0.0 


7 


0.0 


- 16 


Fl. 


- 26 


0.0 


- 8 


0.0 


- 17 


» 


VII 7 


0.0 


- 10 


0.0 


- 22 


0.0 


- 11 


0.0 


- 17 


0.0 


- 27 


0.0 


- 21 


0.0 


- 18 


0.0 


XII 3 


0.0 


VIll 9 


0.0 


- 20 


0.0 


- 5 


0.0 


- 20 


0.0 


- 22 


0.0 


- 7 


0.0 


- 23 


22 


- 23 


0.0 


- 9 


0.0 


- 24 


22 


- 24 


00 


- 20 


0.0 


- 27 


1.1 


- 25 


0.0 






- 28 


1.1 


- 27 


1.5 

Fl. 


17 


13. 


- 29 
IX 14 


1.1 
0.0 


- 28 

- 29 


» 


V 18 


1.3 


X 16 


0.0 


III 1 


» 


- 19 


Fl. 






- 2 


» 


- 20 

- 21 


» 


1715. 


- 5 

- 9 


» 


- 22 


» 


V 2 


Fl. 


- 17 


» 


- 23 


» 


- 3 


» 


- 22 


0.0 


- 24 


» 


- 5 


» 


- 25 


0.0 


- 25 


» 


- 18 


» 


- 31 





- 26 


» 


VII 7 


» 


IV 6 


0.0 


- 28 


0.0 


- 9 


» 


- 8 


0.0 


vn26 


0.0 


- 10 


)) 


- 9 


0.0 


V1II22 


0.0 


- 11 


» 


- 10 


0.0 


IX 4 


0.0 


V11116 


» 


- 11 


0.0 


X 14 


0.0 


IX 14 


» 


- 12 


0.0 


- 25 


0.0 


X 7 


» 


- 13 


0.0 


XI 12 


0.0 


- 31 


» 


- 14 


0.0 


- 20 


0.0 


XI 2 


» 


- 15 


0.0 


- 23 


0.0 


- 6 


» 


- 17 


0.0 


XII 9 


0.0 






- 18 


0.0 
0.0 
0.0 


17 


14. 


17 


16. 


- 20 

- 21 

- 22 


I 9 


TT^ 


0.0 


I 30 


00 


- 10 


» 


- 23 


0.0 


II 10 


0.0 


- 11 


» 


- 24 


0.0 


III 15 


0.0 


- 13 


» 


- 25 


1.2 


- 28 


0.0 


- 14 


» 


- 26 


1.2 


IV 6 


0.0 


- 25 


0.0 


- 27 


0.0 


- 26 


0.0 


- 27 


0.0 


V 8 



Fl. 


V 


9 


- 


- 


11 


2.3 


- 


12 


2.3 


- 


13 


1.3 


- 


14 


1.3 


- 


15 


1.1 


- 


16 


1.1 


- 


17 


0.0 


_ 


18 


0.0 


- 


19 


1.7 


- 


20 


1.7 


- 


21 


1.6 


- 


23 


1.5 


- 


24 


0.0 


- 


25 


0.0 


- 


26 


0.0 


- 


27 


0.0 


_ 


28 


0.0 


VI 


2 


1.1 


- 


3 


Fl. 


- 


5 


1.1 


- 


6 


2.2 


- 


7 


0.0 


- 


8 


0.0 


- 


9 


00 


_ 


10 


Fl. 


_ 


11 


3.9 


- 


14 


3.7 


- 


17 


Fl. 


- 


22 


» 


_ 


25 


» 


- 


26 


» 


- 


29 


» 


_ 


30 


2.2 


Vll i| 


Fl. 


- 


2 


» 


- 


5 


» 


- 


6 


» 


_ 


7 


2,6 


- 


9 


3.5 


- 


10 


2.4 


- 


12 


2.4 


- 


13 


1.1 


- 


14 


1.1 


- 


15 


0.0 


- 


181 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 



145 



1916. 



1716. 



1»1». 



1719. 



1780. 



VII 18 


Fl. 


XI 


22 


3.5 


IV 


22 


2.5 


IX 


7 


Fl. 


X 22 


0.0 


- 20 


» 


_ 


24 


2 2 


_ 


23 


2.7 


- 


11 


» 


- 23 


1.2 


- 22 


» 


XI 


5 


Fl. 


- 


25 


Fl. 


_ 


15 


» 


XI 1 


Fl 


- 23 


» 


- 


7 


0.0 


- 


26 


» 


- 


25 


u 




- 24 


» 


_ 


8 


0.0 


- 


27 


» 


_ 


28 


» 


17«1. 


- 25 


)) 


_ 


21 


Fl. 


_ 


28 


4.12 


X 


4 


» 


- 27 


» 


_ 


23 


» 


V 


1 


Fl. 


- 


13 


2.6 


1 24 


0.0 


- 29 


)) 


- 


24 


0.0 


- 


3 


» 


- 


15 


Fl. 


- 25 


1.1 


- 30 


» 






- 


5 


» 


- 


18 


11 


11 20 


6.11 


VIII 1 


0.0 




1717. 


- 


7 


» 


- 


20 


22 


- 21 


4.11 


- 4 


0.0 






- 


8 


» 


- 


21 


2.5 


111 23 


Fl. 


- 17 


1.2 


p 


~17 ^ 


0.0 


- 


9 


» 


- 


22 


Fl. 


VI 20 


0.0 


- 20 


1.3 


- 


25 


Fl. 


- 


11 


2.4 


XI 


3 


3.3 


VII 13 


Fl. 


- 23 


2.2 


- 


26 


25 


- 


13 


Fl. 


- 


4 


Fl. 


- 30 


» 


- 25 Fl. 1 


11 


2 


Fl. 


- 


17 


» 


- 


7 


» 


V1112 


» 


- 26 


)) 


- 


3 


» 


- 


18 


2.2 


- 


8 


» 


- 12 


» 


- 29 


3.14 


- 


4 


2.7 


- 


19 


Fl. 


- 


9 


» 


XI 30 


0.0 


- 30 


Fl. 


- 


7 


2.2 


- 


21 


» 


- 


14 





XII 9 


1.1 


- 31 


FP. 


- 


8 


1.3 


- 


22 


» 


- 


21 


4.7 


- 15 


0.0 


IX 1 


» 


- 


9 


1.2 


- 


27 


)) 


- 


22 3.7 


- 19 





- 2 


4.17 


- 


11 


0.0 


- 


28 


» 


- 


26 Fl. 


- 30 


0.0 


- 4 


Fl. 


- 


17 


2.7 


- 


29 


)) 


XI 


2 1.1 


- 31 


0.0 


- 5 


» 


- 


18 


Fl. 


VI 


2 


» 


- 


10 2.2 






- 6 


» 


_ 


19 


» 


_ 


4 


» 


_ 


13 Fl. 




- 7 


» 


_ 


23 


» 


_ 


8 


» 


_ 


17 » 


17««. 


X 9 


» 


111 


3 


» 


- 


10 


» 


- 


18 


4.6 


[ OJr O 9 


- 10 


» 


- 


4 


2.3 


- 


13 


» 


- 


19 


Fl. 


- 29 


1.3 


- 11 

- 12 


2.4 

Fl. 


~ 


25 0.0 
28 2.2 


~ 


15 
16 


» 
» 




1719. 


111 1 
4 


0.0 
0.0 


- 13 ,) 


- 


29 Fl. 


- 


18 


» 


— 




- 18 

- 22 
IV 8 


Fl. 


- 16 » 

- 19 0.0 


IV 


30 
l 


5.7 
4.14 


_ 


19 
22 


» 
0.0 


VI 1301 Fl. 


» 
0.0 


- 26 1.1 


~ 


2 


4.14 


- 


30 


1.1 




1720. 


- 14 


Fl. 


- 27 1.2 


~ 


3 
4 


Fl. 

» 


Vll 6 

- 8 


22 

1.1 






- 20 
V 2 

VI1120 




- 28 0.0 


u 


10 


Fl. 


» 


XI IFI. 


- 


5 


» 


- 


9 


1.2 


- 


26 


- 


)) 

» 


- 2 » 

- 3 » 


"* 


6 
9 


» 
» 


~" 


10 
13 


1.2 

Fl. 


: 


27 

28 


: 


IX 7 

- 8 

- 11 


» 


- 4 » 


- 


10 


» 


VIII 6 


)) 


111 


2 


- 


)) 

» 


- 5 » 


- 


11 


» 


- 


9 


« 


- 


3 


- 


XI 22 


» 


- 6 » 

- 8 » 


— 


12 
15 


» 


~ 


12 
13 


» 

i >' 


V 


4 

7 


2.8 


XII 8 


» 


9 » 


- 


17 


1.1 


_ 


17 


» 


- 


8 


2.3 




- lo' » 


- 


19 


0.0 


- 


23 


» 


- 


9 


22 


17 «3. 


- 11 » 


_ 


20 


1.1 


_ 


26 


)) 


- 


10 


1,1 




- 15 


,0.0 


- 


21 


2.2 


- 


29 


» 


- 


11 


1.1 


XI 27 


|F1. 



146 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 



1?S4. 



1796. 



- 11 

- 16 
VI 11 

- 12 

- 14 



1.2 
1.2 
1.2 
1.4 
Fl. 
» 
0.0 



1735. 



II 9 

- 10 

- 13 

- 14 

III 31 

IV 1 
VI 8 
VIII22 

- 24 

- 29 
IX 24 

- 26 



Fl. 



0.0 
Fl. 
» 



1736. 

TT 

» 

Fi. 



I 


10 


II 


8 


III 


6 


- 


7 


- 


8 


- 


15 


- 


16 


- 


20 


- 


27 


- 


28 


IV 


27 


_ 


29 


V 


5 


VI 


8 


IX 


12 


- 


13 


- 


2t 


- 


29 


X 


1 


- 


6 


- 


14 



X 24 

XI 1 

- 27 

XII 15 

- 19 



FP. 
Fl. 



17S7. 

f^^il 3.3 
173S. 

"TT 

Fil 
Fl. 



FP. 
Fl. 



1739. 

"fT 



I 


4 


_ 


28 


II 


4 


- 


13 


III 


12 


VII 


Kl 


XII 


30 



l 


18 


II 


4 


_ 


7 


III 


2 


_ 


4 


V 


30 


IX 


5 


XII 


4 


_ 


J5 


- 


27 



FP 



1730. 



I 


8 


- 


17 


- 


26 


II 


3 


- 


9 


- 


16 


- 


17 


_ 


19 


III 


12 


- 


20 


_ 


22 


IV 


11 



FP, 
FI. 



1730. 

IV~lVFI. 
IX 21 » 
XII ll| » 

1733. 

iiT^fT' 

IX 170.0 
1735. 

li' 1^ 

- 8i .) 
IX 14| » 

1736. 



1748. 



III 22 

- 2'l 

- 25 

IV 16 

V 19 

VI 7 

- 12 

- 18 

- 21 

- 22 

VII 7 

VIII 4 

- 28 

IX 23 
XII 31 



3.12 

5.17 

Fl. 

4.17 

3.10 

4.40 

Fl. 



FP. 
3.12 
Fl. 
» 
3.35 



1737. 

iii^iTT 

V 28| » 
1738. 

r i2|TR 

V 30| Fl. 
1739. 

vi~rFr 

Vlll 4l FP. 




177i 



I 


15 


II 


16 


- 


23 


XI 


10 


- 


17 



1.6 
0.0 
0.0 
Fl. 
0.0 



1776. 

i'^iTi^ 

1777. 

VI 1| 5.35 

1778. 

VI 24 Fl. 
XI 4 Fl''. 

1779. 

viTTslpr"^ 

- 29 » 

1781. 

1 161 FP. 

1783. 

vTriTpFT 



1786. 

!V 41 Fl. 
XI 261 FI''. 

1788. 

VI 4| 7.39 

1789. 

iiriTTP 

XII 26 7.54 

1791. 

IV 3|5. 15 

1793. 

ix^To' 

- 5 0.0 
1794. 

v^TT^ 

- 20 4.11 
1795. 

vlüTiTT" 

1799. 

V 6| 0.0 
1803. 

XI 8| 3.8 
1806. 

VI 16 0.0 

- 25, Fl. 

IX 25! ,, 

1811. 

viiTT^Tö 

X 12; 1.1 

- 17 0.0 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 



147 



1813. 



1814. 



1815. 



1816. 



1819. 



I 3 


Fl. 


VI 6 


Fl. 


VI 11 2.5 


Fl. 


- 19 


Fl. 


V 23 Fl. 


6 


» 


Vil 17 


» 


IX 


1 


0.0 


- 25 » 


VI 18 4.11 


- 22 


0.0 


VIII 24 


0.0 


- 


27 


3.12 




XI 18 Fl. 


VIII 6 


2.5 


XII 1 


Fl. 


- 


30 


Fl. 


181-?. 




XIIl!) 


Fl. 






X 


4 


)) 




1830. 


- 20 


3 6 


18 


15. 


- 


6 


)j 


111 10 "■ 


IM. 




- 24 


Fl. 
13. 








1816. 


- 19 

V 8 

VI 17 

- 18 


)) 


Villl7 Fl. 


18 


II 1 
V 30 


Fl. 

» 


IX 7 00 




VI 10 


») 


iv" 


2 


Fi. 


» 


1831. 


II 2 


Fl. 


- 11 


» 


- 


3 


» 


- 20 


)■) 




- 7 


» 


- 10 


)) 


_ 


4 


» 


- 24 


Fl. 


I 3 1.1 


VI 24 


); 


- 18 


» 


- 


6 


Fl^. 


XII 1.5 


1.1 


- 8 Fl. 


- 27 


» 


- 19 


» 


_ 


7 


.5.18 




X 1 .. 


VII 28 




- 27 

- 29 


Fi'''. 


- 


11 
29 


Fl'^ 
Fl. 


1818. 




IX 23 


11 131 4.20 


18SS. 


- 27 


3.13 


- 3« 


» 


X 


4 


5.33 


X 241 Fl. 






VII 3 


F|2. 


- 


10 


Fl^. 


VII 23| 1.1 


1814. 


- 4 

_ X 


» 


- 


17 
27 


Fi. 


1819. 




IV 20 


Fl. 


o 

- 17 


Fl. 


XI 


12 


» 


I 13 


Fl. 





Von besondeni Benieikungon inng noch Folgendes bei- 
gelügt werden: 1700 XII 31 l'and Gollf;-. Kirch »zwei schöne, 
grosse und deutliche i\hiculen in dor Sonne, dergleichen wir 
in vielen .lahren nicht gehabt haben. « — Die Beobachtung von 
1706 XII 13 ist von dein damals 12jährigen (]hrislfried Kirch 
gemacht. — Bei der Beobachtung von 1707 II 25 sagt (ioltfried 
Kirch, dass seine Kinder » Chrislfried und Chrislinchen « die 
Flecken aufgefunden, — die von 1707 III 17 seine »Ehefrau« 
JVIargai'elha, von der auch die meisten der in den Jahren 1713 
und 1714 gemachten Beobachtungen herrühren.*) — 1707 X 29 



*) Der Beobachtung von U 2.5 fügt Gottfried bei: »Wenn ich 
setze, dass sich die Maculen durch den Wind auf der Sonne in 
einer Revolution 3 oder 4 Tage haben zurüclitreiben lassen, so sind 
es eben diejenigen, welche wir ain 28. Jan. observirt haben, dass 
sie aber am 1. Febr nicht erschienen, mag Ursache sein, dass die 
Brand oder l'euer speienden Berge damals nicht so einen dicken' 
Rauch gegeben haben.« 



148 Wolf, astronomische Mittheilungen. 

findet sich der komische Schreibfehler: »Um 12 zu Mitlag die 
Perpendikel-Uhr durch den lOschUhigen Tubum besehen, und 
rein befunden.« — Die Beobachtungen von 1716 und folgenden 
Jahren sind fast ausschliesslich von Christfried gemacht, der 
1716 IV 21 beiläufig bemerkt: » Nachmittags war der Czaar über 
2 Stunden auf Herrn Langens Observatorio, da er die Maculas 
mit grosser attention belrachlete.« — 1716 V 8 bemerkt Christ- 
fried , er habe »die Sonne besehen und rein befunden, auch 
sonsten in vorigen Tagen dann und wann die Sonne besehen, 
aber nie nichts gefunden.« — 1716 VIII 31 sagt er: die Sonne 
war so voller Maculas, als ich mein Leblage weder gesehen 
noch gehöret«; er war aber damals erst 22 Jahre alt, und hatte 
in der Thal nocli kein ordentliches Max. erlebt, da das von 
1705 nach allen Berichten gar nicht bedeutend war. — 1717 XI 9 
sah Christfried einen Flecken von freiem Auge. — Vom Juli 1725 
sagt er: »Ich habe in diesem Monat dann und wann die Sonne 
besehen und niemals Maculen darinn gefunden.« — 1726 XII 15 
sah Kirch von freiem Auge durch ein beräuchertes Glas zwei 
Flecke auf der Sonne. — 1730 II 9 sah er ausser mehreren 
andern Flecken »eine extraordinär grosse Macul, dergleichen 
ich mich nicht besinne sjonst gesehen zu haben.« — 1736 sagt 
Kirch: »Im Januario habe ein paar Mal die Sonne besehen 
und Maculen darin gefunden. Einmal aber fand ich keine 
darin.» — Die Beobachtungen von 1720 V 7, 8, 9, 10. 11 ; 1721 
II 20, 21 ; 1736 III 22, 24, IV 16, V 19, VI 7, VIII 4 und XII 31 
sind von J. G, Schütz, muthmasslich einem Gehülfen oder 
Schüler von Kirch, gemacht. — 1738 I 12 sagt Kirch: »Nach- 
mittags gegen 2 Uhr besähe ich die Sonne durch verschiedene 
Tubos, und fand sehr viele Maculen in derselben, in solcher 
Menge als ich nicht leicht in derselben gesehen . ausser im 
November des vorhergehenden 1737 Jahrs, da ich auch unge- 
wöhnlich viele Maculen in der Sonne gesehen. « — 1778 XI 4 
saglBode: »Um 2 U. Nachmill. belrachlete ich die Sonne, und 
fand mit Erstaunen so viele Flecke als ich niemals auf der- 
selben gesehen habe. Ich konnte an 30 Häuflein zählen , die 
alle verschiedene grosse und kleine Flecke in sich schlössen. 
Auch zeigten sie sich überall auf der Sonnenscheibe und nicht 
etwa nur längst der Lage ihres Aequalors, sondern bei ihren 
Polen herum waren srosse Haufen zu sehen.« Das Max. von 



Wolf, astronomische Mittheilungen. |49 

1778/1779 scheint in der That das bedeutendste im vorigen 
Jahrhundert, und musste Bode, der damals erst 31 Jahre alt 
war und erst wenige Jahre auf die Sonnenflecken fahndete, 
ganz besonders stark vorkomuien, so dass also der erste Theil 
seiner Bemerkung vollkommen begreiflich ist, während da- 
gegen allerdings der zweite bedenklich erscheint, und man 
wohl annehmen muss, es habe Bode zum mindesten den augen- 
blicklichen Nord- und SUdpunkt der Sonnenscheibe den wirk- 
lichen Polen des Sonnenkörpers subslituirt. — 1779 sah Bode 
in der ersten Hälfte Juli einen Sonnenflecken von ungewöhn- 
licher Grösse und, wenn die Sonne hinter Nebelgewölk stand, 
sogar von freiem Auge. - 1786 XI 26 sah Bode viele Flecken, 
und namentlich einen ziemlich grossen Flecken »so weit sud- 
ich vom Sonnenequalor, als ich selten Sonnenflecken gesehen.« 
Diese Bemerkung mag nun richtig sein, zumal der Beobach- 
tungstag etwa zwei Jahre nach einem Miniraum fällt. — 1795 
VIII 7 oder 27 sagt Bode: »Endlich einmal ein kleiner Fleck 
auf der Sonne.« Ks geht daraus, da Flaugergues in der ersten 
Hälfte 1795 und noch Mitle Juli Sonnenflecken nolirt, hervor, 
dass Bode damals nicht mehr sehr aufmerksam auf diese Er- 
scheinung war. — 1811 X 12 sagt Bode; »Der erste Sonnen- 
fleck nach drei Jahren«, während Flaugergues und Placidus 
Heinrich schon Ende Juli wiederholt Flecken sahen, aber vor- 
her allerdings seit 1809 VI 14 auch keine. — Zum Schlüsse 
verweise ich für eine erste Benutzung dieser Kirch-Bode'schen 
Beobachtungsreihen auf den Text, und füge nochmals für 
Herrn Schönfeld meinen innigen Dank bei. 

241) Hier. Schröter, Beobachtungen über die 
Sonnenfackeln und Sonnenflecken. Erfurt 1789 in 4. 

Der Vollständigkeit der Literatur wegen füge ich nach- 
träglich auch noch diese von mir schon 1852 benutzte Schrift 
an, obschon sie für meine speziellen Untersuchungen sehr 
wenig Material enthält. Es werden darin Flecken von 1786 
XI 3, 29; 1787 I 7 , 14 , 11 20 , 22 , IX 28, 30, X 1 , 5 , 7 , 19. 
XI 8, 11, XII 1; 1788 H 28, 111 5, 9, 11 besprochen und zum 
Theil abgebildet, aber leider kein einziger wirklicher Flecken- 
sland der Sonne gegeben, — man wollte denn aus einigen 



150 



Wolf, astronomische Miltheilungen, 



Beiiierkuiigen den Schluss ziehen, derselbe sei 1786 XI 7 und 
1787 Vill 30 gleich (O.ü) gewesen, vv.is aber muthinasslich erst 
noch l'ülsch wäre, da sich Schröter in denselben nur auf ein- 
zelne Theilo der Soiuie zu beziehen scheint. 

242) Sonnenneckenbeoljachlungeii in den Jahren 
!863 und 1864 von H. Waldner in iNeumünster hei 
Zürich. Mss. 

Herr VValdner hatte die Güte, rair schon vor längerer Zeit 
seine vom 22 März 1863 bis zum 24. October 1861 mit vieler 
Genauigkeit entworfenen Zeichnungen des Fleckenstandes zur 
Disposition zu stellen, und seither mir auch die Bearbeitung 
seiner mehrjährigen, schon in Nr. XVll kurz besprochenen 
Beobachtungen der in der Nähe der Sonne sichtbaren Licht- 
flocken zu übergeben. Mir vorbehaltend, in einer spätem Mit- 
theilung speziell auf letztere Arbeil einzutreten, gebe ich für 
diessinal nach Ersteren die zur Ergä'nzung meiner eigenen Be- 
obachtungen dienenden Fleckenslände. Es sind Folgende: 



1863. 



1863. 



1863. 



III 22 

IV 9 

- 10, 

- 18, 



3 6 
1.2 
2.2 
3.1(5 



- 23! 3 6 
V iV 3.12 

- 23 1.3 



VI 



2.10 



- 19 2.3 



VII 1 


2 4 


IX 3 


1.1 1 


- 2.5 


1.1 


- 14 2.2 


VIII t7 


.1.7 


- 20 


- 26 


LI 


X 27 


3.4 


- 27 


0.0 


XI 27 


2.3 


- 28 


1.1 


- 28 


1..5 


- 29 


1.1 


XII 5 


2.4 


- ;:iO 


1.1 


- 6 


2.4 


IX 2 


1.1 


-, 11 


i.2 



1863. 

xiIT2|^ 

1864. 

I 3 2 3 

II 11! 3.13 

- 13 2.4 

- 20 4.5 

III 5! 4,7 



1864 

III 12 4.13 

IV 25 1,2 

- 26 1.1 

- 27, 0.0 

- 28: 0.0 

- 29: 0.0 

- 30i 1.3 
VI 9| 2 7 



Im Mittel aus zahlreichen coirespondironden Beobachtungen 
geht iiberdiess hervor, dass der Reduclionsfactor zur Berech- 
nung der Relativzahlen für die Waldner'schen Beobachtungen 
auf etwa % gesetzt werden kann. 

243) Die Perioden der Sonnenflecken, des Polar- 
lichtes und des Erdmagnetismus. Von H. Fritz. 
(Programm der eidgenössischen polytechnischen Schule 
für das Schuljahr 1866767). 



■ä 



Wolf, astronomische Mittheiluiigen. 151 

Herr Fritz resürnirt in dieser Abhiinrlluno; zunächst in sehr 
klarer und richtiger Weise die Geschiclile der Entdeckung der 
Sonnenflecken , ihrer Periodicilät und ihres Zusaminehhanges 
mit den magnetischen Variationen, und gibt auch seiir über- 
sichthche Zusammenstellungen der von mir bestimmten und 
benutzten E[)Ochen, Relativzahlen und Variationen. L);iiin tritt 
er auf das iNordlicht ein, gibt eine hübsche üebersicht über 
das von ihm gesammelte reiche Material , durch das mein in 
Nr. V gegebener Calalog von 5700 Nordlichtern nahe auf das 
Doppelte gebracht worden ist, — theilt seine, grossenlheils in 
den Nrn. XV', XVI und XIX enlhajtenen vergleichenilen Studien 
über die Häufigkeit der SoniiPiiHecken und Nordlichter mit, — 
und fasst die erhaltenen Hauptresullate in folgendem Salze 
zusammen: »Das Nordlicht ist für das mittlere Europa eine 
periodische Erscheinung, deren Perioden einer mittlem Lät>ge 
von 55,6 (genauer 55,55) Jahren entsprechen , und welche zu 
je 4 oder 5 zusaminengruppirt die Zeiten des grössten Reich- 
thuras bestimmen. Diese 55,6jährigen Perioden zerfallen wie- 
der in untergeordnete von etwa 11,11 Jahren. Das Nordlicht 
steht in einem gewissen Zusahimenhange mit der Sonnenflecken- 
bildung, da es in d er Weise nach den gleichen Perioden vvech- 
sell, dass zur Zeit der reichsten Fleckenliildung das Noi'dlicht 
am häufigsten auftritt, und Uiugekehrt die Minima zusammen- 
fallen, und dass, während bei den Sonnenflecken die Haupl- 
maxima sich weniger auszeichnen, diess bei den Nordlichtern 
weit entschiedener der Fall ist.« Gegen den Schluss seiner 
Abhandlufig hin bespricht Herr Fritz auch nocli den alll'äliigen 
Zusammenhang der Häufigkeit des Nordlichtes mit der I8V3- 
jährigen Mondknotenperiode, auf den Höslin schon 178'1 hin- 
wies, und den später Ritler (Gilbert's Annalen der Ph\sdv 
Bd. 15 von 1803) in der Weise präcisirte, dass je alle S'/s Jahre, 
zur Zeit wo die Schiefe der Ekliptik einen niittlerh Weiih an- 
nehme, ein Maximum eintreffe. Herr Fritz findet nun nach 
seinen einschlagenden Untersuchungen, »dass die Annahme 
Ritler's durchaus nicht ohne Weiteres negirt werden dürfe,» 
und diess möchte auch ich in keiner Weise thun, sondern 
im Gegentheil darauf aufmerksam machen, tlass nicht nur 9'/3 
wenig kleiner als das von mir nachgewiesene Miiumum 9,87 
der Sonnenfleckenperiode, sondern in der Länge 55,56 der 



152 Wolf, astronomische Mittheilungen. 

grossen Sonnenfleckenperiode sehr nahe 6 Mal enthalten ist. ~ 
also Verhältnisse stall haben, an welche allerlei Belrachlungen 
angeknüpft werden könnten. — Leider war der im Programm 
für die Abhandlung verfügbare Raum zu klein . als dass Herr 
Fritz, wie er es anfänglich beabsichtigt hatte, auch noch Platz 
gefunden hätte, auf den mehr hypothetischen Theil, die Natur 
und Entstehung der Flecken, die allfälligen Einflüsse der Pla- 
neten etc. einzugehen. Um die dadurch entstandenen Lücken 
wenigstens theilweise auszufüllen, theile ich mit Erlaubniss des 
geehrten Verfassers noch folgendes Bruchstück mit, das uns 
mit einer von Herrn Fritz schon vor Jaliren (nämlich vor Mai 
1864) ausgesprochenen Idee bekannt macht, welche gewiss 
mindestens eben so viele Beachtung verdient , als manche 
andere der betreffenden Hypothesen: »Durch die Flecken- 
bewegungen zu einer Hypothese mit wolkenarligen Gebilden 
hingewiesen , und vorausgesetzt , dass man aus irdischen Be- 
obachtungen auf die Constitution der Sonne schliessen dürfe, 
Hesse sich,« sagt Herr Fritz, »unter der Annahme eines leuch- 
tenden Gentralkörpers und einer nicht vollkommen durchsich- 
tigen, gleichmässig erleuchteten Atmosphäre, welche beide 
Annahmen mit der Erfahrung, wonach die Sonne gegen den 
Rand weniger hell und warm, nicht im Widerspruche stehen, 
und mittelst periodischer Wolkenbildung, mindestens Vieles in 
der Erscheinung der Sonnenflecken erklären. Es würden, ähn- 
lich wie bei starken Nebeln, die z. B. aus dem Innern eines 
Hauses durch die Fensler hindurch beleuchteten Nebelparthieen 
als scharf begrenzte Pyramiden in die übrigen dunkeln Nebel- 
massen hineinragen , auf der Sonne die durch Gewölke be- 
schalteten äussern Parthieen der Hülle als weniger erleuchtete, 
pyramidale Massen nach Aussen, gegen uns zu, liegen, — so 
scheinbar hohle Körper bildend, deren grössere Basis auf, 
deren kleinere (von dem Ge wölke gebildete) unter der Ober- 
fläche liegend, sich uns, je nach ihrer Lage gegen die Sonnen- 
mitle hin oder näher gegen die Ränder hui , bald centrisch, 
bald excentrisch zeigen würden; es müssten. je nachdem die 
Wolken tiefer oder höher sieben, je nachdem sie selbst 
durch die elwas trübe Atmosphäre nicht, oder mehr, oder 
weniger sichtbar sind, Höfe oder Flecken oder Flecken mit 
Höfen, und bei verschiedener Stärke und Dichtigkeit der Wolken, 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 153 

die Dawes'schen Flecken erscheinen; Vereinigung, Trennung, 
Formveränderungen, Drehungen, üebereinanderschieben, ver- 
schiedene Farbenlöne Hessen sich leicht erklären ; die enormen 
Geschwindigkeiten bei Aenderung der Gestalt und Grösse liessen 
sich auf bescheidene Maasse zurückführen; die grossere Helle 
der Höfe in der Nähe der Flecken fände ihre Erklärung durch 
Näherliegen an der Lichtquelle und durch Contrasl, die Licht- 
brücken durch Spalten der Gewölke; Fackeln und Lichtadern 
entstunden durch Strömungen in der Hülle, durch rasches Heben 
der Gewölke, — und endlich müssten solche Gewölke unsichtbar 
werden, bevor sie die Ränder erreichen, und scheinbar längere 
Zeit hinter der Sonne verweilen, als auf der Vorderseile sichtbar 
sein.« Mag auch diese Hypothese noch nicht alle Schwierig- 
keiten, die wir bei jedem Versuche der Erklärung einer com- 
plicirlen Ersclieinung finden, vollständig heben, — z. ß. leichter 
die raschen Veränderungen als die zuweilen wieder beobachtete 
Monate lang dauernde Conslan^ erklären, leichter das Ver- 
schwinden gegen den Rand hin als die zuweilen gesehenen 
Einschnitte in denselben begründen , etc. , so ist doch wohl 
kaum je eine andere aufgestellt worden , welche mit so ein- 
fachen Mitteln so Vieles leistet. 

244) lieber die physische BescliafFenheit der Sonne. 
Von R. L. Meibauer" Berlin 1866 in 8. 

Enthält keine Beobachtungen , aber eine im Ganzen nicht 
üble Darstellung der verschiedenen Ansichten über die Natur 
der Sonne, so dass man bedauern rauss, nebenbei einzelne 
ganz sonderbare Aussprüche zu finden, wie z. B.: »Die Lieb- 
lingsbeschäftigung von nur Wenigen gab die stille und fleissige 
Beobachtung der Sonnenflecke ab, die übrigens zur Ge- 
winnung richtiger Anschauungen über die physi- 
sche Beschaffenheit der Sonne wenig genützt, häufig 
sogar geschadet hat.« Auch einzelne historische Bemer- 
kungen sind etwas schwach, wie z. B. die: »Ferner gewann 
der Hofrath Schwabe in Dessau aus seinen fast vierzigjährigen, 
fleissigen Beobachtungen das merkwürdige Resultat, dass die 
Anzahl der Flecke, die auf der Sonnenoberfläche erscheinen, 
nicht alljährlich dieselbe ist, sondern etwa alle 10 Jahre ein 



154 Wolf, astronomische Mittheilungen 

Maximum erreicJit, eine Beobachtung, die sich durch 
Stau (l;i eher, Flaugergues, Tevel. Adaras und Wolf 
in einer Bcoljachtungsreihe von 112 Jahren bestä- 
tigt hat, wobei sich herausstellte, dass diese Perio- 
dic i t ä t genau genommen 1 1 Vs Jahre beträgt.« Und 
das Interessanteste an der ganzen Schrift war mir die sich 
hieran anschMessende Bemerkung: »Der Versuch, d en Ver- 
schiedene, z. B. General Sabine, machten, dies mit 
i !■ g e n d welchen anderweitig vorkommenden elfjäh- 
rigen Perioden, namentlich mit dem magnetischen 
Maximum zusammenzubringen, ist als vollständig ge- 
scheitert zu betrachten. « 

245) Aus einem Schreiben des Baronet John 
HerscheJ, dalirt: Colingwood. April 21. 1867. 

Nachdem mir Herschel in sehr freundlicher Weise für die 
übersandten Mittheilungen »a most imporlant and valuable 
work which merits the gratitude of every Aslronomer« ge- 
dankt, fügt er bei: »The present spotless State of the Sun 
(now continued for several months) is I think very decisive 
of the question wether the period be (as some still conlend) 
10 years or as you liave so clearly shown 11,11. For as 1800 
was a year of Minimum, — six periods would bring a Minimum 
at 1866/67, whereas a 10 year period would place the Minimum 
at 1860 and a Maxiraum at 1865. a 



Beiträge zur qualitativen Analyse. 

Von 

Dr. V. Wartha 

Privatdocent am eidgenössischen Polytechnikuin. 



Bekannt sind die Sch\vierio[keiten, mit welchen 
die Nachweisung und Trennung derjenigen Stoffe ver- 
bunden ist, die in die sogenannte Schwefelammonium- 
grnppe gehören; so z. B. wenn Thonerde, phosphor- 



Wartha, Beiträge zur qualitativen Analyse. |55 

saure Erden und Chromoxyd neben einander vor- 
kommen, oder wenn Zink neben Chrom nachzuwei- 
sen ist, u. s. w. Ich will nun in foigendem eine 
Reihe von Versuchen angeben, die mich schliesslich 
zu einer Methode führten, mittelst welcher mit ver- 
hältnissmassig grosser Sicherheit die Nachweisung 
der obgenannten Stoße gelingt, mögen sie Alle neben- 
einander oder nur einzeln vorkommen. In die er- 
wähnte Gruppe nehme ich nur die nicht seltenen 
Stoffe auf, und zwar: Eisen, Kobalt, Nikel, Chrom, 
Mangan, Zink, Thonerde, phosphorsaure Thonerde und 
die phosphorsauern alkalischen Erden. Einen Gang, 
in welchen auch oxalsaure und borsaure Erden und 
ihre Fluorverbindungen aufgenommen sind, gebe 
ich weiter unten an. 

Nachdem man die durch Schwefelwasserstoff fäll- 
baren Metalloxyde aus der zu untersuchenden Lösung 
entfernt hat, versetzt man mit Ammoniak und Schwe- 
felammonium, erwärmt ganz gelinde und filtrirt. 

Ich unterwerfe nun den entstandenen Niederschlag 
einer Vorprüfung, und zwar mit Anwendung der 
Bunsen'schenFlammenreactionen*"'). Eine kleine Probe 
des Niederschlages wird an einem Asbeststäbchen im 
obern Oxydationsraum der nichtleuchtenden Flamme 
abgeröstet und mit Magnesium die kleinste Menge 
Phosphorsäure nachgewiesen. Ebenso weist man, 
nach vorhergegangener Reduction im Kohlenslabchen 
Eisen, Kobalt, Nikel, Chrom und Mangan nach, ver- 
sucht dann schliesslich einen Reduclionsbeschlag von 
Zink zu erzeugen, und bestätigt dies mit Koballlösung. 



") Annal. d. Ciiemie und Pharm CXXXVIII. 3. 



156 Wartha, Beiträge zur qualitativen Analyse. 

Hat man Phosphorsäure, die der oben erwähnten 
Prüfung^ mit Magnesium nie entgehen kann, gefunden, 
so kann man auf folgende Weise verfahren : 

Der Schwefelammonium - Niederschlag wird in 
conc. Salpetersäure gelöst und die Phosphorsäure 
mittelst Stanniol auf die bekannte Weise entfernt. 
Die erhaltene Lösung wird nun annähernd mit kohlen- 
sauerm Natron neutralisirt, dann essigsaures Natron 
im Ueberschuss zugesetzt, und anhaltend Schwefel- 
wasserstofFgas eingeleitet. Eisen, Kobalt, Nikel und 
Zink werden vollständig gefällt. Ich will hier be- 
merken, dass das Eisen bei überschüssigem essig- 
sauerm Natron durch anhaltendes Einleiten von 
Schwefelwasserstoff vollständig gefällt wird, und auf 
diese Weise leicht von Thonerde und Mangan ge- 
trennt werden kann. Ich habe vielfache Versuche 
darüber angestellt, und konnte in allen Fällen, in 
Lösungen, aus welchen das Eisen auf die erwähnte 
Weise ausgefällt war, die geringsten Mengen von 
Thonerde, mit Schwefelammonium als weissen oder 
schwach grünlich gefärbten Niederschlag erhalten. 
Die Schattenseite dieser Methode ist der feinvertheilte 
Zustand des Schwefeleisens, wodurch dasselbe sehr 
leicht durch das Filter geht; ferner die leichte Oxydir- 
barkeit desselben, welchem Uebelstande man übrigens 
gründlich durch die Piccard'schen Schnellfilter abhel- 
fen kann, wobei ich nicht versäume diese Filter mög- 
lichst zu empfehlen, da besonders bei voluminösen 
Niederschlägen, so z. B. bei basisch essigsauerm 
Eisen oder Thonerde die Arbeit ungemein gefördert 
wird. 

Der durch Schwefelw|isserstoff erhaltene Nieder- 



Warlha, Beiträge zur qualitativen Anaiys^ 157 

schlag wird mit verdünnlor kalter Salzsäure übergös- 
sen. Kobalt und Nikel bleiben zurück, während Eisen 
und ^ink gelöst werden ; es wird nun die Lösung 
zur Entfernung von Schwefelwasserstoff gekocht, mit 
chlorsaurem Kali oxydirl, mit kohlensauerm Natron 
annähernd neutralisirt, und nach Zusatz von essig- 
saurem iNalron das Eisen als basisch essigsaures 
Eisenoxyd vollständig abgeschieden, hierauf im Filtrat 
das Zink durch Schwefelwasserstoff gefällt. Das aus- 
geschiedene Schwefelzink hat in den meisten Fällen 
eine eigenthümliche aber sehr charakteristische fleisch- 
rothe P'arbe, die beim Trocknen des Niederschlages 
zunimmt; die Ursache dieser Färbung kann ich nicht 
angeben. 

Bleibt ein in verdünnter Salzsäure unlöslicher 
Rückstand, so wird eine Probe davon in der obern 
Oxydalionsflamme abgeröstet oder im Kohlenstäbchen 
reducirt, dann mit einer Boraxperle zuerst in der 
untern Oxydationsflamme verschmolzen. 

Kobalt gibt sich durch die bekannte blaue Farbe, 
Nikel durch eine schmutzig violette grau-braune Farbe 
zu erkennen. Sind beide Metalle nebeneinander vor- 
handen, so erhitzt man die Perle in der untern oder 
obern schwachen Reductionsflamme, worauf sich Nike! 
als grauer Metallschwamm abscheidet, und die blaue 
Farbe des Kobalts auftritt. 

In der von dem Schwefelwasserstoff-Niederschlag 
abfillrirten Lösung werden nun Thonerde, Chrom, Man- 
gan und die alk. Erden bestimmt, welche an die Phos- 
phorsäure gebunden waren. Eine Probe jener Flüssig- 
keit wird nun mitphosphorsaurem Ammoniak vermischt, 
worauf, wenn auch nur Spuren von Thonerde zugegen 

XII. 2. 11 



158 Warlha, Reiträge zur qualitativen Analyse. 

waren, dieselbe vollständig- als phosphorsaure Thon- 
erde gefällt wird , die in Essigsäure nicht löslich ist. 
Das Filtrat davon hat man nun bis zum Kochen zu 
erhitzen, worauf sich das Mangan als flockiger weisser 
Niederschlag abscheidet, der dann noch mit Soda und 
Salpeter am Platindraht weifer geprüft werden kann. 

Hat man nun einen der angeführten Stoffe gefun- 
den, so fällt man den Rest der Lösung mit Ammoniak 
und Schwefelammonium, und untersucht das Filtrat auf 
die alk. Erden. Im entgeoengesetzten Falle bleibt 
natürlich die Fällung durch Schwefelammonium fort, 
und es kann sogleich Ammoniak und kohlensaures 
Ammoniak zugesetzt werden. 

Ist Chrom vorhanden, dessen Gegenwart schon 
durch die Farbe der Lösungen angezeigt wird, und 
das selbst spurweise in der Vorprüfung nicht über- 
sehen werden kann, so hindert es keine der ange- 
gebenen Reaktionen, selbst wenn es von irgend einem 
Niederschlag, z. B. von phosphorsaurer Thonerde, 
mitgefällt wird, da das Chrom allein , durch keines 
der hier angewendeten Reagentien gefällt wird. 

Ich will bemerken, dass ich hier nicht auf alle 
die Fälle eintreten kann, in welchen das angedeutete 
Verfahren bedeutend verkürzt oder vereinfacht wer- 
den kann, wenn einer oder der andere von den, in 
diese Gruppe gehörigen Stoffen fehlt, d. h. in der 
Vorprüfung nicht gefunden wurde. Ich greife zunächst 
den Fall heraus, dass keine Phosphorsäure vorhanden 
ist. — Man bringt dann den Niederschlag mit Hülfe 
eines Spatels vom Filter in eine Porcellanschale und 
digerirt mit einer concentrirt angesäuerten Lösung von 
essigsaurem Natron. Eisen, Kobalt, Nikel und Zink 



Warlha, Beiträge zur qunlitativen Analyse. 159 

bleiben uncrelöst, und werden wie vorhin angegeben 
bestimmt. Das ganze Fiitrat wird mit überschüssigem 
phosphorsaurem Ammonialt vermischt, etwa ausge- 
schiedene Thonerde abfiltrirl, und durch Erhitzen bis 
zum Kochen das Mangan gefällt. Noch einfacher wird 
natürlich der ganze Gang, wenn das Eisen fehlt, weil 
man dann das Zink sogleich findet, und auch nicht so 
vorsichtig bei der Fallung mit Schwefelwasserstoff 
verfahren muss. 

Hat man endlich, um noch einen Fall anzuführen, 
zwar Phosphorsäure gefunden, ist aber kein Eisen 
vorhanden, so versetzt man die Lösung, aus der man 
die Phosphorsäure ausgefällt hat, mit essigsaurem 
Natron im üeberschuss, fällt mit Schwefelwasserstoff 
das Zink, Kobalt und Nikel und verfährt im Uebrigen 
wMe im vorigen Falle. Im Niederschlage aber weist 
man das Zink einfach durch Auflösen in verdünnter 
Salzsäure nach, wobei das Kobalt und Nikel zurück- 
bleiben, und auf die schon besprochene Weise erkannt 
werden, während man die Lösung nur mit essigsaurem 
Natron zu versetzen und Schwefelwasserstoff einzu- 
leiten hat, um das Zink zu fällen. 

Um die, nur bei den vorhergenannten Umständen 
vollständige Fällung des Eisens als Schwefeieisen zu 
umgehen, versuchte ich die Anwendung des gelben 
Blutlaugensalzes, mittelst welchem ich auch ganz zu- 
verlässige Resultate erhielt. 

Hat man in der Vorprüfung Phosphorsäure gefun- 
den, und dieselbe mittelst Stanniol entfernt, so fällt 
man die Lösung abermals mit Ammoniak und Schwe- 
felammonium, untersucht das Fiitrat auf die IV. u. V. 
Gruppe und verfährt mit dem Niederschlag auf folgende 



160 Warlha, Beiträge zur qualitativen Analyse. 

Weise: Derselbe wird in Essigsäure gelöst, wobei 
Kobalt, Nike) und Zink zurückbleiben, dann aus dem 
Filtrat, ohne es vorher mit chlorsaurem Kali zu oxy- 
diren, das Eisen und Mangan mittelst gelben Blut- 
laugensalzes gefällt, und der entstandene Niederschlag 
mittelst Soda und Salpeter am Platindraht auf Mangai; 
geprüft. Im Filtrat wird nur noch mit phosphorsaurem 
Ammoniak auf Thonerde reagirt. Das Zink lässt sich 
von Kobalt und Nikel auf die schon einmal bespro- 
chene Weise leicht trennen. 

Auch bei diesem Verfahren schadet das etwa 
vorhandene Chrom in keiner Weise, und kann unbe- 
dingt nicht übersehen werden. War kein Eisen vor- 
handen, so kann man die erhaltene Lösung nach Zu- 
satz von essigsauerm Natron mit phosphorsaurem 
Ammoniak auf Thonerde, und das Filtrat durch Er- 
hitzen bis zum Kochen auf Mangan prüfen. 

Da aber die Fällung der Phosphorsäure mitteist 
Stanniol immerhin eine missliche Sache ist, und auch 
viel Zeit in Anspruch nimmt , kam ich schliesslich 
auf eine Methode , die ich jedem andern bisherigen 
Verfahren vorziehe. 

Der der Vorprüfung unterworfene Schwefel- 
ammonium-Niederschlag wird in einem Porcellanschäl- 
chen mit Natronlauge digerirt ; Thonerde, phosphor- 
saure Thonerde und Chromoxyd lösen sich, letzteres 
mit smaragdgrüner Farbe, in der alkalischen Flüssig- 
keit auf, mögen alle der genannten hiehergehörigen 
Stoffe in den mannigfachsten Mengenverhältnissen 
vorkommen, wie ich mich durch wiederholte Versuche 
überzeugt habe. Das alkalische Filtrat kann, wenn 
Chrom vorhanden ist, zur vollständigen Abscheidung 



Wartha, Beiträge zur qualitativen Analyse. 161 

desselben gekocht werden, doch ist auch diess nicht 
unumgänglich nothwendig, da das Chromoxyd allein 
durch die folgenden Operationen nicht gefällt wird. 
Die erkaltete Lösung- wird mit Essigsäure neutralisirl 
und essigsaures Natron zugesetzt, worauf sich phos- 
phorsaure Thonerde, wenn sie nicht in allzugeringer 
Menge vorhanden war, abscheidet. Das Filtrat wird 
nun mit phosphorsaurem Ammoniak vermischt, um 
die Thonerde vollständig zu fällen, da bei Gegenwart 
von phosphorsaurem Ammoniak die geringe Löslich- 
keit der phosphorsauern Thonerde in Essigsäure voll- 
ständig aufgehoben wird. 

Der die Schwefelmelalle oder etwa vorhandene 
phosphorsaure alkalische Erden enthaltende, gut ge- 
waschene Rückstand wird mit kalter, verdünnter 
Salzsäure aufgenommen, wobei Kobalt und Nikel zu- 
rückbleiben, und auf die 'bekannte Art nachgewiesen 
werden. 

Hat man in der Vorprüfung Phosphorsäure ge- 
funden, und ist nicht genügend oder gar kein Eisen- 
oxyd i ) vorhanden, so setzt man zu der mit kohlen- 
saurem Natron annähernd neutraüsirlen Lösung essig- 
saures Natron', und kocht anhallend, wodurch phos- 
phorsaurcs und basisch essigsaures Eisenoxyd gefällt 
werden, und im farblosen Filtrate nur noch Zink, 
Mangan und die essigsauern Salze der alkalischen 
Erden vorhanden sind. Das Zink fällt man mit Schwe- 
felwasserstoff, das Mangan, wenn keine Erden vor- 



*) Ist hinreichend Eisen vorhanden, so unlerlässt man den 
Zusatz von Eiseiichiorid und kocht nach erfolgter Oxydation mit 
chlorsauerm Kali bei Zusatz von essigsauerm Natron. 



162 Wartha, Beiträge zur qualitativen Analyse. 

banden sind, durch Zusatz von phosphorsaurem Am- 
moniak und Erhitzen bis zum Kochen; sind alkah'sche 
Erden vorhanden, so wird das Mangan mit Schvvefel- 
ammonium gefällt und das Filtrat auf die IV. und V. 
Gruppe geprüft. 

Ich will nun den Gang der qualitativen Unter- 
suchuno- angeben, für den Fall, wenn, ausser den schon 
genannten Stoffen, noch oxalsaure, borsaure, alkalische 
Erden um ihre Fluor-Verbindungen vorhanden sind. 

Man digerirt dann gleichfalls den gut gewaschenen 
Schwefelammonium - Niederschlag mit Natronlauge, 
und verfahrt dann mit dem Filtrat, welches Thonerde, 
phosphorsaure Thonerde , und Chromoxyd enthält, 
wie in dem zuletzt angegebenen Gange. 

Der Rückstand wird in kalter, verdünnter Salz- 
säure gelöst, wobei Kobalt und Nikel zurückbleiben, 
und das durch Kochen vom Schwefelwasserstoff be- 
freite Filtrat nach erfolgter Oxydirung i7iit chlorsaurem 
Kali,») mit essigsaurem Natron versetzt. Oxalsaure 
Erden und ihre Fluor - Verbindungen fallen nebst 
phosphorsaurem Eisenoxyd heraus, (letzteres nicht 
vollständig, was aber nicht von Bedeutung ist, da die 
Phosphorsäure nicht übersehen werden kann). Der 
entstandene Niederschlag wird getrocknet und schw^ach 
geglüht, braust dann derselbe bei Behandlung mit 
Säuren auf, so war Oxalsäure vorhanden, man zerlegt 
dann in einem Platintiegel mit concentrirter Salzsäure, 
prüft dabei auf Fluor, erhitzt im Tiegel bis zur Trockne, 
weicht mit verdünnter Salzsäure wieder auf, fällt mit 



') Auch hier hat man, im Falle zu wenig Eisen vorhanden 
war, Eisenciiiorit zuzusetzen. 



Wartha, Beiträge zur qualitativen Analyse. 163 

Ammoniak und Schwefelammonium, und sucht 
im Filtrat die alitalischen Erden. 

Das eisenhaltige, essigsaure Filtrat wird nun an- 
haltend zum Kochen erhitzt, wobei das Eisen als 
basisch essigsaures Eisenoxyd, nebst den etwa gelöst 
gebliebenen Spuren von phosphorsauerm Eisenoxyd 
herausfällt. Das Filtrat wird auf die bekannte Weise 
mit Curcumapapier auf Borsäure geprüft, das Zink 
durch Schwefelwasserstoff entfernt, das Mangan sammt 
den borsauern Erden mit Ammoniak und Schwefel- 
ammonium gefällt, 1) der Niederschlag mit Natron- 
lauge gekocht, wobei die Borsäure in Lösung geht, 
und die Erden sammt etwa vorhandenem Mangan 
zurückbleiben, die leicht zu trennen sind. 

Dieser Gang scheint zwar umständlich, allein, 
da man auf Borsäure schon vorher mit Curcuma prüft, 
so hat man nur beim wirklichen Vorhandensein der- 
selben diesen Weg einzuschlagen; sonst kann man 
nach Entfernung des Zink's mit phosphorsauerm Am- 
moniak und Kochen auf Mangan prüfen. 

Natürlich können auch hier durch das Fehlen 
des einen oder andern der genannten Stoffe bedeutende 
Vereinfachungen eintreten, aber hier kann ich nicht 
auf allen mögliche Fälle eingehen, und gerade in 
diesen möglichen Combinationen sehe ich den Vorzug 
dieser Methode, da der Anfänger dadurch gezwungen 
wird nachzudenken und selbstständiger zu arbeiten, 
als nach detaillirten Tabellen. 

Schliesslich will ich noch einen Gang angeben, 



') Wobei im FiUrat auf die alkalischen Erden Rücksicht ge- 
nommen werden muss. die an Phosphorsäure gebunden waren. 



164 Wartha, Beiträge zur qualitativen Analyse. 

um Kalk, Baryt und Strontian nachzuweisen und von 
einander zu trennen. 

Eine Probe des Filtrates der Schwefelammonium- 
gruppe wird mit Ammoniali und schwefelsaurer Ma- 
gnesia auf Phosphorsäure geprüft. Hat man dieselbe 
gefunden, so liönnen nun Kaliv, Baryt, Strontian und 
Magnesia nicht vorhanden sein; man fällt die Phos- 
phorsäure mittelst Chlorcalcium heraus, filtrirt, setzt 
kohlensaures Ammoniak zu und dampft zur Trockne 
ein, glüht, zieht mit Wasser aus und prüft auch die 
Alkalien. Hat man dagegen keine Phosphorsäure 
gefunden, so verfährt man wie im folgenden : 

Die Flüssigkeit wird mit Ammoniak und kohlen- 
sauerm Ammoniak versetzt, bis ungefähr 70 — 80'-^ C. 
erwärmt und filtrirt. Die gewaschenen kohlensauern 
Erden werden in wenig verdünnter Salpetersäure 
gelöst und die Lösung in einem Kölbchen, das an 
einem Drahthalter gesteckt werden kann, unter fort- 
währendem Umschwenken rasch über der Spiritus- 
lampe zur Trockne verdampft, dann einige Tropfen 
absoluter Alkohol hinzugefügt und abermals verdampft. 
Die zurückbleibenden wasserfreien neutralen salpeter- 
sauern Salze werden nun mit absolutem Alkohol über- 
gössen, das Kölbchen gut verkorkt und einige Zeit 
unter öfterm Umschütteln hingestellt. Salpetersaurer 
Kalk wird gelöst, während die beiden andern Salze 
zurückbleiben. £s wird nun durch ein kleines Filter 
rasch filtrirt, die ersten Antheile des Filtrates mit 
Wasser verdünnt und der Kalk mit Oxalsäure nach- 
gewiesen. 

Das mit möglichst wenig absolutem Alkohol ge- 
waschene Gemenge der salpetersauern Salze wird in 



Wartlia, Beiträge zur qualitativen Analyse. 165 

Wasser gelöst, mit etwas Essigsäure angesäuert und 
der Baryt mit einfach chromsauerin Ammoniak gefällt. 
Das Filtrat wird eingedampft und geglüht. Der Glüh- 
rückstand mit verdünnter Salzsäure hefeuchtet, am 
Platindraht in die nichtleuchlende Flamme gebracht, 
um auch die kleinsten Spuren von Strontian sogleich 
sichtbar zu machen. 

NB. Entgegen den Angaben der meisten Lehr- 
bücher zeigt frischgefälltes Schwefeleisen ein eigen- 
Ihümliches Verhalten gegen Natronlauge. Wie ich 
mich durch eine Reihe von Versuchen überzeugte, 
wird Schwefeleisen, mag es aus oxyd- oder oxydul- 
haltigen Lösungen gefällt sein, oder mag Schwefel- 
ammonium gegenwärtig sein oder nicht, beim Digeriren 
mit kalter Natronlauge zu einer dunkeln smaragd- 
grünen Flüssigkeit gelöst; beim gelinden Erwärmen 
erfolgt die Lösung noch rascher, beim Kochen aber 
tritt Entfärbung ein, unter Abscheidung brauner bis 
schwarzbrauner Flocken. Auch bei längerm Stehen 
an der Luft scheidet sich das Schwefeleisen unver- 
ändert wieder ab. Merkwürdig ist es, dass diese 
Löslichkeit des Schwefeleisens durch die gleichzeitige 
Gegenwart von andern Schwefelverbindungen fast 
immer ganz aufgehoben wird und diese Erscheinung 
mit ganz reinem Schwefeleisen am besten sich zeigt. 
Da indessen dieses Verhalten nur bei der Chrom- 
nachweisung influiren kann und dasselbe schon in 
geringster Menge im Schwefelammonium-Niederschlage 
selbst durch Flammenreaction nachgewiesen wird, so 
kann dies zu keinerlei Irrungen führen. Man kann 
in solchen Fällen die erhaltene grüne Lösung kochen, 



166 Wartba, Beiträge zur qualitativen Analyse. 

wobei schon die braune Farbe des Niederschlag-es 
die Gegenwart des Eisens anzeigt und in demselben 
das Chrom durch Flammenreaction nachweisen ; in 
FiJtrat wird dann, wie schon angegeben, auf Thon- 
erde und phosphorsaure Thonerde geprüft. — 



Mittheilungen aus dem üniversitätslaboratorium 

Zürich. 

IV. Ueber das Cholesterindibromür. 

von 
W. Moldeiihauer und J. Wislicenus. 

Mitgetheilt von Letzterem. 



Durch die Untersuchungen Berthelot's •) über die 
Einwirkung organischer Säuren auf Cholesterin wurde 
die Alkoholnatur dieses Körpers zum ersten Male fest- 
gestellt und bald darauf von Planer 2) und Linden- 
meier 3) auch noch in einigen anderen Beziehungen 
bestätigt. Schon Berthelot hob damals hervor, dass 
das Cholesterin möglicherweise dem Styron homolog 
sei, indem beiden Körpern die allgemeine Formel 
CnH2n-8 zukommt. Da dieselbe sich von jener 

*) Ann. Chera. phjs. LVI, 51. Jahresbericht 1858, 417. 

2) Ann. Chem. Pharm. CXVIIl, 25. Jahresbericht 1861, 798. 

^) Chem. Centraibl. 1864, 412. Jahresbericht 1863, 542. 



Mittheilungen aus dem Univers.-Laborator. Zürich. Jß7 

der aromalischen Alkohole durch ein Minus von zwei 
Atomen Wasserstoff unterscheidet, so liegt der Gedanke 
nahe, vom Styron und Cholesterin aus durch Wasser- 
sloffaddition zu aromatischen Alkoholen zu gelangen; 
liesse sich dieselbe nicht direct ausführen, so könnte 
möglicherweise durch Behandlung eines zunächst dar- 
gestellten Bromadditionsproductes mit Natriumamalgam 
das Ziel erreicht werden, — auf demselben Wege also 
welcher von Gorup-Bersanez i) und Ad. Schmidt 2) 
und gleichzeitig auch von Erlenmeyer 3) zur üeber- 
führung der Zimmtsäure in die Cumoylsäure ange- 
wendet wurde. 

Die directe Addition von Wasserstoff zum Cho- 
lesterin scheint nicht ausführbar zu sein — wenig- 
stens wurde dasselbe nach der Einwirkung von Na- 
triumamalgam auf seine alkoholische Lösung, gleich- 
viel ob bei Abwesenheit oder Gegenwart von Essig- 
säure stets unverändert wieder erhalten, so dass ein- 
zig der Weg der Bromaddition und der Versuch der 
Substitution von Wasserstoff für das Halogen noch 
offen blieb. 

Von Meissner und Schwendler ist die Einwir- 
kung des Broms und Chlors auf Cholesterin schon 
vor längerer Zeit studirt worden. Es wurden dabei 
sehr leicht zersetzbare Substilulionsproducte erhalten, 
deren Zusammensetzung sich am besten durch die 
Formeln C26 Ih') CI7 und C2G H39 Br; ausdrücken 
lässt. Die Einwirkung wird dabei als so heftig ge- 



') Ann. Chem. Pharm. CXXVI, 254. 

-) Ibid. CXXVII, 319. Jahresbericht 1863, 351. 

3) Zeilschr. Chem. 1863, 307. Jahresbericht 1863, 352. 



\QS Millheilungen aus dem Ünivers.-Laborator. Zürich. 

schildert, dass durch die freivverdende Wärme tief- 
greifende Zersetzungen eintreten, so dass zur Ver- 
langsamung' der Reaction nur die mit Luft gemischten 
Dampfe der Halogene zur Einwirkung kommen dürfen. 
Es schliesst diese substituirende Einwirkung des Chlors 
und Broms indessen die Möglichkeit einer Addition, 
wenn unter für diese günstigeren Umständen gear- 
beitet wird, natürlich nicht aus. 

Herr Dr. W. Moldenhauer, in Besitze eines ziem- 
lich reichlichen Vorrathes von Gallensteinen, über- 
nahm es, in dieser Richtung Versuche anzustellen, 
welche er indessen — noch ehe seine Bemühungen, 
völlig reine Producte zu erhalten, Erfolg hatten — 
wegen einer Gesundheitsreise nach dem Süden zu 
unterbrechen gezwungen war. Mit dem von ihm zu- 
rückgelassenen Cholesterinreste nahm ich die Unter- 
suchung wieder auf, um die nicht unwichtige Frage 
nicht unentschieden zu lassen. 

Vermischt man eine ätherische Lösung von Cho- 
lesterin langsam mit Brom, so tritt schnell und ohne 
merkbare Entwicklung von Bromwasserstoff Entfär- 
bung ein, bis auf ein Molecul des Cholesterins ein 
Molecul Brom angewendet wurde. Die durch über- 
schüssiges Brom hervorgerufene Färbung der Flüs- 
sigkeit verschwindet dagegen nur sehr langsam unter 
Bildung von Bromwasserstoff. Lässt man nach Zu- 
satz eines sehr geringen Bromüberschusses den Aether 
freiwillig verdunsten, so bleibt eine gelbliche, in feinen 
warzenförmigen Nadeln krystallisirende Masse zurück, 
welche durch wiederholtes Umkrystallisiren aus Al- 
kohol und Aether weiss erhalten werden kann und 
dann 28,2 bis 29,1 Proc. Brom, 59,8 Proc. Kohlen- 



Mittheilungen aus dem Univers -Laborator. Zürich. 169 

Stoff und 8,9 Proc. Wasserstoff enthalt, also unmög- 
lich ein reiner Körper sein kann. Auch zersetzt sich 
der Körper nach einiger Zeit freiwillig- unter Gelb- 
färbung^. Es zeigte sich in der Folge, dass das Brom- 
additionsproduct nur dann ohne Schwierigkeit rein 
gewonnen werden kann, wenn absolut chemisch rei- 
nes und trockenes Cholesterin angewendet und, an- 
statt in ätherischer, in Schwel'elkohlenstofflösung operirl 
wird. Bei seiner bekannten, sehr starken Adhäsion 
für viele, an sich leicht lösliche Stoffe, die es bei 
seiner Ausfällung" mit niederreisst ') hält es, aus Gal- 
lensteinen durch Aether extrahirt, selbst nach häufi- 
gem Umkrystallisiren aus Aether-Alkohol hartnäckig- 
Fette zurück, welche ihm nur durch zwei Mal wie- 
derholtes Kochen mit alkoholischer Kalilösung-, Aus- 
fällen und Auswaschen mit Wasser und Umkrystalli- 
siren aus reinem Aether-Alkohol ganz entzogen wer- 
den können. 

Vermischt man eine Lösung ganz reinen ent- 
wässerten Cholesterins in Schwefelkohlenstoff mit einer 
verdünnten Bromlösung im gleichen Mittel, so tritt 
unter merklicher Temperaturerhöhung sofort Entfär- 
bung ein, und zwar ohne Bildung von Bromwasser- 
stoff. Der geringste Bromüberschuss zeigt sich durch 
nicht verschwindende Färbung an. Lässt man hierauf 
freiwillig verdunsten, so bleibt das Bromadditionspro- 
duct, schwach gelblich gefärbt, zurück, kann nun 
aber durch zweimaliges Umkrystallisiren aus heissem 
Aether-Alkohol schneeweiss, rein und von bei ge- 



') Daher von Brücke zur Reindarstelluni; von Pepsin benutzt. 
Zeitschr. f. analyt. Chemie I. 257. Jahresbericht 18ßl, 789. 



170 Mittheilungen aus dem Ünivers.-Laborator. Zürich. 

wohnlicher Temperatur g^rosser Beständigkeit erhallen 
werden. Es bildet kleine, dünne, nadeiförmige Kry- 
stalle, welche sich schwer in Alkohol, leicht dagegen 
in Aether — gar nicht in Wasser lösen, und beim 
Erhitzen unter Verkohlung schmelzen. Die Analyse 
ergab jetzt mit der Formel C26 H44 Br2 sehr gut 
übereinstimmende Resultate: 

I. 0,2531 Gramm Substanz, nach Carius mit rei- 
nem Kaliumbichromat, Silbernitrat und Salpetersäure 
im zugeschmolzenen Glasrohre oxydirt, lieferten 0,170B 
Gramm Bromsilber. 

II. 0,1959 Gramm mit vorgelegtem Bleichromat 
verbrannt gaben 0,1475 Gramm Wasser und 0,4202 
Gramm Kohlensäure. 

III. 0,1886 Gramm gäben 0,1390 Gramm Wasser 
und 0,4043 Gramm Kohlensäure. 

Berechnet. Gefunden. 

. . /■ 

1. II. 111. »lillel. 

C26 312 58,65 — 58,50 58,46 58,'»8 

Hv. 4i 8,27 — 8,26 8.19 8,22 

Br2 160 30,07 30,21 — — 30.21 

16 3,01 _ _ _ 3.09 



532 100,00 100.00 

Dieses Choleslerindibromür durch Behandlung 
mit Natriumamalgam in das erwartete Hyd roch o te- 
ste rin umzuwandeln gelang dagegen nicht, gleich- 
güllig obmit oder ohne Zusatz von Essigsäure ope- 
rirt wurde. Zwar ging das Brom ohne Schwierig- 
keit an Natrium über, aber das neben Natriumbromür 
auftretende Product unterschied sich in nichts vom 
Cholesterin, mit welchem es Krystallform, alle Reac- 
lionen und auch den Schmelzpunkt (147°) gemein 



Mittbeilungen aus dem Ünivers.-Laborator. Zürich. \']\ 

hatte. Nach öfteretii ümkrystaJlisiren aus Aether- 
Alkohol wurde es getrocknet und verbrannt und lie- 
ferte Zahlen, welche gleichfalls zu der Formel CosHuO 
viel besser passten als zu der gehofften C26H46O. 

IV. 0,1662 Grarnm Substanz gaben 0,176*2 Gramm 
Wasser und 0,5105 Gramm Kohlensäure. 

V. 0,1568 Gramm lieferten 0,1684 Gramm Wasser 
und 0,4834 Gramm Kohlensäure. 

Berechfiel für Gefunden : 

Ck 83,42 C26. 83,87 83,77 84,05 83,90 

H46 12,30 Hv4 11.83 11,81 11,93 11,87 

4^8^ 4^30 — — 4.23 

loö^ö" löoToö looToo" 

Diese Eigenschaft des Cholesterindibromürs, sein 
Brom an Natrium einlach abzugeben ohne Wasser- 
stoff dafür zu binden, hat in so fern nichts auffallendes 
mehr, als einige andere Körper dasselbe Verhalten 
zeigen, so z. B. die Bromadditionsproducle der An- 
gelikasäure i) und Elaidinsäure2). 

Versuche, das Brom durch andere Elemente oder 
Radicale zu ersetzen, haben bisher nicht zu entschei- 
denden Resultate geführt, grösstentheils wohl wegen 
der Schwierigkeit die dabei entstehenden Producte, 
unter denen stets Kohlenwasserstoffe aufzutreten 
scheinen, von einander zu scheiden; die Arbeiten in 
dieser Richtung werden jedoch fortgesetzt. 
April 1866. 



') JafTe. Zeitschr. Chem. Pharm. 1864 . 719. Jahresbericht 
1864. 339, ibid. 341. 
2) Burj ibid. 718. 



KfinnariMt tmame^^icm^^atmv^^ 



172 Alitlheilungen aus dem ünivers -Laborator. Zürich. 

V. Zur Bestimmung des Amnions in starkver- 
dünnten Lösungen seiner Salze 

von 
Otto Meister. '^ 

Fresenius gibt in seiner „Anleitung- zur quanti- 
tativen chemischen Analyse" an, bei Bestimmuufjen 
des Ammoniakes in Trinkwassern Quantitäten dersel- 
ben von etwa 2000 Gramm unter Zusatz von etwas 
Salzsäure mit grösster Sorgfalt in einer tubulirten I 
Retorte bis auf ein kleines Volum zu verdampfen 
und sodann unter Zusatz frisch bereiteter Natronlauge 
bei aufwärts gerichtetem Retortenhalse den Flüssig- 
keitsrest abzudestilliren. Die s am mtl ichen entwei- 
chenden Dämpfe, im Liebig'schen Kühler condensirt, 
sollen sorgfältig gesammelt, mit etwas gemessener 
Salzsäure und Platinchlorid versetzt wie gewöhnlich 
zur Bestimmung des Ammons verdampft und weiter 
behandelt werden. Von der hierbei sich ergebenden 
Ammonplatinchloridmenge ist diejenige Quantität ab- 
zuziehen, welche eine gleiche Menge Salzsäure für 
sich allein beim Abdampfen mit Platinchlorid liefert, 
aus dem Reste dann der Ammongehalt des Wassers 
zu berechnen. 

Die Ausführung dieser Methode wird durch die 
grossen Destillatmengen, welche mit Platinchlorid zu 
verdampfen sind , sehr zeitraubend und umständlich 
und überdies würde vielleicht das Resultat noch un- 
genau ausfallen, wenn bei der Bestimmung des in 



Mittheilmigen aus dem Univers.-Laborator. Züiicli. 173 

der Salzsäure enthaltenen Ammons die Flüssigkeil vor 
der Verdampfung nicht his zum Volum der Destillate 
mit reinem Wasser verdünnt wird. Ist auch vielleicht 
die Ammoniakquantität . welche an der Luft ver- 
dampfende Flüssigkeiten aufnehmen, eine höchst ge- 
ringe, so wird sie hei absolut genau sein sollenden 
Bestimmungen doch immerhin zu berücksichtigen sein, 
namentlich wenn so wie so controllirende Nebenar- 
beiten stattzufinden haben. Auch das von Boussing- 
ault angegebene einfachere Verfahren ist kaum vor- 
theilhafter, namentlich wenn es sich um Ausführung 
sehr vieler derartiger Ermittlungen handelt. Herr 
Professor Wislicenus, von dem löblichen Stadtrathe 
Zürich zur Anstellung sehr ausgedehnter Untersu- 
chungen der stadtisclien Gebrauchs- und Trinkwasser 
veranlasst, beauftragte mich durch eine Anzahl quan- 
titativer Versuche die Frage zu beantworten, ob nicht 
das Iheilweise Zerfallen von Ammonsalzen beim Ver- 
dampfen ihrer Lösungen, auf welches von Neuem 
durch Fittig aufmerksam gemaclil wurde, diu'ch blose 
Vermehrung der Säuremasse verhindert werden könne. 

Bei einigen vorläufigen qualitativen Bestimmungen 
Hess sich zunächst leicht constatiren, dass bei der 
Destillation der Lösungen von reinem Ammonsulfat 
und Natriuinammonpliosphat atnmoniakhaltiges Wasser 
übergeht, während die restirende Flüssigkeit bis zu 
einem gewissen Punkte sich steigernde saure Reac- 
tion annimmt. Die Lösung des sauren Annnonsulfates 
dagegen lieferte ein neutral reagirendes Destillat, 
gleichgültig ob sie concentrirt oder stark verdünnt, 
(bis auf l : lOOÜO) angewendet wurde. 

Es war daher Aussicht vorhanden, durch Zusatz 
XII. 2. 12 



J 74 Äliltheilungen aus dem Ünivers.-Laborator, Zürich. 

freier Säure zu verdünnten Ammonsalzlösungen die- 
selben ohne Amnionveriusl soweit zu verdampfen, 
dass das Abdeslilliren mit Kalilauge in geringerem 
Flüssigkeitsvolum vorgenommen werden kann. 

Um darüber Gewissheit zu erhalten, wurde eine 
Auflösung von '2 grm. krystallisirtem Ammonsulfat mit 
3 grm. reiner Schwefelsäure zu 250 ccm. gelöst. 

I. 25 ccm. dieser Lösung wurden direct mit 
Natronlauge abdestillirt, die entweichenden Dämpfe 
in Zehntel -Normaloxalsäure aufgefangen und durch 
Zurücktilriren mit Zehntel-Normalnatron der Säure- 
überschuss bestimmt. Es waren zur Sättigung des 
ausgetriebenen Amnions gerade 29,5 ccm. der Zehn- 
tel-Normalsäure verbraucht worden, was einem Am-* 
mongehalte von 0,0502 grm. entspricht. 

II. 25 ccm. Lösung wurden auf 2500 ccm. ver- 
dünnt, aus einer Retorte das Wasser bis auf circa 
25—30 ccm. abdestillirt und dann erst das Ammoniak 
wie früher ausgetrieben und bestimmt. Zu seiner 
Sättigung waren 29,2 ccm. Zehntel-Normalsäure ver- 
braucht = 0,0496 grm. Ammoniak. 

in. 25 ccm. direct mit Natron in reine Salz- 
säure abdestilirt. mit Platinchlorid verdampft, ergab 
0,6578 grm. Ammoniumplatinchlorid = 0,0500 grm. 
Ammon. 

IV. 10 ccm. auf 100 ccm. verdünnt, bis auf einen 
kleinen Rest in der Retorte verdampft, mit Natron- 
lauge in reine Salzsäure abdestillirt und wie oben be- 
handelt, liefert 0,2635 grm. Ammoniumplatinchlorid 
= 0,02004 grm. Ammoniak (in 25 ccm. also 0,0501 
grm.) 

Es waren also erhalten : 



Mittbeilungen aus dem Ünivers.-Laboiator. Zürich. 175 

Ohne Verdünnung: Mit Verdünnung auf das 

lOOfache Voluna: 

durch Titrirung 0,0502 gim. Nr. II. 0,0496 grm. Nr. II. 

bei der ßeslim- 
mung mit Pla- 
tinchlorid 0,0500 grm. Nr. II. 0,0501 grm Nr. II 

Wie ein reichlicher Schwefelsäiirezusatz demnach 
das Entweichen von Ammon bei der Verdampfung 
einer sehr verdünnten Salzlösung- verhindert, so lässt 
sich auch Salzsäure zum gleichen Zwecke anwenden, 
wie folgende Versuche beweisen. 

Von ein und derselben verdünnten Ammonlösung 
wurden gemessene Quantitäten mit dem gleichen Vo- 
lum reiner sechsprocentiger Salzsäure vermischt und 
entweder direct, oder nach vorhergehender Verdün- 
nung und Wiederverdampfung mit Platinchlorid zur 
Trockne gebracht und darauf wie gewöhnlich ver- 
fahren : 



Es lieferlen 


Plaliasalemiak 


= Ammon 


10 com. ent- 










halten NH3 


20 ccni. direct 


0,2145 grm. 


0,0163 


grm. 


0,00815 grm. 


20 ccm. auf300ccm. 










verdünnt 


0,2202 » 


0.0168 


» 


0,0084 » 


10 ccm. iiuf 500 cctii. 










verdünnt 


0,1085 » 


0,0083 


n 


0,0083 » 


5 ccm. auf 1000 ccm. 










verdünnt 


0,0550 » 


0,0042 


)) 


0,0084 » 



Es geht aus diesen Versuchen hervor, dass der 
Ammongehalt natürlicher Wasser mit hinreichender 
Sicherheit auf folgendem Wege bestimmt werden kann. 
Ein oder zwei Liter des Wassers werden unter 
Zusatz von etwas Schwefelsäure (circa 5 grm.) in 
einer Retorte oder Kolben bis auf geringes Volum 
verdampft, der Rückstand darauf mit ausgekochter 



176 Mittheiluugen aus dem Univers.-Laborator. Zürich. 

Natronlauge unter den nöthigen Vorsichtsmassregeln 
entweder in überschüssige titrirte Säure oder reine 
Salzsäure abdeslillirt und das Amnion auf volumetri- 
schem Wege oder in Form von Ammoniumplatin- 
chlorid oder Platin gewogen. Eine grosse Anzahl 
seither bei den Zürcher Wasseruntersuchungen auf 
diese Weise ausgeführter Bestimmungen haben durch- 
aus befriedigende, namentlich so oft sie mit ein und 
demselben Objecte ausgeführt wurden, durchaus über- 
einstimmmende Resultate ergeben. 



VI. Theoretische und empirische Beiträge zur 
Constitution der Glycole und der ihnen ent- 
sprechenden Säuren. 

von / 

Leander Dossios. 

Inaiiguial-Disserlalion des Verfassers.) 

I) Allge meines über die Glycole und die ihnen 
entsprechenden Säuren. 

hl der Aethylreihe unterscheidet man zweierlei 
Arten von Alkoholen : die eigentlichen und die Pseudo- 
nllvohole, welche sich hauptsächlich durch ihre Oxy- 
dalions - Produkte von einander unterscheiden : die 
ersleren geben durch Oxydation die entsprechenden 
Aldehyde und einbasischen Säuren; die Pseudoalkohole 
hingegen Ketone, Verbindungen des Carboxyls mit 
Äwei Alkoholradicalen. Die Structurformel der er- 



Mittheilungen aus dem Univers. -Labarator. Zürich. |77 

steren wäre im Allgemeinen ^u ,..,, '; durch Oxv- 

(l./il2iUn) 

j »• j • • j- c iCnH2nH-i ... 

dation werden sie m die oaurenL^.. .^„^ iiberge- 

führt. 

Wie schon zahlreiche Forscher gezeigt haben, 
sind die Säuren Alkoholradicalverbindungen des Carb- 
oxyls (CO), welches durch Vermiltlung eines Sauer- 
stoffatomes durch Metalle oder positive Radicale ver- 
tretbaren Wasserstoff bindet. Es müssen demnach, 
wenn aus einem Alkohol eine Saure entstehen soll, 
an dem Kohlenstoffatom, an welches der Wasserrest 
angelagert ist, noch ausserdem zwei Wasserstoffatome 
gebunden sein, welche durch das bivalente Sauer- 
stoffatom substituirt werden : der Wasserrest muss 
an ein nur einseitig mit Kohlenstoff verbundenes 2) 
Kohlenstoffatom angelagert sein. Den Pseudoalkoho- 

') Die gerade siehenden chemischen Zeichen bedeuten die 
Atomgewichte C = 12, ^=: 16 etc. — die cursiven hingegen die 
Aequivalentgewichle C = 6, = 8. 

Man kann sich sowohl bei den höheren Gliedern dieser Reihe 
als auch bei den später anzuführenden Reihen der Glycole etc. 
mehrere insomere denken; so z. B. beim eigentlichen Butylalkohol 
sind die zwei isemeren 

CHsCH-, iCH-, 

\/ CH2 

j CH und \CH2 

(CH2(0H) (Cll2(0ll) 

denkbar u. s. w. 

^) Als einseitig gebundene KohlenstoiTatome können diejenigen 
bezeichnet werden, welche nur mit einer Valenz in der Kohlen- 
stofTkette stehen, also mit den bleibenden drei Valenzen andere 
Elemente binden. Zweiseitig gebundene KohlenstoiTatome sind daher 
solche, welche entweder mit zwei anderen KohlenstotTatomen je 
Univalent, oder mit einem einzigen bivalent verbunden sind etc. 



178 Mitllieiluiigeii aus dem Univers. -Laboralor. Zürich. 

iCnH2n+ii) 
len dagegen wird die Formel CH(OH) zukom- 

ICmH2m+i 
inen. Sie können durcii Oxydation keine Säuren ge- 
ben, da das Hydroxy! nicht an ein einseitig gebun- 
denes KohlenstofTatom angelagert ist. Sie werden 

lCnH2rH-i 
vielmehr in die KetonejCO übergeführt. — Es 

ICmH2m+i 
giebt nun in diesen Alkoholen wenigstens zwei nur 
einseitig gebundene KohlenstofFatome, deren drei übrige 
Affinitäten durch Wasserstoff gesättigt sind. In Folge 
davon wäre es denkbar, dass diese drei Wasserstoff- 
atome durch 0" und (OH) ersetzt würden , wodurch 
das Methyl CH3 in Carboxylhydrat CO (OH) überge- 
führt und dadurch aus dem Pseudoalkohol eine Säure 
entstehen würde. Der Pseudopropylalkohol z. B. 
könnte auf diese Weise Milchsäure und später Tar- 
tronsäure liefern. 

ICH3 iCO(OH) lCO(OH 

CH(OH) CH(OH) !cH(OH) 



l 



(CH3 [CH3 'CO(OH) 

Pseudopropylalkohol. Milchsäure. Tartronsäure. 



*) Ausserdem ist auch eine andere Klasse von Pseudoalkoholen 
denkbar, wo nämlich das Hydroxyl an einem dreiseitig gebundenen 
KoiilenslolTatom angelagert ist, so z. B. ein Pseudobutyialkohol. 

CH3 CH3 
\ / 
C(OH) 

I 
CH3 

Die Oxydation dieser Alkohole würde wahrscheinlich unter Spal- 
tung des Moleküls Statt Gnden. 



Miltheilungei) aus dem Univers.-Laboralor. Zürich [79 

Diese Reaction (Umwandlung- von Methyl dnrch 
Oxydation in Carboxylhydrat) ist, wenn auch nicht 
für die fetten, so doch für die aromatischen Körper 
ausgeführt worden; so geben z. B. Toluol und die 
höheren Glieder der Benzolreihe entsprechende Sau- 
ren, und zwar scheint die Basicität des letzten Oxy- 
dationsproduktes gleich der Anzahl der einseitig g'e- 
bundenen KohlenstofFatonie zu sein. ') Z. B. 
Cfi H5 (CH3) C6 H5 [CO (OH)] 

Toluol. Benzoesäure. 

., „ )CH3 .. H iCHs ^ „ ,CO(OH) 

Xylol. Toluylsäure. Terephtalsäure. 

Wenn dagegen der Wasserrest bereits an ein 
Kohlenstoffatom angelagert ist, so scheinen zunächst 
die an dasselbe gebundenen Wasserstofl'atome von 
der Oxydation betroffen zu werden, so dass die di- 
recte üeberlührung der Pseudoalkohole in Säuren 
nicht stattzufinden vermag. 

Aehnliche Verhältnisse finden meiner Ansicht nach 
auch bei den Refhen der mehraffinen Alkoholradicale 
statt, von welchen zunächst nur die der zweiatomi- 
gen Alkohole, der Glycole, näher ins Auge gefasst 
werden mögen. 

Wie bei den Alkoholen der Aethylreihe zwei 
durch die Lagerung des Hydroxyls charakterisirte 
Reihen unterschieden werden müssen, so lassen sich 
jedenfalls auch die Glycole nach der Lagerung ihrer 
Hydroxyle in verschiedene Reihen bringen. 

l) Beide Hydroxyle sind mit einseitig gebundenen 



/) Ann. d Ch. u. Ph. CXXXVII. 301. 



180 Mittheilutinren aus dem Ünivers.-Laborator. Zürich. 

Kohlenstoffatomen verbunden. Diesen ächte Glycole 
zu nennenden Alkoholen entsprechen wirklich zwei 
Reihen von Säuren: eine von zweiatomig einbasischen 
und eine von zweiatomig zweibasischen. Die All- 
gemeinen Formeln derselben wären. 

|CH2(0H^ ICO (OH) |CO(OH). 

^CnH2n ^CnH2n CnH2n 

lCH2(0H} lCH2(0H) IcOiOH) 

Glycol. einbas. Säure, zweibas. Säure. 

2) Das eine Hydroxyl beßndet sich an einem ein- 
seifig gebundenen Kohleiistoffalom, das andere an 
einem -zweiseitig, oder auch dreiseilig gebundenen. 
Diesen et^a He mipseudogly col e zu nennenden 
Körpern entspricht bloss eine Reihe zweiatomig ein- 
basischer Säuren. Die allgemeinen Formeln, für den 
Fall, dass das zweite Hydroxyl an einem zweiseitig 
gebundenen Kohlenstoffatom angelagert ist, sind fol- 
gende ; 

CH2(0H |CO(OH) 

CnH2n |CnH2n 

]CH(OH) CH{OH) 

'CmH2mH~i 'Cmn2mH-i 

Hemipseudoglycol. Säure. 

Was die weiteren Oxydations-Producte dieser 
Säuren anbelangt, so könnte man meinen, dass ahn-' 
lieh wie aus den Pseudoalkoholen der Aethylreihe die 
Ketone, aus diesen Säuren durch Oxydation Körper 
entständen, welche halb Säuren, halb Ketone wären : 

fCOiOH) 
ICnH2n 
ICO 
'CmHam + i 



Mittheilungen aus dem Univers. -Laborator. Zürich. 131 

Es scheint sich dabei indessen das Molekül so 
zu Sjjaiten, dass die Molecularsumme der Producte 
sich von der erwarteten Ketonsäure durch ein Plus 
der Elemente des Wassers unterscheidet. An das 
Ketoncarboxyi ') lagert sich an eine durch die Ab- 
spaltung vom benachbarten Kohlenstoftatom frei ge- 
w^ordene Affinität Hydroxyl an. Als Beispiel mögen 
hier die Oxydationsprodukte der Aepfelsäure und 
Weinsäure angeführt vrerden. Gehören die genann- 
ten Säuren auch nicht dieser Reihe an , so ist doch 
die Oxydation wegen der analogen Lage des Hy- 
droxyls eine ganz entsprechende. Die Aepfelsäure 
zerfällt, w^ie Dessaignes2) gezeigt hat, in Malon- 
säure und Ameisensäure, die Weinsäure in Tartron- 
säure und Ameisensäure oder auch nur in Oxalsäure. 

|C[>(OH) |CO(OH) 

2 cSlOH) + 0^ = ^- ^^^^ 
^CO(OH) 



u^H/nH\ ^ ^^2 = - i^nz + 2 CHO (OH) 
ICH(OH) lcO(OH) 



Aepfelsäure. 

iCO(OH) 



Malonsäure. 



2 rH Ol) +02 = 2 CH(OU) 

Weinsäure. Tartronsäure. 

-co(on) 

2 CH(OH) , oo,_=) )C0(0H) 

^ |CH(0H) +^^2-- icO(OH) 
ICO^OH) 

Weinsäure. Oxalsäure. 



Ameisensäure. 



2 CHO (OH) 



Ameisensäure. 



2H2O 



*) Das zweiseitig gebundene Kohleiistofl'atoiti , an das () ange- 
lagert ist. 

2) Ann. d. Ch. u. Ph. CVII. 251. 



182 Miltbeilungeii aus dem (Jnivers.-Laborator. Zürich. 

Für den Fall, wo das Hydroxyl an ein dreiseitig- 
gebundenes Kohlenstoffatom ang-eiag^ert ist, wäre die 
allgemeine Formel : 

|CH2(0H) CO (OH) 

OnFhn CnH2n 

lC(OH) C(OH) 




CmH2mH-i CpH2|) + i CmH2m-]-i CpH2p-hi 

Glycol. Säure. 

Wahrscheinlich werden sich derartige Säuren 
durch weitere Oxydation in drei Moleküle spalten; 
ähnlich wie die Citronensäure in Essigsäure und Oxal- 
säure zerfällt. 

3) Es wären auch solche bivalente Alkohole denk- 
bar, bei welchen keins von den beiden Hydroxylen 
an ein einseitig gebundenes Kohlenstoffatom angela- 
gert ist. Aus diesen währen durch Oxydation ohne 
Spaltung des Molekules keine Säuren abzuleiten. Man 
könnte sie als Pseudoglycole bezeichnen. 

Einige Beispiele werden diese allgemeinen Be- 
trachtungen besser erläutern: Von den der Reihe 
der eigentlichen G 1 y c o 1 e angehörenden Glie- 
dern ist das einzige mit Sicherheit bekannte das 
Alhylenglycol. Durch Oxydationsmittel giebt es zu- 
nächst Glycolsäure und bei weiterer Einwirkung Oxal- 
säure ' 

^CH2(0H) \CO(OH) iCO(OH) 

ICHslOH) ICH2OH (CO (OH) 

Aelhylenglycol. Glycolsäure. Oxalsäure. 

Diese Thalsache stützt die auch aus andern Grün- 



Miltheilunpen ans dem Univers.-Laboralor. Zürich. 183 

den') wahrscheinlichere Formel Kekule's \ jaii^ für 
(las Aethylen gegen die Kolbe's oder Buff's -) j Xi"^ 

[Nach Kolbe's Schreih-.veise ^'^^\ C,]. 

Ausserdem könnte man als Grund der Annahme 
dieser Constitution die Existenz des Aethylens im 
freien Zustande annehmen, wahrend das Aethyliden 
genannte Radical beim Freiwerden in x\ethylen über- 
geht. 3) 

Ich glaube nämlich , dass in den sogenannten 
Radicalen in freiem Zustande (ungesättigten Atomen- 
complexen , welche , ohne Spaltung des Moleküls, 
weitere Atome an sich zu binden vermögen), die 
sogenannten freien Affinitätseinheiten nicht frei im 
eigentlichen Sinne des Wortes sind, sondern mit ein- 
ander in Verbindung stehen. Die einzige Ausnahme 
würde dann das Kohlenoxyd machen. So wären 
z. ß. in freien Aethylen die KohlenstofFatome durch 
je zwei AiFinitäts-Einheiten mit einander verbunden 

CH 

ü ". Das Aethyliden geht beim Freiwerden auch 
Cn2 



*) Schon Bullleiow (Zeilschr. VI, 521) begründet diese Formel 
durch die Verschiedenheit des Aidehydes, dessen Slruclur durch 

PHO 3uSo6'l''ückt werden luuss. vom Aelhylenoxyd. Dem Aethy- 
liden kommt danach die Strnclnrformel „,.■' zu, während für Ae- 
lhylenoxyd keine andere als (-ii^^ ^' f'''" '^^^ Aelliyien nur < „' 

übrig bleibt. 

2) Ann. d. Ch. u. Ph IV. Suppl.-Bd. 131. 

3) Ann. d. Ch. u. Ph. CXXXVII. 311. 



184 Mittheilungen aus dem Univers, -Laborator. Zürich. 

in diesen Gleichgewiciitszustand über. Beim Hinzu- 
treten anderer Atome löst sich die Verkettung der 
KohlenstofFatome unter sich theilweise auf, so dass 
sich die addirten Atome an die nun frei werdenden 
Affinitäten anlagern. Ein Analogon in gewissem 
Grade bieten hierfür auch das Aethylen- und Aelhy- 
lidenoxyd (so wie alle Aldehyde), das Aceton u. s. f. 
In diesen ist der Sauerstoff durch seine zwei Affini- 
tätseinheiten mit dem Kohlenstoffkern verbunden, durch 
Hinzutreten von nascirendem Wasserstoff oder von 
WasserstofFsäuren löst sich aber eine SauerstofFaffi- 
nität vom KohlenslolFatom-Complex ab, indem sie sich 
mit H verbindet, während die frei werdende Kohlen- 
stofFaffinität sich ebenfalls durch H resp. Halogen 
sättigt : 

Ich:>«+"'=(ch!(oh)«''«"-Ic1]5+«^=Ic1I:(oh) 

Aelhylenoxyd. Aelhylalkohol. Aldehyd. 

iCH2^^+"^^-iCH2(OH) 

Aelhylenchlorhydrin. 

Einen weiteren Grund für die Ansicht der Nicht- 
existenz von KohlenwasserstofFatom-Complexen mit 
wirklich ungesättigten Affinitätseinheiten dürfte man 
darin erblicken, dass die sogenannten ungesättigten 
organischen Verbindungen, deren Natur mit einiger 
Sicherheit bekannt ist, in paariger Anzahl solche so- 
genannte freie Affinitätseinheiten zeigen und dass 
dieselben verschiedenen Kohlenstollatomen angehören, 
wie ich dies weiter unten auch für die übrigen Gly- 
colradicale werde nachzuweisen suchen. Auch das 
Verhallen vieler ungesättigter Verbindungen, z. B. 



MiUbeilungen aus dem Univers.-Laborator. Zürich. l^^ 

der Ci'otonsäure gegen nascirenden Wasserstoff, tritt 
hier nöcli hinzu. Hätte die Crotonsänre wirklich freie 
Koiilenstoffvalenzen, so sieht man nicht ein, warum 
dieselben die ihnen gebotenen einzelnen Wasserstoff- 
atonie nicht direlU aufnehmen sollten, um in Biilter- 
säure überzugehen ; denn wäre die Affinität auch noch 
so klein, so miisste trotzdem Wasserstoff addirt wer- 
den-, weil in nascirendem Wasserstoff kein Yerbin- 
dungs-Widerstand zu überwinden ist. 

In diese Reihe der ächten Glycole werden auch 
alle andern den zweibasischen Säuren entsprechen- 
den Glycole gehöi-en, so das Aethylendicarbinol Koi- 
be's') etc., welches er aus Bernsteinsäure darzu- 
stellen gedenkt. — Es mag hier erwähnt sein, dass 
die von Kolbe dieser Reihe gegebenen Formeln, in- 
dem er dieselben als Alkylendicarbiuole betrachtet, 
CnHn\ 

H2\(C^0)-> {HOk-, den üebelstand haben, das erste 

//2r 

Glied derselben, das Acthylenglycol, auszuschliessen, 
welchem aber Kolbe, wie oben erwähnt, eine andere 
chemische Strnctur zuschreibt. 



In die Reihe der He mip seudo glycol e gehört 
das Propylenglycol, wahrscheinlich das Butylenglycol, 
ausserdem noch Amylen- und Hexylenglycol. Die 
Gründe dieser Annahme für Propylenglycol werden 
weiter unten ausführlicher auseinander gesetzt werden. 

Was das Amylenglycol anbetrifft , so haben 



') Zeitschrift f. Cheiii. 1866. p. 118. 



186 Mittheilungen aus dena Univers -Laboiator. Zürich. 

Kolbei) und später Erlenmeyei'2) für die Con- 
stitution des Amylens folgende Formel aufgestellt: 



CH3 
ICsHz 



"] 



Nach Kolbe's Schreibweise: 

Kolbe geht von einer der oben ausgesprochenen 
Vermulhung ganz entgegengesetzten Annahme aus, 
indem er die zwei freien Affiniläts-Einheiten bei den 
Glycolradicaien an demselben Kohlenstoffalom annimmt. 

Das Amylen verbindet sich mit Jodwasserstoff, 
wie Wurtz gezeigt hat, zu einem mit Amyljodür 
insomeren Körper, dem jodwasserstoffsauren Amy- 
len 3). In diesem kann das Jod durch den Wasser- 
rest ersetzt und so ein dem Amylalkohol insomerer 
Körper, das Amylenhydrat, dargestellt werden. Wurtz 

giebt ihm die Formel CsHiolu und glaubt, der Un- 
terschied vom Amylalkohol bestehe darin, dass das 
elfte Wasserstoffatom im Amylenhydrat weniger stark 
festgehalten werde, als das entsprechende Atom in 
Amyl CsHii')- Dieses elfte Wasserstoffatom sei das- 
jenige, welches die Jodwasserstoffsäure bei ihrer Ver- 
bindung mit dem Amylen an dieses treten lasse : C5H10 .HJ. 
In dem Hydrat C5H10 . H (OH) macht dieses elfte Wasser- 
stoffatom ebenfalls einen Theil des Radikals aus; es trägt 
zur Sättigung der Affinitäten eines gewissen Kohlen- 
stoffatomes bei, aber da es sich leicht davon abtrennt. 



1) Ann. d. Ch. u. Ph. CXXXII. 102. 

') Verband!, der Heidelberger naturTorsch. u. niedic, Gesell- 
schaft 3. (1865). 197. Zehtschr. für Chemie. Achter Jahrg. 362. 
3) Ann. d. Ch. u. Ph. CXXV. 114. 
'•) Zeitschrift V. 568. 



Mittheilungen aus dem Univers.-Laborator. Zürich. 1^7 

viel leichter als das entsprechende Wasserstoff'atoin 
im Amyl, so gehen die Erscheinungen so vor sich, 
wie wenn dieses elfte WasserstolFatom zu der ganzen 
Amylengruppe nur in loserer Beziehung stünde, wäh- 
rend allerdings durch dessen Bindung die Atomigkeit 
des Radikales sich um eine Einheit verringert. 

Entgegengesetzt dieser Ansicht VVurtz's hemerkte 
schon Erlenmeyer 1), die Formeln des Ersteren seien 
nicht im Stande, die Isomerien zu erklären ; viel eher 
müsse man die Verschiedenheit des Amylenhydrats 
und Amylenalkohols der verschiedenen Stellung des 
Wasserrestes in diesen zwei Verbindungen zuschrei- 
ben. Der Amylalkohol ist ein eigentlicher Alkohol; 
für das Amylenhydrat wies Kolbe 2) die Natur eines 
Pseudoamylalkoholes nach, donn durch Oxydation er- 
hielt er aus demselben ein Keton. Aus der Lage des 
Siedepunktes u. s. f. schloss er weiter, dass von den 
für Pseudoamylalkohol möglichen Formeln dem Amy- 
lenhydrat folgende zukommt: 

C2fh\ 1CH3 

Q//; C2O . HO = {CH(OH) 
h\ IC3H7 

Da er nun annahm, die beiden freien Valenzen 
im Amylen fänden sich an einem und demselben Koh- 
lenstoffatom . da aber ferner die eine von beiden an 
demjenigen sein müsste, an welches im Amylenhydrat 
der VVasserrest angelagert ist. so bliebe für das Amy- 
len nur die Formel 

ICH3 
C" 
I (^3 H7 

'j Zeitschrilt V. 568. 
2] loc. ci(. 



188 Miltheilungen aus dem Univers. -Laborator. Zürich 

übrig. Diese Annahme erscheint mir sehr unwahr- 
scheinlich ; viel eher dürften die zwei sogenannten 
freien Afünitiits - Einheilen an zwei verschiedenen 
Kohlenstoffatomen / welche dadurch verkettet sind, 
liegen. Allerdings kann man die Existenz solcher 
Glycole, wo die beiden Hydroxyle an dasselbe Koh- 
lenstoilatom angelagert wären, nicht von vorneherein 
für unmöglich erklären; denn wir kennen bereits im 
Propylphycit einen Alkohol, in welchem zwei Hy- 
droxyle mit demselben Kohlenstoffatom verbunden sein 
müssen, jedoch ist es bis jetzt noch nicht gelungen, 

\ CH 
das Aethylidenglycol (nj)()u\ darzustellen. 

Für das Amylenglycol liegen indessen Thatsachen 
vor, welche uns einen bestimmten Schluss über seine 
Constitution zu machen erlauben : Der üebergang der 

Amyl- / 1 A'U ^ I Verbindungen in die Amylenderivate 

deutet durchaus darauf hin, dass die eine freie Valenz 
im Amylen an einem einseitig gebundenen Kohlen- 
stoffatom liegt. Ausserdem haben wir eine Synthese 
des Amylens, welche (ins klaren Aufschluss über seine 
Struktur giebt: Dasselbe entsteht nämlich bei der Ein- 
wirkung von Zinkälhyl auf Jodallyl. Dem Jodallyl 
kommt nun nach den Untersuchungen von Frank- 
iaud und Duppa') die Formel 

ICH2 

I II 
CH 

ICH2J 

') Ann. d. Ch. u. Ph, CXXXVI 29. Nach der Schreibweise 
dieser Chemiker wäre der AUylalkohol: 

(H 1CH2 

C2 CH2 = CH 

'H2 .oh ICII2OII 



Mittheilungen aus dem Univers.-Laboralor. Zürich. 1J)9 

ZU. Die oben angeführte Bildung des Amylens wäre 

also durch folgende Gleichung auszudrücken: 

(CH2 
(CH2 II 

Das Amylenglycol wäre also ein Heniipseudoglycol. 

(CH2{()H) 

iCH(OH). Nicht ganz in Einklang hiermit steht aller- 

IC3H7 

dings die Thatsache, dass aus dem Amylenglycol durch 

Oxydation nicht eine Säure C5H10O3, sondern Buto- 

lactinsäure C4HSO3 entsteht, indem ein Kohlenstofl- 

atom sich abspaltet. Man könnte daraus vermulhen, 

[C2H5 
dass dem Amylenglycol vielleicht die Formel iqu qij\ 

zukommt; nach den oben angeführten Gründen bleibt 
jedoch die vorher aufgestellte Formel wahrscheinlicher. 

Aus ähnlichen Gründen wäre auch das Hexylen- 
glycol als ein dieser Reihe angehörendes Glied zu 
betrachten. 

Den Hemipseudoglycolen entsprechende einba- 
sische Säuren wären i/nter anderen die gewöhnliche 
Milchsäure (siehe unten), und wahrscheinlich die Bu- 
tolactinsäure aus Amylenglycol, während die aus 
Monobrombuttersäure vielleicht der Fleischmilchsäure 
entspricht. 

Ausserdem sind auch Säuren bekannt, die den 
noch nicht dargestellten Hemipseudoglycolen entspre- 
chen würden, in denen das zweite Hydroxyl an ein 

XII. 2. 13 



I9ü Mittheilungen aus dem Univcrs.-Laborator. Zürich. 

dreifach gebundenes Kohlenstodatom angelagert ist. 
So z. B. die von Frankland undDuppa«) durch Ein- 
wirliung von Zinkaelhyl auf Oxalsäureaether erhal- 
tenen Säuren; z. B,: 

CHs CHs CHs C2H5 C2H5 C2H5 

\. ■ ,/ 

C(OH) C(OH) C(OH) 

CO(OH) CO(OH) CO(OH 

Dimethoxalsäure. Aethomethoxalsäure. Di.Tethoxalsäure. 

Ihrer Synthese nach muss auch Stadeler's 2) 
Acetonsäure dieser Reihe angehören und identisch 
mit Dimethoxalsaure sein: durch Einwirkung von 
Cyanvs^asserstofT auf Aecton entsteht gewisserniaassen 
das Cyanhydrin des Radicais C3H6 

/CH3 QO \ 

[C wie beim Aethylidenoxyd inoAl" 
'CH3 / 

.CH3 pjY ICH3 

CO ^ Sf = C{OH(CN) 
/CH3 " ICH3 

Aceton. Aceloncyanhydrin. 

Durch Behandehi mit Salzsäure wird Stickstoff 
durch ein Atoni Sauerstoff und Hydroxyl ersetzt: 
/CH3 

C(OH) (CN) + HCl ^ 2 H2O = 
(CHs 

iCH3 

C:0H)[C0(0H)]4-NH4CI 
(CH3 

Acetonsäure. 

Die oben angeführte Formel der Dimethoxalsäure 
ist mit der eben entwickelten vollkommen identisch. 



') Ann. d. Ch. u. Ph. CXXXIII 80. u. CXXXV. 25. 
2) Ibid. CXI. 320. 



Mittheilungen aus dem Ünivers.-Laboiator. Zürich. 



191 



Sie drücken beide aus, dass von den vier Affiniläts- 
Einheiten eines Kohienstoffatomes zwei durch Metliyl, 
eine durch Hydroxyl und eine durch Carboxylhydrat 
gesättigt sind. In der That stimmen die Eigenschaf- 
ten dieser zwei Säuren, insofern dieselben angege- 
ben sind, mit einander überein. 

Körper der Pse u d o glycol reihe würden viel- 
leicht , ähnlich wie die Pseudoalkohole aus Ketonen, 
aus den noch nicht dargestellten i) Diradikalen der 
Essigsäurereihe durch Einwirkung von Wasserstoff 
in statu nascendi entstehen, so z. B.: 

ICH3 jCHs 

jCO , «„ _ ICH(OH) 
CO ' ^**2 - jCH(()H) 



'CH2 'CH3 

Diacetyl. Pseudobutylenglycol, 

Vielleicht ist das von Wurtz dargestellte Dial- 
lyldihydrat als ein dieser Reihe angehörendes Glycol 
anzusehen. 

Durch Behandeln des Allyljodürs mit Natrium er- 
hielten Berthelot uud de Lucca das üiallyl. Nach 
der weiter oben erwähnten Constitution des AUyls 
wäre dieser Process folgendermaassen zu formuliren: 



CH2J 

CH 

11 
CH2 



Allyljodür. 



Na2 



Na 



-4- 



CH2 

II 

CH 
CHz^ 

CH2 
CH 

11^ 
CH2 

DiaHyl. 



*) Mit Ausnahme des Dibutyryls von Freund. 



192 Miltheilungen aus dem Univers. -Laboralor. Zürich. 

Durch Behandeln mit Jodwasserslofferhieit Wurlz i) 
daraus das sogenannte zweifach jodwasserstoffsiuire 
Diailyl C6Hi2J2- Dasselbe kann als das Jodür eines 
Glycolradikales C6H12 angesehen werden und in der 
That hat Wurtz daraus nach seiner allgemeinen Dar- 
stellungsweise der Glycole einen Körper dieser Zu- 
sammensetzung erhalten, welchen er als Diallyldi- 
hydrat bezeichnet und dem er aus ähnlichen Betrach- 
tungen, wie beim Amylenhydrat, die Formel CöHio 

! (OH^ beilegt2). Derselbe ist verschieden von dem 

aus Hexylen dargestellten Hexylglycol. Wie schon 
Wurtz bemerkt, zeigt dieser Körper •*) grosse Ana- 
logie mit dem von ihm dargestellten Amylenhydrat 
(Pseudoamylalkohol). Ebenso wie dort müssen wir 
auch hier den Grund der Verschiedenheit vom Hexy- 
lenglycol in dem Unterschied der chemischen Struktur 
dieser Verbindung suchen. 

Das Diallyldihydrat entsteht durch Sättigung der 
vier freien Afüniläts-Einheiten des Diallyls mit H2 und 
(0H)2. Es wären alfeo vier mögliche Formeln : 



I 



CH2(0H] |CH2(0H) fCHzlOH) fCHs 

CH(OH) ICH2 CH2 CH(OH) 

CH2 )CH2 JCH2 JCH2 

CH iCH2 ICH2 ICH2 

CH CH(ÜH) CH CH(ÜH) 



CH ICH3 iCHalOH) ICH3 

Die zwei ersten entsprechen zwei verschiedenen 

Hemipseudoglycolen, die dritte einem eigentlichen, die 

vierte einem Pseudoglycol. — Schon wegen der ana- 

i) Ann. d. Ch. u Ph. CXXXI. 344. 

2) CXXXIII. 217. 

3) CXXXI. 346. 



Mittheilungen aus dem ünivers -Laborator. Zürich. |93 

logen Entstehungsweise mit dem Amylenhydrat ist die 
vierte Forme! wahrscheinlicher: Im Amylen werden 
die freien Af'finitäts- Einheiten derart gesättigt, dass 
Wasserstoff sich an das einseitig gebundene, J hin- 
gegen (und durch Substitution OH) an das zweiseitig 
gebundene Kohienstoffatom anlagert. In der von Wurtz 
nachgewiesenen Analogie des Verhaltens dieser zwei 
Körper dürfte man einen Beweis für diese Constitu- 
tion des Diallyidihydrats finden. Namentlich aber wird 
sie durch das Verhalten gegen Clor- und Jodwasser- 
stoffsäure durchaus bestätigt. Dasselbe ist verschie- 
den von dem der eigentlichen und von dem der He- 
mipseudoglycole. Durch Einwirkung von Chlorwasser- 
stoffsäure sowohl auf die eigentlichen als auf die Hemi- 
pseudoglycole entstehen die entsprechenden Chlor- 
hydrine : 

^'[IM02 + HCl = C2H4i Oh H2O 

Aethylenglycol. Aethylenchlorhydrin. 

Die Ilemipseudoglycole geben mit Jodwasserstoff- 
säure die entsprechende Pseudoalkyljodüre : 

Hexylenglycol. Pseudohexyijodür. 

Das Diallyldihydrat giebt mit Chlor- oder Jod- 
wasserstoffsäure das zweifach chlor- oder jodwasser- 
stoffsaure Diallyl : 

^^"jj^}02 + -2HCI = ^^^fj +2H2O 

DiaUyldihydrat. Zweifach chlorwasserstofTsaures 

Diallyl. 

C6H,2| O2 +-2HJ = ^6H,2j 4_2H20 



02 + 3j^,|-C6Hi3J + 2H20 



'2 



H2i"2^""-'= J2 



194 Mittheilungen aus dem Ünivers.-Laborator. Zürich. 

Es wäre also das Diallyldihydrat als ein Pseiido- 
glycol zu belracliten; seine Formel wäre: 

rCH3 

CH(OH) 
ICH2 

CH(OH) 
ICH3 



2) üeber das Propylenglycol und die ihm 
entsprechenden Säuren. 

Buttlerow ^) stellte folgende vier Formeln für 
die theoretisch denkbaren Propylene auf: 
(C'Hc, (CH3 (CH3 iC'H 
CH, C'H C" CH2 

(C'H2 fC'H2 ICH3 (CH3 
Aus den früher entwickelten Gründen erscheint 
es unwahrscheinlich, dass den zwei letztern Formeln, 
in welchen die zwei freien Affinitäts-Einheiten dem- 
selben KohlenstofFatom angehören, wirklich Alkohole 
entsprechen. Das erste Radikal würde das des eigent- 
lichen, das zweite das des Hemipseudoglycoles sein. 

Kekule betrachtet das bekannte Propylen als !CH2 

fCH2 

Kolbe hingegen giebt ihm die Formel CH2 und Jiach 



') Zeitschrift für Chemie. VI. 528. 

2) Nach seiner Schreibweise: * A\ ^2, indem er es als ho- 
molog seinem Aethjlen ^ n 1 ^2 ansieht. 



Mittheilungen aus dem Ünivers.-Laboralor. Zürich. 195 

iCHs 

Erlenmeyer 1) soll es ]C" sein. Ich glaube viel eher 
fCHs 

dass demselben die oben als zweite aufgestellte Formel 

CHs 

I 

CH zukommt. Ein Grund dafür wäre schon die 

II 

CH2 
Identität des Propylenbromürs mit dem einfach ge- 
bromten Isopropylbromür 2) und die üeberführung der 
Propylenverbindungen dijrch Jodwasserstoff in Iso- 
propyljodür. Es folgt daraus, dass ein Brom- oder 
Jodatom im Bromür oder Jodür, und folglich im Pro- 
pylenglycolalkohol ein Hydroxylcomplex an das zwei- 
seitig gebundene Kohlenstoffatom angelagert ist. An- 
drerseits geht aber das Propyienglycol bei der Oxy- 
dation inMilchsäureüber, enthält also auch ein Hydroxyl, 
welches an ein einseitig gebundenes Kohlenstoffatora 
angelagert ist. Die Formeln des Propylenglycols und 
der daraus entstehenden Milchsäure wären danach : 

■ CHs (CHs 

CH(OH) CH(OH) 

fC[l2(0H) fCO(OH) 

Propyienglycol. Milchsäure. 

Für diese Ansicht über die Constitution des Pro- 
pylens spricht ausserdem noch seine Entstehung bei 
der Einwirkung von Quecksilber und .Salzsäure auf 
Allyljodür -^j, also durch Substitution des Jods im 



') Verhandl dor Heidelberger naturforsch. u. medicin. Gesell- 
schait. 3. (1865). S. 205. 

2) Ann. d. Ch. u. Ph. CXXXVI. 37. 

3) Berlhelot und de Lucca, Conaptes rend. XXXIX. 745. 



CH2J 

CH J 

11 
ICH2 


CHs 
- H2 = CH 
CH2 


AUyljodür. 


Propylen. 



196 Miltheilungen aus dem LInivers.-Laborator. Zürich. 

AUyljodür durch Wasserstoff. Nach der mehrfach 
erwähnten Constitution des AJlyls wäre also: 



HJ 



Das Auftreten des Propylens neben Amylen etc. 
beim Zusammenbringen von Chloroform mit Zink- 
äthyl könnte allerdinors vielleicht als ein Beweis für 

iCHs 
die Formel Kolbe'siCH? erscheinen, indem Aethvl 
• fC'H 

\t^u sich mit dem Chloroformrest CH verbände. 
I tyn2 

Einerseits aber scheint die Reaktion nicht derart vor 
sich zu gehen, dass sie eine glatte genannt werden 
könnte; es treten zu gleicher Zeit Amylen etc. auf. 
Andrerseits möchte ich im Allgemeinen hier bemer- 
ken, dass aus solchen synthetischen Bildungen, bei 
denen man von gesättigten Verbindungeu aus, durch 
Wegnahme von Atomen zu ungesättigten gelangt, 
kein Schluss auf die Constitution der entstandenen 
Körper gezogen werden kann. Beim Freiwerden der- 
selben kann sehr leicht eine Verschiebung der Atome 
zu einer stabileren Gleichgewichtslage stattfinden, in- 
dem, wie ich glaube, die Atome dabei sich so grup- 
piren, dass das Molekül keine freien Affinitäts-Ein- 
heiten im eigentlichen Sinne des Wortes behält, viel- 
mehr die freien Affinitäten, an verschiedenen Kohlen- 
stoffatomen auftretend, sich mit einander verketten. 
Ein sehr charakteristisches Beispiel für diese Ansicht 



Mittheilungen aus denn Univers. -Laborator. Zürich. [97 

Wäre das von P'ittig, Bors che und Pfeffer^) 
beobachtete Entstehen des Allylens beim Behandeln 
der zwei völlig verschiedenen Verbindungen C3H4Ci4 
mit Natrium: nämlich aus dem Tetrachlorglycid und 
dem üichioracetonchlorid. Wollte man daraus auf 
die Constitution des Allylens schliessen, so würde 
man auf zwei verschiedene Constitutionsformeln für 
einen und denselben Körper gelangen. Ein zweiter, 
einfacherer und daher wohl noch durchsichtigerer Fall 
ist das schon erwähnte Freiwerden von Aethylen aus 
Aethylidenverbindungen. Ganz anderen theoretischen 
Werth als solche Synthesen haben natürlich die oben 
erwähnten des Amylens und Propylens, bei welchen 
ungesättigte Verbindungen durch doppelten Austausch 
wieder in ungesättigte übergehen. 

Kehren wir nun zu unseren Betrachtungen über 
das Propylen zurück. 

Die aus dem Propylenglycol durch Oxydation 
entstandene Säure ist nach Wurlz2) die gewöhnliche 
Gährungs-Milchsäure; diese Beobachtung stimmt ganz 
überein mit der über die Constitution des Propylens 
ausgesprochenen Ansicht und dürfte schon an und 
für sich als beweisend für dieselbe angesehen werden. 

Wislicenus3) hat durch seine Synthesen der 
beiden Milchsäuren, der einen aus verschiedenen 
Aethylidenverbindungen, der anderen aus Aethylen- 
chlorhydrin, sowie durch die Arbeiten Strecker's 
bewiesen, dass der Unterschied der beiden Säuren 



^) Ann d. Ch. u. Ph. CXXXIIl. 11. und CXXXV. 357. 

*) Daselbst, CVII. 192. 

3) Ann. d. Ch. und Ph. CXXVIll. 1. 



|CH3 iC'H2 

lC"H ^C'H2 



[93 Miltheiluiigeii aus dem Uiiivers.-Laborator. Zürich 

darin besteht, dass die eine die Gruppe Aelhyliden. 
die andere dagegen Aetiiylen enthalt; die Gahrungs- 
miTchsäure wäre als Verbindung- des bivalenten Aethv- 
lidens mit Hydroxyl und Carboxylhydrat, die Para- 
miichsäure als Verbindung des Aethylens mit denselben 
Atomcomplexen anzusehen. Wie nun oben erörtert 
wurde, ist die chemische Strulüur des Aethylidens 
und Aethylens durch folgende Formeln ausdriickbar : 

AeUiyliden. Aethylen. 

Die Formeln der Milchsäuren wären demnach : 

jCHs iCHalOH) 

CH(OH) ICH2 

ICO(OH) !Cü(OH) 

Gäbrungs- oder Aetbyliden- Fleisch- oder Aelhylen- 

Milchsäure. JMilchsäure. 

Die Aethylidenmilchsäure ist also eine dem Hemi- 
pseudopropylglycol entsprechende Säure und wurde 
in der That, wie oben ausgeführt, durch Oxydation 

ICH3 
des Fropylenglycols CIl(OH) erhalten. — Durch wei- 

|CH2(0H) 
tere Oxydation muss sie sich, nach den oben ent- 
wiciielten Analogien, in Essigsäure und Ameisensäure 
spalten : 

2 CH(0H) + 02 = \9,%u + COH(OH) 
[COiOH) ^^^" 

MilchsiJure. Essigsäure. Ameisensäure. 

Die Fleischmilchsäure entspricht hingegen einem 
noch nicht dargestellten eigentlichen Propylenglycol. 



3Iittheilungen aus dem Univers. -Laboralor. Zürich. [99 

ICHzOH) 

(CH2 würde also durch Oxydation in eine zwei- 

JCH2(ÜH) 

basische Säure, in die Malonsaure von Dessaignes, 

überoehen müssen. 

ICHslOH) ICH2OH) ICO(OH) 

CHo CH2 GHo 

|CH2(0H) |CO(OH) (CO(OH) 

Noch nicht dargestelltes Paraiuilchsäure. Malonsaure. 

achtes Propylenglycol. 

In der That bestätigen von mir in dieser Rich- 
tung angestellte Versuche beide Hypothesen voll- 
kommen. 

3) Oxydation der P a r a m i 1 c h s ä u r e. 

Zu diesem Zweck bereitete ich zunächst dieFleisch- 
milchsäure nach Strecker's Angaben aus Schweine- 
galle. Die dabei erhaltene xA.usbeute war aber so ge- 
ring, dass ich damit zu keinen bestimmten Resultaten 
gelangen konnte (aus 20 Maass Schweinegalle erhielt 
ich S— 9 grm. der Säure CsHfiOs. Da nun diese Dar- 
stellungsmetliode auch viel Zeit in Anspruch nahm, 
versuchte ich die Paramilchsäure aus der Fleisch- 
flüssigkeit zu gewinnen, wodurch ich befriedigendere 
Resultate erhielt. Aus 50 Pfund Rindfleisch wurden 
über 35 grm. Fleischmilchsäure gewonnen. Ihr Cal- 
ciumsalz wurde durch öfteres ümkrystallisiren aus 
Wasser gereinigt und dann mit einer zur Zersetzung 
nicht ganz genügenden Menge Oxalsäure vermischt, 
so dass sich im Filtrat die totale Abwesenheit von 
Oxalsäure nachweisen liess. 

Sehr leicht lässt sich die Oxydation der Para- 



200 Mittheilungen aus dem Ünivers.-Laborator. Zürich. 

milchsäure durch Kaliumbichromat ausführen , indem 
man ihre verdünnte Lösung nach und nach mit so 
viel chromsaurem Salz versetzt, dass der durch Re- 
duction des letzteren disponibel werdende Sauerstoff 
ein Molekül auf ein Molekül der Säure beträgt, so 
dass die Oxydation in folgender Weise verlaufen 
kann : 

^'%l\0. +02 = ^'^'^l \ O2 -I- H2O 

Die Einwirkung ging bei äusserer Abkühlung des 
Kölbchens durch Wasser langsam und ohne merkliche 
Gas-Entwickelung vor sich, wobei sich die Flüssig- 
keit nach und nach gründlich grau färbte, ohne dass 
selbst bei längerem Stehen eine Chromoxydabschei- 
dung stattgefunden hätte. Die Oxydation hörte schon 
auf, ehe noch die ganze Menge des Oxydationsmittels 
gelöst und umgewandelt worden war, was, wie man 
voraussehen konnte, von dem Mangel an freier Säure 
herrührt. Wie aus der Gleichung 

/Cr02i .. V'l 

\CrO2 S^ ) O2 = Cr203 -4- K2O + O3 
K2 I 
ersichtlich ist, entstehen aus einem Molekül Kalium- 

dichromat 8 Aequivalente Basis ( h^ M^^ + ^ h ! ^ ) 
und bloss anderthalb Moleküle Sauerstoff zur Oxyda- 
tion, welche anderthalb Moleküle Paramilchsäure zu 
Malonsäure oxydiren würden, entsprechend drei, um 
so zu sagen, Aequivalenten Säure. Um nun die Oxy- 
dation etwas weiter zu treiben, setzte ich nach und 
nach kleine Mengen Salpetersäure zu, bis das Kalium- 
dichromat ganz In Auflösung übergegangen war; auch 



MittheiluDgen aus dem Univers.-Laborator. Zürich. 90 1 

diese weitere Oxydation fand ziemlich ruiiig und oline 
bedeutende Gasentvvickelun« statt. Aus der jetzt ge- 
wonnenen braunen Flüssiglveit suchte ich zunächst 
die Malonsiiure nach der schon von Dessaignes zur 
Isolirung- derselben aus den Oxydationsprodukten der 
Aepfelsiiure angewandten Methode zu gewinnen. Zu 
diesem Zwecke wurde die Lösung' mit überschüssiger 
Kalkmilch gefallt, vom Kalk und abgeschiedenen Chrom- 
oxyd abfiltrirt, und der Niederschlag oft mit sieden- 
dem Wasser ausgezogen.') Die verschiedenen Fil- 
trate wurden mit Bleiacetat gefallt und zur Trennung 
des Bleisalzes der organischen Säure von gleichzeitig 
gefälltem Bleichromat die Niederschläge mit verdünn- 
ter Salpetersäure ausgezogen: das Bleisalz der or- 
ganischen Säure war in das Filtrat übergegangen und 
WHirde durch annäherndes Neutralisiren mit Ammoniak 
in weisslichen Flocken, welche beim Stehen krystal- 
linisch wurden, abgeschieden. Ganz ähnliche Beob- 
achtungen hat Fink eist ein beim malonsauren Blei- 
oxyd gemacht. Nach der Zersetzung dieses Bleisalzes 
mit Schwefelwasserstoff und Eindampfen des Filtrates 
erhielt ich eine krystallinische Säure, welche noch 
immer durch eine beträchtliche Menge von anhängen- 
dem Chromoxyd verunreinigt war. Um das mühsame 
Ausziehen des Kalkniederschlages zu vermeiden, wandte 
ich mit einer anderen Portion eine einfachere Methode 
an: die durch Oxydation erhaltene Flüssigkeit wurde 
mit überschüssigem Ammoniak versetzt und so lange 



1) Uas Calciumsalz der Malonsäure ist sehr schwer iu kaltem 
und ziemlich schwer in heisscm Wasser löslicli. (Finkeislein. Ueber 
die Salze der Malonsäure, Ann. d. Ch. u. Ph. CXXXIII. 338) 



202 MittheiUingen aus dem Ünivers.-Laboralor. Zürich. 

zum Sieden erhitzt, bis der Ammoniakgenich ver- 
schwunden war, vom abgeschiedenen Chromoxyd 
darauf abfiltrirt und das Filtrat mit Bleiacetat gefällt. 
Der so erhaltene Niederschlag wurde ausgewaschen 
und frisch mit Essigsäure ausgezogen. Chromsaures 
lind etwa vorhandenes oxaisaures Bleioxyd blieben 
zurück ; aus dem Filtrate schied sich beim Eindampfen 
krystallinisches Bleimalonat aus; die fast ganz einge- 
dampfte Flüssigkeit wurde später mit Wasser ver- 
dünnt und durch Neutralisiren mit Ammoniak das Blei- 
salz vollständig abgeschieden. Durch Schwefelvvasser- 
stofl erhielt ich daraus wiederum die krystallinische 
Säure, welche indessen auch noch durch Chromoxyd 
verunreinigt war. 

Um diese Säure zu reinigten, neutralisirte ich sie 
mit Ammoniak und versetzte mit Schwefelammon- 
ium. Dadurch wurde ein grosser Theil des Chrom- 
oxyds abgeschieden und beim Eindampfen des Filtrats 
eine schwächer gefärbte sauer reagirende') Ammon- 
salzlösung erhalten. Um nun weiter von Chroni- 
oxyd zu befreien, wurde das Ammonsalz in viel 
Wasser gelöst, mit Bleiacetat niedergeschlagen und 
der Niederschlag mit Schwefelwasserstoff zersetzt; 
die so erhaltene freie Säure wiederum in verdünnter 
Lösung- in Bleisalz umgewandelt u. s. f. Nach öfterer 
Wiederholung dieser Behandhingsweise wurde sie fast 
ganz farblos erhalten und nun durch Umkrystallisiren 
aus Alkohol leicht völlig gereinigt. 



') Dass die mit Ammon neutr.ilisirle Malonsäurelösung beim 
Eindampfen unter Ammoniakabgabe saures Amraonmalonat hinler- 
lässt, hat schon Finkelstein beobachtet. 



Mittbeilungen aus dem Univers. -Laborator. Zürich. t!03 

Durch Salpetersäure kann die Paramilchsäure 
ebenfalls zu Malonsäure oxydirt werden. Diese Me- 
tliode hat den Yorziitr, gleich einigermassen reine 
Malonsäure zu liefern, wodurch die zeitraubende Ab- 
scheidun;.-; des Chromoxydes und die damit verbun- 
denen Verluste vermieden werden. Auch auf diesem 
Wege erhielt ich bei Weitem nicht die ganze theo- 
retische Malonsäuremenge, was indessen wohl nicht 
auffallen kann, da bei all 'n durch so energische Mittel 
hervorgerufenen Oxydationen andere Umsetzungen 
nebenher gehen. 

Zur Oxydation mittelst Salpetersäure konnte di- 
rect das vorhandene Caiciumparalactat angewendet 
werden. Es wurde in Wasser gelöst nnd mit ver- 
dünnter Salpetersäure erhitzt, bis die Entvvickelung 
der rothen Dämpfe abnahm; hierauf wurde die Flüs- 
sigkeit mit Ammoniak neutralisirt und dadurch ein 
gelatinöser INiedersclilag eines Kalksalzes hervorge- 
bracht; derselbe wurde auf einem Filter gesammelt 
und mit kaltem Wasser ausgewaschen. Zur Tren- 
nung von etwa vorhandenem oxalsaurem Kalk wurde 
der Niederschlag so lange mit kochendem Wasser 
ausgezogen, als noch im Filtrat durch Bleiacetat ein 
Niederschlag entstand, welche Operation im Verhält- 
niss zur geringen Menge des Niederschlages ziemlich 
lange Zeit in Anspruch nahm. Die gesammelten Blei- 
niederschläge wurden darauf mit Schwefelwasserstoff 
zersetzt, und durch Verdampfen des Filtrates die kry- 
stallinische Säure erhalten. Sie stimmte in ihren 
physikalischen und chemischen Eigenschaften ganz 
mit der nach der vorher beschriebenen Methode er- 
haltenen Säuren überein. 



204 Mitlheilungen aus dem Univers.-Laboralor. Zürich. 

Die Säure wurde nun nahezu mit Ammon neu- 
tralisirt und durch Zusatz von Silhernilrat das Siiber- 
salz der Saure gefällt. Dasselbe verpuffte, wie auch 
Finkelslein am Silbermalonat bemerkte, beim Erhitzen 
und konnte demnach eine Verbrennung nicht mit 
Sicherheit ausgeführt werden. Eine Silberbestimmung 
konnte indessen vorgenommen werden und ergab mit 
den für Malonsäure berechneten ganz übereinstim- 
mende Zahlen: 

0,2721 grm. des Salzes liefert durch Erwärmen 
mit Salpetersäure und etwas Salzsäure 0,2452 grm. 
Chlorsilber. Es berechnet sich daraus ein Silberge- 
halt von 67,82 p. C, während die Formel des malon- 
sauren Silbers 67,92 p. C. verlangt. 

Das durch Fällen des Ammonsalzes mit Bleiacetat 
dargestellte Bleisalz wurde einer vollständigen Analyse 
unterworfen. 

I. 0,2671 grm. der über Schwefelsäure getrock- 
neten Substanz gaben 0,1141 CO2, 0,0206 H2O und 
0,2623 PbS04. 

II. 0,2434 der bei 100° getrockneten Substanz 
gaben 0,lOi55 CO2, 0,0149 H2O und 0,2380 PbSO^. 

gefunden berechnet 

I. II. 

C 11,65 11,60 11,65 

H 0,86 0,68 0.64 

Pb 67,09 66,80 66^99 

Nach der üebereinstimmung sowohl der durch 

die Analysen gefundenen Zahlen, sowie auch der 

Eigenschaften der dargestellten Salze ist jedenfalls 

der sichere Nachweis geführt, dass die vorliegende 

durch Oxydation der Paramilchsäure entstandene Säure 

Malonsäure war. 



Mittbeiliingen aus dem Univers.-Laboralor. Zürich. 205 

4) Einwirkung von schmelzendem Kali 
auf P a r a m i I ch s ä u r e. 

Durch Schmelzen mit Kalihydrat wird ebenfalls 
die Fleischmilchsäure in Malonsäure übergeführt. 

Zu den in dieser Richtung- angestellten Versuchen 
lag mir leider nur noch eine kleine Quantität Fleisch- 
miichsäure vor. 

In schmelzendes Kali wurde das Natriumparalac- 
tat nach und nach unter Umrühren eingetragen und 
so lange massig erhitzt, als noch Gasentwickelung 
stattfand. 

Die Masse wurde nach dem Erkalten mit Salz- 
säure übersättigt, zur Trockene eingedampft und der 
Rückstand darauf mit Alkohol ausgezogen; der sauer 
reagirende Auszug wurde durch etwas Amnion bei- 
nahe neutralisirt und mit Bleiacetat gefällt, der Nie- 
derschlag gut ausoewaschen und zur Trennung des 
malonsauren Bleies von Chlorblei und etwa vorhan- 
denem oxalsaurem Blei mit Essigsäure ausgezogen. 
Beim Eindampfen der Lösung erhielt ich krystallini- 
sches Bleimaloiiat. Durch Zersetzen mit Schwefel- 
wasserstoff wurde die krystallinische Säure erhalten. 

In allen beobachteten Eigenschaften dieser Säure 
und ihrer Salze stimmte dieselbe mit der Malonsäure 
überein. Da sie schon auf anderem Wege aus der 
Fieischmilchsäure erhalten wurde, konnte die Iden- 
tität der durch schmelzendes Aetzkali aus Paramilch- 
säure dargestellten Säure mit Malonsäure nicht mehr 
zweifelhaft sein. Leider lag nicht genug Substanz zu 
einer vollständigen Analyse vor, jedoch wurde nach 
annäherndem Neutralisiren mit Ammon durch Bleiacetat 

XII. 2. 14 



206 MiUheilungen aus dem Univers.-Laborator. Zürich. 

eine kleine Quantität des Bleisalzes gefällt, mit welcher 
ich eine Bleibestimmung- ausführte. 

O.O0I8 grni. Substanz wurden mit etwas Salpe- 
tersäure und Schwefelsäure im Porcellantiegel zur 
Trockene eingedampft und geglüht; trotz der geringen 
angewandten Menge wurden mit der Theorie sehr gut 
übereinstimmende Resultate erhalten: es blieben 0,031S 
grm. Bleisulfat zurück, entsprechend 67,24 p. C. Pb; 
die Formel des Bleinialonats verlangt 66,99 p. C. 



5) Oxydation der gewöhnlichen Milchsäure. 

Um zunächst den Unterschied zwischen den Oxy- 
dationsprodukteii der beiden Milchsäuren festzustellen, 
wurde eine geringe Menge der gewöhnlichen Milch- 
säure, genau wie oben für die Fleischmilchsäure an- 
gegeben, mit Kaliumhichromat behandelt. Die erhal- 
tene Flüssigkeit wurde mit Ammoniak gekocht; es 
schied sich nur sehr wenig Chromoxyd ab und die 
Flüssigkeit blieb tief grün gefärbt. 1) Mit Bleiacetat 



') DieChromoxydfäihing war wahrscheinlich durch i'iberschüssige 
Milchsäure verhindert. Merkwürdiger Weise hielt die Fleischmilch- 
säure keine, oder nur Spuren von ('.hrouioxyd in Lösung. Dieses 
Verhallen veranlasste mich zu prüfen, ob die Paraniilchsäure die 
Fällung von Kupfersalzen verhindert oder niciit. Bei mit den bei- 
den Milchsäuren parallel angestellten Versuchen wurde die Beob- 
achtung gemacht, dass die mit gewöhnlicher Milchsäure versetzte 
Kupfersulfallösung durch überschüssige Alkalien nicht gefällt wurde; 
die Flüssigkeit färbte sich vielmehr intensiv blau. Aus der mit 
Paramilchsäure versetzten Kupfersulfallösung wurde dagegen durch 
Alkalien Kupferoxydhydrat gefällt, und die überstehende Lösung 
wurde farblos; beim Einleiten von SchwefelwasserstoflF in das Filtrat 



Mitllieilungen aus dem Univers.-Laboralor. Zürich. 207 

erhielt ich i\einen Niederschlag. Das Nichtauftreten 
von ßleichromnt ist hei dem Vorhandensein der leicht 
zu Kohlensäure und Wasser oxydirbaren Ameisen- 
saure durchaus erklärlich: heim Kochen konnte da- 
durch die gesammte Überschüssige Chromsäure redu- 
cirt worden sein. 

Bei genauer Prüfung zeigte sich, dass bloss fluch- 
tige Oxydationsprodukte entstanden waren. Um die- 
selben in grösserer Menge zu gewinnen und zu un- 
tersuchen, wurde in einer tnbulirten Retorte ein 
Gemisch von Kaliumbichi'omat und verdünnter Schwe- 
felsäure zum Sieden erhitzt und durch den Tubulas 
der Retorte mittelst eines ausgezogenen Glasrohres 
nach und nach Milchsäurelösung eingetropft; das ül)er- 
geliende Destillat wurde unter guter Kühlung aufge- 
fangen. Dasselbe hatte deutlich den GerucSi nach 
Essigsäure und Ameisensäure, einige Mal erinnerte 
derselbe auch etwas an Aldehyd. Das sauer reagi- 
rende Destillat wurde mit Zinkcarbonat neutralisirt 
und die Lösung der Zinksalze eingedampft. Es schie- 
den sich zunächst Krystalle von Zinklactat aus, da 
mit den Wasserdämpfen Milchsäure übergegangen sein 
musste. In der Mutterlauge wurden Ameisensäure 
und Essigsäure nachgewiesen. Da man auf die Ab- 
wesenheit von Aldehyd bei der zu dickem Syrup ein- 
gedampften Zinksalzlösung mit Bestimmtheit schliessen 
durfte, wurde die Ameisensäure, deren grösste Menge 
zu Kohlensäure und Wasser weiter oxydirt worden 

fand mir eine schwache Brauiifärbiing statt, so dass also bloss 
Spuren von Kupfer in Auflösung gehalten worden waren. Die 
Verhinderung der Kupferoxydfälking durch organische Substanzen 
muss also abhängig von ihrer Konstitution sein. 



208 Mittheilungen aus dem Ünivers.-Laborator. Zürich. 

war, bloss durch ihre Reaclionen nachgewiesen : Sil- 
bernitrat wurde nämlich unter Gasentwickelung zu 
Silber, Quecksilberchlorid zu Chlorür reducirt. Zur 
Abscheidung der Essigsäure wurde die Mutterlauge 
mit Silbernitrat versetzt, der grauweisse Niederschlag, 
welcher sich bald durch Abscheidung von vermittelst 
des Zinkt'ormiates reducirtem Silber schwärzte, mit 
heissem Wasser ausgezogen und filtrirt. Beim Er- 
kalten des Filtrates schied sich ein Silbersalz in sei- 
deglänzenden weissen platten Nadeln aus, augen- 
scheinlich Silberacetat. Um dasselbe von etwa vor- 
handenem Silberlactat zu befreien, wurde es nochmals 
aus heissem Wasser umkrystallisirt. 

Der Analyse unterworfen, gab dieses Silbersalz 
Zahlen, die mit den für Silberacetat berechneten ge- 
nügend übereinstimmen. 

0,2816 grm. Substanz gaben 0,0500 grm. H2O, 
0,1473 CO2 und 0,18*23 Ag. 

Daraus berechnet sich 

C2H302Ag gefunden 

C 14,37 p. C. 14,27 

H 1,80 . 2,00 

Ag ()4,67 64,74 

Die Oxydationsprodukte der gewöhnlichen Milch- 
säure sind also, wie vorausgesehen, Essigsäure und 
Ameisensäure. 



Durch die eben angeführten Thatsachen kann es 
keinem Zweifel mehr unterliegen, dass die Fleisch- 
milchsäure die der Malonsäure und einem noch nicht 



Mittheiliingen aus dem Univers. -Laborator. Zürich. 



209 



darg-estellten ächten Propyjenglycol entsprechende 
Säure ist, während die Gähriings - Milchsäure ihrer 
Constitution nach auf das gewöhnliche Propylenglycol, 
das Hemipseudopropylenglycol zurückführhar ist. Diese 
Thatsachen bestätigen andererseits die oben von mir 
aufgestellte Formel des Propylenglycols und stimmen 
mit der von Wislicenus festgestellten Constitution 
der Milchsäuren iiberein. 



|CH2(0H) 

CH2 
lCH2(0H) 

noch nicht dargestelltes 
achtes Propylenglycol. 



(CO(OH) 
CH2 
ICHgfOH) 

Paramilchsäure. 



|CO(OH) 
CH2 
ICO(OH) 

Malonsäure. 



ICH3 

^CH(OH) 
lCH2(0H) 

(Hemipseudo)Propylenglycol. 



(CH3 

CH(OH) 

ICO(OH) 

Milchsäure. 



Juli 1866. 



Notizen. 



Ulittheilung über eine Erdbebenperiode. — In einer 
MillheifuDg über einige zu Janina vom Herbste 1856 bis Frühling 
1858 beobachteter Erdbeben macht A. Schiäfli (in der 
Vierteljjihrschrift der zürcherischen naturforschenden Gesell- 
schaft; Jahrg. III) darauf aufmerksam, dass von 17 durch 
grosse Intervalle von V2 bis 1 Stunden getrennten 
Stössen, die auf 10 verschiedene Tage fielen, der 
grössteTheil kurz vor oder nach Sonnenuntergang 
staltfand. Diese 17 Stösse vertheilen sich folgendermassen : 



210 Notizen. 

Um Sonnenaufgang 2; von Sonnenaufgang bis Mittag 0; 

von 2 Stunden vor Sonnenunlergang bis Untergang 8; 

von Sonnenuntergang bis 12 Uhr 5 und von 12 Uhr bis 

Sonnenaufgang 2 Stösse. 
Ganz entsprechende Vertheilungen der ßrdbeben findet 
man bei derUnlersuchung längerer ßeobachtungsreihen. Ordnet 
man die von J. J. Scheuchzer in der Naturgeschichte des 
Schweizerlandes zusammengestellten Erdbeben der Schweiz, 
bei welchen Tagesstunden angegeben sind, sowie die in Frank- 
reich, Belgien und in den Nachbarländern von 819 bis 1843 
beobachteten und von A. Perrey in »Mem. sur les trerable- 
ments de terre« mitgelheilten, so erliäll man folgende Reihen: 

Stunden vor Sonnenaufgang: 

VIII VII VI V IV III II I 

v Scheuchzer 1 2 2 3 3 2 
I Perrey 6 1 10 19 2G 36 17 

Stunden nach Sonnenaufgang : 

1 II III IV V VI VII VIII 

l Scheuchzer 2 12 3 3 2 1t 
? Perrey 12 13 12 10 9 11 6 3 



Erdbeben 



Erdbeben 



Stunden vor Sonnenuntergang: 

VIII VII VI V IV III II I 

p.^k^k^, (Scheuchzer 000 022 3 2 
Erdbeben ] p^^^^^ 6 4 7 U 9 9 24 15 

Stunden nach Sonnenuntergang: 

I II 111 IV V VI VII VIII 

Kn^Koko. i Scheuchzer 12 6 6 2 2 10 
J^rdDeben | p^^^gy g 25 28 19 19 21 9 3 

Diese Zahlen zeigen bestimmt: dass die Erdbeben kurz 
vor und nach Sonnenauf- und Untergangam häufig- 
sten vorkommen, dass zwischen der ersten und 
zweiten Stunde vor Sonnenaufgang und zwischen 
der zweiten und dritten Stunde nach Sonnenunter- 
gang die Hauptmaxima liegen, dass ferner ein Ma- 
ximum vor Sonnenuntergang stattfindet und dass 



JJotizeii. 211 

sie ganz entsprechend der Schäfli'schen Beobach- 
tung um Sonnenuntergang am zahlreichsten a u f - 
dreien. ^^ p,.jj^ ^ 



Das Meteor vom 11. Juni 1867. An obgenanntem Tage 
war in Zürich ein sehr interessantes Meteor sichtbar ; weniger 
merkwürdig an sich als durch die ungewöhnh'che hinterlassene 
Spur. Um circa 8 U. 30 M. Abends zeigte sich am nordwest- 
lichen Himmel plolzh'ch eine Feuerkugel. Während aber an- 
dere derartige Erscheinungen die durchlaufpne Bahn durch eine 
nur wenige Sekunden sichtbare Lichtlinie anzeigen, blieb in 
gegenwärtigem Falle ein woikenartiges Gebilde zurück, das 
über anderthalb Stunden zu sehen war. Ich habe leider die 
Kugel nicht selbst erblickt, sondern nur die gebliebene Wolke 
wahrgenommen. Frau Gehring im untern Schmelzberg (un- 
mitlelbar neben der Sternwarte) hatte das Phänomen von An- 
fang an beobachtet, und sagte mir, die Kugel selbst sei nicht 
gar gross gewesen, etwas heller als ein grosser Stern, und in 
gerader Linie senkrecht hinunter gefallen. Unmittelbar hinter 
der Kugel habe sich blitzartig eine Zickzacklinie gebildet, die 
nachher noch als Wolke am Himmel stand. Sie bemerkte mir 
besonders, dass die Kugel nicht aus der Wolke herausgeflogen 
und dass schon beim Auflauchen erslerer auch letztere sich 
gebildet, so dass also der Vertikaldurchmesser der Wolke 
ziemlich genau die vom Meteor durchlaafene Bahn bezeichnet. 
Frau Gehring bemerkte ferner ein Funkensprühen, und gegen 
das Ende ein Zertheilen der Kugel. 

Nach meinen Beobachtungen halte die Wolke kurze Zeit 
nach dem Verschwinden der Kugel 2° Verlikaldurchmesser. 
Es befand sich nämlich das obere Ende derselben ziemlich 
genau in 8° Höhe, das unlere in 6°. 

Der Horizonlaldurchmesser mochte Vi^ sein. 

Das ganze Gebilde stand in der Richtung N 45° W. Im 
Anfang fast eine Schraubenlinie, dehnte es sich nach und nach 



X12 Notizen. 

in horizontaler Richtung bis zu 3 — 4° aus, und sah dann 
einer der üblichen Schleifen, die man häufig unter den Na- 
mensunterschriften sieht, nicht unähnlich. Die ganze Erschei- 
nung verschwand mir nach 10 ü. allmälig in den Dünsten des 
Horizontes in der Richtung N 48° W. 

In einem sehr grossen Umkreise war die Feuerkugel sicht- 
bar, und ich lasse nun die Nachrichten folgen, die mir darüber 
zu Gesicht kamen , und von denen ich einen grossen Theil 
der Güte meines verehrten Lehrers, Herrn Professor Wolf, 
verdanke. 

Aus Zofingen schreibt Herr Rn : »Um 8 U. 40 M. 

Abends, bei wolkenlosem Himmel und Tageshelle, fuhr ein 
prächtig heller Stern, welcher in einem Winkel von circa 45° 
zur Erde stehen mochte in der Richtung nach Norden hinter 
das Juragebirge, eine weisse Schlangenstrasse hinler sich las- 
send , welche anfänglich beistehende Gestalt halte, und nach 




und nach immer breiter und kürzer wurde„ Die Strasse glich 
der Milchstrasse, nur war sie deutlicher, weisser und bestimm- 
ter abgegrenzt. Ich füge noch bei, dass sonst kein Stern 
am Himmel und es noch tageshell war, so dass man die Zei- 
tung gut hätte lesen können. Dieses Phänomen habe ich mit 
meinen Hausgenossen, von meinem Gute aus, das isolirt, hoch 
liegt und frei gegen Nord und West ist, beobachtet.» 



Notizen. 213 

Herr Schoch-Bodmer, Hafner am Mühlebach (Ge- 
meinde Neumünsler bei Zürich) schreibt folgendes an Herrn 
Prof. Wolf: »In der heutigen N. Z. Zeitung ist der Erschei- 
nung eines Meteors erwähnt, das am letzten Dienstag Abend 
in Basel gesehen wurde. Da ich weiss, dass Sie dafür gros- 
ses Interesse haben, so erlaube ich mir, Ihnen zu berichten, 
dass ich dasselbe ebenfalls von der Zinne meines Hauses aus 
beobachtet habe. Dasselbe fiel mir am Abendhimmel zuerst 
als sehr glänzender Stern auf, fuhr plötzlich mit vielleicht vier- 
fachem Glanz einer Sternschnuppe gegen Westen, mit Zurück- 
lassung eines Rauches ganz wie er von Basel beschrieben wird. 
Die ganze Erscheinung schien mir so wenig von der Erde 
entfernt zu sein, dass ich nicht ganz sicher war,- ob dieselbe 
von einem Feuerwerk herrühre oder nicht , sonst hätte ich 
bälder geschrieben.» 

Dem »Bund« entnehme ich folgende Mitlheilungen : 
»In den »Basler Nachrichten« berichtet Hr. Hagenbach- 
B i s c h o ff über ein Meteor, das den 11. Juni vor halb 9 U. 
Abends in Basel beobachtet wurde, und sowohl in Betreff der 
glänzenden Erscheinung, als hauptsächlich einzelner Umstände 
halber besondere Aufmerksamkeit verdient. Am westlichen 
Himmel stieg einem römischen Lichte ähnlich ein feuriger 
Körper senkrecht in die Höhe bis etwa 25° über dem Horizont 
und nahm ein plötzliches Ende, das auf ein Zerplatzen des- 
selben schliessen lässt. An der Stelle des verschwundenen 
Meteors war nun ein wolkenähnlicher Körper sichtbar, der 
durch seine Helligkeit, sowie durch seine eigenthümlichen 
Formen die Aufmerksamkeil auf sich zog. Erst nach Verlauf 
einer Stunde war dieser Körper verschwunden, nachdem er 
seine Gestalt bedeutend verändert, seinen Glanz nach und nach 
verloren, und seine Lage in der Richtung gegen Süden etwas 
geändert halte. — Was bei dieser Erscheinung be.'^onderes 
Interesse erregt, ist das lange Verbleiben der Spur. 

Ein zweiter Berichterstalter sagt : Die ersten Beobachter sahen 
einen weissen Rauch oder Dampf lothrecht in die Höbe steigen 



214 Notizen. 

wie eine Rakete. Hierauf bildete sich eine cylindrische Spi- 
rale, als wäre die dünne Rauchsäule von einem leichten Wir- 
belwind erfasst worden. Dann zog der untere Theil des Ban- 
des immer mehr südlich und etwas in die Höhe, so dass zu- 
letzt das weisse Wölkchen eine ziemlich horizontale Lage 
annahm. In Liestal hat man die Erscheinung ebenfalls beob- 
achtet. « 

Dann steht in der folgenden Nummer. »Das Meteor, von 
dem wir gestern berichteten, ist auch in Langenthai und Genf 
beobachtet worden; an letzterem Ort in der Richtung der 
»Dole«, also nördlich. 

Die scheinbare Bewegung der äusserst glänzenden Er- 
scheinung war laut den »Basler Nachrichten« nicht sehr gross. 
Sie bewegte sich von Südwest nach Nordost und liess eine 
leuchtende Spur hinler sich. Diese bildete nicht eine zusam- 
menhängende Linie , sondern eine Reihe von leuchtenden 
Funkten. Als der glänzende Kern verschwunden war, blieb 
jene Spur noch eine Stunde sichtbar als ein seltsam gestaltetes 
Gewölk, das sich immer mehr in die Breite zog, bis es zu- 
letzt in der Alhmosphäre sie!) auflöste. 

Dem »Emmenthaler Blatt« wird über diese seltene Erschei- 
nung aus Langnau berichtet. Abends etwa 8V2 U. erschien 
am nordwestlichen Himmel plötzlich eine gewallige Feuerkugel, 
die sich gleich einer grossen Rakete mit langem feurigen 
Schweife, weit umher Funken sprühend, langsam zu Boden 
senkte, soweit dieses wegen dem Bergvorsprung sichtbar war. 
Die einen Augenzeugen behaupten, das Herabsinken sei in 
zickzackförmigen Linien geschehen. Als besonders merkwür- 
dig erschien dem Referenten, dass in dem Augenblick, wo die 
Kugel hinter dem Horizonte verschwand, auf der gleichen Stelle 
und in massiger Höhe auf dem durch die Sonne noch prächtig 
beleuchteten, weit umher ganz wolkenlosen Himmel, sich ein 
wunderbar gestaltetes, hellglänzendes , sehr feines Gewölk 
zeigte, das während mehreren Minuten seine Gestalt und Stelle 
unverändert beibehielt und wenigstens eine Stunde lang sieht- 



Notizen. 215 

bar war. Seine Gestalt war auch zickzacklörmig , in theils 
(lickern, iheils sehr leinen gerarlen Linien; von den letztern 
reichten zwei ziemlich weit über das übrige Gebilde hinaus. 

Die Neue Zürcherzeitung erhielt folgende Miltheilung aus 
Oberslrass (bei Zürich): »Am 11. Juni gegen 9 ü. Abends 
beobachtete ich hier, bei völlig klarem Himmel in der Richtung 
von West-Nord-West eine eigenlhumliche Naturerscheinung. 
Ein Meteor stieg senkrecht auf bis etwa 40 Grad über den 
Horizont, wo es mit Hinterlassung eines hellen, im Anfang 
sogar glänzenden, in Form eines S gekrümmten Streifens, 
plötzlich verschwand. Von dieser glänzenden Masse lösten 
sich Anfangs, in Zwischenpausen von etwa einer Minute, kleine 
Theilchen ab, senkten sich nach der Erde, verschwanden aber 
schon in geringer Entfernung von der Hauptmasse. Diese 
selbst breitete sich lanssam immer mehr aus, so dass sie schon 
nach einer halben Stunde die Form und das Aussehen einer 
kleinen Wolke hatte, aber immer noch S-förmig gekrümmt. 
So beobachtete ich das Grösserwerden dieser Wolke bis 
IOV2 Uhr. 

In dem Compte Rendu vom 17. Juni berichtet Herr Silber- 
mann, dass er den 11. Juni 1867 Abends 8 U. 10 M. (Par. Zeit) 
eine glänzende, sich langsam von West nach NO bewegende 
Sternschnuppe gesehen habe , die etwas nördlich vom Zenith 
durchging, ohne genauere Positionen mitzutheilen. Hingegen 
erschienen in derselben Zeilschrift vom 24. Juni 1867 von Hrn. 
Bonnafont solche, und ich lasse daher seine Notiz wörtlich 
folgen : 

Le 11 de ce mois a 8*" 15'" du soir environ, jetais assis 
dans mon jardin ä .Antony pres Paris; vers le nord apparut un 
splendide meleore. Sa forme me parut resserabler ä celle 
d'une enorme fusee ä la Congreve (Brandrakete), en avanl 
etait un poinl rouge incandescenl; immediatcment apros, le 
Corps presentait une couleur d'un blanc jaunalre tres brillant, 
(jui le coifTait dans ces deux tiers au moins ; de lä s'echappait 
une chevelure incandescenle , dont les reflets allaient en 



216 Nolizen. 

s'amoinclrissanl, mais formaienl uue trainee considerable dans 
ralmosphere. 

M. Barba, Ingenieur de la marine, eludianl les points de 
repere que je lui ai indiques, a pu bien preciser le Irajectoire 
du meteore. Au moment oü le bolido m'aparul, il etail ä Ns^E 
du meridien de Paris et a 22^,3 au dessus de l'horizon. II de- 
crivit ensuite une courbe de forme paraholique, ayanl sa con- 
vexite tournee vers le zenith, en se rapprochant conslamraenl 
de l'horizon, et disparüt au boul de quelques secondes derriere 
une maison ä N 34° E. Sa hauteur au dessus de Thorizon elait 
alors de 16°. 

Herr Weber in Peckeloh theilt in der Wochenschrift von 
Hais (Nr. 27, 1867. VII3) ebenfalls eine Beschreibung und Po- 
sitionsangabe mit : 

»Feuerkugel vom 11. Juni 8 ü. 35 M. Abends. — Die 
herrliche Feuerkugel trat etv^a 15 Minuten nach Sonnenunter- 
gang, wo also der Tag noch nicht viel von seiner Helligkeit 
verloren hatte, in dem Sternbild des Löwen in der Gegend 
von y gleich Anfangs als hellstrahlender, sofort in die Augen 
fallender Körper auf. Bei hüpfender, doch langsamer Bewe- 
gung in südöstlicher Richtung nahm sein Durchmesser derert 
rasch zu, dass er noch zwei Sekunden gegen 20 Minuten be- 
trug. Das Bild erschien sehr unruhig, gleichsam wie von 
sprühenden Funken umgeben. Das jetzt immer intensiver 
werdende, abwechselnd in sanftem Roth aufleuchtende Licht, 
die zuckenden, nach allen Richtungen sich ergiessenden Strah- 
len, besonders der Schweif mit seinen zu Wellen sich aufkräu- 
selnden Gestallen, der Duft, der das Ganze zu umgeben schien, 
die Rührigkeit, welche auch an den klarsten Theilen haftete, 
gaben der Erscheinung einen unbeschreiblichen Reiz. Beson- 
ders prachtvoll war das letzte Auftreten des Körpers. Er 
mochte sich nahe unter ß Virginis befinden , als er nahe bis 
zur Grösse des Mondes anschwoll und in demselben Momente 
in 3—4 Stücke aufging, wovon jedes wieder seine besondern 
Strahlen hatte. 



Notizen. 217 

So langsam der Körper auch früher seinen Weg verfolgt 
halte, so eilten doch diese theilweise sich wiederzertheilenden 
Reste mit Blitzesschnelle sämmtlich dem Horizonte zu, schie- 
nen aber denselben nicht zu erreichen, sondern erloschen in 
einer Höhe von etwa 10^. 

Diese Feuerkugel ist auch in Versmold, ■'/* Stunden nord- 
östlich von hier, gesehen worden. Ihre Grösse wurde mit der 
des Vollmonds, ihr endlicher Zustand mit im Zickzack sich 
kreuzenden Blitzen verglichen ; ihr Gang als hupfend und 
springend. 

Positionen : 
Anfang 8 U. 35 M. Rectascension 169" Deklination + 23°. 
Ende 8 ü. 40 M. » 182° » — 14°. 

In Azimut und Höhe verwandelt waren die Positionen fol- 
gende (Peckeloh 52°!' n. B. und 5" 40' östl v. Par). 
Anfang: Höhe : 48'^ Azimut S 61° W 
Ende : » 20° » S 29° W 

Benützen wir die Angaben von Zürich und Paris, so finden 
wir als Lage des Ortes, in dessen Zenith das Meteor auftauchte: 
51° 4' nördliche Breite und 0° 13' Östliche Länge von Paris, 
also etwa 4 — 5 Meilen westlich von Lille. Mit Zugrundelegung 
des Höhenwinkels von Paris ergibt sich der vertikale Abstand 
von der Erde als 15,1 geogr. Meilen, und nehmen wir den- 
jenigen von Zürich, so finden wir 15,3 Meilen. Das Meteor 
erlosch in 50° 17' nördl. Breite und 1° 28' östlicher Länge von 
Paris. Aus der Höhenangabe des Herrn Bonnafont erhält man 
7,7 Meilen und aus meiner 9,3 Meilen vertikalen Abstand für 
das Ende der Erscheinung. Der zurückgelegte Weg mochte 
etwa 17 Meilen betragen. — Aus der Uebereinslimmung, die 
wir aus diesen zwei Positionen in Bezug auf die Entfernung 
des Meteors erhalten, lässt sich auch schliessen, dass die Orte, 
in deren Zenith dasselbe erschien und erlosch nicht übel be- 
stimmt seien. 

Ich habe auch versucht die Position von Peckeloh mit den 
Beiden andern zu verbinden; aber es wollte mir nicht gelingen. 



218 Notizen. 

Das Azimut des Anfangs ging noch ziemlich an, aber dasjenige 
des Endes hätte sich mit dem von Paris erst im hohen Norden ge- 
schnitten. Ich habe aber entschieden mehr Zutrauen zur Position 
vom letzlern Ort, nicht nur wegen der Uebeieinslimmung im ver- 
tikalen Abstand mit Zürich, von dem Peckeloh ebenfalls bedeu- 
tend abweicht, sondern auch, weil sowohl in Paris als Zürich 
die Bestimmung der Punkte durch Vergleichung mit irdischen 
Objekten gemacht wurde, während Herr Weber zur Vergleichung 
Sterne nahm, die er zur Zeil der Erscheinung schwerlich sehen, 
und mithin leicht eine Täuschung vorfallen konnte. Ein an- 
derer Umstand spricht noch unzweifelhafter gegen die Richtig- 
keit der Positionen; nämlich, dass man bei uns das Meteor 
fallen sah, während aus den Angaben von Peckeloh ein ent- 
schiedenes Steigen halte wahrgenommen werden müssen ; 
wenn auch ein oder zwei Beobachter behaupten, sie hallen ein 
Steigen wahrgenommen, so muss das bei der kurzen Bahn und 
der kurzen Zeit auf Irrlhum beruhen. Endlich müsste bei uns die 
Kugel in einer Höhe von circa 40° erschienen sein, während 
dem ich meinen Angaben nicht einmal einen Fehler von 1° 
zulheilen darf. 

Was die andern Orte betrifft, so stimmen die Richtungen, 
so weit man den vagen Angaben trauen kann , ziemlich mit 
dem berechneten Orte; die Höhen winkel sind meistens viel 
zu gross angegeben, was sehr leicht erklärlicli ist, sobald 

man nur von Ungefähr urtheill. 

[A. Weilemann.] 



I\lotizen zur Schweiz. Kulturgeschichte. (Fortsetzung.) 

157) Der Schweizerbote von 1867 H 12 brachte folgenden 
Nekrolog auf den bereits H 31i7 erwähnten, am 4. Februar ver- 
storbenen Mechaniker Jakob Kern in Aarau: »Jakob Kern 
wurde den 15. August 1790 in Berlingen, einem ihurgaui- 
schen Dorf am Untersee, geboren. Kaum vier Jahre alt ver- 




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Notizen. ^-fQ 

lor er seinen Vater, der ein Gerber war. worauf die Mullei-, 
aus dem Kanton Glarus stammend, mit ihrem Kinde wieder 
in die frühere Heimat nach Mollis zu Verwandten zog. Hier 
nahm sich seiner besonders die Grossmulter an, bis 1799, dem 
Jahre schwerer Verhängnisse für das Schweizerland. Im 
Spätherbst dieses Jahres geschah jener abenteuerliche Heeres- 
zug des russischen General Suwarow, der, von St. Gollhard 
kommend, die hohen Gebirgsrücken des Kinzigkulms über- 
stieg, um ins Schächenthal zu gelangen, allein von den sieg- 
reichen Franzosen über den Pragel nach Glarus gedrängt wurde. 
In den Gegenden von Mollis und Näfels erneuten sich die 
Kämpfe der erbitterten Armeen mit Zerstörungen und Ver- 
heerungen weit umher. Die Einwohner geriethen in furcht- 
bares Elend und alle Entsetzen einer Hungersnoth brachen 
über sie ein. Wie im Jahre zuvor aus dem verwüsteten Nid- 
walden sandte man auch von hier viele arme Kinder, um sie 
aus dem Verderben zu retten, zur Pflege in Gegenden der 
Schweiz, die vom Kriege verschont geblieben waren. Dieses 
Loos traf auch den nun ganz verwaisten, neunjährigen Jakob 
Kern. Ein menschenfreundlicher Plai rer in Mollis empfahl ihn 
seinem Freunde, Vater Rudolf Meyer von Aarau, der sich 
damals als Senator der helvetischen Republik in Bern aufhielt. 
Dieser edle, im Wolillhun unermüdliche Mann, nahm sich des 
Knaben hilfreich an. Er bereitete ihm eine Zufluchlsstiitte und 
neue Heimath in seinem Hause zu Aarau und liess ihn hier 
mit seinen eigenen Söhnen erziehen. Nie hat Herr Kern die 
Wohlthalen vergessen , die er in diesem gesegneten Hause 
empfing. Er schloss sich mit besonders inniger Freundschaft 
an den Grosssohn Gottlieb Meyer, welcher ihm auch noch 
später, als Kern ein eigenes Geschäft zu gründen begann, seine 
treue Hand zur Hilfe bot. Der Knabe besuchte zuerst das da- 
mals in Aarau bestehende Rahn'sche Institut und trat einige 
Jahre später in die von Vater Meyer gestiftete Kantonsschule 
als einer ihrer jüngsten Schüler ein. Als er fünfzehn Jahre 
alt geworden, brachte ihn sein Pflegvater in die Lehre zu Job. 



220 Notizen. 

Ludwig Esser, von Weissenburg geburtig, der sich in Aarau 
als geschickler Mechanikus niedergelassen und daselbsl das 
erste mechanische Etablissement gegründet halte. — Nachdem 
Kern in dieser trefflichen Schule seine Lehrzeit vollendet hatte, 
ging er auf die Wanderschaft. Von jetzt an ein tüchtiger Ar- 
beiter, bildete er sich in den besten damaligen Werkstätten 
für geodätische Instrumente zu Daimstadt, Stuttgart, München 
und Karlsruhe weiter aus, und kehrte 1819 als Meister in sei- 
nem Fache nach der Stadt Aarau zurück. Mittellos, aber auf 
den Beistand Gottes und seine eigene Arbeitskraft vertrauend, 
gründete er nun ein eigenes ganz bescheidenes Geschäft. Gute 
Freunde leisteten ihm Hilfe. Die Erfahrungen . welche er im 
Ausland ü:esaramelt, bestens zu Nutze ziehend und seine Stu- 
dien unermüdlich fortsetzend, gelang es ihm seine Werkstätte 
immer mehr au-ziidehnen und zuletzt zu einer anerkennens- 
werthen Höhe zu bringen. Auf allen höhern technischen An- 
stalten sind seine Reisszeuge bekannt und gesucht. Seine 
Feldmessinstrumente, im Anlange der auswärtigen starken 
Konkurrenz halber nur in der Schweiz gekannt, fanden Aner- 
kennung derart bei den schweizerischen Eisenbahnbauten, 
dass sich nachher auswärtige Eisenbahngesellschaflen wie die 
Franz-Josephs-Orientbahn, die Brennerbahn, die würtember- 
gischen und badisohen Bahnen, auch italienische und spanische 
Gesellschaften bei ihm die Instrumente fournirten. 

(Fortsetzung folgt). 

[R. Wolf] 



Mittlieilungen 
aus dem analytischen Laboratorium in Zürich. 

(Juli 1867.) 



I. Ueber die Constitution der Phanylsehwefelsäure. 

Von 
Prof. Städeler. 



Die Plienylschwefelsäure : €6H6S04 entsteht auf 
gleiche Weise aus dem Phenol, wie die Aethyl- 
schwefelsäure aus dem Weingeist, und man nimmt 
desshaib an, dass beide Körper gleiche Constitution 
besitzen, obwohl die Eigenschaften des Phenols und 
des Weingeists einerseits, und die der Aethylschwe- 
felsäure und der Phenylschwefelsäure andererseits 
sehr wenig Uebereinstimmung zeigen. Viel wahr- 
scheinlicher war es für mich, dass die Phenylschwe- 
felsäure der Isiithionsäure entsprechend zusammen- 
gesetzt sei, und dass sie in demselben Verhiiltniss 
zur Salicylsaure stehe, wie die Isalhionsäure zur 
Milchsäure : 

rv I €2 H4 . S^02 I p A ) €2 H4 . €^ I r» 

Isalhionsäure Milchsäure 

£^ I -Gö H4 . S^02 1 ^ 1 €5 H4 . €0 I Q 



H Hf^ "IH H 

Phenylschwefelsäure Salicylsaure, 

XII. 3. 15 



222 Städeler, Constitution der Phenylschwefelsäure. 

Schon die grosse Beständigkeit der Phenylschwe- 
felsäure und ihrer Salze, so wie das völlig gleiche 
Verhalten der Phenylschwefelsäure und der Salicyl- 
säure gegen Eisenchlorid sprachen für das angedeu- 
tete Verhältniss. Im Uebrigen war meine Ansicht 
leicht experimentell zu prüfen. Steht die Phenyl- 
schwefelsäure der Salicylsäure in der That so nahe, 
wie es die Formeln ausdrücken, haben wir sie als 
eine Salicylsäure anzusehen, in welcher das Carbo- 
nyl durch Sulfuryl vertreten ist, so muss die Phenyl- 
schwefelsäure 1) auf gleiche Weise aus Phenol und 
Schwefelsäureanhydrid sich bilden lassen, wie die 
Salicylsäure aus Phenol und Kohlensäureanhydrid, 
2) müssen durch Substitution von 2 Wassersloflatomen 
Salze mit 2 At. Base darstellbar sein, und 3) muss 
sie in eine der Sulfosalicylsäure entsprechend zu- 
sammengesetzte Disulfonsäure verwandelt werden 
können. 

Ich Hess zunächst von Herrn Klunge, der mir 
bei der vorliegenden Arbeit sehr wesentliche Hülfe 
geleistet hat, eine grössere Quantität phenylschwefel- 
sauren Baryt darstellen. Farbloses krystallinisches 
Phenol wurde mit dem 1 1/2 fachen Gewicht concentr. 
Schwefelsäure vermischt und geschüttelt, bis keine 
freiwillige Erhitzung mehr wahrgenommen wurde, 
dann 12 Stunden hei Seite gestellt, mit kohlensaurem 
Baryt gesättigt, und das Filtiat zur Krystallisation 
verdampft. Der Krystallbrei wurde durch Pressen 
von der etwas alkalisch reagirenden Mutterlauge be- 
freit und durch ümkryslallisiren gereinigt. Das Salz 
schoss jetzt in Drusen von durchschnittlich l" Durch- 
messer an. die aus einem Gewebe von langen haar- 



Städeler, Constitution der Pheuylschwefelsäure. 223 

feinen Nadeln bestanden , völlig neutral reagirten und 
2'/4 Till. Wasser von 15° zur Lösung bedurften. Die 
Lösung wurde selbst bei grössler Verdünnung durch 
Eisenchlorid prachtvoll violet gefärbt, genau so, wie 
die Lösung der Salicylsäure und ihrer Salze. 

Der phenylschw^efelsaure Baryt enthält ursprüng- 
lich 5 Aeq. Wasser, aber er verwittert äusserst 
rasch, und man findet diesen Wassergehalt annähernd 
nur dann, wenn man grosse Drusen zur Analyse be- 
nutzt, und diese zuvor von der verwitterten Kruste 
befreit. (Gefunden 14, 14,55 und 14,84 statt 15,71 
Proc. Wasser.) Untersucht man die verwitterten 
Krusten oder lässt man kleinere Drusen einige Zeit 
an der Luft liegen , so stimmen die analytischen Re- 
sultate mit Laurent's Beobachtungen überein. Die 
Formel : 



ö|H'"~*^B'alö + 3aq. 



verlangt 25,51 Proc. Barium und 10,06 Proc. Wasser. 
Gefunden wurden 25,49 Proc. Barium und 10,04, 
10,07 Proc. Wasser. 

Lässt man das zerriebene Salz sehr lange an der 
Luft liegen, so schreitet die Verwitterung noch wei- 
ter fort. In einem solchen Falle wurden nur 8,48 
Proc. Wasser gefunden. Stellt man das zerriebene 
Salz über Schwefelsäure, so entweicht das Wasser 
ziemlich bald fast vollständig. 

Nachdem ich mich durch die vorstehenden Ver- 
suche mit den Eigenschaften des phenylschwefelsauren 
Baryts näher bekannt gemacht hatte, Hess ich Schwe- 
felsäureanhydrid auf Phenol einwirken. Bei einer so 



224 Städeler, Constitution der Phenylschwefelsäure. 

starken Säure schien mir die Mitwirkung von Natrium 
überflüssig zu sein. In einem mit Wasser abgekühlten 
Kolben, welcher krystallinisches Phenol enthielt, wur- 
den so lange die Dämpfe von Schwefelsäureanhydrid 
geleitet, bis die Krystalle zu einem farblosen Syrup 
zerflossen waren. Nach vierundzwanzigstündigem 
Stehen des verschlossenen Kolbens wurde mit Was- 
ser verdünnt und die milchige nach Phenol riechende 
Flüssigkeit mit kohlensaurem Baryt gesättigt. Das 
klare Filtrat lieferte beim Verdunsten einen Krystall- 
brei, der deutlich nach Phenol roch und durch eine 
anhängende ßarytverbindung des Phenols, seihst nach 
wiederholtem ümkrystallisiren, stark alkalisch reagirte. 
Zur Reinigung wurde die Krystallmasse in Wasser 
gelöst, mit verdünnter Schwefelsäure bis zur schwach 
sauren Reaction versetzt, dann das frei gewordene 
Phenol durch Erhitzen entfernt, und die filtrirte Flüs- 
sigkeit zur Krystallisation verdunstet. Es schössen jetzt 
dieselben aus zarten Nadeln bestehenden Drusen an, wie 
man sie bei der gewöhnlichen Darstellung des phenyl- 
schwefelsauren Baryts erhält. Die Krystalle reagir- 
ten vollkommen neutral ,. gaben mit Eisenchlorid ein 
prachtvolles Violet, und enthielten im lufltrocknen 
Zustande 10,15 Proc. Wasser und 25,S9 u. 25,46 Proc. 
Barium. 

Aus der Analyse und allen Eigenschaften der er- 
haltenen Verbindung geht hervor, dass das Phenol 
durch Schwefelsäureanhydrid und durch Schwefel- 
säurehydrat in dieselbe Säure übergeführt wird, in 
Phenylschwefelsäure. Zwei isomere Säuren, wie man 
sie aus dem Weingeist durch Einwirkung von Schwe- 
felsäurehydrat oder Anhydrid erhält, existiren vom 



Städeler, Constitution der Phenyischwefelsäure. 225 

Phenol nicht, wenig^stens erhält man sie nicht bei dem 
von mir eing^eschlagenen Verfahren. 

Ich versuchte nun eine Verbindung der Phenyi- 
schwefelsäure mit 2 At. Barium») darzustellen, indem 
ich genau so verfuhr, wie Piria zur Darstellung des 
sog. neutralen salicylsauren Baryts. Ich vermischte 
eine warme concentrirte Lösung des gewöhnlichen 
Barytsalzes mit einer heiss gesättigten Barytlösung, 
worauf sich sofort ein schwerer, aus mikroskopischen 
Kügelchen bestehender Niederschlag abschied , der 
nach dem Erkalten der Flüssigkeit gesammelt und mit 
kohlensäurefreiem Wasser gewaschen wurde. Die 
Verbindung war sehr schwer löslich und reagirte stark 
alkalisch. Sie war dem neutralen salicylsauren Baryt 
entsprechend zusammengesetzt und enthielt auch die- 
selbe Menoe Wasser: 



rv) G6H4 . S02lr» , j 

^iBa Bar ^ ^ ^'^' 



Die Formel verlangt 39,71 Proc. Barium, ge- 
funden wurden 89,79 Proc. Von dem Krystallwasser 
entwichen B Aeq. (berechnet 7,8B, gefunden 7,B4 
Proc.) bei 150°. Das vierte Aequivalent wird sehr 
hartnäckig zurückgehalten. Der ganze Krystallwas- 
sergehalt beträgt 10,43 Proc. Die Gewichtsabnahme 
bei 225° betrug 9,76 Proc. 

Vermischt man die Lösung des Salzes mit Eisen- 
chlorid, so tritt ebenfalls violete Färbung ein, aber 
weniger schön, und allmälig scheidet sich etwas Ei- 
senoxyd ab. 

^) Ba = 68,5. 



226 Städeler, Constitution der Phenjischwefelsäure. 

Dieses Salz spricht entschieden gegen die bisher 
für die Phenylschwefeisäure angenommene Formel : 

TT n M^l^2- Wäre diese Formel richig, so könnte 

ein Salz von der gefundenen Zusammensetzung nicht 
existiren. 

Die Phenylschwefeisäure, oder besser Phenylen- 
sulfonsäure, enthält offenbar, ebenso wie die Sa- 
licylsäure (Phenylencarbonsäure), 2 Hydroxylatome, 
von denen das eine mit Sulfuryl, das andere mit Phe- 
nylen verbunden ist. Dem entsprechend reagiren die 
Salze mit 1 At. Base neutral, die mit 2 At. Base alkalisch. 

Es konnte jetzt keinem Zweifel mehr unterliegen, 
dass sich auch eine der Sulfosalicylsäure entsprechende 
Disulfonsäure werde darstellen lassen. Diese Säure ent- 
steht in der That sehr leicht. Man braucht nur Phe- 
nylensulfonsäure oder ihr Barytsalz mit concentrirter 
Schwefelsäure zu erhitzen, dann mit Wasser zu ver- 
dünnen und mit kohlensaurem Baryt zu sättigen, so 
schiesst beim Verdampfen das Barytsalz der neuen 
Säure an. Vom phenylensulfonsauren Baryt unter- 
scheidet sich dieses Salz schon durch seine Form, 
seine geringere Löslichkeit (es bedarf bei 15° 5,1 Tbl. 
Wasser zur Lösung), und sein Verhalten gegen Eisen- 
chlorid, wodurch es nicht violet sondern rubinroth 
gefärbt wird. Ich nenne diese Säure Phenetyl- 
disulfonsäure, da sie das vom Benzol abstammende 
trivalente Radikal Phenetyl ') enthält, das mit zwei 



») Benzol: OeHG^, Phenyl: GeHs', Phenylen: Göüi". Phene- 
tyl: GgH.V", Phenetylen: ^6^2"". — Das Phenetyl ist das Radikal 
der sog. Pyrogallussäure, für die der Name Gallin passender sein 
dürfte,- mit einer Valenz an Carbonyl gebunden, bildet es das Ra- 



Städeler, Gonstitntion der Pbenylschwefelsäure. 227 

seiner Valenzen an zwei Sulfurylalome gebunden ist. 
Die Bildung der Säure aus der Plienylensulfonsäure 
ergiebt sich aus folgender Gleichung: 

^Ih Hr+ H2r2-H2t>+^;H jjj^2 

Phenylensulfonsäure Phenetyldisulfonsäure. 

Um die Säure in grösserer Menge darzustellen, 
habe ich Phenol mit dem 10 fachen Gewicht concen- 
trirter Schwefelsäure vermischt, und die Mischung 
einige Stunden auf dem Wasserbade oder kürzere 
Zeit über freiem Feuer auf etwa 200° erhitzt. Darauf 
wurde mit Wasser verdünnt, mit kohlensaurem Baryt 
gesättigt und das Filtrat zur Krystallisation verdampft. 
Der phenetyldisulfonsäure Baryt «choss dann in kur- 
zen dicken Prismen an, die gewöhnlich zu Drusen 
oder Krusten verwachsen waren, und durch einmali- 
ges Umkrystallisiren vollkommen rein erhalten werden 
konnten. x\m schönsten erhielt ich das Salz, als ich 
aus den neutral reagirenden Krystallen ein saures 
Salz darzustellen versuchte, indem ich die zerriebenen 
Krystalle unter Erwärmen in soviel Normalschwefel- 
säure löste, als zur Bindung der Hälfte des Baryts 
erforderlich war. Beim Erkalten der filtrirten Lösung 
krystallisirte das neutral reagirende Salz in grossen 
glas- und perlmutterglänzenden oblongen Tafeln mit 
zugeschärften Rändern, welche als Combination der 
vorherrschenden Längsflächen mit einem orthorhom- 



dikal der Oxysalicylsäure. Die Carbonylverbindung des Phenetylens 
ist das Radikal der GaUussäure: 



Sjje. e,{6f37ee|« o.{tl^'~^t\<^ 



OxysaUeylsäure 



228 Städeler, Constitution der Phenylschwefelsäure. 

bischen Prisma von nahe 120^ und mit einem stum- 
pfen Liingsdotua angesehen werden können, woran 
auch noch die Basisflächen vorltommen. — Ein saures 
Barytsalz scheint nicht zu existiren; als die Krystal- 
lisation des neutral reagirenden Salzes beendigt war, 
blieb fast reine Phenetyldisulfonsäure zurück. 

Die Analyse des Salzes führte zu der Formel: 



^in'^'^'tÜe^ + s-i- 



Sie verlangt 29,72 Proc. Barium, 13,88 Schw^efel 
und 15,62 Wasser. Im Mittel von vier sehr nahe 
übereinstimmenden Analysen (Salze von verschie- 
dener Darstellung) wurden 29,65 Proc. Barium, 13,93 
Schwefel und 15,45 Wasser gefunden. Zur Aus- 
treibung des ganzen Wassergehaltes musste auf 225° 
erhitzt werden. Zwischen lOÜ und 120^ entweichen 
7 Aeq. Wasser. 

Kocht man eine Lösung des phenetyldisulfon- 
sauren Baryts mit kohlensaurem Baryt, so wird Ba- 
ryt aufgenommen und man erhält ein alkalisch rea- 
girendes Filtrat. Etwas von diesem alkalischen Salze 
bildet sich auch schon beim Sättigen der erhitzten 
Mischung von Phenol und Schwefelsäure mit kohlen- 
saurem Baryt und in Folge dessen pflegen die vom 
phenetyldisulfonsauren Baryt getrennten Mutterlaugen 
stets alkalisch zu reagiren. 

Dampft man diese Laugen auf ein kleines Vo- 
lumen ein, so erhält man eine sehr unansehnliche 
Krystallisation, und in einem Falle hatte sich soviel 
von dem alkalisch reagirenden Salze gebildet, dass 
es mir gelang, dasselbe zu isoliren. Die Salzmasse 



Slädeler, CoiislHulion der Phenylschwefelsivure. 229 

wurde dtircli Pressen von der Mutterlauge befreit 
iiiid der Rückstand wiederholt mit wenig- Wasser 
behandelt. In die Lösung- ging- hauptsachlich neu- 
traler phenetyklisulfonsaurer Baryt, und es blieb ein 
pulverCörniiges Salz zurück, das auch in siedendem 
Wasser schwer löslich war, stark alkalisch reagirte, 
und durch Eisenchlorid auf gleiche Weise gefärbt 
wurde, wie das neutral reagirende Salz. 

Aus der Analyse ergab sich, dass in dem pul- 
verförmigen Salze auch das dritte Wasserstoffatom 
der Phenetyldisulfonsäure durch Barium vertreten war. 
Die Zusammensetzung der iufttrocknen Verbindung" 
entsprach der Formel: 



^Inl R.:^2 + 6aq. 



Ba Ba_ 

Sie verlangt 40,34 Proc. Barium, 12,5ö Schwefel 
und 10,61) Wasser. Gefunden wurden 40,40 Proc. 
Barium (Mittel von 2 Bestimmungen) und 12,48 Proc. 
Schwefel. Bei 170° verliert das Salz 4 Aeq. Wasser 
(berechnet 7,07, gefunden 7,03 Proc), und es bleibt 
ein Salz mit 2 Aeq. Wasser zurück, das nur schwierig- 
den ganzen Wassergehalt verliert. Bei 225"^ betrug- 
die Gewichtsabnahme 9,73 statt 10,60 Proc. 

Die auffallende Erscheinung, dass dieses schwer- 
lösliche Salz in die Mutterlauge übergeht, erklärt 
sich daraus, dass dasselbe in ansehnlicher Menge von 
dem neutralen Salz gelöst wird. Ob dabei eine Ver- 
bindung von bestimmtem Aequivalentverhältniss ent- 
steht, habe ich nicht untersucht. 

Ein anderer Weg zur Darstellung des Salzes 
besteht darin, dass man eine heisse concentrirte Lö- 



230 Städeler, Constitution der Pbenylschwefelsäure. 

sang des neutralen phenetyldisulfonsauren Baryts 
mit einer heiss gesättigten Barytlösung- vermischt. 
Das sich alsbald abscheidende undeutlich krystal- 
linische Salz enthält aber nur 3 Aeq. Krystallwasser, 
von denen 2 Aeq. ebenfalls bei 170° zurückgehalten 
werden. 

Das lufttrockene Salz enthielt im Mittel von 2 
Bestimmungen 42,63 Proc. Barium und verlor bei 
170^ 1,9 Proc. Wasser. Nach der Formel: 

n 1 ^6 H3 . 2 SO2 ( 0„ J- S an 

^IBa Ba2f^2H ^ aq. 

muss es 42,5 Proc. Barium enthalten und bei 170° 
mussten 1,86 Proc. Wasser entweichen. 

Die freie Phenetyldisulfonsäure habe ich aus dem 
lufttrocknen neutralen Barytsalz durch Zersetzen mit 
der berechneten Menge Normalschwefelsäure darge- 
stellt. Lässt man das Filtrat an der Luft verdunsten, 
so erhält man einen dünnflüssigen Syrup, der über 
Schwefelsäure rasch an Consistenz zunimmt, worauf 
die Krystallisation genau so beginnt, wie Mendius 
die Krystallisation der Sulfosalicylsäure beschreibt. 
Es bilden sich lange farblose seidegiänzende Na- 
deln, die sehr regelmässig von einem gemeinsamen 
Mittelpunkt auslaufen. Nach wenigen Tagen ver- 
schwindet der Syrup vollständig und das Ganze ist 
in eine harte weisse Krystallmasse verwandelt. 

Die Phenetyldisulfonsäure ist in hohem Grade 
hygroskopisch, sie zerfliesst sofort an der Luft, und 
eignet sich desshalb nicht für die Analyse. Von ab- 
solutem Weingeist wird sie reichlich, aber etwas lang- 
sam gelöst, in absolutem Aether ist sie unlöslich. 



Städeler, Constitution der Phenjlschwefelsäure. 231 

Die Wässerige Lösung- der Säure giebt mit Eisen- 
chlorid dieselbe rubinrothe Färbung wie das Baryt- 
salz, während die weingeistige Lösung violet gefärbt 
wird, genau so wie die Lösung der Phenylensulfon- 
säure, und die Farbe bleibt dieselbe auf Zusatz von 
Wasser. Ich muss es vorläufig dahingestellt sein las- 
sen, ob durch Einwirkung des Weingeistes eine Re- 
duction zu Phenylensulfonsäure stattfindet, es wäre 
diess sehr merkwürdig, da die Phenetyldisulfonsäure 
ebenso wie die Phenylensulfonsäure mit Wasser ge- 
kocht werden kann, ohne sich zu zersetzen. 

Die Phenetyldisulfonsäure ist dieselbe Säure, die 
soeben Wein hold im Juliheft der „Annalen der 
Chemie" unter dem Namen Oxyphenylendisulfonsäure: 

rs204i 



2HO.(C,2H402)"[s^Q^j 



meiner Untersuchung 



O2, beschrieben hat. Da aus 

lervorgeht, dass die Säure 3 
durch basische Radikale vertretbare WasserstofFatome 
enthält, so konnte ich den von Wein hold vorge- 
schlagenen Namen, der nur für die von ihm aufge- 
stellte Formel passt, nicht annehmen. 

Ich glaube, dass die von mir angestellten Ver- 
suche ausreichend sind , um darzuthun , dass die 
Phenylensulfonsäure (Phenylschwefelsäure) nicht der 
Aethylschwefelsäure, sondern der Isäthionsäure zur 
Seite steht, dass sie also als eine Salicylsäure an- 
gesehen werden muss, in welcher das Carbonyl durch 
Sulfuryl vertreten ist. Auffallend ist es nur, dass es 
Mendius') nicht gelang Salze der Sulfosalicylsäure 
mit 3 At. Base darzustellen; die Möglichkeit der Exi- 
stenz soicher Salze stellt er übrigens nicht in Abrede 



') Annal. d. Clicra. 103. 39. 



282 Städeler, Constitution der Phenylschwefelsäure. 

(S. 50 II. 60), und bei seinem Versuche ein basisches 
Barytsalz darzustellen, konnte dieses durch die ein- 
wirkende Kohlensäure wieder zerstört werden. Die 
Bildung der Sulfosalicylsäure spricht jedenfalls dafür, 
dass sie 3 vertretbare WasserstofFatome enthält: 

^!h "' ■ ^h1^' + ^^20 = ej ^6^3 . (SO2 . €0) j^,^ 

Salicylsäure Sulfosalicylsäure. 

Ich gedenke einige neue Versuche über die Ver- 
bindungsfähigkeit dieser Säure mit Basen anzustellen, 
und hoffe darüber bald berichten zu können. 



II. Zur Frage über die Zuckerbildung in der Leber. 

Von 

Dr. Albert Eulenburg, 

Privatdocent in ßerliu. 

Bekanntlich machte vor einigen Jahren W. Pavy 
— zuerst 1858<) und in weiterer Ausführung 18622) _ 
die überraschende Angabe, dass der Zuckerbefund 
in der Leber in den fundamentalen A. Bernard'- 
schen Versuchen als Leichenerscheinung zu betrach- 
ten sei, und dass in der Leber überhaupt prämortal 
unter normalen Verhältnissen kein Zucker producirt 
werde, respective die Leber des gesunden lebenden 
Thieres keinen solchen enthalte. Diese Entdeckung 



^) Guy's hospital reports 1858, IV, p. 291. 
^) Researches ori the nature and treatment of diabetes, Lon- 
don 1862, 



Eulenburg-, über die Zuckerbildung in der Leber. 233 

war einigermassen geeignet, die verfrühten Hoffnun- 
gen , welche sich an die Bernard'schen Versuche 
sowohl für ein besseres Verständniss der physiologi- 
schen Leberfunction als auch für die Pathogenese des 
Diabetes geknüpft hatten, im Keim zu zerstören. Es 
ist daher begreiflich, dass man die Angaben Pavy's 
anfänglich mit entschiedenem Misstrauen aufnahm und 
längere Zeit fast ganz ignorirte , obwohl sich bald 
darauf auch Meissner i) auf Grund mehrerer Ver- 
suche für die Richtigkeit derselben aussprach. Neuer- 
dings hat nun Ritter 2) unter Meissner's Leitung 
die Pavy'schen Versuche, hauptsächlich an Kaninchen, 
wiederholt und durchaus bestätigt gefunden. Das von 
ihm eingeschlagene Verfahren bestand darin, dass das 
ausgeschnitfene oder ausgerissene Leberstück, in 
möglichst kleine Stücke zerschnitten, möglichst rasch 
in nahe stehendes, fortwährend im Sieden erhaltenes 
Wasser gebracht wurde. Das so bereitete Extract 
wurde nach Zusatz einer kleinen Menge Essigsäure 
filtrirt und auf Zucker geprüft. Die Probe geschah 
in der Weise, dass „ zu dem gewöhnlich noch heissen 
Extract zuerst eine kleine Menge schwefelsaure Ku- 
pferlösung, darauf Aetzkali gesetzt und das Gemisch 
zum Sieden erhifzt wurde." Das Ergebniss dieser 
Versuche war, mit Ausnahme eines einzigen Falles 
(vgl. unten): „dass die an Glycogen reiche Leber des 
gesunden lebenden Kaninchens keine Spur von Zucker 
enthält, dass aber in derselben sofort nach dem Tode 
die Zuckerbildung beginnt" (p. 72). 

') Jahresbericht für 18G2, p. 310 ff. 

^) üeber das Araylum und den Zucker in der Leber, Zeitschr. 
f. rat. Med., XXIV, p. 65—81. 



234 Enlenburg, über die Zackerbildung in der Leber. 

Bei einigen Versuchen, welche ich im verflosse- 
nen Sommer im Laboratorium des Herrn Prof. Sta- 
del er ebenfalls an Kaninchen anstellte, und wobei 
ich auf das Genaueste den Vorschriften Ritter's ge- 
folgt war, erhielt ich zu meiner Ueberraschung mehr- 
mals eine deutliche Zuckerreaction — weit häufiger 
aber eine undeutliche, verwischte, indem das Gemisch 
beim Kochen nur einen schmutzig-braungrünen Far- 
benton annahm, und beim Stehen kein rothes Sedi- 
ment von Kupferoxydul , sondern einen flockigen, 
schmutzig-braunen oder auch gelblichen Niederschlag 
absetzte. In seltenen Fallen blieb auch jede Reaclion 
aus. Wurde aber in den Fällen der letzteren Cate- 
gorieen das Gemisch nachträglich mit einem reich- 
lichen Ueberschusse von Kalilauge versetzt 
und nöthigenfalls mehrere Minuten hindurch im Ko- 
chen erhalten , so entstand jedesmal eine deutliche 
Zuckerreaction. Wurde endlich von der Ritter*- 
schen Vorschrift insofern abgewichen, als zuerst eine 
Probeflüssigkeit aus genau abgemessenen Mengen tit- 
rirter Kupferlösung, reiner Weinsäure und Kalilauge 
(s. unten) bereitet, diese zum Kochen erhitzt, und das 
zu prüfende Extract während des Kochens zugesetzt 
wurde, so versagte die Reaction ebenfalls niemals. 

Diese Ergebnisse mussten den Verdacht erwecken, 
dass das Ausbleiben der Reaction in den Ritterschen 
Experimenten möglicherweise in der minder genauen 
Ausführung der Zuckerprobe seinen Grund hatte, in- 
dem dabei Weinsäure gar nicht und Kalilösung in un- 
bestimmter, vielleicht zum Gelingen der Reaction 
ungenügender Quantität zugesetzt wurde. Ich musste 
also annehmen, dass das nach Ritter's Angaben ge- 



Eulenburg:, über die ZuckerbilduDg in der Leber. f>35 

wonnene Extract regel massig eine Spur von 
Zucker enthielt: dieser Zucker brauclite aber dess- 
wegen nicht in der normalen Leber fertig zu existi- 
ren, er konnte, ebenfalls durch Schuld der Methode, 
in dem vom Organismus getrennten Leberstück bei 
dem zur Extractbereitung eingeschlagenen Verfahren 
künstlich producirt sein. So lag die Möglichkeit nahe, 
dass beim Eintragen in siedendes AVasser die Leber- 
stückchen, obwohl zerschnitten, nicht augenblicklich 
im Inneren die Siedetemperatur erreichten und daher 
die Fermentwirkung nicht sofort vollständig inhibirt 
wurde, so dass noch etwas Glycogen in Zucker über- 
geführt werden konnte. Ritter selbst erhielt auf 
diese Weise in einem Falle die Zuckerreaction — in- 
dem, wie er meint, die Lebersubstanz nicht hinreichend 
fein zerschnitten war und die Stücke sich daher nur 
langsam erwiirmten. Auch liess sich allenfalls daran 
denken, dass die beim Kochen gebildeten Prodncte 
leimgebender Substanz in der angesäuerten Lösung 
zum Theil eine weitere Zersetzung unter Abspaltung 
von Zucker erfahren haben konnten. 

Diese Bedenken veranlassten mich , auf An- 
rathen des Herrn Prof. Stade 1er, zur Untersuchung 
der Leber ein anderes Verfahren einzuschlagen, wo- 
bei sowohl die Fermentwirkung augenblicklich und 
vollständig coupirt, als auch die Bildung von Leim 
etc. vermieden und endlich die Zuckerprobe in einer 
zw^eckmässigeren und sicherern Weise ausgeführt wer- 
den konnte. 

Dem horizontal ausgestreckt gehaltenen Kanin- 
chen wird durch einen queren Schnitt dicht unterhalb 
des proc. xiphoides die Bauchhöhle geöffnet, von der 



236 Eulenburg, über die Zuckcrhildung in der Leber. 

vorliegenden Leber ein Stück abgerissen und sofort 
in einer bereit stehenden Reibschale mit Glaspulver und 
starkem Weingeist zerrieben. Der Weingeist wirkt 
hierbei momentan ein, so dass jede weitere Fer- 
mentwirkung- ausgeschlossen wird, und in wenig^en 
Secunden ist das weiche Organ — falls man ein nicht 
allzu grosses Stück genommen hat — auf das Feinste 
vollständig- zerquetscht. Der durch vorherijjjes Zer- 
schneiden verursachte (gewiss nicht unbedenkliche) 
Zeitverlust fällt somit hier ganz fort. Der so ge- 
wonnene weingeistige Auszug- wird in ein Glas ge- 
spült, einige Minuten in gelinder Wärme digorirt, fillrirt, 
dann der Weingeist verdunstet, der Rückstand in 
nicht zu viel Wasser aufgenommen , unter tropl'en- 
weisem Zusatz von nicht mehr l^leiessig als zur 
Fällung eben nöthig- ist, gefällt, filtrirt, das Fil- 
trat mit Schwefelwasserstoff entbleit, vom Schwefel- 
blei ahfiltrirt, und nach Entfernung des überschüssi- 
gen Schwefelwasserstoffs durch Erwärmen und Neu- 
tralisation mit einem Tropfen Natron zur Untersuchung- 
verwendet. Statt der Behandlung- mit Schwefelwas- 
serstoff kann man auch ein etwas expediteres Verfah- 
ren einschlagen, indem man nach der Fällung durch 
Bleiessig das Filtrat mit Natron tropfenweise versetzt, 
bis die anfangs entstehende Trübung wieder verschwin- 
det, das überschüssige Blei also in Lösung bleibt. Die 
Versuche zeigten, dass für die Ausführung derZncker- 
probe dieser kleine Bleigehalt ganz irrelevant ist. 

Da es bekannt ist, dass die gemischte Fehling'- 
sche Probeflüssigkeit zu Irrtbümern Veranlassung ge- 
ben kann, indem durch die bald rascher, bald lang- 
samer erfoloende Zersetzung der Weinsäure eine 



Euleiiburg, über die Zuckerbilduiig in der Leber. 237 

spontane Ausscheidiino- von Kupferoxydnl slatlfindet, 
so benutzte ich die Stitdeler'sciie Mischung'), 
um die Möghchkeit einer solchen spontanen Reduc- 
tion des Kupferoxyds gänzlich auszuscliliessen ; der 
kochenden Proheüüssigkeit wurde alsdann das auf 
Zucker zu prüfende Extract zugesetzt und das Ge- 
misch drei Minuten hindurch in bestandigem Ko- 
chen erhalten. Trat nach dieser Zeit keine Reaction 
ein, so wurde die Abwesenheit von Zucker als si- 
cher constatirt angenommen. 

Die in dieser Weise ausgeführten Proben ergaben 
bei sechs gesunden Kaninchen ein durchaus nega- 
tives Resultat; die Leber derselben enthielt wahrend 
des Lebens keine Spur von Zucker, ßei fünf Thie- 
ren wurde parallel mit dem eben beschriebenen Ver- 
(l'ahren ein möglichst gleich grosses, gleichzeitig oder 
selbst vorher abgerissenes Leberstück der Behand- 
lung mit siedendem Wasser und Essigsäure nach 
Ritte r's Vorschrift unterworfen. In allen Fällen 
gab das in letzterer Weise bereitete Extract deut- 
liche Zuckerreaction, wofern nur Kali in hinreichen- 
der Menge zugesetzt und das Kochen der Flüssigkeit 
lange genug unterhalten wurde: dagegen enthielt das 
mit Weingeist in obiger Weise bereitete Extract nie- 
mals die geringste Spur von Zucker. Es kann also 
über die Superiorität dieses letzteren Verfahrens zur 
Entscheidung der in Rede stehenden Frage wohl kein 
Zweifel obwalten. 

Bei einem einzigen Kaninchen — zufällig dem 
ersten , an dem ich diese Üoppeluntersuchung vor- 



') Lieb ig und Kopp, Jahresbericht 1854. p. 747. 
XII. 3. 16 



238 Eulenburg, über die Zuckerbildung in der Leber. 

nahm — gab auch das mit Weinofeist behandelte und 
zerriebene Leberstück eine zwar nur spurweise, aber 
doch deutliche Zuckerreaclion. Da in diesem Falle 
die Gallenblase in dem ausgerissenen Leberstücke mit 
enthalten war, so drängte sich nachträglich die Ver- 
muthung auf, dass ein Zuckergehalt der Galle viel- 
leicht Ursache der Reaction gewesen sein könne. 
Ks wurde daher weiterhin bei zwei Thieren die Gal- 
lenblase absichtlich mit herausgenommen und das so- 
mit gewonnene gallenhaltige Extract auf Zucker ge- 
prüft, wobei sich jedoch keine Spur einer reduciren- 
(ien VVirkunij herausstellte. Es muss also die Ursache 
des (jedenfalls als Abnormität anzusehenden) Verhal- 
tens bei dem ersten Kaninchen dahingestellt bleiben: 
ich bemerke hier nur, dass das betreffende Thier in 
hohem Grade abgemagert und am ganzen Körper mit 
Räude behaftet war, so dass dieser Umstand mögli- 
cherweise bei dem difFerenten Verhalten seiner Leber- 
substanz nicht ganz ohne Gewicht war. 

Ritter erwähnt, dass bei den in Rede stehenden 
Versuchen auf die Herbeiführung der Nnrcose durch 
Aether- oder Chloroforminhalationen, und ebenso 
durch Morphium, durchaus verzichtet werden müsse 
— indem, wie bereits Reynoso, Bence Jones, 
Coze u. s. w. angaben und theil weise auch Pavy 
bestätigte — unter solchen Umständen vorübergehen- 
der Diabetes-auftrete ! Dieses Factum ist aber keines- 
wegs constant, und übrigens auch der nothwendige 
Zusammenhang zwischen dem Erscheinen von Zucker 
im Harn und vitaler Zuckerbildung in der Leber ganz 
unerwiesen. Die beiden folgenden Versuche lehren 
nun, dass wenigstens die Aelhernarcose bei Ka- 



Eulenburg, über die Zuckerbildung in der Leber. 589 

ninchen, wenn sie nicht in übertriebener Weise (bis 
zu deletarer Wirluing^?) g-esteiffert wird, an sicli i\ ei- 
nen Zu ckergiehal t der Leber hervorruft. 

Zwei kräftige Albino-Kaninchen inhalirten l-l'/2 
Minuten lang reinen Schwefeläther, wovon circa 80 
Tropfen auf ein in geringem Abstände vorgelialtenes 
Tuch gegossen wurden. Nachdem gänzliche Anäst- 
hesie für mechanische Reize, comatöser Zustand und 
Myose eingetreten waren, wurde ohne heftige ünter- 
i)rechung von Seiten der Thicre der Bauchschnitt 
ausgeführt, und die herausgerissenen Leberstücke in 
der gewöhnlichen Weise untersucht. Nach einigen 
Minuten wurden die Thiere durch Verblutung getödtet. 
Die während des Lebens und bei fortbestehender Nar- 
cose entnommenen Leberstücke waren in beiden Fäl- 
len ganz zuckerfrei; auch der aus der Blase ent- 
nommene Harn enthielt keinen Zucker. Dagegen 
zeigten die post mortem entnommenen Leberstücke 
bei gleicher Behandlung eine stark reducirende Wir- 
kung, wie dies auch bei nicht narcotisirten Thieren 
(vgl. unten) jedesmal der Fall war. 

Ein drittesKanincl^gn wurde mit zweifach Chlor- 
kohlenstoff (C2 Cli) in einer um den Kopf des Thie- 
res gestülpten Blase durch drei Minuten lang fort- 
gesetzte Inhalationen bis zu schwerer Vergiftung 
betäubt, so dass hochgradige Respirationsstörungen, 
Facialathmen und dispnoetische Convulsionen auftraten 
und das Thier todt zu sein schien. In diesem Sta- 
dium wurde die Bauchhöhle geöffnet und ein Leber- 
stück herausgeholt, wobei sich zeigte, dass das Herz 
noch regelmässig, aber schwach, pulsirte. Die Le- 
ber enthielt in diesem Falle wirklich Zucker; 



240 Eulenburg, über die Zuckerbildung in der Leber. 

auch der aus der Blase postmortal gesammelte Harn 
gab die Zuckerreaction sehr deutlich. Es scheint 
demnach, dass nur eine bis zu letaler oder jedenfalls 
äusserst intensiver Intoxication gesteigerte Narcotisi- 
rung durch Inhalation die prämortale Zuckerbildung 
in der Leber — und vielleicht auch den Diabetes ? — 
hervorruft. 

Hinsichtlich der Ergebnisse bei nach dem Tode 
entnommenen Leberstücken stimmen meine Unter- 
suchungen ganz mit den Befunden früherer Experi- 
mentatoren, namentlich auch Ritte r's, überein. Be- 
reits unmittelbar nach dem Tode zeigt das noch so 
vorsichtig zerriebene und mit Weingeist behandelte 
Stück der Lebersubstanz deutlichen Zuckergehalt, und 
es nimmt derselbe oiFenbar innerhalb kurzer Zwischen- 
räume stetig und ausserordentlich rasch zu. 

Ich schliesse diese Mittheilung mit dem Ausdrucke 
meines herzlichen Dankes gegen Herrn Prof. Sta- 
de 1er, der mir bei diesen wie bei anderen Versuchen 
im Laufe des verflossenen Sommers die freundlichste 
und wirksamste Unterstützung geschenkt hat. 



Catalogue systeinatiqne et descriptif 

des 

Mollusques tertiaires du Musee föderal de Zürich, 

par 
Ch. Illayer. 



II. Mactrides et Pholadomyides. 

Avant-propos. 

LorsqiiMl y a onze niois, je promettais dans mon 
premier cahier de continuer rna publication de trimestre 
eri trimestre, je m'exagerais singulierement et les loi- 
sirs qiie je croyais avoir et la faculte d'extension du 
recueil dont je me sers. Reconnaissant desormais 
l'impossibilite materielle d'aller aussi vite en hesogne, 
je retracte aujourd'hui ce que mes prortiesses avaient 
d'exagere; mais en meme temps, j'ai hate de m'excuser 
du retard prolonge qu'a subi le present article, en 
affirmant que ce retard n'est du qu'au voyage imprevu, 
en conge de deux mois, que je viens d'accomplir. 

Au moment oü j'ecris, et peut-etre grace ä mon ab- 
sence, aucune critique de mon premier article ne m'est 
encore tombee sous les yeux. Aussi bien, je profite de 
cette circonstance pour aller au-devant des obser- 
vations auxquelles mon ouvrag^e peut donner lieu, en 
corrig^eant moi-meme les defauts qu'un nouvel exa^- 
men m'y fait apercevoir. 

Et quant ä la forme, je reg^rette tout le premier 
que le petit format du recueil zuricois n'ait pas permis 
de suivre l'arrangement que j'avais adopte dans mon 
manuscrit et qui consistait a mettre les colonnes dans 



242 Mayer, Moliasques terliaires da Musee föderal de Zürich. 

Je sens longitudinal de la page et au bas les annota- 
tions concernant la litteratiire. C'est qii'en effet, cet 
arrangement eut permis plus tard de faire suivre les 
lisles dans l'ordre systematique, sans qu'eiles fussent 
interrompues par les pag-es occupees par les citations 
et les diagnoses, et qu'il eut en nieme temps facilite 
la consultation des donnees de ces ordres differents. 
Mais, je le repete, en ce point, il y a eu cas de 
force majeure, car le remede propose par l'impri- 
meur et qui consistait ä reduire d'un tiers la longueur 
des colonnes, pour faire place ä la litterature, n'eut ete 
qu'un autre mal. 

En second Heu , je puis m'imaginer que le mode 
choisi pour indiquer les niveaux geoiogiques ne plaira 
pas ä tout le monde et deplaira particulierement ä bon 
nombre de Geologues allemands. J'avais meme dans 
le principe l'idee d'aller au-devant de quelques desirs, 
en designant ces niveaux par les noms de localites que 
je leur ai donues en majeure partie; mais une der- 
niere consideration m'a retenu : c'est qu'outre que 
ces noms de coucbes sont encore loin d'etre fa- 
miliers ä chacun, ils auraient dans le cas present 
le desavantage de dire tantöt trop et tantöt trop peu; 
trop, en reunissant sous une meme denomination des 
assises d'äge peut-etre different, trop peu, en ne per- 
meltant point de distinguer certaines couches locales, 
qui peut-etre acqiiiereront plus tard la valeur de ni- 
veaux geologiques, telles que la couche ä Peignes de 
Leognan, Saucats, etc. (le Langliien I, a), les diverses 
assises des Etages parisien, bartonien, aquitanien, etc. 

A ceux au contraire qui, sans vouloir s'encrouter 
dans les termes d'eocene, miocene et pliocene, trou- 



Mayer, Mollusques (ertiaires du Musee federal de Zürich. 243 

veraient pourtant que je fais trop de distinctions, je 
dirai: N'y prenez pas garde. Libre ä vous de ne dis- 
tinguer que les Etages ; mais alors qu'est-ce que mes 
chiffres, qui represeiitent des niveaux geologiqnes 
generaux, et mes iettres, qui indiquent des assises 
locales, qu'est-ce que tout (?eia vous fait? 

II me reste a repondre ä {'Observation verbale, qui 
m'a ete faite par quelques savants, que revalualion 
d'objets d'Histoire naturelle n'est pas ä sa place dans 
un ouvrage scientifique. A ces puritains de la Science, 
i'opposerai Tavis de MM. Beraud, Bourgeois, Caillaud. 
Riettnann, Rouault et Tournouer, qui m'ont dejä ex- 
prime leur satisfaction au sujet de ma colonne d'eva- 
luation, et j'apprendrai que nos collections zuricoises 
ont trois proprietaires difFerents: la ville, le canton et 
ia confederation, et qu'elles sont reunies par contrat, 
dont une clause fixe, ä dater de 1861, ia part en pro- 
portion avec sa contribution annuelle, ä laquelle pourra 
pretendre chacune des trois parties, dans le cas d'une 
dissolution de l'elablissement. 

A certain confrere enfin, qui Irouve que mes eva- 
luations sont trop basses, je repondrai que je ne crois 
pas m'etre trompe quant aux especes vulgaires et aux 
moules mal conserves, et que si j'ai 9a et lä taxe ä 
trop bas prix une especc fort rare, c'est que je Ia 
croyais moins clairsemee. C'est ainsi que le Strpmbus 
coronatus de Mantheian vaut en effet vingt francs au 
lieu de cinq, le Strombus decussatus de Termo-Fourä 
trois francs, etc. üu reste, cbacun s'apercevra que 
dans mon premier cabier j'ai neglige d'evaluer les eti- 
quettes. En me fondant aujourd'bui sur des exemples 
ä moi connus et sur le travail, tant de determination 



244 Mayer, Mollusqaes tertiaires du Musee federal de Zürich. 

difficile que d"enregistrement complique aiiquel nos 
series donnent lieu, je crois ne pas depasser les li- 
mites de la modestie en taxant chaque etiquette a 
cinquante Centimes pour chaeune de nos deux collec- 
tions. Ce seront donc ces chiffres que j"ajouterai 
dorenavant a la valeur brüte pour ainsi dire de nos 
lots de fossiles. 

Zürich, le 11 Juillet 1S67. 

Charles Mayer. 



inlroduction geoiogique. 
Aux douze Etages tertiaires precedemment etablis 
— Etages parfaitement distincts, tant par leurs rela- 
tions stratigraphiques (deplacement partiel des mers, 
changement de roclie, etc.;, que par le cachet parti- 
culier de chaeune de leurs faunes — doivent aujour- 
d'hui venir se joindre deux Etages nouveaux. ayant 
leurs places. Tun, tout ä la base de la serie. soit 
entre les Etages danien et suessonien. Tautre (desor- 
mais le douzieme) entre le Tortonien et TAstien. Le 
prernier, dont Texistence pouvait dejä etre soup(;5onnee 
en raison de Timmense lacune que presentait jusqu'a- 
lors la Serie marine cretacee-tertiaire, vient detre 
fixe par la decouverte en Flandre , ä la base des 
terrains eocenes. de couches marines dont la faiine 
toute nouvelle rappelle ä certains egards celle du 
calcaire grossier; l'autre, que de nouvelles lumieres 
nie permettent äujourd'hui de reconnaitre comme bon, 
vient d'etre propose par Mr. Seguenza"") pour les 
couches que naguere encore je considerais comme 



*) Exposition universelle de Paris. 1867. 



Mayer, MoUusques tertiaires du JVIusee federal de Zürich. 245 

formant la partie inferieure de TEtage astien. Ce 
nouvel accroissement du nombre deja si considerable 
des Etag-es tertiaires donne decidement ä cette for- 
ination une importance de beaucoup superieure a celle 
des periodes cretacee ou jurassique et reiid ainsi plus 
utile que jamais sa division eii deux ou plusieurs 
groupes symetriques et naturels. Mallieurensement, 
les faits s'opposent plus ou moins aux tentatives de 
cette nature, en ce qu'iis demonlrent qu'aucuiie ligne 
de demarcation tranchee, soit sous le rapport strati- 
graphique, soit sous ceiui des fossiles, n^existe entre 
deux Etages sur tous les points en nieme tenips, mais 
qu'au contraire, dans plusieurs bassins ä la iois, tels ou 
tels Etages, tantöt ceux-ci tantöt ceux-lä. se suivent 
d'une maniere reguliere et sont de proche eii proclie 
relies les uns aux autres par une grande partie de 
leurs faunes. C'est ä ces ecueils longtemps ignores 
que viennent actuellement se briser l'une apres i'autre, 
toutes les anciennes ciassificatmns des terrains terti- 
aires, Celles de MM. Desliayes et Lyell, aussi bien que 
Celle de M. Elie de Beaumont et celle de M. Beyrich. 
Car, en elFet, et puisqu'il faiit le redire, qu'esl-ce au- 
jourd'hui que le „Pliocene"? ün simple Etage comme 
un autre, appuye en Italie sur l'Etage precedent et 
relie aux Etages voisins par une si grande partie de 
sa faune, qu'il n'a presque plus <i'especes caracteris- 
tiques. Qu'est-ce que l'ancien „ Miocene"? Le melange 
de quatre Etages tres distincts sous le rapport stra- 
tigrapbique et dont le premier (rAquitanien) n'a de 
commun avec le quatrieme (le Tortonien) que des 
especes encore Vivantes et quelques-unes qui appa- 
raissent des fepoque tongrienne. Qu'est-ce enfin que 



246 Mayer, Mollusques fertiaires du Musee federal de Zürich. 

'Oliffocene"? La reunion de trois Etaffes lies entr'eiix 



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par une partie de ieurs faunes dans le petit bassin du 
Nord de l'AIIemaone, parce qu"!! y a lä par hasard 
une lacune au-dessous e\ au-dessus d'eux, mais qui 
ailleurs sont plus nettement separes les uns des autres 
que l'iiiferieur et le superieur ne le sont de l'Etaye 
precedent ou suivant. Or, puisque ces termes et clas- 
sificalions n'ont plus aujourd'hui aucune raison d'etre, 
pourquoi les conserver et pourquoi ne pas les rem- 
placer par la Classification si commode et si naturelle ä 
la d'Orbigny et ä la Oppel ? 

Mais cependant, et puisqu'il serait vraiment hon 
d'etablir une ou deux grandes coupures dans la trop 
longue Serie tertiaire, il est ä nies yeifx un mode de 
Separation qui bien plus que tout autre a pour lui 
l'avantage d'etre ä peu pres naturel en nieme temps 
qu'il est commode et parfaitement symetrique. Ce 
mode est celui propose par M. Hoernes et qui consiste 
ä diviser les terrains tertiaires en deux groupes d'e- 
gale valeur, ä finstar des terrains siluriens, et de placer 
la ligne de demarcation de ces deux groupes entre 
l'Eocene et Tancien Miocene, soit entre les Etages ton- 
grien et aquilanien. C'est qu'en efFet, n'en deplaise 
aux Geologues prussiens , c'est bien lä, ä la fin de 
l'epoque tongrienne, que se sont produits en Europe 
les changements les plus importants, soit coinme de- 
placement des mers, soit comme mutation des faunes. 
Et en premier lieu, sous le rapport stratigrapbique, il 
y a eu lä alors, dans le Nord de TEurope : retraite 
de la mer de toute la partie anglaise, franQaise et 
beige du bassin tertiaire et retrecissement d'un tiers 
du bassin du Nord de TAllemagne; dans le centre: 



Mayer, Mollusqucs tertiaires du Musee federal de Zürich. 247 

elevation generale et importante oii tout au moins 
premiere delimination de toute la chaine des Alpes, 
accusee par la presence de depöts tongriens sui* les 
montagnes de Faudon et St-Bonnet, de la Dent-du- 
Midi, des Diablerets, du Titlis, etc., et par la place 
qu'occupent les premiers depöts marins de l'epoque 
aquitanienne au pied de la grande muraille alpine ; 
dans le Sud-Ouest de la France, enfin: retrecissement 
et evasement considerable du bassin, accuse par des 
depöts ä peu pres tous d'eau douce ou d'eau saumatre, 
etc., etc. Sous le rapport paleontologique, disparition 
dans TEtage aquitanien d'ä peu pres toutes les especes 
,jeocenes", c'est-ä-dire de celles qui relient encore 
en assez grand nombre le Tong-rien aux Etages sous- 
jacents; extinction ä peu pres complete des Nummu- 
lites"""), encore accumulees en nombre prodigieux dans 
les couches superieures des zones alpine et meridionale 
de TEtage tongrien (St-Jacques pres de Rennes, Gaas, 
le Tuc-du-Saumon pres de Dax, Faudon, Argentines 
dans les Alpes frangaises, la Dent-du-Midi, les Dia- 
blerets; Acqui, Cassinelle, Pietra-Bissara, etc. dans 
PApennin piemontais; Verone, Costel-Gomberto, etc.); 
enün, premiere apparition des grands pachydermes et 
d'une foule de Mollusques encore existants. Mais je 
le repete, ä ces donnees vient de rechef se choquer 
toute une serie de faits de l'ordre paleontologique, qui 
saus detruire completement la ligne de demarcation 
admise, en diminuent singulierement la nettete et l'im- 
portance. Je veux parier du passage dans TAquitanien 



*) Genre beaucoup plus tmportant et caracteristique que M. 
Matheron ne veut le croire. (Bull. Soc. geol. 1867, p. 221.) 



248 Mayer, Mollusques tertiaires du Musee federal de Zurieb. 

du Nord et du Centre, oü elles s'eteig-nent, d'un hon 
uombre d'especes que l'oii croyait jadis propres au 
Tongrien du Nord, et de Tapparition dans la zone me- 
ridionale de ce dernier Etage (Calcaire ä Asteries, Gaas, 
Peireiiorade; Carcare, Dego, Acqui, Cassinelle; Castei- 
Gomberto, Saicedo, etc.) d'une quantite d'especes jadis 
considerees comme caracterisliques des deux ou trois 
etages suivants. Tout ceja prouve de jour en jour 
d'avantage la verite de l'axiome linneen Natura non facit 
saltum, mais n'empeche pas que la ligne de demarcation 
tracee par M. Hoernes ne soit bien au milieu de la 
Serie tertiaire. 

L'espace nie manque de nouveau pour donner ici un 
aper9u ou tableau synoptique des etages et couches 
tertiaires , tels que je les ai fixes dans nion grand 
tableau synchronistique de 1865. Je nie borne donc 
encore cette fois ä indiquer succinctement les change- 
ments en mieux que le progres de nos connaissances 
nie permet d'introduire dans nia Classification. Ces 
changements, que chacun pourra facilenient reporter 
lui-menie ä mon preniier fascicule, se reduisent aux 
suivants: 

1" En ine souniettant tout le preniier ä la loi de 
bonne Classification qui veut que tout noni d'etage soit 
emprunte ä une localite oü Tun des types niarins de 
l'etage existe, et eu egard aussi ä la repugnance na- 
turelle qu'ont les Allemands ä se servir du mot de 
Mayencien, j'abandonne ce nom d'etage et je propose 
de le reniplacer par le nom de Langhien*) propose 



*) Les Laiighe, longue et large chaine de hautes coUines entre 
Acqui et le Tanaro superieur. 



Mayer. 3IoUusqiies tertiaires du Musee federal de Zürich. 249 

par M. Pareto (Bull. .Soc. geol. 18G5, p. 229) pour 
des couches marines , dont la niasse (les coiiches ä 
Pteropodes et ä Naiitiles) appartient de fait au second 
etage neog^ene. Les deux niveaiix de cet etage ayant 
pour types les faluns de Leogifan et de Saucats. je 
reconnais encore qiril vaut mieux les designer par les 
noms de Couches de L4ognan et de Couches de Saucats^ que 
de leur donner des noms empruntes prematnrement ä 
des loralites du bassin de Vienne, dont la stratig'raphie 
n'est pas encore parfaitement en ordre. 

2'' La decouverte recente, faite par M. Tournouer 
sur les confins des departenients du Gers et des Landes, 
de couches identiques aux faluns de la Touraine, prouve 
enfm que ceux-ci ne sont pas simplement un Facies des 
Couches de Saucats, mais appartiennent ä un niveau 
superieur, tres distinct par ses relations stratigraphiques 
et par sa faune bien moins riebe en especes tropica les 
et beaucoup mieux fournie d'especes mediterraneennes. 
Ce niveau etant intimement lie au niveau suivant 
(les Couches de Serravalle), sous les rapports strati- 
graphique et paleontologique, dans le Sud-Ouest et le 
Centre de la France aussi bien que dans le Jura suisse- 
allemand, il devient aujourd'hui necessaire de le reunir 
ä l'Eta^e helvetien. L'on voudra donc bien remplacer 
dans mon premier cahier le terme de Mayencien II b, 
par celui dUelvetien I et ceux d'Helvetien I et II par 
ceux d'Helvetien II et III pour toutes les localitus ci- 
tees, sauf Celles de la colline de Turin qui doivent 
rester. les unes, (Rio della Batteria, Villa Roassenda, 
Baidissero inferieur) au niveau des Couches de Man- 
thelan et, les autres, (Termo-Foura, Pino, Baidissero 
superieur) au niveau des Couches de Serravalle. Les 



250 Mayer. Mollusques tertiaires du Musee federal de Zurieb. 

couches ä grosses Lucines du Pino, de Stazzano, et 
de Monte-Baranzone pres de Modene en revanche, 
representant en Italie le calcaire de Leitha du bassin 
de Vienne, doivent etre placees au niveau des couches 
de Steinabrunn. 

B"" L'etage nouveau qua, d'accordavecM. Seguenza, 
je propose aujourd'hui d'intercaler dans la serie ter- 
tiaire, est sans contredit l'un des plus interessants sous 
tous les rapports. Et d'abord, il constitue justement, 
par la place qu'il occupe ainsi que par sa faune, ce 
moyen-terme entre le „Miocene" et le „Pliocene'" dont 
on avait besoin pour prouver l'inutilile de cette dis- 
tinction. II ofFre aux meraes niveaux des depöts ma- 
rins, d'eau saumätre et d'eau douce tres etendus. Enfin, 
il relie en un seul faisceau une foule de depöts dont 
la place dans la serie n'etait pas fixee d'une maniere 
certaine, tels, que les couches d'eau saumätre du bassin 
du Danube, la Mollasse d'eau douce superieure de la 
Suisse, etc. Aussi arrive-t-il ä son sujet le fait assez 
rare que, quoique delimine d'aujourd'hui seulement, il 
a dejä re9u plusieurs appellations. C'est en effet ä 
son niveau moyen qu'a ete donne par M. Heer le nom 
d'Etage ceningien ; a son niveau inferieur qiie se rap- 
porte l'Etage sarniathien de M. Suess; et c'est pour 
les puissanles assises marines qui le representent aux 
environs de Messine que M. Seguenza voudrait pro- 
poser le nom d'Etage zankleen. Malheureusement, 
toute cette terminologie peche de plusieurs manieres 
contre la loi qui doit presider ä la denomination d'un 
etage geologique: l'une a le triple defaut d'etre em- 
pruntee ä un village bien peu connu en Europe, de 
prendre pour type un depöt d'eau douce et de n*em- 



Mayer, Mollusques tertiaires du Musee föderal de Zürich. 551 

brasser que ce seiil depot. Le second nom a des 
defaiits semblables, en ce qu'il est einprunte ä FHisloire 
ancienne que tont le monde ne sait pas, qu*!! a pour 
type iin depöt d'eau saumatre et qii'il n'est appliqiie 
qu'aii tiers interieur de Tetage. Le troisieme enfin 
peche par son classicisine, inintelligible ä la majorite 
des Geologues. Dans ces circonstances, je crois qii'il 
m'est permls cornme createur d'uiie Classification con- 
seqiiente et logique de proposer poiir Tetage en ques- 
tion un nom qui liii convient en tous points. Ce noni 
est celui d'filtage messinien. 

Etant distrait de TEtage aslien, tel que je Pavais 
propose dans mon premier fascicule, Tetage messinien 
comprend, cela va sans dire, trois niveaux differents, 
les Couches de Billovvitz ä la base. les Couches d'In- 
zersdort' au milieu et les Couches d'Eppelsheim en haut. 
Les assises principales qui forment le premier niveau 
sont: les couches ä Cerithes et ä Mactra podolica du 
bassin du Danube et de la Russie, les marnes a Ce- 
rithes de Stazzano et de Ste-Agate pres de Tortone, 
et la mollasse sableuse, micacee et blanchätre, du Nord 
de la Suisse. Au second niveau se relient les couches 
a Dreissenies ^ou Congeries) du bassin du Danube et 
de Kertsch, la region des g"ypses superieurs de TA- 
pennin septentrional, et la mollasse d'eau douce su- 
perieure de la Suisse, etc. Au troisieme niveau enün 
se rattachent les cailloux roules du Tortonais et du 
Plaisantin , les sables et cailloux a Dinotherium du 
bassin du Danube, du Jura et du bassin rhenan, et les 
depöts analogues du Sud-Ouest de la France. Les 
marnes marines „mio-pliocenes'" des environs de Mes- 
sine, en revanche, vu leur grande puissance, corres- 
pondront vraisemblablement aux trois niveaux a la fois. 



252 Mayer, Mollusques tertiaires du Musee federal de Zürich. 

Je termine cette trop longue introdiiction par une 
remarque, au sujet de mes noms d'Etages, ä Tadresse 
des Geologues allemands. Bon nombre de Strati- 
graphes d'Oiitre-Rhin, attires par les avantages de 
la Classification a ia d'Orbigny, ont adopte ses noms 
d'Etages , mais pour ne pas etre obliges de se servir 
des mots fran^ais, ils ont imagine de les tronquer, et 
ils ecrivent ainsi Turon pour Turonien, Cenoman pour 
Cenomanien, Sinemur pour Sinemurien. Or, que si 
i'emploi de mes noms d'etag-es fran(,"!ais rebute a leur 
patriotisme , je trouve qu'ils ont une maniere toute 
simple de convertir ces noms en mots allemands. En 
effet , n'y a-t-il pas en allemand une foule de noms 
propres tires du latin et qui se terminent en ian : 
Christian, Maximilian, Sebastian, Florian, etc.? Pour- 
quoi donc ne dirait-on pas aussi bien en allemand 
Soissonian, Parisian, Bartonian, Ligurian, Tongrian, 
Aquitanian, Lang^hian, Helvetian, Tortonian, Messinian, 
Astian et Saharian? Et ne serait-ce pas un avantage 
pour la science que les Geologues allemands, anglais, 
fran^ais et Italiens eussent a une lettre pres la meme 
terminoloffie? 



Mayer, Molliisques lertiaires du Musee fedeial de Zürich. 253 





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274 Mayer, Molliisques tertiaires du Musee federal de Zürich. 

Litterature et diagnoses. 



Familie des Mactrides. 

L'Hrrangeinent de la famille des Mactrides quej'ai cru devoir 
adopter differe en plusieurs points de celui qua propose en 
dernier lieu M. Üesliayes dans son t,'raiid ouvrage paleonto- 
logique. J'ai notaminent retraiiche de la famille les genres 
Analinella et Cardilia qui y otit ete loleres par mon luaitre 
et j'y ai eii revanclie introduit les geiires Easlonia et Lovellia, 
d<kae(nbrements des Mactres que M. Deshayes ne parail pas 
accepter. V'oici au sujet de ces changements les raisons sur 
lesquelies je crois pouvoir londer ma ruaniere de voir et d'agir; 

Les Anatinelles se distinguent des Mactres et genres voisins 
par plusieurs caracleres iniportants, dont aucun ne se retrouve 
dans Celle famille. Et d'abord, chez elles, limpression pal- 
leale est simple ou plutöt seulement Ironquee en arriere, au 
lieu detre nettement sinueuse; or, ce caraclere, quoique il 
n'entraine pas lout seul les coquilles qui le portent dans la Iribu 
des Inlegropallies, a en lout cas une iinporlance plus que ge- 
nerique. Les impression musculaires, au lieu detre grandes et 
arrondies comme dans les Mactrides, sont, lanterieure, allongee 
et elroite et, la posterieure. assez petile, a l'instar de celles 
des Cochlodesmes et des Tliracies. Enün, la charniere. au 
lieu detre corapliquee et pour ainsi dire sculptee sur la lame 
cardinale meme, est a peu pres reduile a un cuilleron allonge. 
presqu' entierement degage du bord cardinal et resserablant 
ainsi au cuilleron des Anatines et genres voisins. De lout cela 
il me semble resulter que les Anatinelles constiluent une petile 
famille a part, a peu pres inlermediaire entre les Osteodes- 
mides et les Mactrides. Libre du reste a ceux qui n 'airaent pas 
les passages et les familles nombreuses, de joindre ce petit 
genre comme sous-famille au dernier des groupes de genres 
cites. 



Mayer, Mollusques tertiaires du Musee federal de Zürich. 275 

Le genre Cardilia esl de longue data Tun des plus difdciles 
a classer dans la Serie des Lamellibraiiches. C'est qua une 
forme et a uii raode d'ornemenlation qui ne se relrouvent guere 
que parmi les Lucinides et les Gardiides et ä une Impression 
paileale tres integre et rapprochee du bord. il Joint une cliar- 
niere loute particuliere et des plus compliquees, qui a une 
lessemblance lointaine avec Celle des Mactres, mais qui s'eii dis- 
tingue fondamentaleraenl par soii emplaceraent en dehors du 
bord Cardinal. Sans savoir, bien enlendu, raieux qu un aulre oü 
placer ce genre etonnant, a force de le comparer, j'ai acquis 
l'opinion bien arretee qu'il doit constiluer une famille a part. 
Esperons que la place que devra occuper cetle petite famille 
sera bientöt fixee par l'etude analomique de l'animal. 

Sous les noms de Maclra rugosa, M. aegyptiaca et M. j)el- 
lucida, Cliemnitz a le premier decrit Irois coquilles (jue les 
auteurs recents ballotent, ainsi que les especes voisines de- 
couvertes depuis, enlre les Lutaires et les Mactres. C est qu'en 
efl'et, par leur charniere autant que par leur forme, ces especes 
sont parfaitement intermediaires enlre les deux genres, sans 
loulefois qu'elles passent ä Tun ou a lautre par des nuances 
insensibles. Or, ces caracteres parliculiers des coquilles en 
(juestion, leur charniere munie de petiles denis cardinales 
anterieures et posterieures, leur forme regulierement ovoide, 
leur sinus p.illeal large etarrondi, enfin leurs ornements spe- 
ciaux delerminent a mes yeux un excellent genre, que Ion ne 
saurail plus longteraps se refuser a accepter. Ce genre com- 
prend jusqu'ici buit especes qui se reparlissent en trois groupes, 
les E. milis, rugosa, aegyptiaca et Solanderi, E. turonica, 
pellucida et californica et E. capillacea. 

Le genre que je propose d'appeler Lovellia a pour type 
le Maclra ou Lularia canaliculala et coraprend en outre les L. 
rostralis Desh. (Maclra), Senegalensis Phil. (Maclra), plicatilis 
Desh. (Maclra), analinoides Reeve (Maclra), pellucida Desh. 
(Maclra), ihracioides Ad. et Reeve (Maclra), consobrina May. 
ei, je pense, Nullalli Conr. (Lularia). Ces especes se dislinguent 



276 Mayer, Mollusques lertiaires du Musee federal de Zürich. 

des Mactres par leur forme particuliere. gibbcuse et penchee 
en arriere, par leur tel papyrace et subargenle a linterieur, 
par leurs plis ou stries tVaccroissemcnt excentriques, par leur 
grand sinus palleal et par leur charniere reduite a un cuilleron 
et a des dents avortees de iVIactrides. Ce ne sonl pas plus des 
Mactres que des Ceromyes ou des Pholadomyes, et je trouve 
qu'il est de toute urgence de les distinguer. Je pense que c'est 
ä ce genre que M. Gray a donne le nom de Harvella, mais 
comme je n'admels pas de noins barbares dans la Science j'ai 
remplace ce terme anglo-lalin par le nom propre de Reeve. 

Je me suis permis apres d'aulres de corriger le nom de 
Lutraria Irop longtemps souffert dans la Science et de rem- 
placer les noms barbares de Vanganella, Zenalia, Resania et 
Cypricia par ceux de Laminaria, Metabola, Myomactra et 
Leucoparia, le prämier ayant trait aux lames internes de la 
coquille, le second a la metamorphose du Lularia sanna en 
une Metabola, le troisieme, en raison des grandes impressions 
musculaires du L. lanceolata, et le quatrieme, en raison de la 
blancheur du Leucoparia cyprina. Quant au prämier nom, 11 
va de soi qu'il est derive de lutum, la vase, et nom de lulra, 
la loulre; des lors, et sous peine d'ouvrir les portes de la 
Science ä tous les caprices et a loules les absurdites, il faut 
necessairement ecrire Lutaria. 

Enfin j'ai donne au Lutaria impar, le nom de Goniomactra, 
pour rappeler lanalogie de forme et d ornementation qui existe 
entre ce sous-genre et les Goniorayes. 



1. UlactraBurdigfalensis, May., 1861. Journ. de Conchyl.. 
3' ser., 4. pag. 351, pl. 11, f. 2. 

Cette belle espece me parait etre l'analogue fossile du M. 
exoleta. Elle s'en distingue exterieurement par sa forme moins 
Iransverse, plus elevee, quelle doit ä ses crochets Ires pro- 



Mayer, Molliisques tertiaires du Musee federal de Zürich, 277 

eminents, et par sa carene beaucoup moins developpee, rem- 
placee par une simple strie. 

15. ülactra striatella, Lara., 1818, Anini. sans vert., l*edit., 
5, p. 473. — Basl., Mem. Soc. Hist. nat. Paris, 2, p. 94, pl. 7, 
f. 2. - M. Bucklandi, Defr., Dict. Sc. nat., 27, p. 550. — Hoern, 
Foss. Mollusk. Wien, 2, p. 61, pl. 6, f. 2. 

L identile specifique des M. Bucklandi et slriatella est par- 
faitement certaine; il faut donc decidement abandonner le nom 
de M. Bucklandi, donne par Defrance aux individus fossiles. 

Le M. strialella se retrouve dans l'Helvetien superieur du 
Portugal. II habite acluellement les cöles de la Senegambie. 

3. lllactra peregrina, May. 

M. testa ovalo-lransversa, paulum insequilaterali, depres- 
siuscula, compressa et planiuscula, tenui, transversim grosse 
plicata?; latere anlico depresso, leviter concavo, obtuse an- 
gulato; poslico paulo longiore, leviter arcuato, carinato, obtuse 
angulato; palliari late et irregulariter arcuato; lunula areaque 
applanatis, plicalo-slriatis?, umbonibus prominentibus, acutis. 
— Long. 14, lat. 22 millim. 

Le demi-moule tres net que je viens de decrire a une 
certaine analogie de forme avec les M. angusta, dolabrata et 
Reevesi, et c'est pourquoi je le place ä tout hasard dans le 
grand groupe des Maclres plissees. En tout cas, il constitue 
une espece particuliere, rappelant par sa forme les Mactres 
.eocenes ordinaires. 

4. niactra seniisulcata, Lam., 1807, Ann. du Musee, 6, 
p. 412; 9. pl. 20, f. 3. — Desh., Coq. foss. Paris, 1, p. 31, 
pl. 14, f. 7—10; Anim. s. v. foss. Paris, 1, p. 288. — M. del- 
toides, Lam. 

5. lllactra recondita, Desh. 1860, Anim. s. v. foss. Paris, 
1, p. 290, pl. 18, f. 22—25. 

Gelte espece et le M. contradicta sont tres voisins du M. 
compressa. Les charnieres sont les meraes; la forme du sinus 
palleal varie d'individu ;i individu; enfin plusieurs de mes M. 
recondila ont plus ou moins de plis sur le cöte anterieur. 



278 Mayer, Mollusques (ertiaires du Musee federal de Zürich. 

6. Mactra contradicta, Üesh . 1860. Anim. s. v. foss. 
Paris, 1, p. 288, pl. 18, f. 19—21. 

7. niactra coinpressa, Desh., 1830, Encycl. metli.. 2, 
p. 399; Aiiim. s. v. foss. Paris, 1, p. 291. — Dixon. Geol. of. 
Essex., p. 88, pl. 3, f. 3. — M. depressa, Desh., Coq. foss. 
Paris, 1, p. 32, pl. 4, f. 11 — 14. (iion Lam.). Espece Ires voisine 
du M. conlradicta et qui me semble neu etre qu'une grande Va- 
riete. Elle est rare et des-lors difficile a coniparer avec sa voisine. 

S. niactra Basteroti, May., 1857. Journ. de Conchyl.. 
2' ser., p. 178. — Hcerii., Foss. Mollusk. Wien, 2, p. 65, pl. 7, 
f. 10. — M. deltoides Bast, (non Lam.) 

Celle espece ressemble un peu au M. donaciformis, des 
cöles de la Nouvelle-Zelande, el encore plus au M. iniequalis 
des cöles de la Chine; peut-elre meme qu'elle est specifiquemenl 
identique ä celte derniere. Ne. pouvant pas resoudre la ques- 
tion a l'aide seul du dessin de Reeve et de la diagnose de M. 
Deshayes, je dois laisser ä d'autres le soin d'eclairer la science 
ä cet egard. 

Le M. Basteroti varie considerableiuent, coinme loule es- 
pece tres commune. A St-Avit, il passe au M. cordiformis 
par des nuances insensibles; dans les sables jaunes de Sau- 
cats, au conlraire, il se rapproche peu a peu du groupe du M. 
turonica el y passe meme par le M. lerrainalis. 

9. Mactra cordiformis, Desh., 1851i, Reeve, Monogr. of 
Mactra. pl. 2, f. 6. 

Gräce ä sa forme caracleristique, celte espece est facile ä 
reconnaitre, meme a letal de moule: or. 1 identile des carac- 
teres exterieurs des individus fossiles el de la figure citee est 
teile qua moins dun miracle. ces ditferenls objels ne peuvent 
foraier quun tout. C'esl dommage que l'habilal actuel du M. 
cordiformis ne soit pas connu. 

10. Mactra Oppeli, May. 
M.leslaovalo-transversa, inaequilalerali. compressa et planu- 

lala. tenui, laevi ; latere anlico latiusculo, rotundato ; postico 
declivi et oblique sublruncato. angulato : lunula areaque ele- 



Mayer, Mollusques (ertiaires du Musee federal de Zurich. '279 

ganler plicato-striatis; uiiibonibus parvis. acutiusculis, obliquis. 
— Long. 17, lat. 24 millini. 

II n'estpas absolument posiüf t|ue cette espece apparlienne 
au groupe du L. donaciformis, el eile tient presqu aulanl du 
groupe du M. semisulcata quo de l'aulre. L'inspeclion de la 
charniere et du sinus palleal, que l'etal de raes ecbanlillons 
iie ni'a pas permis de faire, decidera plus lard de ses affiniles. 
Par sa lornie, le M. Oppeli s'approche un peu des M. ornala 
el incarnata, tout en etant plus inequilaleral que la prämiere 
el plus apiali que la seconde espece. Bref, il ne parait pas 
avoir d'analogue parnii les Maclres Vivantes. 
11. itlactra facilis, May. 

M. testa trigoua, alla, gibbosula, iniequilaterali, compres- 
siuscula. tenui, la?vi ; latere anlico breviore, concaviusculo. 
angulato; postico carinato, convexo, obluse angulato; area lu- 
nulaque depressis, lenue plicato-striatis; umbonibus altis, acu- 
tiusculius. — Long. 18, lat. 22 millini. 

Petite espece, k caracteres tres Irancs, avoisinanl les M. 

polila et donaciformis, mais beaucoup plus petile, encore plus 

etroite et a crocbets plus eleves. Mon echanlillon, a letal de 

demi-moule. constitue sans aucun doule une espece nouvelle. 

19. Ulactra terniinalis, May. 

M. lesla ovalo-rotundata, subtrigona, paululura transversa, 
subaequilalerali, compressiuscula, tenui et laevi; latere anlico 
subconcavo, rotundalo vel obluse angulato; postico convexius- 
culo, angulato ; palliari arcuato; lunula areaque eleganter slrialo- 
plicatis; umbonibus tumidiusculis, obtusis ; cardine laliusculo, 
denle cardinali anlico obliquo; sinu pallii laliusculo, rotundalo. 
— Long. 20, lat. 24 millim. 

Les trois individus que je prends pour lypes de celte es- 
pece, ressemblent beaucoup au M. slultorum, mais s'en dis- 
linguenl par les plissures du corselet et de la lunule el aussi 
par l'angle aigu du cöle posterieur. Parmi les especes exoliques 
semblables aucune na la forme exacle de ce type, le M. sym- 
metrica, par exemple, etant trop allonge, le M. mera trop grand 



280 Mayer, Mollusques tertiaires du Musee federal de Ziirich. 

et trop long et les M. lurida, radiolata, etc. trop courtes et 
trop bombees. 

C'est en triant pres d'un millier de M. Basteroti du falun 
de Saucats que j'ai rencontre les deux exemplaires du M. ter- 
rainalis que j'en cite. Du reste, parrai les vingt exemplaires 
variants de la premiere espece, que j'ai reunis sous le chiflre 
f. 1317, plusieurs s'approchent deja beaucoup de la seconde 
et prouvent ainsi que meme entre les groupes d'especes il 
existe des passages insensibles. 

13. Ulactra helvetica, May. 

M. testa trigona, alta, subsequilaterali, plus minusve cora- 
pressa, tenui, laevi; lateribus obtuse angulatis; postico sub- 
carinato, plus minusve depresso; area luimiaque depressis, 
plicato-slriatis ; umbonibus altiusculis, acutis, interdum turai- 
diusculis; sinu pallii latiusculo, obliquo, rotundato. — Long. 
45, lat. 50 millira, 

La forme haute et assez regulierement triangulaire de cette 
espece, jointe ä sa minceur et ä la presence de plis sur son 
corselet et sur sa lunule, la distingue des aulres Mactres fos- 
siles et des especes des mers d'Europe. Quant aux especes 
exotiques, il n'y a guere que les M. lurida et radiolata des 
Philippines ä lui ressembler; mais celles-la sont plus petites, 
plus inequilaterales et plus bombees. Les M. maculata et Ree- 
vei, des memes parages, apparliennenl k un autre groupe d'es- 
peces: de meme, le M. discors. 

J'ai pris jadis quelques individus legerement obliques du 
M. helvetica pour le M. artopta ; mais celui-ci a decidement les 
cötes lisses. 

14. IHactra turonica, May., 1864, Hoern., Foss. Mollusk. 
Wien, 2. p. 65, pl. 7, f. 9. 

Espece importante au point de vue du Darwinisme, parce 
quelle se relie par des passages insensibles, d'un cote, au M. 
terminalis, d'un autre, au M. helvetica et, d'un troisierae, au 
M. Rietmanni, et qu'elle imite aussi souvent fort bien la forme 



Mayer, MoUusques tertiaires du Musee federal de Zürich. 281 

des jeunes M. stultorum, dont alors ses plis laleraux seuls 
la distinguent. 

15. IHactra Rietiiianni, May. 

M. lesta ovato-oblonga, transversa, valde ineequilalerali, 
plus minusve compressa, gibbosula; latere anlico elongato, 
declivi, extremitate rotundalo; postico brevi, plus minusve 
oblique subtruncato, carinulato, obluse biangulato; area lunu- 
laque depressis, plicato-strialis; umbonibus lumidiusculis, ob- 
tusis; sinu pallii paululum depresso, semiovali. — Long. 32, 
lat. 42 millim. 

A peu pres de la forme des M. constricla et deaurala du 
Crag, mais Sans sinuosite au bord palleal, ä let mince eL ä plis 
lateraux bien prononces. C'est une modificalion extreme du 
M. turonica. 

16. Ulactra antica, May. 

M. testa ovato-transversa, subcuneata, inaequilaterali, pau- 
lum compressa, tenui, laevi; latere antico brevi, rotundato; 
postico elongato, subcarinato, declivi et applanato, extremitate 
obtuse angulalo; area lunulaque depressis, eleganter plicalo- 
striatis; umbonibus obliquis, oblusiusculis. — Long. 26, lat. 
37 millim. 

Revue l'aite des Mactres recentes, je Irouve que mon es- 
pece na point d'analogue parmi elles. Elle ressemble un peu 
aux M. arcuata et artopta, du Crag, mais eile est beaucoup 
plus petite, plus inequilaterale et deprimee et se distingue en 
outre par ses plis laleraux. 

17. niactra Gallensis, May. 

M. testa oblongo-transversa, triaHgulari, subaequilaterali, 
subventricosa, la^vi vel irregulariter transversira striata ; latere 
antico sajpe paulum breviore, subangulato; postico angulalo; 
palliari late arcuato; area lunulaque distinclis, plicato-striatis; 
umbonibus prominentibus, satis turaidis, obtusiusculis; sinu 
pallii mediocri, obliquo, paulum angusto. — Long. 30, lat. 
50 millim. 



282 Mayer, Moliusquos terliaires du Musee federal de Zürich. 

Semblable aux M. hians, elongata et egena, quant ä la 
forme, le M.'Gallensis differe esseiiliellemenl <\e ces especes, 
soit par ses plis lateraux, soil par la depression des cötes, 
soit par l'ensemble de ses caracteres; eile n'appartient a aucun 
de leurs groupes respeclifs. Lo Musee de Zürich possede une 
Mactre recenle, etiquettee M. brasiliana, ruais dislincte du M. 
fragilis, qui est fort voisine du M. Gallensis, raais qui est plus 
aplatie et manque absolument de plis lateraux. 

18. Ulactra stultoriiin, L., 1767, Syst. Nat., edil. 12, 
p. 1126. — Phil., Sicil., 1, p. 10, pl. 3, f. 2. — Wood, Grag., 
2, p. 242, pl. 23, f. 3. — Reeve, Monogr. gen. Mactra, pl. 4, f. 15. 

En bien regardant ä la loupe, j'ai re trouve sur chacun de 
mes exemplaires suisses du M. turonica des traces non dou- 
teuses de plis lateraux, et c'est ce qui m'a empeche den reunir 
un seul au M. stultorum. II est neanmoins vraiserablable que 
cetle derniere espece se trouve, si rarement que ce soit, dans 
le gres coquillier subjurassique, puisqu'elle a passe du niveau 
sous-jacent dans la Mollasse subalpine. 

19. Mactra spectata, May. 

M. testa rotundato-sublrigona, alla, insequilaterali, medio- 
criter convexa, tenui, Ifevi ; l;itere antico breviore, latiore, ro- 
tundato; postico late arcualo, depresso, obtuse angulato; pal- 
liari late arcuato ; umbonibus valde prorainentibus, oblusius- 
culis; area lunulaque Icevigatis?; cardine arcuato, crasso, paulum 
dilatato; sinu pallii magno, obliquo, apice rotundato. — Long. 
55, lat. 64. 

Cette Mactre est assez remarquable pour quun examen 
attentif de ses caracteres permetle de la classer, malgre son 
raauvais etat de conservation. Par sa charniere et par sa 
forme, eile vient se placer pres des M. slultorum et artopla ; 
raais eile est plus grande que ces especes, moins renflee en 
outre que les M. stultorum. inflata et lactea, et moins oblique 
que le M. artopta. Quant aux especes exotiques, M. discors. 
obesa, edulis, etc., je n'ai aucune raison pour croire l'une ou 
lautre idenlique ä mon espece. 



Mayer. MoHusqnes terliaires du Musee federal de Ziiiich. 28B 

«O. Mactra Andausoni, Phil., 1848, Malakoz. Zeitschr.; 
p. 152. — Reeve, >fonogr. of Mactra, pl. 11, f. 49. — Le Lisor, 
Adans., Hist. nat. Seneg., p. 231, pl. 17, f. 16. 

Les individus röcents de celte interessante espece sont 
assez variables, quant ä lepaisseur et quant ä la longueur et 
a la forme de son cöte posterieur. C'est juslement lä ce qui 
rend la determination des raoules de la Mollasse difficile, parce 
que ceux-ci varient au meme degre et arrivent enfin ä iraiter 
le M. arcuata, donl alors leurs plis lateraux et leur sinus palleal 
seuls les distinguent. 

31. ülactra sulcatina, May. 

.VI. testa parva, ovato-transversa, subobliqua et gibbosula, 
inaequilaterali , convexiuscula, subtenui, concentrice fere re- 
qulariter sulcata ; suicis flexuosis, postice obtuse angulatis; 
latere antico breviore, carinato, subtruncato et obtuse angulato; 
postico depresso, paululum arcuato, obtuse carinato; carina 
leviter flexuosa; latere palliari arcuato, postice leviter flexuoso ; 
umbonibus turaidis ; cardine anguslo, dentibus lateralibus lon- 
giusculis. — Long. 12, lat. 15 niillim. 

Gette interessante pelite espece est voisine duM. Deshayesi, 
May. (M. seniisulcata. Desh., Proc. zool. Soc. 1854, non M. 
semisulcata Lam.); mais eile s'en dislingue suffisamment par sa 
pelite taille et par ses sillons persistants, pour que Ion doive 
Ten separer. 

99. Ulactra syrtica, May. 

M. testa ovalo-lransversa, in.equilaterali, compressa tenui, 
laevi; latere antico sublongiore, rotundato; postico declivi, sub- 
carinalo, angulato; area lunulaque depressis, striatulis; um- 
bonibus parvis, subacutis ; cardine lato, dentibus tenuibus; 
sinu pallii lato, rotundalo. — Long. 27, lat. 37 millim. 

A peu pres de la forme des M. sericea et epiderniia, mais 
un peu plus deprimee et Iransverse et un peu plus developpee 
du cöte anterieur, dilFerant du roste beaucoup ä l'interieur. Le 
M. hians ressemble d'avantage a mon espece et pourrait bien 
en etre le descendant, car il ne s'en distingue guere que par 



284 Mayer, Mollusques tertiaires du Musee federel de Zurieb. 

sa laille majeure, par l'epaisseur de son tel et par sa con- 
vexite plus forte. 

«3. niactra g^lauca, Born, 1780, Test. Mus. Gaes. Vindob., 
p. 51, pl. 3, f. 11—12. — Reeve, Monogr. gen. Mactra, pl. 4, 
f. 13. — Wood, Grag, 2, p. 2'H, pl. 23, f. 2. — M. helvacea, 
Chemn. 

9^. IMactra ponderosa» Gonrad, 1834, Morton, Syn. org. 
Rem. cretac, Append., p. 3. — Non M. ponderosa, Eichw., 
1830, quse M. podolica, Eichw. 

S5. Mactra aspersa, Sow., 1840?, Gatal. Goll. Tanker- 
ville, Append., p. 2. — Reeve, Monogr. gen. Mactra, pl. 14, 
f. 65. — May., in Journ. de Conch., 2" ser., 2, (1857), p. 180; 
Azor. und Madeir., p. 16. 

9G. Mactra contortula, Desh., -1860, Anini. s. v. foss. 
Paris; 1. p. 292, pl. 18, f. 13-18. 

97. niactra postera, May., 1860, Faun. RIeinkuhren (Journ. 
trim. Soc. d'Hist. nat., Zürich.), p. 3. 

38. Mactra triangula, Ren., 1814, Broc, Gonch. foss- 
subap., 2, p. 535, pl. 13, f. 7. — Hoern., Foss. Mollusk. Wien, 
2, p. 66, pl. 7, f. 11. 

A mes yeux, il est souvent impossible de dislinguer les 
grands exemplaires de cette espece du M, subtruncata, je veux 
dire qu'il y a evidemment passage entre les deux especes. Ces 
passages s observent parlicuHerement dans les Couches de Gas- 
teir arquato et de St. Acheul ditalie et peut-elre aussi dans 
le.s Gouches de Serravalle de la Suisse. 

99. Mactra inodicelia, Gonr., 1834, Morton., Synop. 
org. Rem., Append., p. 3. — M. clathrodon, Lea, Gontrib., 
p. 212, pl. 6. f. 223. 

30. Mactra cougesta, Gonr., 1834, Morton, etc. p. 3; 
Sillira. Journ., 41, p. 343, 

31, Mactra nucleiformis, May. 

M. tesla trigona, plerumque inspquilaterali, gibbosula, com- 
pressiuscula, solidula, laevi et nitidula; latere antico longiore. 
declivi, rotundato vel obluse angulato; postico obHque sub- 



Mayer, Mollusques tertiaizes du Musee federal de Zürich. 285 

Iruncato, obtuse angulato; area lunulaque marginalis, laevibus; 
umbonibus prorainulis, aculiusculis ; cardine angusto, brevi; 
dentibus laleralibus intus perpendiculariler lenuislriatis ; sinu 
pallii obliquü, linguliformi. — Long. 9, lat. II millim. 

En Iriant avec attention les Mactres trianguia, si communes 
dans les faluns de Manthelan, Ton trouve de temps en temps 
un exemplaire d'une espece plus irregulierement trigone, plus 
aplatie, lisse et luisante, et h charniere beaucoup moins de- 
veloppee. Cette espece parait se rapprocher du M. nucleus, 
tel que Reeve le donne et il s'agirait de savoir s'il y a entre 
les deux des differences un peu constantes. Provisoiremenl, 
je distingue l'espece fossile de son analogue tropical ä sa forme 
moins reguliere, pIns transverse et aux caracteres de sa lunule 
et de son corselet. Je ne connais pas la charniere du M. 
nucleus. 

39. Ulactra siibtriincata, Dacosla (Trigonella), 1778. Brit. 
Conch., p. 198. — Wood, Grag Mollusk., 2, p. 247, pl. 24, 
f. 3. — Reeve, Monogr. of Mactra, pl. 17, f. 90. 

33. niactra ovalis, Sow., 1817, Min. Conch., pl. 160, 
. 5. — Wood, Crag. Mollusk., 2, p. 246, pl. 21, f. 1. — M. 
dubia, Sow. loc. eil., pl. 160, f. 2—4. — M. elliptica, Brown 
Reeve, loc. cit., pl, 18, f. 101. 

Le grand nombre d'especes que les couches inferieures 
et raoyennes de TEtage helvetien ont en commun avec le Crag 
inferieur, n'est plus surprenant des que l'on admet que ce 
Crag appartient ä l'Etage messinien, puisqu'alors, la difTerence 
entre les deux niveaux se reduit ä I epaisseur d'un etage. 

34. Mactra solida, L., 1766, Syst. Nat., ed. 12, p. 1126. 
— Wood, Crag Moll, vulgaris, Chemn. Conch., 6, p. 230, pl. 23, 
f. 229. — M. obtruncata, Wood, Crag Moll., 2, p. 248, pl. 24. 
f. 5? 

Mes exeraplaires fossiles vont parfaiteraent ä ceux que j'ai 

recueilli sur les cötes de la Manche, ü St. Malo, et comme 

quelques-uns de ceux-ci me paraissent elre identiques au M. 

obtruncata, je me demande si cette derniere espece n'est pas, 
XII. 3. 19 



286 Mayer, Hollusqoes tertiaires du Musee federal de Zurieb. 

une simple variele du M. solide des mers d'Europe, espece 
fort variable, comme on sait. 

35. Mactra constricta? Wood, 1856, Grag Moli., 2, p. 
249, pl. 24, f. 6. 

Le mauvais etat de raes exemplaires et leur taille un peu 
trop faible ne me permellent pas de les delerminer d'une 
maniere cerlaine. 

36. IHactra podolica, Eichw., 1830, Nalurh. Skiz. Lith., 
p. 207, Leih. ross.. p. 128, pl. 6, f. 9. — Hoern., Foss. Moll. 
Wien. 2. p. 62, pl. 7, f. 1—8. — M. ponderosa, Eichw. 

33. Lovellia consobrina, May. 

L. lesla ovato-trigona, inaequilaterali, compressa, tenui. 
concentrice irregulariter striata et rugata; latere antico lon- 
giore, hianlulo, arcualo, extremitate rolundato; postico alte- 
nuato, oblique truncato, obluse angulato; umbonibus turaidius- 
culis, obtusis, obliquis; sinu pallii depresso, profundo. — 
Long. 42, iat. 54 miilim. 

Tres voisine du L. canaliculata, quanl ä la taille et aux 
contours, cetle espece s'en dislingue par plus d'aplatissement, 
par la depression et le moins de largeur de son cöle anterieur 
et par ses rugosites concentriques plus inegales et moins elevees. 
II est neanmoins vraiserablable que lespece vivante soit le des- 
cendant de l'espece fossile. 

38. Eastonia mitis» May. 

E. testa ovato-transversa, inaequilaterali, paulum ventri- 
cosa, plus minusve tenui et iragili, hiantula, concentrice ir- 
regulariter grossestriata, dorso radiatim denselirata; liris te- 
nuibus, acutiusculis, undulatis. saepe evanescentibus ; latere 
antico breviore, rotundalo, laevigato; postico subtus convexo, 
subangulato, linea irregulari raarginato, striis radiantibus te- 
nuissirais, confusis vel oblique divergentibus ornato; cardine 
normali; sinu pallii profondo, semielliplico. — Long. 30, Iat. 
42 miilim. 

Espece voisine de l'E. aegyptiaca encore plus que du ru- 
gosa mais ä peu pres constamment distincte par ses rayons 



Mayer, Mollusques terliaires du Musee federal de Zürich. 287 

beaucoup plus minces et nombreux et par l'absence de siries 
excenlriques sur le cöle anterieur. Elle foriiie ainsi le pas- 
sage (!u groupe des especes ä cötes rayonnanles aux especes 
toutes lisses. 

L'E. aegytiaca existe non seuiement ä Ceylon, raais bien 
aussi dans la Mer Rouge; il n'est donc pas necessaire den 
changer le nora, comme Heeve le pensait. 

39. Eastonia rugosa» Chemo. (Mactra). 1782, Conch., G, 
p. 236, pl. i'i, f. 236. — Mactra rugosa, Reeve. Monogr. of. 
Mactra, pl. 20, f. 115. — ■ Lulraria rugosa, Wood, Crag. Mol- 
lusk., 2, p. 225, pl. 31, f. 26. — Hoern.. Foss. Moll. Wien, 2, 
p. 55, (p. p.) pl. 5, f. 4. 

4:0. Eastonia turonica* May. 

E. lesta ovato-transversa, inaequilaterali, veiilricosa, soli- 
dula, laBvigata, vel slriis increment" irregulariler rugosa ; lalere 
anlico breviore, subtus depresso, roluiulato; poslico paulum 
elongalo, arcualo, subrotundalo vel obluse angulalo; palliar! 
arcuato; lunula parva, elliplica, submarginala, concaviuscula ; 
urabonibus lumidis, oblusis; cardine norrnali; sinu pallii lato. 
— Long. 31, lal. 47 millira. 

Cetle espece est-elle bonne ou n'est-elle qu'une variele 
de l'E. pellucida, des Philippines? C'esl ce que la comparaison 
d'un cerlain nombre d'exemplaires des deux apprendra plus tard, 
en perniellant de juger du degre de fixite de leurs caracleres 
difl'erenliels. Pour le moment, je distingue l'espece fossile de 
l'espece vivanle, parce qu'elle a le let plus epais, qu'elle est 
un peu plus renflee, que son cöte anterieur est plus depriine, 
son cöle posterieur plus court et plus arque. et son cöte pal- 
ieal raoins droit. De l'avis de M. Deshayes. ces difFerences 
suffisenl pour separer les deux especes. 

41. Lutaria latissiina, Desh., 1830, Encycl., 2, p. 389, 
Lam., Anim. s. v., 2' edit., 6, p. 94. — Hoern., Foss. Moll. 
Wien, 2, p. 57, pl. 6. f. 1 (var.). 

Des les couches inferieures de l'Elage langhien (ü Leognan 
et ä Saucats) celte espece commence ä varier et lend ä se se- 



288 Mayer, Mollusques tertiaires du Musee federal de Zürich. 

parer en deux lypes, I'un moins large, plus arque et qui courre 
vers le groupe du L. arcuata, l'autre plus large en avant, sem- 
blable au L. Capensis. Dans les couches helveliennes supe- 
rieurcs de la Suisse, un troisierae type vient se melanger aux 
deux autres : ici rexlremite posterieure, au lieu d'etre arrondie, 
est largement tronquee en sens oblique. Neanmoins, ces trois 
types sont relies les uns aux autres par des nuances si nom- 
breuses, qu'il ne serait pas logique den faire des especes. 

43. Lutaria latior, May. 

L. tesla ovato-elliptica vel subquadrata, transversa, latis- 
sima sed satis brevi, inaequilalerali, compressa et applanala, 
concenfrice irregulariter striata ; latere antico brevi, lato, rotun- 
dato; postico paulum altenuato, obtuse truncato, hiantulo ; um- 
bonibus parvulis, prominentibus, acutiusculis; sinu pallii lato, 
extremilate rotundato. — Long. 58, lat. 73 millitn. 

Voici l'espece la plus courte et la plus large du genre. 
II est difficile de distinguer les jeunes de la variele elargie du 
L. sanna. 

43. Lutaria niutata, May. 

L. testa elliptica, subpentagonali, transversa, paulum in- 
aequilaterali, compressa, concentrice irregulariter grossestriata; 
latere antico elongato, paululum depresso, extremitate rotun- 
dato; postico paulum longiore, leviter altenuato, truncato et 
hianlulo; umbonibus parvis, acutiusculis. — Long. 40, lat. 
66 millim. 

Par le developpement de son cöte anterieur, cette espece 
s'eloigne un peu des Lutaires typiques et semble se rappro- 
cher du L. (Myoraactra) lanceolata. Elle n'appartient neanmoins 
point ä ce sous-genre, puisqu'elle n'en a ni la charniere. ni 
les impressions musculaires. ni la saillie interne. 

44. Lutaria turgida, May. 

L. testa elliptica, inaequilalerali, turgidula, concentrice ir- 
regulariter striata; latere antico brevi, paulum altenuato, ob- 
tuse angulalo; postico elongato el dilatalo, subtus lale arcualo, 
extremitate corapresso et sublruncato, mediocriter hiante; pal- 



Mayer, MoUusques tertiaires du Musee federal de Zürich. 289 

liari subrecto, postice leviter sinuoso; umbonibus depressis, 
sinu pallii lato, elliptico. — Long. -52, lat. 90 millira. 

Lorsque j'ai elabli cette espece , en 1853, je n'avais pas 
encore eludie comme il faut le L. latissima de la Mollasse; de- 
puis, j'ai reconnu qua l'espece actuelle etait voisine de la Va- 
riete tronquee de cette derniere et, comme je ne Tai fondee 
que sur un exemplaire mal conserve, il me reste ä presenl des 
doules sur sa valeur specifique. Cette Lutaire se dislingue 
de sa voisine par un peu plus d'epaisseur, par la depression 
et l'etroitesse de son cöte anterieur, la forme arquee et presque 
arrondie de son cöte posterieur. et par son cöte palleal presque 
droit et meme legerement echancre en arriere. C'est donc, 
en tout cas, une variele extreme du L. latissima. 

45. Lutaria aroiiata, Desh., I85i, Proc. zooI.^Soc. Lond., 
p. 70. — Reeve, Monogr. ol' Mactra, pl. 2, f. 6. — L. arcuata 
May., .Journ. de Conch., 1861, p. 59, pl. 3, f. 4. 

J'ignorais encore, en 1861, qu'il existait dejä une Lutaire 
du nom d'arcuata et je me doutais encore bien moins que cette 
espece, vivant aux Philippines, fut identique ä la mienne. 
Aujourd'hui, apres une comparaison serieuse des deux re- 
presentants du meme type, je ne puis leur trouver que des 
differences insignifiantes et je suis ainsi force de les reunir, 
malgre leur enorme difTerence de niveau. 

J'avais, tant que je m'en rappelle, trouve ä Gaas cinq ex- 
eraplaires de cette espece; mais j'en ai de bonne heure cede 
deux, et mon plus bei individu , figure dans le Journal de 
Conchyliologie, m'a ete vole par un eludiant, un jour qu'une 
vilre de l'armoire qui contenait la faune de Gaas etait brisee^), 
de Sorte qu'il ne me reste plus qu'un echantillon passable, mais 
de petite taiiie. Or, ce jeune echantillon presenle justement 
une troncature posterieure semblable ä celle de la fii^ure que 



') Je crois du reste savoir dans quel colleclion cet exemplaire 
a passe et j'espere le repßcher. 



290 Mayer, MoUusques tcrliaires du Musee federal de Zürich. 

Reeve a donnee, et il porle en meme temps des traces de 
la coloration brunälre-violacee qui caracterise le L. arcuata. 

La petita Lutaire que je eile sous le nuraero V. S. 9271. 
reproduit si bien la forme de I'espece, qu'il est tres vraisem- 
blable que c'en est un jeune individu. 11 e^t fort bien ä sa 
place en compagnie d'innombrables L. sanna, vivant aussi aux 
Philippines, et de beaucoiip d'aulres coquilles qui ont seit 
leurs idenliques. soit leurs analogues dans les memes parages. 

4:6. Lutaria Deickei, May. 

L. testa subelliplica, ieviter arcuata, insquilaterali, com- 
pressa, irregulariter striata; lalere aiitico brevi, declivi. plus 
rainusve obtuse angulato ; poslico elongato, reclo, extremilate 
oblique truncato ; palliari latissime arcuato; umbonibus parvis, 
obtusis ; sinu pallii maximo, apice subtruncalo. — Long. 46, 
lal. 90 rnillim. 

Voici encore une coquille fossile de la Mollasse helvetienne 
subalpine qui a son analogue dans l'Ocean pacifique. En 
efTel, le L. Deickei ressen)ble extremement au L. Sieboldli, 
de 1 ile Vancouver, et iie s'en distingue que par la depression 
plus forte du cöte anterieur, par la legere convexite du bord 
Cardinal posterieur, et par la ironcalure un peu plus forte de 
Celle exlremile. Ces difTerences s'observent sur tous les indi- 
vidus de I'espece que je connais, et ils suffisent ainsi pour la 
distinguer selon les regles en usage. L'espece etant ä peu 
pres intermediaire entre le L. latissima. var. arcuata et le L. 
Sieboldti, tend ä prouver que les deux groupes auxquels ces 
types appartiennent sont relies par des liens naturels. 

4:1. Lutaria oblonga, Chemn. (Mya), 1782, Concli., 6, 
p. 27, pl. 2, f. 12. — Desh., traite elem., 1. p. 267, pl. 9, 
f. 9—10. — Reeve, Monogr. of Lutaria, pl. 2, f. 7. — L. sole- 
noides, Lam. — L. primipara, Eichw. — Non L. oblonga, 
Hoern., Foss. Moll. Wien, 2, p. 58, (p. p.) pl. 5, f. 6. (L. Hoer- 
nesi. May.) et 7 (L. elliplica). 

Aucune des localites d'oü cette espece est citee n'est plus 
ancienne que les Couches de Mantbelan ; plusieurs meme. lelles 



Mayer, MoUiisques tertiaires du Musee federal de Zürich. 291 

que Saucats, Turin, sont cilees ä lort et se rapportenl evidera- 
ment au L. elliplica. En general, l'espece est rare ä l'elal fossile 
et n'a alteint son noaximum de developperaenl qua l'epoque 
actuelle, oü eile abonde, de la Manche au Senegal. 

N'ayant jamais vu de Lutaire semblable ä Celle que M. 
Hoernes donne, planche 5, figure 6, de ses bivalves, je ne 
doute pas que ce ne soit une espece nouvelle et je m'empresse 
de la dedier ä mon excellent aini. Cette espece se dislingue 
du L. obionga, par son cöte anterieur beaucoup moins deprime, 
par j'anterieur droit et non fortement arque, par le palleal 
nioins arque, par sa charniere moins oblique et par son sinus 
palleal elroit et horizontal, au lieu d'elre large et oblique. Ge 
n'est pas non plus le L. elliptica, qui n'est jatnais tronque en 
arriere et dont la dent cardinale en V forme un angle plus 
ouvert. Si ces deux especes passent l'une ä l'autre, comrae 
de juste, ce sera par des individus bien peu nombreux en 
comparaison du nombre d'echantillons lypiques. du L. ellip- 
tica au moins. 

4:S. Lutai'ia Rietinanni, May. 

L. lesta oblongo-trapezia, leviler arcuata, valde inaequita- 
terali, turgidula et robusta, transverse irregulariter striata 
et rugata ; latere anlico brevissimo, rolundalo; postico elon- 
galo, subtus concaviusculo, extremitale compresso, oblique 
tiuncato, angulalo ; palliari leviter arcuato, cardinali fere pa- 
rallelo; unibonibus validis, obtusis; sinu pallii profundissimo, 
lato, subelliptico. — Long. 46, lal. 9.5 millim. 

L'espece que j'ai sous les yeux est uitermediaire entre les 
L. obionga et maxima, et ä ce point de vue il est imporlant 
de la decrire. Elle differe du L. obionga par sa forme plus 
epaisse et plus large, par son cole aiUerieur encore plus de- 
prime et plus court, par son extremite poslerieure plus forte- 
ment Ironquee et anguleuse en bas. Elle se distingue par 
contre du L. maxima, pnr sa forme moins large et nioins bom- 
bee, plus inequilaterale et plus droile, ainsi que par sa tron- 
cature posterieure plus oblique. Je n'hesite pas a la declarer 



292 Mayer, Mollusques tertiaires du Musee federal de Zurieb. 

bonne espece, quoique je n'en connaisse qu'un exemplaire 
imparfait. 

49. Lutaria angusta, Desh., 1830, Encycl., 2, p. 390. 
Comparaison faite dune quarantaine d'individus du L. an- 

gusta avec le L. elliplica, je ne trouve de differences entre 
les deux especes qu'en la petite taille (quaranle rnillimelres au 
plus) et la fragilite du L. angusla. De plus, celte derniere 
offre, h l'instar du L. elliplica, une variete large et une variete 
etroite. Or, comrae je ne connais point de L. elliplica ordi- 
naire dans tout l'Elage aquilanien, je me crois en droit de 
prelendre que la premiere espece est le devancier naturel ou, 
par ainsi dire, le fcetus de la seconde, et je ne tiens les deux 
especes separees que pour des raisons geologiques. 

50. Lutaria soror, May. 

L. tesla elongalo-oblonga, angusta, valde inasquilaterali, 
compressiuscula, transversim irregulariter striata ; latere antico 
brevi, paulum declivi et allenuato, subangulato ; postico prae- 
longo, superne levissirae concavo, extremitate compresso, obli- 
que subtruncato; palliari leviter arcuato, raedio sinuoso; um- 
bonibus parvis ; sinu pallii profunde, elliptico. — Long. 18, 
lat. 47 raillim. 

La longueur et la troncature du cöle posterieur ainsi que 
sa legere courbure, qui rappellerft un peu les Lutaria (iVleta- 
bola), Cumingi et Deshayesi, distinguent suffisamment celte 
espece de ses voisines les L. angusta et elliplica. 

51. Lutaria elliptica, ßoissy, 1818, Lam., Änim. s. v., 
1' edit., 5, p. 468. — Reeve, Monogr. of Lutaria, pl. 1, f. 3. 
— Wood, Crag. Moll.. 2, p. 251, pl. 24, f. 1. — L. oblonga. 
Hoern., Foss. Moll. Wien, 2, p. 50 (p. p.), pl. 5, f. 7 (noii 
Cheran.). 

59. Lutaria Stockensis, May. 

L. testa elongalo-oblonga, angusla, inaequilaterali, paulun^ 
compressa, transversim irregulariter grossestriata ; latere an- 
tico breviore, subtus reclo, exlrenailale rotundalo; postico 



Mayer, Mollusques tertiaires du Musee federal de Zürich. 293 

elongato, reclo, extremilate rotundalo; palliari fere reclo, me- 
clio leviter simoso ; umbonibus parvis, aculis. 

L'abondance de celle espece dans une localile oü le L. 
elliptica est fort rare, et son manque absolu dans un autre 
(Belp) oü le L. elliptica est assez comraun, permetlent d'affir- 
mer que l'une n'esl pas sirapiement le jeune de l'autre, mais 
quelle en est un batard ou rameau lateral , destine ä dispa- 
raitre de boniie heure, comrae le Turilella acuta, par exempie 
en est un du T. turris. Ces faits s'accordent comme on sait 
tres bien avec la theorie de Darwin. 

53. Lutaria cuneata, May. 

L. testa elongalo-oblonga, angusta, insequilaterali, paulum 
compressa, transversim irregulariler grossestriala ; latere an- 
lico breviore, attenualo, obtuse angulato; postico paulum la- 
liore, elongato, reclo, fere perpendiculariter truncato; palliari 
late-arcuato, raedio subsinuoso; umbonibus parvis, obtusis; 
sinu pallii profondo, elliptico. — Long. 87, lat. 85 millim. 

Le L. cuneata tient un peu du L. dissimilis, mais il est 
encore plus allonge et son cöte anlerieur est plus long, plus 
relreci et pointu, d'avantage encore que celui du L. ausiralis. 
C'est une espece ambigue, reliant le groupe du L. elliptica ä 
celui de l'oblonga. 

54:. Lutaria sanna, Bast., 1825, Mem. Soc. Hist. nat. 
Paris, 2, p. 94, pl. 7, f. 13. - Hcern., Foss. Moll. Wien, 2, 
p. 56, pl. 5, f, 5. — L. curla, Desh., Proc. zool. Soc. Lond., 
1854, p. 71. — Reeve, Monogr. of Lutaria, pl. 2, f. 5. 

La comparaison attenlive de la diagnose du L. curla que 
M. Deshayes a donnee et du dessin de cette espece qui se 
trouve dans Reeve, avec mes exemplaires aquilaniens du L. 
sauna ne ra'a pas laisse l'ombre d'un doule sur lidentite des 
deux especes ; je pense donc que M. Deshayes, qui a dcter- 
raine a Londres et loin de sa colleclion les Maclres et Lulaires 
de Cuming, aura un instant oublie l'espece fossile, et qu'il est 
aujourd'hui toul le premier a reconnaitre l'inutilite de la de- 
nominalion qu'il a faite. 



294 Mayer, Mollusques tertiaires du Musee federal de Zurieb. 

J'ai depuis longtemps dislingue sous le nom de L. Gallen- 
sis, une Lutaire ä caracleres parliculiers assez frequente daos 
la Mollasse suisse. Quelle n'a donc pas ete m'a surprise et 
ma joie , lorsqu'en ttianl de nouveau un demi-millier de L. 
sanna, j"y ai trouve ä la longue des passages insensibles au 
sous-genre Metabola et en parliculier ä mon L. (M.) Gallensis. 
Les deux especes etant corarnunes dans la Mollasse de Sl-Gall, 
il sera loujours assez facile de" controler l'exaclitude du fait irn- 
portant que je signale ici. J'invite donc, dans l'interet de la 
Science et de la verite qui est sa fille, un conchyliologue im- 
parlial et exerce ä faire de son cöte 1 elude des materiaux con- 
cernant ce sujel interessant. II trouvera, vraisemblableraent, 
ä cette occasion, deux ou trois especes nouvelles, que j'ai ne- 
gligees faule d'exemplaires assez nombreux et concluanls. 

55. Lutaria ovalig, May. 

L. testa ovalo-rotundata, transversa, subiEquilalerali, cora- 
pressa et subplanata, concenlrice irregulariter grosse-striala; 
latere antico paulum breviore, rolundato; poslico leviter alte- 
nuato, subangulato, biantulo; palliari late-arcuato ; umbonibus 
mediocribus, obtusis ; sinu paliii lalo et profunde. — Long. 42, 
lat. 58 miliiin. 

Voici une modification particuliere du type du L. sanna, 
qui s'eloigne de la forme hab-iluelle des Lutaires et rappelle 
Celle des Teilines et des Trigonelles. L'espece bien caracte- 
risee est rare et je n'en connais encore, en tout, qu'une dou- 
zaine d'individus bien authentiques. II ne faut pas confondre 
avec eile les individus deformes du L. sanna dont la forme 
est semblable; ceux-ci se reconnaissent ä l'inegalile de leurs 
valves, dont l'une rappolle loujours le L. sanna. 

56. Lutaria tellinaria, May. 

L. tesla ovato-oblonga, transversa, paululum angusta, sub- 
aequilaterali, corapressa el planulala, transversim irregulariter 
striata; latere anlico paulum breviore, leviter dcpresso, ex- 
Iremilale rolundato; poslico paululum atlenualo, oblique sub- 
truncalo, hianlulo; palliari late-arcualo ; umbonibus parvis, 



Mayer, Mollusques lertiaires du Musee fedeial de Zürich. 295 

aculis ; cardine angusto, fossula parva; sinu pallii lato et pro- 
fundo. — r^ong. 28, lat. 50 millim. 

Six des huit exemplaires sur le&quels je fonde celte espece 
sont idenliques et constituent ä coup sur un lype ä part, voi- 
sin pour la forme du L. lanceolata et de cerlaines Teilines et 
Psammobies. Les deux autres sonl plus douteux et tendent 
vers le L. ambigua. 

57. Lutaria aiubigiia, May. 

L. testa ovato-elongala, subpiriformi, transversa, inaequi- 
laterali, convexa, transversim irregulariter grosse-striala ; latere 
anlico pauium breviore et laliore, rolundato; poslico attenuato, 
obtuse anguialo, subcunealo vel rostrato, hiantulo; palliar! 
late-arcualo ; umbonibiis turaidis. oblusis; cardine crasso, fos- 
sula magna; sinu pallii lato et profundo, apice pauium de- 
presso. — Long. 37, lat. 70 millim. 

Voisine du L. tellinaria, quant aux contours, celte espece 
en differe essenliellement par sa convexite, par la forme de 
son cöle posterieur, par ces crochels et par sa charniere. Elle 
oCTre une oertaine tendance vers le L. elongata, sans loulefois 
appartenir au meme groupe. 

II se pourrait que les L. tellinaria et ambigua consli- 
luassent chacun un groupe h part. Je n'ai [)as eu le temps de 
peser assez bien leurs caracteres pour prendre une decision 
ä cet egard. • 

58. Lutaria (Metabola) Gallensis, May. 

L. (M.) tesla obloiigo-subquadrata, plus minusve vel elon- 
gata vel dilatata, pauium compressa, valde inaequilaterali, slriis 
increraenti irregularibus, remolis, poslice plus minusve distincle 
biangulatis ; latere anlico brevissimo, rotundato; poslico elon- 
gato, sublus recto, ab umbonibus ad marginem inferiorem saepe 
corapressiore, exlremitale sKpe leviler dilalato, subtruncato, 
liianle; palliari leviler sinuoso ; umbonibus mediocribus, ob- 
lusis; sinu pallii lato et profundiusculo, apice rolundato. — 
Long. 36, lat. 60 millim. 

Celle espece est assez variable: jcune, eile se rapproche 



296 Mayer, Mollusques lertiaires du Musee federal de Zürich. 

souvent un peu du L. (M.) Cumingi; adulle eile ressemble 
beaucoup au L. (M.) acinaces, et ne s'en dislingue exlerieure- 
ment que par sa taille presque de moilie moindre, par un peu 
plus depaisseur, par son cöle anterieur encore plus court et 
par les sinuosiles moins prononcees de ses stries d'accroisse- 
ment. II est du reste cerlain que l'une est le devancier na- 
turel et immediat de l'autre, car entre les deux il n'y a pas de 
place pour une espece intermediaire. 

Le miracle tout naturel du passage du genre Lutaria au 
sous-genre Metabola par modificalions individuelles et insen- 
sibles, une fois qu'il aura ele observe et conlrole par plusieurs 
savanls, sera une preuve irrecusable de la justesse de la theo- 
rie de Darwin. 

Familie des Pholadomyides. 

L'ordonnateur de la famille des Pholadomyides, M. Des- 
hayes, l'a, comme on sait, reduite au seul genre-type, en 
reunissant ä celui-ci les Allerisines et les Goniomyes, et en 
laissant ä l'ecart les genres Ceromya et Gresslya qu'il fond 
aussi en un seul. Quoique je croie avoir herile de mon ce- 
lebre mailre l'horreur des genres inutiles et trop nombreux, 
je pense neanmoins que dans le cas present, comme pour les 
Mactrides, l'eminenl IVIalacologue s'est laisse entrainer ün peu 
trop loin par»son amour du bien et du vrai, et que pour le 
moment il vaut peul-etre mieux conserver les Irois genres 
cites, ne fusse que provisoirement, que de risquer de les rayer 
ä fort. Je vais lacher de detendre ma maniere de voir : 

Si, tel que M. King l'a en dernier lieu reCorrae, le genre 
Allerisma est en efi'et tres voisin des Pholadoinyes, il en differe 
neanmoins par deux caracteres principaux, ä savoir par la na- 
ture granuleuse du tel et par les ornements qui s'en suivent. (Voy. 
Fielet, Traite de Paleont., 2'edit., 3, p. 371, pl. 72, f. 6.) Or, 
h raes yeux, ces differences sont trop importanles, trop fon- 
damentales pour ainsi dire, pour ne donner lieu qu'ä l'insti- 
tution d'un sous-genre, aussi longlemps bien enlendu que le 



Mayer, Mollusqucs tertiaires du Musee federal de Zürich. 297 

meme tet n'aiira pas ete observe chez des Pholadomyes Ivpi- 
ques; et, comme de plus les Allerismes sonl propres aux 
terrains paleozoiques et n'en excluent pas les vraies Phola- 
doroyes, je trouve que l'on ne peut encore se dispenser de 
les eiler sous leiu- nora propre, d'autant mieux qu'il y a dejä 
bien assez de Pholadomyes sans cela. 

Ge que je viens de dire peut en parlie s'appliquer au 
genre Goniomya d'Agassiz. En effet, ici encore nous avons 
a cöte dune forme singulierement constanle et rarement imitee 
par des Pholadomyes, une ornementalion toute differente, tres 
parliculiere et caracteristique et, merae chez les especes oü 
eile tend ä s'effacer, jamais melangee avec le Systeme d'orne- 
mentation des Pholadomyes. Or, qui est-ce qui peut dire 
qu a ces singuliers caracleres de la coquille ne correspondaient 
pas des particulariles de l'animal des Goniomyes? Et, si ron 
dislingue ä juste tilre cinq ou six genres dans la faraille des 
Solenides et quatre ou cinq dans celle des Peclinides, parce 
que les animaux en sont un peu differents, il rae semble juste 
de ne pas Irop se häter de reunir en un seul genre des co- 
quilles plus distinctes entr'elles que Celles de la plupart des 
genres indiques, 

Prenons ä present le genre Gresslya. Comme l'on sait, 
ce malheureux genre a le tort de posseder la raeme charniere 
simple que les Ceromyes (et bien d'aulres genres) et d'etre 
en outre caracterise, comme le genre cite, par la presence 
dans la valve droile d'une lame transversale parlanl des cro- 
chets pour se perdre a peu de distance du bord posterieur. 
Mais ä cöle de ce caractere encore ambigu, qu'est-ce que les 
deux genres ont de commun? Rien d'important. et bien au 
contraire. Ils se distinguent notablement et ä premiere vue 
par la forme constante qui est propre ä chacun d'eux (les es- 
peces transitoires, par exemplc, le Ceromya Wabrensis, sont 
plus que douteuses et pour ma part, loin d'en connaitre de 
nombreuses, je n'en ai encore vu aucunc); ils s'eluignent Tun 
de l'aulre par la nature du tet, tot extremement mince chez 



298 Mayer, Mallusqucs lerliaires du Musee föderal de Zürich. 

les Ceromyes, plus ep;iis, comme dans les Lulaires, chez los 
Gresslya; ils difFerent enfin eminemment par leur mode d'orne- 
loenlalion respectif. Or, si Ton reuiiit dans le meme gcnre 
deux lypes aussi essenliellement difFerenls, il faul pour etre 
logique en revenir ä certains genres de Linne et fondre de 
rechef les Lulaires dans les Mactres, les Cylherees dans les 
Venus, les Petoncles dans les Arches et les Plicalules dans 
les Spondyles. 

Quant ä la question des affinites de famille des genres 
enumeres, eile est simple, comme on sait, et il ne s'agit que 
de savoir s'il faul adjoindre les Ceromyes et les Gresslyes ä 
la famille des Pholadomyides, ou s'il faul en faire une famille 
ä pari. Pour qu'une famille seit naturelle, il faut que les 
genres qui la composenl difFerenl autant de ceux de la famille 
precedente que de ceux de la suivanle. Or, poser cet axiome, 
c'est resoudre la question dans le sens de la reunion des Ce- 
romyes et Gresslyes ä la famille des Pholadomyides, car rien 
ne ressemble plus aux Pholadomyes et genres voisins que les 
Ceromyes proprement diles, et celles-ci entrainent necessai- 
rement les Gresslyes avec elles. Apres cela, et si l'on accorde 
beaucoup de valeur ä la lame interne qui caracterise les deux 
derniers genres, l'on peut faire de ceux-ci une petite sous- 
famille, comparable ä la sous-famille des Spondyles et Plica- 
lules dans la famille des Pectinides. 

Je n'admets point, cela va sans dire, les Homomyes, meme 
ä titre de sous-genre. II me suffit, pour me justifier ä cel 
egard, de dire que le Ph. Helvetica qui serait une Homomye, 
appartient de fait au groupe du Ph. alpine. 

1. Pholadomya Studeri, May., 1861, Journ. de Conchyl., 
3' ser., 1, p. 52. 

9, Pholadomya cuneiformis * May. 

Ph. testa subtrigona, parum ventricosa, valde inaequilaterali, 
transversim irregulariler rugata; latere anlico brevissimo, di- 
latato, subplanulato, isevi?; postico elongato, valde attenuato- 
compresso, ieviler truncato, mediocriler hiante; umbonibus 



Mayer, Mollusques tertiaires du Musee federal de Zürich. 299 

allis, subacutis; sinu pnilii leviter obliquo. — Long. circ. 50, 
lat. 45 milliin. 

L'individu qui represenle celte espece est malheureusenienl 
deleriore du cöle anlero-inferieur, de sorte qu'il est difficile 
de juger de la forme exacte et de la natura des ornemenls de 
Celle partie. Cependant, cerlaines Iraces de plis encore visib- 
les de ce cöte, surtout vers les crochels, ainsi que la forme 
generale de la coquille permeltenl de presumer que le dit cöte 
elait tres court et peu convexe, et de rapporter ainsi l'espece 
au type du Ph. cuneala. En revanche, la compression plus 
grande des f]ancs et le manque de cöles longitudinales, merae 
dans Taxe des crochets caracterisent suffisamment l'espece 
corame nouvelle. 

3. Pholadoinya speciosa» May. 

Pli. testa ovato-obtusa, ventricosa, subcylindrica, valde 
inaequilalerali, sublaevigata, superne obscure parciradiata?; la- 
tere anlico brevi, rotundato vel subtruncato; postico elongato, 
paululum attenualo, subtruncato et hiantulo; palliari late-ar- 
cualo, fere reclo ; umbonibus tumidis obtusisque; sinu pallii 
profundiusculo, aperlo. — Long. 57, lat. 35 millira. 

J'ai donne ä cetle espece le nom de speciosa non parce 
que c'est une forme extraordinaire, mais parce qu'il se pourrait 
qu'elle füt identique au soit-disant Lutaria speciosa, allribuee 
ä Münster par M. Schafha3utl (Südbay. Leih, geogn., p. 172, 
pL 39, f. 3). Mon exemplaire se distingue du fossile eile par 
sa laille de beaucoup raoindre, par ses crochets plus eleves 
et qui se touchent, par son cöte poslerieur deprirae, par l'in- 
ferieur nullemenl sinueux et par le manque d'impressions 
musculaires bien prononcees; aussi est-il encore douteux qu'il 
appartienne ä la meme espece. Or, comrae en outre Ton ne 
sail pas si c'est Munster qui a determine le fossile de M. Schaf- 
ha;utl. ou si ce dernier savant a pris le nora dans la collection 
de Munster, au Musee academique de Munich, j'ai le droit et 
le devoir de m'atlribuer la denomination de mon espece, d'autant 
plus que celle-lä au moins est une Pholadomye inconleslable. 



300 Mayer, Mollusques tertiaires du Musee federal de Zürich. 

Voisine du Ph. Haalensis, celte espece en difFere par sa 
forme plus courte, plus cylindracee, raoins pointue et plus 
netteraent tronquee en arriere, ainsi que par le manque de 
plis Iransverses. 

4. Pholadomya pholadoides, May. 

Ph. testa praelonga, venlricosa, subcylindrica, valde inae- 
quilaterali, in medio radialim costellata?; latere antico brevis- 
simo, rotundato; poslico elongato, oblique sublruncalo, hiantulo; 
palliar! et cardinali fere rectis, subparallelis ; umbonibus ap- 
proximatis oblique depressis, tumidiusculis, obtusis. — Long. 
85, lat. 45 raillim. 

Lelat de conservation du raoule sur lequel je fonde cette 
espece est tel qu'il permet ä peine de deterrainer le genre 
auquel celle-ci appartient. Cependant, sa forme generale, le 
bailleraent poslerieur, la position et le rapprochement des 
crochels, enfin les traces de l'aire cardinale parlent en faveur 
des Pholadomyes plutöt que de lout aulre genre ; et, corame il n'y 
a dans les terrains tertiaires que les Ph. Haalensis et speciosa, 
dont les contours rappellent un peu mon fossile, je crois devoir 
le placer provisoirement dans le voisinage de ces especes. 

5. Pholadomya helvetica» May. 

Ph. testa subelliptica, arcuala, parum ventricosa, valde 
inaequilaterali, transversim irregulariter rugata ; latere antico 
brevissirao, rotundato, postico elongato, truncato, valde hiante; 
palliar! valde arcuato ; cardinali concavo ; umbonibus tumidis, 
obtusis ; sinu pallii majusculo, obliquo. — Long. 80, lat. 48 millim. 

Celte espece se distingue facilement du Ph. Studeri, k sa 
forme moins renflee, plus inequilaterale et arquee, ä ses plis 
moins grossiers et reguliers et ä sa troncature poslerieure. Les 
cinq exemplaires que j'en ai sous les yeux sont plus ou moins 
mal conserves; mais le Musee de Berne en possede un de fort 
beau, Irouve au Rolhsee par M. le professeur Mousson. 

6. Pholadomya alpiua, Math., 1842, Catal. meth., p. 136, 
pl. 11, f. 8. — Hoern., Foss. Mollusk. Wien, 2, p. 51, pl. 4, 
f. 1—2. — Ph. arcuata, Ag., Etud. crit., p. 63, pl. 2, f. 1—8. 



Mayer, Molliisques lerliaires du Musee federal de Zürich. 301 

Le seul caractere ä peu pres constant de celte espece, 
qui la (lislingue du PIi. Pusclii, est la Iroiicature et le lange 
häillemeiil du cöle poslerieur. Copeiidaiil, je coiinais quelques 
exeiiiplaires anihigiis sous ce rapport, el je prestune que les 
Pii. qu;?.sita el corliuloides ne soiil aussi que des iiidividus 
moyeiis lermes onlre les deux especes. 

L'exeinplaire du Marliiislii ücke, numerole V. S. 9287 s'ap- 
proclie deja beaucoup du Ph. Candida, par sa forme dtoil& el 
suhcyliiidii(pie. II fait es|)efer que Ton pourra [)lns lard prou- 
ver que l'i'spece vivanle esl !e ilesfeiuiaiil du !^h. alpiiia. 

7. Pholadoinya rectidorsata, lloerii., ISG'l, Foss. Mollusk. 
Wien, 2, p. 53, pl. 4, f. 3. 

Voilä, j'es[)ere, uiie l)Oime espece, que personne n'ira reu- 
nir au Ph. alpina, ä lilre (\i^ variele. Si cependant la llieorie 
de Darwin est jusle, il faut hicn que ces deux especes passenl 
l'une ä laulro, ä moins quClles ne [)rovieni)enl loiiles deux 
dun troisienjft type. Or, les deux exeniplaircs de l'hol mIo- 
niyes de la Mollasse, que je reunis avec raison au Ph. recti- 
dorsata, ollVeiil juslenient oes lendances vers le Ph. alpinn, en 
ce cpie lour hord oardinal est t.int soil peu oone;ive. 

8. Pholadoinya liesteina, Sow., isrt. M. C, pl. (529. 
— Wood, Cr.ig Mölln. Iva, 2, p. 2G6, pl. 30. f. 1 . — Ph. Plii- 
lipj)ii, .May., .lourn. de (>oncliyI., 2* ser'., 2 (18.)7), p. 176. 

Ne conn.iissanl encoro, en I8.")7, ni les dernicrs cahiers du 
Mineral Coiii-hology, qui niaiiquaicnt ä nolre Bddiolhecpie, ni 
la seeonde partie du Monogr.ij)!! of tlie Crag .Mollusct, cpii ne 
faisait (pie de [)arai(re, j'ai comniis la faute involonlaire d<' 
doiuicr un nouveau noin ä une espcce dejä deeril<>. Voila ce 
que c'est que de Irav.MlIcr avec des uialeriaux de compaiaison 
incom|)lets el insuffis.inis. eouiuie on y est d'ordinaire ohiige 
lein des granihs cenlres seienlificpies. 

.le tue rappelle avoir vii dans la collection de M. Desliayes 
une enorme Pholadouiye, fossile de IWslier» superieur d'.Alger, 
qui est voisine du Pli. heslettia, si eile ne lui est pas iden- 
lique. Enfin, je me demande si le Ph. al|)inn (pie eile M. Ilcer- 

XII. 3. 20 



302 Mayer, Mollusques lertiaircs du Musee l'ederal de Zurieb. 

nes de l'Aslien de GasteH' arqualo n'cst pas aussi plulöt le 
Ph. heslerna que loule aulre espece. 

9. Pholadoinya virgulosa* Sow., 18i1t, Min. Conch., 
pl. 630, f. 1. — Desh., Auim. s. v. foss. Paris. 1, p. 279. pl. 9, 
f. 9—10. 

10. Pholadomya iiiargaritacea, Sow. (Cardila), 1821, 
Min. Conch., pl. 297, f. 3. 

Le fulur monographe des Pholadomyes lertiaircs, muni d'ä 
peu pres lous les maleriaux connus, sera cedainement cnibar- 
rasse pour delimiter comtnc il faul les especes des groupes 
du Ph. Candida el Puschi, tant loulcs ces forrnes sont voisines 
et variahh^s. 

11. Pholadomya Ludensis, Desh., 18C0, Anim. s. v. foss. 
Paris, 1, p. 280, pl. 9. f. 1-5. 

Parmi mos nomhreiix excrnplaires du Ph. Puschi, il cn est 
un seul qui presenle ä pcu pres la meine forme arrondic du 
cöle anlerieur que le Ph. Ludensis; aussi, ce caraclcro h iui 
seul disliiigue-t-il suffisammenl cos deux especes voisines. 

le. Pholadomya Puschi, Goldf., 18^2, 2, p. 273, pl. 158, 
f. 3. — Beil.. Mem. Soc. geol. France, 2* ser., 4, p. 230. — 
Ph. Esmarcki, Pusch, sec. Schafh., Sudbay. Leih, geogn., 
p. 177, pl. 43, f. 11. — Ph. lignitica, Schafh., eod. loc, 
p. 178? — Ph. Delbosi, Mich'', Eludes s. I. Mioc. inf., (Nalurk. 
Verhand. holl. Maatsch. Welensch. llaaricm, 18G1) p. 55, pl. 5, 
f. 3. — Ph. trigonula. Mich'', eod. loco, p. 56, pl. 5, f. 6—7. 
— Ph. virgula, Mich"', eod. loco, pl. 4, f. 18—19. 

Espece dos plus interessantes, et par sa variabilite el par 
sa dispersion extraordinaire. Elle varie beaucoup, quanl a ses 
conlours et quanl au nombre el a la force des cötes. inais eile 
est ä peu pres constante, quant ä la forme du cöle anlerieur, 
forme qu'elle a en commun avec les Ph. Konincki el alpina, 
el quanl au relevement et ä la rondeur de rextremite posle- 
rieure. A St. Geours-en-Marcmme, eile prend quelquefois la 
forme allongce et arquec du Ph. alpina, sans loutefois se 
confondre completement avec cetle espece. 



Mayer, Mollusques terliaires du Musee federal de Zürich. 303 

Je suis porle ä croire que m6me les Ph. quaesila et^cor- 
buloides de M. Michelotli ne sorit encore que des varieles io- 
divifluflles de celle e>pere polymorphe. 

13. Pholadoinya Meriani, May., 1853, Verzeichn. foss. 
MoIIiisk. Mollnsse (Millheil. hern. nalurf. Gesellsch., p. 79). — 
Ph. pecliriiil.'i, Mer., ms. (riori Ag.). — Ph. Greppini, Dsh., 
Anim s. v. foss. P;iris, 1, p. 277. — Ph. arcuata, Lam. sec. 
Miclili, Eliid. Mioc. iof., p. 5G ? * 

Cflle espece n'a p,is encore ele figuree, et, comme sa syn- 
onymie esl assez compliquee et m.itiqiie encore de clnrle, il 
ser;iil fort utile den donner une honne figure. 

IMcs exemplaires n'ont p;is lout-ä-fail la forme du Ph. nuda 
d'Ag.'»>siz ; ils portenl, eri oulre, des cötes nomhreuses et per- 
sislanles; il m'est donc encore impossible d'admellre qu'ils 
appartiennent ä celte espece. 



Mittheilungen aus dem chemischen Universitäts- 
laboratorium Zürich. 

VII. Ueber die Einwirkung von Chloracetyl 
auf Zuckersäureäther, 

von 
Dr. A. Baltzcr. 



Vor einigen Jahren wandte Wisl icenus') die Ein- 
wirkung des Chloracetyls auf die neutralen Aether 
mehraeqiiivalentiger Säuren zur Ermiltiuno" der An- 
zahl in ihnen enthaltener, durch negative Radikale 



1) Ann. Chem. Pharm. CXXIX, 175. 



304 MittheiluDgen aus dem chera. Dniversilätslaborator. Zürich. 

ersetzbarer Wasserstoffnlome an. Er gewann auf 
diesem Wege, ausser dem AcetylomilclisäurelUher, 
den Acelyloäpfelsäureälher , Diacelylovveinsaurealher 
und Acelylooilronensäurealher, während A. Werigo 
den Tetracetyloschleimsäureälher darstellte. 

Wie die Schleimsäure, so ist r.uch die ihr iso- 
mere ZucUersäure als eine zweibasische secbsvalente 
Säure 

P }|»| O4 iCOfOH) 

A' •' oder C4ll'.(()H)4 
uji Ö2 ICO(OH) 

zu befrachten^, wofür namentlich das von II eint 7. 
dargestellte Bleisalz 

C6lIiPb3 06 

ZU sprechen scheint. In diesem Falle sollte auch ihr 
neutraler Aelher sich in ein vierfach acetylisirtos, 
dem Tetracetyloschleimsäiireälhcr von Werigo iso- 
meres Derivat überführen lassen. 

Hr. Prof. VVislicenus halle bereits früher, als 
er versuchsweise Chloracetyl auf den neutralen Zu- 
ckersäureäther einwirken Hess, die Bildung einer 
krystallinischen Verbindung beobachtet. Auf seinen 
Wunsch übernahm ich das Studium der Frage und 
Iheile in F'olgendem die ersten Resultate meiner Un- 
tersuchung mit. 

1. Einwirkung von Acetylchlorür auf Zucker- 
säureäther. 

Der Zuckersäureäther wurde nach dem vonHeintx 
angegebenen Verfahren dargestellt und im krystal- 



Mitiheilungen ans dem cbem. Universitätslaborator. Zürich. 305 

linlschen Zustand mit mehr als 4 Moleculen Acetyl- 
chlorür im Kölbchen übergössen. Schon bei gewöhn- 
icher Temperatur tritt unter gelinder Erwärmung 
und Entwicklung von Salzsäure die Reaktion ein und 
vollendet sich leicht durch schwaches Erhitzen des 
Kölbchens. 

Es scheidet sich dabei eine geringe Menge eines 
kleinkrystallinischen Körpers ab, während die Haupt- 
masse des Zuckersäureäthers in ein mit Wasser nicht, 
wohl a!)er mit Alkohol mischbares Oel verwandelt 
wird. Es gelingt leicht, beide durch letzleres Lösungs- 
mittel, von welchem der kryslallinische Körper in der 
Kälte nicht aufgenommen wird, zu trennen. 

Der kryslallinische Körper wurde aus kochendem 
Alkohol mit UüHe des Plantamour'schen Trichters 
umkrystallisirl. 

Er scheidet sich aus der heissen alkoholischen 
Lösung sehr schnell in Nädelchen ab, die in allen 
Farben glitzern. Beim Erhitzen sind dieselben nicht 
unzersetzt schmelzbar. 

Die Analyse ergab folgende Zahlen: 

1. 0,1757 Grm. lieferten 0,06*26 Grm. Wasser 
(0,006956 Grm. Wasserstoff) und 0,3006 Grm. Kohlen- 
säure (0,081982 Grm. Kohlensloff). 

U. 0,1550 Grm. lieferten 0,0544 Grm. Wasser 
(0,006044 Grm. Wasserstoff) und 0,2648 Grm. Koh- 
lensäure (0,072218 Grm. Kohlenstoff.) 

Hl. 0,1663 Grm. lieferten 0,0591 Grm. Wasser 
(0,006567 Grm. Wasserstoff und 0,2835 Grm. Koh- 
lensäure (0,077318 Grm. Kohlenstoff). 

Hieraus berechnet sich die Formel CioHioO^ 



305 lUittheilungen aus dem ehem. Daiversitätslaborator. Zürich. 



berechnet 




gerunden 




Mittel 




I. 


II. 


III. 




Co 120 46,51 


46,66 


46,59 


46,49 


46,58 


H,o 10 3,88 


3,98 


3,90 


3,95 


3,94 


0« 128 49,61 


— 


— 


— 


49,48 



100,00 100,00 

Seiner Forme! nach scheint dieser neue Körper 
ein Einwirliungsprodulvt von Chioracelyl auf die dem 
neutralen Zuckersäureälher wohl stets in gewisser 
Quantität beigemenole, durch Einwiriiung von Was- 
ser aus ihm entstandene Zuckersäure zu sein und 
könnte seine Bildunij vielleicht durch die Gleichung 
CöH.oOs + 2(C2fl30)Cl = C.oH.üOs -\- 2 HCl + 21120 
oder, da das gebildete Wasser sicher auf überschüs- 
siges Chloracetvl einwirkt, wohl hesser durch 
C6H,o08 + 4(Ü2H30,CI) = C,oH,o08+4HCI + 2C2n4 02 
ausgedrückt werden, wobei überdiess, da ein starker 
üeberschuss von Acelylchlorür vorhanden war, auch 
Essigsäureanhydrid gebildet werden kann. 

Da bisher nur geringe Quanlitäten dieser kry- 
slallinischen Substanz gewonnen wurden, so war es 
mir noch nicht möglich ihre sonstigen Eigenschaften 
and ümsetzungsweisen, aus denen ein Schluss auf ihre 
Constitutign gezogen werden könnte, zu untersuchen. 
Ich bin jedoch gegenwärtig damit beschälligt, durch 
Einwirkung von Chloracetyl auf reine Zuckersäure 
diesen Stoff, behufs genauerer Untersuchung, in wo- 
möglich grösserer Quantität darzustellen und behalte 
mir weitere Mitlheiluügen darüber vor. 

Aus der in Alkohol und Aether löslichen öligen 
Flüssigkeit Hess sich leider ein zur Analyse tauglicher 
Körper trotz jahrelangem Stehen über Schwefelsäure 



Mittheilungen aus dem ehem. (Juiversitätslaborator. Zürich. 307 

und inonatelangem Ver\Yeilen im Vacuum nicht ab- 
scheiden. Bei der Destillation erfolgt Zersetzung, 
die verschiedenen Lösungsmittel lösen entweder gar 
nichts oder Alles auf, die Analyse ergab keine Formel. 
Möglicherweise ist der Tetracetylozuckersäureäther 
in dieser öligen Substanz enthalten, aber verunreinigt 
mit anderen nicht von ihm trennbaren Stoffen (Essig- 
säureanhydrid?). 

2. Einwirkung von Acetylchlorür auf die 
Chlorcalciumverbindung des Zuckersäure- 
äthers. 

Die Darstellung des Telracetylozuckersäureäthers, 
welche nach der oben mitgetheilten Methode nicht 
möglich war, gelang durch eine kleine Modification 
des Verfahrens. 

Um die Bildung von Zuckersäure aus dem Aether 
zu verhüten, wurde nicht der Aether selbst, sondern 
die leicht rein zu erhallende Chlorcalciumverbindung 
desselben benutzt, deren sich Heintz zur Aelher- 
bereitung bediente. 

Nachdem ein Vorversuch gezeigt hatte, dass 
der kryslallinische Cblorcaicium-Zuckersäurentber von 
Ciiloracetyl in der Kälte langsam, beim Erhitzen schnel- 
ler unter Chlorwasserslolfeiilwicklung angegriffen wird, 
Hess ich 50 Grm. desselben mit etwas mehr als der 
gleichen Menge Chloracetyl in einem Kölbcben auf 
einander einwirken. Dasselbe stand, um die Ver- 
dunstung des Chloracetyls möglichst zu verhüten, mit 
einem aufwärts gerichteten Kühler in Verbindung. 

Die Reaktion wurde zunächst so weit als mög- 



308 Miltheilungeii aus dem c-bera. Universilätslaborator. Zürich. 

lieh bei g-ewöhiiliciier Temperalur ciiirch<^eführt , nach 
mehrlägiii^etn Stehen indessen durch Erwarmuno- im 
Wasserhade vollendet. Der Inhalt des Kölhchens 
halle sich dabei in eine homogene Mas3e von gnmmi- 
arliL'^em Aussehen verwandeil, welche nach der Ex- 
traclion mit absolutem Aelher einen in Wasser und 
Alkohol löslichen Rückstand von Chlorcalciuni hinter- 
liess. Erst nach 16 maligem Extrahiren mit Aelher 
war sie vollständig- erschöpft. 

Die vereinigten, bräunlich gefärbten , ätherischen 
Aus/üüc wurden nunmehr abdeslillirt. Es hinterblieb 
ein gefärbtes Oel von aromalischem Geruch, welches 
unter der Luflputnpe über Schwefelsäure nach und 
nach eine kryslallinische Masse absetzte. Dieselbe 
wurde durch Abpressen vom Oele getrennt, welches 
bei sehr langem Stehen ebenfalls noch zum Theil er- 
starrte. 

Die durch öfteres ümkrystallisiren aus Alkohol 
gereinigte kryslallinische Masse war der erw^artete 
Telracelylo/iUckersäureäther. 

Die Elemenlaranalyse ergab folgende Resultate: 

I. 0,1992 Grm. lieferten 0,1074 Grm. Wasser 
(0,011933 Grm. Wasserstoff) und 0,3619 Grm. Koh- 
lensäure (0,098700 Grm. KohlenslofF). 

iL 0,2500 Grm. lieferten 0,14*20 Grm. Wasser 
(0,0158 Grm. VVassersloff) und 0,4580 Grm. Kohlen- 
säure (0,12507 Grm. Kohlenstoff). 

III. 0,2105 Grm. Substanz lieferten 0,1114 Grm. 
Wasser (0,012378 Grm. Wasserstoff) und 0,3821 Grm. 
Kohlensäure (0,104209 Grm. Kohlenstoff). 

Die Zusammensetzunff des neuen Aelhers 



Millheilungen aus dem ehem. ütiivcrsitätslaborator. Zürich. 309 

berechnet sich wurde gefunden Mittel 

I. II. HI. 

C,8 216 49,77 49,53 50,04 49,55 49,71 
H2(, 26 5,99 5,99 6,28 5,88 6,05 
0^2 192 44,24 _ _ ^ 44,94 

100,00 

Die Formel Ci6H2iOn, d. h. eines Triacely- 
Joznciversäureälhers, würde erfordern 48,98 Vo ^; 
6,12 % 11; 44,90 % 0. 

Eine Spailungsanalyse, wie sie VVisIicenus mit 
gutem Erfoiy zur Feslsleilung der Zusammensetzung- 
der acetylisirlen Aeliier der IVlilcIisäure, Aeplelsaure, 
Weinsaure und Cilronensaure anwandle, liess sicii mit 
dem Telracelylozucliersäureatlier nicht woiil durcli- 
führen, weil heitn Kochen mit ailioiiojisciier Kali- 
lösiing- unter Bildung einer hraunen .Schmiere tiel'er 
gireifende Zersetzungen eintraten, was nachdem he- 
liannten Verhallen der leicht zerselzbaren Zucker- 
säure schon von vorn herein vermnthet werden konnte. 

Der neue vierfach acetylisirle Zuckersäureälher 

( r( ro r^2 oder C4n,(OC2H30)4 
2c!ll5 ) C0(0C,ll5) 

ist geruchlos und von hitterm Geschmack. Er scheidet 
sich aus ällierischer Lösung- in kleinen prismatischen, 
aus Alkohol in weil grösseren tafelförmigen Kryslallen 
ah. Dieselben sind farhios, durchsichtig- und zeigen 
deutlich die Combinalion des klinorhombischen Systems : 
ccP + Po) + P'co + oP. 
In kaltem Wasser ist der Aether unlöslich, in 
warmem Wasser schmilzt er zu einer klaren Flüssig-- 



3[0 Miltheilungen aus dem ehem. Universitätslaborator. Zürich. 

keit, ebenfalls ohne sich zu lösen. Von heissem Al- 
kohol wird er sehr leicht, von kaltem etwas weniger 
leicht aufgenommen; in gleicher Weise verhalt er 
sich gegen Aether. Er schmilzt bei 61°, bleibt längere 
Zeit hindurch auch beim Erkalten noch zähflüssig, 
krystallisii t aber, mit einem Kryställchen zusammen- 
gebracht, von diesem aus ziemlich leicht in radialer 
Anordnung. 



VIII. Notiz über die Einwirkung von 
Chloracetyl auf Anissäure, 

von 
Dr. A. Ualtzer. 

Wenn die Anissäure nach Say tzeff') als Melhyl- 
paroxybeuzoesäure zu betrachten ist, so ist voraus- 
zusehen, dass bei der Behandlung mit Acetylchlorür 
das Saureradical nicht für W^assersloff, sondern höch- 
stens für Methyl unter Bildung von Chlornielhyl und 
Acetyloparoxybenzoesäure wird eintreten können. 

Als ich die Einwirkung von Chloracetyl auf Anis- 
säure versuchte, war obige Deutung der Anissäure 
noch nicht veröffentlicht. 

Ich erhielt im zugeschmolzenen Glasrohr, nach 
dem Erwärmen auf iUÜ- 120"^, ohne jede bemerkbare 
Bihlung eines Gases beim ümkrystallisireu ans Al- 
kohol, einen krystallinischen Körper vom physikalischen 
Habitus der Anissäure. Er zeigte dieselben Löslich- 



1) Cenlralbl. 1864, 1. 



Mittheilungen aus dem ehem. Universilätslaborator. Zürich. 311 

keitsverliältnisse, sublimirte zum Theil weit unter dem 
Schmelzpunkte, welcher genau der der Anissäure 
war. Die Elemenlaranalyse ergab 62,94 % C und 
5,36% H, die Formel der Anissäure verlangt 63,15 %C 
und 5,26 % H. Danach kann kein Zweifel darüber 
obwalten, dass wenigstens bei der angegebenen Tem- 
peratur die Anissäure von Chloracelyl nicht ange- 
griffen wird. 



Notizen. 



Beitrag zur kritischen Untersuchung der älteren Kometen- 
Verzeichnisse. 

Die Benützung alter, namentlich vorchristlicher Schrift- 
steller erfordert nirgends grössere Aufmerksamkeit, allseiligere 
Prüfung und mehr Unbefangenheit, als da, wo nalurwissen- 
schaftliche ßeobachlungen enthoben werden sollen. Seihst da, 
wo anscheinend gründliche Beschreibungen gegeben sind, wird 
es oft zweifelhaft, ob man mit dieser oder jener Erscheinung 
zu ihun habe; namentlich wenn unbekannte oder unheslimmle 
Ausdrücke gebraucht werden und die Erscheinungen mit an- 
dern gewisse Aehnlichkeilen besitzen. Vergleichen wir die 
besiehenden Verzeichnisse von Kometen, Feuerkugeln, Slern- 
schnup[)en, Nordlichtern und andern leuchtenden Erschei- 
nungen, so finden wir, selbst bei den sorgfältigsten Schrift- 
stellern die gleichen Stellen in dem einen Werke zu dieser 
Erscheinung, in dem andern zu jener Erscheinung gezählt, 
während selbstredend die Quelle nur eine beslimmle Erschei- 
nung im Auge haben konnte und die belrefTende Stelle nur 
für eine bestimmte Erscheinung ihre Richtigkeit haben kann. 



312 Notizen. 

Jedes Mittel, das irgendwie geeignet ist aus der noilunler 
ziemlich starken Verwirrung herauszuhelfen , ist zu benutzen, 
wenn ein zur Benutzung bei wissenschaftlichen Untersu- 
chungen brauchbares Verzeichniss von Njilurersicheinungen auf- 
gestellt werden soll. E\n solches Mitlei bietet unter andern 
die Periodicität bestimmler Erscheinungen, wenn solche mit 
hinreichender Sicherheil bekannt ist. Erinnern wir uns hier 
des Ilalley'schen Kometen, dessen Periode, einmal erkannt, 
nicht nur die Veranlassung dazu ward, die zukünftigen Er- 
scheinungen vorauszuberechnen, sondern auch eine ganze 
RiMhe allerer Erscheinungen unter sich zu verbinden und die 
Idenliliil derselben nachzuweisen. 

Für die alleren Zeiten und selbst herauf bis in das 16. Jahr- 
hundert, wie z. B. bei Pingre »Cometograpliie« für die Jahre 
1510, 1511, 1529 u. s.w. zu ersehen, ist der Name »Komet« 
ein beliebter allgemeiner Ausdruck gewesen, der bei mancher- 
lei Erscheinungen zur Taufe stehen mussle, ohne dass gerade 
etwas Komelenarliges am Himmel erschienen wäre. Werden 
hierdurch schon viel mehr Kometen in die Verzeichnisse em- 
geführt als wirklich mit blossem .Auge sichtbar waren, so wird 
die Zahl der Verwechselungen dadurch noch weit mehr ver- 
grössert, dass die alleren Schriftsteller und Chronisten den 
feurigen Erscheinungen der Atmosphäre und des Himmels 
Namen beilegten , welche wir mit »Fackeln, Flammen, Bal- 
ken u. s. w.« übersetzen, welche sich ebenso gut auf Kometen , 
als auf Feuerkugeln , Sternschnuppen, besondere Arten von 
Nordlichtern, selbst .nuf eigenthümliche Blitze anwenden lassen. 
Namenilich häufige Verwechselung fand statt zwischen Kome- 
ten und Nordlichtern, welche unter gewissen Umständen eine 
kaum zu unterscheidende Aehnlichkeil erlangen können, wenn 
auch in viel seltenem Fällen, als man etwa daraus schliessen 
darf, dass uns jetzt eine Menge alter Schriftsteller hierüber 
im Unklaren lassen. Wir erinnern hier an die Bemerkungen, 
welche Rümker (in Jahn 's Unterhaltungen 1853 Nr. 49) an 
die Nordlichlerscheinungen nach Untergang des Klinker- 



Nolizen. 3|3 

fues'schen Kometen vom 2. September 1853 und an (l;is in 
Durham gesehene Nordlicht vom 30, Septemher dos gleichen 
Jahres, als der ßruhns'sche Komet wenig unter dem Hori- 
zont von Diirhara stand, knüpft und an seinen Ausspruch über 
die Möglichkeit, dass Kometenschweife nordiichlarlige Erscliei- 
nungen hervorrufen köiineri. 

Kin MiUel, um manche zweifelhafte Stelle richtig auszuschei- 
den, ob sie sich auf Ko(ncten oder auf Nordlichter beziehe, durfte 
in der Zukunft die Zuhülfenahme (Jer l)ei den Polarlichtern er- 
kannten Periodicit'at sein, die in ihren allgemeinen Zügen jetzt 
schon eine so hesliiuMite ist, dass die Zukunft nur wenig an 
den Längen der Perioden zu ändern finden dürfte. Ohtie hier 
auslührlich auf die entsprechende Untersuchung einzugehen, 
mögen einige Beispiele genügen. 

Tür das Jahr 170 vor Chr. erzählt uns die Bibel im 2 Buche 
der I\I,d\kabät r von Heilem mit golilcnen Harnischen und langen 
Sfiiessen , welche in Schlaclilordiiung in der Luft vierzig T.ige 
sichtbar waren. Diese Stelle (indel eine Mcstäligung durch eine 
von Seneca angefüiirte Stelle, dass um 1C8 vor Chr. zur Zeil 
des Krieges des i'aulus Aemilius gegen die Perser ähn- 
liche Krscheinungen gesehen wurden. 

Für das- Jahr 389 tia( h Chr. führen Nicephorus inul 
Marcellinus einen ebenfidls während vierzig 'rag(>n sicht- 
baren Kometen auf, der mit seinem fhimmenlürmigen Schweife 
und den von VViders[)riichen und Unmöglichkeiten wimmelnden 
Beschreibungen viell;iche Deutung zulässt. 

Für das Jahr 895 berichten die chinesisclien Verzeichnisse 
von einem Kometen mit einem Schweife von anfangs 100, 
später 300 Graden. Ein Sehweif kann nicht 300° überspannen, 
wohl aber kann ein Nordlicht soviel Grade des Horizontes 
umfassen. 

Betrachten wir die Zeiträume zwischen diesen fraglichen 
Erscheinungen, so finden wir, dass zwischen der ersten und 
zweiten 

559 = 10 . 55,9 Jahre. 



314 Notizen. 

zwischen der zweiten und drillen 

506 = 9 • 56,2 Jahre 
verflossen , welche Perioden fast genau mit der von mir für 
das Nordhcht aufgeslelllen Periode von 55,6 Jahren überein- 
stimmen. (Siehe: Mitlheilungen über die Sonnenflecken von 
Prof. Dr. R. Wolf und den belrefTeiiden Aufsatz im Programm 
des eidgen. PolylechniKums für 1866/67.) 

Hallen wir an der Periode 559 = 10 • 55,9 Jahre fest, so 
kommen wir auf die Jahre 

918, für welche Zeit Mädler in seinen »Wundern des 
Welllalls« bemerkt : »Von 939 bis 91l5 hat jedes Jahr seinen 
Kometen, und von allen wird nahe dasselbe gesagt«; fernerauf 

1507, um welche Zeit und noch eine Reihe von Jahren 
darnach eine Anzahl von Kometen, jedoch ohne hinreichende 
Beobachtungen und milunler in Begleitung der abenleuerlich- 
sten Beschreibungen erscheinen, so z. B. bei dem Kometen 
von 1508, woraus wir für diese Zeit, wie für 9'i8 auf Verwech- 
selung von Kometen mit Nordlichtern schliessen dürfen und 
dies um so mehr, als gerade in beiden Perioden die letzteren 
sich häufig zeigten, also nicht allein die theoretischen Längen 
der Perioden auf diese Jahre führen. 

Für 48 vor Chr. führt Pingre einen grossen Kometen 
auf. Flammen durchzogen den Himmel nach allen Richtungen 
(nach Lucanus). Die chinesischen Astronomen führen aller- 
dings auch für dieses Jahr einen Kometen auf 

Für 504 nach Chr. führt Galfredus M o nume n t e n sis 
einen merkwürdigen, einen Drachen vorstellenden Kometen 
auf, dessen Schweif sich in sieben kleinere spaltete! 

Für 566 führt A bu 'I-Faragi us einen langgeschweiften 
Kometen an, der nach ihm ein ganzes Jahr am Nordpole, nach 
Marius jedoch nur 10 Wochen sichtbar w;ir. 

Diese drei Jahre liegen den in oben angeführten Schriften 
bestimmten Nordlichlerniaxiriium wieder nahe (45 vor Chr., 
511 und 566 nach Chr.) und liegen um 10-55,2 und 1-62 
Jahre, zusammen also um 11 • 55,8 Jahre auseinander. 



Notizen. 315 

Gehen wir von 504 oder 566 um 10 • 53,2 Jahre vorwärts, 
so kommen wir auf 1036 und 1118 und erfahren von Rlädler 
a. a. 0., nachdem er für das Jahr 1000, also 56 Jahre vor 1036, 
gesagt: »In diesem Jahre wimmelt es förmlich von feurigen 
Drachen, vom Himmel fallenden Flammen, Erdhehen und an- 
dern Wunderzeichen; es versteht sich von selbst, dass dabei 
der Komel nicht fehlen durfte«, dass von 1006 an, eine solche 
grosse Verwirrung in den Komelenberichlen herrscht, dass 
man in gänzlicher Ungewissheit bleibt und selbst die spar- 
samen chinesischen Berichte nichts aulklären und dass die zahl- 
reiclu-n Kometenerscheinungen des 12. Jahrhunderts zwar viel 
Sonderb.ires, aber wenig Bemerkenswerthes und nichts Ge- 
wisses bieten und, wie Pingre gezeigt, meist auf Missversland 
und Verwechselung beruhen. Weitere 560 Jahre führen in das 
17. Jahrhundert, in welchem die Beobaclitungen keine Zweifel 
mehr aufkommen liessen. Alle die zuletzt angeführten Zeiten 
fallen zusammen mit an Nordlichlern reichen Jahren. 

Ohne auf gründlichere Untersuchungen einzugehen, ge- 
hören nuigliclierweise die 5 Kometen des Jahres 277 nach Chr., 
welche die Chinesen anführen, der von Gregor von Tours 
für 582 beschriebene, der im Westen stand, einen Schweif 
wie der Rauch einer grossen Feuersbrunst hatte und in der 
Milte der Finslerniss brannte, der von 882 mit wunderbar aus- 
gebreilelem Schweife, sowie der von 9'«2 am westlichen Himmel 
mit einem Schweife gleich einer Uauchsäule, welche beide 
letzteren Pingre anführt, hieher, welche Jahre der Erschei- 
nung ebenfalls nahe den 56jährigen Nordlichlmaxima , oder 
um die lljährige Periode davon entfernt liegen. Weiler nähern 
sich den Norfllichterraaxima der .A.r)fang des 7. Jahrhunderts 
(Max. 622), in welcher Zeil nach Pingre grosse chronologische 
Konfusion unter den Kometographen herrscht; S'lO bis 844 
(Max. 8'l4) in welcher Zeit jedes Jahr Kometen enlhäll. welche ' 
jedoch Pingre anzweifelt und 10C6 bis 1031 (Max. 1011), in 
welchen Jahren viele Kometen sich gezeigt haben sollen, wo- 
bei nach Pingre jedoch viele zweifelhafte Erscheinungen sind 



316 



Notizen. 



und worüber wir schon oben Mädler's Ausspruch gehört 
haben. 

Diese oben angeführten Beispiele zeigen, wie gerade eine 
Menge zweifelliaflor Erscheinungen mit Nordlichlerperioclen 
zusaninienrallcn , wodurch wir zu tier Annahiue berechtigt wer- 
den , (hiss niindeslons ein Theil der unter (lern Namen Kometen 
angeführten Krscheinungon diesen Nan)en nicht verdicntMi , 
sondern (hiss hier spezielle, unserer Erde angehörende Er- 
scheinungen iiMl dem Namen der Wanderer aus entfernlern 
Iliinmelsijiumen belegt wurden. Von niclil geringem Interesse 
ist die U(diersi(dit der Summen der in einem Jahrhundeite 
gesehenen Kometen, wie sie Carl in seinem He[)ertoriuin 
der Komelen-.AsIronomie zusammenstellt, verglichen mit den 
Jahrhunderten, in welchen die Nonllichter am häiifigslen w.iren, 
Irolzdem die chine>ischen Beobachtungen für die Kometen eine 
gute Kontrolle bieten. Es zeichnen sich bei den Erscheinungen 
namentlich aus: das 2. Jahrhundert vor Chr., dann das C, 7., 
9., 11. tinrl 16 J.dirhiniderl nach Chr. Diese üehereiiisliinmung 
kann nur in Verwechselungen gesiichl werden , da Uein CrunJ 
vorhanden ist. dass zahlreiche Kometen auch z;lilri'iche Nord- 
lichter bedingen, wenn es schon auffallen muss, dass in dem 
17. Jahrhiinderl, das arm an Nordlichlern , nur 27 Koinelen 
sichlhar waren, wahrend in dem an Nordlichlern reichen 18. 
Ja!)rhunder^le 36 Kometen mit blossem Auge, nebst 3-3 lelc- 
skopischen erschienen. [H. Fril^.J 



lieber die Wärmeentwickelimg beim Starrwerden 
des Muskels, 

von 
Dr. W. Djbkowsky und Prof. A. Fick. 



In älterer Zeit war ziemlich aligemein die An- 
sicht verbreitet, dass die Starre des 3Iusl\eis eine 
seiner KontralUion wälirend des Lebens analoge Er- 
scheinuno- sei. In der Todtenstarre insbesondere sah 
man gleichsam den letzten Lebensakt des Gewebes. 
Später wurde diese Ansicht von der tiberwiegenden 
Mehrzahl der Physiologen verlassen, aber in alier- 
neuster Zeit erheben sich wieder g-ewichtige Stimmen 
für dieselbe. Es kann sich selbstverständlich nicht 
darum handeln, den starren Mirskel und den teta- 
nisirten Muskel zu identificiren. Die Unterschiede 
zwischen diesen beiden Gebilden springen sofort in 
die Augen; der starre Muskel ist, wie schon der 
Name sagt, wenig biegsam und brüchig, er ist ferner 
undurchsichtig und weniger dehnbar. Von alledem 
sehen wir am tetanisirten Muskel das Gegentheil. 
Dennoch kann es recht wohl ein und derselbe Process 
sein, welcher den lebenden ruhenden Muskel zu beiden 
Zuständen führt, und es wäre sogar möglich, dass 
sich der Muskel während des Erstarrens zu gewissen 
Zeiten in einem Zustande befindet, welcher dem te- 
tanisirten Zustande identisch ist. Das Erstarren wäre 
dann aufzufassen als ein Weiterschreiten der Pro- 
cesse, die in ihren ersten Stadien zum Tetanus führen. 

XII. 4. 21 



318 Djbkowsky u. A. Fick, Wärmeentwickel, beim Starr werden. 

Gerade diese Auffassung ist es, die sich neuer- 
dings gellend macht und die in den schönen Unter- 
suchungen von Ranke') und von Hermann2) über 
Muslielchemie eine thatsächliche Grundlage findet. 
Der erstere hat die von du Bois-Reymond ent- 
deckte Säuerung des Muskels weiter verfolgt und 
gefunden, dass im Muskel ein gewisser Vorrath des 
Säure (wahrscheinlich Milchsäure) bildenden Körpers 
vorhanden ist, der beim Tetanisiren stets nur th eil- 
weise, beim Starrwerden aber ganz erschöpft wird. 
Hermann zeigte, dass für die Kohlensäurebildung 
im Muskel dasselbe gelte. Er wies ferner nach, dass 
bei dieser Bildung von Milchsäure und von Kohlen- 
säure kein freier Sauerstoff verbraucht werde. 

Hermann macht es höchst wahrscheinlich, dass 
man sich die ganze Kette der in Rede stehenden Pro- 
cesse in folgender Weise zu denke«i habe. In der Mus- 
kelsubstanz befindet sich ein gewisser Vorrath einer 
höchst komplicirten Verbindung, welche unter ge- 
wissen Einflüssen (wohin unter Anderm die Reize 
und die Temperaturerhöhung gehören) ohne x\uf- 
nahme freies Sauerstoffes zu festeren und einfacheren 
Verbindungen zerfällt. Es verstösst keineswegs gegen 
das Princip von der Erhaltung der Kraft anzunehmen, 
dass dieser chemische Process, den Hermann einer 
Gährung vergleicht, lebendige Kraft erzeuge. Wir 
können ihn also namentlich als den der Arbeitsleistung 
des Muskels zu Grunde liegenden Process ansehen. 



*) Tetanus, eine physiologische Studie. Leipzig 1865. 
") Untersuchungen über den Stoffwechsel der Muskeln. Ber- 
lin 1867. 



Dybkowsky u. A, Fick, Wärmeentwickel, beim Slarrwerdcn. 319 

Unter die Produkte dieses Processes haben wir 
nun nach Ilermann's scharfsinnigen Erörterungen 
neben der Milchsäure und Kohlensäure noch das Myo- 
sing-erinnsel zu rechnen. Dieser von Küline zuerst 
unter den slickstoffhaltig^en Bestandtheilen der Muskel- 
substanz ausgezeichnete Körper scheint bei nur Iheil- 
weiser Erschöpfung- des Vorralhes an jener Substanz, 
in deren Zusammensetzung er eingeht, eine nur un- 
vollständige Gerinnung i) zu erleiden. In dieser Form, 
in der wir den Körper im tctanisirten Muskel anzu- 
nehmen hatten, kann er sich leicht wieder mit den 
andern Bestandtheilen jener hypothetischen kompli- 
cirten Verbindung' vereinigen und in den flüssigen 
Aggregatzustand zurückgehen. Zu dieser Restitution 
des Muskels nach dem Tetanus muss im Sinne der 
Ton Hermann entwickelten Hypothese freier Sauer- 
stoff und ein stickstofffreier Körper beilragen, welche 
beide aus dem Blute stammen. Ist dagegen der Vor- 
ralh der mehrgenannten hypothetischen Verbindung 
im Muskel gänzlich erschöpft, so scheidet das Myosin 
in vollständig fest geronnener Form aus, die es unge- 
schickt macht, sich wieder mit den andern Bestand- 
theilen zu verbinden. Diese feste vollständige Ge- 
rinnung ist nun eben das Wesen der Starre. Wir 
könnten im Sinne der Hermann'schen Hypothese die 
Kontraktion des Muskels als eine vorübergehende 
unvollständige Starre bezeichnen. 

Aus der in Rede stehenden Hypothese lässt sich 
eine sehr bemerkensvverthe Folgerung ziehen: Die 
dem Tetanus zu Grunde liegenden Processe sind nach- 



*) Hermann l. c. S. 74. 



320 Dybkowsky u. A. Fick, Wärraeentwickel. beim Slarrwerden. 

gewlesenermassen solche, bei denen chemische Spann- 
kraft in lebendige Kraft umgesetzt wird; sind nun die 
der Starre zu Grunde liegenden chemischen Processe 
derselben Art, so muss auch beim Erstarren de^s 
Muskels lebendige Kraft erzeugt werden und zwar 
noch mehr als bei der Tetanisirung, da ja nach un- 
serer Hypothese beim Erstarren eine grössere Menge 
Stoff umgesetzt wird als beim Tetanisiren. Eine Spur 
dieser Erzeugung von lebendiger Kraft beim Erstar- 
ren kann allerdings schon in der dabei stattfindenden 
Zusammenziehung gesehen werden, indem dabei eine 
gewisse Arbeit durch Hub eines Gewichtes geleistet 
werden kann. Dies ist jedoch ein verschwindend 
kleiner Betrag, da es sich beim Erstarren stets nur 
um eine einzige Zusammenziehung handelt. Es 
muss also sicher, wenn die Hermann'sche Hypo- 
these richtig sein soll, eine sehr bedeutende Wärme- 
menge beim Erstarren des Muskels frei werden. 
Die grosse Bedeutung dieses Argumentes hat schon 
Ludwigi) richtig gewürdigt, indem er der älteren 
Lehre von der Identität von Contraction und Starre 
ento-eo-enhält, dass bei der Erstarrung keine Wärme- 
Entwickelung nachgewiesen sei. 

Sollte also eine Wärme-Entwickelung beim Er- 
starren des Muskels erwiesen werden können, so wäre 
dadurch eine neue Stütze für die in Rede stehende 
Theorie der Muskellhätigkeit gegeben. Die Erledigung 
dieser Frage ist offenbar eine Forderung des gegen- 
wärtigen Standes der Muskelphysiologie. Diesen Schritt 
in der Kenntniss des Muskelgewebes zu thun ist der 
Zweck der vorliegenden Arbeil. 



*) Lehrbuch der Physiologie, 2. Aufl. Bd. I. S. 474. 



Dybkowsky u. A. Fick, Wärmeentwickel, beim Starrwerden. 321 

Es sind in jüngster Zeit mehrfach von patho- 
logischer Seite her Winke in der hezeichneten Rich- 
tung gegeben. Wir meinen die Beobachtungen über 
postmortale Steigerung der Temperatur von Leichen. 
Die erste hieher gehörige Angabe ist, soviel wir 
wissen, von Hübben et gemacht worden. Er theilt 
in seinem Bericht über die im Miiitärhospital zu Kiew 
beobachtete Choleraepidemie des Jahres 1850 mit, 
dass die Temperatur von Choleraleichen oft noch 
nach dem Tode um mehrere Grade zugenommen habe. 
Ueber die mulhmasslichen Ursachen dieser Erschei- 
nung spricht sich Hübben et nicht näher aus. Seine 
Angabe wurde von andern Beobachtern theils be- 
stätigt, theils angezweifelt. Von Neuem wurde die 
Aufmerksamkeit der Aerzte auf diesen Punkt gerichtet 
durch Wunderlich.«) Er hatte einen Fall von rheu- 
matischem Tetanus beobachtet, wo die Temperatur 
des Körpers im Augenblicke des Todes 44,75'^ C. 
betrug und wo dann die Temperatur der Leiche noch 
55 Minuten lang stieg und den Werth 45, B7 erreichte. 
Er bemerkt in seinem Bericht, dass die Muskeln dieser 
Leiche auffallend rasch erstarrten, ohne jedoch diesen 
Umstand als muthmassliche Ursache der Temperatur- 
steigerung hinzustellen. 

Später berichtet Leyden2) von einer postmor- 
talen Temperatursteigerung der Leiche ebenfalls bei 
einem Falle von rheumatischem Tetanus. Er nimmt 
aber auch keinen Zusammenhang zwischen dieser 
Temperalursteigerung und dem Erstarren der Muskeln 

') Archiv der Heilkunde, 18G1. S. 547 u. ff. 
") VirchoTi's Aiciiiv 16G3. S. 538. 



322 Dybkowsky Q. A. Fick, Wärmeenlwickel. beim Starrwerden. 

an, auch ist aus seiner Beschreibung^ nicht zu erse- 
hen, ob die beiden Erscheinungen in dieselbe Zeit 
fallen. Ebensowenig* geben Versuche an Hunden, 
die er angestellt hat, über diesen Punkt Aufschluss. 

Erst WaltherO hat die Ansicht ausgesprochen, 
dass die postmortale Temperatursteigerung der Leiche 
wohl auf die Estarrung der Muskeln als Ursache zu 
beziehen sein dürfte. Er hat zur Bestätigung seiner 
Ansicht Versuche an Kaninchen angestellt, in denen 
das Thier durch Wärmezufuhr von aussen gelödtet 
wurde. Er glaubt, durch seine Temperaturmessungen 
im Anus des sterbenden und todten Thieres bewei- 
sen zu können, dass beim Erhitzen des Thieres im 
Inneren seines Körpers selbst Warme frei wird, 
und dass auch noch nach dem Tode diese Wärmebil- 
dung fortdauert. Es erstai'rten die Muskeln einiger 
Gruppen schon, w^ährend das Thier noch lebte, die 
andern nach dem Erlöschen des Lebens. Wenn wir 
auch anerkennen, dass Walther' s Folgerungen 
einen hohen Grad von Wahrscheinlichkeit haben, so 
können wir doch nicht zugeben, dass dieselben gar 
keiner Einwendung mehr Raum geben, auf einige 
mögliche Einwendungen kommen wir selbst noch 
weiter unten zu sprechen. 

In der allerlezten Zeit hat Huppert2) auf Ver- 
anlassung der Walther'schen Publikationen von ihm 
früher schon angestellte Versuche veröffentlicht. Sie 
laufen wesentlich darauf hinaus zu zeigen, dass bei 



*) üeber tödUiche Wärmeproduktion im Ihierischen Körper. 
BuU. de racad. d. St. Petersbourg. Bd. XI. S. 18. 
') Archiv für Heilkuüde 1867. S. 321. 



Dybkowsky u. A. Fick, Wärmeentwickel. beim Starrwerden. 323 

Kaninchenleichen während des Eintrittes der Todlen- 
starre die Temperatur (im anus gemessen) langsamer 
sinkt, als zu andern Zeiten unter sonst gleichen Be- 
dingungen. 

Endlich haben wir noch anzuführen, dass Monti^) 
die Ansicht ausgesprochen hat, dass die postmortale 
Temperatursteigerung von Leichen auf Rechnung der 
Erstarrung der Muskeln zu setzen sei. 

Alle diese Beobachtungen und Erörterungen glau- 
ben wir nur als Winke bezeichnen zu müssen. Ein 
strenger Beweis für die Wärme-Entwickelung beim 
Erstarren des Muskels ist dadurch noch nicht gelie- 
fert. Vor allen Dingen sind alle diese Folgerungen 
dem Einwände ausgesetzt, dass die Wärme, wenn 
auch solche überall in der Leiche entstanden ist, in 
einem andern Gewebe als gerade im Muskelgewebe 
entstanden sein kann. Denn alle Beobachtungen, die 
den fraglichen Folgerungen zu Grunde liegen, sind an 
der ganzen Leiche des Thieres oder des Menschen 
angestellt. Es wäre doch gewiss nicht widersinnig 
zu denken, dass nach dem Tode im Blute und den an- 
dern Säften des Körpers Wärme erzeugende Processe 
zu einer gewissen Zeit stattfänden, und dass viel- 
leicht gerade die Produkte dieser Processe auch die 
Erstarrung des Muskels einleiteten. So würde die 
Gleichzeitigkeit der Wärme-Entwickelung und der 
Erstarrung eine ungezwungene Erklärung finden, ohne 
die Annahme, dass die eine die Folge der andern wäre. 

Ueberdies sind aber die meisten angeführten That- 



') Thermometrie der Choleraepidemie 1866. Jahrbuch für 
Einderiieilkunde. 



324 Dybkowsky u. A. Fick, Wärmeentwickel, beim Starrwerden. 

Sachen, die Walther'schen nicht ausgenommen, 
noch der Erklärung- fähig, welche der eine') von 
uns in einer frühern Publikation für die postmortale 
Temperatursteigerung im Mastdarm als möglich hin- 
gestellt hat. Er zeigte, dass dieselbe möglicherweise 
lokal sei. Die Muskeln könnten nämlich während 'des 
Lebens schon bedeutend wärmer sein als der Mast- 
darm, und es könnte sich die dort angehäufte Wärme 
noch nach dem Tode zu dem im Mastdarm befind- 
lichen Thermometer fortpflanzen und dessen Tem- 
peratur steigen machen. Bei Huppert's Versuchen 
endlich könnte man an eine Veränderung in den Ab- 
leitungsbedingungen der Wärme durch Veränderung 
des Aggregatzustandes der Muskeln denken. Doch 
sind auch sie dem obigen Einwände ausgesetzt, dass 
vielleicht zur Zeit der Muskelerstarrung in andern 
Geweben und Flüssigkeiten der Leiche Wärme er- 
zourronde Processe stattfinden. 

Soli eia slreu^cr Beweis für die Wärmeerzeu- 
gung geliefert werden, so sind Vc:-oUc!rj beizubringen, 
welche den eben aufgeführten Einwendungen nicht 
unterworfen sind. Das erste Erforderniss ist daher, 
dass Versuche mit blossem Muskelgewebe angestellt 
werden. Solche Versuche haben wir nun angestellt 
und zwar zunächst mit Bezug auf die Wärme starre 
des Muskels. 

Der Nachweis der Wärmeproduklion bei Entste- 
hung der Wärmestarre hat seine eigenthümlichen 
Schwierigkeiten, denn um den Muskel wärmestarr zu 



^) Billroth und Fick, Vierteljahrschrift der naturf. Gesellsch. 
in Zürich, 1863. S. 427. 



Dybkowsky u. A. Fick, Wärmeentwickel, beim Starrwerden. 325 

machen, muss man ihm Wärme zuführen, und wie 
soll man die von aussen zugeführte Wärme von der 
im Muslvei entwickelten Wärme unterscheiden? Wir 
machen leicht folgende Bemerkung: W^enn man einen 
Körper erwärmt durch Wärmezufuhr aus einer Um- 
gebung von konstanter, oder auch von immer wach- 
sender Temperatur, und; wenn alsdann in irgend 
einem Augenblicke die Temperatur des Körpers höher 
ist als die der Umgebung-, dann muss nothwendig- in 
dem Körper selbst Wärme erzeugt sein. Keines- 
weges indessen lässt sich dieser Satz in der Weise 
umkehren, dass man sagen könnte: Wenn in dem 
Körper Wärme erzeugt wird, so muss während des 
fraglichen Processes zu irgend einer Zeit die Tem- 
peratur des Körpers sichtlich höher sein als die der 
Umgebung. Wenn wir also auf Grund der vor- 
stehenden Bemerkung Versuche am wärmestarr wer- 
denden Muskel anstellen, so sind dieselben entschei- 
dend nur im Falle sie ein positives Resultat liefern. 
Ein negatives Resultat würde dagegen die Frage un- 
beantwortet lassen. Wir haben nun in der That Ver- 
sr,c!;e der Art angestellt und zwar mit ganz entschieden 
positivem Ei'gc;)!iiss. 

Da es sich hier um die Feslstciiiüig einer ele- 
mentaren Thatsache handelt, 'so glauben wir den 
Gang der Versuche und die dabei angewandten Hülfs- 
mittel genau beschreiben zu sollen. Wir bedienten 
uns zur Messung der Temperatur des Muskels und 
der Umgebung zweier feiner Geissler'scher Ther- 
mometer, die auf Zwanzigstel eines Grades der 100- 
theiligen Scala getheilt sind. Man kann daher Vioo Grad 
noch leidlich schätzen. Diese Thermometer waren 



S26 Dybkowsky u. A. Fick, Wärmeenlwickel. beim Starrwerden. 

Jeider nicht in ihrer ursprünglichen Einrichtung- zu 
gebrauchen, da sie nur ein Teniperaturintervall von 
der Gegend des Gefrierpunktes bis zu einigen und 
dreissig Grad befassten. Wir mussten daher zu einem 
beliannten Kunstgriff unsere Zuflucht nehmen: das 
Thermometer wird auf eine Temperatur erwärmt, 
die weit über dem höchsten Punkte seiner Scala liegt, 
dabei steigt dann ein Theil des 0"ecksilbers in die 
kleine Erweiterung am oberen Ende des Rohres und 
bleibt daselbst getrennt von der übrigen Quecksilber- 
masse liegen, wenn man das Thermometer beim Ab- 
kühlen ein wenig erschüttert. Es ist klar, dass wenn 
jetzt das Ende des Quecksilberfadens bei einer be- 
stimmten Zahl n der Scala steht, die wirkliche Tem- 
peratur des Thermometergefässes eine höhere n-\-m 
ist. Es kann also das Thermometer nun für ein höher 
liegendes Temperaturintervall gebraucht werden, so- 
wie man nur die Zahl m kennt, welche zu der rohen 
Ablesung des veränderten Thermometers addirt wer- 
den muss, um die wahre Temperatur zu erhalten. 
Diese Zahl erhält man durch Vergleichung mit einem 
anderen Thermometer. Man stellt nämlich das ver- 
änderte Thermometer und ein Normalthermometer 
in dieselbe gut umgerührte Wassermasse und macht 
an beiden gleichzeitig eine Ablesung. Durch Sub- 
traction der Ablesung am veränderten Thermometer 
von der Ablesung des Normalthermometers ergiebt 
sich dann die Zahl m. Sie w^urde für das eine unserer 
Geissler'schen Thermometer zu ^^5,2 bestimmt. Als 
Normalthermometer diente dabei ein in Fünftel Grad 
getheiltes Thermometer von Greiner in München. 
Wir haben diess letztere nicht express mit einem 



Djbkowsky u. A. Fick, Wärmeenlwickel. beim Starrweiden. 327 

anerkannt richtigen Instrument verglichen und haben 
überall auf die Bestimmung der Zahl m keine sehr 
grosse Sorgfalt verwendet, da es uns nicht auf den 
absoluten Werth der Temperatur ankam, bei welchem 
die fraglichen Processe im Muskel stattfinden. Der 
Fehler im absoluten Werth der Temperatur kann 
möglicherweise 0,1 bis 0,2^ betragen. 

Mit der grössten Genauigkeit wurden dagegen 
die beiden veränderten Geissler'schen Thermometer 
untereinander verglichen. Es gab sich aus vielen gut 
stimmenden Ablesungen als Mittel eine Differenz von 
2,62° zwischen ihnen in der Gegend der Scala, auf 
die es hier ankommt. Das heisst, wenn die Gefässe 
beider Thermometer genau dieselbe Temperatur hatten 
und das eine zeigte an seiner Scala n"", so zeigte das 
andere an der seinigen n + 2,62. Wenn wir also 
zur Angabe des einen Thermometers 35,2 addiren 
mussten, um die wahre Temperatur zu erhalten, so 
mussten wir zur Angabe des anderen B5,2 — 2,62 = 
32,58 addiren. Allerdings sind die so gewonnenen 
Werthe der Temperaturen nach dem, was soeben 
über die Bestimmung der Zahl 35,2 gesagt wurde, 
möglicherweise mit einem ziemlich merklichen Fehler 
behaftet, aber beide sicher genau mit demselben, 
so dass ihre Differenz, auf die es hier allein ankommt, 
auf Vioo° genau ist. 

Der Gang des Versuches ist folgender: In einem 
grossen Becherglase wird eine ansehnliche Wasser- 
masse (etwa 2 Liter) durch eine untergesetzte Lampe 
auf der Temperatur, bei welcher der Muskel starr 
wird, erhalten, das Gefäss des einen Thermometers 
steht frei in der Wassermasse. Es gelingt leicht, die 



328 Dybkowsky u. A. Fick. Wärmeentwickel, beim Starrwerden. 

Temperatur des Wassers ohn» besondere künstliche 
Hülfsinittel sehr konstant zu erhalten. Man regulirt 
nämlich die untergesetzte Lampe so, dass die Tem- 
peratur des Wassers ohne besondere Abkühlung-, 
gerade noch ganz langsam steigen würde und ein 
Beobachter, der das Thermometer beständig im Auge 
hat, bläst auf die Wasseroberfläche, sowie die Queck- 
silbersäule im Geringsten Miene macht, zu steigen. 
Selbstverständlich wird die ganze Wassermasse fort- 
während gut umgerührt. Man erreicht auf diese Weise 
eine Konstanz, die gar nichts zu wünschen übrig 
lässt. Während eines ganzen Versuches, der mehr 
als 10 Minuten dauert, kommt keine Schwankung der 
Temperatur vor, die mehr als 0,01 oder höchstens 
0,02' beträgt. 

In die so auf konstanter Temperatur erhaltene 
Wassermasse wird nun das zweite Thermometer ein- 
gesetzt, dessen Gefäss mit lebender Muskelsubstanz 
umwickelt ist. Die Temperatur der letzteren ist beim 
Einsetzen niedriger als die des Wassers. Sie er- 
erwärmt sich darin also allmählich, wovon das mit 
ihr umwickelte Thermometer Rechenschaft giebt. Beide 
Thermometer, das frei im Wasser stehende, welches 
die Tempei'atur der Umgebung anzeigt, und das mit 
Muskelsubstanz umwickelte, werden von Minute zu 
rJinrüe abgelesen und die Ablesungen nolirt, bis die 
Differenz der beiuen Temperaturen schliesslich aus- 
geglichen ist. 

Zeigt im Laufe dieser Zeit das mit dem Muskel 
umwickelte Thermometer jemals eine höhere Tem- 
peratur als das frei im Wasser befindliche, dann ist 
erwiesen, dass im Muskel selbst Wärme frei gewor- 



Dybkowsky u A. Fick, Wärmeenlwickel. beim Starrwerden. 329 

den ist. Zeigt dag-eg-en das umwickelte Thermometer 
in keinem Augenblicke eine iiöhere Temperatur als das 
freie, so ist damit noch nicht bewiesen, dass keine 
Wärme im Muskel freigeworden ist, denn es wäre ja 
möglich, dass etwa entwickelte Wärme die Erwärmung 
des Muskels zur Temperatur des umgebenden Wassers 
nur beschleunigt habe, ohne dass es zu einer merkli- 
chen Steigerung, über diese hinaus, gekommen wäre. 
Man kann von vorn herein fragen, wie die ver- 
änderlichen Umstände des Versuches wohl einzurichten 
sind, damit, wenn überall Wärmeerzeugung stattfindet, 
dieselbe auch soviel als möglich als Steigerung der 
Temperatur des Muskelthermometers über die der 
Umgebung zur Erscheinung komme. Ein günstiger 
Umstand fällt sofort in die Augen. Man muss den 
Muskel, schon ehe er in die Umgebung von der starr 
machenden Temperatur eingesenkt wird, dieser Tem- 
peratur so nahe als möglich bringen. Denn wenn er 
mit einer viel niedrigeren Temperatur in diese Um- 
gebung versetzt wird, so werden die oberflächlich- 
sten Schichten starr werden, während er noch im 
Inneren viel kälter ist, und die allenfalls beim Starr- 
werden dieser Schichten erzeugte Wärme kann nur 
dazu verwandt werden , die inneren Schichten erst 
der Temperatur der Umgebung zu näheren und die 
beim Starrwerden der inneren Schichten frei wer- 
dende Wärme trifft vielleicht im Thermometergefäss 
noch Quecksilber von bedeutend niedrigerer Tempe- 
ratur, so dass keinen Augenblick das im Muskel be- 
findliche Thermometer eine höhere Temperatur zei- 
gen könnte, als die der Umgebung. Diesen Erwä- 
gungen gemäss haben wir stets den Muskel bis in die 



830 Dybkowsky u. A. Fick, Wärmeentwickel, beim Starrwerden. 

Nähe des ErslarrungspunlUes in einer andern Wasser- 
menge vorläufig erwärmt, ehe er in das auf kon- 
stanter Temperatur gehaltene Wasser eingesenivt 
wurde. Natürlich hat die Annäherung an die Erstar- 
rungstemperatur ihre Grenzen, da dieselbe nicht für 
alle Muskeln auch derselben Thierspecies absolut gleich 
ist, und man daher um wenigstens 3— 4° von derselben 
entfernt bleiben muss, wenn man sicher gehen will. 
Ein anderer variabler Umstand beim Versuche 
ist die Dicke der um das Thermometer gewickelten 
Muskelmasse. Offenbar ist es in einer Beziehung 
um so vortheilhafter, je dünner man diese Masse 
wählt. Denn macht man sie dick, so wird sie sich 
nur allmählich auf den Erstarrungspunkt erwärmen, 
und angenommen, es wird beim Erstarren Wärme 
frei, so wird die ganze Menge derselben erst im Ver- 
laufe einer längeren Zeit frei, während welcher zur 
Temperaturausgleichung durch Ableitung mehr Ge- 
legenheit ist, so dass keine namhafte Temperatur- 
steigerung erwartet werden kann. Nimmt man an- 
dererseits die Muskelmasse zu klein, so dass sie nur 
eine dünne Schicht um das Thermometergefäss bildet, 
so ist die gesammte Menge der entwickelten Wärme 
gering und kann wieder nur eine geringe, vielleicht 
nicht messbare Steigerung der Temperatur zur Folge 
haben, weil sich doch die gebildete Wärme, ganz 
abgesehen von Ableitung, in die Umgebung zwischen 
der Masse des Muskels und dem Quecksilber des Ther- 
momelprs verlheilen muss. Bestimmt lässt sich hierüber 
nichts im Voraus sagen, wir fanden nach einigen vor- 
läufigen Versuchen bald eine geeignete Grösse der um 
das Thermometer zu bindenden Muskelmasse. 



Dybkowsky u. A. Fick, Wärmeentwickel, beim Starrwerden. 331 



Wir wollen im Folg^enden 3 Versuche vollständiof 
mittheilen; der erste ist aiii^estellt mit Froschfleisch, 
und zwar wurde dazu die Muskulatur beider Schenkel 
eines Frosches benutzt, welche ein Stück nach dem 
andern an dem ziemlich g^rossen cylindrischen Gefäss 
des Thermometers T^ angebunden wurde, bis zuletzt 
dasselbe ganz bedeckt war. Das Thermometer T-i 
war frei im Wasser aufgestellt. Das Resultat ist in 
nachfolgender Tabelle (Nr. I.) verzeichnet, sie besieht 
aus 6 Spalten. Die erste giebt die laufende Zeit in 
Minuten; die zweite, Tj überschrieben, giebt die ro- 
hen Ablesungen an dem mit Muskelsubslanz umhüllten 
Thermometer, welches mit einer Temperatur von 
etwa 36^ in das Wasser eingesenkt war, die dritte, 
T2 überschrieben, giebt ebenso die rohen Ablesungen 

Nro. I. 



Zeit 


T, 


T2 


korrigirt 


korrigirt 
7-3 


1 
Differenz 





4,50 


8,93 


37,08 


44,13 


— 7,05 


1 


10.70 


8,95 


43,28 


44,15 


— 0,87 


2 


11,56 


8,95 


44,14 


44,15 


— 0,01 


3 


11, G4 


8,95 


44,22 


44,15 


+ 0,07 


4 


11,G2 


8,95 


4 '1,20 


44,15 


4- 0,05 


.5 


11,60 


8,95 


44,18 


44,15 


4- 0,03 


6 


11,60 


8,95 


44,18 


44,15 


4- 0,03 


7 


11,58*) 


8,95 


44,16 (?) 


44,15 


+ 0,01 (?) 


8 


11,60 


8,95 


44,18 


44,15 


4 0,03 


9 


11,60 


8,95 


44,18 


44,15 


-f 0.03 


10 


11,59 


8,93 


44,17 


44,13 


+ 0,02 


11 


11,59 


8,95 


44,17 


44,15 


4- 0,02 


42 


11,59 


8,95 


44,17 


44,15 


4- 0,02 


13 


11,58 


8,93 


44,16 


44,13 


4- 0,03 


14 


11,57 


8,95 


44,15 


44,15 


f 0,00 


*) 


Wahrschein 


lieh ein Abi 


esungsfehlei 


, 





332 Dybkowsky u. A. Fick, Wärracentwickel. beim Slarrwerden. 

am freien Thermometer, die vierte und fünfte Spalte 
g-eben die absoluten Werthe der Temperaturen, wie 
sie sich aus den rohen Ablesung-en der beiden Ther- 
mometer berechnen, durch Addition von 82,58 einer- 
seits und von 35,2 andererseits. Endlich enthält die 
letzte Spalte die Differenz zwischen der Temperatur 
des Muskels und der Temperatur der Umg^ebung- 
(Ti — T2 — 2,62); wenn dieselbe positiv ist, bedeutet 
es, dass der Muskel wärmer ist als die Umgebung-. 

Die beiden folgenden Tabellen (Nr. II. und III. p. 833) 
geben Versuche, die mit dem m. biceps vom Ober- 
schenkel des Kaninchens angestellt wairden. Dieser 
Muskel ist ^ehr geeignet, um das Gefäss unseres Ther- 
mometers in gerade zweckmässiger Dicke damit zu 
bedecken. Die üeberschriften der Spalten haben die- 
selbe Bedeutung wie in vorstehender Tabelle. Es wurde 
hier während des Versuches mit einem Holzstäbchen, 
das vorläufig in dem Wasser schon erwärmt war, der 
Muske! vom Thermometer abgeschoben. Dieser Akt 
ist in den Tabellen gehöriges Ortes verzeichnet. 

Die Muskelmassen waren am Ende des Versuches 
vollständig starr. Zum Starrmachen des Kaninchen- 
muskels bedurfte es, wie aus den Tabellen selbst 
erhellt, einer höheren Temperatur als zum Starr- 
machen des Froschmuskels. Bei dem letzteren kam 
eine Erhöhung der Muskeltemperatur über die des 
umgebenden Wassers im Betrage von 0,07° zu Stande. 
Bei den Kaninchenmuskeln betrug diese Temperatur- 
erhöhung im einen Falle 0,21, im andern sogar 0,23°. 
Besonders anschaulich wird die Temperaturerhöhung 
in den beiden letzten Versuchen, wo während des 
Versuches der Muskel abgeschoben wurde. In Ver- 



Dybkowsky u. A. Fick, Wärmeeiilwickel. beim Slarrwerdeii. 333 
Nr. II. 



Zeit. 


T. 


T2 


korrigirt 
/'i 


korrigirt 


Differenz 





12,60 


15 


44,18 


50,20 


— 6,02 


0,5 


16,40 


15 


48,98 


50,20 


— 1,22 


1 


17,45 


15 


50,03 


50,20 


— 0,17 


1.5 


17,73 


15 


50,31 


50,20 


+ 0,11 


2 


17.79 


15 


50,37 


50,20 


+ 0,17 


2,5 


17,83 


15 


50,41 


50,20 


-\- 0,21 


3 


17,83 


15 


50,41 


50,20 


I 0,21 


3,5 


17,80 


15,01 


50,38 


50,21 


-f 0,17 


4 


17,75 


15 


50,33 


50,20 


4- 0,13 


4,5 


17,71 


15 


50,29 


50,20 


+ 0.09 


5 


17,69 


15 


50,27 


50,20 


-f 0,07 


5,5 


17,67 


15 


50,25 


50,20 


+ 0,05 


fi 


17,66 


15 


50,24 


50,20 


+ 0,04 


G,5 


17,65 


15 


50,23 


50,20 


4- 0,03 


7 


17,65 


15 


50,23 


50,20 


-f 0,03 


7,5 


17,62 


15 


50,20 


50,20 


J 0,00 


Ml 


skel abges 


reift. 








8 1 


17,62 1 


15 1 


50.20 


50,20 


0,00 



Nr. HI. 



i 
Zeit 


^1 


Ti 


korrigirt 


korrigir 


Differenz 


1 


14,30 


15 


43,88 


50,20 


— 6,32 


! 1 


15,85 


15 


48,43 


50,20 


— 1,77 


! 2 


17.21 


15 


49,79 


50,20 


— 0,41 


1 3 


17,67 


14,99 


50,25 


50,19 


+ 0,06 


1 3,5 


17,75 


15 


50,33 


50,20 


-1- 0,13 


4 


17,82 


15 


50,40 


50,20 


+ 0,20 


i 4,5 


17,83 


15 


50.43 


50,20 


4 0,23 


Ml 


jskel abgej 


treift. 








— 


17,62 


15 


50,20 


50,20 


0,00 


6 


17,62 


15 


50,20 


50.20 


0,00 



XII. 4. 



22 



334 Djbkowsky u. A. Fick, Wärmeentwickel, beim Starrwerden 

such Nr. II. geschah dies, als schon die DifFerenz 
zwischen den beiden rohen Ablesungen auf 2,62 zu- 
rückgesunken war, hier hatte das Abschieben des 
Muskels, wie man sieht, keinen Einfluss auf den 
Stand des Thermometers, weil dieses eben schon 
genau die Temperatur des Wassers angenommen 
hatte. Im Versuch Nr. III. wurde der Muskel ab- 
geschoben, als das Thermometer gerade am höchsten 
stand, und es sank nun momentan so weit, dass 
wieder eine DifFerenz von gerade 2,62 zwischen bei- 
den Ablesungen übrig blieb. Hier hatte man den 
Beweis, dass der Muskel wirklich wärmer als das 
umgebende Wasser war, deutlich vor Augen. 

Wir könnten noch verschiedene andere Versuche 
mit Kaninchenmuskeln hinzufügen, bei denen der Mus- 
kel eine merklich höhere Temperatur annahm, als 
das umgebende Wasser. Wir haben noch mehrere 
Male Differenzen von 0,1 und mehr beobachtet. In 
anderen Fällen zeigte allerdings der Muskel in keinem 
Augenblicke des Versuches eine höhere Temperatur, 
als das umgebende Wasser, allein es ist den obigen 
Auseinandersetzungen zufolge gar nicht zu verwun- 
dern, wenn in einzelnen Fällen ein positiver Erfolg aus- 
bleibt. Es ist uns namentlich nicht gelungen, an einem 
Stück Fleisch von einem frisch geschlachteten Kalbe, 
die Erwärmung über die Temperatur der Umgebung 
hinaus zu zeigen. Wir wollen nicht weiter erörtern, 
welche Umstände etwa am Misslingen dieses V^er- 
suches schuld sind. 

Das rein thatsächliche Resultat aus den bis jetzt 
mitgetheilten Versuchen können wir in den Satz zu- 
sammenfassen : Wenn wir einen lebenden Muskel bis 



Dybkowsky u A. Fick, Wärnieentwickel. beim Starrwerden. 335 

ZU der Temperatur erwärmen, bei welcher er starr 
wird, so entwickelt sich in demselben eine gewisse 
Wärmemenge, die möglicherweise hinreicht, die Tem- 
peratur der ganzen Muskelmasse um mehr als 0,2° 
zu steigern. Wahrscheinlich ist diese Wärmemenge 
stets so gross, und es liegt nur an den Umständen 
des Versuches, wenn eine solche Erwärmung nicht 
immer zu Stande kommt. 

Wir haben aus den bisherigen Versuchen noch 
nicht erfahren, mit welchem Stadium des Erstarrens 
die Wärmeentwickelung zusammentrifft, da wir bei 
der Anordnung unserer Versuche den Process des 
Erstarrens nicht genauer verfolgen konnten. Es konnte 
zuerst Wärme frei werden, und dann der Muskel- 
inhalt gerinnen oder umgekehrt, oder es konnten beide 
Ereignisse gleichzeitig statt haben. Sicher erfahren 
haben wir nur, dass jedesmal, wenn der Muskel starr 
geworden ist, auch Wärme in demselben entwickelt ist. 

Um nun zu ermitteln, ob die Wärmeentwickelung 
mit der Gerinnung des Muskelinhaltes genau gleich- 
zeitig statt finde, haben wir eine andere Reihe von 
Versuchen angestellt. Der Gang derselben beruht 
auf folgender Ueberlegung: Die Gerinnung des Mus- 
kelinhaltes verräth sich in der Zusammenziehung; es 
kommt also nur darauf an zu untersuchen, ob die 
Wärmeentwickelung mit der Zusammenziehung 
gleichzeitig geschieht. Man muss den Versuch folg- 
lich so einrichten, dass man während der Wärme- 
zufuhr von aussen zugleich sehen kann, in welchem 
Augenblicke der Muskel sich zusammenzieht und in 
welchem Augenblicke in demselben Wärme entsteht. 
Hierzu bietet sich sofort folgender Plan dar. An die 



336 Dybkowskj u. A. Fick, Wärnieentwickci. beim Starrwerden. 

beiden Flächen einer Thermosäule werden mög^liciist 
gleiche Muskelstücke angelegt, und zwar an die eine 
Fläche ein bereits starrer, an die andere ein noch 
lebender Muskel. Der letzlere ist durch eine massige 
Last gespannt und mit einem Zeiger verbunden, der 
durch seine Bewegung die Zusamnienziehung des Mus- 
kels in vergrössertem Maassstabe anzeigt. Die Ther- 
mosäule mit den beiden Muskeln befindet sich in einem 
Räume, dessen Temperatur allmählich gesteigert wird. 
Die Enden der Thermosäule sind in Verbindung mit 
dem Galvanometer, dessen Bewegungen mit dem 
Fernrohr verfolgt werden. Man rechnet nun darauf, 
dass sich die beiden Muskeln an den beiden Flächen 
der Säule gleichmässig erwärmen, und dass mithin 
der Magnet des Galvanometers in der Gleichgewichts- 
lage verharrt, bis im lebenden Muskel eine selbst- 
ständige Wärmeentwickelung beginnt, vermöge deren 
seine Temperatur höher wird als die des nur von 
aussen erwärmten schon starren Muskels auf der an- 
dern Seite. Dieser Vorgang muss sich zu erkennen 
geben, durch einen Schwung des Magnets in dem 
Sinne, welcher eine Erwärmung der Säulenfläche 
anzeigt, an wecher der lebende Muskel liegt. Sowie 
die VVärmeentwickelung im lebenden Muskel aufhört, 
muss der Magnet des Galvanometers natürlich wieder 
zurückgehen. Indem unterdessen auch die Bewegungen 
des am Muskel befestigten Zeigers beobachtet werden, 
muss sich zeigen, ob dieselben mit den Bewegungen 
des Magnets zeitlich zusammenfallen oder nicht. 

Wenn der ganze Vorgang in so idealer Einfach- 
heit verlaufen sollte, so müsste natürlich die Zulei- 
leitung der Wärme zu den beiden, an der Säule an- 



Dybkovvsky u. A. tick. Wärmeeulwickel, beim Slarr werden. 337 

liegenden Muskeln vollkommen gleichmässig: stattfin- 
den, und es müsste aucli die Wärmeleitung in den 
beiden Muskelstücken selbst ganz gleich sein, was 
wohl nie der Fall ist, und selbst die Wärmezufuhr 
konnten wir nicht ganz genau gleichmässig halten, 
da wir die ganze Anordnung nicht in umgerührtes 
Wasser versenken konnten, denn wenn man eine 
Thermosäule in Wasser versenkt, so bilden sich Neben- 
schliessungen und vielleicht hydroelektrische Strom- 
zweige durch die Multipiikatorleitung. Vielleicht zwar 
sind diese von untergeordnetem Einflüsse, allein un- 
sere Probeversuche in dieser Richtung ermuthigten 
uns nicht sehr auf diesem Wege vorzugehen ; wir 
blieben dabei, die Thermosäule mit den Muskeln in 
einen mit Liilt und gesättigtem Wasserdampf gefüllten 
Raum aufzustellen, und so lieber auf den Vortheil 
vollkommen gleichmässiger W^ärmezufuhr zu ver- 
zichten. Natürlich war alsdann, nicht zu erwarten, 
dass der Magnet des Galvanometers während der 
Erwärmung ruhig in der Gleichgewichtslage verharrte. 
Im Gegentheil musste man auf mehr oder weniger 
bedeutende Störungen gefasst sein, bedingt durch un- 
gleichmässige Erwärmung der beiden Säulenflächen. 
Man durfte indessen doch hofl'en, dass noch so grosse 
Störungen das vorhin entworfene Bild der Erscheinung 
nicht zu gänzlichem Unkenntlichwerden verzerren, 
da ja nach den zuerst mitgelheilten Versuchen die Wär- 
meproduktion beim Erstarren nicht unbeträchtlich ist. 
Die Vorrichtungen zu unsern Versuchen sind in 
Fig. 1 abgebildet. Dieselbe wird ohne hinweisende 
Buchstaben leicht mit der folgenden Beschreibung zu 
vergleichen sein. Die Thermosäule war eine von Illner 
in Breslau gefertigte, eine gleiche wie sie Heiden- 



338 Djbkowsky u.A. Fick, Wärmeenlwickel. beim Starrwerden. 

ha in zu seinen bekannten Versuciien über Wärme- 
entvvicivelung^ bei der Muskelzusammenziehung ange- 
wandt hat; das Galvanometer, ein Meyerstein'sches. 
Um seine Empfindlichkeit gehörig- herabzuslimmen, 
wurde der grosse Magnet so am Stativ befestigt, dass 
er in gleichem Sinne mit dem Erdmagnetismus auf den 
Magnetring wirkte. Die Muskeln waren folgender- 
massen befestigt. Auf ein ziemlich geräumiges cy- 
lindrisches Glasgefass passte mit einem Cartonring 
ein hölzerner viereckiger Deckel. Von der unteren 
Seite desselben ragten zwei starke , zweimal recht- 
winckelig gebogene Eisendrathbügel in das Glas hinab. 
Am queren Theil des Bügels waren die Enden der 
beiden Muskeln mit Faden angebunden. An den an- 
dern Enden der Muskeln waren ebenfalls Faden be- 
festigt, die durch Löcher im Deckel senkrecht über 
den unteren Anknüpfungspunkten durchgiengen; der 
am vorläufig schon starr gemachten Muskel befestigte 
Faden (ein gewöhnlicher Zwirnfaden) war einfach 
oben mit einiger Spannung angeknüpft. Am lebenden 
Muskel war dagegen ein langes dünnes Metalldräthchen 
befestigt, welches mit dem andern Ende am kurzen Arm 
eines Hebels angeknüpft war. Der Stützpunkt dieses 
Hebels war mit einem Kork in Verbindung, der auf 
einen im Deckel befestigten, ziemlich langen, starken, 
steifen Eisendrath gesteckt werden konnte; der lange 
Hebelarm, der belastet war, spielte vor einer eben- 
falls an dem erwähnten Korke befestigten Millimeter- 
skala. Der lebende Muskel war demnach mittels des 
feinen Dräthchens durch die Belastung des langen 
Hebelarms gespannt, und wenn er sich zusammenzog, 
so musste der lange Hebelarm vor der Scala steigen. 
Aus der Beschreibung und Abbildung wird ersieht- 



Djhkowsky u. A. Fick, Wärmeenlwickel. beim Starrwerdeii. 3S9 

lieh geworden sein , dass die beiden Muskeln parallel 
senkreciit in einig^er Entfernung' nebeneinander ausge- 
spannt waren. Die Abmessungen der ganzen Vorrich- 
tung waren so gewählt, dass zwischen den beiden Mus- 
keln gerade die Thermosäule der Länge nach Platz hatte, 
und dass der lebende Muskel ihre eine, der starre Mus- 
kel ihre andere Fläche vollständig deckte. Durch um- 
gebundenen Zwirnladen war noch dafür gesorgt, dass 
die Muskeln nicht von den Säulenflächen abgleiten 
konnten. Die Enden der Säule liefen durch Ver- 
niillelung von Quecksilberüäpfchen in Dräthe aus, die 
durch den Deckel zum Galvanometer geführt waren. 
Durch ein Loch in der Mitte des Deckels war noch 
ein Thermometer in das Glas hineingesteckt. Am 
Boden des Glases befand sich eine Schicht Wasser, 
um den Raum im Inneren stets mit Wasserdampf zu 
sättigen, und so Verdunstung von den Muskeln zu 
verhüten. In einigen Versuchen war noch der übrige 
Binnenraum des Glases und namentlich die Zwischen- 
räume zwischen Thermosäule, Thermometer u. s. w. 
mit lockerer Baumwolle ausgefüllt, um regelmässige 
Luftströmungen zu vermeiden. Wir haben übrigens 
davon keinen wesentlichen Vortheil gesehen. Das 
Glas mit den gehörig zugerichteten Muskeln mit Ther- 
mosäule und Thermometer wurde in ein zweites, grös- 
seres Glas eingesetzt; damit auch zwischen den Böden 
der beiden Gläser noch eine Luftschicht sei, lag im 
grösseren Glas ein gläserner Dreifuss, auf den das klei- 
nere gestellt wurde. Das grosse Glas wurde nun in eine 
Brutmaschine gebracht, deren Wasser durch unter- 
gesetzte Lampen auf 100^ erhalten wurde. Indem so 
der ganze Apparat gleichsam mit einer Hülle von 



340 öybkowsky u. A. Fick, Wärmeentwickel, beim Starrwerden. 

kochendem Wasser umgeben war, g^laubten wir eine 
möglichst gleichmässige Erwärmung von allen Seiten 
zu erzielen. Aus dem Deckel der Brnlinaschine ragte 
nun bloss hervor das Thermometer, die Drähte von 
der Thermosänie zum Galvanometer, und der Stab, 
dessen oberes Ende den Hebel trug, der mit dem 
lebenden Muskel verbunden war. In einigen Ver- 
suchen kühlten wir das Gefäss mit den Muskeln vor 
Beginn des eigentlichen Versuches in Eis ab, in andern 
Versuchen giengen wir aus von der gerade herrschen- 
den Zimmertemperatur, die meist einige über 20° betrug. 

Begreiflich konnten zu diesen Versuchen stets nur 
Froschmuskeln verwendet werden. Wir haben, nach 
einigen Proben mit andern Muskeln dieses Thieres, 
später stets die gesammte Muskelmasse des Ober- 
schenkels benutzt, zwischen welcher mit möglichster 
Schonung der grösste Theil des Knochens herausge- 
schnitten wurde. Das Becken einerseits und ein Stück 
Tibia andererseits blieb am Präparat erhalten, um die 
Fäden daran zu knüpfen. Man kann trotzdem die beiden 
Schenkel eines Frosches zum Versuch benutzen, in- 
dem es leicht gelingt, das Becken in der Symphyse so 
zu durchschneiden, dass die Muskeln beider Schenkel 
für unsere Versuche hinlänglich unverletzt bleiben. 

Wir wollen nun sogleich einige unserer Ver- 
suchsreihen in graphischer Darstellung mittheilen und 
daran die weitere Diskussion der Resultate anknüpfen. 
Die Figuren % 3, 4, 5 stellen 4 Versuchsreihen dar 
und sind folgendermassen zu verstehen. Die Abs- 
scissen sind die Zeit und der Massstab derselben in 
Minuten ist an der Abscissenaxe angeschrieben. Es 
bedeutet also in Fig. 2, 3 und 5 jedes Millimeter eine 



Dybkowsky ii. A. Fick, Wärmeentwickel. beim Stariwerden. 341 

halbe, in Fig". 4 eine ganze Minute. Die Ordinalen 
der mit !i bezeichneten Kurve bedeuten die abgelesenen 
Scalentheile des Galvanometers. Der Massslab dafür ist 
durch die an der Ordinatenaxe dicht angeschriebene 
Zahlenreihe gegeben. Jedes Millimeter Ordinate stellt 
also in allen 4 Figuren 10 Scalentheile vor. Die 
Gleichgewichtslage des Magnets ist durch einen kleinen 
(schwarzen) Querstrich an der Ordinatenaxe ange- 
deutet; wo dieselbe ausser den Bereich der Figur 
fällt, ist sie unten links angeschrieben. 

Die mit 3 bezeichnete Kurve lässt den Gang des 
Zeigers, also mittelbar den Verkiirzungsgrad des Mus- 
kels, während der Versuchszeit sehen, in Theilen der 
Scala, vor welcher sich der mit dem lebenden Muskel 
verknüpfte Zeiger bewegt. Der Massstab dazu ist 
durch die mittlere Zahlenreihe links angedeutet. Es 
entspricht also 1 Millimeter-Ordinate in den Fig. 2, 
3, 4, je 2 in der Fig. 5, je 5 Theilen der Zeiger- 
scala. 

Die mit 1 bezeichnete Kurve gibt den am Ther- 
mometer abgelesenen Gang der Temperatur in dem 
Luftraum, in welchem sich Muskeln und Thermo- 
säule befinden. Es entspricht über allein Millimeter 
Ordinale einem Grad der hunderllheiligen Scala, wie 
aus der am weitesten links stehenden (blau geschrie- 
benen) Zahlenreihe zu ersehen. 

Die Drähte waren in allen Versuchen so mit dem 
Galvanometer verknüpft, dass die Ablenkung zu den 
grossen Zahlen der Scala geht, wenn die mit dem 
lebenden Muskel belegte Seite der Säule wärmer ist. 

Sehen wir uns zunächst Fig. 2 genauer an. Bis 
zum Schluss der 24. Minute steht der Zeiger absolut 



342 Dybkowsky u A. Fick, Wärmeentwickei. beim Starrwerden. 

Still auf dem Theil 63 der Scala. Es hat sich während 
der ersten 24 Minuten nichts im Musi\ei ereignet, 
was sich durch eine Zusammenziehung verrathen hätte. 
Die Temperatur desselben ist inzwischen von etwas 
über 4 bis 47,8- gestiegen. Der Magnet des Gal- 
vanometers hat nun während dieser 24 Minuten aller- 
lei Bewegungen ausgeführt. Er stand zu Anfang- 
350, also 80 Theilstriche von der Gleichgewichtslage 
in dem Sinne entfernt, dass eine kleine Temperatur- 
differenz zu Gunsten des ursprünglich starren Mus- 
kels angezeigt wird. Diese Differenz ist bis zur 5. 
Minute gewachsen, der starre JVIuskel muss sich also 
schneller erwärmt haben, als der lebende. Vom Ende 
der 5. bis zum Ende der 11. Minute hat die Tem- 
peraturdifferenz abgenommen (jedoch nicht bis zu Null), 
in dieser Zeit hielt also die Erwärmung des lebenden 
Muskels einen rascheren Gang ein. Von der 11. bis 
zur 14. Minute erwärmte sich wieder der starre Mus- 
kel rascher. Hierauf geht 3 Minuten lang die Kurve 
der Abscissenaxe fast genau parallel. Das bedeutet, 
dass während dieser Zeit die Erwärmung beider Mus- 
keln gleichen Schritt hält, so dass die kleine Differenz 
zu Gunsten des starren Muskels konstant bleibt. Hierauf 
bis Ende der 21. Minute erwärmt sich wieder der starre, 
und dann wieder der lebende Muskel ein wenig rascher; 
bleiben wir nun auch hier bei der 24. Minute vorläufig 
stehen. Es ist von vorn herein nicht daran zu denken, 
dass diese Schwankungen des Magnets auf ungleiche 
Erwärmung der Muskeln durch innere Processe zu 
beziehen wären. Sie können auch nicht beruhen auf 
einer etwaigen Verschiedenheit im Leitungsvermögen 
des lebenden und des starren Muskels. Es müssten 



Dybkowsky u. A Fick. Wärnieenlwickel beim Starrwerden. 343 

ja sonst die entsprechenden Kurvenslücke in den ver- 
sciiiedenen Versuchsreihen eine gewisse Regehnässig- 
keit und Analogie zeigen. Auch die Annahme einer 
Aenderung der elektromagnetischen Kraft der Säule 
mit der Temperatur würde keine befriedigende Re- 
chenschaft geben, selbst wenn uns die Physik hin- 
reichende Daten lieferte. Wir müssen also nothge- 
drungen in diesen Bewegungen des Magnetes einfach 
die Wirkung- „störender Einflüsse" erkennen, die sich 
bei unserer Versuchsweise gar nicht vermeiden lassen. 
Die Wärmezufuhr ist eben doch nicht von allen Seiten 
her absolut gleich, und offenbar auch im Laufe der 
Zeit veränderlich, so dass bald der starre, biild der 
lebende Muskel mehr Wärme zugeführt erhält. 

Wir sind leider nicht im Stande gewesen die 
störenden Einflüsse zu beseitigen, oder sie wenigstens 
durch konstant Hallen unschädlich zu machen. Ganz 
rein sieht man ihre Wirkung hervortreten in Con- 
trolversuchen mit zwei von vorn herein starren Mus- 
keln. Zwei solche Versuche sind in Fig. 6 und 7 
graphisch dargestellt. Wie in den andern Figuren 
deutet die mit 2 bezeichnete Kurve den Gang des Mag- 
nets vom Galvanometer an; die mit 1 bezeichnete 
Kurve zeigt den Gang der Temperatur. Die mit 3 
bezeichnete Kurve fehlt hier natürlich, da kein Muskel 
sich zusammenziehen konnle, wenn beide von vorn 
herein starr waren. Beide Versuche wurden unter 
ziemlich gleichen Bedingungen angestellt, und den- 
noch macht im einen der Magnet Bewegungen im 
Betrag von 374 Scalentlieilen , im andern nur von 52. 
In diesem zweiten Conlrolversuch hielt sich also die 
Temperaturdifferenz der beiden der Säule angelegten 



344 Djbkowsky u. A. Fick, Wärmeenlwickel. beim Starrwerden. 

Muskeln fast vollkommen konstant, oder es gleng die 
Wärmezufuhr zu beiden ganz gleiches Schrilles; im 
ersten dagegen variirte die Wärmezufuhr bedeutend, 
so dass die TemperatiirdifFerenz zu verschiedenen 
Zeiten sehr verschieden war. 

Obgleich es uns, wie gesagt, nicht gelungen ist, 
über die störenden Einfliisse Herr zu werden, so glau- 
ben wir doch durch unsere Versuche die schwebende 
Frage zur endgültigen Entscheidung gebracht zu haben, 
und zwar in dem Sinne, dass die Wärmeent- 
wickelung- beim Starrwerden des Muskf^ls in 
d i e s e I b e Z e i t f ä 1 1 1 , wie die Z u s a m m e n z i e h u n g. 
In der That, nehmen wir unsere Figuren 5, 8, 4, 5 
wieder vor, und fassen die Kurvenslücke ins Auge, 
welche der Zusammenziehung des ursprünglich leben- 
den Muskels entsprechen. Zunächst in Fig. 2 beginnt 
laut Angabe des Zeigers nach Ablauf der 24. Miiiute 
die Zusaminenziehung'. Sofort macht auch der Magnet 
einen rascheren Schwung: zu den grossen Zahlen, 
der bis zur Mille der 80. Minute dauert, genau so 
lange als der Zeiger im Steigen — der Muskel in Zu- 
sammenziehung — begriffen ist. Während dieser gan- 
Zeit war also die Erwärmung des lebenden jetzt starr 
werdenden Muskels rascher, so dass er ungefähr am 
Ende der 28. Minute schon die Temperatur des früher 
wärmer gewesenen, ursprünglich starren Muskels er- 
reicht — in dieser Zeil nämlich passirt der Magnet 
die Gleichgewichtslage. Diese Bewegung des Ma- 
gnets ist nun offenbar auf eine Wärmeproduklion im 
Innern des starr werdenden Muskels zu beziehen. 
Einmal nämlich haben wir ja überall nach den zuerst 
mitgetheilten Versuchen eine Wärmeproduktion zu 



Djbkowsky n. A. Fick, Wärmeentwickel, beim Sfarrwerden 345 

erwarten, dann aber trifft diese aul'steigende Bewe- 
gung- des Magnets ganz regelmässig mit der aufstei- 
genden Bewegung des Zeigers zusammen, waiirend 
die den stöi-enden Einflüssen zugescliriehenen Be- 
wegungen im ersten Tlieii der Kurven keinerlei Re- 
gelmassigkeit zeigen, wie ein vergleichender Ueher- 
blick über unsere 4 Figuren lehrt. 

Ganz besonders regelmässig ist die Erscheinung, 
dass der Magnet seinen Rückschwung beginnt in dem 
Augenblick, wo der Zeiger stille steht. Nur in Fig. 4 
scheint der Magnet schon eine Minute früher (Min. 31) 
den Rückschwung zu beginnen, als der Zeiger stille 
steht (Min. 32). Dies rührt aber wohl daher, dass 
nur am Ende jeder Minute nolirt wurde. Es kann 
sehr wohl Stillstand des Zeigers und Umkehr des 
Magnets in demselben Augenblick dev 32. Minute statt 
gefunden haben. Der Beobachter am Fernrohr konnte, 
wenn er den Stand des Magnets im Auge behielt, 
angeben „jetzt steht der Zeiger still", was vom Beob- 
achter an diesem meist auf die Sekunde bestätigt 
wurde. Diese Erscheinung des Rückschwunges gleich- 
zeilig mit dem Stillslehen des Zeigers haben wir in 
den 35 Versuchsreihen, die wir angestellt haben, 
nur 2 oder 3 mal vermisst, und das nur in solchen 
Fällen, wo wir mit kleinen Muskeln, z. B. mit dem 
Sarlorius arbeiteten. Natürlich sind bei solchen die 
Störungen durch ungleiche Zufuljr der äusseren Warme 
im Verhällniss zur iunoren Wärmeproduklion noch 
ungleich mächtiger als bei grösseren Muskelmassen, 
üeberhaupt kann es nicht überraschen, dass in einer 
grösseren Anzahl von Versuchen auch solche vor- 
kommen , wo das Wesentliche der ganzen Erschei- 



346 Dybkowsky u. A. Fick, Wärmeentwickel, beim Starrwerden. 

nungsreihe durch die Störung^en vollständig verdeckt 
wird. Sehen wir doch aus dem Controiversuch Fig. 
6, dass unter Umständen die Störungen möglicher- 
weise bedeutend genug sein können. Wenn es also 
der Zufall mit sich brächte, dass in dem Augenblicke, 
wo die Wärmeproduktion im lebenden Muskel beginnt, 
die äussere Wärmezufuhr zum starren Muskel ins 
Steigen käme, und dass dann gerade in dem Augen- 
blicke, wo die Wärmeproduktion im eben erstarrten 
Muskel aufhört, die Wärmezufuhr von aussen zu ihm 
stärker würde, dann würde der Parallelismus der 
Zeigerkurve und der Magnetkurve nicht gefunden 
werden. Man sieht leicht, dass dies Zusammentreffen 
von Umständen nicht oft zu erwarten ist. Gleich- 
wohl müssen wir die Möglichkeit der vollständigen 
Verdeckung der wesentlichen Erscheinung durch die 
störenden Einflüsse ausdrücklich hervorheben, damit 
der, welcher etwa unsere Versuche wiederholen wollte, 
sich nicht mit einem einzigen oder einigen wenigen 
begnüge, wo vielleicht gerade ein unglücklicher Zu- 
fall scheinbar ein negatives Resultat herbeiführen 
könnte. 

Ueber die Zeigerkurve in Fig. 4 und 5 haben 
wir noch eine Bemerkung zu machen. Sie zeigt 
auch im Anfang vor Beginn der Starre einige Er- 
hebungen und in Fig. 4 sogar eine Senkung. Es 
scheint also, als ob hier schon bei ganz niedriger 
Temperatur Fig. 4 bei 2r, Fig. 5 bei 26° eine Zu- 
sammenziehung des Muskels stattgefunden hätte. Dies 
ist jedoch bloss ein Fehler, dadurch veranlasst, dass 
der Muskel mit dem Hebel nicht mittels eines feinen 
Metalldrähtchens, sondern mittels eines Zwirnfadens 



Dybkowsky u. A. Fick, Wärmeentwickel, beim Starrwerden. 347 

verbunden war. Dieser zieht sich zusammen, wenn 
er durch die aufsteigenden V^'asserdämpfe feucht wird. 
Wenn die Durchfeuchtung- vollständig- ist, kann zwar 
die Zusammenziehung des Fadens einen ziemlich hohen 
Betrag erreichen, aber es kann dadurch doch nie die 
Zusammenziehuno des Muskels beim Erstarren ver- 
deckt werden. In den Versuchen Fig. 2 und 3 war 
übrigens, wie in allen unsern spätem, dieser Fehler 
durch Anwendung des Melalldrahtes vollständig ver- 
mieden. Die kleine Erhebung des Zeigers in der vierten 
4. Minute Fig. 3 muss nur durch eine zufällige Erschüt- 
terung des ganzen Apparates herbeigeführt worden sein. 
Kommen wir nach dieser nothwendigen Bespre- 
chung der Nebenumstände noch einmal zurück auf 
die Haupterscheinung, welche darin besteht, dass mit 
grosser Hegelmässigkeit der Magnet in demselben 
Augenblick seinen Rückschwung beginnt, in welchem 
der Zeiger still steht. Es liegt darin, wie gesagt, der 
Beweis, dass die Wärmeentwickelung im erstarren- 
den Muskel aufhört in demselben Momente, in welchem 
seine Zusammenziehung vollendet ist. In der That 
muss sich gerade das Aufhören der Wärmeentwi- 
ckelung durch einen scharfen Knick der Kurve zu 
erkennen geben, welche den Gang des Magnets dar- 
stellt. Während der Wärmeentwickelung nämlich wird 
der bis dahin lebende Muskel eine höhere Temperatur 
annehmen als die, welche ihm in dieser Zeit vermöge 
der äusseren Wärmezufuhrbedingungen zukommt. So- 
wie die innere Wärmeentwickelung aufhört, treten 
die äusseren Bedingungen in ihr Recht, und, mögen 
dieselben beschaffen sein wie sie wollen, immer muss 
das Aufhören der Wärmeentwickelung eine plötzliche 



348 Uybküwsky u. A. Fick, Wärrneentwickel. beim Slarrwerden. 

Minderuno der Erwärmun<r oder sogar eine effektive 
Abluililiing des betreffenden Muskels zur Folge haben, 
was durch einen Knick in der Kurve angezeigt wird. 

Dass die Warmeentwickelung in demselben Mo- 
mente aufhört, wie die Zusammmenziehung^ des Mus- 
kels, war aus den zuerst mitgetheilten Versuchen kei- 
neswegs sciion mit Sicherheit zu schliessen. Es wäre 
ja recht woiil denkbar gewesen, dass die durch das 
Geiü^e des Muskelgewebes überrall erreichbare Zu- 
sammenziehung eingetreten wäre, lange bevor die 
wärmebildenden Processe vollständig abg^elaufen sind, 
mit andern Worten, lange ehe der ganze Vorrath des 
zersetzbaren Körpers vollständig erschöpft ist. Ver- 
hielte sich die Sache so, dann hätte die Rückkehr des 
Magnets in unsern Versuchen in einem späteren Zeit- 
punkt erst erfolg^en müssen, als in welchem der Zeiger 
seinen höchsten Stand erreicht. 

Ob vielleicht später bei höheren Temperaturen 
noch einmal von Neuem Warmeentwickelung statt, 
linde, haben wir nicht untersuchen können, da die 
Illner'sche Thermosäule nach der eigenen Angabe 
des Verfertigers keine höheren Temperaturen als etwa 
^5'^ erträgt. 

Das ganze Resultat unserer Untersuchung können 
wir in folgenden zwei Sätzen aussprechen. 

1. Wenn man einen Muskel zur Ersfar- 
rungstemperatur erwärmt, so wird in ihm 
Wärme frei. 

2. Diese Warmeentwickelung fällt genau 
in dieselbe Zeit, während welcher sich der 
erstarrende Muskel zusammenzieht. 



Dybkowsky u. A. Fick, Wärmeenlwickel. beim Slairwerden. 349 



Nachschrift. 

Während des Druckes der vorstehenden Zeilen 
sind wir durch Ludwig- darauf aufmerksam gemacht 
worden, dass schon Anton de Haen (Siehe dessen 
ratio medendi edilio altera P. II. Cap. X. Wien 1760) 
die postmortale Temperatursteigerung beobachtet hat. 
Ein Auszug der betreffenden Stelle findet sich in der 
Gratulationsschrift H. Lebert's zum 500jährigen Ju- 
biläum der Wiener Universität „üeber das Aneurysma 
der Bauchaorta und ihrer Zweige." Berlin 1805, S.XXI. 
Wir müssen demgemäss die S. 821 ausgesprochene 
Behauptung zurücknehmen, dass unseres Wissens 
Hübbenet zuerst eine Angabe über postmortale 
Temperatursleigerung gemacht habe. 

Wir können ferner unserer Mitlheilung noch hin- 
zufügen, dass wir nachträglich noch einige Vorver- 
suche über Wärmeentwickelung beim Todtenstarr- 
werden des Muskels angestellt haben. Es wurden 
ausgeschnittene Kaninchenmuskeln rasch auf die Tem- 
peratur der Umgebung (in einem Kellerraum von sehr 
konstanter Temperatur) abgekühlt. Dann wurde ein 
Thermometer in die Muskelmasse versenkt und von 
Zeit zu Zeit mit einem daneben in der Luft befind- 
lichen Thermometer verglichen. In einem Falle wurde 
ein Steigen der Muskeltemperalur über die der Um- 
gebung deutlich beobachtet. Wir beschränken uns 
auf diese blosse Andeutung, da die Versuchsreihe 
durch unsere Trennuna unterbrochen wurde. 



Xll. 4. 23 



üeber die Häufigkeit und die Richtung der 
Sichtbarkeit des Polarhchtes, 



von 
H. Fritz. 



Das Polarlicht zeigt sicli den Bewohnern der Erde 
um so seltener und weniger glänzend, in je niederer 
Breite sie wohnen; ebenso zeigt es sich weniger 
häufig und prächtig, wenn man nach höheren Breiten 
reisend , einen gewissen Grad überschritten hat und 
ferner scheint die Häufigkeit der Sicljtharlieit von ge- 
wissen örtlichen Verhältnissen abzuhängen. Dieses 
sind im Grunde die allgemeinen Züge dessen, was 
man bis jetzt über die Vertheilung desselben weiss, 
sowie man bezüglich der Richtung der Sichtbarkeit 
über die Himmelsgegend, in welcher es sich zu ent- 
wickeln scheint, längst darüber im Klaren ist, dass 
sie an den meisten Orten nicht genau in der Richtung 
der astronomischen Meridiane, sondern theilweise in 
der Richtung der magnetischen Meridiane liegt und 
dass mau nach Ueberschreitung bestimmter Breiten 
das Licht nicht mehr gegen den Pol, sondern gegen 
den Aequalor hin wahrnimmt. 

Wie aber bezüglich anderer Erscheinungen es 
möglich geworden für bestimmte Punkte der Erde die 
Häufigkeit, Intensität und Hauptrichlung, wenigstens 
ihrer allgemeinen Gesetzmässigkeit nach, anzugeben, 
so müssen bei genügender Zahl von Beobachtungen 



Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 351 

für das Polarlicht, ähnlich wie für die Verlheilung 
der Warme, des Magnetismus u. s. w., sich Karlen 
über die Iläufiokeit der Sichtbarkeit für bestimmte 
Punkte der Erdoberflache entwerfen lassen und ebenso 
wie man für den Erdmagnetismus, die Winde die vor- 
herrschenden Richtungen zu bestimmen wussle, so 
miiss man im Stande sein für jeden Erdorl die mittlere 
Richtung zu bestimmen, in welcher die Polarlichter 
sichtbar werden. 

Trotzdem nun eine hinreichende Menge von Be- 
obachtungen vorliegen, um die Gesetze der Periodi- 
cität der Polarlichter des beslimmlesteii nachzuweisen 
und die Periodenlängen mit hinreichender Genauigkeit 
zu beslimmen, reichen die Beobachtungen leider nicht 
hin, um daraus für die ganze Erde beslimntte Systeme 
zu construiren, wie wir sie z. B. für VVärme und 
Magnetismus schon lange besitzen, da zur Beslimmung 
der Perioden') nur einzig die Erscheinungen (\ev nörd- 
lichen Halbkugel — das Nordlicht, Aurora borealis — 
zu Grunde gelegt werden konnten, wesshalb wir uns 
bei den nachfolgenden Untersuchungen ebenfalls einzig 
auf diese beschränken müssen und dazu die grosse 
Anzahl von zu Gebote stehenden Beobachtungen sich 
fast einzig beschränken auf einen Theil von Europa, 
einen Theil der östlichen Vereinigten Staaten Nord- 
amerikas, einige Punkte Canadas und den arktischen 
Archipel im hohen Norden Amerikas, der seit 1818 



^) Siehe: Dr. R. Wolf ((Mitfhcilungen über die Sonnenflecken» 
Nr. XV und XIX, als Separntabdrnck und in der Vierleljahrsschrift 
der Nalurforschenden Gesellschaft zu Zürich und im «Programm 
des eidgen. Polytechnikums für das Schuljahr 1866/67.» 



352 Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 

von kühnen Forschern, oft bei mehrjährig^em Aufent- 
halle in jenen Einöden, durchforscht wurde. 

Von den für etwa löOOü Tagen vorheg^enden Be- 
obachtungen des letzten und jetzigen Jahrhunderts, 
welche sich über viele hundert Orte erstrecken, eig- 
nen sich wegen mangelhafter Beobachtung und zu 
wenig Ausdehnung über grössere Zeiträume, nur ein 
kleiner Theil und selbst ein Theil der Orte, welche 
diesen Bedingungen zu genügen scheinen, harmoniren 
wieder so schlecht unter einander, dass auch davon 
noch ein Theil ausgeschossen werden mussle, so dass 
im Ganzen nur für etwa 150 Orte brauchbare Be- 
obachtungsreihen übrig bleiben. Aus diesen Be- 
obachtungsreihen wurden zunächst Durchschnillszahlen 
über die Häufiirkeit der Sichtbarkeit des Nordlichtes 
an dem betreffenden Orte gebildet, indem man ent- 
weder direkt die Mittelsumnie für ein Jahr zog, wenn 
vollständige Reihen von 1700 bis 1866 vorlagen, oder 
durch Berechnung, wenn sich die Beobachtungen nur 
über einige Jahre oder Jahrzehnte erstreckten. Für 
den ersten Fall diene Paris zum Beispiel. Man be- 
bachlete hier und in der nächsten Umgebung von 1700 
bis 1866 nach den Einträgen im Cataloge 619 Mal das 
Nordlicht, somit sah man durchschnittlich per Jahr 
3,75 Erscheinungen. P'ür die zweite Art von Be- 
obachlungsreihen mussten die Durchschnittszahlen erst 
berechnet werden, was folgendermassen durch Re- 
duktion auf die im mittleren Europa zwischen dem 
46. und 55. Breitengrade gemachten Beobachtungen 
geschah. Für diese Breitenzone in Europa führt der 
Catalog von 1700 bis 1866 für 3720 Tage die Be- 
obachtungen auf, wonach die jährliche üurchschnilts- 



Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes 353 

zahl 22 beträgt. Für die ßeohachtungsreihe irgend 
einer Periode werden, je nachdem diese einem gros- 
sen oder kleinen Maximum oder Minimum angehört, 
die Durchniltszahlen {2^E) grösser oder kleiner sein, 
als das Mittel (22) und ebenso werden die Mittel aus 
den Beobachtungssummen für einen bestimmten Ort 
{ZB) in ähnlichem Verhältnisse grösser oder kleiner 
sich ergeben, als sie aus I66jähriger ununterbrochenen 
Reihe sich finden würden, - in ähnlichem Verhält- 
nisse weil von niedern Breiten zu jenen Breiten, in 
welchen das Nordlicht am häufigsten ist, eine sehr 
rasche Steigerung der Häufigkeit statt hat, somit da, 
wo schon hohe Jahresmittel sind, dieselben weniger 
zunehmen können als in niedern Breilen. Da diese 
Gesetzmässigkeit noch nicht bekannt und aus dem vor- 
handenen Material eine Berechnung sehr mühsam sein 
win-de, lerner die Grösse der Erscheinung bis jetzt 
nicht in Rechnung gezogen werden kann , da diese 
namentlich in höhern Breiten ebenso mit der Periode 
wechselt wie die Häufigkeit, so setzen wir der Ein- 
fachheit halber die Verhältnisse einfach einander gleich. 
Wir erhalten dann 

22 2: ß 

nach welcher Formel eine Reihe von Werfhen be- 
rechnet wurden. 

Für 1837-1846 gibt der Catalog 2:e= 189 

„ 1847-1864 „ „ „ „ = 412 

„ 1837-1864 „ ,, „ ,, = 601 

da nun in den entsprechenden Zeiträumen für Chri- 

sliania 2B = 261, 562 und 823 war, so erhalten 

wir für 



354 Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 

1837-1846 . . . . M= 30,4 

1847-1864 , = 29,9 

1837-1864 , = 30, IJ) 

Auf diese Art die vollständigslen und zuverläs- 
sigsten Reihen des Cataioo^es behandelt, an den ent- 
sprechenden Orten die zugehörif^en Zahlen eingetragen 
und alle Orte mit gleicher Häufigkeit der Sichtbarkeit 
von Nordlichtern durch Linien, welche man mit dem 
Namen Isochasme n belegen dürfte, verbunden, er- 
halten wir zunächst für Europa folgendes System. 
Es ziehen die Linien 

für vT/ = 0,01 südlich der canarischen Inseln begin- 
nend, durch Afrika, südlich an S icilien vor- 
über, über S m y r n a zum CaspischenMeere; 
für M= 1 etwas nördlich von Bordeaux vorüber, 
durch den nördlichen Th eil der Schweiz, 
über Krakau, Moskau, nördlich an To- 
bolsk vorüber; 
für M=5 von südlich von Brest über Brüssel, 
nördlich von Berlin vorüber, über Königs- 
berg, Wologda zur Quelle der Pet- 
s c h r a im Ural; 
für M= 10 von Bristol, über Kopenhagen, die 
Insel Oessel nördlich von Be re so w vorbei; 
für M = 15 von dem südlichen Irland, nördlich 
an Manchester vorüber, über Gothen- 
burg, zwischen Abo und Helsingfors 
durch, über Archangel den nördlichen Ural 
nördlich vom Polarkreise schneidend; 



*) Setzt man die oben für Paris gegebenen Summen in die 
Formel öin, so ergibt sich der gleiche Werth wie oben. 



Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 355 

für M= 30 im nördlichen Irland beg^innend, über 
Glasgow, Chrisliania, durch den bott- 
nischen Meerbusen über die Halbinsel 
Kola nach dem nördlichen Novaja Semlja; 
für M == 100 oder etwas mehr, durch Nordschott- 
land, Schetland, über Bergen nach dem 
Tana Fjord in Finnmarken. 
In der Nähe dieser Linie scheint das Maximum 
für Europa zu liegen, da sich für Island aus den 
besten Betrachlungsreihen von Horrebow und der 
neuesten von Hjaltalin nur 54 und 56 für M ergibt. 
Damit stimmt überein, was Horrebow sagt: das 
Nordlicht sei in Island nicht heller als in Dänemark, 
setze aber nur selten so helle und distinkte Bogen, 
wie es gemeinlich hier thue. 

Obiges Liniensystem ist gegründet auf folgende 
Daten: 

JJ/=0,01 Auf Teneriffa sah man im Nov. 1837 das erste Nord- 
lichl seit Menschengeilonken ; obwohl keine Nachrichten 
vorhanden, so müssen doch die grossen Nordlichter 
von 1859 dorteii sichlhar gewesen sein, da das vom 
28. August an der afrikanischen Küste und im atlan- 
tischen Ocean bis +26", das vom 1. SejDtember bis 
-)-24° sichtbar war. Das grosse Nordlicht vom 17. Nov. 
1848 wurde zu Sni yr na beobachtet. Einzelne Fälle sind 
bekannt, in welchen die Erscheinung bis Syrien und 
Palästina hinabreichte und nach E hrenberg wurde 
eine solche von ihm zu Gumfude am rothen Meere 
beobachtet. 

A/ = 0,5Für Portugal ist M = 0,6; für Spanien = 0,8; für 
Rom = 0,6 und in Odessa werden hie und da Nord- 
lichter beobachtet- 

M— 1 Für Bordeaux ist itf=l,l; für La Rochelle 1,3; 



356 Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 

für die Schweiz 0,9 (Genf 0.4. Gurzelen 0,6, Basel 
0,7); München 0,6; Ofen 0,4; Moskau 0,9 und in 
Toholsk nach Er man seilen (0,8). 

itf= 5 Für Paris und Umgebung ist jI/ = 3.75; Brüssel 
4,0; Aachen und Bonn 4.6; Berlin 4,5; Löbau 3,2. 

M=: lOPIymouth und Fallmouth verbunden geben 11,2; 
Bedfort 14; Holland (aus 7 Stationen) 9,0; Ham- 
burg undKiel 9,4; Insel Oessell und Dorpat 9,5; 
P ele rsbu rg 9,5. 

M— 15 kendal und Keswick 10,4 bis 13.5; Carlisle 15,0; 
Skara 18.7: Stockholm 13,3; Helsingfors 12,2; 
Abo 15,4; Archange! 12,5; südliches Novaja 
Senil ja 22,0. 

JU =z 30 D linse 25,9; Makerstoun 21,4; Edinburgh und 
Porto hello 44,0; In se 1 S k y 45,4; lverness33; 
Sa ndw ick Man s e 23,9; Chrisliania 30,1 ; Up- 
sa la 31,9; Mittel aus St o ck holm 13,3 und Üpsala 
31,9 = 22,6; Kilduin und Kola aus den Beobach- 
tungen De Lisle de la Croyere's von 1727 bis 1729 nur 
24,6; dagegen geben die Beobachtungen von 1769 in 
der dortigen Gegend 40, somit wird das Mittel 32. 

M z= 100 oder mehr. Hier erscheinen aus dem oben angeführten 
Gründe nur grosse Zahlen, woraus nur zu ersehen, 
dass hier ein Maximum liegt, ohne dass die eigentliche 
Mitlelzahl genau zu bestimmen wäre. Für Shetland 
wechseln die Zahlen bis zu 220, für Drontheim er- 
hält man 144, für Borgesund 330. für Bossekop 
225, für Talvig 101.2, für den Kaafiord98. Stösst 
man die jedenfalls zu grosse Zahl für Borgesund aus. 
so ergibt das Mittel zwar 157, welche jedoch immerhin 
noch als Durchschnittszahl zu gross sein dürfte, so 
dass vorläufig M= 100 gesetzt, genügen mag. Der Be- 
stimmung dieser Linie schliessen sich die Beobach- 
tungen von Wilhelm Baren tz an, der 1595 auf seiner 
Rückreise von der Fahrt nach Waigalz, am 3. Oct. zu 



Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. S57 

Wardöe, am 17. am Nordkap war und unter dem 
10. Oct. Über die prächtige Erscheuiung des Nord- 
lichles berichtet, die er hier sah, trotzdem für die Er- 
scheinung ein Minimum eingetreten war. wie schon 
daraus hervorgeht, dass Barentz's Tagebücher aus 
den andern Meerestheilen nichts darüber mitzulheilen 
wissen. 

Dafür, dass die Curveii gegen Asien In'n rasch 
nach Norden rücken, sprechen atisser den angeführten 
Werthen für M und ausser den später anzuführenden 
Gründen noch die, dass trotz aller AufmerKsanilieit 
zu Kharpoot und Mosul am Tigris, in -^S'S utid 
-^36°, von 1850 bis 1860 und trotz der grossen Er- 
scheinungen von 1859, welche auf den Meridianen 
des atlantischen Oceanes in weit geringeren Breiten 
sichtbar waren, lieine Spur von Nordlichtern be- 
obachtet wurde. Die Laye des Carvensystems ent- 
spricht ferner dem alten Ausspruche des Frohstes 
Spiedeberg zu Christiansstadt von 1724, dass mit 
zunehmender Breite das Nordlicht klarer werde und 
dass zwischen Christiania und Drontheim schon ein 
grosser Unterschied herrsche: ferner dem, dass P. 
Hell 1768 auf 69 zu Wardoehus nicht die den Be- 
obachtungen zu Talvig und Bossekop entsprechende 
Zahl Lichter sah; ferner der Bemerkung von Har- 
denbergs (im Mag. für die neuesten Zustände der 
Naturk. B. VlII), dass trotz der grossen Breite in 
Abo weniger Nordlicbter gesehen werden als zu Up- 
sala (von 1749 bis 1757 im Verhaltniss von 57 zu 
198), was nicht allein durch trübe Witterung und 
Nebel zu erklären sei und auch nicht etwa der Nach- 
lässigkeit des fleissigen Beobachters Leche zuge- 



358 



Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 



schrieben werden dürfe, und endlich erklärt sich da- 
durch die Reihenfolge, in welcher, nach Hauptmini- 
mas, die iNordlichter in Europa wieder auftreten, indem 
dieselben zuerst im nördlichen Grossbrittanien, Skan- 
dinavien, dann in England, Dänemark und Nord- 
deutschland und erst darauf in Frankreich und später 
in Italien sich zeigen. 

Eine zweite Gruppe zahlreicher Beobachtungen 
besitzen wir aus Nord- Amerika, da aber hier die 
Beobachtungsreihen weder für viele Jahrzehnte, noch 
so günstig über das ganze Gebiet vertheilt vorliegen 
und dazu die Häufigkeit der Sichtbarkeit für die ein- 
zelnen Gebiete nicht so einfach verlheilt scheint wie 
für Europa, so stellen wir zuerst in einer Tabelle 
zusammen , was an benutzbarem Material vorliegt. 




Breite 
nördlich. 


«■5 i 


M. 


10.5» 


ez'* 


— 


13 


60 


— 


21 


73 


— 


23 


83 


0,058 


30 


90 


0,06 


38 


121 


1,3 


39 


75 


1.4 


40u 41 


74 


2,0 


41U.42 


73U.79 


2:3 



Caracas . 
Barbados . . . 
Inagua. Bahama 
Havanna, Cuba 
New Orleans . 

Sacraraenlo in 
Californien 

Deleware und | 
Philadelphia J 

Zwischen 

Zwischen . . 



1 Mal am 23. Mai 1840 

sichtbar. 
1 Mal am 10. Oct. 1780 

sichtbar. 
1 Mal am 28. Aug. 1859 

sichtbar. 
Von 1760 bis 1860 6 Mal 

sichtbar. 
Von 1828 bis 1865 2 Mal 

sichtbar. 



Mitlei aus 4 Orten. 
» » 7 » 



Britz, über die Sichtbarkeil des Polarlichtes. 



359 



Ort. 


ffl:S 

a 


Länge 
westlich 


M. 




Zwischen . . 


12u.'l3" 


71a.79^ 


4,7 


Mittel aus 24 Orten. 


Zwischen . . 


43u.'l4 


73U.78 


6,7 


» » 13 » 


Toronto . . . 


^s 


79 


30,3 


Hier stimmen 4 Reihen 
überein. 


Zwischen . . 


i4u.45 


73 u 76 


112 


Mittel aus 5 Orten. 


Halifax . . . 


44 


63 


40,5(?) 


aus lya jährigen Be- 
obachtungen. 


Montreal , . . 


45 


74 


18,0 




(St. Marlin, Insel 








aus 3jährigen Be- 


Jesus) . . , 


^15 


74 


43,3 (?) 


obachtungen. 


Kingston . . . 


45 


74 


21,0 




Quebec . . . 


46 


71 


22,3 




Fredric(on(N.Br.) 


46 


68 


22 




Michepicoton . 


48 


85 


28,9 




Matawagomingen 


48^?) 


80(?) 


56,1 




Newioundland . 


49 


56 


21,0 




Lake Nipegon . 


49 


88 


24,7 




Moose Faclory . 


51 


81 


81,6 




Martins Fall(G.E.) 


52 


— 


56,1 




Gumberlandhous. 


54 


102 


143 




Sitka .... 


57 


135 


6,5(?) 




Godhaab . . . 


64 


52 


15 4 




Jakobshavn , . 


69 


51 


18 (?) 




Van Rensselaer 










Harbour . , 


79 


71 


25,5 




Davis- /zwischen 


60U.66 


— 


51, 3(?) 




Strasse 1 » 


6iu.63 


53 0.55 


44 (?) 




Baffinsl^^^'^^'^^" 
Bai ] ' 


66U.70 
70u 73 

73(1.75 


58 U.G5 
61U.69 
63 11 70 


G9 (?) 
79 (?) 
66 (?) 




Athabasca See 


59 


110 


156,2 




Lewis und Pellis 


61 


159 


124,6 




Fort Simpson . 


62 


121 


20 (?) 




Fort Reliance . 


63 


109 


275 





360 



Fritz, über die Sichlbarkeil des Polarlichtes. 





«■S ! 


«■f-^ 1 






Ort 


Breil 
nördli 


Länfj 
weslli 
Green 


M. 




Kort Rnlppprise 


64° 


113'^ 


296 




Kort Franklin . 


65 


123 


40 




Fort Normann . 


65 


125 


56 




ßiirensee . . . 


66 


122 


Max. 




Youcon , . . 


66 


150 


176 




Winter Island . 


66 


83 


170 




Fori Confidenoe 


67 


119 


72 




Fort Good Hoope 


67 


131 


88 


1 


Fort Macpherson 


67 


135 


132 




Behrings-See, 










zwischen . . 


66 u.7.1 


156U.163 


70 




F(dix H;irbour . 


69 


92 


32 




Hearne's See . 


69 


115 


46 




Barrow Spitze . 


71 


156 


148 




Port Kennedy . 


72 


94 


57 




Port Bowen . . 


73 


89 


40 




Lancastersund . 


74 


83 


52 




Biirrow-Strasse \ 


74 


1 86 


62 




ii.Lancastersundl 


1 91 




Gapitain Austin's 










Winterquarter 


74 


94 


42 




Beechey-Insel . 


75 


92 


25 




Wellington Kanal 


75 


93 


22 




Winterharbour 


75 


111 


78 




Winterquarter in 










Northumber- 










iandsund . . 


78 


97 


H 





Diesen Zahlen haben wir noch einige Bemerkungen bei- 
zufügen : 

Für Newfoundland und das östliche Canada bemerkt 
Bonnycaslle, dass das Nordlicht hier glänzender sei, als in hohen 
Breiten, wenn schon die Zahl der Erscheinungen geringer sein 
möge. 



Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 361 

Für die Hudsonsbai sprechen weder die Beobachtungen 
von Ellis von 1747, noch von W, Wales von 1768, noch von 
Umfreville von 1772—1780 für sehr grosse Haufigkeil und In- 
' nsität; letzterer, trotzdem seine Beobachtungen in eine Rla- 
xiniumszeit fallen, erklärt sogar^ dass viele, selbst helle Nächte, 
ohne Nordlicht vergehen. 

Auf Moose Deer-lsland (461°und 114°) ist nach Franklin 
das Nordlicht zwar nicht seltener, aber weniger glänzend un(J 
wechselnd, als zu Fort Entreprise. 

Franklin und Richa rdson hallen die von ihnen besuchten 
Gegenden unter dem 65. Breitengrade für den Ort der grös- 
sten Ausbildung und am günstigsten gelegen zur Beobachtung 
des Nordlichtes. Für den Bärensee wurde statt der Zahl nur 
das Wort Maxiraum eingetragen, da hier die berechnete Zahl 
übermässig gross ausfällt — grösser als 365 — . und wirklich 
hier ein Centralpunkl der grösslen Häufigkeit zu suchen ist, 
wie die Beobachtungen Franklins, Hoods und Richardsons 
zeigen. Letzterer bemerkt ausserdem, dass in den Jahren 18'(8 
und 1819 dicht bei dem Bärensee, zu Fort Confidence (-f- 67^ 
und 119°) die Nächte allezeit durch Nordlichter erhellt waren. 
Diese Breiten bilden an mehreren Stellen der nördlichen He- 
misphäre die Herde der häufigsten und grossarligsten Erschei- 
nungen. Mit dem Ueberschreiten derselben wird das Nordlicht 
seltener und weniger grossartig. Sulherland verlegt die präch- 
tigsten Erscheinungen an das Kap Farewell und bemerkt, dass 
sie im Assistance Harbour, wenn auch nicht selten, doch un- 
scheinbarer seien ; ebenso sind zu Griffith's Island nach Os- 
borne, selbst schon zu Fort Confidence nach Simpson und in 
der Mercy Bai (4-74° und 118°) nach M'Clure bei häufigen Er- 
scheinungen die Nordlichter unscheinbarer als in südlichem 
Gegenden. 1818 verlegte Gieseke den Hauplsitz in -| 60" bis 
60° der Breite und bemerkt, dass von dort ab bei zunehmender 
Breite das Nordlicht wieder abnehme und Hayes, nach seinen 
eigenen Beobachtungen von 1860 und 1861, sagt, dass zu Port 
Foulke und zu Van Rensselaer Harbour dasselbe bedeutend 



362 Frilz, über die Siclitbarkeit des Polarlichtes. 

seltener und schwächer sei als 10° bis 20° weiter südlich und 
d;iss selbst zu Upernavik viel häufigere und schönere Beobach- 
tungen zu machen seien. Bei diesen hier gegebenen Millhei- 
hingen könnte man die Verschiedenheit der Intensität der Er- 
scheinung vielloicht thoilweise in der durch die Periodicität 
bedingten Verschiedenheit suchen, allein auch die gleichzeitig 
von Franklin und seinen Reisegefährten zu Cumberlandhouse 
(-(-54") lind von Parry im Winter Ilarbour (-|-75°) in dem Winter 
von 1819 auf 1820, sowie die von den gleichen Beobachtern 
in den Wintern 182'1 und 1825 gemachten Beobachtungen zu 
Fort Franklin und im Port Bowen ergeben die gleichen Resultate. 

Da für den Norden von Asien nur wenig^e Be- 
obachtiingen zur Verfügung stehen, wodurch doch nur 
eine unvollkommene Verbindung durch diesen VVelt- 
tlieil zwischen Amerika und Europa herzustellen ist, 
so mögen hier die fast ohne Ausnahme unzureichenden 
VVerlhe von M zusammengestellt werden, bevor wir 
zur üiscussion der für Amerika erhaltenen Resultate 
schreiten. 

Es sind nach deri vorliegenden wenigen Beobachtungen 
die Werlhe von M für Tuiinsk 8,0; Tobolsk 0,8; Jeniseisk und 
Umgegend 16 6; Turuchansk 1 6; Taymurfluss {-■ 73°) 11; Ki- 
rensk 8,2; Jakutzk 17,0; Oslrog Werchnei Kolymsk 13,5; und 
Nischne Kolymsk 224. Zu Tobolsk wurden nach Erman nur 
in den Maximumjahren 1817,2) und 1828 Nordlichter gesehen; 
Gmelin war geneigt, aus der Grösse der Erscheinungen um 
die Jahre 1710 und aus Mitlheilungen der Bewohner Sibiriens 
schliessend, in den Norden von Sibirien, zwischen Jenisey 
und Lena, den Hauplsitz des Nordlichtes zn verlegen. Wrangeil 
fand, dass das Nordlicht an Pracht der Erscheinung rasch zu- 
nehme, sowie man sich von Nischne Kolymsk aus der Küste 
des Eismeeres nähere. 

Konnten wir mittelst den Europäischen Beobach- 
tungen , die namentlich seit 160 Jahren zahlreiches 



Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 363 

und theilweise zuverlässiges Material bilden, ein Sy- 
stem von Curven constriiiren , das sich den vorlie- 
genden Zahlen, sowie den allgemeinen Beobachtungen 
gut anschmiegt, so müssen wir hei einem üeberblicke 
der Zusammenstellungen für Amerika und noch mehr 
für Asien bekennen, dass dasselbe zu mangelhaft und 
lückenhaft ist, um mehr als die allgemeinen Umrisse 
über die Verlheilung der Häufi<ikeit des Erscheinens 
von Nordlichtern entwerfen zu lassen. Für Amerika 
besitzen wir zwar eine grosse Anzahl von Beobach- 
tungen von einer grossen Reihe theilweise zweck- 
mässig vertheilt gelegenen Oi'ten; allein alle Beohach- 
tungsreihen, mit Ausnahme der aus den westlichen 
Staaten der Union stammenden, welche theilweise in 
das vorige Jahrhundert zurückreichen, meistens aber 
die letzten verflossenen 30 bis 40 Jahre umfassen, 
sind so kurzen Perioden, oft Monaten, selten mehr 
als zwei Wintern entstammend, dass wenige Zahlen 
die npthige Sicherheit bieten, ein Vertbeilunossyslem 
zu bilden. Wie längst bekannt, zeigen zunächst die 
Werthe von M, dass in Nord- Amerika das Nord- 
licht in den gleichen Breiten mit Europa viel häufiger 
ist und viel tiefer hinab nach dem Aequator sichtbar ist. 
Für Havanna sehen wir den Werth von M^= 0,058 
so gross als für das fast 20 Grad nördlicher gelegene 
Portugal und wenn wir das stetige Zunehmen der 
Häufigkeit in den Vereinigten Staaten gegen Canada 
hin in der Tabelle verfolgen, so treffen wir in einer 
Breite von 44 bis 45 Graden auf einen Mitletw^erth 
aus fünf vieljährigen Beobachtungsreihen (11,2), 
welchen wir in Europa, da wo das Curvensystem am 
tiefsten herabgeht, erst, und zwar in England, über 



364 Tritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 

dem 50, Breileiigrade trefl'en, einen Mittelwert h, der 
höher ist als der in Petersburg- (9,5), unter dem 60. 
Breiteng^rade <relegen. Weiter nach Norden lässt sich 
nur im Allgemeinen erkennen, dass das Centrum 
der Häufigkeit für den Nordamerikanischen 
Continent in der Gegend des Bärensee und 
der Forts Entreprise und Relia nee gelegen ist 
und dass von hier aus fast nach allen Seiten eine Ah- 
nahme der Häufigkeit staltfindet. Am raschesten nimmt 
die Häufigkeit in der Richtung nach dem Pole und nach 
der grönländischen Küste hin ah — Winter harhour 
hat M=78, Port Kennedy 57, im Wellington 
Kanal, in der Bar ro wstrasse und in dem Lan- 
castersund im Durchschnitt 41, zu Van Rensse- 
laer's Harhour 25, zu Port Foulke waren sie 
seihst zur Maxiniumszeit selten, in der Baffinsbai 
treffen wir noch auf die Werthe 57, während Jacohs- 
hav(Mi 18 und Godhaab gar nur 15 gibt. Weniger 
rasch ist die Abnahme gegen Süden, wo Cumber- 
landhouse mit 132 erscheint und gegen Südost, 
wo wir Moosefactorei mit 82 und in Canada meh- 
rere Mal Werthe von nahezu 60 antreffen. Am we- 
nigsten rasch findet die Abnahme vom Bärensee gegen 
Westen hin statt, da wir für die Barr owspitze aus 
zwei Wintern umfassenden Beobachtungen 148 finden 
und die Beobachtungen Wrangells bei Nischnei Ko- 
lymsk aus den Jahren 1820 bis 1823 sogar 224 er- 
geben. Vom ßärensee aus gegen Süden in der Rich- 
tung nach Californien hin, wo wir am Sacramento 
auf die Zahl 1,3 slossen, fehlen alle Beobachtungen, 
sowie wir aus dem grossen Gebiete zwischen dem 
30. und 50. Breitenüi'i^de und dem 80. und 120. Längen- 



Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 365 

grade nur aus dem östlichen Gebiete vereinzelte, 
fast werthlose, Beobachtungen besitzen. Die spär- 
lichen Beobachtungen in Asien deuten nur darauf hin, 
dass in der Gegend von Nischnei Kolymsk die Region 
des Maximums der Häufigkeit sehr nahe liegt, indem 
Wrangeil hier bei der Annäherung an die niciit weit 
entfernt liegende Küste das Nordh'cht an Häufigkeit 
und Schönheit schnell zunehmen und Billings ebenfalls 
in jener Gegend das Nordlicht häufig und prächtig 
(allerdings zur Maximumszeit) sah, während in der 
Länge von Tobolsk und Beresow sich die Region 
des Maximums sehr nach Norden schiebt, wenigstens 
von den genannten Orten weit entfernt liegen muss, 
da aus 14jährigen Beobachtungen für das unter dem 
58. Breitengrade gelegene Tobolsk der Werth von 
M=0,8 wird, somit nicht grösser als iüv die unter 
dem 47. Grade gelegene Schweiz. 

Unter der xAnnahme, dass ein um den Pol her- 
umlaufendes Curvensystem besteht, würden wir nach 
den oben zusammengestellten Resultaten der Beobach- 
tungen und durch Auftragen auf geeignete Karten die 
Linie der grössten Haufiükeit etwa folgendermassen 
zu legen haben. Beginnend unter 160" östlich von 
Green wich zieht sich dieselbe nahe der Barrow- 
spitze an der Nordküste Ame^rikas vorbei, über 
den Bären See, durch den nördlichen Theil der Hud- 
sonsbai, über die Labradorküste, südlich am 
Kap Farewelle, zwischen Schottland und Island 
durch'), sich nach höherer Breite, am Nordkap vor- 



*) Mögliclierweise wendet sich die Ciirve schon vom Kap Fare- 
welle nördlich, zieht zwischen Grönland und Island durch, biegt 
X«I. 4. 24 



366 Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 

über, wendend, von wo sie, bis zu ihrem Anschlüsse 
an den von uns gewählten Ausgangspunkt, nördlich 
von Nischney Kolymsk, nicht mehr zu verfolgen ist, 
da uns nicht einmal Spitzbert^ische J3eobachtnngen eine 
Stütze bieten. Die Beobachtungen der im Winter 1633 
auf 1634 auf Spitzbergen überwinterten Holländer 
geben M— 46, welcher Zahl jedoch kein Gewicht 
beigelegt werden kann; die von 1743 bis 1749 auf 
Ostspitzbergen lebenden Russen theillen nur mit, dass 
das Nordlicht im Winter häufig sei und alle weiteren 
hierauf bezüglichen Stellen in verschiedenen Schriften 
sind entweder nur wenigen Beobachtungen entnommen 
oder einfach nach erzählt, da jene Gegenden nur in 
den Sommermonaten besucht werden. Im Ganzen 
stimmt die angegebene Linie der grössten Häufigkeit 
mit der von Muncke in Gehler's Wörterbuch, Artikel 
„Nordlicht", gegebenen überein und hat auch einige 
Aehnlichkeit mit der von Loomis in Sill. Amer. Jour. 
B. 30 gegebenen. In entsprechender Weise liesso 
sich ein System von Linien durch Verbindung der Eu- 
ropäischen und Amerikanischen Werthe von M, z. B. 
etwa die Linie von Tobolsk, Moskau, Krakau, 
Schweiz, Bordeaux mit dem Gebiete südlich von 
Philadelphia und dann mit Californien herstellen; 
allein bei dem bestehenden lückenhaften Materiale, das 
über den ganzen atlantischen Ocean, über das Innere 
des mittleren Nordamerika und von da durch den gros- 
sen Ocean und durch Asien bis wieder nach Europa 
keinen Aufschluss gibt, wäre das ganze System doch 



sich östlich von Island tief nach Süden herab und zieht von der 
norwegischen Küste parallel um das Nordkap. 



Fritz, über die Sichlbarkeil des Polarlichtes. 367 

nur ein willlairliclies. Zudem sclieint das ganze Sy- 
stem, wenn es einmal in der Zukunft erstellt werden 
kann, nicht sehr einfach ; mindestens erhalt es an ein- 
zelnen Stellen, wie im Norden Amerikas, bedeutende 
Aushiegungen und vielleicht lemniskatenartige Ver- 
schlingungen. Wie das Cnrvensystem innerhalb der 
Gegenden der grössten Häufigkeit, also unmittelbar 
um den Pol herum, sich gestaltet, darüber ist selbst 
nicht einmal zu muthmassen. Die allgemeinen Züge 
des Verlaufes der Curven in niedern Breiten gibt ge- 
wöhnlich recht gut die Ausdehnung der Sichtbarkeit 
grosser Nordlichter. So war das grosse Nordlicht 
vom 28. August 1859 in Amerika bis zum 18., unter 
dem 46. Längengrade bis zum 27. und unter dem 20. 
Längengrade bis zum 28. Breitengrade, in Europa 
bis Athen sichtbar, während man in Asien, unter dem 
50. Längengrade, zu Kharpot und Mosul, keine Spur 
mehr sah. Während man die Erscheinung in Amerika 
bis zum 36. Breitengrade im Zenitb hatte, war dies 
in Europa nur bis zum 45. der Fall. In ähnlicher 
Weise beobachtete man das darauf folgende Nordlicht 
vom 1. September im grossen Ocean bis zu den Sand- 
wicbsinseln (-(-20), in Amerika bis zum 12., im 
atlantischen Ocean bis zum 34. und in Europa 
bis zum 38. Breitengrade, ohne dass in Kharpot eine 
Spur zu sehen war, wobei in Amerika die Erschei- 
n«ng noch unter dem 23. Grade das Zenith erreichte. 
Schliesslich sei hier noch darauf aufmerksam ge- 
macht, dass ein Europa und Amerika verbindendes 
Cnrvensystem gleicher Häufigkeit für die mittleren 
Breiten eine nicht unbedeutende Aehnlichkeit mit dem 
Isobarensystem von Schouw zeigt. 



368 Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 

Fast noch eigentliümlicher als die Vertlieilung der 
Nordlichter, in Bezu(j auf ihre Häufigkeit, ist die Ver- 
schiedenheit der Hirhtung, in welcher die Erscheinung, 
in Bezug auf das Mittel ihrer Ausdehnung, die Scheitel 
der Bogen oder der Kronenmittelpunkte, sich zeigt. 
Viele Beohachter und Schriftsteller hahen darüher ge- 
schrieben; es zeigt aher eine Zusammenstellung der 
bis jetzt gemachten Erfahrungen, dass ein bestimmtes 
Resultat, mag es zu Gunsten dieser oder jener Hy- 
pothese sein, nicht erhalten wurde. 

Der bequemern Uebersicht halber stellen wir zu- 
erst die Hauptresullafe der vielen Beobachtungen zu- 
sammen. Der Kürze halber verzichten wir auf ge- 
naue Angabe der Quellen. 

Für Portugal, Spanien und Frankreich sieht man 
das Nordlicht allgemein im Norden, jedoch mit westlicher 
Abweichung; ausnahmsweise zeigt es sicfi jedoch auch nord- 
östlich und selbst, wie dieses am 15. Febr. 1730 noch für Mar- 
seille der Fall war, in Süden. 

1612 sah Gassendi liie Krscheinung in N; 1720 war der 
Bogenscheilel für Paris nach Maraldi in N, zehn Grad gegen W; 
173'i daselbst nach Godin H" und 1770 nach Abbe Richard 15 
bis 20" von N gegen W abweichend. Diese Abweichung vom 
wahren N stieg nach Morlet bis zu 21" in der Mitte des 19. 
Jahrhunderts. 

In Belgien und Holland ist die mittlere Richtung der 
Sichtharkeil ebenfalls nordwestlich und die Verbreitung nur 
ausnahmsweise über den südlichen Himmel. 

In Italien in N mit Abweichung nach VV; ausnahmsweise 
auch schon in S gesehen , wie z. B. im Jan. 1740 zu Rom. Das 
starke Nordlicht um das Jahr 63 vor Chr. war für Rom westlich. 

Im gesaramlen Deutscliland und in der Schweiz ist 
die Richtung allgemein nordwestlich, genauer für Basel, 



Fritz , über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 369 

WUrlemberg, Prag und sämmllirhe nördlicher gelegene Orte 
in NNW. Für Berlin liegt nach Gilbert, VVrede, Ausfeld die 
grössle Helle westlich, der Bogenscheitel im magnetischen 
Meridian. Nach Tobias Meyer war die Abweichung zu Anfang 
des 18. Jahrhunderts jedoch 10'^ bis 15° östlich vom magne- 
tischen Meridian. 17'lO bis 1750 war für Schneeberg das 
Mittel in N; manchmal in NW oder NO, ohne in N zu gleicher 
Zeit sichtbar zu sein. 

Ersclieiiiungon in S sind in Deutschland selten; grosse 
Nordlichter breiten sich manchmal weit südlich über das Zenilh 
und nehmen einen grossen Theii des Himmels ein. 

In den russischen Os t se epr o v i nze n sieht man das 
Nordlicht nur ausnahmsweise sUdlich, sonst immer in N ; 1831 
sagt Pfarrer ßu 1 1 ne r, dass in K u r la nd die Erscheinung j e d es- 
mal im magnetischen Meridian sei. In der Milte des 
vorigen Jahrhunderts sah Grischow den Nordlichlbogen in 
Petersburg einige Mal in S und Lo n)0 no so w beobachtete einmal 
einen Bogen in N und einen zu gleicher Zeit in S. Im nörd- 
lichen Russland überschreiten die Nordlichter häufig das Zenilh. 
De L'Isle de la Croyere theill bei der Zusammenstellung 
seiner Kolaer Beobachtungen, nach dev Aussage eines SchifTs- 
capitains, mit, dass nördlich des 60. Grades das Nordlicht um 
so häufiger in S sei, je weiter man nach N reise. 

Zu Abo sieht man die Bogen gewöhidich in N, öfters je- 
doch auch südlich des Zenithes und nach A rge la nd er ist der 
Culminationspunkt 10 Grad westlich vom magnetischen 
M er id ian. 

In Gross brilannien und den nördlich davon ge- 
legenen Inseln ist die Bichtung allgemein n er dnord west- 
lich und das Nordlicht überschreitot um so häufiger das Zenith. 
je weiter man nach Norden kommt. Die Bogenscheitel befinden 
sich nach allen Angaben im oder doch nahe dem magneti- 
schen Meridian, so 1790 zu Kendal nach Dalton, 1830 zu AI- 
ford nach Fargnharson, 1840 zu Dunse, 1839 bis 1843 zu 
Ed in bürg, Porto hello, Porlree auf der Insel Sky nach 



370 Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 

Necker de Saussure, zu Glasj^ow n;ich Diipin u. s. \v. 1817 
wich auf der Insel ünst nnch Biol der Bogetischeitel ^'^ vom 
magnetischen Meridian ah. Zu Lervvick auf Shcllland ist das 
Licht allgemein in NW sichtbar, manchmal jedoch deht)t es 
sich, wie Scoreshy von den Lerwicker Lootsen erfuhr, bis 
SW und SO aus. Auf der Insel Sky ist nach Necker de Saus- 
sure das Nordlicht häufig im Zenith, was in Edinburg nur selten 
der Fall sei. Von 405 in den Jahren 18il bis 1856 zu Sand- 
wick Manse auf Orkney gesehenen Nordlichtern, war nur 
das vom 18. Od. 18't8 südlich. Einzelne südliche Erschei- 
nungen sind im südlichen England beobachtet worden. 

In Dänemark ist die Richtung der Sichtbarkeit ebenfalls 
westlich von Norden und betrug zu Kopenhagen nach Hor- 
rebovv gegen die Mille des 18. Jafirhunderts 10" W. 

Weit mehr Angaben für verschiedene Orte und Zeiten be- 
sitzen wir aus Norwegen und Schweden. 

Vor 1721, sagt Probst Spiedeberg, enl.^land zu Chri- 
slianstad das Nordlicht in NO, ging nach und nach gegen NW 
und erhob sich in einem Halbzirkel nie höher als 10 Grad. 

Um 1752 war nach Wa rg entin für S lock h olm das Mittel 
des Nordlichtes 10 bis 20 Grad westlich vom Nordslriche, also 
in NNW; Bogen und Segment sah man jedoch mitunter etwas 
mehr nach NO. Obwohl gewöhnlich in N, reichen die Bögen 
hier manchmal über das Zenith nach S. 

Um 1760 war nacli T. Bergmann der Bogenwinkel in üp- 
sala selten in N, sondern 10 bis 12" gegen W. Unter etwa 
300 Erscheinungen in den Jahren 1741 bis 1747 beobachtete 
Hiorter 46 Nordlichter, welche sich süillich des Zenilhes er- 
streckten. Für C hristian ia fiel das Mittel des Nordlichtes 
1816 und 1817 nach llansleen mildem magnetischen Me- 
ridian zusammen. Später, bei dem Hauplmaximum zwischen 
1830 und 1860 zeigten sich die meisten Nordlichter in N und 
NW; manche aber auch in S, wie dies übrigens hie und da 
schon weiter südlich vorkommt. 1831 am 7. Januar war zu 
Christiansund der Bogen 11°45' südlich des Zeniths. 1740 bis 



Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 371 

1750 war nach Rarhow zu Oerland bei Droniheim das Bo- 
gencenlriini in NNW; das Nordlicht begann Abends in NO, 
dauerte am Morgen am längsten in NW und erreichte das Ma- 
ximum der Pracht, wenn der Bogenscheilel 30 bis 45 Grad 
hoch war. Um 1760 erschien zu Drontheim das Nordh'cht 
häufig in S, was um die gleiche Zeit zu ßorgensund ebenfalls 
der Fall war. 

ZuTor nea wich 1736 auf 1737 nach Ma uper tu is der Schei- 
tel der Bogen stets nach W ab ; die Bögen erschienen in N, häufig 
jedoch auch in S und manchmal in N und S zu gleicher Zeit. 

1827 auf 1828 beobachtete Keilhau zu Talvig in Finn- 
marken den Bogenscheilel etwas nördlich vom magne- 
tische n iM e r id ian. 

1838 auf 1839 erhielten die Mitglieder der französischen 
Comtnission zu Bossekop bei 226 Beobachtungen sehr abwei- 
chende Resultate, indem die Azimuthe aller Beobachtungen 
zwischen 11° und 100° W schwankten, vvoraus sich eine 
mittlere Richtung nach W von 21° ergiebt, die beltächtlich 
grösser ist als die Abweichung des magnetischen Meridians, 
der 10° 8' westlich vom aslronotnischen N liegt. Von den Bo- 
genscheiteln lagen ein Theil (28) im Zenith, ein Theil bis zu 
49° nördlich und ein Theil bis zu 33° südlich desselben. 

1848 und 1849 war das Nordlicht zu^Bossekop nach S i- 
Ijest roem ebenfalls wieder iheils im nördlichen, theils im süd- 
lichen Theile des Himmels. 

1750 war nach Barhow am Nordkap das Mittel in NW, 
und später sagt Eggers. dass in Finnmarken und Nordland 
der Ursprung in NNW sei, dass jedoch dorlen die Lichter 
häufig in S gesehen würden. 

Jessen (Sleenbuck) erwähnt in seiner Beschreibung des 
Königreiches Norwegen, dass, nach der Aussage älterer Leute, 
in frühern Zeiten der Bogen in Norwegen weniger hoch 
über den Elorizonl gekommen sei und sich mehr im N gezeigt 
habe; seit dieser Zeit sei er höher gestiegen und habe sich 
vom Meridian gegen W entfernt. Da «Dat Kongerige Norge» 



372 Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 

von Jessen 1763 erschien, so bezieht sich die liefe und nörd- 
liche Lage der Bögen «luf den Anfang des 18. Jahrhunderts. 

1753saglPontoppidan: Die Normänner, welche das Nord- 
licht zur Genüge beobachteten, wissen, dass dessen wahrer 
Sitz niohl in N, sondern in NW ist. 

Nach den Beobachtungen Hell 's im Winter 1768 auf 1769 
zeigte sich auf Ward öe das Licht in N, mit Bogen von nach 
W, und an Orten von gewisser Breite nur im November, De- 
zember und Januar gegen S, nicht aber in den andern Monaten. 

Uebcr M'enige Orte ist bezüglich des Nordlichtes so viel 
geschrieben worden als i.iber Is I a n d , leider jedoch Vieles nur 
nach mündlicher Mitliieilung, wobei manche Missverständnisse 
unterlaufen sind und Anderes einfach altern ungenauen Quellen 
abgeschrieben wurde. 

Nach Anderson entsteht (vor 1743) das Nordlicht in Island 
jederzeit in N oder NW, sclilägt hinüber nach S und erfüllt 
dann zuweilen den ganzen Himmel. 

17'l0 bis 1751 beobachtete Horrebow in Island und kommt 
zu folgenden Resultaten: Das Nordlicht ist nur hell wie in 
Dänemark, setzt aber selten klare und dislinkte Bogen wie 
hier; man sieht es so oft aus S wie aus N herkommen; zum 
öftern b<'ginnt es mit einem klaren breiten Bogen von nach 
W und steht in solcher Gestalt lange still; unlerwcilen spielt 
es über den ganzen Himmel und schiesst alle seine Strahlen 
gegen das Zenilh. 

1753 bis 1757 bereisten Ola fsen und Po velson Island, wo- 
bei sie Beobachtungen über das Nordlicht machten, die im 
Wesentlichen mit den Aussagen von Horrebow stimmen; es 
zeigt sich starke Rüthe in N, manchmal beginnt es in SO; es 
erscheint oder breitet sich nach S aus; die Bögen gehen mit- 
unter durch das Zenith und die Richtung dieser ist sehr ver- 
schieden, indem die Scheitel bald nördlich, bald im Zenilh 
und manchmal sudlich liegen, während die Fusspunkte der 
Bögen nach den n)itgethcillen Beobachtungen in SO und NW, 
in ONO und ,WNW, oder in und W angegeben sind, so 



Fritz, über die Sichtbarlieit des Polarlichtes. P73 

dass hiernach die milllere Richluiig der Bogen selbst mit dem 
heuligen magnetischen Meridian nahe zusammen fiele. 

Henderson, welcher 181't auf 1815 zu Reykiavik. und 
Th ienemann, der 1820 atif 1821 zu A k ur-Ey ri überwinterten, 
berichten übereinslimmend über die Lage der Bögen, dass sie, 
nach zahlreichen Beobachlungen von NO nach S\V, etwas nach 
der einen oder der andern Seile abweichend, also rechtwinklig 
zum magnetischen Meridian sich zeigten, der damals um 45° 
von dem astronomischen abwich. Henderson bemerkt weiler, 
dass das Nordlicht gewöhnlich in N oder NO beginne, lang- 
sam sich nach SW hinüberziehe, dass aber siels die Erschei- 
nung in NO am stärksten, alle staliunären Lichter in N oder 
NO beobachtet wurden und nur ausnahmsweise in S erschienen. 

Damit stimmen die neuesten Angaben des Kalanders 11 ja I- 
talin, indem nach ihm die Bögen von NO nach NW gehen und 
doch ihren Scheitel slels im niagnelischen Mt-ridian haben 
sollen, nicht ganz uberein. (Möglicheiweise ist hier bei der 
üeberselzung aus dem Lsländischen in das Französische, wie 
sie in Le Monde und darnach in L'annec scienlifique par Figuier 
mitgelheilt sich findet, ein Irrlhum unierlaufen, da Hjallalin 
weiter bemerkt, dass sich mit der Aenderung der üeclinalion 
die Lage des Bogens in der Zukunft wohl ebenfalls verschieben 
werde. Es müsste dann statt NW, wie bei Henderson und 
Thienemann, SW heissen). Vollkommen mit den zuletzt ge- 
nannten Schriftstellern stimmen rlahingegen die Angaben, dass 
der östliche Theil des Bogens in NO zuerst beginnt und dass 
nur ausnahmsweise sich Erscheinungen in S zeigen. 

So wie im Allgemeinen für ganz Europa wenig Unterschied 
in der Richtung der Siciilbarkeit' der Nordlichter staltfindet, 
so scheint dies auch für den .Atlantischen Ocean in nicdern 
Breiten der Fall zu sein, da die Berichte alle mehr oder we- 
niger die Richtung der Magnetnadel angeben; so z. B, gibt 
Capitain G. H. Brakke von der B;irke Baltimore an. dass er 
das Nordlicht vom 1. Sept. 18")9 um lö'' 30'" in -f 27° Breite 
und 34° Länge, westi. Greenw. einer Feuersbrunsl gleich in 



374 Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 

der Richluiig der Magnetnadel gesehen hahe. In höhern Breiten 
wird die Richtung wechselnder und unheslimmler , wie wir 
später sehen werden. Weit zusamrviengeselzleren Verhältnissen 
begegnen wir im Norden von Amerika und das Mittel 
zwischen diesen und den europäischen bilden etwa die asia- 
tischen, welche wir dcsshalb zuletzt berühren. 

Die in Amerika gemachten Beobachtungen ordnen wir nach 
der zunehmenden Breite und da, wo nicht wohl Grufjpen zu 
bilden waren, nach zunehmenden Längen (von Greenwich aus 
westlich gerechnet). 

Für \V e s l i n d i e n , insbesondere für Cuba, war nach Poey 
der Beginn uml das Rnde des grossen Nordlichtes vom 1. Sept. 
1859 im magnetischen Meridian. Eigenthümlicherweise soll 1860 
am 24. März (ur Havanna sich eine nordlichtarlige Erscheinung 
in gezeigt haben. 

In den Vereinigten Staaten ist die Richtung allge- 
mein nahe N unrl da hier die Üeclination wenig abweicht, so 
fällt die Richtung allgemein nahe mit dem magnetischen Me- 
ridiane zusammen. So verlheilen sich z. B. die Richtungen 
für Philadelphia, woselbst 18H die westliche Abweichung der 
Nadel 3" 54' betrug, in den Jahren 1840 bis 1845 derartig, dass 
die Erscheinung sichtbar war 

in WNW NW NNW N NNO NO ONO 

4 4 11 4 l mal, 

so dass ein kleines Uebergewicht zu Gunsten der westlichen 
Richtung stattfindet. Südlich sah man den Bogen ausnahms- 
weise auch in diesen Gegenden in veihällnissmässig niedern 
Breiten, so z. B. zu New Brunswick (440°) 1827 am 2.5. Sept. 
und zu Shenectady (-f 43°) 1829 am 19. Dez. Ganz besonders 
auffallenil ist die Mittheilung von Kalin, welcher 17'l8 unter 
8 Erscheinungen, welche er zu Racoon (New Yersey) be- 
obachtete, 2 in N inid G, selbst sehr niedere Erscheinungen, 
sog. Schneefeuer, in SW beobachtete; wenn gleich Abwei- 
chungen, wie auch in Europa, von der allgemeinen Richtung 
der Sichtharkeit nicht seilen sind, so z. B. zu Toronto, 1836 



Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 375 

am 8. Mai, wo das Nordlicht in erschien. Grosse Nord- 
lichter reichen in den Vereinigten Staaten häufig lief nach 
Süden , wie überhaupt die ganze Erscheinung in jeder Bezie- 
hung weit mehr sich dem Aequalor nähert, als in Europa oder 
gar in Asien. 

Zu Ne \v found ia nd ist die Richtung allgemein nördlich, 
nach De Pilaye stets in N mit Bogen von nach W; Granz 
sah es 1765 im Hafen Croque in SO und nach B o n ny c a s 1 1 e er- 
scheint es zeitweise, wie z. B. zu St. Jofin. dem Beobachter 
sehr nahe und sehr nieder. 

Am Gedar Lake (+53° und 100") sah Franklin am 13. 
Oct. 1819 das Nordlicht über den ganzen Himmel. 

ZuCumberlandhouse( | 53° und 102°') ist nach Frank- 
lin und Hood (1820) die Hauptrichlung N, mit Abweichungen 
nach oder VV; die Bogenscbeitel liegen ebenso oft im wahren 
als im magnetischen Meridian, weichen somit nur etwa 20^ 
ab (da die Declination der Nadel 18° zu jener Zeit betrug), 
wobei die Scheitel sich von N nach S bewegen und die 
Strahlen häufig das Zenith überschreiten. 

S im ps on beobachtete am Meth y e River (+56° und 110°) 
den Bogen in N. 

An der Labradorküste war nach dem Missionär Beck 
zwischen dem 57. und 60. Breilengrade gegen Ende des vo- 
rigen Jahrhunderts das Nordlicht in NW sichtbar. 

Für die Hudsonsbai weichen die Angaben von verschie- 
denen Orten und aus verschiedenen Zeiten mitunter stark ab. 

Zu Port Nelson sah Ellis 17'l6 auf 1747 das Nordlicht 
in NW, da es Schatten nach SO warf; der Glerk of the Cali- 
fornia, der mil Ellis Uborwinlerte spricht sich dahin aus, dass 
es gewühnlich in N, seltener in NW oder NO, sichtbar ge- 
wesen sei, dass aber, wälirend es von N zum Zenith strahlte, 
zu gleicher Zeit auch von SW ein Strahlen zum Zenith slatt- 



') Die erste Zahl gibt stets die Breite, die zweite die Länge an. 



376 Frilz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 

fand. Beide Angaben lassen sich wohl dahin vereinigen, dass, 
wenn auch seltener, doch die slärliste Enlwickelung in NW 
statt halle. 

Für York Factory (+57° und 93°), den gleichen Ort, 
welcher vorher unter Port Nelson aufgeführt ist, lässl C ha p pell 
nach seintMi Beobachlungen von 1814 das Licht ebenfalls von 
N zum Zenilh slralilen. 

Am C hurchill Hiver (+59'* und 94^) begann nach Wil- 
liam Wales' Beobachtungen in den Jahren 17G8 bis 1769 das 
Licht in OSO und ging durch den Zenilh nach WNW, woraus 
sich die Miltelrichlur)g NNO oder SSW ergäbe. 

Zu Fort Hope (-f 63° und 87°) war nach Rae und Hoper 
in den Jahren 1846 und 1819 aus über 40 vorliegenden Be- 
obachtungen im Mittel die Richtung S, mit geringem Ueberge- 
wiclit gegen W; manchmal war es über den ganzen Himmel 
verbreitet, jedoch in N fast nie bemerkbar. 

Lyon sah zu Ro we's W e I come (+64° und 88°) die Er- 
scheinung bald in N, bald in W. Rae sah bei Ran k in's In 1 e t 
ira Jahre 1847 das Nordlicht in SSO entstehen, rasch nach N 
gehend, sich über den ganzen Himmel verbreiten und dann 
in N verschwinden. 

Franklin gab an, dass in der H ud sonsbai die Richtung 
der Sichtbarkeil oder SO sei. 

Grönland. Seit Jahrhunderten daran gewohnt hier den 
Hauptherd des Nordlichtes zu suchen, besitzen wir viele Mit- 
iheilungen, die jedoch theilweise noch weniger Werlh haben 
als die isländischen, da ein Theil derselben auf blossen Ver- 
muthungen beruht. 

Zu Kikkertak (-f-60° und 43'') sah Graah 1829 das Nord- 
licht in NO und 0, durch den Zenilh strahlend; im gleichen 
Jahre zu Nennortak (-i-GO° und 45°), jedoch auch von S zum 
Zenith strahlend. 

Zu Hoarak (+60° und 44°) sah Graah im März 1829 den 
Bogen von NO nach SW\ 30° hoch, später drei Bögen von 
OSO nach WSW, wovon der höchste dur, h das Zenilh ging, 



Frilz , über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 377 

somit war die Mitlelrichtung dieser Bögen in S, während der 
erslere seinen Scheitel wahrscheinlich in SO halle (hier fehlt 
die Angabe für die Richtung des Scheitels). 

Für SUdgrön land sagt Graa haus seinen Beobachtungen 
von 1828 und 1829, ist die Richtung der Sichtbarkeit im ma- 
gnetischen S; der Bogen zeigt sich zwisclien OSO und SW 
oder zwischen OSO und WSW 10 bis 20 Grad über dem Ho- 
rizont: die Krone liegt allezeit östlich dem Meridiane SP/a bis 
8272 Grad hoch. 

Zu Christiansund (-(-(iO** und 43") sah Graah im Ocl. 
1828 den Bogen von nach W durch den Zenilh gehend. 

Zu G od ha ab (4-64° und 52°) zeigt sich nach Crantz (1761 
bis 1765) das Licht in oder SO, niemals in N oder NO, wo 
sich höchstens eine leichte Helle zeigt; häufig breitet es sich 
jedoch über den ganzen Horizont aus. 1786 bis 1787 war der 
Bogen nach Gin ge in oder SO, meist nieder und nur selten 
zum Zenilh aufsteigend. M'Clintock sah es hier im Aug. 1859 
im wahren SW. Zu Christians ha ab sah Ginge 1786—1787 
das Nordlicht stets in S mit nur 25° hohem Bogen. 

Zu Upernavik (-f73° und 56°) sieht man nach Hayes 
(1861) das Nordlicht am vv es tl i eben Himmel, ebenso zu Port 
Foulke (-[-78° und 73°) nach dem gleichen Beobachter, wel- 
cher 1860 aufl8GI hier überwinterte, und im Va n R e n ss e la er 
Harbour (+78" und 71°). Mag in Port Foulke diese Richtung 
vorherrschen, so zeigen doch die genauem Untersuchungen 
der Kane'schen Beobachtungen, dass zu Van Rensselaer 
Harbour, mindestens für die .Fahre 1852 bis 1854, zwei bestimmte 
Richtungen mit ziemlich gleichem Gewichte vorherrschen, nä'm- 
lich N mit einer geringen Abweichung nach 0, und SSW, auf 
•welche Eigenlhümlichkeit später zurück zu kommen ist. 

Da viss Ir asse. Unter dem 60. Breitengrade sah Ingle- 
field am 2. Aug. 1852 das Nordlicht in W, bis zum Zenilh 
strahlend. Zwischen dem 61. und 62. Breilengrade ist das Licht 
nach Sutherland und Inglef'eld südlich und überstrahlt mit- 
unter den ganzen Himmel; nach M 'Gl in lock zeigt es sich hier 



378 Frilz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 

auch in SW. In -|-C2° und 63*^ fler Lange war am 18. Od. 

1818 das Nordlicht in SSW bis SSO, somit das Mitlei in S; 

in der gleichen Breite, aber in 55° der Länge, sah M'Clintock 

1859 das Licht in SO. 

Nahe von +64° und 62** der Länge sah Parry 1818 am 29. 

Sept. die Krscheinung in 0. 

Zwischen -(-65'* und -[-66° der Breite und zwischen 61° und 

63° der Länge sahen 1818 Parry, Boss und Boberlsondas 

Licht meist in S, jedoch auch in und einmal am ganzen 

Himmel, namenlhch im Zenilli. 

In -f-66°3n' und 59° der Länge sah Parry das Licht 1818 

im wahren S, 20° hoch strahlend. 

Aus seinen Beobachtungen aus den Jahren 1857 und 1858 

glaubt M 'C lin lock annehmen zu sollen, dass das Nordlicht in 

der Davisstrasse und in der Balfinsbai, gewöhnlich zwi- 
schen NO und SO, sichtbar sei. 

Baflins-Bai. Das Nordlicht war sichtbar: 

zwischen -f66° und 67° und zwischen 58° und 59° der Länge, 
nach M'Clintock aus 7 Beobachtungen vom April 1858 im 
Mittel in SO bis OSO; 

zwischen -f 67° und 69° und zwischen 58° und 65° der Länge, 
nach Beobachtungen von Parry , Fisher und M'Clintock 
aus den Jahren 1820 und 1858 am meisten in SW bis SSW; 

zwischen -\- 69° und 71" und zwischen 58° und 63° der Länge, 
nach Parry, Kane und M'Clintock, während den Jahren 
1825, 1851 und 18.58 meistens in SO bis SSO; 

zwischen -[-71° und 73" und zwischen 60" und 70° der Länge, nach 
Kane und M'C lintock aus den Jahren 1851 und 1858 erge- 
ben 22 Beobachtungen mit weit überwiegender Mehrheit die 
Richtung SO bis SSO, obwohl das Licht sich in einzelnen 
Nächten in den verschiedensten Strichen des Himmels zeigte, 
namentlich sah Kane dasselbe 1851 mehrmals in WSW; 

zwischen -[-73° und 75° und zwischen 63" und 70" der Länge, 
nach Kane und M'Clintock, nach 28 Beobachtungen, 
weitaus überwiegend in SSO ; 



Frjlz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 379 

zwischen -|-75° und den von Kane und Il.iy es erreirhten nord- 
lichsten Punkten liegt ausser den oben angeführten Be- 
obachtungen von der Gronliindischen Küste zur Bestim- 
mung der Riclilung keine Bcubafhiung mehr vor, wenn 
man nicht die eigenlhümliche, einem Nordlichte mit Bogen 
ähnliche Bildung von Polarbanden hierher rechnen will, 
die am 21. Juli 1827 von O'Beilly iii 4 75° beobachtet 
wurde, deren Cenlrum im magnetischen N gegen lag. 
Bevor wir zu dem in der neuesten Zeit durchforschten Ar- 
chipel westlich der Davisstrasse und Baffinsbai übergehen, 
kehren wir zu niederen Breiten zurück und stellen zunächst 
die Beobachtungen aus dem britischen und bis vor kurzer Zeit 
russischen Nordamerika westlich der liudsoiisbai zusammen. 
Zu Fort Chippewyat) (f 59° und 111°) am Athabasca- 
See sah Franklin 1820 das Nordlicht meist in NNW imd im 
April, Mai und Juni keine Erscheinung südlich des Zeniths. 

Aul M oos Deer-Island ( 61" und 1 14") war nach Frank- 
lin (1822) der Sitz der Erscheinung meistens in N, zwischen 
den Grenzen NO und SW, nur ausnahmsweise in S. 

Zu Fort Reliance (-f 63° und 109") war nach Back in 
den Jahren 1833 bis"l835 die Sichtbarkeit so oft ostwärts 
als westwärts, mit allgemeiner Richtung in N. 

Zu Fort Enlreprise (-|-6t° und 1 13") ist nach Franklin, 
Hood und Richard so n das Bogenmitlel im oder etwas 
östlich d e r w e s 1 1 i c h vom m ;i g n e l i s c h e n Meridian (36** 
vom wahren Nord abweichend bei einer Declinalion von nahe 
87°); die Formen sind unbestimmt und die Sicfitbarkeit in ver- 
schiedenen Himmelsgegenden; Öfters zwischen N und W be- 
ginnend, zieht es sich nach SO hinüber, wo es sich auch 
manchmal zuerst zeigt. Da das Nordlicht sich hier so oft in 
N als in S zeigt, so verlegt Franklin hierher d e n il a u p t- 
sitz der Erscheinung. 

Fort Franklin (+65° und 123°) hält Franklin sehr geeig- 
net zur Beobachtung der Erscheinung. Bei 49 dort beobachteten 
Erscheinungen war das Nordlicht am meisten in N sichtbar 



380 Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 

und es verlhoille sich die Ausbreitung über dem Horizonte 
folgendoriuassen : 
N NNO NO ONO OSO SO SSO SSSW SW 
17 15 12 8 4 4 2 5 9 5 2 

WSW W VVNW NW NNW N 
15 4 7 15 17 

Die auf S fallemlen Erscheinungen hallen meistens im Januar 
und Februar sl;ill.*) 

Zu Fort Norniann (65° und 125°) war nach Hooper die 
Sichll)arkeit wälirend der drei letzten Monate des Jahres 1849 
hauptsäohlicli in NW und NNW, dann aber auch in verschie- 
denen Slriclien durcli N l>is SO sichtbar; dagegen war sie im 
Frühjahre 1850 (namentlich im März und April) überwiegend 
in SO und 0, jedoch wieder in allen Strichen von W durch 
N und bis SW sichtbar, so dass im Ganzen zwischen W 
und SW das Nonilichl nie oder nur seilen sichtbar war. 

Auf Winter-Island (4-6G° und 83°) nach Parry und 
Lyon (1821, 22 und 1823) sieht man das Nordlicht überwiegend 
in SSO; in N keine irgendsvie erhebliche Erscheinung. 

In Duckelt's G o v e ( 4- 66° und 87°) und in der zwei 
Grad ösllicher gelegenen Duke of York's Bai sah Parry 
das Licht in SW. 

Zu Fort Confidence (-{-67° und 119°) sah 1838 Simpson 
den Hogen besländig von NW nach SO, tien magnetischen 
Meridian rechtwinklig schneiden; ebenso sah Rae 1850 die 
Bögen. 

Zu Fort Good flope (+67° und 131°) sah Ilooper 1849 
die Erscheinung sich über den ganzen Himmel ausbreiten. Die 



^) Wo ans vielen Beobachlnngen die mittlere Richtung be- 
stimmt werden konnle, wurde stets nach vorstehendem Schema 
eine Zusamnienstellung gebildet, die erhallen wurde durch gra- 
phische Verzeichnung der Ausbreitung um die llauptrichtungen der 
Windrose. Die Zahlen geben dann an, wie oft jeder Strich be- 
rührt wurde. 



Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 381 

gleiche Beobachtung machte Ilooper zu Fort Macpherson 
(-f-BT" und 135°) iin gleichen Jahre öfter; die vorherrschende 
Richtung war hier SSW. 

Nach Beech e y 's Beobachtungen begann am Kap Espen- 
burg (+G6" und 164°) 1826 das Nordlicht in WNW und ging 
nach NO über, an andern Abenden begann es in NO und ging 
nach W; entsprechend sah er am Kap Krusensfern (-]-67° 
und 16'(°) den Bogen von WNW nach ONO, wobei das Nord- 
licht nur ausnahmsweise einmal, wie dies noch einmal zu Gha- 
misso-Island (-j-66° und 167°) beobachtet wurde, über das 
Zenilh strahlte. 

In der Behrings-See und Kotzebuesund, zwischen 
4-66° und +71° und zwischen 156° und 163° der Lange, sah 
Beechey 1826 und 1827 die Richtung el)enfalls in N, während 
das Licht sich zuerst in WNW zeigte und r?ch NO überging 
oder umgekehrt in NO begann und sich nach NW liinüberzog. 
Ebenso sah er zu Point Ilope (-|-68° und 168°) den Nord- 
lichlbogen von W b. N nach NO. 

Im Felix Harbour ( — 70" und 92°) sah Boss 1829 und 
1830 das Nordlicht stets südwärts zwischen S und SO; aus 16 
Beobachlui^gen ergibt sich die mittlere Richtung SSO. 

Zu Igloolik (4-69° und 92°) sah P.irry 1822 auf 1823 das 
Licht meist unveränderlich in S, zwischen OSO und WSW. 

Im Sheriff Ujirbour (-|-70° und 92°) war nach den Be- 
merkungen, welche Ross über die Sichtbarkeit in hohen Breiten 
macht, das Licht 1830 und 183t in S sichtbar- 

Am Kap ßalhurst (+70° und 127°) beobachtete M'Clure 
1850 das Licht von NO bis SW. 

An der B a rro w-Sp i tz e (Moore's Harbour) (4 71° und 
156°) nach Ma rquire's Report begniui 1852 bis 1854 die Sicht- 
barkeit in N, nach 13*' war es in S. War das Licht in N. dann 
wurde die .Magnetnadel nach W abgelenkt, war es in S, dann 
wich sie nach aus; fla nun die Ablenkungen nach sich 
zu jenen nach W wie 1,63 ; 1 verhielt, so muss auch die Sicht- 
barkeit häufiger in S gewesen sein. 

XII. 4. 25 



382 Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 

Im Port Kennedy (-|-72'' und 94") sah M 'Gl in lock 1858 
auf 1859, wie aus den zahlreichen Beobachlungen hervorgeht, 
die Erscheinung im Miltel zwischen S und SSW (während die 
Erscheinung 25 Mal in SSO bis SSW sichtbar war, sah man 
sie nur 1 Mal in NNW und 5 Mal in N bis NO). 

Zu Sommersellhouse (-f-73° und 92°) waren die sel- 
tenen Erscheinungen von 1832 auf 1833 nach Ross in S. 

Für Port Bowen (73° und 89°) sagtParry, weicher 1824 
auf 1825 daselbst überwinterte, erscheint das Nordlicht selten 
in einem nördlichen Theile des Himmels, es war beinahe 
immer südwärts mit Bogen von W nach SO, welche mehr 
durch den magnetischen als durch den astronomischen Meri- 
dian halbirt zu werden schienen; nur einmal, im Januar, ging 
der Bogen von S nach N, sonst in diesem Monate vorzüglich 
von SO nach SW und im März von WNW nach SW. 

In der Batty-Bai (73° und 91°) sah Kennedy 1851 das 
Licht in SW^. 

Auf der Melville Insel und im Winter Harbour 
(-j-75° und 111°) beobachteten Parry und Fish er von 1819 
auf 1820 das Nordlicht am häufigsten in SSW (am seltensten in 
NNO und NO). Für beide Richtun2;en verhält sich die Häufig- 
keil wie 17 zu I. Auch hier sah Parry einmal den Bogen von 
N nach S, östlich vom Zenith vorübergehend. 

In der Barrowstrasse und dem Lancaslersunde 
(zwischen -f 74°20' und -f74°37' und zwischen 86° und 92" der 
Länge beobachtete Knne 18.50 das Nordlicht meist in SSO. 

In Capilain Austin's Wi n terquart ers und Assis- 
tence-Har bour (+7i° und 94°) scheinen die Bögen sich 
ziemlich in allen Richtungen zu zeigen, wie aus A r et i c Mis- 
ce Ilanies nach den Beobachtungen aus den Jahren 1850 und 
1851 hervorzugehen scheint; doch scheint die Richtung WSW 
bis SW, in welcher die Scheitel anderer Bögen sich zeigten, 
die vorherrschende zu sein. 

Auf der Beechey -Insel (4-75" und 92°) sah Kane 1850 
das Nordlicht in SW; dagegen sah er im Wellington Kanal 



Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 383 

(_j_75» und 93°) 1850 von 7 Nordlichtern die meisten in S, 
mehr oder weniger (und zwar durchschnittlich 16 Grad Öslhch 
vom magnetischen N abweichen. 

In Belcher's Winterquarler im Norlhumberland- 
sund (4- 77° und 97") strahlte das grosse Nordlicht vom 2. Dez. 
1852 in SO. 

Einige aus Asien zu Gebote stehende Beobachtungen 
ergeben folgende Resultate: 

Zu Denjikovvs am Irtisch sah Er man 1828 den Bogen- 
scheitel 19,2° gegen W vom wahren N. somit war der 227»° 
hohe Bogen 30° westlich vom magnetischen Meridian. 

Zu Jsezkoi-Ostrog bei Tjumen sah Gmelin 1741 die 
Säulen in N. 

Zu Tobolsk beobachtete 1828Erman den Bogen was t- 
11 ch vom wahren N. während die Nadel östlich abwich. Die 
Einwohner erzählten ihm, dass die östlichen Nordlichter 
stärker leuchteten als die wesilichen. Wie 7"j Tobolsk, so be- 
obachtete Erman im gleichen Jahre auch zu Beresow den nur 
6° hohen Bogen 27° westlich vom a.stronomischen N und be- 
merkt, dass die westlichen Nordlichter ungleich schwächer 
und niederer seien als die Östlich vom Meridiane gesehenen, 
welche oft Monate lang gesehen worden seien und durch ihren 
Glanz und ihre Ausdehnung das Zugvieh vor den Schlitten 
scheu gemacht hätten. 

In leniseisk, sagt Gmelin, woselbst er 1738 und 1739 
verweilte, gibt es zwei Arien von Nordlichlern: 1. mit Bogen 
zwischen NW und W, 2. Strahlen zwischen N und NO. Ob- 
wohl er hier die Erscheinung auch südlich sah, so seien doch 
sonst alle in N, mit Bogen von NNO nach NNW. 

Zu Ilimi sah Gmelin 1736 die Erscheinung in NW; da- 
gegen zu Kirensk im folgenden Jahre in NO. Einige Be- 
obachtungen zuKirenskoiOsIrog am Einflüsse der Kirenga 
in die Lena zeigten das Licht in N, mit Bogen von NNO nach 
NNW, andere strahlten in NO. Ein Nordlicht, welches Gmelin 
1737 an der Mündung der Nu ja in die Lena beobachtete, 



384 Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 

begann in NNO und strahlte später in N und W; ein zweites 
in der Nahe der Nuja am Kumag-urjak beobachtet war ge- 
nau in N. 

Zu Nischne Kolyrask (+68" und 161° Östl.) fand Wran- 
gel! 1820 bis 1823 die mittlere Richtung 10" bis 20'" östlich vom 
wahren N, während Gochrane aus der gleichen Zeit miltheilt. 
dass hier das Nordlicht gewöhnlich in N sieh zeige und dass 
die Sirahlen, welche 50 bis 60 Grad hoch aufstiegen, in SW 
verschwinden. 

Zu Ostrog Werchnei Kolymsk zeigte sich 1786 bis 
1787 nach B illing das sich häufig und prachtvoll zeigende Nord- 
licht in N, mit Bogen von nach W; jedoch zeigte sich bei 
der in N strahlenden Erscheinung vom 17. September 1791 der 
Bogen in S. 

An der Sibiri sehen Küste zwischen -|-71° und 76° und 
zwischen 130° und 160° ösll. Länge zeigt sich nach Anjou und 
nach Pa Ir i n das Nordlicht in N, wobei letzterer jedoch bemerkt, 
dass nach seinen neunjährigen Beobachtungen der Bogen nur 
10 bis 15 Grad über den Horizont steige. 

Einige Beobachtungen, welche Wrangell im Eise in -}-70° 
und zwischen 168° und 174° östl. Länge zu machen Gelegen- 
heit hatte, zeigten sich in NO und gingen theilweise später 
nach NW. Von zwei Nordlichtern, welche sich in sehr nie- 
dern Breiten von Asien gezeigt haben sollen, war das eine zu 
Benares (-)-25°) 1828 westwärts, das andere zu Macao 
(-j-22°) 1838 mit einem 10° hohen Bogen sichtbar, dessen Cent- 
rum 20° östlich vom wahren N lag. 

Aus dem grossen Ocean liegen fast keine Beobachtungen 
vor; auf den Sandwich-Inseln sah man das Nordlicht vom 
Anfange September 1859 im Norden (genaue Richlungsangaben 
fehlen). 

Die Uebersicht der verzeichneten Richtungen der 
Sichtbarkeit, die am klarsten wird durch Eintragen 
auf eine Polkarte, zeigt uns weit zusammengesetztere 



Frilz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 385 

Verhältnisse, als man sie vielen Schriftstellern nach 
erwarten sollte. Beginnen wir unsere Betrachtungen 
mit Europa und bewegen uns nach Osten um den Pol 
herum, so finden wir die längst bekannte Thatsache 
für Europa bestätigt, dass hier die Richtung im 
Allg-emeinen mit der Richtung^ der magne- 
tischen Meridiane zusammenfällt; Abweichungen 
treten erst in hohen Breiten und mit der Annäherung 
an Asien auf, wozu wir Beispiele in den oben zu- 
sammengestellten Beobachtungen von Bossekop, dann 
ferner darin finden, dass schon zu Wardhoehus sich 
häufig östliche Lichter zeigen, welche übrigens selbst 
für das mittlere Europa hie und da sichtbar werden. 
Von dem Weissen Meere bis zu den Neu Si- 
birischen Inseln spaltet sich die Richtung der 
Sichtbarkeit förmlich, so dass man in fast ganz Sibi- 
birien das Nordlicht bald nordwestlich, bald nord- 
östlich vom Meridian sieht, wie Gmelin's und Er- 
man's Beobachtungen und Untersuchungen darlhun, 
wobei die Abweichungen vom magnetischen Meridiane 
oft sehr bedeutend werden und die Arten der Lichter, 
in Bezug auf Form und Intensität, sehr zu unter- 
scheiden sind. Während die westlichen Bogen bilden, 
strahlen die östlichen mehr und besitzen weit grös- 
sere Intensität des Lichtes und mehr Pracht. Von den 
Neu Sibirischen Inseln über NischneiKolymsk, 
dieBehringsstrasse bis zur Barr owspitze zeigen 
sich die Erscheinungen stets nahe dem wahren Nord. 
Von der Barr owspitze bis zurück nach Europa 
wechseln aber dann die Richtungen in den Ländern 
nördlich des 50. Breitegrades so stark, dass kaum noch 
eine allgemeine Richtung vorherrscht. In den, na- 



3S6 Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 

mentlich von Franklin, Richardson, Back u. s. w., 
durchforschten Gegenden, am Bärensee, zu Fort 
Entreprise, Fort Reliance, Fort Confidence 
u. s. w. sehen wir bald ein Vorherrschen der Rich- 
tung im wahren Meridian, bald nahe dem magne- 
tischen, bald, wie z. B. nach den Beobachtungen 
Hooper's zu F o r t N o r m a n n, in gar keiner von beiden, 
sondern eher noch rechtwinkh'g dazu; weiter nord- 
wärts, wie im Winlerharbour, erscheint das Licht in 
Süden, welche Richtung allgemein, an allen zwischen 
dem magnetischen Pole und den nördlichsten 
Gränzen des durchforschten arktischen Archi- 
pels bis zur Küste von Grönland hinüber und zur 
Nordgränze der Hudsonsbailänder hinab, einge- 
halten wird, jedoch mit bedeutenden Schwankungen, so 
dass die Richtung im Winterharbour südlich, fast mit dem 
Meridiane parallel, westlich vom magnetischen Pole vor- 
übergeht, während dieselbe in den zwischen dem Mel- 
ville Sunde, dem Wellington Kanäle, dem Lancaster- 
sunde, dem M'Clintocksunde und dem Golf von Boothia 
gelegenen Ländern bald direkt auf den magnetischen 
Pol, bald rechts, bald links davon vorbeigehen. An der 
Hudsonsbai sehen wir die Richtung bald nördlich, bald 
östlich, bald westlich und am Nordrande südlich. In 
der Baffinsbai ist die Richtung im Norden südwest- 
lich, weiter südlich, etwa unter dem 70. Breiten- 
grade, südöstlich, die dann durchschnittlich durch die 
Davisstrasse, den Küsten Grönlands entlang bis zu 
dessen Südspitze vorherrschend bleibt. Manche Be- 
obachter finden die Richtungen hier mehr südlich, 
' manche etwas westlich und andere, namentlich in der 
Labrador See, zwischen allen Himmelsgegenden 



Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 387 

wechselnd. Dieser Wechsel hat noch weiter östlich 
in den nördlichen Theilen des atlantischen Ocea- 
nes statt, wie aus den vielfachen Beohachtungen auf- 
merksamer Seeleute hervorgehl. In -h65° und 5° 
westi. Länge sah Scoreshy 18:22 das Nordlicht in N 
beginnen, worauf der Bogen von N nach S durch das 
Zenith sichthar wurde. Zwischen den Breiten +60° 
und +59' und zwischen den Längen 50~ und 26° 
westl. Greenw. sahen Parry, Ross, Robertson u. s. 
w. das Licht bald in NO, bald in N, bald in NW, 
bald über den Himmel verbreitet; in +58'^ und 49° 
westl. sah man es 1746 öfter in SO bis 0, während 
es M'Clintock 1859 in der gleichen Breite, aber etwas 
östlicher, in NO beobachtete. 1820 sah Parry es 
unter +57° und im 45.- westlicher Länge in S. Erst 
unter dem 55. Breitengrade scheint die Richtung wie- 
der stets nördlich zu sein. Auf dem nördlichsten 
Punkte, auf welchem bis jetzt beobachtet wurde, im 
Van Rensselaer Harbour, gelegen an dem die Baf- 
finsbai mit nördlichen Gewässern verbindenden Smith- 
sunde, zeigt das Nordlicht nach Kane's Beobachtungen 
zwei entschiedene, fast entgegengesetzte Richtungen: 
eine nach NNO, eine nach SW. 

In den niedern Breiten von Amerika, südlich 
des 50. Grades, sowie im südlichem atlantischen 
Oceane weichen die Richtungen wenig von N ab., 
und da hier die magnetischen Abweichungen, nament- 
lich in den Vereinigten Staaten, gering ist, so fällt 
die Richtung der Sichtbarkeit hier, wie in Europa, 
nahe mit dem magnetiscifen Meridiane zusammen. 

Südlich des Zenithes sieht man das Nordlicht, 
namentlich den Bogen, in Europa öfters nur in den 



SSS Frilz, über die Siclilbarkeil des Polarlichtes. 

nördlichen Theilen, besonders in Skandinavien, in 
Asien nur in den östliciien Tiieilen Sibiriens, an der 
Bebringsstrasse und in der Behringssee noch 
selten, nach Beechey's Beobachtungen; dahitigegen 
schon bäutis: an der Barrowspilze, von wo aus nun 
in östlicher Richlung-, nach der Hudsonsbai hin, das 
Ueberlrelen immer häufiger wird und selbst in der 
schon niedern Breite von Cum herlandhouse sich 
hie und da noch in S zeigt. In dem ganzen Archi- 
pel des arktischen Amerika, sowie in den Ge- 
wässern und den Küsten von Westgrönland 
zeigt sich das Nordlicht nur selten in N und dann, 
wenn dies der Fall, meistens nur schwach. Auf Is- 
land ist die Richtung schon allgemein nördlich. 
Vereinzelte Fälle, dass das Nordlicht selbst in niedern 
Breiten von Europa und Nord-Amerika südlich er- 
scheint, ja sogar dorten den Bogen zeigt, sind oben 
angedeutet worden; hinzuzufügen wäre etwa noch 
die Beobachtung von Smidt in Athen, welcher am 11. 
Sept. 18'JO daselbst ein Südlicht beobachtet haben will. 
Da wir in gewissen Breiten auf Gegenden treffen, 
in welchen das Nordlicht bald südwärts, bald nord- 
wärts, bald in allen Himmelsgegenden gesehen wird, 
und über diese Breiten hinaus die Richtung ganz in 
eine südliche umschlägt, so sollte sich, ähnlich einer 
Linie, auf welcher das Nordlicht am häufigsten vor- 
kommt, eine Linie cons truiren lassen, auf wel- 
cher die Richtung neutral ist, d. h. von welcher 
südlich die Richtung der Sichtbarkeit die nördliche, 
nordwärts derselben die südliche wäre. Betrachten wir 
aber die in Obigem zusammengestellten Beobachtungs- 
resultate, so ist die Construktion einer solchen Linie 



Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 389 

ebenso schwierig, als für eine Linie der grössten 
Häudgkeit, obwohl dieselben, wenigstens im grossen 
Ganzen, nicht sehr von einander abzuweichen schei- 
nen. Den Zug im nördlichen Eismeere, zwischen 
Sibirien und dem Pole, zu ermitteln ist bis jetzt un- 
möglich; ander Behringsstrasse ist die Richtung 
noch entschieden N und erst mit der Barrowspitze 
sehen wir dieselbe beginnen. Von hier zieht sie sich 
etwa zwischen Bärensee und Yorkbai über die 
breitesten Stellen von Back 's grossem Fisch- 
flusse zum Chesterfield Inlet, durch die Hud- 
sonsstrasse, um Kap Fa re well (etwa 5*^ südlich), 
dann bei Island rasch nach Norden wendend um 
diese Insel herum und von da nahe dem Nordkap 
vorbei in das nördliche Eismeer, aus welchem sie 
dann bei der ßarrowspitze wieder austritt. Die durch 
gute Beobachtungen erhaltenen Richtungen stellen sich 
durchweg ziemlich normal zu dem uns verzeichnen- 
baren Stücke der Curve. Wollen wir diese Regel 
festhalten für das uns unbekannte Stück derselben 
nördlich von Asien, so würde sich dieselbe zwischen 
Spi tzbergen und No vaja Semlja rasch dem Nord- 
pole zuwenden, um sich dann in Eiförmigen Bogen 
in der Nahe der Neusibirischen Inseln wieder der asia- 
tischen Küste des Eismeeres zu nähern. Eine 
solche Gestaltung der Curve würde den bald west- 
lich, bald östlich des Meridians gesehenen Nordlichtern 
Sibiriens entsprechen und im Einklänge stehen mit 
den Kane'scheu Beobachtungen im Van Rensselaer 
Harbour, da die grösste Einbiegung nach dem Pole 
hin, dem Smithsunde gegenüber, zu liegen käme, wo- 
durch die Entfernunff des Hafens von dem amerika- 



390 Fritz, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 

nischen, sowie von dem asiatischen Stücke der Curve 
etwa gleicii w-ürde. 

Sowie die beiden Curven, für Häufigkeit und für 
Neutralität der Richtung-, auf den annähernd bestimm- 
baren Zügen nahe oder vielleicht ganz zusammen- 
fallen, so dürften vielleicht auch im Eismeere nörd- 
lich von Asien beide Curven sich decken, was da- 
durch bestätigt würde, dass selbst noch in ßeresow 
der Bogen sehr nieder erscheint, selbst im Jahre 1828, 
welches für das mittlere Europa zahlreiche und grosse 
Erscheinungen aufzuweisen hatte. 

Betrachten wir nun die Gestalt beider Curven, 
so muss auffallen, dass sich dieselben fast genau an 
die Form der Continente und an die dadurch bedingte 
Eisgränze anlehnen. Ohne hierüber einen Ausspruch 
zu thun, sei nur auf die eigenthümliche Erscheinung 
aufmerksam gemacht, dass mindestens auf dem 
grössten Theile der nördlichen Hemisphäre, 
namentlich im atlantischen Ocean bis zum 
asiatischen Eismeere, die magnetischen Me- 
ridiane, und da hier in den mittleren Breiten 
die Richtungen der Sichtbarkeit der Nord- 
lichter nahedamit zusammenfallen, auch diese 
normal zur Eisgränze stehen. Die grösste Un- 
bestimmtheit sehen wir ebenfalls in den Gegenden 
herrschen, in welchen die Eisgränze sich am meisten 
verschiebt: im arktischen Archipel von Nord- 
Amerika und noch mehr in der Labradorsee, Da- 
visstrasse und Hudsonsbai, wobei wir nicht ver- 
gessen dürfen, dass oben schon mitgelheilt wurde, wie 
zu Fort Franklin, zu Fort Nor mann und zu Ward- 
hoehus erst im Frühjahre die Lichter beginnen sich hau- 



Fritx, über die Sichtbarkeit des Polarlichtes. 391 

fig" im Süden zu zeigen, also zu der Zeit, in welcher die 
Eisgränze am weitesten vorrückt. Hiermit stimmt der 
Ausspruch George Fisher's, der 1834 (in Lond. u. Edinb. 
Phil. Mag-.) sich dahin ausspricht, dass das Nordlicht sich 
am meisten am Rande des Eismeeres und bei grossen 
Anhäufung-en von Eis zeige und die Beobachtungen 
M'Clintock's, der 1857 und 1858 das Nordlicht 18 Mal 
an Steilen beobachtete, wo am Tage Wasser sicht- 
bar war und im Winter 1858 auf 1859 zu Port Ken- 
nedy von 42 beobachteten Nordlichtern 24 an solchen 
Orten, an welchen während des Winters offenes Wasser 
war oder Nebel aus solchen aufstiegen. 

Des Bestimmtesten g^eht aus Obigem hervor, dass 
die Erklärung- der Richtung- der Sichtbarkeit mittelst 
eines über der Erde schwebenden Kreises unmöglich 
ist, wie ganz richtig- Moriet (in Froriep's Notizen, 
Ser. III, ß. 4) nachzuweisen suchte. 



Geometrische Mittheilungen 



F. Graberg. 



Beiliegende Tafel enthält eine Reihe von Grund- 
rissen, welche erklären, warum zwei projectivische, 
gerade Punktreihen, deren Träger sich in allgemeiner 
Lage befinden, einen Kegelschnitt bestimmen 
und warum jeder Punkt in der Ebene dieses Kegel- 
schnittes Mittelpunkt eines Strahlsystemes sei. 



392 Graberg, geomelrische Mittheilungen. 

^1, A2 sind die Grundrisse zweier Punkte, 
welche mit den in der Bildflache liegenden Geraden 
ßCi, BC2 die Ebenen (Ji, BCi), (^2, ^^2) bestimmen. 
Ist A die Grundspur der Geroden A^A-z, so stellt jede 
durch den genannten Punkt in der Grundfläche gezo- 
gene Gerade ADi den Grundschnitt einer durch A[A2 
gelegten Ebene (Ji, Z>i) vor, welche die Ebenen {Ai, BC{), 
(-^25 ^^2) nach den Geraden rfi.4,ßi, (/2.42^i schneidet 
und der Punkt Bi liegt in der Geraden B, nach welcher 
die Ebenen (.4i, ßCi) {Ao, BC2) sich schneiden. Ebenso 
bestimmt eine Ebene (.4, D2) auf der Schnittlinie B 
den Punkt B2. 

So zeigt die Fig. 1 in den Geraden B, BCi 
die Trager zweier projectivischer Punktreihen (^2^1-82» 
BQdi,)^ welciie durch den Strahlbüschel Ai perspec- 
tivisch auf einander bezogen sind; anderseits in den 
Geraden .4, ACi die Träger zweier projectivischer 
Punktreihen {AA1A2-, ACxd2)^ welche durch den Strahl- 
büschel Bi perspectivisch auf einander bezogen sind. 
Nun wird durch die Punklenpaare AB, AiBj, A2B2 eine 
projectivische Beziehung der Geraden .4, B festgestellt, 
welche sich im Raum nicht treffen. Um ein viertes 
Paar (.43, B'^) entsprechender Punkte auf den ge- 
nannten Geraden zu bestimmen, zeichnen wir in der 
Grundfläche den Strahlbüschel E, welcher die per- 
speclivische Beziehung der Punktreihen ^Cic/2, BCyä^ 
vermittelt, legen durch die entsprechenden Punkte 
.4i, B^ und den Strahl Ed\ds die Ebenen [A^Ed^] [B^Ed^) 
und suchen ihren Durchschnitt (^Is/^s) mit den Ge- 
raden A, B. 

Der Punkt A^ bestimmt mit der Geraden B eine 
Ebene, deren Grundschnitt Bd.'^ heisst, ebenso bestimmt 



Graberg, geometrische Mittheilungen. 393 

der Punkt Bt, mit der Geraden A eine Ebene (^, Äds)\ 
die Gerade A^Bi ist die Sciinitliinie der bezeichneten 
Ebenen, ihre Grundspur liegt darum in dem Durch- 
schnitt F3 von i4rf5, Bdti. 

Nun erivennen wir in den Punkten .4, B die Mittel- 
punkte zweier Slrahibüschej, weiche zu den Punkt- 
reihen BCxdi, AC^di mithin auch unter sich projecti- 
visch sind und die sich in perspeclivischer Lage be- 
finden, weil in AB zwei entsprechende Strahlen zu- 
sammenfallen, und weil Ad^^ Bd^ entsprechende Strahlen 
der beiden Büschel .4, B sind, so muss ihr Schnitt- 
punkt F3 in der Geraden CiF2 liegen, welche deren 
perspectivischen Durchschnitt darstellt. 

So ist die Gerade C^F in der Grundfläche der 
Ort der Spuren aller Projeclionsslrahlen, 
welche entsprechende Punkte der beiden im 
Raum sich nicht treffenden Reihen AA1A2, BB^B^ 
projeclivisch auf einander beziehen. 

Fig. 2. Umgekehrt können wir jetzt auf CF2 einen 
Punkt F annehmen und den Projectionsstrahl suchen, 
welcher F zur Gnindspur hat. Ist z. B. Fb ein solcher 
Punkt, so suchen wir den Durchschnitt /?t einer Ebene 
(JFb) mit B und finden in B^AoFx, den gesuchten Projec- 
tionsstrahl. Sein Grundriss fallt mit dem der Geraden B 
zusammen; der Projectionsstrahl liegt also mit B in 
derselben Verticalebene. Auch in der Verlicalebene 
durch die Gerade A lindet man auf ähnliche Weise 
einen Projectionsstrahl , dessen Grundspur Fa heisst, 
und welcher A im Schnittpunkt A^, der Ebene (Fa, B) 
mit dieser Geraden trifft. 

Der Durchschnitt Aq der beiden Grundrisse ^, B 
hat eine doppelte Bedeutung; denn dieser Punkt ist: 



394 Graberg, geometrische Mitlbeilungen. 

1) Grundriss des Punktes Aq, in welchem der Pro- 
jectionsstrahl Fb die Gerade A trifft; 2) Grundriss des 
Punktes Z^o, in weichem der Strahl F» die Gerade ß 
trifft. 

Daraus erhellt, dass bei der projectivischen Be- 
ziehung der Geraden A, B, welche nicht in einer Ebene 
liegen, ihrem scheinbaren Durchschnitte A auf B der 
Punkt Bf, auf A der Punkt At entspricht; die Grund- 
risse A^ B befinden sich somit nach dem Ausdruck 
Steiners in schiefer, oder, wie Schröter sagt, in 
allgemeiner Lage. 

Fig. 8. Wie in den Verticalebenen von A, J? je ein 
Projectionsstrahl liegt, so können wir uns auch in der 
Verticalehene des Projectionsstrahles Ci^i^i eine Ge- 
rade G denken, deren Grundspur G auf AB liegt und 
welche Träger einer zu A, B projectivischen Punkt- 
reihe Gu Gh, Ga ist, indem sie in den genannten 
Punkten von den Projectionsstrahlen fj, Fb, Fa ge- 
troff'en wird. Der Punkt Gt, in welchem der Pro- 
jectionsstrahl Ci die Gerade G trifft, liegt im Durch- 
schnitte der Ebene (A, Cj) mit einer andern, welche 
durch die Grundspur G und den Strahl Fa bestimmt 
ist. Diese Schnittlinie hat ihre Grundspur d im Durch- 
schnitt der Tracen ACi, Gl\ und geht durch den Punkt 
.4t, in welchem die Gerade .4 vom Strahle F» ge- 
troffen wird ; somit findet man den Grundriss des Punktes 
Gi im Durchschnitt der Grundrisse CjG, rf.4t. Hätten 
wir die Ebene (G^, Fb) zu Hülfe genommen, so würden 
wir auf denselben Punkt Gt gekommen sein, denn 
man ersieht aus Fig. 1, dass die Punktreihen F, Fa, Fb; 
Ä^ Jt, Ao projeclivisch sind; dieselbe Beziehung be- 
steht nach Fig. 3 auch für die Punktreihen .4, g^,^ ^b? 



Graberg, geometrische Millheilungen. 395 

.4, At, Ao und da in A2 entsprechende Punkte verei- 
nigt sind, und die Punkte C], Ai einander entsprechen, 
so müssen die Strahlen ga.At, ghAo in demselben Punkt 
Gt des Strahles CiAi zusammentreffen. Nun wird das 
Ebenenbüschel A{Fa, Fb, C\) von der Verlicalebene 
CiAi in dem ebenen Strahlbüschel A^ geschnitten, das 
Ebenenbüschei ß (Fa, Fb, Q) in dem ebenen Sirahl- 
büschel Bi und da die Gerade Ci^i^jCt ein geniein- 
schaltlicher Strahl beider Strahlbüschel ^1, Z?i ist, in 
welchem zwei entsprechende Zahlen vereinigt sind, 
so muss der perspectivische Durchschnitt der beiden 
Büschel eine durch Gt gehende Gerade sein, welche 
die Spurpunkte der Strahlen F», Fb in der Ebene CtG 
enthält und ihre Grundspur auf AB hat, weil zwei ent- 
sprechende Ebenen der Ebenenbüschel A, B sich nach 
dieser Geraden schneiden. Indem wir das eben Be- 
wiesene auf jeden Projectionsstrahl anwenden können, 
erhalten wir i\en Satz : 

In der Verlicalebene jedes Projections- 
strahles (Ci) liegt eine Gerade (G^), welche ihre 
Grundspur auf AB hat, die Gerade J, B nicht 
trifft und von den Strahlen F^, Fb, C^Gt so ge- 
theilt wird, dass die Punktreihe zu denjenigen 
der Geraden A^ B projectivisch ist. 

Fig. 4. Wie der Ebenenbüschel A{F , Fb, r,) die 
Verlicalebene C\G nach einem ebenen Strahlbüschel 
schneidet, dessen Mittelpunkt ^1 aufCjGt liegt, so schnei- 
det ein Ebenenbüschel Fa(/1, /?, G) dieselbe Verlicalebene 
in einem ebenen Strahlbüschel, dessen Mittelpunkt Ga. 
sich senkrecht über A^ auf GGt befindet, darum fallen 
in der Senkrechten A^G^ zwei entsprechende Strahlen 
zusammen, sofern wir die Ebenenbüschel projectivisch 



39G Graberg, geometrische Mittheilungen. 

auf einander beziehen. Zwei andere entsprechende 
Strahlen der beiden Büschel Ji, G& die Tracen der 
Ebenen (4, C{) (Fa, G) treffen sich in ^t- Endlich 
liegen die Durchschnitte von jedem weiteren Paar 
entsprechender Strahlen, z. B. die Tracen der Ebenen 
(i4, Fb) (Fa, B) mit den Geraden GGt^ C\Gi je in einer 
Senkrechten BxG^ der Schnittlinie der Verticalebenen 
C,ö, FbZ?. 

So liegen die Punktreihen GtG^G^, GtBiAi per- 
spectivisch in demselben Büschel paralleler Strahlen; 
dieselbe gegenseitige Lage haben auch die ebenen 
Strahlbüschel ^,, Ga, und die Ebenenbüschel Ai, Ga. 
und die Ebenenbüschel .4, Fa. Diese Letztern, unter 
sich projectlvisch, schneiden sich darum in einem ebenen 
Strahlbüschel, dessen Mittelpunkt At in dem Durch- 
schnitt ihrer Axen A, Fa liegt. Im Weiteren ist z. B. 
^t^ der Schnittpunkt der Geraden B, Fb, ein gemein- 
schaftlicher Punkt der einander projectlvisch entspre- 
chenden Ebenen (^4, Fb) (Fa, B), deren Grundschnilte 
in Lab die Spur von AtBt in der Bildflache bestimmen. 
Der Ort der Punkte Lab ist eine gerade Linie: der 
Grundschnilt L des ebenen Strahlbüschels At. Alle 
Strahlen ^t^t des Büschels (AtL) sind Sehnen der 
Ortscurve Gt, diese selbst ist somit eine ebene Curve. 
Die Sehnen AtGt werden um so kürzer, je mehr der 
Spurpunkt La- sich Lo nähert, dem Kreuzungspunkte 
des Grundrisses A mit L, je näher die Ebene (.4, Fg.) 
der Verticalebene (.4, Fa) liegt ; in dieser Vertlcal- 
ebene selbst befindet sich demnach eine Tangente 
AtLo an die Ortscurve Gt. Weil aber alle Punkte Gt 
in derselben Ebene (.4t, L) liegen, lässt sich durch 
eine der obigen analoge Betrachtung in jeder Verti- 



Graberg, geometrische Mittheilungen. 397 

calebene G eine Tangente an die Ortsciirve Gt nach- 
weisen. So bestimmen die Geraden .4, B^ welche 
sich im Räume nicht treffen, vermöge ihrer projec- 
tivisclien Beziehung zunächst die Geraden AB. A^B^Ci^ 
CiF und in zweiter Linie die ebene Curve Gt einer- 
seits, aber anderseits auch einen Punkt F, als ge- 
meinschaftlichen Punkt der drei Ebenen (.4, AB), {B, AB), 
{AiBx, CiF). Es ist somit durch die beiden projec- 
tivisch getheilten Geraden .4, B in allgemeiner Lage 
die ebene Begrenzung einer Kegelfläche: ein Kegel- 
schnitt bestimmt. 

Fig. 5. Aus den Betrachlungen des Eingangs lässt 
sich erkennen, dass jede Gerade, welche A, B trifft und 
ihre Grundspur auf C, F hat, ein Projectionsstrahl sei, 
welche zwei entsprechende Punkte der Reihen ^4, B 
verbindet. So liegt in der Verticalebene C)F der Pro- 
jectionsstrahl AiBf, der seine Grundspur Fo im Kreu- 
zungspunkte der Geraden C,F, L hat; denn es sind 
die Ebenen (.4, F^) (F», F) zwei entsprechende der 
Ebenenbiischel A, Fa, weil sie die Geraden B, Fb in 
zwei entsprechenden Punkten /?f, Fb der projectivi- 
schen Reihen B^BoBf, BtAoFi^ treffen. Wie Fo, so ist 
auch ^0, der Kreuzungspunkt von L mit der Geraden 
A, ß, ein Punkt der Curve Gt. Die Gerade Co, welche 
in der Verticalebene von AB liegt, trifft mit dem Strahle 
Fo in dem Punkte Fi (senkrecht unter F) zusammen. 
Die Grundschnitte G^Fo, CiGo bestimmen die Grundspur 
H der Schnittlinie GtF^ zweier Ebenen [G, Fo) (Ci, Go). 
Die Verticalebene GtF schneidet die Ebene {Gt, L) nach 
diese bestimmt mit G, Ci die Ebenen GFf, CiGf. Die G^t L{ 
und Letzleren, indem sie einander in den Ebenenbü- 
scheln G, Ci entsprechen, enthalten auch den Projections- 

XII. 4. 26 



398 Graberg, geometrische Millheilungen. 

Strahl Ff und die in seiner Verticalebene liegende Ge- 
rade Gt, deren gemeinschaftlicher Punkt Gt ein zweiter 
Punkt der Curve Gt auf der Geraden GtU ist. Für's 
Weitere sagt die Fig. 5, dass die Senkrechte FF^ die 
Polare zu der Geraden L in der Grundfläche sei»). 

Endlich entheben wir der Fig. 6 folgende Gleich- 
heiten der Doppelverhältnisse: 

{A^A Ä2At) = {BtB B2B0) 

(^o.43.-l2.4t) = {B0B2BM 

(^3.4 AiAt) = {B2B ßoBo) 

Wenn man also durch einen Punkt P der Geraden 
AtBt Strahlen zieht nach den entsprechenden Punkten 
^2? B2 der Geraden .4, B und dieselben verlängert, 
einerseits bis der Grundriss des Strahles PA2 den der 
Geraden B, anderseits bis der Grundriss des Strahles 
PB2 den der Geraden A trifft, so bestimmen die Pro- 
jicirenden dieser Kreuzuiigspunkte auf ß, .4 wieder 
einen Projectionsstrahl ^53.43. Der Punkt P ist der 
Mittelpunkt zweier Strahlbüschel, von denen der Eine 
zu A, der Andere zu B perspectivisch liegt. Weil 
aber der Strahl PBt, mit PA2 und umgekehrt PA:, mit 
PBj sich in derselben Verticalebene befinden, so scheint 
das im Grundrisse, als ob zwei gleiche Winkel zweier 
projectivischer Stralilbüschel verkehrt auf einander 
lägen und eine solche Verbindung zweier projecti- 
vischer Strahlbüschel hat man Strahlsystcm genannt. 

So erklären sich die Punkte eines Kegelschnittes, 
als Durchschnitte zweier in einer Verticalebene lie- 
gender Geraden, die Strahlen eines dem Kegelschnitte 



^) Vergl. auch Fig. 7- 



Fis: 1. 





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OFIHE 




C, 'B 





\ih Hörnt 



Graberg, geometrische Miüheilungen, 399 

zugeliörenden Strahlsystemes, als Grundschnitte eines 
Büschels von Verticalebenen. 

In Fig. 7 sind die Hauptergebnisse vorstehender 
Lfntersuchuno- in einer perspectivischen Ansicht dar- 
üestelit. 



Notizen. 



Abweichung; der Klagnetnadel in Zürich. — Den auf 

pag. 91 — 92 des Jahrganges 1858 mitgelheilten altern Bestim- 
mungen über die Abweichung der Magnetnadel in Zürich ist 
beizufügen, dass Fäsi in seinen «Deliciae astronomicae, Zürich 
1697 in 4.» sagt, es betrage die westliche Abweichung in Zürich 
«vast in die 7 Grad», was zu den Bestimmungen in Basel, s. 
pag. 175 desselben Jahrganges, nicht übel passt. [R. Wolf.] 



IVatiirereignisse beobachtet in Konstanz, und aus der 
gleichzeitigen Chronik des Domherrn Heb. v, Diessenhofen aus- 
gezogen : 

1339. Juli 7. (Nachm. zwischen 12—1 Uhr). Eine Stunde lang 
ist Sonnenfinsteiniss , bis auf '/;, der Sonnenscheibe. 

1347. Sept. 28. Nach Millernacht nimmt man 3 Monde neben 
einander wahr, in der Mitte den wirklichen abnehmenden, 
(Halb-) Mond, zu jeder Seite einen Vollmond. (Symbol 
der Verwirrung im Reiche, wo Kaiser Ludwig der Bayer, 
König Karl von Böhmen und Cola Rienzi in Rom gleich- 
zeilig die Herrschaft beanspruchen). 

1348. April 13. Jetzt füllt (im Winter? seit Neujahr?) der 
erste Schnee. Weinreben und iNussbäume leiden; 
Nachligall und Kukuk singen im Schnee. 

1349. April 19. und 23. Reife und Kälte zerstört in Schwaben 
die HolFnungon an Reben und Nussbäumen. — Weniger 



400 Notizen. 

;irn Rhein. — .luli 1. Der Mond vor Tagesanbruch gänz- 
lich verfinstert (ech'psata) , nachdem er zuvor rotli und 
schwarz geschienen halte. 

1350. April 13 Der Mond mit einem Sterne in merkwürdiger 
(lonjunclion ; sie gehen aber bald wieder aus einander. — 

1351. .lanuar 16. Erster Schnee, der bis zum 31. wächst. — 
Dann Regen. 

1352. October 23. Der Vollmond erleidet eine Verfinsterung 
(pclipsata fuit), mit einziger Ausnahme seines nördlichen 
Theiles. Aber dieser, obwohl sichtbar, gibt doch kein 
rechtes Licht. Vor der Verfinsterung ist der Mond ganz 
rolh. Um die erste Schlafenszeit. 

1355. März 18. Um I Ühr totale Sonnenfinsterniss. Die Sonne 
erscheint wieder erst blass, dann schwarz, dann rolh. 

1356. Februar 15. Um Millernacht Mondsfinsterniss. — Oc- 
tober 18. Nach dem Mittagessen ein gewalliger Erd- 
stoss: vor Vesper 2 schwächere; wieder ein grösserer, 
als man Vesper läutet. Nachts, bis Mitternacht, 6 StÖsse, 
wovon der erste der stärkste. — Od. 19. Vor Mitlag 
1 Erdsloss. und 1 zur Vesperzeit. — Drei Monate lang 
dauern (in Basel) die Erdslösse, mit Unterbruch, fort. — 
Dec. 28. Zu Basel wirft ein Erdsloss ein noch stehen- 
des Haus um. 

1357. Febr. 5. Gewaltiger Schneefall. Der Schnee bleibt liegen 
und vermehrt sich bis 24. Febr. Von da an bis 15. März 
verschwindet er. — Mai 5. Vor Sonnenaufgang ein Erd- 
sloss. — Mai 8. Zu Vesperzeit ein starker Erdsloss. In 
der Nacht 2. — Juli 31. Vollständige Verfinsterung des 
Mondes, kurz nach dessen Aufgange. - Wegen Hilze ge- 
rälh der W^ein in Schwaben nicht (im vorhergehenden 
Jahre nicht wegen Regen und Nässe). Der Wein iheuer. 

1359. April 23. Die Kälte verdirbt die Weinreben. — De- 
cember 25. In Mersburg haben die Raben Junge, so 
warm ist es. Die jungen Raben werden durch den Thau 
des Himmels gespeist, bis ihr Gefieder sich schwärzt. 



Notizen. 401 

1360. Miirz 29. Kiiltt; und Schneefall vei-dirhl Wein und Nüsse. 

1361. Febr. 7. In der N;icht steigen Röthen (ruhigines) von 
der Erde \>\> zum Ilitnuiel ;iuf, so d;iss man hatte glauben 
sollen, es sei von einer grossen Feuersbrunst, (seil. 
Ein Nordlicht). — .kili. Der Somme." so trocken und 
heiss, dass Hoggen und Spelt im ganzen Bisthum Kon- 
stanz vor dem 25. Juli eingeerntet werden. — Juli. Bei 
Schloss Gutenstein in Oestreich verzehrt ein unterir- 
disches Feuer einen ganzen Wald. Kein Graben hilft 
dagegen. — Sept. 1. Die Weinh'se beginnt. Bis am 20. 
grosseniheils beendigt. Dann aber plötzliche Kälte. — 

[G. V. Wyss.] 



niotizen zur Schweiz. Kiiiturgeschichte. (Forlsetzung.) 

157) (Forts.) Im Jahr 1857 n;ilim Kern zwei Söhne als Associes 
in sein Geschäft auf und zog sich, nachdem er unermüdlich 44- 
J a hre lang in seiner- Werkstälte gearbeitet, 1863 zur Ruhezurück, 
um die letzten Tage seines Lebens in seinem freundlich bür- 
geilichcn Wohnhause an der Bahnhüfstrasse zu geniessen. Der 
Grundsatz, den einst V'ater Meyer dem exilirten Waisenknaben 
einprägte: »Beten und Arbeiten«, und den auch dieser wieder 
auf seine eigenen Kinder vererbte , hat sich auch hierin schön- 
sten Erfolgen bewährt. Wie in seiner Berufslhätigkeit ein 
umsichtiger, vorwärtsstrebender und unermüdlicher Arbeiter, 
so w'ar er in seiner mit 12 Kindern gesegneten Familie ein 
Alles mit Liebe umfassender Vater. In seiner bürgerlichen 
Stellung bewahrte er stets seine bescheidene Einfachheit; still 
zurückgezogen vorn Treiben der Welt wirkte er nur für seine 
Lebensaufgabe im Berufsgeschäft und im trauten Kreise der 
Seinen. Durch die viele Arbeit wurde er abgeschwächt und 
in den letzten Monaten bei Athembeschwerden viel und schwer 
heimgesucht; er starb eines sanften Todes ohne Kampf. Ruhe 
der Asche dieses schlichten und braven Mannes!« Ich füge 



402 Notizen. 

dieser ansprechenden Notiz einerseits noch bei, dass das von 
Vater Kern gegründete Geschäft durch seine Söhne noch sehr 
erweitert worden ist. dass namentlich Emil Kern eine grosse 
Theilmaschine gebaut hat, mit welcher er, soweit d'e bisherigen 
Proben zu schliessen erlauben, Theilungen zu liefern im Stande 
ist, welche mit denen der ausgezeichnetsten Werkstätten des 
Auslandes verglichen werden dürfen, und dass er für die eid- 
genössische Sternwarte in Zürich bereits zwei gut gelungene 
grössere astronomische Instrumente construirl hat, für welche 
auf meine Mittheilungen (namentlich Nr. 22) verwiesen werden 
mag, — und dass anderseits merkwürdiger Weise nur 12 Tage 
später als Kern und ebenfalls in Aarau ein zweiler Zögling 
Esser's , sein Tochlermann Hommel , starb, welcher es nicht 
weniger verstandet) halle das vom Schwiegervater ererbte 
Geschäft im Flor zu erhalten , dagegen allerdings dasselbe nicht 
in so grossartiger Weise wie Kern ausgedehnt zu haben scheint. 
158) Die »Actes de la Societe helvelique des sciences na- 
turelles reunie ä Neuchatel les 22, 23 et 24 Aoiil 1866« ent- 
halten ausser der an historischen Notizen reichen EröfTnungs- 
rede des verehrten Jahrespräsidenten Louis Coulon , und meh- 
reren andern für die Kulturgeschichte der Schweiz nicht un- 
wichtigen Miltheilungen auch Nekrologe des meist in Genf 
lebenden und besonders durch seine Illustrationen zu De Gan- 
dolle's Werken bekannleii nalurhistorisi.hen Zeichners Job. 
Christoph Kumpfler, genannt Heyland (Frankfurt 1792 — Genua 
1866), — des als medizinischer, philosophischer und politischer 
Schriftsteller bekannten Piofossor Paul Vital Ignaz Troxler 
(Münster 1780 — Aarau 1866), — und des um die fossile Flora 
Italiens und der Schweiz hochverdienten und mit den Arbeiten 
Heers innig vertrauten Gharles-Theophile Gaudin (Lausanne 
1822—1866). (K. Wolf.] 



Geiieralregister 

über die Bände I bis XU. 



Ahnen: üeber den Xanlliingehalt der Leber VI 287. 

Amsler: Ueber die tnechanische Besliiuiuuiig des Flächeninhaltes, 
der statischen Momente und der Trägheilsnaoraente ebener 
Figuren, insbesondere über einen neuen Planimeler I 41, 101. 

Arndt s. Städeler. 

Bachmann : üeber pelrefaclenreicho exotische Jurablöcke im Flvsch 
des Sihllhals und Toggenburgs VIII 1. 

Baltzer: üeber die Einwirkung von Chloracetyl auf Zuckersäure- 
ätlier und Anissäure XII 303. 

Biüroth und Fick: Versuche über die Temperaturen bei Tetanus 
VIII 427. 

Bolley: Chemische Untersuchung der Mineralwasser von Schimberg, 
Kant. Luzern, IV 99; über den sogenannten pourpre fran^ais 
oder orseille solide, einen neuerlichst in den Handel gekom- 
menen Farbslofl' IV 101; Analyse einer Weissofenschlacke von 
Alpbrugg IV 102. 
— und Schweizer: Resultat der chemischen Untersuchung des 
Schinznacher Schwefelwassers III 287. 

Braun: üeber die Einwirkung der Eisenoxydulsalze auf Kupfer- 
oxydsalze XI 63. 

Claraz s. Heusser. 

Clausius: üeber die Entfernungen, in welchen die von einem 
Eisenbahn/uge bewirkten Erschütterungen noch spürbar sind 
11 398; über die Slructur und Bewegung der Gletscher, von 
John Tyndall und Thomas H Huxley III 3G; über die Natur 
des Ozon III 404; über die Anwendung des Satzes von der 
Aequivalenz der VerMandlungen auf die innere Arbeit VII 48; 
über den unterschied zwischen activem und gewöhnlichem 
SauerslofTe VIII 345 ; Hauptgleichungen der mechanischen 
Wärmelhcorie X 1. 

Cloetta : üeber das Vorkommen von Inosit, Harnsäure, etc. im 
tbierischen Körper I 205. 



404 Generalregister. 

Gramer: Die nähern Bestandtheile und die Nahriingsmittel der 
Pflanzen I 71, 141; über das Verhalten des Kiipferoxydam- 
moniaks zur Pflanzenzellmembran, zu Stärke, Inulin, zum 
Zellenkern und zum Primordialschlauch III 1 ; über eine neue 
Fadenpilzj^attung IV 32G; die Zellenbildung bei Pflanzen IV 90; 
über Sterigraatocystis anlacuslica VII 343; das Rhodospermin, 
eiu krystalloidischer , quellbarer Körper, im Zellinhalt ver- 
schiedener Florideen VII 350; über den rothen Farbstoff" von 
Rytiphlffia tinctoria Ag. Spec. VII 365; Mitlheilungen aus dem 
Laboratorium VIII 35; über das Serin IX 197. 

Dedekind : Mathematische Mittheilungen IV 34C, 3G3 ; V 66, 76, 84. 

Deicke: über die Verheerungen orkanartiger Föhnslürme mit be- 
sonderer Beziehung r.uf die Umgebungen von Appenzell und 
St. Gallen VIII 141. 

Denzler : Welchen speciellen Werth von (1 -f- a -f bi)'^*'''' gibt 
die Binomialreihe, welchen die logarithmische Reihe für log. 
(l-|-a J bi), und gegen welche Grenzen hin conveigirt der 

BinomialcoefGcient ( ' | für y = <xi'! 1333; Auflösung der 

Gleichungen des 2., 3. und 4. Grades mit coniplexen Coeffi- 
cienten IV 37; die Auflösung der höhern numerischen Glei- 
chungen V 384; VI 68. 

Deschwanden: Anwendung schiefer Parallelprojectionen zu asono- 
metrischen Zeichnungen VI 254; Anwendung schiefer Projek- 
tionen zu axonometrischen Zeichnungen VII 159; umgestülpte 
Flächen IX 1; eine graphische Lösung der drei axonouietrischen 
Hauptaufgaben IX 223; über die centralen oder polaren Pro- 
jektionen von vier beliebigen Punkten X 97; Witterungs- 
Notizen aus Lorenz Bünti's Stanzer-Chronik X 165; über die 
Witterung in den Jahren 1827 — 1840, aus Stanser-Tagebüchern 
ausgezogen X 286, 386; eine Bemerkung zu Pohike's »Haupt- 
salz der Axonometrie« X 384. 

Dove: über den Föhn X 209. 

Durege : über die geometrische Darstellung imaginärer Grössen 
III 358; über die geometrische Darstellung der Werlhe einer 
Potenz mit complexer Basis und complexem Exponenten V 297; 
über eine Anwendung der imaginären Grössen in der Mechanik. 
VII 293; über eine besondere Art cjclischer Curveu VIII 127. 



Gerieralregisler. 405 

Dvbkowsky und Fick: lieber die Wanneenlwickelung beim Starr- 

werdoii des Musiiels XII 317. 
Egli : die linldeckuii}; der Nilqnelleii XII IG. 
Escher: Brief von L v. Buch, im Jahr 1850 an M. Prof. Heer 

über desscMi Abhaiidlun;:^ : »Die Aiithrazitpflanzen der Alpen.« 

in den Mitlheil. der Nalurf. Geseücliaft in Zürich I 233. 
Eulenburg: Zur Frage über die Zuclierbildung in der Leber 

XII 23i. 
Fick: Ein neues Alyographion VII 307; Beitrag zur Pliysiologie 

des Elektrotonus XI 48; 

— und Wislicenus: lieber die Enfstehung der Muskelkraft X 317. 

— s. Billrotli, Uybkowsky. 

Frey: Zur Aisüloniio der Lymphdrüsen V 377; ülier die Lymph- 
gefässe der Colonschleimiiaul VII 183; über die Lymphbahnen 
der Tonsillen und Zungenbalgdrüsen VII 410; über die Lymph- 
bahnen der Trachomdrüsen VII 412; die Lymplibahnen der 
Schilddrüse Vlll 320; 

— und Lebert: Beobachtungen über die gejenwärlig im Mai- 
ländischen herrschende Krankheit der Seidenraupe , der Puppe 
und des Schmetlerlinjjs I 374. 

— s Mühlig. 

Fritsch : lieber den sog. Luzerner Drachenslein IX 143. 

Fritz: MiHheihmg über eine Erdbebenperiode X!I 209; Beilrag 
zur ktilischen Untersuchung der älteren Komelenverzeichnisse 
XII 311; über die Häufigkeil und die Richtung der Sichtbar- 
keit des Polarlichtes XII 350. 

Geiser: Einige geometrische Betrachtungen X 219. 

Graberg: Liierarische Noli/.en über Bücher, Zeitschriften und 
Karlen, insoweit sie die Natur- und Landeskunde der Schweiz 
betreiTcn VI 321: VII 212; Geometrische :ili(theilungen X64; 
XII 391. 

Graf: lieber das Nordlicht vom 2S August 1859 : IV 390. 

Griide : Ueber die Ileclocotyhis Bildung bei den Cephalopoden HI 401; 
über einen Delphinus tursio Fabr., bei Glücksladt in der Elbe 
gefangen V 419; eine Reise nach der lyjac-Iveans-Insel IX 205. 

— s. Mousson. 

Hartinann und Mousson: Ans einem Expertenberichte über die 
Quellen von Pfäfers, Canton Sl. Gallen I 1C2. — 



406 Geiieralregister. 

Heer: lieber die fossilen Insekten von Aix in der Provence I 1; 
Schneefall mit Würmern I 85; Entdeckung fossiler Pflanzen 
in Locle I 92; aus einem Briefe von E. Slöhr I 285; über 
das Klima des Tertiärlandes IV 309; über die Flora von Sko- 
pau V 417; über die von Dr. Lyall in Grönland entdeckten 
fossilen Pflanzen VII 176; über die fossilen Kakerlaken IX 273; 
über den versleinerlt-n Wald von Alanekerdluk XI 259. 

Held: Uebcr die in die Haut der Sjnaplen eingelagerten Kalk- 
körper II 2io. 

Heusser: Noliz über die Kryslallform des Aldehyd-Ammoniak 

I 192; Noliz über die Kryslallform des Pennin I 195; Analyse 
des Wassers zweier in Folge des Erdbebens im Visperthal 
neuentstaiidener Quellen II 78 ; 

— und Claraz : Beitrag zur Kenntniss des Brasilianischen Küsten- 
gebietes X 60. 

Hofmeister: Chronik der in der Schweiz beobachteten Naturer- 
scheinungen I 95, 200, 295, 410; II 209, 412; lll 186, 305, 
410; IV 206; Auszug aus dem Protokolle der Naturf. Gesell- 
schaft in Zürich II 97. 

Hohl: Auszug aus dem Wochenrapporte des Telegraphen-Bureau 
Zürich XII 106. 

Holm: Milthoilnngen aus dem Laboratorium XI 338. 

Horner: L'ebersicht der durch Schenkung, Tauschund Anschaffung 
für die Bibliothek der Gesellschaft eingegangenen Schriften 

II 97; III 102; IV 102; V 93; VI 201; VII 101; IX 59, 310; 

X 393; XI 392. 

Hug: Mathematische Mitlbeilungen VII 270. 

Huxley: Beobachtungen über die Struktur des Gletschereises IV 1. 

Kaufmann: üeber den Hagelschlag, m elcher am 9. Juni 1861 die 
Gegend von Luzern betroffen hat VI 331. 

Kenngütt: üeber eine Pseudomorphose des Kupfers II 203: über 
ein neues Zwillingsgesotz des Disthen III 396; über die rothe 
Farbe des Stilbit aus dem Fassathale in Tirol III 397; minera- 
logische Mitlbeilungen IV 193, 298, 338; V 60; über die Zu- 
sammensetzung der Pennin, Chlorit und Klinochlor genannten 
Minerale VII 113; über die Zusammensetzung der Tantalsäure 

XI 32; Bemerkungen über den Pitlizil XI 42; Bemerkungen 
über die mit dem Namen Houghit, Hydrotalkit und Völknerit 



Generalregister. 407 

bezeichneten Minerale XI 159; Bemerkungen über die Analysen 
des Metaxit XI 162; über den Richnioiidil, Osmelith nnd Keo- 
lilh XI 225: über den Pyrophyllil, Ilydrargillit, Pennin, Ciilorit 
und Klinochlor XI 240; 
— und Wiser . 3Iiltheilnngen über die Meteoriten der Zürcher 
Sammlungen VII 142. 

Kinkelin: Die schiefe axonomotrische Projektion VI 358. 

Krämpfen: Enlslebung und Verbreitung der Pocken im Wuliis 
1856 — 1857 : 111 98. 

Kuhn: Melcoiologische Bemerkungen, ausgezogen aus allen Tage- 
büchern des Klosters Einsiedelri XI 111, 197, 297, 386. 

Kurz : Leber die Methode der kleinsten Quadrate VllI 225. 

Labhart: Einiges über Manilla-Hanf 111 83. 

Lebert s. Frey. 

Lehner: Das Erdheben vom 25 Juli 1855, beobachtet in llnlerbäch 
bei Rarori III 92; W'aldrulsch im Mettelwald bei ünlerbäch 
im Kanton Wallis III 174; Notiz über die Blattern im Wallis 
III 175 

Lorez : Notiz über eine Erscheinung des Heerwurms II 88. 

Marcou : Le Jura II 49, 143; III 113; bruit qui accouipagne l'au- 
rore boreale II 202. 

Mayer: Verzeichniss der im Kalk der Insel Baxio bei Porto santo 
fossil vorkommenden Mollusken II 133; die Faunnla des ma- 
rinen Sandsleines von Kleinkuhren bei Königsberg VI 109; 
Catalogue systematique et descriplif des Mollusques tertiaires 
du Musee föderal de Zuiich XI 301; XI! 241. 

Merz: Untersuchung einiger Mineralien aus dem Wallis VI 368; 
Mittheilungen aus dem Lahoialorium IX 7 7. 

Meyer: Ueber die Nerven der (lelenkkapseln II 75; über die Becken- 
neigung II i 405. 

Moleschott : Ueber die verhornten Theile des menschlichen Kör- 
pers III 7ü. 

MüUSSon: Ueber den Löss des St. Galler-Kheinthales I 242; aus 
einem Briefe von Hrn. Dr. Schläfli aus Batum, 19 Mai 1850: 
I 190; Verzeichniss der von Hrn. Dr. Schläfli eingekommenen 
malacologischen Sendung I 395 ; aus dem Briefe eines jungen 
Zürchers im Dienste der amerikanischen Freistaalen I 399; 
Bemerkungen über den gegenwärtigen Standpunkt der Gletscher- 



408 Gejieralregister, 

frage III 269; über einige von Herrn Härtung auf den Azoren 
gesammelte Schnecken III 163; Coquilles lerrestres et fluvia- 
liles, recueillics dans l'Orienl par M. le Dr. Alex. Schläfli 
IV 12, 253; VIH 275, 368; Notizen von einer Reise nach 
Corfu und Cefalonicn im Sepl. 1858: IV 147; Beiträge zur 
Kennlniss der magnetischen und telegraphischcn Störungen im 
Jahre 1859: V 362 ; Coqniüfs (erreslres et fluvialiles recueillie* 
par M. le Pro!. J. R. JJoth dans son dernier ^oyage en Orient 
Vi 1, 124; iihei- Sj>ectra!l)eübacbliHi;.;cn VI 213; physikalische 
Mittheilungen X 303; XI 175; 

— und Griiffe : Auszüge aus Briefen des Hrn. Dr. Sciiläöi aus^ 
Schunil.i, 22. Juni 185C: I 389. . 

— s. Hailmaun. 

Mühlig und Frey: Beiträge zur Naturgeschichte der Coleophoren 

II 10. 

Nadler : (Jeher das Aceloälhjlnitrat, ein Derivat des Salpetersäuren 
Aelhvls V 203; ünterscichungen über den angeblichen Jodge- 
halt der Luft und verschiedener Nahrungsmittel VI 382. 

Neukoinm : Ueber die Nachweisung der Gailensäuren und die Um- 
wandlung derselben in der Blulbahn V 105. 

V. Orclli : Ueber die Anwendliarkeit der Eleclricilät in der Medizin 

III 400. 

Pestalozzi ; Au>zu;; aus dem Protokolle der Naturf Gesellschaft 

in Zürich HI 101. 
Piccard: Ueber den Saharasand X 67. 
Raabe : Anwendung iIlm- imaginären Zahl zur Darstellung des Satzes 

des Parallelogramms, wie des Parallelepipedons der Kräfte 

I 223. 
Reuleaux : Beobachtung einer eigenthümlichen Gehör-Erscheinung 

IV 94; der Arithmometer VI 105 ; Vorweisung von Proben 
eines durch Hitze meli.^^ürdig veränderlen Schiniedüisens 
VII 418. 

Reye : Beweis von Pohlke's Fundamenlalsatz der Axonometrie 
XI 350. 

Rüge, E: Mitlheüungon aus dem Laboratorium VI 35; Unter- 
suchung eines in Indien unter dem Namen Äünjac-Tankawan 
vorkommenden Pflanzcufelles VI 308 ; über das Ratanhin 
VI 297. 



Gciieralregisler. 409 

SchillZ : Eadein iinmutata resurgo 1 280. 

Schläfli , A. : Nachrichten aus Jaiiina (E[»irus) III 290; Vorzeichiiiss 
der Daltelvariolälen der Provinz Irak und einiger daran gren- 
zenden Landeslheile VII 321 ; Sammlung einiger kurdischer 
Wörter und Ausdrücke, die auf Naturwissenschaften und ]\le- 
dicin Bezug haben, im Dialecte der Asch) takurden, den Be- 
wohnern des Dschebe! Tur VII 325; Notizen aus der kurdi- 
schen Volksmedicin VII 332- 

ScKläfli , L. : Bemerkungen und Zusätze zum ersten Heft der 
mathematisciien Sliltheiiungen Herrn Prof. Raabe's 111 23; Be- 
trachtungen über verschiedene Gegenslände die in Herrn Hng's 
»Mathematik in systematischer Behnndlungsweise« vorkommen 
VII 3GG; über den Satz III in Herrn Hug's mathematischen 
Mittheihingen vom I.August 1862: VIH 79; Bemerkungen zu 
Herrn Dr. Sidiers Theorie der Kiigelfunctiouen VIII 205, 324. 

Schnmlewitsch : Ueber den Kautschuk XI 201. 

Schweizer: Das Kupferoxjd-Ammoniak ein Auflösungsmitlei für 
die Pflanzenfaser II 395, zur Darstellung des Kupferoxjdam- 
moniaks IV 89. 

— s. Bolley. 

Schwendener: Ueber den Bau und das Wacbsthum des Flechlen- 
Ihallus V 2 72. 

Sidler: Sur une Serie algebrique I 180; über projektivische Punkt- 
systeme auf derselben Geraden IX 217. 

Siegfried: Literarische Notizen über Bücher, Zeitschriften und 
Karlen, insoweit sie die Natur- und Landeskunde der Schweiz 
betrefl'en I 88, 198, 279, 403, II 92, 203, 315, 399, III 89, 300, 
399; Chronik der in der Schweiz beobachteten Naturerschei- 
nungen IV 314, 391, V 220, 426, VI 328, 461, VII 220, VIII 218, 
339, IX 45; die Alpenansicht von Zürich aus IX 149. 

Städeler: Chemische Millheilungen IV 117, 135; über das Tyrosin 
V 148; über eine leichte Darslcllnngsweise des Xanlbins und 
der sich anschliessenden Stoffe aus Ihierischen Organen V 198; 
Mittheilungen aus dem Laboratorium VIII 241, XI 113; über 
krystallisirtos kohlensaures Kali IX 194; Beiträge zur Kenntniss 
der Aniiinfarbstofre X 193; über die Constitution der Phenyl- 
schwefelsjiure XII 221. 

— und Arndt : Beiträge z. Kenntniss des Anilins u. Toluidins IX 183. 



410 Geiieralregister. 

Stiideler und Wächter: über einige Derivate des Anissleaioplens 

V 134. 

Stahl: üeber die Theorie der Gasabsorption XII 1. 

Steinlin: Ueber das Gubcrnaculum Hunleri und den Descensus 
tesliculi II 1. 

Stöhr: Einige Bemerkungen über den Distriiit Singhbhum in Ben- 
galen V 329; der Vulkan Idjen in Ost-Java VII 30. • 

Strehl: Notiz über verschiedene Naturerscheinungen zu Erlenbach 
im Siuimenlhal III 17G. 

Suter: Weinanalyse XI 358. 

Tscheinen: Tagebuch über die Erdbeben des Visperthales II 28, 
169, III 154, IV 175, 365, VI 229, VII 189, "VIII 176, IX 20; 
Felssturz bei Grächeu A. 1855: II 309; Gletschersturz (üng'fäl!) 
bei Randa am 31. Januar 1857: II 310; ungewöhnliche irschei- 
nung, beobachtet in Grächen im Visperthal 1857: IH 171; Na- 
turerscheinungen im Kanton Wallis auf dem Simplon IV 313; 
Waldbrand in Alctsch, im Gebiete Naters und Zehnden Brig 
1859 : V 91; Naturerscheinungen im Kanlon Wallis V 216; 
Gletschersturz in Randa 1819: V 323; Erdbeben 1755 im Briger- 
und Mörjerzehnen V 325; Seltsamer Wind vor dem Erdbeben 

V 326; Das PfortenöITnen vom Erdbeben V 326; Massa-Ehin, 
schauerliche Felsspalte, durch welche die Gewässer des Aletsch- 
glelschers und Merjelensee's passiren V 418; das hitzige Ner- 
venfieber in Visperterbinen, Wallis-Oberland VI 324; Notizen 
über den Schalbctgletscher VIII 202; Törbjer-Sonnenuhr VIII445; 
über das Meteor vom 22. April 18G5: X 83; aus einem Schreiben 
des Herrn Pfarrer Imboden in Randa v. 21. Februar 1866: XI 108. 

Venetz: Jahrgänge im Wallis von 1803—1834: III 100. 

Wächter s. Städeier. 

Wartha: Chemische Untersuchung einiger Gesteine, fossilen Holzes 
und Kohlen aus der arktischen Zone XI 281 ; Beiträge zur 
qualitativen Analyse XII 154. 

Weileniaiin: Das Meteor vom ll. Juni 1867: XII 211. 

Weith: Beitrag zur Kenntniss der Nitroprussidverbindungen XI 85; 
iMittheilungen aus dem Laboratorium XI 1G7. 

Wild: Die Neumann'sche Methode zur Bestimmung der Poiarisation 
und des üebergangswiderstandes, nebst einer ModiGcation der- 
selben II 213; über die thermoelektrischen Ströme und die 



Generaliegister. 411 

Spantiungsgesetze bei den Eledrolj'len III 62; über das Ba- 
rometer IV 9ü. 

Wiser s. KeimgoU. 

Wislicenus: Bemerkungen über die neueste Wurtz'sche Arbeit: 
Synthese sauerslolThalliger Basen V 210; Miltheiluiigen aus dem 
Laboratorium VIT l, 237; Xll IGG; Analyse eines Pneumo- 
bydrovariengases XI 82. 
— s Tick. 

Wolf: A]illheilungcn über die Sonncnflecken I 151, 2G2, II 109, 
272, 349, III 124, 373, IV 66, 213. V 1, 233, VI 157, 416, 
VII 225, VIII 97, IX 111, 229, X 142, 229, 349; astronomische 
Millheiiungen XI 1, 3C2, XII 109; 31illheilungen über Stern- 
schnuppen und Feuerkugeln I 301; über den niitllern jährlichen 
Verlauf des Slcnischnuppenphänomens nach Beobachtungen in 
den Jahren 1851 bis 1859: IV 380; über die Bedeutung der 
Mittel-Europäischen Gradniessung lür die Kennluiss der Erde 
im Allgemeinen und lür die Schweiz im Besondern VII 337; 
zur Geschichte der Optik I 87; Ergänzungen zu Mairan's «Liste 
des apparitions de l'Aurore boreale» I 196; Ergänzungen zu 
dem neuen «Katalog der Nordlichter von Dr. Boue» II 81, 400; 
J. E. Fischer I 199; der grosse Schweizerische Atlas und die 
damit in Verbindung stehenden Karten einzelner Kantone 
I 27; Auszüge aus Briefen I 91, 290, II SO, 209, 315, 111303, 
IV 202, V 219. 328, 425, VI 199; Ludwig Lavaler I 294; Ja- 
kob Wiesendanger I 295; Saveriens Würciigiiiig der Bernoulli 

I 295; Auszug aus Guggeiibiihis «Wyn Rechnung der statt Zürich 
von Ano 1421. Jahrs biss ufi" disse gegenwärtige Ziel» I 407, 

II 93, 205; historische Notizen II 91, 208; die Erfindung der 
Röhrenlibeile II 306; Auszüge aus Guggenbühls Chronik II 314, 

III 169; Slernschnu[)pen-Beübachluiigen III 88, 302, IV 197; 
ältere BeobachluDgcn über die Ab\>eichung der 31agnctnadcl in 
Zürich III 91; Auszüge aus Fries »Vaterländische Geschichten« 
III 173; über die Declination in Basel, nach einem Mscrpt. von 
Daniel Huber III 175; SchalThauser Weinrechnung v. 1466 — 1793 
und Fruchlrechnung von 1594 — 1793: III 17 7; Eglinger über 
den Cometon von 1604: III 289 ; über die bisherigen Bestim- 
mungen der geograpliischen Lage von Zürich IH 40:5; Liter- 
arische Notizen über Bücher, Zeitschriflen und Karten, inso- 



412 Generalregister. 

weit sie die Natur- und Landeskunde der Schweiz betreffen 
IV 200, 385, V 208, VI 100; Basler's Beschreibung des Nord- 
lichtes vom 2 (12.) September 1621 IV 389; über die Witterung 
in Zürich V 88, VI 106, VII 95, VIII 199, IX 139; Piclet's Nord- 
lichtbeobachtungeii in Russland V 218; die Nordlichtbeobach- 
tungen von Placidus Heinrich V 327; zwei von Basier erwähnte 
Nordlichterscheinungen V 327; Auszüp:e aus dem Tagobuche der 
physikalischen Gesellschaft V 42'1 ; Auszüge aus dem Tagebuch 
di's Junker Raihsherr Schmid VI 199; das Erdbeben von 1861: 

XI 14, VI 456; die Feuerkugel von 1S61: XI 12, VI 452; No- 
tizen zur schweizerischen Kulturgeschichte VI 325, 459, VII 
98, 217, 333, 420, VIII 82, 215, 446, IX 39, 145, 226, 303. X 
190, 299, X! 105, 195, 296, 391, XII 106, 218,401; Flaugergues und 
Huber's Beobachtungen über das Zodiakallicht VII 416; Flau- 
gergues und Huber's Beobachtungen über die veräiiderlichen 
Sterne VII 417; einige in der Winlerthurer-Chronik verzeich- 
nete Nordlichlerscheinu.'igen IX 302; Auszüge aus verschie- 
denen handschriftlichen Chroniken der SladlbiLliothek in Win- 
terthur X 84, 174; aus einem Schreiben des Hrn. Telegraphen- 
Inspector Kaiser in St. Gallen vom 25. Februar 1866: XI 107; 
aus einem Schreiben des Herrn Pfarrer Moriz Tscheinen in 
Grächen vom 28. April 1866: XI 194; Abweichung der Mag- 
netnadel in Zürich XII 399. 

V. Wyss: Notizen aus alten Autoren IV 198, VI 106, VIII 82, XI 111, 

XII 399. 

Zeuner : lieber die Erzeugung eines luftverdünnten Raumes durch 
ausströmenden Dampf III 408; das Verhalten verschiedener 
Dämpfe bei der Expansion und Compression VIII 68; Tabelle 
für gesättigte Aetherdämpfe VIII 160. 

Zollinger: über Begriff und umfang einer Flora Malesiana II 317; 
über die Gewitter und andere d;imit verwandte meteorologische 
Erscheinungen im indischen Archipel III 193, 309; einige kurze 
Notizen über gewisse eingerostete Unrichtigkeiten II 198 ; über 
die Höhenverbreitung und das Vorkommen der Land- und Süss- 
wasser-Moilusken auf Java und den Sunda-Inseln II 300 ; Zu- 
sätze und Berichtigungen zu der »üebersicht der Gebirgssysteme 
des östlichen Javao III 74. 



Y, I ^ 
Personalbestand 



der 



naturforschenden Gesellschaft in Zürich 



(10. Mai 1867). 



a. Ör«leiitliche Mitglieder 



9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 



Hr. Römer, H. Casp., all Direktor 

- V. Muralt, H. C, alt Bürgermeister 

- Nüscheler, D., Genie-Oberst 

- Schiüz, H. Casp., Kaufiuano . 

- Locher-Balber, Hans, Dr. Professor 

- Weiss, H., Zeughaus-Direktor . 

- V. Escher, G., Professor . 

- Rahn, C, Med. Dr. . 

- Horner, J. J., Dr., Bibliothekar 

- Zeller-Klauser, J. J., Chemiker 

- GrälTe, C. H., Dr. Professor 

- Escher V. d. Linth, A., Dr. Professor 

- Wiser, D. , Dr. phil., Mineralog 

- Keller, F., Dr. phil., Präs.d.ant. Ges 

- Mousson, R. -A., Dr. Professor. 

- Siegfried, Quast, d. Schweiz. Nat.-Ges 

- Trümpler-SchuKhess, J., Fabrikbes 

- Heer, 0., Dr. Professor 

- Lavater, J., Apotheker 

- Ulrich, M., Professor 

- Meier-Ahrens, C, M. Dr. 

- Slockar-Escher, C, Bergrath 

- Hofmeister, R. H-, Prof. . 

- Zeller-Tobler, J., Ingenieur 

- Wolf, R., Dr. Professor 



Geb. 
.Tahr. 


Aufn.Eint.in's 
.Tahr. Comite. 


. 1788 


1812 


— 


1779 


1816 


— 


. 1792 


1817 


1829 


. 1792 


1817 


— 


1797 


1819 


1821 


. 1798 


1822 


1843 


. 1800 


1823 


1826 


. 1802 


1823 


1826 


. 1804 


1827 


1831 


. 1806 


1828 


1867 


. 1799 


1828 


— 


. 1807 


1829 


1843 


. 1802 


1829 


1843 


. 1800 


1832 


1835 


. 1805 


1833 


1839 


,. 1800 


1833 


1850 


1805 


1833 


— 


. 1809 


1835 


1840 


. 1812 


1835 


1851 


. 1802 


1836 


1847 


. 1813 


1836 


1851 


. 1812 


1836 


1867 


. 1814 


1838 


1847 


. 1814 


1838 


1858 


. 1816 


1839 


1856 



26. Hr. Pestalozzi-Schullhess, A., Banquier . 

27. - Kölliker,A.,Dr. Pr.,inWürzburg(abs.) 

28. - Kohier, J. M., Lehrer am Seniinar 

29. - Meier-Hofmeisler, J. C, M. Dr. 

30. - V. Murall, L., M. Dr. 

31. - Koch, Ernsl, Färber 

32. - Nüscheler, A., Rechenschreiber 

33. - Zeüer-Zuüdel, A., Landökonom 

34. - Deuzler, H., Ingenieur (abs.) . 

35. - Wild, J., Prof., Strasseninsp. . 

36. - Ziegler, M., Geograph in Winterlhur 

37. - Vogel, Apotheker 

38. - Escher, J., Dr., Oberrichter 

39. - Menzel, A., Professor 

40. - Meyer, H., Dr. Professor . 

41. - Schäppi, R., ErziehungsralhinHorgen 

42. - Frey, H., Dr. Professor . 

43. - Denzler, W,, Privaldocenl 

44. - Vögeli, F., Dr. (abs.) 

45. - Goldschmid, J., Mechaniker 

46. - Tobler, J. J., Ingenieur , 

47. - Amsler, K., Dr. Prof. in Schaffh. (abs) 

48. - Gasten, A. J., Dr. Professor . 

49. - V. P.anta, A., Dr. in Reichenau (abs) 

50. - Siber, G., Kaufmann 

51. - Slädeler, Dr., Professor . 

52. - Cloella, A. L., Dr. Prof. 

53. - Rahn-Meier, Med. Dr. 

54. - Pestalozzi, Herm., Med. Dr. 

55. - Stöhr, Mineralog 

56. - Hug, Oberl. d. Math. 

57. - Schindler-Escher, C., Kaufmann 

58. - Sidler, Dr., Professor in Bern (abs) 

59. - Clausius, R., Dr., Professor 

60. - Bolley, P., Dr. Prof. 

61. - Orlgies, Oberaärlner 

62. - Culmann, Professor . 

63. - Zeuner, G., Dr. Professor 



Geb. 
Jahr. 

1816 

1817 

1812 

1807 

1806 

1819 

1811 

1817 

1814 

1814 

1801 

1816 

1818 

1810 

1815 

1827 

1822 

1811 

1825 

1815 

1821 

1823 

1822 

1827 
1821 
1828 
1828 
1826 
1820 
1822 
1828 
1831 
1822 
1812 
1829 
1821 
1828 



Aufn Eint.in's 
Jahr. Comite. 



1840 

1S41 

1841 

1841 

1841 

1842 

1842 

1842 

1843 

1843 

1843 

1844 

1846 

1847 

1847 

1847 

1848 

1848 

1848 

1849 

1851 

1851 

1851 

1852 

1852 

1853 

1854 

1854 

1854 

1854 

1854 

1854 

1855 

1855 

1855 

1855 

1855 

1856 



1851 
1843 

1866 
1865 

1855 

1850 

1867 

1866 
1857 
1862 

1853 



1860 



1857 



1858 
1860 

1866 
1860 



64. Hr. Gramer, C. E., Dr., Prof. 

65. - Escher im Brunnea, C. . 

66. - Keller, Oberlelegraphist 

67. - Ehrhard, G., Fürsprech . 

68. - Fick, .4d., Dr. Professor . 

69. - Kronauer, J. H., Professor 

70. - Dur^ge, Dr., Prof. d. Malh. (abs.) 

71. - Wiid, H., Prof. in Bern (abs.) 

72. - Stocker, Prof. 

73. - Peslalozzi-Hirzel, Sal. 

74. - Reoggli, A., Lehr. a.d.Thierarznsch 

75. - Horner, F., Dr., Professor 

76. - Oeslerlea, F., Med. Dr. . 

77. - Wislicenus, J., Dr., Prof. 

78. - Pestalozzi, Karl, Oberst, Prof. 

79. - Frey, Med. Dr. . . . 

80. - Widraer, Director . 

81. - Billroth, Dr., Professor . 

82. - Orelli, Professor 

83. - Graberg, Fr., Assist, f. Meteor. 

84. - Kenngolt, Ad., Dr. Prof. 

85. - Mousson-May, R. E. H. . 

86. - Steinfels, Joh. Heinr., Lehrer 

87. - Goll, Fr., Med. Dr. 

88. - Lehmann, Fr., Med. Dr. 

89. - Ott, Fr. Sal., a. Regier. -Ralh 

90. - Ernst, Theodor, Opticus 

91. - Bürkli, Fr., Zeitungsschreiber 

92. - ChristofTel, Dr., Professor 

93. - Schwarzenberg, Philipp, Dr. 

94. - Hotz, J., Staatsarchivar . 

95. - Studer, H., Regierungsrath 

96. - Huber, E., Ingenieur 

97. - Reye, C. Th.,Dr. phil., Privat-Doc. 

98. - V. Fritsch, CG. W., Dr. phil., Privat 

Docenl ...... 

99. - Kym, Prof 

100. - Suter, H,, Seidenfabrikaul 



Geb. Anfn.Eint.in's 

Jahr. Jahr. Coiiiite 

1831 1856 1860 

1831 1856 1858 

1809 1856 — 

1812 1856 — 

1829 1856 1866 

1822 1856 - 

1821 1857 — 
1833 1857 — 
1820 1858 — 
1812 1858 — 
1827 1858 — 
1831 1858 — 

1812 1858 -- 

1835 1859 1866 
1825 1859 - 
1827 1860 - 
1818 1860 — 
1829 1860 - 

1827 1860 - 

1836 1860 — 
1818 1861 - 
1831 1861 - 
1825 1861 - , 

1828 1862 - 

1825 1862 

1813 1862 1863 

1826 1862 — 
1818 1862 — 

1829 1862 — 
1817 1862 — 

1822 1862 - 
1815 1863 - 
1836 1863 — 
1838 1863 - 

1838 1863 - 

1823 1863 — 
1841 1864 — 



101. Hr. Raraberl, Prof. 

102. - Kopp, J. J. Prof. d. Forslw. 

103. - Bach, Dr. Med. 

104. - Mühlberg, Prof. in Zug (abs.) . 

105. - Wesendonck, Kaufmann . 

1U6. - Piccard, .lul.. Dr. phil, ,Privat-Doc 
am Polytechnikum . 

107. - ßallzer, Dr. phil., Assistent a. chem 

Laboratorium der Universität . 

108. - Wettstein, Heinr., Lehrer au den 

Stadtschulen .... 

109. - Stüssi, Heinr., Sekundarlehrer in 

Winter Ihur .... 
HO. - Meyer, Arnold, in Andelfingen 

111. - Fritz, Lehrer am Polytechnikum 

112. - Ernst, Fr., Dr. Med., früher Prof. an 

der Universität 

113. - Lommel, Eug., Dr. Privatdoz. 

114. - Eberth, Carl Jos., Dr. Prof. . 

115. - PoezI, W^enzesl., in Leuggern (abs.) 

116. - Schinz-Vögeli, Rud., Eisenhändler 

117. - Prym, Fr., Dr. Prof. 

118. - Stockar-Escher, Hans, Kaufm. 
11 ü. - Egii, Job. Jakob., Dr. phil. . 

120. - Weith, Wilh., Dr. phil. Privatdoz 

an der Univ. .... 

121. - Wartha, V'inc. Dr. phiL Privatdoz 

am Polyteehnikum . 

122. - Ris, Ferd.. Dr. med. 

123. - VV'eilenmann, Assistent an der Stern 

warte 



Geb. Aiifn. Eint.in's 

Jahr. Jahr. Coroite. 

1830 1864 — 
1819 1864 — 

1810 1864 - 
1864 - 

1815 1864 

1840 1864 — 
1842 1864 — 

1831 1864 — 

1842 1864 - 

1844 1864 — 

1830 1865 — 

1828 1865 — 
1837 1865 — 

1835 1865 - 

1836 1865 — 

1829 1865 — 

1841 1866 — 

1811 1866 — 
1825 1866 — 

1866 - 

1844 1866 — 

1839 1866 — 

— 1866 



b* Ehrenmitglieder. 



1. Hr. Conradi v. Baldenstein 

2. - Godet, Charles, Prof., in Neuchatel 

3. - Kottuiann in Solothurn 



(ieb. Autii 

1784 1823 

1797 1830 

1810 1830 



4. Hr. Agassiz, Professor in Boston 

5. - Schlang, Karamerralh in GoUroy 

6. - Raup in Darnisladt 

7. - De Glard in Lille 

8. - Herbig, M. Dr., in Göltingen 

9. - Alberli, Bergrath, in Rottweil 

10. - Schuch, Dr. Med., in Regensburg 

11. - Wagner, Dr. Med., in Philadelphia 

12. - Murray, John, in Hüll 

13. - Müller, Franz. Dr., in Allorf 

14. - Gomez, Ant. Beruh., in Lissabon 

15. - Barello, Hon. Per., in Guinea 

16. - Filiberli, Louis auf Cap Verl 

17. - Kilian, Prof., in Mannheim 

18. - Tschudi, A. J. v., Dr., in Wien 

19. - Passerini, Professor in Pisa 

20. - Coulon, Louis, in Neuchalel 

21. - Slainton, H. T., in London 

22. - Tyndall, J., Prof. in London 

23. - Wauner, Consul in Havre 

24. - Hirn, Adolf, in Logelbach bei Colmar 

25. - Breilhaupt, Prof. und Oberbergrath in 

Freiberg 

26. - Martins, Prof. der Bot. in Montpellier 

27. - Zickel, Artill. Capitain und Direct. der arles 

Brunnen Algeriens .... 

28. - Hardi, Direct. du jard.d'Acclimal. au Hamma 

pres Alger .... 

29. - Nägeli, Carl, Dr. phil., Prof. in München 

30. - Piclel de la Rive, Prof., Mitglied des Schweiz 

Schulrathes, in Genf .... 

31. - Studer, Bernh. Prof. Dr. Mitglied des Schweiz 

Schulrathes in Bern 



Geb. 


Aufn. 


1807 


1831 


— 


1831 


— 


1832 


— 


1831 


— 


1832 


1795 


1838 


— 


1838 


— 


1840 


— 


1840 


1805 


1840 


— 


1840 


— 


1840 


— 


1840 


— 


1843 


— 


1843 


— 


1843 


1804 


1850 


1822 


1856 


— 


1858 


— 


1860 


— 


1863 


1791 


1863 


... 


1864 



1864 



._ 


1864 


1817 


1866 


- 


1867 


1794 


1867 



c. Correspondipende Mitglieder. 

Hr. Dahlbom in Lundl ..... 
- Ruepp, Apotheker in Sarmenstorf 



1820 



1839 
1856 



3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 



Hr. 



Slitzenberger, Dr. in Konstanz . 
ßrunaer-Aberli in Rorbas . 
Laharpe, Philipp, Dr. M. in Lausanne 
Labhart, Kfin. in Manilla 
Bircher, Grosskaplan in Viesch . 
Cornaz, Dr., in Neuchalel . 
Tscheinen, Pfarrer in Grächen , 
Girard, Dr., in Washington 
GraefTe, Ed., Dr. auf den Freundsch 
Clarey, Dr. in ßyenos-Ayres 



Geb. 


Aufn. 


— 


1856 


— 


1856 


B . 1830 


1856 


— 


1856 


. 1806 


1856 


. 1825 


1856 


. 1808 


1857 


— 


1857 


1. Ins. 1833 


1860 


— 


1860 



Vorstand und Commissicnen 

der 

natoforschenden Gesellschaft in Zürich 

(10. Mai 1867). 



a. Vorstand. 

Präsident: Herr Zeuner, G., Dr. Professor 
Vicepräsidenl: - Bolley, P., Dr. Professor 
Quästor: - Escher, Caspar 

Bibliothekar: - Homer, J., Dr.. Bibliothekar 
Actuar: - Gramer, C., Dr. Professor 

b. Comite. 

(Siehe das Verzeichniss der ordentlichen Mitglieder.) 

c. Oeconomie-Commission. 



1. Herr Nüscheler, Rechenschreiber 

2. - Ulrich, Professor 

3. - Pestalozzi, Ad., Banquier 

4. - Meyer-Ahrens, Dr. 

5. - Escher, Casp., im Brunnen 



Uewählt 

oder 
bestätigt 

1867 

1863 

1864 

1837 

1866 



(862 
1862 
1862 
1862 
1862 







d. Bücher -Commission. 


Gewählt 

oder 
bestätigt 


1. 


Herr 


Horner, Dr., Bibliothekar . . . . 


1862 


2. 


- 


Mousson, Professor .... 


1862 


3. 


- 


Escher von der Linlh, Professor . 


1862 


i. 


- 


Slockar-Echer , Bergralh 


1862 


5. 


- 


Claus! is, Professor .... 


. 1862 


6. 


- 


Weiss, Zeughausdirektor 


1862 


7. 


- 


Städeler, Professor .... 


1862 


8. 


- 


Heer, Professor 


1862 


9. 


- 


Frey, Professor 


1862 


10. 


- 


Meyer, Professor 


1862 


11. 


- 


Menzel, Professor .... 


1862 


12. 


- 


Zeuner, Professor 


1862 


13. 


- 


Wolf, Professor 


1865 



e. Neujahrstüok- Commission. 



1. Herr iMousson, Professor 

2. - Heer, Professor 

3. - Horner, Dr., Bibliothekar 

4. - Wolf, Professor 



Siegfried, Quästor d. Schweiz, nat. Geselisch. 1865 



1862 
1862 
1862 

1862 



Abwart: Herr Waser, Gottlieb: gewählt 1860, bestätigt 1805. 



Vierteljahrsschrift 



der 



Natiiiforsclieiideii CSesellscliaft 



iwai^s. 



RecLiffirt 



ür. I^^naolf "Wolf, 

Prof. der Astronomie in Zürich. 



Dreizehnter Jahrgang. 



Ziiricli, 

in Commission bei Sal. Höhr. 
1868. 



Inhalt. 



Seite. 

Dossios, zur Theorie der Lösungen 1 

Eggers, Auflösung einer statischen Aufgabe . . . 201 
Fritz, die Gewitter und Hydrometeore in ihrem Verhalten 

gegenüber den Polarlichtern 337 

Kundt, über die Schwingungen der Luftplatten . . . 317 
Mayer, Catalogue systematique et descriptif des Mollusques 

tertiaires du Musee federal de Zürich . . 21 163 
Wislicenus, Mitlheilungen aus dem Universitäts-Labora- 
torium Zürich 237 

Wolf, astronomische Mittheilungen 113 



Gramer, Auszüge aus den Sitzungs-Protokollen . . 308 891 

Heer, kleinere Mittheilungen 105 

Homer, Uebersicht der durch Schenkung, Tausch und Anschaf- 
fung in den Jahren 1867 und 1868 für die Bibliothek der 
Gesellschaft eingegangenen Bücher .... 222 397 

Imboden, Ungfäll in Randa 108 

Kenngott, Orthoklas von der Fibia 279 

— Notiz über den Hyalophan 873 



Seite. 
Schoch, über einige Süsswasser-Radiolarien und die Stellung 

der Eadiolarien in der Klasse der Rhizopoden . . 281 

Weilenmann, über das Meteor vom 5. September 1868 . . 285 
Wolf, Notizen zur Schweiz. Kulturgeschichte . 110 220 290 377 
— aus einem Schreiben von Herrn Pfarrer Tscheinen in Grä- 

chen vom 8. April 1868 . 281 



50(o 

Zur Theorie der Lösungen 

von 
Dr. Leander Dossios. 



Nacli der alomistisclien Theorie belrachlet man 
die eigentlichen chemischen Verbindungen als ans ho- 
mogenen ideinsten Theilchen, Molekülen, bestehend, 
welche durch Zusammentreten der kleinsten Theile 
einlacher Körper, der Atome, zu Stande kommen. Aus 
dieser Definition gehl die Nothwendigkeit der Znsam- 
mensetzung dieser Verbindungen nach bestimmten 
Verhallnissen hervor. 

Ausser diesen Verbindungen nimmt die Chemie 
noch solche nach veränderlichen Verhaltnissen an. 
Als Hauplreprasentanten der letzteren Körpergruppe 
wären die Lösungen anzusehen. 

Allerdings scheint eine gewisse Analogie zwi- 
schen den erwähnten beiden Kategorien von Ver- 
bindungen zu bestehen: bei der Entstehung, sowohl 
der eigentlich chemischen Verbindungen, als der Lö- 
,sungen finden Volum- und Temperaturveränderungen 
statt; man spricht von bestimmten Siedepunkten dieser 
Verbindungen nach veränderlichen Verhältnissen'); 
was aber auf den ersten Blick in besonderem Grade 
auf eine Analogie hinzuweisen scheint, ist, dass in 
beiden Fällen, sowohl bei chemischen Verbindungen, 
wie bei einer Klasse von Lösungen, Sättigung ein- 
tritt. Ebenso wie ein Gewichtstheil (ein Atom) Was- 



') Siehe unten. 
Xlll. 1. 



2 Dossios. zur Theorie der Lösungen. 

serstoff durch Aufnahme von 35,5 G.-Th. (ein Atom) 
Chlor gesättigt wird, so sagt man auch 1 G.-Th. 
Wasser werde durch 0.86 G.-Th. Kochsalz gesättigt. 
Allerdings bezieht sich diese Zahl auf eine bestimmte 
Temperatur — in unserem Fall auf 0'^. — Wie die 
Aflinität der Gewichtseinheit Wasserstoff durch 35,5 
G.-Th. Chlor neutralisirt wird, so soll auch die Af- 
finität von l G.-Th. Wasser durch 0,36 G.-Th. Koch- 
salz neutralisirt werden. 

Die Verschiedenheit dieser beiden Körpergruppen, 
der eigentlichen chemischen Verbindungen und der 
sogenannten chemischen Verbindungen nach veränder- 
lichen Verhältnissen, sowie die Analogie der bei diesen 
letzteren wirksamen Kraft mit der Molekularaltraction 
nachzuweisen, soll der Zweck nachfolgender Zeilen sein. 

Auf einen Punkt möchte ich hier jedoch schon 
aufmerksam machen : die Löslichkeit wechselt mit 
der Temperatur und zwar nimmt sie mit der Steige- 
rung derselben allmählig zu; die chemische An- 
ziehung ist zwar auch durch Hitze veränderlich, aber 
in ganz entgegengesetztem Sinne: sie nimmt durch 
Temperaturerhöhung ab und zwar wird die Anzahl 
der ein Molekül sättigenden Atome sprungweise ver- 
mindert. Ich brauche nur an das mehrfach besprochene 
Zerfallen des Salmiaks und Phosphorchlorids bei höhe- 
rer Temperatur hinzuweisen <). 



*) Die fördernde Wirkung der Hitze (Licht etc.) zur Bildung 
chemischer Verbindungen ist derart, dass sie die Verbindungswi- 
derstände löst, das heissl: Die Kraft, die die Atome zu einem Mo- 
lekül zusammenhält, zu überwinden hilft; so wirkt Hitze (Licht) 
auf ein Gemisch von Hj und Cij mit zur Lösung des H von U^ 
des Cl von Cl. 



Dossios, zur Theorie der Lösangen. 3 

Bevor ich auf die Definition der Lösungen selbst 
eingehe, sei es mir gestattet einige Betrachtungen 
über die Aggregalzustände vorauszuschiclven. 

Nach den von der mechanischen Wärmetheorie 
eingeführlen Anschauungen ') unterscheiden sich die 
drei Agruresatzustände durch das Verhäitniss der In- 
tensitjit der lebendigen Kraft der Moleküle zu der 
zwischen den Molekülen selbst herrschenden Anziehung. 

Im festen Zustand überwiegt die Molekiilaran- 
ziehung die lebendige Kraft der Moleküle derart, dass 
sie sich zwar um gewisse Gleichgewichtslagen be- 
wegen , aber diese so lange keine fremden Kräfte 
auf sie einwirken nicht zu verlassen vermögen. — 
Die relative Lage der Moleküle ändert sich nicht. 

Die Moleküle in flüssigem Zustande haben keine 
bestimmte Gleichgewichtslage mehr, Sie können sich 
um ihren Schwerpunkt ganz herumdrehen, und auch 
der Schwerpunkt kann aus seiner Lage sich fortbe- 
wegen. 

Im gasförmigen Zustand sind die Moleküle durch 
die Bewegung ganz aus der Sphäre ihrer gegensei- 
tigen Anziehung herausgekommen und fliegen nach 
den gewöhnlichen Bewegungsgesetzen geradlinig fort. 

Man kann vielleicht die eben angeführte Defini- 
tion des flüssigen Aggregatzustandes auf nachfolgende 
Betrachtungen zurückführen . 

Nehmen wir zunächst an, dass die lebendige Kraft 
zwei benachbarter Moleküle kleiner ist als ihre Anzie- 
hung; dann werden alle Moleküle nicht von ihren Nach- 
barmolekülen getrennt werden können; sie werden eine 



*) Vrgl. Claiisius, Pogg. Annalen der Physik u, Chemie Bd. C 



4 Oossios, zur Theorie der Lösungen. 

bestimmte, ohne äussere Einflüsse unveränderliche, 
gegenseitige Lage bewahren ; der betrelfende Körper 
befindet sich im festen Aggregatzustand. 

Gesetzt nun die lebendige Kraft nehme zu; sie 
sei zwar kleiner als die Gesammtanziehung, welche 
von sämmtlichen umliegenden Molekülen auf irgend 
ein Molekül ausgeübt wird, vermöge aber die An- 
ziehung zweier benachbarter Moleküle zu überwin- 
den. In dem Fall wird es natürlich öfters vorkom- 
men, dass die lebendigen Kräfte zweier benachbarter 
Moleküle in einer ihrer Anziehungsrichtung entgegen- 
gesetzten Richtung wirken. Da nun die lebendige 
Kraft, wie oben vorausgesetzt wurde, grösser ist 
als die Anziehung, wird letztere überwunden und 
die zwei Moleküle entfernen sich von einander, wech- 
seln ihre relative Lage. Doch können die so von 
einander getrennten Moleküle durch ihre lebendige 
Kraft nicht weit fortgetrieben werden, da dieselbe 
nicht hinreichend ist, die Anziehung der übrigen um- 
liegenden Moleküle zu überwinden. In einer Flüssig- 
keit also bewegen sich die Moleküle beständig und 
ändern langsam ihre gegenseitige Lage. Wirkt aus- 
serdem eine äussere Kraft, so wechseln die Moleküle 
ihre Lage noch leichter, so z. B. nimmt unter der 
Mitwirkung der Schwere eine Flüssigkeit die Form 
des sie enthaltenden Gefässes an etc. 

Der gasförmige Zustand tritt ein, wenn die le- 
bendige Kraft eines Moleküls die Gesammtanziehung 
der übrigen Moleküle zu überwinden vermag'). 



'j Ausserdem kommt natürlicher Weise beim üebergang von 
einem Agg^regalzustande zu einem anderen der Druck in Betracht 



Dossios, zur Theorie der Lösungen. 5 

Der Schmelzpunkt ist also der Punkt, wo die 
lebendige Kraft zweier henachbarler Moleküle eben 
grösser als ihre Anziehung wird. 

Siedepunkt hingegen der Punkt, wo die leben- 
dige Kraft der Moleküle eben grösser wird als die 
auf ein Molekül ausgeübte Gesammtanziehung. 

So verschieden auch die Vorgange !)ei den Lö- 
sungen einerseits und der Dampfbildung in einem 
geschlossenen Raum andererseits im ersten Momente 
erscheinen mögen, so wird sich doch, hoffe ich, im 
Verlauf dieser Zeilen eine durchgehende Analogie 
zwischen der Dampfbildung und einer Klasse von 
Lösungen herausstellen. 

Sei es mir daher erlaubt, mit wenig Worten an 
die von Clausius der Dampfbildung gegebene Erklä- 
rung zu erinnern. 

Die Temperatur einer Flüssigkeit entspricht der 
mittleren lebendigen Kraft der Moleküle; die einzel- 
ner Moleküle wird aber natürlicherweise kleiner, 
anderer wieder grösser sein als der mittlere Werth ; 
es kann also vorkommen, dass ein an der Oberfläche 
befindliches Molekül, dessen lebendige Kraft grösser 
als die mittlere ist, durch diese letztere aus der An- 
ziehungssphäre der übrigen Moleküle herausgebracht 
und geradlinig in dem über die Flüssigkeit belindlichen 
Raum fortgetrieben wird. 

„Denken wir uns diesen Raum begrenzt, so wird 
er sich mit den fortgeschleuderten Molekülen all- 
mählig mehr und mehr füllen. Diese Moleküle ver- 
halten sich nun in dem Räume ganz wie ein Gas und 
stossen daher in ihrer Bewegung gegen die Wände. 
Eine dieser Wände wird aber von der Flüssiakeit 



5 Dossios, zur Theorie der Lösungen. 

selbst gebildet, und diese wird, wenn ein Molekül 
gegen sie slösst, dasselbe im Allgemeinen nicht 
wieder zurücktreiben, sondern durch die Anziehung, 
welche die übrigen Moleküle bei der Annäherung so- 
gleich wieder ausüben, festhalten und in sich auf- 
nehmen. Der Gleichgewichtszustand wird also ein- 
treten, wenn so viel Moleküle in dem oberen Räume 
verbreitet sind, dass durchschnittlich während einer 
Zeiteinheit ebenso viele Moleküle gegen die Flüssig- 
keitsoberfläche stossen und von dieser festgehalten 
werden, als andere Moleküle von ihr ausgesandl 
werden. Der eintretende Gleichgewichtszustand ist 
demnach nicht ein Ruhezustand, in welchem die Ver- 
dampfung aufgehört hat, sondern ein Zustand, in 
welchem fortwährend Verdampfung und Niederschlag 
Statt finden, die beide gleich stark sind und sich da- 
her compensiren ')." 

Nach der erwähnten Definition des flüssigen Ag- 
gregatzustandes können wir sagen: 

Flüssigkeit ist ein Aggregat gleichartiger Mo- 
leküle, deren lebendige Kraft die Anziehung zweier 
benachbarter Moleküle zu überwinden vermag, doch 
kleiner ist als die Gesammlanziehung der Moleküle 
auf irgend eines derselben. 

Aehnliche Anziehungsverhältnisse können aber 
offenbar auch zwischen ungleichartigen Molekülen 
exisliren. 

Lösung ist dann ein Aggregat ungleichartiger 
Moleküle, deren lebendige Kraft die Anziehung zweier 
benachbarter Moleküle zu überwinden vermag , doch 

') Clausius loc. cit., S. 361. 



Dossios, zur Theorie der Lösung:en. 7 

kleiner ist als die Gesammtanziehung: der Moleküle 
auf irgend eines. 

In einer Lösung also bewegen sich die öloleküle 
beständig und ändern langsam ihre gegenseitige Lage : 
Diffusion. 



Die eben erwähnte Definition der Lösungen setzt 
voraus, dass die Gesammtanziehung von der leben- 
digen Kraft der Moleküle nicht überwunden wird; 
sie ist also zunächst güllig für die Lösungen fester 
oder flüssiger Körper in Flüssigkeiten. 

Für die Lösung von Gasen in Flüssigkeiten, die 
Absorption, wo die lebendige Kraft die Gesammtan- 
ziehung überwinden kann, kommt namentlich der 
Druck in Betracht'). 

Denken wir uns ein Gas über eine Flüssigkeit, 
und nehmen wir zunächst an, dass die Anziehung 
der Moleküle der Flüssigkeit zu denen des Gases, 
mit der lebendigen Kraft der Moleküle selbst ver- 
glichen, verschwindend klein ist, und in Folge des- 
sen vernachlässif^t werden kann. Die Gasmoleküle 
in ihrer geradlinigen Bewegung slossen auf die Ober- 
fläche der Flüssigkeit. Ist nun die lebendige Kraft 
derselben hinreichend gross, so dringen sie in letz- 
tere ein, indem sie theilweise den Zwischenraum der 
Flüssigkeitsmoleküle ausfüllen, theilweise diese selbst 



1) Bei den Lösungen von festen und flüssigen Körpern in FIüs- 
sigkeilen könnte der Druck nur von verschwindend kleinem Ein- 
flüsse sein — was auch experimenleU bestätigt ist (siehe Kopp, 
Lehrbuchder theoretischen Chemie, S. 27). 



J) Dossios . zrir Theorie der Lösungen. 

auseinander schieben, wodurcii VoliimverändiTun«^ 
einli'itt. Der Flüssigkeilsraum wird sich mehr und 
mehr mit Gasmoieluilen lullen; einzelne dieser Mo- 
leküle werden wieder an die Flüssiykeitsoberfläche 
oelangen und in den mit Gas erfüllten Raum zurück- 
gehen. Es tritt Sättigung- ein, analog der Sättigung 
eines geschlossenen Raumes mit Dampf, wenn in der 
Zeiteinheit durchschnittlich ebenso viel Gasmoleküle in 
die Flüssigkeit eintreten, als von derselben ausge- 
sandt werden. 

Je mehr Moleküle derselben Art in einer be- 
stimmten Zeit auf die Flüssigkeitsoberfläche stossen, 
das heisst, je mehr Moleküle dieser Art in der Raum- 
einheil über der Flüssigkeit sich befinden, je grösser 
der Druck ist, unter dem sich das betrelFende Gas 
befindet, desto grösser wird die Anzahl der in der 
Flüssigkeit eindringenden Moleküle sein : 

Die Gasabsoi-ption ist dem Parlialdrucke 
proportional. 

Das ist d;is He nr y'-Dal ton'sche Gesetz; das- 
selbe ist also streng güllig, wenn die gegenseitige 
Anziehung der Flüssigkeils- zu den Gasmolfkülen, 
gegenüber der lebendigen Kraft der Moleküle selbst, 
verschwindend klein ist. 

Es dringen nun die Moleküle verschiedener 
Körper nicht gleich leicht ein, sondern je nach der 
Grösse und der relativen Form der Gasmoleküle selbst 
und der Molekularzwisc!ienräume der Flüssigkeit mit 
verschiedener Leichtigkeit; dadurch wird die ver- 
schiedene Absorbirbarkeit der dem Henry'-Dal- 
lon'schen Gesetze folgenden Gase bedingt. 

Bei andern Gasen kommt auch die Molekularan- 



Dossios, /.ur Theorie der Lösun^-eii. 9 

ziiehiing der Flüssigkeit zu ihnen selbst in Betraclit, 
wodurch grössere Mengen des Gases ahsorhirt werden 
(NH3, HCl, SOj etc. durch Wasser). Diese Gase 
folgen natürlicherweise nicht dem Henry'-Dal- 
ton 'sehen Gesetze. Je höher aber die Temperatur, 
je grösser die lebendige Kraft der Moleküle im Ver- 
hältniss zur Molekularanziehung selbst wird, desto 
mehr nähert sich die Absorption dem erwähnten 
Gesetze. Für SO2 stimmen die gefundenen Zahlen an- 
nähernd schon bei 50", für NH3 etwa bei lüO" mit 
denselben überein.') 

Bei der Absorption der letztern Kategorie von 
Gasen, wo also die Molekularanziehung beträchtlich 
ist, kann es vorkommen, dass die lebendige Kraft 
der Moleküle die Gesammtanziehung nicht zu über- 
winden vermag; es würde sich alsdann die Lösung 
dieser Gase ähnlich verhallen wie die Lösung von 
zwei Flüssigkeiten, deren Siedepunkt erhöht ist2). 



Denken wir uns weiter zwei über einander ge- 
schichtete Flüssigkeiten A und B, und nehmen wir 
zunächst an, die Anziehung der Moleküle .4 zu den 
Molekülen li vermöge an und für sich die Anziehung 
der Moleküle .4 unter sich und der Moleküle B unter 
sich zu überwinden, dann werden sich die verschie- 
denartigen Moleküle anziehen und sich bald ver- 



') Beim Ammoniak sowolil wie bei den andern, dem Boyle- 
M ar i o 1 1 e'schen und Gav - L us sa k'schen Gesetzen nicht sircng 
foigendon Gasen, kommt naliiilicher Weise auch die Anziehung der 
Gasmolcküle unter sich in Betracht. 

-) Siebe unten. 



JO Dossios, zur Theorie der Lösungen. 

mischen, in welchem Verhaltniss auch ihre respec- 
tiven Quantitäten vorhanden sind; es Col^t daraus: 

Zwei Flüssigkeilen sind in jedem Verliältniss misch- 
bar, wenn die Anziehung der ungleichartigen Moleiiüle die 
Anziehungen der gleichartigen zu überwinden vermag. 

Hierher gehören also die Mischungen von Wasser 
und Alkohol, von Alkohol und Aether etc. 

Denken wir uns dagegen, dass die Anziehung 
der Moleküle A zu den Molekülen B nicht im Stande 
ist die Anziehung der Moleküle .4 zu A und B zu B 
zu überwinden. Es wird alsdann kein Molekül A 
durch die Anziehung der Moleküle B von der Ge- 
sammtheit der Moleküle .4 getrennt werden und in 
den Kreis der Anziehung der Moleküle B eintreten 
können, oder umgekehrt, die Körper sind in einander 
unlöslich ; dies gilt aber bloss, so lange die Moleküle 
A und B keine eigene Bewegung haben; die zwei 
Körper sind unlöslich, wie überhaupt alle Körper beim, 
absoluten Nullpunkt. 

Anders gestalten sich die Verhältnisse, wenn die 
Moleküle mit selbständiger Bewegung begabt sind. 
Denken wir uns ein Molekül A an der Berührungs- 
fläche beider Flüssigkeiten, so kann es vorkommen, 
dass die Richtung seiner lebendigen Kraft in der 
Richtung von A nach B wirkt; ist nun die Anziehung 
der Moleküle A zu den Molekülen B plus dieser le- 
bendigen Kraft') im Stande die Anziehungen der Mo- 



') In dieser Richtung wirkt natürlicher Weise nicht nur die 
durch die Temperatur angezeigte mittlere lebendige Kraft, son- 
dern auch das Maxiraum derselben. Es kann sogar vorkommen, 
dass nur mit diesem Maximum der Bewegung begabte Moleküle 
die Anziehungen AÄ und BB zu überwinden im Stande sind. 



Dossios, zur Theorie der Lösungen. |1 

leküle .4 und der Moleküle B unler sich zu über- 
winden, so fliegt das betreffende Molekül fort von A 
nacii B. Ebenso geschieht es mit anderen Molekülen 
.4. Diese in B befindlichen Moleküle .4 bewegen sich, 
wie vorhin erwähnt, zwischen den Molekülen B. In 
ihrer Bewegung aber kommen wieder einzelne davon 
an die Grenze zurück und werden nun im Allgemeinen 
von den Molekülen A festgehalten. Es wird schliess- 
lich ein Punkt eintreten, wo ebenso viel Moleküle von 
A nach B sich hinbewegen, als von B nach A zu- 
rückkommen, dann ist die Flüssigkeil B mit Molekülen 
A gesältigt. Auf dieselbe Weise wird die Flüssigkeit 
A mit Molekülen B sich sättigen, wenn in der Zeit- 
einheit ebenso viel Moleküle B nach ^, vermöge des 
üeberschusses der Anziehung BA plus der lebendigen 
Kraft der Moleküle J?, über die Anziehungen AA und BB^ 
hingetrieben werden, als von A nach B zurückkommen. 



Die Lösungen von festen Körpern in Flüssig- 
keiten können auf dieselben Prinzipien zurückgeführt 
werden, die oben für die Lösungen zweier Flüssig- 
keiten entwickelt wurden. 

Hierbei ist aber natürlich ins Auge zu fassen, 
dass die Anziehung der Moleküle des festen Körpers 
zu einander gross ist'), da sie die lebendige Kraft 



') Die An/iebung der Moleküle eines und desselben Körpers 
bei einer und derselben Temperatur, aber in verscliiedenen Ag- 
gregalzusländen, ist nicht gleich gross; so z. IJ. ist die Anziehung 
im Eis grösser als im Wasser von derselben Temperatur — der 
Differenz entspricht die latente Schmelzwärme — wesshalb es er- 
klärlich erscheint, dass Wasser und Alkohol in jedem Verhältniss 
mischbar sind, aber nicht Eis und Alkohol. 



12 Dossios, zur Theorie der Lösungen. 

der Moleküle üli^rwindet, so dass eine Lösung in 
jedem Verhältniss niclil eintreten iiann. Sei die An- 
ziehung' zwischen den Moleiuilen eines festen Kör- 
pers A und einer Flüssigkeil B = AB, AA und BB die 
Anziehungen zwischen den 3Ioiekülen A und den 
Molekülen B unter sich, so würde, selbst in dem 
Falle, wo die Anziehung AB die Anziehungen AA und 
Äß überwöge, die Anziehung ^ß durch die lebendige 
Kraft nicht überwunden werden können, da nicht 
einmal die kleinere AA durch dieselbe überwunden 
wird. Eine Verbindung von Molekülen A und B 
könnte demnach nur eine feste sein. 

Für die Lösungen der festen Körper also wird 
ein Sättigungspunkt eintreten ; dieser wird erreicht, 
ähnlich wie vorhin für nicht in jedem Verhältniss 
mischbare Flüssigkeiten gezeigt wurde, wenn ebenso 
viel Moleküle des festen Körpers in einer Zeitetnheit 
durchschnittlich von der Anziehung der ihnen gleich- 
artigen Moleküle sich los lösen, als durch Zusam- 
mentreffen wieder mit einander festgebunden werden. 

Aus der eben erwähnten Definition dieser Lö- 
sungen folgt, dass die Löslichkeil fesler Körper mit 
der Temperatur zunimmt; diess ist im Allgemeinen 
der Fall. Für die Ausnahmen, hat man, auf zahlreiche 
Thatsachen gestützt 1) angenommen, dass bei höherer 
Temperatur nicht mehr derselbe Körper in Lösung 
ist wie bei niedriger, sondern bei niedriger ein Hy- 
drat und bei höherer die wasserfreie Substanz, oder 
auch verschiedene Hydrale bei verschiedenen Tem- 
peraluren. 

') Vrgl. Kopp, I. c, S. 31 ff. 



Oossios, zur Theorie dei' Lösungen. j3 

Die Wirkung^ der Warme ist also immer der 
Moleivuiaranziehnng entgegengesetzt ; je mehr jene 
sich vergrössert, nm so meiir treten die Wirkungen 
dieser zurück; mit steigender Temperatur steigert 
sich die Lösiichkeit. 

Im absoluten Nullpunkt, wo nur die Molekular- 
anziehnngen wirken, sind alle Körper lest und in 
einander unlöslich ; durch Temperaturzunahme wer- 
den sie verflüssigt und sind bei genügend hoher Tem- 
peratur in einander löslich. Der Grenzfall ist jener, 
wo die Molekularanziehung verschwindend klein wird 
im Verhältniss zur lebendigen Kraft; das ist aber der 
Gaszustand, in welchem, nach dem Dal ton 'sehen 
Gesetze, alle Körper in jedem Verhältniss mit ein- 
ander mischbar sind. 



Bei der Entstehung von Lösungen findet Tem- 
peratur- und Volum Veränderung statt, und dicss wird 
mit als Argument für die Annahme der Wirksamkeit 
einer chemischen Kraft bei dem zu Stande kommen 
derselben angeführt, wobei man unter chemischer 
Kraft nicht die Anziehung differenter Moleküle zu 
einander, sondern die specifische Attraction'einzelner 
Atome zu andern Atomen versteht. 

Es ist nun aber durchaus nicht nöthig, dass es 
gerade in diesem Sinne chemische Kraft sei, die 
solche Aenderungen veranlasst. Dieselben müssen 
immer Statt finden, wenn ein Wechsel in der Inten- 
sität irgend welcher Kräfte eintritt. 

Untersuchen wir jetzt, ob die stattfindenden Aen- 
derungen besser zu erklären sind durch die herr- 



14 Dossios. zur Theorie der Lösungen. 

sehende Annahme der Wirksamkeit einer chemischen 
Kraft, oder die eben vorgeschlagene Anschauungs- 
weise. Ich habe erwähnt, dass, wenn zwei Körper 
in jedem Verhältniss mit einander mischbar sind, die 
Anziehung der ungleichartigen Moleküle grösser ist 
als die Anziehung der gleichartigen. Findet aber eine 
grössere Anziehung statt, so niuss, nach dem Gesetze 
der Eriialtung der Kraft, Wärme frei werden. Also 
es gilt als allgemeine Regel : 

Mischen sich zwei Körper in jedem Verhältniss, 
so muss Wärme frei werden. 

In der That ist dies der Fall, so z. B. beim Mengen 
von Wasser mit Alkohol oder Essigsäure etc. wird 
Wärme frei. 

Wenden wir uns jetzt zu den Lösungen, welche 
bei einer bestimmten Temperatur ein Maximum der 
Löslichkeit erreichen. 

Wir haben gesehen, dass die Molekularanziehung 
in einer derartigen Lösung kleiner ist als die Mole- 
kularnnziehung der Bestandtheile, so z. B. in einer 
Salzlösung kleiner als die Summe der im Wasser und 
Salz an und für sich herrschenden Anziehungen. Es 
folgt daraus : 

Bei der Lösung nicht in jedem Verhältniss misch- 
barer Körper wird Wärme absorbirt. 

Diess ist auch in der That der Fall; für die 
Ausnahmen , wo Temperaturerhöhung eintritt , ist 
meistens das Entstehen eines Hydrates beobachtet 
worden. 

Nach der jetzt herrschenden Theorie wird die 
Wärmeabsorption bei den Salzlösungen durch die la- 
tente Schmelzwärme der in Lösung, also in den flüssigen 



Dossios, zur Theorie der Lösungen. ]5 

Ag-gregalzustand, übergehenden Körper hervorge- 
rufen'). 

Da nach dieser Theorie, wie erwähnt wurde, 
die Lösung von Salzen z. B. als durch das Ueber- 
wiegen der Affinitat von Wasser zu Salz über die 
von Wasser zu Wasser und von Salz zu Salz zu 
Stande kommen soll, so inüsste durch die Lösung 
Wärme entstehen. Der Schlusseffekt würde also 
gleich dieser Wärme minus der latenten Schmelz- 
wärme sein. Zahlreiche Thatsachen widersprechen 
aber dieser Hypothese. Es sei hier nur Folgendes 
erwähnt: Die bei der Lösung eines Salzes im Wasser 
gebunden werdende Wärmemenge ist öfters grösser 
als die Schmelzwärme des Salzes selbst. Bei dem 
Schmelzen von einem Gewichtstheil salpetersaurein 
Kali für sich werden 49 Wärmeeinheiten latent; aber 
bei dem Lösen derselben Menge des Salzes in dem 
20fachen Gewicht Wasser von 20 werden 81 W.-E. 
gebunden. 

Bei der von mir vorgeschlagenen Betrachtungs- 
weise darf man die latente Schmelzwärme nicht be- 
rücksichtigen, da dieselbe schon als Differenz der 
Molekularanziehungsgrösse in Bechnung gebracht 
wurde. 



Da der Siedepunkt der Punkt ist, wo die leben- 
dige Kraft der Moleküle die Gesammtanziehuiig der 
umliegenden Moleküle (und den äussern Druck) zu 
überwinden im Stande ist, in einer Lösung aber an- 



') Vrgl. Kopp: Theoretische Chemie, S. 245 u. (T. 



16 Dossios, zur Theorie der Lösungen. 

dere Auziehunj^skräfle wirksam sind als in der ur- 
sprüngiiciien Flüssi^keil, so muss der Siedepunkt einer 
Flüssigkeit diircli Lösen eines andern Körpers in der- 
selben verändert werden. Betrachten wir zunächst 
die Lösuno- eines Körpers, der nicht in jedem Ver- 
hältniss mit der Flüssigkeit mischbar ist, eines Salzes 
z. B., so muss der Siedepunkt erhöht werden, wenn 
die Gesammtanziehuuir, welche in der Lösung von 
den umliegenden Wasser- und Salzmolekülen auf ein 
Wassermolekül ausgeübt wird, grösser ist, als die in 
reinem Wasser von den Wassermolekülen ausgeübte 
Anziehung, hingegen erniedrigt, wenn die Gesammt- 
anziehung kleiner ist. 

Bei den Lösung^en von Salzen in Wasser und bei 
einigen anderen untersuchten Lösungen findet Er- 
höhung des Siedepunktes statt. Das deutet also dar- 
auf hin, dass die auf ein Wassermolekül in einer 
Salzlösung ausgeübte Anziehung grösser ist als im 
Wasser selbst. 

Gehen wir nun zum Studium der bei der g^egen- 
seitigen Lösung: zweier in jedem Verhältniss misch- 
barer Flüssigkeiten stattfindenden Erscheinungen über. 

Sei eine Mischung^ der zwei Flüssigkeilen A und 
5, und a die auf ein Molekül der Flüssigkeit Ä von 
sämmtlichen Molekülen, sowohl A als 5, ausgeübte 
Anziehung; ebenso b die auf ein Molekül der Flüs- 
sig-keit B ausgeübte Anziehung sämmllicher Moleküle, 
und nehmen wir an a<:b, so werden beim Erhitzen 
vorzüglich Moleküle A in Dampfform übergehen')- 



') Naturlich mit Molekülen B gemengt, da die Temperatur nur 
der mittleren lebendigen KraTt der Moleküle entspricht. 



Dossios, zur Theorie der Lösungen. 17 

Dabei versteht sich von selbst, dass a und b nicht 
constant, sondern je nach dem Wechsel der Zusam- 
mensetzung der Lösung- veränderlich sind. 

Da die zwei Flüssigkeiten in jedem Verhäitniss 
mischbar angenommen werden, so ist die Anziehung 
der ungleichartigen Moleküle grösser als die der gleich- 
artigen. Gehen nun Moleküle A weg, so werden die 
übrig bleibenden Moleküle Ä mehr von Molekülen B 
umgeben und in Folge dessen im Ganzen starker an- 
gezogen; also «wächst. Umgekefirt werden die Mo- 
leküle ^ mehr von Molekülen B umgeben: 6 vermin- 
dert sich. Wir haben also zwar a<zb: aber a wird 
immer grösser, h immer kleiner. Dabei können zwei 
Fälle eintreten : entweder bleibtdeunocha immer kleiner 
als 6, oder es erreicht den Werlh b und wir haben, 
nachdem eine gewisse Anzahl von Molekülen yl in Dampf- 
l'orm übergegangen, a = b. Im ersten Fall entweichen 
durch Uebergang in Dampfzustand die Moleküle A, na- 
türlicher Weise immer mehr und mehr mit Molekülen B 
gemengt, und schliesslich die Moleküle 5. Die zwei Flüs- 
sigkeiten sind theoretisch durch fraktionirte Destillation 
trennbar. Tritt hingegen der Fall a= b ein, so ist von 
dem Momente an kein Grund vorhanden, dass mehr Mo- 
leküle ^ oder i? weggehen; es verdampft alsdann der 
Rückstand mit constanter Zusammensetzung und con- 
stantem Siedepunkte. So z. B. wissen wir, dass aus 
einer Lösung von Salzsäure in Wasser der im Ueber- 
schuss vorhandene Bestandtheil verdampft, bis eine 
Flüssigkeit von der Zusammensetzung 79,8% Wasser 
20,2% Salzsäure übrig bleibt, welche dann mit dem 
Constanten Siedepunkt 110°C. überdestillirt. 

Aehnliche V^erhältnisse sind auch bei anderen 

Xlll. 1. 2 



18 Dossios, zur Theorie der Lösungen. 

Substanzen beobachtet worden, so z. B. bei wäs- 
serigien Lösungen von Salpetersäure, Ameisensäure 
etc. Miin betrachtete hinge solche Lösungen als Ver- 
bindungen nach bestimmten Verhältnissen, die bei liO° 
destillirende Salzsäureiösung z. B. als HCIH-8H20, 
Da nun aber bei anderen Lösungen die Zusammen- 
setzung- der bei constantem Siedepunkt übergehenden 
Flüssigkeiten nicht atomistischen Verhältnissen ent- 
sprechen, und selbst die Zusammensetzung- der Salz- 
säurelösung je nach dem Druck, unter welchem die 
Destillation vorgenommen wurde, veränderlich ist, 
wobei für jeden Druck eine mit constantem Siede- 
punkt übergehende Flüssigkeit von constanter Zu- 
sammensetzung erlangt wird, so konnte diese An- 
schauungsweise nicht aufrecht erhalten werden (vgL 
Kopp, Th. Ch. S. 209)«). 



Es wurde vorhin erwähnt, dass die bei der Lös- 
lichkeit, der Lösungswärme etc. vorkommenden Ab- 
normitäten durch das Vorhandensein verschiedener 
Hydrate zu erklären seien. Versuchen wir es eine 
Vorstellung dieser Verbindungen zu gewinnen. 

Denken wir uns ein Aggregat von Molekülen 
eines festen und eines flüssigen Körpers in genügend 
hoher Temperatur, so dass die Moleküle nicht an ihren 
Nachbarmolekülen fest hängen, sondern sämmtlich sich 
bewegen können : eine Lösung. Stellen wir uns dann 
vor, dass dieselbe allmählig abgekühlt wird, so ziehen 
sich dann bei einer gesättigten Lösung die Moleküle 
des festen Körpers an: derselbe krystallisirt theilweise 

') Roscoe und Dittmar, Annal. d. Ch. u. Ph. CXII 327, Roscoe 
daselbst CXVI 203, CXXI 346, CXXV 319. 



Dossios, zur Theorie der Lösungen. 19 

aus. Ebenso kommt aber die gegenseitige Anziehung 
der Moleküle des festen zu den benachbarten Molekülen 
des flüssigen Körpers in Betracht, Ist nun die leben- 
dige Kraft kleiner als diese Anziehung, so verbinden 
sich zwei ungleichartige Moleküle zu einem so zu 
sagen physikalischen Molekül. Die so gebildeten Mo- 
leküle äussern wiederum andere Anziehungen als die 
Moleküle des festen Körpers für sich. Sie können 
nun entweder in Lösung bleiben oder einander an- 
ziehen und sich in krystallinischem Zustande abschei- 
den. Es kann auch der Fall eintreten, -dass diese 
Moleküle noch mehr Flüssigkeitsmoleküle anziehen, 
wodurch Verbindungen mehrerer Moleküle entstehen. 
(Verbindungen mit Krystallwasser.) Erhitzt man diese 
Lösung der krystallwasserhaltigen Moleküle, so spalten 
sie sich wieder, sobald die lebendige Kraft ihre An- 
ziehungen zu überwinden vermag. 

Diese Spaltung folgt natürlicher Weise nicht auf 
einmal, so dass bei einer gewissen Temperatur sämmt- 
liche Moleküle krystallwasserhaltig sind und bei der 
nächst höheren sämmtliche kry stallwasserfrei werden, 
sondern zunächst werden nur mit dem Maximum der 
lebendigen Kraft begabte Moleküle sich spalten und 
diese krystallwasserfreien Moleküle werden sich wie- 
der hei Abnahme ihrer lebendigen Kraft mit Wasser 
verbinden. Für jede Temperatur ist der Gleichge- 
wichtspunkt derjenige, wo durchschnittlich ebensoviel 
Moleküle in der Zeiteinheit mit Wasser sich verbinden, 
als davon getrennt werden. Je grösser die lebendige 
Kraft, je höher die Temperatur, desto häuliger kann 
sie die Anziehung überwinden. Wir sehen also eine 
ailmählige Deshydratation vor sich gehen, woraus 



20 Dossios, zur Theorie der Lösungen. 

folgt, dass auch die durch sie bewirkte Löslichkeits- 
anderung- nicht sprungweise, sondern alhnählig statt- 
finden nuiss, so z. B. fängt in einer Giaubersalzlösung 
die Spaltung der Krystallmoleküle bei etwa SB" an, und 
von diesem Punkt nimmt auch die Löslichkeit allmählig ab. 



Wenn im Eingang zum Zweck vorliegender Zeilen 
gesetzt wurde die Verschiedenheit der bei dem Zu- 
standekommen chemischer Verbindungen und Lösungen 
wirkenden Kräfte nachzuvs^eisen und zu zeigen, dass 
letztere mit der Molekularkraft identisch ist, so glaube ich 
gezeigt zuhaben, dass nur durch die Annahme der Wirk- 
samkeit der Molekularkraft bei den Lösungen die dabei 
stattfindenden Erscheinungen, sowie die Wärme- und 
Siedepunkts Verhältnisse, ungezwungen erklärbar sind. 

Es ist hier nicht der Ort auf das Wesen der Mo- 
lekularkraft selbst einzugehen. Die chemische Kraft 
ist den Atomen eigen; sie wirkt zwischen denselbe, 
vereinigt sie zu Molekülen. Die Molekularanziehung 
ist die Resultirende der Atomkräfte: sie ist verschieden, je 
nach derArtder das Molekül zusammensetzendenAtome. 

Es existirt also zwar eine innige Beziehung zwi- 
schen diesen beiden Kräften ; dessenungeachtet dürfen 
sie aber nicht mit einander verwechselt w^erden. Denn 
wenn wir annehmen, dass die bei den Lösungen wirk- 
same Kraft die Molekularkraft ist, dieselbe Kraft, welche 
die gleichartigen Moleküle zu festen oder flüssigen 
Körpern zusammenhält, so sind wir, glaube ich, eben- 
sowenig berechtigt die Lösungen als chemische Ver- 
bindungen, von Salz z. B. und W^asser, anzusehen, 
als wir ein Volum Wasser als chemische Verbindung 
von Wassermolekülen betrachten. 



CataIo§:ae systematiqae et descriptif 

des 

MoUusques tertiaires du Musee föderal de Zürich, 

par 
Ch. Mayer. 

III. Arcides. 
Avant-propos. 

L'extension qu'a prise le present fascicuie me com- 
mande d'abreger l'introduction dont il a besoin. Je 
supprime donc, pour aujourd'hiii, Jes remarques peu 
pressantes qiie j'aurais ä faire sur nion precedent ca- 
hier, et je me borne ä quelques observations rela- 
tives aux resultats que m'a donnes le groupement 
naturel des Arcides tertiaires. 

Gräce ä l'abondance des individus, au grand 
nombre des especes, ä leur variabilite et ä leurs res- 
semblances, toujours grandes dans les iimites du groupe 
et quelquefois meme par del^, les Arches et les Pe- 
toncles tertiaires et recents sont au nombre des Mol- 
lusques qui permettent le mieux de surprendre le se- 
cret de la creation et d'elablir sur les faits et sans 
lacunes importantes la partie ä laquelie ils appartien- 
nent de Tarbre genealogique du genre. L'etude, du- 
rant une annee, des immenses materiaux qui ont servi 
de base ä Touvrage actuel m'a permis de faire sous 
ce rapport une foule d'observations interessantes, et 
m'a meme fait decouvrir plusieurs cas de metamor- 
phose considerable , qui, malgre leur simplicite et la 



22 Mayer, Mollusques tortiaircs du Musec federal de Zürich. 

facilite de j'observalion, meritent ä certain titre le nom 
de miracles naturels. Malheureiisement, ce n'est poiiit 
ici le lieu d'essayer un traite historique des modill- 
cations et de l'apparilion des especes tertiaires de 
toute une fainille, et je dois garder pour ailleurs ou 
laisser a d'autres la plupart des details qiie je pour- 
rais donner sur ce siijet nouveau, Mais, si restreint 
que soit Tespace dont je dispose, il nie permel de 
donner au moins un exemple des laits de transmu- 
tation dont je parle, et je choisis a cet effet les quatre 
g-roupes des Pectunculus lenuicostatus, pennaceüs, 
stellatus et inflatus. 

De ces quatres groupes, pour la plupart riches 
en especes, le premier se distingue par la taille me- 
diocre des coquilles, par le reseau de strles nodu- 
leuses qui orne leur surface, au moins vers les cro- 
chets, et avant tout par leurs cotes peu nombreuses 
et elevees, qui leur donnent un cachet tout particu- 
lier. Le second groupe Joint ä une forme encore 
assez seniblable ä celle du premier, une taille de plus 
en plus forte, des crochets d'espece en espece plus 
obliques et des "cotes qui ne rappellent Celles du groupe 
precedent que dans quelques especes et dans le jeune 
äge de quelques autres. Le troisieme groupe se dis- 
tingue par la taille des especes, par leur forme plus 
reguliere et par leurs cotes plus etroites, treillissees 
et elevees seulement dans Tage le plus jeune. Le 
quatrieme enün prend une forme renflee, son tet 
s'amincit, et ses cotes etroites et egales restent de 
meme nature ä tout age. Or, voici par quel deve- 
loppement ces quatres groupes distincts naissent Tun 
de Tautre : 



Mayer, MoUusques tertiaires du Musee föderal de Zürich. ^3 

Le P. angusticostatus est, comme on sait, une 
espece des plus polymorphes, et plusieurs de ses Va- 
rietes, d'Etampes surtout, se rapprochent singuliere- 
nient des especes recentes: P. aurifluus, bicolor, la- 
ticostatus, nodosus, pallium, parcipiclus, etc., tandis 
que d'autres, d'Etampes et de Weinheim, tendent 
vers les P. Reevei (arigulatus Reeve, non Lam.) et 
tenuicostalus. A ces varietes s'en Joint, dans le bassin 
rhenan, nne autre d'une nouvelle sorte; ici, les cotes 
elevees et distantes s'effacent peu ä peu, d'abord sur 
le dos, puls sur les flaues de la coquille, si bien que 
quelques individus finissent par etre completement 
lisses. En meme temps, les sillons intercostaux sous- 
cutanes deviennent apparents et changent complete- 
ment l'aspect de la coquille. Or, le premier Petoncle 
assez commun qui apparait dans les couches aquita- 
niennes du Sud-Ouest de la France, mon P. aquita- 
nicus, est la reproduction exacte sous tous les rap- 
ports des extremes de cette variete du P. angusti- 
costatus! et cette espece aquitaine appartient de fait 
au groupe du P. pennaceus! 

Mais 11 y a plus. J'ai sous les yeux deux Pe- 
toncles du Tongrien de Gaas dont Tun est encore un 
P. angusticostatus typique, tandis que Taulre, d'abord 
identique au premier, s'allonge un peu avec Tage et 
perd, surtout du cöte anterieur, ses cotes proemi- 
nentes. Or, mon P. Brongniarti, du Tongrien du 
Midi, identique ä ce second individu quant ä la forme, 
n'en difFere que par son nianque absolu de cotes ele- 
vees et par ses sillons intercostaux apparents et serres, 
ä l'instar du P. aquitanicus. II ne se distingue de ce 
dernier que par sa forme allongee et par son reseau 



24 Mayer, Mollusques tertiaires du Musee federal de Zürich. 

de stries plus accuse, et ressemble d'autant plus au 
P. pennaceus, dont il commence le groupe. 

Les P. stellatus, Deshayesi, giganteus, scriptus 
et peut-etre flammeus fornient un petit groupe ou 
sous-groupe naturel, intermediaire pai* leur forme et 
leurs cötes entre les groupes du P. pennaceus et du 
P. inflatus. Or, il est notoire que le P. stellatus, 
espece excessivement variable, se relie par certains 
extremes au P. glycimeris, et d'un autre cote, je puis 
afFirmer qu'a la longue, le P. textus passe de son 
cote au P. Deshayesi qu'il accompagne. II y a donc 
ici de rechef passage d'un groupe a un autre, ou du 
moins ä un sous-groupe tendant vers un autre groupe 
tres distinct du premier. La chose est malheureuse- 
ment trop evidente el trop facile ä constater, conime 
la synonymie des P. stellatus et glycimeris en fait 
foi, pour qu'il soit besoin d'entrer dans des details 
ä cet egard. 

II n'en est pas de meme des passages du groupe 
du P. stellatus ä celui du P. inflatus, et c'est ici que 
des faits imprevus se presentent: Dans les couches 
langhiennes inferieures du moulin de Cabannes, le P. 
stellatus, assez commun, varie considerablement et 
passe de la forme aplatie de la variete bimaculata 
aux formes ordinaires et enfin ä des formes renflees, 
que quelques auteurs ont confondues avec le P. pul- 
vinatus. Or, les extremes de ces dernieres formes, 
relies au type par toutes les modiücations insensibles 
que Ton p*eut desirer, sont parfaitement identiques ä 
certains individus du P. lividus, commun ä Saucats 
dans l'Etage suivant; et cependanl, par sa forme renflee, 
par son lel mince et par ses cötes serrees, ce P. 



Mayer, Mollusques tertiaires du Musee föderal de Zürich. 25 

lividus appartient bien au groiipe du P. inflatus! 
N'est-ce pas lä exactement le meme mode de deve- 
loppement ou de surgissement d'un groupe d'un autre 
que pour le groupe du P. pennaceus, et des lors ne 
peut-on pas dejä conclure que c'est lä la maniere 
dont naissent tous les groupes nouveaux? 

En presence des faits cites, clairs et certains 
comme le jour, et des nombreux faits analogues, re- 
latifs ä des especes de meme groupe, le Naturaliste, 
n'ayant plus pour guide l'idee precoiiQue de Fimmu- 
tabilite de l'espece, doit chercher un nouveau prin- 
cipe pour se guider ä travers le dedale de la crea- 
tlon. Ce principe consiste ä mes yeux ä reunir et 
ä distinguer comme espece tous les individus iden- 
tiques ou relies enlre eux par de nombreuses nuances 
et qui ne sont pas rattaches ä d'autres groupes d'in- 
dividus par des modifications assez nombreuses pour 
devenir embarrassantes. Dans l'application, cette regle, 
consciencieusement suivie, donnera non seulement 
les memes resultats que l'ancienne croyance, mais 
eile apprendra meme ä distinguer encore mieux les 
fossiles, especes et varietes, en rappelant sans cesse 
que toute variete remarquable ou extreme peut etre 
le foetus d'une espece nouvelle qui s'est developpee 
ou se developpera plus tard, ou meme le germe de 
tout un groupe, dont les rapports naturels etaient 
jusque lä inconnus. Quanta studiorum copia! 

C'est d'apres ce principe que mes determinations 
sont faites dans mes cinq premieres monographies 
aussi bien que dans la presente, et je suis assez con- 
vaincu de son excellence pour ne pas craindre qu'il 
ni'ait conduit ä trop distinguer. Le cöle faible de 



26 Mayer, Mollusques tertiaires du Musee federal de Zürich. 

mon ouvrage est, ä mes yeux, plutot le manque de 
donnees sur l'identite oii la non-identite specifique 
d'un certain nombre de mes especes avec des especes 
€xotiques actuelles, et. par tant, daiis quelques ou plu- 
sieurs cas, l'inutilite des nouvelles denominations. 
€e defaut, dont soulFrent du reste tous les ouvrages 
modernes sur les coquiiles marines neogenes et Vi- 
vantes, n'aurait pu etre evite que par un Conchylio- 
iogue a meme de comparer d'une maniere serieuse 
ies Arcides tertiaires aux recents. Eloigne d'un centre 
scientifique convenable pour i'etude des animaux ma- 
rins, et n'ayant ä ma disposition, ä part ia litterature 
du sujet ä peine complele et en tout cas insuffisante 
pour des recherches serieuses, qu'un tres petit nombre 
d'especes recentes des genres en question, il m'a ete 
souvent impossible de me f'ormer une opinion arretee 
sur l'espece dont j'avais la trop courte diagnose ou 
une mauvaise figure sous les yeux, et dans le doute, 
j'ai prefere considerer son analogue fossile comnie 
espece nouvelle que d'emprunter pour lui un nom plus 
ou moins douteux, destine ä trainer pendant dix ou 
vingt ans dans les listes de fossiles, avant d'etre ad- 
mis ou corrige, et qui m'aurait en tout cas allire la 
colere ou les sarcasmes des Älalacologues, mediocres 
amateurs, comme on sait, de Tidentite de fossiles 
avec les etres vivants. 

Zürich, le 2 Juillet 1868. 

Charles Mayer. 



Mayer, MoUusques tertiaires du Musee föderal de Zürich. 



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Gainfalirn prcs de Viennc 

Kitzing pres d'Oedenburg 

Szoob i)res de Gran 

Corbieres ? (Fribourg) 

Martinsbrücke (St. Gall) 

Staad 

S. Lorenzo, M. Maggiore prcs de Bologne 


Langhien I a Moulin de FEglise 

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Helvetien I Mantbelan 
„ Le Giere 

„ II Saucats 

„ ,, Othmarsingcn? 

„ III Salles 

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,, ,, Stocken 

„ ,, Hagebuch 

„ „ MartinsbrüJce 
Tortonien Stazzano 
Astien II Pradalbido prcs de Bologne 


Houdan 

Parnes 

Cliaumont 

Le Vivray pres de Chauraont 




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Mayer, Mollusques tertiairea du Musee federal de Zürich. 79 



Litterature et diagnoses. 



Familie des Arcides. 

Reduile comme eile I'a ele en dernier iieu, et parliculiere- 
raenl par M. Desh;iyes, aux cinq oii six types priticipaux qu'elle 
renferme, la famille des Arcides est sans conlredit l'une des 
laieux consliluee de l'ordre des Pelecipodes, et les debats qui 
peuvenl encore s'engager au sujel de sa Constitution ne sau- 
raient desorraais nvoir rapport qu'ä la valeur relative de quelques- 
uns de ses membres. Quoique ce ne soit guere ici le iieu 
pour discuter sur un theine qui appartient de fait ä ranalomie 
comparee, je nie pernietlrai de defendre mon opinion sur l'ira- 
porlance des coupes generiques et sous-generiques que j'ai 
admises, puisqu'elle n'est pas en tout conforrae ä Celle de raes 
predecesseurs, 

Si l'on peut dire, en Ihese generale, que dans toule la 
classe des Mollusques, il n'existe pas deux genres ä coquilles 
de forme parfaitement idenlique, il est ä priori peu vraiseno- 
blable que des coquilles pareilles, comme celles des Arches 
et des Cucullees, soient habitees par des animaux generique- 
raent difTerents. A cette presomption en faveur de la reunion 
des deux genres, vient s'ajouter le fait bien connii de i'incons- 
tance du caraclere qui devrait les distinguer, je veux dire de 
l'exislence d'uti bon nombre d'Arches ä denls laterales trans- 
verses et lamelleuses et formant ainsi le passage aux Cucullees 
propremenl dites. D'un aulre cöle, la lame musculaire ante- 
rieure que cite M. Pictet comme caracteristique des Cucullees 
nexiste point dans les A. (G.) crassalina et incerta et n'a des 



80 Mayer, Mollusques tertiaires du Musee federal de Zürich. 

lors qu'une importance secondaire. Tout cela suffit, en l'ab- 
sence de faits aiiatomiques posilifs, pour permetlre jusqu'ä 
nouvel ordre de ne considerer les Cucullees que coiuine im 
sous-genre des Arches. 

Je ne connais le genre Scaphula que d'apres ce qu'en 
disenl MM. Deshayes el Fielet; raais il me semble encore que 
si la coquille est identique aux Arches, l'anitnal qui l'habit« 
ne saurail differer generiquement de ce*o dernieres, pas plus 
que les Nerilines ne different des Nerites assez pour former 
un genre ä part. C'est donc tout au plus comme sous-genre 
que l'on doit considerer ce Scaphula, en attendant que la con- 
naissance de l'animal permette de le ranger definilivement. 

Le genre Isoarca, de Munster, differe assez par la forme 
que donne ä la coquille ses grands crochets enroules, pour 
meriter une premiere place dans la famille des Arcides, quoique 
la charniere soit celle des Arches et que l'aire cardinale existe 
aussi. J'ai vu celte aire cardinale dans plusieurs especes. et 
j'avoue ne pas concevoir qu'il y en ait de privees de ligamenl. 

Je metonne ä bon droit que le Pectunculus nuculatus, 
connu depuis cinquante ans, n'ait pas encore ete demembre 
du genre dont il porle le nom. Combien de coupes generiques 
ny a-t-il pas qui sont loin d'avoir la valeur qu'aurait eue 
celle-lä? En eflfet, par sa taille liliputienne, sa forme insolite 
et ses orneraents, ce P. nuculatus s'eloigne assez considerable- 
ment des Petoncles ordinaires; et si ces dißerences ne sont 
pas de raeme valeur que Celles qui separent les autres genres 
de la famille, elles sont sans aucun doute au raoins egales ä 
Celles qui distinguent par exemple les Cucullees des Arches. 
Je propose donc pour le sous-genre que constitue l'espece en 
question le nom caracteristique de Cnisma , la miette ou le 
petit fragment detache dun grand tout. 

Le nora de Trigonoccelia a ete substilue par M. Nyst, au nom 
hybride de Limopsis cree par Sassi pour des coquilles pectun- 
culiformes, raais ä ligaraent concentre dans une fossette medio- 
cardinale. C'est donc ä tort que M. Deshayes ä detourne oo 



Mayer, MoUusques tertiaires du Musee federal de Zürich. 81 

nom de sa signification premiere pour I'appliquer ä des co- 
quilles tres difTerentes. Ces coquilles formant un excellent 
genre qui court vers les Trigonies, je propose de les appoler 
du nom caraclerislique de Trinacria. 

1. Area disjuncta« Desh., 1863, Anim. s. v. foss. Paris, 
1, p. 871, pl. 68, fig. 30-32; pl. 69, fig. 14-16. 

La valve droite de Celle espece que le hasard m'a fait 
trouver ä la fondriere de Dainery prouve que celle-ci remoiite 
jusque daiis le calcaire grossier inferieur. La dile valve est 
du resle trop bien conservee et cadre trop parfaiterr)ent avec ia 
figure cilee pour qu'ii puisse y avoir erreur de delerminalion 
<3e ma pari. 

3. Area Abiehi, May. 

A. lesla transversa, obiongo-quadrala, paulum ventricosa, 
inaequil.ilerali; costellis radiantihus crassiusculis, subdislantibus, 
minoribuscum saepe allernantibus, slriis incremenli decussato- 
imbricalis, vel granosis; lalere antico terlia/n circiler leslfE lon- 
gitudinis parlem eflbrmante, paululum alteriualo ; poslico carina 
acutiuscula, in nucleis obtusa, ab unibone ad raarginem decur- 
renli separate, superne concaviusculo, oblique truncalo, obluse 
angulalo; pailiari leviter sinuoso, cardinali parallelo; umboni- 
bus tumidiusculis, obtusis; area cardinali sublanceolata. — 
Long. 26, tat. 13 raillim. 

Espece fort voisine de \'X. Laudunensis, raais de taille 
presque double, un peu plus etroile, ä troncalure poslerieure 
oblique, et a cötes souvenl alternantes. Elle parail du reste 
elre assez variable. 

3. Area elathratula, May. 

A. testa elongato-lransversa, subquadrangulari, pauluracon- 
vexa, inaH|uilalerali, solidula, costellis crassiusculis, mediis 
approximalis, anlicis et posticis paululum dislanlibus, suicisque 
incremenli dislantiusculis clalhrala ; latere anlico breviore. pau- 
lum altenualo ; poslico obtuse carinato, subtus leviler concavo, 
fere perpendiculariter truncalo, obtuse angulato; pailiari et 

XIII. 1. 6 



82 Mayer, Mollusques tertiaires du Musee federal de Zürich. 

cardinali parallelis; umbonibus obtusiusculis ; area cardinal» 
lanceolata; denlibus crassiusculis. — Lonc». 672, lat. 3'/» millim. 

Celle pelile coquille est ä peu pres iiilermediaire enlre 
l'A. Laudunensis el l'A. navicularis, de Brug. (Reeve, Monogr. 
des Arches, pl. II, fig. 70), qu'il ne faul pas confondre avec l'A. 
lelragona de Poli. Elle forme la chaine enlre les especes 
eocenes du groupe el son represenlant dans les niers acluellos. 

4:. Area bian§;iila, Lam., 1805, Ann. du Musee. 6. p. 219; 
ibid.. 9. pl. 19, f. 2. — Desh., Coq. foss. hdv. Paris, 1, p. 198, 
pl. 3^:, f. 1 — 6; Anim. s. v. foss. Paris, 1, p. 867. — A. hiaii- 
tula, Desh.. Coq. foss. envir. Paris, 1, p. 199, pl. 3i, fig. 7— 8. 
A. Branderi, Sow., Min. Conch., 3, p. 135, pl. 276, f. 1—2. 
— Dixon, Geol. of Sussex. p. 92 el p. 169, pl. 3. fig. 23. 

Celle espece se deslingue assez facileraenl de TA. Sand- 
bergeri, meme ä I'elal de moule, ä sa forme plus courle el ä 
ses crochels moins eleves. C'esl ä ces caracleres que j'ai re- 
connus nies echanlillons provenant du Ligurien inferieur de 
Ludes. M. Deshiiyes, au conlraire, eile l'A. Sandbergeri du 
Ligurien de Magdebourg. Dans le cas peu douleux qu'il alt 
raison, les deux especes voisines vivaienl en meme lemps a 
une epoque donnee. L'une peut donc elre une simple modifi- 
calion de i'aulre. 

5. Area Sandbergeri, Desh., 1863, Aiiitn. s. v. foss. 
Paris, 1, p. 868, pl. 68, fig. 1—3. — Sandb.. Mainz. Tertiaerb., 
p. 351, pl. 29, f. 2. — A. hians, Braun, non Reeve. — .^ . bian- 
guhna, Mich. — A. hiantula, Bast, (pro parle), Phil., elc. 

Gräce ä mes specimens assez nombreux et ü leur etude 
serieuse, je puis affirmer que c'esl bien le vrai el parfait Area 
Sandbergeri qui se retrouve aux environs de Bordeaux, de 
Dax el de Turin, melange avec quelques autres Arches en bä- 
teau, loutes confondues par les auleurs sous le nom (\\\. um- 
bonata. Du resle, le fail n'a plus rien de surprenant des que 
l'on se rappelle que dans le Nord de l'Kurope l'espece passe 
dejä de l'Etage tongrien dans l'Elage suivant. D'un aulre cöte, 
ces individus du lerliaire neo"ene formcnt dune maniere assez- 



Mayer, Mollusques tertiaires du Musee federal de Zürich. 83 

satisfaisonle la chaine qui relie l'espece et l'A. biangula ä l'A. 
maculata, Sow. de l'Ocean pacifique. Ces Irois especes se 
distinguent des especes du groupe suivant par leur aire car- 
dinale ordinaireraent plus grande et plus concave, par l'echan- 
crure plus profonde du bord palleal, par la Ironcature non 
sinueuse du cöle posterieur et surtout par la goultiere de la 
carene. 

6. Area minuata, Desh., 1863, Anim s. v. foss. Paris, 1, 
p. 869, pl. 65, fig. 20—23. 

Gelte pelite espece a des cötes beaucoup plus nombreuses 
et raoins fortes que mon A. Abichi; ses crochets sont aussi 
relativement plus eleves. Je ne peose donc pas que les deux 
especes appartiennent au raeme groupe. 

7. Area ]VoaB, L., 1766, Syst. Nat., edit. 12, p. IIW. — 
Hoern., Foss. Mollusk. Wien, 2, p. 'i2\, pl. 92, fig. 4. — Reeve, 
Monogr. Area, pl. 11, ^g. 72. — Mich*'. Precis faune ruioc, 
p. 102. — Desh., Traite de Conchyl., 2, p. 361 et 364. — Wein- 
kauf, Gonchyl. Mittelm., 1, p. 190. — A. biangula Bast. (p. p.) 
— A. umbonata, Duj. (p. p.) 

Apres de nouvelles eludes, faites avec le plus grand soin 
qu'il seit possible d'y apporter, je reconnais aujourd'hui que 
l'A. Noae app-irait, des l'Etage aquitanien et que c'esl bien eile 
qui se Irouve aux environs de Bordeaux et de Dax en cora- 
pagnie des A. Sandbergeri et iriibricala et en Touraine ä cöle 
de cette derniere espece. A. l'instigation de Duj. et de M. 
Deshayes, j'avais cru jadis Irouver aux individus du neogene 
inferieur des crochets plus eleves qu'au type recent et je les 
appelais du noin d'A. umbonata, saus connailre l'espece vivante 
qui le porle. De nouvelles comparaisons, basees sur un grand 
norabre d echantillons de toules les provenances et la vue du 
vrai A. umbonata m'ont ä mon tour complelemenl delrompe, 
en me monlranl l'identile coraplele de mes specimens fossiles 
francais avec ceiix d'Ilalie et avec la coquille recenle. 

S. Area pacifica« Sow. (Byssoarca), 1833, Proceed. zoo). 
Soc. — Beeve, Monogr. Area, pl. 11, fig. 75, 



84 Mayer, MoUusques tertiaires du Musee federal de Zarich. 

Quoique malheureusement incomplet, mon echantillon fos- 
sile cadre bien mieux avec las specimens de cetle espece que 
j'ai sous les yeux qu'avec l'A. Noae, parce qu'il est beaucoup 
plus elargi en arriere que celte derniere espece. C'est une 
Variete, ä cötes moins fortes que d'ordinaire. 

9. A. imbricata, Brug., 1789, Encycl. tneth.. vers, p. 98. 
— Reeve, Monogr. Area, pl. 11, fig. 73. — A. truncata, Reeve, 
Monogr, Area, pl. 11, fig. 74? — A. biangula, Bast. (p. p.) — 
A. urabonata, Lam., Duj. (p. p.), Desh. (p. p.) — non A. im- 
bricata, Poli. — Non A. umbonata. Hoern, (p. p.) — Le Mus- 
sole, Adans, Seneg., pl. 18, f. 9. — A. retusa, Lara., Anim. 
s. V., 2' edit., 6, p. 464. 

Espece tres polymorphe, mais neanmoins facilement recon- 
naissable ä sa forme raccourcie et trapue, ä ses cötes beaucoup 
plus fines et serrees vers la carene que sur les cötes, ä sa 
carene elevee, mais assez obtu.'^e, ä son cöte posterieur tres- 
concave, muni de grosses cötes assez regulieres, enfin ä son 
aire cardinale large mais peu allongee, ne portant d'ordinaire 
que sur sa partie anterieure quelques sillons en chevrons. Les 
crochets sont d'autant plus bombes et Kleves que la coquille 
est raccourcie. 

D'apres la diagnose et la synonymie de l'A. retusa que 
Lamark a donnees, je ne doute pas que son espece ne soit 
qu'une variete individuelle de l'A. imbricata. Je penche de meme 
fort ä considerer l'A. truncata de Sow. comme une autre variete 
individuelle et allongee du type inconstant dont j'ai pres de cent 
exemplaires sous les yeux. 

lO. Area Grundensis, May. 

A. umbonata, Lam. sec. Hoern.. Foss. Mollusk. Wien, 2. 
p. 322, (p. p.) pl. 42, fig. 1 et 3. (non fig. 2, non Lam.) 

La diagnose detaillee et les excellentes figures du present 
type que M. Hcernes a donnees rae dispensent d'en faire une 
nouvelle descriplion. Voisine en effet de l'A. imbricata, celte 
espece s'en distingue plus que suffisamment par sa forme 
oblique et penchee en avant, par ses cötes poslero-mödianes 



Mayer, Mollusques tertiaires du Musee federal de Zürich. 85 

tres-forles et distanles, par ses crochets peu saillants, toujours 
uses, et par son aire cardinale couverle de sillons singuliere- 
menl nombreux et serres. 

J'avoue ne savoir trop que faire de la figure 2 de la 
planche citee, si ce n'est pourtant une variete de l'A. Noae. 

11. Area tetragona» Poli, 1795, Test, utriusq. Sic, 2. 
pl. 25, fig, 12—13. — Reeve, Monogr. Area, pl. 15. fig. 100. 
— Weinkauf, Mollusk. Miltelm., 1, p. 192. — A. navicularis, 
May., Azor, und Madeir., p. 37. — Non A. navicularis Brug. 

N'ayant, en 1864, point encore vu sous son vrai nom l'A. 
irabricata de Bruguiere, je prenais pour eile l'Arche des en- 
virons de Bordeaux et de Tours qui decidement n'est rien 
autre que l'A. Noae. et je reunissaisj ä l'A. tetragona les speci- 
mens de ces contrees qui apparliennenl de fait ä l'A. irabri- 
cata. Voilä coraraenl j'ai pu dire alors que l'A. tetragona ap- 
paraissait avant l'A. Noae, tandis que c'est le contraire qui a lieu. 

Assez voisine de l'A. imbricata, cette espece en difTere 
constamraent par sa taille de beaucoup raoindre, par ses cro- 
chets moins renfles, plus pointus, et avant tout par sa carene 
aigue et par ses denls plus fortes et moins nombreuses. 

Ne pouvant juger de l'A. brilannica que d'apres la seule 
figure que Reeve en donne, j'ignore s'il faul le considerer 
comrae espece ou comrae variete de l'A. tetragona. 11 en est 
de meme de l'A. occellata. 

IS. Area interposita, Desh., 1863, Anira. s. v. foss. Paris, 
1. p. 892, pl. 67, f. 11—13. 

13. Area globiilosa, Desh., 1826, Coq. foss. Paris, 1, p. 
209, pl. 33, f. 4—6; Anim s. v. foss. Paris, 1, p. 893. 

i4:. Area scapulina, Lara., 1805, Ann. du Musee, 6, p. 
221. — Desh., Coq. foss. Paris, 1, p. 216, pl. 33. f. 9-11; 
Anim. s. v. foss, Paris, 1, p. 898. — Non A- scapulina, Bast. 

15. Area Okeai, May., 1857, Journ. de Couchyl., p^ 185, 
pl. 14, f. 7—8. 

Dans la diagnose de cette espece que j'ai donnee, j'ai passe 
sous silence un caractere iraporlanl, puisqu'il est coraraun ä 



86 Mayer, Mollusques tertiaires du Musee föderal de Zürich. 

loutes les especes du groupe, je veux parier de la petile cöte 
placee dans l'intervalle des cötes ordinaires. La figure non 
plus, Irop peu soignee, ne rend pas ce caractere de famille. 

16. Area anceps, May, 

A. testa trapeziformi, transversa, venlricosa, subobliqua, 
valde inajquilaterali, multicostala ; costis inaequalibus, costula 
multo minore interposita, anticis niinoribus, obtusiusculis, 
mediis posticisque elevalis, rotundatis, inlersliiois subaequalibus, 
Omnibus striis incrementi vaide inaequalibus, rugoso-legulalis ; 
latere anlico declivi, attenualo, rotundato ; poslico elongato, 
paulum dilatato, obtuse carinato, comprosso, perpendiculariter 
truncato, hianlulo; palliar! perpaulum sinuoso et hiante; um- 
bonibus acutiusculis, remotis, obliquis ; area magna, ovalo- 
lanceolata, anlice Iransverse sulcata, postice longitudinaliter 
striata; lamina cardinali fere recta, angusta; dentibus tenuibus, 
satis densis, mediis rectis, laleralibus obliquis. — Long. 25, 
iat. 15 millim. 

N'etant jamais alle moi-merae ä Semblangay, et ii'ayant 
point d'autres fossiles de cetle localile sous la main, j'ignore 
et ne puis etablir par la comparaison de la röche et de la 
leinte des fossiles, si celte Arche qui a apparlenu ä Dujardin, 
provionl bien reellemenl de la localite indiquee, la seule d«; la 
Touraine oü le falun est ä letat de m.irne. Quoique voisine 
de l'A. Okeiii, quant ä la forme generale et aux cötes. I'espece 
nouvelle a quelque chose d'elrange sinon d'etranger, el eile 
se rapproche dejä beaucoup du groupe des Arches en bateau, 
par son bäillement et par son aire cardinale. Avant, tant ä 
Zürich qua Paris, fait de vaines recherches pour la determiner, 
je crois desormais ne pas trop me risquer en la decrivant 
comme nouvelle. 

II n'est pas encore prouve que la localile de Semblan^ay 
soit exactement du meme age que les faluns de la Touraine. 
Ne serait-elle pas uii peu plus recente et meme du meme äge 
que Celle de Sceaux pres d'Angers? 

17. Area cardiiformis. Bast., 1825, Mem. Soc. Hist. Nat. 



Mayer, Mollusqaes tertiaires du Musee federal de Znrich. 37 

P.iris, 2, p. 76, pl. 5, f. 7. — Desh., in Lara. Anim. s. verl., 
^' edit., 6. p. 480. — Non A. cardiiformis, Hoern. 

18. Area IHoltensis, May. 

A. cardiiformis, Bast. sec. Hcern., Foss. Mollusk. Wien, 2, 
p. 331 (synon. exci.), pl. 43, f. 3—5. (non Bast.) 

La difl'erence de forme entre l'A. cardiiformis de Bordeaux 
el son analogue de Vienne esl trop considerable, et les exem- 
plaires riioyens termes sonl trop peu norabreux pour que Ton 
puisse considerer ces deux types comme de simples Varietes. 

19. Area idonea, Conr.. 1832, Foss. Shells Tert. North- 
Ara., p. 16. pl. 1, f. 5. 

20. Area aquitanica, May., 1861, Joui'n. de Conchyl., 
p. 362 

Sl. Area Guembeli, May. 

A. testa ovala, Iransversa, paulum venlricosa, inaequilate- 
rali ; coslis 24, inlersticiis paulo lalioribus, planulatis, suico hu- 
mili bipartitis, fere lasvigalis ; lateribus atleniialis, rolundalis; 
aiitico breviore; umbonibus tumidis, recurvis; arca mediocri, 
sublanceolala, sulcala; dentibus numerosis, satis tenuibus. — 
Lonj,'. 20, lal. 14 millim. 

La forme ovale de celte petile espece, sa legere compres- 
sion et ses cöles peu nombreuses, un peu espacees, bipartiles 
et a peu pres lisses la distinguent de l'A. turonica, avec laquelle 
eile a le plus de rapports. 

Les marnes ä Cyrenes de la Haute-Ba viere, que celte espece 
caraclerise, a[)partiennenl sans contredit ä la parlie moyenne 
de l'Elage aquitanicii; mais il n'esl pas encore possible de 
synchroniser leurs puissaiiles assises, couclie par coucbe, avec 
Celles hien moins epaisses qui conslilucnt le type frfiiigais de 
l'Elage. 

SS. Arca turonica, Duj., 1837, Mem. Soc gcol. France, 
2, p. 267, pl. 18, f. 10. - lloern., Foss. Mollusk. Wien, 2, p. 
332, pl. 44; f. 2. 

Quoiquc moins variable que la plupart des espcces com- 
munes, celle-ci [i'en est pas moins sujette ä la loi naturelle et 



83 Mayer, MoUusques tertiaires du Musee federal de Zürich. 

se modiße ä la longue dans plusicurs sens Par de rares in— 
dividiis plus ou moins raccourcis, eile passe ä l'A. aquilanica. 
Par d'aulres. qui s'aplalissenl peu ä peu et dont les cötes 
deviennent planes et lisses. eile se marie avec l'A. Breislacki. 
Enfin, la Variete un peu allongee et oblique, legeremenl elargie 
en arriere et ä oöles plus planes et plus larges que d'habitude, 
qui caraclerise les faluns des environs de Nantes, court evidem- 
ment vers l'A. peclinala. 

93. A. firmata, May. 

A. tesla magna, subtrapeziformi, transversa, paululura obli- 
qua, incequilatejali, veiitricosa. crassa et solida; coslis 37, 
plano-convexis, anlicis inlersticiis iequalibus, obscure crenatis, 
posticis dilalatis, sublaevigalis, inlersticiis sublamellosis ; lalere 
antico leviler altenualo, rolundalo; posticosiibcarinalo, depresso, 
oblique truncato et obluse angulalo; palliari et cardinali paral- 
lelis; umbonibus luinidis, reourvis ; area magna, ovalo-oblonga, 
suicis irregularibus, angulosis, iristructa ; denlibus numerosis, 
densis, fere oranibus reclis, — Long. 80, lal. 50 millim. 

Voici une espece dont personne ne mellra en doule la 
parenle avec l'A. luronica, car ce n'en est qu'une exageration, 
du double ou triple plus grande, et qui pour le reste se dis- 
tingue ä peine de son predecesseur par des cöles un peu plus 
norabreuses et plus apialies. Elle se ropporle ä lA. luronica 
exactement comme le Pectunculus Fichteli au V. obovatus. 

«4:. A. Burdigalina, May.. 1861, Journ. de Conchyl.. p. 
3ß3, pl. 15, f. 14. — A. subscapulina, Orb., Prodr., III, p. 
123? (noraen.) 

Je presume bien aujourd'hui que c'est cette espece que 
Baslerot a confondue avec l'A. scapulina, malgre les grandes 
differences qui separeiil les ileux lypes. raais je ne suis pas 
sür du fait, ne connaissant poinl l'esjjece de Merignac; et comrae 
ni Basteroi ni Orbigny ne se sont doniies la peine de de- 
crire leur type, je pense avoir eu graud' raison de donner un 
Douveau nom au mien. 



Mayer, MoUusques tertiaircs du Musee federal de Zürich. 89 

Les A. Burdigalina que j'ai cilees des environs de Lucerne 
ne sont decidement que de lout jeunes A. Fichteli. 

95. \. Breislacki, Bast., 1825, Mera. Soc. Hist. nat. Paris, 
2, p. 76. pl. 5, f. 9. (var) — Hcern, Fossil. Mollusk. Wien. 2, 
p. 326 (exci. synon. plur.), pl. 42, f. 5. — A. umbonaria, May., 
Journ. de Conchyl., 1861, p. 363. 

De nouvelles recherches en Touraine m'ont procure un sr 
grand nombre d'individus reliant au type ordinaire la variele 
ä tet epais et ä crochets tres developpes que j'avais dislinguee 
corame espece, qu'il n'est plus logique de la eiler ä pari. Ger- 
lains traits de faraille fönt presuraer que cette variele est un 
bätard de l'A. turonica. 

S6. Area pectinata, Broc, 1814, Conch. foss. subap., 2, 
p. 467, pl. 10, flg. 15. — A. Breislacki, Bast. sec. Phil. Sic, 
•1, p. 60, pl. 5; f. 1; 2, p. 43. (non Bast.) 

Celle Arche est assez variable, plus ou moins allongee, 
apiatie et oblique et s'approche ainsi tanlöt de l'A. turonica, 
tantöt meme de l'A. mytiloides.' Les jeunes se distinguent sou- 
venl par une forme moins inequilalerale et moins oblique que 
les individus adultes, et pourraient quelquefois preter ä l'erreur. 
L'A. emarginata, Sow., du golfe de Californie , est l'analogue 
vivant de cette espece, et l'A. aviculiformis, May. (aviculoides, 
Reere), de l'Amerique du Sud, en est aussi assez voisine. 

31. Area Darwini, May. 

A. testa ovalo-oblonga. subobliqua, venlricosa, ina?quila- 
terali; costis 30, complanatis, sublaivigalis, posticis dilatatis; 
intersliciis angustis, profundiusculis, Iransversim sulcato-la- 
raellosis; lalere antico brevi, subatlenuato, rotundato; postico 
compressiusculo, pauluni dilatalo, oblique sublruncalo, obtuse 
angulalo; umbonibus tumidis, obliquis, recurvis; area mediocri, 
elliplico-lanceolata, parcisulcata ; dentibus minulis, densis. — 
Long. 28. lat. 17 millim. 

Voisine des A. scapha et maculosa, cette espece s'en dis- 
lingue par sa laille de beaucoup moindre, par sa forme plus 



90 Mayer, Mollusques tertiaires du Musee federal de Zürich. 

etroile et par ses cöles moins nombreuses, plus larges en 
Proportion. 

SS. Area Syracusensis, May. 

A. lesta ovato-elongala, obliqua, ventricosa, valde infequi- 
laterali; costis circiter 35, complanatis, subla3vigatis ; intersticiis 
angustis ; latere anlioo brevi, allenuato; poslico elongato, plus 
minusve dilatato, subtus compresso, oblique Iruncalo, ohluse 
aogulato; pjilliari arcunlo; umbonibus anticis, lumidis, obliquis; 
area latiuscula, ovato-lanceolata. — Long. 54, lal. 30 rnillim. 

Par sa convexite et ses crochels renfles et obliques, cetle 
Arche se rapproche de l'A. Darvvini, mais sa forme plus al- 
iongeo, ses crochels plus eleves et son aire cardinale elargie 
Ten disliuguent sufGsanimeiit. 

99. Area mytiloides, üroc, 1814, Couch, foss. subap.. 
2. p. 477, pi. 11, fig. 1. — Phil., Sic, 1, p. 59; 2, p. 43. 

30. Area giroudica, May. 

A. suicicosta Nyst., Coq. foss. Belg., 1, p. 257, pl. 18, 
f, 9? — A. Fichleli, Desh. sec. Hoern., Foss. Moliusk. Wien, 
2, pl. 44, f. 1. 

A. tesla ovato-transversa, plus minusve ventricosa, insequi- 
iaterali, subtenui; costis 32, qu;ulratis, complanatis, inlerdum 
suico humili biparlitis, anticis obscure crenulatis; intersticiis 
costis modo anguslioribus, modo laliord)Us, planis, transversim 
irregulariter sulcatis ; latere antico breviore, rotundalo ; postico 
obtuse subroslrato; umbonibus tumidiusculis, oblusis; area 
mediocri, elongala, suicis longiludinalibus, regularibus, medio 
angulatis inslrucla; lamna cardinali angusta, denlibus brevibus, 
numerosis. — Long. 58, lat. 35 rnillim. 

.Je suis ä peu pres certain que cetle espece est la meme 
que Celle que M. Nyst a appelee suicicosta; mais, comme ce 
nom est mal forme, qu'il n'est pas emendable et que le nora 
de sulcato-costata que Ion pourrait lui substiluer, tout en 
etant au fond nouveau, serait mal applique ä l'espece, puisque 
d'ordinaire celle-ci n'a pas les cötes biparliles. je me suis per- 



Mayer, Mollusques tertiaires du Musee federal de Zürich. 91 

Ulis de le remplacer par une appelialion que l'espece merile 
par son abondance dans ie departement de la Gironde. 

De forme assez variable, coinrne toules les especes vul- 
gaires, l'A. girondica court par ses modificalions extremes vers 
plusieurs especes qui lui succedenl ou la reniplacent: A. lati- 
sulcata, A. helvetica, A. Fichteli, A. diluvii. Nearimoins, il est 
presque loujours facile de la dislinguer, gräce ä sa forme ai- 
longee, ä ses crochets raediocres et ä ses cötes anguleuses, 
peu serrees et presque lisses. 

31. A. Tournoueri, May. 

A. lesta ovalo-cuneala, transversa, vaide venlricosa, sub- 
contorta, iricequilateraii, crassa et solida ; costis 24—26, validis. 
nodoso-crenatis ; iiitersticiis latioribus, plaiio-concavis, trans- 
versim tenuistrialis ; lalere aiilico brevioro, dilatato, rotuiidalo; 
postico aiigustiore, obtiise angulalo; unihonibus tumidis, plus 
minusve, exaltatis, contorlis, involutis; area majuscula, ovato- 
oblonga, suicis longiludinalibus, anguiosis, iristructa ; lamna 
cardinali salis crassa ; dentihus longiusculis. — Long. 45, lal. 
30 millim. 

Au premier ahord, Ton pourrait confondre cette Arche avec 
l'A. girondica , mais en reunissant plusieurs exemplaires des 
deux especes, on leur reconnait des caracleres diflerenliels de 
valeur plus que süffisante pour en faire des types disliiicls. La 
coniparaison des diagnoses suffit pour s'orienter ä^cet egard. 

35. Area Fichteli, Desh., 1852, Trait. de Conchyl., 2, p. 
360. -- Hoern., Foss. Mollusk. Wien. 2, p. 329, pl. 43, fig. 1-2. 
(non pl. 44, fig. 1) — Fichlel, Nachr. Verst. Grossf, SiebenbUrg. 
p. 42, pl. 4, f. 5. 

33. Area helvetiea, May., 1857, .Journ. de Conchyl., p. 
183, pl. 14, f. 1. — Bronn, in Härtung. ,'\zoren, p. 126, pl. 19, 
f. 13. — A. Fichteli, May., Azor und Madeir., p. 35. 

Plus je corapare ä l'A. lielvetica mes exemplaires variants 
de l'A. girondica reunis sous le nuraero f. 1333, plus leurs 
tendances vers cette espec-" me paraissent manifestes, et si ä 
cette heure les passages d'une espece a l'aulre ne sont pas 



92 Mayer, MoUusques tertiaires du Musee federal de Zürich. 

encore insensibles, il ne faul pas non plus oubüer que l'A. 
helvelica fait encore defaut dans les couches inferieures de 
l'Elage helvelien. 

Tout en reconnaissant aujourd'hui que Ton doit tenir les 
A. Fichleli et helvelica separes, je ferai de nouveau remarquer 
que ces deux especes passent l'une ä l'autre dans la Mollasse 
suisse. et que, particulierement aux environs de Lucerne el de 
Berne, il n'est pas fort rare de trouver des exemplaires par- 
faitement anibigus el moyens-leruies entre les deux types. Ces 
deux types sont deux modifications differentes de l'A. girondica 
dans deux ou plusieurs bassins differents. 

Le Musee de Zürich possede une valve d'Arche recente 
que je ne puis pas distinguer de l'A. helvelica. Je n'ai rien 
Irouve de semblable ni dans Reeve, ni dans les aulres auleurs: 
Philippi, Hanley, elc. 

34. Area latisulcata, Nyst., 1843, p. 256, pl. 18, f. 8. — 
A. anoinala, Eichw., Naturh. Skizze, p. 2tr?; Leih, ross., 3, 
p. 78, pl. 4, fig. 12? 

Tandis que la plupart de mes speciraens vonl parfaiteraent 
a la figure cilee , sauf loulefois que leurs cöles sont moins 
larges el moins rapprochees, les deux individus beiges que 
j'ai sous les yeux, un peu difl'erenls l'un de l'autre, se dis- 
linguenl du type par leur forme plus Iransverse el par leurs 
crochels obliques. Ils prouvenl ainsi que l'espece est assez 
polymorphe. Par l'epaisseur remarquable de leur tet, ces deux 
echaiilillons leiident de leur cöte vers l'A. crassissima. 

35. Area dihivü, Lam., 1819, Anim. Sans vert., 6, p. 45. 
— Bronn, Leih, geogn.. 2* edit,, pl. 39, f. 2, — Goldf., Petref. 
Gerra., p. 143, (p. p.), pl. 122, fig. 2. — Hoern., foss, Moll., Wien, 
2, p. 333, (p. p.), pl. 44, fig. 3 — A. didyraa, Broc, Gonch. 
foss. subap. 2, p. 479, pl. 11, fig. 2. (pulla) — A. antiquala, Broc, 
Phil. (p. p,). — A. neglecta. Mich.''. —Non A. antiquala, Poli. 

Parmi les nombreuses modifications auxquelles celle Arche 
est sujette, quelques-unes se fonl remarquer par une certaine 
conslance et constiluenl des sous-especes. Teile est la variete 



Mayer, Mollusques tertiaires du Musee federal de Zürich. 93 

transverse et oblique, ä let epuis et ä cötes serrees, plano- 
convexes et simplement striees en travers, que j'ai appelee 
var. mitis. Teile est la variele Saxuleiisis, qui rappeile l'A. 
girondica pnr sa forme un peu apiatic, par ses cötes elroites 
et carrees et par ses interslices larges et planes. Teile est 
surtout la variele danubiana, remarquable par sa forme en coin, 
par ses crochels tres forts et tordus et par ses cötes serrees. 
Enfin il y a des individus globuleux, d'autres siiigulierement 
obliques, d'autres subcylindriques, mais ce ne sonl que des 
modifications individuelles et qui n'ont pas fait souche. 

36. Area cuculliformis, Eichw., 1830, Naturh. Skizze, p. 
211; Leih, rossica, 3, p. 76, pl. 4, fig, II. — A. antiquata, E. 
Sisra., Syn. meth., 2' edit., p. 16. — Non A. diluvii, Dubois. 
— Non A. antiquata, L. 

Si le present lype n'avail pas ele decrit par Eichwald, je 
ne l'aurais distingue que comme sous-espece, car il est vrai- 
ment trop voisin de l'A. diluvii pour constituer une espece 
ä part. El pourlant, celte forte variele, de forme raccourcie 
et carree, souvent assez reguliere, court ä cöle de l'A. diluvii 
ä travers quatre Etages, sans se confondre avec lui par des 
modifications trop multipliees, et il est presque toujours si fa- 
cile de le dislinguer, que je n'ai pas ete embarrasse un instant 
par un seul de mes exemplaires. Commeiit, en presence de 
pareils faits, le savant ne serail-il pas en droit de se demander 
quest-ce que l'espece, ou plutöt oblige de reconnailre, que 
I'espece est une abstraction elastique, variant d'extension sui- 
vant les classes et meme suivant les genres et les groupes 
nalurels? 

31. Area hungarica, Hoern., 1866, Foss. Mollusk. Wien. 
2, p. 335, pl. 44, flg. 5. 

3S. Area arata, Say., 1834? Journ. Acad. nal. Sc. Philad., 
4, p. 138. 

39. Area Polii, May. 

A. antiquata, Lin. sec, Poli, Test, utriusq. Sic, 2, p. 146, 
pl. 25, flg. 14—15. — Payr., Cat. Mollusk. Corse, p. 61. — 






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94 Mayer, MoUusques tertiaires du Musee federal de Zürich. 

Phil., Sic, 1, p. 59, pl. 5, fig. 2. (non Lin.) — A. diluvii, 
Lam. sec. Desh., in Lara., Anim. sans vert., 2* edit., 6. p.471. 
— Phil., Sic, 2. p. 43 (p. p.) — Weinkauf, Conch. des .Miltelm., 
1. p. 198 (p. p.) (non L;ira ) 

J'ignore si l'A. düuvii exisle encore et s'il faul y rapporler 
i'Arche des cötes mediterraneennes de lE.spagne et de la France, 
citee sous ce nom ou sous celui d A. antiquala. Jen doule et 
je pense que loule la synonymie coiicernanl l'espece recente, 
reunie en dernier Heu par .M. WeinkaufF, se rapporle ä l'es- 
pece acluelle. Celle-ci, dont j'ai cinq specimens fossiles et 
trois individus recenls sous ies yeux, diEfere assez de l'A. di- 
luvii pour ne pas meme apparlenir au merae groupe. C'esl 
une coquille assez epaisse, ä lel compacte et fort solide, tandis 
que celui de l'A. diluvii ne lest que raediocrement ; eile est 
courte et ramassee, obliquement quadrangulaire, ce qui n'esl 
pas le cas chez l'A. diluvii type; eile est en general plus glo- 
huleuse et a Ies crochels beaucoup plus forls et eleves, plus 
obliques, que celte espece; son cöte posterieur n'est pas ar- 
rondi, comrae daris lautre type, niais tronque obliquement; 
sf's cötes sont moins nombreuses (au norabre de 26 au lieu de 
30 ä 31), plus elevees et plus arrondies, couvertes de granu- 
lations plus irregulieres, plus elroites et plus saillantes; enfiri, 
i'ajre cardinale est proporlionnellement plus courte, et ses sil- 
lons forraent un angle plus aigu que chez \\\. düuvii. 

Cette espece Ires distincte est du resle assez variable et 
pas un de mes exemplaires n'esl parfailemenl identique ä l'une 
ou l'autre des figures cilees. 

40. Area lamellosa, Desh., 1863, .^nim s. v. foss. Paris, 1, 
p. 872. pl. 69, f]g. 4—9. 

41. Area clathrata, Dofr.. 1816, Dict. sc. nat., suppl.. 
p. 115 — Bast., in .Mein. Soc. Ilist. nat. Paris, p. 75, pl. 5, 
flg. 92. — Hoernes, Foss. Mollusk. Wien. 1, p. 340 (p. p.) pl. 
44. flg. 10? — A. gradata, Reeve, Monogr. Area, pl. 14, fig. 92. — 
A. donaciformis, Reeve, ibid., pl. 16, fig, 104. — A. divaricata, 



Mayer, MoUusques tertiaires du Musee federal de Zürich. 95 

Reeve, ibid., pl. 16, fig. 108 et 112. — A. contorla, Desh., 
Anira. s. v. foss. Paris, I. p. 874, pl. 63, fig. 29—32. 

J'ai avec mes doubles au jusle deux cenls exeraplaires de 
celte espece sous las yeux ; or, voici les faits que 1 etude de 
ces maleriaux me perniet de constater: 

1° L'A. clalhrala est une espece eminemraent polymorphe, 
sous le (riple rapporl. de la forme, du norabre des cötes longi- 
ludinales et de celui des cötes Iransverses; mais toutes ces 
Varietes sont reliees enlr'elles par tanl de nuances, qu'avec la 
raeilleure volonte, l'on ne peut pas distinguer des types, des 
que l'on en a une serie d'excmplaires un peu nombreuse. 

2° L'A contorla, de l'Etage bartonien, n'est qu'une legere 
Variete de l'A. clathrata, ä cötes rayonnantes nombreuses, va- 
riele comme il s'en Irouve d'idenliques dans les trois Etages 
aquitanien, langhien et helvetien et meme de fort semblables 
dans rOcean Indien. 

3" L'A. clalhrata ne remonte pas en Europe jusque dans 
1 Etage astien, mais y est remplace par l'A. pulcbella. 

4° r^es trois lypes distingues par Reeve ne sont que des 
Varietes de forine, qui se retrouvent toutes trois fossiles et se 
fondent les unes dans les autres dans presque chaque localite. 

5° En general, plus les specimens de l'espece sont anciens, 
geologiqueineiit parlant, plus ils ont de cötes rayonnantes, et 
ce sont ceux provenant des Etages helvetien et tortonien qui 
en ont le nioius; mais il y a beaucoup d'individus qui fönt 
exceplion ä cette regle, et il est impossible de faire des especes 
d'apres le norabre des cötes rayonnantes: il faudrait en faire 
une pour chaque cöle de plus. 

G" Quelques specimens touraiigeaux iraitent parfaitement 
la forme de l'A. lamellosa et ne se distinguent de celte espece 
que par leurs cötes nioins nombreuses et leurs ecailles moins 
distinctement imbriquees. Neanmoins, eux aussi sont intime- 
ment relies aux autres varieles. 

7° Le groupe de l'A. clalhrala ayant pour caracleres l'ex- 



98 Mayer, Mollusques tertiaires du Musee federal de Zürich. 

De forme semblable ä l'A. asperula, mais cependanl raoins 
inequilaterale, cetle belle espece s'en distingue par ses Orna- 
ments et ne lui est pas voisine. C'est sans-doule aupres de 
l'A. filigrana qu'elle doit se placer, mais eile en difTere, en 
outre de sa forme, par ses cötes des deux genres plus distantes, 
et par la forme de son cöte anterieur, 

Je dedie celte espece ä M. le capilaine Morlet, amateur zele 
de conchyliologie, cpmme une faible marque de ma reconnais- 
sance pour les nombreux fossiles qu'il m'envoie. 

48. Area ornata, Desh., 1863, Anim. s. v. foss. Paris, t, 
p. 886, pl. 70, flg. 18—20. 

Mon exemplaire accolle ä un Nummulina laevigata, est 
identique ä celui de M. Deshayes. C'est en faisant ä Hermon- 
ville mon choix de Numrauliles bien conservees que j'ai eu la 
Chance de le receuillir. 

4:9. Area appenzelliea, May. 

A. testa ovato-cuneala, transversa, ventricosa, inaequila- 
lerali; coslis filiformibus, subaequalibus, numerosis, sulcisque 
incrementi distanliusculis eleganter clathrala; latere antico bre- 
viore, dilatato, rolundato ; postico allenuato, obluse carinalo, 
oblique truncato, aculanguhito ; palliari paululum sinuoso; um- 
bonibus validjs, oblusis ; area majuscula, ovato-acuta. sulcis 
nonnullis, medio angulatis, inslructa. — Long. 30, lat. 16 millim. 

Espece tres voisine de l'A. nivea type, tel que le donne 
Reeve et qu'il se trouve au Musee de Zürich, mais qu'il serait 
neanmoins audacieux d'identifier, vu sa taille de beaucoup 
moindre, son niveau geologique et son etat de conservation 
qui pourrait preler ä l'erreur. 

50. Area Vandenhekei, Beil., 1851, Mem. See. geol. 
France, 2" ser., 4, p. 251, pl. 19, flg. 8. 

51. Area seabrosa, Nyst., 1847, Tabl. synopl. des Arches, 
p. 64, et Mem. Acad. Belg., 22. — A. rudis Desh., 1826, Coq. 
foss. env. Paris, 1, p. 210, pl. 33, flg. 7—8; Anim s. v. foss. 
Paris, 1, p. 874. — Sandb., Mainz. Terliärb., p. 352, pl. 29. 
flg. 1. — (Non A. (G.) rudis Sow., Janvier 1824) — A. trapezina, 



Mayer, Mollusques tertiaires du Musee federal de Zürich. 99 

Lam., Anim. sans vert., 2* edit., 6, p, 467? — Reeve, Monogr. 
Area, pl. 15, fig. 103? — A.nivea, May., Azor. und Madeir., p.37. 
— Non A. nivea, Cheran. — Non A. Helblingi, Brug. — Non 
A. sinuata, Lara. 

L'A. scabrosa est Tun des extremes d'un groupe d'especes 
dont l'A. nivea est l'exlreme oppose; mais quoique ces modifi- 
cations d'un menie type soieut reliees enlre alles par loute 
une Serie de formes intermediaires, — A. coelala, A. trapezina, 
A, sinuata, A. lima, A. bullata, A. Candida — les passages 
que Ton observe de l'une ä l'aulre ne sont decidement ni assez 
norabreux ni assez embarrassants pour necessiter leur reuiiion 
sous un nom commun. 

L'espece semblable ä l'A. nivea que M. Sandberger eile 
du moulin de Cabannes ä St. Paul, ra'cst corapletement in- 
connue; mes specimens de l'A. scabrosa de cetle localite vont 
parfaitement aux deux varietes, l'elargie et l'elroite, que j'ai 
receuillies ä Auvers. Mais il n'y aurail rien de surprenant que 
le type de l'A. nivea se relrouvät dans les l'aluns, puisqu'il 
exislail dejä pendant la periode nummulitique. 

5S. Area biillata, Reeve, 1844, Proc. Zool. Soc. ; Monogr. 
Area, pl. 16, fig. 107. 

Mon exemplaire, d'une conservaiion parfaite, n'a que vingt- 
et-un millimetres de long; il est un peu attenuc du cöte an- 
terieur, et ses cöles posterieures sont un peu plus faibles et 
de deux plus nornbreuses que Celles de rechanlillon figurc par 
Reeve; niais coinme h cela pres, il y a idenlile complete enlre 
les deux specimens, je ne puis faire autremenl que de les' 
reunir. 

L'habilal acluel de cetle belle espece est inconnu. D'apres 
son l'acies et ses analogies, il est a presumer qu'ellc provient 
de l'Ocean Pacin(|ue. 

53. Area eandida, Gmel., 1788, f^inne, Syst. Nal., edil. 
13, p. 3311. - A. llelbingi, Brug., Kncycl. melb., Vers, 1, 
p. 99. — Reeve, Monogr Area, pl. 14. fig. 90. — A. Candida 
Helblingi, Chemn. Conch., 7, pl. 55, fig. 542. 



100 Mayer, Mollusqucs tcrtiaires du Musee federal de Zürich. 

Gelte espece se dislingue ile l'A. sc.U»ros;i av;int loul ä 
ses crochels plus petits et ä ses cöles inegales, couverlos de 
peliles nodosites transverses. L'exetnplaire incomplet que j'ai 
trouve ä Turin concorde dans tous ces detajis avec Texcellenle 
description de l'espece que Reeve a donnce. 

Le nom d'A. Candida Helblingi n'etanl pas syslematique, 
force est de choisir le premier nom venu apres. 

54. Area Edwardsi, Desh., 1863, Anim. s. v. foss. Paris, 
1, p. 884, pl. 66, fig. 21—23. 

55. Area aiiiygdaloides, Dcsh., 1863, Anim. s. v, foss. 
Paris, 1, p. 882, pl. 66, fig. 9-11. 

56. Area Bernayi, Desh., 1863, Anim s. v. foss. Paris, 1, 
p. 885, pl. 65, fig. 24—26. 

57. Area asperula» Desh., 1863, Anim. s. v. foss, Paris, 
1, p. 883, pl. 66, fig. 4—6. 

Des deux specimens de celle rare espece que j'ai eu la 
bonne forlune de Irouver a .^uvers, l'un est h peu pres lypique, 
tandis que l'autre, quoique inseparable du premier, a presque 
la forme de I echanlillon de l'A. ßernayi figure par M. Deshayes. 
En presence de l'analogie dos autres caracleres, ce seul fait 
demontre que les deux cspeces sonl proches parontes dans le 
sens reel du mot. 

58. Area Genei? Beil., 1851, Mcm. Soc. geol. France. 2" 
ser., 4, p. 251, pl. 19, fig. 13. 

Le rjjauvais etat de mon echanlillon ne me permel pas de 
le citer sans un gros poinl d'interrogalion. 

59. Area tiroliana, May., 1861, Gümbel, Geol. Beschreib. 
Oberbay., p. 672. 

A. elongato-lransversa, angusla, compressa, iiuequilalerali, 
costulis radiantibus validiusculis, minoribus interdum alternan- 
tibus, anlicis el poslicis crassioribus, distantioribus, granosis, 
sulcisque incremenli nonnullis subclaihrata ; latere antico bre- 
viore, paulum depresso, rotundato; poslico elongalo, subcari- 
nato, oblique subtruncato. obtuse angulato; palliar! leviler si- 



Mayer, MoUusqnes tevtiaires du Mnsee föderal de Zürich. [Ol 

nualo, cardin.'ili pHrallelo; iinihonibus (umifliu?culis, ohiusis. — 
Loiio. 40, l;it. 18 millim. 

Ell cilanl Celle espece iiiedile, et plusieurs ;itilres loul aussi 
nouvelles, M. (jüriihfl s'esl perinis de s'alliihucr une pari a 
leur denoinination, cn ajoiilaiil 5>on nom d'auleur au inicti; le 
fait est copcndaiil f]ü'il iii'eiivoya oii 1850, saus detormiiiations 
aucunes, la iduparl des fossiles recuedlis par lui ä Hceriiig et 
qua je les lui renvoyai denoninies, apres en avoir fail la liste 
dans Uli de mos cahiers relies. Plus lard, iious liines ensenible 
une nouvelle levisioii de la l'auiie <le licTring, cl c'esl alors que 
M. (jünihel pioposa quelques iionis, eii oiitre de ceux qu'il 
s'atlribue a jusle titie a lui lout seul. Si M. GUmbel in'avail 
alors averli de soii intenlioii de j)ubliei- iios bsles, j'aiirais de 
grand coeur aceeple sa paitici|)alioi) aux iionis d'espeees, iiiais 
j'y aurais en loul cas inis la coiidition que les delerminalions 
l'usseiit failes avec plus de soiri et que los nonis nouvoaux 
lussenl acconipagiies fle diagnoses laliiies. Du resle, Ion peut 
dire que la plupart de ees especes nouvelles sonl encore in- 
ediles, cai' ([uehjues inots en alleinaiid, le plus souvoni com- 
paralil's el inexacls, iie coostiluenl plus aujouid'iiui une diagnose 
valable. 

La presenle espece na rien ii lairo avec le groupe de l'.A 
clallirala, iiiais eile a sa place pres des A. asperula eJ Genei, 
donl eile se distiiigue par son reseau de cötcs plus grossier. 

60. Arc.i distiuvtissiina, May. 

.■\. slriaUila, >lüusl. sec. Schaflli., Siidbay., Lelli. geOi;':n.. 
p. \i)7, \)\. 35, [ig. 6. (non .MiJust.) 

A. tesla oblongo-lransversa , ohliipie suli(piadraiigtdari, 
angusla, venlricosa. uiedio oblique sinuala, valde iiiaMpulate- 
rali; costis radianlibus lenuibus, nuinerosis, slriis increinenti 
decussato-granosis; latere anlico brevi, subiruncalo, rolundalo ; 
poslieo clongalo, paulum allenuato, subcarinalo, oi)luse irun- 
cato; palliari sinuoso, cardinali feie parallelo ; umbonibus lu- 
jnidiusculis, oblusis. obliquis; area laliuscula, oblonga, anlice 



102 Mayer, MoUusques tertiaires du Musee federal de Zürich. 

(lilatsla, suicis 8, approximntis, oblusissime angulalis, instrucla. 

— Long. 40, lat. 18 rnillim. 

Espece embarrassanle et qui ne renlre dans aucun des 
grands groupes d'Arches barbues. Par sa forme, eile rappelle 
un peu les Arches en bäleau, mais eile seloigne d'elles par les 
caracteres de son aire cardinale. II me semble en definitive 
quelle vjent se placer dans le voisinage de l'A. lilhodoraus, 
dont eile ä la forme etroite et oblique, la depression dorsale^ 
et la troncature poslerieure. Les quelques traces du let qu'ofTrent 
pres des crochets deux de raes exemplaires ne suffisenl pas 
pour juger complelemenl de son mode d'orneraentation. 

L'on s'etonnerait ä bon droit du tour de force par lequel 
M. Schafl'haeutel a idenlifie celle espece ä l'A. strialula figuree 
tlaiis Goldfuss, si Ion n'etait habitue ä ces ecarls d'imaginalion 
de la part du phanlasque savant bavarois. 11 va sans dire que 
les slries longitudinales rendues dans le dessin cite ne soiit 
que les impressions des cöles sur le nioule de la coquille et 
ne ressemblent en rien ä ses ornements superficiels. 

61. Area irregularis, Desh.. 1826, Coq. foss. env. Paris, 
1, p. 208, pl. 32, fig. 9—10; Anim. s. v. foss, Paris, 1, p. 880. 

— A. profunda, Desh., Coq. foss. env. Paris, 1, p. 207, pl. 
32, fig. 3—4. 

6®. Area planicosta« Desh., 1826, Coq. foss. env. Paris, 
1, p. 204, pl. 32, fig, 1-2 (senilis); Anim. s. v. foss. Paris, 1, 
p. 878. — A. condila, Desh., Anim. s. v. foss. Paris, 1, p. 878, 
pl. 66, fig. 7—8 et pl. 69, fig. 28—30. - A. articulata, Desh., 
Anim. s. v. foss. Paris, 1, p. 882, pl. 70, fig. 6—9. — Bisso- 
arca duplicala, Dixon. Geol. Sussex, pl. 3, fig. 22. — An ead. 
sp. : A. appendiculata. Sow., .Mem. Conch., 3, p. 135, pl. 276, 
fig. 3? 

Apres avoir perdu une demi-journee ä chercher les difTe- 
rences specifiques qui devraient dislinguer les A. planicosta 
et condila, j'ai acquis la certitude absolue qu'il n'y on avait 
pas, et que l'A. condita , tel que M. Deshayes l'a limile en 



Mayer, Mollusques tertiaires du Musee federal de Zürich, |03 

dernier lieu, est le lype d'une espece, donl I'A. planicosta 
est une legere variele, chez laquelle les cötes sonl un peu 
moins nombreuses et moins profondement bipartiles, mais qui, 
ineme quant ä ce caractere insuffisant, est reliee au lype par 
une foule de nuances. 

Quant ä I'A. articulala, il va sans dire qu'il ne difTere 
en rien de mainl exemplaire de I'A. condila type, quant a la 
forme et ä la charniere, et qu'il ne se dislingue de cc type 
que par ce leger caraclere, d'avoir les cöles posterieures non 
bifides et par consequent chargees de barres transverses au 
lieu de granules arrondies. Or, en etudiant soigneusement mes 
specimens de lA. condita, j'en ai trouve beaucoup chez le- 
quels les cötes posterieures sont indistinctement bifides ou 
meme integres ; j'en ai trouve beaucoup d'aulres, du lype de 
I'A. condita comme de celui de I'A. planicosta, chez lesquels les 
stries d'accroissement s'elevent en lames recouvrant les cötes 
ä des distances egales, et eaifin je suis lombe sur un exemplaire 
(le nuraero V. e. 698) chez lequel ces deux caracteres, d'avoir 
les cötes posterieures simples et les stries d'accroissement 
elevees et regulieres, produisent exactement lornemenlation de 
I'A. articulala. Cette espece n'est donc qu'une variele individuelle. 

Enfin je me deraande par quel caraclere organique TA. 
appendiculata peut bien se distinguer de I'A. planicosta. 
Qu'est-ce que signifient ces appendices anterieurs superposes 
ä laire cardinale? Rien, je pense, et tout au plus un accidenl 
pathologique ou de fossilisation. Du resle, quand meme I'A. 
appendiculata serait idenlique ä I'A. planicosta, ce dernier 
nom, quoique poslerieur ä I'aulre, devrail etre prefere, parce 
que Sowerby, en fondant son espece sur un caractere acci- 
dentel el en appuyant justemenl sur ce caraclere, a annule 
lui-meme sa description et son mediocre dessin, puisqu'il 
3 empeche de reconnailre l'espece verilable. 

63. Area Bonellii, Beil., 1851, in Mem, Soc. geol. France, 
2'' Serie, 4, p. 251, pl. 19, fig. 6. — 



[04 Mayer, Molhisques tertiaires du Musee federal de Zürich. 

64. Area variabilis, May. 

A. Helblingi, Brug. sec. Reuss, RuII, seanc. Acad. Vienne. 
39, p. 38, pl. 4. fig. 1. (iion Brug.) — A. batbata. Lin. sec. May., 
Tertiairf. Azor. und Madeir., p. 35. (p. p.) — Hcern., Foss. 
Mollusk. Wien, 2, p. 327 (p. p.) pl. 42, fig. 6-8, tl. (non Lin.) 

A. lesla plus ininusve ovalo-lransversa siepe sublrapezi- 
forini, iiiterdum ol)longa, coinpressiuscula, inedio leviler sinuala, 
inaequilalerali, fuscescenle; cosluhs radianlibus nurnerosis, le- 
nuibijs, leviler undulosis, inedianis raro bifidis vel allernantibus, 
anlicis paulum validioribus. approximalis, po.slicis complanalis, 
biparlilis, omnibiis striis increraenli irregularibus, decussatp- 
granulosis; lalere anlico breviore, pauiurn adenualo, irregulariler 
rolundalo, po.slico plus minusvo ililalalo oblique Iruncato, 
obluse angulato; palliar! sinualo, hianlulo; uinbonibus obtusis, 
panlulum obliquis; area ampla, slriis confertis, angulalis, le- 
viler undulosis, inslrucla ; lamna cardinali jale-arcuala ; den- 
libus uiedianis minulis, extremis validis, obliquis. — Long. 85, 
lal. 50 tnillira. 

Je ne connais l'A, Candida ou Ilelbliiigi que d'apres les 
figures qu'en ont donnees Chemnilz et Reeve et les diagnoses 
qu'en ont faites ces auteurs et Laraarck. En me fiant ä ces 
indications, je me figure l'A. Candida comme une espece du 
groupe de l'A. nivea , Ires voisine de celte espece, et ne s'en 
dislinguant que par sa forme plus apiatie. son cöle anlerieur 
plus long, ses crochets nioins eleves et son aire cardinale 
beaucoup plus elroite. Or, l'espece abondante que j'ai sous 
les yeux me semble differer eminemraent de l'Arche recente 
par sa coloration foncee, dont les traces non douleuses s'ap- 
pergoivent sur les beaux specimens provenant de Sl.-Avit; par 
sa forme plus inequilalerale. plus oblique; par ses cötes beau- 
coup plus fines et nombreuses que celles des especes du groupe 
de l'A. nivea ; par sa granulalion plus fine ; enfin par le nombre 
des cötes posterieures double ou triple de celui des A. nivea, 
scabrosa, sinuala etc. Bref, mon espece me parail venir se 



Mayer, Mollusques tertiaires du Musee fecleral de Zürich. 105 

placer non loin de l'A. planicosta, dont eile a quelquefois la 
forme et toujours les cötes poslerieures aplaties et bifides. Si 
je devais neanmoins nie troniper et que mon type ful identique 
ä l'A. Candida, l'on voudra bien m'excuser en raison de mon 
manque d'exeniplaires recents de Celle espece. 

La presence de cette espece dans I'Etage astien et meme 
dans le depcil qualernaire de Pozzuoli devrait faire presumer 
qu'elle existe encore a l'epoque actuelle; mais ä quelle espece 
recente faut-il la rapporter, si ce n'est pas l'A. Candida? 

(Suite au prochain cahier.) 



Notizen. 



Kleinere Mittheilungen von O. Beer. 

1) Herr Prof. Moritz Wagner sagt in seiner interessan- 
ten Abhandlung: «Die Darwin'sche Theorie und das Migrations- 
gesetz der Organismen» der Spinner Euprepia flavia sei auf 
das Thal von Oberengadin beschränkt, und fügt in einer An- 
merkung weiter folgendes bei : »ich selbst war so glücklich im 
Jahre 1850 die schöne Art, welche Esper vor 50 Jahren be- 
schrieben und abgebildet halte, deren Fundort aber unbekannt 
geblieben war, im Thal von Oberengadin, 5000' ü. M. wieder 
aufzufinden. Dieser Spinner scheint ausserhalb dieses ge- 
schlossenen Hochthaies in Europa nirgends vorzukommen» 
(S, .33) und S. .36 spricht er die Verraulhung aus, dass diese 
Euprepia flavia in der Hochregion des Oberengadins aus der 
E. villica des südlichen Fusses der Alpen entstanden sei. 

Hierauf erlaube mir zu erwiedern, dass die Euprepia flavia 
von Dr. Amstein bei Marsch lins in BUndlen entdeckt 
worden ist und von ihm den Namen flavia erhielt. Füssli 

XIII. 1. 1** 



106 Notizen. 

hat sie im Jahre 1779 beschrieben und eine schöne Abbildung 
gegeben (vergl. Magazin II. S. 70. Taf. I. Fig. 11). Amstein 
kannte auch die Raupe und gibt eine Beschreibung derselben. 
Esper hat sie drei Jahre s|iäter (1782) und viel schlechter 
abgebildet, ßorckhausen (Schmetterlinge S. 172) und Och- 
senheiraer (III. S. 338) geben die Schweiz als Vaterland an 
und im Gemälde der Schweiz, Cant. Graubündten, vom Jahre 
1838 habe die Art unter den seltenen Bürgern Bündtens auf- 
geführt. Im Sommer 1819 fand ich sie im Oberengadin und 
habe die Fundstätte (den Kalksfels zwischen Samaden und 
Cellerina) den Entomologen bezeichnet. Sie ist seither hier 
sowohl, wie bei ßevers (wo ich sie ebenfalls schon 1849 ge- 
sehen habe) und an andern Steilen des Oberengadins viel- 
fach gefunden worden, sie kommt aber auch im Oberwallis 
vor, und schon Ochsenheim er hat sie in Sibirien angege- 
ben. Im entomolog. Museum des Polytechnikums sind zwei 
Exemplare aus Russland. 

Es geht daraus hervor, dass Herr Wagner im Irrthum 
ist, wenn er glaubt, dass dieser schöne Schmetterling nur im 
Oberengadin vorkomme und dass er zuerst seine Heimat auf- 
gefunden habe. Da er auch bei Marchlins, also im Tieflande, 
gefunden wurde, kann er nicht als eine Alpenforra betrachtet 
werden und nach meinem Dafürhalten kann er nicht von der 
E. villica abstammen. Er steht, wie mir scheint, in Flügelschnitt, 
Farbenvertheilung und FlügelgeäderderE. cajanäher, raitwelcher 
Art schon Dr. Amstein ihn zunächst verglichen hat. Ueber- 
haupt ist Herr Prof. Wagner in seinen Vergleichungen nicht 
immer glücklich , so wenn er den Garabus alpinus als eine 
Hochchalpenform des C. sylvestris betrachtet, da dieser (in der 
Form nivalis God.) dieselbe Höhenregion bewohnt, wie der 
alpinus (cf. meine Fauna col. helvet. S. 27) und wenn er sagt, 
dass alle alpinen Hipparchien u. s. w. uns überaus ähn- 
liche Formen der Tiefregion ins Gedächlniss rufen , so wäre 
doch sehr zu wünschen gewesen, dass er diess nachgewiesen 
halle. Wohl gibt es in den Alpen eine Zahl von Pflanzen- und 



Notizen. 107 

Thierarten, welche solchen des Tieflandes nahe stehen und von 
denselben abstammen mögen ; aber Herrn Wagners Behaup- 
tung, dass alle Käfer und Schmetlerlinge unserer alpinen Re- 
gionen als etwas veränderte Speciesformen von den gleichen 
Galtungen der mittlem oder liefern Stufen erscheinen und 
dass jede Insektenart der Höhen an sehr nahe Verwandte 
der Tiefe erinnere, ist in dieser Allgemeinheit auagesprochen 
jedenfalls unrichtig, wobei ich nur an die zahlreichen alpinen 
Nebrien, Pleroslichen und Trechus-Arten erinnern will, welche 
im Tieflande keine Repräsentanten haben. Dasselbe gilt von 
den Pflanzen. Wo sind im Tieflande für die Aretien, Primeln, 
Soldanellen, Alpenrosen u. s. w. die Mutterpflanzen, von denen 
sie hergeleitet werden können? Und diess sind ausgezeichnete 
Typen, welche den Alpen eigenthümlich sind und nicht aus 
der arctischen Flora hergeleitet werden können. 

2) Herr Prof. L. Agassiz hat sich von einer langen 
und schweren Herzkrankheit glucklich erholt und ist mit Er- 
weiterung des grossartigen Museums in Cambridge beschäfligl. 

3) Die Sammlung des Polytechnikums hat von Herrn Prof. 
Anderson in Stockholm eine fast vollständige Sammlung 
der bis jetzt in Spitzbergen gefundenen phanerogamen Pflan- 
zen erhalten , welche zur Vergleichung mit unserer Alpen- 
Flora von grossem Interesse ist. Ohne Zweifel wird die neue 
schwedische Nordpol-Expedition , welche jetzt wahrscheinlich 
in Spitzbergen sein wird, dort viele lebenden und fossilen 
Pflanzen sammeln. Wie mir Prof. Nordens kiöld, der 
Führer dieser Expedition, millheille , wird er die Fundstätten 
der fossilen Pflanzen, welche in meiner Flora fossilis arctica be- 
schrieben sind, besuchen und möglichst reiche Sammlungen 
von Pflanzenversleinerungen veranstalten. Nach einer brief- 
lichen Mitlheilung vom 19. Juli hal er an diesem Tage Tromsö 
verlassen und wird zunächst auf der Bäreninsel landen , um 
die dortigen Kohlenablagerungen einer genauem Untersuchung 
zu unterwerfen. 



108 Notizen. 

Ungfäll in Randa. — Das Jahr 1866 war nicht reichhaltig 
an Naturereignissen, wie man sonst hier von Seile des grossen 
Weisshornglelschers gewöhnt ist. Der Grund hievon ist nicht 
schwer zu erralhen , weil es nämlich ein durchaus milder Win- 
ter war. Wohl aber ist der Winter von 1807 merkwürdiger 
an derartigen Phänomenen. Eines der Bedeutendsten ereignete 
sich am 15. Jenner 1867 in der Nacht am Morgen um 2 Uhr. 
Der dumpfe Wiederhall des Glockenhammers vom Kirchthurme 
schien den starren Nachbaren, droben im Eispallast, aufge- 
rüttelt zu haben. Denn kaum vernahm ich, noch in meiner 
Ruhestätte halbwachend , dumpf und langsam vom Thurme 
herab 2 Uhr schlagen, als sich ein heftiger Windstoss an mei- 
nem Hause wahrnehmen liess. Mein erster Gednnke war, es 
\ hat sich ein gewaltiger Wind erhoben, der aus dem an vor- 
hergehenden Tagen gefallenen grossen Schnee, ein gewaltiges 
Schneegestöber bilden wird. Ein zweiter und dritter noch 
stärkerer Windstoss konnte mich noch nicht auf den Gedan- 
ken bringen, dass es das Ungfäll sein möchte, sondern glaubte 
noch immer, es seie ein furchtbarer Schneesturm, weil wir 
an derartige Erscheinungen heuer ziemlich gewöhnt v^aren. — 
Als nun abermals durch einen starken, Haus und Bett erschüt- 
ternden Stoss. in meinem Schlafgemach zwei Flügelfenster, 
eines auf der Sudseite und das andere auf der Ostseile, auf- 
gerissen wurden und ein dichter Gletscherstaub gewaltsam 
hineindrang, kam ich erst recht zur Besinnung, dass »General 
Weisshorn« von seiner hohen eisigen Residenz mir in so frü- 
her Stunde seine kalte und barsche Visite abstatte. Sogleich 
sprang ich vom Bette auf, um so schnell als möglich die OefF- 
nung zu schliessen, durch welche die schaurig kalte Gletscher- 
luft hereindrang. Mehrere Male jedoch musste ich, in meiner 
nicht angenehmen Situation, dem hereinstürmenden Schnee- 
gestöber bald rechts, bald links ausweichen und ihm den Rü- 
cken zuwenden, um nicht athemlos zu werden, bevor ich 
vom Bette ^um Fenster vordringen konnte. Endlich gelang es 
mir die Fenster zu schliessen und mich anzukleiden. Erbarm- 



Notizen. 109 

lioh aber sah meine Wohnstube ausi Mein Bell war ganz durch- 
nWssl ; der Boden, der Tisch , die Bücher und Alles was darauf 
lag, war mit so dichtem fein gesiebtem Gletscherslaub bedeckt, 
dass ich ihn mit einer Schaufel hinausschaffen mussle. Nach- 
dem ich endlich die Ordnung im Zimmer in etwas wiederher- 
gestellt halte, welche Seine Hochgeboren General Weisshorn 
durch seine flegelhafte und unmanierliche Visite bei mir so 
schonungslos gestört hatte, nahm es mich auch wunder, wie 
er mit seinem wilden Heer beim Durchmarsch draussen werde 
gehaust haben. Welch seltsamer und doch schöner Anblick! 
Die schwarzen Holzhäuser waren blendend weiss gekleidet; 
abei' von diesem herrlichen Winterkleide, in welches das Dorf 
Randa eingehüllt war, wehete mich eine eiskalte Gletscher- 
lufl an, so dass ich eiligst und schaudernd vor Kälte mich in 
meine Wohnung zurückzog. 

Die in die Vispe herabgestürzte Gletschermasse war sehr 
gross, weil sie durch den fiisch gefallenen grossen Schnee 
bedeutend im Herabstürzen angevvachsen und vergrossert wurde 
und dem Glelscherslaub mehr Kraft verschallte. Der Nachfall 
von diesem Glelscheisturz, der sich in den folgenden Tagen 
noch ereignete, vergrösserte am Hauptwasser (Vispe) die Schutl- 
masse so sehr, dass seit vielen Jahren so etwas hier nicht 
mehr gesehen worden; ja dass die Gewässer der Vispe auf 
mehrere Tage zurückgeschwellt wurden und einen blendenden 
Eissee bildeten. — Zu gleicher Zeit herrschte nach dem grossen 
Schneefall eine so strenge Kälte, dass viele arme Vögelein 
tödlich erstarrten. Schaarenweise Hessen sie sich an Häusern 
und Scheunen nieder, um sich vor dem greulichen Hunger- 
lode zu reiten. Viele giengen von selbst in die Häuser und 
viele Messen sich fangen und wurden dann mehrere Tage ge- 
füttert. Aehnliche traurige Naturereignisse hatten auch an 
benachbarten Orten unsers Visperlhales statt, die den strengen 
und schweren Winter im Jahre 1867 überall besonders bei 
uns merkwürdig machten. [J. M. Imbodeu.] 



1 10 Notizen. 

Notizen zur Schweiz. Kulturgeschichte. (Fortsetzung.) 

159) Die allgemeine Augsburger-Zeilung vom 7. Juni 1867 
enthält einen kurzen Nekrolog des um die neuere Geometrie 
sehr verdienten Professor Georg Karl Christian von Staudl in 
Erlangen, in dem begreiflicher Weise auch von Steiner die 
Rede ist, ohne ihm aber die hohe Stellung anzuweisen, welche 
diesem als Geometer ganz ausgezeichneten Manne gebührt; 
es hat darum besagter Artikel auf verschiedene Freunde Slei- 
ner's einen bemühenden Eindruck gemacht: Sie mögen sich 
jedoch damit beruhigen, dass ein späterer Geschichtschreiber 
der Mathematik den Text desselben ungefähr ebenso richtig 
finden wird, als der Geometer die beigefügte Note. 

160) Für den mit vollstem Rechte hochberühmten Uhr- 
macher Abraham-Louis Breguet (s. IV 220 — 222). vergleiche 
die ganz interessante Notiz in der «Histoire de trois ouvriers 
frangais: Richard-Lenoir, Abraham-Louis Breguet, Michel Bre- 
zin. Par le baron Ernouf. Paris 1867 in 8.» Es wird darin 
festgehalten, dass die Familie Breguet ursprünglich eine fran- 
zösische gewesen , und erst zur Zeit des Edictes von Nantes 
nach Neuenburg ausgewandert sei; als Todestag dagegen wird 
der 17. September 1823 bestätigt, 

161) Die im Musee Neuchatelois auf 40 Seiten gegebene 
Beschreibung der am 22. October 1866 in Neuenburg vorge- 
nommenen «Inauguration de l'Academie de Neuchälel et Pose 
de la pierre angulaire du nouveau College» bewahrt unter 
Anderm eine Rede des Professor Louis Favre auf, welche sehr 
interessante und delaillirte Nachrichten über Louis Bourguet 
(s. III 236—237) enthält. 

162) Das Bündnerische Monatsblatt enthält manche nalur- 
und kultur-historische Notizen von grossem Interesse, so dass 
hier eine kleine Blumenlese aus den mir eben vorliegenden 
Jahrgängen 1851 — 1861 derselben wohl gerechtfertigt scheinen 
dürfte : 

1851, III. «Zu Anfang Februar fanden am sudlichen Ab- 
hänge der Alpen eigenlhümliche Bewegungen in der Atmosphäre 



Notizen. 111 

statt. Sie hatten Blitz und Donner, Erdbewegungen, Brandun- 
gen und Slromschwellen, starke Schneefälle u. a. zur Folge. 
Während diesseits der Berge die Witterung trocken 
und heiter war. fiel vom Splügen an bis hinab ge- 
gen Mailand ein so beträchtlicher Schnee, dass die 
italienischen Posten während einigen Tagen um mehrere Stun- 
den zu spät ankamen. >i — «Am 5. Februar, Mittags 11 Uhr, 
wurde auch in Bünden das Erd Lieben gespürt, das sich be- 
sonders in Oberitalien am heftigsten gezeigt hat. Es verlief 
in wellenförmiger Bewegung von Süden nach Norden. An der 
Waltensbuiger Halde hatten sich in Folge der Erschütterung 
ziemliche Felsmassen losgemacht und die unten durchführende 
Strasse verheert.» — IV. «Am 10. März wurde in Marschlins 
Nachmittags 4'' 15" bei heftigem Südwinde ein Erdbeben 
wahrgenommen.» — Im März starb im 85. Jahre J. M. Tester, 
früher lange Schullehrer bis zum Einmärsche der Franzosen 
in Ghur im März 1799, später Zoller; ein Mann mit vielen An- 
lagen für Mathematik und Physik, geistig frisch bis an sein 
Ende. (Vielleicht der Vater des von mir IV 380 behandelten 
Christian Tester) — VII. «lieber den Einfluss der Wälder 
auf das Klima und die Bewohnbarkeit der Länder. Von J. P. » 
1852, IV. «Am 11. März, Morgens um 4^ 20", wurde in 
Chur ein Erdbeben verspürt mit der Bewegung von, Ost 
nach West. Abends vorher hat sich Föhnwetter eingestellt.» 
— VIII. Uer See bei St. Moritzen im Ober-Engadin wurde 
eisfrei 

1832 V 5 1839 V 21 18't6 V 10 

1833 V 24 1840 V 11 1847 V 20 

1834 V 11 1841 V 6 1848 V 15 

1835 V 23 1842 V 11 1849 V 20 

1836 VI 8 1843 V 23 1850 V 30 

1837 VI 8 1844 V 12 1851 V 24 

1838 V 28 1815 V 25 1852 V 20 
«Am 25. Juli Morgens 3'' wurde im nördlichen Theile von 
Bündten ein Erdbeben gespürt, und zwar in horizontaler Rieh- 



1 12 Notizen. 

tung von Nordost nach Südwest, begleitet von heftigem Welter- 
leuchten. Am 27., 28. und 29. Juli sind auch im Oberengadin 
und Bergell heftige Erdslösse in fier Richtung von Ost nach 
West gespürt worden ; Luftströmung von Südwest. 

1853, III enthält einen Nekrolog des namentlich als Bade- 
arzt von Pfäfers und Schriftsteller übf'r die betreffende Quelle 
bekannten, aber auch sonst, nan)en!iich um die nalurforschende 
Gesellschaft Bündlens und das Schulwesen dieses Kantons, 
verdienten Dr. Job. Anton Kaiser (Garns 1792, VII 25 — 
Ghur 1853 II 19). — V. «In Chur, Thusis, etc. wurde am 18. 
April Abends 9'' 45"' ein Erdbeben in der Richtung von 
West nach Ost in der Art verspürt, als ob in den obern Stock- 
werken ein heftiges Gepolter vor sich gegangen wäre. In Re- 
vers merkte man am 18. nichts von einem Erdbeben, dagegen 
am 15. Morgens 5*" 27'".» 

1854, XI. Nach alten Bündtner-Chroniken «war Anno 1695 
ein schreckhaftes .Jahr, indem vom 31. August bis 19. Oktober 
in ganz 3 Bünden in die 40 Erdbidem stark oder schwach 
verspührl worden, worüber von recbtschaflenen Geistlichen 
Herren viele Ermahnungen und Buss-Predigten sind gehalten 
worden.» — XII. «Am 7. November Morgens 4'/^ Ühr ist im 
ünterengadin ein starker Erdstoss in der Richtung von Süd- 
west nach Nordost gespürt worden. Merkwürdig, dass am 
1. November es in Bevers wärmer war als in Chur.» 

1855, VII. «Nach grosser Hitze, die fast ununterbrochen 
4 Wochen andauerte, trat am 15. Juni Abends ein Gewitter 
ein, am 16. regnete es beständig fort und Nachmittags fielen 
schwere Schneeflocken in Menge. Gras und Korn wurden 
durch Regen und Schnee zu Boden gedrückt; im Domleschg 
brachen nicht nur Aeste, sondern Bäume unter der Last des 
Schnee's zusammen.» — VIII. Das Erdbeben vom 25. Juli, 
das in Visp so grosse Zerstörungen anrichtete, ist auch in 
BUndten, doch unbedeutend, gespurt worden. [R. Wolf.] 

(Fortsetzung folgt.) 



Astronomische Mittlieilungen 



von 
Dr. Rudolf Wolf. 



XXIV. Beobachtungen der Sonnenflecken im Jahre 1867 und 
Berechnung der Relativzahlen und Variationen dieses 
Jahres; vorläufige Bestimmung der Epoche des letz- 
ten Minimums, Zusammenstellung der bisherigen Epo- 
chen und Relativzahlen , sowie einige betreffende 
Schlüsse und Rechnungsresultate; über die behufs 
Ortsbestimmung der Sternwarte ausgeführten und 
beabsichtigten Operationen, speziell über die Bestim- 
mung der Länge, des Nadirs , der Gollimation und 
Refraction; Fortsetzung der Sonnenfleckenliteratur. 

Die Häufigkeil der Sonnenflecken konnte von mir 
oder meinen Assistenten, Herrn Weilen mann und 
Meyer, im Lauf des Jahres 1857 an 299 Tagen mehr 
oder weniger vollständig beobachtet werden, und 
ausserdem erhielt ich von den Herrn Hofrath Schwabe 
in Dessau und Weber in Peckeloh (s. 246 der Litt.) 
eine ziemlich grosse Anzahl werthvoller Ergänzungen, 
so dass ich schliesslich für 356 über vollständige, 
zum Theil sogar über mehrfache Beobachtungen ver- 
fügte und nur bei 9 Tagen (2 im Januar und 7 im 
Dezember) in gänzlicher Unkenntniss über den Flecken- 
stand der Sonne blieb. — Wie bei den Berichten über 
1863 bis 1866 habe ich in der ersten der beistehenden 

Xlll. a. 8 



114 



Wolf, astronomische Mittheilungen, 



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Wolf, astronomische Mittheilungen. 115 



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116 Wolf, astronomische Mittheilungen. 

Tafeln für jeden Tag in altg^ewohnter Weise die An- 
zahl der gesehenen Gruppen und Flecken eingetragen, 
und bei jeder Beobachtung, mit einziger Ausnahme 
der entweder von mir selbst oder von den Herrn 
Weilenmann und Meyer nach ganz entsprechender 
Art mit Vergrösserung 64 meines Vierfüssers erhal- 
tenen Normalbeobachtungen, durch ein beigefügtes 
Zeichen den Beobachter markirt, um bei Berechnung 
der Relativzahlen den ihm zugehörigen Reductions- 
factor anwenden zu können. Ein beigesetztes -J- 
bezeichnet Beobachtungen meines geehrten Herrn 
Hofratli vSchwabe (mit Reductionsfactor 5/4), der nach 
seiner neulichen Einsendung in die Monthly Notices 
of the Royal Astronomical Society (Vol. 28, Nr. 5) 
im Ganzen in den 12 Monaten von 1867 

Beobachtungstage 
FJeekenfreie Tage 
Gruppen 

erhielt, also bei 312 Beobachtungslagen die Sonne 
195 mal ohne Flecken sah (während die zweite der 
beistehenden Tafeln auf 356 Tage 199, die erste so- 
gar 216 ohne Flecken hat) und während des ganzen 
Jahres 25 Gruppen (21 weniger als 1866, und 68 
weniger als 1865) zählte. — Ein beigesetztes * be- 
zeichnet Beobachtungen, welche ich (vergl. Nr. XU) 
mit dem kleinen Instrumente machte und mit V2 in 
Rechnung brachte; ein beigesetztes w endlich Beob- 
achtungen von Weber, die ich mit V4 in Rechnung 
brachte. — Mit Hülfe dieser Beobachtungen und Re- 
ductionsfactoren wurden nun für die erwähnten 356 
Tage die Relativzahlen berechnet, und daraus theils 
die in die Tafel eingetragenen Monatsmittel, theils 



23 


26 


26 


24 


26 


30 


31 


31 30 


28 


22 


15 


23 


26 


15 


16 


16 


23 


18 


20 17 


13 


5 


3 








3 


1 


2 


1 


2 


3 1 


3 


4 


5 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 



117 



R = 8,0 

als mittlere Relativzahl des Jahres 1867 gefunden. — 
Die zweite der beistehenden Tafeln gibt für jeden 
derselben 356 Tage die ihm zukommende Reintivzahl, 
— jedoch (entsprechend den Berichten seit 1868) mit 
dem Unterschiede, dass letzlere sich nicht allein auf die 
in ersterer Tafel eingetragene Beobachtung gründet, 
sondern dass für sie ausser der Wolf-Schwabe'schen 
Serie sämmtliche 306 Weber'schen Beobachtungen 
benutzt wurden, welche in Nr. 246 der Literatur ver- 
zeichnet sind. Ferner gibt die zweite Tafel die fünf- 
tägigen Mittel dieser mittlem taglichen Relativzahlen, 
so wie für jeden Monat das Mittel der 6 (oder im 
August 7) auf ihn fallenden fünftägigen Mittelzahlen. 
Diese 12 letztern Zahlen stimmen natürlich mit den 
Monatsmitteln der ersten Tafel nicht ganz überein, 
und so ist auch das aus ihnen gezogene Jahresmittel 

R' = 8,3 
etwas von dem aus der ersten Tafel erhaltenen 
Werthe R verschieden. Mit Zugrundelegung dieser 
Werthe erhalte ich nach den von mir aufgestellten 
Formeln, folgende magnetische Declinationsvaria- 
tionen : 



1867 


nach 
Formel 


bei 

Anwendung von 

R R' 


Prag 


VIII 


6',16 6',18 


München 


XXXIII 


7,40 7,41 


Ghristiania 


XXXVI 


5,25 5,26 


Greenvvich 


XXXX 


4,61 4,62 


Rom 


IVL 


5,91 


5,93 


Utrecht 


IIL 


5,87 


5,89 



118 Wolf, astronomische Mittheilungen. 

WO bei Berechnung für Utrecht, wie im vorigen Jahr, 
die mulhmasslich in der Formel zu stark angesetzte 
seculäre Variation des constanten Gliedes vernach- 
lässigt wurde. Da aus den in Prag um 2 Uhr und 
20 Uhr angestellten magnetischen Beobachtungen sich 
für 1867 die mit der oben Berechneten nahe überein- 
stimmende Variation 6', 47 ergibt, so bewährt sich die 
Formel VIII immer noch in schönster Weise, und 
ähnlich wird es sich muthmasslich mit den zwei fol- 
genden Formeln verhalten, während dagegen aller- 
dings die Formeln für Greenwich, Rom und Utrecht 
noch nicht auf so fester Basis zu ruhen scheinen. 

Wählt man die von einer gewissen Epoche, z. B. 
von dem Anfange des Jahres 1864 hinweg, gezählten 
Monatszahlen als Abscissen, und trägt für jeden Mo- 
nat die ihm entsprechende Relativzahl als Ordinate auf, 
so erhält man eine den Verlauf des Fleckenstandes 
darstellende Curve, und erkennt aus derselben, dass 
zu Anfang des Jahres 1867 ein Minimum eingetreten 
ist, ja kann dasselbe mit ziemlicher Sicherheit auf 

1867, 2 i0,2 

legen ^) , — immerhin wird aber eine ganz sichere 



^) Der in diesen Mittheilungen schon oft als fleissiger Sonnen- 
beobachter genannte und benutzte Herr Weber in Peckeloh hat 
nach seinen eigenen Aufzeichnungen das letzte Fleckenminimum auf 
die erste Hälfte des Februar 1867 gesetzt, was mit meiner Bestim- 
mung ganz gut zusammentriflft. Wenn er dagegen sagt, es wäre 
vielleicht noch zweckmässiger den Anfang einer neuen Periode auf 
den 9. Februar 1866 zu legen, wo er zum ersten Male wieder das 
Auftreten von Fackeln an den Polen beobachtet habe, so kann ich 
nicht beistimmen: Ich habe allerdings schon vor vielen Jahren 
(siehe meine Mittheilungen vom Mai 1859) die Ansicht ausgespro- 



Wolf, astronomisclie Mittheilungen. 119 

Bestimmung frühestens nach Ablauf des gegenwar- 
tigen Jahres 1868 möglich werden. Da jedoch diese 
letztere kaum ein bedeutend anderes Resultat ergeben 
wird, und die früher publicirten Tafeln der Epochen 
und Relativzahlen, namentlich durch Benutzung der 
Kirch'schen Beobachtungen, wesentliche Veränder- 
ungen und Erweiterungen erfuhren, so habe ich es 
im allgemeinen Interesse gehalten, jetzt schon eine 
neue Ausgabe dieser Letztern, mit Einschluss der 
neuen Minimumsepoche und der für 1867 bestimmten 
Relativzahl, zu veranstalten. Es wird dabei kaum nö- 
thig sein diesen beiden beistehenden Tafeln einen wei- 
tern Commentar beizufügen, und ich beschränke mich 
daher darauf hinzuweisen, dass ich die aus den auf ein- 
ander folgenden Epochen gezogenen Werthe für die 
Länge der Periode nach Maassgabe der Quadrate der 
für sie erhaltenen Unsicherheiten in 5 Klassen ein- 
theilte, diesen die Gewichte 1 bis 5 beilegte, und mit 



-chen und belegt, dass die Fleckenerscheinungen mit einer Art Strö- 
mung von den Polen her beginnen, und könnte also insoweit nichts 
dagegen einwenden, dass das erwähnte erste Wiederauftreten von 
Fackeln als der sichtbare Anfang der neuen Thätigkeit auf der 
Sonne angesehen werden; aber ich muss dennoch des Entschieden- 
sten dazu rathen, dass das Fleckenrainimum als Epoche festgehalten 
werde, da einerseits ein einzelnes, z. B. durch anhaltend schlechte 
Witterung veranlasstes Uebersehen einer ersten Fackelbildung die 
neue Epochenbestimmuug unsicherer als die alte machen müsste, und 
anderseits die ältere Beobachtungsreihe von Galilei und Harriot 
bis zu Adams und Schwabe für 2Y2 Jahrhunderte wohl die Mini- 
mumsepoche, nicht aber die neue Fackelepoche auszumittcln erlaubt, 
also bei Annahme dieser Letztern so zu sagen für uns verloren 
gehen würde, ohne dass dafür vor Abfluss eines weitern Jahrhun- 
derts ein irgendwie entsprechender Ersatz in Aussicht zu stellen wäre. 



120 



Wolf, astronomische Mittheilungen, 
Epochentafel, 



Minima 


Maxima 


Epochen 


Differenzen 


Geff. 


Epochen Differenzen 


Gew. 


16l0,8 


± 0,4 


8^2 ± 1,5 


3 


1615,5 


+ 1,5 


10%5 ± 1,8 


2 


1619,0 


1,5 


15,0 1,8 


2 


1626,0 


1,0 


13,5 1,4 


3 


1634,0 


1,0 


11,0 1,4 


3 


1639,5 


1,0 


9,5 1,8 


2 


1645,0 


1,0 


10,0 2,2 


2 


1649,0 


1,5 


11,0 2,5 


1 


1655,0 


2,0 


11,0 2,8 


1 


1660,0 


2,0 


15,0 2,8 


1 


1666,0 


2,0 


13,5 2,8 


1 


1675,0 


2,0 


10,0 2,5 


1 


1679,5 


2,0 


10,0 2,8 


1 


1685,0 


1,5 


8,0 2,5 


1 


1689,5 


2,0 


8,5 2,8 


1 


1693,0 


2,0 


12,5 2,2 


2 


1698,0 


2,0 


14,0 2,2 


2 


1705,5 


1,0 


12,7 1,4 


3 


1712,0 


1,0 


11,5 1,4 


3 


1718,2 


1,0 


9,3 1,4 


3 


1723,5 


1,0 


10,5 1,4 


3 


1727,5 


1,0 


11,2 1,4 


3 


1731,0 


1,0 


11,0 1,4 


3 


1738,7 


1,0 


11,3 1,4 


3 


1745,0 


1,0 


10,7 1,1 


3 


1750,0 


1,0 


11,5 1,1 


3 


1755,7 


0,5 


10,8 0,7 


4 


1761,5 


0,5 


8,5 0,7 


4 


1766,5 


0,5 


9,3 0,7 


4 


1770,0 


0,5 


9,5 0,7 


4 


1775,8 


0,5 


9,0 0,7 


4 


1779,5 


0,5 


9,0 0,7 


4 


1784,8 


0,5 


13,7 0,7 


4 


1788,5 


0,5 


15,5 1,1 


3 


1798,5 


0,5 


12,0 0,7 


4 


1804,0 


1,0 


12,8 1,1 


3 


1810,5 


0,5 


12,7 0,7 


4 


1816,8 


0,5 


12,7 1,1 


3 


1823,2 


0,5 


10,6 0,5 


4 


1829,5 


1,0 


7,7 1,1 


3 


1833,8 


0,2 


10,2 0,3 


5 


1837,2 


0,5 


11,4 0,7 


4 


1844,0 


0,2 


12,2 0,3 


5 


1848,6 


0,5 


11,6 0,5 


4 


1856,2 


0,2 


11,0 0,3 


5 


1860,2 


0,2 






1867,2 


0,2 














Mittel 


11,114 ± 1,537 




Mittel 


11,060 i 2,002 






+. 0,182 






± 0,259 




NB. Di 


e erste 


Unsicherheit bez 


eich 


net je die mittlere Abweichung 


der 


einzelnen Perio 


le vom Mittel, ( 


lie 2 


weite die Unsid 


lerheit des Mitt 


eis. 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 



121 



^ 








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1 

Jalir r 


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*-5 


-"— (MrCi^rO^-— CJCOlOlfSOOlNlMff^-— ■«CCC005 


ES) 

12; 





122 Wolf, astronomische Mittheilungen. 

Hülfe dieser Gewichte je das Mittel aus den verschie- 
denen Bestimmungen berechnet. Die aus den Minimas 
und Maximas gezogenen V\erthe 

ll',l 14 i 0,182 und ir,060jf 0,2.59 

für die mittlere Periodenlänge stimmen weit innerhalb 
ihrer noch circa V5 Jahr betragenden Unsicherheiten 
überein, und schliessen die alte Periodenlänge 11^,111 
zwischen sich ein. Es hat also lieinen Grund diese 
letztere Länge abzuändern, sondern sie darf im Gegen- 
theil durch die neuen Rechnungen als noch bestimmter 
erwiesen betrachtet werden. Die auf circa l '/2 Jahre 
ansteigende mittlere Abweichung der einzelnen Pe- 
riode von dem mittlem Werthe zeigt uns, dass die 
Zwischenzeit zwischen zwei Minimas mindestens 
zwischen 

9%6 und 12',6 

schwanken kann, und in der That ist, wie die Tafel 
zeigt, diese obere Grenze in der allerneuesten Zeit 
(auch wenn wir uns nur an die genauer zu fixircnden 
Minimas halten) einmal nahe erreicht, in etwas früherer 
Zeit, aus der noch ganz sichere Beobachtungen vor- 
liegen, sie und die untere Grenze sogar mehrmals 
überschritten worden. Es scheint sogar in diesen 
Ausschreitungen, namentlich im Eintreffen der Mini- 
malwerthe, eine gewisse Gesetzmässigkeit zu liegen 
und wenn, wie es fast den Anschein zu haben scheint, 
der eben abgeflossenen Periode wieder eine solche 
kurze Periode folgen, d. h. das nächste Maximum schon 
etwa isro/jgjrj^ das nächste Minimum schon etw^a ^^'^/is?? 
eintreffen sollte, so würde man dieselbe kaum be- 
zweifeln können. — In der Tafel der Relativzahlen 
sind ohne irgend welche Veränderung die frühern 



Wolf, astronomische Mittheilungen. j93 

Bestimmungen zusammengetragen worden, um sie 
bequemer übersehen und gebrauchen zu können. Es 
Hessen sich auch an sie mehrere nicht unwichtige 
Betrachtungen ivnüpfen , welche ich aber auf eine 
spätere Gelegenheit versparen will, wo ich endlich 
dazu kommen werde die längst versprochene Reihe 
der fünftägigen Mittel und die auf ihr hasirenden ün- 
tersuchiingen vorzulegen. 

Die zur Bestimmung der geographischen Lage der 
Sternwarte des schweizerischen Polytechnikums un- 
ternommenen Arbeiten haben wieder einige erhebliche 
Fortschritte gemacht, und wenn sie auch jetzt noch 
keineswegs als abgeschlossen zu betrachten sind, 
doch bereits zu verschiedenen Resultaten geführt, 
welche der Mittheilung werth sein dürften. — Was 
zunächst die geographische Länge von Zürich anbe- 
langt, so ist mir nicht bekannt, worauf die von 
Bartsch und Keppler (vergl. XXII) für die Pariser- 
Länge von „Tigurum Helvetiae" gegebene Zahl 
0^26'" beruht^); dagegen erhielten auf Grundlage 
wirklicher Beobachtungen : 

Johann und Job. Jakob Scheuchzer bei der 
Mondsfinsterniss von 1707 IV 27 nach Ma- 
raldi's Berechnung O*" 28"' — ' 

Heinrich Waser um 1770 aus mehreren Monds- 
finsternissen 25 15 

Johannes Feer aus mehreren von 1792 bis 
1806 auf dem Karlsthurme (l^llt westlich 
von der alten und l',69 westlich von der 



*) Bartsch hat ausserdem für „Zürich Helvetiae" die Angabe 
O*" 22™. 



t24 Wolf, astronomische Mittheilungen. 

neuen Sternwarte) beobachteten Sonnen- 
finsternissen und Sternbedeckungen *) . () 24 49,7 
Johannes Eschmann, aus der trigonometri- 
schen Verbindung der alten Sternwarte 



*) Fe er schrieb (s. Triesnecker, Astronomische Beobachtungen 
an verschiedenen Sternwarten in den Jahren 1811 und 1812. Prag 
1813 in 8°) am 22. Juni 1812 aus Zürich an Triesnecker in "Wien: 
,Ich ergreife die Gelegenheit Ihnen einige Beobaclitungen von Fix- 
sternbedeckungen mitzutheilen, welche ich von Zeit zu Zeit hier 
angestellt habe und noch ferner fortsetzen werde, da ich seit einem 
Jahr eine kleine Sternwarte neben meiner Wohnung habe errichten 
können, und auch mit einem 16zölligen Borda'schen Multiplikations- 
kreise, einem guten Mittagsfernrohr und einer Pendeluhr versehen 
bin. Mit dem erstei'n habe ich die Polhöhe derselben zu 47*^ 22' 28" 
bis 30" bestimmt, und die Meridiandiflferenz von Paris aus ziemlich 
zuverlässigen Bestimmungen von altern Beobachtungen 24' 49" bis 50" 
in Zeit gefunden. Indessen wünschte ich, dass Sie bei gegebenem 
Anlass zur Bestätigung der letztern die beigelegten Beobachtungen 
in Eechnung nehmen möchten. Da Sie dieses bisher so oft thaten,. 
so haben Sie vielleicht die Eechnungselemente zu diesen Beobach- 
tungen schon bei Händen, und sind alsdann so gütig, mir die Re- 
sultate davon mitzutheilen." Triesnecker berechnete nun wirklich 
die Mehrzahl der erhaltenen Beobachtungen, und fand so für die 
Pariserlänge von Zürich aus 

1792 III 27 Bedeckung von a Tauri .... 24"" 52,2' 



1793 X 21 „ „ y Tauri . 

1794 I 31 Sonnenfinsterniss . . 

1795 IX 18 Bedeckung von ■9' Librie 

- 23 „ des Jupiter 

1796 m 14 „ von d^ Tauri 

- - „ „ S' Tauri 

1797 VI 24 Sonnenfinsterniss . . 
1806 VI 16 „ . . . 



48,0 
50,2 
49,3 
52,4 
50,9 
49,8 
48,0 
46,7 



Im Mittel 24" 49,72' 
wie oben mitgetheilt wurde, wobei Triesnecker beifügt : „Herr Feer 
hat sich also seiner Länge sehr genau zu versichern gewusst." 



Wolf, astronomische Mittheil ungen. 125 

(0,55* westlich von der neuen Sternwarte) 
mit Strassburg 24"' 51,t", mit Wien 24'" 50,9% 
also im Mittel 24 51,0 

Die Uebereinstimmung zwischen den Bestimmungen 
von Feer und Eschmann ist sehr schön und man 
darf aus ihnen wohl mit Sicherheit schiiessen, dass 
die Länge der neuen Sternwarte sehr nahe 

0*" 24"' 51,5' 

betragen wird. Immerhin musste es aber wünschbar 
erscheinen diese Länge noch direitter und auf tele- 
graphischem Wege zu bestimmen, und wirklich wurde 
zu diesem Zwecke schon 18t)4 die Sternwarte mit 
dem Bureau Zürich oder also mit dem schweizerischen 
Telegraphennetze in Verbindung gebracht, auch mit 
Freund Hirsch in Neuenburg vorläufig ein Austausch 
von Sternen oder Signalen verabredet. Aus verschie- 
denen Gründen musste jedoch die Ausführung mehr- 
mals vertagt werden, und kam erst wieder ernstlich 
zur Sprache, als im Frühjahr 1866 durch die schwei- 
zerische geodätische Kommission (Denzler, Dufour, 
Hirsch, Plantamour und Wolf) beschlossen wurde, 
auf einem der Centralpunkte des schweizerischen 
Dreiecknetzes, dem Rigi-Kulm, im Sommer 1867 
Polhöhe, Länge des Sekundenpendels, Azimuthe ei- 
niger Dreieckspunkte und Längendifferenz mit Zürich 
zu bestimmen, und sich Herr Professor Plantamour 
zur Uebernahme der Beobachtungen auf Rigi gewin- 
nen Hess; denn nun musste vor oder nachher selbst- 
verständlich auch Zürich mit Neuenburg, dessen 
Längendifferenz mit Genf schon 1862 durch Hirsch 
und Plantamour auf telegraphischem Wege ermittelt 
wordenwar,entsprechend verbunden werden. Während 



J^26 Wolf, astronomische Mittheilungen. 

Plantaraour für den Rigi und allfällig^e spätere Sta- 
tionen in Genf eine transportable Kuppel construiren 
liess, und die für seine Expedition (ausser dem von 
ihm bereits in Genf g^ebrauchten Pendelapparate von 
Repsold) bestimmten Instrumente (ein grosses üni- 
versalinstrument von Ertel und einen von Hipp 
mit elektrischer Registrirung versehenen, nach H i r s c h's 
vorläufiger Untersuchung gut compensirlen Chrono- 
meter von William Dubois in Locle) prüfte, gelang 
es mir theils mittelst Zusage eines Beitrages der 
geodätischen Commission an die Erstellungskosten 
der Linie Kulm-Kaltbad, zwischen den Herrn Bürgi 
auf Rigi-Kulm und der eidgenössischen Telegraphen- 
direction den Abschhiss eines Vertrages für Anlage 
eines Telegraphenbureaus auf Rigi-Kulm zu vermitteln, 
theils von der letzlern in zuvorkommendster Weise 
die Erlaubniss zu erhalten, die Linie Rigi-Zürich an 
unsern ßeobachlungsabenden von 9 Uhr Abends an 
zur Disposition zu erhalten; dagegen sah ich bald 
ein, dass keine Hoffnung sei, die längst bei Sylvain 
Mairet in Locle für Zürich bestellte neue Sternuhr 
vor Beginn der Operation zu erhalten, und dies ent- 
muthigte mich momentan so, dass ich glaubte den 
Vorschlag machen zu sollen , den Rigi seiner Länge 
nach mit Neuenburg zu vergleichen, und Zürich einst- 
weilen ganz aus dem Spiel zu lassen. Da Letzteres 
meinen beiden Collegen nicht recht munden wollte, 
so entschloss ich mich die Beobachtungen dennoch mit- 
zumachen und dabei die allerdings nicht unbedeutende 
Mühe mit in Kauf zu nehmen , die mit dem Chrono- 
graphen verbundene ältere Sternuhr durch häufige 
Vergleichungen mit der auf mittlere Zeil regulii'ten 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 127 

Uhr, welche ich von der Association ouvriere in Locle 
angekauft und bereits als zuverlässig erkannt hatte, 
in scharfer Controle zu halten ; immerhin w^urde nun 
aber von Plantamour, Hirsch und mir verabredet, 
neben der Linie Rigi-Zürich auch die Linie Ztirich- 
Neuenburg zur entsprechenden Benutzung zu ver- 
langen, beide Linien vom Bureau Zürich unabhängig 
auf die Sternwarte Zürich zu führen, wodurch letztere 
sowohl Zwischen- als Endstation werden konnte, 
und nun wo möglich gleichzeitig die drei Längendif- 
ferenzen Rigi-Zürich, Zürich-Neuenburg und Rigi- 
Neuenburg zu ermitteln, wodurch eine vortreffliche 
Controle in Aussicht gestellt war. Nachdem sodann 
Plantamour, Hirsch und ich 1867 IV 6-9 und 
V 30-VI 4 in Neuenburg theils mittelst künstlichen und 
wirklichen Sternen uns unter einander am Chronoskop 
und Chronographen verglichen, theils mit Berathung 
von Hipp unser Beobachtungsprogramm entworfen 
hatten, traf jeder von uns die nöthigen Vorbereitungen 
um in Aclion treten zu können : Für die Ergänzung 
der äussern Verbindungen mit dem Telegraphenbureau 
Zürich sorgte Herr Inspector Hohl, der uns überhaupt 
fortwährend auf die verdankenswertheste Weise un- 
terstützte; für die Verbindungen im Innern der Stern- 
warte aber, welche ziemlich schwierig waren, wenn 
die neuen Functionen ohne Störung der alten bequem 
und sicher ausführbar werden sollten, gelang es mir 
selbst ein brauchbares Schema zu entwerfen , und 
bei seiner Ausführung half mir ein intelligenter Tele- 
graphist, Herr P^ischer, welcher dann auch später 
während der Längenbestimmung die oft nicht leichte 
Correspondenz auf dem Morse besorgte. Die bei- 



128 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 




Stehende Figur gibt eine üebersicht von diesem 
Schema.^ und zwar bezeichnen TB und Uli die je 
aus 10 Minotto-Elementen bestehenden Localbatterien 
für Uhr und Taster, — Lß, die erst aus 120 kleinen 
Daniell'schen Elementen, später aus 80 Daniell'schen 
und 40 Minotto-Elementen bestehende Linienbatterie, 

— U die alle Sekunden den ührstrom herstellende 
Repsold-Ühr, — R den zur Controle benutzten Re- 
gulator auf mittlere Zeit, — U.S und T.S Uhr- 
schreiher und Tasterschreiber des Chronographen, 

— J', T" und T'" Sprechtaster, Linientaster und Lo- 
caltaster, — ß' und B" Boussolen, — M den Morse 
oder Schwarzschreiher, — Rh den Rheostaten , — 
und endlich K den Kettenwechsel. — Sollte Zürich 
^2wischenstation sein, d. h. sollten Zeichen von einer 
der beiden übrigen Stationen nach der andern gehen, 
und zugleich bei uns verstanden oder notirt werden, 
so wurde der Gleitwechsel a geschlossen und im 
Kettenwechsel entweder bei 4 und 10, oder bei 16 und 
10 ein Stift gesteckt, je nachdem das Zeichen auf Morse 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 129 

oder Chronograph erscheinen sollte ; und bei densel- 
ben Stellungen konnte auch Zürich an T nach Rigi 
und Neuenbürg- sprechen , oder an 1" Zeichen auf alle 
drei Chronographen geben. Sollte Zürich dagegen 
Endstation sein, d. h. nur mit Rigi oder nur mit 
Neuenburg verkehren, so wurde die Verbindung 4.10 
durch 4.11 oder 2.11 und die Verbindung 16.10 
durch 16.11 oder 14.11 ersetzt. Sollte endlich Zürich 
ganz ausgeschlossen werden, so wurden die Linien 
nach Rigi und Neuenburg direct an der Blitzplatte 
mit einander verbunden. — Für den ührdienst war 
bei 5 beständig ein Stift, — bei Gebrauch des Local- 
tasters T" für Uhrvergleichungen oder für Beobach- 
tungen überhaupt, welche nur auf dem Zürcher- 
Chronographen notii't werden sollten , wurde der 
Gleitwechsel nach b gebracht und, wenn je nach Ein- 
setzen einer neuen Walze in den Chronographen die 
Federnparallaxe bestimmt werden sollte, für diesen 
Moment auch noch der zweite Gleitwechsel c ge- 
schlossen. - Das vereinbarte Programm setzte fest, 
dass jeden Abend um 9 Uhr 5 Minuten , nachdem 
jeder Beobachter für sich Niveau- und Collimations- 
fehler bestimmt, mindestens einen Circumpolarstern 
behufs Ermittlung des Azimuthes, und etwa von 8 Uhr 
ab Culminationen einer Reihe verabredeter equatorealer 
Sterne beobachtet habe, die zur Verständigung über 
die gemeinschaftlichen Operationen nothwendige Cor- 
respondenz vorgenommen werde, dann abwechselnd 
jede Station während zwei Minuten constanten Strom 
und später ein bis zwei Reihen von je 61 Signalen 
(etwa Sekundenzeichen) gebe, und endlich je nach 
den Ergebnissen der Correspondenz entweder Zürich 

XIII. 2. 9 



130 Wolf, astronomische Mittheilungen. 

und Neuenbürg-, oder Neuenbürg- und Rigi ^) Sterne 
austauschen, — oder aber jede Station wieder für 
sich Sterne beobachte. — Die ersten Versuche dieses 
Programm auszuführen, hatten VI 29 statt, wobei, 
wie an allen folgenden Abenden, mein Assistent 
Herr Weilenmann die* zur Bestimmung der Instrii- 
menlalfehler nöthigen Ablesungen und Beobachtungen 
der Circumpolarsterne machte, sowie fortwährend die 
ührvergleichungen besorgte und die Signale gab, 
während ich die equatorealen Sterndurchgänge beob- 
achtete; es dauerte jedoch bis VII 4, ehe ein voll- 
ständiger Austausch von allen drei Stationen gelang, 
und auch nachher noch traten, abgesehen von der im 
Allgemeinen ungünstigen Witterung^), wiederholt Stö- 
rungen ein, — sei es in einzelnen der Apparate oder 
durch kleine Missverständnisse — sei es auf den 
Linien durch starke Ableitungen , — sei es auf ein- 
zelnen Bureaux, die der Vorschrift vollständigen 
Anschlusses durch directe Verbindung an der Blitz- 
platte nachzukommen vergassen, — einmal sogar 



^) Ursprünglich wurde der directe Stern- Austausch zwischen 
Rigi und Zürich wegen der zu geringen Längendiflferenz ausgeschlossen ; 
später ergab sich jedoch aus von mir während dem Sternaustausche 
zwischen Rigi und Neuenbürg vorgenommenen Versuchen, dass bei 
genauer Verabredung über die von Plantamour und mir zu beob- 
achtenden oder aber wegzulassenden Faden auch dieses möglich sei, 
und so wurden von VII 28 an einige Sternreihen auf allen drei 
Stationen beobachtet und auf allen drei Chronographen registrirt. 

*) Von mehreren Gewittern war eines so nahe und stark, dass 
bereits am Morse ganz hübsche Funken übersprangen; natürlich 
wurde dann aber sofort, obschon gerade Rigi und Neuenburg sehr 
lebhaft mit einander conversirten, beide Linien direct mit der Erde 
verbunden. 



Wolf, astronomische Mittlieilungen. 131 

durch miith willige Störung auf einem Zwischenbureau. 
— Die nothwendige Folge war, dass sich der Ab- 
schluss der Operation weiter hinauszog, als wir ur- 
sprünglich dachten, nainlich bis VllI 7, so dass Freund 
Piantaniour, der VI 15 auf dem Rigi eingetroffen 
war, sich bei 8 Wochen abwechselnd den Unbilden 
der Witterung und dem, durch die nur zu bekannte 
Unverschämtheit mancher Touristen noch fast ärgern 
Fremdenzuge ausgesetzt sah, — und somit begreif- 
licher Weise VIII 9 sehr ermüdet mit Universalinstru- 
ment und Registrir-Chronometer bei mir in Zürich 
eintraf, um sich nach Verabredung mit mir, und dann 
auch mit Hirsch, der VIII 11 von Neuenbürg herkam, 
nochmals zu vergleichen. Diese letzte Vergleichung 
wurde VIII 10 bewerkstelligt, indem Plantamour 
an seinem Instrumente, das an Stelle des parallaktisch- 
montirten Fernrohrs auf der Terrasse {F in Nr. 22) 
aufgestellt wurde, ganz entsprechend wie auf Rigi, 
und ich am Kern'schen Meridiankreise ganz ent- 
sprechend wie während der eigentlichen Längenbe- 
stimmung beobachtete, auch der Zeichenaustausch in 
alt-gewohnter Weise vorgenommen wurde, - VIII 11 
mit dem einzigen Unterschiede, dass Hirsch und ich 
abwechselnd bei jedem Sterne, der eine die ersten, 
der andere die letzten Faden beobachtete, — und 
endlich VllI 12 und 13 noch mit dem weitern Unter- 
schiede, dass für den Zürcher-Chronographen statt 
der Repsold'schen Uhr der Dubois'sche Chronometer 
eingeschaltet wurde und somit der Zeichenaustausch 
unterbleiben konnte. — Die Längenbestimmung Zürich- 
Rigi-Neuenburg wird, sobald die betrefl'enden Rech- 
nungen abgeschlossen sind, Gegenstand einer eigenen 



132 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 



Verzeichniss 


der abgenommenen Zeichen. 




Datum 


Sterne 
in Z 


Stern- 
tausch 


Signal- 
tausch 


Uhr- 

vergl. 


Parall- 
axe 


Summe 


1867 VI 29 


206 








121 


11 


338 


— 30 


235 


— 


359 


242 


20 


856 


VII 1 


342 


— 


281 


286 


30 


939 


— 2 


8 


— 


225 


55 


10 


298 


— 3 


> 86 


470 


244 


187 


30 


1017 


— 4 


171 


— 


366 


143 


20 


700 


— 6 


6 


— 


— 


11 


10 


27 


— 7 


30 


— 


230 


55 


10 


325 


— 8 


— 


570 


366 


172 


30 


1138 


— 9 


300 


742 


— 


286 


20 


1348 


— 10 


373 


— 


— 


220 


10 


603 


— 11 


223 


573 


413 


231 


20 


1460 


— 12 


— 


— 


353 


33 


10 


396 


— 13 


261 


146 


357 


286 


20 


1073 


— 14 


161 


— 


358 


253 


30 


802 


— 15 


57 


— 


365 


99 


20 


541 


16 


— . 


— 


366 


66 


10 


442 


— 17 


— 


83 


345 


88 


20 


536 


— 18 


509 


198 


305 


385 


20 


1417 


— 19 


175 


— 


244 


176 


20 


615 


— 20 


48 


— 


365 


HO 


20 


543 


— 21 


559 


154 


272 


374 


30 


1389 


— 22 


609 


44 


364 


407 


30 


1454 


— 23 


298 


— 


183 


187 


20 


688 


— 25 


456 


116 


305 


363 


40 


1280 


— 26 


19 


256 


— 


143 


40 


458 


— 27 







183 


33 


10 


226 


— 28 


287 


574 


183 


385 


30 


1459 


— 29 


330 


656 


183 


429 


40 


1638 


— 30 





— 


183 


33 


10 


226 


— 31 


341 


727 


183 


385 


50 


1686 


VIII 1 


— 


— 


183 


33 


10 


226 


— 2 





— 


122 


22 


10 


154 


— 3 


42 


474 


183 


231 


20 


950 


— 4 


— 


— 


183 


33 


10 


226 


— 5 


— 


— 


175 


33 


10 


218 


— 6 


— 


— 


183 


33 


10 


226 


— 7 


109 


— 


183 


154 


20 


466 


— 10 


197 


— 


244 


176 


30 


647 


— 11 


451 


— 


244 


297 


30 


1022 


— 12 


503 


— 


— 


22 


30 


555 


— 13 


314 


— 


— 


33 


20 


367 


Summa • 


7709 


5783 


5281 


7311 


891 


30975 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 133 

Publication der ireodätischen Commission werden, der 
ich in keiner Weise vorzugreifen gedeniie, mir vor- 
behaltend nachträglich einzelne Neben-Resiiltate mei- 
ner Beobachtungen mitzutheilen , welche dort keinen 
Platz finden können. Vorläufig will ich nur mittheilen, 
dass während der ganzen Operation auf dem Zürcher 
Chronographen riichl weniger als 80975 Zeichen notirt 
wurden, über deren Vertheilung nach den einzelnen 
Tagen und Kiüegorieii die beigegebene Tafel Auf- 
schluss gibt, und dass wohl in dieser grossen An- 
zahl von Zeichen, deren jedes nicht nur abzulesen, 
sondern in Rechnung zu bringen ist, ein hinlänglicher 
Grund dafür liegt, dass die definitiven Resultate etwas 
lange auf sich warten lassen. 

Die definitive Bestimmung der Polhöhe oder geo- 
graphischen Breite der neuen Sternwarte, über deren 
vorläufige Ermittlung in Nr. XXII berichtet wurde, 
ist zwar noch nicht vollendet, aber es sind wenigstens 
mehrere dafür nöthige Studien und Arbeiten theils 
durchgeführt, theils begonnen woi-den und es kann 
bereits über zwei derselben referirt werden : Die 
erste Studie bezog sich auf die möglichst rasche und 
genaue Bestimmung des Zenithpunktes mit Hülfe eines 
im Nadir aufgestellten Quecksilberhorizontes, d. h. also 
eigentlich auf die besten Reflex- und Beleuchtungsvor- 
richtungen zu diesem Zwecke, da ja die ganze Leich- 
tigkeit und Sicherheit dieser Methode davon abhängt, 
dass, sobald das Fernrohr annähernd nach dem Nadir 
gerichtet ist, auch sofort ein scharfes Spiegelbild des 
Horizontalladens sichtbar wird. Nachdem ich im Laufe 
der Jahre alle mir bekannt gewordenen Vorschläge 
über betreffende Quecksilberhorizonte und Ocularauf- 



134 



Wolf, astronomische Mittheiluiigen. 



Sätze durchprobirt hatte , entschied ich mich , als 
Quecksilberhorizont ein einfaches gläsernes, mit rei- 
nem Queciisilber gefülltes Gefäss anzuwenden, - 
auch das zur Sternbeobachtung gebrauchte Ocular 
unverändert für die Nadirbestimmung beizubehalten, 
ihm einzig behufs der Beleuchtung einen, ein schief- 
gestelltes Glimmerblättchen tragenden Ring vorzu- 
stecken, und auf dieses Blättchen das Licht einer 
seitlichen Lampe mittelst einer Sammellinse zu con- 
centriren. Ich erhielt so bei gehöriger Ausdauer ganz 
schöne Reflexbilder, musste aber natürlich jeweilen 
für Blättchen und Linse zweckmässige Stellungen 
aufsuchen, was oft eine ziemliche Zeit erforderte und 
recht mühsam war, — also natürlich zur Folge hatte, 
dass zum Schaden der Beobachtung diese Operation 
möglichst selten vorgenommen wurde. - Doch ,.Noth 
bricht Eisen", und so gelang es mir und meinem 
Assistenten, Herrn Weilenmann, nach einigen Pro- 
ben auch noch diesen Uebelstand vollständig zu be- 
seitigen und einen durch die beistehende Figur wohl 




Wolf, astronomische Mittheilungen. 135 

hinlänglich veranschaulichten Hülfsapparat zu con- 
struiren, der nach gelungener Ausführung durch 
Herrn Kern in Aarau wirklich kaum mehr etwas zu 
wünschen übrig lässt.^) Soll der Zenithpunkt bestimmt 
werden und ist hierfür das Fernrohr beiläufig nach 
dem Nadir gerichtet, so hat man nunmehr einfach den 
Aufsatzring mit dem Glimmerbliittchen auf das Ocular 
zu legen, den Linsenträger in den beständig am Rohr 
bleibenden Klemmring einzustecken und die dafür 
bestimmte Gasflamme anzuzünden, — sieht sofort das 
Bild, ja hat nur ausnahmsweise nöthig die Stellungen 
vomGlimmerhIältchen und Linse etwas zu corrigiren, — 
stellt durch einige leichte Schläge das ungeklemmte 
Fernrohr so, dass die Distanz des beweglichen Ho- 
rizontalfadens und seines Bildes durch den festen 
Horizontalfaden halbirt wird, und liest ab, — eine 
Summe von Operationen, die in wenigen Minuten, 
also zwischen den Sternbeobachtungen, so oft man 
nur will, durchzuführen ist. — Dieselbe Vorrichtung 
leistet selbstverständlich auch die besten Dienste, 
wenn man neben dem Nadirpunkte auch die Summe 



') Herr P. Tachini hat in einer Abhandlung, welche er un- 
ter dem Titel ,,L'orizonte artificiale del Cerchio Meridiano di Pa- 
lermo" in dem kürzlich erschienenen Februarheft des ,, Bulletino 
meteorologico del R. Osservatorio di Palermo" veröffentlichte, eine 
schöne Reihe von Nadirbestimmungen mitgetheilt, welche er mit 
dem Lamont'schen Oculare und dem von Lamont vorgeschlagenen 
Quecksilberhorizonte erhielt, welche er bei dieser Gelegenheit be- 
schreibt und abbildet. Ich muss aber dennoch wenigstens unsere 
Ocularvorrichtung vorziehen, da es mir gerade wesentlich erscheint 
für die Sterne und die Nadirbestimmung dasselbe Ocular brauchen 
zu können. 



136 Wolf, astronomische Mittheilungen. 

von Collimation und Neigung- am Quecksiiberhorizonte 
ablesen will, — sei es um die anderweitigen Bestim- 
mungen dieser beiden Correctionselemente zu con- 
troliren, — sei es um daraus, wie es auf der Zürcher- 
Sternwarte Uebung ist um das als schädlich erkannte 
häufige Umlegen zu vermeiden, die Collimation mit 
Hülfe der aus den Durchgangszeiten eines polaren 
Sternes und seines Spiegelbildes in einem passend 
aufgestellten Quecksilberhorizonte bestimmten Nei- 
gung förmlich abzuleiten. 

Die zweite Studie bezog sich auf die Bestimmung 
der Befraction , welche ich schon in Bern nur aus- 
nahmsweise der Bessel'schen Tafel entnahm, sondern 
gewöhnlich durch Messung der scheinbaren Zenilh- 
distanzen höherer und tieferer Sterne für jeden Beob- 
achtungsabend direct ableitete, — zuweilen sogar, 
um auch die Deciinationen nicht voraussetzen zu 
müssen, die beiden Culminationen von Circumpolar- 
sternen beobachtend. Da ich bei allen Höhenmessungen 
die Nähe des Horizontes ohnehin vermied, so konnte 
ich hiebei mit fast immer hinlänglicher Annäherung 
die Refraction der Tangente der Zenithdistanz pro- 
portional setzen ; aber dennoch kann ich es nur mit 
Freuden begrüssen und muss es als einen erheblichen 
Fortschritt ansehen, dass mein Assistent Herr Wei- 
len mann in neuester Zeit beim Studium der Bauern- 
feind'schen Entwicklungenden glücklichen GrifFmachte 
durch eine kleine, die Genauigkeit kaum wesentlich 
beeinträchtigende Veränderung eine grosse Verein- 
fachung zu erzielen, welche eine bequeme Bestim- 
mung der Refraction zu erlauben scheint, ohne ent- 
weder mein ursprüngliches Princip der directen Be- 



Wolf, astronomische Mittheilungen, 137 

rücksichtigung der örtlichen und zeitlichen Verhältnisse 
oder dann eine etwas grössere Annäherung an den 
Horizont vermeiden zu müssen. Ich lasse daher gerne 
die mir von ihm eingegebene Arbeit in extenso folgen : 
„Es ist meine üeberzeugung", schreibt Herr 
VVeilenmann, dass „Refractionstafeln, die für einen 
Ort z. B. für Königsberg gelten, nicht unmittelbar 
auch andersw^o angewandt werden dürfen, da die 
Temperaturverhältnisse ganz andere sein liönnen. 
Es muss daher von Interesse sein, die Refraction 
für jeden Ort mit nicht wesentlich mehr Mühe be- 
stimmen zu können als erforderlich ist, jene aus den 
Bessel'schen Tafeln heraus zu schreiben; und dies 
um so eher, da ja bekanntlich die Refraction mit der 
Temperatur und dem Barometerstande ändert. Um 
diese Variationen zu würdigen , bleibt uns aber bei 
Benutzung der gewöhnlichen Tafeln Nichts übrig als 
am Beobachtungsorte Barometer und Thermometer 
abzulesen und dann nach diesen durch Erfahrungs- 
correctionen die Refractionen zu verbessern. Nun 
hat freilich Bessel, dessen unermüdlicher Eifer ja 
bekannt ist, aus zahlreichen Beobachtungen, die im 
Mittel Statt habende Abhängigkeit der Refraction von 
Temperatur und Luftdruck bestimmt und in Tafeln 
gebracht. Aber abgesehen davon, dass diese Ab- 
hängigkeit nur im Mittel gilt, halte ich es für ausge- 
macht, dass die für Königsberg gültigen Correctionen 
nicht auch für andere z. B. in südlichem Breiten ge- 
legene Orte gelten. Es wäre daher, wenn wirklich 
rationell verfahren werden soll, nothwendig, dass 
auf jeder Sternwarte vor Allem besondere Refrac- 
tionstafeln entworfen und deren Abhängigkeit vom 



138 Wolf, astronomische Mittheilungen. 

Luftzustand ausgemittelt würde. Nun ist diese Arbeit 
jedenfalls zeitraubend und dann bleibt zudem noch 
immer einig^e Unsicherheit wegen der Temperatur- 
bestimmung, Wir brauchen für das Thermometer nur 
einen andern Standpunkt zu wählen , so können wir 
Differenzen erhalten die bis zwei Grade betragen 
können; ja am Tage kann dieser Unterschied sich 
noch bedeutend steigern und man weiss vollends 
nicht, soll man im Schatten oder in der Sonne ablesen. 
Diesem Uebelstande suchte man schon längst durch 
Entwicklung von Formeln, die sich den Refractionen 
möglichst anpassen, abzuhelfen. Es sind solche schon 
in Masse aufgetaucht; aber während die einen in 
grössern Zenithdistanzen nicht mehr genügen, sind die 
andern viel zu complicirt. Bessel's und Ivory's 
Ausdrücke sind nicht wohl zum praktischen Gebrauche 
anwendbar und „ a tang z " gilt nur für geringere 
Zenithdistanzen. Die verschiedenen Theorien sludirend, 
aber von Allen wenig befriedigt ihrer Weitläufigkeit 
oder dann Ungenauigkeit wegen , kam mir auch die 
in Nr. 1478 der astronomischen Nachrichten enthal- 
tene Abhandlung von Bauernfeind in die Hände. 
Sie sprach mich besonders dadurch an, dass die 
Aenderungen des Luftzustandes aus Experimenten 
abgeleitet waren; und diese Abhandlung war es, die 
mich auf eine sehr einfache und sehr genaue Formel 
führte. Ich gebe hier in Kürze seine Theorie wieder, 
um dann unmittelbar zu meinem Ausdruck überzu- 
gehen. 

„Durch Experimente fand Bauern feind folgende 
Beziehungen : Sind h und h' zwei Atmosphärenhöhen, 
^ und ^' die absoluten Temperaturen (Nullpunkt bei 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 139 

-273° Centigr.), p und />' die Drücke, q und q' die 
Dichtigkeiten und endlich k und k' zwei zu bestim- 
mende Coefficienten, so hat man: 

f=(f)"^^=(fr'=(xr. 

wobei k — 1.216 und k' = 1.028 oder genähert 
k= 1.2 u. k' = 1.0 gefunden wurde, so dass also 

^ l p ' l (. / h ' 

„Laplace hat nun bekanntlich für die Refraction 
izi{ 



folgende Dilferenzialforme! aufgestellt 



^^ I cos ^s H (2s — s^) sin -s — 2a / 1 — -^ ) 

^ Co' 

WO dr das DifTerenzial der Refraction, a" die Refrac- 
tionsconstante der Luft in Bogensekunden, a dieselbe 
Grösse in Längen, po die Dichtigkeit der Luft am Mee- 
resspiegel, Q dieselbe in der Höhe x über dem Meere 
und z die Zenithdistanz des Gestirnes bezeichnet, 

endlich s = — -, — ist, wo 7\ den Radius der Erde 

am Beobachtungsorte vorstellt. Setzen wir noch 

-r- = y und m = -;— , also my = — , 

so wird nach Bauernfeind: 

Vo \ II / Pq 

X my 

Tq 4- a; 1 -{- my ' 

somit : 



■140 Wolf, astronomische Mittheilungen. 

5a" . (1 — yY dy 

dr= z — smz '*' " 



1-" fcosh -f 2my -f niY^- 2« (1 — (1 — y)') (1 -f myy 

Den Ausdruck 

m'y" — 2a (1 — (1 — yf) {2my -\- nry') 

als sehr klein vernachlässigend und 

5 a" 
COS ^z == a , 2 m = 6 , :j sin z = q ^ y — t=i 

setzend, erhält man 

q u* d u 



dr = 



fä-\- 6(1 + tt) — 2a(l 4-^) 

Daraus folgt, da, wenn ^ von ^^ bis abnimmt, u von 
-1 bis zunimmt 



/■ u" du 

~~J fa~^b{l ^ u) - 2a (1 4- u') 
— 1 

Dieses Integral liefert keinen geschlossenen Ausdruck, 
sondern, durch Entwicklung der Wurzel, Glieder von 
der Form 



u^' du 



h 



— 1 
die sich dann integriren lassen. Die so erhaltenen 
und an obgenanntem Orte zu findenden Reihen stel- 
len, wie wir aus einer spätem Zusammenstellung 
sehen werden , die Refractionen bis zum Horizonte 
sehr schön dar; was ihnen einen grossen Vorzug vor 
den Ivory'schen und Bessel'schen Reihen gibt. Aber 
es ist auch hier der Nachtheil , dass bei grössern 
Zenithdistanzen die Convergenz geringer wird. Es 
könnte sich diese Formel daher nur zur Entwerfung 
einer Tafel eignen. Das ist's aber nicht, was zu 
wünschen ist; denn wenn man sich mit Tafeln be- 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 141 

gnügen will, so sind gewiss die BesseT sehen noch 
immer gut. Hingegen ist gewiss das von grossem 
Interesse, dass ihre Uebereinstimniung mit den Be- 
obachtungen mit ziemlicher Sicherheit auf die Wahr- 
heit der Bauernfeind 'sehen Resultate über die Con- 
stitution der Atmosphäre schliessen lassen. — Wenn 
ich nun an seinen durch Experimente erhaltenen Be- 
ziehungen zwischen Dichtigkeit, Höhe, Temperatur 
Aenderungen vornehme, so geschieht dies durchaus 
nicht, um Thatsachen zu bestreiten, sondern um, 
wie angedeutet, eine Formel zu erhalten , welche 
beinahe so leicht zu handhaben ist als die Bessel'- 
schen Tafeln, und die Refractionen bis in irgend prak- 
tisch noch brauchbare Zenithdistanzen ganz gut dar- 
stellt. Durch dieses Mittel wird sich dann leicht ent- 
scheiden lassen, ob die Refractionen nach Norden 
und Süden verschieden zu nehmen sind oder nicht. 
— Ich machte folgende Schlüsse : In der Differenzial- 
formel von Bauern feind ist (l — yf mit einem klei- 
nen Faktor, a multiplizirt. Ferner ist y zwischen den 
Grenzen und 1 zu nehmen; also bekommt auch 
(1 — yf nur Werthe zwischen und 1. Die Varia- 
tion zwischen den gleichen Grenzen habe ich aber, 
wenn ich statt (l — yf einfach (1 — ij) setze; folg- 
lich wird es auf die Richtigkeit der Formel geringen 
Einfluss haben, wenn ich setze 

p h — X . , dp , 

— = -j^=i-y, also -^ = -dy. 

„Benutzen wir dieses Resultat und den frühern 
Werth von *•, so erhalten wir aus der Laplace'- 
schen Formel : 



142 Wolf, astronomische Mittheilungen. 

a" . dy 

dr =- — :Sinz 

U""j r cos ^z -(- 2 (w — a)y -f- ni^V^ — 4 amy'' — 2 am^y^ 

Da nun m, das Verhältniss der Atmosphärenhöhe zum 
Erdradius nur klein, und ebenso «, so dürfen wir 
die Glieder 

rn^y^ — iccmy^ — 2am^y^ 
vernachlässigen, und bekommen dann 

, a" . du 

dr = sin z - , 

1 — « l^cos -'z -f 2(m — a)y^ 

WO ß, m und z bei der Integration als constant an- 
zusehen sind. Es wird also : 

1 

a" . r dy 

Sin z ' 



-f-r 



1 — a J fcos ^z + 2 (m — a)y 



Nun ist soaieich 



ß 



dy KcGs ^z + 2 (m — a) y 



Tcos ^z + 2 (m — a) y m — a 

somit 

1 

/' dy Kcos '■'z -f- 2 {m — a) — cos z ^ 
f cos h -\- 2 {m — a) y ~ m — a 



Daraus folgt die einfache Formel : 



r = — ^ '- • sm z 

1 — a m — a 



Kcos *z -j- k! (m — a) — cos z 

oder wenn wir setzen : 



SO ergibt sich 



a r COS *c + 2 V — cos z 
r = p • ■ — • sm Z. 



Wolf, astronomisclie Mittheilungen, 143 

„Diese Formel hat einen besondern Vortheil : es 
sind nämlich die Constanteii ß und y gelrennt, und y 
ist eine Grösse, die jedenfalls nur sehr geringen Aen- 
derungen unterworfen ist, da Variationen hauptsäch- 
lich von der Verschiedenheit der Atmosphärenhöhe 
abhängen. Nun ist aber m das Verhältniss der Luft- 
höhe zum Erdradius, und dieses kann offenbar nur 
um Geringes ändern, und jedenfalls wird diese Aen- 
derung von minimem Einfluss auf die Refraction sein, 
da y zudem sowol im Zähler als im Nenner vor- 
kommt. — Wir können daher, wenn für y einmal ein 
mittlerer W^erth gefunden ist, diese Grösse als un- 
veränderlich betrachten, und es wird die Refraction 
hauptsächlich von der Grösse ß abhängen. - Wir 
können folglich schreiben : 



^ „, , „, - Vcos'^z -\- 2y — cosz . 
r = ß • 2J{z), wo 2.{z) = ■ — sin z 

und ganz ähnlich wie die trigonometrischen Functio- 
nen nur von z abhängt. Es lassen sich, sowie y ge- 
geben ist, die Logarithmen der E{z) in Tafeln brin- 
gen, die dann beständig, wenigstens für Orte von 
nicht gar zu grossem Höhenunterschiede gelten. Ich 
habe nun angenommen , wenn man y so bestimme, 
dass den Bessel'schen mittlem Refractionen Genüge 
geleistet werde, so könne 2:{z) so ziemlich für alle 
Orte gleich gesetzt werde. Sollte aber diese Annahme 
nicht allen Beobachtern genügen, so ist jeder leicht 
im Stande, durch Sterne nach und nach einen mitt- 
lem Werth von y zu linden, und sodann eine Tafel 
der S nach den hier später mitgetheilten zu entwerfen. 
„Um zu sehen in wie weit obiffe gewiss einfache 



144 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 



Formel den Beobachtungen genüget, vergleiche ich 
deren Resultate »nit den ßessel'schen Tafeln, und 
zwar zunächst mit denen der mittlem Refraction und 
nachher mit denen von irgend einem andern Luft- 
zustande. — Die nachstehende Tafel enthält folgende 
Rubriken: Unters die scheinbare Zenithdistanz; unter B 
die Bessel'schen Refractionen, unter B' die Bauern- 
feind' sehen und unter W die nach meiner Formel 
berechneten. Endlich sind noch die Differenzen 
B'—B und W—B beigefügt. 



z 


B 


B' 


W 


B'-B 


W-B 


0° 


0.0" 


0.0" 


0.0" 


0.0" 


0.0" 


10 


10.2 


10.1 


10.2 


—0.1 


0.0 


20 


21.0 


20.9 


21.0 


—0.1 


0.0 


30 


33.3 


33.2 


33.3 


—Ol 


0.0 


40 


48.4 


48.2 


48.3 


—0.2 


-0.1 


45 


57.7 


57.4 


57.6 


—0.3 


-0.1 


50 


68.7 


68.4 


68.6 


—0.3 


—0.1 


55 


82.3 


81.9 


82.2 


—0.4 


—0.1 


60 


99.7 


99.3 


99.6 


-0.4 


—0.1 


65 


123.2 


122.7 


123.1 


—0.5 


-0.1 


70 


157.3 


156.7 


157.2 


-0.6 


-0.1 


75 


212.1 


211.4 


212.1 


—0.7 


0.0 


76 


227.4 


226.7 


227.4 


—0.7 


0.0 


77 


244.9 


244.1 


244.9 


—0.8 


0.0 


78 


265.0 


264.3 


265.2 


—0.7 


4-0.2 


79 


288.5 


287.7 


288.7 


—0.8 


-f0 2 


80 


316.2 


315.4 


316.5 


—0.8 


-1-0.3 


81 


349.3 


348.6 


349.8 


—0.7 


+0.5 


82 


389.6 


389.0 


390.3 


-0.6 


+0.7 


83 


439.7 


439.3 


440.4 


—0.4 


4-0.7 


84 


503.3 


503.2 


504.0 


—0.1 


+0.7 


84V2 


542.9 


541.9 


542.4 


— 1.0 


—0.5 


85 


586.5 


586.6 


586.5 


-1-0.1 


0.0 


85 72 


639.6 


638.4 


637.4 


—1.2 


-2.2 


86 


698.9 


699.4 


696.5 


^0.5 


-2.4 


87 


854.6 


858.1 


847.3 


+3.5 


—7.3 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 



145 



Dabei haben in meiner Formel die Constanten fol- 
gende Werlhe : 

log ß = 1.76138 log y = 7.3*2948- 10, also 
ß = Til.ni" a" = 57.712" a = 0.00027991 
m = 0.0024158 
Da nun m = — und im Mittel r = 859.427 Mei- 

len, so erhalten wir für die Höhe der Atmosphäre blos 

h — 2.076 geogr. Meilen. 
Diess ist offenbar eine viel zu kleine Zahl; aber 
wir können das erhaltene Resultat dadurch erklaren, 
dass es hauptsächlich die untern dichten Schichten 
sind, welche die Hefraction erzeugen, während die 
höhere ungemein verdünnte Luft nur einen unmerk- 
lichen Einfluss ausübt. — Aus der Tafel ergibt sich, 
dass die Formel bis 86 oder 87° ganz gut stimmt; 
nachher weicht sie freilich ab, und die Resultate wer- 
den zu klein ; aber ich halte das für keinen grossen Uebel- 
stand, weil nachher doch jede Genauigkeit aulhört. 
„Um die Refraction zu berechnen, oder den Werth 
von 2J in Tafeln zu bringen, 'lassen sich mit beson- 
derm Vortheii die von VVittslein entworfenen sie- 
benstelligen Gauss 'sehen und seine fünfstelligen Lo- 
garithmentafeln benutzen. Ich will dies an folgen- 
dem Beispiel zeigen. Ist nämlich z. R. die Refrac- 
tion bei 78° zu suchen, so ergibt sich folgendes 
Rechnunofsschema : 



log sin z =^ 9.99040 — 10 
log cos z = 9.31788-10 
— log 7 — 2.67052 
log a = 1.7G138 

A' = 8.68337—10 

log r 
r 

Xlll. 



2 log cos s — 8.63576—10 b 

log 2y = 7.63051—10 ;i 

A = 8.99475—10 {a—b). 

li = 0.0409180 

Ji = i B ^ 0.0204590 
2.42355 
265.2" wie wir in der Tafel verzeichnet finden. 

10 



146 Wolf, astronomische Mittheilungen. 

Die Zahlen A, B ^ A' und B' beziehen sich auf die 
entsprechenden Columnen der Gauss'schen Loga- 
rithmentafeln. 

„Unter Annahme eines constanten y würde die 
Refraction bei Meridianbeobachtungen folgendermassen 
bestimmt : 

1) Bei noch unbekannter Polhöhe. 

Man beobachtet einen hohen und einen tiefen der 
Deklination nach bekannten Stern, welche geben: 
qc = rf, + Zi + /3 . 2;, 
qp = da + -^2 + /3 . 2; 



Daraus folfjt 



/. dl — dz — (22 — zi) 



22 -2i 

2) Bei Bestimmung der Polhöhe aus Circumpolar- 
sternen, deren Deklination als unbekannt angenom- 
men, und z gegen Norden positiv gezählt wird : 

Obere Culminatioii : g? = di — 2, — ß • -Si 

Untere Culmination : (p = 180 — rfi — z/ — ß • 2J,' 

g, = 180 — d, — Z./ — ß 2:3' 

Wir erhalten hieraus : 

a ^2 -1 T^ -2 -1 

ß = 



2, 



9 = 90- - ii±^ - ß 2 

Haben wir diese Grössen , so können wir noch 
leicht dl und d. bestimmen. 

3) Kann die Polhöhe einmal als bekannt ange- 
nommen werden, so ist zur Bestimmung von ß nur 

ein tiefer, der Deklination nach gegebener, Stern 
nothweudig; denn man hat: 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 147 

somit 

ß = V — d — z 

4) Um ferner zu untersuchen, ob die Refraction 
nach Norden und Süden wesentlich verschieden sei, 
wären mir einige z. B. am Cap der guten Hoffnung 
oder in Buenos -Ayres gut bestimmte Zenitaisterne 
sehr erwünscht. Es blieb nämlich bei Entwerfung 
der jetzigen Bessel'schen Refracfionstafeln Nichts 
übrig, als Circumpolarsterne zu benutzen, und die so 
erhaltenen Correctionen einfach auf südliche Sterne 
überzutragen , während doch nach Norden ganz 
andere Temperaturverhältnisse existiren als nach 
Süden. 

„Um die Anwendung der Formel zu erleichtern, 
gebe ich die mit dem mittlem Werthe von y bestimm- 
ten £{z) in Tafeln von gleicher Ausdehnung wie in 
Bremikers Logarithmentafeln die mittleren Refrac- 
tionen vorkommen , und zwar sowol log Z:{z) als 
2{z) selbst. (Siehe Tafeln auf pag. 148—150). - 

„Obgleich man schon von vorneherein sieht, dass 
erstens nicht sehr stark ändern kann, und folglich 
für dasselbe z die Funktion 2J{z) wahrscheinlich als 
constant angesehen werden darf, wollen wir diess 
doch an einigen Beispielen prüfen. Die nachstehen- 
den Tafeln gelten streng für den mittlem Barometer- 
stand von circa 752 Millim. Nun will ich einen Ba- 
rometerstand von 710. () Millim., also den tiefsten, 
der in Bremikers Logarithmentafeln vorkommt, an- 
nehmen und die mittlere Temperatur belassen und 
die in der Tafel enthaltenen Werthe von 2J(z) benutzen. 



148 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 



Schb. 


2{ 


^) 


Schb. 


z 


[-) 


2 


Log. 


Num. 


z 




Log. 


Num. 


\° 


8.24192 


0.0174 


41° 




9.93836 


0.8677 


2 


8.54308 


0.0349 


42 




9.95362 


0.8987 


3 


8.71940 


0.0524 


43 




9.96882 


U.9307 


4 


8 84464 


0.0699 


44 




9.98398 


9638 


5 


8.94195 


0.0875 


45 




9.99912 


0.9980 


6 


9.02162 


0.1051 


46 




0.01425 


1.0334 


7 


9.08914 


0.1228 


470 


0' 


0.02941 


1.0701 


8 


9.14780 


0.1405 




20 


0.03447 


1.0826 


9 


9.19971 


0.1584 




40 


0.03953 


1.0953 


10 


9.24632 


0.1763 


48 





0.04459 


1.1081 


11 


9 28865 


0.1944 




20 


0.04965 


1.1211 


12 


9.32747 


0.2125 




40 


0.05474 


1.1343 


13 


9.36336 


0.2309 


49 





0.05980 


1.1476 


14 


9.39667 


0.2493 




20 


0.06487 


1.1611 


15 


9.42805 


0.2679 




40 


0.06996 


1.17i8 


16 


9.45750 


0.2867 


50 





0.07506 


1.1887 


17 


9.48534 


0.3057 




20 


0.08015 


1.2027 


18 


9.51178 


0.32^9 




40 


0.08528 


1.2169 


19 


9.53697 


0.3443 


51 





0.09042 


1.2315 


20 


9.56107 


0.36i0 




20 


0.095.->7 


1.2461 


21 


9.58418 


0.3839 




40 


0.10074 


1.2611 


22 


9.60641 


0.4040 


52 





0.10592 


1.2762 


23 


9.62785 


0.4245 




20 


O.UIU 


1.2916 i 


24 


9.64858 


0.4452 




40 


0.11632 


1.3071 


1 25 


9.66867 


0.4663 


53 





0.12154 


1.3229 


26 


9.68817 


0.4877 




20 


0.12678 


1.3390 1 


27 


9.70717 


0.5095 




40 


0.13205 


1.35.i3 i 


28 


9.72567 


0.5317 


54 





0.13733 


1.3719 


29 


9.74375 


0.5543 




20 


0.14263 


1.3888 


30 


9.76144 


0.5773 




40 


0.14795 


1.4059 


31 


9.77809 


0.5999 


55 





0.15338 


1.4236 


32 


9.79513 


0.6289 




20 


0.15864 


1.4409 


33 


9.81186 


0.6484 




40 


0.16413 


1.4592 


34 


9.82826 


0.673i 


56 





0.16953 


1.4775 


35 


9.84450 


0.6990 




20 


0.17497 


1.4961 


36 


9.86502 


0.7253 




40 


0.18043 


1.5151 


37 


9.87636 


0.7.i22 


57 





0.18592 


1..5313 


38 


9.89205 


0.7799 




20 


0.19144 


I.55I1O 


39 


9.90760 


0.8083 




40 


0.19698 


1..5739 


40 


9.92303 


0.8376 


58 





0.20256 


1.5943 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 



149 



Schb. 


u 


(-) 


Schb. 


2: 


(^) 


3 


Log. 


Num. 


z 


Log. 


Num. 


58° 20- 


0.20817 


1.6150 


71° 40' 


0.47507 


2.9859 


40 


0.21381 


1.6361 


72 


0.48343 


3.0439 


59 


0.21948 


1.6576 


20 


0.49194 


3.1041 


20 


0.225 1 9 


1.6795 


40 


0.50058 


3.1665 


40 


0.2309 5 


1.7019 


73 


0.50933 


3.2309 


60 


0.23671 


! .7247 


20 


0.51825 


3.2980 


20 


0.24254 


1.7 'ISO 


40 


0.52731 


3.3675 


40 


0.24839 


1.7717 


74 


0.53652 


3.4397 


61 


0.25'j29 


1.7959 


20 


0.54591 


3.5148 


20 


0.26023 


1.8206 


40 


0.55546 


3.5930 


40 


0.26621 


1.8459 


75 


0.56518 


3.6743 


62 


0.27225 


1.8718 


20 


0.57509 


3.7592 


20 


0.27832 


1.8981 


40 


0.58)20 


3.8477 


40 


0.28423 


1.9241 


76 


0.59551 


3.9401 


63 


0.29060 


1.9525 


10 


0.60075 


3.9879 


20 


0.29683 


1.9808 


20 


0.60604 


4.0368 


40 


0.30310 


2.0095 


30 


0.61137 


4.0867 


64 


0.30943 


2.0390 


40 


0.61677 


4.1378 


20 


0.31581 


2.0692 


50 


0.62224 


4.1903 


40 


0.32225 


2.1001 


77 


0.62774 


4.2436 


65 


0.32876 


2.1319 


10 


0.63332 


4.2985 


20 


0.33532 


2.1643 


20 


0.63896 


4.3547 


40 


0.34174 


2.1965 


30 


0.64466 


4.4122 


66 


0.34864 


22317 


40 


0.65044 


4.4714 


20 


0.35540 


2.2667 


50 


0.65627 


4.5318 


40 


0.36223 


2.3027 


78 


0.66217 


4.5938 


67 


0.36914 


2.3396 


10 


0.66815 


4.6574 


20 


0.37612 


2.3775 


20 


0.67420 


4.7228 


40 


0.38318 


2.4164 


30 


0.68031 


4.7897 


68 


0.39032 


2.4565 


40 


0.68651 


4.8586 


20 


0.39754 


2.4977 


50 


0.69278 


4.9292 


40 


0.40485 


2.5401 


79 


0.69914 


5.0020 


69 


0.41225 


2.5838 


10 


0.70557 


5.0766 


20 


41974 


2.6287 


20 


0.71210 


5.1535 


40 


42733 


2.6750 


30 


0,71871 


5.2325 


70 


0.43503 


2.7229 


40 


0.72540 


5.3138 


20 


0.44282 


2.7722 


50 


0.73219 


5.3975 


40 


0.45071 


2.8231 


80 


0.73906 


5.4835 


71 


0.45872 


2.8755 


10 


•0.74604 


5.5724 


20 


0.46684 


2.9298 


20 


0.75312 


5.6640 



150 



Wolf, astronomische Mittheilungen. 



Schb. 


2 


(«) 


Schb. 


2 


(^) 


z 


Log. 


Num. 


z 


Log. 


Num. 


80* 30' 


0.76030 


5.7584 


83° 50' 


0.93086 


8.5282 


40 


0.76758 


5.8557 


84 


0.94108 


8.7314 


50 


0.77497 


5.9562 


10 


0.95152 


8.9438 


81 


0.78247 


6.0600 


20 


0.96213 


9.1650 


10 


0.79009 


6.1673 


30 


0.97299 


9.3970 


20 


0.79782 


6.2780 


40 


0.98407 


9.6398 


30 


0.80568 


6.3927 


50 


0.99537 


9.8940 


40 


0.81367 


6.5113 


85 


1.00691 


10.1605 


50 


0.82136 


6.6277 


10 


1.01868 


10.4395 


82 


83000 


6.7609 


20 


1 .03075 


10.7338 


10 


0.83840 


6.8929 


30 


1.04305 


11.0416 


20 


0.84693 


7.0296 


40 


1.05561 


11.3661 


30 


0.85561 


7.1715 


5